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Full text of "Der Hiat bei Plautus und die lateinische Aspiration bis zum X. Jhd. nach Chr."

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OF THE 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA. 

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Class Bfe») 


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Der Hiat bei Plautus 


und 

die' lateinische Aspiration 

bis zum X. Jhd. nach Chr. 


von 


Theodor Birt 



h quotiens iuvat vocalem, 
consonans est, quotiens non 
iuvat , nota adspirationis. 

Cledonius. 


Marburg. 

N. G. Elwert’sche Verlagsbuchhandlung. 
1901 . 


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NIERAL 


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PAUot 

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Inhaltsübersicht. 


Seite 

Vorwort 1 

Einleitung 5 

A. Das H der Zeit der Republik 13 

I. Auslautendes h 13 

II. Nachconsonantisches h 15 

III. Intervokalisches echtes h schwindet 19 

IV. h scheinbar als Dehnungszeichen 21 

V. h im Inlaut vor Jot und vor i-Vocal 25 

VI. Vorconsonantisches h im Oskischen 29 

VII. h im Anlaut stets hörbar 31 

VIII. h im Anlaut = cä? 33 

IX. Stellensammlung 55 

X. Schlussfolgerungen 73 

B. Das H der römischen Kaiserzeit 92 

I. h als Gonsonant im Verse 92 

II. Orthographische und Grammatikerzeugnisse für h consonans 107 

III. Unterdrückung des anlautendenden h 122 

IV. h spurium 150 

G. Lateinisches H vom 7. bis zum 10. Jahrhundert 162 

I. Grammatikerzeugnisse 162 

II. h als Consonant im Verse 167 

IE. Austausch von h und ch in der Schrift 177 

IV. Interaspiration 182 

V. Aphärese in griechischen Wörtern und Eigennamen . . 188 

VI. h spurium ein hörbarer Hauchlaut .... ... 199 

VH. Verbreitung des b omissum 212 

VIII. Verbreitung des h spurium 246 

IX. Rückblick 264 

X. Verlust des h im Romanischen 280 


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IV 


D. Spiritus lenis in der Verskunst des Plautus 298 

I. Hiat vor ab (a), av und in 308 

II. Sonstige Fälle des späteren h spurium 318 

III. Eigennamen 328 

IV. Pronomina unter dem Versictus 330 

V. Sprechpausen 334 

VI. Mit u anlautende Pronominalformen 337 

VH. Die übrigen Belege 339 

Anhang 354 

Berichtigungen 368 

Ausgaben einiger Autoren, nach denen citirt ist 369 

Verzeicbniss der Autoren und Monumente, die kritisch besprochen sind 370 
Worterverzeichniss . . 372 


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Die Untersuchungen, die ich kürzlich über lateinischen 
Spiritus H im Rheinischen Museum geführt 1 ), haben eine 
Auffassung dieses Lautes der lateinischen Sprache ergeben, 
der die herrschenden Vorstellungen nicht entsprechen. So wie 
das R bis etwa zum Jahre 45 v. Chr. auf Inschriften nie aus- 
fallt, so hat dasselbe anlautend in den Versen nicht nur des 
Plautus, sondern der ganzen nichtdactylischen Litteratur bis hinab 
zu Terenz und Pomponius in zahlreichen Fällen als Consonant 
gestanden. Hiermit haben sich allein bei Plautus 300 — 400 Verse, 
die im Uebrigen gesund, aber des Hiates verdächtig waren, als 
hiatfrei herausgestellt. 

Nach diesem Ergebniss drängte sich mir wieder und wieder 
die Frage auf, in wie weit jetzt überhaupt noch von einem Hiat 
bei Plautus die Rede sein kann und wie die Verse zu beurtheilen 
sind, die ihn jetzt noch zeigen. Wissenschaftliche Fragen wachsen 
wie das Haupt der geköpften Hydra nach. Und so schiebe ich 
andere Arbeitspläne, die schon lange harren, wider Willen noch- 
mals vom Tische herunter, da ich empfinde, dass die Beant- 
wortung der gestellten Frage nicht nur ein Supplement, sondern 
ein Complement zu meiner Abhandlung über das H bei Plautus 
sein muss und dass ich darum dem Leser jener Abhandlung 
die folgende Untersuchung schulde. Die Zweifel, die ich dort 
(S. 86) gegen die metrisch-prosodischen Freiheiten äusserte, wie 
sie z. B. Klotz dem Plautus zugesteht, bedürfen einer Begründung, 
und diese Zweifel sollen und werden sich erst jetzt als gültig 
erweisen. Das Kapitel der Plautinischen Verslehre, das vom 
Hiatus handelt, ist auf einem anderen Boden aufzubauen: auf 
der Betrachtung des Wortanlautes. Und von diesem Boden 
und Fundament ist schon ein guter Theil gelegt in der richtigen 
Würdigung des anlautenden R. 

1) Rhein. Mus. 54 S. 40 ff u. 201 ff. 

B i rt, T h. , Der Hiat bei Plautus. \ 


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— 2 — 

Aber auch Zweifel anderer Art habe ich an jener Stelle 
geäussert (S. 223) ohne für ihre nähere Begründung Zeit und 
Raum zu finden; diese betrafen das H des Spät- und Mittel- 
lateins und der romanischen Sprachen. Das Fernste hängt mit 
dem Nächsten zusammen, wie die letzte Welle des mündenden 
Stromes mit der Quelle, aus der er geflossen ist. Der Schwund 
des H im Italienischen, Französischen und Provenpalischen kann 
sich aus der Beschaffenheit des Latein der vorchristlichen 
Zeit nicht erklären. Aber auch in der Litteratur des 3.-6. 
Jahrhunderts der Kaiserzeit zeigt sich das h von neuem lebendig, 
und das h forte des Plautus lebt in ihr gleichsam wieder auf. 
Wenn wir den Schluss, der aus dem stummen h des Romanischen 
auf das h der vorchristlichen Zeit gezogen worden ist, ablehnen, 
so haben wir nachzusehen, wie es sich in Wirklichkeit mit dem 
mittellateinischen und romanischen h des 6.— 10. Jahrhunderts 
nach Chr. verhält. 

Es versteht sich, dass ich einer so weitgreifenden Aufgabe 
nur in beschränktem Masse gerecht werden kann. Bei der Fülle 
der Schriftwerke, die uns vorliegen, kann die Geschichte eines 
Schriftzeichens wie des h nicht auf einer vollständigen Sammlung 
der Belege aufgebaut werden. Aber wie der Geologe, der die 
Bodenbeschaffenheit eines Landstriches aufdeckt, auch nicht die 
ganze Fläche umgräbt, sondern sich begnügt an etlichen Stellen 
zu bohren und in die Tiefe zu gehen, so hoffe ich, dass auch 
die Proben, die ich aus den verschiedenen Schichten der Ent- 
wicklung aushebe, ausreichen werden, die Gewohnheit der Zeiten 
deutlich zu machen. 

Dass die Romanisten diese Arbeit nicht schon vorgelegt haben, 
muss Wunder nehmen; denn sie hauptsächlich geht es an. Es 
ist ja eine bequeme Hypothese, das durchgängige Verstummen 
des h in möglichst frühe Zeit und schon in das Alterthum selbst 
hinaufzurücken und die aber- und aber-Millionen Fälle, wo es 
trotzdem geschrieben steht, für sinnlose Liebesmühe der Schreiber 
zu erklären. Nicht aber wird erklärt, wie diese Sinnlosigkeit 
zu Stande kam und so lange bestehen konnte. Wer in dieser 
Frage sicher gehen will, muss nicht scheuen in das Detail ein 
zudringen und den Schriftusus selbst genauer festzustellen; denn 
es gilt erst einmal zu wissen, was Regel und was Ausnahme war. 
Mein Zweck ist vor allem, Thatsachen vorzulegen, die bisher 


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3 


unbeachtet geblieben sind, in zweiter Linie, sie in Zusammen* 
hang zu setzen und so begreiflich zu machen. Möge man meine 
Schlussfolgerungen durch bessere ersetzen; die Thatsachen selbst 
stehen deutlich da, fordern eine Erklärung ihrer Existenz, und 
und man wird an ihnen picht stillschweigend vorübergehen können. 

Die nachfolgende Darstellung hat ein dreifaches Ergebniss. 
Dasselbe richtet sich gegen herrschende Vorstellungen in der 
lateinischen Lautlehre, in der romanischen Lautlehre und in der 
Plautuskritik. 

Die Romanisten lehren, dass das h im Gesammtgebiet des 
Romanischen „spurlos“ verschwunden sei 1 ), und erklären dies 
aus dem Latein, das schon im 3.-2. Jahrhundert vor Chr. 2 ) 
oder doch in den ersten Jahrhunderten der Kaiserzeit die Aspi- 
ration eingebüsst haben soll. Kr. Nyrop schreibt 3 ), dass h in 
der volksthümlichen Aussprache verstummt sei „des les premiers 
siecles de l’empire ; le latin vulgaire ne connaissait que les formes 
owo, ora, obere , erba Beweise, dass das Volk nur diese 
Formen kannte, werden von ihm nicht gegeben und Hessen sich 
nicht geben. 

Dies stützt sich auf die Lautlehre des Latein selbst; denn 
Corssen meinte 4 ), dass h „schon in augusteischer Zeit und früher 
ein sehr flüchtiger unsteter Laut war“ und dass es schon im 
2. Jhd. n. Chr. „in der Volkssprache vielfach nicht mehr ge- 
sprochen und gehört wurde“. Stolz 5 6 ) scheint im Allgemeinen 
zuzustimmen, enthält sich aber einer Datirung, während Lindsay 
sich von Gröber beeinflussen Hess und geradezu schreibt®): „we 
have no reason to doubt that the sound was dropped in Vulgär 
Latin as early as the middle of the third cent. B. C.“ 

Die Plautuskritik endlich beschäftigt sich unausgesetzt mit 
der Fülle der Hiate im überlieferten Text. Das häufige 
Auftreten des Spiritus asper im Hiat wahrzunehmen, lässt sie 
sich meistens nicht herbei. Namen zu nennen ist hier über- 
flüssig und ich begnüge mich jetzt, auf die Zusammenstellung 


1) So Meyer-Lübke, Grammatik der romanischen Sprachen, I S. 19. 

2) So Gröber, Archiv f. Lexikogr. I S. 214. 

3) Grammaire historique de la langue fran^aise, I (1899) S. 362. 

4) Aussprache, Vocalismus u. Betonung, I*S. 107 u. 110. 

5) Histor. Grammatik, I S. 292 ff. 

6) The latin linguage S. 53. 

1 * 


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— 4 


der herrschenden Ansichten bei Maurenbrecher „Hiatus und 
Verschleifung im alten Latein“, Leipz. 1899, S. 6 ff. zu ver- 
weisen, ein Buch, das — wie das vorliegende — die Hiatfrage 
neu zu behandeln unternimmt, doch ohne, wie ich meine, seinem 
Zwecke zu entsprechen. 

Aber auch für die Ermittelung der Natur des lateinischen 
Spiritus lenis fehlt es nicht an Jndicien, und wir werden ver- 
suchen auch seine Function im Plautinischen Verse unbefangen 
zu würdigen. 

Man wird finden, dass ich manche in meiner früheren Ab- 
handlung über denselben Gegenstand vorgetragene Ansichten 
corrigirt und stark verändert habe; im Uebrigen ist aus ihr 
Einzelnes von mir in dies Buch wörtlich aufgenommen worden. 


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Einleitung 


Es seien einige lautphysiologische Anmerkungen voraus- 
geschickt, die sich vornehmlich nur auf den Wortanlaut in den 
lebenden Sprachen, insbesondere im Deutschen beziehen. 

Soll ein Wort, das mit einem Vocale anhebt, ausgesprochen 
werden, so kann sich der Anlaut in zweierlei Weise gestalten. 
Er erscheint — um zunächst überlieferte Ausdrücke beizu- 
behalten — entweder als spiritus lenis oder als spiritus asper. 

Der spiritus lenis ist nicht geräuschlos. Es ist der „leise 
Hauch“, der jedem Vocalanlaut vorhergeht, wenn man diesen 
Yocal mit anfangs offener Stimmritze spricht. Vocal ist Ton; 
setzt man ihn plötzlich stark an, so dass der Verschluss der 
Stimmbänder rasch durchbrochen wird, so entsteht ein vor- 
schlagendes Nebengeräusch, das für den Achtsamen wohl wahr- 
nehmbar ist, wie in stark betontem „Ich“, das wir auf die 
Frage: „wer ist da?“ antworten. Man erkennt hierin den 
spiritus lenis der Griechen wie das Aleph der Semiten, das 
Hamze der Araber. 1 ) Dies bleibe auf sich beruhen. Dieser an- 
lautende spiritus ist also Consonant, Verschlusslaut, speciell 
Kehllaut, aber stimmlos. 2 ) Wir erkennen ihn vornehmlich den- 
jenigen Sprachen zu, die den Hiat zulassen; weniger also dem 
Französischen, das in Vor so gut Verschleifung zeigt wie in 
Vhomme und das les amis y heutzutage sogar les haricots mit 
Ueberziehung des s in den Anlaut der zweiten Silbe zu einer 
Worteinheit verbindet; wohl dagegen dem Deutschen. Denn 
in der neueren deutschen Poesie werden Hiate wie „Was man 
von der Minute ausgeschlagen,“ „Der ihn setze an das ge- 


1) Vgl. hierzu E. Brücke, Grundriss der Physiologie der Sprachlaute, 
2. Aufl., S. 11 und E. Sievers Grundzüge der Phonetik, 4. Aufl., S. 140. 

2) Vgl. W. Vietor, Elemente der Phonetik u, Orthoepie, Kap. 1. 


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— 6 


wünschte Land“ (Bürgschaft 7,5) „Schnell die äolische Harfe 
erzittert“ (Würde d. Fr. 3,10) „Das Lächeln blühte auf der Wange“ 
(Künstler 14,12) vom Durchschnittsleser nicht empfunden; 1 * * * * ) dies 
erklärt sich z. Th. aus der Beschaffenheit des Auslauts (des ton- 
losen e\ z. Th. aber gewiss auch aus der des Anlauts an der 
Hiatstelle. Nur bei Encliticis ist hingegen Verschleifung erforder- 
lich, wie in „steh’ ich“ und „geh’ ich“ („da steh’ ich schon auf 
deiner finstren Brücke 41 ), d. h. hier hat sich aus zwei Wörtern 
eine Worteinheit hergestellt. So ist in „Guten Abend“ nach 
der gemeinen Sprechweise das n zum Anlaut der dritten Silbe 
geworden und der Verschlusslallt schwindet; ebenso entbehren 
aber auch sonst vokalisch anlautende Silben im Wortinnern 
(grossartig, Gutachten) des hier besprochenen Geräusches. Das- 
selbe ist besonders deutlich zu hören im Flüstertöne der vox 
clandestina. 

Dieser Spiritus lenis ist in der Sprachgeschichte dem Wandel 
nur in geringem Masse ausgesetzt gewesen. Die Zahl acht 
lautet im Deutschen an wie im Gotischen ahtau, im skt. ashtau , 
im gr. oxrco, im altirischen od (ocht) ; lateinisches und deutsches 
in, griechisch er, lag schon ursprachlich mit diesem Anlaut vor, 
u. s. w. Nur bisweilen ist er der Erbe früherer festerer Con- 
sonanzen, wie ständig im Griechisch-äolischen, wo er den aus 
Jot oder Sigma hervorgegangenen Spiritus asper verdrängt hat; 
vgl. ausserdem etwa rjfictQ neben attisch oft r} t uega; 2rog 

neben irog zu vetus ; lat. anser aus chanser bisweilen 

oder nicht selten ist er selbst in den Spiritus asper überführt 
worden, wie in griechisch zu unda , l'nnog zu equus; lat. 

Herebus f. Erebus, helefas f. elephas. 

Vom spiritus lenis unterscheidet sich nun der aspirirte An- 
laut, und zwar in seinen zwei Gattungen, folgendermassen. Das 
Ansetzen des tönenden Vocals erfordert vollständige Oeffnung 
des Stimmritzenverschlusses. Die plötzliche und vollständige 
Oeffnung und Durchbrechung dieses Verschlusses ergab den 
lenis; wird dieser Verschluss dagegen vor dem Ansätze des 

1) Freilich schrieb Humboldt an Schiller über die Worte „Welle ent- 

führt“: Dieser Hiatus hat mich gewundert; aber da das Stück von Ihrer 

eigenen Hand geschrieben ist, habe ich nicht gewagt „Well 9 entführt* zu 

setzen. Schiller Hess dann wirklich „Weil 9 entführt“ drucken. S. Helling, 

die Metrik Schillert, S. 116. 


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7 


Vocales erst nur halb geöffnet, so ergiebt diese voraufgehende, 
massige Verengung der Stimmritze das deutsche A, arabisch 
Das A ist also gleichfalls Consonant, „Laut mit Enge“ oder 
Reibelaut, es ist Kehllaut und ist so stimmlos wie spiritus lenis. 

Diesem A folgt alsdann der Vocalton selbst, indem die 
Stimmbänder ganz auseinander treten, unmittelbar und ohne 
weiteres Zwischengeräusch nach. 

Kommt überdies und gleichzeitig zu der Verengung der 
Stimmritze noch eine Verengung des Kehlkopfausganges hinzu, 
so entsteht endlich das starke A der Araber gewöhnlich Hha 
benannt. Dieses Hha ist dabei immer noch von spirantischem 
ch wesentlich und artverschieden. 

Von diesem A unterscheiden wir endlich noch den gehauchten 
Vocal im Anlaut, der im griechischen Vocal mit Spiritus asper 
Vorgelegen zu haben scheint. Hier verengt sich zwar die Stimm- 
ritze beim Einsetzen des Vocaltons gleichfalls, aber die Spalt- 
öffnung bleibt auf ihrem Verengungsgrade stehen, sodass beim 
Tönen der Stimmbänder selbst der Hauch noch mit fortdauert. 
Die Aspiration setzt also nicht früher als der Vocalton ein und 
währt ungefähr so lange wie der Vocal selber. Dies A ist also 
kein selbständiger Laut. Wird diese Aussprache dem Griechischen 
mit Recht vindicirt, 1 ) so werden wir uns um so mehr ver- 
pflichtet sehen, die griechische Aspiration mit der lateinischen, 
die es zu untersuchen gilt, nicht zu vermischen. Jedenfalls aber 
ist der Nichtgrieche nicht im Stande gewesen, seinen Consonanten 
A von diesem griechischen gehauchten Vocal zu sondern und 
deutlich zu unterscheiden. Denn Ulfilas setzte sein A unter- 
schiedslos auch da ein, wo er den griechischen asper auszudrücken 
hatte: vgl. got. Haibraius , hairaisis , Herodias , Hymainaius , 
hyssopo . So gewiss nun das gotische A mit dem griechischen 
nichts gemein hatte und für uns als Consonant gilt, so wenig 
kann aus den altüblichen lateinischen Transcriptionen wie 
Hercules , hemina u. a. gefolgert werden, dass der Römer sein A 
mit dem griechischen damals genau identisch fühlte. Bei 
Uebernahme von Lehnworten genügt eben eine nur annähernde 
Gleichung der heimischen und fremdländischen Lautwerthe. 

1) E. Seelmann Die Aussprache des Latein S. 262; A. Paul Ueber 
yokalische Aspiration und reinen Vokaleinsatz, Hamburg 1888, S. 16. Ab- 
lehnend Gust. Meyer, Griech. Grammatik, 3. AufL S, 322. 


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— 8 — 

Die richtige griechische Aspiration zn imitiren wird dem Goten 
ebensowenig möglich gewesen sein wie dem alten Italiker, etwa so 
wie der naturwüchsige Deutsche es nur annähernd fertig bringt, 
die französische Nasalirung der Vocale in seinem Idiom getreu 
nachzuahmen. 

Die naive Betrachtung rechnet den sp. lenis in Verkennung 
seiner Natur gar nicht, das deutsche h nur bis zu einem gewissen 
Grade zu den Consonanten. Dass in der griechischen Poesie 
auslautender Vocal vqr dem asper nicht besteht, ist für seine 
Natur bezeichnend. Dieser Auffassung aber ist die lateinische 
Kunstpoesie gefolgt, während im deutschen Verse nicht dasselbe 
gilt. In Sätzen wie „Es schwebt eine Brücke | hoch über 
den Rand“ (Berglied), „Ueber sich die steile | Höhe“ und „Raum 
für alle | hat die Erde“ (Alpenjäger), „Und der Lebende | hat 
Recht“ (An die Freunde) wird auch der Subtilere einen Hiat 
nicht empfinden. 

Die volle Funktion des Consonanten findet sich dagegen 
erst ein, wenn zu jener Verengung der Stimmritze, die das h 
erzeugt, eine Artikulirung des Luftstroms im Munde hinzukommt, 
indem die Zunge sich zum Gaumen hebt. Es gilt hier an dritter 
Stelle noch die Natur des Ichlautes und des Achlautes, 
der sich sprachgeschichtlich mit dem h so oft ausgetauscht hat, 
zu betrachten. Da das Zeichen % im Griechischen die aspirirte 
Tenuis bedeutet hat, so verwende ich zur Bezeichnung des 
Lautes, der jetzt in Frage steht, nicht dieses irreführende Zeichen, 
sondern die Bezeichnung ch. Der spirantische Laut im deutschen 
„Ich“ entsteht durch Anlegung der Zunge an den vorderen 
(harten) Gaumen; derjenige im deutschen „Ach“ durch Anlegung 
der Zunge an den hinteren (weichen) Gaumen. Beide Nüancen 
lassen, je nach der Stellung der Zunge, noch weiter eine grosse 
Mannigfaltigkeit zu. 1 ) So ist z. B. der Ach-laut der Schweizer 
dunkler als der der Norddeutschen : er wird noch mehr am 
hinteren Gaumen erzeugt. Diese Mannigfaltigkeit und Verschieb- 
barkeit des ch ist aber für uns von besonderer Wichtigkeit, da 
sie uns das Verständniss mancher auffälliger Thatsachen, ich 
meine des Durcheinandergehens der Schreibungen des ch und h 
im Latein der Kaiserzeit und ähnliches wesentlich erleichtern 


# 1) Sievers S. 61 f.; 124; 140. 


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— 9 


wird. Im Russischen und Polnischen wird, nach Sievers, der 
Ach-laut gleichfalls am hinteren Gaumen lautirt, er unterscheidet 
sich vor allem aber vom deutschen ch durch eine auffallende 
Schwäche des Reibegeräusches. „Im Anlaut klingt russisches 
ch oft geradezu wie ein recht energisches h“; es ist 
„ein Ach-laut mit loser Annäherung der Organe“ 1 2 3 ); 
Joh. Storm bestätigt diese Auffassung. 8 ) Es ergiebt sich, dass 
der aus $h hervorgegangene Spiritus h im Latein gleichfalls eine 
Laut-Reduktion war, die der Sprechträgheit, der geringeren 
Annäherung der Zunge an den Gaumen verdankt wird. Das h 
unterscheidet sich vom ch eben dadurch, dass jenes ohne, dieses 
mit Articulation der Organe des Mundes aus dem Kehlkopf 
hervorgeht. Liegt die Zunge still und unterbleibt die Artikulation, 
so bleibt eben nur das Reibegeräusch des spiritus asper übrig. 
Das auf diesem Wege entstandene lateinische h wird aber alsdann 
zunächst wie im Russischen und Polnischen ein „energisches 
A“ sein müssen. 

Aber auch das Toskanische lässt sich trefflich vergleichen, 
das auf dem altitalischen Boden nachträglich unechtes h erzeugt 
hat. Für la casa wird hier la chasa, für dico wird dicho, chorna 
für corna gesprochen; dies ch gleicht aber in der wirklichen 
Aussprache vielmehr einfachem deutschen A. 8 ) Die Analogie 
liegt auf der Hand : der Toskaner spricht horna f. corna wie der 
alte Römer holus für kholus, wie wiederum der Germane Horn f. körn. 

Es ist nun merkwürdig, dass dieses A, das sich als Vor- 
schlag der Vocale organisch und naturgemäss zu erzeugen 
scheint, doch etymologisch betrachtet innerhalb der Sprachgebiete, 
die uns hier näher angehen, unecht und aus andersartigen 
Anlautsgeräuschen bald durch Schwächung, bald durch Ver- 
stärkung entstanden ist. 

Der spiritus lenis ging öfter spontan in den asper über, 
d. h. der stumme Verschlusslaut in den stummen Reibelaut, wie 
in griech. vdcog (zu unda) , Vnnog (zu equus) , lat. Herebus f. 
Erebus u. a. Welche Gesetze hier walteten, darüber später. 

1) Sievers S. 124. 

2) ' Englische Philologie 1 S. 73: das polnische und russische ch liegt 
zwischen deutschem ch und h ; es ist ein mit loser Annäherung der Organe 
gebildeter Ach-laut. 

3) S. Storm a. a. 0. S. 73. 


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— 10 — 


Im Altgrichischen ist der asper ausserdem der Vertreter 
und Erbe des Digamma, vgl. dvddvi », Sari'a; des Sigma, vgl. 
vc ( sus ), dpa (samt ) , Zqtiü) ( serpo ); des Jot, vgl. oc (sk .jas), 
fjTTctQ ( ’iecur ), doga (ahd. jdr ) u. s. f.; nie aber Erbe des %. 

Anders das h des Lateinischen und des Germanischen. In 
diesen beiden Gebieten ist der Kehllaut h gleicherweise vielmehr 
der Abkomme derjenigen volleren Consonanten und Kehllaute, 
die wir hier, altem Gebrauche folgend, speciell als Gutturale 
bezeichnen. Wenigstens gilt dies für die meisten einschlägigen 
Wörter. Deutsch aus der Tenuis : Hers zu cor(d): Hals zu 
collum, Hahn zu canere, Horn zu cornu, ahd. hwer zu quis, 
gotisch hveila zu quies; Lohe zu lucere, u. s. f.; lateinisch aus 
der Aspirata: hortus zu ^dproc, heri zu holus zu x^-oy, 

haruspex zu x o Q$y u. s. f. 

Eine Thatsache, die bedeutsam ist. Wir leiten von ihr 
schon hier das Recht ab, im Verfolg zum näheren Verständniss 
des lateinischen h nicht den griechischen Spiritus asper, dessen 
Provenienz eben eine andere war, sondern das germanische h 
zu vergleichen. Denn die Herkunft eines Lautes wird hier wie 
dort auch nach seiner Metamorphose irgendwie in seinem Wesen 
nachgewirkt haben. 

Erst das Neugriechische bringt eine Analogie; im Dialekt 
der Terra d’Otranto ist dies h endlich wirklich für altes x ein- 
gedrungen und es heisst haläzi statt x a ^C i0), i hrono statt 
XQorog , ehi statt 

Was endlich den Schriftausdruck des spiritus asper anbe- 
trifft, so ist vom Semitischen auszugehen, umsomehr, da auch 
das Semitische, vornehmlich mit seinen Eigennamen, auf den 
Wortschatz und somit auf das Schriftwesen der Griechen und 
Römer einigen Einfluss ausgeübt hat. 

Das Phönikische (und Hebräische) hat sein Cheth , aus 
dem der Grieche sein H, d. h. ursprünglich nicht Eta, sondern 
Heta, entlehnte ; daneben das He, das gleichfalls im Griechichen 
vielmehr zum Vokalzeichnen (e) geworden ist; endlich das 
Aleph, griechischer Vocal a. Cheth kam unserem ch , He 
unserem deutschen h , Aleph etwa dem Spiritus lenis gleich. 


1) S. Ascoli, Vorlesungen über Lautlehre des Sanskrit, Griech. und 
Lat., Halle 1872, S. 135. 


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— 11 — 


Die Griechen waren zunächst um Vokalzeichen verlegen 
und verwendeten, wie phön. Aleph für or, Jod für /, Ain für o, 
He für *, so auch Cheth für ihren Vocal % das ist Heta. 
Daneben behielten sie aber — mit Absehung der Jonier — 
dieses Heta in den älteren Zeiten auch für die Schreibung des 
Spiritus asper bei ; so im Altattischen ; die Tarentiner und 
Herakleoten halbirten das Zeichen H und setzten regelmässig JF , 
wo sie den asper. hörten. Für aspirirtes th war von vornherein 
das Teth 0 in Anspruch genommen worden; für Ich und ph 
hatte man entweder die Tenues eingesetzt (Kreta) oder zu der 
Schreibung K B und TB gegriffen (Thera, Melos), bis die 
Zeichen <J> und X (neben letzterem auch 9 1 ) aufkamen. Das 
jonische Alphabet, das schliesslich das allgemeingültige wurde 
und in Attika im Jahre 403 auf 402 officielle Geltung erhielt, 
verhalf dem <J> und X endgültig zum Siege, es setzte ferner die 
vokalische Geltung des H — r\ durch, sodass der Spiritus asper 
im Anlaut und intervokalisch im Wortinnern, obschon man ihn 
noch Jahrhunderte lang hörte, hinfort in der Schrift unaus- 
gedrückt blieb. 

Das Italische und so auch das Lateinische, unbeeinflusst 
durch das Schriftwesen der Jonier, übernahm das H von 
Anfang an als das Ausdruckszeichen des fi. Dass die Duenos- 
inschrift kein h darbietet, ist Zufall. Wohl aber steht jenes 
fhefhdked auf der Fibula des Manios, und die neugefundene 
Stele des Forums bietet es dreimal im Anlaut : hoi . ., hap . . 
und havelod . Die älteste Form ist B; ihr entspricht die 
Schreibung im Etruskischen und Oskischen; das Umbrische 
rundet sie aus. Lateinisches H nimmt dann in Capital-Hand- 
schriften des 5 Jhds. gelegentlich die Form des K (K) an, 
die hier und da zu Verwechselungen führen konnte. 1 ) 

Das Germanische endlich entlehnte sein Alphabet von 
Griechen und Römern. Ulfilas zunächst begnügte sich nicht bei 
dem griechischen Verfahren, den asper unausgedrückt zu lassen. 
Die beiden classischen Alphabete mussten sich aushelfen, um 
die eigenartigen Laute des Gotischen zum Ausdruck zu bringen ; 
das griechisch T war g ; lateinisch g (6?) wurde von Ulfilas für J 


1) Daher lesen wir Icarus statt Harus, Bährens poet. 1. min. III p. 
169 n. 28 ; totic statt huic Lukrez II 934. 


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- 12 — 


verwendet; h wurde für n, n dagegen für «, griechisch Y 
für v verwendet; lat. u für kv (= q)\ ähnlich 0 für hv. 
So nun auch griech. X für ch . Endlich blieb für den einfachen 
Ä-Laut das lateinische h zur Verfügung. 

Stand, wie oben gesagt, der gotische Kehllaut h durch seine 
Herkunft dem lat. h näher als dem griechischen Spiritus, so ist 
es nicht bedeutungslos, dass auch das lateinische Zeichen h schon 
durch Ulfilas in ungefähr dem gleichen Lautwerthe zu den 
Germanen weiter ging. So haben dann auch weiterhin das 
Fränkische und die sonstigen deutschen Sprachstämme nicht 
Anstand genommen, ihren A-Laut mit eben diesem lateinischen 
Schriftzeichen wiederzugeben. 


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A. Das h der Zeit der Republik. 


Um das echte U des älteren Römers, das U der Republik, 
kennen zu lernen, dürfen wir nicht die Zeugnisse der lateinischen 
Grammatici benutzen, da diese erst mit dem Ende der Republik 
einsetzen. 

Zudem sind die Zeugnisse der Grammatici latini für die 
Lautlehre in allen Fällen mit Vorsicht zu benutzen; denn sie 
sind von der griechischen Lehre und vom griechischen Lautsystem 
vollständig abhängig, gehen stets vom Griechischen aus und 
suchen ihm das Lateinische zu gleichen. Dass dabei Ueber- 
tragungen von Wesensbestimmungen stattfinden konnten und 
mussten, sieht jeder ein und ist von mir bei meiner Behandlung 
des lat. Jot und des sog. Diphtongen au = av ausgiebig gezeigt 
worden. Wer die Testimonia aus Keil unbesehen zu Grunde 
legt, steht auf einem kindlichen Standpunkte, der nicht zur 
Einsicht führt. Anstatt jene Testimonia von Lehrbuch zu Lehr- 
buch weiter zu schleppen, sollte man die Grammatici lesen. 

Diese Lesung der Grammatici giebt alsdann nur Aufschluss 
über das h der Kaiserzeit. Ein späterer Abschnitt soll zeigen, 
wie gut ihre Zeugnisse, recht verstanden, mit allem, was sich 
uns sonst ergiebt, überein kommen. 

Wir haben also vielmehr mit orthographischen Beobachtungen 
und grammatischen Erwägungen anzuheben. 

Dabei gilt es von vornherein, das anlautende H von dem 
inlautenden und auslautenden abzusondern. 

I. Auslautendes h. 

Zunächst das auslautende h. Priscian II K. 48, 22 leugnet 
seine Existenz und führt als Ausnahme zu diesem Satze nur 
vah und ah an (vgl. auch ib. 19, 26). Dieses ah kennen schon 
Terentius Scaurus VII K. 23 und Velius Longus VII K. 52 fin. und 
setzen dabei einen wirklichen Hauch am Silbenschluss voraus. Das 


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14 — 


eigentlich Correkte aber war, wie Priscian hervorhebt, vaha und 
aha zu schreiben. Wir werden dies vaha und aha für das 
ältere anzusehen haben. ') Dazu kommt dann noch die Exclamation 
oh, die in der Handschriftentradition der Komiker häufig neben 
o und von ihm unterschieden erscheint, hinzu; 2 ) selten taucht 
dafür die Schreibung oho auf, die dem aha entspricht; sie steht 
Plaut. Pseud. 988 in P, Ter. Adelph. 726 im Bembinus; ihre 
einsilbige Aussprache ist sicher. In der Exclamation pro (pro 
Juppiter) stellte sich dagegen finales h erst im Mittelalter ein; 
das proh CIL. XI 3273 ist verdächtig. 

Ueber die Aussprache des vaha, aha rede ich hernach. Die 
Schreibungen ah, vah und oh aber sind gleichfalls lautlich wohl- 
berechtigt. Sie setzen eine stossende Aussprache voraus. Denn 
man unterscheidet leisen und gehauchten Vocal- Absatz. 8 ) Tönt der 
Vocal kräftig und ihm wird durch plötzliches Absetzen, d. i. 
durch plötzlich eintretenden Verschluss, ein Ende gemacht, die 
Exspiration aber dauert noch eine kurze Weile fort, so entsteht 
eben ein hauchender Absatz, finales h, der Visarga des Sanskrit, 
den wir im Deutschen etwa hören, wenn wir jemandem einen 
Gegenstand einhändigen und ein befehlendes da (d. i. däh!) 
dazu sprechen, oder wenn wir in der Rathlosigkeit ein vor- 
liegendes ja l (d. i. jäh) hervorstossen. Augenscheinlich ist dieser 
Hauch, dessen Stärke in den einzelnen Fällen sehr variiren kann, 
bei den Römern stets gehört worden. Denn der Ausgang des 
Alterthums hat den Auslaut des ah und vah in der Schrift zum 
$h verstärkt. Bei Martianus Capella S. 36, 23 ed. Eyss. steht 
ac für ah] und dem entsprechen genau die Schreibungen bei 
Plautus ach Merc. 155 (C); ahc Asin. 38 (B D); hac Trin. 
681 (CD); vach Most. 643 (D), Persa 107 (D), Pseud. 208 
(D), v ahc Pseud. 208 (C), Asin. 461 (BDE). 4 ) Das Schrift- 
bild hc für ch wird uns noch öfters begegnen ; es deutet geradezu 
auf Verdoppelung des Consonanten. Jeder sieht, dass diese Ver- 
stärkung des Schriftausdruckes mit der in michi, mici für mihi, 


1) S. Richter in Studemund’s Studien I S. 393 ff. 

2) S. Richter a. a. 0. S. 600. 

3) Sievers a. a. 0. S. 141. 

4) Richter S. 397 findet diese Schreibungen nullius momenti. Wenn 
man dagegen bei Catull 22,16 umgekehrt ha für ac liest, so ist hier das 
c ausgefallen; denn man sprach thatsächlich hac für ac; s. unten. 


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— 15 — 


nichil für nihil parallel lief. In einer comoedia elegiaca finde 
ich proch maxime Iupiter (cod. Parisin. 8207 saec. XIV fol. 32 r ); 
daher die späten Messungen, im Iobus des Lorichius 1 ) v. 85 
u. 856 

Ach esse tarn spreturo genus mortalium 

Och Elipha, incusas miserum atque innöxium 
und in der Iosephi comoedia des Aegidius Hunnius 3 ) v. 1439: 

Ut empti nunquam pöeniteat. Vah | üt probe. 

Hieran schliesst sich endlich eine merkwürdige Notiz, die 
wir dem M. Plotius Sacerdos VI K. 451,8 verdanken. Dieser 
Autor notirt als Barbarismus, wenn man ohminem statt hominem 
spreche (si dicas): eine Mittheilung, die ebenso kurz wie viel- 
sagend ist. Sie beweist erstlich, dass der Idiotismus ohminem 
thatsächlich vorkam, zweitens, dass h auch am Silbenschluss in 
der Weise gesprochen werden konnte, dass man es hörte. Denn 
es muss für das Ohr ein Unterschied gewesen sein, ob man für 
homo einfach mit Aphärese omo (dies wird sonst erwähnt) oder 
ob man ohmo mit Metathese sprach ; drittens beweist diese Mit- 
theilung, dass das h eben auch im Anlaut noch hörbar war; 
denn sonst war eine solche Metathesis unmöglich. 

Ein noch späteres Zeugniss giebt der Cod. Sessorianus 
des Augustinus, saec. VII— VIII, mit der Schreibung vehmens , 
Confess. p. 202, 23, die sich zu vehemens genau so verhält wie 
ah zu aha . Ebenso steht nihl carm. epigraph. 980 neben nihil 
(wie eins für cinis ibid. 395). 

II. Nachconsonantisches h. 

Fragen wir nach dem h im Inlaut, so ist es rathsam, zuerst 
das nachconsonatische h der sog. Aspiraten abzuthun. 

Als Singularität steht da für sich jenes FHE FHAKED 
der Manios-Fibel, CIL. XIV 4123; denn ein fh oder vh kennt die 
spätere Zeit fast garnicht : ich finde nur vereinzeltes fhecit und 
Fhelix CIL. XIV 3765, wo daneben bixit für vixit steht; oder 
ein philosofhorum in Augustin’s Confessionen p. 171, 12 cod. 
Sessor. Das fhefhaked des Manios gehört etwa ins 6. (?) Jhd. 


1) ed. Ed. Schröder, Marburg 1897. 

2) pars I ed. Schröder Marburg 1898. In diesen Dramen sind Hiate 
ausgeschlossen. Dieser poeta schreibt auch isthac für istac, v. 1493 u. 
1575, abhängig von der Etymologie, die uns Priscian überliefert. 


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— 16 — 


vor Chr. und liegt um drei bis vier Jahrhunderte den sonstigen 
Schriftmonumenten voraus. Zur Erklärung trägt die Etymologie 
des Verbum facere wenig aus; mehr die Beobachtung, dass 
einerseits bei den Etruskern Schreibungen mit F und V durch- 
einander gehen und dass in solchen Fällen zum V ein H hinzu- 
tritt: so steht ein Vhdmi neben Felmui u. a. (s. Rh. Mus. 
51, 76 f.); andererseits, dass wir im Griechischen gelegentlich 
entsprechendes Fhsxadapoe finden; s. H. Röhl inscr. gr. anti- 
quiss. n. 131 (Tanagra). Wir sind hiernach gehalten auf jener 
Fibula das F für Digamma oder v zu nehmen. Das wird in 
letzter Instanz durch die Bemerkung des Velins Longus S. 58, 
17 ff. bestätigt, der mittheilt, dass nach jedem v wie in primi - 
tivus leicht ein Spiritus h sich einstelle: sonqt (sc. v) cum 
aliqua aspiratione ut in valente et primitivo .... sed etiam in eo 
quod est qvis . Gleichwohl entschloss man sich nicht, dies ä, 
das man wahrnahm, auch zu schreiben. Jenes vhevhaked ergiebt 
also den Verbalstamm vhaJc; er ist erst später zu fac geworden. 
Für die Entstehung des f im Latein setze ich demnach an, dass 
sich aus ursprachlicher aspirirter Media bh, wo nicht die Media b 
selbst eintrat (tibi), regelmässig zunächst vh entwickelt hat, erst 
aus diesem das f (Beispiel fari , gavai , Wz. ftAa-; fuam , <fva>, 
Wz. bhu -). Dasselbe betrifft mutatis mutandis die aspirirte 
Media dh , wo sie in die bilabiale Artikulation überschlug (facio 
zu v und f scheinen im Latein zu allen Zeiten des Aus- 

tausches fähig gewesen zu sein ; insbesondere hat oskisches f dem 
v sicher vielfach nahe gestanden (vgl. amanafed zu amavit ). 

Gehen wir weiter. Wenn es wahr ist, dass lat. h im Unter- 
schied zum Spiritus der Griechen specifisch gutturale Färbung 
# hatte, so werden wir auch nachconsonantisches h zunächst nur 

nach der gutturalen Tenuis k (c) gewärtigen. Und in der That 
ist es späterhin keinem Römer beigefallen, vh in der Schrift zu 
verbinden, es sei denn in griechischem echoe , Evhadne . Die 
Schreibung des Manios vhevhaked muss in engerer Anlehnung an 
etruskische oder griechische Schreibungen entstanden sein. 

Weitere Beobachtung dient zur Bestätigung. Im Oskischen 
sehen wir thatsächlich nachconsonantisches h ganz vorzugs- 
weise nach dem Guttural geschrieben: vgl. culchna , Arghillus 
(= Archillus), Chur . . ., Perlehm . . . (sonst auch Perkens ), . . . 
ekhad , dazu in griechischer Schrift ccxtQV* Ganz vereinzelt 


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17 


steht ein thesavrum und Aphinis daneben. 1 ) Hingegen ver- 
schmäht wohlgemerkt diumpais (lat. lymphis ) das h. Die Er- 
setzung des X und <J> durch KR und IlH in Perkhen . . ., 
Aphinis erinnert an vereinzelte griechische Schreib versuche 
(s. oben S. 11). Auf alle Fälle aber zeigt sich , dass der Osker 
das h als dem Gutturalen nächst verwandt empfunden hat. 

Und die Vermuthung wird nicht zu kühn sein, dass sich 
in thesavrum und Aphinis ein jüngerer Usus darstellt als in den 
übrigen Belegen. Hieran hat dann der lateinische Usus an- 
geknüpft. Schon Plautus und gewisslich schon die Zeit vor 
Plautus hat bracchium aus gr. ßQax iü)V , Accheruns aus *A%äQm' 
und dracchuma aus hergestellt, wie später genauer 

darzulegen sein wird; die Aspiration nach dem Gutturalen ist 
also schon früh volksthümlich gesprochen worden und hat als- 
dann eine besondere Kraft entfaltet; nicht so die in und ©. 
Jedoch aber hat Plautus so nur gesprochen, noch nicht geschrieben. 
Nachconsonantisches h taucht in der lat. Rechtschreibung erst 
50 Jahre später in den Versen des Mummius auf, CIL. I 541, 
die zwar noch Corinto , aber sowohl Achaia wie auch triumphans 
bieten. Dies steht damals noch ganz isolirt, und auch in den 
nächsten fünfzig Jahren blieben derartige Versuche noch sehr 
selten: 2 ) zunächst Corinthiorum einmal in der lex agraria neben 
Cartago , dann a. 93 CIL. 1571 zwar Antiocus , teatro , Diopant.\ 
aber Agathocles, Euphemio, Philem . ; Archelaos a. 91 ib. n. 578» 
ca. a. 80 Ephesius ib. n. 588; a. 71 ib. h. 204 Thermenses und 
gar Phisidae neben Termenses und Mitridatis ; häufiger erst 
etwa seit Cicero’s Consulat Eleutherus , Philodamus u. a. .ib. n. 
729; 730; 731; besonders schwankend ib. n. 602: Antioc ., 
tiasus , Aprodis ., aber Philemo , Pothus , Phi logen. , Pamphil ., 
Pharnas. Vgl. noch Achilius ib. n. 782; Hesuchium ib. n. 1020 
u. Telemachos , ib. p. 281. 

Eine Bevorzugung des h nach dem Guttural ist hier nun 
zwar nicht mehr wahrzunehmen, und für sie zeugt nur das merk- 


1) Vgl. Yon Planta, Grammatik der oskisch - umbrischen Dialekte, 
I S. 61 f. 

2) S. F. Ritschl : De titulo Mummiano p. 5 ; Monumenta epigraphica tria 
p. 27; Priscae latin. monumenta p. 79 u. 124; W. Schmitz: Beiträge zur 
lat. Sprach- und Litteraturkunde S. 122 f. 

Birt, TL, Der HUt bei Plautus. 


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18 


würdige Phänomen, das wir in brachium , Acheruns mit positions- 
langer erster Silbe wahmehmen ; vielleicht lässt sich aber auch 
die Bemerkung, die Gellius uns aufbewahrt hat, eben hierfür 
geltend machen, der II 3, 1 ff. über das accessorische h bei den 
„veteres“ spricht und es für sie erstlich im Anlaut constatirt 
( honustum , helluari), zweitens intervocalisch ( incohare , vehemens ), 
drittens nachconsonantisch ; die Beispiele aber, die er hierfür 
giebt, sind nur lachrimae und sepulchrum \ d. h. Gellius kennt 
nachconsonantisches h bei den „veteres“ nur in der Ver- 
bindung ch. 

Alles dies muss uns in der Schätzung des Alters von thensa , 
thu8 und lympha vorsichtig machen. 

Einen weiteren Anhalt zur Datierung giebt Cicero im Orator 
160. Er sagt uns, dass er erst im Verlauf seiner rednerischen 
Thätigkeit sich entschloss pulchros Cethegus Carthago triumphos 
zu sprechen, während er überzeugt war, dass die maiores 
pulcros u. s. f. gesprochen hätten. Dagegen lehnt er ein h in 
sepulcra coronas lacrimas Otones u a. ab; offenbar höchst will- 
kürlich, da das h in sepulchrum so notwendig war wie das in 
pulchrum. Doch lasse ich die Frage, inwieweit diese Be- 
obachtung richtig und ob im Volke die Neigung nicht älter war 
insbesondere nach c ein h hören zu lassen, auf sich beruhen. 
Jedenfalls redet Cicero hier nur vom Sprechen, nicht vom 
Schreiben. Um diese Aspiration jedoch deutlich auszudrücken, 
verwendet er selbst das Zeichen A, weil nur dies zur Verfügung 
stand. Setzen wir an, dass er es etwa seit dem Jahre 80 v. Chr. 
sprach, so hat es doch noch geraumer Zeit bedurft, bevor auch 
die Schreibung des h wirklich durchdrang; die Oratorstelle selbst, 
die so schreibt, ist erst im J. 46 abgefasst. Es sei noch erinnert, 
dass in Carthago das h echt war ; das Wort ist aus qereth und 
hadasch = „Neustadt“ zusammengesetzt. 

Dies nachschlagende h war übrigens auch nach dem Bilabial 
von einer solchen Energie, dass sich in späterer Zeit zwischen 
beide Geräusche gelegentlich ein Gleitlaut einschob, und wir lesen 
nicht nur Daphinidis f. Daphnidis CIL. VIII 10849, sondern 
sogar Stympihalus ( [Stymphalus ) f. Stymphalus, Ephemer, epigr. 
VIII ln. 697. 


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19 


IU. Intervokalisches echtes H schwindet. 

Wir nähern uns erst hiernach dem echt italischen h. Das 
echt italische A, sei es nun als Spirans ch oder als Spiritus zu 
sprechen, ist durchgängig aus der Aspirata kh (in letzter Linie 
aus gh ) hervorgegangen. Beispiele für den Anlaut sind das schon 
citirte hortus (xoqtoc) , holus (x^ or j) » haruspex (xopdij), weiter 
homo (got. guma ), haedus (got. gaits\ hatnus (xapog), hordeum 
(Gerste), humus (xctpai), heri (x^c)? hiems (x*to'r). 

Denselben gutturalen Werth hat inlautendes h: vgl. trahere 
und vehere neben tradum, vectum , praehendo zu %avddv w, ags. 
gitan (erlangen). 

Die Versuche, lat. h gelegentlich auch aus ursprünglichem 
aspirirtem Dental und Bilabial dh und bh zu erklären, bleiben 
unsicher und könnten, auch wenn wir sie gelten lassen, gegen 
die hier gegebene Ableitung nicht in’s Gewicht fallen. 

Dass aus aspirirtem kh die Fricativa ch hervorging, war ein 
natürlicher Lautprocess; nicht minder, durch Aufgabe der Ar- 
ticulation in der Mundhöhle, die Vereinfachung des ch zum 
blossen Spiritus h (s. oben S. 9). Sprach man nun im 3. bis 
1. Jahrhundert vor Chr. noch die Fricativa? oder nur den 
Spiritus? oder war gar das h schon ganz geschwunden? 

Für letztere Ansicht könnte man den Schwund des inter- 
vokalischen h geltend machen, der in gewissen Fällen in der 
That früh eingetreten ist. Aber diese Fälle beweisen nichts. 
Denn es gilt für sie die Regel : h schwindet wie v nur zwischen 
gleichen Vocalen: man denke an sis aus si vis und das ähnliche. 1 ) 
Bocülae Bohillae , Helena Velena u. ä. m. erläutern uns den 
Parallelismus des nihil : nil und si vis : sis. 2 ) Das v war doch 
ein Consonant von festem prosodischen Werthe. So kann es 
auch h gewesen sein. 

Das Oskische conservirt intervokalisches h (vgl. feihoss, 
pruhipit ), es sei denn dass i folgte, worüber unten. Lateinische 

1) Auch convium f. convivium lex Ursonensis c. 132, quixit f. qui vixit 
C I L. V 5410 u. 7380 möchte ich so erklären. 

2) Solche Uebergänge wie Helena Velena haben sich auch später noch 
eingefunden ; sehr merkwürdig der Vosidius Geta bei Tertullian De prae- 
script. haeret. 39. Umgekehrt hallo f. yallo Livius 25, 25 fin. cod. P. 
Machte das Mittellatein aus verbena ein herbena zurecht (s. Diefenbach’s 
Glossar), so wirkte hier die Volksetymologie mit ein. 

2 * 


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20 


Belege aber sind : nemo aus ne-hemo, cors aus cohors, debeo aus 
dehebeo, — besonders beim t-Vocal : bimus aus bi-hiemus, praeda 
aus prai-hida, praebeo aus prae-hebeo oder aus prai-hibeo, 1 ) via 
aus vehea oder vihia. 2 ) So fehlt denn auch dem diribeo das h 
im Gegensatz zu perhibeo . 

In andren Worten zeigte sich h dagegen dauerhafter ; prae- 
hendo ist bei Plautus noch fast durchgängig dreisilbig; ja, an 
allen diesen Stellen, wo es dreisilbig, 8 ) kann alsdann noch Lang- 
messung der ersten Silbe angesetzt werden; folgen wir der 
Ueberlieferung, so ist sie Cure. 339 Präehendit dexträm seducit 
eqs. sogar nothwendig. Das Aelteste lebt dann im Spätesten 
wieder auf: die guten Handschriften seit dem 4. Jahrhundert 
lieben es wieder, praehendere mit Diphtong zu schreiben. Drei- 
silbig bleibt auch dehortorS) Zweisilbig auch nihil . Denn nil 
steht inschriftlich in republikanischer Zeit nur einmal und zwar 
auf demselben Steine des 1. Jhds, der Evhodus hat, CIL. 1 1027; 
nihil dagegen 9 Mal im ersten Bande des Corpus. Und dass 
Plautus nihil im Wesentlichen noch als zweisilbig empfand, 
beweist der Umstand, dass er das Wort nie in die letzte Hebung 
seiner Senare und Septenare stellte. In des Ennius Annalen 
liest man nur nihil (v. 170 M.); und auch in Ennius Hecuba 
v. 197 M. kann es natürlich beibehalten werden. 

Dass endlich der Dativ mi (auch mei, ja me geschrieben) 
aus mihi durch Contraktion hervorging, ist eine verbreitete und 
unbedenkliche Ansicht; spätes michi verhält sich alsdann zu 
mi wie nichil zu nil ; d. h. in den uncontrahirten Formen blieb 


1) Werthvoll ist, dass noch bei Hieronymus contra Pelagianos II p. 572 
Migne praehebenda geschrieben steht im cod. Lugdun. Saec. VI — VII 
(J. Koch). Man kann also auch praeheda = praeda ansetzen; jedenfalls 
nicht praiheda (Brugmann, Grundriss I“ S. 571). Fraglich bleibt, ob debilis 
aus de-habüis, dehebilis erklärt werden kann (Osthoff in Indogerm. Forsch. 
VI S. 2). 

2) vieam steht C J L. 1 1464 ; dafür vehea angesetzt von Ritschl, Pr. lat. 
Monum. enarr. S. 63; Opuscl. II S. 780. veha sagten die rustici, s. Varro 
de r. r. I 2, 14. 

3) dreisilbig Amph. 716; Asin. 563; Anl. 346 , 749 (codd. fälschlich 
prensi); Capt. 594, 599; Epid. 1 (P gegen Ä); Persa 213, 883; -Mil. 579, 
1426, 1276 ; Persa 294 ; Merc. 213 ; vgl. Ter. Andr. 353. Dagegen prensus 
Asin. 569; über Epid. 326, Poen. 1126 s. den Anhang. 

4) Capt. 210; Poen. 674; vgl. Ter. Phorm. 910 (Hauler). 


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21 



h so deutlich wie das v in si vis neben sis. Ebenso möglich 
ist nun aber, dass mi von mihi zu trennen und in ihm eine 
Concurrenzform , nämlich der regelrechte Dativ des Personal- 
stammes zu erkennen ist, zugehörig zum Genitiv mis , so dass 
sich gen. mis, dat. mi, abl. m& und plebis , plebi, plebe genau 
entsprachen; nur ist, da Einsilbener ihre Länge wahren, der 
abl. me langsilbig geblieben. So lässt sich dann auch ein 
Dativ ti für tibi anerkennen (Terenz Adelph. 834) und in 
gleicher Weise erklären. 

Erst so versteht man den Unterschied, den die feinere 
Sprache der augusteischen Dichter zwischen einsilbigem nfl 
und mi gemacht hat. Einsilbiges nil hat keiner von ihnen ver- 
schmäht ; einsilbiges mi galt ihnen als unfein und ward ge- 
mieden; *) man hat darin nicht Synizese, sondern eine Vulgärform 
empfunden. 

So weit H zwischen gleichen Vocalen. Fest dagegen haftete 
es in traho und in veho, weil hier eben ein zerstörender Ein- 
fluss 1 , fehlte. Wenn der Grammatiker Probus im IV. Jhd. trao 
für traho notirt, so muss er ein Versehen begangen haben, das 
sich uns erst hernach aufklären wird. Denn das ßomanische 
selbst als Erbe des Latein widerlegt ihn und zeugt für traho 
und veho. Idg. gh gestattet im Latein den Uebergang in g — 
vgl. tragula — wie auch den in A, das ist in cA. Das Romanische 
aber setzt für die genannten Verben ein volksthümliches trägere 
vegere voraus (ital. traggo und veggia , rumän. trag , s. Körting, 
Wb. n. 8300 und 8595), und so steht denn tragitur z. B. Corp. 
gloss. III 67, 48. 2 3 ) 

IV. H scheinbar als Dehnungszeichen. 

Die feinfühlige oskische Orthographie zeigt langen Vocal 
durch Doppelsetzung an: vgl. aamanaffed, aasas , saahtüm , 
Meellkiids u. ä. Dasselbe Verfahren hat, nachdem Accius es 
eingeführt, 8 ) für kurze Zeit im Latein gegolten, und damit muss 
auch gr. Maagxog für Marcus in Zusammenhang gestanden 
haben: eine Vocalgemination, zu der die Consonantengemination 

1) s. Luc. Müller De re metrica* S. 296. 

2) ygl. subtragere u. a., das Schuchardt Vocalism. II S. 520 belegt. 

3) Uebrigens auch faliskisch - lateinisch vootum CIL, 3081, 


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22 


ohne Frage das Vorbild gewesen ist. So gewiss nnn allerdings 
in mitto oder efflatus der betr. Consonant bei der Aussprache 
nicht zweimal angesetzt wird, so wenig ist es geboten, dies für 
den Doppel vokal anzunehmen. Wohl aber ist bekannt, dass es 
zweigipfelige Silben giebt, d. h. Silben, deren Accent zwei- 
gipfelig; eine singende Sprechweise begünstigt sie. Ist der 
Vocal der Silbe lang, so fallen beide Gipfel auf den Vocal und 
er selbst ist also als zweigipfelig zu bezeichnen. Wie oft sprechen 
wir im Deutschen, ohne darauf zu achten: „er ka-am“ statt „er 
kam“ u. ähnl. ! *) Der Ton hat gelinden Doppelstoss. Es hindert 
nun jedenfalls nichts, die oskischen und lateinischen Vocale in 
dieser Weise aufzufassen; und dass die Griechen an der Schreibung 
Maagxog länger festhielten , könnte sich eben aus diesem 
Doppelstossen des Vocals erklären. 

Ein plötzlicher Kehlkopfschluss bewirkt die Trennung; die 
beiden Gipfel des Vocals gelten als Schallgipfel; eine neue 
Exspiration wird für den zweiten derselben nicht vorausgesetzt; 
doch bezeichnet es Sievers 8 ) als mindestens zweifelhaft, ob dabei 
nicht doch ein kleiner Exspirationsstoss stattfindet, der den 
Kehlkopfschluss aufhebt und den zweiten Schallgipfel ermöglicht. 
Dies fuhrt uns zum Umbrischen weiter. Denn vielleicht darf 
mit dieser Hypothese in Zusammenhang gebracht werden, dass 
die Umbrer, um den Doppelwerth des Vocals anzuzeigen, sich 
oftmals mit der Vocaldoppelung der Osker nicht zufrieden gaben, 
sondern ausserdem noch ein H dazwischen stellten: gl. umbr. 
comohota = commota Tafel VI a 54 , permihimu zweimal neben 
persnihmu (15 Mal) und permimu (24 Mal) ; dazu persnihimumo 
VII a 47 ; weiter perplohotatu u. a. Wenn Bücheier dies, Umbrica 
S. 182, eine distractis temporibus quasi interspiratio nennt, so 
dürfte diese Benennung wörtlich gelten, und es würde also das 
h nicht „inaniter“ stehn, sondern ein Versuch sein, den Ex- 
spirationsstoss auszudrücken, der zwischen beiden Vocalgipfeln 
stattfindet. 

Wenn hingegen in persnihmu das h als Ausdruck des 
Exspirationsstosses an den Schluss des Vocals wandert, so findet 
eine der vorigen nächst verwandte Erscheinung statt, die die 


1) ygl. Sieyers a. a. 0. S. 201 f. 

2) a. a. 0. S. 203. 


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23 


Phonetik speciell als Stosston bezeichnet. 1 ) Sie ist inSonderheit 
im Dänischen und Lettischen nachgewiesen. Beim Anssprechen 
des Wortes Maler wird hier der Ton des a tief abgesetzt, 
steigt alsdann in die Höhe, plötzlich klappen die Stimmbänder 
zusammen, und erst mit einer neuen Exspiration folgt die Silbe * 
ler. Wenn diese Exspiration sich als h darstellt und nicht als 
Spiritus lenis, so zeigt sich darin, dass sie mit einer Verengung 
der Stimmbänder verbunden war, und wir werden an das h in 
vah und ah erinnert, das vorhin S. 14 erörtert wurde. 

Schliesslich erinnere ich, dass auch das Altdeutsche eine 
ganz ähnliche Interaspiration inmitten eines Diphthongs oder 
eines muthmasslich zweigipfeligen Langvokals kennt, worauf 
ein anderer Zusammenhang uns führen wird. Auch dies be- 
stätigt, dass solche Schreibung nicht müssig, sondern der Aus- 
druck akustischer Wahrnehmung war. 

Das Vorstehende mag indess als unsicher gelten. Ich war 
selbst früher vielmehr der Ansicht, dass dieses h im Umbrischen 
blosses Dehnungszeichen gewesen sei oder den ganzj äusser- 
lichen Zweck gehabt habe zwei gleiche Vocalbilder von einander 
zu trennen. Jedenfalls steht die Lautlehre des Umbrischen 
mit dem Oskischen und Lateinischen nicht auf gleichem Boden; 
arge Reduktionen und Verderbungen hat es allein aufzuweisen, 
die z. Th. erst im Romanischen wieder hervortreten, und auch 
betreffs des h muss es vorläufig als zweifelhaft gelten, ob sein 
Geräusch im Umbrischen noch deutlich lautete. 

Wer den italischen Lautwerth h feststellen will, wird 
also vom Umbrischen principiell absehen. Gleichwohl führt uns 
jenes comohota und seinesgleichen zum Latein hinüber. 

Wird uns einmal der acc. mehe f. me citirt (Quintil. I, 5 21), 
setzt Cicero Ahala mit ala gleich (Orator 153), steht Nahartis 
CIL. XI 4213 neben Nartis ibid. 4201, ist man geneigt vehemens 
aus vö-mens zu erklären (vgl. vScors u. ä.) , so muss für diese 
Fälle Einfluss der umbrischen Orthographie statuirt werden: 
eine zulässige Annahme; wird doch auch in jenem aara f. ara 
ein zeitweiliger Einfluss der oskischen Orthographie anerkannt. 2 ) 
Auch diese Silbeu sprach man also vielleicht zweigipfelig , und 


1) Sievers a. a. 0. S. 202 f. u. 209 (nach Verner). 

2) vgl. Sprach man avrum oder aurum S. 201. 


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24 


so konnte es kommen, dass vehemens schliesslich im 2. Jahr- 
hundert n. Chr. missverständlich dreisilbig als Anapäst erscheint; *) 
der zweigipfelige Vocal war in zwei Kürzen auseinandergefallen. 
Auch der hebräische Name Aaron sei citirt, wofür Aharon 
z. B. Apollin. Sidonius epist. VIII 14, 3 in L. 

Zuverlässiger und lehrreicher sind nun aber die Inter- 
jektionen vaha , aha und oho. Denn dies, nicht vah , ah und oh 
scheint, wie S. 14 angeführt, für sie die ältere und echtere 
Schreibung. Gleichwohl werden sie in der Komödie nicht nur 
ganz] vorwiegend, sondern durchgängig als Monosyllaba gemessen. 
Dies gilt auch von aha ; denn in Plaut. Persa 316 steht im 
Palimpsest nicht zweisilbiges aAa, sondern doppeltes ah ah; 
und Einsilbigkeit des aha wird Bacch. 87; Rud. 420; Eun. 797 er- 
fordert. Die gleiche Einsilbigkeit behaupte ich für ehern. 2 ) Bei 
keiner Silbengattung nun aber wird eine zweigipfelige Aussprache 
und sogar die Verwendung des Stosstones naturgemässer er- 
scheinen als bei der Interjektion ; und wir dürfen kurzjund mit 
Bestimmtheit ansetzen, dass sich' uns im vaha u. s. f. eben jene 
zweigipfelige Natur des Vocals verräth, zwischen^dessen beiden 
gestossenen Hälften eine Expiration stattfand, während in der 
Schreibung des vah der Stosston die Expiration an das Ende 
der Silbe verschiebt. 

Trotz alledem sind diese interessanten orthographischen 
Versuche, da sie vornehmlich Interjektionen anbetreffen , nicht 
im Stande uns über die Natur des echt italischen h aufzuklären. 


1) Fronto S. 30 ed. Naber; auch Gellius scheint dieselbe Aussprache 
vorauszusetzen, oben S. 18. In den späteren Handschriften zeugt für das- 
selbe die (Orthographie vehimens (Priscian I p. 112, 22 H) und vee- 
menter (Augustin Gonfess. p. 21, 4 cod. F). 

2) Die Stellen, an denen ehern einsilbig, überwiegen bei weitem; Ab- 
weichungen hiervon sind auch sonst verdächtig. Pseud. 873 ist die Ueber- 
lieferung unsicher; das magis in P scheint hier durchaus sinngemäss, also 
muss das überschüssige ehern mane, trotz A, gestrichen werden. Bleibt 
Mü. 1382 EhSm te quaero ; es heisst aber sonstg stets ehern te ipsum quaero 
(Ter. Heaut. 622; Ad. 81; 266; dazu Heaut 758); man schalte also auch 
Mil. 1382 ipsum ein; ipse ist „der Herr“. Ter. Phorm. 991 ist hem zu 
lesen. Endlich Asin. 449 und Ter. Ad. 81 kann ehern (wie Exclam. o) 
ganz verschiffen sein, während es sich z. B. Rud. 805 (wie o) der Elision 
entzieht Mehr Stellen bei Richter a. a. 0. S. 433, 


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25 


Denn Interjektionen geben einen Naturlaut, der, wie schon 
Priscian hervorhebt, sich in Schriftzeichen schwer adäquat aus- 
drücken lässt. Kehren wir also nach dieser Abschweifung auf 
den Weg des eigentlichen Beweises zurück. 

Y. H im Inlaut vor Jot und vor i-Vocal. 

Vor Jot oder aber an Stelle von Jot sehen wir A in zahl- 
reichen Schreibungen wie Vehientes (so Orosius cod. B stets), 
Trohiia , abhicio , prohicio , Rahius , Trahianus , trahiedicius ; *) 
Vehientes auch Servius zur Aeneis VI 845 und 825 ; wie alt und echt 
hier das A, zeigt umbrisch Vehiies 2 ) In abhicio u. a. aber trat A 
geradezu für Jot ein. Dies führt auf gutturale, resp. palatale 
Geltung des ch. Und die allgemeine Phonetik giebt uns Aufschluss. 
Der palatale Spirant, den wir den Ich-Laut nennen (oben S. 8), 
ist stimmlos; sein stimmhafter nächster Verwandter ist nun eben 
der Spirant j, wie ihn z. B. die norddeutsche Aussprache zeigt. 8 ) 
Da nun für j ein Zeichen mangelte, so war es, sofern man nicht 
ii oder I longa setzte , um so verlockender A = cA für j einzu- 
setzen. Es fehlt nicht an allerlei Varianten; im Durchschnitt 
aber kann man sagen, dass zu diesem Ersätze vor i-Vocal ein- 
faches A, vor andern Vocalen dagegen combinirtes hi beliebt 
wurde: vgl. Trahianus neben abhicio . 

Ob dagegen einfaches A auch vor anderen Vocalen als i 
diese Funktion erhielt, bleibt fraglich. Das Umbrische freilich 
zeigt staheren f. stajeren; vgl. osk. staiet und stahint . 4 ) Für 
das Latein kommt die gutbezeugte Schreibung ahenus neben 
aenus (zu ajas , ats, aes) in Frage; aber ich wage nicht sie auf 
dem gleichen Wege zu rechtfertigen, 5 ) da die Analogien nicht 
ausreichen. 

1) Belege s. Rh. Mus. 52 Suppl. S. 198 und S. 3 Note; dazu pro - 
hicere Catull 64, 82 ; trahicit Verg. Aen. X 400 in M : trahieeretur Augustin 
Gonfess. p. 142, 5 und 307, 3; prohiecit Coripp Joh. 1, 91. Vethenübus 
Val. Maximus p. 46 Kempf B ; cf. ib. p. 251. Ihohannem Schuchardt III 
S. 25. Auch jenes quohi homini in den Palatini des Plautus Poen. 824 
scheint mir bemerkenswert!) ; man sprach im Dativ quoj "homini (s. Rhein. 
Mus. 51 S. 80) und hi scheint auch hier für j eingetreten. 

2) Vgl. CIL. IX 5699 pagus Veheta [m] ? 

3) Sievers S. 123. 

4) S. Bücheier Umbrica S. 182. 

5) S. Rhein. Mus. a. a. 0. 


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26 


Also ä vor i ist = j. Diese Thatsache ist ein Zengniss 
dafür, dass h nicht Spiritus, sondern Spirans war. Es sei noch 
an die Schreibweise tragitur f. trahitur erinnert (oben S. 21); 
denn g ist hier sicher = j ; also auch h = j. Da man nun aber 
auch sonst auf den Ausdruck des j vor i-Vocal Verzicht leistete 
(vgl. proicio; obix , obicis, wonach sogar nom. ohex st. ohiex sich 
einstellte), so wird nun auch von der Schreibung des h sowohl 
vor j wie vor i vielfach Abstand genommen. Denn es ist klar, 
dass, wenn wir die Silbengruppe äßs aussprechen, das j im 
Uebergange von a zum i sich leicht verflüchtigt; beim a liegt 
die Zunge tief, beim j soll sie sich bis an den vorderen Gaumen, 
beim i nur in die Nähe des vorderen Gaumens erheben; die 
erste Bewegung wird nicht ganz vollzogen, weil ihr die zweite 
schon nahekommt. Nur wer sehr achtsam ist. kann daher beim 
Schnellsprechen jedesmal die Differenz zwischen ajis und ais 
wahrnehmen. 

Daraus rechtfertigten sich nun zunächst im Oskischen die 
wenigen Fälle des A-Sch wundes: mais aus mahis = magisQ ?); 
ebenso wie umbrisches mestru ; l ) vgl. magister, frz. maitre. Im 
Umbrischen wird auch g zu j ; daher umbr. aitu = agito . 2 ) 

Nicht anders osk. veia (plaustrum) aus *vehia (vgl. ital. 
veggia „Fuder“). Osk. Maiiol steht neben Mahiis und Magiium*) 

In Uebereinstimmung hiermit stehen im Latein folgende 
Beispiele : 

In mägis ( magnus ) und adägium (Wurzeln magh und agh) 
hat sich das g aus der Aspirate hergestellt. Um mdjor und äjo 
zu erklären, wird nicht mägior und ägio y sondern besser mahior 
und ahio (oder mahjor , ahjo) als Ausgangsform zu betrachten 
sein. Andernfalls wäre nicht einzusehen, dass nicht auch fugio 
zu *fujo wurde; fugere hatte eben echte Media. Uebrigens 
steht maciorem für maiorem und abermals macidlem f. maialem 
bei Varro de r. rust. III 9, 13 und II 4, 21 im Parisinus A, 
einer Handschrift, [vdie.lfür Orthographisches Beachtung verdient. 4 ) 

1) S. von Planta I S. 445 ff. 

2) Bücheier S. 71. 

3) von Planta S. 355 und 446. 

4) vgl. Archiv f. Lex. XI S. 173. Freilich lesen wir auch Troeiane (so) 
f. Troiani im sog. Fredegarius chron. p. 21 Kr., wo p. 54 auch ständiges 
Pompegius. 


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27 


wejo steht für mehio oder mehjo (opix*Tr) neben minqo . 
Wenn wir dafür bei Catull 97, 8 megere finden, so ist doch auf 
die Handschriften dieses Dichters kein Verlass, und g kann hier 
nach Weise der Spätzeit j vertreten. 

Die Tenuis k ist endlich in Jot latent vorhanden in pulejum 
zu pulec-S) Vielleicht darf auch hier als Zwischenform pülehjum 
betrachtet werden; vgl. oben maciorem f. maiorem. Dadurch 
wurde für oskisch Marahieis, falls dieser Name zu Marcius ge- 
hört, eine Analogie gewonnen sein; denn auch sonst tritt, wie 
wir sehen werden, H = cA, aus AA, gelegentlich widergesetzlich 
für die Tenuis ein. 

In den meisten der obigen Wörter handelte es sich um Ent- 
stehung des j aus hi; sie trat dann ein, wenn auf die Laut- 
gruppe hi ein weiterer Vocal nachfolgte. 

Folgte dagegen auf hi ein Consonant, so fiel h vor i aus. 
In aio ist der Stamm agh. Wir dürfen ansetzen, dass wenn 
aio selbst aus aA/o, auch ais, ait aus ahis, ahit hervorging; vgl. 
fugio, fugis, fugit. Genau entspricht alsdann das Verbum tra- 
here; wie fest sein A sich hielt, ist oben S. 21 gezeigt; dies A 
war offenbar Spirans und Fricativa. Wir bemerken nun, dass 
die Handschriften in allen andern Formen dieses Verbs in der 
That das A treu conservieren, nur wenn i in der Endung steht, 
geben sie uns oftmals ein trait , protrait und ähnliches. 2 ) Dass 
das i die Schuld hieran trägt, leidet sonach keinen Zweifel. 


1) pulegium corp. gloss. III 495, 66 und sonst. 

2) Die Erscheinung kann ich allerdings nur aus jüngeren Handschriften 
belegen; aber es kann nicht Zufall sein, dass in diesen Verben das h 
ganz vorzugsweise nur vor i ausfallt: subtraXs Sedul. c. pasch. II 165 cod. 
T saec. VII; traXtur Anthol. Salmas. 11, 136; 198, 42; 290, 2; pröibitur 
ib. 272, 3; subtrdUo Varro r. rust. p. 58 in A; pröibere Corp. gloss. V 
89, 1; proXbete Horaz carm. I 27, 4 und III 17, 15 in i p; cöXbebor ib. II 
20, 8 in ity wo interessanter Weise cogibebor in cod. y daneben steht ! cöibet 
Auson. de aetat. anim. v. 9; proibet id. De rat. librae v. 22; proiberer 
Augustin Confess. p. 19, 6 in FQV; contrait Servius zu]JAen. III 303in F; 
»ubiraitur Priscian I 462, 13 und 4 in RD, wo doch daneben traho und 
veho (mit h. Auch in Cassiodor’s Variae anscheinend nur so : distraX 
p. 227,' 2; trc&mm p. 254, 28 und sonst. Gelegentlich greift dann der 
Schwund weiter: bei Mart. Capelia steht contraitur p. 207, contrait p. J 331, 
prova p. 254, coKbere p. 297, aber auch contraebat p. 256, detraere p. 371. 


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28 


Genau analog das tratcus f. tragicus im Placidus comment. zu 
Statius p. 200 cod. M, sowie triginta zu trinta wurde (Cod. 
Theodos. XI 30, 29 cod. Til. u. oft), dem nil aus nihil analog. 1 ) 
Und hiernach ist dann mit Nothwendigkeit jenes trao , das 
’ Probus IY K. 185, 5 — 8 tadelnd anführt, zu erklären ; es entsprach 
nicht der Wirklichkeit. Der Grammaticus hatte im Volk viel- 
mehr trait y trais , traimus gehört, indem er aber seinen Tadel 
formulirte, setzte er die erste Person ein, weil man ein Verbum 
dem Paradigma gemäss in der ersten Person zu citiren pflegte, 
und knüpfte daran dann die allerdings müssige Bemerkung, dass 
ao nicht nebeneinander stehen könne. 

Wie zähe sich das h vielfach trotzdem hielt, wird uns 
späterhin an Schreibungen wie vechiculumy vegiculus , vegere , 
trachit , abstrachitur klar werden. 

Uebrigens wollen wir nicht verschweigen, dass an Stelle 
des ais ait in Handschriften häufig ein agis agit anzutreffen ist, 
das dem fugis fugit genau entspricht. Dies agit steht nicht nur 
in den Glossaren, 2 ) sondern auch häufig bei Plautus und anderen 
Autoren; 8 ) ja, beide Plautusüberlieferungen kommen in dieser 
Schreibung bisweilen überein, 4 ) so dass man kaum umhin kann, 
die Bildung, sei es auch nur eine Nebenbildung, für echt und 
alt zu halten. Bei Avian steht sie fab. 23, 8 und kann dort 
vom Dichter selbst geschrieben sein. In diesem agis würde das 
nämliche g wie in nego und in adagium vorliegen und es stünde 
neben aio wie magis neben maior. Wer sich dieser Deutung 
entziehen will, müsste ansetzen, dass das g hier ein Jot ersetzt 
und dass g also schon sehr früh im Werthe des Jot verwendet 


1) Dann weiter sogar Cetheus für Cethegus die Hss. des Diomedes I E. 
432, 23. 

2) Rhein. Mus. 51 S. 86. 

3) PI. Epid. 17: Men. 162, 823, 1095 (B‘); Merc. 448; Persa 845. 
Dazu Varro de r. rust. S. 319, 12 K. in A; Horaz cod. y Sat. II 2, 40; 
6, 116; Schol. Bern. Verg. georg. I 175. agebat f. aiebat Seneca epist. 
p. 456, 27. agisti f. aisti Augustin Confess. I p. 28, 4 ed. Knöll cod. M 
saec. X. Umgekehrt aie für age PI. Aul. 179, ais f. agis Pers. 576. 

4) S. Stich. 596 und 615. 


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29 


wurde. So hat sich denn in der That auch ein agio „ich sage“ 
eingestellt, 1 ) wie umgekehrt iuria für iurgia u. ä. 2 3 ) 

Es resultirt zum Schluss der Satz : folgte auf die Lautgruppe 
hi ein Yocal wie in mahior , mehio , so wurde hi zu Jot, und 
die voraufgehende Silbe wurde zur Länge, da Jot stets Doppel- 
consonanz ist; 8 ) dies Jot wird dann bisweilen noch als hi ge- 
schrieben, wie in Vehientes u. ä. ; folgte aut hi dagegen ein 
Consonant wie in a'ii y trahimus , so fiel h = cA, nachdem es 
stimmhaft und zu j geworden, in der Schrift und vielfach auch 
in der Sprache unter Einfluss des i ganz aus. Denn i-Vocal 
zerstört das Jot, wie dies in umgekehrter Folge an nunctam , 
quispiam, aus nunci-jam , quispi-jam , wahrzunehmen ist. 4 5 * ) 

Unter "dies erste Resultat setzen wir ein zweites. Das h 
war nicht nur prähistorisch, sondern es war noch in historischer 
Zeit Spirans ch und dem j nächstverwandt; denn nicht nur die 
Bildungen maior , meiere u. a. setzen dies voraus, nicht nur 
oskisch Mahiis neben Magiium , lat. tragula und traxi neben 
traho sprechen, dafür, sondern auch die späten Schreibungen 
wie Rahius, Trahianus , trahiectxcius , insbesondere prohicere, 
abhicere, trahicere , von denen wir ausgingen; ebenso tragitur 
neben trahitur. B ) Sie beweisen, dass sich auch noch im 2. Jhd. 
nach Chr. und später im Volk der nämliche Wert des h be- 
hauptet hat, der ihm ein j zu verstärken und sogar zu vertreten 
ermöglichte. Daher also spätlat. michi und nichil ) ital. veggia 
und traggo. Der nächste Abschnitt wird dies weiter bestätigen. 

YI. Vorconsonantisches*!? im Oskischen. 

Das Oskische zeichnet sich dadurch aus, dass in ihm weder 
im Inlaut (ausser bei folgendem i) noch auch im Anlaut das h 
jemals in Wegfall kam. Die Geltung desselben als Fricativa 
lässt sich nun am sichersten dort behaupten, wo t oder ein 

1) agio PL Most. 978; Poen. 364; vgl. Magias f. Maias CIL. X 4545. 
Anders ego „ich gehe 44 Men. 663; dies durfte vereinzelte Verschreibung sein. 

2) S. Rhein. Mus. 51 S. 84; iuria auch bei de Rossi inscr. Christ. II 
S. 64 n. 14, 2. 

3) Rhein. Mus. 51 S. 78. 

4) Rhein. Mus. 51 S. 86 ff. 

5) Tritt doch alsdann auch I für H ein: lerophüus f. Herophilus Cen- 

sorin de die nat. p. 18, 4 im cod. Colon. 


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BO 


sonstiger Consonant nachfolgte. Im osk. ehtrad , saahtom war 
Sprechung des Spiritus asper kaum möglich ; soll nun h hier als 
Dehnungszeichen oder als Ausdruck des Stosstones gelten? 
Diese Verwendung kennt nur das Umbrische. Die Etymologie 
selbst fuhrt vielmehr darauf, dass wir ecktrad , saachtom zu 
sprechen haben x ) ; vgl. etwa lat. dehter f. deater(e) auf der 
Datusinschrift 1 2 3 ) und anderes, das ein andrer Zusammenhang uns 
bringen wird. H hat hier wirklich den Werth des ch. 

Die nämliche Affricirung bei vorconsonantischer Stellung 
bringt das Cmbrische: rehte f. recte u. ä.; hier aber ging die 
Fricativa weiter völliger Zerstörung entgegen, und wir lesen 
subator für subahtor aus subactor; 8 ) eine Zerstörung, die nur 
dem Umbrischen eigen ist. Das Oskische geht statt dessen mit 
dem Latein und kennt sie nicht, wenn ein t, sondern nur, 
wenn ein s folgt; eestlnt für *ekstlnt erklärt sich wohl wie 
sescenti für sexcmti, wie lat. Präposition e für ec. 

Umgekehrt ist vorconantisches h aus k dem Umbrischen 
und Oskischen gemeinsam. 

Die bisherigen Erwägungen, vorzüglich die letzte unter ihnen, 
führt nun zu einem wichtigen Ergebniss, das allem Weiteren 
voranzustellen ist. Das Zeichen U hat im Inlaut des Oskischen 
und des Lateinischen im 2. Jahrhundert vor Chr. in gewissen 
Fällen sicher und im Oskischen sogar durchgängig cA bedeutet. 
Dies ist schon von Corssen, 4 ) indem er gotisch mäht, gasdht 
u. a. verglich, richtig betont, in die möglichen Consequenzen 
jedoch nicht verfolgt worden. 

Man wendet ein, dass das dorisch-chalkidische Alphabet in 
Cumae den Oskern wie den Latinern und Umbrern für den 
X-Laut das Zeichen V zur Verfügung stellte. Warum wurde, 
wenn wirklich noch im Oskischen oder gar noch im Lateinischen 
ein ch gesprochen und gehört wurde, jeües Zeichen nicht über- 
nommen ? Die Antwort geht dahin, dass der betreffende oskische 
Consonant zwar keineswegs Spiritus asper, aber vom griechischen 
X doch durchaus und wesentlich verschieden war. Denn grie- 


1) S. von Planta S. 351 Note, der ft ansetzt 

2) H. Jordan, Krit. Beiträge S. 266. 

3) von Planta 1 S. 354. 

4) Aussprache 1 S. 97. 


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31 


chisches x ist, wie feststeht 1 * * * * ) und schon die lateinische Tran- 
skription Antiocus , Bacanalia , carta jedem zeigt, noch fiir das 
2. Jhd. vor Chr. und noch weit später als Aspirata kh, d. i. als 
gutturale Tenuis k mit blos nachstürzendem Hauche anzusetzen. 
Dieser nachstürzende Hauch konnte unausgedrückt bleiben. Im 
oskischen h des Inlauts erkennen wir dagegen die Fricativa, die 
dem Ichlaute oder dem Achlaute des Deutschen entsprach und 
die allein sich hernach in den wirklichen Spiritus asper ver- 
flüchtigen konnte (oben S. 9). Nahezu so verschieden wie das 
k in gotisch sokjan vom h in gotisch mäht war auch das grie- 
chische x ln ox^og vom oskischen h in ehtrad . So erklärt sich 
einfach genug, warum die italischen Dialekte vom dorischen 
Zeichen V = kh abgesehen haben. Wenn ich im Verfolg 
von x rede, verstehe ich kh, wenn von ch, verstehe ich den 
Laut oder die Laute , die etwa im Deutschen „Macht“ und 
„Becher“ gehört werden. 

Die italische Rechtschreibung befand sich somit eben diesen 
Lauten gegenüber offenbar in einer Nothlage. Der griechische 
Spiritus asper H schien dem ch noch näher zu kommen als 
die griechische aspirirte Tenuis V, aber ein adäquater Ausdruck 
war er nicht. Erst hernach hat es die lateinische Lautentwick- 
lung, wie die germanische, mit sich gebracht, dass sich — vor- 
nehmlich im Anlaut — das h = ch dem Spiritus asper wirklich 
näherte. Im Umbrischen aber scheint dies besonders früh ein- 
getreten zu sein, und man kann sich versucht fühlen, das h in 
comohota oder persnihmu sogar dem W 7 erthe des Spiritus lenis 
gleichzusetzen (s. oben S. 22 f.). 

VII. H im Anlaut stets hörbar. 

Hierdurch vorsichtig geworden können wir an die Werth- 
bestimmung des h im Anlaut herantreten. Es giebt vier Mög- 
lichkeiten: entweder war h auch im Anlaut noch = cA, oder 
es stand auf einer der vielen Mittelstufen, die sich phonetisch 

1) Neue Nachweise für das Andauern dieser Aussprache bringt J. J. Hess 

in Indogerm. Forschungen VI S. 125 — 129. Man vergleiche auch das o% für 

lat. hoc, %an°v& f. caput , %ovTiyya& f. contingat im 2. Jhd. n. Chr., Rhein. 

Mus. 52 Suppl. S. 59. Noch das Gotische giebt Äkaia und Zakkaius , 

also Je für %. 


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32 


zwischen ch und dem Spiritus asper denken lassen (oben S. 8f.), 
oder es war mit Aufhören jeder Articulation zum einfachen h 
des Neuhochdeutschen geworden, oder endlich es drückte gar 
schon das einfache Exspirationsgeräusch des sog. Spiritus lenis aus. 

Die vierte Möglichkeit ist für das Umbrische vielleicht zu- 
zugestehen, für Latein und Oskisch bestimmt abzulehnen. Im 
Umbrischen tritt zu den bisher erwähnten Thatsachen die weitere 
hinzu, dass h im Anlaut mitunter nicht geschrieben wird; vgl. 
z. B. erus eretu neben heritu, 1 ) sowie auch in der Composition 
anostatu st. anhostatu. Ob diese Anzeichen wirklich zwingend 
sind, darüber später. 

Zunächst also das Oskische. Oskisches H im Anlaut fehlt 
nie. Aus dieser bemerkenswerthen Thatsache folgt zunächst 
sicher, dass es nicht Spir. lenis war; es folgt ferner mit Wahr- 
scheinlichkeit, dass es auch stetiger und körperhafter war als 
der Spir. asper der Griechen. Denn dieser, ein blosses Kehl- 
kopfgeräusch oder gar ein blos dem Vocal selbst inhärirender 
Hauch, hatte schwankendere Natur und wir finden ihn oft im 
selben Wortstamm bald gesprochen, bald nicht gesprochen (s. 
oben S. 6). Dass keine oskische Inschrift ein Schwanken zeitg, 
verräth, dass das Reibegeräusch über jedem Zweifel erhaben und 
so deutlich war wie die anderen oskischen Consonanten. Wirsetzen 
schon hiernach oskisch H mindestens dem Spiritus asper, mit 
Wahrscheinlichkeit aber einem Reibegeräusch gleich, das in der 
Mitte zwischen diesem und derFricativa stand und eine leichte 
Articulation hinzuthat; vgl. das „energische h u oben S. 9. 

Echter H- Anlaut fehlt nie, wohl aber findet sich unechter 
ein, und zwar in dem Namen Rerukinai = Erycinae (v. Planta 
Nr. 117); dies h entstand im Anschluss und im Anklang an 
den Namen der erycinischen Göttin selbst, an Herentatel . 2 ) 
Auch in das Latein ist das Heryc(ina) eingedrungen (CIL. 1 1471 ; 
1495 ; so auch im Spätlatein , worüber später). Es ist nicht 
sicher, ob auf dem Herentasstein von Corfinium, der dem 


1) Bücheier S. 69 f. 

2) Ettore Pais nimmt an (Studi Italiani di filol. classica vol. 6, 1898), 
dass der Name Eryx autochthon war und mit italisch verruca „Anhöhe* 
gleichzusetzen ist; danach könnte in dem h ein Ersatz des Digamma er- 
blickt werden. 


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33 


Pälignischen nahe steht, hanustu Herentas als honesta oder als 
onusta gedeutet werden kann. 1 ) In beiden Fällen war auch 
hier das h unecht. Die Worte geben Allitteration wie umbrisches 
hondu holtu (Tafel VII A 49). Etwas häufiger scheint endlich 
h spurium im Umbrischen vorzuliegen, in hebetafe , in Hule u. a. 2 3 ) 

Wer aber das Eindringen des unechten h zum Beweise der 
Schwäche des echten verwenden wollte, der irrt. Die Vorsicht 
gebietet, dass wir im Verfolg die Betrachtung des h genuinum 
und des h spurium principiell sondern. Ein andrer Abschnitt 
wird darlegen, dass das gewaltige Vordringen des unechten h 
in der Spätzeit vielmehr ein Zeugniss für die Stärke des echten ist. 

Blicken wir nun hiernach vom Oskischen auf’s Latein, so 
wiederholt sich genau dasselbe Bild. So auffällig die Constanz 
und Consistenz des h im Oskischen, so auffällig ist sie im 
Lateinischen, und beide Idiome gehen hier auf das engste zu- 
sammen. Denn auch die lat. Schriftmonumente zeigen durch 
die ganze Zeit der Republik, von der wir handeln, seinen Fort- 
fall im Anlaut nie. 8 ) Das erste datirbare Beispiel für fehlendes 
h ist nicht erceiscunda (CIL. I 205) aus dem Jahre 49 v. Chr. ; 
denn es wird sich ergeben, dass in diesem Wort der lenis zu 
Recht besteht; sondern erst Irtio (CIL. 1625) aus dem Jahr 43; 
nicht datirbar stehen daneben arrespex ib. 1348; anc mit über- 
gesetztem h 819; Oratio 924; e(redes ) 1034. Nur die Münz- 
aufschrift YFSAE CIL. I 467| etwa des Jahres 57 fällt früher; 
wir wissen aber, dass man vor Y ein R überhaupt nicht schrieb 
(s. unten). Daher steht HVHSAJS mit richtigem H daneben, 
ibid. n. 466. 4 5 ) Hierzu stimmt auf das beste, dass, wie H. Ziegel 
nachwies, 6 * ) die Verwechselungen der Dative his und eis ( iis ) 
allerfrühestens mit dem Jahre 44 beginnen. Diese Dative sind 
aber späterhin ganz zusammengefallen. 


1) Thurneysen im Rhein. Mus. 43 S. 353. 

2) S. Bucheier Umbrica S. 166 und 182; von Planta I S. 445. 

3) Vgl. auch z. B. CIL. VI 3692; IX 782; XIV 2892; 4270; und 
zwar steht IX 782 arvorm hac ; d. h. finales m war schon damals, im 
3. Jhd., schwächer als anlautendes h. 

4) Dies ist von Schuchardt Vocalismus 1 S. 18 und 130 nicht be- 
achtet. 

5) De is et hic pronominibus quatenus confusa sint apud antiquos 

(1897) p. 22. 

B ir t , T h.. Der Hlet bei Bleatua. 3 


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34 


Wir sind also, wenn uns nichts Weiteres hindernd da- 
zwischen tritt, gehalten, die Definition des oskischen H im An- 
laut auf das römische zu übertragen, und sagen: das h war im 
Latein zum mindesten bis zum Jahre 45 ein deutliches Kehl- 
kopfreibegeräusch wie im Deutschen, es ist aber bei seiner 
Ständigkeit sehr möglich, dass es sogar einen Zwischenlaut 
zwischen ihm und der Spirans ch darstellte, so dass zum Kehl- 
kopfgeräusch noch eine gewisse palatale Articulation hinzukam. 

Wir fragen zuerst : giebt es Gegeninstanzen, die die Autorität 
besitzen, dies Urtheil zu vernichten oder abzuändern? Da ist 
anser = yrp, Gans . Allein dies Wort kann uns nicht täuschen. 
Denn es kommt (auch als Cognomem Anser) auf Inschriften, ins- 
besondere auf älteren Inschriften nicht vor und wir sind für 
anser auf die spätere Kaiserzeit, auf die Handschriften des Vergil, 
Livius, Varro u. a. sowie auf die Glossare angewiesen, die aller- 
dings in grosser Einmüthigkeit das h verläugnen. Ich vermuthe, 
dass im Volke eine Gleichmachung der anseres und anates statt- 
gefunden hat; vgl. Petron p. 63, 30 8 : at albus anser et ... anas y 
wo zugleich die Verbindung albus anser eine gewisse Garantie 
für das Fehlen des h zu geben scheint. Umgekehrt spricht nun 
aber die Vermuthung 0. Keller’s 1 ) sehr an, dass, wie in son- 
stigen typischen Formeln der älteren Sprache Allitteration 
herrschte (vgl. purus putus , laetus lubens, pater patratus, inter 
saxum et sacrum , ludi Liberales, cenae Ceriales, Dea Dia , 
mater Matuta , Semo Sancus ), so auch in der Verbindung her - 
bilis anser , die bei Lucilius steht (dazuFestus S. 71 P.), Allitte- 
ration des H-Änlauts die Verbindung gefestigt hat; man sprach 
herbilis hanser . 

Dass in Plautinischer Metrik das h in zahlreichen Fällen 
den Hiatus zu verhindern im Stande ist, wird späterhin zur 
Sprache kommen. Ich mache nun darauf aufmerksam, dass der 
einzige Vers, in welchem anser beiPlautus steht, sich folgender- 
massen betonen lässt; wir lesen Trucul. 251 u. 252: 

Qui ubi quamque nostrarüm videt prope hasce dedis adgredin, 

Ita ut de frumento | anseres clamöre absterret abigit. 


1) 0, Keller, Zur lat. Sprachgeschichte (1895) S. 15. 


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35 


Danach sprach auch Plautus noch hanseres. Es ist zu bedauern, 
dass uns in einem so wichtigen Fall die Metrik im Stich lässt 
und kein zwingendes Betonungsgesetz vorscbreibt. Denn es ist 
zuzugestehen, dass man die Iktus auch so vertheilen kann: 

Ita üt de frümento änseres eqs. 

Mir ist aber schon werthvoll, dass auf alle Fälle die Möglichkeit 
jener Messung offen liegt; und sie wird noch dadurch empfohlen, 
dass auch der voraufgehende Vers anapästisch anlautet, sowie 
dass die Betonung des frümento auf der zweiten Silbe jeden- 
falls die natürliche ist. 

Eine Schwäche des k scheint sich nun aber in der gelegent- 
lichen Kürzung des voraufgehenden Vocals zu verrathen. Ueber 
prendo aus praehendo ist schon gesprochen; h wird wie v zwischen 
gleichen Vocalen ausgedrängt (s; oben S. 19 f). Die ältere Zeit 
scheint jedoch nur entweder praehendo mit langer erster Silbe 
oder prendo mit Synizese gebraucht zu haben (oben S. 20), die 
Messung pr&iendo dagegen erst bei Dactylikern und zuerst bei 
Cicero Arat. 116 vorzukommen. Dieser Fall ist somit erledigt. 
Daran reihen sich weiter die mit co- componirten Verba und 
Nomina. Denn wie in cdtre vor Vocal, so steht dies nasallose 
Präfix auch in altem cohors und cohiheo 7 wozu dann die spätere 
Zeit ein cohonesto (Accius), cohortor , coheres u. a. hinzufügte. 
Gelegentliches comheres — daher cunere = conheres CIL. VI 
3282 — hat doch auch ein comegit neben sich. 1 ) Diese That- 
sache reicht indess durchaus nicht hin, den Schluss, den wir 
hier zu ziehen im Begriff sind, zu beeinträchtigen. Denn es 
lässt sich leicht erweisen, dass dies Präfix, das des n entbehrt, 
in älterer Zeit in weiterer Ausdehnung Anwendung fand und 
dass es auch vor Consonanten, besonders aber vor solchen üblich 
war, die dem h verwandtschaftlich näher standen. Da ist das 
coventionid des SC. de Bacchanalibus sowie contio selbst, dessen 
Ursprung aus cöventio eben das Fehlen des n voraussetzt. 2 ) 
Derartiges erhielt sich lange; analog sind die Schreibungen in 
der volkstümlichen Orthographie des Palatinus Vergil’s covenere 
Aen. XI 236 wie coiiciunt X 801; vgl. Livius 28,3, 11 in P; 

1) S. Rhein. Mus. 51 S. 93; con f. cum steht nur als Präfix, nicht 
als Präposition; quon giebt es nicht. 

2) Das Nähere Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 167. 

3* 


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- 36 


coiunx CIL. VI 2120; vgl. 1341 u. sonst. Varro, de lingua 
lat. V 20 leitet convallis von cavum ab == cavata vaUis , so wie 
er de re rast. I, 12, 3 in convalli cava verbindet; dies erklärt 
sich nur bei der Sprechung cövallis. 1 ) Auch in cöhors cöventio 
erkennen wir also eine Artverwandtschaft des t>- und des A- 
Lautes, die schon S. 19 erörtert wurde. Dem v aber steht 
wiederum das f nahe ; daher altes cofedt . 2 3 ) Endlich aber folgte 
auf cÖ- auch der Guttural in co-gnosco , co-gnatus . — Erst das 
correkte Schriftlatein hat regulirend conventus , conficere durch- 
geführt. Dasselbe stellte gleichwohl congnatus nicht her, weil 
die Consonantenhäufung ngn sich verbot ; es stellte conhibeo nicht 
her, weil A, wie oben S. 26 ff. erwiesen, speciell vor einem i mit 
nachfolgendem Consonanten schwindet und also cohibere und 
coire in dieser Beziehung keinen wesentlichen Unterschied mehr 
boten. 

Man denke übrigens auch an das Gotische. Das Gotische 
schreibt vorconsonantisches gutturalisches n als g in gaggany 
drigkan , daneben steht pank; vor einem A aber bezeichnet 
Ulfilas den Nasal überhaupt nicht und setzt fahan und hahan. 
Dass dies A stumm war, hat, so viel ich weiss, noch niemand 
damit zu erweisen versucht. 

Noch weiter fuhrt die Beobachtung eines anderen Präfixes. 
Ich meine das in pröhibeo. Hier erklärt sich die Kürze der 
ersten Silbe nicht etwa aus nachfolgendem Vocal, sondern sie 
ist so echt wie die in pröfectus , profundere , pröfatus, pröpexus , 
pröfanus , pröcella, wozu ich auch prudens rechne, das sich nicht 
wohl aus providens , sondern nur aus prövidens über *prövdens 
zu prüdem verkürzt haben muss. 8 ) Im Gegentheil erweist also 
prohibeo die consonantische Natur des A; denn bei vokalischem 
Anlaut verwendete das Latein als Präfix bekanntlich nicht pro y 
sondern prod, wie prod-ire und prod-igere zeigen. Die Natur des 
A war es, die eine *prodhibeo ausschloss. Weil aber wiederum 
ein i auf das A folgt, muss es auch hier im Lauf der Zeit und 
nachträglich undeutlicher geworden sein; daher Lukrez probet 
f. prohibet und probeat f. prohibeat (Lachmann, Comment. S. 187 f.). 

1) Rhein. Mus. 51 S. 260,2. 

2) Pränestinisch ; vgl. Duveau, Melanges archeol. 1890 S. 303 ff.; von 
Planta n. 305 a. 

3) Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 167. 


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37 


Anders liegt die Sache in redhibere , das schon Plantns 
braucht (inschriftlich z. B. CIL. XIII 1673 aus dem 2. Jhd. n. 
Chr.), und in dem redhostire des Naevius und Accius. Was 
zunächst redhibeo anlangt, so ergiebt sich, weil nicht re, sondern 
red als Präfix gewählt ist, dass seine erstmalige Bildung später 
stattgefunden haben muss als die des prohibeo ; andernfalls wäre 
eben prodhibeo zu fordern. Das h, das in prohibeo zur Zeit 
seiner Bildung noch h forte war, war bei redhibeo durch Ein- 
fluss des folgenden i schon geschwächt. Es ist also auch dieses 
Wort den Belegen für die schwächende Rückwirkung des i auf 
h zuzuzählen. Das Yerbum redhostire aber gehörte nicht der 
lebenden Sprache an, sondern ist von Naevius zu tragischem 
Zweck pomphaft neu gebildet; seine Messung steht nicht fest; 
der Vers bei Ribbeck trag, fragm. ed. III p. 322: 

Comite senem sapientem contra redhostis menalus 
lässt verschiedene Emendationen zu, z. B. 

Comiter senem sapientem. Contra redhostit malus, 
sodass red positionslang sein würde. Accius hat dann dies 
Verbum wieder hervorgeholt; sein Vers 92 R. ist aber noch 
corrupter überliefert als der vorige; schreibt Ribbeck annähernd 
richtig : 

Cedo ecquid ei redhostit? f viam cometem obbitet facilius, 
so haben wir syllaba anceps. 

Unser Resultat: gegen die Gleichsetzung des h mit dem des 
modernen deutschen spricht keiner der vorgeführten Fälle. Dies 
ist das Erste und Wichtigste, es ist das Mindeste, was zuge- 
standen werden muss , und daran , dass der Osker und Römer 
des 3.— 1. Jhds. v. Chr. sein h nicht lautirt habe, ist keinesfalls 
zu denken. Das Catullgedicht n. 84, das sogleich im Zusammen- 
hänge des nächsten Abschnitts interpretirt werden soll, giebt 
eine letzte und endgültige Bestätigung dieses Satzes. 

So freuen sich denn die Dichter oftmals an allitterirender 
Wiederholung des Spiritus wie in jenem herbüis hanser und 
hondu holtu (ob. S. 33 u.34). Plautus gebe uns schliesslich ein Paar 
Beispiele; wir lesen bei ihm Amph. 143 has habebo usque hic ; 
397 hoc quidem her cle haud; 684 huc ex hostibus; 743 hinc 
hodie ; 748 hodie haec; 758 hodie hinc; 769 hoc sit hominis; 
1132 hariolos haruspices ; Asin. 81 habuit me habere honorem\ 


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38 


103 ut habeat hodie ; 361 hospes huc ; 579 AaAea nunc? hario- 
lare; Aul. 17 honorem haberet ... habuisset ; Capfc. 232 hunc 
homines habent ; 357 Aoc quidem haud . ..; 547 Hegio, isbic 
homo r . habitus ; Cas. 356 hariolum hunc hal/eo domi ; 590 Aotfie 
ego hunc habeho; Cist. 746 hicine . . . habitus ? hariolare ; Men. 
200 a& Hippolyta . . . Hercules haud ; Mil. 489 ()uae Am Awc 
Athenis cum hospite; vgl. weiter Epid. 26; 31; Men. 235; 301; 
Mil. 278; 486; 689; 937; Persa 480; Poen. 791; 824; Pseud. 
423 ; 653; 654; 823; Rud. 130; 294; Stich. 64; 280; 360; 
Trin. 878; Truc. 933 u. a. m. 

VIII. H im Anlaut = chl 

Es bleibt uns noch die zweite Frage zu erwägen, ob A nicht 
noch längere Zeit sogar den spirantischen Charakter bewahrte. 
Für solche Hypothese spricht seine Herkunft, und gegen sie 
können alle diejenigen Belege nichts austragen, in denen wie in 
cohibeo, prohibeo, redhibeo u. a. auf das A ein i mit Consonanten 
folgt, das eben zerstörend wirkte. Wohl aber könnte man ihr 
sogleich das soeben angeführte Verbum redhostire entgegen- 
halten. Denn wo ein Consonant folgt, sehen wir nicht red , 
sondern re präfigirt, in rgfero, r&perio , rdcedo u. s. f., red da- 
gegen vor Vocalen, wie in redeo und redarguo : eine Argumen- 
tation, die, wie jeder sieht, nicht zwingend ist; denn wir finden 
nicht nur reddo recipirt, sondern auch reccido , reccino , redduce 
(Ter. Hec. 605) u. a. Doppel-A existirt nicht, und eine Assimi- 
lation zu rehhostire ist nicht eingetreten. Das wird um so 
begreiflicher, wenn wir bedenken, dass nur ein häufigerer Ge- 
brauch Assimilationen herbeiführt, dagegen die Sprache dies von 
Naevi us neu gebildete Wort abgelehnt hat. 

Wir dürfen und wir müssen hiernach der aufgeworfenen Frage 
näher treten, wenn wir nicht Verzicht leisten wollen, gewisse 
interessante orthographische und prosodische Erscheinungen dem 
Verständniss, das sie fordern, näher zu bringen. 

Beginnen wir auch hier mit dem Oskischen. 

Für oskisches A = ch im Anlaut könnte man erstlich die 
Funktion des A im Inlaut geltend machen. Denn es scheint 
von vornherein wahrscheinlicher, dass ein Schriftzeichen nicht 
zwei doch jsehr deutlich differirende Laute ausgedrückt habe. 


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39 


Dieser Schluss lässt allerdings einen Einwand zu. Denn auch die 
Funktion des gotischen h hat im Anlaut vielleicht differirt, und in 
hauh = „hoch“ kann nur das zweite h mit Sicherheit als ch gelten. 
Dies hat man , freilich ohne bindende Kraft , daraus gefolgert, 
dass Ulfilas sein anlautendes h auch zur Wiedergabe des gr. 
Spiritus asper verwendet und dass in lateinischer Schreibung 
das h mitunter im Anlaut fehlt, z. B. Ariamirus = Harjamers, 
eils = hails. 1 ) 

Wohl aber haben wir noch die Legende silberner Didrachmen- 
stücke, die hampanom = Campanom lautet, 2 ) anzuführen. Wenn von 
Planta diese doch offizielle oskische Schreibung lediglich als ein 
Versehen betrachten möchte, 3 ) so scheint dies eine Nothaus- 
flucht, der man sich gern entschlagen wird. Aber auch unter 
etruskischem Einfluss kann diese Schreibung nicht entstanden 
sein, wenn, wie Pauli lehrt, 4 ) etruskisches h nie aus c (Je) her- 
vorging. Es ist aber durchaus nicht ausgeschlossen, dass hier 
eine volksthümlich irrationale Aspirirung und danach Affricirung 
des Gutturalen sich äussert und dass es dem Campanus nicht 
anders ging wie dem lat. corona , ancora , Orcus u. a. , wofür 
das Volk chorona , anchora , Orchus sprach. 5 ) Ist dies aber der 
Fall, so bedeutet oskisch h auch im Anlaut ch. Vgl. hiatus = 
cyathus und das Aehnliche, das späterhin zur Sprache kommen 
wird. 

Die verwandten lateinischen Belege, zu denen wir jetzt 
übergehen, bestätigen eben diese Annahme. Vorerst aber sei auf 
lat. habeo und pron. hic haec hoc hingewiesen. Dass habeo 
sich von capio nicht trennen lässt, habe ich Rhein. Mus. 54 

1) W. Wilmanns Deutsche Gramm.* S. 110 im Anschluss an W. Braune; 
ich komme gelegentlich auf diese Argumente zurück. 

2) Friedländer, Oskische Münzen S. 33. Man nimmt an, dass diese 
Münzen, die x«fmavo(y) oder hapnavoy zeigen, in Neapel geprägt sind 
(Imboof-Blumer, Numismat. Ztschr. 1886 S. 222 ff.); stammten sie aus 
Capua, so müssten sie älter als 338 v. Chr. sein, in welchem Jahre auf 
den Münzen Capua’s romano zu erscheinen beginnt. 

8) A. a. 0. S. 355. Von Schreibfehler redet auch Conway, The italic 
di&lects I S. 143. 

4) Altitalische Studien, Tbeil IV. 

5) W. Roscher in Curtius’ Studien II S. 143 ff. ; dazu Schuchardt I 
S. 73. Im 2. Jhd. wird captU in griechischen Lettern als %anov& trän- 
skribirt, cor als hoc als o^; vgl. oben S. 31 Note. 


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40 


S. 231 f. dargethan und die lautliche Möglichkeit dieser Combi- 
nation eingehend begründet ; ebendort S. 229 ist die Beziehung 
des Demonstrativstammes hö auf den Stamm, der in cis, dtra 
lateinisch vorliegt, empfohlen. Auch das A in habeo war also 
geraume Zeiten lang Fricativa und Spirans. Dazu kommt lat. 
puleium , falls es über pulehium aus pulecium hervorging, sowie 
oskisches Marahiebs neben Marcius (oben S. 27). 

Bietet nun das Latein für diese pronuntiatio deutlichere 
Anzeichen dar ? Da gilt es zuerst Catull zu hören ; sein carmen 
84 lautet: 

Chommoda dicebat si quando commoda Teilet 
Dicere et insidias Arrius hinsidias . . . 

5 Credo, sic mater, sic Über avuncuflus eius, 

Sic matemu8 avus dixerat atque avia. 

Hoc misso in Syriara requierant Omnibus aures; 

Audibant eadem haec leniteretleTiter 
Nec sibi postilla metuebant talia verba, 

10 Cum subito affertur nuntius horribilis, 

Ionios fluctus, postquam illuc Arrius isset, 

Iam non Ionios esse sed Hionios. 

Das Gedicht stammt etwa aus dem Jahre 55 v. Chr. Wir 
stellen fest: 1) Das Wuchern des nachconsonantischen A, das 
Catull verhöhnt, betraf anscheinend nur den Guttural; wenig- 
stens ist chommoda 'hierfür das Beispiel; ein Beispiel mit th 
oder ph hat Catull nicht gewählt (vgl. oben S. 17 f.). 2) Mit 
ihm ging das Wuchern des unechten h im Anlaut Hand in 
Hand , und derselbe Mann sprach auch hinsidiae. 3) Dass 
Arrius wirklich auch Hionios gesprochen, ist nicht sicher ; diese 
Mittheilung in v. 12 kann ev. ein Witz des Catull oder der 
römischen Gesellschaft sein, die das Sprachlaster durch Ueber- 
treibung lächerlich machte; übrigens lesen wir Hioniae später 
wirklich geschrieben bei Martianus Capelia S. 337, 10. 4) Das 
A, und zwar auch das anlautende A, das Arrius sprach, war 
das Gegenteil vom lene und leve; denn es heisst, sobald Arrius 
abgereist ist, klinge in Rom alles wieder lendet et leviter (v. 8) ; 
wir dürfen dies A des Arrius also als „h forte et durum“ be- 
zeichnen. Neckisch belegt Catull alsdann die Kunde, dass das 
Ionische Meer nunmehr „Hionisch“ heisse, mit dem Beiworte 
horribilis (v. 10) ; er will horribilis offenbar mit dem nämlichen 
h forte gelesen wissen, das er hier voraussetzt, und malt uns 


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41 


damit das Geräusch. Die falsche Anwendung dieses h war aber 
5) in der mütterlichen Familie des Arrius vererbt und ging bis 
auf dessen mütterlichen Grossvater zurück, wenigstens vermuthet 
dies Gatull ( credo v. 5). Interessant ist, dass Borghesi that- 
sächlich inschriftliches Harrius ( Harria ) nachwies. 1 ) Woher 
die mütterliche Familie stammte, wissen wir zwar nicht; das 
Laster selbst aber ist mit jenem Grossvater bis in das Ende 
des 2. Jhds. vor Chr. zurück datirt. 

Wir constatiren aber noch 6), dass der Tadel und Spott des 
Catull keineswegs die Art der Lautirung des h selber anbetrifft, 
sondern nur seine Anwendung am falschen Orte ! Dies ist ganz 
offenbar und unzweifelhaft; dies ist zugleich für uns das Wich- 
tigste; aber es ist von Niemandem genügend erwogen worden. 
Man lese das Gedicht durch, um sich davon zu überzeugen. Das 
h des Arrius war das Gegentheil des lene und leve; aber nicht 
diese Beschaffenheit gab Anstoss zum Pasquill, und wenn Arrius 
ein hiems oder habeo nach seiner Weise sprach, so war dies 
offenbar ganz unauffällig. Lediglich dadurch wurde Arrius den 
Ohren (v. 7) lästig, dass man das h bei ihm zu oft, dass man 
es an falscher Stelle hörte. Rusticus fit sermo si aspires per- 
peram, sagte Nigidius Figulus. Catull verhöhnt nur das 
perperam aspirare, nicht die Beschaffenheit des 
Spiritus selbst. 

Hiernach werde ich das lateinische h im Verfolg auch als 
h forte bezeichnen. Denn Catull setzt hier unzweideutig voraus, 
dass der echte Anlaut in habeo und homo zu seiner Zeit keines- 
wegs der Spiritus lenis war; Gleichsetzung mit dem asper ist 
das Mindeste, was sich auch hieraus ergiebt. Mir aber scheint 
dieser Ansatz der Schilderung des Dichters bei unbefangener 
Betrachtung noch nicht einmal zu genügen, sondern ich gelange 
zu der Vorstellung, dass das h forte et durum, dessen Häufung 
durch falsche Anwendung den Ohren die Ruhe raubte (v. 7) und 
den Eindruck des „horribile“ erweckte, wenn auch nicht cA, so 
doch ein Laut war, der zwischen deutschem h und ch etwa die 
Mitte hielt. Es ist das energische h, das heute der Russe im 
Werth des ch lautirt (oben S. 9). 


1) Oeuvres I S. 75. 


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42 


Tauscht dieser Eindruck nicht? Wer auf das Kleine achtsam 
ist und aufliest, was nicht am Wege liegt, wird in der That 
Bestätigungen finden. Es handelt sich um sogenannte Ver- 
schreibungen in den Handschriften, in denen jedoch Reflexe der 
Aussprache des Latein zu erblicken sind; ich meine Belege 
für Vertauschung von h und ch in den Handschriften des 5. bis 
10, Jhds., die ich grossentheils erst in einem späteren Abschnitt 
vorzulegen gedenke. Denn es bleibt zunächst sehr fraglich, ob 
solche Vertauschungen auch als Zeugnisse für die Aussprache 
der eigentlich classischen Zeit verwendbar sind. An dieser 
Stelle sei nur Einiges der Art vorgelegt, Schreibungen, die vor- 
nehmlich der Ueberlieferung des Lucilius und des Plautus an- 
gehören und z. Th. einen Ruckschluss auf das ältere Latein zu 
gestatten scheinen. 

Also die Luciliusüberlieferung bei Nonius und Cicero. Sie 
giebt erstlich Ghymnis für Hymnis, das ist doch wohl Chymnis, 
fr. 618 Bähr. Sie giebt ferner, was wichtiger, beim Nonius 
hrodeti oder hrorfyty für chiridoti , s. fr. 63, und weiter, damit 
übereinstimmend, bei Cicero de fin. II 23 ein hrysizon für 
XQvaf-iov; s. fr. 414 Bähr. Zur Illustration dieses hr diene der 
an Natnrschreibungen reiche Matritensis des Corippus , der 
uns spater öfter begegnen wird ; er giebt lustin. III 100 ris attica 
für chrysattica ; nicht <?A, sondern das gleichwertige A ist hier 
vorne weggefallen. Vielleicht hatte Lucilius selbst dies Wort 
XQvaf^ov in griechischen Lettern geschrieben (daher die Buch- 
staben y und z) ; vielleicht war aber A für % schon in der Hand- 
schrift, die Cicero benutzte, eingetreten. Denn wieder ist es 
Nonins, der uns die weitere Schreibung giebt, fr. 503: 

vini inquam | hiatus ünus potuit tollere, 

nur dass irrthümlich vielmehr hiatrus dasteht. Der Becher 
cyathus war zu chyathus, dies zu hyathus geworden (wie bei 
Plautus in P Cyamus zu Chyamus , Truc. 702). Wer dem 
Augenschein noch misstraut, der sehe die Verwarnung des Gram- 
matikers Albinus, VII K. 303,11, dass man hiatus von chiatus 
(cyatus) in der Aussprache unterscheiden müsse! 

Man sieht: der Luciliustext , den Cicero benutzte, kam in 
der gelegentlichen Einsetzung des h für ch mit dem Lucilius- 
text, den Nonius benutzte, überein. Dadurch wird wahrschein- 


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43 


lieh, dass eben schon den alten Texten der Zeit Ctcero’s dies 
Phänomen eigen war. 

Es wäre wünschenswerth, dass wir solche graphischen Zeug- 
nisse mit noch grösserer Sicherheit bis in die Zeit der Republik 
zurückzudatiren und auf antike Manuscripte zurückzuführen im 
Stande wären. So ist bei Caesar bell. civ. I 15 einstimmige 
Ueberlieferung aller Mss. nicht A henobarbum, sondern Achcno- 
barbum. Vielleicht ist also die Schreibung antik. Im Plautustext 
aber, dem wir jetzt näher treten, lässt uns, wie zu erwarten, 
cod. A im Stich (denn das ecastor f. Heetor Cas. 995 möchte 
ich doch in diesem Sinne nicht benutzen); wohl aber giebt 
cod. B wieder horago für chorago Persa 159, codd. CD Iaehon 
für Iahon Poen. 1065 (vgl. 1027) und cheus f. heus Trin. 963, •) 
ja P selbst cela — das ist ceia — für heia Truc. 521. ‘Weiter 
giebt der Archetyp P chant sapis für haud sapis Mil. 1319 
(mag man hier dies haud immerhin tilgen); ja, wir lesen in P 
chirae für hirae Cure. 238. Und zwar verträgt an den beiden 
Stellen Truc. 521 und Care. 238 das Metrum die Lesung des 
h forte. 

Die erste Grundhandschrift der Palatini des Plautus weist 
indess zunächst nur bis in das 6. oder 5. Jhd. n. Chr. zurück. 
Anders steht es mit der Exclamation cui für hui , die bei Terenz 
Hec. 283 nicht nur im Bembinus, sondern überhaupt in allen 
Handschriften sich findet. Schon die voraufgehenden Beispiele 
lehren zur Genüge, dass auch dies Versehen kein blos graphisches 
(etwa Verwechselung von K und H) war, sondern auch hier 
auf Aussprache beruht haben muss. Wir gelangen somit für 
cui = chui = hui nothwendig in die Zeit des Terenz-Archetypons, 
also muthmasslich in die vorchristliche Aera. 

Diese Deutung sichert Nonius II p. 218,24 Müller, der im 
3. Jhd. die Glosse cyrnea vas vinarium, also cymea statt hirnea 
übernahm und nach etlichen Worten, die mit c anlauten, ein- 
ordnete. Der Grammatiker, den Nonius ausschreibt, hatte dies 
cyrnea aus Plantus geschöpft und den Plautusvers Amph. 429 
dafür angeführt, der bei Nonius also lautet: 

Cadus erat vini ; mde implevi cyraeam. || Ingressust viam ; 
nur ist ingressust viam bei Nonius fortgefallen.. Unsere Hand- 
schriften bieten hirneam (oder hyrneam). Die Schreibung dieses 

1) Vgl. Truc. 323, wo cod. B Proneshium , dafür CD Proneschium. 


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44 


Wortes mit h findet sich auch bei Diomedes S. 326, 22; dahin- 
gegen irnea Cato de re rnst. 81. 1 ) Man konnte nun vermuthen, 
dass der Grammatiker den Guttural im Anlaut aus dem v. 432 
des Amphitruo gewann, wo man in illac himea liest; er hätte 
hier, meine ich, irrthumlicher Weise in Üla chimea abgetheilt. 
Nur ist ein so äusserliches und lächerliches Versehen bei einem 
Grammatiker der älteren und besseren Zeit sehr unwahrschein- 
lich ; man vergesse nicht, dass uns derselbe Nonius unter vielen 
irrigen Lesungen aus seiner Quelle doch für die Grammatik so 
ausgesucht Werthvolles wie das dispennüe und distennite im 
Gloriosus 1407 erhalten hat. Entscheidend ist, dass ein dem 
cymea entsprechendes Adjektiv cyrnearius inschriftlich vorliegt. 2 3 ) 
Plautus bringt nun das in Frage stehende Wort dreimal, ausser 
der obigen Zeile lesen wir, v. 431 f. in codd. BD: 

F&ctum est illud ut 6go illic vini | hi me am ebiberim meri. 

Mira sunt nisi latuit intus illic in illac himea. 

Der Ambrosianus E stellt v. 432 vor 431. Man setzt gemeinhin 
an, dass in der ersteren Zeile vini mit himeam durch Synaloephe 
verbunden werde; dies ist durchaus unnöthig, und die Iktus 
lassen sich vielmehr bequem so vertheilen , wie ich es gethan ; 
d. h. ülud steht als zwei Kürzen in Hebung. 8 ) Also braucht 
uns hier auch die Frage nicht zu beschäftigen, ob wir v. 431 
das Mic mit C. F. W. Müller a h überflüssig oder störend tilgen 
sollen oder nicht. 4 ) Es genügt festzustellen, dass bei Plautus 
himea dreimal vorkommt und keinmal in Synaloephe steht. 
Jene Schreibung cymea war also durch das Metrum gestattet, 
und ich glaube nun allerdings, dass der Grammaticus, der sie 
uns aus Amph. 429 bringt, auch im v. 432 in seinem Plautus- 
texte las: 

Mira sunt nisi latuit intus illic in illa chimea. 

Der Ablativ illa ist bei Plautus üblich (vgl. ßacch. 1079 ; Cure. 
534) ; dagegen scheint illac seltener (Amph. 818). Man wolle nun 
beachten, dass uns nicht A, sondern P diese Zeilen bietet, 
dasselbe Archetyp P, in welchem, wie wir soeben sahen, z. B. 


1) Imela bei Paulus-Fest us S. 75 P ist davon zu trennen; s. unten. 

2) Gruter S. 643, 2; vgl. H. Caesar, Strassburger Dissert. 1886 S. 239. 

3) Die Messung ist durchaus legitim; vgl. Rhein. Mus. 51 S. 264 f. 

4) Ich habe mich ihm angeschlossen Rhein. Mus. 54 S. 205. 


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45 


auch Cure. 238 chirae f. hirae steht. Diesem chirae entspricht 
chirnea ; die Quelle des Nonius aber entnahm daraus cyrnea. 
Auch im v. 429 muss die entsprechende Schreibung gestanden 
haben. Und das war richtig und kein Irrthum, wie das Adjektiv 
cymearius zeigt. — Plautus selbst kann nur entweder in illa 
cirnea oder in illa himea geschrieben haben; aber er sprach 
nicht anders. 

Auf alle Fälle ist der variirende Anlaut cyrnea hirnea antik. 
Zur Vollständigkeit aber endlich noch Folgendes. Nonius citirt 
auch den Vers Poen. 393 mit cuius statt huius. Der Zusammenhang 
der Plautusstelle aber machte es vollständig unmöglich, hier in 
Wirklichkeit an das Relativpronomen zu denken. DerExcerptor 
hat also wiederum vielleicht das h forte mit Articulation ge- 
sprochen. 

Im Mercator 272 ist es dagegen nur der codex Vetus, der 
uns die Schreibung bietet: 

Profecto ego illum circum castrari volo. 

So (illü circa), wie gesagt, B; illuncircum CD; A stimmt mit 
CD. Unter circum ist hircum zu verstehen. Die Schreibung 
giebt Allitteration; doch haben wir für sie nicht genügende 
Sicherheit. 1 ) 

Die vorstehenden Erwägungen ergeben zweifellos, dass für 
die Buchschreiber des Lucilius, Plautus und Terenz schon früh 
und schon im Alterthum selbst h = ch gegolten hat; sie er- 
geben mit Wahrscheinlichkeit, dass schon Plantus so sprach. 
Die Lautbestimmung des h forte et durum, die Catull uns gab, 
ist damit bestätigt. Wir sind aber noch nicht am Ende, nnd 
für Plautus und das Altlatein kommen weitere und evidentere 
Zeugnisse hinzu. Sie zeigen uns ein h, das Position macht. 

Diese Zeugnisse sind in anderem Zusammenhang schon oben 
S. 17 berührt worden. Es ist wahrscheinlich, dass bracchium 
aus griechischem ßgaxicov entlehnt ist; dessen a war aber kurz; 
es ist im Latein durch eine Position gelängt, die aus griechischem x 
sich nicht erklären lässt. Hierzu kommt bestätigend Plautinisches 
Accheruns, AccherurUius , dessen erste Silbe Plautus bekanntlich 


1) Auf ein graphisches Versehen weist kalapantam f. halapantam 
Cure. 463 in B. 


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46 


nur als Länge kennt und oft verwendet. 1 ) Im griechischen 
*Jx^e wv aber war sie kurz. Das heisst: in der griechischen 
Aspirata % =« kh wurde das h vom Volk in Rom selbständig 
und als volle Spirans ausgesprochen. kh wurde zu AeA. C mit 
H machte Position. H war = gA. 

Bestätigend ist, dass uns der cod. Vetus in PI. Trin. 525 
wirklich das Schriftbild accheruntis mit cch darbietet; an einer 
anderen Stelle wurde daraas irrthümlich mit Dissimilation ad - 
cheruntem Most. 509 in CD (B dann weiter ad acherunteni). 
Aber dies beschränkt sich keineswegs auf Plautus, sondern wir 
lesen erfreulicher Weise auch sonst, wo wir es nicht erwarten: 
adherontam (so) bei Servius zur Aen. VI 385 in cod. F ; vor 
allem Accherusio lacu bei Seneca epist. S. 157, 10 in der Haupt- 
handschrift L; endlich bei Cicero deor. nat. III 43 noch im 
cod. P saec. XI Accaron f. Acheron. Schon diese Zeugnisse 
könnten genügen: sie sind ein Anzeichen, dass diese Aussprache 
des ch dem Yolkslatein zu allen Zeiten natürlich war. 

Man denke an cyrnea , chirnea zurück: für das Volkslatein 
und für Plautus ist h vielfach ein fester Consonant gewesen. 

Die ältere lateinische Rechtschreibung war monoton und 
unausdrucksfähig ; erst die Verfallszeit, von der Schule losge- 
lassen, wagte die verschiedensten Versuche, das, was man hörte, 
wirklich in Buchstaben wiederzugeben. Darum sind die 
Schreibungen der Verfallszeit auch für das ältere Latein so lehr- 
reich. Wir können mit ihrer Hülfe den allgemeinen Satz auf- 
stellen: Deutsches intervocalisches ch sowie griechisches inter- 
vocalisches kh (%) war dem Volkslatein zu sprechen überhaupt 
unmöglich ; daher Graccus , Gracchus u. s. f. Enthielten Lehnworte 
solches x, so trat im Volk unwillkürlich cch für % ein. Dies 
verräth sich uns ausser in den obigen Schreibungen auch noch 
in Acchilli: so bei Servius zu Aen. IV 340 med. in cod. F; 
maccina , so in Ambrosius Exameron ed. Schenkl I S. 224, 20 in 
den beiden Handschriften C und G, wo dann die corrigirenden 
Hände noch ein h zufügten : also macchina ; moeccha bei Ausonius 
Epigr. 9, 1 in der Haupths. T, und wiederum moeccus bei Plautus 


1) Auch in Achülem Merc. 488? Vgl. Spengel T. Maccius Plautus 
S. 69; B. Baier in der Sammelschrift für M. Hertz (1888) S. 275 ff. 


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47 


Mil. 775 in CD; 1 2 ) endlich Varro Sciamacchia ; so citiren alle 
Hss. bei Nonius II p. 115,8.*) 

Wo das wirkliche Volk die Entlehnung ausführte, wie in 
bracchium , da wurde diese Schreibung und Messung recipirt, 
wo nur die Gebildeten allein es th&ten, da befleissigte man sich 
das x der Griechen durch solche Gemination nicht zu entstellen. 

Aber nicht nur die Plautinische Messung von Acherum hat 
hiermit ihre Begründung gefunden, sondern es kommt nun weiter 
drachma und techna hinzu. Ich beginne mit dem werthvollen 
codex Lugdunensis des lateinischen Pentateuch aus dem 5. Jhd., 
der uns S. 239 und 240 ed. Robert wiederholt die Schreibungen 
didragchma und didragchima darbietet. Auch in diesem Wort 
war ch Doppelconsonanz. Ich combinire damit das draccum , 
das so für drachmum bei Cicero epist. II 17,4 überliefert steht; 
vgl. ÖQaxctg f. dQaxuctg Gell. I 8,5. Suchen wir nun das Wort 
bei Plautus auf, so lesen wir wirklich Trin. 425: 

Trapezitae mille drahcumarum Olympicum. 

So, mit Ac, die Handschriften CD. Der Vers ist nur dann 
hiatlos, wenn wir in drachumarum die erste Silbe längen. Auch 
in drachma oder drachuma war die erste Silbe positionslang. 
Und die Schreibung hc selbst ist dafür ein Anzeichen; man 
vergleiche jenes bahcas , das für Bacchas bei Martianus Capella 
p. 405,2 überliefert wird; sowie brehcae f. Bacchae Naevius 
trag. v. 81 R. (aus Nonius). 

Hiernach sind nun die weiteren Stellen bei Plautus zu beur- 
theilen; er verwendet sonst die Form drachma ohne Epenthese; 
und sie hatte bei ihm lange erste Silbe, nicht kraft des w, 
sondern kraft des ch; drachmam ist also beizubehalten Merc. 777, 
wie es P giebt (A fehlt); ebenso Pseud. 86 und 93, wie es A 
giebt; Pseud. 100 treten sogar A und P einstimmig für die 
zweisilbige Form ein; auch Pseud. 808 steht sie richtig und 
zwar als drahcmis in P, wo anf die Stellung hc zu achten ist 
(A fehlt; Luchs drachumissent), Pseud. 88 und 91 ist sie 
endlich gegen A und P einzuführen. 


1) Wenn B hier cecus giebt, so seheint in ihm die Silbe mot weg- 
gefallen und cecus aus ccue entstellt zu sein; die Schreibung geht also 
auf P zurück. 

2) Etwas anders, aber doch vergleichbar bacchülum f, baeillum CIL. 
VI 18086, 


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48 


In Bezug auf techna zeigt P (A fehlt) das nämliche Schwanken ; 
die zweisilbige Form erhalten wir richtig im Werth des Trochäus 
Capt. 642, Bacch. 392 ; dagegen Most. 550 giebt sie nur B* und 
D ex ras. Endlich Poen. 817 hat cod. Turnebi techniae (doch 
ist die Mittheilung hierüber für das in Frage stehende ch nicht 
zuverlässig), C tehine , D tehinq (B tethine), woraus D 4 tehn$ 
herstellt. Man sieht wenigstens, auch hier dürfte P h = ch 
geboten haben. Und ich halte es nun für geboten, nach Analogie 
der nachgewiesenen Längen in Acheruns und drachma ( dra - 
chuma) auch trochäisches techna in den Text zu nehmen. 

Wer auf die besprochenen Fälle zurückblickt, wird übrigens 
leicht bemerken , dass sich das cch überall just hinter der 
accenttragenden Silbe befindet; dies ist nicht Zufall, und so er- 
klärt sich , dass Plautus bei Namen wie Antiochus, Mnesüochus 
an solche Verstärkung nicht denkt. 1 ) 

Dies das h in der Position. Wir dürfen vermuthen, dass 
auch der Arrius Catull’s in chommoda das h ebenso anschlug; 
dies h aber wird von Catull mit dem anlautenden h in hinsidiae 
gleichgesetzt (s. oben S. 40). Das h war hier wie dort h forte 
atque durum. 

Endlich dürfen wir überzeugt sein, dass, wenn sich die 
spätere Zeit vielfach Bachus statt Bacchus , brachium statt brac- 
chium , Grachus statt Gracchus etc. zu schreiben begnügt, damit 
nicht eine Vereinfachung der Doppelconsonanz zum Ausdruck 
kommt, während doch die betrettenden ersten Silben sicher 
positionslang blieben; vielmehr galt h gewiss auch hier 
als ch und reichte aus, die Position anzuzeigen. 

Plautus selbst hat natürlich die Länge für das Auge nicht 
darstellen können; er hat weder Acceruns noch Acheruns , son- 
dern nur Aceruns geschrieben; denn das Schreibwesen seiner 
Zeit gestattete ihm weder die Consonantengemination noch 
nachconsonantisches H (vgl. oben S. 17 f. und bracium CIL. I 
198,52). Doch handelt es sich für uns nicht hierum, sondern 
um seine Silbenmessung und Aussprache. 

Unser Ergebniss: Das h der republikanischen Zeit von 
Plautus bis auf Catull ist nicht nur so wahrnehmbar wie der 
griechische Spiritus asper und nicht nur von der Stärke des 

1) Aul. 779 kann nicht etwa Mtos fuü pater Antim&chue gemessen 
werden. 


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49 


nhd. h gewesen, sondern ist im Volke sogar als Spirans articulirt 
worden und war seiner gutturalen Herkunft entsprechend, wenn 
auch nicht mit ch identisch, so doch immerhin ein energischer 
Laut, der zwischen deutschem h und ch hin und her ging. 
Dieselbe Qualität des* h tritt im 3. — 6. Jhd. nach Chr. von 
neuem hervor. Es ist dies eine der vielen Erscheinungen, in 
denen das Altlatein im Spätlatein wieder auflebt; beides war 
eben unaustilgbares Volkslatein. 

Hiernach erwächst uns eine neue Aufgabe. Wir sind end- 
lich berechtigt, verpflichtet und ermuthigt die metrische Funktion 
des h in der altlateiniscben Poesie, insbesondere bei Plautus, 
im Ganzen zu betrachten. 

Niemand bezweifelt, dass bei den Dichtern des Spätlateins 
h den Hiat verhindert und Position macht, und man liest und 
edirt demgemäss ohne Anstand Verse wie die folgenden : 

Juvencus IV 127 Pondera, | his Iudas eqs. 

Cypr. Exodus 362 . . . putatur | hinc fore damnum. 

ib. 508 (Hendecasyll). Cüi glöria cum | honöre pöllens. 

Dracont. c. min. 8. 201 Nec hoc fata sinant eqs. 

u. s. f. u. s. f. Es ist nicht einzusehen, warum die Verse bei 
Plautus, die das nämliche Phänomen zeigen und die nach 
Hunderten zählen, nicht ebenso gelten sollen. Man hat sich 
gegen ihre Geltung in früheren Zeiten gesträubt, weil über den 
Lautwerth des lateinischen Spiritus die irrigsten Vorstellungen 
herrschten. Jetzt, da von einem stummen h im Latein nicht 
mehr die Rede sein kann, fallen jene Bedenken vollständig fort. 
Das nächste Capitel soll die Belege übersichtlich vorführen. 
Verse wie Amph. 146: 

Ea signa nemo | horum familiarium 

reden für sich selber; es wäre unbegreiflich, wollte man an- 
gesichts des Vorgetragenen bei viersilbigem nemo horum noch 
von einem Hiat reden, und wir können nur mit Bedauern dem 
Zeitverlust derer Zusehen, die sich quälen durch Füllconjekturen 
die scheinbaren Lücken in solchen Versen zu beseitigen. Die 
Frage nach dem Hiat bei Plautus fängt erst an, wenn man die 
sämtlichen Fälle mit A- Anlaut bei Seite stellt; in diesem Sinne 
soll sie im Schlusscapitel dieses Buches aufgeworfen werden 
und eine kurze Besprechung erfahren. 

B i r t , Th., Der Hiat bei Plautus. 4 


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— 50 


Wo Plautinisches A, wie in obiger Zeile, nur den Hiat 
verhindert, da genügt es immerhin, seinen Werth dem deutschen 
A gleichzusetzen (vgl. oben S. 8); wo es dagegen Position 
macht, wie Asin. 775: 

Neque illaec ulli pede pedem | ho mini premat, 

muss wohl über diesen Ansatz hinausgegangen werden. Das starke 
Geräusch des h, das noch Catull als selbstverständlich betrachtet, 
hat umsomehr für die alte Komödie gegolten. 

Wie aber ist hiermit die andre Thatsache zu vereinigen, 
dass dies A im Anlaut dem Plautus daneben die Elision eines 
voraufgehenden Yocals gestattete? Und solche Elision war in 
seiner Bühnensprache nicht nur gestattet, sondern schon das 
vorwiegende. Me hac ist einsilbig Aul. 60 wie cum hoc Epid. 295, 
Men. 324 , wie do haue Merc. 447 ; quae habitat dreisilbig 
Cist. 100; tu hohes ist Anapäst, als stände spiritus asper, Stich. 
712; am Yersschluss findet sich omnia haec Cure. 323 u. s. f. 
Man wolle übrigens nicht glauben, dass dieses A, weil es sich 
in der Verschiebung befindet, nicht .mehr gehört worden sei. 
Plautus zeigt diese Yerschleifungen auch da, wo er das h 
allitteriren lässt (vgl. die Stellen S. 37 f). Lehrreich und werth 
zusammengestellt zu werden sind die Fälle, wo die Handschriften 
selbst die Elision in der Schrift ausdrücken. Beim Cornificius 
ad Herennium p. 274, 7 ed. Marx finde ich maesthilare ge- 
schrieben. Das A konnte auch als Aspiration des t noch ge- 
hört werden. 

Auf die erhobene Frage aber können wir zunächst mit der 
Gegenfrage antworten: wie kommt es, dass die Dichter des 
Spätlatein das A nicht nur als Consonant behandeln, sondern 
daneben und häufiger über das A hinweg Verschiebung ein- 
treten lassen? Sedulius schreibt c. pasch. I 70 Quis pereuntem 
hominem , 247 Semihominem , 274 verique hac arte , 307 Namque 
homines ; Cyprianus Gallus Genesis 230 Multimodosque homi- 
num ; ähnlich v. 269, Exodus 83 u. s. f. Dracontius 8, 50 Unde 
haec causa fuit , 145 iamque Hicuba latrat. Der Conflictus 
veris (Alcuin carm. 58 ; anthol. lat. 687 Riese), dem die Synalöphe 
fast unbekannt ist, 1 ) schreibt doch neben tarda | hiems und 


1) Nur die beiden erzählenden Verse 43 und 44 dieses Gedichtes 
haben zweifellos Synalöphe; der ganze voraufgehende Dialog entbehrt 


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51 


plura | hiems auch glacialis | hiems (v. 13), lässt also das h 
wenigstens nicht Position machen. Die Antwort auf diese 
Frage wird jeder leicht sich selber geben. Für Plautus muss 
sie aus der richtigen Schätzung seiner gesamten Yerskunst 
fliessen. Des Plautus Wesen ist die Inconstanz, und er zeigt 
uns in vielen Punkten einen Zustand des Ueberganges, des 
Uebergangs der specifisch lateinischen Silben- 
messung zu der griechischen. 

Zunächst: sein Wesen ist Inconstanz. Wer weiss nicht 
und rechnet nicht damit, dass Plautus bald aiebat , bald aibat, 
bald dixti , bald dixisti schrieb? Das Regelrechte bei ihm ist 
s&quidem ; wo es passt, kann Plautus aber auch si quidem setzen 
(Asin. 712; Cist. 48); ibidem ist Regel; aber ibidem steht 
wiederum daneben und lässt sich nicht wegdeuten. 1 ) So er- 
scheint Pellaeus mit langer Mittelsilbe Asin. 397, mit kurzer 
v. 333. Hart neben einander setzt Plautus die Dative mihi 
und mi (Amph. 790 und 791), hart neben einander die Nomi- 
native iste und istic (Rud. 1125 und 1126); und wenn es und 
est schwachen Vocal hat und in zahllosen Fällen Aphäresis er- 
leidet, so kann der Dichter doch, so oft es ihm genehm, diese 
Schwäche des Vocals ignoriren und dignus es als vollen Cretikus 
setzen Rud. 800; nullus est ib. 994; vgl. Men. 325; Merc. 
934 etc. etc. ; neben einander melitist Miles 914 und probus est 
Miles 915. Plautus trägt die Doppelwerthigkeit seines Silben- 
m&terials geradezu übermüthig zur Schau, und seine Verse 
sind Orgien der Licenz in diesem Sinne. 

So zeigt er uns nun auch den Uebergang der specifisch 
lateinischen Silbenmessung zur griechischen. 

Nichts nimmt da so breiten Raum ein als die sogenannte 
Jambenkürzung. Eine jambische Silbengruppe wie potest oder 
die erste Hälfte in volupt(ateni) konnte ad libitum als zwei 
Kürzen gelten; sie konnte es, aber sie brauchte es nicht. Der 
Dichter mass nach Belieben. 


ihrer, aber überhaupt das ganze übrige Gedicht, falls man in v. 50 und 
54 gewissen Hss. folgt: venicmt ad mulctra capeUae (vgl. Horaz Epod. 16,41) 
und Omnia te spectant. Ueber spectare = expectare 8. den Index zum 
Claudian. 

1) Seyffert in Bursian’s Jahresber. Bd. 80 S. 261 gegen P. Langen. 

4* 


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62 


Öiese Freiheit herrschte schon im versus Saturnius; 1 ) der 
Bühnenvers übernahm sie von dort, bis es dem Einfluss des 
Ennius und dem der griechischen Vorbilder gelang sie zu ver- 
nichten. 

Breiten Raum nimmt bei Plautus auch die Kürzung ge- 
wisser trochäischer Wörter wie ille, nempe , unde ein, die in 
der Sprache des Alltags arg abgenutzt waren ; auch diese ver- 
wendet er, wo es ihm passt, als zwei Kürzen, an andern Stellen 
wahrt er dagegen die Länge ihrer ersten Silbe 2 ); ecquis steht 
sogar in ein und demselben Verse als Trochäus und als Pyr- 
rhichius, Rud. 413: Heus Scquis in vülast? ecquis höc reclüdit? 
ecquis prödit? Wiederum war es die getreue Nachfolge der 
griechischen Quantitirung, die den Späteren diese Licenz verbot. 

So nun die zweifache Werthung der Aspiration. Im Satnr- 
nischen Verse ist h stets nur Fricativa, steht nie in Verschiebung, 
bewirkt dagegen Hiattilgung und Position (s. unten). Das war 
das echt Lateinische. Livius Andronicus, Naevius und Plautus 
waren aber in der Lektüre griechischer Bücher, insbesondere 
griechischer Dramen gross geworden. Sie fanden in ihnen den 
griechischen Spiritus asper durchweg oder mit ganz geringen 
Ausnahmen (wie dreisilbiges ovdh i'v) prosodisch als quantitätlos 
und dem lenis gleich behandelt. Zugleich war es für diese 
Dichter naheliegend, das lat. h mit dem Spiritus asper gleich- 
zusetzen ; denn schon die alten Entlehnungen wie Hercules 
\ HQaxXfjg , hemina rjplra , hilarus IXagog sprachen dafür; wenn- 
gleich der Römer, so lange er naiv war, den Anlaut dieser 
Lehnwörter unzweifelhaft in seinereignen Weise und energischer 
lautirte als der Grieche den Spiritus (oben S.7). Der echte Werth, 
den das h im versus Saturnius hatte, wurde im lateinischen 
Drama nun zwar in vielen Fällen beibehalten; das folgende 
Register wird etwa 400 Beispiele geben. Daneben aber wurde 
seine Gleichsetzung mit dem Spiritus, die vielleicht schon 


1) Mit J&mbenkürzung sind die Saturnier zu messen: 

NevÖl verve Marmar sins incurrere in pleores. 

Dedöt Tempestatebus aede mereto votam. 

Livius Andronicus Odyss. fr. 16 Bäbr: 

Apüd nympham Atlantis filiam Calypsdnem. 

2) Das Nähere s. Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 170 ff. ; vgl. oben S. 44 
über gekürztes ülud. 


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53 


Livius Andronicus in seinen Schulstunden theoretisch vortrug, 
ausgenutzt und auf das bequemste verwendet. Denn wie viel 
leichter Hessen sich jene Gesprächsverse der Bühne anfertigen, 
wenn h nicht fortwährend dazwischen trat und hier Positions- 
längen erzwang, dort Ueberschleifungen verhinderte. Das 
Plautinische Verfahren zeigt somit auch hier den Uebergang 
der specifisch lateinischen Silbenmessung zur griechischen. 

Wie war aber endlich eine so wechselnde Werthung und 
Aussprache ein und desselben Consonanten möglich? Auch hier- 
auf bietet uns Plautus und das Altlatein selbst eine Antwort 
dar. Der Spirant h im Anlaut war für Plautus in gleichem 
Sinne eine schwankende Grösse, wie es für ihn der Spirant s 
im Auslaut war. 

Zuvor sei noch im Vorübergehen an die Accusativformen 
med und ted erinnert. Plautus hat auch für sie ein doppeltes 
Verfahren und lässt die Pronomina me und te , wenn ein Vocal 
nachfolgt, in der Mehrzahl der Fälle in diesen aufgehen und 
der Synalöphe verfallen; daneben aber hält er noch an recht 
zahlreichen Stellen an jenem alten Auslaut fest, der sie vor der 
Verschleifung schützte, so dass wir Cist. 139 med , gleich darauf 
140 elidirtes me finden und man Aul. 132 schwanken muss, ob 
ego ted et tu, me ut fäcias oder ego tu et tu med ut facias zu 
lesen ist. Hier trat indess bald hernach eine wirkliche, voll- 
ständige und dauernde Zerstörung des finalen d ein. Anders 
das auslautende $. 

Die Licenz des Dichters gestattet dem finalen s wiederum 
eine doppelte Funktion; es verhindert erstlich die Verschleifung 
wie Amph. 154 solus ambulem ; 257 manibus orant ; 296 uc- 
cepturus est ; 299 quam välidus est ; 310 hoc noctis esse ; 355 
fdmiliaris accipiere; 369 mentiris et\am \ 425 dlius adfuit ; 470 
erroris ambo ; 504 summus imperator ; und dem entspricht, dass 
es mit folgender Consonanz Position macht wie Amph. 186 
opinatüs fui ; 252 ipmsque Amphitruo; 254 inpransus fui ; 405 
hüc erüs misit meus ; 646 meus victor (Baccheen); 763 animatüs 
fui . Zweitens aber macht es auch nicht Position und wird 
prosodisch vollständig entwerthet, wie Amph. 19 IovXs iüssu ; 
213 ntmXs ferociter : 289 meus pater ; 354 mentiris nunc ; dazu 
324 exercituru’s ; 323 super stitiosust; 352 tutatust ; 363 prae - 
fectusi ; 381 erust\ 445 opitst ; 664 meliust Daher endlich sein 


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54 


f. scisne, vin f. visne , audin f. audisne u. a. m. Diese Art der 
Entwerthung des s hat die weiteste Ausdehnung. Zudem ist 
neuerdings die Hypothese aufgestellt worden, dass s auch bei 
folgendem Vocal von Plautus unterdrückt und über dies s hin- 
weg Verschiebung zugelassen sei, wie in ornat(us) incedis u. ä. 
oder in similest aus similis est , mit Elision der dritten Silbe 
(z. B. Amph. 442 und 443). Ist dies richtig, so wäre die Ana- 
logie zum A eine vollständige. Jedoch bedarf diese Frage einer 
Neubehandlung, für die ich Rhein. Mus. 51 S. 248 f. nur eine 
Andeutung geben konnte, und ich vermag von dieser scheinbaren 
Analogie hier keinen Gebrauch zu machen. Das Festgestellte 
muss uns genügen: s hatte im echten Latein zwei Werthe, wie 
A; es wurde als Consonant gerechnet und nicht gerechnet, wie 
A. Erst der Einfluss der griechischen Poesie brachte für beide 
Laute allmählich eine Regulirung und zwar im entgegengesetzten 
Sinne; der s-Laut wurde mit griechisch Sigma identificirt; 
darum musste er, wie dieses, hinfort im Auslaut prosodisch 
gelten und durfte nicht mehr abfallen; der A-Laut wurde mit 
dem Spiritus asper geglichen; darum durfte er, wie dieser, in 
der Prosodie hinfort keine Geltung mehr haben. So ist für s 
und A in der That der weitere Hergang in der Kunstpoesie 
Rom’s verlaufen, aber er widersprach den Thatsachen. 
Denn das Schluss-s wird in den Inschriften der republikanischen 
Zeit bekanntlich in zahlreichen Belegen nicht geschrieben, seine 
Aussprache hatte also in Wirklichkeit gelitten ; ') der A-Anlaut 
wird umgekehrt auf keiner Inschrift der Republik vermisst, und 
seine Aussprache hatte in Wirklichkeit nicht gelitten. 

Wir lernen daraus, dass für die Kenntniss der Aussprache 
des volksthümlichen Latein die Verskunst eines Vergil und der 
geschulten Sprache durchaus irre führt, denn diese Schulung 
war eine griechische. Wir werden diese Warnung uns im Ver- 
folg zu Herzen nehmen und treten nunmehr an die Aufgabe 
heran, aus der Zeit der Republik, von der allein wir zunächst 
handeln, die Verse zu sammeln, in denen das A wirklich als 
Consonant gemessen ist. 

1) Zur Schwäche des finalen s vgl. Corssen Aussprache I* S. 285 ff. 


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55 


IX. Stellens&mmlung. 

Ich gebe im Nachfolgenden die mir bekannten Belege für 
consonantische Funktion des A in derVerskunst des dritten und 
zweiten Jahrhunderts vor Chr. Die Anordnung ist, soweit mög- 
lich, die chronologische. Dieselben Belege sind zum grössten 
Theil schon im Rhein. Mus. 54 S. 55 ff. und S. 208 ff. vorgelegt. 
Ich verweise auf die dortigen genaueren Ausführungen, indem 
ich mich hier darauf beschränke, nur die Verse selbst vor Augen 
zu führen, wie die Ueberlieferung sie giebt oder wie sie in 
engstem Anschluss an die Ueberlieferung gewonnen sind. Nur 
hie und da ist auf die frühere Besprechung noch besonders 
zurück verwiesen. Was im Text in Klammern steht, ist Ergän- 
zung. Doppelstrich bedeutet Personenwechsel im Vers des Drama. 

Im Uebrigen sei erwähnt, dass schon von Anderen die Mess- 
barkeit des h forte im Plautus bemerkt worden ist. 1 ) Zeit- 
weilig nahm man zu glossographischem fostis f. hostis, fariolus 
f. hariolus seine Zuflucht und wollte solche Formen an Stellen 
wie Miles 4 in den Text gesetzt wissen. Dies ist nicht ernst 
zu nehmen. 2 3 ) Nicht besser aber steht es mit dem Vorschlag, 
in den Versen, wo hodie steht, hocedie und endlich in denen, 
wo homines , vielmehr homones zu schreiben. Diese beiden 
Hülfen stammen von Bergk 8 ) und werden noch heute wenigstens 
der Erwähnung für werth gehalten. Wer aber unsere Sammlung 
durchsieht, gelangt zu der Erkenntniss, dass der Quasi-Hiatus 
bei hodie Und homo kein anderer ist als der, der bei hic und 
habeo steht, und dass alle diese Fälle schlechthin die gleiche 
Beurtheilung erfordern. Dazu kommt, dass hocedie nirgends 
belegbar, von der ganzen Litteratur Rom’s verschmäht, eine 
augenscheinlich nur gelehrt construirte Form ist, die man bei 
Marius Victorinus findet. 4 * * ) Und homones mag dem Epos des 
Ennius eignen ; für den Komödientext hat die Bildung wiederum 


1) S. A. Spengel a. a. 0. S. 198 f.; vgl. W. Christ, Metrik der 
Griechen und Homer S. 15*. 

2) fospes Schenkl im Poen. 120. Einmal finde ich im Plautus Mil. 
831 in P wirklich feminas f. heminas tradirt; ein durchsichtiges Versehen. 

3) Opuscl. I S. 111 und 147 f. 

4) VI K. 9, 19, wo es allerdings den antiqui vindicirt wird; zugleich 

aber auch hacetenus ; beides ist mit gleicher Vorsicht aufzunehmen; s. 

C. F. W. Müller Prosodie S. 131 f. 



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56 


keine Gewähr ; *) auch wird ihre Einsetzung an vielen der 
folgenden Stellen geradezu durch das Versmass ausgeschlossen; 
und hätte sich Plautus denn nicht lächerlich gemacht, wenn er 
seinen munteren Personen statt des Schimpfwortes flagitium | 
hominis vielmehr ein erlesenes flagitium homonis in den Mund 
gelegt hätte? 

Man hat dieses flagitium hominis aber auch so auffassen zu 
können geglaubt, als ob nicht das A, sondern das m die Ver- 
schiebung verhindere. 1 2 ) Soll das gelten, so hat man den Satz 
auch auf cruminam hanc Persa 685, illum hominem Persa 738, 
ridicnlum hominem Stich. 171, partem Herculi Stich. 233 u. a. m. 
auszudehnen. Vielmehr der entgegengesetzte Schluss ist der 
richtige. Man nehme Silbengruppen wie nemo hürum Amph. 146, 
genera höminum Pseud. 153, növi hömines Men. 961, frügi hö- 
minibus Trin. 1018, ibo hanc Cist. 650, pSrii höspes Asin. 416, 
divine hüc Amph. 976, nihili homö Bacch. 904, da virö hanc 
viniam Cas. 1000, meministi here Persa 108, aurum habes Truc. 
919, lepida hilara Rud. 419, quia | hic Cure. 61, vgl. Poen. 1344, 
und gehe methodisch von ihnen aus, um die übrigen Belege 
richtig zu würdigen. Entscheidend sind endlich die Stellen, an 
denen h wie bei den Dichtern des 3. — 6. Jhds. n. Chr. Position 
macht. 

Auf die Hypothesen der Neueren aber, die den Zusammen- 
stoss unverschliffener Vocale bei Plautus unter gewissen Bedin- 
gungen als zulässig zu erweisen suchen ( domi \ uxör , perdidi | 
ubi tu tuam u. ä.) , ohne bei solchen Erörterungen anlautendes 
h in Rechnung zu ziehen, gehe ich hier nicht ein. Denn es ist 
absurd, nach den vorstehenden Erwägungen altlateinisches A 
noch unbesehen mit dem Spiritus lenis prosodisch gleichzusetzen. 


1) homonum hat freilich der Codex Turnebi Persa 779 mit B; aber 
gerade hier zerstört die Form das Metrum. Um solche falsche Archaismen 
der Spätzeit richtig zu würdigen, beachte man das homonum im geo- 
graphischen Tractat bei Riese Geogr. lat. min. S. 131, 12 (cod. F saec. 
V1U) oder homone bei Valerius Maximus ed. Kempf* p. 313, 10. Auch im 
Walthariusliede steht homonem v. 599 und 953, auch im Hincmar: 8. 
Traube in Rödiger’s „Schriften zur germanischen Philologie“ Heft I (1888) 
S. 140. Verrätheri8ch ist auch die Uebergangsform homoinem Plaut. Pseud. 
734 in B. 

2) Lindsay, Lat. Linguage S. 57, der circutt vergleicht. 


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57 


Im Schlusscapitel werde ich auf jene Hypothesen kurz zurück- 
kommen. Denn auch ihnen gelingt es keineswegs, alle über- 
lieferten Hiate der Komödie restlos in glaubhafter Weise zu 
erklären. Erst nachdem die Natur des lat. h festgestellt ist, 
kann auch der lat. Spiritus lenis daraufhin untersucht werden, 
inwieweit er etwa wirklich jenem h prosodisch gleichkam. 

Versus Saturnius: 

carm. epigr. 2, 5 cuquei | h ü c dederu(nt i)nperatöribus sdmmeis 
„ „ 4, 2 parens timens heic vövit voto | h 6 c soluto 

„ „ 9,6 ne quäeratis | honore quei minus fit mand(at)u(s. 1 ) 

Livius Andron. Od. 7 Bäbr. Quae | haec daps est, qui festus dies w w w 
Naevius bell. Poen. 23 Bähr: ^ — silvicolae | homines bellique inertes. 
Elogium des Atilius Calatinus: *) Undm | hunc plurimae consentiunt gentes 

Populi primarium fuisse virum. 

Als minder sicher füge ich hinzu; 

carm. Saliare: Conzevios | hordesios optimos maximos Ianos.*) 

Livius Andron. Od. 27 : Topper facit | homines dt prids fuerunt 
Naevius b. Poen. 51: Honerariae |hondstae... 4 ) • 

Tabula in aede Matris Matutae : cuius rei ergo | h an c tabulam donum Ioni dedit. 

Bühnendichter: 

LiviusAndr.com. 2: (Ille) corruit quasi ictus scenaj, haut multo secus. 

„ „ trag. 8: Nemo | haec vostrum ruminetur mulieri. 

Naevius com. 21 : Quis heri apdd te ? || Praenestini et Lanuvini | h 6 s p i t e s. k ) 
„ „ 36: Nolo egö | hanc adeo efflictim amare, diu vivat volo. 


1) Ygl. Rhein. Mus. 54 S. 208. 

2) Bei Cic. Tusc. Y 13 ; Cato maior 61 ; de fin. II 116. 

3) Rhein. Mus. 54 S. 209. 

4) Honu8tu8 wird uns mit h spurium für die „veteres a durch Gellius 
II 3 ausdrücklich bestätigt. 

5) Dass diese Zeile nur als trochäischer Septenar lesbar ist, habe ich 
a. a. 0. S. 210 begründet; denn Lanuvini ist wie bei Catul] 39,12 vier- 
silbig. In Quis heri kann quis positionslang sein. Wenn ich betreffs der 
bei Macrobius folgenden Yerse dort kurz sagte, dass sie mit dem obigen 
nicht direkt zusammenhingen, so bedarf dies vielleicht einer Erläuterung. 
Die Fortsetzung lautet: 

— oSu°pte utrosque decuit acceptos cibo, 

Alteris inanem bulbam madidam dari, 

. Alteris nuces in proclivi profundere. 

Dies sind trochäische Heptapodien (v.2 vulvulam) ; der Excerptor hat sie viel- 
leicht aus Septenaren verkürzt ; mag man aber daraus immerhin mit Ribbeck und 


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Naevius com. 115: (N&m) utrum scapulae plus an collus cälli | h a b e at nescio. 
„ trag. 54: Diabathra in pedibüs | h a b'e b a t , erat amictus epicroco. 

„ „ 69: (Meorüm) trionum | bi'c moderator rusticus. 

„ „ 13: Numquam | ho die effugies quin 

Meä manu moriare. 1 ) 

PI. Amphitr. 146: Ea signa nemo | hör um familiarium. 

„ „ 230: Vota suscipere | hortäri exercitum.*) 

„ „ 264 : Neque ego hunc hominem | h 6 d i e ad aedis has sinam 

unquam accedere. 

„ „ 294: niic homo | hoc denuo vult pallium detexere. 

„ „ 356 : Hic inquäm | h a b i t o ego atque | h 6 r u n c servos sum. || 

At sein quo modo ? 

„ „ 462: Ut ego | hodie raso capite calvos capiam pilleum. 

„ „ 486: Sed Alcumenae | hui'us honoris gratia. 

„ „ 520: Quoi ego iam | hoc scipione. || Ah noli || Muttito modo. 

„ „ 545 ; Prius tua | opinione hic adero , bonum animüm | habe. 

„ „ 574: Homo | hic ebriüst ut opinor. 

„ „ 634: In aetate | h 6 minu m (bacch. Dimeter). [miser. 

„ „ 668: Gravidam ego illam | hic reliqui quom habeo. || Ei perii 

„ „ 875: Frustrationem | h 6 d i e iniciam maxumam. 

„ „ 924: Da mihi | hanc veniam, ignosce, irata ne sies. 

„ „ 974 : Iam | h i dmbo et servos et era frustra sunt, suom.*) 

„ „ 976: Nunc tu divine | hüc fac adsis Sosia. 

„ „ 1003: Eum fecisse Ille hodie arguet quae ego fecero | h ic. || 

„ „ 1075b: Amphitruo | hic quidem erus meus. [Quid mea? 

Asin. 20: Si quid med erga | hodie falsum dixeris. 

„ 103: Perficito argentum | hodie ut habeat filius. 

„ 275: Mea quidem | hercle opera Über numquam fies ocius. 

„ 379 : Ille est ipsus. Iam ego recurro huc. Tu | hunc interea hic 

tene. 4 ) 


seinen Vorgängern iambische Senare hersteilen. Jedenfalls standen sie mit 
der Frage und Antwort: „wer war gestern bei dir?“ „Gastfreunde aus 
Praeneste und Lanuvium“ nicht in direktem Zusammenhang. Denn der 
Mahnung „es ziemte sich beiden ihr Leibgericht vorzusetzen, den einen 
vulvula, den andern nuces“, musste die Frage vorhergehen : „was hast du 
ihnen vorgesetzt?“ sowie die Mittheilung eines grossstädtischen römischen 
Essgerichtes , zu der dann diese Mahnung eben in Gegensatz trat. Statt 
einer Speise konnte aber auch renommistisch eine ganze römische Speise- 
karte vorgelegt werden. Inzwischen wechselte das Metrum. Bei Macrobius 
sind zur Vereinfachung der Uebersicht beide Stellen contrahirt und in 
engeren Zusammenhang gebracht. 

1) A. a. 0. S. 244. 

2) Cretici und Trochäen; anders behandelt a. a. 0. S. 240. 

3) S. a. a. 0. S. 77. 

4) A. a. 0. S. 62. 


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59 


Asin. 416: Tu verbero imperium meum contempsti ? || Perii | höspes. 

„ 463 : Salvum hercle erit. || Credäm fore düm quidem ipse in manu | 

habebo. * 

„ 473 : Flagitium | h o m i n i s , da öbsecro argentum huic ne male loquatur. 
„ 630 : Qui | h 6 d i e numquam ad vesperum vivdm. || Qua propter quaeso. 

„ 631: Quia ego hanc amo et | ha ec me(d) amat; huic quod dem 

numquam quidquam est. 

„ 706: Demam hercle iam de | hordeo tolutim ni badizas. 

„ 756 : Alienum | h o m i n e m | intro mittam neminem. 

„ 775: Neque illaec ulli pede pedem | homini premat. 

„ 779: Talös ne cuiquam | homini admoveat nisi tibi: 

„ 810: Sequdre | hac. Egone haec patiar aut taceam? emori. 

„ 871: Eum etiam | hominem in senatu ddre operam aut clientibus. 

Aulul. 111: Nam non est veri simile | hominem pauperem. 

„ 131: Neque occültum id | haberi (bacch. Dimeter). 

„ 271: FOiam despondi; hodie ego | huic nuptum Megadorö dabo. 

„ 392 : Perii | hercle, aurum rapitur, aula quaeritur (?). 

„ 405: Fugiam intro, ne quid turbae I hic itidem fuat. 

„ 455: Intro abi, opera | huc conducta est vestra, non oratio. 

„ 463: Qui simulayit mei | h o n o r i s, mittere huc causä coquos. 

569 : Potdrd ego | hodie Euclio tecüm volo. 

„ 570: Non potem ego quidem | hercle. || At ego iussero. 

„ 649: Nöyi sycopantias, a ge rüsum ostende | hüc manum. 

„ 663: Nam | hic iam non audebit aurum abstrudere. 

„ 703: Memorare nolo, | hominum mendicdbula. 

„ 781 : Noscere. Filiam ex te tu | h a b e s. || Immo eccilläm domi. 

„ 831 : It i loquor. || At sein quömodo ? || Vel | h ercle enica. 

Bacch. 171 : Postqu&m | h i n c in Ephesum abii, conspicio lubens. 

„ 261: Gontinuo antiquom | hospitem nostrum sibi. 

„ 332: Qui | duro | habeat soccis subpactum solum. 

„ 425: Gymnasi praefecto | haud mediocris poenas penderes. 

„ 428: tbi cursu luctdndo | hasta disco pugilatu pila. 

„ 687 : fstoc dicto dedisti | hodie in cruciatum Chrysalum. 

„ 766: Versdbo ego illum | hodie si vivo probe. 

„ 809: Quas tu dttulisti. Em | h&e te vinciri iubent. 1 ) 

„ 833 : Forem | h a n c pauxillum dperi, placide, ne crepa. 

„ 902: Abeo dd forum igitur. || Vel | hercle in maldm crucem. 

„ 904: Ne süpplicare censeas, nihili | homo. 

„ 932: Nunc prius quam | huc senex venit, lubet lamentari dum exeat. 

„ 939: Bacchidem habet secum, ille olim | habuit ignem qui 

signum daret 

„ 981: öptnmns sum orator; ad lacrumas codgi | hominem edsti- 

„ 1097: Eam sibi | hunc annum conductam (Anap.). [gando. 


1) A. a. 0. S. 239. 


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Bacch. 1112 
„ 1127 
Captivi 148 
» 152 

„ 169 

* 333 

. 337 

* 364 

* 373 

» 395 

, 426 

» 444 

» 478 

, 515 

. 532 

, 547 

, 749 

. 865 

„ 921 

„ 1004: 

* 1024: 
Casina 200: 

, 258: 

* 283: 


532: 

799: 

827: 

994: 

1000 : 

1004: 

1008: 

162: 

210 : 

480: 

534: 

620: 


Cistell 


At mihi Chrysalus öptumüs | homö. 

Renn ter in änno tu | h&s tonsitari. 

Alienus ego? alienus illi? ha | Hegio. 

Nunc habe bonum an im um. || Gheu | huic aliud dolet. 

Nam eccum | hic captivum ädulescentem Aleum. [homo es. 
Optumum atque aequissimum oras öptumusque hominüm | 
Fäc is homo ut redimätur. || Faciam , sed te id oro | Hegio. 
Nam ego te aestumatum | huic dedi viginti minis. 

Sequere ; em tibi hominem. || Gratiam | h a b e 6 tibi. 

Dicito patri quopacto mihi cum J h o c convenerit. 

Id ut scias, lovem supremum testem laudo | Hegio. 

Tu | h o c age , tu mihi erus nunc es , tu patronus , tu pater. 
Nam ut dudum | hinc abii , accessi ad adulescentes in foro. 
Ut quod oravisti impetres, eum | hominem ut convenias. 
Nugas ineptas incipisso, | h de reo. 

Hegio | hic homo rabiosus habitus est in Alide. 

Periistis nisi | hunc iam e conspectu abducitis. 

Proin tu deum | hunc sdturitate facias tranquillum tibi. 

Nam | hic quidem (eum) ut adornat aut iam nihil est aut 

iam nihil erit. 

Itidem | h a e c mihi advenienti upupa qui me delectet datast 
Quasi per nebulam, | Hegionem meum patrem vocdrier. 
Clam virum et quae | habet partum ei haud cömmodi est 
Cui homini | h o d i e peculi nummus non est plumbeus. 
Probum et frugi *) | hominem iam pridem esse arbitror. | 

Intellego. 

Üt properarem arcessere | hanc ad me vicinam meam. 

Suavi cantu'concelebra omnem hdnc plateam ; | hymenade,io. 
Facies tu | hanc rem mi ex pardta imparatam. 

Tüi amoris causa. || Ego istuc feci. [| Immo | Hector I'lius. 
Sed uxor, da viro | hanc veniam. Myrrhina ora Cleostratam. 
Censeo ecastor veniam | hanc ddndam. |j Faciam | ut iubes.*) 
Lepidiorem nemo uxorem qudm ego habeo | h a n c habet. 

Ubi | habitabat tum; illa quam compresserat 
Ita niibilam mentem animi | habeo (Anap.). 

— ^ w umquam si | h o c fallo. || Nil moror. 

Sed quis hic est qui recta platea cursum | huc tendit suom.*) 
Ego inspectavi; erüs hanc duxit postibi(?) 


1) Pro hone frugi die Hss.; corr. Seyffert; das Beispiel ist minder 
sicher, da man ein te einschieben mochte; doch scheint mir, dass sich dies 
te aus dem Voraufgeh enden leicht im Gedanken suppliren lässt. 

2) Vielleicht besser : faciam ut haec iubet ; haec geht auf Myrrhina. 
Denn Gleostr. redet, wie der folgende Vers zeigt, nicht Myrrhina an, 
sondern den Lys. 

3) A. a. 0. S. 241. 


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61 


Cistell. 650 : fbo|, hanc ego tetulero intra limen. || Abiit abstulit. 

„ 671: Nisi quid mi opis di dant disperii ; neque unde auxilium 

expetam | häbeo. 

„ 678 : Mei | h ömine s, mei spectatores, facite indicium si quis vidit. 

„ 753: Istic quidem edepol mei viri | habität gener. 

Cure. 61 : Ideö fit quia | hic leno aegrotus incubat. 

„ 80: Eaque extern plo ubi vinö | has conspersi fores. 

„ 132: Tace. || Noli, taceo. Ecce autem bibit arciis, pluet credo |h4rcle 

hodie (Anap.). 

„ 179: Sibi | honores, sibi virtutes, sibi pugnas, sibi proelia. 

„ 358: Talos arripio, invoco almam meam nutricem | He reu lern. 

„ 429: Miles Lyconi | in Epidauro | hospiti. 

„ 436: Argentum des lenoni, | huic des virginem. 

„ 508: Yos fäenore, | hi male suadendo et lüstris lacerant homines. 

„ 549 : Quid (tu) ? || Quod mandästi feci, tüi | honoris gratia. 

,, 629 : Miles quaeso ut mihi dicas unde illum | h a b e a s anulum. 

„ 680: Nam et bene et male credi dico; id adeo | hodie expertus sum. 


Epid. 

n 

* 

j » 


v 

ff 


n 


192 : Id ego excrucior. || Di | h e r c 1 e omnes me ddiuvant augent amant . 
398 : Sed tu | hanc iübe sis intro abduci. || Heus foras. 

431: Sed quis hic est quem | huc advenientem conspicor ? 

485 : Reor 4t peccatum largiter. || Immo | h 4 e c east. 

493 : Euge euge Epidice frdgi es, pugnasti, | h o m o es. 

575: Tu homo insanis. || figone? || Tune. || Our? || Quia 4go | h anc 

quae siet. 

596: Quid ob eam rem | hanc emisti, quia tuam gnatam ratu’s ? 
640: Lanulam atque anellum aureolum in digitum. || Memini, 

mi | homo. 

650: Quid? ego modo | huic friter factus düm (domum) intro eo 

atque exeo. 


Menaechm. 82: 


96: 

» 

98: 

ff 

181: 

ff 

188: 

ft 

223: 

rt 

304: 

ff 

316: 

ff 

379: 

n 

471: 

ff 

489: 

ff 

690: 

ff 

709: 


Nam | hömini misero si &d malum accedit malum. 

Nam ego ad Menaechmum | hünc eo quo iam diu. 

Nam illic homo | homines non alit, verum educat. 

Sätin ut occaecatus prae | h u i u s corporis candoribus ') 
Tii legio es ac iudicato cum utro | hanc noetdm sies. 
Nam parasitus öcto | hominum munus facile füngitur. 
Gum nihil est qui illi | ho mini diminuam caput. 

Tu bercle | hominem stultum et odiosum mihi. 

Übi tu | h u n c hominem novisti ? || Ibidem ubi hic me iam diu. 
Non hercle is sum qui süm ni | hanc iniuriam. 

Flagitium | hominis subdole ac minimi | preti. 

Eandem nunc reposcis: patiar; tibi | habe, aufer, ütere. 
Flagitium | hominis, cum istoc omatü ? || Quid est ? 


1) Wir sind hier nicht genothigt den Diphthong in prae zu elidiren. 


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62 


Men. 731: Heu (hercle mulier mul tum et audax 4t mala es. 

„ 903: Quem ego | hominem siquidem vivo (e) vita evolvam sua. 

„ 961: Sälvus salvos älios video, növi | homines, adloquor. 

„ 952 : I ärcesse | homines qui illum ad me d4ferant. || Quot sunt satis ? 

„ 1038: Sälvom tibi ita ut mihi dedisti reddibo, | hic me mane. 

„ 1061 : Facietis ut ego | h o d i e abstulerim pallam et spinter, pessumae. 
„ 1097f.: Te Syracusis natum esse dixti : | hic natüst ibi. 

Möschum tibi patrem fuisse dixti: | huic itidem fuit. 1 ) 

„ 1137: Nämque edepol | hic mi hödie iussi prandium appararier. 

Merc. 116: Currenti properanti | haud quisquam dignum habet decedere. 

„ 184: 1 ) hinc dierectus; nugare in re capitali mea. 

„ 357: Iam | hinc olim invitum domo extrusit ab se (Bacch.). 

„ 439: Nequiquam poscit; ego | habeo.. || At illic pollicitüst prior. 

„ 615 : Non tibi istuc magis dividiaest quam mihi | h odi e fuit 

„ 676: Qui | hanc Vicini nostri | aram j augeam.*) 

„ 919: Omnibus | hic lüdificatur me modis. Ego stultior. 

„ 928 : Mäne mane Charine. || Erras, me decipere | haud potes. 

Mil. 4: Praestringat oculorum äciem in acie | höstibus. 

„ 23: Me sibi | habeto; ei ego me mancipiö dabo. 

„ 439 : Egone ? || Tu. || Quae | h eri | Athenis Ephesum adveni vesperi. 
„ 452: Neque moror neque vos qui | homines sitis novi neque scio. 
„ 604: Quippd | hi si rescivere inimici Consilium tuom. 1 ) 

„ 620: A te expetere, ex öpibus summis mei | honoris grat^a. 

„ 716: Nimi8 bona ratiöne nimiumque ad te et tuam vitam | habes. 

„ 804: Lepidiores duäs ad hanc rem quäm ego; (habe animum bonum. 

„ 832: Neque ille | hinc calidum exbibit in prandium. 

„ 838: Tu | hercle idem faceres, si tibi esset credita. 

„ 919: Adsunt fabri architectique ad eam (rem) | haud inperiti. 

„ 1022: Petere dtque asta, tibi ego | hanc do | operam. || Properadum. 4 ) 

Excrucior. 

„ 1036: Memini et praeceptis parebo. || Voco ergo | hanc quae te quaerit. 
ff 1049: Nam hunc anulum ab tui cupienti | huic detuli; | hic (tibi) porro. 
ff 1073 : Quid est ? ut ludo ? || Nequeo | hercle quidem risu meo moderäri. 
,, 1090 : Hic cum (mea) era est ; clam nöstrum | hunc sermonem sublegerunt. 
„ 1136: Una exeuntis video | hinc e proxumo. 

„ 1236: Non faciet, bonum animum | habe. || Ut ipsa se contemnit. 
ff 1286: Me amoris causa | hoc ornatu incedere. 

1) S. a. a. 0. S. 68. 

2) S. unten. 

3) hi nur A; tadellos; ob dem h Kürze oder Länge voraufgeht, ist 
indifferent 

4) So ist das sinnlose properando auf das leichteste besagt ? der 
Vers gut. 


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68 


MiL 1308 : Maris causa j h e r c 1 e | hoc ego oculo utor minus. 

& . 1326: Nam nihil miror si libenter Philocomasium | hi c eras. 

„ 1327: Forma | huius möres virtus animum attinuere hic tuum. 

» 1350: Ne quis tibi | hoc vitio vortat. || Mea, non illorum dedi. 

ft 1381: Me quaerit illic; ibo | huic puero öbviam. 

ft 1412 : Quod tu | h o d i e hic verberatu’s aut quod verberabere. 

» 1425 : Öbsecro vos. || Sölvite istunc || Gr&tiam | h a b e 6 tibi. 

„ 1430: Nam illic qui ob oculüm | habe bat lanam nauta non erat. 

Most. 6: Quid tibi malum I hic ante aedis clamatiost ? 
ft 80-* Periere et aedis et ager; qui nisi | huc redit. 1 ) 
ff 152: Disco | hastis pila, cursu armis equo. 

ft 174: Ergo ob | hoc verbum te Scapha donibo ego | ho die äliqui. 

ff 377: Jube | abire rürsum; quid illi reditio etiam | huc fuit? 

n 382: Ubi ego ero? || Ubi maxime esse vis: cum | hdc, cum istac eris. 
,, 434 : Scies inposisse in lindam, | h au causa illico est. 

„ 498 : Hic habito, J h a e c mihi dedita est habitatio 

„ 540: Ne | hoc senex resciscat. Ibo huic obviam. 

ff 571: Hic homö est inanis. || Hic homo est certe | hariolus. 

ft 593: Quid als tu (o) omniiim | hominum taeterrime? 

„ 709: Vöstrae, | haec sat scio quom habeat male. 

ff 790: Heus tu si voles verbum | hoc cogitare. 

tf 792: Ego hic esse et illic simitu | hau potui. 

ff 796: Sed üt maestus est sese | has[ce] vendidisse.*) 

„ 870: Si | huic imperäbo, probe tectum habebo. 

„ 899 : Ecquis hic est maximam qui | h i s iniüriam. 

„ 902: Ut esse äddecet nequam homines, ita sunt. Sed eö magis, 

cauto est öpus ne | huc. 

„ 912: Immortales, mercimoni lepidi. | Herde nunc ferat. 

„ 950: Non hic Philolaches adulescens häbitat in | hi sc aedibus ? *) 

„ 999: Num quid processit ad forum | ho die novi? 

ff 1039 : Sume. || Eademque opera | h a e c tibi narrävero. 

„ 1093: Quid siigitur ego accersam | h o m i n e 8 ? || Factum iam esse oportuit. 
,, 1120: Sed eccum tui gnati sodalem Video | huc incedere. 

,, 1124: Quoque modo | hominem dd (venientem) servos ludificatus sit. 
,, 1165: Si hoc pudet fecisse sumptum, supplici | habe 6 minas. 

Persa 61: Unde ego | hunc quaestum optineo et maiorüm locum. 

,, 108: Sapis mültum ad genium. || Sed ecquid meministi, | he re? 

„ 140 : Numquam | h e r c 1 e hodie hic prius edes, ne frustra sis. 

,, 217: Eo ego | hinc haud longe. || Et quidem ego | häud longe. || 

Quo ergo, scelus? 


1) nunc f. huc die Hss. ; vgl. a. a. 0. S. 239. 

2) So ist der Yers nach A am leichtesten hergestellt. 

3) S. a. a. 0. S. 239. 


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Persa 226: Übi illa altra est furtifica laeva? || Domi eccam | huc null am 

attuli. 

„ 248 : At ego | h a n c ad Lemniselenem tudm eram opsignatam äbietem. 

„ 262 : N&m [hoc argentum Alibi abutar ; boves quos emerem non erant. 

„ 892: Librörum eccillum | häbeo plenum soracum. 

n 512: Nam is mihi | honores suae domi habuit maxumos. 
ff 550: Ürbis speciem vidi, | hominum moros perspexi parum. 

„ 617: Virgo, | bic homo pröbus est. || Credo. || Non diu apud hunc 

servies. 

ff 648 : Quöius modi is in pöpulo |faabitust?|| Nemo quisquam acceptior . 
„ 685: Cruminam | hanc emere aut facere ut remigret domum. 

„ 697 : Atque edepol tu me cömmonuisti | hau male. 

„ 788: Nisi 4go illum | hominem perdo, perii, atque optume (A u. P). 

,, 782: Vehiclum ärgenti miser eieci neque quam ob rem eiecijhäbeo. 

„ 848 : Graphice | hunc volo ludificari. || Meo ego in loco sedulo cürabo. 

Poen. 137: Gerrae germanae, | häe de collyrae lyrae. 

„ 211: Novem et mulierem | haec duo comparäto. [savium. 1 ) 

388 : Hüius mel , huius cor , hiiius labellum , huius linguä | h u i u s 
ff 889: Hüius delicia, | hüius salüs amoena, | hüius festivitas. 

, 390: Hüius colustra, | hüius dulciculus caseus, mastigia. 

,, 395 : Ut tu | h u i c irata ne sis, aut si id fieri non potest. 

„ 474 : Voläticorum | h ö m i nu m ? || lta deicö quidem. 

„ 566: Vix quidem | hercle, ita pauxilla est, digitulis primoribus. 

jf 662 : At enim | h i c clam furtim esse volt ne quis sciat. 
n 730: Si exierit leno, quid tum? | hominem interrogem? 

„ 791: Eheu quom ego habui | hdriolos haruspices. 

,, 835: Tenebrae latebrae, bibitur estur, quasi in popina, | hau secus. 

ff 862: Quid agis?||Facio quod manufesti moechi | hau ferme solent. 
,, 873: Völucres tibi erunt tuae | hirquinae. || 1 in malam rem. || 

I tu dtque erus. 

ft 903; Qui eum surrupuit, hüc devexit meoque ero eum | hic vendidit. 
ff 969: Cretü est profecto | hörum | hominum oratio. 9 ) 
jf 982 : Adibo | h osce atque appellabo Punice. 
ff 1042: Verum ego hic hospitium | hübeo; Antidamae filium. 

9 1051 : Patritus ergo | höspes Antidamas fuit. 

ft 1054: Nam | haud repudio hospitium neque Carthaginem. 

„ 1084: Facitö sis reddas, et si | hic habit(at), tarnen.*) 
ff 1127: 0 mi ere salve | Hänno insperatissume. 

,, 1138: Quom huc ädvenisti | hödie in ipso tempore. 
ff 1144: Matrem hic salutat sudm, | haec autem hunc filium. 


1) A. a. 0. S. 75. 

2) Gegen horunc s. a. a. 0. S. 76 f. 

3) A. a. 0. S. 243. 


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65 


Poen. 

1246: 


1295: 


1308: 


1344: 

Pseudol. 133: 


153: 

n 

327: 


346: 


349: 


410: 


508: 

» 

549 : 

jj 

587: 

n 

599: 

n 

650: 

» 

673: 

n 

739: 


775: 


873: 


937: 


1019: 

V 

1071 : 


1121: 

n 

1330 f. ; 

Rudens 106 : 


161: 


190: 

99 

193: 

99 

210: 

99 

294: 

99 

376: 

99 

410: 

99 

419: 


Quoque modo | huius filias apud vös habeatis servas. 
Pröpemodum | hoc öpsonare prandium poterö mihi. 
Quid tibi | hanc digito tactio est? || Quia mihi lubet. 
Quid tibi mecum autem ? || Quia | h a s dico liberas. 


Exite agite exite ignavi, male | 
Huc ädhibete auris quae ego 


häbiti et male conciliati. 
loquor, plagigera genera | 
ho min um. 

Victumas, lanios ut ego | huic sacruficem summo Iovi. 

Militi Macedonio, et iam quindecim | h a b e 6 minas. 

Ei gladium adfer. || Quid opus gladio ? || Qui | hunc occidam 

atque me. 

Erum eccum video | huc Simonem una simul. 

Tu vives, tu mihf | h e r c 1 e argentum dabis. 

Quin rüs ut irem, iäm | heri constitueram. 

Post ad oppidum | höc vetus cöntinuö eqs. (Anap.). 

Balliö leno übi | h i c habitat (Anap.). 

Suäm | huc ad nos, cum eo aiebat veile mitti mülierem. 

Hic argentum, | hic amica amanti erili filio. 

Ecquid homo | habet aceti in pectore? || Atque acidissumum 
Nunc huic lenoni | ho die est natalis dies. 

Immo edepol vero | höminum servator magis. 

Neque ego | hoc homine quem quam vidi mägis malum et 

maleficum. 1 ) 

Nimisque ego illum | hörn in em metuo et formido male. 

Si ille | h o d i e illa sit potitus müliere. 

Neque quicquam est melius quam üt | h o c pultem atque äliquem 

evöcem | hinc intus. 

I | hac. Te sequor. Quin vocas spectatöres 
Simül? | Herde me isti hau eqs.*) 

Filiolam ego unam | häbui, eam unam perdidi. 

Qui | Hercules (vel) Sancus esse diceris. 8 ) 

Nam | hoc mi haud laborist labörem hunc potiri. 

Tum | hoc mi indecöre eqs. 

Nec loci gnära sum nec diu | h i c fui. 

Hisce bämi atque hae | haründines sunt nobis quaestu 

et cultu. 4 ) 

Scivi lenonem facere | hoc quod fecit, saepe dixi. 

Accipit ad sese | haud secus quam si ex se simus natae. 
Sed quid ais, mea lepida | hilara? || Ah nimium familiariter. 


1) S. a. a. 0. S. 243. 

2) A. a. 0. S. 243. 

3) A. a. 0. S. 79 ; überliefert Qui Herculis socius esse diceris ; denkbar 
wäre auch die Herstellung: Qui Hirculis sociennus esse diceris . 

4) Gegen die Einsetzung von haec s. a. a. 0. S. 77. 

B i r t , Th., Der Hiat bei Flautns. 5 


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kudens 

663: 


750: 

» 

779: 


815 


818 


821 


829 


830 


835 


1069 


1131 


1200 


1316 

»J 

1317 


1342 

n 

1343 


1354 


1384 

n 

1401 

Stichus 

171 

» 

233 


234 


238 

r> 

270 

» 

329 

n 

391 

Y> 

338 

5 ? 

459 

1 > 

477 


643 


668: 


Sed ecce ipsde | huc egrediuntur timidae e fano mülieres. 
Nam | h u i c alterde quae patria sit profecto nescio. 

Abi modo, ego dum | h 6 c c(ii> rabo recte. || Iam ego revenero 

(nur in A). 

Sin ipse abire | hinc volet quantum potest. 

Et ubi ille servus cum ero | h u c advenerit. 

Heu | hercle ne istic fana mutantur cito. 

Ut potest, ignavi | hömines satis recte monent. 

Sed vöbis dico, | h e u s vos, num molestiaest. 

Bene hercle factum, | h d b e o vobis gratiam. 

Quö modo | h abeas , id refert, iurene anne iniuria. 

Perii | hercle ego miser, ut prius quam plane aspexit, illico. 
Iussique exire | h u c servum eius ad forum. 

Di | homines respiciünt, bene | ego hinc praedatus ibo. 
Profecto | huius est vidulus; perge alia tu expedire. 

Tum egö | huic Gripo — | inquito et me tangito — .*) 

Tum egö | huic Gripo — dico Venus ut tu audias. 

Non ego illi | ho die debeo triöbolum. 

Promisisti | huic argentum? || Fateor. || Quod servö (meo). 
Vdpulabis, verbum si addes tu ünum. 8 ) || Vel | hercle enica. 

Nunc si ridiculum | hominem quaerat quispiam. 

Ut decumam partem | Herculi polluceam. 

Ecastor auctionem | haud magni preti. 

Epignömi ancilla | haec quidem est Crocotium. 

Sed eccum Pinacium eius puerum ; | h 6 c vide. 

Nam me quidem | ha rum miserebat. || Ergo auxilium propere 

latumst. 

Immo venisse eum simitu aiebat ille; ego | h de citus.*) 
Pröpere a portu tui | honoris causa. || Ecquid adportas boni ? 
Auspicio | h o d i e | öptumo exivi foras. 4 ) 

Nescio quid vero | h d b e o in mundo. || I modo. 

Qui | hercle illa causa öcius nihilö venit. 

Sequere ergo | hac me(d) intro. || Ego vero sequor. 


Trin. 9: Tum | hanc mihi gnatam esse voluit Inopiam. 

„ 149: Quoniam | hinc est profectus peregre Charmides.*) 

„ 447: Homo ego sum, | hömo tu es; ita me amabit Iuppiter. 

„ 800: Uxörem quoque ipsam | hanc rem ut(i) celes face. 

„ 842: Quam | hic rem agat animum advortam (Anap.). 


1) Vgl. das Schlusscapitel. 

2) si adde istuc unum P. A. fehlt. 

3) A. a. 0. S. 239. 

4) S. das Schlusscapitel. 

5) A. a. 0. S. 82. 


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67 


Trin. 971: Nöque edepol tu is es neque hodie is ümquam eris, auroj 

hu ic quidem. 

„ 989 : Ab(i) | h i n c ab oculis. || Enim vero serio : quoniam advenis. 

„ 1018: Memoria esse oblitum, an vero quia cum frugi | höminibus. 
„ 1029: Pötius maiori | honori hic essent quam mores mali. 

Trucul. 77: Nam mihi | baec meretrix quae hic habet Phronesium. 

„ 329: Sed obsecro | hercle Astaphium, i intro ac puntia. 

„ 357 : Yah väpulo | hercle ego nunc, atque adeo male. 

„ 458: Quae | hünc ausa süm eqs. 1 ) 

„ 525 : Habe bonum animum. || Savium sis pete | h i nc ; ah neque<5 caput. 

„ 538: Perii | hercle miser, iam (mi) auro contra constat filius. 

„ 541: Accipe hoc; abdüce | hasce hinc e (meo) conspectü Suras. 8 ) 

„ 554: Nam | höc qui sciam ne quis ld quaerat ex me. 

„ 562 : Quinque nummos ; mihi detraxi partem (Herculaneam. 

„ 618: Quid nunc ergo | hic odiosu’s confectus damnis tuis? 8 ) 

„ 627 : Captio est; istam machaeram longiorem habes quam | h ä ec est. 

„ 655: Ovis in crumina | h4c in urbem detuli. 

„ 688: Rabönem habeto, ut mecum | hanc noctem sies. 

,, 715: Ego interim | hic praestrigiis praesidebo. 4 ) 

„ 739 : Dedi equidem | hodie ei quinque argenti deferri minas. 

„ 772: Alteram tonstricem | huius, alteram ancillam suam. 

„ 814: Et tibi quidem | hercle idem | attulit magnum malum. 

„ 874: Triduum | hoc sältem dum aliquo miles circum ducitur. 

„ 888: Quae cum multum | abstulimus, | hau multum apparet quod 

datum est. 5 ) 

„ 917 : Sed eccam video. | H e u s amica, quid agis ? | En quis illic | h o m o ? 

„ 919 : Höc modo ut molestus ne sis. || Iäm abis postquam aurum | h a b e s ? 

„ 936: Nunc si | hanc tecum esse speras, alia opust auri mina. 

„ 957: Quid dedi, ut discinxi | hominem. || Immo ego vero qui dedi. 

Yidular. 89 : Defaenerare | h ö m i n e m egentem | h ä u decet. 

Golax fr. II 3 : Qui äliter regi dictis dicunt, aliter in animö | h a b e n t. 
Fragm. fab. incert. 34: Sacrum än profanum | häbeas parvi penditur. 

Plautusprologe: 6 ) 

Amph. 69: Sivö qui ambissent p41mam | histrionibus. 

„ 96: Dum | huius argumentum eloquar comoediae. 

„ 146: Ea signa nemo | hör um familiarium. 


1) Die weitere Messung s. im Schlusscapitel. 

2) Etwas anders behandelt a. a. 0. S. 84. 

3) A. a. 0. S. 244. 

4) A. a. 0. S. 244. 

5) Vgl. das Schlusscapitel. 

6) Vgl. a. a. 0. S. 217 f. 

5* 


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68 


Amph. 151 : Adeste erit operae pretium | h i c spectantibus. 

„ 152: Iovem et Mercurium fäcere | histriöniam. 

Asin. 9 u. 10: Nunc qudd me dixi veile vobis dicere, 

Dic&m; | huic nomen graece Onagost fabulae. 

Capt. 10 : Patri | huiüs. Iam | hdc tenetis ? Optumum est (?) 

Cas. 48: Placere posset, eam puellam | hie senex. 

Men. 18: Huic ärgumento dntelogium | hoc fuit. 
lierc. 6: Quos pöl ego credo | hümanis querimöniis. 

„ 106: Quid verbis opus est? emi atque advexi | heri. 

Mil. 135: Apud sudm patemum | höspitem lepidum senem. 

Poen. 44: Haec quae imperata sünt pro imperio | histrico. 

„ 83: Sed illi patruo | hüius qui vivit senex 

„ 89: Praesenti argento | hdmini, si lend est homo. 

„ 94: Huc cdmmigravit in Calydone(m) | hau diu. 

„ 120: Is l'lli Poeno | hüius patri | hospes fuit» 

Rud. 11: Qui facta | hominum mores pietatem et fidem. 

Truc. 9: Sed hdc agamus quä, | huc ventum est grätia. 

„ 10 : (Pro) Athenis tracto ita üt | h o c est proscaenium. 

E n n i u s fr. 494 Bahr. : Illic est nugator nihili, non nauci | homo. 

„ trag. 308 R. : — quam mihi maxime | h i c hddie contigerit malum. 

149 R. : Quae mea comminus jmachaera atque hasta j h o s t i t 

in manu. 1 ) 

Caecilius 157 R.: Haec erunt concflia | hodie, differar sermdne misere. 
Turpil. 80: Nam qui illo | homine vivit confidentius. 

„ 152 : Cuius ädventu insula | hodie claret Cyprus. 

„ 170: Ego ndndum etiam | hic vüicabar, Phaedria. 

Titinius 27 : Terra | h a e c est, ndn aqua, ubi tu sdlitus argutarier. 

„ 30: Si quisquam | hodie präeterhac posticum nostrum pepulerit. 

„ 107: Sed iam metuo | hercle, Caeso, ne nimis stulte fdeerim. 

Atta 8: Cum primo luci | hddie ut exornata sit. 

Inschrift des Mummius CIL. 1542 (1X4672; Bücheier c. epigr. 248): 

De decuma, Victor, tibei Lucius Mumius donum 
Moribus antiqueis pro usura | hoc dare sese 
Visum animo suo perfecit; eqs. 

Dies Monument ist nicht mehr im Original erhalten. Das Gewaltsame der 
Satzbildung hat Ritschl gegeisselt; für Mommsen war aber nicht dies der 
Anlass zu seiner Conjektur promiserat hoc dare sese, sondern im Wesent- 
lichen nur der Hiat.“) Da nun ein Hiat hier gar nicht vorliegt, so fallt 
der Hauptzweck der Conjektur hinweg, und man wird sich mit dem Ueber- 
lieferten abünden. Zum Glück hilft uns der Vers 4. Hier bietet Mummius 


1) A. a. 0. S. 211. 

2) Er sagt: quod ante dare inseri iussit Ritschelius maxime ut hiatus 
evitetur. Mihi error videtur latere in pro usura. 


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69 


die unerhörte Substantivirung des Neutrums des Adjektivs ut facilia 
faxseis cogendei , also facilia für facultatem. Es ist ganz ähnlich , aber es 
ist minder hart, wenn wir in den obigen Zeilen auch das Particip visum 
substantivirt sehen = to visum : L. Mummius quod visum erat animo suo 
sese tibi hoc donum de decuma antiquis moribus pro usura dare, id per- 
fecit. Das Substantiv visum steht auch bei Plautus Mil. 199; und zwar 
heisst visum der Traum; vgl. im selben Miles v. 392 in somnis visa; 
Accius bei Cicero de div. 1 44 visum est in somnis pastorem ad me ad - 
pellere eqs. Also hatte — ein häufiges Motiv bei Dedikationen — dem 
Mummius ein Traum angezeigt, dass er dem Hercules den Zehnten zur 
Nutzniessung gebe , wie das früher üblich gewesen war; die Weisung des 
Traums führt er jetzt aus. Ich mochte übrigens an den Schluss des 
ersten Verses ein Semikolon setzen und ihn elliptisch auffassen; ergänze 
dedit. 

Terenz *) Hecyra 1 : Hecyrä est huic nomen fabulae ; | haec cum data est. 
Hec. 609 : Quod faciundum sit pdst fortasse , idem | h o c nunc si feceris. 
Eun. 67 : Haec verba una me | hercle falsa läcrimula. 

„ 416 : Pulchre me | hercle dictum et sapientdr, papae. 

Ebenso steht dreisilbiges me hercle übrigens bei Plautus Pseud. 1175; 
Rud. 1365; 1413 (?); Stich. 250. 

Eun. 624: Vdluit facere cdntra huic aegre. | heus, inquit, puer Pämphilara. 
Eun. 697 : Fraterne ? || Ita. || Quando ? || H <5 d i e. || Quam dudüm ? || Modo. 

„ 701 : Dicebat eum esse; is dedit mihi | hanc. Occidi. 

„ 912: Qui | hünc supposuit ndbis? || Move te oro dcius. 

„ 968: Dicam huic annon? Dicam | hercle; et si mihi raagndm malum. 

Heautont. 540: Iam | huic mansisset ünicus gnatds domi. 

„ 813 : Ubi me excarnufices. || f tu | h i n c quo dignus es. 

Phorm. 191: Quam | hie fugam aut furtum parat? 

„ 518: Tüm praeterea | hörum amorem dfstrahi poterfn pati? 

„ 664: Nimiümst? || Ne clama, petito | hasce a me decera. 

„ 963 : Ulcisci. || Attät nisi mihi prospicio, | h ä e r e o. 

„ 991: Mi vir? || Hem quid nunc obstipuisti ? || Quis hic homost? 

Hecyra 745 : Mane ; nondum etiam dixi id quod volui. | H i c nunc uxdrem habet 
oder: 

Mane ; nondum etiam dixi id quod volui ; hic nunc uxorem | h ab e t. 
Andr. 264 : Incertum est quid agam. || Misera timeo incertum | h o c quorsum 

accidat.*) 

Adelph. 946: Meritdteamo. || Verum quid egodicäm | hoc cum fit qudd volo. 

„ 947: Quid nunc quod restat? || Hegio | his est cognatus proxumus. 

Andr. 317: Abi | hinc in maläm rem cum suspicione istäc, scelus. 

„ 665 : Factum hdc est, Dave ? || Factum. | H e m quid ais scelus. 

1) Zu Terenz vgl. a. a. 0. S. 213 f. 

2) Hiat an der Gäsurstelle ist hier auszuschliessen. 


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70 


Eun. 132: Is ühi | hanc forma vfdet honesta vfrginem. 

Hecyra 830: Eum häec cognovit Myrrhina in digito modo me | habente. 
Eun. 364: Ut mancipia || h a e c ita ut iussit frater, ducam ad Thaidem. 
Hec. 340: Ehern Pärmeno, tu | hfc eras? perif quid faciam mfsera (A). 

„ 394: Tüm postquam ad tevenit, mensis iäm | hic agitur septimus(A). 
Andr. 861: Audi öbsecro. || Quid vfs? || Sublimem intrd | hunc rape quan- 

tum potest nach DEG(?). 
Afranius 136 R. : Ubi | h i c Moschis quaeso habet, meletrfx Neapolftis. 
Afran. 163: Septembris heri kalendae, | hodie ater dies. 

„ 281 : Pr<5 manibus credö | habere eg o fllos tentipellium. 

,, 327 : fn | Horpinos iam quantum pote explodam hominem ut 

yflicetur. ■ 

Pomponius 63 : Qufd futurumst, si pol ego | h a n c discere artem attenderim . 
„ 111: Pappus hic sub dfo | ha bi tat, senica non sescünciae. 1 ) 

„ 124: Fft desubito | hflarus tristis, saltat ridens, ringitur. 

Novius 88: Pdstquam se vidft | heredem . . . .*) 

Pacuvius 348: Ego ddi | homines fgnava opera et phflosopha sententia. 
Accius 80: 0 dfrum | h ostificümque diem, o (Anap.). 

„413: ut tristis turbinum 

Toleraret hiemes, märe cum | horret fluctibus. 
horreret nach temporalem cum einzusetzen ist nicht wünschenswert. 
Accius praetext 4: Lue patrum | hostili füsum sanguen sänguine. 
Incertus trag. Ribb. p. 274, 22 : Heu heu pater heu | H e c t o r. 

Lucilius in Trochäen, fr. 422 B. : Persium | haec legere nolo, Iünium 

Congum volo. 

Ich habe in vorstehender Sammlung die folgenden Stellen, 
die mein früheres Verzeichniss mit enthielt, fortgelassen: Plaut. 
Asin. 263 und Trin. 1130 , die auch so accentuirt werden können: 

Gerte hercle ego quantum ex augurio eqs. 

Nam beneficium hdmini prdprium eqs. ; 

Cas. 806 , da ich meine Emendation Quid si etiam offendant 
hymenaeum eqs. für richtig halte; Men. 270 , da mir hier doch 
quando habebo, carero jetzt unerlässlich scheint; Merc. 366 und 
Trucul. 315 , weil wiederum die Betonung zweifelhaft; Most. 175 , 
wo*ich zwar die Lesung Neque pätiar U hanc grätiis eqs. als 
die richtige erwiesen zu haben glaube, aber doch ted eingesetzt 
werden kann. Bei Naevius com. 19 

tft illum di perdant qui primum | hölitor caepam protulit 


1) Vgl. Rhein. Mus. 51 S. 495. 

2) Pur Novius lange Endung in vidit anzusetzen scheint mir doch be- 
denklich; Rhein. Mus. 54 S. 212. 


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71 


geht die Dihärese vorauf; vgl. Pomponius 136; ein einsilbiges 
Wort bei Turpilius 213 

Sdla res est quae | homines absentes praesentes facit; 1 ) 

ähnlich genügt PL Trin. 560: 

Lepide hercle de agro ego hunc senem deterrui.*) 

Truc. 982 lese ich: 

Ne fstum ecastor hddie falsis confectum fallaciis.*) 

Schliesslich lasse ich hier einen Anhang von solchen Plautus- 
Stellen 4 ) folgen, in denen die Ansetzung des h forte minder 
sicher ist als in denen der vorstehenden Sammlung und die ich 
darum von der Argumentation ausschliesse, die mir aber gleich- 
wohl beachtenswerth scheinen: 

Amph. 593: Fieri nunc üt tu | hic sis et domi? id dicf volo. 

Asin. 278: Näm si | huic occasioni [tempus] sese supterduxerit. 

Aul. 48: Si | hercle fustem cepero aut stimulum in manum. 

Bacchid. 617: Neque quem quisquam | homo aut ämet aut adeat (Anap.). 
Capt. 608: Dum fstic itidem vinciatur. || fmmo enim vero | Hegio. 8 ) 

Casin. 455: Exfddere | hercle hic vdlt [credo] vesicam vflico. 

Cure. 614: Me reposcis. || Quam ab lenone abdüxti | ho die scelus viri. 

Aehnlich lassen sich übrigens Aul. 851, Men. 1072, Pseud. 221, 614, 
751 behandeln. 

Epid. 398: Sed tu | hanc iube sis fntro abduci. || Heus foras.*) 

Men. 111 : Qudd viro esse odi<5 videas, 

Tüte tfbi odid | habeas. 

Merc. 655: Si fd fore ita sat animo acceptum est, [certum] id pro certo sf| 

h a b e s. 

Mil. 1159: Lepide facitis. Nunc tibi ego | hanc fmpero provfnciam (A). 
Mil. 1357 : Mülto quam alii libertus esse. | H a b e animum bonum. 

Most. 114: Atque | haud est fabri culpa, sed magna pars. 

„ 167: Me esse effecturura | hödie. Nimis longüm loquor. 

„ 1144: Maxime accipitd | hanc ad te lftem. || Enim istic captio est. 
Persa 620: .... c-ür ego id mfrer, mf | homo. 

„ 797 : Iurgiüm | h i n c auferas sf sapias (Anap.). 

Poen. 671 : Rex süm si ego illum | hddie | hdminem adlexero. 


1) A. a. 0. S. 211. 

2) Ib. S. 238. 

3) Ib. S. 244. 

4) Das Nähere zur Lesung s. a. a. 0. S. 239 ff. 

5) A. a. 0. S. 61. 

6) A. a. 0. S. 62. 


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72 


Poen. 846: Quf | hercle ipse ignaviorem pötis est facere Ignaviam. 

Pseud. 689: Meum mendaciüm | hic modo quod subito commentüs fui. 

Rud. 822: Iam | Herculi hoc est, Yeneris fanum qu<5d fuit. 

Trin. 590: Tu fstuc cura, qudd iussi, ego iam | h f c ero. 

Truc. 162^ 0 Astaphium | haud istöc modo solitd es me ante appellare. 
„ 283: fs amatür | hic äpud nos eqs. 

Auch die Verse PI. Asin. 869; Capt. 633 ; 772; Cas. 423; 
Cure. 638 ; Epid. 121 ; Men. 179 ; 452 ; 822 ; Mil. 1022 ; Most. 531 ; 
781; Persa 537; Rud. 1361; Truc. 177; 619; 704; 869 sind 
für h forte in Betracht zu ziehen, sowie manche andere, die 
ich a. a. 0. S. 244 f. aufgefuhrt. Ich gehe hier nicht wieder auf 
sie ein. 

Als nichts beweisend dagegen sind die zahlreichen Verse 
ganz bei Seite gelassen, wo h in der Dihaerese des Verses steht, 
die den Hiat gestattet (vgl. z. B. oben Naevius com. v. 19), 
wenn schon jeder zugestehen wird, dass das siebensilbige flagi- 
ium hominis in dem Verse Cas. 552 

Quäsi catillatum; flagitium | hominis qui dixit mihi 

nicht anders gesprochen sein wird als an den Stellen Asin. 473 ; 
Men. 488; 709, die ich oben verzeichnete. 1 ) Ein sicheres An- 
zeichen dafür, dass auch an solcher Cäsurstelle h als Spirant 
gesprochen wurde, haben wir Amph. 429 

Cädus erat vini, fnde implevi | hfraeam. Ingressust viam. 

Denn Nonius las hier cyrneam ; s. oben S. 43 f. 

Nicht beweiskräftig sind ferner die Verse, an denen sich 
Personenwechsel findet, wie Merc. 182 

Quf potuit videre ? || Oculis. || Qu<5 pacto ? || Hiäntibus , 

vgl. Asin. 306; 445; 579: Cist. 376; Epid. 389; Men. 216; 
547; Merc. 723; Most. 567; 798; Persa 159; Poen. 1041; mehr 
a. a. 0. S. 246. 

Starke Interpunktion oder Sprechpause kann Poen. 685 
zur Entschuldigung dienen: 

Blande hdminem compellabo. | Hospes hdspitem eqs. 

Wo me oder te dem h voraufgeht, kann med und ted her- 
gestellt werden, z. B. Capt. 533 u. s. f. (a. a. 0. S. 244). 


1) Weitere Beispiele a. a. 0. S. 88. 


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73 


Einsilbige Wörter bleiben auch sonst vielfach unverschliffen ; 
um so sicherer waren sie, wenn das h folgte; vgl. dum hieto 
Men. 449 u. a. m. (ebenda). 

In Zeilen, wie den folgenden, kann endlich h Position 
machen, es kann aber natürlich auch Auflösung der Hebung 
angesetzt werden: 

Persa 355: Pater, | hominum inmortalis est infamia; 

vgl. Amph. 94; Aul. 786; Epid. 471 u. s. f. (a. a. 0. S. 247). 


X. Schlussfolgerungen. 

Etwa 430 zuverlässige Belege für consonantisches h im 
Verse sind auf S. 57 — 70 zusammengestellt; davon entfallen etwa 
346 auf das Corpus des Plautus, 84 auf die übrigen Autoren. Es 
kommt also bei Plautus, der uns in ca. 21400 Versen vorliegt, 
je ein Beispiel für h consonans auf je 62 Verse. 

Bas ist eine Häufigkeit, wie wenn wir in jedem Buche der 
Vergilischen Aeneide etwa 12 Beispiele fänden. Wer würde 
alsdann bei Vergil das Phänomen bezweifeln ? und wer kann es 
bei Plautus bezweifeln? 

Auch stimmen die Funktionen des h , die wir hier wahr- 
nehmen, genau mit denen überein, die es hernach bei Terentianus 
Maurus, Cyprianus und Dracontius hat. 

Denn die vorstehende Sammlung zeigt uns das h in vier 
Funktionen. 

In den meisten Fällen geht dem h eine Senkung vorauf, 
die mit offenem Vocal schliesst wie in nemo I hörum. Dieser 
Vocal kann dabei kurz sein, wie Amph. 230 ; 634; Asin. 8 10 und sonst. 

Daneben stehen solche Silbengruppen, wo vielmehr eine 
Hebung mit langem offenem Vocal von einem h aufgenommen 
wird, wie in ipse in manu | habebo oder nihili | homo ; hierfür 
sind Beispiele c. epigr. cuquei huc ; Liv. Andr. 8 nemo haec ; 
Naev. com. 36 ego hanc ; PI. Amph. 294; 1003; As. 463; Aul. 
392; 463; 781; 904; Capt. 547; Ca s. 200; 258; 532; 1000; 
Cist. 162; 210; 480; 753; Cure. 80; 508; Epid. 192; 398; 493; 
640; Men. 1038; Merc. 116; 184; 615; Mil. 1073; Most. 1124; 
1165; Persa 108; 843; Pseud. 349; 508; Rud. 210; 294; 663; 
1069; 1342; 1343; Trin. 1029; Truc. 329; 357. Colax fr. II; 
Capt. prol. 10; Merc. prol. 106; Poen. prol. 120; Truc. prol* 9. 


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74 


Ennius fr. 494 ; Enn. trag. 308. Ter. Hec. 1. 745. 830. Eun. 701. 
Ad. 946. 947. Andr. 317. Afranius 281. 

Drittens trifft es sich gelegentlich, dass h auch zwei kurze 
Vocale trennt, die zusammen als aufgelöste Länge eine Hebung 
ausfüllen, wie Pseud. 1071 Si ille | hodie illa sit potitus müliere; 
die weiteren Beispiele sind Aul. 569 ; Poen. 388 ; Turpil. 152. 

Endlich und viertens bildet h Position und schützt vor allem 
in vielen Versen voraufgehenden m-Auslaut, sowohl wenn das 
m in thesi steht, wie Amph. 875 Frusträtionem I hodie iniciam 
maxumam — vgl. weiter Naevius trag. 59; PI. Amph. 264; 668; 
974; Asin. 103; 473; 756; 779; Aul. 570; 663; Bacch.261; 
766; 809 ; 932; 939; Capt. 364; 395; 921; 1024; Cist. 534; 
671; Cure. 358; 629; Epid. 596; Men. 82; 96; Merc. 357; Mil. 
1090; 1326; Most. 377; 382: 434; 790; 1093; Pers. 226; 392; 
685; 738; Poen. 474; 730; 969; 1042; 1054; Pseud. 673; 1019; 
Rud. 106; 190; 193; 835; Stich. 171; 233; 234; 270; 329; 
Trin. 9; 447; 800; 842; Truc. 554; 562; 627; 688; 715; 772; 
888; Vidul. 89; Plaut, frg. incert. 34. Ter. Eun. 968. Heaut. 540. 
Phorm. 191. Accius 80 u. 413 und sonst — ; als auch, wenn es 
im arsi steht, sodass eigentliche Positionslänge für das Metrum 
nöthig wird, wie Asin. 775 Neque ülaec ulli pede pedem | hominz 
premat ; hierfür sind die weiteren Belege Atil. Calat. unüm | kunc ; 
Naev. trag. 13 ; PI. Amph. 356 ; 520 ; 545 ; As. 275 ; 871 ; Bacch. 171 ; 
833; Capt. 169; 333; 373; 478: 515; 865; Cas. 799 ; 1004; Epid. 
431; Mil. 716; 919; 1236; 1425; 1430; Most. 6; 593; 999; Persa 
140 ; 262 (warn hoc). Poen. 211; 566 ; 662 ; 903 ; 1144 ; 1295 ; Pseud. 
346 ; 549; 650; 750 (ndmhuic) ; Trin. 149. Truc. 739. 814. 847. 919. 
Asin. prol. 10. Turpil. 170. Ter. Hec. 609.369. Afranius 136. Aber 
auch mit anderen Consonanten macht es Position ; wie mit l : 
Bacch. 902 Abeo ad forum igüur. Vtt hercle in malam crucem ; 
vgl. die weiteren Stellen carm. epigr. 9,6; Naev. trag. 54; PI. 
As. 631; Aul. 131; 831 ; Bacch. 920; 1122; Cist. 620; Men. 1137; 
Merc. 919; Most. 174 (ob hoc); 950; Pseud. 1121; 1331; Rud. 
1401 ; Truc. 917 ; Truc. prol. 10; Ter. Phorm. 991 ; Afranius 327 ; 
Novius 88. Die positio des h mit m ist nur um so viel häufiger 
anzutreffen, als überhaupt m im Auslaut lateinischer Wörter der 
häufigere Consonant ist. 

Insbesondere und vor allem ist es diese vierte Funktion des 
h , die ihm den Charakter eines Consonanten vindicirt , über 


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welchen S. 50 geredet wurde. Rein metrisch betrachtet muss 
h den xgovog eines Consonanten im Verse ausgefüllt haben. 

Unsere Stellensammlung erweist diese consonantische Natur 
des h speciell für die lateinischen Wörter hic haec hoc , hodie, 
habere , habitare, homo, hordeum , hospes, hostis , heri ( here ), 
haereo, hariolus , hirquinus , haedus, himea , Aosfo, AoZws, in 
welchen sämmtlichen das A echt war und sich zumeist mit 
Sicherheit auf ursprünglichen Guttural zurückfuhren lässt (das 
Nähere s. Rhein. Mus. 54 S. 226 ff.); aber auch für die Ex- 
clamationen heus und hem (s. PI. Rud. 830; Truc. 917; Ter. 
Eun. 624; Andr. 665), endlich sogar für honor und haud , in 
welchen Worten das h zwar unecht, aber sicher in sehr früher 
Zeit eingedrungen war (vgl. harmstu oben S. 33). 

Das Nämliche wird für den phönicischen Namen Hanno 
erwiesen (s. Poen. 1127); darin stellt sich uns einfach die 
phönikische Aussprache selber dar; denn phönikisches Hanno 
hat Ch im Anlaut wie Hannibal und Hamilcar. 1 ) 

Auch histrio ist Lehnwort; es steht mit h forte Amph. 
prol. 69 und 152; Poen. prol. 44; seine Herkunft ist etruskisch 
(Livius VII 2,6; vgl. Valer. Maximus II 4,4). W. Corssen 
Etrusk. I S. 261 stellte his-ter' zu sk. has (lachen) in has-aJca 
(Schauspieler) ; Deecke in Etrusk. Forschungen V S. 38 stimmt 
zu, indem er damit das Cognomen Rist.ro combinirt, ebenso 
J. Petr in Bezzenberger’s Beitr. 21 S. 213, der russisch gds-lo 
(„Parole)“ vergleicht. Als etruskische Form giebt Livius je- 
doch 9 ister; also ist das h in histrio muthmasslich vielmehr 
spurium und aus demselben Triebe falsch eingedrungen wie in 
dem Namen Hister und Histria neben 'Targog. 

Endlich aber ist diese Aussprache vom gemeinen Mann auch 
auf die früh recipirten griechischen Lehnwörter übertragen 
worden; so steht Hercules Cure. 358; Rud. 161; Stich. 233; Her - 
cülaneam Truc. 562; herde Asin. 275; Aul. 392; 570; 831; 
Bacch. 902; Men. 731; Mil. 838; 1308; Most. 912; Persa 140; 
Poen. 566; Pseud. 508; Rud. 821; 1131; 1401; Truc. 329; 357; 


1) S. Corssen, Aussprache I S. 99 ; bei Varro Menipp. 213, 1. B. steht 
der Senar: 

Noctu Hannibalis cum fugavi exercitum. 

Auch hier könnte man Noctti Hannibalis betonen. 


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538; 814; Titinius 107; Ter. Eun. 968; über dreisilbiges me 
hercle s. zu Ter. Eun. 67; Hector Casina994; Hegio Capt. 141; 
337; 426; 1024; hymenaeus Cas. 799; hilarus Rud. 419; Pom- 
ponius 124; ganz ebenso der griechische Artikel ai ( hae ) Poen. 
137. Der festere Anlaut in hercle wird durch pränestinisches 
Fercles in erwünschter Weise bestätigt. So hat denn hiernach 
auch das Spätlatein den Anlaut recipirter griechischer Wörter 
wieder ebenso behandelt; vgl. Sedulius hymn. II 29: Hostis\ 
Herodes impie (jambischer Dimeter) ; ebenso bei Hector Anthol. 
lat. 367,2 und 4; bei Helenus Dracontius 8, 189 und 608. 

Zu den aufgezählten lateinischen Vocabeln aber ist vielleicht 
noch hanser = anser hinzuzufügen, und man wird jedenfalls 
nunmehr grösseres Vertrauen zu der Messung des Verses Truc. 
252 gewinnen: 

Ita ut de frumento | änseres clamore absterret abigit, 

die ich oben S. 34 vorgeschlagen. Ja, es kommt vielleicht noch 
ein weiteres hinzu. Placidus S. 51 ed. Deuerling lehrt, dass die 
Alten hasa für ara sprachen; dies bestätigt weiter der Gram- 
matiker Terentius Scaur. VII K. 13, 14; das h ist auch sonst in 
späteren Zeiten nicht ganz verschollen; wir lesen inschriftlich 
hararn CIL. IX 2123. Daher warnt AlcuinusVII K. 297, 6, dass 
man ara mit hara (cubile porcorum) nicht verwechseln solle. 
Bei Plautus aber steht der Vers, der von mir, ohne hierauf acht 
zu geben, im Rhein. Mus. 54 S. 68 behandelt ist, Merc. 676 : 

Qui | hänc Yicini nostri | aram | augeam 

anscheinend mit dreifachem Hiat. Man wird jedoch bemerken : 
der erste ist keiner; der zweite gleichfalls nicht, wenn wir 
haram für Plautus ansetzen ; und dass endlich offener Vocal vor 
augeam möglich, hoffe ich in einem letzten Abschnitt wahr- 
scheinlich zu machen. Lässt man den Vers, wie er ist, so muss 
eben Yicini als Eigenname der Gottheit des vicus betrachtet 
werden, und der Eigenname ist durchaus passend gebildet: vgl. 
den Gott Montinus bei Arnobius IV 9 

Dies k in hasa war übrigens unecht wie in honos, haud, 
histrio und Herycina (s. oben S. 32) ; dies beweist oskisch aasa ; 
denn das Oskische verliert kein A. 

Diese Beispiele zeigen nun, dass lat. A, das in keinem Falle 
abhanden kam, umgekehrt sehr früh die Neigung hatte, sich zu 


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propagiren ; und auch hierin steht das Oskische dem Römischen 
gleich. Dem h spurium in dialektischem Herukinal und hanustu , 
das ich S. 32 f. aufführte, entspricht das in honor und haud ; denn 
die Messungen dieser, Wörter bei Plautus (honor Aul. 463; Cure, 
179; 549; Mil. 620; Persa 512; Trin. 1029; vgl. carm. epigr. 
9,6; haud Bacch. 424; Merc. 116; 928; Mil. 919; Most. 434; 
Persa 217; 697; Poen. 862; Rud. 410; Stich. 234; dazu Livius 
Andr. com. 2 ; Poen. prol. 94) sichern uns sein Vorhandensein ; 
auch hasa und histrio mag, wie gesagt, hierher gehören; am 
Ende des 2. Jahrhunderts vor Chr. war es dann der Grossvater 
des Arrius, der schon, wie sein Enkel, in hinsidiae und ähn- 
lichem den Anlaut entstellte (oben S. 41). Diese Neigung war 
rustikan und sie wuchs statt abzunehmen ; denn in des Augustus 
Zeit steht als Markstein der Ausspruch des Nigidius Figulus: 
rusticus fit sermo si aspires perperam , ein Tadel, der auf die 
Phänomene, die ich erwähnt, zurückschaut, der zugleich vorauf- 
schaut in das Chaos des Volkslateins kommender Jahrhunderte. 

Verfolgen wir endlich in kurzer Ueberschau und an der 
Hand der voraufgehenden Sammlungen das Verhalten der ein- 
zelnen Dichter und Dichtungsgattungen zum Consonanten h. 

Hierbei ist mit dem Saturnischen Versmassse anzu- 
heben ; denn es garantirt uns die älteste und echteste Aussprache 
des Latein. Und da ergiebt sich uns gleich die erste und ent- 
scheidende Thatsache : in sämtlichen inschriftlich und litterarisch 
auf uns gekommenen Saturnierresten giebt es keinen Vers, der 
die Verschleifung eines anlautenden h erforderte oder auch nur 
nahe legte. Man sehe die S. 57 angeführten Verse und dazu 
noch die weiteren: 

Carm. epigr. 3,3 ob hdsce res bene gestas u. 4 hanc aedem et signu 
Herculis Victoris; 4,2 parens timens heic vovit u. 4 donu danunt Her- 
colei ; 6.4 consol censor aidilis hic fuet apud vos ; 9,2 pdsidit hoc säxsum 
u. 3 nön honös honöre u. 4 is hic situs quei nunquatn; Livius Andr. 
Odyss. 13 Bahr, atque iseds habemus ; 22 mdeerdt humanum; Naevius bell. 
Poen. 21 ei vinit in mSntem höminum förtunas ; ib. 47 convdnit regnum 
[sirrnd] dtque locds dt habSrent ; ’) 54 fames deer dugesdt höstibus ; 37 ist 
abzutheilen : 


1) Hier ist ut vielleicht sogar positionslang, simul zu tilgen. 


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transit Melitam 

Romanus exercitüs insulam mtegram ürit 
Popülatur vastat rem hostiüm concmnat.’) 

Das heisst: Verschiebung des h ist hier noch gänzlich unbe- 
kannt. Diese Thatsache lässt sich nicht ignoriren. Umgekehrt 
liegen uns Verse vor wie 

cuquef | huc dederunt inperatoribus summeis 
parens timens heic vovit vöto | hdc solüto 
ne quäeratis | honore quei minus sit mandatus, 

in deren erstem und zweitem h den Hiat verhindert (denn weil 
h sonst nirgends verschliffen wird, ist es auch hier nicht erlaubt, 
die zweite Vershälfte mit Synkope fünfsilbig zu lesen), in deren 
drittem h sogar Position wirkt; denn das Metrum wird hier 
erst unter dem Ansatz lesbar, dass die Silbe tis lang ist und in 
Hebung steht (s. Rhein. Mus. 54 S. 208). 

Schon Livius Andronicus übernahm dann als erster 
in der Reihe der Poeten dies alte starke italische A, das noch 
unangekränkelt whr von der Sucht, dem zarteren griechischen 
Spiritus asper zu gleichen, und führte es nicht nur in seinem 
Epos durch, sondern sprach es auch auf der Bühne als histrio 
im Drama. Den Belegen hierfür (oben S. 57) lässt sich mit 
Sicherheit kein einziger Vers entgegenstellen. Denn auch trag, 
v. 13 f. ist die Constituirung des Textes vollständig unsicher ; 
wir lesen hier: 

Quin qu<5d parere vös maiestas mea procat 
Tolerätis temploque hanc deducitis; 

es fehlt also in der zweiten Zeile einFuss; zwischen temploque 
und hanc kann also etwas ausgefallen sein; oder es ist ancillam 
für hanc einzusetzen oder einfach zu lesen tempuloque | hanc 
deducitis . Dies giebt uns endlich das Recht auch den v. 20 
desselben Dichters 

Da mihi | hasce opes quas peto quäs precor 
ohne Verschiebung als regelrechte Kretiker zu lesen; und man 
wird fühlen, dass dies hier die natürlichste Skansion ist. 

Es folgten die Dichtergenossen Naevius und Plautus. 

Für Naevius, den älteren, ist nun zu constatiren, dass 
er gleichfalls noch sehr zurückhaltend war. Nicht nur in seinem 
Epos, sondern auch in den Resten seiner Tragödien fehlt jedes 

1) S. Rhein. Mus. 54 S. 209. 


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79 


zuverlässige Beispiel für h in der Verschiebung. Diese Reste 
vertheilen sich auf 55 Zeilen. In ihnen steht h zweimal in- 
different wie v. 2: 

Omnes formidant hdmines eius valöntiam; 

vgl. v. 62. Ribbeck, der hierauf gar nicht Acht hatte, setzt 
verschliffenes h durch Conjektur in v. 32 und 46 ein; davon 
ist abzusehen. Es bleibt v. 13, wo ohne Zweifel h forte zu 
erkennen ist (oben S. 58); dasselbe h forte erkennen wir in 
v. 54 und 59 (ebenda). Bleibt v. 14, wo aber überliefert ist: 

Tune fpsos ädoriant ne quis hinc Spärtam referat nüntium; 

ferner v. 38: 

Oderunt di homines iniuriose. Egone an ille iniurie facimus, 

dessen Lesung und Constituirung durchaus fraglich; 1 ) endlich 
v. 45, dessen überlieferter Wortlaut sich so abtheilen lässt: 

Ut vfdeam Vdlcani dpera 
Haec flämmis fferi flöra. 

Erst in seinen Komödien ging Naevius weiter. Nur hier finden 
sich fünf bis sechs zuverlässige Belege; es sind innerhalb von 
135 Zeilen auffallend wenige: 

v. 10: Potiöremque häbui lfbertatem multo quam pecuniam; 

ähnlich v. 28; 72; 74; 84; vielleicht auch v. 129, wo sich 
freilich abtheilen lässt: 

Häec quidem 

hercle opinor präefica est; nam mörtuum colläudat. 

Dagegen ist h indifferent v. 6, 70; 81; 83; 117. Endlich aber 
lesen wir Länuvini i | kospites v. 21; Nölo egö | harte v. 36; 
colli | hdbeat v. 115 (oben S. 58); dazu stimmt v. 19 (s. oben 
S. 70). V. 34 ist überliefert quod praeterquam veilem audiebam 
hoc mihi ennius, was sich im Silbenmass von selbst skandirt: 

Quod präeter quam veilem äudiebam, | höc mibi . . . 


1) Vielleicht : OdSrunt 

Di homines iniuriosos. || Egone an ille iniurie 
Fäcimus ? 


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80 


Zu hoc mihi ergänze iam non opus est promittere ; l ) der Name 
des Ennius wird zu einem weiteren Citat gehört haben. Endlich 
bleibt v. 58 die Messung ganz unsicher; man kann h in Elision 
stellen; man kann auch lesen: 

Atque in eis bonis ömnibus 
Ego te | herem fäciam. 

Ganz abzusehen ist von v. 16 und 60, wo h durch unsichere 
Conjektur eingeführt worden ist; ebenso v. 25 ac sibi prospica 
ac despica ; will man hier hac vermuthen, so lässt sich der 
Vers doch natürlich so ausfüllen: 

(Utätur) hac sibi pröspica, | hac despica. 

Die Zulassung des verschliffenen h in der Komödie des 
Naevius ist dafür ein Merkmal, dass mit dem U ebergange vom 
echt lateinischen Saturnius zum griechischem lambus und Tro- 
chäus auch die prosodische Theorie in bewusster Weise ver- 
ändert wurde. Und an Naevius schloss Plautus in allem 
Technischen sich an. Des Livius erstes Drama fiel nach der 
Ueberlieferung in’s Jahr 240, das erste des Naevius schon 235, 
das erste des Plautus anscheinend erst 205 oder 204 (es ist der 
Gloriosus). Aus der Verschiedenheit dieses Zeitabstandes erklärt 
sich nun, dass Plautus in der Zulassung des elidirten /&, die für 
dieVersmache äusserst bequem war, allem Anschein nach schon 
beträchtlich weiter ging als Naevius; z. B. in den hundert Versen 
Men. 110 — 210 wird von der consonantischen Natur des h in 
18 Fällen abgesehen (ich zähle nur die sicheren Belege). Gleich- 
wohl giebt uns Plautus doch noch ein Beispiel für h forte in 
jedem 62sten Verse (s. oben S. 73). So hat aber auch Ennius 
in seinen ernsten Dramen das h forte nicht verschmäht (s. 
S. 68), und auch bei den weiteren Fortsetzern der komischen 
Bühne, Caecilius Statius, Turpilius, Titinius, Atta 
und Terenz hat es sich lebendig erhalten. Für die ersteren 
sind ihre Fragmente Zeugen, für Terenz die wohlerhaltenen 
Komödien selber. Diese Stücke aber lassen zugleich erkennen, 
dass Terenz, etwa 50 Jahre später als Plautus, in diesem Punkte 
doch wiederum erheblich zurückhaltender geworden ist; er bietet 
nur je ein Beispiel in 280 Versen. 2 ) 

1) Im v. 32 u. 33 sagte der Sklave etwa: 

(Scio equidem iam me liberari) et ddseri. 

Laudes ago, cum me vötis multatis meis. 

2) ca. 25 Beispiele in ca. 7000 Versen. 


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81 


Darin spricht sich aus, dass Terenz, in welchem auch 
sonst das Griechenthum viel intensiver, reiner und strenger 
herrschte als im Plautus, insbesondere seine Verskunst dem 
griechischen Vorbilde durch Einschränkung der ungleichen Werthe 
mehr anzunähern suchte. Jedenfalls aber that das echt italische 
h auch noch nach Terenz auf der Bühne seine Wirkung; das 
wird uns durch die Bruchstücke desAfranius und Pomponius 
bewiesen, die auf jenen folgten (s. S. 70); bei den Tragikern 
Pacuvius und Accius sind seine Spuren wiederum gering, 
aber die Vorsicht verbietet gleichwohl die betr. Belege (S. 70) in 
Zweifel zu ziehen. Auch von ihnen mag Terenz schon beein- 
flusst sein. 

Endlich schloss sich auch noch der Satiriker Lucilius 
in seinen Trochäen an das Muster der Komödie an. 

Inzwischen nahm der Einfluss der griechischen Litteratur 
auf die römische — denn nur um die Kunstsprache der Litteratur, 
nicht um die Sprache des wirklichen Lebens handelt es sich hier 
— reissend zu. Schon Naevius und Plautus waren in der Lektüre 
griechischer Bücher geübt. Ennius und Accius waren geradezu 
griechische Gelehrte. Um das Jahr 169 aber hielten die ersten 
griechischen Philosophen und Grammatiker in Rom ihren Ein- 
zug, und von da an begann daselbst unmittelbar, nicht der 
griechische Unterricht für Knaben (denn er hatte schon früher 
bestanden), aber die wissenschaftliche Lehre über griechische 
Grammatik; und an sie schlossen sich die ersten Bestrebungen 
zur Herstellung einer lateinischen Grammatik an. Die Fest- 
stellung einer lateinischen Lautlehre, die nothwendig ihre erste 
Aufgabe wurde, bestand aber darin, dass man die lateinischen 
Buchstaben durchgängig mit den griechischen glich und die 
Definitionen, die von den letzteren galten, übernahm und auf 
die ersteren nach Möglichkeit und oft nur zu mechanisch über- 
trug. Das Sigma im Auslaut der Griechen wurde mit dem 
finalen s des Latein gleichgesetzt, daher wurde es nun in den 
gebildeten Kreisen Rom’s fortan wieder sorglicher gesprochen 
und es erhielt auch im Verse allmählich seinen Werth zurück, 
obgleich für das Volk Latiums seine Schwäche zweifellos be- 
stehen blieb. Da nun z. B. griech. c HgaxXrjg zu lat. Hercules 
geworden war und auch die dichterische Praxis auf Grund dieser 
Erwägung schon vielfach das h dem griechischen Spiritus asper 

Birt, Th., Der HUt bei Plautus. 6 


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82 


gleich behandelt hatte, da ferner umgekehrt der Grieche augen- 
scheinlich nicht im Stande war, das echt lateinische h auszu- 
sprechen, und in der Umschrift seinen Spiritus dafür einsetzte, 
so lehrte man nun auch ohne Frage von Anfang an und min- 
destens seit dem Jahre 100 v. Chr. mit Energie in den Knaben- 
schulen wie in wissenschaftlicher Erörterung, wenn auch noch 
nicht die akustische Identität der beiden Geräusche, so doch 
ihren identischen prosodischen Werth. Bald wurde aber auch 
die erstere, wie wir sehen werden, dogmatisch behauptet und 
begründet, eine Lehre , die , von einem bedeutenden Namen ge- 
tragen, die uns vorliegenden Grammatiker der Kaiserzeit stark 
beeinflusst hat. Alle erwähnen sie, manche freilich nicht ohne 
einigen Zweifel, manche sogar mit entschiedener Missbilligung. 
Diese Opposion ist für uns besonders werthvoll. Wie weit aber 
auch immer in der Kaiserzeit der Einfluss dieser gleichmachenden 
Theorie, die noch nicht verstand selbständige phonetische Beob- 
achtungen anzustellen, gereicht hat, sie ist für unsre Forschung 
ohne Beweiskraft, sobald die Sprache selbst uns Phänomene zeigt, 
die sich mit ihr nicht vereinigen lassen. 

Sehen wir vom Drama ab, so hatte auf einem anderen 
Litteraturgebiet die Durchführung der prosodischen Entwerthung 
des h schon längst begonnen. Ennius war es, der in seinen 
Annalen die ersten Hexameter Rom’s lieferte, die eigenartige 
lateinische Technik dieser epischen Ziele für jmmer feststellte 
und dabei dem h jede metrische * Funktion entzog. 1 ) Anders 


1) Es Hesse sich hiergegen nur sein Fischbuch anführen (Apuleius 
Apol. 39), aus dem wir den Vers erhalten: 

Siirrenti | telopem fac emas, glaucum apud Cumas, quid. 

Denn hier ist der helops gemeint, und t ist einfach aus h verschrieben. 
Der Dichter scheint in diesem Werk überhaupt eine freiere Technik befolgt 
zu haben; denn auch apud steht hier in Hebung; ebenso beginnt v. 3 
Mytilenae mit Auflösung. Nichts ist daher schwerer als die Behandlung 
dieser Zeilen; für v. 2 und 4 möchte ich auch jetzt noch meinen Vorschlag 
Halieutica S. 125 f. vertreten. Aus den Annalen lässt sich dagegen nicht 
der v. 94 ed. Müller geltend machen: 

Interea fugit albu’ lubar Hyperioni’ cursum ; 

denn für das Maskulin iübar ist lange zweite Silbe nach Analogie von 
Lar und par vorauszusetzen; dies ist gegen L. Müller De re metr.* S. 400 
bemerkt. 


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83 — 


machte er es in seinen Bühnenversen ; denn, wo er Jamben oder 
Trochäen schreibt, lesen wir bei ihm (vgl. oben S. 68): 

Illic 6st nugator nfhili, non naucf | homo ; 

— quam mihi mäxime | hic hödie contigerft malum. 

Quae mea comminüs machaera atque hästa | hostit fn manu. 

Um so sicherer ist, dass die abweichenden Principien seiner 
epischen Verskunst auf bewusster Unterscheidung der Gattungen 
beruht haben. Ebenso bewusst war die Unterscheidung der 
Gattungen bei Naevius gewesen , nur äusserte sie sich gegen- 
teilig: Naevius begünstigte schon die Schwächung des h im 
Drama, er duldete sie noch nicht im saturnischenEpos; Ennius 
duldete das h forte schon nicht mehr im hexametrischen Epos, 
er duldete es noch iin Bühnenstück. 

Ennius hob für das Epos überhaupt im Interesse einer 
scharfen Silbenmessung das Schwanken der prosodischen Werthe, 
das dem Bühnenvers eigen war, auf. Das Jambenkürzungsgesetz 
gilt also hier nicht; ebensowenig die Kürzungen trochäischer 
Wörter wie ille und nempe (s. oben S. 52). Und indem er 
gleichzeitig im Schriftwesen die Consonantengemination einführte 
(Plautus hatte noch ile geschrieben, Ennius schrieb ille), zwang 
er das Auge des Lesenden zur richtigen Quantitirung solcher 
Silben, die für das Ohr Zweifel zuliessen. So hat Ennius nun 
damals auch als erster die Gleichsetzung des italischen h mit 
dem Spiritus asperder Griechen für den dactylischen Vers 
definitiv gemacht, aus dem nämlichen Triebe exakter Messung, 
dem wechselnde Werthe zuwider waren. Dazu kam, dass die 
lateinische Sprache an Dactylen nicht reich ist. Ein scharfes h 
im Anlaut aber, das Position erzeugt, hätte dem Epiker manchen 
Dactylus geraubt. So wäre ihm z. B. in dem Verse 

Volturus in spinis miserum mandebat homonem 

der Dakytlus im vorletzten Fusse unmöglich geworden. Wenn 
also Ennius schwankte, ob er sich für h forte oder für Spiritus 
asper entscheiden sollte, musste die letztere Erwägung entschei- 
dend für den Spiritus asper in’s Gewicht fallen. 

Die nachfolgenden dactylischen Dichter sind seinem Ver- 
fahren getreu gefolgt; weder Lucilius noch Cicero noch Lucrez 
noch Catull bieten in ihren Daktylen einen hinreichenden Anhalt 

6 * 


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84 


dar, um auf das Gegentheil zu schliessen. ') Dieselben Litteraten 
fussen aber auch sonst ganz auf den technischen Principien des 
Ennius. Am bezeichnendsten ist wohl, dassCatullin dem viel- 
citirten Arriusgedicht,in welchem er die ohrenbetäubende W ir- 
kung des unechten h verlacht und schildert, doch nicht daran 
denkt, dies h in Position zu stellen; er misst daktylisch 
dixerat hinsidias , nuntius horribilis und esse sed Hionios. Auch 
eine Yerschleifung des h hat er einmal zugelassen, vielleicht nicht 
ohne Absicht; es ist just die Stelle, wo er sagt, da Arrius ver- 
reist war, klangen alle Worte wieder sanft und leicht: Audi - 
bant eadem haec leniter et leviter. So also die Kunstdichter. 
Anders der Zerstörer Corinth’s. Zwei poetische Inschriften des 
Mummius liegen uns vor, aus dem Jahre 144; die eine rühmt 
sich des Triumphes im altmodischen versus Saturnius, dessen 
sich auch die Meteller gegen Naevius bedient hatten; die 
andere weiht dem Herkules einen Zehnten der Siegesbeute zwar 
im Hexameter; dieser Hexameter zeigt aber die prosodischen 
Licenzen, die Ennius abgelehnt hatte, nämlich die Jamben- 
kürzung in tuä pace rogans te und animo suö , und die Auf- 
lösung der Länge in der Hebung v. 4: fdcilia fdxseis. Es ist 
also von principiellem Interesse, dass Mummius auch gerade das 
altmodische h forte hat: moribus antiquis pro usüra | hoc dare 
sese (vgl. oben S. 68) neben zweisilbigem proque hoc v. 6. 

Auf denselben Einfluss der griechischen Auffassung des 
lateinischen h ist noch eine andere Thatsache, die ich schon 
oben S. 17 f. festgestellt, zurückzuführen: die Umschreibung der 
griechischen Aspiraten 0 und 0 mit TH und PH , ein Ver- 
fahren, das zugleich auch auf die betreffende Aspiration in 

1) Spondeisches nec haec bei Gatull 64, 140 ist schwerlich ernst zu 
nehmen; ebenso wenig der Hiat vor heu 77,5 und 6, da er nur im Oxo- 
niensis steht. Am wenigsten würde man sich bei Lucilius wundern Aus- 
nahmen zu entdecken ; doch sind folgende Stellen immerhin unsicher ; 
fr. 141 ß. qui edit se | hic comedit me ; sese zu schreiben ist vielleicht 
deshalb nicht rathsam, weil die Silben -edit me das edit se deutlich 
repetiren. Anders 185,4 Isti animus bulgd | ; haec . . . devincta lacerto 
est und 394: Aurum vis , hominem | habeas eqs.; beidemal vor der Penthe- 
mimeres, die bei Lucilius auch sonstigen Hiat tilgt; vgl. fr. 766. Endlich 
ist fr. 680 ohne Hiat überliefert die Emendation des adlatam unsicher. 
Im Trochäus dagegen lässt sich h consonans bei ihm nicht verkennen 
(oben S, 70). — Die Interjection (h)em steht vor h Gatull 55,12. 


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lateinischen Eigennamen ( Cethegm ) Anwendung fand. Zuerst 
hatte man mit der Sprechung des CH begonnen : diese hatte ihre 
lautliche Berechtigung; denn das h war dem voranstehenden 
Gutturalen artverwandt; daher jenes brachium , Acheruns mit 
positionslanger erster Silbe; und nicht anders scheinen es die 
Osker gehalten zu haben. Erst in’s Jahr 144 v. Chr. fallt da- 
gegen das erste geschriebene ch (CIL. I 541); gleichzeitig er- 
scheint das erste ph ; und diese Schreibungen ph , th und ch 
sind dann langsam im Verlaufe des 1. Jahrhunderts mehr und 
mehr in Aufnahme gekommen. Hierin ist nur die Durchführung 
der Gleichsetzung des h mit dem asper der Griechen zu erblicken. 

Die zeitliche Folge der drei Ereignisse — ich meine die 
Einbürgerung der griechischen Grammatik in der römischen 
Schule, das Meiden und definitive Aufgeben der consonantischen 
Messung des h bei den Kunstdichtern und endlich die Ver- 
wendung des h als Ausdruck der Aspiration im griechischen 0 
und d> — kann nicht auf Zufall beruhen ; es verräth sich in ihr 
Causalnexus oder der Zusammenhang von Ursache und Wirkung. 

Hier sei eine andere geringfügige orthographische Bemerkung 
eingeschaltet: Plautus schreibt Stich. 399 neque ille neque hie ; 
denn neque kann gleicherweise vor Vocalen und Consonanten 
stehen; nec dagegen wurde von Manchen vor Vocalen vermieden. 
Ist es also zufällig, dass bei Catull c. 10. 21 die Ueberlieferung 
mit Sonderung von nec und neque giebt nec hic neque illic? 
vgl. nec haec 64, 140; und sollte dem nicht Werth beizumessen sein? 
Ich meine, dass auch hier vielleicht der h-Consonant seine Wir- 
kung that. Die Phrase nec hic neque illic kann ich zufällig 
sonst nicht belegen; Terenz schreibt neque istic neque alibi 
Andr. 420. Nur carm. epigr. 787,35 kann ich anführen, wo 
Bücheier druckt: 

Atque nec hoc metuo neque illud committere opto. 

Hier ist wiederum nec hoc sicher; übrigens lautet die Ueber" 
lieferung: 

Atque nec hoc metuo ne illud committereque opto 

mit besserem Verse, aber merkwürdiger Tmesis des ne-que . 

Es folgte die augusteische Zeit, die Zeit des Höhestandes 
der wissenschaftlichen Bildung und der Kunstbildung in Rom. 
Diese Bildung des Römers war eine rein griechische. Rom war 


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seit der Zeit Cicero’s statt Alexandria’s der Aufenthaltsort der 
wichtigsten griechischen Philologen, der eigentliche Hauptsitz 
der griechischen Grammatik geworden. Hierzu stimmt nun, 
dass es der Zeitraum des ersten voraugusteischen und des 
ersten und zweiten nachaugusteischen Jahrhunderts 
war, in welchem die Herabsetzung des A zum Spiritus asper 
im Verse als Gesetz ausschliesslich gegolten zu haben scheint, 
ein Gesetz, das erst die Folgezeit wieder zu durchbrechen wagte. 
Das Verfahren eines Vergil hat für uns jede Beweiskraft ver- 
loren. Um so weniger verlohnt es sich, dieses Verfahren VergiPs 
und seiner Kunstgenossen hier genauer darzustellen; wenige 
Worte werden genügen. 1 ) 

Zwar längt Catull kurze Endsilbe nur bei folgendem hy- 
menaee (62,4; 64,20; 66,11); zwar zeigt der einzige Hiat des 
Tibull ein A, I 5, 33 : 

Et tantum venerat a virum ' , hunc sedula curet, 
und der flüchtige Betrachter könnte dies mit dem usus priscus 
in Zusammenhang setzen wollen. Und so lassen sich viele 
Verse derart anführen, wie Varro Menipp. 31 B. : 

Sed quidvis potius | homo quam caruncula nostra; 

Verg. Aen. III 606: 

Si pereoj, hominum manibus perisse iuvabit, 

Tibull. II 4, 38 (wo man ändert) : 

Fecit ut infamis | hic deus esset Amor, 

Properz II 8,8: 

Vinceris aut vincis, haec in amore rotast, 

Val. Flaccus VI 152: 

Omnibus in superos saevus | honor, omnibus artes; 

Martial 14, 77 : 

Lesbia plorabat|, hic habitare potest, 

sowie aus Claudian, dem Fortsetzer der reineren Technik 
Stil. I 157: 

Armenius|, hic picta Saces fucataque Medus; 
carm. min. 13,3: 

Claudicat hic versus | , haec, inquit, syllaba nutat 
Allein hier gilt das Gesetz, dass die Längung stets nur solche 
Kürzen trifft, die in der Hebung stehen, auch nicht in der ersten 
oder fünften Hebung, sondern in solchen, auf welche eine deut- 

n Vgl. L. Müller a. a. 0. S. 405 f. 


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lieh empfundene Cäsur folgt (vornehmlich also Thrithemimeres, 
Penthemimeres und Hephthemimeres) , dass endlich, was das 
wichtigste, die Fälle häufiger sind, in denen nicht h, sondern 
Spiritus lenis der Kürze folgt, wie bei demselben Claudian 
c. min. 11,4: 

Egregiumque decus | in vidi am meruit, 

. oder der Vergilvers Georg. III 189: 

Invalidus | etiamque tremens, etiam inscius aevi. 

Also ist ein Einfluss des h hier zu läugnen, und der lateinische 
Hexameter hat vielmehr die scheinbaren Freiheiten der alten 
griechischen Epiker, die ebenfalls vielfach kurze Silben in den 
Hebungen zeigten, in seiner Weise nachgeahmt. Schon Ennius 
bietet Ann. 374 M.: 

Sensit voce sua nictit | ululatque ibi acute. 

Auffälliger ist allerdings der Vergilvers ecl. 2,53: 

Addam cerea pruna; | honos erit huic quoque pomo, 
weil dem h hier wohl Cäsur, aber keine Hebung voraufgeht. 
Es lässt sich nur Aen. 1,405 vergleichen: 

Et vera incessu patuit dea. | ille ubi matrem. 

Noch auffälliger das Priapeum n. 86, dessen v. 17 lautet: 

Pro quis omnia honoribus | hoc necesse Priapo est. 

Das Gedicht besteht aus 21 Priapeischen Zeilen; keine derselben 
zeigt am Schluss ihres ersten Kolons syllaba anceps. 1 ) Freilich 
genügt das hoc dem Sinne nicht; aber es liegt am nächsten 
huic dafür einzusetzen (so schon Ribbeck). Priapus ist hier 
redend eiugeführt; huic Priapo steht für mihi; und ihm ist 
der vicinus Priapus v. 20 entgegengesetzt. 

Eine bestimmte Entscheidung lässt sich hier nicht geben; 
und das h forte kann und muss für die sog. classische Vers- 
kunst Rom’s principiell geläugnet werden. Gleichwohl aber 
haben wir einige andere Belege für dasselbe aus dem 1. Jhd. vor 
und nach Chr., an denen sich nicht zweifeln lässt und die dem 
Classicismus ferner stehen, noch vorzulegen; und mit ihnen sei 
hier ein vorläufiger Abschluss genommen. Aus der Jugendzeit 
Cicero’s stammt der Dimeter des Laevius, den uns Gellius II 24 
überliefert : 

Lux lfquida | h a e d o redditur. 


1) y. 4 nach Bührens: Nutrior magis et magis fit beata quotannis . 


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Wir haben zum Verständniss der Messung nicht nöthig mit 
L. Müller auf anthol. lat. 383, 2 mit viersilbigem liquescunt zu 
verweisen. Aus der Zeit des Cicero stammt ferner die Grab- 
inschrift carm. epigr. 362, die anhebt: 

Eheu | h e u Taracei ut acerbo es deditus fato 
und die einen Hiat sonst nicht zeigt ( Taracei scheint mit langer 
erster und zweiter Silbe gemessen; s. Bücheier). Und unter 
den Wandkritzeleien Pompeji’s hat sich erstlich der Hexameter 
gefunden, der somit jedenfalls vor 79 n. Chr. gedichtet ist 
(carm. epigr. 935, 14): 

Sei quid amor yaleat, nostei, sei te | hominem scis. 

Hier geht dem hominem keine mit Consonanten schliessende 
kurze Silbe, sondern offener Vocal voraus; und es fehlt an dieser 
Versstelle sowohl Cäsur wie auch stärkere Interpunktion. Hiate 
sind in der Gruppe von Versfetzen , denen die obige Zeile an- 
gehört. sonst nicht vorhanden, wohl dagegen Abwurf des Schluss-s, 
v. 22. ei für langes i steht im Pompeji auch sonst ! ) und zeugt 
nicht für ein höheres Alter dieses Verses; vielmehr scheinen 
diese Verse improvisirt, um das Gedicht ib. n. 934 zu paro- 
diren (s. Bücheier). Dazu liefert uns Pompeji noch obendrein 
den Septenar, c. epigr. 233: 

Abiat Venere Bömpeiiana irätam qui | hoc läesaerit, 
der so und schwerlich iratdm qui hoc läesaerit zu betonen ist; 
Nichtschreibung des h beweist also nichts für die Verstummung 
des h (s. unten). So sind denn diese Zeilen geeignet, für uns 
den Uebergang zum 2. Jahrhundert n. Chr. herzustellen, in welchem 
das h forte seine Rolle von neuem energischer zu spielen beginnt. 

Dazu füge ich endlich das Argumentum II des Plautinischen 
Amphitruo, über dessen Abfassungszeit man streiten kann ; 
v. 3 lautet: 

Pro pätria Amphitruo dum cernit cum | höstibus. 

Ferner Captivi arg. 1: 

Captust in pugna | H e g i o n i s fflius ; 
sowie Epidicus arg. 7: 

Ut ille amicam, | haec quaerebat filiam. 

Aber noch einem Einwande muss ich hier schliesslich be- 
gegnen. Beweist die Vergilische Verstechnik nichts gegen die 
Hörbarkeit der lateinischen Aspiration, so würde ein anderer 

1) Vgl. ib. y. 23 nesceire; bonei CIL. IV 2430; mihei ib. 1846; vei - 
vant 2457 u. s. f. 


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Umstand allerdings befremden; ich meine das Fehlen einer 
Alliteration des anlautenden A in der classischen Zeit. Diese 
Alliteration stand bei Plautus in Blüthe ; man hat ihr Vorhanden- 
sein für die Zeit des Vergil geläugnet; 1 ) wäre dies richtig, so 
könnte sich gegen unser Ergebniss trotz aller Gründe, die es 
sicher stellen, von neuem ein Zweifel regen. Doch beruht jene 
Wahrnehmung auf mangelhafter Beobachtung, und so sei das 
Fehlende hier kurz nachgeholt. Man wolle dabei berücksichtigen, 
wie verhältnissmässig gering an Anzahl die häufiger verwendbaren 
Wörter mit h-Anlaut waren. 

Ich erinnere zunächst an den Zauberspruch bei Cato r. rust. 
c. 160 mit seinem huat houat huat , für den die Aspiration 
offenbar wesentlich w T ar; an das hodie atque leri , z. B. Catull. 
61, 137; Ovid. Fast. II 76; an die Formel hoc monumentum 
heredem non sequitur (Petron 71); an Nero’s tandem quasi homo 
h'ibitare coepi (Sueton c. 31) ; an das hostis . . . etHannibal hostis 
bei Livius 26,13,7; an Vergil’s Ausspruch facilius esse Herculi 
clavam quam Homero versum subripere (Sueton p. 66 Reiff.); 
dazu das hospitium hospites capit und habes habeberis , das ho- 
minem inter homines esse des Petron (c. 77 u. 57): Wendungen, 
die sich zufällig darbieten und die schon ausreichen uns vom 
Werthe des A zu überzeugen. Zugleich aber wird es nützlich 
sein, die Redeweise der zwei Hauptclassiker Rom’s in Betracht 
zu ziehen. 

Da ist nun nicht zu verkennen, dass Cicero mit Fleiss ge- 
wisse Verbindungen sucht und sie zu trennen vermeidet: 

nicht nur das ständige homines honesti und honestissimi , nicht nur 
das emphatische huius hominis , hüte homini und so hundertfältig durch 
alle Casus, ferner ad hanc horam , haec hereditas , her es hic , hie homullus 
(Pis. 59), sondern auch honos habitus est Sex. Rose. 137 und so beständig : 
honoris aliquid haberi ib. 108; honos habitus esset pro Sest. 116; vgl. 
Phil. 9, 2 ; honores habiti Phil. 5, 43 ; habet honorem div. Caecil. 72 ; habuit 
honorem Yerr. I 38; honorem habendum ib. II 4; honores habent ib. 137 ; 
honos habebatur ib. 144; honores haberi ib. IV 151; honorem habiturus 
div. Caec. 30. honor haberetur Tüll. 21 : honorem habere Font. 15; honores 
habiti Phil. V 43; sibi haberent honores , sibi imperia Süll. 26; weiter 
honorem hominibus habitum Verr. II 158; honos non homini solum habetur 
ib. IV 90; honos haberi homini agr. II 60; hunc honorem a me haberi 
Vatin. 2; his . . . honoribus habitis Phil. 9, 15. Ein Pronomen steht da- 
zwischen: honorem illi habuerant Verr. IV 90; vgl. Phil. III 39. 

1) A. Paul a. a. 0. S. 21. 


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90 


Weiter: habemus hominem Yerr. V49; dies bleibt auch sonst eng ver- 
bunden : habetis hominem Caecin. 104 ; homines habebantur Sest. 105 ; 
hominem habuisse Cael. 50; tot homines habet Sex. Rose. 134; habebat 
homines honestos Yerr. 1170; habere in hoc homine ib. V176; se habere 
hominem Verr. act. pr. 40; cum hob er et haec res . . . homines agr. II 64. 
Si ... homo habendus est Phil. 13, 2. habetis . . . honestatem hominis 
Flacc. 49. Genau ebenso Petron c. 63 habebamus tune hominem . 

Hier wird also die Nachbarschaft der gleich anlaatenden 
Wörter gesucht; nicht minder in 

huius horribilis beUi Cic. Catil. 2,15, verglichen mit ad hoc horribile 
Scaur. 22; hominum genus horribile Süll. 59; hac horrtbüi tempestate Verr. 
1 89 ; ab hoc horrido agr. II 65 ; in hac horrida . . . vita Sex. Rose. 75. 
Uebrigens führe ich an : 

haerere homo Verr. II 187: id habent hodie leve Balb. 51 (vgl. Sest. 6; 
Verr. V64); humilitatem hominis Cluent. 112; huius honestissime actam 
vitam Cluent. 195; homo sit heres Verr. 1 124; patronos hospitesque haberent 
Sex. Rose. 106 ; hospites habere Phil. 5, 15 ; haberet hereditatem Verr. II 47 ; 
catenas habebat hospes tuus Verr. V 1 10; hostis habendus est Phil. 9,3; das 
pathetische humanis hostiis Font. 31, das auch sonst so verbunden wird, 
und endlich das ergo Hannibal hostis Phil. 5,25, das an die oben citirte 
Liviusstelle erinnert. 

Nicht anders aber die Dichter, was um so bemerkenswerther, 
da nicht nur der Schatz der hierher gehörigen Vokabeln gering, 
sondern auch das h im Vers der Verschiebung ausgesetzt wurde, 
wodurch es leicht an unbetonte Stellen gerieth. Eine Allitteration 
wie Dicite Dardanidae Verg. Aen. 7,195 war, wo verschieb- 
bares A im Anlaut stand, allemal unmöglich. 

Trotzdem finden wir nun nicht nur jenes hastilibus horrent Ovid. 
Met. 8, 285, sondern ganz ähnliche Compositionen auch in der Aeneis. Vor 
allem wimmelt es im Vergil von Formen des hic, das vielgestaltig und 
immer in Anapher wiederkehrt; Vergil’s Werke sind gespickt damit: haec 
precor , hanc vocem u. s. f. u. s. f. Der Reiz dieser Anapher bestand in der 
Paromoiosis des Anlautes; das Demonstrativ steht dabei meistens in Hebung. 
Ich citire hierfür keine Stellen; denn sie sind überall zu finden. Achten 
wir auf anderes, so genügen folgende Belege: 
ecl. 2, 29 f. : Atque humilis habitare casas et figere cervos 
Haedorumque gregem viridi compellere hibisco. 
ecl. 9,62: Hic haedos depone eqs. 

Georg. II 142: . . . virum seges horruit hastis. 

Georg. III 350 : ... flaventis H i ster h a renas. 

Georg. III 408: . . . a tergo horrebis Hiberos. 1 ) 

u. IV 109 : ...ha lantes floribus h o r ti. 

1) Ein Beweis, dass die Synalophe die Vernehmbark eit des h nicht 
aufhob ; vgl. oben 3, 50 u» 37 f. 


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91 


vgl. Pseud. Ver g. Moretum 72 : H i c h o lus, h i c eqs. 

Aen. 1 106 : H i summo in fluctu pendent, h i s unda de h i s eens. 

„ 1540: Permittit patria; hospitio prohibemur harenae. 

„ II 290: Hostis habet muros eqs. 

„ III 23 : . . . h a stilibus h o rrida myrtus. 

„ III 329: . . . Heleno transmisit habendam. 

„ III 559: Hos Helenus scopulos, ha ec saxa horrenda canebat 
„IV 4 : Gentis h o nos, h a e rent eqs. 

„ IV 73: . . . haeret later! letalis harundo: 

was an dieser Stelle vom l gilt, muss auch vom h gelten. 
„ IV 280: Arrectaeque horrore comae, et vox faucibus haesit. 

„ IV 447: Haut secus adsiduis hinc atque hinc vocibus he ros. 

„ V 50: Semper honoratum (sic di voluistis) habebo. 

„ V 73: Hoc Helymus facit, hoc eqs. 

„ VI 576: . . . immanis hiatibus hydra 
Saevior intus habet sedem. 

„ VII 669: Horridus Herculeoque eqs. 

„ IX 38: Hostis adest, heia! eqs. 

Die Exclamation heia mit h emphaticum verbürgt das h auch für hostis . 
„ X 178 : ...ho rrentibus h a stis. 

„ XI 601 f. : H u c conversus et huc; tum late ferreus h a stis 
Horret ager. 

„ XII 26: ... simul hoc animo hauri. 

„ XII 296 : H o c h a bet, h a e c melior.j 
„ XII 426 f.: . . . accendit in hostem. 

Non haec h umanis opibus eqs. 

„ XII 868 : Arrectaeque h o rrore comae, et vox faucibus h a e sit ; 

• vgl. oben IV 280; dies also typisch. 

Dies ist nur eine Auswahl besonders sinnfälliger Stellen; 
es würde zu weit führen mehr auszuschreiben; doch beweisen 
eben diese, dass der Dichter auch anderswo an dieser Wieder- 
kehr des Hauches Gefallen fand; *) und es ist mir fraglich, ob 
sich ein g oder l oder gar ein b in der Allitteration so häufig 
antreffen lassen. 

1) Ich verweise noch auf die Verse ecl. 1, 70 f. ; 79. 2,53. 3,93. 7, 41 f. 
8,60. 8,80. 8,95. 9,6. 9,19. 9,40f. Georg. 1118. 1192; 232; 353 : 508; 
HI 152. 290. 430. 486. IV 32 6. 427. Aen. 1253. 261. 335. 539. 672. 717 f 
H289. 359 f. 514. HI 195. 225 f. 328. 369. 406 f. 551. 712. IV 123. 198. 
614. 620. 661. V 11. 259. 308. 330. 492. 535. 630. 671. 717. VI 111. 166. 
298. 623. 668. VII 21. 131. 151. 323. 332. 548. 568. 635. 701. 723 f. VIU 172. 
603. 1X274. 287. 440. 491. 554. 576. 763. X 210f. 379 (=477). 383 f. 493. 
494 f. 696 f. 720. 726. 853. 858. X903f. 907. XI 76. 96. 507. 521. 555. 570. 
623. 644. 673 f. 688 f. 699. 739. 765. 804 f. 827. XH25. 140. 233. 360. 431. 
452 f. 582. 772. 789. 


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B. Das H der römischen Kaiserzeit. 


I. h als Gonsonant im Verse. 

Befragen wir nunmehr die römische Kaiserzeit und das 
erste bis sechste Jahrhundert n. Chr. , in wie weit es für den 
Schwund des Spiritus Zeugniss giebt. Dass der Untergang des 
h diesem Zeiträume angehöre, war früher meine Ansicht; diese 
Ansicht ist aber wiederum unhaltbar, und eine Fülle von 
Gründen sprechen dagegen. Ich beginne mit der consonantischen 
Geltung des h im Verse, und die Sammlung von Belegstellen, 
die der vorige Abschnitt gab, wird hier also zunächst fortgesetzt. 
Jedoch gebe ich das Nachfolgende natürlich nicht mit dem An- 
spruch auf Vollständigkeit, sondern stelle so viel zusammen, 
wie mir zur Beweisführung ausreichend scheint. Das Ergebniss 
ist unabweislich , dass das h im Hiat und in der Position bei 
Plautus und bei den betr. Poeten der Kaiserzeit ein und dasselbe 
ist; das eine setzt das andere fort; seine Funktionen sind die näm- 
lichen, aber sie kommen auch jetzt nur gelegentlich zur Geltung. 

Ich stelle die Inschriften voran, die grossentheils nur 
eine ungefähre Datirung zulassen. Eine Sammlung der inschrift- 
lichen Hiate findet man bei E. Diehl , De m finali epigraphica 
(1899) S. 123 ff. 

Bücheier erkannte in gelegentlichen Anmerkungen, zu carm. 
epigr. 1476; 439 u. a., die consonantische Kraft des h an; auch 
Diehl S. 147 f. ist der Ansicht h durius enuntiatam pati duas 
non coire vocales; eine Sonderung des Materials nach diesem 
Gesichtspunkt hat er jedoch nicht versucht. Es muss vor allem 
geltend gemacht werden, dass die metrischen Inschriften technisch 
nicht auf einer Linie stehen; wir werden die stümperhaften 
Verse von denen sondern, die der geschulten Technik nahe 
kommen. Inschriften, die auch sonst Hiate zulassen, beweisen 


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93 


für uns nichts. Ziemlich früh entstand die Neigung, die Mitte 
des Pentameters als Versschluss zu behandeln; noch älter scheint 
die Duldung des Hiates in der Penthemimeres des Senars. 
Derartige Beispiele beweisen also wiederum am wenigsten. 
Andere Dichter gestatten gelegentlichen Hiat oder Dehnung einer 
consonantisch auslautenden Kürze nur an den männlichen Cäsur- 
stellen des Hexameters; bieten sie ein unverschliffenes A an 
anderen Versstellen, so ist dies zu notiren; u. s. f. 1 ) 

a) h im Hiat an Cäsurs tel len. 

c. epigr. 77, 3 : Düm vixi | h i 1 a r i s iucundus amicis. 

1. Jahrh. Das Gedicht, sechszeilig, elidirt sonst (y- 4; 5; 6) 
ausser v. 2, wo in idm aliquid ein M onosyllabum conservirt wird; 
ygl. n. 241: Cögitato ti hominesse (so) et scito moriendust , vale . 
c. epigr. 260,4: Urbe redux genio pagi | hanc dedicat aram. 

Vor Diocletian; vierzeilig; hiatfrei, ausser pro novem optinuit 
v. 3; hier gilt die Silbe - em als Länge und steht unter dem Gesetz: 
vocalis ante vocalem corripitur.*) 


1) Keinen Werth lege ich auf Entschuldigungsgründe, die aus der 
Anapher oder aus dem leoninischen Reime hergenommen werden; einem 
Hiat wie in carm. epigr. 1005, 4 Hie erit inclusus tumulo, \ hic Iulius ipse 
vermeidet eben die correkte Technik trotz der Anapher, und die Yersgestalt 
bleibt also auffällig; der leoninische Reim aber geht auf das zurück, was 
ich den grammatischen Reim nenne (s. ad hist, hexam. latini S. 50 f.), den 
z. B. Catull in jedem zweiten Verse hat; Anlass zur Duldung des Hiats 
gab auch er dem Dichter nicht. So können wir denn umgekehrt ansetzen, 
dass der Hiat in carm. epigr. 1005,5 cum mea iucunde | aetas florebat ab 
annis durch willkührliche Veränderung der ursprünglichen Fassung ent- 
stand; die dichterische Vorlage hatte muthmasslich mit grammatischem Reim 
cum mea iucundis aetas florebat ab annis gegeben. Fälle dagegen wie 
c. epigr. 974, 3 (vgl. 1532, 2) : Mortua \ hic sita sum stelle ich im Obigen 
ausser Rechnung, da sie nach dem mscl. Mortuus hic situs est zurecht 
gemacht scheinen (Diehl S. 145 f.). Während hier also Versnoth anzu- 
erkennen ist, liegt die Sache wieder anders 1308,2 Quisque | huic tumüto 
possuit ardente lucernam ; auch hier können wir mit Diehl ansetzen, dass 
in der Vorlage quisquis statt quisque stand. Da hier jedoch der Sinn zu 
einer Aenderung nicht zwang, haben wir auf consonantisches h zu schliessen, 
das eben diese Abänderung gestattete. Uebrigens habe ich aus nahe- 
liegenden Gründen c. epigr. 107; 1330,3; 1532,4 bei Seite gelassen. 

2) Auch dies ist von Diehl nicht hinlänglich in Rechnung gezogen. 
Hat langer Vocal den Werth von zwei Moren, so hat -£m den Werth von 
1 '/« Moren; denn dem m kommt der wog eines Consonanten zu; diese 


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94 


c. epigr. 489,7: Spectata in populo | hydraul a grata regebat; 

neunzeilig ; das Gedicht duldet Hiat in der Mitte des Pentameters, 
y. 9, und zwar beim Eintritt des Eigennamens des Verstorbenen, 
durch den der Vers leicht zerstört wird. 

c. epigr. 834: Ossa piia cineresque sacri | hic ecce quiescunt; 

einzeilig; die Verstorbene heisst Julia Helpis, zeigt also ein Ä, 
das sicher gesprochen wurde; s. unten. 

c. epigr. 617,2: Una die genti | eandem | horaque creati; 
dreizeilig; Hiat in der Penthemimeres. 

c. epigr. 1005,3: Hic erit inclusus tumulo, | hic Iulius ipse. 

1. Jahrh.; 14zeilig; dazu stimmt der Pentameter v. 2: Aeternum 
patriae | hic erit ipsa domus; also enthält das Gedicht keinen Hiat 
ausser v. 5, der oben S. 93 Anmerkung erklärt ist. 

c. epigr. 600, 5 : Patre repugnante proprio | h e c nomine signat. 

4. Jahrh.; fünfzeilig; frei von Hiat und Elisionen; s. unten. 

c. epigr. 622,3: Haec Tili nuc requies fati, | haec sedis aeterna; 

4. — 5. Jahrhd. ; vierzeilig; ohne Hiat. 

c. epigr. 1431,3: Heu iacet hic pars magna dei, | heu triste cubile. 

13zeilig; Hiat nur im Pentametereinschnitt, v. 11. Aehnlich 614, 5: 
Pärvula quis rapta est atque unica . heu male mensis. 

Unsicher ist 

c. epigr. 97,10: Vos fn sepulchro | (h>oc elo(gium inc)idite (2. Jhd.), 

wenn schon in diesem lözeiligen Gedicht sonst regelrechte Ver- 
schiebung eintritt (v. 4; 7; 15). Noch unsicherer ist aus demselben 
Grunde 83,4 Bene vive, propera |, hoc est veniundum tibi; und 
115,3 Eclesiae sanctae | hanc reliquit memoriam. 


1 '/* aber werden den 2 Moren gleichbehandelt; daher auch 526,8 sedecim | 
annos und ebenda v. 5 mirö cum \ honore parere ; 492, 16 vetterum \ inscia 
fila; 512,3 ärgentäriam | dxibui drtem; 756,4 gesseram \ anno ; 1333,3 
Cöniugem \ dt natos ; vgl. 562, 11 ; 856, 8 ; 1238, 15; 1398, 4. Aehnlich 787, 52 
Cum tuo | hoc obitu (anders allerdings 563,5 J&t totiddm anni ; vgl. 
469, 1). Dagegen ist kurzer offener Vocal vor vocalischem Anlaut unver- 
schliffen wie dnnua | dt in diesen Hexametern selten und seltener als Diehl 
S. 162 f. es ansetzt, der Stellen wie c. epigr. 963,11; 373,4; 1299,2; 125,2 
willkürlich und irrthümlich beurtheilt. Wer kann in einer Zeile wie aspice 
indignans hic data rnorte , die keine bestimmte Versgestalt hat, erkennen? 
ob das e verschliffen oder nicht verschliffen wurde? Es ist nicht zwingend 
373,4 fortuna | iniqua zu trennen, da ja diese Inschrift einfache Kürzen 
in der Senkung kennt (v. 2) ; 372, 3 lese ich Nullo odio sive offensa (die 
Ueberlieferung sine). 


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95 


b) h in Position an Cäsurstel len. 

c. epigr. 1567, 7 : Mors etenim | hominum natura eqs. 

1. Jhd.; carmen commatticum; hiatfrei'), aber vgl. ib. v. 3: 
Legibus oiio sum perpetuo tradita ; | haec mihi vita fuit. 
c. epigr. 1142,19: Servatamque diu vitam | habitamque pudice. 

26 Verse ; hiatfrei ; eine productio v. 6. 
c. epigr. 253,5: (Dext)er sede tegit | hanc p(u)lvinaribus altis. 

3. Jhd.; 8 Verse; ohne Hiat und ohne Elisionen. 

c. epigr. 263, 1 : Somnio praemonitus miles | h a n c poscere iussit. 
zwei Verse; hiatfrei. 

c. epigr. 1476,1: Aetherius moriens dixit: | hic condite corpus. 

Nicht vor dem 4. Jhd., wegen des Namens Aetherius. 
c. epigr. 512,8: Vitam cum potui gratam | habui cum coniuge sanctam. 

das Gedicht, 13zeilig, hat keinen Hiat, bei sonstigen Licenzen.*) 
c. epigr. 1316,1: Nöme fuit nomen|, haesit nascenti Cusuccia; 

dass hier h Einfluss übte, bestätigt v. 2: Utraque | hoc titulo 
nomina significo: die beiden Einschnitte erklären sich gegenseitig; 
das Gedicht, 6zeilig, hat weder Hiat noch Elisionen, 
c. epigr. 1809, 3 : Hoc opus est nostrum | h a e c omnis cura laboris 

4. — 5. Jhd.; 5zeilig; hiatfrei. 

c. epigr. 1356 A, 1 : Eutropium | h i c Christo tuum virtute probatum 

etwa 11 Zeilen; hiatfrei; auch im Pentameter macht hier h Position, 
v. 10: Et vestis tegimen \ hisp(ida semper erat). 

CIL. XI 258: Namque sui similem | hominem produxit in orbem 
nach a. 458? fehlt bei Bücheier. 

CIL. V p. 621,9 v. 9: Pontifici demum | hanc condonasse benigne, 
fehlt bei Bücheier. 

Unsicherer sind 

c. epigr. 492,4: Nam meruit | haec multa suis pro laudibus a me. 

etwa 3. Jhd.; 25 Verse; zunächst verhindert auch v. 13 h den 
Hiat : Lar mihi | haec eqs. ; s. unten. Aber das Gedicht hat manche 
Freiheiten: Hiat vor ac (sprich hac ?) v. 14; ist im v. 15 intima 
nulla ei das ei spondeisch? Jedenfalls zeigt v. 17 meö | in amore 


1) V. 10 Sustineo in aeternd toro adventüm tuum ist ein gesetzloser 
Senar, also hiatfrei; der Schluss v. 11 valete eqs. scheint überhaupt auf jede 
Messung zu verzichten. 

2) Siebenfüssige Verse sind , wie der vorstehende , so auch v. 5 (wo 
omnisbus nicht nur geschrieben, sondern auch gemessen ist), 6 u. 9 ; acht- 
füssige v. 7 u. 10; fünffüssig scheint v. 2; v. 3 ist demgemäss hiatlos und 
siebenfüssig zu messen: Prdeciliüs CirUnsi larem drgentdriam ixibui 
drtem; über die unverschliffene Endung -am s. S. 94 Anmerkung. 


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96 


mat'iti den Hiat nur an der männlichen Cäsurstelle; v. 9 ist die Er- 
gänzung quot t(e) | audire doch nicht über jedem Zweifel erhaben; 
endlich über vellerum | inscia s. oben S. 94 Anmerkung, 
c. epigr. 489, 6 : Bis septemque dies vixit. | h e c ipsa superstes ; 

hier zeigt v. 2 Artibus edoctd eqs. Dehnung der Kürze vor der 
Penthernimeres. 

c) h im Hiat an sonstigen Versstellen. 

c. epigr. 439,4: Ac leve | hiberni tempus tellure dicetur; 

vierzeilig; ohne Hiat und Elisionen, 
c. epigr. 985: Hic mihi | hoc posuit mors mea quoi doluit. 1 ) 
c. epigr. 225,3: Aliqufd memöriae | höc est. 

dreizeilig; ohne Hiat und ohne Verschiebungen, 
c. epigr. 576, B 3: Credo tibi gratum si | ha ec quoque Tartara norunt 
6 Verse; ohne Hiat und ohne Verschleifungen. 
c. epigr. 1256,2: Complerunt animos ut post me nomem (so!) haberem 
6 Zeilen; hiatfrei. 

c. epigr. 639,7: Ut quae | hflariter sumas cum littera mesta: 

7zeilig; im überlieferten Text steht weder Hiat noch Elisionen, 
c. epigr. 1316, 2 : Utraque | h o c titulo nomina significo ; 
schon soeben S. 95 angeführt. 

c. epigr. 614,5: Parvula quis rapta est atque unica. | Heu male mensis; 
soeben S. 94 angeführt. 

c. epigr. 1308,2: Quisque | huic tumulo possuit (so!) ardente lucernam 
zweizeilig; vgl. oben S. 93 Anmerkung. Aehnlich 1799: Quisque \ 
hüte tumulo manu8 intulerit eqs. 
c. epigr. 420: Ulterius nascentem aliquem procedere | hora 

22 Zeilen; enthält keinen Hiat ausser in der Qauptcäsur v. 15, 
und zwar nach eingesetztem Eigennamen, 
c. epigr. 1568, 2 : Aquila | h i c iacet sine animä miserabili fato ; 

4 Verse sind erkennbar; hiatfrei. 

c. epigr. 1278, 7 : Rottio | h i c situs est iuvenili robore quondam ; 

9zeilig; gut und hiatfrei, ausser v. 9, der aus dem Metrum 
herausfällt. 

c. epigr. 409,10: Quod fuerat vestrum amisi, quod erat meum | hic est. 
lOzeilig; hiatfrei. 

c. epigr. 1619,3: Prö | hunc ünum orä subolem; 

carmen commaticum ; ob sonst Hiate zugelassen sind, bleibt so un- 
sicher wie die Messung der comrnata. 
c. epigr. 766,2: Divisit populis pietate | honore decorus; 

christlich; 3 Verse: rein; Bücheier versteht pietatis . 
c. epigr. 1333,2: Verna loci | huius qui negotiator habet: 
betr. des v. 3 s. oben S. 94 Anmerkung. 


1) Vgl. Cbolodniak carm. sepulcr. 757. 


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97 


Unsicherer sind wiederum: 

c. epigr. 760, 5 u. 9 : Redditus in terra corpus, cui vita | h e r e b a t ; 

Per gradus ascendi | usque [hoc presbiter veni. 

12 zeitig; v. 6 ist zwar die Messung fraglich; aber v. 8 giebt zwei 
Hiate mea | äb ineunte | aetdte (sprich hab ?). Dagegen dürfte v. 12 
zu betonen sein: Annorum quinqu&ginta hodie aetdte perigi (hodie 
mit consonantischem i). 

c. epigr. 585: (Munificent)iae | hic cunctae (et pra)dentiae solu(s>. 

Die Ergänzung bleibt natürlich unsicher, 
c. epigr. 630,2: . . . rina tumulo | habitas; 

da das Gedicht augenscheinlich daktylisch, scheint hier ein Penta- 
meterschluss vorzuliegen. 

c. epigr. 738,2: (Ergo hoc so)lum discis | hic iacere pue(llam). 

Giebt hier das h Positionslänge? aber es stehen hier auch sonst 
Kürzen für Längen in der Senkung. 

Unter den Versificatoren der Litteratur aber steht Teren- 
tianus Maurus voran; denn er ist, als der früheste in dieser 
Reihe, zugleich der wichtigste, und gerade bei ihm haben die 
Editoren den Text entstellt und die Funktion des h nicht wahr- 
genommen. Man ist neuerdings geneigt, Terentianus dem 2. Jhd. 
zuzusprechen ; dieser Ansatz wäre mir nicht unwillkommen, leidet 
aber die schwersten Bedenken, und allerlei Argumente zwingen 
mich für ihn vielmehr am 3. Jhd. festzuhalten. Bei diesem 
Gramm&ticus lesen wir nun die Ionici a maiore v. 128: 

Unä quoniäm sat | h a b i t ü m est notare forma ; 

Lachmann setzte fas habitum gegen den* Sinn; sat habitum ist 
das einzig Sinngemässe; der Verfasser sagt, dass das Lateinische 
kein Eta und Omega schreibe, weil es als genügend erachtet 
worden ist, ein einziges Zeichen zur Schrift zu verwenden, 
welches doppelten Dienst thue (v. 129 quae pro temporibus 
geminum usum minist r^t). Also ist sat hier positionslang. 
Ebenda v. 579: 

Tempori suö | ab eadem consona partem trahet. 

Dass man hab f. ab sprach, wird ein späterer Abschnitt dar- 
thun; eadem muss mit Synizese gesprochen werden. In der 
Cäsur v. 658: 

Quämque it vv dicunt Acbaei|, hanc vitym gens Aeoli. 

Auch dieser Beleg hat volle Beweiskraft; denn Terentianus duldet 
weder in der Cäsur des Septenars noch in der des Senars offenen 

B 1 r t , Th., Der Hlat bei Planta«. 7 


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98 


Vocalzusammensto8S, mit Ausnahme des v. 410, wo griechische 
Yocabeln zusammenstehen, und v. 617, wo die Vocale selbst 
Gegenstand der Besprechung sind: Est adhuc quo separatere | I 
ä U dissentiant ; ebenso v. 731. 

Y. 738 lautet: 

Quia sequor easdem | habebat unde nomen nascitur. 

Das et, das man vor easdem gegen die Ueberlieferung einflickt, 
verunstaltet den natürlichen Ausdruck. Zweifelhafter ist v. 864, 
wo es vom l heisst: 

D cum | hac numquam coibit, Q magis numquam potest ; 

denn hier könnte freilich auch m den Hiat verhindern. 1 ) Weiter 
aber v. 930: 

Scüta namque spatia dico, stamina atque | höc genus. 

Auch hier brauchen wir keine Aenderung. Wenn daher v. 1957 
überliefert ist: 

Cdm vero hepbthemimeres fuerit divisio versus, 

so ist die nächstliegende Emendation: 

Cum hephthemimeres eqs.; 

vgl. v. 1940 Si penthemimeres eqs. Wie hier das vero , so ist 
v. 2050 autetn unter Yerkennung des Metrums interpolirt, um 
eine engere Verknüpfung der Sätze zu gewinnen. 2 ) 

Diese Beispiele sind also einem Lehrmeister der Yerskunst 
aus dem 3. Jahrhundert entlehnt, der auch in diinde v. 1500, 

1) Vgl. v. 1328 u. 1334: 

/ 

V et £ simul iunctae (lies iugatae) vel cum | illa singulae; 

0 cum | £ tantum iugatae longa semper syllaba est 
Ferner 850: 

Ire iam nunc ideo nobis visum | est consultius, 
nicht nur für den Sinn tadellos, sondern nothwendig, weil ut demeret , 
nicht ut demat folgt; vgl. carm. epigr. 373,2 Natn mihi non fato datum | 
est feliceim) morari ; Alcimus Avitus II 420 meüm est und VI 149 twüm est 
dreisilbig. Danach zu beurtheilen v. 551 : 

Bina productas habere nec minus compertum | est 
Endlich 2318: 

Dum | ex sequenti copulat longam sibi. 

2) v. 2578 möchte ich lesen: 

Sit penthemimeres tome locata. 


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99 


herÖam v. 1647 die Messungen der Späteren anticipirt. Dasselbe 
3. Jahrhundert aber bringt uns noch bei Serenus Sammonicus 
die Zeile, v. 108: 

Vipereae pellis cinerem | his addito rebus.') 

An sie schliessen sich weiter Juvencus an (um 328) und Ausonius 
(310 — ca. 395), sowie Augustinus de anima (um a. 400); aus 
dem 5. Jahrhundert Marius Victor, Sedulius, Orientius, Cyprianus 
Gallus, Sidonius Apollinaris, Dracontius u. a., aus dem sechsten 
Luxorius, Maximianus ; endlich manche Gedichte der Anthologia 
latina, deren Zeit sich nur ungefähr bestimmen lässt. Venantius 
Fortunatus soll für einen andern Abschnitt aulbehalten bleiben. 
Es sei betont, dass sich diese Dichter einer correkten Vers- 
bildung befleissigen und so Hiate wie irrationale Längungen 
nur in beschränktem Masse zulassen. 2 ) Daher ist die Geltung 
der h consonans gerade bei ihnen allgemein anerkannt und 
einem ernstlichen Zweifel nicht unterworfen; vgl. Luc. Müller, 
De re metrica S. 370 2 ; flümer u. a. 

1) Ueber v. 85 desselben Dichters 

Sive maris | ha bi di eqs., 

wo habidi mit h spurium für amdi in der besten Hs. , s. unten. Derselbe 
Sammonicus längt die erste Silbe in palatum v. 125, in fimus v. 209. Eine 
productio in arsi steht v. 12. 

2) Juvencus z. B. hat irrationale productio vor der Cäsur nur in der 
Praefatio v. 25 u. 27, nirgens im Epos; bei demselben erklärt sich der 
scheinbare Hiat 1 272 puerumque | loseph aus der Sprechung Hioseph 
(s. unten); so rechtfertigt sich auch carm. epigr. 1168,2 Quod turmdo | 
lopes. Es bleibt bei Juvencus nur IV 340 0 | utinam , was allgemein zu- 
zulassen war. Ausonius giebt Hiat nur dreimal, vor der Hauptcäsur, wie 
abstineö | errori: s. IV 3,52; XXIV 2,38; epigr. 35, 11 (epigr. 95,11 
zweifelhaft); in der Senkung nirgends; denn die Fälle des vocalis ante 
vocalem corripitur sind nicht als Hiate im hier besprochenen Sinne zu 
fassen : V 8, 3 miss PhrixiÖ J ab driete , wie XXXII 8 Nymphäe | Hamadryades; 
so auch 111 39 Hie ego | Ausonius aufzufassen ; XV 24, 15 wird Si quä | in 
mit Recht beanstandet Vom Pentameter und jambischen Senar ist hier 
abzusehen (vgl. oben S. 93). Daher lässt sich auch Martianus Capelia 
p. 193, 17 Pigebit arma | horruisse caelites (vgl. p. 342, 24) für unsre Frage 
nicht geltend machen, da dieser Versifex nach der Penthemimeres des 
Senars den Hiat zulässt. Ebenso wenig ib. p. 197, 21 Puncti instar medio | 
haeserat ima loco , vgl. ib. p. 198,1 u. 9 u. a. Längung vor der Cäsur 
zeigt Ausonius nur 11135 ( quaestör ), perioch. 14,2 ( Trods ); alle weiteren 
Beispiele sind zweifelhaft. 

7* 




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100 


a) h im Hiat an Cäsarstellen. 

Juvencus IV 14 : Post Sadduc&ei | h i n c inde latratibus urgent. 

Paulinus Nolanus c. 82,44: lllud ut auxilii, | hoc esset causa bibendi. 1 ) 
Alcimus Avitus c. VI 102 : Haec dicens teneros sancto | hortamine sensus. 8 ) 
Cypr. Gail.,*) Num. 140: Arietes quinque | bircosque agnasque sequentes. 
„ „ Jesu Nave 4 : Castraque metatä | h o s t i 1 i imponere ripae. 


b) h macht Position an Cäsurstellen. 

Juvencus 126: Nomine Iobannem | hunc tu vocitare memento. 

Ausonius [XII 2, 28: Cui non longa penus , huic quoque prompta fames] 
„ XV 10, 17 : Caelebs namque gener | h a e c nunc pia munera soivo. 
„ [XV 11,14; Quoque magis solus | h oc mage maestus ago. 4 )] 

„ Epist. 1 23 : Leniter haec flueret, | h a e c non properata veniret. 

[Auson. append. V 36, 2 : Hoc pereunte fugis | , b o c fugiente peris.] 
Sedulius carm. p. 135: Maiestas similis. | Haec est via namque salutis. 
„ „ „ 1324: Iste fidem ternam|, bic non amplectitur unam. 

„ „ „ II 77 : Progenitum fulsisse ducem | , h o c caelitus astra. 

„ „ „ II 184: Voce prius | hominem non solo vivere pane. 

„ „ „ III 288: Principium ac finem|, hanc a viderier, hanc to. 

„ „ „ V 162: Praeponis | hu man a Deo; qua morte teneris. 

„ „ „ V 196: Scribitur et titulus: | hic est rex Iudaeorum. 6 ) 

Marius Victor Aleth. II 374: Inmemores socii iuris | hominumque suique. 

„ „ „ III 789 : Qui primus | h o m i n u m meruit peccata lavare.*) 

Alcimus Avitus appendix, p. 188, n. X v. 6 u. 7 : 

Quaestor et regum | h a b i 1 i s benignus 
Ambiit demum | b a b i t a r e sacris (Sapph.) 


1) Paulinus Nolanus hat sonst Hiat nur einmal in der Pentametermitte 
c. 31, 124, sowie das abstineo errori c. V52, das aus Auson stammt, s. 
S. 99 Anmerkung 2. Dagegen ist der Dimeter c. 11,60 offenbar corrupt, 
weil auch sonst unmessbar; s. Hartei. 

2) Avitus hat sonst keinen Hiat , denn c. VI 3, 82 seu \ Ule ist sev zu 
sprechen; I 76 cui \ artis ist cui vielleicht als Spondeus zu fassen; mit 
dreisilbigem meum est und tuum est II 420 und VI 149 steht es wie mit 
den ähnlichen Fällen bei Terentianus Maurus (oben S. 98). I 32 kommt 
nicht in Betracht. 

3) Cyprianus Gallus längt offene Kürzen auch sonst vor der Cäsur 
(s. ed. Peiper p. 345), aber nicht vor einem vocalisch anlautenden Worte, 
sondern wenn ein Consonant folgt, wie an obiger Stelle; doch vgl. 
Num. 303. 

4) Uebrigens XV 28, 7 ; XVI 9, 9. 

5) Hümer Index S. 394. 

6) Es ist zuzugestehen, dass Marius Victor auch bei folgendem Vocal 
ähnliche Längungen zulässt, s. I 281, 479 u. a. 


* 


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101 


Cyprian. Gail. Gen. 1029: Jordanemque tuum | h u m i 1 i transmittere gressu 
„ ,, „ 1322: Conspicuam tenuisse domum ; | his Omnibus unum. 

„ Exod. 283 : Quadrupedum | bominum que simul tellusque repletur. 
„ „ 945: Misericors ego sum dominus, | hos audio promptim. 

„ Levit. 244 : Restituat | h i c aera sibi commissa per annum. 

„ Num. 755: Phineus | haec ductor agit dum vascula sancta. 

„ Judicum 104 : Per mare dividuum, | b e r e m i per torrida saxa. 

„ „ 449 : Hoc potius | h o s t i 1 e fuit ; quo filia curris. 

„ „ 715: Pendebat; | has inter agens constringit utramque. 

Vgl. id. Exodus 633 ; Levit. 96 ; Num. 107 ; 670; Jesu Nave 115 ; 401. Judicum 
270: 439; 456; 521; 752. 

Hilarii Genesis 150 : Hinc loquimur canimusque deum, | hinc sidera cuncta 
Hilarii de evangelio 82: Teque genus | hominum celebrat sermone fre- 
quent! ; vgl. ib. 113. 

ib. 109: Exilit atque alacer | h umeris vehit ipse cubile. 

Maximian I 142: Torvum nescio quid | heu furiale vident. 

,, I 209: Hae sunt primitiae mortis |, his partibus aetas. 
Dracontius 8,189: Exclamat: | Helenus deterret Pergama verbis. 

„ . 5,206: Hinc Marius | hinc Sylla ferus|, hinc Cinna cruentus. 

„ 8,290: Aiacis | haec mater erat; sic incipit ore. 

„ 8,608: Nam quicunque memor | Heleni mox dicta tenebat. 

„ 9, 160 : Quas rubuisse videt. | H o c nati vultibus addit. 

„ 10,325: Pastorem confessa virum | haec Liber aiebat. 

., Orest. 947 : Si decreta deum | h o m i n i tractare liceret. 
Corippus 1. Iustini 1 268 : Dicite quis | hominum lacrimis ita possit amaris. 

„ „ „ IV 305: Consimilis deitate patris (h)o mini que profecto. 

Anthol. lat. 273,5: Ecce meus Venator, ait, | hunc Phaedra ligemus. 

338,7 (Luxorius): Defuncta est tandem | haec iurgia ferre per umbras. 

341, 5 (idem): Quid gravius | hostis, für aut latrunculus implet. 

366,5 (idem): Haec florum sidus, | haec Lucifer almus in agris. 

367,2 (idem): Stant contra Phrygius | Hector vel Graius Achilles. 

367,4 (idem): Et falsum fictus | Hector formidat Achillem. 

376, 18 : Contulit et soli tribuit | h a e c cuncta potiri. 

389,2: Sol dedit ipse diem. | Horrentia nubila caelo. 

389, 28 : (Defunctis hi)nc vita redit, | h i n c cuncta reguntur. 

389,50: Sol globus aethereus, | haec est lux aurea mundi. 

394,5: Dulcia, Maia, tuis ducis | hexagona nonis. 

485,21: Te eiet armatus victus, | huic otia cordi 
(einzige Dehnung einer Kurze). 

489, 22 (Augustinus) : En homo fidit et est non i a m | homo ; sic quoque tempus. 


c) An Nicht-Cäsur-Stellen oder im Wortinnern. 

Juvencus 1301: Sedibus et domibus natum in|habitare necesse est. 

„ IV 427: Pondera; | his ludas sceleri se subdidit alto. 

Paulinus Nol. IX 41 : Moenibus aeternis Hierusalem | h a b i t a b i t. 




102 


Auson. XV 28, 7 : Ergo commemorata | h a v e maestumque vocata (abe codex). 
„ XVI 9, 9: Tertius | ho rum mihi non magister (Sapph.). 

„ epigr. 94,1: Hane amo quae me odit, conträ | hanc quae me 

amat odi. 1 ) 

Prudentius hamartig. 697 : Vade | h o m o adflatu nostri praenobilis oris. 
Sedul. c. pasch. III 296 : Vir | h u m i 1 i s maesto deiectus lumina vultu. 

„ hymn. 1 69 : Mors fera per | h o m i n e m miserum sibi subdidit orbem. 

„ „ 1129: Hostis | Herode 8 impie (jamb. Dimeter). 

Orientius comm. 1 192 : Mutua constringet cura hominis | h o m i n e m. 
Ennodius C 8: Qui morum nomen | hinc Honorate geris.*) 

Cyprian. Gail. Genes. 1029: . . . tuum | humili. 

„ „ Exod. 862 : Traditur et nullum putatur | h i n c fore daranum. 

„ „ ,, 508: Cui glöria cum | honore pol lens 

(cui Spondeus wie carm. epigr. 1568,6). 

„ „ „ 540: Dönec | hic populus tibi redemptus. 1 ) 

„ Exod. 677: Et | Hurus vallant medium artusque per aevum. 4 ) 

„ ib. 1095: In|baerent sinibus signantes nomina sena. 

„ ib. 1212: Clamoremque putat bellantis | hunc fore turbae. 

„ Numeri 711: Et quis | hunc tactu faciet consistere rursum. 

„ Deuter. 227 : Vidit | h a e c domini deique lumen.*) 

Cypr. ad senatorem 33 : Haec tua | humilitas et | humilitatis imago est.*) 
Hilarius de martyr. Maccab. 277 : Ducit | heu curas et iam spes ac timor una. 
Sidon. Apollin. carm. VII 435: Post hinc germano regis|, hinc rege retento.*) 

1) Spondeisches dihinc bei Ausonius XVI 25, 6 steht nicht sicher. 

2) Ich führe diesen Pentameter mit auf, da Ennodius Längung ge- 
schlossener kurzer Silben auch im Pentameter nicht zu kennen scheint. 

3) Die Hendecasyllabi dieses Buches beginnen stets mit Spondeus, 
einmal ist dabei Hiat zugelassen, v. 518. Dasselbe gilt von Deuteron. 151 ff., 
nur tritt hier für den Spondeus auch der Iambus ein, nie aber der Trochäus. 

4) Vgl. ib. v. 1058. 

5) Vgl. auch gelängtes cdhibuit Jesu Nave 352. 

6) Sidonius Apollinaris ist, ähnlich wie Claudian, sehr exakt im Vers- 
bau, sofern er den Hiat "in keiner Form duldet und auch Längungen vor 
der Cäsur nur äusserst selten zugelassen hat; es kommen nur in Betracht 
carm. I 21 Ergo sacrum divts \ et pauper (v. 1. divesque ) ; VII 444 Hm 
facinti* l \ in betla Herum ; XXII 79 tripodds \ Epidaurim heros ; nach 
letzterer Stelle ist wohl auch II 462 Transcripsi Cüicas | , ho* Magnus eqs. 
und 501 Transcendunt hic heroas |, heroidas illa zu beurtheilen; der 
Dichter scheint die griechische Endung ~as ad libitum auch als Länge zu 
rechnen, sowie er auch fac als Länge betrachtet, VII 344. Corrupt scheint 
XXIII 217 Iamque et purpureus \ in arce regni; vor allem heischt der 
Hiat XV 104 nihil nisi \ esse probentur Emendation. In II 277 Contra is 
aggrederis gilt is als Länge. Chunus gemessen V475; VH 263; 348; da- 
neben Hunus VII 332. Der Dichter zeigt Allitteration des h : vgl. carm. 
V 168 horruit Hippomenes ; XXII 53 hic hebenusque ; XXIII 135 torrens 
Herodotußj tönern* Homerus . 


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103 


Maximian IV 57 : Si quis | bas possit naturae attingere partes (v. 1. Si 

quisque). 

Dracont. 8, 201 : Nec | h o c fata sinunt. Pudor est yoluisse nocere. 

„ 6, 108 : Sed | h o c certamen modico certamine constet. 

Anthol. lat. 83,119 (Dido): Numquam damna volo. Vel | hoc mihi per- 
fide redde. 

„ „ 761,69: Quid | hiemalis agat signorum corpora scindens. 

„ „ 349,1: Quis | hunc non credat ipsis dare Syrtibus amnes, 

„ „ 489,7 (Augustinus): Ac nec id hi quod tu, nec tu quod | 

hi, sed in illis. 

„ „ 761,42: Inter utrosque tarnen quod | hinc levat, occidit illic. 

„ „ 21,204: Hoc Mida ieiunus, Paris ultus, naufraga | Helle 

(so wahrscheinlich zu lesen). 

„ „ 292,2 (Luxorius): Frangere | horrisonum nemus ferocius 

solens. 

„ „ 285,1 „ Inter | eil 8 goticum eqs. 

Hier scheint doch heil s, also germanisches h vorauszusetzen. 

„ „ 333,13 (Luxorius): Non iam | huic ludum sapientum cal- 

culus aptet') 

„ „ 687, 22 f ) : Quid tu tarda | h i e m s cuculo convitia cantas ? 

„ „ 687, 34 : Quis tibi tarda | h i e m s semper dormire parata. 

„ „ 687,45: Desine plura, | hiems; rerum tu prodigus, atrox. 


Am einleuchtendsten ist die Wirkung des h an den Nicht- 
Cäsur-Stellen ; unter den übrigen sind diejenigen besonders her- 
vorzuheben, wo eine offene oder eine mit m schliessende Silbe 
die Hebung füllt, wie bei Augustinus non iam homo , bei Avitus 
regüm habilis und sancto hortamine ; bei Sedulius temäm hic , bei 
Cyprianps tuüm humili , quinque hircos u. s. f. 

Man wird bemerken, dass in all diesen Belegen h dieselbe 
Rolle spielt wie bei Plautus ; hier nie | hoc, dort ob | hoc oder 
et | haec als Spondeen; hier vel | hoc, dort v$l | hercle ; hier ctim | 
honore , dort cum | hoc ; hier iam | homo, dort iam | hoc , nam 
huic, gratidm habeo u. s. f. Ein Wesensunterschied zwischen 
diesen Prosodien der archaischen Zeit und der Spätzeit lässt 
sich nicht wahrnehmen. 

Oder sollen auch die Verse dieser Spätlinge für die Lautlehre 
nichts bedeuten ? Soll man etwa gar zu der Annahme flüchten, 
dass diese Verse nur für das Auge berechnet waren, dass das h nur 


1) Dagegen ib. 372,6 Flu* tecto vigeat, seiet quam | orto ist Correptio 
bei m - Auslaut eingetreten; vgl. S. 98 Anmerkung. 

2) d. i. Alcuinus Carmina n. 58 : Conflictus veris et hiemis ; (vgl. oben S. 50). 


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104 


für das Auge, nicht auch für das Ohr Position herstellte, Elision 
hinderte? Wer diese Zeiten kennt, wird sich die Mühe kaum 
nehmen wollen, solchen Verdacht zu widerlegen. Es ist viel- 
mehr evident, dass diese Dichter auf das engste von der ge- 
sprochenen Rede ihrer Zeit abhängig waren. Daher das frusträ 
bei Ausonius wie bei Plautus, daher uträque mit gelängter 
Mittelsilbe in der Hebung (Auson und andere); die Betonung 
hat dies veranlasst; daher diästöma und Ticinus (Apoll. Sidon.), 
odölatio und clämore (Juvencus), hgrede und impär (Auson), 
pervoläturus (Augustin de mus. III 2); daher schon Hadrian 
ämbulareper tabernas; vgl. hunc gentäs amant Spartian. Pesc. 12 ; 
quod vidäs esse und quod putäs esse Lamprid. Alex. 38 ; daher 
acephalus mit langer Erster und sogar accephalus geschrieben, 
etwa so, wie man Accheruntem schrieb, Keil Grammat. VI S. 636. 

So gewiss dies alles, so gewiss stammt auch jenes h aus 
dem Munde der Zeit. 

Kein Beweis aber ist vielleicht schlagender, als der volks- 
tümliche Vers, der allen metrischen Theorien ferne steht, bei 
Vopiscus Aurel, c. 6, wo zur Zeit des Kaisers Aurelian die 
Knaben beim Springen den trochäischen Septenarius singen: 

Täntum vini nemo | habet quantum fudit sanguinis ; 

also auch hier h forte; zudem die falsche Längung des hdbet 
kraft des Iktus, wie in einer voraufgehenden Zeile daselbst auch 
homo als Trochäus erscheint. 1 ) 

Nach diesem Princip haben Juvencus, Sedulius, Cyprianus, 
Dracontius und schon Terentianus gedichtet. 

Die lateinische Sprache war gleichsam zu ihrer Natur zurück- 
gekehrt. Die gräcisirte Verskunst des Catull und Vergil hatte 
sich wie der ganze Classicismus ausgelebt im 2. Jahrhundert. 
Mit der letzten Zeile, die Juvenal schrieb, 2 ) reisst der Faden 
ab. Das 3. Jahrhundert ist, wenn wir auf die Poesie Acht 
haben, für uns nahezu ein leerer Raum; und so ist nicht zu 
verwundern, dass im vierten eine neue oder wesentlich ver- 

1) Vgl. E. Bährens, fragm. poet. lat. S. 383. 

2) Verse wie Juvenal III 70 Hic Andro , ille Samo | , hic Tralltbus 
aut Alabandis kann man für unser h nicht verwerthen; Juv. 8,241 steht 
sogar quanttim | in Leueade in P, ein Hiat, der freilich schwer glaublich, 
da quantum und in syntaktisch so eng zusammen gehören. Ich lese 
quantum vel Leueade . 


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105 


änderte Kunst vor uns steht, die sich in Terentianus Maurus 
vorbereitet hat. Inzwischen hatte nach Tacitus und Sueton 
auch die Prosa den lang gesponnenen Faden des Classicismus 
abgerissen. Fronto, Gellius, Apuleius u. a. hatten sich in ihrer 
Prosarede zum Volksthümlichen und zum Altlateinischen oder 
Vorclassischen zurückgewendet. Dieser volksthümliche Archais- 
mus, der vorzüglich im Wortschatz bemerkbar wird, ist nun 
seit dem 4. Jhd. auf einmal auch fast allen jenen Poeten eigen. 
Ausonius war das vornehmste Muster. Man ist daher versucht 
anzunehmen, dass bei ihnen auch die Wiederbelebung des h ein 
bewusster volkstümlicher Archaismus war, so bewusst wie die 
Kürzung des a in frustra und anderes, dass man also, wenn 
man im 4. Jhd. Plautus las, dabei noch ein Gefühl von dem 
Werthe hatte, der dem h in seinen Versen zukam. 1 ) 

Diese Vermutung scheint auch das Prosa-Stück Aulularia 
sive Querolus des 4. — 5. Jhds. zu bestätigen. Seine Praefatio 
bezeugt, dass das Stück in freien Versen oder Kola einher- 
schreite; und der naheliegende Versuch ist gemacht worden, 
diese Verse und Kola wiederherzustellen. Sie gehören aus- 
schliesslich dem trochäischen und jambischen Geschlecht an. 
Wer sich der Mühe unterzieht dem nachzugehen, wird aber 
wahrnehmen, dass das h offenbar auch hier oft als blosse aspiratio, 
nicht selten aber auch als consonans gerechnet worden ist. Das 
Ganze hebt mit den Versen an: 

Rutili venerande semper magnis läudibus 

qui das honoratäm quietem quam dicamus ludicris : 

inter proximos et propinquos *) 

honore dignum (düm) putas 

dupliei fateor et ingenti me donäs bono, 

Hoc testimonio, hoc collegiö; | haec vera est dignitas. 

Die letzte Zeile ist ein jambischer Octonar mit verschobener Cäsur 
und zeigt einmal h consonans. Aehnlich p. 7,18 Peiper: 

1) Auch die Precatio Terrae und Herbarum (Riese, anthol. n. 5 u. 6) 
sei hier angeführt, die in ihrer volksthümlichen Prosodie gewiss nicht von 
Aemilius Macer herrührt, sondern spät ist. Sie giebt in Plautinischer 
Weise tuum einsilbig (v. 20), easdem zweisilbig (v. 36), quidquid als Pyr- 
rhichius im Auftakt des Senars (v. 29); bestätigend ist auch, dass in der 
Prec. herbarum v. 14 steht Quidquid kx vöbis ftcerö cuive hötnini diderö , 
vdbis einsilbig (vgl. Commodian), dedero dagegen Kretikus. 

2) Man messe proxim - et propinquos nach dem Rhein. Mus. 51 
S. 248 f. aufgestelltem Princip der Elision. 


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106 


Querolus si molestus esse | hödie non desti'terit, faciam 
Ut quaeratur iüstius. 

p. 26, 14 : Magna | hercle | hdminis difficültas -et persuäsio. 
p. 27,3 : Magnum | bercle hominem tu narras *) et cönsuli | hunc ndn placet ? 
p. 27, 12 : Si vdbis ita videtur, placeat, ut ego | hominem Sciciter. 
p. 32,3: Ndn quidem periculosa | häec animalia,*) 

Sed molesta atque improba. 

p. 37,13: Atque ut agnoscätis penitus artem | hominis pessimi. 

Dieses h ist das naturwüchsige des 4. Jahrhunderts, es ist zu- 
gleich das des Plautus. So finden sich denn in diesem Stück 
auch die plautinischen Kürzungen des ille und omnis und quid - 
quid und inde; vgl. p. 27,12: verbis quantum vult Ule fallat , 
plus de nobis non licet . p. 31,7: ömnibus templis ac delubris 
semper denos ididit . p. 36,18: Qüidquid expensum non do - 
cetur , pöstulat reddi sibi. p. 46, 19: Utindm tibi cura ipsa 
enervasset , ne ümquam linde movisses pedem. 

Aber auch die römischen Metriker selbst gewannen allmäh- 
lich den Muth sich von dem griechischen Schema loszumachen 
und den prosodischen Werth des lateinischen h sogar für Vergil 
als einen doppelten anzusetzen. Dies geschah erst im 4. Jahrhundert ; 
Velius Longus, im 2. Jhd. , ist noch ganz in der griechischen 
Theorie befangen, und um die Längung in Verg. ecl. 6,53 
Ille latus niveum molli fultus j hyacintho 

zu rechtfertigen, provocirt er auf das Heta Homer’s und die 
Versstücke ^ oXtyov \ oi naTSa und and | &rjxs Anders 

die Späteren. Diomedes bringt den Vergilvers Aen. IX 607 
und behauptet einfach, dass hier h Position mache (I K. 430, 19), 
und dasselbe wiederholen Cledonius und Pompeius(VK. 29, 23; 
110,24; 116, 10—21; 117, 14 f ). Hier wird offenbar an Homer 
nicht mehr gedacht. Dazu stimmt Marius Victorinus VI K. 28, 1 ; 
230, 11; 242,4, der überdies S. 7,4 vorsichtig sagt: h vocatur 
infirma quia in metris plerumque (nicht semper!) despicitur. 


1) Dieser Spondeus narräs ist der pes clodus , von dem die praefatio 
spricht; vgl. aber z. B. das quaeris PL Miles 1012: Homo quidamst qui 
seit qu6d quaeris ubi sü. Quem ego hic audivi ? 

2) Eatal. Heptapodie wie p. 31,9: 

Itaque ubi ignotus precator templa petierit, 

Hinc atque hinc multisono cuncti latratu fremunt. 


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107 


Daher lehrt Pompeius V K. 287, 23 f., der Hiatus in Musa | 
amavit sei ein „gravius vitium“ als der in Musa | edocuit (weil 
hier die Vocale wechseln) und als in Musa \ habuit ; h wurde 
also prosodisch empfunden. Und so kam es schliesslich zu der 
allgemeinen Formulirung, die wir zu der unseren machen: 
Maximus Victorinus VI K. 228, 14: h interdum consonantis fun- 
gitur loco , interdum adspirationis , wo adspiratio der griechische 
Begriff ist; dasselbe nochmals p. 241, 22. Entsprechend Pom- 
peius V K. 110,26: ex ratione syllabarum inteUegimus ubi sit 
aspiratio, ubi littera (nämlich A); d. i. aus der Silbenmessung 
erkennt man, ob h blos Asper oder wirklicher Laut ist; am 
besten Cledonius VK. 28, 8: h quotiens iuvat vocalem, consonans 
est; quotiens non iuvat f nota adspirationis ; A kann also im 
Verse als „Consonant“ stehen; wo dies nicht der Fall ist, da 
wird es als blosser Spiritus asper behandelt. Dieser Satz ist 
wohl geeignet zum Motto einer Geschichte des lateinischen A zu 
dienen. 

II. Orthographische und Grammatikerzeugnisse für 
H consonans. 

Die Grammatikerzeugnisse, die prosodisch gemessenes h im 
Verse anerkennen und bezeugen, sind im Vorstehenden gegeben. 
Schon diese setzen die Hörbarkeit des A ohne jeden Zweifel voraus. 
Diese Zeugnisse finden aber ihre nähere Erklärung darin, dass 
die lateinischen Grammatiker des 2. bis 6. Jahrhunderts über- 
haupt von einem stummen A oder einem solchen, das dem 
Spiritus lenis entspräche, nie reden und also nichts von ihm 
wissen. Wie man — und ich selbst — dies hat verkennen 
und von einem Rückgang des A in jenen Zeiten hat reden 
können, ist schwer begreiflich. Indem die Grammatiker bei ge- 
wissen bestimmten Einzelworten im Zweifel sind, ob ihr A zu 
Recht besteht, setzen sie dabei die deutliche Vernehmbarkeit 
des A selbst durchgängig voraus. Den Ausdruck A muette hat 
erst die französische Grammatik erfunden; warum nicht schon 
das Alterthum, wenn das Phänomen des stummen A selbst schon 
antik war? 

Hier seien die anderweitigen Aeusserungen aus jenen Gram- 
matikern kurz aufgeführt, die ganz auf dasselbe hinführen. 


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108 


Zunächst die beschreibenden Stellen. Terentianus Maurus 
213 ff. : nulli dubium est quod ipsis faucibus h littera emicet ; 
dazu der Zusatz: sive est nota quae spiret anhelum: also aus 
dem Schlund dringt h hervor und ist alsdann ein wirklicher 
Laut; dies heisst littera im Gegensatz zu nota. Eine zweite Auf- 
fassung wird zur Auswahl gegeben: h ist nicht littera. sondern 
nur nota aspirationis : alsdann gleicht es dem Athemzug: spirat 
anhelum. Marius Victorin. VI K. 34,7: profundo spiritu , an- 
helis faucibus , exploso ore fundetur ( h ): also auch hier wieder 
aus athmendem Schlunde, bei tiefem Athemziehen und sogar 
mit einer Explosion des Mundraumes. Dieses exploso bedeutet 
geradezu einen Knall ; auch das streichende Geräuch des „pedere“ 
wird damit ausgedrückt: aliqwd immundum flatu explodere. 1 ) 
Man wird diesen Vergleich gestatten; denn auch dies „pedere a 
ist ein mit flatus oder Aspiration verbundenes Geräusch. End- 
lich Martianus Capella III 261 : h confradts paululum faucibus 
ventus exhalat ; hiernach verengt sich sogar der Schlund et- 
was, und der Luftstrom, ventus, athmet aus ihm das h hervor; 
dies kommt den Bestimmungen für deutsches h nahe, die wir 
zu Anfang S. 6 f. kennen gelernt. 

Die dreifache physiologische Schilderung des h als Produkt 
des Schlundes und zwar des verengten Schlundes, als Exspirations- 
stoss, der dem Vocal voraufgeht, wird älter sein als ihre Zeugen. 
Mit ihr lässt sich die andere Auffassung des h als nota adspira- 
tionis in keiner Weise vereinigen, insofern es wahr ist, dass 
diese adspiratio, der griechische Spiritus asper, eben kein Ex- 
spirationsstoss war, sondern erst mit dem Vocal einsetzte und 
mit ihm fortdauerte, dass er also den Vocal, an dem er haftet, 
zum blos gehauchten Vocal machte (oben S. 7). Dass diese 
Voraussetzung richtig ist, bestätigt vielleicht das spirat an- 
helum des Terentianus Maurus, und eine weitere Bestätigung wird 
sich gleich hinzufinden. Woher soll dann aber jene andere ab- 
weichende Schilderung des h als „contractis faucibus exhalatum“ 
stammen? Doch nur aus der Wirkl ichkeit; und diese Wirk- 
lichkeit kann nur auf dem Boden des echten Lateinischen 
gesucht werden. Wir sind verpflichtet uns hieran zn halten. 


1) Georges im Lexicon citirt dafür Tertullian ad nat. 2,5; ich kann 
das Citat freilich nicht verificiren. 


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109 


Fragen wir nunmehr, wie alt die Gleichsetzung mit der 
griechischen Aspiration sei, so begegnet uns zuerst der Name 
des V a r r o ; von ihm hob augenscheinlich diese Lehre an. Er ist 
es, der „in libro qui est de grammatica“ darlegte, A gehöre 
nicht zu den litterae oder Lauten : A inter Ittteras non esse 
disputavit (VII K. 153) ; das bedeutet eben die Gleichsetzung mit 
dem griechischen Hauche; er lehrte dann noch weiter, dass A 
in der Schrift nicht blos den Vocalen, sondern auch den Con- 
sonanten, denen es die Aspiration mittheilt (adspirationem con- 
ferre ), voranstehen müsse (VII K. 152). 

Auch die letztere Vorschrift dieses gelehrten Polygraphen 
ist späterhin nicht ganz ohne Wirkung geblieben; es erinnert uns 
hieran schon das mittelalterliche Hrenus , Hrodanus , z. B. Script, 
hist. Aug. p. 133, 16 und sonst; Hripensis ecclesia Alcuin. 
carm. 1, 644 ; der codex Memm. des Sueton schreibt hrtnoce - 
rotem , Hrianum , Hrodum. 1 2 ) Genauer hat im 7. Jahrh. der 
Grammatiker Virgilius Maro diese Vorschrift wieder aufgenommen 
und nicht nur theoretisch hcorda, htronus, hpalanx gefordert (p. 10), 
sondern dies wohl auch praktisch durchgeführt ; denn seine Hand- 
schriften zeigen gelegentlich noch Schreibungen, die eben die- 
selbe Theorie vorausetzen.*) 

Die Motive für das Varronische Urtheil dürfen wir vielleicht 
dem Priscian entnehmen. Denn Priscian II K. 12 bestätigt 
zunächst, dass die Lehre, A sei kein Laut (< elementum ), von 
Varro ausging, und citirt dafür ausserdem Macer und Censorinus, 
er fügt aber auch eine Begründung hinzu, die gewiss auf einen 
dieser Autoren, in letzter Linie aber mit einiger Wahrscheinlich- 
keit eben auf Varro selbst zurückgeführt werden kann. Diese 
Begründung geht logisch vor, sie stützt sich dabei auf z. Th. 
falsche Beobachtung. Es heisst: A kann weder Vocal noch Con- 
sonant sein, also ist es eben kein Laut. Vocal ist es nicht, weil 
es kein Selbstlauter ist (a se vocem non facit) , Semivocal ist 
es nicht, weil kein lateinisches oder griechisches Wort auf A 
endigt (dies ist falsch beobachtet), muta ist es nicht, weil 

1) S. ed. Roth p. XXXVI. 

2) Bei ihm steht noch p. 14,18 hcristiani in P; p. 15,11 arhca ; 
p. 22, 9 mahtesint (so) f. mathesin. Daher auch diphtongon statt dipthongon 
p. 76, 6 und wohl auch rehtoricos p. 24, 27 (vgl. 61,7) für fälschliches 
rähorico8 . 


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110 


keine Silbe mehr als zwei mutae enthalten könne und man doch 
Phthius und Erichthonius schreibe (dies ist absurd). Dieses Be- 
weisverfahren zu widerlegen haben wir heute nicht nöthig ; aber 
es ist werthvoll es zu kennen, weil nur nach ihm der Werth 
der Yarronischen These selbst richtig zu bestimmen ist. Sie 
ist eben so wenig ernst zu nehmen, wie ihre Be- 
gründung. 

Dass das lat. h gehört wurde, ist nun aber auch nach 
Varro, Macer und Censorinus ausser Frage. Die Frage ist nur, 
welcher Qualität es war und ob die vollständige Gleichsetzung 
mit der griechischen Aspiration, die Varro aufbrachte und be- 
gründete und die daher bei den meisten Nachfolgern wiederkehrt, 
oder ob vielmehr die Auffassung des h als Exspirationsstoss, con- 
tractis faucibus exhalatum, zu Recht bestand. Es ist aber ferner 
evident, dass Varro’s Aufstellung polemischer Natur war: 
mag nun die Beweisführung bei Priscian von ihm herrühren 
oder nicht, auf alle Fälle kann das negative h inter litieras non 
esse disputavit nur dahin verstanden werden, dass man vor 
Varro theoretisch das h für eine „littera“ thatsächlich gehalten 
hatte und dass nun Varro diese vulgär herrschende Auffassung 
bestritt. Wir legen Werth darauf, dies festzustellen, und es 
gilt diese Thatsache wohl zu beachten. Die Varronische Auf- 
fassung des h ist jedenfalls nicht die ältere ; dass sie die richtigere 
war, ist aus der Begründung bei Priscian jedenfalls nicht zu 
entnehmen. 

Gehen wir weiter. Ich führe aus den übrigen Grammatikern 
nicht alles und jedes an, sondern nur, was einigermassen zur Be- 
lebung der Anschauung dienen kann. Wir werden dabei wahr- 
nehmen, dass nicht viele die These Varro’s ganz ohne Einspruch 
hinnahmen, viele in der Weise des Terentianus Maurus beide 
Auffassungen unvermittelt nebeneinander stellen, manche endlich 
zu einem wirklichen und energischen Protest fortschritten. 

Fragen wir Quintilian, so theilt er I 6,21 mit, dass man 
beim Grüssen have statt ave sprach; man hörte also das h; 
denn der Gruss wurde gesprochen. 

Cornutus schreibt VII K. 152: et ante et post h littera 
cuicumque vocali adiungitur , sonabit : d. h. ob man h in der 
Schrift seinem Vocal voranstellt oder nachstellt — vgl. ha 
neben ah — , es wird auf alle Fälle aussprechbar bleiben und 


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111 


gehört werden. Dieselbe Argumentation übernimmt Velius 
Longus VII K. 52 fin., indem er die Gleichung aufstellt: die 
Silbe ha verhält sich zu ah wie ba zu ab , wie ca zu ac. Hier 
wird augenscheinlich an die Exclamation ah gedacht (oben S. 13) ; 
ihr h ist so deutlich wie das b in ab. 

Gellius II 3 schliesst sich an Varro an ; er nennt schul- 
gemäss das h Spiritus magis quam littera „mehr Aspiration als 
Laut“ und fügt hinzu, es werde im Altlatein den meisten Vocalen 
beigegeben, um sie zu stärken: inserebant eam ... plerisque 
vocibus verborum firmandis roborandisque ; dies bewirke sonum 
viridiorem vegetioremque , d. h. dass der Vocal ( sonus ) selbst, 
dem es anhaftet, dadurch belebter und frischer erscheine. Diese 
Schilderung scheint vorzugsweise auf die griechische Aspiration 
zu passen und die Auffassung vom blos gehauchten Vocal zu 
bestätigen. 

Charisius sagt IK. 82, 11: consuetudo et Gracchos et hortos 
cum adspiratione usurpavit ; wir folgern: da man das h in 
Gracchos hörte, hörte man es auch in hortos . Derselbe 265, 18 : 
sonus in pronuntiatione invenitur ; similiter adspiratio ad sonum 
pertinet , tametsi nos h quasi litteram ponimus ; d. h.: „die Be- 
schaffenheit des Vocales, insbesondere seine Accentuirung (ob 
gravis, ob acutus) wird an der Aussprache festgestellt; ähnlich 
gehört auch der Spiritus asper zur Beschaffenheit des Vocales 
(dies ist die griechische Auffassung), obgleich wir Lateiner h als 
besonderen Laut schreiben oder ansetzen.“ 

Also h wird auf alle Fälle gehört; die bisherigen Stellen 
gehen nur über die Gleichsetzung mit der Aspiration der Griechen 
noch nicht deutlich hinaus und sind' nicht im Stande uns das 
„contractis faucibus exhalatum,“ das wir voranstellten, weiter zu 
verdeutlichen. Nicht mehr und nicht weniger ergiebt auch die 
häufige Wendung sine oder cum adspiratione dicere ; sie bedeutet 
aber auf alle Fälle nicht nur ein Schreiben, sondern ein Sprechen, 
also wirkliche Hörbarkeit; so steht Charis. IK. 96, 9f. ; Serv. 
IV K. 444, 21 ; Vel. Longus VII K. 69, 4 ff. und sonst. Daher 
weiter auch das gratius sonat cum adspiratione bei Charisius I K. 
103, 22. 

Was soll man aber endlich bei dem Ansatz, dass h ein- 
gegangen war, zu all den Stellen sagen, wo getadelt wird, dass 
man hemo für emo, homen für omen, Hebrum für Ebrum spreche ? 


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112 


Die Stellen sind wiederum zahlreich, können aber erst später 
zusammengestellt werden. 

Auch Priscian nützt uns wenig, und wir haben von ihm 
nichts Besseres erwartet. Er giebt I c. 47, wie S. 109 angeführt 
ist, die Varronische Schullehre von der nota adspirationis und 
begründet sie. Nach demselben Priscian I c. 24 wurde h im 
Anlaut sehr viel weniger gehört als nachconsonantisches h: ex - 
trinsenus — h — ascribäur vocalibus ut minmum sonet , con- 
sonantibus autem mtrinsecus ut plurimum. Jedenfalls aber 
wurde das h im Anlaut von Priscian noch gehört. Wir müssen 
zudem nicht vergessen, dass er in Constantinopel, auf griechischem 
Sprachboden, schreibt. Und die Begründung, die er hinzufügt, 
hebt jedes Bedenken ; sie lautet : omnis enim littera sive vox 
plus sonat ipsa sese cum postpomtur quam cum anteponitur ; 
also die Bemerkung trifft auf jeden andern Consonanten ebenso 
zu wie auf das h ; h ist darin von einem g nicht verschieden 
und wird von ihm nicht unterschieden. Weiter aber sagt der- 
selbe Autor: si dicam Erennius absque aspiratione, quamvis 
vitium videar facere , mtetlectus tarnen permanet ; wer also 
Erennius sprechen wollte (ein durchaus hypothetisch gehaltener 
Ansatz), der würde auch noch für Priscian ein „vitium“ be- 
gehen. Priscian sprach noch Herennius . 

Ganz anders lautet nun aber, was wir in Victorini ars 
grammat. lesen , VI K. 196, 1 , wo vom h kurz versichert wird : 
adspirationis nota , non littera existimatur , verum tarnen littera 
est . Die Stelle ist merkwürdig; sie macht offene Opposition 
gegen die Schuldoktrin: „man nimmt gemeinhin an, h sei blos 
Spiritus asper, nicht Consonant ; in Wirklichkeit aber ist h doch 
Consonant.“ 

Diese trockene Entgegenstellung des Thatsächlichen mit 
verum tarnen der überlieferten existimatio gegenüber ist be- 
zeichnend für den Trieb jener Zeit, die sich dem allmächtigen 
Einfluss der griechischen Lehre und Aussprache schon mehr 
entzog. Wir folgern: ist h wirklich littera oder consonans ge- 
wesen, so war es eben mehr als blosser Spiritus asper, so war 
es von ihm artverschieden: es war der Exspirationsstoss, der 
dem Vocal voraufgeht. 

Noch deutlicher die Instituta artium IV K. 50 : non litteram 
esse existimaverunt (sc. A); das sei irrig, cum et haec sicut 


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113 


ceterae (mutae) certum sonum retineat potestatis suae , ut puta 
„ honos numquidnam „onos?“ aut cetera talia . Also A gehört 
— wie c und g — zu den „mutae“ und bewahrt den certus 
sonus potestatis suae in honos und anderem Gleichartigen. Nur 
das nachconsonantische A in pulchrum , wird hinzugefügt, sei 
wirklich nota aspirationis. 

Hier also der nämliche Protest, und wir erkennen, dass er 
auf Grund phonetischer Beobachtung erhoben wurde. Die Schul- 
meinung stimmte nicht zu der Wirklichkeit; A in honos war 
ein selbständiges Geräusch, das dem Vocal vorschlug; durch das 
Schriftbild onos, das ist ovwg, würde sein Werth beeinträchtigt 
werden. 

Hierdurch wird uns nun schon die Definition des A als con- 
tractis faucibus exalatum begreiflicher. Es war ein flatus ex- 
ploso ore (oben S. 108). 

Und es fehlt nicht an anderen Aeusserungen , die uns auf 
dasselbe hinleiten. Vor allem die Vergleichung des f. So lehrte 
schon ßemmius Palaemon (Quintil. 1 4, 14), f und h seien ähn- 
liche Laute, similes UUerae , und Velius Longus VII K. 69,10 
wiederholt es : f in vicinam adspirationem mutaiur , d. h. f schlägt 
in A um, und A ist dem f ein „benachbarter* nah verwandter 
Laut. Belege für dieses Umschlagen sind faedus haedus , for- 
deum hordeum u. a* (vgl. oben S. 76). Wieso aber f (nebst v) als 
Laut dem A nah verwandt scheinen konnte, wenn A nicht ein 
deutlicher flatus war, ist nicht wohl einzusehen. Die Be- 
stätigung bringt Terentius Scaurus, der VII K. 13,8 gleichfalls 
f und A gleichsetzt und sie Consonanten nennt : consonantes ut 
f et A, mit der Begründung: utruque enim est flatus ; also ein 
blasendes Geräusch. Das ist deutlich. 

Der Zweifel anVarro’s führendem Satze „ h non littera, sed 
nota adspirationis“ ist augenscheinlich viel älter als das 4. Jahr- 
hundert gewesen. Donat entscheidet sich nicht und sagt IV K. 
368: U interdum consonans , interdum adspirationis creditur 
nota : wörtlich gleich Diomedes IK. 423, 15. Aber der Zweifel 
liegt schon bei Quintilian, der uns Zeuge für die Lehr- 
schrift und für die Schullehre des grossen Remmius Palaemon 
ist, 1 ) zu Grunde. Es heisst bei ihm 15, 18 f. : derartige 

1) S. Claussen , Quaest. Quintilianeae , 1873; dazu Rhein. Mus. 34 
S. 19ff. Nach Netttehip Journal of philol. XV S. 211 wäre speciell Quintil. 

B I r t , Th., Der Hut bei pl&utug, 8 


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Fehler in der Aussprache wie die Längung der ersten Silbe 
in Itatia kommen in der Schrift nicht zum Ausdruck, son- 
dern lediglich durch die Yersmessung; nur das Ohr fasst die 
Fehler auf, die durch die Art der Aussprache und Betonung der 
Yocale erzeugt werden : nonnisi aure exiguntur quae fiunt per 
sonos. Er fährt fort: quamquam per aspirationem , sive adi- 
citur vitiose sive detrahitur , apud nos potest quaeri an in scripto 
sit vitium, si h littera est , non nota . Die voraufgehende Be- 
merkung, dass Fehler in der Prosodie nur vom Ohr wahrgenom- 
men werden, galt, wie das Meiste, von der griechischen Sprache 
mit; Quintilian sagt deshalb jetzt: apud nos : bei uns Römern 
kann man beim Falschsprechen des A im Zweifel sein, ob 
dies nicht zugleich ein Fehler in der Schrift ist, voraus- 
gesetzt, dass Ader wir kl iche Schriftausdruck eines 
Lautes ist und nicht blosses Zeichen des Spiritus 
asper: si h littera est , non nota . Diese letzteren Worte wollte 
dereinst Buttmann tilgen. Der Sinn aber ist, trotz der gewalt- 
samen Kürze, mit der Quintilian seinen Palaemon excerpirt, 
nicht zu verkennen ; man muss hier weniger auf das unechte 
A als auf das falsch unterdrückte A Acht geben. Falsch unter- 
drücktes A ist nicht nur ein Sprech-, sondern auch ein Schreib- 
fehler, falls das Zeichen A einen wirklichen Consonanten und 
nicht blossen Spiritus asper repräsentirt ; denn der letztere 
pflegte ja auch in griechischer Schrift unterdrückt zu werden 
und man sprach ihn doch; seine Weglassung war somit kein 


I c. 4 u. 5 bis § 54 auf Palaemon, I 5,54 bis I 6,27 dagegen auf Plimus, 
I 6,28—38 auf Yarro und andere, 1 7 auf Verrius Flaccus de orthographia 
zurückzuführen. Die Frage ist betr. 1 7 weitergeführt yon L. Mackensen 
De Verrii Flacci Übris orthographicis , 1896, S. 41 f. , der auch einzelne 
Theile des 4. Capitels direkt aus Verrius ableiten möchte. Diese Annahme 
ist durchaus unnötig, und sie ist überdies prekär. Auf alle Fälle muss 
man sich hüten für Quintilian eine complicirtere Quellenbenutzung voraus- 
susetzen ; denn diese würde bei ihm eine erhebliche, selbständig gramma- 
tische Arbeit voraussetzen, die seinem Interesse gewiss ferne lag, aber auch 
für ihn keinen Zweck hatte. Er will die Gesamterziehung des Redners 
geben und skizzirt in den soeben citirten Abschnitten das, was man damals 
den jungen Leuten in der Schule aus der Grammatik wirklich vortrug. 
Also muss alles aus solchen Büchern stammen, die nicht gelehrten, sondern 
Schulzwecken dienten. Palaemon’s Schulbuch muss das Wichtigste aus des 
Yemus Studien übernommen haben. 


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115 


vitium in scripto; ist lateinisches h dagegen Consonant, so 
darf dasselbe auch in der Schrift nicht fehlen. Die nämliche 
Lehre übernahm dann auch Donat IV K. 392, 24 : ... etiam per 
adspirationem deprenditur barbarismus, quem quidam scripto , 
quidam pronuntiationi iudicant adscribendum 9 propter h scilicet , 
quam alii litteram, alii asp . notam putant; danach dann aus- 
führlicher Pompeius V K. 285, 32 ff. 

Es ergiebt sich, dass Palaemon die These Varro’s mindestens 
mit Vorsicht behandelt hat und dass man im 1. Jahrhundert 
die consonantische Natur des h immer noch redlich erwog. 

Dazu kommt im 2. Jhd. Tejentius Scaurus, der sich so 
gegen Varro wendet, VII K. 23, 3 f. : primum illud respondemus 
H et esse litteram et apud Graecos quoque fuisse , was er 
dann mit dem Zahlzeichen H für ixatov erweist. Dieselbe 
Argumentation bringt Velius Longus VII 52, 3 ff. Diesen 
Männern fehlt nur der Muth der Selbständigmachung der latei- 
nischen Zunge; der consonantische Werth muss eben für sie auf 
alle Fälle auch noch aus dem Griechischen deducirt werden ; sonst 
leuchtet er ihnen nicht ein. So übermächtig war die Analogie 
des Griechischen. 

Diejenigen Grammatiker nqn endlich, die A, dem Varro zum 
Trotz, als consonans aufführten, mussten es weiter in eine der 
Consonantengruppen einreihen, in die alles, was nicht Vocal war, 
zusammengefasst wurde. In der That wird denn h als consonans 
allgemein zu den neun mutae gezählt. Dies sehen wir bei 
Terentianus Maurus v. 781 — 785, in den Instituta IV K. 50 und 
sonst; und es ist glaublich, dass dies schon Palaemon gethan 
hat. Lesenswerth ist insbesondere die Formulirung, die sich 
übereinstimmend bei Diomedes, Charisius und Dositheus findet. 
Der Erstere I K. 424, 22 : H consonans muta, proprie continens 
adspirationem . . . ., recepta vulgo in numerum mutarum ; wört- 
lich 'gleich Charisius I K. 10, 9; wörtlich so auch Dositheus VII K. 
385,5: h proprie continens aspirationcm , recepta volgo in nu- 
merum mutarum . 

Die eigentliche Schulmeinung ist also hiernach, h sei 
mit dem Spiritus asper identisch ; die Vulgärmeinung (vulgo) 
aber setzte es vielmehr in die Reihe der mutae. Dies vulgo 
hat für jeden, der nach dem volks thümlichen italischen h 
forscht, besonderen Werth. Die Vulgärmeinung darf nicht mehr 

8 * 


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116 


todtgeschwiegen werden; sie ist die unterdrückte naive An- 
schauung und besagt mit anderen Worten: h wurde vulgo 
mit c und g auf eine Linie gestellt, nicht aber mit f 
und r. 

Die Mutae werden als bcdghkpqt aufgezählt (IK. 
8, 15; 423, 8 und sonst) und ihr Wesen ist, dass sie „sine auxilio 
vocalium non possunt enuntiari“ oder „nec proferri per se pos- 
aunt nec syllabam facere“ (ebenda). Sie sind Momentlaute. 
Warum wurde h nicht zu den semivocales f l m n r s x e 
gestellt, die Dauerlaute sind und von denen es heisst: per se 
proferuntur, wennschon sie per se syllabam non faciunt (Donat 
IY K. 367,21 ; Mar. V ictorin. VI K. 5,21 ) ? Es ist klar : der lateinische 
Sprachlehrer, der lat. h zuerst als Muta definirte, verstand einen 
Laut darunter, der entweder dem neudeutschen h oder aber dem 
griechischen % (kh) gleichkam, das sich ohne nachschlagenden 
Vocal nicht sprechen lässt; er verstand nicht die Spirans ch 
darunter, die, wie f und r, per se proferri potest, also Semivocal ist. 

Es wäre Leichtsinn, an dieser Auffassung achtlos vorüber zu 
gehen. Vielleicht hat sie jedoch nicht immer, oder doch nicht 
immer ungetheilt gegolten. Jedenfalls liegt auf der Hand, dass 
das A, als Varro seine consonantische Natur zu bestreiten be- 
gann , schon vorher als Consonant gegolten hatte. Denn 
Varro’s Lehrsatz ist, wie gesagt, polemischer Natur. Darf nun 
die Begründung, die Priscian dem Satz hinzufügt, wirklich auf 
denselben Varro zurückgeführt werden (obenS. 109), so hat Varro 
an erster Stelle die Annahme widerlegt, dass h Semivocal, und 
erst an zweiter, dass es Muta war. Also dürfte man doch auch 
versucht haben, h unter die Semivocales aufzunehmen. Hierbei 
erinnern wir uns, dass sowohl Palaemon als Longus 4 und f als 
speciell ähnliche Laute, als similes oder vicinae , bezeichneten 
(oben S. 113). Wir rechnen auch noch v dazu (oben S. 19 u. 35 f.). 
Dies weist, wie gleichfalls schon gesagt ist, durchaus auf 
spirantische Natur hin, und es scheint unmöglich, dass für den, 
der diese Gleichsetzung auf brachte, h wirklich als Muta und 
nicht vielmehr als Semivocalis gegolten hat. Man erwäge noch, 
dass auch f als Semivocal nicht sicher stand, und man es viel- 
mehr unter die Mutae rücken wollte, mit der Begründung, dass 
f nie am Wortende stehe, was doch dem Semivocal zukomme: 
so Priscian I p. 11, 16. 


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117 


Hier bricht unsere Untersuchung ab; denn mit den Testi- 
monia der Grammatiker ist, so viel ich sehe, nicht weiter zu 
kommen. Und vielleicht ist gerade dies lehrreich. Auf alle 
Fälle kannte das Yolkslatein nach der vulgären Auffassung 
keinen gehauchten Vocal, der den Hellenen eignete, sondern h 
war ein Exspirationsstoss, der seinem Yocal deutlich voranging. 
Im Uebrigen schien seine Natur schwankend: sofern zur Ex- 
spiration noch eine Artikulation am Gaumen hinzutrat, entstand 
ein Laut, der dem c% nahe kam und als Semivocal erscheinen 
konnte ; sofern dies nicht der Fall war, musste h als Muta nach 
Art des c und g erscheinen. 

Sehen wir endlich nach, ob, was die Grammatiker unvoll- 
ständig vortragen, durch die Beobachtung der Orthographie jener 
Zeiten sich bis zu einem gewissen Grade ergänzen lässt. 

Man darf die Schriftthatsache nicht mehr ignoriren, dass 
wir in nicht seltenen Fällen, wo wir ein h erwarten, ch oder c, 
mitunter auch g geschrieben finden, und umgekehrt. Ihre Er- 
klärung findet diese Thatsache erst unter Verwerfung des Var- 
ronischen Urtheils. 

Als Beleg für die Transkription hebräischer Namen wähle 
ich den codex Amiatinus aus, da Beschränkung geboten ist. 1 ) 

Aspirirter Anlaut, vor i: Eieremias stets; Hiezeeihel p. XXVII; Ygl. 
LXI; Hiesu p. XXVIII u. öfter. Hiezabel p. XLIV. Uieus f. Iheus gen. 
36, 5. Hieriehus , s. Tischendorf zu Num. 31, 12. Hiether Jos. 21, 14. 
Aehnlich Neihel f. Nebiel Jos. 19,27. Aber Ioeue p. XXXVTII; Ioseph und 
Iacob gen. cp. 40 u. 41. Iheeu p. LVI; Ihobel gen. 4,20. 

Vor andern Vocalen: Hester p. XXXVIII u. oft; filii Heli p. XLI. 
Helia p. XLIV; Helisasus p. XLV. Hismoenium canens p. XLVI. Eelon 
gen. 26,34; 46,14. Eaevam p. 4; vgl. p. 3. Helim Exod. 15,27. Holidb 
Ex. 35,34; vgl. 38,23. Hdiasaph Num. 1,14; Henan 1,15. Eelidad 
Num. 34,21; Hahiud f. Ahiud ib. 27. Helimdech Ruth 1,2. lieber stän- 
diges Helios s. Tischendorf zu 3 Reg. 17,1; griech. *H\io v. Die Wurzel 
Sn erhält bei Hieronymus stets Aspiration; vgl. Israhel, Samuhel , , 
Nathanahel, Helisaem . — Dagegen Abacuc p. LXIV ; Evilath genes, c. 2 ; 
Enoch ib. 25,4. 

Interaspiration: Hiezeeihel ; Samuhel p. XXVIII: Danihele p. XXXIII ; 
Ähitofel XLI1L Ahab XLIV. Israhel p. XLV. Mathusahel p. 4. Mala- 
lehel gen. 5,12; Ismahd 16,11 u. s. f. Abraham oft; daneben Abram gen. 
c. 13. Ahi, 20 Mal für Hai oder Ai, s. Josua 7,2. Mahoc f. Maoch 
1 Reg. 27,2. Bahal ständig; hier druckt h das Ajin, den schnarrenden 

1) S. Biblia sacra veteris testamenti ed. Heyse et Tischendorf 1873, 


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Kehlhauch aus: s. Tischendorf zu Jud. 6,28. — Aber Neemiae p. XL VII; 
Äbelmaula Judic. 7, 23 , wo also au zweisilbig zu sprechen ist. Atlud 
2 Reg. 8,16. 

Cbeth zwischen Vocalen wird meist durch h ersetzt: Rachel gen. 31,19, 
aber Rakel c. 29. Sacher f. Sohar 46, 10. Ackimaas steht neben AkimcMe^ 
s. Tischendorf zu 2 Reg. 15,27. Aber Nahor (iVajroip) gen. 22,23 ; 24,24. 
Ahiae f. *A%ia 1 Reg. 14,3; Ähaiam (so) f. Achiam ib. 14,18; Ähimelec 
1 Reg. 21,1. Neben Ahialon steht zweimal auch Achüon y einmal Atalom: 
Tischendorf zu Jos. 10, 12; griechisch Alltiv . Ahinoem f. 'Axivaap 
1 Reg. 25,43. Ohozias f. Xfyotyas 3 Reg. 22,40. Regelrecht steht also ein- 
faches h. Dagegen Achcho Judicum 1,31, griechisch kx/A». 

Aehnlich im Anlaut: Ham f. Xd/j, gen. 5,31; 6,10; 7,13; Husai f. 
Xovoi 2 Reg. 17,5. Das Cheth in XerxaXos findet die verschiedenste 
Wiedergabe: chettheue, cettheus, haetthacus, ketkeus , endlich sogar ethaeus: 
Tischendorf zu 2 Reg. 11,3. So steht z wolfmal Horeb , viermal Choreb , 
einmal Coreb y einmal Oreb , griechisch XwQrjß: derselbe zu Deuter. 1,19. 

Diese Orthographie darf auf Hieronymus zurückgeführt 
werden ; sie zeigt das lat. h aber wieder deutlich in zwei 
Funktionen; es ist einestheils Spiritus asper und verdrängt als 
h spurium sogar den Spiritus lenis der Septuaginta im einfach 
aspirirten Anlaut: Helon, Helias u. s. f.; andrerseits ist es voll 
im Stande das Cheth auszudrücken, obschon der griechische Text 
X darbot : s. Nahor , Ähias, Horeb u. a. Aus Plautus ist hierzu 
Iachon f. Iahon Poen. 1065 (vgl. 1027) zu vergleichen. 

Aehnlich die Reception germanischer Namen. Deutscher 
Spiritus lenis wurde im Lateinischen oftmals durch h ersetzt: 
in Helisii (ahd. Elis), Helvecones , Herminones , Hermunduri, 
dagegen echtes deutsches h vorzugsweise durch ch (oder ein- 
faches c): dahin gehören die Chatti , Chamavi, Cherusci (alts. 
heru , d. i. ensis). Aus dieser Wahrnehmung folgerte Müllenhoff, 1 2 ) 
dass zum Ausdruck des echten deutschen h das schwache und 
unhörbare lat. h nicht genügt und man daher ch nöthig gefunden 
habe. Dem widerstreitet indessen schon, dass die Charudes y die 
im Monumentum Ancyranum stehn, bei Cäsar Harudes heissen; 
ferner ist in Hariomundus u. a. (Script, hist. Aug. Aurelian 11,4), 
in Hariobadus (Amm. Marcell. 18, 2, 15) doch ein ch nicht ein- 
getreten; und auch den Harii (Tac. Germ. 43) war Müllenhoff 
geneigt echtes h zuzugestehen (vgl. got. harjös).*) Er hat ver- 


1) Zeitschr. f. deutsch. Alterth. 9 (1853) S. 223 ff., bes. S. 246. 

2) A. a. 0. S. 274. 


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119 


säumt die Möglichkeit zu erwägen, dass die Orthographie solcher 
Namen vielfach zuvor von den Griechen festgelegt war (Posi- 
donius) ; die Xärroi , XrjQovaxoi stehen so schon bei Strabo. In 
der That dürfen wir vermuthen, dass vielmehr den Griechen 
ihr ungeschriebener Spiritus asper zur Wiedergabe des deutschen 
h nicht genügt und sie daher oft ihr % dafür verwendet hatten. 
Dem Boiheinum Tac. Germ. 28 entspricht Bcno%aTixai bei 
Ptolemaeus. Freilich verfuhren die Griechen nicht mit Con- 
sequenz, wie die *'A (Sxiyyoi un dUgioyaitfog bei Cassius Dio zeigen. 
Neben die XaxxovaQioi Strabo’s treten die Attuari des Velle- 
jus; es bleibt auch hier möglich, dass man den Griechen die 
Variante ' Axxovüqioi verdankte; 1 2 ) vgl. Ovvroi neben Xovvoi. 

Für die Starke des lat. h zeugt aber auch das hendinos bei 
Amm. Marcellinus 28,5, 14, das gotischem kindins (Jjyefioiv) 
entspricht. Uebrigens tritt Dachas neben Dahas bei Orosius 
cod. B (saec. VII — VIII ; auch Seneca Thyest 370 in A) ; Vachalis 
neben Vahalis bei Apollinaris Sidonius. Ammian nennt die 
Hunnen fast durchgängig Huni , bei Orosius steht Chuni (cod. B) 
neben Huni überliefert, die Dichter messen den Anlaut dieses 
Namens bald als Spiritus asper, bald als h forte, und im 
letzteren Falle schreibt ein Theil der Ueberlieferung ch .*) So 
steht griechisch bald Xovvoi , bald Ovvvoi. 

Wir nehmen an, dass germanisches h ein Zwitterlaut war, 
der zwischen h und ch pendelte. Dasselbe aber gilt nach 
Ausweis der Schrift auch vom lateinischen. Schon im ersten 
Theil S. 42 — 48 sind die Beispiele dafür beigebracht, die ich 
hier kurz zu wiederholen, aber auch zu vermehren gedenke. 

1) Griechischem Einfluss wird das eu in Feucini , das y in Hercynius 
Baitue und wohl auch in Lygii verdankt; griechisch sind die Fabelnamen 
Oeonae , Hippopodes , Fanoti . Auch statt Rhenus sollte man lat. Rtnus 
erwarten (ahd. Bin ) ; das e kommt von den Griechen samt der Aspiration ; 
vgl. bei Strabo S. 292 OvxgipriQos für Ucromirus, Dass die Römer solche 
Namen thatsächlich als griechische betrachteten, zeigt die Flexion ; Tacitus 
schreibt Suionas und Oxionas, also griechischen Accusativ; die Dichter 
schreiben Saxona ; bei lateinischen Wörtern aber war das unmöglich. Dem 
ist auf meine Anregung W. Scheel im Philol. 57 S. 578 ff. mit Erfolg nach- 
gegangen; der Einfluss des Posidonius auf Cäsar und die weiteren lässt 
sich nicht mehr bezweifeln. 

2) S. Claudi an -Index und zu Eutr. II 838. Apollinaris Sidon. misst 
vorwiegend eh y ausser carm. VII 332 ; Ausonius VI 31 ; epigr. 1,8 nur Chuni 


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120 


Mao kann z. Th. schwanken, ob dieselben für die Zeit der Republik 
beweisend sind; für die römische Eaiserzeit sind sie sicher 
beweisend. 


cymearius f. hirn. inschriftlicb, oben S. 44. 

cui f. hui bei Terenz Hec. 283 die Gesamtäberlieferung. 

cymea f. hirnea bei Pi. Amph. 429 schon die Quelle des Nonius. 

Ghymnis f. Hymnis \ 

hrodeü f. cbiridoti ■) > die Luciliusöberlieferung. 
hrysizon f. xpvm£°v ) 
horago f. chorago 'h 
cela f. heia 1 


1 


die Pfälzer Plautusüberlieferung. 


chand f. haud 
chirae f. hirae 
Achenöbarbum der Archetyp bei Caesar b. ehr. 1 15. 

Wenn ferner bei Nonius für Lucilius hiat\r]us statt cyathus über- 
liefert steht, so illustrirt dies die Warnung des Albinus, VII K. 303,11, 
dass man nicht chiatus = cyathus mit Hiatus = oris apertio verwechseln 
dürfe. 

Im 5. Jhd. ist ferner der Pentateuch von Lyon geschrieben, der wieder- 
holt didrogchtna und didragchima bietet; damit ist die Schreibung PI. 
Trin. 425 draheumarum , sowie das Accheruntis in PI. Trin. 525 und Aehn- 
liches zu vergleichen (oben S. 46 f.). Wird sonst vielmehr drachma , Acheron, 
wird brachtum f. bracchium geschrieben, so haben wir anzusetzen , dass ein- 
faches h hier ein ch vertritt. Lateinisches ch ist auf alle Fälle Doppelcon- 
sonanz. Denn einfache intervocalische Spirans eh nach Art des Deutschen 
in machen kennt das Latein überhaupt nicht. Graccus hatte doppelten 
Velar; indem die Aspiration hinzutrat, entstand Gracchus , dies aber konnte 
auch als Grachus geschrieben werden. 

Aber wir können fortfahren: 

PAHYNO f. Pacbyno Verg. Aen. VII 289 cod. Rom. 

CONHATO f. conchato Pliniuspalimsest, Plin. ed. Sillig Bd. VI S. 73,25. 
CORRESCE f. horresce Verg. Aen. DI 392 cod. Med., aufs schönste be- 
stätigt durch chorrens f. horrens bei Sisebutus, anthol. lat. 483,8 
cod. P.*) 

catdhannae f. catachannae Fronto p. 155 Naber. 

Chadrianus f. Hadrianus Frick ebron. min. p. 72,21 (cod. P saec. VII — VIII). 

Daher nun auch euche f. euhoe Catull 64, 255 ; Euchia f. Euhia Accius 
v. 242 Ribb.*) ; daher Eucadnen f. Euhadnen Servius II S. 69, 7 4 ). 


1) Vgl. betr. des Vocals chtroditas f. chiridotas Script, hist. Aug. I 

p. 110,22. 

2) cod. P gilt hier als optimus; er hat auch v. 9 in hederae die Aspiration 
wenigstens bewahrt, v. 49 richtig chorus ( coros BH). 

3) Es ist echoe, Evhia zu sprechen; s. Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 124. 

4) A. a. 0. S. 117. 


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121 


Sodann jene Glossare, deren Texte etwa im 6. Jbd. festgestellt sind, 
sie geben: 

hiltdri : eerpentes aquatici , und zwar unter h eingeordnet (Corp. gl. V 
300,28; vgl. ib. 629,17; IV 244, 3); dies setzt sich im M A. fort. 

halyps: ferrum, unter h, Corp. gl. V 299,45; IV 348,23; dagegen calips 
IV 407,20 u. 49. 

chaud f. haud, unter c geordnet, ib. IV 491, 9 (daselbst auch haut sub 
h S. 523); abermals eaut f. haud unter c ib. V 276, 29 (daselbst haut unter 
h S. 299). 

Für die einsilbigen Exclamationen vdha und aha wird auch vdh , ah und 
ha geschrieben. Dass in ah das h wirklich gehört wurde, bezeugen uns 
Terentius Scaurus und Velius Longus (s. oben S. 13; so schon Comutus 
in Nero’s Zeit, bei Cassiodor, VII K. p. 152; alle diese sowie Diomedes 
IK. 423 ignoriren die Schreibweise aha). Dieses gesprochene Schluss-^ 
wird nun auch als eh und hc geschrieben : vach, vahc , ach, ahe u. ä. bieten 
Plautus’ Palatini, die uns bis in’s 5. Jahrhundert hinaufweisen. Die Beleg- 
stellen sind oben S. 14 mitgetheilt. 

Bekannt ist endlich, dass das Mittelalter regelrecht michi und nichil 
schrieb und dass nichil weiter von den romanischen Sprachen übernommen 
worden ist. Es spricht alles dafür, dass diese Aussprache dem alten 
Vulgärlatein entstammte, wenn schon alte Belege für jene Schreibweise 
allergings ganz selten vorzukommen scheinen; man citirt für michi Maffei, 
Museum Veronense 312, 2 1 ); mic(h)i Bücheier carm. epigr. 756,3, neben 
migi ib. 637,3 (etwa wie bei Avian fab. 34,5 gerne f. hieme).*) Das nichilo 
ib. 1495 ist unzuverlässig. Vgl. über das h in veho , trdho oben S. 21 u. 28. 

Wir können wieder ein Facit ziehen, und sein Wortlaut ist 
immer derselbe: das h ist durch die ganze Kaiserzeit bis in’s 
5. und 6. Jahrhundert stets hörbar gewesen; es muss ferner den 
Spiritus asper an Deutlichkeit übertroffen haben, ist wirklicher 
Consonant gewesen, hat als Muta dem c und g gleich gegolten 
und verräth diese consonantische Natur in zahlreichen naiven 
Schreibversuchen. Ob dies festere h in Wirklichkeit Muta oder 
vielmehr, wie das f , Semivocalis war, müssen wir dahin gestellt 
sein lassen. Vieles in unseren Ausführungen spricht für den 
letzteren Ansatz. Die antike Auffassung des h als Muta 
könnte man dagegen in der Verwechselung von cyathus und 
Hiatus, cymea und himea , dem Uebergang von nihil in anni- 


1) Vgl. Schuch&rdt Vocal. II S. 526; III S. 31 lf. Wenn Schuchardt 
michi schon für das 2. Jahrhundert mit Orelli n. 4359 belegt, so hat ihn 
der Orellische Text getäuscht; vgl. CIL. X 7457. 

2) Für das Maulthier steht ginnus neben hinnus ; aber auch das 
Griechische kennt das Wort in beiden Gestalten. 


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122 


quilar, it&l. nichilar und dem Aehnlichea bestätigt finden, h 
wird demnach in manchen Fällen als unser ch, in andern vielmehr 
als die aspirirte Muta kh aufgefasst werden müssen; daneben 
kann und muss endlich die einfache Exspiration nach Art des 
neu-deutschen h in weitem Umfange bestanden haben. 

Erst wer diese Erscheinungen überblickt und beherzigt, 
kann endlich verstehen, mit welchem Rechte in der Mitte des 
4. Jahrhunderts das Gotische das lat. Zeichen* h in sein Alphabet 
aufnahm, um in mäht, gasaht wie in hvas , hrukjan u. s. f. u. s. f. 
die Fricativa ch auszudrücken, für welchen Zweck griechisches 
X sich augenscheinlich damals noch als unbrauchbar erwies. 
Und diese Verwendung des Zeichens h hat dann weiter unbe- 
denklich auch auf das Fränkische und auf andere germanische 
Sprachgebiete übertragen werden können (vgl. oben S. 11 f.). Es 
ist „littera“ oder Consonant im Latein wie im Germanischen 
gewesen. 


III. Unterdrückung des anlautenden h. 

Mit den bisherigen Ergebnissen, so einmüthig sie sind, 
scheint nun aber eine auffallende Thatsache in schroffem Wider- 
spruch zu stehen. Dies ist die Unterdrückung des h in der 
Schrift, die man auf seine Nichtvernehmbarkeit gedeutet hat. 
Erst eine sorgfältigere Betrachtung der Thatsachen im Zusammen- 
hänge unserer Untersuchung wird zum richtigen Verständniss 
dieses Umstandes führen. 

Principiell und von vorne herein ist die Betrachtung der 
Auslassung des h von der des unecht eindringenden h zu son- 
dern. Das h spurium hat mit dem h omissum zunächst nichts 
zu thun. Das h spurium ist alt, und es hat nicht nur im Munde 
des Arrius, sondern schon seines Grossvaters (oben S. 41), ja 
schon in dem des Plautus gewuchert, der honos und haud mit 
unechtem h sprach ; und wie das Latein der römischen Republik, 
so kannte auch das Oskische zwar h spurium ( [HeruMnai ), aber 
kein h omissum. 

Nur das Umbrische ist es, für das auf italischem Gebiet 
eine besondere Schwäche des h vermuthet werden könnte; denn 
einestheils lässt das Umbrische sein h gelegentlich ausfallen 
(oben S. 32), anderntheils wird das h hier in eigentüm- 
licher Weise als Trennungszeichen zwischen zwei gleiche Vocal- 


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123 


Zeichen gesetzt, die zusammen mit ihm nur einen einzigen 
Langvocal auszudrücken scheinen (comohota u. a.), worüber ich 
mich S. 22 f. verbreitet habe. Ob die Folgerung, die man daraus 
zu ziehen pflegt, wirklich bindend ist, lasse ich auch jetzt un- 
entschieden. Jedenfalls handeln wir hier nicht vom Umbrischen, 
sondern vom Latein, mit dem in diesen Lauterscheinungen deut- 
lich das Oskische zusammengeht. 

Das h omissum im Latein lässt zweierlei Deutung zu; es 
handelt sich entweder nur um Auslassung des h in der Schrift 
oder aber um Auslassung des h in der Aussprache. Es wird 
unsere Aufgabe sein, diesem Unterschiede nachzugehen. 

Zunächst der Ausfall in der Schrift, der für die Aussprache 
gar nichts beweist. 

Da ist nun von vornherein gegen die Vorstellung Einspruch 
zu erheben, als sei diese Auslassung irgendwo im römischen 
Reiche zur wirklichen Gewohnheit geworden oder auch nur be- 
sonders häufig vorgekommen. Man gehe einen Band unseres 
Inschriftencorpus von Nummer zu Nummer durch und man wird 
sehen, mit wie grosser Treue am h allerorten festgehalten wird. 
Die Auslassungen sind, im Verhältniss zu den Nichtauslassungen 
berechnet, doch immer an Zahl auffallend gering: heredes steht 
unzählig oft, eredes ist die Ausnahme, auf die wir gelegentlich 
stossen; man sehe nur das ständige ex hortis in den Nummern 
CIL. VI 8666 — 8675, das ständige harundinarins , holitor , hör - 
rearius , supra hortos , ab hosp(itiis ), hymnologus , in horreis in 
den Nummern ib. 9456 — 9475 sowie 4239; 4240; 8680 — 8682 
gegen einmaliges ortolanu(s) n. 9473 (ca. a. 500), während doch 
ebendort Vulgärschreibungen wie hic requexit in pace und dipo- 
situs est 9461, Ceseris und ab hortu nov 8670 mit unterlaufen. Es 
handelt sich also immer nur um Singularitäten der Orthographie, 
wenn wir lesen: 

abis f. habes zweimal CIL. VIII 7277 (Africa), wo auch Antbae ; abitem ib. 2177. 

äbes V 1712 ; obere und oc V 4488 (4. Jhd.) , wo auch sonst 
starke Abkürzungen wie ampliu , cenac(ulis ) , perpetu(um )> 
oficiales , sogar rddunt f. reddunt, andrerseits VI CO FERC. 
abuit V 914, wo auch oras f. horas durchgeführt. 
abebat und dbitat 1X2893. 

obere X 1365 (christlich ; sonst h) u. 4539 (7. — 8. Jhd.). 
abeas XII 915, in Versen, die haliquit und hüte daneben 
zeigen; abuit ib. 230. 


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124 


XFV 3323 giebt neben homnium f. omnium und aeorum und 
oego auch obere et hoc peto; ib. 2080: defesori abitatori 
cibitatis. 

Ephem. epigr. VIII p. 175 n. 721 (Süditalien, Anfang des 
3. Jhds.) abenti , abentib(us) und abet; die Schrift ist eng 
zusammengedrängt und sichtlich Platz gespart 
ortdanue oben S. 123; dazu III 4185’: Quisquis he(ris) post me dm laris 
huius et orti , mit scheinbar aufgegebener Allitteration , sodann: 
lüia . . . q. viridis dabit ortulus ; die Schrift steht wiederum eng, 
ohne Versabtheilung. 

ospts m 2013 (Salonae): Pyrallidi ben enteren ospite sue (Dativ). 
ostis III 3800 (Pannonia superior) mit Compendien wie AAXIMVS ; daselbst 
quem ostes hocidit (sic) mit umspringender Aspiration. 
ic: ic situs est III 809, auch sonst mit Compendien; V6400 hat erst hie , 
dann ic; vgl. Ephem. epigr. VII 28; ice (so) f. hic XIV 2424 (christ- 
lich) ; ic auch XII 5947 (Nemausi) ; et ic XIV 553. (Ostia). Ferner 
tc X 7123 u. 7172 (christlich; Sicilien); ic iacet ib. 7763 (christlich, 
Sardinien), daneben ihc iacet ib. 7775 und hc. ic. = hic iacet ib. 7747. 

oc V4488 (s. unter abis); X 1541 (spät, Neapel): in oc loco xancto 
requiesquet . 

IX 306 (Calabrien), auch sonst stark compendios : hoc ...q unc legitis 
orate p eis q unc sepuclru ruper u. s. w. 

X 4410 (Capua) : f roter uius ; ib. 2184 (Puteoli) et Aiutrici coiugi uius 
(f. eius oder hujus) ; vgl. VI 2160. 

anc sogar im Akrostichon VIII 152 (Africa; carm. epigr. 516). 

sub unc cönss. XII 2584 (a. 527). 

Beschwörung von Rennpferden, Ephem. V454 1 ): demon qui ic con - 
versans , trado tibi os equos (eng und mit Platzersparung). Ephem. 
VII360 occ est vivere und oc anas „dies ist eine Ente“; dies Ver- 
fahren verräth Methode.*) 

eres , eredes : III 6108 (Athen); 1X5016 (Hadriae); VI n. 2514; 2579; 
2631; XIV 3457 (Subiaco); 1908 (Ostia, anscheinend christlich); 
eredi XIII 2085 : das Wort ist nachträglich hinzugefügt, also Raum- 
mangel. Für Bd. X notirt der Index eres fünfmal, für XII viermal; 
davon entfallen zwei Schreibungen auf n. 122 (wo übrigens erens); 
dagegen für Band VIII achtmal; eres heiu f. heres eius VIII 3520. 

omo laboriosus VIII 6442 ; omini X 3577 (Neapel) ; ebenso XIII 2126 
sowie ib. 2000; dieser Stein spart offenbar wieder den Raum und 
giebt aeteme , Carthaginesi , coiuge , supestites , übrigens hunc und his. 
— omanae f. humanae XIV 2934 (a. 385). 


1) Vgl. Bücheier, Rhein. Mus. 41 S. 160. 

2) Vgl. übrigens H. Ziegel De is et hic pron. S. 19. 


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125 


onorem u. onore dreimal IX 10; onoribus 1X259 (4. Jhd.), X4724 (a. 
367); dasselbe unsicher ergänzt VIII 4681; in onore XII 2486 (spät, 
christlich) ; 1 Honoratus ob onorxm (so) XIV 107. onestus VIII 5502 ; 
8379 (XIV 2220 unsicher). 

a8t{atu8) XIV 2278 , wo auch sonst starke Compendien ; vgl. Orelli- 
Henzen 6747 (sonst ist H die Abbreviatur für hastati ; s. XIV 2280). 
aruspex X3680; 3681; vgl. oben S. 33. 

Deuten solche Auslassungen, die in der Masse des auf 
Steinen geschriebenen h verschwinden, nun wirklich auf Stumm- 
heit des Lautes? Da wird es zunächst nützlich sein sich des 
deutschen h zu erinnern. Dass im Althochdeutschen und zuvor 
im Gotischen anlautendes h mindesens so stabil, deutlich und 
fest wie heutzutage war, wird allgemein zugestanden. Vielleicht 
aber hatte es sogar (wie im Inlaute vor Consonanten) noch 
volleren gutturalen Werth; denn wenn man gegen solche An- 
nahme auf die Transkription des griechischen Spiritus asper 
durch gotisch h hinweist, so beweist dies im Grunde nichts (oben 
S. 7 u. 39). Nun kommen aber althochdeutsch solche Schrei- 
bungen zahlreich vor, wie elfa für helfa (Hülfe), ebich (gravis) 
— sinnlos an ewig angelehnt ? — , erumbe , erwider (Alexander- 
lied), alben f. halben, öden (testiculi), du ast (König Rother) und 
avin wir , er Adamis (f. Herr), agil (grando), besonders in den 
altdeutschen Gesprächen codicis Parisini saec. X: elpe , t*s, erre, 
als u. s. f. 1 2 3 ) Ob hier nun Tonschwäche im Satzzusammenhänge 
oder Conlusion in den einzelnen Fällen eingewirkt hat,*) die 
Erscheinung ist auf alle Fälle vorhanden; trotzdem bestand der 
Exspirationslaut im Althochdeutschen ungeschwächt. 

Zugleich zeigt das Germanische in einem Falle, wie die . 
Irrung nachträglich auch auf die Aussprache zerstörend ein wirken 
kann. Denn proklitisches her (dominus), als er geschrieben, hat 
sich durch’s MA. fortgesetzt und erscheint mhd. in dem attri- 
butiven Ehren ; aus ern Magisters wurde Ehren Magisters , 
und das drang denn auch in den Nominativ. 8 ) 

Auf alle Fälle ergiebt nun der Vergleich des Deutschen, 
trotz dieser vereinzelten Irrung, die die Aphärese mit sich 


1) S. H. Garke in Quellen und Forschungen zur Sprachgeschichte der 
german. Völker 69 S. 79. 

2) S. Garke S. 40 f. 

3) W. Wilmanns, Deutsche Grammatik, 2. Aufl. 1897 S. 111. 


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126 


brachte, dass der Schiass aas h omissum auf verstummtes h 
schon an und für sich sehr voreilig ist. Aber wir können 
weiter gehen. Denn nur der Blinde oder der Verblendete kann 
in dieser Frage den Einfluss des griechischen Schriftwesens 
übersehen, das den Römer täglich umgab und aus dem er ent- 
nehmen konnte, wie ein Spiritus, den man nicht schrieb, für 
das Ohr unverloren blieb. 

Dass nämlich der Spiritus asper in einer Fülle griechischer 
Wörter bis zu Herodian’s Zeit, ja bis in das 6. Jhd. n. Chr. und 
darüber hinaus regelmässig gesprochen wurde, steht mir fest; 
für die Zeit bis in das 4. Jhd. hat Albert Thumb den Beweis 
geführt. 1 ) Trotzdem kam er in der damaligen griechischen Epi- 
praphik überhaupt nicht, in der griechischen Buchschrift nur 
sehr selten zum Ausdruck. Man las auf den Steinen Y1Ö2 
oder HPAKAH2, H BOY AH, G2JIKA10TATA , ÜP02HMA2 
u. s. f., wie in den Homerbüchern og fxaka noXXa und isqov 
nrofoeüQov u. s. f. Wer Anschauung vermisst, blättere in 
einem Bande des CIG. oder sehe die Papyri ein, in denen uns 
die vulgären Lesebücher jener Zeiten thatsächlich vorliegen. 
Solches Manuskript wie der Bacchylides des British Museum, 
das den asper zeigt, ist eine Seltenheit. Der Spiritus asper 
wurde nur im Wortinnern: fyrjßog für en-rßog , nicht 
aber im Wortanlaut zu r An sc hauu ng gebracht: Tjßrj. 
Griechische Monumentaufschriften aber waren ja in Rom und 
Italien zahlreich zu sehen; und in die griechischen Buchtexte, 
die das h nicht zeigten, war man schon von der Knabenschule 
her allgemein vollständig eingelebt. Wie nahe musste da für 
den Bequemen die Versuchung liegen, auch im lateinischen 
Text das h gelegentlich und nach Laune unausgedrückt zu lassen ! 
Die Varronische Lehre, dass italisches h das Aequivalent jenes 

1) Untersuchungen über den Spiritus asper im Griechischen , Strassbg. 
1888, S. 73 ff. Ich kann hier diese Frage nicht aufnehmen; das Material, 
aus dem Thumb für das 5. — 9. Jahrh. seine Schlüsse zieht, reicht zur Be- 
gründung durchaus nicht hin. Viel zu viel schliesst Thumb aus der omissio 
des h in den Transcriptionen ; es wird weiter unten gezeigt werden, dass 
diese ommisso nur äusserliche Nachahmung des griechischen Schriftbildes 
war, das eben den asper nicht zeigte. So werden von früh an griechische 
Eigennamen auf römischen Tituli behandelt; und in den Instituts artium 
sahen wir (S. 113) onos geschrieben unter der bestimmten Voraussetzung, 
dass damit die griechische Aspiration ausgedrückt sei. 


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127 


Spiritus sei, musste solche Versuche ja hervorrufen ; denn warum 
sollten es die Griechen so viel bequemer haben ? So transkribirt 
der Grieche natürlich auch lat. hoc mit o% u. s. f. 1 2 3 ) So gut 
man alsa den Griechen seit Cicero’s Zeit den Ausdruck der 
inneren Aspiration in ephehus , Carthago nachmachte, so 
gutkonntemanihnen den Nichtausdruck der Aspi- 
ration im Wortanlaut nachmachen. 

Nun aber beginnt die gelegentliche Auslassung des lateini- 
schen h auf den Inschriften gerade in der Zeit Varro’s, der seine 
Identität mit dem griechischen Spiritus lehrte. Dies kann nicht 
Zufall sein. Wir folgern: diese Auslassung setzte zunächst 
keineswegs voraus, dass es verstummt war, sondern sie trat nur 
ein in Nachahmung der griechischen Schreibgewohnheit. 

Ungeschriebenes h erweist also wie im Griechischen, so 
auch im Lateinischen nicht mit Nothwendigkeit den Spiritus 
lenis. 

So erklärt sich, dass wir gerade in Pompeji, das dem grie- 
chischen Neapel so nahe lag, wiederholt abiat für habeat, abeto , 
abuis(s)e sowie ein onore CIL. IV 1396, ortu(m) ib. 2776 lesen. Es 
ist dasselbe Pompeji, das uns den Vers Sei quid amor valeat 
nosteil sei te \ hominem scis mit h forte darbot (oben S. 88) ; es 
ist dasselbe Pompeji, das uns cunnuliggeter , also gg für ng nach 
griechischer Weise giebt, sowie mitten im lateinischen Satze 
eingeschobenes palim y d. i. naXiv?') So erklärt sich, dass 
auf den antiken, mit Schrift versehenen Spielmarken, die kürz- 
lich von Hülsen 8 ) zusammengestellt sind, kein einziges h er- 
scheint. Der Raum auf einer solchen Spielmarke war so eng, 
dass man sich jeden entbehrlichen Buchstaben erspart hat, 4 * ) 
und man machte daher von der griechischen Weise Gebrauch 
in arpax, wie hier aus demselben Grunde in ungriechischer 
Weise moice und moece, patice , stumacose als das Kürzere vor- 
gezogen wurde. So erklärt sich endlich, dass jenes in Aegypten 
geschriebene und gefundene Vocabular mit Ausdrücken des täg- 


1) Ygl. oben S. 31 Anm. 

2) S. Mittheilungen d. röm. Instituts 1896 S. 95 und 94. 

3) Mittheil. d. röm. Instit. 1896 S. 228 ff.; vgl. Bucheier Rhein. Mus. 
52 S. 392 f. 

4) Freilich nicht ohne Ausnahme, sofern wir fuuco st. fuco lesen; 

dagegen wieder impudes , malest . 


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128 


liehen Lebens , ein Papyrusstück etwa des 4. Jhds. , an keiner 
Stelle ein h zeigt. 1 ) Der Schreiber befand sich auf griechischem 
Boden. Und so fort. 

Es ist, wie gesagt, nicht zufällig , dass uns just seit der 
Zeit, da Varro’s Lehre aulkam, auch die ersten und vereinzelten 
Beispiele für h omissum lrtio , arrespez , Oratia , 2 ) e(redes ) be- 
gegnen; jenes lrtio datirt sich a. 43 v. Chr. (s. oben S. 33). 
Lehrreich ist das anc mit übergesetztem h CIL. 1 819: das 
h wird so hinzugethan wie der Spiritus asper. 

Und fragen wir die Schulmeister selbst, so geben sie uns 
die gewünschte Erläuterung, und wir erfahren, was man in 
diesem Punkte den Knaben thatsächlich vorgetragen hat. 

Der späte Pompeius V K. 132, 27 trägt zunächst — und 
zwar mit besonderer Rücksicht auf den puer (Z. 8) — die 
spielende Weisheit vor, dass bei den Griechen zwei accentus, 
dasia und psile, bestehen und dass die Lateiner die Gestalt ihres 
Buchstaben H aus diesen zwei griechischen Zeichen L und i 
zusammengesetzt haben. Diese Weisheit ist natürlich älter; 
auch Martianus Capella p. 62,4 übernahm sie. 

Deutlicher wird schon Marius Yictorinus, der VI K. 6,3 
nicht nur erklärt, h sei wie q und k ein überflüssiges Schrift- 
zeichen, sondern hinzufügt, für dies h könnte die einfache nota 
nach Weise der Griechen eingesetzt werden: nam pro h ad - 
spirationis nota , ut Graeci faciunt , poni posset . Dass dieser 
Rathschlag wirklich befolgt wurde und das Zeichen des Asper 
in lateinische Texte Eingang fand, werden wir später sehen. 
Da es die Griechen jedoch in Wirklichkeit meistens wegliesSen, 
so konnte eben dasselbe im Latein geschehen. 

Durchschlagender sodann die Erklärung, die wir für die 
mit hy anlautenden Wörter erhalten. Sie steht schon bei 
Terentius Scaurus VII K. 23,3 ff.: detrahüur (sc. h) a quibus - 
dam eis nominibus quae ab y littera incipiunt ; ein Wort wie 
hynrnus fing mit y an, wenn man eben h nicht rechnete. Die 
Begründung jener „quidam“ aber geht so vor: erstlich im all- 
gemeinen, weil h kein Laut (littera) sei, d. h. also positiv, weil 
es nur nota aspirationis sei, könne h in solcherlei Wörtern weg- 
fallen, zweitens und im Besonderen darum, weil es kein mit y 

1) Corp. gloss. II S. 563: ospiiiu , aber auch optalmos und ceras . 

2) Oratia auf einer olla 1 924 ; auf einer anderen steht dagegen Harati 
ib. n. 887, sowie Hil(aru8 ) n. 888. 


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— 129 

aiihebendes Wort gebe, das nicht den asper habe, und der aspei* 
sich also auch ohne Schreibung schon von selbst verstehe: 
contendentibus 1) neque litteram eam esse 2) ä posse vel non ad - 
iecta illa adspirationem in y littera . . • intellegi, quoniam nus- 
quam y littera praecedens exiliter enuntietur ut hypnos , hymnos, 
hyacinthos. Sodann wurde von den „quidam“ die ausfallende 
Bemerkung hinzugefügt: ita satis per se positam adspirationem 
sui declarare, nisi opicus legat. Man muss ein altfränkischer 
Bauer, ein opicus sein, wenn man den asper nicht auch schon 
so erkennt. Dasselbe wiederholt übrigens Velius Longus YII K. 
81, 5 ff. und zeugt also für die Verbreitung dieser Lehre. 

Jener „opicus“ ist bedeutsam ; er ist Gegensatz zum 
griechisch erzogenen Römer. Der griechisch erzogene 
Römer brauchte die Schreibung des h nicht, der 
Bauer brauchte sie. Dieser opicus ist ferner augenschein- 
lich mit jenem rusticus identisch, an den Nigidius Figilus 
dachte, wenn er sagte: rusticus fit sermo si aspires per per am. 
Der Bauer hatte gleichsam eine Begierde auf das h und kann 
es nie genug sprechen. Hierüber ist später zu reden. 

Wir lernen nun erstlich, dass es grundfalsch ist, aus Schrei- 
bungen wie ymnus , Ymnis , Yginus u. a. auf stummes h zu 
schliessen. Wer so schliesst, ist eben ein opicus. Man lernte 
in der Schule, dass y im Anlaut hy bedeutet. Daher steht 
Ypsae(us) schon CiL. 1 467 (s. oben S. 33). Daher war solche 
Etymologie möglich, wie sie Servius zu Aen. I 744 überliefert: 
alii dicunt Hyadas dictas vel ab y littera (!) vel and rov vag . 
Daher behält Hippolytos auch späterhin, wenn i in der ersten 
Silbe, gern sein A; wird dagegen Ypolitus geschrieben, so war 
das A überflüssig und im y mit ausgedrückt; so steht ylidri 
neben hilidri (s. unten u. vgl. oben S. 121). Man muss den 
Zweck solcher Orthographieen richtig würdigen lernen. 

Zweitens ist aber auf jene allgemeine Begründung der 
„quidam“ beim Scaurus für Weglassung des h Gewicht zu legen, 
die kurz dahin ging : neque litteram eam esse (A). Dies ist einfach 
der Varronische Lehrsatz, und er wird hier kurzweg als erste 
Begründung dafür verwandt, dass man A im Anlaut weglassen 
könne. Das heisst eben mit andern Worten: Spiritus asper 
braucht, wie im Griechischen, überhaupt nicht erst geschrieben 
zu werden. 

B ir t , Th., Der Biat bei Plautus. 9 


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130 


Wir können nun noch zeigen, wer ungefähr jene „quidam“ 
beim Scaurus waren. Diese Theorie reicht bis in Nero’s Zeit 
zurück. Schon Cornutus war es, der, wie wir VII K. 153,14 
indirekt erfahren, lehrte, es genüge Yacinthus , Yllus, Ymettus 
zu schreiben, da y schon „ipsa per se adspirativa est/‘ 

Zur selben Zeit aber hat augenscheinlich kein Geringerer 
als ßemmius Palaemon in seiner Knabenschule überhaupt die 
Schreibung jedes anlautenden h für überflüssig erklärt. Im 
Ludus des Palaemon hatte Quintilian sein Latein gelernt; aus 
ihm stammt auch der grammatische Traktat in seinem ersten 
Buche. 1 ) Da lesen wir nun 1,4,9, wo über überflüssige Schrift- 
zeichen gehandelt werden soll, sehr kurz, aber auch sehr bündig, 
die Grammatiker pflegen auf so geringfügige Fragen einzugehen, 
wie, ob nicht einige Schriftzeichen im Latein fehlen wie das 
digammon = r, im Unterschiede zum u, ferner an rursus aliae 
(nämlich litterae) redundent, praeter iltam (notam) adspirationis , 
quae si necessaria est , etiam contrariam sibi poscit , ut q .... 
et k. Das heisst : „sie fragen ferner, ob nicht einige Buchstaben 
zu viel vorhanden sind, wie k und q (an aliae redundent ut q 
et k)\ denn von der nota adspirationis will ich gar nicht erst 
reden {praeter notam adspir.), die, wenn sie wirklich noth- 
wendig ist, auch den Schriftausdruck ihres Gegen- 
theils er f Order t." Das Urtheil über die nota adspirationis wird 
also als etwas höchst Selbstverständliches sogar mit einem praeter 
in der Form derPraeteritio, der Parenthese und Nebenbemerkung 
abgemacht. Durch dieses Urtheil wird aber die Nothwendigkeit 
der Schreibung des h klärlich in höchst kategorischer Form 
bestritten, ja lächerlich gemacht; denn der Sinn ist: unser latei- 
nisches Zeichen h ist überhaupt überflüssig (redundat), so dass ich 
kaum von ihm zu reden brauche; denn es entspricht dem Spiritus 
asper; da wir aber in der Schrift den Spiritus lenis anzuzeigen 
für überflüssig halten, muss dasselbe auch für den Asper gelten. 

Diese Frucht trug Varro’s Lehre; einer der ersten Schul- 
männer und der erste artis scriptor hat in diesem Sinne die 
Jugend der Hauptstadt Rom belehrt. Der Einfluss der griechi- 
schen Buchschrift auf die lateinische springt in die Augen; die 
Durchführung der Analogie des Griechischen hat für das Latein 
diese Consequenz ergeben. Wir können hinzufügen: diese Con- 

1) S. oben S. 113 Anna. 


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131 


Sequenz war so selbstverständlich, dass sie schon früher und 
schon in Varro’s Zeit gezogen worden sein muss. Daher CIL. I 
819 jenes anc mit übergeschriebenem A; es ist der erste Versuch, 
der später oft wiederholt worden ist, die Aspiration nach Weise 
der Griechen nicht vor, sondern über den Vocal zu stellen. 

Und ich frage wieder : wie dürfen wir es wagen , blos auf 
Grund des gelegentlichen Fehlens des A im Anlaute auf den 
Steinen seine Stummheit zu behaupten? Wir wundern uns 
vielmehr, dass es nicht öfter fehlt, und gestehen nicht ohne 
Bewunderung: der Fleiss, mit dem das H auf den Inschriften 
gleichwohl unausgesetzt gemeisselt worden ist, ist ein Protest 
des echten Sprachgefühls gegen die haltlose Theorie der Schul- 
männer gewesen. Man fragte zum Glück doch zumeist sein Ohr. 
Ich greife auf gut Glück die bilingue Inschrift CIL. VI 1342 
heraus; hier steht im griechischen Text HPSiJOY rYJNH, im 
lateinischen dagegen Hirodis uxor ; so phonetisch getreu hier 
die Wiedergabe des rj mit lat. i war, so zuverlässig ist auch 
das A der Ausdruck einer wirklich wahrgenommenen Aspiration. 
Dass es an Ausnahmen nicht fehlt, ist schon oben gezeigt; sie 
eben lehren, wie weit der theoretisch-grammatische Schulunter- 
richt den Laien wirklich beeinflusst hat. 

Wir schliessen hieran folgende Wahrnehmung, die sich 
uns späterhin ausgiebig bestätigen wird, dass besonders bei 
Eigennamen und Lehnworten, die vielfach griechischer Her- 
kunft waren, dies neue Princip befolgt wurde: 

Oratia und Irtio ist oben angeführt; nehmen wir weiter als Probe 
den 14. Band der lateinischen Inschriften — es sind die Latiums — , so 
finden wir hier neben gelegentlichem abitator , eredes , ic u. a. (s. oben S. 124), 
nicht nur griechisches oris f. horis (753; 890 u. a.) und y pogaeum (166), 
sondern auch und in besonderer Ausdehnung die Eigennamen Arpocration . , 
Edone , Eliodorus , Eraclius , Erculanius , Ertneros (n. 58 u. 59 neben 
Herma er os n. 57), Ermes , Er{md)genes , Esychus , Euprosyne , Eurema 
Eureais , Euresius , Ierax , Harus u. Tiara , Inacus , Ippolitus , Yginus ; 
dazu Synistor (3506). Der Einfluss des griechischen Alphabets verräth 
sich dazu noch besonders in Hliodorus (sic) n. 659. Dies überträgt sich 
dann auf lateinische Namen, insbesondere auf Oratius , Oratia ; für dieses 
Gentilicium fand man kein lateinisches Etymon und zog es muthmasslich zu 
oqay; so heisst der Dichter Horaz denn auch später vorzugsweise Oratius ; ') 
weiter auf Aterius , Aterianus , Elvius und Elbius (mit Helius, Elius com- 

1) S. unten. An oqay denkt später auch Pontanus de aspiratione 
foL 25, dagegen Tortellius Qu&tern. f 7 an orare . 

.9* 


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182 


binirt; vgl. die Hss. Script, hist. Aug. p. 27,1 und 16) und Erennius. 
Diese Beispiele aus Latium sind für das Verfahren jener Zeiten überhaupt 
typisch. Man sprach Herennius (oben S. 112); aber es nahm sich gebildeter 
aus, seinem Namen den Anstrich des Griechischen zu geben. 

Genau so in den übrigen Bänden: CIL. IX hat vereinzeltes obebat , 
abiUU , onor, eredes , unc (s. oben), dagegen nun wieder ora 2151a und 
2184, opl(pmachus) 466, aemobolium 3015, dazu Adrumetum , Edone , 
Edulio , Ermaproditm , Esperis , Etaera , Erculia , Eraclio , Erculanius , 
Ierax , Ypatius , endlich Erennius , Jrrtws *), Onorius , Ostüia. 

Daher also auch CIL. VI 18359 Ermiune (so), üfcafe 19167, Eeathe 
19168, Etfone 19177, Edychrui (so) 19 181, JEtfy/aJo 19 183,' -EracWa 19293, 
Esycho 19444, Euresine 19 453, Euresi 19454 mitten unter Namen, die 
das Ä bewahren, wie Helpis , Helpidia , Hirrius , Hiriius , Eordeonius u. a. 
Aber auch Oratius kehrt hier wieder 19516 u. 7, sowie Ortesius u. Ortesia 
f. Hort. 19539. 

Daher ferner Onorata als Cognomen Ephemer, epigr. VIII p. 174 n. 720, 
Essper (so) f. Hesper ib. p. 13 n. 61; Aecatae n. 648; sowie ora f. hora 
n. b8 u. 733; efarea (so) f. hilares p. 527 n. 316. 

Daher ferner ^45rocoma und im Corpus der Inschriften Bd. II, 
rmftis in Bd. V u. s. f. u. s. f. Insbesondere in Pompeji Orafw IV 2682 . 
Arpocra und Arphocras 2400 u. 2193 neben halb griechischem ARIIOKRA 
(sic) 2481a; Edone 1679; Ermes 1511 neben EPMHE 2164; llaris 2646; 
Ispanus 2426; Iacintus 1400 und sonst. 

Bei Seneca Apotheosis c. 13 heisst der Freigelassene des Kaiser 
Claudius Arpocras; dies stimmt zu der Inschrift CIL. VI 9016; der Mann 
selbst hat sich so geschrieben. 

Erst hiernach ist es möglich, vom wirklich nicht ge- 
sprochenen h zu handeln. Sein Schwinden findet nur unter 
ganz bestimmten Bedingungen statt, die zum Theil schon früher 
dargelegt, zum Theil erst späterhin in anderem Zusammenhänge 
vollständiger erörtert werden sollen. Hier genügt Folgendes. 

Dass h wie v zwischen gleichen Vocalen schwindet, ist früh 
belegbar; s. oben S. 19 f. 

Ebenso vor Jot und i-Vocal: oben S. 25 f. 

Gelegentlich schwindet der Anlaut h sodann in der Wort- 
composition. Häufig ist dies erst für das Mittellatein nachweis- 
bar, doch giebt es auch früher Belege. Das Deutsche diene 
wiederum zur Erläuterung. Das Althochdeutsche tilgt in den 
Compositionen mit -haft die Aspiration und schreibt lobafter , 
Sraßi u. ä. m. ; später trifft dasselbe die Termination -heit, in 
christeneit , wareit u. a. 2 ) Ebenso steht Junker für junc-herre; 

1) n. 3771, ist identisch mit CIL. 1625 aus a. 43 v. Chr. 

2) Garke a. a. 0. S. 39; Kluge in Beitr. z. Gescb, d. deutschen Spr. 
XIV S. 585 f. 


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133 


gotisch pusundi (tausend) für ßus-hundi ; das heisst: wird der 
Schlussconsonant des ersten Compositionsgliedes nicht mehr als 
Silbenschluss behandelt, sondern als Anlaut in die nächste Silbe 
gezogen, so kann in den so entstandenen Silben - baft , - reit , 
-Arer, -sundi das h als solches nicht mehr empfunden werden, 
und zwischen Junker und Wecker hört in dieser Hinsicht jeder 
Unterschied auf. In Hamburg sagt man wa-raftig oder u>o-raftig 
für wahrhaftig; wer wird daraus folgern, dass das h überhaupt in 
Hamburg verstummt sei? Schon das Alterthum war sich des- 
selben Umstandes bewusst. Man wollte in istic und illic das 
Pronomen hic finden. Dass man das h nicht schrieb, erklärt 
uns Priscian folgendermassen, II K. p. 45: in perhibeo exhibeo 
inhumatus anhelo inhibeo adhuc abhinc würde man die Aspiration 
nicht ausführen, wenn der Schlussconsonant des Präfixes zum 
Anlaut der zweiten Silbe gemacht würde; dies aber sei in istic 
thatsächlich eingetreten. Ihm folgt Eutyches VII K. p. 199, der 
als Beleg illic hinzufügt, sowie interessanter Weise das Wort 
peterediutn für pet-heredium. 

Diese Theorie ist nun wieder wesentlich älter als ihr Zeuge. 
Denn von Schreibungen wie ista hec für istaec, isthoc für istoc, 
Ule hic für illic ist die Pfälzer Plautusüberlieferung so über- 
wuchert, 1 ) dass in ihrer Herstellung eine bewusste grammatische 
Leistung des antiken Redaktors zu erblicken ist. Ebenso ista ec 
bei Varro r. r. 138,2. Nonius aber bezeugt, dass der Usus älter 
als das 3. Jahrhundert war; denn er las so im Afranius (TI 
p. 101, 10) und im Pomponius (II p. 163, 22). Aber auch Julius 
Valerius schrieb ista haec p. 2. 24 und man setzt das mit Recht 
in seinen Text; und nicht anders ist illihic für illic in den 
Scriptores hist. Augustae p. 263.29 die einmüthigeUeberlieferung. 

Die antike Etymologie dieser Pronominalformen war falsch, 
die orthographische Theorie dagegen, auf die sie sich gründet, 
berechtigt. Wir legen heute eccum eccam in ecce-hum , ecce- 
ham auseinander; das Fehlen des h erklärt sich eben aus dem 
Gesagten. Ebenso sind inschriftliche Schreibungen wie exibere 
(X 520; 1492 und sonst; XII 4290) einzuschätzen; ebenso aduc 
f. adhuc (V 6244; XIII 1983; vgl. Appendix Probi p. 199,7); 

1) S. für P: Amph. 757; Cas. 996; Cist. 558; 667; Epid. 666; Men. 
719; 721; 852; Mil. 195; 516; 536; 622; 1002; 1031; vgl. 308; Most. 184; 
519; Pseud. 1298; Trin. 6. 


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134 


es war eben die Silbentheilung a-dhuc eingetreten. Und der- 
artige Neigungen waren gelegentlich alt. Festus bringt S. 109 M. 
aves inehr ae, das er zu inhibere stellt, sowie S. 76 enuhro , das 
er mit inhibenti erklärt. 1 2 ) Wenn also auch im Umbrischen 
anostatir neben anhostatir steht, so war eben die Silbentheilung 
a-nhostatir eingetreten, und diese Fälle beweisen für die Natur 
des umbrischen h an sich ebenso wenig wie altdeutsches lobafter , 
irafti für die des germanischen beweist. 

Mit diesen Beispielen haben wir indess das Gebiet des an- 
lautenden A, das zu betrachten unsere eigentliche Aufgabe ist, 
verlassen. Auch anlautendes h ist im Latein hie und da wirk- 
lich geschwunden, aber wiederum nicht ohne wirkende Ursache. 
Es giebt zwei Anlässe: falsche Volksetymologie und falsche 
Etymologie der Gelehrten. Natürlich hat die erster e durch- 
schlagenderen Einfluss als die zweite gehabt. Die gelehrte Ety- 
mologie kann aber von der volksthümlichen nicht mit Sicherheit 
auseinander gehalten werden, da sie sich oft an sie angelehnt 
haben mag, wo wir es nicht zu controliren vermögen. 

Auf Volksetymologie führen wir anser zurück, das an anas 
angeglichen wurde (oben S. 34), sowie olera, der Kohl, der 
zum Topf, zur olla, zu gehören schien. Für olera ist uns das 
Sprichwort bei Catull Zeuge , 94, 2 : hoc est quod dicunt : „ ipsa 
olera oUa legit“ 

Das Volk hat also allerdings im Einzelfall den vorschlagen- 
den Laut geopfert, der Angleichung an ein ähnliches Wort zu 
Liebe, eine Concession etwa der Art, wie sich lympha für lumpa 
einstellte, der nympha zu Liebe, wie man ptiblicus für pöplicus 
sprach, der pübes zu Liebe, ähnlich laborintus für labyrinfhus . 
manseolum für mausoleum, arvambale für ambarvale u. dgl. m.,*) 
insbesondere nihil hominus für nihilo minus , worüber später. 
So schrieb man gewiss nicht nur, sondern sprach auch ista haec 
für istaec eben der falschen Etymologie zu Liebe. Aus deutschem 
Gebiet aber sei auf Augenbraune f. Augenbraue, auf Epheu 


1) Aehnlich Eutyches a. a. 0. mantibrium mit manuhaberium . 

2) S. Rhein. Mus. 52 S. 139; nicht anders stellte sich ndnus und bös 
aus novnus und boYS her, dem Lautgesetze zuwider, aber mit Anlehnung an 
das Ö in novem und bovem; ebenda S. 165 f. Wenn in augusteischer Zeit 
CIL. XÜI 1041 aenuli f. anuli (Ringe) geschrieben wurde , so dachte man 
vielleicht volksthümlich an aes , aenus . 


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135 


mit unechter Aspiration, an Heu angelehnt, und vieles andere, 1 ) 
insbesondere auf das schon einmal erwähnte hem magisters 
hingewiesen, das missverständlich zu Ehren Magisters wurde. 

Dies sind psychologische Motive, die in die Phonetik hin- 
einspielen und Ausnahmen zu den mechanischen Lautgesetzen 
veranlassen. 

Nicht wenige der Beispiele, die ich für A-Schwund anzu- 
führen habe, werden uns dagegen nur von den Grammatikern 
vorgetragen; sie können also Erzeugnis einer falschen Gelehrsam- 
keit gewesen sein und kamen dann durch die Schullehrer in’s 
Publikum. Man lehrte in den Schulen: hareru % kommt von 
aridus , also das A, das ihr sprecht, ist falsch; ihr dürft das h 
nicht mehr schreiben u. s. f. Durch den Schulunterricht sind 
dann solche Unterdrückungen des echten h thatsächlich bis zu 
einem gewissen Grade in die Kreise der Gebildeten eingedrungen. 
Das Volk aber ist davon wenig berührt worden. 

Heben wir mit Julius Caesar an, so hat er in den Büchern 
De analogia auch „de verborum aspirationibus“ gehandelt (Fronto 
S. 221 ed, Naber). Näheres erfahren wir nicht; es ist sehr wohl 
möglich, dass Caesar sich noch wie Cicero mit der Regulirung 
der Binnenaspiration in Cethegus , Karthago , Gracchus , pulchrum 
begnügte und nur das in Cicero’s Orator berührte Thema an- 
schlug. Jedenfalls ist höchst beachtenswert!), dass Cicero selbst 
in dieser Schrift des Jahres 46 v. Chr. noch keinen Anlass fand 
vom anlautenden h zu reden! 

Varro ist hier wieder erster Name. Varro, der überhaupt 
die griechische Grammatik im grossen Stil erst in Rom ein- 
bürgerte, der die lateinische Phonetik nach der griechischen 
regulirte, hat nicht nur die Gleichung h = Spiritus asper 
definitiv gemacht, sondern auch keck daraus seine Folgerungen 
gezogen. Für die Schrift tüftelte er aus, man müsse das A, als 
Zeichen des asper, dem aspirirten Consonanten voran- und nicht 
nachstellen (vgl. oben S. 109), also etwa Hpilippus statt PAi- 
lippus schreiben; bei r dagegen solle man das A weglassen, 
also Rodum, retorem , denn der Leser wisse schon von selbst, 
dass Rhodum , rhetorem gemeint sei (VII K. p. 154). Diese 
Begründung ist für uns wieder das wichtigste; denn man wird 

1) Vgl. Andresen’s Deutsche Volksetymologie; z. B. bejahen mit 
falschem h S. 24. 


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136 


auch hier bemerken: Fortfall des h in der Schrift bedeutet 
keineswegs, dass es nicht gesprochen werden sollte! 

Bei seinen etymologischen Bestrebungen aber ist er in den 
Stand gesetzt vom h ad libitum abzusehen ; denn erstlich küm- 
merte sich die antike Etymologie auch sonst wenig um einen 
Buchstaben mehr oder weniger im Wort und statuirte ohne 
Skrupel Aphaerese, wie Schol. Aristoph. Acharn. 17 §tmo$ von 
XQvnoc hergeleitet wird xard äqccfgttiiv rov *, anderswo d<pgrc 
von dgdv mit nXeovaapoc tov (f *) oder wie Varro selbst ur- 
vum von curvum benannt sein lässt, 1. lat. V 135; wie ad 
Murciae herkommen sollte ab urcris, ib. V 154 oder vc von 
dveiV) de re rust. II 4,9. Zweitens aber wusste Varro wohl, 
dass sich der griechische Spiritus asper vielfach irrational ein- 
gefunden hatte und bei der Wortableitung mit Recht von ihm 
abzusehen ist; 1 2 3 ) es lag nahe, auch diese Eigentümlichkeit des 
Spiritus auf das lat. h zu übertragen. 

Zunächst knüpfte Yarro dabei an Volkstümliches an. Wir 
lesen de 1. lat. V 108: ab olla olera dicta , quomm a qerere 
(?) cruda olera . Dies olera von olla lehrte uns schon das Sprich- 
wort bei Catull. Auch Varro scheint hier den Spiritus, der in 
holera sich doch noch lange hielt, weggelassen zu haben. 8 ) 

Es lässt sich vergleichen, dass Varro in dem glossographischen 
Wort arittga V 98 das A, das doch Festus S. 100 bezeugt, viel- 
leicht mit Absicht wegliess, da er diese hostia etymologisch zu 
aries stellt. Ebenso asta quod, astans solet ferri V 115. 

Ebenso volkstümlich war es gewiss, wenn Varro hortus 
zu oriri stellte: quod in eo omnia ormntur (bei CharisiusIK.82); 
denn das Volkslatein brauchte hortus metonym auch für das, 
was im Garten wuchs; dies ist nicht nur dichterisch bei Horaz 
Sat. TT 4, 16 geschehen, sondern schon bei Cato r. r. 8 steht: 
sub urbe hortum omne qenus .... ha ec facito uti serantur. 
Aehnlich steht in den Urkunden des MA. hortifer für hortus, 
und hortiferi pomiferi sind Complemente. Auch das Particip 
ortus nahm dann die Aspiration an. 

1) Vgl. Aug. Lentz Pneumatologiae elementa, Philol. Suppl. I S. 664 
und 677; 683. 

2) Oft auch mit Unrecht; man leitete von alpa /ety ab, u. a. 

3) Auch V 146 steht forum Olitorium . , . tibi derum copia in F. 


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137 


Anderes: die „cohors in villa“ wird 1. lat. Y 88 von cooriri 
hergeleitet, die Frage, ob A nicht zu sprechen sei, nicht berührt, 
dagegen hinzugefügt, Hypsicrates identificire damit griechisches 

XOQTog. 

Auf humus wird Y 24 kurzweg nicht nur humor und Aw- 
midus mit unechtem A, sondern auch udus , ja sogar sudor 
zurückgeführt. 

Ueberhaupt ist darauf aufmerksam zu machen, dass Varro 
in dem erhaltenen Werk nur die Etymologien giebt, dagegen die 
Forderung, dass nun auch in der Aussprache A fallen müsse, 
noch gar nicht stellt. Besonders vorsichtig finden wir ihn V 73, 
wo er honos nicht etwa ab onere , sondern ab honesto onere ab- 
leitet und dazu den Yers citirt: 

Onus est honos qui sustinet rem publicam. 

Darum ist mir zweifelhaft, ob Charisius I K. 82, 7 f. die wirk- 
liche Fassung des Varronischen Praeceptums wiedergiebt , wenn 
er schreibt: Graccus et ortus sine adspiratione dici debwe 
Varro ait . Schrieb wirklich schon Varro vor, dass man auch 
so sprechen müsse? oder sind erst seine Nachfolger so weit 
gegangen? Charisius fügt ablehnend hinzu: sed consududo et 
Gracchos et hortos cum adspiratione usurpavit . 

Für sich steht V 97, wo wir unter allerlei Hausthiernamen 
nach cod. F Folgendes finden: ircus quod Savini fircus ; quod 
ülic fedus, in Latio [qui in urbe\ hedus; qui in urbe, ut in 
multis , A addito aedus . Es ist zum Verständnis zu betonen^ 
dass Varro hier nicht über das A, sondern über den Diphthong 
ae eine Mittheilung machen will. In Bezug auf die Aphärese des A 
ist aber dem cod. F durchaus nicht zu trauen ; und der neueste 
Editor handelt unüberlegt, wenn er nach F bei Varro aruspex 
# u. a. druckt. Solche Orthographieen sind in einem Original- 
Manuskript der Zeit Cicero’s, Caesar’s und Vergil’s undenkbar. 
Man sieht nun, dass das A hier wenigstens an einer Stelle, in 
hedus, wirklich erhalten vorliegt ; wir haben danach auch hircus 
und haedus einzusetzen. Der Sinn ist: der Sabiner sagt fedus , 
der lateinische Rusticus hedus , der Urbanus aber conservirt den 
Diphthong und setzt a hinzu, also haedus . 

Weil Varro hier zugleich das sabinische f in fircus , fedus 
erwähnt, kann er das lat. A, das ihm entsprach, um so weniger 
stillschweigend unterdrückt haben. Eben hierauf führt auch die 


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138 


Erwähnung des fireus und faedus bei Velins Longus, die mit 
der Nennung Varro’s in Zusammenhang steht. 

Betrachten wir hiernach den Abschnitt aus Velins Longus, 
den A. Wilmanns De Varr. libris grammat. p. 182 f. in extenso 
dem Varro zuschreibt. Ich erblicke darin, besonders in den 
ersten Theilen, vielmehr eine Weiterbildung der Thesen Varro’s. 
Hier hören wir (VII K. 68 f.) : 

hortus ist von oriri abzuleiten, quod ibi herbae oriantur , das 
Wort „brauchte* also kein h (non desiderabat) ; indess die con- 
suetudo spreche A. 

Ebenso ist ein A „vorgeschlagen* (h littera se praeposuit) 
cum dicis (also beim Sprechen) hostis harena halicam et hall - 
culam , worauf dann halica ab alendo, halicula erklärt wird quod 
alas nobis iniectas contineat; vgl. VII K. 68, 14 ff. 

Wenn also Verrius Flaccus alicam sine adspiratione dictam 
tradit (Charis. IK. 96,9; damit stimmt Festus uberein; s. unten; 
dem Verrius folgt dann Flavins Caper VII K. 107, 12), so war 
das nur ein gelehrtes und zufällig auch richtiges Postulat wider 
den Usus. Denn Longus sagt ausdrücklich , dass man halicam 
„spricht“. Charisius belegt die Schreibung halicarius aus des 
Lucilius 15. Buche. 

Derselbe Velins Longus zeigt die Lehre von der cohors in 
weiterer Entwicklung als bei Varro; cohortes a cooriendo solle 
nach Einigen unterschieden werden von cohortes a mutua co- 
hortatione. 

Besonders durchsichtig ist das Verfahren bei harena : non- 
nullt „ harenam “ cum aspiratione , sive quoniam „ haereat “ sive 
quod aquam „ hauriat ,“ dicendam existimaverunt , aliis sine 
aspiratione videtur enuntianda. Also man forderte nur die 
Aussprache ohne A, man constatirte sie nicht als gültig; und 
zwar stellten die Gelehrten, die sie forderten, das Wort zu v 
aridus , arva. 1 ) Die Ableitung von haereo aber hat bewirkt, 
dass wir in späteren Handschriften gelegentlich herena geschrieben 
finden ; 2 ) vgl. dazu Agroecius VII K. 123, 18 , der arundo ab 
ariditate ableitet, dagegen herundo von haerere . 

1) Vgl. Charis. I K. 103,21: harena dicitur quod haereat et arena 
quod areat; gratius tarnen cum adspiratione sonat . 

2) So Venantius Fortunatus carm. spur. I ▼. 358; Corp. gloss. V 
S. 299; Florus p. 88,10 im Bamberg. Zu diesem herena tritt dann herenosi ; 
so Digtst. 11 S. 389,35. Auch dies ist wiederum nicht Zufall. 


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139 


Dies alles theilt Velins Longus mit, ohne sich anf Varro 
zu beziehen. Erst hiernach citirt er Varro und sagt, er bezeuge, 
dass harena „a Sabinis fassana dicitur.“ Dass aber etwa Varro 
selbst schon für nöthig fand, die Echtheit des h in diesem Worte 
auf solche Weise zu vertheidigen , ist durch nichts angezeigt. 
Erst Longus hatte nöthig der Ableitung von aridus entgegen- 
zutreten. Longus fugt dann noch bei, dass man haedus und 
hircus mit h spreche ( dicitnus ) im Hinblick auf älteres faedus 
und fircus: ein Zusatz, der, weil er der Gleichung harena = 
fassana conform ist, seine Belege sehr wohl gleichfalls aus 
Varro genommen haben kann. Um so unmöglicher ist es, dass 
Varro an der besprochenen Stelle V 97 schon ircus und aedus 
geschrieben haben soll. 

Nächster Nachfolger Varro’s war Verrius Flaccus in des 
Augustus Zeit, zu dessen halb verschüttetem thesaurus latinitatis 
wir jetzt weitergehen. Gleich unter heluo S. 99 M. äussert sich 
Verrius über die Aussprache: cui aspiratur ut aviditas magis 
exprobretur ; fit enim vox incitatior. Auch für ihn war also h 
keineswegs stumm. 

Zunächst bietet Verrius richtig sub A: alucinatio , avere , 
sub E : ercto (S. 82 und 1 10 M.), Erebum , eritudo , sub H : hastae , 
hortus (mit oriri\ hdus und helusa (mit holus, holera erklärt), 
hamotrahones (zu hamus). 

Dagegen bringt er unechtes h in histriones und heres do- 
minus S. 97, das als erus interpretirt werden muss, 1 ) während 
eritudo sub E zu finden ist. Dies aber gehört nicht hierher, 
sondern zum Capitel vom h spurium. 

Oefter wird nun dagegen vom ä abgesehen, in allen Fällen 
aber giebt dazu Anlass die Etymologie, sei sie richtig oder falsch. 

Wir finden zunächst alica nur unter A. Ableitung: „quod 
alit corpus.“ Diese Ableitung war richtig, das Ä, das man ge- 
meinhin sprach (oben S. 138), war h spurium. 

In allen andern Fällen dagegen hält Verrius das Gesetz 
inne , das Wort zweimal zu bringen , unter H und nochmals 
unter dem Vocale. hattus (pollex) S. 102 unter H ; dies war 
gewiss die wirkliche Aussprache; da er das Wort aber von 
SXXopxu ableitet, so kehrt es S. 7 ( allus pollex ) wieder; denn 
aXXopat, gehörte eben nach griechischer Lexikographie unter A. 

1) Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 1 94 f. ; heres dominus kehrt wieder Corp. 
gloss. V 108,39 ; 569,56; heres xvqios Corp. gloss. 1168,36. 


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140 


Dass Vereins das h sprach, trotzdem es hier ungeschrieben blieb, 
zeigt eben die griechische Etymologie selber. Nicht anders 
helucus S. 100 sub H ; da es zu VwXov gestellt wird , sehen wir 
es S. 75 sub E nochmals registrirt, weil eben fitoXov unter diesen 
Buchstaben fiel. Richtig wird S. 100 hedera eingestellt, aber 
eine dreifache Herleitung von haerere , von Zdere und gar von 
Sditus versucht; darum erscheint edera nochmals sub E S. 82. 

Yerrius lehnt sich hierin an das Verfahren der griechischen 
Philologen an, die da Etymologien zur Auswahl stellten und 
nach ihnen, unbekümmert um den wirklichen Usus, die Recht- 
schreibung regulirten: z. B. "JXvc, der Fluss, falls von SXg her- 
stammend, sei mit spir. asper, falls von dXvw y mit dem lenis 
zu schreiben; ’HXfioi könne man auch aspiriren, falls es von 
f)Xioc komme, u. a. m. 1 ) 

Nicht anders verräth sich das Schwanken des Grammatikers 
in hirquitalli sub H p. 101 mit der Erklärung : pueri primnm 
ad virilitatem accedentes a libidine scilicet hircorum dieti 
(Paulus) und irquitallus sub I p. 105 mit der Erklärung: puer 
qui primo virilitalem suam experitur (Paulus,). Hätten wir 
hierzu nur denFestus erhalten, so würden wir gewiss über den 
Unterschied der Schreibung, wie bei hedera , auf etymologischem 
Wege aufgeklärt werden. Das Wort war übrigens in beiden 
Formen veraltet, kam schwerlich in der Litteratur oder der 
lebendigen Alltagsrede vor und ergiebt also jedenfalls nichts für 
unsre Zwecke. Sein zweiter Bestandteil ist auf lateinischem 
Sprachgebiet ohne Anknüpfung; wenn Corssen II S. 576 tallus 
zu skr. tarunas (Jüngling) stellte, so hat dies nichts Zwingendes. 
Vielmehr ist hier eine alte Composition mit griechischem &aXXog 
und das ja begrifflich so nahe steht, zu erkennen (&dXng 

der Sprössling und blühende junge Mensch; daXegw prjgoi die 
blühenden Lenden, II. 15, 113). Daher erscheint der griechische 
Eigenname OaXXog auch auf italischem Gebiet als Cognomen 
(CIL. V 3127 ; 3476 und sonst), und Catull nannte den Weichling 
und Cinäden, den er verhöhnt, Thallus c. 25. Zur hybriden 
Composition sei auf Plautinisches pultiphagus Mostell. 828 und 
Aehnliches verwiesen. War doch schliesslich auch Graecostasis 
hybrid und es ist doch recipirt worden. Alsdann leitete sich 

1) Vgl. Lentz a. a. 0. S. 657 ff. 


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— 141 


die omissio des h in irquilallus wiederum aus griechischer 
Schreibung oder Aussprache her. Verrius selbst aber brachte ja 
mit grosser Vorliebe griechische Ableitungen. Velius Longus VII 
60,3 kennt nur hirquitallos , ebenso Eutyches VII 201, 28 f. 
und fragmenta Bob. VII 542, 29 ( hirquitalli ßovncndeg). 1 * * ) 

Doch gilt es nun noch auf den ersten Bestandteil des 
Compositums zu achten. Denn die Vermutung liegt nicht fern, 
dass die erste Silbe den Lateiner an vir erinnerte. Das Ver- 
gilische vir gregis ecl. 7,7 steht nicht zufällig, wo wir den 
hircus verstehen sollen. Denn hircus war fircus. Beim späten 
Eberhardus Bethuniensis Graec. cap. 9 v. 207 f. liest man: 

Dicitur hinc hircus quoniam vir tute potens est; 

Hircus enim quasi vir caprarum dicitur esse. 

Daher dachte nun auch Verrius beim hirquitallus an die viri- 
litas'. und zwar spricht sein Referent Paulus, wo das h im An- 
laut erscheint, von der virilitas hircorum, wo es fehlt, schlecht- 
weg nur von der virilitas. 

Zugleich ist hier aber an das Schwanken von irpus hirpus , 
Irpini Hirpini zu erinnern. Man beachte, dass Verrius Flaccus 
die Irpini nur unter I stellt und sie mit irpus erklärt, was 
bei den Samniten den lupus bedeute, S. 106. Dass er nicht 
auch Hirpini sub H bringt, ist von Wichtigkeit ; so steht denn 
Irpinus und Irpina richtig CIL. IX 1228. Denn allerdings 
hatte irpus „der Wolf 4 mit Aspiration nichts zu thun, und die 
Möglichkeit ist oft erwogen, dass das Wort stammhaft zu lupus 
selbst und gar nicht zu hircus zu beziehen ist. Dazu irpex 
„Egge,“ gebildet wie apex von ap(tus), wie dentex , imbrex : also 
ohne h . Die Griechen waren es, die in 1 IquIvol die Aspiration 
einführten, willkührlich oder in Anlehnung an ap/ra£, Ip/ra», da 
ein mit Vocal und rp anhebendes Wort bei ihnen zumeist den 
Asper hat. So kam nun auch bei den Römern Hirpini auf, irpus 
wurde mit hircus zusammengeworfen, und wir lesen auch latei- 

1) Bei Censorinus De die nat cp. 34 (ed. Cholodniak): irquitallire 
vom Stimmbruch beim Fünfzehnjährigen als Ausdruck der „antiqui“, davon 
dann irquitallos „quod tum corpus ircum olere incipiat.“ Hier steht aber 
im Coloniensis des 7. Jhds. ir von irquitallire von 2. Hand auf Rasur; 

ebenso das ir von irquitallos; dagegen steht ircum so von m. 1. ln die 

Glossare ist die Doppelschreibung mit dasia oder psile aus Verrius über- 

gegangen. 


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142 


nisch hirpus , Hirpini : Serv. zu Aen. XI 787. Dafür, dass dann 
irpus missbräuchlich sogar auch die Bedeutung „Bock“ erhielt, 
habe ich ein spätes und schönes Zeugniss: im Gedicht auf Pan 
bei Bährens Poet. lat. min. III S. 170 n. 28 v. 2 lesen wir 
thatsächlich die Anrufung hirpigena (sic) ! Es ist also begreif- 
lich, dass sich auch in Bezug auf den Anlaut hircus und irpus 
wechselseitig beeinflussten. 1 ) 

Gleiche Schwierigkeit bereitet uns eine andere Frage. Hat 
Verrius erdum subU mit Recht gesetzt? Er schwankt hier nicht 
und kennt kein herdum (vgl. p. 110,8). Hinzu kommt die lex 
Rubria CIL. 1205, die nicht herceiscunda bietet, sondern familia 
eerceiscunda deividunda (sic). Mommsen nahm das doppelte e 
als Dittographie, andere wollten darin he erkennen. Mir scheinen 
sich diese beiden zuverlässigsten Zeugen, das Erz und das Lexikon, 
gegenseitig Hülfe zu leisten. Denn eine sichere Ableitung der 
Formen ist bisher nicht erbracht; echtes h ist für beide zu- 
nächst unerweislich; also müssen die beiden ältesten testimonia 
gelten. Oder kann etwa der Schreibusus der Digesten dagegen 
aufkommen? Dass die Wörter zu her es, heredis gehören, wird 
nicht einmal durch ihre Bedeutung besonders nahe gelegt; min- 
destens ebenso nahe liegt es an erus zu denken; denn erctum 
ist „Herrengut.“ 

Durch folgende Ableitungen wird die lateinische Analogie 
gewahrt. 2 ) Zu erus denke man die Ableitung *ericus wie uni- 
cus zu unus , pedica zu pes , loca olentica u. a.; oder man setze 
eine adj. ertcius wie patrlcius zu pater . Davon mit Synkope 
ein Verbum *ercio , *ercire , das im Ptc. erdum vorliegt, wozu 
sandum , fardum , amidum zu vergleichen ist. Vom selben 
*ercire ist zugleich erdscere abgeleitet, wie dormiscere von 
dormire , sciscere von scire. Und jenes familiam erdscere et 
dividere in der lex Rubria heisst demnach so viel wie die 
Sklavenschaft auf die Herren vertheilen. Daher heisst eben 
auch eritudo soviel wie servitudo (Fest. S. 97)! 

Das angesetzte *ericu$, *ercus aber wird, wenn ich nicht 
irre, durch Orcus bestätigt; denn auch Orcus scheint nichts 

1) Daher z. B. bei Plautus in A zwar hirquinae Poen. 873 (wo h forte) ; 
vgl. Pseud. 967, Merc. 275; dagegen mit Aphärese Cas. 459, 1018, Merc. 
272, Pseud. 738. 

2) Vgl. Corssen, Beiträge S. 40. 


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143 


als der Herr, sowie Persephone die Jäonoiva ist; von der 
familia Orci redet Apuleius met. 3, 9, d. h. die Todten sind 
die Skaven dieses „Herrn/ 4 und der Name verhält sich lautlich 
zu jenem *ercus, wie fors zu ferre , iocinora zu iecur , solium 
zu sedes u. a. So steht igsßog neben oQipvog. 1 ) 

Wennschon wir endlich eine Etymologie für erus selbst 
nicht haben, 2 ) so muss doch die Schreibung herus als unecht 
gelten; und das Eindringen dieser Prothese ist mit der von 
heräum und herciscere etwa parallel gegangen. Das gehört in’s 
Capitel vom h spurium. 

Kürzer lässt sich imela abthun, das Verrius als vasis genus 
in sacris definirte (S. 105). Ich habe, wie auch Andere, dies 
Wort bisher mit hirnea in Zusammenhang gebracht; das ist 
falsch. Denn hirnea ist kein vas in sacris, und die Stärke des 
h garantirt uns überdies die Schreibung cyrnea (oben S. 43 f.). 
Wir haben vielmehr urnula zu verstehen, wobei das e in der 
Mittelsilbe mit dem in Hercele CIL. 1 56 sowie in AeneXog zu 
vergleichen ist, worüber Julius Müller De litteris 1 et V latinis 
u. s. f. (1898) S. 22 gehandelt hat. 3 ) Die urna aber war wirk- 
lich „vas in sacris; 44 vgl. Plaut. Rud. 438; 473 sacram urnam 
Veneris ; Cato r. r. 132 u. a. Und irna verhielt sich zu urna 
wie Unter zu {unter , wie Brittii zu Bruttii, wie ille zu olle. 

Soweit Verrius Flaccus. Was uns endlich die Grammatiker 
der späteren Kaiserzeit Vorbringen, sind vorwiegend Wieder- 
holungen des Alten, und nur wenig Neues kommt hinzu. Um 
so kürzer wird der Bericht über sie ausfallen können. 

Starken Anstoss giebt die Quintilianstelle I 5, 20, wo es 
heisst: parcissime ea (sc. h httera) veteres usi etiam in vocalibus 
cum a edos ircosque dicebant . Dass die antiqui nicht aedos ircos , 
sondern faedos fircos schrieben, ist seit Varro ein abgesungenes 
Thema der Grammatici. Woher der Unsinn? Bei Palaemon, 
Plinius oder Verrius kann Quintilian ihn keinesfalls gefunden, 
er kann ihn aber auch schwerlich aus Missverstand selbst in 

1) orca „die Tonne“ bleibt auf alle Fälle bei Seite; denn Orcus bat 
kurzes o, orca langes; s. A. Marx Hülfsbüchlein. Dazu dann urceus. 

2) Aeltere Form esus y esa ; s. G. Löwe Glossae nominum S. 191; zu 
osk. esuf ? 

3) Nur hätte er nicht tabelai in SC. de Baccban. beranzieben sollen, 
das tabdlai bedeutet 


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144 


die Welt gesetzt haben, da er dicht vorher I 4, 14 das Richtige 
vorträgt; denn hier steht klar und unzweideutig: fordeum 
foedosque pro aspiratione (sc. dicebant) velut simili littera 
identes; womit die „aspiratio“ ausdrücklich constatirt ist, das /aber 
richtig geschrieben und als „similis littera“ mit diesem Spiritus 
verglichen wird. Es ist also auch I 5,20 faedos fircosque her- 
zustellen. Auf alle Fälle aber beweist der Passus nichts für 
die Aussprache der Kaiserzeit , da er von den Veteres handelt. 

Uebrigens sei Nonius zuerst erwähnt, weil auch er wie 
Verrius grosse Abschnitte seines Werkes alphabetisch ordnet. 
Dieser Afrikaner des 3. Jhds. setzt aber überall das h richtig. 
In honos und haurio setzt er allgemein recipirtes h spurium an, 
wennschon seine Schriftbelege unter haurio zumeist vielmehr 
das richtige aurio bieten ; s. Bd. I S. 508 f. 

Hierzu sei verglichen, dass Terentianus Maurus v. 218 und 
785 die Wörter hastas hederas Hister hospes huius und humus 
für die Aussprache auf eine Linie stellt, also auch für hasta , 
hedera und Hister den h-Anlaut nicht bezweifelt; oder dass 
Pompeius Y K. 107, 26 ff. das h so! gut in hircus wie in huic 
und Hercules als selbstverständlich hinstellt. Auch die Stelle 
bei Marius Victorinus VI 22, 1 scheint nur so zu verstehen, 
dass man in der vita elegantior der Gegenwart zwar corona, 
OrcuSj sepulcrum ohne A, mit A dagegen bracchium cohors und 
harena zu schreiben habe ; denn von den letzteren Worten heisst 
es: „h in adspiratione desiderant“, das heisst doch wohl: sie 
brauchen das A zum Anzeichen ihrer Aspiration. 1 ) 

Bei den wirklichen Belegen für lnconstanz des A, die uns 
die Grammatiker darbieten, ist der Einfluss der gelehrten Ety- 
mologie oder der Volksetymologie überall zu spüren. Das A 
ist ausschliesslich nur in einem solchen Worte un- 
sicher geworden, dem ein homonymes ohne A zur 
Seite stand, mit dem es confundirt wurde; dies ist 
dann eben, was der Grammaticus als „barbarismus“ notirt. 

Wer genauer zusieht, gelangt hier aber wieder zu einer 
Sonderung des A spurium und des A omissum. Denn das un- 
echte A stellt sich zwar oft bedingungslos ein, wie in hemo 


1) Schneider wollte in pronuntiatione lesen; Keil: sic et per h qme 
adspirationem desiderant, ut bracchium eqs. 


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145 


für emo t und ein Homonym brauchte dazu nicht erst den Anlass 
zu geben. Der Schwund des h dagegen findet nur in 
Anlass eines Homonyms statt. 

Beispiele des h spurium: 

hara f. ara bespricht Alcuin; die Erscheinung ist alt, s. oben S. 76. 

hemo f. emo, Diomedes 1K. 452,12. 

Hebrus f. Ebrus; so Consentius V 392,21 f., der, wenn wir dem über- 
lieferten Text folgen, das h dieses Namens für einen Barbarismus erklärt. 
Dies kann nicht richtig sein und wir werden Heurus und Eurus (sprich 
Hevru8 und Evrus ) zu lesen oder zu verstehen haben; s. Rhein. Mus. 52 
Suppl. S. 64. Aehnlich das h in den Lehnworten Hedem* , halcyon , 
Hister , Henna, Haedui u. a. mehr, worüber unten. 

Dagegen hat ein Trieb zur Homonymik in folgenden Fällen 
gewaltet : 

hora vultus und ora diei tadelt Mar. Plot. Sacerdos VI K. p. 451; vgl. 
Appendix Probi p. 200 f. , die den Unterschied zwischen hora und ora 
hervorhebt; dieselbe p. 199 betont überdies die differentia zwischen der 
Pronominalform hos und 08 (vultus). Da im Pronomen das h meist haftete 
(vgl. unten), so sprach man also hos horis für vultus. hos steht f. os 
Plaut. Persa 283 in A. 

omo f. homo tadelt Diomedes 1 K. 452, 12 ; bestätigt durch Augustinus 
in den Confessiones 1 18. Im 4. Jahrhundert ist also hominetn mit omnem 
zusammengeworfen worden; denn dies ging natürlich nicht vom Nominativ, 
sondern vom Casus obliquus aus. Daher trat aber auch das Umgekehrte 
ein, und Pompeius V K. 285,26 warnt ebenso vor homnia st. omnia wie 
285, 18 vor omo st. homo. Ueber ohminem oben 8. 15. 

homen f. omen tadelt Consentius V K. 392, 6. Das Lautbild dieses 
Wortes hing offenbar mit homo, omo und homnia f. omnia zusammen. 

arena f. harena tadelt Servius IV K. 444, 28, und zwar wird die Echtheit 
des h von ihm seltsam vertheidigt: dicta ( harena ) ab eo quod harida sit 
terra. Also hier findet sich vielmehr, durch harena beeinfiusst, haridus 
ein. Sonst lehnte sich die Sprechung arena an aridus an (s. oben S. 138). 
Eutyches VII K. 200 unterscheidet kurz area von harena ; gegen beide 
Aussprachen wurde also gefrevelt. 

arusyex wird erklärt als der qui ad aras sacrificat, Corp. gloss. V 
346,10; daher das Glossar griechisch im Plural ßatpooxonoi vertirt, Corp. 
gloss. D S. 23; aruspex aut ariolus dicatur ab ara kehrt dann bei Eber- 
hardus Bethun. c. 9 v. 217 wieder. Diese Etymologie musste um so mehr 
einwirken, da hara der Schweinestall war, hat'uspex also etwas Entwürdigendes 
zu enthalten schien. 

arundo f. harundo fordert geradezu Append. Probi, ein lehrreicher irr- 
thum, der offenbar durch die Analogie des arena harena und durch die 
Ableitung von aridus , mehr noch durch die Analogie von arista hervor- 

Birt, Tb., Der HUt bei BUutog. 10 


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146 


gerufen worden ist. Jedenfalls würde die Appendix auch arena mit Psile 
gefordert haben. Es ergiebt sich zugleich , dass das zurückgewiesene 
harundo das volkstümliche war und im Volk noch gesprochen wurde; 
es ist auch sonst als das Richtige garantirt. Bestätigend Agroecius VII K. 
122, 18: arundo canna est , ab ariditate dicta , herundo avis quae tignis ad- 
haeret . 

ostiae f. hostiae fordert fälschlich dieselbe Appendix (ihr folgt Plaut. 
Epid. 176 cod. A). Auch hier horte man also im Volk hostiae. hostia 

einerseits, ostium ostia andrerseits beeinflussten sich gegenseitig; im 

Volk drang aber vielmehr das h spurium vor, und die Thür wurde zum 
hostium (so siebenmal im cod. A des Plautus). Unser Grammaticus traf 
die falsche Wahl. 

onorem tadelt Consentius V K. 392, 13. Das Wort war ursprünglich 
mit onus identisch und die Prothese in beiden Wörtern unecht. Daher 
hält auch Appendix Probi für nöthig, den Unterschied zwischen honestum 
und onustum zu predigen; vgl. Eutyches p. 200; Alcuin p. 306. Man 
sprach eben auch schon früh honus t honustus (unten S. 154). 

abitus — abscessus , habil us = vestitus schärft Agroecius ein , VII K. 
114,17. Ebenso lehrt Appendix Probi p. 200f. den Unterschied von habeo 
und abeo; ebenso Alcuin VII p. 303. Wie vollständig und wie früh durch 

das Wuchern des h beide Verben zusammenfielen, wird noch öfter zur 

Sprache kommen. 

ortus f. hortus; vgl. oben S. 136 u. 139; Eutyches VII p. 200 sondert 
hortus „Garten“ von ortus = natus; ebenso die Appendix 1. 1. Also fiel 
eben beides zusammen. 

Auch haedus hatte vielleicht schon damals Neigung zur Aphärese; die 
Grammatici freilich belegen nur die Echtheit des h mit fedus. Inschriftlich 
steht edus bei Wilmanns exempla n. 2738. Man mochte das Wort zu 
edere stellen: denn edus war das junge Thier, das unlängst geborene; es 
ist aber im Geist der antiken Grammatik, wenn wir daneben zugleich eine 
Bezugnahme auf r\äeo&ai vermuthen; denn haedulare war so viel wie nai- 
&iv y Corp. gloss. II 68,3, und Ovid schreibt tenero lascivior haedo met. 
13,191.') Im griechischen Lehnwort aber fiel h fort (oben S. 131 f.). 

heri und eri; für ersteres wird bei Eutyches p. 201,26 h gefordert, 
„differentiae causa“. Andrerseits sprachen viele auch herus f. erus. Es 
trat also offenbar auch hier eine sinnlose Mischung zwischen heri und eri 
(gestern) und erus herus (Herr) ein, ähnlich wie in omnem homnem und 
hominem ominetn , in hortus und ortus. Daher steht eri f. heri Plaut. 
Mil. 73 in A. heri neben eri verzeichnet Corp. gloss. II p. 68 
und 62. 


1) Weniger wahrscheinlich wäre volksetymologisch haedus als Gegen- 
satz zu aidujg — wie canis a non canendo — anzusetzen; freilich lagen 
auch solche Ableitungen nicht fern; ich erinnere noch an das „pontus 
cjuia ponte caret“ in Eberhardi Bethun. Graecismus cap. 12 v. 78. 


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147 


hapsus (lanae vellera ), non apsus lehrt Caper p. 110,6; ein griechisches 
Lehnwort, in welchem also nicht lateinisches h schwand, sondern der 
griechische Spiritus asper, und zwar vielleicht schon im griechischen 
Munde; vgl. «i pig, das zu habsis und apsis wurde; auch dies betrifft 
griechisches, nicht lateinisches h; und die Griechen selbst sprachen hier 
schon mit Psilosis: wir lesen: xpiXaneov ro äv?l bir tis idiötr^icc. 1 ) 

habena sei von avena zu sondern, lehrt Alcuin VII p. 300; b und v 
waren zusammengefallen. Dasselbe wird eingeschärft Corp. gloss. V S. 49 
u. 72. Wahrscheinlich sprach man in beiden Fällen havena; denn h spurium 
ptiegt doch meist vorzudringen. Daher frz. haveron. 

hymnus und haurit sei mit h, audit ohne h zu schreiben, Alcuin 
ebendort. Ueber hymnus s. oben S. 129. In haurit war h spurium früh 
recipirt, oben S. 144; wenn man im Volk dagegen noch aurit horte, wie 
Alcuin voraussetzt, so war das werthvoll. Endlich ergiebt diese Stelle, 
dass Neigung bestand haudire f. audire zu sprechen, worüber später. 

his und eis , die Demonstrativformen, fielen zusammen, weiter auch 
hi und ii, hae und eae; vgl. die ausführliche Behandlung dieser Er- 
scheinungen bei Hans Ziegel De is et hic pronominibus (1897), die von 
Priscian IIK. p. 297 f. ausgeht. Danach ist der Process so verlaufen, dass 
his vordrang und das is absorbirte ; erst spät wurden aufs Neue theo- 
retische Sonderungen zwischen his und eis versucht (Ziegel S. 54). So 
stellte sich denn auch der Nominativ sgl. his für is und das häufige hisdem 
f. iisdem ein; endlich heiusdem , heius , ja sogar huiusdem u. s. f. 9 ) Eben 
daher hält auch die Appendix Probi am acc. hos fest und sondert davon 
os (vultus). Auch diese Erscheinung ist also viel mehr für h spurium als 
für h omissum in Anspruch zu nehmen. 8 ) 

Unser Ergebniss : sporadische Aphärese des h in der Schrift 
beweist seinen Schwund nicht. Anlautendes y ist regelmässig 
als hy zu lesen, ln der wirklichen Aussprache kam das h nur 
unter dem Einfluss falscher Etymologie, und zwar vorzugsweise 
der Volksetymologie, abhanden ( olera , olla ). Dass dies alsdann 
aber etwa schon durchgängig der Fall gewesen wäre, ist unbewiesen 
und durch nichts angezeigt. Denselben Einfluss übte die 
volksthümliche Identification annähernd homonymer Begriffe 
(< omnem , hominem). Seltener und noch weniger durchschlagend 
hat die gelehrte Etymologie eingewirkt ( arena , arundo , asta). 

Noch einige Bemerkungen als Anhang. 

Es musste nahe liegen hinnulus „das Maulthier“ mit inuleus dem 
„Hirschkalb“ zu verwechseln. Um so mehr ist anzuerkeunen , dass sich 

1) S. Lentz a. a. 0. S. 661 f. 

2) heim CIL. UI 3917; cf. VIII 3520; der nom. sgl. his schon lex 
Ursonensis; CIL. XI 5265; XIV 497 und fünfzehn Mal im Gaius. 

3) Ziegel setzt — wie damals ich selbst — vielmehr vollständiges Ver- 
stummen des h voraus. 

10 * 


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148 


die Sprache trotzdem des Unterschiedes bewusst blieb und die Aspiration 
zumeist an richtiger Stelle wahrte. Dies zeigen sehr gut die Glossare, wie 
das graecolatinum Corp. gloss. Bd. II, woselbst S. 61 enidum vißqov 
unter E , S. 68 hinnulus 6 binov xai ovov unter H gesondert auftreten. 
So auch ib. II S. 375 veßqog damma inuleus ; vgl. auch lli S. 361. *) 

Sodann astula. Man stellt gemeinhin assula und astula , zwei syno- 
nyme Formen, zu hasta . Dies ist schon deshalb verdächtig, weil hasta der 
Regel nach — trotz Varro’s — das h bis in’s Romanische hinein bewahrt, 2 ) 
astula oder assula des h zu entbehren pflegt; umgekehrt assonirt schon 
bei Plautus Men. 853 assula mit osse, sein Anlaut war also hauchlos. Es 
ist weiter deshalb unwahrscheinlich, weil die Begriffe zu disparat sind; 
denn hasta ist nie und nirgends der Ast, nie der natürliche Theil eines 
Baumes;*) astula dagegen ist der Splitter, und zwar nicht nur des blitz- 
geschlagenen Baumes, das todte Reisigt oder sonst der „Span“, sondern 
auch technisch der Marmorsplitter (Vitruv. 7, 6, 1; vgl. Apuleius apol. 
c. 35). Es kommt drittens die lautliche Schwierigkeit hinzu. Für hasta 
steht nie hassa , und das Lautgesetz des Latein verbietet die Assimilation 
eines st zu ss überhaupt; assula kann also gar nicht aus astula entstanden 
sein, wie eben hasta bei fehlendem hassa bestätigt; und doch sind beide 
Deminutivformen vollständige Synonyme. Somit ist eine abweichende Ety- 
mologie aufgenöthigt , die sowohl dem Formalen wie dem Begrifflichen Ge- 
nüge thut. assus heisst „trocken“, und zwar durch Feuer getrocknet; 
Particip zu areo ; besonders ein Ausdruck der Kochkunst; aber auch assi 
lapides sind Rohsteine (Servius zu georg. 11417). Formal verhält sich 


1) Betreffs dieser Unterscheidung vgl. 0. Weise Griechische Wörter 
in der lat. Sprache S. 22. 

2) Auch die Stadt heisst Hasta , nicht Asta\ s. zu Claudian VI con- 
sul. 203. 

3) Nicht hasta , sondern nur hastile hat Vergil in kühner Sprache für 
den Zweig am Baum zu setzen gewagt; aber auch dies nur scheinbar; 
wir lesen so Georg. II 447 ; Aen. III 23 , beidemal wohlgemerkt von der 
Myrte. Die Sache erklärt sich uns aus dem Jagdbuch des Grattius v. 127 ff.; 
hier heissen hastilia die Wurfgeschosse, die aus Zweigen gewisser Baum- 
sorten zu gewinnen sind ; unter diesen Bäumen befindet sich eben die 
Myrte v. 129. Hieran eben denkt Vergil, wenn er von den hastilia der 
Myrte, den Speeren der Myrte, redet. Dass ahd. ast , ein früh weitver- 
breitetes und unentbehrliches Wort, aus lat. hasta entlehnt sei, erscheint 
schon hiernach unglaublich. Allerdings steht im Sanctgaller Glossar cod. 
911 einmal ast mit hasta glossirt; in Wirklichkeit aber tritt, in der Ueber- 
setzung des Martianus Capella und des Boethius, ahd. ast vielmehr für 
ramm oder frutex ein; esti sind die palmites, davon das adjectivische ast - 
liher (ramosus), astalohti (ramosa), astolohti (nemorosus) ; s. Graff Aithochd. 
Sprachschatz I S. 478 f. 


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149 


astula zu assula wie pustula zu pus(s)ula. } ) Ueberdies war ein zweifaches 
Participium: assus zu areo wie ca88U8 zu careo, und astus zu areo wie 
ustus zu uro , nicht ausgeschlossen. So nun die Wortbedeutung: die lapides 
a88t entsprechen deutlich den caementa marmorea, die technisch „assulae 
dicuntur“, Vitruv a. a. 0. Der assula lignea aber eignet besonders die 
Brennbarkeit: assulae ambustae Serv. zu Aen. 1176; taedae astula Plin. 
29,34 und ähnlich sonst. Daher ist gerade fomes synonym. Paulus- 
Festus S. 84, 17 ff. (Müller): fomites sunt assulae ex arboribus dum cae- 
duntur excussae ; also assulae sind das dürre Reisigt, das, wenn ein frischer 
Baum gefallt wird, herausgeschlagen wird; diese heissen aber auch fomites. 
Andre aber verstanden unter fomites scintülas die Splitterfunken, die aus 
glühendem Eisen mit dem Hammer herausgeschlagen werden, quae malleis 
excutiuntur , und sie haben daher ihren Namen quia igni sunt confotae ; 
pari modo assulae , quae sunt securibus excussae; verstehe: „pari modo 
assulae fomites dictae sunt.“ Das sind eben qiQvyctvct , neXexirpata. Dass 
die assulae nun auch fomites heissen, macht eben ihren Bezug zur Feuers- 
gluth, zum areo und ardeo besonders deutlich. Die letzte und beste Be- 
stätigung ist aber q>qvyavov selbst „das Reisigt“, das zu qgvyeiv „rosten“ 
genau so gehört wie die assula ( astula ) zu assare. Gelegentliche Schreibung 
hastula hat h spurium, das aus basta herüberkam (Seneca nat. qu. 1131,2; 
Isidor 17,6,26). Paulus-Festus a. a. 0. hat wohlgemerkt das h nicht. Das 
Romanische setzt astula , nicht assula voraus (Gröber, Archiv Lex. I S. 244) ; 
ihm entspricht altenglisch aestel.*) Die Orthographie acsvXis oder axtdis 
bei Catull 17,3 ist mit beiden Ableitungen unvereinbar und weist auf ein 
zweites Etymon, nämlich axis „Bohle“, meist mscl., das gleichfalls, und 
vom Vorigen gesondert, im Romanischen vorliegt (Gröber a. a. 0. S. 246). 

asser „Balken“ kann zu assula , es kann zu assis = axis gestellt 
werden. 

Es folgt „der Igel“ ; wir lesen acc. irim bei Plautus Capt. 184 (P), 
erem bei Nemesian cyneg. 57. Die Psile wird uns bestätigt durch die Ab- 
leitungen ericius und ericinus; die Schrift De dub. nomin. VK. S. 571 f. 
verzeichnet bei alphabetischer Anordnung ericius und erinaceus unter E\ 
im Corp. gloss. II S. 321 steht iricius ; irenaceus bei Plinius n. h. 8,133. 
Das Wort war echt lateinisch, wie uns Ambrosius Exameron VI 4, 20 be- 
stätigt: echinus . . . quem vulgo iricium vocant (wo ericium codd. NB, 
hericium nur in cod. S und ohne Autorität). Dies echt lateinische Wort 
hat also augenscheinlich eine Aspiration nie besessen ; denn ihr gänzliches 


1) D. h. von der ältesten Bildung pustla , astla gelangen wir zu pussula, 
assula durch *pusla , *asla, indem das t zwischen zwei Consonanten 
schwand und die Epenthese erst nach dem Schwund eintrat; pustula , astula 
aber zeigen die Epenthese vor Schwund der dentalen Tenuis. 

2) S. Fr. Kluge, Vorgeschichte der altgermanischen Dialekte, 2. Aufl., 
S. 339. 


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150 


Abhandenkommen wäre zu auffallend. Auf eine Etymologie müssen wir 
somit verzichten; die Gleichsetzung mit griechisch kann nur auf 

den ersten Blick bestechen und fallt schon aus diesen lautlichen Gründen 
fort. Es kommt hinzu , dass , dem lebendigen Griechisch fremd , nur 
einmal als Glosse beim Hesych auftaucht; derselbe Hesych giebt aber auch 
die andere Glosse axvQ e/fvo?, und man hat kein Recht zu behaupten, 
dass die zweite weniger Vertrauen als die erste verdiene. Vielmehr liegt 
der Ansatz nahe, dass auch x*lQ für <#*?(> steht. 

Seltsame Schwierigkeiten bereitet uns endlich lat. hir oder ir „die 
Hand“. Die Glossare setzen tr, und diese Schreibung scheint überhaupt 
zu überwiegend) Ja, Eutyches sagt ausdrücklich VII K. 201,28, alle Wörter, 
die mit ir anheben, schlagen ein h vor ausser ir. Alsdann kann aber ir 
mit /et? nicht Zusammenhängen , weder als ursprachliches Erbe noch als 
Lehnwort.*) Wir werden die unaspirirte Form eben doch für die ur- 
sprüngliche nehmen müssen und darin ein italisches Wort unbekannter 
Herkunft erkennen, falls seine Existenz nicht überhaupt auf irgend ein 
Missverständniss irgend eines Grammatikers zurückzuführen ist; denn weder 
in der lebendigen Rede kam es wirklich vor noch auch irgendwo in der 
Litteratur, und die Gelehrten zeigen sich rathlos über seine Flexion. Der 
Grammaticus, der den Irrthum beging, braucht nicht zu den älteren und 
besseren zu gehören. Denn es ist ferner anffallend, dass dies ir vor dem 
4. Jahrhundert nirgends erwähnt wird; Charisius und Probus’ Catholica 
sind die frühesten Zeugen. 

Aber auch für himea , cymea scheint hiernach die direkte Herleitung 
aus entlehntem x^9 yt ß oy ") prekär — denn ein % wurde im Lehnwort 
nicht zu h — , und die Frage nach seiner Herkunft ist gleichfalls offen zu 
halten. 

Auf keinen Fall sind diese fragwürdigen Beispiele im Stande, die oben 
aus offenkundigen Thatsachen gewonnenen Regeln umzustossen oder nur zu 
beeinträchtigen. 


IV. H spurium. 

Das A, das als ein fester Besitz des Latein nur selten und 
unter ganz bestimmten Bedingungen Aphärese erlitt, hatte nun 
umgekehrt von früh an den Trieb sich zu propagiren und den 
Anlaut zu überwuchern. Auch diese Prothesis ist ein Beweis 
für die Kraft seines Daseins, und auch sie eine Erscheinung, 
für die im Deutschen die genaueste Analogie vorliegt. 


1) Belegstellen bei Löwe Prodom. S. 329. Die Luciliusstelle ist längst 
beseitigt; s. Rhein. Mus. 54 S. 207. 

2) Letzteres setzte ich an, Rhein. Mus. 54 S. 227. 

3) Ebenda S. 226. 


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151 


Die Documente sind leicht zusammengestellt. 

Das Oskische. das die Aphärese nicht kannte, setzt dagegen 
schon Herentatel Herukinal f. Eryrinae (oben S. 32); man be- 
achte schon hier die Allitteration. 

Dem entspricht auf dem Stein von Corfinium hanuxtu 
Herentas (oben S. 33b Man beachte auch hier die Allitteration. 

Auch das Umbrische kennt unechtes A; vgl. Bücheier Um- 
brica S. 182 über hebetafe , S. 166 über Hule; 1 2 3 ) die Frage, ob 
gelegentliche Aphärese für Schwache des A im Umbrischen zeugt, 
ist mit Bestimmtheit nicht zu beantworten. 

Das Altlatein hat die Prothesis zunächst in honor und haud; 
ihr unechtes A funktionirt gelegentlich als Consonant im Verse 
(oben S. 77). honor und onws, im Stamm identisch, in der 
Bildung abweichend wie decor nnd decns. suchte man durch 
dies h zu sondern, wie die Griechen dXrjc und aytog und 

äy/oc.*) Häufige Schreibungen lehren jedoch, dass das Volk 
beide zusammen warf. Ganz denselben Zweck hatte, wie uns 
Probus IV K. 145, 9 sagt, das A in haud ; denn haud fiel mit 
aut zusammen. Werthvoll ist uns daher die echte Schreibung 
and , daneben häufiger aut = non , die beweist, dass auch dies 
nicht durchdrang. 

Ueber honos und onus später. Der Mangel der Prothesis 
in der Negation aut und aud ist aber gleichfalls gut bezeugt, 
und die Editoren und Grammatiker sollten endlich aufhören sie 
zu ignoriren. Bei Plautus ist aut ungemein häufig; cod. A bietet 
es und daneben auch aud Rud. 222; Pseud. 654; Trin. 362. 
Daher die Verderbung audax f. haud ex Capt. 997 in P. In 
den Glossaren steht Corp. gl. IV 23, 24 aut im Lemma und wird 
mit summotum longe erklärt; „weit entfernt“ ist eine starke 
Verneinung. 8 ) 

Hierzu kommt weiter histrio , ein Lehnwort, dessen Aspiration 
gleichfalls prothetisch scheint, 4 ) aber schon im Plautinischen 
Verse Gültigkeit hatte. 

1) Vgl. auch v. Planta I S. 445. 

2) Lentz a. a. 0. S. 667 u. 723. 

3) Vgl. Rhein. Mus. 54 S. 234. Mehr Beispiele für obige Schreibung 
ibid. 52 Suppl. S. 154. 

4) Oben S. 75. 


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152 


Dass in haurire und halare , halitus h spurium zu erkennen, 
leidet keinen Zweifel. Bei diesen Worten bleibt jedoch fraglich, 
wie früh es eindrang, und ihre Geschichte ist noch zu schreiben. 
Jedenfalls lässt sich, wie ich betone, für die republikanische 
Zeit ein Beweis für die Existenz des h nicht erbringen. Die 
Grammatik und Lexikographie hat somit die Schreibungen aurire 
und alnre als die echteren voranzustellen. Daher das Sbst. 
allium ; und Plautus Mil. 31 schrieb jedenfalls noch 

auribus 

Peraurienda sunt ne dentes dentiant 
ohne K wie das Silbenspiel bestätigt. 1 ) Das nämliche Silben- 
spiel aber bringt vielleicht um 100 v. Chr. Porcius Licinus 
wieder, falls hier richtig conjicirt ist: vocem divinam haurit 
avidis auribus (so Bährens frg. poet. lat. S. 277) ; dasselbe sicher 
Ovid Met. 14, 309 auribus hausi . Ja, auch Yergil scheint 
Aen. X 314 mit auro und aurit (so cod. M) zu spielen. Ebenso 
richtig liest man austoribus CIL. VI 1785 ; 2 ) und auch bei 
Nonius wird das h nicht geschrieben, s. oben S. 144; vgl. 147. 

Muthmasslich ist dagegen horia „der Kahn“ wieder zu 
denjenigen Worten zu rechnen, die schon früh und vielleicht 
schon in der Sprache des Plautus Prothese erfuhren, sofern die 
Ableitung von ora „Küste“ immer die meiste Probabilität hat: 8 ) 
und auch für ora trat späterhin hora ein. Um so werthvoller 
ist aber alsdann, dass die besten Hss. des Nonius II S. 193, 24 
Dicht horia , sondern oria darbieten 4 ) und dass auch bei Gellius 
10, 25, 5 die Ueberlieferung das h verläugnet. 

1) Ein Tag lehrt den anderen. Man vermisst in dieser Plautusstelle 
ein Subjekt zu •peraurienda sunt, und ich schlug daher vor Verba aurienda 
sunt herzustellen. Die Betrachtung des dentire fuhrt dagegen auf etwas 
anderes. Vom wirklichen „Zahnen“ kann hier doch nicht die Rede sein; 
vielmehr soll sich dentire offenbar zu dentes so verhalten wie aurire zu 
aures\ also muss es transitivisch stehen; d. h. wenn sich die Ohren etwas 
„erohren“, so sollen auch die Zähne die ihnen eigene Thätigkeit auf etwas 
richten und etwas heissen oder „zerzahnen“. Es fehlt also auch zu dentiant 
das Objekt, und Plautus schrieb vielmehr: 

auribus 

Peraurienda sunt quae dentes dentiant. 

2) auserit Ephem. epigr. VIII p. 367 n. 30 ist unsicher. 

3) S. 0. Weise Griech. Wörter in der lat. Sprache S. 22. 

4) Man verstand das Wort nicht mehr; daher die Entstellungen horeia 
und horreia in den Hss. des Plautus und bei Priscian. 


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153 


Hieran schliesse ich Lucilius. Dass er schon halica , halb 
carius schrieb, ist ausdrücklich bezeugt (oben S. 138). 

Es folgt das Zeugniss des Catull: Arrius um 60 — 50 v. Chr. 
sprach hinsidias für insidias, dehnte aber die Prothesis gewiss 
viel weiter aus; denn der Dichter imputirt ihm auch ein wäre 
Hionium. Dies Laster war aber schon zwei Menschenalter 
früher im Schwange ; schon der avus sprach so (s. oben S. 41). 
Dass diese Neigung rustikan war, scheint des Nigidius Ausspruch 
rusticus fit sermo si adspires perperam zu beweisen. Es ist so- 
mit kein fern liegender Gedanke, dass schon Plautus, der volks- 
tümlichstes Latein redet, auch dieser Neigung nachgab, wenn- 
schon sie in der Schrift nicht zum Ausdruck kam; wir lesen 
bei ihm beispielshalber, mit Hiat, Bacch. 286; 

Is lembus nostrae navi | insidias dabat. 

Jedenfalls war bei ihm der Anlaut des in stark und sogar 
positionskräftig; man sehe darüber das Schlusscapitel. 

Das Nämliche lässt sich für ah voraussetzen. Ich habe die 
Negation baud von ab — av abgeleitet; 1 ) die Aussprache war 
(h)avd und entsprach der in avfero = aufero. Die Gleich- 
setzung des baud mit ov , die neuerdings wieder eingehend be- 
gründet worden ist, 2 ) liegt ferner, bereitet zudem lautliche 
Schwierigkeiten und lässt vor allem den Umstand, dass haud 
nie im Fragesatz steht, unerklärt. Zeigt nun haud von vorn 
herein h spurium, so müssen wir es gleich früh auch für ab 
gewärtigen. In der That erstreckt sich das gänzliche Zusammen- 
fallen von abire und habere durch Jahrhunderte; es bedeutet 
den Sieg des h und der rustikanen Sprechweise. Hier seien 
nur die frühesten Belege, die mir bekannt sind, verzeichnet. 
Probus IV K. 200, 1 mahnt, dass man die differentia zwischen 
habeo und abeo beachte; 8 ) von ihm, von Terenz Hec. 585 ms 
habituram (Bemb.) und Vergil Aen. VIII 214 habitumque par- 
arent (cod. Rom.), Livius 22, 16, 1 hostes haberant 4 ') schreiten 

1) Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 153 f. 

2) S. Horton-Smith in American joumal of phil. Bd. 18 S. 40 ff. 

3) Vgl. auch Keil Gramm, lat. Suppl. p. 300, 26. Auch Agroecius VII 
K. 114, 17 betont die Differenz zwischen abitum und habitum . 

4) und öfter habituros in Buch 22 ; habeamus f. ab. 22, 59 fin. ; Livius 
23,27,9 steht sogar cab Carthagine f. hab, mit Allitteration. habiit auch 
der Parisinus saec. VI des Augustinus (s. ed. Zycha praef. p. VII f.). hab 


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154 


wir rückwärts zum Archetyp der Plautusüberlieferung ; denn so 
wie hier P massenhaft Zeugniss giebt, so stimmen A und P 
überein : Pseud. 393 habeas = abeas ; Rud. 777 habitat = abitat; 
dies weist auf den Archetyp von A und P ; dazu kommt Nonius 
zu Amph. 529: habitu f. abitu. Aber auch in der lex munici- 
palis von Salpensa aus den Jahren 81—84 n. Chr. (CIL. II 1963 fin.) 
steht habeat = abeat gravirt. Wir dürfen vermuthen: auch 
diese Prothese war gewiss dem Arrius und seinen Vorfahren, 
auch sie war vielleicht dem Plautus nicht fremd. Plautus spielt 
Most. 654 mit den Worten abeo , sathabeo; er assonirt Merc. 360 : 

Nequiquam a&didi, afescondidi, aöstrusam ftabebam. 

Er braucht Mil. 770 in den Worten td eam abducat abeatgue 
das abeat doppelsinnig, da es zugleich als habeat verstanden 
werden muss. Er bietet endlich wieder Dutzende von Versen 
der Art wie Stich. 461 

Mustela murem | abstulit praeter pedes. 

Men. 550 steht in P sogar überliefert: 

Iamne äbiit intro? | babiit, operuit foris. 

Eine Liste folgt später. 

Daran reiht sich das Zeugniss des Gellius, der 11,3 seiner 
Quelle entnahm: inserebant eam (sc. h ) v et er es nostri pleris- 
que vocibus verborum firmandis roborandisque, ut sonus earum 
esset viridior vegetiorque .... sic lachrimas, sic sepulchrum, sic 
ahenum, sic vehemens , sic incohare , sic helluari, sic halucinari , 
sic honera , sic honustum dixerunt . Es ist schon S. 18 hervor- 
gehoben, dass die „veteres“ hier bei Gellius nachconsonantischen 
Spiritus nur nach dem Guttural kennen ; trotzdem können diese 
veteres nicht wohl früher als an das Ende des 2. Jahrhunderts 
v. Chr. gesetzt werden. Der Grammatiker verlegt nun in eben 
diese Zeit nicht nur die Interaspiration in vehemens , incoho , 
sondern auch die Prothese in honera u. s. f. Es ergiebt sich, 
dass das h in helluo, in halucinari so spurium war wie das in 
honustus; aber es gehörte schon der republikanischen Zeit an. 

eo Digesten (F) I p. 716,8; vgl. 462,37; II p. 257,14; 262,16; 418,28; 
498,8; 593,10; 17; 907,3; haberit p. 462,35; vgl. 477,40; 538,11; 
habutt f. abiit p. 507,5; habere f. ab re 539,33; habereäes f. ad heredes 
11891,22. 


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155 


An der Schwelle der Kaiserzeit aber steht dann Nigidius 
Figulus, der augenscheinlich das Latein seiner Gegenwart im 
Auge hatte, als er in seinen commentarii grammatici schrieb 
(Gell. 13,6,3): rusticus fit sermo, si adspires perperam. Gellius 
bringt dies bei. um zu zeigen, dass die ältere Zeit Sprechfehler 
noch nicht als „barbarismus,“ sondern als „rusticum“ bezeich- 
nete. Sprechfehler heissen „bäurisch sie gehen vom Landvolk 
aus, das der Schulbildung nicht ausgesetzt ist. Ein Verstummen 
des h fand Nigidius nun also augenscheinlich nicht zu tadeln; 
nur dem Wuchern des h spurium trat er warnend entgegen. 

Was aber verstand er unter ihm? Wir haben keinen Grund 
und Anlass, dieses h spurium beim Nigidius lediglich auf das 
nachconsonantische in chorona, Orchus u. ä. zu beschranken; 
so gut Catull am Arrius gleichzeitig beides wahrnimmt und 
geisselt, das nachconsonantische h in chommoda und das pa- 
thetische in hinsidiae \ so wahrscheinlich ist es, dass sich auch 
Nigidius gegen beides zugleich richtete; ja, das ist nothwendig; 
denn der Condicionalsatz si adspires perperam ist viel zu all- 
gemein gehalten, um eine Beschränkung auf irgend einen beson- 
deren Ort der falschen Aspiration zuzulassen. Endlich ist nun 
aber offenbar, dass diese Unart vom Volk aus auch in die Ur- 
banen Kreise gedrungen war; denn diese Kreise sind es, denen 
Nigidius seine Warnung vorträgt. 

So nahm denn wirklich Nonius Kalo und haurio in die 
alphabetische Ordnung auf; so bringt schon Verrius Flaccus 
heres dominus unter H; 1 ) denn anlautendes er hat stets den 
Trieb zur Aspirirung gehabt. Es mag sein, dass schon Plautus 
gelegentlich dies herus voraussetzt; 2 3 ) gewiss hat es in der 
Kaiserzeit breiteren Boden gewonnen 8 ) gleichzeitig mit hercis- 
cunda (oben S. 143); auch die Schreibung Horcus für Orcus ist 
antik und muthmasslich hiermit zu combiniren. 4 * ) 

Der Versuch, für das Eintreten dieser Prothese Gesetze zu 
ermitteln, kann erst später gemacht werden; hier sei zunächst 
nur einiges Material aus dem 1. — 6. Jahrhundert zusammengestellt. 

1) Oben S. 139. 

2) S. unsern letzten Abschnitt. 

3) he(rum) vielleicht schon CIL. IV 30; spät Inscr. Hisp. Christ. 128. 

4) Horcus \e rg. geoig. 1277 (P) nach älterer Tradition; s. Servius 

IV K. 444,21: horcus pro orcus ; sic enitn dicebant antiqui ! 


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156 


Habelux f. Abelux Livius 22, 22, 20. 
habbai. = abbatissa CIL. 12, 5352 (6. Jhd. oder später). 
hac f. ac CIL. IX 5961 (Süditalien) ; X 7995 (ebenso) ; III 5839 (griech. 
Osten); Ephem. epigr. VIII 1,783; 3,246. Digest. 11434,13; 464,22; 
489, 17 ; 602, 37 ; 609, 18 ; daher haec f. ac 635, 19 (vgl. Aetna v. 1 1 1 u. 366). 
in haecessione Dig. II 508, 5. 

Jiactum: cohactus Digesten II p. 115,23. 
heißt CIL. V7647 (Gallia cisalp.). 
hadiutrix CIL. III 3750. 

Hadrumetum neben Adrumetum , vgl. Wilmanns CIL. VIII p. 14 und 
p. 1092 b. 

haeqes f. aedes Dig. 11601,27; daher ib. Z. 36 heres f. aedes. 
haere adieno Dig. 11689,26; vgl. 927,34. 

Hafer f. Afer CIL. X 1974. 

hala (. ala Vergil R: halipedes Corp. gl. IV S. 85. 

halcyon neben alcyon s. Lexika. 

Hades us und Halesa. 

HalimmtuSy Cinciu8 f Livius 26, 24, 1. 

haliquit CIL. XU 915 (Bucheier c. epigr. 470), wo auch hil(l)ic , heris > 
herit, hest. 

Halphenus Dig. II 859, 11. 

Haluntium s. Lexika. 

harnen neben öfterem amen Inscr. Hispan. Christ. 96. 
hama aus aurj Juvenal u. a. 

Hammon CIL. VIII 9018; Vergil M und R; Cassiodor VII K. 201,13» 
Hammo Iuppiter Fronto p. 122.') 
hammitis Plin. 
hammochrysus Plin. Sol in. 
hammodytes Lucan 9,716 u. a. 
hammoniacum Pelagonius c. 146. 
hammonitrum Plin. 

Hammonius (Cognomen) CIL. XIV 2851. 
in hanchovas Livius 22, 19, 10. 

Harpinas (d. i. Cicero) schrieb Apollinaris Sidon. ep. V 13,3 u. VIII 11, 3 v. 22. 
Haprodite (Cognomen) CIL. XIV 950. 

hara f. ara CIL. 1X2123; vgl. oben S. 76; hara Caesaris CIL. XIII 1362 
unsichere Lesung. 

harbiter f. arbiter Digesten II p. 483,14 und daneben habiter I p. 159,15; 
ähnlich wurde praeebyter zu praebiter (Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 115 
Anmerkg.). 


1) Der Name gehört freilich eigentlich nicht hierher, da das h echt; 
der ägyptische Amon wurde mit dem karthagischen Baal chammdn zu- 
sammengeworfen, und das lat. h stammt vom karthagischen Namen; s. E. 
Meyer bei Roscher mythol. Lexikon I S. 291. 


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157 


Hargis f. Argis Vergil R. 
haridus f. aridus s. oben S. 145. 

harista Yerg. VII 720 u. 309 (M), durch harundo beeinflusst. 

Harruntio Dig. 11851,15. 

Haspasia CIL. IX. 

haudax Corp. gl. IY S. 84 im Lemma ; vgl. hadax ib 528, 39. 
hauscultare Plaut. Cas. 133 in A; vgl. haudire oben S. 147. 

Hauetris Yerg. 1X670 (M.) mit Allitteration. 

haut f. aut Verg. georg. III 464 (P) ; Aen. 1508 (F); georg. II 258 (M); 
Aen. VI 454 unsicher. Livius 22,8,5; 22,18,10; 29,4. Dafür haud 
Liv. 29,21,11. hauttamen f. attamen Dig. 11397,24. 
have f. ave s. oben S. 110; CIL. IV 1983 (Pompeji), habe CIL. VI 10083. 
havete CIL. Yl 10081. Fronto p. 55 have ; p. 47 habe . Vgl. auch 
Symmachus. 

Haedui neben Aedui , s. Hirschfeld in CIL. XIII S. 400. 
hebenum Verg. georg. II 117. heveni genas ligni Corp. gl. V S. 207; vgl. 
IV S. 86 u. 243. 

hecui (so) f. eccui Corp. gl. IV 85,37 u. ebenda S. 243 u. 543; haec quis 
f. ecquis u. ä. oft bei Plautus. 

hedere f. edere: Verg. Aen. 1X537 mit Allitteration haesit adhessis (R). 
heheu f. eheu CIL. XII 5350; Verg. ecl. 2,58 (P). 

heius , durch huius erzeugt, CIL. III 3917; vgl. VIII 3520; ephem. epigr. 
VII n. 702 ; s. oben S. 147 ; die Mittelform ist hius (f. huius) Digest. 
11793,1. Dazu heeae f. eae Gaius p. 107,28; Dativ hei f. ei Livius 
24,45,9. 

helephantus Vergil-Hss. ; Phocas V K. 440,14 wendet sich gegen helephas. 
Elidis, mit nachträglich Vorgesetztem H, Verg. Aen. VI 588 (P). 

Helpis CIL. 11 3038 ; 4372 (vgl. 4975) ; auch CIL. V ; griechisch Einig. Daher 
dann auch weiter Helpidius. 

Helvetii : s. unten. 

Helvii. 

Henna u. Hennensium neben Enna Livius 24, 38, 3—5 ; oft mit Aetna ver- 
wechselt ; s. Orosius p. 298,4, Koch Claudian praef. p. 55. 
heques f. eques Livius 28,22,13 (neben aequitatu 28,33,4). 
herciscundae Digesten stets, s. I p. 98,7; 502,9; 11454,24; 457,40 u. s. f. 
Vgl. oben S. 142. 

heris f. eris CIL. III 4185 (Pannonia superior), überliefert he: man ergänzt 
heris = eris. Dazu CIL. XII 915 (Bücheier c. ep. 470) heris , herit und 
best, ein Stein der Gallia Narbon., der vielleicht halbgriechisch beein- 
flusst ist; gerade Gallien scheint h spurium zu begünstigen, heret 
f. erit Dig. 11688,3; dazu dicendum best hunc ib. 828,25. 

Herebus Vergil P; auch sonst. 

Heresistratus CIL. X. 
inhermes Dig. II 586, 8. 

Herotem f. Er. Digesten II 456, 6 ; 667, 1. 


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158 


hervum f. ervum (ogoßog ) , in Anlehnung an herba, das andrerseits nun 
auch gelegentlich Aphärese erfuhr; so herbutn f. ervum Pelagonius 
c. 402 cod. B; ebenso schreibt hier ständig der cod. Riccardianus, wo 
B fehlt, c. 24; 56; 194; 201; 202; 252; 259 u. s. f. Dies ist also alt 
und echt und in den Text zu nehmen. Auch das Edict. Diocletiaui 
1, 12 giebt herbUia für ervilia , und mir ist nicht zweifelhaft, dass auch 
das volkstümliche tanquam hircus in ervilia bei Petron. p. 38,19 
schon Allitteration voraussetzt. Daher Plaut. Most. 62 die Verschreibung 
servum ; sie ist aus hervum , nicht aus ervum hervorgegangen. 
Heufemio CiL. X. 

Hevhadne Vergil-Hss. 

Heumenides Vergil öfter. 

Heuryalu8 Vergil-Hss. 

Heutices f. Eutyches CIL. "VIII 4105; Heutychiae und HetUychianus CIL. 
XIII 2127. 

Hevodus CiL. XIV 1319; Hevhodia ib. 777. 
ad hexibendum Dig. II 732, 1. 

Hextricata CIL. VIII 5723. 

hetxam ; habere hetiam hunc Dig. II 575, 20. 

Hiarbas Vergil-Hss. ; daher wird auch Aeu. IX 673 Iaera zu Hiera in R. 
hibiscum , Ißiaxog ; aber auch ibisci steht Palladius XI 14,11 cod. B. 
hü(l)ic f. illic CIL. XII 915. 
hilico f. illico Corp. gl. IV S. 86. 

Hiluricum CIL. 111 1854; Hillyricum ib. 1741 ; Hillyricus ib. V 3620 (Gallia 
cisalp.); ebenso Livius 24,21,9. Diese Prothese kann sehr wohl von 
den Griechen ausgegangen sein; denn schon das Altattisch zeigt die- 
selbe Neigung in zweimal inschriltlichein HiXXvqiog. 1 ) 
himitari u. himitabile Vergil-Hss. 

hirenarchae Dig. 11914,40 F‘; ebenso E* 801,7 u. 13 u. 15; so wird 
Irenae zu Hirenae corrigirt von E b ibid. 433, 35. "j 
hironia f. ironia Corp. gl. V 74,11 u. 207; vgl. IV S. 86 (hifonia) u. 87 
u. IV 245,14; 524,29; bestätigt durch Keil grammat. suppl. p. 173,31. 
redhiret Dig. 1607,11. 

hi8 f. is (nom.) schon lex Ursonensis 1112 v. 6; dazu CiL. XI 5265; 
XIV 497 (Latium); hac his f. ac is Orelli-Henzen 5680. Verg. Aen. 
V 708 (R) mit Angleichung Hisque his. Gaius p. 75, 13 (ed. minor) ; 
Livius 21,42,4 his habitus ; vgl. 46,7. Plautus Cas. 245 in P. Dig. 
1626,40; vgl. his hac mente ib. 11496,37; handem (so) f. eandem 11 
882 ; 4 ; ex headem causa ib. 922, 29 ; se heam 369, 29 ; pro heo 414, 10. 
Dazu hideo f. ideo 379,10; hibi habeamus 515,28; hitahabeatur 537,6. 
hibi habuit zweimal 534,25 u. 30. 

his f. iis s. oben S. 147. hisdem Corp. gl. 1 V S. 87. hiis lnscr. Hisp. Christ. 142. 


1) S. Thumb a. a. 0. S. 64. 

2) Kretisches lqt\vri f. efyrjt'q, eiqrjyq zweifelhaft; Thumb S. 29. 


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159 


hü gut u. h%8 gut Didascalia apostolorum ed. Hauler ständig. 

Hisis CIL. XII 3061 (zweimal). 

Hister f. M Iorgos ständig. 
hißtis f. istis Dig. II 557, 27. 

Hitalia (Cognomen, Brundisium) CIL. IX 171. 
hobitum CIL. X4915 (Bucheier c. ep. 1319). 
hocidit (so) CIL. III 3800; hoccidit ib. XII 1128. 
in hocculto Digest. 1 539, 7. 

hoctavo u. hocsies CIL. Xll 2078 ; 2087 ; Boissieu inscr. de Lyon p. 559 
(saec. V), Leblant n. 323. 
hodio Didascalia apostolorum ed. Hauler fol. 6. 

Hoeta f. Oeta Yergil-Hss. 

homina f. omina Yerg. YII583 (M.); vgl. oben S. 145; Corp. gl. IV S. 87. 
homnium CIL. XIV 3323 (nicht ganz sicher ; daselbst auch abere ) ; homines 
f. omnes Plaut. Trin. 29 in A; Digest. 1614,3; vgl. oben S. 145. 
homnia Marini papiri dipl. n. 72,30 (6. bis 7. Jhd.). 
honu8 Ephem* epigr. VIII 1 n. 721 ; honeribus CIL. X 4559 und noch drei- 
mal im selben Bande neben onoribus 4724. 
kotiere , honerati Didascalia apostolorum fol. 3; 4; 51. honus Dig. II 
588,27; vgl. 826,20; 914,17. 

honustm Yergil-Hss.; vgl. Servius zu Aen. 1289. honestam f. onustam 
Plaut. Pseud. 1306 in A u. P; Pseud. 218 in A; Rud. 909 in P. 
hopia f. opia Dig. 11407,19. 

horatoribus Dig. 11916,2; hiervor warnt offenbar Pompeius YK. 107, 26 fl.: 
nec tarnen .ubicumque vocalis fuerit , ubique adspirare debemus , wofür 
er orator als Beispiel bringt. 

horcietarum f. orchestarum bei Cassiodor variae 4,51 einmüthig alle Hss.; 
also gewiss in den Text zu nehmen; lehnt sich wohl an Uorcus , 
0rcu8 an. 

hor(do) CIL. 1X5577; X477. Corp. gl. IV 89, 52. hordinatus CIL. VIII 99. 
Horeetee CIL. X5376; Horestidem Livius 27,33,1 (cod. YRF). 
horfanam CIL. V 5824 ; span, huerfano . 
horientales u. horientis Corp. gl. IV S. 12. 
hornatm CIL. IX 259. 

hortus f. ortus 8. oben S. 146. horto eole hostis Livius 22,60,24; adhortus 
Livius 21,57,6. Daher horiri Corp. gl. IV 10,12; adhorta ib. IV 10,46. 
Uortygia Vergil P. 

hossa CIL. X2344; XIII 1661; le Blant inscr. de la Gaule n. 13; spanisch 
hueso. 

ho8tend%88ent Livius 27, 48, 14 ; hostenderet Dig. 1 557, 3 ; tabula posui ex 
ho8ten8tm deorum CIL. VI 311 69. 

ho8tia f. ostia Vergil M u. R; ab hostio Hiberi Livius 22,19,5; hostium 
„Thür“ Plaut Stich. 449 in A u. CD ; Trin. 525 in A. Vgl. hora oben 
S. 145. 

ab Ho8tia f. Ostia Livius 22,12,6; vgl. 22,57,1. 


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160 


humero8 Vergil M. 
humidis Vergil M. u. P. 

huvidm Verg. ecl. 10,20 (P), mit Allitteration: huvidus hibema ; vgl. 

Varro’8 Combination von udus und humus oben S. 137. 

Dies das h spurium nach Zeugnissen, die dem Verlaufe 
der Kaiserzeit bis in den Anfang des 7. Jahrhunderts entnom- 
men sind. 

Das Auftreten des h an den vielen Stellen, wo es etymo- 
logisch keine Berechtigung hatte, macht zunächst auf den Be- 
trachter den Eindruck, als sei der Sinn und das sichere Gefühl 
dafür abhanden gekommen, wo es zu stehen und zu fehlen habe: 
man schrieb es, wo man es nie gehört hatte; man schrieb es 
nicht, wo es zu fordern war: etwa so, wie der Franzose, der 
deutsch spricht, die Aspiration just immer an der falschen Stelle 
bringt. Dieser Auffassung ist M. Bonnet in seinem Buch über 
Gregor von Tours S. 167 gefolgt; Hans Ziegel hat sie seiner 
verständigen Dissertation über die Vertauschung der Formen 
von htc und is zu Grunde gelegt, und ich selbst bekenne, mich 
damals und in meinem ersten Versuch über die lateinische 
Aspiration von ihr nicht genugsam befreit zu haben. Nach 
allem, was hier voraufgeschickt ist, und nach allem, was noch 
folgen wird, muss sie als unzureichend gelten. 

Dass auf alle Fälle das unechte h kein stummer Laut war, 
wird uns zuerst von Catull bezeugt, dem der Anlaut in hin - 
sidiae als lästiges Geräusch erschien ; sodann durch die ver- 
schiedenen Grammatiker, die vor seiner Sprechung warnen 
(S. 145 — 147; 153; 155 u. sonst); gelegentlich auch durch das 
Versmass; denn nicht nur haud und honor treten bisweilen mit 
consonantischem Anlaut in den Vers ein, sondern auch hac f. 
ac u. a. Und überhaupt wäre die Mühwaltung der Buchschreiber 
und Steinmetzen undenkbar, wenn sie wieder und wieder und 
mehr und mehr und schliesslich mit solcher Hartnäckigkeit wie 
in den Digesten mit einem Schriftzeichen sich geplagt hätten, 
dem gar kein Laut entsprach. Vielmehr siegte die rusti- 
citas, je mehr der Einfluss der Schule zurücktrat. 
Ich komme auf den Lautwerth der Prothese und auf die 
Frage, vor welchen nahestehenden Consonanten sie besonders 
eiutrat, späterhin zurück. Hier sei nur noch hervorgehoben, 
dass der Schreibusus der Digesten von dem der Librarii des 
Occidents durch nichts sich unterscheidet (vgl. den folgenden 


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161 


Abschnitt) und dass ich daher von der Möglichkeit absehe, dass 
die Textherstellung in dem berühmten Florentinus unter Ein- 
fluss griechischer Aussprache des Latein zu Stande gekommen 
wäre. 

Im Begriffe abzubrechen sehen wir nun aber, dass die Nach- 
weise für das h spurium noch nicht erschöpft sind. Es fehlt 
ein Blick auf das Keltische. Man setzt an, dass dem Altkelti- 
schen das h gefehlt habe; ist dies richtig, so ist das A, wo 
immer es in römischen Transcriptionen erscheint, parasitisch 
gewesen; vgl. A. Holder, Alt-celtischer Sprachschatz Bd. I 
S. 2049 f. 

Zunächst inlautend z. B. in Aher-belste , Almahabus, Chalekenius, 
Dunohortx, Gamidiahus , Ihamnagalla , Lahe , Leherennus ,‘) Lelhunno , 
Mohin , Naharvali, Vahalis. Dazu Ulohoxo CIL. XIII 170; vgl. 334. 

Aber auch cc wird inlautend durch einfaches h vertreten in Broho- 
magli für Brocconiagli. 

h steht neben g in vertraha und vertragus. 

Anlautend aber trat die Aspiration hinzu nicht nur in den oben ver- 
zeichneten Haedux , sondern auch in Hdvetii und Hercynia silva (?) ; in 
Hivet'nia , Hebriduno , Hebromagus , Herius (Insel an der Loiremündung), 
in gallischem halus bei Plin. n. h. 26,42; während es (nach Stokes) für p 
eingetreten sein soll z. B. in air. haue oder Awa, das mit nats geglichen 
wird, für * in britt. Habren = Sabrina und in Hunicius neben Sunix Sunici. 

Dass auch in diesen Fällen h für den Römer nicht den 
Spiritus lenis bedeutete, ist vorauszusetzen ; daher ist h gelegent- 
lich durch i ersetzt: ßiioss f. Bihoss CIL. XIII 393. 


1) Vgl. CIL. XIII 96 ff. 


b i r t , Th., Der Hlat bei PUutua. 


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C. Lateinisches H vom 7. bis zum 10. Jahrhdrt. 


I. Grammatikerzeugnisse. 

Bis hierher haben wir uns einer Fülle von Zeugnissen be- 
dienen können und sicheren Boden unter den Füssen gehabt. 
Versuchen wir auf dem unsicheren Grunde des sich aufthuenden 
Mittelalters und in die Jahrhunderte vorzudringen, die vom 6. 
bis etwa zum 10. reichen, so jedoch, dass wir uns bescheiden, 
dem damaligen Schreib- und Utteraturwesen nur Proben zu 
entnehmen. Hier verstummen die Grammatici fast ganz, und 
wir sind auf das Schriftwesen und die Versmessung der Dichter 
im Wesentlichen angewiesen. 

Die Romanisten lehren, dass die romanischen Sprachen 
gleicherweise schon in ihrem nachweisbar frühesten Zustande, 
d. i. im 9. Jahrhundert, durchaus nur stummes h gehabt haben. 
Dieser merkwürdige Umstand, den wir vorerst nicht bezweifeln, 
lässt sich nach dem, was soeben ausgeführt, weder aus dem Latein 
der vorchristlichen Zeit, noch aus dem der ersten fünf oder 
sechs nachchristlichen Jahrhunderte ableiten. Der Verlust des 
h muss sich also aus Sprachereignissen erklären, die im 6. oder 
7. oder 8. Jahrhundert stattfanden. Versuchen wir uns zu über- 
zeugen, ob diese Annahme zutreffend ist. 

Wie sich ziemt, stelle ich die Grammatiker voran. Die 
Behandlung der Lautlehre, der tractatus de littera, wird in 
diesen Zeiten immer kürzer und dürftiger. Gleichwohl hatte 
man auch jetzt Gelegenheit und Raum genug, falls die Natur 
des h sich änderte, sich darüber zu äussern. Das Französische 
des 16. Jahrhunderts besass die Termini der hache muette und 
hache ospiree . Warum kamen diese Termini nicht schon im 
7. oder 8. Jahrhundert auf, wenn das Factum, dass man das h 
in lateinischen Wörtern gar nicht, in denen germanischer Her- 


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163 


kunft dagegen deutlich hörte, schon vorlag? Ich constatire das 
Fehlen irgend eines Ausdrucks in jenen Zeiten, der die Stumm- 
heit des lat. h markirte. Vielmehr verändert sich vorerst nichts, 
und alle Stellen, die ich kenne, setzen eben nach wie vor seine 
Wahrnehmbarkeit wie selbstverständlich voraus. 

Die Nachfolger Priscian’s haben das Bestreben, das Correkte 
des antiken Lateins aufrecht zu erhalten. Bezeichnend ist das 
Motto der Orthographia des Albinus, VII K. S. 295: 

Me legat antiquas cupiat qui scire loquelas; 

Me spernens loquitur mox sine lege patrum. 

Wer also solches Lehrbuch über Rechtschreibung nicht benutzt, 
schreibt nicht nur, sondern spricht bald mit Aufgabe des Richtigen 
und Alten. War nun in jener Zeit die Aspiration im Begriff 
zu verstummen, so wäre bei Albinus irgend eine Mahnung hier- 
gegen zu erwarten; aber aus seiner Besprechung des h S. 303 
ist nicht zu ersehen, ob er gegen das Vordringen des unechten 
oder gegen das Schwinden des echten kämpft. Dass er für 
hymnus ein h fordert, erklärt sich aus dem S. 128 f. Vorgetragenen. 

Naturwüchsig und bis zu einem gewissen Grade originell 
sind manche Beobachtungen bei Virgilius Maro im 7. Jhd. Doch 
über h giebt auch er nichts; er findet gar nicht nöthig darüber 
zu handeln ; wie anders die französischen Grammatiker des 16. 
Jahrhunderts! Nur hac f. ac tadelt er als falsche Schreibung, 
mit der Bemerkung, dass das h vielmehr durch alle Casus des 
Pronomens haec gehe (p. 170). Dass h spurium in jenem hac 
nicht gesprochen werden dürfe, sagt er nicht. 1 ) 

Ebenso wenig sagt uns die Orthographia des Beda, VII K. 
262 ff. Die Schrift giebt ein Wörter verzeichniss mit durchaus 
correkten Schreibungen (auch haurio und harena ), nur omelia 
graecum est liest man unter 0 (p. 282). • 

Aelfric legt seiner Grammatik J ) einfach das römische Schema 
zu Grunde und stellt h erst mit unter die 23 Buchstaben (p. 5), 
hernach speciell unter die mutae („dumbe“): p. 6. Nicht anders 
Cruindmelus in seiner ars ; h zählt bei ihm p. 2 zu den mutae 

1) Derselbe Virgilius schrieb hcorda u. ä. vor; s. oben S. 109. Seine 
Handschriften geben öfter h spurium, und zwar nicht nur hac p. 146,5, 
sondern auch heae p. 109; hisdem öfters; hostium p. 28,19; habundantia 
p. 84,3. 

2) Herausgegeben von Zupitza 1880. 

11 * 


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164 


wie c und g; über den Lautwerth hören wir nichts; wohl aber 
erfahren wir hernach p. 43, dass h die synalipham zu verhin- 
dern im Stande sei, wofür Juvencus I 61, Sedulius carm. pasch. 
II 77 citirt werden. 

Hrabanus Maurus in der Excerptio de arte grammatica 
Prisciani l 2 ) denkt ebenso ; denn er bemerkt p. 617 : h autem 
aspirationis nota et nihil habet litterae nisi figuram ut Friscia- 
nus dicit — er nennt Priscian sonst nicht; hier hält er es für 
nöthig, da er ihm misstraut — ; aliqui tarnen grammatici litteram 
eam esse dicunt quia more consonantis litterae in metro saepe 
brevem syllabam longam reddit . Die letzte Bemerkung bezieht 
sich deutlich auf das aus Cruindmelus Angeführte. 

Aldhelmus dagegen in der Epistula ad Acircium p. 231 f. 
ed. Giles handelt von der synalaepha im Hexameter, verliert 
aber über das h kein Wort. 

Um so deutlicher nimmt wiederum der Anonymus de litteris 
in Keil’s Grammat. Supplem. p. 303, 15 gegen Priscian Stellung, 
wo h muta et consonans heisst und nur hinzugefügt wird: tn- 
terdum nota adspirationis creditur (cod. Bern. saec. IX) ; nicht 
anders heisst es dort bei C und 6r: muta est et consonans . 
Daselbst folgt dann p. 307, 27 die genauere Beschreibung : h 
conrasis paululum faucibus ventribus exalat . Dies stammt, wie 
das sonstige phonetisch Beschreibende daselbst, aus Martianus 
Capella HI 251 *) und wir haben nach ihm ventus f. ventribus 
einzusetzen. Martianus Capella hält nun aber das h nicht für 
consonans, sondern für nota aspirationis III 352. Der Excerptor 
nahm also nur die Beschreibung, nicht die Terminologie aus 
ihm auf; nicht diese, sondern nur jene schien ihm zutreffend: 
h war ein Exspirationsstoss und Kehlkopfgeräusch mit Reibung 
im Schlund und also vielleicht mit gutturaler Färbung (vgl. 
oben S. 108). 

Dies die Grammatiker des 7. — 9. Jahrhunderts; sie ahnen 
von der h muette augenscheinlich noch nichts. Dies bestätigt 
die Darstellung der mittelalterlichen lateinischen Grammatik, die 
von Thurot Notices et Extraits XXII 2 S. 70 if. gegeben ist. In 
einer Handschrift des 10. Jhds. finden sich da Bemerkungen über 
die Vulgäraussprache der Buchstaben egrsptux; über h nichts; 

1) S. Migne, Patrol. lat. Bd. 111. 

2) Vou üagen nicht bemerkt. 


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es war also hier nichts zu bemerken (ib. S. 77 f.). Lehrreich Petrus 
Helias (ib. S. 141 f.), der sich dahin äussert, h sei sonus , husten- 
artig: ad modum tussis subripitur, und genauer: „soni seu flatus 
spiratio cum quodam anelitu ab interioribus producitur; unde 
cum labore proferentis asperitas ictus aeris (so) transmittitur 
per ysophagum (also aus dem Magen !)usque ad linguae plectrum.“ 
Der flatus h Hess sich noch im 11. Jhd. deutlich beobachten. 

Nichtssagend ist es dagegen, wenn das Doctrinale des Alexander 
a Villa dei die kategorische Bestimmung giebt: 

Versificatores h pro nullo reputabant, 

wo die Glosse anmerkt: nec pro vocali nec pro consonant e; sed 
est tarnen nota aspirationis. 1 ) So ist man zu Priscian’s grie- 
chischer Weisheit zu rück gekehrt. Und dabei bleibt es dann am 
Beginn des 16. Jahrhunderts, wo wir in den Tübinger Schul- 
büchern, in den Grammaticae institutiones Ioannis Brassicani 
Tubingensis und in der Grammatica Iacobi Henrichmani lesen: 
H aspirationis est signum . Litera autem non est ; und H non 
est Utera , sed signum et nota aspirandi . 2 3 ) 

Doch bringt das 15. Jahrhundert uns noch eine Gabe dar, 
das sind die Traktate De nota aspirationis und De diphthongis 
des falschen Apuleius. 8 ) Sie liegen in Handschriften des 
15. Jhds. vor, können aber nicht älter als das Jahr 1400 sein. 4 * * * ) 


1) Eingesehen der Druck Cöln 1495. 

2) In der Grammatica Ioannis Sulpitii Verusani und den Institutiones 
Iacobi Henrichmanni Sindelfingensis aus derselben Zeit ist die Lautlehre 
auf ein Nichts reducirt und über h nichts zu finden. 

3) S. F. Osann: L. Caeciüi Minutiani Apuleii de orthographia u. s. f. 
Darmstadt 1826 S. 87 ff. 

4) Hier in Kürze die Gründe. Der Autor citirt nicht nur Servius und 

Priscian , sondern auch Isidorus p. 93 u. 105. Er citirt p. 101 , um die 

Identität von imber und opßgog zu erweisen, die Vulgata und erklärt 

p. 106 das h in homo aus Genesis 2,7, weil nämlich deus inspxravit in 
fadem dus spiraculum; derartiges kann in einem grammatischen Tractat 
nicht vor dem 7. Jhd. geschrieben sein. Er setzt aber ferner für die 
griechische Buchschrift regelmässige Schreibung des spiritus asper und 
lenis voraus, p. 97 : die Unechtheit des h in heremus wird damit bewiesen, 
dass das Wort „apud Graecos psilen, non dasian appositam habet“ ; p. 99 

„ Herodiu8 . . . apud Graecos psilen superpositara habet unde constat non 
aspirandum“ ; vgl. auch p. 105: das trifft aber auf die griechische Buch- 
schrift nicht zu vor dem 9. Jhd. (Gardthausen Paläogr. S. 284 ff.), p. 110 


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Dass man dies verkannt hat, ist schwer begreiflich. Auch dieser 
Autor weiss nun aber von einem stummen A nichts ; im Gegen- 
theil bezeugt er ausdrücklich, dass man es hörte: erstlich für 
die Exclamationen ah und ha und hem p. 92 und 96, für hens 
und heu (cum augmento sjriritu* proferuntur) p. 99, für vaha 
p. 117, sodann aber auch für hirmio p. 103 und horreo p. 107, 
wo es heisst: horreo aspiratur ut ipse aspirationis horror cum 
eiusdem verhi significatione concoräet ; ferner für Heinricusi 
Humberfus und honor p. 112 ;*) auch homo hat sein A, weil Gott 
dem Menschen die Seele „einhauchte“ p. 106; endlich heisst es 
von y p. 105: in tenuem spiritum sonus ipsius desinit , a gros- 
siori (!) incipit ; das A, mit dem y einsetzte, war also grossius- 
Also ist im 15. Jahrhundert A in Italien noch gehört worden. 


wird ein Verbum ostare = pellere angesetzt und aus einem Gregorius be- 
legt: p. 112 aber erhalten wir als Beleg für h sogar die Namen Heinricus, 
Humbertus . und es wird von ihnen gesagt.: „a transalpinis accepimus“. Also 
lebte der Autor in Italien; von den transalpini aber bemerkt er. dass sie 
jene Namen mit h aussprechen, und zwar vielleicht deshalb, weil ihre 
Träger ausgezeichnete Männer seien und auch das Wort honor aspirirt 
werde! Endlich wird p. 119 die Orthographie Erichthonius und Phihius 
als selbstverständlich behandelt und die doppelte Aspirimng geradezu be- 
tont; W. Schulze Orthographica (1894) p. 34; vgl. p. 52 f., hat aber nach- 
gewiesen. dass dies sowohl dem Alterthum wie dem MA. fremd und erst 
im 15. Jahrhundert aufgekommen ist. Unsre Tractate sind also eine 
Fälschung der italienischen Renaissance, und so erklärt sich ihr naher Zu- 
sammenhang mit den Lehren des Tortellius De orthographia (a. 1471), sowie 
mit den Bruchstücken De orthographia (über diese s. Crusius Philol. 47 S. 434 ff.). 
Auch Tortellius und auch diese Bruchstücke schreiben schon regelmässig 
diphthongus , nicht dipthongus. Daher nun endlich vieles Schwindelhafte: 
p. 125 erhalten wir vefere f. vehere aus Varro, p. 94 trafere f. trahere: 
p. 115 traeo f. transeo, p. 116 u. 117 neben vaha auch ein naha ; p. 93 
ein Verbum ebeare im Sinne von beare; p. 115 monosyllabisches dhinc . 
Jenes trafo bringt dann auch Pontanus de aspiratione (opera ed. Venet. 
Bd. II fol. 10). Trotz dieser gefälschten Zuthaten knüpft der Autor aber 
doch überall an den wirklichen Usus an ; auch seine Etymologien finden sich 
gel. schon im Graecismus des Eberhardus Bethuniensis , weshalb ich mich 
bisweilen auf sie beziehen werde. 

1) Hier heisst es: aspiramus quoniam constat testimoniis eiusdem 
linguae perxtorum , quod haec nomina ab eisdem Transalpinis non sine 
aspiratione spiritus proferantur ; sunt tarnen qui putant huiusmodi voca - 
bula egregiorum virorum gratia aspirari ideo quod ipsum generale * honoris * 
vocabulum non sine aspiratione notatur. 


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Zu diesen Traktaten steht sodann Ioannes Tortellius Arretinus 
in seinen Commentaria grammatica de orthographia eqs. (Tarusii 
a. 1477) in engster Beziehung; er scheint sie ausgezogen zu 
haben und handelt demgemäss über lateinisches h besonders auf 
Quaternio g. Hieran schliessen sich wieder die zwei Bücher 
De aspiratione des Io. Iovianus Pontanus (t 1503) an. 1 ) Von 
einer durchgängigen Stummheit des h aber wissen auch diese 
Gelehrten wiederum nichts, was um so auffallender, da Pontanus 
gelegentlich nicht versäumt, die Volkssprachen zum Vergleich 
heranzuziehen. Er definirt toi. 6 a : „est igitur id ipsum, quod 
h dicitur, aspiratio, qua literae alicuius sonus crassior in 
pronuntiando redditur.“ Diese Italiener sind offenbar, wenn sie 
lateinisch redeten, noch sehr wohl im Stande gewesen, ein h zu 
sprechen; und ihr Zweck war durchaus nicht auf die Wieder- 
herstellung seiner Aussprache, sondern nur auf die Regulirung 
und etymologische Begründung seiner Schreibung gerichtet. 

II. H als Consonant im Verse. 

Befragen wir hiernach die Verstechnik, so ist zu constatiren, 
dass das h forte in seinen metrischen Funktionen bei den 
Dichtern des 6. — 9. Jahrhunderts eher zu- als abnimmt. Es ist 
die Zeit, wo man vor h auch die Präpositionsformen ab und ex 
nicht unumgänglich nöthig fand; qui a hoc hossa removit 
anatema sit steht CIL. XIII 1661 (Frankreich); und dem ent- 
spricht e hordeo Scriptores hist. Aug. II p. 47, 31 in B ; a his 
bei Priscian I 365, 1 in R; a heno f. ab Heleno bei Servius zu 
Aen. III 334 in F. 

1) Opera soluta oratione composita ed. Venet., a. 1519 Bd. II init. — 
Hier möge eine Bemerkung zu der oben S. 112 von mir besprochenen 
Priscianstelle I c. 24 Platz finden. Pontanus nimmt fol. 6* auf sie Bezug 
und las bei Priscian offenbar: eoctrinsecus ascribitur (sc. h) vocalibus ut 
minimum sonent , nicht sottet ; er umschreibt den Gedanken folgendermassen : 
Aspirationis autem ea natura est ut, praeposita cum sit, sonoritatem 
vocalis densitate sua obtundat atque diminuat , quae res efficit ut vocalitas 
üla , cum reprimenda est, aspiratione praeposita quasi freno coerceatur. 
Consonantium vero alia natura est . . . Itaque si quando optcs sit ut 
c p t r suos augeant sonos valentiusque , quam sua ipsarum natura fert , 
sonent (so), aspirationem accipiunt intrinsecus u. s. f. So plausibel dies 
an sich scheinen mag, so schrieb doch Priscian sonst, wie dies schon aus 
dem, was folgt, hervorgeht. 


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Ich gebe zunächst wieder eine Liste von Versen, indem ich 
Venantius Fortunatus voranstelle, hiernach die poetae aevi Caro- 
lini folgen lasse. 

Gleich Venantius Fortunatus, der im 6. Jahrhundert im 
Herzen des Frankenreiches seine geschickte lateinische Dichtkunst 
ausübte, giebt uns reichliche Belege. Das h forte dringt um so 
mehr vor, je mehr der Einfluss der griechischen Lehre vom 
Spiritus asper zuriicktritt und vergessen wird. Ein Unterschied 
zwischen der Aspiration in lateinischen und fränkisch germani- 
schen Wörtern lässt sich nicht wahmehmen und ist allem An- 
scheine nach nicht vorhanden gewesen. Venantius schreibt nicht 
nur bei germanischen Namen 

VIII 1, 23 f.: Germine regali pia neptis | Herminefredi, 

Cui de fratre patris | Hamalafredus adest; 

Append. 3,33: Nam mihi Bertharius pater, illi | Hermenefredus; 

sondern auch Verse wie: 

15,4: Clausus Martinus | hinc aperire polos 

IV 26, 122 : Quantus honor | hominum, posse videre deum. 

1 7, 9 : Sic Martine tuus | honor amplus ubique meretur 
18,11: Vicerat. ille miser | hunc si iugulare nequisset. 

IV 1,14: Ut levitas laesit, | hoc gravitate tulit; u. s. f. 

Ferner: 

IV 1,18: Oblitus veterem | huius amore patrem 
X6,30: Unde tegis nudum | hinc tua palla deum 
X 6, 71 : Gratia quanta dei | huius sermone rigabat. 

II, 24: Qui vidit sensum | hoc voluisse tuum 
110,8: Maioremque suam | hinc cupit esse domum. 

III, 9: Fundavitque piam | hanc papa Leontius aulam; u. s. f. 

Vita Mart. I 86 : Servantur simul ille fide | h i c corpore vivens. 

„ „ 1185: Et premit arca sacri | hunc ne premat arca sepulcbri. 

Sodann aber auch: 

1 13, 13 : Aetas accessit, sed | h a e c iuvenescit honore 
121,7: Te famulans intrat, sed I hunc tua regna refrenant. 

112,9: Et medellam ferret inde, | hostis unde laeserat. 1 ) 

112,19: Hic acetum fei | ha rund o sputa clavi lancea.*) 

V 6, 16: Et | homo de terra tum denuo decidit illuc. 

V6,28: Ac tu | hac solvis captivos Sorte, creator. 

VI 5, 287: Optavi Gallis te ut | huc Hispania ferret 


1) Die Septenare dieses Gedichts dulden keinen Hiat an der Cäsurstelle. 

2) fei pflegt man sonst als Kürze anzusetzen. 


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VI 5, 824: Qui me ad I bas lacrimas, invida vita, tenes? 

VII 12, 88: Scribimus et | haec, dum non sine te loquimur. 

VII 12,94: Hic quoque quem | habeo non retinere queo. 

VIII 19,9: Et sine | his mea sunt a te quae cumque tenentur 
1X7,58: Piuribus causis modo | hinc et inde (Sapph.). 

X7,41: Ante poli referat sua | haec sollerania regem 

Vita Mart. II 341: Iudicio sine | hoc Christum ?enisse negabo. 

„ „ III 43: Angit in ancipiti quod | hoc aenigma beati. 

„ „ IV 217: Humanis opibus neque | hoc avelleret ullus; 1 ) 

und dehinc wird als Spondeus verwendet 114,6; V6,24; daneben einsilbig, 
111,7. adhuc ebenso spondeiscb 120,23; IV 26, II u. sonst. Dazu Abrä- 
ham V 5, 45. 

Dazu kommt die laus sanctae Mariae in der appendix carminum 1 , 23 f . 
Mater Sion dicit, homo et | homo factus in illa. 

Ipse hanc fundavit, factus in ipsa | homo hic . . . 
ib. v. 32 : Stat deus et j h o m o fit Christus, utrumque genus. 

Ebenso 143; 251; ferner 

v. 146: Quod decus intus erat, quis | honor inde foras; 
sowie 

v. 65: 0 benedicta inter mulieres, unde mihi | hoc. 
v. 70 : Quem | H i e r e in i a s voce tonante refert. 

So allitterirt A, und auch unechtes h : 

Ven. Fort. 15,5: Aede sub hac habitans heremi secreta tenebat. 

Vita Mart. 3,348: Flexit iter trepidus | hirsutas fraude per herbas. 

3, 524 : honore coheres. 

Vgl. übrigens noch andre Monumente , wie die inscr. basilicae Vati- 
canae (bei de Rossi inscr. Christ. Bd. II S. 52 f. aus einer Hs. des 7. Jhds.), 
z. B. n. 6 v. 4 

Iöhannis | b o c comis opus . • . 

Vor allem die Verse aus dem Gallien des 6. Jahrhunderts, Leblant Inscr. 
de la Gaule 585 (S. 374): 

Defensoris opem [hic omnis perdidit aetas; 

und ibid. 413: 

Quaestor et regüm | habiles benignus 
Ambiit demüm | habitare sacris (Sapph.); 
sowie CIL. XIII 1489 v. 4: 

Felicem condetum | hoc toraolo. 

Etwa in’s 7. Jahrhundert fallt die spanische Inschrift carm. epigr. 724, 
wo ▼. 1 : 

Quisquis | hunc tabule (lustra>ris titulum | huius, 
ein Gedicht, das in 7 Versen keinen Hiat kennt; das Demonstrativ hat hier 
h forte, dagegen zeigt v. 3 obere die Aphärese. 

1) Hier kann freilich auch in neque die erste Silbe gelängt sein; vgl. 
111,21 u. 19,6. 


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lieber das h im gallisch-fränkischen Latein des 6. Jhds. 
kann hiernach kein Zweifel bestehen. Gehen wir in das 8. und 
9. Jahrhundert weiter, so gewahren wir, dass sich auch jetzt 
noch nichts verändert hat. Ich stelle die spanische Inschrift des 
8. Jahrhunderts voran (c. epigr. 727), die uns bei sonstigen Licenzen 
des Verses doch die sichere spondeische Messung ob hoc und 
ad hoc am Versschluss zeigt: 

Spem capio fore quod | egi veniabile; 6b hoc 
Eden in regione locatus sim floribus dd hoc. 

Dass dies auf volksthümlicher Lautirung beruht, ist im höchsten 
Grade wahrscheinlich. Plautus mass ebenso. So erhalten nun 
aber auch folgende Messungen ihr Licht. 

An Cäsurstellen : 

Paul. Diac. carm. VI 12 : Quosque referre pudet. Horum estnam structorherilis. 
„ „ „ XV 4 : Cingebatque sopor | homines fulvosque leones. 

„ „ „ XIV 24: Iuraque det | he dis imperitetque capris. 

„ „ „XVII19:Qui carum ut | hostem iaculis confixit acutis. 

Alcuinus carm. 1,266: Ingreditur | heros veterum condignus avorum. 

„ „ 1,422: Portans et pedibus tetigit | baec atria, statim. 

„ „ 101,1,2: Ut dulcis patribus fieret | habitatio sanctis. 

„ „ 9: Tune te Sancte precor | huius tu pastor ovilis. 

„ „ 12 : Qui tibi iam talem ad | babitandum struxerat aedem. 

„ , 26, 13:Hic venas fundit, | her bas bic miscet in olla. 

„ „ 30, 2 : Janua parvaquidem et parvus | h abitator in aede est. 

ff „ 32, 31 : Rusticus est Corydon, dixit | h o c forte propheta. 

ff „ 33, 2:Quisque deo lacrimas, lector, | hanc fundis ad aram 

und oft bei Alcuin. 

Hraban. Maur. carm. XVI 19 : Terraque per | h o m i n e m maledicti famina sensit. 
Bei offener Silbe: 

Paulus Diac. carm. V13: Hoc mihi est 1 ) votum, | hoc fido pectore spero. 
Hrab. Maur. carm. XI 9 : Te celsum | h u m i 1 i s monachus, te sancte sacerdos. 
ff ff ff XVI 99: Virgo deum genuit verum | h om ine mque Maria. 

„ „ „ X VIH 55 : Sexies en denis cecini | h a s versibus odas. 

Theodulfi carm. 1,67: Lex videt iratum, | hanc cernere neglegit ipse. 
Alcuinus c. 23,1: 0 mea cella mihi | habitatio dulcis amata. 

ff c. 24,4: Quam multas quondam; | hostes modo vincite Christi. 

ff c. 34,9: Rustica turba tuo | habitet sub tegmine nunquam. 

An sonstigen Versstellen: 

Paul. Diac. carm. XIV 21 : De | his responsum ne cesses mittere nobis. 
ff ff „ 18,40: Hoc mare, | hoc tellus, concae quoque saepe fre- 

quentant. 

1) Unter dem Hiat vor est s. unten. 


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Ale. cann. 1 , 400 : Tempore transacto veniebat | h o s p e s ad illam ; vgl. 101,2,12. 
Theodulfus carra. 1, 139: lnclyta | haec sanctis tribuit solatia cunctis. 
Hrab. Maur. carm. II 2, 3 : Qui | h a b e t ergo aures, hic audiat, inquid, apertas. 
* » ft 1 5, 9 : Sed quia | h i c claustra supera vit eqs. ; ebensoVIJ3,25. 

n jy „ VI 3, 8: PlebTs | , hanc relevans oreque mente manu. 

n yt ^ XI 59: Vivat | hic sospes, vitam super aethera quaerat. 
ft 9 n XXII 15 : Seu mihi | h a e c tribuas seu non, tarnen omnipotentis. 

ft ft ft XXII12: Parvula | haec liceat carmina ferre tibi. 

Mit der S. 170 citirten spanischen Inschrift stimmt vorzüglich überein 
Hrab. Maur. carm. XVIII 21 : Sed | haec signa diera domini testantur adesse. 
Erm. Nig. carm. 1 ) p. 4 v. 9: Confer rusticulo quo possim Caesaris in hoc. 

ibid. v. 24: Carmina, me exilio pro quis nunc principis ab hoc. 
ibid. p. 8 v. 123: Ob | hoc cunctipotens apicem concessit honoris. 
Alcuin c. 42,15: In | hoc se Studio sapientes esse putantes. 

„ 55,2,6: Sit | honor et cultus, laus Christi et gloria tecum. 

Derselbe Ermoldus misst p. 7 v. 67 inhospita als Ionicus a maiore. 

Dazu Petri grammatici excerpta, Keil gramm. suppl. p. 159,18 (etwa 8. Jhd.) : 

De | his exspectet, fessus ad ima ruat. 

Bei Alcuin 43,29 nach sicherer Ergänzung: 

Tu quoque sancte pater laudem inter hos(ce) | h a b e b i s. 
Besonders steht da 

Alcuin c. 23, 27 : Decutit et flores subito | h i e m s frigida pulcros. 

Dies setzt die Sprechung cheim oder jetns f. hiems voraus, insofern hi 
einem Spiranten, der auch als g geschrieben wird, gleichkam; s. unten 
S. 180 u. 181. Dagegen steht h forte bei Alcuin im Conflictus veris et 
hiemis, c. 58,22: 

Quid tu, tarda | hiems, cuculo convitia cantas 
und sonst; vgl. oben S. 103. 

Dass in griechischen Wörtern ungeschriebenes h doch einwirkte, zeigt 
Hrabanus Maurus c. XIX 17: 

Si reor ut sponsa | ymnorum in carmine canit. 

Vita beati Leudegarii, verfasst vermuthlich nicht früher als im 9. Jhd., 
und zwar in Poitou, Aquitanien. {Der Dichter scheint Nachahmer des 
Ermoldus Nigellus (s. Traube praef.). 

1) prol. 17: Fago vel | humiles glescunt superante genestae. 

I 7: Partibus inseritur paribus | huic apta corona. 

1 176 : Agminibus socius | h u m i 1 i s coniungitur illis. 

1192: Sortitur | Hil trieb regali ac stemmate fulget.. 

1289: Regem adit: Oramus, | humiles ne sperne petentes. 
1875: 0 mihi si quisquam fidus | hanc vindicet iram ; 

vgl. weiter 1539; 593; 720; II 11: 16; 40; 110. 

1) Ermoldus Nigellus in Poetae aevi Carolini tom. II ed. Dümmler. 


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172 


2) 1 284 : Hora ducis vitae | H i 1 1 r i c i ; funera saeva. 

1 358 : Innocuum : | h o m i n e s prostrantur more duelli. 

1500: Tum mitem | hurailem patientera corde venusto. 

II 383: Lis fuerat talis quoniam | haec orta duobus. 

3) 1161: Fratres, nam senior Theothrich, iunior quoque | Hiltrich. 
1427: Vir | humilis patiens orator cultor amator. 

1429: Rebus | heu 1 ) niraium sceleratis his ita gestis. 

1677: Adsum | haud ignarus enim; consumite iussum. 

1678: Cursum | hic ponam vitae finemque laborum. 

II 150: Hunc fore; | hunc aluit parochia, quam rego presul. x 
II 376 : Martyris et meritis surrexit | h i c quoque sanus. 

II 446 : Femina | h i c etiam simili iactata furore ; vgl. 477. 

II 499: Permeat inter | has aras solidum pavimentum. 

Hier ist inter has nach inttr nos behandelt.*) 

Carmina centulensia und Dialogus Agii, das ist Sylloge von Gedichten 
des Klosters S. Richarii in pago Pontivo, genannt Centulum oder Centula, 
aus dem 9. Jhd. und des Agius Elegie auf den Tod seiner Schwester 
Hathumoda zu Gandersheim, f874. 

1) 5, 3 : Officit ut pellat | h o c quod scriptoribus ex hac. 

16,63: Natalis | bodie magno veneratur honore. 

17,17: Ecce novum sidus | hodie praefulsit in orbe. 

17, 18: Quod genitum nobis signat | hominemque deumque; 
vgl. 19, 19 u. a. 

2) 28,4: Quomodo vel primum | hominem manibus sine finxit. 

Dial. Agii 45: Sed minime nobis nimium | hoc esse videtur. 

„ „ 157: Constat enim | hanc non bene nunc in corpore quaeri. 

„ „ 295: A patria | hostem gladiumque simul pepulere. 

3) 18,9: Fieret excelse legalis | h ostia pro quo. 

29,8: Solveret a pomo (daemonis) ut | hominem. 

31,3: Saepe solet pollens variis occumbere | heu.*) 

33,5: Invidia siquidem mutatus | hostis iniqui. 

33,9: Extitit elato rigidus miti | humilisque. 

Dial. Agii 4 : Sermo satis lugubris tune fuerat | h a b i t u s. 

„ „5: Pauca tarnen consolandi | has dicere causa. 

„ .,6: Magnum me | ha rum compulerat meritum. 

„ „ 7 : a d h u c als Spondeus. 

„ „8: prohibuit mit gelängtem o. 

„ „11 : Hoc ideo : quia | h o c ipsae rogitasse probantur. 

„ „ 13 : Quo se solari, quo | h a e c possent oculato. 

1) heu konnte auch zweisilbig sein (s. unten), aber doch wohl kein 
Iambus. 

2) 1638 Cuius haec iussu eqs. (vgl. auch 165; II 163) führe ich nicht 
an, da cuius Daktylus sein kann; vgl. Venant. Fortunatus. 

3) Ueber zweisilbiges heu vgl. Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 21 u. 199, sowie 
Traube in Schriften zur germanischen Philologie I S 113. 


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— " 173 


Dial. Agii 17: Tu modo me lector cum | his adverte loquentem; 

„ „ 47 : Quantis namque bonis in | h a c una careamus. 

„ „ 51 : Cum | h a c aequalem similemque per omnia vitam. 

„ „ 87: Cum | hac quidquid erat prorsus quod forte volebam. 

„ „ 96 : Ut | h o m o defunctos lugeat ipse suos. 

„ „ 98 : Fleverunt sanctos quique pii | h o m i n e s. 

„ „ 155 : Iam | hominem quem pro nobis susceperat ultra. 

„ „ 356: Cum de | his yerbis dissereret brevibus; vgl. weiter 

y. 25; 109; 113; 117; 123; 124; 136; 137 u. s. f. 
Wir bleiben auf französischem Boden, wenn wir Paschasii Radberti 
carmina einsehen. Auch er gehört in das 9. Jahrhundert. TSr ist im 
Marienkloster zu Soissons erzogen, wurde dann Abt in Corbie. 

1) Ecloga 23 : Quis rogo non plangat | hominem super astra levatum. 
2; „ 123: Mansuetum | humilem nec non iustum atque benignum. 
3) „ 9: Vertite | huc cuncti cecinit quam maximus ille. 

„ 27: Heu quid | hinc facimus miseri sub morte locati. 

„ 34: Pulveream servamus | hinc de corpore glebam. 

Gleichzeitig dichtet in Frankreich Audradus Modicus, chorepiscopus 
von Sens; auch unter seinen Versen fehlt es nicht an Beispielen. Selten 
scheinen bei ihm solche Verse wie 
1348: Dat | hominis formam qui dum terrestria quaerit. 
pass. Juliani 3,81: Tractet | hoc spacio tecum, quae semita vitae. 

„ „ 4,16: Quae sit | ha ec virtus, quae tanta audacia vestri. 

Dagegen liebt er es, die Cäsur durch h zu stärken; vgl. pass. Juliani 
4,63 Sidera caelorum arcturi | hi ad es pliadesque 
sowie carm. 16; 114; 190; 221; 224; 231; 233; 267 (maUr hominum); 
305 und sonst in zahlreichen Fällen. 

Bertharii carmina bieten auch sonst viele Hiate ; eben deshalb sind sie 
für unsren Zweck nicht mit Sicherheit auszunutzen. Anders Hincmar, Erz- 
bischof v. Reims,') 9. Jhd.: 

1) 1111,1: Hiefamulus | Hin c m ar Dominisacramembralocavit; vgl. VIII 1. 
VII 1, 9 : Cui si surripitur | h u m a n i s nisibus ullis 
und sonst. 

3) 1111,17: Isdem | Hincmarus primus | hac sede sacerdos. 

Hl 1, 21 : Qui sextus decimus, sub | h a c radiante lucerna. 

IV 2, 7 : Supra quaedam nempe de | h i s explanavi largius. (Troch.) 
IV 2, 12 : Sensu verbo | h a e c in actu cunctis regno subditis. 

VH 2, 58: Sit | humilis | humili, sit rigidus rigidis. 

VII 2, 83: Quis | ha ec ignorat quae tu te nosse fateris. 

VII 2, 90: Vinciri nullo debeat ab | homine. 

VH 2, 109 : Propter | h o c autem tantum clamare videris. 

VII 2, 132: Et quod | hinc sedes sancit apostolica. 

1) S. H. Schrörs, Hinkmar, Erzbischof v. Reims, Freiburg 1884; Traube 
1, 1. p. 406. Er braucht homonem VII 2, 8» 


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174 


Ganz anders wieder Heiricus, saec. IX, im Kloster S. Germani zu 
Auxerre, dessen vita S. Germani vielleicht in der Originalhandschrift des 
Heiricus selbst vorliegt ; *) er bietet die Licenz 

197: Id bis | octonos erat attrectasse decembres, 
befleissigt sich aber sonst einer verfeinerten, vorsichtigen Verskunst und 
setzt die Aspiration ausser Wirkung; nur an der Cäsurstelle finden sich 
ein paar Ausnahmen: 

1 14 : Haec genitalis humus | h a e c patris patria nosti ; 

III 32: Hunc precibus, | hunc et lacrimis incessere veris; 

III 50: . . . orantis | hauserunt sydera vocem. 

III 130: . . . aliquot | his cultibus annos; cf. 150; 171; VI 287. 

Dagegen im Münchner codex aureus der Evangelien, a. 870 in Frank- 
reich geschrieben, steht der Vers: 9 ) 

Dextera | haec patris mundum dicione gubernans; 
sowie in der Bibelhandschrift Karl’s des Kahlen zu Paris*) 

Quod | hui us domino semper constanter adhaeret. 

In Lothringen beobachtet im 9. Jhd. Sedulius Scottus dieselbe Technik: 

1) 118,19: Unde marcescit | hominum propago (Sapph.) 

1122,2: Hilarius | hilara facie nitet oreque blando. 

1125,21: Affrica quem trepidat, Maurus | horretque superbus. 
1132,27: Hic est libertas, Liber | hic liberat omnes 
und sonst (II 15, 11 u. 13 etc.). 

2) Sodann 

1 18, 22 : Corde contrito | h i 1 a r o que vultu (Sapph.) k 
II 17, 39 : Cognoscant patrem | h i 1 a r e s salutent. 

1120,35: Quippe tui similem | haut Francia protulit ullam. 

1124,39: Nec similem | habuit sub caeli cardine mundus. 

1129,10: Glorifica talem | hic et in aeva virum. 

3) Endlich 

11,11: Ob | hoc caelestum transcurrens prata librorum. 

1 6, 3 : In | h i a n s pulchri terebrare falsa (Sapph.) 

17,4: Sicut | honusta vinea (jamb. Dimeter) 

17,22: Cultör bonus | hoc providet (ebenso) 

18,11: Ob | hoc consilii praedulcem carpere botrum. 

120,9: Ob | hoc eximius divino munere princeps. 

121,21: Principis | honos thronizat ac trophea bucinant (Troch.). 

11 5, 13 : Improba dura | h i e m p s glaucis hirsuta capillis. 

115,19: Cornipedumque | hiemps cursu calcetur equorum. 

II 12,52: In | hoc rectoris nomine celsithroni. 

11 14, 9 : In | h o c nobilitas triplicatur principe celso. 

1119,8: Ob | hoc aetemas nos repetamus opes. 


1) Traube praef. p. 425. 

2) poet. lat. aevi Carolini III 1 p. 254, 

3) ibid. p. 256 v. 73. 


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175 


[1119,10: Quod | hodie sumus *) | hoc neque cras erimus. 

11 19, 18J: ,Quod tibi | h o c mihimet, quod mihi, adopto tibi. 

II 32, 22 Fitque | hiemps aestas tempore nubifero. 

1137,5: Natus £ber|hardi patrio cognomine dictus.*) 

1139,7: Ac pius | he ros bonitate plenus (Sapph.) 

1139,23: Faucibus | haesit tremulansque lingua.*) 

Mit Unrecht druckt dagegen Wrobel im Graecismus des Eberhardus 
Bethuniensis , der erst dem 12. Jahrhdt. angehört, c. 15 v. 126 ore hians 
mit Hiat; denn erstlich ist dies schlecht überliefert; vor allem aber lässt 
dieser Versifex h forte nirgends zu, ausser in der Penthemimeres. 

Treten wir in Ueberlegung, woraus die prosodische Werthung 
des h , wie wir sie in den lateinischen Poesien des 8. und 
9. Jahrhunderts wahrgenommen, sich erklärt, so ist leicht zu 
sehen: sie ist dieselbe, die dereinst schon Plautus ausübte, die- 
selbe, die der Poesie des 3. — 6. Jahrhunderts n. Chr. eignete. 
Diese ist die natürliche Fortsetzung von jener, und im Princip 
hat sich nichts geändert, die Häufigkeit des h forte hat sich 
sogar wieder gesteigert und die Freiheit des Plautus ist z. Th. 
wieder erreicht, z. Th. überboten. Es ist das h des Volkslateins, 
das durch keine griechische Theorie eingeengt wird. Zunächst ist 
Venantius Fortunatus zu nennen; sein litterarischer Einfluss war 
der grösste; seine Technik setzte sich bei Alcuin fort. Daneben 
aber steht die metrische Schullehre ; die dieser Zeit angehörigen 
Lehrschriften vom Versbau aber greifen für ihre subtilen Regeln 
mit besonderer Vorliebe auf Sedulius, Arator und andere Auto- 
ritäten der ersten grossen christlichen Poesie zurück. Cruindmelus 
und Hrabanus sind dafür schon S. 163 f. angeführt. Hier sei noch 
auf Beda De arte metrica hingewiesen, der vom Lautwerth des 
k nichts Bestimmtes aussagt, wohl aber lehrt (VII K. S. 230 f.): 
brevis syllaba ad votum poetarum transferri potest in longam 
cum correpta vocalis in consonantem desinit et excipitur ab 
h littera . Als Beispiel bringt er gleichfalls Sedulius carm. 
pasch. III 296: 

Vir | humilis raaesto deiectus 1 um ine terram 

und hymn. 1 69 : 

Mors fera per | hominem miserum sibi subdidit orbem. 


1) Lies fuimuB ? 

2) Vgl. 39,3; dagegen hUrUrde 37,16. 

3) Orthographie Sorehe carm. 116,22; 26,6. 


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176 


Diese Beispiele betrachtet Beda als zuverlässig für h forte; einige 
Grammatiker, fährt er fort, fügen das zweifelhafte Beispiel 
hinzu Terga fatigamus \ hasta , das wir oben S. 106 berührten, 
Beda bezweifelt seine Beweiskraft; denn hier könne die Silbe 
- mus auch poetica licentia lang sein, wie Verg. ecl. 10, 69. 
Aber auch hernach citirt er mit Vorliebe Sedulius (S. 231, 13), 
Prosper (232, 12), Arator (232, 32), Paulinus (233, 10), Juvencus 
(233, 16), dann wieder Sedulius und Prosper (248, 1 f.) ; daneben 
die Ausdrücke recentiores poetae und moderni versificatores 
(S. 232). So knüpft das 8. Jhd. an das 4. und 5. an. 

Haben nun Theodulfus und Alcuin, haben Sedulius Scottus, 
Radbertus, Hincraar, der Dichter des Leudegar und die weiteren 
nun wirklich nur stummes h gekannt, und erklärt sich seine metri- 
sche Kraft bei ihnen lediglich aus der Theorie, wie sie im Beda 
steht? genügt die Annahme, dass eben für das Auge h ein 
Schriftzeichen wie c und g war und also darum auch in äusser- 
lichster Weise mit ihnen gleich behandelt wurde? Gewiss 
genügt sie nicht; sie wäre geradezu abenteuerlich, und man 
würde zu ihr nur greifen, wenn sonstige zwingende Gründe sich 
einfanden. Statt deren stellen aber Gründe ganz anderer Art 
sich ein. Für Verse wie: 

Natus Eberhardi patrio cognomine dictus; 

Hic famulus | Hincmar domini sacra membra locavit ; 

Idem | Hincmarus primus | hac sede sacerdos; 

Hora ducis vitae | Hiltrici ; funera saeva ; 

Fratres nam senior Theothrich, iunior quoque | Hiltrich, 

die in den vorstehenden Listen sich mit befinden, wird niemand 
an der Schärfe des h in den germanischen Eigennamen zweifeln. 
Soll wirklich das h lateinischer Wörter von denselben Menschen 
so wesentlich anders lautirt worden sein, während es oft un- 
mittelbar daneben metrisch ganz gleiche Geltung hat? 

Wer wird das beispielshalber vom Walthariusliede glauben, 
in welchem gleichfalls die Namen Hagam oder Heriricus mit 
den lateinischen Vocabeln vollkommen auf gleichem Fusse be- 
handelt werden? 

Wir lesen auch hier v. 27 Qmm tarnen 4t | Hunos . . . (vgl. 91); 
57 Cuius primattim | Heriricus . . . ; 74 . . . sedit Heriricus et ecce; 102 
Ndm iusiurandum | Heriricus . . . ; 141 . . . primtim | Hagano (vgl. 145 ; 
577 ; 588) ; 539 . . . dt | Haganona (vgl. 498) ; 592 . . . tibi | Hiltgunt (vgl, 
1468) ; 1348 Ni | Hagano ... An andren Stellen wird dagegen der Anlaut 


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* 


— 177 — 


dieser Namen nicht gezählt: fortiter Hunos 127 (vgl. U3); germana^Haga- 
nonis 866. Wenn nun im Waltharius auch Messungen Vorkommen wie 
58 Filia | huic tantum; 129 Sed \ haud immerito ; 153 . . . veniät | haec; 
238 Blius aspectu j hüares . . . ; 256 premimüs | haec . . . ; 324 lllicit 
dd | haustum ; 365 . . . piscatör | hamum . . . ; 417 capüt | huc ; 
432 . . . »tantim | hinc inde onerarem ; 1315 . . . fraxineum | hastüe 
superhus ; 612 an huc als Spondeus; 1071 Waltharius | hum er um . . .,*) 
so wird man dem germanischen Vergil gewiss zugestehen, dass 
er in naturwüchsiger Weise sein deutsches h auch auf die 
lateinischen Yocabeln übertrug, dass er also im Latein das h 
forte des Arrius sprach. Dasselbe muss folgerichtig auch den 
Versificatoren der fränkischen Periode GallienV zugestanden 
werden. Wir haben also die Wahl zwischen zwei Aufstellungen : 
Alcuin und die Weiteren sprachen das lateinische h entweder 
gegen den Usus des Volks als festeren Consonanten in Nach- 
ahmung des fränkischen h — oder sie conservirten nur das 
lateinische ä, das, wie wir nachwiesen, mit dem fränkischen h 
bis zum 6. Jhd. beträchtliche Aehnlichkeit hatte. Welcher An- 
nahme wir auch folgen — und dass die zweite die sachgemässe 
ist, erweist diese ganze Darlegung — , jedenfalls ist, wie die 
Verskunst zeigt, das h auch in den Wörtern lateinischer 
Herkunft noch im 8. und 9. Jahrhundert als deutliches Kehl- 
kopfgeräusch gehört worden und zwar in Frankreich und Deutsch- 
land so gut wie in Spanien und England. Nur für Italien fehlen 
mir Belege. 

Dabei ist jedoch ein Wort auszunehmen, und diese Aus- 
nahme ist charakteristisch und bestätigt das Gesetz. Die Verbal- 
formen von habere werden in fast keinem der citirten Verse des 
8. und 9. Jhds. mit starkem Anlaut angetroffen ; Ausnahme dazu 
sind Alcuin 43, 29 und Sedul. Scottus II 24, 39 ; s. oben. Die 
romanischen Sprachen aber lehren, dass die Aphärese eben 
zuerst bei habere durchdrang, das z. Th. enklitisch wurde und 
des eigenen Satztones als Hülfsverbum verlustig ging. 

III. Austausch von h und ch in der Schrift. 

Der zweite Zeuge, den wir fragen können, ist die Ortho- 
graphie, die in den verschiedenen Ländern von Gelehrten und 
Laien und den verschiedensten Menschen ausgeübt, doch deut- 
liche Merkmale zu geben verspricht. Ihr werden wir darum 

1) Peiper (p. XLI) ändert v. 612 = 590 mit Unrecht. 

B i r t , Tb., Der Biet bei Pluatus. 1^ 


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178 


viel Raum und Mühe widmen. Die Provenienz der Handschriften, 
die wir zu Rathe ziehen, ist in vielen Fällen zweifelhaft und 
nicht ermittelt, ihre Zeit aber steht fest. Erhebliche Abweichungen 
stellen sich für die verschiedenen Länder keinesfalls heraus. 
Denn, weit entfernt, dass nun im 7. — 9. Jhd. das h aus der 
Schrift schwindet: wir sehen es vielmehr überall weiter und 
weiter Vordringen, und das h spurium feiert eben jetzt seine 
Orgien; daneben hat auch das h genuinum zumeist festen Be- 
stand, und das h omissum bleibt durchaus die Ausnahme zur 
Regel und auf gewisse mehr oder weniger erklärbare Fälle beschränkt. 

Am aufialligsten ist dabei das Eintreten des einfachen h an 
den Stellen, wo sicher ch oder aspirirtes k gehört wurde, so- 
wie umgekehrt des ch oder des einfachen c an den Stellen, an 
denen einfaches h zu gewärtigen ist. Dies Phänomen ist spora- 
disch schon in den früheren Zeiten beobachtet worden (oben 
S. 120 f.), es findet jetzt ebenso sporadische Fortsetzung und deutet 
auch jetzt noch auf die Neigung, dem einfachen Spiritus velare 
Färbung zu geben, h erscheint hier als muta und consonans 
und conrasis faucibus exalatum; dabei näherte die Zunge sich 
dem Gaumen, und man glaubte den Achlaut zu hören. 

h tritt ein in rahat f. rachat (ranchat) Anthol. lat. 730,5; cahinnant 
f. cachinnant Corp. gloss. V 272, 57 ; vor allem in here , mit habe erklärt, 
Corp. gl. IV 243,9, das ist x a ^Q € der Erklärung ave , so unter H ein- 
getragen; dazu gleichartiges hilidros f. chelydros Sedulius carm. pasch, 
j 134 und II 259, III 190 in cod. A saec. VIII; ebenso hilidri im Lemma 
Corp. gl. IV 86,56; V 300, 28; ebenda V 629,17; IV 244,3. hylidrus ibid. 
]V 244,3; vgl. hilidris neben ylidris bei E. Maass Commentar. in Aratum 
p. 107 ff.; vgl. p. 612 ; y im Anlaut bedeutet hy (oben S. 128 f.); also wurde 
ylidris als hylidris gesprochen. 1 ) Auf demselben Wege wird ironis 
aus Chironis ebenda p. 265 ; # ) und daher steht hirontum (so) f. Chiro- 
nium bei Plinius nat. hist. 25,32 cod. Ricc. Weiter hetes f. mit 

Epenthese Corp. gloss. 11536,16; herix f. ceryx Tironische Noten Tafel 107, 
1 u. 2 ed. Schmitz. Ahemeniden Anthol. lat. Nr. 1 c. III v. 9 in E saec. IX. 
Agatetiyhe belegt Schuchardt im Vocalismus 111 S. 5. pulhrum schreibt 
wiederholt der an Idiotismen reiche cod. F der Confessionen Augustin’s 
p. 51,8; 80,7; 82,20 Knöll.*) amihi f. amici wiederholt im Matritensis 

1) Vgl. auch die Aratea im Rhein. Mus. 52 S. 315 — 319, wo ylidris 
im Text herrscht, daneben in einigen Hss. hylidris auftaucht. 

2) Chyrona mit y giebt Eberhardi Graecismus 7,33. 

3) Von Knöll praef. p. 21 nicht genügend geschätzt. Denn F giebt 
uns die schönen Naturschreibungen iessimus und ienuisti für gessimus und 
genuisti p. 167; festram f. fenestram p. 215,25; u. a. m. 


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179 


des Gorippus laus Iustini 1119 u. 164, einer spanischen Handschrift; dem 
entspricht catalanisch amich ; *) derselbe Matritensis dann auch p. 112 
n. VI ed. Partsch cali nihi statt Calinici! Das amihi aber kehrt im über 
Glossarum Corp. gl. V 221, 42 in beiden Ueberlieferungen wieder. 

So steht Corp. gl. IV S. 85 und in Placidus ibid. V S. 107 Haus im 
Lemma , mit profundum erklärt ; dies muss chaos bedeuten ; *) vgl. chaus 
für chaos in der Haupthandschrift des Sedulius c. pasch. IV 286. 

Weiter aber scheint Virgil ius grammaticus im 7. Jhd. hastris f. castris 
geschrieben zu haben p.68,6; denn seine beiden Handschriften geben dies. 
Ganz so hareo f. careo Plaut. Most. 500, wohl schon P. Nur so erklärt 
sich ferner, dass bei Priscian I H. p. 100,5 Varro in orthographia citirt 
wird, wo chorographia gemeint ist; die Brücke baut cod. K, der horto- 
graphia darbietet; *) und abermals steht ib. p. 267,5 ortographia • für 
chorographia . Orosius giebt uns p. 164,9 Herronenses für Cherronesi 
(cod. x* 8aec « XI); und ganz dasselbe Avienus IV v. 491 ed. Holder: 
Herronesi ; nicht minder werthvoll bei Ammianus Marcellinus 22, 14, 7 horago 
f. choragio in beiden Ueberlieferungen; denn dazu tritt Plautus Persa 159 
horago f. chorago sowie Ambrosius ed. Schenkl I p. 72,11, wo alle guten 
Handschriften horum f. chorum. Weiter aber, da Spiritus asper nicht ge- 
schrieben zu werden braucht, tritt dann sogar orean (sic) f. chorean ein 
bei Nonius 11 p. 46,10 (aus Varro). Bei demselben Ambrosius abermals 
p. 157,9 helam f. chelam codex C; bei Sidonius Apollinaris carm. 14,67 
helis für chelys cod. T 1 ; bei Martianus Capella p. 310,10 heleas f. 
chelas cod. B; carmen de ponderibus (Anthol. 486) v. 70 huius i. chus 
cod. A saec. VIII fin. ; bei Servius zu Aen. IV 404 emistihium cod. L saec. 
X (h im Anlaut wird in griechischen Vocabeln nicht geschrieben; s. unten). 
Clahilcorum f. Clachilorum Avienus IV 675. Und vielleicht ist auch in 
den Gromatici p. 265,15 das huius f. cuius (so in A und B!) auf diesem 
Wege zu erklären, da die grammatische Fügung die Lesung des huius voll- 
ständig ausschloss. Plaut. Poen. 344 Aheronte in CD. Im über glossarum 
Corp. gl. V 43, 17 in Ahate fluvio f. Achate. Zweifelhafter Pomponius Mela 
II 111, wo das aheos der Handschrift (saec. X) in at Ceos emendirt werden 
kann (so Frick), vielleicht aber das a nur aus c verlesen ist, so dass in 
der Vorlage cheos stand. 

Endlich stellt sich bei Plautus Amph. 741 auf demselben Wege für 
hinc hodie sogar hin hodie ein, codd. B‘ u. E. 

Schliesslich aber sind für den Inlaut alle die Fälle hinzuzurechnen, 
wo wir statt Gracchus bracchium Grachus brachium lesen ; und das war sehr 
verbreitet; bei Horaz z. B. scheint brachium vorzuwiegen, ausschliesslich 
so überliefert Epod. 15,6. Denn es ist S. 48 u. 120 gezeigt, dass man in 


1) Vgl. Gröber im Grundriss d. roman. Phil. I S. 677. 

2) Vgl. G. Löwe Glossae nominum S. 81. 

3) hortographia auch ein Glossar saec. XIV bei Diefenbach; vgl. 
horthogyllos für orthocyllos bei Pelagonius c. 266. 

12 * 


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180 


allen Fällen brakkhium lautirte; h steht also auch hier für ch. Offenbar 
sprach noch die Spätzeit in Acheron die erste Silbe unwillkürlich als 
Positionslänge; daher die Schreibungen Acceron u. ä. (oben S. 46). Ich 
mache dazu noch auf Julius Valerius (ca. 300 n. Chr.) aufmerksam , der 
S. 58,5 ed. Kübler in Eurymachus die vorletzte Silbe längt; auch er em- 
pfand hier wohl Position; merkwürdig ist dabei das Eintreten des Ich , das 
wir im Vetus des Plautus finden ; er schreibt Plaut. Bacch. 218 Mnesilokhe . 

H wird umgekehrt durch ch oder c (oder g) ersetzt; dies geschieht 
zunächst inlautend in all den Fällen, wo wir Acchilli f. Achilli, maccina 
f. machina, moeccha f. moecha, Accherusio lacu f. Acher. lesen; sie sind 
schon in ähnlichem Zusammenhang S. 46 besprochen; auch Gracchus , 
bracchium kann ebenso aufgefasst werden. 

Für mihi und nihil wird im MA. die Schreibung michi (auch mici) 
nichil geradezu vorherrschend; dass sie auf Aussprache beruht, ist S. 121 
gezeigt. So wird Dahas zu Dachas , Vahalis zu Vachalis (oben S. 119). 
Hier sei nur hinzugefügt, dass michi schon in den Digesten steht 11 
p. 698,39; 699,1. 

Französisch traire wird nicht aus trahere , sondern aus tracere , trac're 
abgeleitet; aber auch das Italienische setzt eine ähnliche Aussprache für 
trahere , vehere voraus, vgl. oben S. 21; ich bin so glücklich dies aus 
üss. des 9. Jhds. bestätigen zu können. Denn die Münchener Hs. F des 
Cruindmelus giebt sowohl trachit als auch abstrachitur p. 16, 10 und 45, 6 
ed. Hümer; trachibat (so) f. trahebat cod. A des Sedulius c. pasch. IV 102; 
und im Codice diplomatico Padovano (Venezia 1877) steht vegiculus für 
vehiculus p. 34 aus dem Jahre 895, so wie daselbst im voraufgeschickten 
Glossario latino-barbaro auch vegere f. vehere notirt steht. Genau ent- 
spricht dem das vechiculis bei Priscian I p. 266,21 in den Haupthand- 
schriften GLK. 

Die Exclamationen vah und ah wurden ebenfalls zu vach und ach ; auch 
diese Aussprache hielt sich gewiss lange ( ac f. ah steht auch Ecbasis Captivi 
ed. Grimm v. 237) und ging in die Renaissancecomödie über (oben S. 14 f.). 

Auch an die Schreibungen Euchia f. Euhia, Eucadnen f. Euhadnen, 
Euchei f. Euhaei, über die S. 120 referirt ist, sei hier nur kurz erinnert. 
Daran aber reiht sich anchelat f. anhelat; so der Veronensis Claudian’s 
carm. min. 3,1 saec. IX, wofür ich lange eine Analogie vermisste; aber 
sie bietet wiederum die Baseler Handschrift A des Sedulius saec. VI 11, die 
schon mehrfach citirt wurde, in angelsächsischer Schrift und vielleicht aus 
Tours stammend : in ihr steht consequent carm. pasch. 1 100 ancellet für 
anhelet, 164 ancellantem , IH 277 anchellantem , endlich in Sedul. praef* 
p. 3,7 ed. Hümer anchelitus. 

Für den Anlaut endlich aber giebt derselbe A carm. pasch. 1 89 chemps 
f. hiemps, U6 cheu f. heu; vgl. zu chemps oben S. 171. chaut und caut 
f. haud setzen die Glossare in’s Lemma (oben S. 121). Chadrianus für 
Adrianus Frick chron. min. p. 66,11 (Hs. des 7. u. 8. Jhds.); chilcia für 
heida in den Tironischen Noten Tafel 110,37. cheus f. heus Plaut. Trin* 
963 iu CD. Chyppus Eegius f. Hippus cod. Bobiensis (litteris Iricis) des 
Orosius p. 33, 8 Zang. ( ippus u, ippos die übrigen ; dies ist die gräcistische 


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Schreibweise); Chavennae hei demselben p. 35 im selben B (die übrigen 
Havennae , Avennae). Charpalum f. Harpalum Cicero nat. deor. III 83 in 
cod. C. So war bei Amra. Marcell. 22, 8, 1 6 Pityunta zu hpidunta ver- 
dorben, 1 ) dies giebt cod. V; in P erscheint dafür chpidunta ; ähnlich bei 
Ausonius im Griphus 1 Z. 7 gerrhis codex P, gerchis cod. X; Plaut. Truc. 
323 Proneshium in B, dafür Proneschium CD. 

Weiter aber giebt bei Servius zu Aen. II 731 codex H cysterologia 
statt hysterologia ; cdb für hab = ab lesen wir Livius 23.27,9 in P. Und 
bei Cornificius ad Herennium geben die beiden besten Hss. saec. IX sogar 
gemeinsam chabuisse für habuisse p. 220, 19 M. Dazu nehme man chomo 
f. horao im cod. T des Sedulius saec. VII carm. pasch. IV 175. So wird 
bei Apollin. Sidon. epist. 9,15,3 v. 93 in MP heroos irrthümlich zu choreo 
und so wird begreiflich, dass hei Horaz Epod. 5,21 die Ueberlieferung statt 
des zu fordernden Iolcos zunächst Hiolcos (vgl. Hiarbas oben S. 158)» 
danach oder daneben aber in weiter Ausdehnung Colchos einsetzte! 

helvus , helvim, helvolus (neben gilvus), selten belegbar, wird stets treu 
mit h geschrieben: s. Columella 3,2,23 (bis) u. 3,21,3; Plin. n. h. 14,46; 
so auch bei Papias und den Glossaren Diefenbach's. Bei Varro r. rust« 
115,8 steht nun aber in allen drei Handschriften AP u. B theluo statt 
heluo (sic) und nur Polizian corrigirte das t weg. Die Vermuthung liegt 
nahe, dass auch hier im Archetyp volles cheluo stand. Um so weniger 
glaublich ist, dass ahd. do , mndl. eluw aus helvus herstamme.*) 

Als Germanismus ist dagegen seitab zu stellen das motiahi , das in 
Wila im Kanton Zürich anno 762 für monachi geschrieben worden ist, s. 
Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen I n. 37. 

Endlich lässt sich vielleicht auch das Eintreten des g heranziehen; 
vegere , vegictdus wurde soeben citirt; bei Amobius p. 268,27 R. ist 
herniarum in der Grundhandschrift zu gruenearum entstellt worden; bei 
Sidonius Apollin. carm. 13, 19 Geryones zu hystriones. Codex Amiatinus 
giebt Numeri 10,29 ed. Tisch. Rahuhel für Raguel: Exodus 30,34 ghdlu- 
anen (so) für galbanum ; am schönsten in Horaz’ Oden II 20, 8 cogibebor 
f. cohibebor cod. y . Virgilius gramaticus erläutert uns dies ; denn er schrieb 
für incohativa p. 138,3 inchogativa und inchogari für incohari (so cod. N; 
P fehlt). Die Verwandtschaft des h mit.;, des j mit g ist oben S. 26 f. erläutert. 

Sonst wird insbesondere hi zu j, wie Jerusalem aus Hierusalem, 
welches j aber dann durch g ausgedrückt werden kann ; auch für diesen 
Austausch finde ich ein paar hübsche Belege: hieorgici giebt uns statt 
georgici die Haupthandschrift des Cruindmelus p. 45,20; geron steht für 
Uqov bei Eberhardus Bethun. 8, 160. Hierapydnam wird zu Gerapidnam 
Serv. I p. 360 Thilo; gerne steht für hieme Avian fab. 34,5 im Voss.*) 

1) Offenbar aus phituunta ; das Vortreten des h ist uns aus Virgilius 
gramm&ticus bekannt, oben S. 109; so schreibt derselbe V bei Amm. Mar- 
cell. 16,10,6 u. 12,19 Hrenus f. Rhenus. 

2) Diese Etymologie vertritt Kluge. 

3) S. oben S. 121. 


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182 


Wieder anders das abundirende i , das ich in einer interessanten und 
alten Schreibung bei Plautns finde; frz. hier ist aus lat. heri hervor- 
gegangen ; bei Plautus aber stand Stich. 416 schon in der Grundhandschrift 
P hieri, das in den Abschriften z. Th. erhalten vorliegt, z. Th. zu hiheri 
verunstaltet ist. — Umgekehrt dreimal Herocles f. Hierocles, sprich Jerocles» 
Script, hist. Aug. I p. 206 u. 213. 

IV. Interaspiratioo. 

Wir fragen hiernach : entsprach das unechte A, das gelegent- 
lich als Vocaltrennung im Wortinnern erscheint, einem gespro- 
chenen Laute oder nicht? und wenn nicht, wie ist dies mit den 
bisher gewonnenen Vorstellungen zu vereinigen? 

So wie man richtig cohors und incoho schrieb (Marius 
Plotius VI K. 491, 30 ff. empfiehlt albern genug incoho statt 
inchoo deshalb, weil sonst kein Verbum der ersten Person auf 
-oo ausgehe!), so wie sich das h vielleicht nicht ohne etymolo- 
gische Berechtigung in aheneus eingestellt hatte, so sprach man 
in Pompeji auch Lahis für Lais (CIL. IV 1969) und so gewöhnte 
sich die spätere Zeit auch prohoemium zu schreiben (z. B. Fronto 
p. 153; 157; 158; 173 Naber); ähnlich steht cohoperantibus 
Inscr. Hispan. christ. ed. Hübner 115. Es erinnert dies an altes 
umbrisches comohota f. commota und das Aehnliche, in welchem 
doch aber das h vielleicht nicht ganz des Lautwerthes entbehrt 
hat (oben S. 22 ff.). 

Wir haben hiermit S. 23 lat. vemens verglichen, das mit 
zweigipfeliger erster Silbe als vehemens erscheint; irrthümliche 
dreisilbige Messung steht erst bei Fronto p. 30; und diese Aus- 
sprache blieb dann bestehen; dafür spricht z. B. das Schriftbild 
vehimens bei Priscian I p. 112,22. Eine werth volle Analogie 
hat dies weiter in dem veherbero für verbero; denn so giebt 
Plautus’ Pfälzer Ueberlieferung einstimmig Mil. 322; auch das 
kann somit alt sein und könnte für Länge des Vocals der 
Stammsilbe geltend gemacht werden. 1 ) 

In Euhodus , Euhadne ist h etymologisch richtig ; für perio- 
dus — mit Tmesis peri quam dicunt odos Carmen de figuris 10 — 

1) Allerdings auch Cahalimaehue f. Callim&chus Prise. I p. 52,9 in 
cod. R. Ist hier die erste Silbe nur in zweifacher Gestalt doppelt ge- 
schrieben? Anders haherebam ib. p. 471,28. Auch altportugiesisch wird 
aber melhöhorar f. melhorar und meheu f. meu überliefert; s. Reinhard- 
stöttner Portug. Grammat. S. 52 nach dem Elucidario. 


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183 


ist aber mit Umtritt der Aspiration perhiodua aufgekommen: 
Quintil. 9, 3, 43; Cruindmelus p. 36. 

Beispiele für unechte Interaspiration sind dagegen : ') 

pentahetericum CIL. II 4136; pentaheteridis und triheterida Censorin 
de die nat. p. 30,8 (cod. Colon.). 

cohortus Verg. Georg. 3,478 cod. M; Livius 29,27, 12 codd. Hayd F. 
cohercere Verg. Georg. 4,480 in R; ständig Ovid’s Metam. ; vgl. Oros. 
p. 252,16 cod. L; Boethius Consol. p. 117,27 in TD; Ambros, ed. Schenkt 
I p. 453,15; Tacit. ann. 1,64; 2,43. Nach dem Vorbild von exhercere , 
das oft anzutreffen. 

cohibat Horaz Ars poet. 207 in Fdu; vgl. Oros. p. 346 in P u. R; bei 
Apuleius Apol. c. 60 giebt F coittonem, der Copist (p macht daraus cohi- 
tiotiem; coheant Coripp Johann. 1,216. Der Liber glossarum befiehlt: ccdre 
sine h scribendum Corp. gl. V55, 38. 
patruhelem Nonius II p. 162, 1 in L ; extruhenda Digest. II 915, 5 ; vgl. 376, 18. 
Tahygete Priscian I p. 142,23 in ADHK. 

Trahiciu8 f. Threicius Ovid met. 6,426. 

huhic f. huic Codex diplom. Langobard. n. 37 a. 769 und oft auf Diplomen; 
s. unten; vgl. Schuchardt II S. 525. 

herohis f. herois Prise. I p. 219,15 R; 318,7 R; ebenso Martian. Cap. 

p. 44 zweimal in BR; herohicum Cruindmelus p. 26,11 cod. E. 
hora et dehunce Martian. Cap. p. 313,16 in B. 
dirihasiü f. Dyrrhachium Placidus comment. Stat. p. 193 cod. Pa. 
haherem f. aerem Placidus Corp. gloss. V 73, 24. 

Laocohon Serv. zu Aen. 1141 in P; derselbe zu v. 201 Lacohon; vgl. 
tncoho. Dem entspricht Aharon oben S. 24, welcher Name drei- 
silbig gemessen wird, s. Amarcius Sermones III 317. 

Frohimna f. Prosymna Stat. Theb. 4, 44 P optimus; s ausgefallen; h 
durch y erzeugt. 

eihatum cum h scribi oportet schärft der Liber glossarum ein, Corp. gl. 
V 54, 19 ; es ist cyathum gemeint. 

dihaconus, Tehodosio , Ihohannes belegt Schuchardt II S. 525 ; III S. 25. 
pancratihaste Nonius II p. 161,12 cod. G. 
dehin f. dein Stat. Theb. 4,625 cod. S. 

ihis f. iis Digest. II S. 109,26; sogar ihüla f. illa ib. S. 124,38. 
mehae f. meae CIL. XII 5019 » dd - 

rehi f. rei (Dativ) Plaut. Men. 234 in P; dehis f. deis ib. Mil. 314. 
Constantihe f. Constantiae, controversihis u. ä. belegt Schuchardt a. a. 0. ; 
vgl. Corssen I S. 111. Aehnlich ubi heres statt dubiae res Varro 
1. lat. 7,77. 


1) Hierbei werden semitische Namen wie Israhelitae (Jordanes u. a.), 
Maharbali Liv. 21,45,4, Michahel , Gabrihel Prise. I p. 147, J Danihtl ib. 
p. 214 aus dem Spiele gelassen; s. oben S. 117 f. 


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184 


Die Beispiele, besonders der letzteren Art, lassen sich leicht 
vermehren. 

Dass h zwischen gleichen Yocalen schwindet, lernten wir 
schon für das Altlatein, vgl. nemo aus nehemo , cors aus cohors : 
dies erklärt uns, dass Polyhymnia zu Polymnia (z. B. Horaz 
carm. I 1, 33 in r und 6), dass prohoemium zu proemium und 
praemium werden konnte, was aber auch in griechisch Ilolvpvia 
sowie ( iQotfiiov , aus ngoofpiov , sein Vorbild hatte. So gut also 
in nihil neben nil, kann auch in prohoemium das h gehört 
worden sein. 

Im Uebrigen liegt der Weg der Argumentation offen. Dass 
in exhercuit ein wirklicher Spiritus durch das x erzeugt wurde, 
wird sich unten zeigen; ihm folgte cohercuit Dass man hortus 
für ortus sprach, wird sich gleichfalls heraussteilen; ihm folgte 
cohortus. hog lautete in der Koine Srog ; ! ) dieser Spiritus hat 
sich eben in der lateinischen Umschrift pentaheteris erhalten, 
und Censorinus selbst dürfte so geschrieben haben; so schreibt 
die Koine dexärrjg*) ein Nachklang der alten dorischen heraklei- 
schen Tafeln, die die Interaspiration ausdrücken und uns zwar 
Färog , aber nevxcchriQig darbieten. Genau ebenso hat sich einig 
mit seinem Spiritus asper in der lat. Umschrift Helpis erhalten. 
Auch hire für ire wird uns späterhin begegnen, an das cohire 
sich anlehnt. So rief dehinc ein dehin hervor, und auch hinde 
f. inde, das ihm entspricht, hat sich eingefunden. Die übrigen 
Beispiele aber sind nach diesen zu beurtheilen. 

Aber noch eine weitere Beobachtung kommt zu Hülfe, h 
erscheint als Vermittlungslaut. Die Inschriften der Kaiserzeit 
haben gelegentlich auch Concordvae , sprich Concordijae, carm. 
epigr. 20,7; piia für pia, sprich pija, ebenda 834. Wer 
Concordiae sagt, wird leicht und unversehens zwischen den 
Vocalen ein furtives Jot erzeugen , wie es hier die Schrift dar- 
stellt. 3 ) Dieser leichte Reibelaut liess sich aber auch als h 
auffassen ; 4 ) daher steht niit'Z, sprich nijil, für nihil im Flor, der 


1) Thumb a. a. 0. S. 59 u. 70. 

2) Ygl. Wagner Quaest. de epigr. gr. p. 91. 

8) So insbesondere nach i auch in griechischen Dialekten entwickelt: 
Fdvua für Fiiia = hrj u. a.; s. Meister Gr. Dial. II S. 233 ff. 

4) Schuchardt II S. 524 sieht in diesem h nur ein graphisches Zeichen, 
das den Hiat andeuten solle ; nur zwischen gleichen Vocalen setzt er guttulare 


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185 


Digesten II p. 420, 4; umgekehrt aber h für j in trahicit = 
trajicit z. B. Augustin confess. p. 307,3 cod. H; ebenda p. 142, 5 
cod. H u. P; Livius 29,22,5 cod. H; vgl. oben S 25 f. 

Da ferner in diesen späten Zeiten g dem j gleichkam (die 
Beispiele sind unzählig; vgl. nur Troga f. Troia Priscian I 
p. 287, 10 cod. R), so lässt sich zur Erläuterung auch aligeni- 
genis heranziehen, das der cod. A des Priscian I p. 196,4 und 
abermals p. 195, 24 (wo das g radirt ist) bietet ; ebenso Tri - 
viagi für Triviai ib. p. 285, 10 cod. R (aus Lukrez). Vor allem 
giebt uns Virgilius grammaticus, wie soeben S. 181 angeführt, 
inchogativa für incohativa! Genau so im Italienischen dialekti- 
sches gelusiya, ideya , viya ; westrätisch prujina und ajar für 
aer; 1 ) vgl. dazu das angeführte haherem . Auch im Sicilischen 
wird violare zu vijulari ; das Sicilische aber setzt j für h ein, 
wie in jerba f. herba; 2 ) also entspricht auf das schönste die 
Schreibung deviholavet , die wirklich vorliegt 8 ) in den Joca mona- 
chorum, Romania I S. 483 f. 

Im selben Sinne wird also auch mehae und Constantihe zu 
deuten sein. ' 

Endlich aber konnte sich die Interaspiration sogar, wie das 
anlautende h, als ch darstellen. Ich verweise dafür auf jenes 
Achenobarbus f. Ahenobarbus (oben S. 43 ), das vorzüglich be- 
zeugt ist und um so wichtiger scheint, da ihm Virgilius gram- 
maticus p. 17, 4 die Schreibung prohcemio für prohoemio (cod. P) 
zur Seite stellt. Wie ist dies prohcemio zu beurtheilen ? Man 
könnte ansetzen, dass der Schreiber hier c für o verlesen hat. Wer 
aber bedenkt, dass derselbe cod. P dieses Virgilius arhca für 
archa und hcristiani f. christiani bietet und dass Virgilius selbst 
hcorda statt chorda vorschrieb (oben S. 109), wird hierin viel- 
mehr dieselbe orthographische Manier und somit die Aussprache 
prochemio , die jenem Achenobarbus genau entspricht, anzuer- 
kennen gezwungen sein. 


Sprechung des h an, S. 526, um michi u. ä. zu erklären. Dies widerlegt 
sich durch das Obige. Richtiger machte Corssen geltend a. a. 0. S. 111, 
dass ein schwacher Hauch zwischen zwei Vocalen im Wortinnern sich immer 
einstellen müsse; vgl. auch A. Paul a. a. 0. S. 20. 

1) S. Meyer-Lübke I S. 303. 

2) S. Wentrup Beitr. zur Kenntniss des sicil. Dialekts. Halle 1880. 

3) Oder richtiger, man emendirt hier so; in der Hs. steht d’virolavet. 


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186 


Wir setzen also an, dass im Binnenhiat der Wörter eine 
dem j verwandte Interaspiration sich einzufinden pflegte, die 
nur gelegentlich graphischen Ausdruck fand, die aber sicher 
gesprochen wurde. Dies war stimmhaftes h l ). Merkwürdig ist 
dabei die subtile Sorgfalt, die sogar vor einem huhic , ja, vor 
Herohe als Transkription = kleroi (Corp. gloss. 11176,21) nicht 
zurückscheute; vgl. dazu die Exclamation euhohe und heuhohe 
für euhoe Apollinar. Sid. epist. 8, 9, 1, die dann in des Eber- 
hardus Graecismus 24,41 als ehohe erscheint. 2 ) So wird Phaethon 
zu Phoeton und weiter zu Poheton , Lucan II 413. 

Noch sei das Altfranzösische verglichen, das gleichfalls h 
als Silbentrennung kennt in Loherain , vehoir u. a. , vgl. auch 
envahir (invadere), trahir (tradere). 3 ) Zur Aussprache bemerkt 
M. Trautmann : 4 5 ) man höre dies h als leisen Einsatz nicht nur in 
Rouher , trahir , wo es geschrieben werde, sondern auch in Baal 
und Bauer, was man bahal, höhere spreche; vgl. auch Nyrop 
Gramm. S. 227 : besonders bei emphatischem Yortrage werde 
fleho f. fleau, kaho f. chaos, zeha f. <jiant gesprochen. Im Por- 
tugiesischen ist das h als Vermittlungslaut wohl ebenso aufzu- 
fassen: trahir, cahir, alt mahom, tehudo u. a. B ) 

Und nun noch eine Parallelerscheinung, der wir wiederum 
im Germanischen begegnen. Echtes intervocalisches h erweist 
sich auch im Germanischen als schwach, und es schwand früh; 
schon Gregor von Tours giebt Merovechus , Chlodovechus als 
Meroveus, Chlodoveus ; schon im Ahd. wird nicht selten sean für 


1) Während der Drucklegung meiner Untersuchungen erscheint der 
Aufsatz E. A. Meyer’s „Stimmhaftes H“ (Die neueren Sprachen Bd. 8 Heft 5) 
in ihm ist dargelegt, dass h stimmhaft zu sein pflegt zwischen stimm- 
haften Lauten, insbesondere zwischen Vocalen. Eben deshalb ist seine 
akustische Wahrnehmung hier besonders schwach. 

2) Man bemühte sich offenbar das oe in griechischen Worten deutlich 
zweivokalig auszusprechen; nur so begreift sich auch, dass für tragoedia 
ein traguedia eintrat (Cruindmeli ars p. 45, 14) oder gar tragoeidia (sic) 
Plautus Capt. 62 in B u. a., sowie das Schwinden des e in diocesis f. 
dioecesis u. ä. euhye steht für euhoe Schol. Horat. carm. 1111,17. 

3) Vgl. Diez Grammat. I S. 178; Nyrop S. 363; auch in den Formen 
von avoir : ehusse , hehmmons, hahu ; s. Fr. Holle Avoir und savoir, Marbg. 
1900, S. 71. 

4) Anglia I S. 593; vgl. Joh. Storm, Engl. Philologie S. 94*. 

5) S. Reinhardstöttner a. a. 0. S. 52. 


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187 


sehan , dion für dihan geschrieben, und die Verwendung solcher 
Wörter im Reim bestätigt das. Ebenso gefährdet war dies h 
im Lateinischen. Nun aber zeigt das Ahd. auch unechtes A, 
das den Vocalübergang ausgleicht, wie in eha , hihun, in heri- 
hunga, tuerihan ; insbesondere in den Ableitungen der verba pura 
auf ä und uo . Ja, sogar innerhalb eines Diphthongen oder eines 
durch Doppelschreibung als lang bezeichneten Vocals dringt der 
Vermittlungslaut ein, z. B. hohubit für houbit , seher für s$r 
(Schmerz); villa quae dititur Hohunstati f. Hounsteti, Urkunden- 
buch v. St. Gallen I n. 2 (ca. a. 700); Hahahusir für Aahausen 
ib. n. 16 (Copie). Man folgert nun, da vor diesem h bei Notker 
dieselben Vocal Wandlungen wie vor dem organischen h statt- 
finden, 2 ) dass es ein deutlicher Gaumenlaut war. Dasselbe ist 
für das Lateinische anzuerkennen. 

Wir hatten des öfteren eine Pariser Haupthandschrift des 
Priscian, cod. R saec. IX anzuführen; 8 ) sie gibt uns nun auch 
noch procelehnmaticos I p. 106, 8 und zweimal torehumatis ib. 
p. 201,5; 356, 25 f.; dem entspricht das oben aus Priscian und 
Martianus Capella beigebrachte Tahygete und dehunce ; dem ent- 
spricht aber zugleich auch die altdeutsche Interaspiration im 
Diphthongen. Wir wissen nun aber, dass das Latein keinen 
wirklichen einsilbigen Diphthongen eu besass, sondern entweder 
ev oder zweisilbig e | u sprach (daher oft eo geschrieben). Diese 
Zweisilbigkeit ist es offenbar, die durch die angeführten Belege 
aus Priscian zum Ausdruck kommt. Giebt nun der cod. F des 
Augustinus 4 ) Confess. p. 197,1 sogar exahuriens (f. ex auriens; 
so codd. CVW), so darf dies in gleichem Sinne verwendet 
werden. Denn auch der Diphthong au war dem Latein fremd; 
man sprach entweder av oder aber man sprach zweisilbiges a \ u , 
eine Vocalisation, die erst der Spätzeit angehört ; für dies zwei- 
silbige ou zeugt die gelegentliche Vertretung durch ao; dazu 
kommt als weiterer und unumstösslicher Beweis fünfsilbiges 
äüxilium , das geradezu so gemessen steht in den Carmina cen- 

1) W. Wilmanns, Deutsche Grammatik I* S. 112 u. 201; W. Braune, 
Ahd. Gramm. § 152. 

2) Ebenda. 

3) Ob in Fulda geschrieben? s. Hertz praef. p. Xf.; in einer Rand- 
glosse desselben fol. 211 ▼ steht monahcus st. monachus. 

4) Ueber ihn s. oben S. 178,3. 


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188 


tulensia p. 314 ed. Traube n. 44 v. 6. 1 ) Das h in exahitriens 
dürfte also wiederum dazu dienen, diese Zweisilbigkeit zum 
Ausdruck zu bringen. Vgl. auch taguru für taurus, Lagurcnzn 
für Laurentius im Dialekt von Girgenti. 2 ) 

V. Apharese in griechischen Wörtern und Eigennamen. 

Wollen wir imüebrigen den Usus der Schreibschulen richtig 
würdigen, so muss von der Masse der Belege vorher ein Ab- 
strich gemacht werden. Er betrifft den schon mehrfach hervor- 
gehobenen Einfluss des griechischen Schriftwesens auf das occi- 
dentalische. Es herrschte z. Th. das Princip, anlautenden Spiritus 
in griechischen Wörtern unausgedrückt zu lassen, ein Princip, 
das schon im Alterthum Gültigkeit hatte, aber sie auch später 
nicht verlor und das schliesslich auch auf die Aussprache selbst 
Einfluss geübt haben muss. Man verlernte schliesslich in grie- 
chischen Worten das h zu sprechen, das man nicht schrieb. 
Richtig stellt Valentin Rose in seinem Cassius Felix S. 238 die 
Regel voran : „h . . . omittitur in graecis non graece scriptis a 
und betrachtet die Schreibungen des h als Ausnahme zur Regel. 

Dass das Alterthum besonders auf griechische Cognomina 
die Aphärese anwandte, ist S. 131 f. gezeigt; dass Worte wie hym - 
nus keines h bedurften, S. 128 f. Daher wird Hyginus zu Yginus , 
Hydatius zu Idatrns , umgekehrt Isidorus zu Hysidorus; 9 ) 
dann lat. ibridus zu ybridus und hybridus. Beda führte omilia 
unter 0 auf, mit dem Zusatz graecum est (S. 163). Ein ent- 
legeneres Beispiel sei gleich hinzugefügt: in der historia Brit- 
tonum 4 ) p. 160, 1 steht der Eigenname Hessitio ; in den Neben- 
handschriften aber tritt dafür Ysicio , Ysition ein; das y graecum 
drückt die Aspiration mit aus. 

Vielfach und früh wurde die Transkription ganzer griechi- 
scher Texte in lateinischen Lettern üblich; alsdann blieben aber 
so gut die Spiritus wie die Accente ohne Wiedergabe ; ich wähle 

1) Auch auf diesem Wege konnte causa zu coassa werden ; so im Codex 
diplom. Langobardiae n. 63 a. 789 ; ebenso im 9. Jhd. Claudian’s cod. 
Veronensis coata f. cauta; coapo f. caupo Corp. gloss. IV 46, 20; weitere 
Analogien Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 105. 

2) Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 122. 

3) S. die Chronik des sog. Fredegarius ed. Krusch. 

4) Abgedruckt bei Mommsen in den Chronica minora Bd. II. 


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189 


die Hermeneumata Monacensia Corp. gloss. III S. 119 ff. als Bei- 
spiel: da steht auf S. 119 epidi oro (quoniam video), ellenisti, 
opos (ut), bibliis ermineumaticis , eneca (causa), utos (sic), apasin 
(omnibus) und so durchgeführt; das Werk geht in ein Vocabu- 
larium über; auf Buchstaben > folgt daselbst S. 143 Buchstabe 
h (das ist 17); hier wird nun griechisch r; nicht mit i oder e, 
sondern mit hi wiedergegeben, auch da, wo kein Spiritus asper 
stand : hineca (attuli), hi ca pleonacis (aut etiam sepius), higago 
(adduxi), hdton (veni), himera (dies), higume (existumo), hithi 
(mores), hideos (suaviter) u. s. f. Noch consequenter sind dann 
die Brüsseler Hermeneumata ib. S. 393 ff., die überhaupt kein A, 
auch nicht für rj kennen; vgl. auch die Berner Glossen ib S. 487 ff. 
u. a. bilingue Glossare am Schluss des Bandes sowie Bd. II S. 508 ff., 
wo alas sal, elios sol, ic sus, e bus hic bos u. s. f. u. s. f. 

Sowohl diese zum Lernen bestimmten Schriften mussten 
nun weitgreifenden Einfluss üben als auch die griechischen 
Citate, die sich in den römischen Autoren fanden. Die Buch- 
schreiber fanden diese Citate ohne Spiritus vor und behielten 
beim Copiren des Textes die griechischen Lettern entweder bei 
oder setzten sie auch, so wie sie waren, in lateinische Schrift- 
zeichen um ; so vielfach das Griechisch bei Priscian : 02<DA2AN 
wird für äg <fdcav , 02TI2 für oaug 9 HTTON f. u. s. f. 

gesetzt. Dem entsprach die lateinische Transkription. Um- 
gekehrt drangen dann die griechischen Lettern selbst in den 
Vergiltext ein und man schrieb Aen. I 144 CYMOGOE statt 
Cymothoe (bei Prise. II H. p. 185 cod. L). 

So sind nun aber auch griechische Eigennamen und grie- 
chische Termini vielfach auf diesem Wege und ohne den Spiritus 
recipirt worden. Bei manchen Autoren wie bei Dictys und 
Dares oder bei Pomponius Mela 1 ) ist davon freilich nicht viel 
wahrzunehmen. Bei anderen tritt die omissio nur sporadisch auf. 

So wie wir in den Ueberschriften der Horazoden 1 14 und III 16 ypotetice 
lesen, so häufig sind bei Priscian Schreibungen wie Ippocoon I p. 49,29 
(RHK), Erachydes p. 63 für Heraclides (R), Ermagorae p. 85 G(K) u. 
p. 111,2 RH; p. 148,16 Abrotonium (nur cod. L Habrotonum ), Eau - 
tontimorumenon p. 197,18; vgl. auch 247,10; 268,11 und sonst; ferner 
p. 202,4 Adriacas aus Lucan, 221,19 imen f. hymen, 224,14 Ebrus , 272,9 


1) Bei Mela nur ganz vereinzelt Eniochorum , Adrian , Istonium . Der- 
selbe richtig Anticthones 14 u. 54; Icthy{n) 1150. 


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190 


ercle R (aus Plautus), 290,17 Yanteo R; II p. 126,20 hatte R für og hoc 
geschrieben und tilgte hernach das h; und auf gleicher Linie wird Moratim 
behandelt (vgl. oben S. 131): Oratius steht I p. 52; 72,3; 120,13; 127,16; 
144,20; 207,19 ; 208,7; vgl. 267,23 bald in mehreren, bald in der Mehr- 
zahl der Handschriften. 

Doch wird dies in den Priscianh and Schriften keineswegs durcbgefübrt ; 
nicht anders bei Orosius, wo wir gelegentlich Arpalum lesen p. 71,15, 
yppoliten p. 67,7, bei Ammianus Marcellinus, wo ecatonpyloe 17,4,2 u. 
23,6,43, dagegen omero 19,4,6 in cod. V; in Placidus Statiuscommentar 
p. 194 Ypocrenee codd. MPa. In den Aratea Rhein. Mus. 52 S. 322 und 
332 wiederholt Ipparchm . Im Vocabularius Sancti Galli saec. VIII *) ist 
das h in den lat. Yocabeln meist correkt, homo, Habitat r humanus , hutnus, 
hedi t hinnit ; richtig auch ostium die Thür etc., daneben aber ortus Garten, 
aYena Sand und ebdomata . Benedicti Regula bat stets ebdomada , ebdoma - 
daritiSy dagegen wechselnd ymnus und Hymnus , s. cap. 11, 17 u. 18. Didascal. 
apostolorum ed. Hauler: epar fol. 5; ebdomada 16; olocaustis 28; ora neben 
hora, und zwar fallt H besonders in der Verbindung Hac ora fort, s. fol. 8 
u. 79; dagegen Heresis, heretici , hypocrisis. Bei Varro de 1. lat. steht 5,78 
yppopotamius , 6.94 in Ermiona , 7,20 Eliconides 7,21 Ellespontum , 7,107 
in E8iona[ni\, % ) 8, 16 fünfmal Ercules (dagegen Hercules 9,79 wie Hectorem, 
Heraclides 8,68 u. 72; 10,69); Varro de re rust. (cod. A): I 1,8 Egesias. 
Palladius 5, 3, 2 ipposerinon (so) cod. P saec. X ; 8, 7 De ydromelli ; 13, 4, 1 
yppomelides cod. L saec. IX; ius f. hyos („des Schweines“) 1,35,5 in 
vielen Hss. 

Cruindmeli ars giebt oft ympnus , ympnizo (f. hymnus) p. 2, 5 u. p. 47 > 
exasyUabi p. 18, 19 u. 26 ; eptimemeres (so) p. 35, 12 u. 38, 4 ; yper . . für 
hyper . . p. 36, 14. Boethius consol. ed. Peiper p. 168 ebdomadas zweimal 
alle Hss, p. 193, 19 Ecubam. In den Scriptores hist. Augustae steht meist 
Hadrianus, Hadria , I p. 13,5 und 30 aber ist das H dieses Namens aus- 
radiert; p. 17,12 Elidorum (so), p. 51,9 oris f. horis in B (sonst Hora), 
p. 69,13 Arpocrationem , p. 222,27 ydrogarum, 225,25 yacinthis (vgl. II 
p. 23, 2), ecatomben II p. 60, 22, ebenso Z. 23 ; p. 80, 31 ; 179, 18 ; Emimontum 
p. 148,27; charakteristisch ist noch, dass ib. I p. 27,1 Helvius für Helius 
in cod. B eindrang, ähnlich auch in P, dagegen 27,16 Elius für Helius in 
BP steht, zum Zeichen, dass der Name, wenn griechisch, keines H bedarf, 
und dass er lateinisch sein muss, wenn er ein H beansprucht. 

Für Hippocrates steht yppocrates bei Gargil. Martialis ed. Rose p. 143; 
denn y ist = hi; vgl. yppus f. hippus bei Wright Latin and Anglo-Saxon 
Glosses p. 622; ystrum f. Histrum Waltharius 18 in CB. 

Bei Ambrosius ed. Schenkl I p. 23,20 ylen neben Hylen , p. 3,8 alle 
älteren Hss. ylem oder ylen ; p. 39,12 u. 441,24 ebdomadam ; 54,21 ymno 
(S); vgl. 75,1; 112,3 orarum (so öfter, aber keineswegs immer); 112,23 
oroscopum. Bei Apollinaris Sidonius epist. IV 3, 7 Hilarius LT u. a. 

1) ed. Henning Quellen und Forschungen Bd. III S. 14 ff. 

2) Bücheier Rhein. Mus. 27,475 wollte in Aesiona . 


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191 


Ylarius C; VIII 11, 5 endecasyllabos und ec rametros; 1X3,5 ebdo- 
mad(alibus). Ausonius Parental. 8 praef. Ilaria ; 25,14 Ispana ; 26,11 
j Ibera; professor. 12 Ueberschrift : Ercülano ; Caesares 22 ebdomadam; 15 
Adrianus; technop. 9,7 amadryadis ; cento nupt. 1 Z. 26 exametro; aerum. 
Here. 11 E8peridum. Catull c. 62 Ueberschrift Exametrü in G; c. 66,94 
idrochoi ; daher auch c. 65,2 u. 15 Ortalus. 1 ) Bei Horaz selten und ver- 
einzelt carm. 116,4 Adriano in Fyu, 122,8 Ydaspes Fn Ac ; IV 4, 6 ydra 
x und 62 Erctdem X; Sat. 110,52 Omero E; Epist. 111,10 ydram FX ; 
Ars poet. 296 Elicone FXdu. 

Bei Censorinus de die nat. p. 11,7 ebdomade ; ebenso p. 19,33; 20,8 
u. 14 u. 21 (hebd. p. 16,31 f. ; 21, 10) ; ferner p. 13, 1 exagoni; 27,33 Arpalus 
(aber 28,34 Heraclitus) ; p. 14,26 emitonii (aber öfter hemitonion) ; lehr- 
reich p. 18,4 Jerophilus f. Heropbilus (oben S. 29,5). p. 36,5 in oras; 
36,12 ad oras (sonst auch hora f horographus). Gromatici p. 62,1 emi- 
sperion B; 190,11 ypotenusas A; 222,1 Adriani ; ebenso 231,1 u. sonst. 

Bei Cicero de nat. deorum 174 meretdae B, me ercule AC (vgl. § 78 
in C) ; II 5 ippocentaurum ; II 67 Aestia B, Hestia AC ; 69 istoria BC : 110 
Elice AB ; III 27 armoniam BC ; 35 Eraditum f. Heraclitum B ; 54 Aelio- 
pollis oder Eliopolis ; 76 Ippolitus B, YppoL C. 

Entsprechend verliert haliaetus sein h, Ovid met. 8,146; arpe f. barpe 
5, 176; Hypalemon wird Ypedemon (cod. e) und ippademon (cod. A) ib. 8,360; 
Uli f. Hylli steht bei Avienus III 536 Holder. 

Energischer wirkt dies Princip schon im Vergilcommentar des Servius: 
zu Aen. 1 8 omonousas cod. C ; I 30 omoeotdeuton alle ; vgl. zu III 663 ; 
1317 Arpdliee cod. K, Arpalico CP; 1332 ypermetros K (hyp. BM); 1500 
amadriades CP ; 530 Yginus BC ; ebenso III 553 FC ; zu 537 fin. : Yades C ; 
642 elios LHC; 742 Elico, Elicdtdes. II 4 ypaüage ; vgl. zu II 508; II 731 
y8terologia L ; 745 ypermetrus LME ; III 88 Iantheo f. Hyantheo ; 98 yper- 
borei ; 113 Ypomenes L, danach Ippomenes PH; 209 Arpyas öfter; 212 
Esiodus F; III 340 emistichium ; 402 ydrae ; 673 yperbole . IV 584 Ercules 
öfter in F sowie Esperidas . IV 511 Ecatem F. V 7 Arpigiis ; 30 Ypotes M, 
Ippotes FC. 383 oros f. oqog alle. 410 endyadyn , vgl. zu VII 17. VI 617 
Yppolilum M (hip. C); VII 110 Arpyam , Arpiam alle; 180 Eliogabalus 
alle u. s. f. 

Dazu Anthologia Salmasiani ; c. 57 Ector; c. 11 Ippodamia u. ymenaeus ; 
17,334 Ecaten; 19,21 armonie , 21,206 Ippomene (am Versanfang); 33,3 
Eliconiade ; 55,1 Erctdeis ; c. 57 Ectoris ; c. 105 Ecuba ; 159,6 Ipograten ; 
dazu ib. 4,141 ydropem in P saec. VI; 392,2 Yppolite alle Hss. (Salm, 
fehlt); 394,5 eros f. heros (Held) cod. D saec. IX. 

Ueber die Geltung dieser Schreibweise bis in’s 12. Jahrhundert belehrt 
uns weiter Eberhardus Bethuniensis in seinem Graecismus, der sonst sein h 


1) Der Redner heisst Hortensius Hortalus (vgl. über den Sohn Prosopo- 
graphia II S. 148), das Cognomen aber ist griechische Bildung, wie die 
Ableitungssilben zeigen; vgl. Chrysahts u. Attalus . 


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192 


fleissig schreibt und nicht leicht fehlen liess, 1 ) wohl aber Amadryades giebt, 
armenis (i^fAi^yevg ) , emorroides , etheron (et£qov), etheroclisis , etheroclita 
(ed. Wrobel p. XV1I1), ferner Arpie f. Harpyiae 7,42, agios 8,17, und 
zwar in einer alphabetischen Ordnung griechischer Wörter unter A gestellt; 
Elios und Eliades 8, 127 ; ex f. ££, unter E geordnet, 8, 180 ; ebenso ecaios 
u. Ecate 8, 132 u. s. f. 

Im 11. Jhd. dichtete Sextus Amarcius seine sermones; die Dresdener 
Hs. (saec. XIII) wahrt die lateinische Aspirirung auf das sorgsamste,*) nur 
bei griechischen Yocabeln fallt sie fort, und wir lesen ymnus , eUeborus , 
ybla , ypocrates , ydra> eniochos , ebdomada . 

Dass dies in die Aussprache überging, zeigt der episcopus Laudensis 
Aepholitus oder Aepolitns , so geschrieben im Codex diplom. Langobardiae 
n. 19 a. 759, und mit der Präposition a Aepolito. So wurde Egumenus 
für abbas üblich und emina neben hemina (du Cange); ebenso olovitreus 
„ganz aus Glas“ (ibid.) ; arpax „Egge“ bei Papias. alosantus f. uXog ay&og 
giebt Diefenbach unter absinthium ; ile f. vkq ist ganz recipirt sowie iusqui - 
amus f. hyoscyamus (derselbe) ; vgl. Corp. gl. 111 542, 5. Sogar erde herrscht 
ausschliesslich bei Diefenbach. Dazu Odronto Itiner. Hieros. p. 609 Wess. 

Endlich ergab sich sogar aus chelydri ein hüydri und ylidri , orean 
aus chorean (oben S. 178 u. 179). 

Am deutlichsten ist das Princip vielleicht im Martianus Capelia wahrzu- 
nehmen, dessen Text vornehmlich auf den zwei Handschriften B(ambergensis) 
saec. X init. und R(eichenauensis) saec. X fin. aufgebaut wird. Beide Hss. 
stimmen oft überein und wir lesen : p. 14 Ermafrodito BR, p. 19 imarmene 
f. dpccQpsyrj u. yalinos , p. 20 yalina BR, 22 yacinctos u. eliotropios u. 
ydatide , 29 eptaden , 42,16 aeram B, eram R für Heram; 48,31 Amman; 
49 Arpie , 77,31 Annibal , Asdrubal , vgl. p. 238; 82 Ercules B; 136,18 
ymen , 160 Elena , 169 omoeoprofora , ebenso 170; 171 endecasyllabi ; 190 
proegwmenos; 198 Elladica ; 201 orispica f. horispica; 202 u. 203 u. 312 
orae , orarum ; 203 orologia ; 203 emispherium ; 204 orizontam (so) ; orizantU 
303, 305 und öfter; 209 Annio (so) f. Hanno; 221,1 Emi B für Haemi ; 
222 Emonia , Elles, Ellenes ; 224 J Ellesponlus; 231 Ippone; 232 Esperidum. 
237 Ermus; 240 Ypanis ; 257 ydreo; 259 armonia , emidlian und (a)ecatontas ; 
260 emisferio (anders p. 320); 262 exas, eptas . 263 ebdomadas ; 297, 19 üarus 
{IXaQvg ) ; 299 Yperborea ; 304 Ipparcus. 306 enioci ; ydri ; vgl. 309. 326 
diarodu zweimal ; 338 imeros und ymnos ; 345 armoniae ; 347, 1 ydraulas B, 
draulas R; 374,3 eroum f. heroum. Dagegen Hercules meist mit h. 

Freilich ist auch bei diesem Autor, wenn wir, dem Text Eyssenhardt’s 
folgen, die Aphärese nicht etwa durchgefübrt, und wir lesen hymenaeus 


1) Ausnahme nur ariölus und aruspex , die er von ara „Altar“ her- 
leitet; übrigens sind bemerkenswerth auferesis f. dyaifjeoig ; eclipsts f. 
ellipsis ; vgl. Mart. Capella. 

2) holusctUa , harenas u. s. f.; sogar hittae 1H 120; ara f. hara I 523 
ist Ausnahme, hibiscus II 531. 


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- 195 - 

p. 1 u. 2, Helicotta p. 5, harmonicis 12, 15, hyacinthi p. 20 (anders p. 22), 
ab Heraclito 24, besonders 25, 25 honos f. o yovs, hidraularum harmonica 
mit Allitteration p. 32. Dass schon Martianus in solchen Wörtern das h 
nicht sprach, lässt sich somit gewiss nicht behaupten; wohl aber muss es, 
wenn wir auf die Ueberlieferung Acht geben, als wahrscheinlich gelten, dass 
er es vielfach nicht geschrieben hatte, und die Herausgeber, die den Original- 
text des Autors wiederherstellen wollen, sollten bei ihm wie bei anderen 
hierauf Acht geben. 

Ueber vielfältigen Missbrauch, der noch immer bei Abdruck griechischer 
Yocabeln in unsren Editionen herrscht, müssen wir uns beklagen. Wo solche 
Vocabeln in Cicero’s philosophischen Schriften, bei Seneca, Quintilian (V 10,75) 
oder Ambrosius unterlaufen, druckt man sie nach altem Herkommen in grie- 
chischen Lettern, auch da, wo sie in lateinischen überliefert sind. Vielfach 
aber sind diese lateinischen Umschriften von Werth und es fehlt zudem jeder 
Grund anzunehmen, dass sie nicht auf den Autor selbst zurückgehen. Bei 
Cicero steht de deor. nat. 11146 H(a)ecatam , und ko druckt man; warum 
nicht auch pronoea 120 u. 22, wie zweimal in allen Hss. steht? 155 
himarmenem ? 11 111 hyin f. veiy? 11156 war die ägyptische Gottheit Theuth 
vielmehr mit Theyt(h) transkribirt, wie die Hss. ergeben. Bei Varro 1. lat. 
10 § 43 wird logoe so in den Text genommen ; warum nicht auch logon § 37 ? 
Bei Ambrosius stehen zwar griechische Ci täte in griechischer Schrift, Termini 
wie hyle (yle) werden dagegen lateinisch geschrieben, und der Editor sollte 
dies beibehalten. Fulgentius transkribirt eis mit is p. 64 ed. Helm, aber 
olvos mit hinus p. 53 (s. unten). Nonius H p. 28, 17 tocos f. zöxog. Löbens - 
werth ist, dass Hense in seinen Briefen Seneca’s hierauf achtete; einen 
schlagenden Beweis liefert dort die Stelle im 45. Briefe p. 126, 11, wo die 
Codices bieten: quem tu ipse eudomenon appellas und zu lesen ist ipse 
pseudomenon ; der Anlaut ps ging hinter ipse verloren; das Wort stand 
also lateinisch im Archetyp. Im Apparat zum Martianus Capella werden 
wir nur gelegentlich hierüber vergewissert ; vpyoXoyeZs schrieb dieser Autor 
zweifellos p. 2,3, wie die griechische Endung bestätigt; und das TYMNO . . . 
in den Handschriften zeigt ein P, das offenbar aus dem Spiritus asper b 
hervorging. *) Dagegen ist p. 174,15 paralemsis für nagccXeityis so werth- 
voll wie p. 178,20 epanalempsis ; 178,17 palinlongio B f. naXiXXoyia mit 
der nämlichen Dissimilation wie p. 181, 3 eglipis (so) f. eXXecxpcs (vgl. oben 
S. 192, 1) ; p. 186, 13 parecbasin u. s. f. 

Unser Ergebniss ist, dass Harpagus oder Charpagus latei- 
nische, Arpagus gräcistische , Hadrianus nebst Chadrianus 
lateinische, Adrianus gräcistische Schreibweise war. 

Auch Hercules verfiel bei manchen dieser Auffassung; daher 15 maliges 
erde schon im Ambrosianus des Plautus. Auch hilaris wurde gelegentlich 


1) p. 175,27 epimonem BR f. elgopeyqy weist gleichfalls auf griechische 
Schrift. 

B i r t , Th., Der Hlat bei Plautus. 1 3 


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194 


und zwar richtig so aufgefasst (vgl. IXa^og), und wie derselbe codex 
Ambrosianus Harem zeigt Poen. 1367, so finden wir ilarum auch bei Marti- 
anus Capelia (s. oben); üla re f. hilare bei Comificius ad Her. p. 375,9; 
ilari Plaut Most. 318 in P (dagegen hilarus Mil. 1199; Rud. 419); ebenso 
Anthol. lat. 5, 11 im cod. Vossian. saec. VI; ja, schon im ersten Jahrhundert 
lesen wir in Spanien elaree recedunt , Ephemer, epigr. VIII S. 527 n. 316, 
wozu Helara CIL. XII 1109 zu vergleichen ist. 

Wer nun nach dem Werth des h im lateinischen Sprachgut 
fragt, wird von allen obigen Aphäresen absehen, aber nicht 
nur von ihnen. Dfenn der griechische Spiritus, der sich der 
Schreibung gerne entzog, hat noch weiteren Einfluss geübt. Auch 
sonstige Lehnworte aus dem Punischen, Hebräischen, Keltischen, 
Fränkischen, insbesondere Eigennamen, sind vielfach dem- 
selben Princip verfallen. Der Verlust des h in solchen Fällen 
vermag also wiederum nichts zu beweisen. 

Ich erinnere nur an Ranno , Hannibal , Uasdrubal ; dies 
A, das dem Cheth entsprach, wurde im römischen Munde wirk- 
lich gehört (oben S. 75 ; vgl. 118) ; der Grieche aber schrieb * Avvcor , 
’Avrißag, ’Afu'Xxag. Die verbreitete Orthographie Annibal , Anno 
in lateinischen Texten ist also nichts als Gräcismus. 

Gräcismus ist es darum auch, wenn die Reruli als Erüli , 
Hermanaricus als Ermanaricus erscheinen (Jordanes); vgl. 
’EqovXoIi ’EqovXAoi ; Gräcismus das Unus f. Hunus, Chunus bei 
Prudentius contra Symm. III 308 in cod. «; vgl. Ovvvoi\ Grä- 
cismus Ebrus f. Hebrus, ein aus griechischer Schrift überkom- 
mener Name : ° Eßgog , ’Eßgog. 

Dieselbe Manier konnte auch Anlass sein, dass Gregor von Tours 
Meroveus , Chlodoveus statt Merovechus, Chlodovechus schrieb, 
und das ging weiter. Im sog. Fredegarius steht Airibcrtus 
neben Chairibertus ; ') in den Weissenburger Urkunden des 
8. Jhds. findet man neben Raganbach sowohl Aganbach wie 
Chaganbachy findet man Asaph gleichwerthig mit Uasaph ; 2 ) in 
Sankt Gallen wird Aribaldo, Artioviniay Ungari geschrieben, 3 ) 
was sich, wie man mit Recht voraussetzt, aus romanischen 
Schreibgewohnheiten, die in die nichtfränkischen Lande ein- 

1) S. 0. Haag „Die Latinität FredegarV, in Roman. Forschungen X 
S. 872, der die Fälle des h omissum weder sondert noch richtig beurtheilt. 

2) H. Garke in Quellen und Forschungen Heft 69 S. 4 ; vgl. über 
Irmino Chirmino , llpericus Chüpericus auch Jac. Grimm Gesch. der 
deutschen Sprache S. 543. 

3) Henning in Quellen u. Forschungen Heft 3 S. 141. 


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drangen, zu erklären hat. 1 ) Nicht richtig ist dagegen, dass 
man auf gallisch-fränkischem Gebiet das h schon nicht gesprochen 
hätte; denn diese Aphärese beschränkt sich wesentlich auf das 
Gebiet der Eigennamen und ist darum separat zu betrachten. 2 ) 

Dass sich dies Princip auch der echt lateinischen Namen 
gelegentlich bemächtigt hat, ist schon S. 131 f. von mir belegt; 
Erennius wurde statt Herennius beliebt u. a. m. Trotzdem 
sprach noch Priscian Herennius , oben S. 112. Ich trage hier 
den Omullus nach, Scriptores histor. Augustae I p. 42,22—25, 
der Homullus bedeuten muss. 8 ) Insbesondere ist Oratius dauernd 
recipirt worden, so ständig bei Priscian u. a ; auch Script, histor. 
Aug. I p. 248, 17, ein Text, der in der Schreibung des h sonst 
durchaus treu ist. 

Dieser Gräcismus hat durch mechanische Uebertragung die 
occidentalischen Schreibschulen beeinflusst, auch als man vom 
Griechischschreiben selbst nicht viel mehr wusste; alsdann ist 
er auch in die deutschen Schreibschulen diesseits des Rheins 
hinübergedrungen. Die naturalistische Schreibung mit h — oder 
ch — im Anlaut erhielt sich aber daneben. 

Es nimmt sich wie die Probe auf das Exempel aus, wenn 
wir einige deutsche Lehnworte aus dem Latein betrachten. Ich 
bediene mich z. Th. der Nachweise Garke’s. 

Echtes h hat sich gehalten in deutsch hysopes (Reichenauer 
Glossar; s. Graff, Ahd. Sprachschatz IV S. 1059) und hispe 
(Deutsches Wb. IV 2 S. 1579), das dem echt latein. hysopum , 
hyssopum bei Pelagonius u. a. entspricht; gr. vacmnov. In der 
Schweiz wird heute harein gesprochen, 4 ) was auf harena zurück- 
weist; dagegen uribel f. horribel. 5 ) Auch die Hunni behielten 
ihren Anlaut, habilis wird in den lateinisch-deutschen Glossaren 
mit habilicher erklärt, die Aspiration also übernommen (s. Diefen- 

1) Henning S. 96. 

2) Dies Princip ist von Bezzenberger, Ueber die A- Reihe der gotischen 
Sprache (1874) S. 18 mit Recht vertreten, was auch Henning S. 97 dagegen 
einwende. Aeltere orthographische Manieren sowie die Liebhaberei und der 
Eigenwille des Trägers des Namens wirken hier oft mit ein und mahnen 
zur Vorsicht. 

3) Homullus z. B. CIL. VI 19509. 

4) S. Staub u. Tobler, Schweiz. Idioticon II S. 1516. 

5) Ebenda I S. 420. 

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bach S. 272). Ahd. hospitalhus mag gelehrte Composition sein, 1 ) 
jedenfalls wurde das h im Anlaut wie im Inlaut gesprochen. 
Dänisch humle (Hopfen), mnd. kommet, stammt aus lat. humulus. 2 ) 
Der Ortsname Heddernheim wird von Hadrianus hergeleitet. 

Ja, auch das unechte h des Latein ist von den Deutschen 
gehört und angenommen worden. Fälschlich erblickt man in 
Helephant einen Fall deutscher Prothese; sie existirte ja im 
Latein längst (oben S. 157), und das Deutsche hat das Thier in 
beiden Gestalten, mit und ohne Aspirirung, aufgenommen. 
Wenn im Reinart v. 619 harnen steht, so steht dasselbe inscr. 
Hispan. Christ, n. 96. Hebenholz (Deutsches Wb. IV 2 S. 731) 
ist das echte Vergilische hebenum und das hevenum der Glossare 
(oben S. 157); dem entspricht lieber f. ebur in einem ahd. Glossar 
des 10. Jhds. 8 ) Ahd. harug (delubrum) und vor allem harn - 
gäri (haruspex) führen auf das Opferthier haruga , ariuga . 4 ) 
Zu den hunden , wie noch heut alemannisch gesprochen wird 
(Birlinger), ist vorbereitet in lat. hunda (s. unten). Wie heute 
in hoblische (Schweizer Idiot. II S. 948), so erfährt auch im 
Mittellatein das Präfix ob häufig den gleichen Vorschlag ; und gerade 
hobligare werden wir unten nachweisen. Das deutsche Aichmass 
kam (Lexer, mhd. Wb. I S. 1162), sonst mhd. ame, heute „Ohm,“ 
auch afrz. aime, hat von lat. hama sein h gegen gr. äpr] (oben S. 156). 

Am schlagendsten aber ist, dass es sich in der Mehrzahl 
derjenigen Entlehnungen des Deutschen, die Verlust dieses h 
zeigen, um griechische, nicht um lateinische Lehnwörter han- 
delt ; Garke giebt hierfür S. 126 f. folgende Belege: öresie aus 
haeresia, armonie aus harmonia, etica aus hectica; elna aus 
helenium — aber auch lat. inula ist aus ihiviov mit Ignorirung 
des Spiritus bezogen 6 ) — ; ermodatten aus hermodactylus, ippencras 
aus hippocras, omelie aus homilia ; ore, Uhr, aus hora, im Latein früh 
als griechisches Lehnwort ohne h geschrieben (oben S. 131 f. u. 145) ; 
orizon aus horizon, iderslunge aus hydor . . . ®), ymne aus hymnus. 

1) Graff IV S. 1055; dazu Wilb. Franz Die lat. romanischen Elemente 
im Ahd. Strassburg 1883 S. 8 u. 47. 

2) Andresen, Deutsche Volksetym. S. 192. 

3) Graff I S. 99. 

4) ib. IV S. 1015 f. 

5) Weise in Bezzenberger’s Beiträgen V S. 83; Schuchardt I S. 38. 

6) Aber daneben die Namen Hydor m und Hiedraha bei Graff Alt- 
hochdeutscher Sprachschatz IV S. 1284. 


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197 


Ich füge deutsch Eibisch hinzu, lat. meist, aber nicht immer 
hibiscum ; das h hatte kein Recht; vgl. ißt'axog; sodann absts, 
absidia 1 ) zu chpt's; aber schon der Grieche sprach dxpfg (oben 
S. 147). So steht mhd. dme „Ohm“ zu ciprj* ahd. isop zu vo'o'o)- 
7ror; schwäbisch imi zu emina , hemina .*) 

Wenn im Altenglischen Ebrea , Ercol, Er ödes, i stör i am, ia- 
cinctus (ahd. iachant) ohne Aspiration erscheint, so sind das in 
dieser Schreibung übernommene Buchwörter. Eben darum kam 
aber auch im Angelsächsischen bei der Allitteration griechisches 
h nicht in Anschlag, und man findet vokalischen Stabreim in 
den Versen (Judith 180 und 230) : 

Holofernes unlyfigendes ; 
eorlas aescröfe Holofernes.*) 

Endlich ein Wort zu historia und Hispania. 

Es ist ein übereilter Schluss, dass die Aphärese in Spania 
storia stummes h voraussetze, etwa so. wie ital. vangelo nur ein 
e einbüsste, 4 ) ahd. pflastar aus emplastrum ein unaspirirtes e/w. B ) 
Wie wenig zwingend dies ist, beweist schon ital. tondo f. ro- 
tondo, woraus man doch auf Schwäche des r keinen Schluss 
zieht; dazu fondo f. profundo; in der Volkssprache Cola f. 
Niccolo, Dduvica f. Ludovica, gnursl f. signor si u. ä. Ä ) Mit 
Recht wird derartiges von Meyer -Lübke als Vereinfachung 
oiner scheinbaren Reduplikation betrachtet. 7 ) So auch spitali f. 
hospitale. Dazu halte man Spiritus , das mit Prothese nicht 
nur als ispiritus erscheint CIL. V 1720, sondern auch als hispirito 
ib. XIV 4055; denn wir haben keinen Grund anzunehmen, dass 
dies h gravirt worden wäre, wenn es stumm war. Genau ebenso 
bei Virgilius Grammaticus p. 150, 9 Uistoicorum f. Stoicorum. 
Gerade sigmatischer Anlaut der zweiten Silbe begünstigte näm- 

1) Vgl. caveas apsidatas Cassiodor Variae 4,51; apses schon Pompeji 
CIL. IV 2310 g; vgl. 2324 a (?). 

2) Vgl. Fr. Kluge Vorgeschichte der altgerm. Dialekte (in PauPs Grund- 
riss der germ. Philol.) 2. Aufl. S. 334 ff. 

3) Vgl. Alois Pogatscher in Quellen u. Forschungen Heft 64 S. 25 und 
weiter. Hierauf bin ich durch freundliche Hinweise meines verehrten Collegen 
Ed. Schröder aufmerksam geworden. 

4) So auch im Mittellatein; s. Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 54. 

5) Hier ein plastrum zu Grunde zu legen ist nicht möglich , da dies 
nicht existirte. 

6) Fr. Wentrup Beitr. zur Kenntniss des sicil. Dial. S. 15. 

7) Italienische Grammatik S. 169. 


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198 


lieh diese Aspiration, zumal wenn auf das s noch ein weiterer 
Consonant folgte, wie massenhaftes hostium , hostiarius , kosten - 
dere , wie hostrea (frz. huitres) , wie ständiges Hist er, Histria 
gegen gr. 'laxgoq nebst Hismarus und Hismenus , wie Haspasia 
und Aehnliches darthun; eine Sammlung von Belegen folgt 
später. Erstlich ist also die Schreibung istoria Gracismus und 
nach ymnus , ora , ebdomada u. s. f. zu beurtheilen; aber auch 
die Schreibung storia , die weit verbreitet war (s. z. B. Jordanes ; 
altengl. stcer ) , zeigt griechische Aphärese und ist. nach 
axdpsrog f. lardpsrog, Xagorrjg f. tXcegorrjg , r« f. fr« zu beur- 
theilen, wofür K. Dieterich Untersuchungen zur Gesch. der grie- 
chischen Sprache (1898) S. 80 Nachweise giebt. 

Ebenso gilt es Hispani . ahd. Spdn , richtig zu würdigen. 
Hier war nämlich die Aphärese längst im Alterthum vorweg- 
genommen. Spanus oder Spania steht schon bei dem Mediciner 
Scribonius zu Nero’s Zeit c. 256, wo doch das k noch nicht 
stumm war, dasselbe bei Nonius II S. 224,30 im 3. Jhd.; es 
wurde bald weithin recipirt, vgl. Liber glossarum , Corp. gl. V 
108,35, und man las es im Arnobius V 24, im Augustinus 
epist. 35, 2, vor allem aber in der Vulgata. So ist die Wort- 
form zu den Germanen gelangt. Wem aber wurde sie verdankt? 
Jedenfalls nicht den Römern. Vielmehr haben die Griechen, die 
seit des Augustus Zeit das Wort von den Römern annahmen, 
die Verantwortung zu tragen. Denn der Grieche schrieb neben 
‘ Janavfa ( Eianavia ) schon früh JEnavCcc; so Paulus im Römer- 
brief 15, 24 ff. ; so schon vor ihm Diodor 5, 37, alsdann Plutarch 
und die weiteren. Warum wurde die Aphärese beliebt? Sie 
tritt früher bei den Griechen als bei den Römern auf und er- 
klärt sich unzureichend aus lateinischen Lautgesetzen, 1 ) wohl aber 
daraus, dass im griechischen Sprachschätze kein einziges Wort 
existirte, das mit der Lautgruppe tan anhob. Daher lehnte der 
Grieche den ihm gänzlich fremdartigen Anlaut tan nach Mög- 
lichkeit ab und sprach aus eigenem Sprachtrieb JZnctvict, 2navoq 
oder 2ndvog , rj 2ndvrj und 2rr avixog, und zwar mit offenbarer 
Anlehnung an das allen geläufige Adjektiv ondvioq. Eben darum 
wurde wohl auch nicht 2nävog accentuirt. Diese griechische 
Wortform adoptirten nun wieder die Römer, Scribonius voran; 

1) Denn welcher römische Autor in Nero’s Zeit zeigt solche Aphärese 
in lateinischen Worten? 


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199 


sie drang in die Vulgata; von hier aus ist sie auch in’s Alt- 
hochdeutsche gekommen. 

Steht neben Hispanus und Spanus gelegentlich auch Ispanus 
(in Spanien selbst CIL. II 2680; 3133; vgl. VII 184; IV 2426; 
Ausonius Parental. 25,14), so ist das wieder nach istoria zu 
schätzen ; aber auch die Griechen sprachen so ; das antike Lexikon 
de aspiratione zählt ’ lanarfu unter den griechischen xpdovpera 
auf. 1 ) 


VI. h spurium ein hörbarer Hauchlaut. 

Das 6. — 9. Jhd. setzt nicht nur ein geschriebenes, sondern 
auch ein noch lebendig gesprochenes Latein voraus. Die Aus- 
sprache dieses Latein war zwar der Verwirrung und der Ent- 
stellung durch gallisch - germanische Einflüsse preisgegeben ; 
immerhin aber konnte sie zugleich viel Echtes und Altes durch 
die Tradition der Zeiten überkommen haben. Für das Romanische 
fehlt es aus diesen Jahrhunderten noch an Monumenten; denn 
das Romanische entwickelte sich eben damals aus dem Lateini- 
schen. Für das Latein liegen die Monumente uns dagegen zahl- 
reich vor, in’s Unzählbare. Wir können die Urkunden, wir 
können die Scriptores befragen. Die Schreiber der Urkunden 
und der Handschriften schrieben das Latein aber vielfach just 
so nieder, wie sie es hörten und aussprachen; die Belege hier- 
für stecken haufenweise in den Apparaten unsrer Klassiker und 
Kirchenväter, und es ist Zeit, dass man sich mehr Mühe gebe 
sie herauszuholen. Für uns stellt sich die Sache so, dass diese 
Schreiber die Beseitigung des anlautenden h stets in gewissen 
Grenzen halten, dagegen das Hinzufügen des unechten h aller- 
mindestens doppelt so häufig zeigen. Wie ist dies zu erklären ? 
aus Wahnwitz? aus Manie? aus einem h-Krampf, der alle Welt 
für ganze Jahrhunderte befallen hatte? Die Weglassung eines 
Buchstabens erklärt sich ; denn sie war dem Schreibenden 
bequem; die sorgsame Schreibung erstlich des echten, zweitens 
aber gar des unechten h in solchem Umfange lässt sich auf kein 
Motiv zurückführen, es sei denn eben , dass es noch gesprochen 
wurde. 

Vergleichen wir wiederum das Germanische, was um so 
näher liegt, da uns grade im 8. und 9. Jahrhundert, von dem 

1) S. Lentz a. a. 0. S. 675. 


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200 


wir reden, das Altdeutsche handschriftlich vorliegt. Wir ver- 
gleichen also das Gleichzeitige. 

Unechtes h wird neudeutsch in Hämerling (Goldammer) 
gesprochen ; in heischen ; 0 bairisch Henhel f. Enkel ; schweizerisch 
heigen f. eigen; dazu hadjes f. adieu weit verbreitet. So deut- 
lich vernehmbar, wie hier, durfte das irrationale h auch in 
folgenden Fällen gewesen sein: in mittelniederdeutsch her f. er, 
herliken f. erliken ; hie f. ik : huns f. uns ; angelsächsich hierre 
f. ierre; altenglich hahiden f. abiden, hac f. ac. Besonders aber 
im Neuenglischen ist die Erscheinung stark, und man hört 
harm-cheer f. arm-chair; hatoms ; hohserve; for hever and hever 
u s. f. 2 ) Garke’s Sammlungen aber zeigen, dass auch im Ahd. 
echtes h vielfach nicht geschrieben, ungehöriges h aber vielfach 
geschrieben wird, sowie ferner, dass die Fälle des anlautenden 
h spurium auch im Deutschen die des h omissum an Häufigkeit 
bei weitem ubertreffen! „Ueber 900 Mal findet sich Prothese; 
Aphäresebelege bietet meine Sammlung nur 157“ (Garke S. 5). 
Einfluss romanischer Buchschreiber auf die alemannischen oder 
bairischen ist dabei vollständig abzulehnen, zumal dieser Ein- 
fluss nicht über das 9. Jhd. gedauert haben könnte, während 
77 Belege von Aphärese und gegen 400 von Prothese erst in 
das 11. und 12. Jhd. fallen. 

Die Keronischen Glossen, Glossen zu Prudentius, Rheinauer Paulushs., 
Bibelglossen, Kaiserchronik, Alexanderlied u. a. bieten also für h omissum 
z. B. : eiti (sexu), olem (ca vis), agana (sentes), izzontero (estuante), izze 
(aestus), sie bevolHen im die er , erumbe, erwider, alben, ebine (tracta), alb 
(semi); aden f. hatten; amstra (gurgulio). Otfried einmal elfa f. helfa u. 
erza f. herza; öfter in den Altdeutschen Gesprächen cod. Parisin. 7641: 
erre, elpe, als , undes. Im Trudperter Hohenlied (Vindebon. saec. XII) und sonst 
finden wir dagegen das Verfahren der lateinischen librarii, h über die Zeile 
zu stellen, wie in ospes: also ebe uf, alsperga u. ä. ; so auch in den Kero- 
nischen Glossen cod. Parisin. 7640; bei Otfried geüti (so) f. giheilti, enti , 
eresten . h galt eben nur als „nota“, nicht als „littera“; vgl. unten S. 212 f- 

Viel zahlreicher das h spurium , und manche Monumente kennen nur 
das spurium, nicht das omissum (auch Notker) ; ich führe an : hih oder hic 
oder hich (ego); herda (terra; oft); haera (honorem) und hersam ; in 
grozzen Heren ; heitar (venena), Hafter (post), hupüo (male), Huns (nobis); 


1) Unter Einfluss von Heissen . 

2) S. Storm Engl. Philologie* S. 93; A. Paul Ueber vokalische Aspi- 
ration S. 40 ff. 


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201 


aft huns (post nos); harbeiti (labores); hostrunaband ; hostertage ; hüi 
(studeat); hahsala (umerus); tatut hir (fecistis) ; her (ipse) und hex ; heldho 
(tragelaphus) ; hebah (hederam); hohsinari (bubulcus); heribo (heres) ; 
hopferhm (sacellum); haic (quercus); herilun (alni) : halmahtigo ; hobene; 
Much ; zi Juristen (primum) u. s. f. u. s. f. 

Dieser Eigenart der ahd. Monumente entspricht nun, wie 
jeder sieht, die der lateinischen Handschriften auf das merk- 
würdigste, die uns einerseits gelegentliches abitus , omines , ordeum , 
orribile , anderseits häufigeres komm f. omen. hnc f. ac, humerus , 
humor , hostium , Aoru (Mund), habundare, habire, gelegentliches 
Afste, AtKco u. a. darbieten. 

Soll das nun in’s Latein durch fränkischen , alemannischen 
Einfluss eingedrungen sein ? Dies ist weder möglich noch bisher 
von irgendjemandem behauptet worden ; auch würde eine solche 
Annahme hinlänglich durch die Thatsache widerlegt sein, dass 
das lateinische Schriftwesen schon des 2. — 6. Jahrhunderts die- 
selbe Aphärese und Prothese ausübt (oben S. 145—160). Das 
lateinische Verfahren im 7. — 10. Jhd. ist hiervon nur die ununter- 
brochene und gesteigerte Fortsetzung. Da nun im Latein der 
classischen Zeiten, bis in’s 6. Jhd. das h in der Prothese sicher 
gesprochen wurde, so erscheint es unglaublich, dass dies vom 
7. Jahrhundert ab, wo doch der Gebrauch sich steigert, plötzlich 
nicht mehr sollte der Fall gewesen sein ; und auch für das pa- 
thetische h des Ahd. wird dieselbe Annahme, die in der That 
schon Garke vertritt, auf alle Fälle der Ueberlegung werth sein. 

Nun ist uns vergönnt aus dem Latein selbst den Beweis 
zu führen, und dies sei unsre nächste Aufgabe. 

1) h spurium in der Wortcomposition : man schrieb exhor- 
dium (Par palimpsest. Wiceburg. ed. Ranke, Ezech. 42, 10 f.), 
exhorare (ibid. 45, 17), exhistimantes (Edict. Dioclet. T 14 in A), 
exhistimu (u f. o) Digest. II S. 666, 10 in F, exhusto f. exusto 
Venant. Fortun. carm. V 2, 10 in C , exhactis Verg. Georg. III 
139 in y; exhorta f. exorta White, the four gospels cod. Mona- 
censis (q) fol. 31 ; exhacf-orem Sidon. Apollinar. epist. IV 24, 5 
eod. C ; exhistimabis ib. V 6, 2 cod. L ; exhomatio Cornific. ad 
Herennium p. 233, 22 cod. P ; exhilii Seneca epist. p. 232, 16 
cod. V ; exhercuit Ambrosius de paradiso p. 269, 22 cod. R ; 
exhomatis und exhornafione auch die Aratea Rhein. Mus. 52 
S. 324, 7 und 328, 10 cod. A ; exhiquus Cassidor Variae p. 41, 10 


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202 


cod. Leid.; exhibimus Augustin, confess. p. 133,17 codd. BHM. 
Sogar divex ha$ f. divexas ib. p. 265, 19 cod. H. Daher auch 
exhaccione f. ex actione Seneca epist. p. 210,23 cod. p. 

Wie nämlich in redeo , ideo u. a. das d zum Anlaut der 
zweiten Silbe gemacht wurde, *) so ist dies in obigen Beispielen 
mit x geschehen. Wer aber diese Aussprache vollzieht, wird es 
so machen, wie wenn wir heute das Wort „Examen“ sprechen; das 
in x enthaltene s ist ein scharfes und tonloses, und wir sprechen 
deutlich und unumgänglich Exhamen \ dem anlautenden x stürzt 
allemal mechanisch ein Spiritus nach. Daher finden wir denn sogar 
x hanctus für Xanthus Verg. Aen. VI 88 cod. b; Exhapylo für 
Hexapylo Livius 24, 32, 6 cod. P ; exhüo , Transkription für fvAo'r , 
Corp. gloss. III S. 560,51! Ja, da in exsors , exserere , exsu- 
perare das stammhafte s graphisch abundirte und schon im x 
mit ausgedrückt schien, finden wir nun nicht blos exortem, son- 
dern sogar exhortem Ambros. Exam. p. 219, 3 cod. C; bei 
Augustin confess. p. 277,15 cod. W exherentes für exserentes! 
Gerade dieser cod. W ist urwüchsig in seinen Orthographien. 
Das sind kostbare Schreibungen. Es ist somit klar, dass man 
auch in den zu Anfang angeführten Worten exhordium, ex - 
histumo u. s. f. eben das h hörte, das sich hier unecht von selbst 
erzeugte, und dass man naiv schrieb, was man hörte. In dieser 
Naivität zeigt sich phonographischer Fleiss und Treue. Das 
h spurium wurde gesprochen. 

So ist denn aber auch der umgekehrte Schluss geboten. 
Priscian lehrte, dass nachconsonantisches h in der Schrift nicht 
auszudrücken sei und dass man darum istaec für isthaec schreibe 
(oben S. 133). Dies Beispiel ist von ihm schlecht gewählt; der 
theoretische Satz aber hat seine Wirkung geübt. In exhibeo 
war das h etymologisch richtig; dasselbe war aber zugleich auch 
sprach-mechanisch gesichert, und man konnte gar nicht umhin 
es mit anzuschlagen. Finden wir nun trotzdem exibere ge- 
schrieben, CIL. X 520; 1492 und ähnliches oft in späteren 

1) Man wird auf die Wortbrechung in alten Handschriften Acht geben 
müssen; in den Fragmenta parvae genesis (Cereani, Monumenta sacra et 
profana. I) wird wie si\cut und si\cuti p. 23» und 37», so auch praete \ 
r\8ti gebrochen, p. 52 b ; dagegen quoni\am p. 18» zum Zeichen, dass 
hier i nicht Consonant war; si\cut und po\test Pliniuspalimpsest Bd. VI 
S. 74 u. 94 ed. Sillig. 


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203 


Zeiten (s. unten), so beweist die Auslassung des h für die Aus- 
sprache nichts. Man folgte der von Priscian vorgetragenen Lehre 
und schrieb eben in diesem Fall nicht, was man hörte. 

Dies Exempel lehrt uns wieder, dem nicht geschriebenen h 
mit Vorsicht, dem geschriebenen mit Zutrauen zu begegnen. 

2) Es ist eine aus dem Griechischen bekannte Lauterschei- 
nung, dass der Spiritus wandert, und zwar gern aus dem Wort- 
innern an den Wortanfang vorrückt, gleichsam um sich zu retten. 
Wird to 1(acctiov in Eins gesprochen, so ergiebt die Krasis 
dolpaTtor und der Hauch, der seinem i verloren geht, wird 
früher angeschlagen ; nicht anders in x<* T€ Q 0 S aus xal Vrsgoq, in 
axovatog aus äsxovtiiog, "AiSrjg aus 'ATSrjg, tpgovSog aus ngo oSov , 
Ttögmnov aus xsTgaAnnov , &ä<T(fov zu Tnr^rc, *) (pgoffuov aus 
ngooTutov ; anders im Ursprung und doch ähnlich im Resultat 
(fr Sarai sTivSarm 1 und idvSavov , fsvvvfu und Sfaanxo, ogdm und 
iwgaiv, foigaxa oder eogaxct. 

So gewiss dies eine Lauterscheinung ist, so gewiss ist dies 
mit hanelare und mit hiniare der Fall, wie im MA. vielfach für 
anhelare und inhiare geschrieben wird. Wer kann glauben, 
dass, wo man dies liest, jedesmal ein Schreibversehen statt- 
gefunden habe? Es ist vielmehr jene x^nfgr^taig xov nvsvfiaxog, 
die uns das Griechische zeigt, auch hier anzuerkennen. Die 
Erscheinung ist so häufig, dass ich mir erspart habe Belegstellen 
zu notiren ausser den folgenden: 

hanillebat f. anhelabat steht Amm. Marcell. 18,4,2; hanelos Mart. 
Capella p. 9,6 im Archetyp; hanelantem Servius zu Aen. 144 in C; hane- 
lare , hanelo principiell im Sessorianus saec. VII — VIII der Augustinischen 
Confessionen , so pag. 59,25; 108,21; 122,18; 201.22; 255,17. hanelos 
Boeth. consol. p. 95 v. 3 (ed. Peiper) cod. Tegerns.; Cassiodor Variae 
p. 340, 12 cod. Brux. hiniare findet sich im selben Sessorianus des Augustin 
p. 173,3; 216,8; 217,2; hinians Apul. met. 5,27 in Abschrift (p . Aus 
hanelare aber erklärt sich franz. halbte. 

Verwandt damit Digest. II S. 732,1 ad hexhibendum; vor allem haveo 
f. aveho Priscian II p. 47,30 cod. R. Und nicht anders erkläre ich Heco 
für Echo in etlichen guten Hss. bei Ambrosius Exam. p. 253,9, so wie auch 
bei Apuleius met. V 25 das überlieferte hec homo canä nach 0. Jahn’s 
glänzender Conjektur in Hecho montana zu verbessern ist. Wieder anders, 
aber verwandt, abheri f. haberi Scriptores hist. Aug. I p. 172,15 cod. B 

1) So stellte man ayag zu antm , %%viov zu 7xo>; s. Lentz a. a. 0. 
S. 693. 


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204 


saec. IX. Denn auch sonst springt die Aspiration um und wir lesen uhic 
f. huic wiederholt im Codex diplom. Langobardiae n. 3. 

Selten dagegen dringt die Hyperthesis bis in das Nachbarwort: eres 
heiu steht einmal f. heres eius CIL. VIII 3520 ; bei Seryius eres hesto f. 
heres esto zu Aen. IV 674 und me is honeras malis f. me his oneras malis 
zu IV 548 in cod. F. Alles dies sind aber unverkennbar akustische Er- 
scheinungen. 

3) Zum Beweise, dass dem althochdeutschen h spurium ein 
Lautwerth zukommt, dient die Beobachtung, dass es Allitterationen 
erzeugt oder richtiger, dass ein benachbarter aspirirter Anlaut 
diesen unechten mit sich zog (Garke S. 81 ff): 

Bei Otfried wiederholt hiar h ouh; huf an himilex himil ioh herdun x hiar 
in her du ; anderswo: hindir dir unde h obi dir ; den halm von der her de ; 
den hetoigen hört : hub er huf; Herren halle : min herze was helende ; 
hunsereme Herren ; hubele hellewark. 

Genau identisch sind damit die lat. Schreibungen, die schon 
für das 5. Jahrhundert nachweisbar sind: 

Vergil Aen. 1X670 Horridus Haustris cod. Med.; 1X537 haesit adhessis 
f. adesis cod. Romanus; *) V 708 Hisque his f. Isque his cod. Rom; eclog. 
10,20 Huvidus hiberna cod. Pal.; Digesten (F) II S. 575,20 habere hetiam 
hunc ; S. 828,25 dicendum hest hunc ; S. 496,37 his hac mente (f. is); 
S. 515,28 hibi habeamus ; S. 537,6 Kita habeatur ; S. 584 zweimal Z. 25 
u. 30 hibi habuit. Livius cod. P. : 21,42,4 his Habitus (f. is); 22,16,1 
hostes haberant ; 22,19,5 ab hostio Hiberi ; 22,60,24 horto so 1 e hostis. 
heius haec Plaut. Truc. 967 in B; tange haram hanc ib. Rud. 1333 in B; 
hos habet (f. os) Mil. 189 schon in P. Sogar hominibus honoribus für 
Omnibus oneribus Gromatici p. 52,24. Priscian I H. p. 313,26 in husu 
hoc cod. D; p. 352,27 huius haedis cod. R; 364,2 harum hiduum für 
iduum cod. R. Seneca epist. p. 179,18 hunius horae cod. p; hunum ani - 
mum habebunt p. 527,21 cod. A; p. 218,7 Heger hic Habitat (für aeger) 
cod. p. Augenfällig auch Pallad. de agric. 1,18,1 hodoris horrendi (G 
saec. X) und huber herbarum 1,33,2 (F saec. XIII). Orosius p. 277,16 
hostem hostiatim f. ostiatim mehrere codd. Servius zu Aen. III 8 cod. F : 
hinde hodieque. Arnobius p. 277,3 historias et hostendere in his; derselbe 
IV c. 12 init. hos habitum (f. os). Scriptores hist. Augustae I p. 3,5 
Hadria hortos f. ortos beide codd.; p. 192,16 hominis historia f. omnis 
hist, beide. Florus p. 61,8 Rossb. hasperrimum hostem cod. B. Hos hilarat 
f. Os hilarat v. 1. bei Avienus c. III 1131. hostibus aut huic hora f. ora 
Paulinus carm. 16,64. 9 ) Horaz carm. 1118,21 Servit Hispanae vetus hostis 

1) Vgl. adhesos f. adesos Horaz carm. 11129,36 cod. n und obhaesi 
für obesi im Archetyp der Scriptores hist. Aug. II p. 42,25. 

2) So citirt bei Cruindmelus p. 23,22 cod. F. 


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205 


horae f. orae codd. ng>\ Epod. 2,60 vel haedus hereptus lupo cod. A. Zwei 
Beispiele bei doppeltem unechtem h im Salmasianus der Anthologie, c. 18, 87 
hos humerosque statt os umerosque und 29,3 Huncuib ; hora statt Ungu- 
ibus ora! Uebrigens Apollinaris Sid. carm. 22,53 ebur hie hebenusque ; 
carm. 5, 493 Volvit Hyperboreis in cautibus Hismarus Hebrum . Am 
schönsten aber wird dieses unwillkürliche parasitische Wuchern des h 
vielleicht noch durch Ambrosius veranschaulicht, wo wir p. 476,20 holerum 
usus inholesceret sowohl im P(arisinus) saec. IX wie im T(recensis) saec. 
XII geschrieben finden.') 

Eine durchaus andere Erscheinung ist es, wenn durch Miss- 
verstand die Aspiration verschoben wird, wie wenn heute die 
Italiener, die deutsch sprechen, herat statt er hat , oder harme 
erren statt arme Herren sagen. Dies verräth, wie fremd ihnen 
der Exspirationsstoss ist, der in unsrem Deutsch dem Einsatz 
des Vocals vorausgeht. Aehnliche Beispiele sind aber in der 
Zeit, von der wir handeln, kaum anzutreffen. 2 ) 

4) Auch h spurium macht wie das echte h im Vers Position 
oder verhindert den Hiatus, ganz so wie dies im Plautustext für 
Aowrf, honor und hob = ab constatirt ist (oben S. 77 u. 154). 
Ich kenne folgende Belege: Terentianus Maurus v. 579: 

Tempori suö | ab eadem cönsona partem trahet; 

vgl. oben S. 77. In den Verba Achillis in parthenone (anthol. 
lat. 198) steht v. 72 überliefert: 

Absit ab ingenio | hac viribus Aeacidarum; 

dieser Vers würde den einzigen Hiat dieses Gedichtes enthalten; 
aber es ist keiner. Ich habe schon oben die Schreibung hac f. 
ac nachgewiesen für d. J. 81 — 84 n. Chr. CIL. II 1963 fin. ; 
ferner CIL. III 5839; VII 1002; VIII 4799; IX 5961; X 7995; 
endlich aus Plautus As. 380 ; 420; Catull. 14,20; dazu hac in 


1) Umgekehrt ex arena aries apparuit Placidus comment. zu Statius 
p. 168, 1. 

2) Es ist ein Trugschluss, wenn A. Paul a. a. 0. S. 42, der obiges 
anfübrt, daraus schliesst: „dieselbe Erscheinung beobachten wir aber auch 
schon bei Römern und Griechen, die ebenfalls . . . deutschen rein vokalischen 
Anlaut zu einem gehauchten machten und Harii, Hermiones , Hermunduri y 
'Eqpevyeaxlos sagten.“ Denn in harme erren handelt es sich um ein Ab- 
irren oder um Hyperthesis des Spiritus (oben S. 204), bei der Verwechselung 
von halt und alt im Munde der Franzosen oder Italiener eben um Ver- 
wechselung; was auf die angeführten Namen nicht zutrifft. 


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206 


den Digesten oben S. 156; auch im Moretum v. 88 (u. 41) hatte 
der Archetyp hac . Virgilius Maro hält im 7. Jhd. für nöthig 
dies hac ausdrücklich zu verbieten p. 170, 17. 

In Hilarius’ Genesis 109 steht: 

Exilit atque alacer | humeris vehit ipse cubile. 
c. epigr. 1448,4: 

Anni vota simul | he heu quam parva fuerunt. 

c. epigr. 470,2 (= CIL. XII 955): 

Si | haliquit casu | alite(r> aduxerit aster 
Der Hiat in der Penthemimeres ist vielleicht entschuldbar, nicht 
der nach der ersten Hebung, und es ist keiner. 

Ebenda 470,6: 

Porta probat | homines, ibi | h e s t trutina ultuma vitai. 

Die letzten Verse stammen von gallischem Boden; so bringt 
denn auch Ausonius Parental. 28, 7 : 

Ergo commemorata | have maestumque vocata, 

sowie derselbe Septem Sapient. v. 202 den Senar: 

Mitylena | ortus Pittacus sum Lesbius; 

es ist Gewalthat hier zu ändern, 1 ) denn dass hortus für ortus 
gesprochen wurde, ist ebenso Thatsache wie jenes have ; und 
wirklich giebt uns nun hier der Vossianus h ortus ; dies über- 
gesetzte h ist nichts als Nachahmung des griechischen Spiritus 
asper und wir haben also ortus zu verstehen; darüber S. 213. 
Weitere Analoga bringt in Gallien Cyprianus Gallus ludicum 
v. 104: 

Per mare dividuum, | h e r e m i per torrida saxa ; 
dann aber Venantius Fortunatus Vita Martini III 404: 

Coniuge postposita et repetit | h e r e m i t a coronam. 

Die Schreibung heremus , heremita war fast die herrschende 
geworden; man sprach so. Derselbe Venantius carm. III 13 d: 

Retia vestra pater | honeroso pisce redundant. 

So, honeroso, giebt hier die werthvolle 2 ) 11s. C, saec. X, die 

1) Die Länge in der zweiten Senkung wie v. 187 u. 128. 

2) Betreffs des Werthes vgl. z. B. IV 16,13; VI 1,7; 7,8; die echte 
Aussprache giebt C auch in guvemet V3,21 u. 5,10; vgl. Agustinus 
V 3, 39. 


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207 


auch habiit giebt IV 1,31; höre f. ore VI 6, 14. *) honus statt 
onus aber ist wieder weit verbreitet, ja alt; s. oben S. 154 u. 
159; die Rede kommt gleich darauf zurück. 

Derselbe VII 19,3: 

Visceribus | hisdem genitos Flavum Evodiumque. 

Auch dies hisdem hatte sich schon im 4. Jhd. festgesetzt, da iis 
mit his zusammengefallen, resp. von letzterem aufgesogen war; 
s. oben S. 147 u. 158. 2 ) Endlich Sedulius Scottus carm. I 7,4: 

Sicüt | honusta vinea (jamb. Dimeter). 

Eben das nämliche h spurium ist dann aber auch in 
gewissen Versen der classischen Dichter, die Hiat zu zeigen 
schienen, hülfreich eingetreten, und auch diese Fälle gehören 
hierher. Vergil. Aen. IV 667 lautet nach Servius (cod. F) so: 

Lamentis gemituque et femineo | hululatu; 

dies ist das h in frz. hurler. Und der Lukrezvers II 1122 er- 
scheint Grammatici lat. V K. 650, 29 im cod. Bob. so : 

Nam quaecumque vides hilaro grandescere | hauctu, 

was Lachmann nicht anmerkt, der aus dem Grammaticus Eichen- 
feldii vielmehr grandescere bauctu citirt; offenbar aus hauctu 
verlesen. 

Uebrigens las man auch in Phaedrus’ fabulae Perottianae 3, 1 
den Senar so: 

Mercürium | hospitio midieres duae 

1) Dagegen correktes auriret V2,4; vgl. VI 7, 7. 

2) Venantius längt sonst eine Kurze mit consonantischem Auslaut gel. 
nur vor der Pentbemimeres: vgl. III, 17; V2,69; 1X1,111; vita Martin. 
1409 (bei oculorum , worüber unten); II 120; 111321; IV 120; 511; 635; 
709 (bei intrans). Dagegen ist 111,13 gewiss NuUum urent aestus zu 
lesen ( uret codd.) , während sich Vita Mart. II 75 arctds | occasus et ortus 
an hoccasus denken lässt (so, hoccasu , giebt wirklich IV 11, 1 cod. ß saec. 
IX). Aehnlich ist 116,25 in Fundis aroma cortice vielleicht ein haroma 
gesprochen; denn die Worte mit <*r neigten zu vorschlagendem h; s. unten. 
Die wenigen Beispiele endlich, wo solche Silbe in der Senkung gelängt 
erscheint, sind sämtlich beanstandet; für 1X9,22 u. 29 lasse ich die Emen- 
dation dahingestellt sein; VII 8, 59 lese ich: Si datur asccnsus, culmen 
8upereminet altum ; sowie IV 1,19: Gaudenti arrisisse probat nec cemere 
flentem . Endlich wäre IV 1, 15 Si \ ab | exiernis , was für den Sinn genügt, 
bei zweifachem unechtem h verständlich ; hab = ab ist bekannt und oft er- 
wähnt; dass hestemis mit extemie in der Aussprache zusammenfiel, wird 
weiterhin gezeigt werden. 


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208 


mit Längung der zweiten Silbe in Mercurius. Endlich bei Serenus 
Sammonicus v. 85 steht in der besten Hs.: 

Sive maris | habidi sudor cocleaeque minutae; 

dies habidi ist avidi , wie jüngere Hss. bestätigen ; vulgo emen- 
dirt man rabidi . Sammonicus kann aber natürlich maris avidi 
geschrieben haben, wie v. 12 Tum poteris alacrem . Der Librarius 
aber stützte die kurze Silbe in Hebung durch Zusetzung des 
h spurium. 1 ) 

So glaube ich denn, dass wir gelegentlich unechtes h auch da an- 
setzen müssen, wo es nicht geschrieben steht. Schon in dem Verse 
Si | haliquit casu | alite(r) aduxerit aster (oben S. 206) 

lässt sich ein haliter vermuthen. Ebenso scheint nun aber 
haliquid selbst vorausgesetzt im Iudicium coci et pistoris, An- 
thol. lat. 199,6: 

Nec mel erit solum: | aliquid quoque iuris habebit; 

denn dies wäre sonst die einzige Penthemimeres mit Hiat in 
diesem Gedicht von 99 Versen; Belege mehr für haliquid 
unten. Noch zwingender ist der Vers des Iuvencus I 271 : 
Urgetur monitis Mariam puerumque | Ioseph; 

denn der Hiat zwischen den Kürzen des fünften Fusses ist bei 
einem Iuvencus undenkbar. Wir sahen aber S. 158, dass man 
Hiarbas für larbas, Hiaera für Iaera schrieb; 2 ) so liest man 
Uiasspide statt laspide Ammianus Marcell. 18, 5, 3 ; hiaspis 
Avien carm. 111 469; Hiacho f. Iaccho ebenda III 1003; so trat 
schliesslich Hiob an Stelle des richtigen lob . Wir werden bei 
Iuvencus llioseph wenn nicht schreiben, so doch sprechen 
müssen. 8 ) 


1) Vgl. oben S. 99 Anm. 1. 

2) Hiarbae oder Hiarbe auch bei Servius zu Aen. IV 298 in codd. 
NLH und in Corp. gloss. IV 444, 32. 

3) Dagegen hat Ionas consonantisches I; vgl. z. B. Apollin. Sidon. 
c. 16,26 Complesti Ionam. Wie aber ist Juvencus 1430 

Post fratres Iacobum | Iohannemque marinis 

aufzufassen? lohannes hat vocalisches I. Ich setze an, dass in Iacobum 
nach Analogie der oben S. 98,1 unter Terentianus Maurus besprochenen 

Messungen nur das m verklang; Iacobum ist also Antibaccheus ^ 

Iohannem epitritus primus w . 


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209 


Ebenso ist es carm. epigr. 492, 13 und 14: 

Lar mihi | haec quondam, | haec spes, haec unica vita, 

Et völlet quod veilem, nollet quoque | ac si ego nollem 

ganz unbedenklich jenes hac anzusetzen, das wir so reichlich 
belegen konnten und schon einmal im Hiatus stehen sahen. 
Gerade hac si für ac si steht in den Diplomen bei Tardif 
(unten S. 220). Wiederholt aber sehen wir dasselbe ac im Hiat 
bei Cyprianus Gallus; s. Exodus 1276; Numeri 448; sowie 
in Hilarius Genesis v. 65; auch hier sprach man hac . 

Derselbe Cyprianus beginnt den Vers Iudicum 102 mit Quo | 
abiit ; nichts aber ist häufiger als gerade habire f. abire; wir 
dürfen auch hier diese Aussprache voraussetzen. 

So erscheint nun gerechtfertigt, wenn ich im Voraufgehenden 
auch für Venantius Fortunatus mehrfach ungeschriebenes h spu- 
rium vermuthet habe (S. 207, 2). Man wolle die Beispiele hier 
einreihen. Aber auch Turcius Apronianus giebt uns den Vers 
# (Anthol. lat. 3, 6): 

Scaenam | Euripo | extulimus subitam; 

die Cäsurstelle dient hier wieder zur Entschuldigung; ausserdem 
aber scheint Hcuripo vorausgesetzt nach Analogie von kieume- 
nides , Heuryalus , Heurus u. a. (oben S. 158 u. 145). 
Unsicherer bin ich, ob wir Vita Leudegarii II 490: 

Pollet | aecclesiae facies Variante figura 

nach Analogie des so häufigen haecquis f. ecquis ein haecclesiae 
voraussetzen dürfen — hecclesia finde ich wirklich geschrieben in 
den Regii Neapolitani archivi monumenta n. 220, Urkunde des 
Jahres 990 — , und füge für unechtes h aus dem 9. Jhd. schliess- 
lich nur noch die Stelle Carm. centulensia n. 29,4 hinzu: 
Mellifiua sede | heben quam valide; 

hier also hcheu ; dagegen wird ebenda n. 21,9, wo ein Con- 
sonant voraufgeht, eheu mit reinem Anlaut geschrieben. 

Ich sagte, dass auch für Spanien die Fortexistenz des h forte 
sich nicht bezweifeln lasse (S. 177). Dafür giebt schon die 
metrische Inschrift Zeugniss, die S. 170 citirt wurde. Schliess- 
lich sei hierfür aus dem 9. Jhd. auch noch Paulus Albarus in 
Erinnerung gebracht, ein spanischer Dichter jüdischer Abstam- 
mung, in Corduba, der also gewiss germanischem Spracheinfluss 

B 1 r t , Th. , Der Hiat bei Planta*. 14 


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— 2 io — 

tauglichst entrückt war. Die Orthographie des codex Cordubensis 
saec. X, der seine Verse enthält, hat L. Traube (Poetae lat. 
medii aevi tom. III pars I) im Wesentlichen als dem Dichter 
selbst eigen in den Text genommen ; ohne Frage mit Recht. 
Dabei fällt die Häufigkeit des h spurium auf; und es zeigt sich 
hier nun nicht blos mit besonderem Fleisse geschrieben, sondern 
es steht auch besonders oft gerade nach offenen Vocalen oder 
solchen kurzen Silben, die einer Position bedürfen, im Verse. 
Zwar ist es Thatsache, dass Albarus den Hiat mit eigenartiger 
Freiheit zulässt ; ') doch fragt es sich eben, ob er, wo er h setzt, 
einen Hiat empfand. Auch wo das Metrum es nicht erfordert, 
schreibt er homne f. omne 1,10; hervor 9, 159; herrantes 7,22; 
hactus 9,66; neben odie ein höre f. ore 8,28; humbras 8,26; 
übereinstimmend in seiner vita Eulogii z. B. p. 397 hostendit , 
p. 407 here perennius. Diese Orthographieen waren weit ver- 
breitet, sie sind uns schon im Voraufgehenden vorgekommen 
und werden sich auch im Verfolg noch öfter zeigen; wenn 
Albarus carm. 2, 1 auch mici schreibt und niciium 8, 22 u. 23, * 
so steht dies mici gleichfalls überliefert in der spanischen In- 
schrift Bücheier c. ep. 727, und die spanische Sprache selbst 
bestätigt in annichilar jenes niciium . 

Hiernach betrachte man die nachstehenden Verse oder Silben- 
gruppen, zunächst solche mit echtem A: 

9,38: Ordine | hic Daniel . . . 

9,52: Qui | hominis; vgl. 9,54 u. 129; dagegen est omo 9,58. 

9,79: Mistice | hic claret. 

9,100: Ad quisquis | hirsus, cecus | hec mente resolvit 

9, 149 : . . . nosträ | h e c bucina sönet. 

10,26: ... quoniam | hec homnia mundat 

11,13: Attica | H e b r e a eqs. 

11,36: Invisa | hominum volbent vel certe revelant. 

Unechtes h steht: 

2,15: Cedat | homnigena, cedat vox garrula, cedat; vgl. 10,6. 

2, 22 : Quae segnis | herrans*) floxus sic rancide sannas. 

1) c. 4,11 dum | ex plicat (das ; 10,43 Aymina | exultet ; 4,18 crebrö | 
iterando camenas , (6,5 ceu unio wohl = cev ) ; 6,19 Quädratum | apice 
mundum; 9,15 cum ordine (vielleicht hordine ); 9,32 alil | et; 9,156 Nun - 
fium ) ut; 11,38 dum | aestus; 11,42 dum | aecora; 12,1,27 Virginem | 
extulit ; ib. 41 temnite | impium; ib. 42 Christum | aethereum ; 51 verbere | 
alteram. 

2) Codex harrans. 


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211 


7,3: Cui sol luna dies famulant, cui | homnes abissi ; vgl. 8,8. 

(Dagegen 7, 7, wo kein Hiat, steht ornnis). 

7, 9: Quem lux aura dies recinet vel | hestus et ignis. 

7, 10 : Flumina nix glacies ventus | et | h u n d a resönat 
(Dagegen unda 9,119). 

10,5: Cedat gentilium | herrorum perfida secta. 

10, 26 : Et sursum | h o c u 1 o s ad celi sidera tolle. 

10,38: Impie crudelis, | hoculis vel sidere crede. 

11,47: Dum sequitat | humbrä corpus eqs. 

Die Gültigkeit des h forte ist nach allem ^Analogen , das im 
Voraufgehenden vorgekommen, für Albarus sehr glaublich, streng 
zu erweisen ist sie nicht. 

Blicken wir zurück, so ist es als erwiesen zu betrachten, 
dass h spurium, wo es aultrat, im Verse die Funktionen des 
h genuinum übernommen hat; es ist also wie dieses als ein hör- 
bares und messbares Geräusch aufgefasst worden; die Beispiele 
erstrecken sich vom 3. bis zum 9. Jhd. n. Chr. 

5) Schliesslich sei zu gleichem Zwecke nochmals kurz auf 
die lateinischen Lehnwörter im Althochdeutschen hingewiesen ; 
ich habe schon S. 196 gezeigt, dass deutsches Helefant und 
Hebenholz auf die lateinische Consuetudo zurückgeht; sowie 
auch Hellas übernommen wurde (Muspilli v. 41) u. a. m. Auch 
diese Entlehnungen weisen mit Wahrscheinlichkeit auf ein 
wirklich gesprochenes h spurium hin. 

6) Und so wird endlich auch noch eines der üblichen Wort- 
spiele des Latein verständlicher, das alt ist, aber bis tief in’s 
Mittelalter gleiches Wohlgefallen erweckt zu haben scheint. 
Aus Varro lernten wir den Vers kennen, de 1. lat. V 73: 

Onus est hotios qui sustinet rem publicam. 

ln dieser Zeile wird noch kein Gleichlaut der Worte onus und 
honos erfordert; ähnlich Ovid her. 9,31; Livius 22,30,4. 
Gerade die Spätzeit aber bringt dies Wortspiel besonders gern, 
und wir lesen bei Apollin. Sid. ep. 8, 8, 3 non tarn Honorare 
censor quam censitor honerare (so codd. T FF); ib. 7, 9, 7 
multum me honoris , plus honeris (so LTFP); 7,17 v. 14 ho- 
nerosus honor (so TCFP); dagegen 9,2, 1 plurimum nobis honoris , 
plus oneris (so ohne Variante). 1 ) Aber auch bei Gregor von 


1) Weitere Stellen bei Otto Sprichwörter der Römer S. 167; vgl. 
Wölfflin im Archiv Lex. I S. 384; III S. 456. 


14* 


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212 


Tours hist. Franc, p. 54, 15 steht die Schreibung fest: haec 
mihi vestis honos (= onus) exhibuit , non honorem ; wir dürfen 
jetzt also glauben, dass Gregor so sprach. 1 ) Keine schlagendere 
Bestätigung für die Gleichsetzung der besprochenen Wörter 
wüsste ich anzuführen als den Versschluss in Theodolfus’ car- 
mina p. 9 v. 160 habebis honos , wo wir honorem (!) verstehen 
sollen, honos aber = onus dafür eintritt, das, wie im Laut und 
im Geschlecht, so nun auch in der Bedeutung mit honorem voll- 
ständig confundirt ist. Aber schon Ennodius schreibt carm. I 
6, 26 sichtlich virginitatis honos im Accusativ für honorem, 
wozu virginitatis honore bei Sedulius c. pasch. 2, 67 die Er- 
läuterung giebt.*) Genau so wurde auch flos gelegentlich als 
Neutrum behandelt. 8 ) Im Salmasianus der Anthologie stellt 
sich regelmässig honus , und zwar nie ohne A, für „die Ehre“ 
ein: 15, 146; 21, 130; 158, 4. Wenn endlich ornare mit 
honorure bei Auson XIII 2, 97 assonirt, 4 ) so ist eher auf 
hornare (s. unten) als auf onorare zu schliessen. 


VII. Verbreitung des EL omissum. 

Dass h genuinum in den lateinischen Texten ganz vorwie- 
gend beibehalten wird, ist wiederholt gesagt. Hierzu sind auch 
Schreibungen wie omero Ammian. Marcell. 19, 4, 6 cod. V zu 
zählen; in Apollinaris Sidon. Episteln cod. C chalati (so) 1. 

^ h j, 

calathi, corollas (chorollas), muteria , retor , perennem (s. ed. 
Mon. Germaniae p. 164 — 171); so auch ordinem cod. C. epist. 
III 12, 3 ; epymeridem f. ephemeridem cod P epist. IX 14, 7 ; 
trocaica ib. 15, 1 . espiades (so) f. Thespiades Varro 1. lat. 7 c. 20 ; 
eae f. heae = eae ib. 9 c. 29. ospitia Cornif. ad Herenn. p. 258, 17 
cod. H(erbopol.). ln jenem chalati scheint der Spiritus lenis 


1) Könnet zweifelte noch hieran. Uebrigens findet man kotier atus statt 
honoratus z. B. Ambrosius 1 p. 93,9 in CGPV ; kotiere f. honore Script, 
hist. Aug. 11 p. 109, 12 ; umgekehrt honoretur f. oneretur Ambrosius 1 
p. 141,22; ähnlich Augustin Confess. p. 155,22 in einigen tiss. hominibu* 
honoribu8 f. omnibus oneribus Gromatici p. 52,24. 

2) 0. Blumlein Archiv Lex. Vlll S. 586. 

3) S. carm. epigr. 103,10; 1184,13. 

4) S. Blumlein ä. a. 0. 


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213 


Aber dem A anzudeuten, dass A widerrechtlich steht und nicht 
gelten soll. 1 ) Sehr ähnlich die Verwendung des Spiritus bei 

griechischen Worten, s cod. R bei Priscian Bd. II p. 16, 16 is ; 
Z. 20 h EMICY ; Z. 22 h I (d. h. f). 

Das über den Vocal gesetzte Zeichen A aber scheint ledig- 
lich in Nachahmung dieses Spirituszeichens aufgekommen zu 
sein (s. oben S. 128; 200; 206); die erste 'Hand bringt das A in 
dieser Weise inter scribendum zur Geltung, wie schon bei 
Fronto p. 7 ortulis , so bei Priscian I p. 57, 12 nbent (RI; 168,8 
aud (R); 182, 16 hisce osce (R); 212, 14 aller, (R): 264, 14 
ecuia (R); 267,28 oratinm RD; 270,8 oxtilws RD; 273,14 
olus oleris R; 303,17 iatus R. Horaz epist. 1 19, 15 iarbili, thä 
E. abenas Boethius consol. p. 116 v. 35 cod. Tegerns. m. 1. 

In Sonderheit giebt der B(amberg.) des Florus bald orrore 
p 52,15 Rossb., vgl. auch 53.15, abitnra p. 55,1, bald artenus 

h /g , 

57,15, inispamam 58,1, inerculis 58,11; dazu osten 104,15, 
aut f. haud 155,11. So steht Apollin Sid. a a. 0. epymeriHem 
in P, entsprechend epymeridem, in M (m. 1); Priscian II p. 101, 18 

j. f, h H 

pyrri in cod. G, pyrri im Med.; Apollin. Sidon. p. 169 retor 
in C, retor P m. 1. 

Alles dies kann für die Lautlehre nicht dienen ; denn es 
ist lediglich als Nachwirkung jener gräcistischen Theorie zu 
betrachten, wonach h nicht als selbständiger Consonant, sondern 
nur als Aspiration, nur als Bestandtheil oder Affektion des an- 
lautenden Vocales und also als dem griechischen Spiritus gleich 
galt. Es ist die Verwirklichung des Vorschlages des Victorinus, 
lateinisches h nach Weise der Griechen durch die nota des 
Spiritus auszudrücken, über den ich S. 128 berichtet habe. 

Wiederum für sich steht der Ausfall des nachconsonantischen 
A, eine graphische, dann aber auch eine orthoepische Erscheinung; 
vgl. deutsch Junker aus Jung-herr, wa-raftig f. wahrhaftig, oben 
S. 132 f. Es wäre lächerlich hieraus Folgerungen über Schwäche 


1) Boethius consol. ed. Peiper p. 76 v. 8 eremus (so) f. Hermus im 
codex Gothanus saec. IX fin. scheint Versehen des Schreibers und eremus 
gemeint. 


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214 


des germanischen h zn ziehen : ebenso unstatthaft ist solche 
Folgerung für folgende Schreibungen, die das S. 133 f. Zu- 
sammengestellte fortsetzen. 

Ausfall nach x: exorrescat Verg. Aen. VII 265 cod. F; exeredatum 
Fronto p. 14, aber p. 15 heredes u. exheredati ; exiberi Gromatici p. 90, 15 ; 
exortatio cod. Parisinus Augustin’s saec. VI. 1 ) exibetur Augustin Confess. 
p. 372,22 codd. VW; exibuit Servius Aen. V 28 cod. F; exibere Plin. epist. 
123,4; exibeat Virgilius grammat. p. 30 cod. P; exilarans alle Hss. bei 
Bährens poet. 1. min. III p. 246 v. 14, sowie Arnobius p. 196,23; exorrens 
Anthol. lat. 318, 2. 

Dass diese Auslassung nach x nur die Schrift betraf, ist 
oben gezeigt; das h omissum wurde gesprochen. 

Aber auch bei einfacher Consonanz wird jetzt gelegentlich 
dasselbe beliebt, und wie diribeo f. dirhibeo von früh an ganz 
allgemein herrschte (oben S. 20), so lesen wir nunmehr auch: 

peribent Auson. Caesares 18 in V. — Ferner aborret (sprich avhorret) Corp. gl. 
IV S. 3 u. 5 ; Ambrosius p. 123, 14 in CVG, cf. P; aborrit Corp. gl. IV S. 201 ; 
dborescite schon Ephem. epigr. VIII 3, n. 122 (spanisch); aborremus 
Augustin Conf. p. 71,18 HOV; perorreecis Boeth. consol. p. 23,33 cod. E 
(sonst horr . . .). — Ferner iniabam und inians im Sessorianus Augustin’s 
Conf. p. 9,8f. (auch V); inianter ib. p. 213,3 (auch FW); inbuit (so) f. 
inhibuit Mart. Capella p. 347,21. inaeserint[ur ] Amm. Marcell. 20,3,5 V 
u. P. — Endlich adtbenda Auson. Parental. 5,5 inV; aibere (so) Gromatici 
p. 32,16; adibere Servius Aen. IV 547 und dazu adibüie ib. VI 218 in F. 
redibere Apollinaris Sid. epist. IX 11, 4 in MCFP. adortati Priscian I 
p. 380,2 in R (dagegen adhortos f. adortos ib. 381,9 in RBC); adortantur 
Seneca epist. p. 413,14 in A; adortc&is Catull 63,85. Besonders aduc f* 
adhuc oben S. 133; so auch Ausonius Parental. 14,9 in V; vgl. Auson. 
epist. 17 Z. 25 u. 23,7; Servius zu Aen. VI 152 fin. in F u. G; daher 
dafür adduc Augustin Conf. p. 51, 12 Q. Danach auch Corp. gloss. V 
436, 35 adiatu als Compositum = adhiatu , mit adapertione erklärt. 

In diesen Fällen wird nun z. Th. vielmehr Schwund der 
Aspiration selbst anzusetzen sein, der indessen für den Werth 
des Spiritus im Allgemeinen nichts ergiebt. Das Phänomen ist 
dies, dass man sich an die Silbentheilung a-dhuc , i-nhiare, 
a-dhibere, pe-rhibere , a-vhorrere gewöhnt hatte. 

Zur Aphärese des h sind aber ferner auch nicht die 
Schreibungen umerus , umor , umeo , umidus , sowie erus, erilis 2 ) 

1) S. Augustinus De fide et operibus ed. Zycha (1900) praef. p. VII f. 

2) Dies ist auch noch bei Corippus p. 117,20 u. 120,91 in den Text 
zu nehmen ; übrigens z. B. Horaz carm. III 27, 63 erile ] herÜe AF yXn ; Sat. 
112,129 erum u. herum ; ähnlich 113,265; 7,60; epist. 116,2. 


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215 


zu rechnen, in denen sich vielmehr das Correkte erhielt. Auch 
aut f. haud, wo immer wir es lesen (vgl. Ovid. met. 13 459; 
Corippus p. 188,25; anthol. Salm. 16,16 am Versanfang, der 
doch die Initiale festlegt), ist nicht aus Verstummen des un- 
echten ä, sondern als Rest der echten Aussprache, die auch jetzt 
nicht ausstarb, zu deuten (vgl. oben S. 151). 

Nicht anders steht es mit aurire und alare (vgl. S. 152), 
und wo immer diese reine Orthographie begegnet, ist sie hoch 
zu halten, mag auch die Grammatik und die Schule das un- 
echte h officiell anerkannt haben. In spater Zeit wurde be- 
kanntlich die Unterscheidung getroffen . dass aurit zu schreiben 
sei, wenn es „aquam levat“ bedeute, haurit dagegen, wenn es 
für „bibit“ stehe; s. Keil, Grammat. Suppl. S 291, 2. ! ) Diese 
Weisheit ist schwerlich durchgedrungen. 

So steht denn Arit f. Aurit = implet. im Lemma Corp. gl. IV 22, 58; Aurire 
im Lemma ib. S. 209; vgl. exaustus ib. S. 68: exausta S. 70; exaustis S. 234 
zweimal; exaurit S. 236,10; anclare aurire S. 17: hic austus ib. 11511,38. 
auriendas aqua s Exodus 2,16 cod. Amiatinus. austra (plur.) Lukrez V 
516 sowohl die Handschriften wie auch Nonius; daselbst. V 1069 austus 
und VI 141 aurit der Quadratus, IV 3 aurire und VI 1140 exausit der 
Oblongus. Betreffs Nonius s. oben S. 144. Ferner erwähnt zwar Priscian 
I p. 373, 3 f. ausdrücklich die Aspiration dieses Wortes; trotzdem geben 
dort die codd. BD ausi ab aurio fit; vgl. p. 437,4, wo zwar haereo haesi 
steht, daneben aber aurio ausi in B. aurit Anthol. lat. (Salmasianus) 
n. 284, 1 u. 4; 11,50; 237,7; Serenus Sammonicus v. 701 u. sonst: ebenso 
Servius Aen. LV 359 zweimal in F. auriebat u. austi Mart. Oapella p. 9,2 
u. 4 in R; auseris der Parisinus A bei Cato de re rust. p. 73; exaus\td\te 
Mart. Cap. 243,21 B u. R. exauriri auch Livius 22,32,5 in P; vgl. ibid. 
61,2; aber hausit derselbe P 30,5,10. exauserat Gromatici p. 117,15 in B. 
exaustos Servius Aen. 1 599 C u. IV 75 F. exauritur Ambrosius I p. 53, 10 
Archetyp; vgl. p. 185,1 ; ausistis ib. p. 62,14 in CGPV ; aurire ib. p. 155,14 
in II und S: vgl. p. 195,14; 227,23; 224,16. auriebat Augustin Conf. 
p. 128,7 FHVW. exausit Scriptores hist. Aug. I p. 53,19 in B. exauto 
(sprich exavto) f. exausto Cornific. ad Her. p. 302, 9 in HP. Dazu oben 
S. 207, 1. Daher endlich auxerunt f. hauserunt Orosius p. 136 codd. LRi 
auserunt PD; auxerit f. hauserit Scriptores hist. Aug. I p. 162,8 Archetyp. 

Ebenso halare : 

alat nvisi sub A Corp. gl. II S. 14; alatus Martianus Cap. p. 7,17 der 
Archetyp; vgl. ib. 52, 8 u. 24,1; alo und alitus Priscian I p. 480, 17 (Note) 
in R; alitu Servius zu Aen. 1743 CP; alitus auch noch Diefenbach’s 


1) Vgl. Notices et Extraits XXII 2 S. 521. 


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216 


Glossare vorwiegend, anelatttibu* Ambrosius p. 244,17 Archetyp, u. ina- 
laverit p. 252,10 ebenso; anelanti Antbol. lat. 318,1 (Salm.); vgl. 211,5; 
anelo8 Boeth. consol. p. 95 v. 3 cod. D saec. IX. exalabat Sedulius c. 
pasch. IV 274 alle Hss.; exalnt Varro 1. lat. 5 c. 24; Palladius 1,7,4; 
Priscian I p. 328,8 (aus Vergil) RGK; exalavit Oros. p. 301,17 L: exa- 
lantem Servius Aen. IT 562 H; exalatur Augustin Oonf. p. 214,21 die 
Mehrzahl (ohne S). exalata mit Recht von Keil in den Text genommen 
bei Varro r. rast. 112,12. Daher exalta f. exalata Amobins p. 178,8. 
Noch im Gräcismus des Eberhardus 15,126 steht alas , so die beste Hand- 
schrift : Wrobel hatte nicht hcdas drucken dürfen — Schliesslich sei zu 
Lukrez 6.523 erinnert, dass, wenn hier richtig redhalat. hergestellt wird 
(codd. redralat , Corrector Oblongi rehcdat ), das Präfix red hier, anders als 
in redhostire (oben S. 38), vor vocalischen Anlaut oder vor h spurium trat. 

Es folgt die wirkliche Aphärese, und die Belege, die wir 
jetzt zusammenstellen, sind wichtig, weil von ihnen der Schwund 
des h im Romanischen ansgegangen sein muss, wie die Wellen 
vom Centrum eines Wasserkreises bis in die Peripherie schlagen. 

G. Curtius hat den Satz aufgestellt, dass die Aspiration, 
wenn sie zu weichen beginnt, sich alsdann auch am falschen Orte 
eindrangt, oder dass Verschiebungen im Gebrauche der Aspiration 
da eintreten, wo sie eben im Schwinden begriffen ist. Lassen 
wir diesen Satz gelten, so würde das starke Vordringen des 
h spurium im 7.-9. Jahrhundert, das wir hernach constatiren 
werden, auch nach diesem Satze noch nicht beweisen , dass das 
echte h damals schon geschwunden war, sondern nur, dass es 
zu schwinden und unsicher zu werden begann. Dass er 
übrigens nicht auf alle Sprachen zutrifft, lehrt das Althoch- 
deutsche, das, wieS. 200 f. erwähnt ist, häufig Aphärese, häufiger 
Prothese zeigt, während wir an dem festen Bestand des Spiritus 
selbst im Ahd. nicht zweifeln. Die Gültigkeit des Satzes für 
das Romanische endlich ist erst zu erweisen. Wer wirklich 
ein Verständnis des allmählichen Verstummens der Aspiration 
gewinnen will, darf sich bei einer solchen allgemeinen Auf- 
stellung nicht beruhigen. Die Aufgabe ist vielmehr, für jedes 
einzelne Wort, das in Betracht kommt, seine Geschichte nach 
Möglichkeit zu erforschen. Es ist schon von vornherein be- 
greiflich und die Schrift-Thatsachen bestätigen es offenkundig, 
dass sich das h in den verschiedenen Worten verschieden ver- 
hielt und hier früher, dort später gefallen ist. 

Mit welchem Fleisse, im Grossen und Ganzen betrachtet, 
das h genuinum in den Zeiten, von denen wir handeln, noch 


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217 


geschrieben worden ist, in Buchschrift wie auf Urkunden, davon 
kann sich jeder schon durch flüchtiges Einsehen überzeugen. 
Doch scheint dieser conservative Fleiss nichts zu beweisen; denn 
auch der moderne Franzose schreibt ja schulgemä’ss sein A, wo 
er es nicht spricht. Die Frage ist aber eben, wie früh dieser 
Abusus schulmässiger Dressur begonnen hat. Die gelehrte und 
theoretisirende Grammatik der Franzosen im 16. Jahrh. ist es 
gewesen, die das Schreiben des A in vielen Fällen erst wieder 
einführte, wo es längst ausser Gebrauch gekommen war. Schwer- 
lich aber ist eine derartige gelehrte Theorie auch schon für das 
7. — 9. Jahrhundert vorauszusetzen, und der Verdacht hat gutes 
Recht, dass das Reden vom stummen A nicht viel später fällt als 
das Phänomen selbst, auf das es sich bezieht: s. oben S. 162 f. 

Die Aphärese des A ist auch in diesen Zeiten doch immer 
noch die Ausnahme; sie ist eine sporadische Erscheinung, von 
der die einen Wörter häufiger als die anderen betroffen wurden, 
x So sehr es uns Pflicht ist, auf diese omissio Acht zu geben, so 
sehr ist es Pflicht des Grammatikers, auch das sorglich ge- 
schriebene h genuinum, das immer noch bei weitem vorherrscht, 
als eine schwerwiegende Thatsache in Betracht zu ziehen; denn 
keineswegs zeigen nur gelehrte Mönche diese Treue. Auch diese 
Thatsache fordert also ihre Erklärung. Dazu kommt dann end- 
lich die Fülle des unechten A; der bewundernswerthe Fleiss, 
mit dem es wieder und wieder gemalt wurde, lässt eben keine 
andere Deutung zu. als dass man es hörte (oben S. 199). 

Das Romanische setzt einen frühen Verlust nur in engster 
Wortcomposition oder bei stärkstem Wort-Anschluss im Satze 
voraus. Wir haben nur an enklitisches homo und habere zu 
erinnern. Das Verbum habere sank z. Th. zum Hülfsverbum 
herab und verwuchs alsdann mit dem Verbum, dessen Abwand- 
lung es nach Art einer Termination zur Anzeige brachte. 
Erstlich wird so das Futur periph rastisch angezeigt : cantare - 
haben , das ist ital. canter-o, span, cantar-6 , prov. chantar-ai , 
frz. chanter-ai; entsprechend daras aus dar-habes: wobei immer 
noch zu bedenken, dass nach einem r auch ungeschriebenes A 
hörbar bleiben konnte. Im Spanischen und Proven^alischen 
war dabei noch Tmesis möglich, wie cantar-te-he , cantar-te-hei 
u. s, f. 1 ) Zweitens dann das präteritale chanter-ais u. ä. 

1) S. Diez Gramm, der rom. Sprachen II 4 S. 121. 


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218 


Nicht anders sank homo z. Th. zu der Bedeutung „man“ 
herab; und das Wort erhielt damit also zwei Funktionen. In 
der Bedeutung „man“ lehnte sich homo an omnis an (vgl. oben 
S. 145 u. 159) und verlor, proklitisch und alles Satztons beraubt, 
seinen Anlaut; dies ist ov ; nicht ebenso da, wo es „Mensch“ 
und „Mann“ heisst; dies ist homme. Es entsprangen also aus 
homo gleichsam zwei Wörter, die wir sorglich zu sondern haben; 
dafür ging lat. omnis im Französischen ganz ein. 

"Diese Thatsachen beweisen also gegen die andre Thatsache 
nichts, dass das Mittellatein in homo allermeist, in habeo viel- 
fach das h doch noch beibehielt. Dies geschah eben bei man- 
gelnder Enklisis. Fragen wir denn die Documente. 

Tch wähle zur Durchsicht zunächst einige Originaldocumente 
Italiens und Frankreich^ aus dem 7. — 9/ Jhd., wobei sich zu- 
gleich die Frage erhebt, ob die verschiedenen Länder in ihrem 
Verhalten etwa merklich von einander abweichen. Es ist kein 
Zweifel, dass Schriftstücke dieser Art der Individualität des 
Schreibenden, wenn auch keineswegs in ihrer Formulirung, so 
doch in der schriftlichen Abbildung des Einzelwortes offenen 
Spielraum lassen, und wir dürfen mit einigem Vertrauen an sie 
herantreten. 

Fränkisches Latein geben uns die Urkunden bei Tardif 
Monuments historiques (1866); ich wähle ausschliesslich die 
älteren Originale mit vulgärer Orthographie. Die Barbarei in 
der Darstellung der Laute ist hier in der That oft ebenso gross 
wie die Metaplasmen in der Formenlehre unzählig sind. Wir 
lesen, um nur bei den Barbarismen zu verweilen : 

zum Vocalismus: titolis u. tetulum , auspece, pertenere , partebus , stabeli 
dignetate , iobemus . nuscetur , neguciante , alecus f. aliquis, mercides, fedi- 
lium , possedire , igetur , quase , croces , spunsa , pervinit , noncopante , semeleter , 
adjeceneies , se f. si, timtaverent, facire , dies dieci ; edonio f. idoneo, in 
antegretate ; Inda Scarioth ; u. s. f. u. s. f. ; zum Consonantismus : Dioninsis 
martheris N. 4 ; Dioninsio N. 5 u. sonst ; referencia , gracia, subscripcione- 
bus , eciam u. ä. oft; movilebus oft; quoepiscopi f autoretatem u. auturetate , 
autor; seo f. seu (sev) N. 11 u. öfter; adhepiscenda ib.; concinsi f. consensi 
(N. 11 suscriptio); matrigolarius ; podibat f. poterat; gradanti animo ; 
adgaecentias f. adjec. ; protüllerunt recenda (!); vellibant ; distrasxerat ! 
iggitur, adebisci f. adipisci; citherorum f. ceter. ; socessor u. socessoris . 
comunia; apendiciis ; aligenare (19); socedat ; vicorem ; acinctus ; excöllere ; 
relinco f. relinquo? crepius f. crebrius; audentico vidi exsemplare (27 
subscr.) u. s. f. u. s. f. 


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219 


Aus diesen Lesungen folgt, dass die Schreiber ihr Latein 
so Wiedergaben, wie sie es zu hören glaubten. Hörten sie also 
das h nicht, so war auch für sie kein Grund es zu schreiben; 
und es ist nicht einzusehen, weshalb bei diesen Naturalisten 
für den Spiritus ein anderes Princip gegolten haben soll als für 
die Vocale oder für Consonanten wie c, f, q y p und s. Ein 
wissenschaftlich conservativer Geist kann hier nicht gewaltet 
haben. Trotzdem aber conserviren die Urkunden das h so gut 
wie durchgängig. Man vergleiche bei Tardif folgende Nummern: 

N. 4 (a. 625) hat nur richtiges hoc hunc huius hec. 

N. 5 (gegen 627) desgleichen: ßius Hid ...; Johanne ; hunc ; hoc . 

N. 6 (gegen 628) desgleichen; auch habere ; homenebus. 

N. 11 (a. 653) desgleichen hanc u. s. f. ; hominebus (daneben omnebus = 
allen). Aehnlich N. 12. 

N. 13 desgleichen: habire = habere; habendi ; hoc. 

N. 14 (a. 658) desgleichen: habitat ; hac; aber auch hacturis (!). 

N. 15 desgleichen: heredetas; habirent = haberent ; homo. 

N. 17 (a. 659) desgl.: hoc (auch aeclesia; so oder aeclisia hier öfter). 

N. 19 (a. 670 — 671) desgl.: habetacionis ; honore ; hoc ; conprehensa ; hanc ; 

heredis; dazu nihdhomenus. 

N. 20 (c. 677—678) desgl : homene = homine ; habuit. 

N. 21 : desgl. 

N. 22 (a. 679 — 680) : Hier zuerst ein vereinzeltes abiat = habeat. Ufbrigens 
auch una cum hamedius suos ( hamedii sind coniuratores). 

N. 23 (gegen 681): Hier zuerst hac iobimus = &c. 

N. 24 (682 — 683) : es fehlt kein h : Hebroulftus), Hansberta ; hos dies ; 

hoc; hanc ; haec; haeredibus ; habeant; dazu hactum. 

N. 25: richtig. 

N. 26: es fehlt kein h: haec, huic u. s. f. ; herides; habendum öfter; dazu 
htmifructo (zweimal) und hutüetatebus. 

N. 28 u. 29: richtig. 

N. 30 (a. 692) : hier habuerunt, homenis , aber daneben zuerst de ac causa 
für de hac causa; besonders hac verlor sein h; s. unten. 

N. 31 (a. 692) richtig: heridebus , hoc u. s. f. ; dazu habuncdli. 

Geben wir in’s 8. Jahrhundert weiter, so steht die Sache nicht wesentlich 
anders : 

N. 46 (a. 716): verwahrlost; aber kein einziges h fehlt; dsm chunctis = 
cunctis. 

N. 47: ebenso. 

N. 48: homo alicus = aliquis. 

N. 50 (a. 717): richtig; dazu hutüetas . 

N. 53 (a. 750): hier steht zwar habiat , habuit , habere richtig, aber da- 
neben wiederholt ac causa (für hanc causam und für haec causa) 
und ex ac re. 


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220 


N. 54 (gegen 751 ; Pippinus) : correkte Orthographie ; ebenso N. 55 ; 60 ; 61 

N. 56 (a. 755): verwahrlost; aber es fehlt kein h: habere , hoc . 

N. 59 (a. 766): richtig; dazu hac für ac. 

N. 78 (a. 777) : Ego Ftdradus hacsi (f. ac si) indignus sacerdos vocatus . . . 
dono : daneben sanctus Ipolitus; sanctus Harns confessor ; actum 
publice Haristalio. 

Ebenso treu erweisen sich die Acten der Concilia unter den 
Merovingern, aus den Jahren 511 — 695, *) sowie die Capitularia 
regnm Francorum; 2 ) ich greife aus den letzteren heraus n. 12 
(a. 744), wo wir nur ostem und abitu Taieorum finden, übrigens 
habetvr. haheat, höhltet, , hneresim , hominis, komme*, homo . haec 
und dazu hahtmdantia; in n. 13 (ca. a. 754) fehlt kein h \ ebenso 
in n. 17 (ca. a. 760), wo überdies wieder kahnndantinm . 

Der Werth der hiermit eingesehenen Original-Documente 
besteht, wie gesagt , für uns darin . dass sie in un schul gemässer 
Orthographie den Klang des Latein oft so auszudrücken ver- 
suchten, wie man es hörte. Sie erweisen also für uns nochmals, 
was wir schon wissen, dass das h wenigstens bis in das 8. Jhd. 
in Frankreich bestand. Denn die Fälle, wo h steht, überwiegen 
in ihnen etwa hundertfach, und ein gelegentlich nicht geschriebenes 
h beweist für sein Fehlen in der Sprache weniger als ein fleissig 
geschriebenes für sein Vorhandensein beweist. 

Die Vergleichung der gallischen Inschriften des 7. Jahr- 
hunderts bei le Blant oder im CIL. Band XIII führtauf dasselbe: 
ein umanetas CIL. XIII 2476 u. 2481, onor ib. 2477, onesti 2484, 
abitatloni und abent 2427 sind hier doch Ausnahmen; ständig 
heisst es in hoc tomolo y auch n. 2412, wo der Steinmetz natur- 
wüchsig doch quinqui und septe und Domenecus gemeisselt hat. 

Insbesondere weise ich noch auf die loca monachorum hin, 
abgedruckt Romania I S. 483 ff., 3 ) ein kennenswerthes Monument 
des Plattlateins geringen Umfangs, das an wüsten Barbarismen 
reich ist, wie es f. est, eorseptis f. exceptis, pos Eliam f. post, 
ociset f. occidit, renum f. regnum, priu f. prius, proveta f. pro- 
feta, conovet f. cognovit, axsenderit f. ascend., a f. ad, co f. quo, 
sussetavit f. susc. , um mich nur innerhalb des Consonantismus 
zu halten. Diese selbe Scherzschrift lässt aber wieder — ausser 


1) Monum. Germ, hist., Legum sectio III tom. I. 

2) ib. Legum sectio II tom. I. 

8) Vgl. Paul Meyer, Recueil d’anciens textes, p. I, Paris 1874, S. 16 f. 


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221 


im griechischen olocaustum — nirgends ein h im Anlaut 
vermissen, und es heisst stets habuit , hominebus , hoc , hunc , 
habet. Warum? frage ich wieder, wenn h doch stumm war 
wie das ausgefallene s in prius? Nicht nur das, diese Schrift 
giebt dem h spurium reichlich Raum und schreibt Habet , haoia , 
hanus (annos), horavit sowie deviholavet (s. obenS. 185). Wäre 
eine Aspiration im damaligen Latein nicht mehr vorhanden 
gewesen, müssten wir in solchen Schriftproben davon die 
Wirkung spüren. Also war sie noch vorhanden. 

Ist uns hiernach der letzte Grund benommen, die h con- 
sonans im üblichen Sinne für das Frankenreich des 7. und 8. 
Jahrhunderts zu beanstanden, und steht ihre Gültigkeit l'ür 
Spanien überdies auch ohne derartige Nachweise ausser Zweifel, 
so bleibt für Italien die Untersuchung noch zu führen. 

Nicht für das 7., aber für das 8. Jahrhundert zeugen in 
Italien folgende Documente Norditaliens: s. Codex diplomaticus 
Langobardiae : L ) mihi hält sich hier stets; stets pron. hic (auch 
hac); übrigens manches Nützliche: 

n. 3 anni 716 : einmal avitaturis ; subtrare ; sonst non haveat licentia ; ab 
hac diae wiederholt ; ab heredibus ebenso ; dazu heredtis; hanc cartolam ; 
überdies mehrmals uhic f. huic (Sonstiges: mano sua; accepissit ; 
nomero ; forsitans; quoco f. quocum). 

n. 4 anni 725: fehlt kein h: ab omnem hominem ; ab hac diae; hanc; huius; 
hoc dogomentum (Sonstiges: octabo; nobus ; doblus ; duodicem; 
menime; promettit; vinditrici). 

n. 6 anni 735: fehlt kein h: ab omni homine y haerites f. heredes; hanc 
und hoic cartola , lohannace (sonst : rogadu 8 ; pedidus; conioge duget ; 
8orur; complivi). 

n. 7 etwa gleichzeitig: besseres Latein; es fehlt kein h. 
n. 9 anni 740: hier aveas , avemus und avit (f. habet); aber homines , 
her(edes ), hanc (Sonst: spondamus , sehe f. sive, seo f. seu, pro nos ). 
n. 12 anni 747: hic presentes manibus abemus ; übrigens his ipsis casis. 
n. 13 anni 747: abeat f. hab. wiederholt; aber ab omni homine ; hanc 
(Sonst: onure i. onere; menitne; udilitatibus ; in rio f. rivo). 
n. 15 anni 755: nur homenis ; habuerunt; habens ; hoc ( mercidem ); das 
Latein etwas correkter. 

n. 16 anni 756: avere ; aveamus hic ; aveat ; dagegen hac die; hunc factum) 
huius) hanc) manus Honorati (Sonst: costodis; mercidem; olivedo; 
octabo ). 


1) Historiae patriae monumenta, tom. Xi II, Augustae Taurin. 1873. 


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222 


q. 19 anni 759: hier nennt sich Aepholitus oder Aepolitus als humelis 
episcopus ; sonst fehlt h nirgends; hos annos; habuerai; habere ; hodie; 
hac die; his; hanc; huic und daneben uhic , vgl. n. 3. Uebrigens 
h spurium: hac f. ac (Sonstiges: essit ; coltis incoltis; ancellas ; 
debit ; alequid; trea tnilia; rocatus; ovitum ; a aepolito für ab), 
n. 28 anni 765: fehlt kein h; habere ; habit ; heredum proheredumque ; huius 
(sonst: costudibus ; da für de; mihi leceat; sagre constidutiones). 
n. 37 anni 769 : fehlt kein h : habere , habuerunt etc., omni homine, hodiema, 
heredes , hac , hanc, dazu huhic f. huic; hier zuerst in dieser Serie 
michi und nichil (sonst necque; dubios; menime und menus; vindo ; 
nomero; contenit). 

n. 40 anni 769: fehlt kein h : habitura; homo; hanc; huius; dazu h spurium: 
vitam hedernam possedevit (sonst: ancella; selva; leceat; tenit; octaba; 
quoherit f. cohaeret). 

n. 41 anni 771: ebenso: ad heredibus; huic; huius; hac die (sonst: vigo; 
coniogio; foturis f. fut.; salvva). 

n. 49 anni 773: ebenso: hominem; heredes und heretis; hanc; huius; 

habidadoris (sonst: mundiadore; suberius; dubio; mercide; seo f. seu). 
n. 53 anni 774: hier avere u. averet , dazu abuerunt, wo v für b nicht ein- 
tritt, weil man die Verbindung uu vermied; ortis „Gärten“; dagegen 
homines; heredis oft; hanc; huic; hac (Sonstiges: esta f. ista; legebus; 
loces; selva; ribis; suberius; mense Agusto; cinquanta). 
n. 56 anni 777 : nur aventes ; dagegen habidationis ; homo in hoc secolo ; 
hotnenes; in hac vita; conprehinsa; hunc; huius (Uebrigens gautium 
f. gaudium ; constidutum ; vogatur ; exenedochium ; die Mercoris ; diae 
o vitus). 

n. 60 anni 785: uius cartole f. huius; dagegen habuit; habere; habui oft; 
heredes ; homine : hos ; ha pagina als Accusativ (sonst : chi f. qui öfter ; 
mense Magio; dubio; menime ). 

n. 63 anni 789: fehlt kein h: habitatur wiederholt; homicidio öfter; hanc; 

dazu h spurium: hac f. ac (sonst: ida f. ita; minse f. mense; coassa). 
n. 66 anni 792: nur coerU f. cohaeret, dazu coerentes; dagegen habeo , 
habitare; habentes; heredibus; ab omni hominem; hac die; hic, hec, 
hanc, huius (sonst: tetolus f. titulus; doblum; menime; aurefici). 
n. 67 anni 793: nur ortis „Gärten“; dagegen haverem vedeor f. habere 
videor; habendi; heredis; hanc; hos; dazu h spurium: hob omni 
hominem (Sonstiges: vocidatur; rogadus; fuvet f. fuit öfter; venundavi; 
dectus f. dictus ; sei vis muntibus ; corum f. coram). 
n. 69 anni 796: fehlt kein h: heretes öfter; haveas u. haveates; habere; 
Johannes; conprehindere ; hanc; huius (sonst: esta f. ista; subra; 
lavores). 

In diesen Monumenten ist also nur ortus „Garten,“ so weit 
es vorkommt, ständig; avere tritt öfters und doch nur gelegent- 
lich ein. Einmal steht uius . Sonst herrscht A. 


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223 


Dem Schluss desselben 8. Jahrhunderts gehören einige 
Schriftstücke im Codex diplomaticus Cavensis Bd. 1 an. Ich 
theile hier die sonstigen Barbarismen nicht mit und notire nur: 
n. 1, Mailand anni 792: einmal abere st. habere; sonst havitatori; überdies 
h gpurium : hordine ; homnia et de Omnibus; per hunc helibellum statt 
per hunce libellum. 

n. 2, Rotense bei Salerno, anni 798: hier abente ; abea f. habeas; oc f. hoc; 
dagegen ab omni homine ; heredibus öfter; sodann h spurium: Kunde ; 
a te hemtore f. emptore. 

n. 3, Salerno, anni 799: wiederholt abentes; auch omine f. homine; oc f. 
hoc. Sonst mihi und nihil. 

n. 4, Rotense, anni 801 : es fehlt kein h: homo; hoc ; dazu aber h spurium: 

hobligo me ; hedifico ; hactu f. actum, 
n. 5, anni 803: einmal oc; sonst h erhalten; auch hobligo . 

Hat hier das Griechenthum Süditaliens stärker eingewirkt? 
Aus dem „Tabularium Casinense“ tom. I (1887) führe ich an : 
n. 2 anno 830 (die Editoren behaupten die Echtheit): umano; abitator; 
in oc; in ac; in anc; dagegen habendi; habebitis; heredibus > vir 
honestus; homines; öfter hunc , huius , hoc est , hanc , hec; Michahelio; 
michi; überdies hoc f. ac. 

n. 5 anno 839: anc nur in den subscriptiones ; im Text nur havitator; 
heredes; huius; hanc; hec; dazu häufig h spurium in hoctuvrio f. 
Octobri; hoccasionem wiederholt; Helisavet; hunum quemque; huna; 
besonders hid est , für das sonst übliche hoc est. 
n. 6 a. 839: h fehlt fast ganz: abitatores; dbuisti; abeas; in unc; dagegen 
nur hoc; nihil. 

n. 8 a. 845: hier fehlt dagegen kein h: habeatis; habitatori; heredibus; 

hic hanc hec huius; beati Herasmi. 
n. 10 a. 855: ebenso: quando hibi glande non habuerit. 
n. 11 a. 862: abead potestate ; abuit; dagegen omnis homo; homine; here- 
dibus und hanc. 

n. 12 a. 866: fehlt kein h; die Fassung correkter. 

n. 14 a. 887 : abitatoris ; orreum und orreus ; eredes ; uius civitatis ; da- 
gegen nur honesta; honestus . 

n. 16 a. 890: av odierna die; avemus; abuit; anc; dagegen heredes wieder- 
holt; honestus. 

Von den Copien des 10. Jahrhunderts sei schliesslich nur die Nr. 15 
dieser Sammlung eingesehen, die die orthographischen Merkwürdigkeiten 
Hcriscentius und hdedistis , dazu noch unechtes h in homnia und abuerunt 
homnia darbietet, endlich den acc. anc durchführt. 

Aus dem Codex diplomaticus Cajetanus tom. I (1887): 
n. 2 (a. 830) : abitator, in oc tempore u. umanus neben homines , hoc , huius , 
hunc , habendi , heredibus; dazu michi u. omptima f. optima. 


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224 


Aus den Regii Neapolitani archivi monumenta (Neapel 1845) : 

n. 1 (a. 703 oder 748; nicht autographum , aber exemplum): einmal av 
odierna die und eredes ; dagegen wiederholt heredes; dazu honorem ; 
habeatis ; cuntra hunc u. huc; hoc ; nihel; h spurium in homnium 
(Sonstiges: Ihusulfus neben CHsolfus; metietatem ; cod f. quod; co f. 
quo; subdiacunum ; sibe f. sive; bindendi f. vendendi u. a.). 
n. 2, anno 820, führt uns dagegen schon mitten in’s 9. Jahrhundert. Höchste 
Barbarei; trotzdem fehlt kein h: habere ; habe f. habet; habeatis ; 
homines ; heredes ; hoc ; dazu h spurium: Aaö f. ab; sanctum Uelpidium . 
n. 3 anno 909: ein kleines Jahrhundert später, bietet dazu im Gegensatz: 
avere ; avendi ; avebitis ; contra anc; av eredibus ; ec f. haec; f. 
huius; abitator; dagegen wiederholt heredibus; vir honestus; homo 
honest us ; nichil ; h spurium: huna cum. 
n. 4 anno 912, weniger frei: abitator ; abeatis ; dagegen habendi ; habeatis ; 

honesta ; heredum u. heredes oft; omni homine ; Äoc 
n. 5 anno 916: atpreensi; abeo; abente ; ad abendum ; abeatis; av odierna; 
uius civitatis; dagegen nur heredibus (öfter); Ä£c; ftoc; &anc. 

Man nimmt also in Süditalien am Anfang des 10. Jahr- 
hunderts bei sonst gleichmässigen Vulgarismen eine Ungleichheit 
in der Behandlung des Spiritus wahr, die verräth, dass er noch 
keineswegs erstorben war. Die verschiedenen Schreiber ver- 
hielten sich verschieden, je nachdem sie sich vom griechischen 
Usus beeinflussen Hessen; die Subscriptionen dieser Urkunden 
selbst geben ja vielfach Latein in griechischen Lettern und wir 
lesen alsdann iv ux xtaaiovt oder tr ay xtaiove. 1 ) So findet 
sich denn in den weiteren Documenten der citirten Neapler 
Sammlung 

n. 6 a. 920 noch horturn nostrum , hortus inteyrus, hortua , horticellum , 
sogar hordinaverit und hordinaverimus und hab f. ab neben subtraere; in 
n. 7 a. 920 anteos f. ante kos, sonst aber fehlt kein h ; in n. 8 a. 921 steht 
es ähnlich; dazu hier hecce f. ecce sowie hab ea. Weiterhin aus den Jahren 
988 if. n. 210 umile f. humilem; vgl. n. 253; n. 211 ordeum; dagegen n. 212 
haput nos habemus; n. 213 ob hamore{m) und hanime nostre; n. 214 horta 
f. orta; hospite , aber abitator ; n. 215 hobitum f. ob.; n. 224 coram ominibus 
laus; vgl. 248 u. sonst; n. 225 oc est; n. 231 u. 241 hoccidentis; n. 233 
haliquando ; n. 234 hocto; n. 237 odie ; n. 238 horientis; n. 252 orticdlo ; 
n. 258 die ... hoctaba mensis hoctobrii; n. 259 hunde „von wo“; una 
cum . . . haheribus et aspectibus und yemma huterina yermana mea. Ja, 
in n. 262, anno 1000, lesen wir : constat me hab odierna die het in omnem 
phuturum tempus; hut f. ut; huna cum omnes; haryentum und hunde . 


1) S. z. B. Tabularium Casinense I n. 12. 


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225 


Ein solches Vagiren des Spiritus beweist natürlich nicht, 
dass er stumm war, wohl aber, dass sich mit dem correkten 
Sprachgefühl auch für ihn der sichere Sinn verloren hatte und 
man ihn daher noch immer vernehmlich, aber vielfach an falscher 
Stelle sprach. Für das Italien, insbesondere für das südliche 
Italien dieser Zeiten, gilt also in der That der Satz, den wir 
zu Anfang aus G. Curtius anführten. Dies wird als die Vorstufe 
für den Untergang der Aspiration im Italienischen zu betrachten 
sein. Uebrigens kann aber nur der Blinde nicht sehen, dass 
hier habere , indem seine Flexion fast ganz in die von abire 
überging, früher und consequenter die Aphärese erlitt, als etwa 
homo , honestus und heres. Dass man endlich noch bis in das 
15. Jhd. hinein das h in Italien hörte, beweist mir der unechte 
Apuleius mit seinem Tractat de nota aspirationis und seine 
Nachfolger Tortellius und Pontanus (oben S. 166 f.). 

Es folgt endlich der Codice diplomatico Padovano; 1 ) seine 
Documente sind jünger und es genügt Folgendes herauszuheben : 
Das erste Original ist n. 13 anni 855: hier ist nur hie , hoc , huic und 
hominibus zu finden; dagegen n. 15: einmal hodie obere neben habeatis; 
humilis ; humatum. Uebrigens steht Honorado noch S. 44 anno 912; da- 
gegen Onerado S. 104 anno 985; omo für homo erst S. 144 anno 1025; 
sodann S. 192 und 204 (11. Jhd.); dazu die Eigennamen Bonomo und 
Belomo , die indess als Composita nichts erweisen, herbaticum steht noch 
S. 62 anno 954; erbaticum dagegen S. 67 anno 955 und S. 281 anno 1079. 
(ostaticum , für ostaggio, nicht von hoetis , sondern von obstare , S. 49, 
dann S. 151). quoerencia f. cohaerentia zuerst S. 60 a. 950 und später. 
Ständig findet sich dagegen ortus f. hortus: zuerst S. 33 a. 895; dann 
S. 4 saec. X (Copie); S. 46 a. 914; S. 83 a. 970; S. 321 a. 1088. 

Dazu kommt anfangs noch h spurium: hac f. ac S. 23 anno 853; 
htdensilia S. 12 anno 829; derartiges scheint hernach zu verschwinden; 
doch steht hottorita b f. auctoritas sogar noch S. 177 anno 1040. 

Ueber vegiculus und regere s. oben S. 180. 

Von geringerem Interesse ist das Terrain der deutschen 
Schreibschulen; doch habe ich die Formulae Andecavenses durch- 
gesehen, die in einer Handschrift zu Fulda aus dem Anfang des 
8. Jahrhunderts vorliegen. 2 ) Auch hier wird bei aller sonstigen 
graphischen Licenz doch an der Schreibung des h in auffallender 
Weise festgehalten. 

1) In Monumenti storici publ. dalla deput. Veneta di storia patria, 
vol. II, Venezia 1877. 

2) S. Monum. Germaniae hist., Legum sectio V ed. Zeumer, a. 1886. 

b t r t , Tb., Der Hi»t bei Plautus. 15 


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226 


Wir finden z. B. auf S. 4 einmal me abiturum esse, sonst habeo , habere dicie , 
hominum , hominem , Aaac und mfAi (Sonstiges: palacio ; graeia ; Wtf- 
cara; legebus ; lanto; civetate ; aai asf reddebetum; iobeatis; seo f. seu). 
auf S. 5: oWa f. habes; td aöutl karetas vestra ; ab odiemo diae; abeatis 
potestatem ; dagegen Aoac otnnia und contra Aawc öfter; ^o*f Aaac; 
homo; de heredibus; de hac ; Aac; Aoc as* per harte cessione ; Aoc 
recepere debias (sonst: cido tföt; intcr nwa; opteniat ; spunsavi ; ^ro- 
picto domeno). 

auf S. 6: abuit; ab odiemo die zweimal; daneben habu.it ; habias potestatem ; 
da heretibus meis; aliquos homo zweimal; bonis hominibus; de homine ; 
a# Aoc; Aanc; contra hatte ; Aoc; Aoc die* u. a. 
auf S. 24: h fehlt nicht; dagegen habire visus est (f. habere); habias ; 
habiat ; habuit; homo ; hominibus ; de heredibus ; poa* Anne die ; auch 
nicAtf (sonst: circa naa; potemmus ; fecemus u. a.). 

Auch hier erscheint also nur habere öfters angetastet, das 
mit afoVe deutlich zusammenfiel. 

Etwas anders ist das Bild, wenn wir uns nach Sanct 
Gallen wenden; wir befinden uns hier aber nicht auf romani- 
schem Boden und können die nachfolgenden Zeugnisse also 
gegen die vorauf gehenden nicht geltend machen; s. H. Wartmann, 
Urkundenbuch der Abtei St. Gallen, Theil I. 1 ) 

n. 2 (circa a. 700): h fehlt nirgends: habere ; habemus ; da heredes meos; 

harte ; Aac (sonst : possedeant ; agei'it f. egerit). 
n. 3 (zwischen 716—720): ebenso; sprachlich besser ( iuchxm und ixichos 
f. iugum). 

n. 4 (zwischen 720—737): ebenso. 

n. 6 (a. 731 — 736) : ic und ig für hic ; ec ebistola f. haec : da eridibus ; da- 
gegen öfters harte und homnia f. omnia (sonst : sagrum ; gredo f. credo ; 
diagonus ; in fuduro; pecadis meis; escripta sunt; oxor ; pondira; 
ebse f. ipse u. a.). 

n. 8 anno 744: orta „Gärten“; dagegen heredis; hurte factum; hoc est; 
h spurium : ad hemtoribus (Sonstiges : tivi rindere ; vindidit ; adpirtenit ; 
ex etdecru; nodavi; tistis f. testis; esta f. ista u. s. f.). 
n. 9 anno 744: orta „Gärten“; avead podistade; dagegen da heretis; hunc 
factu; hunc cartola dreimal (sonst: reies f . regis; nodrigarnintum f. 
nutricamentum ; segna f. signa; mia; appati f. abbati u. a.). 
n. 10 a. 744: ortiferis f. hortis; sonst correkter. 
n. 11 a. 745: ortiferis; sonst correkter. 

n. 13, zweite Hälfte des 8. Jhds.: visus est obere und abuerunt; dagegen 
habet; cum hopa sua. 


1) Zürich 1863, nach Originalen in St. Gallen und Bremen. 


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227 


n. 15 a. 752: visus sum abire; eridis mei; in onore; dagegen hoc est; 

hanc epist. dreimal (sonst: stibulatione ; aeclisie ; vus f. vos; permaniat). 
n. 18 a. 754: in lateinischen Vocabeln fehlt kein h; dagegen wiederholt 
cum oba sua (hoba ist Hufe); also habere ; habeat ; heredes u. s. f.; 
sogar hac f. ac und nihilhomenus (sonst: dobla ; poblice ; recibere ; 
oxor ; picuniis ). 

n. 19 a. 754: ebenso; auch ha (so) f. ac; vgl. Catul 1 22,16. 
n. 20 a. 757: vulgär; aber es fehlt kein h. 
n. 21 a. 757: ebenso. 

n. 22 a. 758: omnia quod abeo; volo apere ; potestatem abere; onore; de 
eredibus ; anc donaeionem (übrigens drado f. trado; Calloni f. Galloni; 
solodo f. solido). Es nennt sich hier Rihcarius; ausser in seinem 
Namen fehlt h ; die Urkunde ist Copie, aber gleichzeitige, 
n. 23 a. 758: fehlt kein h: visus est habire; habuit; de heredibus; hoc 
sunt; hanc . 

n. 24 a. 759: etwas correkter ; es fehlt kein h : hodiema die habire; hominis; 

hoc; he(re)dis u. proheredis (sonst: recibiatis). 
n. 31 a. 761, Canton Zürich: abiant: ereditatem; eredis; dagegen habire; 
■ hanc vinditione; hoc est . 

n. 33 a. 762, Konstanz: fehlt kein h; hortiferis; hominis; heredibus; 
hoc , hanc, hec , hic. 

n. 35 a. 762, Kanton Thurgau: Copie, aber voll Idiotismen: nur abire f. 
habere; dagegen heredis, hoc , hanc , nichilhominus (sonst: dubia; exinte 
f. exinde; convessure f. confessore; ipsic; dibire; fici f. feci; pervinit). 
n. 37 a. 762, Kanton Zürich: abere; eridis; ic; dazu monahi f. monachi 
(sonst: cor für quorum). 

Ich wiederhole, dass hier vorzugsweise Männer deutscher 
Zunge das Latein diktirt oder geschrieben haben; nur für n. 6 
vermuthet der Herausgeber Wartmann in Hinblick auf die 
sprachlichen Licenzen als Urheber einen Mann rätischer Abkunft, 
da Rätier in den ersten Zeiten des Klosters sich vielfach bei der 
Zelle des hl. Gallus niederliessen. Doch sehe ich keinen wesent- 
lichen sprachlichen Unterschied zwischen n. 6 und n. 9 oder 
18. Auffällig ist, dass die Aphärese nicht nur gelegentlich das 
Verbum habere angreift, sondern auch hic und hec , auch heredes, 
sogar onore , während homo unangetastet bleibt; daneben zeigt 
sich h spurium in hac , homnia und hemtoribus. Betreifs orta 
„Gärten“ ist klar, dass man das Wort zu orior zog und „das Ge- 
wachsene“ verstand; daher ortifer , typisch mit pomifer ver- 
bunden, als Krautgarten neben dem Obstgarten (vgl. oben S. 136). 

Wenn aber sogar für germanisches hoba wiederholt oba ein- 
tritt (s. n. 18), während das h doch in diesem Wort fest war 

15* 


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228 


Und blieb und vom Schreiber sicher gesprochen wurde, so werden 
wir uns hüten das Verstummen des lateinischen h in heredes 
u. a. im Munde dieser Concipienten bestimmt zu behaupten. 
Fanden wir in n. 6 ic und ig für hie, so erinnere man sich, 
dass auch im Althochdeutschen nicht selten umgekehrt hic für 
ic (ego) geschrieben wurde. 1 2 ) 

An die Urkunden schliessen sich einige Beispiele der Buch- 
schrift, und zunächst und insbesondere Werke des rücksichtslosen 
Vulgärlateins. Auch hier aber stimmt der Usus auf das augen- 
fälligste mit dem bisher Beobachteten überein. In den „Chroni- 
carum libri IV“ des sog. Fredegarius, die vornehmlich nach einer 
Pariser Handschrift des 7.-8. Jhds. gedruckt werden (s. ed. 
Krusch) steht regelrecht und allüberall 

hoc , hunc, hominum , huiuscemodi , de his, habitaverant , honoratur , hii und 
heae u. s. f. u. s. f. Ich enthalte mich des Ausschreibens ; und dabei giebt 
uns derselbe Text doch agnuscamus , reyebns , Trociane f. Troiani, Pon- 
pegitts, ständig Andorns f. Antiochus, stubro ( p. 59), subgidt und progi - 
dtur , occubavit , negat f. necat (p. 57), cuinomento f. cognom. (p. 58) etc. 
Eine Schreibung wie adtral (p. 57) erklärt sich aus dem 8. 27 f. Gesagten. 
Dazu in Eigennamen Hictiofagi , Ylliria , YUirid , Uberia mit v. 1. Uyberia 
(p. 22) ; Hispania und üispani, daneben Spaniam p. 25, Ispanogalia p. 22. 
War lat. h durchaus stumm, so wären auch hier gelegentliche Aphäresen 
zu erwarten gewesen. 

In der Cosmographia des Aethicus (Leipziger Hs. saec. 
VH1 — IX, ed. Wuttke) finde ich entsprechend nur 

ac f. hac (s. praef. S. 128), arena c. 34, yrcos c. 67 neben hircorum c. 46 ; 
dagegen hordeum , hamum , harundine , horrorem , horreis , sogar hoUra 
c. 28.*) Dagegen hac f. ac 29 u. 34, habundantiam c. 33, Uüiricum c. 74; 
hoccasus notirt Wuttke praef. S. 128; und der Verfasser selbst heisst hand- 
schriftlich auch Heticus phylosophus (ib. S. 77). 

Genau ebenso conservativ wie diese Cosmographia zeigt sich 
das Itinerarium Antonini Placentini (ed. Gildemeister), dessen 
Sprache doch nicht minder vulgär ist; ebenso aber auch die 
Tabula Peutingeriana, die schon im Interesse der Raumersparung 
Anlass genug gehabt hätte un gesprochenes h zu unterdrücken 
und die in den Terminationen der Eigennamen doch den Ein- 
fluss der Volkssprache verräth; trotzdem giebt sie uns ad liorrea 

1) S. oben S. 200. 

2) Dagegen die griechischen Wörter iadnetus , ymeneones , agiografiam, 
iperbords oder yperb , , EUedas f. Hellas c. 78; istoriews c. 55, sonst hist . 


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229 


(in Narbonensis), lacus Henus, Hadriaticum, HnluiJlo , TJelelhm 
(bei Strassburg) u. s. f. neben Foro Adriani . 

Jordanes (ed. Mommsen; Haupthandschrift in Heidelberg 
saec. VIII, vielleicht aus Fulda) zeigt 1 ) die Formen von habeo 
stets correkt, 

aber zweimal avitus f. habitus, avenis f. hab. einmal, actenus dreimal, aruspices 
zweimal, astatus einmal, astilxbus einmal; ostis oft neben hostis; ortus f. 
bortus nur S. 97; ospitio S. 12; orribile S. 18; odie dreimal; sonst ist das 
Demonstrativ intakt. 2 ) Daneben abundirendes habundans , horienti S. 38, 
horis zu os S. 16, hostium „Thur“ dreimal, heremus zweimal ; ausserdem humere 
u. humeru8. Dass alles dies so auf des Jordanes Hand zurückgehe, wie 
Mommsen ansetzte, glaube ich nicht. Die Analoga, die er aus de Ross* 
inscr. Christ. I n. 966 ff. beibringt, genügen zum Beweise durchaus nicht, 
da sie nur eredium, ortolanus und Borestis geben. Wohl aber stimmt 
alles zum 8. Jabrh. 

Am laxesten vielleicht der Placidus libri glossarum im 
Pariser Doppelcodex n. 11529 und 11530, saec. VIII — IX, Corp. 
gloss. V S. 43 ff., der mit Ausnahme der Wörter, die im Lemma 
stehen, sich sehr frei bewegt. Doch giebt er stets homo und 
alle Demonstrativformen mit h ; fast stets habere ; ferner h(a)erere 
S. 68; habenae S. 90; humili und herba öfter; hostis sehr oft 
u. s. f. 

Daneben aber abet u. aberi p. 74 u. 82 ; astis p. 50 ; asta p. 50 u. 70 ; aru - 
spicem p. 74 ; orridum p. 74 ; orrenda p. 95 ; vgl. 97 ; olerum p. 74; ortandum 
p. 74; actenus p. 102 ; ab ac die p. 62; vgl. 73; odie p. 78; erbam p. 73; 
ebetem p. 49; iaemalis p. 102; ilari p. 97. Zugleich aber hac f. ac p. 51; 
58; 95; 98; hostiatim 97; höre suo 63; vgl. 74; husus 63; hab f. ab p. 73; 
hubertate 93; hactivum 94; hironiam 95; hini hiare (so) f. inhiare 74; 
heremum 79; hahera f. aera 73. 

Wie wenig solche omissiones des h für den Schwund der 
Aspiration beweisen, verrathen uns Handschriften spanischer 
Herkunft. Denn es lässt sich nicht bezweifeln, dass dasJSpanien 
des Mittelalters so echtes wie unechtes h noch deutlich zu Gehör 
brachte (s. unten). Gleichwohl stehen der codex Salmasianus 


1) Die Belegstellen giebt Mommsen S. 171 f. Von storiunculae p. 3, 
welche Aphärese noch sonst fünfmal wiederkehrt, sehe ich ab, sowie von 
siebenmaligem istoricus (dagegen historia S. 61 u. 64), da dies unter den 
S. 197 f. behandelten Gesichtspunkt fallt. 

2) S. 26,34 kann neo im cod. H in ne eo aufgelost werden; ne oc 
cod. Pal. 


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230 


der lateinischen Anthologie 1 ) und der Matritensis des Corippus 
ganz auf gleichem Boden mit dem, was wir bisher an Zeugnissen 
zusammengestellt haben. 

Der Salmasianus saec. VII zeigt nichil n. 367, 8, 2 ) umge- 
kehrt aber harthaginis 354, 10, was nicht auf graphischem Wege 
aus Karthaginis erklärt werden darf; denn der Librarius giebt 
83, 116 charthago , und hieraus ist das h abzuleiten ; vgl. Evhadnes 
273,9; was hier das h bedeutet, verräth cod. B, der Evchadfie 
giebt. Das h = ch ist also kein anderes als in Hilderici 203, 1. 

Hierzu stimmt im Matritensis saec. IX amihi f. amici und 
cali nihi f. Calinici (s. oben S. 179) ; dagegen mici Coripp. 
p. 116,38. 

Uebrigens wird h im Salmasianus gehütet ; c. 120 verlangt 
das Akrostichon Ospes ; der Librarius setzte trotzdem hospis . 

Gleichwohl bietet er zwar meist habere , aber doch abitum 16,19 und fünf- 
mal abe (83,2; 9,16; 191,3; 224,1; 244,7); gel. orfus (c. 369 ; 372,6) und 
olus (176,3); oft erba (17,176 und sonst) und arena (12,1; 14,16; 17,93; 
376, 11); oft amu«, z. B. 21,46; bisweilen äbenas (z. B. 15,10); stets hostis 
ausser 17,405 sowie hasta ausser 17,256; meist horresco , horridus , horrii , 
aber mit Aphärese 195,1; 196,2; 294,5; in c. 224 stehen beide Schreibungen 
hart neben einander v. 2 u. 4. Stets Afc, einmal orum 367,8. Uebrigens 
je einmal ortatur 198,82; umandi 13,22; irundo 13,1; eu f. heu 17,42; 
ibemae 104,4; tspidus 358,1. 

Zugleich wuchert h spurium: hos horis n. 205; 18,37; 29,3; 199,59. 
hostea f. ostia 197,3. hoc f. ac 11,66 u. 112; 10,33; 14,22; 82,3 u. 13; 
212,6; 309,3; so ist denn 198,72 das metrisch nothwendige hac richtig 
erhalten, vgl. ebenda y. 31. hömtna 17,55 u. 72; 189,3. here f. aere 8,30. 
helefan8 344,2. Honorant f. onerant 16,101. hdbii 17,313; Hdbundat 
110,8; vgl. 10,8. habet f. abtat 197,6; habet f. ovet 17,97. haves (Vogel) 
300,2. hunguibus 29,3. Horestes 44,1. hacmina 198,39. h%8 f. nom. is 
192,4; hid f. id f7,221. hise f. isse 373,9. 

Der Matritensis, dessen Ursprung gut hundert Jahre später 
fallt, weicht nicht wesentlich davon ab. 8 ) 

Auch er schreibt arena neben harenae ; erbos u. ervis f. herbas, berbis 
fünfmal , dazu ervosos Iust. 4, 99 ; dbitus zweimal , sonstige Formen von 
hdbeo sechsmal mit Aphäresis, orresco mit orribilis viermal, ostis zweimal, 


1) Vgl. über ihn auch L. Traube, Philol. 54 S. 125. 

2) Vgl. nxh (so) f. ni 316,7. 

3) Partsch praef. p. 54 giebt das Orthographische unvollständig; von 
aurire , von erus , erilis und aut f. haud, ora f. hora, ilaris u. istoria ist 
abzusehen. 


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231 


iruttdo einmal, ortans einmal; aber auch onor zweimal,’) ton* zweimal ; 
dazu tbernus Iust. 3,282; umanus einmal.*) Uebrigens ständig Homo wie 
Here» 9 ) und alle Formen von hic; regelmässig koste», hostiles , hic Habitus 
p. 119,40 u. s. f. 

So steht ferner h spurium nicht nur ständig in humeris und humentes , 
sondern wir finden auch hdbitum f. avitum p. 131; homintbus f. omnibus 
p. 130; honerati p 136; kos Horts p. 143 u. 153, hostro p. 326, haere (so) 
f. aera p. 148; he f. et p. 147; horbis öfter, s. zu p. 123 v. 250; hurbis 
öfter, s. ebenda; endlich ab hübe f. ab ubere p. 123. 

Ueber das Wuchern des h bei dem spanischen Dichter 
Albarus sei auf S. 210 f. zurückverwiesen. 

Diese spanischen Handschriften, die von Schreibern her- 
rühren, die in den meisten Fallen noch kräftig aspirirten, leiten 
uns also wieder auf den Satz hin, der schon bei anderem Anlass 
aufgestellt wurde (S. 127 u. 203: vgl.S.133f.; 136; 214; 220; 228): 
Auslassung des h in derSchrift beweist noch nicht 
sein Verstummen. Wir müssen, wo sie auftritt, mit Vor- 
sicht unsre Schlüsse ziehen. 

Als sehr constant erweist sich dagegen z. B. die Ueber- 
lieferung des Palladius de agricultura, eines so ungelehrten und 
lediglich praktischen Zwecken dienenden Werkes, das ständig 
harrna , harenosus , horrmm , horfus , herbar, auch hordeum zeigt, 
(ausser cod. E saec. XIV); h fehlt hier, wenn ich mich nicht 
täusche, nur in olera I 37, 3. 

Doch ich breche ab und versuche endlich der Forderung, 
die ich zu Anfang gestellt, wenn auch nur annähernd, zu ent- 
sprechen. Es gilt womöglich für jedes lateinische Wort mit 
echter Aspiration den Hergang des h-Schwundes in der Schrift 
zu verfolgen, eine Aufgabe, deren wirkliche Lösung allerdings meine 
Kräfte weit übersteigt; ich begnüge mich hier den Zustand des 
einschlägigen Wortschatzes für das 7.-9. Jahrhundert mit den 
Mitteln, die mir zu Gebote stehen, anzudeuten, diejenigen Wörter 
hervorzuheben, bei denen das Phänomen am frühesten eingetreten 
zu sein scheint, endlich die Ursachen, die es hervorgerufen 
haben, für jedes Wort aufzudecken. 

Man wird bemerken, dass sich für diesen Zweck die Hand- 
schriften der römischen Classiker und Kirchenautoren wie über- 
haupt die Buchschrift des 8. und 9. Jahrhunderts neben den 

1) p. 112 n. XVIII u. p. 155 v. 335. 

2) Humana sonst sogar f. Romana eingedrungen laus lustin. 3, 14, 

3) Ueber erodem f. heredem p. 112 s. unten S. 236. 


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232 


Urkunden mit Nutzen ausbeuten lässt. Denn diese Buchschreiber 
waren keineswegs nur mechanische Copisten; sie haben die 
Aphärese nach eignem Belieben angewandt; sie machen aber 
von dieser Freiheit bei etlichen Worten häufig, bei anderen viel 
seltener Gebrauch. Dass wir immer nur gewisse Formen von 
habere , besonders die des Präsensstammes, immer nur ortus , 
asta, orridus, ordeum , vom Pronomen hic ganz vorwiegend nur 
ac f. hac an treffen, dagegen mit starker Consequenz homo , hic , 
huius , hunc< honestus u. s. f. in allen Texten durchgeführt wird, 
zeigt an, dass für die Schreiber zwischen diesen Wörtern und 
Formen ein Unterschied bestand. 

Ueberschauen wir zunächst die spärlichen lateinischen Lehn- 
wörter des Altdeutschen, so ist schon oben S. 195 ff. zusammen- 
gestellt, in welchen Fällen sich echtes sowie unechtes lat. h im 
Althochdeutschen hielt: z. B. hysop , heber , Helephant; wir 
sahen daselbst auch, dass der Verlust des h hier ganz vornehm- 
lich griechische Worte, deren Spiritus man sich vielfach zu 
schreiben enthielt, anbetraf. Diese graphische Erscheinung muss 
von entscheidendem Einfluss gewesen sein ; gewiss lag es bei der 
Entlehnung äusserst nahe, das ungeschriebene h zu ignorieren. 
Dafür, dass man dies griechische h doch noch hörte, sind metri- 
sche Indicien vorhanden: s. S. 171. So steht denn auch ahd. 
hyemno x ) neben imno; hysopes 2 ) neben isop . 

Ein echt lateinisches Wort, das mit Spiritus lenis in’s 
Deutsche eindrang, scheint nun dagegen ortus „Garten“ zu sein; 
hierauf führt Kluge mit Wahrscheinlichkeit altengl. ortgeard 
(orchard) zurück sowie ahd. ga-orzdta , exculta (terra) ; dazu gotisch 
aurtigards „Krautgarten“ und aurtja „Gärtner.“ Die Diplome 
bestätigen das; bezeichnend das Neutrum orta und das Compositum 
ortifer ; man verstand unter ortus , orta das Gewachsene (ob. S. 136). 
Doch betone ich, dass der Verlust nicht durchgängig eingetreten 
war; Spanien hat an der Wortgestalt hortus festgehalten. 

Dazu kommt gelegentliches abil und abit, das die lateinische 
Orthographie abilis und dbitus nachahmt. 8 ) 

1) St. Galler Glossar des 8. Jhds. ; Graff IV S. 957. 

2) Genitiv; Reichenauer Glossar bei Graff IV S. 1059. 

3) Garke S. 126 f. In umerale dagegen (Hess. Urk. II S. 857) bat sich 
vielmehr der correkte Spiritus lenis erhalten. Ueber modernes uribel s. 
eben S. 195. 


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233 


Nicht glaublich ist mir dagegen, dass ahd. elo , elattua* ?, 
elenuaz u. s. f. , bairisch elb y l ) von helvus hergeleitet werden 
darf; vgl. oben S. 181 ; es müsste denn dies so seltene helvus mit 
albus confundirt und daraus ein drittes hergestellt sein. 2 ) Ebenso 
wenig überzeugt irah , Wach , in den Glossaren pellis caprina, 
pellis fracta, späterhin Ircher der Gerber, 8 ) zu lat. hircus ge- 
zogen. Zwar macht hier der Schwund des h weniger Bedenken 
(s. unten), wohl aber die Bedeutung; denn für das Fell wäre 
hWcina , nicht hircus zu erwarten. Ebenso ist erin pavimentum, 
erine pavimento, 4 ) falls Lehnwort, eher zu lat. area als zu 
harena zu stellen, wie die Wortbedeutung lehrt; vgl. ags. are 
„Tenne,“ im heutigen Schwäbisch Eren der Hausflur; mag 
immerhin in den Prudentiusglossen auch lat. harena einmal 
mit erina wiedergegeben werden 5 ). Dass dtsch. Ast nicht zu 
hasta gehört, ist oben S. 148,3 ausgeführt. 

Die nachfolgende tabellarische Uebersicht ist eine Fortsetzung 
und Erweiterung derjenigen, die wir S. 145 ff. vorgeführt haben. 
Es soll auf sie, wo solche Anknüpfung nöthig, jedesmal ver- 
wiesen werden. 

ortus stehe voran; zu orior S. 136: 138; daher so in’s Germanische reci- 
pirt, S. 232 ; die Urkunden bestätigen die Schreibung, S. 222 — 226 ; daher neutr. 
orta u. ortiferi S. 226 f. Dagegen spanisch huerto. Inschriftliche Aphärese s. 
S. 124. Weiteres s. S. 146; dazu Sedulius c. pasch, praef. v. 15 cod. T saec.YII ; 
Servius Aen. IV 483 fin. in F ; Anthol. Salm. 492, 8 (aber daneben holus ) ; 
Plaut. Mil. 340 in CD; Most. 1046 u. Stich. 437 in P. ortullo (so) Catull 
61,92. Ecbasis Captivi ed. Grimm v. 590 u. 593 (Hs. des 11. Jbds.), ob- 
schon hier Allitteration: Quas habet haec horti species. in orto Varro r. 
r. 131,4; Priscian I p. 189, 13 cod. K; in ortis Script, bist. Aug. II p. 41,3; 
Horaz Sat. 18,7 in E; in ortos Varro r. r. 1111,12. Bei Cicero de legg. 
p. 40,12 in hortulis AB, in ortulis H sowie p. 119,5 cantrahit AB, con- 
trait A, p. 161,10 hercle AB, ercle H. Denn auch horius hat durchaus 
seine feste Tradition ; so Oorp. gloss. II S. 69 ; Benedicti regula c. 66 die 
beste Hs. ; Sedul. c. pasch. V 225 in T ; stets so Palladius. Mehr zu citiren, 


1) Graf I S. 225. 

2) So ist z. B. ital. grasso aus crassus und grossus entstanden, duoto 
aus dolus und dolor , nordital. fastudio aus fastidio und Studio , s. Meyer- 
Lübke, ital. Grammatik S. 96; 176; 36. 

3) Graff I S. 461 ; daneben ireh erva, irch ervum. 

4) Graff I S. 463. 

5) Graff a. a. 0. 


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284 


wurde zu weit fuhren. Auch du Cange bringt hortus ; dagegen ortolanu* 
du Cange u. Diefenbach. 

babeo steht mit Recht an zweiter Stelle. Das Romanische setzt Aphärese 
für die präsentischen Formen voraus, insofern sie in engen Satzanschluss 
traten: s. S. 217. Aeltere Bsple. aus Inschriften s. S. 123 f.; obere inscr. 
Hispan. Christ. 158; vgl. auch S. 146; dazu abuistis Verg. Aen. XI 308 in P. 
Etwa 30 Beispiele in den Digesten (Ziegel S. 32). habuit aut avet steht 
verbunden Didascaliae frgm. ed. Hauler fol. 10 (wo sonst nur habere). 
Die gewichtlosen Formen des Präsens waren ehen vornehmlich zur Enklisis 
befähigt und ndn habet wurde naturgemäss nönabet , dut habet also auch 
dutavet gesprochen. Ueber die Diplome s. S. 221 ff. : Aphärese in Frankreich 
verhältnissmässig spärlich ; so auch in den sonstigen Hss. : üher die spani- 
schen s. S. 230. In Cassiodor’s Variae obere etwa zwei oder drei Mal. 1 
Dazu abet Priscian I p. 275 in R; Plaut. Aul. 657 in B; ab f. habe Mil. 
804 in B; abeo Persa 45 in P; abare (so) f. habere Auson. Epist. 1,14. 
äbeat Virgil, grammaticus p. 30, 9. abeatur f. agatur (!) Benedicti regula. 
c. 52 cod. Tegerns. Die verhältnissmässige Seltenheit solcher Orthographien 
kann nicht bedeutungslos sein; vgl. dagegen chabuisse , das wir S. 181 
nachwiesen. Umgekehrt drang ja auch hob und habire vor; s. unten 
Auch im Verse funktionirt das h doch noch gelegentlich consonantisch ; 
s. S. 177; vgl. 169, und dass dies, wie wir sehen werden, sogar noch im 
Altfranzosischen der Fall, kann uns demnach nicht Wunder nehmen. 

Ableitungen: arbitrationem f. habitationem Mart. Capelia p. 27,3; sehr 
ähnlich abitrare f. habitare Plaut. Poen. 959 in A: vgl. harbiter f. arbiter 
oben S. 156. Ueber abitus und abilis s. S. 146; 232; abitus auch Jordanes s. 
oben S. 229; ex abitus qualitate Servius Aen. IV 216 cod. F; abitum Auson 
Profess. 11,52 in V; avitis f. habitis Amin. Marc. 21,1,4. — Auf abile 
aber hat aptus Einfluss geübt; dies zeigt die Glosse habile, mit abtum er- 
klärt, Corp. gloss. V 107, 31, wobei auf die Orthographie abtum Acht zu 
geben ist, die der Gleichung zu Hülfe kam und sich auch Coripp lustin. 
4,229 findet; daher wurde aptat zu habet in Anthol. Salm. 197,6. 

abena, durch avena beeinflusst, s. S. 147. Die Aphärese bleibt aber 
selten; Jordanes p. 22 cod. H; Anthol. Salm. 15,35. 

arnspex und ariolns; zu ara s. S. 145; Inschriften S. 125. ariolum 
z. B. Apul. de deo Socr. 7; bei Plautus nur P; anders A. Gleichwohl 
siegte auch hier die falsche Etymologie durchaus nicht; haruspex steht 
neben aruspex z. B. Corp. gloss. II p. 23 u. 68; ebenso beide Schreibungen 
Gromatici p. 166. haruspicii Censorin de die nat. p. 24, 17. haruspicem 
u. hariolum Cato r. r. c. 5,4 in A u. P einstimmig; ebenso die Haupt- 
handschrift des Apuleius Apol. c. 41 init.; der Copist cp beseitigte in 
beiden Fällen das h. 

arena, zu aridus S. 138; ältere Zeugnisse S. 145. So auch später: 
Anthol. Salm. 210,4; Cato ed. Keil p. 46; vgl. p. 5; ex arena aries 


1) S. ed. Mommsen praef. p. 109. 


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235 


apparuit oben S. 205,1. Doch bleibt harena durchaus daneben bestehen: 
Corp. gloss. II S. 68 u. a.: so Palladius stets; harenoso Walahfridus 
Strabus carm. 4,5. harenis Boethius p. 119,25 alle Hss. Der Vaticanus 
des Mela (saec. X) ständig harena und harundo , die gleichzeitige m. 2 
hält für nöthig arena u. arundo herzustellen (s. 1102: III 62; 100 f.). 1 ) 
Vorwiegend harena cod. Sanctgallensis saec. X im Plinius und Gargil. 
Martialis de medicina. 

arundo drang zugleich mit arena vor, obenS. 145 f.*) So steht z. B. auch 
Anthol. lat. 486,104 in drei Hss.; doch wahren die Metamorphosen Ovid’s 
beispielshalber in beiden Worten den Spiritus; ebenso Horaz Sat. 18,6, 
wo auch arundo , u. 113,248. harundo Corp. gloss. II S. 68; Plinius de 
medicina p. 88 Rose. Bei Cato u. Varro de r. r. ist arundo neben har. 
doch das seltenere. Hieran wurde nun der Vogel hirundo angeglichen 
(vgl. auch herundo oben S. 146), und so erklärt sich vfz. arondelle für 
hirondelle. 

olns, zu olla S. 134; 136. Das h schwand leichter in holus 
als in holitor und holerare. Auf alle Fälle aber drang die Aphärese 
keineswegs durch: cleribus Didascalia apost. ed. Hauler fol. 76: Cato 
r. r. p. 97 in A; auch Palladius 137,3; Apuleius Apol. c. 23 zwar holitor , 
aber olus ; olus Anthol. Salm. 176,3; Priscian I p. 375,22 in RDHG. Be- 
merkenswerth das holerum usus inholesceret mit Assonanz oben S. 205; 
auch Ambrosius p. 476,13 holera die Hss. ausser TBCM; holus Corp. gl. 
II S. 69. Bei Priscian I p. 273,14 blus Oleris R; p. 203,18 holitor aus 
Naevius; 274,26 meos hortulos . . . holero aus Mattius; Horaz Sat. n6,64 
holusnda alle Hss.; vgl. epist. 15,2; 17,13; genau ebenso Walahfridus 
Strabus carm. 4,51, der auch holitoris opus v. 11. Script, hist. Aug. I 
p. 225,4 olerihus B, hol. P; dagegen II p. 141,13 olerum B, holerum P. 
holera auch im Aethicus c. 28 u. 59 zu halten. So auch oft bei Plin. u. 
Gargil. Martialis de medicina. Daher sagt Ps. Apuleius p. 106 „plerique 
aspirant“. Auf alle Fälle aber war bei Livius 21,62.4 foro holitorio , wie 
P giebt, zu drucken ; dagegen bietet bei Varro 1. lat. 5, 146 der verhältniss- 
mässig junge Codex F forum olitorium . . . ubi olerum copia. — Speciell 
holerare „kolpflantzen“ hielt sich; s. Diefenbach. 

eredes; mit erus zusammengethan ; ältere Schreibungen S. 124; dazu 
eredium de Rossi 1977. Die Aphärese ist auf den Diplomen durchaus 
spärlich zu finden, s. 8. 221 ff.; so auch sonst: in den Digesten etwa 9 Mal. 


1) Der Amiatinu8 des alten Testamentes hat stets richtig humus , 
habeo, hireos u. s. f. ; der Apparat Tischendorfs aber ist nicht ganz zuver- 
lässig; Genes. 41,40 giebt der Text obediet, 42,1 negligitis , 43,3 denun- 
ciavit, 45,13 nunciate , 4 Reg. 9,37 sogar haeccine , ohne dass etwas an- 
gemerkt wird; so wie ich in diesen Fällen zweifle, ob der Codex wirklich 
so schreibt, so zweifle ich auch betr. arena, das Genes. 41,49 im Text steht. 

2) Auch bei Ps. Apuleius p. 91 zu aridus gestellt. 


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236 


Seitdem erus „der Herr* als herus erscheint, war es nothwendig, dass 
heres damit combinirt wurde; davon war die gel. Aphärese die Ruck- 
wirkung. Dazu kam, dass für herus „der Herr“ ein altlateinischer Nominativ 
heres dominus überliefert wurde, der auch in die späten Glossare uberging; 
oben S. 139. Die Prosodie der ersten Silbe aber kam nicht in Betracht; 
dies lehrt Auson, bei dem sich in cod. V als Gedichttitel De erediolo 
findet; ebenso ibid. v. 1; eredis Parental. 9,4 u. 10; eres epist. 23,7; der- 
selbe Auson aber misst die erste Silbe dieses Wortes als Kurze Professor. 7,49 ; 
und die nämliche Kürzung giebt die Anthol. lat. 191, 1 sowie carm. epigr. 
366. Endlich hat Auson in herus „Herr“ die Prothese Epist. 16,2 v. 2 
und 4 cod. T. 

Bei Coripp steht p. 112 erodem f. heredem, während sonst das h nicht 
fehlt (p. 119,46; 124, 269). Offenbar war an jener Stelle heredem zunächst 
zu Herodem verlesen, 1 ) dann nach dem Princip der Aphärese in griechischen 
Wörtern das h pflichtgemäss unterdrückt. 

eri „gestern“, war gleichfalls Homonym zu heri „des Herrn“; s. oben 
S. 146. Aber es bleibt auch jetzt sehr selten; s. Mart. Capella p. 110,5 
cod. R; Plaut. Mil. 489 in BD. Dagegen frz. hier wie schon in den 
Plautushandschriften hieri oder hiheri , s. oben S. 182. 

asta , zu adstare s. S. 136 ; es ist lehrreich zu sehen , dass das Be- 
wusstsein dieser Etymologie fortdauerte. Aeltere Schreibungen S. 125. 
Ebenso asta b. Gregor v. Tours (Bonnet S. 168); horruit astis mit scheinbar 
aufgegebener Allitteration Anthol. Salm. 17,256; vgl. ib. 234,29 u. 30; 
Script, hist. Aug. II p. 45,21 Archetyp (sonst hastae z. B. p. 146); Mart. 
Capella p. 194,18; Plaut. Bacch. 428 in BC; Servius Aen. IV 287 in FL. 
sub asta Florus p. 131,1 cod. B. astüe Script, hist. Aug. II p. 174. 
astatus Corp. gl. II S. 22 (aber hasta S. 68); Placidus u. Jordanes, s. 
oben S. 229 ; Servius Aen. II 325 in C ; Livius 30, 34, 10 in B u. <f ; 
Virgil, gramm. p. 165,22 N. Gleichwohl bei du Cange nur hasta (langue 
d’oc), sowie hastator coquus, rotisseur, mit deutlichem Bezug zu assare 
(vgl. oben S. 149). 

Das h gab man also durchaus nicht durchgängig auf; hastile im Verse 
S. 177. Wer jenes asta schrieb, der dachte eben an adstare ; daher denn 
wirklich adstatus f. hastatus Ammian. Marcell. 20,4,18 der Archetyp; 
ebenso hadstatio (so) f. hastatio Livius 30,34,11 im Bambergensis ! Die 
Auffassung blieb also genau dieselbe, die sich auch für ostium geltend 
machte; denn ostium ab obstando lehrt Servius zu Aen. VI 43; vgl. unten 
unter hostis . 8 ) 

edns, seltener aedus , f. haedus; zu idere oder zu fjdeodcu, oben S. 146. 
aedi Plaut. Poen. 31 in P. edos cod. Petropol. saec. V des Augustinus, 


1) So steht Script, hist. Aug. Diadum. c. 5,4 Heredianus f. Herodianus. 

2) Vielleicht ist so auch obsculum f. osculum zu erklären; s. Anthol. 
Salm. 16,88; 253,84; 205,10 u. sonst. Anders jedenfalls abstutus und 
glavdius; s. Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 97. 


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237 


s. ed. Zychap. 129; häufig die Vulgata (unten S. 246); Catull 17,15; ab edo 
Varro 1. lat. 7, 104 in F ; Horaz carm. 111 13, 3 aedo im B^, dagegen in A hfdo, 
worauf das h durchstrichen und getilgt ist, ein Zeichen, dass der Schreiber 
Ueberlegung auf diese Dinge verwendete. Von sex haedi reden die Astro- 
logen; so in den Aratea Rhein. Mus. 52 S. 312 u. 316; dazu ib. die v. 1. 
sex edi ; das x kann die omissio begünstigt haben. 

edera zu edere s. oben S. 140; Amarcius serm. III 798 edere diyna 
hederis (vom Dichten) dachte an diese Etymologie, tilgte aber das h nicht. 
Sie drang keineswegs durch. Vereinzelt zu finden Catull 61,34; Plin. epist. 
V 6, 32 in M saec. X ; ederacios Script, hist. Aug. II p. 170. Bei Pela- 
gonius z. B. stets mit h ; vgl. Corp. gloss. III p. 552 ff. 

erba, durch ervum beeinflusst, S. 158. Nicht sehr häufig; Gregor v. 
Tours ; in Glossaren oben S. 229 ; in der Anthol. Salmas. n. 372 u. sonst, 
s. S. 230; Ecbasis captivi v. 592; Mart. Capella p. 239,9; haec erba 
Varro r. r. 3,10,5; Coripp s. S. 230.') Verhältnissmässig ist hervum f. 
ervum viel ständiger als erba f. herba. Palladius stets herba. Bezeichnend 
aber ist das Verfahren in dem Glossar saec. X, Corp. gl. III p. 561, das 
griechische Namen von Heilkräutern mit lateinischen erklärt; in der latei- 
nischen Spalte wird hier nämlich herba stets correkt geschrieben (s. p. 549, 1 ; 
24; 558,32; 559,24; so auch hedera p. 552,55; 555,15 u. oft; aber 
ordeum p. 556,25); dagegen in der griechischen Columne steht erba als 
recipirtes griechisches Wort unter E geordnet; erba hirculi , erba den - 
taria genau wie eliotropium , elenium und erpillum ; d. h. die Aphärese 
war eben Gräcismus. 

omo von omnis beeinflusst S. 145. Aeltere Zeugnisse S. 124. Ueber 
frz. on S. 218. Die Diplome wahren das h, S. 221 ff. Digesten omo 
etwa 5 Mal (Ziegel) ; Augustin contra mendac. ed. Zycha p. 472 omi- 
cidas cod. T saec. IX; woselbst auch omano und umana cod. Carnut. 
saec. X, z. B. p. 520; omo derselbe p. 526. Ueber Coripp s. S. 230 f. ; 
omicidia Orosius p. 44 in D. omnes f. homines Plaut. Poen. 979 in A; 
Omnibus f. hominibus Amm. Marc. 23,6,43; vgl. Ambrosius p. 208,10 
(die Epenthese in ominibus f. omnibus, die man IRN. 682 findet sowie 
in griechischer Umschrift (opevißtos Marini pap. diplom. n. 93,86, er- 
leichterte diese Verwechselung). Die Neigung zur Aphärese ist hier also 
keineswegs durchgedrungen ; dagegen ungleich häufiger homnis f. omnis, 
auch auf den Diplomen. Ueber den festeren Anlaut in homo (chomo) vgl. 
S. 181; sogar ihomines mit Vorschlag stellte sich ein; Plaut. Amph. 728 
cod. B. Dieser Vorschlag ist mit dem in ighymnis (so) für Hymnis bei 
Lucilius fr. 618 Bähr. (aus Nonius) zu vergleichen und setzt h consonans 
voraus. Dazu Stympihalus oben S. 18. 

onor,one8tuszuofiua,onua^u8s. S. 125; 137; 146; 154; 159 ; 207; 211 f. Ich 
habe wenig hinzuzufügen; onor inscr. Qispan. Christ. 55 ; Corippus oben S. 231 ; 

1) Anders Fronto p. 63, wo erbos für die Verbalform eruas . 


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onestum Censorin’s Coloniensis p. 9, 15. Zurücktretend gegen honus , 
honusius f honerare. 

ostia, homonymisch zu ostium gezogen, s. S. 146, bleibt selten; vgl. 
Didascalia apostolorum ed. Hauler fol. 49; jüngere Belege: Scriptor. hist 
Aug. I p. 271,8, Servius Aen. V 483 cod. F, der aber auch hostia f. ostia, 
z. B. zu III 688. Auch in deutscher Umschrift gel. ostie , ostei. 

ircus und yrcus: ältere Belege: irquitallus war Gräcismus, s. 8. 140 f.; 
danach ircue Plautus A : Cas. 549 ; 1018 ; Merc. 272 ; Pseud. 738 ; ircus 
neben irquitalus Corp. gloss. II S. 92. Dagegen steht Plaut. Merc. 275 
hircum in AC, yrcum in D , idquom in B ; hirquino u. hirciae z. B. Aruob. 
VII c. 24; vgl. Prudentius Apotheos. 621; hircinae Plaut. Poen. 873 DC, 
irquinae B, hirquinae A; Pseud. 738 geben alle Pfälzer Hss. die Aspi- 
ration; Pseud. 967 hirquina A u. P. Ueber ahd. irah s. S. 233. 

Die Aphärese in diesem Worte wird erst verhältnissmässig spät häufig 
und muss mit der in irtus, irstUus , irundo u. a. zusammen erwogen werden. 
Es könnte auf sie das nachschlagende r von Einfluss gewesen sein, wie 
ähnlich bei orreum , orribüe , ordeum , worüber unten; zudem hat hier 
aber jedenfalls ein anderer Umstand eingewirkt; ich meine die Natur des 
i, das im Vulgärlatein besonders vor r leicht die Färbung des ü annahm; 
daher war vyr , vyrgo, tyro in der Aussprache und auch in der Schrift 
weit verbreitet. So also auch hyrcus. Durch diese Aussprache näherte 
sich das Wort zugleich an das fremdländische Hyrcanus an. Nun galt 
aber die graphische Regel , dass vor y ein h zu schreiben überflüssig sei 
(oben S. 128 ff. ; 178; 188); andrerseits aber wurde das * selbst in der 
Schrift doch vielfach nicht aufgegeben. So wird hymenaeus zu ymenaeus 
und imeneus Anthol. Salm. 17,442; so lesen wir Apollinaris Sidon. epist. 

IV 3,7 Hilarius in LTPF, statt dessen Ylarius in C; Geogr. lat. min. 
p. 11,10 Histro , in cod. V statt dessen ystro u. ä. m. (oben S. 190). 

Daher steht nun regellos hyrcini zweimal bei Pelagonius c. 450; yrcos 
Aethicus c. 67; Plaut. Merc. 275 in D; yrqui Wright Latin and Anglo- 
Saxon glosses p. 156; irci Varro r. r. 12,19, aber hyrcus wiederholt II 
3,2 u. 10; vgl. 113,8. hyrcus Horaz Epod. 12,5 in Far; ebenso ib. 16,34; 
sodann Hör. Sat. 12,27 ircum in B, aber hyrcum in FA u. a.; Ars poet. 
220 hyrcum ye u, hircum <f, yrcum <r, ircum BCFAy. Cruindmelus p. 49, 19 
hyrcuis (so), p. 49,21 ob yrcum . Wenn wir endlich eine Annäherung an 
Hircanus vermutheten, so bestätigt dies anscheinend glossographisches 
ircanus „kleiner Bock“ in Diefenbach’s Sammlung. 

Noch sei hierzu iaspis verglichen; der Liber glossarum, Corp. gloss. 

V 103 , 14 — 16 setzt yaspis unter Y und fordert ausdrücklich „per y grae- 
ca(m) scribendum“; dies war gewiss ein weiteres Motiv zur Legitimirung 
der Orthographie hiaspis , die S. 208 erwähnt wurde. Ebenda steht p. 104 
yronia ; daraus erklärt sich p. 74 hironia . 

Hiermit ist nun auch für irundo , irtus, ibemus , iems das Verständniss 
gewonnen. 


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239 


irtus Corp. gloss. II 92,5 sub 7; ebenso irsutus Z. 18; so Mart. Capella 

р. 99, 28 beide Haupthandschriften ; irrita f. hirta ib. p. 245, 17 in B. Auch 
hier aber drang y ein; hyrtus v. 1. Prudentius cath. 7,62 u. 8,35; hyrsutus 
Verg. Aen. X.869 cod. y; hyrmtis und hyrcus Horaz Epod. 12,5 in Fn. 
— Vgl. übrigens noch irritus f. hirritus Appendix Probi p. 193.7.*) 

yrm&do f. hirundo Ambrosius p. 184, 1 in 17; daher steht hyrundo 
Ambros, p. 215,11. 

ibernns vereinzelt, s. Anthol. Salm. 104,4; Wright, Glosses p. 728; 
Varro r. r. 11 2, 12 in A, wo dagegen cod. V hybemus giebt. Die Mittel- 
form ybernus steht bei Palladius 13 c. 6 in E. Daher bei du Cange nebenein- 
ander hybernagium , ybernagium , yvemagium ; hybemus herrscht in Diefen- 
bach’s Glossaren vor ; ebenso Amarcius serm. 1434. Auf demselben Wege erklärt 
sich iaemalis Corp. gl. V 102, 23 über (h)yems; hyems Wright Glosses p.672 
u. 736 und sonst oft ; vgl. unten S. 245 fin.. Daher leitet Tortellius und schon 
Ps. Apuleius p. 100 f. hyems von griechisch hyo ab; derselbe fügt betr. 
ibemus hinzu, dass, falls das Wort von imber herkomme, es alsdann neque 
per y neque cum aspiratione zu schreiben sei ; statt dessen erscheint auch hymbre 
Seneca Phaedr. 383. Dass wir auch die griechische Transkription etßeqyog 
besitzen, sei wenigstens erwähnt: s. das Glossar bei Kenyon Greek Papyri, 
British Mus. Vol. 11 S. 322. Nach alledem kann nicht gefolgert werden, 
dass in diesen Fällen das h verstummt war. Ueber chemps s. S. 180. 

Es folgen die mit hör - beginnenden Wörter. 

ordeum, verhältnismässig früh und in den Texten häufig; vgl. unt. S. 246 ; 
zuerst vielleicht CIL. VI 9684 ordeu bendet de bia noba , eine stadtrömische In- 
schrift, christlich und aus sehr später Zeit, ordei Corp. gl. III 550, 19. ordea Pris- 
cianl p. 175,17 (aus Vergil) alleHss. ausser DL, ebenso p. 176,8 hordea nur 
in ADK. panes ordeaceos Ambrosius p. 207, 10 alle Hss. ; dagegen schwanken 
die Hss. ib. Z. 8 u. 21; hordeum scheint zu prävaliren p. 446,1; 487,17. 
Pelagonius fast ständig hordeaciam , doch c. 261 ordei. Der cod. A de re 
rustica bei Cato und Varro hat ordeum und ordeaceus bisweilen, jedoch 
öfter hord .; vgl. p. 5; 53; 95; 101 ed. Keil. Palladius stets h. Aethicus 
hord, c. 35 (derselbe Aethicus harundine c. 59; horreis c. 58; horrorem 

с. 26 ; c. 59 sogar auch ab horrea f. a Borea). ln Diefenbach’s Glossaren 
ist dann ordeum durchgedrungen. 

Zur Erklärung ist schon vorhin auf das r am Silbenschluss verwiesen ; 
doch reicht dies nicht aus, da wir, wenn hier wirklich lautgesetzliche Ein- 
flüsse vorlägen, eine grössere Regelmässigkeit in den Phänomenen selbst be- 
obachten müssten. Ich glaube daher, dass auch hier volksthümlich ein 
homonymischer Trieb gewaltet hat und dass man unwillkürlich wie hortus zu 
oririy so das hordeum zu ordiri zog; denn die Gerste ist im Jahr das zu- 
erst Gesäte : 8 ) sie war gleichsam das exordium der Aussaat. Dass man 
auch exhordium sprach und schrieb, ist S. 201 gezeigt. Als Name aber 


1) S. Heraeus, Archiv Lex. XI S. 68. 

2^ Schon im Januar; s. Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 195. 


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240 


> 

erscheint Eordioniu» neben Eordeonius CIL. VI 19518 zum Beweise , dass 
man auch in hordeum Neigung hatte ein i zu sprechen. Ps. Apuleius de 
nota aspir. p. 107 leitet hordeum ab oriendi celeritate. 

orribilis, orrere: cod. T des Sedulius c. pasch. III 299 schrieb zwar 
horrenda , aber das h ist ausradiert, schien also falsch ; orribilis ib. V 62 
cod. A. orrida Auson Protrept. v. 13 in V ; orribüi bei Horaz carm. 
1119,24 nur F; orridi ib. 11129,22 nur y\ orret Epod. 2,6 F; bei Boethius 
consol. p. 54 y. 11 ( orrida ora ) nur cod. K saec. IX. orrore Florus 
p. 79,19 cod. B; orrenda Anthol. lat. I* S. 10 c. 3, 7; Orrida ib. n. 195,1; 
ygl. 196,2. orribilis Augustin Conf. p. 143,18 in FHK; cf. p. 157,21 
(dagegen Horror z. B. p. 73); orrendum ib. p. 245,24 nur F; über Coripp 
p. 115 u. 143 s. oben S. 230; orruerunt Mart. Capella p. 137,21. orribüe 
dictu Jordanes p. 18, aber p. 19 horibilis , p. 23 horibilae dictu ; ygl. oben 
S. 229. orror Oros. p. 123 in P; orrori Ambrosius p. 246,14 in CPG V; 
orrorem Nonius II p. 202,9 LG Bamb. Dagegen Corp. gloss. II p. 69 nur 
horridtut , wo doch irtus u. irsutus . chorrere oben S. 120. 

Zur Erklärung sei zunächst an exorret, aborret erinnert, wo das h 
auf organischem Wege wegfiel; s. S. 214. Doch kann hier auch ein andrer 
Einfluss gewaltet haben; ich meine obruere und speciell das Perfektum 
obrui neben horrui; denn auch obrui musste in der lebendigen Sprache 
durch Assimilation zu orrui werden wie subripere zu surripere, wie arrepti 
oft für abrepti steht und das Aehnliche. 1 ) Zur Bestätigung hierfür kann 
ich erstlich anführen, dass geradezu obruerim für horruerim bei Horaz 
Sat. 18,45 aus einer Handschrift bei Fea notirt wird; zweitens aber das 
Verbum horripilare oQ&oiqixeiv, frz. hurepi cui pili horrent; denn hierfür 
steht in den Glossaren auch obripilare , dazu obripilatio , wie aus Diefenbach 
S. 388 zu ersehen ist. 

orreum findet sich dagegen verhältnissmässig viel seltener : s. Ambrosius 
p. 215,19 in CVP; dieselben Hss. auch orrori; orrea Glossar von Reichenau 
n. 12 ed. Diez.*) Oromago f. Horreo Margi (in Mösien) Itinerar. Hierosol. 
p. 565 ed. Parthey et Pinder; übrigens Horrea ibid. p. 297, aber im 
cod. Scorialensis Orrea p. 52; 56; 58. Dazu Horaz carm. 11116,27 cod. F; 
fünfmal der cod. Bruxell. in Cassiodor’s Variae (nicht vor saec. XI). 
Palladius stets mit h; so auch z. B. Corp. gl. H p. 69 u. zumeist bei 
Diefenbach.*) 

ortatur ebenso vereinzelt: Anthol. Salm. 198,82; Priscian I p. 344,17 
RHK (aus Vergil); Coripp p. 121; Virgil. Grammat. p. 125,4 in N; orta - 
tlvum Mart. Capella p. 88, 1 in B; ortantis Servius Aen. IV 223 in F; 


1) arreptus f. abreptus z. B. cod. Theodosianus (Tilianus) 11,7,5; arripi 
f. abripi Plaut. Cure. 598 ; 695, Rud. 690 ; ferner arro f. auro (avro) Anthol. 
Salmas. 21,200; Arruncus f. Avruncus u. a. m. Rhein. Mus. 52 Suppl. 
S. 94 f. ; so auch afferre für auferre (avferre), addomen f. abdomen ib. S. 151 f. 

2) 8. Bibi, de l’Ecole des Hautes etudes fase. 5. 

3) horreum ab orrido bei Varro 1. lat. 5,106 ist unklar. 


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24l 


ortatu Lactanz instit. div.V 4, 8. haec ortamina Ecbasis Captivi 2l6, wohl 
als ein Wort zu denken. Interessant das Verfahren in den Idiomata codicis 
Parisini saec. VIII, Corp. gloss. II S. 550; diese Idiomata sind alphabetisch 
geordnet .und bringen hier unter H fünf Vocabeln, hortatus , Horror , Habitus , 
Humus und Honor) der Schreiber aber hat der Anordnung zuwider ortatus , 
orror , alitus ohne H und nur humus und Honor richtig geschrieben; 8. 553 
bringt er die Feminina unter H alle correkt ausser arundo. Dieselben 
Idiomata kehren in dem gleichzeitigen Codex Neapolitanus des Charisius 
durchgängig mit richtiger Schreibung wieder, ibid. S. 538. — Hierauf hat 
nun ohne Zweifel exortari eingewirkt (oben S. 214). Vgl. auch deortor 
Priscian I p. 56,24 in RHG. 

orna f. homa Horaz Epod. 2,47 in FXn; dem entspricht omo in einem 
der Glossare Diefenbach’s S. 280. 

ostis: ostiles inscr. Hispan. Christ. 65; ostem oben S. 220; Jubainville, la 
declin. latine en Gaule (1872) p. 80 bringt austes. Uebrigens Gromatici 
p. 6,1; Comific. ad. Herenn. p. 256,9 in HC (sonst aber Hostis ); Virgil, 
grammat. p. 79,23 in N. Jordanes p. 18 dux ostium und abermals ostem , 
p. 20 ab oste derisae coactique Höstes; ab hostibus . . . moratus ostes; sonst öfter 
hostes (oben S. 229). Aphärese auch b. Servius Aen. III 691 in F, der aber 
daneben hostia f. ostia, zu Hl 688. Seneca benef. HI 37, 1 ostium agmina. 

Für dieses Wort liegt eine Erklärung äusserst nahe. Erinnern wir 
uns, dass man hasta aus adstare, ostium , als obstium, aus obstare ableitete 
(s. S. 236 unter asta), so kann man schwer umhin zu vermuthen, dass auch 
hostis das etymologische Gefühl an dasselbe obstare gemahnt hat: obstis 
schien „der Entgegenstehende , der Feind“. Und wirklich sehen wir denn 
auch für Hostilius bei Livius 27,35,1 in den Hss. a und y buchstäblich 
Obstilius eingesetzt, in demselben Bestreben, in welchem der Librarius in a 
ebendort 27,42,11 obstentavere geschrieben hat.*) Dabin ist wohl auch 
Ps. Apuleius de nota asp. p. 110 zu verstehen: hostis etiam potest esse ab 
ostOy - as , quod est pello ; denn Tortellius leitet Quatern. g fol. 3 Hostis von 
obsto, obstas. Daher ostaticum oben S. 225, aber afz. aspirirt hostage . 


1) Eine Erklärung aus dem Griechischen dagegen bei Eberhardus 
Bethuniensis, der cap. 8 handelt de noininibus exortis a Graeco; daselbst 
v. 242 : 

hostin aequale est; hostis et inde venit; 
die beste Hs. aber giebt hier Hostis statt Hostin ; ist das dis Aus einer 
anderen Hs. theilt Wrobel hierzu aber das Bcholion mit: Hostis dicitur ab 
Hostin quod est aequale , quia antiquitus hostes sdebant pedes pedibus 
opponere in signum hostilitatis ; vel ab Hostio Hostis , quod est equo , quia 
Hostes dicuntur qui se Habent invicem odio. Dies drang auch zu Ps. 
Apuleius de nota asp. p. 108 u. 109, der Hostire aequare anführt und „in 
hostium conflictu aequatio ordinum* erklärt. Zu diesem Hostire vgl. Corp. 
gl. IV 349, 51; Augustin, civ. dei IV 8; Festus p. 270; Plautus Asin. 377. 

Üirt, T ii. , Jber ül*t bei rl&utui. 


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-- 242 — 

öspes ist noch seltener als ostis ; oben S. 124; dann im Akrostichon des 
Filocalus Anthol. Salm. n. 120, wo wenigstens die Buchstabenfolge v. 4 
Ospes erheischt; der Librarius hat aber in Wirklichkeit hospis geschrieben; 
dies ist also die Ueberlieferung , und es ist ruhig im Text beizubehalten; 
denn Filocalus selbst konnte in seinem Akrostichon sehr wohl ospis oder 
auch optis (vgl. S. 213) schreiben , da man das H ja nur für nota ad- 
spirationis hielt (oben S. 130). Uebrigens ospes Priscian I p. 131,4 in 
G (saec. IX, in Schottland geschrieben); vgl. ib. p. 156,22; 157,1 u. 6; 
11 p. 21,8. Augustinus Confess. p. 106,9 in F; id. contra mendacium 
p. 493; 496; 516 (Hs. saec. IX). ospitium Anthol. lat. I* p. 10 c. 3,4 in 
E (saec. IX); Jordanes p. 12 cod. H. 

In diesem Falle hat klärlich obses entscheidenden Einfluss ausgeübt; 
denn man schrieb dafür vielfach opses, so mit p (z. B. Mäcenaselegie 1 
v. 27 und sonst oft); und so stellte sich denn auch bei hospes im Casus 
obliquus ein d ein: hospide steht Anthol. Salm. 41,2; 83,98, Plaut. Bacch. 
250 cod. C (wo ospids D) in Anlehnung an opside. Schlagend aber sind 
folgende Stellen: in den Chronicarum libri des Fredegarius ed. Krusch steht 
p. 177,8 hospites (für obsides!) ab eis accepit ; genau ebenso p. 176,31; 
ebenso aber auch in der Historia Daretis Frigii im selben Bande p. 197,20 
u. 198,31 hospites „die GeisselnV) 

Diese Stellen verrathen nun aber schon, dass in Wirklichkeit das h 
sich hielt. — hospites gewann die weitere Bedeutung pagorum incolae oder 
rustici; auf den Diplomen ist die Verbindung hospites et pauperes häufig; 
s. Marini pap. diplomatici und sonst, wo das h nie fehlt; auch hospitatiola 
steht bei Marini n. 76, hospitia n. 94. Endlich heissen dann die Bauern 
danach afz. les houstes , sprich hovstes ; dieses hoTstes bestätigt uns die 
Verwechselung mit obsides , da das v — b hier dem s vorschlägt. Aber das 
h ward nicht getilgt. Auch bei Diefenbach stets hospes ; ahd. hospUalhm 
oben S. 196. 

actenus und odie. Das Demonstrativpronomen wahrt sein h mit grosser 
Tenacität mit Ausnahme dieser beiden Formen; auch dies muss einen 
sprachlichen Grund gehabt haben. Voran stehe das posteac Pompeji’s, 
CIL. IV 1837, eine Vermengung von postea und posthac. actenus vielleicht 
zuerst Vergib Aen. X625 im Palatinus; aber auch im Mediceus wird 
Aen. XI 823 das h geradezu getilgt, actenus im Lemma Corp. gloss. IV 
S. 7. Weiter Mart. Capella p. 204,19 in B; Boethius consol. p. 102,75 in 
TK, p. 131,5 u. 183,203 in T; Script, hist. Aug. I p. 204,19 in B; bei 
Iordanes öfter; ebenso in Cassiodor’s Variae; Apulej. met. 6,18; ebenda 
ist 3,20 actenus aus ac taeniis entstanden. — Dem entspricht der Abi. 
fern, ac: ac dispositione Benedicti regula c. 48 v. 1.; ac re Catull 22,13*); 

1) Ps. Apuleius p. 109 lehrt, das h sei zu tilgen, da hospes zu ostium 
gehöre in der Bedeutung ostium petens. Dass diese Ableitung Einfluss 
übte, bezweifle ich. 

2) Freilich ist ac re tristius hier widersinnig und man könnte statt 
dessen ein appetitius vermutben. 


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243 


ac lege Gromatici p. 264,8 u. 14 in A; in ac Varro r. r. III 2, 15; ebenso 
Virgil, grammat. p. 3,4 cod. N; vgl. ib. p. 22,6 cod. P. Nonius II p. 147,33 
alle Hss. ; Plaut. Pseud. 250 in P. Digesten actenus 2 mal, ac 7 mal (Ziegel). 
Dasselbe ac auf Diplomen oben S. 219. 

£s liegt auf der Hand, dass hier hoc mit der Copula ac sinnlos zu- 
sammengeworfen wurde; daher erscheint diese Copula selbst eben häufig 
als hac , und zwar hat diese Prothese eine noch ungleich weitere Verbreitung 
gehabt als die Aphärese im Ablativ ac (s. oben S. 205 f.; 209; ich komme 
S. 250 darauf zurück). Bestätigend ist, dass doch für atque niemals hatque 
eintrat. Warum nicht? Wir erkennen, dass für das blöde Sprachgefühl der 
Masse die Copula ac sich von atque als unzugehörig getrennt hatte, 1 ) dass 
sie vielmehr als Demonstrativform erschien und dass man sie nun nicht 
nur zu hac umgestaltete, sondern auch umgekehrt sich dem entsprechend 
gelegentlich verleitet sah, die alte echte Schreibung ac auch für den Ablativ 
fern, des Demonstrativs mit zu verwenden. Besonders simulac musste hierzu 
verführen, da simul den Ablativ auch sonst regierte. So wird nun hac mit 
itaque glossirt, Corp. gl. IV 523, 23. Andrerseits steht jetzt ac „und“ als 
Länge vor Vocal.*) Daher noch Ps. Apuleius de nota asp. p. 88: a ante 
c aspiratur in pronomine sive adverbio hac! 

Zur weiteren Bestätigung dient die Thatsacbe, dass dem Pronomen hic 
in denselben Texten, die uns actenue und ac geben, die Aphärese sonst zumeist 
fremd ist; und überhaupt ist der Procentsatz ihres Vorkommens selbst aut 
Diplomen ein minimaler (s. oben S. 219 — 225). Dazu bildete aber odie mit 
odiemus eine zweite Ausnahme, eine Schreibmanier, die also wieder für 
sich steht und wiederum ihren besonderen Grund und Anlass gehabt haben 
muss. Nach den verschiedenen Analoga, die wir im Laufe dieser Be- 
trachtung kennen gelernt haben, ist mir kein Zweifel, dass man in hodie 
die Verwandschaft mit dem griechischen Demonstrativ o<fe, odi deutlich 
herauszuhören glaubte; so siegte autor über auctor , weil man dabei an 
avtög dachte. 8 ) Daher wurde jene Form nun wieder gelegentlich in der 
Schrift als griechische behandelt, d. h. das h nicht geschriesen, dann auch 
nicht gesprochen; s. über odie A. Mai zu Gargil. Martialis De persicis 
1395; odiae , neben hodiae , auch Jordanes p. 17; odie Plaut. Persa 366 in 
BD; Cassiodor Variae p. 243 u. 345 cod.Brux.; Isidor Orig. 20,9 4 meldet: 
eolent Itali dicereoziepro hodie . — odiemus auch die Diplome, oben S. 223 ff. 

Wie selten im Uebrigen h im Demonstrativ schwindet, ist schon oft 
betont (s. S. 147 ; 158; 232). his und hiis drang für iis ein, nicht umgekehrt; 
die Ausnahmen hierzu sind verschwindend wenige; s. Mart. Capella p. 267, £1 

1) Wenn schon wir auch einmal acque f. atque lesen, Corippus Joh 
1 183 cod. T saec. XIV. 

2) So in zahlreichen Belegen bei Eberhardus Bethuniensis. aber schon 
viel früher. Daher auch Waltharius 1160 Ac ensem nudutn retinens zu 
halten. Ungeheuerlich dagegen, wenn A. Riese ac hunc mit jambischer 
Messung für Ovid met. 10, 133 vorschlug. 

3) Vgl. Andresen Deutsche Volksetymologie S. 32. 

16* 


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244 


in B; Boethius ed. Peiper p. 209,78 u. 217,76 in späten Hss.; einiges 
mehr bei Ziegel S. 27 f. zu finden. Für die anderen Casus ist oe, uius , 
ic in älterer Zeit (s. S. 124; dazu Ziegel S. 33 f.) ebenso selten wie in der 
späteren; ich notire asce Nonius II p. 88,11 cod. L; Plaut. Mil. 1166 in P. 
08 inscr. Hispan. Christ. 174. arum Gromatici p. 9,3') und Virgil, grammat. 
p. 141,16 in N; aec Horaz Sat. 118,43 in X; ae (so) f. haec Gromatici 
p. 52,20;*) oc Priscian I p. 318 in K; et ic Servius Aen. V 28 in F; uius 
inscr. Hispan. Christ. 86; uiusmodi Augustin ed. Zycha p. 489 cod. Carnut. 
saec. X. Bietet dagegen Priscian II p. 138,25 orsum f. horsum, so erklärt 
sich dies aus der Fremdheit der Wortform, für die man das geläufige Wort 
einsetzte; genau ebenso orsum f. horsum Plaut. Rud. 172 in P. 

Eine verzeihliche Irrung war es, wenn bei Catull 68, 128 aus tu horum 
ein tuorum , Plaut. Capt. 668 aus tu has ein tuas, in den Gromatici p. 10,4 
aus de horum ein deorum , bei Priscian I p. 353,19 ein vigiliorum aus 
vigili horum geworden ist; bieten die Gromatici doch auch p. 263 in ehis 
f. in eis. Sehr befremden musste es uns dagegen, wenn Corp. gloss. II 
p. 23,54 as avxdsy unter verzeichnet, als has verstanden werden müsste. 
Hier ist aber vielmehr eas zu as verkürzt worden; denn in diesen Inter- 
pretamenta wird hic mit ovxog , nicht aber mit avxög wiedergegeben ; s. 
ib. S. 67 ; vgl. dagegen S. 57 eas avxag t S. 58 eis avxoig. Die Auslassung 
des ersten Buchstabens ist hier nicht auffälliger als S. 59,3 in eiunat statt 
ieiunat, unter E gestellt. Uebrigens finden wir as f. eas auch bei Plautus 
Poen. 962 in B. 

Am us ; so schrieb augenscheinlich schon Symphosius in den Aenigmata 
n. 54 in der Ueberschrift; denn die Ue bersch riften n. 54 Amus , n. 55 Acus 
scheinen sich zu entsprechen. Ebenso amis schon im Romanus Vergil’s 
Aen. V 259, sodann III 467 in den jungen Hss.; amum Ambrosius p. 151,17 
u. 20 in den besseren Hss. und die Anthologia Salmas. öfter, s. c. 21,46; 
109; 263. 

Wahrscheinlich liegt hier wieder ein Gräcismus vor; das Wort schien 
zu itnxuv gehörig und mit „Schlinge, Knoten“ identisch zu sein, eine 

Vermuthung, die in der Ueberlieferung selbst eine Stütze findet; denn wir 
lesen wirklich mit Doppelconsonanz hammatilem bei Plautus Rud. 299 in 
C u. D und abermals bei Ovid met. 5,80 ammoto ense (so) statt hamato . 
Eben deshalb hat sich endlich vielleicht auch das Feminin hamam Plaut. 
Truc. 42 in B eingestellt ; denn die griechischen Neutra auf a wurden gern 
in die a-Deklination gezogen. 

ara f. hara „Schweinestall“, von den Schreibern mit ara „Altar“ zu- 
sammengeworfen : Amarcius 1 523; ara avytwv schon Corp. gloss. II p. 518. 
Der Parisinus A Varro’s de r. rust. schreibt anfangs richtig hara 114,14 
und lässt das h nur nach einem x schwinden: ex ara ibid., ex aris II 4, 19; 

1) Schwerlich ist hier earum herzustellen; vgl. ib. p. 9,17; umgekehrt 
ist allerdings Gromat. p. 264, 13 in cod. B horum f. eorum eingesetzt. 

2) Wenn hier nicht ea zu lesen ist; denn haec wird hier sonst stets 
richtig geschrieben. 


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245 


hiernach steht auch aras 11110,3. Bei Palladius 1,30,2 haram in L saec. 
IX, aram in den jüngeren; ähnlich ib. 3,26,4. Du Cange giebt nur hara 
porcherie , das er mehrfach belegt, hira f. hara „Schweinestall“ bei Papias; 
vgl. dazu Corp. gloss. V74,9. hala f. hara Placid. ed. Deuerling p. 20,6.*^ 

eret f. haeret steht bei Virgil, grammat. p. 27,1 u. 12 in N; dies 
scheint sehr selten; aesitant- Ambrosius p. 45, 17 in CGPV: esitatio Cassiodor 
Variae p. 381,26; vgl. adhesus f. adesus, obhaems f. obesus oben S. 204,1; 
dazu haben wir hier das Gegenbild. Seneca benefic. VI 37, 2 ist reditu 
maereat zu reditum haereat geworden; dem librarius war eben ein aerere 
nicht erträglich; vgl. dazu Palladius 1 c. 21, wo omni umore in L zu 
omnium höre entstellt ist; dem librarius war es wiederum natürlich hos 
horte zu sprechen, coerere bei Cic. Deor. nat. III 35 in B betrifft den In- 
laut; entsprechend die Diplome coerentias , oben S. 222 u. 225. Apuleiusmet. 
6,8 habesisti f. obhaesisti zeigt wandernden Spiritus (vgl. oben S. 203 f.) ; 
zum Vocalismus vgl. habitu f. obitu Placidus comment. in Statium p. 202 
und ebenso Catull 66,2. 

umilit&texn Ambrosius p. 32,5 cod. A saec. VII; umilis Corp. gl. II 
210,45 gleich hinter umidue u. «mor, offenbar als zusammengehörig; da- 
gegen humilitas ib. S. 69,38. Dazu Digest. II S. 783 u. 820; oben S. 224. 
Die Aphärese ist sicherlich von r umidus beeinflusst, das auf humus bezogen 
wurde und vielfach als humidus erscheint. 

aebetiorem f. hebet. Ambrosius p. 45,24 in CPV; vgl. ib. p. 110,13: 
200, 8. Selten. Man sprach augenscheinlich haevee f. hebes ; das gemahnte aber 
an aevum , das Alter, das stumpf macht, quod hevetat. Daher steht wirklich 
euetat im Med. Vergil’s Aen. II 605 ( h u. b col. rubro). Diefenbach’s 
Glossare unterscheiden hebere und ebere , hebetare und ebetare , hebetudo 
und ebetudo, 

externns f. hestemusx während eri i. heri verhältnissmässig selten (s. S. 
146 u. 236 *), ist diese Verwechselung dagegen häufiger eingetreten. Schon 
bei Vergil Aen. VIII 543 es ternus f. hest. in M , danach dann externum 
in R; extemis f. hest. auch Apulej. met. 2,26; vgl. Hertzberg im Properz- 
commentar S. 288; Lowe Glossae nominum S. 153. Die Sache erklärt sieb 
daraus, dass eben für eocternus mit Ausreibung zunächst estemus eintrat 
(wie mistus f. mixtus): so Mart. Capelia p. 233, 1; vgl. auch Catull 64,377; 
Boethius ed. Peiper p. 158,58 in T; der gelegentliche Zusammenfall dieses 
estemus mit hesternus war danach nothwendig. Vgl. hierzu oben S. 207,2. 

Zum Schluss sei auf die merkwürdige Schrift des Hrabanus 
Maurus (um das Jahr 800) „Allegoriae in sacram scripturam“ 
hingewiesen (ed. Migne Patrol. lat. Bd. 112 S. 851 ff.), in welcher 
biblische Begriffe oder Yocabeln in alphabetischer Ordnung auf- 
geführt und allegorisch gedeutet werden. Hier finden wir unter 
H besprochen hamus , herbae, Herodes , Herodius , Hermon , hyems , 

1) S. Lowe, Glossae nominum S. 226, 


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246 


hastae, hastile , hyenae , hinnitus , hircus, horribilis, harundo, 
humus , humor , humerus , heremus , hydropicus, hodie, holo- 
caustum , habitaculum y endlich auch harena und haedus. 

# Nun aber wird daselbst arena noch einmal unter A mit 
ungefähr gleicher Auslegung, ebenso edws noch einmal unter 2? 
mit identischer Auslegung vorgebracht. Hrabanus fand also in 
seinem Bibel texte für diese Worte beide Schreibweisen vor und 
hat sie darum doppelt rubricirt. 

Dagegen steht tacincius st. hyacinthus nur unter 2; arvina 
unter A; ordeum unter 0 behandelt. 

Und zwar wird für ordeum Job 31,30 und Ev. Johann. 
6,9, für edus Genes. 27, 9; 16; 37,31 ; Exodus 12, 5; Cant. 1,8; 
Matth. 25,32 citirt. 

VIII. Verbreitung des h spurium. 

Ueberzeugen wir uns von der colossalen Verbreitung der 
unechten Aspiration, so gilt es zunächst die Composita für sich 
zu stellen, in deren Compositionsfuge sie sich häufig einfand. 
So wie dem exibeo mit gesprochenem, aber ungeschriebenem h 
ein exhordium mit unecht gesprochenem h gegenüber steht, so 
steht dem aduc, aborret ein adherit oder abhominor gegenüber, 
und wir werden auch hier anstehen aus nicht geschriebenem 
h in aduc sogleich auf sein Verstummen zu schliessen. 

Begreiflich ist dies h zunächst nach r; sowie in der Antho- 
logia Salmas. zweimal superhis für superis (286, 157 und 299, 8), 
sowie bei Seneca de benef. I 4, 1 und 4 Crhisippus , wo der Spiritus 
umspringt (cod. Nazar.), sepulcrhum Sedul. c. pasch. 1 193 in T, 
sowie bei Avienus porrho für porro carm. IV v. 324 und 336 
und 624, verhedo Digest. II S. 915,25 und 41, parhabuit f. 
paravit Seneca epist. p. 336, 7 in P , favorhabile Mart. Capelia 
p. 184 in B, so verbreitet war perhennis für perennis, so z. B. 
Priscian I p. 260,9 in cod. R; Marini Papiri diplomat. n. 13 
und n. 25 ; Cassiodor Variae p. 54, 14 ; 72, 28 ; 354, 22 in L und 
B; Lactanz I p. 155,14 ed. Br. cod. R und p. 488,22; 616,16 
cod. S; Coripp. Joh. 1,479, wo auch perhentus f. peremptus 
1, 189 und 4, 434. 

Der Sessorianus Augustin’s p. 171, 12 schreibt philosofho- 
rum ; verwandt ist hiermit bei Ausonius Mosella 288 Abkydeni 
in A, bei Comif. ad Herennium p. 305,21 bhache f. bacae; 


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denn dies b war v. So ist nun weit verbreitet abhominandum 
Corp. gl. II S. 4; abhominatio Ambrosius p. 391,26 (Archetyp); 
abhominor Priscian I p 379,5 und 380, 11 die besten Hss. ; ab - 
hominatus Orosius p. 100 in KB; Seneca de benef. I 9, 3 cod. 
Nazar. u. s. f., wobei aber zugleich an homen = omen zu er- 
innern ist (oben S. 145 ; 159). abhominare , abhominatio herrscht 
in den späteren Glossaren Diefenbach’s. Dazu abhis (von abire ) 
Anthol. Salm. 303, 1, gewiss statt habis, mit Umschlag; abhire 
f. abire Sedul. c. pasch. II 277 cod. Z saec. IX; abhortire , ab - 
hortivus Diefenbach S. 4; vgl. horfus f. ortus. Derselbe Diefen- 
bach lehrt S. 272, dass man im 14. Jhd. habilis von abhilis 
unterschied und gesondert erklärte; vgl. dazu die Schreibung 
abheri f. haberi Scriptor. hist. Aug. p. 172, 15 in B. 

Auch n begünstigt dies: inhers verbreitet; vgl. Horaz 
carm. III 5,36 cod. n\ Sat. I 7, 15 (Porfyrio); II 6,61 cod. X . 
inhermes Digest. II S. 586, 8 ; inhermia Lactanz opif. dei p. 8, 20 
cod. V saec. VIII— IX; inhermos Servius zu Aen. IV 23 in F 
(aus Sallust). inhauraverant Priscian I p. 318,5 in K. on- 
hetum („Dille“) Diefenbach aus dem Breviloquus. inhiant f. 
ineant Arnobius p. 197,24. Vgl. Eleusinhis Apuleius met. 6,2 
cod. F. inhopiae Varro r. rust. I 8, 4. enhergima Prudent. 
Apotheos. 400 v. 1. (daneben enbergima). 

Hierher gehört auch conhiveo , conhibeo , das das echte coni- 
veo hier und dort geradezu verdrängte, mit deutlichster An- 
lehnung an habeOi prohibeo. conhibeo steht bei Oros. p. 205 in 
LPRD, p. 276, 6 in fast allen Hss.; conhihens Digest. II S. 421 
u. Martian. Capella p. 12, 1. In einem Glossar saec. IX ist dann 
cohibet mit conivet in Eins zusammengeworfen und wird nicht nur 
mit continet , sondern auch mit adquiescit erklärt (Löwe Glossae 
nominum S. 152). So ist denn umgekehrt für cohibebam bei 
Augustinus Conf. p. 184,10 in fast allen Hss. conhibebam oder 
conibebam eingetreten (wenn nicht dortselbst vielmehr conivebam 
wirklich zu lesen sein wird) ; und im alten B des Lactanz wurde 
dann gar cohiberent zu conviverent , opif. dei p. 29,2. 

Es bleibt die Media d übrig; 1 ) denn auch Aspiration des d 
war möglich, und wir finden adheus f. ä&eoc im alten B des 

1) Parasitisches h nach $ dagegen kenne ich nicht; denn Auson 
Parental. 5,24 giebt V zwar demus his f. de Musis: bei Catull steht 65,3 
dukt88imu8 harum statt dulcis Musarum; dies sind aber klärlich Ver- 


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248 


Lactanz de ira dei p. 84, 1 ; adhletarum Horaz epist. II 1, 95 
in %pX e; Adhenae Hör. Sat. II 7, 13 in E, dasselbe Adhenis 
Cic. de deor. nat III 46 in A, III 57 ebenso in B, 1 ) Derselbe 
B bei Cicero wiederholt adhis für a dis, II 12; 140; 164; III 16; 
78; providhus Seneca epist. p. 206,20 cod. p; quidhabit f. qui 
dabit Sedul. c. pasch. IV 282 cod. T; Eigenname Vidhale f. 
Vitale im codice diplom. Padovano p. 316 anni 1086. 

So wurde nun nicht blos ein adhuceum (so) für caduceum 
möglich, Servius Aen. IV 242 in P, und dherculide für Dercylide 
Priscian I p. 248, 3 in R , 2 ) sondern auch adhaesi oder adhesi 
f. adesi (oben S. 204,1); dazu adhulescentiam Seneca epist. cod. p 
p. 137, 23; 223, 13. adhortus schon Livius cod. P 21,57, 6; 
vgl. Priscian I p 213,17 in RB; auch im Simplex hortus f. 
ortus ; adhorta adsumpta (?) Corp. gl. IV p. 10, 46. adhimit 
Servius Aen. VI 493 in C; vgl. hemere (S. 145). adherit (zu 
adesse) Apollinaris Sidon. epist. 8,11,3 v. 35 cod. L; vgl. hest, 
herit unten, adhibit Catull 14,16; redhiret Digest. I S. 607, 11; 
vgl. vorhin abhis und das Simplex hire unten. Steht bei 
Pelagonius c. 212 sinnloses adhircis , so scheint dies dagegen aus 
adhicis verdorben (vgl. ebenda c. 450 adiicies ), und das h ver- 
tritt hier vielmehr j; vgl. trahicit oben S. 185. 

Interessant und lehrreich ist das Schicksal des nihilominus , 
das man offenkundig zu Aowo, hominis zog. Der Wahnsinn ist 
grotesk und noch befremdlicher als jenes mit ac geglichene hac. 
Die Orthographie ab*er lässt keinen Zweifel ; denn nihUhominus 
steht allüberall zu finden, schon Gaius p. 182,27 ed. minor; 
Seneca epist. p. 197,16; oft in Cassidor’s Variae cod. Bruxell. ; 
nihilhomenus Urkundenbuch von St. Gallen I n. 18 (a. 754); 
nichilhominus ib. n. 35 (a. 762). 

Daher wird nun nihil hominus abgetrennt, z. B. nichil ho - 
minus cod. W Augustin’s Confess. p. 183, 17 (saec. XI); ebenso 
p. 383, 7 ; nihil hominus bei Plautus schon im P , Men. 953 ; 

lesungen, die höchstens darthun, dass man die Pronominalformen nicht 
ohne Spiritus schreiben mochte. Vgl. noch Priscian I p. 511,10 flectentes 
hyene statt flectente Syene. 

1) Umgekehrt wurde Adherbal zu Atherbal , Florus p. 87,4 in NL 
nach gr. Atdqßag. Griechische Aspirata wird auch mit einfachem d trän- 
scribirt: andos f. civ&os Corp. gl. II p. 507,27. 

2) Hieraus erklärt sich in überraschender Weise die Irrung Hircyliden 
für Deicyllidas, die bei Zangemeister Orosius p. 137,1 im Text erscheint. 


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249 


sodann Florus p. 119,15 B; Varro 1. lat. IX 78; Boeth. ed. 
Peiper p. 185,249 in TB; Corp. gloss. V 53,8; 59,30; auch 
nihil ominns Cornif. ad Herenn. p. 197,22 in H. * 

Am beweisendsten aber für diese Auffassung ist, dass wirk- 
lich das o kurz gemessen wird: Nilhöminus steht thatsächlich 
als Choriambus bei Paulus Diaconus, laus Benedicti, carm. 
II y. 74. 

Diese Pseudoetymologie kann nun von keinem Gelehrten 
ausgegangen sein; es ist noth wendig, dass sie volksthümlich 
war. Und kein Beispiel beweist vielleicht so schön wie dieses, 
welche sinnlose Ideenverbindungen im Volkslatein Macht ge- 
wonnen haben. So schrieb man posthumus für postumus und 
verstand den qui „post humationem“ patris natus est. So wurde 
die Orthographie vehemens statt vemens zur wirklichen Aus- 
sprache erhoben, indem man an vehi sich gemahnt fühlte (s. oben 
S. 23 u. 182); so tritt bei Catull 25,7 sathahum für Saetabum 
ein. Aehnlich drang percunctari für percontari durch, weil man 
an cundus dachte; deliberare für deltbrare , in Anlehnung an 
Uber; buccina f. bucina in Anlehnung an bucca; formica f. 
vormica „a ferendo micas“ (s. Archiv f. Lexik. XI S. 174). 

Es folgt eine tabellarische Uebersicht in alphabetischer 
Ordnung über die Prothese im eigentlichen Anlaut, eine Ueber- 
sicht, die die im Voraufgehenden S. 156 ff. gegebene fortsetzt und 
ergänzt; es soll auf diese ständig verwiesen werden. Man wird 
staunen über die weite Verbreitung dieser Erscheinung, um so 
mehr, da die Mehrzahl der Belege von mir den Handschriften 
unsrer Classiker entnommen sind. Diese Schreiber führten in 
den classischen Text sporadisch Orthographieen ein, die sie in 
ihm nicht vorfanden; sie können darin also nur ihrem eignen 
Sprachgefühl oder Sprechbewusstsein gefolgt sein und sind uns 
also Zeugen für das Latein ihrer Zeit. Da dieselben Schreiber 
aber in denselben Texten nicht daran dachten, das h genuinum 
zu beseitigen, sondern es neben dem h spurium sorglich bei- 
behielten, so hat ihnen das echte h so gut als berechtigtes Laut- 
zeichen gegolten wie das unechte. Eben dasselbe bestätigen die 
Urkundensammlungen, die im vorigen Abschnitt benutzt, worden 
sind; auch aus ihnen werden im Nachfolgenden die Beispiele 
für h spurium wieder aufgeführt werden. 


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250 


hab f. ab: 8. S. 153 f.; 18(1; auf Diplomen S. 222; 224; für die Pl&utus- 
stellen s. unser Schlusscapitel. Uebrigens : s. Orosius p. 16,4 cod. P ; Cledonius 
VK 27,21; hab eo Priscian I p. 236,3; 249,23; 399,21 in R; Rhein. Mus. 
52 p. 313,1 cod. S saec. IX; hab eis ebenda p. 325,2. hab Hera Placidus 
Corp. gl. V 73, 24. hab undis Priscian I p. 287, 17 in DK ; Servius Aen. 
II 171 cod. H; hab itinere Serv. Aen. III 351 cod. H; 1 ) hab osübus Dig. I 
S. 753,40. habitdbilia (so) f. hab Italia Arnob. p. 284,17; haberat ratio 

f. ab errato Cornif. ad Herenn. p. 347,6. habis f. ab his Varro r. r. II 

11,2. hab hoc Virgil grammat. p. 37,3 in P. habire Sedul. c. pasch, cod. 
T III 337; IV 136. habeamus Livius 22,59 fin. ; habeat Boeth. Consol. p. 31 

v. 8 in T; Lactanz de ira dei p. 81,11 in B; habeat u. habierit Varro 

r. r. 116,5. hinc habirem Augustinus Conf. p. 101,15 in P. habibat 
Coripp Joh. 2,224. habii Anthol. Salm. 17,313. habiit Parisinus Augustin’s 
saec. VI *) ; Augustin. Conf. p. 78, 16 in FV ; Here. Oet. 751 cod. E ; Servius 
Aen. II 382 in H ; Nonius II p. 169, 13 in LH. habiturum Servius Aen. 
IV 419 in FNH. habebunt f. abibunt Seneca epist. p. 229,26; vgl. 248,22. 
habere f. abire Amm. Marcell. 16,7,1. post habitum Amm. Marc. 18,2,18. 
habsunt Sedul. c. pasch. II 292 in T; haberant Liv. 22,16,1 in P, 30, 36,4 
in B: haberit Digest. II S. 462,35. habero f. a Vero (!) Script, hist. Aug. 
I p. 75,18 beide Hss. habiciunt Priscian I p. 356,14 in D. 

habunde , habundare , ganz verbreitet: hdbunde Horaz epist. 14,10 in 
yde; Apulej. Apol. c. 90. Verbalformen: Boethius Consol. p. 32,9 nach T 
mit Recht im Text; Riese geogr. lat. min. p. 107 f. wiederholt. Priscian I 
p. 230,10 in ADH; 292,5 in RDHG; vgl. ib. 296,23; 352,22; Lactanz de 
ave Phoen. v. 124: Anthol. Salm. 10,8; 110,8; Orosius p. 51 in RBD; 
vgl. p. 134,8. Jordanes, oben S. 229. Augustinus de mendacio p. 470 
u. 526. Florus p. 101,20; 102,12. Sedul. c. pasch. III 272 die meisten 
Hss. Servius Aen. 1 191 alle Hss. Cornif. ad Her. p. 255,2 in H. Cassiodor 
Variae in L u. P öfter.*) habundantia Aethicus c. 33; in den Capitularia 
regum Francorum s. oben S. 220. 

habacum Apollin. Sidon. epist. 9,13,5 v. 41 in CMP. 

Habelux : s. S. 156. 

habellanetum ubi crescunt nuces Avellanae : belegt du Cange aus a. 860. 
habba f. abbas du Cange für d. J. 873; vgl. habas in Joca monachorum, 
Romania I p. 483 f. habbatissa oben S. 156. 

habra f. abra, ancilla, s. du Cange u. Diefenbach. 
habrotoni Pelagonius c. 37. 

habyssus u. habyssos Augustin. Conf. p. 226,15; 232,14; 311,17 und 
öfter cod. W saec. XI. 

hac f. ac s. S. 156; 205 f.; 209; auf Diplomen oft, s. S. 219— 222; 227; 
dazu colo hac iubeo Marini papiri dipl. Sonst z. B. Auson. Profess. 1 1, 6 ; 


1) H stammt aus Frankreich, s. praef. p. 82. 

2) ed. Zycha praef. p. VII f. 

3) Betr. Cassiodor’s s. Mommsen praef. p. 109 f. 


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251 


Parental. 18,13; Anthol. Salm. 82,3 u. 13; 198,31; vgl. 14,22; 11,66. 
Cornific. ad Her. p. 193,14; Seneca epist. p. 221,19; 225,20; daraus hone ib. 
117,2. Ferner Florus p. 96,23; 148,7; 155,11 ; Boeth. ed. Peiper p. 157,30 
in B ; Virgil, grammat. p. 146, 5. Placidus, oben S. 229. Oefter bei Augustinus 
de mendacio. Daher weiter hac f. at Auson Parental. 18,13; ha f. ac Catull 
22,16; has f. ac Catull 64,229; simul hatte f. simulac Catull 64,366. 
haccelerans Corp. gl. IV 444, 14 (Lemma). 

Hachab f. Achab Ambrosius I p. 55,7 in CP. 

Hachivi Auson Epitaph. 27,3. 

hacmina Anthol. Salm. 198,39; cohagmentum ibid. 19,18. 

Hacme f. Acme Catull 45,10 (sonst richtig Acme). 
hacquisita f. adquisita Palladius VI 9,1 cod. L. 
hauen* f. acuens Cornif. ad Herenn. p. 350,2 cod. Herb. 
hactum , hegit: s. S. 156; auf Diplomen hactum u. a. nicht selten, 
S. 219; 223; hagentibus Seneca epist. p. 1,9 in p (scriptura erasa). Paulus 
Albarus oben S. 210; hacturi* Tardif. n. 14. hactivum Corp. gl. V p. 94. 
Das frequent, hactare du Cange , Charta aus a. 1083 ; vgl. exhacti* u. ä. 
oben S. 201 ; dazu wiederum exhigere f. exigere auf Diplomen (du Cange). 
hadiutrix s. S. 156. 

haede* s. S. 156. Ebenso Priscian I p. 352,27; Horaz epist. I 7,89 in 
F<f; hede* Ambrosius I p. 183,14 in CPV; p. 184,1 in CGP; hedebu* 
Gromatici p. 57,1; harum haedium Plaut. Merc. 832 bei Non. II p. 44,28. 
Daher hedera f. aedes Cornific. ad Her. p. 278,9. 

hedifico Cod. Cavensis I n. 4 ; vgl. S. 223 ; hedificare u. hedifficamentum 
du Cange. 

heger f. aeger Seneca epist. p. 218,7; vgl. afz. heingre . 
heres (so) f. aeris Gromatici p. 67,7 in B; vgl. Ovid. met. 10,184; 
haere f. aera Coripp p. 123 v. 250; vgl. haheribu* auf Diplomen S. 224; 
hahera Corp. gloss. V p. 73. Dazu oben S. 183 u. 185. 

haere alieno oben S. 156; here perennius S. 210; here f. aere auch 
Catull 10,8; Gromatici p. 131,12; here Anthol. Salm. 8,30. Dazu herugo 
f. aerugo Corp. gloss. IV 86, 10; dies herugo wird noch von Ps. Apuleius 
p. 97 als gültige Orthographie betrachtet. Dazu heneum f. aeneum Lactanz 
opif. dei p. 56 cod. Psaec. IX; haenae f. aeneae Nonius II p. 220,22 cod. H. 

herumnam f. aerumnam Ambrosius I p. 220,14 in CGP; ebenso Corp. 
gl. IV 86, 9 im Lemma. 

He*colapiu8 Placidus, Corp. gl. V S. 74 u. 108. Eutyches VII K. 
200, 10 ff. hält für nothig vorzuschreiben, kein Wort, das mit zwei Vocalen 
anhebe, dürfe den Anlaut aspiriren; Belege aedes, aeger, aurum, ahius u. a. ; 
als Ausnahme gelten ihm haedus haereo haud hio haec heu hei u. heiulo. 
Offenbar hatte man damals nöthig haede * und Hae8culapiu8 zu hintertreiben. 
haestimare Seneca epist. p. 89,11 cod. p. 
hestu* f. aestus oben S. 211; Seneca Phaedra 290. 1 

haetas Cassiodor Variae p. 288,10 in B; dazu haetemu * : vitam heder - 
nam, codex diplom. Langobardiae n. 40 a. 769. Vgl. afz. haage = hge, 
aus aevum. 


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252 


HaetHera Sedul. c. pascb. II 193 cod. A; vgl. Haethnae Hercul. Oet. 
286 in E. 

Hafer CIL. X 1974 ; kehrt wieder bei Corippus im cod. Trivult saec. 
XIV (Partsch praef. p. 49). 

Hagidis f. Agidis, Gen. von Agis, Orosius p. 177 zweimal. 
halabmtra Apollin. Sidon. epist. 9,13,5 v. 63. 

Halani f. Alani häufig; Amm. Marcell.; Jordanes p. 78 u. 90 (der 
sonst Alant ) ; Orosius p. 21 in D; Avien. carm. III 443; Claudian Ruf. 
II 271 in VC; 1312 in P. 

Halaricus Jordanes p. 96 in mehreren Hss. 

hala s. S. 156; heda und Hedares Corp. gl. II S. 68; aber alae S. 14; 
Hcdipedes ib. IV S. 85: halas schon Verg. Aen. XI 730 in R: hdlata 
Cassiodor Variae p. 34,6 L. Pontanus de aspiratione fol. 13 citirt Horaz 
Epod. 12,5 hirsutis cubat hircus in Halis um damit hala zu belegen. 

halere f. alere ; davor warnt ausdrücklich der Traktat bei Keil gramm. 
lat. Suppl. S. 291,4; ebenso Notices et Extraits XXII 2 S. 521. halebantur 
Augustinus Conf. p. 211,5 cod. F; halatur (coni.) schon cod. Bonon. des 
Lactanz opif. dei p. 56, 1 ; vgl. halica oben S. 138 und Cincius Hali - 
mentus S. 156. 

halacer nicht belegt; aber afz. halaigre. 

halga f. alga Plin. hist. n. XIII 135 cod. D; vgl. cod. E. 

Halia f. Allia, fluvius, Orosius p. 130, im Text; vgl. p. 147,7. 
haliquit s. S. 156 ; 206 : 208. haliquando auf Diplomen s. S. 224. 
halium „Knoblauch“ Diefenbach S. 24 aus zwei Glossaren. 
haltus „hoch“ kann ich zwar nicht belegen; aber vgl. afz. halt und 
Haltement , d. i. alta mente (Rolandslied); daher mittellat. hauta iustitia 
bei du Cange in Charta anni 1239 e tabulario Corbeiensi; nfz. haut. Dazu 
kommt das Sicilische; dies setzt jerba f. herba, jeri f. heri; es setzt auch 
jdutu f. altus. 1 ) Aber auch der Vers des Alcimus Avitus I 32 ist anzu- 
führen : 

Elatae in | a 1 1 u m volucres motuque citato 
mit auffälliger Längung des in, das sich auf den Anlaut von altum zu 
stützen scheint. 

Haigattei u. Halyatti Horaz carm. III 16, 41 codd. AXt x u. Porf. 
Halyntium f. Aluntium in Sicilia Plin. hist. n. XIV 80 in M u. D. 
hamio für amio saxatilis, piscis,*) „Wals“, bei Diefenbach; offenbar 
zu hamus gezogen. 

Hambübaiarum beginnt Horaz Satire 12 in DEyFA. 

Hambitus ; Habitus f. ambitus belegt du Cange Bd. III S. 609. 

Hamens f. amens Corp. gl. IV 523, 41 im Lemma. 

Hamicus „Freund“ Sedul. carm. pasch. III 81 in S saec. X; ob Hamorem 
auf Diplomen s. S. 224. 


1) S. Wentrup Beitr. zur Kenntniss des sicil. Dialekts, Progr. Halle 
1880. 

1) Vgl. Corp. gl. HI 488,36. 


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253 


Hammon s. oben S. 156; vgl. Orosius p. 55 in PRA; 174 in LRD; 
Placidus in Statium p. 145; Servius zu Aen. IV 196; und überall das 
Herrschende und echt Römische. 

hancilla Apollin. Sidon. epist. 9, 6, 1 in C, der auch honustum ib. 9, 9, 8. 

hanima auf Diplomen s. S. 224. 

hanillus f. anellus Gregor v. Tours. ' 

hannus : hanus f. annos in loca monachorum, Romania 1 p. 483 f.; 
vgl. das voraufgehende hanillus sowie perhennts oben S. 246. 
haperire : nur im Sicilischen japriri : s. Wentrup. 
haput nos habemus auf Diplomen s. S. 224. 

hara Altar s. oben S. 76 ; 156 ; Avienus carm. IV 359. Bei Cato r. 
rust. p. 31 ed. Keil notirte Polizian haram f. aram aus seiner Hs. 
hargentum auf Diplomen s. S. 224. 

haridus f. aridus s. oben S. 145 ; Horaz carm. 111 17, 13 in A , wo das 
h getilgt; Nonius II p. 42,22 bes. cod. L (ausVarro); harida Boeth. consol. 
p. 71 v. 11 in K. 

Harion Auson Epitaph. 32,9. 

harista Vergil Aen. VII 720 u. 809 cod. M. 

Harmenia oder Hermenia f. Armenia, vorauszusetzen für hartnelinus , 
hermellina, fz. hermine. 

Harpinas , Apollin. Sidon. epist. 5,13,3 alle Hss. ; ebenso epist. 8,11,3 
v. 22. 

Harruntius Digest. II p. 851 ; Priscian I p. 251, 13 in RD, das h auch 
in GLK. Harruns Vergil Aen. XI 806 in b. 

Haspasia CIL. IX. 

hasperrimum Florus p. 61,8, 8. oben S. 204. 

Uatlante f. Athlante Serv. zu Aen. V 824 in L. 
hatris f. atris Gromatici p. 185,18 in A (aus Vergil). 
hauctorita8 : vorauszusetzen für hottoritas ; so im Codice diplom. Pado- 
vano p. 177 anno 1040. hauctu f. auctu las man im Lukrez II 1122 und 
zwar mit scheinbarem Hiat grandescere | hauctu ; s. oben S. 207 ; hamerat 
für auxerat Sedul. c. pasch. 111 162 in TA u. Z. 

hatte u. habe f. ave ; s. oben S. 110; 157; 206; have Corp. gl. II S. 68; 
habe Seneca de benef. VI 34,3; Symmachus epist. 5, 38; habeo= aveo Julius 
Valerius ed. Kübler p. 48,23 u. 140,24; ebenda p. 25,3 habeo AP, audeo 
der Palimpsest. habet f. avet Arnob. p. 197,24. have Auson epist. 16,2,3 
(aber ave v. 105). habebas u. havebas Horaz sat. 1 1, 94 in V*F u. a. Claudi , 
dux fortissime , habeasl Script, hist. Aug. im Claudius c. 18; vgl. im 
Alexander Severus c. 7 fin. Dazu habidus f. avidus oben S. 208. 

haudax s. S. 157 ; bei Livius 44, 22, 4 steht neben audeo die Ditto- 
graphie habeo, 1 ) was sich aus der Aussprache avdeo , havdeo erklärt. 

havee .Vögel“ Anthol. Salm. 300,2; daher hauspices , sprich havspices, 
Placidus Corp. gl. V S. 107 (Lemma) und hospitium f. auspicium Nonius 


1) S. W. Heraeus De codd. Livianis S. 66. 


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254 


II p. 76,28 in LH; hocupia f. aucupia Anthol. Salm. 176,10. Dehnung 
im Verse vor avium Anthol. lat. 332, 12. Daher darf nun auch haugurium 
vorausgesetzt werden, woraus, zugleich mit unter dem Einflüsse von heure 
(hora), jenes heur hervorging, das in bonheur, malheur vorliegt; vfz. ohne 
h Zur. 

haufugiens Cic. deor. nat. II 1 1 1 in A. 

havia f. avia in Joca monachorum, Romania I p. 483 f. ; habüum f. 
avitum Corippus p. 131 v. 175; habui f. avi (!) Script, histor. Aug. I 
p. 122,17 der Archetyp; bu ist hier Ausdruck des v-Consonanten nach 
dem im Rh. Mus. 52 Suppl. S. 69 u. 202 dargestellten Verfahren. Dazu 
habuncolus f. avunculus, du Cange aus a. 697; Tardif. n. 31. Bestätigt 
durch Grammat. lat. ed. Keil Suppl. S. 298,33, wo nicht nur für äbiit und 
abundantia , sondern auch für avux (und atavu8) das h verboten wird. 

habeat f. avehat Plautus Mil. 938 codd. P. 

auris scheint den Hiat zu decken bei Ennodius p. 313, 25 ed. Vogel ; 
Abstinen8 manu pudorem , | aure et ore verbero; vgl. hau8cultare oben 
S. 157. 

hauritur f. oritur, aus auritur, Lactanz cod. Bon. und G, Bd. I 
S. 507,21. 

Hauster s. oben S. 157; 204; daher auch haustro f. austro , ostro 
Ausonius Protrept. 86 in A. 

hau8teru8 Corp. gl. V S. 299 (Lemma). 

haut f. aut „oder“ s. oben S. 157 ; so auch Plinus hist. n. XII 7 im 
Moneus. Livius 21,56,8; 22,8,5; 22,29,4. Prudentius Psych. 713 v. 1. 

hebenum und hevenum s. oben S. 157; 196; 211; dazu Ovid met. 
11,610; Claudian c. min. 28,22; Apollinaris Sid. carm. 22,53 u. s. f.; 
s. Osann zu Apulejus de aspir. 11 p. 93. 

hebrius f. ebrius: hebria die beste Ueberlieferung in der Copa v. 3. 
hebriaetatem Seneca epist. p. 129,19; Plautus Miles 217 ist an ebriatus 
zu lesen, an heriatus in P überliefert; die Editoren freilich sehen dies 
nicht ein. hebrius fallt daher mit Hebreus zusammen, Corp. gl. V50,28. 

Hebromagum Ausonius überall mit Prothese; vgl. oben S. 161. 

hebulum Columella 112,20 cod. Parisin.; frz. hüble oder y&ble. 

ec y Präfix in ecquis, wurde mit haec zusammengeworfen; s. S. 157. 
hecquis Seneca epist. p. 80,7 cod. p; sodann haecquis Amm. Marcell. 
18,1,4; bei Apollin. Sidon. epist. 3,7,1 aecquid C, hecquid M; ähnlich 
epist. 4, 2, 3. Daher auch hecee : cum ostendis Corp. gl. V 207, 8 ; vgl. ibid. 
Z. 14; hecce auf Diplomen s. S. 224. Auch in Hecuba und Hector warf 
man die erste Silbe mit haec zusammen; Schreibung Haector Priscian I 
p. 93,1 u. 18; 263,17; auch p. 304 u. 314; Apollin. Sidon. epist. 3, 12fin. 
in LM ; Auson Epitaph. 15 u. 25,3; Horaz carm. 114,10 in Fa; Sat. I 
7,12 in F; Nonius II p. 115,28; 158,10. haectoreus Priscian I p. 73,10 
RD. Haecate Auson Griphus 2, 18 ; Cic. deor. nat. HI 46. Haecadeus (so) 
f. Hecataeus Avien. carm. IV 42. Haecuba Mart. Capella p. 225, 6 ; dagegen 
ständig Heccuba im Dares cod. G saec. X. haec atomben Prudentius 


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255 


Perist. 10,1051 in A. Haeeyra Priscian I p. 428,20 in RD; vgl. p. 450 
u. 484; Mart. Capella p. 171,19. aeclesia häufig, z. B. Virgil, grammat. 
p. 38,16 (P); dafür heclesia oben S. 209. Daher wird bei Asper, quae- 
stiones Vergilianae, cod. Parisinus saec. V, bei Zeilenbrechung Hec\ubam 
abgetheilt (s. H. Keil Val. Probi in Bucol. et Georg, comraentarius p. 114). 
So ist nun auch bei Apollin. Sidonius Epistel 111 3 adressirt Hecdicio (oder 
Hecdido) mo statt Ecdicio; Hecdicim auch sonst, 8. Cassiodor's Variae. 

hechimus (so) f. echinus Diefenbach’s Glossar N. 74. 

Hecho f. Echo s. S. 203. 

hedax, htdere s. S. 157; 204,1; hedax Placidus Corp. gl. V S. 108; 
hesus „Speisung“ du Cange aus a. 1165. Vgl. hedera v. edere abgeleitet, 
oben S. 140; 237. 

hedendas f. edendas Seneca epist. S. 87,21; vgl. auch hierzu die Ab- 
leitung hedera v. edere S. 140. 

heheu S. 157 ; 206 ; 209 ; Auson De hered. v. 4 in V ; Horaz carm. 
1 15,9 in n (neben heuheu ); ebenso 134,33 in Xtp; epod. 9,11 in A. Daher 
heue Catull 64,61. hheu (so) Boeth. Consol. p. 66 carm. 8,1 in T, f. 
heheu ? Dazu Hehuius f. Euhius Horaz carm. I 17,9 in u; //, euius in n. 

helementum Ambrosius I p. 96,21 in C; p. 168,22 in CPVG. Ovid. met. 

I 29. Cassiodor Variae p. 259, 1 in B. 

helemosinator „wer Almosen giebt“ bei du Cange aus d. 11. Jhd. 

helephantm S. 157; 196; helefantus nimmt Schenkl daher in den Text 
Ambrosius I p. 224,2; 225,20 ff. hellefas, hellefantos (so) Priscian I 
p. 216,10 cod. R; helefans Anthol. Salm. 344,2. helephantus Auson Cento 
nupt. 2,30. 

Helios für Elias s. S. 117 ; ständig, s. Prudentius, Sedulius u. a. 

Helimus f. Elymus, princeps Troianorun, Servius Aen. V 73 in FH. 

Helis, Helidis bei Vergil, s. S. 157 ; Helum und Helium f. Eleum Amm. 
Marcell. 16,5,7. 

Hellem f. Elissa Orosius p. 218, 1 alle Hss. 

Helpis s. S. 157; dazu Helpidii ; dies ist Augustinus Conf. p. 108,11 
in den Text zu nehmen. 

Helisavet auf Diplomen, s. S. 223. 

Hemathia Priscian 11 p. 27 in RDH (aus Lucan). 

hemere, hemptor, öfter auf Diplomen, s. S. 223; 226; vgl. hemo oben 

s- Ub. 

Henetus f. * Er ex 6 s Servius Aen. 1 292 cod. L. 

henneades p. irrendes Censorin de die nat. p. 21, 11 ; vgl. errea (s. unten). 

Hennius Nonius II p. 65,2 cod. L; vgl. oben S. 79 f. 

heques s. S. 157. 

Herasmus auf Diplomen, s. S. 223. 

herbum f. ervum alt, S. 158; auch Palladius stets, z. B. 1,24,3; 11,1. 
Man beachte noch Nonius H p. 92,18; aus den Worten des Pacuvius istoc 
uerbo wurde hier durch falsche Trennung zunächst istocu erbo ; daraus hat 
die Ueberlieferung aber weiter isto cum herbo hergestellt; so unerlässlich 
schien hier die Aspirirung. 


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256 


Herebus S. 157; Corp. gloss. IV 243, 24; Amm. Marcell. 17,7,13; Sedul. 
c. pasch. IV 285; daraus ferebum Mart. Capella p. 339,30. 

heremue vgl. Keil grammat. Supplem. S. 294; Notices et Extraits 
XXII 2 S. 522 ; Boeth ed. Peiper p. 181, 157 alle Hss. ; Corp. gloss. V p. 79 ; 
Jordanes, oben s. S.206 u. 229; in der kirchlichen Litteratur beinahe ständig; 
„heremus plerique aspirant“ sagt Ps. Apuleius p. 97; frz. Hermitage . 

hereptus Horaz Epod. 2,60 in A; heripuisti Catull 77,5 in G; das 
eripuisti in cod. 0 ist hier offenbar jüngere Correktur, sowie G ebenda 
richtig heheu giebt, 0 dagegen nur heu , das man doch weder in dieser 
Zeile noch in der nächstfolgenden in den Text zu nehmen wagen wird. 
Hereeietratue s. S. 157. 
hergo Placidus Corp. gl. V73,24 cod. Vatic. 
hericius „Igel“ oben S. 149; frz. HSrisson ; vgl. hiriciue. 

Heridanus Anthol. lat. 761,20 (Hs. saec. XI); 679,12 (saec. X); in 
den Aratea Rhein. Mus. 52 p. 311,5; p. 316 wiederholt. 

Herimanthi Horaz carm. 1 21, 7 in u. 

Heringe Priscian I p. 318,19 alle; Coripp Joh. 3,37; Here. Oet. 609 
in E. Eberhardus Graecismus 10,219: a Ute vocantur Herinee , wozu das 
Scholion: herinee dicitur ab her i. lie. Wirklich ist griech. 'Egiyvs zu 
postuliren; vgl. sk. earanjue ; denn e ersetzt regelrecht der Spiritus asper. 
Herotem s. S. 157 ; CIL. III 6150 ; herotopaegnion Priscian I p. 484, 14 in R. 
herpex u. hirpex , occa , lex Salica ; dazu herciare , herceare , occare, 
du Cange. herpica Diefenbach S. 208. Bei Cato r. r. p. 23 Keil stand 
nicht irpicem , sondern urpicem im Archetyp; dies scheint auf yrpicem zu 
weisen und macht die Prothese begreiflicher; frz. heree. Bei den Griechen 
steht oqjiyi^ und oQnqj; neben einander, s. Lentz a. a. 0. S. 661. 

herrare, herror Paulus Albarus, s. S. 210 u. 211; Seneca epist. 
p. 123, 11; Prudentius cathem. 6,118v. 1.; Cassiodor Variae p. 255,32 in B. 
herubeecene Orosius p. 354 in S. 

herue s. S. 143; 155; 236; Corp. gloss. IV 85, 33; V 108,23; Auson 
epist. 16,2 v. 2 u. 4; Catull u. Horaz oft etc.; herrscht auch in Sedul. 
carm. pasch, vor. Dazu herile Horaz carm. 11127,63 mAFyXn; Apollinar. 
Sidon. epist. 2,11,2. 
hervum 8. herbum. 

Herycina f. Erycina uralt, s. S. 32 ; 151 ; Herycem f. Erycem steht aber 
auch Servius Aen. V 412 in F; Herix Auson Cupido cruc. 87; Livius 
28,41,5 in £. 

(h)eeee: davon herie, herit u. heet oben S. 157 u. 206; hero auch Priscian 
I p. 412,20 in R; eree heeto f. heree eeto oben S. 204; daher sicilisch jera 
f. erat sowie ghera f. dasselbe; s. Wentrup a. a. 0.; portugiesisch A« = est. 
Rechtfertigt sich hiernach bei Paulus Diaconus carm. V 13 der für ihn 
beispiellose Hiat: Hoc mihi | eet votum ? Vorbild war hierzu aber wohl 
Sedul. c. pasch. 1 290 Cuiue onus leve | eet, eine Stelle, die wegen des Hiats 
als auffällig von den Metrikern besprochen wurde. 


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257 


hetiam f. etiam s. S. 204; het auf Diplomen s. S. 224. he f. et Corippus 
p. 147; vgl. oben S. 231. Auch proven^alisch he f. et, s. Saint Jean cap* 

23.3 cod. Harleianus. 

Hetruscus Tertullian de corona milit. c. 13. Ebenso schreibt Tortellius 
und Pontanus. 

Helj,agru8 f. Euagrus Ovid. met. 12,293 in M. 

Heuctemon vorauszusetzen für Avienus carm. IV 337, woselbst Hoc 
demon. 

Heufemio s. S. 158. 

Heuhadne die Vergilhss. 

Heuhemerus Cic. deor. nat. 1 199 zweimal in Aß. 

Heumenides s. S. 158; in Diefenbach’s Glossare S. 243 übergegangen. 
Heums f. Eurus s. S. 145 (Consentius) ; vgl. S. 209 zu Euripo. 
Heutices f. Eutyches s. S. 158. 

heseras (so) f. exseras Apollinar. Sidon. epist. 9,14,1 v. 31 in F. 
hestispicus f. extispicus Corp. gl. IV S. 243; vgl. S. 88,1; V 569, 59. 
Hiarbas oben S. 158; 208; so auch noch Tortellius. 
hibex f. ibex „Steinbock“: quae solis hivicibus perviae sunt 1 Reg. 

24.3 cod. Amiatinus; ebenso setzt noch Ps. Apuleius p. 100 hibex und 
hibiscus an. 

htbi f. ibi Varro r. r. III 16, 14 ; ebenso die Digesten, oben S. 204. 
ad Hiccium ist überschrieben Horaz’ carm. I 29 in A ; ib. v. 1 Hicci 
in y. Ebenso Ueberschrift Horaz epist. 1 12 ad Hiccium in y u. a. 

hicneumonum Cic. deor. nat. 1 101 in B; hicheutnonis (so) Amm. Marcell. 
22,15, 19. 

hicon f. eixoiy lehrt Ps. Apuleius p. 102. 

hicteria neben icteria, Gelbsucht, Diefenbach; hictirici Corp. gloss. IV 
244,13; vgl. 86,24; 524,24. 

Hictiofagi f. Icthyophagi Fredegar. Chronic, p. 22; Geogr. lat. min. 
p. 30. 

hictus Corp. gloss. V 459, 41 ; Augustinus Confess. p. 141,3 in P; Auson 
de viro bono 13 in V ; Prudentius Psychom. 136 v. 1. ; Anthol. lat. 216, 10 
cod. V saec. IX. 

hidolis Augustinus de mendacio p. 473,4 Hs. des 12. Jhds. 
hiduum f. iduum Priscian I p. 364, 2 in R. 

hicnoto f. ignoto Plautus Men. 495 in P; vgl. icnoto Mart. Capelia . 
p. 299,24. 

hicnobiles f. ignob. Geograph, lat. minores p. 45,7. 

Hüerda Orosius p. 340 in LRD; Auson epist. 24,59 in V (t m. 2). 
hilia: hüibus Rhein. Mus. 54 S. 296 Z. 13. 

hil(l)ic CIL. XII 915 (s. S. 158) ; hila res f. illa res Servius Aen. 

V 738 in H. 

Hiliacas Troianas Corp. gloss. V 109, 10; Hiliacis Alcuin carmina 26,21 ; 
Hüienses Servius Aen. 1628 cod. P. 
hilico statim Corp. gloss. IV S. 86. 

B 1 r t , Th., Der Hlat bei Blautug. 17 


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— 258 - 

Helices (so) f. ilices Ambrosius I p. 97, 5 in C ; ylex d. i. hilex, Wright 
Glosses p. 545. 

HiUyricum s. S. 158; Hüuricos Plaut. Men. 235; HiUirico Servius 
Aen. 111466 in F. Consentius V K 346, 10 zweimal. Geogr. lat. min. p. 12 
codd. V u. L. Hüiricum Aethicus c. 74. Yllyricis Horaz carm. I 28,22 
in Xn; Script, hist. Aug. I p. 8,2; 56,9; y im Anlaut aber bedeutet hi; 
sodann Hylliricum ib. 11 p. 108, 18. Uebrigens attisch 'IXXvqios oben S. 158. 
Himaeona f. Imaona Verg. Aen. X 18 cod. R; Hymeona cofl. Jf. 
himber : hiber (so) Palladius 129,2 cod. L; hymbre oben S. 239; yniber 
Amarcius serm. IV 271 führt auf die gleiche Aussprache. 

himitari u. himitabüe s. S. 158; der Florentinus des Apuleius schreibt 
ständig ymago : y im Anlaut aber bedeutet hi; ymago auch Wright Glosses 
p. 648 u. 720; ebenso Amarcius serm. 111949; daher hymago Corp. gloss. 
V S. 109 (im Lemma); so tritt schon in Pompeji Hysocrysus f. Isochrysus 
ein CIL. IV 1655. himaginem Cruindmelus p. 47,22; himaginatio Cassiodor 
Variae p. 318,16 in B. 

ab himo Corp. gloss. IV 3, 16 ; in hima Augustin. Conf. p. 85, 14 u. 
176, 9 im Sessorian. ; ad hitnutn Priscian I p. 91, 10 in K ; vgl. hommo (so) 
f. immo Gromatici p. 178, 13 in B. Man schrieb auch ymus f. imus , was 
auf dasselbe hinausläuft: Eberhardi Graecismus 8,219. 

hin f. in: hin tuis le Blant inscr. de la Gaule 17 (a. 601). 
hini hiare f. inhiare Corp. gloss. V p. 74. 
hinire: heneunte le Blant inscr. de la Gaule n. 545. 
hinde f. inde Servius Aen. 1118 in F. 

(hinstrumentum) : portugiesisch hestromento. 

hinstda oder vielmehr hishda f. insula du Cange aus Tabular. S. Cypriani 
Pictaviensis. 

hinthica f. entheca, reconditorium, aus a. 1156, annales rerum Pisan. 
bei du Cange. 

hinus f. olvog s. oben S. 193; vgl. hynomelli f. oinomelli Palladius B. 
XI tit. 17 in L; also erzeugte hier wieder y das h; honoforum neben 
enoforum „Weinfass“ giebt Diefenbach. 

Hioniae f. loniae Mart. Capella p. 237, 10 in B, wie der Arrius Catull’s, 
s. S. 40. Weiter bestätigt durch Fredegarius Chronic, ed. Krusch p. 21 ? 
wo Uionis „die Ionier“. 

hire f. ire in Hss. der Itala, s. Ziegel S. 36 ; daher sicilisch jiri f. ire 
(s. Wentrup a. a. 0.); portugies. hir = ire. hi : vade Placidus Corp. gl. 
V10,9; himus Cic. deor. nat. 1183 inA; hibat Augustin. Conf. p. 136,9 
in F; hise f. isse Anthol. Salm. 373,9; vgl. redhire oben S. 158 u. 248; 
abhis S. 247. 

Mireneus f. Irenaeus Gregor v. Tours; Wandalbertus in Poetae aevi 
Carol. II S. 580 und sonst weit verbreitet. 

hiricius f. ericius, Igel, Diefenbach aus zwei Glossaren; auch du Cange; 
Ps. Apuleius p. 97 ; vgl. oben hericius . 

Hiris f. Iris s. Rhein. Mus. 51 S. 161 zu Anthol. lat. 395,7 cod. 
Berolin. saec. IX ; Corp. gloss. V 74, 18 ; Seneca Oed. 316. 


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259 


hironia s. S. 158 ; 239 ; auch bei Gregor v. Tours ; im Puteaneus des Mart. 
Capelia (ed. Eyssenb&rdt p. XVI); Corp. gloss. V p. 95; hyroniam Paulus 
Diaconus carm. XII 3. hironicös Servius Aen. VII 556 die Hss. ausser F. 

his f. is (nom. sgl.) s. S. 158; dazu Lactanz de ira dei p. 99,1 cod. 
B; Ambrosius I p. 193,6 alle Hss.; Gromatici p. 174,9 in ß; Auson Sept. 
Sap. 217; Horaz epist. 11,65 in y; Servius Aen. III 501 fin. und III 552 
fin. in F (his homo); Statius Theb. 9,159 im Put. und Bamberg.; Florus 
p. 86,17 in B; Script, hist Aug. öfter; Plaut. Poen. 1070 in B. 

his u. bes. hiis f. iis, s. S. 147 ; 158; überall häufig, bes. vor dem Relativ; 
überVitruv s. Ziegel S. 62 ff.: Jul. Valerius p. 8,7 im Palimpsest; oft Varro 
de 1. lat.; bei Priscian war his qui in den Text zu nehmen, z. B. I p. 51,4; 
325,14; ebenso Augustin de opere monachorum p. 577,16; Ambrosius I 
p. 47,23; 89,17; 490,21; Pelagonius c. 43; 47; 211; 260; auch im cod. B 
ibid. c. 409. Lactanz de ira dei p. 113,19; Sueton p. 96,18; 89,3; 101,20; 
Cornific. ad. Herenn. p. 188,4; 191,5; 192,14; 197, 13 u. s. f. ; Cic.de legg. 
p. 29,3; 29, 8; 68,8 u. s. f. ed. Vahlen; de his quae ständig Plin. hist. nat. I 
p. 29 ff. ed. Detleisen ; und so bei den verschiedensten Autoren. 

hisdem s. S. 147; 158; 207; dazu Censorin de die nat. p. 10; Serenus 
Sammonicus 809 ; Seneca epist. p. 130,9; Orosius p. 114,4; 150, 16 ; 265, 13 u. 
sonst; Mart. Capella p. 171,22; 274,17; 302,12; 324,20; Ambrosius I 
p. 53,32 alle Hss.; vgl. p. 140,5 u. sonst; häufig Ovid’s Metamorphosen; 
Varro 1. lat. 7,8; 8,35; Palladius 2,15,14; Script, hist. Aug. I p. 170,1. 

hidne f. idne Corp. gloss. V S. 300; hid est auf Diplomen s. S. 223; 
hid Anthol. Salm. 17,221. — Endlich andere Formen des Demonstrativs; hei 
f. ei Livius 24,45,9; heae Gaius p. 107,28 ed. minor; Cornif. ad Herenn. 

р. 273,21; Varro 1. lat. 9,29; Fredegar. Chronic, p. 21; haeae Digest II 
S. 767,3. Daher auch heius oben S. 147; 204; sogar kuiusdem neben hisdem 
bei Claudianus Mamertus (Ziegel S. 14) ; dasselbe huiusdem Priscian I S. 76 
in L. Sogar hodie dringt f. eo die ein, Cato r. rust. p. 90 Keil. Weiteres 
s. oben S. 158. 

Hisara , Fluss, Orosius p. 315 in LPRD. 

Hisauri Amm. Marcell. 19, 13, 1 ; Apollinar. Sidon. carm. II 463 alle Hss. 
Hisis S. 159; vgl. Hysidis Placidus comm. in Statium p. 168,8 in M 
(daneben ysides). 

Hismarus Apollinar. Sidon. carm. V493 in MCP; vgl. carm. XXIII 
189; Hismarus eyn berg noch bei Diefenbach. 

Hismeni[i\ f. Ismeni fluvii Placidus* in Statium p. 220; Hismeni fluminis 
Avien. carm. III 543. 

Hist er, Histria ständig; vgl. S. 159. 

Histhmia Placidus in Statium p. 169. 

histis f. istis s. S. 159; dazu Mart. Capella p. 277,12; Apuleius apolog. 

с. 71 init. und 74 med. ; histic fcorp. gloss. IV 87, 13. 

hita s. oben S. 158; 204. 

Hitalia S. 159. 

Hithis (so) f. Ityn Horaz carm. IV 12,5 in er, erklärt sich aus ythis in 7r. 

17* 


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260 


hobitum s. S. 159; auf Diplomen s. S. 224; habitu f. obitu s. 
S. 245; auch Placidus in Statium p. 202. Aehnlich Ovid met. I 552 habent 
f. obit eingedrungen.. 

hobedientes Seneca epist. p. 181, 12 cod. p; hoboedire Augustinus 
de mendacio p. 488 cod. g> saec. IX — X. 

hobligo me Cod. Cavensis I n. 4; ebenso n. 5; vgl. S. 196. 
hobstare : Servius zu Aen. VI 43 in RH: hostium ... ab hostando 
dictum , statt ostium ab obstando. Dasselbe hostans Coripp. Joh. 2,231 
u. 4,650. Daher Ps. Apuleius p. 110: hostis etiam potest esse ab osto ; 
vgl. oben S. 241. Daher afz. hostage aus obstaticum. 

Habraatis (so) f. Obroatis Amm. Marcell. 23,6,42. 
hobscaenus aus Arnobius IV 11 init. zu erschliessen, wo hoscine in der 
Ueberlieferung zu obcenae geworden ist. 

hoccasus Seneca epist. p. 584,4 (p J ); bei Aethicus, oben S. 228; das- 
selbe anzusetzen bei Venantius Fortunatus Vita Mart. 1175 (oben S. 207,2); 
hoccasionem auf Diplomen s. S. 223. 

hoc cepsio (so) f. occepso Plaut. Amph. 673 nach Nonius ; hoccepit 
Nonius II p. 43,8 in L u. H. 

hoccidit s. S. 159; Sedul. c. pasch. III 111 cod. E saec. IX; hoc cidit 
( so) Orosius p. 60 cod. D. hoccidentis auf Diplomen s. S. 224. 

hoccultus Augustin ed. Zycha p. 483 cod. Camut. ; in hocculto oben S. 159. 
hoc curram (so) f. occurram Horaz Sat. 1 4, 136 in X. 

Hochus f. Ochus Orosius p. 151 in P; vgl. Hecho f. Echo. 
hocius f. ocius Horaz Sat. 19,9 in y. 

hoctavo , hoscies oben S. 159. Hoctavianus Auson Sept. Sapient. 41 
am Versanfang; Digest. 1 S. 185,25 in P u. V ; hoctober Anthol. lat. 117,19 
cod. V ; hoctum'io u. hoctobrii auf Diplomen s. S. 223 ; ebenso hocto 
u die hoctaba S. 224. 

Hocsibafoni . oxybaphon Anthol. lat. 486,76 cod. A; vgl. ib. v. 81. 
hoculi Albarus oben S. 211; vgl. Plaut. Most. 325; daher vielfach bei 
Plautus auch occuli ; ebenso Symphosii aenigm. 160 u. 220. 

hodium s. 159; dazu per hodium Servius Aen. III 617 in L; hodio 
Florus p. 74, 8 in B ; auch bei du Cange belegt ; endlich hodit Seneca epist. 
p. 118,20; hoderit Priscian II p. 137,23 in N. 

hodorem Sedul. c. pasch. IV 274 in T ; Augustin ed. Zycha p. 520, 1 1 
cod. Carnut. ; hodoris Palladius 1 18, 1 cod. Lugd. saec. X ; dazu holf actum 
Placidus, Corp. gl. V 109,36; holido Wright, latin and Anglo-saxon gl. 
p. 25 u. 417; vgl. holofacere , helofacere , holfare bei Diefenbach. 

Hoetaeus: bei Catull 62,7 hat cod. T noch richtig oetaeos , dagegen 
V hoc eos , offenbar aus hoeteos ; vgl. oben S. 159. 

holeum f. oleum : bei Ovid met. 13, 653 wird Minervae mit holet glossirt 
in M; du Cange giebt huiliarius mit nur einem Beleg. 
holim Auson Sept. Sap. 78. 

holor Wright, Latin and Anglo-saxon glosses p. 25 u. 417; holoribus 
Horaz carm. 11128,15 in 7r, wo das h getilgt; holor auch Ps. Apuleius 
p. 106 u. Tortellius. 


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261 


Holympu8 Ps. Apuleius p. 106, als holo-lampus erklärt, während 
Tortellius Quat. f. fol. 5 hololampus in’s Lemma setzt und von Holympus 
nichts weiss. 

honten s. S. 145; 159; dazu homine Amm. Marcell. 21,10,2; Serv. Aen. 
IV 644 in LH; Ovid met. 11,719; hominis Script, hist. Aug. I p. 141,27; 
ygl. p. 141,30; 188,2; homina Anthol. Salm. 17,55 u. 72; 189,3. hominosa 
Apollinar. Sidon. epist. 2,8,2 in MCP. Dazu Cassiodor Variae in L zwei- 
mal u. a. Daher Lukrez 6,474 im Archetyp consurgerem homine f. con- 
surgere nomine. 

homnia , homnes u. s. f. : s. S. 145 ; 159 ; oft auf Diplomen, S. 223 ; 224 ; 226 ; 
so homnia et de Omnibus Codex Cavensis Dipl. I n. 1 ; homnes Auson p. 109 
ed. Schenkl zweimal; ebenso p. 111; homni Auson Sept. Sap. 160, vgl. 
v. 170; 224. homnibus Seneca epist. p. 126,25; Augustin Conf. p. 121,1 
in F ; vgl. ib. p. 122, 1. homnino Augustin ed. Zycha p. 528 cod. Carnut. 

Mit Epenthese: hominis (f. omnis) historia Script, hist. Ang. I p. 192,16. 
homines Ambrosius I p. 101, 8 in CPG. hominibus oben S. 204 ; Priscian I 
p. 380,11 in BHGLK; Corippus p. 130; Virgil, grammat. p. 52,2 in P; 
vgl. Augustin Conf. p. 220,8 cod. W; Varr. r. r. 111,27. hominum f. 
omnium Servius Aen. IV 449 in F. homini non f. omnino schon cod. B 
des Lactanz de ira dei p. 102, 1. 

homfagium f. wpotpaytov Appendix Probi : vgl. ßrandis de aspir. lat. p. 6. 

hunichenus f. onychinus Itinerar. Antonini ed. Gildem. p. 15 cod. R. 

honus s. S. 237 zu onor; ich fuge hinzu: honus pondum , honor 
dignitas Placidus, Corp. gl. V 109,40. cuius honus leve est Sedul. c. pasch. 

1 290 in TA saec. VII, und ebenso las Cruindmelus diese Stelle, honus 
Plaut. Aul. 230 in B. honerosa Parisinus Augustin’s (ed. Zycha) saec. VI. 
honera Cruindmelus p. 30,24. honora f. onera Seneca epist. p. 502,24 in 
AB; honeri ib. p. 189,23. Inter honestum et honeratum hoc int er est quod 
honeratus eqs. Servius zu Aen. 1 289 in L ; vgl. ib. zu II 510, wo honeri 
in H. Ebenso die echte Ueberlieferung bei Ambrosius I p. 82, 10 ; vgl. 93, 8 ; 
91,21: 131,12; 170,9; 135,6. honeratus Ovid met. 8, 856 ; honeratur Auson 
Protrept. praef. Z. 4; honerabo Plaut. Pseud. 764 in P. honustum Horaz 
Sat. II 2, 77 in yX. 

hopilio : vielmehr hupilio Apuleius Florida p. 3,10 ed. Krüger. 

hopere Digest. II p. 391,21; hopulentia Florus p. 114,13 in B; vgl. 
cohoperantibus oben S. 182. 

hora „Rand, Küste“ Jordanes p. 16 alle Hss.; vgl. Catull 33,5; Horaz 
carm. 1118,21 in ng>. Dazu horia „der Kahn“, s. S. 152. 

horator s. S. 159; horavit Ioca monachorum, Romania 1 p. 483 f.; 
horatum Priscian I p. 412, 14 in R. horatio Seneca epist. n. 58 (Hense 
praef. p. IV); horabat Verg. Aen. IV 437 cod. c. horatorium „die Capelle“ 
belegt du Cange aus a. 873. Dazu afz. horer=± orare. 

horbis Corippus s. oben S 231 ; horrem (so) f. orbem Columella de 
arbor. cap. 5,2 ed. Lundström beide Hss. 

Hörens s. S. 155; ebenso Corp. gloss. V p. 109; Horaz Sat. 115,49 
in e. Neapolitanisch huorco , altspan, huergo . 


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262 


hordo s. S 159; auch Corp. gloss. IV 89, 52; Servius Aen. 1483 in 
P; Prudentius Psych. 648 v. 1.; hordine Diplome, oben S. 223; Gromatici 
p. 198,3 in B. ordinem Apollin. Sidonius, oben S. 212. hordinatos voraus- 
zusetzen Seneca epist. p. 109,21 , wo hornatos überliefert; hordinare auf 
Diplomen s. S. 224. 

Horestes s. S. 159 ; Anthol. Salm. 44, 1 ; Servius Aen. III 330 wieder- 
holt cod. T; Horaz Sat. II 3,133 in X: Ars poet. 124 in s ( Horrestes in 
<f); Araarcius sermones III 251. 

horiri : Corp. gloss. IV 10, 42; dazu hortentte auf Diplomen 8. S. 224; 
bei Jordanes p. 38. Uebrigens s. hortus. 

homatu8 s. S. 159; Corp. gloss. 11511,40; homares Anthol. lat. 218,4 
in B ; hornatrix Cassiodor Variae p. 286, 16 in B. Auch für Amm. Mar- 
cell. 22,16,14 vermuthe ich, dass homatus im Archetyp stand, woraus in 
unsren Hss. sinnloses hactenus geworden ist. 

Horonte f. Oronte Corp. gloss. V 109,44; so auch noch Tortellius. 

Horofdus Gregor v. Tours nach dem Vorbild der Orosiushandschriften; 
s. Orosius cod. Palat. saec. VIII bei Zangemeister S. 3. 

Horpheue Anthol. lat. 415,45. 

horrigometra (so) f. ortygometra Glossare bei Diefenbach. 

hortus f. ortus s. S. 146; 159; 206; hortu Seneca epist. p. 122,25 in L; 
Troades 536 in E ; Augustin. Conf. p. 301, 3 in F ; Gromatici p. 170, 4 u. 6 in B ; 
Lactanz Phoenix v. 3. horta f. orta Mart. Capella p. 153,16 in R: Serv. 
Aen. IV 262 med. in F; Statius Thebais 1,235; Ambrosius I p. 44,6. Boetb. 
Consol. p. 55 v. 33 in K ; Sedul. c. pasch. III 249 u. V 283 in T. Auf 
Diplomen s. S. 224. 

Hortygia Servius Aen. m 124 in F; vgl. ib. zu III 209 Horytiae f. 
Orühyae in L. 

hortogyllo8 f. orthocyllos Pelagonius c. 266. 

ho8 horte s. S. 145 ; 204 ; Corp. gl. IV 349, 19 ; Seneca epist p. 128, 27 cod. 
p; Anthol. Salm. 18,37; Avien. carm. III 1131; hos u. horte Anthol. Salm, 
n. 205; vgl. 199,59. hört ora promte Sedul. c. pasch. V 65 die zwei 
Haupthandschriften, horte Catull 63,39; Jordanes p. 16; Corippus p. 143 
u. 153. hora Priscian I p. 156,9 aus Horaz epist. II 1,146; os productum 
horte ib. p. 254, 14 in R. hora auch Servius Aen. V 340 in F ; Horaz 
carm. II 1,36; 9,4; 1113,46 in mehreren Hss.; Avien. carm. in 23; ab höre 
Mart. Capella 233,9; m höre suo Augustin ed. Zycha p. 472 cod. Camut; 
höre 8uo Corp. gloss. V p. 63. Dazu hoscitans Corp. gl. IV S. 245. 

Hosirim Placidus, Corp. gl. V 25, 10 (Lemma). 

hostro f. ostro Corippus p. 326; vgl. hau8tro oben S. 254. 

Hostanen (Eigenname) Apuleius apolog. c. 90fin. 

hostendere s. S. 159; Seneca epist. 135,16; vgl. 184,13 (217,23); 
Amobius p. 277,3. Gromatici p. 201,17 in A (Hygin. de mun. castr. 
p. 27,2 ed. Gemoll); Augustinus de mendacio p. 480 Hs. des 11. Jhds. ; 
Florus p. 111,21; vgl. p. 132,10; 145,1; 153,14. Priscian H p. 191,19 
in R. Apuleius apol. c. 102 fin. Coripp. Job. 1,519. 

hosticinum f. ost. Pelagonius c. 310. 


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263 


hostium f. ostium s. S. 146; 159; 236 ; 241; hostia ßummis Oros. 
p. 22 in B; hostia Tiberina Mart. Capella p. 213 (Archetyp) ; vgl. p. 226,15; 
228,12. Auch Varro r. rust. 11116,8; Servius Aen. 1449; III 688; VI 20; 
Statius Thebais 5,335 der Archetyp; Auson epist. 18,11; Catull 61,231; 
Avien. earm. IV 575 u. 688. Jordanes oben S. 229. Rossbach setzt bei 
Florus p. 106,1 Tiberinum hostium in den Text, dagegen p. 151,4, wo 
hostio Oceani in B, druckt er ostio. hostiatim Corp. gloss. V p. 97. kosten 
Anthol. Salm. 197, .V) — Dazu hostiarius: Benedicti regula c. 66 De hosti- 
arii8 ; Corp. gloss. III 450, 52 ; Priscian I p. 75, 4 in RH ; Sueton de grammat. 
p. 252,19 Reiff.; ganz recipirt; s. du Gange u. Diefenbach; frz. huissier . 

Hostia f. Ostia s. S. 159: Florus p. 131,11. Varro r. rust. 1112,7. 
Serv. zu Aen. VI 815 in SR (vgl. auch F). Bei Augustin Conf. p. 219,19 
steht im Sessor. Ostis f. Ostiis, die jüngeren Handschriften machen daraus 
hostis u. hostiis. 

hostrea f. ostrea Ausonius epist. 7, 2 v. 1 und abermals 8, 1 : so 
also Ausonius in Gallien ; daher frz. huitres. Dasselbe hostrea aber auch 
Apicius 1, 12, s. Schuch’s adnot.; hostrias Plaut. Rudens 297 cod. B, 
hostreas cod. Turnebi. 

Hozoli f. Ozolae Serv. zu Aen. III 399 in HE. 

hostorium u. hostnrium , Streichholz, zu urere, Diefenbach; hostorium 
Wright Glosses p. 588; ebenso Ps. Apuleius p. 108 „lignum quo modius 
aequatur“; vgl. Priscian VI c. 24. 

ovet wird zu habet (so) Anthol. Salm. 17,97. 

hoher Coripp ; s. S. 231 ; huber herbarum Palladius 1 33, 2 cod. F saec. 
XIII mit Allitteration (oben S. 204); huberibus auch Augustin confess. 
p. 9, 7 in G (saec. IX) ; höhere Avien carm. III 1001 ; hubertate Virgil, 
grammat. p. 86,5 in N; Corp. gloss. V p. 93. Daher betrachtet Ps. Apu- 
leius p. 110 hoher als das Regelmässige und erklärt es aus hyo.' Derselbe 
schreibt p. 113 exhubero. 

hohi Augustin ed. Zycha p. 521, 16 (cod. Carnutensis saec. X) ; ebenso 
Horaz Sat. 13,60 in X. 

hudus Ps. Apuleius p. 110, zu hoher gestellt ; vgl. S. 137 u. hovidus S. 160. 
hulolatu Servius Aen. IV 667 cod. F; vgl. oben S. 207; entsprechendes 
hololare belegt du Gange. Ps. Apuleius p. 111 betrachtet hololo als das 
Regelrechte und erklärt es aus hui interiectio. 

humbrae Paulus Albarus. oben S. 210; 211; afz. humbre = ombre. 

humeros recipirt, s. S. 160. 

humidus , humeo ebenso, s. S. 137; 160; 245. 

honda Paulus Albarus, s. S. 211 ; vgl. S. 196. 

hunde Codex Cav. dipl. I n. 2 u. sonst auf Diplomen; s. S. 224. 

hongoxbus f. unguibus Anthol. Salm. 29,3, s. oben S. 205. 


1) Was jenes hostia ortorum bei Varro de 1. lat. 5,146 bedeutet, das 
als jonisch ausgegeben wird, bleibt ein Rätsel. 


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264 


huniversis und hunius Edict. Diocl. 1, 16 und 32 (Fragm. von Plataeae ; 
griechischer Steinmetz), hunversi Digest. I S. 6,26 cod. R. hunum Serv. 
zu Aen. V 30 fin. in T. hunius horae Seneca , oben S. 204. hunanimitas 
Cassiodor Variae p. 237,1 in B. hunum quemque auf Diplomen s. S. 223; 
huna cum ebenda, S. 224. Portugiesisch hum = unus. 

hurbes Verg. Aen. 4,40 cod. b; Coripp s. oben S. 231. 
horna (so) f. urna Gromatici p. 200,1 in B ( orna A); auch bei du 
Gange aus Joannes Diaconus in Episcopis Neapolit. ; vgl. hortica f. urtica 
Palladius I 30, 2 in QE. 

husus zweimal Corp. gl. V63,2; husufructo Tardif n. 26 zweimal; 
in hum hoc Priscian I p. 313,26 in D, in hum Seneca epist. p. 522,13 in 
A. humm habere Plin. n. hist. 13,73 in R. 

hut Corp. gl. V73,24; husque (so) f. utque Coripp. Joh. 1,190; hut 
auf Diplomen, s. S. 224. 

huterus , huterinus : auf Diplomen, s. S. 224. 

hutiletatebu8 Tardif n. 26; vgl. n. 50. hutensilia Codice diplom. Pado- 
vano p. 12 anno 829. hutele Seneca epist. p. 206,18. hutilitatem Varro 
r. rust. II 1,4. Bei Joannes Scottus befremdet der zweimalige Hiatus male | 
usus und bene\usus Poet, aevi Carolini tom. III p. 359 v. 56 u. 58 ; er 
mag sich auf diesem Wege erklären. 

Hydippum f. Oedipum Orosius p. 62 in PR; vgl. Anthol. Salm. 199,84; 
y erforderte den Sp. asper; so wurde oeconomia über yconomia zu hico- 
nomia , s. Diefenbach S. 194. 


IX. Rückblick. 

Für die Art, wie in einer Sprache die Aspiration verloren 
geht, scheint im Englischen das deutlichste Beispiel und gleich- 
sam ein lebendes Modell vorzuliegen, das dazu dienen könnte, 
uns andere und entlegenere Vorgänge zu veranschaulichen. Für 
Chaucer im 14. Jahrh. wird noch angenommen, dass er das h 
in honest, hour wie in have und how wirklich durchgängig sprach. 
Deshalb ist es auch in den englischen Urkunden von 1384 — 1430 
durchgängig erhalten. Aber in enklitischen Verbindungen fiel 
es schon damals fort, wie in housold ; ja Chaucer brauchte coude 
he als zwei Silben; Shakespeare schreibt dann schon bisweilen 
an hair , an hundred; doch ist der Artikel a bei ihm vor h 
noch gewöhnlicher. *) So wird denn heute in at home und ähn- 
lichen Verbindungen das h unterdrückt. Schon Jones, Practical 
Phonography v. J. 1701 meinte, h nach Consonanten sei im Eng- 
lischen hardly sounded; in Verbindungen wie a hat trete es 


1) Joh. Storm, Engl. Philologie S. 411. 


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265 


dagegen deutlich hervor. 1 ) Die Annahme muss auch vom Verfall 
des h im Romanischen gelten : h wurde im Satz zunächst nach 
Consonanten schwach gesprochen; dies influirte allmählich auf 
den allgemeinen Sprachgebrauch. Dabei stehen naturgemäss die 
Composita voran : abhorrä adhibeo : aborret , adibeo ; dann folgen 
die präpositionalen Fügungen: ab oste ; ab oc. So wird denn 
frz. noeuf heures im 16. Jhd. als neure^res gesprochen. 2 ) 
Besonders habeo hatte enklitische Natur; die romanische Flexion 
zeigt dies (s. S. 217); und je mehr habeo den Eigenton verlor, 
desto weniger wurde an seinem Anlaut die Exspiration möglich, 
die ihm zukam. 

Mit dieser Erklärung kommen wir aber für das Mittellatein 
nicht aus, und es soll eben erst festgestellt werden, wie früh 
bei dem Uebergange dieses Latein in das Romanische der Satz- 
anschluss der Wörter an Enge wirklich so zunahm , dass der 
Schlussconsonant des vorigen Wortes zum Anlaut des mit h oder 
Vocal beginnenden nächstfolgenden Wortes wurde. Vielmehr 
hat im 7.— 10. Jhd. falsche Etymologie und falsche 
Analogie, auch wo solch enger Satzanschluss fehlte , zum 
Verlust der Aspiration viel beigetragen; ebenso viel aber auch 
zum Eintritt des h spurium. 

Die Motive für das h omissum sind grossentheils durch- 
sichtig. Das h omissum betrifft erstlich in grösstem Umfang 
griechische Lehnwörter und sonstige Eigennamen ; auf stummes 
h ist in allen diesen Fällen zunächst nicht zu schliessen, wenn- 
schon das Schriftbild wohl allmählich dahin geführt hat, dass 
das h, weil nicht gelesen, oftmals auch nicht gesprochen wurde. 
Daher wird Ugor zu geron wie hieme zu gerne (oben S. 181), 
Hippos zu Chyppus , Harpalus zu Gharpalus , hysterologia zu 
cysterologia , wie man umgekehrt für chorum ein herum und für 
chorean dann sogar ein orean schrieb (oben S. 179). Daher 
endlich das h von hdarus , hiros , hymni , hiades als Consonant im 
Verse; s. die Nachweise S. 170 — 177. 

Auch manche lateinische Wörter aber wurden als griechische 
betrachtet, und sobald sich der griechische Buchstabe y einfand, 
wie in hyrcus , hyemps , konnte der Spiritus ungeschrieben 

1) S. A. Paul a. a. 0. S. 47. 

2) Dies sagt uns Claudius a Sancto Vinculo 1580 De pronuntiatione 
linguae Gallicae; s. Livet a. a. 0. S. 506. 


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266 


bleiben; auch dies nur ein h omissum, kein stummes h. 
Ygl. auch haedus u. a. So wurde gar chelydrus zu hylidrus 
und ylidrus . chironis zu ironis (oben S. 178). Lehrreich für 
die Schätzung des h omissum ist jenes Glossar, das herba unter 
den lateinischen Vocabeln mit A, unter den griechischen ohne A 
auffuhrt (oben S. 237). Auch für Chlodoveus statt Chlodovechus 
bei Gregor von Tours ist man durchaus nicht genöthigt anzu- 
nehmen, dass er nicht intervocalisches ch wenigstens als Spiritus 
gesprochen hat. 

Zweitens hatte die lateinische Etymologie Einfluss, wie in 
arena , aruspex, olus . Doch drangen auch diese Schreibungen, 
wie nachgewiesen, keinesweges durch, und wir sehen das A im 
Verse als festen Consonanten verwendet, wie im 
Demonstrativ hic und in homo , humanus, so auch in 
haedus , humilis , horrere , habuit , habüis, habitus , habitatio , 
honos, hiemps , hodie , haesit, hostis , hospes , hostia , hirsutus, 
harundo , hamus , hastile , herbae; man wolle die S. 168 — 177 
ausgeschriebenen Verse hierfür einsehen. 1 ) 

Die bezeugten sowie die muthmasslichen Etymologien, die 
diese Schreibungen beeinflusst haben, sind von mir vorhin zu 
den einzelnen Worten gegeben worden, und ich wiederhole sie 
hier nicht. Ihr Einfluss war an Kraft verschieden, und während 
edera doch immer selten blieb, nehmen die Beispiele für ordeum , 
das offenbar volksthümlich geworden, ziemlich breiten Raum ein ; 
ortus , der Garten, drang fast ganz durch. 

Ein dritter Anlass war mit dem soeben besprochenen eng 
verwandt; es ist die sinnlose Anlehnung an ähnlich klingende 
Wörter, der Trieb zum Hononymen: so wurde zunächst esternus 
für externus gesprochen ; dies esternus fiel dann mit hestemus 
zusammen, und da das Präfix ex nie oder nur sehr selten Pro- 
these duldete, so hielt sich zumeist externus und verdrängte 
hesternus . Ferner fiel habere mit abire zunächst in habeat, 
habiturus , dann in den anderen Formen zusammen, sodass habere 
auf den Diplomen geradezu als Verbum der i-Conjugation er- 
scheint. Ebenso näherte sich hospes an obses, opses u. s. f., ein 
Trieb, der freilich noch öfter dem Spiritus asper als dem lenis 
zu Gute kam. Mit einer gewissen Häufigkeit findet sich h omis- 
sum in der Silbe Aor-, zunächst in horror, horribüe , vor allem 

1) Für hortus , berede*, heri (gestern), hedera , holus, hordeum , horreum 
fehlen mir Belege. 


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267 


aber in hordeim. Es bleibt fraglich, ob dies auf einer Volks- 
etymologie — hordeum zu ordior , exordium — beruht oder auf 
sinnloser Angleichung — horrui zu obrui — , oder ob hier ein 
vierter Anlass sich wirksam erwiesen hat. 

Der vierte Anlass ist der Einfluss des Compositums auf das 
Simplex. Man war überzeugt, dass illic für ill-hic , istaec für 
ist-haec stehe 1 ) (oben S. 133), und da man hier das h nicht 
schrieb, glaubte man nun gelegentlich auch im Simplex ic und 
aec sich das h ersparen zu können. Man schrieb exorrescat 
(s. oben S. 214), wobei, wie S. 202 gezeigt ist, das h doch 
selbstverständlich gesprochen wurde; man konnte nun auch 
orrescat ohne Präfix setzen, ohne das h ungesprochen zu lassen; 
ebenso ahorret (s. ebenda); dies kam als avorret zu Gehör, 
hinter v im Silbenanfang aber fehlte nie ein Spiritus (vgl. 
S. 16); dies führte zu demselben Ergebnisse. 

So erklärt sich gelegentliches und seltenes ortari natur- 
gemäss aus exortari. 

In wie weit und wie früh solche Schreibungen schliesslich 
dem wirklichen Verstummen Vorschub leisteten, lässt sich schwer 
darthun; jedenfalls prävalirt das h spurium vor dem omissum 
bedeutend; auch, bei der Silbe or stellte es sich ein, in Horestes , 
horator , hornatus u. a. 

Ueber das Verhalten der Idiomata Parisina saec. VIII s. 
S. 241 unter ortatur; hier hat es immer einige Wahrschein- 
lichkeit, dass der Schreiber nicht nur in alitus, sondern auch 
in ortatus und orror schon den Spiritus lenis sprach. 

Zu der Propagation des unechten A, zu der wir uns nun- 
mehr wenden, haben die Composita nun auf das deutlichste bei- 
getragen ; und dies dient zur Bestätigung dessen, was für ortari 
aus exortari von mir aufgestellt ist. 

aurire und alare war das Echte gewesen; schon in classi- 
scher Zeit bewirkten exhaurire und exhalare , in denen das A 
parasitisch ist, die Reception des Simplex haurire und halare. 

Man schrieb ferner, wie man sprach, exhordium ; daher 
kam die Sprechung hordiri auf. 

Man sprach ebenso exhistimare ;'daraus erklärt sich haestimare. 

Man sprach exhactum; daher hactum , hactare und endlich 
hagere . 

1) Vgl. auch Keil grammat. lat. V 439, 24. 


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268 


Man sprach exhortus ; dies begünstigte das weit verbreitete 
hortus, ab oriendo. 

Man sprach exhuberare ; daher hübet. 

Vielleicht darf auf diesem Wege auch haedifico mit haedes 
auf exaedifico , horatio und horatorium auf exorare , hinde auf 
exinde , hire auf exire und abire ( abhire , sprich avhire, oben 
S. 247), hornatus auf exornatus zurückgeführt werden. 

Diese Beispiele beweisen uns, dass das unechte h im ver- 
bum simplex haurire, hire so gut ein voller Spiritus war, wie 
wir ihn im Compositum exhaurire und exire (e-xire) zu sprechen 
nicht umhin können. 

Und’diese Wahrnehmung hat eine grosse Tragweite für den, der 
nach dem phonetischen Werth des h spurium fragt. 
Sollte es vom h genuinum etwa dem Wesen nach verschieden ge- 
wesen sein? Haben wir im h spurium etwa denVersuch zu er- 
blicken dem Spiritus lenis, als schwach gehauchtem Anlaut, zu 
einem gelegentlichen Ausdruck zu verhelfen? Oder sollte damit 
etwa gar ein starker und hauchloser Einsatz angezeigt werden, 
wie er dem vocalischen Anlaut im Germanischen eigen ist? 
Beide Annahmen sind augenscheinlich unmöglich. Denn das h 
in halare kann eben kein anderes als das in exhalare sein ; dies 
ist aber dasjenige, das jeder, der das Wort ausspricht, auch 
heute hört: das Kehlkopfreibegeräusch des anlautenden deut- 
schen A, das nach x sich einfindet. Daher ist denn eben auch 
das Schriftbild des spurium dasselbe wie das des genuinum, 
und beide haben im Verse die gleichen Funktionen ausgeübt. 

Gehen wir weiter. Die nämliche falsche Aspiration ist in 
anderen und besonders zahlreichen Fällen durch die Volks- 
etymologie, den homonymen Trieb begünstigt worden; und ist 
der Werth des unechten A für hortus , haurio als ein explosiver 
Hauchlaut erkannt, so muss er auch für die weiteren Belege 
gelten, da eine Abgrenzung hier unausführbar ist. 

Ein umidus , umor wurde zu humus gezogen; daher nun 
humidus gesprochen ; harena zu aridas ; daher nun auch Aari- 
dus , woran sich wieder harista anlehnte. Die Ablative his und 
iis waren identificirt und zu his geworden ; dies erzeugte weiter 
ein heius, nom. sgl. Ais, hid u. s. f. So wurde gar nihild minus 
zu nihil höminus . 


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269 


homines zog omnes an sich, und zwar so, dass bald durch 
omnes , bald durch homines beide Worte vertreten wurden; das 
erstere, schon von Augustin bezeugt (oben S. 145), war gleich- 
wohl das seltenere; vielmehr drang homines vor und bildete 
auch in seiner dreisilbigen Form den Ersatz. Daher ist nur im 
Italienischen omnis als ogni erhalten; es fehlt im Französischen, 
Spanischen und Proven^alischen , welche Sprachen eben homo 
bewahrt haben. 

Davon wurde weiter homen und dbhominare angezogen. 
Auch das erwähnte nihil höminus schliesst sich hier an. Genau 
das gleiche Verhältniss besteht zwischen hostia „Opfer“ und 
ostium ; hostium „die Thür“ drang siegreich vor, hostiarius 
wurde das Recipirte ; weiter wurde auch Aos, horis davon mit- 
gezogen und hoscitans , ja, sogar hossa (s. S. 159), vielleicht auch 
horatio , horatorium . Auch die Pronominalform hos hat hierauf 
mit eingewirkt (oben S. 145). Dazu dann endlich hostendere. 

Nicht anders verhält sich honos zu owws, da in honos das 
h omissum durchaus die Ausnahme bleibt; vielmehr erliegt 
auch onus schlechthin der Prothese. 

Nicht anders herba zu ervum ; das vordringende h eroberte 
sich hervum früh. 

Zu erus „der Herr“ tritt gel. eres „der Erbe.“ Uebrigens 
aber ist anlautendes &r gerade zur Prothese besonders geneigt 
gewesen : alt Herycina, noch spät Heryx ; herus „Herr ;“ hercis- 
cunda nebst Horcus. Dies wirkte wieder analogistisch auf 
Herebus weiter und auf heremus , hericius, hervor , herpex. Dazu 
Herotem u. s. f. 

Das gleiche Spiel der Attraktion dann auch anderswo ; denn 
hälere dürfte von hulare mitgezogen worden sein; dazu dann 
haltus , frz. haut 

Diese Prothese hatte aber doch ihre Grenzen. Man kann wahr- 
nehmen, dass sie in freierWeise vorwiegend nur bei solchen Wörtern 
eintritt, deren zweite Silbe nicht mit einem Klapplaute nach Art 
des c, p oder t anhebt. Fälle wie hetiam , hita , Hetruscus , 
heques, hopulentia, hut , hutilitas , liatris, Hitulia , Hithis , sind, 
wie das Register zeigt, durchaus Rarität und verschwinden in 
der Masse. Eine ähnliche Beobachtung hat Garke an der Pro- 
these im Althochdeutschen gemacht. Auch das Präfix ex ver- 
hielt sich aus demselben Grunde ablehnend: Ausnahme Hextri- 


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270 


cata. Dagegen musste extispicus erst zu estispicus werden, bevor 
ein h Vorschlägen konnte: hestisptcus. 

Es ist evident, dass diese auffallende Zurückhaltung auf 
Lautgesetzen und also auch auf einem wirklichen Sprechen des 
h beruhen muss. 

Sehen wir uns die Ausnahmen zu dieser Regel an, so sind 
es wesentlich nur solche, die durch Uebertragung der Aspiration 
auf gleichsilbig anlautende Wörter, wie wir sie hier zu con- 
statiren im Begriff sind, hervorgerufen worden sind. Durch 
demonstr. hac wurde auch die Copula ac zu hac; daraus floss 
weiter haccelerans , hacquisita , vielleicht auch hactum und hac - 
mina. 1 ) Bei Fulgentius p. 52 ed. Helm wird volksetymologisch 
sogar Aglauro und aconleron zu Haclauro und hacconleron. 

Von haec mit offenem e wurden ecce und ecquis erobert 
(s. S. 254). Durch hoc gelangte man zu hoccidi sowie zu hoo 
tober und hoctavus , welches hoctavus nebst hocsies , dem frz. 
huit entsprechend, gerade auf dem Boden Gallien ’s erscheint. 2 3 * ) 

Und weil man endlich hie zu sprechen gewohnt war, sprach 
man weiter sinnlos hidus, hicteria und ad Hiccium. 

Danach ist aber auch utor zu beurtheilen; zuerst wird die 
Aspiration in husus sich eingefunden, dann erst sich auf hutor 
verpflanzt haben. 

Soweit vorschlagendes h bei folgender Tennis. 

Die gemachte Beobachtung zeigte uns schon, dass es dahin 
kam, dass auf Wörter verschiedensten Sinnes, aber gleichen 
Anlautes sich der Spiritus gleicher Weise mechanisch verbreitete. 
Lehrreich ist es, dass die Schulmeister der Spätzeit solche Sätze 
vortragen 8 ) wie in der Schrift De aspiratione VK. 439, 16: alle 
lateinischen Wörter, die mit ir anheben, sind mit vorgestelltem 
h zu schreiben hirsutus hircus Hirpinus ; entsprechend der sorg- 
same Eutyches VII K. 201,28: anlautendes ir hat stets h wie 

1) In Hachivi und Hachab und Hochus durfte die zweite Aspiration 
die erste erzeugt haben; vgl. Hecho f. Echo oben S. 203. So dann auch 
hich(n)eumon und HaÜante. 

2) Nämlich CIL. XII. G. Curtius Grundzüge* S. 684 vergleicht mit 
frz. huit herakleisches oxW sowie neupersisch hest . Auf den Vergleich 
des Griechischen werde ich hernach zurückkommen. 

3) Auch dies geschah übrigens nach dem Schema der griechischen 

Lehrbücher; s. Lentz a. a. 0. S. 650. 


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271 


hirquitallus , Hirpinus u. s. f., mit Ausnahme von ir „die Hand“ 
(oben S. 150). Schon hieraus erklärt sich also auf das beste, 
dass man das Wort ironia , als es recipirt wurde, in hironia 
verwandelte. Dazu dann Uirenaeus und Hiris. 

Aehnlich steht De aspiratione, ebenda S. 440, 3: alle Wörter, 
die mit langem er anheben, haben das A, wofür nur die zwei 
Beispiele Heracles heres vorgeführt werden. Dies musste zu 
hereptus u. ä. führen. 

Dass das h spurium sich aber an die Schulmeister nicht 
kehrte, resp. über ihre Forderungen hinausging, zeigt die War- 
nung des Eutyches, ebenda S. 200, 10 ff., kein Wort, das mit 
zwei Vocalen anhebe, dürfe im Anlaut ein A haben, wofür er 
aedes aeger aurutn aenus u. a. als Beleg giebt, als Ausnahme 
dagegen haedus, haereo , Aaurf, Aio, haec, heu , hei und heiulo 
gelten lässt. Es gelang trotzdem nicht gelegentliches oder stän- 
diges haedes , haedißco, Haesculapius , haerugo zu hintertreiben; 
dazu hes „das Erz,“ here perennius , hestus und heger , das 
meiste wohl erst nach Eintritt des Monophthongen so gesprochen. 

Zwei Combinationen seien noch besonders in’s Auge gefasst : 
die erste ist die Präposition an, vornehmlich im Dienst der 
Wortcomposition. Das hinsidiae des Arrius ist auch hier wieder 
voranzustellen; wdr haben gesehen, dass diese Prothese von 
Arrius auch bei anderen Wörtern ähnlichen Anlautes ausgeübt 
worden sein muss, dass sie beträchtlich älter als die Zeit Catull’s 
war und dass darin ein Barbarismus zu erblicken ist, der von 
den Bauern, den rustici, ausging (S. 153 ; vgl. S. 41). Auch daran, 
dass Plautus den Hiat vor in gestattet, ist schon erinnert worden 
(S. 153). Auffallend ist darum, dass die Schreibung hin in 
Wirklichkeit verhältnissmässig so selten sich belegen lässt ; und 
nach einer ausreichenden Erklärung hierfür suche ich vergebens. 
Um so mehr Werth aber müssen wir den Vulgärschreibungen 
beimessen, die das Spät- und Mittellatein und das Romanische 
dar bietet. Unser Register zeigt hicnobilis und hicnotus ; auf 
gallischem Gebiet heneunte und hin tuis. Plaut. Cist. 666 ist 
pergin in P zu perge hin distrahirt. Fulgentius transkribirt elg 
als is , dagegen obog als hinus (oben S. 193). Dazu kommt 
gelegentliches hinde, hin\i\hiant, hinthica , hinsula ; sodann aber 
das Spanische, das z. B. hinchar f. inflare eintreten liess ; portu- 
giesisch hestrumento. ln Frankreich soll es Plätze geben, wo 


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272 


man noch jetzt henorme und himmense hören kann. 1 ) Aber 
auch lat. himus f. imus steht nahe, das man zu in zog; vgl. 
inmo f. imo Anthol. lat. 15,92. Vor [allem aber ist aus dem 
Altlatein jenes Hinnad CIL. I 530 aus des Plautus Zeit anzu- 
fübren, das, griechischem "Etwa entsprechend , mit dem «-Vocal 
auch die Aspiration annahm. 

Aus den christlichen Inschriften seien sodann die Messungen 
verglichen, de Rossi inscr. Christ. II S. 64 u. 15 v. 5: - 

Aspera | innocuo maculavit tela cruore*) 
und S. 67 n. 27 v. 1: 

Hic levitarum primüs | in ordine vivens; 
aus der Anthologia latina 82, 10 : 

Atque | iners dubitat, securus Iudat amator. 

Doch lässt sich auch noch das Folgende hier anreihen. Es 
ist gestattet anzusetzen, dass Arrius wie hinsidiae , so auch hin - 
laesus , hinludere und dann mit Assimilation hülaesus , hillusus 
zu sprechen pflegte. Dies bestätigt Ulico, das aus inloco hervor- 
ging und wiederum bei Plautus an mehreren Stellen offenen 
Vocal vor sich duldet (s. unten), hilico aber lesen wir wirklich 
in den Glossaren. Durch dies (h)illico beeinflusst kann sich 
dann auch auf ille (vgl. carm. epigr. 470) die Aspiration über- 
tragen haben. Dazu kommen aber noch die lllyrici . Sowie 
der Halbgebildete nämlich ein Collatinus durch fälschliche 
Distraktion in Conlatinus auflöste, supellex in superlex, annuus 
in adnutts (Verg. Aen. V 46 cod. M), Accheruntem in ad 
cheruntem und ad acheruntem (oben S. 46) , ganz ebenso 
fälschlich schrieb man auch Inlyrid (Verg. ecl. 8,7 cod. P). 
Auch auf diesem Wege kann nun also das inschriftliche Hilly - 
ricum und Hiluricum , das schon sehr früh sich einstellte, 8 ) 


1) M. Genin, Recreations philologiques I S. 139: „Vous avez encore 
en France des localites ou l’on prononce hinorme , himmense*; ich über- 
nehme die Anführung aus Süpfle De PH initiale dans la langue d’oil 
Gotha 1867, Anmerkung 48. 

2) Vgl. Ihm Damasi epigr. n. 79. 

3) S. Corssen 1 S. 106 ; oben S. 258. Freilich giebt uns die Spätzeit auch 
Ylliricus oder Yllyricm (Horaz carm. 1 28, 22 Xn ; Pelagonius c. 97 ; Scriptores 
hist. Aug. I p. 8,2; 56,9; Fredegarius Ohronic. p. 21 wiederholt) und sodann 
Hylliricum (dieselben Scriptores II p. 108,18) und man konnte ansetzen, 


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2l3 


seine Erklärung finden. Endlich übertrug sich dies h sogar auch 
auf Hiliacus; die Vermittelung giebt illiacus , anthol. lat. 21, 149; 
222 , 1 . 

- Ebenso alt oder älter ist nun aber die Neigung der Anlaut- 
silben ab und av zur Prothesis, und diese Erscheinung hat auch 
in der Schrift viel fleissigeren Ausdruck gefunden. 

Ich habe in meiner Aurumschrift dargelegt, dass der Diph- 
thong au im Lateinischen wie im Oskischen als av gesprochen 
wurde (vgl. oben S. 187). Das Beweismaterial für diese These 
lässt sich unschwer vermehren, und auch die hier beobachteten 
Erscheinungen dienen ihr zur Empfehlung. Wer mit oder ohne 
Gründe ihr misstraut, wird, was ich hier dem av vindicire, z. 
Th. auch auf den Zweivocal au übertragen müssen. 

haud , d. i. havd , war schon Plautinisch. 

Aber auch für aut „oder“ trat nach besten Zeugnissen 
haut ein. 

Mit havd hängt haufugio zusammen ; sodann aber vor allem 
das Präfix a&, av selber, in hab eo, hob eis , in habire, habesse . 
Auch ab tilgt Plautinischen Hiat. Dabei ist bemerkenswerth, 
dass in der Schrift nur a&, nie aber die Präposition ä den 
Spiritus annahm, x ) wofür der Grund schwerlich ein phonetischer 
ist. Vielmehr wirkte hier eben die mächtige Analogie des 
Verbums habere. 

Und eben diesselbe zog habundare nach sich, das allüberall 
zu finden ist, weiter habyssus , habacum , habellanetum . 

Ebenso alt wie Präfix hab war aber wohl auch havrire (oben 
S. 152; 215), dessen h freilich auch sonst durch den Einfluss des 
exhavrire zureichend motivirt ist. 

In der Kaiserzeit kam der Gruss haue und habe zur Herr- 
schaft; aber auch andre Formen des Verbums avere zeigen das h . 

Dazu weiter havdax , hadax, dazu havsterus und Uavster . 

Dazu havctu ; havctoritas; havxerat . 


dass vielmehr das griechische y den obligaten Asper erzeugt habe. Doch 
zeigen die alten Schreibungen nur *, und von ihnen ist notwendig aus- 
zugehen. 

1) Vereinzeltes Hamens ist vielmehr nach hammonitrum , hamicus* 
Hamen und Hambubaiae zu beurtheilen; habero aber, das für a Vero ein- 
trat, verdankt sein h eben dem nachfolgenden Sonanten; ebenso Habeat f* 
avehat. 

B irt, Th., Der Hiat bei PUntm. 18 


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274 


Ferner haves „die Vögel“ und die havspices. 

Ebenso havunculus oder habunculus, havus selbst und havütus . 

Endlich Hafer , das wir hier wohl mit einreihen dürfen. 

Dem Präfix ab stand lautlich ob am nächsten; denn viel- 
fach, und in einzelnen Fällen schon früh, sehen wir beide in 
einander übergehen ; aus avscultare wurde obscultare , wofür Pom- 
pejanisches opsoultare; aus ablatio = dtfatgepa wird im Bibel- 
text von vorn herein oblatio. Vieles derart ist im Rhein. Mus. 52 
Suppl. S. 67 zusammengestellt ; ich füge hinzu habitu f. obitu, 
oben S. 245 ; Digest. I S. 63, 35 ab hinc causam (so) f. ob hanc 
causam; ob hac re öfter f. ab hac re bei Fulgentius S. 19 u. 24; 
obitura f. abit. Seneca epist. S. 60, 27 ; abunco f. ob. Verg. 
Aen. VI 597. So übernimmt nun auch ob die Aspiration des 
hab , und unser Register zeigt hobitum f. obitum; ebendafür so- 
gar habitum S. 260 ; ferner jenes hobligo. das noch im Schweizer 
Idiotikon als hoblischB wieder erscheint (oben S. 196) ; ferner 
hobscenus ; vor allem aber hobstare , das zu hostare assimilirt, 
zur Etymologie von hostium „die Thür“ gedient hat (oben S. 236 ; 
vgl. 263), während die Beseitigung des h in ostis „der Feind“ 
umgekehrt obstare, ostare voraussetzt (S. 241). Daher afz. hostage . 

Hieran lässt sich nun wieder kostende re anreihen und auch 
hoccidit und hoccultus , für die zugleich das Pronomen hoc ein 
Vorbild war. 

Vor allem aber sei geltend gemacht, dass auch das Spanische 
huevo aus ovum und huebra aus opcra ( obra ) hergestellt hat. 
Da die Tenuis (p) vorschlagendes h selten gestattet, wird zuvor 
obra und erst danach hobra y huebra eingetreten sein. 

Genau so entspricht aber auch altspan, huerco und huergo 
(neapol. huorco) dem Horcus , span, hueso dem hossa = ossa. 
So sicher dies spanische h im MA. wirklicher Spiritus asper 
war, so sicher hat dies für das unechte lat. h derselben Zeit zu 
gelten. 

Aber auch sonst erzeugte b oder r, das auf den vokalischen 
Anlaut folgte, rückwirkend hysterogenen vorschlagenden Hauch. 
Denn man kann nicht umhin mit Präp. hab = ab die folgenden 
Fälle zu vergleichen. Vor allem herrscht Hiberus , allem An- 
schein nach an hibernus angelehnt; dazu Hivernia für Irland. 
Weiter aber hebenum oder hevenum genus ligni; und dies drang 
auch in’s Deutsche (oben S. 196). Sodann hebria und hebri- 


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275 


aetatem ; dazu kommt endlich Heutices , Heufemio, Hevhadne , 
Heuryalus , Heurus und die ähnlichen. 

Es bleibt der Einfluss des nachfolgenden Sibilanten übrig. 
Hebt nämlich die zweite Silbe mit Doppelconsonanz an, deren 
erster ein s ist, so schlug wiederum gern ein Spiritus vor. Dies zeigen 
histrio , Uister u. Histria, Hismarus u. Hismenus , Uaspasia u. a. m., 
vor allem hostrea ; und auch in hostium, hostiarius , kostender e 
hat dieser Umstand gewiss wiederum mit eingewirkt. Daher end- 
lich gar die Prothese hispirito , die oben S. 197 f. gewürdigt ist. 

Aber so zweifellos es ist, dass gewisse Umstände die Ueber- 
tragung des h spurium begünstigt haben und dass die Ansteckung 
mit diesem Krankheitsstoffe durch Aehnlichkeit des Silbenanlauts 
erleichtert wurde, so wenig lässt sich das Wuchern desselben 
auf diese Fälle einschränken. Falsches h muss zu irgend einer 
Zeit geradezu epidemisch geworden sein; dass dies nicht erst 
ganz spät geschah, verräth uns jene Warnung des Nigidius: 
rusticus fit sermo u. s. f., und der Unterschied der Zeiten ist 
wohl vornehmlich darin zu erblicken, dass die ältere Latinität 
das unechte A, das sie gesetzlos sprach, nicht in die Schrift auf- 
nahm, dass dagegen die Verfallszeit hierin ungeschulter war und 
also im Ausdruck getreuer wurde. 

Endlich noch Eins. Für die Gleichsetzung des Lautwerthes 
dieses h mit unserem nhd. h sprechen viele Gründe, die im Verlauf 
dieser Untersuchung zur Geltung gebracht sind (s.S. 199 fl.; 268); 
so auch der Vergleich des Spanischen (s. S. 274). Insbesondere 
sei hier aber zum Abschluss nochmals erinnert, dass bei un- 
geschulter Artikulation und in ungepflegter Sprache offenbar ein 
A leicht ein anderes h erzeugt hat ; ich meine Fälle wie de hoc 
hopere , Digesten II S. 391,21 in cod. P, htbi habeamus , hita 
habeatur, ad hexliibendum (Digest. II, 732, 1), hunius horae und 
das Aehnliche (s. S. 204). Auch in heheu , in Hecho , Hochas , 
Hachivi , Hachab dürfte der zweite Spiritus den ersten durch 
zu frühe Verengung der Stimmritze erzeugt haben (s. S. 270,1 ); 
umgekehrt in huhic f. huic (oben S. 183). Hiermit ist nun 
eine letzte Ursprungsquelle für h spurium aufgedeckt. Ein 
solches de hoc hopere und hita habeatur lehrt uns aber zugleich, 
dass die Prothese an vielen Worten nichtständig 
haftete, sondern der Trieb zu ihr nur in gewisser 
Lautumgebung zu spielen begann. 

18 * 


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276 


Öies die monotone und Jahrhunderte dnrchdauernde Ge- 
schichte des h spurium. 

Dieses h gleicht dem Gewässer, das über die Ufer tritt und 
zunächst nur gewisse zugänglichere Niederungen überschwemmt, 
schliesslich aber das ganze Land zu bedecken droht; es gleicht 
der Pest, die vom Erankheitsheerde aus durch Ansteckung zu- 
nächst nur den erlasst, der die Disposition mitbringt, schliess- 
lich aber auch auf jeden Gesundesten überspringt. 

Aber wir brauchen uns nicht mit Gleichnissen zu behelfen. 
Die Erscheinung, so auffällig man sie linden mag, entbehrt 
durchaus nicht hinreichender Analogien. 

Das Althochdeutsche ist schon vorhin S. 201 f. ; 204 zum Ver- 
gleich herangezogen worden , und wir entnehmen daraus, dass der 
Spiritus lenis im Germanischen, d. i. der feste Einsatz des voka- 
lischen Anlauts, der einem Kehlkopfverschlusslaut gleichkommt, 
zeitweilig die starke Neigung gehabt hat bei Aufgabe des Kehl- 
kopfverschlusses in den Exspirationsstoss überzugehen, der dem 
h gleichkam. 

Dieselbe Neigung muss im Lateinischen gewaltet haben. 

In näherer cultureller Berührung mit dem Latein stand 
aber das Griechische, und auch sein unechter Spiritus asper wird 
nicht ohne Nutzen verglichen. 

Wundern wir uns, wie häufig auf römischen Inschriften das 
Cognomen Elpis als Helpis erscheint, dazu dann Helpidius , so 
giebt das Griechische die Erklärung; die Attiker sagten sZmg; 
s. oben S. 157; noch die Vulgärsprache sagte fyfjinurev; l ) das 
h ist also als wirklich gesprochen durch das Zeugniss zweier 
Sprachen gesichert. Dem griechischen i'rog correspondirt sodann 
lat. pentaheteris , und auch für dieses Compositum selbst ist der 
Spiritus im Griechischen oben S. 184 nachgewiesen. So waren 
vornehmlich die Attiker iaGvvuxoi und sagten egya^opca, 

Taog , i<p Varjg u. s. f. In diesen Fällen stand dereinst Digamma. 
Ganz unberechtigtes h sehen wir dagegen vor v durchgeführt: 
vno , vntQ, vdcoQy vGnQov, d. h. vor gewissen Anlauten stellt 
sich hier wie im Latein der Spiritus mit Vorliebe ein; aber er 
vagiert weiter, und man sagte dialektisch Syeiv. vgl. hactum ; 
ständig rjysia&ai : vgl. hegi ; and : vgl. hab ; oxtcS : vgl. hodavus 

1) Mullach, Grammat. der griechischen Vulgärsprache S. 22. 


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277 


oben S. 260 n. 270; aber auch ivväa (nach ima ?) : daher 
henneades bei Censorin; sowie weiter ccvaygccyw, ix = ig 
f. fig, 6<p&aX[i6g u. s. f. An Xnftog gemahnt heques, an vdwg hunda . 
Sporadisches dialektisches eifit' „ich bin“ entspricht dem hest und 
herit oben S. 256. Differenzirender unechter Spiritus findet sich 
in ogog (Grenze) neben ogog (Berg) wie in honos neben onus, 
in kaurio neben aurio (oben S. 215). So wie hic seinen Spiritus 
auf his = is, huius ihn auf heius übertrug, so stammt der un- 
echte in rjtieig aus dem echten in vfieig. dfiagrstv neben rjfji- 
ßgotov erhielt seinen Spiritus, weil es an «/«* anzuklingen 
schien: so tritt lat. homnes neben homines. Die Grammatiker 
bemerkten, dass das Volk avgiov f. avgiov sprach: 1 2 ) gerade vor 
au = av erscheint die Prothese besonders gern auch im Latein.*) 

Wir rechnen in der lateinischen Lautlehre noch zu wenig 
mit dem Irrationalen. Die Geschichte des lat. h kann uns zeigen 
und hat uns gezeigt, wie ein unererbter Laut sich an gewissen 
Stellen des Wortkörpers nachträglich selbst wie aus dem Nichts 
erzeugt, seine Existenz durch Jahrhunderte vertheidigt und durch 
die Macht der Analogie sich auf andere Wortkörper weiter und 
weiter überträgt. Die Lehre der Schule, die die Sprache zum Glück 
correkt weiterzuüberliefern bestrebt war, ignorirte nach Möglich- 
keit solches h spurium; nur der Unerzogene schrieb es; nur der 
Naturalist liess es, auch wo er es nicht schrieb, doch auf seinen 
Versbau Einfluss üben. 

Es gab im Latein noch einen anderen Consonanten, der sich 
nach Art der vermeintlichen Urzeugung der Parasiten scheinbar 
ohne wirkende Ursache einfindet und uns so das Wuchern jenes 
h noch begreiflicher erscheinen lässt. Es ist dies inlautendes 
v spurium, von dessen Existenz freilich der moderne Grammatiker 
keine Notiz zu nehmen pflegt, weil die Zeugnisse vornehmlich 
in handschriftlichen Schreibungen bestehen; wer kann sich um 
solche Varianten kümmern, auch wenn sie schaarenweise auf- 
treten? Ich habe — nach Schuchardt’s Vorgang — auf die Sache 
die Aufmerksamkeit zu lenken gesucht Rh. Mus. 52 Suppl. 
S. 95 ff. und thue es hier abermals, weil sie uns lehrt, wie eng 
connex derartige irrationale Phänomene des Spät- und Mittel- 

1) S. Lentz a. a. 0. S. 643. 

2) Weitere Nachweise bei Thumb a. a. 0. 


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lateins mit der romanischen Lautentwicklung zusammenhingen. 
Wir fragen: wie konnte aus lat. gladius altfrz. glaive, , altcatal. 
glavi hervorgehen ? Es handelt sich hier um unechtes au, sprich 
dt?, im Latein, das, besonders in betonten Silben, für einfachen 
kürzen a-Vocal eintrat, resp. um das Wuchern des v nach a, 
welchem eine Vereinfachung des echten au zu a zur Seite stand. 

Alt ist für Xazofxlat lat. lautomiae , sprich lavtomiae , dessen v entweder 
unerklärbar oder aber aus dem Verlangen herzuleiten ist einen Anklang 
an lapis zu gewinnen. 1 ) Denn v konnte selbst p vertreten; man vergleiche 
die Schreibung lauscmtes für lapsantes , sprich lavsantes, die Löwe Prodrom. 
S. 348 bespricht. Alt ist ferner Oinomavos f. Oenomaus; dazu Menelavus , 
Nicolavus und Danavi (so, Danavi, nicht nur die Hss. desVergil, sondern 
auch des Orosius); daneben auch Trovum , Larisaevos , Sperchivus (so bei 
Riese geogr. lat. min. p. 170,13 in cod. P saec. VII — VIII; vgl. Achivi , 
olivd); weiter evandem f. eandem, Hevautontimorumenus u. a.*) Dem ent- 
sprechend liest man nun auch in den Handschriften seit dem 5. Jahrhundert : 
avt im Sinne von adversativem at (oft), und schon Nonius las so im 
Plautus Capt. 690; der actor erscheint in den Digesten mit gewisser Regel- 
mässigkeit als avctor , ebenda numerata als numeravta u. a. Ebenso wird 
weiter astutus zu abstutus, Astapa zu Abstaba ; suade zu suabde; Xrjdavov 
zu labdanum und lavdanum , axungia zu avxungia (Pelagonius), haruspex 
zahavruspex oder avruspex (oit) \ Marius erscheint wiederholt als Mavrius,*) 
Afranius als Afravnius , axillae als avxillae ; astra als avstra , Haterius 
als Avierius ; Musarum als Musavrum ; 4 ) und statt lascivus steht lavscivus 
bei Schmitz Notae Tiron. tb. 66,45. Sinnvoll wurde so Hecuba zu Heu- 
cuba, Nonius II p. 71,27 in L u. Bamberg. Wenn also bei Avienus Phaen. 
196 der codex V auspice f. aspice darbietet und Breysig hieraus die Ortho- 
graphie adspice erschlossen will,*) so verkennt er die hier besprochene 
Lauterscheinung. Auch im Codice diplomatico Padovano (1877) finde ich 
p. 177 seudimen f. sedimen, aus dem Jahre 1040. 

Dies v spurium war aber nicht nur im Spät- und Mittel- 
latein lebendig, sondern es hat auch im Romanischen seine 
Spuren hinterlassen. 6 ) Dies zeigt eben das Wort gladius. 


1) A. a. 0. S. 79 u. 127 u. 142. 

2) Ib.*S. 32 f. u. 200. 

3) Vgi. auch a. a. 0. S. 203. 

4) A. a. 0. S. 56. 

5) Philol.^ Abhandlungen, M. Hertz dargebracht, 1888 S. 57. 

6) Auch anglo-normannisch liest man Fraunce statt France, 
ebenso Irlaunde , auns'creauttce , graunt , permettaunz , taunt, quaunt u. s. f.» 
aber erst seit dem 13. Jhd.; s. J. Stürzinger, Orthographia Gallica (1884) 
S. XXXIXy hängt dies mit Obigem zusammen? 


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Bei Jordanes S. 31,30 lesen wir zunächst gladius für den 
Namen Claudius in allen Hss. So steht nun aber auch um- 
gekehrt bei Plautus Rud. 841 Claudius für „das Schwert“ ge- 
schrieben, schon in P; das ist glavdius . Dasselbe glavdius 
findet man buchstäblich wieder in dem Glossar Corp. gl. III 
S. 77; dasselbe glavdius im Codex Theodosianus 1 32, 2. Dazu 
kommt in des Aethicus Cosmographia p. 67 gaudio , wo wir 
wieder gladio verstehen müssen. Hier waltet also kein Zufall; 
unechtes v hatte sich, dem kurzen a nachschlagend, in diesem 
Worte festgesetzt; dies ist jedenfalls der Diphthong au, der im 
Alterthum als Kürze galt. 1 ) Aus glavdius ging sodann weiter eines- 
teils (/iodws hervor (wie plostrumsms plavstrum); sogeschrieben 
Valer. Maximus ed. Kempf 2 S. 288, 24 in A; anderentheils glavus 
mit Ausreibung des tf; sogeschrieben bei Nepotianus; s. Kempf 
a. a. 0. S. 617,24. Und so erklärt sich dann auch, dass die 
Glossare uns gau darbieten, Corp. gl. II S 31, wo glau 

zu lesen und glav zu sprechen ist. 

Eben dies selbe glardius , glavius ist nun eben im afrz. 
glaive , altcatal. glavi genau erhalten; 2 ) es bestätigt sich, dass 
diese Sprechweise wirklich volksthüinlich verbreitet war, und 
das Romanische garantirt uns hier das unechte v des Mittel- 
latein ebenso wie span, hinchar = inflare, huergo — Orco u. a. 
uns das unechte h im Volkslatein bestätigt. 8 ) 


1) Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 101 f. 

2) Meyer-Lübke I S. 303 belegt unechtes v nur^als Vermittlungslaut 
intervocalisch : südital. puweta f. poeta; nordital. sova f. sua; neap. statola 
statt statova f. statua. So betrachtet man auch in portug. ouvir und ähn- 
lichen Fällen das unechte v als Hülfe, den Hiat im Wort zu verhindern. 

3) Auch für den Schwund des d in glavius , glavus , glaive, also nach 
u oder v, einige Analogien. Im proven$alischen Girart de Roussillon v. 96 
giebt der cod. P(arisinus) Esdauia statt Esclaudia mittellateinisch steht 
lavatismus f. labdacismus sowie portug. ouvir für audire (Rh. Mus. 52 Suppl. 
S. 120). Insbesondere war mir werthvoll zu sehen, dass der ehrwürdige 
Vergilcodex V einmal hau für haud auch vor einem Vocal darbietet: hav 
umquatn Georg. III 357; denn dasselbe bot gewiss die Urhandschrift des 
Properz an der denkwürdigen Stelle 1124,38, welche lautet: 

Nobilis et quamvis navita dives eras. 

Aus diesem sinnlosen navita ist bekanntlich der absurde Name Propertius 
Nauta hervorgegangen ; der Diehter aber hatte vielmehr von sich gesagt: 


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280 


X. Verlust des h im Romanischen. 

Ans dem Vorgetragenen ergiebt sich endlich die Annahme 
als nothwendig, dass, da die Sprechung des Spät- und Mittel- 
lateins mit der Sprechung der lateinischen Bestandteile der 
romanischen Sprachen eng connex gewesen sein muss, das Vor- 
dringen des stummen h in diesen Sprachen nicht früher als in 
den Beginn des 10. Jahrhunderts gesetzt werden kann. Bieten 
sie uns Thatsachen dar, die eine solche Annahme unmöglich 
machen ? 

Wir haben dargethan 1) dass das im Spät- und Mittellatein 
geschriebene h genuinum und spurium auch wirklich gesprochen 
wurde; 2) dass das Wuchern des h spurium eine rustikane Er- 
scheinung war, die bis in das 10. Jahrh. lebendig blieb und also 
auch auf das Romanische Einfluss gewinnen konnte ; 8) dass die 
Kunstdichter der Carolingerzeit , wie vor ihnen Venantius For- 
tunatus in Frankreich, sich an die volkstümliche Aussprache 
anschlossen, wenn sie das lat. h als Consonanten im Versbau 
verwendeten. 

Unsere Romanisten behaupten nun den Schwund dieses h 
im Romanischen als etwas Selbstverständliches, und das so um- 
sichtige und allseitig lehrreiche Werk Meyer-Lübke’s sieht von 
den eventuellen Nachwirkungen der lateinischen Aspiration ganz 
ab. Einen Beweis für diese Voraussetzung aber sehe ich in der 
Litteratur, die mir bekannt geworden ist, nicht erbracht; und 
er dürfte sich schwer erbringen lassen. 

Wohl aber lassen sich Anzeichen finden, die das von mir 
erhobene Postulat zu bestätigen und zu erhärten scheinen. 

Vom Walachischen und Rumänischen sehe ich dabei ab , wenn 
schon auch sie in lateinischen Stammwörtern anlautendes h noch 
kennen. 1 ) 

Aber auch das italienischeÄ mag im Dunkeln bleiben, 
von dem man ansetzt, dass es „frühzeitig und spurlos ver- 
stummt ist“. 2 ) Wir kennen diese Sprache, und zwar nach Ur- 

haud ita dives eram. Was stand im Original? Gewiss nicht haud %ta y 
sondem^ILlF ITA. Das’d schwand nach t>, auch wenn ein Vocal folgte. 
Die Irrung geht bei Properz somit auf Capitalschrift zurück; H ist mit N 
vertauscht. 

1) Vgl. z. B. Diez I 4 S. 276. 

2) W. Meyer-Lübke Ital. Grammatik S. 93. 


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künden, in Wirklichkeit erst vom Jahre 1280 an, und auch die 
italienischep’oesie beginnt erst im 13. Jhd. Die Zeitspanne vom 
9. bis zum 12 Jhd. würde hier also Raum genug für den Process 
des Verlustes der Aspiration darbieten (vgl. oben S. 224 f.). In der 
Schrift, besonders nach älterer Orthographie, hielt sich jedoch das h 
in ho hai ha hanno, haveva , havendo, humo, humilimente, honorevole 
u. a. Ich greife die Canzonenhandschrift Magliabechianus Pala- 
tinus 418 eben dps 13. Jahrhunderts heraus ; sie schreibt das h 
z. B. stets in homo, honor mit seinen Ableitungen, honesto und 
habito. 1 ) Ja, noch im 17. Jhd. hatte die Schreibung des h viele 
Anhänger. 2 ) Für das 15. Jhd. aber verräth uns Pseudo-Apuleius, 
dass die Italiener, sowohl wenn sie lateinisch sprachen, als auch 
in deü Namen Heinricus , Humbertus den Spiritus noch deutlich 
anschlugen ; und die Ausführungen des Tortellius und des Pon- 
tanus sind angethan dieselbe Vorstellung zu erwecken (oben 
S. 166 f.). 

Vielleicht haben die italienischen Dialekte dauernde Nach- 
wirkungen des h aufzuweisen. Ich kann dem nicht nachgehen 
und erinnere nur wieder an das Sicilische, das schon öfters 
herangezogen wurde. In den sicilischen Dialekten erscheint die 
alte Aspiration in dreifacher Gestalt erhalten, zunächst als j 
und als g ; ihr jerba scheint für herba, jeri für heri, jedira für 
hedera, gora für hora, gavia für habebat das Kehlkopfgeräusch 
zu bezeugen, das leicht in den Spiranten übergeht (oben S. 8 f.). 
Aber auch das h spurium spüren wir hier; denn ire erscheint 
als jt’ri, eamus inde als gamuninni (zunächst allerdings aus 
iamus inde zu erklären) , altus als jäutu , aperire als japriri , 
erat als jera oder als ghera, est als ghb, s. F. Wentrup a. a. 0, 
S. 24, 4. Das Wichtigste aber ist, dass dortselbst auch das reine 
h sich erhalten hat; denn Wentrup fügt hinzu: „in manchen 
Orten (Sicilien’s) tritt dafür der Spiritus asper ein; 
d. h. es ist das in den meisten Wörtern ursprüng- 
liche h geblieben.“ 

Wenn nun auch für das Neapolitanische Vorschlag des j 
notirt und mit jeremmo = heremus, jesce = exi, jere = eras 


1) S. C. N. Caix Le origini della lingua poetica italiana, Firenze 1880, 
S. 181. 

2) S. L. G. Blanc, Grammatik der ital. Sprache S. 55. 


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282 


belegt wird, 1 ) so wird dies nach dem Vorstehenden zu be- 
urtheilen sein. 

Schliesslich sei betont, dass, wenn h als unterscheidendes 
Schriftzeichen beliebt worden ist, um in Worten wie it. chi — 
qui, ricco richi u. a. die palatale, resp. sibilirende Aussprache des c 
vor i und ezu verhindern, hieraus gegen den Lautwerth des h nichts 
gefolgert werden kann. Denn dies Verfahren hatten die Vulgär- 
sprachen bekanntlich mit dem Mittellatein jener Zeiten gemein ; 
auch für das Latein giebt der Usus der Librarii Arachinthum 
f. Aracynthum (Sid. Apollinaris), chonchae, Chirrea (Claudian, 
Veronensis), Chypri f. Cypri (Vaticanus des Claudian) und ähn- 
liches massenhaft die Hss. seit dem 5. Jhd.; 2 ) in denselben Hss. 
sind aber auch bei nachfolgendem a oder o Schreibungen wie 
archana, Archades, conchava, coruscho, anchora , Chorintho u. ä. 8 ) 
üblich. D. h. die Verwendung des h als diakritisches Zeichen 
im Italienischen ist von der Aspiration des Gutturalen im Mittel- 
latein ausgegangen und verräth das Bewusstsein, dass der Laut- 
charakter des h eben der eines Kehllautes war. 

Im Gegensatz zum Italienischen steht das Spanische. 
Denn das h genuinum hat sich im Spanischen graphisch treu 
erhalten in haber, habil , honor, huesped (hospes), huerto (horto). 
Man vergleiche noch: 

span, hiedra = hedera, neben ital. edera, prov. edra. 

catal. herba , span, yerva , portug. herva neben itaL erba , prov. herba , 
frz. herbe. 

cat. hereu = heres, dazu span, das Verbum heredar nebst heredero; 
übrigens ital. erede; sard. herede ; prov. er-s ; fz. hoir; h&ritier. 

cat. und altspan. Ät = hic („hier“); span, ahi aus ad-hic; dagegen prov. 
und fz. i (resp. y). 

span. fcoy = hodie; port. hoie; afz. hui ; dazu prov. und afz. hu(e)imais. 

cat. hörne = homo; span, hombre ; ital. uomo; prov. hom; fz. homme 
neben on. 

Dagegen cat. ivern, altspan, yvierno = hibernum; nur fz. mit h: hiver. 

Daneben zeigt sich im Spanischen das h spurium in hin- 
char = inflare, henchir = implere, das dem in hinsidiae ent- 


1) S. G. L. Wentrup Beiträge zur Kenntniss der neapol. Mundart, 
Wittenberg 1855 S. 14. 

2) Vgl. Alchides Aen. 8,256 (M) u. a. 

3) Vgl. schon bei Vergil Fhorchus Aen. 10,328 (P. u. R), coruschus 
Georg. 1233 (M). 


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283 


spricht 4 (s. S. 271); dazu hedrar = iterare. ') Insbesondere kehrt 
lat. hervum im span, hiero „ervum“ wieder. Ferner aber ist 
der Spiritus im span, hneso mit dem in hossa f. ossa, (s. S. 159), der in 
huebra mit dem in hopus (oben S. 274), der in huele mit dem 
in holfacere (s. S. 260) zu vergleichen. So gewiss dereinst span. 
huesped und huerto mit Hauch einsetzte, so gewiss darf dieser 
Einsatz auch für hueso, huebra und huele gelten.*) Dazu kommt 
nun portug. hum = unus ; he — est ; hir = ire ; hestromento 
u. a. ; 8 ) vgl. oben hunus , best und hire S. 264 ; 256; 258. 

Breiten Raum nimmt endlich und vor allem dasjenige h 
im Spanischen ein, das aus f hervorging, wie in haba aus faba, 
hacer aus facere, hierro aus ferro. 

Für dies span, h gesteht man nun zu, dass es im ganzen 
Mittelalter, ja bis in das 16. Jhd. hinein, noch gehört worden 
ist, und zwar nicht nur für das in haha = faba, sondern auch 
für das in hinchar und in heredar. Daher steht eben auch in 
diesen drei verschiedenen Fällen ein und dasselbe Schriftzeichen. 
Wichtig ist, dass auch die altspanische Yerskunst gerade so wie 
das Volkslatein das h forte kannte. Man führt dafür Hiate an 
wie esta | hermosa und vierte \ herido\ alta \ haya; no \ hallaba. 
Aber auch das h spurium funktionirt ebenso, und Calderon misst 
pobre | huerfano sowie y \ hielo. Ja , dies h wird noch heut- 
zutage dialektisch als g gehört, und das Volk spricht gueso und 
guesped für os und hospes. 4 ) 

Wie ist diese Thatsache zu erklären? Die Hypothesen, 
dass die Goten und dann wieder die Araber in Spanien zur 
Belebung des erstorbenen lat. h beigetragen haben, sind nach 
ernsthafterer Ueberlegung aufgegeben worden, und man flüchtet 
zu der Annahme, die älteste Ursprache der Halbinsel, das Iberische 
selbst, habe auf die lateinische Aspiration so verstärkend ein- 
gewirkt. 6 ) Nur wissen wir von der Stärke dieses alten iberi- 

1) Ygl. Diez S. 302. Auch htuma „ Geruch“, aus oojui}, und huata, 
ital. ovata (Watte). 

2) A. Paul a. a. 0. S. 32 irrt, wenn er den Anlaut dieser Worte im 
Latein als rein vocalisch ansetzt. 

3) Reinhardstöttner, Portugies. Grammatik (1878) S. 105. 

4) A. Paul a. a. 0. S. 32. 

5) Dies die Ansicht Biondelli’s; ähnlich Schuchardt Yocal. III S. 37 u. 
39; A. Paul S. 30. 


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284 


sehen h nichts, nnd man flüchtet also zu einer unbekannten 
Grösse. Znm Glück ist auch diese Annahme überflüssig. Denn 
es ist eben nicht nachweisbar, dass das h in Spanien je erstorben 
war. Wir erblicken also im spanischen h thatsächlich vielmehr 
die treue und unmittelbare Fortsetzung des echt lateinischen* 
das von Plautus zu Martial und zu Prudentius weiterging. Wenn 
an Kaiser Hadrian, dem Spanier, auffiel, dass er das Latein allzu 
bäurisch sprach, agrestius pronuntians (script. hist. Aug. Hadrian, 
c. 3) , so dürfte auch er schon, wie später der Dichter Albarus, 
zu oft und an falscher Stelle aspirirt und ihn der Tadel des 
Nigidius von der rusticitas perperam aspirandi getroffen haben. 
Ebenso heisst es aber schon früher vom Rhetor Porcius Latro, 
dem Spanier, dass er die Sprechstimme nicht übte und die 
starke und bäurische spanische Aussprache — fortem et agrestem 
et Hispanae consuetudinis morem — nicht ablegte: s. Seneca 
Controv. I praef. 16. Auch hierfür darf dasselbe Symptom mit 
in Betracht kommen. Betreffs der Orthographie der spanischen 
Handschriften, vor allem betreffs des Wucherns des unechten h 
beim Dichter Albarus verweise ich auf S. 229 ff. u. 210 f. zurück 
und gehe^weiter. 

Für das Provenpalische, das zuerst im Boetius und im 
Girart de Roussillon vorliegt, fehlt es an hinreichenden Indicien, 
um die herrschende Ansicht, dass schon in diesen frühesten 
Monumenten die Aspiration unstät, unsicher und vielleicht schon 
ganz stumm war, in Zweifel zu ziehen. 1 ) Nicht so für das 
Altfranzösische. 


1) Freilich wird prov. h noch recht fleissig geschrieben, und dasselbe 
Schriftzeichen^A wird in emphatischen Ausrufen wie in ahi (Girart de Rouss. 
y. 51) sicher einen Hauch ausgedruckt haben; dasselbe A bedeutet aber 
sogar einen Spiranten in senhors , companh , companhia . Warumgfwurde in 
diesem Falle just A und nicht % oder g beliebt ? Weil einfaches A auch 
sonst dem Werth des j nahe kam, sowohl intervokalisch (oben S. 184 f.) 
als auch im Anlaut (vgl. Herocles S. 182). Weiter wurde vindemia zu 
i nndemnha, cambiare ergab escamnhar ; also auch hier h=j (vgl. Rhein* 
Mus. 54 S. 225). In der Plainte de Notre Dame steht nicht nur planh f. 
planctus v. 1, flh f. filius v. 8, sondern auch für Elias Hdy, Hdy v. 89 
mit Beibehaltung der altkirchlichen und mittellateinischen Orthographie. 
Nicht anders steht auch im Auslaute das A, jund die Handschriften geben 
in der Uebersetzung ausJSt. Iohannes cp. 13,10 u. 11 als gleichwerthig 
sowohl tuih wie Puch wie tug wie tuit; das h war also auch hier gewiss 


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285 


Souchier fügt in Gröber’s Grundriss der roman. Philologie I 
S. 585 seinem Urtheil über proven^alisches A folgenden Satz 
hinzu: „Nur das Französische besitzt den von den Franken 
importirten Laut — nämlich h — , den das Latein schon in 
der ältesten Zeit eingebüsst hatte.“ Zum Beleg für jenes frän- 
kische A, das im Altfranzösischen allein als vorhanden gilt, wird 
dann frz. herde, fränkisch hirda , frz. hacke, fränkisch hapja 
angeführt. Jener Satz lässt sich, wie jeder sieht, nicht mehr 
aufrecht erhalten, da er, was das Latein betrifft, zu Boden ge- 
fallen ist. 

Es ist auch nicht wohl einzusehen, weshalb jene Alt-Fran- 
zosen, wenn sie das A in herde und hacke, in halbeix und havre 
wirklich zu sprechen im Stande waren, es mit dem in hui = 
hodie, in hoir — heres u. s. f., das sie doch trotz der starken 
Umgestaltung der Worte in der Schrift noch immer sorglich 
beibehielten, von vorn herein anders gehalten haben sollen. 
Thatsächlich lag die Sache umgekehrt, und die Franken über- 
nahmen, wie die Goten, das Schriftzeichen A aus dem Latein, 
weil die lateinische Aspiration der fränkischen ähnlich war: 
denn nur so wird diese Uebernahme verständlich (oben S. 12; 122). 
Und so ist denn bei den Carolingischen Latinisten das A des 
lateinischen Wortschatzes mit dem der fränkischen Eigennamen 
im Verse durchaus nach gleichem Princip behandelt worden: 
das eine wird wie das andere bald verschliffen, bald ist es im 
Stande den Hiat zu verhindern (s. S. 168; 176 f.). 

Woraus soll man nun entnehmen, dass das afr. A im 10. Jhd. 
stumm war? aus der altfranzösischen Verstechnik, die elisions- 
fähige Vocale auch vor A allermeist elidirt? Das aber warSache 

nicht stumm. Hiate endlich, die auf Einfluss des (z. Th. nicht geschriebenen) 
anlautenden h zurückgeführt werden könnten, finde ich Boece v. 152 
d en Ihesu que | ac tan bo talent; 

Girart de Roussillon 1 30 

Aoste | e Seuse e Avignon 
(über he f. et vgl. oben S. 257); ebenda v. 129 

E amerai vos mais que | ome nat. 

Auch in Versen wie bei Marcabru 40 

C’us a Deu non porta honor 
könnte das h noch die Vocaltrennung erleichtert haben. 


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{der Kunsttheorie; auch im Griechischen und auch bei Vergil 
hat das h jeden prosodischen Werth verloren, und trotzdem kann 
niemand folgern, dass dem Vergil oder dass dem Aristophanes 
die Aspiration fremd war. Auch die poetae aevi Carolini ver- 
halten sich in der Zulassung des h forte ganz verschieden, und 
wenn es in den Carmina centulensia oder beim Agius massen- 
haft auftritt, (oben S. 172), fehlt es nahezu in der Vita S. Ger- 
mani des Heiricus (s. S. 174). 

Wenn z. B. noch im Lyoner Ysopet 1 ) des 13. Jhds. das h 
im Allgemeinen geschrieben wird, auch gelegentlich an falscher 
Stelle erscheint, das Verstummen desselben dagegen und zwar 
auch des fränkischen h aus Elisionen wie Vonte , Vardi , Veit 
gefolgert wird, 2 ) so kann ein h omissum allerdings bis zu einem 
gewissen Grade für eine solche Folgerung benutzt werden 
(s. unten), die Elision selbst aber ist kein zwingendes Argument. 
Denn Plautus wie Venantius Fortunatus elidirten den Auslaut 
vor h in unzähligen Fällen, ohne dass wir behaupten dürften, 
das A, das in dreisilbigem Ille homo undeutlich wurde, sei auch 
sonst nicht gehört worden. 

Ein zweites Argument wäre sodann eben aus dem ortho- 
graphischen Usus selbst herzunehmen. Aber die Schreibung des 
h wurde ja eben in den meisten Wörtern lateinischen Ursprungs 
zunächst nicht abgeschafft. 

H aspiree liegt in haleter , hennir , heros u. a. vor. Aber 
auch die sog. h muette schrieb das Altfranzösische anfangs noch 
getreu und wacker in herbe , hoir und hcritier (herite) , in 
komme , hommeau , hiver , hier , hui (hodie), honor, honeste , humble . 
Alsdann erst setzte im 12. und vor allem im 13.Jhd. eine gründlichere 
Aphärese in der Schrift ein, 8 ) ein Anzeichen, dass das Ver- 
stummen der Aspiration erst damals allgemein wurde, und die 
Gelehrsamkeit des 16. Jhds. befleissigte sich dann, das h endlich 
in all diesen Fällen wiederherzustellen. 4 ) Wenn man sich in 


1) ed. Förster 1882. 

2) S. A. Paul a. a. 0. S. 23. 

3) Auch hynnes (hymni) steht noch bei Herman de Valenciennes, Bible 
de Sapience, 12. Jhd. 

4) Vgl. noch hamegon , herce (hirpex), honnite , Honneur , heure , 
horreur , höte , humeur (s. A. Scheller Transformation fran$aise 
des mots latins S. 184); sowie die Lehnwörter aus dem Latein habile , 


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287 


hui entschloss das d von hodie zu beseitigen, weil man es nicht 
mehr hörte, warum nicht auch das A, wenn es doch gleichfalls 
stumm war? Auch im afz aherdre , aerdre - adhaerere scheint 
zuerst das d und später der Spiritus gefallen zu sein. 

Afz. girarchie aber sowie Jerosolimes , jacente (hyacinthus) 
zeigen Umgestaltungen des Anlauts, die nach geron f. Ugor, 
hieorgici f. georgici, oben S. 181, einzuschätzen sind. 

So weit das h genuinum des Latein ; es folgt das h omissum. 
Dies war das Präcedens und hat die schwankenden Schreibungen 
in atz. habiter und abiter , heir und eir , host und ost hervor- 
gerufen oder begünstigt; dazu oc (hoc), ord (horridus), ort 
(hortus) , urondelle ; vor allem aveir und eü, später auch wieder 
havoir und heü . 

Kommt dagegen frz. öter von haustare , so war das lat. h 
hier unecht, und das Französische hat vielmehr den alten und 
echten Anlaut des aurire , ausfus bewahrt (s. S. 215). 

Nicht weniger erklärt sich nun aber auch das 
wuchernde h spurium des Französischen aus dem 
hspuriumdes Latein; man wolle die betr. lat. Wörter in dem 
Register S. 250 ff. aufsuchen : hermite stammt aus heremus , hirisson 
aus hertcius , herse aus herpex , haveron aus havena (S. 147), horer 
(orare)aus horare her; dialektisches hun ~ unus wird für Franche- 
Comte notirt ; vgl. hunus ; ebenso stammt humbre aus humbra, 
heul (aieul) aus havus (S. 254), haieine mit Metathesis aus hanelare 
(vgl. S. 203), heingre aus haeger ; nicht anders erklären sich habon - 
dance und habandon , heur (augurium S. 254), haage s. haetas, hikble 
(hebulum), dialektisch auch jöble, 2 ikble l )\ hostage zu hobstare , 
s. S. 274. Endlich entsprang hueil aus hoculus , huit aus hocto , 
huis und huissier aus hostium , hostiarius , huUres aus hostrea\ 
zu Huistace — Eustache vgl. Heutyches u. ä. oben S. 257. 
Sodann wohl auch huile aus holeum . 

In den letzten Worten ist ui aus ö indirekt und durch ü 
entstanden. Dass aber grade bei ihnen an der Schreibung des 
h spurium so festgehalten worden ist, wird durch folgende ortho- 


habiter , humaniU u. s. f.; auch hirondelle im Gegensatz zu vfz. arondelle; 
s. oben S.235 . 

1) Vgl. die Zusammenstellung bei Süpfle De PH initiale dans la langue 
d’oll, Gotha 1867, S. 4. 


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288 


graphische Ueberlegung begreiflich. 1 ) Da in der Schrift bis 
zum 16. Jhd. u und v noch nicht gesondert wurden, so hätte 
die Schreibung uile zur Lesung die mit consonantischem u ver- 
führt; das h brachte also die vocalische Natur des u zur Anzeige. 
Daher empfahl Henri Estienne im 16. Jhd. neben der Ortho- 
graphie huistre die andere ouystre , und zwar diese als dife bes- 
sere. 2 3 ) Er hörte also das h nicht mehr. 

Endlich ist für frz. haut , kurier , huppe behauptet worden, 
dass sich ihr h durch Einfluss des deutschen AocA, heulen und 
Wiedehopf eingefunden habe, 8 ) ein Vorgang, der m. E. söhon 
an sich sehr geringe Wahrscheinlichkeit hat; solche Behauptung 
überflüssig zu machen, genügt der Hinweis auf lat. hululare 
und auf sicilisch jäutu = altus. Statt hurler steht huller im 
Roman Berte au grand pied, und zwar in einem Verse mit 
deutlicher Allitteration : 

Ces leus oi huller et li huans hua. 

Hier wird uns das Heulen der Eulen und Wölfe anschaulich 
gemalt. Aber auch das durch huppe vorausgesetzte lat. hupupa 
kann ich belegen; in den ahd. Glossen zu Vergil und Plinius, 
cod. Parisinus n. 9344 saec. XI, steht thatsächlich ahd. wideopa , 
lat. hupopa . 4 ) 

Um nun den Process des Verstummens der Aspiration wirk- 
lich zu verfolgen, würde es geboten sein, die Zunahme des h 
omissum in den altfranzösischen Schriftmonumenten genauer 
wahrzunehmen. Es würde sich heraussteilen, dass h an gewissen 
Wörtern und Wortformen mit grösserer Ausdauer haften blieb 
und vorzugsweise nur in gewissen Formen von den Schreibern 
aufgegeben wurde; eine Verschiedenheit des Verfahrens, die auf 
einem Grunde beruhen muss. Ich kann hier nur in aller Kürze 
auf einige der ältesten Monumente einen Blick werfen. 

Im Eide Ludwigs des Deutschen und im Soldateneide des 
Jahres 842 (bei Neithard) steht nur om für „man,“ wofür ich 

1) Nicht aber aus lautlichen Gründen; dass anlautendes m stets mit 
Hauch einsetzen müsse (A. Paul a. a. 0. S. 22), kann nicht zugestanden 
werden. 

2) S. Ch. L. Liyet, Le grammaire fran?aise et les grammairiens du 
XVI. Siede S. 492. 

3) Max Müller, Kuhn’s Ztschr. V S. 11 ff. 

4) Vgl. Garke a. a. 0. S. 72. 


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289 


auf S. 218 verweise; sowie in o f. in hoc: also Aphärese zu- 
nächst nach der Präposition. Dagegen steht hier in der Hs. 
in cad huna cosa , so getrennt ') ; vgl. huna vertat unten. 

In der S. Eulalia des 9. bis 10. Jhds. kehrt dann o für hoc 
wieder; ausserdem nur Aphärese beim Hülfsverbum avret, 
avuisset und out („hatte“). Dem steht daselbst honestet ent- 
gegen; das Substantiv ohne Enklisis behält das A. 

Lehrreich ferner das Gesetz Wilhelms des Eroberers, etwa 
aus dem Jahre 1069. Es kennt die Aphärese wieder nur in 
den Formen des Hülfsverbums : out , ad (habet), unt (habent), 
aveit y avraty auch auueraty averat oudy avereit ; ausserdem nur 
noch in ure = heure ; richtig steht uit f. octo. Dagegen finden 
wir aber wieder honours mit h § 12; vor allem constant home. 
Es bestand also zwischen * avoir und komme ein offenkundiger 
und deutlich wahrnehmbarer Unterschied ; denn home hält an 
dem Spiritus erstlich da hartnäckig fest, wo es „Mensch“ oder 
„Mann“ bedeutet; also auch as hommes ; frans koem (homme 
libre) ; zweitens aber auch in der Bedeutung „man“ in allen 
den Fällen, wo nicht der Artikel le davor tritt: vgl. § 12 Aom; 
§ 41 fin. und 42 hun ; mit dem Artikel dagegen nur Vun § 41 ; 
43; 45 oder Vum § 9; 33. Besonders deutlich ist der Unter- 
schied des Verfahrens § 43: rende Vun al hum soun chately wo 
ad hominem zu verstehen ist. Es ist also klar, dass nicht die 
Schwäche des A, sondern vielmehr die des e im proklitischen 
le an dieser Aphärese die Schuld trug; lehum wurde in der 
Aussprache zu lhum\ nachconsonantisches A aber liess sich nicht 
schreiben und ging für die Wahrnehmung alsbald verloren. 
Ebenso und nicht anders steht es aber auch in der Combination 
Verite (= Pheritage) daselbst § 36. 

Dies bestätigen die sonstigen älteren Monumente. Auch la 
Passion du Christe (10. Jhd.) schreibt — ausser beim Hülfs- 
verbum — regelmässig noch A: humil confession ; wiederholt 
grand honor\ hi f. y „dort;“ sogar hebraice , Heli Heli , Uerodes ; 
endlich mit h spurium huna vertat („eine Wahrheit“). Ebenso 
die Vie de Saint Leger (10. Jhd.): humddiet , horaly öfter honor 
und honorez y dagegen aber Vonorat sowie eng verbundenes 
nul omne für „keiner.“ Ebenso giebt die Vie de Saint Alexis 

1) Vgl. G. Paris in Miscellanea di filol. e linguistica (Firenze 1886) S. 88. 

Birt, Th., Der HUt bei Plautua. 19 


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— 29Ö 


(ll. Jhd.) stets rices hom, boens hom, samt hotne , ses humes, 
pur hoc , nepurhuec (pourtant), humditet , de halt parentet , Äors 
de, (aber osteZ Strophe 45), stets auch honur und honurede , 
dagegen wieder Vonurent Strophe 37. Und auch in den Quatre 
livres des rois scheint es ähnlich zu stehen, wo I cap. 2 le 
humble nicht apostrophirt wird, dagegen ost deshalb durchdrang, 
weil es in den Verbindungen Vost , del ost , al ost vorkommt; 
ebenso Vum „der Mensch.“ 

Dieser Thatbestand lässt keinen Zweifel zu. Der Unter- 
schied der romanischen Schriftwerke von den mittellateinischen 
besteht darin, dass jene, dem Einfluss des Schullateins voll- 
ständig entzogen, Formen nnd Laute endlich ganz rückhaltlos 
in der Schrift so Wiedergaben, wie man sie im Volk hörte oder 
zu hören glaubte. Das beflissene Weiterschleppen des anlauten- 
den h hatte also keinen Sinn, wenn es schon gänzlich für die 
Wahrnehmung entschwunden war. 

Dies wird weiter durch die Sorgfalt bestätigt, mit der wir 
die Schreiber für das h omissum ihre Auswahl treffen sehen. 
Sie unterdrücken das h in aveir, 1 ) demnächst im Demonstrativ 
o, in den sonstigen einschlägigen Worten halten sie dagegen an 
ihm fest, ein planmässiges Verfahren, das nicht zu begreifen 
wäre, wenn es nicht bestimmten Thatsachen entsprach. 

Dies planmässige Verfahren duldet aber wieder eine ganz 
bestimmte Ausnahme: nur bei. der Proklisis des Artikels oder 
Demonstrativums le wird h wirklich fallen gelassen. Auch dies 
augenscheinlich ein gesetzmässiger Vorgang. Und wir stellen 
die Frage: da man in Veritt, l'un, Vonorat dasÄ augenscheinlich 
deshalb unterdrückte, weil man es hier nicht hörte, Gründe der 
Pietät oder der Analogie also in diesem Fall dahin nicht wirkten, 
das h zu retten, was in aller Welt hat denn eben dieselben 
Schreiber in allen sonstigen Fällen veranlasst, das stumme h 
trotzdem zu conserviren in as homtnes , rices hom , saint 
home, humilitet, honur u. s. f. u. s. f.? Das/*, das man nicht 
hörte, wurde eben, wie Vum, Vonorat zeigt, auch nicht geschrieben. 
Eine Antwort auf die gestellte Frage lässt sich also nicht finden, 
es sei denn diese: dass das h hier thatsächlich noch nicht ver- 
stummt war. 

1) Belege für erhaltenes h in Formen von avoir giebt E. Koschwitz, 
Commentar zu den ältesten franz. Sprachdenkmälern S. 145. 


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291 


Erst die archaisirende Renaissance hat künstlich die Aspi- 
ration in der Schrift restitnirt. Das gehörte zu ihrem Wesen. 
Für die naiveren Zeiten, die ihr voraufliegen, muss im Grossen 
und Ganzen der Satz gelten, den wir des öfteren betont hnben: 
geschriebenes A verbürgt die Aspiration, ungeschriebenes A ver- 
bürgt noch nicht, dass sie fehlte (vgl. S. 231). 

Ich glaube demnach , dass das Altfranzösische jener Zeiten 
in Wörtern wie komme und honnear die Aspiration in derThat 
noch zu Gehör brachte und dass zunächst nur nachcon- 
sonantischesA schwand, wozu die starke Proklisis 
des Artikels Anlass gab. 

Weniger Gewicht möchte ich auf gewisse Hiate in der afz. 
Verskunst legen. Doch ist ihre Erwähnung unerlässlich. Denn 
diese Hiate existiren, und der Verdacht ist nunmehr nahe gelegt, 
dass auch in ihnen vielfach eben noch Nachwirkungen des alten 
h sich wahrnehmen lassen. So in den Versen, die Nyrop Gramm. 
S. 230 anfuhrt: 

St. Leger v. 48: De|Hostedun evesque en fist; 

Roman de Rou II y. 1932: Li dus Wille |ame est en an batel entrez; 

oder die von Scheler S. 133 citirten aus Froissard’s Paradis 
d’amour : 

Que | hommage tu li fesis. 

Des painnes que je | ai | eües. 

Pour ce | ai mis sus toi les mains. 

Wie nahe liegt es hier, an die Aspiration von habere zurück zu 
denken! Dagegen an himago (oben S. 258) in dem Verse: 

Que | image fait de peinture. 

Ich kann auf den hiermit aü geregten Untersuchungsgegen- 
stand nur hinweisen und muss an ihm vorübergehen. Doch ist 
es verlockend zum Schlüsse wenigstens das erste grosse Monument 
des Altfranzösischen, die Chanson de Roland, etwas genauer eben 
daraufhin anzusehen. Dies Werk kennt zunächst das h empha- 
ticum, wie in aAf, so auch im Naturlaut Au, v. 2064 : 

Dune recumencent e le hu e le cri, 

welcher Vers sich ohne Elision lesen lässt. Im Uebrigen wird 
das anlautende A in der Oxforder Haupthandschrift dieses Epos 
noch ebenso häufig geschrieben wie weggelassen. 1 ) Ueberdies 
aber besteht kein Zweifel, dass es die erhaltenen Handschriften 

1) S. Gautier zu y. 3 u. 147. 

19* 


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292 — 

viel öfter unterdrückt haben als dies im ersten Original der 
Chanson der Fall gewesen war. Die Editoren, die im Liede 
z. B. die Orthographie hostages gegen die Hss. durchführen, 
setzen eben diese Beschaffenheit des Originals voraus. 

Dieses also im Original noch mit grosser Regelmässigkeit 
geschriebene h gestattet nun selbstverständlich in den meisten 
Fällen die Elision in solchen Verbindungen wie d'helmes .*) 
Dies entspricht der lateinischen Verstechnik. Aber auch Hiate 
vor h zeigt das Epos. 

Wenn man v. 21 liest 

Si me guarisez e de mort e de | hunte, 

so duldet man den Hiat deshalb, weil hunte ein Wort ger- 
manischer Herkunft ist, ahd. hdnida. Das nämliche hunte aber 
lässt doch anderswo v. 1701 die Verschleifung zu ! Wie steht 
es nun aber mit folgenden Versen? 

20: Conseilez mei cume mi saive | hu me. 

2559: Cascun parolet altresi cume | hum.*) 

Diese Stellen glaubt man mit Correkturen versehen zu müssen; 
es liegt aber dazu kein Anlass vor, da der vermeintliche Unter- 
schied des lat. h vom germanischen für jene Zeit unerwiesen 
ist. Dazu kommen die Stellen, die milie humes bieten, v. 13 
und 2578, und in denen Gaston Paris 8 ) ein de gegen die Hss. 
einschieben wollte. Mir ist nicht begreiflich, warum die Ge- 
lehrten bei der Beurtheilung dieser Erscheinungen von der Ver- 
gleichung der nächstliegenden Litteratur, der mittellateinischen 
Poesie, absehen. 

Dazu kommt hanste v. 205 und 3153: 

Ma | hanste est fraite e perciez mis escuz; 

La | hanste (fut) grosse cume uns tinels * 

und auch sonst, s. v. 442 ; 720 ; 1534 ; 4 ) sowie heir (heres) v. 2744. 


1) S. Gautier zu 1326. 

2) Vgl. Franz Hill, Ueber das Metrum in der Chanson de R. (1874) 
S. 18. 

3) Romania 1873 8. 106 f. Dagegen liegt es im v. 2067 

Gualtiers de H u m [s] est bien bons Chevaliers 
allerdings nahe nach v. 803 u. 2039 del Hum zu schreiben. 

Val. ta hanste in den Quatre livres des rois I cap. 17. 


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293 


Es ist ferner Thatsache, dass die Conjanktion que regel- 
mässig Elision erleidet Die Ausnahmen zu dieser Regel werden 
mit Ansetzung eines älteren qued erklärt; jedoch fallt auf, dass 
diese Elision vornehmlich vor ganz bestimmten Worten unter- 
bleibt; wir lesen v. 2769: 

Dist Baligant : Que | avez tos truvet ? 

Das Verbum aveir ist habere; und v. 1066: 

Ma bone espee que | ai ceint al costet; 

dies ai ist habeo . Ebenso v. 2178: 

Noz cumpaignuns que | o ü in e s tant chers ; 

dies oümes ist habuimus .*) 

In den meisten Fällen aber finden wir das que im Rolandslied freilich 
vor il unverschliffcn; 8. v. 326; 404 ; 687; 769; 818; 1198; 1450; 1572; 
1690; 1838; 1846; 2061; 2102; 2332; 2361; 2401; 2561; 3554; 3624; 
3905. ‘Die Häufigkeit der Verbindung que ü kann, da eben der Artikel 
il eines der häufigsten Wörter ist, nicht überraschen. Vielleicht lässt sich 
daran denken an diesen etwa 20 Stellen die Zweisilbigkeit des que ü auf 
die Natur des ille zurückzuführen, mag man nun seinem anlautenden i 
selbst einen besonders festen Vocaleinsatz zugestehen oder an das oben 
S. 257 ; 272 aus Gallien belegte hüte erinnern. Erscheint doch ille auch 
in afz. hieu mit der Aspiration. Die vereinzelten Fälle endlich, wo auf que 
ein alques folgt (vgl. haliquit S. 252) oder ett ( =in ; vgl. S. 271 f.) oder 
utt (vgl. hunus , huniversum auf den Diplomen S. 264 und huna vertat in 
der passion du Christe, cad huna in den Eiden) oder a und o*, zählen kaum. 9 ) 

Mit ee aber steht es nicht anders, insofern auch dies se regelmässig 
Verschiebung erfährt, aber dreimal vor il (v. 615; 691; 3235) und einmal 
vor est (v. 577) unverschliffen bleibt. Ein heet = eet haben wir wiederum 
im Voraufgehenden S. 157; 256 für das gallische Latein belegt; portug. 
he , sicil. jera . 

Unsere Vermuthung über das h der langue d’oi'l scheint 
endlich das Englische zu bestätigen. Denn es übernahm gleich- 
falls früh Wörter wie honest , honour , Äowr, conservirte ihr h in 
der Schrift getreulich bis zu Chaucer, und es wird angenommen, 
dass es in Chaucer’s Munde auch noch als hörbarer Hauch zur 
Geltung kam (oben S. 264). Erst für das 16. Jahrhundert er- 
fahren wir, dass das Englische in den Vocabeln romanischer 


1) Anders der v. 161 in der Passion du Christe; 

E dels feluns que | eu vos diz. 

2) S. Hill S. 20. 


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294 


Herkunft, Konour , hour 1 Kabitation , humble , den Hauch unter- 
drückte. 1 ) 

Im selben 16. Jahrhundert aber lehren nun eben auch die 
französischen Gelehrten zuerst den Unterschied zwischen h 
muette und aspiree; Pierre Ramus z. B. sagt: „equidem ut 
aliquid statuam , si ha (H) litera non sit (hierin folgt er dem 
Priscian), certe literae vim valde literis vicinam habet;“ er 
verbietet, dass man vor h einen Schlussvocal apostrophire, unter- 
scheidet aber das nicht ausgesprochene h in heräier , heure , komme 
vom gesprochenen in Kideux , honteux u. a. 2 3 ) Henri Estienne 
stimmt überein: man dürfe es in Komme , hostellerie nicht 
sprechen, man müsse es sprechen in honte und Kaquenee .*) 
Etienne Holet: man sage richtig Vhonneur, Vhomme , Thumiliti, 
dagegen le Karen , la Kaulteur „et si ces mots se proferent sans 
grande aspiration, la faulte est enorme.“ Also war damals in 
Kaulteur noch grande aspiration. Die Aphärese begingen oftmals 
les Auvergnats, les Proven$aulx, les Gascons und überhaupt die 
langue d’oc. 4 5 ) Theodore de Beze 6 7 ): „quantum fieri potest 
emolliunt (h), sic tarnen ut omnino audiatur, at non aspere ex 
imo gutture efflata“; dies h werde dagegen nicht gesprochen in 
Bourgogne, Berry, Lyon, Guyenne; Beze fügt eine Liste von 
Wörtern mit aspirirtem Anlaut hinzu: es sind eben die, die 
ihn bis in unser Jahrhundert behauptet haben.*) 

Dahingegen lehrt die Orthographia Gallica, 2 ) deren Text 
vielleicht bis in’s 13. Jhd. zurückgeht, über Aussprache und 
über Schreibung oder Nichtschreibung des h noch nichts. Ich 
entnehme aus ihr lediglich, dass sie den Begriff der Aspi- 
ration kennt; 8 ) die Vorschrift dagegen, für le honourable sei 

1) A. Pani a. a. 0. S. 47. 

2) S. Livet a. a. 0. S. 200. 

3) A. a. 0. S. 364. 

4) A. a. 0.* 8. 112 Note. 

5) De francicae lingnae pronunciatione , ed. Tobler, 1868; vgl. Livet 
a. a. 0. S. 515. 

6) Vgl. auch A. Paul a. a. 0. S. 23. 

7) Herausgegeben von J. Sturzinger (1884) in Altfranzos. Bibliothek 
Bd. vin. 

8) S. cap. 5: das Monosyllabum est wird „quasi cum aspiracione" 
ausgesprochen, in der Schrift wird sie durch das s angezeigt: also nach- 
vocalische Aspiration. 


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295 


hnourable zu schreiben, gestattet keine Schlussfolgerung. 1 2 ) 
Ueber das Verstummen des u in quatre , guerre wird hier wohl 
geredet (cap. 9), ebenso über das des f in vifs komme s („loquatur 
vys hommes u cap. 7) u. ä. m., über das des h in hommes kein 
Wort! Dies Schweigen ist auffallend, wenn man den Eifer ver- 
gleicht, mit dem die Grammatici des! 16. Jahrhunderts sich mit 
dem h beschäftigen. 

Südfrankreich, , die Provence, Gascogne, die langue d’oc, die 
also in neueren Zeiten auf die Durchführung des Spiritus 
lenis im gesammten Anlaut starker als das mittlere und nörd- 
liche Frankreich hingedrängt haben , werden auch schon im 
Mittelalter in der Psilosis vorangegangen sein.*) 

Das Erlöschen des italienischen und französischen h hängt, 
wie wir vermuthen dürfen, mit dem des griechischen zusammen 
und schreitet durch die Jahrhunderte von Süden vor. Zunächst 
war Italien sprachlichem griechischem Einflüsse stark und un- 
mittelbar ausgesetzt (vgl. S. 224 f.). In Frankreich aber hat sich 
gewiss der Süden vom Norden von jeher unterschieden; denn 
der Süden stand unter dem Einflüsse des griechischen Massilift; 
und auch in Lyon wurden zur Zeit Kaiser Caligulä’s „griechische 
und lateinische“ Redetourniere gehalten, wobei also das Griechi- 
sche voransteht (Sueton Calig. 20). Irenaeus, Bischof Von Lyon, 
schrieb griechisch und wirkte dort unter vielen griechischen 


1) S. cap. 7: „quando aliqua vocalis immediate subsequitur post illud 
signum le, tune debet e pretermitti et l adiungi cum vocali subsequeilti, 
verbi gracia: a le honouroble eeignour Tel a le Eveeqe debent scribi a lo- 
nourdble eeignour, a leveeqe etc.“ Hier gilt also die Anfangssilbe ho aller- 
dings als „vocalis“ ; doch beweist dies nichts für h muette, da der Verfasser 
von jener grammatischen Theorie beeinflusst sein wird , nach der h nicht 
als littera, sondern nur als nota galt (oben S. 164 u. 165). 

2) Ueber die Gascogner vgl. Maxime Lanusse, De l’influence du dialecte 
Gascon, Grenoble 1893, p. 256 f. : Les Gascons n’aspiraient ptesque jamais 
cette lettre (h) dans les mots ou eile doit etre aspir^e, defaut commun ä 
tous les Meridionaux; sie sagen also auch äVhaeard*, (Thaeard ; un enfänt 
de etauteur f. de cette hauteur; cee gene lä eon tardis f. sont hardiS; 
fadmire eon hardieeee f. sa hardiesse; eon harangue f. sa harangue. Den 
Gascons wird ferner vorgeworfen f durch h zu ersetzen, wie in fainu Aber 
auch f tritt umgekehrt für h ein (ib. p. 92), wie faul f. haut; im 12. bis 
14. Jhd. wurden gewisse Worte bald mit h, bald mit f geschrieben wie 
St itzt Fotze, Hargoe Fargoe; man sprach h. 


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296 


Christen. Noch Hilarius, aus Poitiers in Aquitanien, war im 
Stande an den griechischen Verhandlungen der Synode inSeleucia 
theilzunehmen. Daher asler f. stella in der Inschrift von 
Arelate Carm. epigr. 470. Daher das häufige „ex graeco“ des 
Ausonius und seine kecke, graeco-latinisch maccaronische Poeterei, 
Epist. XII: 'EXXadixfjq päroxov /. tovarfi Latiaeqice camenae ”A$ior 
Avaonog sermone alludo bilingui .... JSarrorixoTg campoiGir , 
onov xgvog a^svov i<mv, Erramus eqs. So erklärt sich, dass 
die Inschriften Lyon’s im 7. Jhd. in der Aphärese des h freier 
sind als die gleichzeitigen Urkunden der Merowinger ; so erklärt 
sich, dass das Proven^alische mit dem aspirirten Anlaute von 
vorn herein gründlicher aufgeräumt zu haben scheint als das Alt- 
französische , wie denn auch später die h aspiree bei den Pro- 
ven^aux und in der langue d’oc ignorirt wurde. Der leise Ein- 
satz im vocalischen Anlaute der Griechen und Südfranzosen 
pflanzte sich nach Norden und bis nach England fort. 

Doch ist ein so einfaches Schema der örtlichen Uebertragung 
und Vorwärtsbewegung einer Lautneigung ungenügend. Viele 
und verschiedenartige Motive haben vielmehr von früh an, wie 
wir zum Abschluss nochmals hervorheben, innerhalb des Latein 
selbst zur Vernichtung des h mitgewirkt: die Volksetymologie 
(hortus zu orior) und die gelehrte Etymologie, die in den Schulen 
verbreitet wurde ( arundo , arena\ die Wortcomposition und die 
Enklisis ( dborreo , ab oc)\ das Schriftwesen, das in einer Fülle 
griechischer Lehnwörter das h der Griechen, weil man es nicht 
schrieb, ignorirte ( ymnus ; ora; omilia)\ auch lateinische Wörter 
aber wurden alsdann als griechische behandelt (Atrcws, hyrcus , 
yrcus). Das vertriebene h eroberte sich schon früh neue Positionen 
und herrschte als h spurium lange Zeiten in humerus , humidus , 
habire , hostiarius u. a. Die letzte Entscheidung und die defi- 
nitive Niederlage der Aspiration wurde veranlasst durch die 
engere Bindung der Wörter im Satzcomplexe ; der Franzose 
unterscheidet und sondert heute nicht leichter die Wörter im 
Satze als die Silben im Wort. Dies Princip machte i^un jedes 
Wort zum Enklitikon des vorigen; jedes anlautende h wurde 
somit nachconsonantisch, oder aber es traten Silbengruppen ein 
wie le hom , die, als Worteinheit aufgefasst, bei der Schwäche des 
e zur Synizese drängten. Daher afz. Aom, Atm, aber Vum. Man 
kann sagen: vornehmlich der Artikel hat im Romanischen den 


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297 


a spirirten Anlaut vernichtet. Wenn sich die germanischen Wort- 
stämme des Französischen wie havre , herde, hunte , häte, hair , 
Herberge diesem Process vielfach entzogen, so wird damit an- 
gezeigt, dass man sie lange Zeit noch als Lehnwörter empfunden 
hat. 1 ) So entstand allmählich im Verlaufe des *11.-15. Jhds. 
h muette neben h aspiree, bis schliesslich auch die letztere zur 
h muette geworden ist. 


1) In diesem Sinn gilt, was ich bei Supfle S. 7 lese: „11 a fallu sans 
doute ä Vh germanique un temps assez long pour se faire adopter par les 
Gallo-Romains.“ 


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D. Spiritus lenis in der Verskunst des Plautus. 


Wir wenden uns endlich aus dem Mittelalter und von den 
Anfängen der romanischen Litteraturen zum 3. und 2. Jahrhun- 
dert v. Chr., zum Altlatein und zu Plautus zurück. Das schwierige 
Problem des Hiates bei Plautus hat eine Lösung noch nicht ge- 
funden; denn die Emendation des Textes ist keine Lösung; sie 
vermag hier wenig, und ihre Waffe ist stumpf geworden. Der 
überlieferte Wortlaut ist in vielen Fällen zu gut, zu schlagend 
und sachgemäss, um eine Veränderung aus metrischem Anlass 
zu vertragen; denn sie würde sich als Verschlechterung erweisen. 
Ist aber der sog. Hiatus echt, so muss man ihn aus der Natur 
der lateinischen Sprache zu erklären versuchen. 

Dies geschieht, wenn wir ansetzen, dass die Endungen des 
Ablativ, insbesondere auf -ö und -ä in Nachwirkung des Ablativ- 
d sich noch gelegentlich gegen Verschleifung sträubten, oder 
dass die des gen. femin. ae noch zweisilbigen Werth hatte und 
im sog. Hiat ihren zweiten Bestandtheil abgab. Doch geben 
diese Fälle nur einen geringen Abstrich. 

Man ist daher zu der Lehre weitergegangen, die im Anapäst, 
Dactylus und Baccheus zulässigen Hiate mit Silbenkürzung auf 
den komischen Vets des yävog SmXdmov zu übertragen. R. Klotz 
führte dies durch, und wir sollen beispielshalber Stich. 152 in 
heri | aut hodie venerit das heri als zwei Kürzen lesen, ebenso 
übi | amici Truc. 885 , meae | emisse Merc. 208, aber auch ob- 
segui animo Poen. 176, pluriml ad illüm modum ib. 988, mihi 
dari operam volo Rud. 183 mit Kürzung der offenen Endungen 
unter dem Iktus. Auch durch diese Hypothese werden die Belege, 
die das Problem ausmachen, indessen bei weitem nicht erschöpft. 
Zudem ist dieser prosodische Hiat principiell für die iambische 
und trochäische Zeile des Plautus abzulehnen, da er ihr so- 
wohl bei den griechischen Vorbildern wie bei Terenz durchaus 


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299 


fremd war und eine stillose und schülerhafte Vermischung der 
noSeg und ihrer Natur voraussetzen würde, die bei dem Griechen 
Livius Andronicus und nicht minder bei seinen Nachfolgern 
undenkbar ist. Noch mehr ist die Annahme theoretisch abzu- 
lehnen, wonach in Iamben und Trochäen lange Endungen über- 
haupt und mit weitester Licenc vor folgendem Vocal sich kraft 
ihres eigenen Zeitwerthes als Kürzen oder auch als Längen sollen 
behaupten können, sowohl in Hebung wie in Senkung. Ich 
habe dies in meiner Besprechung des Maurenbrecherschen Buches 
„Hiatus und Verschleifung im alten Latein“ in der Wochenschr. 
für klass. Philologie ed. Andresen u. a. Bd. 17 (1900) S. 453 ff- 
dargelegt, möchte mich nicht wiederholen und verweise darauf 
zurück: Dazu kommt, dass es sich bei Plautus auch keineswegs 
nur um lange, sondern verhältnissmässig *) ebenso häufig um 
kurze Auslautsvocale handelt, die er mit gleicher Freiheit der 
Elision entzieht. Die Beispiele sind hierfür zahlreich, und keine 
der bisherigen Theorien vermag sie zu rechtfertigen. Die Hiate 
Amph. 151 und 152 

Adeste ; erit operae p r e t i u m | hic spectantibus 
Iovern et Mercurium facere | histrioniam 

oder die Hiate Poen. 570 und 571 

Quin etiam deciderint yobis fern in a | in talos velim 
At edepol nos tibi | in lumbos eqs., 

der eine nach der Länge, der andre nach der Kürze, sind gleich 
berechtigt und brauchen die gleiche Erklärung. Sie kann nur 
im Anlaut der folgenden Silbe gesucht und gefunden werden. 

Alle Modificationen, die den lateinischen 
Senar und Septenar von ihrem Vorbilde, dem grie- 
chischen, unterscheiden, entstanden nicht auf 
Grund einef abweichenden metrischen Schullehre, 
sondern unter sprachlichen Einflüssen; sie sind 
durch die Eigenart und Natur der lateinischen Volkssprache, 
ihrer Wortbetonung und pronuntiatio hervorgerufen. Ich er- 
innere an die specifisch lateinischen Betonungsgesetze, die sich 
in Anlehnung an die griechischen Cäsaren* die man beibehielt, 
ausbildeten; an die Zulassung unbetonter schwerer Silben in 

1) Ueber das Verhältnis» von Kürzen und Längen itn Hiat 8. Wochen- 
schrift f. klass. Philol. 17 S. 455 f. 


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300 


denjenigen Senkungen, die sie im Griechischen verschmähen; 
an die Iambenkürzung und Kürzung gewisser Trochäen wie inde , 
unde; an die Nichtverschleifung einsilbiger Wörter in näm ego, 
ne ego u. dgl., in welchen Silbengruppen die lateinische Sprache 
einen Hiat nicht empfand. 1 ) Auch der Hiat nach Längen 
und nach Kürzen ist erst dann erklärt, wenn man nach- 
gewiesen hat, dass er der volksthümlichen pronun- 
tiatio eigen war und so von Plautus aufgenommen werden 
konnte. 

Diese Forderung ist von uns zu einem grossen Theile schon 
erfüllt; denn die Anerkennung der h consonans hat im alten 
Drama Hunderte von Anstössen beseitigt, und wir haben damit 
eben die Aussprache des Volks zur Geltung gebracht. Es han- 
delt sich jetzt um den Rest der Beispiele und um die Beschaffen- 
heit des Spiritus lenis im echten Latein. 

Läge uns der alte versus Saturnius in grösseren Dicht- 
werken und in sicherer Messung vor, so würde er hierfür viel- 
leicht ein unzweideutiger Zeuge sein. Ein zwingender Beweis 
dafür, dass auch er den Hiatus beim Spiritus lenis gestattete, 
ist bei dem Stand der Dinge schwer zu führen, und ich muss 
der Kürze halber auf den Versuch verzichten. Die spärlichen 
Beispiele dieses italischen Versmasses, die ich hernach anführen 
werde, sind eben nur solche, über die ein Zweifel am wenigsten 
bestehen kann. Doch haben wir zum Glück andere und sehr 
deutliche Zeugnisse. 

Uns müssen und können hier die Aeusserungen des Corni- 
ficius und Cicero genügen. Cornificius ad Herenn. IV 18 ver- 
langt von der gepflegten Sprache des gebildeten Redners, dass 
er fliehe crebras vocalium concursiones , quae vastam atque 
hiantem orationem reddunt ; als Gegensatz wird hier offenbar an 
den gemeinen Mann gedacht; dieser duldete also in zusammen- 
hängender Rede offenbar thatsächlich und ohne daran Anstoss 
zu nehmen, häufige Vokalzusammenstösse , und zwar liess er 
alsdann nicht Verschleifung eintreten; denn es heisst, dass 
die Hiate die Rede „ungefüge und klaffend“ machen. Das . 
vastum ist das Ungefüge und Klotzige und darum so viel wie 

1) Denn Terenz, der den Hiat nicht kannte, lässt doch diese Silben- 
gruppen zu. 


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301 


agreste. 1 ) Diese pronuntiatio eignete also dem gemeinen Mann 
und dem Bauer, d. h. sie war echt. 

Dazu stimmt Cicero genau, der im Orator 77 zunächst dem 
genus exile sive Atticum den Hiat zugesteht und etwas Lässiges 
oder eine neglegentia in ihm anerkennt ; eben um des Sichgehen- 
lassens willen kann dem Hiat gelegentlich ein molle und non 
ingratum zukommen. Auch in diesen Fällen wurde also sicher 
nicht verschliffen. Dagegen lehrt er § 150, der gepflegte Redner 
sorge, wie der Vorleser eines Textes, in der Regel dafür, dass 
nicht der Zusammenstoss von Endung und Anlaut entweder 
hiulcas voces erzeuge oder asperas; entweder nämlich entstehen 
durch solchen Zusammenstoss hiulcae voces , das ist Hiat, oder 
es entsteht die Nöthigung zur Verschleifung, und das ist asperum; 
was Cicero alsdann zu dem bekannten Satze ausdehnt: quod 
quidem latina lingua sic observat , nemo ut tarn rusticus sit quin 
(vulgo qui ) vocales nolit coniungere . Es wird dies Verschleifen 
geradezu zum Sprachgesetz erhoben, aber es wird der rusticus, 
wohlgemerkt, wiederum davon ausgeschlossen; denn Cicero sagt, 
niemand sei so sehr ein Bauer, dass er nicht vermeide zwei 
Vocale neben einander treten zu lassen ; also der Bauer vermied 
es nicht; das Sprechen mit Hiat war rustikan. 2 ) 

Cicero fügt dann noch § 152 vier Beispiele für Hiat aus 
der Poesie, zwei aus der iambischen, zwei aus der daktylischen, 
hinzu, wohlgemerkt keines mit A, und sagt zur Erklärung von 
den älteren Dichtern, saepe hiabant ut versum facerent; die 
Thatsache schien also oft vorzuliegen, und als Grund galt die 
blosse Versnoth. 


1) Vgl. Cic. de or. J25 quidam vultu motusque corporis vasti aique 
agrestes; Gellius 19,9 vastos quosdam et insubidos; daher Cic. Orat. 153 
littera vastior vom x. Dem Gellius 13,20 erscheint freto crassius und 
vastius als fretu. 

2) Das überlieferte quin hat Anstoss gegeben, und Viele ziehen vor 
qui zu lesen. Für uns läuft das ungefähr auf dasselbe hinaus.. Doch hat 
Heerdegen in seinem Orator p. XXXIV wohl mit Recht hervorgehoben, 
dass vocales coniungere nicht dasselbe iss wie vocales contrahere ; mit 
coniungere ist nicht die Synalophe bezeichnet, sondern nur der concursus 
vocalium, das Nebeneinandertreten; das bestätigt der Terminus iunctura; 
denn Quintilian rechnet 9, 4,32 f. eben den concursus vocalium zur iunctura. 
Das quin nolit ist also zu übersetzen: „dass er nicht abgeneigt sei“. 


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302 


Wir werden von dieser naiven Erklärung Cicero’s absehen 
und brauchen von Versnoth nicht zu reden. Wenn das Volk 
in Verbindungen wie etwa aurutn et argentum ei abstuli oder 
pulchra oratione ista nicht oder nur theil weise verschliff, so 
musste dies einen lautphysiologischen Grund haben. Und diese 
Thatsache ist iur den Grammatiker von höchster Wichtigkeit. 
Denn das Volk spricht nach Trieb, und keine Aesthetik, sondern 
die Physis der Laute selbst gab ihm seine Sprachgesetze. Es 
ist also nichtssagend und unwissenschaffentlich hier einfach und 
obenhin nur vom „Hiat“ zu reden. Für die wissenschaftliche 
Betrachtung kann der volksthümliche Hiat nur so viel bedeuten 
wie Ablehnung der Synalöphe durch die Kraft das Anlautes. 
Die Beschaffenheit des Anlauts muss hier eingewirkt haben, 
und wir sind gezwungen auf ihn unseren Schluss zu ziehen. 

Vier Arten des vocalischen Anlautes setzten wir als mög- 
lich an: 1 ) 

er ist 1) entweder ein leiserEinsatz ohne alles Neben- 
geräusch, wie im Französischen; 

oder 2) ein fester Einsatz, ein Kehlkopfverschlusslaut 
mit hustenartigem, knackendem Geräusch, wie im Deutschen. 

Insofern aber auch Aspiration hinzutreten kann, geht entweder 

3) ein.Hauch dem Vocal kräftig voran, ein Exspirations- 
stoss vor dem Einsatz der Stimme; dies ist das deutsche h mit 
folgendem Vocal; 

oder 4) der anlautende Vocal selbst wird mit Hauch ge- 
sprochen; der Hauch setzt nicht früher ein und dauert so lange 
wie der Vocal; dies dürfte der griechische Spiritus asper ge- 
wesen sein. 

N. 4 und z. Th. wohl auch N. 1 eigneten der griechischen 
Sprache, N. 2 und 3 dem Volkslatein. Der ge bildete Römer 
bemühte sich sein h N. 3 in das griechische 4 N.4 umzu- 
wandeln; ebenso gab der gebildete Redner Cicero’s den festen 
Vocaleinsatz N. 2 auf und suchte den leisen Einsatz der Griechen 
N. 1 nachzuahmen. 

Dieser feste Einsatz N. 2 muss der der römischen rustici 
gewesen sein; und dieser Einsatz selbst ist es in Wirklichkeit 


1) Vgl. oben S. 5 ff.; A. Paul a. a. 0. S. 4 ff. 


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303 


gewesen, der dem Cicero und Cornificius bäurisch schien; 
der Umstand, dass das Landvolk auslautenden Vocal nicht ver- 
schliff, war nur die Wirkung dieses Einsatzes, und zwar war 
es, wie das Deutsche zeigt (oben S. 5 f.), die natürliche Wirkung. 

Naevius und Plautus sprachen in ihren Versen beide Sorten 
des A, das italische und das griechische (oben S. 80 ff.) ; sie haben 
ebenso neben dem hauchlosen, leisen Einsatz der Griechen auch 
noch den festen der Italiker bei behalten; der Hiat, den Cicero 
im Naevius fand und den wir im Plautus finden, ist für die 
Dichter kein Hiat oder doch in vielen Fällen kein Hiat gewesen. 
Nur so kann uns das Naevianische Vos qui | accolitis Hisirum 
mit unverkürztem qui vor Vocal verständlich werden. 

Dies lässt sich zunächst an dam prosodischen Warth des 
Plautinischen ohe erläutern, einer Exclamation, die als solche bis 
zu einem gewissen Grade ausserhalb der strengen Messkunst 
steht, deren unconsonantischer Anlaut aber jeden Zweifel aus- 
schliesst. Der Spiritus lenis seines Anlautes war nun im Stande, 
die voraufgehende Länge in Hebung zu stützen, resp. Position 
zu machen. Aul. 55 steht: 

Abscede etiam nunc, etiam nunc, etiäm, | ohe! 

Dieselbe Erscheinung beim Personenwechsel ; man sehe die offene 
Silbe, Bacch. 806: 

Per sycophanthiam ? || Egone istuc dixi? || Ita! 

denn der Personenwechsel ist für die Metrik auch nichts weiter 
als Anlaut mit neuer Exspiration. 

Dies unverkürzte qui oder etiam oder dixi wird uns nun 
noch durch die Schilderung des Quintilian IX 4, 33 — 36 er- 
läutert, der hier zwar griechische Schullehre giebt, sie aber 
doch auch für die römische Art der Aussprache als zutreffend 
befunden haben muss. Auch nach ihm verschliff also der natür- 
liche Mensch beim concursus vocalium zunächst nicht; denn 
von diesem concursus heisst es, dass, wenn er eintritt,. die Rede 
hiat et intersistit et quasi laborat. Sodann wird eine über- 
triebene Perhorrescirung solcher Hiate getadelt; wendet man 
beim Sprechen Synalöphe der Vocale an, so ist dies lene und 
das Gegentheil des asperum; bisweilen seien aber auch gerade 
die Hiate wirksam faciuntque ampliora quaedam ut „ pulchra 
oratione , a „ aäa oratio ,“ „ acta a te u (so vielleicht zu lesen), 


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304 


cum longae per se et velut opimae syllabae aliquid etiam medii 
temporis inter vocales quasi intersistatur, adsumunt Der Hiat 
bewirkt also eine grössere amplitudo , und zwar tritt keineswegs 
das Gesetz vocalis ante vocalem corripitur ein, wie man es für 
des Plautus Hiate hat geltend machen wollen, sondern „die an 
sich langen und gleichsam fetten Silben lassen zwischen ihren 
Vocalen einen kleinen Zeitintervall eintreten, adsumunt 
inter vocales aliquid medii temporis, sodass eine Art Pause ent- 
steht, quasi intersistatur. 

Die Vocale bleiben also im Hiat wie sie sind, und es tritt 
sogar Pause ein. Ich bestreite demnach, dass im alten Senar 
und Septenar des Plautus, der die tägliche Rede nachahmt, der 
Hiat, wenn er wirklich stattfand, epische Verkürzung zeigte. 
Die Endvocale blieben vielmehr lang; daher eben das unver- 
kürzte qui | accölitis des Naevius. Interessant ist aber, dass 
diese Regel auch in der griechischen Prosa galt; Dionysios De 
admirabili vi die. in Demosth. cp. 38 trägt sie vor: dvayxatov 
yaq sdi xqqvov Tird päaor dpffülv ((fforrjärTtav) dgioAoyov 
dnoka/AßdrtöOai ; er führt an, dass die Laien an solche Pausen 
zwischen den Worten nicht glauben wollen, und beruft sich 
hiergegen auf die Lehre der Metriker und Musiker. 

Dies Intervall, das also im Hiat statt hatte und das gleich- 
sam die Zeit des fehlenden, Vocal-trennenden Con- 
sonanten ersetzte — auch dies sagten schon dieMusici und 
Metrici bei Dionys a. a. 0. — , kann nun nicht begriffen werden, 
wenn nicht im Anlaut der behauptete feste Einsatz eintrat. 
Nach dem Ausklingen des Schlussvocals in pulchra schliessen sich 
die Stimmbänder erst wieder lest und müssen, bevor das o von 
oratione einsetzt, durch den Luftstrom erst aufs neue wieder auf- 
gestossen werden, was eben den Kehlkopfverschlusslaut N. 2 er- 
zeugt: so tönt pulchra oratione siebensilbigbei vollen Quantitäten. 
Auch für die betr. griechischen Fälle muss dies gegolten haben ; 
der naive Grieche aber wollte daran nicht glauben. 

Die eingehenderen Ausführungen des Quintilian sind Wohl 
wieder nach griechischer Vorlage gemacht; 1 ) sie gehen aber 

1) Vgl. Dionysius a. a. 0. : noXXrjg de tivog evtav&a del rijV reyyijffetog, 
Iva uy xaxoqxovoy pqd 9 äqdeg . . . iyeyxapeyai talg äxoatg Xdtfaxny at 
ToiavTcu avfryicti. 


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305 


dahin, dass am schlechtesten zwei gleiche Vocale hintereinander 
stehen ; hier war nämlich die Versuchung am grössten, den festen 
Stimmbandverschluss gar nicht erst eintreten zu lassen; 1 ) ein 
praecipuus hiatus finde statt, wenn sie mit hohlem oder offenem 
Munde gesprochen werden, also bei a und o; geringer sei die 
Schwierigkeit bei e und i. Am wichtigsten aber ist für uns, 
dass auch kurze Vocale sich der Elision entzogen; Quintilian 
nennt es weniger fehlerhaft, wenn auf lange Vocale kurze oder 
auf kurze lange folgen; ja, am geringsten sei der Anstoss 
beim Zusammentritt zweier kurzer Vocale. 2 ) 

Treffen wir also in den sog. Hiaten desPlautus auch kurze 
Vocale an, so ist an diese Bemerkung des Quintilian zurück- 
zudenken. 

Treten wir nun dem Text des Plautus näher, so erklärt 
sich aus dem Gesagten erstens der Hiat bei Personen- 
wechsel. Der vokalische Einsatz einer Replik bringt immer 
eine neue Exspiration, beginnt also immer mit einem Kehlkopf- 
verschlusslaut (oben No. 2) ; wer also den Hiat bei Personen- 
wechsel zugesteht, muss ihn auch sonst für die Fälle zugestehen, 
wo eine Aussprache des Anlautes mit Kehlkopfverschlusslaut glaub- 
haft ist. Zweitens aber erklärt sich auch der Hiat in den 
Dihäresen der gestreckten Langverse ; deniMm trochäischen und 
iambischen Septenar waren diese Einschnitte Athmungspausen ; 
die neue Athmung erzeugte einen Anlaut der angegebenen Natur, 
welcher die scheinbar asynartetische Bildung motivirt und im 
iambischen Septenar vor der Cäsur auch geschlossene Syllaba 
anceps möglich machte. So mögen auch schliesslich die selteneren 
Cäsurhiate im iamb. Octonar hier sich anreihen. 


1) Dieser Hiat wird für besonders angenehm erklärt von Gellius VI 20, 
der an Catull’s ebria \ acina ebriosioris erinnert und dafür die Ausdrücke 
iucundum und suavitas verwendet. Eine wichtige Bestätigung giebt dagegen 
der Satz des Pompeius, wonach der Hiat in Musa | amavit ein „gravius 
vitium enthält als der in Musa | edocuit und Musa | habuit , s. oben 
S. 107. 

2) Der Wortlaut ist: pessime longae quae easdem inter se litteras 
committunt , sonabunt; praecipuus tarnen erit hiatus earum quae cavo aut 
patulo maxime ore efferuntur. e planior littera est , % angustior , ideoque 
obscurius in his vitium. Minus peccabit qui longis breves subiciet, et adhuc 
qui praeponet longae brevem . Minima est in duabus brevibus offensio . 

B i r t , Th., Der Hiat bei Plautua. 20 


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Im Uebrigen gebietet die Vorsicht von denjenigen Stellen 
abzusehen , an denen med und ted sich findet ; x ) aber auch der 
Ablativ auf -o(d) und -a(d) mag noch hie und da seine Ter- 
mination vertheidigt, ebenso der gen. fern, auf - ae gelegentlich 
zweisilbig fungirt und nur sein e oder i der Verschleifung preis- 
gegeben haben. Für ersteres sind Stellen wie Amph. 189; 192; 
193 evident, wo in ducllo | exstincto und praeda atque agro \ 
adoriaque deutlich die feierlichere Amtssprache geredet wird, für 
letzteres Bacch. 307; Merc. 239; Mil. 1211; Persa 409; Truc. 
435.*) Insbesondere hält sich der Abi. auf u kraft seines w- 
Vocals, wenn ein Vocal andrer Färbung folgt: a pörtu ttlic 
Amph. 149; vgl. Bacch. 304, Cure. 497 (corr.), Men. 91 und 
395 (Most. 152?); nicht aber, wenn u folgt (Most. 811 lies uti). 
Die meisten sonstigen offenen Ablativendungen scheinen dagegen 
vielmehr durch den folgenden Anlaut geschützt zu werden. 8 ) 

Hinzu kommt die Frage nach auslautendem m. Wir fanden 
oben S. 98 Anm. bei Terentianus Maurus die Messungen compertum 
est = compertuest v. 551, visum est = visuest v. 850 u. a., 
welche nach circuitus , circuire , nach factuiri f. factum iri und 
nach dreisilbigem tametsi zu beurtheilen sind. 4 ) Es ist hier- 
durch nahegelegt, auch bei Plautus ähnliche Messungen hinzu- 
nehmen, d. h. solche, in denen die zwei benachbarten Wörter 
zu einer innigeren Einheit zusammenzurücken scheinen; dies 
geschieht vor allem, wenn esse folgt ; ich nehme daher auch die 


1) Also z. B. auch Asin. 633 : . . . me{d) dd mortem appulerunt ; Cist. 
a mid accepit u. s. f. 

2) Trin. 1108 ist fraglich; s. die codd.; Bacch. 820 corrupt; Amph. 486, 
Aul. 405 folgt h; endlich ist Amph. frg. IV tibi aquae | infundi in caput 
bei dieser Betonung baccheisches aqude mit Verschleifung anzusetzen un- 
wahrscheinlich, und wir constatiren lieber „Hiat“. 

3) Amph. 316 scheint doch Alia forma (os) esse oportet , quem tu 
pugne legeris nöthig (so Luchs); denn nur so wird begreiflich, dass Sosia 
y. 317 von os fingere zu reden anfangt; Sosia nimmt nämlich die von 
Mercur hingeworfenen Worte auf, wie das exossare v. 319 sich aus ex - 
ossatum v. 318 erklärt. 

4) Dagegen lehne ich den Vergleich der weitgehenden inschriftlichen 
Licenzen ab; ich meine egerim | annos carm. epigr. 856,8 u. dgl. oben S. 93 
Anm. 2. Nirgends ist dies wohl öfter als bei Commodianus anzutreffen 
carm. apolog. 5 centum adessent , 10 tdndem adlüxit , 13 summum in altis 
ygl die Versschlüsse 25, 34, 92, 111 u. s. f. ; dazu 187 deum esse profani 


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— 307 — 


Plautusverse Aul. 125 (ullam esse — ^ — ~), Bacch. 765 ; Cure. 26; 
582; Persa 221; Men. 720; Poen. 448; Pseud. 495 von der fol- 
genden Ueberschau der Hiate aus, ebenso, wenn schon mit ge- 
ringerer Sicherheit, Asin. 760; Truc. 227; 416; Poen. 866 (num 
esse); vgl. Men. 737; Capt. 700; endlich Truc. 886, wo tantum 
rim litem (so) überliefert, tdetum iri militem mit einiger Wahr- 
scheinlichkeit vermuthet ist. 1 ) Genau ebenso steht bei Naevius 
ütrum | est melius com. v. 53. Nicht anders selbst Pacuvius 
v. 378. 

Doch dies sind geringfügige Hülfen. Die grosse Masse der 
Beispiele bleibt davon unberührt, und wir wenden uns zum 
Einflüsse des Anlauts. 

Wer diesen Einfluss im Verse beim Personenwechsel aner- 
kennt, muss ihn als möglich auch sonst anerkennen. Dies ist 
schon oben gesagt; denn die metrische Theorie gestattete den 
Hiat weder hier noch dort; war es die specifisch lateinische 
pronuntiatio, die ihn beim Personenwechsel trotzdem möglich 
machte, so musste diese pronuntiatio auch sonst ihre Wirkung 
üben. Dies hat sie denn auch wirklich gethan. Und die Ana- 
logie geht noch weiter: denn wie Plautus beim Personenwechsel 
mit grösster Inconsequenz zwar der Regel nach verschleift, doch 
aber auch häufig nicht verschleift, ganz ebenso inconse- 
quent wahrt er auch im sonstigen Text dieselbe 
Regel, um sich eine Fülle von Ausnahmen zu ge- 
statten. 

Dies ist unfraglich. Die Frage, die sich erhebt, ist viel- 
mehr diese: soll und kann die rustikane Beschaffenheit des 
Anlautes bei Plautus allen und jeden Hiat rechtfertigen, und 
gab es keine Grenze? Ein natürliches Sprachgefühl macht uns 
abgeneigt sie zu bejahen, und wir halten, um uns Sicherheit zu 
verschaffen, eine Sonderung der Einzelfalle für unerlässlich. Dies 
geschehe nach dem Grade der Wahrscheinlichkeit; und die 
Ueberlieferung selbst kommt uns dabei zu Hülfe. 

Dass aber der alte Dichter den Hiatus geradezu aufsuchte, 
verrathen uns Beispiele wie Merc. 745: 

Videre ampiecti | ösculari | dlloqui, 

1) Vgl. Philol. Wochenschrift a. a. 0. S. 459. 

20 * 


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308 


wo es sehr nahe gelegen hätte colloqui einzusetzen (vgl. Asin. 523), 
dem Dichter abel* gerade die Wiederholung des dreisten voca- 
lischen Einsatzes oder die Assonanz des Spiritus lenis, die er 
deutlich empfand, Freude bereitete und reizvoll erschien. 

I. Hiat vor ab ( a ), av und in. 

Voran stehen für uns diejenigen Wörter, die in nachplau- 
tinischer Zeit das h spurium entwickelt haben. Es ist gezeigt, 
dass Plautus in haud und honor das h spurium schon als h 
consonans gerechnet hat (S. 77) , sowie er es hier gewiss schon 
schrieb. Für die übrigen Wörter behaupten wir natürlich weder, 
dass Plautus schon h spurium gesprochen, noch gar, dass er es 
schon geschrieben hätte. Es genügt die Thatsache, dass dies 
später geschah. In einer Sprache nach Art des modernen Fran- 
zösischen, das die Wörter im Satz eng an einander bindet 
(oben S. 296), kann ein h spurium sich nicht entwickeln. Wo 
solches sich einfindet, ist sonach ein gesondertes Sprechen der 
Einzelwörter im Satz vorauszusetzen; vgl. das Althochdeutsche 
oben S. 200 f. Das h spurium erweist also auch für das Volks- 
latein eine solche Aussprache, die das Wort isolirt, den Anlaut 
verselbständigt und gegen den Hiat unempfindlich macht. 

Das Wichtigste ist für uns die zweifache Thatsache, dass 
nach Cicero’s Zeugniss das Nichtverschleifen der Vocale gerade 
dem rusticus eignete und dass auch das Wuchern des h spurium, 
wie erwiesen, just eben demselben sermo rusticus angehörte. 
Dies ist zu combiniren, und hiervon ist auszugehen. 

Nehmen wir zuerst die Präp. ab und ihre Composita. Die 
Pfälzer Ueberlieferung des Plautus giebt die Schreibung hab 
besonders oft, und zwar meist in sämmtlichen Vertretern: 
s. Aul. 598 (P); 695 (P); 730 (PI; Bacch. 1149 (CD); Cist. 596 (P); Cure. 
553 (P); Men. 327 (P); 333 (B‘C); 852 (P); 1017 (P); 1044 (P); 1112 (B); 
Merc. 1016 (P); Miles 97 (P); 259 (P); 655 (P); 979 (P); 1146 (P); 1208 
(B); Most. 131 (P); 393 (CD); 596 (P); 609 (P); 633 (P); 706 (P); Poen. 
71 (P); 814 (P); 1211 (P); 1283 (CD); Pseud. 910 (P); Rud. 1013 (P und 
nochmals CD), Truc. 867 (P). Miles 1232 steht f. ab se in CD hasce , in 
B hec. Dazu hisce ergo habeant mit Allitteration Cas. 744; ebenso hine 
habieris Amph. 695 ; hinc habeam Truc. 824 (in B). Ferner habeat f. avehat 
Mil. 938 (P). Endlich kommt A hinzu und zwar mit P übereinstimmend, 
habeas f. abeas Pseud. 393; babitat f. abitat Rud. 777. Im Archetyp, der 
A und P voraufliegt, fanden sich also schon Ansätze zu dieser Schreibung 
(8. oben S. 153 f.). 


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309 


Dies ab verhindert nun den Hiat bei Plautus in folgenden 
unverderbten Versen: 

Amph. 125: Qui cum Amphitruone | abiit binc in exercitum. 

„ 523: Cldnculura | abii a legione, öperam baue supribui tibi. 

Asin. 583: Quod se | absente mihi fidem | habere noluisset. 

Aul. 203 : Quo | a b i s || Iam ad te revortar; nam est quod (in)visam domum. 

„ 773 : Neque scis qui | abstulerit?|| Istuc qudque bona. || Atque 

id si scies. 

Bacch. 304: Cum extdmplo | a portu ire nos cum aur<5 vident. 1 ) 

„ 900: lila dutera in arcem | Abiit aedem visere. 

„ 1149: Soror, est quod te volo sdereto. || Eho amdbo. || Quo illae| 

dbeunt? ( habeunt CD). 

Capt. 481 : Neque me rident. Ubi cenamus ? inquarn ; atque illi | a b n u o n t 
Cist. 7: Eo ego vos amo et eo | a me magnam inistis gratiam. 

Epid. 90 : Fidicinam emit quam ipse amat, quam | a b i e n s mandavit mihi. 
Men. 476: Prandi potavi scortum accubui | dbstnli (AP). 

„ 550: Iamne Abiit intro? | hdbiit (so P), operuit foris. 

„ 1011: Äripe oculum istf | ab umero qui tenet ere te obsecro. 

„ 1115: Quöt eras annos n&tus cum te p&ter a patria | avehit. 
Merc. 64: Fuisse; adeo arte cohibitum esse | k patre. # ) 

, 190: Quin sceleste, | dbstrudebas ne eam conspiceret pater. 

( „ 746: Abi. || Quid abeam? || St' abi. || Abedm? || Abi.) 

Mil. 1049: Nam hunc dnulum | ab tui cüpienti eqs. 

Most. 377: Jube | ab ire rürsum; quid illi rdditio etiam | huc fuit? 
w 584: Immo abi domum, verum hercle dico, | dbi domum (so A). 
„ 586: Eu hercle ne tu | Abi modo, auscultd mihi. 

„ 596 : Ferre hinc potes : an metuis ne quo | a b e a t foras (habeat P). 

Poen. 455: Quonidm litare nequeo | Abi (i) illim illico. 

Rud. 63: Conscendit navem, | avehit meretriculas (avenit P). 

Stich. 461: Mustela murem | abstulit praeter pedes. 

Rud. 65: Lenönem | abiisse; dd portum adulescens venit(?). 

Truc. 6: Quid si de vostro quippiam orem? | Abnuunt (abduuntP). 
„ 374: Plus pöllicere quam ego | abs te pdstulo. 

„ 564: Nisi derivetür, tarnen omnis ea aqua*) | abeat in mare. 
n 888: Quae cum multum | dbstulimus | bau mültum apparet 

quod datum est; vgl. oben S. 67. 

Derselbe starke Einsatz bewirkt aber auch Längung der 
Vorsilbe: 

Men. 327: Proin tu ne quo [hjabeas longius | ab aedibus; 
Stich. 255 : Immo üt | a v o b i s mutuom nobis dares. 

Titinius v. 45: Pdrasitos amdvi, lenonem dedibus | absterrui. 

1) Oder Ablativ? oben S. 306. 

2) Die Einsetzung eines se ist banausisch, da sese v. 61 voraufgebt. 

3) eaqua P. 


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310 


Uebrigens schrieb Naevius: 

com. 110: Eum süus pater cum pdllio | und | ab amica abduxit. 

Titinius t. 47: Ndn excrattis pdrasitum nec Tirum | aspelh't domo(?). 

Der saturnische Halbvers im frg. 4 des Naevius flentes ambae 
abeuntes kann dagegen allenfalls auch mit Verschiebung gelesen 
werden. 

An ab schliesst sich aufugio , aufero an, dessen Präfix durch- 
aus als mit ab identisch galt und das auf alle Fälle avfugio , 
avfero gesprochen worden ist ; *) man sehe 

Merc. 801 : Iubeds si sapias hdec intro |auferrier. 

Truc. 583: Grata acceptaque ecastör habeo; iube | auferri intro, intro 

i Cyame. 

Wahrscheinlich auch 

Rud. 1383: Iam ab isto | auferre haut (au)sim, si istunc condemnavero.*) 

Dass aber überhaupt die Anlautsilbe av (au) schon früh 
zur Aspirirung neigte, das beweist haud (havd). Auch aut 
„oder“ wurde vielfach haut geschrieben und mit haud zusammen- 
geworfen. Der Gruss ave wurde früh zu have , habe. Aber auch 
havus f. avus, haves (Vögel), Haustris f. Austris, haudax u. a. m. 
sind oben zahlreich belegt worden (S. 273 f.). Die Palatini des 
Plautus geben uns Poen. 184 hauri „des Goldes,“ wo hauri et 
hominis allitterirt; der Ambrosianus Cas. 133 hauscultare. Ich 
setze in den folgenden Beispielen die Aussprache avrum , avdio 
u. s. f. voraus, ohne sie im Druck anzuzeigen. 

Asin. 4: Fac idm nunc tu praeco omnem | auritum poplum.*) 

„ 224: Si papillam pertractavit, haud est ab re | aucupis. 

„ 757: Quod illa aut amicum | dut patronum nominet (codd. neminem). 

„ 804: Ancillam ferre Veneri | aut Cupidini. 

Aul. 5: Patri | avoque iam huius qui nunc hic habet. 

„ 7: Thesdurum | auri clam omnis; in medio foro. 

„ 251: Impero | auctorque sum ut me cuivis castrandum loces. 

So, ut me, nicht ut tu me, B^V. 

„ 366: Si | dutem deorsum comedent, si quid coxerint. 

„ [511: Aut manulearii | aut murobatharii]. 4 ) 

„ 679: Indeque öbservabo | durum ubi abstrudat senex. 

1) S. Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 147 ff. 

2) S. W. Kohlmann De Tel imperativo S. 46. 

3) nunciam ist zwar bei Plautus das Uebliche, aber iam nunc nicht 

ausgeschlossen. 

4) Das aut ist falsch; s. W. Kohlmann De Tel imperatiTO S. 45. 


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311 


Aul. 707: Indeque spectabam | auruip ubi abstrudebat senex. 

Wer y. 679 vergleicht, wird den „Hiat“ nicht vor abstrudebat 

ansetzen. 

„ 809: Quadrilibrem aulam | auro onustam eqs. 

Bacch. 14: Latrdnem suam qui | auro vitam venditat. 

„ 831: Qui | auro habeat soccis suppactum solum. 

„ 530: Reddidi patri dmne | au rum eqs. (? Vgl. unten S. 321). 

Epid. 280: Secus sententia. || Immo docte. || Quid tu | autem Apoecides? 

Dass tu richtig, beweist ego v. 281. 

Men. 1087: fllic homo | aut sycophanta aut geminus est frater tuus. 
Merc. 676: Qui hanc Vicini nostri | aram | äuge am. 

Vgl. oben S. 76. 

Most. 484: Ego dicam; | ausculta. Üt foris cenaverat. 1 ) 

Poen. 705: Quid ita?|| Quia | au rum poscunt praesentarium. 

„ 782: Idque in istoc adeo | durum inest marsüppio. 

„ 1009: Quid in hdnc venistis ürbem | aut quid quaeritis? 

„ 1137: Tua pietas nobis plane | auxilio fuit. 

„ 1393: Nam meae prosum non sunt. Tum | autem aurnm tuom. 
Pseud. 19: Iuvabo aut re | aut opera aut consilio bono. 

„ 317: Aut terra | aut mari alicunde evdlvam id argentüm tibi. 

Rud. 538: Qui ? || Quia | aud ere m tecum in navem ascendere. 

„ 1313: Nummi octingenti | aurei in marsüppio infuerunt. 

Stich. 152: Si quae forte ex Äsia navis heri | aut hodie venerit. 

„ 208: Ijise egomet quam ob rem | auctionem prdedicem. 

„ 374: Argenti | aurique advexit nimium eqs. 

„ 384: Iam non facio | auctionem, mi optigit hereditas. 

Trin. 185: Em mea male facta, em me am | avaritiam tibi. 

In A Verschreibung. 

Truc. 53: Aut periit aurum | dut conscissa pallula est. 

„ 487: N<5n laudandust cüi plus credit qui | audit quam qui videt. 

„ 538: Perii hercle unser; iam | auro contra constat filius; 

vgl. oben S. 67. 

Carbonar. frg. III: J — secundum ipsam aram | aurum abscöndidi. 
Fabul. incert. fr.: w nec machaeram | aud es dentes frendere. 

Vielleicht sind noch folgende Verse hinzuzufügen: 

Asin. 100 macht ret$ iaculo Schwierigkeit ; rete fehlt in E : 

Venari | autem iaculo | in medio mari. 

Ueber in 8. unten. Sodann Truc. 33 

Aut durum aut vinum | aut oleum | aut triticum. 

Statt aurum giebt P ara ; arum wird aber nicht selten f. aurum geschrieben, 
s. die Nachweise Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 87 ; dazu arito f. aurito Afranius 
v. 404; arro f. auro Anthol. lat. 21,200. 

1) Hier kann jedoch der Hiat auch vor ut angesetzt werden; über ut 
s. unten S. 337. 


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312- — 


Uebrigens schon Naevius bell. Pnn. fr. 3: Postqudm | avem 
dspSxit und fr. 5 dreisilbig cum | auro ; Caecilius 182 Ribb.: 
publice cum \ auspicant ; Titinins v. 108 : sum | ausns. 

Eine Productio vor au findet sich sonst sowohl Amph. 300: Mc\ 
auscultet quae loquar wie Truc. 54 Aut vdsum ahenum aliquöd 
aut lectus ddpsilis ; 1 ) sie muss nach den S. 317 f. gegebenen Bei- 
spielen beurtheilt werden. Auch Pacuvius v. 369 wird am 
besten so gemessen: 

Insanam | autem diunt quia atrox incerta instabilisque sit. 

Wenden wir uns zum Präfix in. Das hinsidiae des Arrius 
ist genugsam besprochen, mit Sicherheit in das Ende des 2. Jhds. 
vor Chr. zurückdatirt und mit Wahrscheinlichkeit auf rustikanen 
Usus zurückgeführt worden (s. oben S. 41; 153; 271 f.). Sein 
h verräth deutlich, mit welcher Stärke, auch ohne Aspiration, 
hier der i-Vocal eingesetzt worden sein muss. Plautus bestätigt 
das auf das glänzendste. Insbesondere bringt er wie vor ab 
und av , so auch gerade vor in die productio kurzer Silben. 
Dasselbe hinsidiae des Arrius stellt er in den Hiat 

Bacch. 286: Is lembus nostrae navi | insidias dabat. 

Dazu eine Fülle weiterer Belege; man nehme zunächst folgende 
zwei Verwünschungen, die das in planvoll zweimal in gleichem 
Werthe haben: 

Poen. 570 f.: Quin etiam decfderint vobis fümina | in talös yelim. 

At edepol'nos tibi [in lumbos lmguam’atque oculos in solum. 

Dazu kommen weiter: 

Amph. 622: Non soleo ego sömniculose eri | imperia persequi. 

Asin. 280: Erum | in obsidione linquet, inimicum animos auxerit. 
„ 313: Tantum facinus modo | inveni ego üt nos dicamur duo. 

„ 316: Hariolari quae öcceperunt, sibi esse [**n mundo malum. 

„ 585: Mane düm. || Quid est? || Phildenium estne h&ec quae [intus 

exit ? 

„ 698: Ne istüc nequiquam dixeris tarn indignum dictum | in me. 

n 756: Alienum hominem | intro mittat neminem. 

^ 776: Cum surgat neque | in lectum inscendat proximum. “) 


1) Von Truc. 700 sehe ich ab. 

2) Der Vers ist heil und besagt: die puella soll nicht den nächsten 
lectus wählen ; in v. 777 aber weist inde nicht auf lectus proximus , sondern 
nur im Allgemeinen auf lectus zurück. 


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313 


Asin. 897: Dixisti | in me. Sine venias mödo domum, fax<5 scias. 

940 : I domum. || Da säviura etiam prius quam abis. || I| | i n c r u c e m. 
Aul. frg. III: Ego ecfodiebam | in die denos scrobes. 

452 : Etiam | i n t r o duce, si vis, vel gregem venalium. 

Bacch. 381: Tua | infamiä fecisti gerulifigulos flagiti. 

544: Sibi ne|invidedtur, ipsi ignavfa recte cavent. 

941: Tum quae hic sunt scriptae litterae, hoc in equo | in- 
** sunt milites. 

1071: Domum reduco || integru m omnem exercitum. 

Cist. 159: (Vi), Vmulentus multa nocte | in via. 

Cure. 3: Qno Venus Cupido | im p erat, suadet Amor.') 

278: Video currentem ellum üsque | in platea ultima. 

” 334 : Qudd tibist, item sibi esse magnam argenti | inopiam. 
„ 429: Miles Lyconi | in Epidauro hdspiti. 

„ 461: Sequimini. || Leno, cäve | in te sit mora mihi. 

695 ; Hdcine pacto |indemnatum atque intestatum me arripi ? 
Epid. 23: Aut si | in mellina dttulisti. || Di te perdant. || Te volo. 
76: Quid istuc ad me | ättinet, Quo tu | intereas modo? 
falls dies nicht Cretici. 

306: Nullum esse opinor ego agrum | in agro | Attico. 

477: Produci | intus iübes. Haec ergo est fidicina. 

Men. 428: Herde qui tu recte dicis; eädem |ignorabitur. 

446: Plus triginta | annis natus sum quom | inte re a loci. 
495: Mihi qui male dicas hdmini | ignoto insciens. 

I 840: Väe capiti tuo. || Ecce Apollo mi ex oraclo | imperat. 
896: Quin süspirabo plus sescenta | in die. 

Merc. 136 : Principium | i n i m i c i s dato. 

259: Inscendo | in lern bum atque ad navem devehor. 9 ) 

* 436 : Herde illunc di|infelicent quisquis est. || Ibidem mihi. 

* 830: Limen superum | inferumque salve, simul aut4m vale. 
I 970 : Suapte culpa genere sapiunt, genus ingenio |improbant. 

Mil. 351: Neque cuiquam quam illi | in nostra meliust famulo 

familia (in nur A). 

n 1252: Per amdrem si quid fecero, clementi animo | igndscet.*) 
1400: Perii. || Haud etiam, nümero [hoc] dicis. || Iamne in homi- 
" nem | involo? 

Most. 571: Hic hdmo | inanist. || Hic homo certe häriolust. 

w 675: Atque evoca aliquem | intus ad te, Trdnio. 

Persa 69: Dimidium atque etiam | in ea lege adsenbier. 
w 93: Ne mihi | incocta detis. Rem loquitur^meranh 
* 168: Satis füit indoctae | immemori | insipienti dicere 

totiens. 

1) So P; Cupidoque Nonius und Servius. 

2) Oder Einschnitt vor atque ? worüber unten S. 345 f. 

3) Vielleicht auch clementi | animo ; s. unten unter animu8 S. 550. 


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314 


Poen. 232 : Näm quae lauta est, nisi perculta est, meo quidem animo 

quasi | inlüta est. 

„ 888 : Nisi ero meo uni | indicasso atque ei quoque ut ne 

niintiet. 

„ 1090: Iniipi'co possum ; amico | insipientiast. 

Pseud. 149: Verum ita vos estis praediti insolenti ingenio | improbi. 

die Einsetzung des insolenti (nach A) ist nur ein Ver- 
such; über die Messung ist kein Zweifel. 

„ 890: Em illic ego habito; | intro abi et cenam coque. 

„ 1103: Anapästen: eri | Imperium eqs. 

Rud. 7: Inter mortales ambulo | interdius. 

„ 22: Atque höc scelesti in änimum | in du cu nt suom. 

„ 118: Quid opüs, adulescens? || fsti |infortunium. 

„ 366: Quamvis *) timidae ambae | in scapham insilüimus quia 

videmus. 

„ 529: Ne thermipolium quidem ullum | instruit. 

„ 1342: Tum egö huic Gripo — | inquito et me tangito. 

Stich. 71: Grätiam per si petimus, spero äb eo|impetrassero. 
per A ; a patre P. 

„ 157: Quam ego meae matri refero | invitissimus. 

„ 502: Ea ego auspicavi | in re capitali mea. 

„ 733: Tecum ubi autem est, mecum ibi autem est; neuter (ne)utri | 

l n y i d e t. 

Trin. 726: Cassidem in capüt, dormibo placide I in taberndculo. 
Truc. 50: Si|increbravit, ipsus gaudet, res perit. 
sin crebravit B. 

„ 584: Ecquid auditis haec quae iam | im p erat? 

tarn f. iam codd. 

„ 762: Pdst id ego te manum | iniciam quadrupuli, venefica. 

„ 788: Ne | int er vos significetis, ego ero paries; ldquere tu[r]. 

Endlich wohl auch : •) 

Amph. 81: Hoc qudque etiam mihi | in mandatis fuit. 

„ frg. IV : Ne tu postules matulam unam tibi aquae | infundi in caput. 

Der Einsatz des in ermöglichte ferner voraufgehende Kürze in 
der Hebung, die auf m oder auf einen anderen Consonanten 
auslautet : 


1) Ich führe diesen Vers mit an, da ich ihn sicher verbessert zu haben 
glaube; Navis f. Quamvis die Hss. Zum Sprung in das Boot, zum Lösen 
des Taus gehörte Muth; daher führen die Mädchen den Sprung aus, nicht 
timidae „als Furchtsame“, sondern quamvis timidae , „obschon sie sonst 
furchtsam sind“. Die navis aber ist hier ganz überflüssig, da sie gleich 
v. 367 genannt wird. 

2) Poen. 538 giebt intus est Anstoss. 


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315 


Amph. 719: Verum non est püero gravida. || Quid igitur? || Insania. 

Cure. 438: Quia nüdius quartus venimus | in Cariam. 

Men. 877: Qui me vi cogunt üt validus | in s an i am. 

„ 506: Sanum est, adulescens, sinciput, | inteil eg o. 

„ 921: Pdtionis äliquid priusquara percipit | insania. 

„ 292: Nam equidem | in sanum esse te certo scio 

insanum esse funfsilbig; 8. oben S. 307. 

Merc. 706: Vidisse credo mülierem | in aedibus. 

Aul. 528: Miles | inpransus astat, aes censet darf. 

Bacch. 1130: Vidün limulis obscecro üt | intuentur. 

Amph. 577: Domi ego süm |, in quam; ecquid audis? 

Cist. 775: Mihi esse filidm | inventam, et Lampadionem me in foro. 
Cure. 345: Dedisti tu argentüm ? | i nquam. Immo äpud trapezitäm 

situm est. 1 ) 

Epid. 363: Mi adempsit Orcus. || Nunc ego hanc astütiam | institui. 

„ 518: Eamne ego sinam | impüne. Immo etiam si älterum. 

Persa 648: Qudius modo is | in populo | habitust eqs. 

Pseud. 449 : Iräm | in promptu gerere. Quanto satius est 
in propromptu A ?. 

Truc. 842: Eündem •) pol te iudicasse quidera istam rem | in teil ego. 
Capt. 785: Quod cum scibitür, per urbem | inridebor (Baccheen). 
Vgl. den unechten Vers 

Amph. 401: Qui cum | Amphitruone hinc una i(y)eram | in ex e reit um. 

Alle diese Stellen ergeben ohne Zweifel, dass auch in den 
Baccheen Bacch. 1127 

Renn ter | in anno tu | häs tonsitdri 

die Länge des ter sich durch folgendes in schon ausreichend er- 
klärt und dass dieser Vers für ursprüngliches terr die Beweis- 
kraft verliert. 8 ) 

Aus den übrigen Scenikern führe ich an: 

Livius Andr. trag. 12: Ipse se | in terram saucius fligit cadens(?). 

„ „ „ 41 : Quinquertiones praeco | in medium vocat. 

„ „ com. 3: — örnamento incedunt nöbili | igndbiles. 

Ennius trag. 99 : .... filiis 

Propter te obiecta sum | innocens Nerei (Cretici). 

1) Oder Hiat vor immo? s. unten S. 326. 

2) Erwarte ipsum f. eundem. 

3) Ich bemerke dazu noch, dass terruncius eine Schreibung ist, der 
die des Terrentius parallel steht; denn die letztere ist sehr häufig; s. 
Priscian u. a. Mir ist also auch die Beweiskraft dieser Orthographie 
zweifelhaft geworden. 


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316 


Ennius trag. 140: Castrfsque castra ultrö iam | inferre öccupat. 
und 112: Avi 1 ) | inter se sortiunt urbem atque agrum. 

Pacuvius 237: Qua super re | interfectum esse Hippotem dixisti. 

Gebetsformel (Festus p. 210,22): Avertas morbum mortem labern nebulam | 

impetiginem. 

Ebenso Caecilius y. 186, Turpilius 65 und noch Novius 39 (Naeyius 
trag. y. 22 minder zuverlässig). 

Hoffen wir, dass auch diese Verse das Ingenium unsrer Correktoren 
nicht länger beschäftigen werden.*) 

Hieran schliesst sich illico (aus in loco): 

Amph. 714: Ecastor equidem te certo heri ädvenientem | illico. 

Bacch. frg. I: Qui | illico errat intra muros civicos 

(bei Charisius I K. p. 201, der illico mit in loco erklärt). 

Cist. 181: Peperisse gnatara atque eam se servo | illico. 

Men. 599: Ubi primum est licitum, | illico. 

Poen. 486: Ut qufsque acciderat, eura necabam | illico. 

(Stich. 202: Adeünt perquirunt quid siet causae | illico; 
hier ist die Betonung zweifelhaft). 

Blicken wir von hieraus zunächst zurück, so ist für den 
Spiritus lenis des Volkslateins, den wir als den starken Einsatz 
auffassen, kurz Folgendes festzustellen: 

1) Er duldet vor sich nicht nur die unverschliffene Länge, 
sondern auch die unverschliffene Kürze in Senkung; vgl. 
oben Amph. 125; Merc. 64; 190; Truc. 564; Bacch. 530; Poen. 705 ; 
Rud. 538; Asin. 316 und 776; Cist. 159; Cure. 278; Men. 896. 

2) Auch die offene Länge sowie der auf m auslautende Wort- 
schluss in Hebung bleibt vor ihm unbeeinträchtigt als Länge 
bestehen; vgl. oben Amph. 523 Clanculum | abii\ As. 583 se | 
absente ; Aul. 774 qui \ abstulerit ; Men. 1011; Merc. 801; Aul. 
251 Impero | auetörque ; Men. 1087 homö | aut ; Stich. 374 Ar - 
genti | aurlque ; Pseud. 317 ; Truc. 33 und 487 u. s. f. Dies 
sind Beispiele bei anlautendem ab, av und in. Begegnen uns 
also im weiteren Verlauf der Untersuchung ähnliche Fälle , so 
sind sie hiernach zu verstehen und gerechtfertigt. Denn sobald 
auch für irgend einen anderen Anlaut der starke Einsatz wahr- 
scheinlich gemacht ist, so muss er auch hier wie dort die gleiche 

1) avi Bücheier; an Nonius. 

2) Auch Ennius trag. v. 156 R. liegt die Schreibung am nächsten: 

Ducit quadrupedum bigam |, invitam domat; 
bigam wurde als uigam geschrieben; daher iugo die Hss. 


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317 


Wirkung haben üben können; dies ist also die Legitimirung 
solcher Messungen wie dari operam Rud. 183; ferö imaginem 
Amph. 441; dicdm erae Amph. 261 ; aib mim vero Araph. 344; 
di magni | ut Truc. 701 ; mihi ex me Men. 558 ; verö extolli 
Most. 177; recti adhuc Capt. 960; obsequi animo Poen. 176; 
sum egressa Mil. 1010, die wir weiterhin kurz verzeichnen 
werden. 

Diese Annahme wird übrigens durch das Naeviusbeispiel 
vos qui accolitis, das wir dem Cicero verdanken, sicher gestellt. 
Denn wer das Naeviusbeispiel nicht anzutasten wagt, darf auch 
die Plautusbeispiele nicht antasten. Dies scheint selbstverständlich. 
Wer dagegen dem Cicerozeugniss misstraut, der verlässt den Boden 
guter Tradition und wir müssen ihn seinem ziellosen Misstrauen mit 
Bedauern überlassen. Denn welches Zeugniss könnte im Grunde 
besser sein als das Ciceronische V Cicero hat nichts Grammatisch- 
Philologisches vorgetragen, für das er sich nicht durch Männer 
wie Stilo und Varro gedeckt wusste. Er setzt jenen Vers des 
Naevius aber auch bei seinen Lesern offenbar als bekannt voraus ; 
Cicero hat diese Hiate nicht zuerst entdeckt, sondern er will an 
Bekanntes erinnern; man nahm den prosodischen Anstoss an 
solchen Zeilen allgemein; es existirte nicht der Schatten einer 
Variante. /So finden wir denn auch im Plautus vollständig 
identische Zeugnisse; auch Plautus schrieb Messmio | accede • 
huc u. a. (unten S. 343) ; und wie Naevius nach Cicero Grdii \ 
atque barbari , just ebenso schrieb Plautus pallam | atque aurum 
meum u. a. (uuten S. 345 u. 336) ! Natürlich wird das heut- 
zutage blindlings wegcorrigirt. Wer aber Augen hat, erkennt 
die Zwillingsähnlichkeit dieser Schreibungen. 

3) Auch die geschlossene Kürze in Hebung kann bei fol- 
gendem Spiritus lenis als Länge gemessen werden; denn dieser 
Spiritus lenis vertritt eben den eines Consonanten (oben 

S. 304). Man kann dies also auch so ausdrücken, dass dieser 
XQ<>vog Position macht : die Beispiele bei anlautendem a6, au und 
in sind soeben S. 309 ; 312; 315 zusammengestellt: sincipüt intel - 
lego, venimus in Cariam , miles inpransus, irdm in promptu, longiüs 
ab aedibus ; üt a vöbis u. s. f. Und es ist also wiederum nichts 
anderes, wenn wir z. B. für opus , aeger u. a. denselben Spiritus 
lenis ansetzen dürfen und wir vor diesem Anlaut alsdann auch 
die Kürze in Hebung antreffen, wie Mil. 754 quid opus , Poen. 
1067 quöd aegre tuli , Aul. 779 pater Antimachus , Men. 1160 


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318 


venibit uxör , Capt. 11 ultimüs accidito , Cure. 142 adficitür 
aerumna. 

4) Es ist endlich die Consequenz der besprochenen Eigen- 
schaft dieses Spiritus lenis , dass in aufgelöster Hebung auch 
offene Kürzen mit einem vokalischen Anlaute zusammentreten 
können; aber es ist zugleich naturgemäss, dass dies nur selten 
vorkommt. So wird uns hernach Rud. 1389 mit atque | operd 
mea , sowie auch amare mit seinem Anlaut zu einer ähnlichen 
Scansion Anlass geben. 

II. Sonstige Fälle des späteren h spurium. 

Kehren wir hiernach zur Betrachtung des Anlauts selber und 
zur Anlautssilbe av zurück, so spricht der Augenschein dafür, 
dass der Spirant v den energischeren Einsatz und schliesslich 
die Aspiration desselben begünstigt hat; ähnlich in ab, hab. 
Aber auch bei anderen Vocalen haben b und v die gleiche Wir- 
kung ausgeübt; ich verweise auf die früher nachgewiesenen 
Schreibungen Heumenides, hebrius , hobligatus , hobitua , hibiscum , 
huberu. a. m. (S. 257 ff.; 273 f.). Die Palatini des Plautus geben 
Heuclioni Aul. 822; heriatus f. ebriatus Miles 213. So hat nun 
Plautus auch diesen Anlaut mit starkem Einsatz in den Vers 
gestellt. Daher viersilbiges quamnam \ ob rem Miles 360 und 
nam quam | ob rem Amph. 553 ; wohl auch Cure. 667 Quam | ob 
rem istüc? Quia ille ita reprömisü mihi. 1 ) Daher der Hiat 
vor ebrius 9 ) und eburx 

Cure. 415: Quia vestimenta ubi öbdormivi | ebrius. 

Men. 563: Pallam üd phrygionem cum corona | ebrius. 

Most. 259: Una opera | ebur ätramento candefacere pöstules. 

Sodann : 

Amph. 252: Ipsüsque Amphitruo regem Pterelam süa | obtruncavit 

manu. 

„ 263: Attat illic huc iturust. Ibo ego illi | obviam. 

„ 321: Ölet homo quidäm malö suo. || Ei numnäm ego 1 6 b o 1 u i ? *) 

n 985: Nec quisquam tarn audax füat homo, qui | obviam ob- 
sist&t mihi. 

1) Betr. istam ob rem Epid. 705 s. die Editoren. 

2) Müller, Rhein. Mus. 54 S. 388, wagt hier sogar daran zu denken, 
dass Plautus debrius schrieb! 

3) Das Enklitikon nam scheint als einsilbiges Wort von der Ver- 
schiebung ausgeschlossen. 


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319 


Bacch. 852: Qui vir?|| Vir inquam. || Nuptast illa, |öbsecro? 

Cas. 404: Percide os tu illi ödio. Age ecquid fit? Ne | obiexis 

manum ( hodie f. odio codd). 

„ 666: Quid illi | obiectum est mali tarn repente? 

Cure. 258: Facit hfc quod pauci, ut sit magistro | obsequens. 

„ 634: Nfhil est quod ille dicit. || Fac me certiorem, | obsecro. 

Men. 533: Numquam hercle factum est. || Non meministi, | obsecro? 

„ 898 : Atque eccum ipsum hominem ;|observemus quam rem agat. 

Miles 643: Item ero, neque ego | öblocutor sum alteri in convivio. 
„ 1381 : Me quderit illic. Ibo huic puero | dbviam. 

Most. 1037 : Quid vis ? || I mecum | obsecro | una simul (?). 

Persa 74: Qui hic albo rete aliena | oppugnant bona. 

n 556: Quarta invidia, quinta ambitio, sexta | obtrectatio. 
Poen.1327: Siqufd lenoni | öptigit magni mali. 

„ 1387: Accedam. Per ego [te] tüa te genua | dbsecro. 

Pseud.1272: Cordi atque animo süo | obsequentes, sed pdstquam 

(Baccbeen). 

Rud. 265: Vos ire dicam [cum uvida veste] | öbsecro, tarn maestiter 

vestitas ? 

Stich. 461: Cum strena | obscaecavit; spectatum hoc mihist. 

Trin. 974: Nfmis argute | dbrepsisti in eapse occasiuncula. 

Truc. 445: Praeterea | obsonari, dumtaxdt, [at] mina. 

„ 513: Ubi illa | obseerd est quae me hic reliquit eqs. 

Weiter liegt ob in occidere und offirmare zu Grunde: 

Amph. 675: M&gis nunc meum | officium facere eqs. 

Merc. 82 : Amens amansque ut animum | o f f i r m o meum. 

Mil. 45 : Sunt hömines quos tu | 6 c c i d i s t i uno die. 

Amph. 275: Neque Iugulae neque Vesperugo neque Vergiliae | occidunt. 
Cure. 43: Id üti | occepi dicere: ei ancillula est. 

Aul. 274: Atque | occlude aedis; iam ego hic ddero. || Quid ego 

nunc agam ? 

Amph.frg.il: Erus Amphitruo | occup atus. 

Persa 222 : Offirmasti | dccultare qud te imraittas, pessume ? (?) 

So weit ob bei Plautus. Auch hierin aber stimmte seine 
Technik mit der des Naevius überein; denn wir lesen Naev. 
com. v. 20: 

Deprändi autem leöni | o b d a s oreas. 

Ebenso Caecilius v. 105 (?). 

Die Silbe ob erschien schon im Vorstehenden gelegentlich 
als op ( optigit , oppugnant ). Es reihen sich hieran opera , opinio 
u. ä. Wörter an; vor allem auch opilio (aus ovpilio). Es sei er- 
innert, dass auch hier gelegentlich h erscheint, hupilio , hopus u. a. 


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320 


oben S. 159 ; 261 ; so geben die Pfälzer codd. einstimmig ho - 
portuit Mil. 1336. Vielleicht hat Naevius trag. 45 Hiat vor opera ; 
sicher Afranius v. 261 ; bei Ennius lesen wir trag. v. 166 R. : 

Näm cum | opulenti locuntur pariter atque igndbiles. 

Plautus selbst aber giebt: 

Amph. 545: Pnus tua | opinione hic ädero. 

Asin. 539 : Etiam | o p i 1 i d qui pascit, mater, alienas ovis. 

Aul. 136: Ubi eä est? quis ea est nam | dptuma? (iamb. Dim.). 

„ 143: Dä mihi | d per am amabö. || Tuast eqs. (Cretici). 

Cas. 7: Antiqua | opera et verba cum vobis placent. 

Cure. 284: Nec quisquäm est tarn | öpulentus qui mihi | obsistat 

in via (?). 

„ 485: Dftis damnosos maritos apud Leucadiam | Oppiam. 

Epid. 653: Tibi quidem quod ames domi praestost, ftdicina | opera mea. 
Men. 567: Atque edepol eccum | dp tu me revortitur. 

„ 598 : Diem corrupi | d p t i m u m ; iussi adparari prandium. 

Mil. 1380: Investigabo; | öperae non parcam meae. 

„ 754: Quid | opus fuit hoc sumptu tanto nostra gratia. 

Zur Längung des quid vgl. oben S. 317. 

Most. 21: Corrümpe erilem adulescentem | öptumum. 

„ 84: Video corruptum ex ddulescente | optumo. 

( „ 165: Madent in corde p&rietes, periere hae | oppido aedis; 

haec in B). 

„1127: Qui a patre eius conciliarem pacem. Atque eccum |op- 

time (vgl. Men. 567). 

Persa 651: Emäm, | o p in o r. || Etiam opinor eqs. 

Poen. 132: Mihi reddidisti | opiparas opera tua. 

Pseud. 160: Numqui minus ea grätia tarnen dmnium | opera utor ? 

oder zu utor ? 

„ 219: Num quoipiämst hodie tua tuorum | opera cönservorum. 

^ 601: Novo consilio nunc mihi | opus est. 

ff 897: Pater Calidori, | opere edixit maxumo. 

,, 936: . . . duint quäntum tu tibi | dpt es. 

Rud. 183: Si apud me essurus, mihi dari | operam volo. 
ff 1389: Quändo ergo erga te benignus fui atque | opera mea; 
vgl. oben Epid. 653. 

Stich. 459: Auspicio hodie | optumo exivi foras. 

Truc. 328: Mihi qudque prae lassitudine | opus est lave^). 1 ) 

„ 461: Nulläm rem | oportet dolöse adgrediri. 

Vidul. 24: Dare pdssum, opinor, sätis bonum | operarium. 


1) Es kann productio im Ablativ angesetzt werden. 


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32 1 


Hiernach sei erinnert, dass uns zweimal auch hae | oves überliefert 
wird: Bacch. 1140 und 1142; wir haben uns gewöhnt haec za 
schreiben. Doch ist die Erscheinung dieselbe wie bei opilio 
Asin. 539. Vor allem aber stellt sich hier omnis ein ; denn 
omnis ist obnis ; obnibus steht wirklich CIL. VIII 7384. Wie 
häufig aber in später Zeit homo mit seinen Formen für omnis 
eintrat, ist sattsam gezeigt. Bei Plautus kommen die Verse in 
Betracht: 

Amph. 948: Redissem salvos, ea ego exsolvam | ömnia. 

Asin. 389: Si istöc exemplo | ömnibus qui quaerunt respondebis. 

„ 759: Fores occlusae | Omnibus sint nisi tibi. 

Bacch. 301 : Auferimus aurum | 6 m n e iilis praesentibus. 

„ 530: Reddidi patri | omne aurum. Nunc ego illam me velim(?). 

„ 727: Quid parasti ? || Quae parari tu iussisti | ömnia. 

Most. 171 : Ut lepide | omnes res *) tenet sententiasque amantum. 

„ 549: Dixi hercle vero | omnia. | Ei miserö mihi. 

„ 593: Quis als tu | omnium | hominum taeterrime? 

Persa 324 : Atque ego | omne argentum tibi hoc actutum incolume 

redigam. 

„ 778: Solüs ego | omnibus antideo eqs. (Anapäste). 

Pseud. 856: Ut nöstra properes ämoliri | omnia; 

A interpolirt. 

Rud. 1182: Eämus intro | omnes quando öperam promiscam damus. 

In B Rasur vor öperam. 

Truc. 294: Buccas rubrica, creta | omne corpus intinxti tibi.*) 
Schliesslich kann dies auch dem Vers Amph. 5^9 zu Gute kommen, falls 
man hier ordine als Creticus liest : Ordine | omne ut quidque actum est eqs. 
Und auch Pomponius schrieb noch so rustikan, v. 16 : 

Postquäm conveni || ömnes convivas meas. 

Nächst omnis nahm auch omen häufig das h an (S. 261); 
so steht nun der Hiat mit h spurium 

Most. 464: Di te deaeque omnes fäxint cum isto | hömine. 

So, homine , P; omine B 4 : ein A, das für den Urheber dieses Archetyps 
sicher den Hiat aufgehoben hat. 

Aehnliche Beispiele bei anlautendem ap sind dagegen selten; 
Cure. 204 ist zu interpungiren : 

Aedituum | aperire fanum. Quo usque, quaeso, ad bunc modum? 

Inter nos amore utemur semper surrepticio? 

1) Ich nehme an res keinen Anstoss. 

2) Nach A, der v. 290 bucculas f. buccas bietet, Hesse sich ev. das 
Deminutiv hier einsetzen; doch ist dies unzuverlässig. 

Birt, T‘h. , Der Hiat bei Hautus. 21 


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Ich fasse Quo usque . . . modum ? als elliptische Frage, und das 
aedituum aperire fanum hängt noch mit von audio v. 203 ab. Zum 
Hiat erinnere ich an sicil. japriri oben S. 253 ; 281. Dazu kommt : 
Gapt. 457: Ecferat sine cüstode(la). Ego | apparebö domi. 

Äpulia (Cas. 72 u. 77) steht als Eigenname für sich. Ueber Asin. 633 
s. S. 306 Anm. 1. Capt. 476 Quam in tribu | aperto capite dürfte die 
Ablativendung mit eingewirkt haben. 

Ein Fragewort wie ecquis wird naturgemäss scharf eingesetzt. 
Auch stellt sich hier wieder häufig die Aspiration in der Weise 
ein, dass ec als Pronominalform aufgefasst wird (S. 157 ; 254) ; 
so auch besonders häufig in unseren Palatini : 

hecquis oder meist hec quis , haec quis , nebst hec quid steht in P : Aul. 598 ; 
636; Men. 163; Most. 339 u. 445; Persa 108; Poen. 1044; Truc. 584; in 
B: Miles 993; Truc. 505; (cf. C) ; im Miles 794 aber stimmen sogar A und 
P in dieser Schreibung überein. Und auch Festus giebt haec quis für 
Plautus, s. Bacch. fr. VII. Vgl. noch haec castor f. ecastor Bacch. 1131 
in B; haec ferte f. ecferte Merc. 911 u. Mil. 1338 in P. 

Dem entspricht nun wieder die Messung bei Plautus: 

Bacch. 235: Ibo in Piraeum, visara | ecquae advenerit; 
ebenso Poen. 385; vielleicht auch Amph. 577 (s. oben). 

Nicht anders eccum Men. 286; Most. 560; Truc. 320. Der 
Versictus aber trifft stets die erste Silbe. 

So wurde oculi spät zu hoculi (oben S. 260); daher dieHss. 
des Plautus occulus geben in Erinnerung an das Neutrum hocc\ 
s. Aul. 555; Cas. 391; Men. 156; Trin. 245, wie Eccuba 
Bacch. 963. Aber auch das h wird in der merkwürdigen Stelle 
Most. 325, die das Lallen des Trunkenen malt, vorgeschlagen: 
Hd ho hocellds meus! 

So B ; ähnlich CD ; dies scheinen Cretici : eine werthvolle Stelle ; 
denn Niemand kann hier verkennen, dass der Zweck der 
Schreibung des h gewesen ist, den Hiat zu decken. So steht 
nun auch bei Naevius com. 18: 

cum cäepe edundo | dculus alter profluit; 
bei Plautus aber: 

Asin. 769: Ad eörum ne quem | öculos adiciat suos. 

Ebenso Men. 827 Viden tu illi I oculos vir er e ; ebenso Men. 841 
und 882; Cure. 15; Mil. 1234; 1259; 1330 ; Poen. 694; Rud. 494; 
Cornicularia fr. V : 

Qui amant ancillam meam Phedulium | öculitus; 


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323 


endlich auch: 

Bacch. 913: Lippi llle | oculi servos est simillimus. 

Den Vers Men. 882 aber wiederholt später Ausonius Sept. Sap. 
y. 131 mit demselben Hiat : 

Lurabf sedendo, | oculi spectando dolent, ( 
derselbe Auson, der ebendort v. 202 Mitylena | ortus setzte (oben 
S. 206). Auch hier trifft übrigens der metrische Ictus 
meistens die erste Silbe. 

Weiter ist das h spurium für aedes belegt (bei Plautus 
selbst hedibus Poen. 78 inD, hedis Men. 816 BC) ; dementspricht 

Most. 400: Omnium prinumdum | aedes iam face occlusae sient, 

bestätigt durch Most. 423; 686; Bacch. 312; Merc. 1158; vor allem 

Men. 1158: Venibunt servi supellex fündi | aedes, ömnia. 

Bei der Auction wird jedes Wort einzeln ausgerufen, und eine 
Verschleifung wäre hier am wenigsten angebracht. Dazu Tithrius 
v. 130 : Verrite | aedis eqs. 

Dasselbe für giere: daraus erklärt sich: 

Cure. 369 : Tu tabellas consignato, hic ministrabit, ego | edam; 

daher auch Aul. 430 6go edim zu betonen: 

Utrüm crudum an coctum ego | edim eqs. 

Ferner Men. 249: Dictum facessas, datum | edis, caveäs malo. 

Wer wird angesichts der Aehnlichkeit dieser Stellen zweifeln 
können, dass hier der Anlaut im Spiele? ego edim ist so vier- 
silbig wie igo edam wie datum edis , und eins vertheidigt das 
andere. Ferner 

Mil. 24: Nisi ünum: epityrum | estur insanum bene. 1 ) 

Cas. 550: Pröpter operam illius hirqui iraprobi i edentuli. 
Dagegen macht Cas. 126 sonstige Schwierigkeiten: 

Post autem ruri nisitu acervom | ederis; 
ruri ist richtig; „wenn du ferner auf dem Lande, von dem ich spreche“ 
u. s. f.; es fehlt jedoch zu acervom ein Genitiv, oder aber acervom selbst 
ist verschrieben; die alte Vermuthung wird, modificirt, richtig sein: nisi 
tu aut ervom ederis . Der geschärfte Anlaut bleibt auch so bestehen.*) 

1) Nach A; man könnte freilich das medium tempus auch vor dem 
Fremdwort tpityrum ansetzen; über den Anlaut der Fremdwörter s. unten. 

2) Wie aut ervom zu acervom , so ist Capt. 1003 aut coturnices zu 
acorturnices , Poen. 80 aut mandare zu amandare geworden ; s. Kohlmann 


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§24 


Endlich in 

Cure. 55 : Qui e nüce nuculeum | esse volt, frangit nucem, 
ist nuculeum besser auf der ersten Silbe zu accentuiren und das Beispiel 
vielleicht zu ex zu ziehen. Uebrigens Novius v. 70: ' 

Süpparum purum Melitensem; interim | escam meram (?). 

Dasselbe für emere (oben S. 145 und S. 255 ; adhimerant 
f. adimerent giebt P, Mil. 732; hemistin CD, Trin. 124): 

Aul. 377: Abeo illim iratus, 1 ) quöniam nihil est, qui | emam. 

Merc. 208 : Si illam matri meae | e m i s s e dicam ; post autem mihi. 

Etwas weniger sicher Cas. 347. Wohl aber kommt Cure. 382 
hinzu, denn ich lese hier: 

Cupio äliquem | emere puerum qui usurarius(t). 8 ) 

Dasselbe für usus , uti (s. S. 264); dem entspricht: 

Poen. 727: Mox cum ad praetorem | usus veniet. || Meminimus. 

Pseud. 1129: Poplo strenui, mi improbi | usui sunt. 

Ebenso Pseud. 160 bei utor (?), Rud. 533 bei uterer; ebenso 

Amph. 498: Cum Alcumena uxore | usuraria. 

Dasselbe für orare , orator (S. 261; 287): daher 

Merc. 607 : Disperii, illaec fnteremit me modo | oratio. 

Dasselbe für ara (haram schreibt B, Rud. 1333); daher 
Merc. 676; s. oben S. 76 u. 311. 

Dasselbe für aridus (karidus oben S. 145; 253); daher 
Boeotia fr. I v. 9: 

Maiör pars populi | äridi reptant fame. 8 ) 

1) Die Hss. iratus illinc ; die Umstellung empfohlen durch Poen. 445 
u. 455. 

2) Nicht dieser Vers, sondern der folgende giebt Anstoss: 

Nunc mihi quaeratur, usus est pecunia, 
wo mindestens ein qui vor usus fehlt; es wird dagestanden haben: 

Puer mihi quaeratur qui usus est pecunia, 
und der Vers war eine Dittograph ie zum vorigen. 

3) Zwar gilt das Adjektiv aridus eigentlich vom Durstenden; doch 
vgl. z. B. Vita Beati Leudegarii Martyris I v. 352 

Ut lupus infestus siccis dum faucibus aret, 
was freilich aus Verg. Georg. IV 427 herstammt, wo es vom Flusse gesagt 
ist; vor allem aber hilft Corp. gloss. IV 75,24, wo Faucibus siccis mit fame 
aridis erklärt wird; dies ist eben die Verbindung fame aridus , die auch 
Plautus braucht. 


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325 


Dasselbe für aetas (S. 251); aetas steht für aev[i]tas ; das v 
erklärt die Aspiration; bei Plautus viermal mit starkem Einsatz, 
Cas. 47; 240; Men. 675; Trin. 15; denn Cas. 240 ist senecta \ 
aetate genau so zu trennen wie ibid. v. 259. 

Dasselbe für fre, oben S. 258; so lesen wir 

Aul. 712: Attät ecce ipsum; | ibo ut hoc condara domum. 

Bacch. 354: Senex in Ephesum | ibit aurum arcessere. 

Trin. 885: Si ante lucem | ire occipias eqs. 

Entsprechend ist Rud. 656 zu betonen. Endlich steht introibis 
als ein viersilbiges Wort, Bacch. 907 ; daher auch quoquo | ibo 
Aul. 449; illo intro | ieris Merc. 570 nach CD; die Differenz 
zwischen o und i war besonders gross und erleichterte den con- 
cursus ; s. Quintilian oben S. 305. Man denke auch an späteres 
cohire f. coire (oben S. 183). 

Dasselbe für aestimo; s. S. 251; daher 

Capt. 682: Dum ne ob male facta peream, parvi | aestimo. 

Dasselbe für aerumna ; s. S. 251; der starke Einsatz ist bei 
diesem Wort wie bei anderen im Stande, voraufgehende Kürze 
in der Hebung zu halten : s. Cure. 142. 

Dasselbe für unus , s. S. 264; daher 

Amph. 280: Nisi item | unam, verberatus quam pependi perpetem. 
Bacch. 433: Cum librum legeres, si | unam peccavisses syllabam. 

Cas. 59 : Propterea | una cönsentit cum filio. 

Most. 1037: Quid vis ? || I me cum | öbsecro |, unä simul. 

Men. 526 : Atque huc ut addas äuri pondo | ü n c i a m. 

Dazu die Anapäste, Trin. 834: 

Bonaque ömnia item | una mecum eqs. 

Vgl. noch Stich. 489. Vielleicht so auch Most. 557; nach dem 
Genitiv auf -ae Truc. 435. Man lese nach diesen Beispielen 
Bacch. 407 : 

Perdidit, pessura dedit tibi filiuin uni | unicum, 

um sich von der Plautinischen Heilkur Bothe’s auch hier zu 
befreien. Sowohl uni wie unicum werden mit dem Nachdruck 
der Innigkeit gesprochen, und dies steigerte den Einsatz. 

Dagegen Bacch. 51 u. Trin. 1185 nicht sicher; Truc. 870 ist gerit 
sinnlos; ich denke, es ist auszufüllen: 

Quin si unum obsideätur, aliud perfugium (est quo se in)gerit. 

Das Fragment des Pomponius v. 41 giebt keine Sicherheit. 


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326 


Es folgt os, oris und os , ossis ; s. oben S. 145; 262 u. 159; 
283: hos lesen wir Persa 283 in A und D; Mil. 189 in P; 
hora Men. 1019 in P; hostium P öfter; Most. 768 in ACD und 
795 in AD; Stich. 449 in ACD; Plautus selbst schrieb: 

Poen. 1113: Specie venusta, | 6 re atque oculis pernigris. 

Vgl. dazu Merc. 745 (oben S. 307 ). Auch Cas. 496 scheint tibi 
os dreisilbig. Und noch Titinius bietet v. 119: sibi promitti \ 
oreas. Dies bestätigt das Verbum orare oben S. 324. Andrerseits: 

Poen. 1235: Datö mihi pro offa sävium, pro | osse linguam obicito; 

die Concinnität spricht sogar dafür Dato mihi pro | offa eqs. zu 
scandiren. 

Ueber holfacere , hodor s. S. 260 ; dazu bei Plautus : *) 

Men. 167: Sümmum | olfactare oportet vestimentum muliebre. 

Zu in stehen immo , imago in näherer lautlicher Beziehung ; 
über ihr h spurium S. 258; 291; so können wir lesen: 

Cure. 345: Dedisti tu argentum? l'nquam. | Immo äpud trapezitam 

situm est. 

Amph. 141: Et servos cuius ego hänc fero | imäginem. 

Pseud. 1202: $ri | imagine öbsignatam eqs. 

Der feste Einsatz schützt hier, wie anderswo, auch die Länge; 
s. oben S. 317. 

Zu annus , hannus s. S. 253; so schreibt Plautus: 

Men. 446: Plus triginta | ännis natus eqs. 

Bacch. frg. I: Qui | ännis viginti errans a patria afuit. 

Genau ebenso 

Titinius v. 25 : Quae {nt er decem | anno s nequisti ünam togara detexere. 

Damit ist aber anus , „der Ring“ identisch; vgl. 

Men. 85: Tum compediti | änum lima präeterunt (t anum CD). 

aeger , haeger S. 251; Plautus: 

Poen. 1071: Quo me privatum | äegre patior mortuo; 

bestätigt durch Poen. 1067, wo mit gelängtem quod steht: 

An mortui sunt ? || Factum quod | a e g r e tuli. 

1) CJnd zwar scheint auch die Plautusüberlieferung das h spurium hier 
zu kennen; denn Mil. 1255 ist das scio edepol facto am besten mit Vahlen 
in scio hercle olfacio zu verbessern; d. h. P fand in seiner Vorlage scio 
erde holfacio vor. 


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327 


ancilla , hanciUa S. 253 ; Plautus : 

Poen. 1130: Agnöscin Giddenenem | an eil 1 am tuara? 

bestätigt durch Livias Andronicas trag. v. 26: 

Ego puerum intereä | aneil lae subdam lactantem meae. 1 ) 

Das allium oder alium ist zu halare zu stellen; 2 ) Plautus 
schreibt : 

Most. 39: Dique ömnes perdant: oboluisti | alium, 

mit deutlicher Allitteration des Spiritus lenis. 

Ueber eruSj herus s. S. 256 ; bei Plautus sind die Beispiele 
Capt. 224; Stich. 650; Amph. 347; Mil. 481; Poen. 824 ( homi- 
nis ?) von geringerer Evidenz; dagegen Cist. 620 und 674: 

Ego inspectavi, | erus hanc duxit postibi. 

Si | era mea*) scidt tarn soeördem esse quam tu. 

Diese Beispiele erklären uns das weitere, Amph. 261 : 

Qui Pterela pot(it)are rex solitust Haec si dicam | erae. 4 ) 

Ebenso wird aestus , haestus (s. S. 251) von Plautus bestätigt: 

Poen. 43: Nunc dum scriblitae | aestuant, occurrite. 

Ebenso agere hagere, actum h actum \ vgl. zunächst: 

Pacuvius v. 297: Ut(f) quae | egi ago axim verruncent bene. 

Dazu Stich. 221: Logos ridiculos ventlo. | Age licemini. 

So zweimal actutum: 

Cure. 727: Placidum te hodie reddam. || Age ergo, recipe | actu- 

tü m. || Licet. 

Nervolaria fr. I: Scobina[m] ego illum | actutum adrasi <s)enem. 

1) Dazu anchora; Naevius com. v. 52: 

In älto navem iübet destitui | anchoris; 
vgl. in hanchoras oben S. 156. 

2) Oben S. 152; 252; vgl. 0. Schräder bei Victor Hehn Kulturpflanzen 
und Hausthiere, 6. Auflage, S. 203. 

3) Lies med statt mea. 

4) Amph. 347 ist dagegen etwas ausgefallen; Mercur hatte drei Fragen 
gestellt, „wohin? wessen und wozu?“ Sosia muss auch drei und zwar 
gleich alberne Antworten geben, also : 

Huc eo, (hoc volo), eri sum servos. Numquid nunc es certior? 

Zu Capt. 685 s. die Editoren. 


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328 


Dagegen ist für i gitur, ein enklitisches Wort, dieselbe Funktion nicht 
glaublich. Rud. 928 ff. sind anapästische Dimeter abzutbeilen, dazwischen 
steht die erste Hälfte des v. 930 als Paroemiacus (wie v. 926* Nee mihi 
con8ciu8t ullÜ8 homo ); also: 

Iam ubi Über ero, igitur demum. 

Ebenso sind für aequos die Beispiele unzuverlässig. Mil. 1070 facto 
ndne ut facere | dequom wäre fehlerhaft, da die vorletzte Senkung kurz 
statt lang; wie hier ein te, so ist also auch C-apt. 995 ein me zu ergänzen. 
Darum ist auch 

Men. 502: Si | aequom facias, mihi odiosus ne sies 
zu beanstanden. Dass die Zeile in A mit si anhob, ist mehr als zweifel- 
haft; s. ed. Scholl; vielleicht schrieb Schöll richtig: Eas , si aequom 
facias ; ich ziehe vor : Fac si aequom facias , mihi odiosus ne sies. 

III. Eigennamen. 

Bis hierher leitete uns das h spurium. Andre Fälle des 
sog. Hiates sind durch sich selbst einleuchtend. Zunächst die 
Fremdwörter. Es kann nicht Zufall sein, dass gerade vor 
Eigennamen so häufig offene Silben stehen; so lehnen auch 
im Vergilischen Hexameter Eigennamen und Fremdwörter oft die 
Verschleifung ab. Ein Eigenname wird oftmals mit besonderer 
Sorgfalt gesprochen, seinAnlaut mit mehr Gewicht oder auch mit 
mehr Vorsicht eingesetzt; ein XQ ( > V °S geht seinem Vocal voraus. 
Dies gilt späterhin noch bei Volcatius Sedigitus, der fr. 1,13 
Bähr. vor Ennius Hiat setzt. Ebenso wird von Plautus der 
Name Amphitruo behandelt im gleichnamigen Stück v. 145; 
401; 471; Älcumena Amph. 498; Athenis Mil. 439; Atticus 
Epid. 306; Poen. 497 Aphrodisiis ; Bacch. 307 Ephesiae ; 799 
Artamo ; Pseud. 532 Ayathocli; Cas. 134 Olympio ; Ergasile 
Capt. 833; Aetoli Capt. 824: Aesculapium Cure. 389; Apulus 
Cas. 77 ; Oedipo Poen. 443 ; entsprechend Men. 13 das Fremd- 
wort antelogium. 1 ) 

Alle diese Wörter zeigen das gleiche Verhalten; sie sind 
also auch mit in und ab in ihrer Hiatfähigkeit auf gleiche Linie 
zu stellen und können demnach auch voraufgehende Kürze in 
Hebung stützen; so geschehen Aul. 779: Mens fuit pater | An - 
timachus . 2 ) 

1) Wir haben also nicht nötig hier zweisilbiges huic anzusetzen. 

2) Auch Cas. 72 Et hic in nostra tirra in | Apülia ? ! mit einer Pro- 
sodie, die sehr auffällig, aber schwer zu beseitigen ist. 


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329 


Auch hier taucht dann überdies gelegentlich das h spurium 
auf. Lesen wir Bacch. 987 nunc ddest exüium | Uio , so werden 
wir an späteres Hilienses gemahnt; lesen wir Men. 601: 

Quam | hodie uxori | äbstuli atque huic detuli | Erötio, 

so weiss man , wie gut bezeugt die Schreibung Heroti ist (oben 
S. 256). Auch Ergasiius lautet mit h an in B, Capt. 833. 
Hennius f. Ennius steht bei Nonius II S. 65,2 in L. 

Besonders wichtig und schlagend endlich aber ist Alis und Aleus 
in den Captivi; das Wort kommt dortselbst 23 Mal vor; nun 
sorgt Plautus 18 Mal dafür, dass ihm ein Consonant vorausgehe, 
d. h. der Anlaut dieses Namens ist offenbar nicht im Stande, 
voraufgehenden Vocal zu absorbiren; so auch das Argumentum 
v. 3. Wo aber vocalgleiches m voraufgeht, da bleibt es stets unver- 
schliffen; es sind die vier Fälle: v. 24 und 93 cum | Aleis; v. 31 
equitem \Aleum; dazu v. 169: 

Nam eccdm hic captivom adulescentem | A 1 e u m. 

Aus alledem folgt, dass wir endlich v. 880: 

Et captivom illum Alidensem eqs. 

die Elision nothwendig zu vermeiden und illum als zwei Kürzen zu 
lesen haben. 1 ) Woher nun dies Verhalten? Man hat längst daran 
erinnert, dass der Name Alis , Elis altes Digamma hatte. Da- 
her finden wir auch *Hhg (Lentz a. a. 0. S. 657). Es ist nicht 
zu behaupten, dass Plautus dies Digamma, 2 ) wohl aber wahr- 
scheinlich, dass er einen Spiritus sprach , der das Digamma zu 
ersetzen .pflegte. Auf alle Fälle war der Anlaut des Wortes 
spröde geblieben gegen jede Synalöphe: einer der evidentesten 
Beweise, dass bei den Plautinischen Hiaten der Anlaut das Ent- 
scheidende war. 

An die Betrachtung der Eigennamen ist aber auch Amph. 
598 anzureihen; hier wird nämlich das Pronomen egomet „der 
Ich“ als Eigenname behandelt. Sosia sagt: ich traute mir, dem 
Sosia, selbst nicht mehr, bis jener Sosia „Ich selbst“ bewirkte, 
dass ich ihm Glauben schenkte: 

Dönec Sosia l'lle | „Egomet“ fecit sibi uti crederem. 

1) Vgl. z. B. das ülum Mil. 1231 ; oben S. 44. 

2) So A. Spengel Philol. 37 S. 416. 


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330 


„Jener Ich“ ist mit Deutlichkeit und besonderem Einsatz ge- 
sprochen. Nach diesem ille „ egomet a aber beurtheile ich weiter 
jenen ille ultimus Capt. 11; nltimus tritt auch hier für den 
Namen selbst ein, den der Sprecher nicht weiss: 

Negat hercle ille | „ultimus“. Accedito. 

Dieser Yers duldet keine Abänderung. Das ille egomet ist da- 
mit bestätigt. 

Schliesslich würde ich auch Amph. 785 diesen Beispielen anschliessen, 
wenn nicht der Sinn hier folgende Ergänzung erheischte: 

Tu peperisti (alium) Ämphitruonem, ego alium pepori Sosiam ; 
vgl. v. 826 Amphitruo alias. 

IV. Pronomina unter dem Versictus. 

Nähern wir uns dem Gebiet der demonstrativen Pro- 
nomina. Sie sind in den meisten Fällen enklitisch oder pro- 
klitisch; wo sie aber in Betonung stehen, da gewinnt ihr i- 
Vocal, der schon an sich dem Hiat günstig ist (s. Quintilian), 
besondere Energie und wird mit neuem Luftstrom, der den 
Stimmbandverschluss sprengt, eingesetzt. Dabei ist auffällig und 
sicher nicht zufällig, dass die Pronominal form fast immer unter 
dem lctus des Verses steht. Nehmen wir zuerst Bei- 
spiele der Antithese: 

cum häc cum | l'stac steht Cas. 612; 

ne | ist am amittam et ha ec mutet fidem Mil. 983; 

wahrscheinlich ist darum auch Truc. 38 dum hüc dum illuc 
fünfsilbig zu sprechen, und ich lese hier: Dum hüc dum illuc 
rite (i t)or(quet\ impedit . Verwandt damit 

Most. 1032 : Turbävit ? || Iramo | exturbavit omnia. 

Der Gegensatz bewirkt, dass exturbavit mit Wucht einsetzt, 
dass also der Sprecher zwischen immo und ex ein deutliches 
interstitium eintreten lässt, das sich eben von selbst einstellt, 
wenn man den Vers lebhaft vorträgt. 

Uns kümmert hier weniger, dass auch ille später hie und 
da das h annahm (vgl. bes. S. 293); das Wichtigste ist, dass es 
im Satz den Ton hat und mit einem gelinden Stoss gesprochen 
zu denken ist. Vgl. noch Amph. 134: 

Meus Alcumenae. | lila illum censet virum, 


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331 


also am Satzanfang; ganz so auch Men. 1123. Merc. 530 wieder 
in Antithese: 

Ego te rederai, | f 1 1 e mecum oravit. || Animus rediit. 

Betontes illi qui steht in Antithese Merc. 715. Auch die 
Baccheen Most. 315: 

Nam | i 1 1 i ubi fui mde 
geben eine starke Hinweisung. 1 ) 

Ganz anders die folgenden drei Fälle, von denen sich einer 
durch den andern erklären lässt. Cure. 22 will der Adulescens 
im Beginn des Stücks seine Geliebte weder nennen noch auch 
nur deutlich auf sie hinweisen; er bringt nur ein unerwartetes 
iZZa, „wenn sie — du weisst, wen ich meine — heimlich zu 
mir kommt:“ 

Cum | lila noctu clanculum ad me exit, tacet. 

Hier ist das Pronomen mit aller zärtlichen Inbrunst einzusetzen; 
es vertritt aber ferner auch die Stelle des Eigennamens und 
kommt damit jenem egomet gleich, das vorhin Erwähnung fand. 
Genau ebenso der Puer im Miles 1379; er soll den Miles auf- 
suchen; die Handlung überstürzt sich aber und der Bursche ist 
so in Eile, dass er ihn gar nicht nennt und nur ein hastiges 
illum — „jenen , um den es sich handelt“ — dafür einsetzt ; 
der Dichter hätte hier ja, wenn er gewollt, sehr leicht militem 
statt illum schreiben können und so einen glatten Vers erzielt. 
Der Yers ist also heil und nur iam f. nam zu lesen. Dasselbe 
Verfahren kehrt mit demselben Hiat aber nochmals Merc. 730 
wieder, wo illa für „die Dingsda^ steht: illast war schon v. 728 
vorausgegangen; „willst du den Namen der illa nicht nennen?“ 
Verlegen stammelt der Gefragte: 

Istä quidem | „illa“ est. || Quae „illa“ est? Illa . . . || Iohia. 

Dass diese drei Belege gleichartig und dass also der Auslaut 
des voraufgehenden Wortes mit dem „Hiat“ nichts zu schaffen 
hat, lehrt der Augenschein. 

1) Position macht das Wort Carm. epigr. 58, 1 ; 

Omnes hei mei sunt ; filius | illum manu, 

in einem Gedicht, das älteren Stil nachahmt und auch zweisilbiges tun 
dem zeigt. 


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332 


Natürlich kommt auch in is, id derselbe Kehlkopfverschluss- 
laut im Anlaut unter denselben Bedingungen zur Geltung: 
ßacch. 269: Habetin aurum? | id mihi dici volo, 

sowie ea am Satzanfang Cure. 46, eam Cist. 568. *) So auch 
das id Most. 1012 (s. cod. A), wo wir ein hercle nicht brauchen. 
In Anapher steht es Truc. 466 : 

Id illi morbo, | i d illi seniost, ea illi miserae miseriast. 

Denn zweifellos muss hier auch das zweite id den Accent er- 
halten. Ganz ebenso Most. 628. 

Danach beurtheile man inde Aul. 709, itidem Cure. 450, 
sowie vor allem ita , dessen spitzer Anlaut, wenn stark heraus- 
gehoben, auch stark absetzt, zumal wenn es dem ut voran oder 
überhaupt vorne steht : 

Amph. 1077: ... Tötus timeo: | ita me increpuit Iuppiter. 

und 1081: Väe mihi Amphitruo: | ita mihi animus etiam nuncabest... 

Vgl. weiter Aul. 69; Cas. 343; auch Cure. 452, wenn man nam 
tilgt. Ferner 

Capt. 678: Facta esse | ita ut,(i) dicis, et fallaciis: 

Oapt. 372: Cum servitutem | ita fers ut ferri decet; 

sogar 

Mil. 1356: Et si | ita sententia esset, tibi servire malui. 

Nicht anders ihi Cas. 73 ; Pseud. 425 ; Rud. 55 (Rud. 1003 unsicher). 

Endlich Cas. 13. Dieser Prolog nennt uns den Plautus selbst 
gar nicht, sondern spricht nur von „Plautinischen“ Komödien; 
darauf wird v. 13 der Dichter selbst als allbekannt mit ein- 
fachem eins eingeführt, in welchem Genitiv doch aber die Haupt- 
sache der Verkündigung, der Name des Verfassers, enthalten ist. 
Daher mit Hervorhebung: 

Antiquam | e i u s edimus comoediam. 

Dies eins steht also wieder statt eines Eigennamens, und der 
Hiat und das „vastum“ seiner Aussprache giebt ihm Wichtigkeit. 
Vgl. übrigens die Schreibung heius oben S. 147 ; 204; Truc. 967 in B. 

Es folgt iste und ipse; histis Mil. 658 in P; ebenso scheint 
Mil. 552 histham f. ista in P gestanden zu haben. Auch istuc 
erscheint nun betont: 

Aul. 546 : .... et di faciant ut siet 

Plus plusque; | istuc söspitent quod nunc habes. 

Trin. 582: Tu | istuc cura quöd iussi; ego iam hic ero; 

1) Vgl. Schreibungen wie heae oben S. 158; 269; auch Stich, argum. 
H 1 in CD. 


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333 


sowie abrupt eingesetzt: 

Truc. 684: Quid id est amabo? | istaec ridicularia eqs. . 

Ygl. auch Epid. 406. Poen. 712 liegt aller Nachdruck auf ipsi: 

specta ad dexteram: Tuos servos aunim | ipsi lenoni dabit! 

Aehnlich auch Merc. 89. 

Man beachte endlich auch hier, dass an allen diesen Stellen 
die Pronominalform zugleich den Ictus des Verses trägt; die 
metrische Betonung steigert die logische. Dies ist nur Cas. 378 
quia | isti prius quam mihi est nicht der Fall. 1 ) Doch ist auch 
hier isti mit Indignation hervorgehoben. 

Wenig überzeugend sind dagegen solche Stellen, an denen diese Pro- 
nomina des Eigentons entbehren und in die Masse der unbetonten kleinen 
Formwörter zurücksinken. Eben diese Stellen geben aber zumeist auch 
sonstigen Anstoss: Amph. 149 Ä pörtu | illic wirkte das u des Ablativs 
mit ein (oben S. 306)*). Aul. 671 ist ego so sicher zu verschleifen wie 
v. 670, s. unten S. 348. Auch Cure. 398 wird unten seine Stelle finden. Mil. 1314 
und 1338 ist die Messung omnid quae isti dedi nicht ausgeschlossen. 
Bacch. 489 s. A; Baccb. 249 und Men. 719 s. den Anhang. Auch Men. 9: 

Quo | illud vobis graecum videatur magis 
scheint aus demselben Grunde unmöglich; ich lese: 

Quo fit ut vobis graecum videatur magis; 

Subjekt ist das argumentum aus v. 5. Asin. 141 giebt das Ptc. amans 
Anstoss ; ich vermuthe : 

Quae prius quam istam adii atque amavi et animum meum isti dedi. 

Zu Capt. 964, Cure. 641, Most. 338; 1172 s. die Editoren. 8 ) Ganz zu 
verwerfen Pseud. 784, wo eum weder den Accent noch den Ictus hat. 

Bestätigend aber kommt weiter der Gebrauch des ego hinzu, 
nebst betheuerndem equidem , das doch auch meistens das Subjekt 
der ersten Person hervorhebt. Nachgestellt kann ego den Hiat 
nicht stützen, wohl aber wenn es vorantritt. Stets wirkt 
auch hier der Versictus mit. Zunächst equidem : 

Poen. 1391: lam pridem | equidem istäs scivi esse liberas. 

1) Vielleicht auch Trin. 321 : 

Qui | ipsus sibi satis placet eqs. 

2) Hier muss der Schluss cum läntema advenit verschliffen werden, 
wie v. 406 zeigt. 

3) Aul. 418 erklärt Personenwechsel den Hiat: Mihi. || Istud male 
factum arhitror eqs., sofern anapästischer Anlaut nöthig (Seyffert in 
Bursian’s Jahresber. Bd. 31 S. 63). Truc. 909 kann nicht benutzt werden, 
da das exefficias in P doch eben den Hiat aiifhebt. 


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334 


Die Ueberlieferung mequidem setzt hier dieselbe Accentuirung voraus. 
Truc. 200: Sam | e q u i d e m illi uterum, quöd sciam, numquam extumere sensi ; 
so nach A. 

Amph. 964: An id ioco dixisti? | Equidem serio ac vero ratus; 

hier also mit Antitheton; dasselbe Antitheton nun auch bei ego 
Cas. 781: 

vos tarnen cenabitis 
Cena ubi erit cocta; | ego ruri cenavero. 

Miles 23 mit Nachdruck ego = „ich selbst“ oder „ich von selbst“ : 
Me sibi habeto; | ego me mancupio dabo, 

falls nicht ei ego zu lesen (s. P). Bei der Erkennung das Ueber- 
raschende ego sum Sosicles Men. 1123. Im Miles 142 ist es 
dem Palaestrio wichtig, dass er das Loch in der Mauer selbst 
gemacht, daher ego perfodi . So endlich auch Mil. 554: quidni 
fateare | ego quod viderim ? denn diese Lesung scheint sicher. 

Auch Cas. 786 wäre diesen Stellen passend anzuschliessen, wenn nicht der 
Begriff rus „aufs Land“ fehlte; dies t'us scheint unentbehrlich und nach 
v eniamus einzusetzen. Stich. 344 ist unhaltbar; vielleicht fiel ein Imperativ 
i vor iam aus. Cas. 740 sind Baccheen zu lesen : sapis sdne und tuos sum 
iquidem mit Verschiebung. Dagegen Men. 292 Nam | equidem ? (oben S. 315). 

Diesen Beispielen entsprechend kann dann aber auch be- 
theuerndes enim vero mit gleicher Kraft den Vocal aufnehmen: 
Amph. 344: Am vero? || Aiö | enim vero. || Verbero. || Mentiris nunc: 

„ich sage das — wahrhaftig!“ Bevor enim vero einsetzt, wird 
deutlich abgesezt. Es ist dasselbe enim , das Plautus auch oft 
an den Satzanfang stellt (vgl. z. B. Capt. 593; 628; Poen. 280). 

Dazu kommt edepot, Asin. 896, am Satzanfang; auch dies 
duldet hier vor sich offene Länge in Hebung. 

V. Sprechpausen. 

Linderte in allen diesen Fällen das Exspirationsgeräusch im An- 
laut den Vocalzusammenstoss, so wird nun ein „medium tempus“ 
beim concursus vocalium noch begreiflicher, wo geradezu Sprech- 
pausen eintreten. Dafür sind die Belege natürlich nur ver- 
einzelt, und wir müssen uns, um sie aufzufassen, die Art ver- 
gegenwärtigen, wie der Schauspieler den Wortlaut sprach und 
zur dramatischen Wirkung brachte. Im Truc. 757 hat Diniarch 
Geschenke geboten und redet die Magd an: „auf ein Wort“! 


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335 


„Sprich“. „Lass mich ein“! „Du lögst! Das sind drei Worte 
statt eines, und obendarein erlogene oder falsche“; falsch sind 
die drei Worte nämlich auch deshalb, weil sie vergeblich* sind 
und Diniarch gar keinen Einlass erhallt ; daher also mit Pause : 

Unum aiebas, tria iam dixti verba — atque mendäcia. 

In dieser Pause ist die Ancilla zur Thür geeilt , und indem sie 
eintritt und die Thür dem Liebhaber verschliessen will, fügt sie 
erst lachend das atque mendacia hinzu. — > Bacch. 736 w T ird ein 
Brief diktirt ; die Sätze kommen abgerissen dictando zum Vortrag: 
Quia tibi aurum reddidi — et quia non te fraudäverim. 1 ) 

So werden auch in dem Briefdiktat Asin. 756 ff. absichtlich die 
Hiate begünstigt; der fertige Brief Pseud. 998 ff. dagegen ver- 
meidet sie. Aehnlich sehen wir das Stammeln des Sünders 
gemalt, mit Hiat nach der Kürze, Aul. 738: 

Fäteor peccavisse — et nie cülpam commeritdm scio. 

Dieselbe Zweiheit der Sätze bei lebhaften Ausrufen eines Deli- 
rirenden, Cist. 284 

I, adfer mihi arma! — et loricam adducito!*) 

Beim Befehl, Persa 835 (doch minder sicher; s. P): 

. . . cave ergo sis malo — et sequere me! 

Der Prolog Casina beginnt, v. 1 : 

Salvere iubeo spectatores optumos, 

Fidem qui facitis maxumi — et vos Fides. 

Der Zusatz et vos Fides hat etwas Ueberraschendes und der 
Sprecher setzt ab, ehe er ihn hinzufügt. Allemal wird hier, 
wie man sieht, der Zusatz mit et oder atque eingeführt. Nicht 
anders Cas. 782. Hier ist das junge Paar soeben vermählt 
worden und soll aufs Land; der lüsterne Senex Lysidamus will 


1) Dagegen ist Capt. 534 wo die Metren wechseln, die Messung 
fraglich; ich lese zwei katal. trochäische Dimeter; 

Nunc enim vero ego öccidi ; 

Eunt ad te hostes, Tyndare; 

worauf zwei akatal. troch. Dimeter (oder ein Octonar) folgen; vgl. dazu Aul. 
824 f. u. 827 f. 

2) Es wäre leicht hier ein mi nach loricam sowie Aul. 738 ein me vor 
et einzufügen : doch sehe ich davon ab. 


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336 


das Paar aufs Land begleiten, vorgeblich, um es zu schützen, 
in Wirklichkeit, um der „nova nupta“ nachzustellen. Er sagt also : 

Nana növom naaritum — et novam nuptam volo 
Rus prosequi. 

Er denkt dabei aber an den maritus garnicht, sondern nur an 
die nupta; denn er fügt hinzu ne quis eam dbripiat , v. 784. 
Die Pause ist hier eine Verlegenheitspause und vielleicht mit 
einem Räuspern verbunden ; das, woran es ihm eigentlich liegt, 
bringt er nur nach einem Zögern heraus. Nur so vorgetragen 
wirkte die Stelle so komisch, wie sie sollte, aufs Publikum. Auch 
Men. 389 wird das et parasito tuo so vorgetragen werden müssen; 
besonders aber Capt. 879 das et genium meum. Poen. 294 steht 
die Dihärese dazwischen. Endlich sind auch die Worte der 
Rührung Barcch. 495 ähnlich zu sprechen : 

Serva tibi sodälem — et mihi filium. || Factum volo. 

Das zweite Glied der Bitte ist für den Sprecher das ungleich 
wichtigere; die Antithese, durch die Dative tibi und mihi mar- 
kirt, verdeutlicht dies. 

Eine andere Art von Sprechpause würde es sein, wenn Plautus Rud. 
v. 534 und 537 einen durchnässten Schiffbrüchigen wirklich absichtlich 
in Hiaten reden Hesse, um durch das Abgebrochene der Worte das Zähne- 
klappern selbst zu malen: 

Ut cum | exissem | ex aqua, arerem tarnen 

und 

Iure öptimo me | (e)lavisse | arbitror. 

Doch bleibt auffallend, dass dieselbe Person schon vorher längere Sätze ge- 
redet hat, ohne dass der Vers in dieser naturalistischen Weise ihren Zu- 
stand verriethe; s. unten. 

Wieder anders Poen. 1075. Hanno fordert den adulescens 
auf, ihm das Mal an seiner linken Hand zu zeigen. Dies Mal 
ist das Erkennungszeichen ihrer Verwandtschaft; die Imperative 
häufen sich und sind von Handlung begleitet: „zeige mir die 
Hand! — Oeffne sie doch! — Höre mich und tritt näher!“ 
Ostende, inspiciam. — Aperi! — Audi ätque ades! 

Das fünfsilbige audi atque ades ist zunächst nicht anders aufzu- 
fassen als das Grai atque barbari des Naevius, worüber weiter- 
hin zu reden sein wird. Vor audi aber ist Sprechpause, in der 
Hanno das Mal betrachtet und seinen Neffen erkennt; vor aperi 
gleichfalls, welche Aufforderung mit Eifer eingesetzt wird, da 
Agorastocles ihm die Hand nicht schnell genug herzeigt. 


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837 


VI. Mit u anlautende Pronominalformen. 

Nähern wir uns hiernach anderen Gruppen von Wörtern. 
Dass die Pronominaladverbia ut ( uti ), ubi, unde, usque nebst 
uterque ursprünglich consonantisch anlauteten, steht fest; 
und die Plautuskritik hat sich in früheren Zeiten sogar dazu 
verstiegen, ein cubi (vgl. sicubi ) u. ä. bei Plautus vorauszusetzen. 
Daran ist nicht zu denken; denn wo nicht der Guttural durch 
besondere Umstände im Anlaut sich hielt wie in sicubi, war 
der Weg seines Verlustes dieser: qvobi wurde zu vobi , vobi zu 
ubi u. s. f. 1 )» ©in Vorgang, der engsten Tonanschluss im Satze 
voraussetzt. Gleichwohl erhält das Auftreten dieser Wörter 
im Plautinischen Verse jetzt Licht: wo jene Formwörter in 
stärkerer Satzbetonung stehen, haben sie als Rest des geschwun- 
denen v jenen Einsatz bewahrt, der gegebenen Falls den XQ° r °S 
eines Consonanten ausfüllte: so beim Beginn einer Erzählung 
Most. 484 oder beim Einsatz der Relativsätze und Fragesätze 
ubi Naevius com. v. 98; Cure. 308; Mil. 1379; Poen702; Rud. 
1236 ; ut Cas.47 ; Capt. 856 ; Men. 19; Merc.187; Most. 119(423?). 

Ebenso bringt exclamatives ut neuen Einsatz: o Ltbane , | ut 
miser est homo Asin. 616; Epignome, | üt ego nunc Stich. 465. 
Daher ist auch Truc. 701 

Di magni, | ut ego laetus sum et laetitia differor 
richtig und leicht verständlich. 

Ferner ut f. utinam Merc. 1024, wo ein unerwarteter Wunsch 
eingeführt wird; 2 ) endlich ut in der Parenthese: ut opinor und 
ut meditatur Pers. 274; Poen. 840. 

Ganz so auch betontes undique 

Most. 685: Ita mea consilia | undique oppugnas male; 


1) s. Rhein. Mus. 51 S. 251. 

2) Der Wortlaut Merc. 1024 ist: 

H äec adeo | ut ex hac nocte primum lex teneat senes. 

Eine Verbesserung liegt freilich nahe. Eutycbes hat soeben ein Gesetz ge- 
geben und es feierlich mit einem dicamus legem eingefübrt, v. 1015; der 
Inhalt dieser lex reicht bis v. 1023. Jetzt fügt er die Bestimmung hinzu, wann 
sie in Kraft treten soll ; wir erwarten hier also eigentlich nicht die Wunsch- 
form, sondern ein neues dico ; hinter adeo könnte ein aio ausgefallen sein. 
Auch Men. 19 liesse sich leicht ut vel mater sua ergänzen. 

Birt, Th., Oer HUt bei Pleutoe. 22 


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388 


sowie usque Amph. 143 (Bacch. 577, Poen. 105 weniger sicher) 
und uterque Cas. 50; Most. 1179, wozu neuter zu vergleichen 
ist, das man vielfach als zwei Worte ne vier schrieb. 1 ) 

Dem Trinummus darf man solche derbe Natürlichkeiten der Prosodie 
am wenigsten Zutrauen, doch steht hier v. 158 : ddtem | unde dem ; dies 
verurteilt sich selbst, da sogar Inversion eingetreten ist und unde den 
Hauptton gar nicht tragt; die Vermuthung liegt nahe, dass hinter dem ein 
domi verloren ging, also dotem unde dem dornig) Unsicher ferner die 
Anapäste Cas. 221; Capt. 957 lückenhaft und corrupt; auch Cure. 517 
lückenhaft ; Most. 396 ist mir zweifelhaft aus demselben Grunde wie Pers. 242. 
Ebenso Cas. 922. Cure. 629 und Pers. 685 ist von mir unter h behandelt. 
As. 430 betone Med causa ui mittds eqs. Cist 687 ist colpi dreisilbig oder 
aber abzutheilen 

• Sed pergam ut coepi 

Tarnen, quäeritabo, 

zwei hyperkatal. iambische Monometer. Amph. 968 ist ui klärlich unhalt- 
bar; wie man hier dafür qui einsetzt, so wird es auch Pers. 433 zu ge- 
schehen haben. Auch faciam \ ui itd>e8 ist Cas. 1004 schwerlich so zu 
halten, da die Phrase sonst fünfsilbig erscheint; vgl. Bacch. 228, oben 
S. 60. Bacch. 134| befremdet die Vertheilung von Haupt- und Nebensatz? 
warum schrieb Plautus nicht: 

Ubi ego meam operam perdidi, ibidem tu tuam? 

Von den Fällen endlich, wo sich ein uii für ui leicht einsetzen lässt, habe 
ich abgesehen; es sind solche wie Amph. 909; 1052; Mil. 1089; Trin. 
800. Amph. 9 ist hiatfrei. 

Separat sind die negativen Sätze zu stellen: 

Asin. 762: Ne epi'stula quidem | ülla sit in äedibus. 

Aul. 141: Nec tibi advorsäri certum est de istac re | um quam, soror. 
Men. 1117: Neque patrem | um quam postilla vidi eqs. 

Mil. 652: Neque ego | um quam alienum scortum eqs. 

Eud. 291: nec didicere artem | ullam. 

Die Gleichartigkeit dieser Fälle springt in die Augen. Auch 
hier sind die Pronominalformen ulla, umquam offenbar 
wieder mit grosser Dringlichkeit vorgetragen, und ihre erste 
Silbe hat durchaus den Haupt-Satzton. Aus eben diesem Grunde 
sehe ich davon ab, die negativen Formen nulla numquam dafür 
zu substituiren, wenn schon ja Plautus auch doppelte Negation 

1) Rhein. Mus. 52 Suppl. S. 22 u. 23; Havet im Arch. Lex. I S. 446. 

2) Leo schlug domi für eine andere Versstelle vor; am Versschluss 
scheint domi auch Trin. 1120 weggefallen. 


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kennt: s. Mil. 1411; Bacch. 1037 und frg. XI; Epid. 532(P); 
besonders Pseud. 136. Uebrigens schrieb auch Ennius, trag. 
363 R.: 

Neque tu | um quam in gremium extollas liberorum ex te genug. 

VII. Die übrigen Belege. 

Bis hierher kamen uns, um den starken Einsatz des Vo- 
cales begreiflich zu machen, allerlei Indicien zur Hülfe: das h 
spurium der späteren Zeit; die fremde Natur der Eigennamen 
und der Lehnwörter; der starke Sprechton der Pronomina mit 
i-Vocal; die Sprechpause; der Nachweis verlorenen consonan- 
tischen Anlautes. Für die folgenden Wörter sind wir dagegen 
lediglich auf Plautus selbst und auf die Art, wie er sie in den 
Vers stellt, als Kriterium angewiesen. Je zahlreicher die Belege 
oder je echter und unantastbarer ihr Wortlaut aus inneren 
Gründen scheint, desto wahrscheinlicher wird fester Einsatz im 
Anlaut auch weiterhin zu behaupten sein. 

Ich beginne mit uxor , das man auf voxor zurückgeführt 
hat. 1 ) Dies darf uns nicht bestimmen; doch lassen sich folgende 
Hiate durch Emendation nicht beseitigen : meae uxori 
Amph. 1106; Sauream uxor tua Asin. 85; tibi uxorem Cist. 
499; dorrium ire cüpio ; uxor nön sinit Men. 963; metuo ego 
uxorem Merc. 586; a tua uxore Mil. 932. Ebenso zweifellos 
Amph. 103; Merc. 796. Dagegen ist Men. 740 fraglich, und 
Merc. 239 geht meae im gen. fern, vorauf. 

So wie in anderen Worten, so kann nun auch in uxor der 
Anlaut voraufgehende Kürze in Hebung verstärken und tragen ; 
so erklärt sich: 

Men. 1160: Venibit | uxör quoque etiam, siquis emptor venerit. 

Auch bei Naevius bell. Pun. frg. 4 wird man den Halbvers 
dmborüm uxöres ohne Synalöphe lesen müssen. 

Hieran reihen sich die Composita mit ex und e ( ec ), die in 
der Spätzeit verhältnissmässig selten h spurium zeigen ; doch vgl. 
neapolitanisch jesce = ex i, „geh hinaus“. 2 ) Zudem sagt uns 

1) Vgl. Rhein. Mus. 51 S. 251,3; noxorem schreibt cod. B Trin. 800. 
Truc. 515; an beiden Stellen findet jedoch Verschleifung statt; vgl. 
voleiscerer Men. 636, das so schon in P stand ; auch dies in Verschleifung. 

2) G. L. Wentrup a. a. 0. S. 14; oben S. 281; mir durch einen 
Neapolitaner bestätigt. 

22 * 


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340 


Quintilian a. a. 0., dass das vitium des Hiates bei e - und i- 
Yocal obscurius sei, also weniger wahrgenommen werde, weil e 
„planior littera est, i angustior est“ (sc. quam a et o). Zunächst 
wirkt aufklärend der Vers 

Cure. 276: Heus Pbäedrome exi | äxi , | exi inquam öcius 

mit zweifach umgangener Synalöphe; vgl. jenes jesce. Jeden- 
falls wurde hier im Anruf besonders scharf eingesetzt. Sodann 
sind es folgende Verse, die die Correktur verschmähen: im 
Anruf steht Capt. 1006 : Salve \ exoptate mi ; in der Drohung 
steht Poen. 1302 txcruciandum , gleichfalls hart absetzend, hinter 
dem Vocal, eine Drohung, die mit allem Nachdruck herauskam. 
Wer will hier corrigieren, wenn er dasselbe Mil. 843 wieder- 
findet? 1 ) Ist es blosser Zufall, dass solche Stellen genau sich 
gleichen und denselben Effekt zeigen? Ja, auch Trin. 103 
Haec cum audio in te dicis, exerueiör miser 

wird man nun einfach dici herstellen dürfen. Ueber Most. 1032 
vgl. oben S. 330. 

Aber der Eifer des Einsatzes ist keineswegs immer so 
stark, und auch folgende Verse, die solchen Affektes entbehren, 
scheinen intakt: 

Amph. 54: Eandem hänc si voltis fäciam | ex tragöedia 
Comöedia ut sit eqs. 

Epid. 527: Id ego | experior cui (Cretici). 

Men. 227: Maior meo animo, quam quom | ex altö procul 
Terram conspiciunt. 

Die v. 1. quando f. quom ist unzuverlässig. 

Men. 558: Ut häec quae bona dant di mibi, | ex me sciat. 

Most. 177 : Eho mavis vituperari falso quam verö | e x t o 1 1 i , 

wo das o in verö ebenso den Ictus trägt wie das entspechende 
falsö im folgenden v. 178. 

Dazu kommen Bacch. 384. üt eum \ ex . . .; Poen. 651: 
e ndvi | exeuntew ; Pers. 754 : integrö \ exercitu ; Parasitus med. 
fr. IV reliqai | exoletam ; ferner aber auch noch 

Pseud. 762: Avi sinistra, auspicio liquido ätque |ex sententia 

(so auch bei Nonius), was jeden kritischen Eingriff hartnäckig 
ablehnt. Schon die voraufgehenden Beispiele dienen dazu, dies 
atque ex sententia begreiflich zu machen ; vor allem aber dürfen 

1) Vorausgesetzt, dass hier der Name Lucrio richtig restituirt ist. 


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341 


und müssen wir das nostra | ex senfentia Men. 1151 vergleichen 1 ); 
hier geht Länge, dort Kürze dem ex vorauf, was principiell keinen 
Unterschied macht (oben S. 299; 316). Uebrigens nicht ohne 
sonstige Härte: 

Cas. 79: Revdrtar ad illam puellam | expositfciam. 

Auch aus Ennius lässt sich trag. v. 115 vergleichen; und noch 
Novius schrieb v. 104: 

Olim | expect&ta veniunt eqs. 

Um nichts unterscheiden sich aber ferner die Composita, 
die des Sibilanten entbehren: 

Cas. 536: S4d eccum | egreditür senati columen praesidium popli. 

Dies wird geschützt durch 

Poen. 614: I&m nunc ego illi | egredienti eqs. 

Auch 

Men. 67: Uli divitiae | evenerunt mäximae 
scheint ausreichend 2 ) und wird geschützt durch 
Capt. 415: Merito tibi ea | evenerunt eqs., 

und auch hier behauptet sich also bald Kürze, bald Länge vor 
dem Einsatz. Ganz ebenso ist 

Merc. 797: Ibo ad forum atque baec Demiphoni | eloquar 

zu vergleichen mit 

Men. 519 : Uxdri rem omnem iam ut sit gesta | 4 1 o q u a r ; 

und auch hier steht statt der Länge wieder die Kürze vor dem 
Yocal. Dazu kommt ferner 

Asin. 98: Non offuturum si ld hodie | effeceris; 

Truc. 465: Mäle quod mulier facere incepit nisi | efficere perpetrat. 

Men. 784: quotiens tändem | edixi tibi. 

Men. 903: Quem ego hominem siquidem vivo, vita | evolvam sua. 

Danach auch Cist. 565 zu beurtheilen; auch Cure. 55: Qui | 6 
nuce eqs. (oben S. 324) und Süm | egressa Mil. 1010. 

Viele Beispiele bergen Zweifel ; s. Merc. 947 ; Trin. 492 ; über Rud. 859, 
Stich. 216 8. den Anhang; über duello exstincto Amph. 187 oben S. 306. 
Amph. 872 steht bei expetere der Dativ statt in c. acc. ; es Hesse sich hier etwa 

1) Ich las hier früher omnia ex sentenüa. 

2) Man könnte ein inde vermissen: Illi inde divitiae eqs.; vgl. v. 59; 
doch ist dies eben nicht zwingend. 


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342 


Si faA Uumtmt innocentiam expetat vermuthen. Stich. 606 ist efflUtmtur 
auffallend und conflictentur zu erwarten. RucL 534 u. 537 sind zwei fünf- 
füssige Zeilen; vgl. oben S. 336; die erstere Hesse sich ausfüllen 
Ut cum (rix) exissem ex aqua, arerem tarnen, 
die zweite etwa: 

Iure optimo me lävisse (in mari) arbitror. 

Verderbt auch Asin. 921, wo Philaenium vom verliebten senex sagt: 

Pol me quidem 
Miseram | odio | enicavit. 

Der Ablativ odio ist unmöglich; denn höchtens der senex selbst war der 
Philaenium ein odium, und es müsste mindestens der Nominativ odium ein- 
gesetzt werden. Worauf aber das eneeare geht, lehrt v. 891, wo der Alte 
von ihr ein savium fordert und erhält. Dieser Kuss war ihr zuwider. Für 
odio wird savio einzusetzen sein. — Capt. 263: quae | ix te solo scitari 
volox hier fiel gewiss ego aus, wie ähnliche Stellen wahrscheinlich machen. 

Einmal steht auch exta im Hiat, aber die Ueberlieferung 
ist nicht einig, Poen. 456: 

Irätus, votui | exta prosicarier; 

So votuiZ zwar P; A aber giebt volui ; d. h. in der Vorlage des 
Ambrosianus stand vielleicht nolui ; und dass wirklich noliii zu 
lesen, bestätigt v. 458, wo uns gleichsam die Erklärung oder 
die Interpretation dieses Verses mit einem neque volui hinzu- 
gefügt wird. 

Wohl aber ist hier schliesslich noch jenes befremdliche 
dierectus (dierede) von Wichtigkeit, das Plautus stets mit langer 
erster Silbe mass *). Woher das lange % ? Denn seine Bewahrung 
in Diana oder in sub diu scheint natürlicher als in dieser Com- 
position mit doppeltem Präfix. Plautus schützte diese Länge 
mit dem gleichen Rechte wie die in praehendo (oben S. 20; 35); 
d. h. der energische Anlaut von erectus wirkte hier ein, und es 
wird sich auch hier zwischen deutlich und energisch zu sondern" 
den Vocalen eine gewisse Interaspiration eingestellt haben, wie 
wir sie S. 182 ff. kennen lernten. 

Ziehen wir die Summe, so erscheint der „Hiat“ vor ex (e) 
verhältnissmässig seltener als der vor in und ai, ein Zeichen» 
dass die Sprache doch ihre Unterschiede machte. Nicht anders 
aber steht es mit ad. Registriren wir die Beispiele. 

1) Sotlz , Histor. Grammat. I S. 395 redet von ihrer Kürze. 


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343 


Hier steht nun wegweisend der Naevianische Vers, den 
Cicero notirt, voran: 

Vos qm | accolitis Histrum fluvium atque Algidum. 

Der vocalische Anlaut hatte den xQovoq eines Consonanten, und 
qui bleibt in Hebung unverkürzt. Derartiges finde sich „oft“ 
( saepe ), sagt Cicero. Und in der That hätte Cicero ebenso gut 
aus Plautus 

Men. 432 : Eho Messeniö | a c c e d e huc eqs. 

Mil. 1062: Minus 4b nemine | accipiet. || Eu eqs. 

Truc. 462: Nisi ästute | accurateque exsequere (Baccheen) 

anführen können. Die Fälle sind eben vollkommen identisch, 
und wer den Naeviushiat von Cicero annimmt, muss ihn auch 
für Plautus von unsren Handschriften annehmen. Aber auch sonst 
nach offener Hebung 

Poen. 988: Pro di immortales, plurimi | ad illum modum. 1 ) 

Capt. 960: Recte et vera loquere, sed neque yäre neque recte | ad huc. 

Ist Mil. 1242 von Gruter richtig emendirt, so steht auch hier 
videö; adibon? Hierzu die Baccheen Truc. 458: 

Quae | hünc ausa süm tantundem dolum | adgrediar. 

Alle diese Stellen sind zusammen zu beurtheilen. 2 ) 

Leichter noch scheint es, wenn die Senkung voraufgeht. 
Paromoiosis mit zweimaligem ad kommt zur Hülfe 
Merc. 712: Quid nunc ego faciam msi uti | ade am atque adloquar? 

Die Antithese wirkt ein 

Cas. 572: Adsitne ei animus necne | adsit quem advocet; 
eine Wiederholung des ei nach necne wäre hier doch pedantisch. 
Auch Rud. 484 ist adgerunda betont und assonirt zugleich mit 
dem Anlaut von aqua . Zu alloqui Merc. 745 s. oben S. 307. 
Gegenseitig vertheidigen sich Amph. 978 u. 150: 

Fac Ampbitruonem |advenientem ab aedibus 
Abigäm iam ego illum |ädvenientem ab aedibus.*) 

1) plurimet ad illum modum A; plurimi ad hunc modum P: jenes 
plurimet würde auf plurimei führen; der modus betrifft das sechsjährige 
Alter, von dem im v. 987 die Rede war. 

2) Vielleicht kann auch Capt. 328 Qu6 homine \ addeque eqs. so bei- 
behalten werden. 

3) Die Betonung advinientkm bei folgendem ab (obenS. 308 f.) haben 
wir nicht nöthig. 


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844 


Gegenseitig vertheidigen sich auch Aul. 433 n. Bacch. 315: 

Utinim mea mihi modo iuferam quae | adtuli aalra; 

Sed nilne | attulistis inde auri domura ? 

Weiter wird Studemund’s Lesung Vidul. 76 terram | attigit 
sicher gestellt durch 

Bacch. 196: Egon nt quod ab illo | ättigisset nuntius; 

und adulescens widerstrebt wie Most. 21, so auch Poen. 679 der 
Verschiebung. Ausserdem Merc. 257 quast heri \ advectus ; 
Cure. 398 Nam illäec catapultae | ad me crebro commeant ; ähn- 
lich Rud. 484; Stich. 407; wohl auch Rud. 65. 

Weiter aber Trin. 909 Respice ergo | , accipe hoc eqs.; 
Poen. 484 ad terram \ dccidebant ; so dass auch Stich. 648 
Postia | accumbam erträglich erscheinen muss. Vor allem wird 
voraufgehende Kurze in Hebung gelängt Capt. 11: 

Negat hercle ille ultimus. | accedito. 

Endlich steht ast- im Anlaut 

Capt. 664: At nt confidenter mihi contra [ Astitit; 

Men. 395 : Certe haec mulier cäntherino ritu | a s t a n 8 sdmniat ; 

an letzterer Stelle enthält astans das angogioxr/ro v und ist 
betont, und das u des Ablativs geht vorauf. Aehnlich ist Men. 91 
suo drbitratu ädfatim durch das u des Ablativs erleichtert; vgl. 
auch Asin. 873: lassus noctu \ adoenit. 1 ) 

Dagegen beanstande ich Cure. 597, wo manum arripuit mordicm nicht 
genügt und wir hören wollen, wessen Hand gemeint ist : tnänum mi arripuit 
mdrdieu». Men. 412 weisen Spuren im A auf eine abweichende Lesung. 
Truc. 70 lässt sich das medium tempus auch vor in ansetzen; Truc. 672 
ist unbrauchbar. 

Im Prologanfang der Captivi wäre zwar der Hiat nicht anstössig: 

Hos quös videtis stare hic captivos duos 
Ulf qui | astant, hi stant ambo, non sedent. 

Doch hat man mit Grund auf Corruptel erkannt; denn das Demonstrativ 
iUi kann nicht auf die beiden Captivi Bezug haben, da diese zweimal, 
v. 1 u. 2, mit hi bezeichnet werden. Die Stelle ist also unverständlich. 
Dazu kommt, dass eine Anrede an’s Publikum fehlt, für welche gerade hier 


1) Dieser Vers Asin. 873 ist übrigens schwerlich echt, sondern Ditto- 
graghie zu v. 872. 


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345 


der passende Ort war: „Ihr, die ihr dort steht, seht auch diese zwei Gap- 
tiwi hier stehen; sie stehen wie ihr und sitzen nicht“: 

Uli qui a s t a t i s : hi stant ambo, nön sedent. 

UH ist „dort“: vgl. ▼. 334 u. sonst. 

Endlich Cist. 33: hier sind troch&ische Zeilen zu constituiren : 
üt sibi simus süpplices ; eas 
Si adeas, abitum quam aditum 
Mdlis, ita nostro ördini eqs. 

Hiat bei ac l ) findet sich einmal: 

Most. 976: Sit profectus peregre perpotässe assiduo, | ac simul 
Tuo cum domino, 

ein ac y das übrigens im Sinne des „und zwar“, „und zudem 44 
sich mit den S. 335 besprochenen Stellen terba atque mendacia 

u. s. f. vergleichen lässt. Es fragt sich nun, in wie weit auch 
atque (ausser Trucul. 757) die Elision abweisen konnte. Be- 
trachten wir folgende Beispiele. Zunächst führt atque mit Effekt 
einen Nachsatz ein, der ein ünQoqioxrpov bringt: 

Bacch. 279: Dum circumspecto : | ätque ego lembum cdnspicor; 
ebenso einen Hauptsatz, der ein anderes Thema bringt: 

Merc. 742 : Coquendast cena. | Atque quom recogito . . . 

Als Copula verbindet atque zwei Sätze, doch nicht ohne Steigerung 

Amph. 874: Esse ädsimulabo | atque in horum familiam.*) 

Men. 508: Pallam istanc hodie | atque dedisti Erötio. 

Poen. 1025: Sub crdtim ut iubeas se supponi | atque eo 
Lapides imponi. 

Ebenso Turpilius v. 207. 

Vor allem aber verbindet atque zwei Satzglieder ; als Beleg 
dafür steht wiederum wegweisend das Naevianische Grdii \ atque 
bdrbari voran, das Cicero anführte mit dem Bemerken, dass die alten 
Poeten o f t solchen Hiat zuliessen ; vergl. oben S. 317. Auch Plautus 
bestätigt es Men. 739: pallam | atque aurum meum ; es wäre also 
Fälschung hier etwas zu ändern ; sowie Rud. 72 : leno | atque hospSs 
simul und genau conform hiermit Truc. 47 : ab re atque animo simul. 
Nicht anders Titinius v. 21: förmam \ atque os\ sogar Pacuvius 

v. 303: beluarum | dcferarum. Dazu Poen 1075; vgl. oben S. 336. 


1) Die Schreibung hac (oben S. 156; 250) ist bei Plautus selten. 

2) Man könnte erwarten : Prius fase adsimulabo eqs., ein prius , dem 
das post y. 876 entspricht. 


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346 


Uebrigens giebt hier atque allemal eine gewisse Steigerung : 
„und dazu 44 , „und sogar“; bei Naevius „dazu auch die Barbaren“; 
Men. 739 ist das Gold mehr werth als die palla; Rud. 72 steht 
der leno als die bekanntere Person voran, und der hospes , den 
wir fast vergessen haben, wird mit atque besonders in Erinnerung 
gebracht. Vgl. auch Merc. 581; Stich. 271 sowie Titiniusv. 140: 
vende thensam \ atque mulos . 

Unsicherer ist Amph. 460 ( uti f. ut?); Most. 375; Persa 696; Trin. 48. 
Capt. 224 sind drei troch&ische Cola: 

Nam si eros mihi es 
Tu atque ego me tu<5m 
Ässe senrom assimulo. 

Endlich ist von Belang und hervorzuheben, dass atque i n 
allen jenen Stellen den Ictus trägt; dies war offenbar für 
solchen Hiat die Bedingung. Daher ist Men. 480 zu beanstanden : 
8. den Anhang; auch Naev. trag. 35 bleibt deshalb zweifelhaft. 

Wieder für sich steht das Adversativum at . Wir können 
für Truc. 817 die Seyffertsche Herstellung annehmen, ohne doch 
die sinngemässe Einsatzpause vor at , die die Ueberlieferung hier 
giebt, auszumerzen: 

Tacui; | at nunc ndn tacebo quändo adest nec se indicat. 

Sie ist vielmehr der schönste Beleg für die Auffassung, die wir 
im Verlauf dieser Untersuchung gewonnen haben. 

Der feste Einsatz steht also für atque sicher ; nicht weniger 
überzeugend sind aber auch für amare , amicus die Belege; sie 
sind zahlreich und lehnen jede Emendation ab, und gerade hier 
tritt uns der %Qovoq des Spiritus lenis wieder in allen seinen 
Funktionen und auch in der Position entgegen. Zunächst die 
leichteren Fälle : 

Asin. 75: Ut sibi | amanti facerem argenti copiam {uti f. ut?) 

Asm. 536 : Nön voto te<d) amare qui dant qua | a m e n t u r gratia (quoia ?) 

Cas. 994: Tüi | amoris causa eqs.; vgl. Cas. 58. 

Merc. 181: Tüam | amicam eqs. 

„ 479]: Tüam | amicam eqs. 

„ 794: Cum tüa | amica eqs. 

3 888 : Tüam amicam eqs. 

3 966 : Di me servant. || Tibi | amicam esse nullam nüntio. 

So aber vor allem auch im Sprichwort: 

True, 885; Verum est verbum quöd memoratur: übi | amici | ibidem opes. 1 ) 

1) ibidem besser als ibidem ; s. den Anhang. 


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347 


Das Volk also sprach so und verschliff nicht. Die 
„Hiate“, die das Sprichwort sich erlaubte, hat sich 
auch Plan tu s erlaubt. Auch Mil. 626 wird mei \ amorin 
gratia zu schreiben sein; Pseud. 1277 steht Xdcm amicae dubam 
als kretischer Dimeter. 

Aber auch die Kürze geht vorauf: 

Persa 33: Haec dies summa hddie est mea | amica sitne libera. 

Zwei Kürzen in Hebung ohne Yerschleifung 

Epid. 214: Obviam ornatae occurrebant suis quaeque | amatoribus. 

Jeder Emendationsversuch scheitert hier; 1 ) er wäre auch zweck- 
los angesichts der übrigen Stellen. Vor allem bringt Poen. 328 
weitere Bestätigung, wo A und P einstimmig: 

Nämque edepol lucrum | amare nullum amatorem äddecet. 

Hier also Position, wie vor in oben S. 315 ; vgl. 317. Dieselbe Position 
Asin. 711: Quid nunc? Quoniam | amäbo ut est libitum nos delusistis. 
Dazu die Anapäste 

Bach. 1194: Non tibi Venit in mentem | am ab 6. 

Cas. 221 : Nam ubi | amor condimentum inerft. 

Endlich erklärt sich erst in diesem Zusammenhänge 

Poen. 447: Ibo ätque arcessam testis quando | Amor iubet. 

Dass derJ'Anlaut dem Dichter Schwierigkeiten bot, verräth vielleicht auch 
Asin. 759: Aut quod illa amicae amatorem praedicet, 
wo für den Sinn, wie in allen diesen Stellen, nichts fehlt. Was dasteht, 
konnte nur amiccß amatorem scandiert werden; der Vers steht in einem 
Briefdictate. Wiederum ähnlich auffallend 

Cas. 478 Locus est paratus ; ei ego omnem | a ra o r e m meum. 

Cure. 126 ist die Scansion unsicher; Cure. 165 me einzuschalten. Merc. 581 
sind wir nicht gezwungen zu accentuiren atqut | amatorie ; vielmehr be- 
findet sich das medium tempus hier vor atque : 

Nunc tu sapienter löquere | atque amatdri(e). 

Nach Etymologie und Herkunft dieses Wortes zu fragen wäre 
vergeblich. Uns muss genügen, dass amor f amator , amica , arnabo 

1) Ein ibi einzuflicken, verschlagt nicht; es müsste bei obviam stehen 
oder besser gar nicht, wie es in dem parallelen Satz v. 210 thatsächlich 
fehlt. Ich rieth früher auf suis quaeque ante amoribus; vgl. das ante 
veteres fdbulas Cas. 8 und die Bemerkung hierzu im Anhänge. Es ist dies 
immer ein Wagniss, von dem wir gut tbun abzusehen. 


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848 


je nach der Stimmung des Redenden oft mit Emphase, oft mit 
Schmelz und Innigkeit gesprochen worden sein muss, eine Art 
des Vortrages, die leicht gerade auf den Anlaut influiren konnte. 

Es bleibt als Nachlese zunächst der Stamm von alius und 
an; vgl. haliquid u. ähnl. oben S. 156; 252; 293. 

Amph. 826: Amphitruo | alius qui forte te hic absentd tarnen (betont). 
Asm. 700: Ten ego yeham? Tun hoc feras argentum | aliter A me? 

(betont) 

Aul. 725 : Nunc eö | a 1 i i laetificantur {ergo f. eo ?) 

Gist 619 : Ego eam proieci , ) k 1 i a mulier sustulit {alia statt eines Eigen- 
namens). 

Pseud. 26: Interpretari | alium posse neminem ( sanum f. alium ?) 

Men. 1088: Nam ego bominem hominis similiorem numquam yidi | alte- 

rum *). 

Rud. 211: SAltem aliquem yelim (yielleicht Cretici; betont). 

Most. 174: donäbo ego hodie | Ali qui (? Vgl. oben 8. 63). 

Vielleicht auch de | aliis fAmph. 736. Dazu Titinius v. 165. 
Besonders einleuchtend in der Wendung alius alium , bei der 
das Schwergewicht auf den Anlaut fällt, Rud. 10: 

Is nös per gentis alium | alia disparat. •) 

Daher auch Aul. 671 so einzutheilen : 

Qui indicium fecit üt ego illi | a 1 i q u i d boni. 
denn ego illi ist durch Synalophe verbunden wie 670; und die Stelle scheint 
heil, wennschon man zu ego ein quoque vermisst: „dass auch ich ihm 
etwas Gutes anzeige“. 

Men. 26: Impdnit geminum | Alterum in navöm pater. 

Der Trinummus steht den Erscheinungen, die wir hier erörtern, auf- 
fallend fern; gleichwohl giebt er uns v. 776 

Det Alteram illi, | Alter am dicAt tibi 
Dare sese veile, 

und die Antithese scheint hier noch besonders zur Hilfe zu kommen. Jedoch 
ist das pron. illi falsch verwandt, da es sich v. 773 auf den pater bezog 

1) Es bliebe sonst nur die Messung 

Nam ego bominem | hominis similiorem numquAm vidi Alterum, 
die mehr als beschwerlich. 

2) nös weisst hier nur auf signa v. 8, also auf ein Neutrum zurück ; daher 
ist das mscl. alium und das qui v. 11 ungenau; gleichwohl wäre es über- 
triebene Sorgfalt, in v. 10 etwa den Genetiv deum vor alium einzuschieben, 
um das Maskulin zu motivieren. Uebrigens Hesse sich hierzu noch Accius 
trag. v. 263 vergleichen, wenn der Text sicherer stände. 


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349 


und hier also unmöglich auf den adulescens weisen kann. Wir sind so- 
mit gezwungen, eine Vermuthung zu wagen: Bet dltram flio % atteram 
dicat tibi eqs. 

Viel zweifelhafter ist dagegen an oder anne . Wie nahe liegt 
es Cas. 515 amicin anne inimici za schreiben! entsprechend 
Mil. 961; Naevius trag. v. 34. Es bleibt nur 

Rud. 538: .... amibo, | an maritust? (statt an eet maritue ). 

Rud. 746: . . . Athenis nätae | an Thebis sient ( nataen ?) 

Truc. 89: Mihi verba retur dare se? an me censuit eqs. 

Das letzte Beispiel mit starker Interpunktion. 

Bezeichnend ist ferner und vor allem, dass et , ausser bei 
deutlicher Sprechpause (S. 335 f.), niemals Hiat zeigt ; die Copula 
giebt eben zumeist nicht Trennung, sondern enge Anfügung. 
Wiefanders verhielt sich dagegen das gleichfalls ganz tonlose 
aut (S. 310 f.)! Diese Differenz beruhte eben auf der Differenz 
des Anlautes. Auch verum etiam ist ohne Elision und fünf- 
silbig nicht denkbar. Poen. 1386 ist klärlich corrupt; denn es 
fehlt hier das Haupt verbum im Satze, und die Verbesseruug liegt 
äusserst nahe: 

Lenö, rapacem te esse semper credidi; 

Credunt etiam furacem qui norunt magis. 

Dasselbe aber gilt vom Verbum esse, das, in den meisten 
Fällen enklitisch, Exspirationspausen unmöglich machte. Ueber 
die Fälle certuest f. certum est. und ähnl. s. oben S. 306 f.; viel- 
leicht gehört auch Poen. 106 dazu. Sonst kenne ich esse zu- 
nächst Asin. 364 hiatbildend : 

Ni hodie Argyrippo | es s ent viginti argenti minae. 

Hier ist esse jedoch nicht blosse Copula, sondern steht c. dat. 
im Sinne des Besitzens. Dabei bemerke ich aber, dass das 
Silbenspiel zwischen Argynppo und argentum gewinnt, wenn 
essent hinter hodie gestellt wird. Auch Men. 251 ist esse nicht 
enklitisch, sondern leitet den Accusativus cum infinitivo ein. 
Fragendes estne am Satzanfang Aul. 65 würden wir gleichfalls 
dulden. 

Sind aber auch folgende Fälle, die estis anbetreffen, anzu- 
erkennen? denn ihre Gleichartigkeit scheint den Zufall auszu- 
schliessen : 


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— 350 


Capt. 950 : Ubi | e s t i s tos ? ite actutum eqs. 

Most 62 : Ervom daturi | e 8 1 i s bubus quod feram ? 

Pseud. 443: Zev quam pauci | estis bomines cdmmodi; 

Pseud. 151: Nempe ita animati | estis tos eqs. 

Amph. 89: Quid? ädmirati | estis? Quasi verö novom. 

Ich würde bereit sein dies anzaerkennen and zur Erläuterung 
auf das S. 342 besprochene dierectus verweisen. Doch wird erstlich 
ubi estis bei Plautus sonst stets dreisilbig gemessen; die drei 
letzten Beispiele aber bieten sonstige z. Th. gravierende Anstösse, 
die ich mir Vorbehalte im Anhang darzulegen. Ganz unzuver- 
lässig ist Naevius com. v. 81, ein Vers, von dem wir nicht 
wissen, ob er vollständig von Charisius citirt wird. Von diesen 
Beispielen ist das folgende jedenfalls abzusondern: 

Poen. 1272: Cur nümero | estis mortui eqs. 

Denn hier folgt estis nicht als tonloses Hülfsverbum dem parti- 
cipialen oder adjektivischen Prädikat des Satzes nach (wie wenn 
wir cur mortui | estis numero läsen), sondern das Particip ist nach- 
gestellt, eine adverbiale Bestimmung geht vorauf und das estis 
mortui kann demnach gerade so selbstständig einsetzen wie das 
esse Men. 251, das die Infinitivconstruktion einleitet. 

Hingegen ganz unglaublich das uti | esset mihi Poen. 454, wozu sumptui\ esse 
Most. 125 das Pendant. Ueber Rud. 49 u. 822, Truc. 733 s. den Anhang 

Es bleiben folgende vereinzelte Wahrnehmungen zu ver- 
zeichnen übrig. 

Zu animus : aequo animo hält sich fünfsilbig Mil. 1343, was 
wiederum mit dierectus oder mit intro ire verglichen sei ; dazu tibu - 
bdnti animo Pseud. 44. Wie echt dies ist, zeigt noch Pacuv v. 293 
öffirmato animo , ja Accius v. 84 öbstinato animo. Mit starkem 
Einsatz steht 

Cist. 554: Age perge, quaeso. | Animus audire erxpedit, 
wobei das a in animus und avdire assonirt; dazu Persa 66; 
auch Naevius trag. 35 (oben S. 346)? Vor allem lehrreich 
Poen. 176: Se amare veile atque öbsequi | animo suo. 

Dieser Einsatz eignet also dem Wort. Daher endlich auch in 
der zärtlichen Anrede mi \ änime As. 664; Mil. 1330 (mi ani- 
mule Cas. 134 verschliffen). 

Zu ambo und amplius: 

Poen. 1102: Manu liberali causa | am bas adseras. 

Rud. 103 : Pater salveto | '& m b o q u e adeo. || Salvos sis ; 


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aber hier fehlt der zweite Gegengruss, und wir verlangen : 

Pater sälveto amboque ädeo. Daem. : Salve. Scep.: Salvos sis. 
Asin. 592: Vale. || Ali quanto | ämplius valerem, si hic maneres. 

So auch bei Nonius. Die Fassung ist tadellos, man konnte höchstens ein 
ego einsetzen; vgl. me und tu v. 593. 

Zu ambulare : Men. 276 lässt sich betonen: 

PriÜ8 iam convivae ambulant ante ostium. 

Denn auch Bach. 820 wurde eine Herstellung wie 

Terra! | odium | ambulat eqs. 1 ) 

durch v. 822 widerrathen, wo wir diese Worte wiederholt finden und nicht 
terrcR , sondern terrae steht. Dazu kommt, dass ein Adversativ fehlt und 
unerlässlich scheint: 

Tarnen terrae | odium ambulat. 

Vgl. hodium , hodisee oben S. 159; 260. Trin. 1108 ganz zweifelhaft; 
s. Taub mann’} Vorschlag. 

Zu ambire: Amph. 69 unsicher; ich lese quibus ambissint 
statt qui ambissent nach dem Vorbild des cuiquam v. 70. 2 ) 

Die Stellen für agnus sind plausibler, welches Wort ein v 
verloren hat; denn eine Correktur ist unausführbar 

Poen. 453: Sex ünmolavi | agnos nec potui tarnen. 

Pseud. 319 : Una opera alligem fugitivam canem | a g n i n i s läctibus. 

Capt. 862: Atque | agnum afferri proprium pinguem. || Cur? || Ut sacrufices. 

Eine Stelle für ater: Poen. 1290: 

Ita replebo | dtritate, ätrior multo ut siet. 

Dies bleibt bedenklich. 8 ) 

Drei Stellen für acer\ wir lesen 

Rud. 70: Nam Arcturus signum sum örnnium | acerrimum. 

Stich. 180: Propterea credo nunc esurio | acrius. 

Und sogar der Trinummus giebt v. 539 f. die gehäuften Hiate: 

Nam fülguritae sunt alternae | arbores; 

Sues moriuntur angina | acerrume. 

Und zwar geht dem acer an zwei Stellen unverschliffene Länge 
in Hebung vorauf. 

Nun ist Stich. 180 das nunc ganz sinnlos ; denn der Hungerleider hungert 
nicht nur jetzt, sondern zeitlebens; er will vielmehr sagen : „Daher hungere 


1) So Leo. 

2) Vgl. das qui Ennius trag. v. 128 R. 

3) S. Anhang zu Poen. 701. 


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352 


ch heftiger als alle anderen“; so erklärt sich eben der Comparativ. Ich 
fordere hier also |mit Bestimmtheit: cunctis esurio dcrius. Zur Trinummus- 
stelle wusste ich dagegen nur zu bemerken, dass das Adverb acerrume als 
solches mit Recht befremdet hat, da acerrume mori doch nicht so gesagt sein 
kann wie bei Cicero pro Mil. 92 se acriter ispos morti offerre , das ist: 
„eifrig, muthig, aus Leidenschaft“. Wir müssten vielmehr „unter Schmerzen* 
verstehen. 1 ) Dagegen war morbus acer eine übliche Verbindung (s. Men. 
872), was auf angina acerruma führt (Lambin). Gleichwohl ist auch dies 
nicht annehmbar; denn in der Aufzählung von Uebelständen , die hier ge- 
geben wird, kam es nicht auf die Heftigkeit der angina an, sondern nur 
darauf, dass es viele Säue sind, die an ihr crepieren. Dies zeigt der 
ganze Zusammenhang, insbesondere der Parallelvers, der voraufgeht: jeder 
zweite Baum ist vom Blitz getroffen: also auch: eine Menge Schweine 
gehen an Bräune zu Grunde. So gewiss nun Plautus Amph. 236 schrieb 
hostes crebri cadunt , für so möglich halte ich es, dass auch an unserer 
Stelle stand: 

Sues moriuntur angina creberrumae. 1 ) 

Noch unsicherer bleibt für Rud. 70 das Endurtheil ; es Hesse sich denken ? 
dass hinter OMN1VM die Buchstaben H1EME ausfielen; vgl. das hibernum 
v. 69. Arcturus ist eben der Sturmbringer, und schon Plautus verbindet 
hiem8 acrior , Trin. 398; vgl. auch Bacch. 471. 

Wie dem auch sei, ich wage für acer einen Einsatz von der 
Festigkeit, die voraufgehende Länge in Hebung schützt, nicht 
mit voller Entschiedenheit zu behaupten. 

Es restirt vokalischer Anlaut bei folgendem r, für dessen 
Einfluss wir erus , herus nicht anzuführen wagen. Denn das h 
spurium hatte hier gewiss andere Gründe (oben S. 269 ; 327). Ueber 
ara hara , uridus haridus u. oratio s. S. 324. Die folgenden 
Beispiele sind hiervon zu trennen. In der soeben citierten 
Trinummusstelle 539 lasen wir alternae | arbores ; doch befremdet 
alternae für altera quacque. Sonst findet sich nur Merc. 629: 
Deiistac re | argutus es und Merc. 852 equos agaso \ armiger; 
Pseud. 424 völui | argentarium; si | irga Rud. 192; gegen diese 
Stellen bleibt der Zweifel rege. Most. 1163 legt der Sinn es 
nahe ein ego einzuschieben: neque ego illi sum iratus. s ) 

1) Keinesfalls „reissend dahinsterben“ wie Osthelder, Progr. v. Speyer 
a. 1853 S. 27, was Brix u. a. gebilligt habeu ; denn dafür fehlt, so viel ich 
sehe, jede Analogie. 

2) Suß ist feminin auch Mil. 587. 

3) Naevius com. 13 ist gewiss (Ah) nimio arte colligor eqs. zu schreiben 
(das ah ging bei Charisius verloren unter Einfluss des voraufgehenden 
Titels in Agitatoria .). Accius trag. v. 127 gänzlich zweifelhaft. 


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353 


Hiermit ist die Wirkung, die der volkstümliche Vocal- 
einsatz im Anlaut auf die Yerskunst des Plautus ausgeübt hat, 
überschaut und in allem Wesentlichen klar gelegt, und ich habe 
nichts hinzuzufügen, es sei denn die Bemerkung, dass, was von 
Plautus gilt, mit Ausnahme der urbaneren und gepflegteren 
Kunst der Terenz, auch auf die übrigen Dramatiker zutrifft. 
Yor allem ging Naevius dem Plautus auch hierin beispielgebend 
voran ; aber auch aus den übrigen Bühnendichtern habe ich gelegent- 
lich schlagende Parallelen beibringen können ; insbesondere 
scheint die Togata des Titinius dieser Neigung des Volkslateins 
öfter nachgegeben zu haben. Und der Trieb dazu hörte nicht 
auf. Volcacius Sedigitus, der im Theaterverse über die Theater- 
dichter handelte, verfehlte nicht ihm nachzugeben und setzte 
den „Hiat“ vor Eigennamen (frg. 1, 13 Bähr.) und vor ex (frg. 
4). Und seinem Verfahren hat sich endlich auch der Verfasser 
der akrostichischen Argumente angeschlossen. Auch die Hiate 
dieser Argumenta sind von gleicher Art wie die Plautinischen : 
denn wir finden in ihnen Hiat vor abiens (Trin.) und ab (Merc.), 
vor invenit (Merc.), indit (Men.) und intervortit (Pseud.), vor auri 
(Aul.), vor omnis (Aul. u. Men.), vor emit , emptum (Capt ; 
Poen.), vor ire (Cure.), vor den Eigennamen Euclio (Aul.) und 
Athenis (Mil. 5), vor eins (Araph. u. Poen.), vor ibi und ita 
(Cure. ; Pseud.) , vor ipsus (Mil.) , vor ac (Epid.) , vor expetunt , 
eludit , ex fuga , editum (Cas., Cure., Merc., Truc.) und vor alter 
(Men.) ; endlich längt der Anlaut von uxor voraufgehende Kürze 
(Merc.). 1 ) 


1) Dagegen werden die Formen ei, eo (Epid., Trin.) nach Anleitung 
von Merc. arg. v. 3 allemal als Iamben zu lesen sein. Most. arg. v. 5 ist 
primum Verschreibung und offenbar filium dafür einzusetzen; aber auch 
Mil. arg. v. 5 halte ich nach wie vor für corrupt; ich lese hier Suümpte 
areessit erum | Athenis (Hiat vor dem Eigennamen), sowie man Rud. arg. 4 
suipte hergestellt hat; ob auch tdbellis für Athenis? s. Rhein. Mus. 40 
S. 562. 


B i r t , Th., Der Hiat bei Wautua. 


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Anhang, 


Anhangsweise seien noch einige Plautusstellen, die für unsre Beweis- 
führung nicht verwendbar schienen, citirt oder besprochen ; ich hoffe danach 
das wesentliche Material, das Plautus für die Hiatfrage bietet, erschöpft zu 
haben. Bei diesem letzten Ueberblick sind solche Stellen ausgelassen, an 
denen sich der Vers durch Einsetzung des uti für ut bei wirklich guter 
Messung herstellen lässt und längst hergestellt worden ist, wie Amph. 460; 
691 ; 999 ; 1052 ; As. 235; 616 (?); Aul. 462; Cas. 681 ; Mil. 1177; Poen. 1289. 


Amphitruo. 

89: Quid ? ädmirati estis? Quasi verö novom. 

Der Anstoss (s. S. 380) wird durch die Wahrnehmung verschärft, dass 
der Prologsprecher hier nur von mirari , nicht von admirari redet (vgl. 
v. 86 u. 87). Andererseits fehlt ein Rückbezug auf die voraufgehende Zeile 
in der etwas Neues, Erstaunliches, dass nämlich Juppiter selbst auf der 
Bühne auftritt, mitgetheilt war. Ich lese deshalb: 

Quid? id iam mirati estis? Quasi verö novom. 

343: es zu ergänzen. 

430 : vini | eduxi tneri : educere schwierig ; vini mi induxi meri ? 
546: für ut steht nec in D; ist dies nunc ? 

Nunc te, nox, quae me mansisti, mitto: nunc cedas die 
Ut mortalis inlucescat. luce clara et candida. 

Der Stil ist hier pathetisch und der Anaphora günstig. 

897: Sed tccumMdeo qui me miseram \ arguit \ ich bezweifle miseram ; 
denn Alcumena ist lediglich als stolz und zornerfüllt geschildert und nennt 
sich nirgends misera. Vergleicht man v. 885 : quae ... neque ego in me 
admisi , arguit , so bietet sich die Vermuthung: 

Sed eccum video qui me admissorum arguit, 

Stupri dedecoris: 

admissorum ist Substantiv; stupri , dedecoris Apposition. 

1040: längst richtig ausgefüllt. 


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355 


Asimaria. 

204 f. : Aliam nunc mi orationem despoliato praedicas, 

Longe | aliam, | in quam, praebes nunc atque olim quöm dabam. 
Zwei Hiate; beide erklären sich aus dem Vorgetragenen ; jedoch ist vielleicht 
einer zu beseitigen; denn der «weite Vers wiederholt sorgsam die Worte 
aliam und nunc des ersten; es durfte auch mi vor inquam zu repetitiren 
sein (Pareus). 

908: stark lückenhaft und nicht verwendbar. 

Anlalaria. 

316: Hiat vor unbetontem Dativ ei; doch redet der hier sprechende 
Servus vom (Geizhals sonst mit dem Pronomen hic: 8. v. 290, 297; vielleicht 
ist auch hier huic zu lesen. 

126.: Baccheen; hier scheint folgende Aenderung zu genügen: 

Hodie dicunt mülierem (nec) üllo in säeclo 
mit Hiat vor in. 

323: Coctim \ ego dico ; die Aenderung ergo ist wahrscheinlich. 

671 : in codd. VE steht aquid f. aliquid ; doch ist dies keine Variante, 
und eine Emendation Hesse sich darauf nicht gründen, da aquis in den 
Hss. des MA. öfter für aliquis eintritt. 

730: schwer verderbt, da quid agam zweimal dasteht; man kann es 
an zweiter Stelle tilgen und so den Vers gewinnen: 

Quid agam, | äbeam an mdneam an ädeam an fugiam edepol nescio. 
habeam steht in P. 

735: das Ueberlieferte ergiebt folgenden Septenar: 

Id quod verum | est. || Quid ego commerui, | adulescens, mali? 

Zu den Hiaten vgl. S. 306 und S. 344. 

B&cchides. 

51: Hiat vor unum ; vgl. S. 325; doch ist die Zeile z. Th. corrupt. 

249: der Hiat ist eher auf den abl. causa als auf das folgende, un- 
betonte eum zurückzuführen; doch misstraue ich dem Ablativ ausser an 
pathetischeren Stellen und lese: Quid höc ? qua causa {ego) 6um in Ephe- 
sum miseram mit Hiat vor in, der legitim ist. Solches ego ist natürlich; 
setzt man hinc ein, so scheint doch diese Ortsangabe übertrieben genau. 

384: Hiat vor ex; vgl. S. 3401.; doch ist eum falsch, da der „is“ im 
Voraufgehenden vielmehr angeredet wird ; es muss also auch hier etwa heissen: 

Ut te iam ex lutulento caeno eqs. 

Ut te una schon Fritzsche. 

565: unsicher; Lücke vor amare . 

577 : Hiat vor usque ; vgl. S. 338 ; die Correktur iUa/{c) usque liegt nahe. 

584: corrupt und unverwendbar. 

729 : te mit Sicherheit eingesetzt. 

23* 


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356 


Captiri. 

74: vielleicht Hiat vor an; vgl. S. 349; doch ist der Vers lückenhaft, 
die Ausfüllung kann den Hiat beseitigen. 

102: Hiat vor ego unglaublich und unzuverlässig; es fehlt hier zu 
impetret das Subjekt: cupio ut Hegio impetret; das eupio ui (s. Schöll 
p. 103) wird hinzunehmen sein ; curo ut läge nahe , wäre aber weit schwächer ; 
cupio et opto gleichfalls eine unwirksame Abschwächung. 

418: der Hiat in Mihi obsequiosus sempir fuisti eqs. ist legitim, die 
Betonung des semper vielleicht hinzunehmen; vgl. Epid. 197. 

709: Hiat vor arbiträre , wie Trin. 539 vor arbores ; vgl. S. 352; wer 
aber tu nach factum einsetzt, bringt kein Flickwort in den Text, sondern 
steigert seine Eindringlichkeit; der Ausfall des tu nach factum erklärt 
sich leicht. 

773 : etwa : Nec cuiquam | homini supplicare nisi tibi certüm est mihi . 

850: Fernam \ atque opthdUmia(m) : so (nicht ophthalmiam) zu schreiben; 
s. W. Schulze Orthogr. p. 27; perna ist aber nur der Schinken oder eine 
Muschelart und wir erwarten einen Fischnamen, der den folgenden ent- 
spricht; vielleicht sphyraenam ; dieser Name (spyrenam) konnte am leich- 
testen zu pemam entstellt werden. 

957 : doppelter Hiat : NAque \ ero \ umqudm ; aber sinnlos und lücken- 
haft; ich fordere: 

Neque ero umquam; ne spem (m me) ponas me bonae frugi fore. 

964: corr. Camerarius. 


Ctuuna. 

8 : Aequöm est placere 1 Ante veteres fdbulas ; der Hiat erscheint frag- 
würdig , die Ausfüllung sehr unsicher. Doch verlohnt es sich Ennius trag, 
v. 40 R. zu vergleichen: 

Übi illa paulo | ante sapiens virginalis mödestia ? 

Hier ist erstlich Hiat vor ante , zweitens aber dies ante fast adjektivisch 
verwendet; die mödestia heisst sapiens , sie heisst ausserdem ante , d. i. 
„quae ante fuit; a ganz ähnlich redet nun Plautus von ante fabulae. Später 
machte Vergil danach Aen. I 198 sein ante malorum. Weiter aber: Gegen- 
satz zu ante ist post; was sind die post partores im Truc. 62 nun aber 
anders al$ partores qui postea erunt? Genau ebenso Catull 4,10 post 
phaselus . Wir werden das Befremdliche conserviren, so lange es eine Er- 
klärung zulässt. 

23: Eicite ex animo cur am \ atque alUnum aes ; aes würde zweisilbig 
zu lesen sein (Camerarius) ; vgl. tänus; doch stört die Ungleichartigkeit der 
beiden Objekte und beweist die Corruptel; es ist zu erwarten: 

Efcite ex animo cüram. Qui alienum aes (habet), 

Nequis formidet flagitatorem suom. 

49: Arndt effiictim | dt item contra filius. Hier ist contra unhaltbar; 
denn contra amare bedeutet die Gegenliebe, während es sich vielmehr um 


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357 


Vater und Sohn handelt, die beide dieselbe lieben ; contra konnte aus y. 50 
eingedrungen sein. Oder es steckt ein compar darin, so wie v. 797 der 
commaritus compar genannt wird. Es wäre dann etwa et item Hus compar 
filius zu lesen. Uebrigens liegt itidem statt item nahe; s. z. B. Cure. 163. 

376 : si vor illuc einzusetzen ist vielleicht nicht durchaus nothwendig, 
doch immer höchst wahrscheinlich. 

922: hier kann in sin adire doch ein sinat adire stecken ; also: r6go 
ut altro sindt adire . 

963: Ubi tu | es qui colere more* Massilienses posttda *? Es muss 

qui me heissen nach Cure. 163. 

1004: s. oben S. 338; vielleicht ist aber vielmehr faciam quod iubes 
nach Men. 858 zu lesen. 


Cistell&ria. 

48: numqudm \ et Hecatefies : dies verurtheilt sich selbst; mir genügt: 
numqudm tu Hecata fies . 

70: Gustu dat dulcd, | amarum adsatietatem usque oggerit ; in diesem 
Satz, der pessimistich von der Liebe redet, muss das dulce als das Seltenere 
bezeichnet worden sein; ich glaube, dass dat aus raro verschrieben ist; 
gustui zu schreiben haben wir nicht nöthig ; also 

Gustu raro dulce, amarum ad satietatem usque oggerit. 

104: bleibt unsicher. 

109: da et corrupt, so wird man gut thun es so zu emendiren, dass 
der Hiat schwindet; et und nec werden leicht verwechselt; also 

nolito äcriter 

Eiim inclamare nec ut erg a me est meritus (mihi cordi est tarnen), 

Sed, amabo, tranquille. 

406 : Febricul(osae mt)serae am . . . ae | osseae, nur in A fol. 244 v. 
Zum Hiat bei os vgl. S. 326. Die Ergänzung amicae ist indess nicht sicher 
und genügt auch dem Sinne nicht. Plinius n. h. VIII 7 verbindet: ossa 
in laminas secari ; hiernach vermuthe ich laminae osseae , ein wirksames 
Schimpfwort ; so hat die Vettel bei Martial III 93, 13 osseum cunnum. 

510: die Schlusssilbe von edepol durch Anlaut des istaec gelängt? 
oder an sich lang? vgl. hierzu Most. 376; Truc. 202 (A). Hierfür spricht 
auch ihre Herkunft; in den Glossaren wird dann pol als Nominativ behan- 
delt: pol pollinis II oXvdevxrjg Corp. glos. II;508, 26. 

559: s. Wochenschrift f. klass. Philologie 17 S. 460. 

634: die Ergänzung unsicher. 

662: das Ueberlieferte scheint doch zu genügen: 

Num | hercle ego illam anum mvidere me üt sinam ? Satiüst mihi 
Qudvis exitio mterire. 

683: es sind zwei Messungen der Baccheen möglich: 

Nam si nemo hac praeter üt postquam intrö äbii; 

Nam si nemo hac praeteri — it pöstquam intro | abü. 


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358 


696: Versmas* and Lesung problematisch. 

710: Nam düdum | ut accürrimus ist vielleicht aufzunehmen ; über 
ut s. S. 337 ; man stellt die reduplicirte Form her. 


Cirenlio. 

80: Hiat vor ubi oder vor bas; doch die Betonung nicht gut. 

126: Hiat wie Lesung zweifelhaft 

132: ebenso. 

284: Nie quisqudm \ est tdm opulmtu »; unmöglich; vielleicht Nie 
quisquam usquam est t. o. 

446: corrupt, wie schon der Name Lxbyam zeigt 

497: ohne Hiat überliefert; Plautus schrieb hier manu mittitis (nicht 
emUHtis), weil er den Anklang an maneupatis v. 496 suchte. Es fehlt hier 
aber beim Uebergang in die direkte Anrede ein vos; also Aliinos ( vos ) 
manumittitis . 

523: Nam st öperam | et pecuniam eqs. Dieser Hiat vor et schwer 
glaublich; operam mi Pylades. Der Witz dieser Stelle beruht nun aber 
auf der Nennung des falschen Namens Summanus ; der irre geführte Lyco 
hatte diesen Namen v. 522 verwendet; Curculio muss ihn, da er abgeht, 
gleichfalls noch einmal hervorheben und repetiren, damit Spott und Ueber- 
muth zum vollen Austrag kommen; v. 522 f.: 

Lyc.: Summ&ne, numquid nünciam me vis? Cure.: Vale atque silve. 

Summ&no operam et pecuniam benigne praebmsti! 

Das Sum des zweiten Versanfangs fiel unter dem Einfluss der voranstehenden 
Zeile aus. 

582 : der Hiat bei auslautendem m ist S. 306 f. anerkannt ; doch liegt es 
äusserst nahe, dass esse mit sese und sese wieder mit esse verwechselt ist: 

Tüom libertum sese aiebat esse Summanum. || Meum? 

Epidicns. 

282: Hiat vor ei und anapästisches igitur ; ein Ausfall wahrscheinlich. 

326: über dreisilbiges praehendo s. S. 20; vgl. unten zu Poen. 1226; 
daher lese ich auch an dieser Stelle einen iambischen Senar mit Dimeter: 
Absurde facis qui angas ted animi; si hercle ego 
Hlüm semel praehendero. 

378: corr. Camerarius. 

406: Hiat vor istam ist hier annehmbar; doch in B nach istam Rasur 
von 8 Buchstaben;. vielleicht stand hier nos? 

530: vor mentem steht im Palimpsest deutlich ein M; das deutet auf 
met; wenn Götz dagegen auf Cist. 210 verweist, so ist das Possessiv dort 
durch das Hauptverbum habeo ausgedruckt, das hier fehlt. 

566: ein Hiat vor improbus bei einmaligem ut, wie es P giebt. 

567: lückenhaft und unsicher wie 608 und 721. 


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359 


Xenaeehmi. 

39 : ich glaube noch jetzt, dass in Tarenti die erste Silbe durch Accent 
gelängt ist; s. Rhein. Mus. 40 $. 524. 

40: huic ist falsch, also der Hiat fraglich. Ich glaube, dass HVIC 
aus PVER verlesen wurde, also ursprünglich dastand: 

Immütat nomen ävos puero gemino ältero. 

Das Wort puer kann zur Deutlichkeit nicht oft genug wiederholt werden, 
wie das Vorhergehende zeigt. 

105: bleibt Problem; ich vermuthe vorläufig: 

Sed mi intervallum iam hos dies multos fuit 
Domi; domi vinctus sum usque cum caris meis; 
wo das vinctus nach v. 97 und 94 zu verstehen ist. Näher käme noch: 
domi intus sum. 

453: N6n ad eam rem | ötiosos homines decuit deliyi; wo Scholl desi- 
diosos. Auch der späte Novius v. 80 hat vor ötiosi Hiat, aber bei stärkster 
Interpunktion. Nun soll hier aber just das Gegentheil von dem , was da- 
steht, gesagt werden: Leute, die sonst viel zu thun haben, occupatos, 
soll man nicht zur contio zwingen. Also muss hier ein Schreibfehler 
vorliegen. Denn auch ein Fragesatz kann dies nicht sein, da in der Frage 
magis hinzutreten müsste : non magis decuit eqs. ? Endlich wird die For- 
derung, dass die otiosi zur contio zu rufen seien, ja in v. 459 gestellt; sie 
kann also nicht schon hier stehen. Ich lese deshalb :, 

Non ad eam negotiosos homines decuit deligi. 

Als solchen negotiosus betrachtet sich eben Peniculus; vgl. v. 457 f. Und 
solcher negotiosus wird durch Strafandrohung herbeigetrieben : census capit 
v. 454; damit ist gesagt , dass eben nur die Furcht vor Strafe den stets 
mit Essenssorgen „beschäftigten“ Peniculus in contionem immersit. 

480: Hiat vor atque; doch ist hier mit der Aenderung atque eam me 
meae das Richtige getroffen; Menächmus ist voll Erstaunen, dass er es 
gewesen sein soll, der das gethan hat. Er betont daher das me zweimal: 
ich, ich, und zwar meiner Frau, während ich gar keine habe. 

508: Hiat vor atque; aber auch hier scheint es richtig atque eam zu 
lesen, genau dem v. 480 entsprechend. 

514: der Cretikus quid tu | es am Versschluss wäre ohne jede Analogie. 
So nur P; A unsicher; vulgo tu quia es; auch qualis tu’s Hesse sich 
empfehlen. 

525: verderbt, zumal una opera eng verbunden ist. 

719: tua wird richtig eingesetzt; vgl. bes. y. 739. 

737: ita rem \ esse ; entschuldbar nach S. 306 f. ; doch musste die Frau 
sagen: „veranlasse den Vater, dass er zu mir komme; sage, so liegen hier 
die Dinge.“ Also: ita rem hic esse oder besser ita \ hic rem esse dicito . 

740: die Ueberlieferung ist unhaltbar: denn der Dativ uxori steht 
falsch neben meum: „mein Gold raubst du deiner Gattin“ statt „mir, 
deiner Gattin“ ; das führt auf suppilas (mihi) tuae uxori. Sonst könnte etwa 
in uxori ein ex arcis stecken (vgl. v. 803) ; auch die Einsetzung des Genitivs 
tuae uxoris (Leo) ist möglich. 


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360 


771 ff. : die Ueberlieferung ergibt folgende iambische Eurzzeilen : 

Nisi aut qufd commissi 
Aut iürgi est causa. 

Sed quidquid id est iam 
Sciam; atque eccam eampse ante 
Aedis et eius 
Tristem virum Video. 

Jedenfalls ist diese Stelle zum Erweise des Hiates nicht verwendbar. 

784: ygl. S. 341; doch ist vielleicht id vor edixi ausgefallen, das von 
caveres abhängt und dann v. 786 mit istue wieder aufgenommen wird. 

837 : corrupt : Post te autem illi circo salus qui saepe aetate in sua ; 
sehr unpassend hat man an Stelle des circo auf hircus gerathen ; denn der 
senex soll hier als gottlos und als Urheber falscher testimonia verunglimpft 
werden, aber nicht als geil, was auch ohnehin nicht passt; salus bleibt 
zudem räthselhaft. Die Emendation liegt nahe, wenn man illic ircosalus 
abtheilt. Der Vers ist zu lesen: 

Poste autem illic hierosylus qui saepe aetate in sua. 

Als IsqoovXos oder sacrilegus wird der Alte dem Gott Bacchus, an den die 
Worte sich richten, denunziert. Das griechische Wort ist gut erhalten, 
nur in herkömmlicher Weise die Aspiration nicht geschrieben. Zum ab 
laeva des voraufgehenden Verses giebt poste („hinter mir“) den Gegensatz; 
wir brauchen also kein illinc. 

852: Hdud male ! — illdnc amovi , mit Sprechpause? Aber es ist 
längst bemerkt, dass zum folgenden Accusativ ein regierendes Verbum fehlt, 
das sich in verschiedener Weise ergänzen lässt; so kann z. B. nach amovi 
ein adibo ausgefallen sein: 

Häud male illanc amovi; (adibo) nunc hunc impurissimum eqs. 

952: Hiat vor ad; doch liegt es hier nahe ülunc f. illum zu schreiben. 

1139: mit Vahlen auszufüllen. 

Xerc&tor. 

4: Vidi | amoris\ doch unhaltbar. 

128: Hiat vor ex , aber schwer corrupt. Der Vers, ein troch. Octonar, 
ist hier als solcher unanstossig. Mir scheint die Ueberlieferung Folgendes 
zu ergeben: 

Quid illud sit negoti, lubet scire, exempto hoc metu üt sim certus. 

187: der Hiat vor xU ist hier berechtigt, und wir brauchen kein uti . 

312: das amando hat auch der beste Wille nicht zu erklären vermocht ; 
ich denke, in me amando steckt me mando : 

Lysimache, auctor sum et me mando: enices, 
ein Vers mit zwei zulässigen Hiaten. Auf mandare folgt Conjunctiv ohne 
ut wie v. 428. 

412: et tibi | adsentior ; doch s. A. 

427: vielleicht genügt hier die Annahme der Sprechpause; Demipho 
verspricht sich anfangs gedankenlos und sagt qui illam mandavit mihi 


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- 361 


ut emerem; darauf fallt ihm ein, dass er die bestimmte „illa“ ja nicht 
nennen durfte, und er fügt verlegen hinzu: — ad istanc faciem. 

852: ltgomet mihi comts calator iquos agaso | Armiger. Hier ist equos 
corrupt; denn Charinus denkt sich hier nur als dienendes Personal (calator, 
armiger), nicht aber als Gaul. Auch v. 931 ist er doch nur Kutscher. Also : 

Egomet mihi comes calator, ego mi agaso armiger 
(weniger gut ego sum agaso armiger ); der Hiat bleibt also bestehen. 

845: D6mi | erat quod quderitabam ; ich erwarte mit Müller die Anti- 
these: Dömi erat , foris quod quaeritabam. 

880: Nübis ater imberque instat , so, ohne Hiat, überliefert; ich wage 
von den Emendationen , die ihn einführen, keinen Gebrauch zu machen. 
Denn wie , wenn man nur das que streicht ? ater gehört zu imber ; vgl. 
Yergil Georg. I 236 ; nubis ist Genitiv. 

977: s. Rhein. Mus. 54 S. 245. 


Xiles gloriosus. 

307: die Ueberlieferung 

Nunc si | indiciüm facio, | interii, si taceö, tarnen 
bietet sprachlich keinen Ajistoss. 

813: die Ueberlieferung führt auf die Lesung 

Scöledre, Sceledre, quis homo in terrat est alter aud&cior; 
zur Längung vor au vgl. 8. 311 f. u. 317, und der Ablativ terrat steht hier also 
noch im ältesten Plautusstück erhalten, das uns v. 374 den nom. plur. 
oculis bietet (so A und B 1 ). Nach a. 200 hat Plautus schwerlich noch 
solche Formen zugelassen. 

331 : die Ergänzung bleibt zweifelhaft. 

934: Quasi cldnculum | admlssa sit; das Verbum lässt sich nicht 
halten ; man erwartet emissa sit; die Ausfüllungen ad me, ad eum, ad erum , 
ad illum missa sit missfallen, weil v. 933 ad nos steht; es müsste auch 
hier ad nos wiederkehren. 

1005: die Hss. geben uns das Räthsel: 

Prfusne quam Iliam | oculis tuis ... || Video id quod credo tibi. 

Die Aposiopese ginge an. Was aber soll Ilia? ist der Miles Mars und also 
Dia seine Geliebte? Daran ist hier klärlich nicht zu denken; vielmehr 
bedeutet, wie niemand zweifelt, iliam ein iliam, wodurch deutlich das iUa 
ipsa v. 1003 aufgenommen wird. Also Hiat vor oculis und auch vor iliam ? 
Aber die Beispiele, die S. 322 u. 330 f. besprochen sind, weichen ab. Also Lücke. 

1030: hier ist nur der Versschluss ilico falsch, der sich den Anapästen 
nicht fügt; ich lese; 

Aliquäm mihi partem hodie | operae des denique, tandem ades cum illa. 
1395; P giebt; 

Fäcite | inter terram | atque caelum ut sit, discindite. 

Auch A hatte nach Löwe nicht anders; nach Studemund haben in A 
zwischen terr und am noch zwei weitere Buchstaben gestanden. Es ist 


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362 


aber unmöglich, solche Buchstaben sinngemäss zu ergänzen, und A wird 
hier demnach höchstens eine Verschreibung (terrenamf) geboten haben. 
Ich erinnere daran, dass auch Mil. 313 teremat für terrat überliefert steht — 
Derselbe A bietet et für atque. Jenes terram atque caelum ist nun nach 
Grai atque barbari zu beurtheilen: s. S. 345 f. Der Hiat vor inter ist 
noch leichter. 


Moetell&ria. 


149: 

165: 

282: 

einschob, 

396: 

619: 

1113: 

1160: 

1172: 


Hiat vor atque ; oder üt nunc sum atque tit fui. 
hae | öppido aedie , in CD, ist zu beanstanden. 

Hiat vor et; hier am wenigsten glaublich ; das ms, das Camerarius 
ist so annehmbar wie das eingesetzte te v. 1168. 
uti f. ut ? 
s. die Editoren. 

Hiat vor in; aber es fehlt ein Fuss. 
s. Ritschl. 

corrupt und lückenhaft. 


Fersa. 

66 f. : die Hss. .* 

änimus induci potest 
Eum esse civem | et fidelem | et bonum. 

Zur Infinitivconstruktion fehlt hier, streng genommen, das regens; ut dicam 
oder etwas ähnliches: also Eum dsse civem ut dt fiedelem aiam et bonum; 
so Schöll. Gesteht man eine freiere Struktur zu, so könnte man auf per - 
fidelem , perbonum verfallen. C. F. W. Müller Rhein. Mus. 54 8. 526 f. hat 
die Scheu vor Hiaten zu einer Verkennung des Sinnes vermocht, so dass 
er geradezu nec fidelem nec bonum vorschlägt. Wir fragen: warum soll 
Saturio, wenn er auf die Sykophanten schimpft, nicht zum Scherz diejenigen 
von seinem Tadel ausnehmen, die diesen Beruf ohne Gewinnsucht ausüben? 
Die giebt es eben nicht, und darin liegt der Witz dieser Zeilen. Er sagt 
ironisch : den Gelderschleicher, der nichts erschleicht, den bin ich natürlich 
bereit höchst brav zu nennen! Das Publikum lacht dazu, wie es soll. 
Denn den suchst du vergebens. Gegen die übrigen aber, fährt Saturio fort, 
sollte man ein Gesetz erlassen u. s. w. So möchte ich denn hier schliess- 
lich den Hiat conservirt wissen, indem ich das et — et als betont betrachte; 
es hilft zum Ausdruck der Pointe. Jede correlative Verknüpfung bezweckt 
die Hervorhebung, und sie thut es hier auf das deutlichste. Der metrische 
Ictus kommt hinzu. Ich glaube, dass wir uns hiermit begnügen müssen. 

696 : Eum ego ut requiram atque ut redimam vclo : fünf Füsse statt 
sechs. A hat vielleicht an zweiter Stelle uti, also Hiat vor atque. Doch 
scheint mir nicht wahrscheinlich, dass ut in dieser Weise durch uti auf- 
genommen wird, und ich vermuthe, dass ein propere hinter requiram ausfiel ; 
denn dies ist die zu erwartende Antwort auf die Frage quid properas v. 693. 


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863 


Poenwlns. 

240: Baccheen; Sorör cogita amdbo, oder vielleicht Sorör cogita dmbas. 

454: ich lese: nec potui tarnen Propitiam Venerem f&cere uti esset , 
(et) mihi . 

701 : nach A : Ibi igo te replebo üsque eqs., also replebo mit gelängter 
erster Silbe , wie sie in reddueo u. a, vorliegt ; vgl. rhdusit Gapt. 918. 
P giebt Hiat vor usque. Auch Poen. 1290 scheint es mir am wahrschein- 
lichsten, dass wir Ita (< eam ) replebo dtritate zu lesen haben. 

1005: Si | ist nega esse\ unlogisch; aber auch si ita est genügt nicht; 
vielmehr: si a(t y nega esse. 

1226: entweder Nunc pdtrue tu frugi bonos es; vin igo | heute ad- 
prenddm ? Tene; oder mit Tilgung des tene , da prehendere die Synurese 
vermeidet (oben zu Epid. 326) : 

Nunc patrue tu frugi bonae es; vin ego \ hanc adpraehendam? 
Vielleicht gehört tene an den Anfang der nächsten Zeile und zu den Worten 
der Adolph. 

1390: facite | et; aber der Imperativ ist verdächtig, da der Goojunktiv 
subveniatis folgt. 

1396 : quom | egomet consulam sinnlos ; es genügt vielleicht, post für 
quam einzusetzen. 

561: in Anknüpfung an diesen Vers 

Übi is detulerit, tu eo quaesitum servom | advenies tuom 
seien folgende weitere citirt: 

Capt. 665: Decet fnnocentem sörvora atque innöxium. 

Cist. 181 : Peperisse gnatam atque eam se 8 e r v o | flico. 

Rud. 1200: Iussique exire | huc servom eins ut Ad forum. 

Most. 560: Sed Phflolachetis servom eccum Tranium. 

Most 1012: Quid a Tranione servo? || Multo id minus. 

Es ist nun einerseits bekannt, dass Plautus, wie später der Querolus und 
wie die Volkssprache, wo immer wir ihr begegnen, für servus nach Belieben 
und gleichwerthig servolus einsetzt; denn diese Form braucht Plautus nicht 
nur am Versschluss (Capt. 880; Cist. 182; Stich. 446), nicht nur mit einem 
anderen Deminutiv verbunden (Men. 339; Poen. 270), sondern wir lesen 
auch schlechtweg: 

Truc. 432: Iam fäxo hic aderit; servolum huc mittam meum; 

Amph. 987: ... quam servolo in comoediis; 

Merc. 171: ... servolo video meo; 

(vielleicht auch Poen. 523 nach C); also gerade im dritten und vierten 

Fusse des Senars, in denen (oder an der entsprechenden Stelle des 
Septenars) wir oben servom mit dem Hiat finden. Andererseits konnte das 
Deminutiv leicht durch die üblichere Form ersetzt werden ; so geben A und 
CD im Stich. 289 hamum , nur B das nöthige hamulum; so steht Cas. 40 
in P und bei Servius primo crepusculo ; nur A giebt das nöthige primulo; 
ebenso steht Parasitus piger frg. I primo crepusculo ; man emendirt wiederum 
primulo . Insbesondere Asin. argum. 4 servo die Hss. ; man liest servulo . 


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364 


In allen voranstehenden sechs Versen wird nun das Metrum, wie leicht 
zu sehen, bequem lesbar, sobald man auch hier die betr. Form servolus 
für nervös einsetzt , und ich mochte, obschon ein Vertheidiger oder Interpret 
des „Hiates“, doch solche Möglichkeit nicht unbeachtet lassen; sie ist für 
die Mostellariastellen am wenigstens angebracht, am meisten für Rud. 1200; 
Poen. 561, wie dies für letztere Stelle denn schon Geppert, für erstere 
Koch erkannt hat. 


Psendolns. 

67 b : nostrorum \ orgiorum eqs. nur in A ; orgia passt schlechterdings 
nicht in. den Zusammenhang, da es sich hier um Küssen und Pressen, nicht 
um bacchischen Festrausch handelt; Lowe hat von dem orgiorum nichts 
gesehen und vermuthete das sachgemässe femorum. 

151 (oben S. 350) : animati \ estis giebt nur A mit Hiat; in P ist der 
Vers hiatfrei, wennschon z. Th. corrupt; beide Lesungen zeugen gegen 
einander. P ist auch v. 152 init. besser als A. Es ist also auch v. 151 
die erste Vershälfte von P anzunehmen: Nempe ita animati estis vos; denn 
diese Betonung estis vos ist gut. 

424: es ist schwerlich durch Flickung zu helfen; iatm vor volui einzu- 
setzen (Lambinus) hätte einigen Sinn; ihm wäre oppido v. 125 entgegen- 
gesetzt. 

443 (oben S. 350): hier steckt ein Fehler; denn die Anrufung des 
Zeus wäre unmotivirt, wenn zugleich die Menschen angeredet würden; vgl. 
z. B. Persa 99 f. ; Poen. 1271 ; Aristophanes Nub. 2 ; 153 u. a. Am leichtesten 
scheint es quam pauculi sunt homines commodi herzustellen oder, da es 
sich hier nur um Väter handelt, quam pauci senes sunt homines commodi. 

493 : Erum | ut bei unbetontem ut ist undenkbar ; logisch ist der Satz 
mangelhaft; es musste heissen: Erum ut sirvos crimindret apud erum 
dlterum oder dpud maiorem erum ; vgl. v. 1283. 

532: vgl. S. 328; doch scheint virtute hier nichtssagend .* wir brauchen: 
Astütia regi Agaihocli antecdsseris . 

593 : die Anapäste können ohne Katalexe gelesen werden : dabo | insidias. 

784: mdle | eum; lies maleficum . 

938: Neque igo | hoc homine eqs. ist zwischen Anapästen ein iam- 
bischer Septenar. 

1259: wir haben nicht etwa nothig Hiat in Abi | ad labra anzunehmen; 
der troch. Octonar lautet: 

N&m ubi amans complexus est amäntem, ubi ad labra lab411a adiungit. 

Rudens. 

47 f. : hier lesen wir : flöcci non fecft fidem 

Neque quod iuratus adulescenti d ix erat 
Ei | erat hospes parui Siculus senex .... 

Is illius laudare infit formam virginis. 


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365 


In y. 49 straucheln wir nicht nur über das Metrum, sondern auch über das 
sinnlose parui. Man beachte nun, dass der Relativsatz quod dixerat v. 48 
nicht gut von flocci non fecil abhängt, sondern ein neues Hauptverbum zu 
verlangen scheint ; sodann aber, dass auch ei erat hospesy, 49 „er hatte einen 
Gastfreund“ nicht genügt. Vielmehr musste gesagt werden, dass dieser 
Gastfreund eben zugegen war. Daher muss v. 49 lauten: 

Meminerat. Hospes adfuit Siculus senex. 

Denn paruit wage ich nicht herzustellen (ad portum parv.it Hermogmes 
Martial 12, 29, 18). Vielleicht stand in alten Exemplaren arfuit f. adfuit 
geschrieben. 

55: ich erwarte: Dielt potesse ibi Irevi fieri divitem. 

61: et eo unangemessen. Es ist zu lesen: Id hic est Veneris fanum. 
Len o ad prandium eqs.; vgl. v. 141; 344. So jetzt auch C. F. W. Müller. 

112: corr. Bothe. 

231: vielleicht Hiat vor obsecro auch hier anzuerkennen. 

455: der Senarschluss mit prvusquam huc fällt aus aller Analogie. 
Es ist längst erkannt, dass prius allein am Ende stand und die Vers- 
abtheilung in P gelitten hat. Wir brauchen keine Silbe zu verändern: 
Paläestrae, in aram | üt confugiamüs prius 
Quam huc scelestus leno veniat nosque hic öpprimat, 
und erhalten den Hiat vor finalem ut , der bei Plautus so häufig ist, s. 
S. 337. Nach früherer Methode würde man etwa ein nos hinter ut einzu- 
schalten haben; Fleckeisen uti sowie scelerus . 

482: im cod. Tumebi Hiat; er lässt huc aus. 

484: am leichtesten konnte hic hinter mihi ausfallen : „hier am Platze ;“ 
denn der puteus ist hier am Ort, v. 460. Doch ist dies nicht zwingend. 

485: locus desperatus. 

752: ebenso. An der Stelle des tuae istae sunt muss vae aetati tuae 
oder vae tergo tuo stehen; vgl. das Folgende. 

859 : in ins rapiam | extdem ; das exulem bekenne ich nicht zu ver- 
stehen; denn solange dem Labrax der Process gemacht wird, kann er noch 
nicht exul heissen, sondern höchstens exul futurus. Der Palimpsest hilft 
hier nicht. Es folgt aber Rud. 860 die Anrede Age ambula in ius; daher 
vermuthete ich, wenn schon mit Zweifel: 

Ego hünc scelestum | fn ius faciam ut ambulet 
Vielleicht genügt aber: in ius rapiam ui exulet . 

888: Nam | fn columbari collum haud multo post geret; 

so, geret , lese ich für das erit der Hss., um den acc. collum zu halten, 
dessen m deutlich an das m in columbari anklingt. Der Hiat vor in aber 
ist sicher und die Schreibung cotlumbari zu verwerfen; denn die Lesung 
in P bestätigt Priscian, und dem cdlumbar v. 888 entsprechen die nida - 
menta v. 889. S. unten zu Truc. 674 f. 

1003: locus dubius. 

1307 : Sed quid tibi est ? || Hoc pröxima nocte ln mari | et dlii. Man 
setzt elavi für et alii nach v. 537 ; 699 und Asin. 134 ; aber v. 537 steht 


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366 


das Verbum reflexivisch; 699 passivisch; Asm. 134 hie elavi honte „hier 
bin ich mein Vermögen los geworden tf deckt sich auch nicht genau mit 
obiger Vermuthung. Vor allem ist an unserer Stelle, dem Gripus gegen- 
über, gar kein Platz für scherzhafte Tropen; dies und anderes ist auch 
gegen SchölPs Herstellungsversuch zu sagen. Das einfachste Wort ist hier 
das richtigste; so schlicht redet auch v. 1308; ich lese natavi. 

1389 : da Daemones die Rede hier plötzlich wieder an den leno richtet, 
kannte die Anrede leno (vgl. v. 1403) ausgefallen und vor qmndo oder 
nach fui einzusetzen sein. 


Stichns. 

216: dieser Vers Consenui, paene sum fatne emortuus ist eher ein 
Problem für die Kritik als für die Metrik. Man gestatte zwei Versuche. Der 
Parasit nennt sich hier, am Schluss seiner Tirade, fatne mortuus genau wie 
v. 640; doch an unsrer Stelle nicht mit Recht, und das fame ist zu bean- 
standen. Für ihn sind nämlich seit längerem die potationes und cenae 
selbst gestorben, mortuae t demortuae v. 211, 212, und er muss sie beweinen; 
indem er um ihren Tod trauert, ist er alt geworden und ist also nach 
dieser Fiktion nicht am Hunger, sondern an der Trauer um sie gestorben: 

Consenui ; paene süm 1 a m e n t i s mdrtuos. 

Brix stellte lamenta auch Capt. 201 her, offenbar mit Unrecht; auch ist das 
Wort sonst dem Plautus fremd. Doch scheint mir der Gedanke und die 
Ueberlieferung eben hierauf hinzuführen. Andrerseits könnte man auch ein 
ipse vermissen; die Mahlzeiten sind ihm weggestorben ; in Folge dessen ist 
der Parasit „selbst* beinahe todt. Daher Acidalius: ipse emortuus, doch 
ohne das fame zu beseitigen. Ich würde alsdann vorziehen: 

Prae m&erore adeo unser atque aegritudine 
Consenui (et ipse) paene sum iam emortuos. 

271: ich bevorzuge die Lesung in P, da sie frei von Anstoss ist; 
A giebt die Irrung Stal üt facete atque ut pictura . Man wird wählen, 
nicht aber aus beiden Lesungen eine dritte herstellen müssen. 

650: Terrd | erüis pdtria im Vocativ verurtheilt sich selbst; da Athen 
aber urbs und nicht terra ist, so scheint doch ein et zu fehlen: 

Salvete Athenae quae nutrices Graeciae 
(Et) terra erilis patria: te video libens. 

Trinummns. 

533: der Versschluss Ule | dger fuit oder Ule agdr fuit ist bedenklich 
und mit leichter Hülfe beseitigt. Zu letzterer Betonung vgl. Klotz S. 245. 

Trncnlentns. 

227 : dieser Senar steht , wofern die Senare v. 223 — 226 unecht sind, 
unter lauter Septenaren isolirt und ist darum verdächtig. Das Eindringen 
der Verse 223 — 226 hat vielleicht Anlass gegeben ihn zu verkürzen. Man 
erwartet also auch hier einen Septenar wie : 


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367 


Meretricem sentfs similem esse condecet, (is enim solet) 

Quem quem hominem attigerit, profecto ei aut malum aut damnum dare. 

674 f. : Iam nön sum truculentus ; noli metueris. || 

Quid vis? qui tuam | expector osculentiam. 

Wer bei truculentus mit gelängter erster Silbe an truncus lentm denken 
wollte, müsste doch das non tilgen; auch v. 266 ist trotz A dieses Silben- 
spiel nicht annehmbar; s. Scholl. Eine so gewaltsame Prosodie wäre aber auch 
sonst nicht zuzugestehen, weder hier v. 674 noch Rud. 888, wo wir nicht 
Nam m cöllumbari collum , sondern Nam | in columbari collum zu sprechen 
haben; 8. oben zur Stelle. Es ist wahrscheinlich, dass v. 674 vorne ein 
fui ausfiel; es fiel deshalb aus, weil v. 673 mit fui schloss. Der über- 
lieferte Hiat vor expecto v. 675 giebt an sich keinen Anstoss. Ich bin nun 
überzeugt, dass auch der v. 675 von Truculentus gesprochen wird und ihm 
gehört; das beweist das qui und vor allem der enge Anschluss des v. 676; 
Truculentus sagt: „Fürchte dich nicht länger; sag 9 und befehle mir irgend 
etwas; ich bin jetzt zu allem erbötig.“ Diese Anreden hingen eng zusammen. 
Nur die Zwischenfrage quid vis ? gehörte der Astaphium. In derGorruptel 
rosculentiam muss also eine Gegenbildung zu truculentiam und zwar eine 
Eigenschaft der Astaphium zum Ausdruck kommen. Ich dachte an frau- 
dulentiam (vgl. Mil. 193), etwa frodulentiam geschrieben. Doch ist Asta- 
phium’s Haupteigenschaft vielmehr das Geldfordern. In rosculentiam dürfte 
also posculentiam stecken, zum Adjektiv posculentus , das eigentlich 
„trinkbar“ bedeutete; der Scherz beruht hier auf der Veränderung der Wort- 
bedeutung : 

(Fui), iäm non sum truculentus; nolim metueris. || 

Quid vis? || Qui tuam | expecto posculentiam. 

Die impera mihi quidlibet eqs. 

733 : plus enim | es : aber se f. es die Hss. ; etwa plus dnim vero intro- 
missu’s quom dabas ? 

749 : die Messung Ndm item ut Acherünti | hic ratiö | accepti scribitur 
ist misslich; es gilt, wie immer, zu fragen, ob der Gedanke correkt aus- 
gedrückt oder vollständig ist; ich erwarte aber Folgendes: „hier wird, wie 
bei den Todten, nur die ratio accepti , nicht auch die ratio dati geführt:“ 
also hic sola oder hic solum . 

758: egon f. ego notbwendig. 

764; lückenhaft und unsicher wie viele Verse in diesem Stück; vgl. 
793; 918 u. a. 

885: vgl. S. 346, wo ich tibi amici , ibidem opes accentuirt habe; denn 
da die Prosodie ibidem sehr selten, so scheint mir die andere Messung un- 
wahrscheinlicher: tibi amici, ibidem opes; vor ibidem aber steht Hiat wie 
vor lbi, oben S. 332. Jedenfalls wird man in den trefflichen Wortlaut dieses 
Proverbiums kein weiteres Wort interpoliren dürfen. Auch Quintilian kennt 
nur die Form ubi amici , ibi opesV 11,41, offenbar mit derselben Betonung, 
wie ich sie im Plautus angesetzt. 


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Berichtigungen. 


S. 53 Zeile 22 von oben : lies „oder ego te St tu mSd ut facias 


72 „ 

16 

» * 

„ fiagitium . 

82 „ 

2 

n unten: 

„ Zeile f. Ziele. 

83 „ 

7 

n n 

ff Daktylus f. Dakytlus . 

83 „ 

22 

ff oben : 

ff periisse f. perisse. 


„ 93 Anmerkung 1: „ uriUkürliche f. willkührliche. 

„ 95 Zeile 3 von oben: „ commaticum f. commatticum. 

„96 „ 2 „ „ „ jeden f. jedem. 

„ 99 Anmerkung 2: „ nirgends f. nirgens . 

w 106 Zeile 5 von oben : „ scisciter f. sciciter . 

* 109 B 14 , unten : „ voraussetzen. 

ff 197 „ 13: zur Aussprache Olofemes vgl. Augustin civ. dei 16,13 

(Bd. II p. 152 ed. Hoffmann), der so schrieb. 


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Aiisgaben einiger Autoren, nach denen citirt ist. 


Aethicus ed. Wuttke. 

Amarcius ed. Manitius. 

Ambrosius Exameron ed. Scbenkl. 
Ammianus Marcellinus ed. Gardthausen. 
Apuleius met. ed. de Vliel. 

Anthologia latina ed. Riese. 

Arnobius ed. Reifferscheid. 

Augustinus Confessiones ed. Knöll. 
Augustinus de ffde et symbolo etc. ed. 

Zycha (darin de mendacio). 

Aulul aria sive Querolus ed. Peiper. 
Avienus ed. Holder. 

Boetbius de consolatione ed. Peiper. 

Carmina epigrapbica ed. Bucheier. 
Cassiodrius Variae ed. Mommsen. 

Cato de re rust. ed. Keil. 

Censorinus de die natali ed. Cbolodniak. 
Cicero epistulae ed. Mendelsobn. 

Cicero de legibus ed. Vahlen, ed. II. 
Corippus ed. Partsch. 

Cruindmelus ed. Humer. 

Digesta ed. Mommsen, ed. maior. 

Festus ed. 0. Müller. 

Florus ed. Rossbacb. 

Fronto ed. Naber. 

Fredegarius ed. Krusch. 

Fulgentius ed. Helm. 


Gargilius Martialis ed. Val. Rose. 
Gaius ed. Studemund, ed. minor. 
Gromatici ed. Blume , Lachmann, 
Mommsen, Rudorf. 

Iordanes ed. Mommsen. 

Iulius Valerius ed. Kubier. 

Lactantibus ed. Brandt. 

Martianus Capella ed. Eyssenhard. 

Nonius ed. Luc. Müller. 

Orosius ed. Zangemeister. 

Petron ed. Bücheier, ed. IU. 

Placidus comment. zu Statius ed.Jahnke. 
Plinius de medicina ed. Val. Rose. 

Scriptores historiae Augustae ed. Peter, 
erste Ausgabe. 

Seneca de benef. u. de clementia ed. 
Hosius. 

Seneca epistulae ed. Hense. 

Seirius ed. Thilo. 

Sueton ed. Roth. 

Tertullian ed. Reifferscheid -Wissowa, 
Bd. I. 

Varro de re rust. ed. Keil. 

Virgilius Maro grammaticus ed. Hümer. 


B i r t , Th., Der Hut bei PUutus. 



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Verzeichntes der Autoren 

und Monumente, die kritisch besprochen sind. 


Aethicus S. 228. 

Albarus, Paulus 209 f. 

Alcimus Avitus 98, 1. 100. 

Alcuinus (Anthol. lat. 687) 50, 1. 103. 
Amarcius, Sextus 192. 

Ambrosius 193. 

Ammianus Marcellius 262. 

Anthologia latina 103. 105, 1. 191. 205. 
208. 209. 212. 230. 242. 244. 272; 
ygl. 142. 

Apollinaris Sidonius 102. 211. 212. 
Appendix Probi 145 f. 

Apuleius 203. 

Ps. Apuleius de nota aspir. 165 f. 260. 
281. 

Augustinus Gonfess. 247. 

Aulularia sive Querolus 105 f. 

Ausonius 99 f. 102. 206. 212. 236. 

263. 296. 

Avianus 28. 

Avienus 278. 

Biblia sacra, cod.Amiatinus 117f.; 235,1. 
Caesar 112, 1. 

Carmina epigraph. 85. 88. 93 ff. 169. 

170. 206. 209. 272. 296. 331, 1. 
Cassiodor, Variae 159. 

Cato 136. 256. 

Catull 40 f. 84. 85. 134. 136. 227. 

242, 2. 249. 256. 

Cen8orinus 191. 

Chanson de Roland 291 ff. 

Chaucef 264. 

Cicero 89 f. 193. 233. 301. 

Consentius 145. 


Corippus 230 f. 236. 

Comif. ad Ilerenn. 300. 

Corpus glossariorum 121. 151. 178 ff. 

188. 1. 202. 214. 229. 237. 241. 244. 
247. 279. 324,3. 357 u. sonst. 

Corp. inscr. lat. 123 ff. 127 f. 131 f. 

134.2. 142. 194. 220 u. sonst. 
Cyprianus Gallus 100 — 102. 209. 

Digesta 160. 204 u. sonst 

Eberhardus Betbun. 191 f. 216. 241, 1, 
Ennius, Epiker, 82. 

Ennodius 102, 212. 254. 

Festus (Verrius Flaccus) 139 ff. 

Florus 213. 263. 

Fredegarius 228. 242. 

Geographi lat. min. 278 u. sonst. 
Grammatici lat supplem. 164. 

Gregor v. Tours 211 f. u. sonst. 
Gromatici 179. 244 u. sonst. 

Horaz 181. 252. 

Ioca monachorum 220 f. 

Iordanes 198. 229. 

lulius Valerius 133. 180. 253. 

Iuvenal 104,2. 

Iuvencus 99 f. 208. 

Laevius 87. 

Liyius 235. 253. 

Lucilius 34. 42 f. 70. 120. 237. 
Lucretius 207. 216. 

Luxorius 103. 


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371 


Marius Victorinus 144. 

Martianus Capella 99,2. 192 f. u. sonst. 
Mela 179. 189, 1. 

Mummius-Inschrift 68. 84. 

Nigidius Figulus 155. 

Orosius 248,2 u. sonst. 

Orthographica Gallica 294 f. 

Palladius 281 u. sonst. 

Paulinus Nolanus 100. 

Pelagonius 158. 248. 

Phaedrus 207. 

Plautus, Terenz u. a. ältere Sceniker: 
20. 24,2. 34. 37. 43 ff. 55—73. 76 f. 
78—80. 88. 152. 154. 254. 303. 306 f. 
309-367. 

Poetae aevi Carolini 170 ff. 187. 207. 

209 f. 212. 249. 252. 256. 264. 324,3. 
Pontanus, Io. Iovianus, 166 Anm. ; 167. 
Posidonius 112. 

Priapeen 87. 

Priscian 167,1. 189 f. 213 u. sonst. 
Properz 279,3. 


Quintilian 113 f. 130. 143. 303 ff. 

Saturnische Verse 52. 57. 77. 300. 
310. 339. 

Scaenici latini, s. Plautus. 

Schiller 6. 

Scriptores hist. Augustae 104. 133. 

190 u. sonst. 

Sedulius 100. 102. 256. 

Seneca 132. 193 u. sonst. 

Serenus Sammonicus 99. 208. 

Servius 191 u. sonst. 

Shakespeare 264. 

Tacitus 119, 1. 

Terentianns Maurus 97 f. 205. 
Terentius s. Plautus. 

Tortellius 166 Anm.; 167. 239. 261. 

Varro 36. 75.1, 109 ff. 135 ff. 181. 
Velius Longus 138 f. 

Venantius Fortunatus 168 ff. 206 f. 
Vergil 90 f. 148,3. 207. 

Virgilius grammaticus 109. 179. 185. 
Volcacius Sedigitus 328. 

Waltharius 176 f. 


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Wörterverzeichnis». 

(Dies Verzeichnis ist nicht vollständig, sondern eine Ergänzung der S. 145 
— 147; 156 — 160; 233—245; 250—264 gegebenen Verzeichnisse). 




a y ab u. Composita 308 ff. 
abhotninare 247. 
ablatio f. öblatio 274. 
abstutus 278. 
ac 345 u. sonst. 
acer 351 f. 

Accheruns 45 f. 48. 180. 

ad u. Composita 343 ff. 

Adherbal , Atherbal 248, 1. 

adhuc 133. 169. 214. 

aedes 323. 

aeger 326. 

aerumna 325. 

aestimo 325. 

aestus 327. 

aetas 327. 

aff er re f. auferre 240,1. 
agere, actutum 327. 
agnus 351. 

ah , aha 14. 24. 121. 180. 
Ahala 23. 
aheneus 182. 

A henobarbus 185. 

aio , 26. 27. agio 29. 

-4/is, -4/eus 329. 

alius, aliquis 348. 

allium 327. 

altus 281. 288. 

amare , amicus 346 f. 

ö» 349. 

ancüla 327. 

anhelare , handare 203. 287. 

Zar« 180. 
animus 350. 


annus u. a«ws 326. 
aftser 34. 76. 134. 
ante adjektivisch 356. 
aperire 281. 321 f. 
apsis 147. 197. 
aptus, abtus 234. 

Apulia 328. 

ara, Aasa 76. 324. 

araz 145. 

aridus 324. 

ariuga s. haruga. 

arreptus f. abreptue 240,1. 

öwser 149. 

assula u. astula 148 f. 

346. 

atque 345 f. 

au, Diphthong, 187. 192,1. 310ff. 

auctor , autor 243. 

auferre 153. 310. 

aufugio 273. 

augurium 254. 287. 

aurum, arrum 240,1. 310 f. 

auscultare 274. 

auxilium funfsilbig 187. 

axungia 278. 

arewa 147. 

20 . 

bracchiutn 45 f. 48. 179. 180. 


chaos , Aaws 179. 

anche- chelydrus, ylidri 121. 178. 266. 
cÖ-, Präfix, 35. 
cohercere 183. 184. 


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373 


cohors 20. 

conivere , conhibere 247. 
cuius dreisilbig 172,2. cui spondeisch 
102 . 

cyathus 42. 120; cihatus 183. 

Danavi 278. 
dihinc 169. 
dehortor 20. 
ddiberare 249. 
dierectus 342. 350. 

dipthongu8 u. ä. 166 Anm.: vgl. 109,2; 

189,1. 356. 
diribeo 20. 214. 
drachtna , Messung, 47. 

ebrius 318. 
ebur 196. 318. 
ecquis 322. 
eccum 133. 322. 
edepol 334. 357. 

Mere 323. , > 

ego 334. 

ehern einsilbig 24. 

. dlipsis , eglipsis 193. 
emere 324. 
enimvero 334. 
epanalempsi8 193. 
equidem 333 f. 
erctum , erceiscunda 142. 
ericius , erem 149. 287. 
erus 143. 214. 327 u. sonst. 

Eryx, Herycina 32. 151. 

esse: erat u. s. f. 256. 277. 281. 283. 

293. 349 f. 
et 349. 

Evhadne 120. 230. 

Evhodus 20. 
evhtä 186. 

ex u. Composita 339 ff. 
exi 281. 340. 
extemus 245. 266. 

fhefhaked , fhecit 15 f. 
flos 212 . 
frusträ 104. 

gladius 279. 


hdbeo 39 f. chabuisse 181. 
habitum f. dbitum 245. 260. 
Hadrianus 196; Chadr . 180. 
halare , halitus 215. 267. 
halica 138. 
halucinari 154. 

Aama 196. 197. 

Hannibal, Hanno 75. 194 ; vgl. Anibas 
123. 

hapsus 147. 

harena, herena 138. 

haruga, ariuga 136. 196. 

haru8pex f hanruspex 278. 

haud 121. 153. 180. 215. 273. 279,3. 

haurio , awrio 144. 147. 152. 215. 287. 

Hebrus 145. 

Hector , Haector u. ä. 254 f. 

Hecuba , Heucuba 278. 
hedera 140. 281. 

Helena , Velena 19. 

ÄeWwo 139. 154. 
helvu8 181. 233. 
for&a 281. 

hercle, erde 192. 193. Hercele 148. 
her es, dominus, 139. 
heremus 281. 287. 

Äeri, Äisri 182. 

Hertdi 194. 
herundo 146. 

Äßw, cAeu 180. 

Hiberus 274. 
hibiscum 197. 
hic , Etymologie, 40. 

At«m$, cA*?ttw 171. 181; gerne 181. 
hilarus 76. 193 f. 

Hinnad 272. 
hinnulus 147 f. 

Hippolytus , Aepditus 192. 
hircus 137. 141. 
hirnea cymea 43 f. 143. 150. 
hirquitallus 140 f. 271. 

Ht8pania , Spania 198 f. 
historia , «forta 198. 
histrio 75. 275. 

Hivemia 161. 274. 
okra 134. 136. 


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374 


Konto 165,4. ohmo 15. homones 55. 
56. 1. 

honos 113. bonos neutr. = „Ehre“ 212. 
horia 152. 

Hortalus 191, 1. 195. 

hortus 111. 123. 136. 138. 146. 283. 

Hosidius, Vosidiu8 19, 2. 

hospes 283. 

Kostire 241,1. 

Kumulus 196. 

Hum, Chuni 119. 194. 

Hydruntum , Odronto 192. 
hyssopum 195. 

toi 332. 

ibridus, hybridus 188. 

Idatius, Hydatius 188. 

Iliacus 273. 

Ule 293. 330 f. 
illic, illihic u. ä. 133. 
ülico 272. 316. 

Illyrici 272. 
imago 326. 
imus 272. 

in u. Composita 271 f. 312 ff. 
incohare 181. 182. 185. 
inhers 247. 
inhiare, hiniare 203. 
inula 196. 
inuleus 147. 

Ioseph 208. 
ipse 333. 

ir „Hand“ 150. 271. 
ire 281. 283. 325. 
imela 143. 
irpex, herpex 287. 

irpus, Irpini 141 f. ; Hirpinus 270 f. 
is, id 332. 

%ste 330. 332. istaec , ista haec u. s. f. 

133. 
ita 332. 

Idbdanum 278. 
lautomiae 278. 
lavatismus 279,3. 

AsvteXog 143. 


Marcus , Maaqxog 21. 
maior , magis 26. 28. 
meiere 27. 

mihi michi 20 f. 121. 180. 
nmo 20. 

neque, Messung, 169,1. necque 222. 
neuter 338. 

w»7u7 u. nichil 20 f. 121. 180. niU 
15. nijil 184. 

nihilhominus , nihil hominus 248 f. 269. 
nunctam 29. 310,3. 

ob 318 f. 
ob f. ab 274. 

05£r, obex 26. 
obripilare 240. 
o&333, opses 242. 
oculus 322 f. 

Oedipus Hydippus 264. 

287. 

olfacere 326. 

omm 321. 

omni« 321. 

opt/to 319 f. 

opi« u. Derivate 320. 

orare 324. 

Oratius 190. 

Orcus 142 f. 155. 274. 
os, ossa, hossa 283, 326. 

03 , oris 326 u. sonst. 
osculum, obsculum 236,2. 
ostium 236. 326 ; vgl. hostium . 

pentaheteris 183. 184. 
percunctari 249. 
perhennis 246. 
perhiodos 183. 
peter edium 133. 

Pclymnia 184. 
posteac 242. 
posthumus 249. 
praeda 20. 

praehendo (prae lang) 20; prehendo 35. 

Präfix 36. 

2>T0Ä, pT00Ä 15. 
prohoemium 182. 184. 185. 
prudens 36. 


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pulmum 27. 
pusula, pustula? 149. 

quispiam 29. 
quoniam 202,1. 

redduco u. ä. 363. 
redhalare 216. 

Rhenus 119,1. 
redhostire 37. 38. 

strvolus 363. 
si\cut u. ähnl. 202,1. 
simulac 243. 

Sperchivus 278. 

Spiritus , hispiritus 197. 275. 

techna, Messung, 48. 
ter, terr 315. 

Terrentius 315,3. 
trago&dia fünfsilbig 186,2. 
traho 21. 27 f. 166 Anm. 180. 


375 — 

ubi 3ö7 f. 

338. 

t dxdare 288. 

umerus 160. 206. 214. 

umor, umidus 160. 214. 

utnquam 338. 

undique 337. 

unus 283. 289. 293. 325. 

upupa 288. 

usque 338. 

usus 324. 

ut 337 f. 

uterque 338. utrdque 104. 
uxor 339. 

v, unechtes, 277 ff. 

vaha , raÄ 14. 24. 121. 180. 

vast us 300 f. 

vehemens , vehmens 15. 23 f. 182. 249. 
veho 21. 28. 166 Anm. 180. 
verbena, herbena 19,2. 
verbero , veherbero 182. 
vertraha 161. 



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Marburg. R. Friedrich’s Universitäts-Buchdruckerei (Inhaber Karl Gleiser). 


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