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Full text of "Abraham Maimuni, sein Leben und seine Schriften nebst Proben aus seinem Pentateuchcommentar"

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755 

A227E7 



ABRAHAM MAIMUNI, 

* 


SEIN LEBEN UND SEINE SCHRIFTEN 


NEBST 


PROBEN AUS SEINEM PENTATEUCläCOMMENTAR 


VON 


DR. S. EPPENSTEIN. 


BERLIN 


i!ag von Louis Lamm 


1914. 




ABRAHAM MAIMUNI, 



SEIN LEBEN UND SEINE SCHRIFTEN 



NEBST 



PROBEN AUS SEINEM PENTATEUCHCOMMENTAR 



VON 



DR. S. EPPENSTEIX. 



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Digitized by the Internet Archive 

in 2011 with funding from 

University of Toronto 

1973 



http://www.archive.org/details/abrahammaimuniseOOeppe 



em Andenken 



MEINER VEREWIGTEN MUTTER -"$ 



IN KINDLIGHER VEREHRUNG GEWIDMET« 



Druck von H. Itzkowski, Berlin. Auguststr. 69. 



Es ist eine in der Staaten- wie in der Geistes-Geschichte oft 
beobachtete Erscheinung, dass die überragende Grösse bedeutender 
Männer den Wert selbst ihrer unmittelbaren Nachfolger und 
Erben ihres Geistes allzusehr in den Schatten stellt. Dieses 
Geschick widerfuhr auch Moses ben Maimons einzigem Sohne ; 
A b r a h am. Einige Jahrhunderte hindurch wohl noch in seiner 
engeren Heimat, Egypten, von namhaften Kabbinen, wie David 
ibn Abi Simra und Mose Alaschkar, einigermassen gewürdigt 
und gelegentlich von einigen Autoren citiert, ist späterhin nur 
sein Name durch die Literaturgeschichte gegangen, ohne dass man 
seiner bedeutsamen Werke dachte, höchstens, dass seine Stellung- 
nahme in der Abwehr der Angriffe gegen seinen Vater ihn der 
wissenschaftlichen Welt im verflossenen Jahrhundert näher be- 
kannt machte. Allerdings ist an der so geringen Beachtung, 
die Abraham gefunden, wohl zumeist der Umstand schuld, dass 
seine Geisteserzeugnisse fast durchgängig in arabischer Sprache 
geschrieben waren, der späterhin unsere Glaubensgenossen ganz 
entfremdet wurden, sodass sie das Schicksal aller der in dieser 
Sprache verfassten Schriften teilten, die, aus Mangel an Ueber- 
setzern, fortan der breiteren jüdischen Oeffentlichkeit unzugäng- 
lich bleiben mussten. Es ist dies aber um so bedauerlicher, 
als in den Werken dieses Autors eine Fülle wichtiger Aufschlüsse 
und trefflicher Belehrungen enthalten ist, sich in ihnen ein 
selbständig denkender Geist, wie der milde Charakter und das 
abgeklärte Urteil eines wahrhaften Weisen offenbaren. Nachdem 
nun bisher nur vereinzelt einiges über Abraham Maimuni und 
de Werke mitgeteilt worden ist, soll in dieser Abhandlung 
der Versuch gemacht werden, besonders auch in Anknüpfung an 
den Pentateuchcommentar Abrahams, seine Bedeutung für die 
Literatur- und Kulturgeschichte in möglichst erschöpfender Weise 

darzustellen. 

l 




— 2 — 

I. Leben und Wirken Abraham Maimunis. 

Abraham ') oder, wie er von dem arabischen Schriftsteller 
Ibn Abi Oseibia genannt wird, Ab'ul Muna ben al-Rais Musa, d. h. 
Sohn des Oberhauptes der Juden, wurde am 28. Siwan = 17. Juni 
des J. 1186 in Fostat geboren aus der Ehe seines Vaters mit 
der Schwester des Abul-Ma'äli, des Secretärs der Mutler des Vezir 
Malik-al-Afdhal, der wiederum eine Schwester Moses b. Maimons 
geheiratet hatte. Schon frühzeitig verriet der Jüngling glänzende 
Gaben des Gemütes und des Geistes, von denen der Vater mit 
gerechtem Stolze an den Lieblingsschüler Josef ben Jehuda nach 
Aleppo berichten konnte. 2 ) Wenn wir bedenken, dass Abraham 
beim Tode des Vaters erst im neunzehnten Lebensjahr stand, 
so muss es uns mit berechtigter Bewunderung erfüllen, dass er, 
noch kaum dem Knabenalter entwachsen, von seinem väterlichen 
Erzieher gewissermassen zum Vertrauten seiner tiefsten Ge- 
danken erhoben wurde, indem er dem Sohn Erklärungen zur 
Bibel mitteilte, die, aus Furcht vor Missverständnissen, nicht in 
der grossen Menge verbreitet werden sollten 3 ), und indem er 
ferner Abraham bei einigen Schritten, die er gegen Missbräucbe in 
der rituellen Praxis unternahm, zuweilen zuzog. Ein ferneres 
Zeichen für die Bedeutung, die der vielversprechende Jüngling 
genoss, können wir darin erblicken, dass er noch bei Lebzeiten des 
Vaters eine bevorzugte Stelle im Cabinet des Nagid bekleidete, 
und so schon damals die Anwartschaft auf dieses bei den egyp- 
tischen Juden so hoch bewertete Amt hatte 4 ), das Maimuni selbst 
wohl nur dem Namen nach als der Hervorragendste in seinem 
Lande bekleidete, während er in Wirklichkeit sich der Bürde 



l ) Vgl. Steinschneider, Die arab. Literatur der Juden, Berlin L902, 
§ L59 s. 221 224; betreffs (\o* Bibliographischen mich Michael, Or- 
Hachajim S. 92 95. 

-i Vgl. rcoin fliawn pip ed. Lichtenberg, Leipzig L859,T. II. 8.31 c.-d. 
i Vgl, hierüber meine Mitteilungen indem Aufsatz: Beiträge zur 
Pentateuchexegese Maimunis, in dorn von dv\- Gesellschaft zur För- 
derung n. b. w. herausgegebenen Sammelwerk, Moses ben Maimon, 
Leipzig, L908, Bd. I 8. U3 Anm. 1. 

4 i Vgl. die Bezeichnung in*«n in«n i»n in der Anfrag« an Mai- 
muni Kobez I. Nr. 126 und die Bemerkungen vonGreenstonb, Two memoria] 
Liste, in JQl^. New-Series I, S. ö-A. 



dieser ihm nicht sehr behaglichen Würde zu entledigen 
suchte. *) 

Nachdem nun Moses b. Maimon, fast 70 Jahre alt, zu seinen 
Vätern eingegangen war, trat der noch jugendliche Abraham die 
höchst ehrenvolle aber auch ebenso verantwortungsreiche geistige 
Erbschaft an ; die in den für das Judentum nun kommenden, be- 
sonders bewegten Zeiten einen in gleicher Weise kenntnisreichen 
wie charakterfesten Mann erforderte. 

Sein reiches Wissen hat Abraham zunächst auf ha- 
lachischem Gebiet betätigt. Es ist natürlich, dass der Sohn, 
dem das Andenken des Vaters fast ein heiliges war, sich be- 
rufen fühlte, die gegen dessen talmudische Werke erhobenen An- 
griffe zu widerlegen. 

Ein ernster Gegner Maimunis, mit dem der Sohn zu 
Auseinandersetzungen genötigt wurde, war Daniel ben Saadia 
Hababli, auch wohl Daniel al-Amschati genannt. 2 ) Derselbe 
bekleidete eine hervorragende Stellung an der von seinem Lehrer 
Samuel ben Eli Halevi geleisteten grossen Schule zu Bagdad 
und wird von Juda al-Charisi als ein bedeutender Gelehrter ge- 
priesen, der einer stets sprudelnden Quelle gleiche, mit seiner 
Weisheit Cedern zerschmettere und Grosses vollbringe. 8 ) Als 
Schüler des genannten Samuel, der selbst eine über das Durch- 
schnittsmass herausragende Persönlichkeit war, besass Daniel 
bedeutende halachische Kenntnisse, wie auch lebhaftes Interesse 
an philosophischen Fragen. Zunächst waren es nun die hala- 
chischen Werke Maimunis, wie der „Chibbur" des Mischne Thora 
und das Sefer Hamizwot, die ihn beschäftigten und ihn veranlassten, 
sich in einer Anzahl von Fragen an R. Abraham zu wenden. 4 ) 
In seinen in Form von Fragen gekleideten kritischen Bemerkungen 



M Näheres darüber in meiner gegenwärtig im Druck befindlichen 

Biographie Maimunis in dem zweiten Band des von der genannten 

ellschafl herausgegebenen Sammelwerkes .Moses ben Maimon, S. 40. 

2) VgL über ihn jetzl Poznanski in REJ. XXXIII. 8.808—310 und 

Steinschneider Arab. Lit. <l. Jud. § L65 S. 227. 

Vgl die Mitteilung in der Vorrede zu dembald zu erwähnenden 
z--zx naia 'o. 

*) Ueber Samuel ben Eli vgl. Graetz VI 8 , S. 251 252 u. <lio 
Lnzende Darstellung von Barkavy in c^tt» uz wvm No. 7 (Beilage zu 
binovitz' hnw »D 1 nai IV) S. 16. 



— 4 — 

gegen den Mischne Thora *) tritt Daniel mit ausserordentlicher 
Bescheidenheit und Ehrerbietung auf, indem er dem Nagid, wie 
auch dessen dahingegangenen Vater, Worte der höchsten Aner- 
kennung zollt. 2 ) Bezeichnend ist nun die Einleitung zum Ant- 
wortschreiben Abrahams, der dem Fragesteller gleichfalls sehr 
ehrende Bezeichnungen, wie nmenn i^«, mit Anspielung auf den 
Namen Daniel, beilegt und ihn y d*jb w&2\ jpl nmynn tmi moann *[btt 
DT3DÜ löroi nennt. Er habe wohl gehört, dass alle Daniels Gelehr- 
samkeit loben und behaupten, dass durch ihn das Geschlecht eben- 
sowenig als verwaist gelte, wie die vorhergehenden, da eres unter- 
nommen habe, einen erfolgreichen Kampf gegen den „Chibbur" 
zu führen und mit den Waffen seines Geistes dessen feste Mauer 
niederzuringen. In den Strassen der ehemaligen Festung 
sammeln sich nun die „Füchse", nachdem die „Löwen" sich von 
deren Umgebung entfernt. Alle, die dies hören, seien hierüber 
erstaunt und wollten der Kunde kein Glauben schenken ; konnten 
doch alle Gelehrten des Morgen- und Abendlandes nicht ihre 
Angriffe gegen das Meisterwerk aufrecht erhalten, und so würden 
denn, „nachdem wir den Löwen und den Bären geschlagen", auch 
diese „kleinen und schwachen Kinder", dasselbe Schicksal ereilen. 
Mitten in diese Beratungen hinein sei nun zu ihnen ein Brief, 
enthaltend diese Fragen, ein Werk weiser Männer, gelangt, in 
dem bald ein sanfter, bald aber auch ein anmassender Ton an- 
geschlagen sei. Jetzt sei ihm im Traume sein Vater erschienen, 
der ihm bittere Vorwürfe darüber gemacht, dass er den Ein- 
dringling in das väterliche Erbteil nicht zurückgewiesen habe. 



1 ) Die Ausstellungen gegen den Mischne Thora sind veröffentlicht 
indem von Goldberg herausgegebenen nmas nana r. Lyck L859 aus 
einein Ms. der Bodleyana, das eine Anzahl redactioneller Bemerkungen 
in arab. Sprache enthält. Die Bemerkungen Daniels gegen das Sefer 
Bamizwot hat Goldberg u. d. T. cd: pibpjtö gleichfalls nach einem 
Oxforder Ms., Paris L867, herausgegeben. - Leider Lsi diese letztere 
Edition eine ziemlich unkorrekte, infolge der mangelhaften arab. Kennt- 
nisse Goldbergs. Vergl. auch Geiger, Jüd. Zeitschr. VI. 8. 156—166. 

2 ) VgLoTTOK naiaS. 1 : vvnnh -laao lhDan py nwbn *va:iöi n^trnS paji c»tsnn n:>n 
□ann nma« iaa*ii unn wih» laoan p"J3 c^cSiya et? iSi dwpvi c«n r^ann cnpaSi 
•p«n dwmv maco vraa' c^ionn a« D'royn "ltrc wzirzx *iew o*33*iH hxi vnm 
a-in hipd ttWM ircyey rw uayn Irene warn la-no p"j3 p D»aiwn rnnöpa cw 
ixiao ly vdv niToo i«Sci jotn m« ^"won nyon toian, 



— 5 — 

Auf seinen Einwand, dass er durch den königlichen Dienst in 
Anspruch genommen worden sei, ausserdem aber auch seine 
eigenen literarischen Arbeiten fördern müsse, da er ,,doch auch 
etwas für sein Haus tun wolle," habe ihn jener mit eindringlichen 
Worten auf die Sohnespflicht hingewiesen. Und nun schicke er, 
Abraham, sich an, den Fragesteller zu belehren. Da die Worte 
des Meisters selbst allein Schild und Wehr für sich seien, an 
denen alle Bogen der Kämpfer abgeprallt seien, um wie viel 
weniger könnten diese einzelnen zerbrechlichen Rohre etwas aus- 
richten. — Obwohl die Fragen Daniels offenbar einen Kundigen 
verraten, so zeigen sie doch eine Art von Anmassung in Bezug 
auf etwaige Versehen Maimunis, worüber Daniel dem Höchsten 
Rechenschaft schuldig sei, und worüber ihn selbst als Sohn 
auch die ehrerbietigen Ausdrücke nicht versöhnlich stimmenkönnten, 
da dieses sonst als eine Annahme von Bestechung gelten könnte. 

Das Schreiben Abrahams kennzeichnet zur Genüge die 
ebenso hoheitsvolle, wie streng gerechte Gesinnung des Mannes, 
der, fast nur dem Zwang gehorchend, den Kampfboden betrat, 
auch darin dem Vater gleichend, der nur im äussersten Fall 
die Waffen zur Verteidigung ergriff, und auch dann noch in 
höchst massvoller Weise. 

In den nun uns in der Sammlung oma« nm vorliegenden 
47 Responsen gewahren wir an Abraham Maimuni, dass er mit 
voller Souveränität das Gebiet der Halacha meistert und auf 
den verschlungenen Pfaden der talrnudischen Diskussion wohl 
zu Hause ist. Sie widerlegen in wirksamer Weise das von einem 
der Hauptvertreter der literarischen Forschung des vorigen Jahr- 
hunderts in tendenziöser Weise über Abraham gefällte Urteil 
der Wertlosigkeit seiner Ausführungen, deren Veröffentlichung auch 
dadurch nichts an Bedeutung einbüsst, dass sie uns z. T. schon 
durch Auszüge in Joseph Karos Kessef Mischne bekannt waren 1 ). 
Im Verlauf der Widerlegungen erfahren wir, unter Anderem, 
dase Abraham mit der Ausarbeitung eines Kommentars zu den 
.ndlagen des Mischne Thora beschäftigt war, einem "idd 
IDnn npyS TOPan, das wohl die Ausführung eines schon von 



') V^l. hierzu die durch nichts zu rechtfertigenden Bemerkungen 
von Geiger, Jüdische Zeitschrift II, 8. 66 — 57. 



— 6 — 

Maimuni selbst geplanten Erläuterung zu seinem Gesetzes- 
kodex sein sollte, die diesem aber nicht mehr zu schaffen 
beschieden war. *) Es ist jedoch von dieser Arbeit unseres 
Autors auf uns nichts gekommen. Ferner teilt uns Abraham 
mit, dass er Kommentare zum Talmud, u. a. zu P'sachim, und 
zwar in dem üblichen rabbinischen Idiom, verfasst hat 2 ). Wir 
ersehen ferner aus den Responsen, dass der Verfasser des 
Mischne Thora manches später in der Handschrift seines Werkes 
geändert hat. 3 ) In der Sache selbst erteilt Abraham dem baby- 
lonischen Gelehrten oft eine Rüge, dass er ohne genügende 
Prüfung die Frage gestellt hat, und, dass er sich nicht ohne 
Not in derartige Zweifel und Fragen einlassen, vielmehr sich, 
zu seiner eigenen Beruhigung, an Maimunis Ausführungen gewöhnen 
solle. Ein andermal ruft er ihm die uns auch im Talmud auf- 
bewahrten Worte des Sirachbuches : nDisaai win bn "pa nSöiüd 
llpnn bn "pö zu und bemerkt, dass aus seiner übereilten Frage sich 
seine unberechtigten Ausstellungen an Maimunis Worten ergeben, 
als ob diesem nicht dieselben Quellen der Entscheidung bekannt 
gewesen seien, wie Daniel. 4 ) Schliesslich bestehe kein grosser 
Ruhm darin, viele Fragen zu stellen; dies könne auch ein 
Schüler.") Ein fernerer Vorwurf Abrahams ist, dass sich in 
Daniels und seiner Genossen Talmudexemplaren fehlerhafte Zu- 
sätze befinden, die durch manche, gleich ihm, die Gemara nicht 

'i Vgl. oma« nana S. L6 oben owayn SSaa la «jn»ai n? »n»Tc naai 
mann *ipyh nwan issa cm« »nvwv.. 

2) Vgl. a. a. (). No. 22. S. 37. 

3 j Vgl. die Bemerkungen Abrahams a. a. 0. S. 1 L Resp. 8 zu 
pidb ,anp tj IX 1: 8.45 Resp. 31 zUatoS 'n VII,7; S. 62Resp. M zu ma"« r n 
[, 2. Vgl. zur Letzteren Stelle auch den ('omni, nitro tpa z. St.. wonach 
auch schon R. Muse Hakohen in Narbonne (Afg. des L3 saec.) in seinen 
noch handschriftlich vorhandenen Hassagot zum n"ö auf die nachträg- 
liche Correctur Maimunis seihst aufmerksam machte 

4 ) Vgl. a. a. (). S. 66 Afg. des Resp. 4<i : uw; nwpnb "inan naS 
yg >i»Na mrpuc iy "D»aan >s -fr iöik »a«i cna ynyno nr.x A»m inana nrnni 
«Sc "no iS ntam "imanpa r\»snv «nnan nm« woo notya S"^t nm «a«c n»Di 
f iai -jS riHia nr »aeoi man pay n:an «S nnm iS rfm 

:, i Vgl. S. L6 zu Resp. 9 in Bezug auf i'unpiorpSioD f nIV, 2, wobei 
Daniel auf die Talmudstelle Babli, Schebuoth L2a: hhS «D^tra rpS iE«p »am 
'iai crpSy nana Y'a aS Na»ö*n hinweist. Nach Abr. Mahn, sei dieses Cital 
nur durch eine unrichtige Erklärung in den Text gekommen, 



— 7 — 

richtig auslegende Kommentatoren hineingekommen seien, wie 
auch viele Stellen im Text darauf zurückzuführen seien. *) Doch 
kann Abraham nicht umhin, einige Male die Fragen des Babylo- 
niers als berechtigt anzuerkennen, sie einmal als verständig und 
rühmenswert zu bezeichnen, ein andermal zu bemerken, dass sie 
ihn selbst bei Lebzeiten des Vaters beschäftigten, der ihm wohl 
eine Lösung sagte, die ihm aber doch erst nach dessen Tode 
bei näherem Eingehen klargeworden sei. 2 ) 

Neben diesen Responsen Abrahams, die uns einigermassen 
seine Persönlichkeit erkennen lassen und einen lebhafteren Ton 
anschlagen, erscheinen die von ihm demselben Gelehrten er- 
teilten Antworten auf seine Ausstellungen gegen die Grundsätze, 
die Maimuni bei der Aufzählung der Ge- u. Verbote im Sefer 
Hamizwot leiteten, als rein sachliche Erörterungen, denen jede 
persönliche Note fehlt, die aber doch den Verfasser als einen 
im literarischen Kampf gewandten Mann zeigen, dem auch grosse 
und tiefe Kenntnisse eigneten. 

Diese bemerken wir nun auch in seinen selbständigen 
Werken, aus denen wir die Anschauung gewinnen, dass wohl 
der Geist seines Vaters in ihm wirkte, dessen selbständige 
Gesinnung auch auf den Sohn übergegangen war. Wo er eine 
abweichende Meinung begründen zu können meint, nimmt er 
keinen Anstand, diese auch gegenüber dem so tief verehrten 
Vater aufrecht zu halten, in der wohl begründeten Annahme, 
dass dieser die Meinung eines jeden, wenn sie einen Stützpunkt 
hatte, gelten Hess. 3 ) Ganz besonders zeigt sich diese Selbst- 



1 ) Heber derartige Einschiebsel in unseren Talmudausgaben vgl. die 
Zusammenstellungen von N. Brüll in seiner ausserordentlich bedeutsamen 
Studie: Die Entstehungsgeschichte des babylonischen Talmuds als Schrift- 
werk, in seinen Jahrbüchern, Bd. II. S. 79 und die Anmerkungen daselbst. 
Vgl. hierzu auch anno »prrpia. LS. 9 a Anm. 9. — Vgl. ferner die An- 
deutung in Resp. 17 Ende, S. 26 u. die Bemerkung im Resp. 30, S. 11. 
wo als Vorausetzung für die irrige Frage Daniels die LA. in Joma79b: 
*MK h*2k anstatt rv? hjp»dd «r:^ angenommen wird. 

'JVgl. Resp. II. S. 56 nnncS utm nn p» rwa pnpn HH&npm? u. Resp. 22, 
B 37: "iDi nrnoa nwpnS mh-ic »oanp »im it 

' A \ Vgl. hierüber besonders die interessante Stelle nu* demKitäb- 
al-Kifaja, in meiner Veröffentlichung aus demselben in der Pestschrift 
für Israel Lewy, hebr. Abtig. S. II 



— 8 — 

ständigkeit in der Auffassung der Bibelverse und in seiner 
Stellungnahme gegenüber manchen befremdlich erscheinenden 
agadischen Aussprüchen. Was den ersteren Punkt betrifit, so 
dringt Abraham darauf, dem natürlichen Wortsinn unter allen 
Umständen Rechnung zu tragen, auch da, wo die Lehren des 
Talmuds eine Bibelstelle anders auffassen und halachische 
Schlussfolgerungen daran knüpfen; das Wort Sap: roSn c« habe 
trotz der Verbindlichkeit der halachischen Norm doch auch nur 
eine beschränkte Geltungskraft, und man dürfe auch hierbei 
den Grundsatz löWB TÖ SIT K"ipö p« nicht ausser Acht lassen. l ) 
Auch die Stellung, die Abraham in Bezug auf die D'raschot 
einnimmt, ist bezeichnend nicht nur für seine Art der Schrift- 
auslegung, sondern auch für seine durch keinen blinden Auto- 
ritätsglauben beeinflussten gesunden Sinn und seine nüchterne 
Anschauung, worin er seinem Vater, dem unerbittlich straffen 
Denker, in mancher Beziehung gleicht Bemerkenswert sind 
seine Worte, wenn er sich also vernehmen lässt : Du musst 
wissen, dass, wenn jemand auf irgend eine Ansicht sich festlegt 
und aus Rücksicht auf deren Vertreter diese ohne weiteres Ein- 
gehen und Prüfung betreffs ihrer Wahrheit annimmt, dies einen 
Makel seinerseits darstellt, und er gegen ein Verbot, sowohl 
seitens des Verstandes infolge maugelnder Beobachtung, wie 
auch seitens der Thora, fehlt. Heisst es doch in dieser, dass man 
weder den Armen noch auch den Reichen und Angesehenen berück- 
sichtigen dürfe. Deswegen sind wir auch bei aller Wertschätzung 
unserer Weisen und ihrer Bedeutung für die Auslegung der 
heiligen Schrift und die gesetzlichen Bestimmungen, nicht ver- 
pflichtet, ihren Aussprüchen über medicinische, naturwissenschaft- 
liche und astronomische Gegenstände unter allen Umständen 
eine unbedingte Giltigkeit zuzuerkennen, was auch gar nicht in 
ihrem Sinne ist. 2 ) 

'i Vgl. das von Harkaw in ow dj D'&nn No. X (Beilage zu Rab- 
binowitz' htnv v:> nn Bd. IV) S. I 5 mitgeteilte Stück aus der Kifäja. 
Vgl. Übrigens zu der dorl gegebenen Deduktion Abrahams betreffe des 
Problems von ntyp^ph nwi« j»h die Bemerkung des mit dem Pseudonym 
Oman p zeichnenden Recensenten von Rabbinowitz' »*n 15<l. V in dem 
in Petersburg L897 erschienenen Sammelwerk p:m, S. 46 Amn. 1. 

2 i Vgl. die Stelle Im nwvin L y ibko in Kobez II. s. ii a, beginnenc! 
mit njn 5 ? n"n nn« »3 in bis hm hSi »no« non. 



— 9 — 

Gehen wir nun zu Abrahams eigenen Werken über, bo 
haben wir zunächst einige Bescheide zu erwähnen, die er auf 
verschiedene Anfragen erteilte, und von denen vielleicht manche 
wohl in einer besonderen Schrift niedergelegt waren. 1 ) Leider 
liegen uns nur recht wenige von diesen Responsen vor, von 
denen folgende ein allgemeineres Interesse beanspruchen. So 
z. B. eine Antwort betreffs des Vorkommens der 10 Stämme, 
wobei alles, was aus Talmud und Midrasch und anderweitigen 
Quellen über diese zu verschiedenen Zeiten das Volk beschäf- 
tigende Frage bekannt geworden ist, zusammengestellt wird. 
Für die zu jener Zeit herrschenden Anschauungen ist ferner 
bezeichnend ein Responsum, worin der Ausspruch des Talmud 
Baba Bathra 12a: iraiö rpy DDn näher begründet wird 2 ) da, 
— nach Mitteilung der Anfragenden — Leute, auf die die Worte 
in Spr. 2, 15 anzuwenden sind, die Berechtigung der genannten 
Aeusserung der Rabbinen in etwas unangemessener Weise in 
Frage gestellt haben. Die ziemlich ausführliche Behandlung des 
Gegenstandes lässt uns vermuten, dass die damaligen Verhält- 
nisse eine solche notwendig erscheinen Hessen. Besonders be- 
achtenswert ist die Bemerkung Abrahams, dass diejenigen, die 
in ihrer Unwissenheit das Gute ins Böse und das Böse ins 
Gute umkehren, die Wege des Rechts mit den Pfaden der 
Finsternis vertauschen un r l in ihrer Unwissenheit und Blindheit des 



•i Die hier besprochenen Responsen sind veröffentlicht von H. 
Hirschfeld in der Festschrift für Berliner, hehr. Abtlg. S. 44—54. Vgl. 
hierzu Poznanskis Besprechung dieses Werkes in EEJ XL VII, S. 142. 
— Die Sammlung, aus der diese Gutachten A. Ms. ediert wurden, trägt 
die üeberschrift crno rtaa neoa. vgl. hierüber Hirschfeld a. a. 0.. S. 44 
und Pozn. a. a. Q. Anm. 1. Indes ist Beiden entgangen, dass das 
Responsum vollständig Nissim b. Jacob aus Kaiman an- 
gehört, wie ein Vergleich mit dein von Harkavy in o»:b» dj nwm VII 
(Beilage zu Rabbinowitz' tonan »o» nai IV). S. 11 mitgeteilten Citat des 
Koheletcomm. Hibat-Allahs aus dem cnr.o rtaso des R. Nissim augen- 
fällig zeigt. Vgl. über diese Bchrifl auch Steinschneider. Arab. Lit. d. 
Jud. L03. - Vgl. über das letzte von Hirschfeld veröffentlichte 

-um auch schon Steinschneider in 1115. XIX (1879), S. L13. 

*) Vgl. das Responsum No. 8 bei Hirschfeld a. a. 0., S. 47 — 4 ( .>. 
Bemerkt I hier besonders, dass Abraham Maimuni das Cap. VI 

Midrasch Bamidbar Rabba, das ja allerdings gar nicht in «Ion Rahmen 
ganzen Conte li einordnet, als nBDinSu bezeichnet, 



— 10 — 

Herzens glauben, die Propheten höher bewerten zu dürfen durch 
Geringschätzung der Gelehrten, ohne zu bedenken, dass die Thora 
und deren Kenntnis doch die Voraussetzung der prophetischen 
Sendung ist 1 ). Ist das nicht ge wissermassen der Notschrei aus 
dem Munde des Sohnes des Mannes, der schon in der Einleitung des 
Mischnacommentars die richtige Beurteilung des Prophetentums 
für das Religionsgesetz gegeben, der dann ein umfassenderes 
Werk über die Prophetie und ihre wahre Bedeutung in Angriff 
genommen hat, dessen Spuren noch im More Nebuchim zu finden 
sind, und dessen Lehre von Syon bstr so zu sagen ein Gegen- 
gewicht bilden soll gegen eine dem Judentum fernliegende 
Ueberschatzung der Prophetie? 2 ). Wie wenig mag sich noch 
die geläuterte Anschauung des Weisen von Fostät Geltung ver- 
schafft haben, dass der Sohn noch mit verhaltenem Unwillen 
gegen die der Belehrung und Aufklärung Unzugänglichen sich 
so äussern muss ! 

Noch ein anderes Responsum lässt uns einen Blick tun in 
die Denkweise Abrahams. Auf die Frage eines Josef b. Gerson, 
ob die sogenannten „Nessiim" der damaligen Zeit dieselben 
Vorrechte beanspruchen dürfen, wie die in Bibel und Talmud 
vorkommenden, antwortete er, dass eigentlich der Name *nw nur 
dem in Palästina durch die nr&D ordinierten Rosch-Jeschiba 
zukommt, höchstens noch dem Resch-Gola, auf die die talmu- 
dische Deutung den bekannten Vers in Gen. 49, 10 anwende. 
Die Verleihung des Titels „Nassi' an die gegenwärtigen Nach- 
kommen des davidischen Königshauses findet nur eine Parallele 
in der bei den Arabern üblichen Art der Benennung aller aus 
fürstlichem Geblüt stammenden mit Rais. Indes, so bemerkt 
Abraham, weiss jeder Einsichtige, dass alle diese Benennungen 
nur übertreibende und leere Worte sind, deren Anwendung man 
möglichst einschränkt und geflissentlich meidet, während sie 
nur von ehrsüchtigen Strebern, die sich damit grosstun wollen, 
begehrt werden. Auf alle Fälle nun ist für die Annerkennung 
eines solchen 8 s tM nicht die Abstammung allein — Dirr — mass- 

M Vgl. a. a. ().. s. BO. 

-i Vgl. hierzu die Ausführungen in m e i o e r Biographie des 
Maimonidea in der obenerwähnten, demnächst erscheinenden Sammel- 
schrift, B. 27—28 u. IS. 84. 



— 11 - 

gebend, sondern auch Gottesfurcht, Gerechtigkeitsliebe und Unter- 
ordnung unter das Religionsgesetz. Aus diesen Bemerkungen 
spricht auch der Geist des Vaters, der, obwohl selbst mit einer 
politischen uod religiösen Würde geschmückt, doch aller Titel- 
und Ehrsucht abhold war und nur den in persönlicher Tüchtig- 
keit begründeten Wert gelten lässt 1 ). 

Die nun in den Responsen sich kundgebenden einzelnen 
Charakterzüge und Gesinnungen, aus denen auf eine Geistes- 
verwandtschaft mit dem grossen Vater zu schliessen ist, treten 
in besonderem Masse hervor in seinem gross angelegten ethisch- 
halachischen Werk, dem Kitäb al-Kifäjät-al 'Abidin 
— 71 H3iyS p s CDon 'D — das, in arabischer Sprache verfasst, bis 
auf ganz geringe Zitate bei früheren Autoren 2 ) und Mitteilungen 
bei Neueren 3 ), uns eigentlich noch fast ganz verschlossen ist. 
In gewissem Sinne bildet die Schrift ein Gegenstück zu Maimunis 
grossem Hibbur, dem Mischna-Thora, an dessen Grossartigkeit 
es allerdings in der Anlage und Durchführung keineswegs 
heranreicht. Wenn jenes ein umfassendes Gesetzbuch sein will, 
in dem alles, was jemals im Judentum Geltung hatte und noch 
ferner hat, aufgenommen war, so behandelt die Kifäja nur die 
sog. ntn [öd c\am:n dot. Wenn ferner der Mischne-Thora bei 
aller Würdigung der Ethik, besonders im jnan 'd, doch einen 
gewissen nüchternen Eindruck infolge der blossen Aneinander- 
reihung der einzelnen Halachas hervorruft, ein warmer Ton gar 
nicht zum Durchbruch kommt, und vollends die Persönlichkeit 
des Autors ganz und gar in den Hintergrund tritt, so kündet 



! i Vgl. auch die Bemerkungen von Maimonides im Mischnacomm. 
zu B'chorol IV. I ESnde u. meine Ausführungen in der Maimonidesbiographiej 

-! Vgl. hierüber Steinschneider a. a. 0. S. 221-222 und Michael, 
Oi- Hachajim S. 93 94 sub. 'j. Zu den von Letzterem aufgezählten Citaten 
aus der Kifäja bei .Mose Alaschkar ist noch hinzuzufügen : Resp. 
No. 96 u. ßesp. No. L04; vgl. auch Monatsschr. L906, S. 380. — 
Von den Citaten bei Späteren sind besonders zu erwähnen 
die Mitteilungen von Barkavy in dw c;, nwin X (Beilage zu Rabbi- 
aowitz 1 ^mvf »o< »*di V) 8. tfgg. und meine Veröffentlichung in der 
tschrifl für Israel Lewy, hehr. Abtlg., S. 33 59. Zu erwähnen isi 
auch noch, dasa Ahron Hakohen (c. 1300) einmal eine Ansichl Abrahams 
an- der Kifäja citiertj und zwar in atrvo rwnp p S. 11 c. 



— 12 — 

sich das Werk des Sohnes schon durch den Titel als ein solches 
an, das in erster Reihe dem Gottesdienst nach jeder 
Richtung hin in grosser Vollständigkeit dienen will. Diesem 
Zweck Rechnung tragend, herrscht nun in dieser Schrift ein 
geradezu warmer Ton, der sehr oft die Persönlichkeit des Ver- 
fassers hervortreten lässt und dem ganzen eine wohltuende 
Lebendigkeit verleiht. Dass nun Abraham auch die Betätigung 
der ethischen Pflichten in den Bereich seiner Darstellung von 
den an den wahren Gottesdiener zu stellenden Anforderungen 
zieht, beweist, wie er, gleich dem Vater, von deren hohen Be- 
deutung für das religiöse Leben durchdrungen war. 

Das Kitäb al Kifaja ist ein Werk von beträchtlichem Um- 
fang, das, wie es scheint, aus mehreren, wahrscheinlich acht bis 
neun Teilen, besteht 1 ). Es bietet eine Reihe sehr interessanter 
Mitteilungen zeit- und kulturgeschichtlicher Art und ist auch in 
literarhistorischer Hinsicht durch Zitate aus den Werken früherer 
Autoren von grossem Nutzen. Wir erfahren aus ihm so manches über 
den synagogalen Ritus, der z. Zt. in Egypten geübt wurde, wie 
auch einige Einzelheiten über die Tätigkeit von dem Vater un- 
seres Autors. In jenem Lande, wo das jüdische Leben von 
jeher unter einem doppeltenEinfluss stand, und zwar dem von Baby- 
lon als dem Vorort islamitischer Herrschaft und dem Zentrum der 
jüdischen Gesetzesforschung, wie dem von Palästina, mit dem es 
eng benachbart war, stritten von jeher die Riten dieser beiden 
Länder um die Vorherrschaft, wodurch eine sich oft unliebsam 
bemerkbar machende Verschiedenheit in der gottesdienstlichen 
Praxis eingetreten war 2 ). So berichtet uns Abraham, dass in 
betreff der Vorlesung aus der Thora und der einzelnen Obser- 
vanzen bei der Tefilla, besonders der Keduscha, eine grosse Ver- 
M-hiedenheit zwischen den Synagogen des babylonischen und des 
palästinensischen Ritus obwaltete. Schuld daran trugen die so- 
genannten c':rn wie auch die entschiedene Weigerung des Volkes 
gegenüber den Bestrebungen der religiösen Führer. Selbst sein 
Vater konnte seiner und der zu ihm haltenden Gelehrten Miss- 



U Vgl. Steinschneider a. a. 0., S. 221. 

'-'i Vgl. hierüber meine Beiträge zur Gesch. u. Literatur im 
maischen Zeitalter (Berl. 1913), S und meine Mnimonides- 

tiiographic, S. 55. 



— 13 — 

billigung keine Geltung verschaffen, da der Usurpator derNagid- 
würde, Sutta, — genannt i*ntt>iAtf "ia>, das Uebel aller Uebel, — 
ihm Schweigen gebot 1 ). 

Wir gewinnen ferner Kenntnis von manchen anderen Miss- 
bräuchen, die sich im Laufe der Zeiten beim Gebet eingeschlichen 
hatten, indem nämlich bei der Wiederholung der Tefilla die im 
Gotteshause Anwesenden sich der Unterhaltung hingaben, so 
dass hierdurch eine Herabwürdigung des Gottesdienstes entstand. 
Aus diesem Grunde sah sich Maimuni veranlasst, trotz der ent- 
gegenstehenden Meinung der Talmudlehrer, die Bestimmung zu 
treffen, dass der Vorbeter, ohne vorheriges leises Gebet der Ge- 
meinde, die Tefilla alsbald laut vortrage, während die Gemeinde 
nur leise mitbeten sollte 2 ). Diese Anordnung konnte damals ohne 
Widerspruch durchgeführt werden und blieb eine ganze Zeit lang 
in Kraft, auch in Palästina und dem angrenzenden Teil Syriens; 
erst im Jahre 1539 wollte die sefardische Judenschaft die dem 
sogenannten Ritus Musta'rab huldigenden Glaubensgenossen 
durchaus zum Aufgeben dieses Brauches nötigen, wogegen sich 
diese jedoch sträubten, bis R. David Abi Simra, mit Rück- 
sicht auf die veränderten Zeitverhältnisse, die Wiederkehr zum 
talmudischen Gebrauch anordnete 3 ). — Bei seinem Bericht über 
die Geltung, die s. Zt. die Bestimmung seines Vaters sich er- 
rungen hatte, und gegen die damals die sogenannten „dii mi- 
norum gentium" nicht aufzutreten wagten, kann Abraham nicht 
umhin, mit schmerzlicher Resignation darauf hinzuweisen 4 ), dass 
er seine eigenen Vorschläge, obwohl sie von grossem 
Nutzen und höchster Dringlichkeit waren, nicht durchdringen 

1) Vgl. (las von Büchler in JQK. V. 8. 420 fgg. veröffentlichte 
Stink aus der Kil'äja. Ueber den Usurpator Sutta vgl. meine Biographie 
des Mann. a. a. 0., 8. 37—39. 

2 ) Eine hebr. Wiedergabe dieser Stelle aus der Kifäja findet sich 
um Anhang zu Kobez I u. d. T. D"Söin »»nn, S. 51 c— <l. 

'•'•) Vgl. hierüber Responsen des R. David ihn Abi Simra, ed. 
LivoniOj No 94. Es ist bemerkenswert dass auch die Anhänger des 
Ritus Musta'rab der doch eine Abarl des eigentlich arabisch-jemenitischen 
gleich den zu dem Letzteren sich bekennenden die unentwegte Treue 
eu Maimiinis ritualen Anordnungen gewahrt haben. Vgl. hierzu auch: 
Elbogen, der Ritus im Mischne Thora, in dem erwähnten Bammelwerk 
Kose* b. Maiinon r-tc. Bd. I, S. 330—331. 

4 j Vgl. Kobez a. a. 0., S. 61 d. Z. 3 fgg. m uaota rrw loa etc. 



— 14 — 

konnte. So konnte er es nicht hindern, dass die Beter, um auf 
den Priestersegen oder gar noch auf die runinn rona mit dem 
Amen einfallen zu können, recht schnell die Tefilla beendeten, 
und so das Gebet seiner Würde entideideten, indem sie sich 
hierbei auf eine missverständliche Auffassung einer Talmudstelle 
stützten. Noch aus einigen anderen Bemerkungen des Verfassers 
können wir schliessem dass Vater und Sohn bei ihren Bemü- 
hungen um Abstellung von Uebelständen mit Rücksicht auf die 
obwaltenden Umstände sich eine grosse Zurückhaltung auferlegen 
mussten, dort aber, wo sie glaubten durchgreifen zu können, mit 
ihren Protesten nicht zurückhielten 1 ). Recht charakteristisch für 
beide ist nun, dass sie einer übermässigen Ausdehnung des Ge- 
betes durch Pijjutim, das sog. m:*n, entgegenzuwirken bemüht 
waren: es hat hierbei besonders Maimuni, der stets so stolz war 
auf seine Abkunft aus Spanien, wo immer ein gewisser Anta- 
gonismus gegen die aus Palästina — mit dem ja Egypten so viel- 
fach verknüpft war — stammenden Pijjutim herrschte, den Geist 
seines Heimatlandes durchzusetzen sich bestrebt 2 ). 

Auch eine grössere Gleichmässigkeit betreffs der beim 
Kaddischgebet zu beobachtenden Gebräuche suchte Abraham 
einzuführen 3 ). Ebenso gab er den Anstoss zu einem würdigeren 
Verhalten für das Sitzen bei denjenigen Stellen des Gebetes, die 
nicht stehend verrichtet zu werden pflegten, indem er anordnete, 
dass alle mit dem Gesichte sich nach Osten wenden sollten 4 ). 

Ein interessantes Streiflicht auf die religiösen Verhältnisse 
der damaligen Zeit werfen die Ausführungen Abrahams in dem 



l ) Vgl. hierzu und zum Folgenden besonders die in meiner Edition 
in der Lewy-Festschrift mitgeteilte Stelle» aus der Kit'aja 8. 49. 

-i Vgl. hierzu die Ausführungen und Nachweise in meiner Mai- 
monidesbiographie, S. 55- 56. 

i Vgl. Lewy-Festschrift, h. Th.. S. 53. Abraham geht dort aus 
VOIl dem. was er bei Verrichtung des Kaddiscfa der Trauernden be- 
obachtet hat und führt dann fort, dass er um der Mannigfaltigkeit der 
Gewohnheiten betreff Stehens oder Sitzens bei dvn einzelnen Kaddisch- 
gebeten ein Ende zu machen, dem Beispiel des R. Abraham Hachasid 
folgend, sich bestrebt habe, bei jedem Kaddisch aufzustehen, worin ihm 
eine Anzahl von Leuten folgten. 

4 ) Das Original dieser Stelle aus der Kitaja gedenke ich in 
nächster Zeit an anderer stelle zu voröffentlichen. 



— 15 - 

Abschnitt über die Heilighaltung des Gotteshauses ; wobei er 
eine ausreichende und angemessene Beleuchtung der Andachts- 
stätte zur Pflicht macht. Jedoch erteilt er die Mahnung, sich 
keiner Uebertreibung schuldig zu machen, wie z. B. nach seinen 
Beobachtungen an manchen Orten, in Nachahmung der bei den 
Andersgläubigen üblichen Art, eine Menge von Leuchtern mit 
Lichtern in den verschiedensten Farben aufgestellt werden, wo- 
bei eine Art Spielerei damit getrieben wird. Es würde dies 
eher passen für die Stätten der Freude der Andersgläubigen als 
für die Gottesdienste der Israeliten, die ja ein heiliges Volk 
genannt werden. Jeder Gottesfürchtige, ja, wer nur überhaupt 
auf Beobachtung des Gesetzes Wert legt, müsse sich möglichst hier- 
von zurückhalten 1 ). — Unter den von Abraham für den öffentlichen 
Gottesdienst aufgestellten Forderungen muss uns ganz besonders 
eigentümlich berühren, dass er da, wo er von den Vorschriften 
betreffs des Vorbeters spricht und die Eigenschaften aufzählt, 
die denselben auszeichnen müssen, es als besonders wünschens- 
wert bezeichnet, dass dieser dem von jeher auserwählten Stamme 
der Leviten angehöre; seien doch unsere Gotteshäuser ein Heilig- 
tum im Kleinen, und, wie bei jenen in alter Zeit, sollten auch 
jetzt die Leviten für die anderen Israeliten den Dienst ver- 
richten 2 ). 

Ein besonders interessantes Kapitel aus dem Kitäb al- 
Kifaja bilden die Ausführungen betreffs der religionsgesetzlich 
vorgeschriebenen Verbeugung beim Gebet (tijd^n), wo der Ver- 



i ) Der letztere Passus lautet im Original, nach Ms. Bodl. Neub. 
1274. foL 24a — b: Trtann -np^K ukibn ja xibop Dmnnw ndu -jSl *b «po» nSi 
nuput^M fjD »b y;bhx Ss» npi cmanyo »b d"i;tSn iipiS ntoNno SnxixpSx my 
ie^ki viiNi ion« ]o (?) n«»oS« jhiSk p,«Sn?Ki Sntop'?« *)»ßxn jo bxwx l«in«S 
bi yrtm »rti camp i"kicddSk Skib» Ta»»j?pa kpuo b»wSh jinien pSwon p*S« nixS 

-j Die Btelle Lautei im Original Ms. Bodl. Neub. 1274 fol. 26a.: 
/Sana» rvpa |o py )M |n *Sik irtß »iS p» ]k poK |ni Nun ht w w^itr yai mS 
p^ cSb bj?d BHpo r,D:3n r\»ai i« [Im Ms. »awn!] »pmi nnw i« a* iSi roji 

iim ppon *:eS dwi pnw n»o Sn «npn mowa nn&» onSn *on hru unpn noc 
rw sipit 



— 16 — 

fasser Gelegenheit nimmt, manche Bemerkungen über die Karäer 
und die Andersgläubigen zu machen. Er nennt erstere d^ö und 
spricht sich abfällig aus über manche ihrer Gebräuche, beson- 
ders betreffs ihrer Reinheitsgesetze, deren Nachahmung in 
rabbanitischen Kreisen bekanntlich seinen Vater zum Erlass der 
Tekana im Verein mit den Rabbinen Fostäts bewogen hatte 1 ). 
Eine Unterscheidung macht er auch zwischen den Christen und 
Mohammedanern, indem er von ersteren sagt, sie seien als nry 
n~r .rrzy, und nicht nur als d m i: zu betrachten, wie die Isma- 
eliten, denen ja der Götzendienst verboten sei 2 ). Eine grössere 
Rücksichtnahme auf die Empfindlichkeit der herrschenden mo- 
hammedanischen Kreise können wir insofern wahrnehmen, als er, 
bei Gelegenheit der Erwähnung einer übermässigen Ausdehnung 
der Reinigung vor dem Gebete, indem ausser der Waschnng 
des Rückens mit warmem Wasser und der Hände und Füsse, was 
sowohl eine pflichtgemässe als auch eine wenngleich freiwillige 
dennoch der Vorschrift gleichstehende religiöse Uebung sei, auch 
noch Waschen der Arme, ferner der Teile hinter dem Ohr, das 
Salben des Haupthaares und Ziehen des Wassers durch die 
Nase von einigen geübt wurde, — erklärt, er könne das 
nicht allgemein als Nachahmung von Q"ur\ npin bezeichnen, 
weil es zu der rituellen Praxis der Mohammedaner gehöre, 
denen ja Götzendienst verboten sei. Immerhin sei dies 
nicht zu gestatten, vielmehr zu verbieten, weil es weder 
im schriftlichen, wie im mündlichen Gesetz eine Stütze habe, 



J ) Vgl. jetzt hierüber die Veröffentlichimg von Friedländer in 
Monatsschrift 1909, S. 469ff. 

-i E> bandelt sieh hierbei um die Art der Verbeugung in der 
Form von d^dh L v nyna, die der der Andersgläubigen gleich! oder 
zum mindesten ähnelt, ebenso auch der d^v Karäer. Die Stelle im .Ms. 
Bod. Neub. 127 1 Fol. 42a, die mir, ebenso wie ein grösserer Teil 
dieses Abschnittes, in einer vom verewigten Steinschneider s. Z. 
gütigs! (iberlassenen Durchzeichnung i\<>> Originals vorliegt lautet: 

Tüo rtn*n MTDmS Knn<n#0 io»a T\hn c>bk by nma iMtfo» ft»»n pan |H kö*D *o 

- m •: v n d xSx ' b ;'<«:: d 3 "? n ; » * n i ph h tüd flH»m onTtito rt«»n anspn i« c«wSh 

B'J'DH DM n?H' n H -• - ; 2 ■ o 2 n h k n l b h p 1 p i c > : » o n l n er ü b k 
(Cullin la— b). 



— 17 — 

und es genüge, das zu tun, was unser Gesetz vorschreibt 1 ). 
Abraham nimmt auch Veranlassung, sich gegen einige sogen. 
Talmide Chachamiin, wie auch einen bekannten Lehrer in christ- 
lichen Gegenden, in „Rum" (on) — womit vielleicht das 
byzantinische Reich gemeint ist — zu wenden 2 ), die, wie ihm 
berichtet wurde, das Innehalten einer bestimmten Richtung beim 
Gebet, ferner auch das Niederknieen bei demselben, obwohl es alte 
israelitische Sitte war, deswegen als verpönt ansehen wollten, weil 
später die Götzendiener es bei ihrem Cultus anwendeten. Für 
diese ihre Ansicht stützen sie sich auf die bekannte Deutung 
des Talmud zu den Worten in Deut. 17, 22 betreffs der Maz- 
zebot. Diese Ansicht des betreffenden Lehrers sei auch von 
anderen befolgt worden, die das Verbeugen mit einem direkten 
Verbot belegt hatten und im Uebermass Propaganda für ihre 
Ansicht trieben. Freilich könnte man ihnen entgegenhalten, dass 
man ebenso das Errichten von Altären hätten verbieten müssen, da 
auch solche von Andersgläubigen erbaut wurden. Es würde 
eine solche Ansicht dazu führen, alles das aus unserem Ritual 
und unseren sonstigen religiösen Gewohnheiten zu beseitigen, wie 
Beten, Fasten, Almusengeben u. a. m., was auch von den Be- 
kennern anderer Religionen geübt werde, und somit auch 
viele andere Gebote aus unserem Religionsgebäude zu entfernen, 
um nicht den Schein der Annäherung an die Gebräuche Anders- 
gläubiger zu erregen, so wie auch diese es uns gegenüber 
versuchen. Allerdings behaupten diese, dass aus ihrem Gesetz 



*) In dem erwähnten Ms. fol. 46a heisst es: ?x 3^ xi.l s bpl • ♦ . 

nenpai Kaum bpe rhürb vbm vt yni ik nawJ p cnno« p |« onpn 
t$v nca'1 nyia v\b$ boy \h pnoKi npmi bor pi peb« n»p s san:e 
-y; wi -S- p p:» 1 ü^hvQ uninwi nrnbz bip ptwno ,, i kd*7K3 nom 
[na S-pS« pbßH sSi .ffopxhn 1A1 fftiEDöSN vb bxw td p vb nwh 
ints pnniü d^kpsp^h ypK ■p'te psrrtöruAn fsS d*wi nipn p rnn 
-•sc: hjtdi wnpnp *e [ab rtroiWöSK nnnS fhni «S h:dS nr op 

"• -;s-~ »Sp py |tt nSk &Wk Kn'Sp flllW. Betreffs des Waschens 
von Händen und Füssen zum Gebet bei Maimonides und Abraham Maimuni 
vgl. meine Biographie BL'f, 8. 96 und Lewy-Fesischrift h. Abt. S. 42 — 44. 

j [eh gebe hier diese interessante Stelle in ihren Ilauptzügen in 
extenso wieder (in dem genannten Ms. fol. 41 b u. fol. 42a — 43b): SlpSD ♦ . . 

2 



— 18 — 

alles abrogiert ist, was auch eigentlich in unserem Gesetz keine 
verpflichtende Kraft besitzt. Nach den Schlussfolgerungen dieser 



a*öan *nAri «Top *d ptootA« ppa nna arm nS"p np firop nin ;k 
aTirawi natil Kra ^Sn diSAn S«n s c n'SapSs S^apre« |o y:aS« »b 
im pv^aSx pjn *::« npi . ♦ ♦ ♦ « onmAx San *d d^Sk rhx irtan |kS 

nnab "|Sn p y:aS*o n;x »nfi mftiPDi cinS« D^arn TaSn Tnstra je 
pa po r;y n:S S*p kd s Sy ns:ya irtn aa Ssp pta m:y ow mpn ja 
•Sy Vr bnp .nnönpm ix picht aü» amp hrw *d na anapiö yjdSn 
■pSa »n hw Htm naxa -S e % pn nSi »pn rftip m:y a*aöSa DWpta irtn 
app» nayn -jbn 'rSm oipan *:dS rtma roaa naxaba |a nSipSa "jSn Snn 
ana nayn rrp wo Sa ,naaro nnw bbh 'Tai pan r.« np^i ,ana K"y was 
«na nayn aaS n«:^ Djn ,S«ntr *aatr mrp bwS naaro mwy a s ntm 
«im A"? anaa b^rb» trtn Sbpa n;y s:f "WH nSip "jya irtm twpaAa 
rananoaSa *c naio ja »nBöht irtn yam maonna» arua nyaa S s SnSx 
npooi ,eSyS« *c ruri jaa fai manya s Sy yjwnSsi nS cnnnSx Sa yüdSS 
ja Sap s ;aS »vi aaa roia ya Wfta irtn "»bp laanyaSa *d mala' ania 
|M jiamba 'e twi dS v ; «Sc rmaba anrai »a nSyba m «in raus 
n'o boj p [a c: Sap'D rm 'ay *ajp na nayn* ab naraS« jnS *rp 
.■jbi irol pnatrn ama^a nai pstnn cmnara na nSip »e naxabai naraSa aanaba 

% pasi Tai sa n s : neb nnnai na^aSs n^fi nann »aa c]"pm «nn [k n^n^S« in S"p pn 
ma» cS tüdSk «i-s triam Sspi nara n^yi na nas Sa n:a y:a^ aSi naraS« 
[Hier fehlt sin s^ Ai3 [si ynS« M »»b nnnnvm na na« Sa rua y:a «St 

in meiner Vorlage jedenfalls eine nähere Bezeichnung der mit x^n begönne- 

m 

na nayr* pc xaa n:a ny:ai nyn^Ss nnann «a ^Sy c^pn .[nen Anrede 

c-p p pa ya smya na nayn saa y:am -[a^pa Ni"'« n:s annnc snSap 
■]crS'i . ♦ . , ky/d -nax cs-pSs «"in ^Sy -[arS^a anyinra fa Sa Ssnr s yd 
kdsm ntatq n;s: [w snS: n^r\ jsS pni'n kSi own «Si ^Svn sS f« y^p »Sy 
--:.-•: d*iAk Kna naym ns Kam d'tjSk xna nayn |« Sap naiana n;vv: 
nwrtani onabn Kmonp« mana Sa ^d "]Sn nan iSi *d ana na^n s sS^S -pnm 



- ig — 

Lehrer möchten wir sagen: im Gegenteil, aus unserem Gesetz 
ist nur das aufgehoben, was ihr als für euch verbindlich be- 
trachtet. Alle diese Ansichten, — meint Abraham, — sind vom 
Standpunkt der richtigen Ueberlegung aus als lächerlich und 
absurd zu bezeichnen, auch so hinfällig, dass eine Widerlegung 
oder auch nur Erwähnung ganz überflüssig wäre, wenn nicht 
ein so namhafter Lehrer es ausgesprochen hätte, und sich eine 
Menge Leute zu seiner Ansicht bekannt hätten. Es sei aber dies 
vom religiösen Standpunkt aus als tieftraurig zu betrachten, da es 
die schmerzliche Bewahrheitung der biblischen Androhung in Jes. 
29, 14 «boi «bon nrn oyn n« wharb pjw *an pS wäre. - - In dem- 
selben Zusammenhang äussert Abraham auch sein grosses Befrem- 
den 1 ) über „die mit Blindheit Geschlagenen", die beim Sitzen wäh- 



«b« k:o cuS« kioki «03 rrnnn msto jo Yfia *o:b iokSk tfB" j« "»b« na 
Sip: |roi «:nynip 'b na DrS*» kS koo onnyntp s b ko Sa "p: Ssp g^Sk [k 
mononyK «0 kSk wnyntr s o koo ^03 so kS pviBöb« *«bi«n DK s p "»by 
iSAn pna -a na *rn *\nv «00 mvw na "Bai nbb« dSv «im .opo dh3k 
nwö p5» na tib« naa kSiS ist t x 1° ^ n^by nr |« [ ö ^p D ^ ^i« 1 ? 
mpwn nan nSno »b ^ib« pnb« ffnJ [0 pm wi ninaj nnawi na ynf3«i 
nrai vorn no:n nia«i «Sei «Son nrn oyn n« «•»bsnb ppov Wi pb ^«yn 
nnnon V3133. 

») Vgl. Ms. Neub. 1274 fol. 46b-47a: ^oy [0 aunD«S ^33kSi ♦ ♦ . 

mpin S;kS frwayb« Dibü b«n >b ffbapb« bsspnoK jo y30 , > f«b HV tjo 

nyin jo in ^Sk nbapbb n«io«S« pn nonjn ,pnn^ Sa y3ö s «bi dw 
CK-pb«i rnS onpb« -in«b« Sa S«n^ td *b nS ins «bi «pn cwn 
rr ~.-; SaS c^-pSs bK-w [ckio [KB mi onpS« insSs p3 so« »nBb«^ 
irtn fö cfejmi 131 nap ib mtpyb nanb oipo naion sinn n:^o p -rbi ••by 
[kSk ^bs r"in«pöS« Ski^ 1 ^o:n mapi k^3kSk p«no ftmab« [dkioS« 

n«io«S«" nayr, flbapbb n«:n«S« |«b vib nob«:" DK^pb« pa kokt ,oK^Ssa 
.niapb« *c ftooiöb« onnniS ftn&2 ftiioy on:y Ti3tfr kSi wty opKD naynbK 



— 20 — 

rend des Gebetes nicht die Richtung nach der vorgeschriebenen Seite 
nehmen, da die Andersgläubigen in dieser Weise ihren Gottes- 
dienst verrichten, während sie anderseits es als einen ihrer An- 
sicht nach schönen Gebrauch üben, die Toten durchaus nach 
der Seite der Gebetrichtung zu bestatten, was tatsächlich eine 
ausgesprochene cm nipn sei und keinerlei Schein von Berech- 
tigung für sich habe. Es lasse sich nämlich dafür zunächst 
aus der Tradition und Geschichte kein Beweis erbringen, wie 
aus dem Wortlaut in der Mischna Baba Bathra VI, 8 hervor- 
geht, und wie es aus der Beschaffenheit der ja noch jetzt in 
Palästina vorhandenen Gräber unserer Propheten und Lehrer 
sich ergibt; aber auch der richtige Vernunftschluss spricht da- 
gegen, da die Einhaltung einer gewissen Richtung immerhin eine 
religiöse Betätigung ist, von der doch die Körper der Toten 
nach der in Babli Sabbat 30a enthaltenen rabbinischen Er- 
klärung der Worte "Pen D7IÖ3 (Ps. 88, 6) durchaus befreit sind. 
Während nun manche in Verkennung der Bedeutung des 
Begriffes D^n nipn die Verbeugungen beim Gebet preis- 
gegeben haben, pflegen sie auf den Gesetzesrollen Krönchen an- 
zubringen, ähnlich denen, welche die Christen ihren Heiligen 
aufsetzen 1 ). Hierbei bewahrheitet sich die Strafandrohung in 
Deut. 2ö, 29 D^iiuca tPtföö rrm usw. — Im Anschluss hieran kommt 
nun Abraham in seinen ferneren Ausführungen auf die Gebräuche 
der Karäer, besonders betreffs ihrer Art des Reinigungsbades, zu 
sprechen und stellt als Grundsatz für die Nachahmung von D^n mpn 
oder als Norm für die Innehaltung des Verbotes nx npn s kW 
DWon fest, dass man sich von den bei den Karäern oder den 
Andersgläubigen neuhinzugekommenen Gebräuchen, den 
1K2 anpö Dwn (Deut. 32, 17), fernzuhalten habe. 2 ) 



tüdSki , waten p nrcn rwyj eis rw [ra "pcn dtiö3 rnn s «o S"r siSsp 
min "cc "by boyn poiöS* Wiohi «nie dt^x p:b n:o v:^ torwr mSk? 
WhdkS« '".kxAm byen Kian [ab Kpn mt nnav "imy tfwi mpn in vib« 
mart irtn pSi oneDKiü *b na Kianarp |« prr?b*a Hirnen onritOK 'by 
•■pn n* rrtxn «Si nbeaa myn «nw tpic onnaa pp&b rv\n yr\ mpkvi 

') Im Text folgen hier noch einige weitere Angaben über Nachahmung 
christlich-religiöser Gebräuche, die mir aber nicht recht rerständlich sind. 

2 ) Vgl. das genannte Ms. fol. 47 a.: KJftCiHnDM NO iy3 JKniT ND1 



— 21 — 

Als eine besondere Verwirrung einiger umstürzlerischer 
Geister teilt Abraham mit, dass diese in ihrer Unwissenheit so- 
gar die etwas grössere Beschäftigung mit der schriftlichen Lehre 
für verpönt halten, obwohl es in der Thora ausdrücklich geboten 
ist, ebenso wie das Ausdehnen der Rezitierung von Bibelversen 
vor und nach dem Gebete, mit der Begründung, dass dies karä- 
ische Art sei. Und doch gehöre dies zu dem, was uns mit den 
Andersgläubigen, um wie viel mehr mit den Karäern, gemein- 
sam sei. *) 

Recht interessant ist auch der Schluss von Abrahams Aus- 
führungen in diesem Abschnitt. Nachdem er noch die Grund- 
linien für die Fernhaltung von den Gebräuchen der Anders- 



fs D^un nipina rrnnn mpin atfi fw na« Jö fa fünupo aips *b natra 
na o«n cS aaa rrnanaa sa 'd crow n« nprr ab b H r onbip [k kS*k mr^ 
popba a.Tiö |ö rwnntwö fn: aaa -jb^i cnbma mba maca Sa njntfb« 
■mab« »b onmnnwki Km\n ma n«aia *b onarna rmwaa 
anpo a'Bnn vi Tiba riaa^nS« n1n inai oa^bx an; ir; asobaa 
b-; nnby kSi "man «bi vnac xb um Kn?w *di «ma b«p s i wa 
|ö *bi«a -bi b^p sac ,p-;c % p'jnpb« |« SjkS miob« jy yanaa [k sa« /ab 
TOI rs nprr xbt^ pmpSic «nbayfi mxa bs [y panaa n5« Sn«5 bip 1 » j« 
anao* ffp^pn |s: pn ,*$** üvö ffiKvncK ik nittaano «iao np p^ipbs |«b 
rmna bwwKbK nto ;a *Sp jw [k pncannab* f ya bnj ban ipbi .o^pra 
•s nmAac *c boarv f« w nb^bi aar ia mm na« naa "[Si crxb^i ansät? 
--- •;:«• [a bsp .iriraan nai fa ik a^b-n icd ja paeaa smya ix snbap 
vyob* innS bip |K3 |Ki «im pnpto byc na«n naiab cKin ik yat? nSa 
p-;'-x s~- v-' ja imn tarnte farta ffbeJ niha *b pax j« na «b 

p-S-p'-TS p; kS$E FuSSl Kab flrvWÖ rs-S*:*; o/l [K im. Ueber die Ge- 
bräuche der Karäer beim Reinigungsbad der Frauen und die gegen sie er- 
lassene Tekana des Mairaonides vgl. jetzt die Veröffentlichung des Originals 
derselben von Isr. Friedländer in Monatsschr. Jhgg. 1909, S. 364. 
»en Text hierzu vgl. vor. Anm. 



— 22 — 

gläubigen, selbst wenn sie nicht als Götzendiener zu betrachten 
sind, festgelegt, da man sonst gegen das Verbot der Thora in 
Deut. 13,1 uaa jrun nSi rby ?cn *6, wie gegen die Warnung in 
Spr. 30, 6 n^rr:" "p rpav jd mn by pjon «S, Verstössen würde, führt 
er folgendes aus: „Ebenso müssen wir die von den.Karäern neu 
eingeführten Gebräuche meiden, um uns nicht gegen die Mahnung 
DTOn rtf rwr nSit zu vergehen. Hüte dich nun davor, neue An- 
sichten und Vorschriften mit alten zu verwechseln, so dass aus 
deren Vernachlässigung sieb zunächst eine Unkenntnis ergibt; dann 
wirst du vielleicht wieder darauf aufmerksam gemacht, vergisst 
es aber wieder, wie bei dieser Frage der Verbeugung beim 
Gebet, von der wir hier gesprochen haben. Denn diese ist 
ein gesetzliches Erfordernis und eine im Volk begründete 
alte Sitte, die nur im Golut eine Reihe von Jahren hindurch 
vernachlässigt wurde. Nachdem nun von gewisser Seite wieder 
auf die Verpflichtung hierzu aufmerksam gemacht wurde, glaubten 
manche in jugendlicher Verirrung und Unwissenheit, dass 
es sich um eine neu eingeführte Gesetzesbestimmung handelt. 
In Wahrheit aber ist dieses als Neuerung nur im Verhältnis zu 
der dazwischen liegenden Zeit zu betrachten, nicht aber in An- 
sehung der von altersher im Volk bestehenden Geltung. Das 
musst du zu verstehen und dir zum Bewusstsein zu bringen suchen. 
Ich habe nur die Dunkelheit dieses leicht zu Zweifeln führen- 
den Problems aufgedeckt und es vollständig erläutert, um alle 
diese Einwürfe zu entkräften, ihre Grundlagen und Ver- 
zweigungen zu zerstören, so dass dem Irrenden oder Irreführen- 
den keine Gelegenheit mehr zu Missverständnissen bleiben kann". 1 ) 



nprr abtr n:a jw omroi |v«ipS« mino* sa ■jb'iai Vgl. Ma. fol. 47 b ( l 
**rb*Q fffnnobK ftcSw *ntSk yby aSnr |« |o "|bi *b -pDa cnsi o^ran n« 
Sna nnww nTPKl nn^p ran üf\ ,nbnJ 1« "bs nban« Tib« ffo^pS« hjcSki 
fhbö ffroi :;ki tüdSk f«S ,rtb *oaxb: yiSk tüdSx nSsoa nSoaS« rnn 
nanyai row ran ja ran kdSb n-my p;o niSjSs s c -[Si jy Sc; nanp 
i«arS rcsi«3 in «a:s mtrtinDKi pS« N2 -rinoa ia« bn^bbi uSb inö 
TS *;:x «Sk n* xoi .nbvm "|bi chckb rrb^sb« nbpbx [serb sb aoina 



- 23 — 

Sehr beachtenswert sind im Anschluss an diesen Abschnitt 
auch die Ausführungen Abrahams betreff der Giltigkeit der Min- 
hagim, wobei wir wiederum auch seine Selbständigkeit kennen 
zu lernen Veranlassung haben. Indem er deren Geltungskraft 
auf Grund der Mischna P'sachim IV, 1 und des Ausspruches in 
P'sachimölbnp^nen s :cö din n:t^ S« feststellt, bemerkt er, dass 
es auch Bräuche gibt, die wohl das Alter und die Sanktionierung 
durch grosse und anerkannte Männer — nx'iin ^jn mim "nm — für 
sich haben, mit deren missbilligenden oder zustimmenden An- 
sichten die unsrigen nicht übereinstimmen. Indes darf hier nicht 
der blosse Autoritätsglaube massgebend sein; vielmehr, wenn 
sich durch Vernunft- oder Analogiegründe die Unhaltbarkeit 
gewisser Minhagim ergibt, so ist deren Uebung eben hinfällig. 
Denn die Späteren können sehr wohl manches besser erfassen, 
was den Früheren unbekannt geblieben ist, und sich eher Zeit 
nehmen, in ein Problem sich zu vertiefen, wozu es den Vor- 
gängern an Zeit fehlte, und daraus Folgerungen zu schliessen, was 
jenen nicht möglich war. Daher haben auch die Talmudlebrer 
den Grundsatz aufgestellt, dass stets "wiros mbn, wenn sie auch 
andererseits sich äusserten, „dass der Nagel der Früheren den 
Leibesumfang der Späteren um ein Vielfaches übertreffe". 
Nicht, dass die Späteren vollkommener seien, aber sie können ja 
bereits auf Grund der Vorarbeiten der Vorgänger ihre weiteren 
Forschungen anstellen und daraus weitere Folgerungen für die 
Praxis ziehen. — Der Verfasser weist nun hin auf das Beispiel der 
Geonim, die an den Vorgängern vielfach Kritik geübt, auf Isaak 
Alfassi, der Einwände gegen Hai Gaon und R. Nissim, den Ver- 
fasser der cnr.D rhm, erhebt, während gegen jenen auch Josef 
ibn Migäsch sich wendet, und ferner darauf, dass die Entschei- 
dungen des Verfassers der Halachot und seines Schülers Josef 
ibn Migäsch von Seiten Moses ben Maimons, — obwohl sich dieser 
als Jünger des letzgenannten betrachtet, weil sein Vater dessen 
Unterricht genossen hatte, — Widerspruch erfahren, und dieser 
auch sich nicht scheut, dem eigenen Vater dort, wo er seine 






— 24 — 

Meinung nicht zu teilen vermag, zu widersprechen, wie es auch 

aus seiner Bemerkung in rt nabn K'" 1 p*c ntt-n» 'n hervorgeht. 1 ) 

Wir hatten nun hinlänglich Gelegenheit, Abraham Maimuni 

in seinem edlen Eifer für eine von allen Extremen gleicher- 



l ) Das Original dieser Stelle lautet in dem gen. Ms fol. 54 a -65a: 

fkbvdü p; rra 'iai WfW oipo unSipa rwroobi ick rwabx njn Tpi ♦ ♦ ♦ ♦ 
cnbip im ffunp^m ivwSk fhKrtm csDp:sSx p ]Si naiv [«öS (hxyh* 
*o «na Inrr tSk tkipSm nö"d xS npiSnon *:cö eis n«r Ski b"t 
minn nia Nöbpi k9jk ninaa nbpei p:ob« «na nöispn nn?a nö fttotio 
K*ira «Si .tSk kud köS «iai: «^i nuras kd S: irrar dSi ninin *Spa 
bpi ,D*:itp*nn Sp :yb nK3nm cnpn }o ^y dkt.ck nlia «im rwra kö 
■ra *s nwönp «aa nanbra cr^i niirial aab pa-p ine mr kb m \b'i *d 
:k fhinreba flmwbii TKipb« jk -Sil bveb« irtn *c noonai aKrcbit 

rab« in n9jx nSnoa ffbipDöbw- rnSncDb« ik ftnpbm fhtnro Tabu 
nanb MnyHanM erb" nSk nbabniK <bp b^bib« exp ttf« Dmfnoa ffbipca 
nfönba ',n "[^ Sa cnaipn pb parp cb kd pilnnöbb pan* [k panö^ «b 
no^a nnpai rro apn ip nö nbwr-Bwb cnpnabK p D*?prv TiKnabit [sb 
Dnpnab« -[«i nBaanff 1 cb «a »aarci nnpr ab tto rrpanb anem onen 
»Dan -;> npeba t N.rbp nbfcxabK ffaipaba rat« -jbibi m«Da nbnanriib 
pnae w owm b:r pex brra onVip pa *dn ,**maa anabn iiabn 
Sri pKSntb« b: *b mpnaba s by "ifKnab« bxaab -rrr o^bi .carinii be> 
tinaa "Wm Ki?bp w panpnab« b"»wpK *d nör -i*Nnabs ;xb Sa barab» 
nuaipabi« nana »1« wrbp SövSk c?S s a^na CK^pSx pa«ipa - nrro jnri 
S^vn t »ra ipi /faiHÄn pamp^M ^ nnaa jkp:kSkt »ne^Km ffrms 
^"i p yc-,K np^pi flnai nonpn pS infe" cS köd i:kpöSS w kö irt 
|rrtSn cSkd n:v nai «Sc :kp:Sk «in tw |ö s SikSk ffonpoS« *d «nwisDa 
frrrmiS« S'nWiia p^KnoS« nnx nra *kt ^S % ; pinr f« TÜrb« San: 
S"r D , 3wa i 3H p rAa |« cSvn n:«i »"jSl py cb -pyn |ö : nS S^ fs % 
S*;2 prar irai tri Senn c-r; -bj kc pin&^i cnanpn ?o ^v jrfp 
•-;• noSp fhwji mnp flS»^ po b*3R p»; M nn r^zi rm^ ^p S"r mpbiTi 



— 25 — 

weise absehende würdige Art des Gottesdienstes und der reli- 
giösen Praxis überhaupt zu beobachten. Wohl stiess er bei seinen 
Bemühungen auf manche Hindernisse, indes fand er auch Männer, 
die ihm gern zur Seite standen. Einen derselben macht er auch 
namhaft: es ist ein gewisser R. Abraham Hachassid, über 
dessen Persönlichkeit und sonstige Wirksamkeit wir nur das 
wissen, was uns Abraham in der Kifäja und im Pentateuchcom- 
mentar mitteilt. 1 ) Darnach gewinnen wir von diesem den Ein- 
druck eines Mannes mit einem richtigen Verständnis für die 
religiösen Bedürfnisse des Volkes, der kein Ueberfrommer in der 
rituellen Praxis und kein schwärmerischer Mystiker in der 
Schriftauslegung war, wie man aus dem Beinamen Tonn folgern 
könnte. Als Exeget hat er sich mit einem uns eben nur durch 
die Zitate bei Abr. Maimuni bekannten Pentateuchkommentar, 
wie auch höchst wahrscheinlich durch Erklärung der prophe- 
tischen Bücher und der fünf Megilloth, betätigt. Hier zeigt er 
einen durchaus gesunden Rationalismus in der Auslegung der Bibel 
und einen tief in das Wesen des Schriftverses eindringenden Blick, 
wie wir es bei der Besprechung von Abraham Maimunis Kom- 
mentar noch näher kennen lernen werden. 



[Ol Kon» bz *by nprAnoK nb nn ,b"r o^np rto ihm d*dj irm 

"trc nrc^n b"\ *An rpv irm h") Knoä 'rhu moSnb« *d «arm 

ko.tSk zrcy r/z ya b"W ntea K3si S*ndb niv mir s c sr« r\*by 

rpr im TtAn *,:" in *ft« b"\ mbm \vh »rrcn rrof?« ne^n *e nwi 

,«tiPDn nyo airoA« jk ktb nS pari piaia *d kötSv ^«5" ^"i vo *w 
km pYnen p »am pomn p V'3f? n*a k:ki :by\ b"t .itSki p)^ Sa 
-ispn:« -fn *c cbi nsmp -ied p new mobn "fi nb kthddö "jS*! njn 
[M zr *h* Diivui pien *oy p Tinoftn t:y nSn piSw d^vSk *rt iw 

.aTtrw *c KcbyS« DfljDTP jk sS nyion* crrby pyn s p 'siS ppir 

Ueber die von Moses Maimuni angelegte Sammlung der Versehen Al- 

■i(l deren Widerlegung vgl. meine Biographie Mahn.. S. L8 Anm. 3. 

l ) VgL aber um zuletzl Steinschneider, Arab. Lit. der^Juden, §160 

B. I l. istmöglich, daes, infolge einer Verwechselung mit diesem 

Gelehrten, Abraham Maimuni Belbsl der Beiname vonn beigelegt wurde. 

VgL Monataschr, L906, B. 879 880. - [Nachträglich linde ich in einer 

Worman in JQjR XX, 8. 160 iv. veröffentlichter] Bücherliste den 



— 26 - 

Von früheren Autoritäten werden bei Abraham, ausser seinem 
Vater, so weit mir das Material vorliegt, noch folgende zitiert 
Der Gaon Hai, in dessen Namen er eine Ueberlieferung an- 
führt 1 ), Abraham ibn Esra, den er als Andalusier bezeichnet 2 ), 
und Kaschi mit der Benennung als "WEM höSip "l, wobei er sich 
auf dessen Pardes beruft. 3 ) 

Wenn wir nun Abraham Maimuni in diesem seinem be- 
deutsamen Werk als Mann von selbständigem Denken, der auch 
in gesetzlichen Dingen allezeit der nüchternen Vernunft das ihr 
zukommende Wort einräumte, kennen gelernt haben, der mit der 
Demut des wahren Weisen auch Mut und Entschlossenheit ver- 
einte, der aber auch zugleich von einer tiefen Pietät durch- 
drungen war,— so begegnen uns diese Eigenschaften auch in seinem 
Eintreten für die religiöse und literarische Ehre seines Vaters. 

Der grosse Weise von Fostat hatte in seinem Sefer Ha- 
madda und im More Nebuchim zwei Werke der Nachwelt hinter- 
lassen, durch welche zum Teil schon bei seinen Lebzeiten, be- 
sonders aber nach seinem Ableben, fast eine Welt von Gegnern 
herausgefordert wurde, die selbst die Mahnung des Talmud, 
dass man den Löwen nach seinem Tode nicht zu widerlegen 
trachten solle, — iniü nrw *wn n» prtPö yn, — nicht zurückhalten 
konnte, in mehr oder minder heftiger Weise ihren ablehnenden 
Standpunkt darzutun. Wie sehr Avir auch den oft so scharfe, ja 
gehässige Formen annehmenden Kampf bedauern müssen, als 
dessen traurigste Episode wohl die im Jahre 1232 erfolgte 
Verbrennung des Sefer Hamadda und des More anzusehen 



Bericht von einer im J. L228 unter Leitung Abraham Maimunis veran- 
stalteten Versteigerung der Bibliothek Abraham Hachassids, deren 
ErlQs, nach Abzug der Schulden, seiner Tochter zufallen sollte. Aus dem 
Verzeichnis ersehen wir, dass in der Bibliothek sich neben vielen hala- 
chischen und sprachwissenschaftlichen auch eine Anzahl medicinischer 
Werke befand. 

'i Ms. Bodl. 1274 lol. 19b. Es handelt sich dabei um HäisErklrg. 
zu der Tosifta in Ta'anith IV: d*3»v c;n 1^2. Den Text gebe ich dem- 

nachsl ;m anderer Stelle. 

2 ) A. a. 0. fol. 22h. wo er dessen Erklrg. zu Gen. 36,2 anführt. 
\. a. 0.j lol. 87a. Ks handelt sich um die 4 resp. 5 Verbeu- 
gungen beim Kaddisch. Dir betr. Stelle im Pardes findet sich in (\>t 
Bd. ( lonstantinopel PoL 57a, 



— 27 — 

ist, so müssen wir doch andererseits anerkennen, dass das Ringen 
der Geister, die der Streit um die philosophischen Werke Mai- 
munis aufgewühlt hatte, doch auch von der Lebenskraft des 
Judentums und seiner Bekenner Zeugnis ablegt, das ein „iurare 
in verba magistrr nie kannte, und wo sich der Geist auch durch 
überragende Männer nie in Fesseln schlagen liess. Allzu ge- 
waltig hatte das Neuartige in der Systematisierung der Halacha, 
deren Durchdringung mit philosophischen Ideen, und der Ver- 
such, die Theologie des Judentums mit den Gedankengängen 
eines Aristoteles und Averroes in Einklang zu bringen, auf die 
Meinungen derer gewirkt, die der Kulturanschauung Maimunis 
fern standen; nicht ganz unberechtigt mögen die Befürchtungen 
derer gewesen sein, die eine Zurückdrängung des lebendigen 
Halachastudiums und eine Schädigung der Gläubigkeit, wie der 
praktischen Ausübung der Gebote, durch Mose b. Maimons 
Schriften fürchteten. Vielleicht wäre das, was dieser gewaltige 
Mann von seinen Volksgenossen forderte, ein zu sprunghafter 
Schritt für diese gewesen, und erst allmälich konnte, dem Gesetz 
der schrittweisen Entwickelung folgend, die Wirkung der mai- 
monidischen Leistungen sich in späteren Generationen, auch dann 
noch manchen Hindernissen begegnend, durchsetzen. 1 ) Für die 
auf Maimuni unmittelbar folgende Zeit und auch noch ein Jahr- 
hundert hindurch — das ja im Leben und der geistigen Entfaltung 
eines Volkes einen geringen Zeitraum bedeutet — konnte auf eine 
unbedingte Anerkennung und Gefolgschaft für den grossen 
Meister nur bei denen gerechnet werden, die ihm durch persön- 
liche Beziehungen und engere kulturelle Verwandtschaft nahe 
standen. Dass in diesem Kampf um die Geltung der Schriften 
des Vaters und der in ihnen zutage tretenden Meinungen der 
treue Sohn in erster Reihe stand und für die Richtigkeit der- 
selben „Kämpfe Gottes" führte, muss uns als ebenso berechtigt 
erscheinen. Sowohl von den Gegnern wie von den Anhängern 
des Weisen von FostAt wurde teilweise mit Erbitterung gekämpft, 
wobei Licht und Schatten auf beiden Seiten in gleicher Weise 
zu verteilen sind.-) Den Verehrern Maimunis, die jeglichen 



] ) Vgl. hierüber meine Maimonidesbiographie 8. 18, Anm. 8. 
*J Gegenüber den etwas einseitigen Darstellungen i><>i Gi 
'■h. (i. .). Bd. VII. ttber die Hauptphasen dieses Kampfes In Süd- 



— 28 — 

Angriff auf seine Werke als eine Kränkung von dessen persön- 
licher Ehre auffassten, standen diejenigen gegenüber, die, bei 
aller Ehrerbietung vor der Person und den Leistungen des 
grossen Lehrers und Philosophen, doch auch der grossen Ge- 
fahren dachten, die in unreifen Köpfen dessen Ausführungen, 
besonders in den der Begründung der Gebote gewidmeten Ab- 
schnitten des dritten Teiles, anrichten konnten, und deren Ver- 
breitung, nach verbürgten Nachrichten, der Meister selbst sogar 
zurückhalten wollte. In der Tat war es die schon hier und da 
bemerkbare Uebertretung der Zeremonialgebote, die besonders 
den temperamentvollen Salomo aus Montpellier zu einem ener- 
gischen Auftreten gegen die philosophischen Schriften Maimunis 
veranlassten, wobei er aber, nach seinen eigenen Aeusserungen, 
.^egen den grossen Mann selbst keiner Ehrverletzung sich schuldig 
gemacht hatte. 1 ) Um so unverständlicher muss es uns erscheinen, 
dass man die in Montpellier erfolgte Verbrennung der Werke 
Maimunis 2 ) dem Salomo b. Abraham zur Last legte, und es so 



Frankreich und Nordspanien, wie auch bei Brüll, Jahrbücher etc., Bd. IV. 
S. 1 fgg, vergleiche die gehaltvollen Auseinandersetzungen des mit dem 
Pseudonym dttoh p zeichnenden Recensenten von Rabbinowitz' »d» nan 
hmw Bd.V in Hagoren, Beilage zum Hamelitz, Jhrg. 1898, S. 49 fgg.. wo 
das ganze Problem in unparteiischer Weise behandelt ist. und ferner 
die Bein erklingen von Löwenthal in der Einleitung zu seiner Ausgabe 
von Jona Gerundis Mischlekommentar. (Berlin. 1910). 

l ) Vgl. hierüber den Brief Salomos in der von Halberstam ver- 
öffentlichten Sammlung inKobaks WWW ^jsIV. S. 13. wo er ausdrücklich 

•. dass er. im Gegenteil. Maimuni als Haiachist ausserordentlich hoch 
schätzt: cur itbo ht nb oSiyo *a rrWi onana »nwa: brtsn laoS *ib>h 'n 'n *:ki 
•:-:* njnoan njno» ^aai ,*nno inanwSy o»a*in nia»an »a lminai aina roua po» 
•:-~z ~2i DTDJfiiS D»mioi inana D»armi DWBnai ppDB d»kvi. Ferner spricht er 
davon, dass der „alte, bärtige Mann' - ' \pm fjya tt»Hii, womitDavid Kimchi 
meint ist. die Schuld daran treffe, dass man durch gefälschte Briefe 
ihn des Bannstrahles gegen die philosoph. Schriften Maimunis bezichtigt 
habe: ^;n »a nr«S caSr: onan »a nai »*m neisS »nr6w anan dbio mnrtn ntrx 

■ (an nsioHa poKon onnnS »n»w. 

'-'i Der Ort der Verbrennung Ist sicher Montpellier gewesen, da 
in l'aris schwerlich Exemplare (\<>* More vorhanden gewesen sind, wie 
der Recensent im \ar, a. a. <>.. 8. 54 Anm. 2, mit Recht bemerkt. Be- 
fremdlich ist i a Brüll a. a. 0., S. L3 Anm. 2.. i\(^\ Bericht des viel 

iter lebenden Uillel b. Samuel aus Verona in Edelmanns mw man. 



— 29 — 

darstellte, als ob dieser ein solches Urteil in seinem Ort mit 
Hilfe der staatlichen und geistlichen Behörden herbeigeführt 
hätte, da er selbst jedenfalls nichts mit der Verbrennung des 
More in Montpellier zu tun hatte, und nur unberufene Eiferer die 
Schuld an den empörenden Vorgängen trugen. Jedenfalls war 
eine übertriebene Darstellung des ganzen Sachverhalts von 
Spanien oder Südfrankreich auf dem Umwege über Akko an 
Abraham Maimuni gelangt, der es nun natürlich sich nicht 
nehmen liess, in scharfer, zugleich aber doch das Mass des Er- 
laubten nicht überschreitenden Form für die literarische Ehre 
des Vaters, wie für dessen Anschauungen über die Vorstellung 
vom höchsten Wesen in einer längeren Schrift, die uns unter dem 
Namen n menbe vorliegt, einzutreten. 1 ) — Diese Abhandlung zeugt 
auch insofern von dem vornehmen Charakter Abrahams, als er 
nach seiner eigenen Angabe, trotz wiederholter Aufforderung von 
befreundeter Seite, sich nicht dazu entschloss, einen Bann gegen 
die Urheber von Veruuglimpfungen seines Vaters zu erlassen. 

So wie wir in dieser Streitschrift Abraham als einen aus- 
gesprochenen Vertreter der Ansichten seines Vaters in Bezug 
auf die Erklärung mancher Bibelstellen kennen lernen, deren 
wörtliche Auffassung ein Opfer des Intellekts fordern könnte, 
so müssen wir auch seine klare, nüchterne Denkweise bewun- 
dern in der in seinem Hauptwerk, der Kifäja, niedergelegten A b- 
handlung über die agadischen Deutungen, die 
in hebräischer Uebertragung den Titel b"?n ntm Sy los» führt, 
und die wir bereits als ein Zeugnis seiner wissenschaftlichen 
Selbständigkeit kennen gelernt haben. 2 ) Indem Abraham die 
verschiedenen agadischen Aussprüche nach 4 Ilauptgruppen mit 
einigen Unterabteilungen ordnet, zeigt er zugleich, von welchen 



- 19, der von einer Verbrennung in Paria spricht, besondere Glaub- 
würdigkeit zuspricht, obwohl derselbe schon durch Nebeneinander- 
iung der More- und Talmudverbrennungen seine geringe Kenntnis 
von den tatsächlichen Vorgängen verrät. 

i) Es ist zu beachten, das sich das Gedicht, beginnend mit den 
Worten hvj moiop u. s.v.. sich sowohl in Abraham Maimunis 'n man 
Kobez II. S. 17a. wie in dem Brief i\<'i- Brüder ( basdai bei Kobalt »th 
-:: III S. 179, finden 

■) VgL oben, B. 8, Anin. 2. 



- 30 - 

Prinzipien die Lehrer des Midrasch sich haben leiten lassen, wie 
die Wahrheit allein sie geführt hat, so dass gerade wegen des 
unbeugsamen Festhaltens an dieser, auch den Meinungen anders- 
gläubiger Gelehrten gegenüber, R. Jehuda Hanassi die Bezeich- 
nung als tmp verdient. 

Die bisher von uns geschilderte Tätigkeit Abrahams trug 
ihm mit Recht einen geachteten Namen ein. Im Orient, der 
freilich im allgemeinen keine Grossleistungen auf dem Gebiet 
der Wissenschaft des Judentums damals aufzuweisen vermochte, 
war er als eine gefeierte Autorität anerkannt, und mit Genug- 
tuung mochte es ihn erfüllen, dass sein Werk, die Kifäja, sich 
weiteste Verbreitung errang. 1 ) Seiner Hingebung an Studien 
und schriftstellerischer Tätigkeit legten allerdings seine Wirk- 
samkeit als Arzt am Hofe des Mälik al-Kämil, wie auch die 
Ausübung des Xagidamts erhebliche Beschränkungen auf.* 2 ) Aber 
weder die ihm gezollte Anerkennung noch der Glanz seines 
Amtes konnten ihm den bescheidenen Sinn nehmen. So kommt 
seine Demut besonders zum Ausdruck in einem Screiben an 
einen sonst nicht bekannten lsaak b. Israel Schoweik ("pit?), den 
er, unter Anderem, als lsniKon P]M2f i:ewi mir; ihö» Tfr irm c:n 
133311 Wlto wyw 1 wn bezeichnet 3 ), und dessen Lobeserhebungen 
er in seiner Antwort, wohl betreffs eines halachischen Themas, 
entschieden zurückweist 4 ), zumal er nur eine kleine Gabe, 
nicht aber besonders ausgearbeitete Darstellungen, zu bieten ver- 
möge."') Es scheint auch, wenn wir einige Andeutungen in einem 

l ) Vgl. den von Neubauer in Letterbode III S. 68 ff veröffentlichten 

Briefs Abrahams wo er selbst sagt: pnyai mrn »no^Bm 71 wijj 

nurmk 

J ) So heisst es am Schluas der Responsen 47 in oman naia S. 67 
araa nani Sp ptrSa -naSnn btvd iqStq cain lwnsya »»Sy pim |Otnv. Ebenso 
klagt er in dem oben erwähnten Brief, Letterbode 111, S. 54, dass er nicht 
iSon rmaya n» sei. 

j Vgl. den von Neubauer in Letterbode III. IS. 51 veröffentlichten 
Brief. 

') Vgl. ebendort, S. 52: »npDy B?0 niaana oto nnanSoa V »S \ % » »am . . . 
♦mey kS d»Svu cipaai 'rutrn nb 'man nSyoS, ferner ebendort: -jnoana nn«i 
Wia *b -non *ca r.naan ina»»» mtro l k aröS rnS»nn nanon inawupi na^nn 
ynin lajj ♦:« »S. 

Vgl. ebendort : iann kS rafoa DWapi »nnao TM nSiy |aipa atpnni 
nain hS c»an cna*n. 



— 31 — 

uns nur trümmerhaft erhaltenen Brief dahin auffassen dürfen, 
dass Abraham mit mancherlei Anfeindungen gegen sein Nagid- 
amt zu kämpfen hatte r ), wobei er aber auf die Hilfe auswärtiger 
erprobter Freunde sich verlassen konnte 2 ); gegenüber diesen 
Anfechtungen fand er es wohl angebracht, die Bedeutung seiner 
Würde und die der Mitglieder seines Kabinets hervorzu- 
heben 3 ). 

Mitten in seinen zeitraubenden Beschäftigungen ging Abra- 
ham an die Ausführung eines längst gehegten Planes: die Ab- 
fassung eines Kommentars zur Thora und den Propheten, von dem 
er jedoch im Jahre 1232 erst einen Teil der Genesis geschrieben 
hatte. 4 ) Hatte sein grosser Vater durch seine philosophischen 
Schriften das richtige Verständnis der schwierigsten und am ehesten 
zu einer Irreührung verleitenden Stellen der Bibel gefördert, 
so wollte der Sohn eine Erklärung für die ganze heilige Schrift 
in einer für Alle verständlichen Weise geben. Es war ihm 
jedoch nicht beschieden, das Werk, auf dessen Erscheinen man 
sehnsüchtig wartete, zu vollenden, denn schon am 18. Kislew 4998 
= 7. Dezember 1237 starb er im Alter von 51 Jahren, tief- 
betrauert ob seiner trefflichen Eigenschaften, seiner makellosen 
Frömmigkeit, der souveränen Beherrschung der Gedankenwelt 
des Judentums, wie seiner erfolgreichen Bekämpfung aller Tor- 
heit. 5 ) Eines der beredtesten Zeugnisse hierfür ist sicher auch 
der noch auf uns gekommene Kommentar zu Genesis und 



') Vgl. hierzu den Brief in Letterbode III S. 62—53: rvnn n*a ntjn 
satr "iid* kS i^dS nanta »Sy aipn dk ,>Sarn nano »Sy n:nn uh ,»Ski >a« 
rrnnna usw. 

2 J Vgl. ebendort, S. 63: npw <unoiD njn »jni» unaSco mhv »Smc 
03 nm no nwo Sy B»as»nön iirMtpo. 

'■') Vgl. gleichfalls dort: nnaoi m*etran lyro niSru mmhv utik \hv 
D'ibn: trau "m nana ntr« miynn n«n myn. 

4 ) Vgl. den Brief ebendort, S. 62- 63 und die darin enthaltenen 
Mitteilungen. 

*) Vtfl. daa von Halberstamim v hy pap (ßammelband des Mekize- 
Nirdamim- Vereins) Bd. IX. S. 2—4 veröffentlichte Klagelied auf 
Abraham, das höchstwahrscheinlich von dem berühmten Dichter Bleazar 
b. Jakob Hababli aus Jiagdad verfasst wurde. (Vgl. auch Bteinschn. Ls 



- 32 — 

Exodus, mit dem sich der folgende Teil unserer Abhandlung 
beschäftigen soll. 



ZfHB. IV. S. 96). Dio hier in Betracht kommenden Verse lauten 
dun. s. 3: 

own A nipixn ivn 

nnci ,S»k P)iia ytu -öi 

d-3^1 d-dSih "WkS vnSi 

nuian naro ^>y ipv 'oi 



IL 

Der Kommentar Abraham Maimunis zu 
Genesis und Exodus. 

Der Kommentar zur Thora, den zu vollenden unserem 
Autor nicht mehr beschieden war, erstreckt sich, so wie er auf 
uns gekommen ist, nur auf die beiden ersten Bücher und ist 
sehr umfangreich angelegt. Wir besitzen von ihm ; soweit unsere 
Kenntnis reicht, nur ein einziges Ms. in der Bodleyana zu 
Oxford. 1 ) Leider ist dasselbe nicht vollständig, indem der Anfang 
von Gen. Kap. 1 bis v. 21 fehlt und sich eine ganz beträcht- 
liche Lücke von Gen. Kap. 2 v. 21 bis Kap. 20 v. 15 erstreckt, 

Wenn der von Isaak Samba ri in seiner Chronik 2 ) an- 
gegebene Titel des Werkes „JvsnS« 3KD3 = das schöpfende, 
sammelnde" richtig ist, so würde dieser auch dem Charakter 
desselben ganz entsprechen, denn Abrahams Kommentar stellt 
sich, neben seiner eigenen originellen Erklärungsweise, als eine 
ausserordentlich schätzbare Compilation aus älteren, bedeutenden 
Auslegern der heiligen Schrift dar, so dass er schon in literar- 
historischer Hinsicht einen grossen Wert besitzt. Wir erfahren 
aus ihm sehr vieles aus dem uns leider nur trümmerhaft er- 
haltenen ausführlichen Pentateuch-Kommentar Saadias, dessen 
Aeusserungen manchmal uns wörtlich mitgeteilt werden. 8 ) Ferner 



J ) Vgl. das Nähere darüber in Neubauers Katalog- I (1886) S 
No. 276 und Steinschneider, Arab. Lit. der -Juden. S. 222, ferner eben- 
welben Mitteilungen in HB. VI (1868) S. 114—116. 

*) VgL die von Neubauer in Mediaeval Jewish Chronicles Bd. 1 

S. 186 enen Auszüge aus diesem Werke, und hierzu Stein- 

schneider, Arab. Lit. der Juden a. a. 0. 

3 j VgL über diesen zuletzt meine Beitrage zur Geschichte and 
Literatur im geonäischen Zeitalter, s. 81 88 Abraham erwähnt Bowohl 

den einfachen, b*037m, wie den ausführliche!] Kommentar, pDnoSt, Saadias. 

8 



— 34 — 

erhalten wir Kenntnis von der infolge ihrer allzugrossen Aus- 
führlichkeit auch nur sehr lückenhaft auf uns gekommenen Er- 
klärung des letzten Gaon von Sura, Samuel ben Ho fni, die 
sich freilich auch nur auf einen Teil der Genesis erstreckt. 1 ) 
Ganz besonders zahlreich sind die Zitate aus dem Kommentar 
seines Grossvaters ; Maimun ben Joseph, von dem er 
eine Anzahl Stellen im Wortlaut wiedergibt, und die uns den 
Verfasser als einen sehr besonnenen und tief in das Schrifttum 
eindringenden Exegeten zeigen, so dass der Verlust des Originals 
dieses Werkes als höchst bedauerlich angesehen werden muss. 2 ) 
— Abraham führt auch einige bemerkenswerte, teils kürzere, 
teils längere Bemerkungen an aus dem, gleichfalls uns nicht 
mehr erhaltenen, von ihm sehr hoch geschätzten Werke des R. 
Abraham Hachassid. 3 ) Von sonstigen älteren Autoritäten wird 
noch erwähnt: Der Verfasser des Kämil, Jacob ben El e- 
a s a r , dessen Werk uns auch nur in Zitaten erhalten ist. 4 ) Es 
ist selbstverständlich, dass auch derjenige Exeget, der die Arbeiten 
aller ihm vorangehenden Bibel erklärer in seinen Kommentar auf- 
genommen hat, Abraham ibnEsra, wiederholt angeführt wird. 6 ) 
Auch die Wiedergabe einiger von Moses ben Maimon nur ge- 
legentlich und im vertrauten Kreise mitgeteilten Auslegungen ein- 
zelner Bibelstellen verleiht dem Werke des Sohnes einen grossen 
Wert. 6 ) Ferner wird der grosse nordfranzösische Kommentator 



'i Die Zitate aus dessen Kommentar sind von Poznanski inZHB. 
11 (1897) S. 55- 60 zusammengestellt; vgl. auch ebendorl S. L66 
Letzte Note 

2 j Vgl. hierüber meine jetzt im Druck befindliche Biographie des 
Maimonides, S. I und ebendort Anm. 3. 

Vgl. hierüber besonders Steinschneider in HB. VI, S. 115. Die- 
selben sind nun von mir. mit hebr. Uebersetzung versehen, zusammen- 
gestellt in der Festschrift für D. HoÖ'mann, hebr. Abtig., S. 135— 142. 

*) VgL hierzu Poznanski in ZHB. II, S. 153—156 und über" diesen 
Autor auch meine Bemerkung in Monatsschrift L906, B. 377—378 und 
81. 

) Ee lbI zu bemerken, dass unser Autor von Abraham ibn Esra 
auch die Längere Recension des Genesiscommentars, wie auch die kürzere 
vom Commentar zu Exodus citiert. 

') VgL hierzu meine Abhandlung aber die Bibelexegese Maimunifl 

in dem bammelwerk : Moses ben Maimon, Bd. I, S. 411 fl'. 



- 35 - 

Raschi von Abraham Maimuni erwähnt. Natürlich hat der Autor 
einen reichlichen Gebrauch von der gesamten Traditionsliteratur, 
den Talmuden und Midraschim, gemacht, wobei festgestellt werden 
muss, dass ihm sicher auch die sogen. Mechilta des R. Simon ben 
Jochai, die erst in letzter Zeit, besonders aus dem Midrasch 
Hagadol, von D. Hoffmann rekonstruiert worden ist, vorgelegen hat. 1 ) 
Gehen wir nun zum Wesen des Kommentars selbst über, 
so bemerken wir, dass der Verfasser bemüht ist, die rechte 
Mitte innezuhalten zwischen der Auslegungsweise, die auch die 
philosophische Spekulation in das Schrift wort hineinlegt, und 
dem P'schat. Hierbei ist nun zu erkennen, dass Abraham von 
der erstgenannten Art der Bibelerklärung nur einen recht mas- 
sigen Gebrauch macht. Ausführlichere philosophische Erörte- 
erungen knüpft er z. B. an den Schluss des ersten Kap. der 
Genesis betreffs des Vorhandenseins der Engel. Ferner gibt 
ihm die von den Kommentatoren vielfach behandelte Schrift- 
stelle in Exod. 6, 8 zu Anfang des Abschnittes niki Anlass zu 
einer grösseren philosophischen Erörterung über Gottesnamen, 
der er noch mehrere Exkurse, mit der Bezeichnung fpain „ An- 
merkung ;, ; anfügt 

Bemerkenswert ist nun, dass Abraham bei allen diesen 
Ausführungen doch von einer gewissen Scheu geleitet wird, 
einem Jeden aus dem Volk alles zu offenbaren : ein Charakter- 
zug, der uns bei seinem Vater besonders ausgeprägt entgegen- 
tritt. 2 ) So schliesst er seine Bemerkungen über die Erschaffung 
der Engel mit folgenden Worten: Dass der Zeitpunkt ihrer Er- 
schaffung, die allerdings seit den 6 Schöpfungstagen datiert, uns 
verhüllt ist, das ist ein Geheimnis, das uns notwendigerweise 
unbekannt bleiben muss. Aus dem Grund des Schweigens hier- 
über geht irgend etwas derartiges hervor, dass ich mich nicht 
darin einlassen kann, darüber zu sprechen, höchstens mündlich 
demjenigen gegenüber, der würdig ist, dass ihm ein solch' er- 



J ; Bine Zusammenstellung der betreffenden Stellen, aus denen mir 
eine J}f:nutzung- der »"attroao Bicher scheint, habe ich in <'<'i- Festschrift 
für D. Hoffmann, h. Abt. S. 182—186, gegeben. 

*J VgL hierzu meine Biographie des Maimonides, S. 29 80, and 
Mitteilungen in meiner Abhandlung Über Moses b. Maimons Bibel 
exo^odo, a. u. 0. 



- äö - 



habenes Geheimnis klar wird, das zu den höchsten Dingen in 
der Schöpfungsgeschichte und der sogenannten Merkaba gehört. 1 ) 

Manche Verse scheinen Abraham gewisse „ Geheimnisse'' 
(mir) zu enthalten. Hier denkt er an solche Bedeutungen des 
Schriftwortea, die absichtlich dem Verständnis sich verschliessen 
wollen, wie bei den Bezeichnungen des Gottesnamens, wo er 
sagt: dies sind geheimnisvolle Andeutungen, von denen uns 
wohl manches klar wird, deren wahre Endziele uns aber ver- 
borgen bleiben. 2 ) 

Er weiss aber auch besonders schöne und nicht jedem 
leicht erkennbare Feinheiten der Bibel herauszufinden. 
So sagt er betreffs Abrahams bereitwilliger Antwort: *»n in Gen. 
22, 1 : Aus der geheimnisvollen Andeutung in Abrahams Ant- 
wort „hier bin ich" kannst du schliessen, dass seine Bereit- 
willigkeit beim göttlichen Anruf ein Beweis ist, für die Ver- 
bindung mit Gott noch vor dem Anruf, wie auch dafür, dass 
dieses Verhältnis nun für ihn eintrat als eine prophetische Ver- 
bindung im Zusammenhang mit derjenigen, die schon früher für 
ihn bestand. :! ) 

Bei seinem bescheidenen Wesen gesteht Abraham manch- 
mal ein, dass er nicht alles versteht, und ihm nicht alles klar 
ist, wie er auch einmal ausdrücklich sagt, dass die Sache noch 



') Das Original lautet: »& nuwo k iStf üTfcht npl nc:k *di 
in Ahn onpSi npiS pt>« nc:n % b'byn *b mbi wy *cr id fftrtf rvtPKia 

]th «riNEfc» nSk rrc bipSS fiprh* *M3tr nb no s :ya n^Mia *tr ntriPü 
n^ya <d kq Qöy« ja in *h* sptrSx tidSk sin bnoa nS m'r [k ntor 
:cn2 ff*HD3i faotoo iSi s c nnrai nnSp hSki ,123-10 ntyyo joi rvtwra 
mrS* «in pu 

~) KiWätji «np^pn n;j; »oSni nwb «,i:o k:S mbn n™ nini. 

b ) s by 5t Niiin famotA« i:y niiin ^n n"j> nnass« 10 |Q cid« 
Sima S^no "13: Sivi m yiSk naowo 1 ?« min fftruttöto bip rrSy [na biiti 
rPKiS Nn:a mbn nmci poiw nim ,bap rrSy jm* 



— 37 — 

weiterer Untersuchung bedarf. 1 ) — Ein anderes Mal bemerkt er 
bezüglich der verschiedentlichen Anwendung von iö*n und "OT1, 
dass er den Unterschied nicht kenne ; aber vielleicht sei es nur 
für ihn eine leere, d. h. unerfassbare Sache. 2 ) Auch bekennt er 
bei einer besonders schwierigen Auseinandersetzung, nämlich der 
Erklärung von Exod. 34, 29 ; — wo es sich um das Strahlen von 
Moses' Antlitz handelt, das Abraham mit der intellektuellen Ver- 
edlung und Vervollkommnung des Propheten zu deuten versucht, 
— dass dies ein Wagnis seinerseits wäre, an etwas heranzu- 
treten, das für die Darstellung von seiner und anderer Seite zu 
erhaben sei. 3 ) 

Trotzdem kann der Autor sich aber nicht enthalten, die 
Richtigkeit seiner eigenen Erklärungen nachdrücklich hervorzu- 
heben. So sagt er betreffs der Voranstellung der Fettigkeit des 
Bodens in IsaaksSegen anEsau (Gen.2b,2ü), während in dem Segen 
an Jakob der himmlische Tau zuerst genannt ist, dass dies wohl zu 
beachten und nicht als zufällig zu betrachten sei, da ja auch 
dieser Segen fcnpn nria erteilt wurde, wie es auch die Erwäh- 
nung des Himmelstaues von oben beweist, dass in dem Ver- 
sprechen eines gesegneten Bodens die göttliche Fürsorge ent- 
halten sei. Indes gebe sich in den Wendungen Syö D'öfcVi böü 
betreffs Esaus und o*ött>n *?öö betreffs Jakobs ein Unterschied 
kund, worauf nicht jeder achtet, und dessen Geheimnis nur der 
erfasst, der das gleichsam zu kosten vermag, und um dessen Er- 
langung der Prophet in den Worten Ps. 119,66 bittet. 4 ) — Ein 



! j Vgl. zu Gen. 2. 13 betreffs der Bestimmung der dort erwähnten 

Flusse: |kSk -S« .td tökSk *b nur üb m nm fnh yrw am 

2 ) -iö*n fhitn by *w Vn -oti -löhn pa pic^s ks oty« xb 
cr£ NH öl CHI "QT1 rhxrfi. Der Verf. wende! hier die bekannte Deu- 
tung der Worte Deut. 32, 17 im Bifri z. St. an. 

3 ) rro hm b\A *np p; ^Kyrv «aS ptnny« fhKDJi s 3ö cnpn irtm 
*) *jjhA bi per« r;: rS' pun »jopö i*»y wu *o no'npn bann 

•yn hSSk rtSnr tu* *]Vi 5to ,tnpn rma Kfr« faiaSn n1n pA frvnk 
tfh\ bm irern toöl nb*,p -jSn ^by 9t so fhup ma pi WS ich« 



- 38 — 

ferneres Beispiel finden wir am Schluss seiner Erklärung zu 
Gen. 35, 10, wo er das Vorkommen des Namens apy» neben 
bN"rt^ bespricht, im Gegensatz zu dem nach der Benennung des 
ersten Stammvaters mit ctdk erfolgten vollständigen Zurücktreten 
des Namens D"DK ; und dabei ausführt, dass eine etwaige Wiederan- 
wendung des letzteren eine direkte Verletzung der göttlichen 
Willenskundgebung wäre, während neben dem Namen b*ov noch 
sehr wohl die noch häufiger vorkommende Anwendung von apy 
sich rechtfertigen lasse, da nur gemeint sei: du sollst fortan 
nicht nur Jakob, sondern auch Israel heissen. Er schliesst nun 
seine Ausführungen mit der Bemerkung: Es ist dies eine sehr 
feine Begründung und Erforschung, deren Wert nur richtig vor- 
gehende Verständige erfassen können. 1 ) 

Mit dieser, immerhin in bescheidenen Grenzen sich halten- 
der Befriedigung über seine eigenen Erklärungen verbindet unser 
Exeget auch eine gewisse Selbständigkeit gegenüber namhaften 
Autoritäten. So tritt er einer Ansicht seines Grossvaters, dass 
das in Gen. 33, 18 erwähnte Sukkot identisch sei mit dem in 
Exod. 13,20 genannten, direkt entgegen, 2 ) und wagt auch sonst 
seine Erklärung der seiner Vorgänger entgegenzustellen. Auch 
Saadias Uebersetzung zu Gen. 42, 1, wo dieser itonn als „zögern" 
wiedergibt, kritisiert er als wohl dem Sinn entsprechend, aber 
ohne hinreichenden 3 ) Beweis. 

nna bi »rrb« rotf ab pio rrtm .own böö o-nban -|b [m nbip bno 
ra nbp s o nyi: *Sk binbjo arabs »jn pfi rh p «9« rno onc abi 
*nöb ny-ii DVtt« 

1 ) Das I'ndo dieser interessanten Stelle lautet: v^bs apy» .TöDED 

np pptpn my: mv:ob« ]«b na 'yn nnvi« «ab ?|b«5öD b")«b« DDxb« in 
.nöDKb b"&an 'jM D^bi ffnpaa "öd* ipi nnyib b s tsnn "[Vi D^bi nöwo w 
powab« «anob« MM yrnp *py vh p'pn rrpam b^byn Ulm, üebrigene 

gibl auch Abr. Lbn Bsra, wenn auch kurz, eine solche Erklärung. 

2 ) b"r trat ^n« |ö «öd rrb« i2to fo bo^ bm vib« ntDD KM D s b» 
niö yy ik b*nt^ p« *b niDD nin ba« 

*) .rby b*bi «b wata Jptw «r™ uKinn b"r ,th?d H nnirv 



— 39 — 

Nach dieser an die Stellung Abrahams zur philosophischen 
Exegese sich knüpfenden und das Wesen des Autors charak- 
terisierenden Digression kommen wir nun zu seiner sachge- 
mässen Er klär ungs weise zurück. Es ist natürlich, dass der 
Autor, der sich bereits in seinem mtmn by nasa mit der aga- 
dischen Erklärungsweise überhaupt auseinandergesetzt hat, auch 
im einzelnen zum D'rasch Stellung nimmt. Nun ist er durchaus 
kein ausgesprochenor Gegner desselben; vielmehr w T eiss er sehr 
wohl das Herzgewinnende und Anziehende der agadischen Deu- 
tung zu würdigen. So nennt er die Bemerkung des Midrasch 
zu Gen. 27, 22 über die Stimme Jakobs und die Hände Esaus 
„einen süssen, als schön anzusehenden" D'rasch. 1 ) Ebenso be- 
zeichnet er die Erklärung des Midrasch zu Gen. 28, 22, dass 
Jakob sogar von den Söhnen den Zehnten absondern wollte, — 
indem, mit Hinzurechnung von Ephraim und Manasse, die Zahl 
der Söhne 14 betrug, von denen nun Reuben, Joseph, Dan und 
Gad als Erstgeborene ihrer Mütter ohnehin in Abzug kommen, 
so dass von den noch verbleibenden Levi der Zehnte war, — als 
einen „ selten süssen und als schön anzusehenden D'rasch, der jedoch 
weder dem Wortlaut noch dem Sinn des Verses entspreche." 2 ) — 
Andrerseits scheint eine direkte Ablehnung gewisser agadischer 
Deutungen enthalten zu sein in seiner Bemerkung zu Gen. 30, 15, 
wo er die Deutung, dass Jakob sich einen Eingriff in das der Lea 
zustehende Recht des ehelichen Zusammenseins erlaubte, als 
blossen D'rasch bezeichnet. 3 ) Abraham gibt auch unverhohlen 



1 ) ^E op im .jcnnca lbn am apr Vip bipn «m *b b"r crasnbbi 
ma vn p es kSk nma nanba p«i ypy n*ae sb« pyatw nScn p« "jSi 

2 ) jkS rry «A vn o^Sk |b vin wpo «nen röt« S"r D^aanb« Sipi 
*ib rrwy ipr nrraa tji fji rpn pum y 1 mwai enc« .^c«i«n ikSinSk 

nirtl «bi pbs TUp [r ob oki jennoa "i-«:i iSn bip omtpy. 

3 j n:iyb« npc 'tw <nn tm ibi nid sei. 



— 40 — 

seiner abweichenden Meinung Ausdruck, wenn ihm die agadische 
Deutung der tatsächlichen Grundlage zu entbehren scheint. Ein 
anderes Mal spricht er sich in betreff der Erklärung des Mid- 
rasch im Seder 'Olam Kap. VI und Sifra *rw Abschnitt 1, 
dass der Segen Moses" an Israel nach Vollendung der Stifts- 
hütte in Exod. 40, 17 sich auf das Ruhen der Sch'china über 
dem Werk ihrer Hände bezogen habe — dahin aus, dass es 
einer solchen Bitte nicht bedurft hätte, da ohnehin in Exod. 25,8 
dies verheissen worden war. Vielmehr handelte es sich nur um 
Segnungen, die Israel besonders betrafen, wie ihre sittliche Ver- 
vollkommnung, das Empfangen von göttlichen Wohltaten u. dgl. 1 ) 
In den Bereich dieser Art der Exegese Abrahams gehört auch 
seine Stellungnahme gegenüber dem Onkelostargum, dessen 
Uebertragung er manchmal als nicht wortgemäss bezeichnet. So 
will er dessen Uebersetzung von i:tra Exod. 12,21 mit WQttK 
nicht gelten lassen, da es sonst im Bibeltext i:tr»n heissen müsste. 
Der eigentiche Sinn ist: Ziehet das Schaf, nachdem es heran- 
getrieben ist. 2 ) — Die von Onkelos gegebene Erklärung von 
ni3K pv ipio etc. Exod. 34, 7, um die etwaige Schwierigkeit der 
Stelle zu erleichtern, kann ihn nicht befriedigen, da man die 
Massnahmen Gottes bei der Bestimmung der Grenze von drei 
oder vier Geschlechtern nicht ergründen könne. Jedenfalls gehe 
daraus hervor, dass die irönin me die yir\ mö vielfach über- 
wiege. 3 ) 



1 ) crr n»vo3 nrrtr rrnww vir ürh hxp ns« b'l pSisSs bap 
nrarSii n*c b~nnb ysx ns:k nSx« [ö p«föS« ^k k,tm rw roo )b flin rrtm 

r«S^ bna Dnx5r nRD"Q r,-i:r n^k n« köi Miro *nwi ttHpö *b wjn nbipa 

2 ) öcSSx rVn ja vayn im itjjr hr^ö iT^n« DjnnöbR may iditö 

N-rr -v- [«XI wo R^pi nwoi w$n pS« fs: ib k^k ♦rö 1 rS. 
[Jeher die LA WDnw bei Onkelos und ihre Bedeutung vgl. Berliner« 
Targumwerk 8. II. 22 

i iwpi nvn^ in wp3 rinn R&p irtm, o*:n S*; nw pp npic 



— 41 — 

Bei der im allgemeinen vorherrschenden Hinneigung Abra- 
hams zur sachgemässen Erklärung ist es natürlich, dass er auch 
dem Sprachlichen des Bibeltextes seine Aufmerksamkeit zu- 
wendet. Von grammatischen Bemerkungen sei erwähnt sein 
Hinweis zu Gen. 42, 10 1K2 "papl, dass im Hebräischen auch 
ein Satz mit dem nrnn 1 begonnen zu werden pflegt. 1 ) Eine in- 
teressante, wenn auch unzutreffende etymologische Erklärung gibt 
er zu i5i „Pest" Exod. 9, 3. Es hängt mit irr „Wort" zu- 
sammen, da diese Seuche gleichsam durch das blosse Wort ent- 
steht, und es diesem gleicht, indem schon durch das Aussprechen 
der Tod plötzlich eintritt auf den Willen dessen hin, der da- 
durch diesem Ausdruck gibt, um die Menschen zum Guten hin- 
zuleiten. 2 ) 

In Exod. 15,6 ist bei pjnri, ebenso wie an anderen Stellen, 
das Futurum statt des Praeteritums gesetzt, wie andererseits 
in Gen. 15, 18 das Praeteritum die Zukunft bezeichnet, weil 
Gottes Allmacht von Anfang an ist und darum bei ihr nicht von 
einer Neuschöpfung die Rede sein kann, um etwas von der ide- 
ellen Existenz in die Wirklichkeit zu übertragen 3 ). — Zu nennen 
sind auch einige Vergleichungen mit dem Arabischen, die sich, 
meines Wissens, anderwärts nicht finden. Um die Bedeutung 
von rinn« Gen. 47, 11 als Lehen zur Nutzniessung festzustellen 

KHKftf* »b -Si rr,y:n ,Y/D3 whnb non -un: njSsao pi flAn30 keki 

nbaycKi nö«:n«3 D i** "iö*6k ffp'pm nnira oibya rfanorh Dibp:iK 9i«n 

mo j« nraSN ^n pomu bs 71 -non mey "ö .nnwo "praS ^n 

pntfw in fhnm pn moi rrrn: onmi. 

*) bipbs rnrsc pur pamapS« jk jö van sa ^ ,nia "pnsyi 
pppSn nro. 

2 ) rwA -|SiD im b^p Tbö3 S^n*» *p tao nyi |ö pnirö -qi f&K« 

-.— p p:Si man ü*h?m izy jjö3 "SköSk ^voa ion SapnDöbKi 

t 'i-Köb» rs; Sycbx ^h r'pSs ja 3n33 KrPB TTtinDK nS fl^K 'Vn 

*c ^pnoöS«! nmn pim rx wo "|VirS c.ttcnS yn "ipa hiprczhn 

owir, nSip: -vköSn »»a 



— 42 -* 

weist er auf das arabische gleichbedeutende VKtsp» hin. 1 ) — Sehr 
treffend erklärt er das K3 in Gen. 48, 8 durch das lautlich ähn- 
liche arab. [nSk „jetzt bald". 2 ) — Eine recht passende Analogie 
aus dem Arabischen führt Abraham an, um die Wendung ipmü 
l ö n b n : o w Gen. 49, 20 zu beleuchten. Hier sei onS femi- 
ninisch gebraucht, weil damit eigentlich das Land, welches das Brot- 
getreide hervorbringt, gemeint ist; ebenso werde im Arabischen 

das Land, das ein Soldat besät, H357M pM d. h. dessen Brot ge- 
nannt, weil er davon seine Kraft und seinen Lebensunterhalt ge- 
winnt; es ist also ein Hinweis auf den Ertragreichtum seines Landes. 



Um die biblische Darstellung dem Leser anschaulich zu 
machen, erwähnt Abraham mitunter etwas von den Zuständen 
seiner Zeit. Zur Erklärung der Worte nyiß k D by Gen. 45, 21 
bemerkt er, dass die den Brüdern Josephs jetzt zur Verfügung 
gestellten Wagen sonst für andere nicht zur Benutzung gestattet 
waren und nur mit des Pharao ausdrücklicher Erlaubnis gebraucht 
werden durften, wie noch heutzutage die Wagen der Herrscher, 
in denen nur ihre Hausgenossen befördert werden. Dieser Vers 
beweist, wie lieb dem König das Erscheinen der Kinder Israels 
war, und wie seine Zuneigung zu Joseph unverändert blieb, ja 
sich noch verstärkte. 4 ) 



*) yMBfM dvSm bxp* xc: ^iw Y^kd br: im "Sü nnns\ 

2 j |«Sk "jyöS in MJ\ Auch Ibn Ganäfo vergleicht Wb 399, 1 das hebr. 
Wort mit dem genannten arab., allerdings für zwei andere Stellen, ebenso 
öfters Abr. ibn Esra; vgl. Bacher, A. i. E. als Grammatiker, S. 136 s. v. 

:l ) inSn: pM \y naor tn* ty mö:m n:«S *:yobM "by iönb fiäi 

Mnjnr tiSm ntfSM pM^M ~ znyb« »b b^p- mö: lEnbs m.ySm "im^öSm im 
m;j DMipi nrop k.i:ö fxb n?a5, 

*) njne nb fW [öS mSk ffniano n:MD m.-üm 5t ny-io -e by nbip 
Min MttM&i *b SsnS«: -jböS«« ftraf5o nAjp [V "b'i^^vSi niSayb« 'WM 
;ki art tfn b nrono ^y £t m£'k M^m on^y rra bpr <nS« -jAoSm t 
fhjMna frpMa ?pvb nnüne. 



— 43 — 

Auch sonst liebt der Autor recht anschauliche Erklärungen, 
wofür wir folgendes Beispiel bieten: In Exod. 34, 14 wird Gott 
s:p der Eifervolle genannt, da jede Verehrung eines Anderen 
ausser Ihm ein Zuwiderhandeln gegen Seinen Willen ist; nach 
der in der Thora üblichen Anwendung der menschlichen Rede- 
weise handelt der treulose Mensch, der sich einem anderen hin- 
gibt als dem, dem er ausschliesslich sich hinzugeben hat, d. h. 
wenn er Gott noch ein anderes Wesen zur Verehrung beigesellt, 
wie ein treuloser Gatte, der es noch zu einer anderen Frau, als 
der rechtmässigen, hält. Das Verbeugen, wie die anderen gottes- 
dienstlichen Handlungen sind etwas, was nur dem Allerhöchsten 
zukommt, und Er verzeiht es nicht, dass man dies noch einem 
anderen erweist, und darum wird dies Verbot noch mit dem Zu- 
satz «in «:p bekräftigt. 1 ) 

Aus dem Inhalt des Kommentars ist noch von allgemeinem 
Interesse, die in ihm vorkommende Polemik. Abraham wendet 
sich einmal indirekt gegen den Jslam bei der Erklärung von 
Gen. 21, 10. Er sagt dort: mir scheint, dass Sara mit den 
Worten pnr oy ':a oy tf"P «S "»a gleichsam in prophetischem 
Vorherwissen, das Gott nachher offenbart, schon darauf hinge- 
deutet hat, dass an der grossartigen geistigen Vollkommenheit, 
die der Nachkommenschaft Abrahams zugedacht war, die Ab- 
kömmlinge Ismaels nicht teil haben sollten, da ihnen nicht in 
gleicher Weise diese sittlich-religiöse Höhe zu erben bestimmt 
war. So ist es auch in der Tat, da die von Ismael Abstam- 
menden nicht die Verpflichtung zum Gesetz haben, und, wenn 
sie auch daran glauben, so haben sie es doch auch zunichte 
gemacht, indem sie seine Veränderung und Aufhebung annehmen. 
Auch gelangten sie zum Bekenntnis der Einheit Gottes erst, als 



l ) nmmKS fob»5ö hhtd [o rnsay pab rh«yriDK *upi ,iöu> wp ti s a 
rww NE 'hp inj s ^bx in P'b-ikSk jo tüSw ma ppSa rrnn man 
;k fö nnfli *h$ ji;bs nsr waa nr: rrc nan*w k^k ro« tidö pr [« 
nS 'Vn nS tidö pn TaynS« [o nYJi "layrib« iijdSkd khkid «nb pyn^ 
^«S rnnntpn «b "a "ipS S^ynS« ^d b»pc hkidS na Tay/V |« .td nöKO" 
KVi wp S« 'ipa -jbn -dki iöp s:p 'n '3 in«. 



— 44 — 

die Nachkommen Tsaaks längst diese Stufe der Vollkommenheit 
erreicht hatten, so dass Ismael eben nicht zusammen mit 
diesen erbte. Diese Erklärung ist in dem Hinweis des Schrift- 
wortes begründet und eine durchaus nicht fernliegende Deutung. 1 ) 
Von einer mit Christen geführten mündlichen Polemik be- 
richtet uns der Autor in seinen Ausführungen über den Vers 
Gen. 49, 10, der ja im Altertum und im Mittelalter sehr häufig 
Anlass zu Kontroversen zwischen den drei monotheistischen Re- 
ligionen gegeben hat. Wir lernen hierbei Abraham als ge- 
schickten Apologeten kennen, der den Verunglimpfungen und 
Herabsetzungen seiner Religion und seines Volkes energisch ent- 
gegentritt. Mit Befriedigung erzählt er, wie er die Wortführer 
der christologischen Deutung des Verses auf Jesus mit dem Hin- 
weis widerlegte, dass ja überhaupt nach Errichtung des zweiten 
Tempels die Ausübung der Herrschaft von seiten des davidischen 
Geschlechts unterbrochen war. 2 ) 



Ein hervorstechender Zug der Erklärungsweise Abrahams 
ist es, verschiedene Vorschriften der Thora mit Gewohnheiten, 
die noch vor der Gesetzgebung bei den Erzvätern und deren 
Umgebung geübt w T urden, in Verbindung zu bringen. So be- 
merkt er imAnschluss an r\b^ TOMl ov toim Gen. 31, 30, — wo- 
bei Jakob allerdings zum Ersatz für das bei Nacht entwendete 
von Rechtswegen gar nicht verpflichtet war, da es dann gewalt- 



l ) SksdSk [k -jbi iya yn miö« s ia: mytra map« khjk ^ nm 
dS no pmr ynr Ssy»«^ vir tu ■pmtp xS ama« Sd:S na iiyiöb« ^SöSk 
potnta rb bttpov jn* pb "f^a vn ffö«n faiK^a pnr yo S«aaS« tri" 
nm wa [ki «nSnani Ryrron jwma «mSisaKo KnnpnpH ;«a |«i ny^trb«a 
yo S«öaSn irr ob ino prw ynr biDD [Köt %a Sa apy jn? oy ftf p* nbe 
rpa tjSk bn«nb«i niKrsS« pn» "by «im »pw« 

'-') Den Text dieser ganzen Stelle hat bereits Ad. Posnanski in 
seinem Werk über die Auslegung der Geschickte von Gen. 40.10 im 
Anhang, B. XXVI No. 61, gegeben, wie auch eine deutsche Uebersetzung. 
S. L5B LB6. Indes sind hierzu zu vergleichen meine Ergänzungen 
und Verbesserungen in Monatsschr. 1905, S. 632 — G33. 



— 45 — 

sam entwendet war — Folgendes: Jakob fügt dies nur des- 
wegen hinzu, weil schon in vorsinaitischerZeit 
derselbe Grundsatz, wie später, für den iBitr 
iDtr galt, wie es hieraus ersichtlich ist, .und so wie bekannt- 
lich die Pflicht des ciy, wenn es auch als Gebot der Thora er- 
scheint, eine alte Gepflogenheit war, die diese so belassen hat;- 
und so ist es auch zweifelsohne bei einem Teil der anderen 
Mizwot. 1 ) — In demselben Sinne äussert er sich bei der Erklä- 
rung von Gen. 35, 2, wo es sich um die von Jakob seinen 
Söhnen erteilte Weisung handelt, nach dem Blutbad in Sichern 
sich zu reinigen. Entweder sollten sie dieses tun, um sich 
von einer etwa in Gedanken begangenen Versündigung durch 
Götzendienst zu sühnen, oder es ist ein Hinweis darauf, dass 
sie sich von einer Unreinheit, die sie sich vielleicht durch Berührung 
einer Nidda oder eine nächtliche Pollution zugezogen haben könnten, 
reinigen sollten. Die Thora hat nun dies so belassen, und eine 
ähnliche Reinigung, nämlich die der Gewänder, in Ex. 19, 10, vor- 
der Gesetzgebung bestimmt . . . Infolge der Uebereinstimmung 
dieser von den Vätern geübten religiösen Gebräuche mit den 
Gesetzen der Thora, in Verbindung damit, dass sie an die Ein- 
heit Gottes glaubten, jede Beigesellung zum göttlichen Wesen 
und natürlich auch jeden Götzendienst zurückwiesen, Gottes- 
furcht und Liebe betätigten, was ja alles zu grundlegenden Wur- 



*) nrntoa ^k-M crsS vi "hSk k-ikhj djjSk jo pic «d w ov ww 
d?xS v; in *h* ü:m<2 vh^b p^ köi "ui loya aar am dk ";n bap ko: 
S,ia matyn [o tob rm w -iöup npc s d b"r pSp«:S« pa nd: .i'Kjnbb 
tjS« rtrbn mm mfr jsd pS diS SjkSc .nnöl miaty '|o tob in kd 
[na ppvS« f«S kSk iSn n"V- ?]r dSi ,rb d?kSSk dv tou Sna rb cr«S 
DirS« jk oSyn ru*i ,bipbK «in ja infr kö acn ■jb'ia nown pn s b «onp 
f ya "|Snai minS* nnpaa Kö'np KDiy [xa n:«D nmnn rma ja |«a f«i 

"|B> «Sa niXöSn. In Bezug auf den Jibbuiu vgl. auch z.T., was Abraham im 
Namen seines Grossvaters und Vaters mitteilt, von mir veröffentlicht in Moses 
b. Maimon etc. I, S. 415. 



— 46 — 

zeln der Thora gehört, ist das Wort unserer Weisen, dass die 
Väter die ganze Thora gehalten haben, gerechtfertigt. Indes soll 
hiermit nicht etwa gesagt sein, dass sie den Sabbat gehalten 
oder Mazzoh am Pessach genossen haben. Hiermit nimmt der 
Autor zugleich Stellung gegen den bekannten Ausspruch in 
Joma 28 b, dass Abraham sogar das Gebot von } ,l r#an any ge- 
halten habe. 1 ) — Die Worte vonJosephsHausverwalter, Gen. 44,13, 
dass derjenige, der als Dieb des Bechers entlarvt werde, als 
Knecht seinem Herrn dienen müsse, veranlasst Abraham zu der 
Bemerkung, dass wahrscheinlich schon damals der Verkauf des 
Diebes zu den Kechtssitten gehörte; vielleicht hat die Thora 
dies dann in Ex. 22, 2 für Israel als Gesetz angeordnet, 
sowie Gott vordem den früheren Geschlechtern durch prophetische 
Inspiration, nicht durch einen Befehl, seine Anordnungen zukommen 
liess. Er habe aber noch eine besondere Begründung für dieses 
Gesetz: Das Stehlen ist nämlich ein bei Sklaven üblicher Fehler, 
den freie Leute nicht begehen; wer also hierdurch wie ein 
Sklave handelt, soll auch als Sklave verkauft werden. 2 ) 



1 ) r^yaSs my fottb fo omnenb fh«#K py [s sc« ,m»m 'ipi 
pDJw lato Drnyb «nicfcr.c* i;s: vA« n«D;;Ss |o incnSS rhKtr« is 
Yfo minSx nra npi ■jSi mvAn npaw mvn* [k ^ wommi npSsi m:S« 
ffpcKiöbi . . . . ("■ fc'"' r.iotr) 'W cmSctr lcasi 'ip *c vc "in löya ^o ^bi 
rmnSx »c DfiTKpp [ia yo minS« y^osn rnaa S«|ö frnS« S«öy«S« rrin 
-p Kiibwin minbx YKpy vi *nS« nanabKi siktSw miaybai "prSs vmi 
jfi- nd: ncc3 ,12:0 lba« ik insc« cn:x kS nSia minn S: iD^p cn:« on*e 
frNBaS« *e "[St nra npi. 

2 ) pino* |k ■Vrn cnDixoai cs:S« coik "d Atd "[Si jnd [« -jw 
nSS« c.iSk nö3 jnwÄK 'o hr«* •j'ra ma» minS« "SySi may pxnoSs 
nawi iS [\s dk 'yn "jap ,iök3 «S dxhSk3 "|Si3 poiifttf |o «oipS« 'yn 
kS fhiirob« rayS« p«p: fo Ap-ioS« j« im Wyn -[Sn *e *bi ♦iwaa 
pino s -jb^ vayto Syc byo pc -iK-inK 1 ?* Syc ja 



- 47 - 

Im Folgenden sollen nun eine Anzahl bemerkenswerter 
Erklärungen aus dem Kommentar, soweit sie nach den uns vor- 
liegenden Quellen bei älteren Autoren nicht diesen entlehnt, son- 
dern Abraham selbst zuzusprechen sind, besonders hervorgehoben 
werden. 

Gen. 21, 14: Wenn Abraham nur Brot und Wasser der 
Ilagar und dem Ismael mitgegeben hat, so folgte er damit dem 
Befehl Saras, die Magd samt ihrem Sohn zu vertreiben, und zu- 
gleich der Weisung Gottes, auf die Stimme seiner Frau zu hören, 
und es geschah nicht aus Geiz; vielmehr ist darin wohl auch 
ein Vertrauen auf Gott zu erblicken, der auch Ismael die diesem 
verheissene Fürsorge nicht entziehen würde, sowie auch Jakob 
von seinen Eltern nach Padan Aram ging, die Hände leer an 
irdischen, aber das Herz voll von sittlich-religiösen Gütern. 
Wenn diese Prüfung auch nicht derjenigen glich, die Abraham bei 
der 'Akeda Isaaks auferlegt war, so galt es doch für den Vater, 
sich von einem ihm teuren Kinde zu trennen, um sich an das 
in Wirklichkeit liebenswerte zu halten. 1 ) 

Gen. 22, 14: Der Sinn des Verses ist, entweder dass 
diesem Ort die besondere göttliche Fürsorge zuteil werden wird, 
wie es auch Salomo nach I Kön. 9, 3, beim Bau des Heiligtums 
verheissen wurde, oder es ist ein Hinweis, dass es einst ein Ort 
des Erscheinens am Fest sein wird, d. h. dass man von dem, 
der dort anwesend ist, sagen wird, dass er vor Gott ist, wie es 
auch die Worte flRT 71 bestätigen; es wird dies durch die Worte 
n«T. 'n "ina dvh nü«^ ")£>« erläutert, womit gesagt ist, dass der zum 
Wallfahrtsfest Kommende vor Gott als demjenigen, der dort vor 



] ) yan Sa wy rua «S:a ^ai «ö *by n«}:np«S« d^Si ,"ui cnS np-i 
«r«i 'tn io«n "itsw Sa ; yn mo« yan im irnj "ipS ao«JDS« njp P J 
irVn ,my) '«02 nmop [ü Snyattv iSr «S wto «:«aw .ry roa «S«an« 
oyjS« p prS« ids di« pc^ npaii pnr uy jö rry apy Jvti s o aaoS« in 
pnrS nrpyS«: p" dS jki «im .tfnto oy:S« ja aSpS« «Sa irmS« 
aisnaS« iokS «S«rna« aianaS« iSiS« p«io s d n H y nan jvd: .tdd 
"p^pnS«. 



— 48 — 

ihm anwesend ist ; gesehen wird. — Ungefähr dasselbe gibt 
Onkelos mit anderen Ausdrücken wieder. 1 ) 

Gen. 26,23: Das Wort ona, als Plural von S V, weist hin 
auf die Vermehrung durch grosse Nachkommenschaft, wie es 
aus Gen. 35 ; 11 hervorgeht, während DltA, mit dik gleichbedeu- 
tend, eine in sich geschlossene, derselben Anschauung huldigende 
Volksgemeinschaft bedeutet; demnach ist D^ W nicht dasselbe 
wie d'ö/kS W, da dies die Fortpflanzung jedes einzelnen durch 
zahlreiche Abkömmlinge bezeichnet, jenes aber die Trennung 
nach verschieden gearteten Volksstämmen, w T ie es der Lauf der 
Entwicklung mit sich bringt, was noch bei letzteren durch den 
Ausdruck vntf verstärkt wird. 

Gen. 27,28: Zur Erklärung des Waw (spySs iki) in jm 
■jS scheint mir folgendes richtig zu sein. Der Vers knüpft an 
etwas an, das Isaak im Sinne hatte; der eigentiche Hauptzweck 
des Segens lag in geistiger Hinsicht, wie es aus den Worten 
Wtt "jaian maya hervorgeht und es Esau selbst mit dem Aus- 
druck "jimm *;:i2n "naya erbeten hat. Es hat also gleichsam 
Isaaks erhabene Seele in dem heiligen Geist, der auf diesem 
ruhte, ein innerlich stilles Gebet zur Seele Jakobs gelangen 
lassen, das dieser, obwohl es wegen seiner Feinheit und Er- 
habenheit unausgesprochen blieb, wohl verstand. Oder es ist 



l ) noW nyi triam yiioS« kto ffra? frwy rb p:^ PHoyo ijwv m 
fhanA« vn ^:x ■»apa -Sn *ci ,d'öm ba cb> *aSi Ty rm n-ab« prca uy 
•n jki 'vn rrr pa n:« bnp^ n*c tätt [ö s :r .ana n^nS« yiia rwn 'bx 
anb nbiyn nur *ay s ,n*rp m ina mvi iös^ irr« nrai ,-]bi laiw nur 
er ,vt p nianb« p; n«Ti 'yn n:y n*o\ 

-) bnpi "ü na~n me apy^b *rp aoa fhnabn s by 9r Tai ^ yeä cru 
■•c Kcnttjyo ciabi ci«i dikS yai c^ettbi ein yoä d"öki ,-pa n\T cia 
*a*> pa^ sb ]bi aonai so anioa DKipi tat s by 9r im iriKi ^ayba 
pibibs [o in«! ba bo: rhna d-i; w s :yo Sa «d<u w *:yDb iinan c^öisb 
♦ayo ":y« "jbi law nJ kdd «aanwiD p*oneNb fhiWH craab w ^yoi 



- 40 - 

so zu verstehen: beiden war es bekannt, dass, gleichsam als 
Vorbedingung des an Jakob erteilten Segens, der Vater für ihn ge- 
betet hat, es möge ihm als seinem Nachkommen zuteil werden 
die im Gesetz begründete und durch dessen Erfüllung geförderte 
Vervollkommnung, die schon Abraham, nach den Worten in 
Gen. 17, 7, zugesichert war. Diesem still in seinem Herzen 
getragenen, im Innern gehegten Segensspruch, den Jakob wohl 
verstand, fügte nun Isaak die mit Worten ausgesprochene Für- 
bitte hinzu, dass ihm Gott Tau usw. gebe. Bekräftigt wird dies 
meiner Ansicht nach, durch die Worte in V. 37: ttnTffl [m 
vraöD, woraus hervorgeht, dass die irdischen, in dem Segen aus- 
drücklich genannten Segnungen eigentlich nur die wirklichen 
sittlichen Güter bezeichnen; um diese hat Isaak gebeten und 
ihnen gemäss sollte dem Sohne die wirkliche Herrschaft über 
seine Brüder zuteil werden. Wenn dies auch erst am Schlüsse 
des Segens sich ausgesprochen findet, so ist dies doch der eigent- 
liche aus ihm und der vorauszusetzenden Vorbedingung zu ent- 
nehmende Sinn, und deswegen hat dies Isaak in seiner Antwort 
an Esau vorausgeschickt, indem er sagte: vrusS vnotP Taa fn. 1 ) 



*) ftaTÄH bi*Ki moin *aj?ü 'hy ?p; na« nVwi »o *b mb* ^bxi 

rasaa ■p^oa "aaran Tiaya in abö nö:i vw -pian jyaS Ssp k&3 ftoKDM 

apjr none apjr Dea s Ss joaa njh t^npn nna npbx ncn^S« pnar cca 

ciSvabsD nbi ^k p)K$ö naiab ik n&w nnpib ücSSk ^d na fror j« 

*#k in py [ta nS Rjn nut in s :vöSk "]^ .fbnaVit fraipo na« Kömay 

cmSsS -jS nrrfc d.vqk na "nyie^K normal "jnp« Skd:S«3 yhnbx nSoa 

*a na lynabs ncca * nöiaSs *ayob« «in s Sy rpy an /proi "pnAi 

S:p s n;y itfn nam tn "]S fn N i in "öab «yi3 apr |&K3 nana nto naaKa 

»b «na irao^H ftwAa nirtäbi jk 5n vnsaD wm [an wyS pnr 

nb pari nnaona nSs um ljna 1 ?« \i frp"»pn An n«T5 nrya n'aiab« 

ftnafoi tSh *e [«3 [Kl nbii ( yn«S Taa ,-nn rA S«p «03 ftypyrb* frurob« 

nncno« nW', fhetebu «nnsanpa pn «n:y crsSS« ttnrvNa ins fbte^M 

■]S vna# Taa jn "ip 'c wyb pnr nx 

4 



— 50 — 

Gen. 28,18: Der Vers ist dahin zu verstehen, dass Jakob 
ausser dem einen Stein, den er zu seinem Haupt gelegt hatte, 
noch andere Steine für die Errichtung der MXö verwendete und, 
dass eben auf diesen, auf dem er geruht, besonders hingewiesen 
wird; gemeint ist also: er errichtete das Denkmal aus diesem 
und anderen Steinen, die zur Vervollständigung dienten .... 
Das Aufstellen der naxa wie das Giessen von Oel auf dieselbe 
ist nun seitdem eine verbreitete gottesdienstliche Handlung ge- 
wesen, die stets geübt wurde und niemals als Gott gegenüber 
verboten galt, bis die Thora sie untersagt hat; möglich, dass 
Jakob der erste war, der damit begann. 1 ) 

Gen. 30, 27 : Sicher ist nach pb ihm ia*n etwas zu er- 
gänzen, worauf auch der Zusammenhang hinweist, wie „wenn 
ich doch Gunst gefunden bei dir, so gehe von mir nicht fort", 
oder „verlass mich nicht" u. dgl. Wenn ich nun an dir so hänge, 
so geschieht es nicht ohne meinen eigenen Nutzen, vielmehr, 
weil mir solcher durch dein Verweilen bei mir erwächst. Laban 
sagt, „ich ahne" usw., indem er an tsnm glaubt ; andererseits 
aber führt er den Segen doch auf Gott zurück. Dies beweist, 
dass er, wenn auch Götzendiener, doch auf der hohen Stufe 
eines Höherstrebenden stand. 2 ) 



1 ) ninS« "|Sn ja fßtfö csp« m« nwye d^ rme nni« geh nbip 
r-s;n frrjf ja riaata cxp« n:s nwa bi naate «m idid % rhx fhnmbK 
nareS« ja k.tSn iNtraS« m vn^s-ia cp *rb» i'inbx ■jbni cipon *»ho 
p» np*n nasan nap T m . . . naxab« DKanb rnjanb« ff-pni «n:a ffmxpabKi 
•6« 'vn rh fhtina TJ ffbiyea brn dSi "iw fhwa ffnayri fhrc rnwi by 
shd naynStfa nicS« vi rry app pa* [» barm rrnnba «nna-in |k. 

2 ) tu ck rmpn 'apata ^d yrta *wa Tai bipb« ^d ,pb nem 
tA "p -aain ftjn ]Si ra tiin airyn w *aya "]bn bs *pypa ;n T.Kira 
•2 rrm ^y wm -: "ipi /i:y -papa fhnto t5 si ? San wb Sa ffTKo 
5t Kim .-[SSjd 7i *jaw y *d 'yn rr6n ffanatoi awi «nrnS« iKpny« 
«ninay ;w: flraapa mr miayb nmaay [h. 









— 51 - 

Gen. 32, 3: „Mir scheint — wenn auch diese Erklärung 
mir von Niemandem überliefert ist — , dass es eine Vision war, 
in der er die Engel sah ; die ihm auch schon in Bet-El er- 
schienen waren, so dass der Ausdruck dmSk n:nö bedeutet: das 
ist dasjenige, was ich vorher schon gesehen habe. Nach der 
Ansicht meines Vaters im More weist dies hin auf die in 
Cap. 32 V. 25 u. fgg. zu erwähnenden Vision bei dem Kampf 
mit dem Engel. Mir aber scheint diese Deutung schwierig, 
besonders, da hier ausdrücklich von mehreren Engeln, dort 
aber von einem einzelnen gesprochen, ferner dort der Ort 
Snud, hier aber irano genannt wird. Der Plural o^na bezieht 
sich auf die ihn begleitenden Scharen seiner Genossen und seines 
Gefolges, die ja auch im Range von Prophetenschülern waren, 
und auf die Schar von Engeln, die er in der Vision geschaut 
hat, denn, sobald er sie in dieser gesehen, waren sie gleichsam 
in der Mitte seines Gefolges, trotzdem seine Gesinnung und sein 
Zustand als Mensch ihn von diesen vollends trennten. 1 ) 

Gen. 35, 18: Der Name Benjamin ist zu erklären als nw p 
„Sohn der Tage", d. h. nach der Erklärung meines Grossvaters 
meinte er damit, dass seine eigene Lebenszeit sich dem Ende 
nähere und ihm nur noch, wenige Tage bleiben. Ich selbst empfinde 
als annehmbar die Deutung, dass den Tagen, d. h. der Zeit, die 



! ) -]Si "}i< *nr: p; nbp:« üb \w 'b n^ "m djti i^k: apr iüjoi 
*?k m "d mm *o orrra "*n |«3 s iS« D-astab« n-m s z w rwn -m 
b'"t "iko oAi DTpn «ö ^d nn-tn *h* in sin w n? dv^k n:na Sspo 

,D*rAn »3iAo ,voj wn p rwüa kö"o «b na bipbs "Sy nor «im nsböb« 
fafinSti o^na «in nddi Sk'jd ^mS« int" yiiö -odi , -]s«n t^s nnni orn 
*» ftin »n on j^k n-y3«m nsaria« fo nya *t^k n-ooy jy o s :na *d 
nm .tSk "niK kö uy r5i6 rrrt s d roh ^k A^iAdSk n:oy ;yi dws: 
cnb piKca nbsm .-tap |«3 [tu ni3Dy BDI *o o.ijks d'okSüSk, Zu 

Maimunis Erklg. vgl. More II, cap. 42. 



- 52 - 

Erziehung Benjamins gleichsam anvertraut ist, da die Mutter 
ihm fehlte. 1 ) 

Bemerkenswert und für die Gründlichkeit Abrahams be- 
zeichnend ist es auch, dass er der in Gen. Kap. 36 darge- 
stellten Genealogie d e r N a c h k o mm en E s aus 
eine eingehende Erläuterung widmet, aus der Folgendes besonders 
hervorgehoben sei: Der Zweck der Aufzählung der Söhne Edoms in 
V. 9 fgg. ist, diejenigen seiner Abkömmlinge kenntlich zu machen, 
die zur Zeit der Gesetzgebung bekannt waren, soweit ihre Ab- 
stammung auf Esau zurückzuführen ist, da doch den Israeliten die 
Weisung erteilt werden sollte, die Edomiter nicht zu verabscheuen. 
Dies wäre der einleuchtendste Nutzen, der sich aus der Aufzählung 
der Söhne Edoms ergibt. 2 ) — Zu V. 32 ist zu bemerken : alle 
diese Könige und ihre Länder sind nur erwähnt, um festzustellen, 
dass sie Fremde in Edom waren, und uns kundzutun, in wie 
geringem Masse die Vorsehung sich Edoms angenommen, indem 
sie von fremden Herrschern vergewaltigt wurden, sodass keiner 
von seinem Vater die Herrschaft erbte, diese vielmehr nach dem 
Tode eines Regenten auf einen Stamm- und Landfremden über- 
ging. Es steht dies ganz im Gegensatz zu der an Israel — 
nach Deut 17, 20 — ergangenen Verheissung von der langen 
Dauer des Herrschergeschlechtes und bestätigt das in Deut. 17, 15 
ausgesprochene Verbot der Einsetzung eines volksfremden Herr- 
schers, wie es auch schon z. T. im More erläutert ist. 3 ) 



l ) ,TV 3pV JK S"? N2K '3K http* DK"nSx pK DW p bfiö \W [3 

npvi« *^w flw dk"k kSk k.-ijö pa s dSt ra-ip ,ry nrno jk •fyi *ü nsp 
rh franöb« csSx rnany [ni rrain ox-kSk [« jo -]bi ^d nxp na« [wkJ. 
2 ) p-nnvoS« cns ♦ja 3d:S pan cm s 3« 'ip ,wy rvnbin nSxi 
aynn sS cijwd na« 1 ? npyb yjtfi n:s S*w n:y yn^nS« dk*k 'c 
1W "ja fbn mw ^d waNne« -i:y tsicSs tok vi «im wnt. 

i tpyntai crnsba "Dil -pbabx '»»Ski nsl ffriw ,dvw3 "|S^i 
*ftn "]iSöS« j«a frna Dvwa frtoy^K n9p möV^i on« p «au oruiaa 
S: Sa -[So [3 -]Sd cn:a d^i ,d,tSv pa^ö^ Dfump Kau D.Tby An 



- 53 — 

Gen. 37, 28: Dafür, dass die Brüder Josephs diesen so 
billig verkauften, obwohl er doch das Doppelte wert war, kann 
man drei Gründe anführen, 1. dass sie gar nicht auf Erlangung 
eines hohen Kaufpreises bedacht waren, da sie ja nicht nach 
Gewinn strebten, sondern nur darnach, sich Josephs zu ent- 
ledigen. 2. Es hat sich wohl durch das Werfen in die Grube 
sein körperlicher Zustand verschlechtert, sodass er vielleicht in- 
folge Hungers u. dgl. dem Tode nahe war, und demnach der Käufer 
bei seiner grösseren Ausgabe betrogen wäre, da der Gekaufte doch 
sterben und er somit sein Geld verlieren könnte. 3. Den Käufern 
dürfte es aus all den zusammentreffenden Umständen wohl nicht ver- 
borgen bleiben, dass es sich um einen Gestohlenen handelt, da 
ein wirklicher Sklave nicht in die Grube geworfen werden und 
auch die ganze Kaufangelegenheit eine andere Form haben würde ; 
gestohlene Dinge aber werden bekanntlich für einen geringen 
Preis verkauft. 1 ) 

Gen. 44,34: Unter mattPö kbh ist zu verstehen, dass von 
den Speisen, die auf den Tisch kamen, den Brüdern zugetragen 
wurde, da Joseph doch getrennt von ihnen ass; es war die Ge- 
pflogenheit der Herrscher, wie der Grossen, dass bei ihren Mahl- 
zeiten von den besten Speisen denen zugetragen wurde, die sie 



rwnp «bi mbi «Si t5k yüi&b naa fbfnaoto« ^pnan nniö nya onao "rta 
nai «in insSöö by d-ö" ■ptf p»b Sn"w -lS.a tpi «o r2 ,mSa p «Si 
pa ksd naa w« yby r\rb Ssin «S /% ;n rrna ja vur ko \y räum 'iai 

Fbufrhx ^0 S'T S "1E «a«. Vgl. auch More Nebuchim III, Cap. 50. 

l ) "infr «a *c •frt T#*k ' in p n "™? P D V» naon s s p^-inSw 
-:«i p/ft« aSa *d pnn*npo Ta cnax «mn« »KnjnoJö w a«3D« 'j ttkS 
.tö"o nnS«n min rw 'nb«i ,nae ffronba Ta ispS« jr gSi n« flo % p^H 
HT\ao py rrn mntPöi rrrai yiab« p ma^b Mpnmo pa xoihi Tab« *c 
pmpbit p pnmwa^K p; *©5 jy dS na« >hm .noin iw «% rtfü* «an 
nan3 nSi rab* *c *ai *a «ppna «ir; (ta iS 1k pnoa na« bwnKbxi 
; % :- pAa s^s nntwi «S ftnoSui ,i^ kö: r>^a nm. 



— 54 — 

besonders auszeichnen wollten, und deren sie sich besonders an- 
nahmen. 1 ) 

Gen. 47, 30: Wenn auch bereits vorher Jakob, in v. 29, 

gebeten hatte, nicht in Aegypten begraben zu werden, so folgt 
daraus noch nicht, dass er im Erbbegräbnis beigesetzt werden 
solle, da man davon nur seinen Wunsch nach der Bestattung 
ausserhalb dieses Landes entnehmen konnte, und deswegen hat 
er seine Bitte durch die Worte cmiapa •omapi vervollständigt. 
Der Ausdruck „ich möchte bei meinen Vätern liegen" wird im 
Hebräischen sehr häufig, wie aus vielen Stellen in der Bibel 
hervorgeht, als Bezeichnung für den Tod gebraucht. Es ist 
darin, meiner Ansicht nach, ein Hinweis auf die Fortdauer der 
Seele nach der Trennung von dem Körper enthalten, und zwar 
ist damit noch eine ganz besondere Hindeutung verbunden, dass 
nämlich seine Seele die Stufe der seelischen Vollkommenheit 
Isaaks und Abrahams erreiche, was sich aus den Worten YQDttn 
omiapa 'omapi yvdk oy ergibt, da doch die Beerdigung erst nach 
dem Eingehen zur ewigen Ruhe — naTtP — erfolgt, und, wenn 
er nun bei seinen Vätern bestattet wird, so muss die Bestattung, 
auf die hier hingewiesen wird, auch wieder bei ihnen — cüy — 
erfolgen. Dies ist eine sehr tiefliegende Andeutung. 2 ) 

Gen. 48,5: Die Worte on *b, deren Sinn nach allen an- 
deren Erklärungen nicht richtig erkannt wurde, bedeuten, dass 

*) dsv^k ja w nc naa iw^i }o pni^ö nNbiBna *:y ,nwa st^i 
[K onra ybzhit jithp mii on:v ttbiym b:w jkd n:«b .iökök |«a ^h 
na ontacnM TKnfeKi nran \mp \hh onneytsK pti Jö cnba« i:y pborr. 

2 ) ab" 16 cnsraa s :iapn k: Sk «Sts y |*o »12b , N ni3K oy Tinnt^i 

^Sia rnif ,öpD TJTö J"lKi |BT iUK ,13V 0?S S '»'iSk *73 Dmiapa MmSpl W 

-nia» oy vnat&n 'lpi ♦vma» |eno [di&Sn pa* 1 f« im a^&öS« DNona 
Kjrci p*hvnwj yiKia niv 'c fiironü maS« jy •wiayba ^0 fft&yriDö frioa 
n"j? roiA ftiiti fhwwt h,tb wm ffpiNDö^« ny3 ddjnSk KpnS ko h-ikp« 
ormapa "mapi -ma« oy "naatn nSipb omaKi pnr Die: ?n»S noei S^n 
-.«pöSn naw^KB BTDKi pmr miapa miapton nawS« nya rmap^w 
nx: fhWH rrtm cpy. nrn k,tSk, 



— 55 — 

Jakob gleichsam eine Entschuldigung seinen Söhnen gegenüber 
eröffnen wollte dafür, dass er Josephs Kinder seinen eigenen 
gleichstellte, und so sagt er: Gott hat mit den Worten "pBü Man 
■prpanm mir die Fortpflanzung verheissen, zugleich aber es mich 
wissen lassen, dass diese in der Nachkommenschaft von Joseph 
besteht, so dass Ephraim und Manasse gleichsam meine eigenen 
Kinder sind. 1 ) 

Gen. 49,5: Die Futura N3n und nnn sind, nach Abrahams 
Ansicht, als Praeterita aufzufassen, d. h., ich wusste nichts 
von ihrer geheimen Verabredung zur Anstiftung des Blutbades, 
und als das, was sie geplant, offenkundig wurde und sie sich 
mit ihrem Gefolge zum Rachezug verbanden, freute sich meine 
Seele nicht. — Es ist nun bekannt, dass die Zorneskraft, wenn 
sie zum Rachenehmen erregt ist, den höchsten Grad der Erbit- 
terung erreicht, nachdem aber die Rache ausgeführt ist, sie sich 
leiten lässt, so dass die Feindseligkeit ruht. Notwendigerweise 
befanden sie sich beim Beginn des Mordens im höchsten Zustand 
des heftigen Zornes, was mit den Worten: : ,in ihrem Zorn töteten 
sie die Menschen ", ausgedrückt ist; nach dem Gemetzel hatte ihr 
Zorn sich schon gelegt, sodass, als sie sich zum Gefangennehmen, 
Plündern und Verwüsten anschickten, sie sich nicht mehr in diesem 
Zorneszustand befanden, sie vielmehr mit einer gewissen Freu- 
digkeit ihre Kühnheit und Tapferkeit bewiesen. Darum ist der 
Ausdruck gewählt: in ihrem Mutwillen vernichteten sie die 
Tiere, d. h. sie waren nicht mehr von diesem Grimm erfüllt, der sich 
vielmehr schon gelegt hatte; deswegen ist die Bezeichnung omna an- 
gewendet, zumal auch Jakob sagen will : sie haben nach ihrer 
eigenen Ansicht angefangen, ohne mich um Erlaubnis zu fragen. 2 ) 



*) im« ros obysc fftmb* nin Myo nö cSy vh dwSk |ö Yroi 

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2 ) KoniK-cK n:y "« nnn «S nnn Ski ntp vb nay wan S« Myai 



— 56 — 

Gen. 49, 24: Dieser Vers ist als ein Gleichnis für Josephs 
Träume zu verstehen, die den Sieg über die Anschläge der Brüder 
bei ihrer Menge davontrugen, so dass er den Angriffen, die sie 
gleichsam mit ihren Pfeilen gegen ihn richteten, entgegentrat, wobei 
die Stärke seines Bogens und seiner Glücksumstände sich gegen 
ihre Kraft behauptete. Die Worte „von der Hand des Mächtigen 
Jakobs" sind eine Erklärung dafür, dass sein Bestand und seine 
Kettung vor den Plänen der Brüder nur der göttlichen Fürsorge 
wegen seines Vaters Jakob zu verdanken seien. Die Worte dpö 
btner 1 p« nyn besagen, dass auch von der Seite Hilfe kam, von 
der die Leitung der Verhältnisse Israels ausgeht, das ist die 
göttliche Vorsehung, die Jakob mit der Wendung ny^n G\ib«ri 
t»ik (48, 15) gepriesen hat. p» bezeichnet entweder in der Be- 
deutung „Stein" seine Kraft und die ihm gegen Laban und Esau, 
wie auch bei der peinlichen Angelegenheit von Sichern gewor- 
dene Unterstützung und Rettung, oder auch es ist, indem das 
Alef nur als prosthetisch anzusehen ist, als gleich p „Sohn" 
aufzufassen, sodass der Sinn ist: der mächtige Beschützer Jakobs 
leitet mit derselben Fürsorge, die er dem Vater hat angedeihen 
lassen, auch Israels Sohn, Joseph. 1 ) 



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— 57 — 

Exod. 3, 15: Wenn hier die zweite Kundgebung Gottes 
betreffs Seines Namens sich durch das Wort ny als Hinzufügung 
kennzeichnet, so soll damit Israel eine Auszeichnung wegen seiner 
hohen Abkunft, eine Befestigung ihrer Hoffnung und eine Mög- 
lichkeit der Glaubensstärkung verliehen werden. Die erste Be- 
zeichnung als im« war ja zu sehr mit dem erhabenen Wesen Gottes 
verknüpft und ist der knappeste Ausdruck, um das darzustellen, was 
unserem Vermögen von der Erfassung des göttlichen Wesens ent- 
spricht. Die zweite Kundgebung betrifft das Verhältnis der Erz- 
väter zu Gott in ihrer Verehrung und dem Glauben an Seine 
Grösse; demnach sagte Gott zu Moses: nachdem du ihnen Meinen 
Namen bekannt gegeben hast, der auf Mein erhabenes Wesen 
hinweist, teile ihnen auch denjenigen mit, der auf die Beziehung 
Meiner Herrschaft zu ihren Vätern hindeutet, die diese erfasst 
haben, und die sie wiederum Mir zu dienen veranlasste, und 
wofür Ich sie in Meiner Gnade entsprechend belohnt habe, in- 
dem Ich Meinen Namen unter den Menschen ausschliesslich durch 
sie bekannt werden Hess. 1 ) 



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p]Dv in *ft« bKiiy p «r« nri. 

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pbyna rraqp SikSk ppynb« j«b cm«pnv« 'paani Käi friphi ptraniKi 

■jtp sab p3«s:aSs Taynb« ;y naiKayb« tiw vi 'nSs na^yaS« ntf^Ka 

mn«S« ffawa ♦jkASk rpynbai •unnppn i«n« jy nKatnniAH rjyn «as xn:a 

s by ba-ibx ^aoKi onS -jrr-iyn ijn s S«vn nS bapc nrvaiai ™pnysi nmiay*? 

KniaTW tS« vmaiA waiai flaw ^>y ^kiSk •»öd*« ünvyp naiyab« vwrt 

j-ansSK pa ppjp »odk nbyj |« *b*Da -[St - s by DnJVMOfi snS;sS WDJfl 

"i;i cbr;b *üv nt ,cn*iD3 ab ona. 



- 58 — 

Exod. 7,5: Zur Bezeichnung der Israeliten als vn«D¥ ist 
zu bemerken, dass alles Geschaffene *cs: „Scharen" genannt wird, 
wie es auch von der Gesamtschöpfung in Gen. 2, 1 canit heisst; 
so wie nun Gott auch von den höheren Wesen die Erhabensten, 
und zwar die Engel, in besondere Beziehung zu Sich gebracht 
hat, ebenso machte Er es mit den irdischen Geschöpfen, aus 
denen Er die Edelsten in ein engeres Verhältnis zu Sich treten 
liess und sie „Meine Scharen" nannte, wenn auch eigentlich 
alles von Ihm Geschaffene „Seine Scharen" sind; denn Gott 
wollte sie durch diese Hervorhebung besonders adeln und aus- 
zeichnen. 1 ) 

Exod. 11,7: Der Ausdruck )wb ab: pn s vb ist zu ver- 
stehen als Uebertragung für das Bellen eines Hundes. Der 
Sinn ist : Israel wird so so sehr geschützt sein vor dieser Plage 
und so unangefochten bleiben können, dass selbst die Hunde, 
die die Häuser bewachen, Ruhe halten werden, da sie keinen 
Vorübergehenden auzubellen haben werden. Weder wird ein 
Mensch noch ein Tier, wie z. B. ein fremder Hund, sich gegen 
sie erregen, da ihnen ja anbefohlen werden würde, in dieser 
Nacht ihre Häuser nicht zu verlassen — nach Ex. 12, 22 — , 
während die Aegypter in ihren Wohnungen in Anspruch ge- 
nommen sein würden. 2 ) 



1 ) bxp «03 ml *k snx "•aonn rorrthoSH yc; |« noSj? np -nwas 
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2 ) Skw |k "]Si <d ^;dSki dkSdSk mn:S hikvtck iwb iS: prr «S 
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cnnSrwa pb;wö pn»ÄKi ,w sS cnw ,lfWSit "Sn ^c nn*a [V jikj. 



— 59 — 

Exod. 14,8: Das Präsenspartizip Cfcrcv bedeutet nicht, wie 
Onkelos übersetzt, „sie waren herausgegangen", sondern: ebenso 
wie sie zuerst hocherhoben davongegangen waren, so blieben 
sie auch jetzt bei dieser stolz erhabenen Gangart, und zwar, wie 
es mein Grossvater begründete, verharrten sie dabei auch, ob- 
wohl der Pharao eilig hinter ihnen her folgte, und setzten ihren 
ruhigsicheren Gang fort. Diese Erklärung ist als gut anzu- 
sehen. 1 ) 

Exod. 15, 20: Dass Mirjam hier gerade nur als Schwester 
Ahrons und nicht auch als die des Moses bezeichnetwird, beruht auf 
einem äusseren und inneren Grund. Der erstere ist, dass Ahron 
vor Moses geboren wurde, die Schwester demnach unter den 
Töchtern Israels mit diesem Bruder in einem besonders engen 
Verhältnis von Kindheit an genannt wurde, und diese ihre Be- 
zeichnung auch später keine Aenderung erfuhr. Der innere 
Grund ist darin zu suchen, dass ihre Stufe als Prophetin mehr 
derjenigen Ahrons als der Moses' sich näherte, was auch aus 
der Erzählung in Num. 12, 2 hervorgeht, wo Mirjam von der 
an sie und Ahron ergangenen göttlichen Anrede spricht, — ein 
Beweis dafür, dass sie hierin gerade diesem Bruder nahestand. 
Wenn unsere Weisen sagen, dass auch sie gleichsam durch einen 
göttlichen Kuss gestorben ist (BabliMoed Katan28a Afg.), so deutet 
dies auch darauf hin, dass sie denselben erhabenen Rang 
ganz, oder wenigstens annähernd, wie Ahron einnahm. Suche dies 
zu verstehen, denn es ist eine wunderbar feine Erklärung 2 ). 



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— 60 — 

Exod. 16, 14: Noch heute können wir es beobachten, 
dass der Tau am Morgen zur Winterszeit herunterfällt und auf 
der Erde zu Eis gerinnt. Manche sagen, dass hierdurch das 
Man vor Berührung mit der Erde und Beschmutzung geschützt 
werden soll. Das Klarste ist, dass es aus den Dünsten entstand, 
aus denen sich der Tau bildet, und sich im Luftraum ver- 
dichtete, wie es beim Hagel und Schnee der Fall ist, durch die 
Allmacht dessen, ..der spricht und auch tut, bestimmt und es 
ausführt". Dass nun daraus Körner werden, ist eine Ausnahme 
von dem natürlichen Gang der Dinge, wie wir es in der Kifäja 
erläutert haben, und es auch andere getan haben. Das Man kam 
also mit dem Tau zusammen herab, aber wegen der Feinheit der 
Körner und der Dichtigkeit der Luft, infolge der dicken Dünste, 
konnte man es beim Herabfallen nicht bemerken, besonders, 
da es am frühen Morgen oder gegen Ende der Nacht geschah, 
wie aus Num. 21,9 hervorgeht 1 ). 

Exod. 18, 9: Aus diesem Vers kann man die Vortrefflichkeit 
Jethros und seine Bevorzugung der Wahrheit um ihrer selbst 
willen erkennen. Denn hätte auch hier, wie in Vers 1, es 
geheissen lay bNit^bi ntrob, so hätte man sagen können, dass 
seine Freude grösstenteils den Erfolgen seines Schwieger- 
sohnes Moses galt; jetzt aber tut das Wort Gottes, der Herz und 
Nieren prüft, uns kund, dass die Freude in erster Keihe Israel, als dem 



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im lHnonb« "B nbm paa kb-d ab ,nbin ^«n *d nannKtr «b flfc^An 
vby pn TV rtW? n;non by bton mim awiab« pr b^bb« i:k. 



— 61 — 

auserwählten Volke galt, über dessen Glück auch dieser Aus- 
erwählte sich freute, weil er auf seiner Stufe stand 1 ). 

Exod. 19,3: Dem einfachen Wortsirm entspricht es, dass 
hier apy m und btrw 1 JTa ein und dasselbe bedeutet und die 
Wiederholung nur zum Zweck grösserer Verdeutlichung gebraucht 
ist. Denn, da die Mitteilung, von der in "lötfr. na gesprochen 
wird, sich auf diejenigen bezieht, die alles dies mitangesehen 
haben, so bedurfte es nicht der .besonderen ErwähnuDg der 
Frauen, da diese doch den Männern folgten 2 ). 

Exod. 19,0: Die eigentliche, etwas geheimnisvolle Be- 
deutung des Ausdruckes D^na nsböö, obwohl doch DTia allein 
genügt hätte, ist nach Ansicht unserer Weisen: ihr werdet 
Mächtige und Herrscher sein, wie Könige. 3 ) Mir jedoch scheint dies 
der Sinn des Verses zu sein: Ihr sollt Könige und Priester der 
Völker der Welt sein; wer eurem Streben nach Vervollkommung 
nacheifern wird, dem sollt ihr Priester sein, wer aber dies nicht 
freiwillig tut, den sollt ihr zu dem Glauben an die Wahrheit 
in Bezug auf Meine Herrschaft und die Verehrung für Mich 
zwingen, und sei es auch mit dem Schwerte; ich meine damit 
das Bekenntnis zur Einheit Gottes und die Uebung der sieben 
noachidischen Gebote, zu der sie durch den an Mosche gegebenen 
Auftrag verpflichtet sind, wie es die Ueberlieferung erläutert. — 
(Vgl. hierzu Babli Sanhedrin 53 b mit Bezug auf Gen. 2, 16.) 
„Ein heiliges Volk". Die Heiligkeit ist im allgemeinen 



! ) rät frii nmiS pnStf man-Ki rw fffrtto rrfn [ö Dno" 1 /n/v im 
"ui nrv yoBn nret^n *d kd: ,-ip öS ti nvy -itp« naien bi by bxp lb 
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n5no s d n3iA c.tSk br «ea SiHoS«* 

2 ) [tra fhir? "jbi riai Sa-w •oa cn ^pv rva jk «ipi iTwdi . . . 

ab nd:Sni na bjc/r noi D/v*n nm \y 'W iö«n na 'B tdäSh jki eddi 

y«ar*K jn:«S jn^nS HtniP. 

3 j Vielleicht meint der Verf. hier die Wune der Mechilta z. St.: 
=:•: «7« ciayö B3»Vj T^ 00 ,m Vgl. auch Raachi z. St, 



wie speziellen Sinn aufzufassen. Im ersteren Fall bedeutet es 
die Verpflichtung zum Gesetz ; wie unsere Weisen zu Levit. 
19, 1 bemerken, dass hier die mi'ü iwnp gemeint ist. *) 
In speziellem Sinn bezieht es sich auf die Heiligkeit 
Ahrons ; wie es aus Anwendung des Wortes auf diesen in 
I Chron. 23, 13 und aus II Kön. 4, 9 hervorgeht. Hier ist 
es nun im allgemeinen Sinn zu nehmen. Die erschöpfende Er- 
klärung ist diese: In jeder Glaubensgemeinschaft gibt es über- 
aus eifrige und enthaltsame Gottesdiener, sogar bei den Götzen- 
dienern, und wie ferner die Mönche bei den Christen, während 
die übrigen Einzelpersonen in diesen Religionsgemeinschaften sich 
den ausgelassensten Ausschweifungen, u. dgl. mehr, hingeben, wie 
es ja bekannt^ ist, wobei der Zustand der es uns gleichzutun 
sich bemühenden Religionen oder der sonst nach uns sich 
Richtenden nicht irreführen darf. Nun sagt Gott: ihr sollt alle 
heilig sein, indem nicht, im Gegensatz zu den Frommen und 
Enthaltsamen, ein Teil sich der Ausartung und Gesetzesüber- 
tretung hingibt, da alle Israeliten zu allen Gesetzen verpflichtet 
sind und in jeder einzelnen Mizwoh ein Moment der Heiligung 
enthalten ist, — wie wir es in der Kifäja, gleich Anderen, es 
erläutert haben. Dieser bedeutsamen Anrede nun ist die Erin- 
nerung an den Auszug aus Aegypten und die Wüstenwanderung, 
wie auch die Ermahnung mit nöKn ,13 vorausgeschickt, worauf 
dann mit den Worten onnn rr^K usw. eine Verstärkung der 
Rede und eine Aufmunterung folgt, zugleich auch als ein Hinweis 
auf das Hervortreten der ihnen durch die Ansprache erwiesenen 
Auszeichnung 2 ). 

l ) Vgl. auch Mechilta des R' Simon ben Jochai, ed. Hofmann, S. 95 
B., zu Deut 14,2. 

2 ) 'by kek tspo D^na ^ win onxi S,t dSi roböö bip "d -©Sni 
*h mb s *hm spbthttD ftom nli wy« «wan nwvüo b"t D^:nS« wi 
nnn jöd urh flow übtiybx 'by ybü *b tcd [s na nxpSn j« .yb 
s v pnS« n«pnv«S mwi mirnto nnry üb jki D"ina rh enaa ddSködd 
[wSü on vib« nra yatyi minbü •jtoa -jy« .pfobto Tnicyi wwi 
Diövn S«pn nwnpb» ,»np s m «bpA* p kd ^y two hSkd-d im 
b*w *a my Sd b* man 'yn S«p .fljnrhö Dsrn^bs in naiayi ,paeJi 



- 63 — 

Exod. 22,30: Die Begründung des Verbotes, vom Zer- 
rissenen zu essen ; mit der Mahnung nach Heiligkeit zu streben, 
ist, nach dem einfachen Wortsinn, so zu erklären: damals assen 
die Menschen sowohl gefallene, als auch zerrissene Tiere, so 
wie wir noch heutzutage es sehen, dass diejenigen, die den 
Genuss gefallener Tiere meiden, dennoch die auf der Jagd zer- 
rissenen d. h. zerschossenen wohl essen. Nun sagt die Thora, 
dass es zur Heiligkeit gehört, sich vom Essen zerrissener Tiere 
fernzuhalten, da sie nicht geschlachtet sind, so wie man es mit dem 
Fleisch des gefallenen hält. Das Verbot wird durch die Worte 
ibib usw. verstärkt, da es eine Speise nur für die verachtetsten 
Tiere ist. 1 ) 

Exod. 23, 16: Es wird deswegen die Weizenerstlingsernte, 
die, wie aus der Parallelstelle Ex. 34, 22 hervorgeht, hier ge- 
meint ist, n"ifc>3 rwyn n&\y -ptyya ni3 s 3 genannt, weil die Mühe 



pn« ntsrnps patisi ,mafa nttmp lr V? V?»pi ,vnn o^mp d.ySk möNi 
.wn wn? dv6k p*k '3 .twrpn &np ranpnb [in« bnri v, m *d by «02 
"]Koa nwir i«3V ffüo S3 *b j« in "[Sn kstidki ♦oiöj? 1 ?« "ayos «an im 
Y*5v* t«d flhpai .jiüitAh nwob« *bi natf?« *b fs^s trtam ny naiv vin 
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Sip^b nyn cmm n^s3 -j^ yanKi naan ,121 wan r\ybn\ onaco 
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— 64 — 

und Fürsorge zumeist dem Weizen gilt, und das andere ihm 
nachsteht oder nur Ersatz für diesen ist. 1 ) 

Kxod. 24,7: Die Lösung der Frage, warum hier das 
„Tun" dem „Hören" vorangestellt ist, ergibt sich zunächst da- 
raus, dass hier das Hören nicht als ein sinnlicher Vorgang auf- 
zufassen ist, vielmehr das Aufnehmen zum Zwecke der Aus- 
übung und des Gehorchens bedeutet, um sich des Gesetzes zu 
befleissigen, und nicht wie bei solchen, die etwas mit mehr oder 
weniger Lästigkeitsgefühl zu tun übernehmen. Es ist auch noch 
eine andere Erklärung möglich, nämlich, dass die Israeliten beim 
Anhören der von Moses mündlich erteilten Gesetze sagten: wir 
wollen hören, d. h. wir wollen unser Ohr leihen, um das, was 
hier geschrieben ist, zu hören, da uns das Anhören ein Ver- 
gnügen bereitet, und wir nach seinem Inhalt Verlangen tragen, 
so als wenn wir es eben wegen des Zweckes desselben tun, in- 
dem wir das, was darin geboten ist, diensteifrig befolgen. So 
scheint mir die Erklärung zu sein; zwar haben alle meine Vor- 
gänger auch etwas darüber geschrieben, indes zeugt die Wahr- 
heit für sich selbst. 2 ) 

Exod. 30, 12: Die Wendung: „das Haupt erheben" ist eine 
Uebertragung für das Denken an jemand, wie es in Gen. 40, 20 
der Fall ist, und auch für das Zählen, wie in Num. 31, 26. 
D^r Grund für die letztgenannte Uebertragungsweise ist, soweit 

*) äiaai ^fsS« p*?K *d f i söd D^n vacp rnaa .13 <3jp yxpn ;m 
Dnnwyi jnAn *o Dwta btttzyt* nfo« \vb -ptrya maa nbipa wn ^i 
nay py\s nb yaan nsio KainapSsa. 

2 ) cipnn Fp zvrü" *nn psS« vköd wn npw^K s :ya d^i ♦ ♦ . 
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rriin "|Si ^ pa s ipi ♦pcSanü y: ix poSana Say «*? nj?n^Sx Irinas 
myco kq i:jn nt*>y: Asp rry nfeeb ?o yntwA» iyoD no uy n:s im ^:x 
Nisin^« aircab« fo niKbnS« n1n yafiiA mjm ^yaS« ,yatr: ibxp awao [o 
KWm «Irinas «rwaiaS pby«D *ok xaa xrwyaS Npifcn «nysaoa 
pnSxi ,m»ö «a yd paipna 1 ™ ja 5a^i sb infr ^ibx irtn .«na "lasSS 
hddA inKtP. 



— 65 — 

ich es verstehe, folgender: Das Zählen der einzelnen Personen 
geschieht in ihrer Gegenwart ; nun aber unterscheiden sich die- 
selben von einander auf Grund ihrer verschiedenen Gesichter, 
und, da man beim Zählen diese, durch die sich die Einzelnen 
von einander abheben, betrachten muss, so ist dies nicht mög- 
lich, wenn die Gesichter zur Erde gebeugt oder verhüllt sind, 
sondern nur, wenn man die Häupter erhebt und man die zu 
Zählenden gut sehen kann. Darum ist auch der Ausdruck Ktrn *3 
gebraucht. 1 ) 

Exod. 34, 7 : Der Ausdruck py wn: usw. für Verzeihen ist 
eine von der Thora gebrauchte menschliche Redeweise in Bezug 
auf Gott. Wenn nämlich an jemand von uns ein Frevel be- 
gangen wird, so ist es, als wenn dieser daran eine Last mit sich 
tragen würde und erst, wenn er den Uebeltäter bestraft und an 
ihm Eache nimmt, beruhigt sich sein Gemüt und legt sich seine 
Aufgeregtheit, gleichsam, als wenn er eine Last, die er getragen, von 
sich werfen würde; deswegen heisst es auch in dem Gebot der Zu- 
rechtweisung des Nächsten Lev. 19,17: du sollst seinetwegen 
keine Sünde tragen, d. h. es soll bei dir kein Vergehen seinerseits 
bleiben, das du etwa noch bei ihm fändest. So ist der Wort- 
sinn. Nun hat die Thora, um das Wesen der Verzeihung für 
die vom Diener vor Gott begangenen Sünden, deretwegen jener 
nicht bestraft wird, unserem Verständnis näher zu bringen, des 
Ausdruckes npu sich bedient, als wäre die Sünde ein Gegen- 
stand, den Er trägt oder die Ihm aufgelegt wird. Der Sinn ist 
eben : Gott trägt die Sünde mit Sich herum, da Er sie verzeiht. 2 ) 



fh*3»iDK7M nin (ftjn •*w «wi n« s^ nybb xr« rhKynoai .^ptPön iir 
pwiba rom DfTOiro nr fKStPKb rmy i:y n:«S naneN kd *b nybS 
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7 ) prSa mm nnn ; «iri33 airtSit n-io;o [y nay ,nK»m ytrei py «an: 

I 



— 66 — 

Zu Exod. 34, 26 erklärt Abraham Maimuni in einer An- 
merkung (rPMn) die Wiederholung einer Anzahl von Geboten in 
diesem Abschnitt aus zweierlei Gründen. Erstens dient es 
zur Verstärkung. Zweitens ist zu bemerken, dass durch 
Anbetung des goldenen Kalbes und die dieser folgende Zer- 
trümmerung der Gesetzestafeln die Israeliten als vom Gesetz 
abgefallen galten; nachdem ihnen aber verziehen und neue 
Gesetzestafeln gegeben worden waren, sind sie gewissermassen 
erneut in das Gesetz eingetreten, und deswegen wurden von 
neuem diese Gebote anbefohlen. 1 ) 



Die im Vorstehenden dargebotenenAuszüge aus AbrahamMai- 
muni8 Kommentar, deren Auswahl nach verschiedenen Gesichtspunk- 
ten erfolgte, hat uns w r ohl zur Genüge, neben der vorher gegebenen 
kurzen Schilderung des Werkes, einen Einblik tun lassen in die 
Auffassung des Autors von seiner leider unvollendet gebliebenen 
Aufgabe. Wenn wir bedenken, dass Abraham Maimuni eigent- 
lich zu den letzten Schriftstellern des Orients gehörte 2 ), die noch 
vom Geist der glanzvollen jüdisch-arabischen Kulturepoche in jenen 
Ländern erfüllt, zugleich aber auch noch als originelle und 
selbständige Autoren anzusprechen sind, so liegt es nicht ferne, 



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■jSla iE«b« t?Jd pnb« s d pnjnoüb«a iyj-i. 

2 ) Es wäre noch höchstens Tanchum ben Josef Jeruschahni (blühte 

1260 — 127UJ zu nennen, der aber nur sehr wenig originell ist. 



— 67 — 

ihn mit demjenigen Exegeten zu vergleichen, der in dem vornehm- 
sten Lande jener Culturbewegung selbst, in Spanien, diese 
Epoche abschliesst und auch den Geist derselben im vollsten Mass 
widerspiegelt, mit Abraham ibn Esra. Aber, abgesehen von dem 
durch die Verschiedenartigkeit der Lebensumstände Beider be- 
dingten gegensätzlichen Charaktäre der Autoren, zeigt sich auch 
in ihrer Auslegung der Bibel eine grundverschiedene Auffassung, 
die zur Beurteilung der Persönlichkeiten einen wesentlichen 
Beitrag liefert. Beide zwar stehen auf dem Boden der Berech- 
tigung der philosophischen Spekulation für die Erklärung der 
heiligen Schrift, beide nehmen selbständige Stellung zu der 
Agada. Indes sind Abraham Maimunis Deutungen da, wo er 
eine abweichende Meinung ausspricht, stets in einer offenen 
Sprache gehalten, im Gegensatz zu den versteckten Anspielungen 
Ibn Esras, der sich gern in den Mantel der geheimnisvollen 
Frömmigkeit hüllt. Wenn Abraham Maimuni seinerseits auch 
von sogenannten niTD spricht, so folgt er darin seinem Vater, der 
manches Missverständnis Unberufener fürchtet, und, wenn der 
Sohn in seiner Glaubenstreue dabei das Abirren von nicht ganz ge- 
festigten Charakteren fürchtet, so ist andrerseits sein Freimut, 
mit dem er rezipierten agadischen und halachischen Auslegungen 
entgegentritt, der Ausfluss einer selbstsicheren Glaubensstärke 
und Gesetzestreue, die keine Anfechtungen und Verdächtigungen 
zu fürchten hat. 

Auch in Bezug auf die philosophische Deutung zeigt sich ein 
bedeutender Unterschied zwischen Abraham Maimuni und Abraham 
ibn Esra, dessen speculative Erörterungen oft ins Unendliche 
sich verlieren und das schlichte Bibelwort fast ganz erdrücken, 
während ersterer in den Rahmen der philosophischen Erklärung 
zugleich auch die sinngemässe einzuspannen vermag. Man 
vergleiche z. B. die Ausführungen beider Exegeten zu Exod. 3, 15 
betreffs der verschiedenen Bezeichnungen des göttlichen Befreiers. 
Gegenüber den manchmal sehr gekünstelten Versuchen Ibn Esras, 
einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Versen, resp. Ge- 
boten, herauszufinden, berühren uns die einfachen Angaben über 
diese Anfügungen bei Abraham Maimuni durchaus sympathisch, 
wozu beispielsweise die Gegenüberstellung der Deutungen beider Er- 
klärer zu Ex. 22,20 ein Lehrreiches Bild bietet. Einen beson- 



— 68 — 

deren Reiz verleihen unserem Kommentar die mannigfachen einge- 
streuten ethischen Lehren, aus denen der warme Herzenston dieses 
gleich Ihn Esra, auf der Höhe der Bildung seiner Zeit stehenden 
..Chassid" herausklingt. Fassen wir dies alles zusammen, so 
können wir dem Pentateuchcommentar Abraham Maimunis, freilich 
im richtigen Sinn verstanden, gleichsam das Motto „treu und 
frei" voranstellen. 

Es muss darum als bedauerlich angesehen werden, dass 
diese Schrift uns bisher noch verschlossen blieb; um so mehr 
glaubte ich dem Andenken des nicht genug gewürdigten Mannes, 
wie der Geschichte der Bibelforschung, durch diese Darstellung 
einen kleinen Dienst leisten zu können, unbeschadet der seit 
längerer Zeit vorbereiteten Edition des gesamten Kommentars 1 ), 
mit einer Inhaltsangabe und den nötigen vollständigen Nach- 
weisungen, die, mit Gottes Hilfe, zu vollenden mir wohl in Kürze 
beschieden sein wird. 



*) Ich ergreife hier j^crn die Gelegenheit, der Gesellschaft zur 
Förderung der Wissenschaft des Judentums für die mir schon bisher 
hierzu bewiesene Beihilfe meinen verbindlichen Dank auszusprechen. 



Nachträge. 

Zu Seite 1. Wie mir Herr Prof. M arx - New - York 
gütigst berichtet, wird von Abraham Maimuni einmal in einer 
späteren h'alachischen Compilation von niDlö 'n aus Yemen 
stammend — wo ja bekanntlich sich viel Anhänglichkeit an Mai- 
muni, wie auch an seinen Sohn erhalten — folgendes citiert : 
d™ aprn dkp rrz irzv b"t Dm p d,tok *m svrb t nr: *n*ttoi 
poon rcDDtf nrm rwri mipm nc^c rraw -on nSrntr jus nnniD rrnrn 
naoDsi rop*a o«^ rann jd .man 11 p« .mma '» 'n naon nrvm |or6 
»n i3"iS nr*m mroo kw rnmtn -irvn oipoa fonb. 

Zu Seite 9 Anm. 1 : Die Angabe, dass der dort genannte 
Commentar Hibat-Allah angehört, ist durch eine miss ver- 
ständliche Auftassimg Harkavys a. a. 0. entstanden. Es kann 
sich nur um das Werk eines gewissen Nathanael handeln. 

Zu S. 11. Wie mir Herr Prof. Marx freundlichst mit- 
teilt, führt die Kifäja in einem handschriftl. Commentar zum 
Tur Orach Chajim (Catalog Schwager-Fr änkel 39, Nr. 14ß) fol. 
87 a, wo auch die im Kobez I, S. 52 d citierte Stelle vorkommt, 
den Titel : bv ua d.tdn rn vonn mrA d n 3 1 y n * 1 m n : n 3 
b") D"30"in. 

Ibid. Anm. 2. Der Anfang meiner Veröffentlichung aus 
der Kifäja in der Festschrift für Israel Lewy ist, — worauf 
mich Herr Prof. Marx aufmerksam macht, — bereits in ntpyö 
c*r; 8. VIII, mit hebräischer Uebersetzung, mitgeteilt. 

Zu S. 19—20. In der viertletzten Zeile der Aumerkung 
1 zu S. 19—20 muss es S. 20, statt piaS« heissen: poiD^K 
„von Myrthen", laut freundl. Mitteilung des Herrn Prof. Cowley- 
Oxford. Der Sinn der Stelle ist: aber Myrtenkränze bringt 
man auf den Gesetzesrollen an, obwohl dies durchaus die Nach- 
ahmung eines Gebrauches der Christen ist, da diese auch ihre 
Evangelien mit Kränzen schmücken, und sich mit Oelzweigen 



— 70 — 

freuen, oder sich damit an ihren Festen segnen lassen. — Vgl. 
übrigens hierzu auch die Mitteilung im Namen Elia Wilnas, 
betreffs der Ausschmückung der Synagogen am Wochenfest, bei 
Abraham Danzig ; chaje Adam 131, 13. 

Zu S. 39. Von den zustimmenden Aeusserungen Abrahams 
zu den agadischen Deutungen sind noch zu erwähnen seine Be- 
merkungen zu Gen. 39, 10, wo er die Erklärung der scheinbaren 
Tautologie von nSir« 33tfb und nov nvnS in Babli Sota 3 b und 
Bereschit Eabba Cap. s 7 einen schönen D'rasch nennt, und ferner 
die gleiche Bezeichnung für die Beziehung der Worte Gen. 46, 4 
rby c; "S*;k auf die Befreiung von Jakobs Nachkommen aus. der 

e^yptischen Knechtschaft. Letztere Stelle lautet: *c [K3 Sipbw 
fonnoö m onxo "rny^ö *p? nSwb fhKp« nby cj "fiy*. Die Quelle 
dieses Titates ist mir allerdings unbekannt. Eine kleine Andeutung 
fand ich nur imMidrasch Ilagadolz. St. ed. Schechter, Sp. 676: "th 
'131 L"±Z2 raa VOflW xüv Dpr incr:t£>; vgl. auch ebendort, ed. 
Schechter, Sp. 713. 

Zu S. -10. Ein recht prägnantes Beispiel für seine Ab- 
lehnung mancher agadischer Deutungen bieten Abrahams Aus- 
führungen zu Exod. 2 ; 3. Nachdem er die Worte *on DIB ": auf 
das Ebenmass von Moses' Gliederbau bezogen hat, bemerkt er, 
dass die Berichte der Agada — Babli Sabbat 92 a und Parallel- 
stellen — , die dem Knaben eine Grösse von in Ellen beilegen 
und damit Moses* Leistung beim Ausbreiten des Zeltes der 
Stiftshütte in Verbindung bringen, als Uebertreibung zu bezeichnen 

sind : "S« nhw N c «ist^ }H3 rry nJ« [o b s p sab nr trtn ^ip "jk jfcn «Si 

-n;n um 1 :« 'D -jSi 'rp mauti ^Kirys 1 ?« ;y Srtii fhiro "|Si ]k jrvta rt 

S/WH rs PIDI my* -nn ^«ncKi. In demselben Sinn nennt er die 

Bemerkung der Weisen, dass die in Exod. 14, 11 gegen Moses 
gerichteten Vorwürfe von Datam und Abiram ausgingen, eine 
bloss willkürliche Annahme, dh' nur auf das Princip zurück- 
zuführen sei, den Schlechten alles mögliche Schlechte zuzu- 
schreiben: im ein "]S*i pb*KpSK wg DT3K} jm |« b"t caanb« Sipi 

nSn D^*na mSnS bi: s rtfNW bz rb'KpSs ftoipö^H *by. Gemeint ist 
die Mitteilung in Sch'mot Kabba cap. I: ?]1D D* by nantP cm. 



— 71 — 

Zu S. 42. So führt er zu Gen. 36, 15 folgendes aus: 
Wenn hier bei den Fürsten ; Allufim, ?3p dem onp vorangestellt 
ist, obwohl, nach V. 11, der Letztgenannte der ältere war, so 
ist dies, in Gemässheit der rabbinischen Deutung von Deut. 32,47, 
nicht als etwas Leeres zu betrachten; vielmehr muss bedacht 
werden, dass die Genannten ja nicht von Geburt an Allufim 
waren, so wie es auch heutzutage bei den Franken ist, die ja auch 
von Esau abstammen, und wo besondere Bestimmungen für die- 
jenigen gelten, welche Ritter genannt werden sollen, wenn sie 
auch zum Heeresgefolge gehören. So ist wohl auch *:p, obwohl 

der jüngere, eher Alluf geworden, als der ältere DHV3: *D Dipl 
hf\ü vp' dSi »p 'bv cjv;j ikSikSk i:i *ci nny; ^ »p c^diSxSk 

ffxp rntp ^o ^ ro* 1 ^bäi . ♦ * 'w pi 131 kS '3 pzm pp naaba *o sin 
*by cciSkSk i:i -ei DmtAin fem ^y cn"i3*i ikSikSk 13*1 <b onyjn wp 
■•Sk är-öba i:y «aa ?|iS« paD* 1 i:«d omsbi Sik |a irb nJKi anaipn fem 
[iD'c DnnnSir5 |a pn d-iko »ewr jab bvw i£>y »» ja cnbst« nba [kSk 

püö 1338 w ^6« cnyj ,t5k Snp pS« tä ruw ya *pbK \aoi mpn ttp* 

Zu S. 41—42. Von grammatischen Bemerkungen Abrahams 
sind noch zu nennen: In Gen. 31,1 bedeutet, nach hebr. Sprach- 
gebrauch Sa das Meiste, 'by bp liypr p"j»i3yb« [kb tAdkSk pw 
in^b«. — In Gen. 37, 4 bezieht sich "j-qt nicht auf das Reden 
der Brüder mit Joseph, da 121 niemals mit dem Suffix als 
Accusativobjekt verbunden werden kann, es vielmehr heissen 
müsste : ib 131 oder rba in. Es ist hingegen das Wort aufzufassen 
als: sein, d. h. Josephs, Reden, und der Sinn ist: sie konnten 
nicht einmal seinen Friedensgruss ertragen, und beantworteten 
denselben gar nicht ; so weit waren sie in ihrer Gesinnung von 
ihm entfernt. Es entspricht dies den Worten im Rs. 120, 8 

cib# s :k usw. ibr «bi H3 TT irbi vpv "n« s by yjaia D^b fiyi [« oby« 

irrnzn S«p* ab ,|kd:«S nyrp ab w |«S rro 1 ^ jn "oy« aibtrb nm vnx 

«S nvoono rpvb ba nirsbb y:*n iiai d^d,v^ki ib vvpi Sa ^mn «bi 

mcii n: , :«r kS arrby aber «a ba ba a-barbtc n&Hto Tin nb ibanrv 
nanbab nan -21« »31 oib&> ^;k rry in bap aaa n:y o.ididj. 



79 

In Exod. 2, 1 bezeichnet tt^K nach hebr. Sprachgebrauch, 
einen angesehenen Mann in bedeutungsvoller Stellung wie in 
der Mischna Joma I ; 7 hm ;n: *W% Aboth IV, 8 xmrro t^s 1 ). 



*) Inwiefern in der letztgenannten Stelle v*h diese Bedeutung haben 
soll, ist mir nicht klar. 



D ruck fehler Verzeichnis . 



S. 3, Z. 18 statt „geleisteten" lies „geleiteten". 

S. 8, Z. 13 statt „seine" lies „seinen". 

S. 13, Z. 18 lies R David ibn Abi Simra. 

S. 17, Z. 16 statt „hätten" lies „hätte". 

S. 20, Z. 16. Hinter „ausgesprochene" ist einzufügen „Art von". 

S. 22, Anm. 1 Z. 2 statt DflKl lies D"inNl. 
S. 24, Anm. 1 Z. 6 statt mm lies irtffl. 
ib. Z. 10 statt »bn lies kSi. 

S. 36, Anm. 3 Z. 1 statt CHE« nes DACH. 
Z. 44, Anm. 1 Z. 1 statt ,-pKfcW lies rhKfc»tf. 
ibid. Anm. 2 Z. 2 statt „Auslegung der Geschichte" lies „Geschichte der 
Auslegung". 



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BM Eppenstein, Simon 

755 Abraham Maimuni 

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