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Full text of "Über Ruptur der Gebärmutter und ihre Mechanik : nach klinischen Beobachtungen"

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ÜBER 



RUPTUR DER GEBÄRMUTTER 



IHRE MECHANIK. 



NACH KLINISCHEN BEOBACHTUNGEN 



D R LUDWIG BANDL, 

- i i . . . 

OPERATEUR, ASSISTENT AN DER KLINIK DES PROF. CARL BRAUN RITTER VON FERNWALD 

IN WIEN. 



MIT VIER LITHOGRAPHIRTEN TAFELN. 



WIEN, 1875. 

VERLAG VON KARL CZERMAK, 

BUCHHANDLUNG FÜR MEDICIN UND NATURWISSENSCHAFTEN. 
I. SCHOTTENGASSE 6. 




A 



Autor und Verleger behalten sich das Recht der Uebersetzung 
in fremde Sprachen vor. 



Druck von W. Stein, I. Wildpretmarkt 



Seinem 



hochverehrten Lehrer 



Herrn 



Ü B - CARL RUDOLF BRAUN RITTER VON FERNWÄLD : 

Ko K. O. Ö. PROFESSOR DER GEBURTSHILFE UND GYNAEKOLOGIE 

AN DER UNIVERSITÄT WIEN ETC. 



eewidmet 



Verfasser. 



Digitized by the Internet Archive 

in 2011 with funding from 

Open Knowledge Commons and Harvard Medical School 



http://www.archive.org/details/berrupturdergeOOband 



EINLEITUNG. 



.Bis Vesalius um die Mitte des IG. Jahrhunderts seine 
Hand wieder an die menschliche Leiche zu legen wagte und durch 
seine ausgezeichneten anatomischen Darstellungen der Anatomie 
eine neue Richtung gab, war die Geburtshilfe in mystisches Dunkel 
gehüllt. Diese Darstellungen gaben den verschiedenen Zweigen 
der Medicin eine sichere Grundlage. — Vesalius gab eine vor- 
treffliche Zeichnung und Beschreibung des weiblichen Beckens 
und charakterisirte die Unterschiede zwischen dem weiblichen 
und männlichen 1 ); damit fiel die alte Ansicht, dass jedes weib- 
liche Becken für die Geburt des Kindes zu enge sei und bei der 
Geburt in seinen Synckondrosen sich lockere, sich erschliesse. 
— Arantius 2 ), ein Schüler des Vesalius, machte bald darnach 
die Entdeckung des in seinen Knochen verbildeten Beckens. 
Durch ein Jahrhundert widerstritten sich die Ansichten und 
Mauriceau erkennt, nach den Angaben Michaelis 3 ), das enge 
Becken nur in wenigen extremen Fällen. — In diese Zeit fällt 
die Erkenntniss der Zerreissung des Uterus. Mauriceau 4 ) ver- 
suchte am 9. August 1670 vergeblich eine 38jährige Erstge- 
bärende , die schon 8 Tage kreisste, zu entbinden ; er überliess 
die Frau ihrem Schicksale und erklärte, dass da menschliche 
Hilfe unmöglich sei. — Es befand sich damals gerade Hugh 
Chamberlen, der Erfinder der Kopfzange, in Paris und dieser 



x ) A. Vesalius huni. corp. fabrica, LI. 
2 ) J. C. Arantii anatomicae observat. Cap. XXXIX, 1572. 
s ) Michaelis, das enge Becken , herausg. von Litzmann , Leipzig 
1865, pag. 10. 

4 ) Mauriceau, obs. XXVI. 

1 



versprach, im Vertrauen auf seine Zange, die Frau in kurzer Zeit 
zu entbinden ; er mühte sich aber vergebens durch drei Stunden 
ab, die Frau starb unentbunden nach 24 Stunden. — Mauriceau 
machte dann den Kaiserschnitt und fand, dass die Gebärmutter, 
angeblich durch Cham b erlen's Versuche, ganz zerrissen war. 
Nach den Angaben von V e 1 p e a u soll aber Jaques G u i 1 1 e m e a u 
(f 1609) schon viel früher als der erste die Zerreissung des 
Uterus erkannt haben. Deventer und De la Motte bauten 
die Lehre vom engen Becken weiter und wir finden überall in 
ihren Schriften Angaben über die Zerreissung der Gebärmutter, 
deren Ursache fast alle Schriftsteller a ) dieser Zeit den ausser- 
ordentlichen Bewegungen des Kindes zuschrieben. Diese Ansicht 
erhielt sich lange Zeit und wir begegnen ihr auch noch später 
in den Levret'schen 2 ) Schriften. Er sagt, auf wiederholte Be- 
wegungen des Kindes erfolge endlich der nachdrücklichste und 
gewaltsamste Stoss, der seinen Tod und die Zerreissung der Ge- 
bärmutter ankündiget. Obwohl diese Ansicht schon viele Gegner 
hatte, finde ich sie noch bei G. W. Stein d. J. 3 ), der im J. 1805 
noch von fürchterlichen Convulsionen des Kindes und eines von 
daher zu besorgenden Sprunges der Gebärmutter spricht. 

Levret und besonders Sme 11 ie 4 ), dessen Zeitgenosse, be- 
festigten durch ihre Werke die Lehre vom engen Becken; letz- 
terer bestimmte zuerst die Enge aus Messung der Conj. Diag. 
und beschrieb die Zerreissung der Gebärmutter zuerst als Folge 
des engen Beckens und seit dieser Zeit fand diese Ansicht immer 
ihre Anhänger und ich glaube nicht Unrecht zu thun, wenn ich 
besonders J. C. Baudelocque 5 ), den bedeutendsten Schriftsteller 



! ) De la Motte, Traite des accouch. 1765, pag. 596. Crantz, 
Commentarius de rupto in partus doloribus foetn utero, 1756. — La Motte 
scheint mir doch nicht ganz der Ansicht gewesen zu sein, denn er spricht 
sich in Observation 312 und 313, Paris 1722, nicht so aus und sagt in 313, 
dass das Kind todt war, als die Frau gebärend wurde. 

2 ) Levret, l'art des accouch. 1761, §. 106. 

3 ) G. W. Stein, Gebh. VII. Aufl. 1805, §. 467. 

*) Smellie. 4. Collect, of cas. London 1754, p. 767, Collect. XXI, 
Nr. 1, Cap. IV.; 4. Collect, of praetern. cas. London 1764, pag. 435. 
Coli. XL, Nr. C. 8. 

5 ) Baudelocque, ich citire nach der von Meckel, Leipzig 1794, 
übersetzten II. Ausgabe, pag. 471 — 73. 



— 3 — 

dieser Zeit, der sich ausführlich über die Zerreissung der Gebär- 
mutter während der Geburt in seinem Werke „L'art des accouche- 
ments" ausspricht, anführe. Seine Ansichten über die Ursachen 
der Zerreissung sind wahrheitsgemässer, als wir sie in manchem 
Lehrbuche der späteren Zeit finden. Er sieht schon gänzlich ab 
von den Bewegungen des Kindes als Ursache der Zerreissung 
der Gebärmutter und sagt, meist sei das Kind leidend, indem 
die Gebärmutter zerreisst; es wirke nicht anders, als ein anderer 
fester Körper, über den sich die Gebärmutter zusammenzöge. — 
Allemal geschehe die Zerreissung der Gebärmutter, wenn die 
Wehe am stärksten ist; und weiter, eine vollkommen gesunde 
Gebärmutter könne ebensogut als jene zerreissen, die mit einer 
Krankheit befallen sei. so ihr Gewebe geschwächt hat. — Er be- 
merkt ganz richtig, dass bei langer Geburtsarbeit, oder wenn 
sich der Geburt grosse Schwierigkeiten entgegensetzen , das Ge- 
webe der Gebärmutter nothwendig an irgend einer Stelle ge- 
schwächt wird und vorzüglich an solchen Stellen, wo der Kopf 
des Kindes gegen den Rand des Beckens andrückt; früh oder 
spät zerreissen diese Stellen. In keinem Falle könne die Zer- 
reissung, wovon die Rede ist, entstehen, wenn sie nicht auf solche 
Weise vorbereitet wird; er führt unter den Veranlassungen zu 
diesen Schwächungen des Gewebes die üble Bildung des Beckens 
und die üble Stellung des ganzen Kindes oder des Kopfes des- 
selben ganz besonders an. — Er unterscheidet ganz gut zwischen 
Zerreissungen und allmäligen Durchreibungen des Uterusgewebes 1 ); 
er weiss auch, dass das Kind nach entstandenem Risse nicht 
immer aus dem Uterus in die Bauchhöhle tritt; er kennt schon 
die partiellen Rupturen und unterscheidet zwischen spontan ent- 
standenen und durch unmethodische Hand- oder Instrumental- 
arbeit verursachten. Sein Process mit Sacombe gab Veran- 
lassung zu San der 's bekannter Schrift über Zerreissung der 
Gebärmutter. — In die Zeit Baudelocqne's fiel die Darstellung 
des schönen idealen, männlichen Sceletes durch den Leidner 
Anatomen Albinns und die Tabula sceleti feminini von Samuel 
Thomas v. Sommer ring und gewiss wurden die Anschauungen 
über das enge Becken dadurch geläutert und die Erkenntniss 



x ) iclem, pag. 474. 



_ 4 — 

des Einflusses geringer Beckenverengungen auf das Zustande- 
kommen der Uteruszerreissung leichter. Nach Baudelocque 
im 19. Jahrhundert übernimmt Deutschland die Führung in der 
Geburtshilfe und sind es besonders B. F. Oslander und sein 
grösster Gegner, der mehr conservative Lukas Joh. Boer, 
der Gründer der Wiener geburtshilflichen Schule, in deren Werken 
wir ausgezeichnete Angaben über die Zerreissung der Gebär- 
mutter finden. 

Es scheinen mir diese Angaben so werthvoll, dass ich es 
durchaus nicht für unnöthig finde, sie theilweise wieder zu geben. 
Man sieht es aus jeder Zeile, dass man es mit keiner Speculation 
oder Dichtung zu thun habe, aus jeder Zeile spricht die Wahr- 
heit, geschöpft aus eigener, persönlicher Anschauung oder Erleb- 
nissen am Geburtsbette. — Diese Angaben sind heute grössten- 
theils noch wahr, und es fehlt ihnen eigentlich nichts, als die 
richtige anatomische Nomenclatur. 

B. F. Oslander 1 ), der wohl in seinem Leben am meisten 
von allen Geburtshelfern operirt haben dürfte 2 ), weiss uns ganz 
genaue Aufschlüsse über die Zerreissung der Gebärmutter zu 
geben. Er spricht von Kuptura uteri spontanea und ist der 
Ueberzeugung, dass viele als Gebärmutterrisse beschriebene Fälle 
Vaginalrisse waren und verwechselt offenbar die Vagina mit dem 
Cervix. Er beschreibt ausführlich einen Fall 3 ) , den er im 
Jahre 1819 beobachtete. 

Bei einer rachitischen Frau und Kopflage des Kindes war 
nach kurzer Geburtsarbeit die Ruptur spontan entstanden. Bei 
der Section fand er weder fundus noch corpus uteri verletzt, 
sondern nur die hintere Scheidenwand war vom Uterus abgelöst. 
Er erklärt sich das Ereigniss auf folgende Art: Der Leib der 
kleinen krüppelhaften Frau hing stark nach vorne über und der 
Kopf des ungewöhnlich grossen Kindes war durch die Wehen 



*) B. F. Osiander, Handbuch der Entbindungskunst, bearbeitet von 
I. F. Oslander, Tübingen, 1825. §. 31. 

2 ) In von S i e b o 1 d ' s Geschichte der Geburtshilfe, Bd. II, pag. 604, lesen 
wir, dass er unter 2540 Geburtsfällen 1016mal die Zange, 7mal den Hebel ange- 
wendet, lllmal die Wendung, 21mal die Extraction und [4mal den Kaiser- 
schnitt gemacht habe. 

3 ) idem, pag. 60, Anmerkung. 



— 5 — 

gewaltsam gegen die Hinterwand der Vagina und den Hals des 
Uterus, welche durch den überhängenden Leib stark ausgedehnt 
und gespannt waren, angepresst und hatte diese Theile zersprengt. 
Er gibt unter den Symptomen, die dabei auftreten, an, dass der 
Bauch eine andere Gestalt annimmt. Bei der Angabe der Ursachen 1 ) 
bezweifelt er, dass die Bewegungen des Kindes Ursache zur 
Ruptur geben und sagt, gewaltsame Contractionen bei engem 
Becken brachten den Uterus zum Platzen, und die Ruptur erfolge 
meistens im Momente einer starken Wehe ; erfolge aber die Zer- 
reissung gleich im Beginne der Geburt, so könne man ein topi- 
sches Leiden an einer Stelle des Uterus vermuthen. Er widmet 
dem Zerreissen oder Sprengen des Uterus oder der Vagina bei 
der Entbindung durch die Hand oder ein Instrument des Geburts- 
helfers einen eigenen Paragraph 2 ) und sagt, unter allen geburts- 
hilflichen Operationen setze aber eine schwere Wendung bei 
grossem Kinde und verengtem Becken den Uterus am meisten 
der Gefahr aus, gesprengt oder von der Vagina abgerissen zu 
werden, namentlich beim Zurückschieben des Kopfes oder eines 
anderen Theiles, um mit der Hand zu den Füssen zu dringen, 
zumal wenn die Wasser schon lange abgeflossen, der Uterus sich 
krampfhaft um das Kind zusammengezogen oder seine Textur 
durch entzündliche Affection gelitten hat. Besonders entstehe 
auch grosse Gefahr im Augenblicke des Umdrehens des Kindes, 
was in der Regel nur durch gewaltsames Anziehen der Füsse zu 
bewerkstelligen sei und wobei der Kopf sich oft an der entgegen- 
gesetzten Wand des Uterus stemmt, sie anspannt und so hoch 
wölbt, dass man den Hügel deutlich aussen am Leibe sehen 
kann. Diese Angaben stimmen mit den Verhältnissen bei Wen- 
dungen nach langer Geburtsdauer auf das Genaueste überein 
und es ist vollkommen wahr, dass die grösste Gefahr für den 
Uterus nicht beim Hinaufgehen mit der Hand oder Ergreifen 
des Fusses, sondern bei der Umdrehung der Frucht durch den 
ausweichenden Kopf entsteht. 

B o e r 3 ) ist wie Oslander und Baudelocque der An- 
sicht, dass die Ruptur meist im Cervix sei und hat auch das 

*) idem, §. 33. 

2 ) §• 35. 

3 ) Boer, 7 Bücher über natürliche Geburtsh. 1834, Wien, pag. 51. 



— 6 — 

enge Becken als Ursache im Verdacht. Er schreibt in seiner 
natürlichen Geburtshilfe vom Jahre 1834 von Zerreissungen der 
Vagina mit Austreten des Kindes in den Unterleib und ver- 
wechselt hier offenbar auch die Vagina mit dem Cervix, denn er 
wusste ganz gut die richtige Stelle der Zerreissung. Er theilt 
mit, dass wir die älteste Beobachtung darüber von Stalpart 
van der Wiel haben, er sagt aber gleichsam rügend, dass sie 
mit Gebärmutterberstung überschrieben sei. Er erzählt einen 
Fall, der sich den 13. Jänner 1790 an der Schule ereignete. Es 
seien in der Nacht vom 11. auf den 12. Jänner Wehen einge- 
treten, das Kind sei in Kopilage und das Becken enge gewesen, 
Abends sei die Ruptur und sechs Stunden darnach der Tod er- 
folgt; bei der Section habe man einen drei Zoll langen Querriss 
gefunden und die Gebärmutter sei zusammengezogen gewesen, 
wie zehn bis zwölf Stunden nach der Entbindung. 

Er erzählt zwei weitere Fälle von Bon et und Mr. Will. 
Golds on 1 ). Auch bedauert er, nicht immer aufmerksam auf 
den wahren Zustand des Beckens gewesen zu sein. Alle die 
Frauen, von welchen in den angeführten Beobachtungen die Rede 
war, hatten vorher schwere und langsame Niederkunft ; es scheint 
ihm, dass das Becken bei allen fehlerhaft gewesen sei und 
Bon et selbst gibt eigens diess als die Ursache in einem Falle an. 
In der Auflage von 1817 2 ) erzählt er ausführlich den Stalpart 1 -, 
B o n e t'- und G o 1 d s o n'schen Fall als Scheidenzerreissungen, wo 
es sich bei allen nur um Cervixzerreissungen gehandelt hat. In 
dem Stalpart'schen Falle, heisst es, fand man die Zerreissung 
rückwärts und unterhalb des Muttermundes , wo das Bauchfell 
sich umschlägt; in dem Goldson'schen Falle war die Mutter- 
scheide dünn und oberhalb, wo sie sich an der Gebärmutter be- 
festiget, zerrissen. — Der Riss ging fast ganz um die vordere 
halbe Circumferenz der Gebärmutter, doch etwas mehr gegen 
die linke Seite. Die Urinblase war zerrissen. Er war wie Bau- 
delocque der Ansicht, die Zerreissung geschehe während einer 
heftigen Wehe, doch könne man keine gewissen Zeichen angeben, 
nach denen man den Unfall vorhersehen kann. — Er gibt als 



J ) idera, 56. 

2 ) Boer natürliche Geburtsh. 1817, pag. 28 — 30. 



— 7 — 

häufigsten Sitz der Ruptur die Scheide an , und als eine der 
häufigsten Ursachen das enge Becken. 

Nicht unerwähnt kann ich A. Elias v. Siebold 1 ) lassen, 
weil er sich über die unvollständige Ruptur, die schon Baudelocque 
erwähnt hat, ganz klar und wahrheitsgemäss äussert; eine seltene 
und merkwürdige Zerreissung der Gebärmutter sei diejenige, wo 
das Bauchfell und das Zellgewebe , welches diese Eingeweide 
umkleidet , nicht zugleich mit zerrissen wird , sondern gleichsam 
zum Sacke dient, in welchem das Blut theils sich sammelt, theils 
ekchymosenartig anhäuft. 

Diese eigenthümliche Zerreissung der Gebärmutter sei schwer 
zu erkennen, da kein Blut nach aussen abfliesst, weil es sich in 
dem Zellgewebe zwischen dem Bauchfelle und der Gebärmutter 
ansammle. Nach der Entbindung liesse sich in der vom Kinde 
und der Nachgeburt entleerten Gebärmutterhöhle der durch den 
losgetrennten Theil des Bauchfelles gebildete Sack fühlen. 

Er führt an , dass kleine Statur, enges Becken , voraus- 
gegangene schwere Geburten, besonders wenn der Kopf lange 
hinter den Schambeinen stand und verschiedene Krankheiten der 
Gebärmutter Anlass zur Zerreissung gäben, und unter den Gelegen- 
heitsursachen legt er auf das Verarbeiten der Wehen, wie alle 
früheren Autoren, ein grosses Gewicht und erwähnt noch beson- 
ders allzulanges Warten, wo die Hilfe dringend ist. 

Schliesslich halte ich es noch für meine Pflicht, den 
gewissenhaften und sicheren Beobachter, Gustav Adolf 
Michaelis 2 ) zu erwähnen, dessen werthvolle Aeusserungen 
über Gebärmutter-Zerreissung in seinem „engen Becken" schlum- 
mern ; es ist mir nicht bekannt, dass sie von irgend Jemandem 
erwähnt wurden. — Er verwechselt zwar auch noch die Scheide 
mit dem verdünnten Cervix, doch ist er der erste, der darauf 
hinweist, dass die Action der Bauchmuskulatur bei der Geburt 
und engem Becken eher eine für den Uterus schützende als 
gegentheilige Wirkung hat; er ist meines Wissens der erste, der 



') v. Siebold's Frauenzimmerkrankheiten , Frankfurt a. M., 1823, 
§. 626 und 629. 

2 ) G. A. Michaelis, das enge Becken, herausgegeben von C. Litz- 
mann, II. Auflage, Leipzig 1865. 



— 8 — 

das Ereigniss der Zerreissung der Gebärmutter in einem Falle *) 
vorausgesehen hat und war zuerst der Meinung, dass die spon- 
tane Zerreissung des Uterus auch bei Beckenverengerung ganz 
massigen Grades vorkommen könne. 

Diese Anschauungen Michaelis' und der von ihm be- 
schriebene Fall J ), wo eine Frau nach vier schweren Geburten 
und nach der fünften, mit der Zange beendigten Entbindung bei 
der sechsten eine spontane Ruptur erlitt, ohne dass am vor- 
liegenden Kindesschädel sich eine Geschwulst bildete, stimmen 
mit meinen Beobachtungen ganz überein. 



Beob. LXXIII. 



Ruptura uteri während der Schwangerschaft. 

In der Schwangerschaft muss das Bersten des Uterus ein 
äusserst seltenes Ereigniss sein, weil es die meisten Lehrer der Ge- 
burtshilfe nur durch Mittheilungen Anderer kennen. Ich selbst 
finde in den Protokollen unserer Anstalt keinen Fall verzeichnet. 
Es sind nieist dieselben Fälle, die durch die Lehrbücher die 
Runde machen; so finde ich einen Fall von Mr. Scott aus 
Bromley, wo im sechsten Monate der Schwangerschaft der 
Uterus im Fundus barst und das Ei austrat, in mehreren Lehr- 
büchern verzeichnet. Churchill 1 ) theilt mehrere Fälle mit, ohne 
selbst einen beobachtet zu haben ; er äussert den Verdacht, dass 
diese Fälle meist interstitielle Schwangerschaften waren; der 
Riss war immer im Fundus und das Ei ungeborsten ausgetreten. 

Hohl 2 ) u. A. theilen Beobachtungen Anderer über das 
Bersten des Uterus in der Schwangerschaft mit. Mangold 3 ) 
theilt einen Fall von Zerreissung des Uterus im fünften Monate 
der Schwangerschaft mit, wo die Wände derselben eine völlige 
membranöse Beschaffenheit hatten. Mayer 4 ) bemerkte die Zer- 
reissung im dritten Monate der Schwangerschaft an einem Uterus, 
an dem früher der Kaiserschnitt ausgeführt worden war; auch 
C o o p e r 5 ) berichtet über einen Fall von Berstung des Uterus 
im dritten Schwanger schaftsmonate. Hohl selbst hat die Ruptur 
nur während der Geburt und nur am unteren Abschnitte gesehen. 

Von den Verletzungen des schwangeren Uterus dürfte wohl 
eine der interessantesten die von Geissler 6 ) mitgetheilte sein. 



*) Churchill, Theory and Practice of Midwifery, VI. Aufl., London 
1872, pag. 519. 

2 ) A. F. Hohl, Lehrb. d. Gebh., Leipzig 1862, §. 109. 
8 ) Monatsch. f. Gebk., Bd. VIII., p. 9. 

4 ) v. Siebold's Journal f. Gebh., Bd. III., p. 277. 

5 ) Brit. med. Journ., October 1858. 

6 ) Monatsch. f. Gebk., Bd. XX, p. 272. 



— 10 — 

Einer Frau wurde am Ende der Schwangerschaft durch das 
Hörn eines Stieres der Bauch und die Gebärmutter aufgeschlitzt ; 
das Kind , ein ausgetragener Knabe, trat durch die Wunde un- 
versehrt aus und wurde lebend neben der sterbenden Mutter ge- 
funden. Ist die Verletzung des schwangeren Uterus eine nur ge- 
ringe, so hat die Frau oft keinen Nachtheil. So theilt Grenser 1 ) 
einen Fall mit, wo bei einer 10 Monat Schwangeren ein eiserner 
Fleischhaken durch die Bauchwand in die Eihöhle gedrungen war ; 
die Frau bekam nach drei Tagen Wehen und wurde mit der Zange 
von einem lebenden Kinde entbunden. Professor von Braun erzählt 
einen Fall, wo der irrthümlich für eine Ovariencyste gehaltene 
schwangere Uterus ohne Schaden für das Kind und die Mutter 
durch die Bauchwand punktirt und vom Fruchtwasser entleert 
wurde ; die Frau gebar nach zwei Tagen. 



Ruptura uteri während der Geburt. 

(Sectionsbefund.) 

Bei den Sectionen , denen ich beiwohnte , fand ich, dass 
meist sonst ganz gesunde Weiber gerade in den mittleren Lebens- 
jahren die spontane Uterus-Ruptur erlitten und dass ausser der 
Anaemie und den Folgeerscheinungen der Ruptur an ihren inneren 
Organen kein Makel zu finden war. In Bezug auf das Alter fand 
sie bei Frauen zwischen dem 30. und 40. Jahre am häufigsten 
statt; cliess stimmt mit den Angaben Churchill's, Co 11 ins' 2 ), 
T r a s k's 3 ) u. A. ganz überein ; es hängt diess aber gewiss weniger 
mit dem Alter als damit zusammen, dass die Frauen in dieser 
Lebensperiode häufig schon ein oder mehrere Kinder geboren haben. 



J ) Lehrb. d. Gebh. ; p. 691, Anm. 

2 ) Churchill, A. A. 0. p. 521. — Dr. Collins fand unter 34 Fällen 
eine Patientin 16 Jabre alt, eine 21, eine 24, drei 25, zwei 26, eine 27, drei 
28, eine 29, sieben 30, zwei 32, eine 33, eine 34, drei 35, fünf 36, eine 37, 
eine 40 Jabre alt. 

3 ) Dr. James D. Trask, American Journal of Medical science Jänner, 
April 1848. Darnach kamen im Alter von 20 — 25 Jabren 17, von 25—40 
Jabren 107, von 40—45 Jabren 15 Rupturen vor. Siebe auch meine Tabelle 
der 13 eigenen Beobachtungen. 



— 11 — 

Bei 20 Sectionen sah ich nur zwei Frauen, die das erste 
Mal geboren und unter 19 den Protokollen der Klinik entnom- 
menen Fällen finde ich auch nur zwei Erstgebärende (unter 39 
Fällen vier Erstgebärende). 

Es ist heute, nach meinen und anderen grossen statistischen 
Zahlen urtheilend, als feststehend zu betrachten, dass die spon- 
tane Ruptur bei Mehrgebärenden überwiegend häufiger statt- 
findet, als bei Erstgebärenden. (So fand Trask unter 320 
gesammelten Fällen nur 39 Erstgebärende, Churchill unter 
75 Beobachtungen nur 9, Korman 1 ) unter 63 7, Kl ob 2 ) unter 
28 Fällen 5, Franque 3 ) unter 21 Fällen 1; zusammen unter 546 
Fällen 65 Erstgebärende.) 

Auffallend ist es mir, dass bei Frauen der wohlhabenden 
Classen die Uterusruptur im Verhältnisse zur ärmeren Classe 
selten vorkömmt; auch aus der Literatur ist cliess ähnlich er- 
sichtlich. 

Aus der ärmeren Classe sind es dann gewöhnlich verehelichte 
Frauen, die aus Liebe zu ihrer Familie die Geburt zu Hause 
mit der mangelhaftesten Hilfeleistung durchmachen wollen und 
die erst im äussersten Falle und dann leider oft zu spät die Ge- 
bärkliniken aufsuchen oder einen Arzt rufen lassen. 

Ueber die Frequenz des Leidens findet man die verschie- 
densten Angaben; meine 13 Beobachtungen 4 ) fallen in den Zeit- 
raum von 4 Jahren, in dem 15.389 Geburten stattfanden, d. i. 
1 auf 1183. Die 19 den Protokollen der Klinik entnommenen 
Fälle gehören einem Zeiträume von 9 Jahren an, in dem 40.614 
Geburten stattfanden. Meine Zahl stimmt mit den grossen Zahlen 
ChurchiH's 5 ) u. A. vollkommen überein und ist im Wider- 



9 Korman, über die Uterusrupturen in forensischer Beziehung. 
Leipzig 1864. 

2 ) Klob, Path. Anat. d. weibl. Sexualorg. p. 228. 

3 ) Franque, Medic. Presse 1865, 24, 25, 26, 28. 

4 ) Die eigenen Beobachtungen sind mit römischen, die Fälle aus den 
Protokollen mit arabischen Ziffern bezeichnet. 

b ) Churchill, A. A. 0. p. 518. Frequenz des Vorkommens. 

Autoren Zahl d. Geb. PäUe v. Rupturen. 

Dr. Jos. Clarke 10.378 8 

Dr. Merriman 2.947 1 

Dr. M. Keever . . 8.600 20 



— 12 — 

spruche mit der von Franque gefundenen Verhältnisszahl, 
eine Ruptur auf 3225 Geburten, und obwohl Franque zu dieser 
Zahl aus der Sammlung von 367.708 Geburten kam, muss ich 
doch das Ereigniss für viel häufiger halten. 

In der Bauchhöhle fand man, wenn die Ruptur das Peri- 
toneum nicht mit betraf, eiterig haemorrhagische Flüssigkeit, die 
Patientinen waren einer Peritonitis erlegen (Fall II und III). 

In den Fällen, wo die Ruptur das Peritoneum mitbetraf, 
fand man meist grosse Mengen Blutes in der Bauchhöhle und unter 
dem Peritoneum; die Patientinen waren offenbar an Anaemie 
zu Grunde gegangen (IV, V, VIII, XI), — oder man fand grosse 
Mengen eiteriger, mit Blutcoagula gemischter Flüssigkeit; die 
Patientinen waren der secundären Peritonitis erlegen (IX, X, 
VI, VII). In wenigen Fällen (I, XIII) sah ich nebst der Ver- 
letzung nur einige Unzen blutig seröser Flüssigkeit in der Bauch- 
höhle; das aufgefundene Blut und die Verletzung im Cervix 
klärte bei der geringen Anaemie der übrigen Organe nicht immer 
über die Todesursache auf. Die pathologische Anatomie 
bleibt uns darüber die Antwort schuldig und es bleibt uns in 
diesen Fällen nichts anderes übrig, als den erschütternden Ein- 
fluss der langen Geburtsarbeit auf das Nervensystem (Shoc) als 
Todesursache eine Rolle spielen zu lassen, wie es schon Boer- 
haave *), Churchill, Froriep 2 ) gethan haben, wenn man nicht 



Autoren Zahl d. Geb. Fälle v. Rupturen. 

Dr. Collins 16.654 34 

M. Pacaud 4.180 2 

Dr. F. Ramsbotham 68.435 13 

Dr. Joogood 1.135 4 

Mr. K. Watson 800 3 

Drs. Mc. Clintock und Hardy .... 6.634 9 

Drs. Johnston und Sinclair 13.748 17 

Dr. Hall Davis 13.783 3 

Amsterdam Hospital 7.000 3 

In einer Zahl von 154.303 Geburten 117 Rupturen, d. i. 1 auf 1318. Die 

Angabe Schröder 's, dass Churchill erst eine Ruptur auf 113.138 Ge- 
burten fand, stimmt mit Obigem nicht überein. Lehrb. d. Gebh. 1874, p. 626 
Anm. 1. 

») Oslander, A. A. 0., p. 66. 

2 ) Bernhard Ritter, Schmids Jahrb., B. XLII, p. 193. 



— 13 — 

wie Sims bei den ähnlich verlaufenden Todesfällen nach Ovario- 
tomie eine rasch tödtende Sepsis annehmen will. 

Die Risse im Peritoneum lagen meist höher als die ent- 
sprechenden Risse in dem Cervix. Sie hatten meist seitlich 
ihren Sitz in dem vorderen oder hinteren Blatte des lig. lat. ; 
dreimal sah ich sie vorne in der Excav. vesico-uter. und einmal 
handbreit über dem linken Hg. lat. (VIII) ; öfter sah ich mehrere 
Risse im Peritoneum, zweimal waren sie nicht so gross, dass das 
Kind hindurchgeschlüpft sein konnte, und es war im Falle IX 
der hydrocephalische Schädel und im Falle XI die ganze Frucht 
aus dem Uterus unter das Peritoneum getreten, ohne dasselbe 
gänzlich zerrissen zu haben; auf ähnliche Weise hat es sich 
wahrscheinlich auch in dem Genesungsfalle XII verhalten. Auch 
von Dalton 1 ) u. A. wurden schon Fälle beschrieben, wo das Kind 
ausserhalb des Uterus unter dem unverletzten Bauchfelle lag. 
Das Peritoneum allein 2 ) ohne Riss im Cervix habe ich nie durch- 
rissen gefunden. 

Das Peritoneum in der Umgebung der Rissstelle war in 
der Richtung, wie es die anatomischen Verhältnisse gestatteten, 
meist von der Unterlage abgehoben, je nachdem mehr oder weniger 
vom kindlichen Körper hiDausgeboren war und dasselbe bei gerin- 
gerer oder grösserer Spannung riss. 

Nie habe ich das Peritoneum vom Uteruskörper lospräparirt 
gefunden; es ist diess auch vermöge seiner festen Verbindung 
mit dem Uterus, von dem es sich nur mit gut fassbaren Pin- 
cetten in kleinsten Stückchen ablösen lässt 3 ), nicht leicht denkbar. 
Nach den Seiten hin, wo man sich, wenn man am puerperalen 
Uterus den Cervix durch einen Schnitt der Länge nach bis zum 
lockeren Zellgewebe getrennt hat, mit der Hand ganz leicht den 
Weg nach verschiedenen Richtungen bahnen kann, war es meist 
abgehoben und die Blätter des lig. lat. auseinander gewichen. 

Unter dem Peritoneum, wenn dasselbe nicht mit zerrissen 
war, fand man an der Basis des lig. lat. eine kinderfaust bis 
zwei faustgrosse , öfter ziemlich prall gespannte Blutgeschwulst. 



*) Dalton, Lancet, 21. Juli 1866. 

2 ) Nach Ramsbotham. p. 496, haben Sir C. Clarke, Prof. Davis 
u. A. solche Fälle beobachtet. 

3 ) Luschka, Anatomie des Beckens, Tübingen 1864, p. 366, 



— 14 — 

Diese Blutansammlung scheint mir mit den von den Alten schon 
gekannten (s. Einleitung) und von Hecker 1 ) und Dorn 3 ) neuer- 
dings beschriebenen Blutgeschwulsten bei partieller Ruptur iden- 
tisch zu sein. Ich glaube aber, dass die Bildung derselben 
meistens erst nach der Geburt des Kindes durch Blutung in 
einen dadurch zu Stande gekommenen Raum zwischen Peritoneum 
und Cervixwand entsteht ; denn eine Ansammlung von Blut, die 
sich beim Touchiren vor der Geburt des Kindes als eine Hsema- 
tocele anteuterina extraperitonealis manifestirt hätte, habe ich 
nie gefühlt, im Gegentheile aber bei den Sectionen solche Blut- 
geschwülste öfter gesehen. Ich muss aber zugeben, dass solche 
Blutansammlungen unter dem Peritoneum , wenn ein grosser 
Kindestheil beweglich (wie im I. Hecker'schen Fall bei Hydro- 
cephalus , der aber nicht zur Section kam), im Beckeneingange 
steht, zu Stande kommen und unter Umständen mit dem Finger 
auch nachgewiesen werden können , obwohl mir diess nie ge- 
lungen ist. 

War das Peritoneum mit zerrissen, so hatte das Blut 
grösstentheils seinen Weg in die Bauchhöhle gefunden, trotzdem 
war das Peritoneum oft grosse Strecken weit abgehoben, einmal 
sah ich es vom ganzen rechten Darmbeinteller, einmal bis gegen 
die linke Niere hin von der Unterlage losgetrennt und darunter 
den Raum mit caogulirtem Blute erfüllt, das in Zapfenform hie 
und da noch die Rissöffnungen des Peritoneums überragte. In 
den Fällen, wo der Tod später erfolgt war, fand man unter dem 
Peritoneum Eiter oder Jaucheheerde ; damit stimmt ganz der 
genaue Sectionsbefund des unlängst von F. Winkel veröffent- 
lichten Falles ; es starb 3 ) eine VI. Gebärende dreizehn Tage nach 
der mit dem Forceps versuchten und durch Cephalotripsie been- 
deten Geburt. Eine thalergrosse Lücke im Cervix führte in eine 
mit Jauche erfüllte subperitoneale Höhle, die bis in die linke 
Nierengegend reichte. 



Heck er, M. f. G. B. 31, XVIII, p. 292. Zur Symptomatologie der 
unvollk. Gebärmutterzerreissung. 

2 ) Dorn, ein Fall von unvollk. Zerreissung des Uterus, Gynaec. Archiv, 
III. B. 1872, p. 145. 

8 ) Dr. F. Winkel, Berichte und Studien aus dem Entbind.-Inst. in 
Dresden, Leipzig 1874, F. 2, p. 134. 



— 15 — 

Den Uterus sah ich meist fest contrahirt, in seiner Substanz 
mächtig entwickelt, mit 1 1 / 2 — 2" (4—5 Cm.) dicken Wandungen 
im Fundus und Corpus; nie sah ich eine partielle Verdünnung 
seiner Wandungen. Der Uterus war immer hoch in die Bauch- 
höhle hinaufragend, nach rechts oder links auf die Darmbeinteller 
gesunken , gewöhnlich nach der der Ruptur entgegengesetzten 
Seite ; hob man denselben empor, so gelang diess meist bis dahin, 
dass sein ost. int. in die Höhe des Nabels zu liegen kam. 

Der Cervix uteri wurde in den meisten Fällen grell abste- 
chend vom Körper gefunden, seine Wände waren oft auf ?>'" 
(6 Mm.) verdünnt. Seine Länge betrug in einigen Fällen noch 
5_6" (13—15 Cm.) (Siehe auch Fall 11 und 12.) 

In vielen Fällen, wo die Patientinen erst nach mehreren 
Tagen oder gar Wochen den pathologischen Verhältnissen erlagen, 
war wegen der schnellen Rückbildung der Cervixverhältnisse die 
Verdünnung nicht mehr so auffallend. 

Die Vagina war in den meisten Fällen weit und unverletzt ; 
im Falle IX bei Hydrocephalus und im Fall XI bei Schulterlage 
setzte sich der Riss 1 — 2" (3 — 5 Cm.) weit in die Scheide fort. 

Der Riss ging in allen meinen dreizehn Beobachtungen vom 
Cervix uteri aus und auch in den neunzehn den Protokollen der 
Klinik entnommenen Fällen betraf er immer den Cervix. Damit 
stimmen auch massgebende Angaben überein. Braun, Chiari, 
Späth, Hohl, Simpson, Rambsbotham, Leishman 
u. A. Die Erklärungen aber , die dafür von Simpson x ), 
Leishman 2 ), Rambsbotham 3 ) u. A. versucht wurden, sind 
entweder gar keine oder falsche. So meint Simpson, der Hals 
zerreisse am leichtesten, weil er am dünnsten bei der Geburt 
wird ; Leishman, weil er bei der Geburt erweitert wird und 
Rambsbotham, weil der Kindeskopf schon in der Schwanger- 
schaft auf dem Cervix ruht, denselben gegen die Wände des 
Beckeneinganges drückt und dadurch seine Verdünnung herbei- 
führt. Diese letztere Erklärung verliert ihren Halt durch das 
heute feststehende Factum, dass der Kindeskopf erst bei begin- 
nender Geburt in den Cervix eingedrängt zu werden beginnt. 

*) James J. Simpson, Selected Obstetrical Works, Eclinb. 1871, p. 62. 

2 ) Leishman, A System of Midwifery, Glasgow 1873, p. 481. 

3 ) Ramsbotham, Obstetric. Medicine and Surgery, Lond. 1867, p. 498. 



— 16 — 

Nie ging der Riss vom Uteruskörper oder Grunde aus, nie 
fand er sich in der Scheide allein, obwohl letzteres nach den bei 
räumlichem Missverhältnisse stattfindenden Veränderungen der 
Cervix und Scheideverhältnisse ganz möglich erscheint und 
darüber glaubwürdige Angaben vorliegen; gegen die vielen Ver- 
öffentlichungen über Zerreissungen des Uterus im Körper und 
Grunde aber kann ich mich des Zweifels nicht erwehren; gewiss 
sind sie nicht so häufig, als v. Scanzoni 1 ) und Franque sie 
darstellten. War der Uteruskörper, wie im Falle IV, VIII, oder 
die Scheide, wie im Falle IX, XI, XII, mit einbezogen, so waren 
diese Risse nur als vom Cervix aus beim Austritte des Kindes 
fortgesetzte zu betrachten, der grösste Antheil im Leben gehörte 
meist dem Cervix an. Nur in zwei Fällen, IV, VIII, sah ich, 
class der Riss den Körper und Cervix gleichmässig betraf, es ist 
aber dabei wohl zu bedenken, dass die abnormen Cervixverhält- 
nisse nach der Geburt sich rasch ändern, dass er bald verengert 
und verkürzt wird, während der Uterus sich mehrere Tage 
annähernd gleich bleibt. War der Riss in den Körper des Uterus 
fortgesetzt, so waren die Gefässe der Rissstellen meist throm- 
bosirt. Dass der Riss sich auch unter gewissen Verhältnissen 
weit in den Körper und Fundus fortsetzen kann, zeigt der gewiss 
authentische Fall, den C h i a r i , Braun und Späth 2 ) veröffent- 
lichten, auch Rokitansky 3 ) anführt und dessen Präparat im 
hiesigen Museum aufbewahrt ist. 

Es fand in diesem Falle bei einer dreissigjährigen IL Gebär., die scbon 
vor sieben Jabren eine spontane Ruptur erlitten hatte, bei Kopflage des 
Kindes und bei einer Conj. ver. von 2 1 / 2 " (6V 2 Cm.) und engem Ost. ext. 
vier Tage nach Frucbtwasser-Abfluss, zum zweiten Male spontane Ruptur des 
Uterus statt. Die Section ergab : Der Uterus , etwa von der Grösse eines 
Kindskopfes, klaffte mit einem den obersten Theil seiner Vorderfläche ein- 
nehmenden Risse, in welchen sich der Fundus und die hintere Wand hinein- 
drängte. Aeusserlich war derselbe sammt den Adnexis von alten Zellgewebs- 
platten und Strängen bekleidet und ausserdem von einem lockeren gelben 
Exsudate angeflogen. Der obgenannte frische Riss hatte die Länge von 
2V 2 — 3" (6V2 — 8 Cm.), war oberhalb mit der Placentarinsertion bezeichnet 
und ging nach unten in eine 2" (5.2 Cm.) lange Spalte über, welche rund- 

i) v. Scanzoni, Lehrb. d. Gebh. 1867, pag. 216. 

2 ) Chiari, Braun und Späth, Klinik der Geburtsh. und Gynaeco- 
logie, Erlangen 1855, p. 189, 7. F. 

3 ) Rokitansky, Path. Anatomie, III. 469. 



— 17 — 

liehe, etwas eingerollte, aus schwieligem Narbengewehe bestehende Ränder 
darbot. Diesem alten Risse entsprechend, war der Uterus durch rostfarbig 
pigmentirtes Zellgewebe an die vordere Bauchwand geheftet. Die Vaginal- 
portion zeigte zwei seichte gequetschte Einrisse. 

Die am unteren Wundwinkel eingerollten Ränder des Narben- 
gewebes zeigen deutlich, dass dasselbe gedehnt warunddassdieNarbe, 
von der aus sich der Riss in den Körper und Fundus fortsetzte, die Rolle des 
Cervix spielte, indem sich des engen Beckens und der pathologischen Ver- 
hältnisse des Cervix halber der Kopf nicht in denselben hineindrängen konnte. 

Die Contractionen der Uterusmuskulatur verdünnten die Narbe und nach 
Reissen derselben setzte sich beim Austritt des Kindes der Riss, so weit es 
dazu nothwendig war, in die Uterussubstanz fort. 

In der Narbe erfolgt auch der Riss bei Frauen, die einmal 
schon eine Sectio caesarea erlitten und wieder schwanger gewor- 
den sind. Auffallend sind in diesen Fällen die Wiederholungen 
der Rupturen und die häufigen Genesungen. So beobachtete 
Winkel 1 ) zweimal Ruptur in der Narbe der Kaiserschnittwunde 
mit Genesung nach der Laparotomie ; beide Male war das un- 
geborstene Ei in die Bauchhöhle ausgetreten. Kilian machte 
bei einer Frau Charubel, die an Osteomalacie erkrankt war, 
bei der VII. Schwangerschaft den Kaiserschnitt mit glück- 
lichem Erfolge für die Mutter und das Kind (s. Küpper, Sect. 
caes. D. i. Bonn 1838); bei der VIII. Schwangerschaft wurde, nach- 
dem das unversehrte Ei nach einer spontanen Uterusruptur in 
die Bauchhöhle ausgetreten war, durch Laparotomie ein todtes Kind 
extrahirt (s. Kilian, Organ f. d. ges. Heilk., 1. Bd., III. Heft 
1841); bei der IX. Schwangerschaft wiederholte sich die Ruptur 
und wurde durch die Laparotomie Mutter und Kind gerettet 
(C. Schröder, Lehrb. d. G., Bonn 1874, §. 618, Anm.). 

Wenn man sich fragt, warum die Frauen unter solchen 
Verhältnissen so häufig nach dem Bauchschnitte genesen , so ist, 
glaube ich, die Antwort einfach, weil der Riss in der sehr ver- 
dünnten Narbe erfolgt und der Austritt auf dem Wege stattfindet, 
auf dem einmal schon die Frucht entwickelt wurde, dabei die 
Uterussubstanz nicht oder nur wenig verletzt wird und zumeist 
nur unbedeutende Blutung stattfindet. 

An einem Präparate, das mir in der Sammlung der Klinik 
vorliegt, reicht der Riss bis zum linken Tubarostium; es ent- 



') Winkel, M. f. G., B. 22, p. 246. 



— 1! 



Tabelle über die zwölf 

an der Klinik des Professors Carl v. Braun und eines ausser der Anstalt 



Nr. 


CD 

3 


Zahl 
der 

Schwan- 
ger- 
schaft 


Verlauf 

der 

vorausgegan- 
genen 
Geburten 


Kindeslage 


Veranlassende 
Ursache. 

Geschlecht 

und 

Gewicht d. K. 


Geburts- 
dauer 


I 


38 


II 


1 Kind 

spontan, 

lebend, schwer 


I. Kopflage 


Conj. ver. 8 - 5Cm. 
M. 3500 Gr. 


34 
Stunden 


II 


35 


V 


4 Kinder 
spontan, 2 le- 
bend, 2 todt 


II. Kopflage 


C.v. 8-5 Cm. 
K. 3360 Gr. 


65 
Stunden 


III 


39 


IX 


Konnte nicht 
erhoben 
werden 


IL Kopflage 
und Vorfall 
eines Fusses 


C.v. 8-5 Cm. 
K. 3150 Gr. 


24 
Stunden 


IV 


36 


VII 


Alle frühern 

Geburten 

normal 


Kopflage 


C.v. 9 Cm. 

Abnorm gross. Kind 

K. 4480 Gr. 


28 
Stunden 


V 


35 


II 


Konnte nicht 
erhoben 
werden 


I. Kopflage 


C. v. 8 Cm. 
K. 3220 Gr. 


33 
Stunden 


VI 


33 


II 


1 Kind, früh 
geboren 


Kopflage 


C.v. 7 Cm. 
Each. Becken 
M. 3080 Gr. 


28 
Stunden 


VII 


38 


II 


1 Kind, spon- 
tan geboren 


Kopflage 


C. v. 8 Cm. 

Bach. Becken 

K. 3290 Gr. 


25 
Stunden 


VIII 


27 


I 


(Ausser der An- 
stalt heohachtet) 
I. 


Kopflage 


C. v. 7-2 Cm. 

Each. Becken, faust- 
gross. Ovarientumor 

K. 3600 Gr. 


32 
Stunden 


IX 


34 


VII 


Frühere 

Geburten 

normal 


Kopflage 


Hydroceph. 
K. 2660 Gr. 


43 
Stunden 


X 


23 


I 


I. 


Kopflage 


Hydroceph. 
K. 2625 Gr. 


48 
Stunden 


XI 


37 


V 


4 Kinder 
spontan geb. 


Schulterlage 


Schulterlage, 
Kopf links, 
K. 2870 Gr. 


26 
Stunden 


XII 


38 


VIII 


4 frühere Geb. 
1 normal, 
3 schwere 


Schulterlage 


Schulterlage, 
Kopf links, 
K. 2975 Gr. 


12 
Stunden 


XIII 


36 


IV 


3 Kinder 
spontan geb. 


Schulterlage 


Schulterlage 
M. 3832 Gr. 


28 
Stunden 



— 19 — 



eigenen Beobachtungen 

zur Beobachtung gekommenen und durch das Präparat belegten Falles. 



Art 

der 

Geburts- 
beendigung 



Eintritt 
des Todes 

oder 

Genes uns 



Sitz des Risses 
im Peritoneum , voll- 
ständiger oder unvoll- 
ständiger Austritt des 
Kindes 



Sitz und Richtung 

des Risses im 

Cervix 



Extraction u. 

Craniotomie 

am nachf. 

Kopfe 



30 Stunden 

nach der 
Geburt todt 



Riss in der Excavatio 
vesic. uter. Das P. abgeho 
ben gegen d.i. Psoas. Voll 

ständiger Austritt d. K. 



Querer Riss in der 

vorderen 

Cervixwand 



Craniotomie 



24 Stunden 
n. d. G. todt 



Peritoneum unverletzt, ge- 
ringe Abhebung. Austritt 
d. K. im Beginne 



Längsriss in der 
linken Cervixwand 



Craniotomie, 

Ausweichen des 
Kopf. Extraction 



48 Stunden 
n. d. G. todt 



Das abgehobene Perito 
neum unverletzt. Unvoll- 
ständiger Austritt d. K. 



Längsriss in der 
rechten Cervixwand 



Craniotomie 
u. Perforation 
d. Brusthöhle 



21 Stunden 
n. d. G. todt 



Riss im linken lig. lat. Aus- 
tritt des kindl. Rumpfes 



— | Riss im Cervix, 

fortgesetzt in den 

Uteruskörper 



Spontane Ge- 
burt eines 
asph. Kindes 



24 Stunden 
n. d. G. todt 



Riss im linken lig. latum 
Unvollst. Austritt 



Längsriss in der 
linken Cervixwand 



Craniotomie 

Aiisweichen des 
Kopfes,Wendung 



30 Stunden 
n. d. G. todt 



Riss in der Excav. vesico 

uter. Abhebung d. P. 
Austr. d. kindl. Rumpfes 



Querriss im Cervix, 
13 Cm. lang 



Craniotomie 



5 Tage 
n.d.G.todt 



Riss in der Excav. vesic. 

uter. Abhebung d. P. 
Austr. d. kindl. Rumpfes 



Riss im Cervix 



Laparotomie 

nach dem 

Tode 



Tod vor der 
Geburt 



Riss handbreit über dem 

lig. lat. sin. Vollständiger 

Austritt d. Kindes 



Längsriss im Cervix, 

fortgesetzt in den 

Uteruskörper 



Perforation 



6 Tage 
n. d. G. todt 



Links u. hinten v. d. Uterus 

ein grösserer und zwei kl 

Risse. Unvollst. Austritt 

d. Hydroceph. 



Längsriss in der 

linken Cervix und 

Scheidenwand 



Perforation 



21 Tage 
n. d. G. todt 



Links im lig. lat. Unvollst 
Austritt d. Kopfes 



Längsriss in der 
linken Cervixwand 



Extraction 



18 Stunden 
n. d. G. todt 



Links im lig. lat. 2 grössere 
u. mehrere kleinere Risse. 
Vollst. Austritt d. K. 



Längsriss in der 

linken Cervix- und 

Scheidenwand 



Extraction 



Genesung 



Vollst. Austritt d. K. 



Längsriss in der 

linken Cervix- und 

Scheidenwand 



Extraction 



13 Stunden 
n. d. G. todt 



Riss in der Excav. ves. uter. 
Vollst. Austritt d. K. 



Querriss in der 
vorderen Cervixwand 



— 20 — 

stammt einer Mehrgebärenden und wurde vom Dr. Mayrhofer 
erworben. Es war das ganze ungeborstene Ei in die Bauchhöhle 
ausgetreten; es scheint am ersten Blick, dass die Uteruswand 
in der linken Seite verdünnt sei; bei näherer Betrachtung, und 
wenn man die auseinandergewichenen Theile des Uteruskörpers 
genau adaptirt, zeigt sich, dass diess nicht der Fall ist und der 
Riss doch vom Cervix ausgeht. Ich muss das Ausgehen des 
Risses vom Körper oder Grunde des Uterus als ein 
überaus seltenes Ereigniss (wenn es überhaupt vorkommt) betrachten. 

Die Länge des Risses war sehr verschieden und hängt die- 
selbe wegen der grossen Elasticität und Rückbildungsfähigkeit 
des Cervix davon ab, ob der Tod früher oder später nach der 
Geburt erfolgte und das Kind ganz oder theilweise ausgetreten 
war; ich sah ihn 3 — 6" (8 — 16 Cm.) lang. 

Die Richtung des Risses hält keine bestimmte Regel ein. 
Die Längsrichtung war die vorherrschende, II, III, V, und der 
häufigere Platz war nach links hinten oder rechts hinten gegen die 
Be^^nlüichten hin. Die Längsrichtung beobachtete der Riss fast 
immer, wenn er bei grossen Kindesköpfen oder Schulterlage ent- 
stand, weil dabei die Ausdehnung des Cervix vorzüglich in querer 
Richtung stattfand und das Gewebe endlich seitlich platzte, IX, 
X, XI, auch in dem Genesungsfalle XII. In diesen Fällen war 
auch die Scheide meist in den Riss mit einbezogen, IX, XI, XII. 
Die schräge und quere Richtung ist seltener und ein querer 
Riss entsteht meist , wenn der Kopf im allgemein verengten 
Becken steht. Zweimal sah ich auch IV, VII, dass in den Längs- 
riss des Cervix ein querer Riss einmündete ; der Riss war — | förmig, 
nur in einem Falle (XIII) setzte sich der Riss auf die Harnblase fort. 
Einen Prolapsus der Intestina in die Risswunde habe ich nie 
gesehen. 

Die Rissöffnung im Cervix communicirte durch den ausser- 
halb durch Abhebung des Peritoneums entstandenen und gewöhn- 
lich mit Blutcoagulum erfüllten Raum, mit dem höher gelegenen 
Risse oder Rissen im Peritoneum. In den Fällen, wo die Ruptur 
im Beginne und der Kindskopf nur theilweise aus dem Cervix 
getreten war, wiederholte sich constant die schon erwähnte 
kinderfaust bis faustgrosse Blutansammlung an der Basis des 
rechten oder linken lig. lat. und die oft schon sehr verkleinerte 



— 21 — 

Rissöffnung im Cervix communicirte immer mit dieser Blutan- 
sammlung; der Riss beobachtete in diesen Fällen immer die 
Längsrichtung. 

Eine beginnende Durchreibimg des Cervix sah ich oft, 
aber bei Ruptur des Uterus nur im Falle VII, und da hing der 
thalergrosse Bran d scho rl in der Cervix und Blasenwand mit / 
der Rupturstelle gar nicht zusammen. 

Bei den durch den Gebrauch des Forceps oder durch die 
in den Uterus eindrängende Hand oder die Extraction des Kindes 
verursachten, oft bis gegen das ost. int., hie und da auch in die 
inneren Schichten der Uterussubstanz reichenden Verletzungen 
des Cervix sah ich nie diese Abhebungen des Peritoneums und 
diese Blutansamnilimg unter demselben; das Peritoneum und 
das darunter befindliche lockere Zellgewebe war in diesen Fällen, 
dem Risse im Cervix entsprechend, meist nur blutig imbibirt; 
dadurch unterschieden sich diese Verletzungen immer von den 
spontan entstandenen, begonnenen Rupturen des Cervix, wo nur 
der Kindeskopf oder ein anderer Theil theilweise durch die Riss- 
stelle getreten war. 

Das Becken war in den meisten Fällen verengt; wo keine 
Beckenverengerung nachweisbar war, gab immer der Geburtsver- 
lauf Aufklärung über das Zustandekommen des Ereignisses 
(s. Tabelle). 

Bei 20 Sectionen, denen ich beiwohnte, und in allen Fällen 
aus den Protokollen der Klinik betraf, ob das Kind vollständig 
oder unvollständig aus dem Fruchthalter getreten war, der Riss 
immer nur grösstentheils den Cervix uteri. 

Ueber die Ursachen der Ruptur. 

Ueber die Aetiologie der Uterusruptur herrschen bis heute 
die widersprechendsten Ansichten ; so wie für jede unaufgeklärte 
Sache in der Natur die meisten Erklärungen existiren, die meisten 
Ursachen gefunden und Hypothesen aufgestellt wurden, so ver- 
hält es sich auch mit der Uterusruptur. Deutsche und beson- 
ders englische Gyneecologen haben sich erschöpft in der Angabe 
von Ursachen für die Entstehung des Leidens , ohne dass es 
bisher gelungen wäre, eine Einheit der Ansichten herzustellen. 



— 22 — 

Die Veröffentlichungen der letzten zwei Decennien haben 
dahin geführt, dass die Mehrzahl der Geburtshelfer das räum- 
liche Missverhältniss als veranlassende Ursache der spontanen 
Ruptur betrachtet; sie setzen aber dabei eine Prädisposition 
des Uterusgewebes voraus, wie sie von K o r m an *) und Franque 2 ) 
in den Vordergrund gestellt wurde. 

Diese Ansicht wirkt sehr bestechend, weil die Fälle von 
Ruptur, die nach kurzer Geburtsdauer entstehen, scheinbar dafür 
sprechen. 

Gegen das räumliche Missverhältniss, als veranlassende 
Ursache, erheben sich wohl wenige Stimmen mehr. Die neueste 
Publikation 3 ) über diesen Gegenstand, welche die Veranlassung 
zur Ruptur niemals in Abnormitäten des Skeletes findet, wider- 
legt sich wohl selbst. Den sieben angeführten Fällen ist zu ent- 
nehmen, dass der Kopf hoch gestanden ist, im Falle III einge- 
keilt war, im Falle VII sich eine Kopfgeschwulst gebildet hatte, 
ohne dass von abnorm grossen Kindesköpfen gesprochen wird. 

Das enge Becken führt am häufigsten zu räumlichem Miss- 
verhältnisse und am häufigsten zerreisst dabei der Uterus spontan 
und, wo bei normalem Becken das Ereigniss stattfindet, ist das 
räumliche Missverhältniss in abnormer Fruchtlage, in zu grossem 
Kindeskopfe, in abnormer Einstellung desselben oder fehlerhafter 
Haltung der Frucht zu suchen. In seltenen Fällen nur gibt der 
unnachgiebige untere Cervixabschnitt Veranlassung zur Ruptur, 
oder der Uterus wird durch manuellen oder Instrumentaleingriff 
bei der Geburt zerrissen. 

In meinen dreizehn eigenen Beobachtungen war in allen 



*) Kor mann, a. a. 0. p. 23: an der spontanen Entstehung der Ruptur 
kann Schuld tragen: 

a) das mütterliche Becken ; 

b) die Structur der Gebärmutter (diese Ursachen können unter dem 
Namen der Praedisposition zur Zerreissung des Uterus zusammen- 
gefasst werden) ; 

c) der vorliegende Theil des kindlichen Körpers; 

d) noch andere Gelegenheitsursachen, die bei völlig regelmässiger 
Beschaffenheit der Geburtstheile und des Kindes zufällig hinzu- 
kommen. 

2 ) Franque, Wiener mediz. Presse 1865, Nr. 24, 25, 26, 28. 

3 ) Sieben neue Fälle von Uterusruptur von Dr. J. Munk, Tübingen 1874. 



— 23 — 

acht Fällen, wo die Ruptur bei Kopflage erfolgte, Beckenver- 
engerung vorhanden (fünfmal ein einfach plattes Becken, wo 
die Conj. ver. zweimal 3" [8 Cm.], dreimal über 3" [9 Cm.] 
betrug, dreimal war das Becken rachitisch und die Conj. ver. 
betrug 2 1 / a " [7 Cm.], zweimal 2 3 / 4 " [7-2 Cm.]). In den fünf 
übrigen Fällen war zweimal Hydrocephalus, dreimal Schulterlage 
Ursache der Ruptur. 

In den neunzehn den Protokollen der Klinik entnommenen 
Fällen war bei Kopflage der Frucht in eilf Fällen Beckenver- 
engerung, achtmal plattes Becken mit Conj. ver., siebenmal S 1 ^" 
(8'5 Cm. - ), einmal 3" (8 Cm.), dreimal rachitisches Becken C. v. 
3" (8 Cm.), 2 3 / 4 " (7-2 Cm.), 2 V (6 Cm.) nachgewiesen; in den 
übrigen Fällen war einmal Hydrocephalus, fünfmal Schulterlage, 
einmal Vorfall eines Fusses neben dem Kopfe Ursache der Ruptur. 
Nur einmal blieb die Veranlassung unaufgeklärt und ich glaube 
es mir erlauben zu dürfen, in diesem einen Falle unter zwei- 
unddreissig eine fehlerhafte Einstellung des Kopfes in den Becken- 
eingang annehmen zu dürfen. — 

Das räumliche Missverhältniss, als Ursache der Ruptur, hat 
auch die meisten Anhänger; Chiari, Braun und Späth x ) 
stellen dasselbe als veranlassende Ursache in den Vordergrund 
und nehmen dabei nur eine Brüchigkeit des Gewebes an, und ich 
finde unter ihren acht mitgetheilten Fällen in Nr. 3, 5, 7 Becken- 
verengerung, in 2 Hydrocephalus, in 4 Schulterlage. Die klang- 
vollsten englischen Namen treten für diese Ansicht ein und 
sprechen sich über den Gegenstand weitläufiger aus. So schreibt 
R a m s b o t h a m 2 ) , die Ruptur des Uterus während der Geburt 
könne herbeigeführt werden durch die gewaltige Wirkung des 
Organes selbst, es berste unter seiner eigenen, übermässigen 
Bewegung; er fand in allen seinen Fällen Beckenverengerung; 
auch Barnes 3 ) spricht sich dahin aus , dass die Uterusruptur 
meist eine mechanische Ursache habe. Simpson 4 ) hebt als 
Ursache bei der Geburt Beckenverengerung, Narben, Hydro- 



*) Chiari, Braun und Späth, Klinik der Gebh. und Gynaecologie, 
Erlangen 1851, p. 85, 89. 

2 ) Rains botham, a. a. 0. p. 496. 

3 ) Robert Barnes, Lectures on obstetric Operations, 1871, p. 338. 

4 ) James J. Simpson, a. a. 0. p. 63. 



— 24 — 

cephalus oder Vorliegen eines Armes hervor und behandelt die 
Uterusruptur bei Hydrocephalus des Fötus in einem eigenen 
Capitel *) ; er macht darin auf die Häufigkeit der Ruptur bei 
Hydrocephalus aufmerksam und in Bezug auf die Diagnose und 
den Geburtserfolg theilt er mit, dass er in einem Falle die Nähte 
und Fontanellen nicht sehr breit fand und die Schädelknochen 
so entwickelt wie bei einem zwei- bis dreijährigen Kinde. 

In 74 von Dr. Keith gesammelten Fällen von Geburt bei 
congenitaler Hydrocephalie, die er für seine These benützte, 
kam es 16mal zur Ruptur, Kormann führt drei Fälle (49, 50, 
5 1) an und ich selbst sah zweimal bei Hydrocephalus Ruptur ent- 
standen; auch Hohl 2 ) fand unter 77 gesammelten Fällen fünfmal 
Zerreissung des Uterus. M e a d o w s 3 ) stellt als erste der Ur- 
sachen Missstaltung des Beckens hin und Leishman 4 ) meint, 
Alles, was mechanisch die Geburt hindert, gibt Ursache zur Zer- 
reissung. Auch Hohl 5 ) hat spontane Uterus-Ruptur ohne jede 
krankhafte Beschaffenheit des Uterusgewebes bei räumlichem 
Missverhältnisse entstehen gesehen. 

Trask 6 ) bemerkt in einer Abhandlung, der über 300 ge- 
sammelte Fälle zu Grunde gelegt sind, dass in 74°/ Becken- 
missstaltung Ursache zur Ruptur gab und dass unter 303 Fällen 
sich 16 Schulterlagen befanden; auch in den 63 von Kormann 
gesammelten Fällen ist in 18 Fällen Beckenverengerung, in 7 
Schulterlage, in 10 abnorm grosser Kindskopf angegeben, daher 
in mehr als der Hälfte der Fälle, räumliches Missverhältniss vor- 
handen gewesen. Ich bin überzeugt, dass auch in den meisten 
übrigen Fällen das räumliche Missverhältniss eine Rolle spielte, 
nur kann ich diess nicht nachweisen, weil genaue Geburtsge- 
schichten fehlen. 

Ein Einfluss auf das Entstehen der Ruptur wurde den 



') Simpson, a. a. 0. p. 384 und 385. 

2 ) Hohl, die Geburt missgestalteter, kranker und todter Kinder. 
Halle 1850. 

3 ) Alfred Meadows, A manual of midwifery. II. Auflage. London 
1871, p. 376. 

4 ) WilliamLeisliman,A System of midwifery. Glasgow 1873, p. 483. 
s ) Anton F. Hohl, Lehrb. d. Gebh. Leipzig 1862, §. 338. 

6 ) Trask, American Journal of Medical Science. Jänner, April 1848. 



— 25 — 

Beckenanomalien , wie sie von K i I i a n J ) unter dem Namen 
Acanthopelys beschrieben wurden, beigelegt und jeder spitze 
Vorsprang, der mit dem Uterus bei der Geburt in Berührung kommt, 
ja sogar die ungewöhnliche Schärfe der linea ileo-pectinea (Murphi, 
Burns) wurde beschuldigt, Veranlassung dazu gegeben zu haben- 
es scheint mir aber dieser Einfluss überschätzt worden zu sein. 
Es ist wohl richtig, dass es bei kantigen Vorsprüngen leichter 
zur Gangraencscenz der Gewebe kommt, wenn der Kopf lange 
im Beckeneingange die Weichtheile klemmt. Man sieht dann an 
der Leiche einen Brandschorf an der vorderen Cervix- oder 
Scheiden- und hinteren Blasenwand und, insofern als solche Vor- 
sprünge häufig bei rachitischen Becken zu finden sind, können 
sie schon hie und da die Veranlassung geben , dass die Ruptur 
vielleicht etwas früher entsteht; die Cardinalursache ist doch 
dann immer das enge Becken gewesen. 

Die Usur, Durchreibung, hängt mit der Uterus- 
ruptur gar nicht zusammen. 

Die Lachapelle 2 ) hob schon den principiellen Unter- 
schied hervor und ich selbst sah mehrere Fälle, wovon einer 
diess treffend illustrirt (siehe Nr. VII); es ist ein thalergrosser 
Brandschorf und ein 3" (8 Cm.) langer — | förmiger, penetrirender 
Cervicalriss gleichzeitig vorhanden, welche durch eine IV2" (4 Cm.) 
breite Brücke von einander getrennt sind. Der Ansicht N a e g e 1 e's 3 ), 
DenmanV), D u p a r c q u e's 5 ), L e hm a n n's 6 ), 1 s h au s e n's 7 ) 
u. A. , dass die Ruptur von einer Durchreibung ausgehe, wider- 
spricht auch das gewiss eben so häufige Vorkommen der Zer- 
reissung an seitlichen Stellen und das Vorkommen der Durch- 



*) Kilian H. Fr., Schilderungen neuer Beckenforinen und ihres Ver- 
haltens im Leben, mit 4 Tafeln, Mannheim 1854. 

2 ) Lachapelle, Pratique d. acc. t. III. 1825, Mem. VIII, Art. II, 109. 

3 ) Naegele, Lehrbuch der Gebh. vonGrenser, Mainz 1867, §. 719. 

4 ) Simpson, a. a. 0. p. 480. 

5 ) Dup'arcque, Vollständige Geschichte der Durchlöcherungen etc. 
des Uterus, deutsch von Nevermann 1838, scheint mir wenig vertrauens- 
würdig ; er fand unter 230 Fällen 62 mal die Ruptur in der Schwangerschaft. 

6 ) Lehmann, über Ruptur des Uterus und der Vagina, Monatssch. 
f. Gebk. XII, p. 408. 

') Olshausen, über Durchreibung und Ruptur des Uterus. Monatssch. 
für Gebk. XX., p. 271. 



— 26 — 

reibung , ohne dass Ruptur entstellt , wie wir selbe so oft als 
Blasenscheidenfistel zu behandeln haben. 

Wie ein Faden zieht sich das enge Becken und das räum- 
liche Missverhältniss durch die Casuistik der Uterusruptur aller 
Länder, und trotzdem lassen sich manche Fälle scheinbar dadurch 
nicht aufklären. Ich kenne zwar keinen Fall, wo nach kurzer 
Geburtsdauer die Ruptur entstanden wäre, und ich kann die 
Schlussfolgerung, die Franque aus 26 gesammelten Fällen zog, 
„So viel geht doch daraus hervor, dass nur die f wenigsten von 
den 26 Geburten protahirte waren", nicht anerkennen. 

Nur in einem meiner beobachteten Fälle erfolgte die Ruptur 
nach zwölfstündiger Geburtsdauer, in den übrigen gelang es dem 
Uterus erst nach vielen Stunden, oft Tage langem Ringen sich zu 
zerreissen. (Siehe die Fälle, wo überall Geburtsdauer und Frucht- 
wasser-Abfluss bemerkt sind.) 

Einmal (Fall VII) entstand die Ruptur bei nur für den 
Finger offenem ost. ext. ; das ist aber kein Beweis für kurze 
Geburtsdauer bei hochstehendem Kopfe. Ich musste öfter bei 
unter langer Geburtsdauer abgestorbenem Kinde und theilweise 
an der Insertionsstelle der Vagina noch erhaltenem dreifinger- 
weitem Cervix, die Craniotomie ausführen. Bei hochstehendem 
Kopfe ist ein enges ost. ext. und ein theilweise noch erhaltener 
Cervix durchaus kein Beweis für kurze Geburtsdauer und in 
dieser Hinsicht ist auch Ramsbotham im Irrthume, der auf 
pag. 497 schreibt, es sei bekannt, dass die Ruptur schon zu der 
Zeit stattgefunden habe , wo der Muttermund noch nicht die 
Grösse eines Schillings erreicht habe. Es kann die Geburt bei 
hochstehendem Kopfe schon lange währen und das ost. ext. nicht 
sehr erweitert sein. Doch finde ich in der Literatur glaubwür- 
dige Angaben 3 ) , dass bei stehender Blase schon die Ruptur 
entstanden ist , und es ist mir begreiflich , dass bei Mehr- 
gebärenden das Ereigniss so früh eintreten kann. Ein geringes 
Hinderniss muss aber in diesen Fällen doch dagewesen sein, 



x ) Chiari, Braun und Späth, im Falle 1 und 2, pag. 181, ist die 
Ruptur bei stehender Blase entstanden ; auch unter den Präparaten der Klinik 
ist eines, wo das ganze ungeborstene Ei die linke Cervixwand durchbrach, 
der Riss sich bis zur linken Tubarmündung fortsetzte und das Ei in die 
Bauchhöhle geboren wurde. 



— 27 — 

sonst ist es nicht leicht denkbar, dass das ungeborstene Ei 
und der hochstehende Kopf in die Bauchhöhle geboren wurde. 

Die sich oft schon bei ganz geringem Hindernisse abnorm 
gestaltenden Verhältnisse des Uterus und Cervix lassen ein Zu- 
standekommen der Zerreissung in einer frühen Geburtsperiode 
auch bei stehender Blase ganz möglich erscheinen; noch mehr! 
Die Beckenverengerungen mittleren Grades begün- 
stigen das Zustandekommen dieser abnormen Ver- 
hältnisse und ein sehr enges Becken hindert es. Ich 
theile die Meinung Ramsb otham's *), dass die Laceration des 
Uterus am ehesten zu Stande kommt bei einer Mehrgebärenden, 
die ein nicht hochgradig verengtes Becken hat und schon mehrere 
Stunden in starken Wehen liegt. Ich hoffe, auch eine Antwort 
auf die öfter aufgeworfene Frage „warum bei den höchsten 
Graden von Beckenverengerungen so selten Rupturen vorkommen", 
zu finden. 

In meinen 32 Fällen ist nur in fünf beträchtliche Becken- 
verengerung vorhanden, in den übrigen ist sie nur massigen 
Grades. Nicht beim rachitischen Becken kommt die Ruptur am 
häufigsten vor, sondern beim einfach platten Becken mit Conj. 
ver. 3", 3 1 //, 3V 2 " (8—9 Cm.), wo die Frauen, wenn die Ver- 
hältnisse des Uterus und Cervix zum Becken bei den früheren 
Geburten normale blieben, oft leicht ihre Kinder geboren haben. 

Dieses Factum und die falsche Annahme, dass der Uterus 
bei der Geburt in seinem Körper und Grunde oft zerreisst, ist 
es ganz besonders, was dazu beitrug, dass so viele die Prädispo- 
sition des Gewebes in den Vordergrund stellten und sich ein 
spontanes Zerreissen des gesunden Uterus nicht denken konnten. 

Der Ansicht war Kiwi seh 2 ) und v. Scanzoni 3 ), beide 
glauben, dieselbe sei bewiesen durch die Fälle, wo Frauen ohne 
Ruptur des Uterus an Erschöpfung zu Grunde gingen oder nach 
Tage langem Mühen doch geboren haben und durch die täglichen 
Beispiele von Entbindungen, bei welchen die Wehenkraft, nach- 
dem sie fruchtlos lange gewirkt und ihren Höhenpunkt über- 



*) ßamsbotham, a. a. 0. 497. 

2 ) Kiwis ch, klinische Vorträge, I. Prag 1851, p. 241, 242. 

3 ) V. Scanzoni, Lehrb. d. Gebh. 1867, I. Bd., p 216. 



— 28 — 

schritten hat, nachgelassen und schliesslich die Kunsthilfe ein- 
schreiten nrnsste. 

Doch der Umstand, dass Frauen an Erschöpfung ohne 
Ruptur zu Grunde gegangen sind, ist kein Beweis dafür, dass 
sich ein gesunder Uterus nicht zerreissen kann; die Ausgänge 
bei räumlichem Missverhältnisse sind eben verschieden ; wir sehen 
ja die Frauen so oft nach langer Geburtsdauer von Fieber 
befallen werden und den Uterus erkranken, erlahmen, dann zer- 
reisst er sich freilich nicht mehr. Dass auch das kranke Organ 
und die erschöpfte Frau hie und da nach Tage langen Kämpfen 
und Mühen das todte, macerirte, vielleicht auch lebende Kind 
gebären, muss ich zugeben, kann diesem Factum aber auch 
gegenüberstellen, dass bei Erstgebärenden die Verhältnisse zur 
Ruptur sich nicht leicht herstellen, wie ich später zu zeigen 
hoffe und dass dem Uterus bei der Compressibilität der todten 
oder macerirten Frucht manches möglich wird, was ihm bei 
lebender Frucht unmöglich war. 

In Bezug des Einschreitens der Kunsthilfe ! Wer kann es 
sagen, dass die Ruptur nicht doch entstanden sein würde, wenn 
diese Hilfe nicht gekommen wäre. In meinen Fällen, I, II, IV, 
wo die spontane Ruptur an der Klinik zu Stande kam, wäre sie 
sicher nicht entstanden, wenn ich damals schon die Verhältnisse 
der Weichtheile so gekannt hätte, wie heute, und die Kunsthilfe 
noch zeitlich genug hätte einschreiten lassen. 

Ob der Ausgang in Erkrankung, Lähmung des Organes 
oder in Zerreissung der häufigere ist, kann ich nicht entscheiden, 
wird überhaupt heute, wo wir die Geburt bei räumlichem Miss- 
verhältnisse nicht zu lange währen lassen, schwer zu entscheiden 
sein ; aber auffallend sind mir die statistischen Zahlen Dr. C o 1 1 i n s' a ) 
aus der Dubliner Gebäranstalt gegenüber den meinigen. Dr. C o 1- 
lins sah, als er Master der Dubliner Anstalt war, unter 16.414 
Geburten 34 Fälle und ich habe beinahe in derselben Zahl 
(15.389) nur 12 Fälle beobachtet. Ich erwähne das, ohne mir 



*) Simpson, a. a. 0. 311. Dr. Collins war vom Jahre 1826—1833 
an der Dubliner Gebäranstalt. Master ist der Titel, den der Arzt führt, 
dem die Ueberwachung der Anstalt für den Zeitraum von sieben Jahren an- 
vertraut ist. 



— 29 — 

aber daraus einen Schluss zu erlauben; denn bei den seltenen 
Geburtsfällen spielt der Zufall eine zu grosse Rolle, ich sah an 
den gesammten Wiener Anstalten eine ununterbrochene Reihe 
von über 8000 Geburten vorübergehen, ohne einen Fall von 
Ruptur und im Gegentheile, in einer Woche zwei, ja einmal 
kamen in einer und derselben Stunde zwei Frauen mit vollendeter 
Ruptur an die Anstalt. 

Doch Kiwi seh selber gibt auf derselben Seite noch zu, 
dass auch hie und da, wenn der Austreibung der Frucht Hinder- 
nisse entgegen stehen, heftige Contractionen des Uterus, ohne 
dass ein Organisationsfehler bei ihm vorhanden ist, sein Gewebe 
trennen können. 

Es fehlt auch nicht an Versuchen, den Uterus von ver- 
storbenen Wöchnerinen gewaltsam zu zerreissen, die ganz na- 
türlich, weil man nur den Körper und Fundus im Auge hatte, 
und weil auch die Cervixverhältnisse ganz andere sind , als bei 
nach Ruptur verstorbenen, zu der Ansicht führen mussten, dass 
seine spontane Zerreissung kaum möglich sei. Man möge es nur 
versuchen, welche Kraft dazu gehöre, den Uterus einer verstor- 
benen Wöchnerin zu zerreissen, schreibt Franque, und meint 
dabei offenbar den Uteruskörper; er fand ja in seinen 26 ge- 
sammelten Fällen 19 mal die Zerreissung im Körper und Fundus. 
Durch Versuche an dem Uterus solcher, die ohne Ruptur ver- 
storben sind , lässt sich überhaupt nichts beweisen ; freilich ist 
es wahr, dass der Uteruskörper und auch der Cervix einer nicht 
nach Ruptur verstorbenen Wöchnerin sich schwer zerreissen lässt, 
aber ebenso wahr ist es , dass der Körper und Fundus einer 
nach spontaner Ruptur verstorbenen sich noch schwerer zer- 
reissen lässt, weil er meist massiger und fest contrahirt ist; der 
Cervix ist bei solchen aber leicht zerreisslich. 

Auch die neuesten Lehrbücher haben die Zerreissung des 
Uteruskörpers vorzüglich im Auge und sind dadurch gezwungen, 
die Prädisposition, -unter der sie eine Erkrankung des Gewebes 
verstehen , beizubehalten ; ich will nur eines der gelesensten, 
C. S c h r ö d e r 's 1 ) anführen, der, darin auf die Versuche D u n c a n 's 
hinweisend, meint: „Die acut entstehenden, perforirenclen Uterus- 



') C. Schröder, 1874, pag. 625. 



— 30 — 

rupturen entstehen vielleicht niemals bei vollständig gesundem 
Uterusgewebe." 

Die Untersuchungen von Du neun 1 ) sind mir von grossem 
Interesse und grosser Wichtigkeit, weil sie zeigen, ein wie grosser 
Druck nothwendig ist, um die Eihäute zum Bersten zu bringen. 

Durch einen Apparat von Prof. Pait, wo über eine er- 
weiterte Röhrenmündung die Eihäute gebunden wurden, liess 
Dune an Luft oder Wasser unter messbarem Drucke auf die 
Eihäute wirken ; es zeigte sich, dass die Decidua und das Cho- 
rion am ehesten und das Amnion am letzten platzte ; es gehörte 
aber eine ganz unerwartete Kraft dazu, die Membranen zum Bersten 
zu bringen. Er fand die zur Ruptur nöthige Kraft, bei einem, 
Durchmesser der Eihäute von 4^2 " von 4 — 37 1 / 2 Pfund wechselnd 
im Mittel betrug sie 16 3 / 4 Pfund. Aehnliches hat schon Poppel 2 ) 
gefunden und zeigen auch die Experimente von Schatz. Als aber 
Dune an mit demselben Apjoarate Versuche an dem Uterus 
machte, zeigte es sich, dass mit dem Apparate nicht genug Kraft 
zur Berstung des Uterus erzeugt werden konnte. 

Er schreibt: „Obwohl die Experimente sehr mangelhaft 
waren, so gaben sie doch wichtige Resultate; sie zeigten, dass 
die Natur den gesunden Uterus mit einem Apparate versehen 
habe, welcher grössere Leistungsfähigkeit im mechanischen Sinne 
besitze, als wie je erfordert wird, sie in Anwendung zu bringen. 
Und wenn es bestimmt wäre, dass der Uterus schwerere Arbeit 
zu leisten hätte, als er je unternimmt, so würde er nie spontan 
reissen, wenn er gesund sei. Für die Erklärung des Vorkommens 
der spontanen Ruptur ist es nothwendig, die Erweichung, den 
schwächenden Einfluss der Entzündung, eine Verdünnung oder 
andere krankhafte Veränderungen des Gewebes zu eruiren." -\ 

Die Meinung, dass der gesunde Uterus nicht zerreissen könne, 
führte dazu, ganz nebensächliche Dinge als Ursache der Zer- 
reissung anzusehen. 

Die Ulinachgiebigkeit der Vaginalportion (Ki- 
wi seh, Scanzoni) soll eines der gefährlichsten und zugleich 



') J. Matthews Dunean, Researckes in Obstetrics p. 321, 326, 
327. On the power of the uterus to resist a bursting pressure. 
2 ) Poppel, Monatscb. f. Gebk. Bd. XX, p. 1, 1863. 



— 31 — 

gewöhnlichsten Hindernisse sein, die den Contractionen des Uterus 
entgegentreten und zur spontanen Ruptur Veranlassung geben. 

Wenn man aber den Durchschnitt des puerperalen Cervix 
betrachtet, muss man a priori schon zweifeln an der diesem kurzen 
Antheile desselben zugedachten Rolle und Wichtigkeit und die 
von Vielen hervorgehobenen Krampfzufälle des Muttermundes 
kenne iclr gar nicht. 

Insofern als man vielleicht die Unnachgiebigkeit eines grös- 
seren Theiles des Cervix verstanden hat, muss ich zugeben, dass 
darin in sehr seltenen Fällen die Ursache zur Ruptur liegen kann, 
aber eine gewöhnliche Ursache ist sie gewiss nicht. Möglich er- 
achte ich das Zustandekommen der Ruptur, wenn der untere 
Cervixabschnitt durch pathologische Veränderungen unnachgiebig 
geworden ist und während der Geburt solche Verhältnisse ein- 
treten, class der obere Antheil abnorm gedehnt wird. 

Wir sehen bei Carcinom und Bindegewebszunahme im 
Cervix die meisten Frauen lange Geburtsarbeit leisten, ohne dass 
eine Ruptur entstellt und die abnorme Rigidität des ost. ext. sah 
ich immer durch unsere Geduld überwunden werden. 

Ich selbst sah drei Frauen, wo das Carcinom sich nur auf 
einen Theil des Cervix erstreckte, spontan gebären und zwei- 
mal, wo es ringförmig den Cervix umfasste, nach seitlichen 
Incisionen in das starre Gewebe und Craniotomie die Frau nach 
langer Geburtsdauer entbanden werden. Ich sah auch, wie hilf- 
los der Uterus ist, wenn der ganze Cervix durch massige Binde- 
gewebswucherung seine Dehnbarkeit verloren hat und prolabirt 
ist. In einem Falle bei einer Mehrgebärenden lag der grösste 
Theil des Cervix 3" (8 Cm.) weit vor der Scheide und bildete 
eine Geschwulst, die 3" (8 Cm.) im Durchmesser hatte; der Kopf 
war vollkommen vom Becken aufgenommen und stand mit dem 
unteren Uterusabschnitte, dessen ost. int. im Niveau der Sitzbein- 
stacheln lag, in demselben. 36stündige Geburtsarbeit änderte 
nichts an diesen Verhältnissen und nur nach tiefen Incisionen 
und Craniotomie war es möglich, das abgestorbene Kind schwierig 
zu extrahiren. Man könnte mindestens mit eben demselben 
Rechte den Satz umkehren und sagen, die Frauen erleiden keine 
Ruptur, wenn sie Carcinom etc. des Cervix haben. 



— 32 — 

Wenn kein Kinclestheil in den Cervix eintreten kann, ist 
eine Ruptur schwer denkbar. 

In allen meinen Beobachtungen, mit Ausnahme einer, fand 
die Ruptur bei vollständig erweitertem ost. ext. statt und in 
diesem einen (siehe F. VIII) war sicher nicht Unnachgiebigkeit 
des ost. ext. an der Ruptur Schuld. 

Auch rudimentäre Bildung oder Duplici-tät (Ki- 
wis eh. ! ), Tyler Smith) sollen das Ereigniss eher eintreten lassen. 
Dem entgegen sah ich bei allen Formen rudimentärer Bildung 
und Spaltung die Frauen spontan ihre Kinder gebären und mein 
hochverehrter Lehrer v. Braun 2 ), der gewiss an hundert Rup- 
turen beobachtet hat, kennt keinen Fall, wo es dieser Anomalie 
halber zur Ruptur gekommen wäre, auch Chi ari und Späth 3 ) 
sprechen sich so aus. Aber insofern als es bei dem wenig aus- 
gebildeten Uterus bicoris (Uterus bicoris unicollis, Kussmaul), 
wo der Querdurchmesser des Uterus oft seine Länge überragt 
häufig zu Schulterlagen kommt, kann vielleicht einmal die ver- 
nachlässigte Schulterlage Ursache der Ruptur werden. 

Auf das G e s c h 1 e c h t cl e s K i n d e s im Verhältniss zur Ruptur 
hat man von Dublin aus aufmerksam gemacht. Dr. Colli ns 
fand, dass in 23 seiner 34 Fälle das Kind männlichen Geschlech- 
tes war und führt auch an, dass Dr. Keever unter 20 Fällen 
lömal Knaben fand. Simpson 4 ) glaubt, dass in den grösseren 
Köpfen der Knaben die Ursache zu diesen Verhältnisszahlen liege; 
Dr. J. Clark hat in dieser Richtung Messungen vorgenommen 
und die Knabenköpfe im Mittel grösser gefunden. Auch in 
meinen 13 beobachteten Fällen waren 10 Knaben und nur 3 
Mädchen ; ich muss aber trotzdem das Geschlecht des Kindes 
als ganz ohne Einfluss , als einen Zufall hinstellen, weil unter 
den 10 Knaben 4 ein geringeres und 3 ein annähernd gleiches 
Gewicht hatten, als das leichteste Mädchen und bei den gleich- 
schweren kein Unterschied in der Circumferenz der Köpfe war. 



*) Kiwisch, a. a. 0. 247, Leisbman 488 

2 ) Carl v. Braun, über Hemmungsbildungen des Uterus, der Vagina 
und des Vestibulums, Wiener medic. Wocbenscbrift 1874, Nr. 36. 

3 ) Cbiari, Braun und Spätb, p. 188, c. 

4 ) James J. Simpson, Edinb. Journ. October 1844. Scbmidt's 
Jabrbücber, Bd. 45, p. 311. 



— 33 — 

Sogar einen epidemischen Einfluss suchte man mit der Ruptur 
in Zusammenhang zu bringen. 1 ) 

Fibroide des Uterus (Kiwis ch) sollen Veranlassung 
zur spontanen Ruptur geben können. Entgegen diesem sah 
ich viele Frauen mit Fibroiden spontan gebären. "Waren die 
Fibroide klein , so schadeten sie nichts ; waren sie grösser 
und sassen sie so, dass der Kindskopf sich in das Becken und 
in den Cervix einstellen konnte, so verlief die Geburt auch nicht 
schlimm, nur war die Schwangerschaft meist nicht zu Ende ge- 
führt. Hatten sie im unteren Uterusabschnitte ihren Sitz und 
bildeten sie ein Geburtshinderniss , so entstand nach der lang- 
wierigsten Geburtsarbeit keine Ruptur. Ich sah eine Frau im 
sechsten Monat abortiren, wo ich Mühe hatte, den nachfolgenden 
Kopf durch zwei halbkopfgrosse Fibroide durchzuklemmen. Die- 
selbe Frau war vor drei Jahren von den Prof. v. Braun und 
Späth nach langer Geburtsarbeit, und wo man schon die Sectio 
caesarea in Erwägung zog, durch Craniotomie von einem an- 
nähernd reifen Kinde entbunden worden. Die Fibroide allein sind 
es gewiss nicht, die zur Ruptur führen. 

Obwohl ich keinen ähnlichen Fall kenne, muss ich doch 
zugeben, dass Fibroide im Cervix unter denselben Umständen, 
wie ein unnachgiebiger unterer Cervixabschnitt, Ursache zur 
Ruptur geben können ; darauf glaube ich, sind die in der Literatur 
bekannten Fälle zurückzuführen. 

Dem unzweckmässigen Gebrauche von Seeale cornutum 
einen Einfluss auf das Zustandekommen der Ruptur zuzu- 
schreiben, liegt wegen seiner Contraction erzeugenden Wirkung 
sehr nahe, es haben Viele darauf hingewiesen, ohne demselben 
aber einen besonderen Einfluss zuzumuthen. Leishman 2 ) 
meint, bei nicht grosser Resistenz der Weichtheile könne es auch 
in seltenen Fällen als Ursache mit coneurriren. Einen ähnlichen 
Einfluss will auch ich dem Ergotin einräumen, obwohl ich dar- 
über keine Erfahrung habe; denn in den 3V- 2 Jahren meiner 



') S. Actenstücke zur Geschichte des bösartigen Puerperalfiebers, 
welches im Jahre 1819 in dem Gebärhause zu Wien herrschte; von Prof. 
Raimann, Boer etc. in den medic. Jahrb. d. Österreich. Staates. Neue 
Folge. Bd. I, 1822, p. 260 und Osiander, §. 33. 

2 ) Leishman, p. 484. 

3 



— 34 — 

Thätigkeit als Assistent habe ich nie einen Gran Ergotin vor 
Ablauf der Geburt zu verabreichen nothwenclig befunden und 
nur bei. zweien von den Frauen, die mit erlittener Ruptur an 
die Anstalt kamen, war schon Extr. secale gegeben worden. Ich 
möchte mir nie erlauben, gerade in einem Falle das Ergotin als 
Ursache der stattgefundenen Ruptur zu beschuldigen, obwohl ich 
weiss, dass, wenn die Situation zur Ruptur auf das äusserste 
gediehen ist, eine massige Contraction des Uterus denselben zum 
Reissen oder eine heftige Action der Bauchpresse denselben zum 
Platzen bringen kann. 

Obliquität und Schrägstellung des Uterus sei 
auch angegeben als Ursache der Ruptur, so sprechen sich 
Churchill 1 ) und Meadows 2 ) aus, und scheinen diesem keinen 
besonderen Werth beizulegen. Diese Schrägstellung des Uterus 
ist aber eine den thatsächlichen Verhältnissen entnommene 
Beobachtung. In den meisten Fällen kommt es, ehe die spontane 
Ruptur stattfindet, zu einer Schrägstellung des Uterus. 

Ebenso richtig halte ich die Beobachtung, dass beim sog. 
Hängebauche öfter Uterusruptur vorkommt, wie es schon Oslan- 
der erwähnte (siehe Einleitung). 

Auf die Prädis position des Gewebes selbst zurück- 
kommend, so wurde das Wesen derselben von verschiedener Seite fest- 
zustellen versucht; doch die Angaben, die darüber gemacht wurden, 
erfuhren selbst von pathologisch-anatomischer Seite Widerspruch ; 
ich glaube es als solchen auffassen zu dürfen, dass Cohnheim 3 ) 
in der Sitzung der Gesellschaft der Geburtshilfe in Berlin ein 
Präparat von Uterusruptur vorlegte und hervorhob, dass der 
Riss im Halse war und keinerlei Gewebserkrankung des Uterus 
nachzuweisen war. 

Weil in einem dem Protokolle entnommenen Falle (14) die 
Angabe gemacht ist, dass in der Umgebung der Rissstelle die 
Muskelfasern durch Auftreten feiner Fetttropfen und molecularen 
Zerfall verändert waren, muss ich mir die Bemerkung erlauben, 
dass diese Veränderungen des Gewebes durch den schon begon- 



») Churchill, a. a. 0. p. 521. 

2 ) Meadows, a. a. 0. p. 377. 

3 ) Verhandlungen der Gesellschaft der Geburtshilfe in Berlin; Sitzung 
am 13. März 1866 



— 35 — 

nenen Entzündimgs- oder Involution s-Process herbeigeführt worden 
sein konnten. Es treten ja schon nach wenigen Tagen feinste 
Molecüle in der, den Kern umgebenden, homogenen Substanz 
der Muskelzellen auf 1 ). Es scheinen mir überhaupt alle, die in 
dieser Richtung Untersuchungen angestellt haben, auf falscher 
Fährte zu sein, Aveil sie sich hauptsächlich mit der Untersuchung 
der Rissstelle im Uteruskörper, in dem doch der Riss nur vom 
Cervix aus fortgesetzt ist, befassten. So schreibt Kl ob 2 ) auf 
pag. 226 , dass er bei mehreren Fällen von spontaner Uterus- 
ruptur Verfettung der Muscularis im Bereiche der Rissstelle beob- 
achtet habe, und auf pag. 228, dass die Zerreissung selten über 
das ost. int. reiche und er nur einen Fall kenne, wo der Riss 
bis nahe an die rechte Tubarmündung verlief. Eine periphere 
Bindegewebs- Wucherung, wie sie sich im Gefolge von Perime- 
tritis entwickelt und von Kl ob häufig bei Uterusruptur beob- 
achtet wurde, hat die Section in meinen Fällen nie erwiesen. 

In der Schwangerschaft vorausgegangene, acute oder chro- 
nische Entzündung des Uterus, die meistens umschrieben und 
mit Erweichung auftritt, soll zur pathologischen Verdünnung 
seiner Wände führen, wie es von Kiwi seh 3 ) angenommen 
wurde und wie es Dr. Murphy 4 ) im Dubliner Gebärhause beob- 
achtet haben will. 

Ich kann dem nichts entgegnen , als dass ich in allen meinen 
32 Fällen nichts ähnliches bemerkt habe ; ich muss aber zugeben, 
dass, wo unter solchen Verhältnissen die Schwangerschaft 
fortbesteht, das erkrankte oder metamorphosirte Gewebe eine 
Ursache zur Zerreissung geben kann. Es gehören aber diese Fälle 
gewiss zu den aller seltensten. 

Dass die Uterusnarbe nach der Sectio caesarea bei wieder 
eingetretener Schwangerschaft sich sehr verdünnt und bei den 
Contractionen des Uterus, wenn sich der Austreibung der Frucht 
nur wenige Hindernisse in den Weg stellen, platzt, ist sehr 
begreiflich und die darüber veröffentlichten Fälle ganz glaub- 
würdig; aber dass unter solchen Verhältnissen der Uterus auch 



') Luschka, p. 365. 

2 ) J. M. Klob, Pathol. Anat. d. weibl. Sexualorgane. 

3 ) Kiwi seh , p. 247. 

4 ) Leishman, p. 485. 

3 : 



— 36 — 

an der entgegengesetzten Seite spontan zerreissen kann, wie es 
von Kiwis ch 1 ) als ebenso käufig^bekannt hingestellt wurde, ist 
mir sehr zweifelhaft. 

Ebenso wie die Narbe nach Sectio caesarea bei der nächsten 
Geburt reisst, kann auch die Narbe, die durch vorausgegangene 
zufällige Verletzung entstanden ist, reissen, wenn sich der Aus- 
treibung der Frucht Hindernisse in den Weg stellen. In dem 
Falle 7 von Chiari, Braun und Späth war die Frau vier 
Tage nach Fruchtwasser- Abfluss , nach langer Geburtsarbeit an 
die Anstalt gebracht worden und ich glaube , die Ursache der 
spontanen Zerreissung ist weniger in der geringen Widerstands- 
fähigkeit der Narbe , als in dem räumlichen Missverhältnisse 
gelegen gewesen ; denn es sind auch Fälle bekannt, wo bei einer 
nach geheilter Uterusruptur wieder eingetretenen Schwangerschaft 
und Geburt, wo die zu überwindenden Hindernisse geringere 
waren, keine Uterusruptur entstand (siehe Fall 3). Aehnliche 
Fälle sammelten auch Bluff 2 ) und Dr. C ollin s 3 ). 

Eine entzündliche Erweichung soll jeder Uterus nach lang- 
wieriger, erfolgloser Geburtsthätigkeit eingehen, diese Erweichung 
wird dann die nächste Veranlassung zur Ruptur, wenn das Indi- 
viduum nicht schon früher der Erschöpfung erliegt (Kiwi seh). 
Diess ist meiner Anschauung nach der Ausgang der Geburt bei räum- 
lichem Missverhältnisse in Lähmung des Organes, wo die Frauen, 
wenn die Kunsthilfe einschreitet, schon schwer krank sind, und 
wenn sie sich selbst überlassen bleiben, unentbunden zu Grunde 
gehen, ohne dass Uterusruptur eintritt. 

Zu der Annahme einer physiologischen Verdünnung 
der Uteruswände (Kiwis ch) gaben die Fälle Veranlassung, wo 
man einzelne Kindestheile, nur von dünnen Wandungen bedeckt, 
unter den Bauchdecken fühlte. Diese Beobachtung ist voll- 
kommen richtig von Michaelis 4 ), Ki wisch u. A. gemacht 
worden und ich kann bestätigen, dass man den Kindskopf be- 



J ) Ki wisch, a. a. 0. p. 248. 

2 ) Bluff, El. v. Siebold's Journ. Bd. XV. 1835, p. 249, Beob. 10, 
11, 16, 18, 25. 

3 ) Co 11 ins, Pract. treatise on miclwifery etc. 1835, p. 240. 

4 ) Michaelis G. A., herausg. von C. Litzmann, Leipzig 1865, 
p. 177, Beob. IX. 



— 37 — 

sonders bei Hydrocephalie und vernachlässigter Schulterlage oft 
scheinbar nur von Bauchwandungen bedeckt fühlen kann; aber 
die Ansicht, glaube ich, ist falsch, oder gilt gewiss nur für die 
seltensten Fälle, dass die Fasern des Uterus aus ihrer Richtung 
gebracht werden und schliesslich auseinanderweichen. 

Ich habe in vielen ähnlichen Fällen immer nachgewiesen, 
dass die so leicht durch die Bauchdecken fühlbaren Kindestheile 
nicht von verdünnter Uteruswand, sondern von Cer- 
vixwand bedeckt waren. 

Unter allen Angaben über die Abnormitäten des Gewebes 
begegnen wir der von Chiari, Braun und Späth 1 ) hervorge- 
hobenen, von C. v. Braun 2 ) ausführlicher besprochenen, über- 
mässigen Verdickung des Uteruskörpers und Grundes , während 
der Cervix manchmal auf kaum ein paar Linien verdünnt ist, 
am häufigsten. 

Zahlreiche alte und neue Beobachtungen stimmen damit 
überein; die Lachapelle 3 ) berichtet schon über einen ähn- 
lichen Fall, wo eine Frau während der Wehen gestorben war; 
man fand einen grossen Bluterguss ausserhalb des Uterus unter 
dem Peritoneum und einen incompleten Biss. Die Piissstelle bot 
eine merkwürdige Dünnheit dar, indem sie 3 / 4 " (2 Cm.) dünner 
war, als die übrige Uterusmuskulatur; die Ruptur verlief vertical 
im Collum uteri. 

Arneth 4 ) hob dieses Verhältniss hervor und es scheint 
ihm wahrscheinlich, dass in diesen Fällen die Zerreissung der 
Gebärmutter durch die grössere Ausbildung des Muskelstratums 
am Corpus und Fundus uteri verursacht wurde, dem das Gewebe 
am Halse bei der Erweiterung nicht den entsprechenden Wider- 
stand leisten konnte ; es mag nun diese grössere Ausbildung eine 
angeborene oder in der Schwangerschaft erworbene sein. Dass 
spontane Uterusrupturen vorkommen, wo weder eine Becken- 
verengerung zugegen ist, noch die Geburtsarbeit eine lang an- 
strengende war, scheint ihm für diese Ansicht zu sprechen. 



*) Chiari, Braun und Späth, a. a. 0. p. 188. 

2 ) Carl Braun, Lehrbuch der Geburtshilfe, Wien 1857, p. 388, 389. 

3 ) Lachapelle, III. p. 163, Korniann J. 23, 25. 

4 ) Arneth, Geburtsh. Praxis. Wien 1851, p. 179. 



— 38 — 

Auch Grenser x ) beobachtete im Jahre 1853 und 1854 in 
dem Entbindungsinstitute zu Dresden spontane Rupturen des 
Uterus, wo die sehr beträchtliche Dicke des Grundes und Körpers 
gegen die Dünnwandigkeit des unteren Uterussegmentes, wo der 
Riss stattfand, sehr auffiel. 

Ich selbst sah fast in allen meinen Fällen dieses Verhält- 
niss ; auch in den Sectionsbefunden der in den Protokollen ver- 
zeichneten Fälle finde ich es sehr häufig (siehe besonders die 
Fälle 11 und 12, wo der Cervix 5" [13 Cm.] lang angegeben ist). 

In den genauen Sectionsbefunden fehlt diese Beobachtung 
fast nirgends, wo die Frauen kurz nach erlittener Ruptur ver- 
storben sind. In den beiden von Winkel 2 ) mitgetheilten Fällen 
finden wir dieses Verhältniss im Falle 1, wo bei einer sechsten 
Geburt drei Zangenversuche gemacht wurden. Bei der Section 
fand man wohl nur tiefere Einrisse in den Cervix, es waren aber 
schon die Verhältnisse für die Ruptur ausgebildet. Es fiel bei 
der Section beim Durchschneiden des Uterus die Differenz zwischen 
Körper und Cervicaltheil des Uterus auf, der im Körper 4 l /a — 7 Cm., 
im Cervix P/3 — 2 Cm. mass; das Becken war ein allgemein ver- 
engtes. In dem zweiten Falle waren die Verhältnisse schon etwas 
durch den längeren Krankheitsverlauf getrübt. 

Für die Richtigkeit dieser Beobachtung trete ich ein und 
ich habe mir lange schon die Frage vorgelegt, ist der grössere 
Uterus oder der dünnere Cervix das Abnorme in diesen Fällen. 
Zur Beantwortung dieser Frage habe ich Messungen des Uterus 
bei Erst- und Mehrgebärenden kurze Zeit nach der Geburt vor- 
genommen und habe gefunden, dass der Uterus Mehrgebärender 
im Durchschnitt grösser ist. Es kommen aber dabei grelle 
Unterschiede vor und es scheint mir der Uterus Mehrgebärender, 
die schon mehrmals ein räumliches Missverhältniss überwunden 
haben, in der Regel mehr entwickelt zu sein. Ich habe nur in 
einigen solcher Fälle, wo mir der Verlauf der vorausgegangenen 
Geburten genau bekannt war, gemessen und habe gerade bei 
diesen die grössten Masse gefunden. Obwohl es der Analogie 



') Naegele Grenser, p. 689. 

'-) Dr. F. Winkel, Berichte und Studien aus dem k. sächs. Entbin- 
dungsinstitute in Dresden, Leipzig 1874, p. 131, F. 1, p. 434, F. 2. 



— 39 — 

nach mit anderen Muskelgeweben, die auch im Verhältnisse mit 
der zu leistenden Arbeit an Masse zunehmen, sehr einleuchtend 
wäre , diess anzunehmen , muss ich es doch , der noch wenigen 
Fälle halber, einstweilen dahingestellt sein lassen. 

Die kürzesten Masse des Uterus unter 60 Mehrgebärenden 
waren, die Länge von der Symph. oss. pub. bei leerer Blase gemessen 
4Va" (12 Cm.), Breite 3V 2 " (9 Cm.) und Dicke 3" (8 Cm.). Die 
grössten Masse, wie ich sie bei einer IV. Gebärenden, die dreimal 
schon bei 6 Pfd. (3400 Gr.) schwere Kinder bei einer C. v. von 
3 Vi" (8'5 Cm.) immer nach längerer Geburtsarbeit geboren hatte, 
fand, waren Länge 7" (18*5 Cm.), Breite 6" (16 Cm.), Dicke 
5" (13 Cm.); annähernd diesen fand ich die Masse in vier ähn- 
lichen Fällen. 

Nach diesen Messungen ist es mir zweifellos, dass ein eben 
so grosser Uterus, wie wir ihn bei nach Uterusruptur Verstor- 
benen häufig finden , bei Mehrgebärenden , die spontan geboren 
haben, oft vorkommt. Der grössere Uterus ist meines Erachtens 
gewiss nicht allein die Ursache der Ruptur; er wird aber häufig 
bei nach Uterusruptur Verstorbenen gefunden, weil diese meist 
schon mehrere Kinder nach schwerer Geburtsari) eit geboren 
haben und weil, wenn einmal die Verhältnisse zur Ruptur sich 
hergestellt haben, ein kräftiges Organ leichter seinen Hals zer- 
reisst als ein schwach entwickeltes. 

Demzufolge kann ich in diesen Fällen für das Abnorme 
nicht den grösseren Uterus halten, sondern ich muss für 
das Abnorme den verdünnten Cervix halten. 

Es fragt sich nun, ist diese Verdünnung des Cervix ange- 
boren, während der Schwangerschaft erworben oder bei der Ge- 
burt erst entstanden ? Das erstere könnte nur für Erstgebärende 
in Erwägung kommen ; bei diesen kommt aber die Ruptur des 
Uterus selten vor. Um eine der beiden letzten Eventualitäten 
festzustellen, habe ich Durchschnitte durch den Cervix bei kurz 
(innerhalb 48 Stunden) nach der Geburt ohne und mit Uterus- 
ruptur Verstorbener gemacht und sie mit einander verglichen. 
Ich habe gefunden, dass, so wie im Leben in der Regel die 
Vaginalportion Erstgebärender zarter ist, auch der ganze Cervix 
schwächer als bei Mehrgebärenden ist; entgegen dem kommt 
die Ruptur bei Erstgebärenden selten, bei Mehrgebärenden häufig 



— 40 — 

vor. Es sind aber die Unterschiede nicht sehr gross und auf 
Taf. I, Fig. 1 gebe ich den Durchschnitt des grössten Cervix, 
den ich bei einer IV. Gebärenden und in Fig. 2 den Durchschnitt 
des kleinsten Cervix, den ich bei einer Erstgebärenden gefunden 
habe; beide hatten normal reife Kinder geboren. 

Vergleicht man damit die Cervixdurchschnitte von an spon- 
taner Ruptur Verstorbenen, so findet man die grössten Unter- 
schiede, aber nur in der Länge und Dicke; der Cervix hat ge- 
wöhnlich so viel an Länge gewonnen, als er an Dicke verloren hat. 

Auf Taf. I, Fig. 3 gebe ich den Durchschnitt durch den 
Cervix einer Frau mit engem Becken, die zweimal an unserer 
Klinik lebende Kinder geboren hatte und nach stattgefundener 
Ruptur, ohne dass das Kind in die Bauchhöhle austrat, starb. 
Das Kind wurde gleich nach dem Tode durch die Sectio caesarea 
entwickelt. Dieser Fall bestätigte die Richtigkeit meiner Ansicht 
über die Art des Zustandekommens der Ruptur vollkommen 
(siehe Mechanik). 

Auf Taf. I, Fig. 4, 5 gebe ich den Durchschnitt des Cervix 
einer Frau, bei der ich vor zwei Jahren Craniotomie an unserer 
Klinik ausführte. Dieselbe erlitt ausser der Klinik, bei nicht 
sehr weit vorgeschrittenen abnormen Cervixverhältnissen bei der 
bei Kopflage der Frucht ausgeführten Wendung eine Ruptur des 
Cervix im oberen Dritttheile. 

Eine solche Aenderung der Cervixverhältnisse in der 
Schwangerschaft ist nicht leicht denkbar und müsste auch schon 
längst aufgefallen sein; es bleibt daher nichts anderes möglich, 
als dass diese Verhältnisse erst während der Geburt entstanden 
sind. Und so ist es auch in der That, ich habe diese sich bei 
räumlichem Missverhältnisse so abnorm gestaltenden Cervixver- 
hältnisse Schritt für Schritt an der Lebenden verfolgt und will 
diess auch auf den nächsten Seiten mittheilen. 

Es erscheint mir in allen meinen Fällen durchaus nicht 
nothwendig, eine Prädisposition auch nur des Cervicalgewebes 
anzunehmen, wie es Duparcque und auch Churchill 1 ) für 
Frauen vorgerückten Alters thun zu müssen glauben. 

Der Uterus kann, wenn er gesund und stark genug ist 



!) Churchill, a. a. 0. p. 522. 



— 41 — 

und lange genug wirkt, seinen ganz normalen Cervix spontan 
zerreissen, wenn es ihm gelingt, denselben bei der Geburt bis 
zu einer gewissen Grenze zu verdünnen. In allen meinen Beob- 
achtungen genügt mir als Ursache für das Zustandekommen der 
spontanen Ruptur das räumliche Missverhältniss, und die abnorme 
Verdünnung des Cervix ist nur in Folge desselben erst bei der 
Geburt zu Stande gekommen. 

Doch eines ist noch aufzuklären! In den meisten Fällen 
kommt es zur Ruptur, wenn der Cervix auf das äusserste ver- 
dünnt ist; in selteneren Fällen scheint mir der Cervix diese 
äusserste Verdünnung noch nicht erreicht zu haben, als der 
Riss entstand. 

Warum bei geringerer Verdünnung des Cervix hie und da 
die Ruptur schon erfolgt, dafür habe ich bis jetzt noch keine 
beweisende Antwort; vielleicht kann es das Mikroskop noch ent- 
scheiden. Die Unterschiede in der Dicke der Wand beim Ent- 
stehen der Ruptur können wohl nur geringe sein und eine kleine 
Abweichung in der ursprünglichen Anlage des Gewebes oder ein 
ruckweises Einwirken einer Kraft oder die Narbe einer früheren 
Verletzung könnte diess erklären. 

Ich habe wohl auch in zwei Fällen (siehe Taf. I, Fig. 6) 
das Gewebe des abnorm verdünnten Cervix in der Umgebung 
der Rissstelle von heerdweisen, kleinen Blutextravasaten zerwühlt 
gefunden und wäre auch dadurch das frühere Eintreten der 
Ruptur in diesen Fällen erklärlich. Ich will diess noch dahin 
gestellt sein lassen, obwohl auch das Eintreten öfterer Berstung 
kleiner Gefässe in der Cervixwand, deren Anlage x ) von der Natur 
für eine so kolossale Dehnung des Cervix, wie sie bei spontaner 
Ruptur stattfindet, nicht eingerichtet ist, leicht denkbar wäre. 
Auch die Thrombosirung der Gefässe, die in den Rissflächen oft 
gefunden wird, und die grösseren, oft lang-ovalen Venenlumina, 
wie sie auf Tafel I, Fig. 3 zu sehen sind, scheinen mir mit der 
abnormen Dehnung des Cervix und seiner Umgebung zusammen 
zu hängen. 



*) Hyrtl, Corrosionsanatomie , Wien 1873. Uterus, Taf. XII, XIII, 
XIV, XV. 



Mechanik. 

Das ominöse Ereigniss „Ruptura uteri" findet nicht allein 
beim menschlichen Weibe, sondern nach den Beobachtungen 
Ritter's 1 ) u. A., auch bei verschiedenen Thieren statt. 

Bevor ich auf die Art des Zustandekommens der Cervix- 
ruptur eingehe , muss ich einige Worte über das Verhältniss des 
Cervix bei der Geburt sprechen. Dass der Cervix sich bei der 
Geburt passiv verhält und wie ein elastischer Schlauch durch 
den eindrängenden Kopf länger und breiter wird, ist von vielen 
Autoren 2 ) längst behauptet worden und durch den von Braune 3 ) 
meisterhaft ausgeführten Durchschnitt der Leiche einer gebären- 
den Frau zu einem feststehenden Factum geworden. 

Bis zu der Geburtsphase, wo der Kopf vollkommen vom 
Cervix aufgenommen ist, ist das Verhalten der Weichtheile klar; 
aber wie der Cervix über den Kindeskopf hinaufkommt, über den 
Uebergang von Eröffnungsperiode zur Austreibungsperiode, finde 



>) Kitter Bernhard, Schmidt's Jahrb. B. XLII. p. 193. 

2 ) Mein Lehrer, Prof. v. Braun, sprach sich vor mehr als 10 Jahren 
in der Weise aus, dass der Cervix beim Durchtritte des Kopfes handbreit würde. 

0. Spiegelberg, De cervicis uteri in gravidate etc. Regomonti 1865. 
Er hebt hervor, dass man von einer isolirten Betrachtung der Vaginalportion 
absehen und den Cervix in seiner Totalität betrachten müsse, da jene nur 
eine Duplicatur der Scheidenschleimhaut sei. Er fand, dass die Länge des 
Cervix unverändert bleibt, so lange nicht Contractionen das Ei gegen den 
Canal andrängen und so seine Wände auseinander treiben. Breisky sprach 
in der 43. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Innsbruck 
1869 über das Verhalten des Cervix während der Geburt und gab an, dass 
er denselben 6 Cm. lang fand und wies darauf hin, dass diess für die Häufig- 
keit der Ruptur im Collum von Belang sei. Hegar fragte nach der ange- 
wendeten Messungsmethode — und man sieht daraus, wie zweifelhaft diese 
Mittheilung damals noch erschien. 

3 ) Braune, Topogr. anat. Atlas, Supplem. Taf. C und Schröder's 
Lehrb. d. Gebh. 1874, p. 140. 



— 43 — 

ich nirgends klare Angaben; auch Lott 1 ) bleibt bei dieser Ge- 
burtsphase, wo der Kopf den Cervix vollkommen ausgedehnt hat, 
stehen. Es ist mir diess für meine Erörterungen von grosser 
Wichtigkeit, darum möge man es mir verzeihen, wenn ich einige 
Worte darüber spreche. 

Wenn man sich die Verhältnisse vor Augen hält, so gibt 
es dafür keine anderen massgebenden Factoren, als die Muskel- 
kraft des Uterus und die Elasticität des Cervicalgewebes selbst. 
Der Cervix wird bei den Contractionen des Uterus nach und 
nach über den Kopf hinaufgezogen, und wenn das ost. ext. ein- 
mal in der Nähe der grössten Schädelperipherie ist, mag auch 
seine Elasticität eine untergeordnete Rolle spielen. Dass es sich 
so verhält, erhellt aus der Anordnung der Muskulatur des Gebär- 
organes und dem Ausstrahlen derselben in das derbe Bindegewebe 
der Vaginalportion ; es beweisen diess besonders auch die Fälle bei 
Erstgebärenden, wo der Kopf tief mit seinem Scheitel im Niveau 
der Sitzbeinstacheln steht und der feinsaumige, fingerbreite Rand des 
Cervix sich so knapp an den Kopf anspannt, dass der Anfänger 
oft glaubt, den nackten Kopf zu touchiren; das ost. ext. ver- 
schwindet unter solchen Verhältnissen nach und nach über den 
Kopf hinauf, während derselbe mit seinem Scheitel im Niveau 
der Sitzbeinstacheln stehen bleibt oder höchstens sich um seine 
Axe rotirt. Man kann sich keine anderen Kräfte denken, die 
den Cervix über den Kopf hinaufbrächten, als die Contractionen 
des Uterus und der Adnexa. 

Aehnlich verhält sich dieser Vorgang bei allen normalen 
Geburten, nur findet die Geburt durch den Cervix und das Zu- 
rückgezogenwerden desselben bei Mehrgebärenden gewöhnlich bei 
etwas höher stehendem Kopfe statt. Ich gehe nur von diesem 
allbekannten Vorkommen bei Erstgebärenden aus, um meine An- 
sichten klarer entwickeln zu können, und glaube durch eine 
Zeichnung meine Absicht sehr zu fördern. Siehe Taf. III, Fig. 1. 

Während der Eröftnungsperiode stellen sich nach und nach 
die Verhältnisse für die grösstmöglichste Kraftäusserung des 
Uterus her, der Uterus stellt sich mit seinem ost. int. in die 



J ) Lott, Cervix uteri, Verhalten desselben bei der Geburt, Erlangen 
1872, p. 99 und 90. Er gibt die Länge des Cervix 6 — 8 Cm. an. 



— 44 — 

Ebene des Beckeneinganges und es können von jetzt an alle 
Factoren zur Austreibung des Kindes kräftiger mitwirken und 
besonders die Adnexa des Uterus, ich verstehe darunter die 
Weichtheilc, durch die der Uterus mit seiner Umgebung im 
Becken zusammenhängt, besonders die lig. teres, in die seine 
Muskelfasern ausstrahlen , kommen zur Entwickeluug ihrer mög- 
lichsten Leistungsfähigkeit. 

Ich muss auf die Luschka'sche a ) Zeichnung der Musku- 
latur des frisch entbundenen Uterus hinweisen, die ich der bes- 
seren Ueb ersichtlichkeit halber auf Taf. II beigefügt habe. Die 
oberflächliche Schichte der Muskulatur umfasst haubenähnlich 
den Grund und den grössten Theil der vorderen und hinteren Wand 
der Gebärmutter und strahlt in die Adnexa derselben, besonders in 
das lig. teres aus. Nur wenn das ost. int. im Niveau des Becken- 
einganges steht, kann dieser Factor nebst der Bauchmuskulatur 
die Contractionen der Gebärmutter auf die ausgiebigste Weise 
unterstützen. Ich muthe diesem Factor ebenso wenig austrei- 
bende Kraft zu wie Luschka, aber dass er wirkt und dass der 
Uterus in Bezug auf diese Kraft zum punctum fixum wird, das 
bestätiget mir das Verhalten des lig. teres bei der Geburt; es 
spannt sich dasselbe bei jeder Wehe, besonders aber in der Ge- 
burtsphase, von der ich ausgegangen bin, und man kann es bei 
nicht zu dicken Frauen wie eine federkiel- bis bleistiftdicke, 
straffe Saite durch die Bauchdecken hindurch fühlen. 

Dass das ost. int. bei der Geburt nahe dem Niveau des 
Beckeneinganges steht und nicht viel weiter nach aufwärts rückt, 
wird bekräftiget durch den Befund an der Leiche ; wenn man in 
der Leiche einer kurz nach normaler Geburt verstorbenen Erst- 
gebärenden den Uterus fasst und über das Niveau des Becken- 
einganges, die Adnexa spannend, emporzieht, so fällt das ost. int. 
nicht weit über das Niveau des Beckeneinganges. Man kann 
sich leicht davon überzeugen, wenn man im Niveau desselben 
von vorne nach hinten eine Nadel durchsticht, der Stich fällt 
circa 3 — 4 Cm. unter das ost. int.; im Leben muss dasselbe 
aber tiefer gelegen sein, weil bei vollem Uterus die Adnexa eine 
mehr nach aussen divergirende Richtung haben und in der Leiche 



') Luschka, Anatomie des Beckens, Tübingen 1864, p. 366. 



— 45 — 

bei leerem Uterus sich mehr einer geraden Linie nähern. Diess 
bestätiget mir noch der Befund an der Lebenden selbst. 

Wenn man bei einer Erstgebärenden, die normal geboren 
hat, gleich nach der Geburt des Kindes bei noch in der Uterus- 
höhle befindlicher Placenta untersucht, so findet man immer das 
ost. int. am oberen Rande der vorderen Beckenwand. Wenn 
man bei einer Mehrgebärenden , die noch kein abnormes Hin- 
derniss überwunden hat, bei hoch und im Cervix beweglich 
stehendem Kopfe untersucht, so findet man auch das ost. int. 
nicht weit vom Beckeneingange. Nach Geburt des ersten Zwillings- 
kindes kann man dieses Verhältniss ebenfalls sehr schön finden 
und sehen, wie different das Muskelgewebe des Uterus vom 
Cervicalgewebe ist. Auch einige der schönen, von Prof. Barth 
dargestellten Gypsabgüsse des schwangeren Uterus (Mehrgebä- 
render) in situ im Wiener anat. Museum zeigen dieses Ver- 
hältniss des ost. int. zum Beckeneingange. 

Merkwürdig finde ich das Zusammentreffen der Länge der 
seitlichen Beckenwand mit der Länge des vollkommen vom Kopfe 
ausgedehnten Cervix, sie betragen beide circa 10 Cm. 

Luschka 1 ) deducirt aus der an dem frisch entbundenen 
Uterus dargestellten Muskulatur, dass in der Wirkungsart der 
sich zusammenziehenden Uteruswand ihre Faserrichtungen sich 
darin offenbaren, dass durch sie einerseits ein concentrischer Druck 
auf den Inhalt der Gebärmutterhöhle ausgeübt , andererseits die 
Wandungen über ihn zurückgezogen würden. Diesem entsprechen 
auch alle Erscheinungen am Geburtsbette. Der concentrische 
Druck pressb das Kind in den elastischen Cervix; aber erst 
wenn derselbe von einem Kindestheile ausgedehnt ist, kann die 
zweite Wirkungsart die Zurückziehende in ausgiebige Wirksam- 
keit gesetzt werden, das lehrt ein Blick auf die nackte Uterus- 
muskulatur. Der Uterus ist in der oberflächlichen Muskulatur, 
die in die Adnexa ausstrahlt und mit der tiefliegenden innig zu- 
sammenhängt , gleichsam wie in einer Schleife gefasst, die sich 
zu beiden Seiten nach abwärts gegen den Cervix fortsetzt. Erst 
dann, wenn das ost. int. im Niveau des Beckeneinganges steht, 
fühlt man das Aufstellen des Uterus deutlicher, es spannen sich 



') Luschka, a. a. 0. p. 368, 



— 46 — 

die lig. teres am straffsten und jetzt erst beginnt das Zurück- 
weichen des Cervix. 

Wenn der Uterus sich in diese Situation gestellt hat, da 
beginnt die ganze Geburtsthätigkeit energischer zu wirken; 
während die Gebärende bei der Erweiterung des Cervix nur 
stöhnt und sogar auf Aufforderung , die Bauchpresse wirken zu 
lassen, angibt, dass ihr das unmöglich sei, fängt jetzt fast un- 
willkürlich die Bauchmuskulatur zu wirken an ; und welch' mäch- 
tiger Factor dieselbe wird, ersieht man aus dem, wie die Ge- 
bärende mit Aufwand aller Körpermuskeln ihr Skelet fixirt, um 
die Bauchpresse um so ausgiebiger wirken lassen zu können. 
Ihre Leistung ist keine geringe und es hängt oft auch von ihr ab, 
ob der Uteras bei der oder der nächsten Geburt intact bleibt. 

Ihre Leistung besteht in einem Umbiegen der Uterusaxe nach 
hinten, wodurch die Seitwärtsbiegung des Kopfes nach der hinten 
gelegenen Schulter und damit die Näg ersehe Obliquität zu 
Stande kommt, wie Schatz *) es bemerkt und das von Braune 2 ) 
aus der gefrorenen Leiche gemeisselte Kind es neuerdings bestätiget. 

Sie erfüllt aber meines Erachtens mit den Adnexis ihre 
Aufgabe nur dann, wenn sie im Stande ist, den Uterus mit 
seinem ost. int. in der Nähe des Beckeneingangsniveau zu er- 
halten, wie es unter normalen Verhältnissen bei Erst- und Mehr- 
gebärenden, wo alle Factoren zur Ueberwindung der Widerstände 
harmonisch zusammenwirken, der Fall ist. Der Uterus bleibt 
bei normalem Becken bei Erst- und Mehrgebärenden, wenn der 
Kopf vollkommen vom Cervix aufgenommen ist, mit seinem ost. 
int. annähernd im Niveau des Beckeneinganges und in dieser 
Stellung überwindet er, den Cervix gleichzeitig über den Kopf 
des Kindes hinaufziehend, die normalen Widerstände. Der Uterus 
wird dabei durch die Bauchpresse und durch die Adnexa, be- 
sonders durch die lig. teres, die nach dem Ausspruche Hyrtl's 3 ) 
wahre Verlängerungen der Gebärmuttersubstanz sind, in dieser 
Stellung erhalten und unterstützt. Verlässt der Kopf den Cervix, 
dann weicht das ost. int., so weit es die Adnexa erlauben, über 
das Niveau des Beckeneinganges empor. 

*) Schatz, Beiträge zur physiol. Gebk., Gynaec. Archiv, B. IV., p. 83. 
2 ) Braune, Topogr. ariat. Atlas, Supplem., Taf. D. 
s ) Hyrtl, Anatomie, 1862, p. 645. 



— 47 — 

Auf die Frage, wie sich der Cervix weiter verhält, wenn er 
einmal über den Kopf hinaufgezogen ist, ist schwer eine bewei- 
sende Antwort zu geben; wenn aber das ost. int. nahe dem 
Niveau des Beckeneinganges bleibt, kann er schwer mehr in 
besondere Spannung versetzt werden. 

Ich glaube, dass er ganz passiv, sein Gewebe durch eigene 
Elasticität und Contractionen retrahirend, am Halse des Kindes 
liegen bleibt. Am Braune'schen Durchschnitte sieht man diese 
rasche Veränderung des Cervix, nachdem er über den Kopf hin- 
aufgezogen ist, sehr schön ; der hinaufgezogene Theil ist schon 
wieder beträchtlich verdickt und verkürzt. 

Gegen meine Annahme , dass das ost. int. im Beginne der 
Austreibungsperiode annähernd im Niveau des Beckeneinganges 
steht, scheint der Braune'sche Durchschnitt der gebärenden 
Frau zu sprechen. Doch zeigt er, glaube ich, nicht ganz nor- 
male, sondern schon etwas abnorme Verhältnisse und ist dadurch 
für die Geburtshilfe um so werthvoller geworden. Braune 
selbst scheint dieses richtig erkannt zu haben, denn er schreibt 
im Texte zu seiner Tafel C, „die Gewalt, die ihn (den Kopf) 
hineingetrieben hat, ist eine bedeutende gewesen. Der Kopf war 
gross und das Becken nicht besonders weit. Man kann die 
Folgen dieser Gewalt auch an der Form des Kopfes erkennen. 
Der Hinterkopf ist birnförmig zugespitzt, und wie die Unter- 
suchung ergab, hatte sich eine ziemlich ausgebreitete Sugillation 
am Schädel gebildet." Weiter „bemerkenswerth ist besonders die 
Einbuchtung am Kopfe des Kindes in der Gegend des linken 
Ohres. Dieselbe war hervorgebracht worden durch den Druck 
der Beckenenge (Beckeneingang). Man erkennt gerade darunter 
den Durchschnitt der Symphyse. Eine ähnliche tiefe Einkerbung 
brachte der innere Muttermund an dem linken Oberarme hervor." 

Der Kopf des Kindes ist bei erhaltener Fruchtblase und 
längerer Wehendauer im Beckeneingange gestanden und dabei 
scheint mir das ost. int. sich vom Niveau des Beckeneinganges 
schon etwas zu weit entfernt zu haben. Es ist diess zu ver- 
muthen aus der Differenz zwischen der Dicke der vorderen und 
hinteren Körperwand des Uterus, auf die auch Braune im Texte 
keine Rücksicht genommen hat. Die hintere Wand des Körpers, 
wo das ost. int. nahe dem Promontorium steht, ist 1 l i " (6 bis 



— 48 — 

7 Mm.) dick, die vordere Wand, wo das ost. int. schon 2" 2'" 
(5 - 5 Cm.) über dem Niveau des Beckeneinganges steht, ist 1 j 2 " 
12 bis 13 Mm.) dick. Gegen meine Annahme scheinen auch die 
Angaben bei den Versuchen Schatz' 1 ) zu sprechen, der ganz 
richtig das ost. int. oft schon 5 Cm. und mehr über dem Niveau 
des Beckeneinganges fand; aber fast alle Frauen, die er zu seinen 
Versuchen verwendete, waren Mehrgebärende und hatten Becken- 
verengerungen. 

Seichte Einrisse. 

Wenn der Cervix ohne Hindernisse über den Kopf hinauf- 
gezogen werden kann, kommt es von seiner Seite zu keiner Stö- 
rung des Geburtsverlaufes ; es kommt bei Erstgebärenden zu 
den bekannten seichten Einrissen im intravaginalen Theile, die 
nur selten nicht stattfinden. 

Was diese Einrisse zu bedeuten haben, ersieht man leicht 
an einem Durchschnitte eines puerperalen Cervix (Taf. I, Fig. 1 
und 2) ; nur selten reichen dieselben über die Insertionsstelle 
der Vagina, 1 / 2 — 1 Cm. weit in die Schichten des Cervical- 
gewebes. Diese Einrisse haben gewöhnlich keine Folgen und 
gewiss kann man unter diesen Verhältnissen das ost. ext. , so 
wie es einreisst, auch gefahrlos einschneiden. Die Rigidität des 
ost. ext. erfordert dieses aber sehr selten und nur zweimal inner- 
halb vier Jahren unter 15.389 Geburten war es bei Erstgebä- 
renden, wo es sich um rasche Entbindung mittelst, des Forceps 
eclamptischer Anfälle halber handelte, nothwenclig. 

Tiefe Einrisse. 
Bei knappen Verhältnissen zwischen Kopf und Becken kann 
es schon zu geringen Störungen des Geburtsverlaufes und zu 
tieferen Einrissen kommen. Meistens kommt die vordere Wand 
des Cervix an einer mehr oder weniger hoch gelegenen Stelle in 
die Klemme und wird häufig durch den doch fortrückenden Kopf 
so weit herabgezogen und gedehnt, dass sie in der Vulva blau- 
roth, mehr oder weniger geschwellt, sichtbar wird. Dieses Er- 
eigniss habe ich, obwohl es von Cazeaux 2 ), der sich am aus- 

*) Schatz, Beiträge zur physiolog. Geburtsk. 

2 ) Cazeaux, Traite theorique et pratique de l'art des accouch. 7. Edit. 
par Taruier, p. 711. S. auch Staude, Beiträge z. Gebh. Berlin 1872, p. 144. 



— 49 — 

führlichsten darüber ausspricht, zu eleu Raritäten gezählt wird, 
oft gesellen. Wenn man sich die anatomischen Verhältnisse klar 
vor Augen hält, wird man sich vor einer auch mit etwas stär- 
kerem Fingerdrucke auszuführenden Reposition nicht scheuen, 
wenn nur der vordere Cervixrand in der Klemme ist ; ich repo- 
nirte immer und habe dabei und darnach nie üble Folgen bemerkt. 

Ich will nur einen Fall zur Begründung anführen: Den 22. Mai 1874 
wurde die 36jähr. II. Geb. Nr. 1155 24 Stunden nach dem Blasensprunge 
und erfolgloser Wehenthätigkeit von mir um 3 Uhr Früh aufgenommen. Der 
Kopf stand in I. Gesichtslage mit ausgebreiteter Geschwulst, mit dem Kinn 
etwas nach vorne gedreht, im Niveau der Sitzbeinstachel ; die vordere Cervix- 
lippe war ödematös und blauroth in der Vulva zu sehen, die hintere nicht 
erreichbar. Ich reponirte und extrahirte mit dem Forceps ein lebendes Kind 
(6 Pfd. 20 Loth(3710 Gr.). Die vordere Cervixwand war besonders nahe dem 
intravaginalen Theile durch den herabdrängenden Kopf so gedehnt worden, 
dass sie gegen 6" (15 Cm.) lang war; das ost. int. stand zweifingerbreit über 
dem Beckeneingange ; der Cervix zeigte seitlich bis 3 / 4 " (2 Cm.) gegen das 
ost. int. reichende Einrisse. Die Frau genas. 

Unter diesen Verhältnissen kommt es häufig zu tieferen 
seitlichen Einrissen , besonders wenn schon seichte vorhanden 
sind, indem der herabdrängende Kopf und der Zug der Muskulatur 
von obenher auf den Cervix einwirken und seine hintere Wand oft 
ganz über den Kopf hinaufgezogen wird, während die vordere in 
der Klemme bleibt. Diese Einrisse habe ich oft die Hälfte des 
Cervix, die inneren Schichten desselben trennend, hinaufreichen 
gefühlt, ohne dass die Frauen starben. Erkrankungen des Cervix 
und der umgebenden Gewebe und später AusAvärtsrollung der 
Cervixränder und ihre Folgen, auf die E mm et 1 ) und Sims hin- 
Aviesen, sah ich darnach öfter. 

Durch den Forceps entstehen , wenn der Kopf innerhalb 
des ganz von ihm ausgedehnten Cervix gefasst wird, bei hoch- 
stehendem Kopfe leichter als bei tiefstehendem, ganz ähnliche 
nicht von den früheren zu unterscheidende Einrisse. Ich habe 
dieselben öfter an den Lebenden gefühlt und 1" (2 1 / 2 Cm.) gegen 
das ost int., alle Schichten des Cervix durchdringend, hinaufreichen 
und die Patientinen genesen gesehen. - - Entstehen diese be- 
sprochenen Einrisse spontan, so haben sie fast ausnahmslos 



*) Th. A.Emmet and M. Sims, Americ. Jour. of Obstetrics, New- York 
Novbr. 1874. 

4 



— 50 — 

seitlich ihren Sitz ; entstehen dieselben durch den Forceps , so 
sind neben den seichten, seitlichen Einrissen häufig noch tiefere 
an anderen Orten vorhanden. Ich sah zweimal tiefe, 1 bis 2 1 / 2 Cm. 
gegen das ost. int. reichende Risse an der Mitte der hinteren Wand 
und mehrere Male dieselben die ganze Länge des Cervix treffen 
und auch noch in die inneren Schichten des Uteruskörpers reichen. 

Ich habe zwei Fälle dieser Art in meine Arbeit aufgenommen, 
weil diese Verletzungen mit unvollständigen, spontan entstandenen 
Cervixrupturen verwechselt werden können und sich doch von 
denselben wesentlich unterscheiden. Der Riss entsteht in allen 
besprochenen Fällen in den nicht über die Norm ausgedehnten 
Oervixwänden und meist in den unter dem Niveau des Becken- 
einganges liegenden Gewebstheilen. 

Dass mit dem Forceps bei regellosem Anlegen mannigfaltige 
Läsionen entstehen können und dass, wenn der Zangenlöffel die 
Cervixwand perforirt (wo vielleicht die Verhältnisse für das 
Zustandekommen der Ruptur schon da sind), auch die Umgebung 
in das Bereich der Verletzung gezogen werden und am Sections- 
tische ein ganz ähnlicher Befund zum Vorscheine kommen kann, 
wie bei Cervixruptur , mit nur theilweisem Austritte des Kindes, 
muss ich zugeben; ich habe es aber nie gesehen. 

Auch bei der Geburt des Kindes in Steisslage kommt es 
bei Erstgebärenden spontan zu den besprochenen seichten Einrissen. 
Bei der Extraction entstehen ganz ähnliche seichte und tiefe 
Einrisse, wenn der Cervix nicht ganz vorbereitet ist; sie sind 
seicht und ganz gefahrlos, wenn der Cervix ganz ausgedehnt ist 
und nur das ost. ext. noch Widerstand leistet; sie dringen aber 
schon höher und tiefer, wenn auch nur 1 Cm. langes Stück Cervix 
noch erhalten, d. h. nicht ausgedehnt ist. Ich habe einmal 
ausser der Anstalt nach Extraction an den Füssen, wo ich wegen 
nachträglicher Blutung gerufen wurde, gesehen, dass sich der 
Riss in der hinteren Wand bis gegen das ost. int. und auch 
nach abwärts 1" (2V 2 Cm.) weit in die Scheide fortsetzte und 
dem Peritoneum sehr nahe kam; die Frau genas. 

Bei placenta praevia, wenn die Extraction eines grös- 
seren Kindes rasch vollendet wird, entstehen Läsionen, die meist 
die inneren Schichten des Uterus am ost. int. treffen, sich durch 
die ganze Länge des Cervix erstrecken und sich oft auch noch 



— 51 — 

etwas in die Scheide fortsetzen. Ich sah diess zweimal an der 
Leiche und einmal an der Lebenden , wo ich bei vier Finger 
weitem Cervix die Wendung und Extraction eines 6 Pfd. 18 Loth 
(3675 Gr.) schweren, lebensfrischen Kindes machte. Die Frau 
genas und man konnte nach drei Wochen eine 1" (2Va Cm.) 
lange Narbe gegen das obere Ende des Cervixrisses ziehen fühlen. 
Einrisse, die sich bis gegen das ost. int. erstrecken und 
sich ähnlich verhalten, wie die besprochenen, habe ich nach drin- 
gender Wendung bei noch knappem ost. ext. öfter durch die ein- 
drängende Hand verursachen gefühlt und auch an der Leiche 
gesehen. Erst unlängst habe ich der Section einer an Eclampsie 
verstorbenen IL Geb., bei der nach Wendung ein circa 3^2 Pf. 
(2000 Gr.) schweres Kind extrahirt wurde, beigewohnt. Ich hob 
und zog, um mich genau von dem Sachverhalte zu überzeugen, 
den Uterus empor und Hess ein Messer im Niveau des Becken- 
einganges, so dass dessen Spitze in das Promontorium fiel, durch- 
stechen. Das ost. int., schön markirt durch die Rokitansky'- 
sche Vene, blieb 3 Cm. über der Stichöffnung ; der 3 3 / 4 " (10 Cm.) 
lange Cervix war in seiner linken Wand, vom ost. ext. nach auf- 
wärts 3" (8 Cm.) weit, eingerissen. Der Riss betraf alle Schichten 
und grenzte nach aussen an den durch das Zusammenfiiessen 
der beiden Blätter des lig. lat. überdachten , subperitonealen 
Raum. Nur das dem Risse nahe liegende, lockere Zellgewebe 
war etwas blutig suffundirt, das Peritoneum in der Umgebung 
vollkommen normal und unverletzt. 

1. Cervixverletzmig durch die Zange, Craniotomie, Tod. 

Die I. Gebärende 32jähr. verh. S. W. wurde von einem zwei Stunden 
entfernten Dorfe in einem höchst desparaten Zustande überbracht und unter 
Nr. 2771 den 21. August 1871, 7 4 12 Uhr Nachts, 46 Stunden nach dem 
Blasensprunge aufgenommen. — Der Blasensprung erfolgte den 19. August 
1 Uhr Nachts, eine Stunde darnach stellten sich Wehen ein. Den 21. im 
Verlaufe des Tages soll die Zange zweimal von Aerzten angelegt worden 
sein und die Frau viel Blut verloren haben. 

Das Aussehen der Patientin sehr anaemisch, ganz apathisch; nur mühsam 
antwortet sie auf gestellte Fragen, Puls fadenförmig, schwer zählbar, Haut 
kühl. Tympanites uteri in den oberen zwei Dritttheilen des bis zum process. 
xyphoid. reichenden Uterus, von den Kindestheilen durch Palpation nichts zu 
eruiren, Herztöne nicht hörbar. Die Vulva und Scheide oedematös, der Damm 
bis zum Sphincter, der im hinteren Wundwinkel blos liegt, eingerissen. Der 

4* 



Kopf stand fest im Beckeneingange und hatte eine ausgebreitete Gesehwulst. 
Der Cervix war rings um den Kopf 1V 2 " (4 Cm.) breit, an mehreren seit- 
lichen Stellen seicht eingerissen, zu fühlen, in der hinteren Cervixwand konnte 
man einen circa 2" (5-3 Cm.) langen Riss, der sich nach aufwärts fortzusetzen 
schien, bis zu dem am Promotorium stehenden Kopfe verfolgen. — Die 
Conj. ver. war circa 3" (8 Cm.), das Becken rachitisch, in allen Dimensionen 
etwas verengt. 

Ich machte mit Assistenz des jetzigen Docenten Dr. Dähnhardt in 
Kiel die Perforation und Extraction. — Ich förderte mit dem Cranioclaste 
mühsam den Kopf zu Tage, der Rumpf folgte nicht, es luxirte die Halswirbel- 
säule und ich war gezwungen, den Brustkorb zu perforiren und mit dem 
stumpfen Haken zu exeuteriren. — Ich legte dann den Cranioclast über den 
Rücken und extrabirte leicht. — Der erwähnte Riss in der hinteren Cervix- 
wand endigte in der Substanz des Uterus und Hess das Peritoneum unverletzt. 
Die Placenta folgte einem leichten Zuge an dem Nabelstrange. Um 3 / 4 12 Uhr 
war die Frau entbunden. Ich vereinigte nun noch durch acht Knopfnähte 
den Damm, das Kind wog ohne Gehirn 6 Pfd. (3360 Gr.), war 20 »/," (54 Cm.) 
lang. — Die Frau erwachte nach einigen Minuten aus der Narkose, war sehr 
zufrieden über ihre Entbindung und klagte über keine Schmerzen. Der Puls 
wurde aber immer kleiner, jagender, die Kräfte schwanden immer mehr und 
mehr und nach 24 Stunden erfolgte der Tod. 

Section: Uterus halbmannskopfgross , von Fäulnissgasen etwas ausge- 
dehnt, wenig contrahirt, das Peritoneum an der hinteren Wand zunächst dem 
Cervix stark suffundirt, das 1 7 2 mannsfaustgrosse Cavum des Uterus von einem 
frischen, lockeren Blutcoagulum ausgefüllt, die Placentarinsectionsstelle mit 
dünnen Schichten jauchigen Exsudates überkleidet, Uterussubstanz schlaff, 
blass, um die Gefässe imbibirt. Der Cervix weich, schlaff, blutig suffundirt, 
die Vaginalportion vielfach tief eingerissen, in der Mitte der hinteren Wand 
ein durch den ganzen, etwa 2" (5 4 / 2 Cm.) langen Cervix in die innere 
Schichte des Uterus auf 3'" (6 Mm.) weit eindringender, über das orif. intern, 
sich fortsetzender Riss, dessen Ränder stark suffundirt. Rechterseits vielfache 
Auseinanderweichungen der inneren Cervicalschichten. 

Ovarien schlaff, gekerbt und das betreffende Schwangerschaftskörperchen 
injicirt, Tuben frei, injicirt. Die Vagina gross, schlaff, mit Blut bedeckt, rechts 
nahe der Insertion ein 1" (2 1 / 2 " Cm.) langer klaffender Riss, die linke Seiten- 
wand vielfach zerquetscht und eingerissen. Diese Risse setzten sich in den 
Perinealriss fort, der in der Tiefe bis auf die in den äusseren Schichten 
gleichfalls durchtrennte Muskulatur des Rectums reicht. Das Becken schief, 
rechterseits etwas enger, das Promontorium stärker in die Beckenhöhle hinein- 
ragend, das Kreuzbein nach links hin gedreht, die Symph. pubis mit einem 
V 4 " hohen Kamm in die Beckenhöhle reichend. Conj. vera 3" 3"' (87 2 Cm.) 
Querdurchmesser 4V2" (12 Cm.), rechte Microchor. 2" 10"' (7 l / 2 Cm.), linke 
Microchor. 3" (8 Cm.). 



— 53 — 

2. Cervixverletzung durch die Zange bei Glesichtslage und engem 
Becken, Genesung. 

Den 20. Juli 1872 gegen V 2 8 Uhr Abends wurde eine 31jähr. III. Ge- 
bärende unter J.-Nr. 2230 aufgenommen. 

Die ersten Weben den 20. Juli um 2 Ubr Früb, der Blasensprung er- 
folgte den 20. Juli um 3 Ubr Nachmittags. Es wurde ausser der Anstalt von 
zwei Aerzten die Zange ohne Erfolg angelegt. Der Schädel präsentirte sich 
in erster Gesichtslage im massig verengten Becken von 3V 4 " (8V 2 Cm.) c. v. 
Die Calvaria lehnte sich an die linke vordere Beckenwand, die Augenhöhlen- 
ränder und Nasenwurzel waren nach rechts und hinten zu touchiren. Der 
Kopf stand mit dem Cervix in der Klemme. Die vordere Muttermundslippe 
geschwellt, wie ein Segel schlaff in die Vagina hereinragend ; rechts und hinten 
ein bis in die Nähe des inneren Muttermundes reichender und von da aus 
nach vorne sich fortsetzender Cervixriss. Der Uterus enthielt die Frucht. 
Keine Foetalherztöne. Nach Craniotomie und Extraction wurde constatirt, 
dass der Riss das Peritoneum nicht durchdrang. Um 8V 4 Uhr war die Frau 
entbunden. Die Placenta folgte 'U Stunde nach der Geburt spontan. 

Das Kind wog 5 Pfd. (2800 Gr.) ohne Hirn, war 19" (50 Cm.) lang. 
Die Frau wurde kaum fünf Stunden nach dem Blasensprunge durch Cranio- 
tomie entbunden. 

Die Verletzungen sind liier offenbar durch die innerhalb fünf Stunden 
zweimaligen Forcepsversuche ausser der Anstalt entstanden. Die Frau ver- 
liess am zehnten Tage, ohne dass sie einen Tag fieberte, vollkommen wohl 
die Anstalt. 

Ruptur des Cervix. 

Alle diese Läsionen haben nichts mit den rasch tödtlich 
verlaufenden, vollständigen und unvollständigen Rupturen, bei 
denen das Kind theilweise oder ganz aus dem Fruchthalter aus- 
tritt und wobei das Peritoneum meistens in mehr oder weniger 
grossem Umfange von der Unterlage abgehoben wird, zu thun, 
sie können aber mit der Ruptur combinirt sein, wenn operative 
Hilfe geleistet wurde und haben dann nur eine nebensächliche 
Bedeutung. 

Die für den Arzt so oft ominösen und für die Frauen meist 
rasch tödtlichen Rupturen entstehen in sehr vielen Fällen spontan 
und sie entstehen nach meinen Erfahrungen nur dann, wenn 
durch Greburtshindernisse, sei es durch enges Becken, durch zu 
grossen Kindeskopf, durch fehlerhafte Einstellung desselben, oder 
sei es durch fehlerhafte Fruchtlage verursacht, eine zu grosse, 
oft kolossale, von mir selbst vor einem Jahre noch nicht geahnte 
Ausdehnung des Cervix über dem Niveau des Bejkeneinganges 



— 54 — 

stattfindet. Die Ruptur tritt ein, wenn das ost. int. handbreit 
über dem Niveau des Beckeneinganges steht oder erst, wenn es 
so weit hinaufgerückt ist, dass der Uterus nur mehr wie eine 
Kappe dem Kinde aufsitzt. 

So lange diese Situation nicht hergestellt ist, zerreisst sich 
der Uterus nicht und es kann ihm auch schwer durch operative 
Eingriffe eine Ruptur beigebracht werden. Ist es zu dieser 
Situation aber einmal gediehen, dann ist die Scylla und Charybdis 
da; jeden Augenblick kann der Cervix unter einer heftigen 
Wehe platzen, durch einen operativen Eingriff, besonders aber 
leicht durch die Wendung kann der Cervix zerrissen werden 
und es kann dem besten Geburtshelfer, wenn er diese Verhält- 
nisse nicht kennt oder berücksichtigt, dieses Unglück passiren. 

Ich könnte mit Caspar viele Fälle anführen, will mich 
aber mit zwei Fällen aus der von Grrenser in seinem Buche 
unter Literatur angeführten Schrift Kormann's a ) begnügen, Aveil 
diese zwei Fälle vollkommen glaubwürdig sind. 

Ehrlich und an erkennen swerth wird darin zugestanden, dass 
im Falle I, bei Schulterlage, der kundigen Hand Crede's selber 
das Unglück passirte. 

Abnorme Cervixverhältnisse bei räumlichem Missverhältnisse. 

Dass das ost. int., wenn den in das Becken ein- 
drängenden Kindestheilen Hindernisse begegnen, oft 
weit über das Niveau des Beckeneinganges empor- 
rückt, dabei der Cervix abnorm gedehnt und dadurch 
das topographische Verhältniss der Muskelsubstanz 
des Uterus zum Beckeneingange ganz verrückt wird, 
ist eine noch unbekannte Thatsache. 

Michaelis 2 ) war, wo er über die regelwidrige Zurückziehung 
des Muttermundes spricht, diesem Factum sehr nahe , er sprach 
aber nur von ungewöhnlicher Dehnung der Scheide, welche nur 
sehr ausnahmsweise stattfindet, wenn sich der Muttermund bei 
engem Becken zu früh über den Kopf des Kindes zurückzieht. 



') Kormann, über die Uterusrupturen in forensischer Beziehimg. Diss. 
inaug. Leipzig 1864, Fall I, p. 9, II, p. 17 nebst Zeichnungen der Präparate. 

2 ) Michaelis, a. a. 0. §. 232. Von der regelwidrigen Zurückziehung 
des Muttermundes. 



— 55 — 

Ganz gleich spricht sich Schröder 1 ) aus, wo er von dem 
Verlaufe der Geburt bei engem Becken spricht, auch er glaubt, 
dass das ost. ext. zu früh über den Kopf hinaufgezogen werden 
könne und dadurch die Scheide in Gefahr käme. 

Ich habe seit zwei Jahren in dieser Richtung Untersuchun- 
gen angestellt und glaube dadurch der Ursache der Entstehung 
der Uteruszerreissung näher gekommen zu sein; wie nahe! das 
muss ich der gütigen Beurtheilung der Fachmänner überlassen. 

Ich habe nicht nur in einzelnen Fällen, sondern seit einem 
und einem halben Jahre bei und nach jeder Geburt bei engem Becken 
untersucht und habe im Allgemeinen gefunden, dass bei Erst- 
gebärenden erst nach langer erfolgloser Geburtsarbeit ein stärkeres 
Hinaufrücken des ost. int. und damit abnorme Dehnung des 
Cervix erfolgt. Ich will von kleinen Abweichungen und geringer 
abnormer Dehnung , die wohl zu fühlen , aber schwer genau zu 
messen sind, nicht sprechen, obwohl ich glaube, dass dadurch 
schon der zeitliche Grund für das Zustandekommen einer Cer- 
vixruptur bei einer der nächsten Geburten gelegt werden könne. 

Damit mir kein Fehler in der Beobachtung zum Vorwurfe 
gemacht werden kann und um den Leser nicht zu ermüden, will 
ich nur die eclatantesten Fälle mittheilen, in denen es mir immer 
leicht möglich war, die prakticirenden Aerzte von dem Sachver- 
halte zu überzeugen. 

Abnorme Dehnung des Cervix bei Erstgebärenden. 

Unter 24 Fällen von Erstgebärenden nach Geburt bei engem 
Becken, die ich im Zeiträume von P/2 Jahren beobachtete, fand 
ich nur in drei Fällen das ost. int. beträchtlicher emporgezogen 
und den Cervix abnorm gedehnt. 

Nr. 777, Sljähr. I. Geb. Allg. vereng, gering räch. Becken, C. v. 3" 
(8 Cm.), Circumferenz 29" (75 Cm.), kleine Frucht in I. Kopflage. 8/5 1874 
Abends Beginn der Wehen, 9/5 4 Uhr Morgens Blasensprung bei vier Finger 
weitem ost. ext. Den 10/5 9 Uhr Morgens nach 36stündiger Geburtsarbeit 
Temp. 39 und grosse Erschöpfung, ost. ext. ganz erweitert, ringsum 1" (2'/ 2 
Cm.) breit zu fühlen. Ich fand in diesem Falle das erste Mal durch die 
Bauchdecken hindurch die Grenze zwischen Uterussubstanz und Cervix, die 
circa drei Finger breit unter dem Nabel lag. Forcepsversuch erfolglos, 
Craniotomie und Extraction eines 4 Pfd. (2240 Gr.) schweren Kindes. 



!) C. Schröder, Gebh. 1874, §. 534 und §. 94, Anm. 



— 56 — 

Nach der Geburt fanden meine Fingerspitzen das ost. int. 
in der Höhe zwischen Symphyse und Nabel, während das ost. ext. 
in der Höhe des arc. pub. lag. ; der ganze Cervix war gleich- 
massig ausgedehnt und so verdünnt, dass man die Finger nur von 
Bauchwandungen bedeckt wähnte. Der Cervix mass an der vor- 
deren Wand, ohne dass der intravaginale Theil, wie es durch 
den in das Becken herabdrängenden Kopf oft geschieht, besonders 
gedehnt war, 5 1 U" (14 Cm.). Die Frau war mehrere Tage 
fiebernd und konnte erst nach drei Wochen entlassen werden. 

(Ich mache darauf aufmerksam, dass diese Masse nach der 
Geburt des Kindes, wo der Cervix darmwandähnlich war, ge- 
nommen wurden und im Leben grösser gewesen sein dürften.) 

1512, 3. Juli 27jährige Erstgebärende, C. v. S 1 /*" (8 - 5 Cm.), gering 
räch. Becken. Der Kopf in I. Position stand bei gesprungener Blase und zwölf- 
stündigen, kräftigen Wehen im Beckeneingange, Kopfgeschwulst, der Cervix 
seit zwei Stunden nur 3 / 4 " (2 Cm.) breit fühlbar, der Uterus wich nach rechts 
ab. Erschöpfung. Extraction eines lebenden 6 Pfd. 7 Loth (3480 Gr.) 
schweren Kindes mit dem Forceps. 

Das ost. int. stand schräg über dem Beckeneingange, so 
dass es nach links mehr wie handbreit, nach rechts halbhand- 
breit über dem Niveau des Beckeneinganges stand. Die linke 
Cervixwand, mit einem graduirten Hartgummistäbchen gemessen, 
hatte eine Länge von 5" (13 Cm.), die rechte nur 4" (10*5 Cm.). 
Der Cervix war ungleichmässig ausgedehnt und bildete nach 
links, wo das Hinterhau pt lag, eine sehr dünnwandige Ausbuch- 
tung, in der man leicht die Faust bis in die Nabellinie empor- 
heben konnte. Die Frau erkrankte an linkseitiger Parametritis 
mit geringer Exsudation und wurde nach 20 Tagen entlassen. 

1708. 25. September 31jähr. Erstgeb. allg. enges Becken. C. v. 3 1 /," (9 
Cm.) Circumferenz 30" (79 Cm.), kräftige, kleine Person. Blasensprung den 
25. September 5 Uhr Früh. Gute Wehen. II. Kopflage. 26. September Früh 
ost. ext, 3 Finger weit, Kopf im Cervix im Beckeneingange feststehend, 
27. September Früh Geschwulst am eingekeilten Kopfe, Cervix ringsum 1" 
(2V 2 Cm.) breit zu fühlen, Nachlass der Wehen, Fötalherztöne normal. 
27. September Mittags Frau nach 2V 2 tägiger Geburtsarbeit sehr erschöpft, 
ängstlicher Gesichtsausdruck. Extraction eines asph., 6 Pfd. (3860 Gr.) 
schweren Kindes, um dessen Hals die Nabelschnur zweimal geschlungen war. 

Das ost. int. stand 2 Finger breit unter dem Nabel, der 
Cervix war enorm gleichmässig ausgedehnt, mass 5 1 / % " (l4 - 5 Cm.). 



— 57 — 

Nur in einem Falle habe ich bei einer 26jähr. Erstgeb., C. v. 3V 4 " (8*5 
Cm.), Circumferenz 31" (82 Cm.), I. Kopflage nach 10 stündiger Eröffnungs- 
periode schon bei noch stehender Blase das ost. int. an der linken Seite 
37 2 " (9 - 2 Cm.) über den horiz. Schambeinast stehen gefanden, während es 
rechts tiefer stand. Der ganze Uterus war nach der rechten Seite gelagert, 
das linke lig. teres gespannt, das rechte schlaff. Die Frau gebar in der 
linken Seitenlage nach 4 Stunden ein lebendes Kind und machte ein normales 
Wochenbett durch. 

Der Uterus wirkt bei Erstgebärenden und hochstehendem 
Kopfe viele Stunden, ohne aus seiner normalen Stellung zu rücken. 
Erst nach langer erfolgloser Thätigkeit versagen die Adnexa und 
Bauchpresse ihren Dienst, sie sind nicht mehr im Stande, den 
Uterus gegen das Niveau des Beckeneinganges zu fixiren ; dadurch 
kommt eine Disharmonie der Factoren zu Stande, die bald dahin 
führt, dass die Contractionen des Uterus, die Bauchpresse und 
die Adnexa überwiegen und ihre Wirkung gegen den Uterushals 
selbst kehren. Uteruskörper und Grund ziehen sich immer weiter 
über den fixen Punkt, den Kopf und Körper des Kindes, empor 
und der elastische Hals wird abnorm gedehnt und bleibt mit 
seinem intravaginalen Theile gewöhnlich zwischen Kopf und 
Beckeneingang in der Klemme, kurz gesagt, das Kind wird 
mit einem kleineren oder grösseren An theile über 
dem Beckeneingange in den Cervix geboren. Das 
Herstellen dieser Verhältnisse gelingt dem Uterus bei Erst- 
gebärenden wegen des grösseren Widerstandes, den die Adnexa 
und die Bauchpresse leisten, nur selten, es erschöpfen sich ge- 
wöhnlich früher seine Kräfte oder er erkrankt. Das, glaube ich, 
ist der Grund, warum das Ereigniss bei Ertgebärenden selten 
ist. Ich selbst habe unter meinen 13 Beobachtungen nur zwei 
Fälle bei Erstgebärenden (siehe Fall VIII, X), und aus zahl- 
reichen, schon erwähnten Angaben ist es bekannt, dass die 
Zerreissung der Gebärmutter bei Erstgebärenden nicht häufig 
vorkommt. 

Ist die Situation nicht sehr weit vorgeschritten , so kann 
die Geburt spontan vollendet werden und diese Verhältnisse bleiben 
ganz unbekannt; doch ist bei der nächsten Geburt, wenn ein 
gleiches Verhältniss zwischen Kopf und Becken besteht, die Dis- 
position für das Zustandekommen einer Cervixruptur viel grösser 
und ich möchte sagen, der Uterus fängt bei der nächsten Geburt 



— 58 — 

die Verhältnisse für das Zustandekommen der Ruptur dort zu 
bilden an, wo er bei der vorhergegangenen aufgehört hat. 

Abnorme Dehnung des Cervix bei Mehrgebärenden. 

Bei Mehrgebärenden weicht der Uterus, wenn er schon einmal 
oder mehreremale ein räumliches Missverhältniss überwunden 
hat, viel früher und leichter aus seiner Lage, es kommt dadurch 
oft schon frühzeitig zu einer abnormen Ausdehnung des Cervix 
und zu der Gestaltung der Verhältnisse, von der die Cervix- 
ruptur ausgeht. 

Wo einmal abnorme Ausdehnung des Cervix stattgefunden 
hat, stellen sich die Verhältnisse für die Ruptur leicht und oft 
schnell wieder her, die Adnexa und die Bauchpresse versagen 
frühzeitig ihren Dienst. 

Es ist diess ein Grund, warum Mehrgebärende 
oft schwerer ein räumliches Missverhältniss über- 
winden als Erstgebärende und eine geringe Becken- 
verengerung sich oft erst bei den folgenden Geburten 
entdeckt. 

Ich wohnte vor nicht langer Zeit der Section der an die 
II. Klinik mit vollendeter Uterusruptur überbrachten, verstorbenen 
33jähr. III. Geb. V. Ch. bei, wo die erste Geburt eines lebenden 
Kindes spontan im Jahre 1871 an unserer Klinik erfolgte und 
die Beckenverengerung gar nicht bemerkt wurde und wo ich im 
Jahre 1872, wo sie unter Nr. 1309 aufgenommen war, nach 
langer Geburtsdauer die Manualextraction eines lebenden, 5 Pfd. 
20 Lth. (3 1 50 Gr.) schweren Kindes vornahm. Ich erwähne 
diesen Fall, weil er mir als ganz unanfechtbarer, weiterer Be- 
weis für meine Ansicht über die Art des Zustandekommens der 
Uterusruptur dient. Die Frau starb ganz kurze Zeit nach der 
Ankunft unentbunden, unter Erscheinungen grosser Anaemie, ohne 
dass das Kind ganz aus dem Fruchthalter getreten war. Man 
machte post mortem die gesetzliche Sectio caesarea und ent- 
wickelte ein circa 5 Pfd. (3000 Gr.) schweres Kind. 

Die Lage der dabei gesetzten Wunde gibt den 
vollständigen Beweis, dass das ost. int. in der Höhe 
des Nabels lag und ein grosser Theil der Frucht über 
dem Beckeneingange in den Cervix geboren war. 



— 59 — 

Die Schnittwunde in den Bauchdecken begann knapp unter 
dem Nabel und endigte zwei fingerbreit über der Symph. oss. 
pub. Der Schnitt im Fruchthalter war 5" (13*2 Cm.) lang, nur 
IV (3-3 Cm.) traf den Uteruskörper und 3 3 / 4 " (99 Cm.) traf 
den über 5" (14 Cm.) langen, sehr verdünnten Cervix. 

Fast im gleichen Niveau mit dieser Schnittwunde nach links 
und hinten, wo der Kopf des Kindes anlag, war ein Cervix und 
Peritoneum trennender, S 1 ^" (9 "2 Cm.) langer Riss. Die Conj. 
v. betrug in dem leicht assymetrischen Becken 3 Vi" (8 Cm.). 
Dr. Kundrat und mehrere Aerzte, die ich vor der Section auf den 
Sachverhalt aufmerksam machte, können dieses Factum bestätigen. 

Da bei der Sectio caesarea schon ein Theil des Kindes 
durch die Cervixwunde getreten war, musste im Leben während 
der Action der Uterusmuskulatur das ost. int. gewiss in der 
Höhe des Nabels gestanden haben. 

Ich habe den Durchschnitt des Cervix von diesem Falle 
auf Taf. I, Fig. 3, dargestellt. (Siehe auch Fall 12.) 

Ich habe bei Mehrgebärenden diese Aenderung der Ver- 
hältnisse oft schon nach kurzer Geburtsdauer und auch bei 
stehender Fruchtblase gefunden. Es leuchtet mir daraus ein, dass 
sich die Verhältnisse für die Ruptur bei stehender Blase weiter 
entwickeln können und ich begreife daraus die Fälle, wo bei 
stehender Fruchtblase schon eine Cervixruptur zu Stande kam, 
obwohl ich es nie selbst beobachtet habe. 

Bei geringen Abweichungen vollenden auch Mehrgebärende 
die Geburt spontan. Ist die Situation aber einmal weit vorge- 
schritten, dann kämpft die Frau vergeblich auch mit dem 
geringen räumlichen Missverhältnisse, sie erkennt 
ihre Ohnmacht, wird unruhig, der beschleunigte Puls verräth ihre 
Aufregung und der ängstliche Gesichtsausdruck gibt Zeugniss 
von ihrer grossen Besorgniss über den Ausgang der Geburt, und 
wenn der Uterus nicht früh genug erkrankt und seine Thätigkeit 
einstellt, so zerreisst er sich selber an seiner dünnsten, am 
meisten gespannten Stelle. 

Bei diesem Vorgange wird der Uteruskörper und Grund 
durch Verkürzung und Verschiebung der Muskelfasern immer 
dicker und der Cervix immer mehr ausgedehnt; die Zerreissung 



— 60 — 

des Uteruskörpers und Grundes wird daher immer weniger und 
die des Halses immer leichter möglich. 

Ich halte ein Zerreissen des Uterusgrundes und 
Körpers während der Geburt für eines der seltensten 
Ereignisse; es ist auch seit 25 Jahren an der Wiener Gebär- 
klinik nur einmal vorgekommen und das ist der schon zweimal 
erwähnte Fall, wo nach geheilter Ruptur bei der nächsten Ge- 
burt wieder eine spontane Ruptur zu Stande kam und wo aus 
den eingerollten Rissrändern der nach der ersten Ruptur ent- 
standenen Narbe zu ersehen ist, dass die Narbe den Contractionen 
des Uterus gegenüber die Rolle des Cervix spielte. Der Riss 
war auch in diesem Falle von der Narbe aus in den Körper des 
Uterus fortgesetzt. 



Yon den vier Fällen von abnormer Dehnung des 
Cervix bei Mehr gebär enden, die ich mittheilen will, ist 
mir besonders der erste von hohem Interesse gewesen, weil ich 
der Meinung war, dass ich es schon mit einem zerrissenen Organe 
zu thun habe, indess nur die Verhältnisse für das Zustandekommen 
der Zerreissung im höchsten Grade ausgebildet waren. 

Nr. 1682, 34 jähr. V. Gebärende F. E., mit Conj. ver. 3V 2 " 
(9 Cm. ) hatte drei Kinder spontan geboren, das IV. wurde mit dem 
Forceps extrahirt; sie kam den 28. Juli 1874 a / 2 l Uhr Nachts, 
15 Stunden nach dem Blasensprunge und 48 Stunden nach Beginn 
der Wehen an die Anstalt. Sie war auf das Aeusserste erschöpft, ihr 
Puls war schnell und ihr Gesicht hatte einen sehr leidenden und ängst- 
lichen Ausdruck, wie ich es bei Rupturen immer gesehen; die 
oberen Partien des Uterus waren gleichmässig hart, die unteren 
etwas weicher; eine seichte, quere Furche, einen Zoll 
unter dem Nabel deutete die Grenze zwischen Uterus- 
körper und Cervix an. Der sehr ausgedehnte Uterus wich 
etwas nach rechts ab und durch die Bauchdecken fühlte man 
einen Theil des Kopfes und der Schultern nur von dünnen Wan- 
dungen bedeckt, so dass ich an eine begonnene Ruptur dachte. 
Bei der inneren Untersuchung fand ich das Gesicht in I. Position 
in der Beckenmitte; der Cervix, erweitert, war nach hinten 1" 
(2^2 Cm.) breit zu fühlen, die vordere Wand war blau-roth und 
daumendick beim Auseinderhalteu der Labien sichtbar. Ich machte 



— 61 — 

einen fruchtlosen Forcepsversuch und exträhirte nach Craniotoniie 
ein 6 Pfd. 24 Loth (3780 Gr.) schweres Kind. 

Bei der folgenden Untersuchung fand ich das ost. 
int. in der Höhe des Nabels, den ganzen Cervix gleich- 
massig auf Papierdicke verdünnt und enorm aus- 
gedehnt, so dass gewiss die Hälfte des Kindes in den 
Cervix geboren war und der Uteruskörper und Grund 
dem Kinde nur wie eine Kappe aufgesessen ist. Der 
Cervix mass in der vorderen Wand l r l 2 " (gegen 20 Cm.), auf den 
intravaginalen Theil entfielen davon 4 Cm. ; an der hintern Wand 
mass er 6" (16 Cm.). Die Frau verliess nach 14 Tagen die An- 
stalt. In diesem Falle war es zur Situation für das Zustande- 
kommen der Cervixzerreissung auf das Aeusserste gediehen und diess 
für mich gar nicht zu verkennen gewesen ; sie ist auf Taf. III. Fig. 3 
dargestellt. Es hätte nur ein oder der anderen Uteruscontraction 
oder eines stärkeren Druckes der ärztlichen Hand oder eines In- 
strumentes bedurft, um sie herbeizuführen. Ich bin ganz der 
Ansicht Michaelis, dass man das Ereigniss, wenn man im Stande 
ist, das Gestalten der Verhältnisse zu beurtheilen, in den meisten 
Fällen vorhersehen könne und glaube, dass es auch Michaelis 
sicher öfter als einmal gelungen wäre, wenn er die Cervixverhält- 
nisse genauer gekannt hätte. 

Nr. 1151, 1874, 26jähr. IL Geb.,C. v. 3'/ 4 " (8-5 Cm.) gering räch. Becken, 
I. Geburt spontan, I. Kopflage, 21 Stunden nach Beginn der Wehen und 
5 1 /., Stunden nach dem Blasensprunge Forceps bei hohem Kopfstande und 1" 
(2'/ 2 Cm.) breit fühlbarem Cervix, Extraction eines 5 Pfd. 20 Loth (3150 Gr.) 
schweren, lebenden Kindes. 

Das ost. int. stand links 3V 2 " (9 Cm.), rechts 2 1 // (6 Cm.) 
über dem Beckeneingange. Normales Wochenbett. 

Nr. 1612, 1874, 37jähr VII. Geb., fünf Kinder todt geboren, zwei mit 
Forceps. I. Kopfi., C. v. 3V 4 " (8V2 Cm.), 16 Stunden nach Beginn der Wehen 
und Fruchtwasserabfluss Forceps bei hohem Kopfstande und 1" (27 2 Cm.) 
breit fühlbarem Cervix. Extraction eines 6 Pfd. 20 Loth (3700 Gr.) schweren, 
lebenden Kindes. 

Das ost. int. stand 4" (10*5 Cm.) über dem Beckenein- 
gange , der Uterus war nach rechts abgewichen , der Cervix 
mass links 5" (13 Cm.), normales Wochenbett. 



x ) Michaelis, a. a. O. Beobachtung, LXXIII. 



— 62 — 

Nr. 1772, 1874, 29jähr. II. Geb. P. A. ; I. Kind spontan, Conj. 3V 2 " 
(9 Cm.). I. Gesichtslage; der Kopf stand acht Stunden hei kräftigen Wehen 
im Beckeneingange, es erfolgte spontan die Geburt eines lebenden (6 Pfd. 
3360 Gr.) schweren Kindes. 

Das ost. int. stand 3V2" (9 Cm.) über dem Niveau des 
Beckeneinganges, der Cervix war links viel mehr gedehnt als 
rechts. Normales Wochenbett. 

Dieser abnormen Dehnung des Cervix begegnen wir auch 
am nichtschwangeren Uterus sehr häufig. — So sah ich unlängst 
bei einer Extrauterin-Schw angerschaft, wo nach Ablauf des VII. 
Monates sich Contractionen des Uterus und gleichzeitig Peritonitis 
mit hochgradigem Meteorismus einstellten, den Cervix 5" (13 Cm.) 
lang werden. Die auf das Aeusserste gespannten Gedärme wirkten 
durch mehrere Tage auf die hinter dem Uterus liegende Frucht 
ein und bewirkten (ähnlich, wie in Taylor's Falle [S. p. 67] die 
Fäulnissgase die Geburt des Kindes in der Leiche bewirkt hatten) 
ein Andrängen der Frucht an die hintere Cervix- und Scheiden- 
wand; hauptsächlich die Cervixwand wurde so verdünnt und herab- 
gedrängt, dass Prof. v. Braun mit einer einfachen kurzen Scheere 
einen 4" langen Schnitt in den papierdünnen Cervix und die an- 
grenzende Scheide setzen und durch denselben die 4 Pfd. 6 Loth 
(2325 Gr.) schwere Frucht leicht extrahiren konnte. Am Präparate 
zeigte sich der Cervix noch 4" (10 "5 Cm.) lang und der Schnitt 
betraf 3" (8 Cm.) lang den Cervix und geringen Antheils nur die 
Scheide. Bei der Extraction der Frucht scheint der Wundwinkel 
in der Scheide etwas eingerissen zu sein. 

In mehreren Fällen sah ich bei grossen, das ganze Becken 
ausfüllenden und noch über das Niveau des Beckeneinganges 
emporragenden Cervix-Fibroiden den Cervix 5 — 6" (13 — 15 Cm.) 
lang und enorm gedehnt, so dass der Uterus oft nur als ein 
kleiner Appendix handbreit über dem Beckeneingangsniveau auf 
den Geschwülsten aufsass. Dabei war das ost. ext. einmal nur 
für den Finger, einmal für zwei Finger offen. Alle Fälle genasen 
ganz kurze Zeit nach der von Prof. v. B r a u n r ) ausgeführten 
Ausschälung der Fibroide. Aehnlich sind diese Verhältnisse im 



') v. Braun, über Enucleation eingekeilter Uterusfibrome. Wiener 
medic. Wochensch. 1874, p. 39, 40, 41. 



— 63 — 

verjüngten Massstabe von Schröder 1 ) nach Präparaten ans der 
Erlanger path. anat. Sammlung dargestellt worden. 

Mechanik bei Kopflage. 

Bei Beckenverengerungen mittleren Grades über- 
winden Erstgebärende gewöhnlich leicht das geringe räumliche 
Miss Verhältnis s. Es rückt wohl das ost. int. dabei über den 
Beckeneingang empor und der Cervix wird abnorm gedehnt, aber 
gleichzeitig wird der Schädel des Kindes accomodirt und meist 
auch bis auf den Beckenboden oder weiter geboren. 

Wo aber die Frauen schon ein oder mehrere Kinder ge- 
boren hatten, wurden bei den früheren Geburten durch Ueber- 
windung des räumlichen Missverhältnisses die Verhältnisse für 
das Zustandekommen der Ruptur mehr oder weniger hergestellt. 
Bei einer nächsten Geburt findet in der Eröffnungsperiode oft 
rasch die Herstellung dieser Verhältnisse wieder statt. Waren 
dieselben schon einmal sehr weit vorgeschritten, so kann auch 
die abnorme Verdünnung des Cervix sehr rasch wieder erfolgen 
und es kann derselbe bersten, wenn der Austreibung des Eies 
auch nur geringe Hindernisse im Wege stehen. Es ist mir des- 
wegen ganz begreiflich, dass hie und da ohne jede auffallende 
Erscheinungen die Uterus- resp. Cervixruptur schon frühzeitig 
stattfinden kann. 

Aus der grossen Resistenz, welche die Eihäute oft besitzen, 
wäre es erklärlich, dass auch das ungeborstene Ei den Riss des 
sehr verdünnten Cervix verursachen kann. 

Die Angaben über die Berstung des Uteruskörpers unter 
solchen Verhältnissen scheinen mir doch meist auf fehlerhafter 
Beobachtung zu beruhen. So beschreibt Alexander Simpson 2 ) 
einen Fall bei einer X. Gebärenden. Er fühlte die Eiblase, be- 
merkte bei der Palpation Kindesbewegungen, dilatirte mit zwei 
Fingern, um die Wendung zu machen; bei der Einführung des 
dritten Fingers zeigte sich, dass der Uterus zerrissen war. Auf diese 
Weise konnte wohl nur ein Riss im Cervix eruirt worden sein. 



') C. Schröder, Hanclb. cl. spec. Pathologie und Therapie, heraus- 
gegeben von H. v. Ziems sen, X. Bd., Leipzig 1874, p. 224, F. 91, 92. 

2 ) Alexander Simpson, Monatssch. f. Gebk. Bd. 30, p. 149, Glas- 
gow, medic. Soc. 30. Jänner 1866. 



— 64 — 

Unter solchen Verhältnissen spielt sich die Erweiterung 
des Cervix, die bei Erstgebärenden unter normalen Verhältnissen 
im Beckencanale stattfindet, im Beckeneingange ab. Der 
Kopf steht bald ganz im Cervix, während die grösste Peripherie 
des Kopfes mehr oder weniger hoch über der Conjugata bleibt. 

Steht das ost. int. aber einmal hoch über der 
Conjugata und begegnen dem eindrängenden Schädel 
Hindernisse, dann ist der Grund für einen abnormen 
Geburtsverlauf gelegt. 

Die austreibende Wirkung der Uterusmuskulatur drängt den 
Schädel gegen den Beckeneingang, während die zurückziehende 
Wirkung der Muskulatur vergeblich ihren Einfluss auf den Gebär- 
mutterhals äussert. Oft wird der Kopf doch noch durch den Becken- 
eingang und den Cervix geboren, oft wird das ost. ext. auch über 
den hochstehenden Kopf zurückgezogen und die grösste Gefahr 
der Ruptur ist vorüber. 

Wenn das ost. ext. einmal über den Kopf gewichen ist, ist 
das Zustandekommen einer Ruptur schwerer denkbar. Es müsste 
ja unter solchen Verhältnissen der Cervix und die Scheide in 
bedeutende Spannung versetzt werden; dazu müsste bei Kopflage 
das ost. int. Aveiter nach aufwärts rücken, als ich es je gesehen 
habe. Ich halte so ein Extrem für möglich und glaube, dass es 
unter solchen Verhältnissen zur Scheidenruptur 1 ) und zum Austritte 
des Kindes kommen kann, doch habe ich es nie gesehen und auch 
unter den aus den Protokollen gezogenen Fällen ist kein ähn- 
licher. Dass der Kopf unter solchen Verhältnissen oft lange in 
der Klemme bleiben kann, ohne dass Ruptur entsteht, das zeigen 
die vielen Blasenscheidenfisteln. Der Kopf steht unter solchen 
Verhältnissen mit der grössten Peripherie der Conjugata nahe 
oder schon in derselben in der Schwebe, ein leichter Impuls von 
oben oder ein Zug mit dem Forceps führen oft noch zur glück- 
lichen Entbindung. 

Bleibt aber der Cervix in der Klemme, dann bilden sich 



') Zur Sckeidenruptur kann es auch kommen, wenn der Kopf eine 
Geschwulst im Douglas'scken Räume vor sich herdrängt. Im Falle VIII waren 
die Verhältnisse dafür schon vorgebildet. Einen Fall von Zerreissuug der 
Scheide mit Vorfall eines Ovarientumors siehe auch von Luschka, Monats- 
schrift f. Gebk. B. 27, p. 267. 



— 65 — 

die Verhältnisse für die Ruptur immer mehr aus. Das Gewebe 
des Cervix unterliegt den Contractionen der Uterusmuskulatur und 
wird abnorm gedehnt. Es hängt das Zustandekommen der Ruptur 
dann nur davon ab, ob die Frau gesund bleibt und der Uterus 
nicht früher seine energische Thätigkeit einstellt. 

Es ist mir heute klar, warum die meisten Frauen, die eine 
spontane Ruptur erlitten, kein Fieber hatten, und dass, wo Fieber 
aufgetreten, es meist nicht zum Austritte des Kindes kam, wie in 
Fällen II, X. 

Das Unterliegen des Cervicalgewebes manifestirt sich meist 
durch ein Abweichen des Uterus nach rechts oder nach links. 
Diess kommt dadurch zu Stande, dass der Cervix an einer oder 
der anderen Seite länger und eine oder die andere Schulter in 
denselben geboren wird. Dort, wo das Hinterhaupt liegt, wird der 
Cervix gewöhnlich mehr gedehnt und erfolgt der Riss. Ich habe 
an der Leiche in solchen Fällen , wo der Tod kurz nach statt- 
gefundener Ruptur erfolgte, zweimal aus dem Präparate präcis 
die vorhanden gewesene Kindeslage bestimmt. (Siehe die Durch- 
schnitte auf Taf. I, Fig. 4 und 5, welche Durchschnitte einem 
Cervix entstammen.) 

Das ost. int. steht unter solchen Verhältnissen dann schon 
2- — 3 Finger breit unter dem Nabel und eine entsprechende quere 
meist schräg zum Beckeneingange stehende Furche zeigt oft ganz 
deutlich die Grenze zwischen Muskelsubstanz des Uterus und Cervix. 
Ueber dieser Furche kann man den Uteruskörper härter , unter 
der Furche den Cervix, der unter solchen Verhältnissen auch die 
Schultern des Kindes birgt, deutlich weicher und breiter fühlen. 
Der Uterus hatte auch einmal, dem ost. int. entsprechend, eine 
Einschnürung, die bei jeder Contraction deutlicher wurde und 
ihm eine sanduhrförmige Gestalt gab. Ich habe öfter die Con- 
touren des Cervix und der Uterus-Muskelsubstanz auf die Haut- 
fläche gezeichnet und es war wunderbar anzuschauen, wie sich 
bei der allmäligen Entleerung des Uterus diese Contouren änderten. 

Bei der inneren Untersuchung fühlt man die Scheide nicht 
mehr gespannt als gewöhnlich, das ost. ext. ganz erweitert, 1 bis 
2 Cm. breit ringsum zwischen Kopf undBeckeneingang in der Klemme. 

Ich mache auf die verdickte Stelle am normalen puerperalen 
Cervix, Taf. I, Fig. 1 und 2, aufmerksam, die es meist ist, welche 

5 



— 66 — 

in der Klemme bleibt. An dem Durchschnitte des Cervix von 
einer an Uterusruptur ohne Austritt des Kindes Verstorbenen, 
Taf. L, Fig. 3, sieht man diese Stelle sogar deutlich comprimirt. 
Dass ich nie eine Anschwellung der touchirbaren Cervixränder 
fühlte, mag seinen Grund in der Gefässvertheilung haben. Die 
grösseren Gefässe x ) treten zum Cervix in dessen Mitte heran und 
sind unter solchen Verhältnissen nicht comprimirt. 

Steht der Kopf fest im Becken und erfolgt der Riss, so 
kann ein vollständiger Austritt des kindlichen Rumpfes bei der 
nämlichen Wehe oder Action der Bauchmuskulatur, die den Riss 
verursachte, stattfinden, oder der kindliche Rumpf wird allmälig 
bei den nächsten Wehen hinausgeboren. Dabei tritt der Kindes- 
rumpf (wahrscheinlich zuerst die Schulter), das Peritoneum ab- 
hebend, unter dasselbe und erst, wenn dasselbe in einem gewissen 
Grade von Spannung ist, reisst es und der kindliche Rumpf 
wird in die Bauchhöhle geboren '(siehe Fall IV, VI, VII). Diess 
zeigen die Abhebungen des Peritoneums und die oft mehrfach 
vorhandenen Risse in demselben. 

Ein plötzlicher Austritt der Frucht scheint mir in den Fällen 
stattzufinden, wo der Cervix quer vorne abreisst und das Peri- 
toneum wegen seiner festeren Anheftung an Blase und Uterus- 
körper nicht viel abgehoben wird, sondern gleichzeitig mitzerreisst. 
Im Falle I erfolgte die Ruptur und der Austritt des Kindes mit 
einem Schlage vor den Augen der prakticirenden Herren, im 
Falle VII scheint auch bei dem — | förmigen Riss das Kind zuerst 
unter das Peritoneum getreten zu sein. 

Erfolgt der Austritt des Kindes allmälig, so spannen sich 
bei jeder Contraction des Uterus die Rissränder des Cervix über 
dem anliegenden Kindestheile, das Peritoneum wird von seiner 
lockeren Unterlage abgehoben, das mit dem Uterus hinaufgezogene 
lig. lat. weicht meist in seinen Blättern auseinander. Bei nachlassen- 
der Contraction des Uterus kann Blutung in den Raum statt- 
finden, in welchen der Kindestheil ausgetreten ist. Das Blut 
kann auch dann weite Strecken das Peritoneum abheben. Ich 
glaube aber, dass der Kindestheil meist den Raum so ausfüllt, 
dass es zu keiner bedeutenderen Blutung kommt; ich habe nie im 



x ) Hyrtl, Corrosionsanatomie. Taf. XII, XIII. 



— 67 — 

Leben vor der Geburt des Kindes so eine Blutansammlung mit 
Sicherheit nachweisen können, obwohl ich immer darnach suchte. 
Wird aber der Kopf emporgehoben, so rieselt Blut über die 
untersuchende Hand; wird die Geburt abgewickelt, so entsteht 
durch die rasche Verkleinerung der Cervixwand eine Höhle 
zwischen derselben und dem Peritoneum; durch ein Blutcoagulum 
oder auch durch Verklebung wird der Riss in der Cervixwand 
geschlossen; in die Höhle findet Blutung statt und so kommt 
es zu den oft prall gespannten Blutgeschwülsten, die fast immer 
in der Leiche bei an Ruptur des Cervix mit unvollständigem 
Austritte des Kindes verstorbenen Wöchnerinen gefunden werden. 

Wenn der Kopf mit der grössten Peripherie in der Conju- 
gata in der Schwebe steht und der Riss erfolgt, so kann mehr 
Kraft zum Hinausdrängen des Rumpfes als zur Fortbewegung des 
Kopfes erforderlich sein; der Schädel kann tiefer treten wie im 
Falle 10, das Kind kann auch geboren werden, wie im Falle V. 
In beiden Fällen ist der Riss aber gewiss bei hochstehendem 
Kopfe entstanden, sonst hätte die Scheide am Risse betheiligt 
sein und der Rumpf in die Bauchhöhle geboren werden müssen. 

Wie wenig Kraft oft unter solchen Verhältnissen zur Fort- 
bewegung des Kopfes nothwendig ist, ersieht man aus einem 
Falle, den Alfred Taylor mitgetheilt hat; eine 37jährige VII. Ge- 
bärende starb, ohne dass ein geburtshilflicher Eingriff gemacht 
wurde, an Uterusruptur. Bei Einbringung der Leiche war der 
Uterus noch gross, das Kind bergend. Nach einer Woche musste 
die Exhumuirung und Section der Leiche erfolgen. Ein ausge- 
tragenes Kind lag zwischen den Schenkeln der Leiche, die Gebär- 
mutter war umgestülpt und hatte einen queren, 6" (16 Cm.) langen 
Riss nach hinten. Die Umstülpung und Ausstossung erfolgte 
durch die Fäulnissgase in der Bauchhöhle und Taylor meint, 
das Kind sei nicht in die Bauchhöhle geschlüpft, weil eine Con- 
traction wohl den Kopf schon zu tief in das Becken gedrängt hatte. 

Es kann die Natur auch zu Stande bringen, die hintere 
Cervixwand in der Mitte zu zerreissen. Der Kopf kann zur hin- 
teren Scheidenwand in ähnliche Verhältnisse, wie die Geschwulst im 
Falle VIII treten, oder er tritt durch einen queren Riss im intra- 



*) Guys Hospital Reports, Vol. X, 1864, p. 253. 



— 68 — 

vaginalen Theile des Cervix, durch einen Scheidenriss , in die 
Scheide. 

Nach Austritt des kindlichen Rumpfes bleibt der Kopf im 
Beckeneingange feststehend wie im Falle IV und VII, oder er 
wird beweglich wie im Falle VI. In den ersteren Fällen war es 
daher gar nicht möglich, von der Scheide aus die Ruptur zu 
diagnosticiren. Steht der Kopf beweglich im Beckeneingange und 
erfolgt der Riss, so spannen sich die Rissränder über dem 
Kopfe und der Kopf tritt, das Peritoneum abhebend, zuerst aus 
dem Cervix. Nach dem Austritte des Kopfes gebärt der Uterus 
den Kindesrumpf in den Cervix; ein Theil desselben tritt gewöhn- 
lich noch aus ; Füsse und Steiss bleiben meist im Cervix und sind 
leicht erreichbar. 

Bei Beckenverengerungen hohen Grades bleibt, 
während der Uterus lange wirkt, der Kopf beweglich über dem 
Beckeneneingange oder drängt sich nur mit einem Segmente in 
den Beckeneingang. 

Es muss sich der Vorgang der Erweiterung des 
Cervix über dem Beckeneingange abspielen. 

Wir sehen unter solchen Verhältnissen die Fruchtblase früh 
bersten und den Cervix, der ja unter dem Niveau des sehr ver- 
engten Beckeneinganges liegt, lange bestehen. Lange währt es 
so bei Erstgebärenden, ehe der Cervix abnorm gedehnt wird. 

Die ganze Kraft der Wehen wirkt auf den Cervix, doch 
rückt das ost. int. nur langsam über den Kopf des Kindes hin- 
auf. Der Uterus steht unter solchen Verhältnissen bei reifem 
Kinde hoch mit seinem Fundus unter der Kuppel des Diaphragma, 
dasselbe und die stramme Bauchmuskulatur unterstützt ihn auf 
das kräftigste; es kommt nicht leicht zur Lage ab weichung des 
Uterus und dieser bei Mehrgebärenden oft sehr grosse Factor 
für das Zustandekommen der abnormen Dehnung des Cervix fällt 
bei Erstgebärenden oft weg. 

Der energischen Thätigkeit der Uterusmuskulatur gelingt 
es, den Cervix so weit zu dehnen, dass der grösste Theil des 
Kopfes vom Cervix bedeckt wird, aber nur die obere Hälfte 
oder zwei Dritttheile werden abnorm gedehnt, weil es 
dem Uterus nicht leicht gelingt, sich so weit in seiner Muskulatur 
zu contrahiren, dass das ost. ext. nahe dem Niveau des Becken- 



69 — 

einganges zu liegen käme. Ohne Lageabweichung gelingt es 
aber dem Uterus schwerer, den Cervix abnorm zu verdünnen. 

Aber die Fixation des Uterus durch die Bauchmuskulatur 
allein kann mir nicht erklären, warum bei Erstgebärenden das 
ost. int. so langsam über das Niveau des Beckeneinganges hin- 
aufrückt, der Uterus in seiner Muskulatur so allmälig sich über 
dem Körper des Kindes verdickt. Es scheint mir die oberfläch- 
liche Schichte der Muskulatur, die in die Adnexa ausstrahlt, dabei 
eine Rolle zu spielen. Sie erfüllt ihre Aufgabe bei Erstgebären- 
den durch besseres Zusammenhalten der tiefliegenden Muskel- 
bündel und die bessere Fixation des ganzen Uterus correcter, 
als diess bei Mehrgebärenden der Fall ist, besonders bei denen, 
die schon mehrmals ein räumliches Missverhältniss überwunden 
haben, wobei immer die Adnexa des Uterus einer bedeutenden 
Zerrung ausgesetzt waren. Damit scheint mir auch die Aende- 
rung in der Gestalt und Consistenz des Uterus bei Mehrgebären- 
den zusammenzuhängen. 

Der obere Antheil des Cervix wird unter solchen Verhält- 
nissen durch die energische Muskelwirkung auf das äusserste ge- 
dehnt, der untere Antheil des Cervix kann dabei ganz unbetheiligt 
bleiben. Erfolgt der Riss im Cervix, so findet der Kopf nicht 
Platz durchzutreten und der Riss setzt sich so weit, als zum 
Austritt des Kindes nothwendig ist, in die Uterussubstanz fort. 
So zeigten es mir die Verhältnisse kurz nach dem Tode und das 
Präparat im Falle VIII, so zeigt es auch der Fall 7 von Chiari, 
Braun und Späth; so zeigt es auch Fall 12 aus den Proto- 
kollen der Klinik. 

In allen diesen drei Fällen waren es Erstgebärende mit 
rachitischem Becken, mit Conj. vera von 2 3 / 4 " (7*2 Cm.), 2V2" 
(6*5 Cm.) und 2 1 j i " (6 Cm.), das ost. ext. blieb in allen drei 
Fällen nur für den Finger offen und der Riss betraf Cervix und 
Uteruskörper. 

Der Riss scheint mir bei Erstgebärenden besonders in diesen 
Fällen meist erst nach langdauernder, stürmischer Thätigkeit des 
Uterus zu erfolgen; das scheint auch Simpson 1 ) veranlasst zu 
haben, bei Erstgebärenden als Ursache der spontanen Uterus- 



x ) Simpson, Selected Works, a. a. 0. p. 343, 344. 



— 70 — 

ruptur das räumliche Missverhältniss anzunehmen und bei Mehr- 
gebärenden eine Erkrankung des Gewebes vorauszusetzen. 

Waren die Verhältnisse für die Ruptur bei sehr engem 
Becken schon einmal ausgebildet, so stellen sie sich natürlich 
auch leichter wieder her und eine Mehr gebär ende, auch mit 
sehr engem Becken, ist der Gefahr der Uterusruptur mehr aus- 
gesetzt, als eine Erstgebärende. 

Bei sehr engem Becken stellen sich die Verhältnisse für die 
Ruptur erst nach langer Geburtsthätigkeit her, die Geburt wird 
häufig durch Kunsthilfe abgewickelt oder das Organ stellt seine 
energische Thätigkeit ein, die Frau erkrankt, darum ist die Ruptur 
bei sehr engem Becken seltener. 

Der Ausdruck aller Lehrbücher, die Uterusruptur entsteht 
in der Austreibungsperiode , ist gewiss etwas unklar , weil 
Jedermann sich vorstellt, sie entstehe, wenn der Kopf schon von 
Scheidenwänden umschlossen ist. Dieselbe erfolgt jedoch gewiss 
in den meisten Fällen bei hoch im Cervix stehendem Kopfe, wenn 
das ost. ext. vollständig erweitert und meist nur 1" (2—3 Cm.) 
breit zu fühlen ist. (Siehe Fälle I — X und 1 — 14, wo die Ruptur 
bei Kopflage erfolgte.) 

Mechanik bei Schulterlage. 

Bei Erstgebärenden kenne ich keinen Fall, wo es zur 
spontanen Ruptur des Collum uteri gekommen wäre; diess mag 
daher rühren, class die Schulterlage bei ihnen überhaupt seltener 
als bei Mehrgebärenden vorkömmt und dass, wenn sie vorhanden 
ist, sich die Verhältnisse für das Zustandekommen der Ruptur 
sehr schwer herstellen. 

Ist bei Erstgebärenden Schulterlage vorhanden und die 
Schulter in den Cervix eingedrängt, so steht das ost. int., wie 
auf Taf. I, Fig. 1 angedeutet, im Niveau des Beckeneinganges 
und es kommt aus den schon erörterten Gründen sehr schwer 
zur Gestaltung abnormer Cervixverhältnisse, es kommt nicht leicht 
zu einer Lageabweichung des Uterus und zu einem stärkeren Hinauf- 
rücken und Verdickung der Muskelsubstanz ; denn die Bauchpresse 
und die Adnexa unterstützen den Uterus auf die möglichste Weise. 

Dass die Verhältnisse für die Ruptur ausnahmsweise 
auch bei Erstgebärenden und Schulterlage weit gedeihen können, 



— 71 — 

zeigt der Fall 8 von Chiari, Braun und Späth, wo aber 
übrigens, wie aus dem Sectionsbefunde ersichtlich, derselbe Mecha- 
nismus der Entstehung, wie bei Mehrgebärenden stattfand. Der 
Riss betraf das Scheidengewölbe, den ganzen Cervix und noch 
2" von der Uterussubstanz. Ausser der Anstalt waren mehrere 
Wendungsversuche gemacht worden. 

Bei Mehrgebärenden kommt es wegen der mehr runden 
Gestalt und der geringeren Consistenz des Uterus besonders, wenn 
ein knappes Becken die Einstellung des Kopfes hindert, öfter zur 
Schulterlage. Sie haben dann meist schon ein- oder mehreremale 
ein geringeres oder grösseres räumliches Missverhältniss über- 
wunden. Ist das der Fall, so stellen sich die Verhältnisse für 
das Zustandekommen der Ruptur oft schnell wieder her. 

Die Schulter und der entsprechende Quadrant des Thorax 
dehnen den Cervix in die Breite, die Uterusmuskelmasse zieht 
sich über den Körper des Kindes immer mehr zurück, und ohne 
dass das ost. int. sehr weit über das Niveau des Beckeneinganges 
rückt, wird auch das ost. ext., das durch die weiche Schulter 
nicht so sehr in die Klemme kommt, und mit ihm auch die Scheide 
über dasselbe emporgehoben. Das ganze Kind wird oft bis auf die 
untere Körperhälfte, die noch von der verdickten, nur mehr eine 
kleine Höhle bildenden Muskelmasse des Uterus umschlossen ist, 
in den verdünnten Cervix und in die Scheide geboren. So hat 
es Michaelis schon beschrieben, nur hielt er den verdünnten Cer- 
vix für die Scheide. So war es im Falle XII, den ich auf Taf. II, Fig. 6, 
schematisch dargestellt habe und in mehreren ähnlichen Fällen habe 
ich die Frauen theils durch Decapitation, theils durch Spondylotomie 
des Fötus vor der Ruptur bewahrt und am Leben erhalten. 

Unter solchen Verhältnissen ist es klar, dass sich der Cervix 
über den Kopf des Kindes am meisten spannt und der Kopf, 
wenn der Riss erfolgt, zuerst austritt. 

Die mit emporgehobenen lig. lat. sind es, die beim 
Austritte des Kindes zuerst auseinanderweichen, und das locker 
angeheftete Peritoneum der Umgebung ist es, welches leicht ab- 
gehoben wird. Es ist mir ganz klar, dass unter solchen Ver- 



*) Chiari, Braun und Späth, a. a. 0. F. 8, p. 192. 
2 ) Michaelis, a. a. 0. Beob. IX, pag. 177. 



— 72 — 

hältnissen das Kind auch unter das Peritoneum geboren werden 
kann, ohne dass dasselbe mitzerreisst (siehe Fall XI, XII). 

Dass diese Anschauung die richtige ist, beweisen alle meine 
Fälle, wo es bei Schulterlage zur Ruptur des Uterus gekommen 
ist. Es waren immer Frauen, die schon mehrmals geboren hatten. 
(Im Falle XI eine V., im XII. eine VIII., im XIII. eine IV., 
im 15. eine VI., im 16. eine IX., im 17. eine V., im 18. eine IX., 
im 19. eine III. Gebärende. Auch unter Korm an 's gesammelten 
Fällen finde ich im Falle 30 eine IX., im 31. eine IL, im 48. 
eine VI., im 52. eine IX. Gebärende. Ich glaube, dass sie alle 
ein knappes Becken hatten. 

In meinen Fällen XI und XII, wo die Ruptur zweifellos 
spontan erfolgte, war ein Längsriss an der Seite, wo der Kopf 
anlag ; der Riss betraf die ganze Länge des Cervix und setzte 
sich in die Scheide fort. Auch in den anderen Fällen finde ich 
oft den in die Scheide fortgesetzten Riss erwähnt. 

Es ist mir heute klar, warum der Fall, dass nach der De- 
capitation der Kopf nicht entwickelt werden konnte, an unserer 
Klinik noch gar nicht vorkam. — Es kommt nämlich bei sehr 
engem Becken nur sehr selten zur Bildung der Verhältnisse, welche 
die Embryulcie erfordern. Ich glaube, dass ich diese Verhältnisse 
öfter mit Tetanus uteri verwechselt habe. — Es ist mir auch 
klar, warum die Embryulcie meist nur bei Mehrgebärenden noth- 
wendig wurde. — Unter zwanzig Fällen, die im Zeiträume von 
zwölf Jahren ausgeführt wurden, befanden sich 16 Mehrgebärende. 

Bei Hydro cephal us findet fast dieselbe Mechanik, wie bei 
Schulterlage statt. Die compressible Hydrocephalusblase dehnt 
den Cervix, wie es die Schulter thut, in die Breite und ebenfalls, 
ohne dass das ost. int. weit über den Beckeneingang rückt, kann 
das ost. ext., das durch die bewegliche Blase nicht so in die Klemme 
kommt, und mit ihm die Scheide über den Beckeneingang emporge- 
zogen werden. Auch bei Hydrocephalus findet man den Riss ge- 
wöhnlich durch die ganze Länge der Cervixwand und sich in die 
Scheide fortsetzend (siehe Fall IX, X). Auch bei Hydrocephalus 
erfolgt die grösste Dehnung des Cervix an der Seite, wo das 
Hinterhaupt liegt (siehe Taf. III, Fig. 4). Es kann aber bei 
Hydrocephalus, wie bei Schulterlage, auch ein querer Riss in den 
Cervix erfolgen (siehe Fall 14 und XIH). 



-- 73 — 

Waren die Verhältnisse für die Ruptur noch nie hergestellt, 
so dauert es bei Hydrocephalus lange, ehe es zur Ruptur kommt 
(siehe Fall IX und X, wo erst nach 40- und 48stündiger Geburts- 
arbeit die Ruptur erfolgte). Waren sie aber schon einmal her- 
gestellt, so kann nach ganz kurz dauernder Geburtsarbeit die 
Ruptur schon erfolgen. 

Beim Hängebauche habe ich zwar nie Gelegenheit gehabt, 
Ruptur zu beobachten, aber Oslander schon hat die Art des 
Zustandekommens trefflich beschrieben (siehe Einleitung), und auch 
Martin 1 ) hat auf diese Gefahren der Geburt bei Hängebauch und 
engem Becken aufmerksam gemacht. Ich habe erst einen Fall 
von ausgebildetem Hängebauche beobachtet, seit ich die sich bei 
räumlichem Missverhältnisse abnorm gestaltenden Cervixverhältnisse 
aufmerksam verfolge. Auf Taf. IV habe ich diesen Fall mit den 
Verhältnissen nach lÖstüridiger, ganz erfolgloser Geburtsthätigkeit 
schematisch dargestellt. 

Es war eine 26jährige, kleine Frau, die im Jahre 1872 zum 
I. Male schwanger, unter Nr. 1158 mit Conj. ver. 3V 4 — 3 x / 2 " 
(9 Cm.) aufgenommen war. Sie hatte damals keinen Hängebauch 
und ich habe bei tiefstehendem Kopfe nach 15 stündiger Geburts- 
thätigkeit ein lebendes, 5 x / 2 Pfd. (3325 Gr.) schweres Kind mit 
dem Forceps leicht extrahirt. 

Dieselbe kam wieder, im Jahre 1874 unter Nr. 2531 auf- 
genommen, nach 15 stündiger, ganz erfolgloser Geburtsarbeit zu 
meiner Beobachtung und Behandlung. Der Hängebauch war so 
ausgebildet, dass bei der stehenden Frau der Fundus des Uterus 
3" (8 Cm.) unter dem vorderen Beckenrand sank. Das ost. ext. 
war ringsum 1" (2V 2 Cm.) weit zu fühlen. Die kräftigen Wehen 
drängten den abnorm grossen und harten Schädel nur gegen die 
hinteren und seitlichen sehr gedehnten Cervixwände. Es war aber 
auch ohne diese abnormen Verhältnisse der Weichtheile gar nicht 
daran zu denken, dass der Schädel das Becken passirt hätte. Ich 
entwickelte, nachdem ich mich bei nach aufwärts fixirtem Uterus 
über eine Stunde bemüht hatte, die Frau mit dem Forceps zu 
entbinden, nach Perforation mühsam das 6 Pfd. 28 Lth. (4410 Gr.) 



r ) E. Martin, Neigungen und Beugungen d. Gebm. IL Aufl. Berlin 
1870. p. 154. 



— 74 — 

schwere Kind. Die hintere Cervixwand war ö 1 /^" (17 Cm.), die 
vordere 4 1 / 2 " (12 Cm.) lang; ich glaube, es war die Gefahr, dass 
der Cervix nach hinten entzweigehen würde, sehr nahe. Die 
Frau genas. 

Symptome und Diagnose. 

Aus dem Vorausgeschickten erhellt es, dass man das Er- 
eigniss voraussehen kann und ich bin überzeugt, es wird nicht 
lange Zeit verstreichen und die allgemeine Annahme, dass der 
Ruptur fast niemals bestimmte Anzeichen vorausgehen und es des- 
wegen gewiss nur sehr ausnahmsweise gelingen wird, ihr Eintreten 
zu verhindern, hat keine Geltung mehr. 

Im Interesse der ernsten und guten Sache wage ich es, 
nachdem ich mir ein Jahr lang überlegt, ob ich nicht vielleicht 
im Irrthume befangen , durch Mittheilung meiner Ansichten nach 
irgend einer Richtung Schaden bringen könnte, dieser allgemeinen 
Annahme entgegenzutreten und mich dahin auszusprechen, dass 
man gewiss in den meisten Fällen das Ereigniss voraussehen 
kann, wenn man im Stande ist, die sich nach und nach bei räum- 
lichem Missverhältnisse abnorm gestaltenden Cervixverhältnisse zu 
verfolgen. 

Ich verweise nochmals auf die Darstellung der nackten 
Uterusmuskulatur am frisch entbundenen Uterus von Luschka 
Taf. II, auf den Durchschnitt der gebärenden Frau von Braune, 
auf die Sectionsbefunde meiner Fälle und die Durchschnitte des nor- 
malen und abnorm gedehnten Cervix. Taf. I, Fig. 3 — incl. 6. 

Aus der ersteren ist es klar, dass, wenn die oberflächliche 
Schichte und die Adnexa abgenützt, die tiefliegende Schichte 
der Muskulatur nicht mehr so knapp umspannt, diese leichter in 
sich verkürzt und verdickt wird. 

Der Durchschnitt der gebärenden Frau von Braune aber, 
glaube ich, zeigt nicht ganz normale, sondern schon etwas abnorme 
Verhältnisse. Es sind dort wohl nicht die Verhältnisse für das Zu- 
standekommen der Ruptur ausgebildet, aber sie sind angedeutet; 
das ost. int. steht handbreit über dem Niveau des Beckenein- 
ganges, es gelingt der zurückziehenden Wirkung der Muskulatur, 



— 75 — 

den Cervix über den Kopf des Kindes hinaufzubringen und der 
austreibenden, den Kopf in das Becken zu pressen. Die Geburt 
würde ungestört vollendet worden sein, wenn die Frau es nicht 
vorgezogen hätte, diese abzubrechen. Meine Sectionsbefunde und 
die Durchschnitte zeigen, dass der Uterus mit dem ost. int. hoch 
über dem Beckeneingange gelegen sein musste, als die Ruptur 
entstand. Die Lage der Schnittwunde, die bei einer an Uterus- 
ruptur ohne Austritt des Kindes Verstorbenen zum Behufe der gesetz- 
lichen Sectio, caesarea gesetzt wurde, bestätiget diese Verhältnisse 
auf ganz iina'n fechtbare Weise. 

Bei für die Ruptur sehr ausgebildeten Verhältnissen. 

Es gelang mir in der letzten Zeit immer, das Gestalten dieser 
Verhältnisse zu verfolgen ; man kann das ost. int. immer mehr 
hinaufrücken und den Cervix immer mehr gedehnt werden sehen 
und ich konnte von dieser Gestaltung der Verhältnisse auch immer 
die prakticirenden Aerzte überzeugen. Wenn der Kopf hoch mit 
der grössten Peripherie im knappen oder verengten Becken der 
Conjungata nahe steht und das ost. ext. erweitert, nur 2 — 3 Cm. 
breit hinter dem arc. pubis zu fühlen ist, dann steht das ost. int. 
beinahe schon in der Mitte zwischen Symphyse und Nabel. Wirken 
die Wehen weiter und erliegt die zurückziehende Kraft, so kommt 
es zur abnormen Dehnung des Cervix, indem die Muskel- 
substanz des Uterus immer weiter über den Kopf des Kindes 
hinaufrückt (S. p. 60). Ueber den Kopf (auch bei Schulterlage) wird 
der Cervix am meisten verlängert und gespannt, die Uterusmus- 
kelsubstanz weicht nach der entgegengesetzten Seite 
ab und die Verhältnisse für das Zustandekommen der Ruptur 
sind hergestellt. Die grosse Aufregung der Frau verursacht Puls- 
beschleunigung und die grosse Besorgniss über den Ausgang 
der Geburt verräth sich in dem ängstlichen Gesichts au s- 
d ruck e. 

Wenn diese Verhältnisse für die Ruptur nun vorhanden sind, 
so kann ich freilich mit Bestimmtheit nicht sagen, dass sie ent- 
stehen muss, im Gegentheile, wenn sie überall entstünde, so wäre 
es um die Frauen noch schlimmer bestellt, aber man wickelt ja 
die Geburt durch Kunsthilfe ab und das Organ und die Frau er- 
krankt sehr häufig. Man kommt aber gewiss der Wahrschein- 



— 76 — 

lichkeit des Entstehens nahe, wenn man die Mnskelmasse des 
Uterus und deren Energie zum abnorm verdünnten Cervix in das 
richtige Verhältniss setzen kann. Ueber die mögliche Ursache, 
warum der Cervix, manchmal mehr, manchmal weniger verdünnt, 
reisst, habe ich mich schon ausgesprochen. 

Bei erfolgter Ruptur. 
Erfolgt der Riss und tritt das Kind auch nur mit einem 
geringen Antheile aus dem Cervix, so weicht der Uterus mehr 
nach der entgegengesetzten Seite ab. Häufig tritt Er- 
brechen ein. Steht ein Kindestheil fest im Becken, so ist man 
von der Scheide aus gar nicht im Stande, das Ereigniss zu er- 
kennen, öfter sah ich ein Oedem der Vulva und des Dammes. 
Bei der Untersuchung oder auch ohne dieselbe wird der Kin- 
destheil oft beweglich und es rieselt beim geringen Heben des- 
selben Blut über die untersuchende Hand und man findet auch 
die Rissränder sehr bald. Eine Blutgeschwulst, wie sie Heck er 
und Dorn als Symptom der partiellen Ruptur beschreiben und 
deren Verwerthung zur Diagnose schon Schröder 1 ) bezweifelt hat, 
habe ich nie gefühlt, obwohl ich deren Möglichkeit bei beweg- 
lichem Kindestheile nicht in Abrede stellen kann. Stürmische Erschei- 
nungen stellen sich, wenn die Ruptur allmälig erfolgt, gewöhnlich 
nicht ein, aber die abnormen Uterus- und Cervixver- 
hältnisse lassen ihr Vorhandensein bald erkennen. Die Wehen 
dauern gewöhnlich an , und wenn das Organ bei Kraft bleibt, so 
vollendet der Uterus seine Aufgabe und gebärt das Kind unter 
das Peritoneum oder in die Bauchhöhle. Aus der Ruptur ohne 
oder mit unvollständigem Austritte des Kindes wird eine Ruptur 
mit vollständigem Austritte des Kindes. 

Bei erfolgter Ruptur und Austritt des Kindes. 
Da ist es dann zuerst die auffallende Ruhe der Kreissenden, 
welche die Umgebung auf sie aufmerksam macht (Fall I); die 
Frau kommt zum Bewusstsein, dass in ihrem Unterleibe ein un- 
gewöhnliches Ereigniss stattgefunden hat ; eine Frau machte mich 
aufmerksam auf eine harte Kugel (den leeren Uterus), die ent- 
standen ist, eine andere spürte eigenthümliche Bewegungen, eine 



») Schröder, a. a. 0. S. 698. 



— 77 — 

andere eigenthümliche Schmerzen im Bauche; oder die Kreissende 
kommt gar nicht zum Bewusstsein, dass ein besonderes Ereigniss 
stattgefunden hat; im Falle VIII ist es wahrscheinlich, dass die 
Frau 4 — 5 Stunden im Arrestlocale noch promenirte und Barnes x ) 
erzählt ähnliches. 

Nach Austritt des Kindes tritt in der Regel durch Reizung 
des Peritoneums Erbrechen ein; gewöhnlich erfolgt Blutung nach 
aussen und innen unter das Peritoneum und in die Bauchhöhle. 
Je bedeutender diese Blutung ist , desto schneller erfolgt meist \ 
der Tod und ich mache darauf aufmerksam, dass er am schnellsten i 
erfolgt, wenn bei ausgebildeten oder gar nicht ausgebildeten Ver- 
hältnissen die Ruptur traumatisch verursacht wird. Ich glaube, 
dass, wenn bei lang andauernder äusserster Dehnung des Cervix 
der Riss erfolgt, die Frauen nicht so viel Blut verlieren, als wenn 
bei geringerer abnormer Dehnung des Cervix der Riss traumatisch 
bewirkt wird. (S. p. 41.) Ich glaube auch, dass man in vielen 
Fällen an der Leiche erkennen muss, ob der Riss traumatisch 
bewirkt wurde oder spontan entstanden ist. 

Der schnelle Puls und der ängstliche Gesichtsausdruck sind 
gewöhnlich früher schon vorhanden, wenn die Verhältnisse für 
die Ruptur schon sehr vorgeschritten waren. 

Aber alle diese Erscheinungen können auch anderer Um- 
stände halber erfolgen. Die sichere Diagnose der Ruptur und 
des Austrittes des Kindes gibt nur der leere Uterus und das 
ausser seinen Contouren durch die Bauchdecken hin- 
durch ganz oder theilweise fühlbare Kind und ich habe 
immer nur durch die Bauchdecken hindurch die Diagnose stellen 
können. 

Reisst der Cervix vorne quer ab, so klappt der Uterus nach 
vorne auf und liegt gewöhnlich in dem oberen Bauchraume mit 
dem Fundus unter dem Diaphragma; eine quere Furche trennt 
ihn von dem darunter gewöhnlich quer liegenden Kinde, wie ich 
zweimal gesehen. Erfolgt seitlich der Riss, so sinkt der Uterus 
ganz nach der entgegengesetzten Seite ; Contour des Uterus und 
Kindes sind deutlich von einander zu unterscheiden. Ist nur ein 



') Barnes, Leclures on obstetric Operations. II. Auflage. London 
1871, p. 343. 



— 78 — 

Theil des Kindes ausgetreten und durch das Peritoneum noch an 
den Uterus gehalten, wie es im Falle VII gewesen zu sein scheint, 
so kann die Diagnose etwas schwieriger werden, besonders wenn 
der Kopf oder ein Kindestheil fest im Becken steht. 

Steht aber der Kindestheil beweglich im Beckeneingange, 
so kann die untersuchende Hand leicht die Läsion im Cervix 
nachweisen. Nach Austritt des Kindes wird auch die Placenta in 
den Cervix, in die Bauchhöhle oder nach Aussen geboren. 

Einen Prolapsus der Intestina habe ich nie gesehen, obwohl 
ich denselben nach Versuchen, die ich an der Leiche bei an Uterus- 
ruptur Verstorbenen gemacht habe, nicht in Abrede stellen kann ; 
es gelang mir nicht schwer, das Colon descendens oder Dünn- 
darmschlingen in die Cervixwunde und Vagina zu ziehen. 

Auch ein Emphysem in der Umgebung der Risswunde, wie 
es Kiwisch 1 ) und M. Clintock u. A. als oft vorhanden ange- 
geben haben, habe ich nie gefühlt oder gesehen, ich stelle aber 
die Möglichkeit des Zustandekommens desselben durchaus nicht 
in Abrede. 



Prophylactische Therapie. 

Da ich der Ansicht bin. dass die Verhältnisse für das Zu- 
standekommen der Uterusruptur (resp. Cervixruptur) sich nach 
und nach entwickeln und man im Stande ist, diese sich gestal- 
tenden Verhältnisse zu verfolgen und zu beurtheilen, so muss ich 
die prophylactische Therapie der allergrössten Aufmerksamkeit 
empfehlen. 

Wenn Frauen schon ein- oder mehreremal ein räumliches 
Missverhältniss überwunden haben, so wird eine nächste Geburt 
nur sicher und gefahrlos für Mutter und Kind von Statten gehen, 
wenn der Kopf des Kindes nicht zu gross für das Becken ist. 
Man wird auf die zeitliche Wendung, durch die das Kind bei 
nur knappen Verhältnissen gewiss keinen Schaden leidet, bedacht 
sein oder gar die Geburt eine oder die andere Woche früher 
einleiten müssen. Hat schon einmal Ruptur stattgefunden, so 



x ) Kiwisch, a. a. 0. p. 254, 



— 79 — 

kann die künstliche Frühgeburt das zweite Mal die Frau 
davor bewahren (siehe Fall 3). 

Ich bin der innigsten Ueberzeugung , dass derjenige, der 
diesen abnormen Verhältnissen Rechnung trägt, so manche Frau, 
so manches Kind, die dem unrettbaren Tode verfallen, retten 
wird und umgekehrt, derjenige, der, diese Verhältnisse nicht 
ahnend, die Geburt währen lässt, die Wendung übt oder den Kopf 
des Kindes emporhebt, so manche Frau unbewusst tödten muss. 

Aller diese abnorm gestalteten Verhältnisse erfordern alle 
Aufmerksamkeit und Berücksichtigung von Seite des Geburts- 
helfers; denn durch die Eruirung derselben ist die Geburtshilfe 
nicht leichter geworden, aber es lässt sich jeder operative Ein- 
griff exacter und meist, ohne den Uterus dabei in Gefahr zu 
bringen, durchführen. 

Sind die Verhältnisse für die Ruptur ausgebildet, so muss 
die Frau entbunden werden; denn es gelingt dem mit seiner 
Muskelmasse weit vom Beckenringe entfernten und meist nach 
einer Seite (bei Kopflage nach der entgegengesetzten Seite vom 
Hinterhaupte, bei Schulterlage nach der entgegengesetzten vom 
Kopfe) abgewichenen Uterus nicht mehr, den Kopf in das knappe 
oder verengte Becken einzudrängen oder, wenn derselbe feststeht, 
fortzubewegen; denn die ganze Kraft des Uterus ist gegen die 
abnorm gedehnte Cervixwand gerichtet. 

Sind die Verhältnisse in Bildung begriffen, so leistet die 
entsprechende Seitenlage (diejenige, an welcher der Cervix abnorm 
gedehnt zu werden beginnt) oft sehr viel, desgleichen hat eine 
schonende , entsprechende Fixation des Uterus oft einen über- 
raschend glänzenden Erfolg; ich habe auf diese Weise mehrere 
Frauen unter solchen Verhältnissen noch glücklich lebende Kinder 
gebären gesehen. 

Sind die Verhältnisse weiter vorgeschritten und der Kopf 
beweglich, so kann durch die Wendung noch ein lebendes Kind 
erhalten werden, ohne dass Ruptur des Cervix erfolgt. Bei der 
Wendung unter solchen Verhältnissen bedarf es aber schon der 
grössten Aufmerksamkeit und der subtilsten Beurtheilung der 
Spannungsverhältnisse des Cervix; denn es muss ja unter solchen 
Verhältnissen der Kopf und ein Theil der Schulter über den vor- 
springenden Ring, das ost. int., welches die Grenze zwischen 



— 80 — 

Muskelmasse und dem ganz passiv gewordenen Cervicalgewebe 
bildet, wieder zurück in den Uteruskürper, man fühlt dann deut- 
lich das ruckweise Zurückgleiten des Kopfes. Der Cervix bleibt 
dabei meist unbeschädigt , wenn man von aussen während der 
Umdrehung der Frucht den Kopf des Kindes gegen das Centrum 
der Uterushöhle drückt, und ich glaube, es kommt unter solchen 
Verhältnissen mehr auf den Assistirenden , als auf den Operirenden 
an, ob der Uterus erhalten bleibt ; öfter reisst aber der Cervix an. 

Die Durchschnitte des Cervix auf Taf. I, (Fig. 4 gehörte 
der rechts und hinten, Fig. 5 der links und vorn gelegenen, schon 
abnorm gedehnten Cervixhälfte an) rühren von einer Frau her, 
wo die Verhältnisse für die Ruptur nur massig ausgebildet waren 
und wo man wegen des nahe zu gewärtigenden Todes der Frau 
die Wendung ausführen musste. Das Kind befand sich in I. Kopf- 
lage. Es war ein l 2 1 l 2 " (6V2 Cm.) langer, schräger Riss im oberen 
Dritttheile des Cervix nach links vorhanden; ich hob diese Riss- 
ränder auf und konnte den Finger im Kreise herum unter das 
im Umfange von 6 □" (41 QCm.) abgehobene Peritoneum führen, 
das nicht zerrissen war. 

Ich habe den Verdacht, dass solche Rupturen des Cervix, wenn 
man schon bei abnorm gestalteten Verhältnissen wendet, öfter 
entstehen und ohne besondere Erscheinungen zur Heilung ge- 
langen. 

Sind die Verhältnisse etwas mehr ausgebildet, dann ist die 
Wendung oft sehr riskirt und ich habe bei einer Mehrgebärenden 
wegen erfolgloser, 14stündiger Geburts arbeit, wo die Verhältnisse 
annähernd so ausgebildet waren, wie auf Taf. III, Fig. 2 und 3, die 
Wendung in der Narcose versucht und nicht durchführen können, 
ohne Gefahr zu laufen, den Cervix zu zerreissen. Ich konnte mit 
der Hand hinaufgehen, es gelang mir, einen Fuss zu fassen und 
ihn neben dem beweglichen Kopfe herabzuführen ; als ich aber 
die Umdrehung der Frucht bewerkstelligen wollte, sah ich klar 
ein, dass dabei der Kopf nicht in die Uterushöhle zurück, 
sondern in die Bauchhöhle oder unter das Peritoneum hinaus 
hätte weichen müssen. Ich schob den Fuss ruhig wieder über 
den Kopf hinauf, liess den Kopf durch einige Contractionen des 
Uterus an das Becken andrängen und entband die Frau noch 
mit dem Forceps von einem lebenden Kinde. Wenn man unter 



— 81 — 

solchen Verhältnissen am Fusse anzieht, so fühlt man auch bei 
beweglichem Kopfe einen grossen Widerstand beim Versuche der 
Umdrehung der Frucht ; dieser Widerstand rührt von der Muskel- 
kapsel des Uterus her, aus der ja der Steiss, auf dem sich die 
Wirkung des Zuges zuerst äussert, herausgezogen und in die der 
Kopf zurückweichen muss. Dieser Widerstand äussert sich auch 
in der Wehenpause und man ist oft gar nicht im Stande, ohne 
den Kopf etwas zu heben, die Frucht umzudrehen; es luxirt oft 
eher der Fuss, ehe man den Steiss aus dem Uteruskörper bringt. 
Ich will darauf noch bei der Schulterlage zurückkommen. 

Ergreift man aber unter solchen Verhältnissen, wenn der 
Fuss herabgeführt ist, den Oberschenkel und dreht die Frucht 
gewaltsam um, so entsteht nicht beim Ergreifen des Fusses, nicht 
beim Herabführen desselben ein Riss in der Muskelkapsel, son- 
dern an der entgegengesetzten Seite, wo der Kopf ausweichen 
muss, platzt die verdünnte Cervixwand zuerst. 

Waren die Verhältnisse sehr ausgebildet, so betrifft der 
Riss nur den Cervix, waren sie nicht sehr ausgebildet, dann übt 
der ausweichende Kopf einen Druck nach aufwärts gegen die 
Muskelsubstanz aus und der im Cervix begonnene Riss setzt sich 
bei der Umdrehung der Frucht in den Uteruskörper, denselben 
oft zertrümmernd, fort. 

Wer diese Art des Zustandekommens der Ruptur bezweifelt, 
den bitte ich um das genaue Studium des in Kormann's l ) Schrift 
benützten Falles II, wo bei Kopflage die Wendung ausgeführt 
wurde. Es war eine 29jährige Mehrgebärende mit Conj. ver. 
2 3 / 4 " (7*2 Cm.), die im Jahre 1859 nach mehrtägiger Wehen- 
dauer an der Anstalt Crede's mit der Zange von einem todten 
Mädchen und im Jahre 1863 abermals von einem todten Knaben 
sehr schwer entbunden wurde. Das Kind war in I. Kopflage 
und es wurde nach Einleitung der künstlichen Frühgeburt 22 
Stunden nach Wehenbeginn die Wendung ausgeführt. Das Prä- 
parat zeigte an der linken Seite nach hinten, wo der Kopf aus- 
weichen musste, einen Längsriss 5" (13 Cm.) lang, der vom ost. 
ext. begann und bis in die Hälfte des Uteruskörpers reichte, wo 



') Kor mau n, über die Uterusrupturen in forensischer Beziehung, 
Leipzig 1864, Fall II, pag. 17, mit Zeichnung des Präparates. 

6 



— 82 — 

er mit einem dreieckigen Lappen, den die Muskelsubstanz des 
Uterus bildete, endigte. 

Stellt der Kopf fest, bei wenig oder mehr ausgebildeten 
Verhältnissen , so wird man bei lebendem Kinde den Forceps 
immer versuchen müssen; ein knappes Verhältniss wird oft leicht 
mit dem Forceps überwunden und Kind und Mutter dadurch er- 
halten. Ist das Missverhältniss zwischen Kopf und Becken aber 
grösser, dann hilft der Forceps dem Kinde nichts mehr und 
schadet nur der Mutter. 

Ich mache aber aufmerksam, dass gerade bei Beckenver- 
engerungen mittleren Grades sich die besprochenen Verhältnisse 
am leichtesten bilden und der Uterus schon oft sehr früh machtlos 
auf die Fortbewegung des Kopfes wird. In den meisten Fällen 
von spontaner Ruptur hatte der Kindeskopf keine oder nur ganz 
massige Kopfgeschwulst. 

Sind die Forcepsblätter unter solchen Verhältnissen in den 
Beckenbuchten hinaufgeführt, so fühlt man dieselben durch die 
Bauchwandungen über dem Beckeneingangsniveau nur von ganz 
dünnen Wandungen bedeckt und es bestimmt diess den Grad der 
Vorsicht bei Application der Löffel und bei den Extractionsver- 
suchen, die sehr oft nur als Prüfungsmittel des räumlichen Miss- 
verhältnisses dienen müssen. Es gelingt aber hie und da mit 
einer Hand, während die andere controlirend am Kindeskopfe 
liegt, denselben in das Becken hereinzuführen und ein ganz 
lebensfrisches Kind zu erhalten. 

Entschliesst man sich unter solchen Verhältnissen zur Cra- 
niotomie, so ist es immer zu rathen, den Forceps zur Fixation 
des Schädels, den man durch die Bauchdecken nie so gut fixiren 
kann, liegen zu lassen oder anzulegen, was der Frau- nie 
schaden kann. Man kann die Perforation zwischen den Zangen- 
blättern ganz gefahrlos und sicher ausführen, wenn Jemand die 
Zangengriöe nach abwärts fixirt; denn man weiss, wenn die ab- 
normen Verhältnisse sehr vorgeschritten sind, oft nicht, ob nicht 
schon eine partielle Ruptur des Cervix vorhanden ist, dann weicht 
der oft scheinbar ganz fest stehende Kopf durch den Druck des 
Perforations-Instrumentes durch die Risswunden unter das Peri- 
toneum oder in die Bauchhöhle und der Uterus entleert oft in 



demselben Augenblicke den Körper des Kindes in den Cervix 
und in die Bauchhöhle. 

Wird eine Läsion des Cervix vermuthet oder mit Sicherheit 
diagnosticirt , so bleibt , um den Riss nicht zu vergrössern und 
den Austritt des Kindes zu verhüten, nichts anderes über, als die 
Geburt des Kindes in Kopflage um jeden Preis anzustreben. Zur 
Extraction des perforirten Schädels leistete mir der von Prof. 
v. Braun etwas modificirte Cranioclast von Simpson bei massi- 
gem und stetigem Zuge immer die trefflichsten Dienste. 

Die spontane Ruptur und die traumatische liegen, wenn die 
Verhältnisse einmal abnorm gestaltet sind, knapp neben einander 
und tritt diess besonders oft bei Mehrgebärenden, deren Kinder 
sich in Schulterlage zur Geburt gestellt haben, ganz augenschein- 
lich hervor. Man weiss oft gar nicht, wenn die Schulter tief in 
das Becken hereingepresst und das ost. ext. nicht mehr fühlbar 
ist, ob nicht schon eine Läsion des Cervix in den oberen Partien 
vorhanden ist und führt man unter solchen Verhältnissen die 
Wendung aus, so kann leicht die Ruptur traumatisch bewirkt, 
oder der vorhandene Riss vergrössert werden. 

Sind bei Schulterlage die Verhältnisse für die Ruptur nicht 
sehr weit vorgeschritten, so kann man durch die Wendung in 
der Narkose, wenn man den Kopf des Kindes von aussen gegen 
das Centrum der Uterushöhle dirigirt, noch ein lebendes Kind 
erhalten, ohne die Mutter zu beschädigen; aber je weiter die 
abnormen Verhältnisse vorgeschritten sind, desto riskirter wird 
die Wendung und desto schlechter die Aussicht, ein lebendes 
Kind zu Tage zu fördern, denn die Uterushöhle und Placen- 
tarstelle wird immer kleiner, die Blutzufuhr zum Kinde immer 
mangelhafter. Dasselbe gilt auch für die Wendung bei Kopflage. 
Es ist mir nach schwerer Wendung immer gelungen, nur ein 
tief asphyctisches Kind zu Tage zu fördern und ich habe bei 
unter solchen Verhältnissen ausgeführter Wendung öfter die 
Athmungsbewegungen des Kindes in der Uterus- und Cervix- 
höhle gefühlt. Ich glaube aber, dass es bei lebender Frucht meist 
gelingen wird, die Wendung auszuführen, ohne den Uterus zu 
verletzen, wenn man die gehörige Vorsicht anwendet. 

Sind aber die Verhältnisse ähnlich vorgeschritten, wie sie 
meinem Falle XII entnommen und auf Taf. III, Fig. 6, ange- 

6* 



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deutet sind, so hat der Uterus fast schon die ganze Frucht in 
den Cervix und die Scheide geboren und das Kind ist gewöhnlich 
längst abgestorben. Auch unter solchen Verhältnissen ist es oft 
noch möglich, mit der halben Hand neben der Schulter hinauf- 
zugehen und sich an der Nabelschnur vom Leben oder Tode der 
Frucht zu überzeugen. Auch einen Fuss kann man fassen und 
neben der Schulter herabziehen, ohne den Uterus zu zerreissen, 
aber bei der Umdrehung der Frucht stösst man, ähnlich wie bei 
Kopflage, auf grosse Schwierigkeit. Die Wand des Uteruskörpers 
an der Seite, wo man den Steiss herabziehen müsste, und der 
vorspringende Muskelrand (ost. int.) an der entgegengesetzten 
Seite setzen den Widerstand, aber beim Anziehen an dem Fusse 
hat meist nur die Seite, wo der Steiss herabgezogen werden muss, 
und die im Beckeneingange stehende Schulter die Wirkung des 
Zuges auszuhalten. 

Es ist mir deswegen heute erklärlich, warum man unter 
solchen Verhältnissen einen Fuss im Sprunggelenke, im Knie- 
gelenke luxiren kann, warum er sogar im Sprung- oder Knie- 
gelenke abgerissen werden kann, ohne dass dabei der Uterus immer 
zerrissen wird. So kam einmal eine Kreissende an die Anstalt, deren 
Kind schon 36 Stunden in Schulterlage sich befand; die beglei- 
tende Hebamme händigte mir einen im Kniegelenke ausgerissenen 
Fuss ein mit dem Hinweis, dass er der noch in der Gebärmutter 
der Frau befindlichen Frucht angehörte. Ich entband die Frau ganz 
leicht, indem ich die in den Beckeneingang hereingebogene Wir- 
belsäule der Frucht im Brustsegmente trennte und die Frau genas. 
Ein anderesmal sah ich eine Kindesleiche, wo die Haut am Ober- 
schenkel ringförmig geplatzt und die Knochen im Sprunggelenke 
auseinander gewichen waren ; der Fuss war in Form eines Stiefels 
in der Hand des Operirenden geblieben. Die Frau starb unentbun- 
den und an der kleinen Kindesleiche waren weder am Kopfe noch an 
der Schulter SugillationsgeschwulstoderMacerationszeichen sichtbar. 

Wer unter solchen Verhältnissen den Zug forcirt, der macht 
eigentlich fortwährend Versuche, den Uterus zu zerreissen, und 
leider gelingt diess den fortgesetzten Bemühungen sehr oft. 
Grenser 1 ) theilt einen Fall mit, wo durch gewaltsames Anziehen 



*) Naegele, Grenser, Lehrb. d G-ebh., p. 690, Anm. 



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am Schenkel nicht allein der Uterus zerrissen, sondern auch der 
Schenkel des grossen und ganz frischen Fötus im Hüftgelenke 
völlig abgerissen worden war. Die Frau starb nach einer Stunde. 
Die Ruptur zeigte eine Länge von 6" (16*2 Cm.) und erstreckte 
sich vom Scheidengewölbe durch den Hals und Körper der Gebär- 
mutter bis zur rechten Tuba Fallopii. 

Wer vielleicht auch diese Art des Zustandekommens der 
Ruptur bezweifelt, den bitte ich um die genaue Durchlesung des 
gewissenhaft beschriebenen Falles I. in Kormann's Schrift. 1 ) Es 
war eine IL Gebärende, die ihr I. Kind schwer, aber lebend ge- 
boren hatte; diesmal lag der Kopf rechts und der Rücken des 
Kindes sah nach hinten. Ein Praktikant versuchte die Wendung, 
brachte den unteren Fuss neben der Schulter herab, konnte aber 
trotz heftigen Zuges das Kind nicht umdrehen; es wurde auf 
demselben Wege der zweite Fuss geholt und die Wendung und 
Extraction gelang. Nach fünf Tagen starb die Frau und bei der 
Section fand man ganz entsprechend der Stelle, wo der Kopf aus- 
weichen musste, nach rechts und hinten einen penetrirenden Riss, 
der die ganze Länge des Cervix betraf. 

Nur durch die Gestaltung dieser abnormen Verhältnisse und 
das bisherige Unbekanntsein derselben ist es erklärlich, dass 
manchem erfahrenen Geburtshelfer das Unglück passirte, den 
Uterus (resp. abnorm gedehnten Cervix) bei der Wendung zu 
zerreissen. 

Sind die Verhältnisse so weit vorgeschritten, wie es auf 
Taf III, Fig. 6 angedeutet ist, dann ist das Kind todt und mil- 
der zweckmässigste Eingriff wird die Frau vor der Ruptur be- 
wahren und ihr das Leben retten können. 

Ist der Cervicalriss bei Schulterlage schon erfolgt, so wird 
man den Austritt des Kindes schwer verhüten können. Es wird, 
um die Vergrösserung des Risses zu vermeiden, am zweckmäs- 
sigsten sein, wenn möglich, die Decapitation auszuführen, weil 
man dadurch wenigstens den Austritt des noch grösstentheils im 
Uteruskörper befindlichen Rumpfes verhütet (siehe Fall 16). 

Bei Erstgebärenden und Schulterlage stellen sich die abnormen 
Verhältnisse des Uterus und Cervix lange nicht her und ich habe 



') Kor mann, Fall I, p. 8, mit Zeichnung des Präparates. 



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immer, oft lange Zeit nach Fruchtwasserabflusse, die Wendung 
in der Muskelkapsel des Uterus (das ost. int. stand noch nahe 
dem Beckeneingange und der Cervix war nicht abnorni gedehnt) 
sicher ausführen können; jedoch wird bei Erstgebärenden durch 
die energische Uteruswirkung die Schulter oft tief in das Becken 
getrieben oder die starre Uteruskapsel verhindert die Umdrehung 
der Frucht und lässt hie und da bei todter Frucht die Embryulcie 
als die vortheilhafteste Entbindungsweise erkennen. 



Therapie nach erfolgtem Austritte des Kindes. 

Ist ein Theil des Kindes durch die Rissränder getreten, so 
habe ich schon angedeutet, dass die Entbindung, ohne den Riss 
und die Abhebungen des Peritoneums zu vergrössern, auf die 
zweckmässigste Weise anzustreben ist. 

Ist das Kind bei Kopflage oder bei Schulterlage mit dem 
Kopfe voraus, das Peritoneum abhebend, in die Bauchhöhle ge- 
schlüpft, so entleert der Uterus die untere Körperhälfte in den 
Cervix und die Füsse des Kindes sind gewöhnlich ganz in der 
Nähe des Beckeneinganges zu finden; so war es in allen meinen 
Fällen, bis auf einen VIII, wo das Kind weit ab von der Wunde 
unter dem Diaphragma lag. Da man in solchen Fällen nie weiss, 
ob nicht doch das Peritoneum unverletzt ist, und weil die Cervix- 
wunde dem Hereinziehen des Kindes nicht die geringsten Schwierig- 
keiten macht und das ost. ext. erweitert ist, so wird man wohl 
immer die Füsse des Kindes zur Extraction benützen und die 
Geburt auf natürlichem Wege beendigen müssen. Durch die so- 
genannte expectative Behandlung wird man wohl selten etwas 
anderes erreichen, als die Frau sterben zu sehen. 

Wenn aber der untere Antheil des Cervix enge ist oder das 
Kind weit ab unter den Darmschhngen aufgesucht werden müsste, 
dann glaube ich, ist das einzig rationelle die Laparotomie, ob 
das Kind lebt oder todt ist. Ich habe dieselbe im Falle VIII 
nicht mehr ausgeführt, weil die Frau sterbend war und auch 
eine Stunde, nachdem ich sie gesehen, starb. Ist aber die Frau 
noch bei einiger Kraft, so wird man nicht zögern dürfen, das 
Kind und die Placenta durch die Laparotomie in der linea alba zu 



— 87 — 

entfernen, die Bauchhöhle von Blutcoagiüa zn reinigen, eine viel- 
leicht noch vorhandene Blutung zu stillen und so die Bedingungen 
zur Heilung herzustellen. Ich weiss nicht, ob nicht eine Frau 
nach Entwickelung der Frucht durch Laparotomie mehr Chancen 
hat zu genesen, als eine solche, wo das Kind nach dem Austritte 
in die Bauchhöhle auf natürlichem Wege extrahirt wurde und dabei 
gewiss viel Blut, Fruchtwasser und Meconium in der Bauchhöhle 
zurückblieb. Das enge ost. ext. (oder unteren Cervixabschnitt) unter 
solchen Verhältnissen auszudehnen oder mit dem Pott 'sehen 
Messer einzuschneiden, wie es s i a n d e r r ) schon empfohlen hat, 
möchte ich, um die Frucht zu entwickeln, der Laparotomie nicht 
vorziehen, weil bei der folgenden Extraction gewiss die Verletzungen 
so gross würden, als die Wunde in den Bauchdecken bei der La- 
paratomie, und weil dabei der Vortheil entginge, die Bauchhöhle 
vom Blute rein zu machen. 

Die vielen Fälle von Genesungen nach Laparotomie, von 
glaubwürdiger Hand mitgetheilt, sind gewiss erwägungswerth und 
zahlreicher gegenüber denen, wo nach Extraction des Kindes auf 
natürlichem Wege Genesung erfolgte. 

So hat nach Baudelocque 2 ), ThibaultdesBois, Wund- 
arzt zu Mons 1768, das erste Beispiel von Heilung durch Laparotomie 
nach Uterusruptur bekannt gemacht; ihm folgte Lambron, 
Wundarzt zu Orleans 1775, der zweimal an derselben Frau, das 
erste Mal 18 Stunden nach der erfolgten Ruptur ein todtes 
Kind, das zweite Mal gleich nach der Ruptur ein asphyeti- 
sches Kind durch die Laparotomie entwickelte; die Frau genas 
und wurde wieder schwanger. Winkel, Kilian (S. p. 17) und viele 
Andere 3 ) machten die Laparotomie mit günstigem Erfolge für die 
Mutter, und nach den von Trask gegebenen statistischen Zahlen 
sollen bei expeetativer Behandlung 78°/ , bei der Entbindung auf 
natürlichem Wege 68°/ zu Grunde gegangen und nach der La- 
parotomie nur 24°/ gestorben sein (siehe auch Schröder 4 ) und 
Nägele 6 ). Ich glaube, dass man in den Fällen, wo die Füsse I 



*) Oslander, a. a. 0. Bd. III, p. 75. 

2 ) Baudelocque, a. a. 0. p. 485. 

3 ) Kor manu, a. a. 0., F. 3 und 17. 

4 ) Schröder's Lehrb. d. Gebh., p. 630, Anm. 

5 ) Nägele, Grenser's Lehrb. d. Gebh., p. 687, Anm. 



des Kindes leicht erreichbar sind, die Extraction, wo man die- 
selben aber schon unter den Darmschlingen aufsuchen müsste, 
oder der untere Cervixabschnitt enge ist, die Laparatomie 
machen soll. 

Wenn bei Berstung des Cervix und unvollständigem Aus- 
tritte des Kindes die Geburt auf natürlichem Wege vollendet ist, 
so hat man sein Augenmerk auf die Verwundung und deren 
Folgen zu richten. Wie die Sectionsbefunde ergeben, kommt es 
zu einer kinderfaust- bis zweifaustgrossen Höhle ausserhalb des 
Cervix unter dem abgehobenen Peritoneum ; in derselben ist ent- 
weder schon Blut angesammelt, oder es erfolgt, nachdem der 
tamponirende Kindestheil daraus entfernt ist, in dieselbe erst 
Blutung nach der Entwicklung des Kindes , und das Blut kann 
das Peritoneum weite Strecken abheben. Ist ein Blutcoagulum 
in der Höhle enthalten, so muss es, wenn es möglich ist, entfernt 
werden; denn aus vielen Sectionsbefunden ist zu ersehen, dass 
daraus Eiter und Jaucheheerde wurden, von denen wahrschein- 
lich die diffuse Peritonitis ausging, der die Patientin en oft erst 
nach vielen Tagen, ja vielen Wochen, erlagen. Ferner muss ver- 
hindert werden, class die Frau weiter in diesen Raum blutet und 
dass das abgehobene Peritoneum seiner Unterlage nach Möglich- 
keit genähert werde. Ein Druck auf den Uterus in entsprechender 
Richtung durch Baumwolle, Compressen und eine Bauchbinde und 
permanente, ausgiebige Kälte, so lange die Gefahr der Blutung 
vorhanden ist, wie es in allen meinen beobachteten Fällen ge- 
schah, werden die zweckmässigsten Mittel sein, um die Bedin- 
gungen zur Heilung herzustellen. Die sich in diesen Fällen bil- 
dende, meist mit Blut erfüllte Höhle hat ihre Oeffhung im Cervix, 
die sich in Folge der Rückbildungsfähigkeit desselben oft rasch 
verkleinert, und es wird nur von den Verhältnissen dieser Oeff- 
nung zur dahinter liegenden Höhle abhängen, ob es nicht zweck- 
mässig erscheint, dem sich bildenden Eiter oder der Jauche, wenn 
die Anlöthung des Peritoneums nicht erreicht wird, durch ein 
Drainage röhr Abfluss zu verschaffen. 

Wurde beim Austritte des Kindes das Peritoneum mitzer- 
rissen, wie es in den meisten Fällen geschieht, so wird die Be- 
handlung etwas schwieriger werden und es wird nicht leicht sein, 
die Bedingir gen zur Heilung in der Bauchhöhle herzustellen, 



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denn es ist Blut und Fruchtwasser in das Peritonealcavum aus- 
getreten und dasselbe wird bald durch Verlöthung der Gedärme 
und des Peritoneums nach allen Richtungen von der Cervixwunde 
abgeschlossen und zur Peritonitis führen. So war es im Falle VII., 
wo Prof. v. Braun zuerst die Drainagirung der Bauchhöhle an- 
wendete. Es wird aber doch, wenn die Entwicklung des Kindes 
auf natürlichem Wege einmal stattgefunden hat, am rationellsten 
sein, ein Drainagerohr mit grossen, seitlichen Oeffnungen zum 
Abfluss der Secrete einzulegen. Doch wird die Wahrscheinlich- 
keit der Genesung der Frau davon abhängen, ob die „toilette 
du peritoine", wie sie Dr. Worms bezeichnet, und Spencer 
Wells 1 ) und alle Ovariotomisten heute so minutiös üben, durch 
die Drainageröhre bewerkstelliget wird oder nicht. — Ich möchte 
den Vorschlag machen , unter solchen Verhältnissen die Bauch- 
höhle zu eröffnen und die Peritonealhöhle zu reinigen, aber ich 
wage es nicht, weil im Falle XII nach vollständigem Austritte 
des Kindes und Extraction auf natürlichem Wege Heilung er- 
folgte, ich aber glaube, dass in diesem Falle das Kind unter 
dem Peritoneum gelegen war. 

Da die meisten Frauen, wo die spontane Ruptur statt- 
gefunden hatte, ohne Fieber waren und dieselben im Augenblicke 
des Entstehens der Berstung des Cervix, meiner Ansicht nach, 
vollkommen gesund waren, hätte ich keinen Grund, die statistische 
Zahl von Trask (24°/ Mortalität), nach Laparotomie und Reini- 
gung der Bauchhöhle viel zu günstig zu halten; im Gegentheile 
stimmt dieselbe mit den schönen Erfolgen nach Ovariotomien 
von Spencer, W^ells^u. A. (25 - 4°/ Mortalität) annähernd über- 
ein; aber da diese Fälle meist erst längere Zeit nach dem Ent- 
stehen der Ruptur, wenn die Frauen schon viel Blut verloren 
haben oder der Entzündungsprocess schon eingeleitet ist, zur 
Beobachtung kommen, scheint mir diese Zahl doch zu günstig 
zu sein. 

Ich schliesse diese Zeilen mit der Befriedigung, nach jeder 
Richtung der Wahrheit treu geblieben zu sein und nur meine 



*) Spencer Wells, die Krankheiten der Eierstöcke, übersetzt von 
P. Grenser, Leipzig 1874, p. 298. 
2 ) Idem Cap. XX, p. 341. 



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innige Ueberzeugung ausgesprochen zu haben und mit dem 
Wunsche, dass das Ereigniss „Ruptura uteri" dadurch dem Ver- 
ständnisse näher gerückt sei und vielen Frauen das Leben retten 
möge. — Ich weiss wohl, dass durch meine Erörterungen die zu häufig 
beschriebenen Fälle, wo das Gewebe des Uteruskörpers nach kur- 
zer Geburtsdauer wie Zunder auseinanderweichen soll, nicht auf- 
geklärt sind; aber ich kann mich mit dem Bewusstsein trösten, 
dass diese Fälle, weil bei einer Zahl von 56003 Geburten nicht 
ein ähnlicher vorgekommen ist, zu den grössten Seltenhei- 
ten gehören müssen. — Und sollte auch die spontane Ruptur 
des Cervix noch eine andere Ursache haben (Narben tiefer Ein- 
risse, was mir noch nicht nachzuweisen gelang) als seine abnorme 
Dehnung, so genügt es mir vollständig, die abnormen Verhältnisse 
festgestellt zu haben, bei denen die Ruptur leicht traumatisch 
bewirkt wird und welche Verhältnisse gewiss schon manchen be- 
währten Arzt unschuldig vor den Gerichtshof brachten. 

Im Interesse der armen Frauen aber, die sich meist erst 
spät die Wohlthat des Arztes gönnen, bitte ich die Herren Fach- 
männer, meine Mittheilungen und Anschauungen einer strengen, 
aber gerechten Prüfung zu unterziehen. 



Dreizehn eigene Beobachtungen 

von 

Ruptura Uteri (resp. Cervicis uteri) 
während der Geburt. 



(Acht Fälle bei Kopflage und engem Becken, zwei Fälle bei 
Hydrocephalus, drei Fälle bei Schulterlage.) 



I. Cervixruptur mit vollständigem Austritte des Kindes bei engem 
Becken und Kopflage. Craniotomie am nachfolgenden Kopfe. 1 ) 

Die unter Jour. -Nr. 4174, den 28. December 1870 aufgenommene 
38jähr. II. Gebärende batte das erste Mal vor acbt Jabren scbwer geboren. 
Sie kam gebärend in die Anstalt; die Wehen sollen seit dem 27. Abends 
kräftig und regelmässig angedauert haben. Die Untersuchung ergab bei I. 
Schädellage und kräftig entwickeltem Kinde eine Beckenverengerung von 3V4" 
(8 - 5 Cm.) Conj. vera. Der Kopf im Beckeneingange beweglicb, war durch den 
dreifingerweiten Cervix leicht erreichbar. Gegen 7 Uhr Abends (28.) erfolgte 
der Blasensprung. Die Kreissende konnte es in der Nacht bei den kräftigsten 
Wehen nicht weiter bringen, als bis zur Einkeilung des Schädels ; die grösste 
Peripherie desselben blieb über der Conj. sitzen. Man hoffte, dass die Geburt 
ohne Eingriff vor sich gehen würde ; es sollte aber anders kommen ; ihr vor 
acbt Jahren lebend geborenes Kind war ihr Verhängniss ! Es änderten sich 
den 29. gegen Morgens 5 Uhr mit einem Schlage die ganzen Verhältnisse der 
Kreissenden, nachdem kurz vorher von den prakticirenden Herren der Schädel 
im Beckeneingang touchirt und die Foetalherztöne vernommen wurden. Die 
kreissende Frau wurde mit einem Male ruhiger, diess machte die Umgebung 
auf sie aufmerksam und liess sie den dienstfübrenden Assistenten herbei- 
rufen. Die Wehen hörten gänzlich auf und Schmerzen im Unterleib, beson- 
ders über den horizontalen Schambeinästen stellten sich ein, und war diese 
Gegend gegen Berührung besonders empfindlich. Die auffallendste Erschei- 
nung war aber die gänzliche Gestaltveränderung des Unterleibes; es bil- 
dete sich in der Höhe des Nabels eine tiefe quere Furche; über derselben 
konnte man durch die dünnen Bauchdecken, besonders durch die Diastase der 
m. recti für alle Umstehenden klar, den leeren, fest contrahirten Uterus nach- 
weisen, unter derselben konnte man deutlich Rücken und Kopf der Frucht 
fühlen. Die äusseren Genitalien und die Vagina waren etwas ödematös. — 
Die untersuchende Hand fand den Kopf nach vorne und oben ausgewichen, 
den Cervix vorne quer vom Uterus abgetrennt, wie eine Dose war der Uterus 
nach vorne aufgeklappt, hing nur an der hinteren Wand mit Cervix und 



') Herr Dr. Franz Heimsoeth hat diesen Fall beobachtet und in 
seiner Inaugural-Dissertation, Bonn 1871, genau beschrieben. 



— 94 — 

Scheide zusammen. — Ganz in der Nähe des Beckeneinganges fand man die 
Füsse des Kindes, der Uterus seihst hatte leider durch seine vordere Cervix- 
wand hindurch die Wendung ausgeführt. Der Gesichtsausdruck war ängst- 
lich, verfallen, das Gesicht, früher tief geröthet, war Mass geworden, kalter 
Schweiss perlte auf der Stirne , und die Kranke erbrach mühsam unter hef- 
tigen Schmerzen im Unterleib einige Male. Der Puls war 120, Temperatur 
nahe normal, Respiration beschleunigt, als man den 29. 5 Uhr Früh zur Nar- 
kose schritt. Die halbe Hand erreichte leicht den rechten Fuss und die Ex- 
traction gelang bis zu den Schultern ohne viele Mühe ; die Arme, beide hin- 
aufgeschlagen , waren schwierig zu lösen , der nachfolgende Kopf blieb im 
Beckeneingange, trotz der kräftigsten manuellen Tractionen am Unterkiefer 
und Nacken in der Klemme und konnte erst nach Perforation und Excere- 
bration entwickelt werden. Das Kind M. wog 6 Pfd. 8 Lth. (3500 Gr.) ohne 
Hirn und Blut und war 20" (53 Cm.) lang. Die Placenta folgte einem leichten 
Zuge am Nabelstrange; gegen i / 2 7 Uhr war die Kranke entbunden, ohne viel 
Blut verloren zu haben. — Es wurde der Uterus durch über den Fundus 
gelegte Baumwolle und Compressen nach abwärts gedrückt, durch eine Bauch- 
binde fixirt und permanent kalte Ueberschläge angewendet. Nach der Geburt 
trat eine kurze von zeitweiligem Erbrechen und Schluchzen unterbrochene 
Euphorie ein. Das Erbrechen und Schluchzen hielt an, der Puls wurde immer 
kleiner und jagender, Meteorismus, Collapsus stellten sich ein und nach 
30 Stunden, den 30., gegen 1 Uhr Mittags, erfolgte der Tod. 

Bei der Section *) fand man in der Bauchhöhle einige Uncen coagu- 
lares Blut und Flüssigkeit. In der Excavatio vesico-uterina im Peritoneum 
einen Riss, durch den man bequem eine Faust stecken konnte. Das Perito- 
neum war nach links hin, den ganzen Psoas entlang, von der Unterlage ab- 
gehoben und durch Blutcoagulum zu einer blaurothen Geschwulst emporge- 
wölbt. Der Uterus in seinen Wandungen und Fundus auf l 3 / 4 und Vl 2 " (4 J / 2 
bis 4 Cm.) verdickt; ein querer Riss trennte den Cervix 1" (2 1 / 2 Cm.) unter 
dem ost. int. in seiner ganzen vorderen halben Peripherie. Der Uterus ohne 
Blase und Scheide, die vollkommen intact waren, wog 2 Pfd. (1520 Gr.), das 
Becken, ohne besondere Merkmale, war nur in der Conj. vera auf ^U" 
(8 Cm.) verengt. 

II. Cervixruptur im Beginne bei engem Becken. Kopflage der 
Frucht. Craniotomie. 

Den 20. December 1871, Abends 6 Uhr wurde die 35jähr. V. Geb. K. C. 
von mir unter J.-Nr. 4086 aufgenommen ; sie hatte vier Kinder spontan lebend 
geboren. Conj. v. 3 1 /*" (8-5 Cm.), Kind stark entwickelt, in I. Schädellage, 
Cervix für 3 Finger offen, Fruchtblase erhalten. 

Die Wehen sollen schon den 18. Abends begonnen und massig ange- 
dauert haben. Kurz nach der Aufnahme sprang die Fruchtblase. Abends 



*) Die Sectionen der klin. Fälle wurden in der path. anat. Anstalt und 
die meisten von Dr. Kundrat ausgeführt. 



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11 Uhr Kopf beweglich über dem Beckeneingange, die ganze Nacht hindurch 
Wehen. 21. December, 8 Uhr Früh stürmische Wehen, Geschwulst am fest- 
stehenden Kopfe, Cervix ringsum zu fühlen, geringes Fieber, Herztöne des 
Foetus deutlich. 21. December, 11 Uhr Mittags noch kräftige Wehen, Temp. 
40 - 5, Puls 120, mekoniumhältiges Fruchtwasser, sehr gesunkene Herztöne des 
Foetus. Cervix 1" (2'/ 2 Cm.) breit, nur noch vorne eingeklemmt fühlbar. 

21. December, x ',.ß Uhr keine Herztöne, Craniotomie und Fxtraction mit 
Cranioclast bei leicht zugänglichem Kopfe. Nach der Extraction wurde ein 
Cervicalriss, links bis zum inneren Muttermund reichend, aufgefunden. Die 
Placenta folgte spontan ; das Kind (K.) wog 6 Pfd. (3360 Grm.) ohne Hirn 
und war 197 2 " (52 Cm.) lang. Die schon als gebärend schwer Kranke 
starb andern Tages unter, mit hohem Fieber cinhergehenden peritonischen 
Erscheinungen. 

Section : Acute Peritonitis , in der Bauchhöhle bei 3 Pfund schwach 
haemorrhag. eitrigen Exsudates. 

Das Peritoneum links vom Uterus , dem Cervix entsprechend, blutig 
suffundirt und im geringen Umfange von der Unterlage abgehoben, aber nicht 
zerrissen. 

Der mannskopfgrosse Uterus war so nach rechts gelagert, dass sein 
Fundus auf dem rechten Darmbeinteller zu liegen kam. Seine Wandungen 
1" (2V 2 Cm.) dick, die Wand des Cervix dünn und links durch einen 2 J / 2 " 
(6V 2 Cm.) langen Riss, der bis zum ost. intern, reichte, in seiner ganzen 
Dicke getrennt; Conj. v. 37 4 " (85 Cm.). 

III. Cervixruptur mit theilweisem Austritte des Kopfes bei engem 
Becken. Craniotomie. Ausweichen des Kopfes. Extraction. 

Den 25. Februar 1872 gegen Morgen 7 2 4 Uhr wurde die 29jähr. IX. Geb. 
D. Th. in wenig Hoffnung erregendem Zustande überbracht und unter J.-Nr. 
510 aufgenommen. 

Anamnestisch konnte erhoben werden, dass die Fruchtblase schon den 
11. Februar 9 Uhr Abends gesprungen sei, dass sich Wehen erst aber den 
14. Februar 8 Uhr Früh eingestellt haben (24 Stunden Wehen). 

Es wurde constatirt IL Kopflage, kräftiges Kind, einfach plattes Becken, 
Conj. v. 5" (8 Cm.), keine Herztöne. 

Der Kopf war gegen den Beckeneingang angedrängt, neben dem Hinter- 
haupte lag der linke Fuss vor, Wehen waren vorhanden. Es wurde mit der 
Hand ein querer Riss im Cervix nach links und vorne nachgewiesen, der 
äussere Muttermund war weit offen, in der Höhe der Symph. oss. 
pub. zu fühlen. Der Kopf war nicht ganz vom Cervix umschlossen, sondern 
bei leichtem Heben des Kopfes konnte ich eruiren, dass die Rissränder über 
dem Kopf auseinander klafften. 

Es wurde am vorliegenden Kopfe die Craniotomie ausgeführt, der Kopf 
trat trotz Fixation von aussen, das Peritoneum abhebend, ganz aus dem 
Cervix. — Es gelang dann spielend leicht die grösstentheils vom Trepan 



— 96 — 

und Uterus besorgte Umdrehung der Frucht und die Extraction am vor- 
liegenden Fusse. Die Placenta folgte gleich nach der Gehurt einem 
leichten Zuge am Nabelstrang. Um 4 Uhr Früh war die Frau entbunden. 
Das Kind wog 5 Pfd. 20 Lth. (3150 Grm.), war gegen 20 Zoll (53 Cm.) lang. 
Die Frau starb nach 48 Stunden unter Erscheinungen grosser Anaemie und 
geringen Fiebers. Die Section ergab: Ruptura cervicis uteri mit Erhaltung 
des Peritoneums, das im Umfange der Rissstelle von der Unterlage abgehoben 
war, Anaemie, Enmetritis, Peritonitis und einen kleinen Thrombus in der linken 
Schamlippe. Das sonst normale Becken zeigte die Conjug. ver. auf S'/V' 
(8V 2 Cm.) verkürzt. 

IV. Cervixruptur mit vollständigem Austritte des kindlichen 

Rumpfes in die Bauchhöhle hei massiger Beckenverengeruu«; 

und abnorm grossem Kinde. Craniotoinie. 

Den 2. Juli 1872 nach 2 Uhr Morgens wurde die 36jähr. verh. VII. 
Geb. N. B. ganz collabirt, mit kaum fühlbarem Puls überbracht und von mir 
unter J.-Nr. 2027 aufgenommen. Die Arme hatte wohl viel überstanden. 
Am ersten Blick auf den Bauch war die Diagnose Ruptura uteri penetrans 
ausgesprochen. Man konnte den leeren Uterus rechts, die Frucht links durch 
die dünnen Bauchdecken hindurch sehen, keine Fötalherztöne. Der Kopf 
war fest in dem massig verengten Becken, C. v. 3V 4 — 3V 2 " (9 Cm.) eingekeilt, 
der äussere Muttermund intact, rings um das durch ihn hindurch gedrängte 
Schädelsegment , das eine massige Kopfgeschwulst hatte, 3 / i " (2 Cm.) breit 
zu fühlen. 

Der Cervix war zwischen Becken und Kopf in der Klemme. Ich erfuhr 
von der begleitenden Hebamme, dass die Frau bei den früheren Geburten nie 
einen Anstand gehabt, dass diesmal die ersten Wehen den 30. Juni um 
10 Uhr Abends begonnen hätten; über den Fruchtwasserabfluss nichts Be- 
stimmtes; 28 Stunden Wehen. 

Es wurden ausser der Anstalt, nach Verabreichung von Ergotin, meh- 
rere energische Zangenversuche gemacht, der erste den 1. Juli 9 Uhr Früh, 
der zweite 2 Uhr Nachmittags , der letzte in der Nacht gegen 12 Uhr. Ich 
machte sofort die Craniotomie und extrahirte den Kopf mit Cranioclast, die 
Entwicklung des Rumpfes gelang mir nicht, ich war wieder gezwungen, die 
Brusthöhle zu perforiren und zu exenteriren. Nach der Extraction konnte 
ich leicht links im Cervix einen penetrirenden Riss nachweisen. 

Die Placenta folgte einem leichten Zuge am Nabelstrange. Das Kind 
K. wog 8 Pfd. (4480 Grm.) ohne Hirn und verlorenem Blut und war 21" 
(55 Cm.) lang. Die Frau blieb collabirt, erbrach mehrere Male und starb 
nach 21 Stunden. 

Section: In beiden Seiten der Bauchhöhle bei 2 Pfd. (1120 Grm.) Blut- 
coagula. Der mannskopfgrosse Uterus, fest contrahirt, war nach rechts ge- 
lagert. Das Peritoneum zeigte an der vorderen Wand des linken ligam. 
latum, das in seine Blätter auseindergewichen und von Blutcoagulum erfüllt 



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war, einen für zwei Fäuste passirbaren Riss. Die Vagina war unverletzt; 
der sehr verdünnte Cervix hatte links einen über dem ost. ext. beginnenden 3" 
(8 Cm.) langen Längsriss, der sich noch 3" (8 Cm.) weit in die Uterussub- 
stanz fortsetzte; in diesen Riss mündet von hinten her ein bei 3" (8 Cm.) 
langer Querriss, der den Cervix vom Uterus 1 Cm. breit unter dem ost. int. 
abtrennte. Der Riss im Cervix communicirte mit dem von Blutcoagulum er- 
füllten Raum zwischen den beiden Blättern des lig. lat. und der Rissöffnung 
im Peritoneum. . Die Uteruswandungen waren im Körper und Fundus gegen 
2 1 / 2 " (65 Cm.) verdickt. Conj. 3 3 / 4 " (9-8 Cm.). 

V. Cervixruptur mit Zerreissung des Peritoneums bei engem 
Becken. Spontane Geburt eines asphyctischen Kindes. I. Kopflage. 

Einer der interessantesten Fälle, weil er zeigt, dass eine Frau mit 
penetrirender Cervixruptur auch noch auf natürlichem Wege gebären 
kann. Die Ruptur ist zweifellos spontan zu Stande gekommen, es hat Niemand 
operative Hilfe geleistet. 

Die 35jähr. IL Geb. B. B. , unter J.-N. 1229 aufgenommen, kam den 
20. Mai 1873 gegen 4 Uhr Nachmittags mit gesprungener Fruchtblase auf 
das Kreisszimmer. Die ersten Wehen sollen sich schon den 19. Mai 7 Uhr 
Früh eingestellt haben. Das Becken war auf 3" (8 Cm.) Conj. vera verengt. 
Kräftige Wehen im Laufe der Nacht drängten den Kopf langsam durch den 
Beckeneingang, Morgens den 21. stand der Kopf tief, die Frau fieberte, Temp. 
39-4, Puls 120. Aus Rücksicht für das Collegium, das sich um 12 Uhr ver- 
sammelt, wollte man mit dem Anlegen der Zange bis dahin warten. Die 
Frau gebar aber knapp vor der Klinikstunde spontan ein asphyctisches 5 Pfd. 
24 Lth. (3220 Grm.) schweres Kind (K), das des anderen Tages starb. Die 
Frau, sehr erschöpft nach der Geburt, collabirte nach kurzer Zeit und starb 
nach 24 Stunden. 

Die Section (23. Mai) ergab: In der Bauchhöhle eine grosse Menge 
extravasirten Blutes. Penetrirender Längsriss in der linken Cervixwand, 
zwei Finger lang. Verdickung des Uterusgrundes und Körpers, Conj. 3V4" 
(8-5 Cm.). 

VI. Cervixruptur mit Austritt des kindlichen Rumpfes bei engem 
rachit. Becken. Craniotoinie-Versuch. Ausweichen des Kopfes. 

Wendung. 

Den 25. October 1873 gegen i / 2 7 Uhr Abends wurde die 33jähr. verh. 
IL Geb. B. R. überbracht und unter J.-N. 3297 aufgenommen. Das erste Mal 
machte sie eine Frühgeburt, jetzt befand sie sich am Ende der Schwanger- 
schaft. Die ersten Wehen begannen den 24. gegen Mittags, die Blase sprang 
den 25. Früh, sie hatte den ganzen Tag über die kräftigsten Wehen, gegen 
5 Uhr sollen die Wehen aufgehört und sie massig zu bluten begonnen haben. 
Ein herbeigerufener Arzt empfahl ihr, ohne sie mit einem Fi;:ger berührt zu 
haben, die Gebäranstalt. Bei der Ankunft war die Frau collabirt ; Puls 140, 

7 



— 98 — 

Ternp. 38-2, hatte keine Wehen, blutete massig. Durch die Bauchdeckeu 
kouute mau rechts deutlich deu leereu , kräftigen Uterus , nach links den 
ganzen Rumpf der Frucht nachweisen. Im allgemein verengten rachit. 
Becken, Conj. circa 2 i / 2 " (7 Cm.) ganz vom 4" (10V 2 Cm.) langem Cervix um- 
schlossen, konnte man den Kopf wenig beweglich im Beckeneingang ganz 
touchiren. 

Mit zwei Fingern neben dem beweglichen Kopfe hinaufgehend, kouute 
ich den Riss, durch den das Kind aus dem Uterus gewichen war, im oberen 
Dritttheile des Cervix deutlich nachweisen, ich konnte den Wuudrand im Cervix 
in der Ausdehnung von 5" (13 Cm.) mit dem Finger verfolgen. Es war der 
Uterus vom Cervix in der linken, mehr als halben Peripherie abgerissen und 
durch den weit klaffenden Spalt war der Körper der Frucht hiuausgeboren. 
Prof. v. Braun versuchte die Perforation am vorausgehenden Kopfe, der be- 
wegliche Kopf wich aus, er musste daher die Wendung ausführen. Der 
rechte Fuss luxirte im Kniegelenk, es gelang dann die Extraction an dem 
herabgeholten zweiten Fusse bis zum Kopfe. Die Wirbelsäule luxirte eben- 
falls, und erst nach der Perforation konnte der nachfolgende Kopf entwickelt 
werden. Die Placenta folgte einem leichten Zuge am Nabelstrange, um 
3 / 4 7 Uhr war die Frau entbunden. 

Das wenig macerirte Kind (M.) wog 5 Pfd. 16 Lth. (3080 Grm.). 

Die Frau starb nach 30 Stunden unter heftigen Peritonitis-Erschei- 
nungen. Die Section ergab: In der Bauchhöhle bei 2 Pfd. (1120 Grm.) einer 
rothbraunen, trüben, eiterigen Flüssigkeit und bei 1 Pfd. (560 Grm.) Klumpen 
geronnenen Blutes ; das Bauchfell überall von einer Schichte zerfallenden Ex- 
sudates bekleidet. 

Der Uterus von Kindskopfgrösse, gut contrahirt und derb, hoch in die 
Bauchhöhle hinaufragend und nach seiner hinteren Wand zurückgesunken, 
zeigt an der vorderen Wand im Cervix in der Höhe der Umschlagstelle des 
Peritoneums einen queren, nach beiden Seiten gegen die Einpflanzung des 
lig. teres sich fortsetzenden Riss , der an diesen Stellen nur die äusseren 
Schichten und das Peritoneum, in der Mitte sämmtliche Schichten betrifft, so 
dass die Cervixwand am Rande des Risses nach auswärts in sich selbst 
eingeklappt ist. Das Peritoneum links vom Uterus in grosser Ausdehnung 
von der Unterlage abgehoben ; darunter eine mit Blutcoagulum erfüllte Höhle 
communicirte mit dem 5" (13 Cm.) langen, knapp am inneren Muttermund 
verlaufenden, l l j 2 " (4 Cm.) weit klaffenden Querriss des Cervix. Sämmtliche 
Weichtheile in der Umgebung schwarz- grünlich, missfärbig. Die Uterussub- 
stanz bis 1V 2 " (4 Cm.) dick, blassröthlich, derb, an der Innenfläche mit blutig- 
infiltrirten Deciduafetzen ausgekleidet , Cervix stark suffendirt , im äusseren 
Muttermunde an mehreren Stellen eingerissen. Harnblase intact; das rachit. 
Becken mass in der Conj. vera 2 3 / 4 " (7 - 2 Cm.), die Microchorde links l 3 / 4 " 
(4-5 Cm.), rechts 2" (5"3 Cm.). 



— 99 — 

VII. Cervixruptur mit Austritt des kindlichen Rumpfes bei 
engem rachit. Becken. Craniotomie. Drainagirung der Wunde. 

Die 38jähr. verh. II.Geb. 0. A. wurde den 7. Mai 1874 gegen i l 2 5 Uhr 
Morgens überbracht und von mir unter J.-No. 1042 aufgenommen. Ihr erstes 
Kind hatte sie vor mehreren Jahren spontan geboren, es soll aber klein ge- 
wesen sein und nur einige Tage gelebt haben ; jetzt befand sie sich am Ende 
der Schwangerschaft. Die Wehen sollen mit dem Blasensprung den 6. 
4 Uhr Früh aufgetreten sein und kräftig bis den 7. 3 Uhr Morgens an- 
gedauert haben. Die Frau gab selbst mühsam an, dass der jetzt erst her- 
beigerufene Arzt, ohne sie nur untersucht zu haben, ihre Ueberführung in 
die Klinik angeordnet habe. 

Ihr Gesichtsausdruck war ängstlich, ihr Aussehen sehr anaemisch, sie 
klagte über keine Schmerzen, ganz theilnahmslos lag die Patientin im Bette ; 
der Puls war 80, die Temp. 37-5. 

Der ängstliche Gesichtsausdruck und die Anaemie der Patientin for- 
derten mich zur genauen Untersuchung der Verhältnisse auf. Ich konnte ohne 
Mühe durch Betasten des Unterleibes zweifellos den Austritt des Kindes aus 
dem Uterus in seine Umgebung nachweisen. Die Diagnose war etwas 
schwierig, weil die Bauchdecken dick waren und weil die Frucht theilweise 
auf eine von mir nie gesehene Weise hinter dem Uterus versteckt war, so 
dass ich nur ab und zu einen kleinen Kindestheil ausser der festen Contour 
des Uterus durch die Bauchdecken hindurch nachweisen konnte. Der leere 
Uterus war durch den darunter und theilweise hinter ihm gelegenen Kindes- 
körper emporgehoben und nach vorne und etwas nach links gedrängt. Der 
Kindeskörper und der Uterus neben und übereinander bildeten ein Ganzes, 
das man leicht für den vollen Uterus hätte halten können. Foetalherztöne 
waren nirgends zu hören. Bei der inneren Untersuchung fand man den Kopf 
mit so ausgebreiteter Kopfgeschwulst, dass man nicht im Stande war, zu 
unterscheiden, ob in I. oder IL Stellung, fest im rachit., auf 8 Cm. Conj. 
vera verengtem Becken stehen ; an der hinteren Symphysenwand ragte eine 
nussgrosse Enchondrose in dem Beckeneingange ; der äussere Muttermund, 
vollständig erweitert, war rings um den Kopf 1 / 2 " (1 Cm.) breit zu fühlen ; man 
war nicht im Stande, durch die innere Untersuchung die Ruptur nachzuweisen. 

Nach der Perforation wurde das Kind leicht extrahirt, wog 5 Pfd. 
28 Loth (3290 Grm.), war 20" (53 Cm.) lang, die Placenta folgte einem leichten 
Zuge vom Nabelstrange. Meine Hand drang darnach leicht durch die rechte 
zerrissene Cervixwand in den Raum, wo das Kind gelegen war, und ich be- 
rührte von da aus die hintere Uteruswand. 

Durch die Erfolge von Drainagirung der Bauchhöhle bei Ovariotomien, 
die auch ich durch die Güte der Prof. v. Braun und Billroth vielfach 
zu beobachten Gelegenheit hatte und durch die Veröffentlichungen von Sims 1 ) 
und Prof. v. N u s s b a u m 2 ) ermuntert, liess Prof. v. Braun eine Drainageröhre 



*) MarionSims, über Ovariotomie, deutsch v. B e i g e 1 , Erlangen 1873. 
2 ) v. Nussbaum, die Drainagiiung der Bauchhöhle, München 1874. 

7* 



— 100 — 

in diese Höhle legen, circa 8" (21 Cm.) hoch lag sie üher der Wunde. Ich 
injicirte auf 28° C. erwärmtes Wasser , dasselbe floss blutig grösstenteils 
neben der Drainageröhre wieder ab, die Frau klagte dabei nicht über das 
geringste Unbehagen. Der Frau ging es auch zwei Tage merkwürdig gut. Den 
7. 7 Uhr Früh war sie entbunden. Abends kein Fieber, den 8. und 9. Mai 
Morgen- und Abendtemperatur nie über 38°, ganz erträgliche Schmerzen, 
die ganzen 2 1 / 2 Tage floss blutig seröses Secret, wie es Sims nach Ovario- 
tomien beschrieber), in grossen Mengen durch die Röhre. 

Den 10. Morgens Temper. 38 - 2, Meteorismus, Bauch in der Umgebung 
des Uterus schmerzhaft, Abends Temper. 38°. Den 11. nach schlechter 
Nacht (die Drainageröhre war herausgefallen), hat der Meteorismus und 
Schmerz zugenommen. Temper. 37 - 3 , Abends 37-5. Den 12. Morgens 37, 
Abends 37-2, Collapsus. Am sechsten Tage post. part., in der Nacht lV 2 Uhr 
starb die Patientin; der Puls war immer zwischen 90 und 100. 

Die Section ergab: In der Bauchhöhle einige Pfunde missfärbigen, 
eiterigen Exsudates angesammelt, das Bauchfell allenthalben mit eiterigen 
Exsudatmassen bedeckt, die Eingeweide stellenweise untereinander verklebt. 

Das Peritoneum von der Umschlagstelle der hinteren Blasenwand auf 
den Uterus bis auf den Ansatz des rechten lig. lat. an der Seitenwand des 
Beckens hin durch einen weit klaffenden Riss getrennt, von den beiden ge- 
nannten Organen eine Strecke weit vom ganzen rechten Darmbeinteller abge- 
löst und das darunter befindliche zerrissene Zellgewebe jauchig infiltrirt. Der 
Uterus von zwei Mannsfaustgrösse, mit Deciduamassen ausgekleidet; an der 
rechten Seite des stark erweiterten, suffundirten, in den inneren Lagen viel- 
fach eingerissenen und zerquetschten Cervix ein bei 3" (8 Cm.) langer, vom 
ost. int. bis in die Muttermundslippen gehender, zackiger Riss, auf dem in 
der Mitte ein die rechte Hälfte der vorderen Cervixwand durchtrennender 
Riss senkrecht steht. Die Gefässe in der Wand des Uterus nächst dem Risse 
thrombosirt; in der hinteren Blasenwand und vorderen Cervixwand, entspre- 
chend einer nach innen vorspringenden, knöchernen, nussgrossen Enchondrosis 
symph. pub. ein thalergrosser Brandschorf, der mit dem Cervixrisse nicht 
zusammenhing. Das Becken leicht assymetrisch räch, und zwar die rechte 
Hälfte enger, Conj. 2 3 / 4 " (7-2 Cm.), die rechte Microch. 2 i [ 4 " (6 Cm.), die 
linke Microch. 2 1 / 2 " (6'5 Cm.); der letzte Lendenwirbel als Promontorium stark 
vorspringend. 



Ausser der Anstalt kamen mir noch drei Fälle von Ruptur 
des Gebärmutterhalses zur Beobachtung. 

Ich habe nur von einem , wo ich die Laparotomie und 
Section ausführte, das Präparat; von den beiden anderen fehlen 
mir die Beobachtungen und Sectionsbefunde , und ich will nur 
mittheilen, dass es Mehrgebärende mit engen Becken waren, die 
die Ruptur im abnorm gedehnten Cervix — ich weiss nicht, ob 



— 101 — 

spontan oder traumatisch — erlitten. Der eine Fall aber, den 
ich unter Nr. VIII beschreiben will, ist einer von jenen sel- 
tenen, wo die Ruptur zweifellos spontan, bei einer Erstgebärenden 
mit sehr engem Becken und bei nur für den Finger durchgängigem 
ost. ext. stattfand. Ich glaube nicht, dass es in diesem einen 
Falle möglich gewesen wäre , das Ereigniss vorauszusehen oder 
zu verhüten; der Riss erfolgte, als das ost. int. an der linken 
Seite noch nicht handbreit über dem Niveau des Beckeneinganges 
stand und der noch nicht sehr verdickte Uteruskörper riss 
beim Austritt des Kindes mit ein. 

VIII. Cervixruptur mit Austritt des Kindes in die Bauchhöhle 

hei engem Becken und einem faustgrossen Ovarientumor und 

2 Cm. weitem unteren Cervixahschnitte. 

Den 6. März 1874 um 11 Uhr Vormittags wurde ich wegen langen 
Geburtsverlaufes zu einer 27jähr I. Geb. gerufen. 

Es wurde mir mitgetheilt, dass den 4. Nachmittags die Wehen begonnen 
haben, den 5. 3 Uhr Morgens stärker wurden und kurz darnach das Frucht- 
wasser abgeflossen sei. Den 5. gegen Abends hörten die Wehen auf und die 
Kranke ging in der Nacht noch mehrere Stunden herum. 

Ich Hess den Status praesens zu Papier bringen und gebe denselben 
wörtlich wieder. Die Kranke collabirt, Puls in der Radialis nicht, in der 
brachialis kaum fühlbar, 140 — 160, Körper-Temperatur gesunken, Aussehen 
cyanotisch, die Kranke antwortet auf gestellte Fragen mühsam, unzusammen- 
hängend. 

Die äussere Untersuchung: 

Der Bauch ausgedehnt, wie am Ende der Schwangerschaft; von der 
Mittellinie etwas nach rechts eine Geschwulst von der Grösse 
eines leeren, schwanger gewesenen Uterus , dieselbe ändert unter der aufge- 
legten Hand ihre Consistenz; es ist nicht zu bezweifeln, dass man wirklich 
den leeren Uterus vor sich hat. Ueber dieser Geschwulst in der Magengegend 
kann man eine reife, 6—7 Pfd. (bei 3600 Grm.) schwere Frucht quer mit 
dem Kopfe nach links liegend, nur von Bauchwandungen bedeckt, nachweisen. 
Aeussere Genitalien und Damm unverletzt. 

Die innere Untersuchung: 

ImDouglas'schenRaum eine kindskopfgrosse, schlotternde Geschwulst, 
die den untersuchenden Fingern über den Beckeneingang hinauf entschlüpfte, 
wahrscheinlich die auch in die Bauchhöhle geborene Placenta. Das Becken 
rachitisch, verengt, die Conj. 2 3 / 4 " (7-2 Cm.). Die Scheide und der äussere 
Muttermund, der für knapp zwei Finger offen und unnachgiebig ist, ist un- 
verletzt. Untersucht man durch den Cervix, so kann man IV2 Cm. über dem 
ost. ext. den Finger durch die linke zerrissene Wand desselben in eine mit 



— 102 

Blutcoagulum erfüllte Höhle führen , von Kindestheilen aher nirgends etwas 
tonchiren. 

Das Kind war todt, die Frau sterbend ; die Laparotomie hätte sie sicher 
nicht mehr gerettet, an eine andere Entbindung war unter diesen Umständen 
wohl nicht zn denken. Hätte ich nur den Puls in der Radialis noch gefühlt, 
ich hätte nicht gezögert, die Laparotomie auszuführen, das Kind zu entfernen, 
die Blutung zu stillen und die Bauchhöhle zu reinigen. 

Nach einer Stunde starb die Frau und ich führte allsogleich die gesetz- 
liche Laparotomie aus; das Kind (K.) lag quer mit dem Kopfe nach links 
unter dem Diaphragma, die Placenta nicht weit davon unter den Dünndärmen 
versteckt. Ich nahm Kind und Placenta heraus ; der Kindskopf zeigte ganz 
massige Geschwulst. Ich fand die Oeffnung im Peritoneum, durch die das 
Kind in die Bauchhöhle geschlüpft war, circa handbreit über dem linken 
lig. lat. Ich konnte von dieser Rissöffnung aus den Weg, den offenbar das 
Kind genommen, bis zur Austrittsstelle aus dem Uterus, die hier Körper und 
Cervix fast gleichmässig betraf, mit der Hand verfolgen und konnte meine 
Faust in die ausgedehnte Partie des Cervix, die über dem Beckeneingang 
stand, legen. Der ganze Weg war mit Blut erfüllt, desgleichen die Umge- 
bung der Rissstelle im Peritoneum. Ich erinnerte mich an die Geschwulst 
im D ou gl as'schen Räume, die ich für die Placenta gehalten hatte. Ich fand 
die Placenta aber hoch oben unter den Gedärmen. Ich machte einen Griff 
in den Dougl as'schen Raum und zog einen ein- und ein halbmannsfaust- 
grossen Ovarientumor , der mit langem Stiele vom rechten Ovarium ausging, 
vor die Bauchwunde. 

Des anderen Tages machte ich in Anwesenheit der Herren Primarius 
Dr. v. F e r r o n i , Dr. H a n g e 1 und Dr. Skrabal die Sectio n. Alle 
Organe zeigten hochgradige Anaemie. In der Bauchhöhle war circa 2 Pfd. 
(1200 Grm.) coagulirtes Blut, das Peritoneum zeigte nebst dem schon erwähnten 
Risse einen kleineren einen Zoll (2 i / 2 Cm.) langen Riss in der vorderen und 
hinteren Wand des in seinen Blättern auseinandergewichenen linken lig. lat. 
Das Peritoneum in der Umgebung des lig. lat. war von der Unterlage abge- 
hoben, der Raum darunter von Blutcoagulum erfüllt. Der Uterus nach rechts 
gesunken, bedeckte theilweise den rechten Darmbeinteller, die Rissstelle in 
seiner linken Cervixwand lag ganz über dem Niveau des Beckeneinganges. 
Hob man den Uterus empor, so sah man das linke lig. teres länger als das 
rechte. Das rechte Ovarium ist in eine ovale 47 2 " (12 Cm.) lange, 3" (8 Cm.) 
breite Geschwulst mit fester dickwandiger Kapsel verwandelt, besteht zur 
Hälfte aus fester Masse, zur Hälfte aus einer Cyste. Die in dem zum Uterus 
führenden Stiel enthaltenen Gebilde waren verdickt, der Stiel selbst war 
6V 2 " (14*5 Cm.) lang. Das herausgenommene Präparat zeigte einen puerp. 
fest contrahirten Uterus von gewöhnlicher Grösse, vom ost. int. bis zum 
Fundus misst er 5V 2 ' ; (13 Cm.), seine Wandungen im Körper sind l 1 //' 
(3.3 Cm,) dick. Der Cervix ist in dem rechten Antheile 3" (8 Cm.), in dem 
linken Antheile 3 3 / 4 " (10 Cm.) lang, sein ost. ext. 1.5 Cm. weit. 



— 103 — 

3 / 4 " (2 Cm.) über dem ost. ext. war der Cervix ausgedehnt und ver- 
dünnt, so dass er noch einen kleinen Kindskopf fassen konnte. Eine s ' i " 
(2 Cm.) hohe Stelle vom ost. ext. an war nicht ausgedehnt, sondern nur 1.5 Cm. 
weit. Von dieser Stelle beginnt ein Riss , der die ganze linke Cervixwand 
durchsetzte , sich noch ä / 4 " (3.3 Cm.) in die Substanz des Uterus fortsetzte 
und alle Schichten durchdrang ; die Rissränder im Cervix und der ganze linke 
Antheil desselben waren nur 2 — 3'" (5 Mm.) dick. 

Die Scheide ist bis auf eine für den Finger knapp durchgängige Lücke, 
die in den Raum führt, in den das Kind ausgetreten ist und die in dem linken 
Fornix nach hinten sitzt, unverletzt. Diese Lücke wurde wahrscheinlich bei 
der Untersuchung in die Leiche gebohrt. Es war diese Stelle durch die 
herabgedrängte Geschwulst sehr verdünnt und dem Platzen nahe und vier 
Aerzte haben sich an der Leiche noch von dem Sachverhalte überzeugt; ob 
diese für den Finger durchgängige Lücke im Leben durch die herabgedrängte 
Geschwulst, oder erst in der Leiche durch einen untersuchenden Finger ent- 
standen war, Hess sich mit Bestimmtheit nicht entscheiden. Wäre das Becken 
aber weiter gewesen , so wäre es wahrscheinlich , wie im L u s c h k a'schen 
Falle, zur Perforation der hinteren Scheidenwand gekommen, aber das enge 
Becken hinderte das Eintreten des Kopfes, der deswegen die hintere Scheiden- 
wand durch die Geschwulst nur verdünnen, aber nicht zerreissen konnte. 
Bei der Ruptur des Cervix und Uterus war der Ovarientumor sicher ganz 
unbetheiligt. 

Das Becken räch, mit 2 3 / 4 " (7.2 Cm.) conj. ver. gestattete nur das 
gewaltsame Eindrängen des Kindesschädels bis nahe zu seiner grössten 
Peripherie. 

IX. Cervixruptur mit theilweisem Austritte des hydrocephalischen 
Schädels. — Perforation. 

Die 34jähr. VII. Geb. E. E., von einem Vororte Wiens überbracht, 
wurde unter J.-Nr. 814 im Jahre 1871 aufgenommen. Die früheren Geburten 
waren normal. Die ersten Wehen sollen den 6. März in der Nacht aufge- 
treten und die Fruchtblase gegen Abend desselben Tages schon gesprungen 
sein. Den 8. März um i /„12 Uhr Mittags wurde auf der Erdbergerstrasse 
von einem Arzte die Zange erfolglos versucht, um 3 Uhr kam Patientin. Das 
Aussehen derselben war ein höchst Besorgniss erregendes ; sie war auf das 
äusserste erschöpft, der Puls kaum fühlbar, Gesichtsausdrnck verfallen, keine 
Schmerzen. Durch den gleichmässig gespannten Uterus konnte man von der 
Fruchtlage nichts bestimmtes erfahren. Cervix und Scheide waren unverletzt, 
vom Cervix fühlte man einen schmalen 1 Cm. breiten Rand zwischen Symphyse 
und dem eingedrängten Segmente eines hydrocephalischen Kopfes, nach hinten 
verschwand der äussere Muttermund dem untersuchenden Finger; Foetalherz- 
töne waren nicht zu hören. 

Prof. v. Braun behandelte den Fall selbst, sprach die Vermuthung 
der Ruptur des Fruchthalters aus und punktirte den Hydrocephalns ; es 
flössen bei 2 Pfd. (1120 Grm.) blutiges Serum, mit lockerer Gehirnmasse 



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gemischt , ab ; als der Schädel nicht bald folgte , erweiterte er die Oeffnung 
mit einer Perforationsscheere, es floss das Gehirn meist aus und er entwickelte 
mit den Fingern leicht den Kopf. Die Placenta folgte einem leichten Zuge 
am Nabelstrange. Er constatirte einen Längsriss den ganzen Cervix entlang 
links und hinten und auch meine Hand konnte leicht in eine mit Blutcoagulum 
erfüllte Höhle dringen. 

Das Kind (K) mit ausgedehntem Hydrocephalus wog 4 Pfd. 24 Loth 
(2660 Grm.), war 19" (50 Cm.) lang. 

Die Frau erholte sich unter Anwendung von Analepticis und befand 
sich durch zwei Tage, ausser häufigem Erbrechen, leidlich wohl. Vom dritten 
Tage an Meteorismus, Schmerz im Bauche, besonders links, Diarrhöen, Fieber, 
Temp. 40*8, Puls 140. Die Peritonitis nahm einen raschen Verlauf, nach 
sechs Tagen, den 14. März 7 Uhr Abends, starb die Kranke. 

Die Section ergab : In der Bauchhöhle gegen 3 Pfd. (1600 Grm.) eitrig 
haemorrhagischen Exsudates, Peritonitis, links und hinten vom Uterus im 
Peritoneum einen grossen und zwei kleinere Risse. Ein Längsriss durch den 
ganzen Cervix nach links und hinten über 5" (18 Cm.) lang, 2" (5.2 Cm.) 
nach abwärts in die Scheide reichend, 1" (2 Cm.) weit die Substanz des 
Uterus noch trennend. Von der Rissstelle aus konnte man mit dem Finger 
mehrere Zoll weit unter das durchlöcherte Peritoneum gelangen. 

X. Cervixrnptur mit Austritt des hydrocephalisclien Schädels. 

Perforation. 

Den 18. September 1873 gegen 8 Uhr Abends wurde die 23jähr. I. Geb. 
Seh. Th. überbracht und unter J.-No. 3008 aufgenommen. Die Frau war 
auf das äusserste erschöpft, hatte einen kleinen, schnellen Puls. 140, 
Temp. 38-4. 

Die Fruchtblase soll schon den 14. Abends geborsten sein, die ersten 
Wehen den 16 . Abends sich eingestellt haben. Am 17. wurden ausser der 
Anstalt von zwei Aerzten drei vergebliche Zangenversuche gemacht. 

Der tetanisch contrahirte Uterus ') enthielt die Frucht. Die Vaginal- 
untersuchung ergab einen kolossalen Hydrocephalus, beweglich mit einem 
Segmente in den Beckeneingang hineinragend. Vom Cervix war nichts er- 
reichbar. 

Nach der Perforation wurde die Frucht leicht extrahirt und es wurde 
ein Riss in der linken Cervixwand constatirt, durch den man bequem mit der 
Hand in die Bauchhöhle gelangen konnte; das Kind K. wog 4 Pfd. 23 Lth. 
(2625 Grm.). Es stellte sich gangraenöser Zerfall der Scheide ein, Erysipel 
trat hinzu und erst nach langwieriger Krankheit, 21 Tagenach der Geburt 
starb die Frau. 



*) Ich gebe die Angaben des Protokolls, weil dieser Fall während 
meiner Abwesenheit abgewickelt wurde. Da vom ost. ext. nichts erreichbar 
war, konnte der Uteruskörper nur mehr einen Theil der Frucht enthalten 
haben. 



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Die Section ergab : gangraenöser Zerfall der Scheide und Uterusinnen- 
fläche , mit der Bauchhöhle communicirender Läugsriss durch die liuke 
Cervixwaud. 

XL Cervixruptur bei Schulterlage mit voll ständigem Austritt 

des Kindes. 

Den 8. März 1871 gegen 1 I 2 11 Uhr Vormittags wurde die verh. 37jähr. 
V. Geb. N. unter J.-No. 812 aufgenommen. Sie hatte 4 Kinder leicht geboren, 
befand sich jetzt wieder am Ende der Schwangerschaft. Der Blasensprung soll 
den 6. 12 Uhr Nachts ohne Wehen erfolgt sein, dieselben begannen erst 
kräftig den 8. 2 Uhr Früh; es soll die rechte Hand bald vorgefallen 
und in der Nacht Wendungs versuche von einem Arzte gemacht worden sein. 

Das Aussehen der Frau bot nichts besonderes ; sie war sehr erschöpft, 
die Temp. 37 - 4 C, Puls 120, massige Wehen waren vorhanden. 

Die Form des Uterus verrieth Schulterlage bei knapp umfasstem Kinde, 
der Kopf war links. Die Vulva war etwas ödömatös, die rechte Hand bis 
zum Ellbogen geboren , blauroth angeschwollen, die Schulter war tief in das 
Becken hereingedrängt; an der Brustseite etwas tiefer als die Schulter, aber 
noch in der Vagina war der linke Fuss, Schulter und Fuss unbeweglich zu 
touchiren, auch die Nabelschnur lag pulslos in der Scheide. Keine Foetal- 
herztöne waren vernehmbar, aber auch keine Macerationszeichen fühlbar. 

Ich chloroformirte die Frau und versuchte die Wendung an dem vor- 
liegenden Fusse durch massigen Zug, die Schulter wich nicht aus. Man 
ging mit der Hand ein , um das Verhältniss der Schulter zum Becken zu 
eruireu und bemerkte dabei das Ausweichen der Schulter, constatirte einen 
Riss im Cervix und Scheide nach links und hinten. Die vorgefallene Hand 
war jetzt zurückgewichen, so dass sie innerhalb der Vulva lag, der linke Fuss 
war in der Vulva liegen geblieben. Ich sah wie sich die Form des Unterleibes 
änderte. Der Uterus, leer, war nach rechts gesunken, das Kind vorne nach 
links vom Uterus unter den Bauchdecken deutlich nachweisbar. Die Pla- 
centa ging nach Zurückziehen der Hand ganz spontan mit wenig Blut ab. 

Die Frau erwachte aus der Narkose , ihr Aussehen nicht verändert, 
im Gegentheile die belästigenden Wehenschmerzen hatten aufgehört, nur der 
Puls war noch schneller. 

Die Vorlesungsstunde war nahe, wir reichten der Frau Analeptica und 
warteten auf Prof. v. Braun. Er selbst machte dann gegen l / 2 S Uhr leicht 
die Extraction an dem noch in der Vulva liegenden linken Fusse. 

Das Kind K. wog 5 Pfd. 4 Loth (2870 Grm.) und war 19" (50 Cm.) 
lang, zeigte an der oberen rechten Extrem, und Schulter eine blaurothe Fär- 
bung und Schwellung, die sich auch in bogenförmigen Grenzen auf den oberen 
rechten Quadranten des Brustkorbes erstreckte; auch die untere Extremität 
war bis zur Mitte des Unterschenkels blauroth gefärbt und geschwellt. 

Nach der Extraction collabirte die Frau rasch und starb nach acht- 
zehn Stunden. 



— 106 — 

Die Section ergab: Viel coagulirtes Blut in der Bauchhöhle, das Peri- 
toneum, links vom Uterus von der Unterlage abgehoben, zeigte zwei grössere 
und mehrere kleinere Risse, wovon keiner so gross, dass das Kind durchge- 
schlüpft sein konnte, das Peritoneum bildete die Kuppel einer mit Blutcoa- 
gulum erfüllten, zwei faustgrossen Höhle ; der Cervix war seiner ganzen Länge 
nach durchrissen und in freier Communication mit dieser Höhle. Der Riss 
erstreckte sich vom äusseren Muttermunde l l / 2 " (4 Cm.) nach abwärts in die 
Scheide und 3" (8 Cm.) den ganzen Cervix trennend, nach aufwärts, so dass 
er circa i / 2 " (1*5 Cm.) weit noch die Substanz des Uterus traf. 

XII. Cervixruptur bei Schulterlage mit vollständigem Austritt 
des Kindes unter das Peritoneum. Genesung. 

Ueberraschend in seiner Entwicklung, in seinem Verlaufe und Aus- 
gärige und im hohen Grade belehrend war für mich dieser Fall. Er kam 
ausser der Anstalt zu meiner Beobachtung und in der Anstalt zu meiner 
Behandlung. 

Dr. Kernecker rief mich den 4. October 1873 gegen 5 Uhr Nach- 
mittags zur 38jähr. VIII. Geb. H. V. wegen vernachlässigter Schulterlage. — 
Mehrere Kinder der Frau leben. Sie befand sich wieder am Ende der 
Schwangerschaft. Die ersten Wehen stellten sich den 3. October Abends ein, 
das Fruchtwasser floss den 4. October Morgens ab. 

Er selbst hatte zur Wendung keinen Finger gerührt. Der Uterus um- 
schloss knapp das Kind, reichte bis zwei Finger über dem Nabel. Eine 
pulslose Nabelschnurschlinge und die rechte obere Extremität, bis über die 
Hälfte des Oberarmes blauroth angeschwollen, war vor der Vulva zu sehen. 
In der Vulva touchirte man, fest in das Becken hereingepresst, mit dem 
Acromion in der Höhe der Sitzbeinstacheln , mit der Axelhöhle nach rechts 
schauend, den Rücken nach vorne gekehrt, die Schulter. Den Kopf fühlte 
ich links am Darmbeinteller, nur von dünnen Wandungen bedeckt. 

Vom äusseren Muttermunde konnte ich nichts auffinden. Die Frau 
war sehr erschöpft , hatte aber noch Wehen. Der Raum , in dem sie lag, 
war sehr beschränkt, das Bett so, dass die Unterlage von mehr wie fusshohen 
Holzwänden überragt war. Ich erklärte der Frau, dass die Verhältnisse ihrer 
Wohnung es nicht gestatten, dass man eine schwere Operation vornehme, dass 
es für sie vortheilhaft sei, wenn sie sich allsogleich auf die Klinik bringen 
lasse. Die Frau fuhr zur Klinik und wurde unter J.-N. 2873 aufgenommen. 

Ich eilte nach Hause und fand die Frau schon im Bette liegend, es 
fiel mir nichts auf, als dass die früher schwer Kreissende ruhiger war. Ich 
erzählte mehreren anwesenden Herren, was vorgefallen und schickte mich an, 
ihnen den Fall zu demonstriren. Es war i/ 2 6 Uhr. Ich schlug das Hemd 
hinauf und die ominöse Ruhe der Frau war mir klar ; der Uterus hatte seine 



') Dr. S. W. S e 1 d n e r aus Baltimore, dem ich viel Dank für seine 
Mithilfe bei der Durchsicht der englischen Literatur schulde, hat diesen Fall 
genau beobachtet. 






— 107 — 

Arbeit vollbracht , er hatte sich selbst in seinem Halse zerrissen und die 
Frucht über dem Beckeneingange in seine Umgebung geboren. Der leere 
Uterus, der sich in gar nichts von dem gewöhnlichen, kurz nach der Geburt 
unterschied, war in der rechten, die Frucht in der linken Bauchhälfte, beide 
knapp nebeneinander durch die dünnen Bauchdecken hindurch für Jedermann 
deutlich zu sehen und zu fühlen. Die früher vor der Vulva sichtbare rechte 
obere Extremität war verschwunden , die früher feststehende Schulter war 
nach links hin über den Beckeneingang ausgewichen, die entsprechende Hand 
war bis in die Beckenmittte hinaufgezogen, nicht weit davon war der rechte 
Fuss zu touchiren; es fioss wenig Blut aus der Vulva. Ich rief Professor 
v. Braun und er selbst constatirte wieder den Befund. Bei zwölf Aerzte 
waren Zeugen der Abwicklung und des Verlaufes dieses Falles. Die Frau 
wurde narkotisirt und Prof. v. Braun selbst hielt durch die Bauchdecken 
hindurch den leeren Uterus in seinen Händen und demonstrirte , dass sich 
in dem Volumen desselben gar nichts ändere, während ich an dem leicht er- 
reichbaren rechten Fusse die Extraction vornahm, und durch Zug am Nabel- 
strange die Placenta entfernte. Ich constatirte einen Riss in der linken 
Cervixwand und streifte das ausser der Wunde und im Cervix gelegene Blut- 
coagulum heraus. Das Kind K. hatte Sugillationsgeschwulst, die sich über die 
rechte Schulter und den entsprechenden oberen Brustquadranten ausdehnte, 
und wog 5 Pfd. 10 Lth. (2975 Grm.), war 19V (5 1 Cm.) lang. 

Die Frau bekam allsogleich den gewöhnlichen Verband und durch 
24 Stunden permanent kalte Ueberschläge und zweimal subcutane Injection 
von Morfin. Der Verlauf war ein überraschend günstiger , nur drei Tage 
waren geringe Schmerzen in der linken unteren Bauchhälfte mit geringer 
Fieberbewegung, (höchste Temperatur 38-7) vorhanden. Der Uterus war am 
neunten Tage nur mehr etwas über dem Beckeneingange zu fühlen. Der 
Cervix hatte links einen Riss, in dessen oberes Ende die Scheide hineinge- 
zogen war, darüber war das Gewebe verdickt und etwas schmerzhaft. 

Auf ihr dringendes Verlangen wurde sie zu ihren Angehörigen am 
zehnten Tage nach der Geburt entlassen. Ich sah die Frau vor kurzer Zeit 
wieder und fand bei der Vaginaluntersuchung nichts anderes, als dass die 
Vagina am oberen Rissende des Cervix einen kleinen eingezogenen Trichter 
bildete. 

XIII. Cervixruptur bei Schulterlage mit vollständigem Austritt 
des Kindes. Transfusion von Laminsblut. 

Die 36jähr. IV. Gebärende N. N., die für drei lebende Kinder zu 
sorgen hatte, wurde den 20. April 1874 gegen V2IO Uhr Vormittags von 
einem Brunner Ziegelofen, wo sie lange Zeit hilflos in Wehen gelegen war, 
überbracht und unter J.-No. 904 aufgenommen. 

Hebamme und Arzt, die erst spät gerufen, empfahlen die Ueberführung 
an die Wiener Gebärklinik, die auf einem gewöhnlichen Ziegelwagen stattfand. 

Die ersten Wehen und Fruchtwasserabfluss sollen schon den 19. April 
4 Uhr Morgens stattgefunden haben. Collabirt, leichenblass, mit einem 



— 108 — 

kleinen, kaum fühlbaren Pulse 140, war ihr Anblick ein höchst trauriger. 
Ein Griff auf den Bauch liess die Diagnose stellen. Der leere Uterus von 
gewöhnlicher Grösse lag nach links , die Frucht neben ihm, quer mit dem 
Kopfe nach rechts, war deutlich durch die weichen Bauchdecken zu fühlen. 
Aus der Vagina floss continuirlich dunkles Blut ab , auch auf dem Wege in 
die Anstalt soll die Gebärende viel Blut verloren haben. 

Bei der Scheidenuntersuchung fühlte man in der Beckenmitte die linke 
Hand; leicht erreichbar, nicht viel höher den linken Fuss und die Placenta, 
die beim Zurückziehen der untersuchenden Hand spontan herabfiel. Die 
ganze Frucht lag in einer mit Blutcoagulnm erfüllten Höhle ausserhalb des 
Uterus. Das Becken war ganz massig verengt. Ich führte leicht den linken 
Fuss herab und machte die Extraction. Das Kind (M) hatte Sugillationsge- 
schwulst an der linken Schulter, war todt, wog 6 Pfd. 27 Loth (3832 Grm.), 
war 21" (55 Cm.) lang. Die ganze Entbindung dauerte keine 10 Minuten. 
Die Frau zeigte sich sehr zufrieden nach der Entbindung, der Puls wurde 
nach Darreichung von Analepticis etwas fühlbarer; doch blieb ihr Zustand 
so, dass jeden Augenblick der lethale Ausgang zu befürchten war. Prof. v. 
Braun sah die Kranke gegen zwei Uhr wieder und forderte mich zur Trans- 
fusion auf. 

Im Beisein einer grossen Zahl von Aerzten machte ich eine directe 
Transfusion von der Carotis dextra eines kräftigen jungen Lammes in die 
Vena mediana basilica der linken Extremität auf die Weise, wie es Gesellius 
und Hasse in neuerer Zeit wieder beschrieben haben. Zur Verbindung 
zwischen Arterie und Vene wählte ich die S-förmig gekrümmte Glasröhre, 
sie wurde in die Carotis des Thieres eingebunden und während das Blut im 
pulsirenden Strahle spritzte, in die geöffnete Vene geführt. Das Blut pulsirte 
durch 90 Secunden, man sah es in der blosgelegten Vene, von der Carotis 
in die Vene. Die Kranke setzte sich auf, Schweiss bedeckte ihre Stirne und 
Dyspnoe stellte sich ein, der Puls wurde etwas fühlbarer, die Gesichtsfarbe 
aber cyanotisch, die Temperatur hob sich kurz nach der Transfusion von 
37 auf 37-2 C. 

Die Transfusion hatte keine sichtliche Wirkung; die Frau blieb eine 
sterbende und starb auch nach sieben Stunden. 

Die Kranke starb unter den Erscheinungen höchster Anaemie 13 Stunden 
nach der Entbindung, sieben Stunden nach der Transfusion. 

Die Section ergab: In der Bauchhöhle nach hinten zu vertheilt einige 
Uncen blutiges Serum. Der Uterus von halbmannskopf Grösse, im Körper 
fest zusammengezogen, von kugeliger Form, auf dem linken Darmbeinteller 
nach hinten geneigt, gelagert, das rechte lig. lat. durch ein sein Zellgewebe 
durchsetzendes und seine Blätter auseinander drängendes, lockeres, schwarz- 
rothes Gerinnsel zu einem zwei mannsfaustgrossen , kugeligen Tumor umge- 
wandelt, der mit seiner nach hinten stehenden Wölbung den D o u g 1 a s'schen 
Kaum erfüllt und von der Seitenwand des Beckens, die er über 1" (2-5 Cm.) 
üben*agt, bis an die Seite des Uterus reicht. Vorne ein weit klaffender, 
querer Riss des Peritoneums vom Eintritte des einen lig. teres an der Bauch- 



— 109 — 

wand bis an den anderen reichend; diesem entsprechend ist die vordere 
Wand des Cervix der Quere nach durchrissen. Der am Uterus haftende An- 
theil des Cervix nach auf- und vorwärts umgeschlagen, der untere 
Antheil in der Mitte der Länge nach durchrissen, welcher Riss sich auf die 
hintere "Wand der Harnblase J ) fortsetzt , so dass an dieser eine zwei thaler- 
grosse Stelle nur von suffundirter , erhaltener Schleimhaut abgeschlossen ist. 
Der Uterus, im Fundus bei IV2" (4 Cm.), an den Seiten bei 2" (5 Cm.) dick* 
mit blutig suffundirten Exsudatmassen ausgekleidet. Die Gewebe um den 
Cervix und um die Rissstelle stark blutig suffundirt , missfärbig , die Conj. 
3 3 / 4 " (10 Cm.), sonst das Becken regelmässig. 

Der Durchschnitt des Cervix auf Taf. I, Fig. 6 rührt von diesem 
Falle her. 



') Der auf die hintere Wand der Harnblase fortgesetzte Riss erweckt 
in mir den Verdacht, dass der Riss bei sehr ausgebildeten Verhältnissen, 
wie in vielen Fällen, traumatisch bewirkt wurde. 



Neunzehn Fälle 

von 

Ruptura uteri (resp. Cervicis uteri) 

aus den Protokollen der Klinik des Prof. Carl v. Braun. 

(Dreizehn bei Kopflage der Frucht, einer bei Hyclrocephalus, fünf bei 

Schulterlage.) 

Ich habe diese 19 Fälle aus dem Zeiträume von 9 Jahren 
zusammengestellt, wie ich sie in den Protokollen und Monats- 
berichten der Klinik fand, und habe mir dabei nicht erlaubt, 
irgend einen zu übergehen oder am Texte etwas zu ändern. Ich 
gab nur jedem Falle seine entsprechende Ueberschrift. 

1. Cervixruptur mit vollständigem Austritte des Kindes bei engem 
rachit. Becken und Kopflage der Frucht. — Laparotomie 

post mortem. 

Den 29. Jänner 1869 wurde eine 32jähr. III. Geb. 10 Uhr Früh ster- 
bend überbracht. Sie lag schon 24 Stunden in Wehen ; es wurde auch ausser 
der Anstalt ein Forcepsversuch gemacht. Das Kind war ganz in die Bauch- 
höhle geboren und wurde um 4 Uhr Nachmittags nach dem Tode der Frau 
durch Laparotomie entfernt. 

Es wog 6 Pfd. 24 Lth. (3815 Grm.) und war 2V/ 2 " (57 Cm.) lang. 

Die Section ergab: Rachitisches Becken; Conj. 3" 3'" (8'5 Cm.); 
Microch. dest. et sin. o" V" (8 Cm.); Querdurchmesser 4" 9"' (13 Cm.). 
Ruptura cervicis uteri et Peritonitis. 

2. Cervixruptur mit Austritt des kindlichen Rumpfes bei engem 

Becken und (-esiclitslage. Craniotomie. 

J.-Nr. 1522. 7. Mai 1868. 38jähr. IL Geb. Das erste Mal Fehlgeburt. 
Die Wehen traten den 5. Mai auf, es wurde Extr. sec. gegeben; den 6. Mai 
dauerten die Wehen an, es wurde ein Arzt herbeigerufen, der IL Gesichts- 
lage diagnosticirte und nichts veranlasste. Den 7. Mai 4 Uhr Früh besuchte 



Fall 2, 5, 6 und 8 wurde von Dr. C. Rokitansky schon unter 
„Beobachtungen Über Craniotomie" veröffentlicht. Wiener Medic. Presse 1871. 



— 111 — 

er die Frau wieder und schickte sie an die Klinik: Gesicht in der Becken- 
mitte, Muttermund verstrichen. Conj. 37 4 " (85 Cm.). Uterus rechts und 
leer, als harte Kugel fühlbar, links daneben die ausserhalb liegende Frucht 
deutlich sichtbar. In der Klinik misslang ein Zangenversuch , daher Cranio- 
tomie und Extraction eines 5 Pfd. 4 Lth. (2870 Grm.) schweren und 20 W 
(53 Cm.) langen Kindes. 7. Mai starb die Frau. 

Section: Längsriss des Cervix rechts vorne, über 3 l l 2 " (9 - 2 Cm.) 
lang. Uterus im Körper 2" (5-3 Cm.) dick. 

3. Cervixruptur mit Austritt des kindlichen Schädels bei engem 
Becken und Kopflage. Craniotoniie, Genesung, künstliche Früh- 
geburt bei der IIL Schwangerschaft. 

November 1868. J.-Nr. 3870 N. K. 27 Jahre alt, II. Geb. Erste Wehen 
den 11. November um 11 Uhr Nachts. Blasensprung am 12. November um 
11 Uhr Vormittags. Querriss links im Cervix, 4" lang. Schädel im Becken- 
eingange, Conj. 3V 4 — 3V2" (8*5 — 9 Cm.). Keine Herztöne. Ein Versuch, die 
Frucht mit dem Forceps zu extrahiren, misslang ; darum Craniotomie 12. No- 
vember 2 Uhr Mittags. Der Kopf musste fixirt werden, da er auswich, 
Extraction mit Cranioclast, der zweimal angelegt werden musste, da sich 
beim ersten Male Kopfhaut und einige Knochenstücke losrissen. Kind ohne 
Hirn 5 3 / 4 Pfd. (3200 Grm.), 20" (53 Cm.). Die Placenta gleich nach der Geburt. 

Gegen Abend Erbrechen ; Bauch nicht besonders empfindlich, nicht 
aufgetrieben; 13. November Erbrechen sistirt, Status idem. Puls 112; 
14. November locale Peritonitis, Uterus links liegend, bis über den Nabel 
reichend. Nach zehn Tagen waren die Fiebersymptome geschwunden; die 
Empfindlichkeit des Bauches dauerte im Ganzen zwei "Wochen ; die Involution 
des Uterus begann erst in der III. Woche. 17. December gesund entlassen. 
Uterus vollkommen involvirt, nichts Abnormes darbietend. 

Dieselbe wurde am 30. October 1873 mit Conj. 3V 4 -37 2 " (8-5— 9 Cm.) 
unter J.-Nr. 3341 aufgenommen. 33 Jahre alt, III. Geb. Sie befand sich in 
der 30. Woche der Schwangerschaft. Es wurde durch den Eihautstich den 
30. October 12 1 / 2 Uhr Mittags die Frühgeburt eingeleitet, die ersten Wehen 
erfolgten den 1. November um 7 3 / 4 Uhr Früh. 

1. November um ll 4 / 4 Uhr Mittags leichte Geburt eines lebendes Kindes 
im Gewichte von 3 Pfd. 8 Lth. (1820 Grm.) Am 10. wurde die Frau ge- 
sund entlassen. Weder vor noch nach der Geburt war an Cervix oder Scheide 
etwas Abnormes zu finden. 

4. Cervixruptur bei engem Becken und Kopflage des Kindes. 

Extraction. 

August 1867. 28 Jahre alte III. Geb. hatte zweimal spontan kleine 
Kinder geboren. Am 16. 2 Uhr Nachts Blasensprung, die ganze Nacht kräftige 
Wehen, den 17. 7 Uhr Früh erbrach sie und es ging viel Blut ab; die 
Hebamme untersuchte und fand den Kopf nicht mehr. Im Laufe des 17. 
kam sie an die Klinik. Kind grösstentheils in der Bauchhöhle, Conj. 3V 4 " 



— 112 — 

(8'5 Cm.), plattes Becken. Extraction eiues 5 Pfd. 18 Lth. (3115 Grm.) 
schweren und 20V 2 " (54 Cm.) langen Kindes. 

Den 24. um 3 Uhr Früh starb die Frau. Section: Ruptura cervicis 
uteri, Peritonitis. 

5. Cervixruptur mit theilweisem Austritt des Kopfes bei räch. 

engem Becken. Craniotoinie. Genesung. 

J.-Nr. 1716, 26jähr. I. Geb., den 26. Mai 1865 aufgenommen. 4. Mai 
Blasensprung, 5. Mai Forcepsversuch. Bei der Aufnahme Uterus dreifinger- 
breit über dem Nabel, keine Herztöne. Kopf etwas beweglich, Conj. ver. 3" 
(8 Cm.) räch. Becken. Das unverletzte ost. ext. für drei Finger geöffnet. Nach 
Craniotomie und Extraction eines 5 Pfd. (3800 Grm.) schweren Kindes, konnte 
die Hand an der rechten Cervixwand in die Bauchhöhle gelangen, zweifellos 
Ruptur des Uterus. Die Frau verliess nach drei Wochen die Anstalt. 

6. Cervixruptur mit theilweisem Austritte des Kopfes bei engem 

Becken. Craniotomie. Genesung. 

J.-Nr. 2549, Juli 1866. Bei einer III. Geb. (die beiden ersten Kinder 
wurden todt geboren) mit einer Conj. ver. 3 x / 2 " (8 - 5 Cm.), die schon den 
ganzen 2. Juli in starken Wehen gelegen, fand man bei der Ankunft den 3. 
Morgens den Muttermund fast verstrichen, der Kopf über dem Beckeneingang 
so deutlich fühlbar, dass man den th eil weisen Austritt des Kopfes 
durch den Cervix annehmen musste. Die Frucht war todt, sofort Craniotomie 
und Extraction. Bei der Exploration gelangte die Hand durch den an der 
rechten Seite gelegenen Uterusriss in die Bauchhöhle. Nach drei Wochen 
verliess die Frau gesund die Klinik. 

7. Cervixruptur bei engem Becken und Kopflage der Frucht. 

Laparotomie post mortem. 

August 1866. Eine zum fünften Male Gebärende mit einer Conj. von 
3" (8 Cm.), welche jedesmal eine schwere Geburtsarbeit durchmachen musste 
und zweimal mittelst des Forceps entbunden wurde , kam an die Anstalt, 
nachdem sie schon lange Zeit heftige Wehen gehabt und bereits zwei Ver- 
suche gemacht worden waren, die Geburt des hochstehenden Kopfes mit der 
Zange zu vollenden. Sie war, als sie ankam, sterbend, es wurde eine Ruptur 
der vorderen Cervixwand und Austritt der Frucht in die Bauchhöhle diagnosticirt. 

Nach dem Tode der Mutter wurde die gesetzliche Laparotomie vorge- 
nommen. Man fand Frucht und Placenta vor dem Uterus in der Bauchhöhle 
liegend. Die Section ergab eine beträchtliche Hypertrophie des Uteruskörpers 
und Fundus und einen Riss durch die vordere Cervixwand, grösstentheils ver- 
tical verlaufend. 

8. Cervixruptur mit vollständigem Austritte des kindlichen 
Rumpfes bei II. Gesichtslage und engem Becken. 

J.-N. 3386, 40jähr., III. Geb. wurde am 26. Juni 1864 5V 2 Uhr Früh 
36 Stunden nach Wehenbeginn und Fruchtwasserabfluss überbracht; Tag 



— 113 — 

zuvor wurde die Nabelschnur und ein Arm ausser der Anstalt reponirt, dar- 
nach dauerten die Wehen kräftig mehrere Stunden bis kurz vor ihrer Auf- 
nahme an. Bei der Aufnahme die Frau collabirt. Das Gesicht in der Becken- 
mitte, das orific uteri (ost. ext.) nicht zu touchiren, der Bauch durch eine quere 
Furche getheilt ; oberhalb der leere Uterus, unterhalb der kindliche Rumpf. 
Nach Craniotomie wurde ein 6 Pfd. (3360 Grm.) schweres Kind extrahirt. 
Die Conj. vera mass S 1 /^' (9 Cm.), der Cervix war links und vorne durch 
einen 3" langen Riss quer getrennt. Nach 28 Stunden erfolgte der Tod. 
Die Section: In der Bauchhöhle V 2 Pfd. Blut, Rupt. cervic. uteri transv., 3" 
(8 Cm.) lang, Conj. ver. 3V 2 " (9 Cm.). 

9. Cervixrnptur bei einer Erstgebärenden bei Vorfall einer unteren 
Extremität neben dem Kopfe. Wendung. Genesung. 

September 1865. Bei einer Erstgeb. fand man nach dem Blasensprunge 
eine untere Extremität und die Nabelschnur neben dem Kopfe, welcher sich 
in das Becken hereindrängte, vorgefallen. Es wurde auf einen Fuss gewendet 
und das Kind extrahirt, welches noch schwachen Herzschlag zeigte. Die 
Untersuchung zeigte, dass die rechte Wand des Cervix geborsten war. Die 
Ruptur heilte ohne die mindesten Fiebererscheinungen und ohne sichtliche 
Peritonitis und Ende des Monates befand sich die Kranke vollkommen wohl. 

10. Cervixrnptur ohne nach weisbare Ursache (?) bei Kopflage 
des Kindes. Forceps. 

Eine VIII. Gebärende wurde am 24. August 1863 um 3 Uhr Nach- 
mittags auf die Klinik gebracht. Sie gab an, die Wehen hätten um die ver- 
flossene Mitternacht begonnen und um 6 Uhr Morgens gänzlich aufgehört, 
und seit dieser Zeit fühle sie einen von diesen ganz verschiedenen Schmerz 
im Bauche. Man fand den Puls ziemlich kräftig, nicht sehr frequent, den 
Bauch sehr empfindlich, den Kindesschädel tief im Becken stehend und im 
Cervix nach rückwärts einen in die Breite gezogenen Riss, durch welchen 
man die halbe Hand durchführen konnte. Blutung war nicht vorhanden, 
Foetalherztöne konnten nicht gehört werden. Es wurde alsbald der Kindes- 
schädel mittelst des Forceps mit Leichtigkeit entwickelt. Dem todten Kinde 
folgte unmittelbar 1 Pfd. Blut, die Placenta wurde durch einen leichten Zug 
am Nabelstrange entfernt. Den 28. 10 Uhr Vormittags trat der Tod ein. 

Bei der Section fand man im Cervix nach rückwärts einen penetriren- 
den Längsriss 2" (5 Cm.) vom ost. ext. beginnend und bis an das ost. int. 
reichend. Der Riss im Peritoneum etwas höher hinaufreichend. 
Uterusfundus und Körper deutlich hypertrophisch, in der Bauchhöhle mehrere 
Pfund Blut, das Peritoneum injicirt. 

11. Cervixruptur bei engem räch. Becken und Kopflage des 

Kindes. 

Mai 1861. Eine IL Geb. wurde mit kaum fühlbarem Pulse, kalten 
Extremitäten und verfallenen Gesichtszügen den 23. überbracht. Der Kopf 



— 114 — 

war im Becken feststehend, Kopfgeschwulst reichte bis in die Vagina, der 
Muttermundsaum fehlte nach rechts, die Labien faustgross, oedematös ge- 
schwellt. Es wurde sofort der Forceps angelegt und ein todtes kräftiges 
Kind extrahirt, dem ein Strom dunklen Blutes mit der Placenta folgte. Der 
vermuthliche Riss wurde nach rechts hin, den ganzen Cervix trennend, nach- 
gewiesen. 

Die Section: Uterus mannskopfgross , die Wandungen im Fundus 2" 
(5'2 Cm.) dick, der Cervix 5" (13 Cm.) lang, war an der rechten Seite voll- 
ständig durchtrennt, zwischen den Blättern des rechten breiten Mutterbandes 
eine von Blutcoagulum erfüllte Höhle ; das Peritoneum im breiten Mutterbande 
durchrissen, Conj. 2 3 j i " (7*2 Cm.). 

12. Cervixruptur bei engem Becken und Kopflage des Kindes. 
Enges ost. ext. , Craniotomieversucli , Laparotomie post mortem, 

I. Gebärende. 

September 1861. Eine I. Gebärende wurde, nachdem sie schon seit 
dem 7. in Wehen gelegen, den 11. Mittags ganz collabirt an die Klinik ge- 
bracht. Der Uterus , fest contrahirt , reichte bis zum processus xyphoid. 
Sie zeigte ein rachitisches Becken, Conj. 2 1 / i " (6 Cm.). Das orific. extern. 
1" (2-5 Cm.) weit, der Kopf in IL Stellung mit einem Segmente in den 
Beckeneingang gedrängt, war ganz vom Cervix umschlossen ; es rieselte rechts 
dunkles Blut über den eingeführten Finger. Man schritt sofort zur Trepa- 
nation ; die hierauf versuchte Cephalothripsie war unausführbar und es wurde 
wegen des voraussichtlich nahen Endes der Gebärenden von jedem weiteren 
Operationsversuche abgestanden. Abends starb die Patientin. Es wurde die 
gesetzliche Laparotomie ausgeführt und ein faules 6 Pfd. (3360 Grm.) schweres 
Kind zu Tage gefördert. Es konnte sich darnach leicht Jedermann von der 
die rechte Cervixwand betreffenden Ruptur überzeugen. 

Die Section: Peritoneum injicirt, 1 Pfd. (700 Grm.) braun-röthliche 
Flüssigkeit in der Bauchhöhle, der Uterus über mannskopfgross, in seinen 
Wandungen dünn, der Cervical-Canal sehr gedehnt, 5" (13 Cm.) lang, 3'" 
(6 Mm.) dick, zeigt in der rechten Seite einen 2" (5 - 3 Cm.) langen in das 
breite Mutterband sich öffnenden Längsriss, welcher mit necrotischem Blute 
erfüllt war. Am orif. extern kleine Einrisse, Conj. intern 2 i / i " (6 Cm.), 
Querdurchmesser 3 3 / 4 " (10 Cm.). Die Crista des Schambeins vorzüglich nach 
rechts hin sehr scharf. 

Damm und Scheide unverletzt. 

13. Cervixruptur bei massig engem Becken und selir entwickelter 

Frucht. 

Eine V. Geb. mit Conj. von 37 2 " (9 - 2 Cm.), die vier Kinder geboren, 
erlitt, nachdem sich schon den 27. October 1861 Morgens Wehen eingestellt 
hatten, den 28. Abends 9 Uhr eine Ruptur. Den 29. Abends 5 Uhr starb 
die Patientin unentbunden. Durch die gesetzliche Laparotomie wurde eine 
7 1 /* Pfd. (4060 Grm.) schwere Frucht zu Tage gefördert. 



— 115 — 

Nach Durchschneiden der Bauchdecken lag die Frucht quer, mit dem 
Kopfe nach links, Kücken nach vorn, die Placenta links unter den Gedärmen 
in der Bauchhöhle. Der Uterus lag fest contrahirt hinter der Frucht. In 
der linken Seite, noch über dem Beckeneingangsniveau, befand sich eine nach 
abwärts reichende, den Cervix betreffende, klaffende Wunde. 

14. Cervixriiptur bei Hvdroceplialus. 

November 1862. Eine V. Geb. , welche schon vier Kinder geboren 
hatte, von denen zwei noch am Leben sind, mit flachem Becken und Conj. 
3 1 / 4 " (8.5 Cm.) kam den 8. Nachmittags an die Klinik. Abends 8 Uhr waren 
die Herztöne rechts, IL Scheitelbeinlage, Fruchtwasser abgeflossen; der be- 
wegliche Kopf zeigte ausgebreitete Kopfgeschwulst. Im Verlaufe der Nacht 
Hessen die früher sehr kräftigen Wehen nach, während der Bauch allmälig 
an Schmerzhaftigkeit zunahm, die Pulsfrequenz sich steigerte und ein Verfall 
der Gesichtszüge eintrat. Den 9. um 6 Uhr Früh fand man den Kopf nach 
oben und rechts mehrere Zoll weit ausgewichen und an der vorderen Wand 
des Cervix konnte man nach rechts hin einen nahe dem orif. intern zu ver- 
laufenden 4" (105 Cm.) langen penetrirenden Riss nachweisen. Unter zu- 
nehmendem Collapsus erfolgte den 10. 3 Uhr Früh der lethale Ausgang. 
Durch die legale Laparotomie wurde die fast vollständig in die Bauchhöhle 
ausgetretene Frucht zu Tage gefördert, welche 6V 8 Pfd. (3430 Grm.) wog, 
22" (58 Cm.) lang war und einen massigen Hydrocephalus aufwies. Bei der 
Obduction fand man in der Bauchhöhle etwa 2 Pfd. (1100 Grm.) theils 
flüssiges, theils geronnenes Blut, der Uterus gross, 2" (5 - 3 Cm.) dick in 
seinen Wandungen, das ihn überkleidende Peritoneum allenthalben injicirt im 
Cervix einen nahe dem orif. intern, parallel mit demselben verlaufenden 
4" (10 - 5 Cm.) langen Riss, der sich nach vorne und rechts hinzog, das 
Peritoneum war entsprechend der Rissstelle durchrissen, in der Umgebung 
von der Unterlage abgehoben. Das Gewicht der Gebärmutter ohne Blase, 
Vagina und Rectum betrug 3 Pfd. 7 Lth. (1802 Grm.), die mikroskopische 
Untersuchung zeigte nur massige Hypertrophie, bedingt durch Vergrösserung 
der Muskelfasern und geringe Bindegewebszunahme. Entsprechend der Riss- 
stelle fand man in der Umgebung derselben die Muskelfasern durch Auftreten 
feiner Fetttropfen und molecularen Zerfall verändert. 

15. Cervixriiptur bei Scliulterlage. Laparotomie post mortem. 

April 1866. 39jähr. IV. Geb., bei der letzten Entbindung Wendung 
wegen Querlage; die Kinder lebend geboren. In der Nacht vom 21. zum 22. 
die ersten Wehen, 22. Morgens um 8 Uhr Blasensprung. Morgens erkannte 
die Hebamme Querlage. Ein Arzt machte im Laufe des Tages drei Wen- 
dungsversuche, konnte aber die Umdrehung der Frucht nicht bewerkstelligen, 
sie wurde daher um 6 Uhr Abends in die Klinik gebracht. Die Frau war 
sehr collabirt, das Kind ganz aus dem Uterus in die Bauchhöhle geboren; 
die Frau starb 7V 4 Uhr Abends. Bei der Laparotomie fand man die Frucht 



— 116 — 

und Placenta vor dem Uterus liegend. Der Cervix hatte in der vorderen 
Wand einen weiten klaffenden Riss, der Uterus war 2 5 / 8 Pfd. schwer 
(1470 Grm.) 1V 2 " (4 Cm.) dick an der dicksten Stelle. 

16. Cervixruptur bei Schulterlage der Frucht. Decapitation. 

November 1866. Eine IX. Geb. wurde mit Berstung des Cervix uteri 
in die Anstalt überbracht. Der Kopf des Kindes lag rechts , der Rücken 
vorne, das Fruchtwasser war vor zwei Tagen abgeflossen. Decapitation mit 
Schlüsselhaken. Die Mutter starb am vierten Tage. 

Die Section ergab: Diffuse Peritonitis und eine gegen 3" (8 Cm.) 
lange penetrirende Berstung der hinteren Cervixwand. Nach abwärts er- 
streckte sich die Berstung noch etwas in die Vagina. 

17. Cervixruptur bei Sclmlterlage. Wendung. Extraction. 

März 1865. Eine V. Geb. wurde mit einer Berstung des Cervix über- 
bracht. Der Kopf lag rechts, der Rücken nach vorne. In der Narkose wurde 
das todte Kind auf die Füsse gewendet und extrahirt. Die Mutter starb zwei 
Tage nach der Geburt. Bei der Section fand man den Uteruskörper hyper- 
trophisch, der rechterseits gelegene Riss war 4" (10-5 Cm.) lang. 

18. Cervixruptur bei Sclmlterlage des II. Zwillingskindes. x ) 

Februar 1864. Eine IX. Gebärende gebar zu Hause das I. Zwillings- 
kind in Steisslage lebend, die IL Frucht stellte sich in Querlage zur Geburt. 
Zwei Aerzte machten vergebliche Wendungsversuche. Die Gebärende kam 
sterbend an die Anstalt. Man fand neben der gedehnten, luxirten, rechten, 
unteren Extremität, welche über die Rückenfiäche herabgeführt war, beide 
Arme in der Vagina liegend, beide Schultern herabgedrängt und den Hals 
nicht zugänglich. Es wurde die Wendung durch Herabziehen des zweiten 
Fusses und darauf die Extraction ausgeführt. 

Bei der Section fand man die hintere Wand des Cervix der ganzen 
Länge nach durchrissen und den Peritonealüberzug des Uterus ? rückwärts und 
links von Extravasat losgewühlt. 

19. Cervixruptur bei Sclmlterlage einer inacerirten Frucht. 

Wendung. 

November 1868. J.-N. 3456. III. Geb. Den 4. angeblich die Wasser 
vor drei Tagen abgeflossen. IL Querlage. Vorfall des linken Armes; die 
Kindesbewegungen angeblich seit einer Woche nicht mehr gefühlt. Tyrnpa- 
nites uteri, Uterus nicht empfindlich in permanenter Contraction. In der 
Narkose Wendung, Kind faul, reif 6V 2 Pfd. (3640 Grm.), 4. November 5 Uhr 
Abends Geburt, 6. 11 Uhr Mittags todt. 

Section: Pultrescentia uteri höchsten Grades, 2" (5 Cm.) langer Riss 
im Cervix, Peritoneum abgehoben, an einer kleinen Stelle durchrissen. 

*) Unlängst sah ich das IL Zwillingskind in Schulterlage 
ganz in den Cervix über dem Becken eingange geboren. 



INHALT. 

Seite 

Einleitung l 

Ruptura uteri während der Schwangerschaft 9 

Ruptura uteri während der Gehurt 10 

Alter der Frauen und Häufigkeit bei Erst- und Mehrgebärenden ... 10 

Frequenz des Leidens 11 

Sectionsbefund . . . „ 12 

Tabelle über dreizehn eigene Beobachtungen 18 

lieber die Ursachen der Ruptur . ... • 21 

Mechanik 42 

Normale Verhältnisse des Cervix 4G 

Seichte Einrisse 48 

Tiefe Einrisse 48 

Kuptur des Cervix 53 

Abnorme Cervixverhältnisse bei räumlichem Missverhältnisse 54 

Abnorme Dehnung des Cervix bei Erstgebärenden 55 

Abnorme Dehnung des Cervix bei Mehrgebärenden 58 

Mechanik bei Kopflage 63 

Mechanik bei Schulterlage 70 

Symptome und Diagnose 74 

Bei für die Ruptur sehr ausgebildeten Verhältnissen 75 

Bei erfolgter Ruptur 76 

Bei erfolgter Ruptur und Austritt des Kindes 76 

Prophylactische Therapie 78 

Therapie nach erfolgtem Austritte des Kindes 86 

Dreizehn eigene Beobachtungen von Ruptura uteri 91 

Neunzehn Fälle von Ruptura uteri aus den Protokollen der Klinik . . 110 



Druckfehler. 



Pag. 5 Zeile 8 brächten für brachten. 
9 „ 16 desselben für derselben. 
14 „ 3 geschwülsten für geschwulsten. 
18 zu Fall XII, 4 frühere Geburten normal, 3 schwer. 
26 Zeile 16 Fall VIII für VII. 

31 „ 25 massige für massige. 

32 „ 15 bicornis für bicoris. 



Erklärung der Tafeln. 

Tafel I. 

Fig. 1. Längsschnitt durch die Cervixwand einer IV. Gebärenden, die 
36 Stunden nach normaler Geburt eines reifen Kindes gestorben ist. a Uterus- 
körper; b Cervix 3" 5" (9 Cm.) lang; c Vaginalportion 5'" (1 - 1 Cm.) lang; 
d Vagina ; e Peritoneum und subperitoneales Zellgewebe ; xx' dickere Stelle, 
die bei räumlichem Missverhältnisse meist zwischen Kopf und Becken in der 
Klemme bleibt. 

Fig. 2. Längsschnitt durch die Cervixwand einer I. Gebärenden, die 
42 Stunden nach normaler Geburt eines reifen Kindes gestorben ist. a Uterus- 
körper; b Cervix 37 4 " (8 - 5 Cm.) lang; c Vaginalportion 7'" (1-4 Cm.) lang, 
d, e, xx' wie oben. 

Fig. 3. Längsschnitt durch die Cervixwand einer III. Gebärenden 
(S. pag. 58) , die ausser der Klinik wahrscheinlich bei eiuem Wendungsver- 
suche des in Schulterlage befindlichen Kindes die Ruptur erlitt, und ohne 
Austritt des Kindes starb, a Uteruskörper; b Cervix 5 1 /,/' (14-5 Cm.) lang; 
c ausgeglichene Vaginalportion; d Vagina; e subperitoneales Zellgewebe, iu 
dem die Veneulumina und Gewebsräume in die Länge gezogen sind. Fasste 
man an dem 1" (2-5 Cm.) breiten Stücke an a und c, so konnte man den 
Cervix leicht auf l 1 ^" (20 Cm.) dehnen, xx' comprimirte dickere Stelle. 

Fig. 4 und 5. Längsschnitte durch die Cervixwand einer IL Gebärenden, 
bei der ich nach längerer Geburtsdauer vor zwei Jahren Craniotomie aus- 
führte und die bei der IL Geburt bei nur wenig abnormen Verhältnissen des 
Cervix bei der Wendung des in Kopflage befindlichen Kindes die Ruptur 
traumatisch erlitt. (S. pag. 80.) 

Fig. 4 aus dem rechten hinteren Antheile; b Cervix 4" 2'" (11 Cm.) 
lang; c Vaginalportion 4'" (0 - 9 Cm.) lang. 

Fig. 5 aus dem linken vorderen Antheile, wo das Hinterhaupt anlag; 
b Cervix 4 3 / 4 " (12-5 Cm.) ; c Vaginalportion 6'" (1-3 Cm.) lang ; f Blase ; d, 
e wie oben ; xx' dickere Stelle, die zwischen Kopf und Becken in der Klemme war. 

Fig. 6. Längsschnitt (in Müller 'scher Flüssigkeit gelegen) durch die 
Cervixwand einer IV. Gebärenden, wo bei Schulterlage des Kindes die Ruptur 
spontan entstand (S. pag. 107) ; a Uteruskörper mit thrombosirten erweiterten 



— 118 — 

Gefässluminis ; b Cervix 4" T" (12 Cm.) laug; c ein V/ 2 " (4 Cm.) langes 
Stück mit der Uebergangsstelle vom Cervix zur Scheide ging mir leider bei 
einer Demonstration der Präparate verloren; f Blase. 

Tafel II. 

Zeichnung nach Luschka. 
1. Von der Seite her geöffnete Vagina; 2. Harnblase; 3. Ureter; 
4. Vaginalportion des Uterus; 5. Ende des Eileiters; 6. Lig. teres; 7. Lig. 
ovarii ; 8. oberflächliche Muskelschichte des Uterus ; 9. zum Ende des Blasen- 
grundes sich erstreckender Ausläufer derselben; 10. tiefere, ein Flechtwerk 
darstellende Fleischfaserung. (Unter der Grenze des Flechtwerkes 
ist fast immer der Sitz der Kuptur.) 

Tafel III. 

Fig. 1. Normale Verhältnisse des Uterus, wenn der Kopf vollkommen 
vom Cervix aufgenommen ist. Die Stelle xx' von Taf. I, Fig. 1 und 2 ist 
nach abwärts gedehnt. 

Fig. 2. Abnorme Verhältnisse des Uterus und Cervix bei Kopflage 
der Frucht. Diese Situation stellt sich bei Frauen, die schon ein- oder mehrere- 
male ein räumliches Missverhältniss überwunden haben, oft schnell wieder 
her. Der Uterus ist nach rechts abgewichen ; der Riss würde links erfolgt sein. 
Ich sah diese abnormen Verhältnisse auch zweimal bei Frauen, die fiebernd 
und mit darniederliegender Geburtsthätigkeit bei geringem räumlichen Miss- 
verhältnisse und abgestorbenem Kinde überbracht wurden. 

Fig. 3. Abnorme Verhältnisse des Uterus und Cervix bei I. Gesichts- 
lage, dem Falle auf pag. 60 entnommen. Das ost. int. stand nahe dem Nabel. 
Ich weiss heute noch nicht, ob bei Gesichtslage der spontane Riss immer 
an der Seite erfolgt, wo sich die Calvaria anlehnt. Bei der eventuellen 
Wendung würde der ausweichende Kopf den Riss verursacht haben. 

Fig. 4. Verhältnisse des Uterus und Cervix bei Hydrocephalus 
nach zwölfstündiger Geburtsdauer bei einer Mehrgebärenden; Punction des 
Hydrocephalus ; Genesung. 

Fig. 5 und 6. Abnorme Verhältnisse des Uterus und Cervix bei Schulter- 
lage, wie sie bei Mehrgebärenden, die ein oder das andere Mal ein räum- 
liches Missverhältniss überwunden haben, nach nicht sehr langer Geburts- 
dauer gefunden werden. (S. den Genesungsfall XII.) 

Tafel IV. 

Abnorme Verhältnisse des Uterus und Cervix bei Hängebauch und 
engem Becken. Dem Falle auf pag. 73 entnommen. 





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NachSpirtiuspraep.d-Ycrf |ez.u Inh.v. OT J.Hei 



Lrflt.Anstv ftp 



Taf.H. 




Linke Seitenansicht der Muskulatur des frisch entbundenen Uterus. 
S ach Luschka. 



&Kii.lith.v.DUHeitimaTm. 



Lith.A-nstv. Appel RComp.Wian. 












...',. 



Taf.IV. 




Yerhältniss d.Cervix während d.öeburt 
bei Hän^ebauch u. entern Becken. 

Nach einer Scizze d. Verf. 



&e? u lilh ViDrJ.HoitanMiiti 



Lith.Anst.v.Appel 8 Comp. Wien. 



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