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Full text of "Ciceros Rede Pro C. Rabirio perduellionis reo [microform]"

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WILHELM-GYMNASIUM ZU HAMBURG 



p Ciceros Rede pro C. Rabirio, 

reo 




Von 



Direktor Prof. Dr. WILHELM WEGEHAUPT 



HAMBURG 1912 

Gedruckt bei Liitcke $[ Wulff, Eines Hohen Senates, wie lucli des Jobanneums Buchdrnckern 



«2. Progr. Nr. 1056 






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Uie Rede Ciceros pro C. Rabirio perduellionis reo ist am 
aiisfuhrlichsten besprochen und nach allen Seiten gi'iindlich behandelt 
worden von Otto Schulthess in dera Programm der Thurgauischen 
Kantonscliule zu Frauenfeld vom Jahre 1891. Namentlich hat er 
sehr eingehend alle seine Vorganger') behandelt und ihre Ansichten 
dargelegt, ihnen zugestimmt oder sie abgelehnt, so da6 es, wenn 
man nicht Gesagtes noch einmal wiederholen will, unnotig ist, dieVor- 
geschichte der Frage noch einmal durchzuarbeiten. Schulthess tritt 
in seiner Arbeit ganz auf die Seite derer, die annehmen, daB die Rede 
Ciceros nicht vor den Zenturiatkomitien in einem Perduellions- 
prozefi gehalten sei, sondern daC er sie in einem spater angestrengten 
Multprozesse vor den Comitia tributa gehalten habe. Diese Ansicht 
scheint mir trotz der gewichtigen, dafiir von Schulthess vor- 
gebrachten Griinde nicht geniigend bewiesen. Bevor ich aber darauf 
eingehe, mufi ich schon mit Riicksicht auf einen TeU der Leser 
dieser Programmabhandlung erst die Vorgeschichte und den Ver- 
lauf des Prozesses des C. Rabirius erzahlen. 



') 1. Heitland,W. E. M. Tulli Ciceronis pro C. Eabirio (perduellioiiis reo) 
oratio ad Quirites. With Note, Introduction and Appendices. Cambridge 1882. 

2. Huschke, Ph. E. Der PerduellionsprozeB des C. Eabirius, Beilage II 
zu: Die Multa und das Sacramentum. Leipzig 1874. S. 512 — 532. 

3. Landgraf, Gustav. Bursians Jaliresberichte, 1883, 11. Bd. XXXV, 
S. 33—36, und 1890, II. Bd. IXL, S. 197—199. 

4. Luterbacher, Franz. Jahresberichte des philologischen Vereins zu 
Berlin, IX (1883), S. 35-39. 

5. Muller, Iwan. Bursians Jahresberichte, 1882, H. Bd. XXII, S. 241 f. 

6. Putsche, Hugo. trber das Genus indicii der Rede Ciceros pro C. Rabirio 
„perduellionis reo, oratio ad Quirites". Inauguraldiss. Jena 1881. 

7. Schmidt, Johann. Zu Ciceros Eede pro C. Eabirio perduellionis reo 
in: Zeitschrift fur osterreichische Gymnasien, Bd. XXXIX, 1888, S. 211 f. 

8. Schneider,A. Der ProzeB des C. Eabirius, betr. verfassungswidrige 
Gewalttat. Festschrift Ziirich, 1889. 

9. Wirz, Hans. Der Perduellionsprozefi des C. Rabirius in: Jahrbiicher 
fiir klassische Philologie, Bd. CXIX (1879), S. 177—201. 



Es war im Konsulatsjahre Ciceros, da6 C. Julius Caesar eine 
„komodienhaft in Szene gesetzte Anklage" gegen einen alten, fast 
unbekannten Senator, C. Rabirius, veranlafite. Im Jahre 100 war 
bekanntlich der Volkstribun L. Appulejus Satuminus, der, um das 
dritte Mal dieses Amt bekleiden zn kOnnen, seinen Gegenkandidaten 
C. Memmius hatte toten lassen, in den dadurch veranlaBten Unruhen 
getOtet worden. Der Senat hatte namlich den Konsuln durch die 
bekannte Formel : Dent operam consules, ne quid respublicadetrimenti 
capiat, die unbeschrankte VoUmacht gegeben, gegen dieVolkstribunen 
einzuschreiten. Die Anhanger der Tribunen unterlagen in den 
StraBenkampfen und zogen sich auf das Kapitol zuriick. Marius, der 
damals sein sechstes Konsulat bekleidete, griff sie an, und da er ihnen 
das Wasser abgegraben hatte, so muBten sie sich auf Gnade und 
Ungnade ergeben. Sie wurden nach der Curia Hostilia gebracht. 
Die Wut der Gegner war aber so grofi, dafi einige auf das Dach 
der Kurie stiegen und Ziegeln auf die Eingeschlossenen herabwarfen. 
Dabei wurden L. Appulejus Saturninus und neben anderen auch ein 
gewisser Labienus getotet'). Unter denen, die diese Mordtaten voll- 
fuhrt hatten, bef and sich auch C. Rabirius, und zwar soll e r gerade 
den Satuminus erschlagen haben. 

Und nun wurde 36 Jahre danach, im Jahre 63, Rabirius wegen 
dieser Ermordung auf Betreiben Caesars von dem Volkstribun 
T. Labienus, dem bekannten spateren Legaten Caesars, angeklagt. 

Hortensius und Cicero verteidigten den Angeklagten und des 
letzteren Rede ist uns eben unter dem Titel pro C. Rabirio per- 
duellionis reo ad Quirites oratio erhalten. 

Wie kam nun Caesar dazu, den ganzlich unbedeutenden, greisen 
Senator Rabirius wegen einer volle 36 Jahre zuriickliegenden Tat 
zu belangen? Nach der gewOhnlichen Annahme wollte er die Macht 
der Nobilitat zu Falle bringen und der Herrschaft des Senates 
gegeniiber die Unverletzlichkeit der Rechte des Volkes hervorheben. 
Eine etwas andere Auffassimg hat Ferrero*). Nach ihm befand 
sich Caesar in einer fatalen Lage. Seine Verbindung mit Crassus 
und ihre demokratische Agitation hatten nicht nur die Politiker der 
konservativen Partei, sondern auch die ganze Klasse der Kapitalisten 
in groBe Aufregung versetzt. Aber wenn man sich auch nicht an 
Crassus wagte, der zu reich, zu machtig und geftirchtet war, so ging 

') Liv. ep. ex libr. LXVIII. Orosius V, 7. 

') Ferrero, GroBe imd Niedergang Koms, I. Bd., S. 283 f. 



Yi^-~ rj^<!!:f^f!^;^-'xfi^~- 'i V,. 



man doch dem wenig bemittelten, A^erschrieenen und verschuldeten 
Caesar zu Leibe. Dieser hatte in der Erkenntnis, was fur einen 
Machtfaktor in jener Zeit schon die Frauen insgeheim bUdeten, 
sich in ihre Gunst gesetzt und machte ihnen den Hof und kam so, 
wenn es' auch wohl richtig ist, da6 er mit keiner anderen Frau als 
mit der des Pompeius in unerlaubten Beziehungen gestanden hat, 
in den Verdacht, ein Don Juan zu sein und mit einer Anzahl Frauen 
von Hauptern der Volkspartei ein Liebesverhaltnis zu haben. So 
wurde er bald in den Augen der Konservativen der Inbegriff aller 
modemen Liederlichkeit und Schandlichkeit, der gewissenlose Aben- 
teurer, der vor nichts zuriickschrecke, und ware es selbst der Umsturz 
der Republik. Gegen diese Angriffe mufite er sich verteidigen. 
Denn wenn wirklich Unruhen entstanden, wenn man den Senat zur 
Verhangung des Belagerungszustandes drangen konnte, so drohte 
ihm das Geschick der Gracchen und des Saturninus. Bei seiner 
blitzschnellen Auffassung, seiner ungewOhnlich scharfen Urteilskraft 
und seiner Tatkraft schien es Caesar als das beste Verteidigungs- 
mittel, wenn er seine Gegner duixh einen demagogischen Hand- 
streich in Schrecken versetzte, und so versuchte er durch einen 
politischen Prozefi, den unwissenden, miBvergniigten und von Ha6 
gegen die Vornehmen erfiillten PObel in Rom mobil zu machen^). 
Und so kam es zu der Anklage des Rabirius. Es mutet uns selt- 
sam an, dafi wegen einer 36 Jahre zuruckliegenden Tat jemand 
angeklagt werden konnte, aber das romische Recht der Republik 
kannte die Verjahrung nicht'). Die Anklage lautete auf perduellio, 
auf Hochverrat. Das scheint zunachst wunderbar, da6 die Ermordung 
des Saturninus als Hochverrat aufgefafit werden kann. Aber unter 
perduellio fallen alle Vergehen, die an oder vermittelst Offentlicher 
Gewalt begangen werden, entweder durch widen-echtliche Usur- 
pation eder durch Angriffe gegen ihre Organe, Ordmmgen und 
Rechte oder endlich durch den MiBbrauch ihres Besitzes zum Nach- 
teile des Gemeinwohls *). 

Um nun sein Vorgehen gegen Rabirius recht auffilllig zu 
machen, trug Caesar kein Bedenken, das uralte, duumvirale Per- 
duellionsverfahren wieder hervorzuholen. Es bot dies Verfahren 
jedenfalls den Vorteil, da6 eine tribunizische Interzession aus- 

') So nach Ferrero, am angefuhrten Orte. 

') Zumpt, Kriminalproze6, S. 437 f. 

^) Vergl. Otto Schulthess, a. a. 0. p. 10/11. 



— '6 — : - • . ^^; • 

geschlossen war. Es war aber dies die Emeuerung eines langst 
veralteten Verfahrens, das zum ersten Male unter Tullus Hostilius 
in Anwendung kam gegen den siegreichen Horatier, der seine um 
den getoteten Brautigam klagende Schwester niedergestoBen hatte. 
Nur ein Magistrat durfte klagen, und zwar wurden Duumviri 
als aufierordentliches SpruchkoUegium bestellt'). Wurde er von 
diesen \erurteilt, so konnte er an das Volk appellieren. Dann 
kam die Sache vor die Zenturiatkomitien. j 

Dieses Vorgehen Caesars erregte gi-o6e Streitigkeiten : ffrtovSaf 
re ovv TUQayioideiq xal (fikoveixCai d<p^ txar^Qwv neqC re tov dixafSrrjQCov , 
rwv fifv oftwc (lij avvax^tj, twv de iva xai^i^tjaij dixaiovvroiv^), d. h. 
es wurde heftig im Senate iiber die Anwendiuig des langst auBer 
Gebrauch gekommenen Perduellionsverfahrens debattiert, und als nun 
doch Caesar mit seinem Antrage durchdrang (xal ineid^ tovto did 
re Tov KaCaaqa xal 8i d).Xovc Tivdg ivCxrjae), da wurde wieder noch 
iiber den eigentlichen ProzeB lebhaft gestritten*). 

Dabei handelte es sich, wie wir aus pro Rabirio entnehmen, 
um die Beseitigung des alten Verfahrens mit dem camifex, den 
vincla, der crux, den fiageUa. Und dafi diese Grausamkeiten 
wii'klich beseitigt wurden, bringt Cicero zu dem Ausspmch § 10: 
Nam de perduellionis iudicio, quod a me sublatum esse criminari 
soles, meum crimen est, non Rabirii. Man braucht dabei nicht 
an eine Beseitigung des ganzen Perduellionsverfahrens zu denken — 
und in Wahrheit ist es ja auch nicht ganz beseitigt worden — , 
sondern man darf es auf die wesentlichen Andemngen beziehen, die 
an dem grausamen koniglichen Perduellionsverfahren vorgenommen 
wurden. Und ich meine, die Worte Ciceros im § 11 zeigen, welche 
Grausamkeiten beseitigt wurden. Da6 auch schon frilher diese 
Grausamkeiten gemildert waren, spricht Cicero selbst im § 13 aus: 
caput obnubito, arbori infelici suspendito: Quae verba, Quirites, 
iam pridem in hac republica non solum tenebris vetustatis, vemm 
etiam luce libertatis oppressa sunt. Und so verstehen wir auch 
seinen Ausmf im § 10 : Quod utinam ego aut primus aut solus ex 
hac re publica sustulisseml Es ging nun die Anklage auf per- 



') Liv. I, 26. duumviri perduellionem iudicent. si a duumviris provocavit, 
provocatione certato : Si vincent, caput obnubito, infelici arbore reste suspendito, 
verberato \el intra pomerium vel extra pomerium. 

2)DioCa8sius, Hist. Rom. LXXXVH, cp. 27. 

') I)io a. a. 0. ?rs/)t re r^s xpiaemi aui^tg auvifir/iTa'^, 



- , ^ , — 7 — • 

duellio vor sich, und es wurden die Duumviri gewahlt: C. Caesar 
und L. Caesar, der im Jahre 64 Konsul gewesen war. Sie wurden, wie 
wir aus Dio XXXVII, 27 wissen, nicht vom Volke xaTcc rd TidxQia, 
sondem vom axqaxriYoC:., vom Prator, wahrscheinlich vom Praetor 
lu-banus, emannt. Die beiden Gewahlten losten, wer von ihnen 
als Anklager und vorlaufiger Richter tatig sein soUte, und das Los 
traf den C. Caesar. Sueton, der dies berichtet, erzahlt auch, da6 
Caesar so leidenschaftlich gegen Rabirius die Verurteilung aus- 
sprach, dafi nachher vor dem Volke gerade deswegen die Frei- 
sprechung des-Rabirius erfolgte^). Aber Sueton hat iiberhaupt 
keine rechte Vorstellung von dem Perduellionsverfahren, wahrend 
der Bericht des Dio ganz genau die Sache erzahlt(Lib.XXX"\r[I,27). 
Also gegen den Spruch der Duumvirn legte Rabirius Provokation 
beim Volke ein*). Und es folgte nun die Verhandlung ia den 
Zenturiatkomitien. Da sei Gefahr gewesen, Rabirius mOchte wieder 
verurteilt werden. Da habe der Augur und Prator Q. Metellus 
Celer die rote Fahne auf dem Janiculum eingezogeu') und so das 
Ende der Versammlung herbeigefiihrt, bevor die Abstimmimg 
geschlossen war^). Es war bei den Zenturiatkomitien, bei denen 
ja das Volk in Waffen sich auBerhalb des Pomeriums versammelte, 
der Brauch, dafi auf dem Janiculum eine Wache stand, um einen 
etwaigen tTberfall der Stadt diu-ch Feinde zu melden; eine rote 
Fahne war aufgehiBt ; solange diese wehte, war keine Gefahr, sank 
sie, lOste sich die Versammlung auf. Nun war ja gewifi in jener 
Zeit von Feinden nichts mehr zu fiirchten, aber der alte Brauch, 
dafi die Fahne wehen muBte, wenn die Versammlung tagte, bestand, 
und so benutzte der Prator diesen Umstand, um den Rabirius zu 
retten. Fast stimmt diese Rettung zu der so seltsamen Inszenierung 
der Anklage. 

Soweit bin ich in der ganzen Darstellung des Verlaufes des 
Prozesses im grofien und ganzen den Ausfuhrangen von Otto 



') S u e 1 n , Divus Julius, 12. sorte iudex in reum ductus tam cupide con- 
demnavit, ut ad populum provocanti nihil aeque ac iudicii acerbitas profuerit. 

^) Dio a. a. 0. »cu if^xe fie» 6 'Pa^iptos. 

') Dio Cassius XXXVil, 27, 3 eJre«Jij fap otke aU.<ui inec&ofTd ot, ou'9' 
oTi Topd ra vevofitaiisva ij xpiatg i/ej^ovet, iveSoptoutiro, dvedpafiev iq to 'lavixoulov. 

*) Woher Schulthess p. 14e8 hat, daB dies im Einverstandnis mit dem 
Konsul Cicero geschah, ist mir ebenso unklar wie die Behauptung von M6rivale 
(Geschichte der Eomer unter dem Kaisertum, Bd. I, S. 72), es sei dies mit Ein- 
willigung Caesars geschehen. 



- 8 - ^' . j. .;., 

Schulthess gefolgt, Nun aber kommt die erste Differenz. Dio 
Cassius berichtet, nachdem er erzahlt, da6 Rabirius gerettet war : 
i^^v (ikv yccQ Tui Ja/Sti^vm xat avx^iq dixdaaa&ai, ov fiivToi xal 
^Ttot^^GEv avTo. Ist dieser Satz richtig, so hat Cicero seine Rede 
fiir Rabirius in den Zenturiatkomitien gehalten^). Schulthessp. 54 
bestreitet das; er sagt, diese Worte besagen blofi, dafi Labienus 
darauf verzichtet habe, die Komitien zum zweiten Male iiber Rabirius 
entscheiden zu lassen, schlieBen aber nicht aus, da6 ein ganz neuer 
ProzeB angestellt wurde. 

Dies begriindet er f olgendermaBen : Dio berichte blo6 von 
dem Auffalligen und besonders Interessanten des Perduellions- 
prozesses. Denn fiir den Historiker war nur die historische Bedeutung 
der ganzen Anklage, d. h. die Perduellionsklage, von Interesse, die 
Multklage dagegen trat in den Hintergrund. Wir finden bei D i o , 
der ja auch sonst und „gewi6 hier auch nach Livius gearbeitet 
hat, gelegentlich das Bestreben, da, wo eine Sache nicht mehr 
interessant erscheint, Spriinge zu machen." Wie man das aus den 
so einfachen Worten des Dio : ,.Labienus konnte noch einmal klagen, 
er tat es aber nicht", heraus interpretieren kann, wenn man sonst 
den ganzen iibrigen Bericht D i o s f iir wahrheitsgetreu halt, ist mir 
unerfindlich. 

Ahnlich verhalt es sich mit den im Titel der Rede vor- 
kommenden Worten perduellionis reo. Diese Worte soUen nach- 
traglich in den Titel hineingekommen sein. Es wird dafiir die 
Rede in Pisonera § 4 angefiihrt, wo Cicero sagt : ego in C. Rabirio, 
perduellionis reo, XL annis ante me consulem interpositam senatus 
auctoritatem contra invidiam sustinui atque defendi. Hier schUdere 
Cicero sein ganzes politisches Handeln, und da nenne er a potiori 
den Rabirius einen perduellionis reus. Und aus dieser Stelle habe 
ein alter Gelehrter unserer Rede den Titel perduellionis reo gegeben. 
Aber wenn wir in der Rede pro Rabirio § 2 lesen: Non enim 
C. Rabiiium culpa delicti, non invidia vitae, non denique veteres 

') Dafur spricbt, meine ich, auch § 11 der Rede. Quam ob rem uter noster 
tandem, Labiene, popularis est ? tune, qui civibus Romanis in contione ipsa cami- 
ficem, qui vincula adhiberi putas oportere, qui in campo Martio, comitiis 
centuriatis, auspicato in loco crucem ad civium supplicium defigi et 
constitui iubes, au ego, qui funestari contionem contagione camificii veto, qui 
sanctum campum, inviolatum corpus omnium civium Romanorum, integrum 
ius libertatis defendo servari oportereV 



_.,_,... . , — 9 — 

iustae gravesque inimicitiae civium in discrimen capitis vocaverunt, 
sed ut illud summum auxilium maiestatis atque imperii, quod nobis 
a maioribus traditum est, de re publica toUeretur, ut nihil posthac 
auctoritas senatus, nibil consulare imperium, nihil consensio bonorum 
contra pestem ac pemiciem civitatis valeret, idcirco in his rebus 
evertendis unius hominis senectus, infirmitas solitudoque tentata est, 
da meine ich, kann man die Worte der Pisoniana nicht fiir eine 
rhetorische Ubertreibimg erklaren, die nur an die heftigen Kampfe 
des Jahres 63 erinnern soU, sondern wir werden gerade auch aus 
diesen Worten den SchluB ziehen diirfen, da6 die Rede pro per- 
duellionis reo gehalten worden ist. 

Doch die Gegner haben bessere Waffen gegen die Perduellions- 
klage in der Hand als diese, 

Die Rede zerfallt in zwei sehr ungleiche Teile. Nach der 
Einleitung § 1 — 5 beklagt Cicero sich zuerst im § 6 dariiber, 
da6 T. Labienus ihm fiir die Verteidigungsrede nur eine halbe 
Stunde zugebilligt habe (meque ex comparato et constituto spatio 
defensionis in semihorae circulo coegisti). Das ist eine Haupt- 
schwierigkeit fiir die, die das Perduellionsverfahren annehmen, 
Denn es hatte C. Caesar, der Duumvir, der Anklager im Perduellions- 
prozeB sein miissen. Wenn es nach dem uralten Provokations- 
verfahren ging, gewifi — aber, wie Caesar hatte zugestehen 
miissen, daC Modifikationen an dem uralten Verfahren vorgenommen 
wurden (s. p. 6), so hatte er auch selber gar keine Lust, als Anklager 
aufzutreten. Wenn er die Anklage vertrat, war der Prozefi ein 
rein politischer, und dazu war die Person des Angeklagten zu 
unbedeutend, aber dadurch, da6 Labienus die Anklage iibemahm, 
gewann der Proze6 neben der politischen eine personliche Seite ; 
war doch bei dem Tumult, der dem Saturainus das Leben gekostet 
hatte, auch der Oheim des Labienus getotet worden (pro Rab. § 14). 
So ist nach dem Bericht des Dio (XXXVII, 26) die Klage gegen 
den Rabirius von Labienus eingebracht worden. Und so darf es 
uns nicht Wunder nehmen, da6 er auch vor den Zenturiatkomitien 
als Anklager auftritt. Aber freilich, hier kommt die zweite 
Schwierigkeit. Ist Labienus blo6 Anklager oder auch Leiter der 
Komitien, also Vorsitzender des Gerichts? 

Das letztere nimmt man gewOhnlich an, weil er Cicero in 
seiner Redezeit beschrankt habe, und das kOnne nur der Vorsitzende. 
Gesetzt, da6 dies auch fur die rOmischen Gerichtsverhandlungen 



— 10 — -'-■.■'■ M .\ ■■■^^'^ 

gilt. so wird es doch dort, wie bei uns auch, so gegangen sein, da6 
auch Antrage auf Beschrankung der Redezeit eingebracht werden 
konnten, und da6 der Anklager bei dem Vorsitzenden den Antrag 
durchgesetzt hatte, dafi Cicero, nachdem schon Hortensius eine 
lange Verteidigungsrede gehalten hatte, nur eine halbe Stunde 
Redezeit bewilligt wurde. Diese meine Auffassung scheinen die 
Worte Ciceros § 6 zu bestatigen: .... parebitur, et quod imi- 
quissimum est, accusatoris conditioni. Will man aber dies nicht 
gelten lassen — und ich mu6 sagen, da6 der folgende Satz: et 
quod miserrimum est, inimici potestati, die Auffassung, dafi Labienus 
auch der Vorsitzende des Gerichts war, zu bestatigen scheint, so 
rauB die Frage erOrtert werden, ob es mOglich gewesen sei, dafi 
Volkstribunen comitia centuriata leiteten. In seiner Abhandlung 
p. 52 bestreitet das Schulthess auf das entschiedenste, und es gibt 
einen Hauptgrund fiir ihn dafiir ab, da6, da Labienus den Vorsitz 
gefiihrt habe, nur vor Tributkomitien der Proze6 gefiihrt sei, da6 
es also keine Perduellionsklage gewesen sei, die als Kapitalklage 
vor die Zenturiatkomitien gehOrte. Doch im Anhange 3 mu6 er 
diese Auseinandersetzung zuriicknehmen. Er bespricht da die Stelle 
Liv. 43, 16, 16, aus der unzweifelhaft hervorgeht, da6 die Volks- 
tribunen schon im Jahre 169 die Leitung der Zenturiatkomitien 
bei Kapitalklagen gefiihrt haben. Denn nachdem namlich von den 
beiden Zensoren C. Claudius und Tib. Gracchus, die von einem 
Tribun perduellionis angeklagt waren, der erstere mit einer Mehr- 
heit von acht Zenturien freigesprochen war, erklarte der Volkstribun, 
da6 er darauf verzichte, die Zenturien auch iiber Tib. Gracchus 
abstimmen zu lassen ; absoluto Claudio tribunus plebis negavit se 
Gracchum morari')- 

Mommsen^) bemerkt hierzu, da die Tribunen die Komitien 
nicht selbst beriefen, sondern fiir sie der Prator, so kann hier eine 
Leihe der Auspizien stattgefunden haben, ahnlich wie sie bei den 
quastorischen Kapitalkomitien vorzukommen scheint. 

Damit also ist der Grund hinfallig, aus dem Vorsitz des 
Tribunen auf Tributkomitien und auf eine Multklage zu schlie6en. 

Es folgt dann der erste, kiirzere, nur zwei Paragraphen 
umfassende Teil der Rede, in der eine Reihe Anschuldigungen gegen 
das Vorleben des Angeklagten vom Redner kurz abgetan werden. 

') Vergl. Liv. XXVI, 3, 9. 

2) Staatsr. H, 1, S. 283, Am. 6. 



Den ersten Vorwurf , Rabirius habe sich eines Sakrilegiums ^) 
schuldig gemacht, fei-tigt er sehr leicht ab, da in der Verhandlung 
de locis religiosis ac de lucis, quos ab hoc violatos dixisti, Rabirius 
freigesprochen worden war. 

Auch der zweite Vorwurf de peculato facto aut de tabulario 
incenso kann schnell erledigt werden, denn wegen dieser Vergehen 
ist ein Verwandter des Rabirius freigesprochen worden, Rabirius 
selbst aber nicht einmal in den geringsten Verdacht gekommen; 
ipse vero Rabirius non modo in iudicium horum criminum, sed ne 
in tenuissimam quidem suspicionem verbo est umquam vocatus. 
Der dritte Vorwurf ist folgender^): Rabirius soU deii Sohn seiner 
Schwester getotet haben, um in einem Prozefi, den sein Schwager 
durchzumachen hatte, durch das Begrabnis des Sohnes einen Auf- 
schub des Urteilsspruches zu erlangen. Mit schneidendem Hohne 
fertigt Cicero diese Beschuldigung ab: Quid enim est tam veri- 
simile, quam cariorem huic sororis maritum quam sororis filium 
fuisse? atque ita cariorem, ut alter vita crudelissime privaretur, 
alteri ad prolationem iudicii biduum quaereretur? Dem nachsten 
Vorwurf de servis alienis contra legem Fabiam retentis oder de 
civibus Romanis «ontra legem Porciam verberatis aut necatis — 
Vergehen, deren er sich schuldig gemacht haben sollte, als er in 
irgendeiner amtlichen SteUung in Apulien undKampanien tatigwar — , 
begegnet Cicero mit dem Hinweis darauf, da6 aus ganz Apulien 
und Kampanien Deputationen gekommen sind, um dem Rabirius 
sein Wohlverhalten zu bezeugen. 

Es kommt der letzte Vorwurf gegen das friihere Leben des Ange- 
klagten, hunc nec suae nec alienae pudicitiae pepercisse, bei dem Cicero 
fragt, was er darauf fiir eine lange Verteidigimg sich zurechtlegen 
soUe, ja, er glaube, Labienus habe ihm deshalb nur eine halbe Stunde 
gestattet, damit er nicht mehreres iiber die Keuschheit spreche. Also 
auch hierwiederHohnundlronie, womit derRednerdie Anschuldigung 
abtut. Dazu geliOren nun dieWorte, diefiir die VerfechterderMult- 
klage von ausschlaggebender Bedeutung sind: quod est in eadem 
multae irrogatione perscriptum^). Zunachst ist der Aus- 

') pro Eab. g 7. 

') pro Kab. § 8. . 

') pro Rab. §8. Es ist gewiB nicht richtig, mit Landgraf (Bursian- 
M ii 1 1 e r , Jahresbericht usw. 59, p. 198) den Ausdruck in freierer Bedeutung als : 
Strafantrag, Anklageakte zu fassen und unter multa da» Exil zu verstehen. Auch 



— 12 - ■■■■■!>■■ ^^■•^:W. 

druck ganz ungewOhnlich. Denn irrogatio komrat nach Merguet in 
Ciceros Reden nicht weiter vor und nach Forcellini nur einmal 
noch bei Plinius^). 

Nun ware die einfachste LOsung der Schwierigkeit, wenn 
man annehraen kOiinte, daB fur die ebengenannten Vergehen der 
Anklager eine Geldstrafe, fiir die Ermordung des Satuminus das 
Exil oder den Tod beantragt hatte ; aber diesem Brauche, der bei 
uns oft genug vorkommt, widerspricht eine Stelle bei Cic. de domo 
sua, § 45 : Nam cura tam moderata iudicia populi sint a maioribus 
constituta, primus ut ne poena capitis cum pecunia coniungatur. 
Denn danach scheint es, als wenn eine Verbindung von Multklage 
und Kapitalklage unmOglich angenommen werden kOnne. 

Freilich, diese Stelle soll das Vorgehen des Clodius als 
ungesetzlich erweisen, der erst Cicero durch die Tributkomitien 
hatte verbannen lassen und dann noch es durchsetzte, da6 das 
Verraogen des Verbannten dem Staate zufiel. Hier war also die 
poena capitis mit einer multa verbunden. Wenn nun auch das 
Vorgehen des Clodius gegen Cicero ein ganz auBergewOhnliches 
war, so ist doch das eine sicher, da6 eine Strafe wie das Exil mit . 
einer VermOgensstrafe verbunden war. Und wenn wir in der Rede 
pro Balbo XVIII, 42 lesen: cum etiara accusatorem huius multa 
et poena notavit oder wie Halm liest: dignum notavit, so werden 
wir auch daraus entnehmen kOnnen, dafi eine Verbindung von multa 
und poena nicht unmOglich war. 

So diirfte fiir unseren Fall die Annahme nicht zu gewagt 
erscheinen, da6 der Anklager zwar den Antrag auf eine Geldbufie 
fiir die von ihm vorgebrachten Vergehen aus dem Vorleben des 
Angeklagten gestellt habe, daG er aber, um der Grofie des Ver- 
brechens, wegen dessen die Anklage erhoben wurde (der Totung des 
Saturainus), diesen Antrag nur stellte, um zu zeigen, da6 diese Ver- 
gehen allein schon einer Mult wert seien. Dazu wiirde auch 
der so unpersOnliche Ausdi"uck in eadera raultae irrogatione ganz 
besonders passen, denn wie er sonst iraraer den Anklager anredet, 



wenn Schneider p. 25 den Ausdruck bildlich auffaBt „auf ein und demselben BuBe- 
zettel" oder wie „in einem Aterazuge" kann ich dem nicht beistimmen. Ich 
meine, multae irrogatio kann nicht anders heifien als die Beantragung einer 
Geldstrafe. 

') P 1 i n i u s , panegjTicus 4 sub fin. Tarditatem solvendi dupli vel quadrupli 
irrogatione multare. 



v0:r:-' .: _ 13 _ ; 

wiirde Cicero auch hier wohl, wenn ein wirklicher Autrag auf eine 
Mult vorlag, ihn persOnlich angeredet haben. 

Nun ist aber unzweifelhaft, dafi der Ausdruck in eadem 
multae irrogatione nur auf das Vorhergehende bezogen werden kann; 
es kann nur heifien, da6 das Vorgehen gegen die pudicitia in der- 
selben Weise zu bestrafen sei wie die vorhergehenden Vergehen. 
Hatte Cicero diesen Anklagepunkten den nachsten und letzten, betr. 
die Ermordung des Satuminus, einfach angeschlossen, so kOnnte 
man vielleicht doch an eine Multklage glauben. Aber er macht eineu 
grofien Unterschied zwischen den ebengenannten Vergehen, die nur 
die Hilfe des Patronus verlangen und jeuer schwersten Anschul- 
digung, die die Hilfe des Konsuls verlange. Uud dieseu zweiten 
Teil behandelt er dann mit der ganzen Kraft seiner Rede, indem 
er erst iu zuudendeu Worten deu Auklager iu seiner ganzen Hohl- 
heit darstellt und dann die Anklage selbst in ihreu eiuzelneu Teileu 
beleuchtet. Fehlteu § 7 und 8 in der Rede, so wiirde kein Mensch 
auf den Gedanken gekommeu seiu, die Rede fur eine Multklage 
zu halten. Ist die Auffassung, die ich von dem Ausdruck multae 
irrogatione habe, richtig oder auch nur mOglich, so gewinut die Rede 
an Einheit, daun ist es uicht uOtig, mit Schulthess laug uud breit 
Untersuchungen auzustelleu^) iiber die Folgen einer unerschwing- 
lichen Mult, womit er alle die Wendungen Ciceros, die ein Unbe- 
fangener nur fiir eineu Kapitalprozefi fur angebracht halt, fur einen 
Multprozefi sich zurechtlegt. 

Denuweunwir lesen § 1 in hac defensione capitis, famae fortuua- 
rumque omuium C. Rabirii oder im § 5 iu tanta dimicatione capitis, 
famae fortunarumque omnium, oder ebeuda ut hodiemum diem et 
ad huius salutem conservandam et ad rem publicam constituendam 
illuxisse patiantur, oder ebenda : quoniam uno tempore vita G. Rabirii, 
hominis miserrimi atque innoceutissimi, salus reipublicae vestris 
manibus suffragiisque permittitur — so ist klar, dafi alle diese 
Wenduugen vielleicht bei einer Klage, die auf eiue unerschwiug- 
liche Mult abzielt, anwendbar sein kOunen, dafi aber vor allem es 
doch Redeweudungen sind, die, ohneVoreingenommeuheitbetrachtet, 
nur auf einen Kapitalprozefi gehen konuen. Ebeuso gezwungen 
ist die Auslegung der Stellen am Schlufi der Rede § 37: Neque 
a vobis iam bene viveudi, sed honeste morieudi facultatem petit; 

»)p.68ff. 



— 14 — 



neque tam ut domo sua fruatur, quam ne patrio sepulcro privetur, 
laborat. Nihil aliud iam vos orat atque obsecrat, nisi uti se legitimo 
funere et domestica morte privetis ; ut eum, qui pro patria nullum 
unquara mortis periculum fugit, in patria mori patiamini. 

Gewifi, eine unerschwingliche Mult konnte einen Menschen 
dahin bringen, in die Verbannung zu gehen, aber wo ist hier auch 
nur eine Andeutung davon? Auch hier sprechen diese Ausdriicke 
einfach von der Strafe der Verbannung, die dem Rabirius drohte. 

Und nun noch eins: AVenn.die Rede in einem MultprozeB 
gehalten war, wenn also der politische Prozefi fiir Rabirius abgetan 
war und nun Labienus, um ihn doch verurteilt zu sehen, ihn zum 
zweiten Male, jetzt vor den Tributkomitien, anklagte, dann Avare 
es doch sehr merkwiirdig, dafi dieser Prozefi von Cicero als ein so 
hochpolitischer behandelt wurde. 

Denn als Labienus zum ersten Male als Klager gegen Rabirius 
auftrat, tat er das auf Betreiben Caesars, wie wir oben dargelegt 
haben. Dieser wollte durch einen politischen ProzeC sich selbst 
aus unangenehmer Lage bringen. Wenn nun, nachdera dieser 
Angrift' durch den Handstreich des Metellus mifigliickt war, Labienus 
noch ein zweites Mal klagte und jetzt nicht mehr auf Leben und 
Tod, sondern auf eine Geldstrafe, ist es da wahrscheinlich, dafi 
Caesar noch hinter dieser Anklage gestanden hat? Ich glaube 
nicht, das entspricht absolut nicht der Situation, auch wohl nicht 
Caesars Charakter. Dann aber verstehen wir auch nicht, wie 
Cicero diese Multklage als einen hochpolitischen Prozefi auffassen 
konnte. So der oben p. 12 zitierte § 2, ferner § 4: post hominum 
memoriam nullam rem maiorem, magis periculosam, magis ab 
omnibus vobis providendam, neque a tribuno pleb. susceptam, neque 
a consule defensam neque ad populum Romanum esse delatam. 

Und am Schlufi der Rede § 33 : si immortalem hanc civitatem 
esse vultis, si aetenium hoc imperiura, si gloriam sempitemam 
manere, nobis a nostris cupiditatibus, a turbulentis hominibus atque 
•iiovarum rerura cupidis, ab intestinis raalis, a doraesticio consiliis 
est f avendum, und § 35 : nunc quoniam armorum suspicio nulla est, 
tela non vides, non vis, non caedes, non Capitolii atque arcis 
obsessio est, sed accusatio perniciosa, iudicium acerbum, res tota 
a tribuno pl. suscepta contra rem publicara, non vos ad arma 
vocandos esse, verum ad suffi-agia cohortandos contra oppugnationem 
vestrae maiestatis putavi. 



■. - 15 — ■:,: 

Ich meine, diese und andere Stellen zeigen, wie politisch 
dieser ProzeB war. Wenn wir aber annehmen, da6 die Klage auf 
perduellio abgetan war und nun noch eine zweite Klage auf eine 
Multa vorliegt, dann weiB ich nicht, wie man diese Ausspriiche 
Ciceros aus dem ProzeB erklaren kann. Man miifite denn alles als 
Ubertreibungen und rhetorische Phrasen bezeichnen, die fiir den 
Prozefi nichts weiter besagten. Mit solcher Auffassung kann man 
freilich alles, auch das UnmOgliche, erklaren. 

Also ich komme zum Schlufi. Selbst wenn meine Erklarung 
der multae irrogatio nur eine wahrscheinliche oder mOgliche ist — 
ein strikter Beweis dafiir ist nicht zu liefern — , so zeigt doch die 
ganze Rede in ihrer Anlage, in ihren oben zitierten Worten und 
Wendungen, dafi der Prozefi des Rabirius vor allen Dingen ein 
politischer ist, und deshalb meine ich, dafi diese Rede in einem 
Perduellionsprozefi, und zwar in dem, der vor den Zenturiatkomitien, 
an die Rabirius gegen den Spruch der Duumvirn appellierte, 
gehalten ist. 



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