Skip to main content

Full text of "Zeitschrift für deutsches altertum und deutsche litteratur .."

See other formats


Zeitschrift für 
deutsches 

Altertum und 

deutsche 
Literatur 



Anzeiger für 



deutsches Altertum 
und deutsche ... 



HARVARD COLLEGE 
LIBRARY 




FROM THE BEQUEST OF 

JAMES WALKER 

(Class of 1814) 
President of Harvard College 



**Preferenre beioK fpvra to workt in the Intellectual 
and Moral Srieocet" 



Digitized by Google 



ZEITSCHRIFT 

FÜR 

DEUTSCHES ALTERTHÜM 

UND 

DEUTSCHE mmuiüK 

ONTER AUTWlMUiNG VON WILÜELM SCHEßER 

HEBAD$GEGEB£N 
roi 

SLIAS STEINltEYEB 

NEüNÜNDZWANZiGSTEB BAND 
DKB KKU£N FOLGE SI£B£NZ£HNT£E BA^D 




BERLIN 

WEIDMANNSCHE BLCHUANDLUNG 

1885 



Digitized by Google 



.6 V] 



HAPVARD 
UNIVERSITY 

UC- r ) " r . . ' 



Digitized by Google 



INHALT. 



Seit« 

Die Iflckcn im Roodlieb, von Laigtocr (mit facsimile) 1 

Der Noc der Wiener Genesis, von Pniower 26 

Die öbcriieferaog des Rciohart fuch«, ^00 Schönbach 47 

Über Neidharts reihen, von Wilroanng 64 

Zor FausUage, ▼on Schmidt 85 

Zb Schlllefs Haodachuh, von demaelben 102 

Bn weihnachtsspiei au» Krcutabuiy, von Mayer 104 

Die Iweinhandschriften i. von Henrici 112 

Die Tübinger Rennerhandschrift, von Strauch 115 

Parallelen mr rohd. lyrik, von Schmidt 118 

Alte deutsche volksliedchen, von Meyer 121 

Zwei bruchstücke aus Rudolfs Weltchronik, von Loserth «... 236 

Ungcdrockte lateinische oaterfeiern , von Lange 246 

Actenstflcke zu meister Eckharts process, von Denifle 259 

Zum ParzivaK von Bötticher 266 

raioßofiagog, von Kossinrta 268 



Bemerkungen au Alfrics Lives of saints (i) ed. Skeat, von Zupitza . 269 

Töiier bruchstficke ans dem Buche der väter, von Westermayer « . 296 

Roseygcr brochstuck aus Ottackers Reimchronik, von Dflrnwirth . . 307 

Bruchstücke ans des mönchs von Heilsbronn Buch von den sechs 



Damen des fronleichnams, von Tomanetz 318 

Deutsche prosanovellen des fünfzehnten jhs. 1 Marina, von Strauch 325 

Arator und Prudenlius aU Vorbilder Otfrids, von Olsen 342 ~ 

Ein segen, von Schönbach 348 

Miscellen aus Grazer hss., von demselben 350 

Zu der Wiener meerfahrt, von Schröder 354 

Die Summe der tugenden und laster. zum Renner 2755. 56, von dem - 
selben 357 

Die Iweinhandschriften fi, von Henrici 360 

Hildebraridslied 65, von Holthausen 365 

Beilrage znr germanischen lautlehre, von Bechtel 366 

Zum Renner, von Wölfel 309 



d by Google 



Eine conjectur zu Lessings Dramaturgie, von Tomaneti 369 

Zu Klopstocks Wingolf, von vWcHen 370 

Naciiträge zu s. 2S8ff, von Zupitza :{72 

DeuUchc prosanovellen des fürifzchptcii jlis. ii Grisardis von Albrecht 

von Eyb, von Strauch 373 

Ruodlieb-märchen in Russland, von Laistner 443 

Znm prolog von Hartmanns Gregorius, von Martin 466 

Worterklärungen, von demselben 467 



■ « # * • 4 



4 r 



d by Google 



JAN121885 

ZEITSCHRIFr 




FÜR 



DEUTSCHES ALTERTHUM 



UND 



DEUTSCHE LITTERATUR 



UNTER MITWIRKUNG VON WILHELM SCIIERER 



HERAUSGEGEBEN 



VOM 



ELIAS STEINMEYER 



NEUE FOLGE 



SIEBENZEHNTEN BANDES ERSTES HEFT 



(XXIX. 



VVEIOMAINNSCHE BUCHHANDLUNG 
1SS5. 



Satze vollendet am 20. Octoher, ausgegeben am 20. December 1884. 



INHALT 



DER ZKITSCHRIPT 



Die lürkeo im Ruodlieb, voo Laistiier (mit facsimile) s. 1 

Der ISoe der Wieoer Georsis, von Pniower 26 

Die überlieferang des Retobart fucbü, von Srhöobacb 47 

Ober IVeidharU reiben, von Wilmaaas . 64 

Zor Faustsage, voo Scbmidt S5 

Za Schillers Handschuh, voo demselbeo ..... 102 

Eia ^eihuachtsspiel aus Kreutzburf^, von Maver . 104 

Die Iweiuhaodschrirten i, von lleorici 112 

Die Tübioger Reooerbaodschrift, voo Strauch 115 

Parallelen zar mbd. lyrik, voo Schmidt 118 



DES ANZEIGERS 

Klage, Etymologisches wb., voo Fraock 8. 1 

Roediger, Kritische bemerkuogen zu deo Nibeluogeo, voo Steioneyer . 31 

Scholle, LMiools lieder, voo Brandl 35 

Vigfassoo und Powell, Corpus poeticum boreale, von Heiozel .... 38 

Litzmann, ChrLLiscow, von SeufTert 70 

Tobler, Schweizerische Volkslieder, von Köhler 76 

Gaedertz, Das ud. Schauspiel, voo Minor b4 



Litteraturnotizen (Bolte, Bartholomaeus Krüger; Ellioger, Öffentliche 
neioung im 10— 12 Jb.; Kbull, Beitrage zum mhd. wb.; Korrespon- 
denzblatt des Vereins für siebenbürgische landeskunde; Maumann, 
Über Herders stil; Richter, Rabener und Liscow; Toischer, Die 

altd. bearbeitoogen der Secreta secretorum) 87 

Briefe JGrimms an FWUergmano in StraTsbarg, von Martin .... 92 

Ein brief JGrimms an FHvdHagea, von Steinmeyer 95 

Zu Zs. 28, 37ö, von Fischer 98 

Wotizen 9S 



Vom 1. august bis zum 22. october sind, abgesehen voo einigen bereit« 
ia diesem hefte besprochenen, folgende bücher bei der redaction eiogegangen : 
Brabm, HvKleist — £ice.>brodt, Hagedorn und die erzählung in reimversen — 
GöTzincER, Reallexicon lief. 7 — 12 — Herzfelp, Za Ottes Eraclias — Hruscbka, 
Zur ags. namensforschung — Jonas, Littcrarische correspondenz des paedago^ea 
FEvRochow — Karu und Geyer, Vor hundert Jahren. Elise von der Reckes 
reisen durch Deutschland — Kinzki., Lamprechts Alexander — Mannbardt, Mytho- 
logische forsrbungeo — Pii'En , Otfrid ii (glussar) — Risulr, Zu Goethes ge- 
dichten — Seelmann, Valentin und ISamelos — SzurKERT, DLD 19 — vStei««, 
Das bildungswesen iii 1 — Strehlke, Goethes briefe — vTböltscr, Fund- 
statistik der vorrömischeo metallzeit im Rheingebiete — Zincerle, Über eine 
hs. des Passionais und Buches der märlyrer. 



(josern geehrten lesera diene zur nachricht, dass in zukunft alljährlich 
der Anzeiger eine 

bibliographische Ubersicht der auf dem gebiete der ueaeren deut- 
schen litteratur erschienenen wissenschaftlichen publicatiooen 
bringen wird, diese Übersicht, welche bestimmt ist, den von der gesellschafl 
Tür deutsche philologie bearbeiteten Jahresbericht für die zeit von Luther bis 
auf Goethes tod zu ergänzen, beginnt im vierten hefte des laufenden baades 
mit den erscbeinuugen aus dem Jahre 18S4. hr professor Strauch in Tübingeo 
hat ihre hcrstellung übernommen. 



JAN121885 



DIE LÜCKEN IM RÜODLIEB. 

Ab ich Anz. ix 70 ti die neue Huodliebauigabe besprach« 
gab es in dem buche m vieles larinräufnen , kfamraUellen , sa 
berichtigen «ftd zureehtsoillckeD, data ich mich auf die miltattuiif 
daa Mtwendtgeleo beacbrlBken mid anderes ftlr apflier aufsparen 

muste — vor allem eine au? dem mhalt der fragmeote ^ezo<*ene 
gegeoprobe aui* die nchtigkeit der aus auderen grüuden er- 
Kblosseoen anordnung derseU>eD. der aache nach ist das fol- 
gende nieble als eine fortftthniDg jener reoension und aetzi die 
deit gewMoenen resnHale als bekamt toraus; audi die iShlung 
nach der neiieu ausgäbe ist um der bequemlichkeit des lesers 
willen beibehalten worden, obschuii ich hiuilc wie danialb vor 
allgemeinem gebrauch derselben warnen oiusa, weil sie die rich- 
tige leihenfolge doch nicht trifli. jene gegenprobe fuhrt ttbngans 
gana ven eelbet Ober den inhalt des znfMlig auf uns gekommenen 
hinaus, wenn man sich lange und eingehend mit einzelheiten 
beschäftigt «nd die teile hin- und hen?cwendet hat, meldet sich 
obDebin das bedürfuis, das ganze ins auge zu lasseu. nach- 
dem ich aber einmal versucht habe die ursprüngliche folge der 
Mgmenle vi ff bemiBtellen (nlmKch so: id. im. n. x, zi. zv. xiv) 
Md die abstände zwischen den ^meinen bruchstUcken zu be- 
stimmen , erscheint es mir als eine ebenso schöne wie unerlSss* 
bebe aulgabe, in die geuau umgranzleu leeren rtlume hioeio mit 
venichtiger band die umriaae der verlorenen partien au teichnen, 
tdkatverstlndllch nur so weit ala es sich auf grund gewiaaer merk^ 
male in'-^n erlmltenen teilen tun Hsst. 

Zunächst gilt es fest^uftellcn dass in fragment xin der ih tie 
t^uodliebs nicht etwa zum zweck der braullabrt m das haus der 
commater zurückgekehrt ist , sondern dass er vielmehr seine in- 
kftnltoge jetzt erst kennen lernt, der eingang zeigt uns den 
miti und seinen ooitm'Mi> im gewandgaden des sehlosses, wo 
die beiden viantes ablegen, sie werden von der burglVau be- 
Z. f . D. A. XXIX. N. a, XVII. t 

Digitized by Google 



2 



DIE LÜCKEN IM RUODLIEB 



gHlfst. es folgt die kureweil mit dem flschzug, dessen geheimnis 
der miks m der tremde «gelernt hat; ani die noch junge bekannt- 
schall zwischen beiden Vellern darf man vielleicht v. 30 bezieheu, 
wo der jangere sich novizenhafl au iter geschicklich keit des fllterea 
freut. nuD wird die beute von deo kOcben lubereiCet und die 
tafei gedeckt, auf geheifs der dmnma holt mao die herüis herbei, 
und wir lesen hier ein par verse, die dartuu dass es schlechter- 
din^^s unmöglich ist, ir}j< lulwelche vorliergeheiide i)eziehung zwi- 
schen dem contribtUü und dem Iräuiciu auzunehmeu. dieses 
uaoilicti sitzt, als sie zu tiach gerufen wird, an einer weiblicheo 
arbeit, welche dem hrftuligam bestimmt isty falls ihr der 
bimmel einmal einen solchen bescheren sollte 
(V. 63 f): 

Texutt em awro quae bina ligamim syomo» 
platt qumamiqiM nbi tribwu dementia Gnitti, 
wozu man Tergleiche, wie spftterhin Ruodiiebs mutter ihrem 
sehne vom heiraten spricht und auf eine frau (ganz im allgemeiiieo, 

vgl. XVI 52 ff) zu denken rät, 

Onam tibi demoiisiret demms deus (xvi 18). 
Wie das frSulein dann zur gesellschaft konmit, wird sie dem 
monde verglichen, dies bild sehen wir Mib* 760 auf einen heldea 
angewandt; meist gilt es von einer schonen frau (vgl. RuodL xi?3), 
SU von Cresceulia, wie i>ie aus ihren geniaclieni trill (Kaiser- 
chroi). 1 17(39j, su von Kriemhtlt, dvSifrit sie alrest ersach (Mb. 2S2), 
uad ganz ähnlich dient es hier zur ersleu eiofdiirung der 
schönen, leider stort dann eine lücke von 9 versen. 

Man geht zu tisch, die Verteilung der piaice deiUiet nicht 
entfernt darauf, dass auf ein liebes- oder gar hrautpar rUcksiclit 
genomnx'ü s\iiide, dessen beisammensein doch nach anderen 
stellen (iK 61 ; x 31) so gern gesehen wird, souderu eriuigt ein- 
fach nach dem alter: der ohm seUt sich zur netter, der neffe 
zur lochter. auch von der veriiehtheit, mit welcher anderwärte 
das pSrchen recht eintönig und nicht sonderlich fein characteri* 
siert ist, noch keine spur: die koslen der Unterhaltung niuss 
ein hund bestreiten, von deni wir nachher noch werden zu 
handeln haben. % 

Zum nachtischv heifstes, kamen erdheeren; andere« ohst 
irgendwelcher art gab es noch nicht (v. 108 ff), auch 
dieser kleine zu^ ist heachteuswert. hei der conmiaier hnden 



Digitized by Google 



DIB LOCKEN IM fiUODUBB 



3 



die reisenden reiCe «rdbeeren, tor dem hause von Ruodliebs 
niuUrr hIm 1- vjf^ht ein kirscbbauin. ilrsseu Irüclite den beiden 
aakOmnii III geil rpil eutgegeuwiukeii; u^euigniteB» wunderL mck 4ie 
UBge dtiiie (x öd 0) du» der io dio xwdpa ii«oh- s^umid berro 
wiBpäheode kttibe Uftherttbrt voa d«a Jaek«ii^on der fri^ßwUm 
«Mf» bleibt die beinkebr iiM vaierbmts f%Ul oMtbin ia eioe vor- 
gerücklen* Jahreszeit , Iraiim. x j^eliürl hiiHer Ira^ni. 

Abermals eine ivieiue iucK*' , von 11 versen, üaun ein blark 
Terstümmelter text, aus. dein nur no viei zu ersebeo, dass die 
fiPMDdliBge sich umkleiden und dann su den denen «irflekkebreo« 
bei der toilekte des cenlnMte erfabren wir abeendc^lielie dinge, 
dieser jiingling , den wir nn» naeb der iHaberigen anardnung im 
besitz eines trniinti^'s von seiner iiebslen und auf der brauKaiiri 
Yorslellen solieii, erscheiul hier in einem auUug, der < inc waUre 
schnnde fnr einen braiaigam ist; er enikedagt ai€b nttmiicb in 
4er mnkiefalesQene eines angewaacbenen. bemdea und 
eines vor alter und scbweifs fuebsig Kt^vvordenen 
maulels aus m arderi'elle n; jeues riii^'lein aber, das er 
als getreues minnerlein gar nie bätie vuiii üuger sLreiieu durleu, 
das er mindestens schon beim einreil^n hüM (unkein lassen 
HMlaaen, sleekl er jeixl erst an* 

Aoeh darauf konnte man allenfalls noeb aufinerkaam macbeo* 
wie wunderlich unter der tradilionelien vorausseizung eines schon 
b^tehenden liebeseinversWndnisses dan beuebuien der iierilis sich 
darstellen mu^, die sieb um den b<$sucti des.br^uiigams so wenig 
kaamert, dass sie sich stiii auf dem zimmer halt .und ecs^ ge- 
legentüch der mablaeit als noaril aufgeht allein es ist aber- 
flllssig nach weiteren belegen sich umausebattsn: die Scheidung 
der abschuilte, die ich seiuer zeit aui ^miid der bezeicbnungen 
mües und RuodUeb vuri^tuoimueu, beslali«^i sich auch inhaltlich 
Toliauf. welche bewandtais aber hat. es d«m ring i und warum 
tritt der neSs ao abgerissen auf? 

In beang auf den ring gibt es nur eine alternatives ent- 
weder ist es der, den ihm das fraulein, oder derjenige, welchen 
er ihr schenkt, das erste ist undenkbar nach aliein bisherigen, 
bleibt somiL nur die aweite muglicbkeit. iUr den ringtausch 
IX 62 ff ist beidecsttts ein ring nötig« dass das fcauiein einen 
ankhen tragt, braucht bei ihren verhaltniaaen nicht erat erwähnt 
au werden; anders bei dem contriMÜf in seinem bedenklichen. 



Digitized by Google 



4 



DIE LÜCäEN IM aUODUfiB 



aufeug. za dem ascheotHrodelgewaiid hatle der scbimiok oiebt 
gepawt; jetzt, da er elefa aus demaellmi scfaXk und in Staat wirft, 

bleibt auch der reif am finger nicht vergessen, woher er ibu 
hatte, stand vermutlich in dem verioreuen haibvers 127 zu lesen, 
wie sieh aus dem erlialleneD donmü schliefeen lüsst aber noch 
eme andere mcrtifiemng war für den diciiter au bedenken, die 
zwei hflnde aind von ungleieher grOfse, beim tanach ab«r moaneii 
die ringe passend sein, in bezug auf den des frciuieins billt er 
sich 60, dass er ilin mit einem bohlen knanf ausstattet , vermöge 
dessen das (ohne zweifei federnde, mit dem eiuen, ireien ende 
in dem bohlraum apielende) reiflein sich dem finger des trxgera 
anschmiegte (ix 71). der ring des neffen aber ist so eng, daaa 
• er ihm selber kaum an den kleinen finger geht (xin 128). wie 
i\,\> kam, vermöchten wir zu sa^'en , wenn vvii den namen des 
gebers aus jenem veriorenen halbverse wüsten, an das execra- 
bik scortwn xv 35 werden wir wol nicht denl&en dürfen; die 
einfachste annähme ist die, es sei ein andenlien aus der kinder- 
zeit, etwa ein geaehenk der matter gewesen, von dem er sich 
nicht trennen mochte, auch nachdem es ilim am ünger unbe- 
quem geworden war, und das er nun hervorsuchte, um sich 
▼or dem fräulein ein bischen herauszaputien* schon in meiner 
froheren arbeil hatte ich über die ergSnzung jenes feraea nicht 
schlüssig werden kOtttten- «nd dieselbe für den nacbtrag auf- 
gespart, der Sache ii u li weils ich auch jtlzL iiocli nuhts besseres 
als das dort vorgeschlagene; Sumpsü herilt quem post domuü usw.; 
wer hiergegen etwa das formelle bedenken hat, eine derartige 
Torausdentung stimme nicht zu dem sonstigen Stil des gedichtes, 
dem geftllt vielleicht besser: 

Sumpsit quem puero quü donauit . . . 

oder: 

Sun^t quem mal&r siti domuü, . . . 
das fehlen des mitteireims macht nicht die mindeste Schwierig- 
keit, da die schlusssUbe mit dem nichslen vers durch den reim 
gebunden ist 

Schwieriger und ungleich wichtiger ist die andere vorhin 
aufgeworfene Irage, was nftmlich die härenhäuterei des uetlen zu 
bedeuten habe« der zustand , in weichem der mtlci ihn unter« 
wegs antraf f war nichts weniger als standeagemttfs» ein lange 
nichi gLwascbenes hemd, ein abgetragener, verschwltiter mantel 



Digitized by Google 



DIE UlCREN IM RUODUEB 



5 



sind keoDzeichen der verwahrlosuii^S dazu jener hiiud, über den 
weiter unten melir zu sagen ist — es lehlt nur uuch eine herde, 
uiui das bild des veriorenea sobnes ist fertig, in der tat er« 
fohren wir aiieh aus xv 28. 35 dass er nicht das ehrbarste leben 
gefabrt bat, und seine verwandlen danken gett dass das firSulein 
es mit dem di^umettatns trotz seiner antecedentien wafen wi]). 
flu \\r\\\ halle es ihm augetao, und, wie es scheint, können 
die leute das Verhältnis nur durch behexuug erklären , es kommt 
Urnen wie on wunder vor dass ein fraaensiainier auf der weit 
seit die im stände war» ihn von der mogica zu reifsen. wenn 
es von diesem soMtuai (urps heifst, es sei digmm saiis tpne er«- 
mari, so hangt das übrigens niclit mit ilirer eif,'enschall als 'hexe' 
zusammen, denn eine hexenTcrbrennung ist unerhört in dem 
zeilalter unseres gedichts (Soldau Geschichte der hexenprozesse' 
1, 132»— 140); der Scheiterhaufen, den die folkaneinung ihr bh«' 
erkennt, kann sie lediglich als ehebrecherin kennieichnen 
(RA 699 ; vgl. MafsmaDn Rehr. 3, 900. 907. 908). 

Die stinimung ferner, in weicht r iler verliebte tor sich be- 
land, als ihn der miUs zum mitgehen auilorderte, muss eine 
siendicb gedruckte gewesen sein, das kleine fragment xii, nur 
durch eine Ittcke von 35 Tersen von dem anfang des bisher be- 
sprochenen abschnitte getrennt, scheint den beweis su enthalten. 
Aüz. IX 99 habe ich mich mit diesen versen ganz vergeblich ab- 
gequält, die Situation ist diese, auf seiner iieimreise ündet der 
mil» den jtkngling, der glaicblaüs in der fremde ist (äebes ire 
imim 7). der junge mensch Cttrchlet sich vor einem zo* 
sammentreffen mit den hndsleuten, Tdlends wenn er in gesell«- 
sebaft des reich an ehren heimkehrenden oheims sich blicken 
lasse; auch Hegt ihm ein geständnis schwer auf dem herzen, 
man sieht uichl, ob ein jetzt vor dem miles oder später vor den 
c«MHfNtfn'elae abzulegendes* dass dies seine bedenken waren, durfte 
ans der antwort des miles erbellen: *an das darfst dn ja zu ge- 
legener zeit bekennen ; znnichst mache dich nur erst reisefertig* 
die landsleule [brauchen dir keine sorge zu machen ; sie| kennen 
dich b€s^er als mich [,der ich so lang iort \var,J und werden 
sich am mich gar nicht bekümmern, wenn sie dich widerseben, 
du mnsl [mit] heimgehen, wenn du mich lieb hast*' durefa 
solches zureden heitert er ihn so auf, dass der andere freuden« 
traoen weint. ^hOr auf, sagt der miles. . . . dann folgen einige 



arg ▼entttnuDelte doppehene« ans deren gartogen ttlierreitoB 
nur tu entiieliineii ist dass die beides mit twei knappen in 

eili^rem rrlle davonspri iii:en , unaufgelialten wie es scheint durch 
die sera, was vieUeiclii cm gatter, eiueu schlaghaiim bezeichnet, 
lalla ea nicht atatt $era atelii, das ttbrigeoa x 15 hchlig gemeasen 

Man siebe, der junge fUhlt aicb ao ädimeiMm, dasa er den 

iandsleuten nicht unter die äugen zu treten wagt; andererseits 
muss in seinem lipht sliiiiidel eine Wendung eiugelrelen sein, die 
ihm »eht wüasdieusvverl macht fortzukomnien , sonst würde er 
nicht in tränen anabrecben pnia laäüim, dam der obeim ihm die 
ttberaeuguag beibringt » der rüdcweg in die heioMt stehe ihm 
trotz allem vergeTallenen offen, wir sind nun w die frage ge- 
stellt, ob die abenieuer des nefTen ausschliefslich in die lücke 
zwischen vm und xii fallen, oder oh wir sie an erhaltene teUe 
dea gedtchies anknüpfen dürfen, ich glaube, Ittr die letztere 
annähme gibt es gründe, die aichbUren lasaen. Torhin hat sieb 
ergeben dsse das Morhm, daa ihn beslrickt iialle, wabrsebetn- 
licli ein ehebrecberisclies weib war. eine solche elu'breciin m, 
eine saepe rea tviii47; vi 1221) huden wir aber latsachiich in 
den zun^ichst vorhergehenden fragmentoo; und ganz wie die 
landsleuie das extaraink uotium für dtj^mmi mIm erklaren igna 
ermnärif so bekennt dieselbe reuig, den feuertod verdient an 
haben (vui 57 if). einen directen beweis for die identitüt der 
leichtlerligen junjren bMnnn mit dem scorium liaben wir freilich 
nicht ; aber die vorhiu dargelegte Stimmung des jungen menschen 
wttrde sich wenigstens gans gut erklaren, wenn wir sie auf die 
blutig« kstastrophe im baue dsr bauiin beaieben dürften, auch 
kann uns vielleicbi der mehrerwahnta huad auf eine leidlich 
sichere spur helfen. 

Der huud hat, da wir ihn k<^nnen lernen, zwei herreu 
(dammos xui 97): der nute lasst ihn kttnste machen, vom csn- 
iHMiB' nimmt er, in anfserster wolenegenheit, sein futter. ur- 
sprttnglioh muss er den letaleren allein gehört haben; denn der 
miles halle zwar bei semem ausritt vor zehn jähren einen hunil 
bei steil (i 4111), auf der heimfahrt aber wird uiciit nur nichts 
von .einem solchen begleiter erwjihnt, es kommt sogar ein 
abenteuer vor, welobea die anwesenbeit wenigstens dieaea hundea 
geradezu ausschliefst, er ist nämlich ein Uer von fabelhafter bfr> 



Digitized by Googl 



DIB LÜCKEN IM ROODLIEB 



7 



gabung, das einem menschen aomerkt, ob er gtttohien hat, 
tMÖ dorch temn und beifttii den dieb vtrrttL der nuuiteldieb- 
mU des rotten hmm Qbergang Qber den fluss baue also dieaer 
feinen nase nnafiOglich wborfeo bleiben kOnaen; gleidiwol bin 

leb der iiit4iiüii{^ (lass iler diclittT gerade mit bezu^ auf 
dieseu diehstahi den diebe witternden hund eiu- 
gefQlirt babe. der role, welcbaf nicht blofs den miles be- 
alsMa» , soadern aucb dmen parm lOganbaftar weiae in aaue 
bnyeiiaehe wefbamg' bei dar sMlioafsttcbtfgen b^nrin hineug»» 
/.u-Mi liiiftc (v|E^l. das horusi^oal vii 75 inii f 32), hat vor j^ericht 
die Irechlieil sich auf das Zeugnis des uamln lieii üUlis zu be- 
rufen (tiu 12111); und dieser, dessen oacbfiidili gegen den auf- 
driagUcben, unfriediartigea geaallen ivir keOMi (v 59ü; vi 7)» 
wM gutmtlig genug gewesen sein, tti dessen »gunateo su sprechen, 
nun aber, selSdst bieb diewdlare entwicklung denken, drang! sich 
ein buud durcli die menge der umstehenden, es erluJgt eine scene 
wie sie uns xiii 7711 geschildert wird, ähnlich der mit dem hund 
des Anbry (Mafensann Kchx. 903. 918 f; vdUagan GA l,evi; 
Diadop*Liebreeb& anin* 216f Gervasina fTilbnrj 113f; vgl Herti 
SVerwoir 92.93« 9»; Kaufmann Cttsarius vHeisierbach 195), der 
besilzer des tieres komiui fiachgeeill und verdulaiciaciii die v\urt- 
iose anklage, und danul wud wal das Schicksal des roten (vii 34) 
besiegelt gewesen sein, dass auf diese weise itweinuil die ent* 
Mning eines diebes dureh den hund vnrkiMaaei bildet keinen 
gewichtigen einwand, denn auch das motiv des kaoslreichen fisohn 
zugs (II Iff; xm 10 Ii) und des Würfelspiels der liebeaden (ix 62 fl; 
X 22 ff) ist doppelt verwertet, wol aber wäre um^^ekebrt zu sagen 
dass die uus erhaUcne huudescene etwas wunderliches bat, wenn 
wir die eiufttbning des iieres nkht anstder ikMMnooue des gansen 
erktoren dorfen; auch ist offenbar der manteldiebAabl nicht er- 
fonden tmh verborgen zu bleiben , und da denielbe ehne saugen 
geschah, liegt der gedauke «iii die äpürnase de^ huudes nahe 
genug. 

Wenn diesen scblnsafelgacttn^en einige wabcscheinlichkeit 
awgsslaeden wird, so bitten wir:uns also die begegnung swischen 
nhsB nod neffin in dem nSmÜcheB , unweit der landesgriose ge- 

IpKenen (v 585.011) dorfe zu denken, wo das ehebrecherische 
^veih \s (ihn! ; ein uiüslaud, doi ( lliabai' sehr günstig ist iiir die 
annähme, das txecrabils scortum und dieses weib seien eine und 



L.iyai^Lü L-y Google 



8 



Dl£ LÜCliEN IM RUODU£B 



dieselbe persou. dass die bäurio so rascb auf den voncbiag de» 
roten, sich vod eineni schoneii ritler eatfobrea in kittn, mar 
gebt (▼!! 65 flOf spricht wol kaum dagegen: das looa an der seile 
des vomMiflMD unbekaontea erscbeiDt ihr eben wteekendir als 

die nur auf schlpichwegen j^enassene liebe des jungen menschen, 
abwechslung liebte tlie saepe rea (vai 47), welche liirea gatlea 
arebro (vi 122) belrog, oboehin. war wtkrkiich der letzte von ihr 
beginstigte unser ««mIriMtf , dano ergibt eich eiM heachtene- 
werle parallele, wie sie nadi Aus. ii;S9 gerade fflr diese partie 
des gedichtes cbaractenslisch ist. der rote nämlich erfähn, (Ue 
bäiirin sei seine uepti's, und benutzt diesen umstand, sich raschen 
zutritt zu verfallen (vii 34. 52. SO» 95) ; neben diese uoverhofil 
entdeckte n^ü würde sich gan^ schicklieh der ebeoao un?efw 
mutet gefundene juipoi (xv 23) des ritters stellen, dar radselign 
Schäfer (vi lu), der über die verhitltnisse der dorf bewohn er aus- 
kunft gibt, kuiiiiie demnat b in der lOcke nach vi 123 gesagt 
haben: früher hielt ües mit dem und jenem, eben jetzt hat sie 
aa anit einem jungen fremdliag ans vornehmen stände, der ihr 
zu lieb hier htfngen geblieben ist und nachgende recht ahge* 
rissen bermnläufl, aber ein gesiebt hat wie mäch und blut (vgl. 
XI 2 ff), diese Schilderung hatte sieb il uin der rote gemerkt und 
zu (Ii m erdichteten bilde des ritters mit den entführungsabsichten, 
wehei ihm, wie oben geaeigt, sunichsl der enlii Torschweht, 
die färben vom canlr^Ali enilehnt: mt- Mdmiaifmmi iotutm gmiA 
mtewidns (vn 67). 

Auf anderem wege bin ich schon Anz. ix Uo zu der Ver- 
mutung gelangt, dass unter dem scortum die baurin zu verstehea 
sei. stützt sich dort der beweis auf gewisse ahnliehkeüeB den 
leichtfertigen weibes mit der mieilh der sechsten lehre (v 476 fl)» 
so Iflsst sich derselbe noch verstärken durch die erwägung, dsea 
auch das ignoinuuosus (v 483) und das öller augelülirte deho^ 
neslatus (xv 2b. 35> einander zu euU»|>recheQ scheinen, nur darf 
dabei nicht Übersehen werden, was gleichlalls an jener stelle 
ausgefohrt wurde, dasa von fragm. vi an der dichter aeinen ur- 
sprünglichen pkn aufgibt und die schon erfundenen peraonen^ 
scenen und motive nur so weit in seine darstellung herübernimmt, 
alft er sie bequem brauchen kann, um den auschluss aa den 
'Uuodliebus' (Anz.ix72fj zu gewinnen. 

Wie wir uns das leben des neffen in oder hei jenem dorfe 



Digitized by Google 



Di£ LÜCKEN IM ftUOI>UeB 



9 



vomtttettMt haben, daraber iat sobwer elwaa a« sagen; ebenso 

ob er da8eU>st eigene behausung hat wenn er in 4 aufgefordert 
wild: nunc falerart tibi jubeas unique dienti (unns als uube- 
siimmUr äjrUiiei , wie vi 10; xyi 29) und wenn dieser c/;>ns beim 
eiiriU in R«edüeb6 baaia neben ihm als iculifer erscbeini, so 
^1 daiana berror dasa er in der fremde den beaili ?on roaaen 
ond kneiditen nieht aufgegeben hatte; das wird aber aueh das 
einzige hi i rrnm^fsi^e gewesen sein, wie aus dem verfall der 
tiü&i kostbaren kieiduug und aus der unsaubeikeit der wäscbe 
in achlielseii ist: die gewaoder, die er in der loilettenscene an- 
lagl, bfanchen nicht einer oitgeftthrttn entktca (vgL 1 19; v 560; 
si 37 ff) entnoDunen au sein , aondam können Tan dem ver^ 
storbenen (ix 31) Hausherrn herstammen (vgl. VVeiuhold Deuuclid 
frauen s. 392 f). ^var e er jedoch noch weit bettelliatler in die 
heimat zurückgekehrt und hätte sich das ürgerhche verhäUnis statt 
in 4fut fremde draoCMn in nachater nfthe abgespielt, ao würde 
das allein nicht hinreichen au erklaren, warum er gar ao dSsHenaa- 
tttim eiachien. für d^annMt durch einea ebebruch galt wol 
die schuldige frau (Wiidd Slrafrecht der (i( rm. s. 8tO), nicht 
aber der buhle, der einer weit müderen beurteiluug unterlag, 
voUenda ein unverheirateter, ganz anders wird jedoch der Dali 
in nnaeraa gedieht behandelt» obgleicb der jnnge menach aich 
von der magiea b^s^^ sagt hat und nichta sehnlicher wtlnacht als 
die herilis zu heiraten, kommt es noch luiiiur daiaul an, ihn 
müglichsL schnell (cih'us) der anderen zu eulreiisen (xv 28), und 
er aelbat bekennt, nach jener geschiebte, die ihm scbauder und 
schäm vemraache, tue ihm in aeiner entahrung dringend eine 
Iran not (34— "3d)* erat die heirat alelli alao seine ehre wider 
her, und die UbermlKige baltUDg^ des frauleins bei der Vermäh- 
lung XV 6911 zeigt, me sehr sie sich dessen bewust war. all 
das deutet darauf dass zu der verbotenen iiebscbaft noch etwas 
anderea hinaugekommen aein muss; ein solches andere hatten 
wir aber in der tat in dem umatand, daaa die ahabrecherin ihm 
gegenüber aur treuhrecherin ward und ihrea galten ted w 
schuldete, lediglich iitn des schul'tigen roten willtu. hürner 

* im vorbeigellen sei bemerkt dass b»> qu& nur advcrb sein kaim 
im giooe von ad quos (vgl. vi 21). die rufsnote über die angebiicln* ana- 
kolothic ver^tt hc ich riirht , da der Singular von quibiu in diesem falle cui 
heifsen müstc; wäre aber quo ols nhl. mit ausgelassenem cum gefasst, so 
wäre diese aoflalieode construction sicherlich aof s. 114 mit aufgeführt» 



Digitized by G 



10 



DIB LOCKEN IM RÜ0DU£B 



trafen mdsseB, und gar von einer bubieiin, aiasgeMocbeii werden 
dureh einen dieb und mOrder, diese nnheimlicbe mideirang von 

lächerliclikeil uud ^Mausen spiegelt sieb iu dem ^estiindois: Aor- 
rere peuihf^ se se»itie pudere (\v^4), sie ist ^etiiiint, wenn 
er fortfährt: sie deh^nestainm. kein wunder dass di« verwaudlen 
gotl danken fOr die TorurteiUfreie geainnung dm IrtuleiM« wire 
es ihr nicht gelangen, seine gedanken von dem schnöden weihe 
absuziehen (magicam d$ diffdkn xvZ\), ihn innerlich tob ihr 
zu lösen , der er blofs unter dem eindruck jener schreckensnacht 
und auf zureden des miles durch rasche flucht (in 19} sich ent- 
legen hatte, und kflnie jetzt die heirat nicht in stände, so wäm 
ihm lutotiimen daea er ans furcht ver den gerede der laiid»« 
lente wider der hexe tuKefe, von deren lehenslanger bnfke 
(viii 89 — 117) man damals ja nichts wissen konnte: so lange 
die hoclizeil nicht i^'elialteu iüt., >t heiiil er noch iiu hl sicher vor 
der argen, und darum gilt es, citiuä ut ehpialur a icorto twfi 
(XV 2^1). 

Man darf von «nan indicienheweia nicht mahr veriaofan 
als er leisten kann; dass es der ilOhe wert sei ihn zo TevsMien, 

>vird ( inem gedicbte wie Ruodlieb gegenüber nicht auf widei^. 
8)»ruch htofseo. 

Nach Aoz. IX 74 haue die läge F 6d5 verse. teüeo wir 
davon dem fehlenden schluasblalte 64 verae tu, so gihi daa sul 
dem verlorenen aoEang von läge G (ehend« s. 76), welcher deren 

161 enthielt, zusaiiimeii 225, eine summe, welche vollständig 
genMfrt, um den oben erschlossenen Inhalt der iucke zwischen 
VIII und XU m tOlh ii, niinilicb: uuierbreohung der gerichtaver» 
haodiung durch den hund, Verurteilung und htnnehtung dea 
rolen, erkennung swischen mttsi nnd ttmtribuiü, und aoCang 
des gesprächs, dessen ende uns in xii vorliegt, die kleine lücke 
zwischen xii und xin enthielt dann den weiteren verlauf des au* 
XU zu erratenden fluchtalnilicheu rittes, das betreten des vater- 
ländischen bodene (vgl. v 585) nnd die ankunft in der borg der 
eommattr nebst dar meldong hei der herrin. da nun aas 4er 
Zählung der SFIorlaner fragmente mit hoher wahrseheinlieikdit 
sich ergiht dass mit G 44 ein neuer abschuai aaliciil, so kauu 
nicht, wie Anz. ix 76 vermutet ist, die gr.1uzmarke zwischen 
fremde und heimal zugleich den anlass zur sclieidung der zwei 
gesSnge gegeben haben , sondern mit G 43 wird die hinrichtung 



Digitized by Go 



ME LCC&eN IM RÜODLIEB 



11 



des roten und Oberiiaopt die gMchicbte tob den urtprihiglichott 
drei lehren zu ende gebracht sein, sodass das neue capitei mit 
der Unterredung zwischen olnu uiul ueU'en heifiinne. ist, wie 
oben geroutmalsi worden, das veritältnis des contribulis zu der 
jngen baurin sclimi doreh den schaler ensftbtt im amStcüg der 
Iflcke zwischen n und vn, welche anf 63— d4 verse eu bereebnea 
MB wird, se reioben die llSi^rse von 44 bis tum anfang 
Ton III reichiidi hin zur auseiuuiiiiersetzuDg zwischen den beiden 
verwandten. 

Dieser ganze dritte abscbnitt schildert die Fürsorge des mä$$ 
fttr Bemen anf abwege geratenen emtrilmtiBA ob der letztere sobon 
in das ursprfinglicben |itan diese breite Stellung eiagenomeMB 

habe, ist sehr zweifelhaft, sollte der in der fünften lehre «:e- 
nannte coninOuits (\ 472) (l»n nnsrit:en meinen, so wäre iu der 
Üteren eonception das verbäiUiis zwischen ohm und neffen gans 
saaden gedacbt gewesen ab es jetst sich darstellt. 

Faseen wir nun die Obrigso lüoken dieses absobniUs ins 
aase, zwischen dem scbhiss von xni und dem aafang von ix 
fehlen 7S verse, zwischen ix uiul x sind 09 ausgefallen, zwischen 
x und XI nur ^3, hinter xi slanden noch ioO zu läge G g%r- 
hörige, aolMntiem etwa 2 den anl'ang der läge U bildende, da&B 
«iddierst sieb xrv an ^ und damit ist der^ abscbnitt zu ende. vgl. 
Anx. IX 76. 77. das ganse. aerMIt in awei bBiflenL die erste 
zeigt uns die entwicklung des liehesverhaltnisses zwisclien dem 
Hellen des miies und der tochter det cummiiLtr, die zweite lüUrt 
OBS ins haus des miks, der von nuu an de« aaoien BmdiUiili 
tragl> Bnd schliefst oni der boofaaeit des jungen paies. 

¥Ne laBg der aufenthalc auf der bürg der cemsMifsr gedauert 
habe, ist sdiwterig auseumitlelA. auf der einen seite braucheu 
wir zeit, bis die beziebungen. der jungen knie dahin gediehen 

* hiernacli mochte ich an dem ahschnHt RuodHeb redux (Anz. is 7^ 
Doch doe andere oorrectnr Tornehmeo» nlmlich tho bIs-T. 109 der läge i 
H sahbiss von zv) nidMe latMn » toda« die ephaie Sibm nad Mfle' den 
eigantlkbeB gagaosland dts capiteh bildet aolbev jeD0o 102 veraeo gt- 
bdKn aiio dttu noch die letzten 91 von läge G (901—994), im ganzen 
193vene, welche zusammen mit den bisher angesetzten 860 die snmme 
Ton 1053 Terzen ergeben, damit erhalten die drei ersten bOcher nahezu 
gleichen nmfeng. das Tierte dagegen, welches ja ledSglioh den anachlaas 
an dtft llaedttebns si vcrmittehi bat, wird am die alnfithen Ifig vena 
nAflfst »ad moas sich mit 528 begnügen. 



12 



DI£ LÜCKEN IM RÜODLIEB 



und, dm sie die einwiUigQDg fon seiten der mutier des firtmleiiiB 
bekonnien; und damit stimmt die obea gemaehte bemoiiing aber 

die erdbepf- und kirschenreife, auch scizt vielleicht die freude 
der maiicipta x 18 eiucu längeren aulcuUialt des miles voraas. 
auf der anderen solhe man erwarten , der msiit habe nach iiavse 
getnebtec, wie er deon auob 1 13 ff grefte eile eigt. aQgeii<^ 
sebeinlieh aber bat er keine abnung, wie nahe der beimat «r 
sich befinde (x 14); die beziehungen der bur^rau zu geiner 
niuUer sind ihm uiibekanut (x 3), uud unigei^ehrl ertiihrt man 
jeUt erst im bause, wessen söhn er sei (z 17). wiU man also 
nicht tu der gezwungenen auakanft greifen, ein gegenseitiges 
versteckspiel anzunehmen, so bleibt nichts anderes flbrigt als 
beide teile eine seit lang unerkannt verkehrend zu denken, frei- 
lich sollte mau meinen, der ritter habe gleich anfangs siineii 
namen geuauut, und das bdUe sofort auf die erOrierung jener 
Patenschaft führen mOssen. aUein der dichter konnte den um* 
stand, dass seine Personen überhaupt ohne namen auftreten, zur 
Umgehung jener furmlichkeit benOtst haben , um dadureh einen 
längeren aulenlhalt auf der bürg zu crmögUchen. — auch bei 
der bisherigen anorduung ergeben bich dieselben hcliwierigkeiteu; 
vgl. s. 36 der neuen ausgäbe: 'dass Kuodüeb dieee frage m 
spSt stellt, ist nicht zu verwundem; es liegt in ihr etwas pein- 
liohes' usw. der hier angedeutete gedenke^ der mües habe zeit gu- 
braucht^ um mit der unbehaglichen neuigkeit (aus der er auf eine 
zweite ehe seiner mutier schloss) innerlich ins reine zu ktmimeii, 
hätte etwas sehr ansprechendes, wSre nur nach dem obigen über* 
haupt wahrscheinlich dass er sie schon fklUier erfahren habe. 

Am schlttss von im sehen wir die beiden gflsle nach he- 
endigunf^ ihrer toilette zu den damen zurückkehren, welche am 
fcnshT sieben und ausguck halten, zwar scheint an jenem tage 
coem und prandium in eine einzige mahlzeit zusammengezugeu 
ZU sein (Seiler s. 99), die dann früher Üele als das Übliche haupt* 
mahl vor Schlafengehen; immerhin aber werden wir uns zu der 
scene am fenster abendbeleuchtnng zu denken haben, der anfang 
des nächsten Iragmentes (ix) zeigt uns die gesellschaft bei den 
abgerichteten vrtgeln, zu »Icirn hesiclilii^'ung eine spate stunde 
sich nicht wol eignet, uiilhiu laill in die lücke von 78 versen 
zum mindesten eine nacht, vielhsicbt eine ganze, summarisch be- 
handelte reihe ven tagen oder wochen. wahrend in xtn die unter- 



Digitized by Go 



DIK LOOLEN IM RDODUEB 



13 



MtuDg am den eigeoeo mittelD der getellsdiaft bestritten wird« 

findea wir in fx eine bände fahrender leule. auch die vögel 
scheinen dieser iruppe zu gehören und im liause neu zu sein. 
im zeigt das benehmen des frliuleins« während den älteren per^ 
sonen das onaiifhorliohe geswitsdier unleidlich iei, bereüei ee 
der hariHi ein MMmmUim ddithmm (ix 12) nnd sie tcheiiit 
sich gar nicht trennen zn IrOnnen ; wenigstens , da der miles und 
sein con>ianipiine}(fi die domina zu den linrtnern herleiten fv. 25), 
ist &ie nicht mitgenannt, auch deutet die Überleitung mit tnterea, 
wie fn 26; x 22, angenseheinlicb daraof das» das frSnlein zurtlok» 
gdbHeben ist v. 46 ff hat sie sicl^ allerdings der «brigen gesell- 
aehnft wider angeschlessen, ohne dass ee aasdrOeklioli erwähnt 
wSre (iü der kurzen Iflcke hinter v. 35 stand es schwerlich), da 
T. 5 hervorgehoben ist dass die lu dem gröisercu kätig (doma) 
befindlichen ?Ogel rasch zutraulich werden, und da nus v. 20 
erhellt dasa für den kleineren baaer (damMla} ndch eine ab* 
g^ridilete sisrui, den anderen zur iehmeisteriny iUgitvr, so 
(itirfen wir wo! annehmen, die tierchen seien eben erst gekauU, 
ausgewählt aus einem gröfseren verrat, und als verkaufer 
wären die fahrenden zu denken, auf deren gegenwart die Aar- 
ptflbm weisen, die Ininst» vegel sprechen zu lehren, stand ni 
Bysans in heber blflte (Pnitz Coltnrgeseh* der Icreasatige s.448) — 
und somit wsre sn den sonstigen tnorgenlflndiecben hezügen 
unseres gedichts möglicher weise ein neuer zu filmen. 

Weiterhin folgt die bekannte schöne steile vom tanz des 
jnngen pares. aus 53 ff Iflsst sich wahrscheinlich machen dass 
erst jetit die* kdnende neigung ihnen selber zum bewnstsein 
kommt, wshrend die mdtfer sehen frtlher bemerkte, was im 
werden w ir, un<l, weil sie es guthiefs, den zwanglosen verkehr 
der jungen leute begünstigte, unter diesem gesicbtspunct würden 
fielleicht die lustbarkeiten als absichtliche feranstaltung zu be- 
trachten sein nicht blofe zu ehren der gflste, sondern hauptsäch* 
lieh der tochter zu Hebe. 

Andeutungen dieser art könnten allenfalls in der 78 verse 
belrageiKieJi lücke vor fr.igm. ix gestanden haben, eine erörterung 
zwischen der mutter und dem miles über die verhSltüisse des 
anUribuiü find schwerlich schon dort ihren platz, sondern wahr- 
scheinlich erst in der folgenden iQeke von 99 versen; und diese 
anaelnanderaclzung wird dann andi zur entdeckung der famillen- 



14 



besiebuBgm des müa geftthrt habea« w«9khe im einging voa z 
besprochen werdeo. da dem leser das »beiite«erBde leben dee 

contribtdis schon aus den partien hinter fragin. viii bekannt sein 
nuiste, so ilurlic iimr der «In liit r sich kurz iassen und wml >ich 
darauf' beaciifäfiki haben, durcti den miles die hera auioierkaaia 
naclitB 10 laaeeD dase ein ^terlorener eobn' ibr ala aMam un- 
willkommen sein möciite^ vorauf dann sie etwa ttifterle, aeio- 
kern scheine unverdorben, nach solchen erfahrungeu werde er 
ein um sü miisirrhallerer ehemann werden , sie selber stofse »icii 
Riebt an seiner vergaoganb«ii, die tuditer aber habe obnebio 
ibr hm an üm verbren udgl. 

Ob 4er mdet auf bkien aeinea neffen «der aue e ige n e m an- 
trieb mit der. nratter gesprochen, ist aus den braehstüeken ni^ht 
zu entnehmen, wir sehen nur so viel, dass das parcheu jet^t 
seine gelühle nicht mehr verbergen kann oder will (& 2^}. v. 31 
baauobt nicht auf eine acbon auagesprocbene Zustimmung der. 
mutter tu der hqirat zu deulen, sondern kann auob bei^ien; die 
mmter» welche weifs und vor äugen siebt, wie es siebt, bat 
nichts ^?pgen die soforli^e verhindiaii^ , aber sie achtel selbst- 
verütaudiich aul das, was die sitte erheischt, die Ungeduld des 
aMdcbene alierdings (v. 32) iäsat aeblieim dass $ie der einwil- 
ligmig der mutter schon aieber war. — achwer ist au enlritaelii, 
was der dichter unter dem «s^MciiMitta versteht, vermöge desaeo 
der jüngling die Jungfrau mtUato sexu als suus und sie iht) ai^ 
sua anredet, der herzwechsel (Myth.^ 3, 247) konnte die Sache 
allenfalls erkl^eo helfen. vieAletchl aber ist an ein wortspidi au 
denken, deren das gedieht ja mehrere bieiat (Am. iiQ^), etwa 
swiseban man. und dm:$iA butu tiur gmmmMt sagi( er, worauf sie 
ad tiBt mir dA g$iku ((vraff 5, 89). man vergleiebe, wie im lande 
ob der Eons Simon als namenspatron der pantofTelbelden gilt, 
weil er ein sie- mann und umgekehrl sie mann ist (ßaumgarten 
Volksmäfsige überiiefemng der beimat acbtundzwauugster be- 
riebt Uber das museum Pranciaco-Carolinum, Una 1869, s.41)« 

£s folgt nun eine lOcke von 27 versen, vermutlich ab- 
roaclinngen über (he ordnun*?smHfsige werbunj? (Wt-iuhuld Deutsche 
Trauen 2Üü — 207) und den aulbruch der beiden gasle benchtend. 
dann eine aiack verstümmelte stelle 33-— 66, am schluss mit einer 
itteke von 9 versen: die beiden harren auf dem ritt nach d^fn 
hause des mt^ es kommen aweunal esoufii vor; das erste mei. 



Digitized by Google 



IM£ LOCIL£N IM EDODLlßB 



15 



WgrQliit 4er ritter di« abgmodte« seioer iBttUer (v. 39 0« das 
meito mI (?. 57) aeheiBeo die kttm antwort auf eine entschul- 

di^'UD;^' »ier eiolioleiKlen (v. 54 non nui tre$). den 6ciiiui..s Jos 
fragineuls biiiiet die auiüuit^e äceue mit dem koalieu aul dem 
liinchbaum , walclie zur eiotühruiig des namens Ruodlißb dient* 

Von bter aa heili»t der JMd auaaclüielaUcli üu^dttd^; wena 
1-90 d«r avaapHbeiide koabe mfl Sl^r.lierr laht^ freuet eucbt* 
und zwei zeileo zuvor gt*?aj,'t wird , er habe .meinen douUnus aus 
dem vvaUl li< 1 \ui Lducbüu sebeu , Mi wird dai» wol niemand als 
durchbrechuug dieses auaachiiefolicbeu gel>rau«bs aoi^ebeii. die 
eitecbeideiide bedeutung, weldie die etofohrung des nameiia hat 
aowol bexagticb der anoidnQiig der fmgmente als der eotatabpogs* 
geschtebte 4es ganzeii gedichies , luag es rechtlertigen, wenn wir 
bitr den gang unserer Untersuchung ugterbrechou und den s^ch- 
terball etwas ausfuhiriidier als früher geschah dariegeti. 

1) die einaige steile , wo die auagabea das woit A^o^l/M 
Mcb asliwrdeiD Immüm»» ist v 222; allein es rttbrt da otcht vom 
dicäter her. der obere raad des biattes^ zeigt starite kleister- 
spuren, diiiclj das alilöseu vom liolzdeckel ist der anfang der 
zweUeu Zeile, vor dikUae, $q be)»cbädigl worden, dass mau eine 
iMiir vor sich au haben glapht, das wuri RuoSieb, welches 
henUutage hier lu Jesea sieht, gibi ^icb schpo dadurch als 
spatere zutat an erbenoeD, dass mao daruater noch leise spuren 
eines etwas kürieren wertes sieht , desseu lelzler buchfelabc keiu 
b war. aufserdem ragt es uui ^eulem R Uber die columue in 
den leergelasseuea ranU hjiueiu, Uiult schr<ig unter die zeile und 
Ist mit roter tinie gesishrieben und unterstrichen | und zwar mit 
deraelbea, welche auch andecwftris zum un^stj^ichen einzelner 
ausdrücke angewandt ist, zb. auf hl. 29, wo aweimal Ruodlieb 
III dieser vvei>e iiervor<^ubül)eu wird: ohne Zweifel bildete dies 
bL2d'die vorläge für den ergäiuer, dem übrigens die uachbii- 
dnag Hiebt völlig gluckte (sein H bat eine ia der ganzen bs* 
nicfat widerhehrende gestalt), davon, dass etwa alte» schwane 
sehrifuüge mit rot nachgefahren wären, zeigt sich nicht die 
mindeste spur; wäre das aber auch der lali, mul hatte der dichter 
seUw( die correciur vorgeuuuuuen , so fiurlieu \wr darin nichts 
weiter erblicken als einen vereinzelten versuch, den namen naph- 
liaglich in den früheren ^tt einzusetaen — einen verbuch Obrigens, 

^ vgl. das beigegebeue iacsimUe.. 



Digitized by Google 



16 



DIE LOCKEN IM RUODUEB 



der die bflbtche eiflndong der kireehbaunncene mm ilnen tech* 
Dischen wert brtebte. ttleiii , wie- gesagt , die beselitffinilieit des 

Pergaments, die schrift, die tiüte gihf inr eine solche vermtituDg 
nicht den geriogsten anhält, im gegenteil deutet die wähl der 
roten tiote auf eine besondere vorsieht, den schein einer fittoobmig 
2U verineiden. Sehmelier mag den eintrag schon vorgeftinden 
haben, sonst würde er nicht s. 239 die stelle mit unter denen 

aufführen, die den namen (lnri)i( tcr). allerdings wird dii» auf- 
zählung (die elwas flüchtig geraten isl , denn ihr nach lande sich 
die form mit < nur 3 mal) nach dem druck gearbeitet sein, und 
in diesem oder schon in seiner abschrift konnte der heraosgeber 
V 223 die anbringung von klammem Oberseben haben, so gut 
wie X (= Seiler xi) 34 die irreführende antiqua steht, dass er 
sclbsL (in gutem glauben) d.i^ wort Vorjahren in die hs. gesetzt 
und das später bei der herausgäbe vergessen gehabt, ist aber 
doch nicht vrahrscbeinlich. 

* 2) in dem kurzen, mit xvn 85 beginnenden sdihissabBchnill 
ist die prosodie und metrische Verwendung des Wortes Rnodlieb 
eine andere als zu\nr. die silbe lieb nämlich erweist sich als 
unzw eifelhai t kurz xvii91; xvm 3. 14 (vielleicht auch xvu $7 
RvadUdf naide) und steht deshalb in der Senkung; durch poütioD 
verlängert kommt sie in dieser nur noch einmal vor xvn 96$ 
sonst tritt sie in positfon nur unter dem ictus und regel- 
mäfsig folgt eine lange silbe xvn 85. 100. 107; xvrn 30. in 
den vorhergehenden abschnitten dagegen ist lieb ebenso un- 
xweifelhaft von natur lang X'78 und steht deshalb sowol 
ohne ictus (xi 18.34; xv 42. 90; xvi 19. 26; xvn 51) wie mit 
ictus, hat aber im feisteren falle gewöhnlich zwei kOrsen 
nach sich (x 78. 84; xv 8. 17; xiv 65; wn .)9), seltener eine 
länge (xi 30; xv 18.46; xvn 10). man sieht, es handelt sich 
nicht um eine regel mit gelegentlichen ausnahmen, sondern um 
zwei verschiedene regeln , deren jede ihren bestimmt ahgegrflnsten 
bereicb bat, um einen an bestimmter stelle eintretenden Umschlag 
der quantitütsempfindung bezüglich der silbe fieb, 

3) <]i<'ser Umschlag tritt genau da ein, wo die ganze haltung 
des gedichtes sich ändert (Schmeliers ausg. 217). beiden er- 
scheinungen wird mithin eine gemeinsame Ursache zu gründe 
liegen, wir treten aus dem roman ins epos, das sich durch 
seinen apparat von vorausdeutenden träumen, zweiten, königs- 



Digitized by Google 



DIE LÜCKL.N IM RüODLlEB 



17 



löclitern auf den fisleii Itliik kiiintiich macht, \Mi verlaii>cliea 
die Sphäre des tägiichen lebeas mit dem sloff- und anschauungs- 
gebiet der beldeiisage, wir Ternebmen die oamen der handelodeo 
penoneD« während steh bisher alles in der anoDymiUit des 
mffrcbens bewegte, wir erhalten in dem (räum der mutier ein 
neues Programm statt dps im lehrencatalog aufgestellteu allen, 
dies letzlere war nur in bezug auf die drei ersten lehren durch- 
gebohrt worden und bliekte im weiteren verlauf blofs noch aus 
einielDeD zflgeo und moti?en hervor, und dies äufg^^en des 
alten zu gnnsten des neuen spiegelt sich zugleidi darin, dass 
noch innerhalb der realistijichen partie die anonyniit;ll des haupt- 
helden bei schicklicber *i»'ipfrenheil fallen gelassen wird, der 
neue plan, lediglicli als solcher, kann aber unmöglich eine ver- 
ftndert^ proeodie des namens naeh sich ziehen, sie kann nur aus 
einem fertig Toriiegenden anderen gedieht stammen, solange der 
dichter aus diesem gemutmafsten werke tn das seine nichts weiter 
herflbernahm als den namen Bvodlieh, folgte er in dessen ])ro- 
sodischer beiiandlung seinem eigenen Sprachgefühl; sobald er in 
das werk selbst eintritt, nimmt er die prosodie wie er sie hier 
findet: er entlehnt nicht mehr blofs den namen, sondern die 
▼erse, an denen er nach bedarf da und dort andern mag, die 
aber seine vorläge sind, er wird aus einem dichter zum ab- 
sciirriher und liört mit abschreiben auf, sobald er meint nun 
dem älteren dichter einlach das worl lassen zu sollen. 

Diese ganze zwiscbenerörterung wäre vielleicht entbehrlich, 
hatte nicht der neue herausgeber gegen die von mir vorge- 
sehhgene anordnung der fragmente und meine annähme eines 
Ruodliebus (wie icli nach aualogie von WalLiiarius uni zum unter- 
schied von unserem gedieht sage) Zs. 27, 332 ff einen angriff ge- 
richtet, der freilich nicht viel mehr als seinen wünsch beweist, 
die von ihm gewählte reihenfolge zu retten, er betont seine 
Ohereinstimmung mit Schmeller, dessen zflblung er ntebt einmal 
seiner eigenen ausgäbe bcigefüfri lial, uiiil dessen auiscruui: , dass 
er gerade bei den letzten 14 blaiteru es sich am wenigsten habe 
zu danke machen künnen (Schmeller 202), jener Übereinstimmung 
Didit sonderlich zur empfeblung gereicht, er spricht gerne 
davon, dass ich dies oder jenes soll versehen, allenfalls auch 
BAchtrflglich erkannt, gleichwol aber nicht geändert haben, er 
weifs , worin mein *fehler besteht', redet von einem auf sand ge- 
Z. F. D. A. XXIX. N. F. XVJI. 2 



Digitized by Gu 



19 DIE LOCKEN W RUODLIBB 



grOndeten haus, eiaem pbantom udgL die paläographiscfae tat- 
sacbe, <lass v 223 der n uiie HuoiilieO uoccbt ist, bezweifelt er 
UDler berufuog aui seiu gedächtnis. die zweite tatsache, das» 
dieser name erst io der letzten bäUle des gedicbtes gebraucht 
wird, gncht er aus flsthetiscbeii grOndeo zu erkUtreo; wie, lese 
man s. 335 ff nach, gegen die dritte tatsacbe, dass die prosodie 
des Wortes im sclilussabschnitt piiHzlich eine andere wird, glaubt 
er Huizukommen durch deu biuweis aui die ^'elegeullicbe Ver- 
wendung der ersten silbe in monediula als länge, die vierte tat- 
sache aber, daae das anttrelen der neuen proeodie xuaammenAiilt 
mit der neuen haltung des gedicbts, verschweigt er. dass (Iber- 
haupt alle vier aufs engste zusammeDgehören , dass auf ihrem 
ineinandergreifen ihre beweiskraft wesentlicb miilicrubt, dieser 
fünften tatsache cutzieht er sich , indem er bald hier bald da einen 
8t9^ aus dem bundel nimmt und einseln abzutun sucht. 

kh hatte aus jenen tatsachen gefolgert, es seien iwei he- 
standteüe su sondern, und glaubte den zweiten derselben he* 
stimmen zu dürfen als bruchstück euit^ alten liuudliebus, in- 
dem ich fragte^ aus welchen griindeu und in welchei* wei^e dte 
Verknüpfung beider teile vorgenommen worden sei, ergaben sieb 
notwendige coroUariea, aber keine neue hjpothese. auf grund 
der tatsache endlich « dass in einem einzigen fragment der held 
erst miles, dann HnodHeb heifst, alle übrigen aber ihn ent- 
weder appellaliv oder uauientnch bezeichnen, uüieruiiliru ich 
eSf jenes eine fragment als brücke zwischen die appelhcreude 
uqd die nom^ndatorische gruppe zu stellen , und fand dass sich 
diese nei^dnung nicht nur mit jener hypothese vertrug, sondern 
auch den gang der handlung vereinfachte, wieso nun das eine 
*hypoll)ese von sirh ausschlielsenden mifcs- uud Rnodlieb-ah- 
schuitien' heifsen kauü (aao. 33b), ist mir unklar, noch unbe- 
greiflicher aber dass das meine * erste' bypotbcse sein soU, an 
welche eine andere sich ^lehne'. 

Die annähme eines aweiten hestandteils hatte sich gestotxt 
auf die einflihrung heroischer naroen, auf die neue prosodie der 
silbe lieb, auf die veränderte hallung des gedichls uüJ einige 
minder erhebliche gründe (Anz. ix 71. 72). während nun mit 
dep letateren die entgegnung sich ausführlich beschäftigt, lässt 
sie, mit einer einsigen ausnähme, jene ^gewichtigen* unberührt, 
etwas mehr vpllsUUidigkeit in der aufsfthluug der von mir *vqr- 



uiyiiiz-üd by 



DIB LOCK£N IM ftüOBLlBB I» 



gtfabrCCD' beweise bSIteii die leeer sehwerlich Abel genomaiM. 
aoch etwas mehr vorsieht im «ichrduch grofser worte wjfre viel- 
leicht zweckmärsig gewesen, wer bei gelegeuheil des von luir 
^rgefubrteD' verses xtiu 5 80 savenichliicb eeio 'letzteres i$i 
euMi nicbt riehtig' wm betlen giht» der nttele eeioe keontol» 
des rekngebraudis aadei« docmneiiiimD als dureb die den bei- 
gebrachten belege geschieht, ein vers, der ein cilal eiithäU, 
kann doch wol nicht t^iaaiiich in auschla^ kouiiiieii,^ damit ftillt 
also 1x48 fort; die drei anderen Iteigebrachteo steilea aber sind 
völlig UDtaufUcb su dem beweuie, dem sie dieneo BoUen,' und 
tck bleibe dabei da» inu 5 der berknnflL aua etAem andaren 
gedieht aufs dringendste verdächtig sei. ich eeixe sogar nocli 
ZQ einem anderen verse des schlussabschnitles den obelus. eine 
scblagende gegeuproba iiauiiicii auf die nchugkeit der io dier 
ann. 1 dargalegteo beobachtuagen Ober die bebuidiuog dea reim» 
iai die, dasa mil ibrar bilfe a«cb in den aaigabtieb mmleaep 
venen (vgl. die einl. s. 15^) der reim eicb oaobweiaen btaet. 
vrn 50 zerfallt in zwei hallivi rx-, du in sich selbst vucalisch, 
unter einander coQSonantisch reimen, in halbvcrse, deren reim 
aber zugleich an die amaobliefaepdea verse sich aoiebut, zer- 
ndli auch V 551. die aasonanaeo daa awaitau balbvaraea in xi 3 
klingen auch in der eraien hdlfte widar, deren ende «einer- 
seits mit der casur des vorhergehenden versea reimU vi 73 ist 
dir Ergänzung falsch (v^d. dazu Diez Wörlerb,^ 1, 363: saytineu), 
ts muas beiiäcu: ad quac nii nüi lac pasco modicum vmiginam 
(ein wenig miicb» und sckmala; Uber 90 a. Ans. «97), imd der 
reim iai lacrnoai, ingleieh m^Aumi : /oKiM^. in vn 18 reimt m 
hac auf ütat und t da$ dar vorhergehenden verae und auf i$tud, 
daa 5ich gii'iohfalls an jene lehnt, xvn 72 ist me gespalten zwi- 
schen wo (ituj und easil der Umgebung, der ciisurreim vernach- 
laaiigt; zur stütze dient imidona, v 524 assoniert die caaur 
vocaliach mit der vorbergebeadea, umIii conaonanliacb mitoiila; 
aufoerdam aaaonana in a (taia, fiant, mm, foua$). bei xvn 52 
reimt die c^sur mit der vorhergehenden, der scbluss assoniert 

' auch 1x22, gleicllfads niii »•nu/n citat, ist uiirci^thaalsig : u.i<p/r 'qiu 
e.s l in nif'Us* Hs f h's Iis IripUvatLs, die worte qi^i rs sind beiianiielt ais 
stünde ipiirs. so ge&tatiet sicii der gepen den hiatus ubefaus. strenge archi- 
poeta eine ausnähme in dem citat tu autem (JOriium Kl. sehr. 3,4^); vgl. 
WJtfeyer Ludus de anlichri-io g. 135. 
* t. 10111. 1 am sciüuss. 

2* 



Digitized by Gck -^n^ 



20 



DIE LÜCÜLEN IM EUODLlfiB 



mii dem folgenden; hilfereim mdätdmi. tii ild spähet sicfai 
der 8oblo88 oaeh den nmgebenden vemeblaesen bin (wobei n 

auf m reimt wie xv44), zugleich findet vocalische verstärkuDg 
siiiu durch perque.'^ hephthenuuieres findet sich an drei stcll^^n. 
Ti 62 reimt die^ cäsur Yocaiiacii niii dem scbluae (veratärkung 
dnrcb emnqm, tmfkm)^ coneonantiscb mit dem vorbergefaendeo 
▼era. it 98 ist die daur reimtoa, der acbluaa durcb iweisObige 
asaonani mit den umschliellMnden versen gebunden, xtii 128 
assüuiert der scbluss mit 127, die cäsur wahrscheinlich mit dem 
verlorenen nächsieo vers; aufserdem bmt:maU, tihi isibi. he- 
denklicbf jedoch durcb sweisilbige aaaonanz an den folgenden 
vers allenfalls deutbar ist xvm21. mit vn IIS dagegen weifii 
ieb gar niebts anzufangen und stelle diesen reimloaen vera neben 
den cäsurlosen xvifi 5 als beleg lüi die abweichende versbehand- 
lung im schtussabschnitt. für sich allein betracbtel iielke sieb 
diese Sonderstellung der zwei verse gegenüber dem im ganteii 
übrigen gedicbt geltenden gebraucb ans der ermftdung de« 
dicbters erklaren, der mitten hn werke stecken blieb; im au- 
samiiit:ühalL mil den anderen gründen erhöht sie die wahrschein- 
lichkeil, dass der anlaug eines verlorenen gedicbtes lu den 
acbluss unserer fragmente bereinragt. 

Wir wenden uns wider zur besprecbung der Itteken. eine 
kleine, von nur 33 versen, trennt die kiracbbaumacene von 
freiem, xi, dessen ei<^^ene starke hlöfsen durch eins der blätter 
aus SFlorian so glilcküch gedeckt werden, dass wir ein ganzes 
gewinnen , dessen verätandiiclikeit weder dureh die eben bezeicb- 
nete Ittcke, noch durcb die zwischen v. 9 nnd 10 fallende von 
31 yersen wesentitcb beeintricbttgt wird, nach dieaem fragment 
aber gelten 102 verse ab, deren baupthihait wol die Vorbereitungen 
für die hochzeit des nelfen biltl«:ieii: das wJthrend seiner ab- 
wesenheit vernachlässigte hauswesen wird iür den einzug der 
jungen frau in stand gesetzt, die förmliche Werbung (falls sie 
nicbt schon vor x angebracht war) erfolgt, es gehen die ein- 
ladungen hinaus zur veridbnisfeier, — all das ohne viel seenisehe 
ausmulung, in schüclitem Iiistorischen Vortrag, wie er noch im 
anfaog von xv zu spüren ist. dass die Verlobung in Huodliebs 
hause, statt in dem des bräutigams, gefeiert wird, hängt wol 
damit zusammen, dass die Schilderung eines neuen iocala ver- 

* 8. anm. 2 am schlow. 



Digitized by Google 



DIE LOCKEN IM BUODUEB 21 



mieden werden sollte, wie sehr der dichter zum abschluss der 
episode (intiigle, ven u sich darin, dass fr von den üblichen 
l'ormaüiateD (vgLAuz. u94) uur dtcjeuiguii orwakot, welche der 
bnat lur «nbringuDg ihrer «oboippiMben redenMurten gelegeobeit 
gebea ; aaeb der lelite vevs des absobsUla ist dafttr cbaracterisiisch. 

Ober die voraussetzniig, die hierbei gemacht ist, dass näm- 
lieh xrv hinter xv gehöre, darf ich auf Aui. ix 77 f verweisen, 
das doppelblatt, auf welchem die beiden fragmeute stehen, ist 
aoe iwei stücken zusammeiigeklebt» mittels eines farUosea Stoffes« 
wie er auch bei aoderen bivtlero (sum «untocbelii eioes loches 
ndgl.) verwendet ist. im lanf der zeit bat sieb die bindnng eine 
strecke weit gelost, sodass der rand des einen Idailes sich auf- 
strauiii und dadurch das umbiegen des audeien nach dieser seile 
herüber bindert, wenn man nicbl die vorsiebt gebraucht, jene 
apsrrong medenudrOcIben.^ wenn ich aao. dnroh eine blefse 
mmekdeiitang auf s.73 anm. etwaige bedenken wegen der falmg 
tm beseitigen glaubte , so habe ich rolcli iLreteuscht. die Zurecht- 
weisung, die mir Zs. 27,337 erteilt wird, fängt mit den wuricn 
an: ^aus s, 16 konnte L. erseiieu dass mir bereits der gedenke 
gekommen war, blatt 25 und 30 umzustellen.' ich habe das in 
der tat ersehen, weiAi mieb jedoch nicht au entsinnen, ob das 
fir mich mitliestimmend war lur vomidinM der nmstellong. im 

* bei di(*«5fr peles^nlipit sei norli einigfs über das äufstre dor frag- 
meiilp ?*»«n^f. pir)j2r<^biiiiil« ii war das ms. Fii»'mn!<? . nicht fiiimal in der b(*i 
Wallenbach Schrillw.* iJäi aoio. 2 angedcuti if^ri weise, denn w^nn auch 
die nadeUtiche ;ini bug der doppelbliitter mnerbalb der einzeliun la-en 
meistens auf eiaander passen (wob*»i jedoch keine laire zur anderen stimmt, 
an durchlaufende rörl.pnsrlHjuie also nicht zu deniien ist), SO machen die 
laiT^ n F iind J eine ausnalime. die doppeiblätter 19. '24 und 20. 23 htimmen 
Wül uuler sich, durchaus nicht aber zu 21. 22; eh^^ri^o wi mg 3!. :\\ zu 
32. 33. die vorderen lagen künut«n wol vom dicht« r geheltct ^( in ; bti 
d^n späteren hätte er es dann unterlassen, und die stiebe wurden von 
eirjem fri'iheren v«'rl»and herrühren, aus dem er sie lu&te. oder aber liefs 
er die lagen unt:> lii liet und eine spätere hand holte es nach, wobei einzelne 
blaUer an die falsche Btelie gerieim irinf! iln ti \s\'re h iikl>ar dass die fäden 
zugleii fi durch den bug eines umschlak's lieienj; auch i)ei dieser annähme 
ist nicht ausgm( hlDsst ü dass die Stiche z. t. aus älteren verbanden her- 
rühren. sicfu rli< li nicht der fall ist dies letztere bei bl. 31.34, dem bruch- 
stück <aies in breiten spalten llniierUn fuiiobialles , de»>eü bug nicht zwi- 
schen diesen spalten verläuft, sondern i;) die eine hiueingerückt ist, ohne 
2weifel weil beim ausschneiden ein streilen des inneren randes stehen ge> 
Utten ward. 



Digitlzed by Google 



22 



Dl£ LÜOiEH M MJODLIfiB 



sdüinwMteo f«N hatte ich micli eines fQoAiBg» gegen seiMi 
▼ater MH^omineB , der von naelitrigKcb geneigt tcheiDt, ^niete 

gegttii ilm einzuwenden' (ebenila ;i3S). 

Damit smd wir schon in die erorteruug des kurzen, über- 
ieiteaden bucbes ir eingetreten, verloren ist der anfang von 
Hmtmafslieh 210 venen (— 103—- 312), ttenn folgt bl. 25 oder 
frsgm. inr, das im anfang 3, In der mitte 2 veree eingebifet zu 
haben scheint (—11, 313 — 387), und hieran schliefst sich das 
erste blatt der läge J, im anfang um weni}^e verse verkürzt: 
Iragm. xvi. fiir die iüoke hinter diesem fragment sind Auz. ix 78 
ohngeführ 66 verse angesetst 

Der ganie abschnitt hat .die aufgäbe, den bmcb mit dem 
lehrencatalog zu vollnehen, damit das traumprogramm an di« 
steile trcleu könne fvgl. aao. 9. 89): die inscenierung der lehre 7* 
(v4S4 — 487) dient nur dazu, sie ad absurdum zu lübren. weou 
Riaadlieh ihr folgend sich einfaeh anf den rat der muüer verlielseY 
so würde er das gegenteil einer imilter ee^iio«et6iI^ beimftthren; 
er behält aber die äugen selber offen und kommt hinter die 
saubere geschiclile mit dem dericus. diese entdeckuug muss den 
hauptiuhalt der grofsen iücke von 213 verseu vor fragm. xiv aus« 
gemaübt haben, etwa so: nachdem Ruodlieb die Imchzeit des 
neffen ausgerichtet hat, hält er in der stiUe fOr sich seihst Um- 
schau unter den tOchtern des landes, hei gelegcnheit von be- 
suchen oder durch Vermittlung eines scAiira (vgl. xvii 7; dazu 
Weinhoid lieutsche frauen 352 f); seine hesotjder«' .uifmei ksnmkeit 
erregt das nachher vom iamilieurat ihm empfohlene frdulein. wie 
es ihm gelang, in den besitz der verräterischen toilettestttcke zu 
kommen , dafQr haben wir kaum einen anhält, aus xvn 31 ist 
nur die sndeutung zu entnehmen dass das schSferstUndeben mcht 
in ihrem liause stattfand, war es im w ilde, so könnte liuudiieb 
selbst sie belauscht und durch ein unvoi m( htiges geräusch das 
par verscheucht haben, sodass In der eile der flucht but und 
bänder zurUckblieben. dass auch der kluge hund hiebe! wider 
aufigetreten, wäre nicht unmöglich, die scene wird mit behag- 
licher breite ausgeführt gewesen sein; dass der derttus dem mtles 
bei einer ächöneu den rang ablauft, ist ein naclimats in der 
vagantenpoesie beliebtes tbcma (Chland 3, 41211). die erzählung 
mag bis kurz vor xiv gereicht haben, denn die durch ganz ziv 
und den anfang von zvi sich erstreckende rede der mulior (ftber 



Digitized by Google 



Dl£ LOCKEN IM AUODLlfiB 23 



<!ereii erg9nzuftg s. Am. n 77) scheint uns nahezu in ihrem vollen 

umfang vorzuliegen, nachdem der söhn mit verstellter UQlerwürfig- 
keit (placidissime xvi 19) auf dcu Vorschlag der niutter eingegangen 
bt, kartet er (vgl. xvii 17. 72) mit dem freiwerber ab, wie der 
8Mb vor dem ftHuiein zn benehmen habe, dies, eowie vorher 
der auBgaifg des familienrates und nachher der empfang des 
boten bei dem frflulein^ stand in den 66 versen zwischen xvi 
und xvji. 

Ebenso viel verse sind zwischen xvii uuU xviii ausgefallen* 
iber ihren Inhalt iasst sich nicht mehr sa^n, als dais er von 
Roodliehs auszug auf abenteuer handehe. fibrigens ist sowol 
diese lOcke als diejenigen , welche zwischen den vorderen frag- 

nieiilen iiegeu, mju keinem belang für das verstüuduis des ganzen, 
welches nur da eine fillhing der leeren r^ume erheischt, wo 
dieselbe einen hillsbewei« für die anordnung der hruchstücke 
abzvgebeii vermag, dass ein solcher versuch der nachdichtenden 
Phantasie nicht entraten kann, vvitre blofe dann ein grund zum 
mistrauen, wenn er zugleich einen mangel an behutsamkeit ver- 
riete, ob der vorliegende das rechte geiruifen , w unia sich am 
anschaulichsten zeigeu, wenn wir eine ausgäbe iiesäfseu, die 
seine ergebnisse verwertete, in btteher geteilt, mit durchlaufender, 
andi die iQciken einbeziehender veiszahlung, in den zwischen- 
rfiumeo kurze andeutungen Uber den inhalt des verlorenen; un- 
mittelbar, ohne die knicken einer umständlichen führung des 
vvährscheiülichkeilsheweises, winde der Zusammenhang sich dar- 
legen und die erzähluug verständlich vor unseren äugen dahin- 
schreiten, dafor mag ja noch rat werden; dass die bisherige 
reihenfolge ein völlig verworrenes bild der einschlägigen partie 
gebe, ist auch ohne den verglejcb mit einer anderen anordnung 
m erkeujien» 

1. Der dichter de» Ruodlieh hat, wo ihm der gewüliuhihe 
reim unbequem lag, zu allerhand hehelfen gegriffen, die zwar 
auf wenige eiulat he grundlinieu sich zurückführen lassen, deren 
manigfaltigkeit jedoch uiclit iii der kürze darzulegen ist. eine 
art der assunauz , die ich g p s p a It e n e u reim iitnnen möchte, 
tritt gleich im beginn des gL'dlcl)le^ auf; i 2 reimeu cäsur und 
scbluss uur vermöge des cousunanieu, vocalisch lehnt sicli jene 
an den vorher gebeudeii , dieser au den fulgeuUeu vers; andere 



i^iy u^Lü L-y Google 



24 



DIE LÜCKEiN IM RÜODLIEB 



Leispiele: i Url ; iii39; iv211; v74. 116. 2üi). 493. 596; vi 100; 
VIII 42. dabei kommen verschiedene modificaliouea vor: i 38. 
56.73.139; v Ku; vh 30.63.85; vm27; ix24; xv74; xvi37; 
XVII 29. 48. \VH werden dieser reimtorm noch in anderer Ver- 
wendung begegnen: hier bildet sie lediglich eine abart des für 
unser gedieht so characteüä tischen keueureiois (vgl. die einl. der 
neuen aiisg. s. 1500« eine stelle wie xvi 57 (itaiüer) streift, 
so fern (b r einsilbige reim die regel bildet, an diejenige be- 
bandluugsart, welche die cäsursilbe nicht mit in den reim ein- 
bezieht, sodass das gewicht desselben nur auf dem versschluss 
ruht; wie in solchem falle dem unreinen reime durch mitreimende 
Wörter luueibaib desselben verses aufgeholfen wird, zeigen die 
beispiele i59; vi 42; xvn 50. solche plänkelreime unierschcideu 
sich vom cäsurreim dadurch, dass sie an keine bestimmte 
stelle des fufscs gebuuden sind (vgl. auch iv !2), selbst 
in dem völlig anders gearteten falle nicht, wenn ein blofser 
halbvers als reim-einheit behandelt ist, ihnen also in kleinerem 
rahmen eine dem ciisurreim analoge bedeutuug zukommt: i 132; 
ivl51; vl85. 194; (ovesihoves; in der zweiten halUe bibien 
adäquat und porcos gespaltenen reim Mif capeUas) ; ähnlich m Ol; 
vii 20 (nr : um; hihit : mistt; zugleich anlebiiuiig an den folgenden 
vers — innm : inae; mistt : ipse); xvn 70 (daneben durch quo an- 
lehnung an den nächsten vers); vni 50 (assoiianz) ; iv 79 (blofs 
zweite hälfte , durch gespaltenen reim zugleich mit 78 und 80 
gebunden); iv 240 (anlehuuii^ an die umschliefsenden verse); 
VIII 27 (der schluss durch gespaltenen reim luil der cii^ur und 
dem vorhergehenden verse {gebunden, daneben am : am, ni : dt, 
pe : ptem). dem lelzleii beispiel ahnlich ist v 58, docli stehen 
die begleitenden reime (mus : mus) auf die beiden vershJilflen 
verteill. allenthalben zeigt sich die cäsur als strenge regel, selbst 
in der oben eliminierten stelle quem per sislema siue diast&na 
dando responsa liefse sich unter annähme einer, freilich sinn- 
widrigen, weiblichen cäsur hinter sine die auffassung verteidigen: 
stue assoniert mit mirabüiter , quem, per, der schluss reimt auf 
sistema und diastema, keine cäsur dagegen hat xviii 5, wol aber 
steht der reim am schluss des dritten fufses; und dass im ganz- 
vers an dieser stelle dieses fufses der reim unerhört sei, dieser 
satz (und einen anderen habe ich Anz. rx71 nicht aufgestellt) 
ist durch keine abläugnuDg umzustofsen, aus dem einfachen 
gründe, weil der reim im Tollvere an die cäsur gebonden ist. 
wer jedoch ltt»t hat abzuteilen si me mn oedderis atqueifmanus 
mihi solues, dh. hepbtheroimeres aozunebmen, und zwar weib- 
liche, und zwar widersiunige, und zwar ohne beengung durch 
ein cilat, der könnte zur not mit hilfe der oben gegebenen an- 
deutungen eine reimbindung nachweisen, aber auch dann haben 
wir einen vers, wie er im ganzen gedieht sich sonst nicht findet, 
der iKcbter wollte ihn umgestalten und hatte anfduigea n nm 



Digitized by Google 



die; Lücken im aüooueb 



§e, Temutlich wollte er fortfahrea: dde$llm$, dann ward er 
den hiatDs durch das anstofiieode aifit» iDoe und seilte die seile 
her wie er sie TorTand, ohne sich der vn 5 gebrauchten auskunft 
(vdque für Btpie) so bedienen — auf einen schlecht gebauten 
fers mehr oder weniger kam es nicht an , wenn er darauf m- 
siclilete, den Roodliebus nmiuarheiten« gerade dass jene nahe- 
liegende auskunft (Ibersehen werd» stimmt aufs beste su meiner 
hypothese. 

2. Sonst ist die ▼erstSikung einer bestimmten gattung von 
venen eigen : sie tritt ein bei assonanz ohne anlehnung an den 
for- oder nachstehenden feUf dh. der gemeinsame consonanl 
oder die vocale finden sich noch in anderen wortern desselben 
Verses an der reimstelle (dass die erscheioung auch bei völligem 
reim, als blofser schmuck, nicht selten vorkommt, benimmt der 
beobachtung nichts von ihrer richtigkeit). 1) consonantische 
versturkung: n 30. 95; iv 71; xm 37; xi 17; i? 247; xiii 132 
(anlobnnng an den verlorenen nächsten vers?). 2) vocahsoho 
Torslflrknng (meist mitdeckung durch schliefsende consonanten): 
a) beider vocale: v 544; xvi 7; iv 235; vni 122; xiii 60; ui 25; 
XV 24; VII 104; h) nur des einen vocals: v 535; xvii 64; t 222* 
292; 1x52; xv81 (liier zugleich consonantische anlehnung an 
den folgenden vers). 3) consonantische und vocalische zugleich 
(die vocalische triflt fast ausnahmslos nur einen der beiden Tocale, 
verbindet sich jedoch nicht selten mit der consonantischen za 
völligem reime): ui 8. 32; v235; vi 4- 50; viil09; vuiSS; vd; 
VI 59; VII 91 ; viii 98; xin 102; xviiGl. — statt der Verstärkung 
findet sich hie und da der beireim, dh. innerhalb desselben 
▼ersee steht ein zweites, meist reines, reimpar, das sich zu- 
gleich an den vorhergehenden oder folgenden ?ers anlehnt: v 344; 
xni97; ix 69; vi 90; v 317. eine besondere reihe bilden die 
wenigen Hille, wo gedeckter und ungedeckter vocal assonieren; 
sowol Verstärkung als beireim finden sich, aber der letztere ist 
freier behandelt: v 425; vii 13; viu 121; vi 74. — zweisilbige 
assonanz kann der Verstärkung und des beireims entraten : xvii 85. 
102; VI! 57; v315; ix 29; in 28; auch im kettenreim tritt sie 
ohne weitere stütze auf: xvii 88 reimt are auf atur und apros, — 
in allen anderen fallen , die sich der gewöhnlichen reimregel nicht 
fügen , uini tnan anlehnung an einen benachbarten vers finden, 
sei es durch reim einer versh.llfle , wahrend die andere reimlos 
i«t, sei es durch assonanz, deren volle entfaltuug den gespaltenen 
reim ergibt« 

Mönchen, Mruar 1884. LUDWIG LAISTNER. 



26 DER NO« DER WlfiNEA GENESIS 



DER NOE DER WIENER GENESIS. 

Icbliabe in meiner disseilatioD (Sur Wiener Genesis* Halle, 

Nieme^er in comm., 1883) im Jinschluss au Scherer (Geisll. pocten 
der deutschen kaiserzeit i, Qh i) und UDler berUcksicbliguog voa 
FVogt (Paul-Braunes Beitr. u315fi) die beiden ersten gedichte 
der Wiener Genesis: SchOfifung und sflndenMI (i) und Kain und 
Abel (if) einer nochmaKgen untersuchnng vnlersogen, deren 
resultat die aufstrllungen Scherers nur bestätigte, denn auch 
Roedigers ansieht, (Zs. 18, 263 0), dass für i zwei Verfasser hii- 
zusetzeu seien, deren erster bis 17, 5 (ich citiere nach üoffmaous 
Fundgruben ii), deren zweiter von da bis 23^ 17 das won babea 
solle, auch diese ansieht glaubte ich verwerfen tu mQssen. 

Dagegen habe ich für das dritte gedieht, den Noe, eine 
andere auffassung als Schercr in den QF, wie ich das hier des 
uäheriiu begründen will. 

Am acbhisse meiner dissertation wies ich darauf bin dass 
slllck m — das ist der Noe — nicht als unmittelbare fortselsung 
des zweiten gediehts von ftain und Abel gedacht sein konnte, 
dass es sich nicht in dem sinne an n anschlösse wie ii an i. 
dies hat schon Ttoediger heiiaupiet, indem er aao. s. 2G8 sagt: 
i)ei einer in denselben kreisen entstandenen fortselsung wSre 
das auffallend: erklirlicb ist es bei einer dichlung, <fie anris 
anderem boden erwuchs und gar keine fortsetzung von i und n 
sein sollte/ 

Aber damit isl das Verhältnis von in zu den vorangelienden 
gedtchten keineswegs erschöpft, sondern die sache ist weit com- 
plicierter. 

III zerfällt nämlich deutlich in zwei hfltften, von denen die 
er^e einen an die einsetzung des regenbogcns anknüpfenden, 

bymnenarugcn schhiss zeigt 2b, 14—24, die andere sachlich nul 
schliefst mit der /.etsLOt ung des tuimes, eine ähnliche, an das be- 
bandelte sich anleimende Schlussbetrachtung aber vermissen lUsst« 
Wir wollen die teile mit m* und bezeichnen, m* reicht 
von 27, 6^28, 24, iii^ von da bis zum schluss des Noe 29, 35. 
iti^ zerimit aber wider genau genommen in zwei disparate teile, 
denn während lu* eine in sich geschlossene, einheitliche episode 



Digitized by Google 



DER NOE DER WIENER GENE^ ^ 



darstellt: die siiiüliit, behandelt iii'' zwei gaoz iieterogene stofTe: 
Noes verppottang durch Cham un<i den turmbaa von Babel, 
zwischen beiden befttebt kaio afid«rer zasamieoiiiiig alt ein reis 
duromilognolier. 

Hl* Mt DM träte setiMr kOne atark interfNiliert. 28, 12 
habe« schMi Vogt und Roediger unabhängig von einander aus- 

geschieden, in der tat sind diese ferse, namiMitiich 12** denn 

kife soll W0l auf sagen reiiaea — metrisch so überladen , dass 
M m% reise pma klingen, auch die ungeaohiekte, den xn- 
sammenbang atOrende einfOhning mit weh verrtt die Interpolation. 
endKeh erweckt die bennfilng anf die qnelle in der ersten penon 
hei einem dichter, der nir^jends hervor (iiit und keine spur von 
subjectintflt aufweist , lebbaites bedenken, ich glaube daher data 
m 4ieae vane nnhedingt aasseheiden dttrfen. 

Aber Docb an einer anderen stelle acbetnl mir der uraprang- 
iicfae text erweilert, iok meine 27, 18. einmal sagt v. i *j nichts 
anderes als 27, 17'', dann schtinl v. 1^ m dem ohnehin schon 
Ireien bau der periode vülhg aus der constiuctioo zu fallen, 
denn. wir dürfen wol nicht so coMtraieren, daaa wir in 17^ 
den eati enden und in 27, 18 einen nenen i»eginnen laaaen. dann 
mOate dae fufme in 27, 20 ebkängig ?on ad viuiB hin ar dUom- 
pfteren usw. sein, der satz, in dem ndme sieht, kann aber un- 
niöghch consL'cutiven sinn liabeu. man kann nicht sagen: so 
feet hiefe er die arcbe verklammern und verpicben , dass er von 
allem lebenden hinainntbme oder nehmen konnte je aieben reine, 
je xwei unieine tiere. daa iat keine aaehliebe und logische ver* 
bindnng. was bat daa verklammern der arcbe auch nur ((^j An- 
zahl der tiere zu tun? die genaue angäbe: je sieben reine und 
je zwei unreine liere stempelt den satz notwendig zu einem auf« 
lerdenmgssatse. man masa ibli alao von Ate 27, 14 abhüngen 
laiaeD, wobei dAnn 27» 18 wegiufalleB bat. v. 20 schlösse sieb 
mm aaeblieb gut an v. 16 an, nur erhalten wir eine etwas 
monströse constructiuD ; und hicfs ihn sie an der seile lüulzig 
eilen weit zu naachen. aucii dunkle es ihn genügend« wenn sie 
dreiliig eilen in der hohe hi&tte. ferner (befahl er) sie so zu 
bauen, dana aie nicht xn gründe gienge, und fahieincttnehmen 
von allen lobenden: je aiebtti reine usw. — schon hier haben 
wir vu) 't-r befahl' in klammern zu«;eselzi, um das satzgeftJge 
verständlicher zu macheu. und mau wird sich, eutschiiefsen 



Digitized by Google 



28 



DER N0£ D£R WifiN£R G£N£SIS 



mOsseo auch in den text 27, 17 ein neues Terbam 4m befeUeos 
einzaselzen und etwa lu lesen: er gi^t im, iem er et eticl 

woiiue usw. wir werden noch sehen, wie diese einschiebung 
auch aus anderen gründen erforderlich isl. — jeUi nach he* 
seiii^ng von 27» 18 — denn dieser vers dürfte unter keinen 
umstanden sn reiten sein — wird aueh 27, 19 niclii mekr als 
unnötige tautologie empfunden, sondern scheint als corrigierendes 
asyndeton unter widerholung der conjunction: daz «t vencerden 
ne dorfte, daz si erliäen mähte an dem ihm gehureuüeu platze 
zu stehen. 

Auf eine andere interpolation Icoamen wir nachher su 
sprechen, ist von allen stocken der Genesis . weitaus am 
schlechtesten Oberliefert, denn su diesen interpelationen tcommt 

hinzu die tcxlcsentslellung 27,21, die schon Lacluiidou beseitigt 
hat, das .uuverstäadiiciie unsis 2b, 23, wofür Dieiuer (Genesis und 
Exodus anm. zu 30, 21) merkwürdiger weise unsitk vorschlagt« 
der höchst wahrscheinlich durch Verderbnis auf drei hebunge» 
reduderte vers 28, 9, dann vor allem der sehluss, auf dessen 
unvoUständij^keit zuerst Roediger aulrnerksam gemacht luit, und 
endlich noch eine stelle, über die weiterhin zu sprechen sein wird. 
Aber wir müssen einen standpunct gewinnen für die be-^ 
urteilung von m% wir mOssen snnlchst die differemen sufiBueheD, 
die xwischen ihm und i und u bestehen , und wollen su dem 
zwecke sein Verhältnis zum grundtext etwas eingehender be- 
handeln, dabei machen wir die wahrnehmunjor, dass in der liihel 
selbst mit dem Noe eine breitere manier plal2 greift, alles tat» 
sachliche wird hier mehrere male vorgebradit, motive widerfaolea 
sich, die darstellung bewegt sich in lauter retardationen. der 
Noe setst ein (1 Mos. vi 8) mit der characteristik der hauptflgur: 
Aoe invmü yratiam mram <hmino . Noe vir justus aique per- 
fedus fnü und cap. vn hebt an: myreäere tu — in arcam:te enm 
vidi justum coram nie. im cap* vi kann nicht oft genug getagt 
werden dass die erde verderbt war: v. 11 comqiln etf lärm H 
repUla iniquiitaie, 12 eum ümImmi terrmii ette eom^Hani» 13 repkkt 
est terra iniquüate. dat)ci bewegt sich, wie miu sieht, die Va- 
riation des ausdrucks innerhalb bescbeideuer grUuzen. so wird 
auch von der reue goites vi 6 «rsähit: poenumü eum, fmd ho- 
mmm fuisHt und vi 7 spricht es golt selbst wider aus: pomnUet 
me f€eut€ est. und von der arcbe wird unendlich oft dasselbe 



Digitized by Google 



NOE DER WIENER GENESIS 



29 



widerholi. vi 14 befiehlt gf^tt Noe, die arcbe tu bauen, tiere 

uüii ii'bensmitiel hineinzunehmen (vi 19 IT), vii 1 sagt der herr 
zu Noe: geh hinein in die arche, und wider: nimm von allen 
Üeren — noo Creüicb specialisiert: je siebeo vob den reinen, je 
iwtt fon den nnn^nen. ml beifti es dann: Noe gieng in die 
arebe nnä von den tieren je ein mlnnliehes und weibliches, nun 
bricht die vi 17 und genauer durch die Zeilangabe vn 4 ange- 
kündigte sinlflui itiis VII 10 — 12, und vn 13 heifst es wider: Koe 
gieng io die arche usw. die breite der darstellung zeigt sich 
andi darin, dass das datum niebmiafe nnd inmier sorgfUitig 
angegeben wird: wie alt Noe beim ansbmcbe der Out war, wie 
alt bei ihrem ende , wie lange Noe noch in der arche blieb nach 
aufhureu des re'^en*^ , wann die wasser anfiengeii sich zu ver- 
lauien, wann die erde wider trocken war, und so lorL 

Man braucht nun nicht ein dichter von so ausgesprochen 
kttnender manier zu sein, wie es der von allem tatsScblicben 
aus der bibel gegenffber ist, um zu erkennen dass diese breite 
drr darstellung für eine poetische behandlunj? welcher .iit mch 
immer unbrauchbar sei« es wäre also noch keine gegenüber der 
steihing TOD t und n zur biblischen qnelle erheblich in betracbt 
kommende differenz, wenn unser dichter nur diese auswUcbse 
▼ermiede, weder tu dem dichter tou i noch in dem von n wQrde 
diese iiiauier der bibel einen wiüigeo und unbedingten nachahmer 
gründen haben. 

Aber gleich von vorn herein fllllt auf dass der dichter die 
namen der stffane Noes nicht angibt, wiewol es doch 1 Mos. vi 10 
heiftt: ^ernuit tres filios Sm, Cham €t Jofümt und wiewol der 
dichter das f^6e was ein guot man eben noch deiu liiblischen 
Nüe vir jttstus atqiie perfectus /tat wörtiicli nachdichtete, was 
dann der herr zu Noe sagt vi 13: finis universae camis venit 
ccram me usw. wird von unserem dichter in erzählong umgesetzt 
und kurz abgetan mit den Worten: dem ehhgetB er dei hit, dei 
dfrr tedreu in der werlte breit, die Verderbnis der well wird also 
nur tiüchtig in einem nebensatz gestreift, während sie dueh aus- 
fnbrlich hätte behandelt werden müssen, wenn der dichter darauf 
ausgienge, die vorginge der bibel um ihrer selbst willen dar- 
sostellen. denn das darf man nicht geltend machen , dass der 
dichter vun der ausführlichen behandlung deshalb abstand nehmen 
durlte, weil eben am ende von ii (26, 46 — 27, 4) eingebend von 



Digitized by Google 



30 



D£a ^iO£ D£ft WlfiNBP ^£SiS 



dtir saiuUiaftigkeit der weit die rede war. m eeUt j« ii iiiciii fort 
uod kaOpd auch nicht daran an , win wir «pater eehen werden. 

Es folgt dann der hefehl gottes an Noe, die arcbe zu bauen. 
27, Ii ff geht zurück auf 1 Mos. vi 15 — lije toiii} der direcle« 
rede wird mugeaeUt durch hiez — , ily 20 aber uicbl mehr auf 

VI 19 ff, sondern schon auf tu 2, wo der hefebl gottes tther die 
in die arche aufzunehmenden tiere noch euunal n|it bestanmterEn 
angaben widerheit wird, dass nun aber dieser befebl von Noe 
auch wurklich austjeführt wird, wie es 1 Mos. m 22 heilst: /tat 
igüur Noe omnia, quae jpraeceperat iiU Dem — das sagt uuser 
diobtef nicht, er geht vielmehr gläch lur inneren einrichtung der 
arche Ober, wobei er nicht mehr sagt, wie.(|ie anisehen aoll^, 
sondern unter aufgäbe der form des gebotes tatsächliche schü- 

«lerung gibt: er erzülill dass Noe süller errichtete uail wie die 
meusclieo iiod tiere in ihre beiiutzuog ^tch teilten, und durch 
diese aogabe erlabreu wir zugleich dass Noe auch würklich die 
arcbe besog, wahrend die bibel hier wider ausdrücklich sagt: 
Tti 18 M^rsinis ett iVee — in «rann, darauf folgt die höchst 
primitive und auf die einfachsten elemente einer Schilderung redu- 
eierte darstellung der sinlflnt, bei welcher an die arche trotz 

VII 17 eUmveruHt wrcam in sublime a terra und 18 porro arca 
fertbalur mper aqua» gar nicht erinnert wird. 27|.30* wird daa 
verschwinden der wasaer berichtel^ aber nur einalg die talsache 
verseicbnet. dass gott der flut einlialt gebietet, Noes gedenkend 
und bcines gefolges , davon sagt der ilichter nichts, und 27, 30** 
erledigt das allniähhche zurückweichen der wasser in drei wortco. 
der dichter macht auch nicht den geringsten versuch einer achil- 
derong, obgleich die hibel vm 2-— 5 nateriai genug dafar bietet. 
noch eclatanter aeigt sich seine akiizenhafte, auf jede ausraalung 
verzichtende manier in den folgenden verseu 27, 32 — 35. dass 
der dichter von der ausseudung uur eines raben und eiuer taube 
Sftricht, wahrend die bihel die Steigerung aui die spitze treibt, 
und Noe drei tauben ausschicken lUss^ darauf soll kein besonderes 
gewicht gelegt werden, aber dass er in einer anderen betiehang 
der bibel nicht folgt, unterscheidet ihn wesentlich, namentlich 
von dem dichter von i. Scherer liaL Geistl. poeten i 13 darauf 
hingewiesen und ich habe das s. 9 f meiner disserlaLioa weiter . 
ausgeführt, wie der autor von i durch Zerlegung von gesanunt«- 
begriffen in elnzelanschauung allgemeine Vorstellungen in einzelne 



Digitized by Google 



i>£R N0£ Dfift mwm Qmum 



31 



geonbildliche KeoeD aafirolltaett bestrebt isU und sein getreuer 
scbüler uod nacbtreter, der diehter von u tut es ihm gleich, 
wetiu er 24, 27 tl in ähnlicher methotic btatt ailgemeiuer begrifTe 
bilder aus dem läodiicbeo leben bietet, wir ddrfen daraus schlieisen * 
dm bekle dicbtcr die eigeiart der biblacbea dafBteiljuog ip nu 6 
oder 9 nieltt Wittig ignoriert hltten, via es docb uiiBer wlaseer 
tvt die biblisclie darsteUvog wdrla hier auch dareb lerleguiig. 
fiui tiaodeit es sich nicht um die poetische uTkörperung all- 
gemeiner Vorstellungen, souderu um die vetatischauiitihuu^ üaer 
sitnation. ee wird eäoe bauptbandlung in die cinieUiee Deben* 
baadluogea anl^olOat Qiid durcb die aorgfiUiige angäbe dieaer 
eine miaültelbarkeit der aoacbauuag erreicht, dasa der Vorgang 
wie di rect vor unser güi&tigcj5 aiigu gerilckl erscheint, die bibel 
sagt nicht eiuiach: Noe sendet den raben aus, sondern: Noe 
Ofliaei das fenster und sendet den raben aus vm 0 und noch 
cbaraeleriaiiactor yui 9 beioi hiAeinboleo der taube: Noe strecbte 
die band aoa, ergriff die taube und uabun sie in die. arcbe« 
diese einfache und doch so wOrksame art der versinnlichung 
findet bei uAäercui dichter kewM nacbahmung, nie 27i 32 und 
32 leliren. 

Und wie nach der darateliuog UAserea dicbters die wasaer 
adtwanden ohoe gottee zutun, so verUsat auch 27» 36 Noe auf 
eigene fausl die arche, wahrend die bibel gott zu Noe sagen Ulsst: 

egredere de arca vui 10 und daun in ihrer art viu lg meldet; 
tgressm est Noe, 

27, 37 speciflisiert der dichter zum eraien und einzigen 
OMle: er spricht nicht» wie man erwartet, fcunweg von tieren, 
sondern nach dem vorgange der bibel vtu 17 von tkr nnde wurme, 
fihe jijüch ge/uyele. aber die zusammeüslclluug verial sich als 
fonuelhaft vgjL in i 13, U tier, i3t 17 wurtn und. 1^, 37 fihe 
jmch fogele. 

Ilaaa die darstellong sich nun ferwinrt und. der dichter 27, 38 
Noe sagen lasst, was in der bibel gott spricht, hat Scherer er- 
wähnt, es ist gewis denkbar dass, wie Scherer annimmt, dieses 
energische kürzen -tu einer derarligen Verwirrung lüliren kann, 
aber ich weifs nicht, ob wir bei der durch uud durch zerrütteten 
Uberiiefening des ganzen Stückes nicht, besser verderbtheit der 
stelle anneboien. wir kommiBO spjuer ufcl^ darauf zurück. 

27, 39 f whrd daa opfer Noes wider auf die einfachste, weise 



Digitized by Google 



32 



D£a mE D£R WIENER GENESIS 



enäblt. von der erbaaung des allen« toii dem opfern des viehee 
und gcflügels (vni 20) ist nicht die rede, die TertieirsQngen 

gottes, die sich an das wolgefallen knüpften, das der Iierr au 
'dem Opfer findet, werden in den allgemeinsten zUgen nidergegeben 
(28, 1). von dem gedaaken, der gott zur milde und versOhn- 
liciilieit stimnit, daes das mensehliche hen ?on jogeiid auf zom 
bOsen geneigt sei, nimmt der dichter keine notiz. der segen, 
den gott Uber Noe und seine nachkommen ausspricht, wird 28, 2 
mit Einern verse abgetan, von der berschaft, die gott den ge- 
retteten innerhalb der schöpf ung einräumt, wird nichts berichtet, 
der ausdruck in der bibel schliefst sich hier eng an das an, was 
XU anfang 1 Mos* 1 26 von der Stellung des menschen gegenüber 
der tierweli in der schöpfting gesagt ist: man sehe, was der 
erste dichter 13, 5 und 15, 42 If daraus gemacht hat, dis9. s. 10 f. 

Dieses zusammenziehen dauert auch für die lol^^tuden redea 
gottes fort IX 3 ff. nur das gebnt: mord solle durch tod ver- 
golten werden, wird herausgegriffen 28,3 — 5, aber so ungeschickt 
angebracht, dass die verse sehr stark den verdacht der unecht- 
heit erregen, schon Scherer bemerkt s. 21 f dass jede Vermitt- 
lung lehlc, da das, woran das gebot in der biliel sk !i auschhelst, 
übergangen ist. aber er meint dass der dichter vermutUch einer 
rauflustigen bevolkerung gegenober gestanden habe und deshalb das 
gebot nicht habe übergehen wollen, das scheint mir indes wenig 
zu dem character des stflckes zu stimmen, in welehem die moralisie- 
rende tendenz erst am schluss iiud tiii ver^'leich zu ii zb. mit ver- 
hältnismäfsig nicht geringer Zurückhaltung durchbricht ferner 
und vor allem wird wol jeder an dem ungelenken ausdrnck in den 
Versen anstors nehmen: da% er die leise llden miios«, 
ander wixe n$ wäre doM er'dttt edbe mn ose Uden. ich glaube 
dass wir es auch hier rnit einer interpolation zu tim haben und 
zwar mit einer sehr plumpen, deutlich, allzu deutlich verrät 
sie die tendenz, den grundtext in grOfserem mafse zu worte 
kommen zu lassen, als es durch den ursprünglichen dichter ge- 
schehen ist 

Auch die folgenden verse 28. 6f, welche die einselzuno; des 
regenbogens behandein , fassen energisch zusammen, was in der 
bibel 1x9 — 18 ausgeÜQhrt wird, der begriff des lebenden wird 
widerum nicht wie n 19 specaalisiert, sondern allgemein und 
ungenau' durch mandiume widergegeben. 



Digitized by Google 



DER MOE DER WIENER GENESIS 33 



Bis dahin, bis 28, 11 stout aich die darsteUufig auf den 
grandtexl. es folgt dann — selbatverattodUGb unabhängig von 

der biblischen vorläge — <iic deutuug der färben des regen- 
bogens aul das blut und nasser^ das Christus aus der seile floss» 
und die beziebuiig auf das messopüer, deaaen symbole wasser 
und wein a«f dem aiiare xum blute werden, mift den wir die 
taitCe widergewinnen, die wir durch nnaere Sünden so oft ver* 
Heren. i die thränen der reue geben sie uns wider dadurch, dass 
sie das hivllenfeuer erlöschen. ... 

Dieser scbluss erinnert einiger mafseo an den von u beide 
dicäter benutzen das Torbildliche des alten testamentes gerade 
«Ol eoUvss. beide weisen auf Christus am kreuz, und der baupt«- 
gedanke in der grofsen paraenetiseben episode von i 30, 27 ff: 
dass der durch die laiiie von seinen Sünden i^ereiui^'te inensch 
bich durch seine sUudiiaftigkeit btilccla, kiiugl hter nach, sogar 
der dort mit Vorliebe gebrauchte ausdruck bewellan kehri wider* 
doch ist in i der scbluss pointierter. Adams fali — von dem 
düe ganse zweite reimleetion bandelte hat onermesslichen 
schaden über die menschheit gebracht. dut*ch die leiden Cfarieti 
an dem holze aber, an dem der teufe! den menschen verfuhiie, 
wird die^r wider aus seiner gewalt gerettet, so konnte der 
dichter mit einem versöhnenden ausblick schliefiaen. 

In unserem stttcke weist auch der scbluss «uf den anfang 
aarlick. denn das ganze setzt ein (27, 8) mit der sQndhaftigkeit 
der well und 28, 22 kommt wider daraui zurück, aber hier be- 
gegnet $ich doch nur ein gedanke im grofsen und eine so deut- 
liche Verknüpfung des bebandeilen gegenständes mit späteren neu- 
teslamentlichen ereignissen, wie sie das spielen mit dem worte 
höh bietet, fehh. jedoch muss man festhalten dass der scbluss 
nns nicht ganz erhalten ist: mit 28, 24 kann das stück nicht 
enden, und auch wenn wir iu 28, 24, wo nur eine halbzeile 
Torliegt vgl. Roediger aao. s. 269, den iangvers berslellen — 
herr prof. Scherer ergänzt sehr glücklich: tnids ittw die sunde 
e6e toasftsttf vgl» Wackernagel Predigten ma 71 — , erhalten 
wir kaum den scbluss des ganzen, jedesfalls fehlt innerhalb der 
leUten verse noch etwas, wie wir sehen werden. 

Ich habe das verhälluia von m' zur bibli>clien vorläge bis 
ins einzelne vorgeführt, weil wir aus ihm am besten die von i 
* vgl. MSD* xiKiv 22 and ann« 
Z. F. D. A. XXIX. N. F. XVIL 3 



Digitized by 



34 



DER N0£ DER WIENER GENESIS 



und n total vencbiedeDa manier des dichten eitenneB. wir 
baben seboD wflhrend der TergieicbuDg auf untencbiede io der 

behandluDg aufmerksam gemacht und yerweiaen noch auf Scherer, 
der s. 21 sehr .^chön zeigt, wie die dichter von i und ii sich 
ganz anders als uoser autor bei der darsteliuug der sintQut ver- 
halten haben würden ^ wie sie an gewissen moliren der bibliachea 
vorläge« die unser dichter ignoriert, nicht achtlos vorobergegangen 
sein konnten, die dilferenzen sind zu deutlich als dass es noch 
Linderer aushihrung bedarf, walirend an i gerade der lebendige 
auleil des diclilers am Stoffe zu rilhmen war, documenlierl sich 
in diesem stücke in der behandlung der biblischen überliefening 
eine an Starrheit grflnzende anteillosigkeit des autors. wahrend 
der dichter Yon i sich in die seelen seiner gestalten hineindenki 
und ihre gefühle darzulegen bestrebt ist, wahrend er sogar an 
die eoiplinduDgen des pubiicums, das er andauernd im auge 
hat, appelliert, weifs unser autor seinem Stoffe weder psycho- 
logisches interesse abzugewinnen noch beabsichtigt er in der 
widergabe des biblischen stofifes auf die gemütliche seiie seiner 
horer zu worken. in seinem stile scheint tiberhaupt kein räum 
zu sein für das persönliche. Uberall wUrkeu die latsachen nur 
durch sich selbst, nicht nur tut der dichter nichts aus pisjenem 
hinzu y um die handiungen auf innere Vorgänge zurückzuführen, 
sondern da, wo dergrundtext ihm den weg dazu weist, schlagt 
er ihn nicht ein. das Verhältnis gottes zu Noe und zur mensch* 
heit überhaupt ist bei ihm lange kein so inniges, wie es die 
biblische darstellung voi [iusselzt. er streift es nur am aniang 
und am schluss. während endlich i uad ii in der poetischen 
ausmalung von zuständen ihr bestes zeigen, beobachten wur an 
in* hierin ein völliges Unvermögen. 

Indessen: das bild, das wur bisher von unserem dichter entr 
werfen haben, gewannen wir aus dem verhJtltnis vuu m' zu der 
biblischen quelle und konnte deingomals uur die Verarbeitung 
des biblischen stoCTes berücksichtigt werden, es scheint nun fast, 
als ob die an die einsetzung des regenbogens anknüpfenden , vom 
biblischen texte unabhängigen schlussverse 28, 14 ff das bild lügen 
strafen, der autor zeigt sich von einer neuen seite. die spräche 
wird bewegter und nuiitut etwas von schwuog an. die \mi1( r- 
holuug des pronomens in 28, 14 — 15 daz — daz — daz zeigt rhe- 
torische liUrbung. und wenn wir in den vorhergehenden versen 



D£R NOE DER WIENER GENESIS 



35 



«ne abweDduDg Ton «llem gefohhoUeD und wmehea bediaditeteD, 
«o bescbwOrl hier derdiehter das bild des am kraoie leidendeii 

eriOsers heraui uud verschmäht selbst du' tlnanen der Führung 
nicht 28, 23. woher dieser Umschlag? wie kommt es dass der 
starre, objective ton verlasaea and ein weicher getühlslon an- 
gesehJagen wird? wie kommt es dasa der dichter, der eben noch 
kalt imd teOnahmalos erschian, dem der unlergang der weit nicht 
einen laut des Schmerzes entlockte, wie kommt es dass er weiche 
re^riin^en der seele kund gibt, die ein religiös gestimmtes herz 
Terralen? olEenbar ist iür den dichter der historische teil — 
wenn ich so eagen darf — der mehr nebensächliche, er gibt 
nur daa gertlat ab. der dichter bannist ihn nur ab vorgeachichte, 
eis eine art einleitung und legt den banf»taeeent auf die schlusa- 
lietrachtung, m Jer er von der sintflut weg sich erhebt h\s zur 
erschemuug Christi und zur gegenwart. daher die flüchtige he- 
handlung der biblischen geschichte, daher der ¥ef»cht, ihre so 
dankbaren motive auMunuteen. damit aber erweist sich m* als 
fmdanrnntal Terschieden von i nnd n. bei diesen war immer 
noch die biblische geschichte die hauptsache. sie galt es vor 
allen üiugeu darzustellen, im sinne des predigers zu commen- 
tieren und betrachtungeu niorahscher art daran zu knüpfen, und 
wenn dabei die liibhsche vorläge nur wenig berücksichtigt, 
weil die mittelalterticbe trsdicion die schUpfungsgeschichte sich 
anders dachte als sie der biblische grundteit znr darstellung 
bringt, so geschieht den nuzclnen vorrätigen dabei nirgends 
abbruch. sie stehen immer im mittelpunct. und wenn bei u 
gegen das ende diese aufgäbe zurücktritt» so geschieht es, weil 
der aotor gerade dem ihm vorliegenden atoffe niehl gans ge» 
wachsen vrar und weil er gewissen Nebensächlichen aOgen des- 
selben, die sdoem talente mehr zusagten als das eigentliche 
gruudtheüia, einen zu breileu räum gönnt. keiües\vri,s aher ist 
bei ihnen der biblische Stoff nur als rahmen benutzt wie hei 
nnserem autor. aus diesem fundamentalen unterschiede mochte 
sich non auch ergeben dass m' uisprOnglich i und n nicht fort- 
setste, da es eben ein litterarisohes product gans anderer art ist. 
vir (liliJeii kauai anneliineu dass ein fortselzer die den ersten 
gedichten zu gründe liegende idee so verkannt haben kOune uud 
dürfen demnach schüelsen dass der dichter, wenn er auch viel- 
leicht aus I — einflnss von n ist niigends deutlich die an- * 

3* 



Digitized by Google 



36 



D£R mE D£R Wl£N£a GENESIS 



regang ra seiMB werke em^leftg, dadi niebt beabiktitigl habe, 
mit eeuem fredm eio dieseo beiden homekifet gedieht wm 

eebafTeo, das sie fortzuetien geeignet sei. 

Aber wir gewinnen aus dem verbailuisse Ton iir zum gruud- 
lext mehr ald die Uberxeugttugt dasa lu* yoo einem andereo dichter 
▼erfawt sei als fon einem detjenlgan, die i und u gedioblet 
haben, wir gewinnen anch die einsichi, daae M^Mä nicht mehr 
derselbe anter fordahre, der eben in m* in nns gesprochen hat. 
ein blick auf das Verhältnis von iii'' zum grundtexl lehrt das. 
sciion Vogl bemerkt s. 298 ^dass der dichter bei der weniger 
wichtigen eraftbinng von Noe und spinen sOboeo ausführlicher 
.ist (als er ea in der widergahe der ainlAut nlbnlieh war) nnd 
daaa es hier nicht an eigenen antaten fehle', ohne die eonaei|tteni 
zu ziehen, die unserer ansieht nach daraus gezogen werden muss. 
denn wir haben es nicht mit der iauuenlialtigkeit eme^ und des- 
selben dichiers zu tun, der bald mehr bald weniger der über- 
hefemng folgt, aendern eine genanere hetnehHuig lehrt daaa m 
Ol von verschiedanen ver&aaern herrifarande atOoke anaaaunea«* 
geschweilbt sind. 

Gletdi iu der episode von Cham ist die darsielluüg gegen- 
über derjenigen der quelle nicht mehr kurz und Üüchtig , öundei'o 
die molive der biblisohen vorläge werden auagenntat, ergüitt, 
um nene veraaehrC naeh dem grandtext aiehl Cham aeinen valar 
enlbloist liegen nnd meldet das aetneo brfldera (ix 23). naeh 
der darstellung unseres dichters sieht er ihn, will ihu nicht 
decken und geht spoitende weg vgl. 28, 28 — 29. ja der dichter 
begnttgi sich nicht einmal mit der blofsen angäbe spottmdg, 
eondem fügt noch die geate dea apettea hincu: ahie kmuk tkmg 
er JMMm^ (vgL ttbrigens Aolandalied ed. Grimm 13, 1 »mm- 
wtkie 9k»0g er die hende), und von den brüdern Sem und Japhet 
erwähnt er austlnlcklich dass sie vom spotte sich kiii hielten, 
wflhreud hier die iiibei uichls weiter sagt als: ^mn et Japhet 
paUum tmpai M ar m tf naw. daa bedecken Nees wird dann der 
•hibel genau naohenahltmit derselben klarhält und auamhiüehkelt, 
.derselbe« angäbe der einiehOge — sie warfen die deeke nber 
die achseln « pa//nim mposuentnt Immeiis mis, gieugeu rück- 
lings auf Noe au « incedeiUes retrorsum und deckten ihn mit 
djBm mantej aperuenmi usw. (vgL dagegen oben daa verhalten 
# von ni* bei der acbiidemng der auaaendong der tiere aua der 



Digitized by Google 



NR NOE DER WIENER GENESIS ^7 

w 

arche s. 31). uwr fügt der dichter noch aus eigeueru zu. er 
lässt die beiden, Dacbdem sie deji vater bedeckt babea, davoa 
eüiMi, wo?OD die bibel nicbts sagt. 

Wie er 28» 40 fortilKbri: Dö NöS erwaehu^ und oii r«Al^ 
«reieile« leigt er dieselbe pietflt gegen die quelle » iodeni er der 
litibel die mr TemiBebaiiliebeBde zwieebenhendliuig rnngärnu ge- 
treulieb uacbdicbtet: vgl. 1x24 evt^ilium uuiem i\oe cum dt- 

dicmet. 

Der fluoh iNoes, der im grundtexi io directer rede wider* 
fegeben ist, wird bei uneerem dichter in bandiung ttogeseUl 
38, 42 f, die mit indireOer rede abweobeelt 29, 2 f. 

Was sieh ao den fluch aoscbtiefat, dersegen, den Noe deu 
amieren söIiuld erteilt, und die eiDricbtuug der siaude hält sich 
wol an den grundlexl ix 25, geht aber doch Uber ihn hinaus, 
wiehlig für uns ist daas der dichter nicht unterUlast, die warfcung 
die» segees aussttaalett: gürien, bäume nehmen teil an der weihe, 
fose und rinder und viel anderes vieh werden sehr fruchtbar, 
was der dichter ^ihl, ist nicht ^'cia<le, viel uud erhebt sich uicitl 
Ober eine gewisse trociieiie torinelhafti^keit , aber gegen ni* ge- 
halten, das nirgends sinn für detail zeigt, bedeutet das etwa» 
und hedenlet um so mehr» als der versuch der auamalung ohne 
anreguug und gans unahhiingig von der hibel unternommen ist. 

Und was nun folgt, der ausfall gegen den nitspoUäre 29, 141, 
scheint uur mit der inanier von ni" ^anz unvereinbar, eine solche 
aus dem erzählten Vorgänge gezogene specielie nutzanwendung 
sieht in schroffem gegensatse zu der an» wie der dichter von 
sieh am schlusae seiner erctthlung mit hilfe der deutungs* 
melhode tu allgemeinen betracbtungen aufschwingt. 

Die angäbe des alters von iNoe ix 2Sf fehlt in unserer Genesis, 
ebenso das gauze zehnte capitel mit seinem geschlecbtsregister, 
wie auch schon frtther in u das ende des vierten und das ganze 
fünfte capitel obergangen wurde, es folgt gleich die darstellung 
des turmbaus von Babel 

Hier scheint nun wider eine andere manier platz zu greifen, 
obgleich das stUck denn doch zu kurz ist, uro eine sichere ent- 
scheidung au ermöglichen, jedesfalis bOri die sorgfältige berück* 
sichtignng jeder von der bihlisctaen vorläge gegebenen einsei« 
bandlung, wie wir sie eben beobaehleten , auf und es tritt wider 
ein mehr summarisches verfahren ein. «war will das nicht vid 



Digitized by Google 



38 



D£a mE DER WIENER GEMESIS 



beBagen, da» die biblische dantelluDgBmetliode nicht nacbgeahmt 
ist, nach der wie schon in der scbilderung der sintflat einmal 

die aufforderuiiff zur haiidliing ge;;eben und dann diese selbst 
nachgebracht wird \^\. xi 3; xi 0 — 8, oder nur von der aulfor- 
derung die rede ist, während die ausluhrung als selbstversUnd- 
lieh nicht mehr erwähnt wird; denn anch in der dameUnng der 
eptsode von Cham wird bei der verflnchnng die duneete rede ? er^ 
mieden und dafür die daraus resultierende handlung ge<::eheQ. 
al)t t es werden auch der vorläge gegenübtir moüve uml ^ii^e 
übergangen, was schon weniger der maaier des eben besprocheaea 
Stackes entspricht dass der sn erbauende torm bis zum himmel 
reichen solle, wird nicht gesagt und doch ist das fflr die charac- 
teristik nicht unwesentlich : am micheler türm 29, 24 ist gegen* 
Uber der vermesssenheit des Unternehmens recht dürftig und farb- 
los, auch wu'd nur von einem türm jL^^esprochen , wahrend die 
bibei XI 4 von türm und stadt zu erzählen weifs. dazu kommt 
nun eben noch das ttbergehen der eimelhandlungen , wodurch 
sich der darsteller um die bildlichkeit des ausdruckes bringt, die 
wir an dem ersten teile von ni^ zu rühmen hatten, er bandelt 
nicht erst von der herslellung der ziegel (xi 3), sondern sagt 
gleich: sie nahmen ziegei und begannen einen türm zu ernchteii* 
er sagt nicht, als dieser nun fertig ist: gotl stieg herab, um 
Stadt und türm su sehen (xi 5), sondern nach ToUendung des 
baues: dd toim mmr trtMn usw. er folgt auch in der moti- 
vierung nicht gt iiau dem grundtcxl, sundeiü libertrcibt. in der 
bibei sagt gott; sie lieugcu das werk au und werden nicht eher 
ruhen als bis sie ihre absicfat ausgeführt haben, deshalb wollen 
wir ihre spradie verwirren (ud und 7). unser dichter aber 
Iflsst gott furchten, die (ibeltater worden, falls sie das werk 
vollendeten, die ^auze weit zerstören (21), 25 — ^26). 

Diesem g'anzen verfahren gegen iiber muss es au Hallen dass 
der dichter durch einen selbsterluudenen zug die Schilderung 
der Sprachverwirrung sehr hübsch belebt: 29, 31 'wenn einer den 
stein wollte, so wsbnte der andere dass er den kalk bringen 
sollte.' das geht noch darüber hinaus dass in der episode von 
Cham durch hinzulUgung der s|iullgeb?lrde der hibil^cheu dar- 
stellung uachgehüUen wird uud sondert jedeslalls auch diesen teil 
von m** von m* ab , wo in der widergabe des biblischen Stoffes fUr 
die veranschaulichung der Situation vom dichter nichts getan wird. 



Digitized by Google 



DER N0£ DER WIENER GENESIS 39 

Wenn oun m* und wttrklich vod verachiedenen Teifaesern 
herrtlhreD soHen, dann erhellt sich die frage, ob die beiden nne 

vereinigt überlieferlcii stücke je einzeln — und dann in welcher 
weise — existiert haben, dafür dass in* ein selbständiges ge- 
dickt ist, ist der indirecte beweis im vorhergehenden eigentlich 
schon erbracht, denn wenn es kein »tttck aus einer bibeluber- 
fletaong ist, was soll es dann anderes sein? es fragt sich nur, 
ob anfang und schloss, inhalt und anläge des Stockes nicht da- 
gegen sprechen, nach unserem dafOrhaUen nicht, bis aul das 
am Schlüsse fehlende, das vom biblischen Stoffe offenbar nichts 
ooehr enthielt, haben wir gewis den gansen umfang des gedichtes 
▼er uns. es ist nicht zu besorgen dass der dichter etwa fort- 
gefahren sein könne in der widergabe dessen, was in der bibel 
sich lioih um Noe bewegt vielmehr ist für das thema, das der 
dichter sicii sleille, der büilisclie slolT uiii 28, 11 erschöpft. 

Es sprechen aber direcL inomente dafür, dass lu^ ursprüng- 
licli ein selbständiges gedieht, vielleicht ein lied war, das in ank- 
lage und tendenz i und n natariich gar nicht entsprach und das 
der eoinpilator erst durch Interpolationen diesen beiden ansuahn- 
lichen suche, damit es nicht ans dem rahmen herausiiele. >vir 
erinnern uns: die liauptinterpolation in ni* 28,3 — 5 verfolgte 
den zweck, dem grundtexi in höherem mafse gerecht zu werden 
als es der Verfasser des gedichtes, der den biblischen stoflT nur 
skizzenhaft behandelt, bestrebt war. und auch die einschtebung 
des einen verses 27, 18 wird auf diese absieht zurückzuführen 
sein (vgl. VI 11 biltmine Inu'es). der conipilalor der (ganzen Genesis 
— von einem solchen werden wir wol sprechen dürfen — , der mit 
seineni machwerk offenbar eine poetische ttberselzung des eisten 
buchen Mosis liefern wollte, muste vor allem darauf bedacht sein, 
dass das original auch wttrklich zu werte komme , und yon diesem 
^ichls[)unrt aus bessert er und hilll nach, wo wie in diesem 
Glücke der biblische texi allzu frei behandelt war. 

Es sprechen also direct momente dafttr, dass iii' einst als 
lied eine sonderexislenz geftthrt habe, und zwar vor allem eine 
gewisse regelmafsigkeit des baues der einzdnen in der hs. mit 
grofsen anfangsbnchstaben bezeichneten abschnitte (vgl. Uber diese 
Scherer Dkm."^ 335), in denen wir unschwer frühere stropiien 
erkennen, freilich haben wir auch hier mit der schlechten Über- 
lieferung zu kjimpfen und einmal — an einer auch sonst ver» 



40 DER NOE DER WIENER GENESiS 

» 

derbten stelle — tu gDOBteo der s^fnaietrie gee;en die he., aber 
mit imteritfitiuDg des eioiieB »iid der metrik emea langen ab^ 

slIiiiiU in zwei zu «crlejren. — ich l)enierke hier dass ich zu 
der aDnahme der vorher behandelten luterpolationen nicht (hirch 
die beniQhung, eine aynioieinficlie anordnung der atrophen heraus- 
znbekommen, veranleset wurde^ sondern cu dieser gelangte, noch 
ehe ioh in in* ein sdbetandiges gedieht erkannte, einmal auf- 
merksam geworden aut die Unmöglichkeit 27, 17 fif, so wie sie 
überlietert sind, zu con^uiiH ren , dann aus der vergleichung des 
stttckes mit dem grundlext heraus. 

Der abecbnitt, den ieb in swei zerlege, isl der von 27,11 — 21 
reichende, der mit seinen secbsxehn versen — 27, 18 ist tnter* 
poliert — das mafs der anderen weit ttbersehreitet. ich teile ihn 
so, dass mit 27, 17 ein neuer beginnt, zwar umlasst 27, 11 — ^21 
im ganzen alles, was um die arche sich dreht, aber mit 27, 15 f 
hören die geosnen bestimmongen in bezug auf Knge, hohe und 
breite auf. 27, 17 enthalt eine angäbe Ober die arcbe ganx all- 
geroeiner nalur und 27, 20 wendet sieh vom baue derselben weg 
und handelt von den tieren , die Noe aulnehnien sfdie. endlich ist 
27, 15'' ein langer vers von weni{;slens sechs lirlniiiL,'.'n. (I( r eine 
Teriäügerte schUisszeile anzudeuten scheint, ireilich spndit die 
Satzverbindung in 27, 17 sehr entschieden gegen diese teHung. 
denn so wie der vers Oberliefert ist, kann er unmöglich eine neue 
Strophe einleiten, aber wir wissen dass hier auch aus anderen 

gründen tr^' nuh rl und v. 27, 17 pr fieböt duz et si (nirh so worhte 
gelesen werden nius?.^ wir beseiUijen also auf diese weise nicht 
nur eine unschöne construeiioo , sondern erhalten noch einen 
guten stropfaenanfang, der, wie sich noch aus der anordnung 
der anderen abschnitte ergeben wird, hier wol angeseilt werden 
muss. ich verdanke übrigens diesen verschlag herru professor 
Scherer. 

Lassen wir nun bei 27, 17 einen neuen abschnitt beginnen, 
dann erhalten wir unter ausscbeidung aller als interpoliert er- 
achteten verse abschnitte von: 

8. 8. 8. 8. 8. 10. 6. 10. 12. 12. 8? versen. 

davon ist zunächst der letzte abschnitt unvollständig, indem, wie 

^ aaeh in den Drei juogliogen 6, 1 Itt eto nicht aogeieigter stropheo- 
beginn mit tcxtesentsteUeog verbunden Tgl. Dkm.* exeora sn xxxti« ebenso 
wie anch in diesem gedieht bei den interpolatioften der groadtext beoutst wird. 



L.iyai^Lü L-y Google 



D£a N0£ DER WIENER GEMfiSiS 



41 



wir «elMNi wissoi , halbwt Bieber fehlt iodetteD Mll wakr- 

tcMnIich mehr, sodtts wir widerum einer nicht iinbedeutendeu 
fntzerrOttung gegenfibersttlD i]. man beachte sreniu die sürail 
gegliederte gcüankenverbinduug in dsn beiden leUien kymnisditii 
ainekttilten bis v« 28, 22 md m»m wird Mheo daas von bi«r «s 
d» Strange ordamg dmh eiae Itteke g eatflrt ist« 

Der robe gedsnkengaog ist folgender: das leiehen ist so 
>. ln\n, es ist grün und rot, r> bezeichnet wasser umi liiut. . . . 
deshalb soileo wir auch zu dem waseer den wein misclien, dana 
wird das wasser wm bin. 

Mit diesem blute gewiMSD wir die verkireBe laufs wider 
md oun : die thrliaeii der raee geben sie aas wider, klafft de 
nicht deutlich eine lücke? — offenbar werden das *grüu und 
rot' gedeutet einmal auf das aus Christi seite tliefsendc blul uud 
dann mti «kn aus wasser mid wein gcmisdilea trank dea mess 
o|vfer8 nod endlich drittens auf die tfarSnen der reue* und — ^ 
das will der dichier sagen — * so wie uns das blot und der trank 
die taufe widergeben, $o auch die thränen oder, unsymbolisch 
aii«?edrückl, die reue tlber begangene sUnden. kann nun der 
dichter, nachdem er vorher so deutlich, so schritt lür schritt den 
gedaakeo fortführt, {dotsüch in so unklarer weise die heiden 
lebten dentongen Temnscht «nd gesagt haben, ae wie da steht ^ 
mit dem bhite gewinnen wir die taufe nrttck, die tbrSoen geben 
sie uns wuler? gewis nicht, sonrlern die ver^vmuug lührt von 
der schlechteo Uberlieleruug her, der em oder mehrere varse 
mm opfer gefallen sind, wie viele freilich, Itfssi sich genan 
niebl mehr feststellen, nad doeh wttre das hier, wo es sich nm 
die bestimmong der versansahl der einzelnen abschnitte handelt^ 
sehr erwünscht, vielleicht dürfen wir, da eine symintlrie nicht 
zu verkenneu ist, aul einen schlussahschniit von 12 verseu 
schheben. es würden demnach aulser dem halhvers noch zwei 
bngvme fehlen. Wenn man einwenden könnte daas der dichter 
bei der ihn aasieiebnenden kam kanm fier halbrerae gebrancfal 
haben würde, um die dritte deutung anzuschUefsen , so gebe ich 
zu bedenken dass es noch zweifelhaft ist, ob er nni iIicslü deu- 
tungen scbloss und ob er nicht vielmehr nach einer deutlicheren 
beosfaong auf den bebandehen stoff: die durch die sttndhafligkeit 
der weit herbeigefohrte aintflut atrebte. 

Dann ftUt noch heraus der siebente abechnitt, der nur 



42 



DER NOE DER WIENER GENESIS 



6 verse umfasstt währead der TorhergekeDde und folgende je 
lehn enthalten, aber gerade in diesem abaehnitt befindet aicli 
der ver«, weldier Noe ausaprechen iKaet, was in der bibel gott 

sagt vgl. 27, 38 und obea s. 31. die aiinaliaie, zu der wir \ar- 
ber scbou neigten, dass die slciie verderbt sei, wird dadurch 
noch wahrscheinlicher, ob wir auch hier berechtigt sind, aus 
dem Terbftltnisse der atrophen ?on acht and zwölf versen su 
einander tu schliefsen dass dieser abschnitt wie der vorhergehende 
und folgende ursprünglich zehn verse enthielt, lasse ich dahin 
gestellt. — ji'iicstall!? liodet sich an keiner stelle iw der gaiizeu 
Genesis em ähnliches, ich will vorsichtig sagen, den ei nd ruck 
symmetrischer anordnung erweckendes verhsltnis der einselnen 
absehnilte zu einander, und, was am wichtigsten ist, diese gli^ 
derung der Strophen entspricht vollkommen dem gange der band* 
luug wie dem Inhalte des gedicbis und ergibt eiue tadeliuse Ver- 
teilung des stoiles. 

Die fünf atrophen von je acht versen reichen bis 27, 30 ad 
dier regen begunde stillan db. bis dahin, wo die Sintflut ihren 
bohepunct erreicht hat und wo die wasser achwinden, die nSchsten 
drei Strophen, von denen also die erste und dritte je 10 verse 
enthält, die zweite vermutlich im vollständig ist. be«( haltigen sich 
mit dem verlassen d«r arche durch Noe und dem daukopfer, das 
er goa fdr die rettung darbringt die lettten atrophen endlich, 
von denen die beiden ersten je 12 verae enthalten, die letxte 
aber mit ihren 7 versen zwetfellos unvollstindig ist, handeln 
von der einsetzuug des regenbogens und dem hnnde trotte« 
mit Noe, woran sich dann die hymueuarüge scblussbetxacbtuug 
anschliefst. 

Und ebenso wie die durch gleiche verszahl zusammenge* 
faaltenen Strophen unter sich immer einen wichtigen abschnitt 

des fjanzen stoifes darstellen, so umfassl «uch jede einzelne Strophe 
cm Im öich stehendes niunicnt der iiaudiuii^ , sodass fin trul; liis- 
werles Ubergreüeu von einer Strophe in die andere uirgeuds sicht- 
bar ist. die erste entbttlt die exposition, die zweite gottes befehl 
an Noe, die arche zu bauen, die dritte etwas Ober die allgemeine 
natur der arche und was Noe darin aufnehmen solle, die vierte 
die innere einrichtung und beschreibunj,' der bewohnten arche, 
die fünfte die siutflut, die sechste das ende der Sintflut, die 
siebente das verlassen der arche, die achte Noes dankopfer, die 



L^iy u^Lü L-y Google 



DER NOE DER WIENER GENESIS 43 



MDBI6 bandelt vom bonde gottes und dem regenbof en als band«- 

zeicheu, die zehnte l)riugt die deuluugen der larbeu grün und 
roi UDil <lie elfte endlich eiue neue morahsche deutung als scbluss. 

Zeichnet sich so das alttck durch die syiuQketrische aoord- 
wmg der abecbnitte tor allen andereD teilen der Geneaia aas, so 
sebeint in flun nnn auch der veis von fier hebangen durcfagefobil. 
ich muss allerdings gestehen dass ich früher das nicht annahm, 
soüdeiij iu Uijsereni iiede — wie ich jetzt wol s<i;:i ti d ir!" — 
önes jener gruppenweise oder symmetrisch geordneten , ungleich- 
Miphiaclieii gedichte sah, wie es Christus und die Samariterin 
(Dkm. z) und das Ludwigslied (zi) sind, auf welche aber die se* 
quem, deren einfinss auf gleich* wie auf nngieiehstrophige ge* 
dichte Scherer iu den Dkm. s. 414 besprochen liaL, so eigenartig 
eiogewürkl haben sollte, dass unser stück gegenüber den in den 
Dkm. ans dem einflusse der seqnenz hergeleiteten kategorien eine 
Moe daralellen wflrde. denn sie sollte hier *das gruppenweise 
oder symmetrische beieinander der ungleichen gesfliae' nicht 
aufgeholit'ii , dagegen die Überschreitung der geraden (parweise 
gebund^iuen) zahl der reimzeilen veranlasst haben uud zwar so, 
dass die durch die gleiche verszahi zusammeogehalteuen stroptien 
im inneren bau sich nicht mehr entspFflchen. indessen belehrt 
mich beer prof. Scherer da» der vers von vier bebungen ohne 
allzu harten zwang durchzufobren sei: es sind durchweg 4 bebnn-* 
gen, nur zuweilen 4 hebungen klini^'ead und veilangertc schluss- 
seilen, freilich werden wir manche welrische freiheit mit in 
den kauf nehmen müssen, aber in einem liede eines vermut- 
lich österreichischen dichters des 11 jbs» wird das nicht weiter 
aoffallen (vgl. Seherer QF 1 71 f. Roediger Zs. 18, 288 ff. Schroe- 
der i-x'v rilTj. 

Überladener erster luls hiidet sich 27, 36* und 2b, 14 in 
beiden auf einander reimenden kunzeilen, falls wir au der Über- 
lieferung durchaus festhalten wollen, sonst können wir auch 
beide rnsle statt M das unverstärkte sd lesen, wodurch diese 
verse erheblich geglättet werden, ich will gleich hier die beiden 
anderen textesauderungen auluhitn, die zur duiiihlulu nnir des 
viermal gehobenen verses nülig scheinen : in 27, 19 i&i äUli der 
flectierteu fonn eUm wol besser al zu lesen und in 27, 39 ist 
monle zu streidien. 

Dreisilbiger ai^ct, der leicht als zweisilbiger angesehen 



44 



D£R N0£ DER W1£N£R Gfifi£SiS 



werden kann, findet sich 27, 15^ übe si. scbwerer wiegt %7^W 
dd mU9 er als «ulltact, aber da adioo io der vorauf gehende» 

langzeile i\zsante vorkommt, wird auch dieser nicht gar zu Übel 
euipluuden. liiiiler scheint *28, 16** dö si ime zu sein, aber die 
verschmeliung von lormen des proaomens der dritleo peraon ist 
iB dieser poesie nichls seltenes. Tgl. in der Genesis sdireibungeD 
wie 14, 21 silne, 19, 6 und S at*s; 22, 24 «k» ai vi und bei 
Gonsonaniiaefaem ausgange der ersten fonn 17, 4 era» 72« 21 arm» 
— er i'me, mu h sal 29, 2(5. iihrigeüs ünden sich auch, wie ich 
bei der gelegt oheit l^eiuerkeu will, für die verschiueiiung de» 
Personalpronomens mit dem pronomen der dritten peraon internst 
saote Schreibungen: 24, 9 wtrre «*• mir in, 66y 29 dhuL 

Zweisilbiger auflact ist sehr häufig, doch oft durch leichte 
kilrziin«5'eii zu umgehen, die t^chwereren Dille notiere ich: 27,8** 
dei der, 27, 11 er hiez (vielleicht statt i\öc in zu ieseu ?), 27, 20^ 
Olks, 27, 21* reines, 27, 23^ aller ; 27, 24" was Nöe, 27, ^0* a# 
der, 28, 11* äax wir, 28, 22^ ad wir, 2g, 23^ gOenL einmal 

27, 9^ finden wir vor xweisilbigen aoftaet noch er aprocA. dieaee 
kann hier als aufserbalb des verses stehend wol augesehen werden 
(fgl. UF i71). 

Kürzungen sind meüriach anzusetzen: 
Apocope: um alatt unde 27, 37\ wake 27, hei inreiw 
tierter Stellung des verb« ^ewAMC» wir 28, 21^ und wol auch 

28, 18* Kule»! wir, wodurch tweiailbiger auflact irermicden wird. 
Syncope der schwachen piaehxe 27, 12** g waltiger, 28, 19 

gedenchet, 27, 30*^ begunde, "ib, 22** bewellm* sonstige ayncopo 
27,38 Uet und 28, 11 ztoivelen mit tonversetiung vgi.Dka«xi8 anm» 

Synaloephe von der bebung. in die Senkung: 27, 26 ta§e 
«nde, 27, 33 sante er, 27, 35 poume unde, von der naokuDg in 
die hehung: 27, 15 ellinH an. 

Verschleiliin«,' 27, 12^ eiiine mui schwehende helonuug 27, 23* 
nidersten. endlich findet sich ein lall der inclmation des artikels 
an das folgende Substantiv in 28« 21 dia tmf^ 

Räumt man diese freiheiten ein, so erhalt man also bis anf 
die verengerten scblusszeilen den regelnrafsigen vers von vier 
heitniigen diüchgel'ührt. verlängerte schlu>bz*'jlcn hahcii uiiu die 
erste, zweite, dritte und sechste Strophe, und zwar scheint der 
vers gegenüber dem regelmäfsigen immer um ^ane hehung vtav* 
mehrt, sicher ist das 27, 35 und unter vorausaetzung der Lach- 



Digitized by Gck -^n^ 



D£R mE D£a Wi£!)i£R G£IS£S1S 



45 



■MUMcbo» l«nn 27« 21. vmssk für 27, 9^ wird mao 68 anoebiiM 
dftffen« da die amabme nar das Opfer dw e in looli« wbiift. 

dagegen erreichen wir das plus von um einer liebun^' in 27,15* 
Dar dann , wenn wir den reim (jeunoye : höhe als khugeud aor 
iahe» dürfen* aber auch dagegen werden wir UDa nicht sti1litb«ii 
tatepam. das« der kliafaDd» rmm an aicb in nnaaram liede acte 
gilt, lieweiaea die gnten bindunge« in 27, 9 dmt€hm:iimtkiM, 
27, 1 1 arche : storche, 27, 24 höhe : g€%öhe, 27, 29 sunchett . tnuichm, 
27,32 sante : erlante , 27,38 erde: werde, 28,20 wäre : aitdre, 
aher wir werden in dieser zeit der metrischen uuzulaDgÜchkeit 
anch den reiaa 28, U aeeirai» ; § ämUm for küngand halten dlirfan 
ond an nueb 27, 17 worte: impfte, dttrftan wir daa niabt, dann 
aeMterte fr^eh die gante annahBie ▼om durcbgefohrien regel- 
miifsigen verse. denn nicht nur die reime scoUm :h(il(eu oder 
wwrhuzdorfu, sondern auch die viel iuiveUk<wamenereo hiiuiuogan 
27,36 tkmdmzwUm nnd 27, d8 wmm:g^ug9l0 mfiaaen ala 
Uinge&de n«%eraaBt werden, w«m die theorie vom dnKhgefllfafUMi 
ferae Toa mr helMingen richtig sein aolL in dam letsteree falle 
hüUi^n wir zugleich eine ijtuduii^' von vier hehungeu klingend 
zu drei heijuugen klingend, diese isl wahrscheinlich auch 2b, 20 
anauaetaa« , wann wir nidit ^ in die aeaiknng aetcen und äUäre 
betonen wollen. 

Oar nieht dem gaaelte annqiaaaen iat der kuna vera 28, V*: 
hier liegt woi eine Verderbnis vor. 

Demnach lion unser lied wul kaum einer neuen kalegone 
lan gediohiaa au, welche durch eine eigenartige einwiirkung 
dar aequeiiz auf die gmppenweiae oder aymmetnaab geordneten 
nngiaiclialropbigen colalanden aein konnte, aondenk reibt aicb 
hiDsiebIlich der form in die schon von Scherer berücksichtigte 
kalp^'orie ein: ungleichstroplii^^ mit verlaufener schiusszeile nnd 
khogeadem ausgaug des viermal gehobenen verses. analoge hei- 
apiale Ittr dieae form aind dann die Drei jgngiinge im fenerofen 
■nd die lAtere Jndilb (Dkm. nzw.mvn). 

Wenn wir nnn alao in ni* ein ehemala aelbatandiges lied an 
erkennen glauben, wie haben wir daiin m'' autzufasseu ? die be- 
aiuworiung dieser frage f^llt ganz verschiedeo aus, je nachdem 
wir at*^ nocb einnial aerlagen oder nicht, bei dem geringen um- 
Auiga der atOoke liaat sieb nun die berecbtignng dain aebr achwar 
barleiten, die betracbtnng daa atilea ergab dafllr nichts an»» 



Digitized by 



46 



DER ISOE DER WIENER GENESIS 



reichendes, die betracbluog der metrik zeigt freilich dass in der 
episode von (%aiii der regnlsrre vers ton ?ier bebnngen nnd twar 
•hoe verläDgerle »chlnttieileD unschwer durchiofitaieD ist^ wih- 
rend das stflck vom tunnbau jedes derartigen Versuches spottet, 
indessen ist auch das nicht entschfid» nd. denn in der Onesis 
wird oft, wie schon Vogt bemerkt bat, in demselben unzweitel- 
baft erobeiUicheo sittcke ganie strecken bindorch der reguläre 
fers Ton tkr hebungen beobachtet, wahrend dann wider reroe 
nnscandierbarer art folgen, nimmt man nun an dass beide stocke, 
die episode des Cham wie der tunnbau ^ von einem und dem- 
selben dichter herrühren, dann kann man nicht, wie wir es 
fnr m* taten, eine ehemals selbständige existenz zuschreiben, 
sondern muss es etwa auf daa conto des compibtors setien, fön 
dem wir oben sprachen und dem wir die tberliefening der €e» 
uesiä als eines einheiüichen werkes verdanken, denn die Ver- 
einigung dieser beiden episoden, die in der biblischen Über- 
lieferung nur chronologisch zusammenhängen, innerlich aber 
nichts mit einander au tun haben, ist nur TersUlndlicb bei einam 
Verfasser, der eine poetische nbertragung der bibel beiw. eines 
teUes derselben bezweckt' 

Dagegen könnte wol — unter vui ausselzun^ der Verschieden- 
heit der Verfasser — der erste teil von in^, die epu»ode des Cham, 
einst eine selbständige existenz geführt haben, wenigstens eignet 
sich das thema ganz Yortrefflksh für die behandlung in emem 
selbständigen Hede, bandelt es sich doch «m die darstellung 
einer scene von ganz allgemeinem interesse, ciuerscene, an die 
das mitteiaiter mit dt r bibei den ursprunf^ der stände knüplie. 
auch entbehrt der stoll nicht einer gewissen tragik, die sich im 
sinne der kirchlichen moral ganz vortrefflich ausbeuten Iflsst: die 
schwer empfundene sociale Ungleichheit der menschen wird auf 
den lehltritt eines einzelnen trevlers zurilckgelührt. dieser auf- 
gäbe wird die (hrstellun^^ in unsii* m stücke freilich sehr wenig 
gerecht: sie ist rocht matt und entbehrt jedes höheren Schwunges, 
wie anders hätte der dichter von i dieses für seine individualität 
wie geschaffene thema behandelt 1 aber immerhin konnte das ge- 
dieht ein lied in der art von Christus und die Samariterin sein, in 
dieseiu lalle rührte dann der turmban allein vum cuüi{>ilator her. 
denn für dieses stUck schliefst sich die annähme, als habe es 
einst selbständig existiert und sei vom compUator nur aufge* 



Digitized by Google 



D£R NOE DER WIENER GENESIS 



47 



griflien wordeoi wol tob selbst aus, da die befaandluDg so dürftig 
«Dd armselig ist wie es duf bei einem Ittekenbttfser sein luiiii. 

welche von diesen auffassungen den vorzug verdient, will ich 
nicht entscheideü. mir kam es vor allem darauf an, die ehe- 
malige seibstflndigkeit von in* als einem in stil, anläge und tendenz 
yon I und ii total verschiedenen gedicbte sn erweisen, um ein 
nenes argnment za liefom for die ansichti dass die Wiener Ge- 
nesis ein werk durch und durch coropilatorischen characters sei« 

Berlin im februar 1884. OTTO PNIOWER. 



DIE ÜBERLIEFERUNG DES REINHART 

FUCHS. 

Das gedieht des fahrenden erzählers Heinrich des gifchessere 
ist uns bekanntlich in iwei sehr verschiedenen gestalten über* 
liefert, von der einen, welche in einer hs. aus dem ende des 
XU jhs. enthalten war, sind nur fragmente auf uns gekommen, 

etwa 700 verse umfassend, welche Jacob Gtiiuiii m seinem Send- 
sihrnben an Karl Lachmann, über HF, Leipzig 1840, s. 13 — 67 
zuerst in diplomatisch genauem abdruck, dann in einer herstel- 
long mit anmerknngen herausgegeben hat ich nenne die hs. 8. 
im laufe des xm jhs. wurde eine hearbeitung des ursprünglichen 
Werkes von einem unbekannten vorgenommen, die es dem ge- 
schmacke der zeit besonders in bezu«: aul dir lorm ;uilieqiiemte. 
diese gestalt ist in zwei abschnlieu auf uns gekommen: dem 
fieidelberger codex nr 341 (P) und der sogenannten Koioczaer 
hs. (&)• aus dieser lelzteren haben graf Mailäth und Koffinger 
in ihrer auswafal (Pest 1817) den Reinbart veroffenllicht s. 3&7 bis 
420. Jacob Grimm bot m seinem Kcinbart fuchs (Berlin 1834) 
beide hs?. benutzt und darnach das gedieht ediert s. 25 — 114, 
Torher vgl. 9. ein — cxv. bei meiner Untersuchung durfte ich mich 
einer collation beider hss. bedienen ^ welche Karl Reifsenberger 
um behuf einer neuausgabe des gedichtes in Pauls Altdeutscher 
textbibiiolhek angefertigt hat. 

Was zuoarhst die beschaüenheit und den wert der hss. 
selbst anlangt, 60 scheint mir dass vor allem folgendes festgehalten 
werden mnss: S ist nicht das original, zwar glaube ich nichts 



48 DIE ÜB£BLl£F£aiJiNG DES AEUSUABT FUCHS 



mt iacoh Grimm Sendschr. s. 19* 29. B9 und 57, da&s vers 864 
i«bU, aber 170^* 4 ist doch ohne zw«ifel (walirtcheialich wage» 
des g\ ;icheB auelautes iveier scbwacben prttlerita) das aUck eines 
▼eraea ausgefallen, und rodeni zeigen sich mancberlm fehler, ver* 

scbreibimgen und nachtrage, sodass iiuiuoglich S als die ursprUng- 
iiciie aufzeichuuag des gedicblea angeseheu werden kann. S be- 
aiUt an sich die eige^aebaften einer guten quelle, der achretfier 
jijprali denaelbett dialect wie der dichter» hatte alao keioen gnmd 
EU muDdarllicheii Änderungen, auch war er der seit nach nicht 
so weil von dem dichter cnlfernt, um an den eigenlümlichkeiten 
der Verse desselben anslofs zu nehmen, dass meli isclie bchwieiig- 
keileo ihn nicht störten, siebt naan aua dem« was er selbst Über- 
liefert bal» alao fttr aulSaaig hielt auch wenn man aehwere zwei- 
silbige, drei-, sogar vierailhige auHacte aonimml, erübrigen eine 
anaahl veree, in denen zweisilbige Senkung nicht nach mhd. weise 
verschleift werden kann; wo entweder die Ix i len silbcn durch 
mehrere coosonauteu getieuAt sind, oder aui em Loiüoaeae (mii 
oder ohne nachfolgeodeo conaonanlen) ein einsilbiges wert mät 
ein« anderen vocal als < folgt» so 620. 703. 733. 734. (7360 738. 
755. 763. 800. 834. 868. 886. 887. 934. (946.) 975. 1559. 1572. 
1573. 1605. 162b. 1643. lüVu. 168-2. lüU7. (1705.) 1725. 17.59. 
ich glaube nicht dass diese f^üUe weggeschailt oder anders geleseu 
werden kOiiiaein, wie ESchrOder in bezug auf ahniicbe verse von 
Arnolds Juliana meinte DLZ 1883 8p»555, sondern dass dies 
wUrklich sweisilbige Senkungen sind, die auch zweiailbig ge- 
sprochen werden mUssen, vgl. Roediger Anz. ix 331. 334. vier 
hebungen klingend kuniiiu n vor 789.90. 859. 60. (893.4.) 1525. 6; 
drei auf vier hebungen klingend 805. 6 und am Schlüsse von 
abaaizen 625. 6. Überlange unleabare verse sind 699. 704» 946* 
ilagegen nach normalem mala au kurz 618. 1579« 1616, vielleicht 
auch 721. 945. 1674. die namen werden sehr verschieden ke» 

handelt: neben Isingrin steht Isingtin 591. 607. 652. 709. 791. • 
805. 943 und ijM^n 749. 777. 781. 873. 973. BmMU 1633. 
1653. — Reinhmi wird abwechaebifl anf der ersten und sweitan 
Silbe betont, mitunter steht das gante wert im auftaeL veiv 

setzte betonungen noch d 17. 7 10. 759. 1591. dabei lial>e ich 
selhslvf istaudlich die verse ausgeschlossen, die durch Grimm er- 
gäuzl worden sind. — die ungenauen reime hat der Schreiber 
Ton S geduldet, ich glaube nicbl dass er einen getilgt oder des^ 



Digitized by Google 



DIB ÜBEMLIEFERUNG DES REINHARt FÜCHS 49 



MA f eSadeit Irtf. dtgegen bat er moglichier weise eiotdne worte 

durdi andere ersetzt; dartlber sowie was die episode lö87 ^ ao- 
Uügt, Tgl. die bemerkuDgen zum texie. — berücksichli^f man 
dis aAgef Ohrte , so ergibt sich für den , welcher aus S einen text 
derurqirQngH^heD fasrang des Refnhart herstellen irOH, die regel: 
gctttdeit darf nur iv^MeH 1. bei otibutmidigen schretbAhleni and 
fersehen. % wenu die umstände gründe für Vermutung an die 
liaiid geben dass in S geamhrl worden sei; dies festzustellen, 
liann P bisweilen dienen, der versbau erlaubt fast nirgends zu 
Mern, ebenso wenig der reim oder dialeciiscbe eigeobeiten/ 

Unter den hi«. der omarbeitung Ist K nor ebe oöple fon 
f «fid xwar mecbaftlsdi angerertigt ond ohne das» eTne ändert 
hs. dabei zu rate gezogen wiae. K bietet allerdings ;ui zu inlich 
vielen stellen andere lesarten als P, aber das sind alles nur 
teitere fortscbritte auf dem in P bereits betretenett wege der 
tttfladmag und Terplattung. K wOnscbt noch dedtttcbef zu sein 
ilb P, nocb mehr die prosaische redeweise seiner Seit elnzufohren. 
keine einzige abweicbeiule lesart tliidet sich in deren entstelfubg 
sich nicht zur genüge erklärte , wenn mau P als vorläge voraus- 
setzt was also in K anders steht als in P hat höchstens d6n wert 
etiler colljectttr, und da dem Ktehrettier von K eb sondi^iches 
ihgeninm nicht verliehen war, den ^ert dner schlechten con- 
j^Ctür. ich wüste keine stelle, wdlche durch R gebessert werden 
kOüüle. — das alles zu satten war fast überflQssig, deiiii da^ Ver- 
hältnis Von K. zu P ist von audereu stücken her, die aus beiden 
lln. ^gedruckt vorliegen, hinlangKch bekannt (vgl. zb. WGnmms 
^rr^ sair Gold, sdimiede; dagegen Baopt, Vorrede tu Hart- 
msnat Armen Heinrich* s.tm); es ist b^im Reinhart köin ahderds 
als bei deu übrigen gedichten. •- . - . 

P enthält ebenfalls seinerseits eiue grofse anzahl von dich* 
tbngen, welche unS fn anderen hss. überliefert sind, und wir 
sibd darnach Im stände, in mehreren Fällen uns ein urteil Ober 
du Terfahrea der schreib'er von P gegen0b<^ Ihren vorlagen zu' 
Wldeii. ich habe vor jähren, als ich grülsere sillcke aus P ab- 
schrieb, darüber Zusannueusleiliingeu gemacht, anderes ist aus 
gedruckten editionen bekannt und das wird ohne wescutliche fehler 
Mä auf Re^inhsn sich anwenden bissen, fmr welchen wir die 
iMäge von P mcht besitzen, darnach bt P gut, wedn die vor* 
läge gut war, und auch schlecht mit dieser. P; findert eben mt^ 
Z. F. D. A. XXlX. N. F. XVil. 4 



Digitized by Google 



50 DIE i:i££aLl£F£RU^a DES REINHAKT FUCHS. 



wenig und leise, ergäuzt in reimeo mit überschüssigem n uä. das 
febiend«» und strebt nacb jgrofsmr kiarheit der satyterbuiduiigttiit 
dh. es fiocbt kttbne constiuctio^ea lu TeremfacheDt fOgt proBO- 
mioa ein^ bringt flbeneinstiiiUDttng zusammeDgehöriger Satzteile 

zu wege, bemüht sich alles plan zu machen, verwiächl aber dabei 
maiicbmal eigeiilümliches. Wörter ändert P nur in seltenen fallen» 
weoD sie unverständlich sind oder veraltete tormen haben. , iwoi 
Ter» trachtet P la glAtten, schaltet kleine ionnwOrter cnler Par- 
tikeln zu diesem zwecke ein und Issst dafflr bisweilen eip oder 
das andere wort fidlen, auch hier ist das forgehen glücklicher 
weise ohne energie, stärkere anderuiigeii wagt P aus man ischen 
gründen nicht wenn daher in P sich scbiechtgebaute, htdprige^ 
scbwienge verse fiA^n » sq ist^ es httciist wahrscheinlich dass sie 
schon der vorläge angehörten* eben das ist bei Reiofaart der 
fall. Ton den vorhin aufgesShItea metrisch nntoUkoinmenen versen 
hat P aus S im wesentlichen 19 üücIi übernonimeü , abgesehea 
von versetzten betonungeu. aber P enthalt nicht blofs in dea 
teilen , für weiche die fragmente S uns vorliegen, etliche metrisdi' 
schlechte veme mehr, sondern im ttbrigen Oberhaupt noch sehr 
viele und zwar; nach anwendung sehr schwerer anflacte, ver^ 
setzter betonung udgl. erübrigen noch zweisilbige Senkungen , die 
nach gewohnlicher mhd. weise nicht einsilbig gemacht werden 
)(nnnen, in den versen 6. 47. 49. 135. (139.) 298. 303. 4. 332. 
^45. 348. 375. 403. 457. 471. 499. 534. (559.) 621. 725. (785.) 
(877.) 908. 96ö: 1001. (1017.) 1021. 1028. 1049. 1107. 1140. 
(1170.) (1182.) 1188.1224. 1251. 1260. 1312.(1368. 1390.) 143&. 
1445. 1460. 1463. 1465. (1479.) 1484. 1516. 1520. 1748. 1749. 
1763. 1S05.6. 1873. 1903. 1951. 2038. 2061. 2079. 2083. 2119. 
20. 21. 23. 2152. 2190. 2208. nur durch ungewöhnlich harte 
syncopen und apocopen ist der mehrzahl dieser verse aufsuhslfent 
einige bleiben unheilbar, in einer anzahl von versen reimen drei 
auf vier hebungen klingend: dh. man muss dann den einen, 
welchem eigentlich nur drei hebuugeü zukomuieü, ebeufalls mit 
vier lesen: 141. 2. (149. 50.) 185. 6. (333. 4.) 383. 4. 399. 400. 
1. 2. 445. 6. 745. 6. 795. 6. 909. 10. 1265. 6. 1967. 8. 2077* 8. 
2209* 10. 2251. 2. versetzte betonungen kommen Öfters vor: 
647. 1108.1352. 1422. 1903.2150.2162 und wol noch in andere 
durch verschiedene betonung der nameu kann mau manche verse 

ertrSglich machen, so ist neben dem regehaSlBigen imt^rüt sa 



Digitized by Google 



DIE OBBUilEFKRIJNG D£8 HEiSaART FUQU 51 



477. 591. 607. 662. 607. 791. 1005. 1121. /««•- 
^11 777. (785.) 973. 1140. 1198. 1198. seben der betonung 

Schäntecler in 8 ftllen koinint noch zweisilbig ScMntecler vor 
55. Sa. 99. 103. 108. 126. 141. 147. 1857. — Reinhart mtm sich 
Bttariich aUei» gefallea lassen , steht auch als «iftaet — diese 
ftlle Aiidm sieii^ eile im -Mmm lest, sie unuknuk^mä sImt 
«ü mm bedbiteadas» Moii maii P Mhr recht :lMi «ad seiiie 
fiberliereniDg nicht des- ? ersbaoee halb«* ändert, dass man dies 
nicht darf, ergibt sich wol aus der grofften zahl schwieriger verse 
Uff genüge, nach dem früher geschiidertea Yechalteu von P 
lefmilUinr seiiiiO'^efiafflB kaon maa dorchaas> nidil «anefameii 
dM« üoM JiMMi dttreb 4m schniber i«a P in ^M vbna ge» 
keaHDe» eeten , sie warea sebon in der Torlage eiltinlten.' über 
diese hioaus aber vermögen die ülierheferuog nicht lu ver- 
l/olgea, ja die bescbaflenheit von S selbst legt uns alle reserve 
aif. fonul isl et nidrt erlaubt, aus metneoben grttoden (eime 
oiMIrliing eiiderer MoldifilieB) P,- la oofrigiere^t' ^ 
nassen '4m kserteo vom P, ivekhe Grinni desbai) geänderte bat, 
in einem kritischen text wider resliluierl werden, ich balle es 
nicht einmal lür Lerafeu, bei einer neuen ausifabe in der Schreibung 
der verse siahder das lesen erleichternden kürzungen zu bedienen» 
«etebe« in mmmnm inbd. Ictte eiogeftthri siod, weil das bei sd 
viebii ferteo niebls hilft und weil endlieh (was froHeh nichl 
direct in betraebt kommt) S sie ebenfalls nicht enthält, so weit 
al> wir nach der Uberlieferung zu urteilen vermögen, ist der aao- 
njme hearbeiter des aken AeinharL seinem vorhaben mohi naeh- 
gekonmeB; alkcdiBfi^>:wie(er'selbstisagi: 

' jm'smlMlkk$ fime tprhA er mi 
wwf9 Qisprodktmf' 
2260 onch hdt er ahe gebrochen 

ein Uli ää der worte was S9 vÜ, 
aber .dabei sind • ihm keineswegs gutgebaute vorse gelungen «nd 
man darf ans. seinen werten niehl das recht schöpfen, selche ans 
P bemMleilen. 

Dagegen ist der anooymus eingreiJender m bezug auf einen 
andeieu verfahren, der Glich esa^re 

— lie die rime ungeriluet; 
dMB rikss eider ei » ondir num 
dmr encft eoi teü getikits kam. 



Digitized by Google 



52 DIE 0B£RL1£££RUNG AEiMUCUT FUCHS 



) dtm er dä» MM hdt*Mt^' • 

' fmm fähre dlt i«^ 0mk vm 4. « ' ^ • ^ 

teils behielt der iimarheiter dieselbi^ü r*i]m\vortL' bei uod änderte 
die ioriB, was natürlich our bei weoigeo leichteu coosoDantisclieo 
iuig«Miiagkffilen geschehen koBOle , teils ersetzte «r eines der 
d<D reioMrorte duroh ein aaderet, teitoy «od diei*«iiidl»die mfktum 
neisteii .föHe, steUlt er m anderaB'rampar ein.- das fragmeiit 8 
lässt erkennen dass das ursprüngliche gedieht dine ^nofse masse 
mehr und minder prob ungenauer reime ht safs, der umarbeiter 
hat. sie bis auf eine kleine zatü unbedeatender (wie sie ihm seltel 
gdegaotiicb M def imdichttiig: psssierten) weggesohAfll und 
m etoigen flUeo, wo ncmgestaltung unsusMIirbar scbieft, sind 
die alten reime stehen geblieben. Tergleiobt man die lisarbeitung 
mit dem Fragmente, so zei|?t sich dass man umgeschriebene stellen 
auch dort unschwer erkennen kann, wo das traguieut nicht zu 
küfe kommt; abgeaeheo Toii deo aflgetMmen tMuKn der tittonW 
paag^ ««cssohieteiigv qimo mrfüeUdDg, dom voriKOMmii g«h- 
wisser liebfingsreime, weldie illt auf SftdsrMigeii dep-^reim« 
deuten, zugleich aber lehrt das frej^enl dass versuche, den 
uisprUngiichcu text aus der umarbeiiuug ohne tiie fragmente zu 
reconstruieren , mit geringen ausnahmen mUläg uai resuftlttäiio 
silid» demi der hearbeiter i»hiU'*2«ir| wie- er selbst ^«dgti 
ineistsns .daik. gedsabengang oder iahab der feiiiderton atelto 
bei, bringt ihn aber in einer so yoUkoniMD Aeuen gestalt, dass 
das conjicieren dabei auf ein unfruchtbares raten hiuauslauft. 

Noch in einer anderen beziehung ist -das alte gedieht rer-» 
ändert worden, dsreD itt der scUinsfede des besrbeiters nicht er^ 
wähnoog geschieht:, für veraltete« nicht mehr wol verständliche 
Worte werden moderne eingesetst, dasselbe gesohiehl mit etlichen 
aus der Iranzösischeu quelle übernommenen ausdrücken, alte for- 
iiieu und ouduugen (partidpia auf -6t zb.) werden getilgt, endlich 
unterliegt eime ansahl w>n Worten dem geschmacksnrteile des be- 
arbeiters, der sie unpassend findet , zb. allenthalben h ft mm fttf 
idf schMibt (dabei aber scmMm 2080 steben Issst).^ mao ver- 
gleiche darüber Grimms zuäammeusleliüügeu im Sendsohreiben 
8, 63 ff. 

Aus dem gesagten erhellt dass es unmOgUch ist, das alte 
gedieht aus der Umarbeitung wider hersnslcUen*. dort nicht» wo 



Digitized by Google 



das firagoifaf^t vortifuq4ea is&v ^^eU die äadmiigeii aUni^Mirk aiitfl, 

iragineiit nicht zur seile stebt. die krilia^be au%a|» jbiiss smIi 

darauf beschränkeii , ilen U'\L zu geben, welchen der Uberarbeiter 
gelieiert bat, und da wird lienu die arbeit bei der gcschilderleo 
meUW?b^ bescbaHeolteit des gedicbtes, bei deu bekaniiteo qua- 
litttea voa, P,.dahi\.^ftMbwiii» Mcbt eiimvibm zittflU« 
«ibrtibm P amyiaf hffjjde» nn^ wOrklkJierfahler nod ha« 
ordauog zu verbessern^ vor aUein aber gegoi Jacob Grimm einer 
grofseo anzabl von versen die in P überlieferte gestait wjdeirzu- 
gebeo. mm kann dabei nicht wol conservativ genug vejrCahispyDw 
fcUer in P aiad dort natürlich leicht zu erMiereo uid ULbeaaeirii» 
n» S daiieb«o hßi^ aber aucb ip dea libri^ fivrlien Itat^ 
eine tahl sich fiodeiui 

Es lie^ca zwei gesoaderte verpÖichtuDgeii vor; ciüeo texl 
TOD einen teil von P zu biirjj^'eu, und wenn ich eine aus- 
gabt Reioharts zu arbeiten hätte, so .wUrde ich uaLerdem teaU«. 
vom P aucIoL .zugebori^ stellea Toa ab4irufikeii# düniti 
wire ^ kriiische matenil beiaanmen' uad liebfft rwH labs^ 
reiche beobachtuogen sich daran maeheo« in seminarUbuAgeu 
küunte das büchlein dann mit uutien geJ^raucht werden. 

I^Ioch ist eine frage nicht abzuweifiep: lag dem. bearbeiter. 
das alte gediiM. io h». $ vor oder in einer andeiren, emf. 
ideatiachep cic|er eineir g^avKdecU»? es ephaiiieiL mir eiftige aleliea 
dafflr SU sprechen , daae.der ges|aU in P eine Imung des orU. 
ginnls iu gründe lag, welche von der m S überlieferten au ein 
par »teilen abwich und gegen S dab bessere hatte. lUtiSe stellen,, 
besonders 4687 il werden in den quo iolgeyden bealerklulgea^ 
be^rocbei^ Wir^t wo ich^ um bvoiia '»^ i^mNdnn » um^r^»!-' 
aammen erOfl^re, was far B und P in dnw#an uneo on^* 
lass gibt. 

V. 12 1. iu mit P. wo ich glaube dass die widereinsetziing. 
der lesart von P in den Grimmschen text ausdrücklicher be- 
gyOadung nicht bedarf, dort führe ich «jio einfach an. — P hfli * 
hUr Ibmdß, K Muntts^a, PK. haben an dfu beiden anderen alaUan . 
2S «^d die ^ornmr ipil n. tM^tadca^.rata ich, bei der von , 

* diese aiiffas^ung steM in direcMni 'gfgeiisaize zu der Ton Wilhefm 
Man Giif ItadoU s. Uf Tett^enen, wo «nnMhl wltd, die <Migi«§«B* 
Toioa in *b te s^ Hin »\ aataa as «HtMta. 



Digitized by Google 



54 DIE OBfiRUEFEftüNO DES REINHART FUCHS 



Griaim h^gettellleii «dUreftuBg Aimatria blefbeii. Äser Hatte 
ist nmiifcob belegt vgl. Pttmeniiiiii Altd. iianieDbiicll' f, 719, 

gerade aus FlauHero, Runzela aber nicht aao. s. 748. auch sind 
die menschlichen eigennameu der üersage nirgends mit Spotten* 
dem bezuge der bedeutung versehen, vgl. Grimm ein!, cvni. cxLnrf, 
wihraid -io deo fl|»ateD bis. leicbt eioe umgiätfialtinig das nimean 
m sdshar abtichl vwf^nmmea sein Imüd, trgl. die sCelFs aas 
den Fastnachtsspielen 902, 16, welche Lexer 2, 542 anzieht. — •* 
nach 33 ist komnia zu setzen, 34 in eine klnmmer zu brin!?en, 
denn 33 und 35 geboren zusammen. 36 bähe P macht dea 
jün sdilimoDer, aber das ist bei dieseui gedicfate kein grund aur 
tilglaBg. — 44 bier stand gewis (ebenso 521) im original im^ 
▼gl. Mmm einl. cxm. — 47 ff sind denCHcb terSndert. 
49 1. sin i&lue?) spacken (P sinen). Grimm schreibt in diesem' 
verse mit der hs. unde senete sich dd, von dem fuchs, der eben 
nuttlatten ausgezogen hat, 50 froh ist dass ttm niemand siebt 
und 51 sieh durcb den faag nindet in der amnelrku&g bat Grittim 
es nieht wabrselfeitelidh gemaebt dass Imtet^ M'fmdtHie *er debnie; 

spannte, stiickie sich durch die Zaunlücke', denn das geschieht 
erst 51. denete bcliickt gich ebenso wcnif? und erklärt nicht die 
andemng.' dagegen passt ein smucte, welches leicht verlesen 
«an, pitt.' *9Wk mOekm (in dem siai'ken' «tHMnb sMlie^, auf 
ifelebeft LMmann geraten batte), tortreffidi* fflr'die ailnation;' 
nach 49 kMma. — nach 53 ist punct tti Betzen, nach 54 komma. 
— 54 1. ver Finte. P hat die henne pinte, erklärend', denn der 
name komnil zum eisirn male vor. — 57 f wol ursprünglich 
aiseBB : ^sÜMi. — 62 ff «tm iktrft mr känm tiere nimtr er^ 
MrM iNr Mem MbMi warfen ist sidMtir vei^erbt' Ist prt- 
pesltioiti Und «leckf der fehler iv erf-'^ nseh W (lunet — 
69 es muss einem heifsen , wie die Iis. hat, (ieun die inclination 
tVm lässt zunächst auf in deme schhefsen, was hier ganz uo- 
giangnet wäre, weil der fucba no€b nicht gesehen worden ist. 
ditklaintner wn 100 üi kanm angemesaen, aber dlli feibindung' 
fehlt; vielleicht ist sif einansübalten , dir Rehdliarts 'betrug do^b- 

allmahlich geschieht. — lOS bier jcdesfalls ich enWn, -weil Schan- 
teclei^ m diesem verse zweisilbig ist. — 117 es ist wol nicht nötig, 
von dem bs Ii eben du mtnen abzugehen. — \2U2.me und ie 
weisen darauf hin« dass hier geandafAiwoffdan. ist -•- 135 *wtia* 
MÜnti vnd P ist dieser vers um niehls «dileelifier als liele andere/ 



Digitized by Google 



DIE CBEHLIEFERUNG des REINfiART FUCHS 5^ 



es isl wol geändert worden und das original wird ^'ereimt haben: 
mi<st'}tal)ete : dl ahde. solche reime meidet der bearheiler. — 143 ist 
diim gehür aus der hs. beizubehalten , es eotstebt daon wie Öfters 
die Terbioduog eines verses von 3 mit einem von 4 hebungen 
Ungenden ansganges. — 148 ist P verderbt, denn ah er im 
mitweich da wart er sam vro dm haU u% Reinkeniet fnunde (dö:vr6 
ist machwtrk des bearheiters) gibt keinen sinn, ensweic, was 
Gruum vorschlägt, ist sehr gut, vernacblaissigt aber das im der 
he. ich lese ah er im entleip und beziehe natürlich er auf den 
Ibehs. eni^eidi als falsche lesart hat anch* E 563« tarn weist 
auf $ä des Originals, das mehrDich anlass zur Snderung gab. — 
70 sieht man es dem nachgeschobenen mid ir slril au das» 
gedudert worden ist. wahrscheinlich war der frühere reim ztt 
:klp. ebenso ist 171. 2 deutlich geändert, 172 stand wol danr- 
wm im reim. — 178 1. iwsk mit P (obzwar 717 P euch gegen 
ilA" In S liest), denn der Wechsel' der pronomina ist in den reden 
der liere zu häufig als dass man ändern dürfte, die zusammen- 
FtefluDg Grimms cxi f entspricht nicht der Überlieferung. — nach 
199 sollte punct stehen, nach 200 komma. — 237 ist P ganz 
gut; ob' ms wahre diitt vater ißUe, — 256 ist wahrscheinlich eine 
flickzcUe', welche durch tilgung enies Zeitwortes auf -dr notwendig 
wurde. — 258 und 264 1. tHUneve, ebenso 330. 339.1077.' 1086. 
vgl. Sendschr. s. 66. — 262 nach s^e kumma. — 283 f sind ge- 
ändert sichtlich stand 2S4 der reim (ge)rat: dem fuchs war 
der rabe zu achnett; P ist im recht, auch 285. 6 werden ge- 
ludert mId, denn sonst kommt Jlatntof nicht in zwei 'auf einan- 
der folgenden Zellen vor. — nath 296 komma, 297 in klammer. — 
300 auch hier hat Grimm das pronomen geändert und für mich 
der hs. dir geschrieben, euch steht in mitteldeutscher weise in 
P für tu noch 578. 717. 1250. 1853. 1889. vers 1581 bat P 
Mdt, das Grimm zn Ai geändert hat, wahrend er iuch an der- 
sdben stelle in S bellefs. 1558. 1873.' 1883. 1896 liest S tiic& 
gegen iu in P. ich faiAte es darum nicht ffli- erlaubt, diese 
dialectische form zu besspi n. — :{03. 4 sind wahrscheinlich ge- 
ändert, ebenso 317. 8; in dem letzteren wird von dir V ebenso 
ansbndalos zu behalten sein wie 323. — nach 328 mochte ich 
einen pnnct setzen , die klammer bei 329 tilgen und dafür ein 
lomma geben. ' ob hiebt 329. 330 zu Vertauschen sind? — 352 
L dne, — 357. 8 dürfte dannan das eine reimwort gewesen 



Digitized by Google 



^ PIE iBERlIEF^aUiSG DES REl^BART FUGUS 



seiu. — 365. 6 vermute ich die alteo reime hkilief, 360 ^cbliefse 
ich i^ klaioi|i|^r. 7- 3B^ wird luUh im reime (l^ei P) die ur^cbe 
tur fli(||4erjing (ewesen sein. — 401 L Mirc teoi % — 415 wird 
man wol bei P iliis ImU bleiben mttssen, vgl. 574. — 479 
ist niht notwendig. — 4S5 soll er sprach hehallon werden wie 
in 578. 20 TS. — r 4&& Hächklanc M»*hl aus als ob es von dem 
bearb^(^ H^me, — iS9 ij^ilmde P würde ich belassea, weil es 
ZU d^r epracbe d^r flltefen fanung stimint. — 499 l duntet und 
D«ch dem Terse puQCt — * 516 ist quam i» »us (pwhiim der 
TOrjpge entstaDden, die ja t in den endupgen hatte. — 517 L 
eÄie. der alle reim wird nam:dunnuH gelautet babea, worauf 
auch die worutellung ia P weist. — nach Grimm scheint P ^(»J 
im reim ein aoderee wori gestandeOv ^ haben, Reifseiibeijger 
lieet krüt* — 576 nach P vermule ich uraprlUigUchee nihiineti ^ 
587 hat es für g^t gewis nrtprOnglich gehli geheirseo. — 594 
kaiiu es wol in S bei weder bleiben. — 626 P iiesl ich trouicete 
m an (riwom wol — dos ist aber nicbt wahr, denn Iseugrin 
hat KUnio nicht geglaubt 597 tl. niomu man den ent&precheoden 
Ter» ip S.daan: 'n« idk'itf ^ tcft dhe im an dm au(fm* und 
wo in SP die drohung wttrklich ausgesprochea wurde, a^ iat es 
nicht eben schwer 626 richtig zu schreiben: ich dronweie ime 
etUrtuwen woL es sula entrittwen noch 1207, drvuwen 1050. 
1801. 2247. — 635 Grimm nimmt in der ann. an p^tn (ai^:h 
Wackemagel und Lexer 3» 329), aber ea wird wol aus iMMTäis 
veriiant aein und der reim iat wie viele andere wegen dei Ober- 
schOaaigen n geandot worden. — 648 ist odk wol die form, 
welcbe man aus aha in P am leiclileslen entnimmt, vil mm^ 
hkihi'u , wenn es auch in diesem verse bei S [ehlt, dafür ^tebt 
es ^QH im nächsten. — 653 1. (ior in. — 655 und 659 simf 
fän und vom — bem elssssiache formen der 2 peraon plun vgL 
Weinbpld Mhd. gr** $ 352, und Grimms erkjjimng im Senda^« 
entfallt. — 658 die lesart von P den sin 4in muss beli^ssen 
werden, denn sie corngierl den ungenauen reim in S t:i. — 
669 wie die Wortstellung seigt, iat hier ge^der^ es wird is^ 
S geheifjßen haben: iMmen : «er^^eAeii. ich bin mit Wi\|ckepi|fig|d 
(LB^ ^3Q) dafor, die Ordnung der worte su laaaop. — 670 Zm^ 
^ti muaa bleiben, er dafür su schreiben, wie Wackernagel tut, 
ist u u reibt. — 671 1. häst. — Ü7o 1 jedesfalls verderbt, der 
uuve^d 673 j^taud gewis so in dt^r vorläge vpu i'. vidieicht; 'du 



•m 



Digitized by Google 



motu UM jffrack Aemhap.^ — , 67^ das vtrbam hier ^j^j^fd^ 
mit ^ f ttr wie 677« oder. Sf, was alemaontoch schon im iin jh. 
vorfcomiDt durch ^af« der ij^. (welches auch Wackerpä^el re* 

cipiert, dabei jedoch uQuötig einm gekürzt hatj ist der vers 
oicbt schiechter als viele andere. — 680 1. ginm, — 6$4 1. 
Mm« mit Wackernagel. — 68^ wol des feimes hdXber geä^der|L. 
war pMh$ : hntader$«Aaft das alte i|pd hiefs es etwa: tPtftu hiß zm 
licr hmodmdMft? Weckemaj^^ er fOr Beinhart Ist lugi^t. 
688 sän ist oft tlickwort. vielleicht stand alzan « sofort, vier 
hebun^en kluigend hat s^chou 6S7. — G97. 8 wo Meibt dt;r reim, 
weui) aiaa mit Grimm die Schreibung' von. apceptiert ? i^fi verr 
niiile: Imoi mir tof i^msh Imgfiv^. 'wl^it ir da» farQidf9 
mü 9mft$ 5i5tjBsifiP' die 9oderm|i^ jQ.t^ l^nd wefen des u^genaaeQ 
reimes -fn:-l9 statt. — 703 vielleicht ist auch hier in P aM 

t 

aus mis gemacht worden wie wahrscheinlich noch mehrmals. — 
704 cehius^ic tüsint in S wir$l doch ricbtjg sein , denn so grofse 
Ziffern weisen die messgeroeinschafteq uod geist^icbeD zechen 
hinflg auf. eMim€ isl in P weggelassen jfMrdeii, wie es 760 
m Imndm geändert wurde; t4i$ent blieb wie 747^ ^ 712 ist 
iit in P wol nur aus sul (sol S) verschrieben. — 714 sint kann 
bltiibeu. — 723 in S lies IroU Gnmms anmerkung: fisce diu 
mäht, vgl. die st^eo bei texer 1,2013. oiSt^ blols Verstellung 
4ler weite: di9r f^mght?^ ^:^ 734 in S lies: etits etnitrp netsioer 
dä vergass, — 740 $ j^^m P Mmm» waches aber iv^ ^er 
Situation gar nicht passt. eia heute noch angewendeter fiscber- 
ausdruck, die au den ufern stehenden uiul lu den lüiliern des- 
selben verborgenep (ische aufzutreiben, ist sturen, was wpi in der 
vorläge von P gesiandea Jbat. dass der teich zii^efroreii ist^ ver- 
gessen eotweder di^fiter i|od bearbeiter, oder .es soll nur. die 
dummheit des wolfes bez^iehnen, der Reinharts worten glaubet 
— 743 l. Sihe sie mit PS. — 746 hat Wackernagel mit recht 
ist #r in S beibehaUeu. — 750 1. drinne. — 751. 2 wahrschein- 
lich bat der bearbeiter niet gesprochen, der dichter aber niehL 
vgL die verse 249. 5a. 533. 7Ö^,. (968.) 1297. 1$71. .168?. 1769. 
1809. 1879. 2119. — 752. sehr ^t ist Wa^kernmls wdriMis 
Ifü fOr uHtmete» in bei S; vielleicht darf es anch rar die he* 
arbeitung vermutet werden. — 769 fr liest P: I&entirin kochen 
geriet, dax is wolde smelzßn tUht, den zagel muoser Idzen stä^ti» 
4ae ist au|iS. j^eändert» w^ld^es |ia(;. isinffiin gerifit ,9U€km, 4ßM 



58 DIE OBERLlfiFERUNG DES REINHART FUCHS 



Ii "f^^ib drucken dm S(a§A, er muost dd itdn, in P ist aber 
liei^er Ünilerung aacti der gedanke umgestaltet weHen; der 
wol^ *beinülit sich (uicht den scliwaiiz herauszuziehen, somleru) 
das eis zum schnielzeu zu bringen, was ihm nicht gelingt, ftlr 
diese tatigkeit ist oun das von Grimm 769 eingesetzte zeitwort 
Met«» ganz unpassend, wol äbeV lasst aus dem kodim der bs. 
leicht ein ursprOnglicbes Heken sich' erraten « Hehen, a)so durch 
hauchen erwärmen, welches DWB '5, 305 f und Lexer 1, ITüI 
als rheinijiche form belegt ist. — 773 in S lies: pam heim. — 
778 l. der veniam, — 784 in diesem neuen verse bat P: dihein 
Her ir vngdai Uez, Grimnr nimmt die conjectar mgdabt aus E 
auf/ keins von beiden passt^ denn die seltene irbntscbe bedeutung 
wflrde Sn diesem all gcroefnen satte kaum verstandeb worden sein, 
ich L'l iube, es lag nngefetzet zu ^^rftnde. ungpjagH in Grimms 
anmerkung würde zwar einen halt an JS haben, aber P nicht er- 
klaren. — 786 wenn auch vart zu S passt und mit 781 stimmt, 
se ist es doch gegeb den kritischen grundsatiV ^iis t»ar io 
P zu andern; 769^*K «uo. — 795 ^ckemagel slishreibt ptf 
in S gegen die hs. und bei deren ungenauen reimen gewis nicht 
richtig. — 798 1. Hl w. — ^507 1. üf den r. — 808 natflrluh 
mit der anm. beyunden im die vÜeze engdn zu lesen; vuoze setzt 
allerdings das hu6%e der hs. vorauf ide auch S. — - S13 im aber 
ist zu behiilten. — 814 hat Wackema^iaus 'dem iidU ii S bttbsch 
ehi vermutet ^ 833 die hslicbe fonb h&ne(n) rousa wol hier 
und an allen folgenden stellen bewahrt bleiben. — 837 sicher- 
lich liegt hier ein inium des Schreibers vor. es ist zweifellos 
dass der bearbeite r ergoudute änderte, aber was er setzte wurde 
Ton dem abscbreiber misverstanden. ich denke: doMder aicA esr- 
jffm hie ^ sich vergaffte, aus 88!^ iit Itfr diese stelle nichts 
zu lernen. — 863 gegen die bisherige auffassung (vgl. Grimms 
anm. im Sendschr., Wilhelm Grimm und Laclimaau (iraf Uuiluif 
8. 13) glaube ich dass S in Ordnung ist und lese: unvirwänet 
iomer lßber den diefin 'ad(. — 67Q vieUeiebt ist in S tterehuk 
ku lekeA. — 886'ff die terbinduhj^ ddr abetiteuer Ist faler'schlecbf. 
!ler Wölf nsisst später dem verltaste' seines Schwanzes so groPse 
bedeutung bei, dass er unmöglich hier mit dem fuchs sofort 
wider freundlich verkehren lianu. — • 8Ö0 dass iounet in S als 
U>unnet zu nelimen ist, bat schon Lexer gesehen 3, 996. vers 896 
spridht nicht dagegen« — 893t der reim bewflheH iUren ist mbr 



Digitized by Goo 



DIE ÜBERUBFEftfNG DES RElNHARf FUCHS 59 



dieoso uiigMMicii wie Wilhelm GHniiii iao. ' ich nShM gerne 

ansfall '^itres'toreee an und' läse: mfir Ui diu sMB'JUHiiii hm>Mm\ 

weun nicht die beiirheituiig dagegen spr.1che (sc6l:wol ist kaum 
denkbar). — 904 ruowe in P ist wol aü$ einem st lirnbfehler der 
^rbge entstanden wie in 809: v für b und uingekohn. — 913 ^ 
ist m -Streitben. — 914 fielleicbt ist auch hier in P nut- ver- 
lesen worden', dann' mttste man hhibähär ^us 5 restituiert. — 
916 t»^ halle ich nur für einen Schreibfehler, l. Hti.''-^ 925 /iie 
muss bleiben. — 929 ist nur vors. hfn, die vüil.ige eOthiell duo 
« l«M geschrieben, wie die media in S häufig ist. 1. jd tuo. 
990 mit in S ist Aidit unmöglich V Wenn auch nicht WahVschein- 
fidi. — 936 def stirke fehler (Oa mf mf ^^U^ m 
machen. — 938 wenn hdstir ^hau^k irfchtig lst, was ich 
glaube, denn östert gibt keinen verständigen sinn, dann war dife 
fortege von P besser als S. — 943 l. der den. — 946 scheint 
mir ^bst für S zn schlecht, bruoder Reinhart wird fehlen dürfen. 

^52 die Variante bei 6timm erltlilit sich dadurch; dass in PK. 

ffor fehlt, es wird dann nach S verkt ein^schalteit^ sein. — 
954 die finschallutTg von vuor in V PdWt wol naf dem Schreiber 
<ur last und Grimm hatte recht, sie zu sfindti n. — 055 f sind 
r^t chärftCteristisch für die Unfähigkeit des bcarbeiiers, in cor- 
recter weis^' ümtugesUlieU. — 9&0 der bearbeiter stellt einen vn- 
vers her, d)^ mäii aM'bdassei^ däss."— 975 IM' scfeieorslfch, 
muss aber meines erachtcns bleibehl ^rtir *aild<jruri^'*VfeHitths§te 
nötlich vgl. 826 und söt nach 9S0. der reim ist wie 955. G bei der 
schnübalig bumen leichter. — 976 ist mit P dfer name zu geben; 
ipM 'tat * aber' fehler/ — wie es mit 981 ursprünglich stand, 
ist nicht tfehf sftt erraten. — '992 i: diu' ^^ sf^'Mödi^ Ötas 
ie, _ 997 1. genüoge jehmä: —'998 «fw? — 9#9 1<A vehmite 
Bier einen fehler — stand grd im reim^? — , weifs aber liicht 
zu bessern. — 1001 ist es wol besser er wcenet anzufügen, viel- 
töcht ^llt^i^n die' WSc lO der vorläge: maneges nöt ist so man 
MMÜr, ioe« elr^iüit, jAui cdefält: dii geadkoA iMlime 
mi-^). — l 028 Ä ist w!Ä* crtt in P zugcselzt — 1 WO 1. Mfe. — 
1041.2 sind sicher gciindert. Grimms interpunction scheint^ mir 
nicht richtig und ich schlage vor: punct nach zom, kein zeicheil 
nach fÄi. das wird durch 1090. 1 bestätigt. — 1044 — 615. — 
1046 wird WlTMic r^wött geweseb'Win. IÖ47 Vermute ich 
für das original: wm tlhur wutrhKm wari' iäs lmrti xgr^t(imen. 



üigmzed by Google 



i^.$31. 2M3.,2,151r — 1019 hat braucbtoreo «ii^ pur wean 
np^ iMa ^li^ibl^ 1065 kb tthe nidit i^ifi» 9«|b^,^ un- 
genaue, re^ii in P wegge^chaift werden soU, lud afchrelfbie: loi^e- 

zoutoe : urlouge , was überdies die (ür den dichter correcte, vom 
Schreiber geänderte fomi ist. ungezouwe kmn htdmiQü: 1, ganz 
dasselbe wfis Grimms un^eziuge, mangeihalte rUsiuug; 2. über- 
mabig^ eile. — 1069 versiebe ich picliu der kmff bei 106 1. 
ecben begopnen, aoU ee a)>er hetften: *dieaer atiete verlief alaoV 
dann ist das ganz scVecht ausgedrOckt. — * 1075 bier fehlt woi 
ein dem schreibet uüversWndliches wort. — llül f lautete früher 
\M>i: em uU ich ir netine , die muget ir er kennt n. — 1103 da^ 
t in Wisent kann auqh der scbreiber getilgt haben« v^l. 1334. — 
$109 L aUe. — 1,|.14 i^t aieber geanderl, denn 4er vera iat gan» 
leer, jedeaf^ iat konuna nacb quam lu aefsen« 1120 mnas 
üzer m<iis« bleiben wie 1419. 1964. — 1125 mtsckuldegen wäre 
nur hier in dieser gebraucht; vielleichl entredei wie 1531. — 
1130 1. Reitze mit P wie sonst, das / m k ist nur scbreibiebler 
w^ep des folgenden anlautes. — 1133 1. ottri. — 1141 wur^ 
kann bleiben,, vgl. Weinbold Mbd. gr.' ^ 350. — 1142 U aana 
mir min Up, — 1147 woiaua? 4n dwi Mn? ^ 1157 1. 
aUesi, — 1160 1. nttd dnrcli J. — 1162 die stelle ist unverätdad- 
lieb, entweder will Heinhart seine spur verwischen oder, da 
diea docb kavm angebt, der yeriolg^n^«;^ wOlUn j^^ub in die 
engen atreMOh aieber iai^ mul^e daa wort, welcbea in^ rdaa^ standl 
nnd geaaidert wurder denn daaa erat in P die atelle verderbt ani^ 
glaube icb nicbt , dürfte mao die bai Jeroschin und im ^arlmeinet 
belegte (Lexer 1, 2195) mittekleutscbe lorm des starken mascu- 
linutns ansetzen , so.w^e mit dmmtdt fUr d^mutu einCacb ge^ 
helfen. VesttUigeqd. wUrkt dass ein äbnUcbea Verderbnis voqji 
nii^erlandia^en iqm niederdenta^ien Relnhart aieb einme) enl^ 
viokelie , vgl. Grimma einleitung cauxvm. ^ 1 167 der name iai 
einzusetzen. — 1175 i. i. ein h, — llbl der name ist mit P zu 
behalten; ebenso 1190. — 1209 f der reim war ursprün^'iidi 
wol t>iant : hant. — 1218 L nu sint ic. — 14^23 I- yehOnet mit 
der b«. wie 1383. gehomm atebt 1423, hmm 1470. --r ^30 
Tgl. 2213 und andere atellfj». — 1233 bier viral ffflhar: M^f lrOl- 
herre L — 1235 f der reim vrar vielleiobt: hinnam: Idn. -^1241 
1. de} was, — 1247 ein verbum auf -üt ^ai ;svabrscheinlich hier 
$e$tandeu: v€rkunäi(f(U? vgL 1128. — 1259 gebort i^o^b zuoä 



^ kj o^uo i.y Google 



DIE UBERLlBfEHUNG D£S REINUAAT FUCU^ 6f 



iPOTherg^feeadeD satt. 1266 i. ifM mit F imd ^ vier bebiing^ 
Ml l ca i l ~ 1M7 f Hti^n iwiMim wird der whn geweMo sein. 
ltl83 1. ife» w tfit Molden s. — 1285 der reim y^ol schaden :er'' 
slagen. — 1290 bekom? T«r!. 913. — 1297 1. gerechüH. — 1331 
L ich nenne tu wer dort quam :. — 1381 1. sich vaste. — 1401 ff 
Ml j&dmitäB stark giäiiidere md tonfi» ge^ontieii;'' VMh 
MimMe düft'Woifea die rede' das tet Mi^ 1402— 4 
gMiS"MhIeclit gesagt, fm folgenden daif dodi KrMlii- iriclft #fMr 
aul die wölüa zurückkommen, der er bereits den grofseren teil 
seiner terteidigungsrede 1387 — 140Ü gewidmet bat. zudem' padSt 
Ml den Teractt 1405 fh und kdt kern lun^ftUm wfp durch! Rein^ 
krnm 99fmtt ^ Uj^^'i» f/fü» ^ ««ft iMii' ;. . i das vdMtt 
sfefi si gitü t verietcen (stnoni^ etwi so' tmv sk riktn) «Au^sk^s nieht 
2u Kriuieis ausicht von frau llersant, überhaupt nicht zu der 
sehändung, wol aber s^hr gut zu dem vcrluste des wolfszagels. 
ebenso scliickt sieb hikezen 1406 nur für die itdrper^etzuag 

Said «eser erwahat aiidi «ler wdlf. sueMt'^iii sehetidf giegeoiMn 
un. 1401^4 keim leh nieht silfiMlftDy aber l406 f üifbe« 

mm den lip^ $4 ffr4z uls .!.,... — nach 1427 doppelpunci, 
nach 1428 koBonia. — 1435 lautete gewis frflher: si sprachen 
Mt )'ir z§4kk.(imsit RifDOS in gdeh?). 1447 1%$.^ 14581 
der rein war wal /ssii^ii.'sf. 1465 sdbiMe; jAmisii ftttber? ^ 
bcMT wird 1471 m 1470 gesogen «md erst' naeb H71 punct 
gesetzt. 1482 1. ica^ri. — 1489 f war der feim Uitigemeit? 

14^8 scbeinl mir selir ungeschickt ei^ähll. ob nicht htte 
«»bomMiea gemeint sind? — 1521 1. wie schon früher burc 
vmä' spMer 1795. 1525 1. aalt der ba. scM^ wie 220$; 
liMai»768. 164irr wol beido unU^HHÜ^ stehen nüdsseti: 
¥gi. 17 24^ — 1549 1. 5men. man könnte darnach denken dass 
P eine schr*^ibung vorlag wie hhi^ in S, wo dann die läge des 
Striches miskaonl wni-de. — 1568 l Sfrwsh, 1586 etwen ^tir- 
AtM in S ist von dem beürbeit^ n/H 0ihe sTo^ ihig widergegebeit 
«nd'Voa GrSniin^denigemSft erllari worden, was tlit der'Miidss 
f^enzinc irtft''*dem pügerstabt frwnftrs entspricfrt iMlieb ganz 
dpnselben Worten ital. bördone, span. öonion, poi tug. hordäo, franz. 
b^Y(hn, aber es hat die bedeutung einer laugen tfompete, aucli 
Orgelpfeife >^och benie beim bahteniom das bordosm^gister) mdt 
kdftt ttrspHlttglieft *bass« BisMaile'^ fhins. ^ourii^Mmer, -snnmieir. 



Oigitized by 



I 



Tgl. Dias EtymolfQig» wW i Ib^L dus, passt zu dem bauer tmdl 
erklärt aiKsh ^ tonsl uaferstiUidlifilie 1587: dar.liqili» Mmi 
wol dm i4M. \ ^ nod mit P «u hm. 4591 wm 

mau vielleicht in $ auch dmkuot schreiben, vgl. 1600. 17G2. 
1597 zu der furmel in S Tgl meine anmerknng zu Arnolds Ju- 

59t'tXT ^* ^ ^^^^ — ^ »i^ <;aadi4ioBai imd fordert 
hier denr opi^i piit«.-^ )l6(^f dieM ^me aipd TOia beerbeHer 
]iiiitugefQgt«..w8|p^;|cliQa m dem sweHmUgeB ktr M» ftwh«€r- 
kenneo JÜM. vgl. 1238. — 1632 1. gevolgen. — 1634 gehOrl 

nicht mehr dem hirscL, die anführung scbliefst schon nach r — 
163^ U di^sinmßc ia S. — J644 1. oder* — iöö6 nach der coi- 

r- .1^. l ^iMck — 1681. die «Bt<«(piui€tioii fifim» m S 
i9t( zu ^acceptieren , deDB wtm ist hisr nicht «»»wilii. — 1687 f 

die formel.wic 7511. — 1691 ff ältere fassuogea ditiser ^eschichle 
(vgl. Grimms einl. c.xui) haben hier den pfaflen iiud eioe 
con/DUbin* wie P, w^iirend 3 gebi^e durchlUhrU Grimm schlieGil 
4ar«if dm 8 den pfoffiea aiwUllsig gefuoideD and die enfthlusg 
dmach umgearbeitet habe* mir ui^üüi das ucbl et gase aieher« 
freilich sehen die P eigentUmlicbeD verse 170^ 6 ganz nach üen& 
XII jh. aus und bieUu kerne spur, dass in der vorläge die verse 
fOQ S { ir sende i kripfU) gestatidea haben, dodi paaat anderer«^ 
leite WgrhUmre^'dBiß kammenreib» 1722 viel «eiliger in den heue* 
halt dea f^tUa .ab 4en des hauen no^ wenn »ie fior de».^ 
seUagenei^ eheinaDB mit erfolg interveniert« ee steht ein seloher 
anspielungsvoller zug schlecht zu der pfafTenwirtschaft. der be- 
^rbeiter kann ja auch in polenüscher tendeuz die steilen umge^ 
Staltet haben; dann hätte er denk^iK'^ von 1727 aus der vor- 
angiMieoden enaUupg vom btren entnommen und dabei aiebl 
voraiisgewust dass er gern »npasaend 1741 widerfcommt. 16fM^ 
hat die vorläge von V m lümlich zuerst /»o/ geschrieben (etwa gar 
der bearbeiter?), was dann falsch mit dem ncbügeii loch zu einem 
Worte verbunden wurde. he& 9jm Umh, wie ^bon das MhU» wi»» 
1» 10^ besserte. — 1719 L u ^ 17^7.1, al mmb$. 
1758 der hearbeiter sieht einen sonst Ängstlich .geonedenen na* 
genauen reim (überschüssiges n) dem mangel des artikels vor. — 
1772 I. wie S hat; da ist erst später verschrieben uud von R 
richtig erraten worden. — nach 1772 komma, nach 1773 sthch* 
ponet. 1726^icb mochte böte in.P (gegen 8) hallen, weil er 



Digitized by Google 



Dl£ OBERLtEFEAUNG DES Pfi/NtiAKT FUCÜS «8 



nur nictit entbehrlich scheint, aber audti,das in P noch coii«er?^ 
vierte dar kwm ^^r^ auX S iiiifiiebaieii, 1777 ist in«P wegen 
engerer. verknOpfuiig geKiidert wprdeo. — 1781 IrpM^ <t 
▼gl. Grimms einl. cxi. — 1789 der bearbeituDg entspricht es 
besser, ftlr S gesamenöt anzusetzen. ^ — zu 1S05. 6 vgl. 1479. 
80. — 181b dar inne ist aufzuDehmeo^,,— 1836 = 1 189. -— 
1842 1. der » beide. — 1844 I. soldfi^ — man, kfMiote zur noi an- 
nelmiea dass der bearbrnter die beidep * foo S ypr 184^ 
wegliefs, weil 1835 scboa der Inhalt angegeben war /R« ^* 011 dtHi 
hof sd, der kunic hiez in für sih stän?), ^ Ib^G wenn man 
in S verrätdre liest, dann auch in P. vgl. 1615 f. S hat ver-^ 
scbiedene Schreibungen für nahd. w und zwar ; a 600. 623^ 4t 
709. .957. B. 1602. 1604. )618m 1021v 2. 1833.4. 1859.f69;^e 
591., 2. 599. m 762« 777..^. 971. 9. 1526. 1603. 1856. 15 « 
gegen 12 e. Wackernagel hat vorsichtig die ha. widergegeben ; 
ich glaube allerdings dass man unumgelauletes ä im reiui iiir den 
GiichesÄre noch aunehmea darf. — 18571. sin. — 1859 1. reluer. — 
1872 ich nehme mit einer stelle der Urstende ubirbreht tür S an; 
das seltene wort scheint mir hinlänglicher grund zur Snderung, 
sodass man des ungenauen reimes nicht bedarf. — 1896 1. eubhUet, 
— 1909f die -alle dichtung etwa; utnb inr gesiebte alzan, Reinhari 
hdt mir kunt getän. — 1919 P bat richtig iz im: er sprach zu 
sich selbst, vgl. 214. — 1925 I. sd. -r. 1938 I. ver P. — 1945. 6 
biefs vielleicht früher: der künec hiex oem FitUen vän, Sdumtedir 
ame deaman. — 1968 I. muoste im. einen, r. — 1972 1. arm- 
aMm. — 1978 1. abd.> — 1980 tcA ist nur versehen, keinen ge- 
nOgt — 2001. 2 vielleicht ist damit der leo])ard gtnienu^ der 
das bad besorgen muss. aber das ist alles sehr unklar .aus^e7 
drflckt und die stelle offenbar corrumpiert. — 2005. 6 reim 14- 
bmien: harte? — . 2007 i$t blofs angeflickt.,;- 2023 f, früher 
ar%di:$^P — *203ö 1. A<l/e vrie 2163 und schon vorher, -7 
2035 I. die truoc. — 2054 1. er (et mir not, wan(d) mir zebrach. — 
2065. 0 war der reim vorher harte : dr die '? — 2069 aikn tac. — 
2073 1. zervulknne der h, g. — 2074 daz erbarme got weist W4|I 
auf die änderung hin wie 2034. — 2081 die erganzung von 
weh Mosft scheint mir OberflUssig. — 208^ 1. er, — 2090 1. ms-, 
detttL — 2104 sollte da nicht vane irgendwo vqrkommen wie' 

* hat der Glichestere vielleicht zuerst sein gedieht [|iuc bis ij&i-rd^. 
geföbn luid dum sjglter. die fortseUimg ao^Mcl^^^ 



64 DIE OBEBLIEFERUAO DES REilSHART FüCÜS 



2127 hant? '^ 21U der plonl in P ist wol ein seichen dM 
fMhtMHt^eriuwm^Mhät m nläie'sittaiden. ^ 2119. 20 waita 

Tiellietchl tireprOn^fieli vier vem. 212^. 4 wol verdeH>t f%Mi^ 
Sih: -—?) wie 2145. 6. — 2140 1. d ndmtn ir tnl g. w. — 
nach 2157 doppclpünct. — 2158 I. einem. — 21bi ]. valsch, 
ta.. :. — viellei(ibt auch nach 2167 doppelpUDCU — 2181 früher 
gihölgdt? 2189;90 öfterer mit ^tfurdtf ? ^ 2I9f dnel nichf iü 
^reichen. — «48^ i^m R.t — : S253 i Hdar: — fttf ge- 
ändert halte ich, olme dass ich das ursprüngliche erraten kann, 
noch die Verse in P: 333. 4. 352. 385. 6. 524. 534. 581. 1055. 
6. lu90. 1. 1095. 1109. 1151. 2. 1157. 1199f. 1207. 8. 1225. 6. 
1243. 4. 1251. 1281. 2. 130d. 6. 1327. 8. 1377. 8. 1419. 1432. 
1445. t45lS. 1479. 80; ld09. 10. 1931. 2039. 40. 2055. 6. 2061. 
*. 2097.8. 2115.6. 2146; 2165. 22ife;«0f. 8. 2227.8. 2245: — 
her wird, wie S zeigt, oft vdr kengrin nicht gestanden haben, 
was ich nicht au:)draci£lich anftlhrte. 
Graz 1. 7. 84. - ANTON SCHÖNBACH. 



. . ÜB£& N£IDUA&TS REIHEN. 

Die reiüeli NeidharU stehen in ihren gedanken und ihrer 
anläge so nahe, dass sie alä veris^hiedene dai'sleUüngen desselben 
typus erscheinen ; mit dem inehr o'der weniger ansgefohrten lobe 

des frühliu^s verbindet sich (he iiuflonlerung sich seiner zu freuen, 
zu munteren Icblen, zu ball und tanz sich einzutindeo. darauf 
folgt dann 9 gewöhnlich in einem dialog ausgeführt, eine länd- 
liche scene, welche darstelle wie diese äufforderung in der freuen- 
wf^t wdrkL manche lieder schliefsen miC^ solchem dialog, andere 
laufen in eine kurze epische erzählung aus, schliefsen reOexionen, 
eiHpliiiduij^'t ü üdcr auch die erörtcruug persönlicher angelegeu- 
hciteu au. diese verschiedenen beslandteile des reihens sind ofl 
sehr lose gefQgt. die scene wechselt plötzlich, sie wird aus, der 
Öffentlichkeit ins ' hau^ und aus dem ha^se in die Offenüichkeil 
verlegt, utkd selbst die co'ütfnüitat Üer seit ist nicht Öberatl fest- 
gehalten, uiihrehd der s3iiger im ersten teile die scharen zum 
reihen saniniclt und dei' iauz tias eigentliche ziel seiner auifor- 
derung ist, rückt derselbe nachher uofersehens in die vergangen- 
heil, Bodass bei atier lebendigkeit desf einzeihen das gante eine 



üigiiizeci by LiüO^lc 



CBER ^£U)HARTS REmJÜ 



66 



-loMe fCBlalt nnht ^arinol, wie ein gcmside, desseo teOe tod 

Terscbiedeoeo standpuncten aufgeDoraineD sind. 

Es ist als sicher anzusehen dass N.s reihen an altere im 
Yotk- gebrauchte tanzIieUer aukuüptlea, und sehr wahrscheiolich 
4m er in dkaes aiebl nur. die aUgemeiiieasre^iig sondern den 
tjrpos jerbmii^ den? er konetgerecht auehildete» • die Mden iiaupt- 
toUadtflüe, aufrordcruog zam tanz inid>liiidÜGbe scene, werden 
^choD in deo älierea liedern vorbauilen gewesen sein , obwoi dte 
Jose composittoD, selbst ooch bei N., darauf hiudcutet dass die Ter- 
biidiuiig aidil unprfloglicli iel. iieide taüe weMsuiijiebaiefliliBtflii- 
^ IM lebeo getreten ind wirden entepüler tneelnheitverininden. 

Das thema, mn dae es sicii io diMem zweiten teile bandelt, 
ist last immer t;inz iin l liebe, einige iiuil gibt ein aiadclien im 
moQoiog sehnsücljUger kla^'e ausdrucii, gevvühalich erscbeiot sie 
im swiegesprücb , mit der altea, die. sie vom tanz und liebesver* 
kehr zurOckbaiteo will» oder, mit einer gespidin, die sie kegleilieD 
soD. ^aea meistens der tanz als cielpunet erscheint, ist in der 
Verbindung dieses leiles mit dem ersten begründet; elic man 
(ite»e Verbindung vollzogen baite, w.w wol tiie liebe das haupl- 
tliema, obgleich die beziehung aul den IrUbiing und seine heiLesea 
spMfli nft geang auch in den iliefen -eibfashen Jiedem lorge- 
koauaea sein Mg. die ▼orstelbing, die wir aas nach N.s reihen 
Ton diesiett alten liedern- bilden mOssen^ entspridit- gane den, 
was wir von den früh erw ilmten winueliedcrn wissen und er- 
scbiiefseo künuen. wir haben in ihnen er^euguiiise einer alten 
liebeslyrik ; aber nicht einer liebesl^rik , wie sie im minnesang 
vorliegt *ee ist .unerwdslieh und uawahradieialkh'. und auch 
ana N.s reihen in keiner weise zu folgern ^dass solche lieder 
.sich aU der ausilnuk persünlicber empliaduug gaben'; noch 
hOUl sich die emplioduag m eiü episclies gcwand.^ 

< das citat bezieht steh auf meio Lebep Wallhers s. 17. Bardach hat, 
alt er «ela«o sefaals über daa TolkstSniUcbe deatitbbe llebetUdI lehrleb, Hie 
weite mailiwflrdiger weise oisht TCrstiodieD (Zs. 27, 3S3). . es lat ein wSaent- 
licher «nteffsebicd, ob jea^nd 1s der dtrstelloeg ficttden leidaa a^a eisend 
bckeoDt, for die eigene empfindung eio aymbal sucht, od^er ob er die 
scbQtaeede hülle Terachmiht, und das peraSolich empfundene aaieh ala aoa* 
drock persönlicher empfindung gibt. *die Uebealyrik ia ilirer peiadniichen 
Isrm als aeat sich forleatwlckdnde und der eniwickeinng fiMgekunatgattaiig 
ist nicht fiter sk die geiistigs erfaebung der titterUcbea gesellachsft, wiesle 
stah seit der mitte de« i2jha.,TolUog* leben Waltbeia 8.18. . 

Z. F. D. A. XXIX. N. f. XVII. S 



Digitized by Google 



66 



VfiEB INEIDUARTS REIHEN 



Was den ersteo teii betrillt, so fällt zunädist ios aage dass 
diese taasUeder sieh nie als Itegleiuiog des taotes gehen, selbst 
hl Uedem« in denen die ersten Strophen den reihen als zukOnftig» 

die lauten sie Yergangeo anoebmeD , wo also die comporition es 
nahe le^te, die tanzende gesellschaft in ihrer bewegung als gegen- 
wärtig vorzustellen, geschieht das nicht, auf improvisationen, 
welche das geftthi auf der hohe der erregung gleichsam oowill- 
horüch henrorgehracfat hatte« weisen diese dichtnngeo alaa nicht. 

Femer ersebeinen lieder dnrchaas nicht als choifieder; 
die menge wird nicht einmal aufgefordert mit einzustimmen, der 
dichter steht überall im Vordergrund, er tritt als Vorsänger und 
und TortäDzer auf; er liat die neue weise gefunden und lehrt 
»eue Sprünge (21,26. 23, 19—24); er mft die jungen anr firaade» 
heiftt die mädehen sich schmQckcn, und fordert sie «uf sich lu 
paren und au reihen, auf seine nntadung legen die raidchen 
ihr festgewanil an, und eilen binaus, uni ihm den ball zuzuwerfen 
und an seiner band zu tanzen, der typus des tanzliedes, dem 
folgt, ist also sunftchst nicht tanaiied, sondern, wenn ich so 
sagen soU» ouverttlre zum tanz, ea ist das iied des reihenfohrera» 
der die achane jahresaeit Terkllndet und die jugend uni- sich schart, 
die vermulnntr, dass >'.s heutiger gebrauch, sich in seinen liedern 
zu neiincu oder nennen zu lassen, in allem herkonunen begründet 
sei (Meyer Die reihenfolge der lieder jXeidharts, Berlin 
s. 68)» ist diesem zweck gemafs; es acheint ganz angemeasen daas 
der mann, der mit dem anspmch auftrat » die frtthlingsÜBaie zu 
leiten, sich nannte und auf seinen namen warb. 

Wenn nun N.s lieder einzelTorlrJijre sind, die nach ihrem 
inbalt den tanz nicht begleiteo sondern einführen , so fragt sich, 
waa denn zum tanz gesungen wurde, denn das» dies geschah, 
ist sdbstTerstindiich und wird auch, durch heaeugt. zwar 7,9 
heifst es: dm minnedlehe Junge, ti hat da% man ir sunge; aber 
an anderen slelien wird der gesang der menge erwähnt. 4, 9 
sagt da& niadiiu n: ist ez lanc daz ich dm ktnt ntkt niuwes 
hörte singen und 33, 22 sagt der dichter selbst: künde ich nü 
gmn^, daz die jun^ gerne mngen, dass für den tanz be- 
sondere coropositionen angewandt waren, darauf deutet nichts 
bei N. man wird also annehmen dürfen dass die a uff orderung 
zum tanz aucii als lanziitii, der einzel Vortrag als chorlied 
diente; wer das lied gelernt hatte , sang mit; vgl. 42, 1 daz win 



Digitized by Google 



OBER NEIDHARTS REIHEN 



67 



•l«r WieriU ein tpfdlnme i iam ri% gdemetwan dm harü min 

gepldtze gerne. 88, 14 so html einer nnde sprichet 'guote, singet 
mwaz, lät uns mit m singen, tuot uns vr(fudehelfe schtnJ 

Man bat w«i angeDommen dass der chor sieb mit eioeoi 
lifrmB begnOgle, nod daaa «o aolcber rafiain avcb plau gebabt 
babe» bonoe in Hedeni, ffir welcbe ibn die flberliefeniiig oiebl 
bezeugt. aber lUr N.» dichtung ist das nicliL wahrscheinlich, 
überiielerl ist der refraiu nur bei pinom Jiode (3, 1), und gerade 
für dieses ist ri«s autorschaft sebr zweiklbaft. den gebraucb fttr 
andere amunebmeB, Ist unbegrttodet und, wsna maa das gefttge 
4er lieder betracbtet, wseig giaubKcb. die lieder sind stropbiscb« 
aber >. hat eine unverkennbare neigun^, das stropheoende wenig 
zu markieren; er Hebt es eine gedauktiureihe über das eode der 
Strophe fortzulühriu und in den ersten versen der folgendeo 
abniscUieteD (5, 19. 9, 30« 36« 14» 27. 15, 36. 17, 18. 22, 23. 
31, 19. 24). also die gUedeniDg der gedaakeo uod der metri- 
schen form decken sich Bicht; die eine sucht die wOrkung der 
arniifpn abzuschwächen, diese auffallende erscheinung muss in 
dem Ursprung und zweck der lieder begründet sein, ich nelune 
an dass die strenge gliederung der stropbischeo poesie den reiben 
ebenso wenig naturlicb war, als sie unsem jetaigen rondtansen 
nattrllcb sein wOrde, die nur elD ende aber keine unterbrecbong 
durch regelmäfsig widerkehrende pausen kennen, erst als im 
mionesang sich eine regelmäfsige siiophenform als gesetz der 
l3frisGben poesie herausgebildet hatte, wurde sie auf das alte tanz* 
IM flbertragen, nOglicber weise ?on N. zaerst N. suchte den 
zwaag der form zn mildem, andere sSnger entzogen sieb ihm 

ganz und diciileluu lanzUiclie. 

Ich habe im vorstehenden N.s lieder schlechtvveg als tanz- 
lieder angesehen, ohne die frage zu erörtern, oh sie auch wUrk- 
beb als tanzlieder gebraucht werden sollten, an und fttr sieb 
wSre es ja müglicb dass der dichter sich einer vorliandenen form 
bedient habe, ohne den zweck zu Terfolgen, der diese form her- 
vorgebracht hatte, wie so manches minnelied u irm d nin auch 
N.s reiben einfacb als geselischaftslieder anzusehen, zur unter- 
baltiug eines saagliebenden zubOrerkreises Tcrgetragen. in der 
tat zweifle ich auch nicbt daran dass N. in dieser weise seine 
lieder gebraucht bat, gerade so wie heute zu tage jemand einen 
tanz compomeren und in einer gesellschaft vortragen kann, ohne 

6» 



Digitized by Google 



68 



CfiEE N£U)UAETS R£m£N 



SU erwaiten «od lu Terlangen dm die anwesendeo nach 'tein^ 
weiae aich im kreise drehen, aber uoglaablich wflre es daaa 

hiermit die bedeulung der Neidliartsclien Heiler erschoplL sein 
sollte, wir dürfen uns getrost dem glauben überlasseu dass die 
nttchsülegende anffassiing auch die richtige is4, dass Ii zunjichal 
reiheD diohtele, mn m adbal auaa tanz und twar zum Uns def 
IttndticheD bevoUtening zu aingm. daa arscheiat als die gniad» 
läge seiner dicbtung, und warum sollte er sie so consequent be- 
haupiel haben ^ wenu nur eine fictioD wäre? sdb-i in dem 
iiede« das er aua Ägypten als grufs lu die beimal sendet, hält 
er an dieser Tonoasetzong fest: tt rmm odartamtm, tiiwm vA 
numgm wUm acMr» üh aüe* mit \% 33; und nor, wenn aie 
der worhliehkeit entsprach, Tersteht man das, was N. Ober aeiM 
Schicksale uinl den wendepuncl seines lebens mitteilt. 

Als das eutscheideudü ereignis bezeicünei bukauuLlich die 
unbill , welche Engelmar an Vriderun verübte, über den Vorfall 
weifs ich nicht mehr ala andere auch: £ngelmar hal der Vri- 
daran beim tanz einen Spiegel von der seile gerissen, wodardi 
aber, fragt man, konnte diese rücksichtslosigkeit so wichtig lur 
den dichter werden? Meyer hal versucht dit ir.iL^e zu beant« 
Worten: ^ich meine', sagt er auf s. 17, *der vorgaug habe seine 
bedeotang darin» daaa er dam' dichter eine wichtige tataaobo 
plntattch offenbart, welche aber? daaa £ngeünar ein tolpel iatf 
gewis nicht, sondern dass die art, wie die geliebte des diehteni 

die zudrineln hkiMt des dritlcji aut inumiL, beweist dass dieser 
\iUi^<{ zu einem giückiicheu uebeubuhler geworden ist (vgl. Frey- 
tag Bilder ii 50). und das macht die würknog des ereignisses 
denn doch erklärlicher!' ich finde nicht, nirgends erscheint die 
tat Engelmars als eine zudringliche liebenawttrdigkeit und nirgends 
▼crröt N., wo er von ihr spricht, ein durch geteuschte liebe ge- 
kr iiiKle«!, in >''iiien tiefen ers( liiiilertes gemUt. es mag sein dass 
er mil Vriderun ein liebesverhäitnis halte; aber bei dieser bebe 
war sein herz kaum viel mehr engagier! als in anderen verhiU- 
nisaen, von denen «r apricht; und wenn es wahrscheinlich ist 
— nötig ist es nicht — dass Engelmar zunächst einen act per- 
sdnücher eifersucht vollzog, so hatte seine tat doch sicher mehr 
als persönliche bcdeutuug. deun nicht nur verfolgt N. den Eugel- 
mar jetzt als das urbild des Übermütigen und verhassten dörpers 
(78t 35. 91, 19), nicht nnr benutzt er ihn als maCsstah fdr die 



Digitized by Google 



CB£R NEIDHARTS REIHEN 



69 



■if)lilsoiit2igkeH der anderen (74, 15. St, 14. 56, 3. SS, 27): er 
beieiefanet die spiegelgesehklhte als den anfang sahlfeicher an» 

bilden (78, 7. 93, 5), als den begino einer unglilckliclien läge 
(70, 32fn und friedlosen zeit schlechiliiü ( "'s 6). «lit Katastrophe 
betraf nicht sowol sein seelenlebeo aU seine äulsere e&isteni. 
geriet dadnrcb in not. 

70, 32 mir emod diu SisMt mMm vdgm Hnm fmo%: 

b6 ICBt si mich immer eine. 

goi vor ungeäuldc mich hewar. 

min g^üeke ist mder s6 kleim, 

fHm iuwem uMdm hän ick dS9iu hüj her Bngdmdr, 
die an, wie sieh N. hier und an den anderen stellen ttber 
da? erei*Tnis ausspricht, lüsst meines erachtens (»her dessen 
"wahre bcdeutuog keinen zweifei, und gestattet dann weiter erneu 
sicheren schluss auf N.8 leben, in der bäuerlichen bevOlkemng 
hatte er tür seinen fcnnitbttrieb einen gedeihiichen boden ge- 
fhnden, Engelmars aoftreten nachte dem ein ende., als dieser 
es wa^te, N.8 reihen zu stören (26, 2(1), stand das übrige bauerri- 
volL, die getelinge, wie N. sie bezeichnend nennt, hinler ihüi, 
and dem spielmann blieb nichts übrig als das leid lu rdumen. 
von den festen, die er früher geleitet hatte, sah er sich ausge- 
scbJosse» (53, 23 vgl. 56, 35), die dOrper springen den reihen 
ihm zum trotz (90, S. 74, 9 Tgl. 64, 36) , und der Terschmähle 
rächt sich vor anderen zuborern durch eine ueid- und bpuLt- 
erfüllte salire. 

Es wird manchen mit ?erwundening, vielleicht sogar mit 
Unwillen erfüllen, den begabten sSnger so geradem als spiel- 
mann unter die bauern gestellt su sehen; denn wenngleich miTn 

den glauben, dass N.s bauern niu- iiKi-km lür seine rilterlich- 
böüscbe Umgebung seien, autgegcbeu hat und würklich annimmt 
4m er unter baueni gelebt hat, so sieht man gemeinhin seine 
tttigkeit doch wol in einem anderen lichte -man mBehte in ihm 
einen jungen herren sehen, der im vertrauten ▼erkehr mit den 
genossen seiner jugend sich ohne zwang der lehenslust hingab, 
durch seine geselligen takul«' l)( ü,duberte und hinriss und in einem 
gewissen jugendlichen entbusiasmus die vorzUge, welche die ger 

* #f beuche ich «of Saide; Ich lehe das wort als persobi^cadon an 
tmd habe es daher mit* grofsem «fifsogsbuelislaben gesebrieben. 



Digitized by Go 



70 



OBER NEIDHARTS REIHEN 



burt ihm gab, iinberiick>ichtigt liefä. aber die häufigen klagen 
über eiB dUritiges los zeigen dass N« weaigsteag zeitweis« darauf 
angewiesai war, Tom ertrage ieiner kunsl zu lebea, and wir 
haben keinen gmnd, aniuneliinen dass er nicht auch anter den 
bauero dieses ziel mit seiner kunst Terfolgte. der darbende Singer 
sielit mit neid aul die bauern, die wie taiilteu mit vollem kröpf 
aul iiem korukasten sleheu (54, 40), uod der staodeddüukel hielt 
den ritterbUrtigen sieber nicht ab , ihre gaben zu seinem lebens- 
unterhalt zu empfangen, freilich umgibt N. in seinen reihen 
sich mit einem gewissen glänz, er stellt sich als fOhrer der ge- 
Seilschaft, als abgott der müdcheD vor; aber das ist der glänz 
der rolle, die er als Veranstalter oileuLiicher lustbarkeileu spielte, 
ein glänz und ein selbstbewustsein «Üinlicb wie wir sie noch heut 
zu tage knnstreiler und seiltflnzer entfalten sehen, wenn sie in 
den dorfern ihre yorstellungen ankündigen« in den winterliedem 
tritt N. nicht so in den mittelpunct der gesellschaU; da verspricht 
er Wül ein neues Wed als freudensleuer (35, 15), aber bei den 
tänzen im pnvaüiause begnügt er sich mit einem bescheideneren 
platz, nirgends eilt ein nudchen dem gepriesenen sänger entgegen 
wie in den reihen, nie erscheint sein Renental als ort der ver* 
Sammlung, sein erbSrraUches banswesen bot nicht den räum und 
die mittel zum kuvenanz, er ist da gast der wolliabendeu bauern; 
ja wenn 45, 22 und 37, 24 aus dem leben gegriüene züge sind, 
schien es fOr die dirnen nicht einmal recht anstAndig mit dem 
mosikanten zu ?erkehren. er empfing seinen loiin und damit 
gut (40, 1): 

\Snic t'i)i (^uldiH huou; ich yibe dir weize\ 

schter-e dö wart ich vrö. 

N. verliert durch diese betrachtungsweise an persönlicher wQrde, 
er gewinnt an Interesse fUr die kniturgesehiehte. er ist fOr uns 
der erste dichter, der sich mit seiner kunst an die bäuerlichen 
kreise wendet, niemand wird glauben ihn eine art idylli- 
scher scbvvannerei t)der gar plüne von vulksbegluckuug , wie sie 
JÜVoss als jüngüng ausheckte, geleitet haben, die zeiiverhftlt- 
nisse wiesen ihm den weg. bis dahin hatte die moderne knnst 
aUcin die adetichen hofe gesucht je gemeiner sie wurde, je 
gröfser die zahl der sSnger, je mehr die mode den reiz der neuheit 
verlor, um so weniger ergihig wurde der boden uüd dw kun-tler 
suchten neue gebiete zu gewinnen, wir sehen die kunst vom 



Digitized by Google 



IBEU ^EIDHARTS REIHEN 



71 



westeo Dach dem usieo , vom siiden uacb dem norden vorrücken, 
aber auch Yon den höheren schichten der geseUscbaft zu öea 
siedmn« 30 eigeotllaitcb N.» lyrik dem muiDoittig fpegeaftber- 
sldit: seine poetische teobnlk, die eatiberkeit der spräche, der 

genaue Tersbau und reimgebrauch, die roanigfalligkeii und strpUL;e 
des Strophenbaues setzrri du* eut^Mcklung voraus, welche die kuust 
in der bcvfischeu dichtung des 12 jbs. gemacht hatte. N» bot 
diaie ecbtttie dem landfolk und sein nihm zeigt» wie willig maa 
iie aniiiafani« N. km muem hedttrfnie eatgegen; derselbe trieb, 
der sich in der nachahmuog höfischer kleiduug und böfischeD 
benebmens ffufserte, bekundet sich auch in der empfänglichkeit 
für eine leiner gebildete kunstform, die bevorzugten stände der 
geistücbtot und des adeis waren in dem streben nach höherer 
bdMir vonogegiageii, jetit bemohte sich ein teil des Obrigea 
lelkes ntcbsukonmen. 

Aber auch die kuust selbst gewann durch diese einkehr auf 
deai lande, indem N. sich lUil semeni gesaiige au die bauern 
wandle, muste er an die kunsl anknüpfen, die er unter ihnen 
wrisnd* die höfischen poelen erschöpften sich im adelichen 
ninnessng; N. nahm das volkstOmliche tanzlied in seme pflege 
und führte es in modernem gewande in die litteratur ein. der 
enge kreis der huüschen lyrik, den Waklier zuerst durch die 
aufDabme der sprudipoesie mächtig durciihrochen hatte, erweiterte 
sich jelit vaa neuem « obschon die exclosive höfische gesellschaft 
den ihr eigentOmlichen minnesang noch mit so eifersüchtiger liebe 
begte, dass N., um den sutritt zu ihr zu finden, die minne- 
sü'üplien in seine lieder aufuehmeu muste. 

Die kunst hatte eiu weiteres gebiet gewouoen und zog aus 
dem neuen boden frische kraft, während der minnesang die be- 
rObnmg mit dem würkÜchen leben gemieden und allzu ängstlich 
nch in die well der ge danken und empflndungen zurückgezogen 
halte, sucht N. überall die realität auf, und selbst seine typischen 
figurea gewinueu lu dru ht sseren liedern den schein individuellen 
lebeos. hier endlich erschiiefst sich der sinn, der sonst fast nur 
nadt innen gekehrt war, der aufsenwelt, nicht um ihr gleichsam 
nur einen verstohlenen blick zuzuwerfen, sondern um sie ganz 
IB geniefsen und ein auch in kleinen Zügen treues bitd festzu* 
hallen, freilich fehlt auch die kehrseite nicht, niii der natdr- 
licbkeit und frische, weiche die poesie durch die berUhrung 



Digitized by Google 



72 



ßB£A iNEiüüAaXS REIHEN 



mit dem volke eriiieU^ verlor tie lugleicb an würde uod to* 

An diese aHgeiMmen bemerkungen echliefto ich einige bei* 

trdge zur krilik und erkl llUlJj^ eiu/elner lieder muJ slellen. 

1. Hau|>t cröltiicl seine ausgäbe mit acht gedichleu, die m 
der Riedegger hs. nicht ttberiiefert sind, 'sie haben', sagt er» 
^ungendgeode fiafsere gewahr,- aber sie klingen neidhartiBch- and 
wenn in ihnen die eigenart des dichters nicht ganz so scharf 
ausgeprägt erscheint wie in den meisten reihen der Riedegger 
hs., so Vi ml das jugendgedichte ♦Tkennrn lassen.' allerdings sind 
die meisten gedicfito der art , dass sich M. ihrer nicht zu schftmea 
hatte, aber doch fallen einige puncte in Ihnen auf, die seinena 
gebrauche nicht entsprechen« sehr beachtenswerte bedenken sind 
gegen 3, 1 geltend gemacht, schon von IJIkncron: der fehlende 
natureingang und der rpfrain, den nur dieses liai; vgl. auch 
Tischer Über iMÜiait von Riuwentai, Leipzig 1^72, s. 19 und 
Meyer s. 7 f. das gedieht als erzeugniff der jugend amusebeni 
widerrat das motiv, die tancinstige alte im widerstreit mit der 
moralisierenden jongen. Bu^jt^nschelnlich sachte der dichter ein 
neues motiv und wüste es nicht anders zu finden als durch um- 
kehrung d«'s iiatilrlichrn und nächstliegenden, auf die ^fhuliclikeit 
mit einem anderen im er Uten liede (4, 6) hat Meyer hingewieaen. 
kaum weniger bedenkhch seheint mir das iweite lied. wenn 
Paul (Beitrage 2, 554) in den versen 4, 6 f mit recht die lesart 
von € bevorzugt,^ wflrde schon der reim t^sMerwifte hindera, das 

* als ich ni» iii buch über Walthcis hbtn scluitb, nnhiii ich noch art 
«!av< N. alle sriiu- lioilrr, atn ti <! ■ r< ihcn , ftir den vortras? in rilteWicheu 
kuisrii ^riluliUl liahe, und ^i«iui»u drshulb :mi> \ValUier< worleo (65,31) 
In (}<n ^rhui't n lirze ich si iv(jl n'n sriilit fscri zu müssen dass das licd Owe 
hori'/i'c/irz si/i^c7i liichl {^t'gen N. gcrirlilrt ^t;iii komip ( I,t lt«'ii s. 17). jetzt 
wuiiieii inicli diese Worte nirht inclir ;il>ljalten, l lilrinds bczithung als 
richtig anziierkennrn. ;iI><m hrdiriklich bleibt sie mir doch: denn Wallhers 
tadet scheint viel meiir aul die Vortragsweise als auf den n.halt t«»ri( :i!< t /u 
sein und seine Gegenüberstellung von nacbliiijali und frösebeo anl euien 
aininen gegeusiilz hinzuweisen als den zwischen seiner und N-s l)rik ; siebe 
anm. zu 65,21. Leb. iv2y. üluigens lässt Walthers ganze art erwarten dn>!i 
N.s poesie seinen beifall nicht fand, wie er ähnliche gege^^lall<ie behandelt 
zu sehen wünschte, zeigt sein lied 74, 20. es ist ein ländlichem tauzlied wie 
Meidkarte reihen und teilt mit Ihnen die lose composttion (vgl. auch 51,13>, 
«her nicht» eiionert m deo kecken realismus Neidhiris, das geUiälde i$i io 
den latttn tuhtn und dem xticbtvoUfn stil des miuocliedes ausgeführt,; 

> 10 «iiiotot, wie es Paul scheint, ist die lesart muottrt iäU dne 



Digitized by Go 



1)B£R NfiiDHARTS RfiiUE^Ci 



lied ato eigentiiin aniuseheD. ' sehr anffelkiHl -für tih mne 
auch dib folgende atrophe: • 1» • ' ' ^ 

'Heina, tohter, neine! . u j 

tScA A<<ii dich alterseine -f. 
ge%ogm an minm brüstm: . i 

htg 4ith der man niht Mnen.' 

diese feierlich gefühlvolle beschwör uiig der alten widerspricht 
durchaus dem toue, der in N.s dichtUDg herscht. eudlich ist 
die verbittdttDg swiacben <ter viertem und fUnfteft stropiMi' maogel- 
iiaft. wer der nanii sei, bat die aHie nicht sii wiaaetf TeHangt. 
em 80B8t gebraoefaficfaea moftiT hat hier den 'dkhter* |fe(eitet nnA 
die natürliche entwicklung der gedanken gestört. — in dem ge- 
dichfe 7, 11 fällt auT d;iss ein gewisser Merze den reihen vor- 
apriogt; sonst oimmt IS., wenn er einen bestimiuten vortäoier 
nennt, die roUe fnr sich in anspruch, ndd die «bweiebung voki 
dieMin gebnittdi Mi um so stirker ina* gewicht, wenn wir den<* 
sefiien irorbtn richtig gedeutet haben. — ' in d«m Ivobechen Kede 
8, 12 liat die vierte atrophe zweimal stumpfen icim (9, 2f), wo 
sonst kliDgeader steht, zwar wird die uuregelmfif^igkeil metrisch 
Mtagei^cben, wenn man die drei letzten verae der atrophe lu 
einer dnheit Terbindet nnd statt des rersendea caniren annlmini, 
eher die nnregelmaHttglieit ist fdr N. doch anlfallend und ver^ 
dient beaurUt zu werden. — unter den iiorli übrigen tier liedern 
sind drei, in denen allein der Sänger das woit führt, kein 
mHdcben redend auftritt, das konunt nun zwar auch in anderen 
iedem vor» entsprieht aber Jedesfalis nicht gew<>fattheft; - ei^ 
hat die einftihrung eines monologs oder dialogs ntof ' in den beiden 
spaten tOneo 31, 5 und 33, 15 unterlassen, und dann in drei 
gedithten, für welche besondere bedingungen «gellen, in 25, 14 

und den beiden auf der kretufahrt gesungenen Ii, 8. 13; 8. 

■ ■ ■ f 

melde nicht. N.s lieder zeigen dass die teilnähme an den öfTeotlichen reihea 
manchfiD anslöfsig war, and po konnte die mutter wol aufgefordert werden 
za schweigeu; ?gl. 17,39 und MSU 3,216' str. 13 tohterlfn, swtc stille! 
mbmewhug oder vil, das ist min guoter willen scehe icki <tn mit Mden 
i^Mii ougm, M tr«nM% 6» tohUrftn: akä tm iIm ki9i dak^ mm und 
wtim ntir bndf tmig€n,, aacJi. io v. i,2&,wiU PaBl.(iu.&55) die üb^T 
Be/erte^lesj^rt iek. btUi^e dtn Imabe^ werdmi beibelialteiii Havpt habe sie 
▼cimolUch . Dur gdindert, am den doppelten aa^ci sa eotferneo, den er 
doch a'nderwifts angebe, wie atcDt alch däu Päd die üaAk Totl ' ' 



Digitized by Google 



74 



OBER NCIDHARTS RElHEiN 



die vorgelrageneu bedenken worden nicht ausreichen, gut ver- 
bürgte lieder dem dichter zu eatziebeo; aber sie vermehrea daß 
mistnaen gegen scblectit iMieogte. wir haben hier einea der 
ftlle, In denen die kritik der Uederdlehlir wa einem sicliereA 
resultat nicht koromen kann. 

2. in mehreren reihen N.s hat niHn einzelne stnipiit n otler 
stropheugruppeu abgetrennt und aogeoonimen , der dichter habe 
sie necbtrsgliefa biniugefogt oder auch denselben ton ip eioM. 
neuen liede widerbolt ob Baupt dies auch in dem Uede II, S 
angeDommen hat, ist mir zweifelhaft; er beseicbnet iwar hinter 
der siebeuten Strophe einen abschnitt, hat aber nicht, wie er 
es sonst bei neuen liedern tut, den ersten vers der achten slrophe 
Torgerttckt. Meyer stellt es s. 97. 108 frei, ob man die vier iettiSR 
Strophen als seUistilndigee üed ansehen wUl* und s. 121 sagt er« 
sie brauchten nieht gerade unmittelbar nach den sieben ersten 
Strophen \ urgetragen zu sein, aber andererseits bemerkt er richtig 
dass die wurte ob sich d&r böte nü aüme «las erste lied voraus- 
setzen, man darf die Strophen desselben tones nicht von iiinan4f>r 
trennen 9 wenn sie der Verbindung nicht widerstieben« eine» 
abschnitt wie nach str«7 kann man auch nach str.3 wahr- 
nehmen, aber alle drei teile gehören zusammen, die Steigerung 
der emptiiiduiig fom ersten zum zweiten und vom zweiten mm 
dritten teil ist unverkennbar, die Sehnsucht oacb der heimat 
und der geliebten ^ die klage Uber die mistiche läge in Ägypten 
gewinnen immer lebhafteren ansdruck, in immer deutlicheren 
zttgen sieht das Terlangende auge das blld des hämatUe^ lebena, 
immer lauter ertönt <lie frohe erwnriung der baldigen heimkehr. 
gegenüber dieser stetigen eutwicklung der empßnduog fällt es 
wenig ine gewicht dass der dichter im zweiten teil einen boten 
entsendet, im dritten selbst die hotscbaft Qbernahmen wüL das 
ganze beruht ja doch nur auf einer flclion und eine Verbindung 
ist durch 12, 19 bezeichnet, das lied wurde vorgetragen, als 
der herzog Leopold im frübjahr 1219 sich auscUickte, Ägypten 
ZU verlassen; vielleicht als er seine boten abordnete, um die 
bevorstehende rOckkehr ankOndigen su lassen; so finde auch tis 
geeandtschaft in der wUrkltebkek ihr gegcnbild und ihfen anläse 
die htstorischen Verhältnisse, auf die N. anspielt, hat Scbmolke 
im Programm des gymnasiums zu Potsdam s. 13 on^etührL 

hinzuzufügen wSre etwa noch dass die erwäbnung des ougeU 



Digitized by Google 



Üfi£R I^Ell^üAAIß REIHEN 



(13, 2)« die id dem frttliliiigsiiede auIXKlIt, durch die TerkOndigwag 
des cardiDals Pelagioa feranlasst ist: jeder» der bis sum Bftcbsteo 
herbstpaseagiiiiD ausharre, solle stiDdenerlass fOr sich and seine 

aogehOrigen eriialten. in erinneruug an den schlimmen spät- 
eommer des jabres 1216 autworleiN.: er dunkift mich ^inmm^ 
wer di$m &uge$t batdt. 

Ober die slrophee des tones 2^ 14 urteUle Eaupt dass sie, 
wie es scbeiDe, ▼ersehiedeneD liedero aDgehMea. ^die dritte 
Strophe würde wol in demselben liede weder den gesaog der 
fögel erwähnen , nachdem die erste Strophe von den Hedern der 
Baehtigalieo geredet hatte, noch aus ihr liehen an derselben vera- 
etdle widerholen, die .füafie atrophe schlieiat sieh nisht recht 
an die wirhergehende an: die deutimg UUeacrons a. 103 be* 
friedigt nicht; der Zusammenhang war wol anders und deutlicher, 
die sechste stiophe muste als eine einzelne abgesunderi werden.* 
iiiinUcb aber entftohiedeDer triU Schaiulke s. 15 für die treuauug 
in zwei lieder ein , und Meyer s» ^ letzterer bemerkt noch» 
dm die letale Strophe jOnger aei, werde durch 20| 19f bewiesen 
gegenüber der ruhigen erwahnung Vrideruns und Engehnars 26, 2 C 
ich halle die annähme, dass hier <Jie lr;igiiieute zweier reihen vor- 
liegen, für unbegründet und glaube einen teil der bemerkten 
scbwierigkeiteA heben zu kümien. an die spitze des tones seue 
ich die zweite atrophe, denn die bemerkung über den wintcr 
kommt lu spit, wenn die Schilderung des frflhlings vorangegangen 
ist. *man sagt, der winter habe sich heuer in die länge ge- 
zogen', beguuit der dichter; 'jetzt ist der Inlhling da.* nun folgt 
die Schilderung: zuerst wiese und beide, dann die linde und die 
■achtigall, die vOglein und die aufforderang der müdchen. dasa 
Msh dea MchtigaUen noch die vOgel erwttint werden, finde ich 
Bidit so auffallend, um daraus auf verschiedene lieder %\i scbliefsen. 
K. lässt hier wie in anderen gcdichteii die gedaakeiircihen aus 
einer slrophe in die andere übergreiieu. die linde in v. 1 4 f setzt 
die in der ersten Strophe begonnene Schilderung der pflanzen weit 
fort; die dritte mit dem gesang der vügel knüpft au die nachti* 
galleo in der sweiten. die widerholung des wertes liefteii in zwei 
auf einander folgenden Strophen ist allerdings auffallend, aber 
hier bedarf Haupts text wol einer äuderung. tichen bedeutet 
'schaffen, treiben, ins werk setzen' und so braucht^, das wort 
19t» 21 dM 90§tk . • 4k sin§9fU tim»Hicii€he» ir ^«wnc, wku tu 



Digitized by Google 



lik^ Hthm den tumer lane, '45, 14 mnschd mirz, wiez Gisel dä 
mit lotixe HtAm toL aber was solilfeAai H%m bedemea? dieacs 
H%mt M mir u&TerstSndUoh. di« bs. c liest; iofumiir 'lM 

nahtigal strichen; sie hat das richtige reimwort erhalten, »trichm 
län li^i die bekannte ellipti'>< lie wendun^, deren urspi iiugtiche 
bedeutUDg nicbl mehr geiühlL wurde, ^i. braucht sie gerade so 
18, 15 nii. lumt wie' diu nahiegal dar näher strichen lät; ygh 
MSH 3«219^ Noftr/jial tr hügen lAm dar sfrfdkoi. 

Also die* ersten drei Strophen bravcbt man nicht aus ein- 
ander zu reifsen. sie sind der einsang des fn'Üilingsliedes, 
in dem nach herkömmlicher anläge an den preis des Früh- 
lings Mk eine an' die mSdohen gerichtete einladung aebliefst; 
eigentOmUeh ist diesem ängange nur daaa der sSiiger ein be» 
slknmtes mSdehen nennt, ' an das er einen krans gesandt habe, 
die vierle Strophe schliefst sich aufs engste an die dritte au. 
in dieser Strophe gelbst aber erfoigl der Übergang zu eioeui 
neuen teil, zu der darstellang einer ländlichen scene, die uns 
Mmlich wie 25, 7 und 20, 35 auf den tansplats fObrl. eine ge- 
sprachsseene fehlt diesebi* liede- wie den späteren 31, 5 uml 
3i[>, 15. dass eine solche jemals vorhandtu giweseii, ist nicht 
anzunehmen; denn weder vor der vierten Strophe noch hinter 
derselben wttrde sie nach der analogie 'der anderen iieder eineii 
plats haben. 

• - Weiter fragt sich^ ob ctie verbSnldang von str» 4 und 5 ur« 

sprOn glich ist. Flaupt und Schmollte vermissen einen rechtea 
zusaniiin iiliang , und in der lal ist die erwn!inung Engeimars so 
unbestimmt, dass man weiteres hören möchte, aber doch ist 
scirwer su sagen, was in der veriornen atrophe gestanden haben 
sollte, denn deranfang d6 ek^ aUer liebes gMJi hegunie xweien 
flieht noeh 'bei 'der Vorbereitung eum reihentans, wie der echluea 
der vorhergehenden Strophe, also in der all^tmt lut n Situation 
ist kein sprung und keine lücke bemerkbar, ich nehme daher 
an dass der diebler doch beide Strophen auf einander folgen lieft 
uiid dass er von Engelmar hier nicht ndir enfthlen wollte* 
dio tweite bflUte der atrophe vermag ich im einseloen nicht genau 
zu erklären, auch Liliencron lüsst in seiner paraphrnse das worl 
bescheiden unübersetzt. der gedauke im ganzen aber ist deutlich, 
der Sänger sagt' dass er der erwartung, er werde, da alles vor- 
ber^t war, den reihen anallmmeiiV niefat • habe entaprtehen 



Digitized by Google 



OBER NeiDBAKTS REIHEN 77 

tonneD. augenscheiolich hielt Engelmar, der lauernd gegeo* 
Ober stand, ihn davon ah. 

liludliGh die letzte stropbe: 

Nk hmeiu «t miek iingm, 

wie sol ich (jchrfren? * ^ . 

mirst an änge^mmeu 

da» er YtütrimMn . 

Haupt ßielit die Strophe als riu selhsUindiges iiedchea an , lür 
das der dichter also jede andere wcjäe ebenso gut haUe walileii 
iUMueo. aUerdings ist, was IS. vorher danttfrieUeo AiotorooiDaieii 
feiile, nSi^der lAnflui elco|iJie. abgMcfaloMen; «ber.dift oonipo* 
ikiiHiaweise des dkbtm mbAgl doch nichii in. der ftlii^eB 
Strophe das ende des liedes 2U sehen, wie er mitten in der 
vierten Strophe plötzlich ans d» r gugenwaii zunlcKsi li.nit und eine 
scene der Tcrgaugenheil äcinUlertf so konuLe. er müi dieser scene 
wider sar gegsswatt xurichkebveB« M dioaer kiniichl stflbt die 
smIhIb «tro^lM Btt doi ▼orhergehMdoD iti^tdanisdlbeQ fMliftlliiiaae; 
wie dße leuce siropb« des lieto 31, 5 tu 8», 30-— 89. die 
'iiiiktu aber, die N. in der sechsten struiihr jiii>>pricht, sieben 
in uiiferkeonbarer beziehung zum vorhergehenden, die fünile 
sddoM er mil der erklärung, dasB er nickt, fingen konnte, 
die fcchBte beginnt mit der erklftrangt da» er mcbt singen kann; 
in der fierteo liat er auf Engelmars drohende stelliing hingedeotnt« 
in dieser sagt er, tK iücli nu hl deutlicher als überall >uusL auch, 
was Engelmar nadiiier vti hrochen hat. ich bin deshalb der an- 
sieht dass die sechste fitro]^ mU den anderen in verbinden und 
gleickEeitig mil jenctt vom dichter verfasst und vorgetragen ist 
Welcher auaammenbang findet aber in.der eecbsten stropbe 
seihst stall? was hat Engelmar mit N.s haussorge zu tun? wie 
koumit überhaupt der ai lur diciiler, der an audt^ren steilen dringend 
um ein eigenes heim butel, dazu, hier tiberdie sorgen eigenen 
bauswesens %u klagen (vgl. 99, 30)? ich vermute dass der aus* 
druck hiU besargm bildlich tu nehmen ist, und dass die sweite 
balfle der atrophe den bildlicben ausdruek erklärt; etwa als wenn 
mau in unserer spräche, sagte;, ^nun.soU ich tuuzeu; ab|ir ich 



Digitized by 



7S 



UB£R N£1DHARTS REIHEN 



tnge einen scbub, der mir des tensen vcileideC; es ▼erdiiefst 
mich eo Engebner dess er der Vridenm den spiegel fon der 
Seite riss.' das spiel, das N. widerbolentlich mit dem namen 

Riuwental treibt, würde die wenduug veniiittpln. ich muoz ein 
h^s hesorgm daz mich sanyes wendet manegen morgen bedeutet 
so viol als 4ch bin ein ermer Reuenteier*! ein kind des ungiQcks; 
?gl. 5, 32.1 

Was nun das gance gedicbi belrillt, so ist darin die sorflck- 
baltuog bemerkenswert, mit der N. von fingehnars tat spricht» 

oline holmendes beiworL, uhue satirischen seltenblick auf die 
dörper. er legt scmer gesinnuug noch zwang an; also noch 
hoffte er wol den verlorenen platz wider zu gewinoeo. das iied 
ist in der ferm der reihen gedichtet, andere mochten es zum 
reihen singen; N. selbst aber trat mit ihm nicht auf den taniplaliy 
er will ttiobt «Ingen, wegen der krinkungf die Engcfanar ihoi 
zugefügt hat. das lied erscheint wie ein fehler, den er tiu* 
streckt, um zu sehen, ob die alten beliebteu klänge ihm eine 
schar gewinnen werden, mächtig genug, Engelmar und seine 
genossen bindan in halten. ^ 

in der anmntigen atrophe 8^ 36 bittet M. mn ein haus am 
Lengenbacbe. ob er sich damit an Otto Ten Lengenbech riohlety 
der in Urkunden bis in die dreifsiger jähre des ISjhs. häufig 
erscheint, oder etwa an herzog Friedrich den streitbaren, dem 
oacii t'iiier Urkunde vutn 11 märz 1241 wenigstens decimae in 
fora Lengenbach als passauiscbes leben zukamen , liefö Haupt uu- 
entschieden und wird sich nicht entscheiden lassen, die wahr» 
scheinliebkeit aber spricht durchaus für Otto fon Lengenbech. 
nicht nar ennheint der schloss der Strophe gat nüege mir eds 
Ms mir oftedfM^ ftf dimi lmg^8^ wOrksamer, wenn sie an 
einen herren von Lengeubach gerichtet war, auch N.s lehensver- 
h^ltnissp sprechen iJatür. autangs halte N. die <^unM (\v> lierzogs 
Friedrich gesucht und empfaugen, er war von ihm mit einem 

* so ist such Str. 74,25 sd Tosteben; wenn N. imii schloss an seine 
aeheter die bitle richtet, ihn des niacns Reeeatsl frd so IsaasDy so will 
er denit ofeht sowol sagen da« er niokt mehr N. von R. genannt adn will, 
•b daas er in dne lagt Tenelit in werden wflnscbt, auf die dieser nana 
nicht passt die folgende stfophe ist von dieser nicht absnlranneo. 

^ andere stropbea desselben tones hat Liliencroa bereits für unecht 
erklart, Haopt in die anmerkangen Tcrwiesen. durch Pauls gegenbemeikongen 
(fieitrige 2,5670 hin ich ebenso wenig ubeneogt wie Meyer s. 6. 



Digitized by Gopgle 



0B£& NEIDHARTS RUHEN 



iMM M MadeKche Mehnt (75, 3); abtr dit gahi ^ügte im« 
MurfkrisM nieitt; er ^iricC in tclioldeo und das gut war bald, 

wie es scheid, verpftndet (78, 18). neuen auronlerurj^cn ent- 
sprich der herzog uicht; die str.84,32 üeuiet Haupt vermuLuug»* 
weise und gewis richtig auf deuselbey, und ali Ifriadridtö band«! 
nit 4tm kegBiioeD, findw wir don Mter auf dar aaile 

der gegupartai. wann wir wm mimm das IV. die. gagnd nom 
lladeiici(e, w er orspfHaglidi gahaaat iHMa, spaier verliafa und 
weiter ostwärts in die gegeod ?on Leugenbacb zog (Haupt zu 
75, 7), so i^i es doch sehr wahrscbeiolich dass die iiinsiedeluug 
und die bitte um eio haus am Lengenbacbe eiae ioige des ge- 
Urüblea TerhaliDiases zum benog waren, dazu kommt aock daaa 
Ouo von Lengenliadi, soviel wir aus doifügen docnnenlen 
scbJieben kOonen, n FHadridi ebenso stand wie N. er er- 
scbeint häufig in «rknnden Leopolds ?i, nor aweimai bei seinem 
uacblol^'tT zu anfaug seiner regierung am 3ü iw\. ['l'M) und am 
2 nov. 123 l. am 18 sept. 1235 entzieht ihm Fnedncb die vogtei 
Uber das kloster Garsten. 

Non daa wbalinia der atrophe in den andeM desselbeii 
lanss. flawfC bal die atrophe abgaaondert, Meyer, s. 132 he* 
nichnet aie als einen anhang nnd verwciBt auf SahaHdke« nnd 
dhser (s. 7 anm. 26) sieht in ihr einen beweis, dass N. frOher 
erfundene tOne später wider aufgenommeu habe, aber warum 
soll die Strophe uicht ebeuitu früh gedichtet und gesuugeu beiu^ 
wie die anderen? die eanheii der emptindung ist «nverkennbar; 
derselbe weiche aGhweramiiga ton widtat in aUen teilen « in den 
eiakitenden strapben l«--d), in dem gesprtah der mUdchen» 
in der rtthrendea hüte, mit der der äSnger sehliefirt. wie das 
mädcheo in ihrer letzten sirophe ileu schulz des hiunüels herab- 
tleht (30, 34), so richtet auch der dichter — eine un^ewühuliclie 
Wendung bei ihm — seine bitte an gott. ich sehe die Strophe 
angeßlhr so an, wie heutzutage die widmung eines buches; den 
aeislen lasem bam aie gleich|pltig aein, das bnch kann snob 
ebne sie bestellen« und doch gahOrt sie im. 

In dens tone 32, 6 Iflsst Hanpt es nnentsehieden, ob die 
beiden letzten suophuu ein Iraginent sind, oder ub der tibergang 
verloren ist. Schraolke s. 7 anm. 54 bezeichnet sie aU eiu hruch- 
stttck; ebenso Meyer s. 97. 110. über den Zusammenhang der 
ersten sechs sirophen bemerken sie nichts, nnd doch iai auch 



Digitized by Google 



idiMr nun^alt der Miffordtonittg zur freude iA.itr. 2 Mgi 
oofennttAlt die.klage in str; 3; uiid die betmcfttiiogefr-ttberdmi 
«erfall •dec^liebe m ür» 3 und 6 bangea egmher uaAer neh eager 

zsisaninien als mit den aU^emeinen klagen io dem dazwischeo 
stf ht inicn Str. 4 und 5. mit den str. 3 und 6 berühren «ich aber 
auch die iteiden abgelrennteu uabe; uidii nur bebaodeln sie das- 
•elbe theoia^ 'seibsi eiazelne ausdrücke werden wider au^e- 
kutaMBdi' nMikkß^ mimm 32, 3^ lud 33> 7, . AiMiMe« iwd 4tU 
hirm hok 32; 37 Qod 83, 1% eine endere ordaang d«t etraplien 
ergibt ewen •besseren nksaminenbaog,' In dem tuoh 33, Z^t4 
ihre stelle tiodeu. doch zuvor sind üiu par eiuzolne |>uacte zu 
bestimmen.' , t. 

•• •" Aus den worteu 32,30 

'Der -fiM nA.diB Tmitditm umd lim BMm* bmte 

'da$e timäu mtrsntm misa man gamu 
scblieAit Sehmolke 8. 29^ uoser liad sei nach der aobteerkUttmig 
des iierzogs im juni 1236 und dem gleidizeitigeu eibfall der 
kaiserlichen achlsvollstreckcr gedichtet, da Torher zu keiner zeit 
4)eutsehti utid Bdiimea zugleich io Österreich eingebrochco waren* 
«ber die erste stropbe feiert den beginn des ffUhl^ngs und die 
Mge£Qbrleii'iworte salbet zeigen dais die feUer Booh nieitf be- 
stalle wsreo. 'N. nrass seia Ue4 gesuDgea haben ^ ebe die wAi 
4Mn|pesproehen und vollatreokt wurde, dasa mtm dies ersigiiis 
.«( tioii IUI winler 1235 :{6 in (Mierreich filrchten und vora»issehen 
konute, ist l)€i dein verhallen des hcrzo?s tjeirt»nüber dem kaiser 
sehr begreiflich, siehe darüber jetit AFicker iierzog Friedrich ii, 
Jnaabruck 1SS4, s. 45 il. — was meint N. feraar 32,'18r 

M im wibm MigmM$ saldm^Mdhoi 

imd tn-tii diu Mttn wtfm 9Mt% latim, 
• die habent »teh biWoUm mü $4 vrämdm saAen, 

daz hie bevor den Tiufschen wilde was? 
die harten ausdrücke lassen keuuMi zweifei dass er dds lasier 
der paederastie im auge bat, desseo damalige Verbreitung in Öster- 
reich auch durch andere aeogniese bekuadet .wiid (Schnlts UM- 
sches leben 1, 453Q; das ist dle^fidscbe minne, die der adeln 
minne ihr lob genommen ba(v nnd darum aehliefst der dichter 
mit den worlen nieman sol mich fürbas vrdgen; er will von dem 
ekelhaften nicht weiter reden. 
• Die Strophen schliefsen sich nun ia f^ender weise an 



Digrtized by Google 



CBER IHEIDHARTS ROHEN 



81 * 



«inander. auf den natureingaDg und die klage ttber das eigene 
nusgeediick in der ersten atrophe llaat N. seiner gewohnbeit 
gemlfs eben dialog folgen, str. 32, 12<^17 ist einem raadchen 

in den mund zu legen, die redende person Ist unbezeichnet 
geblieben wie 10, 32. 18, 4. 19, 37. 24, 13. sie freut sich des 
friihliogs und iordert zu allgemeiner freudp auf. die s\iilerliolung 
desselben gedaukens in v. 6 und 16 rerlierl durch diese roUeii- 
Terteilung ihr auffallendes, eine gespielin antworlet mit 33, 3 — 8. 
sie will von freude nichts wissen , klagt Uber das heimliche liebes- 
werben der mlnner tind den verfall der guten sitte. die andere 
replidert, dass man die roanner nicht alle gleich achten mtlsse, 
die guten solle man lieben, die bOsen meiden; die untreuen 
liebhaber wollten sie beide rerüchten. hiermit schliefst der dialog 
und der dirhi» ergreift wider das wort, er nimmt das thema 
der mäUcben auf und steigert ihre klagen , indem er den mäooern 
schlimmeres vonvirft als sie (32, 18 — 23. 36— -33, 2). dann ver- 
laset er das specielie thema, spricht von dem verfall des lebena 
tlberhaupt (32, 24 — 29) und schliefst nachdrocksvoU mit dem hin* 
weis auf die zeitverhaltnisse. von besonderer wttrkung aber sind 
die letzten worte und belibe der vride noch stcete; durch die un- 
gewöhnliche satzstelluog treten sie kräftig hervor, das war der 
wünsch, iu deui sich alle begegneten. 

Ich habe jetzt die reihen besprochen, an deren einheit Haupt 
iweifelle; die jüngeren stellten seine Vermutungen suversichtlicher 
hin , und gehen in einem liede Ober ihn hinaus. Schmolke s. 7 
anm. 26 mdnt, die beiden atrophen 15, 5—20 hiengen nur sehr 
locker mit den vorhergehenden zusammen und hatten betreffenden 
falls wegbleiben können. Meyer s. 8 möchte sie am liebsten iür 
unecht erklären, doch konnte N. sie in seinem alter, in dem er 
zu lehrhafter betrachlung und hülischer wortspielerei mehr neige, 
auch wol hinzugedichtet haben, ich halte diese annahmen für 
onhegrOndeL das lied 14, 4 bat die form des reihens und konnte 
dao aum lanse gesungen werden, seinem inhalt nach ist es ein 
liebealied. eine aufforderung sum tanze ergeht in dem ganaen 
liede nicht; gleich die dritte seile manegm tenedem her%m tHrm 
ist hemmen bezeiclmet den kreis, in dem sich auch die beiden 
letzten sUupheu halten: niinne und spiache des niiiiiieliedes. 
wenn IS. iu seinem aller mehr zu lehrreicher betrachlung und 
höfischer wortspielerei neigt, ao ist doch nicht einzusehen, warum 
Z, f. D. A. XXIX. N. F. Xm 8 



Digitized by Google 



82 



ÜBER ISKIDUAHTS KEUiLiN 



er, der ia einem seiner ältesten Ueder den höfischen dichtern 
ihre reflexionen über das wesen der minne abgeborgt hal (9, 13)^ 
nicht auch mit den wortern lup und vritmt nach ihrer weise 
tändelt haben soll. 

3. ich habe oben die ansieht gefinfsert dass N., wie er im 
volkstümlicheo tanzlied die anreguug zu seinen reihen fand, so 
auch mit seiner täligkeit der Jandlichen bevoikerung diente, bis 
sein handel mit Engeliniir eine Wendung herbeiführte, gleich* 
zeitig aber wies ich daraut hin dass er nicht mit allen Uedem, 
die er in reihenform dichtete, die absieht gehabt haben mflase« 
sie tum reihen vorxutragen. er behielt die beliebte form bei, 
auch wo er xunSchst andere absiebten Terfolgte; so in den beiden 
auf der kreozfahrt gesungenen liedern (11, 8. 13, 8), in dem ge- 
gedichle, das er Otto von Lengenbach widmete (29, 27) und u\ 
dem Uede 25, 14, wo er ausdiückiicii erklart, nicht zum reihen 
singen zn ki^nm n. noch in anderen gedichtcu weist der Inhalt 
nicht auf den gebrauch beim tanze hin. 9, 13 und 14, 4, anch 
- 29t 27 sind liebesiieder; 16« 38, das gespräch zwischen der mutter 
und ihn^ betörten tochter, 33, 15 ein der Jugend gewidmetes all- 
gemein gehaltenes frühlingslted, 32, 6 der klagegesang über den 
verfall der zeit, und wol auch 31, 5, das zwar eine Schilderung 
des reihen enthält, im wescnlhchen aber denselben cli tr icici tragt 
wie 32, 0. die drei letzten lieder hat N. in vorgerilcklem alter 
verfasst; es gehört m dieser gruppe aber auch das lied, welches 
man wegen der ungewandtheit in der enlwicklung der gedenken 
für das älteste des dichters ansieht.^ 

In anderen liedern tritt die beziebung auf den reihen deut- 
lich herror; doch dass dadurch noch nicht ihre bestimmung fflr 
den landlichen tanz verbürgt ist, zeigen lier gedichte unwider- 
leglich, die lieder 2G, 23 und 28, 30 spreclien die olTeu kundigste 
geringschätzung des hauernstandes aus und die weitgehendste 
nachsieht gegen das spielmaausge werbe würde verse wie 27, 21 f. 
29, 12 f nicht ertragen haben, zumal nicht von einem ritterlichen 
spietmann. prttgel wflrden der sichere und wol verdiente dank 
des gesellen gewesen sein, der so schamlos und anmafsend sn- 

^ Meyer 16. 32. 59. 62 f. 100 f. Abrigen« acheiot mir der flbergau^ 
▼on der föoftea rar Becbsten ttrophe so jib nnd nnvemittell, dtas ich an* 
nebmeD möchte, in der Riedegger hs., die aUeia nos dieses lied ftbeiliefert, 
sei nach 10, 3 eine atrophe auegefallen. die Junge fragte darin, was die 
mtone der alten getan habe* 



GBER MEIDHARTS REIHEN 



83 



Sleicli der bflaerlieben ima IrlditiDgsfest venammdleD geaeUtchafI 
entgegen getreten wäre, in iwei anderen liedern 20« 38 und 

18,4^ kommt die Terachtung dea bauernstandes im ganzen nicht 
zum ausdnick; aber der inhalt auch dieser lieder ist der nri, tiass 
es schwer zu glauben ist, burscheu uud mädchen häUeu sich 
beim gemeinsameD tanz daran ergetzt. die gesinouog, die 
bler leigt, verdient nach mmem aprachgebrauch nicht die be« 
leiefannng friachen hnmora aondem zuchtloaer frecbbeit, er selbst 
lleat die tiUue, die er Teranetaltetet als statten der unsittlich- 
keit erscheinen und renommiert damit, solche leistungen fanden 
ilir publicum nicht in der Öffentlichkeit heiterer Tolksfeste sondern 
in den ritterlichen wachtstuben , deren Insassen auf kühlen der 
bauero nicht nur lebeu sondern auch lachen wollten, uiiier 
diesen lunstünden fragt es sich, ob nicht auch unter den anderen 
hedem solche sind, die trotz ihrer beiiehung auf den reihen 
doch nicht zum vortrage bei demaelben beatimmt waren« so gut 
wie gewia ist mir dieaea bei dem liede 19« 7; der scbluas 20, 30 f 
verrilt schon die geringscbauige behandlnng der gesellschaft, in 
der N. sich sonst bewegt hatte, und durch Linien gauzeu inhalt 
ist das gedieht so eng mit den beiden umgebeodeu verbunden, 
dass man es nicht von ihnen trennen darf, bei anderen ist die 
entscheidung weniger sicher. 23, 36 und 22, 22 ßlUt auf dass 
das madchen so nachdrücklich auf den ritterlichen geliebten* 
hinweist, eine Wendung, die vor jungen bauern schwerlich 
wol angebracht gewesen wäre; in dem liede 24, 13 nicht nur 
dies, sondern auch der hinweia auf den zustand des mSdchens, 
wodurch das lied sich 20,38 und 18, 4 nähert.- frei von holchen 
aus dem inhalt genommenen hidt uken bleiben nur drei lieder 
10, 22; 15, 21; 28, 1. und nun ist wol zu beachten dasa diese 

* in diesen liede ventehe ich nicht t. 19,2, falls strüehe der imperattv 
des fwT. UHiehm leio lollCe. ich Tenuate darin ein aabst. Iindstrdcherin 
tt einem 9tw» itHlehmi oder $tr{$ehen, das in altn. tlriuka erhalten ist; TgL 
i^iM 10 ^mfUH, fiitgt an ßtgm ni. ea Uegrt nahe auch HrauehtM 
•nd strauehhahn hierher so zfebeo. 

* die letzte Strophe 25, 9 halte ich dbrigena für nneeht diese prügel- 
scene greift in auffallender weisr über den pinu-t zurück, anf den der 
dichter schon vorher die handlung geführt hatte; iMeyers betrachtuogen s. 116 
befriedigen nicht, mit einer ähnlichen scene schliefst das in der Riedegger 
Ii«, nicht überli^-ferte, übrigens vorticfllich aasgeführte Ued 9,5. Tgl. auch 
4tt ioterpolalioD zu 27,38. 

a» 



Digitized by Google 



84 



OBER NEIDHARTS REIÜCN 



drei Ueder auch darch ÜireD abschloss die wOikBamsle foim des 
taozliedee zdgen. das f um tanz entdlende madehen spricbt das 

letzte wort und zeigt die empiindang iiud Ireudijre crwariung 
auf ihrem höhepuncte. von den anderen liedeni ist almlich nur 
26,23; sonst entbehren sie diesen cbaracteristischeu zug, in 
manchen (19, 7. 22, 38) weist eine breiter ausgeführte enShlung 
oder betraciitang am adiluss auf eine andere beatimmung. 

Also nur drei von den in der Riedegger hs. erhaltenen 
reihen erweisen sich als ihrer ursprünglichen bestimmung treu, 
es folgt daraus nicht dass sie die ältesten lieder sind, die N. ge« 
dichtet bat; ältere tanzlieder können verloren sein, und ebenso 
£rüh wie zum tanse kann er dieaeibe form auch zu anderen 
swecken gebraucht haben, auch die annähme iat nicht ausge- 
schlossen, dass N. su einer seit, wo er noch unter den bauem 
Terfcefarte, doch auch die gelegenheit wahrgenommen habe vor 
ritterlichen zuhörern aufzulreleu, und (i iss er vor ihnen lieder 
gesungen habe, die den Hauern ktiue unterhakung gewährt 
hätten, aber das ist durchaus nicht glaublich, dass N., solange 
er noch auf eine lohnende wOrkaamkeit in der ländlichen be- 
▼Olkemng rechnete, gedicbte vorgetragen habe, die aie offen 
höhnten; denn ▼erborgen konnte soldier höhn nicht bleiben, 
diese lieder also mttasen wir nach aller wahrscbanlichkeit in die 
zeit setzen, da der streit nnl Kiigilinar seinem h'hen ein anderes 
ziel gesoizl hattp. 1^, 4. 19, 7. 20, 38. 26, 2:i 28, 36 sehe ich 
demnach für jünger an als 25, 14; uiclit so sicher 21, 34. 22, 38. 
24, 13, denen sich 16, 37 (s. v. 17, 26) anscbliefsen würde, hin- 
gegen sind die beiden kreuzlieder wegen 12, 33 jedesfalis noch 
in die erste periode zu setzen, und nichts hindert auch die beiden 
liebeslieder 9, 13 und 14, 4 ihr znznweiflen.i jedesfalis kommen 
aul (liese erste periode vcrhältnismäfsig wenige lieder und die 
zeit des ungestörten verkeiirs uiit den bauern ersclieint als eine 
kurze, möglicher weise ist das nur ein durch mangelhafte Über- 
lieferung verursachter schein; aber beachtenswert ist dass die 

* diese gruppierung der rdhen N.« gtimmt mit der tod Meyer 1. 16 
«efgeslelUeii reiheofolge nicht fibereio; doch glaube leb nicht dsM adoe 
aaf die poetieehe form nod teehoik gerichteten beobaebtnagen du ans dem 
Inhalt geaehSpfte resnltat ala oDrichtig dartan werden« mit recht scheiDt 
nlrM. in titigkeit aof die blüteieit dne periode des Terfalls folgen 10 
lassen; and die prodacCeder abwelkenden and onentwickeltea knast lassen 
nsch den geAindenen formalen kriterien sich sebwerllch sicher scheiden. 



Digitized by G 



CB£R NEIDHARTS REIHEN 



85 



trinleriieder dasselbe bikl gewt^iren; unter Uwen tiiid die, welche 
keine feiDdeeligkeil gegen die beuern leigen, noch weniger 
nblreieb. 

20 marz 1884. W. WILMANNS. 



ZUR FAUSTSAGE. 

1. Simon Magus. 

Durch Weilers veneiehnisae Ten jesuitendramen Serapeum 

1S64 ff auf die reichen Münchner scenarieu aufnierksani gemacht, 
kuniUe i( Ii dank Laiibniann^ oft bewährter güte mehrere sanmif l- 
büDcIe benutzen, io dem Diilioger schulstUck (Weiler 117, Ser. 
1S64 8. 252) S. Petrus triumphans Simonem Magum, et Caesarem 
Neronem tragico-cooioedia. Wie der äeä4g$ Fürus Simonani dm 
mtm Kmwtr iifid Znitoer, avcA «fett BUu^erigen Kaiier Nunmm 
vbinmmden hob. Data in Theatrum ab Universitate DiHogaoa 
Die — Ocu hris Anno mücxxix. Dilin^^ae. Operis Cassin is Suloria 
6hll. 4® ist liie nerouist he clirislenvei t' l^'ung venjuickt nnt Simons 
letzten sciücksalea: er wird der neugeborenen Uaeresis ange- 
traut, die lauberer mttssen dem Nero den geist der ermordeten 
Agrippina beechwüren, Simon setst marmorne gOUerbilder in 
spielende bewegung, beirri das voIIl durch falsche lehren und 
Terbreitung der jiythagoreischen metempsychose , stüfst mit Petrus 
aut dem forum zusammen, wird Hilter von der betörten menge 
als Juppiter vereiirl, da abgehauene köpfe ihm revereuz bezeigen, 
er soll den geist von Neros vater beschwören, und als er das 
nichi vennag, leistet es Petnu. freilich gelingt es dem Magus 
das ganie geschlecht des kaiaers aus der Unterwelt tu rufen, doch 
M der himmelfahrt wird er von Petrus und Paulus, der die ge- 
wohuliche Statistenrolle spielt, vernichtet. 

Siniüiis gesammle fata behanddt ein Augsburjrcr siih k, dessen 
deutsches argument in dem Münchner sammclbaude folgt: Petrus 
vnd Paulus das iU: Ein christliches Schawsfil vom Leben, Wandd^ 
Marter tmd T^di xweyer Für^m def$ rtdUm tmd wahrm GlavUns» 
. . . Gdudtm vnd tm^uUßi Wi dm Augfpurgiiehm G jmnasio 
der Soe. Jesv den S. imd 5. herhsimenai, im Jahr ChrUii 1659. 
Gedruckt zu Aufi/purg , bey Veronim Apergerin Wittib, aujf vnfer 
Uelsen Frawen Thor, 4 bii. 4^. im ersten act erscheint Simon 



Digitized by Google 



86 



ZUR FAUSTSAGE 



als samaritanischer zauberer; im zweiten trifft er unter Claudius 
in Rom eio, wo ihm das betrogene volk gottiiche ehrea er- 
weist und eine slatue errichtet; im drillen veriietit er den pObel 
durch sauberBtackchen gegen die Christen; im vierten gibt er 
sieh ffir den wahren Christas aus; im fttnfteD gewinnt er Neros 
guDst, wird aber bei der himmelfabrt durch Petri gebet zu 
scbanden. 

Ich erwähne nocti dass im eingaog von Voudels Peter ea 
Pauwels die geister des Simon und Elymas aus der bolle empor* 
steigen; Simon ersahlt seinen erdenlauf und flucht den beiden 
aposleln. ähnlich erscheint in einem nachher mitauteilenden 
Theophilttsscenar der verdammte Faust« 

2* Cyprianus. 

Dürfen wir weitere aufklarung Uber die Stmonsage von der 
puhlication einer bisher unbekannten handschrift der Acta Petri 

(vgl. Lipsius Apokryphe apostelgeschichten 1, 10) hoffen, so hat 
die Cyprianuslegende durch ThZahn Cyprian von Aiiinu lneu und 
die deutsche Faustsage lbS2 eine klare analyse geiunden. wir 
kenoen nun die ausbüdung und litiorarische ausbreitung. auch 
Calderons quellen, Ober die noch Beyachlag irrige ansichten 
aufserte, sind khir gelegt und nach so reicher belehning ver^ 
leiht man dem verf. seine sehr befangenen urteile über Goethe, 
dieser hat den Magico prodigioso erst aus Einsiedels Übersetzung 
kennen und bewnndt rn r^^elcmt (an Knebel 17 x 1812 2, 61 f es 
ist das mjei vom doctor Faust , mit einer utiglaubliciien grofsheit 
behandeU; kahl Knebel an Charlotte Schiller , Urlichs 3, 385). 

Die erste deutsche beariieitung leitlich nach Calderon kenne 
ich nur aus dem titel eines Augsbnrger scenars, das nicht direct 
aus Jesuiten <• oder anderen schulkreisen, sondern von dilettanten 
herstammt: Der in die Justina verliebte gottlose uuti durch sie 
zum christlichen glauben l)ekelirte Cyprianus. in Jacober vorsladl 
gelegenem comüdienhauss von einigen theatrahscher Spiel-lust lieb- 
habern. An. 1688 in Augspnrg auf die sdiaubQhne gebracht, 
aber schon 16 n 1608 in Graz Mm dfo Patrm et» ComM ffe- 
haUm wm Cipn'ano und Justhui JHeifsner Die englischen comoe- 
dianten s. 78, 87. 

Ein Zauberer Cyprianus auch in Schleswig-ilolsleio, MuUen- 
hoff Sagen 192 (vgl. zu Faust s. 320, 529 fi). 



Digitized by Google 



ZUR FAUSTSAGE 



87 



3. Tbeopbilus. 

Die lifteratur ist seit ESommere trefflicher dissertation De 

Thcüpluli cum diaholo foedere 1844 und den publicationeu Hoff- 
maous vF 1S53 gerade in deo letzteu jihreii uugeineiu ange- 
schwollen: Kolbing Beitr. zur vergleicbeudcu gescbicbte der 
romantischen poesic und prosa des mittclalters s. 1 ff und Eng- 
iiscbe Studien 1^ 16 ff , Ludorff Anglia vu heft 1 ; Za. fOr roma- 
nische Philologie 2, 246 ff. 523 ff; Radewins gedieht ed. WMeyer 
MOochoer aeademie 1873; Verdam Theophiliis, middelnederlandsch 
gedieht der xnr euow 1882 ; KSass Ober das hssverhiltnis des nd. 
Spiels von Tbcopluliis Elmsboru 1879 (dagegen Lambcl Germ. 
26f 37011). zwei jesuileostUcke verdienen mitgeteilt zu wei dt n. 

Summarischer Inhalt der Comoedien von Thcophilo der Kirchen 
in Cilicia Vicario; wellicher sich wegen schnöden Ehrgeitzs dem 
hjfdigen Sathan mit eip^em Blut wnehriben; aber durch üüff der 
Sedigitim Mutter Gattes Maria dieees hluetise verschreiben wider 
erobert, vnd van der wigen Straff erhaUen worden» Gehailten »u 
Jngalstatt, im dem^ Aeademisehen Gymnasio der Societet Jes? den 
[freigelassen] Octohris Anno 1621. [siegel.] Gedruckt zu Ingol- 
Stattf Oregon llänlin. 7 bll. 4^. 

Das erste blau bietet eine dürre Synopsis der Uistori von 
Theophilo, so beschriben wirdt von Vinc. Beluac» üb. 21 c. 69 
vnd 70 (dh. der dOrflige auszug aus Paulus Oiacoous im Speculum 
historlale des Viocentius BeüoYacensis). nach dem proiudlma 
schreibe ich nur den deutschen teil als drastischer und an 
mehreren stellen ausfahrlicher ah. 

Proladium actionis. 

Maxafat in persona Eremitae, Juuenis, et Cacodaemonis mias, 

i^uibus boroines illaqueat orcus, pedicas enumerat. 

Maxafat in der Person eines aUen Eimidlers , eines wol- 
gebntzten Junglmgs, vnd defs Ten/ eis erzehit etliche likst, mit 
welchen der Teufel die M&ischen in sein Net» jagt, 

Prologus. 

Conipendiosa roüus Historiae iicinatio. 

Ein kurtaer vtmd Summarischer Inhalt der gantzen Hislori, 



Digitized by Google 



SS 



ZUR FAUSTSAGE 



ActDB primofl. 

Seena i. 

Dreg Geistliche Athanasius, Arsenius, vnd Procopiui mit mmbt 
2. Hofliarm Carolo vnd MaaßamaUttno Mclagen md hendm stiel 
von defl vtntwhuH Bwhoffs Todt, 

Seena n* 

SoHa, Hain» mnd Dronmi deft verslorhnen Bisekoffk Diener» 

sein lustiy vnd guter ding, weil jhr Herr mit Todt abgangen. 

Seen» m. 

Theopompiis vftvd ^fananns Ho/herren lerintuderu sich hfkh- 
lich ab der Demuth IheophiU, welcher das jhme angetragne ßü- 
tumb abschluege. 

Seeoa 

TheoyUHus anfi (jio//er D^uiuih macht steh vnd seine Tugendten 
ring vnd schlecht, von deren wegen er Ht^schvjj heile 6oUen irenltni. 
Wirdt in dieser Demuth von seinem Schutzengel gelobt vnd gesterckt, 

Seena v. 

JHe Boffart samht anderen Lastern aufs Haß vnnd N^fdi 
gegen der Demuth defs TheofkiÜ, trawen dem TheophUo mü 
ö/lsrley Gefahr, vnd böten Zusiandt, 

[Superbia, Voluptas, Hypocrisis, Inuidia, Pbilautia, Ifb iq 

Theopliili coniurant iuterituro.] 

ActiLs Secuudoä. 
Seena u 

Sosia jetzt ein Diener Theophüi beklagt «idk höcMit^ ab dem 

Huu/smaister einem karyen vnnd sauren Mann. Diaen weifst er 
auch höflich ab dem Theatro, vnd macht sich vher den Memer, 
vnd raubt jme mit lü»t Kudten und Teilet , [^lude ul biUiu et lameui 
sedet, Aedilui compilat penuaria.] 

Seena II. 

Die Hoffart md andere Lasier ensämen eitsh hefftig vber 
die Beetändi^eit The&pkiU, vnnd muntern Hth anff %u tear- 
ierem Strei$, 



Digitized by 



ZUR FAUSTSAGE 



S9 



Seena iii. 

Tlmphilus mpfindi aXkrUy schwere anficMung, md weil er 
mit genug mdemdm hmdte, fide er in ein eehwere Traurigkeit, 
wdcke jme der Woüuit mit Ite6/teftar Mutic, und Smtenepil xu- 

Seena IV. 

Damianus vnnd Albertm erzehlen, wafsmafsen sie den Theo- 
ßilum bofshafftig verkleinert haben, ridUen eich aucA auff andere 
Puebenetiiek, mit wMen eie ßme gar Mrtsm mödUen. 

Seena V. 

üie Bauren mit jkrer Steur ond Zdieni, wMten eie Thea- 
pAf?« brachten wurden van Damiano auffgefangen: düer gibt eidi 
für Theapkihm aufs, redt eie rauch an, vnd trowetfhnen, wegen 
flirer Be/!>Iieit, vnd Diebstahl, deren er sie fälschlich bezüchlet. 

Seena n. 

Die Bauren betcainen jkr vnschuldt , vnd Theophih Tiiranneij. 
Wird jhnen von Damian i Diener Dorione geraiuen, sie sollen bey 
dem Biichoff sich sdtrifftlidi dessen klatfeti, 

Actos Tertins. 
Seena i. 

Der Bischoff mit seinen Räthen fälschlich beredt, vnd hinder- 
gangen, ist heilacht Theophilum *'on seinem Atnpt ztma tiioffen, 
welche» er nach angehörter der Mauren klag würklich gethon. 

Sceua II. 

Theophil%ts seines gewalts vnd dienst entsetzt, trowet seinen 
MUfegünnem vnd Anklägern. Wirdt von dem Zorn, Neidt vnd 
aignier Lieb vatt entxündt, [cai Ira, Philauliat et Inuidia faces 
admonent«! 

Seena ni. 

Dorio kompt mit der llnuren schanckungen auff den Marckt, 
bat sie fail. Der Mesner vermaint er sey Sosia, der jhme vn- 
lengst abgetragen, fallt jhn an, vnd dufsUt m wal ab, Dorio 
wufste nichts vmb die euch, wörht eich so gut er kau; bife letm^ 
tteA ilie SehOrgen mtgdoffen, vnd baide f^fdndtUdi eingezogen. 



Digitized by Google 



90 



ZUR FAUSTSAGE 



Actos Qaartas. 
SceD« I. 

Ein Chaldeer oder Zauberer berümbt skJi sei »er Künsien; last 
auch etUcke stüdclein sehm, sonderlich im wahr sagen md Pla- 
neten lesen» 

Seena ii. 

Der Zmübmt oer5leiiiltf Üt lefil mä ükmähmrMien Spiegel- 
fechtungen. 

Seena lu. 

Theophilus vencirfft die rhät Theopompi mnd Mariani, 6#- 
nHdeufst Hijfl, tmd Ehr wm dm Zauberer tmd dm Temffel %u- 
he^reHm 

Seena iv. 

Theophilus verschreibt sich mit aüjnem Bluet dem bösen Geist, 
welcher jm zu vorigen Würden zuheijlm verspriclU* 

Seena v. 

Die Hoffart samht anderen Lastern triumphiert wegm de/$ 
erlangten Sip wider den ThMphUam. 

Seena vi. 

ihr Bisdioff mit seinen Bähten naeh reiihtm Yerstandi der 
Sadien, setxt Theephihm widerumh in seine vorige Würden ein, 

Seena vu. 

Damianue vnd Alhertue eretArüiten ab der jßüdtUiiien Pro- 
motion Theephäi, besorgen iticA es mMie jhre verkkinerung an 

Tag kommen, vnnd jhnen vbel belohnt werden. 

Seena nu. 

Theophilus nun mehr wider eingestelter Vicarius troet seinen 
Feinden, vnd nimbt jhm für, forthin in WoUmten »Hieben, 

Actos QuiotoB. 
Seena f. 

Das Getoissen beklagt den bo.^i'n Siandt Theophili, verhelfst 
auch mügliclmi fleiß iimphilum dem ewigen Verderben xu ent- 



Digitized by Google 



ZUR FAUSTSAGE 



91 



Seena il 

Der ScJnUzengel, (cum Virtiitum qiiaternione] Keusrhfu^t, 
Dmuth , Sanfftmüligkeit , vnd Liehe Gottes trauren vber jr ßUnd, 
m wdckM IM wm Theopkilo nehagt wordm. 

Sceua III. 

Da$ Gewissen in fürufeiiung der höllischen Peynen vnd dtr 
EiDt^eit tehreekt den Theopkäum von dem Weg der LatSer ab. 

Seena i?. 

Auara^ eüi Fünf dtr Ten fei sireüet mit dm Sduatengd 
vmb Uteopküum. 

Seena v. 

Theophilus begert an den Zauberer die bluetige Veredureibung, 
dessen sich der Zauberer gewaigert. 

Sc€ua VI. 

ihr S^utzmgei keifst Theophikm von Maria hilf begehren : 
ven wekhon jhn ÄMtitroth mit grimmigen Tromusigen äbsdiredcei. 
Theophäus aber fkAda wn der angedeiUen EÜff der Mutter Gatte», 

Seena vn. 

Die Seeligste Junge fraw erhöret Theophilum, gibt jhme die 
bluetige Handschrift, vnnd erfrewel Tlmphilum; welcher jhr grofses 
Leb md Danck sagt. 

Seena tui. 
öder 

Beschluß der Comoedi« 

Fauatos et Scotua Magi io medio flammaruiii aequalia pene 

sceleris iDaequalcm lamentantor exitum. 

Fanstus vnd Scotus beriemble Zauberer in einer Fewrigen 
Böle bewainen jhr Elend, dieweil sie yleichs Laster der Zauber ey 
mt vngleicher Straff bezahlen müssen, vnd in aller ewigkeit nit 
abMotem werden. 

Daa penonenvenselehDia bl. umfasat fdofzig Damen, faat 
alla'allegoriaehen parüen sind adeligen zugeteilt 

Maria Die IIunineh-Thür durch welche Theophilus Der Statt 
Adana in Cilicia Veiwulfer in die ewige Seeligkeit eingamjim [lolgt 
Widmung: vier ratsherren] Als Freigebigen , Grofsgünstigen Herrn 
Pr^miatoribna mt Ehren, der Jugend zu Nutz, vnd mätwi(^lkh 



Digitized by Google 



92 



ZUR FAUSTSAGE 



SV Troit sAaken F<mi dem HfbL Gjmiiasio dar Soeietet Jesa Jk 
gmeiter CkurpHrül HmtpMatt StraMng, dm 6. SepMmb. 1655. 
[Siegel.] Gedruckt m StraMnn, bey Si§Mn Hatm. 4 bll. 4^. 

Auf das dürftige argumeot und deo auszug aus dem prolog 
in ehren Marias folgt das sccnar; uües nur in deutscher spräche: 

PARS L 

Marim Diener TbeophUus der wueMdige wird 

Ambts entieiMt, 

Seena i. 

Eusebius der newe an ttatt Theophili g^weicMe Bischoff zh 
Abdmia hbet fatt die Tre» tmd Verdtmut TbeophUi, thu flme 
eghntUckß Ekr an, mmd ermaha Migen er »Ik fwifakrm io- 
wd dm Hoff ak die KirehmgÜttr mMnurwaUen, 

Seena n. 

Jhfi Geeehrejf mefft das grofs Glüdc Theophili auf$, toe^cAer 
vü verarm, vnd dmie folgm, foeü sie itkm wie gUUkee^g Tbeo^ 
pbtliift seye; der UehUdie wind Zepbyn» erfwbi eieh pon der Brd, 

weissagt, schön Wetter soll man zu Abend lohen, dise Freicd werd 
haidt guet Nadit nemmen, vnnd von gefdhriicltm Sturmwinden be- 
itrüim werden. 

Seena in. 

Der Negdi kan nit verkochm dm WcUetand Theophili^ darmmb 
er wnt eeinm Getdlm, dem Bhrgeit* vnd lugm, gedendtt m dem 
Hoff Eusebij et» Fewr ansuhkum , darmit wider Theophilum «'h 
Mifsgunet fsuerwedeen, WMiee in deme die Warheit intheeAen, 

vnd zuverhindern begehrt , springen jhr die Kohlen in das Gesiclu, 
wird vom Hoff vnbillicher weifs verstoßen, 

Seena iv. 

Weiln Theophiio vil mehrers am Zehenden als andere Jahr 

neben etlichen Verehrungen geliffert wird, nimbt der Neyd au/s 
disem Gelegenheit Tlieupbilo bey Eusebio ein Noten züStechm, vnd 
ihn der Vnlreio wegen anzuklagen. 

Seena 

Die K)u rh( eiiirs Hoffrencalters , weil ein Sc]n'i} }i voll Traidts 
gehling im Hauch au ff gangen, erzehlen sie bey Hoff das Vnglück, 
von welcher Brunst der Newd ein grofsu Fewr wider Theophilum 
erweeket. 



Digittzed by Google 



ZUR FAUSTSAGE 



93 



Seen« TL 

Philotimos ein FeMt Theopbili Uut dunh fMhe ankhg 

nit nach, hifs Tbeopbilus öffentlich seinet Amhtt, vnd Ehr enT* 
9etsU wird, 

Seena VII. 

Da/s Geschray nieffl das Volck zusamb, verkündiget dafs Theo- 
pliilus mner Ehren entsetzt, dar ob sich jederman verwundert, der 
NM, md die Lug gdim mit Frmodm tu die HöU, die WarM 
verhofft nadk edtamuer VmMld Theophtli heiß Hoff mth wider 
oin Orth xufinden, 

Choim 

Das Glück Theophili so am llajl iun. Schiffbruch erliüen, ver- 

i(inih( (Ulfs vndei srhidlichen Darsidlti mjen dass tiirrmnidt so Gfnrk- 

wuUg ist in dieser Welt, so nit der Miiheseeligkeit vndmoorffen ist* 

PARS n. 

Maria Feindt Theophili» der Ehrgeitzige erhalt sein 

voriges Ambt, 

Seena i. 

Die Ehr madu t/em /rau^npew Theophilo gut Hertz, er werde 
wiihrnmh in den. vorigen Standi gesetzt werden, wann er steh tfirer 
Gefährten, der Gunst vnd Glückseligkeit bedienen werde, treibt auch 
jkm an, alles sur erhaitmng der Ehr xvwagen, 

Sceua II. 

In dem Ttieophili Verstandt durch die EhrsudU verfinstert, 
in der Schafs der Ehren entschlaffen aUerley Sachen sihet, ruefft 
die Ehr etlidie hölUsche Naehtgeister, u»khe mitjre» Fadclen mellr 
die Xfe6 mr Ehr in Theophilo eoUen musüi^dm, vnd «k cHem 
höeen vorlenehten* 

Seena m. 

Alfs Theo|)hilu6 erwacht in disen Finstemussen uil waifs wo 
aus, fragt er Gelam seinen Diener wie jhme aufs disem Elend 
zuhelffen , welcher jhn beredt bey dem vornemmen Zauberer Gorgia 
vmb Üilff anzuhalten, deme auch Theophüus gefolgt, 

Seena tv. 

Genius Theophili honiiln't sich die Finstniinfs zuvertrcihot, 
schicket EutychianuDi nach Hoff dem Bischoff von Theophilo gründt- 
keken Nachricht »ugAen, 



Digitized by Google 



94 



ZUR FAUSTSAGE 



Seena v. 

Weil dann bey Tlieopliiio die gute Einsprechungen nichts ver- 
möchte geht er widernmb zu dem /an 0 er er , welcher den La yd igen 
Feindt aufs der Holl beschwöret, deme dann Theopliilus sidi mit 
seinem Blut verschreibt, Gott vnnd Mariam verlaugnet, darob die 
gtniix» EiM fie4 erfrewei. 

Seena n. 

Ein erfahrner Slemseher vermerckt dass der Mond am Himmel 
(durch welchen Maria verstanden wird) ein Mackel (welche Theo- 
pliilujii bedeut) habe. Maria, gleich wie die Evangelische Fraw 
Lucae 15. bemühet sich mit dea himnUischen Geferten den ver- 
lahmen Grmken allenthalben susuchen, 

Seena vu. 

Tbeophilus fßM nach empfangenem grUnHuAen Beritht wt**- 
ierumb an Gnaden an vnd aufifgenommen vnd dem ganixen HalJk 

der Statt Adana pnsehMig er^ädrt, 

Seena vui. 

Daß Geschrey verkündiget solches mit gro/sen vnwiÜen seiner 
Feinden jeder man, 

Sceoa IX. 

Pte Bkr mit jhren Gefdhrten aampf dem ganisten Volde führt 
Theophilum mU grofsem Jubel tmd Frea>d wider nach Hoff* 

Seena x. 

Deme folgen dretf so der Freyheit nachjagen adeUdie JUngUng, 

in meynung solche bey Hoff zuerhalten. 

Seena xi. 

Das Gwissen macht Theophiio angst , mfft auch Maria durch 
ein herwiderhaliende Stimme, das Theopbilus zur Büß greiffe» 

Cborns. 

Weil dann die Seel Theophili mit der Forcht de/s Todts md 
dngsten der HdOen vmbgeben siA vbel befind, wöüenjhr die 5. Sinn 
sokhe Trami^eit vertreiben, teerden aber von Maria vertriben, 
vnd vird von den hhmnlisehen Gefehrien Uariae, Theophila ein 

zerknirschtes Uertz zur Bufs zuberaiihet. 



Digitized by 



ZÜR FAUSTSAGE 



95 



PARS III. 

Marim Sidm Theophilus dar Büfmd» wird «wr Gnad, wmd 

imigm f^emd aufjgmiammm» 

Seena u 

Gorifias der Zauberer wü vm Eatyditono erfmehm wie 
Theophilus thue, weil er eich eeiner nicht «mAt achtet, 

Seena ii. 

Der Diener Theophili kombt dem Zauberer vber sein B)ich, 
m weichein da er mifs Fumitz list, sihet er seltzame ii^jvmter, 
werden auch andei e Sachen jhmc von dem Zauberer gezaigt, ob 
denen er eich verumndert* 

Seena in. 

Maria hdliet bey ihrem Sohn tmb Theophilura an, dafs Gott 
solchen durch sein ünad wider zur ßuejs erwecke, vnd erhaltet 
ulches begeren, 

Sceua IV. 

Theophilus ^mts ängstig, entscMieet sich bey der Gnadene- 
ferten Maria mnib Gnad amntklopfen, wMie jhme Eilff tfertpricht, 
wann er xnuor werde dm Satan absagen, vnd Gott widerumb be^ 

kennen , Theophilus setzt difs mit grofser Berewung in das Werck 
wird dantmb dass Gnadenkleid desmt Seel von Himmel geschickt, 
vnd erfrewt sich Maria wegen defs gefundnen Groschens* 

Seena v. 

Dafs Hertz Theophili wird vom höllischen Gwalt starck an- 
gefochten, wird aber durch Bej/standt Mariae der Feind a6p#- 
iriben. 

Seena vi. 

Maria erzwingt von dm laydigen Satan den mit Theophili 

Blu^f ije^cliribnen , vnnd eingehändigten Zettl , welchen die H, Jung- 
fraw Theophilo widerumb gibt. 

Seena vn. 

Zur Verkündigung der grofsen Barmhertzigkeit Gottes, be- 
kennt Theoph. vor mennigklich sein begangen Schuld vnd von Gott 
(hnxft Mariam erhaltne Gnad, darumb dafs gantsss Vokk Gatt vnd 
Mariam freOlkh labt. Verbrennt ancft Theophilas den empfang- 
nen Zettl 



Digitized by Google 



96 



ZUR FAUSTSAGE 



Seena vni. 

AltcAe Haektgeittir durdMuhen dm Aklm verm^ftmd tm 
FineklHn sit finden, vnd in Theophilo etn newes Fewr vur alten 

bajulitü zuefwecken, werden aber durch Matiain verjagt. 

Seena ti. 

EutychiaiHis ; den Bischoff zu dem To U Tiit:uphili, welcher 
Jhme zm^fncht, geht also die Seei aufs dein Leib durch dü UimmeU- 
porim Mariam ein, in die ewige Seek^eit. 

EpUogaa. 

Darumb dann die Bn^ sieh erfrewen I dafs der verhhme 

Sünder Tlieophilus durch dte ßu/s wider gefunden dass ewig Leben 
noch erhalfen hat. Es erfrewet sich auch zum Beschlufs die Jugend, 
weilen derselbigen aufs grofser Freygebigkeit der Edlen, Vesten, 
4. Herrn Burgermaistem dieer Hauptetatt schöne Proemia aufe- 
gethttUt werden, für welche nach schuldiger Dandcsagung die Actioa 
nimht da$ Ende. 

Folgt das Verzeichnis der rollen und der spieler; es sind 
buoderlundncrzig. 

In keinem zusammeahang mii der Theophiluslegeude bieht das 
doppelspracbige Mancboer librelto (Weller 199, Serapeum 18&4 
a. 335); Tbeophiloa aeu charitaa bomiDis in Deum. CantaCo dra- 
mate in acenam datua a juuentute Electoralia Gymnasij Monachij. 
4. et 9. Septemb. Anno M.Dc.xtiu. . . . Getruekt %u München , 6ey 
Comelij Leyserij Erben, I i bll. 4^, eine lyrisch-allegorische ver- 
herlichuiig 6or liehe zu ^oli nach ihren verschiedenen phaseo 
und iiufseruQgeu, ohne jeden greiibareu dramatiscben Inhalt. 

Wenn aber das Strauhinger spiel durcb die parodistische 
dieneracene 3, 2 an eine bekannte Hanaworataceoe der Fauatapiele 
erioDert» so werdao wir an Fauata Helena gemahnt durch eine 
atefle in dem, sonst fflr unsere zwecke gleichgiltigen Burghuuser 
scenar (Weller 532, Ser. ISO') s. 319), wo Tlieophilus widerum 
allt'einein einen goltselicen menschen bedeutet: Tlieophilus in 
conüictu triplici, contra Mundum , Carnem et Orcum, bellator et 
vietor .... FürgettM von der etudirenden Jugend defs Chur-FUxeil, 
Gymnaaij der Societet Jeav zu Burgihausen, den 3. md 5. Sep- 
tember, 1675. Getrudct m der Churf&rstL Haupt- und Residentz- 
Statt München, hey Sebastian Rauch, 4 bll. 4^; zweisprachig. 



Digitized by Gopgle 



ZUR FAUSTSAGE 



97 



die» echte idMittBtQek jetmtlsclier theaterkanit, die mit lebendeo 
bildern uiid im scblosMCl mil groftea CenfelBoeiieik arbeitet, hat 
als 2, 3 die Wdi kmmmet nnt ihum anierm eiUm Sdumtp&U 

herfür \ neinlich mit Cleopatra Königin in EgtfjUen, aber Tlieo- 
phiiuß mercket dm ßfUing, vtmd fliehit, 

4. iieleoa. 

Zur ergHnzung und aadi berichtigoog meiaer eiligeo, aus 
WMeniel geaehttpflea beoMrkuDg Goelbe-jalirb. 3, 122 gebe ieb, 
durch FSpengler mit etaem weitlSnfigen geaaiMD auaiog be* 

seheDkt, eine knappe ttbersicht über Johann Joseph Beckhen 
gekröhnteu Poetens Sehn upl alz des Gewissens Eine rechte 
^or Stellung eines von Anfang Weitiiebenden , hernach von einem 
bösen Gems§m hikhtt Überfallenen, letzlich aber wieder b^hrtm 
Menschens, in einen Sekm^^9 9äar ComOdi getieUt tmd m 
mmiMrMrer Auffeihmmn§ k«nm gegAm* Drefiden m v&rtegimg 
Chiitim Bergmt gednukt m Seyfferd Dnukerey 1666. 

Der beld Cosmophilus wendet eich voa der togend , die ihm 
keio gluck gcbracbl, dem lotteHebeo zu. UDwillig weist er den 
ersten krünier Theophiliis, der den giitp» engel Fausts vertritt, 
hinaus; dieser schenkt ihm ein liuch. der böse krümer Falsahus 
bietet ihm einen alle wellgüter spendenden ring mit einem spi- 
hios üamiliaris, einen die zukoafi leigenden krjatall^ anfohlbare 
wflffel und karten; Ceamephiloe, dem ffir jenes framme buch 
zwei thaler su viel waren, zahlt willig zwanzig dneaten. er 
sehlemmt und buhlt einem Prodigus gleich mit Cosmus und 
Amaiilia 1, 2, t Fitlt rnt sich zeitweise von einem gelage 1, 3 um 
die von Falsariuä erkaulltMi schätze zu probieren, kehrt mit gold 
beladen zurück und lässt in uachahmung des Faust den spiritus 
familiaris frocbte ans Italien holen, wlihrend des Spiels ersticht 
fr den listigen warner Theophilos. er schllft ein; der erzengel 
Michael kommt vnd singt eine klägliche aria. der erwachende 
Heid scfallgt steh die schweren trSame als schäume aus dem sinn 
und verlaugL wulei aacli Amantia. da er die genosseu nicht 
findet, will er an sie schreiben 1,4, aber der ^tisI (h s erschlagenen 
Tbeophilus entreilst ihm das papier, nochmals zur umkehr mah- 
nend , worauf vier freunde des toten den mOrder ins gefilngnis 
holen. 1,5 Coemophilus im kerker klagt Ober den schwand 
seiner schätze und den betrilger Falsarius. Lttcifer efscheint 

Z. P. D. A. XXIX. N. F. XVn. 7 



Digitized by Google 



98 



ZUR FAUSTSAGE 



und verheirst ihm rettuog, Mis er sein leibeigener werde, kkr 
hak ihr jMgpjiMr vmA fMäMKTp wUmtekniU m mä mm» Ml«, der 
hoUeBfiirel tenehencht die «Möhler und geleitet Min opCer an- 
ttobtlmr dnreb die eladt 

2, 1 Ciisninjjlnlus voti aiigsi gefoltert »lleiu im finstern wald. 
ihm ersclii'ini — iiian denke wider an den verlorenen söhn der 
eogliscben comOdianteo — die verzweifelnde, sich zerfleischende 
Ceucieotin als epiegellnftd seines inneren* denn aber erweckt 
die efMheinvng der sohdnen Helena seine uaftloae bewunderung« 
doch will er ihre frage, eh er Lueifers leibeigener sei, niobt 
bejahen. Helena tröstet, er werde in der hölle grofse und vor- 
nehme ^M'srllsclKilL linden, und zeis^t ihm die höüe niiL allen ah- 
teiluDgeii von lerne, er ruit acti herr Jesus, erbarme dich meiner. 
bei dem werte Jemu läset Helena die schrift^ die sie in bänden 
bKit, also den blotpact, fallen und verschwindet. 2, 2 auf den 
veiinderten scbanplste failt Michael den beiden seine sflnden 
yor. aus dem himmel ertOul Chrisli ruf ihr metmhenkinder , wie 
oft kreuztyei ihr mich aufs neue? den ohmnachligen Cosmo- 
pbilus weckt Michael durch die mabuuug bekehre dich und vor- 
MWiiße iimAI an der gnade gottm. aber Cosmopbüiis , allein ge- 
lassen , Tenweifdt 2, 3 widemm whrd er von geiste des Theo- 
philus veriblgL Atropos, schon In 1^3 zugegen, kommt als 
gerippe, einen totenkopf in der band, und ssgt ihm fflr morgen 
nm mitternaclit sein stiindlein an. auch dies faii^ttiscb. Cosmus 
bringt einen topf seilenwasser . ISsst grofse und kh'ine blasen 
steigen und deuttt diesen so flüchtigen Schimmer auf die güter 
dieser weit Amsntia ^ sn derm hum mhkm§mik^tpfk hermu 
iAml — trigt eine schachte! voll sack er und interpretiert Ihrem 
galan die sinnliche Kebe. er stöhnt o Adlfe ich euch nimmer ge- 
x^en. Conscienlia erscheint mit Spiegel und rad. sie ist der 
wiirm, der sich selbst benajft. im spiegel schaue er seine niisse- 
tat; das rad bedeute die ewige peiu, der er verfallen sei. Orcus 
könnt und seigt ihm dss hoUentor; Lucifer werde die handschrift 
fordern und die hollenpforle stehe ihm schon offen, sulettt naht 
der wahre freund Christophoms und IrHstet den Cosmophitas, der 
sich wie ebemals wider Cbristophilns nennen soll, so heifst er 
auch von nun an in dem slOck , das im vorigen und folgenden 
siclitlx li in das fahrwasser der Kvcrymangruppe einlenkt. 2^ 4 
er fühlt sein ende nahen und beauftragt Christophoms seine guter 



Digitized by Google 



ZUR FAUSTSAGE 



99 



anter armen tu mteileo. tes er eineo ring behalten will, 
wird fOD dem freund als nachwQrkvng des geiztenfels gerOgit 

er soll sich aller gilt fr entäursero. Cosmophilus 'i amnatns 
es ertönt zweimal und nacb einem knr7>"ii Wortwechsel zwi- 
schen dem erschrockenen ChriMophilus und dem tr(yster Christo- 
phoms ein drittes mal , aber die hollenstimme hat nicht die maeht 
wie das himmliache endurteil im vorbildKchen Paoetdrama. die 
beiden mlnner sprechen ein atrophisches gebet daiwischen wM 
gedmmgrt, geblitzt, oMdk gtrufm fferdaml! ttrimt! 

3» 1 Lucifer und Michael streiten «her gottes gerechtigkeit 
und beliaudelu so ein lieblingsthenria des alleren drainas, den 
kämpf zwischen himraei und hOUe. 3,2 ist ein schwacher, lang- 
weiliger nachklang genialer scenen des Naegeorgschen Mercator« 
also des bedeolendston £ver7inansttklDaa. öie nngeoaein breite 
bebandlong des theologischen Streites leigt, worauf Beckh den 
hanptweri legte. CbrklopbHas, sterbend, schickt den freund 
nach priestem. während er, allein gelassen in der schlafkammer, 
betet, lauffm Silnd, Todt, Höll, Tmffel und Welt mit grnfsem 
gesmtse nnd gerassei durch die kanmer. Chrislophorus brmgt ?ier 
priester, deren jeder io der folgenden grofsen disputation einen 
beelrainiten theologischen standpunct verficht, während Christo- 
phorus ihnen (Iberlegen widerpart haU. seine theologie gipfelt 
in der rechten gnadenlefare. dann konuDt der teufel «nd erklart, 
Cbristopfailas habe dnrch Ubergrefse stlnden die Seligkeit ver- 
wiirkl. ( hrislophorus erwidert, Christus habe für ihn bezahlt. 
Tsiihrcnd der malte Christopfiiliis nur i>auge seufzer ausstöfsl, ver- 
dammen ihn auch Conscieniia und Weit, kurz vor miltcruacht 
kommt der Tod mit dem seiger, ihm folgen Hölle und Ewigkeit, 
die Gerechtigkeit urteilt du Mm «w kidu wtfwuim, iUanm^ kiit. 
du veriammi. Chrbtopbilus schreit- tu Jesus um billii, Satan und 
die seinen reirsen sn dem bett nnd brüllen Ihr ^orf Ai ntUtnte 
hölle. Christophilus steigert sein frommes liehen, der vierte 
priester zeigt ilim den erzengcl Michael, unter donner und blitz 
schreit die holie fort! fort! da endlich erscheint die Barmherzig- 
keit, vor welcher alle aufser Christopherus zur erde sinken, der 
blnimel tut sich auf. Christophilus schaut Christus mit dem 
kreuze, enae himmlische stimme ertlKit umih mim, dMis sQnim 
fM dir mrgt^, der held spricht — in versen — sein dank- 
gefühl gegen goll aus uud stirbt, worauf Christopherus die zu- 

7* 



Digitized by Google 



100 



Z(JA FAUSTSAGE 



sebauer erauhnt. die leute teese 3, 3 leigi die iieideo freunde 
«nbetend am Uuroae gotles. d!e engel siiigeii deo schlasscher» 
einen faniitropbigeQ lobgeaang. ao endi^ das unBelbettndige, 
adbwankende, mit entadiiedeRer tbeaterkunst durcbgefOhrte stock. 

Spenf^ler machl mich mii « inom sconar bekaont, (Jas sich 
frei an den vhew prsrhienenen Berkhs« lieii CuMiiopliilus ansch liefst. 
Parabola Evangeltca de Cosmophüo, $eu Prodigo Filio a Studiosa 
F. f. Min, Cmw, S, Frmuisci Gymnasij JuvmiuU comke exhibmda 
Uiterlmsae. 1^ 6. Muf 9. Tag HwbttHMnat im Jahr 1666. auch 
Md* Helena, und swar wie im Faustbach und Fanstdrama aus 
der hnlle citiert. 

5. Turbo. 

Das geistvolle faustische drama des JVAiidreac l urbi) sive 
moleste et frustra per cuDcta difagans iugenium 1616 habe ich 
Goetbe-jahrb. 4, 127 ff analysiert, daa atflck ist 16&3 im pro- 
testantischen gjmnasium lu Augsburg aulgefubrt worden, wie 
folgendes programm aus der Münchner Sammlung zeigt: 

De Aretino et Eugenia. Das ist : Wie tounderbarlich manch- 
innhl das GhlcJih mit den Menschen Kindern spile , vud l(;^^s nutz 
vnd frucht es bringe, wann man sich bald in der hhlhenden Jn- 
gendi den guten KOmten ergebe, anch wie die Tugendt offt Noth 
i^dm, sieh ämckm mid sdmudsm müs$e, dock €mUtick «mdcr 
empor komme, tmd mit £krm oben ieh»ab$* 

Comoedia. item de Turbane. Von einm waneMwtÜtigeH, 
vHJbettändigen S^wMelhim, so in oinm hui md flug , da» Sekhf$ 
der jrrdischen Weifsheit zuersteiyen vermeinet , f;«(/ sicfi bald aujj' 
diß, bald au ff ein anders begibt, bifs endllich , da er alles ver- 
gebens versucht, die Wei/sheit sampl jhr»n Schwestenh jhme das 
Peel von den Augm thut, md lehret, wie man die rechte wahre 
Weifthmt m fifott, tmd der Tugindi sudkeii mSim, Dardmth aufs 
smem nnsfüeksetUgen oin gHUskstsUgtr Mmudi mrdt. 

Zu Augspurg. In dtßt B^otiioe hei S, Anna, eon dar Boan- 
geh'schen studierenden Jugendt daselbsten gehalten , vnd in die Augeti 
gericht. Auno m.dc.liit. .Mcuse Augusto. Gedmckt -zu Augspurg, 
bey Johann S'^huHes. 8 bll. 4^: allgemeiints Vorspiel, gipfelnd 
im preise des kaiserbauses, bl. 2ff scenar der Cramerschea AxeteU" 
genia, bl. 5 ff Tvrbo stoe m^siMtMi per cuneia dwagans, soenar; 
bl. 7* ff sjßklbus atiomm. weder Gramer noch Andreae werden 
genannt. 



Digitized by Google 



ZUR FAUSTSAGE 



101 



6« Stimmeii des achtzehnten Jahrhunderts. 

WHogarth Zergliederung der Schönheit, übersetzt von Mylius, 
1754 s. 13 was kan es anders sei/n » als diese ungestaltete und 
mit einer ihr niod zukommenden eigenschaß verbundene fyur, bey 
deren anbltck ein ganzer Schauplatz vor lachen herstet, wenn die 
sMsdbaiier im D* FornU ahm» dafs dar nMsadc ÜJber das theattr 
herüber kOpft. 

Der vorberieht zur anonymen Qbenetzung von Drjdens Fall 
des menschen, Frankfurt und Leipzig 1761 p. xv polemisiert gegen 

die teufelsmaske im ballsaül, ^m'^m'ii den teufet auf der hülme. 
frf> kann es denn in einefn oßendlicheti Schauspiele wohl ar(f<it' - 
nommen werden? sonderlich zu unsem zeiten, da die theaier weit 
gereinigter sind, ah ekedessen. darum würde ich es wieder die 
iMütUtke fcÜMe^, find auch nach iiftsem europäitdieH id/een, teider 
die poütisdie, gefehlt halten, wenn man ferner, %um R die faree 
eines Detter Faneten auffuhren Hefse, 

Endlich zwei poetische Zeugnisse in form von humoristischen 
verjjleichen ; zwischen beiden liegt die gleiclianige oft citierte stelle 
der MiLschuldii^en. Zaehariae im 1 hiicb di r Verwandhingen Neue 
bey träge zum vergnügen des Verstandes und witzes 1744 (1,3) s. 211 
er (Balamir) stund bedachtsam auf, er %og den mund, und pfiff, 
wie wenn im sehauspiel Faust die stime murmelnd faltet, 
das mmmer furdUsam Mr, die starre wand süh galtet, 
weraus mit glekhem sthritt drey junge teufel gehen, 
die im bemsten köpf die roihen nuf/en drehn: 
so kommen, da er pfeift, drey (jlänzende Inrkaijen, 
die sich, auf seinen wtnk , gebückt um ihn zerstreiien. 
Wieland Gandalin oder liebe um liebe 8 buch v. 410 CT. 21, 155: 
Gandalin wartet anf die zofe, 

und wie sie endlUh 
ein Hendlatemdien m der hand, 
eifh ehuteHlt, ward er wie die wand, 
so weifs, und zitterte so schändlich, 
wie doktor Faust im fastnachtsspiel, 
da seitie letzte Viertelstunde 
MU ende läuft, sein schreckliches ziel 
nun da ist, und mm höüeiwehhmde 
ihn unter Mit» und denuergeroU 
der böse feiud mm hOeu sM ERICH SCHMIDT. 



Digitized by Google 



102 



ZU SCHILUIRS UAiNDSCUUll 



ZU SCUILLERS HANDSCHUH. 

OiMsr deo Stoff tod Schilien ballade Der bandschuh (1 1,227 ; 
die dem gedieht in gründe liegende anecdote aus Saintfoix 1 1,447) 

bat nnt gewohnter umsieht gehandelt FWVSchmidt Halladen und 
roroanzeu der deuUciien dichter Bürger, Stollberg und Schiller, 
1827 8. 142 ff. MLandau Ursprung und i^edeuluog von Schillers 
baüade 'der liandschub' (Beilage aiir aUgeoieineD leknog 1884 
nr 36) widerboU die SctiiDidlache aammlung um sieb daan in 
das nebelreich mythologischer deutelei so verirren, von solchen 
vagen vergli icheo und unterlegungen glicht woltuend ab der auf- 
saU MHaberlantlt^ Der indische Fridulm (Neue freie presse 12 
X 83), der maudicu lachgeuosseo enlj^angea sein dUrlte. zum 
Handschuh vgl. noch die schone spanische rooianie Archiv für 
litteraturgeschicbte 1, 507 und Langbeins liebesprobe Za. 26, 
149« 294; vgl, auch Stetnmann Briefe von HHeine 1,51E 

Ein sehr lebendiger , mit Verwertung des hsl. nachlasses ab» 
gelasster essay APictiIers über FIij)|K>lyius ('. iianiiuiiius (Presse 11 
und 27 Iii 84) trieb mich an den gewaliigen satinäch-didaciischen 
foiianten des liehenswürdigeu tiroler arztes Die grewel der ver- 
wOstuQg menschlichen geacblechts, Ingolstadt 1610, 13328S. durcb- 
lulesen; eine in mancher hinsieht gewinnreiche lectOre. ich no- 
tierte mir daraus eine doppdte, im ausfabrlicheren ersten teil 
mittelbar dem Bandello verwandle, im zweiten teil an spanisclie 
überlieierung anklingende erzähluog vom handsclinb. iD/^vl^chen 
hat Pichler selbst Zu Schülers ballade 'der handschuh' (Beilage 
zur allgemeinen leitung 1884 nr 104) die stelle mitgeteilt da 
jedoch gleich von der angäbe der seiteniabl an störende setaer^ 
Willkür vorherseht, will ich meine genaue abschrift nicht lurOck- 
halten. Ober Guarinoni vgL aufser Picbler JPrancks artikel in 
der Allg. d. biugr. 10, 83 ff , JMeifsner Die englischen comoe- 
dianteu in Oesterreich, Wien lbS4 s. 3 (T (wo auch das Franck 
unbekannte todesdaium 31 v 1654)9 AKerner vMarilaun Österreich, 
boten, zs. 16 (1866), 137 ff. 

Im 2 buch cap. 28 Vom schädlichen Uebagrewel der vnain- 
nigen Jugend heilst es s. 273f: 

Freffel in der Lieb betreffend, ist vnder vielen hmdbar , twn 
jenem Hertzogen von Mantua Gaicalio, da er b^ tiner Brucken ein 



Digitized by Google 



|ZÜ SCHILLERS HANDSCHUH 



Mdgdldn, die er liebte, angetroffen, vnnd mit ßr kurtswtil halber 
geredt hatte, sprach das heyllofs Maydlein zu jhme, waTtn er sie 
derma fien liebe, warumb er nit au/s Lieb vber die Brucken, sampt 
ßme dm Aof$ $gfengete? WeUHm da dm Fiknt kowm erhört hatte, 
9f9n «r wUt enut dm B»f», mud tfftmse vbm die Brwtkm kmab, 
uäda da» Mof$ twU mbm» «r oAir miir harUr Mühe auf$ dem 
Waeeer geschwummem. Bh^ dertßeidten Ge n Mi t $eU vor etUAei^ 
Jaiiren inn der still f&rtsher gangen , das doch nacher jhr vielen 
kundbar worden, seyn, da ein Welscher Edelmami inn einer schöiit'n. 
Böltmüchen Jungfrawen verltehi wäre, [274) die sich seiner nicJu 
fur md achtet, wartet er jhr allenthalben au ff den Dienst. An 
emem Feiprtag kundechafi er au/s, daß ek hinder du GeeeUefe 
eher die Br%uken hiiumfs, md da» lihoeiUiaaft^ ao ender »eO» 
der Brüggen, nkht gar weit gelegm, die lAwea eamptjhrer Mutter 
zusehen gangen wäre, gieng hhwuff, aUda man mn den Hoff 
den Löwen herah sthei , daselbst der Jungfrawen auff den Dienst 
warteiid. Da ste jhn trstchl , weudtl sie das Gesicht vonjkmt, wie 
sonsten, vber ein kleines (nicht weifs ich, ob es zu rnnderm flei/s, 
den Jimgling rniversucheti, oder aufs imglüdc geschähe) lief» «e 
jrer handeehmeh einen hinab m h»ff fidlen, tdlda die Löwen nider 
anlagen, der Jikngling hat da» kamn endnen, eftang vber die 
Stögen hinab, t)berredt den em Ühoenkneoht , dafs er jhm da» 
Gatter eröffnet, gab jhm ein sta! fliehe Verehrung, der enthlOsi sein 
Rapier, vnnd hielts hinder den rucken, schieuclu tadisi hinein, 
tmnä mit gröster schnelle zuckt den üandsckuch von der Erden, 
mmd weiln der Löw sich von der Erden erheben will, eilt er hinder 
die Thier AtiMtM, idur da» Gewicht faUen, vnnd ejpdrt den I4wen 
in Hoff hinauf», gieng hinanff, kiUaet mmd beut den &nd»dmch 
der Jungfrawen dar, wekhe »ampt der Mntier ob auhritken einer 
Leich gleich wordmi, die fieng van selbiger Stund den Jüngling 
kertzlich ztilieben. Ehner inassmt aher rnii nnderm u\i/sfjang ist 
in Hiepanien mit einem Galauo gescheiten, weidier sewi [Picbler 
ferbessert wekhem sein] Lieb zu »enderm fiei/s den Handschmh 
vnder die LiSwen geworfen, wMen er awar geholt, aber jhr an 
lehn ein gnten backenttreieh geben, vnd gar redit gethan hott. 

Wien. ERICH SCHiHlDT, 



Digitized by Google 



1U4 EIN WEIHNACHTSSPIEL AUS KRiSUTZBURG 



EIN WEIHNACHTSSPIEL AUS KREÜTZBURÖ. 

Wähmd de$ winttnmMit&n 1883/84 weku» ith h»gr bei 
Brnm olTM idmedtr» dar mir tinmai, iomeit m «ocA mrimmr^ 
Utk war, «in kkin» weämat^ttgpi^ vonagte und vwmng, da$ 

noch in seiner Jugendzeit in seiner Heimat Krefitzburg in Ober- 
stJihsien (regientnqsbezirk Oppeln) danjcstdU wniiim spi. da solche 
Teste volkstikmlicher poesie immer mehr dahin schwinden und speciell 
wmr dmikmal manche inter9$MnUe bdege für die gmhkhu dieser 
goitung bkun dürfte, $o eei e$ hier mitgeteilt, wrertt mßgei^ 
einige eiiMteiide bemmhmgen geelattet 

imUlditt: ve» der mUhenHdtät der folgenim veree wird man 
wenigstens fihr die ditktung ah gmveee M bM i^bermeugen Hnnen. 
aber auch im einzelnen ist das stück ziemlich treu bewahrt , das 
bezeugt der uwist noch criudtene reim , der freiHrh, frip das stück 
jetzt sich darsteUt, eine grofse dürftigkeit und utKjfsrhtcklichkeit 
nidU verldugnen kann, das bezeugen zeilen, wie 1. 2. 6. 30 und 
tMrewhe anderep für die mehr oder minder gkiehkmtende pmrtdle^ 
eteUm aus anderen epidan werden beigebratki werden. 

Die wUerew^MHgen werden hier ver aüem auf Weinheld ( W,) 
zurückgehen : Weihnacht-spiele und lieder aus SUddeutschland und 
Schlesien mit einkitinifjnt und erlduterungen , neue aiisg(dfe, Graz 
1870. es ist vielleicht nicht ganz ohne nutzen, hier noch die 
weitere Utteraiwr dieser dicfffart, Mmndchst in Defftschland, in ihren 
wM^eten werken amntfiUiren, wobei natürUeh wtUitdndigkeit niekt 
at^fesfroilhen wird, 

DenteMmd: Jhraetoriue, We^naehtsfrazzen, Leipzig 1663, 

ein seltenes Ituch (vollständiger titel in der littet arischen nach- 
Weisung bei Pailler). — Chremdder, De Christianonm laruis naia- 
litiis Saiicti Christi nomine commendatis , Lips, 1677. — Pezold^ 
De S. Christi lärme et muteMmdis, Lips. t699. — Sehrder, Deuteche 
weümtushietfUiie am Ungarn, Wien 1858. — Lesm, Kitmtieehu 
Wörterbuch mit einem anhang von weihnaehte^ielen und -Uedem, 
Leipzig 1862 (Lex,). — Harimann, Weihnaehtsi^d und -spiel in 
Oberbaiem, München 1875 (separatabdmck aus dem Oberbairischen 
archiv %%\\v). — Pailler, Weihnachtslieder und krippenspitlt' ans 
Ober Österreich und Tirol, Inntbrtick 1881 (P,), — vgL ferner: 



Digitized by Google 



EUS WEIHiNACtlTSSl'it:L AUS KREUTZBURG 100 



Mone , Schan^iele des mütelahers, Karlsr uhe 184ö, — Fichter, 
Drama des niüuialiers in Tirol, Innsbruck 1850. 

Enghwfl: Marriot, 1 coUech'on of et^gluh miracU-plays or 
w^fiUrim^ Bmi 1838. — Smä^ Ckrittmm mtoIs, Lotukm 1833^ 
umd CkriümaMk, Uidm 1852. 

Frwfkrtkh: Jubmal, MytUr^ Mdit9 ivttfeb n, Fmii 
1837. — Parfait, Histoire du theatre fran^ois i, Amsterdam 1735 
(s. 59—158). 

Spanien: Schack im i band (Berlin 1845). 

Endlich sind ntKh »u vergUkiien: Sommer, Sagen, mdrchen 
wMä gebrmuM om S^htm tmd Ikibrni^m, HaUa 1846. — 
Kuhn und SdnweuiM, Nmdduuttdie MpMi, mdrekm md feftrteH 
Leipzig 1848. — Meitr, Deuiü^ tagen, tüten und geMwM am 
Sehmaien, Stuttgart 1852. — endlith aneh: Getltdmd, Nötiger 
Vorrat, Leipzig 1757. — eine Zusammenstellung der weiknachtsspiele 
des 16 und 11 jhs. hei W s. 173—186. 

Mehr mihnachlslieder haben zum gegenstände, außer dem 
bekannten buche mn PhWackemagel, Leipzig 1864 (Wack.): 
Hoffmann, GeeeMehte det dentedien kirdmMe» hit auf iMther, 
Eaimamr 1861 (R,). — GeistUehe Ueder mU ihren ur^prün^uAen 
weiten, Paderborn 1850. — Kekrem, KMten- und rdigUfte lieder 
aus dem 12 — 15 jh., Paderborn 1853. — das gesangbnch Cantate 
von Bi<»e, Paderborn 1853. — Simroek, Deutsehe xceihnachtslieder, 
Leipzig 1874. — Uarimann, Volkslieder in Baiern usw. i Volks- 
tUnsUehe weihnachtslieder, Leip»g 1884 (von demsMen auch eine 
dittert., Le^pMig 1883). — von den älteren Sammlungen hebe ich 
hervor: Ltiteniritt, Ceittliehe lieder und paaimen, warnt 1567 
(L,). — MVehe, New getangtbMIein geittmer Ueder, Mainz 1567. 
— etM zuaamment t eÖun g der ki^er gehörigen Utteratur auch bei 
W. s. 395 anm. 1. 

Engl, lieder: s. die werke von Sainh/s. 

Franz, lieder: Les .neeU ßourguignont de ßemard de la 
Monmoye, Paris 1842. 

Mm vergfeitAe aueh die Ubereieht bei P, und tmm tddutt: 
WOken, Ober die krUitthe bdiandbmg der geietUdien tpitk, EaOe 
1873. — SM dem aäen koaunen naiürUeh die tj^iUe und Ueder 
bei \V. selbst. 

}V. ^^)Uwickelt an den von ihm mitgeteilten spielen in grofsen 
t&gen die geschickte der gattung, zwei quellen hol das weihnachtt-' 



Digitized by Google 



im EIN wau^ACumpu:;L als kueützbukg 



tflid: eine gervu-heidmKke und eine chrittUdm. beide toerdm 
9kh auch in wmrm 9pide wfmigtn lattm. daudbe be$teht 
am 2 Mtn. dar ente aiMk di0 aftm adoeuireime (9, 1—27); 
der mMU$ i$t, wnigetmu »einer nrsprünglif^ hedenhmg nadt, 

ein spiel von dti' aabetiuuj der hirtefi. der erste teil lud tlen- 
selhen chnracter toie alle diese adventreime: das rhnstkind, der 
enget t Fetrm niui Nicolaus treten auf, konmken in dte kinderstube 
und fragen nach der aufführung der kleinen, der Nieolaut aber 
(Mr^-iSU, Nikoh) itt nttkt urtprünj^, er hat, we er ereeheint, 
§emeimglidt dm knetiht 'Ruprecht' verdrängt, «lieft Joseph oder 
Pärus treten an dessen steUe (W. s. 31); besonders in Schlesien 
vertnii nach W. s. 9 der M. Joseph den Hnpredu. alle diese aber, 
Joseph oder Fetrus oder Ruprecht, sind nichts anderes als der ye- 
wattige gott Wuotan, der in der wethnaehtsaeit , den moölften, eds 
o M s m ä r eiter oder hreiUna, wie er in mantken gebenden nodb 
heifst, durch das land jagt, mar %eis des mOtminters, der whuer- 
semnenmende, auf diesen niHüit^kAen wSMAgen mihm er eiust die 
Opfer entgegen, welche man ihm darbrachte. m?V iinn zieht seine 
gemahitn Fnyya ; es tsi dte Berchta , Perchtel , Holle unserer sage • ; 
sie ist es, die um das hauswesen der menschen sorge trägt und 
naasentUdi die kindersiuhen hsimsueht» wie erscheinen nwn diese 
Personen in smserem spiele? das dtrislkind seheinS zu fMen (h^ 
so fem mag unser spid vieÜeitht noeft eine altertümUehere reinheit 
zeigen), Joseph übernimmt Ruprechts rolk und wird der mittelpunct 
dieses ersten teils, dai stnisi das Christkind bildet, dazu tritt Petrus, 
als der ankläger der kinder vor Ruprecht-Joseph, wie er wol sonst 
ikr anklager vor dem Christkind ist, und auch Nicolaus, der hier 
als ihr guter aniwaU erscheint, eker es ist «oeft eine person oor-* 
handen, dis freßith, weim oucft mtdMhit wse am metafc» Meret- 
sant, hier nur mdbr ein sehr besdteidenes dasein fristet: das ist 
die KarbascJie. zweifellos ist diese seltsame erscheinutig ein ganz 
verdunkelter rest der Frigga-Perchtel , von der früher die rede war, 
unter diesem namen und ganz ähnlich ist sie mir, ohwol ich des 
fueUen Msemlich durchsucht habe, allerdings nirgends entgegengo^ 
treten, aber fnan beachte, sie fegt den boden vor dem im/lreleii- 
dm »uge, hat also einen besen, wovon sie wol den namen fUhrt^; 

* in der AUmark fru Göde oder Göe, tn der Mittelmark üru Harke, 
im Osten derselben auch Murraue (vgl. malir -alb), Z«. 4,385/*. 

■ karbasche, eig, karbalache, bedeutet peiteehe und vertritt hier 



Digitized by Gopgle 



£iN WfmUNACUTSSPlEL AUS KR£UTZBUJiiG 107 



tmn sa^ W, s, 12: * die Maria, welche im Lieguitzischen^ als ker- 
wmM vor dem biMtkind her fegt, ist zuletzt nichts anders, als 
die Mdirerlicft mn^etub s^im, di« ob€nt$ venoaUtrm de» AautM.' 
mbo m üt di$ Perdiielp vidkidu hmmäfm§ aufff^oitt 
(m käme da auf die duftere endiemimg m, in wkher m m 
dem spiele mirklich auftrat), wie denn die PerdUd oft hexenmafsig 
sich zeiijt iuid ja die hexen in den aduenten tanzen (W. s. 21. 24). 
so hätten wir in nnserem spiele die beiden hanptpersoneii des Heid- 
nieeheu adventumzuges: WuotOH" Joseyh und Frigga-Karbasche 
Modb erhalten. 

Wir wenden usu mm zmeiien teil de$ epieke: 9. 28 — ende, 
eeiKtder dmMdie bettandteii, dat oft» hirten^ (W, s. 79—103). 
der gewöhnUeke typus ist: die kirten liegen auf dem fdde, eeken 

den Stern über der krippe in Bethlehem, es kommt mei:it noch der 
enget hinzu, der sie aus 4ent. schlafe weckt, sie eilen znr krippe, 
zur anbetung des Christkindes, dieser typus ist auch in unserem 
tfid wniianden, freilich seUeam verdunkelt und verblasst: sie gehen 
nidii mdir nach Bethldiem, es handdt bkfe um den kirdir 
gang, was gdegenkeit gUn sw einem diahg, der eehon wegen teiner 
naioen, hetigen tehlu^peinte aufbeweihrung verdient, die wdgerung 
des einen hirtm, mitzugehen, findet sich übrigens auch sonst häufig, 
in anderen spielen tritt dann noch die dreikönigs - legende hinzu, 
die Hirten werden etwa von den 3 königen nach dem kinde gefragt 
(W. s. 97—103). 

Die veriiniguug der odieenireime mit dem hirtentfid bildet 
iMcft W. den ^meinemnen ijfjpu» aller edileeitdien ehridkindelepiele, 
W. teilt idbu ein midte» üub SdUaupt^z im Reiiilenbttdier kreue 
mit: dies iet auegeddmter ab unseres, in so fem da auch Maria 
mit dem kinde und Joseph auftreten, was dann in vielen spielen 
noch erscJieint. vielleiclii war auch unser spiel einmal vollständiger. 
m einem anderen , gUtdifalls von diesem typus , aus der südL graf- 
iehaft Qlatz tritt der hartherzig wirf auf, der Joseph mit Maria 
und dem kinde von teiner türe weist. 

luletnt nocl «ifitji^ bemerkungen Uber den xueammenhang 
und die reihen folgt der reden in unterem spiele, zum teil gegen 

meileieht einen ttesen; der nam<* inu^ ans dmi anirränzende/i polnischen 
gebiet nach h'reul&ifurg gekommtifi sein (poln.korhavi). personen hezeiehnet 
es attch bei Schnufller 2, 326 (soldatenhure) und im Hentieb. alt 'stadtkar- 
batäch^ (pßadtrMmiH, vgl, Df^B 5, 206). 

' elto ebenfüti» in iSehtetieni vgl. übrigem Zs» 6, 341. 



Digitized by Google 



108 



EIN WEIIÜNACUTSSPIEL AUS KHEUTZBÜRG 



die angaben tneine$ gewährmannet» », i — S uheiM chanu und 
wm oUm ^enni^, ai^kr d&m ent noMw mikmmendm Joseph 
und dm moei hirtm, He tkh wol gkith naA im eiiUfitt nieder- 
legen , naMem die KarboMhe den böden rein gefegt, o. 39 ^ 

h6}t wol dem zweiten Hirten, v. 40 dem ersten, 41 detn zweiten, 
42 dem ersten, eheuso 4^^ «n^ 44, welche dieser wol nach einer 
kleinen pause singen mag , imchdem der zweite wider eingeschlafen. 

Pneri natus su Betbiehem 

[ia Akana], 

des freuet eich Jerusalem, 
laset uns freuen und jubiliren, 
a mit den engelo triumphireo» 
aoi kani ka, 

Christo V kOnig aller ehren, 
Joseph ist schon da. — 

Es kommen Petrus, Nikolaus, die karbasche, ein engel und 

zwei hirten, die sich auf die erde legen, den die karba&cbe 

rein fegt, danu kommt Joseph. 

1—3 vgl. Mones Amt» 1839, 352 : 

Ein kindt geborn za Wethlaheni za Wethlahem 
des freuet sich Jerasalem (Klostemeuburger h». 1228). 
L. 18' (ich benutze eine ausübe, deren vorrede datiert ist v<m 
Bndissin 1573): Gelobt seist du Jean Christ | dasg du mensch geboren 
bist I von einer Jnnijfran , Has i^t war \ des frewet sich der enf^el schar ( Icyri- 
oleis. — Tl': KiK Ii ist (ihnsiu- der ticrr gebom ) von eio^ juogfraw aus* 
erkom | des Irewet sich Jerusal. ni. — 23*: 

das Poer natus deutsch: 
1. Eiu kiad gebom zii Bethltlteui zu iieihieitciu 
des frewel sich Jerusalem, alleluia nstv. — 
24': ein anderes Puti natus, zeigt dieselbe erste Strophe. 
Alle diese deutschen hymnen Hnd nach dem vielverbreiteien tat. hym- 
Hilf, von dm, eine vm^aHon kei L. 44' miigeteiU üt und auf den auch die 
wmie unmree ietttes: pneri natot, nnd dnnn wnie aeUen hintoeisen, 
die 1 Mtnphe UmM: Pner oatof in BethleHem | unde gam4et Bienraalem. 
alle, atlelola. ühereinMtiimmtnd bei Wa^umagel i nr 310 (aua dem Wjh.) 
und dunn bis 318 variaiienen. 

Man vergUiehi nach weiter P, i #. 61 nr 66; ß, 190: EId kiot Ist fe- 
boni le BcCblebem | ze dlsem ofiweD Jar, (refi^,) | des fffoet sich Jemalciii; 
und gIm/ekUuUnd wU unterem text 192. 

2 iet mir niehi klar^ vielieieki van anderewaker durah einengedSM' 
fUefehl&r meinee gewäkremmmM hieher verirrt (Kina?). 

3 Überlieferung: es, doch vgl, die paraUeleieiien m» 1 — 3. 

6 vieUaeht ein reimvere, wie eie sieh etwa in kinderUedem flndent 



Digitized by Google 



EW W£1H^ACUTSSP1KI. AUS kHEUmUHG 109 



Joseph : 

firrl 

10 Ich komm herein getn^ten, 

ob die kiiuler Heifsiof beten und singen, 

und die da fleifsig belen und singen, 

für die werd ich einen grofsen kober foU mitbriDgeo; 

vod die nkht fleifsig beten und singen, 
tft auf denen soll die iiite henmispringen. 

Pelrus: 

St. Petrus werd ich genannt, 

9 ü/f/. /f. *. KM) Joseph im Srhhrf/pi'fzrr xpirfr Holla, linlla frgl. auch 
4ie anm. 1 zur stelle), - fV, #. IIb erster kirt im spiel von habelschwert 
(bei (ilaz): Holla, holla. 

— 15 X. 37 (spiel aus dfr ^cf^end von Jauer) der en^t l (hier an 
.!<,:<' phs, später nn iMcolaus üt'Uc): Üiilcn abend , ich komm herein ge- 
U«t4fa ttsw. s, 105 (Schlrtupiizer spiel) krisikind: 
Ich komm herein getrcteu, 
will seho, ob die kinder fleifsig beten, 
will Mha, ob die kinder beten OBd abigen, 
M will kb ibnen cbie lebtoe gäbe briogeo; 
wenn lie aber ofcht fleiltfg beten ood siagen, 
werd ich ihnen eine mte bringen. 
s, 37 floMiMT 4P<eO kruikindt 

Ich komm betein oha aller, schein, 
will aeha, ob die kinder fleifsig gewesen sein, 
wenn die kinder weiden fleifeig beten und singen, 
an werd ich ibnen eine grofse bürde bringen; 
wenn sie aber nicht werden fleifsig beten und singen, 
so wird ihnen die mte aaf dem räckeo ram springeo. 
«r 39 (tius Hainau) kristkind: 

Wenn sie fleifsig beten, singen und spinnen, 
wird das kristkiud eine grofse bürde bringen, 
wo sie aber nicht fleifsig beten, singen und spujoen, 
wird das krislkind eine grofse rute bringen. 
*. 35 / föM* Mfderschlesicn) kristkind: 

Wenn sie fleifsig beten nnd Bingen, 
80 werd ich eine gro(itt bflide bringen. 
11 vUUsMd BN «rgUwun: will aeh*n (tigl, da$ Sehim^tunrund Xolh- 
nÜMer spiel), wa9 übrigens im notfäU ldniB$ig9daehi «verdau kams nnd 
ringen ^UOMU »u tiniektn nach dem SektauyÜMr tpM, um den reim 
kentMlm$ oder enilehni aus 12T 

ihmehie^aeunmagiieh: aof die soll die mte auf aiehcramaprbigen. 
1«. 11 ir. «.38 (KoUmii^er ^tei) enget,- 



Digitized by Google 



110 £1N WEIBNACHTSSPIEL AUS KREÜTZBURG 



eioen goldoen schltissel flibr ich id meiner baod, 
dazu eio grofses buch, 
dario steht geschrieben, 
M was die kinder for toUheileo gelrieben: 

erstens, steigen sie auf tisch und hänke, 
zweitens, nehmeo sie die riitc und /j-rtirechen sie, 
drittens, essen sie tieisch uud wurst ohne brot hinein: 
lasst dieses den kioden nichl ungestrad sein. 

Nicolaus: 
Tb Diesmal will ich borge sein 
für die kleinen kindelein, 
die da fromm gewesen sein. 

Engel : 

Ihr hirten stnhl auf und schlafet nicht, 
ihr si'hl des eugels aiigrsicht, 
90 heut ist der heilend geboren, hallet ujahl 

(wobei sie einen «edel »cbwiogsiil. 
Erster hirt: 

Bruder JokI, brader iokl, 
steh auf, steh auf 1 
der himmel ergraut. 

Engel Gabriel wer«! tch genannt, 

den scepter trag ich in meiner band. 
ßf^. $. 104 (Schlaupitzer spiel) Gabriel: 

Der heilige Gabriel werd ich , genannt, 

den nepter tng ich in mdoer band, 
ÜK 105 (mu d$m$äbmO Mnw.- 

Oer heilge Petras werd icb genaant, 

die aehlOsael trag ich in meiner band. — 
21—24 ß^. M, 35 (mu NitdvnehMen) geht die anktnge (sie beten' 
nicht und leireiflien die bOcber) wm mget aut; «bento «, 38 t'n dun 
KoUnät%er tpiel, hier HM der enget am sehhtu ßr die kinder} 
f. 40 in einem seh lesischen spiel klagen die eitern selbst; ff^. s. 109 t'» dem 
Schlaupitzer spiel Petrus, der dann aber für die kinder bittet. 

27 zwischen 27 und 28 fällt nach mmner qnell/e eine lüekef jedee^ 
falls lässt sich Jusrjth versöhnen. 

\\\ IK s.*n (ai(.s h/intfrfi) für .TokI JodI (Ceor^), s.lW (Kdelpöcks 
spiel) ci/j Joel, *. 03 (aus harnten) tfm Jürgl , sotut noch namen U>ttf Lip, 
Gergl, Jäckl, Simon, Riepl, Löx (Jfe.rins) va. 

32 H^. jr.91 Jodl: Riepl. sollst geschwind aufstthnl 40l (aus Kärnten) 
auf Rüpl auf! 4(>:5 (ehenflalter) : stfhts nur bald auf — hurti nur drauf! 

33 — 35 Sc/wiicr s. 15b, häsmarker spiel (v. 15.1t)): 

1 hirte: borch, horch bruder, der himmel kracht! 



Digitized by Google 



EUM WEIHNACHT8SPIBL AUS KREIJTZBURG III 

Zweiter hin: 
Lass ihn grauen, lass ihn grauen^ 
3& er ist noch nicht alt genug. 

1. 

Bruder Jold, bruder Jokl, steh aufl 

wir wollen iu die kirchc gehn. 

2. 

Ich ^eli nicht heilte, ich geh morgen, 
ich hab zerrissne schuh. 

1. 

40 Flick dir sie zul 

2. 

Mit was? 

1. 

Mit Stroh I 

Bruder Jokl, hruder Jokl, steh auf, 
wir wollii iu krepschu gehn. 

2 hirte : lass ihn krachen, er ist ja sdiOD alt gcoog daiu. 
ebenso s. 82, Oberuferfir spiel fv. mA: 

Gallus: Stiehl, steh auf, der himmel kracht s« [io! 

Stich!: Ei lass'n nur kracha, rr is spho nlt gnua dazua. 
noch f^enaurr zu unserer stelle in dfi/i /tandschri/tiic/if7i /iialtr sptt-l: der 
himmrl graut schon. — diese para Ii f /stellen sind aus spiohn^ die nach 
Sc/irüer eine ganz (tu fser ordentliche voUstäudiffkeit und unver falsch theit 
zeigen und dereti texte bis ins 15 jh, und noch weiter zurückgehen. 
36 muh vor 36 ist wol eine kiein» pauMe anzunehmen. 
39—42 äknUehe «cwie eigentßek nur bwi im ß^olfhberger spüi 
(3 Urten 9thUifM): 

Jodd (aloto den RAepl): 

steh aof , USf 4ii dcT iopp*n, 

ood geh m' flugs mit mir. 

RBepi: 

MeT Jopp-n und dö ist äll's denriss*!!, 
adwag Jod*l, i scMm aii' schiey. 

Alle 3: 

Geh bam und thue se flicka 

ond a' wenig zämma Hrbta, 

uft gchmer hin zum waJir n Gott, 

■wie uti'^ li;it s?)crt der Fnp[-l?>o(. 

39 nach der quellte dein frsten gt'horend. 

40 nach der quelle dem zweiten gelwrend. 

41 nach der f/urlle dem ersten gehörend. 

42 nach dtr quelle dem zweiten gehörend. 

44 kre()»chn soU Wirtshaus sein^ poln,T doch vgl. Herroskretschea 
(Sachsen), 



Digitized by Google 



. 112 EIN VY£IU]N ACHTSSPIEL AUS IUi£i)TZBUBG 



2. 

4» Ei da geh ich mill 

Hisfort, hinfort, 

wir rieho ao eioeii andern orll 

47 von allen getunffen. 

Berlin, im a^ini 1884. ARNOLD MAYER. 

DIE IWEINHANDSCHRIFI^EN I. 

i. In ÖBterreieh, 

Auf einer gröfseren reise Def sudtie tch dte im Osterreich vor- 
handenm handschriften und bruchstücke von Uartmanns Iwein et»- 
%mdim» ich umrd$ dabei in am^suidmtUr wehe von den ver- 
waUungen der k. k, hoßibUothtk und der Ambnaer earnndung xn 
Wien, der ifffentUd^ bMoM in Linx, der vnitfereHätebiblieihA 
zn Prag und der bibUothek des fürsten Lobkowilz in Raudnttz 
untvrsl atzt, die Riedeyf/er l.s. E dnqe.gen konnte uli itidil l>enn!zen, 
da ich zur zeit meines aufentiialtes in Efferäing die mir jetzt er- 
teiüe erlaubnis davn medi nicht betafe, 

1 . dm Mickaden drwke der Am^braeer ke. nidU ndt genügender 
Sorgfalt hergestellt sind, kennte man schon aus einer verglachung 
der Tabulae parattelae mit der ausgäbe ersehen, da beide von einander 
abweichen, obgleich sie eine diplomafiscne wider nahe flcsscllini lexie.s 
sein sollen, ich habe aber jetzt gesehen dnss MicliaeUrs ausgäbe 
nicht allein viele naehläseigkeits fdder enthält, eondem auch eine 
ansM veree, zerttreat dnrch das ganze gedieht, fortgelassen hat. 
leeefehkr fndm eidt da§s^ selten. 

2. das linxer bruchst&ck F befindet eitM notk inuner in dem 
Textus seqnentiamm am opiimo commentario , in welchem es 
Vji'iffn /(Ulli , ist aber neue) lieh wider festgeklebt, zusammen mit 
einem zeltel von Pfeil fers hand (20. 8. 1858)« worin dieser den 
umsuch ausgeht, da% stück mifdue besondere gebunden werden, 
es seftet'nl daes die ethrifl bei erneutem toereifsen jseretM u>erdeH 
würde, ich habe daher nur dae offen Hegende gdesen. P/eiffere 
abdruck Germania 3, 344 ist annähernd genau. 

3. das brnchMürk U anf der Prager Universitätsbibliothek liegt 
ohne Signatur tn einem carton mit anderen stUcken ähnlicher ort. 



Digitized by Google 



0I£ IWEINHANDSCHBIFTEN 1 113 



ier drud[ m dtr Germamii 6, 358 i$i w^rmukbar, weit dorm 
^ne xwHk und oft fabck dag abseaehniitaiB ergänzt tsT. 

4. das friäter im heeäze des dr Zaku %» Wien befindlich ^ 
weeene hrudieMf G gdUhrt gegenwärtig dem gerw. nationalmuseum 

zu Nürnberg, wo es die nnmmer 34017 trätit. es wurde mir zur 
verrjhfchung hiTfiitrilligst nach Berlui yesan'll. 'h')' nhdfuck Genn. 
3, erwies sich als fast diplomatisch genau ; nur steht v. 3211 
Sins ziemlich deutlich in der he,, eodhremd der druck Im . . . xeigL 

5. WM dUer künftigen Verwirrung verMnben§en, mifge hier 
bemerkt werden dm M die Wiener he. 2779 J nenne (vgl. ü. 
24, 179), Birh'ngen brutMkk (Germanh 26, 99) mit K und 
Buchwalds bruchstUck (ebend. 25,395) mit M bezeichne, das neu 
geftmdene Münchner stück (/s. 28,259} moye dann iV htifsen, und 
das Zu. 17, 391 /[ coUationierte Wiener (Jetzt nr 19791) 0. / und 
L laese ich in der beneiehntmg der dten pergmnenthst» «Mt, weil 
ereteres ede MSanBung ßr Iwein, letzteres fOr Ladmumns aus- 
gaben Ad/tch ist. — ob van diesen bruehstüdten eiwa zwei zu- 
sammengAlhren, wäre sicher erst festzmt^en, wenn mtm aUe zu- 
Sil Iii mm vor sich hätte; nach den (jedracjktm beschreibungm ist es 
nichi wahrscheinh'ch , detoi nncU 0 ist trolz der gleichhetl der zwei 
spalten zu 22 zeilen mit N nicht identisd^, wovon ich mich durch 
den augenst^iein Überzeugt habe, das bruchttikk N wurde mir 
dmrA gütige vermitUung des herm pfarrers Westermayer hMer, 



6. die papierhemdsdurift in der bßUothdt des fürsten Lohko- 

Wiiz zu liaiid)iitz (vi Fe 211) tnihäll den Iwein von hl. 148" bis 
bi 200***, zweispaltig zu je etwa 30 zeilen. am ende sieht vom 
Schreiber die bemerkung, dass die abschrift des Iwein 1404 beendet 
ssi. die hs. ist zwar scheinbar volistdndig, aber der stkreiber halt 
Üfter grofse sHkske aeisgdassen, mandmäl mehrere hmdert verse, 
zb. 7693—7939, meiet ohne den versudi zu mrn^ den zusamtnen- 
hang herzusteUen. 

Den anjang teile icii hier mit; idi nenne die hs, z. 

148* Des bäch von her |wtn der mit ritters möte 

Wer an rechten gOte nach lobe kande strilten 

wendet sin gemAte er hett by einen ctytten 

dem folget seid vnd ere gelebet abo ecbone 

das gyt gewisse lere das er die ercnt kröne tO 

kuDg artiis der ^Mc b irug vud noch sie nieoiau tret 

Z. F. b. A. XXiX. W. F. XVII. B 



Digitized by Gopgle 



1U 



DIE IWEilSHA^iDSCHftlPTBN 1 



das l)at>pnr die warhail 
siiif l.uid lule 

sie 1» liMid er leb uoch iiule 
im ist «]<'r lib erslorhen t& 
er hell das ioh erwi*ilien 
das doch lobet yiiar sin uame 
er ist lasterlicher schäme 
ymnier vil gar erwert 
der auch nach sinem silleo fört 2ü 
Ain rilter der feiert was 
vnd ers an ainem bAch lafs 
^vod wenn er sine slunde 
mit wol beweauu kuade 
do er doch dicbten pflag l& 
das man gerne hören mag 
do k6rt er ainen Oifs an 
der was genant hartman 
?nd 'was ain Owere 
der liebtet dise mere ao 
Es het der küng artiis 
cA karidol in sin bufs 
ze alDem p6ng8tag geleit 
nach richer gewonhait 
aio also scb6ne bocbxyt afr 
das er da uor noch sid 
enkaia schöners nie gewao 
des war^ des was ain böser man 
in' vil schwaclit'in werde 
vonvcli y»'saiiilel vff der erde 40 
by nieniaunesczyteii aiiderschwa 
so inenig gut t iUi r aU da 
och ward in zeloae gegeben 
an n1)(Mi vvifsain wiinschlich leben 
im liehet der hof vnd der lib 46 
menig niaü vud wuniglicb wib 
die scliouesieu von den neben 
mich iamert sicherlichen 
vnd hülff es vtz ich woll <'s klagen 
das nun by vnsern lagen 50 
solich rr6d nimmer werden mag 
der man oft den czylen pflag 
doch DuAssen wir och genesen 
ich enwoll doch nit sin gewesen 
das ich nun nit enware (5 
das ?ns noch mit ir mere 

« davor laT» durclatrichen, 
' un durch Hrich m kk eorr. 



recht woll wt ^tMj ^ul 

doch dalcii lu die werck woi 

Artus vnd du küngin 

ir yelueders vnder in 60 

sich vd* ir aller willen flaifs 

do man des phiigsttages erbaifs 

148** menlich im die tröde uam 

du im da aller best gezam 

dise sprachen wider die wib 65 

dise bekuuten den lib 

dise tantzetten die sungen 

dise luffen dise sprangen 

dise horten saiten spil 

dise Schüssen tft dein zyl 7« 

dise redetten von sender arbail 

dise Ton manhait 

Gawin achtet nnb wafen 

Ray leit sieb scblauSen^ 

vff den sal rnder in 7& 

zä gemach an eren stßnd sin sin 

der kdng vnd dü küngin 

die hellen sich ouch Tnder in 

sA banden gefangen 

vnd waren xameu gangen 60 

in ain kamenate da 

vnd leilten sich scblaufTen sa 

vnd hetten sich dvrcb gesel- 

schalt ^vW\l 
dan durch kain traghait 
sie enlschliedVri haidr schiere 8ö 
do gesasseu riller Iiere 
Dodines vnd gawin 
Segreniors vnd ywin 
och was gelegen da by 
der znchtehtis k iv 9t 
vsserhalh der w^iiid 
der secbrste wab kaluj^i iant 
der beguud in sagen mere 
von grosser schwäre 
vod von kainer siner frumkait 9& 
do er noch UUzel bei geseil 
do erwacht dü kangin 
vnd horten sagen in hin in 
sA liefe ligen im man 
vnd stal sich von im dan too 

' darnach d durctuirichen, 
* %fi ftlr i hat di0 h», ofU 



Digitized by Google 



Die iW£if«HAMOSCUIUFT£N 1 



115 



B, Die i9genann$€ Wmller»tei»9r hand$ehrift 

In Wallerslein befand mch nach Lachmanns auyabe eine 
Iweinhs.; Schade im Lesebuch s. 197 setzt dazu das citai 'AUd. 
museum l, 168.' nach der mir von dem freiherm vLöffelholz, 
dem hibliatkdtar de» fQrüUtkm hmuM Ottingm-Waikr^ein, freundr 
Iküt erteilten wsimnfi hai He /fimtfcAe 6t6iiolAefc nie einen 
Iwein besessen; es haben nur emmol verkandlmgen mit dem 
dr Rottmanner Mattgefunden Über den attkauf emes Iteein und 
Wigalois. da nim die Rottmmmerscke Iwein- Wigahishtmd- 
schrift nach Z$, 24, 179 zweifellos in I/mdion ist, so hat die 
bisher als Wallersteitische bemehnete be, nur den imnn«ii geweeks^ 

C. In Lindau. 

Der Lindauer Iwein aus dem jähre 1521 (Germania 20, 84) 
wurde mir von der dortigen Stadtbibliothek zur benutzung in die 
hiesige Universitätsbibliothek gesandt und daselbst von hm dr Seel- 
mann zuvorkommend auf serhalb der dienst stunden während der 
ferien zur Verfügung gestellt, es ergab sich bald dass er nur 
einf' (ilLschrift der Giefsncr hs. B ist. die tu dieser hs. mangelndm 
llätter , welche li>3l durch e ergänzt wurät'n , (chUn auch der 
Lindauer hs., dh. der copisl hat ohne rücksicht auf li/c lacken weiter 
yfschriebm. auch sonst folgt er der vorläge zwuilich genau, er 
hai die zusatzslOcke nadi 6*204. 6854. 6874. bb7Ü. t)9()4. S158, 
welche nur in B stehen; 8149 hai er eine vom rubricator in B 
falsch gesetzte initiale (8ie statt Hie) nachgeschriebeti ; ebenso 3399. 
4000 die falsche Stellung der verse und 4ie umsteUung durch a b; 
3401. 2 auf einar %eiU; 3998 die doppelte ksart in und mich 
itber einander, ^ fikr die lesung von B hat diese absdirift an 
etnigen stdkn wert; so 4164, nach wekhem verse B diesüben verse 
bat, weleke 5763. 4 stdien: aber in B sind sie^ was Benedte über- 
sA, deutUeh vom Schreiber gestrkhen und der LmdaM/er hat sie 
demgomOft niebi ahgesekri^m, 

Betün. EMIL HENRICl. 

DIE TÜBINGER RENNERHANDSOHRIFT. 

ßet dei' Uctäre der jüngsten nntersnchungen über Hugo von 
Trimberg (Zs. 'iS, \ \hfl') erinnerlr ich muh einer im jai^re 1879 
an mich enjangenen bitte von seilen dts herrn stifd. Gustav Ehris- 
mann in IJtidelber<j iivt jiahere auskttnft über die RenntThtuidsckrift 
in der Tübmyer siiftsbibliothek. es wollte damals tachi gelingen, 
du hs. aus fündig zu machen, und auch bei Wülfel auo, s. [Ib 
heifst es jetzt über sie 'seit mehr als 25 jähren verschwut^den.' dass 
der umfangreiche codex abhanden gekommen sein sollte, war von 

8» 



Digitized by Google 



DIE TÜBINGER KEM^EKUüISDSCUKlt T 



vorn hnt'in nicht glaublich, er hat steh denn jüngst aucli wider- ^ 
(jejundcn vder, richtiger gesagt, er hat nie seineu allen ehrwür- 
digen riilifidatz verlassen, nur der moderne einband ist sdinld 
gewesen, dim man beim suchen den alten codex übergieng, da 
die As. (Tj für die geschichte der Überlieferung sowie für die texi- 
kritik nirla ohne teert ist, so möge folgenden hmothm^m mü 
rücksicht auf einen künftigen nmm hmittgeiker «fei Remun, der 
sich doch wol noch finden wird, hier rmm geg^lben eem. 

Eine beschreilnmg der k$. (nr 24) gab CPkOnw BeiMge far 
Philosophie, gesekmaek und merahar 1 (1786), s. 82—131 tmd 
Kleinere promedte echrifien vermischten itihaUe 2 (1822)« «. 290 hi$ 
345, vgL meh Bmhberger aussähe vemde nr 14. «lA füge mir 
kmam dau jetzt die hlätter gesOhU sind, es emd tm ganzen 328 
(niekt 319): naeh 290 sind jedoek die fotgenden 38 blauer weh- 
«Ulfe ab 230 — ^264. 267 — 269 ntiiii€neitt sodass jetzt seheimbar 
die hs. mir 269 blAlter zMt. bL 269" (rkktiger 328^ kmfst es 
in roter sehrift Fiaitus est liber iile per me Martiuuni bonch 
Gappellanum pFovidi viri laorency kraffit Addo dooiioi hgccc* 
Ixxiij In vigilia saucli Jaoobi, vgL Janickes dissertatien s, 10 
M* IG. der dialect ist alemannisch, oherschwMsck, 

r ist nicht mit Wolfä s. Mb in diekssgruppe i einzinreihem, 
welche die wrsprüngUcke gestalt des Renners, wie sie am Hugos 
feder hervorgieng, repräsentiert, sondern gehört der grrippen an, 
der redaction des Michael de Leone, anch in T finden sich 
Michaelsche capüelzahlen. statt 42 bietet T jedoch nur 40 capitel, 
da Michaels cap. r> vnd B hier ntcltt als besondere capitel gerechnet 
sind, sodann isi zu he merken dass cap. 1 utul 2 (v. Äff. 42 ff) in 
T nicht durch raj Uelnununem gekennzeichnet sind: erst vor r. '274 
erscheint in roter srhrift ca|>. nj arfjrmerkt , dem dann fjir/cli fafls 
rot V. 274. 275 folgen, für die hesinnmung den hssverhaltntssea 
hat Wülfel \H1 ff seine belege den versen lir>(Mi — 11«:^. 
11890—12017. 17282—17409. 22160—22289 cNfuvnuui'n. <in:se 
allein haben sich ans dem ersten bände <(i-s M tcfuieUcln'u Imus- 
budies (W^'l erlmlltu und gewähren uti6 somtl den beslliezemjlen 
MichaeLdicii Icxi , vgl. Wul/cl s. [11 f. ich teile mi J olgenden 
hierzu die Varianten aus 1 nuL , unter Zugrundelegung des ßam 
berger druckes und mit berücksichiigung der zn T sidi stellenden 
lesarten der anderen hss,, soweit Wülfels untersiuJtung mir dafür 
das material an die band gibt, 

115Q6— 11633 r 149^— 151\ &10 im« 513 fehle 
fddt. 515 lere (gBlFUf, vgl. Wölfel a. 192. 195). 516 geschrim. 
522 ingetiode. 523 [bi] nid vad by. noeft 525 rate überstMft 
von StecherlL 526 mdcht— adltt (W^gf), 527 wen so «mmmt. 
tattermendliD. 536 pris. da fekU, 537 dannen. 538 nie. 
539 das] den. 540 zwang, diser (dirre W'Btüf). 541 aunat 
ufl B. 543 aiDs heldea. 544 die z. keinen breis belegen. 
546 mit den (W*"), 547 wo och. danmb keine itberseknfi. 



Digitized by Google 



DIE TC!»lNG£a BENNfiKUATiOSCHRlFT 117 



548 wen « s haben iii<iüig tuim* (haut manigc tünio W^). 551 
bciageu] söllich (sogetaii W^'). 554 ain sch. 556 söllirh. 
559 schwi iirr o we. 561 brr Jlu'su rrisl. nach 563 Ringern 
(\^^J. 505 alssj dulW^). 5i>tj leben oder] layeu vntl. 567 das. 
572 söUich (sogetan W^EGyVB). on noU (unnot ane n. 

EGYBlFUf, vgl Wölfel s. 102. 195). 573 lege (lilFUf). sunst 
Uli s. (susl wol (sust vil g) sanfter W^'MGyYB], 576 ros. 
577 vnd sporn vod alle sin f^edencken setzeit vn spitzet (vgl 
Wölfa s. m. m f, m). 578iia(A579. 582 dag. iiadk 583 
rot€ Himdtrifi Ain Resdiicfatt von iwaia ItBinpfern (Ein nere 
fon iwein kempfen VPj. 584 kenpffer vor Kitt w. b. (wilol W^). 
587 wein. 588 in. 589 miU flys sy (W^'YBF). 591 diser. 
600 kenppfer. 601 inslieres. 606 kosten. 607 vnd durch goste. 
610 Bant er (Bat der W). 611 aiaem — ainero. 613 fM, 
617 durch spott zft dem. 61 S in fehlt. 610 hin] dar. 621 vn 
and") andern vnd (W'gY, vgl. Wülfel 8. 188. 189. 196). 622 vnd) 
wer. 624 [ein] warff diser lebelin. 629 wurff an bocheo (W*^)» 
632 Machett wo das (s. Wölfel s. 195). 

11S90~12017 — T bl. 154'— 156*. 896 fnrcht ob sy die 
(W"^). 899 wirlt selten (W'gu^, vgl. Wölfel s. 192.195). 902 D ) 
das. besser yorfW'g, Wölfel s. 195). 90:^ dene] drm. 901 uiyue. 
905 das w. des b. do henuen I. der] siuKicu. 91 1 nit. 

912 w. auch iiiliij wellt fvch nitl (werll in iiitil V^'*^^, vgl. Wölfel 
s. 194). 9U lorst. 915 sust] süsse (snz W"). 918 mägl sin. 
920 nauch. 928 Swelhe] wer. 929 wc Iil yemant (ieman W^G). 
930 röcb. 932 vor] vmb. ^ );'.:> onk misch. 938 rechlt vns nun 
(s. Wölfd 5. 190). 939 laiilz. weih reye felUt. 943 Sani] Also 
luig). 944 botlarU. 951 sol och. 952 falsches (valcbses W), 
961 red (rode gjiBFUf). 963 Sie] Ttoflit sündo vn /UU(. 
967 [doch] traUer mütt. 968 baide (W'B). 969 beste. 971 scho» 
weit. 976 boffertiger. vnkAnsch onküstig. 979 klatne. 982 das 
dnnck mängen menseben gAtt. 984 gAtte onlang belibett 985 im] 
nfln. onrecbtt tot 989 dar naucb [in]. 994 glisner. 999 sül* 
lent levte] litt. 12002 in] ain (W^G), 003 ains (eines W'G). 
005 gölt, vgl. Wölfel s. 192. 006 vmb vor gat. 009 leben. 
011 sollt nii. 012 Vnd ob. sin. 016 glissenhaitt. QU 4* fM. 

17282— 17409 ^ r ^ 225" — 22r '^81 sin nyemant. 
'2^') onküDSch. 286 ronb^ r. 290 nach 291 (W'). 295 [m] ir 
/ WT^Yp/, vgl Wölfel s. 192). 297 den fehlt. 303 des nön 
(bifUj. 304 vnd sorg im begernt. 305 lengt (ieoget W*). 
306. 307 fehkri. 312 zelen w. nun im. bell«'n. 314 vnd mitt 
werckeo. 317 der, . icii glich. 319 ontu-eiiden (W^G). 329 
bautt. 332 Vns] Vnd. 335 ain vichtt schon. 336 Aichen pawm. 
339 wilzzich] alf«'r. 340 amem. v ml fehlt. 343SchAn. liechter. 
344 feyel. H45 krusfs gel baur u(T. 346 riehlich. 347 geboren 
migdten Irolich. 348 Schon gemeUl. 349 griüelj sliler. scbfilers. 
355 vnd schribern. 356 1. buche milte. 357 reiue] hoch. 362 



Digitized by Google 



• 

118 DIE TCBINGER BENTiEKÜANDSCURIFT 



klns»'n. 3H7 Oaz) der. vor zilten. plihlich : strich. 371 als 

nftii ml. 37^ ven-n (irn HlfUf). 378 schul ler| schAler. 383 vöd 
anflpr oniu«:eiitt f IV^'J- <^**ni (W^G). 387 nyutler. 391 ^rtl. 

'6'tib Vließ. 399 lolleii. 402 \muer. 403 wurden. 408 alUrlav. 

22I60--22289 =: T bl. 235^ (statt 291)'')— 237" (statt 298^% 
161 zwainen. 102 war g. vuii wüi . 103 gaulz vud ^»ar. 166 
dester. 167 zA aim luaul mer den zwiruntt. 169 an ir kr. 
173 es. ir fehlt. 174 hegyriinsr (ntir PC bediutunge, vgl. Wölfid 
«.189). 177 Süllen, \e\mn (W^g^jF). 182 lop] worll. srtllen 
w. meren. 187 nill. 188 kraffi sprach. 190 Sy. 11)2 müs- 
sent. 194 liebelt vnd wen de lt. iü.'j des. geben (W^'G). nach 
203 rote Überschrift, Von mängerley sprach der lande. 204 eben 
will. 213 vnderschaiii 1. vnd (W^Gg) land. 215 an wage] vd. 
216. 217 fekkn (W^^i, vgl Wülfel i. 194. 195). 219 Die fM. 
220payer. 224welriber. 225 wol. 226jf sehwenckeiit, sehreo- 
ckantt, lenckenttt senckeDU. 229 Keroteo. 230Beliei]i vnger* 
231 baekeatt. 232 rraottois walken vod. 233 Noitey. 237 tdö 
kaldeiach. 239 der. 243 io sloem g« wol. 244 «f] er (^g). 
245 naoch kvDst (^g), 250 wirgeo. 252 Win] voo. 254. 5 
endenipfenden. 255 dar vmb ay (W^t sie dämm gui). 260 er 
ist 26 t gelogen. 262 8ydaa. 264 beanodreD. 265allee frumen 
fr. (W^BFUfl 270 Sios vatlerlante. 272 nilt lugenlt (W^B). 
273 seiQ] (dryeu:)bliben. 277 laU. 282 über aUe land (11^;. 
287 hangelt, kelen. 288 iu dem g. 

In dm wrgHdimm parüen $tM sich T ^Umwiegend zu Vl^, 
demnächst am meüien zu gA, dagtgm m äm eo» Wölfd s. 188 
im eniw absatz angeführten verseri a^imahmslos zu EG, 
mithin wäre T im Stammbaum (s. 206) bei einzureihen und 
zwar möfjUcher weise in der art, dass T und die vorläge ron gyf 
sprosseji ehfPr und flerselben würzet sind, doch (asse irfi letzteres 
bei dem (jci inum mir zur Verfügung sle/wnilm materiai einslirn/an 
lieber (Idhniijfsii'llt. — zu den rmi Wülfel s. ff angeführten 
Bmner/iss. wären noch nachznti (ifien fnir Di'ssauer papierhs. vom 
Jahre 1408 (Germ. 24, 121) und iialberstudler fragmente aus den 
jähren ir)20— 1530 (Zs. f. deutsche phiL 12, 144). — über /Ingo 
vgl. mdi II Weber G^'scliiflue der gelehrten schulen im hachuifte 
Bamberg 1 (1880), 55//. 

Tübingen 1 august 1884. FlilUrP äTKAÜCII. 



PAKALLELEN ZUK MHD. LYRIK. 

1. ober die innige fraoenkbge M xöeh mir Hnm vaUtm 
MF 8, 33 ff haben nach Haupt ua. Scherer, VotlmOller und zuteilt 
in dem schonen aufsatz Za. 27, 343 ff, doch mit einer beatreit-* 
baren auflaaeuog a. 363 ff Burdach gehandelt daa moli? wurde 
von fiaupl iu einein ilalieniacheo aonett des 13 jha., von Voll- 



Digitized by Google 



PARALLELEN ZUR MBD. LTRIR 119 

mtiUer Korenberg 1874 s. 20 id einem lied .aus Bologna nach- 
gewiesen ; dort isl eio Sperber entflohen, hier ein sprosser. die 
schönste panllele aus der romaDischen dichtung bietet aber eine 
chanson des 15 jhs«, ?on GParis schon Romania 1, 117 nnd mit 

neuen bemerkungeu in der vortrefllichen sammhing Chansons du 
XV« si^cle (Soci^t^ des anciens textes Iranpais) Paris, Didol, 1875 
s. 29 1 verOlTeuUicht. eine damc klagt um den entflohenen häher 
(geai), die epische sclilus^strophe betont die freie nalur des vogels, 
dh. desmaunes, wie die Iran MF 37, 8 den falken wegen seiner 
UDgehundenheit ben^ icft t. yabioUe 1,2 ist das italienische gahiolla, 
*kätig'; (he corruplei daufve 2,2 \rM r.Paris erst nachträghch, 
vgl. vorrede s. xvi in doÜe als alte Türm des lulliriogiöchea doiUU, 
kAfig, emendiert. der Wortlaut isl nun folgender: 

J'ay liien nourry aept ans tmg joU gay 
En ime gabiolle 

Et quant ce vint au premier jeur de mag 
Mon joU fay i^e» vole, 

II lfm vala d$t$H$ tm pm 

A du nuU «U ta dßüe. 

'RwiaUf remem, mon /alt gay, 

Dedam ia gobiolk; 

D*er et daryaU 1ü te fmy 

Dedans wmme ddwn' 

'Ja, par ma foy, n*y enireray 

De ci$t an de de fautre.' 

Le gay vola aux bots tout droit; 

11 feiet bien sa droiture, 

Ne iftoHrnei^ ne doit par droU, 

Fittnctiise es? jiature. 
in Kigentuuiliuiie, abliegende hezieliung bringt die serbisch'* popsie 
che verlassene trau zu der tierwell, Talvj 2*, 210. eine scrlusche 
Sappho, deren Pbaoo ihr eine Melilta vurgezogeu, fragt im wald 
eioeu hirsch, weshalb er so einsam grase, er antwortet: 

Geh von hinnen, lass mich, schönes inaächen! 

Ach ich hatte eine liebe hindinl 

Gettem haben jdger sie gefangen! 
ihm erwidert das mSdcben: 

Armee hiredUem! uns vard ein yeedueke. 

Aeh, auch ick toi' eineimaU einen lieben! 

Meine sAißerin hat üin verlocket. 

Schön Hajkmmixa, das b&se «dhfeAam 

Weldie tcA im stricken unterwiesen» 

Möchte Wahnsinn sie dafür ergreifen. 

Und im waldgebirg' sie rastlos irrenl 
2. weder Bartsch Album des lilterarischen Vereins in Nürn- 
hcrp 1865, jetzt ohne Änderungen und zutaten Gesammelte vor- 
irige und aufsätze a. 250 if, noch Sclierer Üeutscbe &lu- 



Digitized by Google 



120 PARALLELEN ZUB MHD. LYKiü 

dien 2 53 ff erwUhnen die Älteste alba, welche uns das Schi-king 
ift forai eiDCS dreistrophigen wechseis uberliefert die beiden 
ersten Strophen lauten in YvStraufs und Torneys ausgezeichneter 
Obersetiung s. 175 (Tagelied eines fflrsllichen pnres): 

Schon liefs der hahn sein krdhu enchaUen; 

Der hof erfüllet schon füc hallm. — 

*Dai war noch nicht des hahnes kr4kn; 

Die fliegen machten dies gefdn.' 

Schon ist der osten liclit er;/!i>nimen ; 

Der hof ist schon zusammenkommen, — 

*Noch Uäüci CS sich ja im osten nicht; 

Das ist des mondenanfgangs licht/ 
mit der Versicherung, gern läge er noch träumend an seiner 
Liemahliu seite, aber die hofversammhmg würde sich unwillig 
zerstreuen, schUefst der fürst diesen IrUhen vorklang einer Shakc- 
speareschen scene. doch entbehrt die chinesische alba der Span- 
nung, denn ehejrnttrii sprechen im; einander, kdne merker be- 
drohen ihre ininiie, iuir das ceremonieli mnss gewahrt werden, 
die fürstin ist minder peinlich, und nm den pflichteifrigen ge- 
mahl länger m behalten, macht sie den nnbeqnetten bahn m 

i>uuinienden fliegen. ^ « « 

Endlich sei aus Romeo nnd Julie noch eine stelle 2, 2 an- 
gezogen , wo das motiv des tagelieds leicht angeschhgen und das 
bild des falken lieblich ansgemalt wird. Julia sagt kosend: 
St! Romeo, stt o eines jägm ttimm 

Dm eälm faäcm wider henukckm! 

Bs tafft heinah, ich woUte nun, du giengst; 
Podb toeiYer nielu, als wie ein tändelnd rndd^en 
Ihr vögekhen der hand entschlüpfen lässt, 
Gfeidk einem armen in der banden dntck. 
Und dann xnrück ihn zieht am seidnen faden. 
So liebevoU misgönnt sie ihm die freiheit. 
man schaut rOckwarts auf die Hdinen riemen, vorwärts aut das 
%auberfädchen, an dem Lili den jungen Goethe fest hält, und 
auf die flucht von dieser Lili 

Wie ein vogel, der den faäm bricht 
Und zum walde kehrt, 
Er schleppt des gefdngnisses scJimach 
Noch ein Stückchen fies fadeus nach. 
Er ist der alte freigeborne vogel nicht, 
Er hat schon Jemand angehört. 
Wien 15 a 84. EWCH SCÜMIDT. 



Digrtized by Google 



Verlag der Weidmannschen Buohhandlung in Berlin. 



Keltische Studien 

von 

Heinrich Zimmer. 

Zweites Heft: 

Heber Altirisohe Betonung und Verskunst. 

(VIII u. 208 8.) gr. 8. geh. 6 M. 



Kritische Bemerkungen 

zu den 

NIBELUNGEN 

von 

Max Roediger. 

(VIII u. 94 S.) gr. 8. geh. 2 M. 40 Pf. 



GERMANIA ANTIQYA 

CORNELII TACITI UBELLVM 

P08T MAVBICIVM IIAVPTIVM CVM ALIORVM VETERVH AVCTORVM 

LOCIS DE GERMANIA PRAECIFVIS 
BDIDIT 

KAEOLYS MVELLENHOFFIVS 

(170 S.) 8. geh. 2 M. 

Georg Waitz, Deutsche Verfassungsgeschichte. 

Enter Band: A. tu d. Titel: Die Verfassung des Deutschen Volkes in 
ältester Zeit Dritte Auflage. (XIX u. 527 S.) gr. 8. geh. 12 M. 
Zweiter Band: A.u.d. Titel: Die Verfassung des Fränkischen Reichs. 

I. Band. 1. Abteilung. Dritte Auflage. (IX u. 429 S.) gr. 8. geh. 10 M. 
LBand. 2. Abteilung. Dritte Auflage. (VIIIu.450S.) gr. 8. geh. 10 M. 

Dritter Hand: A. u. d. Titel: Die Verfassung des Fränkischen Reichs. 

II. Ba Zweite Auflage. (XIV u. 648 S.) gr. 8 geh. 16 M. 
Vierter Band: A. u.d. Titel: Die Verfassung des Fränkischen Reichs. 

III Hand. 1. Abteile Zweite Auflage. (364 S.) gr. 8. geh. 8 M. 

III. Band. 2. Abteiiuiij^. Zweite AuHage. Im Druck. 

^Bfier Band: A. u. d. Titel: Die Deutsche Reichsverfassung von der 
Mitte des neunten bis zur Mitte des zwölften Jahrhunderts. I. Hand. 
(IX n. 447 S.) gr. 8. geh. Ii M. 
Seekster Band: A. u. d. Titel: Die Deutsche Reichsverfassung von der 
Mitte des neunten bis zur Mitte des zwölften Jahrhunderts. II. Hand. 
(VIII u. 506 S.) gr. 8. geh. 12 M. 

enter Band: A. u. d. Titel: Die Deutsche Reichsverfassung von der 
Junten bis zur Mitte des zwölften Jahrhunderts. III. Hand, 
viii u. -iJ/ S.) gr. 8. geh. 11 M. 

tor H.iTid: A. u. d. Titel: Die Deutsche Reichsverfassung vou der 
s neuuten bis zur Mitte des zwölften Jahrhunderts. IV. Hand, 
a ilu. 550 S.) gr. 8. geh. 13 M. 

G. Waitz, Urkunden zur Deutschen Verfassungsgeschichte 

im 11. und 12. Jahrhundert. 
Mfi einem Anhang: Deber Freien- und Schöffengat. 
(VI u. 53 S.) 8. geh. 1 M. 60 Pf. 



Neuer Verlncr von J. C. B. Mohr (Panl Sleherlc) In in iiuirjr i. B, 



eriiiaiiisclier Bücherscliatz, herausgeg 

ben von A. HOLD! K 

Band IV. Otfrid's Evaii2:elieiibneli, berausgep 

von P.PIPER. I. Thei'. Einleitung, a. 
2. Ausgabe. Klein 8. (MUS.) M. 1. — . 

Band XI. Otfrid's Evaiigelieiibueh, herausgegeben 

von P. PIPER. II. Thell, Kurzes Wr,rtnr- 
buch. Klein 8. (64 Seiten.) M. 1. - . 

Band XII. BeOWUlf, herausgegeben von A. HOLDER. 

II. Thell. Berichtigter Text mit knaj - i 
Apparat und Wörterbuch. Klein 8. (187 Seuou). 
M. 4. 50. * 



17/7(7'/ i-an l-Yffli n*i tuf 1lii1%r in Sfiiftf/nrf, 

Soeben erschien: 

Fund-Statistik 

, der 

Vorrömiscben Metallzeit 

im 

Rhein - Gebiete. 

Von Freiherr* von Tr ölt ach, 

Kgl. wartt«cnb. Major A. D. 

Mit zahlreichen Abbildungen und 6 Karten in Farbendruck. 
4. gebunden. Preis M. 15. — 



53erlag bcr UlnbmaniiCdjCU {JudilrnnMiina in 5?crlin. 

U)illjelm <;^djercr. 

3»eite ötrbelfcrte tluMage. 
(VIII u. 861 @.) gt. 8. ge^. 5 m. 

unb bic C&r^äljluug tu Iteimutrfcn. 

^li3olrab ^tgcnbrobt. 
(VIII u. 13a gr. 8. gf^. 2 5W. 40 ^f. 

Dieses Heft enthält eine Beilage von («ehr. Paotel in Berlin ni "1 
zwei Beilagen von der Weldmannsehen Bochliaudlong in Berlin. 




Far die Redaktioti Terantwortlicb: Prof. Dr. E. Steinmejor in Erlangen. 
Umsoblftgdmck too W. Pormettar in Berlin C, Nene OrflOBtnu« 30. 



DEUTSCHES ALTERTHUM 



UND 



DEUTSCHE LITTERATUR 



f'VTER MITWIRKUNG VON WILHELM SCIIERER 



iierausgkgebh:i\ 



VOÜ 



ELIAS STEINMEYER 



NEUE FOLGE 



ENZEUNTEN BANDES ZWEITES HEFT 



(XXIX. BAND) 



BKIUJN 
1885. 



Satze vollentlei am 12. Januar, misgegeben am 3. März 1885. 



Alte dcatsebe volksliedchen, von Mfyer . s. 121 

Zwei brurhstUcke aus Rudolfs Wcltchrooik, vuu Loserlh ... 236 

Uogedrucktc InteiDische ostcrfeicro, voo Lauge 

Actenstücke zu nieister Eckharts prorcss, von Dcnini« _ ^ t 

Zum Parzival, von Böttirher . . 266 

raioßofUttQOSj von Kossinna ..... 268 



DES ANZEIGERS 



Paul, Mhd. gramm.*, von Schcrcr s. 99 

VVeiuhold, Mhd. gram«.», von Franck 102 

Konig Rother ed. vBahder, von Roediger ) 

\aientin und ISamclos ed. Seelmano, von Schröder . . ' Hü 

Muller, De oude cn de jongere bewerkiog vao den Reinaert, \ Martin 122 

Cosijn, Altwestsächsische grammatik i, von Zupitza . . . ... 125 

Fornsögnr sudrianda ed. Oderschiöld, von Heiozcl 128 

Strehlke, Goethes bricfe, von Minor 1*^'? 

Hirtel, Verzeichnis einer Goethe- bibliothek, von denselben ^ 

Kern, Goethes Tasso, von Werner < 

Mannhardt, Mythologische forschungen, von Meyer 141 

Löhe, Wablsprtirhc, devisen und Sinnsprüche, von KochcudtirlTer 164 

Dielitz, Die wabl- und denksprüche, von demselben 171 

Crueger, Die erste gesainmtausgabe der Nibb., von Litzmann ... 176 

Miscellen zur geschichte der deutschen philologie, vod Crueger 179 
Litteraturuotizcn (ßruonhnfrr, Über den nrsitzder lodogrrmanen; Gnt/m^i i , 

Das Lob der torheit aus dem lat. des Erasmus verdeutscht von SKrauk; 

Hroschka, Zur ags. namensforschuog) 18ü 



Vom 23. october 1884 bis zum 15. januar 1885 sind folgende bücher bei 
der redaction eingegangen: Bottichkr, Parzival in neuer Übertragung — BaAOR- 
HOLTz, Die erste nichtchristliche parabel des Barlaam und Josaphat — Chro- 
niken der deutschen stüdtc (Lübeck i) — Drucke des Vereins Tür nd. Sprach- 
forschung 1 — Falck, Friederike Urion von Sesenheim — Goedeke, Grundriss* 
lief. 1. 2 — GöRNER, Der Hans Wurst-streit in Wien — Gotzingkb, RcaliezicoD 
der deutschen altertümer lief. 13 — 24 — Haltbicb, Zur Volkskunde der Sieben- 
bürger Sachsen — Hammbbicii, Die kunst gemeinfasslicher darstelluog — vHor- 
■ANR-WELLENHor, Alois Blumauer — Jaui«, Die deutschen opfergebrauche — 
KAurrMANN, llber llartmanns lyrik — Kock, Spräkhisloriska undersökniogar om 
svensk akceot ii 1 — Köstlin, Hölderlin — Litzman.«!, Briefe von Anna Maria 
von Hagedorn — Paülsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts — Pekry, From 
Opitz to Lessing — Riedel, Schuldraroa und thoater — Roth, Die visioneo 
der hl. Elisabeth — Seemüller, Die sprachvor.stelluogen als gegenständ des 
deutschen Unterrichts — SeemUller, Zur methodik des deutschen unterrichta — 
ToBLER, Schweizerische Volkslieder ii — Weinhold, Dramatischer nachlass von 
Lenz — ZiNcERLE, Quellen von Rudolfs Alexander. 



ALTE DEUTSCHE VOLRSLIEDCHEN 121 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN, 

Biirdacbs aufsatz über das alle deulscbe liebeslied Zs. 27, 343 ft 
bat von neuem die frage nach zeit und art der ältesten deutschen 
lyrik aufgenommen, in der sache mit ihm durchaus ttbereinstim- 
mend mochte ich seinen aufsatz hier durch eine beweisführung 
anderer art zu ergänzen versuchen. Wilmanns , jetzt der haupt- 
▼ertreter der entgegengesetzten ansieht, sagt (Leben und dichten 
Walthers, Bonn 18S2, s. 16): Mass es vor der mitte des 12 jbs. 
eine weit verbreitete lyrik gegeben habe, glaube ich nicht; durch 
leognisse ist sie nicht zu belegen, die allgemeine entwicklung 
des Tolks spricht nicht dafor.' richtet sich nun Burdachs auf«- 
' sats Torzugsweise gegen den zweiten dieser stttse, mit denen Wil- 
oianns seine meinung klar und zusammenfassend begründet, so 
soll diese arbeit dem ersten gelten, eine volkstümliche lyrik jener 
zeit Will ich durch Zeugnisse nachzuweisen versuchen, wo nicht 
durch würklicb erballene beispiele derselben, doch durch er- 
schliefsbare. — 

FUr die zeit vor beginn der uns erhaltenen mhd. lyrischen 
gedichte sind zunächst lieder epischen, didactischen und satiri- 
schen Inhalte durch vorhandene belege Ober allen zwelfel er> 
bähen, aber auch die ezistenz von weiteren Kedern, die keiner 
dieser kategorien angeboren, ist allgemein zugestanden, sodass 
es sich nur um die bestimmung des cbaracters dieser verlorenen 
lieder hand*»U. 

Den begrifT des vol^isUedes wird man nun auf sie unbe- 
dingt anwenden dürfen, wir verstehen unter einem Volkslied 
ein gedieht, wie -es aus der breiten messe des volks heraus ein 
einzelner fflr einzelne zuhorer dichtet, meist wol Improvisiert* 
daraus folgt zweierlei: erstens dass diese lieder im wesentlichen 
frei sind von der einwflrkung eines einzelnen culturherdes , wie 
ihn eiru" Miiule, ein hof, eine künstler-, gelelirten- oder selbst 
diletlaDtengesellschnft darstellt, und weiterhin also von l'remdeu 
einflüssen, die aus zeitlich oder rilumlich entfernten culturbe- 
sirebungen herüberwttrken ; im wesentlichen frei, sagen wir, weil, 
wo einmal solche centren einer neuen culturbewegung bestehen, 
sie eine gewisse würksamkeit Immer auch auf die ausstrahlen 
Z. F. D. A. XXIX. N. F. XVU. 9 



Digitized by Google 



122 ALTE DEUTSCHE VOLKSLiEDCHEN 

iverden» die diesen kreisen Dichl selbst angehOreo* von solchen 
mehr zuftUigen einwttrkungen aber abgesehen vertriu die folks- 
poesie denk- und ausdnicksweise der grofsen roehrzahl. zweitens 

isL (liit unserer defloition gesagt, dass <Jicse dichliing nur in sehr 
geringem grade individuelle hegabung voraussetzt, etwas wdl, 
deuu auch die eiulachste art eines poetisch zu neniieadcu ge- 
dankens und ausdrucks liegt vielen fern; aber wenig« weil wir 
den der groTsen menge eben nicht mehr zurechnen könnten» den 
grofses talent heraushöbe, und weil lu grofserer Schulung im 
gebrauch der allen zur band liegenden mittel auch erst eine be- 
ruf smäfsige Übung röhren konnte. 

Dass nuu jene vorausgesetzte dicht iiu^ dieser ail \sar» ist 
um so sicherer, als auch die ;iU< >t* ii luis erhaltenen mhd. Üeder, 
vorab die küreuherglieder, dieser arl uoch ganz nahe stehen, 
ja selbst die eigenthche minnepoesie in ihrer .ilteren zeit ist zwar 
schon in dem sinn kunstdicbtung, dass sie sich innerhalb be* 
stimmter nicht nur Ortlich sondern auch gesellschaftlich geschie* 
•dener kreise bewegt und, den character der gelegenheitspoesie 
allmSlhlich abstreifend, zur enlfaltung von individualitüt in kunst- 
niäfsiger Übung gclegenheit ü\hl — aber in so fern weder diese 
ritterlicjuMi kreise von dem volk noch der dichter von seinen Zu- 
hörern so scharf geschieden sind, wie etwa beut zu tage das lese- 
publicum der modernen lyriker aus dem ganzen volk und aus 
diesem publicum wider die autoren selbst sich abheben, mochte 
man relativ selbst jene dichtung noch Yolkspoesie nennen können. 

Der schwerpunct der frage liegt also in dem wort ^lyrik*. 
ja weniger scharf als es durch Wilmanns geschieht hat man die 
fra^e gewuiiulu h luu in die lonuel zusammengedriingt : ist die 
iynk jünger als die epik? dies haben Lachinauu (kl. sehr, i 453), 
Wackernagel (Litteralur^-esch. §G8), Koherstein (Litteraturgescb. 
s. 56. 212 t), Martin (Zs. 20,47), BarUch (Untersuchungen über 
das r<libelungenlied s. 353), vLiliencron (Die historischen Volks- 
lieder der Deutschen i s. xvu) und eben Wilmanns (aao. und 
schon Ans. vn 263) bejaht, MttUenhoff (Zs. 9, 128 Oi JGrimm 
(Kl. sehr. II 75), Scherer (Anz. i 11^)9) und vor allen dann wider 
Mülleiilii'tr (MSD' 303 f) verneint, die ganze frage ist, wie 
man sieht, wesentlich eine zeilfrage. die alle chorisciie poesie, 
die MuUenbolf in seiner schonen abhandlung nachgewiesen und 
eharacterisiert hat, enthielt die keime der selbständigen lyrtk und 



Digitized by Google 



■ 



ALTE DEÜlöCUE VOLKSLlEDCHEiS 123 

t\Hk uoch io uulreunbarer Vermischung (Wackmu^rl Alilianzö- 
siscbe lieder und leicbe s. 180), woraus sich danu allmählich 
beide specialisiercD (vLiUencron aao. 70. 72 f und besooders 
Uhland Sehr, in 12 : *wie alles Batflriiefae wachatiiin mit eioem 
lüstande der geaGhloasenheit, des eiDgeblatterten keimas, aohebt, 
so erscheint aacb die jugendliche Yolksdichtung nicht nur im 
verbände mit den ihr verscbwisterten künsten des gesanges und 
des lanzos, soiHiern es sind auch in ihrem eigenen bereiche dio 
poetischen grundfoniHMi , lyrisch - didaclisch , episch , draniatiscli, 
erst noch ohne schärfere abgräozuog beisammengebalten und eot- 
wickelo ihre besondereD ansäUe nur allmählicb, je nach gegcD- 
stand und bedürfnis, au verschiedeneD dichtgattungen.' vgl. auch 
Geijer Über den kehrreim in Mohnikes Altschwed. iNilladen a. 286). 
dats niin weiter die lyrischer entwicklnng snneigenden liedchen 
(Im j-rr al l voi ztigsweise hei fest und lauz gepflegt wurden (Kober- 
slein ^. 213), is'ilji auch Wiluiauus zu; nur bestreitet er dass solche 
zum tauz geäungeneu lieder sieb als ausdruck persönlicher empün- 
dang gaben (Leben Waltbers s. 17). ähnlich nahm auch Müllen- 
heff (Schleswig- Holsteinsche sagen s. xxt) an, die empftndung 
sei erst im 12 jh. so mächiig geworden , ^dass mitten in einem 
reicheren t behaglicheren leben die lyrik entsprang.' hei gleicber 
grondanschauung nimmt er also rein lyrische ausbüdung dieser 
Kedchen früher an als Wilmanns. weiter noch geht Schmeller, 
der, wt-nn icli seine riirhi ganz deutlichen worte richtig verstehe, 
den noch lebenden schnadahilpferln der hairisch-Osterreichischen 
baoern völlig die 'ex tempore entschlüpfenden gereimten einföUe' 
ans der seit der reihen- und tanzweisen Neidharts und anderer 
gldchslellt, einfillle, die man dea aufschreibens nicht wert ge» 
halten habe (BWB it' 587). somit haben wir denn achliefidich 
die kernfrage so zu formulieren: hatten jene mit bestimmtheit 
Torauszusetzenden volksliedchen in der zeit, die den ältesten uns 
crlialtenen mhd. Uedem vorausliegt, schon wilrklich lyrischen 
cbaracler? eine frage, die wir ganz mit Schmeller bcanlwortea 
mi>chten: wir glauben in jener poesie die rein lyrische galtung 
zwar in der minderheitt aber wol schon vertreten — gerade wie 
in jenen süddeutschen Vierzeilern.^ 

* ich muss noch anführen dags autli die jener gewis mit recht all- 
geineia harschenden grundaiiäctiaiiuiig eutgcgeugesetztc auffassuu^ au^gc» 
iprocben worden ist: die lyrik sucht als aller als die epik nachzaweisea 

9* 



Digitized by Google 



124 ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



Eine allgemeiner jrehaltene vergleichung mit den noch ge- 
sungenen Vierzeilen der bauern gestatten für die Jilterc volkspoesie 
die uns daraus am besten übciliel ei len spotiverse — den s|)Oll- 
venen unter jenen volikommen analog, von solchen improvi- 
sationen sind uns erhalten eigentliche spottstrophen : MSD zxviu'' ; 
bruchstock eines ähnlichen liedchens Möllenhoff Zs. 18,262; die 
trutistrophen , die gegen Neidharts lieder gerichtet sind , Haupt 
Neidhart s. 134, obwol in der form den angegriffenen Strophen 
angepasst (Scherer Zs. 17,503 und Deulschu Studien ir 452; 
Bartsch Liederdichter xxvi; Uber andere parodien der art vgl. 
noch Uhlaud Walther von der S ogelweide s. 80, Laclunaun zu 
Walther 39, 1, dem sich Martin Zs. 20, 65 anschhefst, während 
Burdach Reinmar und Walther s. 168 ihn bekämpft); endlich 
sind in Neidharts eigenen winterliedern ebenfalls Umformungen 
von Spottliedern xu erkennen. Tgl. ferner Wackemagel LG 3« 13* 
22, 4. 36, 13. Scherer D. st i 331 f. 348. umgearbeitet liegen 
sie auch oder doch mindestens eingeai licth t in eddischen slückcu 
wie dem Harbardsiied und in den scheli^lrophen der cpen vor. 

Kaum von diesen spottvei^en zu scheiden sind leichte Im- 
promptus meist neckischer art wie etwa Uhland Volkslieder str. 195 ; 
ein ernsteres MSD viu (gegen Henrici Zur geschichte der mhd. lyrik 
verteidigt von Steinmeyer Ans. n 147) und MSD* 289. hierher 
gehört das auch von Martin (Zs. 20, 47) und Wilmanns (Leben 
Walthers s. 17) als alt und volkstümlich anerkannte ringelreihen- 
liedchen Carmina burana 129* ; alle rälsellieder (Uhland Schriften 
in ISO r. MSD' 485 f. Scherer D. st. i 345j, kettcnnMuie (Barisch 
Gi rinaiiia xxv 335, vgl. MSD xvii 28— 29. xlvii 2, 11—12.1 Vom 
Übeleu wlbe 59 — 60. 6611) und vor allem zahlreiche verse gno-> 
mischen Inhalts (vgl. Lachmann bei Scherer D. st. i 316 anm.). 

Talyi Vcfsofih ehier gfscbichtHeheD chancteristik der Volkslieder gemani- 
scher oaUoo, Lcipifg 1840, s.bt — eine sehrift flbrigent, die nÜDdettcos 
als elaea venoch, Herden Stiau&ea der vlUker erneiierl fortsnfttbren , Bar- 

dach Zs. 27, 345 aDin« 2 hätte nennen sollen, do noch weiteres ziel bat 
•sich Scherr in seinem Biidersaal der wcltlilteratur gestellt} auch die kunst- 
dichtung in die vergleichuug hineinziehend und in der auswahl, soweit ich 

es beurteilen kann , nicht unglücklich. — ähnliche anschauungen wie Talrj 
sprechen zb. Auerbach (Sclirirt und volk 16). Wrstphal (Metrik der Griechen 
II 271 vgl. 273), Schipper i Altcii^lisclie metrik 20) aus. 

* provcn^alische keltenrcime bei Arnaut de Marviil (Bartsch Chresto- 
mathie provencale 93, 4 — 5. vgl. 19 — 20. 29—30, auch 35 — 36, ferner 
l>ti, 7—8). 



. d by Google 



ALTG deutsche: VULüSL1£DCÜEN 



125 



daran schliefsen sich beschwüruiigsforinelD udgl., lieder religiöser 
natur, und von diesen leiten lobsprUche auf herreo und gönner 
wider auf die bei entgegesgesetzcer tendenz gleicbgearteten epott- 
lieder zorflck. 

Ist damit nun wUrklich das gesamrotgebiet der alten volks- 

poesie in ihren kleineren erzeugnissen (die hier ualUrlich allein 
iu hetracht kommen) erfüllt? mit anderen wütien: war alles, 
was uns verloren ist , mit dem erhalteneu gleichartig? 

ich widerhoie hier nicht die da^^^egeu sprechende auslegung 
der Zeugnisse über das winileod (s. Müllenhoff Zs. 9, 1280 und 
Ober das Itebeslied (s. besonders Scberer QF zu 70). man fand 
bei alledem aulTallend dass so gnt wie nichts erhalten sei. mit 
recht ist dem gegenOber darauf hingewiesen worden , wie selten 
dergleichen fliegende iniprüvii>ationen zur sclirifili( lieii aufzeich- 
nuug kommen, wie viel geringer als l)ei den lür weitere kreise 
bestimmten gedichten epischen, didactischen, religiösen inhalts bei 
dieser gelegen heitsdichtung des einzelnen für den einzelnen die 
wabrscheinlichlieit längerer aufbewafarung im foU sogar des auf- 
schreibens ist (Schmeller aao., Talvj s. 6 a.)* so ist denn auch 
Ton dem, was nns tibrig blieb, wenig in reiner form erhalten: 
Toii den spott?ersen , sprachen gnomischen inhalts « kettenreimen 
ist uns das meiste in späterer Überarbeitung uud auwendiing er- 
halten, am deutlichsten stellt sieh , wie ich glaulje, die arl, wie 
ältere lieder durch jüngere dichter halb erhalten uud halb zer- 
stört wurden, an den tanzliedchen dar, die ja wider einer all- 
gemein zugestandenen gattung angehdren und deren nnnnter- 
brochene tradition von den ältesten Zeiten bis zur blatezeit des 
niJiinesangs die vergleichung des seit dem 10 jh. auf Island ge- 
sungenen licdes von Ingolf nui den reihen Neidharts beweist (Mül- 
lenboirMSD*364. ühland Sehr, iti 397 anm. üüj. aber Neidhart hat 
nun nicht etwa immer entsprechende tanzlieder ganz in derselben 
art weiter gedichtet* seine sommerlieder zeigen zwar noch den* 
selben typus nur in einer fortgeschrittenen entwicklung; in den 
Winterliedern aber hat er das ursprüngliche tanzlied db. die auf- 
forderung zum tanz nur noch als kern einer Verschmelzung tod 
tanz-, liebes- und spottlied, bis er schlierslich dies element ganz 
lurlwirft. iln.s habe ich mich bemüht in meiner dissertalion (Die 
reihenfolge der lieder Neidharts s. 133 f) nachzuweisen und als 
beispiele der nur formell umgestalteten volkstümiichen ansage des 



Digitized by Google 



126 



ALifc: ÜElil^CüE VOLKSLlfc:i)CIU:iV 



taij/fs jjprade iu IVeitiliarls alte&leii vvint<'rlit'(leni du-, ^lllcke IV. 
3b, 9—39, 20. 44, 36—45, 17. 35, 1—22. 36, 3S— 37, 8. 40, 
13 — 36 aufgestelli. diese veragruppen (deren absonderung die 
durchaus oicbt einheitliche composition der gedichte uichl hio& 
rechtfertigt, mndern geradeiu verlangt) leigen in aufbau und 
Inhalt gerade das — und nur das — ^ was die analogie der reiner 
«•rhaltenen reihen erwarten Hers: naturbild — aufTorderung zum 
tanz — laiizUiid, mu das letztere individuelle /iiiat iles ejuzeliien 
gedichls. bierlilr habo icli erst jetzt eine weitere besWtigung in 
den deutschen Strophen der Cariniua burana (Uber die noch weiter 
zu bandeln ist) gefunden, neben jenem ringelreibenvers 129' 
nflmlich haben wir lunftchat noch ein tansliedchen einfachster 
form 100% indem allerdings die aufforderong tum tani vor dem 
naturbild steht — eben dies aber beweist, wie ich glaube, dasa 
auch hier umgestaliung eines alten tanzliedchens TOrliegt und 
uuch klarer scheiut sich dasselbe veihällnis in 103' zu ergeben, 
wo au eiuen erweilerleu iiatureingaiig »ich die eiuladung zum 
tanz iu eiolachäter und allertümhchsler weise auschiiefsl, daran 
wider eine minneformeL aber auch in lateinischen atrophen 
scheint mir dasselbe vorzuliegen: 100 die Übersetzung und Um- 
arbeitung und 108, 4 naturbild mit ansage des orts allein, das 
verhaltnia zwischen den lateinischen und den deutschen Strophen 
bleibt damit noch unberOhrt, da natürlich der bteinische dichter 
dem allen IikI eine neue form gehen konnte, die nachahmiing 
tand. solche fälle, dass liotler der eiulath>Lt'U lonn, sogar wo 
der gruüd der tlherselzuug iu eine andere gestalt verlangenden 
fremden spräche felilt, kUnsUicher umgebildet werden, haben 
wir auch sonst; so hat Uartmann reimpare seines zweiten Büch- 
leins in lyrische Strophen umgeschrieben (Haupt zu MF 214, 
12. 23), und ich glaube dass auch die trutzstropben der banern 
liegen Neidhart wenigstens teilweise erst aus yierzeilem der ein- 
fachsten rorni in die der provociereuden Strophen uniß-egossea 
wurden, nauienllich die bei Haupt s. 157. 198. 217 abt^edruckten. 
wie man also auch Uber die lateinisch und deutsch überlieferten 
Strophen der CB denken möge — wir dfirfen in all diesen fällen 
Umarbeitung aller tanzliedcben von innerlich und Sufseriich ein- 
fachstem bau annehmen und hatten, allerdings nur einar unbe- 
zweifelteu gatiung, einige Vertreter der ältesten zeit gesichert 
Wir verlassen nun das gebiet der anerkannten gattungen 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCIIEN 



127 



der volkspocsie und gehen zur lyrischen tiichiuiig Uber, in deren 
miUelpuDCt natürlich das liebeslied steht. 

Dis älteste, was uns erhalten blieb, ist die onschflttbaFe 
sammluDg der Kttrenbeiglieder sammi der unter INetmars namen 
nberlieferten Strophe MF 35, 32: ?or 1180 (Scberer D. st. 1 512), 
und die lieder des burggrafen Ton Regensburg, dann MeinluUs 
und des burggraten von UieUnburg 1176 — 84 (ebenda 
wtiler zurück nur einzelne liedchen : MF3,7: 1154 — 6i) (ein uda 
512) r MF 37, 4 iS, wider Dieimar zugeschrieben, wol noch 
frtber, endlich MF 3, 1 in den hriefen Wernhers von Tegernsee 
und also um 1170 (Wacfcernagel LG* 203). diese seitangaben 
würden also eine lyrik vor 1160 bereits beweiaen, da den 
Strophen 37, 4. 18 lyrischer cbaracter nicht gut al)gesproeben 
werden kann; aber bei ihrer anonymilät ist die dalierung doch 
nicht ganz sicher. MF 3, 7 dagegen ist wef^eii der ans{)iehnig 
auf Elcouure von Poitou genau in jener Irisl beslimiuL; luer aber 
wird die in's[)rüughchkeit der deutschen siropbe angeaweifelt. die 
anderen fallen ttber jene zeitgrdnse hinaus, aber es ist zu be* 
achten dass auch von ihnen eins der ältesten stocke, MP 3, 1, 
als teil eines briefes nur ganz zuDillig erhalten ist und neben 
sich, wie es scheint, noch ein anderes eingearbeitetes liedcheo 
hat: einmal bilden die deutschen s^lze fasi i^t ii.iu einen Vierzeiler 
der alleslen «irl ('1'14, f deme soltu — nicht liepL man konnte 
das aber iür zuiaUig erklären und diese wie die anderen renneitden 
deutschen Zeilen der reimprosa des iat textes (Wackeru. 204, 40) 
fleichsteiten wollen, so brauchte ein wttrkliches lied noch nicht 
vorgelegen zu haben, wenn bei Wernher sich aufser MF 3, 1 
noch weitere deutsche verse finden (Wackern. 204, 41 nach 
Kugler, s. u.). 

Endlicli aber liegen solche bearbeitete liedchen zum teil ans 
der Zeil vor llfiO meiner meintmg nach in deul^rhcn Strophen 
fler Cß vor, deren hesprechung wie meine ansieht über jene 
deutschen zeilen in Wernhers briefen ich aber noch einen äugen- 
bbch aufschieben muss. ^ 

Wir haben noch einen letzten, sehr wichtigen fall der be- 
arbeituog eines liedchens anzuführen, den flltesten: den liebes* 
grufs im Ruodlieb xn 10—14 (vgl. MSD'' 362 Q, also schon aus 
dem 11 jh. mit vollem recht sind diese verse seit Mull^ iiliolTs 
anmerkuDg als das wichtigste zeugois einer alten eiugeboreuen 



Digitized by Gopgle 



• 128 



ALIL DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



lyrik angeselit'n uiiii verwertet worden, so zuleizt wider von 
Burdach. dagi'{5'en hat sich denn aucli Wilmanris (Leben NValthers 
aom. I 36 s. 293) mit nachdruck gewandt, indem er auf ühlands 
Worte (Sehr, iii 261 Q sich stOUt , siebt wol auch er in jenen 
Worten anspieluof auf einen deutschen den leaem des Riiodlieb 
wolbekannten liebeagnifs; solche liebesgrQise aber, zunächst durch 
mandlichen auftrag, dann brieflich Ubennittelt und fflr den leta- 
leren zweck als briefmusler lest lurnuilierl, gehörten wol zur 
uiinnepoesie, nicht aber bewiesen sie für die existeoz einer volks- 
tümlichen sangesrnüfsigen lyrik im 11 jh., von lyriscliem mioDe- 
sang seien sie wesentlich ferschieden. diese werte h ihm mehr 
für sichy als man im ersten augenblick geneigt sein wird zuau- 
geben, allerdings bt die gleichartige stelle Froamunda gleich- 
falls ein briefanfang» eine dritte sp&tere stelle, die Seiler (Huod- 
iieb 8. 161) vergleicht, wol derselben art. und ferner: wir treffen 
in den EpisloHs obscnroruni \iiorum» che auf so interessante 
weise gerade die art des uil-arcii lui« Hk lun au^dl^lck^ ini g^eiren- 
:»alz zu gelehrten prunkbrielca zeigen, (und wol nicht nur m 
ihnen) widerhoU den Hebesgruls bald rein erhalten , bald in gro- 
tesken Umformungen (wie schon in der von Seiler aao* anm. 
angefahrten stelle) an, immer als grufsformeL ich fahre allein 
die fHUe aus dem ersten bände der ausgäbe Londini 1689 an: 
briefanfang: SahUem maximam er muUas bimas noetes sicut sunt 
stellae tn cuülo et pisces in mari (s. 21); Salutes tot cpiot habet 
cOBlum steihs et mare arenas (s. 39). üherschnii : lui Salutes quot 
aucw comedunt gramtiia (s. 139); tot salutes quot in uno anno 
nascuiUur cuUces ei puUas (s. 148, womit zu vergleichen tot pe- 
dicnlos fuat wnifku oceidmnt pQst Pascha viiuloi s. 204). brief- 
schluss: tot salvtes quoi cantanlur HaUduja infra PatKku H 
p€iUheco9tu (s. 148); phre$ bonos nottes qwm mronomi habeni 
mf'iiiir<u (8. 154). mttndliche begrOfsung: StUntm maximam et 
multas bouas noctes sicut sunt atelkv in ca'lo et pisces in mari 
(s. 200, würllich gleich der stelle s. 21); tot salutes quot mint 
AUeltija inter Pascha et Penthecostes (ebenda , fast wörtlich gleich 
der stelle s. 148). endlich sogar wie im Ruodlieb in lateinischen 
reimen, wider als briefanfang: Quot in mari mnt guttw, oipiot 
in Colonia oancta begutUB, quot piloB hahent asinorum cutes, tot 
it pilures li6t mitto talutes (s. 114). es kann kein zweifei sein; 
wir haben den liebesgrufs hier ganz in der gestalt, wie Wilmanns 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHE YOLKSLIEDCHEN 



129 ' 



ihn auHasst, am treusteu denn auch bei der cigeatlichen be- 
grttlsDDg, mttodlicb od«r scbrifüich, bewahrt (s. 21. 39. 200). 
aber die eotsprecbendeD stropben der volkalieder worden doch 
gesungen und werden es zum teil noch, ist das denkbar^ dass 
sie nnr f ersificationen von briefOoskeln oder von mOndlich Ober- 
lieferten grufsfonneln wären? und sollen wUrklich formeln zu- 
nächst für die einleitung einer miUidlichen bolschatl, dauu iüt 
den briefanfang sieh so iiuli ans^ebildet bnhen und gleich so 
fest, wie das bei dergleichen ceremonieüen lormeiii sonst nahezu 
unerhört ist? alles über erklärt sich leicht, wenn diese formeln 
nicht nur so ?erwandt wurden , sondern wUrklich zu einem ge- 
reimten liebesgrnfs zusammengefasst gesungen wurden* *ihre 
gesiDge', sagt Herder von den ^unpoHsierten YOlkem' (Ober Ossian. 
Werke, Stuttgart und Tübingen 1S2S, vii63), *8ind das archiv 
ihres volkes* — was jene zeit nicht sang, das gieng verloren, 
und nun gar so b-ichie, so leicht verlierbarc wäre wie eine 
grufsformel. und wurden si(; gesungen, so erklärt sich das 
deutsche reimpar im Ruodlieb; so erklärt sich, wie die formel 
gleichzeitig in den gebildeten kreisen als briefsehmuck, im volk 
aber unabhängig davon als gesungener grufs sich fortsetzen und 
umbilden konnte, und für diese von vorn herein , wie ich meine, 
kaum abzuweisende erklärung haben wir dauu aielirfache Uufsere 
Lo&iatigung. ich verweise zunffchhL auf die analogie des französi- 
schen liebesgrufses, über den Paul Meyer (Le salut d'aniour dans 
ies liU6ratures proven^ale et francaise , Paris 1867) eingehend ge- 
bandelt, bat« aber Wilmanns konnte diese gedichte wider mit 
Hartmanns und Ulriehs von Lichtenstein baehlein veiigleichen 
und, die IjfriBche natur zugestehend, hinweisen auf die worte 
des üranzOsisehen gelehrten : *ce genre , ne d^endant nullement 
de rinspiratiou po^iulaire' (aao. s. 4). ah^^r ni detn einen hebes- 
gedicbt dieser art, das der letztere milleilt, treüen wir, wenn 
auch wider umgebildet, den deutschen liebesgrufs: 
i9^12 Salus üous manc, amie chiere, 
Äntretani qu'etun ciel ei tiere 
Pomimi eroiUre$ d$ roHteSp 
De flars, de Ut, (U vioktes (aao. s. 17)« 
diese saluts d'amour kommen in der provencalischen dichtung 
uiiL Raimbaut d'Orange iui i'i jli. aul", in der franzüsischeu, von 
dort ubernouimen, im 13 jh. (aao. 8. 15j; und eben weil sie 



Digitized by Google 



130 ALTE DEUTSCHE YOLKSLiEÜCUEN 



srliüii in der provenvalifcluMi ilirliiung so ganz unvulkstümlictier 
art siuU, voü den übrigeu mmueiitcleru nur m der form ver- 
schieden (Diez Poesie der troului lours s. 169), glaube ich an- 
Bchmen tu dOrfeD, jene so ecbl veikstQoilicb in der anläge and 
(mit der hiiifong der blamennamen) so echt bOAsch in der a«s> 
ftthning gehaltene frtnsOsische stelle stamme ?on dem deutschen 
gesuDgenen liebesgriirs ab. nicht direct natürlich , sondern durch 
vennilllung der vaganienpoesie. und nun besitzen wir wiirklich 
in einem älteren der leUtereo aogehürigen liede die lau Um- 
formung: 

Qu4ft innt flore$ in Hyblw vaüibus, 
redundat Dodom frondiinut 
et qwn pitm lutfoitf apunilm, 
m aXmndai amar doMbw (CB 82, S). 

die gelehrten anspielungcn und die anders geartete wendung am 
8chlus8 können nicht zweifelhalL uhicheu dass liier das deuuche 
liedchen vom munde des fahrenden erklingt und so haben wir 
es denn endlich auch wUrklich deutsch, noch jetzt gesungen, 
aber in aller einfachster fa^^sung als sahhurgiscbes bauernliedcbeo : 

So vid Stern m dar Htk 
So viel Tropfa in Seo, 
So oft grüefs i di tchen — 
(Finnenich Germaniens Völkerstimmen ii 720*. die fassung sieht 
von den MSD* 362 angezogenen parallelslellen der aus Scliades 
Kloplaii am nächfäten, üherlrifl't aber auch diese an altcrtüm- 
iicher einfachheil), so, meine ich, haben wir uns den liebes- 
grufs Yorsustelien, den der dichter des Auodlieb einfiioh Ober- 
setile t der vagant in seiner art ausschmllekte nnd amfonite und 
weiterhin der franiOsiaehe dichter nach seiner weise, den ebenso 
in Deutschland selbst der gebildete briefstil wie der voiksmlbige 
gesaog beiheliielteu oder weilerbildelen — um) diese grundform 
ist doch gewis lyrischer minnegesangl icli s«iie nicht, wie man 
von einer anderen ursprünglichen geslalt aus alle diese verschie- 
denen entwicklungen herleiten konnte. 

Diese deulscbe grundform selbst aber ist roerkwOrdiger weise 
(wie anderes, was wir noch sn besprechen haben) Tielleicht ein 
tlberrest uralt • gemeinsamer dicbtung — und weiter konnte 
der Itebesgrofs von einem blofsen briefmaster doch kaum ab- 
sleheu! wir üuUcn gau2 «ihuliche stücke in der lateinischen wie 



Digitized by 



ALTE deutsche; VOLKSLIEDCHEN 



131 



ia der iodisclien puesie, freiiicb dort epigranmialiscbf hier guo- 

misch Terwaudi: 

Bona da wfbii, Diadumine, prma. 'Quot' iHfuü? 

Ocioni fluctm m€ mumrare iuhes 

Bt mariB Äigaei ipartas jmt Utmra tonthoB 

Ei quae Cecropio monte vagantnr npes. . . . 

(M. VmI. Martialis ammaton lihri i !. 1 (.ScliiuMdeum 6, xxxiv. 

vgl. ulnigens aulser Catull v auch lior.iz 1, xxviii 1 — 2. — 

OberseUuDg voa TbSchUppli Uuiversal-bibliolhek ibi 1 b.51 uäherl 

dea teil in cfaaraeteristiscber weise den entsprechenden deutschen 

fonneln). 

ülekkme da rt^gottu tro]^fm, die tteme an dm AimmsliMlr 
umtAhlbar gind und auch nkki mttubr d^'s hfmer, die dar latid 

enthält . . . 

(Paulschalanlra ttbersctzt von LFritze s. 184). 

Dass bier übtraU uuikliclj vulkstüiulicliie (lu iitanj: zu gründe 
liegt, dafür spricht schon dit' aualogie inil illiniicheu coricreleü 
Umschreibungen zb. der unmöghcbeu dinge (ühlaud Schriften 
ui 213f)- *o ist die stelle Martials auch ihrerseits fUr die spjli- 
lateinische gewis nicht die quelle, wie eine vergleich ung der dort 
hildlich angesngenen dinge ohne weiteres zeigt, ein neufranso- 
sisches Volkslied dagegen (bei ScheflTler Französische Volksdichtung 
UQ<i sage I 118) isl ollenbar nur eine elsassische Uberselzunff des 
deuLscheü lieds (Des liuaben ^uuiiierhorn hg. von RHrixheiger 
u 61, Sirorock Volkslieder s. 224 usw.). — eine furis€i£uug der 
prov. stelle aber bietet ein weihnachlslied bei Scbefller s. 324.^ 

Der liebesgrufii nun, bei dem zwar die Älteste deutsche fas- 
•ung nicht erhalten ist, sich aber aus spateren fortsetzungen 
und Umgestaltungen fast mit bestimmtfaeit ganz herstellen lAsst, 
bildet den tibergang von den unversehrt erhaltenen denkmälern 
der allen deutschen volkslyrik zu denjenigen fJtllen, bei denen 
nur einzelne stücke und Stückchen sieb erhallen haben, aus 

* 4er Roodlieb enthalt übrigens Boch soost wArtliebe SbersetzuDgeo 
deutscher formelR. eio höbscbei beispiel xiv 9 cui noU iuni regiones Et 
noti domini bene, womit zu vergleichen NN 83, l Dem sint kunt diu riche 
und elliu fremdiu laut, Ncidliarl 93, IT — diu laut diu nnl mir elUu kuttt, 

und <o «s»-hon nildehrandsli« »! Li child ist mir al irmiudeot. Traugemunds- 
Hcd MSIi \T viTt 3.2 s. anm. s. 4SC. mirh norh mit dem im Ruodlieb fn!- 
getideu qi/t fuerunt ibi ntmmi vergleicht sich Waltber 56, 30. 3S, auch 15, 6 
und 31, 13. 



Digitized by Google 



132 



ALT£ DEUTSCHE VOLKSLlEDCUEiN 



welche» keiu eiuzelues lied sich wider ^^ü aiiflrauen liefse, dass 
wir es würklich io seiner alten geslall zu besilzea übeneugl 
sein kODDten. kein einziges einzelnes lieU — , aber dafttr^ wie ich 
glaube, ergibt sieb uns hier mit öeuUichkeit die ezistenz, zeigt 
sich klar der character einer grofsen zahl alter liedeheiii wahrend 
bis hierher wir es nur mit wenigen stucken zu tun hatten. 

Wer die Mieren minneheder aufmerkbain durchliest, dem 
u:nl solurt aidlallen, wie olt er nicht etwa hlofs denselben sre- 
daukcu, oder dasselbe typische reimpar (worüber Minor Leiche 
und lieder des schenken von VVinterstetten , Wien 1882, vi. xu, 
der aber die epigonen behandelt) , sondern genau denselben vers 
bei terscbiedeneo dichtem widerflndet das ist hingst bekannt 
und vieles der art an verschiedenen orten angemerkt worden; 
eine grofsere Zusammenstellung fehlt aber meines Wissens noch, 
ich habe (lt>hall» hier aus MK, <uis WaUher, Wollrams Uedem, 
den deutschen Strophen der CB und endlicl« nus Neidhart, der 
durch seinen anschluss an die volkspoesie in mancher hinsieht 
sich den anfangen des minnesangs wider nähert, möglichst Toll- 
atättdig diese stellen gesammelt; da es ganz gleichgiltig ist, wer 
eine einzelne entsprechung dieser art zuerst bemerkt hat, habe 
ich die betreffenden anmerkungen in den ausgaben jener lieder 
und an anderen stellen, am reichhaltigsten in VollmöUer Rürenberg 
uud die Nibelungen '^5 f und besonders in VVilji»,uiiis WaUlier- 
ausgäbe, hier üida augelühii, wie ich sie auch selbst für meine 
zusanmieuslelluugen nicht benutzt habe, von den Sammlungen 
ähnlicher art, die Diez (Poesie der troubadours 261 anm.), 
Wackernagel (Altfranz« lieder und leiche 239 anm. vgl. 211), 
Erich Schmidt (QF it in den anmerkungen), Lehfeld (PauK 
Braunes Beitrage n 344 f , speciell 383 0* Michel (Heinrich yot» 
Morungen und die troubadours) und endlich in grOster vollstän- 
digkeiL Wiluianus (Leben >\ ililu'r> m und anmerkungen) gegeben 
haben, unterscheidet sicli die meine natürlich dadurch, dass jeuo 
der Übereinstimmung des sinns gelten, diese hier der der werte; 
gelegentlich habe ich deshalb bei nahem anklang der worte auch 
inhaltlich verschiedene verse neben einander gestellt, andererseits 
musten natürlich die Alle berOcksichtigt werden , in denen trots 
der Änderung von ein par schlag worten bau und form nicht 
wesentlich geändert waren, in denen nur eine Umgestaltung der 
tormel etwa aus gründen des reims vorlag. 



Digitized by 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCUEN 133 

Die anordnuDg meiner sammtung ist die: auf MF 3, i habe 
ich die durchaus in diesen ausammenhang gehörigen deutsehen 
«atze des hriefs MF 224 folgen lassen, auf 3, 7. 12 die anderen 

deubcheo Strophen der CB; dann kommen die auderea gedichte 
von MF, Wallher, Wolfram, iSeidliarl. widertiuli li ilie ich über- 
einstimmende Verse auch aus sjpülereii Volksliedern eingefügt. 
ivOrÜicb gleichlautende verse habe ich durch 'ebenso' bezeich- 
net, grOfiwre modificationen der formel durch ^vgl.', entferntere 
anklänge, die nur gelegentlich aufgenommen wurden, durch 
*Tgl. auch.' 

M bin min ieh Mn din MF 3, l 

So hist du mein vnd ich bin dein Simroek Volks!. 

s. 98. 271 

Ich dmn und tu fiü mmn s. Scberer D. st. ii 440 

Id midi u^esm dUn 

imds toö «Iii min Veld. 59,9—16.1 

dn du ^is flu HF 3, 2 

des sol si stn von mir gtwU Veld. 64, 15. 

(in In' st beslozzen 

in miuem herzen MF 3, 3 — 4 

darinn da ist (Uit) beschlossen 

das junge herze mein ühlaod Volkslieder 29,7. 30, 1. 

8. MSD* 364. 
(h mohle dir deste wirs gevalle MF 221, 24 
vgl. si geviel mir ie baz und ie baz MF 13, 4 
der mir ze rehte gevid t*a baz Hugge 106, 21 
tifui da» mir u>ip geviel nie baz R. 174, 36 
— ein to^t'e baz gemUe W« 71, 9 
vgl. auch t)tt ml gwallet ai mir MF 13, 8 und zu CB 103*. 

du häsi nur daz vorherei MF 224, 25 
du hdsl im näch verkeret 
beidiu sin unde leben M. 11,22 (vgl. auch anm.) 
ioM kam ii kidor wol twMvn H. 44, 34 
vgl. attt Anm st ffifV taol daz htrso verkam H, 53, 9 
i^ie verkeim underwümu mir dm Mor« 138, 1. 

desne suUu dun nipmpre MF 224, 26 
deswär tuon i'n mhi mere H. 51,11 
vgl. Idtz in geschehen niht mete W. 18,4. 

friunt t'iiJiifi du miner lere MF 221. 'i^) 
und v>il<je ouch siner lere Sperv, 20, 16 
da vm volge miner lere VV . 23,7 

> ru be ywn ifyou'U be mim Manohaidt Bannikttlti» 461. 



Digitized by Google 



134 ALTE DEUTSCHE VOLKSUEDCHEN 



doch Voigt ich der alten lere W. 65, 12 
niht envolge ir lere iN. 54, 21 
vgl. volgeut miner raste Joh. 94, 5 
jd vnige ich imcer rcete N. 21, 19 
vgl, auch volge wiser Hute tnrjent W. HO. 25 

min f rinnt nu volge mir W. bü, 13. 

diu nemach dir gemiden nieth MF 224,27 
tomr es ir schade nief Kilr. 10, 14 
vgl. dnz enwirret dir niet M. 11,6 
vgl« auch unde schadet in niht Mor. 131, 13 
daz srhdt ir niht Hartm. 215,18 
mir ta) iet niht D. 11, 5 

des mir niht enwirret W. ^3, 19 und vgl. zu MF 40, 11. 

wände wvBrest du mir nieih liep MF 224, 28 
vgl, sö bist du mir vil liep Kdr. 26 
dei^ ich gerne ttxpre liep D. 32, 10 
daz mir sl iemen alse liep IVn't. 18,5 
Und wür' mein Herr Vater mir nicht so lieb Talvj 
8. 437, vgl. auch MF 14, 6 und zu 10, 16. 11,8. 

Tougm minne diu ist guot HF 3, 12 

vgl. swer toufjenlichen minnet, 

wie iugenUidi daz sttU CB 144V 

H kan gebe» hdh$u mwU MF 3, 13 
ft'efr« diu git mir höhen muot Hör. 132,23 
wan sine gebent niht h^ten muot Mor. 142, 30 
und git onch höhen muot W. 103,20 
ir engebt im höhen muot W. 113, S 
frowe gebt im höhen muot W. 113, 19 
vgl. und daz höchgemfkte gebe R. 151,12 

diu baz ein höchgemdete künde geben H. 197, 5 
vgl. auch das si mir git h umher unde höhen muot VV. 43, 2. 

der sol man sich vHzen MF 3, 14 

durch das wil ich mich ßsen MF 15, 15. 

«teer mit triwen der niht phliget HF 3. 15 
vgl. 11^ danne das er triuwen pfliget Sperv. 20, 21 
vgl. auch ewer des hiderben iwaehe phliget MF 245, 25. 

dem sol man daz ver^oizeti MF 3, 10 
der wil ich nu niht wizen M. 13, 3 S 
NU enditrf mir nieman wtsen Riet. 18, 1. 

und srhötier zühte ist si sö vol CB 94% 1 
Min vrouwe ist ganzer lugende vol CB 103* 
der herzt ist ganzer tugende vol W. 115,15. 

von der ich ckumber dol CB 94', 1 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIED CHE^N 



135 



von minem kumber den ich dol ('»not. 74,35 
dast etn kumber den ich harte gerne dol U. Iü9, 32 
anders tu'ht wan kumber den ich dol W. 52, 30 
waz ich kumhers dol W. 121, IS 
vgl. uUn not und disen pin. Den ich nu lange dol Guot. 73, 
35 — 3(3. vgl. Becker Altbeimischer miuueäang 177. 

Ir röter rösenvarwer munt C\\ 91% 2 
süezer rüsenrnnrer munt CB 130* 
läzze wich mit jröuden werden alt Cß 94*, 3 
mit vröuden ml wir alten N. 16, 16 
?gl. der dne vröude wolle werden alt Bligger 118,20 
wünnecUche er altet W. 103, 1. 

gebiutet si ich lige tot CB 9V 
dan ich durch si gelige tot V(>!(|. (iG, 33 
als siz gehinf ich bin ir töte VelU. 67, 1 
vgl. stirbt si so bm icli töt It. 158,25 uod vgl. dazu uolen. 

dä vcn mag uns frödt Himmer mer zergdn CB 9b* 
von dem min triiren sol zergdn M. 14,29 
dem müez al sin wünne gar zergen Mor. 126, 35 
sol min fröude nu zergdn R. 203| 21 
sol min tröst zergdn \V, M, 13 
sol der mit fröide an mir zergdn W. 72,1 
sö jenes [ruide gar zeryut W . 92, 38 
Tgl. wan daz beidiu liep und leit zergic l\. 172,29 

min tnh'en f(eist zergangen Pscudo-.NeidliarL 130, 7 
▼gL auch diu muoz mir al ze sorgen ergdn MF 4, 12. 

Solde ich noch den tack geleben CB 99' 

solde ich ndch dem willen min diu zit geleben CB 127* 

Und solde ich iemer daz geleben Joh. 92, 28 

Gelebt ich noch die liehen zit II. 45, 1 
noch miieze ich geleben W. 31,27 
doch miieze ich noch die zit geleben VV. 98, 22 
Müt'sd.' kh noch y leben \V. 112,3 
owe, gelebte ich noch den tac 80, 9 
¥gl. auch Solde aver ich mit sorgen iemer leben CU i2S*. 

s6 Wolde ih in wnnne sweben CR 99* 
so mües min herze in fröide sweben Joh. 92, 30 
die von fröiden soften in den lüften sweben W. 42, 34 
min herzt swtbt in sitnnen ho [s(dlte aichl zu lesen 

sein: in wunnen h4?] W. 76, 13 
vgl. der wwnet in den lüften sweben iN. 93,31. 

ioer were alt CB 101« 

Nieman chan nu werden alt CB 102* 

ddn ist niemm alt VV. 51, 20 



Digitized by Google 



136 ALTE D£UTSCH£ VOLKSLIEDCHEN 

vgl. aucli iJiez Poesie der troubadours g. 236. 

der winder t$ gehcenet CB 101' 
der wMer H gmiret N. 21, 37. 

von eines wtbes güeie CB 102* 
vgl. von ir güete Riet. 18, 10 
vgl. auch uf manage dine güete I). iiS, 15 

temer dur sin selbes güde R. 187, 3 
nddi siner güete R. 199,29. 

tu weiz wiez ir gtvalle CB 103' 
in weiz wiech ir qpvnUe Kür. 10, 15 

?gl. swüz in gevafle iM. 14, 18 

der ihr gevufh !»seudo-Ü. 37, 11 
wenn ich dir nit fjpfnlfe ChlaDd 29, 5 
vgl. auch Ldt wirb ph gevaUeK TB ccii s. 97 

wem sol äaz wol gevallen N. 14, 21 und oben zu 

MF 224, 24. 

Nu suln wir aUe fröde hdn CB 103* 
vgl. lek wil weinen von dir hdn MF 6, 26 
Tgl. auch gedinge den ich von einer frauwen hdn Riet. 18, 21. 

wesent pah CB 104* 
des suln wir nu wuen hak CB 123* 
Tgl. Vrowe toesenl trö CB 133* 

vriunt du wis vil hdehgemuol MF 6, 24. 

Venus schiuzet im holz CB III* 
iin bötzel sein uzet N. 64, 8 [danach daz bölzel zuo 
ir schiuzet Pseudo-N. 183, 5], vgl. zu CB 124'. ^ 

da» mir in dem hersen MonfU iwa CB 107*, s. tu 

CB 140*. 

ndeh mUn gtseUen i$t mir w4 Cfi 112* 
mir iU ndeh ir sd wi R. 182, 25. 

der ist geriten hinnen CB 112* 
RUest dii nu hinnen MF 4, 35 
dü ritest hinne D. 39, 27 
vgl. auch er scAtcf hinnen R. 200, 33. 

Vrowe ih pin dir undertdn CB 116' 
ich wil dir sfn n)trlertd}t CB ccii s. 97 
eim guoten riter Untertan Bo{?. 16,2 
der bin ich worden uittcrfdn D. 38, 35 
daz ich ir was ie vi! uudertdn D. 40, 26 
daz ich ir ie was nndcrtdn H. 43, 5 
tM welle ir wesen iindm ldn H. 51, 24 
tr ie was undertdn H. 52, 36 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 137 



von minnm ie was undertdn Veld. 65, 35 
der teil zallen ziten bin undertdn Guot. 78,2 
ich hm ir worden vnderfdn Rugge 105,9 
'ies iriir i'ii ir unilerdin Adrliib. 148,18 
SU yar bin ich ir nuderldn H. 159,30 
ich bin ir diemtes lemer undertdn P:>tiuUo-Veid. 260, 4 
Sit was ich ir undertdn N. 67, 15 
vgl. die ßrffen in nndertdn W. 12, 1. 

des Id mich geniczcn CB 116' 
Id mich des geniczen CB 124* 
lie% er mich des ymiezen niel D. Ü6, 4 
des sol si mich geniezen Idn H. 44, 21 
länt mich noch geniezen Joh. 93, 36 
teil si tnich des geniezen Idn Ru^rjrc 100, 9 
diu sol mich des geniezen Idn Wu'a^v. 105,7 
ti 9oUe midi änureh got geniezen Idn Rute 116, 5 
ito man in du gmiixm $oUe Idn Bligger 1 19, 5 
tdk 10«*« wol da% si mich Ut oenieMm R. 151, 21 
firm$, kU mieft des pcntesen W. 40, 35 
du soU mich dss gstnexm Idn W. 97, 32 
des soU ir nM, zart fraws, 
allzeit gefiiessen lan Uhland 81, 3 
▼gl. Solle er des geniezen niht H. 54, 37 

Daz wir geniezen müexen sin Rugge 97, 13 
daz ich der z!t geniezen sol Rugge 108, 12 
Sit ynan der stcete mac geniezen Rugge 110, 21 
sö mngen wir fröt'de niezen R. 156,24 
daz ers iht gemeze H. 1S7, 8 
dii soU von schulden temer des geniezen W. 82, 30 
vgl. auch min Up des an fröiden .,,iDol geniuzet Pseudo -Veid. 

262, 8. 

des tf?7 dtk verdriezen CB 116' 

ia ne mag niidt nimmer din verdriezen CB 124* 

iuch mac wol verdriezen Jf»fi, 93, 38 

so ensol ir niemer midi verdriezen Rugge 110,22 

daz si welle nien verdriezen Adelnb. 148,5 

wie künde midi verdriezen \\. 150,26 

frowe'n Idt iuch niht verdriezen W. 85, 34 

frowe, enldi iuch des sö nilit verdriezen W. 113, 7 

wÜ iueh niht mdriSMen N. 39,*22 

Das tut die Leut verdriessen Stmrock Volksl. 8. 227. 

vil stleze minne niezen CB 116* 
diner minne niezen CB 124*. 

wil mich zf, sere sdiiezen CB 116' 
V4nus wü mich schiesm CH 124*. 

Z. f. D. A. XnX. N. F. Xm 10 



Digitized by Google 



13g ALTE D&ÜXSCÜE VOLÜSLIEDCUEIN 



Jh irolde gerne migen Cli 126* 
Ich teil imnur singen Mor. 146,11 
künde ich uü yesinyen M. 33, 22 
Ich ml aber smgm IS. 67, 7. 

ätr minne wil mich twingen CB 126* 
diu wä mich des belwingen KUr. 9, 33 
▼gl. diu minne twanck se're den man CB 116,7 
si twnnge ouch mich yewaltecHche Vekl. (36, 20 
dne (He diu s6 betxonngen fnirh hdt Tjuni. 79, 3 
Ihre Lieh hat mich bezwungen Siim oi k Volksl. S. 252 
vgl. auch bi'funnnjen icas daz herze min Ü. 40, 15 
wie $ere &i min herze iwimjet H. 45, 20. 

in minem herzen ich si trage CB 12G" 

SU da» ich $i — trage beide in herzen und ovrh in sinne 

k. lleiur. 5, 30 
daz si mich hie'^ m dnue herzen tragen Feuis 81,38 
ttt ichs — in minem herzen trage U. 171,27 
t« minem herzen si sich nider liez: 
dd trage ich noch die werden innetougen B. 194,24 — 25, 

8. auch zu MF 12, 6. 

v)iil min gewHPfe fragen hö TB ♦4)*'nso R. 185,30 

der inac wul hohe tragen den muot Heg* 16,7 

Ich muuz von rehlen schulden hö 

tragen daz herze und al die sinne D. 38, 5 

von der ich höhe solle tragen den muot U. 162, 17 

dar zao tragent si höhen muot W. 51,3. 

noch lebe ich des gedingen CB 12G" 
vgl. doch tu(\t mir sanfte guot gedinge Biet. 18,20 
der gedmge tuot mir irol Gixd. 76,35 
doch tuot mir der gt dtnge wol W. 92, 7 
vgl. auch des habe ich hin zir hulden ie gedinge R. 1 89, 39. 

Mir ist ein wip sere in min gemüete körnen CB 127* 
der ät mir dne mdze komm in minen st(rf*'n muot 

D. 39, 5 

vgl. der an min herze ist nahe komen D. 35, 29 
wie wtBre st mir danne ahö ze herzen komm 

Mor. 124, 34 

mirst komen an daz herze min ein wip R. 157, 15 
vgl« auch dem ein ttip sö nähen an sin herze ge Mor. 138,6. 

daz ich ir fjpb'ffe hi CB 127* 
der ich gerne Iwge bi N. 52, 32 
vgl. zu MF 4, 20. 25. 13,22. 

daz ir sö trürech sit CB 133' 
ahö trürie wart ich nie D. 36, 20 



Digitized by Google 



ALT£ D£ÜTSaiE VOLKSLIEDCU£N 139 



vgl. Alse r$kie wfrd emoart kk ni$ R. 185, 20 
irgL auch noch nimu wart iö trArie wum Horb. 115, 15. 

rötm Hlim si uns git CB 133* 

gra$ bümen eM^ imp hhb H git CB t43'. 

Chume chnnie gesell e min 136' 
min geselle chnmet niet CB 141 
min geselU chu/n mit mir CH 141' 
v-1. mini kome min holder seile MF 3, 24 
tgl. audi mich vehet min geselle MF 4, 3. 

9fmf(e dem daz tuot CB 140* 
doch (Höf mir sanfte Riet. 18,20 
unsanfte mir daz tuot Joh. 92, 23 
diu mir vif sanfte tuot lijigtrp lOS, '21 
Owe wif irhte unsanfte ez mir doch tuot Ii, 163, 13 
daz tu sanfte tuot W. 56, 20 
und mir daz sanfte tuot VV. luO, 9 
sanfte unsan/te tuot W. 109, 24 
vgl. daz mir in dem herzen sanfte tuot CB 107' 
wie sanfte daz mim herzen tuot MF 6, 25 
wie sanfte ez minem herzen tuot Heg. 16,23 
tgl. auch ittnft$ tuot Bligger 118, 12. W. 113, li) 

wie wol daz menegen herzen tuot MF 4, lü. 

der wol wiben dienm ehan CB 1 4 r 

wie wol er frowen dienm kan M. 14, 37. 

er mench si bi der wizen hant CB 145 
£r nmn mich bi der wizen hant CB 146, 3 
Er nam si bi der hende, 

bei ir sdm&weimn kmid Uhl. 81,4. 90,10. 106,2. 
255, 3. 330, 2. Simrock Votkai. 84, 121 
Ygl. mit iren sekn^weissm kenden DU. 20, 2. 109, 1.110, 1* 

vgl. 2, 1 

m ire sehmeweisse hand Uhl. 115, 8 
^ wewse hmde UhL 123, 18 
ir schneweisate hand Uhl. 147,6 
[fon mannern nur seins weisse hand Uhl. 107, 10. 289, 11. 298, 7. 
Dicht sehneeweisse hamd], 

IHh mich singen Iteof CB 163' 

Dt« sehcme diu mich singen tuot Veld. 60, 21, 

der al der werlt ein meisler si, dtr CB 1G5' 
vgl. der al die weit geschaffen hat, der ü. 38, 23 
der al der werfte fruutle (jit, der Joh. 92, 14 
Vgl. auch der uns alle werden hiez, wie lützel der D. 36,28 — 29. 

van der ich wol getrmsUi fin CB 165* 

10* 



Digitized by Google 



140 ALTE DEUTSCHE VOL&SLIEDCUCN 



diu mich trmtet smder spot MF 6, 18 
wol getröste mich ein wIp Reg. 16, 16 
ein toip mich des getrastet hdt Rugge 108, 11 
sd lange ich ungelrfrstet hin Horb. 112, 11 

Tgl. nnde trassten minen Up MF 6, 29 

und trfjcf^tp sf're minen Up Rugge 105, 11 
troBste mir den Up H. 190,37 
du 8oU nimmer man geirwsten wan min eines Up 

N. 94, 30 

▼gl. auch ich wei» ml daz mich dm si nieman getrmten mac 

a. 202, 12. 

mii ir güete gar hemmen CB 165* 
den hdt er süiiere mir henomen D. 35, «il 
Tgl. ZU MF 4, 6. 

nA engilte det te& nU gendz HF 4, 4 ond anm. 

diu henment ime den sin MF 4, 6 

daz mir den henomen hdn Kür. 7, 23 

Sin mugen alle mir bmemen Reg. 16,8 

du hennnest dem man 

heidiu wüze nrid ouch den sin Sperv. 22,9 

$i hdt daz herze mir henomen D. 35, 3 

dö wart si mir henomen H 48, 27 

diu guote diu mir hat hemmen minen sin üuoi. 71, 28 

diu nimt mir die süme Rugge 101,19 

9wmne ir schoßne mir nimt sö gar minen sin 

Mor. 135,23 

H hmimt mir heide fröide und al die sinne Mor. 13S, 35 
daz ich al der werlt ir vröude nime R. 177, 31 
dk mir in dm winter fiifide hdnt henomen W. 73, 23 
die mir ditke firMe hdnt henomen W, 98, 15 
fröide gmr henmen W. 124,27 
diA hdet in dicke mir henomen 
wm hlanken armen^ und ik% herzen nihi Wolfr. 5« 4 — 5 
manegem eenedem herzen tri^ren itt henomen N. 14, 7 
monogen herzen iel henomen 
leit und ungemil^e N. 23, 8. 9 
vgL du habest tut «ßtic andriu wip 
henomen üz slnem muote M* 11, 17 
Der mir gcehe sinen rät! 
konde ich ie ddieinen, der in mir hmomen 

R. 194,34—35 

vgl, auch si hat iedoch des herzen mich 

berouhet gar für ellin wip II. 42,8—9 

hin irh hercmJict alles des irh lian, 

fröide und al der sinne min R. 171,39—172,1. 



Digitized by Google 



ALT£ DEUTSCHS VOLKSUEDCHEN 141 

doM üiu dHt holdette Mi MF 4, 8 
doM icA diu iubeae hin M. 13, 32. 

tt enkunnen ni'ewan triegen MF 4, 9 
▼gl. $ö sol man si ihegen M. 12, 24. 

vü manegeti kmdeschen man MF 4, 10 und amn. 

einen kindeschen man M. 13, 

den selben kinäeschen mm M. 14, 35, 

M*f toie wol doM mmi$gm kmm mt MF 4, 16. vgl. 
vgl. aocfa $eht iom monegn m dwh twU Job. 86, 8. 

iö $6 giletliche diu guote bi mir lU MF 4 19^20 
«d rehte güetUche gelit M. 14, 13 ' 
doM ich 8Ö güetliche lac Hpjj. 17,2 
vgl. da» dm künegin von EngeUatu Imge an minen armen 

MF 3,10 — 11 
twmm er an mtnm arm lit R. 203, 18 

da ritaugm an ir werden friundes arme lac Wolfr. 3 3 
doM diu guote an mtnem arme nikt enlit N. 78, 19.* 

« hdt mich gemachet leides fri MF 4, 22 
Er müez sin sorgen vri Cß cciii s. 9*7 
8Ö belibe ich aller sorgen fri D. 37, 3 
Diu mir tuot daz herze min 
nü menger sorgen Iwre Guoi. ()9, 5 
96 tourifo ^cA wm sorgen fri Job. 92, 32 
twi eorgen liege iht fri Rugge 102, 4 
td wurde tcA niemer m4 vor leide fri R. 179,33 
ei maehet mich vor allem leide fri R. 182, 17 
des her%e ist vri von sender ndt Bartm. 214, 16 
der si vor allem leide fH Pwado-Veld. 260, 16 
gar vor aUen sorgen fri W, 117,37 
aller miner sorgen fri N. d, 33 
der belibet sorgen fri N. 43, 2 
st getuo mich sorgen vri N. 52. 31 
vgl diu tuot mich dne sorgen die teft hdn Mor. 129, 18^19 
diu von sorgen scheiden sol den minen Up R, 202, 38 
scheidet, frowe, mich von sorgen W. 52, 15 
»gl auch « ist lobes von mir fri Pseudo-N. 240, 16 und zu 

MF 12, 36- 

im wmr min staaez herse ie ndhe bi MF 4, 25 
dar «tio wcere ich dir vü gerne bi D. 37, 1 
teft solde t'r ofte w^en bi Guot. 74, 19 
«in herze ist ir mit triuwen bt Rugge 110,23 
daz si mir mit triuirm wcere bi Mor. 126, 19 
eieenn ich ir weere bi Mar. 131» 28 



Digitized by Google 



Ut ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



diu 90l rOitB woM ht R. 153,20 
dar herm eöi ander «Tnr mü triutoen hi W. 95, 38 
jä WBr ich ir zallen zUm gerne bi N. 46, 13 
ich tDos dir ie mit irtuwm bi N. 66, 26 
▼gl. ich enkaiM ir ndh$ bi Rute 117, 10 uad zu CB 127\ 

OH mnm titUr SMt MF 4, 27 
tfon eimc ritter ffWft D. 39f 11 
Vgl. umb eine frouioen guot Kür. 10, 22 
vgl auch ein idumu wif $ä rätu jfuot D. 36, 26. 

da» teft 6m wal gemuot HF 4, 29 

ditr dm du wäre höehgmuot Joh. 95, 1 

dM Wirde ich $«ken wol s$muol Rugg« 105, 21 

der ei wol gemuot Bligger IIS, 18 
dik wirst alsö wol gemuoi W, 91, 33 
sö wint d& niemer wol gemuot W. 101« 4 
8Ö ist si wol gemuot W. 116, 18 
fgl. und dfi höcJi gemuot Job. 94, 14 

und ouch alsö wol gemuot W. 111,33 
vgl* auch swer gen den hat hohen muot CB 132* 
tt>is höhes muotes W. 91, 17 

wm stht mich dicke wol gemuot VV. 120,27 uud zu 

Kür. 10,23. 

daz nident ander vrouwen MF 4, 30. desgl. 13,29 
daz nhlnü schmne vrouwen Pseudo-D. 37, 15 
daz UHient ander linte N. 24, 6. 

s6 verliuse ich minen Up MF 5, 3 

den Up muoz ich verloren hdn Mor. 137, 13 

e ich Verliese minen Up Mor. Iii7, 18 

jd verliuse ich den Up N, 61, 37 

dd von sie verlös den Up Pseudo-N. ISl, Ib. 

den möhte in al der Werlte MF 5, 11 
ni4 muo% ich al der werüe D. 39, 8 
▼gl. zu MF 6, 12. 

unde fiis! nv'r dar zuo holt MF 5, 12 
ich öt)i (In !>inge holt gewesen t^3, 23 
ich wii im iemer wesen holt lUg. 16, 13 
des was ich ime von herzen hoU Veld. 57, 35 
daz ich in von herzen ie was holt Joh. 9ii, '^1 
ich bin im von herzen liult R. 17S, 12 
der mir ist von herzen holt 11. 185, 25 
^ Hn ifem Bogencsre hoU W. 80, 27 
Dem hiu ich holt N. 22,24 
vgl. Wie hßU im dose her» min «or olfeii moHiMti wm 

N. 28,22.23 

▼gU auch zu Kar. 7, 6 und D. 38, 4. 



Digrtized by Google 



ALTE D£UTSCH£ VOULSLifiDCHEM 143 



gedienet ndch dem willen mtn MF 6, 6 
gelönen ndrh dem willen min D. 38, 13 
vgi. sage im durdi dm wiüm min A. 178, 5 
vgl. auch zu MF 11,24. 

«wenn ich ht ftmbwangm hdn MF 6, 6. ebenso R«g. 16,4. 

vgl. Becker aao. 39. 
Wut were t% al der v>irit$ hÜ MF 6, 12 
WBn €M al der werke hit R. 164, 12. vgl. Becker 

aao. 39. 75. 134 
vgl. gmackef al der werUe lüp Reg. 16, 6 
vgL auch mme ein al dm werk war Rute 117, 32. 

id muM ein wiOe an mir ergdn MF G, 13 
d ir Wille H ergdn M. 12,23 
«Iii toilfe dem ergangen D« 40, 6 
«In Wille mac $6 lihte niht ergdn Rugge 110, 11 
vgl. ewelkiu sinen wiUen hie bevor hdt getdn M. 13, 35 
als ir wiüe wae getdn D. 39, 14 
Ich wil tuon den wUlen ein II. 54, 28 
ein rilter ininm willen tuet R. 203, 12 
ir willen tuot W. 78, 36 

vgl. auch ez ist iu wol ergangen W. 28, 1 1 
ist anders iht ergangen? N. 17,28 
wie ist es dir ergangen? ühl. 97, 5. 257, 11 
und wie ist es üch ergangen? Uhl. 2b9, ö 
wo hejji ii juw (je()angen? ühl. 297 B, 25 
wie ist es euch i'iijniKjcn? Ühl. 348,10 

(a* aildl Erich Schmidt liciiMiiar uiiil Riig^e aom, 30]. 

miner sorgm winfrf rat iMF 6, 16 

wie sol des iemer werden rat D. 32, 11 

er (not ir grözer sorgen rat D. 38, 9 

mck möhte es alles werden rät H. 44, 28 

iwfw möhte werden rät fl. 52, 9 

in einer stmtt sö wirf es rat Penis 84, 26 

mir tuot eiti ritter sorgen rat Hiiggo 103, 29 

der sorgen wirdet niemer rdt Hugge 105, 14 

min t0ttnl« rdt Rugge 107, 15 

fliln etile« w^rde iSue rdt Rugge 1 10, 5 

dee Wirt min iril echöne rdt R. 169, 36 

dd wm mac ee werden rdt R. 190, 18 

ez wirdet rdt R. 192, 1 

daz min niemer werde rdt R. 196, 30 

wie mac des iemer werden rät W, 6, 7 

wie Wirt es rdt? W. 89,37 

fr?> sol min iemer werden rdt? W. 90,22 

9ö mäht ee wol werden rdt W. 97, 14 



Digitized by Google 



144 ALTL DEUTSCHE VOLKSLiEDCHEN 

id nm miner iorge werden rät W. 109, 28 
ia% min niemer wtrde rät W. 113, 36 
dei Wirt allez rät Pseudo-W. Iö7, 11 
ez mac trol vüner sorgen wei den i dt N. 20, 29 
sin mühte mcli vil lihie weiden rät N. 75» 4 
vgl. Wie sol — iemer werden rät? Mor. 143,4 — 5. 

scbUc si das besie wip MF G, 1 7 

wol ir, srst ein scbUc tofp H. 54, 1 

wol im, dent ein tcUic man Veld. 61, 36. H. 195, 7. 

Pseudo-Meinloh 233,5 

wol si swlic wip Joh. 95, 6 
und Wirde ich noch sö swlic man liugge 109, 33 
er s(Blic man R. 153, 16. W, 46,34 
mlic wip R. 194, 26 
det* wme ein swhr man liarlm. 207, 10 
Nietnen ist ein sivlic mau Ilartm. 214, 12 
der wirt scelic lihte ein man Pseudo-Veld. 260, 19 
«d w€Br ich zer weU ein smlie wip W. 43, 20 
$i ml emUe wip W. 98, 21 
wmr ich aatHe man 89, 21 
Tgl. auch daz ir «(B/tc sU W. 52, 18 

wol ir daz si tmUc sf N. 43, 1 [und Erich Schmidt aao. 

anin. 13]. 

dö ich si ndhest sack MF 6, 21 
dö ich in ze jungest sach Kür. 7, 9 
dö du mich erst swhe Pseudo-D. 37, 26 
und ich si jvrigest nne sarh H. 43, 25 
und ich si an sach Mor. 132,33 
dö ich die minnedichen erst gesach H. 194, 19 
vgl. SU MF 12,39. 18,3. 

dd moht atiders niht geschehen MF 6, 22 
mir ist anders niht gtsehdten Mor. 128,27. 

moie dtt wiU s6 wü ich sin HF 6, 30 

ah wü tc& iemer m&e sln^ Riet. 18,24 [ha. B ab ir 

' t tf li^ ah — j 

sufie si «itif id tat) ich m W. 48, 7. 

daz ist schedelit^ KUr. 7, 2. 8, 30 
daz ist lobeUeh Rur. 7, 4. 

bite in daz er mir holt si KOr. 7, f> 
daz ich ir holt si Kür. 9, 34 — autworl auf 7,6? 
vgl. zu MF 5, 12. 38, 4 
vgl. auch möhte ih si hdn holde Cli 99" 

tV habt den meien holden N. 28, 14. 

sd ld% ich die Um harte ml entstän Eür. 7, 15 



uiLjuized by Google 



ALTE DEUTSCHE VOLKSUEDCHEN 145 



des mac ^^'rh mht horze )rol fntstdn Reg. 17,6 
ichn mac mich schiere mht mtslän GiioL 76, 14. 

i'if iim6e aJlk ander man Kür, 7, IS 

an etfien andern man Kür. 10,6 

a» deheinen andern man MF 26 

«n dekei» ander u>ip Guot. 76,33. Horb. 114,13. 

die merker und ir nU Kar. 7, 24 
▼gl. daz nident merkcBre Reg. 16, 19 
vgl. atld) weder huote noch der nU H. 43, 29 

Ich mache den merhmni tmohenden muot, 

tcft hdn verdienet ir nit und ir ha» florh. 113, 17<— 18. 

dee mohte mir min herze nie frö werden 

Kar. 7, 25. 26. 

frd enwirt er nimmer M* 14, 1 1 

«eftfy 80 wurde ich niemer mere frö Job. 91, 35 

$6ne Wirde ich niemef frö R. 171, 34 

ja enwirde ich niemer rehte fr6 W. 74, 13. 

M üuont mir nMmt tpdte Kttr. 8, 1 

Jö ituont ich nehtint spdie Kttr. 8, 9. vgl. Stberer 

Zs. 17, 576. Wilmanns Leben Waltbers s. 26 
es flog wol nedUen ipaie Uhl. 29, 23 
Was sah ich neckten efote ühl. 49, 3 
ich fand in neehten spate Uhl. 90, 10 
vgl. er reU neehten ganz epau Ulil. 123, 5. 

an einer znmen Kar. 8, 2 
M van$ si an der »innen Nor. 140, 1 
Von der zinnen Wolfr. 6, 10 
vgl. Dae mägdlein an der zinnen itand Des knabeo wunder- 
hom mit einleitung und anm. vonRBoxberger 1 149.^ 

er muoz mir diu laut rumen \\i\r. 8, 7 
n\men diu laut Kür. 9, 32 — aulwort auf S, 7 
vgL sö der gast muoz die herberge rümen An. Sperr. 27,9. 

vor dtnem htJe Kilr. ^, 10 

Bei meines Heu en bette Ulil. 29, G. 

und ich gedenke ane dich Kür. 8, 19 
als ich dar an gedenke Kür. 10, 23 

sueun ich dar an (jp'hnke Reg. 17, 1 
als ich gedenke an dich W. 42, 23 
Vgl. 80 mmz man sfn qedenk-en Sperv. 20, 24 
eö iolde 9i gedenken Guol. 76, 19. 

* j4dqtt9 fimetUllam ttan$ Roodlieb xvn 23 vgl. DWB iiil520 unter 4. 
ganz ähnlich der stehende eingang tosrnnischer volksliedcbeD m*affaeeio 
aiia ftmtira Grcgorovias Wandegahre u 289. 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



SU iadi ich den valken uchone ßtegen Kür. 9, 5 — (j 
sö gesach si valken /Heyen i^scudo-D. 37, 7. 

got Müde it zesameM 
die gerne geliebe wetten sin Kur. 9, 12 
Tgl. schein uns zwei lieb zusammen 

die gern bei einander wollen ain UbL 7&, 1 

got bhüet die fnimen knaben 

die allzeit vol wöln uin (parodisüscli) (JhL 233» 11« 

fite Wik unz ich da» leben hdn KOr. 9, 25 
Ol die Wik ifli habe den Up H. 42,20 
MÜU kmger wan die wUe ich Übe R. 157, 35 
wei» got niemer al die wUe ich lebe R. 161, 14 
niuwan al die wile ich lebe R. 202, 17 
die wile ich lebe W. 120, 17 
al die wtle ich lebe N. öO, 5 
al die wUe sd ich lebe N. 101, 15 
fgL die wile ich muot vdk herzen hän R. ISS» 1. 

iäi tua dn vrtmwa idhm« Kor. 10, 3 
vgl weisi du scKcene nrouwe M. 14, 3. 

Wip nnde vederspil die werdeni lihle zam Kür. 10, IS 
▼gl. Einer frowen was ich zam U. 46, 29. 

iRiV wart nie wip ako liep Rttr. 10, 16 
immer für aüiu wip H. 54, 34 
Wart ie manne ein wip sö liep R. 173, 27 
daz si mir lieber si dan elliu wip R. 197, 4 

vgl. der liebet mir für elliu wip Paeudo-Veld. 260» 8 

auch zu MF 224, 27. 11, S. 

eö stdt wol höhe min muot Kür. 10, 23 
min mmt toi aber höhe «rdn M. 14, 27 
mir gesimnt ndn gemüete nie §6 MAi RieL 18,9 

höhe stdt min muot D. 36, 24 
der doch der muot vil höhe stdt Rugge 107,32 
des min muot sol höhe sldn Mor. 125, 32 
daz mir der muot des höhe stdt ]\. 179, 15 
daz ie höhe stnont min muot Ii. 202, 38 
daz ir muot sö höhe stfft W. 73, 3 

Vgl. fiiin herze es dicke höhe stdt H. 44, 27 

Vil wyfniprfichen höhe stdf min herze Hugge 103,27 

Man üol ein herze prkfjntrjt hie 

daz zaUen ziten höhe sidi Bugge 105, 24 — 25 

so shiunt ir daz herze hö Mor. 132, 30 

$tn herze stdt, ob irz gebietent, temer hu Ii. 177, 15 

tougeniiche siät min herze hö VY. 41,15 

auch zu Reg. 16, 7. 



Digitized by 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHBN 



J47 



da hete ich dich gerne erkant M. 11,2 
gerne duz min herze erkande D. 32,2. 

(fev du teilt, frowe, haben liep M. 11, 8 
vgl. zu m 224,27. 10, 16. 11, 15. 

dem dü bist, frouwe, ah der Up M. 11, 15 
diu mir ist als dj^r Up M. 12,32 
der mir ist alsam der Up H. 54, 18 
vgl. und daz si wir ist liep aha in min selbes Up 11. 43| 31 
si ist mir liep alsam der Up Rnjrffe 99, 39 
der hdt geliehet mir den Up IL 203, 13 
▼fil. auch hcBt ich iht liebers danne den Up, des müeser h^rre sin 

W. 71,26. 

er liät durch dinm wWm M. 11, 24 
tmar dureft er wOhn N. 12, 38 
?gl. zu MP 6, 6. 

eine ganze fröide gar nmbe ein trüren gegeben M. 1 1, 25 
vgl. auch hdt mir vrönde rAl gegeben Cl> 127'. 

Sujer werden wiben dienen sol M. 12, 1 
swer bulerber dienet wiben M. 12,9 
vgl. zu CB 141'. 

seneliche swwre tragen 
verholne in dem herzen M. 12, 6 — 7 
verhüln in sime herzen mm«e D. 38, 8 
der ich touyenliche vil in minem herzefi trage N. 94, 16 
▼gl. zu CB 126*. 

iendiehe swctre tragen 
nerhohu im dm henm, er emol ex niema» sagen 

H. 12, 6—8 

du eeUee doek memasU easen, 
du Mite» gar MgMdieH in ddiiem herzen tragen 

Uhl. 212,7. 

dte {Alle werdents Hme M. 12, 16 
doMs imnen werde inne H. 12, 22 
du hin ich wol worden inne D. 33, 10. Veld. 56,26 
INI hin iehs nil umanfte worden inne R. 166, 33 
dax $i des wol wurden inne W. 98, 14 
und icerdent sin ir bruoder inne N. 44, 16 
ich ßrcht man werd innen l]hl. 61, 1 
▼gl, tst daz ich ps" inne wer^ien sni .loh. 91,24 
Das bin idi innen irordi^u Wiiinlerhoru I 149 
VgL auch des bringe ich si wol inne D. 40, 32 

des bringe ich in vil wol inne Veld. 58, 8 

brinc si des inne W. 9S, 39 

si brdhte mich des inne N. 46, 20. 

Wmedze Hebe gähen M. 12, 20 



Digitized by Google 



148 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLlEDCfiCTS 



swer sich vo)- lirbe ze verre vergähet Rugge 101, 26 
Ich tßil aUez frilien zuo der liebe R. 170, 1 
vgl. zer Schmie niemen si ze gdch W. 50, 2 

Niemen sol an vrouwen sich vergdiien N. 4b, 6. 

da ist gnuogm ans gdungen M. 12,25 

den dd vor ist ndch ir willen gelungen Fenis 83, 30 
deswdr mint ist nach werde niht gelungen Mor. 136,.22 
dem mediin hat fielinigen Uhl. 271, 6 
Ihm ist gar wohl gelungen Wiinderlioro r250 
Bis es ihm schlecht gelungen Wuuderhora 1 309 
vgl. mir mt^este wol gelingen N. 6» 8 

Owe' daz mir dd niht gelinget N. 32, 11 
mir niht wol an ir gelingen N. 100,28 

vgl. auch so ist mir gelungen noch hnz danne wol Feais 83, 8. 
ez tno ein edeliu frouwe M. 12,31 
vgl. ezn heile mir ein frowe Reg. 16,21 

vgl. auch wan ein schoene frouwe H. 49, 30. 

ichn sach mit mhien äugen M. 12, 33 
ich sach mit minen ougen W, 9, 16 
vgl. zu MF 12,39. 

an ir ist anders ^rnnrfcJ^ iht M. 12,36 
vgl. ir tvrjpvde die sint vaisdu'S fr> D. 34,34 
sist üilvr wandelunye fn Rugge 104,9 
Ich wände daz si Wfpre rnissnrende fril 
nü sagent si mir ein andei uuvre, 
daz nthi lebendiges dne wandtl i^i W. 59, 19 — 21 
unde ist aller wandelunge fri >. 13, 27 
rehte rösen die sint niler wandelunge vri W. 95, 5. 
$6 si min ouge an sili( M. 12,39 
ob si min ouge niht yesiid D. 34, 32 
daz Si nun uuge gerne siet H. 4,'», 36 
so si min ouge niht ensiht Rnggo 103, 10 
des tages so si min ouge sdti lUigge 105, 5 
swenn aber si min ouge an siht Mor. 13ü, 37 
alt in min ouge an siht ^. 15,31 
vgl. toaH da% min ougen sdhen M. 15, 9 
sH das si min ouge sach R, 174, 26 
min ouge in gemer nis gesaih R. 198, 19 
vgl« auch an gesdken mit beidm minen ougeti N. 22, 22 

dt«cA mit mgen ie getack N. 97,29 und zu Kttr. 7,^ 

und Riet. 18, 3. 
/cA hin hoU einer franwen M. 13, 1 
vgl. td wetz ich eine frouwen M. 15,3 
kh taeh nie eins frouwen N. 15, 13. 

fC^ wetz vil wol umbe waz M. 13,2 



Digitized by Google 



ALTE DEÜISCÜE VOLKSLIEDCÜEN 149 



ine tcisse nmhe waz Mor. 142, 18 
sine wizzen uufhe waz N. HR, 17 
ich enweiz niht nmbe waz IS. 75, 22 
vgl, ich wetz retue niht war umbe IS. 97, 3 
vgi. auch in weiz dur waz Rugge 100, 7 uod zu R. 159, 12. 

tturbe ich näch ir minne M. 13, 11 
ich stirb, mir werde ir minne VVolfr. 10,8 
vgl« ikäch tiner mime bin ich töt N. 3, 13. 

ftn wizzen algeliche M. 13,24 

itH tDünschmU algeUche Rugge 97, 9. 

äne nähe bi gelegen M. 13, 22 
ich lege mir in wol nähe N. 14, 34 
od nähe bi si gelegen M. 15, 8 
mde frouwen seUen bi gelegen Mor. 128, 30 
und Uge mich ir nähe bi R. 167,8 
exn wart sö nähe nie gelegen Wolfr. 8, 26 
▼gl. idm f/iUge herzeliebe bi R. 165, 17 
dttx er mir niht nähen lit R. 196, 25 
twenn er bi mir Icege R. 200, 26 
dazs ime vil ndhe lac VV. 90, 8 
und Idg ich nahe dir bi ühl. 36,6 und zu CB 127\ 

de» hdn te& weizgot niht getän M. 13,23 

▼gl. ich hän im anders niht getän M. 13, 30 
ich habe in anders niht getdn R. 194,4 
ich hab euch nichts geton ühl. 130, B 
▼gl. auch ich habe im kides niht getän D. 40, 36. 

mir rätent mine sinne Bf. 13, 25 

dö rieten mine sinne daz Rugge 109, 11 

unde ri^en mine sinne Pseudo-W. 171, 8 

vgl. mir gap ein sinnic herze rät Rugge 103, 11 
▼gl. auch iedoch s6 rdtet mir daz herze min Job. 86, 4 

und dem herzen daz mir riet an ein wip R. 169, 28 

daz nvtet mir daz herze min R. 188,27 
und Oüch durch mines hpr^en rdt R. 191, 8 
doüi s6 rcBtet mir der muot Harun. 216, 14. 

Mir weiten miniu ougen M. 13, 27 

den weiten mini» ougen Pseudo-D. 37, 14. 

wan oh ich hän gedienet H. 13, 31 
▼gl. und tVA ir vü gedienet Atfn D. 38,31 

der ich vü gedienet hän D. 39, 13. W.57,15. N. 69,30. 

76,31. 81,27 

der mir gedienet hät H. 49, 12 

der ich doch pil gedienet hdn Hartm. 207, 24 

dir ich dähir gedienet hän Hartm. 208, 32 



Digitized by Google 



150 ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



der mir ^in teil gedienet hdt W. 71,20 
der ich her (jefh'eripl hfin N. 5r>, S 
?gl. auch ich hdn ir gedienet her vil lange zit Mor. 127, 26 
Ich hdn ir gedienet vil W. 117, 15 
der idi hän gedienet lier vil lange iN. Ol, 26. 

im trüret sin herze M. 14,7 
trAric ist mir al da» herze min D. 32, 20 
trürie ist daz herze min Veld. 59, 15 
vgl. und gwinnei mir da» herze vil manegen triirigm muot 

Kur. 8, 23. 

Sit er wtt jungest von dir schiet M. 14, 8 
do ich alier ndhest wm dir schiet D. 40, 13 
vgl. J)mh von der guoien aekiei H. 48» 32 
vgl. auch KU MF 6,21. 

nü hcehe t'm Hn gemutete M. 14,9 
die ime da» hc^ einen muot Rugge 103, 37 
s6 wü tcft killen einen muot R. 151,28 
vgl. des froit ekh min gemüele €B 102' 
er erfreut mir mein gemüete Uli). 61,3 
vgl. auch da» tr güete mich gehmhet hdt Rugge 110,32 und 

zu Kor. 10, 23. 

gegen dirre sum«r»lt M. 14, 10 
jegm de leve eumertU UhL 37, 1 
vgl. Wann ee get(Se gel wol) gegen dem sommer Uhi. 1 1 6, 4. 6. 

vgl. libland Sehr, ni 389, 25. 

Ich hdn vemomen ein mme M. 14,26 
Ich hörte wilent sagen ein mcere Riet. 18, 25 
Nu eint uns ^arkiu mcere kamen: 
diu habent ir alle teol vemomen Rugge 97, 7. 8 
daz ich sö liebiu mare hdn vernomen Rugge 110, 18 
Wol mich lieber meere da» ich hdn vemomen R. 203, 

24—25 

Welt ir liebiu moBre gerne beeren N. 33, 2'.) 
vgl. daz sint dem herzen min vil leidiu mCBre ü. 34, 33 
cz sint guotiii niuwe märe Veld. 56, 1 
die uns bringet^ ! hebin mdre Veld. 59, 28 
\jDolde si mir kiimlen itebiu mccre Rugge 107, 16 
ich satje im liebin mirre \\. 151,30 
Swie vil ich gesagt guoler mijere U. 169, 15 
si) engehörte ich nie ein lieber mcere R. 196, 16 
miner frouwen seit feft disiu mare W. 114,29 
vgl. auch Wer hät ir gesaget mmre Feii» 85, 15 

ich engeh^te nie gesagen Bligger 119,26 uud MSD*256. 

ii ein urlop gegeben M. 14,31 



Digitized by Google 



ALT£ DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



151 



nu gib im urloup süezez wip WoUr* 4, 60 

urh»p (fap Wolfr. 7, 10 

yiel> ntir nilob, äu roter mund lihl. 2Ü, 5. 

fios ich vil stceter minne pflege M. 14,33 
er pfliget nihi stwter minne N. 3, 10. 
Vil schcene nnde biderbe M. 15, 1 
fnmwe biäerbe nnde guot D. 33, 24 
vgl. Mm $ol die biderb&i und die frumeh D. 33, 31. 

dar %uo M undt guot M. 1 5, 2 
$iH edel unde schfrue M. 15, It 
ei ist edel unde frwd Veld. (>0, 25 
Tgl. dtr tdnamm woutm und dtr (punen Veld, 66, 29. 

IM relaer mdze ^meit N. 15, 12 
mit Mtm $emeü Mar. 122, 2 
kumt A* mit Mtm ^eit W. 43» 31 
mit schcenen zühten «In gemeit N. 17,2 und anno, 
vgl. und bite in schöne wesen gemeit D. 33, 1 
vgl. aucb da» er m Stühlen weu vrö Sperv. 25,7. 

svos it> gemutet daz da* allez si getän M* 15, 16 
noa« dtt g^iutst daz leist ich D. 39,25 
$mie 96 n gantet mir l\, 195, 15 

etüie si gebiutet R. 197,7 
vgl. aike dee ei mir geb^i 67, 16. 

dm ich mir lange hdn erwdt R<>^. IG, 9 
ich hdn mir ei vil rehte er%üeU Guot. 76, 23 
fcA hatt mir aueeerwelet UM. 55, 1 
vgl. la D. 38, 16. 

und Icegen si vor leide töt Reg. IG, 12 
etüHfen ei von leide Pseuda-IL 299, 6. 
des ist min herze tMinf Reg. 16, 20 
mir iit daz herze wunt H. 49, 13 
von der mir ist daz herze sere wunt Oligger 119,17 
vnd an herzen scYp wunt Mor. 130,27 
tnin herze ist wunt Mor. 137, 14 
swaz herze wunt was N. 9, 15 
vgl. aucb des muoz ich wunt LeliUu H. 43, 2. 3. 

nu heizent si mich miden einen ritter Reg. 16, 23 
si wellent daz ich mide D. 8 
wan, hell, die solt dii mtäen D. 37,25 
sö muoz ich si mUien W. 9S, 21 
vgl. daz ich si sö lanye nnde Ü. 32, 16 
hei ich si vernutt-n H. 179,20 
daz ich einen riiu-r nüdc IV. 196, 10 
Er hat za langt mich gemiten 



Digitized by Google 



152 ALTE ilEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



den 7ch mit trimDen nie gemeit R. 19S. 4 — 5 
VgL auch die wile ic/i »i vn mhien unioz Rugge lu8«2. 
oh ich in iemer gerne swhe Riet. 18, 3 
daz si min ouge gerne siet TT. 15, 36 
dä ndch daz mirh gerne siei Veld. 60, 10 
daz niewen in so gerne siht V eld. 67, 20 
oh iHich eine gerne siht Rugge 109,29 
wan daz ich si gerne sach Mor. 128, 32 
ah kh in gerne sähe R. 151,6 
daz si midi eteswenne gerne $(hi R* 159, 15 
unde ich dUk vü gerne «uh R. 177, 4 
will eeUen ieman gerne eikt W. 90, 20 
vgl. hob tVA dkk gerne nUit ^eseftm D. 40, 17 
und eahe in gemtr R. 178, 13 
flifA wge tn gemer nie gesach R. 198, 1 4 
daz ich fi gemer nie gesach R. 198, 19 
YgL auch ob teft si iemer mire geeehe Job. 88, 5 

ewenn tcft der eehcBnen niht ensihe ft. 154, 6 

daz er mich ie gemach R. 187, 1^ 

s6 wol mich de$ da% ich si ie gesach Pseudo-V'eld. 

260, 5 und zu MF 6,21. 12,39. 

fia ßeeent aOe tV arOHiit Riet. 1$, 7. R. 184,27 
der verUneet al sin arebeit R. 172, 31 
vgl van einer arebeile : sist anders gar verlorn W« 103, 27.28 
min verloren arebeit M. 64, 2. 

er trau mir niemer werden leit Riet. 18, 8 
ei kan mir niemar werden leit D. 36, 18. 

sU ich hän von rehUr schulde Riet. 18, 11 
vgl. Ich niuoz von rehten Behnlden D. 38, 5. 

sH sr vi'l daz ich f^'f fr('> Biel. 18, 14 
es xDivre wol und icurd ich frö D. 35,26 
und wil si, idi hin vrö Joli. 91, 20 
wie soU ich dan iemer mere rehte werden vrö Mor. 132, 28 
Ich wati eicswetme frö Mor. 143, 10 
und kan doch nicnier werden frö R. 158, 8 
daz ich was mit den andern vrö R. 174,8 
nii wurde ich aber Ithte frö R. 193, 34 
ka» er m rd^e aueh weten frö W. 44, 5 
M wü nüa mi — loawJi frö W. 61, 32 
eeht, eö wm ich iemer mire frö W. 109, 10 
eö Wirde iA eiber wider frö W. 1 1 7, 7 
dd die Hute sint frö Mor. 133, 28 
▼gl, sweinir ander Hute wwren frö R. 185,28 
dan der werde unfrö W. 31, 36 
wi wer wmre unfrö W. 51, 25 



Digitized by 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 153 



?gl. auch du vÜ mimte herze ist vrd Riet. 19« 8 
des fpAt vil nuaUc her%e fr6 D. 33, lt\ 
hetwungen was e% fmln herze] iemer sH: 
noch wurde ez vrd Rugge 107, 4 — 5 

er machet manic herze frd W. 17, 36 
de$ Wirt manic herze frö W. 11 3, 6. 

der heiwungeH stdt Riet 19« 11 
100» es sö bedwmigefi st dt I). 32, 2 

alsö gar betwungen stdt Mor. 143, S 
?g!. zu CB 126* und zu D. 40,15 
tgl. aucb Uaupt zu Heg. 16« 14. 

noch ist min guot rdt Riet. 19, 12 

daz ist min rdt Guot. 71, 18 

dest min rdt R. 1 62, 8 

und ist min rät Hartm. 206, 22 

dm ist min rät W. 20, 5. PMiuk>-N. 132, 5. 

da% ich nmwe mimn sani RieL 19, 13 
daz ich singe ir muwen mmc Mor. 124, 7 
den kindm singe ich muwen saue N. 41, 39 
ich gesunge ir niuwen sanc 79, 31 
deich ir kinden singe niuwen sanc N. 87, 14. 

e% ist leider ahte lanc Riet. 19, 14 

und ouch der jdmer alze tone D. 34, 18 

mirst beidiu winter und der sumer atxe lanc R. 155, 4 

die swmren tage sint alze lanc flartoi. 207, 4 

30 ist unser sumelicher heilen alze lane Bartm. 212, 24 

dd von sö dunket mich sin bitsn ahte kne Hartm. 2 16, 18. 

ewsK t(Ch 5iii^e, da% ist wdr Riet. 19, 24 
daz M in sage, daz ist tedr Spenr. 23, 23 
vgl dms veremchte ich unde iet wdr R. 170, 12 
da» üt w4r Vi. 23, 12. 

swar M danne Imdes vor Riet. 19, 31 

iwof ixh iemer vor H. 46, 13 

swar ich var Guot. 75, 14. 76, 16. N. 53,22 

meeUien ende ich var N. 70, 33. 89, 35 
▼gl. swar er m der wcrlte vert R. 201,6 

4 ich var W. 60, 34 
▼gl. auch siüar ich hndes kere II. 52, 31 

^ swar ich df^ Inn des imder kome Guot. 74, 9 

swar ich landes kere Uorh. 114,30 

swar ich kere W. 113,29 

swelhen ende er kere N. 51, 10.* 

* vas on quem vir Bartsch Ghrest. prov. 153, 20, on qu^eu m'an nim 
m ebd. 210,2. 

Z. F. D. A. XXIX. N. F. XVU. 11 



Digitized by Google 



154 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



senfter wmre mtr der töt Riet. 10. ?, \ 
$ö tcete sanfter mir der töt D. 3(), 3 
nock sanfter täte mir der töt Rugge 107» 9 
vgl. hezzer wäre mir der hU N. 97, 20 
vgl. aucli zu Cb 94' und Ii, I5b, 2b. 

da% er im heUe% herxe trage Sperr, 22, 4 

mnd in dä näck ein kolde% hene tragen H. 47, 8 

und Wieck ir holdez herze trage Mor. 136,21 

deidi im holdez herze trage R. 178, 16 

deich ir s6 holdez herze trage R. 184, 24 

der ich holdez herze trag§ N. 53, 9. 

an ein ende ich des wol kerne D. 32, 3 
Nu ist ez an ein ende kamen D. 38, 32 
▼gl. 9& hät erz an ein ende hrdht D. 40, 8 

ez ist vil ze gxiotem ende kräki R. 190, 16 
TgL aoeh den wiUen Mnge ich an min ende H. 51, 25. 

wan diu hucte D. 32, 3 
der huote Nor. 136, 27. 

seilen sin vergezzen wirt in nunem muote D. 32, 4 
daz ich sin ze ketner zit jnnc vergezzen D, 39, 6. 7 
vgl. icJi bin diu !>in noch nie veryaz Uu^j'^'e lOG, 23 
unde ah ich ir nie vergaz R. 173, 11 
got weiz wol daz ich ir nie vergaz R. 174, 35 
1016 ei min vergaz W. 43, 5 
ich vergast ir mit triumn nie N. 51, 11. 12 
der ich selten ie vergaz N, 59, 1 
selten ich t'r ie vergaz N. 89, 22 
TgL auch ab si vergizzet iemer min W« 100, 15. 

an der al min friede stdt D. 32, 11 
an der gendden al min fröide stdt H. 43, 28 
in der gewaU min fröide stdt Rugge 100, 3 
Sit an iu sin fröide stdt W. 113, 16 
vgl. min heil in ir gendden stdt Rugge 110,30 

VgL auch dar inne al vün fröide Iii II. 45, 3 

daz beste gelt der fröiden mlia daz Ut an ir R. 158,23 
sH daz an dir Ut mines herzen höhgemikte W. 113, 16 
al min fröide Ut an einem wibe W. 115, 14 

Tgl. auch W. 27, 32 und zu D. 3(3, 35. 

nu mnoK tdk von ir gestkeiden sin D. 32, 19^ 

sol ith von der gescheiden sin D. 34, 26 
dd von wir gescheiden sin R. 178,7 
▼gl. wir zwei sin gescheiden W. 41, 11 
Tgl. auch daz ich von dar gescheiden bin H. 43, 13. 

daz al die werlt diuhte guot D. 33, 9 



. -d by Google 



ALT£ DEUTSCHE YOLESLlEDCHCiN 



155 



daz (Unhtc et'ii andern man vil (fmt Guo(. 70, 11 
duhtez. ir einen guot Bli^'irtT Iis. H 
vgl. fid dunkel midt enwederz guot VV. 81,30 
▼gl. auch swie si dutüce guot W. 99,31 uad zu Ü. 3b, 27. 

du hdtt getiurü mir dm muot D. 33, 26 
it Huret vil der tinn$ mtn Rugge 103,24 
dd bist du getiuret mite Mor. 146,26 
das ir so höhe tiuret mineii Up W. 43, 22 

üz tinret doch wol sinen lip W. 93, 10 
vL'l. du muost doch ferner deste tiurre sin W. 91, 30 
Tgl. auch daz ir desie werder sint Job. 9 t, 14 

unde Wirde dineii jutigen lip VY. 91, 20. 

daz mir geschach von wthe e nie D. 35, 4 
daz mir da vor e nie geschach II. 43, 27 
$ö geschehe an mir daz nie (jeschach R, 189, 36 
vgl. von der mir nie geschach 11.48,37. 

tfü gar ir eigen ist min Up D. 35, 15 
der id^ dm Up hän gegeben für eigen D. 40, 20. 21 
Zip unde sinne die gap ich für eigen Penis 82, 34 
»o» min se^es Up; dersi ir eigen R. 182, 18. 19 
eime suU ir iuwem Up geben für eigen W. 86, 19. 20 
Tgl. ich bin ir eigen Guot 71,25 
ich bin doch ir eigen W. 116,24 
dein eigen ml ich sein (Jhl. 81, '2. 

imig hüfet sunm? D. 35, 30 
ich solde zürnen, hülfe ez iet D. 40, 11 
Tgl. waz frumte, ob teft von zome ja^ Riet 18, 4 
▼gl« auch zu D. 40t 

S»er miret die gewizzen min Pseudo-D. 35, 32 
si meret vil der vrifide min Rugge 103, 6. 

und wil doch mannen fremede sin Pseudo-Ü. 35, 34 
dur die ich ir muoz frömede sin Mor. 131, 14 
Tgl. sol ich im lange vröniede sin l>, 3t), 11 
8ol ich ir lange frömde sin Ü. 39, 17 
▼gl. auch fremedet er mich manegen tac D. 34, 14 
akine frömdet miM ^ ^ H. 42, 7 
fffi langez fremeden muoz tdb klagen Rugge 107, 23. 

daz diu meiste sorge min D. 36, 13 
doch ist daz diu meiste sorgp nune N. 58,29 
Tgl. und diu hcehatc icuunc min II. 51, 36 
daz ist min meist iu swcore N. 87, 30 
dö was daz mtn aller meisliu swwre Rute 116, 20. 

u>an aL diu werlt nodt nie gewa» i), 36, 25 



Digitized by Google 



156 



ALT£ DEUTSCHE YOLRSUEÜCUCN 



got weis wol daz ich nie gman H. 44, Id 
?gl. auch für alU die ieh te gewm MF 5, 1. 

a» dir ttü qXUt min gedam D. 36, 35 
te noch slit aller min gedanc Rugge 99, 36 
$$4i aller min gedanc Rugge 102, 26. N. 87, 17 

Biet all ir gedank UM. 272, 2 
▼gl. dd ndch keit ich gerne minen gedanc Guol. 78, 18 
ndch der min gedanc sere ranc Mor. 130,23. 21 
von im sd treü mich aller min gedanc IS. 45, 22 
vgl. auch das ick niene kan gedenken wan an si aleine U. 44, 15. 16. 

t'G^ wil im imner itmte ein D. 38, 1 1 
ich wil im t'emer holder sin R. 203, 14 
vgl. SU MF 5, 12. 

der dich hat erweit üz al der Werlte D. 38, 16. 17 
sö hdt iedoch das herze erwelt H» toip Dor al der toerft 

H. 47, 12. 13 

Tgl. ZU Reg. 1 6, 9. 

mjcJi dunkent ander frowen yuut D. 3S, 27 
iedoch sö danket si mich guot D. 40,31 
den ouch die selben frowen diinkent guot Mor. 142,32 
dö mich diUite daz si wcBre guot W. 73, 11 
vgl. zu D. 33, 9. 

als wirz uns beule hdn geddht, 
sö hdt erz an ein ende brdht D. 40, 7.8 
ndch uiinem willen alse ich hdn geddht Riigge 109,21 
ezn kome ah ich mirz hdn geddht W. 72, 3 
du hast ez ndch dinem willen ze einem ende brdht, 
vnd iit eck rehte ergangen ah ich mir hete gediAi 

m 2307, 3. 4 

vgl. zu D. 32, 3. 

hülfe ez iet D. 40, 11. Joh. 86, 22 
hulf ez mich iht lili^ger 1 10, 3 
nu hilf et ez nielU Kolmas 120, 3 
we waz hilfu mkh Mor. 134, 37 
%MSt Mißt doM R. 157,37. W. 79,21. 114, 4 
wan hüfü W. 44, 2t. vgl. zu D. 35, 30 
im fttl/te mtVA W. 71,5 
wa% hdfens W. 89, 19 
vgl. mir wirret niht D. 41, 5 
wurre es iht Joh. 89, 19 
dien ^t^rer daz Mor. 137, 37 
dt$ mir niht enwirret W. 83, 19 
waz wirret dir? N. 30, 21 
tiJi<ie schadet in niht Mor. 131, 13 



Digitized by Google 



157 



we waz sch'it daz iemen R. 187, 2S 
daz srhdf ir nilti llartm. 215, 18 
vgl. auch und tuot es nihi Joh. 89,34 i:.nd zu U. 183, 12 
tooer ir niht liugj^e 105,3 Uüd zu VY. 40,30 
Wüi daa ilü W. 124,3. 

hetmngm ym daz herze nvn 1). 40, 15 
hetwnngen was ez [daz herze] temer elT Ragge 107» 4 
Tgl. zu Cß 126* uad Riet. 19, 11. 

J4 hin tVs& niftf ein hddm D. 40, 24 
der ist wol hdfp ein keiden W. 7, 13 
Tgl. Haupt zu D. 40, 24. 

es Mre m mtner frCide e^ «toc D. 40, 33 
doM iMt m minm frSiden mir ein angedU^ eise 

R. 197, 21 

und wiBfe an friHde et*» angesUcher dae W. 115, 1. 

des was vil ungewetit min Up II. 42, 14 
vgl. Ich was vÜ ungewmi Uugge 102, 1 
da was er vil ungewon N. 68, 36 
Ygl. weh des iek ti «dien hdn geweni R. 171, 4. 

für alliu wip H. 42, 9. 43, 14. 54, 34. Joh. 88,9. 
90, 17. Mor. 130,31. 147, 7. R. 183,24. Pseudo- 

Veltl. 200, 8. N. 94, 28 uö. 
für alle andriu wip Mor. 122, 11 
Tgl. durch eWu wip H. 42, 15 
As äüen wihen H. 50,31 
ühr dHn toip Ragge 106, 32 
wm allen wiben H. 50, 36 
vor aSen wiben W. 121,21 
Tgl. auch eUiu wip Adelob. 14S, 14. W. 72,5 
ell|!|i andriu wip H. 11,17 
dan dliu w^p R. 197, 4. 

die ich erkös für eUiu wip II. 43, 14 

ich häns erkom allm wiben II. 50, 31 

^ iOie 4* Ol d«r werke erkds Rugge 103, 12 

lek hän ei f^lr alUu wip mir %e firaumen und %e UOa 

erftom Mor. 130,31.32 
da» ith uHr et nie kern wip erkde R. 160, 11 
diech vür elUu wip eriöe 92, 18 
Tgl. die ich ser besten hdt erkam VeU. 56, 16 
die er erkös Guot. 73, 11 
da» ich die schcemn hdn erkom Guot. 73, 18 
wan ich habe ein wip mir erkom Mor. 134, 26«2T 
doch hdn ich mir dise fiz erkom VV. 53, 30 
dte het ich ze vrimde mtr erk&m 68, 2. 



Digitized by Google 



158 ALTE DEUTSCHE VOLIiSLlEUCUfclN 



daz ich niemer mnc verdagen W. 44, 39 
desn mac ich laiujer nihf rcnlnym Mor. 130, 12 
vgi. daz ichs iemer muoz (fclugen H. 165,9 
der ich allei' trinuz yedayen W. 1H9, 13 
niemen so! ir lobes yedayen Il.iiüu. 214,8 
ffie mit sul wir des yedayen IS. 36, 38 
vgl. auch wti mugen lool stille dagen Rugge 97,34 
mnn ml boeser rede gedagen R. 162, 13« 

hwi wol sine h inwe schhi H. 45, 14 
ich tuon im wibes triuwe schiti R. 203, 16 
vgl. UBt er mir noch dm wiUm sdiin W. 71» 25 
des iuot er wd seftln N. 96, 27 
▼gl. auch üsh tet ir mMn den dienesT ml» R. 191, 13 

on der fßirt tdiim diu Oeete min Hartm. 212, 10. 11. 

ml» herze ist ir ingesinde H. 50, 15 
<l ist mines herssen ingesinde N. 56, 13. 

swum im diis pefte ist vor wr^fort H. 53, 37 
mir ist verepart der salden ter W. 20, 31 
▼gl. fomt' H dir diz sdgidor: Mosm ff dir MSD nr 8«4 

und 8. 282. Zs. 2, 535. 23, 94. 

«1^1^ wi^äne Veld. 58, 19 
diist diu wolgetäne N. 42, 38 
das ist diu wolgetdne N. 52, 33. 

Nu wol hin GuoL 70, 19 
M wol da» W. 46,21 
fgl. 100^ hin N. 21, 27 

wol dan mit mir N. 3, 16. 10,32. 

die nenient des toar Guot. 72, ^ 

nie genam ich vrowen war R. 151, 15 

daz <t min nätt nimet war R. 157, 18 

si m'ml vü kkine war R. 173, 8 

firouwe, nam des- iemen war R. 177, 9 

IM* loei nement ei war R. 179, 11 

sö nimt si ee ein teil ze Heine war R. 190, 6 

4lte besten nemmu ir mit truwen war Fseudo-R. 314, 4 

die nement sin war W. 5, 7 

unde 7iam der besten gerne war W, 56, 31 

der si wilent ndmen icar \V. 59, 14 

des vpwrvt ir lihic ninnfpr war VV. 62, 23 

und nam icJt des vil kleine war W. 71, 11 

nimt der statte genie war W. 97, 3 

daz ich ir netne mit triuwen war WoUV. 5, 17 

unde nemt sin selbe war N. 5, 21 

ntmt sin war N. 6, 4 

des nam idk war N. 14, 22 



^ L o i.y Google 



ALTE DEUTSCHE YOLKSLIEDCÜEN 



mtnii s't min imkr war N. 98, 6 
vgl. des niemati wirt gewar Mor. 137,3. 

moies ergdt Guot. 75, 9 
gwiez mir er g fit f.unt. 78, 34 
mtez dar undcr mir ergäi W, 98, 8 
vgl swies erg$ W . 94, 36. 

es W(Br€ ir leit Guot. 77, 3 

dßx ist mir Uit l\. i:>s, 3r>. 178,37. 191, 31. 201, 

37. W. 41,23. 53,8. N. 58,18 
daz ist ir leit Pseiido-W. 218, 15 
mir ist leit N. 36, 36 
vgl. deis der sele h'it \V, H7, 24 

daz Idt tu irrs'ni h'il i\. 77, 8 
Vgl. audi dem Inn idi Uti W. 61,21 

daz trcBr mir leide IN. .'>7, 39 
ir etdichen tciirde leit IS. ül,3 
daz dir ze Uide wirt N. 19, 4. 

diu mir dnz- herze und den lip li'i' het tonn gen Feuis 84, 1 
diu mir den Up und den muui hat betwnngen W. 110,14 
vgl. zu Ca 126', zu Uia. 19, 11 und zu l). 40, 15. 

jd ist si mir ein teil ze here Penis 85, 12 

ffi mtt mir ze hf'r W. 56, 27 
s6 wirt er ze iiere W. 81,25. 

nu entrüre niht sirt Job. 87, 21 uod anm« 

daz tMts tdk wo( Job. 91, 22. W. 24, 2. 73, 7 
dodb wm% ick W0l W. 101, 35 

loets Vit wol Woirr. 8, 3 
tcft tpeiz wol Pseudo-N. 170, 76. 

so ist min herze leides vol Joli. 91,21 
ir herze ist rehter früidm vol W. 55,21 
herze wuidiH vrouden vol 31,33 
dd von so ist min herze jdmers und€trikremwl N. 74,32 
mein herz ist aUe$ traureM voll übt 14, 2 
ir her» toof firoudm vol Uhl. 26, 1 
mem herze ist freuden vol ühl. 59, 8. 329, 4 
sein harz umu nnmuts vol Uhl. 70, 3 
mein her» ist traurens vol Uhl. 76, 12 
«tili horte den is duseni firswden vuU Uhl. 128, 10 
vgl» dn machst mein herz gm» freuden vol Uhl. 116, 18 
vgl auch die leul die waren fremden vol Uhl. 239, 11. 

Swd zwei herzeliep gefrivmdent sich 

die sol niemen sdieiden, dutäcet mich Job. 91, 29. 31 

wo zwei herzU^ heinander sind, 



Digrtized by Google 



IGO ALTE DEUTSCHE VOLKSUEDCHEN 

die zwei sol niematU sclieiden übl. 101,4 
vgl. wo nun %wei lieb bti einander sein 
die icheiden itdk bald UhK 80, 1. 98, t 
Ygl. auch Wo xwei henmliehe tlhl. 36, 5. 

nii hät er beidinthnlh faiom Huptre 98, 39 
dest beidenthalp niht wan veiio/n ilai uu. 216, 9 
Tgl. der hät si beide verlorn P?eudo-Sperv, 245, 27. 

«15/ guot Horb. 1 15, 33. W. 7^, 39 
eist 8Ö guot W. 14, 18. Pseudo-W. 10Ü,31 
iM bist guot W. 51,4 
du enhist niht guot W. 31,22 
SU Sit ir 11} A/ guot W. 52, 14 
vgl. daz wcere guot N. 14,30 
das ist ntAi gwi K 57, 21 
vgl. auch wie gnot eie et W. 67, 27. 

' Miv alte sfwwre die klage ich für niuwe Blies^pr 118, 1 

min alte nöt die klagte ich für niuuje Moi. 133, 15 
vgl. Nu muo!& ich ie inin ailen nöt mit sänge niuwen 

R. 187,31.32 
vgl. auch vnd nmioH mir die eiim Üage Guot. 76, 35 
ich klag iemer minen olfen kumhert 
der mir iedodk e6 muwer ist R. 189,11. 12. 

so i»t aber menger so yemuot Üligger 119, 23 
der latUgräve ist sö gemuot W. 20, 10 
ent ein knappe sö gemuot N. 3, 9 
ui^lMM üt eö gemuot N. 97, 6 
vgl. auch «tili mvot efmont mir eteemnne aU6 R. 174, 7. 

Mime kinde u il ich erben dise nöt Mnr. 125, 10 

itf wen erbe ich danne dise uv( I\sciulü -Wolfr. xii20. 

sd zi-lnnif hin ich gemachet Mor. 135,22 

die steh selben sö versicachent W. 23,21 

diu sö fnparhet \\. 47, 5 

wie du dich swarheat VV. 51,37 

daz du micli sö swachest IN. 23, 39. 

mäht du doch etswan sprechen ja Mor. 137, 24 
mac si sprechen cht mit trinwen jd H* 1S9, 18 
[6. Erich SchiuidL aao. auiu. 51]. 

laait Äi geeaeh nie wip sö Mor. 142,25 
Ich ensach nie wip sö W. 202, 19 
vgl. Ich gesaeh nie jungez wip eö M. 47,32. 48,29 
vgl. auch In gesach nie W. 52,31 
Ich gesach nie CB 115*. 

aw4 tear wube tuot er da» Mor. 143« 1 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHE VQLKSLIEDCÜEN 161 



we war vmbe tnol si daz W. 112,33 
%re wiir umhe tuont si iliz N. 89, 17 
vgl. \ce wie tuost (tu s6 11. IIH), 32 
owe wie tuont si sö W. 124,20 
vgl. auch we war umbe spriche ich daz II. 193, 17. 

si tmt mnr ze lange we Mor. 146, 10 
tuot si mir ze lange ice R. 174, 1 
vgl. daz tuot wir vil lange w4 R. 174,29 
vgl. auch ez tuot ze we K 197, 18. 

itirhet si, sö hin tdk töt R. 158, 28 
sterbet sie mich, so ist si töt VV. 73, 16 
stirbt ab ich, sö bin ich sanfte töt W. SO, 34 
und stirb ich dann, so bin ich tot ühl. 150, 8 
sterbe ich nun, so bin ich todt Wunderhorn (Hempel) 

1 77. vgl. die anm. 

nii waz dar umhe? R. 159, 12 

waz dar umbe A. 109, 11. W. 43, 24. 48, 6. N. 47, 34. 

der niki enüron R. 159, 3 
der des niht kan R. 162, 32 
des ich niht enkan R. 192,27 
al$ ich wol kan R. IGO, 5 
als er wol kan R. 193,7 
des ich niene kan Harlm. 207, 9 
als ich enkan W. 43, 19 
des ei' niht enkan W. 83, 18 
ob ich kan Wolfr. 4, 16. 

dat tuon ich W. 183, 12. Ilartm. 215, 13 
daz tet ich R. 193, 11. 202,8 
und tuot si daz W. 54, 35 

tuon ich daz W. 56, 25 
vgl. als er mt tuo' W. 36, 9 
der alsö tuot SV. 105, 6 
vgl. auch alsö tuon ich sie VY. 35, 19 
swaz ich tuon N. 59, 29. 

ah er mir sol K 191, 22 

alsö ich von rehte sol U. 201, 3^, 

ah mit fn'vwen sol llartfu. 206, 23 

als ez sol W. 90, 14 
ah ich snl N. 97, 31 
Tgl. ff /sc er siflde W. 107, 19 
vgl. auch swaz ich sol W. 110,35. 

nu bin ichz niht R. 197,27 
vgl. daz was ich W. 40, 30 
daz bin ich VY, 56, 15 



Digitized by Google 



162 



ALTE D£UTSCU£ VOLKSUCDCUEN 



vgl. auch HU enweiz tdis mid R. 202, 8. 

da» itt mir getdn R ?0(), 13. N. 77,24 uod aum. 
daz si tu getdn W. 40, 26 s. Wilmannft zu 29, 8 

vgl, ist fhir ir(^I tieffiv '-^ W. 52, 3 

ez fst h}i>f not getan W. SS, 32. 97,20 
dazu ist niht %e toot yetdn W. 1 16, 6 
vgL auch daz enist niht guoi getan N. 99, 37. 

dö tas€t€ es Mor. 143, 29. 37. 144, 8. 16. W. 75, 24. 

MOOS dar umhe mir geidiiht R. 202, 10 
tma» id mir gexlUht W. 42, 30 
Hdodi sioaz mir dä von geschiht W. S4, 4 
vgl. 8waz liebes dir dd von geschiht W, 101, 34 
vgl. auch fd mir daz gtickäu W. 113, 38. 

swaz si mir tuot Uarlm. 200, 27 
siot^ st* ddr im W. 91, 34 
«DOS M' mir W. 116,20 
$»a» er tuot W. 107, 9. 

nu tuot mir we Ilarlm. 208, 2 
tuot si we W. 69, 6 
ez (wte im lihte we W. 86, 3p 
daz tuot mir we W. 89, X 
du tuost we N. 4, 34 
mir tuoni nil wi N. 11,31 
da» iuot niht wo K 13, 6 
vgl. 96 tuot a fool Hartm. 212, 19 

tuot st u>ol W. 69,5. vgl. zu Mor. 146, 10 
«Oll t(Bt dü nie so wol W. 89, 30 
und tuot ir wol W. 100,14 
VgL auch io itt im wol N. 45, 17 
so ist mir wol W. 63, 19 
ich t€Bte im guot W. 70, 19. 

dät äno minm datw Hartm. 216, 7 
und itt äne minm danc W. 41,27 
es itt dno mtnen danc N. 53, 32 
det itt undtr minen danc N. 97, 17 
itt wider meinen dank Ulil. 69 ß, 1 
vil gar an iren dank Uhl. 261, 3 
vgl. es guehaeh niht tunder danc M. 90, 25. 

Ith hörte ein wazzer diezen W. 8, 26 
M hört ein watter flietten Ubl. 85, 2 
vgl. wan da» da» wa»»er fliu»et W. 124, tU 

vnd weiz noch ine W. 21, 2 
»0 wist idis gerne me W. 69, 2 



Digitized by Google 



ALTE DEl^TSCBE VOLKSLltDCUtN 163 

vgi. noch klagte idi yeme me \V. Iü2, 2S. 

«i wijgr ze vil W. 33, 33 
loa« sc vil N. 71,1 

es iMt im (far se vil truUsirophe 15S, 1 7. 

so ijf awh min firowe wandelbiBn W. 59, 22 
JflK oTMftM fir toomlettars N. S2, 39* 

waz wil si mere W. 59, 35 
ipas wil dus nie NV. 60, 22. 

o^e er ivuUe W. (;i,2b. 105,28 
swie er tco/fe W . V)4, 34 
swte si Wolde VV. 109, 15 
v^I. und tr i Ii /// daz W. 82, 14 
wg\. auch o6 vS/i> wtlii'ii hat W. 121, 17. 

ü/ berge und m <ieiR tal Wolfr. 7« 22 
dem berge und in dem HU N. 4, 31 
vgl. In dem tal 6, 19. 

9ol ich tm dee nikt dat^en? 

von Beiern nnz in Vranken 4, 28. 30 

daz tu die Beter danken, 

die Swdbe und die Vranken N. 16, 2. 3 

«cib eoU euch danken 

mit Sfhwaben und mit Franken Ii Iii. 3, 'J 
vgl. auch amss Franken oder anss Schwaben Uhl. luull, ü untl 
(jhlaüd Sehr. v2G-> rihh. .?n9. Stnuich Maruer 3 
anm.f Franken : danken aiith Siim ocU Vulksl. s.334 
uud nocii ilückert Arch. 1. litieraturgeäch. vti l5t>. 

ich hän veiiiomen N. 14, G 
ah ir wol habt vemomen [V. 1 5, 35 
ais ich hän wmomm f<l. 31,8 
v^. XU M. 14, 26* 

whU ein kMei um dUn här N. 24, 31 und »am. 
hint din här Pseudo-N. 129, 4 
bind du dmn har mU SM übl. 43, 4. 

ich hmre ein vogeHn singen N. 31, 19 

ich hare ein ve^elken einten Ubl. 164, 5, 35. 

Die seihen wolden (ferne micJi verdringen N. 43. 35 
disen swmer luibent si mich von ir verdrunyen i\. 77, 17 
mich von minen vröuden und von lieber etat verdringen 

N. 89, 38 

der mich hdt von lieber etat verdrungen N. 91, 21 
Wirde idi hie verdrungen Pseudo-W. 182,6 
Ml tsi bin kh verdrungen Uhl. 50, 1 



164 



ALTE deutsche; volksuedcüem 



er bleibt U)ol unrer^rnnfjcn L'hl. 60, 7 
ain andrer hat in verdrunyen 271,7. 

Auftge8chlo68eii habe ich von dieser susMBOieiisleUiiDg einmal 
solche fiille, bei denen entlehnung sicher oder doch wahrscheiD» 
lieb ist, wie in den versen, die Guotenburg mit Friedrich von 

Hausen gemein hat, Walther mit Reinmar, Neidhart mit beiden 
und anderen d ichlern; falle, zu denen dann vielleidu .luch von 
iJeu hier augeführten noch einer oder der andere gehören mag, 
besonders wo blofs zwei }H>1e<:e vorliegen, was man in dieser 
Sammlung durserst sehen treffen wird, und dknn wider am ehe* 
sten wo der zweite name einem dichter gehört« der sich gern aa 
andere meister anlehnt, wie vor allem wider Neidhart von Reuen* 
tal. weil der formelhafte character, den alle mitgeteilten stelle» 
zeigen , zu fehlen Sellien , habe ich auch den vers si ist ganzer 
luyende ein adamas CB 94\ 1 = ganzer Imji'mh^ ein adamas Mor. 
144, 27 weggelassen, zweitens aber fehicu die fülle, in deueu 
mehrmals benutzte Sprichwörter vorliegen wie Fcnis 84, 12. Job. 
S6t 5.7. 95, 14. Rugge 110,31. Mor. 127, 12. 131,23. W. 105,26. 
N. 49, 9, oder kleinere formein , die nie einen ganzen sati aus- 
fallen, wie Sperv. 21,2. 0.33,5. Veld.57,5. Fenia80,22. Joh. 
89, 18. Kolmas 120, 18. Mor. 134, 31. H. 167, 29. Hartm. 206, 15. 
W. 60, 10. 02, 1. N. 0, 22. 13,21». 3S, 03, 17 usw. beides, 
entlehnung wie anweudun^' von sprichwOrteru und formelhaften 
redesLUcken, kann für unser tbema in keiner weise verwandt 
werden, aufser so weit es etwa der analogie wegen, die es mit 
uns nSher angehenden erscheinungen aeigt, gelegentlich herbei- 
gezogen werden muss. 

Trotz mehrfacher durchsieht der quellen ist meine Samm- 
lung natOrlieb noch nicht vollständig, und gar bei herbeiziebung 
weiterer diclrler liefse sie sich noch bedeutend bereichern, aber 
jicliun wie sie ist, reich! j^i«' für unsere /wt rke rIi glaube 

das» leicht auch Jemand, der diese dichter genau keunt, im ersten 
augenblick erstaunen wird ühw die menge der bei den verschie- 
densten minneeängem widerkehrenden verse. unsere Sammlung 
wird doch wol mehr als 1000 seilen enthalten, die sich Ober 
etwa 20000 verse von dichtem des 12 und 13 jhs. freilich 
keineswegs gleichmäfsig — verteilen, man wird ohne weiteres 
zugehen dass in gleicher weise etwa aus neueren diclitern den 
zwanzigsten teil der verse bei Zeitgenossen zu i>eiegen unmOg- 



Digitized by 



ALT£ miil&CHE VOLKSU£DCH£N 



165 



lieh wäre — wenn man nicht etwa die jangheinische schule 
(Maftoer, GriMebach, StrodtmaoD ubw.) nimint, bei deneo noch 
melir als joDer teil aas der geineiosBineQ quelle Bich allen mit- 
geteSH haben mag. ieh fDbre dies aut weil es meiner ansieht 

nach eine wQrkliche entsprechung bietet: auch die von uns ge- 
saininelteo verse mQssen, meine ich, einer gemeinschafllichen 
quelle entspi 1 iif^cn. ansnnhmen habe ich schon zugegeben, als 
ich darauf aulmerksam machte , daas von den angeführteu «teilen 
noch einige wie lahlreiehe nicht angemerkte auf entlehnung be- 
ruhen können. 

Fnr die grofse roasse sehe ich schlechtweg keine andere 

mOglicbkeit der erkllrung als die, welche tugleich die einfachste 

i-t : ^'h^icher Ursprung an verschiedenen stellen; ich meine: alle 
diese (iichu I iniissen an ihren örtlich und zeitlich getrennten 
puncten aus demselben grolson ilherall verbreiteten Vorrat ge- 
schöpft haben, zufall ist durch die grofse zahl der fälle, in 
denen wörtliche Übereinstimmung vorliegt oder eine wintige ?er- 
schiedenheit, an der die flberHeferung schuld tragen kann« durch- 
aas ausgeschlossen« alles auf entlehnnng tnrflckanfahren gebt 
nicht an , weil wir nicht nur benutsungen Ober kreuz ond quer 
annehmen milsten inid zu tkui wunderlichsten hihi eiuei grofsen 
in engster gemeiiisoliaft des schalTens und aneignens lebenden 
dichlergenossensehaft kämen , in der die unbedeutendsten glieder 
oft noch die selbständigsten gewesen waren (denn wenige finden 
wir so stark vertreten wie Walther; Reinmar, der an originatttf t 
ihm wie Neidhart sicher nachsteht, erheblich schwScher als beide), 
wir finden dieselben stellen bei frnhen und spMen dichtem, so 
in dem alten liedchen 37,4 und bei Neidbart (zu MF 4,30); an 
der Donau wie am Rhein, so in den Kürenbergliedern v^ie bei 
Hausen (zu MF 6,21), endlich bei dichtem verschiedener gegemlen 
und Perioden, so Meiuloh und Reinmar (zu M. 13, 23). damit 
soll wider nicht bestritten werden dass gewisse HUe sich Örtlich« 
Otter noch seitlich begrinit zeigen und dass ans einer snsammea- 
steDnng der anklinge, die ein dichter mit den fibrigen se^ 
sich etwas f&r seine schule und art gewinnen liePse, wie es Bur- 
dach bei Watther getan hat, ich es für Neidhart versucht habe, 
diibtM noch irrig von der anschauung ausgehend , das seien ininier 
^ürkliche enllphnuui. ti. jetzt glaube ich vielmehr dass m;\n hei 
der anoabme der wUrkiichen Übernahme aus einem dichter in 



Digitized by Google 



160 



ALTE DEUTSCHE VuLi5.SLlEDCHE.N 



den anderen vorsichtiger seio inus-: man wird heute eben auch 
nicht mehr ein wort fremdwort neuiieu, das die deutsche spräche 
wie etwa die lateioiscbe aus ihrer gemeinsamea Ursprache io 
noch jetzt ähnlicber gestalt sich be^^ahri haben, und wie die 
wOrÜicfaea ObereioatiismuDgen bei dicbteni, die sieb ein&cb nicbt 
benutzt baben können, se sprechen die nur ungefthren, anderen 
faaeongen oft nSher stehenden bei wurklidi eng zosanunenge* 
hörigen dichtem gegen die annähme der aneignung in dieser 
weise, wenn zb. eine von Neidhart zweimal nnfjewaodte formel 
sicli l)ei ^^<ll!^^er nur «huhch widerfindet, genau hei Uugge, dem 
der schöpter der höfischen dortpoesie sonat lern steht (zu M. 
12« 36). und diese abweicbuogen , oft gering, nicht selten be- 
trächtlich, beweisen denn auch dass man nicht etwa behaupten 
darf, das habe sich alles *Ton selbst' so gegeben. Shnlichkeiteik 
wie abweicbungen in der art, wie sie hier vorliegen, erklärt 
(Ihnlich wie dies oben beim liebesgruts der fall war) so viel ich 
sehe einzig: die annähme gleichen Ursprungs. 

Was war nun aber die gemeinsame quelle? 

Der schätz, aus dem die dichter von lir>() — 1240 und in 
nllcn in die poetische fäbigkeit hioeiogezogeneu gegenden Deutsch- 
lands ihre mUnzen entnehmen konnten, muste, wie schon ge- 
sagt, in teilen dort ttberall gebgert sein, und es Uge am 
nSchsten, die quelle schlechtweg in der spräche des volks oder 
der gebildeten, in der Umgangssprache des tages au sehen, nan 
konnte alle diese sätze einfach für redensarten der alltagssprache 
t;rl\l.iren, die eben jeder dichter seinem liede in^'epasst habe. 

Lh r ur>[>rung ans der «mgangs>j)rache i>L klar, aber diese 
fornieln, behaupteo wir, mUsseu in lesle, dichterisch brauch- 
bare gestalt schon vor der seit der üUesten uns erhaltenen liede r 
gebracht worden sein, sie mttssen mit anderen werten vor 1160 
schon aus allgemeinen zu poetischen formeln und grOstenteils zu 
wOrklichen versen, nicht in jedem wort, aber im fall des ganzen 
Satzes und namenüieh im Zeilenausgang fest bestimmt sich heraus- 
gebildet haben, ist dies rielih^\ so wird die bedeulun}? dieser lat- 
sache tür unser Iheina wol entschuhligen, wnin wir mit vielleicht 
Übertriebener auslührlichkeit jeden einwand ge^jeu unsere hew eis- 
ftthruDg abzuweisen uns bemüht haben, ist dies richtig, so werden 
wir, wie wir versprachen, fttr eine volkslyrik vor 1160 statt einzelner 
Itedchen eine ganze fülle von solchen stocken erschliefsen können. 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHE YOLKSLIEDCHEJN 



167 



Wir sagten also , diese fonneln der umgaogaspraebe mllateo 
schon einer poetiacben bearbeitUDg vor unserer seit unterlegen 
haben; einxelne, fahren wir fort, wurden auch inhaltlich durch 
Umgestaltung des ansdrucks, alle formell neu geschaffen und 

zu einer festeren form gebracht, als sie im munde des vulks 
hatten, des volks, dem sie wie die dichter selbst entstammteu. 
uud hiertür ist eben die wörtliche Übcreinstimnuing schon ein 
genügender beweis, sicher sagte man auch in prosa einmal 'diese 
hoffnung tut mir wol.' aber wenn Guotenburg und Weither, die 
weder in der art noch in der form der dichtung viel gemein 
haben , diese phrase beide anwandten — wie kam da fast genau 
derselbe vers heraus (zu CB 120')? lag aber beiden derselbe vers 
schon vor, so erklärt das bedürfnis des liedes allerdings leicht 
die geringe modification. 

Die formein, die wörtlich gleichlautend erhallen sind, stehen 
schon unter dem einfluss von reim, rJiythmus und — in weit 
geringerem mafse, was gerade unserer aufTassung xu gute kommt 
— poetischer spräche (Ober diesen 'ktoterungsprocess' vgl. Michel 
Morungen s. 170, doch auch Knorr Lichtenstein s. 64). 

In dem angefahrten belspiele wflre es noch denkbar, wenn 
auch rechl wenig wahrscheinlich, dass jener einfache gedanke 
pnnz allgemein etwa in der form der gedinge luot mir wol wie 
ein regelmäfsiger vers von vier heljungen ausgesprochen worden 
wäre, einfach undenkbar aber ist es dass die damen des 12jbs., 
die doch keine Moli^reschen pröcieusen waren, oder gar die 
'eisernen ritter' in ihrer Unterhaltung gesagt hatten: t'n mtnmn 
hereen ich st* trage (zu CB 126*) oder idnt lorrds ich nimer firö 
{tu Kfilr. 7,25). das ist nicht der ton des tagesgesprächs I ein- 
wüiUuijg des rhythmus zeigt unzweifelhaft die retrelmäfsige hin- 
zufUgung des adveriis ijlh'iliche zu einer allerliliulH lien formel (zu 
MF 4, 19), einwUrkuDg des Tp\m^ die worlsleiiuug in dem ver» 
Der ist geritm hinnen (zu Clt 112") oder min gemüUe tragen hd 
(zu CB 128*); das reimbedttrfnis mag einen gewählteren auadruck, 
wie ihn meist erst die spateren formein zeigen , verursacht haben 
in dem setz min trürmt aal zergän (zu CB 98*). in all dieaen 
beispielen ist was wir hier herrorhoben den Teracbledenen ein- 
fO^ingeu der formel gemein, etwa Dictinu- und Heinmar (zu 
Iii 12S'). sie bauten al?o den gleichen stein ein; nalilrlicli 
muste er dazu meist noch bebauen werden, der feste vers muste 



Digitized by Google 



168 



ALTE DEUTSCHE VOLRSLIEDCUEN 



iD die Strophe passen — es verstelil sich dass er nicht melho- 
diixk surecht geschürten wurde, soodern im munde dea dicbten 
sich umfonntev sieb den anderen ver&en aasimilierte. 

Für dkM ▼orgInge Uftferi flchliefslieh noch den suirksl^n 
beweis und gibt f ugleich ein lehrfaiches bUd der minnesiogeri'- 
scben technik fiberbanpl die vergleichuDg dieser umgestaltniig 
fertiger Formeln bei den verschiedenen dichtem, um sie an- 
schaulicher zu machen habe ich innerhalb der einzelneu 
hiiugen die stellen sich stets in chronologischer Ordnung folgen 
lassen, obwol mit leichter mühe sich immer die am genauesten 
ttbereinstimmenden hätten zusammenschieben lassen, dann hätte 
far die eioielne fomei der eindrucfc sich vielleicht noch Ober* 
sengender gestaltet; so stehen oft scheinbar weiter ans einander 
liegende verse neben einander^ die erst ein dritter oder vierter 
▼ers vereinigt, aber die entwicklung der formeln im ganzen ISsst 
öidi dafür um so deulliclier verfolgen, wer die lechuik der 
minnesingcr sirli klir machen will, wird, wie ich glaube, die^e 
betrachlung nicht unterlassen dürfen; ich seihst habe die absieht, 
dieselbe weiterzuführen und auszudehnen, aber hier haben wir 
uns natttrUch auf das für unsere «nfgabe wichtigste su he« 
achrlnlten. 

Drei gruppen heben sich« nicht genau abiugrflnien, dem 
geaamntbitde nach aber deutlich, ab. die formeln» die schon die 

ältesten lieder aufweisen, vor allem die namenlosen (mit ein- 
schhiss der ältesten deutschen stücke der CB , ob sie nun ori- 
ginale oder nachbildungeu Mud, und der Kürenbercslieder), zeigen 
auch hei üeu späteren dichteiu uoch eiue eigentilmUche iorm und 
behaupten sich, wo sie nicht ganz verloren gehen (wie zb* su 
MF 3, 1 und 3, 2 — so nahe liegende formeln und doch nur 
noch bei dem volkstnmiichen Veldekel), meist starrer als die 
späteren, aie bilden fast ausnahmslos genau einen vers oder, 
nach unserer anschauuog, sie erhalten sich als ein vers auch 
noch in später zeii; uud wo die neue slrophe mehr als drei 
oder vier hebungen verlangt, werden meist einlach flickworle 
zugesetzt (zb. von Meinloh zu MF 4, 19 reJUe, von DieUnar zu 
MF 4, 22 iüler, von Vekleke zu MF 5, 12 mn herzen), nur 
sweierlei Umgestaltungen zeigen auch sie oft « beide in ihrer an- 
Wendung begründet: inversion und vertauschung des reimworts. 
innerhalb der ältesten lieder selbst finden auch diese beiden um- 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 169 



bifchingen sich noch nicht bSudg (nicht tb. 20 MF 224, 26. CB 
11 6* — spater fast stets mit iofersion, MF 6, 21 asw.). je spater 
die dichter sind, desto hluflger nnd sUirker werden die nmbil- 
dangen der alten verse, wobei die iodi?idaaIiiäi und dif stf^Hung 
som Tolkslted nreifich noch in beiracht kommen: VVhltkr, lln^n^e 
Neidharl lassen die alte gpstaU flicr hostrheii als Hausen, Mo- 
ninjren, H ntmar; vollends liarlmaiiD ist in unserer Sammlung 
überhaupt Kaum verlrcten. characteristiscli ist vor allem die arl, 
wie der Scholastiker des minnesangs die alten verszeilen umbildet, 
andere reimworie (zu MF 224, 26. CB 94', 1. 98* nsw.) und in- 
Versionen (su MF 3, 13. KOr. 16, 23 uO.) bilden bei ihm die 
regel, dazu kommen noch hoAsche Umformung der spräche und 
erweitemngen — dies beides aber meist, wie angedcuiel, erst 
bei formein der zweiten gruppe. 

Diese, die fälle aus der zeit des rni!st{tl>eii^ von den an- 
raogeu zur lilüle» «ind schon keineswegs mehr so fest, nicht 
so einfach gj^fogt wie diese (was ist an fallen wie zu CB 116'. 
M. 13,31. 1^), 20. Sperr. 22, 4 su andern möglich? zu M. 11,5 
sollte man dasselbe denken oder genauer zu H. 43, 31, aber 
R. 203, 13 bringt doch mit seiner beliebten wortspielerei etwas 
neues zu tage), bieten sie schon mehr gelegenbeit zu Umbildungen; 
dann aber sind sie grofsenleib wol selbst schon von dem allen 
versehen weiter entfernt, und so taucht tletin hier schon recht 
oft auf, was dort noch sehr selten war: die interessante tim- 
bilduDg durcii eiiistellung in <i< n vers dh. die coudensieruDg des 
alten ganzen verses zu einem teil des neuen, fftlte aus den alten 
Hedem von MF haben wir in dieser art kaum (wol zu MF 224,27. 
CB 102^ 103*; Riet. 19, 31 liegt eher bei diesem dichter die 
ausdehnting einer formel vor, als bei apfltereo die Verkürzung, 
denn landes ist OberOUssig und kein zweiter alter fall da, in 
dem ein ganzer vers durch diese beslimmung jrefollt wäre), jetzt 
dagegen haben wir das oft: verse Dietmars du 3(>, 35), Guoten- 
burgs (zu 72,9), Veldek» - fzu 5S, 19) usw. iimlen wir hei spa- 
teren einfiestelll. während aber diese periode immerhin noch 
zahlreich fälle zeigt, die sich wie die der ersten verhalten (zn 
H. 45, 14 na.), hat sie doch andererseits schon die formelhaften 
ventetle, die der ersten schiebt fast ganz fehlen, der dritten sehr 
stark ein characteristisches gepräge geben: feststehende vers- 
anfiinge oder versschlOsse und zwar regelmäfsig dieselbe vcr- 

Z. F. B. A. XXIX. N. F. XVII, 12 



i^iy u^Lo Ly Google 



170 



ALTE DEUTSCHE YOLKSLIEDCHEN 



biuduDg in beideu verweiuluugeu (so zu D. 40, 11. H. 42, 9 — 
ein wichtiger fall dieser art — . Guot. 70, 19. 75, 9. 77, 3. Joli. 
91, 22). UDd nuo liegt hier nicht etwa ebeDfalls einstelluag ver- 
lorener verse vor: fonneln wie pür aUiu tolj» bildeten auch mit 
zusStzen sicher nie einen eigenen vers. aber allerdings gibt es 
in dieser zweiten periode sebon verse, die deutlich den Über- 
gang bilden, so bei dem Uielenburger , überbaupt einer cbarac- 
teristiscbcu überj^aiigsgcslalt (wie <'r denn wo] der ersle ist, der 
bewusl neue leinie zu suchen scheint;: fälle, in denen von der 
forme! nur der schluss, der schon durch metrische strenge und 
reim am festesten 'gesicherte teil, unverändert sieh widerfindet 
(zu Riet. 19, 11. 14). aber es ist in diesenDlllen eben stets der 
schloss, und immer nehmen die formein einen vollen vers ein. 
wir darfen annehmen dass hier noch anlehnung an wOrkliche 
verse vorliegt, aber schon niil einem merkbaren l)eslrebeii . Mch 
von denselben frei zu macben , w ic dies deutlicher noch in der 
geringeren bäufigkeit solcher stehenden verse bei diesen dichtem 
hervortritt; ist ja doch in den ültesten liedern kaum einmal eine 
Zeile ohne parallelstellen I aber die bequemlichkeit dieser festen 
versausgflnge führte zur typischen flzierung von formeln, die 
dazu geeignet waren, ihn zu bilden, meist inhaltslose redens- 
arten, besonders mit den hilfsverben gebildet: *wie ich sollte', 
*wie <lü kannst lulgi., die denn auch, weil man sie eben zur 
versfülluug gut und fast überall verwenden konnie, als veisanlang 
benutzt wurdeu.^ das braucht hier nicht und nicht an jeder ein- 
zelnen stelle bemerkt zu werden, dass an überlegtes, metho- 
disches Verseschmieden dabei nicht zu denken ist, sondern an 
eine allmShliche entwicklung. hier aber sieht man ganz klar, 
wo wttrklieh nur redensarten der gebildeten Umgangssprache, vor- 
zugsweise geradezu bofiiehkeitsformeln , in den vers kommen, wie 
ganz anders sich das macht als die Verarbeitung schua ()oetisch 
durchgebildeter formeln : kaum je ein ganzer vers, keinerlei ent- 
wicklung, sondern von da ab [>ei allen dichtem gleiche Verwen- 
dung, und endlich nicht die geringste enifernung von der prosa- 
rede: selten einmal wähl eines weniger alltaglichen worts, kaum 
je ungewöhnliche Wortstellung typisch erstarrt. 

Zeigt die zweite gruppe also der ersten gegenüber verschie- 

^ conventionelle wrndinigen am schluss der Hexameter bei spateren 
iau UictutTii Teutiel Gesch. d. tom. litt. s. 608 anm. 2. 



Digitized by 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



171 



(leuheit sowol in der bMchafTenheil ihrer ikmh'ii loimelii (vers;- 
leile statt der verse) als in der haodhabung der ailea (gdegeat- 
lieb einsteUung in den vc r?, also ebenfalls verstell statt des venes), 
so Steigart sieb beides io der dritten , die formelii der alten art, 
formeUiaft verwandte Yerse also, tiberfaaupi kaum nocb hervor- 
bringt oder vielmehr ohne altere beispiele kaum noch zeigt und 
die alten widerboU verdichtet und bricht, aber sie hat noch zwei 
neue arten der Umwandlung, die vorher »urserst selten sind: 
die erwt'iterung und die vertVinerung. cnveiterimg lialleu wir 
zwar in der ersten schiebt bereits , doch so, dass das mals eines 
Verses nicht Überschritten wurde, nun ist es für den echt schul- 
nUlfsigen minnesang beseicbnend, wie er diese einfachen verse 
dorch allerlei kttnste ansspinnt und doch inhaltlich gans unver- . 
ändert lagst am häufigsten bat das natürlich Reinmar (so 158, 23. 
194,24 — 25. 19b, 4), aber öfters auch Walther (59, 19 — 21. 
103, 7). daneben selbstverständlich hier noch liüufii.'er als schon 
iu der erste», noch mehr in der zweiten jene eiulache art der 
erweiteruog nur durch Ilickworter (so W. 42, 34. 86,34; be- 
sonders characteristisch der ständige susatz von Jurzm zu MF 
5, 12). und ebenso wird die ersetzung der alten volkstOmlichen 
ausdrücke, schon vorher zuweilen vorkommend , jetzt geradezu 
System, wobei wider Reinmar an der spitze steht (so 171, 39 
berouben statt benemen, 187, 28 schaden statt werren, besonders 
bezeichnend 202, 36 von sorgen scheiden slatl fri machen; so auch 
Hartm. 214, 16. W. 52, 15. N. 46, 29. 54, 21 usw. soläe regel- 
Bialsig durch wtüeze ersetzt zu CB 99% 1). 

Diese entwicklung also, die natürlich genauer ins einzelne 
verfolgt werden mäste, entspricht völlig unserer annähme, die 
ältesten lleder bedienen sich sehr stark der verse der Volksdich- 
tung, ändern sie kaum mehr als die einfagung in die Strophe 
verlangt; diese verse behaupten sich aucli nocli in dt-r periode 
des auislrebeii> , die aber sich -t lbslaudig zu machen ringt, an 
ihnen arbeitet und neue hilfsformein schalTt, daneben doch noch 
neue verse aus der Volksdichtung anfnimmt;^ die periode der blute 
endlich gestaltet das vorgefundene weiter um, nimmt aber aus 
der lyrik des volks wenig mehr, während sie im dienst ihrer 
metrischen nnd rennkOnste jene anfangs- und endformeln pflegt 
und mehrt des hat volle innere Wahrscheinlichkeit; nicht dass 
fonueln der Umgangssprache in ganz derselben weise wie spater 

12* 



Digitized by Google 



172 



ALTL DLllSCiiE VOLKSLIEDCHEiN 



hchou Hl) anfang, wo überflüssiges so selten ist, vcrsiticiert und 
dabei stets zu vollen und genau bestiaimten verseil gewordeo 
wären, und deshalb tiudeu sich unsere verse am häufigsieu un- 
veiündert bei volkstümlichen dicbtern, deshalb so eigentümlich 
umgeformu wie die proia det tages sich schwerlich mnfoniitei hei 
deo höfischen sangern. 

Noch isl aber ein , soweit ich sehe, leltter einwand zu wider^ 
legen: sprechen die umgeslaltungen , die schon die älteste teit 
aufweist, vertauschuii^ des reiniworls und inversiou , nicht gegeu 
benut2Uüg eines Testen verses, für die einer loseren formel? 

Auch dieser einwand isl zu widerlegen, festes gefüge be- 
weist die poetisch gefestigle furmel deutlich genug auch hier, 
und wie leicht ein synonym für das andere eintreten konnte« 
Usst sich wol begreifen; handelte es sich doch nicht um ein 
gewolltes einfassen eines verses, nach dem alles sich hitte richten 
müssen, wie hei glossen oder hei den 'entlehnten versen' der 
troubadours; nein, ein bekannter vers klang vor, und wo er sich 
nicht selbst einsclilich, bildete sich ihmein neuer nach, seinem 
lüutciil, ^riuer ungeführen Wortfügung — all dies nur in den 
lUHeo, wo würklich gröfsere eulfernung von der alteren gesLalt 
aDZunehmcn ist, alles das schwer deutbar als assimilatton an 
suHlUig einmal gerade in dieser form gereimte fonnela. analogien 
dasu konnte ich ans der deutschen neueren lyrik in nicht ge- 
ringer zahl anfuhren, dem verse Heines Ith M dkh fiUki imd 
U^€ dich noch zb. klang gewis der Ters Uhlands vor Ditk hob 
ich yt'liebt , dich lieb ich noch heul — nicht aber versiflcierten 
beide uiial>lianj4»g eine lormel. so steht gewis Freiligraths vers 
So lass mich sitzen ohne ende unter dem eiuÜuss von Goethes 
So lass mich scheinen bis ich werde, Heines Herz mein hers sct 
nicht beklommen unter der einwttrkung von Goethes Hm wueiH 
her» MNM aoU das geben, ebenso viele anklänge an eigene atoUen 
hei Heine, an seine verse« wie schon erwlihnt« bä seinen nacb- 
afamern usw. im Volkslied aber werden weiter solche Umbildungen 
durch gewisse kunstübungcn noch gefordert, beim umsingen ii^t 
sehr uliiich dass der folgende stets den anlaugsvers des vor- 
s^nk'«'!.- aulgtciU und s>eiu( n vurhaltnisscn anpnsst; die mädcheu 
biugcn zb. der reihe nach kurze verschen auf ihre liebsten und 
die erste beginnt : Mei schätz it a holzknecht — ; die zweite singt 
dann : Mei tehatz ie a brennet — , mei eehatz ie a weher — otw. 



i^iy u^L^ Ly Google 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 173 



(Deutsche tolkfilieder aus lUlrDteD. gesammelt vod VPogatachnigg 
ond EHemDaDD, Graz 1869, i 28. 1330* so bilden sieb ta- 
riatiooen des verses mit anderen endwortcn , hier einmal gerade 
nicht reimworlen. 

Vifllcuiit noch h.lufigcr ist dass der Iblgeudc s«ioger du* 
schlusszeile des vorsüngi is als anfangszeile aufnimmt (zb. aao. 
560. 1222 uö.), wobei sich die inversion oft ergibt; ferner aber 
wird diese gettbt in den kettenreimen, die ja in die ilteste seit 
herabreicben. das sind also durchaus volkstümliche umgestal- 
Urngen von versen; nicht YoikstOmlich ist die erweiterung Ober 
einen Ters hinaus oder die verkOrsung unter dessen mafs, die 
eigentliche art der einreimung ?on formelD. 

Und so Uuden wir denn ganz dasselbe aucli in neuen volks- 
liedeiu. derselbe vers widcrliuk »ich oft und oft, so eiugiinge 
wie Dar lidil ein Mal in Üsienik (Uhl. 17M 125, 1. vgl. 99, 1), 
Es uet ein lind in jenem tat (Uhl. 15,1. 110, t uO. vgl. Talvj 
119 usw.)« mitteUeilen wie st kwBMn vor einer wirtin haus (Uhl. 
148,2. 149,9. 196, 1. 284,3), daraufdasUmd sesehriben (Uhl. 
122, 32. 153, 3. Heinert Alte teutsche Tolkslieder in der mundart 
des kuhUndchens, 1817,8.27), und susammenstellungen Ton 
zwei und drei versen, ja ganze Strophen, und so besteht ein 
grofser teil der kleinen vofkpüedchen fast ausschliefslicli aus 
solchen zusammenselzuugeu fertiger verse (vgl. Talvj s. 3U, bes. 
s. 118 und anm.). 

Von diesen noch jetzt verwandten versen der Volkslieder 
sind nun aber nicht wenige mit den von uns angefahrten iden- 
tisch, wie dort schon angemerkt (xu CB 145. Kar. 8, 1* M. 13,22. 
14, 9. 10.31. Reg. 16,9. Job. 91, 21, vor allem die erste und 
die letzte dieser stellen, usw.). und uniweiFelbaft wird die auf- 
nähme von alleren gedichtteilen , wo zwei verse neben einander, 
im Volkslied loi tJH'lhalt gebraucht, sich bei den mhd. dichtem 
widerfinden (zu Kür. 9, 12, wo diese Fassung heule neueren aus- 
gealaltuogen vereinfgt, au Job. 91, 29) oder gar drei (zu M. 12, 
5_g)« denn enüebnnng aus den mhd. liedern ist undenkbar: 
die gediehte seibat sind durchaus verschieden, oben drein spricht 
in jedem der drei ftlle ein besonderer umstand dagegen: bei dem 
Kürenberglied die ungenaue fassongder beiden spüteren stellen, 
bei dem gedieht Meinlohs die umkehrung der folge, bei dem 
Johansdoriö die auslassung der mittleren zeilc (Job. 91, 30). und 



Digitized by Google 



174 ALTE DEÜTSCUG VOLÜSLIEDCUGN 



wir können dem noch ein beispiel aus zwei mhd. gedichten zur 
Beite stellen: zwei formelhafle Terse, beide auch einzeln noch 
zu belegen, finden sich vereinigt in einem liede Dietmars und 
in einer echten Nibelungenstroplie (zu D. 40, 8 — 9). eine ent- 

lehuuDg ist um so weniger anzunehmen, als noch der ver« 
Kngjjps (11)9,21) eine umbiidunj^ der forrnel zeigt, unil iiier 
haben wir also ganz deutlich ein»'n iail dt^r vorarlieitiuig alliT 
verse in der art, wie wir für den grüsten teil unserer Sammlung 
sie erschlossen. 

Wir haben nun^ wie ich glaube, die ezistenz einer gro(sen 
zahl von versen, die in der Terlorenen Tolksdichtung gerade wie 
noch in den ältesten erhaltenen Uedem einfach zu neuen liedem 
ziisainiiicn^'ofijgL wurden, für alle an der lilterarisclien cullur 
Deulsclilaiids damals beleiliglen lander nachgewiesen, gegen Wil- 
manns also eiue weit verbreitete vulkslyrik vor der milte des 
12 jhs. festgeslelll. denn das bedarf keiner weitereu worte, 
dass die herausbildung fester Terse aus jenen formein, ihre ab- 
rundung und TerrollkommDung eine ISngere kunstubung Tor- 
aussetzt und man nicht etwa willkürlich behaupten darf, diese 
Terse seien alle unmitlelhar ?or und mit MF 3, 1. 37, 4. t8 
cnlstanden — und doch führt schon das weiter zurtlck. nun 
wäre noch gegen Wilmanns zu beweisen dass die liedchen, welche 
diese verse hervorrielen und fast nur aus ihnen gebildet waren, 
lyrischer nalur waren, dafür genügl es auf den inhait der meisiea 
zu verweisen, einzelne stammen allerdings wol aus anderen dich* 
tungsgattungen, aus der epik gewis die berufung auf die erzlhlung 
der leute (zu M. 14, 26), aus der gnomik wahrscheinlich iie fii&- 
sail aUe ir anheit (zu Riet. IS, 7), das stark an gewisse priameK 
Schlüsse erinnert, Haz ist mhi rät (zu Hiet. 19, 12h naliirlKli 
auch bei den lynlxt in nueb last lehrhade einl'nhrung von sülzen; 
iiu> «1er epik wider, obwol auch die gnonuk ahnliche beleueruniren 
hat, die formelhafte bekrftftigung der Wahrheit (zu Riet. 19,24); 
kaum etwas aus den alten lob- und spottliedern. die meisten 
dieser verse sind aber schlechtweg lyrischer natur. wenn ein- 
zelne auch bei epikern vorkommen, so wird sie deshalb allein 
niemand aus den epen herleiten wollen. wUrklich lyrische stellen 
in epischer Verwendung «jelzen doch vii lmebr gewig die ausbil- 
düng der Weichheit und kuii^lreile, die n)au für das entstehen 
einer lyrik verlangt, in noch hotiercm grade voraus, ein ein- 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHE VOLüSLlEDCUEN 



175 



dringeo lyrischer momente zb. in die späteren slrophcn der NN 
ist ja auch unzweifelbaft (vgl. Scherer Zs. 17, 562). aber auch 
direct die aaroabme lyrischer verae zb. bei Wolfram werden wir 
noch Dacbweiaen« und wie aus lyrischen vierzeilen epische atrophen 
erwachsen, dafflr haben wir in der noch lebenden Volksdichtung ein 
hübsches beispiel. die zweite liaiRe eines recUl verbreileten schna- 
daliUpferls lnutet : 

P/tii sdiam dil so lüegen 

da$ steht dir nit an (Firmenich ii 785^ Pogatschii.-iierm. 

1283 usw.). 

das ist nun die erste htifte einer formelhaften epischen Strophe 
geworden: 

Bi wmm 8oH ich lügen? 

stund' mir gar übel an (Uhl. 96, 5. 1 12, 5). 
das formelhafJe vers{)ar stammt hier doch ganz gewis aus der 
lyriii, denn es briugl dirccle rede in die epische erzftidung. so 
hat man solche Vierzeiler zu ganzen gcdicliten zusammengesetzlf 
die wenigstens einen bestimmten verlauf ergeben (so Arnim im 
Wunderfaorn 1 198 und anm.)* und eine eingehende vergleichung 
der mhd. epik und lyrik wird sicher tiefer gehende einflösse der 
lyrischen gedichte auf die epischen ebenso deutlich erweisen wie 
das umgekehrte schon nachgewiesen ist (einfluss Vcldekescher epik 
auf die minnedichtunir ua.). 

Und nach all den aualogien , die wir zwischen der verlorneu 
volksiyrik und auch noch der üliesten erhaltenen mit der noch 
jetzt bestehenden hauerndichtung erst eben wider gefunden 
haben, darfen wir die gldchstellung Scbmellers wider aufnehmen 
und sagen: diese ältesten liedchen waren wQrklich Vierzeiler der 
einfachsten art, wie die schnadahUpferl aus stehenden versen zu- 
sammengesetzt nn^t vorzn^'sweise zum gesan^» hei tanz und »piel 
hesfimml. in den bairisch-üslerreichischon Mcrzeilern können wir 
diese formelhalt vei'waudten verse massenhaft uachweiseu; den- 
selben vers finden wir oft an den verschiedensten stellen, ganze 
strophenhSlften tauschen usw. und dass auch wOrklich die noch 
lebenden Vierzeiler selbst tum teil bis in die Slteste zeit zurück- 
reichen , dafflr spricht schon ihre Verbreitung Ober weit aus ein- 
ander liegende ge biete, die wie etwa Tirol, Trier, das kuhU<ndrhen 
schlechterdings keinerlei Verbindung mit einander iiaben uutl die 
gleichen lieder aus der gleichen quelle geschöpft haben müssen. 



Digitized by Google 



176 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLlEDCilEN 



denn früher sang eboii ülks, wis überhaupt sang, diese lieder, 
weiter trugen sie noch die lalirenden umher und so hesafs jene 
zeit, wie zb. die Verbreitung von handschrifteo derselben gedichle 
aber entfernte gebiete beweist, für die volkstümliche dichtuog 
eine allgemeinbeit der verbreituDg, wie sie jetzt bei der epaltODg 
aller iDteressen und der vergchArfung aller Scheidungen In der 
grofaen raasae des volka kaum mehr mi^glich eraeheinl.^ 

Gegen diese gleichstelluug der allen volksliedclien nui den 
noch «esuuL'ene» Vierzeilern kfinnte mau wider eiuweLulen : wie 
es käme das» in der iorrii von vier/.eiiern wol spüttverse und ver- 
wandte impromptus erhalten seien, aber kein einziges lyrische« 
liedchea. wäre dies der Tall, so liefse ea sich leicht erkltlren: 
die epigramme hätten in einer Verarbeitung die wttrkung ihrer 
pointe fast ganz eingebofst (wie das denn bei den trutzstrophen 
gegen Neidhart wClrklich der fall ist), die liebesliedchen aber liefaen 
sich ganz und io teilen trefflich verarbeiten, aber es ist meiner 
ansieht nach unrichtig: wir haben noch alte lyrische Vierzeiler. 

Zunächst muss ich hier auf jene deutschen Zeilen in Weru- 
bera brief hinweisen, daaa sie wttrklich verse aind , in die rede 
eingeflochlen wie sonst in die Ueder, daa dOrfte wol durch die 
vielen parailetstellen, die gerade sie bieten, erwiesen sein. MF 
224,26 — 27 bilden nun einen leicht in bester form herzusteU 
leiulen Vierzeiler diT ülleslen arl: 4 parvveise gereimte Zeilen zu 
4 hebungen (denn mereilere reimen doch wol noch stumpfj, der 
zweite reim altertümlich unrein. 

Zweiteos habe ich auf den liebesgrufs im Rucdlieb und seine 
nbd« entsprechung zu verweisen, zwar bildet die betreffende Stel- 
lung in dem lateinischen liede 8 halbzeilen, die alte Strophe be- 
zeichnen wol aber die reimworte likibn:huht9t wtcnmi : mtnno» 
die erste seile ist einleitung, die vierte erweiterung nach anderen 
lüiiiion des liebesgrufses; schwerlich ist Verschmelzung zweier 
deutscher Strophen anzunehmen. 

Weiter hat Lachmann MF 4, 1 in drei Strophen zerlegt, da- 
gegen hat Scherer (D. st. i442) einspruch erhoben; er erinnert 
dass noch Dietmar die einstrophigkeit featbatte aufser in dem 

* über die verbreitong der Volkslieder vgl. zb. JGrinini Kl. sehr, vii 543 
aligemein, Schure Hist. du lied 83, Weddigrti Gefifh. d. d. volkspoesie 32. 39 
für die deutscbeo, Schefflcr Frz. voik&dtchtuiig 91. Ui für die frz. liedcr, 
Geyer Ober den kebrreim s. 292, AGrfla Volkslieder aus Krain s. 9 usw. 



Digitized by Google 



ALTE DELTbCUL VULiiSLiEDCÜEiN 177 



epischen tagelied und dass die Strophe kaum unter das mafs von 
xwei mmparen herabsinken könne, während Scherer diesen letz- 
teren satx tweifelnd ausspracb, hal vBiulh (Mhd. metrik 8.94) 
als aximn hingesCelk, dass atrophen unter 4 seilen nie eiistiert 
hatten, und meinte doch wo! reimieilen. aber fersteht man unter 
Strophe eben nur eine anzahl stets gleichnnärsig gebauter und regel- 
mäfsig sicli folgender verse, die von aiukren gleichen strophen- 
gruppeii durch eine scliarfere pause gescliieden ^ind und deshalb 
in wUrklich kunstmdfsiger dichtuug kein überlaufen der coustruc- 
tion geslatten, so meine ich docii dnss kürzere Strophen wol mög- 
lich waren, so hat denn auch MttUenhoff (MSD* 297) als grund- 
lage der ongleiehstrophigen gedicbte wie des gedichts Christas 
und die samarilerin (MSD x) swei* und dreizeiiige atrophen an- 
genommen (vgl. Scherer D. sl. i 284). und die neuen Vierzeiler 
liahen fast noch l u r als zwei blofs ein reimpar uud äind genau 
wie die erste häiiie der hürenberg^^lroplIeu gebaut, diesen Strophen 
hier also sehr ähnlicb. die mehrstrophigkeit aber wäre vielleicht 
so zu erklären, dass ein Sammler aholich wie der der KOren- 
beiflieder drei selbstündige liedchen verbunden hatte, wosu ana- 
logien aus neuerer seit zahlreich Torliegen; auf eine derartige com- 
Position Arnims im Wnnderborn machte ich schon aufmerksam, 
indes bedurfte dies jedei-lalls nuth &pecieller uulersuchuug, uameut- 
lieb uach lier formellen seite. 

Den versuch, aus den Übrigen altesteu liedern in MF ver- 
arbeitete liedchen dieser art auszulosen, halte ich für durchaus 
nicht unmöglich, verzichte aber darauf, ihn an dieser stelle zu 
unternehmen, noch weniger möchte ich das ezperiment machen, 
aus den reimenden alten versen solche liedchen selbst zu com- 
binieren, da damit doch die erhaltung eben dieser Vierzeiler nicht 
bewiesen würe: die Verbindung gerade dieser zufällig reiineuden 
veree br iuchte nie slaltgefunden zu haben. 

Wol aber will ich es versuchen, alte vierzeilige Strophen da 
auszusondern, wo sie mir noch ganz rein vorzuliegen scheinen 
und wo diese annähme, wie ich gkiuhe, zur weiteren anlkiarung 
einer schwierigen frage beitragen kann, nämlich bei den deut- 
schen Strophen der Cß, auf die ich nun zurückkommen muss« 

Schon aus unserer Sammlung ist ersichtlich, wie stark die 
formein gerade in diesen Strophen vertreten sind; nicht wenige 
enthalten keioeu einzigen vers, der nicht paralieisteiieu uei>eQ sich 



Digitized by Google 



178 ALTE DEUTSCHE VOLkSLlEDCÜEN 



hätte. dcD einwand aber, den man daraus aUeiu gegen ihre 
iirsprttDglichkeit erheben konnte, weisen die analogien der altestea 
KOrenbergUeder EurUck; zwar auch deren un^prQnglichkeit hat 
WilmanDs angeiweifeit, doch wol ohne irgend welche nachfolge, 
ein individueller gedanke« eine hindeulung auf heatimmle ver- 
hMltnisse, wie flie Martin (Ze. 20, Gl) hier verniissl (eine ans- 
naliiTic, 113*, gesteht er selbst zu aao. s. G3), können bei der 
niisciiuDg stelieuder versc kaum zum ausdnick koinnien. ebenso 
wenig ist aber naldrlicli der umsland, dass eine Strophe aus- 
schliersUch solche formeln aufweist, an sich ein genügender be- 
weis für ursprOngticbkeit. vielmehr nur da, wo sich jene festen 
formeln der TolkstOmlichen Stegreifdichtung an einem abgesehlos- 
. senen ganzen auch in altertflmlicher form vereinigen, sind sie 
den ältesten namenlosen mionegedichten analog, und offenbar 
ist dies in den CB nicht (iberall der fall. 

Um also diese Strophen auf ursprüoglichkeit von unserem 
staa(li)nncl aus zu prüfen, ist es niHiq, sie einzeln zu betrachten, 
da die allgemeine feststeliung der aowendung alierlümlicher for- 
meln eben, wie zb. Neidhart ausgibig beweist, alterittmlichkeit 
noch nicht far das gedieht anzunehmen zwingt aber die an- 
nähme, es mflsten alle diese Strophen entweder Vorbilder oder 
nachahmungen der entsprechenden lat atrophen sein, ist in keiner 
weise berechtigt, so hat denn auch Martin fOr CB 1 1 2 die prio- 
rilät der deulscheu zeileu anerkannt (s. 56); ferner bezweifelt er 
nicht die ursprUnglichkeit von 129% welches verscheu dann weiter 
Burdach (Reinmar und Walther s. 157) als vorbüd f«r CB 129 
zu erweisen versuchte — meiner ansieht nach mit unrecht, denn 
die deutsche Strophe schliefst formell als Vierzeiler, inhaltlich alt 
ringelreihenvers ab und es ist durchaus kein grund, sie zu 
gnnsten d^r in hdflseber dreiteiligkeit eechsseiligen Strophe toq 
CB 129 fdr unvollständig zu erklären, aber seinerseits hat Bur- 
dach (s. 160) die unursprOnglicbkeit von CB 104' zugegeben, 
worin ich \hm beipflichte, man wird auch schwerlich bedenken 
tragen, III' mit seiner dreimaligen widerholung zweier unzu- 
saninien hängender formeln für eine leere nacUabmuug von III 
zu halten. 

Unter den deutschen atrophen der Cfi, die unsere formeln 
aufweisen (wobei wir hier von den bekannten dichtem ange- 
hörigen natürlich absehen , die höchstens der analogie wegen in 



Oigitized by 



AU£ ilKÜTSCUE VOLIiSU£DCU£N 



179 



betracht koiuuieo kdooen), wollen wir zuDflchst, worauf Burdach 
(s. 155) mit recht gedrungen hat, eine nngeflhre ehroaologiicbe 
groppiening Tersuehen (?gl. Martin aao. e. 66 f). 

Um 1160: 108* — HP 3, 7 (vgl. Scherer D. st i 284. n 
440« 510). 

Vor 1180 (stumprer und klingender reim noch nicht ge- 
schieden): 112' (129' kommt niclit io betracht, da es nicht lyrisch 
ist und auch keine lateinische eiitsprecbuDg hat). 

Vor 1190 (uoreiuer reim): 127*. 134*. Martin stellt (8.67) 
mehr unrein gereimte Strophen msammeu; für uns fallen aber 
hier fort 165* (vgl. Scherer D. st n465) und wol auch 100* mit 
dialecUscb genauem reim, 98*. 139*, die von unreuieB reimen 
nur den bis in die beste teil gestatteten reim a:d haben, 117*. 
125\ 140*. 163* wegen des nicht forroelbaflen inhalts. was end- 
lich 116' betrifft, so läge lilr die verderhte slrlle gebot : chume 
die Verbesserung üz dime gebot ich }> immer trat (vgl. Guotenhurg 
72,26. Pseii(lo-Neidhart241, 19, auch Wailher(3u, 10) am nächsten 
und das ergäbe unreinen reim, aber diese conjectur ist doch 
nicht sicher und nichts spricht für ein höheres alter der wahr* 
scbeinlich mit III* und 124* (s. u.) snsaromengehOrigen Strophe. 

Der ältesten seit des minnesangs können ohne ein derartiges 
entscheidendes merkmal vorerst noch sngerechnet werden, weil 
wenigstens kein Safseres kriterinm dagegen spricht (ist doch 
gleich die Strophe MF 3, 1 rein gereimt): 107'. 136*. 141^109* 
nicht formelhan). 

Etwas jünger, aber doch einstweilen nicht über die zeit 
des Rietenburgers hinauszuweisen (vgl. D. st. ii 464) sind die 
Strophen mit Obersohlagenden reimparen 100*. 115*. 142* (105* 
fconunt wider des inhalts wegen nicht in betracht). 

Dagegen mOssen wenigstens in der vorliegenden gestalt die 
Strophen der alten volkstOmlicben dichtung von vorne herein ab- 
gesprochen werdun, die reimiiijulung zeigen: Üb". 1U3'. 139*. 143*. 
166% oder diese mit üh< rsclilageuden reimen combiniert dli. mehr 
als einmalige wideriiotung desselben verscbränktcu reimpars: 99*. 
lOr. 102^ lü4^ 126'. 132*. 133*. 

Dasa III* als ein altes ursprangliches liedchen dieser art 
nicht angesehen werden kann, beweist schon der name Venus, 
aufserdem scheiden von den namenlosen Strophen als nicht volks- 
ttUnüch noch aus 135*. 144*. 



ISO 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEI^ 



Die Strophen , die wenigstens alt und volkstilrnüch seiu 
ktfooteo, haben wir nun in dieser reibenfolge eiuer durchsieht 
und Tergleichung mit den lat. entsprecbungen zu unterwerfen. 
M ferateht sich das» diese betrachlUDg erschöpfend nicht sein 
kann, far die deutschen Strophen wdre eine noch Ober Hartia 
und Burdacb hinausgehende genaue formelle Untersuchung notig, 
for die lat. tnflste die gleichieittge vagantenpoesie in wenigstens 
aonabernder Vollständigkeit hintugexogen werden, ich gehe hier 
auf die lormelle seile so ^ul wie gar nicht eio, ila diese ganze 
arbeit sieli iiiu Iragen des inhalls bewegt; und von dt ü hedern 
der fahren de u ieh nur den zweiten teil der CB seihst und 

auch da näher nur die liebesUeder berUcki»ichligt. um so weniger 
kann diese besprechung anspruch darauf machen, viel mehr au 
sein als ein versuch, die alteren beroahungen von einem neuen 
standpuncte aus lu erginien, ein versuch, der ohne diese for* 
schungen überhaupt nicht möglich wSre. um so lieber benutse 
ich die gehgenheit, herrn professor Martin meinen dank dafor 
ausEusprechen , dass er die freondlichkeit hatte diesen teil meiner 
arbeit mit mir durchzunehmen und seine eigenen ansichleu hierilher 
mir zu piitw K k< hl. ich liahe die arbeit nach seinen eiunuiieu 
\M-M ii[[u ti tiKMiiticierl; in einigen puncten kuunlc ich mich jedoch 
von der nchligkeit derselben nicht überzeugen. 

108\ meint Martin , könne ein deutsches volksliedchen nicht 
sein; die anspielung auf die kOnigin von England wie die frech- 
beit der ganzen stelle seien nur einem fahrenden sususchreiben. 
ich widerspreche dem um so weniger, als ja die analogie der 
von Scherer (D. st. ii441) angezogenen atrophe CB 51,2 ent* 
schieden für den Ursprung in dem kreise der lateinisch dichten- 
den spricht, dennoch halte ich CD 108* nicht einfach für eine 
nachhildiing von 108 und dies nicht fOr ein lateinisches original, 
das lateinische ge(ncht ist deutlich eine compilation. auf frUhliogs- 
eingang und auffurderung zum gesang folgen zwei Strophen voll 
nachahmuDgen von vogelslimmen. danach heifsl es dann: Pukhre 
amlM vohteru — eine unmögliche loaammenfassung dieser iwei 
Strophen in eine seile, die beste Ordnung entsteht dagegen , wenn 
wir sIr. 4 (3 bei Schmeller) an str. 1 anrücken ; die formelhafte 
angäbe des vogelgesangs setat den natureingang in ganz regel- 
rechter weise fort dann folgt eine Strophe, die durchaus den 
eindruck eines lateinisch umgebildeleu deutschen lauzliedcbeos 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHt: VOLKSLIEDCHEN 



181 



niaciiL ilie liantuiii: iii ci( i zweiten zcile, wo dcntscli nur ein 
worl steht, hat \\r\r lu ilo^ion , von denen wir einige noch zu 
erwähnf*n halien. zieUl luaa das ab uud oimtiit au dass in zeiie 4 
der dichter ntati der blumen id der formelhafleD verbiDduog blmmm 
unde kU (sb. 7« 14) des rhytbmus wegeo das grttne gras ein« 
geselsl habe, vielleicbl auch schon der deolsohe dichter (vgl sb« 
N. 62, 24), so haben wir gaot die naehbilduog ton teilen Neid- 
hartischer reihen: 

Lote pandü tilia [ton des — 

iVti 15/ wal fneit der linden ir ast (iN. 18, 10) 

thymus est sub ea vfridi cum gramine 

da» die bluomen dnmgm ditrch dm kiä 26, 25. 
oocb genaoer stimint: 

Under dtr Undm . . . dd muffmd ir vMm — ... blmmm 

unde grat W. 39, 11 f. 

II» quo fU Chorea 

geloubet itänt die hudm. sieh hebt • • , eAi /ans von hdfeehoH 

krnden N. 15, 31— »35 
diu linde üt wol bevangen mit loubt. dar under tanztni vrou- 

u>eH N. 20, 5—7 (vgl. ühl. Sehr, iii 482, 70). 

fflr den deutschen Ursprung ^richt neben der formel virid« gira- 
mm (die jedoch auch in ursprQnglicheo vagantenttedern sich findet, 
so d5, 6) besonders noch die nennung der tilüu die linde hencht 
in der deutsehen dichtnng so unumschränkt, dass Hartmann eine 

tichte seiner französischen vorläge in eine linde verwandelt (Beneckc 
zu Iwein 56S). nun halten wir in den lateinischen Strophen der 
CB die tilta Uli Iii -eilen; aber merkwürdiger weise nur in liedern, 
die irgend weiche bczichuu^ zu deutscher dichtung euthalten. 
114, 3 ist ein fall, der sich mit dem onsem fast deckt: es scheint 
die nachbildung eines reihens und swar eines altenliedes: 

el eub itUa ad ehoreas tfonereas 

mit den kMen mn der findsn N. 8, 25-*26 

salii mater, inier em tua filia 

Ein altiu . . . diu spranc sider . . . und stiez die jungen alle 

nider N. 5, 5 — 7. 
dass hier tatsächlich eine niierseUung vorlirgt, macht mir der 
ausdruck salit = springet , der termious iür den frUhliogslanz, 
iiBXweifelhaft ; ich sehe ihn in dieser Terwendang nur hier in 
den CB, bei den sahireichen anderen erwShnnngen des tanies 



Digitized by Google 



182 ALTE DEÜTSCÜE VULKSLlEDCüEiN 

Uberall Umschreibungen mit diorea oüer iripuditm (44, 2. 46, 3. 
48, 3. Hf), 70. 79, 1 uü.). 

Ebeulalls ein tanzliedchen , aber alierdiogs viel liefer lati- 
nisiert, ist die driue stelle mit tilia 34, 1. für deotsoben Ursprung 
des gedi€bts spricht noch 34, 2 kern purpurahu, worüber unten 
itt vergleichen, die vierte Strophe, 57, 1, enthalt noch die wider- 
gabe eines deutschen Sprichworts: wriit vmtator ceulus — §x 
$int ^mUte und 9u§m de$ hmm jeger tougen Freidaok 115; 
vgl. uicl! CB !r>K '2; Much prinnert in derselben Strophe Sed fiaec 
mihi penüiifi mors dulcioi stark au unsere tormein sanfter iccere 
mir der tot (zu Riet. 19, 34), wie denn das unlateinische mors 
mtftt mstior CB 154, 7 wol gewis eine Übersetzung des gut deut- 
schen hexxer wart mir der tdt (N. 97, 20) ist» endlich steht die 
iUia noch 146 refl« in einem deutsch -lateinischen mischgedieht 
und swar scheint der refrain den versen h itdt $m Mnde wl 
getän non praeid a nia zu entsprechen, also wOrklich ist die 
nennung der linde in den CB stets von deutschen beziehuugen 
begleitet, während in dem hauptprunkstück der sammhing, De 
Phyllide et Flora, 65, 7, die pinns wie dort bei Chrestien Hart- 
mann gegen Itber deren stelle vertritt (52, t Oliva), 

Wir kehren nach diesem unvermeidlichen excurs zu unserer 
Strophe 108« 4 aurQck, die wir jetst wol bestimmt als nachbil- 
dung eines frOhlingstanzliedes (natürlich nicht gerade eines er- 
haltenen Neidhartischen oder anderen gedichts späterer seit) an- 
sehen dürfen, die letzte Strophe des gedichts ist ein der volks- 
tümlichen deutschen art nicht enlspi sehendes naturbild f^vgl. da- 
gegen 65, 60). wie wäre nun die entstebuug dieser mischung 
zu denken, die von den lateinischen Uedem aufs entschiedenste 
der mangel der einheit und Uberhaupt jeder handluog unter- 
scheidet? 

Strophe 2 (L^ bei Schmeller) und 3 sind gewis interpoliert* 
nun zeigen diese beiden Strophen aber die unverkennbarste Ähn- 
lichkeit mit einem spStlateinisehen gedieht, der Elegia de philo- 

TOela des Albius Ovidius Juventinus (VVernsdorl Poetae laliiii 
minores, lieluistädt 1794, vr 2 p. 385), und dies triMÜcht hat 
auch Wernher von Tegernsee nachgeahmt, wie Kugler (De VVe- 
rinhero s. 37, vgl. Wackernagel Voces variae animantium s. 22) un- 
zweifelhaft richtig bemerkte, und zwar hat auch er die lautnach- 
ahmungen mit einem frQhliugseingang versehen, der bei Jnven- 



Digitized by Google 



ALTE DELTSUIL VOLKSLitüCHEN 



183 



linus lehlt. dieser frOhlingseingang ist «lurchaus formelhaft ge- 
lialten. dabs alur das jal. gedieht nicht i'twa auf VVernher fufst, 
Süutieru auf dem original, beweist gleich die erste zeile: Mane 
garrü alaudula — lusammeogezogeo aus ?ier venen des Jureotinus: 
Vere catente nowu eompenit aendmla emuui, . . . 
Sed fMod man» tamunt, ocqMr« nan molunt t. 15—18. 
Weraher hat die acredmia bewahrt; er halt sich überbaupt fiel 
genaoer an die vorläge, man wird nur schwer begreilen , was 
zur naclialimuug dieser geschmacklosen Zusammenstellung von 
voces \cmae animantium reizen konote; die deutsche Volksdichtung 
wenigstens hat die gleiche nachahmung der vogelstimmea in der 
Vogelhocbzeit (ühlaiid 10) mit ganz anderem geschick fertig ge- 
bracht, ich glaube nun dass die absieht (noch nicht bei Juven- 
tiDOs natarlich) wesentlich eine practische war: ein denkvers 
sollte die vogelnamen sammt den Ist. worten für ihre tierstimmen 
lehren; wir haben einen gans ähnlichen lal. denkvers Cß 97 und 
dort ist die padagogjj^che absieht noch durch inlerlüiediglossen 
Terhiirgt. Weiuher liat also mit henulzung des .liiu-iilinus einen 
denkTers dieser art verfasst und ihn mit einem formelhaften uatur- 
eiogaug eingeleitet , wie zb. der Lnllebucher Uberlieferung des 
Tannhauserlieds ((JbL 297') ein solcher eingang vorgeschlagen 
ist. oder, wenn man das lieber will^ er dichtete wOrklich ein 
Carmen vernale and benutzte dies zur einprflgung jener voca- 
bdn. der dichter von CB 108^ 2 — 3 dagegen hatte wol kaum 
diese absiebt, da er sonst nicht ganze verse an anders geartete 
Zusätze verschwendet halle, ihm kam es, denke ich mir, darauf 
an, zur nachahmung seines muslers bequeme reime an der hand 
zu haben, vielleicht war es auch eine gelehrt tuende raod- 
hemerkung zu dem Puichre cantani volucres, wie Wernher sein 
aoalogea stock mit cantant mlucres beginnt, welcher vers hier 
aber richtig vor der aafzählung nnd am schluss der Strophe steht. 

Wie man aber auch die sonderbare interpotation erkltlren 
will — jedesfalls sind von den 6 lateinischen Strophen 2. 3. 5 
uriiirsprünglicb, 1 und 4 (3 bei Scbmeller) aber euthäUeu nur 
fortii' lu des lat. nalureingangs: 

ecce virent Oinuin — ecce lo/tn uernant omnia lü3, 3 
Puichre cütUaiU volucres — nunc cantum promunt volucres 103, 2 
niiei terrae fade» — terrae nüet facies 164, 1 
sortd eohre — ebenso 65, 1. 



184 



ALTE DEUTSCHE VOLkSLlEDCUEiN 



DUO ist klar dass lormelhaite stellen in diesen vagantenliedera 
eine ganz andere bcdeutuog haben als io deutscher Volksdichtung: 
hier liegt eben eiae ausgesprochene konstdieblnng Tor, die die 
formelo, das natorliche werkzeng der Stegreifdichtung, gern ver- 
meidet und gehäuft fast nur in unselbständigen stücken zeigt, 
endlich aber wird diese unselbstlndtgkeit erwiesen durch die letzte 
slroplje, die uns bleibt , die schUjss^liophe: sie i>l ^^auz t intach 
eine Umbildung von 65, 6 — einer Strophe, die dort uiemaud 
wird vermissen wollen und die durchaus das charactehstische 
geprüge jenes trefflichen gedichls zeigt, die eotlehnitng ist un- 
Terkennbar: 

Po/er €t in gramine iocundo rnm iiiiim«re 108, 6 

et in ip$o gramine defimhai rivu$ . . . garmlo nntmwt ... 65, 6 

loeiu est festivus 108,6 

loci« trat . . . festwns 65, 6 

venhts mm temperte susnrral tempentivm tOS, 6 

Susurrabat mo lir/iDi ventus {>-'inj'(''^[ivus 65, 6. 
das lat. gedieht 108 besieht demnach in 6 Strophen aus 4 dispa* 
raten elementen: nacbahmung eines spatlateinischen gedieht« 
(Str. 2.3), eines vagtntengedichts (str. 0), eines deutschen Med« 
chens (str. 5) und formelhafter natureingang (str. 1. 4)w kaum 
ist eine rereinigung dieses ^auf keine weise su einem einheitlicheB 
ganzen verarbeiteten stOckes unter einem anderen gesichtspunct 
denkliar als unler dem einer zusammenstell uii;^ von Strophen des- 
selben malses und zwar mindeslcüs 2. 3 lediglicli proben in dessen 
nachbildung. 108* w.'ire dann als ein weiteres mustcr des ur- 
sprünglich deutseben mafses (denn es spricht ja alles dafür, dast 
dies mafs ein volkstümlich deutsches ist) nachgestellt, gleichsam 
zur erlftuterung. das hat analogien in den CB: widerboll folgen 
erUlulernde verse grOfseren gedichten. 38, 1 wird Hercules ge- 
nannt, 38* seine taten aufgezahlt; 39,1 Philogeus, Erichtbeus, 
Actacon, Lampas angeführt, 39' die namen erklärt; 116,3 kommt 
pner yharetratm vor, 116** wird von ihm erzählt, all diese an- 
nn'rkiiiigen sind in bexanielern und K imten von dem saininler 
herrühren (oder lassen sie sich früher nachweisen?) und ebenso 
vielleicht diehezameter 82'. 83%84*, allgemeiner gehaltene sprüche 
didactischer natur, vielleicht auch noch 97, jener denk?ers in 
hexametern (dazu 33, 4 zu vergleichen), so konnte 108 mit 
108* die kleine sammlung eines fahrenden sein, der Strophen 



Digitized by Google 



ALTE bEüTSCüE VOLKSLIEüCllEiN 185 

4 

seines lieblingsmafses samnirlle und schliel^lich erst lait inische 
atrophen selbst zudichlete , dann eine deutsche, die dem l>eu!- 
schen nnpleich besser gelang. — mil 137 uod 137* zeigt sich 
keinerlei innere Verwandtschaft. 

Wir haben uns bei diesem gedieht oder besser dieser Strophen* 
gnippe als der aileslen Uoger aufgebilten, teile weil aie beeonderee 
iolereese wegen ibrer bunten mischung beansprncbt, teils weil wir 
ein erstes sicheres beispiel unter den in frage stehenden ge- 
dichten feststellen wollten, in dem das lat. gedieht als eine in 
iler deutschen slroi^iie nachgeahmte originatschoprung nicht an- 
gesehen werden k:uin. das ausgelöste tanzliedchen erscheint uns 
jedesfalls der kern des ganzen; es ist auch dir unzige slrojdie, 
die allein ijt sieben könnte, da sie nel)en dem n.iluieingang Düch 
eine wenn auch nur leicht angedeutete handiung liringt. 

Es folgt 112. die ursprtlnglichkeit der deutschen Strophe 
ist nach Marlins besprechung wo) nicht zu bezweifeln, als 'reOoit' 
wird eine widerholung der anfangsxeile mit anderem reimwort 
eingefOhrt. man beachte dass die zweite lat. seile wider eine 
baufong im naturbild bringt, deretwegen sogar das endwort der 
ersten geändert ist; denn dem üllenthalbm entspricht natürlich 
undique. — die miisler<irophe stellt hinter der nachbildung. das 
gedichtchen ist hüch^t einfach und vernii nur in der ersten zeile 
fwol dem deutschen reliain mit einer durch fhret süva uifh- 
que ersetzten ersten reimzeile) uod im scblussvers leise lyrische 
empfindong. — 

Einen ganz anderen characler tragen schon die unrein 
reimenden Strophen 127* und 134*. die deutschen atrophen 
machen inhaltlich keinen besonders altertflmlichen eindruck, na- 
mentlich nicht die zweite mit dem terminus senede ndf; ilir an- 
reiner reim srlf .* Up ist ja aacb der, welcher sich am Itngsten 
half, was die lat. gedichte angehl, so ist 127 ganz frei von jedem 
sicliihiren deutschen einllus>; rliylliinus, aiisilruck, vor alh'm die 
besiundige worlspieli-i «-i (pedem pedi — suhts solam , tolalem — 
singuhn] sprechen lür eine Originaldichtung eines vaganten. die 
zweite Strophe mit ihrem doppelten osculum und den matten 
Tersen amohs initiat imh'cium und gar nuUum praebei homini 
fastidiHm steht hinter den beiden anderen entschieden zurflck 
und ihre scblussverse scheinen denen der dritten nachgebildet, 
die dort gut passen, die zweite wäre also TieUeicht nachgedichtet. 
Z. F. D. A. XXIX. N. F. XVII. 13 



186 



ALTE DEDTSCHE VOLKSLIEDCBEN 



einige leichte anklfinge an CB 130 (me tiki iMeia 127, 1. 130, 3, 
venet'or, pudkam 127, 3. 130, 4) sind im ii( beweisend, ein 
iuücier zusainmenlianü /nix licn der laleinisciieu uaU Uer deut- 
scticn Strophe isl uiclil ersiciillich. — 134 ist inhaltlich dem 
(ieulficbeo gewis nichl nachgebildet ; höchstens das ita faciam 3, 1 
kliogt wie eins jener id der deutiehen lyrik so beliebien Ueinea 
eiDschiebsel in directer rede, das Iwk hdat ludiu klingt aa 
Vetit veni venias von 136, 1 an; es ist aber eiier einwttrkui^ 
von 134 auf 136 antanehaieD als umgekehrt. — inbalUieh isl 
wider keine veibinüuug zwischen dei' laleinischeu und deutschen 
Strophe zu erkennen. 

Unter diej-un uinsLüadeu haben wir keinen und die luiinein 
in 127*. 134' für elwas anderes anzusehen als lUr benutzuag der 
TolkslUmlichen formein zur oaebabnung lateiniadier gedichie» wir 
hatten somit schon jetzt unter den sU'ophen der OB» die ansere 
volkstamlichen formein aufweisen, beide arten der bennlsong ?or-> 
gefunden : Zusammensetzung zu einem neuen einheitlichen ganze» 
vollkommen in der art der bäurischen slegreifdicblung (lOS, 4. 
112*) und niiscbunfr zur formellen nachbilduug t'renuler musler in 
der art, wie seil iillesirr zeit melodien (nainenllicii den inodu- 
lationen der kirchengesünge) texte untergelegt wurden (127*. 134*). 

107 und 107' sind sehr schwer zu beurieilen. der rhyth- 
mus des lateinischen gedicbts nach Bartscbs und Martins sicherer 
herstellung spricht für ein lat. origtnalstack, die deutsche siropbe 
hat nichts besonders eigentamliches oder aUertamliches. aber 
die lat. atrophen zeigen sich bei nttherer betracbtuog ftbnlich wie 
die slttckc des gleich folgenden gedieht^ lOS ganz aus (ormeln 
und nacbahüiungcu zusammengesetzt, wie sie von allen deu ge- 
dicblen der CB fast nur solche mit deuuclieu enlsprechungen 
aufweisen; und so Qndeo wir denn auich die verse unseres ge- 
dichls fast ausnahmslos gerade in derartigen Uedem wider: 

Jamiam rident prala 107, 1 
IVora im rUmi omnta 165, 1 
Tgl. ridmi frata iom aerma 101,4 
iamiam mrginei iocmdanlur 107, 1 
ioeuudmur gratulaiue$ 1 13, 3 
(zu dem parallelismus mmiamvirgineB: lae^iiuüene8^Q^^^*2y^^coe' 
tus iuvemm: choruavirgimm 114,3 — o virgines : vosiuvenis 140, 1) 

terrae ridel fades 107, 1 
Riiki terrae facies 55, 4, ebenso vielleicbt 1 OS, 3 



AUE DEUTSCHE VOLKSLIEDCÜEN 



1&7 



tola ridet facies 1()9, 2. 

aeslas nunc apparin't 107, l 
aestaa non appannl il5, l 
ornülusque /(ormn laele damit 107, 1 
vgl. qnae sie dara fiieiit; ornantur prata ßoribus 115, l. 

Nemus revireacit , frundent friUicu 1 07, 2 
revirescunt frutices 104, l 
reviresrit nemus 100, l 
hiems aaeca cessit 107, 2 
nunc recedü hyemis saevitia 106, 1 
iaai iu»ene$, eangaudete ßorihu 107, 2 
ctfNpatcdete ttit^eitfs 104, 1 , congandite vo$ itwmes 140, 1 
mitor aUictI v(t$ tarn virgintbus t07, 2 
Tgl. tarn amor incaluü, iam virgo marnruff 129,4 ua«, besott- 
dm aber Amor ptatrit tuvents «l luäant cum tfirginibm» 1 15, 4. 

Brgo militmus shnul Veneri 107, 3 
Mmmw Ymmi 79, 2 
«tmc milbVifts Venen' 143 nsfl. 
vgl. auch Venene mt7ia'ii 37, 7, mnorts mt/iYem 128, 1. 

triitia vitmuB 107,3 
vgl. Mmtam udani trU$ia 106, 1 ua. 
no9 qui teneri 107, 3 

nos qui tumus teneri 79, 2 

visns et coUoqnia 107,3 

Visu, coUoquio 45,2 

Visus , coUorptium llC, ^ 

spfi amorquc irahunL nos ad gaudia 107, 3 

ad aiiiofis (jandia lü2, 1 

ad ymidia 104 rell. 

Das lat. gedieht eüthAil aUo Latsäcblicb keine einzige würk- 
licb originale seile, man möchte geradezu anlehoung io str. 1 
an 115, 1, noch mehr aber in str. 2 an 104, 1, io str. 3 aa 
79,2 Venn Uten, sollte hier vielleicht doch ein Sholiches verbflUnis 
vorliegen wie 108: nachbilduog eines verlorenen deutseben oder 
— was hier wahrscbeinlicher ist — lat. gedichts und am scbluss 
eiue (ieiilsche nacbdichlung, sodass keius von beiden stUcken 
ursprünglich wäre, hier aber allerdings das deutsche wol iwdi 
jünger ? ich halte diesen ganzen teil der CB iUr zusammengestellt 
mindestens mit benutzung des liederbuchs eines fahrenden (und 
163 — 166 vielleicht eines zweiten solchen liederbuchs), der stücke 
gleicher melodie zusammenschrieb und, wo er deutsche stücke 
gleicher weise nicht kannte, sie selbst hinzudichtete, ebenso 

13* 



Digitized by Google 



ISS ALTE DEUTSCHE VOLKSUEDCHEN 



aber auch lateinisch neue lieder «luf die alten melodien Terfattte. 

hier krtnnte etwa 107, 1 (U r sun liini urs|iriln{?Uch niedergescb rie- 
ben«' kmi sein, ?pH»?t sebnn durchaus loriiu'lliali , dann durch 
wolfi'ile iieuflicbluugcn viTmclirl. um über vermulungen bin- lier- 
auszukommea, wäre eben genauere keuolDis der gesammteD va- 
gantenpoeaie erforderlich. 

Weil eiDfacher liegt meioer meinuDg nach die sache bei 
136* uod hier haben wir, wie ich glaube, endlich wQrklich wider 
ein deutsches volksliedchen der Iiitesten art in leichter Aber- 

arbeilung. wenn Martin (aao. 62) sagt, der verf. der deutsclien 
^liöplif habe sich die rcimgleichbeit loicht gemacht, indem er 
ilie etilen nur in umgekehrter Ordnung ^vi^lerboUe , so liissl sich 
dagegen trotz späterer analogien (VV. 87, 1) wenig einwenden, 
wie aber wenn *r nun ein altes hedchen umgestahet hätte? 
nehmen wir die Zeilen nur eiofach , so erhallen wir ein versehen 
von grOster allertQmlichkeit der form und ohne eine einzige 
nicht bei frQhen dichtem zu belegende teile: 

ChumBt cftiime geselle min, 
ih enhUe httrie Hin, 
Suzer rÖBmmrwer munt, 
di«m und mache midk geiuni. 

der nachahmer, der inhaltlich frei dichtete, hätte sich aul eine 
Strophe um so mehr beschränken kunncu, »h hier kein re- 
train zu niaikieren war, was sonst nach Marliub ansieht öfters 
die mchrstropliigkeit in den deutschen nachliilduugen verur- 
sachte, die wideraui nähme des chum, die sich in der um- 
gearbeiteten g' Stali würkungslos verliert, schliefst so das ganze 
zu einem tadellosen Vierzeiler der Ältesten art zusammen, die 
widerholung innerhalb des verses ist durchaus volkstttmlich (vgl. 
zb. gleich 141 refl.) und ich mochte selbst die kohne Vermutung 
%vagen, dass in jenem unverständlichen refrain von Volksliedern 
milr der kleinen kumhm, den AWSchlegel verspolicl liai, urspniny- 
lich ein chiime chuuie wie Iiier steckt, das so früh anderen wOrk- 
lichei bfdciitnn? cntbeln m !en refrainteilen gleichartig geworden 
war. denn gerade die. tdrnins bewahren oft besonders alter- 
tümliches. — vergleichen wir das lat. stück, so haben wir 1, 1 — 2 
die wörtliche Übersetzung von 13t>\ 1 — 2, die wider der autor 
sich bequem gemacht liat, indem er dem doppellen veni des 
Originals ein drittes venia$ (wie schon bemerkt vielleicht nach 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCiil:: VOLKSLIEDCUEN 



1S9 



134,1,1) anschloss und für die erste atrophe durchreinniiii^ durch 
einen lauiuatiiaiHneudeu ittram, wie es scheint, herstellte, die 
beideü folgeudeu §(ropheu zeigeo zwar keioe grol'se originahlat, 
sind aber doch nicht in der weise aus formeln zusammengerugt 
wie etwa 108t 1 <Mler gar 107,1. Damenllich 136,2 möchte 
Ich (ttr eine urBf^raogltche, ich meine keinem deutschen oder 
lateinischen original inbaHlicb nachgeformte dkhlung halten; 136,3 
Ist fomelhalter: 

Rosit iiibianidwr. filio candklior 136,3 
Nivei CdKtfort^, losei nihoris IIS, 4 
vgl. pukhrior lilio » r/ rosa (: furmosaj 51,2 
Semper in te yloriur 1:50,3 
itattm tut ghrior 135,2. 

Hier liOonten wir einen binweis auf die art, wie die deutschen 
Strophen in die lat. Sammlung gerieten, besitaen. es hatte etwa 
der Sammler su dem von ihm selbst verfassten liedchen Pukkra 
tihi fada das deutsche gedieht gleicher melodie geschrieben, wie 
wir nun 108 in str. 2. 3 Qbungen im gleichen mafs vermuteten, 
suchte auch bier ein späterer leser die deutsche atrophe ebenso 
Dachzubildeu , kam aber damit nicht zu stände; daher die ver- 
^»chiedeDheit der ersten lat. Strophe r2 zeilen mit k ti im) vua 
den anderen M zeilcn). ein spiUerer abscliieiber uuo, vifileiiiiL der 
aaniniler der Cl{, sclirieb beide randnotizen mit ah, etwa die 
links siehende vor, die rechts stehende deutsche nach dem bei« 
spiel anderer stücke hinter dem lat. gedieht; ihm fiel dabei auf 
das« die deutsche Strophe nicht durchgereimt war und er stellte 
das her, unterstützt vielleicht noch durch ein seichen, wonach 
jede zeile des deutschen liedcbens widerholt werden sollte; das 
ist ja in Volksliedern so bSuflg. hatte Bartsch seine in den Alt- 
französischen romanzen und pastourellen angekündigte absieht 
einer .Banauiung der refrains und jäwezungen schon ausgeführt, 
so hefse sieh möglicher weise über den verf. von 136, 1 wie 
über den von 125 und 125" mehr sagen; deutscli sefu-n l)ei(lt} 
refrains nicht aus, schon weil sie den vocal a fast gar nicht 
zeigen, der in deutseben refrains zu überwiegen pflegt. — die 
einfachheit der Strophenform erspart auch hier die annshme eines 
fremden musters für 136'. 

In 141* glaube ich durch Burdacbs schwer su widerlegende 
hewcIsÜhruDg (aao. s. 163) wider ein altes deutsches volksliedches 



190 



ALT£ DEUTSCHE VOLÜSLIEDCUEN 



nachgewiesen : Vierzeiler rail relrain. ja es könnte dies liedchen 
bei ISeidhart verarbeilet vorliegen: ich vermutete schon fraher 
dass N. 17, 12 — 13 wttrkliche beouttung eines solchen liedee eat^ 
hielte (in meiner dissert. s. 100), und die Terse erinnern stark 
an unsere Strophe; iprai^ etil fr&uwe ist vielleicht nicht hieft 
hier zur eiDfOhritng alterer stflcke benutzt (vgl. tb. Uhlaod B7, 1). 
— Burdach seul die deutsche slrophe 1175 — 80; da«; lat. ge- 
dieht hüll er auch iiiltaltlich U\r eine urnhiluini? des ileutschen. 
dazu dünkt mich doch die ähulidikeit des lexle» gar zu gering, 
auch seine erkläruog des deutschen refrains scbeiot mir ge* 
swungen; eher mttchle ich auch diesen ans der natur der vor- 
läge erklaren: die eigentlich zu 141* ausschliefslich passende 
Oberschrift (eine solche findet sich auch sonst: 38V 65. 173. 
189 uO.) vrSre Ober den ganzen complex der 141* nachgedich- 
teten Strophen gesetzt worden und der abschreiber liätte daraus 
sich den fohli nden rpfrain rnn^tniiert , fOr dessen zweite zeile 
den zweiU'ii vors dos <loiJi>clion rofranis mnl»ildon(l. Obrigens 
kommt verwebung der überschritt in den relraiu in Volksliedern 
gelegentlich vor; als ein beispiel führe ich die nachbildung eines 
Volksliedes y Waller Scotts Pibroch of Donald Uhu (deutsch von 
FFreitigrath Gesammelte dichtungen ii s, 75) an. aber viel hsuftger 
ist gerade in den CB ein refrsin in von der spräche des gediehts 
Terschiedener spräche: 79. 80. 145. 181, vgl. 81 ua. damit fiele 
dann der hanpigrund, den Burdacli lür eino iiilialtliche beziehung 
zwischen III und 141* anführt, fori. 141 hat aucli so gut wie 
gar koino jen»"r hei In!, slroplirn auf völlige abhängigkeit von 
fremdem musler deutenden tormein; nur 141^2 m CMtut nM 
faeie candor cum mbedim (vgl. zu 136,3). 

Hierher gehört denn auch, als rein gereimt, aber von tin- 
fachster reimsteilung, 165*. eine beziehung zwischen dem iateini- 
sehen und dem deutschen gedieht ist nicht ersichtlich, das 
deutsche liedeben ist einfach, schlierst gut ah, passt vollkommen 
in den ralinion dor {ilioron (ionischen niinnoliodcr. das lateinische 
godiclit zeigt jorinoln nur iu) nahirhiltl (noeli oüunert Str. 2 
0 tu virgo pukherrima mihi mors est aHpeirima an Virgo tu pni- 
chetrima cum non sis acerrima 104, 2), eolbebrl nicht eigenlUm- 
lieber zttge, hat voUig den character anderer vaganteniteder. die 
form kehrt genau bei dem Regensburger (Scherer D. st. ii 465), 
mit geringen abweichungen bei Morungeo, Adelnburg, Hartmaon 



i^igui^cü Uy Google 



ALH^ DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



191 



(Martin s. 04) wider, somit könnten hier zwei im nl liiüigige ge- 
(lichte gleicher melodie nt'ljcn »-iiiander stellen, ither iiiclits; be- 
rechtigt, 165" (Iber die zeit des burggralen von Regeiisburg liiuaus- 
zurücken. es würde also wol zu den ältesten miDnegedichten ge- 
boren , aber Dicht mehr xu deo voiksliedcben , die der miDoeflaog 
▼orausselzL — 

Wir kommeD nnn zo den gedfehten mit Qberscblagenden 
reimen, bei ibnen verlangt unsere aufgäbe so genane prUfung 
oicbt wie bei den vorigen « weil sie mindestens in ihrer jetzigen 
form nicht ganz alterlOmlich sein können, volkstttmlicb aber 

ueiii«jstens im kern und vorbild des bu. K'pdichts ist von ihnen 
eins srnnz gewis: 100*. es isl unlei vni l.ui/hed von durcbaiis 
volk?iiindicber ari; der inlialt der der Idlesten reilien: aullor- 
deruug zum tanz — naturbild; aber gleich laill die Umstellung auf, 
da sonst stets der nalureingang durch die ersten verse gebildet ' 
wird, der text ist einfach t kein wert zu viel, keins von ge- 
«uebler neuheit — aber die Zeilen Der lointto* der keiäen M asite- 
dni nM lallen mit dem terminus tensdm schon, noch mehr mit 
4er starken personifieation aus dieser art heraus, worauf mich 
prof. Martin aufmerksam machte, eine vergleichung mit der sehr 
äbulicben stroplie Neidharls 29, 27 macht wahrscheinlich dass 
dieser und unserer slrophe ein frleicharliges einfaches (anzlicdchen 
vorlag, das beidemal nnigeluniil wurde; die uuis'iellüii^ wie die 
auderen daderungeo in Cli 100* werden nur durch iiaciibildung 
des lai. liedes zu erklären sein, daher denn auch 100% 2 das 
bassliche noch zur ersten zeÜe gehörige nti. 

Nun aber das lal. lied ist gewis kein original, wie 108, 4 
ist es zusammengesetzt aus lauter tiberselzungen deutscber for» 
mein, undeulscb ist nur die erwafanung der odore$, oder doch 
mindestens nicht volkstttmlicb deutsch; sie erklärt sich leicht 
durch den reim, sonst können wir wider zeile für zeile deutsche 
parallelstellen nachweisen, die ebenso viele deutsche eatsprecbun- 
geo noch nel>eii sieb liabt ii wie \\« iiige laleiuiiche: 

Ter rtdil oplainm nun ijundio Inn. i 

Komen ist ein wnn neclichfi meie. iies kunjl anvreul itch ^. 3 1 , 5. 0 

/lore decoratnm punniieo lüü, 1 

mit rösm imdmcieret i\. 34, 1 1 

aves eduHt mntus Mdter 100, 1 

hdrt€ ich §Ü€U wIh singen kkinin vogelin N«6, 8.9 

nü Inmem un$ die vögele mit ir ef^eun seArae N. 32, 14 



192 ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



revirescU nemus 100, l s. o. zu 107, 2 

aher gtlonbtt stdt der i0a/( N. 10, 26 

cantus est amoenus iotaUttr 100, 1 

md diu kleinen vosellin wol eingeni in ir besten wise 

yy. 4^ 2—3 

b(i% geiungen nie die vpgele i noch N. 24, 17 

Juvenes ut fJores aedpiant 100,2 

wir iuln näch bhiomen beide gdn N. 3, IS 

virtjffffiff assumani aJarrffer 1 f)0, 2 
Junge wägde nivl alle sinlze leien, 

ir inch (joi dem Heben sumer zweien N. 13, 18 — 19 

ei euHi in prata 100, 2 

vf die heide sul wir gdn CH i U' 

J^i wil ich körnen ze velde N. 4,7 

flohbus oniaia 10<), 2 

Schöne gevar Ut der . . . anger . . . von den rösen N. 14, 20 ff 

eommuniier 100,2 

Sit ich sö vil geoerten hdn N. 3, 20. 
Ich habe die enlsprechungen meist aus Neidhart , dem das- 
siker des naUiieiiigtiiig.>j, i:r iKunuifn, der diese formein bei reichster 
au*bildung am Ireiiesleii bewaln t hat. um nuo rülli^i zu zeigen, 
wie diese Strophen im ausdruck uud in der wähl der züge deutscheD 
Datureiogängeo entsprechen und nicht lateiniscbeo, sebeint es hier 
am ort, die formeln des deulscheo Dalureingangs zusaminenKa* 
stetteu; sie bieten zugleich das sicherste und lehrreichste bild 
fester poetischer formeln db. solcher verbinduDgen , die aus- 
sehliefslich der diebtun g eigen sind, dort aber kan» je dorcb 
andere erselzt werden, che lat. forineln sind nicht eiiili rni so 
starr: für sie mag es eiu^i weilen genOgcn, auf einige charac- 
lenslische beispiele und eigenbeiteii binzuweist ii. 

Anders als bei der vorigen Sammlung stelle ich hier die 
Züge nach der abniichkeit zusammen, um so gleichzeitig eine 
genaue analyse des typischen natureingangs zu liefern, da die 
ttbersicbt Ober die entwickelung dieser formeln im minnesang 
dadurch etwas erschwert wird, werde ich dieselbe am schluss der 
Sammlung kurz skizzieren und zu dem zweck auch gleichsam 
anhangsweise diese formeln in nichllyrischen gedichteu und ihre 
verarbeiUing doit iiaciisveisen. für die Zusammenstellung selbst 
beschränke ich mich wider auf die quellen, denen die anderen 
formeln entnommen waren. 

Der natureiogang zerl^Ut in die beiden galtungen des früh- 
Itngs- oder sommereingangs und des Wintereingangs, der erstere 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 193 

ist bei weitem der wichtigere; er pflegt breiter ausgeführt zu 
werden unil seine formeln , nfL::Uiv gewandt, linden auch im 
wißlercingaog oft Verwendung , wahrend das umgtkchrle seltener 
ist. auch erbalteD sich seine formeia länger und zeigen reichere 
eolwicklaog. 

Der oatureiogang im frtihlingslied besteht in der beschreibung 
der Tom mai geschmückten natur. diese beschreibung wird ein* 
fach, ohne weitere einleiluog, vorgefohrt. sehen gebt die ein* 

latluiig zum empfang des sommers vorher, so in den beiden Ue- 
dem iStiüharls, die ich liir <Iic älLesteu halte: 9» 13 und 16,38. 
dips beweist dann besonders treue bewabrung der alten traditio» 
(vgl. LUiencron Z?. 0, 76). näher über die art der Verarbeitung 
dieser formelgruppen und ihre Stellung im iied zu handeln ver- 
spare ich mir für eine spatere gelegenheit. — 

In der naturhescbreibung werden folgende zUge verwandt: 
Verkündigung der froblingsankunf^: 

Ckome mir diu wmertit OB 134* 
Uns ckumet ein lithu mmerzU CB 143' 
Aki nu kumH uns diu zH D. 33, 15 
Od der iumer kome)i u^/s W. 04, 11 
dir tiiimer ist kwM» m dm laut IN. 5, 13 
kwieu ist ein wunneclkher meie N. !M, 5 
körnen ist nns. (Ifu Ii>hc sumerzil N. Ii"2, 15 
vgl. DA kumst lohelirhoi afier der *rprlt in elliu laut N.9» 19 f 
vgL auch waz herzen yegen diner kiin/i erlachet N, 19, 17 

äaz si künden in diu lant sine kunft ... N. 23, 2 f. 

Sijetmf, der sumer der «i kie R. 167,31 
Diu %H in hie N. 10,22. 

Ze fröidin nähet alle tage der weite ein tounneclichiu zU 

R. 191, 25 f 
vti^ iiithet ein sumer . . . N. 14, 10 — 11 
Sil uns dhi liebe zit begnnde nähen N. 26, 24 
vgl. der liehten ougenweide diu uns beginnet nähen N. 4, 2 — 3 
vgl. auch Der schoene sumer gSt uns an Veid. 66, 1 (zu dem aus- 
druck an qin vgl. Uhland Sehr. iii260 anm.381). 

dasselbe vom winter ausgehend: 

Der winder . . . ist nu zergangen Cli 100' 
/.ergangen is{ der winder ehalt CB 10'2*. 104' 
zergangen ist der winter lanc D. 33, IS. R. IS4, 1 
so ist der H inter gar vergän Veld. 65, 32 
Nu ist der küeüe winder gar zergangen N. 24, 13 



Digitized by Google 



194 



ALTE DEUTSCHE VOLKSUEDCHEN 



Nu ist vil gar isergmujen der winder kalt N. 29, 27 — 28 
mir wa're liep, woll er zergdn Rugge lOS, IS 
vgl. Der slarclie winder hat uns verldn CO OS*. 

l/HoNp tum der winder . . . N. 17, 9* 

rümc ez, winter ... N. 4, 35 

winder kät es hie geriet N. 19,33<»34. 

der wtJiter hdt ein ende N. 3, 20 
ende hat der winder kalt N. 10,24 
jd wwn ich der winder ende hdt 27, 5 
vgl. da% dar winter swme welle %e ende komen W. 203* 

26—27. 

SU sich verwandelt hdt diu zit Riet. 19,7 

diu zit hdt sich verwa7idelöf Rugge 107, 13. IN. 11,12 
[im wiolereingang: e sich venrandelot diu zii MF ü, 7. Sich luU 
verwandelet diuzU U. 37,30]. vgl.Becktir aao.39. 

In den zUen von dem j4r$ da* . , . Veld, 59, 23—24 
In den zUen da% , . , Veld. 60» 29 

Swenn diu zit ahö gestdi daz . . . Veld. 67, 9— 10 
d€8 iU zit daz , N. 14, 24—25. 

der mai bcgrüfst: 

Ich wil den sumer grüzen CB 139' 

5l weilem alle grüezen tiü den ifi 01*1011 N. 6,21. 

die snmerzft enphdhen CB 130* 
, die scha'iu'it zil ril wo! enpfän V cid. 66, 4 

die wd ich schone enphähen N. 4, 5 
Sinn er, wis enphnngen N. 9, 13 
uns ndhet ein snmei ; dm enphdhet N. 14,10 — 11 
Alle die den runter hbeli dt e welni mphähen N. 16, 3S. 

t6 wal dir, enmer, $u$ getdner arebeit VV. 64, 17 (vgl. 

Wiimaons Lebeo Wallhers 8. 211) 

iDol dir, sumenninne N. 14,15 
Wol dem tage iN. 21, 34 
vgL WiUekoinen «t des meien schosne ^. 14, 4 — 5. 

der mai gelobt: 

er ist 80 schön wie je. 

wurde iemer sumer als 4 Veld. 07, 14 
hiioer als i N. 4, 33 
üher ah 4 N. 26, 26. 

er ist schöner als je (v^l.Tisclier LberNiüiart von liiuvvenlal s.23). 

ich gesach den svmer nie, daz er sö scliöne duhte mich 

CB 115' 



ü by Google 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLlEDCäEN 195 

ich}* 'lesarh vor manyfjn / ire ein schamer nie N. 10,23 
Ich yesack . . . nie vor manegeH sUen in sö Hehler ougen- 

weide N. 22, 3S T. 

die nacbrichl von seinrm nalicD erCreut: 

eri. sint guoliii niuwe mdre Veld. 5r.. 1 

wad mi^ lieber mwre, daz ich hau vermmen . . . 

K. 203, 24 — 25 
weit ir liebiu mcBre gerne hwreti 33, 29 — 30. 

Diu wtlt frönt iicA Überäl gegm der snmerzUe CB 123* 
sl vreunt sich gegen der Heben suinej zit N. 26« 31 
Tgl. tffihm uns gegen den meigen CB 100* 
H vre\nit sich gein dem meien N. 25, 20 
dt« sich wÖuteH gegen der %U mmer gein Hern meien 

N. S5, 10—11 
¥gL auch hh fröwe mich gegen der hn'de N. 1, 1 
ferner MF 4, 13 uod Mor. lOö, 19. 

der mai erfreut: 

däwn mag uns freude nimmer mtr zergän CB 98* 
Nu euln wir alle fröude hän CB 103*. 

dn vil manie herse itt firö Riet. 19, 8 
des Wirt vil manic herze frö D. 33,21 
dä von vil mangem herzen sine vreude eint gemiret 

N. 17, 5 

und vil mangem herzen vröude meret N. 21,36 
de» vröut sich manec herze . . . N. 10,2.*) 
Tgl. auch Allez . . . vreut sich einer künfte wol 23, 5 — 6. 

diu al der werlde vreude git 24, 16 
€fttf uns git vreuden vil und Udkter mgenweide 

N. 26,32 — 33. 

der al der werlde höchgemüete trage N. 21,35 

AI der werlde höhe ir gemüete stdt N. 29,35 — 36. 

wir ist liep, daz CB 107* 
diu liebem mir W. 92, 1 1 
Tgl. Ich bin frö, sU Veld. 57, 10 
daz ich mö hin ül,20 
vgl. auch des [röut sih min geinüete CB i02*. 

dasselbe toid winter ausgeheod: 

Die den winder senäes herzen wären, den N. 13, 13 
manegem senedem het zen trinen ist benomen N. 14, 7 
Tgl. diu habent ir trikren üf ge^ken N. 2$, 4. 

EiozelDe züge der naturbescbreibiMig : 
der wald iat friacbbelaubL 



Digitized by Google 



196 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCilEN 



gehubet stdi der ymone walt CB 102* 

der walt ist wol gelaubet N. B, 20 

nu ist (kr walt sMne gdoubet N. 22, 10— 11 

aher gtMbet stät der walt N. 10, 26 

mit nmtpem louhe stdt der walt N. 11^9 

der walt mit loube stdt N. 20, 38 

mit kube wd heoangen der griiene walt N. 29, 29 — 30. 

gruonet der walt allenthalben CB 112 
gruone etdt der tßhmne walt CB 123* 
Der walt in grüener varwe $tdt MP 6, 14. 

und det' walt isit lonbes riche N. 65, 30 

der ist nu niuwes lou^'i^^ ml N. H, 25 

er (der somiuer) wiL riehen. ..inanegen bouui mit lonbes 

wdt N. 5, 23 ff 
Schouwet an den wall wier ntuwes loubes richet N. 19,7. 

In Hehler varwe stdt der walt CB 101' 

/cÄ «ac/i ml liehte varwe hdn ... den (jrnenen waU 

Hugge 99, 29—30 
der$t in Hehler varwe gar N. 6, 3 
Ine gesadt , . . nie ... in Hehler ougenweuie den tjrüenen 

walt .N. 15, 21 n* 
Ich gesach den walt . . . nie . . . in so Hehler ougen- 

weide N. 22,38—39. 

Der wall mil ninwem huhe sine yrise hat verkeret IS. 17, 4 
Der walt hat siner grise gar vergezzen 24,23 (vgl. 

t0,31) 

Der walt hIhohI aller grise N. 6, l 

die bäume die d4 etuanden gris die habent alle ir 

niHwe% rfs . . . N. 4, 36->37 
die bäume die den winder stuonden ml die si'Af man 
aber in dem walde leuben N. 26, 37 ff. 
fttr den wald steht typisch die linde; 

ez gruonet wol diu linde breit D. 33, 17 
8Ö louben die linden Veld. 62, 27 
gelotibet stdnt die linden^ N. 15,34 
diu linde wol geloubet stdt N. 27, 8 
Nü ist wol breit der linden ir ast: 
diu was des loubes hiuwer ein gast: 
nu i^t si wol behängen . . . N. 18, 10 ff 
diu linde ist wol bevangen mit hübe N.20, 5 
vgl. N. 25,14 und besoadei^s 28, lOf 
vgl. auch N. 6, 15. 

' es ist wol hesser ntit Paul Beitr. v551 stdt diu linde zu lesen: 
reim mit überschüssigem n wird durch Pauls ausführungen für Neidhart 
wahischeiolich und dieser dichter hat sonst immer den siogoiar. 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



197 



haide, anger, wiese irisvh g»'?climni kl: 

fiht heide tst wunnulkh (jetdn CÜ 103' 
vgL auch diu fiuinf) zit is( sclione yedin CB 9S*. 

r/m heide wunnerhUchen st dt CB 107* 

heid anyer ttalt vf [runden stdt N, 5» 8 

wartet wie diu hei de siäl schone . . • N, 10, 29 — 30. 

M iih die UeMe heide 
in gruoner vame stau CB 139' 
div heide in gnioner varwe lU Cß 143* 
vgl. Kugge 99, 29—30 ». u. 

Schöne gevar lit der , , , anger N, 14,21 1 
Tgl. auch Wie wol der heide ir manicMliiu varwe $tdi W. 64, 13. 

Ich firöwe mich gegen der heide, 
der Hehlen ougenweide ... N. 4, 1 — 2 
Ich geetuh . . . <t/ die heide nie . . . in $6 UdUer ougen- 
weide N. 22, 38—39 
▼gl. auch Ine geetuh die heide nie baz gettudt , in lieht er ougen- 

weide N. 15,21fr. 

wald und haide zusammen genannt: 

walt unde heide $ih ich nu an CB 9S* 
diu heide grumet nnd der walt CB 104' 
ich sach villidiie varwe hdn die heide und al den gn'ienm 

waü Augg« 99,29—30 

TgL aueh M. 15,21—24. 34, 5—8. 

haide uod blumen Eosammi^n genannt: 

mtrtf liep daz $i $6 vil der echcenen bluomm hdt CB 107' 

dar SMO ftlnoma» unde Mi 

hdt diu heide vil als i CB 123*. 

mit münigen bluomen wol getdn 

heide hdt gezieret eidi CB 115* 
Nu iit der walt gezieret 
und diu heide . . . 

«til in brdhten» . . . Gnomen N. 34, 5 ff. 

nu sihi man bluomen wolgetdn 

Heben m der heide ir echin D. 33, 19 — 20 

bluomen schln 

ick dd vant. 

heide hdt ir lieht gewant N. 6, 10—12. 

die liiumeD das kleitl der haide: 

heide hdt ir lieht gewant N. ü, 12 
von lichten rösen diu lieide hdt gewant K 18, 6—7 
vgl. diu habent sidi bereitet mit ir aller besten wdt N. 5, 9 
scklhte in H^ter wcete und wunneeUcher wdt N. 10, 30 



Digitized by Google 



m ALTE DEUTSCHE VOLKSLiEDGHEN 



vgl. aiiclj diu heide mit ir kkiäe N. 34,61'. 

dies kleid ein gesrhrnk (Ips i'rühlings: 

die in der mew hat gesaut N. 5, 10 
Hie der meie sande dar N. 14,23 
der hat im der meie vil tjesatit .\. 19, 9 — 10 
vgl. die lifii der meie vür yesant N. 23, 1. 

blumeo dringeu hervor: 

wir seheti blnomen stän CB 103* 
die bluumen slent yevar in Hehler ouyemmide N. 17, 10 
die Stent aber in Hehler ougemceide N. 2 2, 2 
vgl. die bei Schilderung dor haiüe benutzlen slellea. 

$<i die bbtomen sprifigcif V»'ld. 02, 26 
von dem tomre siiriihji'nt hlvnmen iN. 7, 12 II' 
die hhirniH'tt si)il enlspnmyen iN. 8, 15. 15, 31 
vgl. und dw /'(n.omen dur daz gias 

wünnecliiht'ii sprungen VV. 9 1, 12 — 13 
vgl. auch nu ist diu heide entsprunyen VV. 114,20 
Urspring blnomen Wolfram 7,11. 

SC dii' ^'hiiniti'ii Az dem grase drmyent W. 45,37 
die bluoio* it ili (itfjfHi dnrrh daz gras M. 24, 2<» 
daz diu biiwuien dnini^eu durch den kle N. 26, 25. 

fOr die biamen steht typisch die rose: 

si ist wunnechlich hemngen von blnomen rot fli 100* 
aber , . • ist diu Heid mit röwi umbevangen N. 26, 

26—27. 

dt« heide mit den bhtom$n röt H. 1S3, 34 

Uta» siht der rösen wunder üf der Mds M. 24, 19 

rösen üf der heide N. 25, 26 

daz wären bluomm aUö r4t M. 14, 2. 

klee und gras, meist mit deo blumeo zufiammea genannt: 

der kU der springet ho Iii 133* * 

dar zuo blnomen unde kle 
hdt diu heide vil aU e Cß 123' 

hiuwer als e 

gruener kle N. 4, 33—34. 

dü diu blnomen unde gras 
sluonden grüene beide €\] 125' 
daz uf)^ kamt blnomen unde gias VeUi. ü7, 10 
vgl. da. f'Hspninii>'n fJuitmen ttnde kle W, 75,33 
springent biuomen unde kle N. 7, 14 
vgl. auch N. 21, 20. 26, 25 s. o. 

Diesem ersten hauptteil der naturbeschreibung gegenüber, 
der Schilderung der nnbeleblen nalnr, bildet den iweiten die 



i^iy u^Lo Ly Google 



ALTB DEUTSCHE VOLKSLIEDCUEN 199 

scliihieruDg des vogelgesangs, die auch fast ausnabiusios auf jeae 
eräleo fomrielo erst folgt: 

der voyele schal uu dceurf TU KU' 

hebt sich aber der vegele schal N. 4, :v2 19 (vgl. 

TkscIh'i aao. s. 17) 

s6 koime um der vogele schal W. ;{9, 5 

dir kleinm vogeUine sanc D. ^3, IG 

De$ meim stil (ninget vpgele sang», . . ml N. 1 0, 27 — 28. 

ÜB vogele singen Veld. 62, 30 

und diu Meinen vogelUn wol eingent W. 46* 2 

die kleinen vogele enngen dä W. 75,27 

aldä die vogele sangen W. 94, 14 

eingetU wol diu vogelin M« 11, 16 

vogelin singent N. 5, 19 

diu vogelin . . . diu singent aber N. 17, 6 — 7 

die vogele . . . die si'ngexl wnnmclichen irgesanc N. 19, 18 ff 

vrö singent aber die vogele N, 29, 33. 

vogel ir alten dön Wolfram 7, 12 
vgl. Loid wie die vogeb alle danenl 27, 3. 

Ine vemam nie der vogele singen $6 lehetam N. 14, 12 ff 
hos gesungen nie die vogele i noch elt N. 24, 17 
ir gevriestAil.». nie vogele schal die baz smgenK 28,37 ff. 

T<igel UDd wald zusammeit genaant: 

Sanges ist der weit ad 90/ CB 1 15* 
die vogele in dem walde singent wünneclichen N. 25, 

30—31 

vgl. Hf manegem grUenem rise hörte ich süeze wise singen 

kleitün vogelin M. 6, 7 ff 
?gl. auch vor dem walde wart ez Uu D. 34, 5. 

Vögel UDd Uoile: 

üf der linden ohene 

dd snvr pin kleinez vogelHn 1>. 34. '2 — 4 
unäer einer linden . . , dar ü/e sungen vogele Joh. 90, 

34—35. 

Vögel und haitk»: Mor. 139,19—20 vgl. Feais 83,36. 
TOgel uod blumeo: Veld. 56, 2— 3. 

di6 vOgel begrufscil den mai: 

ÄU die vogele frewelkhe 

singende den sumer enpfdn Veld. 65, 28 — 29 
si vröuwent sich . . . die schienen zit vil wol enpfdn 

Veld. 66, 3—4 
vgl. diu stnyent aber des nieien lop N. 17, 7 

vrö singent aber die vogele, lobent den meien N. 29, 33 
vgl. auch wie si den meieu mit ir sänge krmmnt 'S, 27, 4. 



Digitized by Google 



200 ALTE DEUTSCHE VULkSLlEOCHEN 

die Vögel freuea sieb «bnr (len mni: 

dii< sf/ rfiM fMo/ dm chUti^eh vogekn wol tb \io 
vgl. auch Veld. 66, 2 IT s. o. 

sewOhnlicb vom ^vinlcr ausgehrnd: 

Der rife tet dn* kleinen vogelen we, 
das si "»TU ensungen. 

m\ h6fi Ichs aher wünnedich aU e W. 114» zoll 
vogelin stngeni ; livn was we N. 5, 19 
(hu vogeUn diu der winder hü bettßungeii, 
diu singenl aber N. 17, 6—7 
die vogele die der winder trüric het gemacM, 
die singent N. 19,18-19. 
Die reichste stelle des vogelsangs lassl die meifltea dieser 

formelo zusammen: 

er6%en schal Ixd kh die vogele singen über al. suezen 
sanc . . . cnile h<n ir sorgen, ez landet tu der 
meie sumerlich geschreie N. 22, 3 11. 

aniLUDft der vögel: . \ iq q 

ahö sinl die regele (komen) mit gesauyc i'^ia -a 
nu komem nns die vogele mit ir säezen schrete K.32,14. 

far die Vögel sieht typisch die "acbiigall : 

tehÖM faxe diu v ah t egal >V. dJ, u' 
dar nndei' ftingeiU nahtigal N. 27,2 
diu nahtigal diu singet N. 31,21. 

^. <. In — lü 

vgl. Wie ichöne nahtegal nf dem rise sinyeut ^omnec' 
^ liehen i^dial ^. Ib II. 

Den dritten teil der naturbeschreibuDg bilden die bezöge 
aul die sonne, diese im gegensaU su deu vorigen in dco sommer- 
liedern scliener als in den winteriiedern : 
hh Ii in frö, Sit uns die tage 
liehuni unde werdenl lane Veld. 57, 10 f 
(der lichte tac bildlich B. 178, 13) 
In den xlten von dem jdre 
daz die tage sUn lanc Veld. 59,23-24 
Komen sint um die U^en tage lange ^. 13, b 
diu naht ist kurz, der tac beginnet langen IN. i4, 14. 

und daz weier wider kldre Veld. 59,25 
Diu zU ist verkldret wal Veld. 65,13. 
Damit sind die siebenden züge der sommerbeschreibung 
erschöpft und überhaupt alle verlrelen, die sich bei unseren 



Digrtized by Google 



ALTE DEjUTSCiU; VpiKSf.|UEDCHeN 201 



dichtem Ünden. nur habe ieb hi«r die ßille nicht aiffgeiahlt, die 
zwar typisch sind, aber uicht foraieihaft , db. die Bich mii den 
sonst Torkommenden nur inhaltlich decken, nicht auch loniiell, 
zb. »ler vü^ielsang Cß 104*, 123% worüber unten mehr, um die 
auftiodung auch dieser audcreu stellen zu erleichtern , merke 
ich hier noch die lr^hli^?^:('i^gänge unserer quellen an: CB 
98*. 100*— 104*. 107*. n5\ 123'. 125*. ia3'. 139*. 143*. MF 
4, 13. 6, 14. U. 14, 1. Riet. 19, 7. D. 33, 15. 34, 3. Veld. 56, 
i. 57, 10. 59, 23. eO, 29. 62, 25. 64, 17. 65, 13. 28. 66, 1. 
67, 9. &UOL 77, 36. Penis 83, 36. Job. 90, 32. Rugge 99, 29. 
Mor. 139, 19. R. 167, 31. 183, 33. 203, 24. W. 39, 1. 45« 37. 
51, 13. 04, 13. 75,25. 75,32. 92,9. 94,11. 95,17. 114,23. 
Wolfram 7, U. Neidharl begiiiul alle reihen mit iiatureiugaug 
auföer 3, 1. 12, 19. 33, 15 und dem tragment 33, 3. — 

Das veriiailnis der wintereingäuge zu den frühiingseingängeu 
ist dies, dass die ersteren durchaus die letztere^ voraussetzen. 
Biohl UoJts geht die Schilderung hier widerfaolt vom gegenteil 
aus und schliefsl daran nur die tamvluiag« wie das jetzt alles 
anders sei, w&hrend in den frtthlingBeingjlngen höchstens um- 
gekehrt die kune bemerkung, der winter sd gesehwanden, der 
Schilderung voraus<;eht — , sondern die winteiformeln sind ttber- 
wiegend nichts als Verneinende widerbolungen der sommerformeln. 
auch dii's bedarf näherer erOrtorujj^' an anderer btelle; die tat- 
sacUe seli)si alier muss hier erwähnt werden. — 

Verkündigung des \vintprs: 

f'st fhr leide winder hie N. 41,33 
ti/ eui winder N. 52, 21 
vgl. daz machet mir em winder ehalt CB 134* 
vgl. auch die nns den wmder kUndfiiU IV. 54, 2 
Owe toinder 101,20. 

vom Sommer ausgehend: 

Vrlop hdt des .s" ^ hrchen D. 39, 30 

Dö dei' liebe summa mluitp genam N. 49, 10 — 11. 

Uns ist zergangen der liepUche summer Mor. 140,32 
eter atmer wii zergäu N. 44, 37. 

,dsif ^c^0iden des sommers beklagt: 

^d t0^ dir, wmnßmunnel Pseudo^D. 37, 18 
Owe, »umerwumw N. 97, 9 
vgl. Owe, lieber swner N. 58, 25. 85, 6 
vgl. auch Owi dirre mMr%U N. 64, 21 

Z. P. D. A. XXIX. N. F. XVII. 14 



Digitized by Google 



202 ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



Owe sumerzU N. 75, 15 

Owe liebin snuterzit ^. 89, 3. 

Owe mir dirre not N. 44» 36 
Otce dirre nöt! 99,1. 

der wiDl6r macht traurig: 

kh hdn eine senede nöt, diu tuot mir alsd we CB 134* 

mir twtf f'pfforh der winter Vcid. Ö7, 16 
mir txiQt d&r wtnder we ^i. 3ü, 11. 

numiß kerxe muoz van $lnm idmldm vreude Idn 

N. 52, 28 

es isi manic herzt sar vm ginen vrCudm komm 

moixic herze geü hät «e trikren sich gestalt, den allen 

vreude wol yezmn N. 92, 15 ff 
j trüret manic herze daz in höhend muoie was N. 99, 5 

des isl manic herze beidiu /ruric nnde unvrö IS. 59, 38 
vgl. der uns manger vröude roubet N. 54, 2 
hdnt mir vnude btnamm N. 61, 20 
vgl. asch ^ . . *i4hiei man dä pnndm til maneifer hmä» wmtä» 
, dm vremfe ket mn mit d4 diu zU btgnnit 
twdrm, des iritrei manic hirz€ dm gmiUtt stuant 
i U (wie N. 99, 5 8. o.) N. 62, 37 ff* 

. . . 101« du3t qXUz hßingeu 
da» den eumer mit wreuden was N. 101,21 — 22 
aUez daz den eumer her mit vreuden was, 
daz Uginnei froren gein der winderlangen tumtn zU 

N. 86, 31 --32 

vgl. auch der winter kan niht anders sin 

wan ewme und dne mdze iane Riigge 108, 16 — 17. 

ze eenfte manegee herzen khge die we der ewart 

Winter Sit R. 191,27— 28 
mir riuwe dne vreude gßt N. 53, 39 
dirre kaide winder trüren unde ieneti g/H N. 73, 25. 

Einzelne iflge der naturbeschreiboBg: 

der walU isl deg laubes beraubt: 

und vaheet obendn der walt D. 37, 34 
ich kiute an dem waldct stn !aup i$i geneiget Pen» 82, 26 
vgl. dä von ist der walt des loubes dne N. 42, 35 
eme hät dem walde hubes niht verlän N. 95, 10. 

Winder, diniu meä, diu verderbent uns den waU N.92, 1 1 f 
vgl. N« 42, 34. 52, 23 uod 79, 37 s. u. 

fOr den wald steht die linde: 

Dm linde ist an dem ende nA jdrlane Mt unde bläz 

MF 4, 1—2 



Digitized by Google 



ALTE DEDTSCUE VOLKSLIEDCHEN 



203 



da» vogelsanc ist ge$wwukn: als ist der linden ir hup 

Pseudo-D. 37, ly — 20 
daz diu Wuber an der linden winterlich$ valunu ttän 

Veld.64,27-28 
▼gL diu iit grüene» l<mb9$ wwdm äne N. 46, 34. 

Üf der Itjuleu liget meil N. 42, 34 
vgl. N. 52, 23. 79, 37 f. 92, 12. 

Wild Uüd haide zusatiiiiicu gouannt: 

diu sint un bfide wordfii val Ungge 99,31 
heide unde wall sitU beide nä val W. 39, 2 
Tg) . die (haide) hät er gemeilei und den grüenen waU N. 52, 23. 
wald und blumeo zu^auitueu genannt: 

walt unde bhtomen die sint gar betwungen Penis 83, 26 
Ygl. N. 101,23—25. 

baide (aoger luul wiese nie genannt) ihres schmuckes beraubt: 
Na lange siäl diu heide val liugge 106,24 
diust von shtm khdden val N. 38, 16 
ex iti v!ol wm i^lden, ist diu grüene heide val N« 86, 36 
was dttr umbe, wtlwent grikene heide? R. 169,11 
dm dl« heide vHwet N. 73, 28. 

diu heide . , »ist verderbet N. 75, 33 AT 

diu verderhient une . . . die heide N. 92, 12 — 13. 

swetin ahö jwmerliche lit diu heide breit R. 191, 30 f 
schon wet wie diu heide lit N. 89,8. 

die blumen yrr^t in ii: 

und niilezen gar betwungen stdn 
die hluomen von dem winter kalt Ruege 99, 32 — 33 
Tgl. da hast vogele vil betwungen . . . dar zuo bluomen 

N. 101, 23 ff. 

ich hdn me ze luonnt danne bluomen klagen U. 169, 14 
Swaz ich tumber khge bluomen N. 76, 26 — 27 
ier hät uub der wunneditAen blumnem vil benmen 

N. 38, 11 

er benimi une vil der sehmen bhtmeu N. 99, 10. 

Wie 9ol iäi die bhtomen ikberwinien He «if gor ver^ 

dMe» sint N. 46, 28—29 
detküeU mnder verderbet sehmer hlumnen vil N. 79, 37 f 
gar verdorben eint die blu0men N. 86, 34 
?gl. M. 92, 12 8. o. 

die bhowim . . . eint verswuwkn N. 62, 34 f 
fiA eiht man kidir l9tiui bluomen stritten N. 43, 1 8 
vgl . Nu ist . . . der Höhten bktemen sthinvilgarmergdnK 48, 1 f 
vgL auch M. 95, 11 8. u. 

14* 



204 



ALT£ D£(JTS€UE VOUSU&DCUEN 



die haiUe der blunven beraubt: 

Der winäer zeiget &ine cluaft den bluomen unde der 

heidi CB 142*. 

jVm lanye stät diu hei de val: 

si hät der stU geniachet bluomen eine Rugge 106, 2-4 f 
diu die heide vekoet unde mange blaamen toolgetän 

N. 73, 28. 

bluomen und vogeU singen ist in (liaiiie und wald) gar 

zergdn IS. 52, 24 

unde der heide ir bluomen unde a Uehlen schin 6e- 

nomen N. 95, 11. 

fflr die blunien sieht üi«; ruse: 

Sit er uns die römi ab der beide nam N. 46, 36 
dm heide iet van dm rö$m blö% 63, 9 
ich nhe die bluomen röt vor dem walde triridkhen 
9tdn . , ,nü vahDente aber gar N. 45, 1 ff. 

kiee und gras, meisi zusamuit^u geiiaaut: 

da von aldt val der grüimie chle Cii 142' 
^ khge ich niht dm m Miwr. 140, 3ß 
fd klag ich den ^rdeiMii kU tü. 3ä, 9 
er entufinge um abe bekliu bhomm unde kli N. 86« 20 f 
owi hluomm unde kli N. 22 
bhwmm unde Xrfd . • . die terderbet uns der sni 

N. 76, 11 flf 

Die bhomm und doM grüene grrn beidiu eint ver- 

swunden N. 62, 34 
yar verdürben sinl die bluomen und daz gras N. 86,34 
er benimt uns vil der schanen bluotnen unde gras 

N. 99, 10 

dar zuo bluomen unde gras N. 101,25. 

das hiuplzeichei dw winters ist 4» scfanee: 
daz snaehet mir ein winder ehalt 
und ouch der wize sne CB 11^4* 

. . . daz machet der siip Fmiis 82,29 
die verderbet uns der sne ^i. 76, 13. 

MhDce und reif: 

We tuot in rife unde ouch der sne CB 142' 

dir lidt widerseit beidiu rife und ouclt der sne N. 35, 6 f 

tifiiar freuden widerstrit bringet rifm unde eni N« 64, 25. 

der reif sUtt des scbnees: 

da» si von dem rifm tturde» val N. 43, 20 
da% ist aUe* von des rifm ungmädm kamen N. 38, 14 
daz ist aüen von dem kidm rifm kalt N. 62, 27 
vgl. M. 45, 10. 63, 10 



Digitized by Google 



ALtfi DEUTSCHE V0LK8L1EDCHBN 205 



«MM dm kaUm Hfm 9km ^ im wtUk Ut N. 86« 35. 

Deo wiDterschilderuDgeD ist noch die nennung der winde 

«geBiOniych: 

diM winde die eint kaU N. 35, 4 
Une winde kalt K 75, 30 
▼gl. da% maehtt mir ein winder dwU Cfi 134' 
ja ist der leide winder kaU N. 38, 10 
ich hmtne den winder kalt N* 51,4 
vgl. auch dirre kalde winder N. 73, 25 

<kr /nNe «räider ^. 79, 37 (vgl. Burdaob s. 162). 

Den zweiten haupCteil des naturbildes macht das veratmnineii 
des Togelgesangs , meist sehr nacbdrOcklieh hervorgehohen , aas: 
df*e vogtle swigent gegen der %U CB 142* 
dä sl müezen ewigen allen dieen winder Itme N. 76, 10 
und Hu kleinen vogellln ires sanges stnl geeweigei 

Veld. 59, 13-- 14 
des Hnt gar geswetget die vogt^ ir umgee Feois 82,28f 
dd 9on eint diu vogeltn ir eangee gar gesweiget N. 50,39 
gar geeweiget sint diu vogeltn mit ir gesange N. 58, 28 
Sanges sint diu voyetin geswtget i%\ 59,36 
snnffps sint diu voijeHn fjrmiijen über al N. 86, 33 
daz vogelsanc ist gesvfunäen i'seudo-D. 37, 19. 

Verboten ist den kleinen vogeUnen ir gesanc N. 43, 15 f 
vogele singen ist in gar zergdn N. 52, 24 
is und andiane hdtder vogeHne sancgargeettUetH, 76, 8 ff 
Ygl. auch N. 14, 16 f. 

diu vogeltn diu der winder het betwungen N. 17,6 
alsö sint die vogele in dem walde de^ hetwnngen dazs ir 

singen müezen Idn N, 73, 29 
dü hdst vogele vil betwungen IS. 101,23. 

die vOgel sind traurig: 

n lebent in grözen sorgen CB 142* 

evde hat ir sorgen N. 22, G 

gar verborgen sint aber alle ir sorgen M. 29, 1 — 2. 

der (schnee) fiial in beide unsanfte unde w4 Penis 82, 30 
daz tuot den vogellinen we W. 75, 38 
vogeHn singent; den was we N. 5, 15. 

d^e vogele trürent über al Bugge 106,26 

die vageU die der winder trüric het gemadwt N. 10, 18 

diu habent ir trären 4tf gegeben N. 28, 4. 

für die vOgel steht die nachtigall: 

Dl« nabiegal isi gesweiget Biet. 18, 17 
^estot^sn sint die nMgal D. 37, 32. 



Digitized by 



206 ALTE DEUTSCHE VOLhSLlEDCHEN 

und ir hoher sanc geneigt, die ich e wol hörte singen 

Riei. 18, 18—19 
ouch hd( diu liehe nahiegal vei'gezzen daz si schöne sanc 

Rugge 99, 29—30. 

dar zuo sinl die naUligal alle ir wec gevlogen N. 38, 

17 — 18. 

Einen firOfspren räum als in den sommerliedern nehmen 
hier, wie hon erwähnt, die der sunne und üntai ieuchleo 
gellenden lormeln ein: 

SU diu sunm ir Uehten scMn rjegen der kelle hdt ge- 
neiget Vcld. 59, 11—12 
Diu sunne . , , hätit ir hirlw hin ynit-ujei IS. 5Ü, 37 
(die gegenteilige formel wird nur biUliich vervwmdl: 

daz min tniiot stuoni höhe satn diti sunne Mor. 139,10 
Höhe aham (h'y sidihp sdH daz herze min R. Is2. 14). 

leit ist mir geschehen an der Uehten sunne l/rehen, 
die wir dicke trüeLe seheti N. 76, 17 ff 
vgl. Urlüp hdt des snniers brehen D. 39, 30. 

er entwinge uns abe , , . mangen Uehten wnnnechdien 

tat N. 3Ü, 20 ff 
wie hdnt sich verwandelöt dise Uehten sumertage N. 99, 2 f 
?gl, SwQst ich tumber klage bhtmen und die Uehten tage 

N. 76,26 — 27. 
aber sä sini die tage trüebe N. 43, 21 — 22 
die beginneni leider alle trmben N. 36, 24 
%e disen trMen tagen N. 54, 1 
et truohent unde nement an ir eüezem weter abe N. 58, 27 
diee trüehen tage N. 61, 18 
loa« da bringest trüber tage N. 101,20—21. 

die langen nächte: 

der Winter und sin langiu naht D. 39, 35 
Wir hdn die winteriangen naht D. 40, 3* 

Hdt dir Winter kuriKen tac, eöhdt er die langen fMiAr 

W. 118,5—6 

die langen wüa Hartm. 216, 4. 
Ohne beiiehung auf den winter oml mich danne langer naht 
R« 156, 25, vgl. Properz (CatuUi Tibulli Propertii Carmina rec. La- 
cianua Hflller, Leipzig 1874) tv 12, 1 Quaeritie, unde avidis nox 

Sit pretiosa puellis. Gooihe Sprechet nicht in tranertönen von der 
einsamkeit der nacht (liueihes ^'cdicbte hg. von GvLoeper ii 120); 
vgl. L'hland Sclir. in 21 aum. S. 
Die kalten nächte vereinzelt: 

e» htdfent die kalten nehte getän Veld. 64, 26. 



i^iy u^Lo Ly Google 



ALTE DEUTSCHE VOLUSULDCUE.N 



207 



Besonders mache ich zum schluss uov\i aul eine formelhafte 
aaülhese aufmerksam, die bhimen und silmte contrastiert : 

dä man brach hlnomen da lit nu der sne Mor. ]40, 33 
dä wir sdiujtel brächen e, dä iit nü rife und vuch der sm 

W . 75, 36 — 37. 

Tom wioter ausgehend: 

96 iüe bhernsn dä Hft lU W. 39, 10. 

Ebenso entsprecheD sich zwei schon angefQhrie einfachere 

aotiüiesen : 

diu naht isi Au/'s, der tac beyinud Umyeu N, 24, 14 
Jldt der tctnter kurzen tac, sö hdt erdielangen uaJil W.W 8, 5. 

(iegeiJübersU'llung der cnlgegeugeselzten zustünde ist uichl 
seiteo, doch nutli nicht hei den ältesten dichtem. — 

. Ich habe auch hier wider die nicht formelhaften stellen forl- 
gelassen, obwol deren betrachlUDg interessant genug ist. die 
winterticbeD DatureiDgfloge unserer queUen finden sich an folgen^* 
den steUen: CB 134*. 142MIF4, l.Riet 18, 17.P8eudo-D.37, 18. D. 
37, 30. 39, 30. 40, 3. Veld. 59, 11. 64, 26. Fenia 82, 26. 83, 26. 
Rugge 99,29. 106,24. 108, 14. Mor. 140,32. R. 169, 9. 191, 25. 
Hartm. 205, 1. 216, 1. W. 39, 1 f. 75, 25f. Neidhart bat natur- 
eingang wider in allen winterliedern aufser 40, 1. 65, 37. 07, 7. 
71, 11. 72, 24. 79, 18. 84, 8. 96, 3ü. Iü2, 32. 103, 15. — 

Über die natureingSnjre und über das natnrgefühl l)ei den 
minnesingern spcciell liaudelu Liliencron Zs. 6, 78, Erich Schmidt 
Reiomar und Hugge anm. 25.49, Burdach 8, bes. 48 f. 134, Wil- 
manns Leben Walthers 208f, anm. 305 — 413 und vor allen Ubland 
Sehr, in 384 f ; tlber das naturgefttiü in der deutsohen dichtung 
aberhaupt Koberslein Vermischte aufsAtie 3 f ; (Iber die proT. nalur- 
eingange vgl. Diei Poesie der troub. s. 123 f , Ober die altfrans. 
Wackernagel Altfrans. lieder und leiche s. 169; beispiele von all- 
franx., pro?.,altttal. nalureingängen Ttscfaer Ober Nttbart s. 18^ — 19. 
endlich die natureiogäuge in der dichtung (h r verschiedenen Völker 
uoterwirU Scherer Anz. i 1991 zum ersten mal einer vergleichung. 
tll)er (he naturein^?Huge bei ISeidhart vgl. meine dissertatiou s. 97, 
124; über die VVinlerslettens Minor in seiner ausgäbe s. xii. — 

Es wird bei durchsieht unserer sanunlung sich wol jedem 
die Überzeugung aufdrnngen, dass diese l eliandiuog des natura 
eingangs auf mtere lieder zurückweist, in denen der ausdruck 
für die einzelnen gUeder wie deren auawabi und anordnnng 
aidi schon Tollstandig fest auagebildet hatte, ehe unsere ültesten 



208 ALTE DEUTSCHE ¥OLKSLi£DCU£iN 



minDecIichter sangen, indessen die rxisienz derartiger triihlings- 
iieder ist nach Müllenhoffs abbandlung De poesi cborica 21 f wol 
kaum mehr bezweifelt worden ; die wibteHiedet*i ididdestent die- 
jenigen, die der miDDesaog fortsetste, scbeioen selbst schon 
nachbilduDg der urspraogliehen maiengrOfse m sein, was aber 
für uns hier wichtiger ist: diese formelii zeigen durchaus das- 
selbe verhalten wie die audereo^ die wir zusammeogestellt haben, 
hier liegt doch ganz unzweifelhaft bearbeiiung, tia< Iktlimung, 
ausbilduog ältester volksliedcben vor; und auch hier sehen wir 
denselben gang von der unveränderten aufnähme, wie sie sich 
durch einfachste form und wortliche Übereinstimmungen Terrat» 
zur immer freieren Umformung mit den uns schon bekannten 
miltein, und zur gänzlichen oder doch nahezu fOlligeo Vermei- 
dung, formeln wie zb. zergangen Ui der wdider kaü, ifu mU 
hdt sich vencandelöt, geloubet stät der grüene walt , oder Aeirfe 
nnd walt sint beide nü vnl, din vogelin sint ires Muiges gar ge- 
S(/ ' /r/»'/', sogar das lyrisch bewegte so we dir sunrerwunne dürfen 
wir mit bestimmtheit als teile der alten volksliedcheu ansehen, 
blumen, wie sie überall aus der erde hervorbrachen und nur zn 
strflufoen zusaramengebundeD zn werden brauchten, ftreilich dasa 
diese strSufse sich ahnlich sehen, ist natürlich; keine künstlich 
gezogene blQte stach von den rosen «nd grashalmen ab. und 
wie diese formeln daher die betraflbnden deutschen atrophen 4er 
CB ganz in die reihe der echt deutsclien natureingiinge stellen, so 
reihen sie die ho/üt:lirhen stiopheii Morungeii- mul Veldekes, 
Wallhers und Ntidhurts ein m «lit zaiil der am uuister des Volks- 
lieds und direct in anlehnung au dasselbe erwachsenen gedicbte, 
und zwingen durch ihre analogle auch die an anderen formdn 
gleichen Ursprungs reichen Strophen in diese classe. 

Den einwand noch abzuschneiden, dass auch hier luMIfgM 
zusammentreffen vorliege, wie die bescbrlnkte zahl bierfttr ge- 
eigneter Züge und Worte es nshe lege, dazu genügt ein Mick 
auf die nalureingänge anderer vOlker. unler den echt lateinischen 
zb. sürntnt zwar allerdings einer scheinbar genau zu den deut- 
schen naturbildern : 

Diffuger^ rriven; redennt tarn gramim campt«, 

Arbaribtisque comae (Horas iv 7, 1), 

aber bei genauerer betrachtung sehen wnr auch hier die ab- 
weichung. nirgends bebt der deutsche firühlingseingattg das ver- 



Digitized by 



ALTE DEiirSCttE VOLKSLIEDCÜEN 209 



gchwioden des schuees iiervor und die haide schmückt er Dicht 
mit gras, sondern mit blumen. allen anderen natureingSngen 
der dasiiacben lat. lyriker, die Qbrigena apttriich getiag aind, ist 
eigen ?or allem, dase sie im gegeasals su den dentaehen im 
gegenbild des winters die ursprangliche gestalt der forttiel an 
x^tgett scheinen, ine sie denn andi alle YOin Winter ausgehen 
(nnch die eben angeführte stelle), dann aber ist tinterscheidend, 
dass bei ihnen das hauptgewicht attf der Schilderung der mehr 
eleihebtaren stücke liegt: wind, regen und flüsse, wahreud die 
deutschen auf den mehr animalischen, belebten oder leichter ?.\\ 
belebenden verweilen : wald, bluinen und vögel. die lateinischen 
frühlingseingänge finden sich Horaz i 4. iv 7 (im weiteren Fort- 
gang durchaus den anderen analog), iy 12, Catull xxxxvi, und 
ganz entsprediend bildlich Horaz ii9; wiotereingange Horas i2.9« 
Epod. xnt. so findet sich auch in der spateren deutschen lyrih, 
so fiel ich weilk, die erwabnuttg der vom eise hefreiten atrOme 
andhaehe nur bei gelehrten dichtem und deren schttlern; sonst 
weicht diese wider ton der mhd. natnrbesehrefbung weit ab, wo 
sie dieselbe nirliL wie zb. Arndt in dem lied Sehnsucht (Gedichte 
8. 178) wuriiiicb nachahmt: 

Wann die vögkin $o minniglick 

Im grünen wähle singen, 
Mit den kehlen so winniglich 
Von Inst und lit'fie klingen. 
Wenn die blilmlein in berg und tat, 

doch auch hier ist schon das folgende modern, so bildet bei 
anderen Tdfkern anderee den mittelpunct der naturbeschreibung; 
die Romanen heben gern den duft hervor usw. jede poesie hat 

einen bauro, eine blume, einen vogel als typisch ftlr alte gewählt, 
aber überall sind es andere, die Inder Uuizeii um die weitsciiaüige 
dorfficus fZimmer AUiml. loben s. 2SS) wie die Deutschen nni die 
linde iisw (vgl. de iiubernatis Mitolügia s. 120). so machen sich 
characlcnstische unterschiede, in erster linie natürlich auf klimati- 
schen verschiedenheilen beruhend, in den typischen natureingängen, 
wie sie alle volker ausgebildet haben, auf deutlichste Weise geltend 
und nur aus echten alten deutschen volksliedchen können jene for- 
mein der minbestnger stammen, und dass auch diese formelo eine 
längere seit der ausbildung voraussetzen, beweist das festwerden 
gewisser termini, die aus vielen synonymen heraus sich als die 



Digiii^cü by Google 



210 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



geeignetsten behaupteten, wie twingen und i erderben, swinden 
uud zergdn, wol getdn und WHiuieclich , der leide wiiultr und der 
toinder kalt usw., und würde weiter durcb das euläteheu der 
winterformela nach dem beispiel der frUhlingfiformsln fUr diese 
sich berausslellen. 

Die enlwickeluDg der natureingliige kano im einielnen hier 
nicht verfolgt werden, als characleristisehes muater alterUUnlicber 
art führe ich besonders Dietmars atrophen 33, 15 ff und 37, 30 if 
an. Veldeke ist dann mit geringeren neuerungen auch hier 
bahnbrecher der neuen dichtung. weiterhin lüssl sich die ver- 
schiedene liallunR der zum volkstiimliclien ton neigenden und 
der streng hotisciien dichter hier deutlich erkennen, einen neuen 
abschnitt bezeichnet iohansdorf mit seiner farbenverschwendung 
(s. Burdacb s. 92) und sodann Reinmar mit der einfabrung des 
vtol (Erich Schmidt s. III). Wolfram siebt wie immer abseits 
und formt 7, 11 die festen formein in höchst origineller weise 
um, jeden alten salz tu einem Substantiv Terdiebtend ; ich wüste 
seiiif III uaiureingang nur ein einziges ähnUches beispiel zur seile 
zu stellen, eine sirophc Chlands: 

Saatengrihi , miUshenduft, 
LerehenwirM , amsehchhg, 
Sonnenregen, linde hiftl 

Wenn ich solche worte singe, 

Ih ffHcht es da noch großer dinge, 

Uidt zu preisen, frühlingsiag (i 60) — 

und gerade Ubiand konnte doch von Wolframs lied beelnflosst 
sein; keinesfalls tatTiscber (aao. s. 22) gut daran, Ublands ge- 
dieht als ein heispiel neuerer natureingänge herauszugreifen. — 

Wie nun di<*se formein sich auch Uber die lyrik hinaus ver- 
breiten, wie sie Oberall angewandt und unigebihiet werden , das 
mögen noch einige beispiele zeigen als neuer beleg für den 
einfluss der äliesieu deutschen volksliedchen auf alle mhd. dich- 
tungsgattungen. 

Ich deute die anwendung der alten formein wider dadurch 
an, dass ich zu den betreffenden versen in klammem die ihnen 
am nächsten siebenden stellen unserer Sammlung setze. 

Von den mhd. epcu habe ich zwei in mancher hinsieht 
liöchst verschiedene, beide aber nicht \olk^l^iülllch gehaltene ge- 
dichte anzuluhreu, den Mauricius von Cr^ün und den Tristan. 



Digitized by 



ALTE D£üTSCü£ VOLkbLiLUCÜKiN 



211 



Mauricius von Cräüo v. 1679 fr: 

ditz ttas in der stmufe (Veld. 59, 23. 60,29) 

dö ez svtneni hrijrfrfde. 

dfp vniff'l^ in dem icahk (N. (j'^, llj 

Uile linde hnlde (vi;I. D. 34, 5j 

sungcn nninegc sdutnie. 

die rosen und die brimme 

blmten alle widerstrit (vgl. W. 114,27). 

0x wu rtiit€ oti dir tU 

sö WMtn unfireudi hazui (N* 14, 7 usw.), 

stcA häte ^tmsasU 

der wait nnd€ $ekaniu kleit (N. 5,9) 

gegm dm mmir an geleit (CB 123*), 

diu hup grüene und drunder gras (CB 143'), 

da% est sMne gemuoset was 

mit maneger hnnde blUete (N. 23, 10). 

ditz machet guot gemüete (IV. 21,35), 

stcer an freude hat gedanr (^. 24, 16), 

und ouch der vogele aueicr sanc (D. 33, 10). 

Tristan 544 ff (Bechstein): 

diu senfle süeze sumerzit (N. 32, 15) 

dm hcBte ir süeze unmiUziktit 

mit 9üe%em fliz an geleit (s. u.). 

diu kleinen waUvogeUn (N. 6, 7), 

diu des &ren fröude suUn ein, 

bhomeut grae, hup unde bluot (CB 143') 

und swaz dem ougen sanfte tnot 

und edele herze erfröuwen sol (N. 21, 36), 

des was diu snmerouwe vo! (CR 115*): 

man vant dd , swaz man wolle, 

daz der meir f>rf'jtfji'}f softe (N. 10, 27) : 

den schale bi der sunnen (iN. 6, 5 — IS), 

die linde ht dem bntnnen (nach Iw. 569—74?) 

die senften linden winde .... 

die lieht en bluomen laciielen (W. 45, 37) 

ikz dem betouwetem grase (N. 33, 36), 

des meien frnmt, dir grüene woh, 

der hwte ^ bhtowien ane gdeii (N. 18, 6) 

s4 umnnedkhiu sumerkleit (N. 5, 8), 

daz st den litben gesten 

in ir äugen widergkslen (Wolfr. 7, 17). 

dl« säeze boumbluot sach den man 

sö reihte suoze lachende an, 

daz sich daz herze und al der muot 

wider an die lachende bluot 



Digitized by Google 



2i2 



ALTE DEUTSCHE YOLKSLIEÜCHEN 



mit Spünden ougen machete . . . 

daz tenfte vogelyedwne (>. 27, 3), 

de» «fiCM» da% sctoiM (N. 22, 3), 

das örm unde mv&te 

vil didiß kumit u guate, 

daz fniU dd berc und» tal (N. 4, 32). 

diu scBlige nakte§at, 

daz liebe sAize vogilin (N. 23« 13)» 

daz ietner süeze rmleze sln^ 

daz kalleie i<z drr blitete 

mit svUter übermütte, 

daz dii manc edele herze van f N. 17,5) 

[runde unde höhen mmt gcwan .N. 21,30). 

Schon die stelle in dem ällereu gedieht zeigt beachtens- 
werte Umformungen, ohne sich doch weit tod dem volkstüm- 
licbeD naturbild zu entfernen, höchst interessant aber ist die 
Daturbeschreibung Gottfrieds, ieb baba das lange stttck ganz 
hergesetzt, weil es das groste mir bekannte praehcstdck mhd. 
froblingsschilderung ist und weil es, die formende band des 
grofsen kOnstlers Gottfried in jeder zeile verratend, für das 
aufserste gelten darf, was hoQsche kunst aus dem uralten Stoff 
zu schaffen vermochte, tlt-nn die eigenart des dichter« des Tristan 
Wild iiK iiinnd veikeuueü, weder in dem glalteu gefüge Oberhaupt, 
noch III einzclheitcn wie dem achtmaligen gebrauch des wortes 
süeze, iü den antithetischen Spielereien wie 548 öre, 550 ouge^ 
in der Spielerei mit laekm 568 ff usw. wie bczeicbnend für die 
boflscbe dicbtung, wenn der mai nur edek benen erfreuen soll 
(551. 583), und wenn sogar die nachUgall das epitbeton u^ie er» 
balt (578)1 minneformeln werden eingescboben (544 — 46, vgl. 
Wilmanns Leben Waltbers s. 184 anm. 116 und besonders Wolfram 
Parz. 88,16: an den Ute der gotea flizj und höfische reminiscenzen 
verwertet (555 — 56). und bei all dem, wie wir sehen, die alten 
lornieln nur in neuer umkh'idung, der grüne wald zum eleganten 
park zureciilgestulzt, aber doch nur, indem die alleu »lamme 
versetzt, Jfste und zweige mit der scheere in kunstgerechte formen 
gebracht sind *als wärens verse fioiieaus.' eine wUrkliche neu- 
beiebung der naturdicbtung war von den höfischen epikern nicht 
zu erwarten. 

Als beispieje höfischer naturbeschreibnng nach fremdem muster 
vergleiche man zb. Iwein 604 ff (vgl. Parz. 118,24B) und Parzival 
96, llff. ^ 



ALTE DEUTSCHE VOLÜSLIEDCHEN 



^13 



Aus der volkstümlichen didactik teile ich 4^iu par äteiltiu 

niU, die die formeio Ireu bewahrt zeigen: 

Kleinere gediclite des Stricker ed. Hahn iv 2li/: 
dö was der walt mit loubf wol behangm (f4.«29«29). 

«beiifit KU 246 U eiqe merkwürdige stelle: 
II erfröui daz velt noch der walt: 
si enfröuwmt bluomen noch doM fTM (M. 86, 
tiaz p ihr werlde fröide was, 
vnd Hehle tage unde lanc (N. 13yS) 
weder sumer noch vogelsanc (Hartni. 216,6). 

V. 246 ist ein wichtiges leugois fflr das der mhd. dichtuog so 
oft «bgesprocbene aaturgefllhl deutlich tritt dies uns such aus 
deo alten tierfabeln entgegen; sie seugen von lebhafter naturan- 
scbauuDg und kraftiger darstellungshunst selbst bei alltäglichen 

Vorgängen des naturlebens; ich verweise auf folgende stellen in 
den von Pfeiffer Zs. 7, 318 IT herausgegebenen AluJeutschen l>ei- 
gpieleu: ni 1 — 25. v 6. vr 6 — 13. vn 5 — 7. viii 4 — 12. xxv 1—5. 
XXVI 1 — 5. XLi 1 — 15. daneben fehlen auch hier nicht wider- 
bolu Ilgen der alten lormelu: 

miiHu linde diu wa$ brmt (N. 18, 10) 

und besonders der nalureingajig 1 1 flt; 

M kam vi eiitei mstsn ttt (vgl. Veld. 59, ^3) 

$6 diu wiie grüefit Ui (CB 104^ 

mit bluomen umhevangen (N. 26, 27) 

4f eine heide gegangen (CB 141*) 

diu was von bluomen wd gevar (M. 14, 20); 

«IwDW in Her w«lf und die ginse (RF 315) r. 716 
wünneeikhen enUprtmgen was (W. 94, 12) 
dSflr .«ffidar Uumm wiie kU (GB 123*) usw. 

beachtenswert ist das naturbiid in einem Helhiinysgedicht, vu 17 ff, 
das ganz formelhaft anhebt: 

StBflz man in vef'lf ^rhonwet 
so daz fier meie heiuuwet 
icise anger heide vnde walt, 

den spielmaiiiisinlifsigen zug der häufung aber, den schon der 

letzte ver^ zei^t, in v. 22 bis zu dem dujrcbaub uuvoikdlUiuJ^cheu 

sndfeit bluomen vial treibt. — 

Nachdem der deutsche character Jener verse durch diese 

betracbiuDg der deutschen natureinginge vol genügend enbttrlet 

iel, bleibt um Aoeh Qbrig in seigen« wie Jehr auqb die vaganteiM 



Digiii^cü by Google 



214 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCIIEN 



dichtung im naturbild von der deutsch'^n abweicht, dass die 
deutschen Strophen »ler CB der ällesten deulsclien lyrik und ihreoi 
fortsetzer Neidhart selir nahe kommen, hat schon Burdach (aao. 
8. 161) bemerkt uDd auch ichon verse der CB und Neidharts 
neben einander gesleül. bette aber nicht etwa die dichtung der 
fahrenden den deutschen natureingang aafgenoinmeo, sodass diese 
Qbereinstimninng gegen den Ursprung in va gantenkreisen nicht 
beweisen kdnnte? das ist leicht zu widerlegen; die dichtung der 
fahrenden hat gerade wie jede andere poesie eine ihr eigenlilm- 
liche naturbeschreibunjr horans^ebihlet. ich begnüge mich damit, 
auf einige cliaraclerisüsche beispiele hinzuweisen: 41,2. 46,2. 
52, 2—3. 54, 2—4. 55, 1 f. 65, 1. 6. 60. 98, 1 f. 103, 1 f; als 
der wichtigste unterschied ist hervorzuheben dass die Lateiner 
hier breit und prunkhaft malen , die Deutschen kuriE und streng 
skizzieren; characteristisch ist namentlich die behandlung des 
TogelgesangeSy worauf aber hier nicht eingegangen werden kann, 
eins aber ist gerade fttr unsere Strophengruppe wichtig: fast aus* 
nahmslus pflogen die vaganleu luit ihrer Vorliebe für das bunte 
die blumeiipiaclil des frühlings durch ßore vario, diversis flo- 
ribus udgl. widerzugeben; so quovis flore ptcturata 52, 2,1, co- 
lores per muUiplices 55,4,2 (zeiie 2 und 3 umzustellen), piao 
terrf grmio vario colore 65, t, 4, ßott vario 101, 4, multos co- 
kres 103, 3, cum vorm cohribus 103, 4, per mukös eohres 105, 1, 
telhts pieta flore 116, 2; besonders reiche stellen: pro diverm 
fioribus variat eoloresp varits eoUmhu praia datU odsm 102, 2, 
vario colore 108,3, flore vario 109, 1, nitent albent mbeni candemt 
veris n'tns iura panHeni ortu vario 114, 1 (man beachte dass gerade 
die volksiiinilu tisie deutsche farhenangabe: grün, fehlt), mul- 
tiludo florum et color colorum 118, 1. umgekehrt pflegen die 
deutschen dichter entweder von der grUnen färbe des frublings 
zu reden, oder, wenn sie die blumenpracht hervorheben, nur 
Muomen röt oder schlechtweg die röee au sagen; so bhimnen 
röt M. 14, 1, die rMluomen D. 34, 8, die röten Veld. 60, 29, 
hhtomen röt R. 183, 34, bei Neidhart röeen 14, 23. 18, 6. 
21, 19. 25, 26. 26, 26; ausnahmen mit farbenhSlufung bieten 
Johnnsdorf 90, 32, Wallher 75, 25, Neidhart 34, 9. hier nun 
haben wir 100, l /Iure purptreo nach deritsclier arl, (\eni biuu mm 
röt 100' vergleichbar, und wie wir es oben in durchaus ana- 
loger weise b4i der Hlia fanden, ist die ersetzung der färben- 



Digitized by 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



215 



angäbe *bunt* durcln'roi' in lat. «tropheu fast nie die einzige 
hintl<'Utung anf beziehung zu deutschen gedichlen. wir liahen 
34, 2 loais purpuratus — aber in demselben gedieht 34, 1 tilia, 
106, t purptiratum floret pratum iü einem von einer strophe 
Reinmars gefolgten lat. gedieht, gegen dessen unprdnglichkeit 
seine fonnelhaftigkeil besonders in dieser ersten strophe spricht 
(namenllicb gratum er apiahm, ebenso 45, 1. 118» t. vgl. auch 
in unserer str. 100,1 ver opatum; nunc readit hyemis samtia 
106, 1 mit hims taeva cessit 107, 2 schon oben sosammengestellt, 
vgl. hieins saeva transHt 118, 1); tellus pnrpnrata 118, 2 in 
einem gedieht, von dem dasselbe gilt (ver optatttm : gratum s. oben; 
Iiiems saeva transiit ebenso; Nivei cundorts rosei mbon's s. o. ; 
scintilla : cor fit faviUa nach 137, 3 iia.), das ferner m arhor in- 
vesiüur (wie str. 2 gewis statt ardor invesliiur zu lesen ist) die 
nachbildung einer 113,2 noch breiter nachgeahmten deutsch so 
häufigen als lat. seltenen formel enthält, endlich aber ist an 
dieser stelle das ebaracteristische der einselerwfihnnng der roten 
färbe durch die schon dtierten angaben mMtudo florum ei cohr 
eohrum aufgehoben ; dasselbe gilt von der bezeichnenden misch» 
stelle 47, 4 pido redit gremio t^hu purpurata, beide gedichte, 
47 und IIS, sind wo\ sicher von deutschen fahrenden verfasst, 
wofür 118,3 noch der vers 0 quam cn'nes fhivi spricht, einzig 
46,1 haben wir dieselben formelhaften rrinie pu/ pKi itio : ftoret 
prato ohne sonst eine andeutnng auf keniitnis untl IjennUung 
deutscher lieder; 46, 2 ist sogar ein characteristisches beispiel 
undeutscher naturbeschreibung. — machen wir die gegenprobe, 
so finden wir in lat. art mani€hvalt 101*. 102*. 104*, aller nUddt 
vogele iduU 123* — alles in späteren Strophen, gegen deren 
ursprOnglichkeit bei den drei ersten die Verbindung von reim- 
hanfuDg und flberschlagendem reim, bei der letzten die wirre 
Unordnung des natureingangs zeugen. Xhuliche fälle habeu wir 
bei den minnesiugeru so selten wie farbenhUuluug: in MF fand 
ich nicht eine einzige stelle derart, bei Wallher eine: Wie wol 
der heide ir mankvaltiu varwe stdt 64, 13, bei Neidharl nur die 
wie 34, 9 für sein alter ebaracteristische stelle komen sint die 
kimmen manger hande leie N. 32, 1 3, denn J)es mtieti zil bringet . . . 
btuomen vil N. 10, 28 kann nicht hierher gezogen werden. — man 
sieht dass die an Wendung dieser lat. formel n in deutschen, dieser 
deutschen formein in lat. Strophen allemal für unursprOnglichkeit 



216 ALTE DEUTSCHE VOLILSUEDCHEN 



mindestens ein beachlenswmes enieieben bieten, npwahncbeij^- 
liich ist es dagegen das« in stellen wie vü itr edtone^ bhioum 
107% ml m»nigm bhiümm 115* einwdrkung der Ist. fprmel tn 

sehen wäre, da diese ausdrücke gerade wie IS. 10,28 das bunte, 
manigfaltige nicht hcrvorhebeo, das die paraiiuislelieu der 
ganleulieder auszeichnet. 

Hier iu dem gedieht CB 100 also, wo zu so vielen andereu 
anklaogen au deutsche verse dieser |)ocb bimutritt, dUxfeo wir 
wpi bestimmt deutsche vorhilder «nnchmeo. 100* kann wig|Ni 
des verscbiedenen inbalts nicbt selbst das niuster sein, avcb 
wegen vtm hiuonm rdt — flort pwrpwno nicbt etwa eine andefre 
Strophe desselbep liedes; suden^ ist es, wie wir wabra^einlicb 
zu mseben suchten, tlberbaupt selbst Umgestaltung cyipes tflterep 
liedcheDS, welches wir uns N. 29, 27 — 34 ähnlich vorzustellen 
haben, so hätten wir hier wider einen lall, der nm um ihiroh 
uieiue aiitT,is>iiug dieser slUcke erklärlich scheint: «in tkiiischcr 
fahrender saiumell stioplien, die er zu dersellK ii nirlodu' Mugen 
kann, dichtet sie im uotfail seihst, und hat hier deutsche tanz- 
liedcben erat fateioiscli, dann deutsch umgiearbietjilett bi» sie j^eug^ 
weise untergelegt werden konjilen« 

115' adieint wider die sacbe wenige verwickelt, gegen 
die ursprOifgUfihkeit der deutschen atrophe spriicbt nichts; auch 
Utrtin hat keinen grund geltend gemacht, der dies stJlck träfe, 
dase fRtlr inaMtps» Muomm so wenig als xb. d$8 ist vÜ mmü 
vogel bl/de Veld. 66, 2 oder das sehr häufige des vil manic herze 
tat fro Uiet. 19,8. L). 33,21. N. 17,5 usw. aus der deutschen 
art des naturliildes lierausfalle , wurde bereits beruerkt. ileutlich 
volksltimliclieu character zeigt der schlussvers: das mitgetühl mit 
freude und leid der vOgel in souuner und wi/ater liegt den iiö^f^bcya 
dichtem fern, wo) aber drücken es dichter aus, die der volkspoesie 
nahe stehen: Vebi.a6,2. W. 114,23. IN. 5,29. 17,6. 19,18. 22,6. 
ig, 4. Piseud<»-Walther 1 (m» gute aacbahmung JVeidharts). vgl 
. jühla^d Scb^. in 106. v lai. Burdach s. 170. die form iat gufserst 
einfach ; wir hatten das lied gleich mit 107*. iW* 141' den gedicbten 
in einfachen reimparen angewiesen, hatte das nicht wegen der 
llberschlageudeu reime 115, 1.4 unmetbodiscli scheinen können, 
Sü lange die Priorität s deutschen Stückes niclit erwiesen ist. 
aber diese ist nun zu erweisen. 115, 1 hl deullicli eine über- 

aetzttog von 11^'. auf den falschen accient des relrains leiste 



t 

ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDGUEN 217 



schon BfartiD die aafmerksamkeit; derselbe allein macht Dachbü-» 
dnng des got gebauten deutschen gediehts wahrscheinficb. ivie 
die ausdrucke der Strophe 115, 1 mit denen der unselbsUlDdigeo 
107, 1 dbereinstimmen , wurde bereits nachgewiesen; omarOvr 

prata fioribus ist ein germanisimi> = diu heide hdi gezieret sich, 
genauer einem medialen praesens 'sie schmtlckt sich', wie der 
vers wie wol er siniu grüeniu kieider an $kh strichet N. 19, 8 das 
praesens, der vers CB 115' selbst das medium zeigt, entsj)rechead. 
endlich ist der deutsch gewandt, lateinisch mit fraeterüis tmr 
fwHm schwerföllig ausgedrQckte gedenke Mer sommer ist so 
schon wie nie suTor' in den lat aommereingingen kein xweites 
mal 20 belegen ; Neidhart dagegen hat das widerholt (?gl. Tischer 
8. 23): 10,22. 13, 8f. 22,38. 24, 17 und mit besonderem nach» 
druck 2S, 37 f (vgl. auch Burdach s. 161 u.). und zum schluss 
ist uoch die unbeholfene widerholung canunt — canendo garriunt 
beweisend. 

Hier also liegt eiuuial rein ein einfachstes altertümliches 
Tolksliedchen ?or: formein zu einer einheitlichen frühlingsstrophe 
▼ereinigt, das übersetat der vagant und dichtet drei Strophen in 
eigener art auf denselben ton hinzu, wo es gut geht durehreimend, 
Str. 2. 3 ohne diesen schmuck, doch wäre möglich dass diese 
beiden Strophen spatere Interpolationen waren, oder gleichzeitige 
Strophen gleicher melodie, die der saromler zuschrieb und die 
wie 108,2.3 an die falsche stelle kamen: 4 ist wie 1 formel- 
haft fzu zeile 1.2 wurde schon 107,2 ver{,'lichen ; btdere cum 
virtpnthHs oft, so 37,6. 103,4; zu 3 — 1 vgl. 59 retl., 79, 3 uJf.), 
2 und 3 enthalten seltenere mythologisclie anspielungen in bunter 
miscbung. 

142* gewahrt keine gleiche Sicherheit, aber auch hier macht 
das deutsche gedieht mir einen echt Tolkstdmlichen eiodrock; 
auch hier die sorgen der vOgel, daneben ein ganz eigentOmlicher 
zug, der für die meikwtirdige Starrheit der deutschen formein 
in hohem grade characteristisch ist: dä von ftdt ool der grüme 
chle mit der ganz unpassenden Verwendung des epithetons grüene 
für den abgehldhten klee gerade wie N. 86, 3ß ist diu grüene 
heide val , ähnlich wie N. 18, 4 Schön als ein yud ynwnet der 
hagen. doch immerhin küunte hier der nachdichter wider volks- 
tümliche fonneln benutzt haben, auch die von Martin (s. 62) ge- 
rügte nngeschicklichkeit des zweiten Terses ist, wenn selbst keine 
Z. F. D. A. XXIX. N. F. XVil. IE» 



Digitized by Google 



218 



ALTE DEUTSCHE VOLkSLlEDCUEN 



Verderbnis vorliegt, weder für ursprünfjlichkeit nocli für nach- 
ahmuog beweisend, aber das lat. gedieht mit aü seinen reim- 
küDfiten, dem durchgehenden reim an zweiter, dem gleiteuden 
reim an erster stelle, den mehrmaligen angelehnten reimen, den 
vielen Wortspielen (Venerü — Vmerm, miro Martt, cum aaratu», 
anea$ artB, laude 1, laudes 3, kmdiu 4), — macht es nicht eher 
den eindruck eines OberkOnsÜichen UbnngsstQcks in einem be- 
stimmten ton als einer originaldichtung? hat die iniialtslosigkeit 
dieses kaum verständlichen kuii-ipKuiiicls so viel analogien unter 
den lat. gedichten wie die iunnelliafte einfachbeit des deutschen 
linier den Ältesten deutschen Uedem? die Ähnlichkeit von Sed 
rapondes merito 142,4 mit mihi resfondtt metüo des folgenden 
gedichts 143« 2 bringe ich nicht in anschlag, weil entlehnung 
bei letzterem wahrscheinlicher ist. — 

Von den deutschen Strophen, bei denen schon die reim- 
hflufung für unurspninglicbkeit mindestens in ihrer j ui^en ge- 
stalte wie ich glaube, beweisend ist, scheinen mir die beiden 
ersten, 98^ und 103% zusammenzugehören, in der ersteren ist 
die haulung loup unde bluomen, chU wol getdn die untrügliche ' 
fabrikmarke eines kunstlosen fahrenden, das lat. gedieht mit 
seiner dort ganz anders geschickt geordneten worthäufung und 
der hier leicht gelungenen durchreimung aller Strophen, wenigen 
formein, vielen chsracteristischen ausdrücken (d$gan$aän, PUm- 
<iiMi /odss» aimor mtnm, pieia volucnm uries) macht einen 
durchaus originellen eindruck. den immerhin aufTallenden aus- 
drack ftminal» fer&as 98, 1 (statt himnis tamritia) teilt nur dies 
lied mit dem ganz gleichartigen 1(13,1 (brumalis saevitia 95, 1, 
hitmi» saevitia 109,1; hruma öfter: 32,1. 42,2. 105,2. 113, 1): 
9S und 103 könnten denselben Verfasser haben, aber der autor 
von 103 war ein Deutscher, ist nämlich 103, 4 nicht interpoliert, 
was die widerbolung des schon 103, 2 gebrachten vogelsangs in 
laL Uedem nicht mit gleicher bestimmtheit wie in deutschen ver- 
muten Utest, so hat der dichter hier eine altere lat. atrophe ein- 
gearbeitet, wie wir dies schon 107 und 108 beobachteten: 103,4 
ist eine Umformung von 37, 6, 1 — 5 ; dass eine ganie Strophe 
XU einem stropheuteil umgedichtet wird, ist weniger wahrschein- 
lich als das nmgekehrle und somit die prioritat von 37, 6 an- 
zunehmen, der bearbeiter Int ;iber die erste z« mit anlehnung 
an die formeln des deutschen ualureiogangs uingelormL deutsche 



Digltized by Google 



ALTE DEUTSCHE VOLKSUEDCHEN 219 



fahrende, meioto Burdaeb gewis mit recht, mdgen Öfters die 
denlache und die lateinische atrophe verfasat haben; so glauben 
wir aucfa hier unsere Hypothese anwendbar, denn 103* serfilllt 
deutlich in drei auch durch grofse initialen ausgezeichnete teile : 

iViÄ — getän ein frühlingsbild, Tanzen — balle aulTorderung zu tanz 
iiiul spiel, Min — getmlle frauendiensl. atles unvermittelt neben 
einander. 103' ist also sicher kein deutsches originaUtuck. die 
vier ersten Zeilen nun zeigen in hflnfnnf; denselben reim wie 98'. 
der anfang ist in deutschen iiedern aU solcher nahezu unerhört; 
er setzt einen frühliogseingang voraus und dem ?od 98' würde 
sich das Nü fon 103* trefflich anschliefsen ; nur sind bhumten 
und Aeufe widerholt, wenn nun der dichter die nachdicbtung 
von 98 hstte fortsetsen wollen — 98, 2 ist auch noch der natur- 
beschreibung gewidmet, wie der anfang von 103* — , dies dann 
aber aufgegeben und die weiteren verse nach dem bau seines 
gedieht» 103 umgemodoll Ii itie? — die näclislen vier Zeilen sind 
ein einfaches tjinzlietlclien , dem pseudoreinmarischen 204,8 — 14 
vergleichbar, dem mann, der OS' tautologische formein in einer 
art häufte, für die das Volkslied allerdings keine analogic bietet, 
ist auch BUtutraueo dass er aus einer weiteren derartigen formet- 
mischung, einem tanxliedchen und xwei einzelnen minneformeln 
eine nacbbildung susammenflickte. eine solche liegt auf jeden 
fall vor, und sie hat an 139* eine genaue analogie. 

Dies gedieht, tHd% ebenfalls mit reimhSufung und zwar des- 
selben reims (-an), zerfällt wider in drei teile, von denen zwei auch 
durch {^rofse anfangsbuchstaben niai kiert sind, das erste reinipar 
ist der eingang eines tanzlieds, das anschluss ar> das volks- 
tümliche frUhlingslied in dem ausdruck den sumer yriiezen verrät; 
die letzten sechs Zeilen sind ein vollständiges kleines tanzUedchen: 
naturbild ^ bezeichnungdes tanzplatzes — auftorderung zum tanz; 
den volkstttmlichen character beweist hier wider die formel die 
9Mimat enphähm sowie die gleicbsetzung von Vorsänger und 
▼orianzer. swischen beiden stücken findet sich der einzige vers, 
zu dem unsere formelsammlungen kein analogen liefern, wir 
dürfen unbedenklich annehmen dass hier zwei deutsche Strophen 
zu einer entsprechung des hit. ^M^diclits verarbeitet sinrl. denn 
dies mit semeu gehäuften woii Spielereien nnd dem rhelorisclim 
aufputz, der revocatio am ende, wie wir sie bei streughütischcn 
dichtern zuweilen treffen (namentlich Horbeim 113, 1; s. Burdach 

16 ♦ 



220 



ALTE DEUTSCHE VüLKSLlEDCHEN 



71 Ol D^^r^^ formellos, wird wol ein ursprilnjLiliches vaganteDlied 
sein, das dfulsche stilrk hat mit difsem der natiirschilderung 
ganz entlK'hnmdiMi i^ediciit inlialliicli nichts j^emcin. es wird 
also dem Verfasser der deutseben nachLilduug wider nur auf die 
form angekommen sein, gerade diese liedcheu zu vereinigen bewog 
ihn wol der gleiche reim; nachher muste er noch die reimgleich- 
heit mindern, denn ursprQnglich reimte wol auf atdn : enphän und 
gdiken war watse; so ist in dem einfachen liedchen auch einfache 
reimsteUnng hergestellt fOr benutzung fertiger lieder spricht noch 
die vou der vorläge abweichende cüsur nach deutscher art: wer 
frei nachbildete, hätte wol nnrli dies nach?» I< i ml. 

12r>* ist gewis di«' nachahimmg des < liai .icleristisrlien iaU 
liebesliedes ; die schlusszeiie passt nicht , noch weniger der minne 
toil mich twmgen nach dem vorhergehenden rers. nichts deutet 
an dass die deutschen formein schon Tor dem nachahmer Ton 
126 jemand gerade so zusammengefOgt habe. 

133* ist von einem fahrenden verfasst und zwar nach dem lat. 
muster ; der vers rdseti Ulfen si uns git mit der unglQcklichen nach- 
bildung einer lat. formel (35,16.40,5. 65,58. 103,4. 126,3 uö.) 
ist beweis jjenug. die schlusszeiie bringt eine formel der natur- 
bcM hicibuug an unmöglicher stelle, weil der durchgehende reim 
der lat. Strophen 1. 2 (nnd vielleicht 4, wo camino'.vino wo\ stumpf 
reimen s. Burdacb s. 160u.; doch stimmt die reimordnung nicht 
genau) widergegeben werden sollte, was weiter die widerholung des 
ersten verses und ein flickwort im dritten zu stände brachten. 

Dasselbe gilt ?on der ungleich besseren Strophe 143\ bei der 
vers 3 entscheidet, 133*, 4 sehr ähnlich, aber das lat gedidit Ist 
auch von einem deutschen fahrenden, wie der germanismus quam 
super omues eligo = die ich hdtt erweli vor allen wiben beweist, es 
fehlt nicht im formein (militeiis Venen 113, 1 v^l. zu 107, 3, 
«iiÄi respondei mttdo vgl. zu 142,4; str. 1 gelehrte ansjnelung; fac 
mori vel fac vivere 143, 5 vgl. me mori vel me vivere 43, 4. 
diesem letzteren gedieht CB 43 ist auch str. 1 inhaltlich nach- 
gebildet: 43, 1 prae pwUis ut sol sletfis st'c praduut. auch das 
zweimalige quam diligo 1. 2 erinnert an prvpter pui^iam quam 
ligo 51, i). und so konnte hier wider der fahrende far dieselbe 
melodie lateinische und deutsche Strophen gedichtet haben. 

166* ist eine Übersetzung von 16 6, 1; auch das von Marlin 
als beweis für wahrscheinlich nicht nlicrlichen stand des dichters 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEÜCIIEN 221 

hervorgf'liohpne Edt'h'}! nrowe gibt anr Nnhtlis wider (vgl. 145, 1), 
wobi'i «Irr (llxTselzer vii-lleirlil Xohi'lis mea las. das lat. gedieht 
enthalt viele anklcinge gerade aucli an 133* und 143*; der aulor 
mag in der tat derseltie seiü und 166 wie 166* voo dem her- 
»teller des liederbuchs stammen. — 

Wie die gedieht« mit gehäuftem parigem reim sind die mit 
gehäuftem aberschlageiidem reim sieber nachbtldungen. 

99* ist eiD geradezu UDsianiges gemtsch voo formelo. gleich 
der anfang: wer braucht sich nach einem tag tn sehnen« an dem 
er etwas wünschen dürfte I die letzte zeile, die klippe, an der 
die nachdichler zumeist iiclieitern , ist überflOssig. das lat. Med 
ist vorzüglich; der leichte iiu])r«"nde gang erinn«»rl mehr an 133. 
143. 166 als an 9S. 103, aber an Originalität und frische über- 
trifft dies gedieht sie alle. 

101* und 102', recht trnte strophon, sind durch ihr mamch" 
tfoU buchst verdächtig, die lat. gedicbte halten sich durchaus in 
dem toD der echten vagantenpoeste, zeigen kaum eine reminiscenz 
oder formel und sind inhaltlich wie formell trefflich; auf einen 
deutschen Verfasser konnte 102, 1 äteat et wUe deuten, doch be* 
rechtigt nichLs, 101 und 102 in engere beziehung zu bringen; 
wol aber sehen 101* und 102' sich sein .ihiilich: wie 98* und 
103* dersell)e durchgehende reim; beid»' mal die verjüngende 
krafl (It's luais hervorgehoben, denselben reim zeigt 104*, wider 
mit matn'rhraU und namentlich 102* sehr ähnlich, das lal. ge* 
dicht 104 besteht, ^vie Martin sah, aus zwei verschiedenartigen 
teilen: str. 1 und 2 sind anders gebaut wie 3. 4. 5; die deutsche 
Strophe stimmt zu den letzteren , aber ohne reimhäufung im auf- 
gesang; vielmehr schiebt sie das eine der beiden gleichen reim* 
pare in den abgesang. 104, 3 erinnert stark an 63, 3 und so 
sind 104,3 — 5 wol der schUiss einer lat. pastouretle. diese hatte 
dann der Verfasser von 101* und 102', bequem sich noclimnls der- 
gleiclien reime beilimcnd , benutzt, dem^irlhrn autor darf man 
das wider 102* ilber die lormel^jemeinschnlj liinaus ähnliche 123' 
zuschreibeo, das an 104* noch dutdi Hps min wir nn wesen 
hiUt — weseni pak erinnert, das lat. original ist durchaus im 
ton der echten vagantenpoesie gehalten, die vier stocke: 101*. 
102*. 104*. 123* bilden dann also eine engere gruppe von nach- 
ahmungen echt lateinischer gedicbte durch denselben fahrenden. 

Eine zweite derartige grnppe, beider die gemeinschaft aber 



222 



ALTE DEUTSCHE VOLESUEDCUEN 



in die kt Vorbilder bioeiniureicben scheiat, bitdeii die leisten 
bierber geborigen etropbea: 111M16M24M32\ 116*aodl24* 
ecbeinen wider Dtcbbilduugeo mit benuliung derselben reime und 
formelD, die jedocb bter nicbt wie bei 101*. 102% 104*. 123* 

aus demselben ursprünglicheD deutschen liedchen ausgebrochen 
sein könnten, weil das gemeinsame erwähn<!ii der geschosse der 
Venus (lifse annähme verbietet, und III*, diese unzweifelhafte 
nachahmun«?, mag ihre zweite hälfte wol aus Venm wil mich 
MAteseti 124' enlaommeo haben, die lat. gedicbte haben die 
nennuog der Venus gemein, III und 116 bringen aucb den 
Cupido; in der nacbabmung ist 116* Vmu$ gesebwunden, daa 
tdnnm aber in ungeacbickler weiae (Martin a. 62) beibehalten, 
wenn nun umgekehrt 132* vrö Yemu erscheint, die 132 fehlt, 
80 spricht das eben dafür, dasa der naehbildner von 111. 116. 
124 diu Ii K»2* seiner samniluu^' /üli u^. die vier hit. gedieht« 
haben l)(-iiiii/.ung von lurnielu liesouders mi ualureiugang gemein; 
III und 116 noch Vorliebe for gesuchte worle: III, 2 iummen, 
111,3 domuUaSs^ 110, 3 pharetraim (in 1 iG,^ erläutert), reluctatust 
116, 4 dnamum: der Scolaris von 124^4 — 5 konnte wol alle 
drei gedichtet haben, — 

Wir haben damit die betrachtung der volkstOmlich gebaltenen 
deutseben atrophen der CB zu ende geführt, in stocken wie 
135* und 144* wircl niemand alte deutsche Volkslieder erhalten 
oder verarbeitet sehen wollen und somit wäre lür unser ihema 
gleichmütig, oli sie jünger oder üller sind als ihre lat. voi lilitci . 
denn allerdings ist noch nicht gesagt dass alle iiOUscli gehalteneu 
Strophen unserer Sammlung später als ihre laL enl^prechungen 
entstanden wären, so haben 105. 106. 110 die Zusammenstellung 
von Venus und Paru gemein, die durchaus nicht hauflg ist; alle 
sind fonnelreich; und dass 106, 1 dem deutschen nachgebildet 
iat, suchte ich schon zu beweisen, derselbe bewunderer höfi» 
scher art, der 106^ 110 zwei Strophen Reinmars nachbildete, 
konnte auch 105, eine pastourelle wol nach französischem muster, 
nachgeahmt haben, und ähnlich ^leht es vielleicht mit 125 und 
125*. mit dem einfachen deutschen liedcheu, zu dem CB 146 
zu vergleichen, haben Sciicrer (Anz. i 202) und Martm (s. 66) 
Waltbem entzückendes lied 39, 11 gewis mit recht verglichen, 
aber bei der Verschiedenheit, die beide deutsche gedicbte doch 

* domioeUm ist cfo gaUidtmiis nach Voigt QF xiv34. 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCBE VOLESLIEOCHEN 223 



zeigen, nnOchte ich mit Bardach (s. 165) in CB 125* nicht Wal- 
thers directe vorläge sehen , sondern in beiden Uedem die nach- 
ahnuog einer altflranzOsisehen pastourelle. Herder teilt (Sümmtl. 
werke vii 207) ein volkstttroliches französisches lied mit, in dem 

die Verse du liebes gras 

Verrate nicht, wer auf dir tafs! 

gut zu Walthers versen stimmen : 

M (teri Vilsen er wol mac 
meikm wd mirz Imtbet lac. 

dass der refrain zu dem deutschen stück besser passt als zu 
dem lateinischen, ist klar; auch hier wäre also eine selbst auf 
fremdem Ursprung ruhende deutsche pastourelle lat nachgebildet 
worden, wie die Vaganten sonst widerholt französische pastourellen 

direct nachdichten: CB45. 52.50.63. 119 (letzteres gedieht der 
pastourelle 14 bei 15 u tsch nahestehend: CB 1 19,6, 5 — 6==- Bartsch 
123, 23 — 24), untl m dem aiischgedicht 145 ein deutsches lied- 
chen und pinp französische pastourelle verarbeitet zu haben 
scheinen (der warf si verre in einen lö Übersetzung von Tai sor 
rerbe getee udgl. bei Bartsch 107, 50. U3, 7. 118,51. vgl. 
110, 33 f. 114,37. 129, 38. 192,33 usw.). eine nachahmung 
deutscher Bfartinslieder scheint 92, wie schon Martin bemerkte; 
auf den liebesgruls 82, 3 wurde bereits hingewiesen , und so ist 
gewis mit den von uos besprochenen ßiUen die summe der nach- 
bilduogen deutscher liedchen in den lat. gedichten der CB, selbst 
denen ohne erhaltene deutsche entsprechunj;;, nicht erschflplt; ger- 
manisuk-n wie die schon an^'efilhrle deulsclie Ii uliliiiL^lni iiicl 1 13,2 
ZU einer strophe Mürun^eus, wie die deutsch so lieliet)ie autzidiiung 
unmöglicher tristen lt)8, 10—11 (wo aucbscial dmia 4 wie in der 
pastourelle 119, 4 die deutsche beteuerungsformel widergehen 
könnte) beweisen mindestens einfluss der deutschen dichtung; das- 
selbe gilt von 54, 4, der kurzen scissierung eines sonst nachge- 
formten altenliedes in Neidhartischer art usw. in anderen fiillen 
freilich beruht die Obereinstimmung von lateinischen und deutschen 
Hedem auf der gemeinsamen ausnutzung des allgemeinen formel- 
schalzes der mittelalterlichen niintiefxiesie, dessen stücke überall 
sich finden und niemand weils wo /.uersi (vgl. Mätzner Allfrz. lieder 
s. u); so der singende schwan CB 1 54, 1 . 167, 1 vgl. MF s. *2S7 (schon 
vor Wackernagels dort cilierter sctirift von Diez Poesie der truub. 
S.235 mit prov., französischen, italienischen beispielen begleitet), 



224 ALT£ D£UTSCÜE VOL&SUEDCUEN 



nbwol allerdings gerade MorUDgen lateiuische dichter kennt (siehe 
Haupt aao.) und Ver>n<^ nennt; die ihm zugeschriebene Strophe 
MF 286 aber, die auch Paris ?orbriDgt udiI deo nameo Acbeloia 
mit CB 38, 4 teilt (was in MF flbersehen ist),t steht wol bestimmt 
unter dem einfluss der vaganteopoesie. andere Obereinstimmangen 
sind mehr zufiUlig, so die Mbnlicbkeit des bildes CB 12S, 4 mit 
Aoon. Sperv. 29, 13 und Fenis 80, 5. wider andere beweisen 
wol einfliiss der lateinischen auf die deutsche poesie, so Amors 
pfeilc bei ^eulliarl (vgl. Hi«upt zu 10» S). nicht weni<re sind 
zweifelhaft ; so machte man ini ersten au^renMick Inter quas ap- 
pares üa nt in auro margarita 168, 8 fiir Mas Vorbild von MF 
5^ 12 — 15 liallen: nnde bist mir dar zuo holt (nu merke et wieeh 
dax meine) ab edtk ffesteine $w4 man das leit m daz goU: offenbar 
passt das bild in dem iat. stück viel besser und in dem deutschen 
ist noch die einfQhruog verdachtig. aber eine stelle wie NN 31, 4 
nii der ed^en steine die frouwen leiten tn daz golt (zwar in eio«r 
interpolierten Strophe) zeigt doch, wie nahe den deutschen ly- 
rikern dies hild liefen niuste; und in 168 wiesen wir schon 
mehrere {^erm.tiiisiuen nach, der vers ^mjV/ htnc canlm vo- 
lucmm mihi queunt valere CB 103,5 kommt der stelle 83,36 
des unselbständigen Fenis sehr nahe : diu Heide nock der vogeU 
sanc kan dn ir iröst mir niht vrönde bringen — aber das ist nur 
die negative Wendung einer häufigeren formet: Mor. 141,12 — 14. 
W. 92, 13—14. vgl. auch D. 34, 15—16 und namentlich R. 155, 
1—4. ganz gewis besteht zwischen der deutschen Volksdichtung 
und der poesie der Tabrenden , die man wol eine gelehrte volks- 
dichlun«» neuui'u könnte, eine bedeutungsvolle wecliselwiirkunf"^; 
und die Vaganten waren doch auch kinder iiires volkes und auf- 
gewachsen unter sjucl und tanz ihrer heiiuat. und so werden 
wir mit gleicher besümmlheil beeinnussuog der vagaoleopoesie 
durch die Volkslieder und das umgekehrte anxunehmen haben ; 
wie aber diese einwurkung sich vollzog, mochte nirgends sich 
so merkwQrdig in allen kreuz- und querbeziehnngen nachbilden 
wie gerade in der Sammlung der öirmina burana. die aus^ 
fOhrltchkeit, mit der wir diese hier durchgiengt>n , rechtfertigt 
sich dadurch. 

Wir haben in der tat, wie ich glaube, alte deutsche volkslied- 
chen hier vorgefunden : aufser lanzliedchen (unverändert 103% 5 — 8. 
' ADltloif in den Altdeotschfo blättern 1 250 bat damit wol niciila w Uia. 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHE VOLRSLIEDCUEN 



225 



129% verarbeitet 100'. t39',7— 12, übersetzt 100, 1. 2. 108, 4 uö.) 
un<l frühlingsliedchen , die wol Hnfarh als lanzlieder dienten (107*. 
1 1 5'. 139', iil>erse!zt 1 13,2, ebenso ist wol auch MF 4, 13 eia voll- 
stäüdiges liedchen), auch liobesliedchen (112'. 13G*. 141*, übersetzt 
112). wichtiger aber als das ist das gesammtresultat, welches aus 
dieser betracbtUDg, war sie richtig geführt, sich ergibt: wie wttrkUch 
schon eine längere kunslObung die formein ausgebildet haben muss, 
die den deutschen volksdichtern ein so unentbehrliches und durch 
biegsamkeitbei innerer festigkeit unschätzbares kunstmittel wurden, 
ohne welche gar die schwierigere nachbÜdung fremder muster einer 
noch jungen poesie unmöglich hätte sein müssen, und weiter 
gibt uns die Verarbeitung der verse und liedpr ein bild von der 
art, wie die kunstdichlung sich ans der bäurischen stcgrciTdich- 
luiig erhob: zuerst noch ^miiz die alte art fortsetzend, nur feilend, 
glättend, viel mehr foruiell iinderud als inhaltlich , viel mehr ver- 
mutlich noch in der melodie als im text sich von der einfach- 
sten kunstflbuDg absondernd, ich glaube nicht dass das oft be- 
staunte ratsei des plötzlichen aufbruchs der ganzen mhd. lyrik 
ohne diese uns notwendig gewordenen Voraussetzungen gelöst 
werden kann, ich glaube auch nicht dass je eine poesie nicht 
rein gelehrter natur anders erwuchs; sie setzt formeln voraus 
und starre formeln, wie jede kunst ein ganzes system mecliani- 
scii« r kiinstgrifffe che sie, den gipfel erreichen kann entwickelt 
haben niiiss; tind der au«?enhlick der hAchsten biflte, in dem 
man all diese überüüssig gewordenen handwerksmittei — wenn 
man sie denn so nennen will — über bord wirft, ist der, in 
dem zwisclien volksmäfsigem und gelehrtem oder 'gebildetem' be- 
trieb alle berübrung aufbort, dadurch denn mehr als durch den 
fortfall höchst brauchbarer mittel selbst der anfang vom ende, 
deshalb glaube ich auch dass bei einer jungen autochthonen poesie 
diese formeln von grOfseri'r litterarhistorischer bedeutung sind 
als man gemeinhin anzunehmen pflegt, ich seihst werde hier ja oft 
genug geirrt haben, aus gerinp:er übung, eiiich ans einer leicht im 
zug der arbeit sicli einsfellentien übcrschälzung der gerade an- 
gewandten mittel, aber ein kundigerer wird diese mittel gewis 
mit dem erfolg anwenden können« den mir mangel an genügender 
kaontnis von stoff und arbeitszeug noch versagte. — 

Wir fanden also wttrklich volkstflmliche Vierzeiler noch in 
der alten form, so Cß 136*. als einen höfischer gehaltenen vier- 



Digitized by Google 



226 



ALT£ ÜEUTSCUE YOLIkSLIEDCIUuN 



zeiler möchte ich auch Rute 116« 22—25 aoseheo; Haupt hält dies 
sittck für uovollsUlndig, aber es scblieist gut ab uod ist so eio 
didsctiscbes epigramnit das m der Volksdichtung nicht wenig ana- 
logB hat (inhaltUcb vgl. Übrigens Hartm. 216, 8f). aber weitere 
alte Vierzeiler sind uns vielleicht noch in nhd. form erhalten, von 
den schnadahüpferln selbst, die wir als fortdauernde Vertreter 
einer uralten dichtungsgattuog auöaheu, reicheu vielleicht eioige 
bis iu die ailebte zeit zurück. 

Sollte man das voo vorn herein abstreiten wollen, so stehen 
uns ähnliche tälle in genügender zahl zur seite. noch heut werden 
die umzugsiieder gesungen, dieMüUenhotr (De poesi chorica s.22) 
als abbild ältester poesie anfahrte, wie in der ältesten seit (Mollen- 
boff Sagen und nUlrchen xm, Uhland Sehr, m 181 0 werden noch 
jetzt in dialogischer form rätsellieder gesungen und dabei haben 
sich zb. Stucke des alten Traugemundsliedes wörtlich erhalten: 
so findet man in Auerbachs Barrüfsele (DoiTgeächichten vulksaus^., 
btullg. 1871, VII 198) aus dem voikäiuuud: 

Was ist weiszer als der sdnee? 
Was ist gßrüner ah (kr klee ? 
Was ist schwär ztr ak die kohl? 

wie Traugemundslied 11 (MSD* xtvmll, 3); nur die einleitung 
und aufldsung Ist anders: es antwortet hier auf alle drei fragen 
£in wort, die kirschenblate (in ihren drei epochen, wie beim 
ratsei der sphinx) , was ja im Traugemundslied selbst am schlnss 

seine entsprechung hat. die anderen rätsei sind neu, z. t. gewis 
auch in der art der Vierzeiler iofiprovisieri uiid eingeschoben. — 
viel öfter noch hat sicii ein alle^^ li*Mlcheu verarbeitet eriialien. 
mir scheint kaum zweifelhaft dass iu dem Volkslied bei ühland 29 
den Strophen 2. 3 ein ähnliches ganz altes gedieht zu gründe liegt 
wie sie uns MF 8, 33. 37, 4 erhalten sind, die lieder scheinen 
von Reinmar benutzt (Scherer D. st ii438: R. 156, 10), eins 
wurde im 13 jh. ins italienische Qbersetzt, ward auch sonst noch 
zum Volkslied (Haupt MF s. 231); und so liegt es ja ahnlich in 
der Nibelunge not vor. beweise genug für Verbreitung und be- 
liebtheit dieser lieder. verse aus dem verwandten liedcheu MFS, 17 
scheinen bei Ulilaml lO, 3 nachzuklingen und zwar nicht als be- 
nutzte fonneiu (wulur wir ja beleü'e ^^enug hatten), sondern als resl 
des bis zur unverständhchkcit unigcätalieten liedes (vgl. Uhland 
Sehr. m31 anm. 177). so sind aus wenig späterer zeit ja ge«* 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 227 



dichte TOD Walther und Neidbart vollkommen lu volkeliedern ge- 
worden. Neifen bat umgekehrt vielleicht Volkslieder unter seine 
gedicbte aufgenommen usw. — ich erinnere endlich an den schon 
besprochenen lüiirisch- Österreichischen Hebesgrufs, in dem wir 

nun ein erstes ganz allerlüniliches uud würklich gauz aUcs iiedchcu 
iu üioderu tlialectischer gestalt sehen dürfen. 

Sueben wir nach anderen beispieh'n , so werden wir unser 
auge natürlich vorzugsweise auf die dichter richten müssen, die 
volkstümlichen eiafluss auch unzweifelhaft verraten, aus der blQte- 
zeit sind das vor allen Wolfram und Wallher. Wolframs verliebe 
fQr volkstOmliche epitbeta, sein den volksdicbtern oft nahe stehen- 
der Stil 9 anspielungen auf die heldensage ua. beweisen, genügend 
dass er sich an der volkspoesie schulte, so findet man denn 
auch in seinen epen unsere lyrischen formein so oft verwandt 
wie schwerlich bei einem zweiten mhd, epiker. ich lührc nur 

täWe aus den ersten 2 biichern des Parzival an: 

üil unyewent er des was 37, 30. vgl. zu H. 42, 14 
i dtt% mto wge iMm mikt 40, 16. vgl. zu M . 12, 39 und Kür. 7, 9 
der aikr mmäet kät gmoaU 43, 8. vgl. ao Cfi tW 
lüber <Um Hn «iba Up 54, 22 

dm itt mir UOer dmne der Up 94,6. vgl. zu M. 11,5. H. 43, 31 

die nnl vor missewiwh firi 62, 10. vgl. zu M. 12,36 
st twmc iedoch sin mnme 84, 2. vgl. zu CB 126^ 

Besonders auCßUlig sind swei in erzahlenden Volksliedern sehr 

häufige formein, die eine In Wolframs Umgestaltung nicht ganz 

sicher erkennbar, die andere eine Variation, die ihre formelhafle 

natur schon durch Wolfirams eigene widerhol ung beweist: 
da% sddk er üzem 6«os8»i sIh Parz. 51, 15 
Wa$ woek st ab irem haubü? Uhl. 76, 10 
Wob %oeh er afr temer hende? Uhl. 76, 1 1. 80,4. 108, 10. 

116, 14. 199, 18 
Was zoch 5t auss irer schaide? Uhl. 76, 14 
Was zog er ir abe vom finget? Uhl. 76 D, 6. vgl. 96, 3 

vgl. auch u^as het er in seinem munde? Uhl. 132,20. 

(der rote oder goldene ring, der an fast all diesen stellen folgt, 

erscheint gleich 51, 23 auch bei Wolfram.) 

Ez was dennoch wol mitter tac Parz. 68, 29 
dö nähet ez dem mitten tage Parz. 95, 30 
Und dfi es kam um mitternacht Uhl. 97, 8 
Wol an! wol mnb die mitte nacht Uhl. 271,3 
Do es do wart umb mitte nacht Uhl. 289, 4 
vgl. Des n<ichts, wol umb die halbe nacht Uhl. 99, 7 
Wol hin umb halber mittemacht Uhl. 107, 4. 



^ kj i^uo i.y Google 



228 ALTE DEUTSCHE VOLKSUEDCHEN 



Dass das nicht blofB lufiillig« anklänge sind« beweist die 
analogie zahlreicher höfischer minneformeiD im Parzival : der helt 

was irnric unde frö 34, 30, dir enbtntet mimte unde gmoz 70, 23, 
an den lac der yotes ßiz 88, 16, in bitttet vaste ir mitme ^S, 25. 
noch (leiitliclier zeigt sich die beoutziing \oii höfischen hebps- 
gedichten in der stelle von der turleltaube 57, 11: das bild ist 
ein stück des internationalen formelscbatzes und üodet sich pro- 
veni-alisch* alifranzösisch , alt italienisch (Diez Poesie der tronb. 
8.236), altspaniscb (Hart Blütenlese aus spanischen dichtern s.54) 
und in deutschen Volksliedern (Ghland 116« 12—13. Wackernagel 
Voces variae a. 51 str 32) wie In dänischen (Talvj aao. s. 255) ; 
der lyrische character des bildes ist klar. — so konnte auch zb. 
35, 26 wA wünsdiet daz nians in gewer unter dem einfluss von 
gedichlslellen wie die von Rurdach s. 30ü. gesarnmeUen (sp,1teren, 
aber ehen^o zh. IS. 60, b; stehen, und die Oln i haiipL einmal not- 
wendige Untersuchung Uber die Wechselbeziehungen zwischen epik 
und lyrik der mhd. zeit würde sicher viel mehr derartiger rerai- 
oiscenzen und Benutzungen bringen.^ 

Wolfram bot also lyrisobe gediohte in sein epos Tenrbeilet — 
natarlich nur wo ihm eine erinnerung vorklaog, die zur ein- 
fügung gelegen war, wie er sonst eigene und anderer erlebnisse 
verwertet usw. und so auch Volkslieder, die 1. 1. nur noch aus 
den benutzten formein zu erschliefsen sind, zwei aber leben 
vielleicht noch heul fort, die er schon kannte, wie ähnlich ist 
iu eioeni seiner lieder das auUallende bild 5, 20 
wie hin ich sus iuuelnslaht? 
Ät siht mhi herze in vinster naht 
(vgl. Freidank 145,19 iVicA dnnket si iuwelnslahi 

8wer vür den tat nimt die naht) 

roll dem bairisch- österreichischen tanzliedchen 
Die Li ab es nöt blind, 
Dmn st aukt ttie an AM; 
Ba i»r NotAt fndt ste FenaUr 
Anni UdU oJUevaf (Pinnenich n 741% Variante tu 737'); 

ferner v^e erinnert im Parzival die stelle 185, 1 ff 

dd htim in min atbei kü» 

dd Wirt gefreut vÜ säten miU, 

wan diu müese ir Jpfse stdn 
an den rheinischen scbeltvers 

Hie em Bau» es groatt Noath, 

■ sehr bia% aind die mianefoimclo «b. lo Konrads HeniBabre. 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 229 



Bie hongert de Maus em Braadtdiüt^ doad (Flnii«iiich 
I 42t'*; ein contrast dazu das alte fepriehwort 

}fan siht vif selten rUhez hüs 

Am äiep und äne müs CB cciv 18. Freidank 141, 15; 
di« lusammeiistelluDg von dieb und maus wie hitr Fr«id. 47, 18, 
▼gl. aneh Haupl su Neidhart 84, 30). die sweile stelle eDisUmmt 
elDem jener sehr alten imitn|sliedcimi, die sieb sehen griecblseh 
fhst ganz wie deutseh finden, und bitte ihr seiteMtflok an den 
spoctfersen, die Neidbart Terarbeitete; und so bat Wolfram, wo 
er Neidhart erwähnt, ähnlich in neckischer weise dessen unauf- 
hörliches anrufen seiner freunde in ilen ersten vers gebracht: er 
Inujundez ^nen friunden klagn Wh. 312, 14 — vriunt nü hostet 
miiie kiaye IS. 94, 5. vgl. N. 52, 14. 58, 38. 65, 26 ua. — der 
erste fall aber stünde bei Wolfram wol auch nicht allein, so 
hat schon Lachmann 'einige von Wolframs kühnsten bildem', 
die Ulrich Yon Tttrheim anob habe, auf die Volksdichtung surdek* 
gefabrt (s. Scberer D. st. 1 316 anm.) und Ubiand sweifehkl das 
gleicbnis von der elster im eingang des Parsiyal mit str. 10 und 12 
des Traugemundslledes ▼erglicheo (Sehr, m 193. vgl. MSD*490). 
so stimmen in der annalime, der dichter des Parzival habe Volks- 
lieder in sein grofscs werk eingeschmolzen, der grftste kenner 
der m\u\. dichtung und der grOste keuuer der deutschen voiks- 
poesie üherein. — 

Bei Wal liier finden wir weniger, seine scheltlieder auf Ger« 
hard Atze udgl. klingen nicht sehr volkstumlich und scheinen 
mehr der iradition jener bestellten scbeltgedichte der spielleute 
(Benecke und Lachmann su Iw. 7162. Haupt zu Neidbart s. 134. 
Wackernagel LG 43, 19) anzugehören als der der rauferliedchen ; 
besonders yerursacht die Überladung mit fremdartigem beiwerk 
(82, 19 f der vergleich mit dem alTen und dem guggaldei) diesen 
eindrnck. aber in 18, 15 erinnert der schluss an eins der be- 
kauiiiesten uuier den noch jetzt umlaufenden voiksitedchen der 
baiuvarischen bauern: 

zrw ftieze im aller swhlen fluz, 

niht wildes mide sinen srfniz, 

^in^ hnvdc<i httf, s'nf^ fiontcs tinz 

erhelie im und erscheUe tm woi näch eren. 

A Pixadl zan Schiassn 
Und an ffnntadl t^/ru Jogn 
(Und a Diandel zan Geaduhobm) 



^ kj i.y Google 



230 ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



Jhg mm a Piia hobn (Firnicoich ii 739''; varianteD 74d*. 781* 
und, etwas weiter stehend, iii39(')^; Pogatschnigg-Hermanii 
I 1553; ImmermaDD Andreas Huier, Werke xvi 513). 

Hätte VValiher wUrkHch dieses iiedcben in sein dsnkgedicht 
verwoben (erhtUß und meheUe waren wol das tweite reiropar 
des vieneilers), so kOnnle dieser anklaag ao ein allbekanntes 
▼olksliedchen sein gedieht besonders populär gemaebt beben, 
woranf das ▼orkommen des stoben Mtssensere (18, 16) in einem 
uuechleu Neidhart (^17, 11 s. Haupts auni.) hiudeutel. niin hat 
auch diese stelle W.dtlu i s l hland (Sehr, m 250 anm. 327) auf 
tMiH^ alte iorniel zurückL,'tMiilii [. eiue »"iibprecliende ihicliloi iiiet 
ebend. 275 : . dnss ihm seim wituie utid Vogelkunde erwülan; dau 
üm nie ein jagähuud auftreibe . . . , dass ihm beim jagen sein Wald- 
horn meht Mckaüe • • . dau heä Üm verksu bei aU seinen ge- 
tätdpm (dort an der spitte: «wo ßeu im aUer talden fhm), 
woni Uhland s. 276 noch andere anaiogien stellt ?gl. ferner 
nreidank 126,6: 

des wfan thie, des sckiffes vluz, 

des skm§en ünf, des dmres sekuz — 

und besonders lielinbrecht 684 f: 

ze mmsrhe im daz erste Jär 

sine Segelwinde duzzen 

und stniu uhff ze heile fhizzen. 

die.se stelle des Meier llolmbrechl zieht Lncan (Zs. 23, 04) zur 
beleuchtuug des Weingartner reisesegens heran. und dieser 
oder ein ähnlicher uralter spruch liegt ja vielleicht auch Walthers 
sprach 20, 31 zu gründe (vgl. oben zu U« 53,37). zur beurteilung 
der Wahrscheinlichkeit muss noch herangezogen werden dasa na- 
mentlich Hartmann unzweifelhaft widerholt forroeln , er allerdings 
mehr solche juristischer art, in seine gedichte aufgenommen hat, 
so eidformetn Iw. 7925f und bes. BOchleio 1 1422 f, eine segens- 
foruiel Iw, 5987 f; Walther Ivat solche reisesegen umgedichtet 
(24, IST) iiud eiii/(]iies der art hat sich ja in ungebrochener 
Iraditiüü bis auf unsere tage erhalten.* — 

Ein weiterer fall der Verschmelzung eines nocli lebenden 
liedchens scheint in einem gedieht von ebenralls unzweifelhaft 
volkstflmlichem geprtige vonuliegen. Freidank (zweiie ausgäbe 
104 g und folgende) heifst es: 

* löniieke dichter ItennticQ mov etamina Gonaeo Origines poeseot 
nNBanac «. 9$. 



Digitized by Google 



ALTE DECiTSCHE V0LK8L1EDCUEN 



231 



wäre der himd pmnU . . . 

und alle stemen pfaffen . . . 

kitjtffni niht geschrihen 
daz wunder van dm wiben, 

und ein volksUedchen lautet: 

Und wenn der Himmd Papier wäf 

Und alle Stemlan a Sdutiberlmr, 
Si ickrieben doch nia zn End', 
Wia die wohre Lieb' gUieht und brennt (Pogatschnigg- 

UermaDn i 329). 

DUD ist der erste Ters allerdiogs eine UDgemein hiaflge fonnel 
(Genn. xfn 128 und was Bartsch dort anfahrt, RRtthler Orient 
und occ. II 544 — 59, ferner Anz. ix 404; auch in lat. diehtung 

bei Walther von Chatillon s. Francke Zur geschichte der lat. 

schulporsifi des xii uikI xin jahrhuudorls s. 48), aber die genaue 
Oberoiiisimmiung auch der zweiten j.vile. ist liocli kaiuu zufiUlig:. 

tuic genaue durchforschung dieser gediclite ergibt sicher 
noch manches der art. so mag es zufall sein dass Wolframs 
Worte Pars. 281, 12—14: 

«Hl wo» ein mwe Ins 
dee nahtes vast uf in gesnit, 
€M enwu iedoch näu enimes zit 

an den anfang eines Volksliedes erinnern: 

B$ in ein eekne gefaOen 

und tat ee doA m't xeU DhL 44, 1, 

aber die darauf folgende scherzhafte nennung von piingslen als 
Zeitangabe klingt an die volkstümliche spottfrist *m pfingslen 
auf den) eise an.^ und dies uralle vertrösten auf unmögliche 
leruiine (Uhland Sehr, ui 21ö anm. 176, Uber das alter der tra- 
dition daselbst 213 0 ^^^^ j^^^^ volksmund z. t mit den- 
selben ausdrücken beliebt (vgl. Pogatschnigg- Hermann i 87 f. 
378 — 83« 1379). der TannhSuser hat das analoge motiv der 
anmOglicben bedingungen (MSH ii 90f nii Str. n, das ganze lied a 
und ebenso x) unzwetfelbaft aus der gleichen gewobnheit des 
Volkslieds (vgl. den Wechsel Schmeller Nundarten 556. Uhland 
14 f und dazu Uhland Sehr, iii 213 f anm. 166 — 82, über des 
Tannhüusers lieder speciell s. 215) und des mSrchens geschöpft, 
so sind die fälle ungemein zahlreich, in denen nihd. dichter und 

* dasselbe Volkslied hat merkwürdiger weise aach Goethe Tertrbeitet 
(»edichle hg. von GvLoeper n 131, vgl. ebend. 391. 



Digitized by Google 



232 ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



gerade volkstümlicbe ihre motiTe mit den noch gesungenen Ued< 

eben teiicD , so die empfehluo^ der tougm mitme wie MF 3, 1 2 : 
Liah n Ital/n 
Ober hamla, ober hamla 
Do hamkm Itafr 

/s 4001» namh, Mmla (Flrmenieh ii 781*. 785^. Pog.- 
Herm, i 620 citieit ebend. n 752) und in dem 
von Scherer (Anz. i 205) mitgeleillen Ksrnlni- 
sehen liedchea (Pog.-flem. 1 34); 

so das siffeln der mndchen wie N. 18,27: 
Antia BabcUi lopf d» Fum 

Wmn i tnU der tanza muess (Firmeuich ii 664' ; andere 
beispiele Schmeller BWB'* i 1175 = Mundarten 
532. I 1191. II 467. Firmenich ^544"); 

so das zwieren wie N. 22, 16: 

Und sie hol jo schon öffn 

UerbliHseU auf mi (Firmeoich n 72S^. eiu anderer 

fall ebenda u 799) ; 

das aufessen vor liebe wie N. 41,25. 42, 39, das erste veilcheu 
wie in vielen unechten Neidharten usw. aber in all diesen HlUen 
können wir directe benutsvag alter voliuUedchen nicht beweiseD, 
so wahrscheinlich es auch tsl dass gerade dieae die raotive den 
kunsldichtern flbermitlelten ; und, was fllr unser thema noch wich- 
tiger ist, wir können das alter der vierseiler hier nicht m hoch 
annehmen, weil kein directer anklang die möglichkeil ganz neuer 
furmuiicrung des R)ten motivs liier ausschliefst. — 

Dagegen bleiben zwei höchst merkwürdige fjflle m bes{fr('( hen, 
in denen die noch umlaufenden liedchea ein höheres alter zu be- 
sitzen scheinen , als ihre uns erhaltenen entsprecbungen in mhd. 
form, und in denen dann also wider Älteste deutsche volksiiedchen 
vorHigen. 

Noch Jetzt Dlmlich bewahren die scbnadahapferl die aller 

ursprOngliclisle gestali des tageliedes: 

Meini Hohnla than krahn, 

*8 ü iB Tog nimnM weid: 

Liabi IknM, Am laar'« woU 

Zan Hoamg^ icfton leid (Firmenich ii 776''), 

nach welchem sicheren beispiel wo] auch ein zweites Hedchen, 

das sonst (wie das üed in Nesselmanns Dainos s. 75) nicht gerade 
als lagelied aufgcfasst zu werden brauchte, so zu verstehen ist: 

Kräht schon toieda da Hohn, 

Wos dos ToikeUvieh honn! 



Digitized by Google 



ALTE DBDT8CHE VOLKSLILIÜCHEIS 



2a3 



Üott mt kam ainölögt, 

Mum i wüda imnm (ebenda 71S\ vgl. I>og.-ll. i 1 Ut« 

auch 1122. 1139; tQ<1m 1466). 

denn diese rona eutspricbt genau uklii nur der eines weudidcliea 
tageliedes: 

Bei der Liebsten hüli ich (/ehujen. 
Bei der Liebsten hab' ich yc$chlufen; 
Wie der Hahn hol gesungen. 

Bin nadt Baum gegangen (vSchulenburg Wendi* 
scbes ▼olktUim, Berlio 18S2, s. 153), 

sondern auch der ('bino^i>;rl)f>r In^'^Iiciicr: 

'Horch, 'h'r llitJiH hat schon ijekräht, 
Zahlretdi t^iiionf ^rhnu znin Srhioase!' 
*Nein, der Hahn hui nichl yekrähl usw. (Morgen- 
laudisclie aiUhologie von EM<Mer, Hildbiirg- 
hauseu 18(39, s. 33; lalciiiiscb nacb I.ai-.barme 
mitgeleilt von Scberer Anz. t 203). 
oder: Sie sprach: es kräht der Hahn! 

Er sprach: noch ist es Nacht, 
Der Tag noch nitht erwat^. 

Steh auf, sprach sie, und schau! 
Der Tag ist nicht mehr fern. 
Schon konu/tl der Morgenstern! 

(Meier aao. s. 11. dirse nnalof^if macbl vollends klar, wa«? von 
vorn herein sicher scheint, dafis Iturdach 8.77 anm. 25 mit un- 
recht die dialogische natur des von Scberer aao. citierteo ersten 
beivpieto Harnet), natürlich soll damit nicht etwa ein urzeitlich 
indogermanisch -mongolisches tagelied statuiert werden, sondern 
dies motiv ist ein so ursprüngliches, Oberall nahe liegendes (wenn 
auch Vitmar Handbttchlein fOr freunde des deulsehen folksfiedes 
s. 161 son«Ierl>arer weise die Situation ihrem iu>iiiiiii-t nach 
nichl deutsch, soncbrii \v,'ds( h , roinaniscl) iieiuill, d;iss es an 
allen orten sich von selbst nusbildeu muste (so auch Ihirdacli .lao.). 
so bat denn auch Bartsch die provenvalischen albas gewis mit 
follem reoht auf volksheder zurOckgeführt. gegen die merk- 
würdigen aDMcbtcn in Vilmara aoiist trefflichem httcbleln wie es 
scheiDt direcft polemisierend (er nennt sie niehl, wideispricbt 
ihnen aber nahezu wort fOr wort) sagt er: *die Situation« die 
sie (die alba) schildert, ist nicht erst durch den ritterlichen frauen- 
dienst erschallen worden : sie konnte an sich sehr wol auch 
gegensiatid des Volksliedes, und sogar einer bestimmten gallung 
Z. D. F. A. XXIX. F. XVll. 16 



L/iyiiizeQ by GoOglc 



m ALTE DEUTSCBE VOLKSLIEDCHEN 



des YolksHedes sein' (Gesanimelte vortrig« und sufsätze s. 254);^ 

einer namenlosen <ilba soll ein würkliches Volkslied zu gründe 
liegea (ebenda 256 auu). 5). und Scherer hat (!ie alba aus den 
doch sicher voikstümlicheu tatjelitl de«? ^vaihler^. liergeleilet fP. 
st.ii491), und diese entstehuug wäre natiiriieh in Deutschland 
80 gut denkbar wie in Frankreich, das deutsche volksliedchen 
Yertritt aber (wie das wendische) mit seiner rein epischen bal- 
timg sogar eine noch ftllere stufe der entwickloog als die chine- 
sischen, die (wie die höAschen tagelieder sammt ihren fort- 
Setzungen in der Tolkspoesie) den Stoff schon mehr dramatisch 
anfassen, sowol in der form des Zwiegesprächs als durch die 
eingeführten retardationen. — lialleu wir neben dies denkbar ein- 
iachste und altert ilnilicbsle deutsche liedchen das eedicht Heines 
Ich lag und schlief und schlief recht mild (Buch der Iteder" s. 32) 
und besonders die schlussslrophe: 

Und wilder noch umschlang sie micA, 

Und tat mir fast ein Leid; 

Da kräht der Hahn ™ taid stumm entwich 

Die matmorblasse Maid, 

so haben wir ausgangs- und endpunct der deutschen lyrik an- 
schaulich neben einander und kOnnen fast auf einen blick ihre 
ganze entwicklung flbersehen (ein anderes modernes tagelied 
mit dem hahnenkrahen, ebenfalls auf volkstttmlicher grundlage, 
ThStorm Gedichte* s. 184 — und auch Goethes wunderbare bai- 
lade Die l)iauL w>u Koiiiilli gehurt ja bierlierj. — 

Aber geradezu ein slück indogerni.ujisclier dichlung ist uns 
vielleicht in eiueui anderen lied erhalten, vielmehr in mehreren 
liedchen, die mit geringen abweichungen dasselbe uralte motiv 
behandeln, das des nUldcbens mit den drei liebbabem: 

Ana winkt ma nuYn Angnan, 

Ana tritt mi anm Fuass, 

Ann zupft mi n'm Kfdal, 

Dei an schickt ma an Grjta'^s fPo«,'.-Herm. ii 803\ 
vgl. CB 1 Hi' und besonders Wuuderhorn i 148). 

man sieht dasa hier auf die liebbaber ubertragen ist, was ur^Ong* 
lieh von der geliebten erzählt ward, s. Wackemagel Altfmnz. lieder 

' <lifse worti- widcrlegon zugleich auch ili»' argrumeiilc der Talvj 
(aao. grgni tie» volkstumliclicii i)isjirunj( des WiH-titcrlicds. — mit 

deu kiltgätif^e» verglich die gilualion der tagelieder richtig schon Waldau 
Allböbiiilache nfonrpoesie s. 19. 



Digitized by Google 



ALTE DEUTSCHE VOLKSLIEDCHEN 



235 



und leiche ?. 239 anm. uikI Zs. G, 2921, RKohler Cerm. 6» 300 
\N ,n kcniügel h,\{ il is aiicli in der provcnralischen inul lifutschen 
kuui>ipo«'sie heliaiKieltt' iiioUv las ki die aUlal( iiii^( lif du iiüiug ver- 
folgt uod Vüu dort, wie er es gern tat, eutleiinung aogeDomineo, 
die ao uod für sich unwabrscheiolich ist. ao entlehnung wird aber 
Hiebt tu deokeo sein, wann wir dw iiiotiv in vollsler devtUcbkeii 
auch in der indiMheii poesw treffeD (Bloier aao. s. 33. Boihlingk 
lodiscbe spräche, in einer blüleDleee hg. fon seiner Schwester, 
Leipzig 1868, s. 108). ja wir finden anch in der indischen 
poesie die anwendung dieses motivs auf den liebbaber (Gita- 
«(owinda iihersetzt von 1 IlückerL, Zs. t. k. d. niorgeul. i s. 135 
Sil. 14). SU nahe liegt auch dasselbe im gegcDsatz zu dem des 
tageiiedes niclu, dass es überall in gleicher weise halte entstehen 
soUea. Tielaiebr wenn in der iudi&cben fassuog oabezu wOrÜicb 
so wie in der proven^aliscbeo an die eraflblung die fnge 
fcnOpft wird, wen nun wol die frau am meisten liebe, so legt 
das die vennntung nahe, dass schon in der ältesten seit dieser 
Spruch einen teil des episch-gnomischen Schatzes bildete, aus dem 
sich in der diebtung und gerade der SUesten und volkstOmticben 
dichtuDg aller indogermanischeD Völker so viel erhallen hat, dass 
es gar nicht unmöglich scheint, einen betr.fchllichen teil dieses 
schalzes durch vergleichuug wider nnszugialieii (ein hn-piel: Rig- 
veda S, 33, 17. 10, 117, 1— ü — H;\vamAl 84 s. Ziiiiiner Alt- 
indisches leben s. 342). ganz gewis Ual dies stück, halb fabel, 
halb rfttsel nichts in sich, das es fon jener seit ausscbliefsen 
rnttste; und es wird noch heut gesungen 1 

So enlstannen diesem vorrst an weiabeilslehren ja auch 
tum nicht geringen teil unsere sprichworter, noch hent in 
vollster kraft, uod wie in der spräche des alllagslebens so von 
der poesie, mehr freilich der des volks als der kunstdicbler, bc- 
waliii iiiiil ti iichthar. aber auch \Nurkliche licder schon vor der 
sprachenlreuuung sind unzweileihafl (Fielet Les origines ind )- 
europ^ennes iii 200: *Nul doute que les ancieus Aryas n'aieni 
eu des chauls populaires'); sogar ein iodogernianisches melrum 
bat ja Westpbal höchst wahrscheinlich gemacht ^ inhaltlich werden 
diese lieder neben der gnomik und dem spott und lob das ent- 
halten haben, was alle Idtesle poesie ausmacht: *sterbelied und 

* ansätze zu einer vergleichenden metrik schon bei Ka^k-Mohnike 
Verslehre der Isländer s. 38 »oid. 

10* 



Digitized by Google 



236 ALTE DEUTSCHE YOLKSLIEDCIIEN 



kriegsgcsang, schlacht- und grablieder, liistorisclie lobgcsänpr« 
auf die vJüer und an die väter' (Herder vii 18 vgl. Talvj 55: 
4i<'li(', siegeslit'ude (h^s krngfrs und die liuldigung der goltiieit 
— aber so alte liebe» poesie ist wider zweifelbaft), dasselbe also, 
was MflileDlioff der lilen cboröchen poesie zuschreibt, kaum 
wären auch mythen und sagen, wenn nicht so bewahrt, bis auf 
uns gekommen, und so, wie man auf vielen punelen schon 
den Indogennanen lugewiesen hat, was man sonst erst als lange 
nach der spracbtrennung entstanden anerkennen wollte, hatte 
das urvolk vielleicht schon alle die gattungen der poesie besessen, 
ihr ilicin man den alten Germanen zngrstpboii wölke, oh aber 
Nvuiklicli und in welchem unifanL'»' dann dif^ «icr tali war, wie 
weiter mit der iodividualisieruug der sprachen zugleich cpik uud 
lyrik aus den keimen sich entwickeAten , das wird einst vielleicht 
die vergleichende poetik so sicher nachzuweisen YermOgen, wie die 
rergleicbende Sprachwissenschaft jene absonderung der urdialecte. 

Beriin. RICTARD If. METER. 

ZWii.! BRUCHSTÜCKE AUS KüDüLFS 

WELTCHRONIK. 

Eine kleine Studienreise , die ich in den abgelaufenen ferien 
nach Olmütz unternahm, führte fiiaieA awk nach MäktiM/ek-WeifB- 
kirdm. ich voüie m arehive dintr sTodr aetmuiQck^ 
eimdim, die nach aüm, wo» ich 4b«r diutXhm tr fahren, fiir 
die geschidtU der tehwedischen henchaft in Mdhrm grofgen wert 
heampru^en muUen, v^n der gemeindekanxlei, wo die aeten 
fehlten, an die kanzlei des k. k. staahyymnmiuius verwiesen , faud 
ich in der tat dort einen kkhien fmtikel von schriffeu aus der 
bezt ((kneten zeit: dief^efhpn hesilzeu jedoch nur fiu die, local" 
(jeschiclue einige beäeutung. aber ehe idt noch die actet^ in den 
händen hatte, wurde fcft eines neben denselben liegenden buchee 
gewahr, das in pergameni gebunden und auf den aufeeneeiten dee 
einbanddeckele hetehrit^ war* diu buch, ein geegraphieeher hand- 
olids am dem \1 Jahrhundert , befand eich ur^rUnglieh im beeitxe 
der Mährikh - Weifskirf^ner pfarre. mit erlmthnis des direeter» 
hm Kießling löste ich den einbanddeckel von dem atlas, befreite 
das pergament von einer nnzahl angeklebter, bedruckter bldtter au$ 



Digitized by Google 



ZWEI BßüCHSTlCKE AUS aUDOLFS WELTCUHONIR 237 



starkem papi er , und säuberte es von seinem schmutze, aUbald trat 
die Schrift dentlicher hervor und es zeigte sieh dau sowol auf der 
äufteren ah auch auf der inneren seite des pergamentumechlages 
verH atanden, wm denen die ktxteren muurgemäf$ tnW besser er- 
kalten waren, das pergament s^st, wis es zum embande bemUsa 
wurde, beeUmd aus zwei blättern in foL, die der breUe nach an 
eina$tder gdiUht waren, unser 'erstes blatte, wMes den Dinrderen 
teil des einbanddeckels bildete, hat eine höhe von 29,5 cm. und 
eine breite von 23 cm., das andere eine höhe von 31 iind eine 
hreftf von 22 cm, von dem ersten ist die <hifsere seife uuinritch 
mehr beschädigt, als die entsprechende änfsere seile des zweiten: 
SO ist die letzte zeile, wo das blatt einbogen war, unleserlich 
geworden, und auch rethis und links, da wo sidi der einbug be- 
fand, eind einzelne fortien sdtr sdiadhaft, wiewol das zweite 
Matt, da es die untere seite des einbanddedkelt bildete, besser 
erkiüten ist, so sind do^ auch hier (auf der Üufseren seite) 
3 zeiUn ganz und einzelne teilweise unleserUeh geworden, die 
rechte ecke des zweiten blattes ist übrigens stark (nutgerissen und 
auch links ßndet sich eiue gröfsere heschddiijte pnrlie. 

Beim ersten anhiirk, ah nodi, die hetdeu hlufter nv eituiniJer 
hiengen, schien es, als seien .v'e einer und (krselben hs. ent- 
nommen, an der zwei hände geschrieben IwLttev f>ei näherer 
pr&fung zeigte eich jedoch dass das erste blatt aus feinerem, das 
zweite aus vid, gröberem pergament bestehe, zwar sind beide 
blätter auf beiden seilen mit je drei reihen von veraen beschri^en, 
aber jede columne de» ersten blattes enthält 45 xeilen, jede des 
zweiten 52. endlith sind auf dem ersten blatte alle tndtdtlm (z. 12. 
58.90. 120. 1()6. 213. 211J rot, während auf dem zweiten die rote 
färbe mit der hlnnm (z. 19. 77. 103. !'):>. 209. 237. 271) wechselt, 
die srhrifl geJiorl nicht hlo/s zwei verschiedenen lianden, sondern 
auch zwei ganz verschiedeneu zeiten an; die des ersten blattes wird 
man vnbedenklid^ in die 2 hdlfte des 13 bis in die erste des 
\4jhs„ die des zweiten dagegen in die zweite hälfte des 14 bis 
in die erste des Xhjhs, zu setzen hohen. 

Ober die hei^cunp der beiden fragmente kann eine anweisuDg 
mi^nft geben, wel^ an die oben erwähnteti papierblätter an- 
geklebt war, sie ist vom 23 märz 1 638 datiert und von der chnr- 
fürstlichen reiit.«'tul><M» Straiibmj^ ausgegangen, darnach ist wol 
der einband zu dem alias in Straubing angefertigt , bezw, sind die 



Digitized by Google 



^ 238 ZWEI BHÜCHSTÜCKL AUS HUDÜU'S VVELTCUUO;Mä 



beiden pergammtbläUej daselbst den h»8, etUnommm und zu ein- 
banddeckeln verwendet worden. 

Da mir An. der WeUchrimik nichi «u g^ote tt^en, so be- 
schränke ich midi auf einen hhfsen Mrudt der Mätter» He Am- 
toeisnngen auf Vihnar hat mein eoUege prof, Strahl beigeßgt, der 
anth die hmdt^^dce mit der ahschifl tme/b einmal vergÜeh. was 
in der hs. uHltscrlich blieb, ist durch puncte bezeichnet , zweifel- 
haftes cvrsiü yeäruckt. 

Czemowitx, j'annar 1S84. J. LOSEHTU. 



Erstes 

1* 

duhte sie doch niht geoAg 
und sie twang mit ßrech* hant 
in ir gewalt more lant 
lind iNviig darnach mit krefle sa 

5 die ki1n('<;riche iu ludia 
« . . . «ie ir dieute sund^ Iwaug 
die nieman .e. vor ir betwang 
Doch sid* llge doch twaog sie sit 
mit sin Itraft bi siner lit 

10 der Itflaec Alexander 
und nüme dekein ander. 
Semiramis die riebe 
begude krcriecliche 
in gewallus kiail ul sligen 

16 sa daz ir müsten nigen 
alle die läl die ir gelegen 
waren, manege riebe degen 
iwang sie mit kraft ! ir gewalt 
.... ieftson einen fflrsten balt 

30 treib sie dem lande sa 
der was gcheizen Trebea 
den mähte ir kndt ^^^r ;un" 
. . . a }:ar. daz er ir über uier 
kume und (lAbleclicbe eudran 

25 Trebea der wise mau 

19 hch im perganunL 



blau, 

quam flb^ m' in dise lant 
und liez sich nid* sa zu baut 
zu der mftsele shiere 

ein haubelstat zö Triere 
stifte d* edele werde man 30 
und leite gruzü fliz daran 
als da noch budc disen dag 
sbinet aU mau prAuc mag 
da Dach an einem patas 
. . . riche unde also veste was 35 
daz ien noch nienuin künde 
wie viel man is beguude 
mit kuusten breche noch mit 
kraft 

...ine gro/cn In im halt 
. . . dirre (ihfie.plag liievor 40 
riugniure . brücke . bürge . dor 
. . . iget mit gewalt alda 
. . . ele furste Trebet. 
. . . stat do nande 
1^ 

in gaüia dem lande |5 

Triere nach dr iiannl siu. 
Semiramis die küuegiu 
höhte kAnegliche 
iu assiria dem riche 



Digitized by Google 



ZWEI BRUCHSTÜCKE AÜS RUDOLFS WELTCÜROiNlIi 239 



toBabylonie die haubetätat 
die balta gestiftet uud gesät 
godee oVorrtf?^ Nemrot 
die etat sie vesteD gebot 
mit plast' und mit ziegel 

ssden landen zu einem Spiegel 
dit; da zinslen ir hant 
uiul sie vraavke was geii.il. 
Der stal rlgiiiure die drüme gieg 
und Babylonie ume vieg 

00 was . alse uns die warlieil seit 
an dielte fäfzeg claft' breit 
und zwei bodert daft' boch 
an stat an wite sich gezocb 
daz sie vier hüdert etadis wit 

65uude ahzeg in alle stt 

daz ich mit wailitMt prüvö wil 
als maiM'^'os rosselaufes zU 
niil hundert porteu erio 
:iach man sie wol beslozzü sin, 

TOnn veetecliche verspätt 
mit gflten dnmen wol bewart 
was Me nnde wo! zfl w* besal 
an dem durne lag die stat 
den die gesiebte von Noe 

75 davor hatte gestiftet .e. 
ilutcii (he veste eo niiUe Üoz 
Fufrnles daz wazzer ^roi 
uud mahle vil nhche 
die stat an göle riebe 

80 daz iz mit kaufe dan und dar 
drüg d* stat zft nutze gar 
da v9 sie sere ricbete 
dekein veste ir gUebete 
an hoher wer an rieheit 

85dis m&slc als die sbrifl us seit 
in asii» vil gar die lant 
dteübieb biti al dar benant. 
krall 



da plag des landes hersbaft 
Semiramis die riebe 90 
ier dage stedecliche 
in ir mAtwillen swebte 
zfl alter zit sie lebte 
darnach als sie gedachte 
ir willen sie Iftrbrahte aö 
uocli förbaz dan ^okio 
swaz mütwilleu sie wolde 
mit ir selber enden ic 
vil deine sie des ie verlie. 
Sie kerte ie alle ir sinne loo 
nadi mAtwiliegf minne 
mit gemdes b'tze gernd* kraft 
an minne. an mannes frQtschaft 
un liitle in mine gtiader «^ir 
durch fVunlshaft manne vil zu zir iQb 
unde wart doch nie vii minea . . • 
baz an ir mAtwillen st . . . 
daz sie da nie gefügte 
das sie ie genflgte 
des ir von mannen gesbach iio 
swelcb man ir willen was xft 
swacb 

un mit geselleclieher pltbt 

ler künde wol dien») nihl 
d* mAste hau v'lorn den iib 

. , . lebte 115 

vil gar mätwilieciiche 



unde ir lant in ir iaren 
mit ien verlebtet waren. 
ZA lest erslftg sie Hin . . 
d* ir son von arte w . . 

durch daz sie ien wolde . . . 

mit unwiblichen diugeu 
daz d' degeu ellenthaft 
sich halle iu ir geseUeshatl 



125 



Google 



240 ZWtl BUliCUSTÜCKE AUS RUDOLFS WELTCHROKIK 



sa (laz er bi ir lege 
unde valsh* minne plege 
mit ir also er nilil sohle 
da er des iitht enwolde 
laogie Wolde iemo hao gcoo ...elib 
dar . . t . das sbuldebaf . . w . . 

ageo . . 

2* 

io dirre zit . in disen dagen 
l«bte daz lut da aere 

135 nach vohehchor lere 
unmenshhchrr w'nV f^ote 

daz wib Doch mau nocb mä noch 
wib. 

.. ar. noch meit. des andern lib 

140 da Tone erklte man noch wib 
noch dekeinea meaben lib 

ieme zfi vat* were erkorn 
denie iz zü kinde wer geborn 
niemanne was zii rehte erkät 

145 iem zii mage ssvr Ihmi.uU 
vtl doli shuhle . unmie daz 
küde ir dekeinen furbaz 
reht .und nature leren 
Ton liebe ein menabe eren 

150 fdr dai and* aolbe alte 
. . . ts do den lAden mite. 
ane die ebreischen diet 
der leben sich von ien allen ahiet 
mit reht' waiidelöge . do 

155 diz uf al (1<t erde aho 

umh' in den kfinegriclicn da 
hie vone wart do zi Sodoma 
unde in Gomom für braht 
unde wid* d* nature erdaht 

160 die nnmenaliche sunde 
da vone ins abgrunde 

166 ninufr $, 67. 194 



god die siede erdranctc 

vMarbte un versa ucte 

iu d«Mi ew(»f;<Mj dot 

d^ iamer wHe iu wernd' not. 10$ 

Nach den heilegi sbriften 

wilich den meren stifte 

zwa stede odele und riebe 

dar k6 gewaUecliche 

uffe al der erden alle bnt ^ t70 

dienttea mfielen sin benant 

d^ wirt die eine «jodes stat 

die vestecliche nnh wol besät 

wirr an disen inertMi 

mit den godes burger . . 175 

. . sint semis nachk . . en 

uz den allen ist genoi . . , 

phalech in d* abidunge zit 
und nach iem sin gesiebte sit 
alse uch ir nams genenet sintiso 
nach dem Tarc und sine kiut 
Hahraham dor reine 
nnd die kunc alle j^'onieine 
die do und nach den zidc gar 
sin nachkome die fruhi gebar. ig& 
alse uch noch wirt h'nach geaeii 
die stat was an edelkeit 
die rieb* . unde an herahafi 
die mTder . dsnoch an ir krallt 
unde wart doch sit die herretso 
swie hiene were die nu i i ' 
die ich der werhle sliflrn wii 
die do . und nach d' iare zii 
mit grozer kUoeglicb^ krafl 
waren unde hiezen 195 
unde sich da nider liezen 
in hetdenshe riche 
die nenne ich alle gliche 

«In ver«. 



ZWEI BHUCHSTCCivE AUS ULDOLFS WELTCHRONIK 241 



der wpride bürgere 

200*^'>VH/. von den hio die mere 
saget daz siiit die biwe^p 
eoaeben rccbte mere plege 
die UDS hic sola bimeren 
▼6 den godea bürgeren 

«ttfAr sieb d* rehten mere ben 
die mit ir meren hebent an 
unde biene volgSt offe ir pbat 
die vö d* werltlicbeD stat 
unde vö ir bürgeren seit 

210 ir mere in reliler warbeit 
alse uus von i^^u die mero seit 
die slirift gewisser waihcit 
An dieen mprpn der ich ban 
begünen unde ber gedan 

S16 reble in rebter rihle 
ane Smekreii mit slible 
ban ich kurzlicbe ber gefeit 
ane vals die warheit 
nisL kurze worlen uz gesniten 

220 unde al <be nmrrcde v'miton 
da von die mere lengel sich 
d^ kurzen flize ich g'ne micb 

das des de bald' vollenbrabt 
weren alse ich ban gedabl 
2» die mere die ich dibten wil 
d* rede wurde andere gar tü Yil 

obe ich darnach icli sulde 
par vollesacen wuido 
(bf iiien* die mit uarbeit 
230fiie beilege shril't darloe seit 
doch kome ich abte die warbeit 
seit 

ie nf die lil der warbeit 

213 f^lmar s. 66. 



daz mau da bi doch wol vVl.U 
welch ende ein ieshch meto hat 
vö ffon irb h\o sprecben wil 235 
zwa werll d' urhab . und d^ zil 
han ich nA gedihtet hie 
kunliche und doch rebte wie 
god ietwederre den urhab 
von er gedahte un ende gab. 24o 

Wie die dritte werlt be 

sieb mit dem name . . 
daz iz auch ist ein werll geiia . . 
daz wil icb machen uch bekat 
unde ucb zu warbeit brl^^eQ 245 
wie un von weihen din<.'en 
die Sit . un undirclieit . d^ frist 
das ein werlt geheizen ist 
ein werlt heizet in ir meren 
daz wil ich uch beweren 250 
swene al der w^de shippb' go. 
und sin «?odelich gebod 
Wolde mit iuiwen Sachen 
d' wMde ein nuwez machen 
daz . e . va den liUm nie 2^5 
geshach. noch. e. davor ergie 
daz hiez die shrift ein wHt ie sa 
un eine wädeluge als da 
god d' werlde alrest began 
und mit adame deme ersten man 280 
geshür. al der mensbeit 
ir urhab als die shrift üs seit 
daz . e . da vor nie was geshchc 
noch befunden . noch gesehen 
uz wedeg godes wisheit nie 266 
wie g... nach d\ da die zArgie 
eil . ... d' stifte mit Noe. 



L^ujui^L-ü cy Google 



242 ZWEI bliliUlibTÜCKE AUS UüUOLFS WELTCUUülNiK 



ZweUes 

!• 

. . . den berc was kome 
. . . ie «arheil hau f*aftni« 
. . eo ob im geswinde 
cwei . nn virzic kiode 

5 die rul'teü iu j^polliclu ii an 
ganc uf ganc iif Ii* kalw^ niao 
do er des spulles sicti v saa 
flucheo er io do begao 
sehanl do der flach gescbach 

10 zwoDO bern man käme saeh 
von den wurde (io) an und^laz 
die khil z*zerrit un gaz 
helyseus der vil g&te 
der was io gotis hOte 

16 un «juain ;,'egan^'en da bi 
ubir deu berc canueli 
un quam zu samaria als ich las 
wan do sin wonuge was 
Do Josophat der gute man 

20 von dem ich e. geseit faao 
gerihtet. Juda vur war 
daa konicriche ahzehen iar 
do wart Joram d* w*de helt 
iu Isrl' zu klimme erwelt 

26 acliabes suu nach o( linsia 
sinem brudir der vuu lui da 
rihte das kunicriche 
wii gewaiiecliche 
Joram der lebte widir got 

30 un widir der e gebot 
als der kunic ieroboam 
davor hate getan 
sines valir abgui Uaa! 
d»z z'bracli er an dein mal 

35 ua äiner mulir irou Jesahel 

1 IV Htg, 2, 23, «. i^Umar «. 35. 



blatt. 

doch lebter widir siner sei 
na betten bi den ziten 
einen kunic die moabiten 
der was geheizen mesa 
der moste von sime lande da 40 
den kuuige von israliel geben 
zinsfur sin gut un lur sin lebeu 
er gab zin»; »len ich iu wil 
nenien bic au disnie zil 
hundirt tusint wid' uz erkorn 4b 
un also manic schaf onbeschorn 
die moste er iergelich geben 
bi« daz achab vios sin leben 
do enwolde er sie nit me geben 
er Wolde e v*Hesiii sin leben 50 
du d' kunic Jüiiun vhiaoi 
iu bulcbea zoru er quam 

daz er von sime lande 
die besten do besande 
un wart mit in zu rate 55 
üme diz dine vil drate 
vie er moab in kurzer stunde 
der kunic ubir wimde 
er >vol(lis groA Jasier bau 
sol im der zins abe gan ' 60 
der sinem valir wart gegeben 
ez muste e kosten sin leben 
er besante sich vil wite 
un sante ouch an der zilo 
üme helfe zflme kunige iosaphat 6b 
un hiez im sagen die getat 
der sprach ez ist mir leit 
ich bin zer helfe sin bereit 
unsir null uü unsir gut 
sa) ieni^ sin ein uiut ein gut 70 
1. 2. ä U»eh im pergamMU» 



Digitized by Google 



I&WEI BRUCHSTÜCKE AUS RUDOLFS WELTCUROlNili 24S 



sie sula uodir uns beiden 
iem* sin ungescheiden 
ich kum im fil schire 
Josaphat de fiere 

75 der sande zume kunige edon 
der quam euch im offe geltis Ion 
SU8 samenle sich ni^ groz* maht 
das her. un t'iireii sibuu uahl 
durch gar cm wuslez lant 

aoYdumea was dax genant 
un was ane wazz' gar 
des quam die mehlige schar 
uB ir vihe in grose not 
wan ir lac vil von durste tut 

65 do clagete Joram der kiinic do 
on sprach herre wie kinml iz so 
da 7 du so gar auc wer 
dri kunige mit richer her 
in der tnoabiten iant will geben 

90 an wir v'iisen unsir leben 
der milfe kante Josaphat 
der vant do einen guten rat 
er sprach uns sei des ruchen 
(laz wir heizen suchen 

95 üb liU iß dis»'n Uv^mi 
gotis reine wissageu 
die cbcinir uudir uns si 
do sprach einer unsir ist bi 
Ueliseua der helyen 

tOOdem reinen wandils frien 
Waas* an sine hende gox 
er ist ouch alfis wandlb btoz 
Do gingen die kunige so zehäl 
do in belyseus wart irkaut 
V 

tOfrun baten an der stunt 
das in sin heire wurde kuut 
do entwrie heliseus 
dem kunige von isrP abus 



waz gat mich ane öme din clagS 

beiz dines vatir wissagen lio 

tth diner mut* heilin dir 

swa du wil noch diner gir 

durch den kunic Josaphat 

wan 4^r ein rebtix h*te hat 

so wil icli iLiü waz er wil 115 

hiezeul mir au disein zil 

her gewinnen einen man 

il^ suz gedone machen kau 

der wart aehaat dar zu im brabt 

von dem gedone saz v'daht tio 

un von den noten allir meist 

heliseus das sin geist 

entluchtet un enzundet wart 

ilaz er an der selbe» vart 

in seitp gar die niere 125 

waz III kuut'lic wert' 

gat hin uf des baches sant 

do nu stet trucben lant 

in des wazzers übe 

do machet gruben un grAbe lao 

got sprichet ich wil an regensdo. 

in geben wazz*s tiefen floK 

darzu alles raoabis lant 

daz wirt sttiule in iuwer ha . . 

ülole Uli bürge aue zai 135 

die nenien von uch grozen : . . 

iz wMent von uch in disen tagen 

ir bernden holtz abe geslagen 

ir veizen ack* w*denC bedaht 

mit steinen gar von iuw*re mah . • 140 

ir söde. un ir brAnnen 

die sie mit grozen wannej 

trfiken die w*dent vHvorlen gar 

vun luwVe mehligen schar 

sus seit in der wissage 145 

morn an dem andern tage 

fru an des moiigens zit 



Digitized by Google 



244 ZWEI BRüCHSTCCKE AUS RUDOLFS WELTCHHOMK 



so des üpfirs zil gf'lit 

do (juam <_'in wazzer anc zal 

\iM»o daz die gruben ubir al 
uTi die wege wurden vol 
das liut daz e in leide» dol 
was daz wart du alliz fro 
daz öiz geschehen was also 

155 Nu waren an den ziten 
die heiileu uioabiten 
2' 



leo. . ede» mit freuelicber bant 
. . u waz iz rehte an dem zil 
..od* suoDe uf driogen wil 
mit sinen liebten glesten 

. io sahen dax von den gesten 

165. e.H waTizors floz <1o f»r quam 
un von Irgeii imlir ran 
gein des sunnen Mick** 
. . 0 dubte sie dicke uü dicke 
daz wazz* rot uu blutvar 

170 >• . sprachen wol ufd^ viende schar 
.... sich undir houwen 
.... wazzers ouwen 

daz Teilet so do her 

. . viodin noch unsers hV^en ger 

175. . e alle viui (so) odir irsla^en 
wir sulin gwt al da beiagcu 
* . . kerten die Moabiten 
. . . israheliten 
holde uf gewinnes Ion 

180. . Aorten disen don 
der kunige her do iz lac 
Til balde iz sich zu strile wac 
wan rehte an den ziton 



do die iiii>;ihiten 

. . wand»' vindin ane wer l$& 
was daz israbelische her 
. . . eilec Uli rittens an 
freueliche. daz lutael dan 
der moabiten theiner quan 
wan der mit snellir flubt entran. 190 
sie kerten nach in in daz lant 
daz wart v'hert uü v'branl 
un swaz in mohte wesen leit 
als 17 der wi^sage haUe geseit 
daz geschach in alliz da 19& 
für die stat sie kerten sa 
. . der kunic inne was 

genas 

.... manges bHes sturroea not 
. . . kunic sluc da sine san da 200 
tot 

(lo daz geschach 

«laz oz daz uzcr her wol sacb 

do twanc sie die erb'oiekeit 

un des kuoiges hV,eleit 

daz sie an ime sahen 

daz sie in allen gaben 

... da mite erten 

bein kerten. 

Do Josaphat d* f^ute man 

zu Jerl'm vvidir (juam 210 



byeu nach des buches sage 

daz sin helfe was bereit 

de d* rehte geloube meit 

uTi der die abgote m!nete nie 215 

danne got odir goUs e. 

diz buch seit hie furbaz 

das bi den selben ziteu was 



157. 15S ntir rintchif huehttaben SU tuen, 159 /rtfns vetwitefd, 
161 loch im j/ergatnenL 



Digitized by Google 



ZVVKl BRÜCIISTÜCKE AUS RUDOLFS WELTCBUOISIK M 



ein wip die twanc gro7.e nol 

320 von do ir man was tot 

sie quam zu heliseo 
UD reddete mit im «Im 
faerre höre mine dage 
mm man was ein wisiage 

^on Torbte tu allen zilen got 
un hielt oneh g'oe sio gebot' 
nu zerter in sinen tagen 
so Til mit ande'n wissagen 
daz or inil rhcinir alito 

330 die co&te vögelten niolUe 
sint das er ou tot ist 
so quam za mir an dirre vrist 
ein sin geller daz ich im gehe 
mioe kint die wil er lebe 

236 daz sie mit eigentlicher craft 
im üm^ sin dioesthafl 
Do sprach helyseus 
zu der froHwen alsiis 
sage mir obc hehalteti hal 

240 din bus dicheincr slabte rai 
do sprach die tU reine 
in bao nit wan ein deine 
oleia do mit ich 
(»tteswenne salbe mich 

mcr sprach volge mime rate 
}:nnc hin heiin vil (lr;ile 
hit uine nachgeburc din 
lere vaz swaz der mac sin 
beiz dine sune helfen dir 

2S0on « . . ate nach diner gir 
mit dem olei so da hast 
nieman du dar zume last 
heslas din tur an d' atunt 
daz cz niemanne w*de kunt 

255 daz i-escliach sie tet also 
UD was sin ouch von li'^zen fro 

251* 2B2 loch im pm^ammU, 



ir vaz die wnrdi ii alle vol 
ez weren hutlichen odir dol 
uü was des oleis ooch nit me 
von dem sie halle gesaget e. aeo 

sie quam zu helyse. 

uh sprach h*re ez ist . . . . 

gesch 

er spr üh so »jebul ich dir 

ga lii'fiii au atte swerc 265 

und wer din geltere 

voUeciiche swaz du in soll 

ez si Silber odtr golt 

daz andir habin dine kint 

mit dir wan sie dir lip sinL 270 

Ez quam also an eime tage 

nach der worheile sage 

daz belisous quam gegangen 

do er wart entpfaiif^en 

von eimc ^To/en n ih(! 275 ' 

an wisheU un an übe 

was sie creftic un groz 

sie spch . . s k . . . d , . geo • z 

als heilige ich irkante nie 

du sah bi mir bliben faie 380 

ich un min man wir wollen sin 

inner noch dem willen din 

bi ir 80 bleib er da 

da/ gute wip sprach sa 

zir man wir 8uln im madien 285 

mit gemelichoQ sachen 

eine sundir kemenaten 

in der er beraten 

werde alles des sin h'ze gert 

des ist er bi namen wert 290 

«US wart die karo'e im bereit 

11 n (h)i' in vil sdione i:eh'i! 

ein belle iu^so^stul ein kei zeslal 



Digitized by Google 



246 ZWEI BRUCHSTÜCKB AUS RUDOLFS WELTCHRONIK 



ein tisch wol iibir al 
296 mil spise dicke wart beleit 
do diz alliz was bereit 
do bleib vil dicke da 
der gute prophcita 
sin kneht der was im b . . . 
300 der waz geheizen Gest 
gaoc hia an ilisen iiteo 
sprach er zv sunamiteii 
UD lade aie her «e mir 



hiez mir enbieteo bi dir 

ob ich dicheiii (hnc hm itiii . ,3üb 

daz ir zu fruuie od zu er« 

d , . . e 
daz kint daz gie ze baut 
ucE die 8anit«D vant 
un sprach mio h^re behsetis 
der heiiel dich frage« sbus 3L0 
ob dir sin dinst iht muge fnine 
od* aio rede lu Staden fcnme 



ÜNGEDRUCKTE LATEINISCHE OSTER- 
FEIERN. 

IM AUS BAMBERG* 

i) die ente ftier fand ich Troparium et sequenti- 

arium s. responsoria et sequentiae auf <k'r küniyL bibliothek zu 
Bamberg (194 hll. in qitnrt , snjn'iiur Ed. v 9), aus der hihltoihek 
des Bfimhergei' capitph sdn/imend. dass fftese pffhs. dem \i) jh. an- 
gehurt , die feier sonnt ilter ist als alle bis jdzi bekannten, 
gtht am dm warten: Oitoni serenissimo impcralori a Deo coro- 
nato« magno et padflco uila et uicioria^ Redemptor mundi, tu 
illum adjuua havor, welthe sidk foL 40^ in dar grüfleren Infatut 

Poi 45": 

Ad visitandum aepulcmm Presbyteri vice mulieram. 

Et diccbant »d invicem Quis rcuoluet iiobis lapi- 
dem ab lioslio monumenti? Aeuia, aeuia. 

Inlerrojjatio angeli; • 

Quem queritis in sepulckro, christicole? 
Responsio; 

Jhesum nazarenom crocifixum, o caelicolae. 

Fal 45^ Econtra: 
Non est hie, surrexit sicnt predixerat, ite, niin- 

ciate quia surrexit de sepulehro. 

Presbyteri: 

Surrexit enim. 
Te deuro iaudamus. 



Digitized by Google 



l.NGtüliüCKTE LATEINISCHE OSTERFEIERN 247 



2) in fi/^m Antiphonnriuiii oimi imtK <uitirpiis fptjA^, \2HbÜ., 
XII jh., siyniert Ed. iv 2), eUnfalis aus tkr lnbltuthek des Bamberger 
capiiels slammetui » steht die zweite feitr. sie fällt in die matutin. 
noM den üblichen 3 antiphonen, 3 psalmen, 3 rttp§morim (v^ äi$ 
von mir Zs. 28, 119'-129 veriff^UchUH fmem aM FrUadar «ntf 
Nünbirg) falgt (diB hs, üi nidU fQ§mm) d$r Mix: 

Ad tamulvm oeQere gemeDtM a« Et secviD «romata por- 
taatas a. Angelam cbriali aedentein io nertioe aasi a. Vident 
al factum uacttum cor^e lacua. Sed virtiite piennii. aeria. 
Sodann: 
Ad sepnlclirum. 

ijuem (jucritis in stpulcliro, o cli ri st i c ol (!? 
a. Jhesum iiazar^iiutii crucifixum, o celicole. 
R. f(oD est bic, surrezit aicut predixerat, ite, 

nuDtiate quia snrraxit de sepulchro. 
a. Venite et -uidete. 
a. Glto euDtea dicL 
a. Surrexit domiDua. 
Landes. 

3) auf der Würzburger universitälsbiMiothek fand ich tüUer 
R. X 15 eine l>(iin!>erger age.nde von 1587, fM'Irlif eine doppelte 
feier enthält, eine Coinmeuiuralio ilominicat* K'stirrfictiunis in 
sancta nocte tmd eine Visitatio i»epulch] i. da die bis jetzt ver- 
öffentlichten agenim entweder nur die Commemonilio oäet nur 
die Viaitatto oder anoor beide, aber die freiere ohne die wefim% 
Victimae paachali und Chriat tat entaodan (ogL Jliückeadc Die 
oefet" und pwsionesj^iek, WelfenbüM 1880« anhm§ i, in, vi) ent- 
haUen, so aoMif ein iMrwik Mfer feiern, namewiM OMcft 1» 
anbetracht der ausführlichen besehreibung , angemessen. 

Der tiiel der ayendt laute!: A^'t mla Bambergensis, hoc est 
Uiluum Ecciesiasticorum secuiKiuni u^iim imperialis ecclesiac 
episcopatus Baml>erg. . . . Jiissu vi atu t(n itaie . . . Domini Ernesti 
Epiacopi Rambergen. edila et promulgata. lugoiaudii ex oflicioa 
typographica Davidis Sartorii hdlxxxvo, 

(p, 585) Ordo celdliraDdi conmamoratioDeiD doBunkao reaur- 
reclMNiia in saBda noote. 

Et haec quoque Dominicae Reaurriotionis eoomieaioratio ce- 
lebrioribtta aerait Ecdeaiia. Unda aliarum Ecclesiarum , utpote 
iniaoruin et rtiraiiiim Rectorea et Parocbi , ex ordioe hie descripia, 



Digitized by Google 



248 UNGEDRUCILTE LATEINISCHE OSTERFEIERN 



aliquid stltem destmere possuot, qaod pro loci et personaruiii 
illic convenientium qualital«^ commodum fore iadicBOeriat 

Ubi igitur Corpus Dotiiiai in Die l'arasceiies sppiilchro impo- 
siluiiif inüe eleuandum e&l, sequciis scruptiu ruuJus. 

(p. 586) Circa horam noctis Innus saernc undecimam, po- 
pulus CbristiaDus ad Sepulctirum Üomioi coBveaiAi, Sacerdos 
vero sttperpellieeo, atola et pluviali, seu capi», ut focant» cbo- 
rali iodutus, e sacraria prodaat, feravsque aepoldirttoi \tmtü 
gradn pargat, pnecedentibua ipao» dualwa ceroferariia, uiNique 
et altero Clerico, aimiliter superpelliceato aequente. Ad aepul- 
cbram ubi peraenerint, io genua procumbant, aieque eoram 
▼enerabili Sacrameato sequeotes daoa Paalmos, flexis geuibus, 
deuole recitent. 

Ps. in Domiiie quid elc. 

(•loria l\)tri , vi FiliOf el Spirilui ^j;. 587) Sauclo. 

Sicut erat io priucipio otr. 

Ps. cxxxviri Dominc probasti nie eic 

Gloria Patri wie obm, 

Kyrie eleiaoo, Cbriale eleiaoii, Kyrie eleison. 
Pater noater ete. 

V. Iii reaurrectione taa Chriate, Alielaia. 

R. Coclum et terra laetentur, Alieluia. 

(p. 591} Orcmus: Grpfjcm tnam etc. 

His dfctis, aperiatiu piilciiruii), tialqu*; iliurificalio et aquae 
bpncdictae aspersio super vcncrahüe Sacra mr'u tum , et paruam 
crucifixi imagiuem, quae utraque deiade Sacmlos reuerenter ia 
maouscapiat, verauaque ad populom sequentem Antipbonani tribna 
fieibua, voce aemper alUua eleoala iacipiat, ac reliquum Cborua 
prosequatur. 
Snrreiit dominua de aepalebro* 

Cborua: 

Qui pro nobis pependit in ligno. Alieluia. 

Postea instilualur processio, vel per coemileriuro , vel (si 
tuluin nou Mdcbilur) per templi ambitum, hoc tiiü«]u: 

Primo, praecedant d«o ceroferarii praedicli, quüj> uniuediate 
sequanlur duo Sacerdotes, vel Clerici, portautes eam cruciüxi 
imagiuem magnam, quam casula coopertam, in die Paraaceues 
geataverunt duo Sacerdotea. Deinde aubaequalur Sacerdos cum 
venerabili Sacramento etSanela cruce, quae utraque paulo ante 



Digitized by Google 



UMGEDRUCKTE LATEINISCHE OSTERFElLfUN 249 



ex seputchro leuauit, Chorus vero cantel Anliphonam ( um rex 
gloriae etc. Ubi ad primam vel proximam lempli iHiiuaiii ventum 
fuerit, (luü Sacerdotes pracdicLi cum siipite cruci('p.593)rixi iribus 
Ticibus fortiter percuUajBt ianuaiD, buucque io modum iuler pei- 
cutieodum caateoU 

Tollite portas, principe«, vefltras, et eleaaniDi 

porUe aeternales. 

Chorus quod scquiUir canit: 
Et iDlroihit rex gloriae. 

Sil deinde aliquis io lempb (si lamen extra templum pro- 
cessio fit; si vero in templo instituatur processio, sit is extra 
templum) qui Diaboli perscoam simulans fer(p. 594)ro, malleo aut 
cathenä, fortiter quoqiie imptngat id ianuain eaodem, dicatque 
vel clamet aha voce: 

Qnis est iate rex gloriae? 

Mox Chorus, vel eo deficiente, Sacerdos subiungat: 
Dominus fortis et poleus: Dominus potens in 

praelio. 

Postbaec chorus in iocoepta, et paulo aote ioterrupta Aiiti- 
phona Cum rex gloriae etc. canere pergat, totaque procesgio, 
ordine praedicto, veraos aecuDdam lempli ianuam progrediatur, 
apad quam omnia flaut, uti apud primam. Et uolaDdum, quod 
baec utraque iauua mauere debel clausa. 

(p. 595) Ouando vero ad uUimam iaunam veuerint, factis 
ibidem quoque iis, quae circa primam iudicauiimis : aperin debel 
illa. Per quod designatur, vel circumstanti populo ad oculum re- 
praesenlatur: quomodo Christus Domimis post passKnietn suo ad 
iuleros desceosu, eum ioferni locum, qui Patrum Lymbus 
dicitur, aperuerit: vel quod alibi dicitur, porlas aereaa, vel vectes 
ferreos coufregeril, auosque captiuos inde liberauerit. 

Deinde conCinuetur Antipb. Cum rei gloriae etc. uaque 
ad finem, pergatque procesaio ad cborum templi : Sacerdos vero 
gradua altaria aacendat, ibique versus populum conslstens, ac 
CbrisU corpus adhuc in manibua tenena, cantet tribua vicibus, 
voce Semper altius eleuata: 

0 vere digna hostia 

Chorus: Per quam fracta sunt tartara, rederopta 
plebs captiuata, redit ad vilae praemia. 

Z. P. D. A. XXIX. N. F. XVII. 17 



250 UNGEDRÜCKTE LATEINISCHE OSTERFEIERN 



Addalur deinile eiusdem Hymni uUimus versus, Sacerdote 
incipientc: 

Gloria tibi D o ni i n e 

Chorus: Qui surrexisli a tnortuis, cum Palre et 
sancto Spiritu, in sempiterDa saecuia. AineD. 
Sub hoc ollimo rersu, Saeerdo«, facto signo crucis saper 
popttlnm com veoerabiU (p, 597) Sacramento, portet illud ad suum 
locuDOt in quo coDsaroari solet, chorus ?ero incipiat: 
Victimae paschali laudes etc. 
Et poBt qoemlibet Teraum, ifuerat niiuni tantom paachalm 
germauicum, quem populus quoque celebriler decaotet. Si(que 
primus 

Christ ibl eis tan den elc. 

Post haec incipiautur Matutinae, atque secuuUum rituan in 
Breviario nostro descriptum, absolvantur. 

Ordo Tisitandi sepulchrum Domini. 
Visum est pro celebrioribus Ecdesiis, aliuode petere, atque 
buDc in locum ponere modum quendam, quo Visitationis Se- 
palchri DomiDici commemoratio pie celebrari poteat. Ubi ao- 
tandom est, quod in templo designari, atque tapete, vel anti- 
pendio claudi dcbet locus quidam ad (p, 598) repraesentandum 
Christi Sepiilcliriim conueniens, in quo iuler caetera Stratum iaceat 
iioteum, seu sud inuiu alhuiu et subtile, designaas syudonem, quo 
Christi corpus mortuum inuolutum fuit, quod relicta iaiu ibi 
syndone, redeuiuum ex sepnlcliro surrexiL 

Peractis igitur Uatutiois, insliluatur processio ad sepulchrum, 
in qua cantetur Responsorium de Reaurrectione, quod in Matu- 
tinia fuit ultimum, Tidelicet: Dum tranaiaset sabbatum etc. 
Adsint deinde pueri, qui tres Marias sepulcbrum visitantes, item 
Angelos quoque, et Apostoloa, tum Toce» tum etlam babittt ex- 
teriio repraesentent. 

Vvnno igilur tres pueri a clioro versus sepulchrum prodeuntes, 
tres illas inuli' rculas deuotns, atque ob lapideni ostio monu- 
meoti admotum, anxias designantes, qucrula voce cauleut: 
Qiiis reuoluet nobia ab ostio lapidem, quem le- 
gere aanctum cernimua sepulchrum? 
Angeli in sepulcfaro autem cantent sequenti modo: 
Quem quaeritia, 6 tremulae mulieres. In hoc tu« 

mulo plorantes? 



Digitized by Google 



UNG£DaUCKT£ LATEÜXlSCilE OSTERFElEHiN 251 



Responcleant Mariae iterum iu choro: 
^p.600) Jesum crucifixum nazareourn quaerimua. 

Re8poD4eaiit Angali de aepulchro, cantaDtes: 
Mon est btc, quem quaeritis, aed cito euntea nun- 
ciate diacipvlta eins et Petro, quia aur- 

rexit Jeaaa. 

(p. 601) Interim doni Angeli hoc cantant, maiierea ae* 

pulchro appropinqiient, Angeli vero iltud subito aperientes, alque 
luulieribus nioiislrantes, abcri voce caiitent: 

Yenile et videte locuin ubi positus erat Dominus. 

Alleluia, Alleluia. 
Tunc Diulierea penitiua intueantur sepulchrum , iodeque re* 
cedentea cantent: 
Ad moniimeatttm venimua gementea (p, 602), Ange- 
Ivm Domini aedentem vidimua et dicen- 

tem: Qaia aorrexit Jeaua. 
VeDiaiit denique in peraona loaonia et Petri Apoatolonim 
dno alii celeri gressu, unoque alterum praecurrente ad sepul- 
clirum, et poslquam illud ioluiU iuerint, cantent etiaai quae- 
rula voce: 

Ceruitis, o socii, ecce linleamifp. 603) n a , et siida- 
riam, et corpus oon est in aepulcbro in- 

uentum. 

Poatremo dioraa ter cantat, et aobinde altiua, incipit liunc 
Yeraum : 

Snrrexit Dominiis de aepulohro, qui pro nobis 

pependit in iigno, Alleluia. 
(p, 604) Poatremo potest cborua populo iterinn praednere 

cautileuas pascales Germanicas. 

IV AUS TRIER. 

Die feier aus Trier fand ich im britischen mnseum zn London 
in einem Liber ofüciarius Ecdesiae Treverensis Coiiegii. die hs. pg, 
40 f//ar/. 2958) gehört dem jmß. an. sie stimmt im wesentlichen 
mit dm v&n Mikhsads (aao. p, 58 ff) tmier O und F veröffsnt- 
überein, und Usfsrt sinm neuen bmMis (v^ die 
feisr mts Rhdnm m msinsr Mandhmg über die laT. esierfeiem 
im üsterprogramm der realsehule 9U Halbersiadi 1881 pAAf) dafür, 
dam dieser typns, entgegen der aneit^ Müdnadts, aiuh aufserhaib 



Digrtizeo Ly <jOOgIe 



252 UNGEDRUC&TE LATEIMSCHE OSTERFEIERN 



frahkreirhs begegne!. e$ siml mir twch mehrere denkmäli'r dt)- 
seibeti art bekannt , von detien ich einige mUer 'EichttdW mitteile. 

(f, 37**) Finito respoDsorio [tertiol et versa cum Gloria 
patri, reincipiat csDtor idem Resp. Dum tranaistet el egre- 
dktar proceMio . . , . free domini egrediaolvr • ... et vadant vi- 
Bitare aepulcrum. Cum autein perveniunt ad aepukrum, inuenire 
debent duoa sacerdotea indatoa dalmatiois in aepalero, anun ad 
Caput et alium ad pedes. Qni dicant venientibus; 
Quem queritis in sepulcro, o christicole? 

Responderc debent: 
Jhesum iiaznrenum er u c i 1 1 mi ni, o celicole. 

Deinde dicere ilebent intra sedentcs: 
Mon est iiic, surrexit sicut predixerat. ite, nun* 
ciate quia surrexit, venite et videte locuro 
ubi positus erat dominua, alleluia« aileluia. 
Deiude accedant domiaici tres et audarium recipiaut. 
lo sepulcro vwo sedentes dicaot: 
Cito euotea dicite discipulis eins quia surrexit 

doniiDus, alleluta. 
Recedaut slalim illi tres ad gradus crypte, ibi manente^, 
cavitt nt primos Ire» versus de sequentia Victime paschali 
iusiniiil. Uuibus versibus sie cantalis chorus cantet: 

Die n 0 b i s , m a r i a , (j u i d v i d i s l i in via? 
et tuuc procedant domioici tres usquead tumbam tbeodorici arcbi», 
tbi respoudeat iterum unus ex tribus: 
Sepulcrum christi viueutis et gloriam vi. re. 
Sciqoitur 

Augelicos testes, sudariuni et vestes. 
Cum dicitur hoc verbum sudarium, eleueot omnes tres su- 
dariuro. 

Tercius 

Surrexit cbristus, spes mea. 

Chorus 
Credendiim est magis 
et finiat sequencia. Redeuudo io cboruoi cantor incipiat: 
a. Et reoordate sunt verborum eius. 

Et cum in ehorum perueoerint, finita antiphooa, incipiat maior 
Te deum laudamus. 



Digitized by Google 



U?iG£DHUC&TE LAT£1N1SCÜE OSTEAFEIERN 



V AUS CÖLN. 

Auch ei HE ('ölner fefer fand ick auf dem britischen museum. 
et» abäruck dürfte sich um so mehr empfehlen ^ als nocÄ keine 
IßL QBterfeier aus Cöln bekannt ist (aus Trier war ebenfalls noch 
MfM peröffnulieht). diB pfU (Add. 31913) 4^ 293 blL, mfang 
d» imjhi^ hifwier, Oammi am Ofh, ipt> dtrkaknder foL 1—7 
enoeUt, noeft den ÜbUdim pmlmeii, ant^phonm mnd respomorim 
folgt wmiUdbar Mnier dm 3 rmpwunitm: 
(f. 263^ Ad sepnlenrai. 
Quis reuüluel uobia la^iiiein ab oslio monumenti? 

aevia, aevia. 

Angelus: 

Quem queritia in sepuichro, o christicole? 
Marie: 

Jhesnm nazareDum (f, 264*) crucifixum, o ceiicole. 

T. NoD68thic, aurrezit aicut predizerat, ite, nun- 
tiit6 qnia siirrezil de aepulehro. Ventte et uU 
dete loGum ubi positiis erat domiDUSt aevia» 

aevia. 

V. Surrexit dominua de sepulchro qui pro nobis 

pependil ia ligDO, aevia. 

pe. Te deum laud. 

VI AUS EICHSTÄTT. 

Die beiden ersten Eidutdtter feiern wurden mir durch die 
gütige vennütlmg des herm geistL rats SchledU m Eidutätt sm* 
(fänj^di gemadu (iie befinden eid^ wf der dertigen königL bibUe- 
üuk), die beiden Utxten entdedsU iA auf der klfnigL staaMbUoikdc 
%u Mündien. 

1) die eme feiet, einem Sacerdotale jazta S. RomaDae ecdeaie 

etc. Venetiis apud Joannem Doriscum et socios 1560. 4^ (kÖnigU 
bibliothek su Eich st dl t H i 86) entnomrneii, ist dadurdt besonders 
interesmvt , dass die kreuzeserhebuny und (ii« Visilatio sepuJcri zu 
einer feier verbunden sind, was sich in keinem der bis jetzt ver- 
öffentlichten denkmdkr wider findeL 

(f. 255'') De processioae in noete paachae ante matutiniun 
id sepolchniio Cbriati. 

Die aEDCto reaurrectionia cum fuerit pulsatam ad matutinnoi, 



254 UNGEDUUCliTE LATElNiSCUE OSTERFEIERN 



antequam populus intrel ecclesiam, sacerdos cumcruce, el ihu- 
ribulo apparatus superpelliceo , stola, et pluviali, praccedentibus 
cereis accensis, et sequeute toto dero: cum revereolia aperto 
sepulcbro, accipiat corpus domini et portet iUtid in loeo aacrarii : 
itbi aacrosanctum aacramentum semari consumt Et interim 
cborua cantet sequentes paalmoa, vel aliqaem eoium. 

Paalmua: Domio« quid multiplicati aunt etc. 

Gloria patri^ et fllio, et spiritai sancto. 

Aiiiijjliüüa: Dominc probasti me^ el coguouisti me. 

Psalmus: Miserere mei deus etc. 

[f. 250') 01(11 patri , etülio, et spiritui sanclo. Su uLprat 
in priocipio. Fiüitis psalmis sacerdos praecedeotibus cereis et 
tburibulo, corpus domini portet ad sanctuanum suum , sequente 
clero et caDtaote Responsoriuin: Surrexit pastor. Et se- 
pulcbrum patenter dimittatur apertum. 
Responsorium: 

Surrexit pastor bonns qui animam suam poauit pro ouibus 
suis, et pro suo grege mori dignatus est: AUduia. AUeluia. 

Alicluia. 
Versus : 

Surrt xii rionuuus de sepulcbro qui pro nobis pependit iu 
ligno. Et pro suo. 

Tunc sacerdos faciens officium slans cum sacerdotibus in 
cboro dicit Tersum; 

Surrexit dominus verot alleluia* 
Responsorium; 

Et apparuit simoni, alleluia. 

Oremus. 

Oratio: Omuipoteus sempiLerue deus etc. 

Oratio: In metnoriam et laudem gloriose etc. 

Oratio: Doinine iesu chrisle propter hoc gandium • tc. 

(f.2bl') Orationibus finitis sacerdos corpus domioi reucrenter 
tburificet. Et dum pracdictae orationes dicuntur, duo diaconi 
parontnr cum dafanaticis albis, et in ecdesia remaneant Sacerdos 
autem paratus, ut supra, cum toto dero exeat per portam ecclesiae 
minorem, maiori porla clausa rdida: et venlant ad portam 
maiorem ecclesiae cantando Responsorium: Dum transisset 
8 ab ba tum: et cum illoc peroenerint, sacerdos accedit ad portam 
clausam, et clerus circumälal cum. 



Digitized by Google 



UlSGEDHLUKTE LAILirilSCUE OSTEHFIüEH^ . 255 



(f. 257^) Et dum perueuerint ad fores ecclesiae, compleio 
respoDsorio, cum versa ei replica, plebanus^ vei sacerdos psratus 
puläat ad osUum inaou, vel cum eruM« dieens sonoii vooe in 
looo lecUonis: 

Attollite portaa, principea, vealraa: et eleuamini 
porle «eterntlea: et iatroibit rex etc. 
El pro isla prima pulaatkme, illi debtua ttibil reaposdeat. 

Et facto modico interualio, saceriios iterum veliemeolius pulsat 
ostium, diceus voce alliori, iu touo leclionis: 

Attollite portas, priocipes, vestras, et eleuamini 

porte aeternales etc. 
Et ilii deiotus nihil respondent. £t tuDC aacerdoa medico 
iolemallo facto itermn in eodem Iodo , aed alliua qHMU aeenodo 
pulaana fortiter oatium ecdeaiae dicit;. 
Attollite portaa prliicipea etc. 

TnDC Uli diaconi deintua atatim cantando reapoideat: 
Quem queritia in aepulchro, Ciiriaticolo? 

Et illi deforis respoudeut: 
J e s u tu Q (1 z :< 1 e o u III c i u c i 1 i x u la , o c e 1 i c o 1 e. 

El ileruiii illi deiutus respondeul: 
r*ioD eal bic, surrcxii sicut praedixerat: ite, dud- 
ciate quia sur(f, 258*)rezit a morluis. 
Hoo flnito qui deiotus sunt aperiant portam ncdeaiae, et 
omnea ingradiantur« Et ilermn dicant qui deintna erant: 
Veoite et vldete locum: ubi poaitaa erat dominua* 

AUelaia. : Allel uia. 
£t cum fnerint porlam ingreaai, flrment ae omnea et diui- 
dant se per ehoroa. Tnnc plebanus vadat ad sepulchrum, et 
ponät capuL iu leuestra sepulchri, et postea coouersus ad popu- 
luni dicat voce mediocri: 
Surrexit Christus. 

Chorus respoudeat: 
Deo gratias. 

Quo diclo plebamm procedat abquantulnm Tenua^ptopulum: 
et epilet foeem alliua quam primum, «I dical: 
.Surrexit Cbriatua. 

Chorus respondeat: 
Deo gratiaa. 

' Iterum tertio plebanus procedat versuä populum, aliquao- 



Digitized by Google 



256 1}I^G£DRUC&TE LAT£INlSGli£ 0ST£RF£1£RN 



tulum: et exaluta voce adbuc aiiius quam aecundo fecerat, 
üicat: 

Sarrexil Gbristai. 

Gbonis respondeat: 
Deo gratiaa. 

Quo faeio omnea proeedanl ad aepvlcbnim, et faeiant ehoroa 

tiic et inde. Tunc plebanus ?adat ad osUum sepulchri, et stalim 
retrocedat versus chorum, et det pacem pnmo sacerdoli , seu 
clerico, vel dommo terrae, ai ibi fuerit, etdical voce submiaea: 

Surrcxit domiQua. 
et iile reapondeat: 
Deo gratiaa. 

Deinde omnea aibi muluo denl paeem dioeotea: 
Snrrexil dominua. 

Et ille 6ui pax (f. 858^ dator, raapottdatts 
Deo gratiaa. 

Postmodam vadant oroaes ad altare beatae virgiois proces- 
sioDaliier: et coraui ailari geouQexi, sacerdole incipiente auti- 
phonam 

Regina c e 1 i 

eam totam caateot pro gaudio resurrectiooia Alii aui domiai Doatri, 
Antipbona: 

Regina eaoli letare. Alleinia. Quia quem me- 
roiati portare« Alielvia. Reanrrexit aicul 
dixit Allelaia. Ora pro nobiadeum. Alloluia. 
Veraua: 

Ora pro nobia aancta dai genetrix allcluia. 

RespoQSorium : 
Ut di^Qi efüciaoiur prooüssioBibua Cbristi, Alieluia. 

Oreiiius. 

Oratio; Deus qui per uoigeuiti üiü iui domioi uoatri Jeau 
Cbriati reaurrectionem etc. 
Oremua. 

Oratio t Gratiam tuam qaaanmaa domiae ete. 
Hia flnltia revertanttr ad dunrom« et oantent matutioaa. 

Da von dm 3 übrigen fm'ern aus Ekhsldlt die beiden auf 
der Münchner staatsbt'fih'oikek (8'* 118: Breviarium calhedralis 
• cclrsie Evi^teten-^is , ohne Jahreszahl, und 8*^ 293: Diurnale se- 
cttodom Breviarium Eyateteoae 1569« fol, 651) mü der cm/ der 



Digilized by Google 



UNG£DRUCKTE; lateinische OSTERFEIERN 257 



Eidistäu&r hihliotkek wörtlkh ä6er«ifii(nii«Mii, to i$t at» hrnndwer 
obdruck dertelbm Uber flüssig. 

2) der $M des Obsequiale (BichMläti H i 79), wMm dis 
fol0md$ ftkr mUnommtn «tf« UmM: Rererendissimi id Christo 
patris D* Christophori pie mtinorie Episcopi Eisleten. inwu in- 
cboitiw est Uber iste obsequioram Ecdesie , absolotut tcto eleeto 
iani Reverendissimo D. Mauritio ab Hutten; et Deus beae vertat. 

MOXXXIX. 

(f. 148*) Ordü in festo sancto Pasee. 
Item ante matutinum itur ad sepulchrum, et canuntur antiphone 
subscripte« Et tres dommi simul canteot primam antiphonam: 
Ad raonumeDtum veoimus gementeB, angelum do- 
mioi 86^/. 148^)d entern Tidinus et dicentem qoi« 

snrrexit Jhesus. 

Primafl eonim meipit: 
Surrexit dominus de sepulebro, qui pro nobis pe- 

pendit in ligno, aileluia. 
(f. 149*) Secundus eorum incipit: 
Surrexit Christus et illuxitpupulusuo, quem red- 

emit sanguine suo, aileluia. 

Tertius eorum incipit: 
Venit Maria nimeians di^/1 t49*')scipali8 quia vidi 

dominum, aileluia. 
Deinde legantur orationes que in parasceue legebantur ante 
cmcem fleiis genlbus sc. ^Domine Jhesu Christe.' Flnitis ora- 
tionibns porlatur corpus Christi ad chorum seu ad locum suum 
deputatum, et canitur antipbona subscripta submissa voee: 
Cum rex glorie Christus iuTeruam debellalurus 

intraret etc. 

(f. 150*) Deinde fit piilsüs campanis et matutimim peragilur 
more suo. Et finito tercio responsorio reincipiiur et cum eodem 
itur ad monasterium, et canitur ipsura respensorium totaliter sine 
▼ersu. Quo finito proeentores cum cantore cantent ante se- 
palebmm : 

(f, 150^ Quis roYoluet nobis ab bostio lapidem, 
quem tegere sanctum cernimiis sepulchrum? 
Duo flcholares in sepulehro respondent: 
Quem queritis, o tremule {f, 151') mulieres, in hoc 

lumulo gementes? 



258 Ur<(G£DRUCKT£ LAT£IJN1SCUE OSTfiRF£l£RN 

Prectiüluit;. respondeol: 
Jhesuni uazareuum crucifixum querimus. 

Scholam mpondenl: 
Noo eflihiCf qoernqueritis f^ 151^), sed oito evaUs 
Dttneiate discipulis eius et Petro quia sur- 

rexit JbeBOS. 

Duo scholares exeant de sepulciiro cum iinUieo, quod osteD- 
daul preceotoribus et caotent: 
Venite et?idete locuiu ubi (f. 152*} positus erat do- 
minus, alleluia. 
Poat boe precentores reoertuntur ad monaBteriam et cantent: 
Ad monamentuin Teniniua gementea, ang^lum do- 
nlDi 8ef/.152^>leDteiii vtdimua et dieefitem quia 

surrexit Jheana. 
Finita hac antiphona Cliorus incipit Scqnentiam : 
Yiclime paschali laude s iniiuolent Christiani. 
Agnus redemit oves; Christus innocens patri re- 

conciliauit peecatorea. 
Mora et ?ita duello conflixere mirandxi; dux 

Tite mortoua regnat ?iuua. 
Die no(f, 153*)bi8, Maria, quid vidiati in via? 

Udus precentorum respoudet: 
Sepulcbrum Christi viuentis et gloriam vidi 

resurgeotis. 

Iteruro chorus caotat: 
Die oobisy Maria, quid vidiati io via? 

Aller precentor reapoodet: 
Angelicoa teatea, audarium ei veatea. 

Chorus tereio repetit: 

Die iiül)!s, Maria, quid viiiiäU iu via? 

Caulor respoaUet: 
Surrexit Chriatus, apea mea, precedet suoa in 

Galiilaa. 

Delnde aequentia finltur per cbomao: 
Credendum eat magia aoli Marie veraei, quam 

ittdeorun turbe fallaei. 
Seimua Cbriatum aurrexiase ex mortnit vere^ 

tu uobis, viclur, rex, miäerere. 



Digitized by Google 



U^GEUaüC&TE iJkTEÜNlSCUE 0STEKP£1ERN 259 



Finita Se(f. 153^)qucuüa caniuir: 
TeDemnlaudamus. 
Et ctDoiitur laudes ut io breuiaria. 

Hälbentttdt, G. LANGE. 



ACTENSTÜCKE ZU MEISTER ECKHARTS 

PßOCESS. 

Der pi ocesSf in welchen meister Eckhart wegen seiner lehren 
verwickelt wurde , hat unser voUes itiieresse und jeder nodi so ge- 
ringe beitrag, der seinen verlauf in em helleres licht zu setzen ver- 
mag , ist von wert, so bieten die unten veröffeiUlichten docitmente 
wmar nicht viä du neuen , doch tekmut imibesondere das als nr i 
fMidmit^ nUkt mm»iMg, da es zugleich die st^mg des d&w^ 
nkanmrdem «m ilem meiiUr kkiurftr fmnzakhnti, tu dimm 
sehrdben erhebt der st^lpertreter des procmraun' generös der d»- 
wUnseaner hei 4em papste klag« über die erdenemitgUeder Hermattn 
de Summa mid W^tehn: eie hditen «'dl in der utUereiiehung des 
erzbiscJiofs von Köln wider Eckhart auf die seite der commissärc 
des ersteren gestellt und Eckharl der haeresie soicie anderer dinge 
angeklagt : mich dei' vicar der deutsehen ordensprovinz sei des- 
halb von ihnen verleumdet worden ; jetzt wären sie in derselben 
absieht sogar zur päpstlichen curie abgereisL beide seiend Jedoch 
niduswürdige subjecte, wekhe eehon seit langer %eü angesehene 
mügUeder der deniecken ordeneprwinM durch wart und eänrift in 
Men rufbräddenp wdhrend eie eeSbti einan wmimraUaehen Mm- 
wandei fBhUn und ihren oberen widerhoU gerethten ankm mar 
strafe geboten hatten; überdiu etdie sw befürdtten daes sie in die 
Lombardei zu Ludwig dem Baiem sich begeben würden, der papst 
möge dieselben daher, sobald sie narh Avignon gekommen, fest- 
nehmen lassen und ihren vorgesetzten zur bestrafung ausUefern. 

* es befindti sieh im Fat. archiv C fatc. 1 nr 9 tt»f zwei losen papter- 
blättem in quart. die schrift ist der abfastung gleichzeitig, höchst 
tpnhrscheinlieh liegt darin das an Johann \\\\ eingesandte original- 
schreiben vor. Ol//' dfjn umschiüice findet sich von späterer hand 
noftz, welche das document in das Jahr 1325 — U'ic sich später zeip:m 
wirdf zu früh — setzt, ich habe nur difjcnigen abschnitte daraus mit- 
geteilt, welche sich auf Eckhart beziehen oder das verfahren der in dem 
eeitnetäcke angeklagten beiden religiösen gegen ihn characterisieren. 



260 ACTENSTÜCKC ZU MEISTER ECkUAKTS I liUCESS 



Der eine der beiden angeschnidigten. Hm- mann de Snmmo, ist 
nicht unbekantU, er wird in zwei acten des processes als zeuge 
aufgeführt.^ dinm umstand berührt auch die tMMrUegmiäe anklage, 
in wekker n von tftm keifU: aliquando gessit penomm actoris^ 
aliquando aaseaaoria, aliquando teatia. aufler mi$ Etkkart war 
Bermann heeondere mit Nieohui non Straft^g m eoWeion ge- 
raten, wMer vom papifa xum ▼icarius teutoniae specieU in Eek- 
harls angelegenheit hestdlt worden war. der verleumderisd^ rdigioee 
hatte aus racJie für eine von Nicolaus seile erhaltene wolverdiente 
strafe denselben demmciert U7id damit seine excommunication be- 
würkt, durch diese interp<(snn(e noh'z erfährt eine bisher incht 
ganz verständliche tatsaüie, welche die vier frcUicelUn Heinrich 
von TluUheim, Franst deÄfpomano» dictus de Beculo, Wilhelm de 
Occam und der eonverse Benagratia de Pergamo^ mitteilen, ünre 
außktrung. diete beriekien nämUA, Nieolaue eei aU fautor at 
defeDsor maximoa fratris Aycardi et baeresiiiiD soarom hei den 
erzhieehdfiithon cmmiesären in Köln verklagt worden; man Ma 
f'Afi ^Mfi oIb eol^en geri^et nnd dem papste damn mMmg ge- 
macht.'^ ofjenbar handelt es sich hier um denselben Vorfall, auf 
welchen in unserer' mkujide angespielt wird, zumal das ereignis — 
l'amosum et satis [uililiruni nemd es das docnmevt — olflnillich 
bekannt geworden war. beide behdue ergänzen sich luiä ergeben 
dass Hermann de Smnaeo nicht nur Eckhart , sondern auch Nieo- 
laue — dtaaeii ans radie ^ verddäuigt katie und daee daraufhin der 
vicar etBeommunieiort wurde. iMgene itt Nieolaue bald darauf 
von Jokann xxii de facto diepeneiert worden, um auf dem pfmgeton 
1327 t'n Ferpignm eikmikoMenden genetakapitel ak defnUar er- 
lefteAiai zu können: wir erfekron dae ekenfalle von Jenen fra- 
ticeUen. 

* in den von Preger nach einer nickt ganz fehlerfreien absckrift 
Pfeiffers edierten stücken 1 und 4 (Abhtmdl, dier öair, Modemie der 
witeensehaflen Iii cl. xi band 2 nht ). 

* im cod. f 'df.AOOS i»/. 89' findet sich der passus: allrgationes reli- 
giosoruni fratnim Henrici de Tlialheni, Francisci de Appormiuo du lo de 
Esculo, Guillcltut de Ocham in sacra pagiiia niagislrorum et fralris buna- 
(«ratie de Pergamo conversi et utriusque juris pcriti. diese alle^ationen 
wenden sieh sämmtUch gegen Johann xxn und nehmen in der ks. ge- 
rmmnen platB ein. 

* da* betreffende sekrifUtUek itt nach einer okeekriß Pfeiffkre ek* 
gedruckt in Pregere Gesekiehte der atyetik 1 483. 



Digitized by Google 



ACTENSTdCKE Zü MEISTLH ECKUAaiS PROCCSS 2ül 



Noch über ein andei'es factum gewinnen vir mtfsckhtfts. die 
fratitdien srhrctben }i(imlich, fh^r papst habe einen domimcaner er- 
greifen und gefangen setzen lassen , welcher ihm vom erzbischof 
wm Köl» uuguchickt worden sei ad persequendum dictum crimen 
heresis contra prediclos fratres Aycarduro et Nicolaam. Umr 
rdtgiote üt 10OI kein mdtrer üI§ Htrmmm äe Smimo: erHmen wir 
um nur dm der ttiXUtertnUr dn frewrutw gemraUi $kk mü 
dar bitte en dm pap$t gewendei kette , jetm erdmebmder, wMur 
SU der turie kdme «üb pallio expugualioDis heresum magislri 
Eucard i, festvun^en. dkeerwink wer eke nidU ekue witrhmg 
(ftblteben. 

UeiinmiH schlug inih zu der meister Eckharl feindlichen parier, 
weil er auf diese weise den erzhischof zum beschützer erhielt und 
twn Nicolaus , dem mit reclu gegen ihn erzürnten vimr der deut- 
schen Ordensprovinz, wenigstem so lange nichi$ sm befürchten 
hatte, ale die verhandhingen dee firoeeeeee tr ahnen, nickt anderi 
tiand ee um tcman kdfertküfer und nMruder Wiikeim, uen deeeen 
fOtartiger geeitmu^ der feigende faü meugU Niedern kette auf 
dem ceneente xu Köln uMer andrekung der easeemmunieeitien den 
befM erlaeten, daee jeder, u>el€her sur $aeke dee angeklagten und 
zur ehre des ordens etwas vorzubringen in der läge sei, es ihm mit- 
teilen solle, obwol nun- Wilhelm, wie sich später herausstellte, den 
eigentUdien mclwerhaii kannte, unter Uefs er es den vicar aufzu- 
klären. 

Dnss der erzbischof und deuen commissdre von dieten beiden 
subjeden schlecht beraten waren, bedarf kaum der erwdknung, 
darilber uutdit auek die verliegende ankhgeethrift, wMe nach 
Ao^fnen getekiekl wurde, andeutungen, und ee wirdkierau» klar, 
uforum der paptt, auf jene faledien »eagen aufeeerkeem gemaekt, 
nach den uerkandbmgen in Kein die mderaufnahme der trnler- 
euehung gegen Eekharl und »war an seiner curie anordnete, es 
versdddgt nichts, wenn der proce&s in der zweiten inslan:, zu 
demselben ergebnis fuhrfe wie in der ersten; waren doch auch in 
Köln die beiden oniensünlder äckharts nicht die einzigen ratyeber 
des trzbischofs gewesen. 

Nicht uninteressant ist ee femer dass dieeee schreiben von dem 
eteüvertreter dee gener alprocnratere uns darüber unterrichtet, welche 
meinung kintiehtliek de» Ubens und der Mre dee berühmten miftti- 
kere im erden selbst verbreitet war, wir lesen hier: de cujus Oda el 



Digitized by Google 



262 ACTEiNSTlCEE ZU MEISTER ECKUARTS 14(0CESS 



vile sanctitate nec ipse (Ilet tauunu^; delxt nec alius, qiii viiam 
suani noverit, duhitare. indessen sind diese worte nicht so auf- 
zufasteH, aliwäre der orden mit Eckhart ganz einverstandeti ge^ 
W€9m. ohne zwei fei hatte da» 132$ in To^tkme iibgihaliine 
gimeralcafitd dtr domimkamr, welekei ako mu einer neit tagte, 
in der die Kölner nerhandlungen länget abgeeekleieen waren, jene 
an der emrie aber bereite begannen hatten, varxü^ith die von dem 
meüter inangwierte predigtweiie m äuge, wenn ee beetimmte: 
item cum eo , quod aliqui in predicationibus ad populum conantur 
tractare <|iu"(ljiii sulitilia, que non sohim (non) ad mores proü- 
ciunt, quiiitiyiiio iacilms duciiiii |i<»[>uium in eirorem, precipit 
magistpr ordinis in virlute sancle liul>edientic de diffinitorum con- 
siiio et assensu, quod nultus de celero presumat talia in suis 
sermonibus pertractare, coDtrarium vero facieotes ex Dunc pro 
tQDc adjudicamus paoe poenae) gramris culpa impoaeotaa 
aonim prioribua, qaod abaqiia diapaosatioiia eompallant illoa fa- 
care penitantiam snpradictaai , at nichilomi&iia nomiaa talium at 
ea qua sie temare predicaveriDt« magiatro ordiaia daDuotiaut aba- 
qua mora.^ daeeeUfe fferbot wurde in betreff der teeteren und 
ihrer vorlesimyen erlassen. 

Die anklage gegen Hermann und W ilhelm tturde 1327 er- 
hoben, wie ans folgenden ertoä (jungen ln-] vorgph(. von ikn ver- 
handlungen in Köln, welche zu anfany des genannten jahres ihr 
ende errichten, wird in der »ehrift geeprochen, als hätten sie erst 
vor k^irzem stattgefunden, und von meister ßekkart, der 1327 
afor^, ist wie von einem lebenden die rede, aus der erwdknung 
dee generdkapiteU in Piarie, welches %u pfingeten 1326 ^gehalten 
wurde, auf dieeee jähr ah abfaeeungeneit eehüefeen wu weUen, 
wäre verkehrt, da Ludwigs des Baiem anweeenheit in der Lern-- 
bardei vorausgesetzt wird; der deutsche könig kam aber erst im 
/rühiiHg VA'Il nach Ualien liiezler in der ADB 19, 465). aller 
wahrscheinlidiketi tiaih ist srhn'ihm in 'ler ersten hälfle des 
Jahres 1327 an Johann xxii abyeschnkt woKkn. 

Das %inter nr u abgedruckte document ist die bislter nicht ver- 
öffentlichte einleitung zu der t^erdammungsbulle der 2S Sätze meister 
Eekharte vom 27 mtfrs 1329.^ Bagwdd und I^Ärgentr^ publi- 

* miginmleodvm dfr gm^rakepUtt im generahrehiv de» ärnninSeoMr- 
Qrdens fttSSS*. 

3 das original befindet tteh im Fat areki» CattU S^ngato arm»xi 
eaps. 10 nr 15« *i€gel fehlt. 



üigiiizea by GoOglc 



ACTENST€CKE zu MEISTEU ECKIIARTS PROCESS 2G3 



cierlen die bulle nnr von dolentor referimus a». ' Ripoll hatte 
übei'dies ketivims van dem riflänjen inripit In agro ilominico.' 

ActenslHck nr iii kannte Hipoll , ohne dtuss er es ediert hfitte, 
es enthält unter anderein den aufirag des papstes an den erzbischof 
ton Köln (vom 15 april 1329), er möge die verdammungsbulle 
dar 28 mMm mmtUr ßdcharts, welche diesem adtre^m ^oärüieh bei- 
gefägt ni. In uiner diifm$ feierlieh verHndm kuem, damit be- 
tenden bei dei^'eniget^ ter vtüdun Sdtkart s^eUfft habe, dessen 
Ukren nieht tiefer einumrxeUen,^ 

* ämin^üd Annal, eccles. tom, 15 ad annum 1$)9 ftr70. D'Argentre 
CoHeetio juä. 1 1 312. 

» BuU, ord.pnud. vii 57. darnach gab Preger Geschieht« der mystik 
1 479 di9 iutte nuterdinga hmau und tneehif mü neki auf die fiüh^ren 
miMV0niSndnSu§ aufintrktam, 

* Jlcjgr. Joh. nn mtn. 13 pAtp,b foL 2*. dSte Mg9ßlgte verdam- 
mungOnUU sümmi gm» gmau nrit dem origineh llbenin und trägt 
lutäräck mteh desten d^um, 

I 

(1*) Isla sunt que habenlur eontra fr. Herman- 
Dum de Saromo. 

Primo quod in actione criminali tulit faUum testimonium. 
El de boc patenter aecusatus fuit in provinciali capitalo et con- 

▼icUis, «iciit patet per sententiam omnium (lifünilorum , qnorum 
diffinitorum uuus e?t nunc provincialis , qui etiam hic presens, 
penifenriariiis qnond.iiii sanctitatis vestre. Alius vero predecessor 
8UUS, qui qu.HTivis t.itnilinriirr eiim diliLMT«» roni«iieverit, uua cum 
aliis dirnDiloriijuä la dicia causa coutra ipsuni seuleuliavit juslicia 
exlgenle. 

Secundo quod pluriea in actionibus non criminalibus falsum 
tulit testimonium. El de hoc in eodem eapitulo aecusatus (uii 
etiam et convictus. 



Quinto quod plures übellos famosos scripsit, per quos fratres 
hoDestissimos de melioribus tocius Alamannie de grafibus crimi- 
oibus infaniavit 

Sexto obicilur, quod preiatos libellos famosos longo tempore 
retinuil contra plnra precepta (l**) et contra sentenlia!« contra eum 
latas, nibi üicios liliellos suis superiin il ns redderet iudiLue , quod 
facere recusavit. Ncc fratres quos m dicüs libellis infaniaui, ad 
ratioDem posuit. Ex quo patel, quod boc noa t'ecit causa cor- 
rectionis« sed intendens tantummodo infamare et bonorum fratrum 
famam et nomen denigrare, quod etiam 9% boc patet, quia iUos 
Itbeltos muUiplicaviC, aliquos duplicando, et aliquos triplicando. 



264 ACTEISSTLiCKE ZU MEISTER ECkllARTS PROCESS 



SeptinH), quia cum nuper limcrpt, (juod pro tulpis istis 
et mullis aliis deberet puuui per vicai iiuii theotooie, coulra man- 
daluro sui prioris quiBi furti?e fugit, et sine liceneia cuiuscunque 
ivit ad magUtrum ordinia, et apud eum vicarium auum quantum 
potuit niaua eal diflamare; et id curia Romaoa feeit etiam iUad Idem. 

Octavo quia ad aubterfogieDdum coirectioDem et diaciplinani 
ordioia adiuDxit ae coniiaaariia Donaiai ColoDieo. in (acio inqui- 
ailioiiia contra HagiatruiD Eycardum, et aliquaado gessit perao- 
nam actoria, aliquaodo assessoris, aiiquando testis. Et hoc fecit« 
quia bene cogilavit, quod atante itia iaquiaitiooe vicarius theutooio 
rontra eum et siios complices procp(l»'rc non auderet, ymo qnod 
plus est, ipse cum hIüs diciliir procurassf\ ul i'tiam fatnosum 
est et satis publicum, quod vicarius illc ex hoc et propler hoc, 
quia quondam iralrem pro mh^ gravibus excessibus puuivernt, 
deDuuciaüis luit, excormmiutcalionis sententiam incurrisse. Item 
quod Dominus ColooieD. persoue sue uoliliam uoo habeat, &itul 
babeo ex teatioiooio provincialia aui et trium ledoruiD de aua 
proviocia, qui omnea aant in Cnria hic preaentea, ymo dieont 
prefati fntrea, quod littere, que per euoo aunt apoHate, aunt 
mendicate et per viaa diversaa et mirabilea procurate. 



(2*) Decimo vere omnea meliorea provincie tbeotonie 

petiferoDt a vicario generali proTineie aepedicte, quod excluderet 
eum de provincia. Conauevit enim nunc impugnare iatos, nunc 
illoa, ymo quoa uoo aono persequitur, alio anno prosequi nititur 
et juvare, ita quod vix eat aliquia frater in provincia theothooie 
veridice reputauia. 



Quarc est criminator, et infamator, est etiam falsua teatia 
et judex iniquus etiam, est etiam ioauper libellorum famosorum 
non sr»liim conTirtor, verum eliam quantum potuit pnldirnfor. 
Item quod famdiaritates cum personis levibns et suspeclis haix're 
coDSUevit, quia iam actn est suspectus in Colonia de quadam 
juvencula paupere, que propu-i familiariialem quam habet de 
quodam secutari, vehementer lialu'üir suspecta. Item quod Semper 
luit brigosus et pacis dissipalor, transgressor plurium preceplorum, 
GODtemptor mandatorum auorum auperiorum. Irregularia et ex- 
comrounicatua; et tamen frequenter tatia non obatantibua cele- 
bravit Iiem quod vagando et fogiendo per mnndum facere pe- 
nitentiam ordinis recusavit. Et nunc etiam viMilt ad Curiam aob 
pallio expugnalionis heresum magistri Eycardi, de cuiua tarnen 
Ilde vi vite saoctiiate nec ipae debet nec aliua, qui vitam suam 
noverit, dubitare. 

Ohsfcro rvcif^ sanctissime pater. vi iM Miijnissime ac jusliF- 
sime nomine, quod ad siios superiores predu tn^ Irater Hermaoous 
reuuitaiur pro suis cuipis mullipiicibus punieudus. 



Digitized by Google 



ACTEiNSTÜCKE ZU MEISTER ECKIIAUTS PROCESS 265 

(i^j isla suuL que hdljcuLar cuiiiia Iratrem Guil- 
lelmuiu, socium predicti fratris Heruianni. 

PriiDo, quod iD loco juditii proposuit oontri - magistnim 
Ajcardum, quod esset perüoax hereliciis, quia errores suos 
sdenter docuissel et pertinaciter defendisset: quod quidem pro- 
baro aoa potoit, sed defecit. 

Secuodo, quod mulla alia grafia contr^' eundem magistnim 
proposuit, que probaro noD potuit, proptei* que ad peaam tal- 
iioDis coudempnari merito debuit et puniri. 



QuiDtu quod dixerat, timeDs corrigi : vadatu, ioquit, in Lom- 
bardiaiu cum nobilibus cuniitatus Juliaceu., et recipiam ätipettdia« 
De isto fueruat duo testes, quaudu fuit publice acoisalus. 



St'ptimo quod magislruni Aycarduiit npud cuujiuiböariuä Do- 
uiiiii Culüi)i»'!isis (fe hercsi (|uaritum potuit iiilamavit ad hoc, ut 
sub ist«' {»alliu pubset venire ad Curiain, el sie evaderet uoslri 
ordinis ilisctpliuaiu. (Jiiare, cuui veuent, öupplico, quod red- 
daluir sito ordini puiiieiidus. 

Oclavu, quud vicariu ^euciali pitcipieuli m Coloiiicu. cou- 
reutu predicalorum sub peua ezcoBiOHinicatioiits , quod quilibet, 
qui aliquid sciret de illa matejria, iaTomiaret eum de quibusdani, 
que pro hoDore Ordiois ipsum scire expediebat, de quibus pre- 
dicto fratri GuUleImo coaslabal, siout fuit compertuin poslea . . 
predictum vicarium mtaiaie iurorroavit. . . . 



Decimo, quod contra preeeptum Vicarii per Sanctitatein 
Testram iuibi positi ivit ad generale capitulum Parisius ce- 
lebratum. 

Supplico ergo Sanctitati vestre, quod primus et secundus 

reuiittantur ad suos superiores secunduoi exigeotiam suorum ex- 
«ejjsuuin corrigeiidi. Et quod eidem Sanctitati vesde placeal, 
(|uud i^irbitu arresteiitiir , ue in Lonibardiaui ad Bavaruui posäiut 
ire pru »lipendianiä m verecuudiam Ordiuiü et in coutemptum 
uccleäie sacrosaucle. 

Creatur.i ve^tra fraler G. de l^odaubä, dioc. Calurcei). pro- 
cuialuiib Oi'diiiis viceA^eicu^. 

u 

Joannes episcopus servus servorum dei ad perpetuam rei 
nietuoriani. In Agro doniioico, cuius dispositione superna licet 
inroeriti suoius custodes et operarii, oportet nos sie vigilaater 
et prudenter spintualem exercere culturam, ut, aiquando in eo 
iiiimicus homo supra senieii veritatis zizania seminet, priusquam 
se in incrementa noiie puUulatiools extollantur, prefoceotur in 

Z. F. D. A. XXIX. N. F. XVII. 1$ 



266 ACTfiNSTOCKE ZU MEISTER ECKBARTS FftOGBSS 

ortiif ut enecato semioe villoraiii el »pla» erraruni evalsis lela 
seges veritatis caibolice coalescat. San« dolenter referimuB, qaod 

quidam Datum Avenioiie vt kaL Aprilis poatificatus 

noatri anno tertio decimo. 

III 

Ven. fratri . . Archicpiscopo Colouieu. mUiUmii. Tain per 
ioquisitiüueii) per Ui auctoritatt^ ordinaria lialm un nobisque per 
te Iransmissam , quam per iadaginani postrauduin de mandato 
üudtro iu romaua curia rcDovalaai, ac cliam per cuulLäsiout-Qi 
quoQdam Ekardi, doctorn ut ferliir sacrc pagine ac professoris 
ordinia fratrum predicatorum comperimus evidenter, eum predi- 
casse, scripsisse et dogmalizasse dodduIIos arUcolos contra ca- 
thoticam Teritatem, qaarum aliquos tanquam hereticos« quoadam 
vero tanquam male 8onant(\<^, temerarios et suspectos de beresi 
de fratrum nostronim consilk» dampnaDdos duximas ac etiam re- 
probandos, ac nichilomious contra illos, qui eosdem arliculos 
pertin^iritcr defendere vel approbare prt'snnHTCiit , mandnvimus 
proceiiendum , proul in litleris nostris iude coiitecli», quanini 
tt'uoreni de verho ad verbum presentibns inseri fecimiis, plenius 
continetur. Quocirca fraternitati lue per aposlolica scrijtia mau- 
damuB, quatcnus tenorem |)re<licluni , pos((piam eum diligcnler 
inspexeris, per te vel per alium seu alios in luis civitate, diocesi 
vel provincia publicea et facias solempniter pnblicari, ut per 
pubHealioDem hvwamodi simplieiom conda , qui factliter seducoo* 
tur, et maxime illt, qaibua idem Ekardua dum vixU predicloa 
articalos predicavit, erroribua contentia in eis minime imbuantur. 
Tenor aotem dictarum lilerarum t est. Jobannea epiacopua 

Datiim Avenione xvu kl. Maii ponttf. noatri anno lertto 

decimo. 

Um 8. 12. 84. P. HEiNRlCH DENIFLE 0. P. 



ZUM rAKZlVAL. 

In meiner Übersetzung des Pancival (Berlin ^ Friedberg und 
Mode, 1885) babe ich den vera Pan. 312, 10 nasmitic uiU ver- 
hremt Qberaetzt durch: *die naa geachlitit, gebrannt am bug' und 
babe verbrant auf das den gralarossen eingebrannte wappen (die 
turleltaube) belogen; überhaupt schien mir weder nassnitec noch 
irgend etwas aoderea in der beschreibung de^ rosses der Kundrie 
auf komische oder lilisslicho nfjentnnilirhkeiten zu deuten, dieser 
meiner ansieht erw irtiNt jetzt aus Kiozels Alexanderausgabe eine 
willk'^mnif'TH^ hrsfatiguug. 

in <it'r !>i -I hreibung des Bucephahis hat, wie die bequeme 
nebeneinandersielluDg in dieser ausgäbe zeigt, die hs. S 2b3 die 



Digltized by Google 



ZUM FAilZiVAL 



267 



nasen wäroi inw wite üf gesldn. die Hisloria tie preliis: tUrfhatur 
eqtius ipst Buaphalißn propter aspechis hornhiJffafem^ snu' a sigita, 
quod t h a u rinum caput in armo h a bebal nsi u m , seu qmd 
usw. und Soliu 45, 8 : . . . equus Bucephalns dkhis sive de aspec- 
tUM tifrvitote mm ab insigni, quod taurinum caput armo 
inuitum genbat usw. 

Wolfram kaonle, wie bereits anderweitig nachgewiesea ist, 
sowol deD Aleiander als den Solin, der schluss liegl also sehr 
nahe, dass ihm an dieser stelle die bescbreihung des Bucepbalus 
vorgeschwebt hat Wolf rams kühner ausdrucksweise ist es völlig 
aogemesseu, weun er Lamprechts hemerkung die natm wärm 
ime wHe üf gesldn durch nassnitec widergibt und damit dif von 
Solin und der ni«toii;i aogegebene eigenlünilichkeil taurinum 
Caput in armo mustum ebenfalls durcli das eine parlicipiuni ver- 
braut verldiidel. den sli^'i kop! konnte er natürlich nicht als das 
eingebranute zeichen {lebi uuchtn , daher bezeichnete er das ver- 
brant absichtlich nicht genauer und liefsdea naheliegendeu schluss 
offen, dass dem rosse das gralswappen eingelnrannl war. ieh 
hoffe daher an dieser stelle dem sinne nadi richtig tibersetzt 
sa haben. 

Im ansobluss hieran will ich noch auf einige zUge in der 
bescbreihung der Rundrie und des Malcreatiure hinweisen, welche 
vielleicht aucli aus reminiscensen an Lamprechts Alexander zu 
erklären sind, eine einfache nebencinanderslellung der betref- 
fenden stellen wird geottgen, die äbnlichkeit zu zeigen: 

Parzival Alexander S 

313.17 Uberdmhuot ein %9pf 

ir swanc 

unz üf den mülider ira^ s6 Jane, 

swar^ , hn'te und niht ze dar, 53t3S «/«e h>'i{ wn^ ime bevangeti 

lind aisetm sw i nes ruckehd r al mit swinis burstiU 
314, 1 rüch was trantbltze erkant 
313,22 zwene ebers zene ir 

für dm muiU 500S si wärm alse äffen 

gitngm wol epannen lane undtr dm ougm geseaffm 

314,5 gevarmemetaffenhiU st' keim eehe hande 

truöe kende Hz ir^ kme wären in di zande 
780,19 ir engm etwndm dm- Basler einl. 424 

noch sus, ein ouge gprmweikhm eckin 

gel als ein thopashis, dae eine ewars, das ander gel 
ir zet^e laue : ir mnnt gap edlin S 15^ 

ah ein viol weit in ein äuge was ime weiden 

ganz ähnlich von Malcrealiure 517, 22 — 27. 

Schliefslich mache ich noch auf Kinzels und Zachers an- 
merkunf?en 7« v. 55^3 und v. 6094 aufmerksam, aus welchen 
hervorgeht dass Wolframs angäbe von dem karfunkel, der unter 



L.icjui^L.ü cy Google 



268 



ZUM PAHZIVAL 



dem horue des eiDhoms Nvathst (482» 24 IT) und < l>en?o sein 
holz mpimU (490,26. 741,2 vgl. 812,2211) ihre paralieieu uur 
in den belr. stelleu des Alexander babeo. 



So lautet bei Cas»ius Üio 77, 20 (ed. Dindorf) der name eines 
Quadenkönigs, den Müllenboff Zs. 7,529 zii ahd. Gajo, Kejo stellte, 
indessen rmiss der erste teil des namens in der überlielerlen (brn», 
weil undeuiscli, lalsch sein, deshalb kam HüllenhotT, den der 
name lange beschärii;.(t h.it , splüer (Hermes ii ÜIS) auf die i^dilck- 
licbe anderung: [^afito^iUQOi;. die Rrtmer bätten diesen naaien 
Gaviontat US gescbriebeu, gotiscb inüste er Gaiyam&s, abd. Ga- 
uuimdr lauten, ich halte diese erklftrung für befriedigend » weil 
spracbliofa gegen sie oicbtt einsttwendeii ist : den Griechen lautete 
der dipbthong av damak längst wie ow, wofür sie in fremd- 
worlen auch aß eintreten lassen konnten, da ja ihr ß auch soust^ 
zb. durch Vertretung des bt. v, als ein dem spanischen 6 ähn- 
licher laut sich erweieL trotzdem will ich eine andere erklarung, 
die mir noch näher zu liegen scheint, nicht unterdrücken, wie 
Müllenlioff möclite aneh irh d:«s tTst«» o als versetzte dillographie 
ausstofsen, las^e -.ihw ß an sriin r stelle, dann erhalten wir den 
nainen got. Gibanins, abd. ii>'lio,nnr. richtiger bäUe Cas^iii^ TV- 
ßofiQQog statt l itifiüuaQog j^eachrieben ; aber über die (iiuuuuat 
der deutscheu vucale lindou wir die <Liiiechen im gegensat;&c zu 
Römern sehr oft im unklaren; sie setzen l (u) statt i» zb. L^/- 
yeilfov PloK IJ 11,15; 'AUtaog Ptol. ii 11,27 sUtt 
'^Sdot^Oi Slrabo p. 192 üb. iv 3,2 in vielen hss. statt Atdovoi; 
'ivoq Arrian Ind. iv 15,16 gegenüber Ahog Ptol. 11 11,5 und 
Aenus Tac. Hist. in 5 =: Inn; e, cb (tj, ai) statt M: XfjQOvanoi 
ständig bei Strabu; Allovalovg Sirabu p. 290 lib. vu 1,3 (von 
MüllenhotT emendiert) winX AiXovaiuiveg. Ptul. 11 U, 17 (eine hs. 
auch slovuiveQ) = ÜPlvaeones bei Tac. Genn. 43, vgl. MtUlenholT 
Zs. 0,218; XatQova/.OL Ptol. n 11,19. eitu- wider^'abi.' von e 
durch UL kann also aicbl als grnnd gegtii im ine au>^l<'L,'uug an- 
geführt werden; ebenso wenig dass der vun um hergesieltle name 
spüler nicht bele«:l ist, was auch bei Gauuimär nicht der fall 
ist. Gebomär scbtiitl luu in der beduuluug |)ragnanter: Ireigebig- 
kttit war eine der notwendigsten eiguuschaften eines germatiiachen 
fürsten. 



Berlin. 



G. BüTTlCHER. 



FAIOBOMAPOS. 



Uaüe a. 6\ 



GUSTAF KOSSirSNA. 



Verlag ber S^dbmanitf^ett ^n^^nhtnn^ in !B erlin. 



bcr 

tt)tlt)clm .Sd)erer. 

iDrittc !iJlufIagc. 

erftf« ^)eft. ßr. 8. ge^. 1 m 

IDcr Umfang bei ©udjfl bcträat 52 ©oaen, bfe in neun in furjen 3wi[(^cn» 
räumen crf(^einenben Otefeiungen a 1 3Raxl )ur 9(udgabe gelangen. 

aHe 93ud^l?anblBnaen nehmen ©efteOungen an unb flnb in ber ggg e , bic 
erfle 8teferung jur ^nftc^t oorjulegen. ^rofpect barüber gratis. 



§aco6 0rtmw. 

^on 

U)tll)elm 3d|trer. 

Smeite öerbefferte Auflage. 

(VIII u. 361 ©.) gr. 8. ge^. 5 SW. 
gbb. in 8ni»bb. 6 W., gbb. in ^albfranj 6 ÜW. 60 ^f. 



Kritische Bemerkungen 

zu den 

NIBELUNGEN, 

von 

Max Roediger. 

(Vin u. 94 S.) gr. 8. geh. 2 M. 40 Pf. 

OSi^ruralmajoi: Stille unb irnebridi ber ^roße 

contra J^e ffing, 

von 

(IV u. 96 ©.) gr. 8. ge^. 2 SW. 



Verlag der Weidiiiann8chen Bncliliandlung in Berlin. 

Idealismus und Positivismus. 

Eine kritische Auseinandersetzung, 

von 

Erster, allgemeiner und grundlegender Theil. (IV u. 275 8.) gr. 8. 
geh. 6 M. 

Zweiter TheU: Idealittische und positivistische EthiV. (IT u. 398 S.) 
gr. 8. geh. 9 M. 

Dritter Theil: Idealistische und positivistische Erkenntnisstheorie. (lY u. 

704 S.) gr. 8. geh. 16 



6ll|laD iOrnrr, Dr. phil.. *I!ircf. a. b. Un(9. ®ra{, 

Crffa^g unb Stubien 

^ur 

^prad|grfd)id)tc un5 volkshitnbr. 

I.:<ur Srract^fi'd^i ' • H ' ' .lUcnl'Mrcten' 

funbf. III. dut c# — H'K VHI 

u. 4rieciun. ^uu l'i. '..un, >^flv ÜJI. ^<X). 
9rrlin W. — >|?trtaa ron 9(ob(rt Oopfuhfim. 



Verlag der Weidmannsclieii Buchhandlung in Berlin. 



Die älteren nordischen 

RUNENINSCHRIFTEN. 



Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung, 

von 

FVitz Bui'g'. 

(176 8.) gr. 8. geh. 4 M. 



Bibliothek -Lisch. 

Soeben erschien n. liefere gratis: 

Antiquar -Catalog 49 u. 50, 

enthaltend die hinterlassene Bibliothek des Grossherzogl. meckl.-schwer. 
lieb. Archivraths Dr. G. C. F. Lisch. 

4000 Werke aus allen Wissenschaften, darunter viele $e1t«B- 
heiten d. Alterthnmsk., Geschichte. Heraldik u. altdeutsch. Literatur. 

L Glogau Sohn, Hamburg, Burstah. 

Ankauf von Bibliotheken u. gr. WcM-lmTi. 



Mit einer Beilage von Carl Konegen (Frans Leo & Comp.) in 
Wien und der Weidmannschen Buchhandlung in Berlin. 



For di« Redaetton Ter»iitwortIicb: Prof. Dr. S. Bteinmeyvr in KrllDgen. 
Unuchlagdraclc ron W. I'ormetter in Berlin C. 



ZEITSCIIRIFT 

PCR 

DEUTSCHES ALTERTHUM 

DEUTSCHE LITTERATUR 

üiNTER MTWIRKUNG VON WILHELM SCHERER 

HBRAL'SGEGBBBN 

VOfI 

ELIAS STEINMEYER 

NEUE For.GE 
SIEBENZEHNTEN BALDES DUITTES HEFT 

(XXIX. BA.XD) 



BERLIN 

WEIDMA.N.NSCHE BUCHHANDLÜNti 
18S5. 

Im Satze vollendet am IL April, ausgegeben am 30. Mai 1885. 



BfmerkoDgeo zd Älfrics Livos of saints (i) ed. Skeat, von Zupitza . s. 269 



Tölzer brncbAtiicke aas dem Bache der väter, voo Westermayer . . . 296 

Rosegger bruchstück aas Ottackers Reimchrooik, voo Dürowirtb . 307 
Bruchstücke aus des niöochs von Heilsbrono Buch voo den sechs oameo 

des frooleichaams, von Tomanetz 'M>i 

Deutsche prosanovellen des fünfzehnten jhs. i Marina, von Strauch . . 325 

Arator und Prudeutius als vorbildrr Otfrids. vnn Olsen 342 

Ein segen, von Schünbach ... 34S 

Alisccllen aus Grazer hss., von demselben 350 

Zu der Wiener meerfahrt, von Schröder 354 

Die Summe der tugeuden und laster. zum Renner 2755. 56, von dem- 
selben 357 

Die Iweinhandschrifleo ii, \nii litMirici 360 

Hildebrandslicd 65, von Hulthausen 365 

Beiträge zur germanischen lautiehre, von Bechtel 366 

Zum Renner, von Wölfel 369 

Eine coojectur zu Lessings Dramaturgie, von Tomanetz 369 

Zu Klupütocks Wingolf, von vWeilen 370 

rMachträge zu s. 2HS ff, von Zupitza . . 372 



DES ANZEIGERS 



Piper, Glossar zu Otfrid, von Steinmeyer s. 18S 

Pentzborn, Thomas Abbt, von Seuffert 185 

Riedel, Schuldrama und tbeater, voo Minor 192 

Biedermann, lIvKleists briefe an seine braut, von demselben 193 

Brahm, Heinrich von Kleist, von demselben 195 

Köstlin, Dichtungen von Hölderlin, vnn demselben 204 

\ oigt, Ysengrimus, von Laistner 211 
vTröltsch, Fundstatistik der vorrümischcu uicUlUcit im llhciugcbicte, 

von demselben 219 

vStein, Das bildaagswesen iii 1, von Kaufmann 220 

Paulsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts, vnn demselben .... 224 
Litteraturnotizen (Andresen, Konkurrenzen; Bernhardt, Die gotische bibel 



des Vulliia; Jonas, Litterarische korrespondcnz des paedagogen 
FEvRochow; Perry , From Opitz to Lessing; Roettcken, Der^ zu- 
sanimengrsetzte satz bei Kcrthuld vRcgpasliurg; Zingerle, Über 

eine hs. des Passionais und Buches der martyrer) '220 

Briefe von Jacob and Wilhelm Grimm an Karl Müllcnhoft', von Stein- 

neyer 235 



Vom 16. janoar bis zum 12. april sind folgende bücher, abgesehen voo 
denen, welche als zur besprecbnug ungeeignet sofort remittiert werden musten, 
bei der redaction eingelaufen: Bi:f!^'MM T, Kurzgefasste gotische gramniatik — 
Borg, Die älteren nordiüchco rum jriften • — Fiscii, Generalmajor vStille 
und Friedrich der grofse contra Lessing — Goetz, Leben und streben ver- 
gangener Zeiten — Hahn, Mhd. gramm.^ — Hirsch, Geschichte der deutschen 
litteratur ii — HiHir, Der feldzng des Germanicus im Jahre 16 n. Chr. — 
JosErn, Kunrads von VVürzburg Klage der kunst — Keller, Die reformatioo 
und die älteren reformparteien — KöLBinc, Amis und Amiloan — Meter, Der 
Parzival Wolframs — Prosch , Die grammatik als gegenständ des deutschen 
Unterrichts — Seuffert, DLl) 20. 21 — Steci, Goethe und Lavatcr — ToisrupB. 
Hartmanns Armer Heinrich. 



BRUEREÜ^GEN ZU ÄLFRICS llVSiS OF SAINTS 2^9 



B£MSIlK.UMa£N ZU ALFlUCä UVES OF 
»AINTS (i) ED. SEEAT. 

iUrlcs HeiligenlebttA nnd ton eitudnea paitien abgeiehen 
mir in einer haodechrift der GoUooecbeo raninilaDg (Juliue E m) 

erbalteo, aber diese hs. ist trotz der jüngeren sprach formen ^ die 
sie bäuüg zeigt, kin gauzeii recht gui: uui seUcu scheint mir 
der Uxt, suweiL er bisher im üiucke vuiiiegt, weitere besseruDgen 
zu verlangen, als die schon vom heriiusfjieher vorgenommenen; 
je gelegentlich lagst eicb sogar die ubei li( t< [ ung gegen ihn halteo. 
weit mehr anlass su bemerltungeo gibt eber die beigefügte Uber- 
selzuDgi die den grOsten teil« neicb roQ iwei damen berrUbrt, 
deren ariieit Skeat nur revidiert bat. die quellen Älfrica oder 
verwandte darateUungen habe kb nur dann beraten, wenn ich 
bei der lecwre von text oder OberseCiong urgendwo anaüeJb. ich 
zweiOe nicht dass eine Tollständige vergleichuog noch manches 
ergeben würde, über einige der hier besprochenen stelleu liabe 
ich im jähre 1&S2 iu der Berliner gesellschall tür das Studium 
der ueueieii sprachen gebändelt; vgl. das rcierat iu Herrigs 
Archiv LXVU1S3. 

1. 1 56 s. 14. Älfric spricht vom unterschied zwischen tier 
und mensch. troU der manigfaltigkeit, die in der tierweit herscht, 
namentlich in beeng auf die art der hewegung der ttere H eaUe 
9wä älfiim» bM td pmn eordan toeord and ßiäir wüniad 
4Mi fas, p% JUffi odii pm, pB hi hepurfon. diese warte 
lanlen in der ttbersetzung: yei all thtse are howed down mrihr 
toard, and thüher i$ their desire , eiiher because U pleaseth them 
or because they needs must. aber p(B$ pe ist uicbt coiijuuclion, 
sondern gen. <les rela(i\ jinmouieijs abhängig von wilniad. die 
herausgehülieue sleiie unti was von z. 49 an vorhergeht ni»d bis 
folgt, iiat Älfric fast unverändert, ohne ein wori darüber 
zu verlieren, Alfreds Übersetzung des Boetbins entnommen (Baw- 
ünann a. 146, Cardale 386): hier heifat es talk p4ßh binp of 
dAne Imld» wip Pwre torPtm nnd /tder toiümap uppt pw$, Pb 
U lya, 9ppt pmi, p€ M ft^r/en. an beachten ist kirn lyiT bei 
ilfrie gegenaber ftl fytt, dase llfrie die englische Qbersettung 

Z. F. D. A. XXIX. ^. F. XVII. 19 



270 BEMERKUNGEN ZU ÄLFRICS LiVES OF SAINTS 



vorlag und nicht etwa das lat. original von ihm aelbatändig über^ 
tragen wurde, wird durch die vergleichung der entsprechenden 
stelle des letzteren sofort klar: ipiae UeU uideas omtiAi dlMrs- 
pare uarih finrmü» prsna tamm faeiit Mefu mkt tngrauar§ 
seiuvt. Cardale abersetxt richtig: and ih«r$ snk eitker whai the^ 
list or fthat is needful to lAem. vgl. auch Metr. 31, 15 wuhta 
gehwilc . . . wtlnad tö eordan, sume ne'dpearfe, sume neodfrme. 

2. I 70 s. 14. he (god) wm (vfre nngeworht anä a fre 
wunad ungeendod. his we magon wunänan, and we ne magon 
uä ne mötan nd furäor embe pii smeagan (smeagen hs.), gif 
ndhd ^ ^Ife forpmran, die werte hioter dem puoct werden 
Übersetzt: im may toonder tU Hm, ich glaube aber dass km 
nicht der gen. zu h4, sondern zu hü ist; Tgl./i*s im folgenden. 

3. 1 109 s. 16. warum zu Vmnboasimg, womit M gyip 
Qberselzt wird, noch in klammern Envjf gefügt wird, kann ich 
mir nicht erklären. 

4. I 215 s. 22. .VIfric will zeigen, was die menschliche 
Seele ist oder vielmelir nicht ist: nis seo urpung, pe ice ut hlä- 
wap and m dteod, opße ure säwul, ac is seo hjft, pe ealle licham- 
Uce ping on lybbad bütan fixum änum, pe on ßödum bfbbad, die 
Obersetzung lautet: it » wH our hnath [spiriius] or our aotil 
ihai W9 hhw out and dra» in, hut air, in wlUeh all bodily thin^ 

usw. hatte aber Älfric etwas derartiges sagen wollen, so hätte 
er gewis seine worte anders gewählt und Tor allem anders ge- 
stellt, ferner balle ich es fUr uamdglicb dass Älfric orpung und 
säiDul als Synonyma gebraucht, orpung bedeutet nicht spiritus, 
sofern dies mit anuna sinuverwandt ist; vgl. Alfr. Gl. 306, 1 
(fnima säwul, Spiritus gdst. orpung kann au unserer stelle 
nichts anderes heifseu , als *atem\ eutllich ist auch zu beachten 
dass seo orpung und nicht üre orpung dasteht, ich halte opp» 
für eine Interpolation: lassen wir es weg, so wird der salz klar: 
*der atem, den wir ausstofsen und einziehen, ist nicht unsere 
seele, sondern (der) ist (nur) die luft, in der^ usw. 

5. D 29 s. 26. Eugenia, obwol noch heidin, wie ihre 
eitern, ist vom geist des diristentums erfasst und will, da aus 
ihrer ?aterstadl Alexandria alle Christen vertrieben sind, ander- 
würts Unterweisung suclu n. heo bcßd pd hyre f(vder , pcBt he'o 
feran (Iis. fwren) mösle geond his hämas (Iis. humes) on aiexan- 
discre sc^e, Skeat (für die Übersetzung dieser homilie erklart 



Digitized by Google 



BBMERKüNGfiM ZU ALFRICS LIVES OP SAINTS 271 



er sieb fo gam allein veraDtwortlicb) gibt die worte so wider: 
Ampnjf$d die her faOur ihai ehe might go away frm hUhmue 
m tki eHy 0/ JUeaumdria, aber geond ist *ttber . . . hin', nicht 
*weg . . . Ton* und edr ist 'profint*, nicht •stadi.' die sielle wird 
klar, sobald mao kam m dem Lei Uuswuiih- Toller hiultn^lich 
belegten sinne von 'landgilt', 'besitziing' nimmt: *da8s sie sume 
l esitzuD^en in der |>rüviiiz von Alcxaudria besuchen dürfte'; vgL 
Sunus (ausgäbe von IbSO) xii 430 fingü quidem se, ut rwre re- 
treet et bona fhtatnr aerü temperü, exeedere e cimtate. 

6. u 61 8. 28. die menge, welche den bischof Uelenus be- 
gleitet, singt: «In iiutwnm neta facta ett et iter tanelerum 
prepftraia (so!) eet, was ilfric so ahersetst: fi^aräUwitra wwg 
ü gerMSced <mil para Mgena ttdfwt is gegeanoä, Skeat giht 
gerihtlSctd durch guided wider: aber ÄHric versiaud gerihtlwced 
nicht so, da er es lür recta facta setzte: es wird am besten nach 
dem ausdruck der englischen bibel Marcus 1, 4 durch made 
üTOight UberseUt. 

7. n 72 8. 28. pm 0» mer^ ist nicht therefore m the 
wteming, sondern the next moming, pm ist abtidngig von 
morsen und nicht conjunction; vgl. ui 165 s. 60 Hädm^ pme an 
wiergen, das ich lieber durch tken tke next meming ttbersetzen 
mochte, als durch after tkie in the meming; n 209 s* 160 und 
337 8. 166 Pme on mergen, vt 253 s. 162 und vn 91 s. 174 eft 
/cm on mcergen (mergen); ferner $öna pm vn 420 s. 194 «00» 
€^ler this und mehrere unter nr 32 angelilhrte stellen. 

8- II 7b ö. 28. Eugenia steht in mariut 1 kl- uiii vor dem 
bischol Helenus, dieser ist aber in eiuer visiuu Uber ihre ver- 
hflltoisse unterrichtet worden, hd genam ht pd onmndren aind 
emde hifre gemieliee, hweet hie man ne loot and heifleere mmg- 
ße usw. Skeat Obersetzt hwBt hdo man ne wme mit how sAe 
Wße HO man, aber, wenn Alfric diesen gedenken hätte ausdrttcken 
wollen, so hStte er nicht hiemt gebraucht, sondern pcBt; vgl. 
die fortsetzung and pmt iUh . . . gellcede usw. die annähme aber, 
dass hwcßt von einem Schreiber gesetzt sei statt pCBtt empßebit 
sich deshall) au hl, weil das, was wir danu i)ekämeu, ebenso 
schlechtes enghscii wiire, nu' (in- satz: 'er sagte ilir dass sie 
kein meoD war und aus welchem gescblecht' schlechtes deutsch, 
ich glaube dass wir die stelle in Ordnung bringen , wenn wir 
man ne als ein wort lesen mofine und dafttr dann die altere 

19» 



Digitized by Google 



272 BEHBRKOlfGEN ZU ILFRIGS UVE8 OP SAINTS 



fonn wumna setzen, den geo. pl. aMagig toii Amf: 'was der 
menschen sie war^, db. *wer sie war/ tgl. x 191 s. 232 AMf 

eom ic manna, pcBt ic mihte god forbeodaa? Ciene 903 kwwt dl 
ßis, Id, manna? 

9. !i80ff s. 30. die unmittHhare fnr ist iznt}» der unter 
8 citierlen stelle lautet and pmt heo purh mcegdhäd mycclum ge- 
lieadB ßäm hiofonUean cyninge » pe heo gecorm hcpfde , was Skeat 
80 widergibt: and how she, hy the virginity which she had chosen, 
ginailg phattd Ifta heaveniy King» ich gianbe aber dass die stel- 
long des relatifsalxes ße kSo gee, k diese aufrassung verbietet, 
nnd dass ^e sich nur anf cyningt beziehen Itann. wenn aber 
dann der bischof der heiligen in aussieht stellt, piH Ada MeeUi 
sxoldtice ^htnysm (hs. (sht.) for mcBgdhdde dröwian, so ist swtd- 
Hce nicht mit Skeal (that she should extremely sulfer pernemtions 
because of her vinjinity) als adverb zu lassen, sondern als ad- 
Jecliv zu ihtnyssa zu ziehen. 

10. n 84 8. 30. von Eugenia wendet sich der bischot zu 
ihren beglettern, den eunuchen Protus und lacinctus: tö hire 
twäm mtAlum hä euxtd, pmt M häoUan mpellmrennyts an mSd», 
pM /e AI manntm piowdan, SIceat gibt den nebensats so wider: 
lAnr theg ought to prtteme irue nahiHty dt lAetr mindt, thmgh 
lAey imted mefi. aber eine mahnung iLann in den werten nicht 
liegen, sondern nur eine anerlcennung. rg]. die darstellung bei 
Surius 8. 434: vos . . . qni fortnva qnidein serui , mentt autem 
e&tis liberi. also: *das8 sie ade! in der seele besiifsen.' 

11. II 91 s. 30. der bischoi h- ilst Eugenia die männliche 
lileidung noch weiter tragen : pcBt heo swd purkwunade on pum 
W€Brltctm htwe, öppmt AI an fante gefullode wurdon anä mjfft^ 
iterltcre drohtnunge deammge g^iodidit, Skeats übersetznng lautet : 
«fttt to eonimtie lAa mm*» appard» fintÜ they had aU bem bi^ 
tized in ihe fimi, and iojoin seentlg in lAa sennee in lAe mmsrer. 
fUr fen>tce in th» mnuter wSre wol menosltc life die deutlichere 
nliersetzttng, aufserdem aber gianbe ich dass gtpiodik nicht pa- 
rallel mit purhwunade steht, sondern parallel mit gefullode, also 
nicht itrit iiUim, sondern pnrt. pl. ist. anch die eunuchen 
werdeil in du blofs getautl, sondern treten ebenialts ins kloster 
ein (vgl. 101 0- 

12. n 135 s. 32. tö doert fe'mnan ist nicht to lAe woman, 
sondern to the virgin» dieselbe woi durch den gedanken an lat. 



Digitized by 



BEM&RKijJHGEN ZU iULFBiCS U\EH OF SAINTS 273 



ftmina veranlasste ungenaue Übersetzung von fwmne ist ii 227 
«. 38, IV 97 8. 96, vui 26 s. 196, viii 230 s. 208 zu berichtigen. 

n 1^7 s. 34. eioe witwe hat sich in die heilige EugeJua, 
4i9 inuner noch all naiui gilt und inswiscbeD «bt geworden ist, 
mJiebl und fiadit «ie durch berufiing auf die gttnsttge läge, in 
welcher sie ihr mann surttchgalasseo, sur gegenliehe su bewegen : 
Ma . , , ewted, pmt , • • liyrt vm l&fdB tmlyrfe d^a oti Umäe and 
OH feo and on forewyrcendumy *and unc ncvs gemdme vian (oder 
mdn?) on dysion li)fe.' Skeat übersetzt den leUieu satz: aiid 
we two had no commumon tn this life. er bat also offenbar matt 
als mdn genommen , aber icb zweiUe , ob das vorbandensein eines 
me. mdn (s. Stratmann s. v. mmm und S&atberine ed. EinenjlMl 
332 Imtm mmmm mm) gentgt um dn eolcbea auch fflra ae. 
glaublich xu maehen. abgeaeben aber davon, data mtf» aonat 
biaher in ae. nlrgenda belegi iat» acbeint nur« würde die Ver- 
bindung ^mSm mdm *geniainachaft gemeinacbaftbcb* nicht eben 
geschickt adn. endlicb waa anllte der aatt dann auaihrtlcbent 
*W]r hatten keine innere gemeinscbafl'? das wäre doch zu modern. 
weiiQ mau aber au 'ehelicbe gemeinschaft' denkm will, so i&l 
das auch nicht gerade, was man hier erwaiiet uachdem die 
wUwe erzählt dass ihr niaun viel vermögen hinterlassen (im ori- 
ginal Steht nur l^ßt : die Übersetzung had Uft her iUgt da« pro- 
nomen ungenau hinzu), erwartet man an dieser stelle nur die 
erklärung, dass aie die einiige erbin der hi n i eri aa ae nachaft aoi; 
tgl. bei Suriua a. 438: fian «t Wim mihi maritm nac ßü nm 
rngtiaU, jfih denke daaa mm einen erlr^glicbcii einn gibt: *ond 
wir hatten keuian naenichen in dieaem leben » der una etwa» «n* 
gieng', aodasa dne Änderung (nän bmm oder etwaa nbnUchea) 
nicht uütig scheint. 

14. II 172 s. 34. die witwe hat ihre verlütirungskOnstc 
versucht: Äujccf, dd Eugenia hi gelhH^ode and cwisd (d dcBre suande^ 
piBt heo södlice wcere gdlnysae ontendnyss usw. Skeat übersetzt 
die Worte von and an: and aotd, to her *hame, (h^ lAa «fr% 
1001 n kmdiar of lu$t. aber, wenn Äilric dies haue sagen weUeut 
an batle er gewiaid jcaMiiB gBMbhabent niobtld4ii« umm i t, 
ich glaube daaa jcaand hier Ton der acblndücben witwe su ver* 
ateben iat, abnlicb wie nbd. lüMTp Jat, dtdm», ^^^fankrmm udgt 
Ton persenen gebraucht werden* ^L umra $mi4 bd Wright- 
Wttlcker 45, 29. 



L.icjui^L.ü cy Google 



274 BEMERKUNGEN ZU ÄLFRICS LIVES OF SAINTS 



15. n 195 s. 36. pd u dmg, p« se dema ge$(ftt€, 
Skeat: (hm tarne the dlm§ whm lk»juäge took kü uat, ich glaube 
aber daae der relaUiraati vielmehr m flberaetBen iat: lafttcft fAa 

jndge had appomUd, ich kann zwar die redenaart dag (gejttit«» 
aus dem ae. nicht belegen, vgl. aber ne.. stellen, wie Ha?eiok 

2571 at the dmj he eome $one, pat Ae hm sette; Williain of Pal. 
1462 alh yiüHiiied sone and seifen a sertei^ne day. 

II 201 ». 36. pü forscijldeyuila ^^t wol durch thou cou- 
demned one zu stark wi(ler<;ef?pben. in Ältrics Glossar gibt /"or- 
KjfUkgod Ut. sakratuB und facinarosus wider f321, 15), dagegen 
damnaius und condmnattu iai fcrddmed (321,14). also etwa: 
thmt r^robaie, 

17. n 210 8. 36. dd no&r PMUppus, pat hd fhOiim woUb 
Pd UoMM umdewan, ddah pe hd9 gdignod wurde (ha. wurA nnter 
aufgäbe des graromatiacben wechsele). Skeat flberaetfi gdignod 
w. durch should prove to be perjured: auch das scheint mir zu 
stark, das richtige steht bei Boswonh-lOller, wo aWi gcb'genod 
t^lschli« ti tnit langem vocal in der Stammsilbe geschrieben wird: 
cmvtcteä of lying. 

18. n 219 8. 38. eine magd der witwe sagt aus dass 
Eugenia ihrer herrin gewalt antun wollte, MUan he'o md hrdam» 
hjfr$ hraddingt of^fpade, nach Skeat tut Ae, unth her etreamiHg, 
eried fer her hdp, riehliger werden die werte hei Boswortfa* 
Toller 8. V. hreddhig umaehriehen: lila rietüt of her outery laat 
to soM her. es ist aber aofterdem au bemeften dass Htan hier 
nicht durch but «hersetzt werden darf (vgl. Varnhageu Au io- 
qniry into the ongiu and difTerent meanings of ^but' &, 33 f), da 
es Dicht 'aber*, sondern *wenn nicht' bedeutet. 

19. u 234 8. 38. pdm bre'man Fhüippe ist nicht to the 
ongry Philip, sondern to the famous, iUustrioui udgl. Skeal hat 
aich durch das mittelenglische verleiten lassen. 

20. II 259 8. 40. Mttgema hafde dr gepingod pikt Umam 
M^antim td Ayrv M»/ofi fader, pat hio wUd wftwn ne dar&ee 
h/re tedhrd^tem ^ti^ftee. Skeat dberaetxt: Mtegenia ere thü had 
edready intereeded fer the fahe Mdantia to her dear fe^ar, 
(saying) that she would not avenge with tormenis her crnel per- 
semtion. nur scheint es un/wnU^lhafl dass heo hinter pd't vom 
schrnber statt he geschrieben ist, wie zb. iii 3ü s. 52, wo oben- 
drem eine andere hs. he bieteL 



Digitized by 



UJSHEAKUNGEN ZU ÄLFRICS UYES OF SAl^TS 275 



21. II 318 s. 44. Eugenia bepbt sicli nach (ietii lüde iiires 
falers mit ihrer mutier und ihren brudern uach Horn, and ßd 
romaniscan wytan hi wel underf^ngon (hs* -fcmgon) and for p&n 
mUkn i^Ssh pw» CBdäan PhÜippu, pa geimttan pd un^vn gima 
pä «»Ar« Oll iwte M/^d^^m mi IMHum waräm^fM^ Skeat 
gfkn die stelle so wider; ond fjb Bmum mudm wiU ttmimi 

Ihm Mfy Me» lAe mmtvn appo^itid uew. aber mi4 ist nicht 
OM toeU M, und aufeerdem passt a$ well as oicht eiumal. es 

würde alles in orduung kommen, wenn man and vor for striche: 
ich glaube aber dass nur derpund \]\]\U'r Philippes zu tilgen ist. 

22. II 35G s. 46. Uasiiia , die ireundin und gesinnungs- 
genossio der Eugenia, verschmtHii den ihr vom kaiser zugedacbtea 
brauligam : pä gesühu se miht pm kdseres fett, imä pd romaniscm 
miftm mid vdpUcn cdotymie htm md spmcon and dd mmdmm 
mr^fi$H. Skeala qberseuapg lautet: tkm tke ifmith wugk tk» 
fut of tke Mipsrof« ani Um ümum nnoron» müh twful wm- 
flaia, and wnmmmd vfüh Umh and «caised. ik» virgim. Skeat 
liat also pd T. wyton ab accitsativ parallel mit Pa$ kdmes fät ge* 
oommeD uad binter «adrufi^ interpungiert: subjed bei €omm%mBd 
und accu$ed muss the youth sein , them auf die seuatoren geheii. 
aber ÄUric hat gpr&con und wregdon , nicht sprcrc und wre'gde: 
deshalb muss pd r. wytan nonuüaiiv »ein und htm aui denjüng- 
1hi<^ flehen: 'und die rOmischeii seualoreD • • . spracbeji mit ibm\ 
-dh, unterstutzten seine bitte. 

23. u 395 «. 48. Eugenia wird ins wasser geworfeD, allein 
die Christen sollten erkennen dass Cbristua bei ihr war, der einst 
den keiligen Petras anf dem meere an der band Cübrie» pfBt 
jtmt dd t&iean fäa Atne /mveboit ne mädon, die iwei /^r 
können nicht richtig sein : es ist wol einfoch eines in tilgen* 

24. n 4(^4. s. 48. der heil. Eugenia wird die nahrung vor- 
enthalten, aber Christus kommt in ihren kerker und bringt ihr 
mcsrne bigleofan, sndwliwitne hldf. Skeals abuttdant ist keine 
treffende (Jberselzung Im mwre, dem hier etwa yiortous oder 
delktoiu entsprechen ^Mirdr. auch great iv 347 s. 110 (mÖBre 
ItiBd^ great oäour) oder well-known (u 15 s. 210 pysum 

ran godspelk) ist nicht bestimmt genug. 

25. n 410 s. 48. on /dat dtege pn sceaU euman tö md 
muss es natorlicli heifsen: Pa. fOr pü ist wol nur ein druek- 



Digitized by Google 



276 fi£M£RliUNG£N ZU ALFHICS LlYfiS OF SAiNTS 



oikr achraibfehler. so ist ferner ni 172 60 ßäm mrmm 
«f/k TO leseo fit../a» m 434 s. 76 f^mßtrttog^ian st ^t9o4»§m^ 
la 605 8. 84 gefinmmm ftt. gefwmm, tv 46 s. 92 /et nyiUMii« 
8t. «yntttmati» vii 142 8. 179 häHr U ffi 8t. AtfHiM'i, «in I 
8. 194 ^ed^ed st. ^ef^sd^ rat 212 8. 268 l^fUki hine i^pp st. Ik^ii», 
vin 262 8. 208 M rftfm ecean Ufe 8t tfee, n 58 s. 212 too^s st 
II 206 s. 250 martyrum st. martynt. 

26. in f) s. 50. fi^rf he $ifßn mpttre wm. die ftbef- 
setziing when hf tras seven years [old^ kilnnte zu dem ^Hauben 
verführen, als weuu syfon wytUre seven yean wäre, wälireod 
es dooh in warkücbkeit ehi adjettiv ly/bn-wynfrsMBieMii f/mn 
oM i8t 

27. in 18 8. 50. SuMu» le 4<fb)fftt . . . %mittfiks (bs. -/(Vfi^'^ 
^fi8 eM^ü, notf iwtf usw. der neliensati Ut 
doreb hMtiuB he «M» ^ijiiMlrt'o» nielit Hebtij^ wkittgegebeii : es 

muss heifsen as Hb ; man vgl. besonders die bei 

Grein aus Älfrics Exodus au gerührten stellen. 

28. III 148 s. 58. der heil. Basilhis schrieb eine mönchs- 
regel, die schwerer zu halten ist, als die des beil. Benedictus: 
ponne si (naml. regol), dt Benedictus sippan ^ yehpsmde, swyke 
iö anginne dgmn gecyrrednem, die ttbtnelSQng bei Skeal lauleic 
tkm thai wkiA Beneditt afimMrd gmre «f eaamph e/, m it wm 
m iKe U§hmin9 üf kU own eamarafm. aber ÄlfHc dsttkt fftwis 
nicht an eine bekebmng Benedicts: 4k8 vsr gebfitmdB (tgl. auch 
kd ahie da 150) gibt an die band« welches pvonomen bei dgenr^ 
gec, zu denken ist. td anginne aber ist as a beginning. die vor- 
schritlen des heil. Benedicts liatlpn nur den ruit uig eitles gotu 
(rf.f>j||ifTpn lebens (inkium honae comiersatienisj im au^e: da£r«»^en 
sum doctrine sandor^m pairum, quarum übseruatio perducai ha- 
minem ad celsitudinem perfectionis » heifst es im letzten cafteel^ 
oder hOren wir Älfric aelbat: ae kd (ihte üs on rnftm/feardim ßm 
yfeam ngoki td gedumgmm ktr^m Hfe$ drokuamgim* 

29. in 152 8. 58. an die eben ellierteii worie scbMelbl «Ml 
unmiltelbsr tn and t^de tö pdm ngok, p9 Mito se$ttf, das 
wird überaetit: md reemmmM tfm rufe whiek teH M «im* 
blished. aber rccommended gibt tymde nicht genau wider: es ist 
nur referted to ix i h 1 sich auf, *wies hin auf. 

30. riT M\'2 5. üü. eiu jude ist zugegen, wie Basilius eine 
messe liest; da Basilius die boslie zerbricbt, konaat es dem jndeia 



Digitized by 



BEMERKUNGEN W ÄLFRiCS LiVES OF SALMS 277 



vor, als ob ein kind zerteilt wünle: er geht mit deo andereo 
zum abendmatil und erhält ein stUck fleisch (än mudd flmscu), 
ü»i ki 9$ap (Im. gegen OV) däm ealice Sac srßr/ke blöd, 
wM«b«itetit«ird: midk$ $ippid mtrmMr m viwtnkU^dfirm 
thB cMfet. mit unreekliBt ki«r (rgl. lodi mtsa iir42) ite iwylM 

Ihn lerriasen «wl im dmii mom^er und •wyfct dondi 
tff Ir iMTV ttberMbt worde». da in dar leile verlier bei 
mSd /tftilwi keioo besriiTfliihMids iMMliMiiini^ elihlt iit siMk 
hier keine am platze. ?gl. auch Surius vi 315 inde aceepit $t 
calicetn sauguine re^ilelum, uLi revera est. 

31. III 191 s. 62. der kaist r wurde aut einen enldorman 
sehr xornif? and het hine fiefnndan and him tö gebringan bysmor" 
Uce on hmfte, was &a widergegebea wird: and wmmmded i9 
Md him, and to bring him ignominiwtiy mfo eaptioihf. wkttt 
nmk Mio» üebt der thttt inSmüw^ elio kam Id mtkt ni j»* 
Mn§m gebore», «iid t§ Muf Mm wOrde Mm ßtMngm laalm. 
Ml td gcfcon niniDiiitii: der baiser Mi den mUmmtm binden 
and in ftieeln (mi haßt) tnr neb bringe», bei Snriue 9U 
beM m allerdiDgs nnr Ai c^hmle e ow tmim mt, aber Alfries qnette 
wich TOD der darsteMung dort vielfach ab. 

S2. ni l*J5 s. ()2. aui die hiltf des ealdunnan belet Basilius 
ftlr ihn: pd ymbe syx daga& ae cäsere het se;i(/an ongtdn pone 
gesuxBtictan ealäorman of p&m marwitm bendum. die iihn set/ung 
dei anfangs dieser stelle: th§H tn about six dajß ist UDricbiig. 
$mbe ist M/kr; vgl. Surins 325 pott sex namqm dies ab jmpmm 
m$ iumm 9tt wnaäii whL dieaelbe fehlerhafte auffassnog «on 
ymftr teden mt aneb sonal: eo m 266 a* M ßm pake mfm 
müd ^dhm mmdtijfi n/tenpordi'; u 65 b.242 dim mthB-rnfm 
mm 'dienr « mTm^iAi ^Itw liU/ (AA8S marv n 19^ chu inmüh 
mm amm dim neblig in dagegen ib. nt 422 a. 74 

ynte iA"^ </a^ 'a/lrer three day^ und 4S0 s. 76 ymbe f^moa 
daga (gen. pi., ialiä uicbi veröcbriebeu iür dagas) 'aßet a 
.fem days', 

^3. III 197 s. 62. an die eben behandelte slelle schliefst 
sich sofort and him pd btide was, was durch and he was blühe 
tkiinmt widei^egebeQ wird, bat die Uberaetaerin etwa bilde für 
das neutmin gebalten? oder wie hat sie aieb'aonat Amt zitrecbt- 
gelegl? jedeB&tta aber ist die rnttnaung nnricbtig. Mda bat 
tter vietmebr die bedentnng ^gnldig* (vgl. iv 131 a. 98» vre ea 



Digitized by Google 



278 BEUGIRKÜNGE^ ZU ÄLFRICS L1V£S OF SAIJNTS 



(iiirch kmd uberseUt wird): subjecl bleibt der kai&er: 'uod war 
ihm da guädig.' 

34. ui 206 8. 62. on s^mum dege ferde m (Im. uo gegen V) 
femääa hueeop, pu räd InUanus se drlSoBa (bs» "Uatt) sdan mid 
myevbne (hs. •ra) fyrÜHge aoide /ito td warum ist ßd rdd 
mit whire fd» Qbertetit st. wAm ihm niB? 

35. m 225 f s. 64. man muaa doch wol aohrtibea: it wdt 
phte dyrstipiysse and pimrt {\a.pine) twhman, ße tdMk&n pd 
anlicnysse, pe (hs. pij ic sylf ärwrde. doch wäre auch pinre burh- 
u>are müglich. die Uberseizuag setzt eine aolcbe verbesaeruug 
voraus. 

36. III 231 8.64. Basilius rät seiueo mitbilrgero, pmt hi 
pwM rädan cäsere m(d seeaUum ^gladodon, potme he of pdm $ld$ 
adma; nach der Oberselzung, that the§ tkoM jjMdm the trmd 
mpnw naw. aber ftfßaikm hciliit hiar nicht *erfr«iett*« aandarn 
'gsAdig machen', ^gflnaUg alimmen', la ajifiMMi« diaaeihe be* 
richtigling ist fdr die Obaraeliong nUtig m 562 a^ 82 Ae* mirf ^ 
Mum g^giadap god celmihtigne (vgl. Surioe 6« 385 araiw fonef* 
Uabü tibi dominntn) und iv 137 s. 98 hu magon hi beoH geyia- 
dode? (vgl. AASS jau. i 580* dicäis em . . placarij. 

37. rii *276 s. ein Mui^-cii/ni^'*' lieiitiiiel vom todp des 
haisers JuUau: pä hr^mäe iulianus mid hospe and earmUce ge- 
rn^ 0» ^ gewytnysie. die Ubersetzung der drei letzten wflrier 
durch oa toa CO» taitfy iat nicht traffend: ea ist nur ^for onsereo 
angnn^ in linserer geganwart'; vgl. neu m cAa mtmt$ of (ak 
II 301 a. 42 a» /o« /Mcai ffmoj/Htjßt» wtdergagnben durch in the 
wOnm of tke people),- iv 77 a. 94 ^drtfica Peonde an fodaa ga* 
wytwysse wird Qbersetst Mcraewteg in th$ spirit, in ti$tvnony to 
God: auch hier ist on godes gew. nur 'vor golt' (vgl. AASS jau. 
I 577** vi a solo domino Chrisfo et sanctis angelii acirettir, quod 
agebatiij. es ^t•l iiitir auch noch aul vi 148 s. 156 hin^'rwieseu: 
Florus gründet da ein klostcr and mid micelre dre pat mynst^ 
gegödode and pnuilegium $eUe on swutelre gewitnysse, die tthaf^ 
aetiung lauiet: and with ^rtol fwQwr kt hnefUsd $k$ mmattef^t 
gnd amistud privÜ9jft$ il an dmr tMmMy [ikmof], daa 
wUnie doch besagen daaa Florus dem fciaater privUagiea wliali 
snm bewaiay daaa er ea beachenkte: so etwia konnte Älfrie nicht 
sagen wollen, an awtifalra ^nMinysse abersetze ich *vor genügen- 
den zeugen*: zur übertiagung der rechU an6 klosler luuslea 



Digitized by 



BEMERKUNGEN ZU ÄLFRICS LiVES OP 8AINTS 279 



natoriich zeugen KogeiogeQ werden (Grimms RA 608). die leogen* 
schalt wird als movtol beieicbnet, weil sie für immer das recht 
des klosters klar machte, die quelle bietet AASS jao. 1 14M0^ 
itr^o iuaia eeMflftim heafi mri tntammta frsifiVM ti omnda er 
dl» iH0 im in eius defeftfvA pofeumm atque dominimn, 

3S. lu 2b5 8. 66. Idcahü fiü wylle *wie auch immer du 
willst* kommt zu den von Kluge Beitr. 8, 529 ff aus uoserem 
denkmal beigebrachten belegen hinzu, ich weise auch noch auf 
Ällr. Gr. 58, 12 hir Pt haec et hoc netus föchwwt eatd sl} hin nnd 
287, 21 decempes lOdiwwt ha^bbe (et. auch mag hier noch 
eine stelle aus einem bisher nicht gedruckten gebet stehen: 
Ukkmigmt min Ifsia 6e*e und pH^ wüla pm te pi» töne (hs. 
UfBM) Uf forißtau tq/k, USt mi mid ^^fmnuH mlne dayns 
smüm (€. C. C. C. 391 —E. 10 s. 602> 

39. m 383 s. 70. die rechtgünbigen und die kelser er- 
heben ansprach anf dieselbe kirche. da sehllgt Basilius vor die- 
selbe fest zu verschliefsen. die ketzer sollen zuerst drei tage 
hindurch beten, und, wenn gott aul ihr billen bin die kirche 
öffnet, so sdllnn sie sie behalten: gif pom se (vlmihtiga yod nelle 
AI eow geopeuinn, dann wollen die rechtgläubigen belen. die 
ttbersetzung ignoriert poite vollständig: t/ ihe Almighty God will 
not open it to you. Pom steht für j&onne (der Schreiber unter- 
scheidet die beiden wdrter nicht mehr streng, vgl. sb. pon^ Ittr 
/onne m 647 s. 88), und dieses ist hier, wie oft *aber'. ich ver- 
weise nur auf Obungsb.* vn 19 s. 14 . . . gifk& fkpildag sie; gif 
kit Am$ futtndaff He usw. 

40. m 370 s. 72. der teufol fragt einen jungen mann, der 
mit seiner hilff^ die liebe der techter seines herrn zu erlangen 
Jaucht, ob er an ihn glauben und Christus verlaugnen wolle, wid 
pdm pe he gefremode his fiMan gälnysse. das wird übersetzt: 
05 soon as he, had furihc}r>J his fonl hi!<t. die zweite hs. bat 
allerdings sippan st. wid pdm pe, aber darum ist das letztere nicht 
mit dem ersteren gleichbedeutend: es ist *nnter der bedingung, 
dass', *wofem' (v 185 s. 128 if onUf), in der antwort des jungen 
mannes entspricht ihm gif (374, wo ttbrigens fmnodt ebenso 
hatte tibersetst werden sollen, wie 370: dasselbe gilt von 380). 

41. Iii 408 s. 74. der junge mann erlangt mit hilfe des 
teufels die band' des msdcbens. die arme frau erfuhrt aber von 
seinem bund mit dem teufel, eilt zu dem beil. Basilius and cjddt 



Digitized by Google 



ktfit le endebip'dfiijsse hyre cnihtes ici/jersivc. die (jl)erselzun^^ her 
husband^s apostacy ii>l nicht zu rccliUerUgeo , wenn man nicht, 
kk «Uenüiigs für notwendig balle» teorles sL enihtet schreibe 
•D den venofaraiben wiur wol umalMMl ichuU, dtm 4er junge 
mann forber als u di»fle$ €»Skt (403 iui4 401) beieifibaei «Of- 
den ist 

42* iv 424 s. 74. der unglOckiiebe jooge mann, der akh 

dem teufel verschrieben hat und den Batilii» retten will , erzählt 
dass die teutel zu ihiu komnieD luui me swiäe geegstad and eac 
swylce tor/iaä. der letzte satz wird widergegebeu und also , as it 
were, shoot at me. wir haben hier denselben tehh r, dem wir 
unter nr 30 begegnet üod. aul&erdem ist torfim nicht 'schiefeea'» 
sondern 'wertoo'. vgl. Surius 329 siae fmr$ pß$tMm «onnn ein- 
merei, urrorei et iaw kfidiim» 

43. lu 426 s. 74. femer leigen die umfel dem jnngen mann 
seine veiscbreibttng und tnudiadt fia^ ic sAns t6 him mid $iä hi 
Id mi, die ttberMliuog cAnr / sloH conit lo lAsm «id mt ik$jf 
re fne beruht auf der durch die ne. form veranlassten annähme 
voü come si. cumc (vgl. nr 59). dass aber cötne (cüüj. prät.) vor- 
liegt, Willi einmal durch 445 bewiesen, wo der teufel sagt: nt 
söhte ic mi hine, ac hf sylf cöin tö mf', sodann aber aucb durch 
Surius 329 tu venisli ad nos, mu nos ad te. 

44» ni 469 s. 78. bei dem priesier Anastasius lebt eine 
junglhitt yaond (49mni$ $tim (bs. ^eara^ fm ftgfpn jsbm/dfw. 
die ttberaelsnng ak»iU th$ apnae üf fitrljf ifean iai nicbt richtig, 
ndoitf ist durch /br oder diirm^ zu eraetsen. vgL ^nd fritUg 
mÜUa (hs. niku) viu 12 s. 196 *iming tlOrty fn mtüh]'; 

g$9nd fiower ßßdra (bs. geare) fac ix 9 s. 210 *for the Space of 
four yeurs.' 

45. lu 4b0 s. 78. bei Anastasius lebt auch ein aussätziger 
heloren on änuin clyfan, das wird überselzt shut up m a mve 
(?gl. auch ^83). aber tiyfa ist hier gewis 'kammer'. so ist auch 
V 260 s. 132 on «Intufi hordcleofan *in meiner Schatzkammer', 
nicbi 'tn my imsuro-cftsit': vgL Meo . . • mAiculum holovitreim 
AAS8 jan. n 273^ vielleicbt isi es, da man fiellbcb in dmfi^ 
ullffa langen vocal aogeselit findet» nicht QbecflOssig sn bemorimn 
dass das «Ha. Meß, M^f seine kflne beweist 

46. ui 498 s. 80. der abt Effrem hört von den wundern 
des heil. Basilius uud bittet goll ihm zeigen, hwi^lc BmtUus 



Digitized by 



BEM£RKI^GEN 2U ÄLFRICS LIVES OF 8A1NTS 2gl 



iMpr0 Oft umrät^fpt mid hm, vra» Oberseut ist: what 
man Ba$U was in hommßr [m eampmtd] wHk kitmlf, aber sdiM 
dm, was EXktm siefet, da taina Utle in erflllbiiig galit («iiie bis 
siNB biamMl nganda fturife asiile), bawaiil daaa die tbanetattag 
Qiiriehug ist ancb ist sie apraehUeli Daob minar anncbt Diefat 
zu rechtfertigeo. htm §rebt Riebt avf fiffram, aowlani auf fMl: 
welchem ansehen Hnsilius bei ihm stünde.' bei Surius 830 
heiPHt es nur pettit sibt a deo revelari, cutusmoät esset Magtius 
Bastlius. 

47. III 506 s. 80. Skeat druckt basiliuus mit nachrolgendem 
(iic), aucb in 549 s. 82 schreibt er builtuus, aber die ab> 
bOnung, die gewObnlich für im steht, wird doch mttoDter biniar 
m Ibf bloftaa $ gabraucbt (Watlaobacb Anlaitottg* 22 daa aiilo* 
grapbiertMi teila). tot ako baMt$ la dkucbf». 

48« m 507 a. 80. Basilhia bawillkamnuta Efflram bei aiöb 
«pd swd hi wyrdiB wm: daa wird Qbanelst forammh a$ h$ wm 
tDortky. aber es ist das doch üicbt hreif oder Hn so feni ar 
würdig war', souderu 'wie er (dessen) würdig war'. 

49. ui 513 8. 80. EflVem bittet Hasilius, er niügt^ sich bei 
gütt daltlr verwenden, c^as? er (Effrem) «rnechisch sprechen 
kOooe; dabei bemerkt er: ic wät, pwt jm byst i>}'ln , srni hwtgs 
iiod 6ylsl at gode. die UberaeliUDg lautet: / kmw that th(m 
ort a dt'spenmr •/ v>hat90w§r thmt üAea of God, ich weifa nicht 
wie die Oberaelaerin auf dupeam fOr ifät gebommen lat: ea ist 
fietmebr rweibar, obtahi$r. vgl. Surtoa 381 mh.. .te fiie^ 
impitralttnm a dto, fuidquid äb 0h ftHerk, 

50. ni 587 a. 82. eine grafte aOndnin verfiritt auf eine 
recht eigentümliche art ihre aflnden loszuwerden, sie schreibt 
sie alle aul ein blatt, versiegelt dieses und bringt es dem heil. 
I?;<silius, zu den» sie sagt: ic bidde for godes lufan, ptvt pn 
me unli}se pd insivghmgf , ttc ddyleya pa stjnim ff') drf/htne nif' 
fimgienäe. das wird übersetzt: / j^ray thee^ ßr God's hve, to 
mhose for me this seal, and bht out the $im usw. es ist also 
ne dnrcb and widergegeben worden , und in der tat wäre but da 
nnmoglieb. aber ist denn oc im urtext weniger anfTallend, ala 
htt in der Obetaetaung ee wäre? mS lat nnsweifeliiaft veraabrieben 
atattna: Baailina aoll dieachrift niebt lesen, aondem nnr dnreb 
aeine fDrWlte die aufjj^efeicbneten sOnden titgen. vgl. Snrins 985 
omnia peccata et scelera mea seripsi in hoc Charta eamque obsigmvi. 



Digitized by Google 



282 BEAl£:HK(iI^G£l< ZU ÄLFRICS UV£ä OF 8A1NTS 



tu auiem, sancie dei, UUm, ^^mso, ne re eignes, $ed tmtwm 
prmbus tut's dilue, quae in ea scripta tmt^ 

51. n 37f s. 02. die bnutkamnier heil, Juliaams filUl 
siob mit dem kOelUcbstoD doli, sodm aaeh in seiner jungen 
gittin alle irdieehen triebe «taterben. lie erkllirt: wii tiäljftt 
ndnei ijfmdpes, ae Pm MUmdes q^pMmfm wtid gtikeMmn cMi^ 
Hisse. Skeat (1 hersetzt: now l kam no desire for any sinfulness, 
tnit (feel) ovly ilest're for ihe Saviour, with presermd chasiity. 
aber synsap»" ist keine ahieituii^^ von stfn sdnde, sonderu be- 
deutet wedkck, ehe, cmiugium ohoe irgeuü welchen tadelnden 
sinn, in den AASS Jan. i 576^ heifst es n$c pmitus dmdertm 
tkori coniunctionem. v 176 s. 126 ist es riobtig übersetzt, was 
dann folgt, ist deshalb nicht geschickt ttbenetit, weil to Am« 
devtrs fttr lyttOH gebraucht wird und dann imin auch für ^ 
pMtnjfmt, das doch ebenfUls von ijysr abbftngL die stelle ist 
deutsch etwa so widerzugeben: 'nun ?erlsngt es mich nach 
lieiDem ehelichen verkehr, soudera nach vereiaiguu|^ mit dem 
beilatid bei bewaiuier reinheit.' 

52. IV 129 s. 98. unter deü grümlen, mit denen Martiauus 
16% versucht iulianus dem Christentum ablrüuoig zu wacheu, ist 
auch der hioweis auf seine edle herkuuit: cwitd, pmt he gear$ 
Wiste kis tedelbwmnysse. die übersetsung aotd that As had fwr- 
merfy hunen ki$ hif^ rank ninunt ^aors far gedra. bat denn 
aber Martianus diese kenntnis nicht mehr? ^sors ist natOrlich 
unser ^gar^: ^eors witan heM nme (vgl. ab. ▼ 62 s. 120). 

53. !▼ 273 8. 106. Martisnos verlaogt unter berufuog auf 
Christi taten auch vuu seiueii auliaiigeiü aulerweckuug eines loten, 
indem er Julmnns so aoredet: eower Crist drcerde pä dmdan 
tö lift: IcBt nn gesumtelian, gif he soff god sy and ge pisne 
ätikran, \>as so widergegeben ist: your Christ raised up the dead 
to iifSp let ii now be proved if He be true God, and do (hon 
roise up thü man» tunlchst halte ich es nicht fUr richtig gd als 
auf den einen iulianus bezQglich lu nehmen: mir ist eine solche 
Verwendung des gi aus altenglischer seit nicht bekannt, so ist 
natürlich auch iv 318 s. 108 ne purfe ge* iU bomünon nicht 
durch thou needest not bemoan us zu Ubersetzen : obwol der söhn 
zum vater spricht , denkt er, indem er ge br uidil, zugleich ao 
seine mntter und soaslige verwandle, abniicli die. stelle vn 196 
s. läO. Agnes redet zwar nur zu dem heahgerefa, aber, wenn 



Digltized by Google 



B£M£BKUN6EN ZU ÄLFBICS LlYES OF SAINTS 283 



sie sagt: ne synd ge nä wyrdt p<vt wuruhr tö geseonne, so denkt 
sie auch an seine begleiter; vgl. Id6 $ää emo uü fiah ealle üt. 
auch hier ist also die Übersetzung: rÄeti ort iio^ «soitAty falscii. 
anderalelle, von der ich ausgegaDgea bin, wird ^deshalb ge- 
braucht, weit Uartianus, der ja auch dwar CrUi sag(, auch an 
die anderen Christen denkt, die vor ihm stehen, auch im tot. steht 
tm (s. weiter unten), außerdem ist ärih'm wol nicht als impera- 
tivischer conjunctiv zu fassen parallel mit Icet , sondern als con- 
junctiv im abhängigen fragesatz paiallei niil 5v: Mass nun sich 
zeigen, ob er wahrer goU sei und ihr diesen (loten) auiwecket.' 
im lateinischen finden wir auch zwei s9tze mit si, von denen 
freilich nur der eine ein tragesatz, der andere aber ein be- 
dingungssatz ist: Me apparebit, si vere deus ist» si vos ishm mar- 
imum, $hut magisler vest^r feeit, tutcHaveritii 583*. 

54. IT 280 s. 106. der vom tode erwecitte ruft: 4al4, Mt 
tmdfitnege ff§M and hü «töne magdkdd ts oti fiimm mdro» 
hÜm»! in der abersetzung: h, how occaproftls lAe prayer, 
and föhat pure virginity is in thiB tio&Ie Miams, scheint mir 
mit unrecht andfirncge als pradicatsnomen getasst zu sein, wo- 
durch der paralielisniuö gestört wird. vgl. ;uich das lateinische: 
0 acceptabilis oratio! o immacuifiin vu'ginila< ! (iHnnia inereturl 583'. 

55. IV 295 s. 106. nach dem eigenen benclile des wnJer 
lebendig gewordenen wurde dieser de^^halb aus der holle ent- 
lassen^ weil gott in i'olge des gebetes des Julianns erklärte : ntUe 
ü kim geunrötian on änigum pineg», was llbersetat wird: Imli 
not eauH hhn a di^^Uasure on ony aceount, abgesehen davon, 
dass on any aceount misverstanden werden konnte (*um keinen 
preis'), scheint mir geunr^ion nicht richtig Ubersetzt, so lange 
wir nicht durch unzweideutige belege eines andern belehrt werden, 
müssen wir doch annehmen dass geunrötian nach der zweiten 
schwachen gegenüber dem transitiven geunretan nach der ersten 
intransitiv sei. ich kenne sonst keinen beleg für geunrötian, 
ebenso wenig einen lür nnrötian oder rötian. das erslere wird 
allerdings von Bosworih mit der bedeutuag to make sad augelUhrt: 
es scheint aber nur auf der lesart im cod. reg. von Mt. 14, 9 
getmrot flQr geunret in der vorläge und Mc. 6, 20 ffornrotan in 
cod. reg. und cod. hatt. für geunr^cm zu beruhen t also auf me. 
formen, aus denen ein ae. (gejunrötian mit trans. bedentnng 
keineswegs folgt. Leo lUhrt ohne beleg vnröHan zweimal an: 



Digitized by Google 



284 BEM£RKUiMGEN ZU iLFfUCS UVES OF $AINIS 



8. 66 mil der Ijedeuluag Hrauri^^ werUeii', 652 mit der * traurig 
inacheii'. was UDfi«re itolle aobeUogi, üu spricUt iür die ininm- 
ailif« bedeutuDg auch das iateiniscbe: in nuUa mm 9qIo tm^ 
iriilmi 683*. wir liakeii hier die constr. des acc. aimi iafisi- 
üvo, wie Ib. LttC. dd Ua»äm hi U fm4tr» kmm ki 
ütfUis Mm fVMMfiMbie ^hmi vtUtit tx^ocn* #inm 

66. IT $23 8. 106. der cbriet gewoideM eoh» des mr> 
tiamis bittel diesen, falle er ?oii den foaer, in dae er jeui ge- 
Uüiitiu weiden soll, nicht ^eluLet würiie, Uauu etwa drei läge 
mit seiner muller Zusammensein zu dürfen: qepafa, ptvi m\n 
mödor me gesjfn'decan and sunte preo mlu on min um n^de b»'on. 
aber gesjnwcoH uad beon können doch uicbl prädicai« «um suin 
jeoi mödor eem. ich glaube aber nicht dass gupriBce und M 
XU aebreibeo, sondero daaa vieknehr «die biaiir mä «iniiK 
aebtebeo ist 

57. IT 33t 8. 108. Marliamia oberlragl die auafOhruag dar 
aUat'e selneoi farlreler und geht mil aaiiier gemaldin naeii bama, 

for pan pe he m mihte gesfon, hü hii sunu forbume, die (iber- 
selzung: im order ihm he nul see hutv hin son was bumi 

eotliaii zwei fehler: rmlite ist uk liL nt'. might der bedeutung nach, 
sondern was able, couid (find m im iieart), und for pan ist 
Imame, nicht m ordar ikat. tgl. uiesiuitiMi fiUi md$rB na» la- 
knuu 584'. 

58. if 332 8. 108. P4M ittmda^ß H mtü^fMuim 
iMd däm humum and an ien da a M mid dmm mt waa obeiaetit 
wird . . . aanu w ai tded Ihm tdl t9 he brmgkt (and fkud} in Um 
fiMf uaw. aber gdfrm^m bedeutet hier einfiMh to ht placed: 

herbeigeführt waren die cbrislen iHngst: 306. da.s lateinische 
lautet: iubet sinyulos sancios m siiu^ulns deponi cupas 584*. 

59. IV 370 IT s. 112. he hei pu yedwftan pivt deofies iempl, 
and pd hdlgan cöman pidei' on bendum, and ealU pä hdämgiiiiaH, 
P§ pas hüses gimdan , cöman tö pdm temple tögeänes pdm €rim^ 
unm. im der abenattung wird ein fthnÜcher fehler begangen, 
wie an der nntar nr43 beaproebanen stalle» indan sie butet: 
k$ badi ihm th$ dtmt$ tempU fa be pnfandp amd tk§ aaM fa 
eoma tkidm' in bandi, and aü fAa icM*toan^ij|Mr8 . . . fa aaina 
uaw. statt e&mm (des prät. pl.) wird aoaiMi ala inf. genommen, 
der aber cuman lauUu wurde. 

60. lY 427 s. 114. nach dem mSrtyrerlode des Juiiauus uud 



Digitized by Google 



BEMCRKÜNaEN ZI) iLFRICS UVES W SAINTS 285 



MiDer geDMMo kam aiiler «loBDer uod blili ei() gewaltiges ei4- 

bebeOf twä p€Bt pStra mdnfylra mycel iml ßrwtard and nän 
üiüw ne cetstöd mid pdm stiinenum godum ne ndn hmärngifld 
se hagol m bdwfde, die letzten worle werden übersetzt: nor 
did the hail leave any heathen place of wotMp. aber daua 
würde ja dieser satz das Dämliche besageu, wie der vorbergehende : 
cnd no place rmaitud Umding wüh tki god» of stofie. dass 
das iat. 585^ nur bat: nae ^(dicum^e permissum est stare, in 
gMO idobim em iKtMMe&flfiir» bewciat nicäta Cttr die ricinigfceit 
der Qbaneisuiig« llfric baue nicht eioeo gamen ntg fainuir 
gefügt« ««m er nicht einen neuen gedenken hitte auadrttQkeo 
nroUen* hädenggld ist hier ebne xweifeL 'gOtsenbild': es wurden 
die tempel und die gOUenbilder vernichtet, ebenso ist das wort 
f ül b. IIS ZU liisseii: pcet hi hl gebigäon tö ddm lianitngyiäii, 
Pe hi sylfe wnrdudon , wo es durch heiüheimm ilbt-rselzt isi. 
vgl. hier das lai. AASS jan. Ii 265'' qüiUmui üd ihurijicandum idoU$ 
€atuentirmt. 

61. V 60 s. 120. ongmnad eower gef$Qhl ongeän dd unge- 
sewenUean ffßud, die Übersetzung; ktigm your ßgfu against tke 
i$ntmbU ßmd wire nur richtig, wenn fttr dä dastOnde ddnk 
«her es ist, trotsdem Ssbastienns AASS jan. n 266* in der ent* 
spreobenden rede «ndMlai peditua Aoiüi dmicii €nvue$ erwfthnt, 
doch nach meiner ansieht unnötig su andern: en^sdn Man ancb 
mit dem ace. stehen: f^nd ist also durch fimdt oder vieUeieht 
besser enemies zu uberselzeu. v 245 s. 132 hl pegnttm wul 
Dur io loige emea druckl'eblers durch Ueu Mug. mvaiU wider« 
gegebeu. 

62. V 120 s. 124. gtlyfdon pä ecUie endemes on Crist wird 
übersetzt in the end tkey all bäieped m Christ; abnlicb v 345 
s. 13S Pd 4pn dtdie endem» ferdiBn rnomi 'ßü th» othen at last 
wnt wahrend ak u dH s. 42 und nu 178 s. 206 «ndimw 
durch t§ffäktr ttbersettt ist dieselbe Uberseliung ist flUr die 
suerst engeCQiirten Stetten nach meiner ansiebt die riebtige. fttr 
die bedeutung ^endücfa', 'scbtieTslidi' Ist, so?iel ieh sehe, Iteiu 
beweisender beleg beigebracht es tiindert sh. nichts sn den 
(>ei Leo 472 angeiübrlen stellen (Älfr. Horn, ii 214 dd wwrdan 
eulU endewies ddglegode, 510 (U ^cmlfiiin gewüon awey tö holte 
euUe endetius uuil pd wurdon hi ealle endemes dstyrede) , au Juoea 
Tborpe finaUy und at lenglh, Leo ^endbcb* Uberöelzl, e» ebenso 

Z. F. D. A. XJUX. M. F. XVIL 20 



Digitized by 



286 BEMEUküNGEN ZU ÄLFRICS LIVES OF SAIISTS 



zu lassen , wie ao den aus dea Lives zusammengetragenen stellen 
(vgl. aucli noch iv 239 s. 104, wo es bei Skeat likewtse über- 
seUt ist: auch liier würde aber iogether passen). 

63. V 169 IT s. 126. der Christ Tranquillinus behauptet dem 
heidnischen heakgarefa gegenüber dass die gotter der heiden nur 
echleohte meneohen gewesen seien, der folgende sats ist dann 
ohne sweifel eine frage: cw^ ßA, Id, pmt näre utf^ fyfigmek 
§9d, dr pan 5ial«nitf« his $Hna dhif and A40fti fl$ie dfe e» 
päm i§hnde Creta? bei Skesl heilst es: h! iAm »ayest usw. 
vgl. aber Koch ii } 574 und das lateinische; nmiuptM, anteqtiam 
SaturuHs Qetensibus imperaret et pliorum suomm cames com" 
ederet, deus in ctvlis non erat? AASS jau. u 271**. auch etwas 
weiter unten Id hü, ne dwalasi pü? (z. 178) ist nicht: look 
wheiher or no thon errest, sondera etwa: well, äoest thou not 
trr? vgl. das )at. non ergo erras? und Älfr. Horn, n 80 14 hü, 
IM möt ic dön, ßm ic wiUe? was Thorpe Oberaetsi: tohat, moy 
/ not do whu I v>iU? 

64. v268 8. 134. Ghromatias soll gesund werden, sobald 
alle seine gotienbilder terbrocben sind: es stellt sieh aber bald 
heraus dass tu diesen auch ein astronomisch •mathematisches 
instrument zu rechnen ist, das sein besitzer vergeblich mii den 
folgenden werten zu retten sucht, die ich gleich mit der mir 
nulnnidig >cheint'uden kleinen Jtnderung liei setze: hwwt dermt 
pis wnigum? nd ice htt ne wnrätaä mid gewunelicutn offrungnm, 
at hit geminad üb purh wisne Idre'owdöm td geärlicum tidum and 
Hm^ona }fmhrymm. ich habe nd an stelle des überlieferten ne 
gesetzt, ein ne kann kein zweites ne' verstärken und ne* an erster 
stelle ist dnrch den zusanmienhavg ausgeschlossen: auch nü, an 
das man denken kdnnte, würde nicht recht passen. 

65. V 306 s. 136. ein eogel kommt, m Chromatius mit- 
zuteilen dass Christus ihn wider gesund mache, da rull er und 
sein söhn Tiburtius, indem sie sich $eba<;tian und Poljcarp zu 
forsen werien: Crht is fod god and (rhnfhtig godes simu, pe git 
Pegnas göde bodiad. die Übersetzung and ihe son &f Älmighty 
God wäre nur zu rechtfertigen unter der annähme eines eom[>o- 
sitoms UBitmihtiggod, das aber sonst nicht nachzuweisen ist. «uTser- 
d^m aber spricht das lateinische gegen diese aufhssung: osrift 
dlNs esr CftrMiu» vems et emnifotene «n^jentlhcp fiHn» dein weiter 
zeigt das lateinische dass die lesart pegnae g&de, die übrigens 



Digitized by Google 



BEil£ftKÜNG£N ZU ÄLFEICS UVES OP SAINTS 287 



Msbon durch die fwi ? ^ /«^not gegettOber der von C goäm 
fegiiM geaehert ut, das richtige bietet bei Skeil ist MreaiU 
0f Goi ftbenetil: aber god« in C iet gewia dmh goin vor 
firnii vennlaaaL da» tateiBisehe laniet: quem praedkatis boni 
mmistri ehu, 

66. V 358 8. 140. Tiburtius findet eiiH H iiicnin, der so ge- 
fallen ist, dass he his kmfod töbntc and eac ins linn töcw^sde, 
was übersetzt wird: he had fractured hü skull, and moreover 
enuk§d th4 6eiM. warum Aiobt hü borm? bäm ist piaral. tgt 
M|PM^ €t #iMi6i wuKikfu flUHMBerel 276*> 

67. VI 32 e. 150« als anaaproch Christi wird cttieri: adtf 

Hu im9, gif ge geljfad, ßm fipd Ue mitrßn. in der Uber- 
aetzQDg der werte in der mitte darch wktUtower ihaU ask 

shall certainly he granted you on lUis ^condiiwn ', thai usw. wird 
tfas n)il unrecbt als tiine hiudeutang auf den lolgendeu be- 
dinguiigssatz genommen, während es von biff getffitod abhängig 
ist und aul das vorhergelieode swd hwctt swä zurückweist. 

68. VI 63 s. 152. hw(B$, dä Benedictus be hü gebrödra riPde, 
SW4 9m4 him god gmnu^lade, dsende pd Maurum, jtiah de hä 
wniadit mthte fwr keara mMum hi/a Mm Ami frmn Idfe» rd ddm 
fgriman lamfo. so interpuDgiere ich. in der Obenetning wird 
fd idm f.Lt* dmiä§ geaogen , waa eine uDgeaofaicfcte aatabüdmg 
Toramsettt. daandi kam aehr wol ebne iiihere besiimmnng 
stehen f während der zusatz *zu dem fernen lande da besouderä 
passend ist, wo gesagt wird dass ihn Benedict ungern ziehen 
lief», übrigens ist him in swd swd htm god gemutulode mir aut 
Benedict zu beziehen (vgl. ^emndum quod ipiritu sancto revelanle 
üdicerat khS& jao. 1 1042'), nicht auch auf die gtMdor; also 
di IM reMokd io him, nicht to (Aam. 

09. VI 89 a. 152. die letaten werte Benedieu an Maaroe 
ud aeiBa begleiter akid: fttad gmmuk and §uSUge tat* 
nmi, m der ttberaelaung: fare ge nm wdl, oMd 6e ya ftltaiad 
ist zunächst an bemerken daaa fartut an unaerer atelle noch die 
volle bedeutong ^reiset* hat, nicht die abgeschwächte von ne. fare 
in farewell. an der Obersetzung aber von becutnad durch be ge 
ist wol die gewöhnliche ne. bedeiitung von to become 'werden' 
schuld, die im ae. noch nicht vorhanden ist. becumaä ist 'kommet 
n': *iei«et mm geaand und kommt glttektich an.' vgl. AASS 

20* 



Digitized by Google 



388 ££M£R&ÜNG&N ZU iLFEKS UVES QF SA1NI8 

jtD. I 104^* imque mko$ fäim m fnfkoim^ fditiar fiuwm 
jMmeiil^iif. 

70. n 103 8. 154. es wsrdeo «iiige wander cRäiHy die 
Mram «ati0rweg8 workte. tfi ki gMidB on dd^ ifdioa 
w^dewam ntnu, pe ttmoäte di keg, \u der Qbmetniig wird 

nnwene durch unamsdetu widergegeben. watmcheiiilieh ist diese 
übersetz 11 Iii: ihif aus dem zusainmeiibaDg geräkn: sie i>t nich! 
richtig; denu i/: b«^<Jou(pt nirgends *bewustsein'. das lai. U)44' 
quique iam nUimum traimm ßafnm vkinam in lecto iaeen$ oper- 
wbatur mortem widerspricht ebeolails; deno operiebatur setit doch 
bewustsein voraus, die richtige hedeutung hat sehoD Grein fOr 
•Gathlec 1121 «ii|esefit ^oboe hoffoung (sc auf gtneanngy. 
unsere sieUe zeigt eher dass nieht mmt^ als nom. smg. m. an- 
itiseiiett ist« wie Gfein f^elao bat, aendern «nw^ ebeoae 
awli Bmin», nicht mm^, wie bei Besworth-ToUer aleht, obwel 
der beleg (Deut. 28, 66 eoto bid eower [gedruckt wwre] lif mwene) 
die richtige lorm an die band gibt, so ist denn auch orwene aU 
sing, zu dem plura! ortoihie in Oro:«. ed. Sweet 102, 4 anzusetzen. 
?gi. abd. annwdni, urwdni, uberwäne, nid. umcf*tte, alln. üvirnfi 

71. VI 121 8. 154. da Maurus an seinem ziel ankommt, 
ist der bischot, auf dessen wnnscb Benedict ihn geschickt, tot; 
aeiii naohftilger denkt anders: hi cmwd, fwt M ne miku wtM 
mmmdif p4 fudiipn» (bs. -piK^ h% dd^ kinmpm dÜUti, ac wöU§ 
häm muH In» fimg b$ ki$ ägemm dAst and fadrdpMjean htt 
Mmm. vgl* lau 1045* retpm M u propriü magis, quam aUorum^ 
«eff» tfw^iere coeptiSt ne supra alienum aedificare mderetur fun- 
damentum , ']>raeserh'm\ inquit, *cnm incumuat nohis unlDiniio ae 
(iiHpositw lam propn'ornm ffef/ohonnn , quam et pcrlesiaj'um per^ 
viqil sollicitudo.' die letzten vvorte AITrics werden Ubersetzt mal^ 
näet for his houses, ich kann mir nicbt erklären, was m 
disaar Obaraetzung des verbs gedreoMScm^ geKibrt hat. es steht 
diaaes wnrt weder bei Grein noch bei Boswortfa-ToUer: aber Lea 
l»t 832» 1 *S9ino^m9am trocknen* und 451« 45 ^trockanbaHan', 
att der xwaüen Blatte nul dam hinweia anf ilfr. Hetni. n 810. 
hier Mftt ea: mann imfiad kion kikt mid lae/ gedri oyldcad, gif 
AI ntmm frpond onfön mllad tö him^ fiwt n4n undiBsUengt htm 
ne dürfe (knan. diese steile gibt nicbt deu geringsten anhält 
tur die von Leo angesetzte bedeutung 'trocknen' oder 'Irockeu- 
balleu', die er dem worte wol nur gegeben hat, weil er an drfg» 



Digitized by 



BEMERKUNGEN ZU ÄLFRICS UVES OF SAINTS 389 



usw. (lachte. Thorpe Übersetzt wel gedr. mit are wül content, 
was offenbar omr ein notbehelt' ist. ioli glaube dass aas den 
MieA stelleo nt wahrscbtinlidikeit zu entaefamen ist dass das 
Witt synonim mü dtBfim ist* ila» 4» ordnmig bringeB* be- 
deutet (?gl. ordlAialio oc dSjipeatYto in laU tt&4 geM$g modmt^ 
paMA io5rM^ paMMMIce jvmdisiirar io den leix.); Aifiiiaa aber 
und wol sieht ^baoaer', aoadein ^goier*, ^beaitiuugen', die dem 
biaehot gcbOreB (vgl. ebe« nr 6). 

72. VI 211 8. 160. Maurus gibt einem arbeiler, der zur 
strafe, weil er ihn geschniülit, plötzlich gestorben, das leben wider; 
doch soll dieser niemals wifl»»r das kiosler betreten: hei htne 
v>arn\iin, gif he \rohh' liUmn, piVl he nihre ort dam iiij/nstie na'fre 
eft gesewen, die Ubersetzung: gave Orders to warn htm, if he 
wuhed (a Htm, ika$ Aa ^Muld mver be seen M (he monoitiry oj^MAi» 
gebt davon aaa» dass wamim achoo in ae. die bedeoAimg von 
ne« t0 warn hatte, bisher bat man, aoviel ich weifa-, nur auf 
eine stalle blngewieaen, wo dies der fall sein soH« nSmlieh auf 
Gen. 6; 6 (Bosworth e. v. mamimp $lieat Et|iir. diel. s. v. laiam^. 
dieselbe lautet: fada pä ofpMtp ßmt M «um pwaHto o/br 
eorddn; M «ofde pd ybamim on &r and wws gehrepod mid 
heortan $drm&se widinnan. die vvorlc, aui die es uns Uwv all<«in 
aukonitiit, sind ein zusatz Ällrics: he wolde /td warnum on lir. 
warman on (br soll nach Bosworth (oder Junius ?) motiert yrm$, 
praemouere bedeuten, ich verstehe aber die steile so: *er wollte 
sich da im voraus vorsehen.' mag man aber diese meine auf- 
ftMUttg billigen -oder «icht, jedealaUa wird man mir sugealebeA 
dass an der obigen süHe gegen die bedeatong ^h faMen, vor* 
aahen, in aebt nehmen' niehta an sagen iat: *er hMb ihn sieb 
baten, ivaiin er leben wollte, jemala sieh wider im Uoater sehen 
an laaaen.' gegen die annähme einer mitlelaperBon, die im 
namen des Mauros die wamnnf erteilt, spricht asieb das latei* 

Qi»che: ab eo mümiatum accepit usw. 1047^. 

73. n275 8.164. mm ercedfacon cöm enc hwUum tö Maure: 
Pd nivfdon hi udn win, bntun on dninn tjewi'uldiman bidruce. ge- 
wealden wird in der Ubersetzung durch hrge-sized widergegeben : 
aber schon Cockayne Leechdoms iii 362, wo diese steile augeiUbrt 
wird, bat auf das Iat. m «no pnn^issimo vascuU (1048*) hing^* 
wieaen. vgl. jetit anob Boswortb-Totter über dicaes vor .Coefca|Be 
allgemein falsch anf^efiMte wert. 



Digitized by Google 



29Q BEMEBKUNGEM Zü ÄLFlilCS UV£S Oh SAIMS 



74. VI 28& s. 164. Maurus liiidei eiiiea mann, der am 
krebs leidet: and his uieleras fhs. weleres^ tP(h"on diclwtte mid 
9aUe. an der UberseUung: hU l»^ were rendered hathsome 
tkereby ist wol der gedaDke tn se. müM flcbuld. aiier Mttf 
ealU ist *gaiis und gar*. 

75. m 37 s. 172. Atf . . . mtd oroMCliwi mymm mi gefir^ 
f«i0O4ii wird flberaetit: A« AolJk adorMd mt wUh $muimg [rkk] 
jemds, aber myne «- «mim ist ^halaband*» ^habketle', Dicht atl- 
gemein jewel das adj. aber iat 'uBermflasUcb*; vgl. immensis 
monilihus AASS jao. u 6öl\ 

70. \i! oO s. 172. die heilige A^nes sagt von ihrem liimm- 
lischei) briiuligam: bis mödor is mä'äen, and hts mthiiga fwder 
wifu m bräUp and kirn d bügad engUu ^tui mm tk» 
angels ever how, mir scheint das 'immer' uopaatend. das 
originai hat an* muftk mrunmi 351*. icb aiabe daabalb dbügäd 
xuBannieD. 

77. VB ai f 8. 172. diaaelbe beilige rObnt die foriAge ibrea 
verbiltiiiflaaa wä Chriatna; dariiBtar hebt aie auob benror: ./dr 

hcBrn ne ätwriad on ddm br^dldee, pmr i$ mcmmq huton tdrt 
and sinyalUc mwalmbiernyss. dass vor dem zweiten pur nur 
eine schwache interpunction stehen diul uuil dieses p&r relativ 
ist, nicht derDoustraliv, zeigt das iateinische original 351*: nec 
d$erunt past nupiias fUü, ubi ^parlm $me dahre ^ foecundäoi 
fiHUidiana eumulatur. hieraus ergibt sich lerner dass br^di4Q 
hier aiaht 'bodaeit' (Mäal), aondern 'aba' bedautal uwl 4temm§ 
niabt 'empOngois* (eomefKiw)^ aondm *geb«rt'« wellar iat klar 
daaa «tfr hier nipbt ^kiuMner' (wnm) baiaiebiMii aoodem ^sabmars' 
lA fcOcperlichaia aiBBe. dkiMft^r^ wiümi jmAi (Iberaelat Cockayna 
SbriDe^ nebtig, wSbrend er das, was vorhergebt (where dktl- 
drm wearif not m (he nuj}iiaU ^'e^enilbei' there, in the hridal, 
NO dnid iackeih hei Skeal), noch wenigei ndiUg autgelasst haL 

78. VH 89 s. 174. da die heilige Agnes aul die vorstelhiDgeji 
(ies Senipraaiun nicht hOrl, erklärt er ihrea vecwaadtaii t P'^t hm 
forseyljiod w&re for kim criüeHääM» se cäsen omeumde. die 
tiberaaisung (ta aAa wntid k$ aeamd für hm' Ckrittkm^ aobasBl 
mir oicbt ^aiii pameiid. die qiwUe 361* lautet: . • . frnmtm 
aUoqmfwr*. et, fuia ertmt mbä» ti inm 9i$ infim tum yotvm^ 
IiMmm etil tMütmUoHs oppomä. for.^cylijoi (vgl ^ben .wt 16) 
ist wol adjectiri$cb zu nehmen: etwa 'slraltäilig.' 



Digltized by 



BKII£B&UNG£N ZU ÄLFRICS UV£S OF 291 



19* vu 106 8. 176, M m«^ ic him m$mm Crkte) tö 
t^mm t4 pdm dMum anUmyiMum m( ftMmHm? 4ie Ober- 
aüKtiiig H ih$ deaä irnffe isl wol dsdurcb vennlam, daia Toite 
die heil. Agnes aufgefordert wurde udi vor pwre gydemm [diese 
coDjector Sketts statt gyldtnm wird durch dga im origiual be- 
stätigt] Vesta zu beugen, aber Agnes konnte doch in ihrer ant« 
Wort von den güllerhiMnn abtihaupl reden, uud, dass sie dies 
tat, geht aus den wurlen des Sempronius hervor (109) : pn twlst 
fire goäas. Tgl. auch lat. 351'' quomodo pqssum idola muta et 
iwrda ei sine sensu et sim anüm colere? 

80. vm 20 s. 196. die heilige Agatha ist m einem huren* 
hause: aber die seblioMiie Affrodoaia und ihre netto ittcbter suchen 
aie veigeUicb aar sflnde au verfahren« sie erklAri ihnen: 0StB«r 
tdoni fyiuiiMi isMs ^sflet , « M ne magim äfyfian min fmUrBde 
jftfm€, fe ü gtgnmdtUtßtM* in der Oherselzung: your mrit 
an Ute wM, htt they cämmt d^file stmdfait wiU mw^ ist 
äfyllan ^umwerfen' mit äf^lan ^beflecken' verwechselt, wodurch 
das gleiciiDis verdorben wird. vgl. AASS lehr, i 615 meH6 mea 
soliäaUi est et in Christo fnwlaNi. verba vestrn veuti sunt, quae 
qnfifftvmvis ^}H})ingant in jumiamenium domus meM, HOU ^oteiU 
cmkre; fimäuta emm est supra firm am peiram. 

81. VIU43 8. 198. Quintianus fragt die heilige Agaüia nach 
ihrer herkiinfl, und, da sie erklärt, sie sei aus edlem gesdUecht, 
fragt er weiter: M d4 ^4 äturk wAo^pmotUt npi^ca 

losflii die «heraelsttng dieser frage lautet: lol^y deatr^iyßU 
lkiQi^Üi9^\9fmmkMm§t»$ oa t/rAontPsrln tondewid? aber d^ 
hatniehldiebedeutung voo/M()ti. ich jttheraelie; 'wammtustdu 
selbst, indem du dioh unfein benimmst, als wenn du dne magd 
wärest?' vgl. lat. 615' cur moribus te servilem personam ostendis? 

82. vni 531 s. 19S. eine weitere Trage veranlasst die heilige 
zu erklären dass die heiüt-it siinde und steine verehren, nun 
iieifst es weiter: Quintianus cwivä: 'Pd cweahnbaran wlta mayon 
tfuieik» ffnorecam, swä hmU swU du mid wedendum müde talst,' 
so ist Ml interpungieren. die ttberseuuog aber lautet: Qum- 
iimm, th^mmiBnm tmmi^ßrf mid, 'We maif tasü^ wrmk usw» 
aber. fAe iiiHrd«rsia tmimtor würde sein ae cioaa/fli6Sni iplfnar». 
pd oi. mUa Hk» dmdty imnmut ist natürlich subject in mofon. 
es ist hnnm nötig auf das lau 616' hinzuweisen: quidquid furiosa, 
0n hlasfhm»teris, foma$ p9tenmi vindUm^ 



Digitized by Google 



292 SEBiERKÜNGEN ZI) ÄLPRICS LIVES OF SAINTS 



63. Tin 59 8. 198. ehe Agatha gemartert wird, soll m 
noch erkHlreii, 'k»t itre g&da (hs. göäa) bUfgmegas fwni^T 
aber die beiKge corriglert sofort diese frage: m fmmd mf 
*goda' (hs. gdda), ae 'gramllera deofla'. vgl. die .... cur dearum 
sancta contemnas . . . mit dicere 'deontm\ die 'daemomot'um', 
d!<» fIbersetzuDg: 'speak thon not of gods but of rmel devüs ver- 
wischt das vollständig», sie sollte lauten: *8ajf thou ttot, "of gods", 
birt, "of cntd demls."' 

84. fm 72 s. 200. Qaitttiaavs erltlSrt der heiligen Agatha« 
sie habe lu wShlen iwischen nartem mid der aoerkeDnuag der 
heidnischen gOlter. da wonscht die heilige, Qoinliaous fran 
möge so sein, wie Venns, und er selbst, wie Jupiter, damit sie 
auch ta den gOttem gerechnet würden: flir diesen wünsch (last 
sie Quintianuä schlagen, aber Agatha spricht ihn sofort noch 
einmal aus. da sagt jener: 'pii rijst, /xvt fh\ gtmr$ pd tintregu 
t6 dröipigennt, wti miune tfonan geeäiecst.' zu cyst macht 
Skeal die uiimeriLung: read cwyst, i. e. sagest, und dem ent- 
sprechend lautet die Obersetzuug: *thoH sagest that thou hast chosm 
tü tuffer the tortnref, smee thou tepmüst msuUs againtt me,' aber 
das widerspricht dem zusammenhanget die heiKge sagt nicht, wie 
sie sich entscheidet, sondern selgt es durch ihr verhaken. vgL 
AASS 016*: aiffortt ra hoe Etgert, ut Üvitm i0mmiikL mükMi, 
wir erhalten den ttfmrderlichen sinn, wenn wir c^st mit langem 
vocal nehmen ~ cpdst von ci^dan ^zeigen', der ausfall des ä vor 
8t ist ganz so, wie in ciryst sl. cwgäst von cweäan. 

85. vifi 77 s. 200. Agatha achtet auf die ebfn beiiaiitlelt©^ 
äufseruug des i^uintianus niclit, sondern spricht ihre Verwun- 
derung darüber aus, wie er an götter glauben kOnn«, denen 
er nicht gleichen wolle, sie Hlhri fort (ich setze vorllHifig keine 
lingef eichen): *gif M sodb godai tgnä, godm k po gtmitt^, wa» 
80 flbersetzt ist : if theg ho trme godt, / «liA theo t0 b$ m a god^ 
aber godeo ie pe gewioeo liann das nnnmer bedeuten, was es aacb 
der Übersetzung bedeuten soll, sondern nur: ich wOnseho dir 
einen gutt.' es ist unzweifelhaft gödes zu lesen: *ich wünsche 
(I i mit meinem wünsche, du und deine frau möget eueren göltern 
;:Uirht'n, lalls sie wahre göller sind, etwas gutes. uu<\ du !«sst 
mich dafflr schlagen.* man vgl. 7.uni tiberfluss das lateinische 616': 
ti sntfit veri du sunt, bonum tibi optavi. es ist also zu schreiben^ 
gif AI Ma godao (hs. godoi) $gnd, gMm io p4 gowiooi. 



Digltized by 



BBlfERKUNG£N ZU ÄLPRICS LIVES OP SAINTg 293 

« 

S6. Tm lia 8. 203. die heilige fordert QuintinM auf 
seinen gmiern aas eteio «od tmii su eDtsegen, 'tmd gMkpt t4 
p9mm wyppende, ße tÖ^Uke iftio/M' icb flaiibe, wir-mOuen 
trauten 4 U9faä, helfet *ni ende lehen* oder ^erleben' 

an den stellen, aus denen ee mir sonst bekannt ist. aufserdem 
erwartet man dass die heilige nicht blofs sagt dass der cluist- 
iiche gott walirliaiL, souilern auch dass er ewig lebt, das latei-» 
nische entscheidet hier nichts; crmlortm luttm» (^t tt fecit, et 
deum verum aäora 616^ 

87. vui 172 8. 206. während die heilige Agatha gemartert 
wnrde, entstend ein heiliges erdbeben «nd f^l se Stenern (hs. 
-ne) Wik {^ppan /cet ttuntan rMorm, pm h4 alköe»fid§ omI 
üMi d/«r €nUa «wierf. die Obenitenng Ifte «ton« waU fdl iipei» 
llle fMA emmMdhr nimmt an daes i^fpm hier mit dem geo« 
eenetrniert eei, wm wMk sanit nteht naehweieen luat (Kedi » 
§ 429). aurserdem utre P(Bs shmlan r^dboran dann sehr Uber- 
raschend, da wir hier zum ersten male von ihm erl ihren: wir 
wtirden dms oder s»//jf.? st. pws erwarten, pm stnntan muss 
auf Ouintianu? grh<^ti und von nhiboran abhangen, vgl. das 
hit. 617** ftars parietis cecidit et oppressit consihUsmm iuäias no- 
wriit» Sikmmum et amiam eim nomine Fakonium, quorum con^ 
Mb ferpetrabat ecelera. pu» etuntm steht iudicis entspreohend. 

88. fin 186 s. 206. «i dem in der hs. ttberiieferten e/JMr 
hemerkC Skeat: jMrAnpt rMd 9d pit er od fim, die ante ver- 
irainng sleyi ahne iweifel das her, ms Älfirio selbal geeohriehen 
hat: eher die achreihnng of HL 64 hier und ni {^9S a* 84 af 
mfflKIfff lit 'in Tgl. nil me. fwff^ für swype «dgl. (zu Guy 340). 
eiufc ändern iig des pis aber ist ganz überflüssig: pws vuÜeuds 
ist gram maU seit uiimüglicb. 

89. VIII 198 s. 206. nach dem lode der heiligen kuintut 
die gesammte bürgerschatt und begräbt ihre leiche mit grofsen 
ehren on eaUtUwere ßr^, nach der Übersetzung in an entirefy 
new cofft^ es kommt dann ein eogel in begleitung von knabei» 
mit einem grahatain, anf dem akh eine inachrift befindet (202): 
Mfia dana MarmiMn (Bf ^mi mddniai hiofiiB Mmmi ^dfa 
Pynm «ardwi 4mritm€ ~nm) mmget a «mrll» tlone m Ma 
«M^dm't head wMkin Übe wf/b^ uaw. daa lat. 61S* ianletr nw- 
fermm corpw ihs pHverunl mnv p kug o nou» . . . pomU $rgo 
hanc scrtpluram inira sepulduum eius ad caput. es scheint mir 



Digitized by Google 



294 EEMER&ÜNGEN ZU ÄLFEICS UV£S OF SAINTS 



klar das» prAh hier nicht Wg' bedeutet, sondern 'gnbrnar, 
^graft\ vgl. ÄUr. Gr. 320, 7 fitOMMbiMi oe/^« o/er^MMorc 

90. 202f 206. die von dem eogel gebraeltfe grab* 
inachrift der Agalb« Uulel mcIi der hft.: wmUm mmetam 
umtm, hünarm dbo ef püne MUmimm, aber dais ilMo 
sdbet sie ebenso hioscbrieb, wie wir sie AASS 618* leeeD: mm^ 
tm «meUtm, sponkmmm kemortm iiew. gebt ans eeiDen Eosatt 
hervor: piet is mi englisc: 'hdliy möd, si/lficille mirdmynt pdm 
welwyllendan gode and eardes älj^nednyss,' die iieueuglische Ober- 
setzuDg von Almes aUetigiiscIier aber richtet sich nach d< [ii \on 
einem Schreiber verderbten latein , iodem sie *a minä spotUm" 
iously holy, an honour^ usw. lautet. 

91. u 25 a. 210. pd weard Luch on slwpe and geseah 
Ägatkm betmuai Myla leerodiM» Mke gefretewode, tmd cl|yada 
ki/r$ /«f td usw. die fiberaeliiuig: Imqf feil aa^p and aaw 
AgtUha « , .p «Nd colfod le Aar ikm mm. Hast die heilige Uicia 
ala die apreebenda eraobeiaeB» wabraiid die dann foigeodeD warte« 
die mit «1» neiMCor Uium aafaugen , docb von Agatbe konunen. 
▼gi. auch Sorius xii 325 vÜUl in somno beatam Ägathm . . . 
slüHiem et diceniem. bei Ält'ric ist iiaiiii iich ans dem acc. Agathen 
das suliject zu clypode zu denken, iniui wjjd wul cUmii <\r. am 
ii.icli^ttMi kommen , weoo maa fiiail anä calied bei bkeat who 
caileä setzt. 

92. u 74 s. 214. tc eom pm celmihtigan pinmißrPi U 
cmcBd godes teord, /er^ii» ^ he on hi$ goä^elU tmBd: *m 

^ jp$ ßSr tpnu^ ßc qnry^ ea Ad%a i4H an 4om* die worto 
Bwiseben den beiden doppelpunotan aind so ttberaeiat: and fAnra- 
ßre I ipßok Gq€$ inardi^ ainca B$ «(yi »n Bki foapdL baidenwl 
ist also tmuid ab prtoens gefaaat, aber nur bei dem iwaiten 
ODwd wäre das apraeblieh mOgUeh, da hier mmd fOr cwtd^ 
ctoedeä stehen konnte, aber J speak müste natürhch ic cuede 
seio. dass aber cwivd beidemal |)rai. ist, zeigt das lateinif^che 326: 
gndlla äei snm, et ideo dixi verba dei , quin ip$e dtxit usw. 

93. ix 125 8. 216. pä wtard st wo'lkreoma "^HAin ff^ 
mcsufiMdt ßti^ hi8 mdgas ne mihtoH ki$ m4dleatu äcuman » nach 
dar ttbenratsuug sa (hat tki$ frmide e9M mat aianaja h%» madaaw. 
aber dcwitaH bedeolat bier ebenso, wie aonat giwobntiab, *er- 
tragen'« vgl daalat.: fimc migtulmri BuAatkm na» ^eranfaa 
oaMct aAii usw. 



Digitized by 



i 



BEMSRKUNGfiN ZU ÄLFRIGS UV£S OF SAINTS 29& 



94. X 18 8. 220. nt) t(^/fo to« eow secgan nuM Petres 
WMnära AiM tö wurdmynte and äo» Id trymmincge , oe Are umw^ 
«y«, /üf IM* «irffo ik» Mdrdii MCfm. ia der ttberaetsaag de« 
eadee dieeer eteUe kui ü ü mt imr tatk toM oU hn mkudm 
Iii mM niobt riehtig widergegelbeii. 4^ wM njf$ (a. Grein vnter 
mM) ist — kit 4b ofut 4^ mMi ^es oberBteigt unseve krifte*. 

95. X 47 8. 222. fram Petre, sf' pe hmfd pä mihte, pwt 
he mceg unbuidan {h». ~enj pd fiBstan rnottan fyrnlicra synna. die 
beiden letzleu Worte werden durcli of olden iins widf»rgegeben ; 
aber es kommt doch aul das aller tier sOnden niciu wesent- 
lich an. fgrnlic gehört uidit zu dem adj. fym got. fairneis, 
eondero zu dem sb. fyrm » got. fanina. s. Greio e. v. firmüc 
▼gl. auch Ällr. Bmo. ii 398 cefter fyrtUieum kahtrum, wte Tborpe 
ebenialle m% uareoh^ durah üftat M ei'ne ttberselit hü. die 
fgnUkm Mum eielMii dort gogeattbcr dea Ijfibm dütgim e. 897, 
ee isl elBO eM 0f äm w ttbeneUen* 

96* II 47 8. 240. ChristMi selbsl KMt die 40 Mldaien 
tMU kan^ im deo gtauben, indem er ibneo zuruft: *göd ts 
eower anginn and eowei innyeUyd: ac se' bid gehealden, sepe öd 
ende purhwunnd' die überselzuog bei Skeal lautet : God is tfour 
beginning {gutde) and your enconragement »isw. ahrr inngeh^d 
ist iiicbi mcourageinmt , uud dass göd uud uicbt god m lesen 
ist, beweist sowol der zusammeiiliMig , als anch das lateiniseiie 
AASS mar* u 19" prapuitum veHnm homm mt, $9if gut jierfe- 
nmoMrü mjM im fimm, kh udmm 0rit, 

97. ZI 166 8* 248« von de» 40 kriegern wild der eim»^ da 
äe ilie in.ge ftien aBdee imer gewMfe» werden, ChrialiM «tlieUt 
sMl aber deshalb alabald, wahrend die anderen singen: im yna 
dA, drihim, d» on dysum diopum flödum ni pin hdthe&rtnys on 
pyssere ia ne $t) usw. icli weils nicht, wie die iibtiiselzuug hui 
displeasure für hälheurtnys zu erklären ist: hdth. bedeutet hier, wie 
sonst, furor; vgl. das lat. aut in flumiiubu^ fm or tuns. auch z. 171 
aus diesem gesange mag noch besprochen werden: we gec^gad 
pinne namati, ponne pi a^Uct hmadt^ik gesceafi4i usw. zu ponne 
niachi Skeal die bemerkuog: *MS. /ane» all. to ponnt (wrongly)\ 
und dem entsprechend ist in der Obersetzung ßone ße (nicht /oime 
fi) widefgefeben durch 7Aes tnjbni; aber das bteinlscfae zeigt 
dasi die Mndening yen pone zu potm berechtigt ist (21*): ftMMn 
IniMi ^utoeMnm, qnia te, dornte» liwdlal oumk mMiim «sw« 



Digitized by Google 



206 BEMERKUNGEN W ÄLFRtCS UVES OF SJÜSm 



98. XI 242 t. 252. ^ wtebter erzählen dass de «U« eis- 
geBohlafan seien Mfter eiDem: Atf tejr ßwrkmoMl, §mA 44 
mmära mi4 Jti&ta, /if ^eitee mi p€Bt Mf» «mI Aif 
geipfd» 8$m usw. Skeil hm aber statt gesam we geechriebea 
gmowe he, und ao lautet aoch die «berMtmiig: ihm Ae aeia flbe 
/t^. aber, wenn he für to^' gesetzt werden mQste, wäre doch 
auch gesdwe mit gesmh zu vei tnusciieü. doch ist durchaus nichts 
XU äudern: di r wachgebltebtiiie weckt die übrigen: da sehen diese 
das licht, jener aber wird bekehrt, im iaU 21^ kieifet es denn 
auch: vidiniMs iumen magmm. 

99. XI 241 s. 252. ea wird der bMA gegeben die Christ- 
ticbeo krieger aua denn waaser su aiaban und ihaen die beioe 
III aerfirecheo: p4 angmmm 44 hMmm hihrnMufä (Mul daa 
wird öberaetit: lAe» ktga» tk$ Aeatfh a» fotikw4k ta 4ntg Ihm» 
fifrtMik für hmMufa iat wd ntir garaleM. daa riiMgo ^nit 
hünden' bietet schon Leo mit zwei belegen aus Älfric, die jetzt 
auch bei Bosworili Tulier stehen, das lateinische bietet kein 
entsprechendes worl (21^): iussit autem praeses Ägn'colatL^ trartm 
eo8 äeduci ad liUus et cr^tra eontm canfritigi . . . cum auUm conr 
fringerenUur cmra eorum usw. 

100. XI 259 s. 254. dä 99dgää je dema, swd mä Hi^Bfii 
gM^atb, hä H eetib fMamm <m tiHäe kr^änrn ffn oaw, die 
tteraelniog lautet: tkm did ümptdgt m ifte dM M eiMmiifidail 
and had» hum thm M m a eery krge firt, aber ^Motion be- 
deutet Dicht ^befehlen', eendem *hNDatiiiUBt iu anaaieht atellen 
((Jiolien oder versprechen, geloben)*, das lateinische hat nicht* 
dem salze swd s\cd st deofd yebeolode entsprechendes: Älfnc weist 
mit demselben zurück aut z. 227 ff nu ic wylle dwendnn /xpti 
wfBlhreowan heortan iö pm gt^atue, pwi he pgtta häi^ena Üc 
aaUe f§HMBme usw. 

Berlin« den 19 ieptember 1SS4. J. EUFITZA. 

TüLZEB BRUCHSTÜCKE AUS DEM BUCHE 

DER V ÄTER. 

Die hier zur ver'ojfnttlitkung gelangenden pe^gamentbrnch- 
9tüdce wurden vor julir^'u durch einm nunmehr verstor heuen Tölzer 
bürger^ Jas^Luknar, von den WMshiägen einiger TCiaer redbnia^»* 



Digitized by Gopgl 



f ÖLZfiR BRUCflSTCCKB AU6 DfiM BUOlfi 0£A VÄTGR 297 



bücher abgdlfst*; außer bi. 2, toekhes dm tßhm dm emUMmn 
tmgAiri, hfindm mA jUMt tämmiUeh ^ mänum Mtm. m 
«M ritf« 9iMfr m ^ i4iilf. $mkMimm fUiok», (27 eM. 

d28Mäm. iMKt jMntv tf» MILa.4.7; 1 i^«^fr0/ter^ 
M. 5 «Mi ^ i9 ä$B kkhun üben hälfte eines blattes; wm bl 2 

sind die erste und l^ste spalte ganz, die beiden anderen zunt 
kleineren teile vorimmien; S. 10 fulden Hucke au^ der mitte eines 
tialles, bei äeneu 5fCÄ nicht entscheiden lässt , welch f$ die vor-der- 
$eite, wekhes die rückseite war ; von 9 endlicfi luU sie/» nur die 
g,'öfsere obere h4lfte dm erUm und d» viirtm ifoUe erhalten, 
fitr dk blL gab die alte rote pagmiarung in dar 9b&m 

rechten ecke dm' 9prdeneitB dia reilimf9i§^ an, für bk 2 bntimmte 
fid^ äi€Hlbe um IVXingttkm Fmdüngm 2 (WSB Lxir (1870) 
•« 143 f), ämm €imUmmiim§ Ater imd totui am romb Ptmmki 
wuritg bL 8 §tkM muk der Abnkmikgmie oti, faUt aber kMar 
Buttdl, wM$ dm an fang dieser ermdhhmf bringen, dagegen 
ließen sich bei dem manyel einer vollständigen ausgäbe des ye~ 
dirfaes die bU. 9 md lu nicht mit Sicherheit einordnen und wurden 
deingemajs an den schiuss gestellt . 

* wm zu ff fahren , am welchem ^pdfrhi" dr> bll. stammten , iifjer^ 
schickt f 1S64 drr damalig de ran Pfa/fenbergt r m Tölz eine* derstdbm 
an F Pfeiffer, dieser äuj'serte sieh zurückhald f>fl , schlug aber einen 
tausch der fragmente gegen einige seiner eigenen schrißen vor: man 
lehnte indes dies angebot von Töixer seite ab. 

Feldkirchen bet AibUng. G. W£$T£RHAYER. 



1. ccxuu 



Vnd mir gme helfe tet 
SiD esgel wart mir scbier kviit 
Der midi nirte an min« nuot ( sie ) 
Mit eioem Tioger die geschach 

Do zvr gienc min vngemach 
AU ob ich hele da vor nie 
In gotes iKiiiif'u ich do gie 
Gegangen noch gevaslet 
Do ich 8US was gerastet 
So genczlich mich auch dar lie 
Vncs mich di mvde aber an vie 



Naeti fier tagen also scharf 
Dax si mich gar dar nider warf 
An TDaeren herrS ich do achre 

Do geschach mir recht als .e. 

Der mir ie liali der half mir nv 

SU8 

Der gab vil guten geniez 
Eime gnr nlten man 
Den ich sach dar obe atan 
Dea har was wici als ein ane 



Digitized by Google 



399 TOLZ£R BRUCHSTOCKfi AUS DEM BUCBE DER VÄTER 



Dek«m eieit hat er me 
Niwan bar vnd bait 
Hi nil er wo! bedacht wan 
Waii hn der an wol geovget 
Swaz im got fvge** 
Er was zv sehen tirulicli 
Do ich in sacli vuii er mich 
Er wände ich wer ein trugeoer 
VVan er in der wiltois 
Was gemvet dicke vil 
Von dee leiden lofels epil 
Dvreh den iwinetticfaenfiiß^iDn 
Sprach er mit groier deaiT| 

c Hat mich got bracht h zv dir 
Nv sprach er sage furbaz mir 
Sint noch di echter 
Di mir leider swer 
Di Christenheit pflagen 
Ja mit manigem vlagen 
Sp'eh ich* dmcket man ä ttoch 
Manie swerHches loch 
Wirt der reinen cristenheit 
Von lH>8en luten auf geleit 



Di ai elahen vnd lagen 
Durch got nv «dtn mir aa^ 
Dnrch bef nnang an tngBt tnS 
Wi d? her alat kvaM 

In di wilden to?gen 

Do voUent^ im di augeti 

Daz ich bleib an im stet 
Nach vil vbel tet 
In der man vientlicfa mich alne 
In manger pin groc genve 
Half mir got dat ich ledlc rat 
Ze haut hnb leb mich an di vart 
Des ich di w*eld mit aller Tlnhe^ 
Vnd mich von den luLeii zvhe 
Durch den minneclichen got 
Des truwe hclfliche gebot 
Hat mir hie gewget 
Dar an mir wol geovget 
Fvnfitic vnd nvn iar 
Hat mir iv der Upnar 
Gedient des palmbovmaa firnch* 
Vnd des bninen geovcht 



d 



2. [ccxxxxi] 



a Weder tranc noch az 

So wol let im di Iruntschaii 

Mit der er got was behalt 

Sin liecbt das im vO got quS 

Bewart er als im wol gezam 

Sin vin was dar an vil gros 

Olei er in die lampen goz 

Vnd behielt ez al sin leben 

Daz im vö got wart hi ge^^ebe 

Er liielt auch furwart sich zv got 

bleleciichen an sime gebot 

* diew %§iU von anderer hand 
b mtt rmir * dis »eile roi 



Von egypten land ein brvd*' 
Ein einsidel ein guter man 
Der ie got vndertan 
Was in rechter demvt 
Vnd an vil togSt wol behut 
In egipten lande er aaz 
D^ gert an vnserS herrS dax 
Daz er im ofTenharl ein teil 
Sin heimliciies vrlail 
Wi (loz hit wer vn^elich 
Einer arm der ander rieh 
rond» naehgeiragen. * vlube] 



Digltized by Coogl 



TOLZ£R BRUCHSTCC^E AUS DEM BUCHß DER VÄTER 299 



l 



Vil stel was die ihi gdM 
Vncs te got ilneii iriUf lec 
Wan er hielt sin gebet 
Zeknal saiK maer bem got 
EineD engel iler nn quam 
Vod eine l'orme aü sich nam 
^ Recht als c} 
Durch gotl 
Vod eio aU| 
Der ao goti 
Durch der| 
Er apiacfa . 
DmdP alaDl 
Allein we| 
In di wascel 
Wir wolle| 
Beachainvij 
Di hi goL s[ 
Der all vo| 

Si quame kurczlich dar na^ 
Vor eiaea ▼] 
Der mit a| 
Geoczlichl 
Nach ainel 
Si clopUe| 
Vud baiei| 
Do si der i| 
Mit gaozej 
Vnd furt si| 
Do ir iege| 
Sin gebet) 
D^ Wirt hei| 
Mit wanef 
In beden e| 
Si fundenl 



c |swaz er het 

* undeutlicher ^Afllo^« 
muntcken den beiden spaHen nachgetragen 
Mchliefsendmi n ämrch Weher Mretürt 



|hle 8 
fe tecble 7 
jnach aiiier macbt 
jsa laeb dP sacht 10 

jscheiden' 

je beiden-^ 
|licher zvcht 

|itlichf'r trudit 

|t euhal la 

apf im alal 

en pflac 

Igelac 

|baa 

jic selbe vaz 20 

|beba1ten 

{detii alipo 
|8 meinet daz 
|dic vaz 

|s tet so wol sa 
Igent Tol 
ewiset hat 
en lau eepbat 
en misse far 

t gewar ae 

|a9 genvme 
{nach lu kviue 
|t er do 

Gancb sprach er den brud^en na d 
Sprich daz si geben dir de napf IS 
Do gieech er Dach ir fustapf 
Vncs er qui do er ai gesach 
Zt dem engel er do sprach 
Hin fat* sprichst dss ir mir 
Den napf wider gebet de ir 40 
In sinem hus benvuun hat 
Sich sprach d^ engel wa dort gal^ 



* diese *eile von anderer hand quer 

' sclietden vnd beiden] 
* gat] a au* eorr, von q 



Digitized by Google 



300 TOUfiR UKüCü&TlClie AÜS D£M BüCüE DEB VÄTER 



Der lu iid der ia bi im treit 
Ganc mm in er ist dir gereil 

46 lade« luget er «ifih in 
Der wec da li gieogen hin 
Alle dri er waz smal 
Er Bties d8 ivngen hi» sf Iii 
Von einer eteinrosdie bo 

60 Des was d* ander vil vntfo 
Betrübet er in de h^en apndi 
Owe üaz groz vugemach 



Daz dirre alt hat gelao 
Dem reiiieti guten man 
Der vaser also wol pflac 
Sin Ion iiat vbelen beiac 
Diaen gonvget leider niht 
Das er nk 4iipUelMr piliclil 
Dem wir! ainen naftf alal 
Ir enhabe doch n? Ina st lal 
Geworfen ainen avn lot 



3. c 

JR*63aOwe berre got der not 

Wir han niht wol geworben 
Daz der meosch ist erstorben 

65 Vnd sincn tot von uns nam 
Owe daz ich ie vz quam 
Si gengen aber furbaz 
Vor ein hus dar ione aas 
Ein alter man griae 

70 An lügenden tU ?nwiae 
Wan er ir waa an 
Idoch zwen yndertan 
Het er di mit im waren da 
Di gest borten isa 

76 Vnd haitu lazen sich dar in 
Warla wer di geste^ sin 
Sprach der wirt der ait 
Do lief ein i?nger balde 
Her uor* als er di geat sach 

80 Zv dem alten er do spracb 
Zwen bruder ain da für 
Sal ich offen in di tur 
Nein sp'ch* er gancvn aprich 
in ZV 

Do si gar vnledic uv 
85 Do daz den gesten wart geseit 

' Ifste) i «äff a torr. 



Mit grozer demnekeit 

BaLca si den allen 

Daz er si wolt enthalten 

VVau si des we^es mvde 

Niht wolt turbaz entruge b 90 

Sit di naht doch her zr achein 

Nein sprach der alt nein 

Gai hin wec awer er behage 

Wan ich er vorwart aage 

Das ich er läse niht her in 96 

Waa wilder nrnch (sie) mac 

die sin 
Di so g.ir vngewar 
In der wüste her vnd dar 
Irrenl vnd vnslet varn 
Zwar ir soldet ez hewarn 100 
Wizzet daz auch luget baz 
Daz vch di fuse werent laz 
Vnd ir in mn celten blibet 
Niht di Sit hi vertribent 
Gar (sie) bin wec vnd lat de apotIO» 
Di geat aprachen ey dvrch got 
Laz vns niwan dise nacht 
Mit dime dach' sin bedacht 
Wan der tac i$t vergan 



^ j . ^ci by Google 



TOLZEH BRüCUSTCCkE AUS DEM BUCHE DER VÄTER 301 



110 Durch gut heize vds in laa 
Wir sio DT ser m?de 
Swi ez sich doch gevnge 
Ob f at beKbet dar g«ifiiC 
Wir nuMM in der morgs »m 

i»?ttr der tat ti elende bliben 
Siri^ 9vne er hei n T*lriben 

50 weiden ä doeb nindert gan 
c Hi Dach d* wirt der alt mao 

Zeime sinetii ivngt-ii sjirach 
l2oVure di f.'pst an gemach 
AI hl b) VU8 iiicu stal 
Da sal ir ruwe vv'deu smal 
Ale si wurden braht dar in 
De ii al eine aelden ein 
ittDe waa ai finaler drinne 
In nmm guten ainne 
Leacheu (sic)ti Jon kn ein lieht 
ttSDce weU er In auch gebS nitil 
Nt dural si vil sere 
Durch iii goies ere 
Bau n si in wazxer holeo 
Do qua ir einer vil verstoleu 
Der bracht' in wazzer vnd brat 
Er bei ai aer vnd gebet 
Dai ai ei gar verdageien 
Dem alten mhi enaagelen 
Wan ei waa nihi ein «üle 
Haimichen (Hc) rnd aiille 
Tnrnken ai md aien 

51 lagen vnd sazen 

Vncz Ui uabl ein endo uam 



Als der iichi niorgeo quam 
Sich machten auf di gest 
Vnd wollen vö der real 

engel av eim ivngS aj^eh 
Dea winea den bi im aneh ^ 
Ganc bin i? dem alten 
Der nia n? bat behalten 
Sprich WUT biton in daa er 
Z? vn« wol kvmen her 
Vud aui Ueu vvec vub äegeu 
Ich wil dem gedeoe 
Eiu cU'itJot hi Verlan 
Daz ich mit mir bracht lian 
De daz dem allen wart geseil 
Er waa dea gangea vil gereit 
Wan er di gebe aold nemen 
Er qnam da hin an allea aeheng 
Ala ie dt gingen tnnl 
Sin enge naeh d' gäbe almt 
Der engel im den napf gab 
bu5 schieden si vu nu hti ab 
Mit siuem segen den er sprach 
AJs {\vv gut mau ersach 
Der niiL dem eugel gienc 
Wi wund^lieh er an vieno 
Sin dine* wi er ei ante 
Sin gemvte er von im want 
Dai acfarei auch fi an im brach 
Vil vnwirdiUioba er sprach 
Zt dem engel ganc von aair 
Ich wil vurwart nil mit dir 
Einen tuzstapleu gau 



4. CCLXXII 



G*44alr herze des vil ser erquam 
45 Si dacht daz si selb vincfat 
Vnd do» iiilela vnaucht 
Alane iv wer kvmen 
* Swi] s 



Z. P. D. A. Xm. M. F. XVH 



Vud daz er aber si genvme 
Hin bei in siner svnde banl 
Daz wart dem biaobef erkant 
Wi ai weinet diae not 



21 



Digitized by Google 



302 TÖUER BRüGIU&TÜCKfi AUS DEM BÜCÜ£ 0£U VÄTER 



Sin trost rede er ir ir( sie} do bot 
Vnd 8p*ch vil liebe tcH^hl' oiia 
Dv Salt des niht betrübet sid 

5» SvDdervreoiUcliinitdSeDgelgois 
Din tachl' wartet gots getwt 
Ab maria DUfdalana 
Alao hat auch pallagia 
Von got eritaren das baat 

60 Nv Turen auch dise gest 
Dis biscboire alle sider 
leglich^ heim zv hvse wider 
Nach tli 1 ul vber drv iar 
I>o si voieodet waren gar 

6& Jacob den ick geoaftBet haa 
Dca gtttS manoes capplan 
Id auMas gahibd aich v^baat 
Das ar wald in daz hailifa lit 
Z? dam golaa grab kvaies 

10 Dttfoh ddaz vod d* sei wvnii 

Zy biachof Qön?in er quam 
6 Der ua[ L vrlaub er vö im nam 
Zv waudreu an daz heUch' grar 
(sie) 

Der bisebüt im ^in vrlaub gab 
16 Daz lart in lin reiner sin 
Auch spVsh ar waae dv kvBMt 
dahin 

Ynd dein wart voUaislai 
Mit half dea bailigaB gaiatoa 
So Mm war wi dir wMe ariuait 

flO Ein mvnch pelagine genant 

Der hat vil lang heimof 
Gehabet in der ei not cht 
Der ist ein uiviich gaucz vud re" 
Vnd tio vaier gotes koaht 
86 Die was di gut pelagia 

Doch saget er im niht me alda 
Vncz ei ait dort wart vobnt 
* balich in heilig aorr. von m 



Vnd ofTenlich sich tcl »rkant 
Sus quam iacob der gut mau 
Das sin gelubt waa getan 90 
Zv ibeniaaleB an dai grab 
Sin opbr er da mliali gab 
Ala «in gut pilgte noch mach 
Do ea quam an den wnkfn tat 
Sinea berran er gedaabt » 
Zv suchen er do gedacht 
Den guleu mvuch peiagiii 
Hin vnd h^ vraget er dar \m 
Zv ivn<?est wart er im etkiuil 
Aul dem berg oliuet genant c 100 
Da auch vor siner mart^ vriat 
Sin gebet $p*tä vnaer herra 

ihs oriat 
Da waa dar mvnch gebnaal 
Baueatet vnd beduaat 
An einer oellen waa kein tur tia 
Ein deines venster giene hin vur 
Da durch er üiu nulurlt naiii 
Da iacob an das venst«r quam 
Vnd bort ez wart im auf getan 
Mit dem vnd leuer diseu mauUO 
Gesach de wart er im erkant 
Der wtrt vbte ($it) sich ivhant 
Daa am Ith ebnet ($9$) an dP 

geaieht 

Der gaat enkant dai i^ nibt 
Im waren ainv äugen hol 116 

Di Wangen die . e . stvndeo vol 
Di waren uv gesvoken 
Vngezze vnd vugetrvnken 
Heier gepinet sich genvnc 
Mit kestegung er den lib sluatao 
Sin rot antlucz waz nv bleich 
Sin craft an vmaobt im entweieb 
Sin gebin man mocbt bi geaeK 
, hand 



Digitized by Google 



TÖLZER BRUC»STCCKE AUS DEM BUCHE DER VÄTER 303 



Sus heler sinen lib erquell 
125 Daz er im stet was gerttl 
Zu go Jicher^ arbeil 
Do ie.Gh^ 4' gtst de« wte legB 
IS li Der tet g«l md iiiH«ild8^«g9 
D* wiit «p^ tf dem gast in 
LelMl aoehdtebisehoferspVsh ia 
D* bit im miefa zailer Trist 
Wan er hciiic pischoi isi 
Sprach pelagius vnil dar zv 
Ein guter dyakeu bi^t dv 
Bit vor mich auch besfoder 
Den fasi Ai micbd muidar 
W« TOB er si bekent 
Dai er ans wal ai aeat 
Beide den biaolwf vad amii in 



^ Wi da ere&oriieo wer 
Der croa vaiter pebgiiia 

aiava 

Zt mmai'ea doal'rea hartad da| 
Do aameal aich eia aueiiel a[ 
Von mngeBi raiai aioael 



Do di at was knnea hia 

Vdci aa der terciea atvad 

Pelagitta begrad 

Mit madi §pndtß aia gebet 

Aa rnaer aadaeht er dax tet 

Do achiet aach vs im iacob 

Vil groz ZV got was siu lob 

Wan er vanl auf d* selbö siat 

Den mvijch als sin h'ze bat 

Auch vreut er sich ser 

Wan er rieh 1er 

Von sinen Worten eophie 

iacob der al vartie gie 

Zt doati« oellea elvaea 

Zt guier lut braea 

leaeb er ie der aelgi aegea 



c 



Vnd ir tohter pelagia 4 
Mit inia lebaa bi gewafb 
Vad welhea tedea ai entttrb 
Das tet dar epiiaaia ao ttoI 
^Dax ir di äugen lieide toI 
Vnd 



5. ccLxini 



Vad bat aia nil geltet pflege 
Vad awa er allBatbalbea qua 

. in sulch re . . . vernam 

Wi daz pella^ius \vtire 
Gotea mvDch vu wand elber 
aüea . . . ä wol 



Daa manie ange sich begos 

Mit stimmen hail vrieu 
Begvoden si ane schriea 
Gnade lob vnd ere 
Si dir immer nier 
I vü getruwer ib& cbriat 



6. ccLxxini 



UaBegeta vnd dvrch wi ezgeaebacb 
Er sprach es durch iienerfaf 

ib Sus liat auch nua frage 
Getilbet fnd tx geleit 
In daladi dmfa zwo wiaWt 

* totk ^ pergawuni 



|ent aach iat ob wir baa 



Di aadrea aach ich meia 
Auf dai aaeUe Trteii 
Dea maaic h^e iat st geil 

21* 



18 

h 41 



Digitized by Google 



304 TOUER BRUCIlSTOCikL AUS DEM BUCHE DER VATER 



Und sich v'grifet zv drat 

45 Ist ein mcDsch mit vovlat 

46 Vod mit VDtu^eiit behalt 

68 c Zv des nebstea voheil 
70 Verdient ein mensch dieki 
Du in der 8?nden striken 
In got lexel ?iUen 
Durcb ein Tnrecbtes eeballen 

7. 

M24 a Ad zvcht in siner ivgeüt 
125 Er vreut sieb der ingent 

An dem «cbooen Hbe 
137 Zv hant nach einem wihe 
Began er im denken 
Auf das icbt entwenken 
Hobt als er wurd ein man 
Dttreh di Hat gedaht er dmn 
Vnd Wold in vrv wiben 
Er dacht an im becliben 
1>( u Slam siner kviitscbaft 
Vnd vvolt gut vruntchatt (sie) 
An vremden iutea an im habe 
Daz alsQs warl erhaben 
Eid imcmven gut 
D* vreoat ' waren wol bahnt 
Vor Ynvieliokeit rein 
Dem trrwet man nbnham 
Der edel knap rein 
Was dannocb also cleio 
Daz er sich dar aut nihl v^sao 
Waz si von im wuiden hau 
Ui iu hesli iket her ein cloh 
Doch f uget ez got nach sinS lob 
Sit de er ez geruchet 
Wan Abraham in anchet 
Vru in einer kuniheit 
Di w'lt wart im beiit leit 



Sus lerl got an im selber in 74 

Wider vacht bi sineo tagen d 9$ 
Daz wii icb e? zv duze sagen 
Du mir achnmlich doch iat 
Swan icb ton im mangeii Usl 
An t?gontlicfaa& dingen aag loo 
Vnd IT cleiB an mir tmg Mi 

CCLXXV 

Daz quam do von wan er sach h 
Weib dag weih not weih vo- 

gemach 
Si ren (äe) «olgepsn git 
Immer an dea endac tH 
Vnd doch von Inten algelicb 
Er ttch du niman wu so rieh 
So atarc so schon vnd so gut 
Daz er des todes wer behut 
Er wer ivnc oder alt 
Su» oder so gestall 
Es slant so gar in sinen giel 
Der tod swan ez im geviel 
Durch aller d^ weit vmerinc 
Abraham der ifngelioc 
fiegan denken auf du leben 
Du got fit eweklichen geb6 
Den dl in Iteh haben 
At di beger des gtftS fcnaben 
Stvnd hin zv dem rieht (sie) gots 
D* werk vnd werltliehcs spots 
Det er sich ab hie vnd do 
Im waz ZV dfr scbrifc go 
Di lereat er mit girikeit 
Wan er durch ir wiaheit 
Spurt ein gehant atraie 
Di man in rechter man • 
Gienc zv dem bimel 



Digitized by Googl 



TÖLZER BR(]CUSTÜCIi£ AUS DEM BUCHE DER VÄTER 305 



Vor alier svoden schimel 
c Hütte* er sein mit der bilfe gots 
V2 der lieb «ines gehoU 
Trat ermitirilleeD^iie^Mldeii ie 
Swa mit ein ander vmb gie 
Des enwart er nifat vil 
Sin kvnewfl wnd sein spU 
Was uiwäu aui den wistum 
Wi er gcvluhe der weide nrm 
Do Abrübam 6tr gut 
Mit grozer tugeoU Mut 
Zf einem ivogelioge wart 
Vnd er nacb wertlicher an 
Di maget nemen seid 
Ab sin nter wold 
Dar ST was im leide 
Sin vater nvter beide 
Rieten fnd baten 
Als lieb si Jü hateji 
Daz er iren wille wolde tvn 
Des wider stunt in der svn 
Vnd bat mit allem vlize 
Daz si des berzeu wize 
Im dar an niht wolden neme 
Er mnt ticb vor gnt scbemen 
Sold er besolwet gen m In 
Das wurde auch im gros vgewi 
Alans gienc er In lange vor 
Wan sines berss wOlekor 



ajfures hicze gros 
abam ein wchs gros 
smilcset vnd srfluaet 
jr werelt lob ?ergvset 
Swas der sei an seiden sunt 



St von der wHde bin 

Idocb wart sin imger ain 
Von dem vatren vbefgebogi> 
Das er mit volge warti^og (9(c) 
Als nter mTter baten 
Wan si beide baten 
Ad in geleit so groze not 
Daz er sich dvrch der lihe erbot 
Er was ivuc vnd was ir kint 
Vnd was lieb als di gutS sint 
Des leiten si in maoger kvr 
Im di reinen .e. Tur 
Swas er rede wider bot 

50 taten ai im so genat 
Mit truwe mit betelieb* vle 
Vna al in bracbte st der »e. 
fi! Vs< wart dP gut abrabam 
^Recht als ein einvaldic lam 
Mit listen hi gebvnden 

Nv quam ez zv den stvnden 
Daz man dv ivncurowen 
Hin bracht au sin schowen 

51 waz scbou vnd gut 

Mit allen zvcbte wol bebut 
Wan man si ts weite 
Da nam ss gäbe dem bebte 
Do wart mit giosP Trevds cnft 
Begänne wol di wirtaebaft 

8. 

Swan ai das lob mit wiUg nimt« 

N 

*'*^Icb twin I 
Vnd wider stv | 



' flutte] ut Ufuieher * vbergcboge] das zweite b aus z eorr, 

' S lim rantle tchwarz vorgMeichnet * darauf obere reste der 
roUn üüertekriß Von abnham 



Digitized by Google 



306 TÖLZER BEUCÜSTliCEE AUS DEM BUCÜ£ D£R YÄT£R 



D« ich 61 griff | 
Abraham do z | 
Brodw flo in | 
EntorbS in ke | 

•e |eten bald v^nmii 

|ier minne 

Idar . . . lias 
jr haben das 



|i€h entpiaai (äc) 



80 wiaM das if alkl 
Daa noch dar tufd lfib| 

Von aim elnaidel^ 
'Pln alter f«ter reu» 
•'^SaB in iener eine 
Ver von ein anderen 



9. 

80 wit ich auf dinem spor. 

Velgen algemachsam 
Do iener ein teil hi vor qui 
Im hegaint auf siner vart 
Einer des lufels ewart 
Mit einem craubel vor im lief 
Der i?ager alsvs nach im rief 
In einem aebimpilichen apot 
War ItuÜitii tnfela bot 
Bio began den ienen mfWi 
Vnd an im ain!( lomS ergloivS 
Vn(l iu auch d* also vVe vHmc 
Daz er den mvnch wol zeslut 
Mit siner sw( rr« crauel 
Macht er im mangc baucl 
Der nmich ai ain macht v*k| 



d Hit ein ander manige fach 
Das er iegelicher pflach 
Auf logent gar sin lebs zem 
ebe Der tafel woU ea g*ne wem 

lebe Wao er ser an in neit 

8 Ir Tridesam eintrechtikeit 

Verkert alle sjue macht 
Den tac vil gar vnd auch di na^ht 
Beide vro vnd apot 

• rot 



Digltized by 



TÖLZbU BKüCUSTÜCKE AUS DEM BUCHE DER VATEA 307 



Wie er dar vnder sat 

Etlichen vntride 

Daz ir ein den andren uide 
ach Auf daz di ein trecb^eiti 

Zwischen in ward hin geleit 
aan An einer sptt ec teiaul qni 

Du ifttger brnder nam 

ib'e «ine iifti 



rendich dem sin erden etat Di| 
I pimenem dem Täter' Wir| 



die anden ieite 



leineil Di ms ?or an.en ist ge| 
|tin* Beide ir gelu . . nd ir i| 

* das Übergesekt, I von ündtw händ * die uih rüL 



ROSEGQER BRUCHSTÜCK AUS OTTACKERS 

REIMCHRONIK. 

Im XXIV Jahresberichte der staatsoberreahchule sn Klagen- 
furt veröffentlkhte ith Issl tui bruchslück aus der Heimchronik 
Otlackers, welches auf dem per gametu umschlage eines quartbandes 
in Klagmfurt gegm ende des Jahres 1879 gefunden war. schon 
früher hatte vKarajan im 65 bmde der SitMungsberichte der acth- 
demie der Wissenschaften m Wien i. 565 )f ein bruchstück dieser 
MeimdironÜc, weUhee ehenfeUe in Klagenfiurt aufgefmden %eorden 
wer, mi tg ete A und d t me i i» mit K he%eichnet, deekalb gab ich 
dem mm mir heramsgeg^enen fragmenie die beueichmiHg JTs. fast 
gleichzeitig mit meiner puhUeation erschien im 77 bände der aca- 
demieschnftcn ein von Schönbadi pnbliciertes hmchstÜde dieser 
Reimchronik , welches am Strafsburg m Kärnten herrührt und 
daher /ügh'rh mit St bezeichnet werden mag. am Schlüsse meiner 
abhandlung bemerkte ich damals: 'sollten nicht aufser diesen beideti 
fragmenten (K und K%j noch einige Schicksalsgefährten in Klaget^- 
fwft oder in Kumten überhäuft anf dachböden oder ai» JMen V9n 



Digitized by Google 



308 R0SE6GER BRUCHSTOOL AUS OTTACKfiRS RBIMCHR 



üdeiMiMn im mvbe der orMn ein vergmmM teei*» fiittm? — 

vielleicht fördert wider etnnuU eim jMMi€ker xufaU einen der- 
ailiyen fund zu laye.' 

Ein solcher glücklicher fnnd wurde nun würklich im sommer 
d. j. vom archirßr des kamt, ije^chichtsvereines , herrn ARvJaksch 
gemacht, yelegendtch einer sonderung mehrerer im sommer 1882 
von der fUntlich Lichtensteinsehen her$chaft hosegg an das archiv 
des kistor. Vereins für Kärnten abgetretene» konsleibücher fand 
ardUvar Jeiteek auf den deekein eine» Miee wUt der tmftekrift 
Gericbto-Protokol derBemehafll Rosegg 2 doppelNatter derOt- 
tadtendien Beiee^remk eufgAMt, ee «war, deu du Uatt B den 
umeddag dee vorderdetMe, A den dee hmierdeeMe Mdete^ mocA 
leider nicht durchweg geglückter ablöeung neigte fiel dau mek 
bei diesem fragmente wie bei Ki die schere in rücksichtsloser weise 
gehaust hat; daher fehlen auf A durchschnittlich 10, auf B (i bis 
7 rerse in jeder spalte ' nach Pez). siaub iduI fäulnis oidlich haben 
auch ihren anted an der Vernichtung etnzelmr partien geübt, wenig- 
stens war die entzifferung stellenweise eine sehr schwierige*^ nach 
dem fundorte bezeichne ich dieses brucketiUk mit H. 

Brgänzt man die höhe der eolunmm dee biatiee A mit den 
durehechmtthek fehlenden 10 wreen, to eHM mms ak geemmt- 
höhe der epalten 20 eentimtter, dmdhe maf$, wMee ich tdt durch- 
echnittUehe A^ile der eAriftspaUen von K% aao, j. 24 gefunden kibe, 
dne gUii^ ergibt eieh mtf bktt B durth hinxureehnung der fehfen- 
den 6 — 7 verse. die durchschnittliche breite beträgt wie lu K2 
13 eentimeter. die Ler.szahl der columnen wechselt auf A zwischen 
;i9 und 41, auf H zii:i5cJieH 36 — 39 versen, der abstand der 
einzelnen vtrse darf m\ mittel auf 3 ffim. geechdt^t werden, genau 
wie in Ki. 

Die tmfnngsbuchstaben der ver$zeilen sind meiet r9t dnreh- 
etriehene wu^uskeln, der anfangsbudwtube jedee neuem ver^^mu 
iet etwae weiter hineategerüekt , efdhrend der der folgenden uen- 
uäe eng ungeetMoeeen iet, auf bktt A eind ^ jeder eobmme dk 
vorgeechobenen mßiuekeln durch einen senkrechten roten etrieh ver- 
bunden, wie m K umd Kt ; auf B dagegen Ht jede etnseiwe dieeer 
majuskeln mbriciert. initialen kommen auf A gar nicht, auf Ii 
dayeyen fiuif mit roter färbe attsijefula te vor. capiieläberschrißen 
fehlen, wie in K und K2. die ^chnftzüge auf beideti doppelblättem 
tragen den charader Jener aus dem ersten viertel des 14 )ks. 



Oigitized by 



BOSfiGGER BBUCHSTÜCK AUS OTTACKERS REIMCHR. 309 



Ltiffer lag mir auch diesmal zur vergleichung des textes nur 
die aubyabe von Pez m dm SS rei tun iustr. iii vor. dieser zu fohje 
fehlen stoiicÄe)i dem blatte i und ii von ii 318, ztDisdie3i A und 
B 2343, Mwischen lu und iv von B 366 verse, das Rosegger frag- 
wtaU in mtw den bisher m K4rtUen amfgefnndenen das umfang^ 
rädiet», u etiikik 488 mtm. folfendt «•» Bm ß bw e Ui mie la»- 
«ftM /Mm $kk: ii Malt 1* o. 15 A 8i— P Vnd; o. 18 Vil— 
Wie; V, 20 genaediehMdi — geiMinchleieh; o. 28 er — eri. 
e« 41 hie— *Dii; v. 44 viul werf da iBil*--Nii warif neu damit; 
V. 45 dacfah — Tag. i* v. 59 sein Ter derfcn— aof sein Terr Ver- 
derben, i** V. 100 AUe^ eiiädiiii — allesampt; v. 108 da fehlt bei 
Pez, — 6/. u* V. 126 sich dem töde ist bei Pez versetzt, n*" 
V, 164 Vrlovbs — Vrlaub. ii*^ v. 178 Daz — Do; v. 180 vol — 
wol; V. 196 . . . vermutlich dem vogerlaDt. u*^ v. 216 mit ma- 
oigem — maoigen; die verse 219 und 220 Im lialf ovch zv der 
leü I Von Gurke biecliolf Haertneid fehlen bei Pez; v, 221 brü^ 
ia$ wutniHf ritkt^&n Orinbiuch für Aiteiburg bei Pea; die 
•6m 226 «Mi 226 $M hei Fem vertamM; v, 228 erat^aller- 
eial; v. 229 ehrieg-* tauig. i — . B UL in* «. 289 gftia AM^ bei 
te; 9. 246 wer erwurb— -w«r aturb; «. 265 uneere htmdetMfIt 
beginnt hier einen neuen absehnilt; v. 263 sib.cb im ver chur — 
Sig yni ticliur; u. !2t>Ö d.^ jedesfads du, feJUt bei P.; gehörnt — 
gebeerten, iii^ v. 279 Mich hat verschundet — Durch mich hai 
vcrschüldet; ü. 2b7 waz fehlt bei P. ; v. 295 b*igau — beäian. 
ui'' mit V. 333 beginnt in R ein neuer abtcknitt, bei P. fort- 
Umfenäer text; o. 354 fehU bei P, — bi iv* v. 369. 370 saecb, 
gaech-— aacb, gacb; v, 378 So vast vnd lang pat er — So lang 
vnd ao ml pat er; 380 Den helle r9dao— Hell HnndeD. 
o. 399 nach von — vnd von; a; 409 dea — ea. if' o. 462 er 
fekU hei F.; a. 466 Daa dhainer-*Daa jn dhatneralahL 

Die e^eia ü m H e h en edireßwehen, wekhe tti K imi gegei^ 
Uber Pez vorkommen, finden sieh anch im Rosegger bmchstüeke 
icider, mitunter sogar in denselben worten, es sollen hier nur 
die hervorragefidsten erwähnt wenltn. 

R verwendet richtig ae für e. sü zb. i?. 16 waer, 40 swaere, 
61 abchaem, 62 naem, 113 vvaegn, 118 laere, 212 Chaerdnaer, 
225.226, lete 345. 346 laeg und phbeg, 362 Iraiuoyaaer, 387 
braechten tiiia. P. etkreiU in dieeen fäUen iamer e. h ataftr 

* Pn aee. «. 276 kringt in der enmerkung gMehfiMs die kserikideg. 



Digitized by Google 



310 R0SE6GBR BRUCBSTOCK AUS OTTACKBtS RBIMCm. 

für ch regflmäfftg in niht , ferner v. \\ bedahten , v. 40 zvht, 
108 — 109 iialu — mahl ua. — s wird richtig slall l angewendet 
in V. 1 was, 18 des, 26 speif* uam. — R verwendet wie K und 
K> vieist iz statt cz , so hcrizog, ü. 42 chatzn , 87 nilzcit, 122 
sciiuUa, 236 Sallzburgaer um. a wird statt o gesetzt: 300 
manCei), 423 art ua. — ou f*ir au xb. v. 12 toTfere, 18 cbonD, 
29 hovt, 43 OTi; 129 dovht, 190 ovz, 208 tovseot mm. — den 
wmktm nflilntf «m • mnd 4 Ad ü dbmm käufy, wie tr M «Ii 
dmwBtirüMk in K und Kt to rfMM : o. 1 fotmeit 2 erlMl, 
25gr«Mi« 126 iMde «#. lUf inKfmAK% hMbimukoMmdm 
formm mk: dehain für obifo, kegu für gegen, wtod /"flr wao, 
Diemen ^Är niempi, quam für ehom, aMot> die pron. «wer, swaz, 
äwie, (itts aiii;er& sus imi^ tit« conj. sweuue (/e//V/t tütr aucÄ in H 
ziemlich häufig an. 

Es ist tDül überßüisig , noch auf die gleiche schreihuufj der 
länder- und völkemamen in K2 und K hinzuweiun, et sprechen 
/• alle momente dafür, dau wir es auch hier wider mit mim 
fragmente zu tun haben, wMet mit den übrigm 6tiA«r mtf- 

dgr kiahtr bekmmtm km, der sttiriadun Mfimdiranik emgtkm* 
dafür eprkht mtA der umeimd, dm dk kütker, xu dum 
hande dk witittm dimr fragnmu dkttUm, iiiurupmgm 01m aimih' 

lieh gleicher zeit enthalten. $0 besteht der inhalt des quartbandes, 
dessen Umschlag Kt bildete, aus handschriftlichen auf Zeichnungen 
über die auf dingung von lehrlingen der Kiayenfuiier lisrhlerin- 
nung , deren erste vom 18 mai 1664 datiert ist; St diente einem 
sterbeproiokoUe in Straßburg am den jähren 1055 — 65 zum etil- 
bände; im geridUsfrotokolle der hersehaft Rosegg (R) ftiyt'nmn 
die iiMiraSttngen am 14 jmi 1052. es Hegt also die antudtm 
nah§, dm die Iritkms «Am Jkf. dsr sitMmikm AtAncftrvtitlr um 
du män dm lljkt. MmAAltr wnd w dm m w ä knt m wmekm 
9trwmdti werde» 

/cA Imm nun dm mertlmd dm dmdbiMcte II folgen, wMm 
dm- hmdsAriftensamnüung des kärm, gesthichtsvereines einver^ 
Uibt wurde. 

.4 I = Ft% CO}/. * 271. 

a Daz was der votröst. Mit seiner helf Graf jban 

J>«a S6f niht bei eritet Der also Ton dan 



Digitized by 



ROSEGG£R BaUCHSTÜCK AUS OTTACkEKS RKiMCUR. 311 



b An alle tat wd«i geschaido. 

Als er deQ Graueo baida 

Diche vor gehiez 

All «r «ev in bas aties. 

Kcgen 4eia hertiegn 
10 Do tl 10 warn bemgn 

Do bediirten fli flwh piM. 

Swai s«v Ton toftet dar all 

Vn ander herren lim hiezn. 

Daz 81 daz iiihtii liezo. 
15 Si belibo dar au vest. 

Daz waRF in daz best. 

Ich sag ev wi ez eade uain* 

vil cbovm man des vber quam. 

Den fonloD voo Oealerreicb. 
30 Dai ar tot ao gauadiohlaieii» 

All« die io dam hooa waorn. 

dat er die te wn. 

Nach ir aelber mAt 

mit ir varDdem gAt 
25 Ez wat r gioz oder chlaio. 

ISewer speis alaiii. 

Dev üiflst da beleibn. 

Sus litiz er Lrago vö treibo 

Die daz hova rova^n aolden. 

& 30 Daa andern morgna vil vrA. 
Dea oiaeiiug'a in deo taga. 
So man di? chraoti aiht iragn 
VoDb daa hail der cbriateiibait 

Do was der herlzog berait 
90 Vud lür tur Sand MargreleD. 
Die selbe ?uger hetn. 
Do gral ybau iuz erlovbt. 
In öslericb vil ^rrovbt. 
VodbegaDgen manige YngenuhU 
Da TOD ai nr awaere zvht. 
Von dem fureten hie mfiaii leidn 
Cbatsn ebnbOh pleidn. 



Hct man scliir ^( l ibu i ovf. 
▼nd warf da mit ze hovf. 
Manich dacbb vnd waot« 40 
Die tum wurdn eotraot. 
Das man erdnreh aab. 
DiT eaterriflh man le brach. 
Di die. lent aoldn acbirraen. 
Niemen moht gebirmen. oo 
Vor dea bertzogn zorn. 
Si warn all verlorn. 

V n ouch Tlorn . . , 

Hietn si sich niht erg.,. 

Dem bertzogn tet aal 00 

Das in aeinem laot. 

So groeaer schad geacbaoh . 

Da TOD im dev räch. 

Das • • . . . f aek ver derb« e 
Er a . . . palde werbn» 00 

Wi . . . . g dings ab chaem. 
Ob d . . von Osierricb uaem. 
Ovf . . . o g ... de daz hovs. 
Daz . cid . . ane po\s. 
Antwur . . all zebant. 00 
Der be . . zzeo Graf aant» • 
Mach d.. der er gelrovl ge» 
niesn. 

Daz 8. aieh beaiu^n lieni« 
Die chamen dar diurah aoinen 
willen 

Mit 8W . . er mohi gestilleo. 
Des b . . tzogn vnmvt. 
_Swa . . m . ar zv waer gvt. 
Vnd oucb i . . . erleicti 
Des b . t . . sev all geieicb. 

Das si V gaebn rat. 70 

Do seg . • . ai im drat. 
Da waer , , . • andere « pii. 
Der f haem niht von dao. 



Digitized by Google 



312 ROSEi^GEK BRUCÜSTÜCK AUS UTTACkEHS REIMCHR. 



Er .vs ovs habn iniie. 

SODaz er ttone. 

.il ebn *. 

.b aht 

r d« nibtn iresn. 

6» Voigt ir lere. 

Word nere. 

hhe eotzeit ab. 

d Daz si ioder beten 

VoD der Purch von eand Mar- 
greten. 
90 Als palde mflst scbaidn. 

£z WMTt KwUchD m baids. 

Off ainn dnirUn tag geret. 

Dar Iniie der Graue teL 

Swea der tarat nibt wold enpem 
nOh ere let vogero. 

So mus ez doch also sein. 

Swaz von speis vn von wein. 

^ II «a. />es cap. 

uDai als brait als ein hant 

Atn 8iat da was niodert laere 

Da von dev wer wart so swaere. 
120 Daa 81 sich all mit all. 

Vü nach ergab dem val 

Vn daz vor der schutzn baz. 

Niemen niohi im baz. 

Ovi der wer gewesD. 
126 Nv trovlens andprs nibl genesn. 

Noch sich dem l<^de vor gebabn. 

wand daz si sich ee ergabn. 

Der ftirst scbAf mit der Test. 

Swai in dovbt das pest. 
IM Nach der rat seiner man. 

Als mtt den andern was getan. 

Dirr w gewunnen het 



In der purcli was zv der zeit. 
Daz beiaib ane streit. 
Allel ensamt dar inne. t<)0 
Daz ander er mit minne. 
F^rt ,swar in sein wille trflch. 
Von Osterich der fiirste chlüch 
Des hofsee sich Tiiderwant 
Vnd antwnrt es se hant lOft 
Aiuem beide cbekcben. 
Frid*eichn dem Chrebzpeclien. 
Vn belaib da selbn dennoch 

vber naht. 
Des . . rgens mit aller mabt. 
Fvros kegn Bkkendorf iio 
Do ieglich herre entw . . f 
Seuin rinoh ala er in habn wolL 
sebant nmn die waegn holt 
Die dev gerast trvegn. 
Manigen roalster efalAgn. 115 
Het er dar z$ gewunnen. 



, cccxi p. 275. 

Nv chom mit gr6zer bet 

Die herm all geleich. 

Di da warn von Oesterreich. I9K 

An dem edfan hertzogn. 

Das er geraecht haim togn. 

Wider kegn wienn 

Daz woliiüs vmb in dienen 

VQd taet er des niht. UO 

. . «JoU er die . . iht 

Si wurdu vber ladn 

Mit so chrefigen schadn. 

Den si niht lang vber wnndn. 

Manigen flrnm si begnndn. 1« 

Her ftir seilen vnd sagn. 



Vnd swaz si verium 



Digitized by Google 



RUS£UG£R BRUCHSTÜCK AUS OTTACKfiRS REIMCUR. 313 



Da liaiin uiier aoderswa 

OIj s>i bei im belibn da. 
l&oDaz wolt io) der lursi palt 

Ver gelto zwivait 

Vod wolt ttT d« geiriM ma . • 

Hil swiagalüeii «acbo. 

81 dir f her gertoi. 
twDieh*r«ii mte niht gtwer..* 

Da waro Bimileich. 

Die durch ia willicblicii. 

HetD verchörn, 

Swaz si heUi verlörn. 
160 Da liaim oder anderawa 

So warn etlicli da. 

Die des Diht woldn eDparn 

Der fürst inAst ae? gewern 

Vrlovba baim ze vara. 
166 Da z^ sah man ia gebara 

PlaycUeieb ane inaieQ 

Dat er sold lazn 

Seioe veind vad . . we . . 

Den er . . . was 

UuDaU 



Da wart geaemftet mit 
Sein zorniger mdt 
mDer daubt nacb ?ogeDadD g.. 
Albrccbtn den foraten cbiftcb. 

€ Data . . gern bei vber wundn. 

Daz w . . ZV den stundn 

Die nirui haizt Suueweodu. 
160 JVv bäh mau vol endu. 

Den fursieii von iiuher art» 

D len hervart. 

Div des iars gescliach. 

wau V.. cburtaticb da nacb. 
IM Do ber.ert er roere. 



Von s. getaner ere. 

Han . . laug miit Ter noai« 

Daz . . sei becbooi 

lUin .enog vcm Österricb. 

Daz er ae gewalüebiich. tw 

Hab t. ier gebenrert 

Dir e. was beackert. 

Albrebtn dem «irdn teitlaii. 

Den man in den geturaten. 

le sah vnde vand. 1^6 

Ovz ... vnger lant. 

Fvr leicb 

Ha . . . . gn üslcrrich. 

Da er die weil. 

m it palder eil. 100 

Den in 

win 

• « ••• ••••g.« raid. 

g . rn ze laid. 

sein ^ han gedabt. SCO 

r er ze samne braht. 

»blich vTi starch. 

Man ich tovsentmarch wartv*soU. d 
Den berren vnd den lantieulen. 
ich mag e? nibt bedeuten. 210 
wie emal dem berzog waer. 
Herzog mainbart der Cbaerdnaer 
Ala er pillich aolde tfln. 
Herzog Hainricfa aein aun. 
Im zebifr do sand. M 
Mit manigem weigand. 
Die luaiiliait waru vol. 
von dioeiüdo vü von Tyrol. 
Im half ovch zv der zeit. 
Von Gurke bischolt Haerlneid. 220 
Vod von Ortnburcb graf main- 
bart 

Daz div gegend wurd pewart. 



Digitized by Google 



3U UOSEGGER BllUCHSTlCK ALS OTTACKERS REIMCHR 



Schul der voo österrich 

daz von Hevnburch graH Ulrich. 
225Datz Chniltelveld laeg. 

Vfi (irr ^t'^'f'iidn phlaeg. 

Wand ir habt wol gehört. 

wie sich ?on erat enbörU 

Der cbrieg MDichTalL 
230 Det maM€b nun eoluJt. 

B III s Pez cQp, 

a Die ev g6l8 gttQoen. 
SM Der berliog wol vertuoDeo. 

Sprach 1 w dem berlsogen. 

leh piD des onbetrogen. 

Dat mir der chunicb se aU* vriaU 

Aid fberlistiger veint ist. 
245Docli ti ich so verdurb. 

Daz ich nui chainer w* erwurb. 

Nach meine <^ru vristuag. 

£ er mich also twuDg. 

Seins willen ze iebo. 
260 e laz ich mich töten sehD. 

Dat wil ich 6 werbn. 

Das er mös sterbD. 

Vn ist dai. daz geschiht. 

So tAt er mir doch denn iiihi* 
255 dem Marheis. 

Sprach der hertzog weis. 

Diser red ich ev uiht gan. 

Nu seil ir doch ein weis man. 

Vn seit von chinlhaii gcäundH. 
260 Da von mich sere wundert. 

Daz ir mit red euch rergecu 

Vn nibt ia ewerm sinn meit. 

Ob er den sib .eh im ver chur. 

Vn das lehn ver Inr. 
M5Des got nibt sol gerAchen. 

tpUgti» «II wkmL * äi€ obere 



An leib vnd an p;ui. 

Do der hell tnit. 

Herzog Albreiit von Österreich. 

vrlevgt so hcrlichleich. 

Kegu hern Afidotf. ISB 

Der Saltabnrgaer biaebtlf 

Der ein man was vner mbt 

Du dar ibt arge worht. 

ccczxiii p. 295. 

Ze bant b...de sAcben. 

Die f.rsten vber al« 

Die d* gehörnt st d* wal« 

Wa (si)' ainepn man fundn 

Dem si der ern gund.^ S70 

Wider des reichs huld. h 

Grözer waer deim si nu ist 

Do sprach ^ der Grale an der 

Herre von tytschöw. 

Dem von iraochreich ich 275 

Daz er sein ere an mir besge« 

41s er bat getan 

Wand er im diso arbaeit 

Mich hat TorBcbundet vn t 

leb getro? im der genadn. 280 

Er nem s . . . frum oder scbadn 

Daz er mich niht vndervvegii \di, 

Swennp so sich Iiigel daz. 

Daz imw beginnet redu 

zwischn den chunige ped.n. 2S5 

Ouf staete vö gantze siin. 

Ach waz weit ir nv tön. 

Sprachen^ aber die b*lzogen« 

ler wert da mit betrogen. 

Ab wir e? nu sago. 290 

Swenne es cbomt ze tagn 

•i Nur «m buchdeehet mit kUfe de§ 
käi/U der folgenden »eile <»t noeh 



Digitized by Google 



B08£tiGluri ÜRUCHSTOCK AUS OTTACK£Hä liEiMCHR* 815 



So beginnet daz reich. 

Kegeo dem tod franchra. 

So gr6z vöderuDg han. 
29&liöhl er berihUiDg begaii 

Vnd vmb dat werdo 

Des dM . . ich gegn ip g ; . . . 

Dnreh ew*o genici 

Die ebeoiiog er n Uei 

300 Ain man . vnderw . . n 

Da von r v ph . . . . 

Daz ir ewer berechallL 

e voigiB. 

ir 151 erpolgen 

305 er diiiDi«h Rädolf 

Iteeo der piachelf 

mich banl hn. 

Dai w . . . . g% IAd. 
SloDiK i . * antie sAd. 

FrevDts . . Ü vn miaue. 
VoA .em ebuaig gewinne 

PtM «Q». CCCXXXIH f. 296. 

Da « • • sah man die h^m 
. • . ek ditra. 
SiftDa der • . uch in dM aeiu 
biellen. 
Die fl . « • vi nUie wieltea 
Die ba..erliPtieg aa den leiten 
Mit . . . V . . . cbvnige reiten. 



Der bie melm 

aaoMit eim. 

Do er Uoga cbom aacb 

£r g vii sprach 

Wie na . . ag . . sagt mir 



Wie la • . acbull wter 



Ewer b 325 

E)z is« . • • • daz ••• •.«.•*• 

Edl ch . . . cb bocb 

Geden ercborn 

Zv so ge 

Dax ttO 

Gena 

Dax 

Zv dem chvuig HiidoU. d 
Sprach^ der bertzog vü d* bi- 
scholf, 

Herre Ternemt fnser gier. a» 
Wier pitte» cv dai iV 

V • « « tttaet 

ZwiadiaD er pedn 
D.a habt aich der chnwcli 
wid'. 

Doch fberebom m aidr MO 

D . e fursten mit grözer peL 

Daz erz üuich scu Lei 

Doch Wold er der(?} . . . debain. 

Horn gröz . . . chlein 

Dieweil er mit geturst phiaeg34& 

Daz er mit her Ibtgn ioa iaeg 

Do pata» si ia aare. 

Dax er tael akera 

Von der atat die weil 

Vber «III meiU IM 

Deawdld der ehvoicb nihi entAn 

Weder vrid noch sAn. 

Wolt er der stal gebo nibt 

Vntz daz man sieb mit im 

(vViht)2 

Des möst man im den 8tre..Uzn35& 

Nv was ez in der maxn. 

Ouf den Abent cbom. 

Dax i^'r dewede . . obt baa ge . . on 

der vers fehlt bei Pez. 



Digitized by 



316 HOSEGGER BRUCHSTOCK AUS OITAC&CRS REIMCHiL 



Herber^' amier wa. 
860 Da von pelibeo si da 



Da äi vor iageo 
Die iraoso|Mer 



B IV Pe% cap. cccxxxvi p. 30U. 

«Varn i*r faler sehen. e§p. cccnxfit p. 900. 

Do begvnd der elter iehn. Ti? dem nter er spiteh h 

mEr Wold die rai». Sag ini*r wie es fmb di . . . . 

Vermeiden ynd . . (vrais)^ Ist dier sanft oder w^. 

S . . . eü (vatei) Vud i»ag mi'r wi dai 8 

Wolt er nihl gerueheo. 

Choemen tk» er in saech. Mit lembti/jjeu .... 

S70So waer er niht so gaecb. Voo manneu noch von 

Üaz er in svebt lenger Ist ez nibl mer gebort 400 

Der ifoger brvder wai st'ng* De. vate. sfMuch an dem w..« 

Vnd maeoleiclis beriten. Mi*r let so w^ mein «r... 

Nach dem Itter het er smer- Daz ich ^mb irdischs g> . • 

tzen vnd df rioh reicbttms • • . 

811 Do Ton hat er di muwen. Dem Tevfl leib vad sei ga. 40& 

Daz si in lies schsTwen. Vnd swaz got rehts het 

Wi ez 8t?end vnih siaen vater. Svn do von sag ich dier 

So vast vnd lang pal er S\s,u dv von mir Gu 

Vntz si ervoilet sein i^Mr. Üb dv des ihl heliaitesl 

380 Üen helle rvden schier So wirstn verlorn also ... 410 

Dev maialrinne gebot Liewer vaier sprich 

daz si an aller hant not wi sol ich mit dem 

Furten an vnderwint. Daz ich beleih in Go . . So . 

Zv seinem nter das cbint. der vater im do veria. 

881 Daz es in bort vnd seeh. wi ez von erste geschaeh • 411 

vnd swenne das gescheoh Daz er dem Tevll vaigen 

Da. si in braecbt9 her wider Gab leib vnd sei ze eigen 

.11 di Er..n Inn uider vnd wi daz ergie 

Dise tzwen Ivrt.. in Daz er von im zelon euphie 

dlKiln ein schoens havs hin bi pheuuig mit den er. 4^ 

D . sach der ivnglincb daz warb nach seines bertze 

Daz sein vater dort saz daz gvet gew. 

* die htm* HngßklammerU» warte sind meitt nur mü Mifk des 
tpiegek am leem* * der eekreiber stellte das g verkehrti d$sgU 
in ^vist ». 422. 



Digitized by Google 



AOS£GG£R BEUCUSTÜCK AUS OTTACKERS RElMCfliL 317 



0 gers art 

mich greiffieo* 

4M niht entsleifen. 

pdd wider bio. 



gers ende. 

• nd wi pal. er mil der hende 
MOwat . . r dan 

Danuocli im verpran 
Haut Tud arm vtilx-trogeD. 
VdU . . den EiiepogeD 
All . . st daz fewer erwaoL 
435 Do 81 . der Sud also ferpraaL 



Er vater sag mier. 

I dincli da naa dter. 

Nil n mlg. 

Od«r . . • ^er lefrfm 
MO Der sprach dai iaiyerlom 



leb bao . . . tanffe yerebom. 

dev . . Crisleii zall mich > 
Vnd . . . marler manichvalt 
Di • , . dunch mich^ erUleo iiat 

416 dez Tivels werd raL 

wirt ouch rat^ meia 

g Bibi anders geseio 

Sun • • dei also scbaffen. 



weiser phalTen. 

mit dem gtt so werbest 

D verderbesL 

A sam ich 



Damil schiedeo si sieb.' 



Pez cap, cccxxxviu j». 

D . , . . binos brablen 

. » . selben nueh gabten. 4U 

ans wider 

Wi e. deD Tater an rtrt. d 

▼od wi er iu het gestUii. 

Dez begvüd er ieho. 

Arm vnd reicheu 460 

An . em *;vpt er . , 

Seinoz taik er sich bewag. 
Williger armft er pblag. 
In eim ebleeter vnti an aeini 
tot« 

Dai dbatner alabt not 46S 

lern nocb enwent 

Do mit bab dai maer ein ent 

IVs eop« cccxixix p. 301. 

Dez sclbta Jars geschach 

Laid vod grozze vngemach 

Iu dem laud Homaniola. 410 

Div erpiteoit da 

So Tnget'Oge wart 

Das sa sefirt vnd leaart 

CbasteUe vnd ptrge bob 

Das volkcb vo. .oribten vloehUft 

Ava den bavsern oufs gevild^ 

Von der Ertpidem wild.* 

Talen do uider val. 

Wol aht pvrg mit der tzaL 



* orfdi von anäurtr hand an dar MÜe hinzugefügi, * mleh, 
Mw(0 V« 446 rat ^er der %Hh wm tehreiber naeA^refc^m. * diuer 
«nd di0 ^nächttm vv» nmr aufd&m hdwTÜckm du huehet mUMs tpi«g9lt 
«» lesan, * tot atu dar varhwpgthmdm Meile herttbfMOgen, * ge- 
Vild mittelt Spiegels gelesen. * auch in diesem verse und den nSehsien 
vnrden feMende buehsiaben nvr mit kilfe des Spiegels auf dem ptpp' 
deekel gelesen. 

Z. F. D. A. XXIX. N. F. XVII. 22 



Digitized by Google 



318 KOSI:.UGEH BRÜCHSTOCli AUS OTTACK^aS HEiMCflIL 



490 der niht gantz belaib 

Dez selben Jars ouch traib. 
Groz VDgefüg der wiat. 
Di Docb lembtige sint 
?at die sein geikncheo. 

• der Mit« v. mit »pifffel au, 
Klagen furt im novtmber Ibb 



Di mtf^pfi nur iiiht enlwencbeu 4tö 

Si L'<'h(;u mir de? warhail 

Als icb bao gesait. 

Dai Ja der ptyr laaL^ 48S 

dem lederrücken gelesen. 

R. DÜRWWIRTÜ. 



BUUC HS TÜCKE AUS DES MÖNCHS VON 
HElLSimONN BUCH VON I>KN SP:CHS 
NAMEN DES FRONLEICHNAMS. 

Im ftlifmdm teäe idb 2 hkuter einer htmMHft wuit weldie 
doi Bwh wm dm 6 namen dm frmUkknami enikidt, ich iMe 
iie eehoH vor längerer seilt in &tetim von dem deeM ein» ntten 
andaehi^nehes»^ dae mir »mr annieht itberg^en werden war, ab, 

muste mich aber bloß mit einer ubschrift begnügen, da das ort' 
ginal nicht fril war; ich bezeichne mit /. 

Die hetfkn zumnimenh^nffenden hhiUrr ^jf'wdhren etntn fort- 
lau/enden text ^ bildeten daher den inneren teil einer latje. sie 
itnd 13,6 cm. hoclt, der text hat 10 c«. höhe, der deckel des ge- 
betbuehe» 12 cm. ; in der breite missl der deckel 7,5 cm., die schrift 
7,2 em., aneh der freie räum »wischen der sehrift der beiden 

' der titel dts buche* iaulel; KuiUer sumiuanächer Inuiiall gel^l- 
licher Übaogeo der aadicbligCD Brädeischafl des zarten Frouleichoambes 
oder Corporis Christi au BrAo ia Mlhrco. Alien AndacbUgen derer in 
Clirialo lieben Mitbrflder oed Mltltcliweslera la Trost noad trewliertslger 
Machriditoog. Gedreeltf tu Mb bey Dartholomeo Alberto, die ee ir ed b 
üi deüert eem 6 februer 1607. dߧ bveh gekSrl» ehemale dem ettfU 
Koe^rkruek bei Znaim. ah dieses gegen ende des vorigen jTks» ü^uta- 
risiert wurde, wurde die kloslerbibliothek in alle winde verstreut; vieles 
aber kam m r//> hände Znaliitfr hürszer und liv^t Jetzt unboachlct, ver- 
gessen im fitisicrtten winkal dvr rumprlkammer. f^ciff^e/itlich bringL 
dann rin zu/ all, WfV hier, viurs oder das andere ans ta^oslicht. ich 
Um iibeneugtf mau wurde von den deckein dieser bücher noch manchen 
mhd. Uoßt ablösen können ^ dabei vielleicht selbst ergäwtungen »u unseren 
fragmentm finden. 



Digitized by Google 



BRUCHSTÜCKE AUS D£M MUlVCU Vü.N HEILSBRONN <S19 



mtfseMeilen ist eiwas breiter als der rucken Hes huches, und su 
hat der text jeder seite vollauf räum auf dem deckel, etf gieng 
fikki$ durch obtdmeiden verloren, amk melUi dadurch, dass es 
w dm ftoMlni d»$ dtektU abgerieben wmrdm wärt; wd aber ist 
dtr teggi der rnftumüm bL l** und 2* Bontt manthm $seüm 
dmnh idumUM vndhäußs» bemdmmg goMs wUeurHA gßmrdtn; 
dmilkUihm mM imh Ufdigr, die im perganuni gefrmen eind, 
eiHMtim budtHaben perloren gegangen, das pergament üt mit 
feinen, schon werbfassten strichen der breite nach liniert, und %war 
mit 23 strichen, innerhalb welcher sich 22 geschriebene Zeilen vor- 
finden : die beiden untersten und die beiden obersten sowie der 
mitti'htiiiji ^äer zwölfte; gehen über die ganze hre>h' '/>s hogens; 
die andereti sind seitlidi begrdnzt durch je 2 striclte, die ebenfalls 
die ganze länge der seile einnehmen, die »chrifi geht mitunter 
^Ifor diese quer striche himm. die tatMonfdngef überhatipt alle 
gpreßen bmchetedten eind meSut in tenkreehter riehhtng in der hdhe 
der bmeketeiben rat dardieirkilen, die «eAr hübtcke und eorgfdllige 
eArift weitt mit tornmnrMt auf dae 14 jh. 

Der diaket ven Z fielet eine miecknng md, nnd hairieeker 
ekmente, md, monophthongienmg md bein'sfhe diphthongienmg 
erscheinen bunt durch einander; iiui ist letztere doch noch viel 
weniffer HO(ri/ti (Ii y durchgeführt als erstere. Z weist jedes falls mehr 
fiii/iische fiii inen auf als M, aber weniger ah P (vgl. Wa(jni>r 
(Jt \\ 6 und bj. wenn nun unmittelbar neben einander gemem- 
nütd, und bairische formen stehen wie slnem freunde (l**, 6) oder 
wenn man 2*, 3 meiu liest, gleich darauf wider mehrere min 2% 
4. 5. 8. 10. 1 1 und danwieehen sei 2*, 8, und damit mi mmmtn 
häk daet nad^ Wagnen Vermutung aao, 3 (»f^* auch Denifle 
Ans. II BOO und it. 20, 92) der diedeet dee mßnthe ak 

ntd. mit wenig bairkAen elementen untermüdU «i beateidmen i^, 
ee drängt sieh die Vermutung auf, da$ original rnn E habe otW 
weniger Ixsiriseke formen gehabt als Z und dieselben seien erst 
teilweise durch den abschreiber in den text yekot/tmen , der. so 
sorgjalli(i er sonst copiert zu haben scheint, dennoch unwiflkiii- 
lieh hin und wider die Wörter tn der fonn seines dialectes niedet- 
schrieb, gelegentlich entstand dann auch eine falsche form; Uber 
pach brauchte er blofs ein o %u schreiben, um die bairische form 
keneutteUen; im Übereifer «cAn'e^ er dann audi Hkr got 2S 3. iet 
wteine Vermutung ridttig, ee war tetedehM dae original von Z 

22* 



Digitized by Google 



320 BRUCHSTÜCKE AUS DEM MÖKCH VON HEILSBRONN 



mehr nul. als bauisch, was wider umff^ehrt zur bestätiguHg der 
WoSHerschtti annähme dient. 

Nwmehr will ich noch einen blick auf die gute des textes 
MN Z wtd ame Meihmg sn dm der andtren hss. werfen, von 
mMm 9tmdm mir 3m geböte G und P, beide bei Merzdorf 
Iftdnuit, fittPnwMdk noUttim Wagmn Qf xv 74, W (s. A!em. 
m 115—116) vmd M, dmm iMrifi kh noA dar güu 
wrdMÜM (vfi muh Wagner Zi. iO, 101). tfil Me du Immim 
diemr eodd, wUer dm texto dir fraymeitu mm swadw IMisrer 
nachprüfung zusammengestellt » d&nn MmI darum, miA im 
folgenden blofs nnf htnweise beschränken m kinnen, ohm die 
ganzen steUeti ausschreiben zu müssen. 

Von tüürklichen fehlern ßnden sich in Z nur toenige, und 
diese sind belanglos, meist nur verschretbunyen V, 5. 9. 11. 17; 
2% 14. 19. 20. 21. Wichtiger find die fehlerhaften auäassungett 
l^ 5 md 2\ 5; dooh $ind beide nur versehen; im ersteti falle 
$tmid in dar wrlag$ von Z wahnehmnlieh deo niemanl gebindea 
kan, md dm m^ge dm tokrmbm irru vm dm aam: den nie- 
mant überwinden kao «i ditoMi ao äknheken äb, m lata et 2**, 5 
von dm arUm auffeln der minne nae der . . . «m dem nwoäm 
mit dieem ideniiahm Mise übargfnmg, mccA ftkkrht^, fAar 
weniger bedeutend ist das fehlen von Z !*, 11. 

Characteristisch für Z sind die öfters erscheinenden fdUe, dass 
es denselhm yednukm wi der gibt , der sich in den anderen hss. 
findet, nher tu bald mehr, bald weniger geänderter form, ich 
«enoetee auf 1% 16; i\ b. 12; 2% 19. 20. 21 ; 2^ 12. 21. hier^ier 
^eh^rm amh jene stellen , an welchen die Wortstellung gegenüber 
den midaren hss. geändert ist: \\ 16; i\ 1; 2^ 6. 17. 21. mit- 
unter ߧt dann Z ein odar das andere uteri hinm : 1% 3. 7 ; l^ 
20; 2% 17; 2\ 12. 18. einaud aber hietei m auch einm anderen 
geimken ah dU HM^en codd.: 2^ 21; wiale jednfette einen 
befearen eim ab (ge)torste, dm nitdit reda m begpreifen är; forste 
kann auch ganz fofdbf aus ursprüngUtitm wiate verUeen werden 
sein ; freilich ist das umgekehrte ebenso leicht möglich, ebenso 
zweifelhaft ist es auch, ob Z nick anr der oben angeführten steUe 
1% 7 das richtige bietet. 

Fasse ich danach das urteil über Z zusammen , so hssen der 
mangel an gröberen fehlem, die Z allein eigen sind, sowie auch 
die oMne eehrift mü ihren netten Mügen auf mrgfaU dm sekreiberM 



Digitized by 



BRUCHSTÜCKE AUS DEM MÖNCH VON HEILSBRONN 321 



sthUefsen; du beiden enoähiUen auslass}(n(if'n sj'nd (aicJit erklär- 
liche versehen; dabei ist aber eine gewisse Selbständigkeit in der 
Widergabe des textes bemericentwert , die indes fast nie den text 
vmehlecktert ; in 2 fäüm üt es sogar leicht möglich dass Z ailmn 
4iu richtige ethaUen hat, dae tat dann naiMid^ niehi ein vtr- 
diemi •#» £, wnitm vm detm (uigdtak, «t wtd dam «ftsr- 
hai¥pt firoffuh, wie vid «o» den abweiehmge» nen den ^Mjgen 
€odä, der vertage von 2, wie vid dessen edMber xumiweiten iet. 
die Sorgfalt, mtl der die ahsdnift gemacht ist, w^de ^her darauf 
schliefsen lassen dass dir größere teÜ der eigenheiten von Z sich 
schon in dessen ouyinale vorfand, ihn aus könnte man dann weiter 
vermuten dass die hs., zu der unsere Irütjmenie gehören, auf ein gutes 
original zttrückgieng. schade dass nicht mehr von ihr tihnlieji int. 

Die oben aufgezählten fehler sind freilich nicht die einzigen, 
die Z aufweist; alle anderen hat es jedoch bald hlofs mit emer, 
bM mü mehreren der anderen Jbt. seesain, und dien helfen uns, 
das verwandisehaflsverhdUnis von Z festzusetzen. 

Während nun Z mit M oder P oder W oUein nur ganst un- 
hedetiiende ber&hrvng^^un^e steigt, so ist sein Verhältnis st» G 
jedesfaUs ein intimeres, idi notisre: l^ 1 ; 2% 19; 2^ 13. 19* 
fast aXIe diese stt^en bieten verkürsrnngen des m den anderen hss. 
überliefeiien textes, die sich in G auch sonst häufig finden (vgl. 
Wagner QF xv 8)t dass diese nicht aüe auf die rechnung von G 
%n setzen sind, ergibt sich aus l^ 1 und zumal ans 2', 19; schon 
der archetyf Gl hat gekürzt; G hat aber allerdings auf eigene 
faust weiter gekürzt, wie Jene stellen erweisen, an welchen es im 
vergteieh sm den itbrigen hss., Z eingeschlossen, einen kürzeren 
text bistuy vfjL smmal 1', 17. 20; l^ 15; 2% \%. G wsä Z 
stammien sdso ntcftl von einander ab, sondern beide ans 4&um 
ordMgp, der aber Imem Ütrer beider unmittelbarer Vorgänger ge- 
wesen sein w&ä. 

Z zeigt ndmXidk asuh berükran^ mit anderen handsekriften^ 
gruppen , an denen G keinen anteil hat. so kAen MPZ zweimtd^ 
richtiges gegenüber GW: 2*, 15 und 2^8; andererseits gehen wider 
MWZ zusammen , zumal \\ 9 und 20. beides würde zu den von 
Wagner aao. 92 gi'marhten hemcrkungen stimmen, dass G und 
W eine gemeinschaftliche quelle haben (s. oben 2% 15 und 2\ bj, 
mu der aber andererseits auch P geflossen ist; letzteres erklärt 
das mieaammgeben von FG 1% 9 und 20. 



Digitized by Google 



312 BBlCHSTtCÜE AUS DEM MÖNCH VOIS HEILSÜHOIHN 



Auffällig bleibt dann nur Miss Z mit W fast yar nicM ver- 
}c<i)i>ff. zn sein scheint, vielfeichf W punier als G und P und 
yetii entweder direct oder durch mittelglteder auf G und P 
rück; denn da$s P tmd W mtk «elr Mike udum, singt Uär^ 
Uek 2% 19. 

Wkmr-NtiuM, 26 mw. 1884. KARL TOHANETS. 



t sp'cbet der wjssage AU d* hirze . • • . re 
dvTStei lebczet* noch dem^ wazser a.so dvr 
stet mein sei Doch dir.daz ist Docb^ dem lebi 
digen^ prviineD 0 beilige nuTDe 0 miiie 

5 clicbe sme 0 bymeltcber^ hontcssm* 0 g5 
ilicher iuUuz" 0 aller engel kvueginne.^ 
wi^ sol ich dich iii»er'<> erwerben Dv odels^V 
h^cze seil- vü leip Dv erhebest daz h'cze du 
(br)aitest daz h^cze^^ da'^ machest kvne daz h*cae** 

10 daz ez mit diner raiczuuge s. ilior^*" dinge 

gen^' Der^^ aller creatur wao^^ dich wer vU2<> zv 
m?ten Auch edelft dv di sete wan dv xicrest 
si mit gebender vo mit gewande aller tv 
gent. daz si gen . . oe vü wirdick wirt. das 

15 81 . . • . . abel ... des kviiiges aller kvni 

ge wirt^t abe das er'^ sp'chet^^ das geseriben 
ste^* in der minne pöch^^ Mein'^ rrvndin nieio^^ 
zartiv. mein gemahel dv pist allenilialbe^^ 
schon»* Avch edelst dv den ieip waa dv-' zuh. 

20 maiäUmue^^ vü sin maiczogen^l bis^ . daz er 

> labet G Jcbacst« P lechet IT * dem knoicB ' für noek 

dir— noch: nach got GMPß^ * lebenden fT » himelischer GMP: 
himelrich ff ' ' honicsain P: honksam fluz G ^ kuaig GP 

3 wi frhff r.VPjr »0 nimmer P » edelst MP: edrloste G 
" die sele htrcze C, >» du hraiicst daz licrcze t«Mt C.P " da GMßf^ 

t» dü — herze ßhit P: *ia£ herze fhkU G «• solcher fvfiH G 
" an Uich begert G »• der fehU G »» an GMPff^' » « vii 
GMP: fehlt W: cze vU w&r aa dich M.P: wer ze vil an 4icl\,G.' aa dich 
wer IT *> wirt:tt nadk ti GMPW ^ er sdbe Q » ipieche P 

«• stet HPV «» ^ai geseriben— puoch fim G nein t.G 

» Dela /: ^ » eHfQ C da sin GMPfT sehi csodit* 
naislcr pist P: bist s. g. G ^ nid sin tMieMgea f, G 



^ kj i^uo i.y Google 



BRUCHSTlJCkiE At6 DEM MÖIVCU UEILSBAOISJX 323 



sich ZV kainen swachen dingen '- uniiiner 
uaigel^^ Vn sieb au widersaca 2v gotes din . . 

** chaineo awachen dioge GP: keime sw. 6. 0" geaeiget Gfß^ 

bL 

1 alle .... miteli . • svenne^ dai gMchibl 
80 ist e. geMMt ilas er aller bände gelat* 
▼f erde» b^ iiL 0 afve hMf aunne. 0 
starckeft'krettiges^ pant dv vfa'wuideit 

6 den^ den Dlemaiit vbHaioden kaD<^ wan also 
slet gescril)e liaz got zv eiaem si»? frevde 
sprach La mich daz ich z<t. dv bist ilein 
d"^ kretle da t<5 der mensche" jrolei> gewal 
tige wirt 0 kvneginue aüer tvgeol. aiie 

10 dicb Wirt aiemant behalten . mit dir w . • . 
ntemaDt «eriorn.. D? bist alein d» wid* 
gelt, des got mit ^ttcbem gelt wider» ne 
moD wil TO des aeMchen vab ein nrin 
ne. das er doch an' .ii • . . . end^^^ dinc tnt^t 

15 Wan^^ tfrle er mir ie. . . lar wid* 

STTDOB. Sfii4er ieb pide 

. . n. slrallel*^ er mich ich . . . ar . . , . nibt 
wid* straffen S?Dd' ich muz mich evldig 
gebeu. vrtailet er mich Ich getar in nit 

10 .rtailn.^^ Erbarmt-l er sich ub* mich . ich 
..... mich oiht vb^ in. Aber miouet 
Bol ifib in ET wtder ^eit aucb'^ 

» hadti Metel ae gelea dieaat aBe ilt If^/ beraitet und peetel la 
g. d. 9. M, Pf X moi tmr beraitet G, da dfa Uhk^ nur ßlr to rMA 

mM MP * so swenne M: so wenne P: swenne GW * haiittit P 
* iütfteclichez M - chrefücleichez C,P » den f.G • nmh kan 

f. 4n Z: wan du vb*k&ni (!^; überkerad ß' ; nhorrfiAmde CP) in des, 
daz er uf erden mensche wart, du (da H') bindest den, den nieman ge- 
binden (f. ) mac G\fPf4'' ' aUeiii die lalleidiv M alle di P) von 
der kraft der (dos ff ) iiiensohe (IMPH^ « widergeli GMPß^ • en- 
keinem G chainen P keime M dcheime " ander f, M »> nit 

" von da ab^&. 21 Aber t- G und atraffet W leb 

MI le mbt OMPIF » wider G 



Digiii^cü by Google 



324 BRUCHSTÜCKE AUS DEM MONC0 VON HEILSBROIW 



i minpei (jv machest svzze vnd seuUe yoies 

ioch^ Vü da vö sprach ^ er hebet vi euch* 

roeio ioch vnd lernet daz ich senfte^ vu die 

mvtich piü' wen min ioch'' ist svzze. vnd 
6 min purde ist ringe^. Dv machest sicb>^ di 

sele. als in der miaae pikch slet^^ geachbe . 

leb beewer eaeb totteri> t« iheiHMlS dai 

ir miAen lieben kandel dn ieb sei nÜMie 

sieb* Dt vViudest gotes h'cse. als er sei 
le be sp^et in der ninoe pftcb SureHer min 

dv best T^woDdei^' das b^ese min. mit din . » 

rat geschui' vns der vater noch sioe pi. 

de. mit diner'* manunge schul sich der . . . 

noch vnsern pilde der armen mensche. 
16 da mit er vns erloste, von diuem^^ gep . . .^^ 

git^^ uns d* heilige gaist gvten willen w 

gvten w*cken. Dv lerest vos got . . . • 

.D in vnsern b'czeo. Vn lerest got . . 

▼eien in einen b'ese^*. Dv beiasetM nw 
10 wdnen^i snfcsen^^ fctagen Vii^ beisset^ get 

inU barmbeit*^ .n^^ sin bereie^? gegen vns 

n«gen. . Dv pitesl far ms in vnse ... 

* nüiiDeB ia GMP * do in . §. g. i. aod tenfte JfiP * spricliet Gß^ 

* ndkvt G * wmeat * Maftnetig G ' d. ieb t. p. e 
dsfli. P «loch daiP • liciitel? ^ da ouebeit die sde achfotG 

*^r,G ^ tAehter MP •* ▼erwanC JfJT.* Tenniote P ^ der 

^» g««chiif P dem CÄT «' gebete Gß" gilt er P 
Vö — h^cze f, Gi dieies iekitbt hier einen späierm tuH ein «. 2*, 1; 
nach hercze lesen: du pist !in§er vorspreche in unserm herrzen und nns^r 
gewererine in gotes hcrczeu Pff^- du unser für spreche in unsenn 
h*«en M; herzen MPff' »® hei^zesl GlUiW weinen uod GMP 

s. und GMPfi^ " du GMPß^ " mit GMPff^ » erfoarmherxi- 
kait G hinter neigen ; barmhertzigkeil eiwat dem enttprwhendat 

r. GMPir » iin bciese /*. G 

bl. 2" 

1 b'czen Vh t^ewerest fvr got in sine h^czen*** wer 
sol do niht gediogeo haben, da di minne fvr 

* du biieit far ud9 io unflcfm berc2eo und gewerst for got in gotes 
httCzeD f. in G her, tteht aber $taU einet atugefaUenen m<m« 2', 19 

* io gotes herlzen Gßf^ 



ühücüstCcke aus dem Münch von ueilsbronn 325 



UDft pilet Div tur gol gewallichlichrn mac 
gew*eo3 Diz* sint di f^ofe staüclu «1er niloe^ 

5 uutc meusche komen gaistlich^ ma gote» 
gaadeu Vri mit siu selbes vleize . mer ab*^ 
v(i^ gnaden danoe vö (leiz. Wae der vleiz 
scbaffei nii aae gotas^ goade so wil di gna 
da Dikl aat dea manaaben vleis» IM? aalnta ad 

la ne iai noch diaano leibai<> diae aaiaiw atat alao 
dai wir Id di gotüehaD nuuina ao gar gaaaao 
kal^i w'dan. ilai wir Toa aalbett oil aa^' aim 
noi danoe dvrch got>» Wan di? hailiga 
schriit sp^cbet daz gut elK? diac geschaffen 

15 hat durch sidi selbe u. Da von ist elliu crea 
ture di zv got koinel vn uu vor got «irour 
ist*^ daz'^ goies wilie au la er lullet ist . deane 
daz^*> si di^*^ guade eopläogeo habent^^. Da so^^ 
w^de wir in gotea miaoa so gar^*^ tieP^ geaea 

IM kat das wir ia gota ?d got ia vns aio gaist 
w*daa. det iob aiht>> wiat garadea^' waa^^ daa>* 
flis* di acriftST ap'abat. d* aa^^ got iai d* win aia 

* geweren mac MP * du GPM^ • naeA miane f, in Z: wa 
dcft der (dn UP) gdsttkii naaaBhe bie oT adta (ertriafc 6} kmam aac. 
Za diaea laof atapfdo dar niaaa * der gditUdi OMnadie GMPfF 
T aber na jr • taii gota F • gotet f. GW ^ lebaa MP 

>» versenket GW " eo /! GMPW »» got und MPW »* ist, vro- 
wer GMPW " da GP »• daz ioen G " di f. GW »• haben 
GMP " so f. GMPW »0 gar MP " so gar tief f- W 
doch niht Giy » reden (gereden GP) getorste (torste P) 
GMPW " denn GMPW " da C «•/;(;. " geschrifl G 
»• in GP 



DEUTSCHE PROSANOVELLEN DEÖ 
FÜNFZEHNTEN JHS. 

1 MARINA. 

(84*) Jaaaeaaia waa aia atat ?il abanaeaig ?oaa burgero, 
abarlloaaig ?obb guttara uad allar libaaaaruDg uad ?il ?aat frochtp 

bar. davon machten die burger das gemein volck sorgfeltig ina 

1 ü^M^kriß rot bystoria vono einem Ricbea kaAfl^na. 



Digitized by Google 



326 DEUTSCHE PROSANOVELLEN DES FÜNFZEHNTLN JUS. 



üpglicher iihung und groszem flisz und bceunder zu schielTen 
ubir nicro. under den allen was ein IrpflTIichpr burgei niil 
nameu Aroüus, der seinliclier lisligkeit und khn Ii* it in hautiruug 
vii j:ir durch uhiing siner Vernunft und nrbnil sins lihs hett an- 
5 gebaogeo uudbet nu grosz gui und liuszrat überkommen, darumb 
enopflag er idb sio gemüt heimlich sorg, wer naeh sinem tod ine 
wurde erben, maa er het »in leben ?er!urt ane wiImt and kind. 
uff ein zyt waren geseinelt vil kinder und jungltng nadi gewan- 
beit der statt und dea lanta lu begeen vtiliobt ein hoehiitUcben 

10 tag, und nachten da gegen einander spitien nnd hauffan recbt 
als sie soUen geia einander stritten, tu dem acbimpt (84^ kamen 
gewonlich der kinder velter und' niätter, gei'ründe und ein grosz 
menig des volcks und als sie sahen sülicli wise und fhuti , Itaudel 
und geberde: etllicb ringen laufTen sprinffpn <IiU)( /( ii und ander 

Ib vil kurt7e \vile irer kinder, wind« n ■^ic snv umi t.i>i eiijauwel 
und wolgeniüt. da Aronus hett solich treude gelben, enipüug 
er grosaen amertien und truwrikeit und ging heimliob iu sio 
geroacb trurig und redt zu ime selber also: o Arone, unselig 
biatu altera balbenl o du bist unselig und mftde durch arbeit, 

90 die du hast ^olbracht nff erden und uff wasaerl aeh Amne, du 
biet rioh Ton g&t, aber arme von gemAt! wie rieb aahats und 
coatlieh wanung baaln dir gebuwel mit harter arbeit und 
maniger verterblichkeit! aber din sorg diner nachkomen hastu 
unwisslicb vergessen, wem weneslu din grosz gut zu verlaszen? 

26 welcher sonc ii.u h Jineni lod wirl din gedenrken? gut i eile ein 
buszi'rauweu uuii kinder oder erben zu oberkomen hasl du alle 
wege vcrsmebet. o selig siu die velter, die da wise und lur- 
sichtig sone binden ine lassen I o wie vil han ich bule vetter 
gesehen, die sich selig (85*) achetzen, betten sie ein teil diner 

80 gutter, die sie iren erben nach ine Teriiessent nu bin ich by 
funiUlg jank was soll ich mich nu getrosten oder was gedecht- 
nisse oder 'lobes wird ich nach myuem tod verlassen ?' wo ist 
myn lieber sone, der mich in gcdecfatnisse wirdt behalten? selig 
sint eelich Terbontnisse und die elich lote, die ire gutter und 

35 erbschiilt und gedechluisse in klug uud wise kiuder verziheo und 
verfurn! 

Diesze straff thet Arouus widder sich selber und ime was 

3 bei H Sachs (Keller 13, 84 ff) Araaus. 12 Um vetter, mStter 
uad gefrflDdeT 19 sehen, 31 Mw W€S sollt 



Digitized by Google 



I mariha 



327 



scre aiigsL uud leil. doch liesz er von der rede und trost sich 
selber iiod sprach also: die vogel hant die art, das? sie zu den 
cisteu nisten ee das sie eiger legen und sich darüber setzen, 
alio gliBher wise wilt du a^h thun. du hast gelMwet husung 
und gaaag darin, auch bistu ' nit als gar all, dv magst noch 
erwaman and eriieD iMben. w ist dir nit na su tMn, wan 
m httaben odar lu aongan «inb ein htwthniwte. 

Also ging Aronus uss sni«m heimlichen gemach und rufft 

zu iiiie zwen siner guiten frunde, die ime alle zytt tniw warn 
(85^) gt;vvL>L. denn leprt er vor sin mevniinf» und hat sie umb 10 
ratt. sie gehingen inie des in und lohti ji sinen lursalze und 
verhiessen ime sorg z& haben umb ein huszlrauwen, die ime 
ntme UBd gut wäre. 

10 dam was Aronus bekomert, wo er under den tochtern 
die manber waren ein (ttode, die [er] ime zu etoem wib mocbt 15 
fugeo. io der vorgenanten statt was ein dechterlin van adelichem 
stam entsprungen mit namen Marina, ein junckfrau woll gestalt, 

von Iii) sclion und zumale kostlich an gesmide und aller zieriieit, 
also last das alle, die ir wol gestall bildun^' niisichüg wurdent, 
verwonderfen sich, ir jungfräulich antzlilz, ire spilende äugen, ir 20 
wiplich form macht inn den hertzeo der jungling durch einen 
augeoblick [ine] ein unordelich begir. eins tages hefftet Aronus 
rine äugen in diese Marinam, nit in verwnrfner und geyler be- 
girde sunder mit clugkheit und wyszheil in alle stoem fursatset 
nnd begert Ir durch iabrunstig lieb su einer huszlhiuwen. und 35 
het das Aronus (S6*) zu einer bequemen zytt offenbar Iren 
eitern, uff einen tag da Aronus bort , ob man ime wolt Blarinam 
geben zu einem wib, weren gesament ire frund, vatter und 
mutler, die do alle einhellig nach einer deinen zweylracht, die 
bald geslillet ward, ^^ben Arono ir tochter Marinam zu einer 30 
huszlrauwen niil glulxlc und guller sicherheyt beider leil. also 
nu das geschach, ward Aronus bekommert, wie er bereyl die 
Wirtschaft der hochzytt kostlich nach noltorft und geburiicheit, 
und hiesz bestellen aller bände zierheit uud alles was dartzu 
ifaocht dienen nach dem wegesten , und volbracblen da die hoch- 35 
zitt dry tag Inn allen freuden und wollust, in solchen kosten 
und herligkeit, das da nichta gebrast was da noU was und dar 

2 dem. 16 Torgcaatea. 22 ein] in. 36 solchem. 



Digitized by Google 



328 DEUTSCHE PROSANüVELLEN DES FÜNFZEHMEIS JHS. 



zu gebort. Marina die brut was schun und hübsche und uher- 
traff alle junckfrauwen und Irauwen, die da zu der wirtscbalt 
waren ifeladen. ire cleider. iif ^esmidp und spenglin warn sere 
köstlich, grosz ordeoung uod meaig der dieuer und dienenn 
da was, gnAgsamkeit des wIds uod maofariey spise inn {W) 
guMin und nlbero gesehier, das ganoie bun bewagt vmd ar- 
acbellet durch pttSeD, harpfeD, InCan, Inikellen VaiBfen« kliageo. 
und alle aeftenaptlL da das alles vergiiig, was Aroous erfreawel 
SIDS scbooen wibes und wlreib also Tdl tag io woanen ood 

to freodeo aod grosiem froloekea. 

Da sie by eioauder hetten gelebt ein jare in wolIust uod 
mössiggeeu, viel Arono in siueo siu das er olt begangen bat und 
geubetf das i^i kauITmanschacze schieffen über riiere gein Allt xau- 
driam, als er dan gewoulieii hette voa kioüiciien jarn, also daz 

16 er meiui, es wer ime unmuglich davon zu lassen, er stalt sich 
aber gen Marina, als were ime darumb nicht uff das, das er 
sie dardurch nit beswert, wann er erkaot ir gemütt» die hiesige 
UBd febrie jugeot, ob er viUicht eio sytt von ir were, das sie 
ttogednltig wurde au befaalden geucslicheit des elicben stets. 

90 waon waruDDb? er sach ao die jugent und blodigkeit einer 
ftiuweo und gemeinlich aller fnuwen, das sie ein uab sweyffend 
' gemAt haben, auch forcfat er, das icbt qwemen die jungen, 
(87") stolczen knaben, die ane das alle lag ptlagen zu komen 
dwile er iuu der statt was. was detten dau sie, wan er usz dem 

25 iaod were? sie wurden ir heimlichen nach stellen, ein solichen 
stahel und zwivel trug er heimlich by im« lang zytle. vü langer 
betrachtung und disputeren widder und vor hett er mit ime selb 
als iaog das er swach uod kranck ward, yedoch vili er uff eio 
sin und sprach: es sy dann, das ich ioo kurcten tagen Are 

M von bynneo, ao inte ich sterben« du must sie lassen, sie behoi 
sich selber ob sie wil. thett sie schon unrecht in dinem bj- 
wesen so du id land werst: dennoch must du leben, ich will 
nit Yerzageo. du solt din Up und solich totlieh sorg nit legen 
uff den lip einer frauwen. slach usz dinem mfit angst und sorg. 

35 es )sL nu hts erger und swerer dem gemut. hab umb die sach 
kein beirubtnissze mer. bull wil ich suchen myn gesellen die 
mir vor langer zyt truw gewesen, die mir inn ubung und haotirung 

5 gftDgsamkcit. U gelebt«n. lg er/kAtt: IS febrie Mfew- 
ri(g)e. M tUhel« Stachel. 34 dieco. 



Digitized by Google 



I MARINA 



329 



recht huselich sio gewest. dem voiäalze wü ich uachkommeo, 
(87**) mit ine ein Iry gemüi haben. 

Da sich Aronus eins solclien het bedacht Uüd lesleglich für 
geDommeo, giog er zu sinen zweyen gesellen (die waren ireffe- 
iich fromme meoDer) und erzeugt sich frolich gegen iaa und 
meldet niobte einer heinilicheD anligenden sache und bekommer- 
nme^ svnder er vennenet und büt eie an, dee aie sich beralen 
über mere en forn. aleo luden eie die echieff mit alle dem dm 
ine net m» nud nachlen nttwe glnbde und warten aleo einer 
beqwemen lyt und windee zu aebtffen. aber Aronue me elel 10 
und Test inn sinem vorsatze sin buszfhMwen da heim m Itssen, 
und vüf dem tag da er larii soll, hiesz er bereiten eiu abcüt- 
essen, da er und sin hebe Mariua allein heimHcli veralosaen hy 
tiiKinder warn. Aronus sach sie an und verwonderl sich irer 
6chooe und wol gesalzter hubscher rede sprach er zu ir also 
*liebe buufraUt mjn liebe- Marina , du bist die rüge myns be- 
trübten gemäteSf ein einiger trost myne herczeo. icb bitt dich, 
bbi froUcb und bebe ein firien mAt* njm kein beswerung (88*) 
darumb daa ich itaunt vonn dir fiure. daa iat alle tyt royn wandel 
gewceen* durch den gewerb ban ich überkommen aobeCM» bun M 
und hoff, lob und priem und geeellschaft und vil guller firunde, 
alle geschmid und lierbeit, spenglin, ring, kosilieb cleider, darinn 
du alle irauwen inn dieser statt ubertrifTest. das und alles kauu 
ich durch myu g( werb uud hanlirung uberkommen, herunib so 
bab kein truvveru oder smerczt u unib diesz reisze, wann ich mich 25 
wil bereiten bald widderumb zii kommen, das soll sin die letst 
reisz, ist das es mir glucklieb geei. dar umb habe ein men- 
liebtt gemüL alles das ich besitze will ich dir verlassen und 
eigen geben, so ich doch weiss, das du die wile kein mangel 
oder gebresten mogst ban. lu dem ersten bitt ich dich, das du M 
frolich und gemftt sist. das ander; so uns doch niehla fer- 
borgen ist, wen eins ere und nula auch des andern ist, eins 
schand und scbad unser beider gemein ist, audi wisz, das ich 
also torichl oit bin, das ich nit bedeuck und erken, das du durch 
dm schon gestalt, adelich (SS**) geberd, lieplichen wandel vü lip- 36 
bern vast begirlich bist und li»>b gehast und ich dich ylzuud 
also einig ane man verlasze. und ich weoe iurware, myn lieb 
busslrau, du sollest einen kuschen vorsatz und ein rechten Scha- 
te tage— nqoks. 22 all!. 26 die] diese. 3S liphsbemt 



4 



Digitized by Google 



330 DLLTSCIIE PROSANOVELLEN DES FÜNFZEHNTEN JHS 



niigen willen empfaheD und haben, yedoeh so erkenne ich, was 
sulich jugent, lunne und glitt gestalte und die verborgen hitze 
und füwer heischet, und wpisz das wol , dns du die wil ich usz 
hin an man mit mclil fno^^a^l hf |ii)*'n. wann es ist unmöglich. 

$ und nit gedeuck, das ich daruml> kein unmät trag oder haü, 
WiD tlles das dir und diner natur nutz und frommen bringt, 
das will ich alle lit. das ist, das ich dich arit aller bette flehe 
nnd veffoian, das d« uaser bett «nd eüch schan knsoh «ad 
reis habest, als lan^ do vermagst, wan ieh dich und dia ere 

M svst niemand will empielheD* sy du din selber bulterifl, din 
und diner ere. es mag kein hntt und sorg also flissig und enge 
sin die ein Iran möge bewaru widder iren willen, ist dss saeh, 
das din geplui ui dir wnl wulen, toben oder hitzigen (89") also, 
das du dich iiil lenger magst enthalden und Ix hcbiti sin, bitt 

19 ich dich, liebe hnszlrau, versorg dich, bisz listig uhd beiiut, das 
daz du tfist icht offenbar werd uod^r dem volck, das dir und 
mir und unsern kinden, die usz uns mochten kommen , sy ein 
ewig scband und hinfur ein ewig uffheben/ 

'Wise and fromme, in diesen dingen wil ich dich leren. 

SO du weyst, das in dieser etat ist manicber junger, starcker und 
gerader, stolcaer knab und jungling, usi allen den wer dir gnug 
dnen m erwellen, mit dem du kurczwile mochtest haben und 
spilen. aber kein unverschampteu , unstetlen, umb sweyflfenden 
lecker soliu nni nnhi erkiesen, wan warumb? ein solicher offen- 

^ bart dm schand bald, wann ^alicU keins iren glichen oder ge- 
sellen Terhelii. daniinb bisz lursichtig und nym dir einen, der 
da sy wise und verswigen, und oh ettwas vonn uch beiden ge- 
schech, das er das nit mynner verswig und verbarg wan du. 
das ich dich bitt und ernstlich von dir begere. verheistu und 

ao gcredest mir das also lu halten, fUrwar so gibstu mir ein gross 
(89'0 freude hnt inn mynen mttt. auch wil ich, das du mir nit 
antworst als die andrn fraowen pflegen inn glichen Sachen, wan 
man ine soldis vorlegt, so sprechen sie, was rede sy das: wes 
kommerstu dich damit? wie mochf mir ein solchs ymnier in 

35 mynen sin konienl nein, nein! tia sy goi tur! musz ich kein 
tag nymmer gelehen, w^n ich das ihA oder doch gedeiick zu 
thuul solcher antwort wil ich von dir nit. ich gleub sicher, du 
sollest iu solchem lorsatz, als du ytzend bist, beliben yedoeh 
1« lAtt mu Uost eorrigitri. 17 V9t ty ist ist Mug^Hriehmu 



Digitized by Google 



I MARINA 



331 



als laug du moi^est. auch btlt icti dich, das du das, dasz ich 
dir yt7nnfi v« rh(Mi;:et hat), tut itiuest, sy daoo, daä du (liaer 
iagent nit mogeBi widcierstreben.* 

Da AroDus heU geendet diesze rede, da ward das aoUlii/ 
Marille sioer huszfrauwen uberdeelMt mit scfaeni und rot. nach i 
luwtie d» sie verlieti die sebam, mit bleieheni iBgeeicht «od er- 
schroekner itjnune fing de an in red«i also 'myo liebster huss* 
wiri, mit diMn wertes hastu erscfareoket myn feraunft und ge« 
m4te« als das idi roan dir hao gehört , das ieb nie tetmals (90*) 
hano gelernt Doeb versBobt m gedefieken« und doncket nnieh tt 
recht unbilhch und unmilügiich siu gelhau, das du ein junges 
tliiüliii mit solichen reden wilt reylzen, wau sohch grosz lasier 
zu tliun oder betrachten mineui aller nit zu gehört, das du 
aber sprichst, du wissest wol, das ich inn dineui abwesen luio 
elicii scbam uad kuscheit nit möge behalden, das piniget mich 15 
also sere» davon ich auch gancz erzitter und weiss nit, was ich 
reden oder antworten aoU uff semlieh diu vernünftig bewerung. 
aber dae icb dir ilsunt ng, das ist mir nit mynner im bercsea 
wan in dem munde : ee wolt ich sterben eins grttselicbcn todes, 
wan das ieh solt leben denn tag, das icb unser bett dorcb nn- » 
«Hob werck belleeken seit — und mocht geseheen oder mir 
Widder taren: das kan ich nit gedencken. aber das du diese 
antwort und entschuUii^uug, die wir i i m wen gemeinglich in 
sulchen sacheu püegen zu haben, hei;<rtsi vemiyden, diuuiub 
das icb nach diner hegirde ethvas irosls in diu geoiAt trag, so 2i 
wbeiiji (90'*) icb dir, das ich in genizhcbeil myns libes, in 
schäm und zucbt und vermydung aller unzirolicbeitt elicfaes stata 
diner widderüri wil truwelichen beiten und warten, und wer es 
sacb, das mir etwas widderwertigea dar über sufiel, das gott 
nil woU, so will icb in alle dem diaer regel und lere gebor- 30 
ssmlieh folgen» und ist eltwas mer das dicb mocfat beswern, 
bitt ieb dieh, das du mir das gebittest, icb beger nit mer dan 
das da minen willen alle zyt mit dem dinen vereinigest, wan 
mir ^tboil zu liiuu was du wilt und nil was ich wil.* 

Dieser wisen und klut'en aiiiwun Aiomis als vasl er- 35 

irauwet, das er vou treudeu ireber siiier äugen k(*inr niochl 
verlialden. er sprach 'myu aller liebste buszlrau Manna, alles 

12 will] wand, 13 mioen. 25 Ich fehli, dinem genüt. 
36 koiBe. 



Digitized by Google 



332 DEUTSCHE i^ROSAISO VELLEN DES FlNFZEHNTEN JHS 



das ich hano vuu dir begcrl das ban ich nun vou dir verstaudeu. 
DU hall diu globde verslossen in diutni j?emiU, UDbewegt.' 

Da der Hecht lag ufT slosz die vinster iiachl , da verliessen 
AroDus und siu gesellschatt die statt, ir huszer und suszigkeit 
i ires (91*) vatterlands und ntten io den scbifleo mit utz 
streckten tegelo. den iveg, det sie dick and vill gewonbeit bellest 
furo sie sneUiglidi vor die pforl, Urarn und hnnre der ttadt. 
aber der Uebe Aronos wolt der reden einer friwiren nit Ter- 
geaeen, snnder sleti beti er sie inn einem mAt und want sta 

ta engen nit fon dem bnd, ala lang biet daa aebieff also witt geAirc 
ward in das mere, das man keinen thom der Stadt gesehen mocht. 
sie betten einen gewinschten windt, also das sie la wenig tagen 
reichten iiiid k uiu ii d diin sie beg^rten. Marina belib inu dem 
busze ein iiuUeiiu nui alier dinsfberkeit und was alle zytte in- 

15 dechlig der rede ires buszwirts und irer veriieissung und glubde 
und ting an recht und kaichlich zu leben* sie bett nitt iner dann 
fnntzeben jare. daion in solchem jungen bercaen mocht kein he^ 
trOgiicbeit noob arge liat oder beaibeit weaen. dammb: wer ir ett« 
waa nnineht oder icband begegenet, daa mocbt man bUiieber beben 

sa IV geacbriben wiplieb blodigkett (91^ oder kintbeit wen iier boadieN. 
Darnach naeb abeebeit der eebielf belib aia fil tag allein nnd 
also gemacb Aronns wente sich und verrele sieh vonn iren engen, 
also gemach viel er auch u^z imin itertzen. wan schon uud 
zirbeit dieser dirneu was erkaut uud offenbar worden der ganczen 

26 sladt, dariiinl) in iibwe^ea maus was leglu lKJii luenige der 
juugiuig vor ireni husz, ir zu < iner reitzuug, mit .fingen, kUngen, 
mancherley spil, zu fusz und zu rosa, tag und nacht da hof* 
Arten sie. sie hielt sich aUo süchtig und wiszlich in irem husi« 
das sie vonn keinem ward geaeben. ydocb aacb sie by der wile 

aa dnrch einen apald der venater weas aie begunden, alao doch aie 
von inen nit wart gemercket noch gesehen, da sach aie die 
luatigen, geilen Jungliug und gerad, atalta knaben aingen, anIben, 
und alle wiae und geberde der Hebe merckt sie an ine und ward 
nun off 8taczken in irea niult. hitzig t'uwer der liebe, innerlich 

35 (02') in irem gebeynde uud marck verslosscn , zwang sitj und 
drang sie zusamen. yedoch mocbt sie de« luwer leuger by 

1 ban fikü, das babich eapfangen J»Rifb, 6 Taltcrland. 
12 giscbwfaiMbteQ. 25 tcgUchen. 33 lies oad ward nan off sie 
strecken iren nnttt lyl. 334, 1» 36 Wet das fawer. 



Digitized by Google 



I NAKKNA 333 

einander nit hehalcleo, sunder es naiu uUcrhaucii niu\ wdul 
funckt-lii und ll.iinineQ recht als dorre hoUziui \>\ ftier, das nit 
ist bedecket mit esche. Marina ward verwurcket und bekora- 
mert mit vii sorg der lieb statt und zyt halb, sie wasz allein 
Iii iram boii mii eioer magt und gar aoe Ml darumb vermerckl i 
aie beqwenlkdieil der statt und der zyll. dar nach müssiggeeOt 
jiigM und coMiig fod^ehtnisM dar U«b mereten in ir flammen 
der iMgirdcu ibe^wemlicbeil dar ubeltat «lau und lyi halboa 
Mcbt aie gaherlal und kOne. also hflb aicb in ir ein mächtiger 
kämpf und iweytrag der lieb und der kiiaebeit, ja weil ein 10 
gramer krieg, wan aber in diesem kämpf beqwerolicheit und 
lug zyL und stat luilben und gezogen zu einem gezugen, so 
vellet das urteil! ull da; kuscbeit, also tias sie iiiir(>cht gcwynueL 
also war t das Iroiich lierUe inn zwivel lau*; zit <;epiiicl (y^"") und 
betrübet, zum ieUteu viel ir inu das gelubde, das sie hell ge- 15 
ian irem manne Arono, und bedacht min die grosz wiszheit ire» 
mans, do er hett gesprochen, ea were unmUglicb, daa sie sieb 
mocht in knecbeil und ane man in ainem abweaen enlbaldeo. 
aie ^mcb: folg wir rat unaen nannea in dem daa er mir bat 
lanb fafeben oder erleubt bat und ich liann ime daa gerat und SO 
verimimefl an eida etat mtaadera lu tbftn .dann nach ainem rate 
na kanatu Mt irren noch aehuldig werden, so du tbust nach 
formen der verbeissung. das ist die forme: ich soll keinen 
buben oder unstellen, u|ipigen swetzer oder lecker erkiesen, 
bunder einen der da isi klug und wise. niao wird ich thOn. iu 26 
dem bin ich dannoch mym man gehorsam, ist einer jung, so 
mag er doch einem alten by der wiie in wiazheit glich sin. 

In den lagan kam für ire thtti* Dagianus, ein juiKgling er- 
fam und hewaret inn gaiatliohen und keiaerlichen rechten, der 
lang zyt au Bonenie (93*) inn acbU kunaten «nd luchten eich 39 
0aflbet bette, alao faat daa er inn der atat einea treflenUchen 
mennaa naoen und leumut bette uberkiominen, alao daa er vonn 
allen burgern und groaien der atat und dea Janta hocbgeschetzt 
und geacht was. dieser Dagianus bette deglich gescheit u(T dem 

15 das gel.] die auf ratwr. 19 litt den rat? aber auch so kaum 

richtig Uberiiefert. 20 laub ton gleicher hand ^^esrliri^bvn übfr rot 
an^fr^strichme$ 1 . . b. 23 foriüe. fofuie. 2" einen a. 2S Üa- 
gianus: 1)34,21 und von 3^5,17 an uttmcr Vigrim^- bei Eyb und HSaoh* 
I^gmaiiuä. 3:i groszer. 34 geachtU. 

Z. F. D. A. XXIX. N. F. XYIK 2S 



Digitized by Google 



334 DEUTSCHE PROSA.NOVELLEN DES FCINFZEU.NTEN iHS. 



niarckle, und ging ein wpg in sin husz von dei- ilmr Mariue, 
den er alle zytle geeii rmi'sf. Marina «ac!) ine degiich durch ein 
spalten des leosters vor ir thür geen und nierckt an inie jugentf 
schon, sterck und geradigkeit. sie erkaol io, den er heti einea 

5 tapfern gang, ein ernme kleid« gaU eitlen nndwandd, nnd als 
sie ine heUe ytznnd lang gehört rftnen ein trellattohen ivyeen 
nan, davon wart aie ganti begirde ira hercnen off ine atreekea. 
wie aie aber das anfing und tft brecht, bandelt aie atelt tag nnd 
nacht mit fllsE Irer sinnen und nam war der stund nnd zvtt , die 

10 er pHag zu gecn ror ir husz. da was sie allzit berevt, das sie 
strtndl an dem laden mit IroUchem angesicht, mit all( i wipücber 
lierung bereit nn<l uff gemulzel, sin zu bevten uüd zu (OH**) 
warten, das dct i-ie darumb , wnn er sie ansichtig wurde, das 
er wurd geiaogen in lieb gegeu ir, so er sebe zeichen und er* 

15 zeigung der lieb, aber sie scbafll ganca nü damit, wan der 
knab was dapfer und swer inn einen gang and verhfit siner 
äugen, also das er nit sähe noch wolt aehen an den laden wo 
sie sess. 

Also Tergingen vil tag, das das fk-euwelin mercket, das aie 
20 gancse wer beraubet irer begirde nnd alles Tergeben were* eins 

tags wart Marina gancz ungedultig der lieb, do sie sähe Dagria- 
num her gan von irem husz, wan sie vor inbrunstiger Hebe nichts 
mocbt geschaffen. !?ie rieff irer magt Aüihoüja und s|)racb zn 
ir *gec hin und vol<? nach dem knaben , in welch husz ei gang, 

25 und sprich zu ime, Marina, Aronis huszlrau, hab dich geschickt 
sA ime und bitt ine sere und vast, das er tbu ein gang zu ir 
unb trefflich und herte sach die ir anlegen, das erdaa ihu an* 
venoglich ane alles hindemisse. wirt er nragen, was der Mch 
ay, sprich, du wissest das nit, (94*) aber er werd es innen ala 

30 bald er zn mir komme, and seug ime das hon und etat 
wonung.' die dtrn was gehorsam irer flrau, wen sie ging da 
sie ine tanl silzen über disch by sinen frunden io der Wirtschaft 
und \N :irb ir botschalt uberlut, das allr meniglich hört. Üaf^iiniiis 
hett Aronum und sin huszlrau verlang zit woli erkant, wie 

35 er des Ireulins kein kuntscbaft hatt. auch wisl er woU, das 

1 ond fehU. lies vor? 4 in fehlt. 5 ersaifie, 0 nacht /liAK. 

ire«. 13 das erste sie fefill. IC> swer rornehm, würtfrvolL 
L'3 Anlhoniä. bei Eyl> uti^mannt, bei H Sachs Silpba, an d"re?i stelle aber 
später der narr Jückle trat, s. HtiUer 13,03. 25 Aronis, *o auch 
335,35. 28 aller. 33 Dsgyao aus Dag&aa' corrigierif 



Digiti-^cü by Google 



1 MAFUNA 



335 



AroDUS nil zu land wa«. darumb wenet er, das freulin heit jme 
gerufbo, das sie viliicbt mit yemauu in krieg oder zweyirag 
wer, tettBb er ir soll das wort (hAo an gerioht, als er Mich 
Indern loten by der wike pOig lu ifaAn, wtn er gebetten ward, 
daramb sprach er lu der nagt *gee und aprkh wa diner ftiuwen, s 
ich wol honmen als bald ich geasen hÄ*. es fermeikel aaeh 
heiner anders dann es solich aach wer nnder allen« die mit ime 
ober Üaeh satsen. die magt ging und sagt das widder irer 
frauweo. das Ireuwelin vonn rechten rreiiden ward als fro, das 
sie recht erziUeri. sie wenel nit aoders, er hett verstanden, lo 
vidruinb er b»'^( liickt (94'') wer. sie cing m ir slaffkamer und 
bereit ir hetti; imi kojätlicbcn decken und küssen und umbhing 
das mit scbooeu tuchern und airdt sich mit aller zirheit als sie 
rermocht, wie wol aie an ir aelbs schon und hübsch was« das 
nichts dar über was, und wie wol ein dein sytte was vergangen, fi 
jedoch want sie, es wer ein lang will, als nngeduhig was sie 
SU bejtea. nicht lang kam Dagrianus. da aie sin ansichlig ward 
an dem weg, ward sie ganca innerlichen iro und gah Bich ganu 
uff das beite, wie sie das kostlich bereit, die wil wart sin An* 
ibonia under der thär und ofToet ime die thur, also das sin 20 
knechi her us/iii belihen. dü kam Marina tine engegen und 
empfing ine mit allen eren und züchten und bot ime ir weichen 
hendelin und sprach 'ich wil uch für gan denn weg wysen.' 
Dagrianus verwondert sieb semiicber gestalt und schone der 
frauweo, das er recht erschrack und volgt ir nach an das bett, 3S 
das sie zirlich und hocbattlich hell hereitet. .do satzt aie sich 
nyder vor das bell und hiess (95^ ine neben sie silsen» das 
det de Dagrianus. de sassen sie by dem bett allein m furslossen 
thorn. Dagrianus mwandert sich über des frcuUns und über 
ander umbslend« sie flaannel recht in furiger liebe die sie tu aa 
ime beti, also das sie Tersiummet gantz und etlwan lang nit 
redet, do liesz sich Dagrianus ettwas beduncken und hett ein 
argwan. doch tlog sie zulelst an und sprach ^Dagrinnp^ du wiser 
jungling, ursacb darumb ich dich hann geheisciieu sultu ver- 
steen. ich wen, du habest kuotscbatl myos mannes Aronis, der 3& 
do yizunt umb kouffmanschatz und gewerb ist gen Allexandria 
und hat! mich hie gelaszen, also du mich hir aehesi. ich acht 
ine Ikftt wiae und klUjg. do er erkant mynn jogent und hett 
10 ttf^hU, 13 tocber. 17 nlekl] oaeb. ile fnklL 84 JeaHag. 

23* 



Digitized by Google 



336 DEUTSCHE PHOSANOVELLEM DES FÜNFZEHNTEN JHS. 

vermerckt myn pelt^iienln it tind wanciel, üo spradi er, ich mocht 
mich Dil in sineni aiiwesen ane eio aodero man verliben. da 
wont ich lu der sylte, es wer omnOglicb. aber itzunt halt leb 
gaoti für war, wao iDyn jagent und muir beiscbet {fib^j das, 

5 »Qcfa mag ich die fang «yt nil «ileio also Tertriben, gliolier wise 
die schonen blannieQ Aond des glentsen. die giessend use irtn 
Sassen gesmack su redtt^ sjt von Ine selber, aber wann sie 
wurden Yeriiindertf so dorren sie und werden welek. nko hal 
mich min man auch gescheizet. er meint, das er mt froKch 

Ii} macht werden, ich verhiesz ime dan, wer es das mich soUchs 
wurd anfechten, das ich mir erweit ein jiinghnt;, der wysz und 
der sacli veiswjgeii wer. nu han ich dich under allen in dieser 
statt erkant und vermerckt also den aller heqwemsten. ich hoH, 
du sollest mich nil versmeben. wie ich hin, atao sicbfiUi mich 

tt ylsiind» wiltu, so magstu myns mannes sut Terwesen. wan da 
wüt, ganos gib ich mich dir« wir sin einig by einander« es 
weiss nieoMnts den du nnd ieb.' 

Do Dagnanus also durch semticb rede des freuUns wsrd 
uberkomnen, nam er ir hanl und eraeigt sich Midi und hnh 

90 an diese schone geblümte wort nnd sprach also ^owoll mir des 
gewonschleo (96') tags, des glichen ich alle zit bcgerl und ge- 
holt habe! grosser gluck ist mir nie bekommen, wann an diesem 
tag hftt hasUi mich den aller seligsten gemacht! o du aller säste 
Marina, ichbedenck. das wir vill manchen hpheglichen und fro- 

91 lieben tag mit einander begeen werden, und soll doch niemant 
vonn uns erfarn. hut bin ich der aller glucksetigest mensch I 
ein dingk ist das do uns hindert und mag doch in einer kleinen 
lytt gestiUet werden« o Mafinn, du mübeslt das inb yott offene 
die hdmlicheit myns beroten« dorninb seit du dich nil verwon« 

80 dem, ob ich yeix zu dieseos dinem willen nit voleade. es wer 
lang zu sagen, doch wii ichs wnehen in dn bei|wemlleh siti, 
und ist mir nichts swerer. nym war, do ich wasz zu Bononie 
in der schöie, do ward einer zyt ein grosz ufllaut m der statt 
under dem gemeinen volck. und >var(J ich mit fttlichen minen 

SS gesellen begriffen und in eint'n kerckrr gelegt, als wer ich ein 
ursacb des uAlauils. do torcbl ich verterbiicbeil myns (96^) libs, 
00 ich doch der soch gancs unschuldig was, do verhieas und 

1 felehenhelt gdegenhelt. 29 ofleal. 30 /im ob leb yetta 
dieten dinen w. o. Tolendet 



Digitized by Google 



1 MARINA 



337 



glopl ich mit guUeiii willen und lutern hertzen got dem almcch- 
tigen, der da wol erkaut mm uuächuit, wer es sacli, das ich 
gestrnt und un verletzet kern vooo der gel'encknisse heim zu 
inynen truaden, ich wolt ein gancz jare nit mer waoo einer 
«pise uü' ein stunde des tages gebrucben, das ist broi und waiser. k 
die glubde hano ich also bisz herre volbrachi uff weoig tag und 
han da by min lip rein und kusch versichert, herumb tuti ich 
dich, du lieb Marina, da wollest keinen andrn erkieaen mn nucb« 
und laai dir die wenig tag nit swer und Terdriatlich sin, hin 
das ich das jar miner glnbde erfolie. ich rechen und siel alle if^ 
die tag, wie lang ich noch han sa dem end, und mag ich der 
tag nit gekurtzen, es wer dann yemands, der dieser tag ein teil 
nemme uud sie mit solcheu lasten behielt, wanit da luit das ein 
andt*r von mynen wegen thett, so liofTi ich woll da mit bezaleu 
und mich eiiünndpa (97*) als ich selber, nun hett ich grossen t6 
awivel, wem ich diesz hilll eutptiihe. das ich ichl worde be> 
trogen , bab ich das gancz jar uff mich allein genommen, dwile 
aber thu nun zO mir solchen getruwen und so grosz lieb hast 
empikngen, als ich nun an dir mercken und warlich erkenne, 
so setie ich minen getruwen uff dich allein, das Ich doch wolt M 
thftn noch brudern nocb frunden , also das ich die uberigen tag 
miner fast mit dir will teilen als ferr du mir ane betmgltckeit 
will globen zö fasten, als ich gesagt habe, wann ich bin als 
last zu dioem >verck oder gesclnckt bewegt und begiriichen ge- 
oeiget, das niicii die sechzig uberigen tag sere heswera dann 25 
das ander teil des ganczen jars. isl dir nun zu sin^ das wir 
die zyt kurtzen, so nyni zu dir die drissig tag und halt die in 
glicber masza mit lasten als ich. wao das geschieht, so werd 
wir in groszen freudeo uns gebruchung unser liebe ergeizen, 
du globest mir das nit anders zu halten uff das, das ich (97") 39 
der lieb die du gen mir erzeigst belralicb sy« es sin korcse 
tag und schir vergangen, wiltu es tbun, so veijehe/ dem 
freulin thett die lang zytt we. do sie aber bort die susien wort, 
hoffet sie, die tag selten ir kurcse vergeen. das macht unge- 
stummigkeit der mechtigen lieb, mit Iriem trolichen gemüt ge- 3ö 
redt sie tuie das also zu hallen und spiuch 'die slrengkeil der 
fast ein solch lang z^i betrübt mich gar öere, yedocb so veilet 

6 die aufnuur, 9 dir fehtl, 14 wollj wolt. IS thu 
«•du. 2& sereoserre coiiij»«r«i)fv. 29ttoslvaad. 3t der] die. 



Digitized by Google 



338 DEUTSCHE PROSANOVELLEiN DES FljiNFZEÜMEN JHS. 



ein tag bald u&cU ikm aiuleru. ich iasz da Ly blibeu als lerre 
das wir herooch dester wousaiiu r wprden.* Da^riamis sprach in 
inie srll er 'oun haslu uberwuiidtii. — ich nuisz diesen weg alle 
tag gecu ufT den marckt. ich wil dich tegUch beseheu in dioem 
5 hasze, ob du dem also nachkommest' und schied also voa ir 
und ging mit sinen knechteo widder in sin husze. 

So hoUb die liebe Marina allein und gedacht in ir aller der 
wort, die aie heften geredl mit einander, und die grosa lenge 
der driMig tag bedacht aie mit groaaer aadacbt und hinder ge- 

10 dacht aie und beslosi in ir, sie wolt nil ee nemen wasser und 
broii dann nach undergang der sonnen, den (98*) andro tag 
kam Dagrianus gegangen inn ir husz, wann sie hetlc ine hiu- 
lichen lieb, nach vill langem suszen gekose sprach Dagrianus 
*belib»tu nnr vasten als du mir gerell hast?* pprach sie 'ja ich 

15 frtlich ane alles betrugen.' do sprach er also ^du min aller suste 
Marina^ wir wollen der wenig tag bald ein ende machen.' also 
ging er vonn Ir. das ireulin bilt ir fast getrulich und ganeae 
ane alle beswerung umb trost wil der liebe, der aie hofll an 
dem ende, do aie hette gefaat sieben tag, do begnnde in ir die 

aa naturlieh biti abnemmen. als aie Tormals in dem busie ging 
in einem dunen lynen gewand , must aie yetinnd aich gebrucben 
winterwate und mocht dannach darin oit erwärmen, sie ver- 
stünde doch nil die uioacli und hst Dagiiani. der tuiilzehent 
tag nahet sich, das freuliu uiochi ktun geen übet' denn oren. 

2ö Antonia ir magt verkuudt ir, Da^inaiui- wer kommen in das 
husz. do sie das hört, wart sie durch hebe widder woU bald 
geslerckt, als ob ir iiicbU gebreste , und lieff ime bald engegen. 
da sprach Dagrianus %ie ist din antzlilz? wie haatu ein solchen 
gang? ich weisz furware du forehtest das fasten, o min lieb 

m Marina, but ein wir kommen über die halb tit, ich bitt dich, 
bisz ateet und überwinde die din natar, das du mir lebt dar 
nu brucbtig (98^) werdeat. es sin noch hie vor funfiteben 
kurteer tag, die wollen wir in (Ireuden und wonsamer herlicheit 
vollenden.' mit semlichen Worten erweichet er, uiil ^olchen senften 

35 reden trost er und gab ein m{\l der frauwen. do sie nun hett vol- 
brachl den sechs und zwentzigsteu tag und hetl nu verlorn ir 
lebeiiUe larb ir antzlitx und gar vergessen alles bösen willen un* 

18 wil am Mileruchhu, vitiMeht willen. 20 sie] die. 
28 foDfizcbeQ. 31 die] deo. )5 vor und: r- )6 den] des. 



Digitized by Google 



I MARINA 



339 



kuscher, fleisclichen begirde, lag sie au inin lietle und lielt 
nit raer als vast hitz der iiel) ;i|s vormals uiul In gund zu weg«3ü 
die grosz list, die Dagiianus mit ir hett iiegaugea, uud ward 
erkannen wie ein wisiiich wercke das wer» das er duroh eol- 
sihvng lipl icher spia« alle wolliute in Übe hell verleschel. da 5 
nun an ein d«ii iaiBtaii tag DagriaDna kam rie s« beaeheo , hieai 
aie iBe au ir konnea as das belto. da ar aie aabe dort Ugeot 
ainacb er alaa 'aab bsid aller liebele, itt daa daa gewooUch fro- 
lieh angeiieht, daa da nur ver hm hast gezeiget? es ist noeh 
ein änger knriaer lag.' do verbmofa «e tme die senfle smeichen- 10 
rede und isprach 'du liast mich Heb gehabt in reciiier volkummeD 
liebe, nit in snoder unerlicher liebe, als ich unselig hell lur> 
genommen, ich will nun dich fort mer haben lieb und den 
allerliebsten, du bist, der do mich hatt gelert halten min 
knacheil, min ere, min leumut, royns lieben (99*) husiwirls und 15 
aller niner frunde. mir genügt, das ich bin gehorsam gewest 
dea wiaen, uff das ich erweite ein ivisen, wan wisiheil alfalieft 
alleweg die unwyasheiL gee selig und ymmer mer geaunt, du 
aller klngaier jungling, wen ich noch min huaiwirl noch alle 
die minen Termogen dir umb ein sulch ding nymmer mer foU 20 
daneben.* do nun Dagrianus sach, das er het Tolbracht des er 
begerl , do Ireget er ;m luul vernianet sie iiiiL sus^eu Worten 
und siialt und lernel aie und vciliesz sie also getrotzt, als er ir 
wiplich eelich kuscheit milt tasten und enthaldung bette behalden. 

ß an eio d<»n letzten lag dh. am vorletzten tair*', cicl. 10. 7 saht 
er sie. düisj da. 13 dich f9hU. 17 lies des wiseo rate? 

24 nach betiaidena: Dco gracias. 

Vonlehe)ider iex! ^ ' 'h'in cod. Palat. genn. 119 eHiitonitnen, 
der zvletzt und am eingehendsten von Kin ze! Der Junker und der 
treue Heinrich s. 16/" besprochen wurde. ^ er enthält die 1. 2 und 
3 trmslaliott des Niclas von Wyk, denen foi S4 — 99' die Marina 
unier dem titel hystoria veno einem Hicheu ka&lTmaun folgt, ah 
5 Uütk findet stcft SteinhÖweU (nicht NvWiflee, wie Kinsel ver- 

> die Hm, mU IIS (täeht IS3) hläUenL üt ein eehon» hderband em 
der eofnmhtng det iffalzgrafm Otto Heinrieh, denen in gold gepreetUe 
bildnie eben die initialen 0. R., unten P. C und dieJahreeuihlib^S trSgL 
ick durfte die h$, hier in Tübingen mit mufee benu^en und spreche auch 
auf diesem wege nochmals der eerekrh HMeibergwr biMiethekeeerwatiunf 
meinan denk für ihr gOtiget entgegenkewunen aue. 



Digitized by Google 



340 DEÜTSCllt PROSAiNOVüLLE.N DES FCNtZtHMt.N JUS. 



mutete) Gnseldis, aU 0 die vor kai zem aas dieser hs, abgedruckte 
Hutoria de sancto Gregor io papa {v(jL Anz. \ 192. Zs. f.dmisehe ^il, 
\ 6, 300. 38 1 1, endiich als 7 das voji Kmzel edierte gedieht. >'fW(7s ro/i 
Wyle sprichl in dar widmuny seiner zweiten transiation Guitcard und 
Sigismonda an mmkgraf Karl von Bmkn von einer durah ihn & er* 
füMtien UkeriUmmg iier €riiMdis naek der ht, Übertragung äu 
irarca (wie ilMin Ower gnide die selben hislor; iiiiGhiiitU aber vm 
dem btin tü Ifltsche gebnicb von mir hat geboret) «ul ftiut imm 
(79, Uff) fort: fidber ist durch den bochgelerteo man leonardttoa 
areUnnm vtser dem obgemeHeo bftcfa (GrUdÜi dm Boam ee h) dw 
hisiori von sigismunda sagende vnd aber von aim andern gelerten 
die htstori von marina lutenU oucli zu lalin ^.ebrachL worden, vütl 
wann die setbeit hocbgelerten man iM iituiit 1ml, sOlich historien 
der arbait weil -in, daz sy zft latinischir 7ung<.'U geseU wurden, 
so hab ich gemainl sich wol gebüren daz die von dem latin zA 
tut$che ouch gemacht wurden u$w. ick glaube nun dass mü 
rücksicht hierauf die oben zum abdruck gebmht€ Marina dem 
NidoB Mit WffU fsmget^ebm werdm darf, m diatdbe 4ar^ 
$tülmgmD0i9$, der er tieh bei teimer widergabe wen Bmialue ynd 
Lucreiia und Gmeeard wid Sigitmmidß 6edM hak eeiae fme»- 
MucAe, auf ein itaUenieehe» original aariUkgAeniB tforlage ut üa* 
sefbe, die auch Albrecht von Eyb fUr seine freiere, inhaltlich ge- 
kürzte (dise — Iiistori oder label, — die ich auch auU das kuilzl 
ausz latein in deutich brin^^cn wil , als ich denn dises {iiichlcin 
ausz latein an manchen enden genomeu und fieordiiet lial y fie- 
arbeitung im capitel Wie sich ein Irawe halten soll in abwesen 
ires mannes seines Ehestandsbüchleins benutzte (vgl. den abdrudi 
von Eybs Marina in den Beiträgen zur geschidue der teutsehen 
^aehe und naiionaUitterttiur 1 (London 1777), «. 135—159 und 
vdBageni Germania 9, 239 ff), doch ist es auch mir trotz vislem 
euchen nicAf gingen, die lateinisehe queUe auef&ndig an machen, 
über sonstige hthandiungen dieees novellenstoffes und zwar im 
ansehhss an Goethes er^Mung vom klugen procurator (Hempel 
16, 05//') r<j{. duhrauer in den Wiener jahrhurhern der lilta atur 
bd. 11 r» ('lS4r)), anzcitjehUitt s. 80/" und Dantaer im Archiv f. 
d. studitiin der neueren sprachen und Utleraturen 3 flS47), 275 /f 
Studim zu Goethes werken 1849 s, 27 ff. nach Eyb erzählte 
wider, wie JDatUxer nachgewiesen hat, der unbekannte Verfasser 
des Specubm exemplorum (erster druck 1481, distinetio 10 ccq». 14 



Digitized by Google 



I MARINA 



341 



Quoiiiuiio lemina de atluiterio ^rravissime Icniptala abstinenlie re- 
niedio liberatur; in der Stüter als Magnum »pecuium extmplorum 
(1606 §tirmdu) vcn Johannes Major üeramtalteten alphabeti$ekili 
mmriMm§ mier dem titel nr 15 De abstioeotia) mii dar be§on~ 
dltnm bmmfimg legi aliqiniBilo io tbeiiloaicili libro, und auth 
B$mM S9dm hm mim 1556 urfmU Cmmdia ük jcMfn Mmim 
tmt dm diHimr Dapiumo (Kdkr md e4tt$ 13» 84 ff) naeh B/fH 
gmdkkkt» tarifftlff. 

Aus dem oben gedruckten , von eiHeoi md, Schreiber her* 
rührenden (Kinzel ono. > 26) texte merke ich betreffs des wort- 
9fhntze$ folgendes an , ghichztiHij mit rücksieht auf die alters- 
beshii\tniin(j nluL wort formen^: absclieit 3ü2, 21 . abweseo 332,25. 
333, 18. 3^1. 2. ♦aolzlilz 327, 20. 331, 4. 338, 28. 37. *hehcbig 
enthaltsam 330, 14. bequeme, beqwemüch 327, 26. 329, 10. 336, 
13. 31. beqweniUeheit 333« (vgl Trand. ed. KeUer 60» 30)« 
betrOgticiwit 332, 18. 337, 22. ^betraUch 337, U(NvW^mtM^ 
düngen mU be : buogig 66, 5. 58, 32 u$. bnQgnO« 178, 13). be- 
weraDg331,17. bUdung 327,19. bnichüg338,32(brucbigrrafMJL 
26, 9). •bokel(l)e mskm. 328, 7 ff. Lexer 2, 305 pftkel). diostber- 
keil 332,14. dwile 328, 2 1.337,1 7 fseAro/ifm (feil JrflfM/.;. ein- 
hellig 327, 29 (aiulh'llikaa Transl. 195, 1). erzillern 331, io. 
335, 10. geheynde 332, 35. gebruchung 337, 29. geburlicheit 
327, 33 (Tratisl 108, 38. 111,38. 119,27. 146,21). sie ge- 
btogeo itue de» zu 327,11. i^ekose 338, 13. geuczlicheit 328, 
19. 331,26. gende 330, 21. 332, 32. geradigkeit 334, 4 (Troftsi 
17, 26). geraden m^pndim, gdobm 330, 30. 333* 20. 337, 35 /. 
338,14. geschickt 337, 24. glenlie lelw. AW«% 336,6. gluck- 
•eUg 336,26. gnftgSMiikeU 328, 5 (Trmui. 93, 14. 155, 20. vj^ 
212, 80 f], grtteeUch 331, 19 (TrüntL 38,28. 148, 16. 259, 6). 
hanUrung 326, 3. 328, 37. 329, 24. hioder gedenken 338, 9/ 
(vyl. DWB 1, 2, 1499). hitzigen verb 33ü, 13. huselich 329, l 
(Transl. 101, 2. 287, 23). husuog 327, 1. hulterin 330, 10. 
332, 14. iodechug 332, 15. laub erlauönts 333, 20 (DWß t>, 

* beUäufig sei bemerkt dass des Niclas von tingle Translationen von 
Lexer nicht berücksichtigt sind, was bei einem mhd. wb, selbstverständ- 
lich sein kiinnte; doch hat Lexvr ffelegentlich anrlerc denkmälfr des 
[h Jhs. herangczn^rji. das JJJf ß sollte aber auf jeden fall mehr belvge 
aus ^vlf yle bringen. Schriftsteller wie Av/f 'yle, Steinhöwef ftfEyb 
bieten vielfach die ältesten belege nhd. wortformen und worlbtdt ulungett 
(vgU auch J Grimm im Dff'B l.xviu*). 



Digitized by Google 



U2 DEUTSCHE PROSAISOVELLEW DES FLNFZEHNTEIS JHS. 



287). lule 32S, 7. mit nicht 330,4. 24. inüssiggeen 328,12. 
333, 6. uff gemulzet 334, 12 (Lexer 1. 2261). oren haus- 
pur 338, 24. reiUuug 332, 26. srnt icliciiiede 339. 10. sUczken ? 

332, 35 lemrten. swer 334, 16 lesarien. Iriiwrikeil 326, 17 und 
iruwern 329, 25 auffallende schreilntng fitr Ururikeit und trureo. 
*ftbenneDig 325, 1. uffhebeo snbst. 330, 18. umbsteod 335, 30. 
nngeBtiunmiglLeil 337, 34 f (TrwtL 62, 27. 63, 36. 64, 7. 104, 
34). unmiltiglich 331, 11. unordelicb 327, 22 (Trmd. 3, 14 f), 
verbontniMe 326, 34. vcrbeiwuiig 333, 23. verliMeD e. ffm. 
(siner äugen) 334, 16. sich wlilieD hMm 336, 2. fertorb- 
Uchkeil 326, 23. 336, 36. flammen ü«r6 333, 2. 335, 30. vol- 
Lancken 339, 20 irolocken 32S, 10. tunckeln 333,2. wan 
warumb? 328, 20. 330, 24 (vqI. TransL 11, 2). *\Njüterwat 
338, 22. zieruug 334, 12. zv\e\Uag (= zweylraclit 327, 29) 

333, 10. 335, 2. die curo§ k^yöfieva habe ich durdt * ürentU- 
lieh gemacht. 

min^cM. dm 4 a«^«f 1S84. PHILIPP STRAUCH. 



AiiATOß UND PRUDENTIUS ALS VOKlilLDEß 

OTFfilDS. 

Auider der an kOnig Ludwig gerichteten dedication uod der 
lateinischen vorrede hat bekanntlich Olfrid noch zivei weitere 
widmuDgeo verlasst, von denen er die eioe, an den biscbof Sa- 
lomo, vor das erste buch, die andere, an die mOnche Hartmul 
uod Weriobert, hinter das fOnfle bueb gesteUt bat daaa jene 
ersten beiden taschriAen nach sehluss dee gansen weiies ver* 
fitfst sind, darüber ist man nie im sweifel gewesen, wol aber 
gelangle man in betreff der abfaasungsieit der beiden anderen 
noeh nicht fu einer allgemein gebilligten aosicbl. Lachmann 
s|)iatli die nieinung aus, dass die zuschritt au die niüncbe ein 
be^leilschreiben zum ersten buche gewesen sei, welches 0. früher 
voücndt i und abgeschickt habe; dass lerner die Widmung an Sa- 
lomo zugleich mit dem tüntten buche Ubersandt sei, welches 
ebenlalls zu den trüber abgeschlossenen gebore, natürlich meinte 
Lachmanu dies aus inneren gründen erschliefsen au dürfen, und 
es will dagegen nichts besagen, wenn Piper die tatsliehUche stel* 
lung der Widmungen in recht jmrserlicher weise lo dem umge- 



Digitized by Google 



AliATOH UND PRUD£M1ÜS ALS VOaBILDEH OTFRiOS 343 



kehrlen schiusse bciuii/U'. Fi dniann hUlt zwar noch daran fest, 
dass die zuschriti ao Salomo schon vor volleuUuüg des ganzen 
gedichtet und mit abschnitten des foatleu budies übersaadl seil 
weiebt aber in betreff der anderen widoDUOg fon Lachmann eb, 
ohne iodes selbst eine besliminte aosictit ausiuspreeheii. 

Ich war schon ISngst der ansieht, dass sammtUche mdmungen 
von 0. erst nach abscbloss des ganien Evaogelienbuchee vcr- 
tet seien, indem ich mich daiu duroh folgende anklinge be- 
stimmen lief«: Hart. 77 thoh riat imo io dmhtin mit sines selbes 
viahdu eiiutici L au Ludw. 23 y iat got imo ofto in mlin luul 43 
rini imo io gimuato selbo äi uluin guato; Hart. 93 im Davides 
äati t(tm bilulf zi jioti au Ludw. 37 in imo irhuij<j ih thratu IIa- 
vides selbes dato und Hart. 166 mit in si ouh mir gimeini thiu 
tmiiuga hmU an Ludw. 5 themo n tamer h$Uijah Mda gimeini, 
also, scbloss ich, ist die susehrift an die mOnche wie die an 
Ludwig nach schlnss des ganten Werkes gescbrieben* in der 
susehrift an Salomo stimmt v. 40 — thar thax gotu noinigu jur 
flberein mit Ludw. 92 — tkar thiu tminigun got» jat; sodann 
erinnert Sal. 89 n'Ale Am ftÜ (kora frua Joh mih pfmge tha- 
razm an Hart. 7 rihti pedi mine thar sin thie druta thine, und 
Sal. 42" joh due uns ihaz gimuatt an Hart. 9' dua mir (haz gi- 
zami. darum setzte ich auch die zuschritt an Salomo \n die 
letzte zeit und liels mich durch Erdmanns ar^urnriite « .\ sjli iitio 
nicht al)schrecken; man darl nicht verlaugeu dass Oltrid immer 
wider dasselbe sagt, positives Isssl sich nicht dagegen anfahren, 
«ine bestjitigUDg dieser meiner meinung fand ich nun, als ich| 
bewogen durch die erwahnung Arators Liutb. 17 (in Erdmanns 
grofser ausgäbe), dessen werk De actibus apostoiorum einsah, 
auch diesem sind swei Widmungen vorangeschickt, eine dritte 
ist hinten angehängt in der ersten Widmung an einen Florianus 
abbas beirst es v. 5 ff : 

ad caimen concwre meum pedibusque labanii 
porrige de placido saepe favore mannm, 

ieiUHO sejuiont (pudem sed pinguia gesta 
scripsimus ac pelagi pond&re gutta ßuit. 

int$r graniüioquoi ptr milU volumina libros 
10 nwßima €Hm tawu et brmnora hge, 
23 ergo graium reHnem et frieea w^nmiiM Unfueno 
eede ifiss operi, qwd pia emua tmtet. 



Digitized by Google 



344 ARATOK UND PUÜDENTIÜS ALS VORBILDER OTFRIDS 



vielleicht darf man ua. erinnern an Ludw. 87 ihemo Hihion th 
iiits, iaah , oba er hahei u a fiiah o4o er ihaz giweizti . thaz er 
sa lesan heizit. jedeslalls isl liet» Aralur Ijfiel gesclii leheii , als 
(b«s »e<li( hl ict iig vorlag, der zweite briet gUt prinw omnium 
iocerdotuM papae VigiUo: 4on lautet v. 19 11: 

wnibiu €rg0 camm, fiMi Imw retfM aatu, 

hiftmiampu Mf ««li comlM vtra /ofHor. 
dtemtJi rmnbo m^dii, qmd UiUra fmdit» 

H ret ii ftia «iiAt miftOta eorde daiwr* 
mttrka vU ioaii n$n mt inMfiiAci MM, 
psalierhm Ifpriei eompomun piin usw. 
auch hier mOchte ich erinoem an Liutb. 24 interdum ipirüaliä 
moiaUaque verba permiscens und an i 1, 29 ouh selbun huah 
frono irreinont sie so srowo. deullicher siimnirn aber lolgeod^^ 
verse: hoc tibi, mmjm paler, cum defero itiwius amoriSg 
respice, qmd merilis debiia solvo luis; 
te duce Uro legor, u dogmata 4iMM niagtstro, 

ti ab 4nr€ placä, laui monitoii» «rtt ttl>er«iB mit 
S«l.25 dum ikoM m mvMU hi Uiiß snüui iu %i gwUä, 
jok %tUu tka* am loanc al in wmmm Üme. 
pfiQ wirdil, Oha puU thu numtm jungero gidnai, 
tkoM m Uwit thmo ihtr Mvhtari ^iMtf». 
Auch diesen zweiten briet' hat Arator nach beendigung seines 
Werkes geschrieben, wie die zulelzl angelührteu versc uazweilel- 
halL zeigen: hoc tibi cum defero mnnus amoris — , nuritis debiia 
solvo tm's, Worte f welche nocl! zu einer slelle aus der drillen 
epistel, die wir gleich auluhreu werden, stimmen, es spricbl 
Dicht dagegen daat Antor mit den luiuna canam, ioqmr die zeit 
vor dem beginn seines werket fingiert dass nun auch die drille 
eiiistel (an einen Pwiktnim magUttr afpeimm nlftia pistrkiui) 
geschrieben ist, ab das werk bereits fertig vorlag, ae%en die 
verse: tonuihii, fauor, ti quando forie mmrer 
ingmii fnutus ad meUara iequi, 

te cunque loci conttngeret esse, virorum 
tnaaiuie, ninismitti ^uod modularer opus. 
t'om stimulat proitussa dies, ut debiia Laudan 

contractusque meos solvere, ducte, veiim. 
Sume, quod ex niiido libauimm aequore mrmm 
€$ licet exi$ua$ nucipe gralus a^uas» 



Digitized by Google 



ARATOR mD PRÜDENTlliS ALS VORBILÜEA OTFRIOS 345 



Es wird dadurch wahrscheiDlicb dass auch 0. aUe seine 
widmuDgeo, wie Arator, nach iieeBdiguDg dei ganzen Werkes 
vetiasst hat. «d Arator als sein vorbild müssen wir daroni la- 
nicbü deakco, weil C ihn eitiert, iidi wihnobeinlieh remi» 
oiMcaieft bei ihm flndeo, and die elae widnong -bei beiden am 
ende des WMfces steht soml Isl Arator niehl der einzige ge* 
wesen, der so wfahr. der beiianntere Ausonius ib. hat »oeh 
drei dedicationsepistein an die spitze seiner gedichtsammlung 
gestellt, emc an den kaiser Theodosius, eine zweite an einen 
Syagrius, die drittt' an einen schtller, welche beginnt mil dem 
CatuUisclicii verse ipiot dorn lepidutn navum liheüum ? auch Ausf^o- 
nius war mit dem buche fertig, als er die drei Widmungen 
echrieb, sehlielitich ist die zundchsl auflftUige anzabl der wid» 
mngen kichi zn erklären, es waren die dedicationsepisteln für 
die eiemfiare seines werkes, die man den belrefiMidsn edreseaten 
sandte; ma» nahm aber alle Widmungen in jedes eiemplar ani; 
damit ein jeder sie kennen lerne. O. besonders wollte nlcbt 
umsonst aofiet mühe aof seine aerostieha verwandt haben. 

In der lateinischen vorrede nennt 0. ttd»en Arator auch den 
Ti udenlius. iiuu lial scIjüu Eniaiaon feinl. s. 67) vermutet dass 
0. (ür die vierzeiligküii an dem DipuchoD des Prudentius ein 
forbild haben konnte, das ist gewis richtig, wie genau U. jene 
merkwürdige dichtungsgattung kannte und wie er sie neben der 
bibel als quelle benutzte, geht zunächst daraua hervor dass er 
das dritte capitei des ersten bucbes, das die genealogie Chfisü 
in fieraeiligen ab as b nitten behandelt, in enlehanng an die eralen 
diptTehe des Pmdentins, welche von Adam itnd &ra« von der 
anhe dea Naeb, von Ahnten immer in vier heiamelsrn handeln» 
verfassle. aber auch wo er In Uingereii capiteln vorgange aus 
dem neuen testament ertf Ml, hat er den hieber gehörigen tetra- 
stichen des Prudentius zilge entlehnt, die sich in der biblischen 
vorläge nicht linden, für 0. i 12, 13 — 16 lisst sich aus der 
bibel nls quelle nur anftlhren Lnc. 2, 11 quia nattu est vobif 
hodte Salvator, qia est Christui dominus in civüate David, lesen 
wir aber v. 1 5 m Bethlem — thiue kunirnffa ihi$ wantn tUU theh- 
mna, so entnahm 0, dies aoa dipl^^chon »vi: Btthkm*—, ^noe 
jproinAtt Jüum orHi p n mipi w n , ütftU ifm m pimifi§nmu und 
wenn v. 14 hervorgsboben «rird tMr drukfm KrUt ffmitr fon 
junif$nt muaur wie v. 16 a«n mtuHir, mefed ssontX so fand auch 



Digitized by Google 



346 ARATOR UND PRUDBNTIUS ALS VORBILDER OTFRIO« 



dies O. hpi Prudenliiis xxviii: vis himinis nnfiflict natum rekhrnn^ 
de Vit gine Chriitum. ferner hat 0. im 20 capitel de occisione 
infantium eioe viel autiiUbriichere beschreibung, als die bibei 
eie bietet, es sind hervonobebeQ y. 13 f $ie «ateMti siu t« 
«ter dngt ihsr im ti» ihem wagun hg, v. i% jth Mi int Imdhmti 
nm iM fw üm hnuti, 1 1 lAi« inMfi' tiB i» M^fim^ Aast f$k$ 
üuma rmifhm, v« 19 in ftnk tkt» m^» th» mm mnuuiMm 
Up, wofür 0* in des Prudtntius diptycboa (keidmiwr ü^mUm 
in BetMtm hn6: fkmant hdeoh parvinmtn $angmne ennae tm^ 
neribusque madeut calidis pia pectorn maliüm. ni.in (hui uuo 
anch noch bplininiieii ilass 0. i 5, 9 (jiang tr if> tlnti paiiuza, 
fand sm diurcnla nach des Pnitli-nlius Worten sedeiu Hrgineam 
tnirat geschnebea isl, Luc. i 28 sieht nur ingressus ad mm, 
dann wisaeo wir Mieli, wober 0. die vier verse getuMUseo bat, 
welche den «ateng roo capitoi ni 6 bilden, mit ?. 5 fiur druhtin 
ituti iim «lor «te» UaUte begiirol die IberMlaiag der IhM 
Mit Jmm Irmt «mt»; die foffaufgebeiideii vier vene: 
Ulm ih hißt MM MtUu, Üuat W€^ Udu wwnU eibs 

WMMH» film Mmws joh f Arüo wtUttmoM, 
wi9 Krift nam finf leiba joh Murnie fiska tharnzna, 

fon thm gab follon muases finf ihumnton mannes 
siud nach dem diptvchnn xwirr 

(hduquit De.m paites [regit pisrt\'<qne gemelfos, 

Iiis hominum large saturavit milia quinque usw. : 
gediehlet, wie 0. auch em scbluss seines capitels noch gerade 
vier verse h»t, welohe von der Speisung der vierlsosend hsndeln« 
— gerade fnr solche inmi 0. Oder sIs aafsobrift vorangesebiekle 
oder sie Unterschrift beigefOgte vierteilige sbsehaiQo ist das 
diptychon recht eigentlich vorbild. denn auch dieses .ist oder 
soll sein eine anftchrift oder «ntefechrift für eine plasUsobe oder 
malerische darstellung von biblischen Vorgängen. Dressel, der 
neueste heraiisgeber des Prudentius, benurki dass das christlicbe 
niuseurn dt i vfitiiMniscben bibliothek nicht wenige luantiorne mo- 
nnmente enlhüll, denen ähnlich, welche von Pmdentius beschrieben 
werden, sicherlich bat auch Otfrid sokbe gekannt und natürlich 
flir solche vorginge, die er besonders aoscheaUch schildert, es 
ist wol keine teusclmg, trenn vvir die verse v 17,31*— 40: 
itap/kfim ite Isn^, wo» umtar fJbsre thingo, 
Mtit hmum oba fftfn wgtm. Um ba* $ie moMi iosipoji; 



Digitized by Google 



• 

AKATOK UND PKUDEiMlUS ALS V0HB1LD£R OTFAIDS 347 



$ie trluagatiiii hüh kumo zt iungist ßlu rumo; 

thar wolkoHo obanenlig ist, thar takuH m höh nahist 
uod besonders den scbOoen sionlichiio zag, dass die jUoger sich 
mit der band die äugen besebatteo, um von dem bleodeoden 
lidA nicht am acbaueD behindert au werden, auf eine dem dichter 
waehwebende büdliche darslellung aurückflsbren, inmal wenn 
wir bedenken daaa gerade dieaer rag bei der darsteUnng der 
bimmelfkbrt in der maferei beliebt ist. 

Es will mich auch beililnken als seien die worle Ji 22, 9 
sehet these fogala, thie hiar fhayeni obana nur mit Hinweis aul 
eine bildliche darstellung möglich, unertreuiich ist f s irtiUch, 
wenn gleich v 20. G3 wider stellt: hanton joh ouh ougon bigmnent 
jte ROH icomut und somit die Vorstellung nur aur lullung des 
feraea ?erwandt wird. 

Der dritte cbriatikbe dichter, den 0. in dem latainiachen 
Vorwort nennt,' ist invenena^ der eine Efangelica biatoria in vier 
bflehem geschrieben bat, und in der ersten praeflitio in je swei 
Versen die vier enngeüsten ebaraeteriaiert, die er alle benntit 
bat. vielleicht war er dem 0. Vorbild fttr dasjenige verfbbren, 
welches er Liulb. 28 ff so characterisierl: scripsi inter quatuor 
emngelistas incedefts medift$, vt modo quid ixte, quidve alius cae- 
lerique scriherent, inter illos vnUndtim, prnni potui, penitus pene 
dictaii. im einzelnen wird 0. den Jiivt ncus rtlchl stark nach- 
geahmt haben, da dieser mit der biblischen vorläge zu frei 
Bcfaaliete. wenn 0. zb. vom Herodes sagt eines kuninges, /oA 
hmfo firdantB, wo in der bibel nnr Hendü rtgii ateht, ao braucht 
er bei einer so geMufigen Vorstellung nicht den Juvencus näch«> 
geahmt au haben, desaen worte lauten rw fuU Htrodei htdam 
Hi gentw cru^ntuB, ebenso wenig wie ihn an den venen i 4, 
19^20: ingiang er ffto tthn, goldo getro »kro, 
mit zinseru in henli thaz hm rouhenti 
der vers des Juvencus veranlasst haben muss: $ed aim sorte 
ndytts arisque inferret odores; es fand sieb schon in der btbe 
hora incemt, 

COslin. WALDEMAR OLSEN. 



Digitized by Google 



348 



EIN SEGEN 



EIN SEGEN. 
(5;^'') ihmte ich us ge, min engil mit iMfT fifii, dry wfß 

ffUtifT harbvfe bmtgjfH: dm myr in im wogifn gim iMyii (54*) 
unjfmod$, in mieh ke^ wfm n&rm'i», ims jf gm m i tt wmk 
fi«r dar heyUge trüi ^eftoni tMrife. ak m mir iw im mmm 
wtrd» fmumm, im in wtOr in im «Afii «yii kum; ti Mir 

wedir werde in di min, daz beide steche unde mide dwrtk ti^ 
durdi heyn. dem liryiiyen cruce %y ickbtüoln, der h^Uge hymel^ 
hdder %y mir obyn. 

Dieser S('«jeii fvgl. dazu MSD* xlvii 3 unti 0. 4b9 i, besonders 
471 IT den segt n aus Muri uebst seiaeo paraUeiea; zum schluss 
vgl. s. 283; zu (lem reini wäg^iungnid» s. 472 16 uod im 
b vers des Weiftgurtaer reisesegens) stehl io einer hs^ wdflbe 
Dir kaRttch voo bro landesanliiv^liMclMr tUio geborgt wurde, 
er balle aie ? or wemgeii woeben aue Friavl mttgobracblf wo aie 
•iab im beiitse des dos Luigi Paicoli, pfimia la Enenonge» 
Camieii, beflndet ieb laise eine kane beÄobitibuBg imd inbalte- 
aegabe folgeo. 

Es ist eine papiciliö. m> ili*r 2 hailLe des 14 jUs., 11 cm. 
breit, 14 cm. hoch, 56 blaitcr (tl.is .jt» ausgeschuuieü) n\ 7 (jUiUer- 
nioneu, cingesclilageii ui eiu blail scliweitii>leder; der hinterdeckel 
ist keilfiOrmig zugeschuillen , der dreieckige tbrUaUi eiugesüuoit 
und war (Iber den vorderdeckel gescblageo ; wahracheiDlich aaUte 
daa gaoie mittels eines (aichl BMbr Torbaadciieiiy bandea nacb 
art eioar geMbrieftaache veneUoaaes wefdeo. die aebr verBcbie« 
danen bgnde daa taitaa und der reicblicba& aoaSKae an dea rlader» 
laaaeD sich nicbt imaMr abgrluaD. 

Auf dar rückaeile daa verdankckab lat aagaa. — aublurung 
grieebiacbar naaoen und worte, durch f je zwei getrenal — Hm pax 
et defensio michi f famuk dei Midiaeli ab omni incursione dyaboli 
— lüult aus iü eiu verzeidinis von cngelnamen, der namen der hl. 
ti kuiii«,'« und den versuch, das worl ahar.adahra widerhoU zu 
schreiben, von 1* — 35'' stehen in verschiedenen gruppen , teils 
alpiiabetisch geordnet, teils dem inhalle nach, teils ganz ohne 
jeglicben zusammeDbang uoler etuander laleiniacbe verse. io dar 



Digiti<^eü by 



SEGEN 



349 



iihergrofseii luelirzahl sind c^ gereimte hexameter, aber auch 
reimlose und disticlien kommen zaliireich vor. der iubalt ist 
sehr hunt: üL* r\Mo^n'nd sind es moralische sätze, häufig Tolks- 
tümlicbe Sprichwörter, practische lebens Weisheit, dann wider 
theologisches, lobsprUche aut Maria und heilige, viele versus 
nemorisles, welche geböte, sttodtAcatflgorien, efaebiDdeniissey 
flwiiatedit«ii (teile eines eieiojanm), geitini- and wisdiiameo, 
aslfonomische uad die leitreehnuDg betreffende Utie,* nednt- 
Biiehe regeln, betanfflcbe nomenelalnr, geograpbMie und biito» 
rieche notiien einprägen lollen* sie sind i« versehiedenen uiten 
nnd mit versdiiedener tinte aafgezeichnet. am rande stehen Überall 
noten, welche zum teil aut die verse sich beziehen und sie er- 
klaren sollen , dann aber auch neue nachgetragene verse bringen, 
unten gelegentlich glossen, recepte, hturgische notizen. sichtlich 
das scrapbook eines geistlichen. 35^ beginnt ein lateinisches 
vocabular : zuerst das iat. wort , dann Ist. defloition , dazu — an» 
fangs selten, später immer häufiger — die deutsche tthersetztnig. 
es ist alphabetisch geordnet, Dingt aber mit / an nnd geht die 
bnchstaben durch bis F. 48^ hOri es anf. anfang: Jngrat¥9 
gHl Mail tmlr re^rolAm* f Jlfti. eix« di JMm. Jugerum* s. tpaHum 
tamfi f. eyn morgen, — tiMhi^e .t'. igMuesn f. vorgAm), 
schlusfi 48^ ffro. as. pertimi aä jmihs Am $edmU snft aepe. s. 
srajten. Vernat spfniiiet. Velum s. in$tmmeHium. — daüü be- 
ginnt ein nach lulialisgruppen geordueies lateinisches vocabular, 
in welchem regeimafsig die deutschon worte neben die lateini- 
schen geschrieben sind, antang : Avus eUiervater. Ava eUier- 
muier, G$HÜor vater, schluss 53**: Crumaculus hechele. Cal- 
dumm gramacula borisen» Compes vemr, CeUis. — damit bricht 
es ab« darauf der oben mitgeteilte sagen 54% dann recepte, 
aber Asmodens. 54** kleines gtossar nrn pHamennamen (Am- 
watia bgw$ CSA'dMs mMumM). W legende: Smeh» /s- 
dotm fmU df NiCMme n§«M, 55^ itcepte. federproben. 
Terse, aber ganz fenrischt. 

Graz 8. 6. 84. A. E. bCHOiNBACU. 



Z. F. D. A. XXIX. M. F. XVil. 24 



Digitized by Google 



S50 MISCELLEN kW MAZEE lANDSCflHIFTEN 



MISCELLEN AUS 6RAZEB HANDSCHRIFTEN. 

I ZOllJtlDEL. 

Die vtrtthiedtnefi fcusungen der legende vom judeHknaOen, 
toekher wegen »einer teihahme am e^rüllichcn abendmahl von 
dem erzürnten vater in einen ( schmelz- jofrn geworfen, durch die 
gnad€ d«r jungfrau Maria jedoch auf unmderbare weiie geretiet 
mM, kM Mtigm Wolmr (Ihr jmMfi^» HalU 1879) imt witkm 
/hifm vvmidmu wtd mm tmU mok kwrw M i ^t§ ik m , mm 

4m hmMriftmwonm der Irrmr mm>mimaiNM^ Kdi ük 
mm mtbtkmmte tM» AMT« 4«rm mtm dtmh ulter und beimd 

a) He hsndidwift nr 1432 (nach der aüm tigmtur ^^,20 4")), 
116 hlälter pergamenl, ende des xii oder anfang des \m jahrhundertt 
gemhrieben, enthüll Itiicfnische sermone, besonders, und zwar gegen 
den schhm imitier dichter, des hl Bnnhnrd von Clairvaiix. auf 
hl. 99^ finden sich die folgenden hejcameter eingetrageH, bei deren 
abdmek die itirtmifwi wflöee imd die imerfmeOim Am- 

QmmI nfm IM Ml, mibi optdilt, fiiboki »ob est» 

qua» ?idi prios Mvleeia jricfeiiD sipar mm« 

MtDi fMdaai |Ni«r« 1^ «hnstioolinm 

ooiili4Mf pveria el «oniip lacAis mm, 
• 4hat in teekeStm fuo pkrta firit enpw amm 

cum nafo proprio Christi genitricis imago. 

cmiqne. sncerdos dtvtderd |iopuiis sacia Chmti 

Jude US puer iotuitus retulit sibi viRiim. 

tullro (}ui puerum sacrili^x in trnfia sfcarel 
tO Ulem qualift erat, queai saucta Maria teaehat 

dtfkhim ^eoiio. propians emeepit e( ipae 

ore too partem comii cmdis redüU|iie 

tMla patema. refert quid viderit aUnM({utt 

ostendU pairi« pater indigDatos in in 
la etmndi juaail clybanuiD, projedi in ignem 

naloiD. quod ccrnena maler tolerare naquibat« 

(amor est matris, cmn sit pater ad pielatem) 

lü teoebaut 17 miter 



Digitized by Goc^^^k 



MISCELLEJN AUS GRA2EH UAI^DSCUHIFIEN $51 



acciirrpns igitur amens exdnmnt in altnm. 

undiqM vicini luox concurrere /brnque 
ao infringunt dansas fumm flmmi» mplKiUque 

1^ «Mi» Im m pr# oMn triam pterortim. 

Md mineMm et qnmalita omiilbu» ttind, 

f m m»i $ iH facmn, fiiqMiidStt eit puer: iüa 

io medila liMiiM flnmnis aeoon mkkm, 
» ipaa ma ^ramüa f4e ma aiiieiptir el ifiiani 

wft% sua repulit, totnm me refrigeravH.' 

quid, fratres domiuiqne mei, miramur ad isla? 

est et enim genitnx lUius sancta Maria 

qui tuit in tornace triuni custos puerorum. 
80 boc mater potuit, potuit qui filiiig ejus: 

ille tarnen per sa potuit sed luater in ilk>. 

hüa papnlna fiaia »rabttifava baoediiit 

aagM aac» daiM» aiiii«MM|iia tjm fmitriom. 

ft»H faro nequaiD auadabant fama kami, 
aa MfiMiiMi tmiUf qaea 4m ßtmmü aina nonu 

waiwai chm pnera ftayltatail raliquosqua 

fudtm, aanata eelabria flt lande Maria. 

sie DOS eripiat inceDtivis vitionim 
30 saucta dei mater, sit laus et houor bihi Semper. 

22 adnataa 32 popalit 33 «jos fM, «Am- ffonorüu A«l m 

Dos s/äc^ steht ganz nahe der fauung, loelehe Honmriu» 
JbiipuiMkmtuis im Speculvm mkw(i$ mir Fitrifmio SomiM 
Mmria» vtirMngt (bei W9k9t wr% a.43}* $e§ar mdbrara «na- 
dHMna avnd ^anaAiMR* Aola all Alw darcib auf^oa eArift mia» 
^CMfcAiMr. wMe$ 4tr MIm tfidh» da» tfftara, «afate diu ofr- 

ftj (2nn miscellaneodex 990» 35^,, 40^ pafner, 15 jä., enHMAme 
fcÄ ef>?e prosaische faasung der legtnde , welche bl. 113'* in ein«r 
iateimscheft predigt, ebenfalls zur Pimficah'ü B. Mariae mit dem 
texte Adorua ihalamum luum, Syon elc. ah btispiel aunefüln f irird 
(tygl. V. 27 in a), wie denn alle predij/teti dUeer sammiung niira- 
cula Mur exemplificatim enthalten, 

lofeDiliir quod quidam judeus mansit in dritale quadam 
babena iliun qui lalda aaeiaüa Aiit cukhoi pttaro cbriatiaio el 

24» 



Digitized by Google 



352 MISCELLEN AUS GRAZBR HANDSCHRIFTEN 



laudabant (f. ludebant) sepe pariier. qua da« die pascalt iTerunt ad 
inissam et pucr chnstmiiui? lücliuabat ymagini sancLe Mane et ju- 
(leus similiter, et juileiig sumpsit corpus doiiüui et cliristianus 
8inuliler. cumque puei judeus veuiseet domuin, quesivit ab eo 
patercjus, ubi fam diu moratus fuisset. illedtxit, se cum socio 
8U0 chrisUano fuiase (iviue?) «<i nksMii et iucboaiAe ae ymagioi 
sancte Marie et commiiiieasae. audiena hoc paler iratus con- 
poaalt maximani igMm in üDfaace et Miiiiieit flUiw in igoen et 
clanaa foroace disceaait. ontque OHiaretiir noMler ijua« ubi flliua 
SU1I8 eaaet, qiieaifit uniKqae, tandev iBWit pneruni in medüs 
(ery, flammls) IddenteiD, qtiod notatum est nnifene cifitati. cum 
quererent ab eo, quis ettm ab igne eroiaaet« dixit, quod flia 
doffliDa, cui inciinavi (i. mcliuavit) in ecclesia, secuiii iu lornace 
iuisaet et eum a flammia det'endisset. 

Das Stück hat uianches eiyene, m, dass der knabe vor dem 
ManetthiMe ffirh vern^itjt , was unter deii Uiltinischen fassimyen 
nur noch (kr Uber miraculomm bringt, aus welchem WoUer 
itr tO die Ugemk abdruekt (nmtxtndt mit der Marienlegende oim 
uküler). voenn hier die mtmer üher du kmabm ateaamM ear- 
mmdm ^ $udu «nd.^ 4fm fiiidä, a$iii4t»wal mm Hne um- 
4f€$Uiliung de$ wnprün^ükm, womuk in wek§mikni iet muaer, 
wMe ibr wUat dm fmtiMim valm witMt, dk MetUehm 
nathbam herbeiruft, 

U \E£&m D£ B£ATO UARTMANNO. 

Die hßndichnft nr 350 (alte sigmtnr ^-/U lol.), von Waltete 
bach in Pertzs Ardn'v 10,624 besprochen, pergament, xiijahr" 
hamdert , enthält auf der letzten mte ein vielleicht am atugange 
dmettm tiemlmmt mtfi$ukhnetee bnoigrgtbet: De saocto Hart« 
manno episcopo. In vila Canfeaaoruni, fiidl ip6M«ii dai /M- 
gandM Miliiii ädm: 

Saneta MARIA Latte den dineo ehapelan 

der dir maneli dinat liat getan, 

de iat der biaeof B ARTHan ; 

dem »i alliu uusdX uui gechleil, KirieLeysoD. — 
yemeint ist Harimann, 1141 — 1164 bischof t?on Brixen, et darf 
nidit wunder nehmen dasff im diesei' ans SLambreciu iUammendm 
h$, UartmäHH mch sq beäeuUam erwdAia finda, detm dieser 



Digitized by Google 



HISCELLEN AUS GRAZER UA^iDSÜUHif TEM 353 



ktrchenfurbi hteil sich oftmffls di ffer Sfmrmnrk auf, wie man 
mfs v/ahns Steirischem urkundenbuch i und u, v Muchars Geschichte 
des herzostums Sieiermmrk 4 und 5 band, besonders 4, 443 ff er- 
sehen kann ; er begleitete mmMmi dm entbuekof vmt Sahdntrg 
(Kmmd i, Mberkßrd i)» dmm ntthi§m m f0mr* 

m Füi hmüEmlmmimk» wM$ nmk iMfikr^ (darkrUik 
dar y. h. U. m Jrd^ fiht iftttrrtkkkdf pMkH A^f) 
motidtm 1190 und 1216 wm imm ononyrntu (to&krmMdiA 
«ÖMW <i»rJfc«Tii litt felNlwy NmuHft bei Brixen, dm Bartwumn 
gegründet hatte) abgefasst ist, berichtet cap. 15 bei Petz SS rer, 
Äustr. I 496//^ atisf iUniich , äass Hartmaim die kirr he des klosters 
zu SLambr^t entyeweiht habe, bei dieser gelegenheti ereigneten 
sich drei wunder, für \oekl\e der abt als zeuge angerufen wird, 
das ist Berengar, der diese würde von 1180 — 1216 b^leiäete und, 
wenn ich 2i, 20» 191 / recht vermutete, die hereteUung vieler hand- 
Schriften veranlasst hat. das gebet für Hartmmm erklärt sieh 
ßbo In'cAi. et haf no€h «öi n$benini€tme. Mm et ükUMkt d» 
dkM MmgHii dafür guMrt, dam Bartmann als Moctus he- 
$eidm$t mtnle, die pdpttii^ amkmtmng erfolgte eni 1784, 
der 30 oetober wariB dm 'idigem* ^ gedMtmiMiag zugewksm. 
vgl, darüber Sinnacher Beiträge zur getchichte der bisdiöflichen 
kirche Sähen ionl Bnxeti in Ttjrol, wo 3, 231 — 346 eine aus- 
ftUtritdie, auf urkmden ge^üUnte ilarsteliung van üartmanus 
kmi iM* 

m SGBLAGBTGESANO. 

Die handschrift tif>224 (alt iol.), ein Pxiamaw major, 
nagiilri Chttanda« pirgammt, vkjwhrkumäirt, m» dam <s 1* 
hai/it: Hunc priicianum ab Elbuino de Treues ee aand^ Ihri^ 
in Secc4e IndUiiiB. quisquis abalulerit etc., eaUM amf ikair 
aeJtoi klaffe vaa wm kcmi dm im jakrinmäerts dk vim: 
A?e M., gotes muter uode naget, 
ellt'u aieiu liot sei du gechlaget, ^ 
du hilfe mir von suodc! 
Ave Mm älh-T ^'oiiaden vol, 
derbarme dich uude genade luir wol 
uod heile Qieioer sele ir wimden^l 
4n iMt wahrscheinlich dasseWe liedchen, welch» in dtr oModtt auf 
dm Mard^füde MwUdm Rudolf md Ouokar, am 26 gngau 1278^ 



Digitized by Google 



354 M1SC£LLEN AUS GRAZEB HANDSCHHIFTCN 



von (Ion ileiftsrhen heer gesungen w}(rde, und dessen beide ersten 
vene ätr steuische rdmchromst (Fez SS rer. Auitr. Iii 149) eitierti 
Saut Mari, muoter ande meil, 
irt UDsriu nöt st dir gekleit. 
vor dsr mMMi hti Amn 129t MMi dtr NMniU om Bmn-' 
HM 1398 wHm büi nach iwm rfft gn on^ttrAMii worim 

Iht$dk9 Man ümer hmMkrift »eigt 1109h «o» §iMr kmti 

4es \\ Jahrhunderts gegen die faUende sucht die verse t 

Caspar fert mirram, üms Melchior, Balthasar auruin. 
Hec tria saacia trium mecum l'ero noniiua regum, 
solvar ut a morbo domiat pietate caduco. 

Graz, dasmher 1884. ANTON fi. SCHÖNBACH. 



ZU DER WIENER MEERFAHRT. 

1. LambH i« den Erxtfdlungeii und ackwilnk«n 8. 215 (die 

rweite auftage ist mir nicht zu tauglich) lÄsst es zweilelhalL, oh 
Hugo von Trinihprg uii lieuucr v. 10208 — 39, wo er den schwank 
MMi der Iruiikeiiheil diT *Baierii' einführt, direct unser gedieht 
henutzt oder nach der gleichei» quelle erzählt, dass das erstere 
der iail ist, beweisen die anklänge im ausdruck uaU in den 
feimen, welche fttr die kaum 30 vene Hugo» uhlreicb ge- 
nug Bind. 

Reuoer Wieaer Heerfohrt 

10229 Si hikm ^ «m/ er 398 «Nd H4mm iV niMär 

di9 % 

«md tim$m in an 9in vemMr 400 und tilgen Ai mit grimm 
enpor 

und IC u) Ifen im ab hin in 402 gt'u einem venster, duz 

daz hör u>a^ hu. 

von einer iauben, die wat 545 d^'/ ^ras yeuallen hö cnpor 

hoch. V9n dem vmater in daz hör. 

recht ungeschickt wird hier im Renner das local der Zecherei 
erst im letzten moment geBMint: von einer lauben, während 
ea in WM gleich hn eingang ?. 98 beifet Of Hmr Mbm M 
fekhaeh iit% wMhe tingmadh» 



Digitized by Google 



zu DER WlEMßR M£l*lfiJ! AURT 



355 



102B3 Jmer ome tooft nikhlwn 445 Nü $ckrti der burger Ure 

utvde zock , 

muk im 9hi Uim, wtii Mi «t mir «tr- 

und «ncA Hn mtm, «1 ha$ und mim arm ou^h 

igt tMf hurg^B, 
Wenn dann Hugo neh beendiguDg der geschichte loni^lirt, 
äufseruDgeD <ler truakeuheit zu berichten: Einer wil varn über 

mere dtr vierd wil gen KumpmeUe, so hegt auch 

hin eine reminiscenz an das ältere gcdiclii vor: WM 144 l einer 
sagete oo» tkm mar miU vom saat JUk»bu weg€ (cL i. CoiBpo- 

% der FreudenUm lial 4Mk iloff m muem gadiebte «ms 
dvi Mide «u«» birgf rate« SeriDaiiD (dieaw Tomaaia iet 
dofcli den miiii garichen) t«ii Dawin erhaltui t. wo 
der diobler» deeieii dialeei milieldeulMb ist, tu dieeeoi berm 
w bttMinog tnt, aagt er Dichi; deM weon Lanbel t* Uli die 
begegDUDg naeh Wien eelhat e0M, ee aeheint er mir in dea 
verseQ 44 ff der sagete mir ditz mere: 

daz hat der VreudetiU^rB 

gemachet als tz dort ffeschach, 

ab man im ze Wtem jQch 

fjon guter Uule worte, 

da er dmi mere horte usw. 
4m im V, AI and daa er v. 49 falsoh au äeaiehea: ea fcaio Mr 
auf den gearllinaMaii, niehl auC dei dwblir gahftt wd folfUeh 
inüaea «fr auch die Ann änaelielide ebanactefistik dm WieMr 
labaM ala die wid^rjibe firemder barichle aMabao« wie ea denn 
a«cb gWah f. M heifat: da« A^» i'ddreftaiaai «alert wo aber 
war burggraf Hermann von Dewin lu hauae? 

Man hat anicfnglich an Tt^heii uitterhaib Wien gedacht, bis 
Karajan Zs. 5, 243 (T eiueu uikuadlichen Heimtcua comet de 
Hard^kke burchgraviusque in Dewin nachwies, einen burggrafen 
von Dewen, der erst durch heirat mit der witwe eines der 1260 
gebJleaep beide» giafen grat von Uardeob wurde, einen buig- 
gnte Barmanil von Dewk bat Karajan nicht aufgeraodeii , und 
lach meMi aiifiaiNbea m jaeuarea «ibiMideiiwerkaii iat aergeUicb 



Digitized by 



356 



ZU DER WIENER MEERFAUAT 



gewesen, die Hardecker sind ein österreichisches geschleciit, 
über das näheres 7.^. 4, 244 ff zu lesen ist. ps verdient aber 
diesen nolizen KarajaDS biozugefUgl zu werden dass sie sich 
viellach im gefolge der Premyslidea nachweiaeii beseu und 
auch in Bobmeii begütert wareo. «o erscbeiocB m den Re- 
gesta dipL el epiat. fiotMouae aec dod Morafiat imt Etbea 
ttiid Enler i293 (nrm), 300 (orOiO), 345 (nr735), 418 
(nr 889), 422 (v 903. 904), 596 (nr 1293) in vikoDdan Otto- 
ktrai, Wentels Mokanit die gnkn LaiteM, Convid und 
OUo TOD Hardeek. i. j. 1220 macht Coa r adee comea de flardeke 
dem klüster Welegrad eine scheukuDg (i 294 lir 628), ZaroSice 
in Böhmen; weitere belege siehe im regisler tu bd. n der Re- 
^'esta s. 1295. auch der vou Karajan nachgewiesene sieht als 
zeuge unter einer Urkunde Ottokars ii vom jähre 1260 zunächst 
als Heinricus bwrggiavins de Dewin (ftegesta ii 99 or 202) und 
eracbeint dann ?oa r262*-*12f73 als graf von Hardeek widerboU 
im gefoige Ovutkm (RegMta u er 363» nraao. iir65a. nr678« 
nr 689. nr 694. ar 814). ia welohem veriialUiia der vom dlcirter 
der« WH erWUmte Inirggnf Hermann ?on Denio sa iiim eland, 
bleibt flir mieh leider imenttdieidber. aber leb halte ea acben 
fttr nOtzlich, diese beriebungen der Hardeeher zu den Premy- 
sliden hervorzuheben, weil sie den mitteldeutschen dialecl unserer 
dichtung am besten erklären, der dichler war Iku IisI wahrschein- 
lich ein Böhme, uuü als eine anregung tilr die üeutfch-böhmische 
htteralurgeschiclile niricliff ic!i dipse notizen angeseheu wissen, 
in tecbnik und spräche sieht ihm keine dichtung näher als die 
von Bartsch Mitteldeutsche gedichte s. 1 — 39 herausgegebene 
Marienlegende des Heinricb Cluzenere, welober für den Bobmen* 
konig Wensel ii acbrieb (Martin im Ans. in lOd« HO), beide 
btben den d inft eim mn sebbiss der ibsebnüte (Waekeraagel 
LG* s. 172 anm« 39) nnd bei dem Frendenleeren finden wir^ 
soweit es der geringe mnibng seines gediobts erwarten taast« die 
gleichen dfalectiscben eigentamlichkeiten wie bei Cluzenere. die 
spruelie der Meifsner UliumcIi von Krolewitz und Heinrich von 
freibcig ist lü einigen puncten davon unterschieden. 

Diese sprachliciie beobacliluii^' fdie vielleicht im rahmen der 
Bibhothek der mhd. litteratur in Böhmen einmal berücksichliguog 
findet) bat mich bewogen, eine andere spur aufiiugeben, «nf die 
mkb idMthet mein inleresae fttr das gedicbt fobrle. es gibt 



Digitized by Google 



zu DER WIENER HEERFAHRT ä57 



ü.inilich iu jen«M' zeit noch eiu ;iinleres biirygraf'engpschlcchl 
(caslellant, yraefeui^ burggravii) de Uewin oder Dewen, das in 
dem heutigen Dobeo bei Grimma aosflstig war. die dalen, welche 
darüber in einem aufaatze der Samaliuig Temii8chl«r nachrieliteo 
MF ücMselMO geMlncbte bd. 9 (1774) 393--371 lu finden 
iMd, iMl geiidMet and ««iMhit Lorant IN« siadl Grimma im 
konigfridi Saohieii hiüoriteb beachHebra (Leipiiel856) s. 1016 fr. 
wef tore naabwekungen laaten afdi aaa dem registeni der «rkonde»- 
bQcher des hochstilts und der Stadl Meifsea (Cod. dipl. Saxoniae 
regiae ii haupUeil, bd. 3 und 4) entnehmen, das geschlecht ist 
als burggralen vun Dewin bezeugt lOr die jähre 11^5 — 1264, 
der letzte nachweisbare ist auch hier ein Heinncb burggraf 
Ton Dewin (1253 — 1264). eioeo üermanD aufzutinden ist mir 
auch mit hilfe des hrn prof. Knothe in Dresden ^ der mich bei 
meinem saehen in liebenewIinlHs*^ nnleraiotile, nleht 
gelungen. 

Vielmeiir bei gerade br pref. Knothe meine anfmeifcnmkeil 
anf Ddhmen hingelenkt frellieh dm DewIn', welcbes er tn 

meinen scheint und das 1289 in den beeHs dee von Heinrich 

von Freiberg gefeiei ieu Johann von Michelsbei iibergieng (Emier 
II 560 nr 1298), ist schwerlich das, nach welcljem sich der 
spätere gral von llarde« k nanote. mit welchem recht aber Ka- 
rajao als stammscbloss dieses das adriatische Duino bezeichnet, 
kann ich nicht sagen, da mir die von ihm benutxte litleratiir 
hier nicht zur Verfügung steht. 

Vi^eicht iil einer unserer bofamischen germanisten so glflek- 
lich, die Wiener meer&fbrt der bohmisciben litteratur entaebei- 
dead au aioheni. 

GOtlingeii. EDWARD SCUHUDER. 



hm DER TUGENDEN UND LASTER 

4 

ZUM RENNER 3755, M. 

In seinen inhaltreichen Untersuchungen Ober Hugo von Trim- 
berg und seinen Renner gibt Wolfel Za. 28* t62f auch eine knne 
tfibersicht Ober die belesenbeit des diebters. die frage nach dem 
276öf 



Digitized by Google 



ZbS DIE SUMM£ OER lüGLMDEiS UND LASTER 

Steer hat geluen der last er summen 
Und der tu gen de, dey- m'ndei da »<d 
Was er tun oder miden soi 
genafuiteii werke will ich hier heanlwoiteo. <lie religid&e lit- 
teritnr des ausgehenden mittalaltar» ist uii^ttMla rekb an beicht-, 
lehr- und andaehtiäacbm, >■ hMnbliMliiii «Ad kateobetMiM 
.bilfiniituliit di« mch ab mhuim od«r ooMfeaditiii bminliDea. 
•deft litd SmoMi virtiitiin «I filianim apeekU fohraa tirei wark«, 
dia ftt den whraitetitaQ Hmr tjattang gehdran. Mkr houiiaf 
ai Frankreich, ihre abfimungszeit die zweite hfllfte des 13 jha. 

iai jähre 1279 veriasstc der dominicaner Irere Lorens als 
beichtvaler köuig l'hilipps ni von Fraukreich in iranzöaiscber 
spräche eiu heicht- und aDdacbtsbuch unter dem ülel Somme 
des vices et des vertus (in einigen hss. auch Somme le r«ti), 
das uogeiDttia rasch bekannt und in die verschiedenstea volks- 
spracben Obenetzt wurde. Qu^iif and Eckard Scriptorea ordiaia 
pcaadkatomn i ^^^--aSB gaben linkr UorantiHa Mbia die den 
aular und aeio werk betnffeoden pacbrichlaiii «nd ülUmi ita- 
Uaniiclie« proTeD^iiabe» aalalamBcba, apaaiaebe, eogUaabaund 
aiaderlXMliBcbe fibeitragungen iwd bearbeitHngaa auf* in Eagbnd 
iel das buch von Dtn Michel Ton Northgate In aeineni Ayenbite 
4)( inwii bearbeitet uud später uoch viermal übersetzt worden.* 
die liiederländischc flbersetxiiti«,' de$ Jan van Brederode aus dem 
jähre 1407 oder ist als Summe le roy ol des coninca 

snmme schon im 15 jh. dreimal gedruckt worden, zwei dieser 
drucke (Deitt 1478 und Uaarlem 1484) besitzt die Gottinger uni- 
versilflubibliothek. Ten diier la^aiiiiicbaii übenMIiaag finde ich 
nichta erwsbnt, ebenso wenig von einer deutaeban, und vir 
dOrften also schon aus dieaem gründe sweifeln dasa Hugo von 
Trimberg und seine leser dies buch gekannt haben* datu kommt, 
dasa sieb die erwsbaung der Summe gerade da Andel, wo von 
dem misbrauch der pfrflnden und pfarreien und anderen aOnden 

* noüzen über französ!«!f!ie tnaouscriple äodet man aufserJnn m der 
Hist, litt, de ta Frsnce 19, 3^7 — 405. bei Paalin Paris Les manasrnis de 
la bibiiotheqoe du rot ai 3S)^, Romania ^,323, Z9. f. roin. phU. 54», Eogl. 
ftad.1, 382 r. 

* vgl. tcD Brink Gesehiehte der eogL litt, i 353 ff, Vamhaseo EogL 
«tod. i3S2ff. 

* proben aus Iss. M Mbken fiadefettMUsn«, btUageo s. St-«f5 
and newidiogs in Fnoeks HKtetoicderiindlsehef granmattk i.214?-^tt7. 



Digitized by Google 



Die SCIMM£ D£a TÜG£ND£N UND UST£a 



359 



der lileriker die r*^de i?:t. das werk de? fr^re l.oreus aber war, 
wie schoD die abtassuDg in der laadeflsprache zeigt , für die laicD 
benimmt und g«ht dabir ttbtr 4ae gtiiraekaD der giiatliebkeil 
km hinweg J 

Anders die allere %mm iktmam et fitietam, «ddhe fOr 
LoNM eipM m 4tm 1 haaUittoden eiae InafilqaaUB 
geweeen sn eeitt «jheiat ihr veitacr Cuillielnme Peral« 
4iif (MHiUDe Peraill) war gleiehfidle demnietner, aher niohl, 

wie man fVOher annahm, enbiscbef foo Lyon; er starb vor 
1275; vgl. die Hisl. litt, de ia France 19,307—316 und Qu^Uf 
und Eehard i 131 — 136, wo Uber sein hauptwerk uad seine 
(vie)tnch fälsdilich dem GiiHlietmus Parisiengis oder Guillaume 
d'Auvergae zugescUriebeoeo) predigten auslü lirlich gehandelt ist. 
die Summa, von weteher die Hist. litl. eae» 22 bss. der Perieer 
Mliothek und ebenso viei gedmckte eiugtbeo ««fiiihlt, rant 
Crael Geeebiobte der deaiecbeti ptedigl in Mu t mtar 
-den whshtigfleD etoAamnliiiigM ftlr prediger* eiaige hi«. fttgett 
4m titel MtdrtlekKdi biesu mmUbm pnuditmUAui mmmopen 
MMMMrAk hl der mir forliegendea MHgihe ti» KCl«! Cot. Agr. 
1G29 4^ umfasst das werk zwei binde; der erste entblit die 
summa vinutum und liatideli nach einer eiolcitang (d$ virliUe 
in communi) de fide, de spe, de chaniaie; de prudetUtüt de tem- 
ff.ranlia, de foriilndine , de justtda; de donin, de beatitudinibus ; 
<lcr zweite, die summa vitiorum, uacb entsprechender eialcilung 
4e gnla, de luxuria, de auarüia, de audia, dt superbia» de tu* 
Midia, de ira, de peccatis lin^uae. diese eSnteiluog bat wenig 
ijrigiiieUea und ich habe die reihenfolge nur angegeben, um 
gleich itt erwähnen dase Hugo Ten der slralTen, in dispositionen 
«nd enhdtafofiÜMie» fegliederten einlailvng im «lefa bei dem 
eebelMÜeehen pradiger nicbu geiemt bat. aber inbaMieb konnte 
«r namentlkli de« twiäien 4eile des werkes, desaen gegenelMid 
und gliederong ja im allgemeinen auch im Renner widerkehrt, 
sehr viel entnehmen, so wird der hinweis auf die Sumnic in dem 
abschnitt über den misbraucli der geistliehen stellen fv. 2660 IT) 
-speciell das capitel De auaräia ministrorum ecciesiae etc. Et primo, 

* Tgl. niederliodischer druck 1478 bt. 30* ^ifdaer ciklnag) iSn noch 

-«MT veel ander dlnghtfm »# i^monye gheheten. m^r hpt hf>hnf>rt mff*t r/f 
cUreken toe, En äit bo§e it meer ghamaect tot leikm luden bthoef dan 
(otten chrcke, ßf^anl die elereken hsbben bocken ghenoeoh leefdcn si wel 
daer na. 



Digitized by Google 



360 DIE SUMME DER TUGENDEN UND LASTER 



de Simonia (cd. 1629 i S7 fT) meioeo; zu den verseü Von dosier- 
hüte feÄen v. 2933 II uuA Von closterliuie imgeduU v. 4055 (T kann 
an (las capitel De munnure clanstralium (i 3 10 ff) erinnert werdeu, 
und 80 lort. hatten wir Ireilich nicht von dem dichter selbst 
eine «usdrückliehe erwAbouDg dar Somint, MWQrde der beweis» 
doss sie in Renner bcDSltt sei, gewia schwer zu fuhres ssia» 
deaa tkumtl arbeitet Hugo ttieanls mit dca ^ueUen in der bind» 
und dann worden aalbet einsdne wOrlKehe ttbereinatinMungen» 
wo sie sich ßlndeo, niefat viel bedeuten, dieae Gampendien den 
spateren mittelalters sind eben leliglicb oeanpUatlonen: ein antor 
schreibt den anderen aus, und den erfolg hat der, welcher es 
den predigern aiu bequemsten macht, die klagen über den über^ 
mut und die iKibsucht der soldknechle, Olwr die putzsucht dor 
weiber, über spitl und raub und lauseud andere din^e IkU Hugo 
mit vielen predigern ebenso gemeinsam wie mit Gudlaume Perault. 
aber dass er ausdradüioh eines der beliebtesiea bandbucher der 
predigtUtteratnr, und zwar ein noch nicbl lange aus Frankreicli 
eingeflibrtos, nennt, ist imMbin ein inteieaiaater beleg filr deo 
litterariacben aHsammnbang der welllicben satire mit dar 
glddieitigen predigt und bestätigt zugkteb aufs neue den inter- 
nationalen eharaeler diesei* ganien litteratur. 

GOttingem EDWARD SCUHODEH. \ 



DIE IWEINHANDSCHRIPTEN U. 

D. DIE PARISER HANDSCHRIFT. 

Die handschiift Ms. aU. 115 der biblielb«9M nationale im 
Paris wnrde mir durch jMrabgeneigte vennittehing des bMngk 
auBialeriuns der geistüoheo «iw. angskgenfaeilen nur benwtaong 
in die biesige ttniversittlsbibliellMk gesandt. Behagbeb be*^ 
flserknngen Ober dieeelbe Oermaoia 22, 273 — 280 bedUrien ia 
nicht wenigen lallen der beriditiguu^' und ergänzung. 

Zunächst ist hervorzuheben dass die hs. p von zwei ver- 
schiedenen Schreibern btTiübri; derersle, h\> bl. !06 (v. 4339), 
hat 16 — 20, s» kein r 21 und 22 Zeilen in der spalte, der zweite 
meist 22; der erste schreibt \mmet dax, ex, der zweite nur das, 
es; die linte ist von bl. 107 an blasser, auch der rubricator ein 



Digitized by 



DIE lW£irSÜANDSCIi[UFT£N il 



861 



anderer, währen«! der zweite teil sicher in das 15 jh. gehört, 
möchte ich deu eisten (Or mehrere jahrzehnle älter halten und 
flaiibe üMt dass er io dat 14iku xu Selzen üt^ wenn auch ao 
4aMn ende. 

Di6 irage« ewiga der zablreicbtn Uk6km .anl vcrinrene 
Ittttflir teUttten littan, in deahiH» achwar i« beaatwortia, «eU 
der aeue euÜMuid ao fest kt, dass nicnand «boe nratorung des- 
aalbeD die grofee der lagen fealateltan kann* w» kli laliko 
iMBte, habe ich sehr grofse lagen gefunden, faia au lehn 
doppelbbtteiü. aber jede rechnung, die sich darauf gründen 
konnte, wird zu nichte gemacht durch den uiiiäiand , dass Öfter 
sich die spur eines ht r<i umgerissenen blattes ündet: bisweilen an 
einer stelle, wo eine lücke im texte ist, jedoch auch an solchen, 
mo eoiweder gar keine lUcke vorbanden ist, zb. naeb bl. 83, oder 
eine ganz kleine, wie nach bl. 8^« wo nur aecbs zeilen fehlett. 

Damil ftlU BeäaglMla rechMUg (s. 274), weloba lagen lu 
vier Ulttani als crsle vanuaaettiiBg kat, von aolbai in niehta 
uaanauMBt wenigaiana aowek aie dio handacbrift p aolbal bo- 
trillL daa rechenkuaalatook Aber die «oriage von p achoitaft 
aber daran, daaa Bebaghels angäbe oioar Itteke 6d68 — Ö787 febeh 
ist: die liicke umlasst nur 6711 — 37, also 27, nicht die 69?erse, 
aus denen die spalten zu 23 zeilen gefolgert wurden, erheiternd 
war mir üafiei die entdeckung, dass das exeuipel auch in calculo 
falsch ist: eine lUcke 6668—6737 gibt nämlich 70, nicht 69 verse, 
und ebenso wäre 388 — 504 doch 117, nicht 116, ganz abge- 
sehen davoDt daaa auch hier die zahl 504 falsch ist und 505 
beifisan imaa, aodais talaMablich 118 reiia fehlOD, m denen die 
apdtanllnga fon 23 Toiaan wal an«h aebwer paaaen' wird. 

Ebanao taib ftlaab taila nnfottiiindig änd die übrigen an- 
gaben der locken (a. 273) und die erUttrungsverancbe a, 275, 
sowie £e hier aasgesproebene vemmtung, daaa 7456 ein neneft 
blatt beginne, die Vermutung konnte auch überhaupt gespart 
werden, weil der v. 7455 gar nicht fehlt 

Auf Behaghels bemerkungen (Iber das hau dach rillen verhiltnis 
will ich deshalb nicht weiier eingeben, weil ich demnächst eine 
alte hss. vergleichende Untersuchung zu geben gedenke; doch 
hat auch hier Behaghel sehr vieles falaebe, so a« 280 die los?rt 
h^mM für mijnlu (a. 12), a. 278 die remmlung, daaa a mit £H 
stiaimt 



Digitized by Google 



362 



DIE iW£l^HANDSCÜAIFT£IS U 



Von positirem enrag« kaoo ich noch mil einiger sicberMi 
angeben : 

Die bs. p ist nicht ?oüstKodig erhalten ; ea tehlen nach bl. 9 
drei blauer mit 118 versen (388^ 506); nach bl. 65 ein blati 
mit 36 versen, hier ist die spur eines ausgerissenen blattM dent- 
lioh uad die beide« lüctia nteb e a d e n apaliM 66' md 66 htkm 
glekblbUi j« 18 wte; dritteoa fsblt atcb 180« «m gtiichfcMi m 
blatt auageriim iü, 7769-^7813» alio mimdiMkk mm 
blatt nril 44 leilen, db. der in dieaeoi Iniie ObKebeo tefleMahL 

Von den unvollständigen spalten (Behaghel s. t>73) steht eioe^ 
bl. 02% mit 8 Zeiten sicher am ende einer läge; ob auch 36"* 
(14 Zeilen), 120' (U Zeilen), 152' (14 Zeilen) eine läge been- 
den, habe ich nicht leslstelien künnen. die tatsacbc ah<»r, da?«* 
es solche unvollendete spalten bei beiden Schreibern gibt und 
daas jedesmal auch auf solche unfoUendete spalte eine Iftake^ 
folgt, möchte ich durch annabne tob Itcken in dar vorläge er- 
kltre« , welehe den scbreibeni von p ae avIMIig «am, daaa lie 
n einer etwa »OglieiieD erginiUDg raeni liebea« dmb bü ea- 
wenig fweek derartige ternatuiges aMmpraclieD. etuM aicberer 
aebeint nir die anoabne, daaa unter den ectloreBen bUNtern wUk 
auch solche mit unvollendeten spalten befanden, dies möchte 
vielleicht bei ▼. 3281 — 3300, welche nach bl. 77 fehlen, an einer 
stelle, wo die spur eines ausgerissenen blattes erkennbar tst^ 
ebenso bei v. 4011 — 4027 nach bl. 97 der lall sein. 

E. FfeRGAMENTBRÜCHSTÜCK K. 

Das früher Birlinger gehörende bmcbstOck ist jetit nr 461 
dea fttratücb flebenioUernaeben nraaeon» in SIgaaringn, ma 
w eldM» ea mir hierher geiandt «orde« dar teil Germania S6, 9^ 
bedarf wegen teieeben beim dmck einiger eorradnren und er«* 
ganznngen. 

F. PIIIGAIIBIITBiHWB8T€ai M. 

DtT bt silzer desselben, archivar dr GvBiuhwald in Neu- 
sireliU, hat nur <las stOck zur benulzung für raeine ausgäbe (iber- 
lassen, der druck Germania 25, 395 ist Aal di^omatiacb genau. 

Die pergamenths. der universiunabibKetbek in Gieften, ivelehe» 
wie ich apiler zeigen werde, für die Iweinkritik eine eigentltaH 



Digitized by 



DIE IWEINHANDSCHRIFTEN 11 



d63 



liebe bedeutuog bat« war aiir 1883 uacb Berb'n geschickt; meine 
damals genommene abschrift zeigte jedoch von der erst später 
mir zugänglich gewordenen üeneckes solche abweicbungeo, dass 
ich zur lesUteUimg des tatbertandes die handtcbrifl 1884 noch 
einnial erbat und erhielt. — die hs. iai foo eiDam Schreiber 
sebr acbdo geschriebeat jedoch mki eioer grofseren mfeihrechung 
10 der leit: bei bl. 80 (v. 4115) begiavt Uawere tinte, die Ini« 
tialea werden leUa ichlecht, teile (Usch, teile sliid lie nur vor- 
gezeichaet, fuShread sie im eratea teile gaai varzOglich aatge* 
fQhrt sind. die h9. gehon unbedingt den ersten Jahrzehnten 
des 13 jbs. an, das lormaL ist gerade so grols wie Benecke- 
Lacbmanns erste ausgäbe des Iwein und die zierliche form gibt 
ein anschauliches bild vun der äufsereo bescbaüeoheil der salon- 
lecture im höfischen mittelalter. 

Die angaben in Lacbmanns variaoteoapparat bedfirfen aa 
folgenden stellea der berichtiguog. 

Lachmanos appant handaehrifl B 



107 fehlt B 


fiele ir tm 


556. 557 du 




588 a^Al fehlt B [damit fliUt 


tdk m'Af ias 


aoeh die gaate aamerkoag] 




871 erhebt 




940 oder bat hier auch B 


ode 


998 entnuwet 


em trCwei 


1094 beliehen 


beliben 


1150 daz was 


des was 


1440 drumme 


drvmbe 


1469 i für i$ B 


ie 


1557 Em 


ß 


1670 smeh 


aadb 


1707 die 


dH> 


1842 dlMwe 


ittum dB 


1845 imwern 




1915 friden 


fride 


2099 rmest du 


r(Hestv 


2112 mrftten fs 


vej'slenen 


2183 ir lehlt B 


kvmU ir helfen 


2212 i» inwSiz 


mm -mtl» 


2239 itnaer Air ir B 


ir gtwut^tn 



Digitized by Google 



364 m IWEIftHANDSCHRIFTEN U 



2242 wil gem» 

247(3 nie [damit lällt die an- 

merkuog] 
2528 stnt 
2894 diu 

2031 ern emumde 

3306 4te ia B beruht auf 

schein renlebeD 
333S 



3689 Mtte 
43S8 ini 

4472 <iru für den offenberen 

•ccusativ 

4964 die 
5107 herre 
5272 wtsst'!<vfe 
52 84 gewüme 
5405 hedenthalp 
5520 mtcA lool 
5651 Aoaf dN 
6002 

6137 enftwiiiMf 
6552 wart er 
6575 leJ^M 

6741 vant er 
7512 
7551 e 
7905 t^n« 



ml ml gtm§ 

me [auch der 

iai>cii uitj 

sin 

die 

em $»m<U 
in 

die 

div 

herren 
misserfPt« 
gewuntu 
bedmthalben 
mich noch 



Lipdauer 



dam kvmut 
woi er 
aibm 

vander 

si si 
fe 

imz 



Zu V. 4164 bemerkt Lachmann: 'nach diesem verse setzt B 
allein hinzu den man noch diu mwre, wa er zevinden wcrre. 
höchst UDsinnig aus z. 5763. 64.' ich habe schon Ze« 29, 1 1 5 
aDgegeben daae die Usdaiier abichnil von 1521 die Terae nifiht 
Qbernabm, weil der Schreiber von B sie seihst gestrichen hatte. 

Eine gani merfcwflrdige stelle ist 3908. hier hat ADCf dmtk 
in, Jabedpn dwt^ mich, B beide lesarten Ober einander 
Lachniaiin gibt im aj)parat gar liiuie vaiiaule, weil Benecke 
die doppelte lesart übersehen liatle. sc» gierig diese für das 
Itaodschritleuverbaltnis sehr wichtige stelle der kritik bistier fer- 
luren. 



Digitized by Google 



DIE iVVElNUANDSCMAlFTEIS il 



365 



Ks VI i slrht Sich von sf'Ihsl. «iass die leliler in Lachnianns 
apparat hier wie sonst auf Reiieckes rechnung komaiea. er 
selbst machte überhaupt selten fehler, ich wenigstens habe im 
Iweioapparat noch keine stelle gefunden , in der Lachmann eine 
lesong Beneekes folsch widergegeben blitte. er hat aopr nicht 
seilen in Beneckes angaben den affenbaren fehler erkannt und 
dann entweder, wie oben bei &88. 2476. 3306. 4472, seiner 
Terwundemng ansdrock gegeben, oder aber die lesart gar nicht 
aufgenommen, denn Beneckes ahschrift der Giefsener hs. hat 
viel mehr fehler als in (im .<|)p;irai ubergegan^'en sind: in B mehr 
als 80» dazu auf den vier durch e erg.'inzit ti hliuirm über 30. 
Lachmanns angaben über die Schreibung von B (2 ausg. s. 365 f) 
werden auch mancher äoderung bedorfeo; wichtig ist wol noch 
dass in B die accentoierten diphthonge den circumflex in der 
miete Uber beiden vocalen haben, also nicht 4L 

Beriin. EMIL HENRICL 

HILDEBEANDSLIED 65 

Bö st&ptun tö samane staimbuyt chlnihm 
braucht das hnmlschnltlich Uberlieferle stöptun durchaus nicht, wie 
noch Braune Ahd. leseb.' s. 77 v. 65 tut, in stöpun, praet. von stapan, 
geändert zu werden ; ebenso wenig ist es nOtig, dafür einen nicht 
belegten inf. alts. *stöpian anzuselKen. es ist viebnehr gleich der 
Ahd. gll. n 661, 7 fenetchneten ahd. form sfoiqpliN» 'insdgant' 
(genaue ttbersetxang würe ^instigabant' oder *insttganint*) , die 
sldi slls. entsprechend als $tp*figm (dh. ttöftun) ebenda 572, 38 
findeL das HildebrandsKed bat In seinem ti&piu» eine Ter^ 
mischung von alts. ttöftnn und ahd. stouptun, dem praet. von 
stoiiben 'siaubeu, slaub machen — erregen, lurliare'j, vollzogen 
und bietet damit widerum einen intci »s^anieu beleg fOr seine 
(li.ilcrUiK'rii^ung. als object i»l ualurlich thiu hros zu ergänzen 
und die lu rede stebcude stelle wäre zu Übersetzen: *da liefsen 
sie ihre rosse zusammen stieben.' 

Bertin, im januar 1885. FERD. HOLTHAUSEN. 



Z. P. D. A. XXIX. N. F. XVII. 25 



Digitized by Google 



m BEITÜAGE 2UB GERMANISCHEN LAÜTLElKiE 



BEITRÄGE ZUR GERMAiSibCHEN 
LAUTLEHRE. 

1. altn. hvi. 

Der leUle vemich lUn. hvi zu erklären ist tob ANoreen, 
Allisl. gr.Hnni. § 14 i uiileriioinmeii. die Identität iiiit gut. hvi; 
die Paul, Uetir. z. gesch. d. J. spr. und litt, vi 215 angenommeu 
hatte, wird aucli liitT vorausgcseizl. wenn imii l'oI. = aUo. 
svä ist, warum lautet gol. hvc im nordischen uicbt *kvä soDdem 
htfi? Paul glaubte a«l ^veracbiedene betonuDg' recurrieren tu 
kOoiieD, obue zu lagfiB wie er lich dieatlbt denke. Nereea 
trflgt die vermiiluog vor, der daL sg. der nomiaalen a-attinme 
habe eingewOrkt: also oicht *hvd sondern hoi, weil — der dat. 
sg. von armr aof -e, scbliefee. das isl ein gewaltsireich der 
Verzweiflung, der scbon danm in die hift gehen mtiste, weil der, 
der ihn führte, nicht beaclitele dass ailii. hvi so wenig von alLs. 
hwi, ags. /»ciy wie Aln. pi von ags. ^»/ gelrennt werden dart, auf 
die säe) j Machen lormen aber jene weiliier geholte erkiärung nicht 
nnzuwcuden ist. 

Schneidet die identiflcierung des altn. hsi und des got. hve 
einer annehmbaren deutnng des aitn. t den weg ab, an ist viel* 
leicht an ihrer berechtigung zu awcifeln. hebt mnn sie auf, so 
mrd alles klar. 

Ich gehe von dem durch Sievers, Beitr. vin 324 ff nachge- 
wiesenen ftctum aus, dass das germanische eine fom des loca- 
tivus besessen bat, deren griechisches muster in ef, dinXel, ahelf 
nctvÖTifAii vorliegt, in got. hve siehl man seit langer zeit einen 
instrumental, den man gr. 7/' gieicli.selit. nichts hindert in dem 
aus altn. hvi, alts. hwt, ags. hwtj zu erschlielüeuden urgerm. hwl 
das Spiegelbild des dorischen rtü zu erkennen, dass lür hwi die 
locale bedeutung nicht mehr nachamweisen ist, kann nicht ins 
gewicht foUen: für gr. nwdfjfiel und viele andere ist sie es ja 
ebenso wenig. 

Die notwendigkeit altn. hvi von got hx>e lu trennen erbellt 
weiterbin aus der lautlichen identitllt von altn.^, K^- P9 uik<l 



Digitized by Google 



B£ITBÄG£ ZUR GERMANISCÜET^ LAUTLEHR6 367 



got. pei, es Ut gar kein gruiid vorhandeo /« aus * pati enl- 
steheii zu lassen (JSkhniidt, Zs. i. vgl. gpraclit. xix 284, Paul, 
Eeilr. iv 467), und gar keine mOglichkeit, dass pH Instrumentalis 
von tjor sei (Bexzenberger, Got. adverb. und partikeln 88). wie 
nahe %oL ßei und aga»^ in der syntactiscben Verwendung sieb 
berühren» lehrt ein blick in die wOrterbUcber: got. ^et flbersetst 
gr. und tvtt, ags. py bedevtet als adverbium ^deshalb', beim 
comparativ 'deslo', als cünjuncliuu 'dadiucli »iass, weil, auf 
dass.' es liegt also keine Vfranlassunt; vor j?ol. fn-i vou ags. 
pfi, alln. pi in treiiueu. wir et hailt- ii somit eiucü urgeniiauischeii 
localiv Pi, der mit gr. tel io vBide. sich decki. neben demselben 
sieht der instniaaentaHa pi, dem gr. in meg. tifde antwortet. 

2. zur tiexioQ der adjectiviscben u-stäuiuie. 

Mahlow lehrt (Die langen vocale s. 30): *bei den adjeetiven 
aof ist der /a- stamm nicht ohne weiteres fdr den u- stamm 

eingelrelen. . . . .lugeiisdu u?licli ist er mit dem lateinischen 
I - :^Liiiiiiif in suävis, yrävis zu vei gl»'iclien, und dti es im lateini- 
schen suaviSf nicht *siiädis heilst, so muss germ. *sva^tja- aus 
^soaHvja- entstanden sein, mit verlust des vvorjV ich glaube 
den nachweis erbringen zu kOnuen, dass der hergaug in der 
hauptsache von Mahlow vollkommen richtig beschrieben ist. skr. 
ran^ bt. ttmU werden im germaniacben reflectiert durch altn. 
pnnnr, ags. Pynm, ahd. dwint'. bei der flexion des idg. adjectivs 
iMiA- ffitlssen im germanischen zwei stamme fungieren: Im nom. 
sg. der w-slainm: germ. ^m/im-; in den übrigen casus der ja- 
stamm: Mahlow zu loi^'e 'j;erm. punwiu-. die nachkomnicn dieser 
beiden sliuiine leben in den genannten germanischen worlea 
weiter, allu. punnr hat *punr verdrängt; das nicht umgelautele 
n ist alt, das doppelte n stammt aus den obliquen casus; die 
nominative ags. Pynne, ahd. ittiiMit sind neubildungen zu den 
obliquen casus (vgl. Behaghel, Germ, xiui 275). das doppelte n 
der lelzeren kann, weil auch das altnordische sich an der ge- 
mination beleiiigt, uur aus mo hergeleitet werden: die silbe ist 
unbetont, also stand der urgermaotseheo assimilation nichts im 
Wege, lolglich war das alte staniinlialie u vor dem i des ta-stam- 
mes noch als w vorhanden: uiilliin ist der weg von hardu- zu 
hardia- allerdings Uber *iiaiäwia- gegangen. 



Digitized by Google 



aOb BOTRÄGb ZÜK GGRMAINi^tUEN LAUTLEHRE 



'6. ^uLiuiaie und labiale. 
•) got »Upan, 

FrOhde hat io Bezzeobergers fieitr. iii 15 i gr. Iriyw (\\f^re 
auf) mii altn. Mar, ags. «icTc» ahd. tkuh zanmineDgebracht, 
nachdem Curtiin Grunds.^ nr 146 gr. layagSg (achmaebiig) , Ao- 
yataai' a^eZroi (De8.X laU Umjfmo vergücheo hatte. £a ver> 
haltois des e m kurz a ist voü Saussure, Systeme s. 166 erklftrL 
vun der erfahrnng aus, dass germ. p sehr oft auf vorgermaoi- 
sehen gutturiil /ui ücklilhre, hat Bezzeuberger in seiueu Beiträgen 

V 172 a\iü. slapa, ahd. slaph , mnd. shp an ^r. h'y<'f und ver- 
wandte angeschlossen, in »II diesen Worten komnii der hegritf 
des süldatT seins zum dui chbruche. ich trage datier keiu hedeukeo 
gr. }.i]yi'j mit got. sLpan zu ideutißciereo ; wegen des begriffsver- 
haliüibses genügt es an die Verwendung von gr. avauaveox^ai zu 
eriDDern: ^p€tal dh top Seop avtdv fpowa» '%b ig top r^op xal 
aftfiavea^M inl vijg mlivt^g erzählt Berod. 1 182. — dass das p 
io got. afi^n auf vorgermanisdieD guttural gehe, bat -auch schon 
Fick durch die Zusammenstellung des Wortes (Bezseubergan Beitr. 

V 169) mit iit» f(yglt, tlygoii (schlttnunern) anerkaaut. 

Die vermuluogeu , die Fick , WOrterb. lu 343 ttber »tigqan 
vortrügt, können heute nicht mehr befriedigen, indes hat Fick 
den weg zu einer correcteren etymologie des deutschen verbums 
selber gezeigt durch seine entdeckung, dass gr. [i aus idg. g er- 
wachsen ist (Bezzen bergers Beitr. vi 21 Off), den dort angeführten 
eut^prechungeu ist die gleichung gr. atifAßut (stofsen, stampfen) 
■B= got. siigqan anzuschliefseu. der labial kommt auch im deut- 
schon vor: schon JSchmidl, Voc. r 128 verweist in) zusammenhange 
mit gr. aiii^ifiiu und audereu worleu, die mau jetzt ferne hält, 
aul ahd. stampf, stampfön. 

e) gem. wfttan. 

Germ, warmaz gegenüber von skr. gharmds ist bisher das 
einzige sichere beispiel geweseu , welcliea man für die vertretuug 
eines idg. gh durch germ. w im anlaute hatte, beachtet man 
aber dass der alten spräche leuchten und seheo for identisch 
gelten , so wird man germ. wUts (sehe) und germ. ^IHö (glänze) 
mit mir als nachkommen eines ehemaligen verbums ghleidö, glänze, 
Mracbten, desaen anlaut verschiedene behandlung 'luliefs und 
auch erfuhr, sobald der begriff des leiichlens iu zwei begriff« 
sich gespaUen hatte. 

Göttingen, 14. lu. 85. F. BECHTEL. 



ZOM RENNER 



369 



ZUM RENNER. 

Am scbluss seiues iulciesi>auteu autsalzes über die verluren 
geglaubte Tübioger Reooerhs. (obeo s. 115 IT) meüil Strauch, in 
meiner ao&tthlung der Reoaerhn« eei das HilbenUldter brach- 
Stack unberOckächtigt geblieben, daeeelbe ist jedoch unter nr25 
(Zs. 28, 176) genannt. 

Ich benutze diese gelegenheii, um mitzuleilen das8 hr prof. 
IVZiDgerle mir mit dankenswerter treundlichkeit nacbrichten über 
eine bisher unbekannte hs. verschafit hat, welcher der platz wabr- 
scbe![ilic{i »acii ur 20 (Zs. 28, 176) anzuweisen sein dUrlte. die- 
selbe beendet sich aul der Innsbrucker iiniversitätsbibliutbek, wo 
sie die Signatur nr 900 trägt, es ist eine roliohs. de^JLvjhs. auf 
papier, 166 bll. enlhallenii; aui di r mnenseite des vorder- und 
lucküeckels steht die jabrzabl 1534, wahrscbeiulicb der eintrag 
eines früheren besitzers. die hs. eudet mit den worleu: £iu 
puth Ams der tarnner gen<m$J Bti ich getidu vm numiser htmtl 
Des ward ati» staBtem verUrnl Dü tdb verbat wu mir xwm j 
IM iMcAl darnach dm rmmerl Qothdftm wm aikr motr, Amm» 

Allen» welche mich auf bisher unbenutzte Rennerhss. auf- 
merkaem zu machen die gote haben, werde ich anfrichtig dank- 
bar sein. 

Leipzig. E. J. WÖLFEL. 



EINE OONJECfTÜB ZU LESSINQS 

DRAMATURGIE. 

Gleich zu anfang des zweiten sittckes der Dramaturgie liest 

man folgenden salz: der dichter kann die kunst besitzen, um 
durch sehöftheitm des detaiU über misverhäUnisse dieser ort zu 
tffnschen; aber er t anseht uns nur einmal, und sobald wir wieder 
kalt werden, nehmen wir den bei fall, deth er uns abgelauscht hat, 
zurück, so lesen, soweit ich sehe, alle ausgaben, und es scheint 
auch niemand an einem worte dieses satzes aostofs genommen 
zu haben, auch ich las mniier über die >[r\\a hinweg, ohne 
etwas auUdUeudes zu liudeu, bis mitii ein . dr Schuber darauf 
aufmerksam machte, dass hier ein alter fehler, der scheo auf 
Leasings mannscript zurückgehen mtlste, forsuliegen scheine. 

Es handelt sich um das wort abg^inudit. Grimm Wb. 1 69 
gibt fiDr Mmeehm folgende bedeutung an *etwas ablauern , lau> 
sehend gewinnen', und belegt die erstere bedeutung mit unserer 
stelle aus Lessing, die zweite mit dem beispiele em der natnr 
abgelauschtes Ued. ablauschen » ablauern passt auch scheinbar 
zu dem oben angezogenen satze; aber eben nur scheinbar. 



üiyiiizeQ by GoOgle 



370 EINE CONJECTÜR ZU LESSiiMGS DHAMATURGIE 



dass ablauschen in Oberlrageiier bedeutun^' = ablauero gel»raiicht 
wird, ist iiiclit zu bezweifelu; aber es kuiniut aul die art urni 
weist» des üblaueros au: es liaiuleU sich bei dem woite ablau- 
schen um die erl'orschuug von modalitäleu , unter welchen einer 
fu demselben resultate kommen kOonte, das ein anderer schon 
enielt bat. das lied ist vorhanden, das die vdgel singen; aber 
wie soll idk es naehahoieD t die inetallaiiscbong fsl da , die einer 
erzeugt hat, aber wie kam er su derselben? und analog: das 
stück fand beifall; wie fleng es der autor an, denselben zu er- 
aielen? jemandem beifall ablauschen kann also höchstens bedeuten: 
•jemandem die art und weise ablauern, wie er den beifall hervor- 
rull.' ich k;^iin aber iinmOglicb im f^egclienen falle ahhuschen 
niil einem objecte verbindeu, das mir den spontanen ertVcf einer 
gemülserregiini,^ auzeiiil, dem an sich uithl das gennjs'sle ge- 
heininisvnHe , uiilnkatiule anhattet, der beifall als resullat |>sychi- 
scher Vorgänge ist ja ein ganz uurmalcs, genau beobachtetes pro- 
ducl, und nur die art und weise, wie diese seelenreguogeu her- 
vorgebraeht werden, die erst zum beifiill fllbren, ist ein geheimnia 
weniger gottbegnadeter, das ihnen eben abzulauseben wflre. 

Wir würden hier erwarten: wir nehmen den beifeil, den er 
uns entlockt hat, zarQek, und zwar wie entloekt hat? durch 
Täuschung 1 also: (kn er uns abgetäusdu kai. Leasing' hat bler 
ofTenbar ein Wortspiel mit dem kurz vorher zweimal vorkom- 
menden täuschen beabsichtigt, dieses abtduschen ist eine neubil- 
dung Lrssii)i,'s, aber eine ganz correcte neubildung nach 'abhan- 
deln, iil»>t ! IHK ichein' usw. = durch bandel, Schmeichelei usw. 
etwas einem anderen gehöriges in seinen besitz- zu bringen suchen, 
hier: durch tliuschung.^ 

Dass ein solcher drucklehler sich einschleichen konnte, ist 
leicht erklärlich; es war doch nichts leichter, als ein handschrift- 
liches f als l zu lesen und dann fUr äu au zu drucken; auf- 
fallend ist nur dass bis jetzt der fehler von niemandem bemerkt 
worden sein sollte. 

* leichter entsUiDden wäre abUimclien au» abtaiuchen , das auch einen 
gnloi sioo gäbe, sieb aber doch oicht so empßeldi wie abtätuchen. abtau- 
sehen hätte dann die bedeuluug von *ein dtog gegeo ein anderes einlauschea', 
und findet '«uh in dieser btdfulung als lerm. trclin. im srha(lis[iif!; eg 
lässt üiclt auch mit einer stelle aus Wielaod belegen, die Urinim Wb. i 69 
9.T. dtiert: £eA mmte glauben ^ jemmnd AatU mtp meim eigm» ptr*9n 

Wiener-Neiialadt, 27 november 1884. K. TOHANSTZ. 

ZU KL0P8T0CKS WINGOLP. 

In der ersten lassuug deä Wiu^olt (An des Uicbters freunde) 
V. t)5 heilst es: 



üiyiiized by Google 



zu KLOPSTOCÜS WINGOLP 



371 



Sing Freund noch Hermann, Jupiters Adler wekt 

Dein Uff »•"?> Hermann schon voll Enfzüeksn auf; 

Seilt Fi(li<i wH it hrnltr, der Schiummti' 

Wölk! stck ntchl mehr nm »ein feurig Auge. 
dazu benieiki lier neueste Kli psiock- herausgeben dr lillainel 
(ni 10): Cramer hatte die absieht Uergleiclieii gesänge zu iiiacht'ii: 
sie blieben aber unvulleuUel. diese uoliz erbt sieb, bald mit 
gröberer, bald mit geringerer beetimmtheit ausgesprocbeo , durch 
alle Kl.-€ommeDlare fort, wahrend Hamel ebenso ?orsichtig wie 
schon von 'dergleichen' gesangen sf»richl, im anschtuss an Pawel 
(Wingoir s. 72), weirs sowol Dünlzer (Kl.s odeo s. 72) vou einem 
begonnenen heldenliede Hermann, wie auch Werneke (äl.8 oden 
und elegien s. 74). diese angaben stammen alle aus einer noliz 
Cramers, der in Klopstock.er und über ihn i 190 die unaus- 
g4*tiihrt gebliebene absieht seines vüters, grOlsere gedichte aus 
der geschichle der alleren deutschen Kaiser, deren iuhait krieg- 
und Schlachtgesang sein sollte, zu bearbeiten, erwähnt, bcbon 
der präcise ausdruck der ersten beiden Zeilen, das sing . . . noch, 
sowie dein Lied von Utnuann machen &o vage bebauplungen uu- 
wahrscheinlidi. es existiert wQrklicb ein Craiuersches üed von 
Hermann, wie eine ode in den Bremer beitragen zeigt (vgl. auch 
Seheren Litteratnrgesobiohte & 407). dort steht (174& if 47 fi) Der 
goCteslengner. an hem Job. Andreas Cramer. eine atrophe 
daraus lautet (s. 54): 

Dein Hermann, Freund, der Erde Richer, 

Vor dem die trotzigsten Verbrecher, 

Dif Hduber, die die Welt geplant. 

Die Herrscher, die von sieben Hofien 

Monarchisch auf die Welt (jusdken. 

Der Völker Bändiger 'jezagt ... 

Was würde wol dein Hei mann nagen, 

Sollt er in unsern hellen Tagen, 

De$ Jrrthums Nacht vertheidigt sehn. 
datu die anrnerkung: 5. m de» Belustigungen des VerttoMke 
und Witze» p Brackmonat 1744 Bermann, eine pindarieche Ode 
oo» schlagt man nun nach, so findet man s. 554 diese 

ode. Cramer fuhrt in einer reibe von aatzefti nachsalzen und 
gegensätzen aus dass Deutschland Hermanns nicht mehr würdig 
ist , und stellt die altgermanische tapferkeit in gegeusalz zu dem 
jetzigen den Franzen dienenden ije^cblecliL doch vielleicht, meint 
er, kann die dicbtuug aocb die berzeu uotölimmeQ und ent- 
flammen : 

Tyrtäus singt: schnell siegt sein Heer: 
Hat denn kein Lied die Kraft ilzt mehr? 
Klopstock gibt die antwort: 

JHt deutiche Nadne^, wenn sie der Barden Ued — 
Wir $M ihr Barden — künftig in Schlachten singt, 



Digitized by Google 



372 



ZU KLOFSTOCKS WINGOLF 



Die wird <h'in Lied hoch tm Gelöse 
Eiserner kriege gewaltig sinffen. 
So der wahre tMtcliverbaU. er koiiule nitMiiaiHlciu, lier sich 
nur etwas mit Klopstock beaebSfUgeo wUJ, entheben, detiD die ge- 
naue kenntois dioser leilschrifleii iat unerlüslicb. doch wir baben 
' es bei den oeueo KlopslCMskailtiia nkbt mit wabren fonchern^ 
« aandeni mii kritikloaeo sobwirmeni tu tnu. 

Berliu, märz 1885. DR A. VON WEILEN. 

NACHTliÄÜE ZU S.288flf. 

1. a. 288 nr 70. vgl. Ält'r. Horn. U 8G he weard ias lifea 
crwine. 1, 332 u rlca weard arw^ Äts dfewe dl^sednysse, 
2« 150 MM» . . . man ksg <eI fordHtU his freondum aruMtee. be- 
Bondere aber 2, 514 pä wn dm 4n om^ stmnmi fwk nasir 
dnn, smide KteweUm purh dm wyrmef tUst, «mpte kU Ufu* 

2. s. 289 nr72. ieh kann jetzt eine stalle asfabreo, au 
welcher ae. wamian uoiweifeibafi die bedeutung von ne. t» wmn 
zeigt: Honi. I, 334 se weUga . . . gymde fordi , [)(Vt Lazarus hf 
^= ^^s• fjehrödra) möste wartiigan, pcpt hi ne btcömon t4 his susle. 
abf r ilitvse latsacbe jlndert nicbls ao meiaer aufl'asauag des dort 
bebaiiiieiteu Satzes. 

3. s. 295 nr 94. vgl. Horn. 2, 188 nn wylle tce eow sttme 
geswutelunge be dwre gecydnysse (über das alte lesLaineol) scemllice 
$0cgim, pmt gi eaüunge ßm ondgäu mrU^te ne spn, fordm de 
4re mm nys, pcBt w^eow U fiiUum andgüt ki geopenim ntagoH, 
Tborpe Qbersetit ricbtig ßr ü ü not wilhm mar taftatUy uaw* 

4. s. 296 nr 99. meioe fermutung 'forthwith fDr hand' 
Uiiga ist wol nur geraten', ist, sofern ich dabei an die Über- 
setzerin dachte, glaube ich, falsch; denn ich 6nde im alten Bos- 
worth 173* 'hanffhniya, forthwith, Grcir. 1,9' uihI so auch hvi Ett- 
müller 408 'handlnnya, adv. cottfesttm, siainn^ inil demseibeu citat, 
das wol, wie vielleicht auch die ;uigest'i/t< [»edeulunff, auf Jii- 
nius zurdckgeht. aber gerade für diese .sttlle in den Dialogen 
Gregor»^ wird die um ichii^keit dieser auliassuiig ijurch das 
lateinische original erwiesen, die stelle lautet in der Haltonhs. 
fol. 19*: hi vmrd ßd mid ßdm dege nyder datrda» wnd Aim man 
httdfemceM ktmdlnmga ßamm dhöf. im original aber lesen wir: 
BX qua pereuuhne pnutratw m manänts üm temdmoms koatw 
csr. es ist klar dass handhtngtt in manihut ist. 

' eine aufabe dieses bisher noch nicht gedruckten werke« unter be- 
nOUung der Toiarbeiien von dr Kfebt und ocorkayoe werde Ieh io Ttr- 
biodung mit prof. dr Johnson oichtteos encheanen lastcii. 

BerUn, den 28 februar 1885. JULIUS ZUPITZ A. 



Digitized by Google 



38. Verrammiung )eutfd)er ))l)tlologen unti Sdinlmanner. 

^it 38. ^cTfamm(uii{) ^(utf(^cr ^^i(olC))(n unb 6(^ulniännfr unrb in ben 
Sagnt com 30. &(pt(mb<r bii 3. OEtober biefr« Sa^rd in ^ieftger 6tabt ab* 
ge^altfn verben. 



Q$ t e n im ^lai 1885. 



Verlag bcr ^et^mannfc^en ^tti^ß^nbruug in Berlin. 



dritte 



IDilbcIm 5d)crcr: 

(ßffd)id)tc iicr i)futfd)cn fitteratur* 

— i3oUitanbiii in neun ^tUen ä "Dl 1. — 

3acob (ßrimm. ff "^Ä"""'""- 

ll?^^^ rtltf /üli^th^l ®<^altfn in ber »cm Sycrfin ©CTlincr treffe 
WITIH' UU^ VliClUtU Dfranftalteten ®fbä(t)tni«feicr. 8 flf^. 5W. 1. 

^ 3c^c Bnc^{)anblung tji in ber tacjc bic lüerfc jur ^infw^tnal^mc Dot' 
legen 3n fönncti. 

~ prospcct über W. Sd^ercr's f ittprvihirgcft^i(^te gratis. 



Soeben erschien: 

Mommsen, Theodor, 

Eömische Geschichte. 

— Fttnfter Band. — 

Mit 10 Karten von H. Kiepert. 

Zweite Auflage. 
(VUr u. 659 S.) gr. 8. geh. M. 9. 



Die Gutturalen 

und 

ihre Verbindung* mit v im Lateinischen. 

Ein Beitrag zur Orthographie und Lautlehre 

Ton 

Philipp Kersu. 
= Gekrönte Freissolirift. =s 
(234 8.) gr. 8. geh. M. 5. 



Yerlag der Weidiuanuscheii Buchhandlung in Berlin. 



Soeben erschien: 

DIE ÖRTLICHKEIT 

DER 

VARUSSCHLACHT 

VON 

THEODOE MOMMSEK 

(Vn n. 64 S.) gr. 8. geh. M. 1 60. 



5ofb«Tt Ift crf4|4rnm.- 1 t)on blefem ITe tff (liib 

I 500 in t>tt prefff na« 
nif rittf Crf tu ptnrf btx» 

"■ ■ !S. 
\>Ot,i>i S» 

jtDft: ^ft 

älterer Bett 

in natbbilbuii^ni 
t^aaigrgclien oon 
Dr. ttHlljclm 5<Jfmr 

0. d. prof*<!or 
<i.b.llniorrfiiji Öcrlin. 
Berlin 16. ^ipril IHSS. 
CS». ©rotfM?* 



HiSTORIA 

oo« 3obann Jfauöten, 

bfm tDfllbtfdrcitm ^aubtrtr nnb 5d?iodtifiitiitlrr. 

na<l)bil&ijng 

bffc ja ironffuTt am UXaln 1587 burd} 3ol)ann 5pics 
gebnuficn rrtlrn Slusgabe. 



mU rinrt Cinlrbung oon n7ilt)clni Sd^rrer. 



>0ubrrr{p1{DU6-prri« brDcfih'I 20 Btarft, {n 
a«ni Xrb-r o^rrprr0Amcnt grbun^m 24 VÜH. 



Verlag der Weidmannscheu Buchhaudlmig in Berlin. 



Die älteren nordisclion 

RUNENINSCHRIFTEN. 



Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung, 

von 

Fintz 13 vir g". 

(176 8.) gr. 8. geh. M. 4. 



Soeben erschien: 

Antiquarischer Bücherkatalog 

Nr. XXXV: Dentscho Literatnr und Sprache. 5000 Nuromcrn gratis 

Berlin w., Paul Leliiiianii, 

FranzöSiSChestr. 33 e. Buchhandlung und Ajitiquariat 



Für di« Redaetioo TcnDtworÜleh : Prof. Dr. E. Steiomeyer iu Rrlangen. 
CnuchUgdraek too W. Formet tor in Barlin C. 



DEUTSCHES ALTERTHUM 




DEUTSCHE LITTERATÜR 

mm MITWIRKUNG VON WILHELM SCIIERER 



NFUE FOLGE 
SIEBENZEHNTEN BANDES VTEKTES HEFT 

(XXIX. BA.ND) 



BERLIN 

W El D M A N N SCH E BI CH H A N DLL' M G 




HERAISGEGEBEN 



ELIAS STEINMEYER 



Im Satze v t am 15. August, aus'jfijehm am 22. September 



INHALT 

Urutt;cbe prosauoveilea des füofzcbutcu jhü. ii Grisarüis von Albrcrht 

von Kyb, von Strauch 

Ruodlieb-iiiärchcii in Russland, von Lai.ttner . 
Zum prttlog von llartoianns Grcgoriu», von Marlin 
WortfrkläriingcD, vod demselben . 



DKs aiszkk;eiis 

(lucdeke, i»iuuilii>> i-, \oii Sliiiurh .... 
Kiozel, Lani|iri'rht8 Alexander, \on Roediger 
Litteralurnnliz (Lücke, Goethe und Homer) 

Verzeichnis der auf dem gebiete der ucucrru ili-i, liUvratur im 

j. lS^-1 crschieucnen ^viMcnschaftlirhen publit-aUoiK n ^ ii Strauch 
Bericht igun;; und notizen . . 



Vom l.'i. april bis zum 15. augusl sind folgende bücher bei der rcdaetion 
eingelaufen: DiKKKERtt tcii- WlitCkKii, Hoch- and niederdeutsches ^b. — DoRrKLi», 
Uber die functiun des praclixes ge- — Ha»>T, Die deutsche bibclübei 
der minr' ilforlichcn Waldcnser _ Jahrbuch für ' ^ *-tc, spräche uu<i niu - 
ratur Lotbringens i — Kkil, W iclaml li Id — Kock, Sprak- 

histnriaka undersükningar om svensk akcent ii 2 — iVlAuLT, Über vergleichende 
nijthnloßio -- MoMjisKf«, Die örtlichkcit der Vai ' uht — Paris, La po 
du mo>rn-{igc — l^ül" /rihl, .seine bc:;r;' i r.„g ,„ m i deutschen m>nM 
ideo and die urspi !icii Riibe/abli n — Sciiiei e«, .lohannr 

\Va( :iERKAOKi., Geschichte der deutschen litt, ii' lief. 1 \V ii.TF.aATU, Die 
fränkischen demente in der französischen .Sprache — \\ klirh ii, Schiller lief. I. 



;i,<; 
U.7 



* ♦ 



D£L;TSCü£ FHOSAISOYELLI^ DES FdiNFZiUM JU$. 373 



DEUTSCHE PROSANOVELLEN DES 
FÜNFZEHNTEN JHS. 

II GRISARDiS TON AiBRECHT VON EYB. 

Alles das mao scbraib got zu lobe und zu eren und zu bes- 
sening den menschen, wann des menschen fursacz gut isi und 
wirt gefart durch vil mitlel in ein gnts ende, so ist es Uruchtpar 
Tor got dem beiren. und darnmb, als ich geacht habe in dieser 
leit cristenleut sielen und besunder der die in der ee siden und 
haben nicht den glauben, noch der man dem weihe und das weih 
dem man, so ban ich von gnaden gots willen ein historien zu 
schreibtu und lui zu legen den eeleuten und allen menscheu zu 
pesserung, als ich sie dann gehurel han, und ich gelraw gott, 
wer die Historien liest, das sie in railz zu pesserung seins leheü:^, 10 
wann er bort die lursichlikeit des (97*) manues, von dem die 
red ist, und der diemutigen junckfrawen und Iraweo wunder- 
liche stattikeit, gehorsam und sterck. 

Nun faoer zu, man, und vernym, weih und auch junckijraw,. 
und lernet lucht und tugenl. es ist gewesen gar ein edler reicher 19 
fürst eins lands, von der gepurt ein marggrave, und der was 
ausser masen guter sieten und mer dann es glaublichen ist und 
darumb das es seltsam ist. und der selbig wirdig man hett die 
giiad uud äeükeyl, das er ein juiii:l<lt aw was des leihs, und keuscheit 
und schäm die hell er gar lieb, wo sein nuu in unseren Zeiten 20 
der Fürsten liiinlcr und nicht die allein, sunder auch gemeiner 
leut, also reyne? und nicht die die jungling sein sunder so sie 
kaum sein komen su sehen jaren oder zu zwelfen: — und ai 

HhBnehriß rot ßL 99f) Gar eio schon Instige bittorienn tob einem 
tngentliaflkigeD weysen funtena vnd einer denratigeoa foreblstiaen Joaeh- 
frawenn mit dem namen Grisardls. Maria A ÜUrschrift rot (bL 170*) Gir 

ein schon lulsUg jftoria su höre vo eini tugeothaOtigS weifse mechtigi 

furfsten rnd herre ein markgrafTvnd von einer demütigen gotfurchtigr' jück- 
fiawen mit dem namen gebeüaea Grisardis ß 1 schreibet B voa 

got J 4 und /ehU B 7. 10 jstory B S furleg^ H 

lU leifs B 11 furchtiifkt'ii u/zi^ekehrl A hl, 146" potfursichlig für 

gotfurchüg, ugl. auch ^1)^, 61 lesarUn 12 wuil ilicli »lelikeitjl 

10 gepurtc B 17 aalt dV B nnd oor danimb fehlt B 13 e»J 
tt A 23 ahii ir sebS od'r swellff iarf B [und] alzubil so B 
Z. F. Sl A. XXIX. N. F. XVU. Sg 



Digitized by Google 



374 D£CTSCH£ PROSANOVELLEN DES FONFZEHISTEN JüS. 



ztihant hat knuschait urlaubt von in und erstencken und verun- 
raiuen iren un<l gebrauchen nymmer zu dem peslen der 

freien wilküre dann die esel (97^) ader auder vihe von irer na- 
turUchea ordenuog. dorumb ob diser historien umh gut sietea 
h zu lernen unterweilen elwas erlicbs und doch das da atraffpar 
iat Wirt ein gefurt, des lol nynunaiid vembel haben, ist er anders 
fernuflig und mag begreiffen den forsacat und guten willen, den 
der dichter dietz puchleins hat gehabt duerch der posen teit 
willen die do ist in diesen gegenwertigen Zeiten, fint man aber 

10 ymant dem es mifsvelt und wirt der inn unmutig, so gee er 
in sich selber, inul viuiii er sich dan schuldig, so volg er der 
veroul't nach und jiit unonlenlich In \\t'i.;i]iig. 

Wie die unlerlhanen ireni hm i n solKn lur legen der ge- 
tiiein uucz, und in grosser uoU sulleu sie stell sein in dem 

15 - gewerb und was ein berre sol ihön in dem pesten aufserwelen. 
Also was unter dem sailigen fursten sein volck frolichen und 
wolgemut, das sie also von den gnaden gots einen (9S') als lugent- 
lichen herren betten, doch so waren unter ine etlicb die die 
salickeit der gemein gar weyfslicben bedachten und mainten, es 

30 wer nuei dem land und der gemein , das der herre au der ee 
grifT und nicht allein plieb. wann er hett nicht prüder den er 
noch seinem lode mochl bssen sein lurslenlhuüi dann allein zwo 
swester d iiuinb so lorcht die gemain nil uupiilichen die Zu- 
kunft eins boseu herreu, der in leicht Iremdc und unbekannt 

25 wer und nicht gleich were irem herren den sie inzund hellen, 
sie bedachten auch das wen des heiligen ewaugelij, das spricht 
also: ein guter paum bringt gute Irucbt, und dorumb so gingen 
sie oft lu ratt und gedachten, wie sie mochten einen weg finden, 
das ir herre ein edel weih nemen ^on gar guten sieten als dann 

80 ur berre wer, wann sie hofften das die firucht gutwflrd und ge- 
riet nach dem stamme, aber die saeh was ine gar swere, daromb 

1 vrlaiih Ii d'rstrarkfn fi 4 dise jslori Ii 5 slrafTel H ^ po- 
seo] psou *l da // diesem.^ 10 darjnug llvoi/4 12 nicht 

vnredlicher B bewcgungr etc. j4 13 die Überschrift rot AB 

iren A Jre B 14 iu dem gewerb] elc. A 15 aufsuerwelen B 

hierauf etc. A 17 wolgcmate B IS hmSü A 22 iwn B 

23 Dicht /of I «iMfiaAjiulM B 24 frende fehU A 25 Irn v€ 
jrs B ieslit Immer B 20 gedachten A 27 t«rJl MdHUu 7, IT 
nnd vor darvmb /SrAtt B 28 bedachtn B 29 nem B gar fM B 

31 tlanfe A vgl, 367» 1 



Digitized by Google 



H GRISARDIS VON ALBR£CHT VON £¥B 375 



das sie nit weiteii dm benren ftimct uod (98**) dts maa km im 
flicht mocht ftir briDgen mit glimpf* doch so Teraoehteo sie ir 
beyl durcb duce uDd bebeltoaltB frUlen der gemein and erweltea 
aurs ioe ?on den baissen der gemeyn die fttmemstea, die dem 
fönten seifen fbr legen tren rat. and kernen also für sein oren. S 
und (lü t r vei uam den willen tlcr genjeui , seiner Untertanen, 
alzuliatii was er in seinen worten suelsgutig und ddiickrt ir liebe 
und sorgkveiiiclieyt und sprach zu ine also 'es isf mein wiHtj 
nicht, das ich mug ein weib nemen, wann ich getravv gol uiemem 
berren, das er nach meinem tode euch versorg mit einem forsten 10 
der pesser ist dann ich. darumb das ir in meiner person habt 
beweist ewer frOmkeit und ewren glauben, nber das alles bit iob 
ewcr aller lugent und messickeitf das ir euch mit mir leidei in 
dem Stack, wann ich waift nit, wie hmg ich lebe oder wenn 
mich mein schopfer von bynen holt und doramb so wil ich 18 
keuschheyt und reynickeit in meinem leibe (99*) bewaren, die 
milden heiligen engeien gemeinschaft hat , (itid wil mein sei got 
dem bei reo uiibtilecki antworten und on alle begird der irawen 
nnd ich schätz das für das aller grost, wann ich hab ewer wol 
gepflegen, das ich mag komen zu dem ewigen reich an gros sorg 20 
des weibs und der kinder. wist ir nicht/ sprach der fürst, *das 
die kinder unterweileo nicht volgen noch geraten nach den flnim- 
men iren eitern? ich bit euch, das ir gedenekt etlicher altveter 
die fmmm sind gewesl, und doch ire kinder sind ab trotten fem 
von der frumkeit ir eiteren payd an dem dinst gots und auch S 
an dem glauben und in menschlicher wandeiung. Moyses, Sa- 
muel, David, Ezechias und Josyas gedeiicket in den altveterea, 
die kinder die von ine bekomen waren — : und wanderten nicht 
als ir vater, sunder dye tatten in allen iren w«m( kcn wider die 
frumckheit irer eiteren, geytzig waren dye kinder Moyses uiiil 30 
Zamuelis und (99^) unkeusch die kinder Davides, also das sie nii 

1 iois [des] B 4 ine AA/I B 7 tofsgutig vud gcnedig B ir* B 
8 sorgoclUkeyt utw* B 9 und SfUr» meiof AB 10 dmm] 
nein«, m wtgwtlHdtm A 12 so pit B 16 icbepITr t« bioaen B 

nnd AAft B 18 md fwkU B 19 wci S cw" htfo B 
20 gepflogea B 21 der] dy iT 21 ifd» fohf^ide weitere mu- 
fiUkrui^ der werte Petransas sitepe filü diiriiliUUBii sunt pareatam 
24 gewesen P ireu luw tl ab^etreln H 25 ir' H 27 Äse- 
chias B gedenekt- / an deo alle vetternd 2b und] die B 
2d velter B dyej sie B 30 irr B 31 Saoioelis B DauiU B 

26' 



üiyiiizeQ by GoOglc 



376 DEUTSCHE PROSAiNü VELLEN DES FÜNFZEHNTEN JHS. 

scliontrn irs ai<^pn pliils» aU das olleiiwar ist on Abaou, der 
seiuei swe^ler Thaiiiar ir er beuam. die kioüer Ezecbie und 
Josie, der gaistlichen kunig, petlen an die abtgotier.' 

Do nun der jung lurst und margrave die poteOf dyc von 
aehiem foltk, toa der gemuD ta im gesanl warao, mii «aicbea 
Worten oit moebl gesUUea« und ir potscbaft woltao geireu* 
liehen werben nnd begertea ein gefeUig antwort der gemein 
wider ni bringen, do nam er ein ander aacb far aicb, da mit 
er flieh ron ine mecfat hracben, und apracb alao «aUertieheten 

10 hnider nnd ftündt, ewer begerung und ewren guten willen m 
meiner perion heb ieh lang vor gewifet, aber ioiunde so erkenn 
ieh ine volkumlicher. doch so geviel mir wol, das ir der zeit- 
lichen hofTnung und iursacz in Ungewissen Sachen, als ich euch 
beweist habe mit frummen veteren und mit bösen kinde?», ver- 

16 gesset nnd midi ungehiD(100*)dprl last an der sailickeil meiner 
sele und des leibes, wann ir habt gyn mir zu uemen ein plüm- 
men, die mir in meinem leibe nyauaer mer mag gewachsen, got 
der fermag alle ding, aber das er wider mach aus der jundi- 
fntwen, die ir reyniekeit Yerloren hat« ein junekfrawen, das ist 

90 nnmugüchea. warumh wolt ir ewerm hemn nit furderlieh sein? 
auader Ir weit ewrem frOnd und hruder ?erderplich sein«' 

Do antworten die poten dem forsten und sprachen also 
%erre, wir glauben, das nlt alleyn in das rdcfa der himel komm 
juncktrawen oder laiiucli, suiider wir haben hoflnung das man 

2b da auch vindct eleudl und witwen. auch äu mug wir das vor 
ewren gnaden sprechen, das juuekirewlicb reinickayt unter den 
lugenden nit ist die grost, wie wol wir lesen das sie den lem- 
ieiu nach gevolgt haben* alter es sterben vil junckirawen die 
is ir salickeit und in irem verdienen in dem ewigen leben vil 

ao mjnder (100'') haben dann Ahraham der eman. darumb ao ge- 
traw wir ewren wirdigen sietten das ir unser hofnung uns in 
kein weifse last verliessen, wann unser keiner suchet das ime 
nuti ist in seinem haus, sunder mit groser sorgtveltickeit forsch 

1 Aboon dh. Amnon 2 Esechie ß 5 zu] von ^ 9 ge« 

prechen B 11 iczQt ß 12 volkamelicher B der] des ^ 14 kiad'a B 

f'giüct B 16 leibet] lebent jf plume B 18 wider ftUl J 

19 ehi Jsekfiaw B 20 ew'n B fftrderllGhi B 21 ewreo 

ÜriBdcD Tod bradtrea A 24 nOieb B 2S vlade B 26 jflckfraw- 

lieh B 27 tugeDt B 29 irr ^ 81 onser] v^A'rB rot] vad J 

n amvadlikeit foncfa B 



Digitized by Google 



U GHISAHDIS VON AtBR£CHT VON £YB 



377 



wir gereii den niicz <tpr t'pmpin. j?n<»diger herre, (kis wir euch 
für le^en. (bs tasi euch m herUeu geen mit vleis. m viodet ir 
das ewer persoo in dem gefeucknus der ee mer mag verdienen 
der ewigen MÜckcjt dann das ir ein münch piUit encli trag 
wir das ein zu tUer Tordrist: wir sind die ewren ao goto «tal ^ 
uad allest dM ir uns gnpiet in limliebmi und in ertichen dingen« 
dea aein wir emn gnadan nilKg zn tkta* auch ao Ist ea tim« 
liob und geport ewenn adai wnl m ibnn, daa ir in dar aneb 
den willen ewrar ganain volhringet und daa wir nna nit acheme» 
nnaer p<»laeliefl, daa wir nit in gctrawen ewren bewarten und lo 
frummeu siien.' 

Als nun der hirsl Imrt iiinl lu'k;iiirit ir begeruoi! »us 
iren worten, do vil im em dns ( lui") wüi t dei^ weisen maus, da 
er sprichet: ein senlltniutig wovt hrichel den zoru. aucii mer: 
ttD weiser maa der madoet sich lieplicti in seinen Worten, do m 
aatwon der berre und sprach also N> ir menner und mein volck, 
ieb erkenn das ir nit wolt ab laaaen von ewrem urtaii ^ und daa 
icli rede anlb eigner dteniut die got altein befilbet, ao dgnckt 
mieii daa ewnr alaticke|t in iHer malb nit redlich sey. danimb 
iat ea ftiglichen eneb und mir daa wir nna bedeneken. dar umb 
ao nugt ir nicht gedeneken, daa ich ewer pete veranebe und 
das ich euch nitt wol hören, wann als lang bey einaaoder sein 
die geUder meins leibs, hcih k Ii rmiL ia ewer gunst uihJ lieb 
zu pleibeu und will ilso (MliiiKhii werden, ist mir got gnedig, 
bey ewer ilüchem als n iiin i! lialt lu der gemein, dorumh so jj^ 
beger ich von euch das iv mir von der sach nit mer zu sprechet 
scherpflichen, annder get zu den die euch gesaot haben und go- 
denckt mit grossem (101'') vieis was in den diogen zu thän sey* 
ao wil icb aucb aofgt?eltiglicb und mit vieia den willen und fur- 
alcbtiekeit gotaa an niifen.' leren bin, amptman, mit kurtien an 
wenen dea funiebtigen mannea, daa dn magat In aolcben dingen 
diinen nnlherlbanen antworten nut diemnt, mit alalickeit, f^uot- 
licheo, fursiebticlichen , natzlicben und guilichen. 

2 iat B 4 eine niüich ff 5 tu a. stund v. j4 forderst ü 
nein B 6 gepitet 7 sey Ii aucli bü S wol zu thuD fehlt A 
9 ew ü schämen B 10 bewerta ü 12 efkaule B 

V6 Proif. 15, l 14 senfiX- i guLig B 15 Siratk 20, 29 18 ffd far 
Bick^ wolgeftllet^ Ifatbevelktt 29 Mfgaellißheo J 30 ffola« 
fM A 31 nackt B 38 fanfebügen A tmeh fatllehco: AncB 
(rüi) A HC. B 4it folgmOf MktMMft rot AB 



Digitized by Google 



378 DfiUTSCHE PROSANOVfiLLBN |)E8 PONFZEHNTEN JHS. 

VoD neister Maroos, m& der ?oii der gemein zu dem 
fursien wart gesaut uüd was er aldo warb vou der ge- 
mein. 

Als die poten komeu zu dea die sie gesant lielten und 
6 sagten des fursten antwurt, do verwunderten sie sich all zumal 
des berron funatz, und als sie erkanten das ir anweiraog machir 
Jofa w^r» 80 wolteo sie dooli den deonitigen ümtMi und den 
heiligao man von gunal und von lieb wegen, die sie tu im betten, 
ait barl noten und betrüben, sunder iren rat und iien wiUen 

10 den gössen sie in einen »eister, der biefs mit namen (102*) 
Marcus, und an dem bingen des berren rele, und er was im vor 
anderen reten gehorsam, leren hie gutickeit zu haben gegen 
deinen pflegercn vou diesem gelrewen volck, besunder wen sie 
trumme sein und tugentlich, und betrucb nit ir mesbickeit, ob sie 

16 unterweylen lurht thun nach deiueiii willen , suuder levdc dich 
mit ine und beyl auch irs wolgelaiieus zu zeileu und an etlichtti 
Sachen. 

Do nun maister Marcus fernem das pete der geoMyn, wie 
wol er west und erkant den guten fursatit seins berren, doob 
SO so versprach er sich gen der gemein dy potaebaa auf aieb tu 
nemen, wann er vor in seinem willen snlch nebe mit dem Ainten 

het zu reden , ee das er von der gemein danimb gebetlen ward, 
doch so bedacht er sich darumb das es baydes gutz was. und 
er halt es dem fursten als pald nicht lur bracht , wer die pelh 

25 von ilci" gemein nicht au in komen. dann wann wir vjl (biig in 
uns uberslaheu welchs das uuczesl sey zu der sele saUckeit, so 
vinden wir dennoch kaum das pest, darumb das wenig sein die 
den menseben gut dunciceo, und der aufsganck unterweylen (102^) 
i'urt in den tot. aueb so watls nymant, ob er wirdig sey der 

SO üeb oder des bafs gots^ sunder alld ding die werden uns bebniten 
in unsicherbeit in die sukunftigen werlft. dorumb so sein die 
gedancken der menecben fnrchtig und unser fmsiehtiekeyti isl 
unsicher. 

Also nam meister Marcus einen guten getrawen von seias 

2 aldo fehlt B luich gemeiu: t t> .4 4 Ks geschähe als R 
9 hartlen , n rol avs^estricftmn H vui wilk t» rate ausf^esfnclirn .4 
lU mit n. B 12 reteu] lewtc Ii 20 dy puUchafl bn IL vua der 
gemeia fehlt A 22 darumb ti %. A 23 gut B 25 an in nicht B 
waan fM A dtaget B S6 «benähen A auvaa A 27 wenig 1 
wog J 30 kadaea gute B 32 fonicktig A 



üigiiizea by GoOglc 



II CUUSARDIS VON ALBRECHT VON ETB 379 



ampUi wtfett uid ging zu dem (hinten , da er wont , und sprach 

zu im also 'wir, alles dein volck, her, von dem grosieu hii^ auf 
den cleinsten, tragen dich in rechter gediilt durch deiner trum- 
keil willen, weisheyt und lursichtickeyt und wandt Iberlieyl in 
ordenlictier Schickung deins t'urstenthfimhs. gnediger hene, turst 6 
und margrave, ich biu dich dufcb meioeii muudt mit eintracht- 
Meber styrom allea deins voleks, das da um honi, iierre, nacli 
gaticke|l deiner gmdeo. aller lewt nimt redt von dir und 
spriohty da seiet in tagenden Tolkomen, und daa ich nit auif ein 
newea anlUien und (103*) verdroasenlich tey deinen oren ein II 
SU treiben das dn knrtsiich ?entsaden hast fon poten, die dein 
▼olok zu dir betten gesant, also bit wir noch alle, das da 
unseren rate tiicfit versmchesl und ütinesi du ein elich weipp, 
aufs der wir von dem willen ^'ols mugen von dir eibtn ijaliHn/ 
als lu der tursl I iis aiii das wort horl, du bettaclit ei ^>eiu wort 15 
die er wolt redeu und begund iue gunsUicheu an lachen und 
sprach also *icb habe dacb, maiater» in wirden alzeit gehabt und 
ich bab dich in meinem rechten getragen fundeu. dorumb so 
bistn wirdig das ich dich lieb han and acht tewer. doch sok 
du in der saoh mein rede wo! ▼ernemen nnd solt sie mir tnf M 
losen, wiltn anders ann endliche antworl kernen zu dtfn die dich 
in uns haben gesant' 

Von der beswerung die die mueaae leyden so an der ee 
sitzen, und suoderlich von liollart der traweu. 
(103'') *Ich Ir.ig dich mm ersten als ein weissen philozo- 2S 
pliuni iiad einen besundren nieiutn gesellen', sprach der lurst, 
^warumb hedenckestu nicht das das allermaist zu turchleu ist in 
der ee, das die Irawe die mir ward lugelugl leicht ?oo etlicher 
hindernu/s angeschickt piibe zu entphaen, und wenn ein solchs 
geschehe, was smertsens ging dann durch mein hertz, das ich M 
erkennet das ich and ir alle unsere hoffnung betten yerloren 

1 do Ä 2 hm B 3 dem /I 4 wandeibertikt v t Ii 
5 vnordenlifhr r .4 herrc ^ehlt B 6 dich fehlt B 0 nicht«' B 
tu aotalic veiUu»seulichen ^ 11 das | dastu £ kurczlichü 
14 var der ut dem abgestrichen A gehabfi B 15 bedacht B 
•eioe B 19 bab i9 tewer achtel 20 mir sie B 22 iru/^gesaat 
fülgt eie. dann Helena eua rof rot auch die folgend« Bhortckrift 
in AB 23 mofieB B to] die B 24 besQdV B 25 sa dem e. B 
eioe B 27 bekanierstu mich das A an) lo B 28 fraweo A 

aagefartif 29 waoif 30 meioa^ das] so 5 31 erkeaat^ 



Digrtlzed by Google 



380 DEUTSCHE PROSANOVELLEN DES FONFZBHNTEN JHS. 



ood ich besonder ferlerea bett» das mir nidil mcIü wider 
werdeo* du wnimbsi wol waiA ich meise, wano ich es auch 
vor den tu entwort heb geben , die w dir t« mir gesaot woreo. 

nun las sein, das mein fraw fruchlpar weic und hell doch bosze 
5 sielen, also das sie liochverlig were von gepuri ii» geslechts, 
ader lafs sie sein aus demutiger gepurt: wenn sie erhöhet würde, 
so wurd sie vil leictit unvertragenlich. über das alles sein vil 
unlugeut der weiber, der ich gesweig» daa du nit dartts ge- 
deD(104*)ken, daa ich ea lafs Ton erben wegen, doch ao wil ich 

te dir von vor genanten stehen etlioh aaichen Air legen , in den 
dn mit mir aalt gedenchen tuhanftiglich ▼erderbnnBi haalo nit 
gdeaen, daa cfsreckenlich ist zu reden« daa die die got bet anfa- 
derwelt, darumb daa aie den weyberen all an huiliehen bey 
stunden, haben sie sich geben von dem hegslen werckmaister. 

15 gedenck mit mir an den allti grusten, au den ersten Adam, an 
den aller strengsten Sampson, an den aller weislen Salmon , von 
dem die geschriii spricht, das sein herlz was buT??. do er alt 
ward , on zweivel von ausser mafsen groser lieb wegen der 
Weyher, petet er an die abtgoUer und kert sich von dem er 

M lieit geschrieben, daa er im hat gegeben aaiUckeyt der vernutV 
der gedancken » der ayn nnd seitlicher eren und reichthutab über 
alle die vor im werden oder noch im konftig worden, er het 
auch aokh macht von gold und ailber (104^), daa ea nichl geacht 
ward von der meanig willen, aonder er vmrd darumb nicht mer 

15 gebaissen Idida, was spricht: erden got lieb bett, wann er was 
ein liebhaber der weyber. uuii geschehe nur ein solchs — da 
goi vor Sfvl — , was wurd dan aus mir? darumb so wir nit 
wiessen zukuallige din^', so las wir »las laren des der dioger 
ein ursach ist. hast du nit das iu deiner gedachtnus, das do 

M spricht Sextus pbüosophus: er ist ein eeprecber in sein weihe 

2 wsift—wu^ AmmD]4jB 7 VBnertngHclm J gdarst^ 
11 bedenckco^ 12 eischrodcenlichB ^ tvfoerweltfr 13hiciie- 

lichen B, viellncki hicilicbent 14 gekart B 16 Salom« B 
17 /f vgl. 1 Reg. cap. 11 und 3 17 schriirt B 18 aufs d'r m. B 
19 er hett, hgisrhf^r rf'f'fvf i«t 2(1 im hei B 21 zeillich B 22 ward .4 
23 von silbi 1 7/ 2\um{ fehlt. i 25 Jedid-Ja 2 5amfiff/. 12, 25 was] 
dasT^ et ffhlt ii v,tü H erlese/ 11 Mi fehlt AB ?,i)ffv^l.U(ier~ 
ont/mus ndversus Javimanum) 1,49 (Migne 23,281). Sexlus philosophug 
spricht; der iüt ein eebrecber in seim wib der sie zu hicziglicben lieb haut, 
in cun fremdca wibe Ist alle lieb cid aategende nnd stialllich und in den 
aygen wib iat giosse obcfflissige lieb sebenllidi, wan lieb bilogt niiate. 



Digrtized by Google 



ü GRISARDIS VOi\ ALBRECHT VON EYB 



381 



der 816 211 begierlichen lieb liai. in ein IVemdes weihe ist alle 
Heb ein untugent und in das aigen weihe, die lieb lu gruls 
isl, (Ins ist sebentlich, die lieh der sclion ist ein vergesseiihoyt 
der veraull. die lieb d«r weiber macht uaraUankttyt und bricht 
boch synii and gaiit« me vvurtt die g«ie von groMO gedaneken i 
und fon TemftftiglDeyt uil priogt den menschen tu «nendliofaeii 
aDd verworffeD eynneii. es apridit Seiieee, er bab bekamit eiii 
geleil( 1050^11 maao, der mit flebwblicher lieb w barl gefangen 
was, das er far um bnial bieng der frawen forspan, wenn er 
aus ging, er moeht anch od der fraweu gegenwertikeyt nit sein tn 
aul cia ^iUückt einer zeit, und ir keins unter den zweycn Iranck, 
CS wer dann von im und von ir gekostet, der lieb orclen was 
siillich, aber die gröls der !i< b die was strafTlich, wann die sil- 
licbkeit was unsinickeit. duu Marcus, du gebieter uud schicker 
meiner rete, was dundit dich nun su tbUn nntiKctien in den 15 
aaeben?' 

Do anlwort meister Marcus nnd spracb zu dem ftirsten also 
*herre, ich erkenn das fr vH beweisung bey eucb habt, das ir 

mugl bewareu ewrt ii luii^ticzL doi umb so wil ich mein antwort 
verzihen, bifs das tiwer gnad bat aufs gesprochen ir !ievvening 20 
ader bewegiing , und weil ir das ihiit, so wil ich ewer wort mit 
vieis mercken und wil dann dor aut antworten, und aus den 
zweyen (105^) wol wir zihen das do nucz und weisbait vol ist. 
dammb was nocb do binden hat ewer sinreicbbait, das zibet herfnr, 
wann leb las micb beduncken, das ir noch mer habt zu reden/ 25 

bricht hohe sinn und gaist, nimpt den meoscheu von grossen guten 
gtduiicken uud bringt iu zu unendlichen und verworffen dingen E(he- 
itandiöächlein , ausgäbe von 1475, Cooradus Mancz zu blaubürreo) 6/. 6** 

1 it9 folgenden in e, acc, namatUHeh an ertter »Mk bedmk- 
Mekf äbit ätk imI m Mmtm$ in B im aUm faUm in a iäL fs) 
▼I J fremde B alier J all t / ia tUcoa qnippe sioie omob 
amor turpis eat, io aiw nioiiiis H 3 scheolliclifi B Z-^l vgL H 
1, 49 (Migne 23, 280) 4 und br.] sie prichet B l/fvgiBUA^ 
(ßiigne Ut2&i). Seoeca sprickl: er Inb ffdnot ein gierten wisen man der 
mit vlissiger Heb also gefangen wi diz er an ain brnst hieng einer fraweu 
fi'ir-ipari^ weu er uszgieng die in des uberrel und geboten het dz doch vast 
ddumpfilich und »putlich zu achten wz E bl. 9* eing B 8 gelertlter A 

fleifdicher Jff Ö furspan fa«i-ia H lu gestin H 1 1 einen B 
12 Ofden origo U 18 her nach trken B 19 bewereu B 20 bcweruog 
adt r tf'hU B 21 bewegung vgl. a85, 8. 9. 387, 24) pewerung A 
Tud do weii B ewreu B 23 dsi do] da dn S4 het ^ 



üiyiiizeQ by GoOgle 



382 DEIITS(»E PROSANOVELLEN DBS FÜNFZEHMTEN JBS 



*Nun hore\ sprach der margraTe su majater Marcaa, 'leyd 
mich ein wenig, so wii ich dir sagen was ich gelernet hab von 
dem weisen Augustiuu. der beilig vater schreibt eici pucli zwi- 
schen im und seiner vt muft, do er ander vil aoilert n irairen 
5 die den menschen zu bt ^,Mi d zihen, wni gtiragl von der vernutt, 
ob in nil gelust zu liabeu ein weyb, besunder wenn die schone 
imd rein were, schemig und geiert und guter aitAB und von ir 
mocbl geiert werden und die im auch geaung gebe in dem tn* 
achacz und die ine euch nil bindert on beewerang des atndireaa, 

la und besunder dae er sicher wer, daa er zu keiner leit von ir 
betrübt wttrde. nun antwon Augustinua aeiner vernuft nnd aprack 
also: male mir ein weipp, wie sehen du ymmer wilt, und hoffal 
mir sie mit (106*) allen lügenden, so wii ich doch h^nerley als 
ser fliehen als dy geselschafl der weiber, wann ich vind keinerley 

15 dns alle kunst und laenliclien mdl als ser dernyder druckt als 
weybiscli wort und ir begreiffen, an das nymaiU tla» weybe mag 
gehaben, so nu also an gepurt das ampt (»ins weyseu maus, 
das er sol uukeuscb versineheu, und der der ein weipp hat der 
ding an ist, als ich ge^prochea hab, des aterck ist zu verwun- 

ao deren, aber ich getraw im nicht nach zu folgen, wer sich ver* 
suchen wii, der tbul gar lorlicben, und der ist sailiger, der in 
entpfleucbt darumb, als ich wene, ao bab ich mir recht und 
nuczlichen gepoten zw freybail des leibs und der sele nicbl zu 
begeren und nicht zu suchen und zu nemen kein weihe, also 

25 hast du, Marcus, starcke beweisung wider die anzünden woit 
der trawen.* 

*Nun höre, was ich rede wider die holTarl. Philippus, Al- 
lexandri vRt»T und kUnig zu MacedoniR , \\ \i\er den P( ruü.Ntenes 
oireuliclien sdireibl, der ging zu eineu zeiten nach ^('in»>r ge- 
30 wonheit (106'^} in die kammereu, und sein weibe die Iraib in 

3 den B Aogu^ti^) B h ff vgl. Au^iiistinus der selig Täter ward 
gefragt von der vernuiifl ob !ti nit gelustet zn haben ein wibe, besonder 
wen sie schöne küsch uud rptn wer, schemiir, wyfs gelcrl iind guter siten 
mit g«'m'iR'i<*hen z8 scharzen die in an stiniiren und leriiung nit hindert 
noch sunsl betrübet, «niwiirt Augnstinu«^ \\^\:\\ siner vernuiifFl mal mir sie 
wye scbufl du wiU und hubel sie uiu aüeu lugenden so wii ich doch kii- 
neitay ao aar ffiehaa als wiblleh gcadaebaAe, wan Ich flade «felila di bmb- 
Hebe «ftla vad atte konac m wre Terlccat and nydcftmckt ata wipitdi ge- 
aelaehaflt B bir 6 die] iie ^ % ge|oag A 11 spikbt B 

13 ab aer 14 keioeriey /«AÜ A 16 wort] wifdo A 
ITampta^ 25 eaeaentii» 37 jf tyl. ÜT 1, 4S rJ%«» 27«) 



Digiti-^cü by Google 



II GRISARDIS VON ALBKCCIIT VON 



363 



lorniglich aufs, als sie die kameren nach nu zu slug, do svsai^ 
er und sein unrecht, das im geschah, das torsl er niw tuuni 
won iiit ollcnwaren. der relor Gorgias, der stluail» den Kriechen 
anfsermaiseu ein schous pucli von der aiutrechtickeyt, als sie 
uoaoig wordeo, uAd las das io Olimpie. do aslworte sein feinde i 
IMaotiM und ipnoh also : dieser g^pewtet uns aintreehtickeit m 
balwD, der sieb und setii weyb und eeis «widkio jn einem 
Imue iiichl eintreehtig liaB gemachen, weon eeiD weyb die 
Bejd des aeydlee echoii, und dermnb bell sie mit trem keuscbea 
msD tegVehen krieg. Soorates der bet awo frewen nod die kriegte» itt 
offt mit eiDDander, und wenn er das bort, so spattet er ir, darumb 
das sie umb einen sti unkenden menschen mit halben nafslochereo, 
mit einer kalcn stim, imi einer rauben \\r\\<{ und der auff dürf- 
tigen fiiesspn i^in^:, kiieglen. darumb su wurden sie eins unholt 
OD eiDoaudcr und saczleo sich wider ine und bandelten ine gar tS 
Obel iMd(107*J lang zeit trieben sie ine umb. es geschah aucb 
eine mala, das der frawen ein atAad ob im und sprach im gar 
sebcoalichen «od vil boaer wort lu, und als es Soeratea bort, 

l lonifcllchfi ß kloMr 3 2 ^ das tortt er mit e. worl oft offiM- 
waren, vMmthr iqlnriiai «Mm vefia titgico comobtai est IT $ Gor- 
gM iiergaOi ji Z^vgLÜ 1,48 (3Hgn» 23, 279). (kkigiai der reditor 
bet do Wik die stetes mit io krieget voo der megt «egea die im hosse 

und hibgche was darurn auch die frawe die magt oydt Dod haaset. und 
als Gorgias deo Krieciien aebrib «ad schickt ain buch voo der eintrelitikait 
als sie uneins waren, wtrd im geantwnrt der gobeüt uns eiotrechtig zu sein 
der ^och sich sin wib und sin mny<^ dry in einem busi üit eiotrechlig ge- 
machea kao uad te^lich mytt krie^ des wibs beJaden igt E hl. 3*. tlas- 
telhc i'rza'hlt Fischtirl i'htiosophisch ehzHchibiichlein 1578 D H' nach 
JHutarch 4 aufs d'r m. ß schoa ß 5 vueiuig war« ß ant- 
worte j^B 6 sprachö B 7 haltä B aod sein meidJeio tit 8 waiui 
sdo weyb /Mit ji 9 meidMes B dsrrmk so B 10 Somotcs AB 
swe 9 10/f «gl F 1, 48 23,278/>. Soerates » der selb 

bete Bw8 fraweo ooefa gewooksylo des laodcs die kriegten HgUek mit 
slDSoder wm deo slteo maae. 4a tpotet er der frawen dz sie Tm Io krigten. 
also rertr^gen sich die frawen ob dem manne oad Imegten fOrbas mit im* 
ds litt er gedaltigUch. alos mala beten sie grossen krieg mit im, gaben 
Im y\\ hAs^T «5ch(*nt!!cbor r^Ae. da gientr er usz dem husze. da hegussen 
sie in Hill unrnyncni uasser von oben herabe. da wiscbel der -edulli^e 
man sin h^ubl mul sprach: ich west wol ds nach aim äolcheo durntu 
komen wurd aui regen E Ol. 56', vgi. auch Spiegtl d^r sitten von 1511 
bl. 37" 12 simiü uaribus // 13 raolieo prust : pilosia hameris H 
der] dtr A aof derlUgeo foewen : repaodis emriboa H 14 ooholt| 
vod holt B 18 scbsatlidi B m] k B Ss«rot«s^9 hört fMB 



Digitlzed by Google 



384 DEÜTSCflB Pft06AN0?ELLEN DES FQNFZBHMTEN JUS. 



antwert er ir. do begofs sye in mit uDreioem waAcr. do ant- 
wurt er ir nicht mer, sunder er vuschel sein haubi uuil sprach: 
ich wesi wül das nach dtni doaei v\n ve^^vii kome. Marcus» du 
«loh nicht weneii , dt i wt iber hüüari und zorn die iln iinU ir» 

b geslachts stillen und gezeirieu inüge, wenn sie erhocht werden, 
des ist ein zaich«« in Chalo Ceasoriiis, wann Actoria sew wmIm« 
wie wol $ie was geporai von einem demütigen gesiecht, so wm 
sie doch aufter malsen frtiei uad UBfenchaflibi und das kaiuü 
glattbücheii iai waa sie Calhoni faefliiri hvwmL w9t« «neb« miiner 

to MarcuSt nit hom von einem anderen hnmUchen leyden« doeh a» 
wil ich dicB ftir legen, «nd laa dir ea in hertien gan. ala die hiato-' 
rien sagen, so iat au Rom geweaen ein hnhacber man, den (107*) 
sein frunde straflten darumb das er hett vriaub gebeo einem 
schonen wcibe» dye keusch was und hell guuug an zeitUcheni gut« 

15 also das es kauui zu bedenctxt ii was, was iuebeswert hett. so rat kt 
er einen luels von im und !sprach also: secht, (hVfs ^cliucli der 
ist new, und er liget uur gar hubsclich aa meinem luels, aber 
ewer keiner [aus euch] wais nicht wo mich der acbnch druckt 
dann ich allein. Tulliua Cicero ward gepeten ron Hirdo, das 

1 ftotwort fer fr\ B do begoft— do antwwt er ir fikU A 
a kameif 5 getleebts vds {Hm und) gfpart [slilleo und] B 6 dta^i 

Cbato (katho B) vnd Censorius AB, gemeint iü abvr Cato fJci'nianus, 
der söhn dßt Cmio Centorius (i ff" vgl. Hl, 4a (Migne 23, 279) Actorta 
Paula H 8 aufs der // 11 gen £r jstorien B \1 ff vgl. H 
1, 48 (Mig^nc 23, IIS)), man list in den Historien der liorntr cJaz zu Home 
}$l gewesen am wiaer luan den sein freund darumbe slraffien das er het« 
nn getiibeo uad vod in gcthaa sia schAaca wib die deeh frum , götig aad 
kSseh wi dz man alt gedcnebcn mocbl ws io beschwcH solt babca was 
ti aacb gnSg an slUieben göte hat. do man den witen alao stcalt, da raekl 
<r voa In lin ffta und tpfidi: secht liebeo frfliid der schuch ist a&w glat 
nod hfibsch aber üwer kainer wtist wa mich der schnch drackt dea ich 
alhiin. da durch gab er z8 Tcratea dz er sin wib nit on orsach von im 
gethan het E bl.X*. gemeint nhtti Pat/lus yiernilius und Papfrin, vgl. 
dtf> h'tt^ffiturangahen l)ei (iofdeke JJichlungen von USac/u ! *, 1 ^3. Fiichart 
Phiiomphisch eh*uchtäuchlmn 1578 ß 12 gar ein hubihcher ^ 

13 sUratfen /4 14 zeitlichen A 15 es) er ^ xu fehlt A do Ii 
16 difiBcr »chube B 17 hubacblichä B 19 Ivm B l^ff vgL 
ä 1, 48 (MigM 23, 278). als aocb T^aa hat gcafroebsn do « Hirtaa 
acbwastar ait wdt aeaMO, wsn as ist vU das den liawea all gahArt kAspar« 
liflhfl kiaydcr, bcflUia, ringe, beniUn oad adel getlalD, aaraag, aMyda aad 
nancberlay haasrat dar nach aiad aie die gancsaa naabt achweeiig kippelen 
and kiffen, grynen and aanaea und apreclico zu den mannen: die ist bat 
geklajdet dann ich bin. ao wirt die bmk gecrt aad gchKkn das ich und 



Digitized by Google 



U GEiSAMDiS VOM ALBMECÜT VOM £VB 385 



er sein svvesler neme seint den maleo das er Terencia, sein 
weibe, liett urlaub gebea. des enwolt er nicht ihtiu und sprach 
in Im ako: icli kau dem weibe und ineiiiein sludireo kam ga* 
BODg Umiii. KIM ti^b^Ui, ManeiiB, üdber nuifler, in dietea 
wäeml ich hit üÄ^ das dw oir antinnt g«b€tt, waiw du wayit S 
fiar allen lautae mein gOBcbefL' 

Do spracii itiayster Marcus zu dem Fürsten also 'ist, her, hie 
das end ewer Bewegung ?' *nein' sprach der herre. do sprach 
meister Marcus: 'gnediger (108") herre, ewer beweguug die müst ir 
ail aufs gtessen, also das die gcledigl slat mag iii siech geneineo lO 
das frummen pringt und nucz ist.' do antwort im der marg- 
grave und apraeb alao *das ich nun wil, maister Marcus, ans 
s|ireeheD, dor innen aoH da mich wol fenteen und aolt nit ge* 
denoken, das ich die ee woU ferdamnen« die beHlg und Ton got 
geachaffen ist. aber acbiUmg ober ein aug tItnS ich de mit ift 
beHUglicben pubin und ralBen und die bedachten eebrecber dye 
aHe mU der ee bedackt werden, das mir gar sere mlftTelC. Theo- 
frastas der heidfnisch aiajsler schicibl ein puch \on der ee, das» 
er nennet Aureohim. in dem puch (raget er uiider vil fragen, 
ob ein weyser mau soi ein weib nemeu. zu banl tregt er ein 20 

ich arme bio verworffen and Tenehoiedili. mere spredieo sie wimmbs 
huta die naehbftda so gesehen? was histo mit irer mayd geret? was faasta 
ndr tom msrckt gebracht und getranfflet lade mhr detn frfiiide. lade mk 
den gesellen, da bist by der gewesen, da hast sie liebe und bist mir 

Teiodt und so du ir das gancz husz hefilchst, mus ir yederman dinstüch 
sin. bpheltpsto i^ber (twns in diiter gcwrillf, 9o spricht sie du \^iillcsl ir 
nit getruweu wirt dir hegsi(^ und grau, bcliill und Ütlcht dir und Kedciickt 
dich villichte zS töten und ist si arm so ist dir achwer sie zu criiereii ist 
' si aber rieh ist dir peinlich si su üdeu £ bl. 2\ S* 1 seintenmalen B 
tsienda 4 io] sa J 12 wü mnk Mareiis B 13 dar ^ 

15 sebilbsol Jr ang} lang, 1 mug^ichm A letaffiao^ be^ 
daekiA B 17 hU 387,13»^^ iSri,47 (Wfpu'^mffh ^B^ntw MI 
des TkBOphrMU d« mtpfüs Uber aurtebu aufkmkm» g^kmäm hat 17 if 
Theophraslus der ein ianger Aristotiles gewesen ist scbribt über dise frag 
in dem buch der hochzit und spricht: ist sie hübsch und von guten siten 
Ton erb^Tf'n eiteren geboren und fruchtber und so er \'^\ pesuod und rieh 
so maj5 ain wyser ntan nenieii ein Mibe, so sirh aher ditte dingt' seiden alle 
begei>eu, ist eim vvi>iii knn >mI> zu nemeii, wau durch ein wilj wift ge- 
hindert die leinuiig ilei get^ciirjüt uud die wiszhatt und uüg kaiaei wol ge* 
dienen den iiüasleu und dem wib, der wiäziiait und dem bette E bl. 2*^ 
JUsfon McUiefH sieh in B nnmUii^bar dSs» sm 384, 19 ff amgekekWM 
19 Awendan B 



Digrtlzed by Google 



abü DEUTSCHE PHOSANOVELLE!« DES FÜNFZEUiSTEiN JUS 



UD(] Spricht also: ist sie schon und hat sie gut sieten , ist sie 
vonn guten leuteo, ist sie gesunt und reich , ist sie geschickt 
kinder 2U Iragen, also ma^ unterweileo ein weiter man (108^) 
ein weib nemen. dorautT aatwort er snhant nnd spricht: das 
vindet man gar selten, aber weoii dn sie gesymst, so bastn es 
alles, dorumb soll kein weiser man ein weib nemen. sn dem 
ersten bindert sie den vleis tu der weifsheitt wann es mag ny- 
mand gewarten der wucber und des weibs. es ist anch vil das 
gebort lu der notdnrft des weibs: edel deider, edel gestein, golt, 

10 ^e^uug, meide, allerley hauisraü, wagen, slietlen und alierley 
gülden gesmeide. über das clageu sie und reden dir nach uod 
8pieclieu also: die get auf der gassen pas gezirl danu ich, die 
eren alle lewu, und ich arme, wenn die Iraweo zusammen komeo, 
80 wurd ich versmecbt. solcher dag ist nun nuig wir das 

Ib weibe nit gelassen allein, nymmest sie dann mit dir, so iregstu 
ein pOrde. ein arme mag man kawm eroeren* ein reiche in 
tragen ist peynnig. secs dor in, das dn sie nicht bescbawen 
magst, dann als sie kiimpt, also mnstn sie behalten, ein weiser 
man der bt nym(109*)mer allein, wann im ist gegenwertig die 

W Temuft und die guten werck die ye gewest sein, die hatt er 
vor ime und er kert den freien mut wo er hin wü, und was er 
nicht vermag mil dem leibe, das volendl er mit tursichtickeit. 
gebrecht Ii im lewt, so redt er mil gel. also ist er nymmemer 
allein, auch ob mau zu der ee greitt von der kinder wejLsen, 

2b das unser name nicht rergee, ader das wir haben unsers alters 
versorger und gewies erben, das ist recht unsynnickeit. was 
get uns das an» so wir Ton dieser weit scheiden, und das ein ander 

I bal [sie) B 3 irageo] macbS B- 7 Mnderi B 
8 woeher — buchet des] das ji 8—17 vgL 384, 19if letartwn 

10 mdde fehlt A wagen, slietten ww. Iceticae et esseda deanrata H 

II goldein ^ 14 würd ^ wird versmchl ^ A't hi B 

Ift nymslu B Ifi purdri B armeu dy B 17 peynnig => mA4^. pfDec 
secz] das s\e nach dü fehlt 1 ! 7 /rnl<;o {jf «schlösset Theophrastus 
die furgenummen frage dz kain wale und [ » st Ii ivs( n scy. ain frawe zenemen, 
9U0ii* r wie die kumpt. so müstu sie bihaltcii, bie üi uniidLÜch, zornigr, hof- 
fertige, aia torin oder wyse. wie aie ist, kan nit vorgewiaseo werden sunder 
danitcli in dem edtohtn wese». aia pCerde, esel, ochs aad ander ding werden 
▼eiinebt vor ee aran sie kaHI» aber ain fiawedi« man i& der ee nemen soll« 
wkt nit TOT beweit, ds sie nit werde Tencbmecbt und mylsfiille ee sie 
weid gennmmen BbhW^ 19 UkA 11 was /MH A S3 nym* B 
35 MhvtAf #. ÜMgmuH&MBrFi^rdiülogMvmi aSüeh$:\\A ««62,34 



V 



Digitized by Google 



11 GRISAHDIS VON ALBBECHT VON EYE 



387 



genent wirt nach unserem uameo ader stammen, so doch der 
iOBB stt baut nicht gleich ist dem fater, imd ir sein doch vil die 
men mniea haben? oder was ist das nuci, das du do baymen 
einen aone ernereet, der Tilleicht dir stfrbt oder wirt unleyden- 
Beb? und wen er kmnpt zu seinen jaren, so erpeytet er kaum § 
bift das dieb der tot holet darnmb so eein pesaer und gewieser 
(109'*) erben gut firnnde und magen, die du getrew erfunden 
hast üano die die du must haben, es sey dir heb oder laide. 
doch so ist üas das gewiesser erbe, das du deuis ^ules wol gc- 
bruchest die weyl du lebst, dann das, das dir mii deiner arbeit 10 
und sorgen ist sawer worden , lest anderen ieuteu villeicht zu 
Sunden. Marcus, das alles sein die wort Tbeoärasti des Philo- 
sophen, nun sag mir« was dir su mti sey mit mir su reden, 
wann welctas onstenmenscb bewegen des haideos wort nit, so 
unser Wandlung sol sein In dem bimel? und wir selten als vol* 16 
bomen sein in unserem leben, das wir alseit sprechen mit Paolo: 
ieb begere su sterben und su sein mit Christo, ich sprieh mer: 
sol der begeren erben, derdo teylbaftig ist des erbteits Crisli? 
und sol er wünschen kinder und kindskinder die villeicht der 
entencrist vindet? und als ich den geauUvuiL habe die dye pai- 20 
schalt vor dir worben van der rete unser gemein, das Moises 
und Samuel Iren kinden ander lewt f'urgesaczt haben, darumb 
das sie (110') sahen, das ire kinder got uit woll gevielen. hye 
sey das end meiner bewegnng, wann ich wil dich mit meinen 
werten nit lenger auf ballen, sunder ich bit dich, das du nicht » 
unlerdmekest und tersweigst deine gedaneken und in gantzem 
geinwen und mit nucaen reten unterweüh uns.' 

Von schemigen und keuschen ihiwen und aub in wirt 
beweifset sucht und ere der ee und daa sie nicht alle 
lewt sollen versmehen. 30 

1 unseren ^ ader stammeQ fehlt Ii 3 o4er] dor A f> bifs 
f9kU B helet B 7 mag ß b du ßhlt A 9 gewilsest B 

gutes wol fehlt A 10 die w ] da w. B 12 siot B philosopbi B 
14—23 vgl IT 1,46 (Migne 23, 278) lia«e et biioseenodl TheophrasCoi 
dliBCftns, qaem non fellhiidat GbrisUanonini, qooram cooTcisstio in coelis, 
tfA quolldle dicniit:eopio dissotvl et esse emn Christo (FkÜ. i,23)t 
1« aiMiett A 18 begerer AB 19 er sol 20 eatencrtst 

fM A 21 /im m» B ^ leten? 22 kindcrn B 25 nicht] 
nleh A 26 deine A gantzen A 2S Überschrift rot AB scba- 
mig? B in wirt fehlt .4 2'» w^-Wist / und cie fehUB 30 TCf- 
iweigen A, hierauf rot Maria hiM aus noti A 



Digitized by Google 



388 D£(JTSCIi£ PHObüTSU VELLEN DES FONFZEIUNTEK JHS. 



Do swaig meister Marcus ein wenig mit hängenden) ant- 
luctz und gedacht sich, was er solcher weisheyt antwort soll 
geben, darnach rieht er aich aiiff und ghäg den hera ao mit 
solchen warten und sprach ^gnediger herre, mich hat verwundert 
5 (und bin ergroeben in mt) dye bebe der fnnicbtickeit ewree 
bertten rete« ich achaci ewren Aafeecs, wamiab ir babt bifa 
anl' die seit g eaea a en on geaellaofaaft weybiicher irt, und wie wol 
ir (110^) fon ang^pomer firumkeit und dieomt eft mit mir, ewren 
diener, habt von der aach wegen geredt: — nnd han ich doch 

tO Dil volkumlichen die haimlickeit ewrs hertzen vergtanden bifs auf 
diese zeit, hier umb alles das ir habt für gelegt, das ist wir- 
dickeit vol und durchleuchtet mit warheit. doch pit ich ewer 
turstenlich lugent, das ir mir mit vtrubei wolt haben, das ich 
antwort als das mir mein synne verleihen, wann ich, ewer diener, 

t6 bin zu antwort vol worden, alao das es mich betzwingt, und 
laa ich nicht von nur lU verantworten liraweB lucht und ere. 
wer iat, der auch entpi^ngen rede bey im mag beballen?' de 
aprtch zu ime der marggrave: *rede in gentaem gatrawen, maialer 
Marona, und behalt gar nichta nitt hej dir verholen.* do not« 

SO wort meiatar Harcua und aprach alao ^berre, aUea daa ir vor 
habt eraalt, ala ich dann vor gesproehen hau, daa iat wol sn 
furchten, sehe wir aUein bose und torchte weiber an. aber das 
ist nicht zymlicheu albegen. Nvauii me aller mafs als vil zor- 
niger (Hl*) und hofTertiger Iraweu sind, also ihar ich gespreclien, 

25 das man auch vindet guttig, zuchtig und vertragenliilj Irawen. 
wer darumb will aller wind in acht haben, der sehet keinen 
aeker, und were all wolckea mercken wil, so hewet er daa graa 
nymmermer. also aprich ich, das die ee darumb tat nitt zu ver- 
laaaeA und beaunder wer vernuftiglich will ecbelaen den atant 

8D vil lewtt und volckea. ab nun hoee weiber aein zu Aircbten, 

1 anbiageodeii itf 2 bedacht^ 3 dainadidojg giagdca hen] 
«iDgi# 7 die] itttmB 8 aageporo^ 9 babt /kkUA wcgea 
f^UtB und] so B 10 volkaBcalicbn ^ 12imtd*ri9 15 wardeo] 
wmdes ^4 wiodes B es] er /iB and fehll AB 17 d'r enpfangen^ 

18 ganUen A 10 iiitl /VAW B 21 als — han fehlt A 23 zim- 
lifh H in B 25 v'lreglich H 26 in acht zweimal A vgl. wer 
ailieit aul den wind will sehen, der wiid nicht meu und nicht nii^hen Sim- 
rock D. sprickw. 11044 und Schuhe Die hibl. spricAwörler t. 94 zu Kccles. 
11, 4 27 vgl. B^'ander Deutsche* sprichwörterlexicon 5, 385 #. v. 

wo£b nr 48. 56 28 aym* B aicbt Itt B 29 varaamdicbD B 

aehacse B stat B 30 voiek A tict B 



Digitized by Google 



U GRISARDIS VOIS ALBRECUT VOiN EVB ^69 



vroÜe wir darumb all pfaffen werden oder niüDch? Cnstus, 
iiiLsi i berre uod got, dem ward in seya heiligs haubt geti uckt 
ein (iornekroD, da von itlich stielt besunder seiu tropfen nacueii 
seios edlen und tewren pluts. in einem gleichnufs edels ge- 
tlains: was aeia die slaiaiin der cron Cristi anders dan mani- 6 
g&ditj statt alles cristenvolcks, die das haubt Cristi xiren? waan 
• er ist ttOMT aUor Innbl uad all» mtenvokk die aindl Min leibe 
ewiglieh od endei, daninb maeaMn (1 1 1*0 in te* airde dea haub 
gote etliek aeui junekfiawen, etlich witliben« ettlob eelewt uod 
aBdcr hewoli meDaeben ala monob, pttSka und ebwteifiraireiu M 
und das obgoant volck wirt auch anders unterschaiden , und also 
hal> wir fursteu und küuig utiti ander prelatcu, die der gemein 
vor sein und auch die des leibs nott besorgen: also haben wir 
ackerlewt, vischer, sneider und kautlewt, peckeu und schuster 
und gemeiolichen alle baalwercklewL und das alle ding orden- ü 
Hohen in der heyiigen gemein des gaiüüebea lebens Stetten und 
in tm nit koaie eiD achedlich tajlfaiiif , ao ist ea nichl tyaiilich, 
daa der fiaeber aei eio Amt, ttnd benrider almid ea übel, du 
der konig wera ein muliier. also begert die aimhckeit aller alal 
fiirdinat und wirüekeit der gepurt eise itficheo gealaebia, und 30 
wer also got begert wo! zu gefallen, der bleib in seinem orden« 
d(ii rin iu gotl hat gcöcliickt, und lebe dor iuu tugentlichen, »o 
ininl*t er nach seiner arbeit den loii vou got hif (112') und 
nach diejseui leben dort, als nun ewer turslenlickeit i>l allein 
wirdig iu ewer person des lurstentbümbs , so ist es zimmhchen ^ 
in allem gemerck, das ir ¥olget dem pet der gemein, so die pete 
iat in eriieben dingen and niahl ist wider der sei aeliekeiL ti|id 
daa ich das vor euren gnaden rede: ir habe vil berein gcaogen von 
untttgande der weyber eoob an eigner entachnldigeng. doch bort 
mich in gedolt, ao ml ich euch uberwinden mit beyuachoi fininuner ^ 
irawen und wil mit macht Erkule den prugel aus der faaot nemen.' 

1 mfiich usw. B M durnein tr. /> itlirhm !i kruneii // 1 tfwerm 

15 einen J 5 Cristo ./ T c^slenYülck^ / S ewii liclifi B 

S.U mvls B zeitl A etlichen w. Ii uiulj odi H 12 kuuig 

u. fursteu B 13 veitiorgen B hab B 15 geiiieiocklichen B 

16 io dem B steoe B 17 zuj yn B kamen B 18 aeiii A 
io stqnd B 19 der] a A 22 daijonc B 24 dort fMkUB 
farstenlicli wirdikcit B 25 wirdig t^Mt B 26 bcsTnd'r so i9 28 das 
vor vor ftMi A [ir] habe A 29 aigaer] ele' B 30 peselchii B 

31 vgL daTam HercuU extorquere de mano H (Mignt 23, 935) und Her- 

Z. f; B. A. XXIX. N. F. XVIf. 27 



^ kj i^uo i.y Google 



390 DEUTSCHE PROSAffOTCLLGN DBS FONFZCHNTEN JHS. 

*Saget mir, was dunckt euch wa den weibereo die got in 
der heiligen geschrieii hat geschnebeu und uns gegeben zu einem 
gpigeK dar itin uns sullen bescbawen, Sara, Rebecca, Lia, 
Rachel und Debora, Johel, Judith, Ester und an zal andet vi), 
b auch in der uew ee vil trawen aus der ee und in der ee und 
vü) jnnckiraweD , dye umb tugent durch das swert sind zu Cristo 
komen? w» gedenckt ir bcannte vwi Eliithetli, sant Jobaas 
des tauffers nuter, (U2'0 Anna, nnacrt berren Jbeau Ciiati ao* 
fimw, Aooa eiii tocbtor Samtialt Plaeilla Theodaay des kaiaero 

H «raik, Bliiaketk ain lantgrafBo in Ooting, Paula nöd ÜMica dfe 
nmter Augoatiai, über die aU« die miter gou« die rtio iMgel« 
die junekflnw Maria, dye alle haben an der ee geaeeaea, nnl 
unterschaid allein Maria mit irem gemahel Joseph? aber so ir 
habt von haidennischeu weyben ewer dispiUireo volbracht und 

15 erzalt ir untugent, euch lu hili, so wii ich nun meiu duUvort 
Ihiin auch von haidennischen weyben und wil aufsen lassen vil 
wirdiger Irawen auch io dieser zeyt und wil auf« in beweisen 
aolch keuscheil und fnirokeyt, das ir must sprechen, das ir uber^ 
wundes aeyl, und müsi valbnogeB daai daa wir iinlichen und 

30 criicbeD von awre« wirdigeD goideo hibeii ^aOeii. daa, daa 
polk lat, daa bewegt «oterweTlett einen menadian« aber daa gnt 
iat daa liget obw danmib daa gnt daa kempl alt beaenlieli anik 
dem peaen, ennder daa bo& iat -daa, daa van dem guten boTa 
worden ist.' do (1 13') sprach der marggrave Hhustu das, Marce, 

25 Fo Ihue ich dt juen und des voicks willen.' du autwoiL mayster 
Marcus m^d spr.Kli ;dso 'htTre, ewer anlwort hab ich nii mit 
tanbrri oren gehört von ewrem inuiid , imd das ir sie nicliL wi- 
derruft noch eintrag vindet, des secz ich euch selber zu einem 
gezeugea.' *jat mir got goedig', apnN>b der füret, *8o bin icb 

m ein geieng nnd ein Tolbringer der warak, ob ick erkenn» daa 

ealet Mait lieb sein« keole nfebt leiibi am daa hlaian wfaidiB Wunder 
J>. iprUhwMtteieon 2, 526 1 danck J den fikU A 2 ichrifi^ B 
hat nach uns B gescbriebeo und f^hU B TU« Qod A 3 jnu{ B 

Lia fehlt A 5 auch in der fden B) new ee vil fehlt A 6 durch 
fvhlt A U Anna ein tochter Samuel (samiel B) gerneint ist Hanna 
die tothler Phanurix. Luc. 2. 30 — Placiila vielmehr Flaccilla 

theo il sy A 1(J iluriug B pawia schüterin des hL Hieronytnm, 
vgl. Üpiegel der eitien von 15t 1 R 130' 11 vod ub«r B maget die 
fehHJ 14 weibero^ 11 aufo) aack^ 32 beaenlick^wcsen- 
Uck 23 nur tin daa 3 24 ist tfor 23 van B 2$ tkao icb ao 
rtite (i wtgwtineheH) B 26 dy kab B 27 ewrfln A 28 daa ^ 



Digitized by Google 



Ii GRISARDiS vors ALÜRECÜT VON £YB < »91 



du mir hast geriuug gefliatm in deiner antwori.' 'so wil ich 
euch lur iegen weiber, lierre', sprach Marcus, *dye uichl allein 
ir lUiB ia grosser keuscheit und reyoicktit haken tieb g«bibt, 
•UDÖer de sein also keueeh und reio erAmden also, weni In 
(ier wmn Uttb^ lu dem tie juncfcflraweo warea koman, das aio I 
■Mb im liageviMi nil langer an laben, und aio aehaiMen aa gar 
far ein groae immgent, ab sie einen andern man halian ge» 
MHnen. und sam «raten leawli leb beraln Diedo, Pigmaleonia 
swester, die nach irs mans lode snnipnet ein grofs summa {iV^^} 
gelts nnd tur nher nier und [v.wyvl dye stat Karthago, do das 10 
sähe der konig Hiarbia voo Libia, du warb er umb sie zu der 
ee. aber sif schob es auff, bifs die slal volbracht ward, nicht 
lang« daroacb und die stat volpracht was, do madiet sie eia 
gras fewer zu einer gedacbtnos der lieb irs toten mana Siechei 
nnd warf sieb dar «in und woH lieber ?erbrynnen dann dnen U 
anderen man n nemao. dieae firaw in keMbalt pawat ein atal 
Carlbago nnd varpvan m dam laben der kenacbaiu Haatnibaiia 
einet konigs weibe, ala ir statfo» den RAmeren wan geminnen 
und an gezündet und was umbgeben, und umb das irem leibe 
nicht unreciit ^i^schehe, do nanii sie ire kinder zu paydeu seyLeu 2ü 
und viel von dem haus hernider in das lewer. aber boret, was 
thett Nicerati weip: als ir man unrecht laid von seinen vein- 
den und wart getodt, do dottet sie sich auch, das sie icbt 
muat amacbeit leiden an Ir keuscheit Yon den Ibirannan^ die 
lieaonnder bett anff geaeUt, do er Atbenas gewan. Arlbemiala S5 
vor zelten (114*) ein weibe Maasoli, fon der aaget man groe 
keuacbeit. die waa ein konigin von Carle und iat ron edlen 
poelen und iai von hiatorienadireiberen aer gelobt und beaunder 
dommb aller meinst, das sie Iren man riieit tot ala lieb bett als 
in dem leben, und sie pawet aulf ine ein grabe von wunder- 30 
lieber schone und grose, das bifs auü disen tag all edel greber 

SktrftirJr ajttekfrawjr 6 «diattEi# gar/UJ(iV 8 an dem 

t,Mß dido B a— ff. 37 vgl. B 1, 43-46 (Mtgnt 23, 273—276) 
0— 17«£6/.14* Osuroay^ %ymM 11 sah nacA libia if hiazbi'a 
Hyarba E 12 ader nicht lange — 13 was fehlt A 14 siechn.^ 
jiith^i B Sicbey E 15 prinoe B 16 zu fehlt B. vielleicht zu ee 
oemen? 17 verprant Ä 17— 21 = E A/. UM2* 17 Bastobal 
18 dem 4 10 ire IB 22 Nicerau [weip] .4 25 Hsander B jfesacrt B 
Aitienae A Aathooss B Arlh^iuia AB 26 Mausolon A für Mausoiou 
mm MuvotaXwf mansoli B 28 jslorienachreibil B 30 wunderlichen A 

21* 



Digitized by Google 



■6^2 DEÜTSCUE PRüi>AiNOV ELLEN DES FCNFZEILME> JÜS. 



voD irem mann haissen Mausolea. Teuta die koiu^ui illmconim 
was lang ein gepieterin ausser malten staickei aiau uml .>ir zu- 
brach oll mit ir cim her der Romer sierck. das hell sie ver- 
ciieDt mil irer keusdieit. dye juden uud gemaiuiglich all liaidea 
k haben vil weiber und sie haben unter in das geaecs, daa die 
«Ueiühat tmler ine wijri rerprannt mU dem muiBe, wenn er todl 
lat und 80 der leiiiiiiam auff der per Ugt« so komen su samtte 
nU aeia weiber anff daa alter hoch^rt geolaidt. do bebt aicb daoM 
unter ine ein krieg, welche die keuacfat ist geweaen, und die 

16 leugnurs der (IH**) kenwbeit beweiat aUein der tot. nnd die 
die also oti leyl, die scczt sich in ir geziert bey dem manne und 
ii;il<t und kiisl ine uud versmeht das lewer nicht durch die heb 
der keiisrlipil. ich mein, dve deji todt jiil \t'i>mf[it, das sie 
irea mau lieb hat und keioeu anderen nach ime iialte. Aici« 

la biades der Socraticua der flöhe au dam henofen Famahaairai, 
ala Liefiunnder Athenas gewau. der herzog naa lone fon Li- 
aandro und alug Atetbiade daa baobt abe und aant ea Liaandro, 

und daa ander teyl liefii er unbegraben. aber aein mayd ^ 

die bey im aufa der ee atiefl^ die ging wider daa geput daa un* 

10 parmberzigen feinds durch dye veind und waget iren leib und 
begrub iren ht ricn. das sollen austihtu uistenweiber , die trey 
sein, uud solK ii den glauben ütu mannen haitm. deu also hielt 

1 mansülo heifsen mansolea ß Teuta] S«neca A Teoeca B, wUwe 
d9i küni^s s4gron von fllyrien jliricorum B i lannjr zeit B 

iVx Ii zubracht 4 3 B ein ffliH ß 4 ir Ä 

Juden .^/^, vit'lmehr die inäcr, v^'l. // 1 , 4 1 n//^'«'- '2:<, 274» g^mein- 
cklichü // 4 /7 ^'n*/. srhribt auch Valerius. d;iz in dem lande India 

sey gewuiihuii dz eiu uiati luer fraweu (druck fraw | iie) in(\g gehaben, so 
▼n er mag erneren uad ao der man sterbe, kumen alle ata frawen ftr ge- 
fleht, do aelbat ir yedc otaacbea fArbriogt, da aie 4y% Uabalc aey gawctea. 
da effccat dar richtar mit nrCail. welche daa die liebale wift erkaot, die 
get mit frftden aÜ den fener and legt aich (äntek sie) äff den toten aiaa 
mit im a& ▼erbreDnca. die andern gen dennen mit achaoden vnd mit trwreo 
ß kL 5'' 7 simeB B 8 aller fehlt B 9 wider ine J 10 daa 
geaeocknur» ß m j4 ll jr' B den doli mä ß U also fehU B 

nit f>'hll B 14 und keinen anderen nach ime habe nicht gans 
logisch, pulo ((uae sie inoritur, secundaa nuptias noii reqiiirit U 1,44 

fi/^nr 23, 274) 15 socroticus JB 17 lisaudoro Ii 1> ] 

abtidefi ^ Altidis B nach IHutarch hi^l'st sie Timandra^ nach .Ithenaeut 
Theodatu. H nennt die concubina niehl mit ua/nen 20 parndierzigea J 

21 ff iuiiteotur matronae et luatroaae aaltem christtauae concubkiarum 
lldcn et praeateni libetae quod captiva aenraidt ff 22 alao] da M 



Digrtlzed by Google 



11 GUlSAHÜiS VON ALBR£CÜT VON £\B 



ein nntilich wpipp uinb gelanckmis. Ahiadatas hett im eiuem 
weibe Paiithiam, die ine aufser malsea lieb hett (115'). die 
selbig Paathia, die was uagtaublicfa tcbone, «ad Abivdatas hett 
gir ein gvteo ftHnde, dm flsgst er seine weibe echon und ir 
sebevigkejt. nni tu enieii seile« 4lo weise! er sie seinen franden i 
also nackende, aber sie weet es nkfat. do kam es flir den 
kottigCinini, als dann Xenopbon der ^htteeophus sebraibt. der 
Heft Abradalas deramb dotten. do sprach Panthia sein weib: 
der kunig bat reciu sach gehabt zu nicincni man, das er iii hat 
lassen toten, ich erkenn das er mich nit als lieb liat gehabt lö 
als ich ine, daruiiib das er mich e\uvu iremden hat als nackent 
lassen beschawen. und darnach bekert sie sich in irs tolteo 
Banns heb und sie leg^ sieb zu den wunden seins leibs und 
stach sich durch ir brostf und ir wunden Mut gefs sie in irs 
toten nuns wnnden. Strato der konig in Sidon der ibreht sieh is 
also hart vor den ton Fersen, das er sich seUver wolt teten. 
doch enthielt er sieh nnd bayttet mit refcbten der soknnft seiner 
(115^ vetnde. und do sein weibe eriisniit, das er mhant wQrd 
gefangen und von seineu veinden must zu gespot werden, do 
Dam sie im sein swert ans der haut iuhI slacl» in durch payde 20 
seyten seins leyhs. uml su- \v'^t'\ sich darnach aul ine nnd tollet 
sich auch umb des wilien, das sie nicht nach irem man must 
eins anderen nunrs gewalt leyden. Luereciam, als dann die 
historien sagen» dye layd zu Rome gewalt und auch greeen frevel 
an irer kenscheit von dem jnngen konig Tarqoino. daroadi 16 
wolt sie nicht lenger leben, nmb dss ir an irem man was nn- 
recht gesehen, snnder die vermaylung ir kenscheit wischet sin 
abe ndt vrem eigen bhitt. dsrmnb do wart der knnig Tarquinns 
mit seinem sone, der die untngenl an dieser Jrawen gethan hett, 
auisgetriben und das reicli ward einem audereü und wart im ge- 30 

1 — 15 — bl. 12' L'.\.S Abcatlices Abradices i/, nach \mO' 
f//i'ifi und II Abradalas, in E nicht mit namen genannt 2 panlhiä /IB 
i=Panlhea aufs d'r i? H selb Ä 4 ein? h %\t fehlt A 

freuot B 6 das k. [eb] B 7 vrenopheo A vxenophao B 
9 mtios AB 11 fremdf mi B' nacken B 12 beharret B sich 
fMt B 15 if Secrota A Socroto B lur Strato regalus Sidoois H 
in SMan der ßhUA 16 personJf 17 so d'r s. B 21 erdetet^ 

22 iucb] aoff» n durehttriehen A icht B 23 Lucroui B 
23-.3O vgtdie aiuführlichere darstrlhm;: K bl. 12*— 13*, auch Spiegel der 
Witten von 1511 bl. ZT 24 auch fthU B 25 jr' B 2S do] so B 

Trackwinq B 



^ kjui^uo i.y Google 



394 DEUTSCHE PROSANOVELLLiN DES FL.N^ZEUMEIS JHS. 

nomen von dm Romeren. htire', sprach meisiei Marcus » *idi 
lob dye keuschcii di r !r;iweii nicht, das sie sich selbs ha(116*)ben 
gelott, suikIlt solch tugenlich schäm, k«:iiscli uud roynickeyl 
BuUen crisleuliche weyber au iuc habeu. berre, babel ir nua 

i cte geiiuog* sprach maitler MarcM«, 'ao dea tMqpetn foa groeer 
trew und friuokcyl fraainMr« lieiii€her iraweo (waan 4m pofOB 
rind vor s»iiU), so häl nein antiNfl bie ein ende.' 

Wob doncktf mabler Marcos', apneli der Bargiava, *dQ 
habet naeh pey dir mcr, und was das ist, das Isis uns wnenea.' 

10 do sprach meystar Msreus *berre, ich wil ewrem willen gnuog 
thüu. Duilius der aufs den Romeren zu dem ersten in schieffen 
mit streitten oh l.ij;, der uam die jiinrkirawen Bilia zu der ee, 
dye als ^roser sch.un uud keusc lilnn L wns, d is sIr nicht allein der 
vorgnannleii weit imitier auch dieser gegiiin\ crfiger weil sol sein 

U ein lebendigs exempel. es kyt unterweyleo, als dann vou ewren 
Sf alichen gnaden vor aus gesprochea ist, ürewUche schäm und 
kenscheit lu winzing(?), und das ich geswaig dar pabin (116''), so 
ist doeb das ein Sprichwort, das die weih gameialichsn legen ab 
die aefaam mit den daideren. so non DuiUtts alt ond kraneb 

M was «od an seincin leyb stttert, do bort er an einen aeüen tan 
eiMOi seineai vdnde, das er an hn sprsdi schentlichen: da 
stinckendes maul, do er solch wort hett vernomen , do ging er 
haim und clagt es seinem wcib Bilia und sprach zu ir ai»!»: 
Waruiiil) hasiu mir solch ^el»r»xheii als lang verswiegen, das ich 

Sl erczney da Tur gethan iiell? do sprach sein Iraw Büia gar gut^r 
Ikb: ich hett es vor langest gethan, aber ich meint, das allen 
msnnen ir mundt also smeckeu. herre, diese fraw ist loUtcb, 
das sie also sehsmig und keusch was und als maaig jare in 
groser gadult getragen het in anns stinckenden nntndt «nd des 

SS der man aolchen sweren gepfacheo ssins leihe nye erfare van 
beswerung seins weibs sonder von ubelsprecben seins veinds. on 

2 spH>'r 4 herrej Hie, i autgettrichm It 5 der exeiupel 
9 uicr bei dir Ä 11 Duell i as ^/T 15 cxmpel A 17 keuscheit) 
het AB IS weibj weit Aü ob A. vgl. Herodotus hal inn dem fall 
vnrecht gesa^jt, das ain Weib die Scham vnd zuclit mit dem hemd au^ihe 
vod hiolegc. Dan welehe erimrTnd sochtig ist, die liliet etat alsdan, wann 
fie die klaider ib leget, an statt denelbigeo die Sebam an ««w. ItitphaH 
PkOMopkitek ßkimehmefUtin 157S A6' 10 do S Dnliuail doel- 
liua B 20 wart ^ 2t das 4*r il 25 Biella gatliehü B 
27 ameditfi B 31 peasanuif A 



Digitized by Google 



II GRISARDIS VO^ ALBBECÜT VON £¥B 



aiieu zweivel: weich £raw zwen tuau (117*) erkannt habe, die 
mag das nicht gesyrociwa von sokamiger uoMhuld. Marlia die 
tochler Cathoais djejaager, die ward geüragt, «arumb sie nicht 
mm anilerM mn lum« naeh 4m ir muk ivas abgaigen lud 
ne dadi ein Ueblidi intluoi hfltt und einen ecbonen leyb vmi f 
gfeeen vekhllMBib. do spnudt sie: ick vinde känen man der 
wpUk lidbar bat dann nam gull. aait der aniwiert hat aie bef- 
liehen beweist , das man an den weyberen mer ansieht das gul 
liauu die keuschbeyi uuii wirdtg schäm, so wir nun, gnedigei 
herre, alle von euch wiesseo, das ir nicht reichthumb sucht in tO 
den weybtTen sunder gut sieten, keuscheyt und irumkeyt und 
eriich schäm, so ist es nicht gkublkhen, das euch gol nit ver- 
aorg nrii einem tugenüchen wejhaL die selbig Martia hett auch 
also gras Ueb au irem lelen man« daa aie ine alle tag beweinaC 
«ad akb ubal gehakt, do ward sie ven anderen frunmen fira* tt 
wen gaftageii wann deeh kome der ieen lag (117^) ira wainnan« 
do apraek aie: an den ende meine lebena. Ananias(?) dye 
rayczten ire fHinde, das sie einen anderen man seit nemen und 
sprachen: du bist noch jung uud hast ein lusüg gesLaU. du 
sprach sie: des thu ich uit, wann tuiid ich einen ais ^uten als 20 
ich einen gehabt, so iDust ich besorgen das ich ine scIik i m r> 
Iure, würde mir aber ein böser man, was get mich dauu uolt 
an, daa ich nach einem guten einem bösen aoit untertanig seini 
VeUeria, dye swealer Meaaalonim, dn der ir man Serftna ab ging» 
de wall eye keinen anderen nemen, und do man aie fraget» ia 
wnmmb ab das Ihelt, ao apraoh aie: mein SerAna der lebet 
noah alle seil in mir nnd in meinem hertten.* 

1 hat B 2 — 9 vfd. E hl. 14" und Spiegel der siifm ro,i 1511 
Ifl. 130* 2 Maria /iiy. E öL 14' Iteifst sie Manua, sonst richtig Martia, 
die übrigens nicht tockler, sondern die zweite (juoger) gemahlin des Cato 
VüetntU war, audk Hieronymus Marda GaCoDis filia minor iMuf im 
Spiegel der Mitten bL \W Marcia die wittwe alo tochter Gathonis, 130* ain 
tocbterCatbooli 3Gar5iiiti9 danrmbil Antmfekliji d*rir[man]JI 
la Maria //i» 17 tvi^Piiyvf te^tfUmMLiaa^ t4ait^ir 

16 wen do k. B weineos ß 17 —23 Anaoias: Aania vgl. auch 
Spiegel der sitten bl. }29\ dort aber ungenannt. Annia war die gemahUn 
des Cinna, nnoh dfxxpn lode sie M. Pi$o Calpurnianus heiratete^ von dem sie 
»ick aber bald wider trenneji muste. sie ist schwerlich die »tri texte ge» 
meinte IQjflng zweimal A 21 gehabt ban ^ 23 80l /I 24 Va- 
leria A do fehlt t dpr fehlt B 24 — 27 vgl. Spiegrl der sUten 
öLim* 24. 2G &et[uiü^ Aß 27 aizejt ^iii uiiruodjif nach iietUea 



Digrtizeü Ly <jOOgIe 



396 DEUTSCHE PROSANOVELLEN DES FONFZEffllTEN JOS, 



Hie beeleitrset meitter MarcDs fflin dn|Nitali«ii mit 4tm 

turstoii , und tragen das zu sammen noch nucz. 
*Wirdiger und edler herrc, es ist nott, so wir haben zu 
sammen getrageu guts und bofses (1 18'), das wir auch erkennen, 
6 was das nuczest ist und das peste m ewrer person sey und der 
gemain ooidorll. erwellet euch das pesle^ doch also, das ir ewer 
tjvki nit soll hober achten dann das, das ein grofs menige vaicki 
für dos peile bellet' do eprtcli der funt ^mewter Marcus« «ir 
wollen unter uu dye saeb nitt wi|ter irdbeo, denunb des eon 

10 »einer beiregong nnd deiner aaiwort ist geoflEenwt Panlns 
sp riebt, wer eeüwm vite volgen wü^ der pleybe ttteln, doeb 
nynbt er ein we ybe , so Ibut ers an snnde. dye ssHm naeCMB 
sich aber an einnander leyden, wann sie haben betrubntts des 
fleisch dye weyl sie leben, nun sag mir bey deinem glauben, 

15 den icli zu dir habe', sprach der fürst, 'was duackl dich das 
uns zu thuu j>ey, und was rats ^'il siii mir?' do sprach maister 
Marcus also *herre, wert ir ein aigen mau uud wert ewer aleio, 
als icb dann erken dye salickeyt der keuscblicben sterck und 
dye rsinickeyt ewrs herczen und leibs, do riet ich in attea 

M Ire wen, das ir sie (118") solt bebellen und dar uine beberrsn« 
wann in der ee ist der menseb also vergaben, das der nen« als 
send Pauls spriehet« nicht hst seine leibs macbft sunder die firaw, 
nnd das w^ hat auch irs leibs kein macbi snnder der man. 
aber als sieb ewre eynat bell gegen der gemsin, so ml ieb mit 

25 guter gewiessen, das ir gehorsam seit der gcmaiu.' *so die ding 
sich anders iiichi mugen ergeen', sprach der fursl, 'so verstee, 
Marcus, was ich uuverbrocheiilicb lur mich gesalzt habe, und 
kein mensch sol das wenden, gee zu dem voick, das dich zu 
uns gesaut hat, und besunder su meinen swesteren, und leg in 

ae für dss letzt urteil meins tursaczes. wollen sy dann gunsllieben 
auf nemen die ftvuwen, die icb mir dann ausserwele nach meinem 
rat allein an ir aller wiessen, sie sey wer sie sey« die unserm 

rot Hie velaet oach J l tHo foigendm Mber$ehriftm rot AB, am 
ackkitt >«dMMl ttc. <M ji dltpsUtsa A dispelaci* J 4 gut a. 
pote B 5 naes ji ew* B $ ein ootlnrilt B cach aelb* B 
1 tjm ji v^LuU 9 wollen (voll B) wir AB tot fokU A 
10 daa datiOr 11 1 Corinih, eap. 7 14 dye] da üT 17 wirt /I 

19 hercxcn fehlt B aod fehlt AB 20 Jonen B 22 paai<) B 
1 Corinth, 7, 1 24 ew' B 2G der geo IT 27 Ysa'pMcliealiebn 

SS d'r «Ol ^ 81 icb fohU A 



Digitized by Google 



U GHiSABDlS VOJS ALBHECHT VON EVB 397 



fnrstenthiim untertänig ist, so wil ich iren wiUen Volbringen, 
^eit in aber das nicht, so suUen sie wissen all zu mal uod 
ein yeder bemnder, das ich über all kein weybe wil in mir 
(tlQ*) laiMD* ieh walfo, das SalnoD sprioht: «o ga( fimw iac 
dn gut gab ten got, iiiid avhaat do bej aprieht «r: wm gat 5 
Hab bat, der aotrynnal ir^ daa iat die peae. «id alao beweget 
mich uiiaer payder dispiitifeii, und in des ae wtl leb sMeh gents» 
lieh entpfelhen mit grosem ernst unserem lieben Herren Jhesum 
Cristum von allen k retten meiner vernult. also ist es sein wil, 
das der wil meins volcks sol vor gen, das er mir ein wip schick, 16 
bey der ich mug seilig werden.* 

Als nun maister Marcus hett Terstanden des üirslen onfer* 
weodellich urfeil, do ward er fro und danofct aeinen gnaden und 
mit uriawb kam er an den, die in an dem fnrsten geaant betten, 
nnd TO dem ersten so nam er ein den gnnat «nd den willen tS 
seiner awesler. darnach do leget er es fere den retea in der 
gemein offenticb, den edlen nnd anch aeinen bargeren, und saget 
ine den willen des fiirsten, mit solcher unterschaide wer es, 
das sie wollen zu einer liawen nemen (119'') were die were, die 
den aiiß^on des fiirstpin ^eviel, sie wer von wanu sie wptp und 20 
von welciieni gesiecht, edel oder unedel, und von welcher sprach 
und aufs welchem lande, das soll zu im selber sten und zu nye- 
mand anders, und im aol von nymand dorein geredt werden, 
gar mit kdrcien worten gaben sie alle gemainglicben ire gnnat 
und guten willen dorzu, wann aie erkanten daa er in got* flS 
licher lieb und foroht lebet und kein furaiehliger noch weyser 
lebt unter ailero voick dann er. dammb do redt er niebt mer 
domit das volck beswert mocht werden, als nun maister Marcus 
wider für den lursten kom und im saget den aintrachtigeo willen 
und gunst seins volcks, und wie sie im wünschten alles glucks 30 
und sailigkevt, do saczle innster Marcus dor zu, da^ das volck 
gemeiniglich begert von seinen tugentUchen gnaden , das er den 
tag secst, wenn er die hochseit woli wirdigen. (120*) do nun 

Ssonrirwil^ A mkmB Siraek2Bjtl b EceUt,t^Vt 
§ beger« yi 7 peide B gtaeslicbi M 8 vod mit B 12 vn- 
▼erwäodcrlich / 14 die] der B 16 er es] trs B 17 ofienlichn B 

20 waoae B 24 ir B 26 Heb und M'* B nach A 

weifs (I te ß 27 do] so B mer f^hU B 19 zu dc B elntrech- 
Uclichn B 32 gemeinGklichu B begert v. s. tugeUichen iVfeiwt$l A 
begerlen B 33 seczet B 



L.icjui^L.ü cy Google 



398 DEL'TSCUE PROSANOVELL t> L»Ei> FlxNFZtiLML.N JiiS. 



der niargi^ ' -»he, da* er sein gluebd müi^i halieii, du sprach 
er ein* rii u^'^hM so >oI alles mein ^uiLk .-- lirn uod erkcuuen 
mein weibe ua<i rn mü prauL gee', sprach de« iursl zu maisler 
Marcus, 'io deio tiaus and lo der zeit so fng oyemaad was bmia 
5 geschick and gewerh^^ aey, ottd ««m die zeit aufs Itl^ wH 
ich dis v«lck laiteii todcD so neiMr iiochieit/ ak bbh ■ciitcr 
Mamt den fimlea kant al snhMi («pol er, dM tar im 
iahen kanom gilnnid, snaidcr aad aader bafeal lewt, die ui 
der atit nMchlea benyleft dai sidi aymel der fareUiilidMa pmt 

H TOD gefesfie, furspan, ketten, gvrteleo, viDgerieia oad kreaei 
und kostrnlich gewaol zu claidereu von seydeo und samalUeu 
und gülden tucbercD, als das mufs sein in hohen dingen. 

Von der prawt, da- Krt, das man sol suchen aa den 
weiberen gut siteu und Iruinkeyt uod aiciii das gttte des 

U gelts ader guter der reichlhüm. 

(120^) £s lara «ater der porg des fiaialeB, d» er gemaiA» 
lieh waabaft was, «io anaer man, der «aa ein wiiwe. der bei 
ein wenig ichefleiD, Ton ifer er eioii aeret, und er om van den 
achallbn epeyfs nnd diider. nnd der aelben aehaff wartet sein 

M tochter, ein junokfraw naglaubltcber eehon and gvter geperde 
und groser schäm und das sie aul der gassen auCsiv endig irs 
Talars hawfs nye was gesellen worden, dye selben junckfraw 
sähe der fürst und margrave zu zeif+*n auf* dem voosler seins 
paliasts do sie mit den schallen umb ging, und iit gehnym uud 
verawiegeo so bei er lauge zeit botEauDg gehabt aal den vatar 
and auch sein tochter, die juncktrawen, und het dea iasand ge> 
wiefsbchen entpfonden, das die . jonekfraw ein leben an ir fart 
aber die gewoobeit ander menacben, und wenn er die jnnek« 
frawea sabe, aa weat er, er sehe ein eofel. und su einen seiten 

la da furt er seinen aneider an dasfensler, das er dye juDck(12r)- 

fhtwen sehe, und sprach zu im also *nach dem leibe dieser armen 

dieru berayte und mache die claider, dye meiner zukuiuii^eu 

praut jrchoren, und das die claydcr gemacht sein in der zeit, 

die ich dem voick gelobt han.' es gesctiabe als der turol gepult. 

1 gflubdc // 2 mannet Ä ti volk alles ^ rmdpr /eAÄÄ 

IM gefessen /y vnd '.rurlel Ä VI pnldrin // 14 gul« ' put 
des — 15 reichthüm fdiU ß Mi gemeincklichn Ä IT /im wiiwor 

da von [der]^ 24 25 aditug ^ 26 und er heiif 

kzund] müt B 2S jückfraw B 2i> eine B 31 sähe B 
33 la gehoreti B 34 het B 



U GfUSARDIS VOM ALBHLCUT YCM^ EIB 

iD des Damen die tag ab und kam der lag des abeals des ge- 
saUtea tags, an dem die hochseit soll gesehen, uad do wurden 
ftMknDmeri des farUto swfster und maiMer Marcus mkI dos Toick 
gfowiDttclMii mit ine von 4er iMobzeit mgen^ w«m sie Westen 
wol al stt nolf das keiä patsehift nit «is gathan keinaBA li«cr«D a 
BMth fantas in kein ander land, das nun mooht gesprechan» 
das die pmwtl anrs einem andern lanl kommen was. daramb 
oam sie al zu mal grols wuuder, uud santen polscliatt zu dtm 
lursten und sie liessen in fragen mit solchen worlen also 'o aller 
durchleucliiig^ter gnetliger herre, wie stel es uuib ewer und lü 
unser sach, iimb dye wir oll sein pey euch gewesen? wir (121'') 
begeren alle mit groser hicziger diemut, das ir behaltet das uns 
ewer gnade hat veraproeheDf wann wir noch sorgveitig darumb 
sein«' do nun der marggrave hört das , als sie mit grosem ernst 
mit ime redten, do antwort er ine mit den und anderen werten ts 
und sprach also *liebeo frltnde und bruder, hat ewer keiner 
ans meinem mund ye gebort eyn lugenbaftig wort, ader hab ich 
ewer keyneu ye ubergeben mit hinderliesten , der stratT mich 
dorumb vor euch allen. wil ich widerröffen und wil es vier- 
lach wider kereu.' do sie all antworten *wir haben ein sulchs 20 
von ewern gnaden nicht erkanl'. *hab ich dann des ewer gc- 
zeugnUs*, sprach der iurst, *das ich ewer keinem nye gelogen 
ban, so wile ich inzunde nicht anheben zu liegen der gemein 
und wii sie auch nicht betriegen/ darnach do sprach der Arnmm 
herre zu in also *geet und heist kommen al zu mol die in der m 
stat sein und umb ine in der gegent, edel und onedel, reich 
und arm, alt und jung, frawen und juuckfrawen, und gepieten 
in, das sie auf morgen Tor der (122*) vesper alle gegenwertig 
sein, und ir sullt besunder kernen, das ir mein Iraw und prawt 
füret in ineiu liaufs mit zymlicher prwirdii,'keit. darnach, ist es 30 
der wil {^'ots, so wollen wir schimptlicli ta^e haben, als sich das 
wol gepUrt zu diesen Zeiten.' solch gepot das wart votbracht 
mit grosen treuden nach des fursten hegerung, und ein idtcber 

4 gemdiidKlfek ß 7 kom [Was] B 8 so nam B ife fihH B 
11 bey euch Mio B IS halltet B 1$ sorgiteHig B 14 sie 
als und mH B IS hfaterllsle B 22 spradi d. ftirst vor 21 des «w* B 

kdoeo j4 keine ß 23 hab B icxat B 26 sint B Ihe 
fehlt B 27 und junckfrawen A gepitett B 29 frav und 

fehlt B 31 nach wir am z. 30 mit zinlicher erwiidigkeit widarhoU A 
32 gepot fehlt A 33 iUick' B 



Digitized by Google 



400 DEülöCUI:: paoSAiNOVkXLkuS DES FtiNFZEHI^TEN JUS. 



besunder uDter seiaem Tolck der überwunden sieb, was der 
tatst verhancteD btU, das also haymlicheii bedacht waf. auch 
to beiayt man la der hochzeit w«t nan bedorft fon Tiackes« 
van wUpfedrt, Tan haaen, h«iiereB, vod tiem» nildt am, 
i TOgel clejD und grofa imd edlem getraackC, daa man an keinerley 
mangel bete, der diemntig farat liera auch nieht gekreehen dna 
zimlieb waa ta der bochzeit. er liefe beateUen pusawnwr, pfenCTer, 
fidler, orgler, und ander £rewden spil ward da gebort. 

Wie die junckfraw ward gebeten, do sie der fur»t im rer- 
10 geroehelen wolt, 

(122^) Als nun ilie zeit kome, ilye dt-r turst dem volck lirt 
auf geseczl, do waren alle die gegenwerlig, die do waren ge- 
la<len von seinem geholt , und stunden vor des herren purg und 
uartten seiner zukuntl. ai zuhant do ging der lurst aus, schoa 

15 angelegt mit kostenlicher walt, mit seiner riUerschaft und mit 
aeiner monachaft, und ir keiner mocbt seinen willen und für- 
aaez erkennen und wo sein praut waa. und do er dem volck 
nach aeiner gewonheit seinen grna gepoten heti, do sprach er 
zu in abo *meyn allerliebatea Toick und brflder» die zeit iai 

30 kummen, der ir lang Ton mir gehart bebt, nun geet mir al 
nach in grosser stille, und ich hegcre von euch, das ewer keiner 
in der zeit anders ihw dann das ich liaifs, und in des so bil ich 
euch f^ememliclien, das ir in ewer stille uui SiHiibl um ^ni wollet 
Idetlen, das er ineinen l'ursacz schickd nach dem wolgevall. n ^oins 

25 gotlichen willens im und uns zu eren. die plerd last hinter 
euch, wan wir bedürfen ir nicht, (123") darumb das die stat 
nicht weyi ist da ich mir hab ein praut fursehen» und ein it* 
lieber pleib an seiner stat als lang daa ich ewer Zukunft euch 
verkünde; und daa thut in groser stille, und wenn euch ge- 

ao sagt Wirt, das ir ewer gegenwertickeit beweist, so laat euch 
atercklicben boren mit ewer stymme und wOnachet uns glucks 
und in allen dingen das pesle.' das thel der fursl darumb, das 

2 bedackt ir 4 vnd vö wiltpret ^ hmir i9 wilde vad »nie B 
5 edJen // edel getranck ß n maogeln B T pusawmen J pfeuden / 

9 do sie] dye B im fehlt ./, ror d. fursl B v'meheln R h'rg do sich d. 
f. ver)?**mehe]n w.? Id woltjelc. hieraii/' ^leichfaUK rot Waltbuar von 
der wag Ich glaub hin vb'C.'l A 12 all [di<>l U 'iu gtitala, Uber ausge- 
strichenem bt;rl^^ alle H l.s gcintiiickiiciiii usw. B 1\ schickt 
25 willen B dy iaft^t B 27 hab nach praut B 28 pleib sten B 



Digitized by Google 



U GiUSARBiS VOIS ALBHECÜT VON EYB 401 



die juocklraw zu di r cre wolt geen vou ewszeru ereo niclii w^ st 
zu sagen, und weun bie liann em solcheu herreo in irs ariiieu 
vater liewlisleio heU gesehen komeo als emea kojiig mit grosien 
^dmy Tokks« so wer ne leicht vor srecken in sieebthAm 
ftiiUen« und an der maid wart erfiilel das die grast über alle • 
imcklinma for hat gesproefaen, aber In einer andeten geachkbt: 
gol der hal erheliec dye demütigen und hat dye gewaltigen ge» 
nydwt. 

Also ging der margrave anfe seiner purg, und bey im ging 
eiu briester und sein sneyder, der trug das scIjü« edel gewaot 10 
(123'*), das die juiKktraw solt an legen, und im volget nach 
etwau verre ein grose nienig volcks. den gab er ein zaicben 
zu sten. und er kam zu des armen mannes hawfs und bestell 
anCsen die thure in huet mit dem priester ond mit dem sneider. 
do was das volck gemeinlioben in grosem venrnnderan, wae der 
terat da wiHen het %u tbAn, und sie meinten nicht, das ein «irdig 
toebter moeht fonden werden in eine solohen armen mannes hewr»- 
letn, die einem solcben mechtigen forsten moeht gleichen naeb 
halt In seinem furslentbftm. und als d«r ferst an clopfet an des 
armen mannes hewslein und im dye tliüre geöffnet wart, da zog 20 
er die thur nach im zu, gleich als oh er aliein komen were. 
was meinstu, wie dye gtols menig voicks do gedacht haben, do 
die den tursten allein sahen geen in des armen mannes hewüi" 
lein? sie haben ?iUeicht gedacht, das er gar mit heimlicher ein* 
trag in des armen mannes hewfslein hab lasaen bringen ein % 
ausermaben edel toebter nnd bab sie der inne Terpofgen und 
wolle etwas selctams (124*) beweisen aufs der gewonbeit ander 
herren, das doch anff payde ort gesohabe, wann da was vef> 
porgen gar ein edler slän nnd aekiam und tewer, aber er was 
dannoch nicht gepalirl. SO 

Als nnn der arm man mit sambt seiner tochter den tursten 
ansahen in koslenUcher watl, do ersrackeu sio i -iyde. alzulianl 
vor schäme tlohe dye juncklraw in ir kammerleio und liels den 
vater allein bey dem lursten. do sprach der aU« arm man an 

1 er if geen vnd von evrero t, A 3 Täters ß aehn B 4 vor- 
•cbrockeo ß 5 erfüllet ß 6 Lue. 1, 52 7 f gtdemutiget ß 
12 etwi B 13 bestallt// 15 gemeiockUch 17 armen /ehU A 

einen / t'mK B furstea fehlt A 19 eanczr- furstenll». // 
2ü war / 2i was// 22 wie] wes // 2.i diej sie ß 26 aufs 
dennafeii ustp, ß tdeUiß ^miß 2ä daj dasvtf äO gepohrt ß 



Digitized by Google 



402 DEUTSCHE PROSANOVELLEiN Li£S FCiNFZElLMEN JHS. 



dem fursien also *aller durchleufhiigster lurst und harre« was 
ist die sach, das ir also ku^lLullch geclaidet uud allein komen 
seyt in .ms arnipn niauls hewslein, das uTirein ist und smerkt 
voü deu scbalTeii ? ist such ewer eioganck lugentticbeD und er> 
i liehen?' und wie wol der mai gehört hett voo dem fursten grofs 
flrumkeyt uoö erherkeyt , dann noch vil er in vordit 4eiiNDb im 
er allflio kene viid hett fil cteglidMr gedMckeo i» inMt 4* 
er aliumal offeowart dem herreo. do der firumme fürst erkaot 
dje ferclit de» mnei manDS, salM er io ao gar mit eiaam (124^) 

tO Imtigeo und gnedigeo antlws und apradi m im alao 'gater und 
frummer man« treib dein forcbt aufs von dir, wann an diesem 
tag sa! deinem hawfs ere und wirdikeyt erpolen werde u d u vimb 
das der herrn iu im wil wonen.' und der lurs^l iiame Jt n allen 
man sciijpr hentl und hif^fs inn zu im siezen, als das cp- 

16 schab uud dem armen dyc gedanckeu und sein cralt widerkome« 
die im entwichen was von t'orcht wegen des ftirsten xukunilt ^ 
tprach der türst zu im also 'guter und flrummer man, ich wen 
ta aey dir wieaaenHcb nnd offenware, daa kh allein bin und 
keinen gemahel mt habe, und die gemain meina landa die be* 

10 gert ipon mir, daa ich mir eyn weih neme. was apriohatn der 
10, sol ieh ein anlcbes ihdn oder niebt? gib deinen rate dor 
eo.* a1 zuhaut ala der arm solob wert Teniam Ten dem fnraten« 
do Aussen im sein zeher über sein wangen, uiad aiocht sidi eine 
sulchen nit lenger enthalten und alles sein gederm in seinem 

tt leyb ward bewegt nticr >einer lochter verdurbmifs »md er wandt 
seyn (125*) liendt und sprach also *o wee mir unter allen 
menschen der unsehgstl wer bat mir das leben geben bifs auf 
dieaen tag 1 we mir das ich ye geporen warde ! warumb ist meiD 
mnter nicht mein grab gewesen? wammb bat aie mich emmt 

10 aulb Iren prusten, daa ich aolcben jamer aoi nnd muelk aohen 
tn meinem ktnd? ich han', aprach der arm, ^il gehcrt von ewer 
tngent und firOmkeyt, die ir ewrem folek beweiat habt, wie weit 
ir euch [aleo] an mir armen mann alae aweriichen fergessen und 
woit got und die gerechtickeit also zurückwerfen euch zu einem 

2 kosteuiictui // 3 in mei »rem B 4 ttlgentlich^ ^ Hn-m 
mk ß 6 erbruckeyl A erwerkeii B dannoch §o ß 7 kam ß 

8 al tehit^ 9 do siba J 10 genedig««^ 11 focht ^ 
lain/UUi^ 14 araieo m. ir 16 craft] tniat ^ 10 wimeatp 
DahmS 21 eiasitf 23 8aiB]dy# 35 mkibnnültf iB tmtß 

SO cbi grab A 30 anidi grotea j. B 30 a. allm n. ß 



Digitized by Google 



II GmSAKülS VON ALBRECUT VON EYB 



40» 



bozem leyniült uud iq uutugeut memer tochlerl' 'dayn', sprach 
4tt fürst, *aMiB Aründt, diese ding naohen sich nit also das iitk 
flrevel wol begenn an deiner tochler, sunder ich bin doramb ta 
dir kuMMn, 4» M dieb «ab Mo toebter mü pietea, dw du 
mir dm waMiot §«b«ii bo dnein gemabeL* maf dM» gesm', ft 
spraeb der arm MaOf *dat ir aolofa lach ▼on mir artDen petler 
begarl («od alao am auali ^aweat mmm altfordern), und ir aeh 
Ton gepiirt ein (125'*) edler fürst? und als wenig sich mag ver« 
eynen das i:oli mit dem eysen, als wenig m:^i: das glaublich wer- 
deu , das icli ewreu Worten getraw. darunib so bit ich evver M 
furstenUch tugent, ir lat mich von euch ertaren frumkeyt, das 
ich mein scheffkia, daa ich g»i und mir erciogen habe und hab 
das gelert und an geweist ton aeiner muter saiKge» büi aoff 
die te aeit, daa icii daa trinfiir ror eucb mug behaltea an MielMinf; 
QDd aotth daa mehl allein» anndar lat euch erparmen mein alter tl 
med «ein aimot und daa ich nichl bab nacfa begere keuien 
tract in dieaem leben, wann allen troel hat mir got geben in 
der ftoreehiiBg meintr tecbter. mit veraergen so ist aie man 
mnier, von liehe wegen so ist sie nieio kinl und ein ernererin 
nuiüb iehens, des dinsts ist sie mein meyüu sie ist auch von 2u 
weyshait mein vater. ihut ir mir dar über keinen gewalt» so 
drehtet got der des ein recher ist, uud ee das sie keinen ge* 
walt ron yemand layd, so bit ich euch, das ir mir vor mein 
leben neoet (126*), daa ieb nichl darf ansehen, daa fottinmen 
mgeni von nnreelit nnd wn gewalt lol demyder ligen.' dn » 
antivon der otrggnTe dem aUen üntmmen man und apracb abo 
^ man, der aeia Idnder wnl han anJliricblent wann (ich) eindcr 
der feil ala ieb ban aufgenomen die besehtrmuBg meines fursten- 
thiims, so bin ich des vieissig geweseu , des sol got meiu zeug 
stHi, das ich m» jn»'ii veimlt)! utuecht zn keinen feiten nve wolt 30 
beweise!), wie uioch! ich dann solcher unlogenl stat ^^lien, das 
ich dir dein tochter soll smehen I auch so will ich nicht brauchen 
des Urlaubs berlicher gewalt, daa ich doch viUeicht au erheben 
aaeben dir dein tochter mocht genemen, mn* zu einem eelichen 
weybe, wenn daa ir wil were. aber ioh wil nicht andere thftn II 

I eeliche g . J 1 gewesi B 14 diefteo gegaweiiigtn M 
II Am ich allelD hm A 1^ ao /khU B M At iia sneh A 
Sl lege B 11 f wauD ^ zeit] vnd # 28 han] bin A aBJiigenBn« B 

2§ das toi AB geaeog J 11 dai ob B 32 gepraaelieB ß 

33 doch) dich A 



Digrtizeo Ly <jOOgIe 



404 DEUTSCHE PROSAKOVELLE^ DES FCNFZEHxML.N JUS. 



dauu inil guDSt deinh willeus. darumb so bit ich mit dtami, 
als ein mensch das ander ib An sol, das du mir dem ludiier nit 
versagesl zu geben in die geselschali der ee.' do sprach der 
alt man 'ist es al^, herre, als ir gol zu einem zeugen babt 'an 

h ge(]2d'')riiffeD, fioliamhet mein alter und maia aroMü mifteiMr 
claiaeo notdorit, so wU ich nit alkeia mein tochter geben gern 
ewer ckrvn gopun, tiuider ich dinek auob dorn ifaMchtifeii 
gol mii ionickeit, das er ¥oa seinea gmdeB als grofii uigeni 
und fimiikeyt« dje ksh waiili und «rfimden Imi as oMifter todueff 

to also hohliehon wil bcionen in diosem Üben mid du er orkaiiBt 
bat dye wirdickeyt seiner creatur.' do sprach er 'herre , ich wil 
meiner tochler ruffeu und wil lioren iren willen.' 

Do nun die juucklraw also stund vor dem lurslen in armüt, 
in swäiht r watt als halber nackt tid, do wart er in sie sein äugen, 

U wann vormals hett er dye juocklrawea von terrens gosehon, 
do er nicht gewierslichen moobl besohaweii die schon irs ant^* 
Ittci und irs Jeihs. aber do er sye mum aigenlücli sähe« do vaad 
sie sokb gud in seinen äugen, das er kavoi swaifaDt nocht 
gol seiner furasliung gedanoken. do sprach der fufai der imck- 

20 frawen su gar tugenilichen also *sag mir, Uebe tochter, wie ist 
(127*) dein name?' und do sie im nicht snel aniwott gab ton 
scliam wegen magilicher zucbt, 'Grisardis haist sie', sprach ir 
vater. *wiltu', sprach der alt, 'geen mit dem herreu oder kcn- 
neslu ine?' 'ich keim sein nicht', sprach die junckfraw. 'auch 
so wil ich mit im uii geeu.' ' tochler \ spracli der all, 'er ist 
der iurst und unser herre dieser lande, und er begert dich arme 
diern zu haben su einem eehcben weybe/ ^valer', sprach Gri* 
sardia, 'ich beger keinen man zu haben und von meiner be- 
gerung ao hab ich mn reyne sele, aiinder du bisi mein oMn« 

80 vater und emerer, besobinner und ein Uueler meiner aeie und 
des leiba.' ^begerstti nit lieber, kindt', spradb der vater, ^daa du 
seist ein hohe Iraw aulT dieser erden?' *neyn\ sprach sie, 'vater, 
dye weil du lebst, alles das diese weit mag gehaben, dds bchatz 
ich für nichtz gegen deiner lieb.' 

8$ Hye bort und veroombt, alle geslcciil und aller uieuuer irdi- 

4 alt arm B 5 aogerum // 6 cl. ctarr B 10 löb- 
lichen J 11 do] doch B 14 halb nackel Jf U» er ir y# 
\r n. ß 17 irs] de« A eigentiicbea H Ib sweigen J 11» j"ck- 
fi-aw y/ 21 im] iiün ./ 31 nicht hbs kinli^ 46 d-^ weil usw, B 

34 uichte B 35 alle m. A lueschü B 



Digrtized by Google 



11 GAISARDIS vors ALBBCCHT VON £YB 406 

scbeD kioder, und lerut vou Grisardis ewreij eiteren anlegen 
vmä beweysea war lieb, wirdickeit und untertenigkeyt. 

Bin Befahl «D «II unbekMiie, arme tochter! die scheczt den din9t| 

iie iran nter Mg gelbAo mit fil arbeit und gabreeiüB« ftir 
grofa hmcbaft und reichlAmb diaear welu o Adama kuider und 
baanndar Cm» eu varaf^otlar daina vattara Noa, und die dir 
aaah Tolgen , waoa wolt Ir eweran altaian lanMn gahoraam seyo 
and aie von lieb und treweo dea bertsen wolt versorgen und 
besunder so sie alt und beswert sein? 

Da nun der tiirst der armen ilicni Grisardis anivvort ver- 10 
nam, do viel er in grofs verwunder n als ein weyser mau und 
sprach zu dem alten, irem vater 'ich bit dich, bayfs Grisardis, 
dein tocbter, das sie mir antwort gäbe als irem brnder.' alzii- 
hani ab aie daa gaheyssen ward ?on iram vatar, do waa aie im 
gahoraan und apracb *ioli wil gern antwnii gaben nach naineaa lA 
Tanangen.' Mn liebe Grianrdb', apracb der fiiral« ^wamnib 
weramelMalu au aain mmn eeliobar gemabal?* ^do bab icb', spraob 
<128*) Gnaafdia, *einen geauihel, das iat nMän naCurliehar vater, 
und seiner liebe der mag ich nit vergessen , und die vorcht gots 
ist mir über alle menschenliebe.' do der lurst solch vernuUig 20 
wort horl vou Grisardis, do wuch<^ sein lieb gen ir, und sprach 
zu ir also *Grisardjs, als ich an deinen worten vernym, so tnrcl»- 
teslu got.* ^ja', sprach sie, 'ich iurchl got und bab ine auch 
lieb über alle ding, also bat md^ meyn vater galemet und lert 
■ttcba auch leglichnn.' y 

Nun hut ir vacaaumlioben vater dieaar lait, warumb lect 
ir niekt ewer kindar au dienen und erwiidigen got in aainon 
Iwiligan gepoten, und unteiwaiai aie au lernen gut alten und 
die forcbt gotes? aber was und wie lernest du deine kinder, 
wenn du selber imyesciuckL bisl und weist villeichl nicht von 
got zu sagen! nun rnercket ir Pilateii , ich sprich nicht prelaten 
des cristenlichen volcks, warumli sucht ir nit der sei sailiskait, 
die euch Christus eutplolheu hat und die er mit seiuem plutt 
bat gekauft f mit seinen worten (128'') der predig und mit be- 

2 watil 8 ataie vnbekile ^ 6 Ctio^ CuStB 7 lernen 
ewcrn t,B 8 tiewen vnd lieb B 13 /* als sie so bannt J 20 vor 
aUer B 23 Ja ^ got fehH A 24 ge lert B 25 inidi B - 
27 und sn e. A 29 lertta B , 30 von got niebt B 31 Pllaten — 
nicht fM, A 32 selb ^ 

Z. F. D. A. XXIX. N. F. Xm 28 



Digitized by Google 



406 DEUTSCHE PROSANOVELLEN DES FÜNFZEHNTEN JUS 



Weisung seiner werck? aber das wir all i>bcl leben, danimb so 
stet es in allen cristenlichen landeu ubei. wann in dieseo boscn 
feiten sudi^ n sir' nit m er dann das in nnrz pringel , und lassen 
die schefflein gots zu einer gpeyfs den wollen. behuU sie, kem^ 
( selber, wms die birteu seio wolf. 

Aber spneb der forst und Bairg|rife ra der j«ii«iifnmnMi 
Qritardis eise 'toditer, ftirchteila got, le hat got gepoten dm 
klnderee, das aie ireo elleren sotten g e Nr s am seio. daiwli 
80 mustu ▼OD DOtt wegen deineni vater gehenan eehi/ *aiiff 

10 diee leit*, sprach Grisardts^ 'ao hah ich von den gandan goia 
meinen vater in grosen meh in deinen sacken nye erzürnet, 
des vergihe ich sein zu einem zeugen.' von solchen vernülligen 
Worten wart der ah gar frolich und sprach zu seiner tochtcr 
Grisardis 'ach liehe tochter, icli bin deiner rede ein gezeug, da» 

16 ich von dir mit einem wnrt nye betrübt bin worden, und bist 
mir all (129') zeit gehorsam gewesen meinen wüleo zu volbringeB. 
demmb so beger ich von dir, das du auch inznnd meinem willen 
gebenam seist.' *alles das du wilt «ad mich baifst', sprsch Gri* 
aardis, ^valer, das wil ich erfoHen nach deinem wiUen^ «nd was 

10 dich daa beste domckt, das gepewt mir a« thAn«' do lachel tm 
der tater an mit vetlerlicber aoesaicheit vnr groaen fraoden und 
meebt eich do pey nicht enthalten, er verreret etwan amncheB 
zeher von seinen äugen , und sprach also *mein ainige tochter 
und hebes kint, ich bit dich, das du eins siarcken muts seist 

35 und lals dich nit b» kumeren ubermacht der newen ding, die 
unvu st beuiich sein komen. so der edel unser lierre nud furst 
dieser lande, dem wol mechtige kuoigskinder zu der ee gegeben 
wurden, hat dich arme aufserweit im in einer pmit und zu 
einem eeKchen gemabel, und ich hab im an dich gegeben mein 

00 gnnst imd guten willen und beger und pit dich, dasCn auch 
nnrserm gnädigen bem dein gunst und guten tviUett dam gabeat. 
von suicher wort wegen mocht alcb die tuganfaaft junckfraw 
(129^) Grissrdis nitt lenger enthalten von tüchtiger, junckfrew« 

4 schefTerey B dcti wolflet) zu e. sp. B 5 die sein w. }> 
10 dieser 11 mcins vaters j4 12 das B gezengS B ito- 

liehen B 14 ach] also B 17 iczQl B, fehU^A meioeo A 
%\ seltlidicr B 20^cfwi naageB stbero B SO vna'sdicoUeiiii B 

27 meditfa' B konigcs kinder B gegeken svd.ee, ktetmif^t- 
g(dice) mu$g99lri9htn A 29 sa füU A gebea B neias A 
80 and beger— Ol willen AAfI A 



Dlgitized by Google 



II GRiSAKDlS VON ALBRECÜT VON EYB 4U7 



Jjcher schciiii wegen, des dniogeu ir die zt her aul^ iren lichleo 
äugen nier vonn tnwrickeyl dauu von Ireuden wegen, als sich 
das hernach geoffonwart, und sie aotworl irem vater und spracb 
also *?aier, deio wil ist mein wü. aber ich wird voo dir ge» 
idiaideD, uBd wolt der «rwirdig unnr giMdiger lierre too aenictt d 
gMdcn ablaiBtB uid vertefae im fon gepurt oin adle joodifraiwaii^ 
die im gleich were« ee iat nrir doeh dein Tetterlicli lorgTettklLeit 
mid' mein keiacbeil lieber d«iD aHe frewd, ere und trest md 
aller reichtdm dieser werlt darumb lieber vater, ich habe 
lange zeit gestiegen und hat» dein lere gehalten in mir, aber lo 
du soll mir es inzund vergebeu, dd:> ich rede mein noldorft, 
wann ich das nuczlicheu erkenn, und ich hit euch, aller gnedig- 
aler herre, das ir ewer mayd wort in diemüi vernemet' do 
BfMrach der fürst alao ^Ciheardis, rede, wann du baat deiner rede 
gat macht (130*) su reden gen mir«' *ieh begere und bit', spradi u 
aber Gritardia, *ewer hoch gepurt, daa ir ewren gleiehen weit 
aneben und laat mich in meiner arnmt mit meinem amen faler 
meyn leben au bringen, daa simbt und elet ewren gnaden wol 
an und ist euch erlicheo , als auch mir das zimbt und erlicii ist, 
das ich in meiner diemiit und durftigkelt plaih.' 'neyn', sprach 2ü 
der tnargrave, *mein allt rluhsie jnniil und j^tjuiahel, nit als du 
will, sunder gee her zu mir und ^ib mir (kiii handt.' al zuhaut 
do stund der alt, ir vater, aul und uam die liant Ghsardia^ 
aeiner tochter, und gäbe ne tHeammen. 

Do biefa der fiirat die Uiure auff thAn nnd lieb allein eio U 
meiater Mareua, den prieater und den aae|der, und er aprach 
in der tugentKcben jandtfnwen Griaardia alao *aebe, mein aller* 
Hebete tochter und praut, ich gib meinen willen dorein« das du 
in der ee meins leybs seit gewaltig sein, nun trag ich dich in 
gegenwerlickeyt drs (130'') briesters und deins vaters und der ao 
anderen, ob ein solch auch deiu \\d sey.' do sprach Grtsardis 
•herre, es ist, so es meins \cit(T? wil und gniist ist/ al zuhant 
do war! der fürst dye wort dor auf und sprach der juncklrawen 
gar gütlichen tu alao ^Griaardia, mein aller iiebater gemabei, ala 

1 des] es ß 3 offenparrt H 5 sein 6 fursehe B 

cddeu jrickfraw B 7 doch] noch B sorgaellickcit S 10 behalllen B 

14 rede] wort/} 16 ir]ichy^ 18 zinnbt^ 19 wol lorüwbi 
rot ausgettrichen B erlicbu B 24 zusammen] do dem hern B 
26 vod auch den an. B 27 sihe U 31 sulclis B 32 es ist 
meio will B 33 finrst die warfl der fürst A 

88* 



408 DEÜTSCU£ PROSANOVELLEN DES FÜNFZEHNTEN iHS. 



du niii iiitu vertrewt bist, aUo beger ich nit mer von dir dann 
das du mir iuzuude gelobest, das dein wil sich meiuem willen 
zu allen zeileu gleich mach/ ^guediger und aller liebsler berre, 
eyn solcbs zu ibüo, das globe icb ewreu guadeu unverprnrben- 
t ImIwb m haiten', apraoh Griaajrdia, 'uad audi über daa so mir 
nein vater wiri genomen, ao getraw ich 6w«r fiiniehtkkeit, dai 
ir mich nfoond entpfeUiai naob öao gntden goto daao daa Ir 
aelber wolkl aeiii ein beluiter meiM lebeaa «nd ein ptteger luid 
in aUen aachen mcina lebena ein adikker nnoh angepemer ewer 

la firamUieic und lagent' al inliant aoge man dar lugeBÜielMn 
jauclvlraNvcn (131*) Grisardis abe ire zuriefisen rock und das 
henttu hemdf das sie trug an irem leybe, und waiL augeiegt mit 
Bammal und mit guldem gewaut von berieu und edlem gestein 
durchworechl, als dann eins edlen Fürsten praut wol augepurt 

la zu tragen, und sie stund alao vor irem herren nnd gemahel 
durchgofsen mit liplieber weiaer und roier varb in einer aoleben 
geitalt aia ein waanigiicher engel. 

Wie Griairdia von irem valer gelernt iwdt und aagt alao; 
Domaeb gingen anfo dem hewlalein der prieeter und mejaler 

10 Ihraia und rafften mit grofaen firenden in daa Tolck, daa ale 
siecb Hessen boi , waun al zuhant wurden sie seben den bocb- 
gepornen fursten mit seiner wttnickliclieu praut, und sie sollen 
im al zu mal entgeireii schreien mit einer froliclien tetyiiiiiit zu 
wünschen des aller pestcn. zu haut do wardt (131^') gehört der 
trumetten reysen mit aynickeyt der pfeufTer und ander spilleut 
manoherley bofrecbt, als daa ordenlicb bestalt ward, und solcb 
grofa geadirei vor firewdett vor allem volok erimb aich aUea da 
auf die leil« daa aicb daa ertrich, eil ea mflglioh wera geweaen, 
mit eainbt den volck mochl erfrewt haben. 

80 Ab nun aolehe atymme in dea armen mana hewfalein ge- 
bort wart, du sprach der frum fürst zu seiuer praut also ^Gri* 

4 vnuerprochonlich B 8 ein] mein A melns leben« fehlt B 
und vor in fehlt .1 10 do 7.o\\ B 11 Iren Ä 12 henffein ^ 
1^ per'lein Tt vr. cdeln (edlen A) stein? B 14 durch vnrerlit A 
durch vorchi B IG durcli grosom A mät .4 liplicber und w. A 

17 Ynrauglicher A IS von fehlt B und sagt also fehlt B 
20 riffen B grosem A 21 hochgeporg B 23 im] nim A 
24 der A vor gebort nochmals zuhannt A der l.] die i. A 26 horft- 
f«elit B ordealicho B B S7 all JIT 28 magUdiS B 

29 gefrewet B 



Digitized by Google 



n GmSAADlS VON ALBRECÜI VON £YB 409 

sardis , diese frawde und hubscheit , die sie iozuud erb^beut , die 
gesehen ist deiner wirdiekeit zu ereo. darunb so gee oud atifa 
dem bewfsleiD dein« taters im das paUaat upsera furttentbtoibis 
QBÖ foC der geb dir vil glucks und saiHckeyty iiiid bife furbas 
oMlo fiirttio/ dimach 4i iinbfing die 4ieiiiiitige und tugetUlieh I 
joMkftnw Grisardie gar lieplich iren fhnnmen vater asit iren 
anaen und dancket im «einer TaHerlicbep trewen und aorgrelti- 
keit, die er von kintweseu an sie gele«ri hell, waim sie west 
und erkaut wol, (132') das er was ein trummer , gerechter, hey- 
liger man. und in dem irunilichcii zajchen, (ias -io an im be- 10 
weist, Teriiüschet sie auch petiiche wort und sprach 'vatcr, bit 
got fruntlich an underioi^, das er mir bey gestee, das ich biÜ 
illaser aeitUcheo und ei^enekUdieo erbohung aller tugant perge 
OMirs ataygan.' 

Da nun das bewfMn waa vol worden too gadrang das voloke, ift 
do sprach der alt lu seiner tochter Grisardis also *aoetn aller* 
liebste toebter and Kebes kint, Ich erman dich, das du ge- 

denckest, wie du bist erzogen in armut und in groser durUickeyl 

von meinen banden, und la$i das aufs deinem syno kein tzeit 

valier] /II lielieltnuls der dieinntickeit. boR'art und zoru : das sein 20 

besuuder uutugent der frawen. die las in dich zu keinen zeyten 

wurtzehi. hab deinen herren und gemabel mit ftirsichtickeit lieb 

und bifs im mit willen der sele in allen dingen untertanig« bifa 

cnn ftirsicbtige muter deine gesinds, die dir entpfolben werden, 

und unterweyse sie (182*) mit grosser sictickelt. beweyra dieh S6 

als ein Pflegerin witliben und waysen, ein troaterin bilk der 

dürftigen, ein erloserin der gefangen und dye mit nnrecfat ver« 

druckt werden, und mit gantzer maclit, als vil au dir ligt, so kumm 

aufl" pefiserun«: zu hilf den die den tni liabt a v( r hont, dich seiher 

in allen deinen wereken also bt w. ysf^, das dich nyoir^nf slratT. 30 

almusen gib den armen notdürftigen nach deinem verrnii;;en, 

und dein hant kere von keinem armen, bisiu gnedig armen 

leuteu« so ist dir al zoü goi gnedig. bastu vil so gib vil. bastu 

wenig« so verslolk es nit in verpunden sack, aunder das du 

hast, das tayl in grosser diemftt mit den, an den es bestatt ist. 85 

1 sich l erhebet^ 2 geachihet [ist] ^ 6 irem ^ 12 ffflnt- 
Ucb] for mich B 14 aoff tteigeo B 15 vod] vol J 17 verman B 
19 zo keiner B 22 wartselnl stcia^ B 26 wilwea vnd den B 
28 kafi auS] tha ^ 29 hUfleo ^ 30 allen fehU B 
3) got alidt B 34 in den B 35 den es] des y# 



Digitized by Google 



410 DEUTSCHE PRüSAiNOVfcLLEIN DES FüISFZEHINlEiN JHS 



allen leuten , es dann einer frummen frawen zimlich ist , Infg 
in deinen woiten «iueTs und leydenlich und vor allen dingen so 
beware, das du keinem menscheu veisinehung bewejsist. mit 
keineDi rede hainiHch wort an dein man und on gezeugauis vU 

« lewt. und alles das einer (133*) frumineQ frawen ubei «• aiel« 
dM soitu aufe slahen. merck und vergiefs nit der kurcMn wort| 
die ich dir iDiund lage, und scbreib sie in dein lienx mit dem, 
deft ich dich vor uoterweiet han, and liefe «Ue leg in deme pacli 
deiner gedechtnue, dommb des du mir alio sael and angaweiMt 

ti enfe meinen benden gezogen wirdest des ineeht mir ksnuner 
und sorgtTeitickeyt f das ich ntttenger feit habe dich tu ieroeD 
das dir in deinem stanl zu gepurt. sich', sprach er, 'die claidtr 
deiner diemut, die du hast getragen in annut uuler meinem besen, 
die las dir legen an ein stat , das du sie teglichen mugest an« 

15 gesehen, umh das sie dir werden ein vermeyuuog der diem^U und 
fernen dich vor aller boffart' 

Ale nun der vater seiner tochter Grisardis mit der verma'» 
wing ein ende hett gemacht, des danckel der üirsi dem alten 
gar mit groaer demut und liefis im geben ein gab fa bemgahv 

SO als dann einem furslen in solchen saohen simbt xn geben« and 
er hieb (iSB^) ine komen an seiner hoehzait dar nach so nan 
der hirst Grisardis sein praut und fürt sie mit grosser wirdickeyt 
aufs dem swachen hewfslein irs vaters unter die gemain des volcks. 
nun merckt, was mochl das tugenllicli maydlein und das ge> 

25 schemig junckK wiein Gri-ndis gedencken, da» solcher groser 
erwirdickeyl und lierschali iiye mer gesehen und erkant he(t . als 
ir aut die feit erpoleo wart? sie west auch von keiner hollart 
noch von solchem prangen nichtz su sagen, diese bislorie ist 
dem leser ein ursach grofser diemut, ob er sie bedenckt mit 

80 ernsUiober innickeit. 

Als nun Grisardis zwischen den twayan swesteren des mang- 
graven und anderen edlen frawen, den sie enipfolben was, stund 

1 frumm«»n fehtt B 2 leidenlich? B das fo^mdn und fehlt A 
'6 keinen A 4 keioe oieasciiä B deine B uod feiüi B b frtimai«a 
AAIIJI 8 des] das ^ g deloe« B 10 wurdest il \i \tn M 

12 dir] dSB^ io] mB 13 pefeem^ 10 vcrnieynung « ver- 
maaeng B 18 des] do B 19 sti herogab f^hlt A her gab B 
2t doü 23 des] seines^ 20 schämig^ 26erwfrkeyt^ ood] 
noch B 2S solche A praogirt B bistorii'n A jslori B 29 Icser] 
lasier A sich bcdenck A 31 also swiechen B 



Digitized by Google 



II ORNAIIIttS VW AL9R£Cn VOQI KY» 4U 

wid Me fortoi laob ftiMünlieher AunidttiekflUt wiirt «in 

solch gedreng voo dem volck die juackfrawen zu beschaweo, das 
man kaum moclii iiir kuiueo. eö was auch eyu öolch grofs 
>\iiudt:reu in aller (134*) tneoscheo gedancken von der ubrigeu 
scliou des aullucz und des leibs und der zuchligeo guleu sielea 5 
uad <&M eiiiereu waudels, dauU Gri&ardi» Moa got begäbet wa», 
das ein iüicbs zu d«n auderen sprich *frie ist dem, daa wir 
4y« janokljraweii bey um Mi btbwck gewieti naUk arkaut, und 
wie liat sie sieb doch ?^ iina Alleo mugeo Tarptrgea?' alM 
wtr4 die tuebtig jaaekfnw Giiaaidie mii graser erwirdiekeji ein M 
gefurt ia die ptirg und palliBt des edlea fninuneo hemo. de 
wart ein itlicber aufs gericht nach seiner wtrdigkeit, ale daui 
das lurjseiitiu was vou den püegeren des tiirstoii. als nun die 
bochzeil augebabeu wart, ist wol glaublich, tla^ die muter Jhesu 
und auch Jhesus mit seineu jüngeren von dtüt prewtigan und Vi 
auch von der prawtt aull dye hocbzeit gepeteu sein mit grosar 
iüiügkejfi irs herlzen und mit entpfelhung aller der ding, die 
4ie 211 tcliaffien betten mit dem (134^) leyhe und mit der sele. 
es ist auch glanbliobeiit de die xve jiu«kf]»«eOt der edel er^ 
«inHg ftmi und eurggrave uad Griaardie aeto diemutig praut, ie 
Oiit keiweher rajiiickeyt ire leiba wurden ausammeD gefuget, das 
sie payde mit groaer schäme sich get und seiner wirdigen muter 
der junckfrawen Marie entiifollen haben, und haben sie gepeteu, 
das gesuut und tugenihaiug uuchl und kiuder von in bekomen 
zu einer geclLchinufs ir eiteren und irem vuick zu einem trost 2& 
und zuvoran gut dem almeciiügeu zu lobe und zu eren. do nun 
dye hochzeit also volbrachl was, do zog itlicbar, der geladen 
ward« vfiderbeym, und wünschten irem firummen tugenthaftigeo 
berren und Grisardis «einer diemuUgen prawt vU glucks und 
aelickeit zu beheltnus und beachirnung dea lands und der gemein, ae 

Von den grossen tagenden • der Grisardis fol was, das ir 

nyemandt irer eten vergond, 

\ ein sie fehlt AB wt/Ä fur>ten!. wirdikt ii? wart/? 3 kaum] 
keinen A 6 erwergen B 11 debj den fursten utid h. ß 
13 furseheti] für schon Jf 15 preuti^ain /i 17 irr ^ entphaung .4 
IW zwui^ trwirdig tdei Ii 22 sein wirdige^ 26 Mas ie fehlt /4 
»ie üt0ß mugeiiriekenem das A 24 gesQte B fruciiU: Ji be- 
keM B »btf B 87 «in iglchV B 1» was J hey A 
30 su] rüiA g«iu«o Mncn^ Sl deo| der^ also volJ 32 iir 
hoaehain nd crco Jf 



Digitized by Google 



» 412 DEUTSCHE PROSANOVBLLEN DES FOiNFZEHNTEN JUS. 

Dmnach nit (135*) laug du kom die edel uod tugenthall 
furstiii Gribai diä \üii Ui^ /u tag in solch grofs bekeotlickeit dem 
lanü und der gemein, das meuigiich gute ebenpilde voo ir uai», 
und die guad pol^^ stund ir also bey, das sie nicht allein ^'enalUg 
was irs tursteo durch ir tugenUichs leben, suuder sie hiell sich 
auch ab demutiighchea und iooglicbeii mid goadiglicheo gm 
arni« n und geia reichen, geo edel und unedel, die Tur sie komen, 
das keis mensch was io dem ftirstenlbrnnb, das ir nicbl gOai 
der eren, wirdickeii und henciiift, nd «Mb ab ich von ir 

10 gebort ban, so was sie ii Iren Worten gne^ und beplicb an 
irem antlnci, behegenlicb «nd firunlhold, «ad alles daa ale thet» 
das stAnd ir wol an und tacbliglicben , das menigliob ein grolh 
gevallcn daran het. wann ir bercz hetc mit der edlen Suzanna 
ein ^rosen j?elrawen in gol. sie ward auth erkant in iren 

15 w^M cki'ii rmii liig, mit groser t'ur(135^)sicliiti ke) i, licaiulig und 
getrew. gein goll was sie innig an irem gepele, gehorsam und 
stet gen irem man. das alles kom lu solch otfeuwarung gen 
aUen lauten , wer nur iren namen horel nennen, der wart von 
der stymme erirewet. man saget auch von ir, das sie also ge- 

10 dultig, bidenbch und gehorsam was irem berrsn , ab das geeffen* 
wart Wirt in vil dingen, die hernach komen und gebort werden, 
das ein sprichwori aufs konsn ist von iren lugenden in dem 
bnd und ist auch noch do selben unter den firawen, wann wo 
in den landen ein Iraw , do vor zerten ist Gfisardis gewest , irem 

26 man ist widerspenig, hufl'ertig und ^lui iiig, so sprechen die anderen 
irawen zu ir also: du bist nicht Grisardis. 

Darnach nit lang do nam gol von ir die scliam der ee, und 
gab ir auls irem tterren ein tocliler und zwen sooe, und ob ^ie 
ander kinder nicht nier pracbt hab, das liab ich nicht veruomeu, 

ao oder sie sein villeicht ab jung gestorben > das (136*) sie nicht 

durch das verdienen der eiteren sehen die übel, die auf der 

erden gesehen , und sein in das pardeilh komen durcb die macbi 

der sacrament der heiligen cristenbeit. 

3 meoiettdü B b in] 4n ß tugenUiehA 0 abo d. (oadj M 
gta— gen H 1 arenü § en vaedel ^ adaa)iuul^ was 
/MI« J U beheganttidiS ß 12 nwaiGUchii B 14 gnb B 
IS oewit B 20 oSeopar B 21 vil) di B 22 kam JI ist 

fehU AB 23 da selbst B 24 ein fraw in de laoadn B Qm, 
ist B 25 und] od'r B 27 schand ß 26 ir f»hU d 32 pa- 
dcili A paradeifiie ß geoaine ß 



Digitized by Google 



U GBISARDIS VON ALBKECUT VON £Yß 4id 



Nun bit ich und besunder eioen itlicbeo , der diefs pucblein 
niid 4ke linteriea wtit Imd, OBd besunder thunine eelewt und 
ineh ddMenMMnelMii, tfe unfer den gMMnna sein, das ti« 
mH goUekeyt horm Ii« ftinksktiokeic und die eehirpf vefMidning 
to ftinleiit demit er die tngeiitteftfifeik Grisardiii sein ganalieli S 
Yerraeheii'WoK, «nd dariMoh die gfeeen elerek «ber weyfameh 
ait und die bestentickeytt der dienrat, dor innen die tugenlhafl 
Grisardis mit groser geduh bestanden ist, auT das, ob des gleichen 
auch einem anderen menschen widerture, das er werd versucht 
von seinem geiiuiliel ader von einem »aistlidton \<^ier, das er ta 
dann solch Versuchung mit tursichtickcix und in grosser dienmt 
soi tragen und lernen fon (136'') der tugenthaftigen Grisardis, 
daa da mit ir die Toftkmenheit der gedvH aoeoht beaüieii, vnmn 
eie hati gelernt too aand Pauls, das sie al seit spraeh in allen 
tegea SU irein lierreB alae: lienre, waa weit ir« dva ioh ael tü 
tliftii? und daa ea leiehler werd su veroemen, waa ieh iwiind 
mayn, so sehen wir, (fos in unseren Zeiten gehorsam als tewer 
ist under eeleuten und in den clostern, das <ler man nuils 
oft sprechen zu seinem weyb, ab er wil fried haben in seinem 
bawr? ; wns (In wiKl das wil ich auch thun, nnd gar selten spricht 20 
die traw: manu, was wiltu das ich soi thAn? was sprectien wir 
dürftigen hie zu? dann Griaardia tot iat, und alle tugant sind 
mit ir je begraben worden. 

^fh der narggMife die tugenthaftigen Griaardia in aweren 
aaeben Terauohet, und wie aie daa gednltiglieh uberwant » 
mit grdfter atetikeit der Kbe. 
Ala DUR Griaardia und dea (braten kinder der muter (137*) 
mangelen mochten, die (irisardis ina iren brüsten selber genert 
hett, und keiner ammpii it.u im^^ woU ^etrawen, darumb das sie 
wol wesi, das die narung der kinder sich wandelt in der com- 30 

2 jstory B 3 den geb« A der geb. B 5 sein« B 
]0 elleheo gem. B 12 das soi B togeohaSUa B 13 da — 
aMdil fällt attt dtr conHruetion machst S 14 wann der Sie A 

Paal<< ß 15 Jpo$Ulg0tch. 9,6 16 den eelentfi B 

19 woU A 20 auch Aä« B 22 hir /? dy sint // 2:^ ye 
fehlt B 24/* sein? femahel wolt v'such»' vnd bewern an swfrn ■^achr' 
vtJ(l wie sie all v'süchunu tiig« ilich ub' waot^ 2(5 mit ^rur<( r stelikeit 
der libe] etc. inerau/ rot marlb A 27 d'r narung von d r nuji ^v- 
roSgeln B 2b brüsten, davor g(eoert?) A 30 kmd r ieybe (aut 
weybe oder umgekehrt) waödelo B die A Conplexen B 



Digitized by Google 



414 DEUTSCHE PROSANOVELLEN DES FÜNFZEÜNTEN JHS 



plexiuu durch der zertlichkeil willen, und wano die aogepoiu 
coniplex wirt veiwaiidclt, so schicken siech dauu der kioder 
sieteo nach der narung, die sie von den boseo sündigen weyben 
haben genomeu, und werden denn nach der frennlen niuter sieten 
b geschickt in der natürlichen zuneyguag, und «u£b wolgeporeiOL 
kiaderen werdeo dann rufiQui und pulMD» u 4«o omd li^l holt- 
BttJig beireo za werden. 

Da ttun der nerggrafe diis eabe^ das Griaardia sein geoMM 
nicht allei» Uiganlttch waa, annder da» th aaeb «leo parg der 

10 tiigent innen biett« do gedaeht er mit grofter furaicfatifikeii» m 
er aie in harten «nd fweren aachen verauchan und heweran 
wolt an iren lugenden, anderen Irawen zu einer ewigen (IS?"*) 
lere und zu einem exempel und guleu ebeupilde aller i'rumkeit. 
es geschah, das Grisardis und der inarggrave, ir gemahel, t*ins 

15 nachtes bey eianander lagen, und der herre eullarid und erkannt 
in eiji< 1 siiile^ da$ Grisardis nil slieA'. do hueb er au gar 8werii<^ 
zu «rseufizen in im aelber. das thett er Grisardis zu gehören» 
er heweyat auch grofa angai mit seineai leibe und warl aiach von 
einer aeitlen zu der anderen und sein arm warf er hin und hera 

SO wider, alao das Grlaardis an ime grofa bekumiNrnttfa und angat 
aalt veiaieen, doch ao thet ea der weyla furat alao verporgeo 
mit solcher Airsiehtiekeitt daa ein hlicher, der dieae ding recht 
merckt, der vindet nicht ein lugenhaflig zaicben dor inn. es 
were auch zymlich niciii gewesen, das < m solcher ii uii^mer und 

2& getrewer lurst sok siech mit lugen bekuuiuieren , suiidcr zaicheor 
lieh und schainperlich woii er weysen in (hn weickeu, das er 
ein stet Irawen von lügenden und (138*) von dieniutt het| und 
die von grund irs hercsen iren herren und gemabel lieb hott* 
und wider ine nicht wera in keinen dingen, also thett unaar 

aa lieber herre iheaua Criatua nach aeiner heiligen aufferstaung» 
do er on lugen erschain Maria Magdalena in eine gertnera wejae 
und zweien jüngeren unterwegen in einer anderen geatalt* do 

1 zeiilichkeit// wan dan 'l Cü^lex ß idtnB 6 dem ^ 
hoffenfig bet B 7 der ganze absai» entbehrt des nacluataet 
S das «or labe fM B 10 fcet J 11 bewifea A 13 abca- 
pildsB B 16 SV e. feile A iwertidieB B 11 gshaning B 
18 den L J lU woX die a. ^ die warib B U nicht ■ndMi B 
25 Micbslieheii B 2$ «dMinperNdico, m ft mugmMokm, imMotf 
er B bewefften B 21 slateo B Sl wajM] pIMe B ZU da 
DO d. f. 



Digiti-^cü by Google 



der iurst nun ge()arl, als im grose bekuauuernufs was, do redet 
tt ImmttobeD mit im selber , im duck Grisardis vernam , und 
er sprach mli eolcben Worten aleo: werumb battu 49» nit vor 
bfldiclitT eo DU dM vmh Min, wer ee nit peeser, des <)u te 
liebt der snnoen lie best beecbewt? and get es Oir sieh, eo B 
Wirt es eyo leeh solcher betrtibnafo, des alle die abe!, die ich 
ye gfilieden hen, die ssiifeB sich diesem ubel nit glelcbeo. ele 
i^u Grizardis solch g^o^^ I t kummcrDurs an dieseu wortea ver* 
nam irs herreo« der sie vor uiciit mer hett gehört von ime noch 
tikaiiut bet, do viel sie in gwar gedaockeo und tu mitieideu 10 
mit irem (ISS*") allerliebsleu herreo, und sie gab im ein zaichen, 
dee sie waohei und das sie seine wort wol vernomeo hett und 
^raeh n dem herrcn elso *nebt meyii aller liebster herre und 
hmder, fan den lagen als «wer eogeporne giiad da^ gnit daueht, 
4m ir nuiB diemAt erkannt habt und euch in ewer geeelechaft Ii 
der ee habt genomeaen, so hah ieh ewrs herlaen bekumniernurs 
vnd eorgfeltiheit so grofs nicht mer gesehen und erkannt aaeb 
ob ir icht bekummernUfs geiieden habt, so habt ir es doch vor 
mir in ewier diener gegenwerlickeit verporgen und seit vur 
meiner gegeowerükeil alle zeit frolichen gewesen, aber was das 20 
inzund bedewtlet, ist es ewrein willen nicht wider, so bit ich 
ewer gnad, das ir mir solch bekuiumeruüi'ä zu erkennen geben 
ivek, das