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Full text of "Zeitschrift für deutsches altertum und deutsche litteratur .."

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Zeitschrift für 
deutsches 
Altertum und 

deutsche 
Literatur 



Anzeiger für 



deutsches Altertum 
und deutsche ... 





Zeitschrift für 
deutsches 
Altertum und 
deutsche 
Literatur 



Anzeiger fürj 
deutsches Altertum 
Und deutsche 



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ZEIT8CHKIFI 



FÜR TT. 



DEUTSCHES ALTERTUM 



UND 



DEUTSCHE LIHEIUTÜR 



HERAUSGEGEBEN 

EDWARD 8CHR0E0ER UND GUSTAV ROETHE 



ZWEIÜNDVlERZIGSTEß BAND 
D£B N£U£N FOLG£ DK£18S1G8T£R BAND 



WEIBÜANNSGHE BOGHHAN0LUNG 

1898. 



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L • ' V 

INHALT. 

Holte 

\h< iuifkniiiiiu'ii df^s »levisfln'ti Scliwaiirittei s, von Hlütt* 1 

Etymologien, von Detter 33 

Zur Vorgeschichte der germanischen und -/-, -mm- und -?n- , von 

Sch rüder 59 

Eilard von ()ljer»f, von Scluödt i 72 

Zur lextkritik von Strickers Daniel, von Zwierzina 83 

Zum tfxt der Waninn;?. von VValltier 93 

Üas .s'edicht auf kaiser Lndwi^ dtti Uaiein, von Sfliaus 97 

Wflzlarer Wigalois fragment, von Schröder 105 

S. Ursula, von Burg und Scliröder lOS 

Über das 'Carmen ad Denm', von Scli5id>ach 113 

Hat Otfrid ein Mectionar' verfasst? von Schönbacii . 120 

Zum rhythmas von Jacob und Joseph, von Dflmmler . . . . . 121 

Zun] nddelirandsliede, von Meihner 122 

Zur geschichte der keltischen wauderungen, von Miese 129 

I. Die einwanderuns in Italien 133 

II. Der unterfang der Boier 152 

Ein höfisches mionelied des 14 jhs., von Schröder 161 

Etymologisches, von Much 163 

Die coniposition des Muspilli, von Joseph 

S. .Mürgareta und Daniel, von Ziininerniiinn und Zv\ier/.ina .... 179 

Dfr alldeutsche heilsprucii gegen fallende suclit, von v(irienlitT^( i . 186 

Die Alaisiagen, von Henning 193 

Katzen^ebet (zu Zs. 36, 36S), vofi Martin 195 

lOckcnhüfser, von Schröder 

I. über Eilard von Oberg und seine familie 195 

IL Eine illustrierte Wigalois-hs 196 

Pg Heinrico, von Joseph 197 

Ein luitiekanntes gedieht Seb. Brants, von Schmidt 217 

Altdeutsche futide ans Sclilierliacli, von Seliidmanii 

1. Hruclistücke einer ititerÜnearversion . 220 

n. Rin hrtirhstnrk des Eckenliedes . . , , . . , . . , 221 

Die Diosknren im Beowulf. von Niedner 229 

WolfciitifiitcliT bruelistüek des Erec, von vUeineninnn 259 

^aUtiariu!s 203 f. von Strecker 267 

Bruchstück der Kaiserchronik aus Kremsier. von Hobich 271 



IT INHALT 

über den nordisclicn fylgjcnglaiibcn, von Hicger 277 

Die arianischen quellen über Wulfila, von Luft 291 

Zu Wulfilas bekenntnis und zum Opus imperfectum, von Vogt . . . 309 

Lamprecht von Regensbury, von Schröder 321 

Zum Aiinolied, von SeemOHer 322 

Ekkehard und Vergil, von Strecker 339 

Zu s. 186fr ('Z?(/wgr duti^er'), von Siit^er 3^','^ 

Ein lied auf H«'n Heiligen^iadUr putsch von 1462, von Schröder . . 367 

Meister Alcxiinders Kiiidlicitslicd, von Schröder 371 



DAS AUFKOMMEN 
DES CLEVISCHEN SOHWAinaTTEBS. 

Nor wenige fanilien des 12 — 10 jlis. haben sieh als nach* 
kommeD eines Sebwanritters feiern lassen, von diesen wenigen 
treten fQr gewöhnlich nur Boologne-Bouillon, Brabsnt und Cleve 
klarer hervor. Boulogne^Botiillop durch seinen Gotlfritd« 
BrabtDt, indem die denisehe dichtnng von Wolfram bis anf 
Wagoer sowol als die bnbaotiscbe chrooistik seit ca. IBiM) nar 
Brabaot mit dem Sebwanritter verband, Cleve, weil im 15 jh. die 
oeoerwacbto eriooemng an die abstammuog daselbst einen Schwan- 
ritlereohfis erseugte, von dem sieb die sfniren bis aof den ben- 
Ilgen tag erhielten, aber auch wer sich bemüht eine weitere Um- 
schau zu gewinnen, wird, insofern er nicht die hlofse herkunft 
constatieren, sondern deri verscliiedeDeu gesialten der sage nach- 
gehn vvill, immer wider zurilckgeluhrt werden 7ii Boulogne-Bouillon, 
Brahant und Cleve, denn aufser bei ilmen begegnet eine s a e 
vom Scbwaorilter nur noch ein einziges mal, bei den holländischen 
herren von Arkel *. alle andere tradttion scheint verschollen. 

For die Untersuchung nach dem ursprong dieser tradition 
ist es IIIIII hftuflg irreführend gewesen , dass die sagen dieser 
bmilion dorch OrtKebkeit und namengebung stets den eindmck 
Mnteflosoen, als wire der 6ehwanritter für jede von ihnen eigens 
enebioDoii and hatten wir demnach an mehrere loeale Schwan* 
ritter lo glauben, man weifs, vHe erkllrer frflherer Seiten an 
dem autocbthonen ehsrakter der localen sage festhielten und so 
resullaieo gelangten, welche schon ihren Zeitgenossen nicht ein- 
leucbleo wollten, neuere forscher — besonderb wenn sie den 
riiler als eine mylbologische p« i süulichkeit aus der heuluiscben 
voneil ;infiafebten — slreifleu dagegen die genealogische aalur 
der sage beinahe ganz ab und verzicbleteu somit von vorn herein 
auf die beantwortung der irage, warum gerade in diesen we- 
nigen geachlechiero die wunderharo herkuofl vorkam, nicht aber 

M 428 im ftsosetüasim erloscbc«. dts üanteblois lag eiwslt des 

smaninenflastei von Mass und WmL 

Z.F. D. A. XUL N. F. XXX. t 



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2 



BLÖTE 



in anderen, die doch unter den gleichen bedingnngen gelebt 
babeo müssen. 

Und doch mhrt gerade die genealogische seile dieser sage 
zu eigentflmlichein aufscbluss. nur sie lehrt uns, dass die her* 
kunft zu einer bestimmten zeit in all diesen familien noch un- 
bekannt war, dass die tradition nur tOr 6in geschlecbt auf wQrk- 
ücber abstammung in der geraden linie von einem historischen 
Schwanritter beruht i und sich von dieser aus in die andern auf 
verwanisdiafllichem wege verpflanzte, um sich schliefslich in den 
eiozelueu hausern nach bedarf auszugestalten und als euiiii imiäclie 
sage die fremde herkunfl abzulegen, man gestatte mir, iai iolgen- 
deu aus dieser sagenbildung den teil herauszugreifen, der mit 
Cleve verwachsen ist. ich möchte die grenzen bestimmen, inner* 
halb welcher sich in Cleve der glaube an die herkuoA entfaUetCf 
auf den Su&ern umstand weisen, der zur erzeugung der meinung 
bei den grafen von Cleve fahrte,, dass sie vom geblflt eines 
Schwanritteni waren, und sogleich den genaueren zeitpunct fest- 
setzen, seit welchem das niederrheinische haus den Ursprung als 
wttrkliche genealogie betrachtete, um dann zum schloss mit dem 
gefundeneu malerial iu audeiUeiulen zü^en die eulwickluiiy anzu- 
geben, welche in Cleve die tradition durchmachte, unser weg 
führt zunächst durch zwn liueiarische Zeugnisse, deren würklicher 
wert für uusera zweck zu prüfen isU 

t. 

Konrad von Würz bürg ist der erste, der die grafen von 
Cleve nachkommen des Schwanritters nennu dflifen wir auch sagen, 
dass seine vor 1257 entstandene enablung vom Schwanritter, 
wo sich diese angäbe findet ^ als das erste unverdächtige Zeugnis 
fttr diese herkunfl zu gelten bat? ohne bestStigung von andrer 
Seite schweriich. zunftchst weichen in aulfaUender weise die an- 

* die normannisch •engÜBche ftmilie der ToSni, erloschen 1310. der 
To^ni, der za der spatern sage anlass gab, lebte In der ersten bälfte des 
11 jhs. und war der grofsvater von Balduins von Boulogne gattio. vgl. 
neine slodie Der historische Schwanritter in der Zs. f. roni. phil. 21, 176 ff. 

* ed. FRotli T. 1314—1327 in (den beiden kindern des Schwan- 
ritters) wunfiüPTi Iii w Stirnen. vil mdge xind vil hSrltche neven. von 
üelre öeidtu und von Cleven die grdven »ini von in bekomen und 
^ourdm BümtMcker genomm ü% ir gesUkbi wtrm M^onf. A* JfatfmM waH 
Im wuum knU gMiH karU wÜe, da» ntth mUd m tfrlb' dm 
twmm fU»§t unie trtU* über die datieniiif des gedigfatct s. anbtog 1« 



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« 



DER CLEVISCHE S<»WANR1TTER $ 

gaben Konrads geneaiogiseh and luraUiiMb fon allen sfAtern ber 

richten über Cleve ab. bei Roorad heifsen die grafeo von Cleve 
seiner zeit uachkommen des Schwaoritlers durch Brabant uod 
sollen sie eben deswegen wie Brabaotf Geldern und andere häuser 
deo Schwan in ihrem wappeu führen, sudann ist dieser heral- 
dische 2ug, wie für Brabant und Geldern, auch für Cleve un- 
richtig. Konrad kannte augenscbeinhch das wappen der ^raleu 
fön Cleve damals noch nicht aus eigner anschauung. erst 1257 
in seinem Tarnet von Nantheiz gab er eine in den unlerschei- 
denden aeicben lutreffende bescbreibung dieses wappena'. nun 
liaet sich wol begreifen, wie Konrad daiu gekommen sein mag, allen 
naebkommen dea Schwanriiler» einen acbwan im wappen xtiiu- 
acbreiben oder geaeblecbler, die einen aehwan auf dem acbilde hatlent 
fOr abkömmlioge dea brabantiseben abnberrn in erkUlren. er 
nennt Tom gescbtechte des SchwaDrilCers auch die grafen von 
Riueck (im Uinlerspessart). diese wareu imchi^rn und zeüsveise 
einwohner Würzburgs, besafsen daselbst ein eignes bau» 3. ihr 
wappeu mit dem schwau ^ war kourad also von jugend auf ein 
bekannter anblick, und ihre damalige helmzirr '««chwaneukopf mit 
bais' fast Konrad, der in dieser erzflhiung auch sonst, was ihm passend 
schien, aus Vorstellungen seiner seil berausgriff (das gericbtsver- . 
labren vor Karl, das wappen dea beraoga von Sachsen), ebne 
iweifel beeinflusat, als er dem Sebwanritter v, 891 d$$ npanan 
koubet m& dm eragen auf den beim gab. mOgen nun die Rinecker 
grafen sieb ca. 1250 infolge ibrea wappens — denn ein anderer 
grund ist kaum eraicbtUcb — in der tat an der berkunft bekannt 
beben, oder mag ibnen der Ursprung von der Wlirsborger Um- 
gebung oder gar von Konrad allein ans demselben grund zu- 
geschrieben wordeu st iu , immer haben wir den merkwürdigen 
fall, dass der schwau im Rinecker wapjiLii Konrad zu der ihm 
eigen lüudicheo auffassung geführt haben mus^, zwischen wappeu 

* fnr das cleviache Wippea nnd die stelle im Tornel s. aohang 1* 

* FSteia in Aich. d. bist. ver. f. d. Dntfrmainkreis bd 2U h. 3 s. 101. 

* vgl. US. deo 1367 geschlichteten streit zwischen Rineck und Hanao 

Gher den schwan als helmzier, bei MVVieland im a. Archiv bd 20 h. 1. 2 8. 251. 
weiter die siege) und wappen elula taf. i u. n. auf einem nllerdings sehr 
bescliadigten reitersiegel des grafen Ludwig d. A. von 1283 i&t noch Meul- 
lich zu erkennen, dass auf dem hcdme unmiUelbdr der hals des schwanes 
■Bit dem flögel sitzt' (gutige mitteiluog des kgl. preufä. staaisarcb. in Mar- 
burg). 1299 war es schon der balbe achwaa, 13$7 der gaose. . 



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4 



BLÖTB 



nil Bcliwaii «od heftuoft fom SehivianUir beitelie «m oalllr» 
lieh« MehuDg. 

Hmea wir nmi wwtor sieht lu bcrOckflichtigen, da» Konrad 
da« €l«?i8Ghe grafeDgweblecht darch Brabant tmn geUOte das 

Schwan rill eis gehören iasst, so wäre allerdings durch seine an- 
gäbe für Cleve allein schoa der beweis geliefert, das« Kourad 
wüste, Cleve nähme SchwaoriUeriierkunft in anspruch, denn er 
gab demselben einen scliwan in das wappea. aber bedenken wir, 
da«?s Konrad auch die graleu von Geldern tu nachkommen des 
Scbwanritterd oiacbt, dass er der einzige ist, der uns dieses mit- 
teilt« wdbrand sich Uber diesen pnnct bei den spätem geldriscben 
MstoriograpbeD wie Pootanus (1639) und van SlichteDhom (1664) 
Pichls iiadaC, obgleich sie sich doch mit der eleviachan aag« b^ 
lehaftigoo, daas auoh dar aehmn ins geldriaehan wappen nicht ?or- 
homoit, ond Konrad sich vennvllicb in seiner angäbe bestimmen 
iieTa, iveil er erfohren liaben eaag, daaa der an aeiner seit re- 
gierende Otto n von Oddern (1219—1371) eine brabantiaehe 
berzogslochler lor mmier hatte, ao aiellt Konrad una bei dete 
▼or dreieriet nOgltchkeit : entweder war die ihm etwa bekannte 
herkunfl von BrBbant entscheidend für ilin, die grafen von Cleve 
SU Dacbivommen des Scbwanritters zuinachen; oder er wüste in 
der tat, dass die clevischen graien sich vom Schwanritier ah- 
nistammen rülmUen, und nun machte «r sie zu nachkommen 
Brabants; oder Konrad hatte in beiden puncten recht, als er sie 
sowoi ¥00 Brabaot als vom SchwaariUeff alammen Uefa. 

Es ist klar, dass wir unter diesen umslinden von Konrada 
SchwanriUer ohne weitere knterieo keinen gehranch machen, 
laenn es gilt den frohsten leilpnnct an bealimmen, in welehem 
dae deviache haue sum atamme dea Schwanrittera gerechnet wurde, 
wir kehren au Konrad aurflcfc, aobald auf anderm wege ansgemacht 
Warden kann, daaa die herkunit fitr Cleve nicht autochthon war. 

2. 

Aber brauchen wir Oberhaupt Ronrad? haben wir nicht ein 

ausdrückliches zeugnis, dass schcxi um 1200, ein halbes jh. also 
vor ihm, die cleviscbe herkuoti vom SchwanriUer aDgemein ver- 
breitet war? 

Gen van der Schuren, der Sekretär Johanns i herzogs 
SU Cleve und gialeo von der Mark, sagt c 1478 in seiner Chronik ^ 
* iing. VM RSeboHcnt Cleve 1984» 4er ans aagehnde teil s.41— 4S. 



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DER CLEVISCBB SCBWANRITTER 5 



^Mt er <Im lii8torit v»d EljUt 4m eniM giifaB fw Cleve 
(verlier db. vor 713 bebe ee mir berren von Cleve gegebenX 
Oed dem eebwwe, eof welche die berren voi Cleve aeiber grefce i 
wert legten, eniblen violle, wie dieeeibe gm berkbtet werde 
in dem 4 biiefa der cbrenik dee ireCM htwirdigkdm wu t tut r E§ä^ 
mtmim, dieeer binweis auf HelinaDd bedeutet, dam die clfi> 
viäcbe sage 1200, als der uöDch vou FroidmoDl (ia Beauvüisis) 
blQbte, io Nordfrankreich ebenso bekaoot gewesen sei, als die 
sageDhafle berkuoft Gottfrieds von Bouillon, in den hauptzUgea 
toeanimengefasst, soll Helinand folgendes berichtet haben: 

Um d. j. 713 war Derick gestorben, ein berr voo Cleve, 
der auch berr voo aoderB ianderii war, anit binterlaeaung einer 
tocbter Bealrix, aber keines aoboes. diese tocbter bette viel ni 
leiden von ibren feinden, die aie in ibram beaiti verkOnen wolUen. 
einee legea aab die edle jungfrau von Cleve eof dar barg in 
Njmegen» wo aie wobnie, ab aie einen acbtaen aebwan ge- 
wehrte, der an einer goldenen kette, die an aeinem halte be> 
featigt war, ein aebiffcben binicr eicb her log. in dem kebn beflind 
sich ein stolzer jungling, ein vergoldetet tebwert in der band, 
eiu jd^dhoro unigehdagl, tiuen küslbareu riug aiii Uo^^'er, eia 
Schild mit dem spätem clevii^chen wappeu stand vor ihm. dieser 
war *äO man in allen histoncu Üodet' Elyas geheifseo, und *kam 
aus dem irdischen paradies, das eiiiige deu Grail nennen*, da 
er die Jungfrau su sprechen wünschte, gieog sie hinunter und 
fahrte ihn auf die borg, wo er ihr mitteilte, er tei gekommen, 
ihr land lu aebotzen und ihre feinde zu beaiegen und la ver> 
treiben, nun war ihr io einer vition offenbart worden, daaa aie 
einen mann haben tollte, deaaen nachkommen ateit mit aieg 
gekrOnI aein würden. — die jungen leote gewonnen aiob lieb, nod 
es folgte die vermiblong unter der bedingung, daat Beatrix nie 
nadi aeinem getcblecht oder Ursprung Trage, er sagte ihr aber 
zugleich, dass er Elyas heifse und dass er ritter sei. — darauf 
niedere erfu Dg aller leiudü und crhebuug Cleves zu einer grai- 
schall durch kaiser Theodo^ius. 21 jähre war E. graf von Cleve, 
drei sOhue enbiammten (i<'r ehe : Derick nach £. graf von Cleve, 
Goedart graf vou Loyn, Coecrail laodgraf von Hessen, da tat einmal 
naebtt unerwartet fiealrix die verhängnisvolle frage, und Elyas muste 
von dannen »eben — io welcher weise wird nicht gesagt — um 
nie wider an eracbeinen. die grlflo aterb noch im aelben Jahre. 



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BLÖTB 



Also kannte nach GvdSchuren Helinand c. 1200 ^ine spe- 
zielle cleTische sage ohoe jegliche abhangigkeit von Brabaal, wia 
&oorad fWürzburg wollte. 

Aus HelinaDd selbst kOnoen wir die enflhlung nicht mehr 
controlienii, da dt^ 44 ereteo bücher seiner Weltgeschichte schon 
um 1240 Tcnchollen waren und bis jetzl nicht aufgefunden wor^ 
den sind, aber eine nachprOfung laset sich troudenr leicht an- 
stellen. Vineens von Beanrais (f 1264) (iDhrt in seinem Specu* 
Inm nalnrale Luc 127 ^ aus !. if des Helinand den Schwan- 
ritter an als ein beispiel, dass eine fhicbtbare geschlechtliche 
TerbindiiDg zwischen dämonen und irdischen Trauen möglich sei. 
uud nach der art uud weise, wie Vincenz arbeitete, ist kein zweifei, 
dass die stelle sich wüittich so hei H. vortand. sie lautet in 
dem Strafshurffer druck von c. 1473 also: 

Helyuamius quarto Itbro. 

Ih coloniensi dyocesi famosum et immane palacium rem'* 
flumini iupenminet : quod iuuamen nuncupatur : übt pUtribus oUm 
tm^gn^oti» principi'bus : ex mipnwtso adumii nauicula : quam coAo 
atUgoittm dgmu trahebat argmtea eatkauL sstnda mUn notitii 
er meognihu anmibui €xil^i : c^pim nmism ndnatit» MiUf 
fwua wMm yamm duoBii. ü Ubtro» froenamL Tandem t« 
eodrni pofart'a rsitdefu : dgnwn ötspilnsna ndiienlaftf sm am eadm 
mmieula et eathena, elaim in nauem ee reeepU : ü uUerim non 
eomparuit. progeniee ehu neqne kodie pereeueratK 

^ die Slrabbarger aoggtb« too JohMeotelllD (c 1473). und noch ein 
andrer dem tb jh. asgebdriger druck, welcher gleichffillB das Spec. naU in 
2 bänden enthält, rechnen den Prologos, der sich aaf dag ganze werk das 
Spec. roaior bezieht, und die Inhaltsangaben der einzelnen bAeher des Spec. 
nat. als 1. t. so fängt das tigentliclie Spec. nat. mit 1. n an. der zweite 
der oiiengeiiannten drucke beginnt auch das Spec, iint mit l. i, setzt dann 
aber bei c. 25 plötzlich mit dem columnentitel i. ii cui, ohne da^s die folijp. 
zahl der cap. unterbrochen wird, somit findet sich unser passus in diesen aus- 
gaben I. III, c. 127. die Donaier ausgäbe von 1624 fasst den Prologus mit recht 
nicht als ein besonderes bnch de« Spee. niU auf, hat also 1. 1, da wo das 
Spee. nat. anfaDgl. ich habe daron I. it c 137 getetst, obgleieh in der aas« 
gäbe, deren teit Ich gebe, dar passns die besdcboung I. m c. 137 trigt ^ 
in Vincenz Spec. bist, ist nichts von einem Schwanritter zu finden, obgleich 
Wier und nach ihm andre Spec. hisU 1. in c. 27 angeben, dass aus einen 
Spec. nat. ii 127 beim abschreiben ein Spec hial. lU 27 werden kooDte, Ter- 
steht man. * ed. Dooai : rmo. 

• der passns hat seine gescliiclile. er wanderte iu Ulrich Molitors hexen- 
buch De laniis et phitonicis muiieribus teutuuice unholden vel hexen (wid* 



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D£R CLEV1SCU£ SCUWANRITT£ti 



7 



Diese kurze aber klaie aiuilyse sieht der behaglichen breite 
der vdSchiirt tischen erzahlung sehr unähnlich, aufserdem zeigen 
mehrere züge, dass die cleviscbe sage aus ihr nicht hervor- 
gegangen sein kann, aber was für uns am wicbligslen - : es ist 
Yon einem bestimmten gesehlecbt gar nicht die rede. nachkomaM 
desSchwaarilleRS lebten noch in seiner seil, sagt Hefinand. denken 
mir nun an den früheren, lebenslustigen, Tielgesachten Irouf^ 
Helinand^ (Yor 1300), so ksnn der passna nichts anderes sein 
als eine flir Helinands supematuralistischen sweek gedringte 
wideigahe einer der ersiblnngen vom Chevelier au cygne als dem 
stammfster des banses Boulogne, deren der einstige nordfran- 
zösische dichter sich noch erinnerte, dass der Schwanritter meh- 
rere kinder gezeugt haben sollte (liberos yrocreavit) — der 
Si liuauniier der französischen redaclionen hinterlässt nur ^ine 
lociUer, welche die gemahlin des grafen von Boulogne Rust u h ii 
wird — dürfen wir als einen lapsus memoriae betrachten und 
nicht ohne weiteres zu guusteu Cleves deuten, ein anderer ge- 

moog Y. j. wo aus ihm aod den enShloDgeii voo Meloshie, Merlin, 

dem mcerwelb hi Sicilieo eine bctifttigende tstwort gefuiMlea wird aof die 
frage : an ex coitu demonum etan muUeribus patrato pottit nasei ptur, 
(563 nahm JohWier, der eoergische liekämprer des bexenglaubens, die Stelle 
aus Molitor (Oe praestigiis daemoQum i. iii ö nusg. c. 32, 6 ausg. c. 30) aof 
und zriRie, au[ wie schwachen füfsen die dcmonsUierung der hexenverfolger 
beruhe, da die fabel doch zu jenen erzahlungen gehöre, mit denen die an- 
föoge bcribnter hioier geschmockt werden : «1 iS»M tMquid U$ inrnte 
dÜM p§nitad&nimr, data Hdinanda bericht tieh aaf Cleve besteht, sagt 
Wkr oieht; aber wol erwihat er — uad der cleTiache leibartt koeiile es 
wissen den clevlichen schwanentnin, dss schwaoenzeichen darauf, sehr 
alle tapetco oder teppiche in der bürg sn Cleve, auf welchen sich die ge- 
schichte eingewebt fsnH; man leite — sagt er weiter — Hns «her des cle- 
visrhen ha(!«!p<! nm dieser fuhi'i nh. — dasR die veraion auch in Sprenger and 
Institoriä MaÜeus maieticaruiu (approbalio v. j. 1487) vorkümiuen sollte, wie 
man nach Reiffenbergs Introd. zum Chev. au Oygne s. vi und vdHagcn Die 
Schwanensage s. 37 achliebeo kAnote, ist ein Irrtum. Reiirenberg consnl- 
tieite ein werk, das seit 1980 erschien nnter dem titel *lla!lel maleficsrun*, 
in wdchen sich die bedentendsteo heienbSeher vereinigt finden, da be- 
gegnet die versloa widernm nor nnter MoIUor c 6 (In der ed. Lyon 1669 
hd n SL ITfiX nicht unter Sprenger nnd Institoris. 

* in der Episiola ad (lalterom clericuTn (üb. de reparatione lapsi), 
Miene PntrnK !at. t. 212 col. 14^. sagf Helinand von srinrm frührrrn Irben: 
non trrna , nun nrcus, non thcatrum , non amjthiUic-ürum, iion amphi- 
cirtfts , nun /urum, non ptaUa, non gymnasium, 7wn arena sine eo 
(ac. Uelinando) msonabat. 



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8 



blOtb 



teittBttiBUv mag audi 4m fi ci h wp f c > » d > 'Jovmm* ab lMd6- 

ort des rillers sein. dieSM Jufameo ift uotuffiodbar msn er- 
w'd^t aber, (inss lUr llelioaDd uur iSas laclum der vertimdiiDg 
zwischen geibt uüil weih wert halle, dass der chroDist — wie 
gesagl die ;,'t:bcijichle doch v^ol uur aus seiuer wehliiheu zeit 
kaanie, daM fttr gewobaUcb d«r laaduagsort m den Iranz. dicb- 
tuBgeo Nimaie beiist, uod Nimwegen das game aiUakiisr him^ 
d«fch kircUicli tu Kola geborte so wird d i aie c wort JoiMMtt 
fnr «iMB ptlatt» d«r *im Mmmmmi diocaii' Mi Rbm 1^, cio 
ittlUllfer erwU fitr den otImhimi NiiMiB miii, tos wdohMi Iti»» 
iMPeii Belimd aiir noch eiAMi Utog ta den «bm hallet 

GvdScbunDv der w leiiier leil weknohciBUeh Uofe die e»» 
•pfttcbe Cleve« auf deo SehwenritlenirBpruiig kanote — auch 
JohaoQ vLeydeu, Wieff Piglnus, Te&cbeüfDacher uod Diibmar 
oeoDeo keioe aodereü gescblechter als vdScburen — , glaubte io 
deui kurseo bericbt des Heliuaod, der ihm wol uur aus dem 
soeben (c. 1473) gedruckten Vinceoz von Beauvais bekaoiil war, 
die bestatiguog der cieviscben aurfas&uDg zu sehen und gestattela 
sieb DUO die widergabe im sinne der traditioo, wie aie eich ioa 
elefiscbeB hertogahaus allmttblicb f ea lg eae U t hatte. 

Der heriehl te Helmand heaagt denmach fttr de?» nidMi» 
aoa fdSchareo lernen wir aber, mit welchen lurben man aich 
um 1478 die aage in Cleve auanalte^ 

» vae Spaen Oardadkuod, iolddb« let deUat. v.Galderlaad hdiv i. 4f. 

* Mlnwcgeii neaat Btlioaad sonst ia aelocr cbroaik MovieaMfos aad 
Neomaiva. — ffoL ISelifOdar Macht laidi daraaf aaiiDerksaai, daw Ja- 
vaaica aoeii eia iMefeUcr das Vioceaa aefai kOaato aas elaai vetfcanlaa 

form des NoTiomag us {nouioM) bei HelinaDd» — nao keoat dea aasapraeh 
des Vinceni, dass die chronik des H. oie gaaa ▼orkomme, aad dais er, 

soviel er hal »uftreiben« {invenire) können, 5n sein werk aufgenommen habe. 
Wilhelm van lierihen, der c. 1470 in De iiohili principatn (lelriae et eius 
orifine (ed. bioci vdH^ele ». 13) den pHs^iUs dea H, anführt als beweis für 
da» einstige besichu emea grolaeo palasies iq Mioiwegeo, bat alleidiogs glatt 
lovatueo 'Moviiuagium'. 

* dar Mllfsooiae TdSebarcns» dar bachdracker Jan Velde aar, dea 
«ia« abachrill voa Td8cbor«n« GbrooUi vorgelcg«« halwD iMiaa, welche er 
ftbaisalsi« aad badaatead v«tktot«, aad der di«aa baarhaiiaog nk «adetn 
chronikaa «aioer flbaraeUang Toa Roleviockt Fase, tcatponua btoauCBgte 
(Utrecht 1480 fol. 827), neaat dea Sehwaaritter abweicheod voa 
rdSchuren flelyas in fraozOaischer weite, daas der slofl* im allgcmeioea 
dem geisi der zeit gefial| aeigea cudge dar von fieiffeabeig aaow a.suiff 
citterten auagabea. 



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DER CLEVISCBK SCHWAMUTT£R 9 

3. 

Ib den monaleo jurnar und februar 1454 bei geiegeobeit 
d«r grefteii feste, die von Fbttipp den Gute» f»D Burguod und 
wmam guten io LUte gageben wnrdan« aahen wir den glanben 
in die «bataaMnang dea elav iaehen haoaea achen in vollater lebnn«' 
digkeiL drei angemengan beben darOber bericbleti : MaUüeu 
von Kaaoucby, Olitier de la Harcbe und ein unbekannter (tm 
fialttsa auf dem van Mann herzog ven Cleve* am 

20 jaouar gebalteoen festmahl wurde ein scbauitOck (eiUrewni») 
gezeigt, welches den grösteu teil dts hauplliäcbüs eumnliru. es 
war eio schiff mit aufgezogeDem segel, io dem ein rtUer lu voller 
rdstuDg aufrecbl slaoü; seio rock trug das vollständige wappeD 
Cleves, mehr nach vorn »ah man einen silbernen schwan mit 
goldeoem baisscbmuck, der an einer langen goldeoeo kelte das 
acbiff log« an eioem ende dea tische» stand ein reicbausgestat- 
teter linU| der ein gnt gekgenea und befestigtea acbloaa daratellte^ 
an deaann Ibb ein kahn anf eineai breiten flnaa aehwanini. 'und 
aa wnvdn mir gaaagt' beriebtet Matbien *dam dieaea bedentate nnd 
leigte, vrie einat in irnnderbarliabar weiae ein achwan in einem 
acbiff (nef) anf dem Rhein einen ritter tum aobloaa Cleve ftthrte; 
deraelbe war aehr tugeodbaft und tapfer, ond er heiratete die 
fürstio des laodes, die damals wiiwe war; und er gewann samen 
{Ugm^ bei ihr, woraus die herzöge von Cleve seil jener zeit und 
die gegenwärtigen hervorgegangen sind, welche, wie mau weif;«, 
ein so edles geschlecht in Deutschbod sind'. — auf diesem itsste 
liefs der 28 jährige hruder des herzogs Johann von Cleve, Adolf 
herr von Ravenstein, ausrufen : der Schwaoriiter, der dieoer der 
damen, tue allen füraten und edlen mflnnem kund, dam am tage 
dm banketta dm benoga von Rnrgnnd (t7 febr.) man ihn finden 
werde in der atadt Lille gerOatet lum inrnier*, um es mit allen 
inlkgnebment die doribin kommen wollten« nnd dam deijenige, 
dar nach dem urteile der damen am bmten beatfinde, einen 
goldenen aehwan gewinne» werde, verbunden mit eieer goldenen 

* Chrooiqae de Matbieu ö'Escoucby, publik par G. Du FresDe de 
Beaacoott t n (Paria 1868) p. 1f 8ft die drd fatridiie athaaico fMt w5rtlleh 
Abcido, ohae data aoeb aosgemacbt iai, wcleber dar urtpräogUdie ist 
(ebda ^ 116). wir foigeo Malbica voa Bicoochy. 

* aefaie natler war dot sehwetttr Philipps voa Baigaod. 

* «nne de hmnuU dt joustt, en »eUe de ^erre, ptmt ^tmUtt d im 
Ml» 4» Um9» de wumm 9t de eemrMe roehie (s. 118). 



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10 



BtOTE 



kette, an welcher ein reicher nibio. — «n frOheo morgen des 

17 febr. zog die gesellscbaft — der herzog von Burgund, und 
sein soho Karl waren unter den teilnehmern — in feierlichem 
aufzug zum kaniplplalz. ein ritter namens L^al trug ein wappcn- 
kieid voller schwäne; ihm tolgte ein «^rofi^er wunderbar und 
schön gearbeiteter schwan, eine colilkione um den hals, an 
welcher ein schild hing mii dem vollen wappen von Cleve. 
Adolf seibat war der ScbwanriUer. der preis wurde dem 20 jäh«« 
rigen grafen von Charolais soerkannt, dem spütern Karl dem 
Ktthnen (aao. a. 237). 

Der bei dieser getegenbeit zur schau getragene Scbwanritter* 
oultaa iat, so weit wir haben finden können, daa erate nnan« 
fechtbare zeugnis, dass das cleviache haue sich an dieaer herkunft 
bekannte, von einer etwaigen abhangigkeit von einem braban- 
tischen Scbwanritter ist hier nicht die rede, die herkunft wird 
aufgefaast als eine autoehthone. diea ist um so auffollender, als 
Philipp der Gute selbst schon ein vierteljabrhundert herzog von 
Brabant war uiui die brabantische tradilion, l'reilich in ganz, an- 
derer gestalt, in Bral)ant fortlebte, dis iMiffreten der clevischen 
herren in Lille weist daraul lim, dass schon getMiitnr /pii verflossen 
sein mochte, seit die . abataiumuog zum ersten mal in Cleve zur 
spräche kam. 

Und jetzt erhalten auch drei andere angaben ^rOfseren wert; 

•1) Unter den von herzog Adolf i von Cleve (f 1448) er* 
richteten bauten nennt TdSchuren in s. Chronik s. 137 den her- 
fiten Swanm foem In ClmB» ein jb, später erfahren wir aus 
Wier> (1563)« dass diese twrtis oeHula Cyffnta nuneufoia einen 
schwan als Wetterfahne hatte, obgleich der wideraufbau dea turms 
1440 angefangen hatte, war der messingschwan zu Wiera zeit 
doch kaum 100 jähr alt'. 

2) Derselbe Wier berichtet an der nämlrcheu stelle, da.^s 
sich zu seiner zeit im Clevener schloss sehr alte {jewebe be- 
fanden, auf welchen die Schwanrillei sage eingewolieii ^land3. 

3) In der stifls- und pfarrkirche iu Cleve heündet sicli das 

* pp prapRfieiis (tsemonum (e<!. 1577 1. 3 c. 32). «? f>ben s. fi anm. 3. 

* 1460 quiltu'rte der bililschnitzcr Arprit ubvr 4*/^ rheiii^oUipiilden, 
die er für den schwan und für den oclisenkopf orliallen hatte, die?;« t schwan 
war möglicherweise da§ uiodell für den messingschwan, der als weUirfahnc 
aaf den terme alch befindet (vgl. RScbolteD Die Stadl Cleve, Cleve 1 879— 1 SSI, 
a. 590 Q. ' 00 figmmto im area ChvmtH anUqutstimü tapeiU intext». 



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D£R CLBVISCHE SCHWAr^RITTER 



^bmal des grafeD Adolf i von CleTe(t 1394) und seiner gemahlin 
Margtrelha tob Berg (t 1425). auf dem sarkoptiag liegen die 
liguren des grSflicbeD petres, er in aeiner rOstiiDg nitdeoiole« 
Tiaehen aehwao in Alfaeii, sie in laogeni gewand mit dem 
bergiaehen lOweo. m hsopien beider gotiache baldaebine, auf 
deren eodflacben die beiden «appenachilde. auf dem eleviacben 
Wappenschild des grafen kommt kein scbwan for^. der schwan 
tn formen ist ein von dem wappen unabhängiges allribui, das 
aber den zweck bat, auf den ui\s|iri]ng des hauses hinzudeuten. 

Also um das jahr 1450 war Ijerkunfl und sage in Cleve in 
vollster blötp. wann wurde der keim gdegl? nach dem obigen 
gewis vor 1400. dürften wir Kourad von Wonburg trauen, und 
leider können *wir dies nicht ohne weiteres, so mQate die ber> 
konft aogar achon vor 1257 ibren anfang genommen beben. 

Veraucben wir demnach, ob sieh auch ein oder mehrere 
leitpvnele ante qooa non fttr Clete beatimmen laaaen, damit wir 
«wischen den beiden grenien den anfang der bernfang auf den 
Qrapmng ermitteln, swei aich erginaende betrachtungen fObren 
zum ziel, die eine — ibr reaultal wird räum zu zweifeln lassen — 
im anschluss aa die ältesten genealogischen verhülmisse, die an- 
dere als loigerung eines btterarischen Zeugnisses von c. 1207. 

4. 

Obgleich die ersten seilen des deviscben hanaea wie die so 
mancher andern apater za hohem anaeben gekommenen familie 
noch, gar aehr im dunkeln liegen, ao ist doch durch scharfainnige 
nuabeutung dea urkundlichen materiala und der gleichseitigen 
Chroniken allmihlich eine einaicbt in die anfänglichen besiebungen 
gewonnen, die fti. e. berechtigt, die von den genealogen er- 
schlossenen reaultate fOr unsem zweck zu verwerten, um so eine 
bestdtiguug zu linden lür die loigerung, die aus unsrer zweiten 
betracbtung bervorgebu wird. 

Uiigenihr 1020 treten an Maas und Waal zwei hrüder auf 
aus Antoing bei Doornik 2. der eine, Gerbard, der staaiuivater 
der apatero grafen von Geldern und Cleve, wird burggraf von 

^ RSctioUen aao. -^Ibf. 

*>AaBai<s Rodeoses, MG. SS. vi 688 ff. vgL dssn aafser van Spaeo 
Oordeelk. ialeiding t. d. bist. Gelderiand <Utfeeht 1801 — 1805) passlm 
bciondera AJCKvemcr üatlaarie, de oonprong der gravea van Gelre eo Cleve, 
'a Gvaveobage 1887. 



I 

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12 



BLÜTE 



Wassenberg a. d. Roer rechis vou der Maas; der andre, RuLger, 
e( iitikli gebiei um Cleve K da die spätem grafeo voo Geldern 
sich nachher nicbt vom Schwanritter beDannten', vielmehr üq 
einer ganz aadern sage ilireii geiaiieo batleo wareu Huiger 
und Gerhard auch keine oacbkommen eines Schwanhuers, dessen an- 
denken sie mit in die neue beimat bringen konnten, nach 1054^ 
tritt mit dem tode von Rutgers söhn — glmchfaU» ein Rotger — 
an die atelle der clevitehen linie die wessen berg-geldriscbe: 
widerum findet der fiUl statt, das» fon swei brftdern der eine 
das cleviacbe gebiet ^ der andere das waBaenbcrgisclie inne bat 
beide aind enkel dei eingewanderten Gerbard ?on Waaaenberg 
ans Antoing : Dietrieh t von Cleve (f vor 1093) ond Gerhard ni 
von Waaaenberf (f for 1094), der Geldern an aeld baue bracble. 
Dietrieh i von Cleve konnte also ebensowenig von Schwanritter» 
herkunfl sein wie sein grolsoukel Rutger von Antoing. seildem 
wurde die erblul^e lu der iiiännlichen linie erst 1368 in Cleve 
unterbrochen, als mit dem tode Jidiaiius von Cleve Adolf n von 
der Mark, der geni^dil der tücbler ÜieU'iclis viii von CJrve (letzterer 
f 1347), die gratschalt Cleve an sich zog, und aus der chronik 
Levolds von Norlbof^ so wie aus der vdSchurens*^ (der obrigens dem 
Noitbof folgte) wiaaen wir, dass die grafen von der Mark einen 
andern Ursprung beanspruchten, an dem nichts wunderbares klebte. 

Rutger (c 1021) und Dietrich i (c 1064) brachten die ber- 
kunft von einem Schwanritter als eine in ihrem geschiechte erb» 
liehe tradition nicbt mit nach Cleve, aber auch die unfren* 

willigen urheber der su^e waren sie nicbt, dh. sie sind nicht 
uiit dem Symbol eines Schwanes nach Cleve gekonuueu, oder, 
Was wir hier für das gleiche halten müssen, sie haben in Cleve 
keine erbtochter geheiratet und das geschlerht in der weise nicht 
erneuert, denn Hutger war der naciiiulger eines kinderlosen 
paares, des Baiderich und der Adehi, Uber deren besitz der kaiser 
lum vorteile Rutgera verfHgle* er vermählte sich übrigens mit 
einer fUrstin von auawKrta, vermutlich mit einer niehte des püili- 

* die erste urkundliche erwähnung Cleves ist v. 1076, doch der ort 
mnaa viel früher bekaoQt gewesen sein. Kremer o. c. 75. 168. 

* s. o. 8. 4. * Wilhelm rßercheu ed. Sloel vdbeele s. 18 ff. 

* ich baue meine betraclituog aul iireoiers resoltate. 

* «d. HMeibom. in Berum Gem. 1 1, Lips. 16ä^ die cbronik seblielst bU 
d. j. im. ibr TCfftsser war damals 80 isbie alt. • aao^ s. ift 



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DER CL&ViSCH£ SCfiWAMUTTER U 



gnfeo Eio. — und was Dietrich i VM Clera •Dbetrifft« d«it«i 
gemabKn wir ntchl suverünig keiiMn : eine tocbter teinee grollH 
ottkels oder wom deeeen aatmeB het er aidit lur firw geaoaiMi, 
well dieee keine lachter bellen und eine ehe iwiichen so nahen tnr- 
wnnien danwb niehl gestaltet gewesen wirs. « in dieeer riehlnng 
kann die entslehaog der tndition also nicht gefunden werden. 

Noch eioe andre genealogische mOglichkeit lässt sich auf- 
stellen, da die clevigctw hisiunographie später die erscheiniing 
des ritters iq daf^ jähr 713' verlegt, so könnte man an eine 
herkimlt früherer herren von Cleve denken, die jeUl auf Rutger 
übertragen wurde und von diesem auf Dietrich i. wSre dem so« 
so haue Rutger ~ der nicht durch seine gattia, sondern als 
erha des ▼orhergehnden besitzers des gebietes von Cleve, Balde» 
riebe (f 1021, abgeseilt 1018) den teil von dessen ellodialen 
gttlem erhielt, der nm Cleve lag innicbet das recht von 
Balderich erworben, und diea Mai uns in jenem berOchliglen 
fialderich, der mit eelner gatlin Adda die swei ersten Jsbrxebaie 
den It jhs. hindurch den Niederrbein in unanIhOrlidien krieg 
verwickelte, nannte sich Balderieb oder seine gemsbUn etwa von 
SchwsnriUerherkunft? 

P0r Baldericb ist die eotseheidung leicht, von sicii selbst 
kannte er die iierkunft nicht, denn hätte er sie erblich von seinen 
vorfahrf»n besessen, so mflfile sie sich auch he) seiner Schwester 
finden, der verrouthchen gemablin des vaters der beiden brüder 
aus Antoing, und letztere, so sahen wir, geborten nicht zum gehlüt 
des Scbwanrittera K ein gleich bestimmter ausspruch liest aicb 
fttr dsn Adela nicht nsehen« aber alleni ansehein nach konnte eine 
denrtlge trsdilion oder herkunft ebensowenig von ihr ansgebn. 
ttber ihren vater Wiehmann, grafen In Han i dand» ihre aehweeler 
Lvilgard, Ibtissin von Elten, oder ihren söhn ane erster ehe, den 
hisohoT von Psdefbom Meinwerk (1 009 1036), konmit keine 
erwflboung eines fabelhaften Ursprungs von welcher art auch 

• so vdSchuren. dessen absehrriher JWIrlrnar hat 711. 

' [:lal(l<'ri( Iis Zeitgenosse, Alpertus vou Metz, der damaii!: im L trpchler 
spreogel iebie uad dem ehepaar alles böse nachsa^^le, schreibt um 1022 in 
i. werke Be diveitilaie tenpomm i 2 voo Balderich : videbaUtr miim iUe 
|K. Bald.) MüMHlMit fwarewrfaw opMmam fimmvi» isae mtiHMm (var. 

fwarw IMM« (vOliraepptetBckb.; foftsaae : iRirfisarii^ Perteia 

HCL IV 701). etwas «ao besoadercr feboit cfvikat er nfebt, weder ka 
bSaea aacb tm geten aiaae, alehl Alf BaMwIeh and nicht fftr die aodwa« 



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14 



BLOTE 



for — voD Memwerk halat e» anberdem Dor re§m Mirp9 §mh 
Alf ^ — ; ihr geaclilecbl betafii kein gebiet nnd kcineD tilel md 
linken Rbeinnfer't soweit wir wissen, schlösse laeaen sieb 

daraus wol nicht ziehen, gesetzt aber, Aiicla wäre von der be- 
wüsten herkuafi gewesen, wQrde da ihre kinderlose ehe mit 
Balderich, die Verheerung und Yernichlung des laodes unter ihrt.'r 
verwalluiii!, die Verachtung, der das paar zulelzl anstjesetzl war, 
%vol im Staude gewesen sein, diese herkunfl auch auf ihre nach- 
folger Butger, Dietrich usw. lu Qberlragen, in deren reihe die 
grafen von Cleve« nach vdScburen tu urteilen, den Balderich nicht 
mitsabiten? und ancb die apMern nacbfolger Wicbmanna (des 
Vaters der Adela) in geldriecfaen gebiet an der Tael hatten die 
abatamnung nicht* — von Adela und Balderieh gieng mitbiii 
keine tradition auf das baua Cleve Ober. 

Abnr die geachlechter, die vor Baldericb uro Cleve analasig 
waren? ea scheinen nur die grafen vom Nordgau (im Elsass) in 
Irajie zu korumen, welche gebiet am Niederrheiu und in Haone- 
land hesafsen und von denen Ebtiliard vi (im Nordgau graf 
10110—1027) spater in der u-u Iii Issigen ahschiill einer c. 1010 
eul>i;unlt;nen Urkunde ^raT vun Cleve genannt wurde 3, oh^'leich 
zu jeuer zeit Baldertch dieses gebiet iune hatte, aber auch diese 
können sich schwerlich lu einem Schwanritter bekannt haben, 
denn die tochter eben dieses Eberhard vi wurde die grofsroutter 
Dietrichs i von Cleve und Gerhards m von Wassenberg (i von 
Geldern), die grafen von Geldern bekamen später daa gebiet der 
. Nordgauer in Uameland, aber eine aage bildete sich nicht ia 
ihrem hauae, ebensowenig wie wir sie nachher im Elstaaiachen 
finden, damit Allt auch weg, dasa Dietrich i von den Nordgaaera 
eine tradition aufgenommen haben aollte» welche die in Geldern 
apiter nicht kannten^. 

Aber — wir weisen ausdrücklich darauf hin : das resultat 
unsrer belrachlung ist nicht in jeder hezieliung zuverlässig, zu 
gründe h^t das ergebnis einer forschung, die noch gar au olt 

^ Vita Vlf i iwerci (aiM der 2 hälfte des 12 Jhs.) c 

* vSpaeit 1 bo f. 

* vgl. über diese arkande Dod Eberhard von Cleve Kremer aao. s. 74 If. 

* mit den berichteo Aber Ansfrid, biaehof voo üti«eht (996 1010), 
vorher graf von Hny nad in Tdslerbiol« den die historiograpbie der 1 hiUte 
des 15 jks. als grafen von Teisierbaot tos dem elevisehco Elias Greil stamnenf 
lieih ist in vnsrer frage Bichls ansafangen. 



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DER CLEVISCHE SCUWAKRlTTfiR 



15 



neben scharfsioDiger combination die worle ^wabncbeiolich' and 
'vennutUcb' io ihre schlösse verflochten hat. und nur mit diesem 
▼orbehaii schlielMO wir : vor oder um 1100 bestand kein 
Schwanritter im cleviscben haus, 

Unsttlflnglieb wie dieses resultat ist, findet es doeh seine 
volle bestäiiguug durch eine andre beobaehtung, die zugleich die 
seit des sttlkommens der sagenhaften herkunfl des cleviseheo 
hauses noch bedeuteoil enger umgrenzt und auTschluss darüber 
^iht, aus welcher quelle der besondere charakler der cleviscben 
tradUiuu getlut^sea ist. 

5. 

Am schlus^ seiües Parzival (824 — 826) gibt WoUrao) v£scheu- 
bach eioe versioo der Schwaorittersage, die in einer anzahl 
charakteristischer züge* einerseits abweicht sowoi voa allen be- 
kannten franxOsischen redactionen als von der nachherigen bra* 
bantischen tradition, anderseits der clevischen sage in wichtigen 
punoten- so auCTallend ähnlich sieht, dass irgend weiche susammen- 
gehorigkeit sich unwMlkOrlicb aufdrängt. 

In^ der gewöhnlichen firaniOsiscben fsssung^ sowie in der 
brabantischen sage, wie sie sich- seit c. 1300 um Salvius Brabon* 
bildete, kommt der Schwanritler zwei tiauro zu hüte : einer 
verwitweten lierzogin, die besonders io dem reciilsstreit oder 
SOQSL haiiüelud auftritt, und ihrer tochter, die erst nach ihrer 
Vermählung mit dem riller von bedeulung wird. Wolfram und 
die clevische tradition kennen dahingegen nur eine frau, eine 
junge fUrstin, die nach dem lode ihres vaters berrio des landes 
ist; eine mutter passt gar nicht in die anläge der ersihlung. 
dieae junge und achUne füratin schildert nun Wolfram allerdinga 
als ein geschOpf reinster jungfriulichkeit« auf einen irdischen 
gemahl versichtend, nur dem ihre minne susageod, den der 
himmel ihr senden wird, mit ihren gedenken und hoffbungeo 

* fibfr die entwicklang der saee in der franz. dichtung vort ^cr der 
2 hälfte des 12 jlis. angehörigea iilN^-iin version (Hibl. «at. fr. m-^. ri'i'^S, 
der t«fil, der uns angeht, nicht ediert | bis zu der der zeit zwischen 135(1 
und 1355 eutäUiumeuUeu fa^sung des ms. der kgl. bibl. io Brössei (hrsg. 
voD TBeillenberg 1846) PPwii in Bist, litt, de U Fr«oce xxu 392ff und 
HPigeonnciQ Le eyde de la erolMde, StCloud 1877. 

* Heaeen van Merehtcoens Cofnicke TSD Brabaot (t4t4) bfag* v^oo 
Gaido Gezelle, Gent 1896^ eothilt in v. 165— ei. 768 die soweit Jelst bekannt 
iltcste dsritcUnDg der tage rou Satvins Braboo. 



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16 



BLÖTE 



alio halb im jcoMks Ubeid, gam itm aogalaa, die genabÜD 
daa aohoea dca GralkOniga wa wtrdaa, — * won dann freilieh 
nachher daa tthefIreCea dea verhota ta fragen nieht reebc passen 

will, in Cle?e ist die Jungfrau wie in der franzOsiscben dichluog 
blofs körperlich schOn, vüo der geisligeu vortrefflicbkeit itt nicht 
die rede; aber auch sie sieht mit einer höheren weit io Ver- 
bindung : in einfr visjon ist ihr offenbart worden, *das8 sie einen 
solchen mann haben sollte, von dem alle ihre nacbkommeo mit 
aieg gekraut sein würden'. Wolfram und fdSchnren enrlbneii 
weiter keine bedringnia aeilena einea michtigen gegiiera wegeo 
der erbfolge wie sonst, oder wegen der ?ereheliehung wie im 
dentachen Lobengrin (e. 1290), oder wegen flucht aua der bei- 
mat wie bei Satfiva Brabon : im Panival dringen die groimn 
dea landea, dam die jnnge fflraiin sn der wähl einea wOrdigen 
galten schreiten mdge, in Clere sind die benachbarten forsten 
begierig iiacli den landern der vurwaisteu junglrau. bei Leiden 
wird der Schwaoritter der bereits vor seiuem erscheinen 
erhoffte g^alle, die fürtiLiuDeü empfanfien ihn auf ihrem 
eigneD grund gebiet, die eheliche Verbindung ist von 
fomherein ausgesprochener hauptsweck*, wahrend aie aonat 
nur eine nicht notwendige folge des glOekUchea anaganga daa 
Bweikampfoa oder anderer nmalinde iat — bei dem dichter dea 
Paiti?al und dem deviichen chroniaten keine tagong - dea haiaera« 
kein gerichtlicher iweikampf. nnd am achluMt nachdem die rer« 
botene frage getan, limt der ritter achwert, hom nnd ring iih- 
rflck, in Cleve aofserdem noch den mitgebrachten sehüd, gleich- 
laliß ein )t) Fiaokreicb und Brabant lu bezug auf den ring nichl 
bekaunier oder nur augedeuteter £ug, der sich sonst nur noch 
im LohcDgnu Ondel im aoscblugs au den Wolframscheo f^arzival*. 

Und was schlierslich den Zusammenhang zwischen Cleve und 
Wolfram noch fühlbarer macht : Loheraugrin iat bei Wolfram der 
söhn des Parzival, des GralkOnigs; das roärchen von den schwanen* 
kindern der franaOaiacben Versionen ist demnach bei W. gefadeau 
aur unmOglichkait gemacht : der Gral aendü den Bitler. in 
Cleve weife man nkhta von einem Pariival, aber der ritter Bi|aa 
kommt ^na dem irdischen paradies, welches einige den Greil 

* M vdSchuren tritt das aliiiiiags oiebt so acbirf keivor, ist aber 

in 4er vision begründet. 

* 8. fiber die zurückgclasasotD gegenctände odIco 8.18 aom. i «ad 8.äl. 



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DER CLEVlSCfiE SCfiWAMRlTTER 17 



QeDDeo'i; die späteren nennen ihn dfiiDoach auch Helias Graliui, 
EliM Gnjufl, A«liua fincilii« Heftiat nn Grail, Elias Gftil^ 

lo der BimengcbuDg jedoch gthn Wolfram und Clefo foll> 
siündig ausetDäoder, bei dem Panifaldichter seheiat auch hier 

jegliche firaniOsieelie tradilion Terlassen. seiD Sehwanritter wird 

üiclil herzog von Bouillon, äuudera herzog vou ürabant uud 
heifst Loherangrin. ilte fUrstin von Brabant, um dereotwilieü der 
ritler erscheint, bleibt hei W. uabenannt, und doch boleu fran- 
zösische quellen stiucr ztit den nameu Beatrix, und nicht Nim- 
wegeo, Mainz oder sooal eia ort am Rheia ist der iauduagsplatSt 
aoBdern AAtwerpen* 

la der elevischea traditlon vdScbureDS wird alles DstOrlicb 
besogen auf Cleve, aber merltwflrdigerweise eriDoert die namen- 
gebuDg mit ausnähme von *Grail* ao die der verbreiletsteD fran* 
meiacben veraioDen. die juogfrau heifst also Beatrix; sie ist 

jeut aber die tochter des verstorbenen Dielrieh herm von Cleve, 
mit Brabanl oder ßouiilon hat sie nichts zu schälleu. der Hitler 
heifst widerum Elyas, aber er kommt aus dem irdischen pua- 
diea, dem Grail*. die lauduiig findet widerum io Nimwe^eu 
stall, aber dieseb itt hai nicht der ort, wo der kaiser klagenden 
Parteien recht widerfahren lässt, sondern es wird aufgei'asst als 
cleviscbe residenz, obgleich stadt und bürg Nimwegen niemals 
elevisGh waren bei Wolfram iXast der ritter schOne kinder 
xorflck, eine aabl oder oamen werden nicht genannt, ebensowenig 
wie hei Helinsnd; die französische tradiUoo kennt nur eine 
lochtort Ida« die nvcbbarige gemriilio Euelacbi u von Bonlogne, 
die widenim drei sOhne anr well brachte; in Bnbaot hinterlaaal 
Salviiis Brabon gleicbMIa nar eine toehter ; Konrad vWiinburg^ und 
der zweite dichter des Lohengrin & nennen zwei söhne; in Cleve 
aber weifs man von drei sühnen, jeder mit seinem namen, 
die die ätammvSler vou Cleve, Lodz und Hessen werden, und 
io Verbindung mit diesen namea sind die surttckgelaasenea gegen- 

* TdScburen aao. 43. dieselbe bemerkopg bei JvLeydeo Cbroo. 
Belg. 4, II. 

* Tgl. die MMflIhiOeke note IKthaais s. IWf sdocr svagsbc von 
WTcsebeomehen Aaasits Gllviae, 1111. JTacek bi RSckokeM sosgabe 
vdScborcM ■. SSI. * TSpaen aae. 6ff. 

4 ed. FRoth V. 13t4f. 

» ed. HRückert slr. 721. 726. 

Z, F. D. XUI. M. F. laX. t 



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^f* ffü^tKm f«i»*1M*»fe«i «tiH :ior» aller ja »tie ^rufea 

Ulf»« ffrH)»p#» rur itoll» «IM Mridttuf am der We lfr wt ch no 
fiMff nn «f fflbl m«rlifraf4ii» r«««llale : tm Mt riete, da» W. 
MiHift fttfi lünf« «ttllirhftto, da» fklflMiir GIcte Mtoe traditiMi 
Hndi y^u\(inmn ^mhn bildet«; m fflMattet die fefBOtUDg, das« 

W. uili<«bor »«luor voniou iiL 

n. 

Wid IcNiii Woliraiii xu »tiiiier uiurkwUrdigeu verstOD? sein 
MiWMiHUiM' wint (liirtli vcrmMblung benog vouBrabaol, ujmI 
iMfW i»(|ifiiUlmMc»lik»U Mifi uos wanigalant leilweiae den weg. 

tu iIm' kNlftn det IS jbt. kaoiiteii die grafeo tob 

mU ItMtt hertoge voii NiederlolhringeD oder, wie man 
«1^ *^\\ K\ UM) III fMnwn iufitag, ^henoge?oo Brabanl' noch keine 
tikvHUuuiMUMg wvi iFluMii üt^liwinHllffr^ wol aber ein jabrtivndeit 



^ \¥k i^Kkfm^Vik \lkm\ «tot MwiniHMr btia mi tdiwtH adeui wmti 
«^km^ IHk« *W« i»u. Ita^ ioBieii Scbvaeritter 

%viuv »«.^v«i •v't^tri Wvi^tMiiim ^ hl»*' rmimm htnkt md 

1» «MI» 'VK »ilik ' ^ JufMil« mkt 

%«vVk^ X^M« w |iM*tx K<^H>i !■ 





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D£a CLEViSCÜE SCHWANRITTEH 



19 



später, deou die iandgrafeD voq üesseo, die 1247 aus dem her- 
zoglicheo haus Brabaot hervorgieogen, müssen sich der herkunft 
gerQbmt haben S und c. 1286 rOgt Jacob wMaerlaot die herzöge 
wegen ihrer aogebticbeo abttammuDg^ die geBtalt, in der sich 
das brabaotiacbe haus «Jsdaon die herkunft im tS jh. dacht«« 
bt, obgleich davon keine direcle kande auf ans gekommen, tin« 
schwer tu erscbliefseo. denn da die aonabme weitgespannt 
zwischen 1125 und 1250 entstand^ eine figur im wappen keinen 
anläse dasu gab, eine willkürliche berofuog ausgeschloioen 
ist 3, ferner 1179 Heinrich i vBrabant die Mathilde vBouIogne 
heiratete, in deren ^tschlecht die abstammuog kaum vur 1160 
als facUscbe geoeaiogie aufgeoommeo worden war, das ganze 

dem noch U64 die Ida, die scbwesler Gottfrieds des Bäriigen voa Löwen 
(er worde 1106 heisog voo Niederlothringco), welche die atimiiimotter der oteh- 
hfrigea benncgaoacben grafeo ward, in sich aofoshm, so werden diese grtfeo 
ebeneoweeig als daa grifliehe bans Flandeni, welcbea aclt 1193 die glcicfaeo 

herscher wie Hennegao hatte, jemals nüt dem SchwsDritter verbanden. 
2) Mathilde vLöwea beratet vet 1049 Eustach i vBooIogne, aber sie pflanzt 
keinen Siliwanritterorsprunp nach Bouloj^ne über, wol aber den von Karl 
dt-ni Grofsen. 3) c. 1050 fpirrl Ariridtiis. alii von STrond , die prafen von 
Löwen \v«'gen Ihrer absiainiuung von i roja uud Karl dem Grob« n, :il)er von 
eineui andern Ursprung spricht er nicht (cit. bei Butkeus Trophces t. i 
preuves p. 5). 4) in den franateiicben dichtungen vom Chev. au cygne wird 
siemala du hans Biabsoi mit dem Sebwanritter Terbonden oder von glciebcr 
ahatammnng mit Booillon gehalten. 6) die weise, wie die sage von Gott- 
fried vBoollloo md aefaien biftdem entstand, db. ffflbestens 1096 nod ducb 
Balduins ehe mit Godehilde von ToSni (Zs. f. rom. pbU. SSo.)^ ScbUeCtt noU 
wendig ein, dass drr zr iigenössische graf von Löwen, oacbber herzog von 
Niederlothringen, Gotiimd der Bürligt- (f 11:39/40) nicht von Srhv»'anrftler- 
ursprung genannt sein kann, diesen 5 pnnrt dürfen wir geltend ninrheti 
inrdge der 4 ersten, voa jener herkunrt war demnach in der 1 haUte des 
12 jhs. in dem lowenschen haus nichts bekannt. 
^ näheres darüber im abscbnitl 10. 
* *^ioch wgf, no mau, als icl veruaui, 

Me waa Doit swaoe, daer bi af qoan. 

AI dst dattem Brabanten bcroesMOt 

Bat ai van den awane sijn coemeo*. 
ed. MdeTrles aad EVerwya, pari. » baeh 3 e. 22 83—86. 

' die beraoge von Umboff , die aolagonlateo Biabtnta nod anfingUeb 
directe mebfolgw Gottfrieds TBonillon In Niederlolhringen, nahmen die her- 
kooft ebensowenig an als die könige von Jerusalem, die nach Gottftied und 
Balduin regierten (für erstere v^l. MKrnst Uiatoire da Limhoorg, Liige 
1837—1847, rar Jerosalcm Wilhelm vTyroaX 

2* 



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90 



BLUX£ 



13 jti. hiodurch der verwaQUchafÜiclie zusaoimpnhaog Brabants 
mit Bouio^ bei TeraduedeneD anlassen be^vo^trdl^ und Gott- 
fiied fBooillon allmihlieli als eiMr der ahnberren aufgefat^st 
irard* : so kaDn die abstanuMiBf mf durcli Mathilde TBoikgoe 
in brabMiiaefae haos abergdekel «nd die geetaU der sage 
vor die Mogntadie «eweaen aelo, wie aie io der riraiiiAiiBGlM 
dichlmg adiOD «er 117$ ihren aoadnick HnAK and ioi 
kkmg nrit dieser achlvssfoigferuog siad auch die weite HacrlMis» 
dass die bereege steh rOhnten, sie kiiDeD vod Mm aehmi, ^ 
also vom einem ritter, der eioBt ein schwan war^. 

Eine andre lietnichlung liihrt dazu, zu Wolframs Mit !• 
liraliant aucii aui&ert»aib des beizogiichen fiauses über dasselbe 
nur eine iradilion zu erwarten, die der um GolUrieds vÜouiUou 
grofsvater älinlidi sieht. 

In der IranxOsischen dicbuin^ gewinnt der Scbwanritter 
durch seine gemahlin das bersfligliJiB Bouillon; die historische 
Ida, m dichtung und cbronistik gemahlin Eostachs ii fBoulogoe 
«nd mtitter Goltlirieda vBeuitlon und seiner iMHder, wnrde, ob- 
gleich factisch teehler Gottfrieds des Bftitigen hersogs von Loth- 
ringen, tu dem einsigen binde des Schwsnritlers gemacht; die 
dichtsiiscbe phantasie aberbrftckle die dadurch «atstssdene klnft 
tmehea Ida «nd ihrem fffirkliehen vater March, dass sie aiae 
grofsmaaer and «ine nratler dieser Ida einschob, van denen 

» Bntkens Ttoph^s 1 1 169. IM. m. 236t S40r. 264—166; preoTM 
8. 56. TS. 

* Jobann t vBrabaot aconi in einer mbandc 15 dee. 1289 GoCUHel 

vßouiUon (t 1100) ^onseo ouden voorvader' j[Ero8t aao. t. iv 493). Jacob 
vVitry (t 1240), der widerholt in Brabaot lebte, weicht vod all seioen Vor- 
gängern ab, wcüti er Gollfried einen herzog von Brabant nenot (Migne Patr. 
lat. t. 155 col. 372). kaum von becieuiun? Hsrf hier seio, dass Dach Konrad 
vWürzburg Gottfried vBouUioo herzog von Brabaiit ist aod der Schwaunltcr 
«ein schwiegenolin. 

* WUbelm TTyras kanate efai soldics gedieht, wie ts 6 sdott Historia 
seigt. Ar 1173 s. rfienda zs3S. 

< von den vier Versionen der Sdiwtnenkhidcr tatsen die diel ilicsleB 
(die des Dolopathos, die des ms. 1?55S BNF, hrsg. lITodd, Naissaoce da 
Chevalier au rygne, BaUimore 1889, die der Gran eooqnista de nltramar) 
aucli (ifn Schwanritler vorher hwar? ?ein. in Arr sehr verbreiteten Bea^rit- 
versioii (hrsg. v. CHippeau) werdea nur die geschwieter in «srhwui« vpr 
WMuielL, der oftehbeh^je Sdiwauhtter oidiL für die vergieicluiDg dieser vier 
venioBen i. GParb in der BoMait 19, 314 fiL 



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DER CLEViSCU£ SCHWANAITI£R 



21 



erslere sich eine lochler Goltfrieds des Bärtigen herzogs vBouillon 
und Schwester Gottirieds des Hückrigen gleichfalls herzogs vBouiiloD 
oeoDl^. — gegeo diese auffassuug steht die cbroaistik des 12 jbi. 
sie nimmt mit ausnähme Wilhelms vTyrus keine Stellung tmr 
sage, sie kennt keine herzöge von Bou illo D , sie spricht von 
Golifried dem Birtigen (f 1070), Gottfried dem fiOckrigen (f 1076)» 
Gottfried fBoiiillon (f 1100) als henogen von (Nieder-)LotlH 
ringen« welchen die herlicbkeit Bouillon als allodialgat ango* 
horte; Gottflrieds vBouillon mutter ist f&r sie eioe toehler des 
erslerwlbnten Gottfried, es lag also nahe in gelehrten kreisen, 
insofern an einem Schwanritter festgehalten wurde, letzteren auch 
aufzufassen als den reUer eint-r herzogin von (Nieder-)L oth- 
riügeu und das gescbehnis lu weitere ferne über Gouiried den 
Bärtigen hinauszuschieben, eine solche vorst« liung begegnet in 
der tat iu einer chronik der abtei von Brogne (1211)^. nun setzte 
aber seit 1106 das brabaniiscbe haus, dh. die grafeo von Löwen, 
die reihe der früheren herzöge von Lothringen aus dem hause 
Verdun fort, diese neuen herzöge von (Nieder-)Lothringen hiefsen 
schon von e. 1150 an im gewöhnlichen veritehr und auch in 
Deutschland und in der hofeprache ^henoge von Brabant', ob- 
gleich beraog Heinrich (1190---12S5) in seinen amtlichen stücken 
noch den olttsiellen titel 'dux Lotbaringiae' und ^marcbio Ant- 
verpiae* fobrte*. der titel *benog von Brabant' war demnach 
schon in der sweiten halfte des 12 jhs. identisch mit dem titel 
'herzog von Niederiolhriugen', um scbliefsbch diesen nachher ganz 
zu verdrängen, wahrend der name Lothringen fOr Oberlothringen 
bis in unsre tage l»ewahrt blieb*. dasjiuiiL;e ;dsü, was in der 
dicbtung um] ini vulksuiund»^ von (\vn lur/o-en von Bouillon, 
dh. den herzogen von (iNieder-jLolhnngen aus <iem hause Verdun 
erzählt wurde, konnte aus leicht erkltfrbarer Verschiebung der 

* Dach ms. 12558 BNF bei PPans aao. 393, bei PigeoDoeau aao. 131.— > 
b dem ms., welebes Blppeau für seine ausgäbe beoatzte (1611 BNF), siad 
die Tcisc f Ar Gottfried den HMirifeii (Bt U diu i tß pd Godtfroit 
•t iiofi, Sfy^p eel fu MM f^iret, que de fit h aosgefollea. s. flippcae 
1.1 S.112. 

* Beiffenberg p. 147. 

* über diese titel s. PFXdeRam Noticc sur les gceaox de« comtes de 
Louvain et des ducs de Brabant (976— Ü30) in Meto, de l'acad« roy. des 
icieaces eic de Belgique l. xxvi (lS5n, b« ^^!!!!?^« s. 17 fT. 

* die Iraozösiscben versioueo vcnileha unter LoUiriu^^eo Oberlolhriageo. 



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22 



BLOTE 



genealogischen * verbältoisse auf die heno)^e von Niederloiliriogeo 
(duces Lothariügi a f* ahnr), aus dem liau&e Li^wen illiertmjjen 
werden, die sich ilbrigens r^ls spi i K lle narhlolger (iotifrieds 
vBouilloD belrachteteo. mag auch für uns eioe solche übertraguug 
im coüflict sein mit der geschicbüichen tatsache, dass zu Wolf* 
rams seit keio herzog von Brabaol oachkomiDe eines Schwnn- 
ritten war, oder mü den AraniHsiicben dichtungen des Chevaiier 
an Cygne» welebe den bersog (aic) von LOwen als von einem an- 
dern geachlecht ala dem dea hauaea Bouillon aulfaaaten ^ — die 
aber räum, aeit und peraooeo aicb biowegaeuende pbantaaie fragte 
niabt danaeb, wie aicb aua Wolfram aelbal ergibt, ala er aieb aof 
die Tieleo lente in Brabant beruft. — durch die Mathilde ?Boa- 
logac kam demnach das herzogliche haus mit rcclil zu der heikuuft 
und zu einer der franzO^^ischen lassunii,' .'ilmlich^n sage; als nacb- 
folger GoUfrieds \ I'.duilldii , nis herzoüe von Mederlothringeri 
konnlen die In lYuge von Lirabaut um die wende des 12/13 jhs. 
zu keiner audctu gelangen als zu der gieidieu bekanuleo ira- 
dition von Gottfrieds grofsvater. 

Mit diesem einfachen befund nun steht so ungeftbr alles bei 
Wolfram im Widerspruch, und doch weiaen drei umaUnde an* 
umgänglich darauf, daaa nach der ansiebt dea Urhebers dieser 
veraion — ob Wolfirama oder aeinea gewahramannes laaaen wir 
vor der band unentaehieden ^ — daa henoglich-brabantische hana 
aeiner leit und kein anderes den Scbwaoritler lum ahnberm 
hatte. 1) der rttter wird herzog von Brabant; Boutogne, Bouillon 
oder sonst eine familie ist ausgeschlossen ^ da der Schwanriller 
nur einmal erücheiul uuU seitdem verschwunden ist. 2) es gebe 

' wol knum von cinfluss mag genesen sein, dass das haus Brabant 
mit c'i!i»'iii (if)ltfried dem Härtipen arifieng (f 1139'40), und etwa eine ver- 
wechsiuHff stalifjcfunden hätle mit Gottfried dem Bartigen, dem grofsvater 
Gottfrieds vBüuilltm. aufser belracht bleibt ferner, dass in den franz. dicli- 
tttDgtn die kiigcnde witwe behauptet, dass sie von ihrem brudei Lüwen 
crbielt (PPtris, Pigeooneau, flippeia aao.), denn bei der siUung des kaisos 
in Nimwegea ist sach eio <dae de Lovain' sogegeo, der keineswegs vei^ 
want ist. 

* Hippeau i s. 11$, Dsmentllch n s. 11t ff, Reiffcoberg s. i36f, Pi- 
geoooeau s. 135. 

' es ist klar, dass wir, om ganz siehcr tn pehn. K ol nicht unberück- 
sichiigl lassen dürfen, mat; m^n nun irotr. RHpinz»-) Über \S olfranis vE. Parzival 
in WSH hd 1.10(1804) an du »M!<icnz dcss» Iben zweifeln, oder trotz JLiclilen- 
steiD Zur i'ar2ivälfra(je Beilr. 22, 1 ff (l§97)an dem beälehn desselben festhalten. 



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DER CLEVlSCUfi SCHWANRITTER . 23 



noch viele leute gerade in Brabaot, die Ton dem Torftill wisten. 
3) der ort der baodlaDg wird nach Aotwerpen Terlegt, dh* auf 
bnbaatiacbcs gebiet 

Dieie erbeDotoia berechtigt also lu dem sehliMa, dasa Wolf- 
rama Schwaoritter eine variatioo dea franiOaiacheD Chevalier au 
eygne iat. oder aollte iobaltlich Cleve avf Wolfrana veraioD etn- 
gewOrkt haben? erledigen wir zuerst diese frage. 

7. 

Woirra[n halle, als er die episode vom Schwanriiter dichtete 
oder bearbeitete, einen längeren aufenlhall am hole des thü- 
ringischen landgrafen Hermann hinter sich, Hpj^spn besontiem 
Schutz er genoss. hei Uermaoü koonte eine so aulTallende her- 
fcunft von Cleve, falls sie damals schon einige zeit entwickelt ge- 
wesen wäre, Dicht verborgen gebHehen sein» schon nicht wegen 
der nähe der beiden hinser, der herOhrungen in der politisch 
damals gnfserst bewegten leit» der anziehungskraft, welche der 
freigebige Thüringer hof auf das fahrende volk hatte, nnd der 
eigentOralichkeit einer aolchen ahstammung win einem myaleriosen 
vorfahren, der landgraf war ferner froher in seiner ausbildung 
in Frankreich gewesen, liebte die franzosische litteratiir, hatte 
eine fahrt iu das hl. land gemacht, der siüff des französischen 
Schwanritters kann ihm somit nicht unbeliannl gewesen sein, 
sodass auch tiadurrh schon eine ahnliche herkunft Cleves in 
seiner Umgebung hiuie zur spraclir kurmiien müssen. noch 
mehr : die erste gemahlin von Ilenuanos bruder, Ludwig iii dem 
Milden (landgraf 1172—1190) war c. 1174—1186 jene Marga- 
rethe ?CleTe gewesen, in welcher üeinrich vVeldeke schon in 
Cleve eine Schätzerin gefunden hatte und der er allem anschein 
nach in die neue heimal gefolgt war. erwigt man nun weiter, 
dass eben dieser Veldeke, fQr welchen Hennann ein mOchtiger 
gOnner ward, lange jähre mit dem ThOringer hof in fort- 
währender beziehung stand, dass er durdi seinen flroheren aufent- 
halt erst in Looz, dann in Cleve, mit der herknnft bitte vertraut 
sein müssen, so hätte um 1204, als Wolfram längere zeit der 
gast des landgrafen war, die clcviscbe tradition daselbst wenigstens 
so bekannt sein sollen, als die bouilloosche oder gar die junge 
brabantische herkuuli^ obgleich also alle umstände günstig 

< W. hat Yeldeke wol nicht mehr raf der Wartburg logelfoffen, er 
beklagt dciaea ted im Parslval 404. 



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24 



BLÖTE 



WOTD für ein bektantMiB mil einer cleviechen sage oder ber- 
kunft, Temahin der diditer am Thfiringer bofe nicbte tob eineoB 
cleyiscben Scbwanritler^ eontt batle er den Sebwonriner nidrt 

ausschliefslich gemahl einer brabaotischen fürstin werden 
lassen, oder wir hatten nach Woirrams art irgend eine andeu- 
tuDg erbaiteo, etwa von geschlechtero, die aicb gieicbtaUs dieaes 
Ursprungs aomarsien *, 

Aua alledem folgt : zu der zeit, da Wolfram den Parzival be* 
arbeitetet bestand in Clefe die bemfnng auf die herkunft noch 
niebt eine beatitigung demnaeb Ihr unsere aus den genealo^ 
giaeben verhaltniaaen gewonnenen anaehanungen. und in der 
weise, wie Wolframa veraion entstand » beben wir ein krtterinni 
fttr die ricbtigkeit dieses satses. 

8. 

Wolframs Version kann demnach nur eine variafion der sage 
voD Gottfrieda vBouilloo ^rolsvater sein, aber zwiscbeo beiden 
bestebt, wie gesagt, eine kluft, die nicht zu überbrücken scheint, 
denn der Grai sendet den ritter, die landuog findet in Ant- 
werpen statt, nur eine fraa ist in not, die junge landesberrin, 
ibre bedrtngnis entsteht nicbt aus den ansprllcben eines ein- 
seinen suf ibr erbe, sondern ibre grölten mbtngen sur Sicher- 
heit des landes die baldige vermabluog ibrer berzogin, an- 
kunft des Schwanritters bedeutet ankunft des erharrten 
gemalils, voa andern, unerheblichen abweicliungen abgesehen, 
weggefallen sind die tagung des kaisers, der Zwe ikampf für das 
recht der weiblichen erbfolge, die mutier der herzogin, die sonst 
in der sage bis zur Termäbiung die wichtigste rolle erfQlU, die 

• der Lohcngrin (c, 1290), der anch von der clevisf lierkonft oder 
sage schweigt, darf nicht zu dea gleichen schlussfolgeruugen führen wie 
>^olfrani8 version. allerdings hatte der erste teil des gedicbtes einen fahren- 
den ittn Terliiiser, der Im thörlngiaeheo dialekt gedichtet so haben 
scheint (Gitter Zur krillli dea Lehengiin a. 89 e. 40). aber wenn er den ritter 
bi Antwerpen landen liaat, Ihn lam bersog fon Braliaot nadit, vo war er 
gebunden an Brabant dnrch den anschloss an Wolfram in dem Wartbai^ 
krieg« aufserdeai galU» fflr ihn nicht die verhälliiisse, die Wolfram beein- 
flii«;9fn koiiiiien. — der «weite dichter, 'ein hochstehnder balrischer ritter" 
(FrPanzer Lohengrinstudicri. Hallp \^9\ s. 60), lässt tn Köln den von Cleve 
XU seinem schaden mit Lohengrin turnieren und die htTzof^^ia too Brabant 
durch die grifin von Cleve zur frage kommen (ed. HRuckt rt str. 246. 692 fl). 
man hat hierin einen seitenhieb auf cleviscbe au^ptucbe sehen wollen. 



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DER CLEVISCHC SCBWAflRITTER 25 



beiiilHiog«!! tn GotlAriad vBoyillon ttod MiDeo brUden. vmA all 
«in m der mdtraagcn nicht genu^^, beiliit dar held bei Wulfnni 
Lubmngrlo, mtMm nar Garhi deo LothariDger ^ bedeuten kann, 

ein name, der mit der sage vom ScbwanriUer oder mit der vom 
Gral Dichiä zu ächafTeu hat. 

Und deoooch. sollte man sich nicht vielnuhr wuo- 
(Jerii, wenn sich diese ahweichungen nicht bei Wolfram niiidHQ? 
deoQ em dichter — mag er duq üiot oder Wolfram heifseo — , 
der die Gralaage mit ihren Panifil-, Gawan- und JUinschor- 
flMtiten unter 8o einbeitlicber idee naanmenzufassen sucbie, daa 
weaen dea Grala in ungeahnter weiae f erinnerlichte, daa ganie 
wie daa eamelne mit dem tieftten aeinea geiatea durchdrang, 
mnate, wenn er eich aelbat trau bliebe netwendig sn dieaen ab- 
weiehungen hemmen, aebald.er die aage vom Sehwanritter mit 
dem Gral verbend und nicht lofsere rackaicbten ihn abcdialten 
braucbleD, auch diese sage der idee des ganzen anzubequemen. 

Mali hat bisjülzL zur eikläruiit; ih'v ;iiiiierungen, welche hei 
Wolfram in der sage vom SchwamiitHi vorkommen, soviel ich 
weiis, uicbi hervorgehoben , dass die fassung Wolframs im ein- 
klang ist mit Parzival ix 493, 15 — 495, 12, wo Tre?reaent von 
den Graiiiienern erzählt^. 

Par2ival bringt die rede auf die 25 Jungfrauen , die er vor 
dem Gralkonig aah« Trevreient belehrt ihn, daaa Gott aelbat die 
pflege dea Graica durch Jungfrauen angeordnet habe. In beiug 
auf kenachbeit atellt nimitch der Gral hohe anforderungen, denn 
auch die ritter dea Grala aollen in voUatandiger enthaltaam- 
keit leben, dieae entbeltwmkeit iat aber nur eine leitlicbe, au 
den aufentbalt auf der Gralbarg gebuDdeDCf denn es findet oft 
ein Wechsel unter den Gralleuten statt : ritter oder jungliaiien gehn 
aus in andre läodt^r und bringen alsdann ge\Mnii doiiljin, aber 
auch der Gral zieht wuierum vorteil aus diesen abgetinden , da 
an deren stelle kieiue kinder tUr den Graldienst aufgenommen 
werdeOf und verlangt wird» data maooer und fraueo des Grates 
in der fremde kinder teugen, die acfaar dea Grales mit ihrem 

* WGolther Lohengrin, Horn, forsch. 5, 129. 

^ nur Äßirch Hirschfeld Die sage vom Gral s. 258 weist auf riix a zn- 
MiQiuenhang. flHeinzel aao. s. 81 gibt our anspielungeu aus xv und \vi. 
aech WGoUher, der «ch tao. s. 122 tf aiiaf&lulich über Woirrains versiou ver- 
breitet, iebelBt dea SDStBiiheDheBg nicht fo betracht gezogen so habee. 



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26 



BLÖTE 



tlieost zu mehren, strenge enlhaluamkeit also aur der Gralburg, 
iD der fremde ▼erpOicbtete fmcbtbarkeit zum Torteiie des Grris. 

NuD wird in aHgemetaen Zügen ein besondrer fall genannt, 
wann ein ritter toob Grale auszieben mnss : die bedingungen, die 
folgeu werden kurz angegeben, darauf folgt ein eonerelerer fall 
ftOr etne wegziehende Graldlenerin, da Tremzent dabei auf die 
mutter Parzivals zu sprechen kommt, die beiden f^lle sind ge- 
trennt durch die bemerkung, dass GoU heimlich die mäuoer 
wegschafft, aber dass mau die frauen orfentlich gibt. 

Für 'inen Gral riller 494, 7 IT : wirt iender henenlös ein 
lant, erkennt sie dd die Gotes hant, so daz diu diet eins Herren gert 
mh's gßtäles schar, die $int gewert, du mAezn och siis mit zühten 
pflegen: sin hUet aldä der Gotes segen, — abergang494, 13f 
(vgl. 495, tf) i Bat sdiap oerAolfte dan die wum, offenM» ff$t 
mm me^tffe äan. — Herzeloyde 494, 15ff: dutoUiei^nvil 
gmßi$9 ioM dtr Mnw Cufit Hersehjfdm gerte^ dar man m 
«eftdne wme: din miuater gap man im z$ kmm. er soft od ' 

tUhi ir minne wonm: der töt in i leite in'z grap 

da erwaip sie Gahmareles hant, — auf den ausgesauleu ritler 
bezieht sich ferner 495, 9 ff : wan der kilner. sol haben eine ze 
rehte ein komn reine» UfU ander die Got hat gesant %e herrn 
in herrenlösiu lant. 

Ob der dichter, der diesen passus verfasste, dabei schon an 
eine Verbindung mit dem Schwanritter dachte, ist nach den gegen- 
sStzen ^f idiaft verholnt dan die num, effenliehe git nm 
megede dan, den wegziehenden riUern im allgemeinen und Herze- 
loyde insbesondere, sowie nach dem zusammenbang, in welchem 
die stellen stehn^ sehr zweifelhaft^, davon aber nachher, soll 
ein Oralritter m ein andres reich ziehen, so muss gewissen be- 
dinguo^eu geuügt werden : das laud muss ohne henn sein, die 
leute sich daselbst auf Göll verlassen, sodass sie sich einen fürsten 
von der schar des Grales verlangen; sie müssen ihm, wie es 
einem fürsteu geziemt, begegnen, auf dem walten des neuen 
herrn, der verkoine nach dem reiche gelangt ist, ruht alsdann 
gdtUicher segen, und er soll sich wie der GralkOnig eine ge- 
mahlin nehmen und, wie aus dem vorhergehnden bekannt ist, 
schone kinder erzeugen, jung&auen wie Herzeloyde (8tr.494) und 

' Aber die verbioduag bei Gerbert, einem der fortselzer Cresliens, b. 
tnbaog 2. 



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DEB CLEVISCHE SCHWANRITTER 27 



tplter RepaoM de Sehoye (xn) xiehen Off«DtItch mit ihrem gemabl 
on. — and jelit wird deutlieh, warum am ende der dichtung 
gerade der iloff vem Sehwanritter angehaogt wurde, nicht etwa 
weil in Panirals, Anfortaa und des Schwanritters leben eine (tage 

eine bedeutende rolle spielt, obgleich der dichter auf die frage 
grofseo nachdruck legi fx vi 818, 24— 819, 8. 825. 826). nicht 
weil er vielleicht die vf rbnidung in der Überlieferung vorfand', 
sontlern : mit der vei [iiMiliing der Repause war von neuem eine 
Graldienenn ötf entlich vergeben worden, dies muss den 
dichter daran erinnert haben — die bebaodlung des Schwan- 
ritters als an hang weist darauf — , dass es für die zweimal 
(n 494f 13. 495, 2) betonte heimliche entsendung eines Gr a 1- 
dieoers im ganien gedieht noch kein beispiel gab. und unter 
allen Stoffen war der f on dem gdbeimntsToll ankommenden Schwan- 
ritter der geeignetste, schon dies seigt, dass dem dichter bei 
der bebandiung der sage die werte des Trevreient vorschwebten, 
noch mehr : ?ermatKeb ist dadurch mit so erkliren, dass der 
Sehwanritter der söhn Parzivals ward, eine absichtliche parallele 
also zwischen Parzivals muüer und Paraivals sobu, im aoschluss 
an den passus des Trevrezent^. 

Der dichter der Wolframschen Version — k>üt oder Wolliam 
— erzählt die sage nicht mehr um ihrer selbst wilieo. sie soll 
bei ihm einen bestimmten zweck erfüllen, sie tritt damit gleich- 
sam in die reihe der Versionen eines Helinand, eines Johannes 
de Alla-Silva. Ükr den ersteren, den mOnch von Froidmont, war 
nie, wie wir sahen, ein beispiel, dass eine bleibende fruchtbare 
Verbindung swischen geist und mensch möglich , und infolge 
dessen verschwieg er die Vorgeschichte und vernachlässigte er 
mehrere umstSnde. der verfesser des Iblopathos* ISsst sie als 
neue probe erzählen, wie ungerecht die anschuldigung einer 
Schwiegermutter sein küim, und demzufolge findet sich am schluss 
nur eine kurze andeutung von dem weitem Schicksal des 
Schwannlters, w.ihrend die geschichte von den Schwant iik in- 
dem in hehagliclier breite erzählt wird, hei Wolfram wird 
alles so geordnet, dass die im ix buch gestellten bediogungen 
tum ausdruck kommen, mit besonderer hetonung der verbotenen 
frage, hervorgehoben wird demnach das verlangen des 

* s. SDbaog 2. * t. Qbcr den idcbtsD to ptnilelcn io Wolfrant 
Psrsivsl RHeloict lao. 75 f. 103 ff. * ed. öalcfley s. 7Sff. 



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28 



BLOTB 



Volkes nach eiaem herscher; «innig aber UM der dichter 
nvr die junge filretin neeh dem von Gett gesenten verlangeD und 
berecbneod für die oacbberige Ihige und in Obereinetimmang mit 
dem verkolne iasit er sie den gemaU nicht ▼om Gral erbitten, 
sondern Ton Gott selbst. — die Jungfrau, um derentwillen 
der Gral sich bemUbt tind Ton deren eigenscbaften die sonstige 
sage nur üia aulsere erscheinung schildert', erhebt €r zu einem 
idealen wegen : mn t i 1 1 c h ein Gralkiiiii» ohiie falsch, keusch^ 
ohne die *,'ewOhnli( hen menschlichen begierdeu, so denoölig, dass 
sie sogar aut bewerber mit krönen nicht achtet, so ergeben, dass 
sie ihr Schicksal in Guttes band legt, miUeo in einer welüicheo 
Umgebung einer Graljungfrau an erwartungsvoller demnt gieieb, 
kurz ein wesen, ausgestaltet mit allen tugenden des berzens^ die 
eine bevorstehnde galtin eines Gralritters haben muse; lofser- 
lich aber die erbin von reicbtum und edlem sinn, die von iQrsten 
vielnmworbene, die dem ränge nach ebenbQrtige galtin des kQnf> 
tigen Gralkdnigs. nur von solcher beschaflenheit, ist wol der 
leitende gedenke, darf das weib sein, fttr vrelches der söhn Per* 
xivals hinaussieht : sie wenigstens erkennt die band Gottes, sie 
wird des gesanten gewis Hmf zühten pfUgeti, sie ist die *kone 
reine* der bedingungen. — da der dichter 818, 250" auf die be- 
deuluiig der frage aulinerksam gemacht balle, so muste ferner 
in ganz andrer weise als sonst das verbot der frage betont 
werden, in der französischen sn^e int der rilter das verbot in 
der stillen hochzeitsnacht, niemand, keine multer, keine tochier, 
kein kaiser erfahrt je davon; ein grund, weshalb nicht gefragt 
werden soll, ist nicht ersichtlich, bei Wolfram dagegen verbietet 
der ritter laut, in gegenwart des gansen Volkes, das umher- 
steht ^ einen hoftag hielt die fOrstin — , daas sie je frage, wer 
er sei. den allerdings sehr willkdrlicben innern grund far 
dieses verbot hat der dichter schon vorher angegeben, die 
Drage erinnere an den langjährigen schmers des Anfortas*, und 

» zb. bei Hippeau i, s. 149 f. 

* man beachte, wie W. sich ia der frage iticht von der sage vom 
SciiwtDriitcff leanaobt. man könnte nach den erfahfiuifen des Aafortas 
meinen, das« Jede arl der frage verhasst wire; statt dessen wird bloH ver- 
boten, die frage an elneo Gralritter zn stellen, wer er sei, und bda Schwan- 
riller trifll aar die gallin daa verbot, dieses spedelle verbot zu fragen hat in 
der fräher erwarteten frage an Anfortas gar keinen graod. bei Anfortas 
^mitleidsfiage', bei Loherangiio *erknodignngafrage'. — von kOnaUcriadien 



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D£R CLEVISCBB SCHWANRITTER 29 



liaeiil io der kmen tpisodt die aufmerktMiiM des luküren 
pecb Mehr auf dei lerbvt gelenkt werde, oiaeht Wolfiran anf die 
Ange beitIgKebe auDerkiDgett : *»ie gab einet weibee worl tuiii 
pted, das oachlMr durch liebe nm wanken kam'; 'wanin verler 

das gute weib den galten? er widerriet ihr einet in Arageo'; dam 
noch eine aospielung auf Erec. — der Sdiwaoritter selbst halte 
als abgesanter des GraU ius licht zu treten, dafür konnte 
der dichter material flndeo in der be&chreihung des Scbwau- 
riiters der französischen tradilion'; aber auch hier gieng er 
ia der ausmaluag seine eigeneo wege. die erste erscheiuuag ist 
die dea TonreflUciiaten riltera : in allen reichen, wo man je kuode 
von ihm Yernahm« mnste man ihn für den aebdnalen und mSnn- 
liebaten erkUfcn, von den feinalen ailteo, müde ahne nebenaweek 
«nd ohne rMkhalL natfh der vermlblnng die typischen aflge 
einea Idealen ftlraten : snntchat rMcbe hechaeilafeier, die herren 
werden In ihren leben beaiatigt; sodann ein guter ricbter, Sieger 
in tbnogen des rittertmos, grOnder eines sonnigen ebeglOcka, 
erzeuget scbAner kinder, nach voraCbrlft des Grals : *flii küet 
aldä der gotes segen'. 

Uoii nun veisic hn wir die auslassungen. nur die erwähnten 
bediü^uugen brauciiien zuiu ausdruck zu kommen. GraUiUer 
werden nicht in herrenlose ISnder geschickt, slritlige angelegen- 
beiten zu schlichten, ein Gralriiter geht bin um fürst im iande 
10 werden : *mii wQktm pfitgm* soU amn sein, göttlicher segen 
gsht atsdaan van ihm aus. der streit um das erbe milt demnach 
weg : kein gegner alao, kein gerichiakampf vor dem kaiaer, na- 
meniich keine auf ihrem erbrecht hselehnde nmHer, keitt wieg* 
fliehen aua dem lande nach Nim wegen oder aonat wohin, wo der kaiaar 
fcbgenden paflaien cur rede steht, eondem ein erwaitendea ver- 
bleiben in der bed e u ten dsten atadt an dem bedeulendsten tum 
in Niederlothriflgen, in Antwerpen, in dem gebiete, aber welches 
die herzöge von Lulhringeu aub dem iiause Verdau, Gottfried 
▼Boniilon und jetzt widerum die herzöge foti Biah^Lii niHi k^ialeii 
^;iren. und da der gesaiile des Gral und die trage k(rn|uiiicl 
der bandlung wurden und nicht die abstarnmung Gottfrieds 
vBouiUen, so Üel auch die erwUbouBg des letHeran weg, ehgleicb 

sUDdpanct hatte W. obae sweifel icebt, die fiberkonmene frage ia selscr 
wdae •amatrbciteB. 

1 TgL Hipiicao t s. Mi 



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3a 



BLOTE 



immerhin die epiaode ein besiebodes bmis, das macbligste am 
Niedeirhf in, das sich whon der abslammung vod Karl dem GroCsea 
QDd TOD Troja rubmle, das auf den Gral gar Dicht, auf des 
SchwaDrilter vielleicht aoebeD erat aoapruch machte^ io deo glaoi 
des Grals uod des ScbwaDritters erhob. — 

Aber legeD wir io Wolframs versioD oicbl am ende etwas, 
was ihr urheber factisch Dicht biDeiolegen wollte? 

Sollen wir also wOrklich aonebmen dOrfen, dase die Snder- 
ungen willkflr sind, zweck- uod ziellos, und der aoschluss an die 
bediuguugen in der tat nur spiel des zul:ills ? etwa uui aus dem 
gründe, weil der dichter diu sage nur halb oder kaum kannte, 
oder seine ahsichleu nicht genauer darlegte? und d^s in einem 
werk, das, wo mau es «jegen andre des ähnlichen inhalls oder der 
gleichen arl ballen kann, immer den höheru standpunct in bezug 
auf ordouog des Stoffes, auf fülle und tiefe und Verbindung der 
gedanken einnimmt? und das von einem Wolfram, der in seiDom 
Willebalm zeigt, oder too einem Kiot, der in eben diesem Par- 
sival beweist, wie selbstSndig sie ihren vorlagen gegenQber Ter- 
fahren? der von uns angegebene lusammenhang entspricht dem 
Charakter des dichtere und des ganien werkes. 

Und Wolfram wenigstens — tther Kiot ISsst sich hier nicht 
urteilen — war sich bewust, dass er von den gewOhnlidien an- 
scbauungen abwich, er weist darauf, dass, wenn man dem mSre 
recht will widerhdutii lassen, der Schwanritter Parzivals söhn 
war; er beruft sich auf die vielen leute in Biabaul, die tr nur 
wissen lässt von den häu;)t|)uuclen , die er selbst t rzühlt, von 
arikuitd, empfang, vertreibender frage, und allerdings noch von 
der zeit, die der ritter im lande verblieb. — 

Zwei puncto jedoch in Wolframs version bedürfen einer be^ 
sonderen besprechung. Wolfram bat HDr seinen Schwanritter einen 
andern namon als Hdyas. xu wundern braucht man sich darüber 
nicht* im ms. f^. 12558 der BIbl. nat., welches die lilteste gesteh der 
sage bewahrt, fahrt der Schwanritter keinen namen. erat die version, 
welche ms. fr. 1621 bietet (ed. flippeau) und die eine vermutlich 
twischen 1193 und 1200^ entstendene Umarbeitung enthält, hat fUr 
den Bitter den namen Helyas. der umstend, dass auch Johannea 
von Alta-Silva (c. 1 19(1'}, sein Übersetzer Herbert (c. 1210^ und 

* Pigeonoeau s. 15'J. 

* diese dalea oach GParis, Romaoia 19, 316. 317. ' 



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DER CLEVISCHE SCHWAftiRlTTER 31 



Pliüipp Mousket (seine chronik geht bis 1242) keioan Damen 
für den rilter htbeo^ uod Wolfnni iodeneils Loherangrin hat, 
kana darauf weisen, daw Wolfram oder «ein gewihrsmann die 
sage ohne den namen fDr den ritler benotst hat. aber auch 
wenn WoJfhim (oder Kiot) Helyaa vorgefunden bstte^ so würde 
er vermotlich doch den namen LoheraDgrin haben nehmen mflssen. 
deoo da alle andern uns bekannten oicbl*deut8chen Gralromane 
keine kinder des Parzival keunen^, so halle der dichter im 
XV buch die namen K ii deiz und Loherangrin selbst gewählt und 
sich so für leruer gebunden, als er nuu im xvi buch <lt' n Schwan- 
ritter zu einem söhne Farzivals machte, ward der uauie Luherangrin 
einfach ein gezwungener. aufTallend und willkürlich bleibt auch 
alsdann immer noch, dass der dichter gerade für den söhn dea 
Parsival in seinem xv buch den namen dea durch nichts ver- 
warnen Lothringers Garin wflhlte. — der zweite punct ist, 
dass der ritter audser seinem horn noch ein schwort and 
einen ring hinterliisst (826, 19). in den frans* traditioaen^ 
die den ritter nach seinem abschied verschwunden sein hssen, 
ist der zurückgelassene gegenständ ausschliefslich ein boro, das 
Ii ich dem brande des Schlosses Bouillon von einem schwan- 
ahiihcheu vogel aus den üdUimeu getragen wnii, um gleichfalls 
tür immer zu verschwinden, alles andere nimmt der ritter mit, 
ausdrücklich lauze, Schild und schwerl^; von einem ring ist nir- 
gends die rede, die frauzüsischen bearbeilungeu, die seit der 
zweiten hälfie des 13 jhs. entstanden, also für Wolframs version 
nicht in frage kommen kOnnen, haben noch ein widersehen 
swischen dem ritter, der indeisen mOnch geworden ist, und seiner 
BouiUonschen familie. .bei dieser gelegenhett gibt Helyas seiner 
tochter Ida schwert, schild und horn sur erinnerung^ in der 
fieiffenbergschen ausgäbe mit einem dem 14 jh. angehörenden 
text ist blors die rede von einem ring sls erfcennungszeichen ^ 
ich glaube in Wolframs Verbindung 'schwert, horn und ring', die 
io franzOaischiii quellen seiner zeit und udchher nicht vorkam, 

* Konrads vW. Schwanriller wird hier lieber nicht ani^f fufirl. 

' bei ücrbert hat Fercbeval allexdiags Dachitoiumco, uameu komiuea 
aber aicht vor; 8. aohaug 2. 
' 1. ow •. 18 tum, I. 

* bei Bippean i s. 253. 255f. 

* Pigeoaocaa •. 191. 

« ed. Rdlbobcrg s. 140. 



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32 



BLOTE 



die auch weiter in keinem lusaauMobaog steht mit irgend einer 
eigeniamlicbkeit io PariifiU Jebeo oder im Gral — dag schwert 
für aieb aUeia etwa auigenommen — , our wiUkttr aehen ni 
dOrfen; sie iat von keiner erheblichen bedenlnng angettchla der 
eingreifenden ferflnderangen, die der dichter Kfaon mit dem atoffe 
vorgenommen hat 

Daaa Wolframa veraion nach den bedinguugeo nmgeatallet 
ward und nieht umgekehrt die bedingungen aua irgend einer 
schon vorhandenen gagenform entstanden, gehl aus folgendem 
hervor, eiuzige pilicht für letHe des landes gilt nach 
Trevrezent, dass sie des Gralljüteu 'mit zühten pß$gm\ be- 
achtet iiiati DUii die grofse rolle, die das verbot nicljl zu 
fragen in Wolframs version spielt, so l^lllt auf, da*s bei Trevre- 
zents beschreibuog durchaus uicht die rede von einer bestimmuog 
ist, dass ein Gralritter in der fremde durch die fibertretung irgend 
eines vorher auferlegten gebotes zum fortgehn gezwungen wer- 
den kann, oder dass die leute des iandea oder auch nnr eine 
person verpflichtet wflre, sich nach einem beatimmten gebot an 
richten« und dies iat um ao merkwflrdiger, da doch hei Trevre* 
lent von der frau dea Gralritiera die rede iat, und der dichter 
den suhttrern durch Trevreient allea mitteilen Utaat, was er, der 
dichter, vom Grale weife, weiter atdlte der dichter sich vor, 
dass mehrere ritter in die fremde sogen, vergleicht man eod- 
lidi, dass iu dem passus des Tr. auch nicht die leiseste ao- 
spielunf:^ auf einen naclikitujmen des Parzival voi koiiirnt, (rülziietii 
lier tiji^ietiler zu Parzival spricht und die gehchiclile seiuer muLler 
llerzeloyde erzählt, so folgt hieraus, dass Kiol oder Wolfram bei 
der bebaodlung dieser stelle die sage vom Schwanritler iu keiner 
^ostalt im auge hatte, und diesem resultat entspricht es, dase 
keine alleinstehende sagengeatalt, die sich auf Bouillon, Boo«> 
logoe oder Brabant besieht, bis jetst bekannt geworden Iii, 
die aoch nur entfernt der Wolframachen faaaung Ibniioh aihe, 
so dieaen pnnclen geaellt aich, waa wir achon oben Ober die 
gegensstao und den sosemmeohang, in welchem die atelle vor- 
kommt, gesagt haben, demoaeb haben die bedingungen die ver* 
sion beeinflusst, nicht umgekehrt. letztere ist eine mit rlicksicht 
auf diese bediuguugeu eulslaudeue uuigesiaUuug der sage vom 
Schwan ritt tT. 

üod vou hier aus iüssl sich jetzt eine Vermutung «^ufsero 



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DER CLEVISCHE SCHWANRITTER 



33 



über den Urheber der Wolftimsehen Version, fllammt eie von 
Kiot oder von Wolfram? 

Wie sich ins Wolfirams verfabreo im Wiltebalm ergibt, ist 
H keiD blofter Obersetzer : er gruppiert die Stoffe nach seiner 
eiosicbt, weicht vod der ursprünglichen ulee ab, verliell dieselbe, 
scheut dabei keine eingreifenden Änderungen, macht Zusätze und 
auslassungen, hat einen scharlen blick für das einzelne und durch- 
driogi alles mit seinem geiste. aber das gleiche müssen wir auch 
dem uns unbekannteD Kiot lutrauen, sobald wir auf Wolframs 
aogabeo in seiDem Parsival uns stützen und Crestiens von Troyes 
bsirbeitODg der Gralsage zur Torgleichung heransieben ^* nun 
conslalierlen wir soeben« dsss iwiscben Wolfkwns version und 
dsD b«dingungen für einen in ein herrenloses Isnd ausgesanten 
Gnlritter ein enger inssmmenhang besieht, dass die sage nach 
den bedingungen umgearbeitet ward, dass aber dem Verfasser der 
TersioD, als er die bedingUDgen aufstellte, die sage noch nicht in 
ihren einzelnen zügeu vorschwebte, dies kounte docli, so sollte 
man mninen, bei zwei so geistvollen mJfnnern, als Kiot gewesen 
sein muss und Wolfram wUrkUch war, gewis nur emmal stalt- 
ünden. vermissen wir demnach bei Wolfram in den bedingungen 
gewisse aodeuluogen und erkliren dies damit, dass dem dichter 
in dem moroente, wo er die bedingungen angsb, die sage vom 
Schwanrttter im einzelnen nicht gegenwärtig war, so darfle das 
— sogesichts der dichterindividualitst Wolframs — darauf weisen, 
daas die Umgestaltung der ssge nach den bedingungen nur von 
Üun und nicht von Kiot herrQfart>. 

Wie dem aber auch sei, in tinem puncto mflssen Wolfram 
uod Riol auseinander gegangen sein, auch wenn sie übrigens die 
gleiche gestalt der sage gehabt hatten, dieser eine puuct war 
durch eine eigentOmlichkeit Kiots bedingt. 

Kiot, nach Wolfram der Provent^ale der französisch schrieb, 
vielleicht aber ein Nordfranzose von Provins ^ (dp. Seine et Marne), 
ist der einzige dichter vom Grale, der die ganze scenerie nach 
Frankreich verlegt : Anjou, Valois, Nantes seine blQtezeit fililt 
in eine zeit, de in Frankreich Gottfried vBouiUon als ein national- 

* 8. Über Kiot besond^^rs BHeinzel aao. 

* aoch B\m Lambekiii vRrtiliant 73, 29 ff. 89, 7ff. 270, 20f lässt sich keine 
andeutung gewinnen, dass Wolfram mit Rrabanl und dem Schnanntter be- 
Muderes vorgehabt habe. * Heinzel aao. 15 f. * ebiia ä3,d4f. 

Z. F. D. A. XLD. N. F. XXX. 3 



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BLÖTE 



held gefoiori ward, bat Kiot in der tat das haus A^jou verherr- 
licheo wollen, bat er demoach in der nflbe desselben geweiJl, io 
gescbab dita id dan jähren, da in Abjoo noch labendig gcweaca 
aein nmaa, daaa nachkonamen aua dieaem banae auf den tbroo 
iemaalema aafteo^. hat er den Sebwanrittcr an efnev naeh- 
komaaen Pareivals gemacht und ein dichter» der daa bans 
Anjou mit der Gralsage verband, konnte mit der tradition vom 
SchwaortUer dh. dem ahnherrn Gottfrieds vBoiiiÜon in ähnlicher 
weise verfahren — , so kann er ihn nur als staujaivalei Gottfrieds 
vBcuiilon heiiari<iili haben, im eiuklang mit der sonstigen fran- 
lösischen dichtung und mit der talsache, dass infolge des Ur- 
sprungs der sage ein Schwanritter in Frankreich damals ohne 
Gottfried TBouillon und seine brttder gamicht vorkoinnien konnte 2, 
im einklang mit der aeit den tagen des zweiten kreuzzugs auf- 
lebenden erinnerang an Gottfried, im einklang mit der verlierr- 
licfaung dea haoaea Anjon« daa aladann von dem nlmlichen Per- 
aival atammte^ ana welchem der ina ideale gehobene beMer 
dea bl. grabea hervorgieng. und acfalielblieb : wir finden keine 
einzige politische oder sonstige tendenz, durch welche sich er- 
klären liefse, warum e'iu t r a u z ü si s ch er verelirer des mächtigen 
hauses Anjou, der wie gesagt auch die übrige haudluog nach 
Fraukreich versetzte, in der zweiien hälfie des 12 jhs. in einem 
diese Verehrung ausdrückenden gedichte das herzoglich braban- 
tische dh« ein nicht zu Frankreich gehörendes haus gegen alle 
tradition lu einem geschlecht hfitte machen wollen, daa in der 
abalammung von gleichem wert mit dem königlichen hauae Aiyon 
aei, abgeaeben noch davon, daaa die herkunft im brabantiacben 
haua aich erat nach 1179 entwickeln konnte. — nennt Wolfram, 
der nicht wie Kiot durch franiOaiache nationaliiat gebunden war, 
Er a baut als daa haua, fOr welchea der Schwanritter eracbien» 
so ist dies eine Änderung , die nicht von Kiot herrührt. 

^ Fulko V, geb. 1092, graf von Aidon seit tl09, wurde 1131 kdoig 

von Jerosalem, als Schwiegersohn Balduins u. er starb 1142. sein söhn ans 
erster pHp rToltfrIed (Geoffroi) folgte ihm 1129 in Anjou, seine söhne zwpitfr 
ehe, Balduin m (t 1162) und Amairicb (f 1173), wurden nach ihm kuiiige 
von .Terusalem. lur aseil Kiots safs in Anjou llf>inrich n, der enkt l Fulkos v, 
herzog der Normandie 1150, graf vAnjou und iVlaiiie U51, könig vEngland 
1164, t liB9 (Art de v^üer Ict datet 8« xin 65 0). 
« a. htil» Sebwaaiittcff aao. 

* aaeb Hn. 803, tt ff bekam Kaidd% der aohii Panivals, aa. Amebanw«. 



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DER CLEVISCHE SCHWANRITTER 35 



Wie Wolffam dvd i« Brabanl kam, di er ohne weitem die 
gedankenfolge BoutUon — Niederiötbriogeo BniiaBt dnrclNiiaofale» 
ob er von HennaDD TTbOriDgeD, der mit Heinricti ?Brabent 1197/98 
im U. laiid geweeeo wer, oder fon eoost jemaod erfuhr, daee 
jiacbkommeD des Sehwanrilters im henogUcbeii bause weiterl«biea, 
ob *vü Hute iH ßrdbant' Wolfram dazu bracbteu, und diüüe be- 
nierkung daraul beruht, dass der herzog voo Brabaot, der seit 
dem spMtjabr 1204 oacli ?» mem (Jbergang zu der sache Philipps 
▼Schwaben besouders iu diu niilleldeuUclieii gesichtskrefs trat, 
sich aufser von Troja uud Karl dem Grofseo ouo auch noch in- 
folge seiner gemahlin von dem Scbwanrilter abzustammen rühmte, 
oder daraoft dass Woirram, als 1 207 iu Gelnhausen für den erb^ 
benog, dea nacbbengeo Heiorich », die ehe mit Marie t der 
tochter Philipps fon Schwaben, twiacheo den beiden mtero featp 
gesetzt wurde, Teroabm, daie der briutigam vom Schwaoritter 
stamme uod er, Wolfram, oan diese abstammung Uber das gaoae 
geschleebt ausdehnte, — den grtind der verlnderung mttssen wir 
unentschieden lassen, da die mittel cur lösung zu fehlen scheinen*, 
das tactum aber, dass Brabaut eine auderuag VVoUrams ist, wird 
lUi unsere Untersuchung in bezu^' .mt Cleve einer der umstände, 
durcli welche entschieden werden kaiiu, aus welcher quelle man 
in Cleve die geslall de» sii^e schr»jjlit.\ 

Mach diesem ausfuhrlicheii, aber fUr unsere Untersuchung 

* hat Wolfram auch Nimwegen io Antwerpen ^eSridert? bei der zo- 
sammenkuiift in Col ltii/, nov. 1204 kargte Philipp tiüi seititi guiist ^r^'cn 
Heinrich vBiabaul uiclit. in eiiKiit puiicte jedoch war er unerschult* rl ich. 
Ueiorich balle, nach Butkeos Trophees 168, kurz zuvor Nimwegen an sich 
gezogen : diese rcichistsdt Terlangte der kaiser zurück. — bei der grofsen 
politisebcB bcdctttnng dieses flbertritts des hcfiogs wird diese beraosgabe 
eine seltlaog tagesgeaprieh io den rftterliclicQ kreiaen gewcaen aein and 
wird W. davon erfahren liaben, dennach konnle er die hiDdlaog nicht in 
Nirowegen stattfinden lasaen, denn dieses lag nieaala auf brabantischem 
bodeo, woran man soeben noch erinnert worden war. — in den französischen 
dichtungeu vom Chevalier nn ryene gehört allerdings Nimwes^en (gleichfalls 
nie zu Bouillon, Brabaot oder Lotiu iiiu'<'n, sondern ist stets wie auch Köln 
die sladt des kaisers, der dort seineu pala^l iiai, den er sich hat aosschmuckea 
lassen (Uip{>eau I 114f, PParis aau. 394f, Pi({eouneau 132). detnuach könnte 
die iodenng aneh von efaiani framAalaclien dichter berrahren. ^ macbeo 
wft aber gebraoeh von onaerct a. $21 begründeten verrnntung, daaa die Ter* 
iiee TOB WoifrBB hefatammt, ao ist Antwerpen wol eine Indrmng des 
deatacheo dichtere, and waren die sdtereigniaae nicht gans ohne dnllnss. 

3* 



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36 BLOTe 

notwendigen exciirs köuoeo wir zu Cleve zurückkehren, die er- 
l^eboisse, worauf wir uns jetzt stütseo, sind: 

1) Giere bette zur zeit Wolframs die berkunft noch nicht. 
2) Wolframs vereioQ ist das eigen tamliche resultat der verbinduag 
4lee Sebwanritten mil dem Wolframecbeo GnL 3) den Scbwtii- 
ritter ab benog von Brabant bat Wolfram laent in die lillentor 
eingeflibn. 4) die ?ernoa lübrt vermnüieb fon Wolftaim ber, 
niehl fon Kiot'. 

9. 

Zwischen c. 1200 und 1400 muss die tradition vou <!er ab- 
stammuDg ▼om Scbwaoritter io dem elegischen hause entsiaiiüen 
sein. Willkür in dem sinne, dass man eines lages ohüe weitere 
begrOndung in Cleve angefangeu haben sollte, sich als vom 
Schwanritter abstammeod zu belracbtenf ist ausgeschlossen: das 
lebrt Bouillon -Boulogne, das durch die Toeni in der Normandie 
lor abüammuDg Itam, das lebrt Brabant, dessen berkunft durch 
Bonlogne und danacb Yielleicbt aucb durcb die Stellung der 
benoge als amtsnacbfolger GottlHeds rBouillon Termiltelt nard. 
ein scbwan im «appen^ der lu der benifung auf den vr- 
eprung bitte anlass geben können, war nicbt dal wie bei den 
soeben genannten familien werden wir auch für Cleve an erster 
stelle an die auiiiahnie eines gliedcä auä einer familie denken 
mQssen, die sich von Schwaurilterherkunfl glaubte. Und eine 
soictie auluahnie gibt es für Cleve in dem iragiichen zeilraum 
nur eine einzige, aber — diese einzige kann an sieb die be- 
rufung auf die abstammung nicht erzeugt baben. 

Im jabre 1233 beiratet der älteste sobn des Dietrich ? Puer 
oder Nüst, gleicbfolls ein Dietrich, seit 1242 berr von Dinslaken, 
Eitsabetb, eine tocbter Heinricbs i Ton Brabant. streng äu%efant 
ist dieses ereignis an sieb ohne wert denn erstens gelangte dieser 
sobn niemals zur regierung, er starb schon 1244 oiiue uacb- 
kommen, und zudem war Elisabeth die tochter von Heinrichs 
Eweilcr gemahlin, von der Marie tochter Philipp Augusts und 
nicht von Mathilde von Boulogue, sodass sie rucluens kein nach- 
komme des Scbwauritlers war, wie die kioder erster ehe, fleioricbu 

* über die Urheberschaft der Verbindung von Schwanrittersage mit 
(jfalsage lässt sich mii Sicherheit nichts befiaupien, s. aber anhiog 2 ; Gerbeit. 

* s. anhaog 1 : das deviscbe wappen« 



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DER OEVISCHB SCHWANRITTER $7 



von Brabaot (1235—1248) oder Margaretht» die mutier Ottos n 
f OD Geldern. 

Es bestand jedoch ans der seit von Tor 1200 noch eine an- 
dere verwantschaftliche bexiehung iwischen Brsbant und QeTe: in 
der ersten hllfte des vonogegangeneD jhs., noch vor 1141 hatte sieb 
ein graf von Cleve (Arnold n i, f ca. 1150) vermählt mit Ida, einer 
der tOchter GottfHeds i des Bärtigen, herzogs von Brabant^; üb. 
also: der grofsvater des 1202 in Cleve zui' regierung gelangenden 
Dietrich v (f 1260) war der sobn einer brabaotiscbeo lürstin 
gewesen. 

Vergegenw ijrligen wir uns üiin, dass erst kuider Heinrichs i 
▼Brabant (1190—1235), die aus seiner 1179 vollzogenen ehe mit 
Mathilde von Boulogne hervorgieogen» sich nachkommen des 
Schwanritters nennen durften; dass anachronistisch fr(}hpstens 
gegen 1200 die abstammnng auf die früheren herzöge von Brabant 
aasgedehnt werden Itonnte, wenn nun sie, die nachfolger Gott- 
fHeds vBooiUon im amte» auch als nachfolger im gescfalechte des- 

* M mit BScbolCca io t. gtnealogie des devisdiea baatct in der ana- 
gsbe Ton vdSchareDS chroDik 8. 186. Kremer bat aao. 122 Arnold i f 11S4. das 
Tcrwantschaftiicbe verbällnis zu Dietrich v (vi) ist bei beiden verff. dasselbe. 

' Ida, tocbter Gottfrieds des Bärligen vBrabant, als pemahlin eines Arnold 
vGle> c, beruht auf folgenfieni : 1) Heinrich, dersolm GdUfri^^ds, spricht nach 
dem tode seiuts vaters, dh. nach 1139/40» von sororibm meit AleydB Re- 
gina «t Ida eomitiua (urk. der abtei AffUgem bei Butkeos i Preaves p. 33). 
Alejde war die swtlle gcmahlio HciDriehai TBDglaad adt 1131. fftr aine 
'Ida conitiBaa* tat bkiili in GlCTe plata an diese seit. 1) IHetrfeh m 
vGleve (iv nacb vdMnica nnd Teaehenmaelier) nennt aieh in dner nrk* 
T. j. 1163 Arnoldi eondlit et Idae comiHsH» fiUiu (Dithmar Cod. dipl. 
diTeos. etc. s. 33 n. xl). — 3) Balduin yAvennes (f 1289) nennt io seiner 
Cbrooik, welche bi<! ungefähr 12S0 reicht, als zweite torhter Gotlfrieds des 
Bärtigen Ida, y/tlche co7ncs Vtiveruis diixit inuxorern, liUariim primo^fnita 
Aelidis Regi Angliae maritata est (Butkens aao.). vvol lun h Balduin Undet 
sich dieselbe bemerkung bei de Üyater (ed. de Rani, ii 5ü) und bei Johann 
vLeydeo (CbroD. 1. zn c. 2), der eine aaa der entao hilfte^ der andre ana 
der sweiten bUfte des ISJbs. — Tcaebennacber nennt (ed. Ditiiniar a.316) 
AraoMi gatfin Ida, macht aie aber an einer aehweatcr Fricdrieh Barbaroiaaa» 
was enlscbieden fllacb iai, aber dem söhn Arnolds Dietrich lu (bei ihm iv) 
gibt er zur frao eine tocbter Gottfrieds des Bärtigen vBrabant (s. 217), nennt 
aie aber Adelheid, eine Verbindung mit Brabant erkannte Teschenmacber 
alfio an. Dithmar hat den irrtam T s in bezug auf Arnolds gattin schon 
berichtigt. — über das gescbleeht dieser xVdelheid, gi oiahlin Dtetricba III (iv) 
vCieve 6. Kremer aao. s. i23. 185 f und RSchuiten aao. s. 187 0'. 



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BLOTE 



lelbeD betnchtBto K und vielleicbt Gottfried deoBartigeo (f 1 139/40) 
den stanninTater des beraoglicben banse» Brabaot, uod Gottfried 
den Bärtigen (f t070), den grofevater Gottfrieds vBouilloD , als 
eine vnd dieselbe persdnKcbkeit aulfasste, da beide aucb heraoge 
TOB Lotbriogeo gewesen waren'; dass wäter keine eblicben w- 
biodungen zwischen Brabant und Cleve stattfanden als die beiden 
bezeichneten, — so lässt ^idi das aufkominen der abstammung 
in Cleve folgendermaiseo vorstellen: 

Als nanientlich durch Wolframs Paizival sowie durch <J^s hrn- 
bantische lilrstenhaus selbst in Deulschlarul die Vorstellung, dass (icr 
Schwanritter herzog von Brabant gewesen war, immer mehr (hirch- 
drang ^ mag man sich io Cleve daran erinnert haben, dass vor drei 
menschenaltern einer der vorfahren aucb eine tochter aus Brabant 
sieb aur frau wSUte, und dass die grafen von Cleve infolgedessen 
von reebtswegen naebkommen des ritters waren. aanScbst wurde 
dieser gedenke wol im nacbeifer mit Brabant und aus ahnenslolt 
von dem Jugendlieben Dietricb aufgegriffen und von seiner 
Umgebung festgehalten, sodann fand der gedenke besondere nab* 
rung, als Cleve und Brabant sieb nSber traten, seitdem im j. 1233 
der ' söhn Dietrichs eine brabantiscbe hertogstochter heimftibrte, 
obgleich die braut factisch nicht zum geschlecht des Schwan ritters 
gehörte, aber so sehr muss man sich lu Brabant und Umgebung 
schon Verlraul gemacht liaben mit der vorslelbinff, der Schwan- 
ritter sei ein alinherr dieses hauses yt'wesen , das^ d r wnrklichc 
Sachverhalt unwillkürlich odor absichtlich unbeachtet blieb. — 
und uuu gewinnt Konrads vWiirzburg angäbe wert : wol irrt er 
sich allerdings in bezug auf das beraldiscbe und manches genea* 
logiscbe, wol dachte man sich in Cleve, > wie wir nachher sehen 
werden, die geschichte vom Schwanritter anders als Konrad sie 
daratellte, aber richtig war seine mitteilnng, dass Cleve sich durch 
Brabant abkOmmling des Scbwanritters nannte« seine werte sind 
uns um so wertvoller, als sie das einsige directe zeugnis wer- 
den, dass noch vor dem ende der regiemng Dietrichs v (Puer) 
fCleve (1202^1260) die beruhing auf einen Scbwanritter in Cleve 
ihren anfSing genommen hatte. 

* 8. o. s. 20 IT. * vgl. aber o. a. tt aimi. 1. 

* vgl. Doch aoa der folgeodee seit, aber von kelncio werte fSr Geve, 
Konrads Schwaorittcr (vor 1257). den jflogcren Tttorel (twlschea 1964 and 
1272), den Lohengrin (c. 1290). 

* er war, als er 1202 zur regieruog gelangte, ooch Dicht erwachseo. 



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DER CLEVISCHE SCHWANRITTER SO 



Die cleviscbe herkunfl entstand demnach in der ersten häilie 
des 13 jhs. ihr cduvk kluugspuncl dürflp wesenMich vom j. 1233 
zu rechnen sein. Helinand, dessen todesjabr nicht nach 1230 
filUt und dessen clironik bis zum jähr 1204 reicht« kann tob 
eiMB clevischeo Schwanritter nicht getprocbcQ oder an eiooii 
lolcbea nicht gedacht haben, da ec lu aeiner aeit ooch keioeii 
gah. ala aber 1454 eia cleviacher heraog onit aaioeai broder in 
Lille den SchwanriUer ala deo abnherm ihm geachlechlea feierte» 
balle die iraditioo aebon eioe bedeuleode tMAgealallung erfabreo : 
aie hatte aich sa eioer antochtbonen eDiwickell. — 

10. 

LdcI jetzt gewinnen wir einen einblick in die entwickluug 
der clevischen sage. 

Die cleviscbe herkunit fand in der ersten halfie des 13 jhs. 
ihren Ursprung in verwantschafl mit Brabant; die weise, lu wel- 
cher man sich in Cleve die gescbichte vom Schwanriller vorstellte, 
muaa demnach eine anlehnung an eine sage sein, die man in 
oder von Brabant enfthlte, oder aich ODabhangig von solcher tra» 
ditioo gebildet haben, faiaen wir erat den fall der eoUebnuDg 
IM aage. eine brabaotiache aage, wie wir aie aeit dem 14 jb» 
um Salviua Braboa kennen , oder eine bonlogniacbet wie aie m 
13 jb. im brabaniiaehen bersogbaua eraHblt wurde, kann der de* 
viacben tradition nicht au gründe gelegen haben ; darauf weiat 
der ▼ollatandige maogel an Obereinatimmong in besag auf den 
inhalt. wir haben also die cleviscbe quelle zu suchen au Ts er- 
halb Bral).<[lt^ hei den dichtem, die den Scliw (imLier zu einem 
herzog von Brabant machten, die cleviscbe tradiiiun stimmt in 
der gesamtheil der einzelzOge und der nuslassungen austsclilicfs- 
lieh zu Wolirams version, also muss man sich in Cleve an Wol- 
fram oder dessen vorläge angeschlossen haben, da aber Wolfram 
und nicht Kiot Brabant in die litteratur einführte, ao iat Wolfram 
die quelle, die entlebnung fobrt also au Wolfran. — kann aber 
die clefiache aage nicht doch eine aelbaUlndige erfindung aein? 
da Wolframa veraion der auafluaa der eigentllmlichen auflkaaung 
dei Grala ist, dieae anßaaaung die auaarbeitung beaiinunter sOge, 
die aualaaaung andrer sur folge baue, da die clefiache veraion 
bierin der Wolfiramscben fassung entspricht und aufaerdem daa 
cleviscbe ^GraU' an den Gral erinnert, so ist die cleviscbe sage 
eine entlebnung: sie ibl die oachbildung. der Woiframscben 



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40 



BLÜTE 



?ersioD aus einer iMt« da noch keine epectelle brabenüscbe Ire* 
ditioo bestand. 

Und dieee niclibildiiDg imee echon vor Dielrieh Poere lode 
(1260) Tor eich gegangen eein. alle deutschen bearbeiinngen 
sage vom Schwanritter, die aich an Wolfram anschleeeen — der 
jüngere Titarel, der Lobeogrin and sein gefolge fowie Konnds 
vWflraburgScfawanrilter, sind ohne einfloie anf die demehe sage 
geblieben, obgleich doch bei Konrad Cleve vom geschlechte des 
Schwaoritters genannt wird, so fest wuclis der Wolframsche kern io 
dem gedäcbtnis, dass eine französische namengebung das weseo der 
clevischeo tradiüoo nicht zu äudero vermoclile. und es ligt in der 
ualur der dioge, dass als man sich in Cleve der herkuult zu 
rühmen anfieng, es auch einer geslali bedurfte, unter weicher sich 
die herkunfl vorstellen liefs. und hieraus ergibt sich, dass nach 
der autorität Wolframs c 1260 in Cleve wenigstena folgende lOge 
galten : 1) eine Jungfrau, welcher nicht nur der vater sondern 
auch die mutter gestorben war, berichte über BrabanL t) aie 
wurde die gemablin des Schwanritters , den der Gral ihr aante. 
3) der ritter verschwand nach der verbotenen ftige. 4) er lieih 
achwcrt, hom und ring surflck. 5) von einem nachkommen alanmte 
man in Cleve. — schwer ist die namengebung lu beurteileo. 
möglich wäre« dasa durch die eblicbe Verbindung mit Brabant 
(1233) und die dadurch entstandenen berühruugen schon damals 
Helias, Beatrix und Nimwegeu aufkamen. — 

Wir consiaiieren eine zweite periode. sie unterscheidet 
sich von der ersten durch dn-i züge: 

1) der ScliwaDi lU.T wird als eine aulochlhone erschei- 
nung aufgefassi. 2) die :reRchlechter der grafen von Loo!« der 
landgraten von Hessen, der grafen von Teisterbant uaa. werden 
als nachkommen des clevischen Schwanritters betiacbtet. 3) die 
erinneruug, dass die gestalt der sage von Wolfram auagieog, »t 
echon Ungat entschwunden, es hat den anschein, ala wire die 
sage unter den einOuss irgend einer franiOaiachen renion ge- 
kommen; denn £lyas wirft nach seiner vennahlung die feinde 
nieder, die frau stcUt nachts die frage, die gatUn helfet Beatrix, 
der ritter seihet Elyas», der landungsort Nimwegen, und dem 

* in deo deutschen Versionen — Parzival, Konrads Schwanrilter, dem 
jüngeren Titurel, dem Lohengria — sind die namen Eüas (Helyasi aad 
Beatrix aicbt bekaoot. ' ' 



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DER €LEVI$COE SCHWANRITTER 41 



Sdunnritter entslammen drei sofana in flbmiiisliiiiinimg mit 
den drei enkdii der (kiniOeiiehen Mge. doch lioniiten sich die 
drei aOhne entwieketn ans der eniaM der geechleebter, die meo 

mit Cleve in Verbindung brachte, die namen Elias, Beatrix, Nim- 
wegen können scliou zu Dieiricb Puers zeit aufgekommen sein^ 
sowie die oacht als zeit der frage, die niederwerfung der feinde 
st nicht charakteristisch. — in seinem inoerea weseü aber bleibt 
der Wolfiamsdie kern uoberübrt^. 

Eine datieniog dieser iwetten periode ergibt sieb Dament- 
ficb aus der erwIhnuDg der geschleebter Heaseo und Looi. 

Koorad, einer der drei sOhne des deriscben Scbwanrittera, 
lagen TdScbnren und Jobann vLeydeD » wurde dorcb beirat der 
erste landgraf von fleasen. aber der erste landgraf von Heesen 
war Heinricb das Kind (1247/62^1308). Täter war diesem 
fleiorich u vBrabaot (1235 — 1248), muUer Sophie von Thflringen. 
haben die laodgrafeo von Hi ssen sich auf diese SchwduriUerher- 
kunfi je berufeD — ein anderes zeugnis als dieses clevische bab 
ich nicht ausfindig machen können — , so küimte dies nur des- 
halb seio, weil sie aus dem bause Brabant bervorgegaogeo waren, 
eu nraatand, dem sie widerholt ausdruck gegeben haben \ Cleve 
trat mit Hessen allerdings in Terwanlscbaft, oboe dass aber daraua 
ein landgraf von cleTiscber abstammaog ward^. die verflecbtung 
der heasiacben landgrafen in die aage des oteTischen Schwanrilters 
kann demnacb nur das resnltet sein einer seit, da in Cleve die 
eiinnerting an dnen lusammenbang swisehen Hessen und Bra~ 
baut verloren gegangen war. dass dies erst lange nach HetDricb i 
(t 1308) geschah, als die sage bereits einen auiücliUioiieii charakter 
aogenommen hatte, darauf weisi die einfQbruDg eioes Konrad als 
des ersten Innd^'rafen von Hessen ^ 

* Konrad und dci Loh*'n^riri kennen DOr zwei söhne. — Wolfram hSt 
ttSy 9 gewannen samet schoeiüu kint. 8. oben s. 17* 

* Cleve eigeotöroliche züge sind : 1) E. wird von besonderer körper- 
gr&foe geschildert, he wo* seer groit van ptrsonsn ind van iyue, bynae off 
U eyn gygani getoMtt wer» (vdSchQieB 440. 3) B. bfioft elotn adiild 
■it, avf wcichen sieb das deviaclie wappe» mit den seeptera bcfladet, — 
idMNi 1247 «igte das devlsche aicfel dieses wappea, t. aaliaDf t. 

* Chr. Bommel GescUebte vea flcssen n (Kassel 1828) s. 39 It 

* devisebe giafeotikbter kameo ca. iST6 nad 1339 alt gatttaaca nach 

* der tiame Konrad i<?t in dem landgraf!. hess. haus nie gebräuchlich 
geweaem — KScboltco erwibnt aao. i. 209 ^aogeoaniilc herren tob Uesaca, 



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42 



BL&TE 



vdScbnrai ood JohaDD vLeydea nenoen fiM'Der alt enlen 
grafeo fon Loos (a. d. Maaa) Gottfried, gleicbfalb eioeo aoha dm 

cleTischen Scbwanrittere. onter diesen grafen Ton Loot dürffii 
hier nicht verstaadeo werden die ;ilten grafen von Looz (Loen, 
Los), welche c. 1106— 1191 und 1222—1227 auch grafen von 
RiijL'ck im llinterspessart waren, die gr.ilsrlitfi Looz urkundlich 
schon im 11 jh. besafseu und 1336 mit Ludwii; iv erloschen, 
denn diese stammten — trotz Konrad voo Würzburg — nicht 
von einem Schwanritter ^ kannten in ibreiD geacblectit den namea 
Gottfried oicbl uod alaodeo in keiner verwantacliaftiicheD be- 
lieboDg tu Clefe. gemeiot können bier nur sein dietpateren 
gnfen Ton Loot, db. die herren ?on Beintberg (bei Roermond)» 
die infolge ihrer abttammung in der weiblichen Knie nach dem 
annterben des alten bauses anspHlcbe auf die grafecbaft erhoben 
und, obgleich sie dem bischof von Lüliich weichen musten, trotz- 
dem seit 1361 fortfuhren sich graleii von Looz zu nennen und 
das alle Loozer wappeü zu führen, diese sich grafeu von Looz 
nennenden herren von Heinsberg waren seit der zweiten hüllte 
des 13jh$. nachkommen des Schwanritters, allerdings widerum 
durch Brabant^; nur hei ihnen kommt der name Gottfried ala 
der. name der n^rendeo herren widerholt for, nur mit ihnen 
hatte Cleve verwantachaiUiche beziehungen, die aber von keinem 

wdche Yom 14 jh. an io der clevischen geschichte yorkommeD* : 1823. t348 
08W. — diese können aber nicht ^ wie Schölten vermutet, aus der ehe 
»wischen Otto, soho des laridgrafcti Heinrich ii, und der Elisabeth, tnchfer 
des graft ii liiclrich viii (ix), hervorifrfi'ancen srin : Ottos ehern heiifitetrii rrsl 
1321. <Hi(i ^v\hsi 1339. übrigens komnil auch bei diesen herr« n Min llts^en 
kein Kouiad vor. — ich möchte glauben, dass die clevische hisioiiogra(>hie, 
nn den cIct. Schwanrilter möglichst alt erscheioeD zu lassen, deo bei Re- 
giao a. d» J. 906 genaooten Canraiut tmior in Hattiu warn nadikoiiineo 
des Elyat machte, mit ihnlichem sweek weide auch in BralMnl Salvioe 
Bfaboa tn elocn icilgenoaaen'JCMan gemaciit. 

* fär die geneaL ▼crhiltaisse in Loos t. Erost io Art de vtöf. L datee 
8* aoag. av 264 ff nnd Bitt d. limboorg 1. 1, $86 anm. 2; MaaleUos Hiec, 
loa,* 17t7i MJ Wolters Cod. dipl. loat. Gaod 1849. för die Los-Rinecker 
geneal. Terhaltnisse FrStein in Arch. d. hist. Vereins v. Unterfranken (oder 
f. d. Untermainkreis) bd 20 h. 3 s. tff, bd 22, 243 fr; MWieUod ebdi bd 20 
b. 1 »• 2 8. 61 if, besonders die regesten s. 203 ff. 

* Dietrich n vHeinsberg (1257—1302) heiratet 1254 Johanna TLöweo, 
durch ihren vaier Gottfried herrn vLöwcfi eine eolttUa Heierichss vBrabaot 
and der Biathilde vBoologae* 



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DER CLEVISCHE SCHWANRITTER 43 



MÜttii mt die heriiiiBft seio koDDtfln K alt dud Olm aoAeng 
Dur Mioeo SebwaDriltcr lo berOcksicbtigeD , werden auch diese 
▼OD Loot deshalb — eo scbeiiit ee — tn naehkemineB 

des clevischen Schwanritlers gemacht , weil es in Cleve bekannt 
war, dass sie, verwante von Cleve, einen Schwanrilter als stammeS' 
berro beansprucluen. legen wir nun gt wicliL aut den tilei ''grafea 
▼00 Looz', so führt uns dies ,ujf eiü daluni, ^t räume zeit nach 1361. 

Diese eioreihuag fremder büuser io die devische geschlecbts- 
•age weist auf eioe aeit, da die traditioo in Cle?e besondere 
pflege fand. 

' 1368 erlischt das alle deriscbe haus im manoesstsrnme nach 
oiehr ab 300jlhrigeni bestehn. die grafen Ton der Mark treten 
an ihre stelle. ansdrOcklicbe seugoisse haben wir oben enge» 
flDhrt, wie dieses geschleeht im 15 jh. die sage besonders gu1> 
tifierle : in dem grabdenkmal des grsfen Adolf, in dem widerauf- 
bau des schwaoenturms, io deo gewUrkten teppichen, io dem 
lurüier zu Lilie, lu der bedeutuug, die es oacb vdSchurea der 
gestalt der sage beilegte, in dem neuen fi:eschlechl siod die ge- 
jiealoi^i»ch»'n verbii)(lyngeü der vergangeuheil verblassl, die pbao- 
tasie hat mit dem überlieferten ihr freies spiel, willktlr, absichtliche 
eotsteUuog greifeo ein und bilden die traditioo zu einer gestalt 
um, wie sie vdScfauren in anmutiger weise wider erzählte, und 
Tennutlich gehn wir nicht irre, wenn wir in Obereinstimmung 
mit den seugnissen nicht Adolf, den ersten grafen ^on der Mark, 
der sogleich aber dete herschle (f 1394), als den neubeleber 
der sage betrachten, sondern dessen söhn Adolf (f 1448), den 
Widererrichter des schwanenturms, unter dessen regiemog Cle?e 
1417 ein berzogtum ward, und die kinder des letitern, von denen 
iohäüu I (t 1483) nach seinem valer das land verwaltete und 
mit seinem bruder die geschiehte vom Schwanritler 1454 iii so 
reicher ausslaltung zur darstelluug brachte, im 15 jb. also er- 
hebt sich die clevische tradilion zu einer neuen pcriode, ungleich 
glänzender als die erste : Cleve hat jetzt einen eigoeo Schwan- 
ritter mit eioer eignen geschichte, weit poetischer ond färben« 
reicher als die gleichzeitige brabantische sage von Salvius Brabon. 

* über das hws Heinsberg vgl. Art de I. dates 8** ausg I. xiv 

328 ff. — dass c. 1200 Aroold ii(m), graf voq Cleve, die er L> lochter Adelheid 
THeinsberg geheiritcC haben sollte, wie es daselbst 328. 331 heifsl, ist ein 
faitom, wie sehen sds der erbfolge io Cleve ond Hehitberf hervorgeht. 



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BLOTE 



ZwiwheD der ersten und iweiten periode ^ die Q&gefhhrai 
gremen mOgen 1300 und 1400 gewesen sein — nues eine 

dbergaogszeit gelegen haben, in welcher sich die sage fermutlich 
niUodlich weiter pflanzte, dass die geslalt der iraditioQ aus Wol- 
frams Version hervorgegangen war, ward vergesse [i. die entwick- 
lung, weiciie die sage in Brahaat selbst dnrchiiiachle, eine um- 
biidung bis zur unkeDollicbkeit, war in Ueve einem festhalten 
an Brabant nicht günstig, uod als auch nun noch Nimwegen 
als einstiger clevischer besiu anfgefasst wurde, und Nimwegen 
als landuDgiort galt, da waren die geograpbisclien beteichnangeo, 
an denen man den susammenbang mit Wolfram am dentüchsteo 
erltennen konnte « verloren gegangen, nur ein wort, der *Gn\\ 
nnd das wichtigste : der verlaaf der handlang, wie Wolfram 
ihn einst festsetite, retteten sieh in die neue bUlteieit 

Unsere resultate sind demnach folgende: 

1) die herkunft vom Schwanritter im devischen haos datiert 
aus der ersten hslfle des 13 jhs. 

2) Cleve gelangte durch Brabant su diesem Ursprung : eine 
in der ersten hilfte des 12 jhs. vollaogene und anfangs des 13 
in der erinoerung fortlebende ehliche Verbindung fflbrte zu der 
Ix Tuiuii^' auf die herkunft, eine andere 1233 eingegangeue iesltgte 
vermutlich die einmal angenommene auffassung. 

3j iIm- clevische sage lehnt sich in ihrem ältesten bestand 
an Wolframs fassuug an. diese anlehnung fand schon im 13 jb. 
Stell, wol kun nach der aufnähme der herkunft. 

4) die sage^ in der gesteh wie wir sie aus vdScburen kennen 
lernen, ist das resnltet einer entwicklung, die erst nach 1368 
ihren abschluss finden konnte, als das mürkische haua die graf- 
achafl Cleve an sich gebracht hatte, die bittteseit der sage im 
15 jb. datiert höchst wahrscheinlich von der idt, da Cleve cum 
berzogtum erhoben ward (1417). 

5) die clevische sage ist für mythologische zwecke unver- 
wendbar. 

Anhang 1. 

ZoM cLEviscnn wappw mm son abpassdpigszeit ton Komtina 
V. WtasBono ScBwaiunriB. sn s. 2ff. 36* 41 anm.2. 

Koüiad vWurzburg beschreibt im Turnei von Nantheiz (ed. 
KBarUch, Wien 1871. v. 512 0) das clevische wd|ipea von 1257 



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DER OEVISCHE SCHWANRITTER 45 

ateo: m& wipmMim riHn toft {if Ü» planhan wm deomt 
dir gMure em gräve missewmde bwr mit einem schilte totx 
get>€tr der was mit hermin über^preii. ein ander schift was drin 
geieit der Uzer glänzen keim rOt vil iiefUen glasl den mtgen 
böt, {kele = franz. gueules *roC). diese bescbreibuDg ist richtig 
was die uolerscheiitenden zeicheo betrifft, denn 'das sieoel des 
grafeo Dietrich v vCleve, welches an eiDer urkuude des j. 1247 
haogt, zeigt auf der Vorderseite den grafen zu pferde, auf der 
rflckseite den schild mit dem herischild und den sceptero', 
WM hr geh. «rcbifnl dr Herless in Doieeldorf mir mitiuteilen die 
gute halte, beachten wir nun aber, da» die apiteren beaebrei- 
bnngen dea cleTiacben wappena inraner einen ailbernen ben- 
acbild in rotem fetde augebeii, aomuaaK. die fiirben* dea feMea 
ond dea beraachildea mit einander verwecfaaelt haben, waa bei 
der anzahl der wappen, die er im Turnei schildert, nicht wunder 
nimmt — Gert vdSchureo (Cleviscbe chronik hrsg. v. RSchoIteo, 
CleTe 1884, s. 43) gibt ca. 1478 von dem Schilde des Schwan- 
ritlen» und Cleves folgende heschreibung: eynen schiUy die was 
van keUf dcU is roü gevarwet , mijt eynen inschilt van sylner^ 
Mtyt aeht gülden koenynghs sceptren na formen van lylyen oeuer- 
uroiNPer, M mydden vergadirmkk in ejfnm guUtn tpaxm», ind 
Mr imt aUm myddfna itynan jcftanen Mm steyn van cynoftar, dat 
ü gromf M laot ijyiia «irtU«. er apricht auch von einem 
firttheren wappen, daa ?or der anknnft dea Schwanriltera im ge- 
braach geweaen aein soll: ly» guUM mkät ind dakr wi^fdim 
iime eyne roide rote (s. 42). — flir die altere zeit sei noch be- 
merkt, daaa daa aiegel Dietrieba ir an einem brief vom j. 1 170 und 
an einem andern, spStern ein wappen ohne abz eichen auf- 
weiät; er und sein bruder Arnold haben noch später einen lOwen 
im wappen, nach van Spaen Oordeelk. inl. ii 61. iii 203 das 
einzige beispiel, dass clevische grafeu uiiien löwen führten. — 
^as wappfii selbst kannte also keinen schwaol 

Inbezug auf den heimse h muck erwttboen, soweit mir be- 
-fcannt, erst wappenbftcher des 17 jhs. einen schwan. Th. deRouck 
sagt (Nederlandtschen Henuld, Amsterdam 1645 s. 212) von der 
helmiierde ^gewöhnlich awei schwane (soll wol beiüMn : roie) 
•ocbaeohOrner, suweilen «ur untaracbeidung von andern ein achwan 
nun andenken sn Heliaa'; er bemft aich dabei auf Geliot p. 66. 
in B.vmAkerlaeckena Genealogien der bertogen van Gelre, Golick, 



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46 



BLOTt 



Ckm usw. (fang. 1655) bat d«r herold voa Clefe «hau scbwan als 
haliDsehniack. — wie weoig aber dieser achwaa uraprtaglkli 
ttiid wie spfli und selten seine anwendiiog gewesen sdn nuas^ 
erwhen wir aus einigen versieilen der CUo Ii enapia des cleTischen 

dechanten Petrus Verhageo, 1641 (mir nor bekannt aus Dilbmar 
iu seiinT ausgäbe vou Tescheuuiachers Aonales Cliviue tlc. 1721, 
s. 199 anm. 4), in welchen alle einzelnen teile dt^s ckvischen 
Wappens, auch der beliuscljuiuck, symbolisch ^ed* nU t werden : die 
8 goldneu s^cepltr, der schueeweilse lin /s< iiild , das purpurne 
(= role) leid, der üchsenkopf mit den liünieru (als helmzierde)» 
das diadeni; aber von einem scbwan, der doch zu einer präch- 
tigen deutung anläse gegeben btttle, ist bei Verhagen nicht die 
rede, bringen wir nun weiter in anacblag, dass vdSchuren, der 
in aller breite die gesebichte ?on Eifas mitteilt, gans ?on einen 
sehwan im wappen schweigt, obgleich es ihm nahe gelegen hatte, 
die beuehung swischen Sebwanritter und sehwan im wappen her« 
vonuheben tu einem neuen beweis oder lur angäbe einer Und^ 
rang des wappens; dass auf den siegeln der grafen und her- 
loge Ton Clete weder im scbilde noch in der draperie jemals 
ein sehwan ßguriert, wie mir br dr Robert Scboltenf Verfasser 
der 'Stadt Cleve' (Cleve 1879 — 1881) und herausgeber von 
vdScburens cbronik, freunillic h>l lunclilele; und dass auch Wier 
in der zweiten bälUt; des 16 jb:^. die beziehung zwi^rlu n Ursprung 
und witppen nicht hervorbebt, so dürfen wir sagen, dass der sehwan 
als sehr seltner und nur zeitweiliger helmscbmuck fru bestens im 
letzten viertel des 16 jbs. aufnähme gefunden haben könnte. — 
in das wappen der stadt Cleve ist der sehwan erst im 17 jh. auf- 
genommen (briefliche milteilung des hrn Schölten). 

Das wappen von Cleve gibt Konrad in seinem Schwanritter 
demnach unrichtig mit einem scbwan; in seinem Tpimei richtig 
mit dem henschild« und ahnliches beobachten wir bef dem bn- 
bantischen wappen. nach Roorads Vorstellung im Schwanrittsr 
fuhrt auch Brabant einen sehwan; die riehlige beschreibung des 
Wappens tindet sich wider im Tnrnei 507 ff. — im Zusammen- 
hang mit den wappt u Cleves umi Üraliants wird üuu lUr die 
dalieruug von Konrads Sebwanritter aueb Uds wappen des her- 
zogs von Sachsen von bedeutung, weil es sich dabei nitlU 
um einen sehwan bandelt, bekanullicb stimmt die bescbrei- 
bung der rüstung des säch^iscben herzogs im iichwanrilitif 



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DER GLEVISCBE SCHWANRITTER 47 



(906—028) tni iNirdieh sa der in Tuniei (398—420). saeb* 

lieh weichen sie nur io einer beraldischen besonderheit ab, die 
widerum im Turoei richtig ist. Tuiaei 40ü 11 : und was von 
röten kelen drin geUit ein kalber adelar; Schwanriüer 914 f: 
und was von zobele rehte drin geleit em halber adelar. der 
halbe sächsische uud anhaitiscbe adler ist rot, da^T^rn ih r schle- 
sische uod poloiscbe schwarx. auch den Uraudeoburger adler 
^bl richtig rot im Turoei 437 f: ein glanzer adelar , , . der 
wtt Mit lithttü kduk r4L (vgl. vdUagen Minoesioger iv 37 f.) 

AuB alledem aebeiot sich ein lermiDas ante quem fQr die 
abfasaung tod Kenrada Schwanriller tu ergeben« das Turnei 
gilt ala feste baaia : kun nach dem Aachener turoier, welches am 
17 mai 1257 stattfand, der Schwanntier bietet dreimal die unrichtige 
angäbe eines wappeos, die Konrad nicht in einer franiOsisefaen 
▼orlage gefunden haben kann; das Turoei in diesen drei Hlilen die 
richtige, die bescbreibung des sächsischen wappins ira^t hier sogar 
den Stempel der besst ruriir. beide werke gelirtren der ersten zeit 
des di< lilei s an : die t rzählung vom Schwanriller muss deniuach 
?or dem Turoei uod vor dem Aacbeoer luroier eotstaodeo seio. 

Anhang 2. 

DlB VKRBUinOIIO DES ScUWAPCRITTERS MIT DEM GrAL BEI GeRBKBT. 

su s. 26 aom. 1 uud s. 36 aom. 1. 

Auch bei einem der fortsetser Cresiiens, bei Gerberl 
(twischen c. 1220 und 1225)« beiralet Percheval die Blancheflor, 
enthalt sich der gattin in der brautnacht und hat den Sehwanritter 
sum nachkommen (eine anaiyse der 15000 verse hmgen dichlung 
Gerbt'rls hei ChPotviu Perceval k Gallois vi 161 — 259, liürzer 
nach Potvin bei ABirch-Hirschfeld Die sage vom Gral 102 — 107). 
ich bedaure, dass ich iu dem zusammenirelTeu dieser drei puncte 
bi I Gerberl und Wolfram nicht mit EMartiii Zur Gialsage s. 18 
(vgl. ders. Anz. v 87, RUeinzel Die franz. Gralromaue 8. 78. 67 
und W8B bd 130 Wolframs vE. Parzival 80 Q» der Uhrigeos hier 
nur fon der Verbindung mit dem Schwanritter spricht, *ein gans 
sicheres leugnis' su sehen fermag, daas Wolfram, auch wo er 
Ober Greatien hinausgeht, in ttbereinslimmung mit der Terbrei- 
telen sage ertfhie. allerdings heifst es bei Gerbeft, daas er «tte 
arbeii Crestieos, als jeder troufire dieselbe liegen liefs, wider 
nnfgefflommen und alsdann gedichtet habe ssfott la vnii aHoAie; 



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48 



BLOTE 



dm 6«tt ihn kraft gewihm mOge, das ende der guehietee 
Tom Perehiftl ni erreidMii, «dcba er miUe ; m omi U Itvrei 
H wfmn 9ä h wißtUn m m mripte (Pot?in t. M)* aber da 
eotMiiiadett von Geribert berrahren anM, dan Pewh et al , alt er 

tarn iweilen male aaf der GraUmrg war, noch siebl würdig Im» 

fundeo wird, il e \>alirheit iu beiug auf Gral und laoze zu er- 
fahren (deuu l'tüclievdl besieht die probe im: dt-m ^'ilirocheoen 
.^thwerlp noch nirhtX — da ferner al^o aiicli vo[i (lerlierl staiiiinl, 
da&s Fercliev.ll ah>Tiii:4ls umherwaudert uud dn snul 7 jähre 
laug, da wir weiter bemerken, da&s tierbert für die ausfüliuog dieser 
7*/f jähre keine eiabeatliche quelle beauUle, soodera aeiii material 
aus Crestien und desseo forUetzera (Pieado-Gaalier, Gautier, 
Manessier), ava der Qa^te, tielleiclil aach aaa deaa Graad Saial 
Graal, odcnr aach einielaea aaa aaa aabekaaaler qaeBe achopfta edar 
aelbat erftad (RfleiaaelGftlraaaaaea. 761), >^ Mi ia Gcrbeits aagabe, 
daaa er arbeice ailaa h wnk ^Mn aad enible, at caw If Inaii 
9k ia wm mn <a atf eaer^ie, wahrbeil aad dicblaog geauacht. 

Voa den drei erwihnten überematiaMneoden paadra keaaaaea 
uun besonders die eiiduhiii:^' in der hrariinach; und die terbio- 
du Iii.' uiii dem SchwauiiUt'i m iTiudjt. .i-'nn durch ihre eigen- 
liiinliL Ijkeil vxicken sie mehr als auiiere uioii*e li n Vf-rdacht der 
euLleiiuuiii; aui; gemeinsamer quelle, die Vermählung aber, die 
aufäer bei WolCratu und Gerberl la deu Graldichtungen ooch im 
Sir Perceta) vorkeaMat, ist hei der freibeit, mit welcher die dichter 
der GniromaDe dea atoff hehaadeilea, bei der atlgemeinheit dea 
motita and der aatweadigkeit deaaelbea bei Eiol-WalCnai aad 
Gerben «egaa der aacbkeeuaeaacbaft eia m, e la «eaig eatp 
acbeideadea Ihctaaa, ala dasa naa danaa man ai c bei bait aaf ga- 
Bieiaaattfa Ursprung achlieftea knaaie. 

taalcbatalaa die eatbailaog ia der braataaehl» bei 
Kial-Wolfraai ist Panira! ein sich eatMlender cbamkler, der 
iu ueufu lat:eu stets LrUi erlahruugen macht uud neues zu i'-rijen 
h^t; die enihaltuiii: wird also eiue cooMquenle folge von Parzival? 
dilmmling^natur , die wio la audefeu dingen auch in dieser nia- 
lerie sich Uild iurechttindet (203. SV irgend wie mit dem Gml 
oder uui foliren für die lukunfl bat die euthalluog im Parz. oicbts 
lu schaffen, denn noch brvor Pari, laa der cxisteni eines Gral 
gehört, nimau er die Ceadwiramun zar baa. — hei Gerbert 
ligl die aacbe gaai aaders. Percbenl Maa» aaa arirdig befiaadea 



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DER CLEVISCHE fiCBWANRITTER 49 



ta werden, «as jedtm ritterliehen Icaupf uid jeder uHlBohUiiig 
des Midies ab neger berforgehOt Air eeioe eQiiden vei^ttng 
fladen oder dieselbai wider got naeheo, und eo «di bewttireD 

ele den ed)t«n Gralfinder. was andern nieht mO^wh; soll 
Percheval ieisien. so auch iu der keusclilieil. auch hieriu 
soll er sieb auszeichueUf um mehr zu geilen als gewöhnliche 
sterbliche (et fwr ehe veiUje e$(re en chastie, por mieux valoir, 
I*olvii) s. 187), sicli Iwherscheii sogar, wo nach göttlicher und 
menschlicher saizuog der 4imgang erlaubt ist. dass Percheval 
woli ihm darbietende frauen und den teufel in weihesgestalt vor 
Qod nach seiner ebe dcb Tom leibe hält (s. 168» 174» 228), isUXOr 
ib«, der der meinuog tsl, daae U kam {til vU itMmmt k 
aa wiamikni m naraa ar fßrdt him ta aHoiMa .... i1 faä 
caaex am momUage (a. 187), Dkbt aeaderlkb aebwer. ond fttr 
des dichter ftsden aich ibiiliche aofeehtuDgea iQ der QoMe. 
daaa Perche?al in der nacht ror dem hocbzeitstag («. 198 f), aJa 
die Ülaucheflor sicti zu ihm m& schlafgemach geschlichen, um 
bei dem geliebten mnnne zu sein, auf dem gemeinsamen lager in 
sehr vertrauter sieliuug die blaiicheOor, nach der er sich nach 
langer trennung sehnte, in ihrer reinen jungtraulichkLii unbe- 
rührt laaat, sieht dem manne ähnlich, der sich nicht weiter ver- 
eimdigeD mag^ damit er oadiher den Gral nicht wider verscherze. 
w«BD er aber io der brauloacht (a. 207 fl) besteht trott der bef- 
lifea anlaebtBOg, oiid er und die gatUo, weil imd nicbt wiaae, 
•b sie mfolge dea karperücheB genuaaea nicht feriierao« waa die 
erwibltBD iD der grofaeB freade dea biBmieia bftben werden bS., 
Bich mieltt aB Jeeoa weoden mit der bitte, da» er ale $art ih 
tiMstie sms britier lor virgmüe, so bat naeb dea diehtera Tor- 
slellung Percheval damit das höchste erreicht, denn Gott sendet 
nun gegen schluss der keusch verbrachten uachi seinen boten 
herab, der den Percheval biax frere nennt, ihn wegen seiner ent- 
haltsamkeit und seiner gesinnung lobt, ihm verkündet, dass aufi 
•einem gescbieobte drei brüder als eroberer Jerusalems hervor« 
gebn Wiarden, und ihn antreibt, die suche nach dem Gral nicht 
aafrugebeo, damit ihm das neuverkOBdele heil nicht entgehe. — 
BBd anch infiMriieh teigt Gelben, daaa für ihn die biMitnaebt 
WM die fenniUnBg ebi hObapBoet aeiner diebtnog war : ala Per- 
cheval asi Biebaten tage aieh widemm auf die Gralanobe macht 
Bild BlaBcheAor wider verlsaat, spricht der didiler aich aus ttber 

Z. F. D. A. XLU. N. F. XXX. 4 



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50 



BLÜTE 



seiDen ond seiner vorginger (Creslieos und der forUeUer) anteil 
ao den Stoffe, bei ibai, Gerfoert, fiade sich die vennalilang: 
A f a er a fm§ fri» Si com la tnelere dtmown Gerbers, 
qui a rtfrüt fwsft Quem ^kmem» mvirt U lote; Mai» 
ar m a fmU h Imm Gtrhn mim kt erow ftfe«re new. (e. 2121); 
ent naeb 37 feraen belraebluog icbreilet G. io aelner erüblimg 
weiter. — Riot-WelfireiD uod Gerbert kaoolen demnaeb ein jeder 
von seiner idee aus auf die enlhaltung in der ersteo oacht ver» 
fallen; aus einer geroeiDsanien quelle brauchten sie dies motiv, 
das bei jedem so franz verschieden geartet ist, nicht zu schöpfen. 

Ähnlich die Verbindung mit dem Sch w a u rille r. bei 
&iot- Wolfram ist der Schwanrilter das finzige beispiel, dass 
eio riUer vom Grale in ein herrenloses laod gesendet wird; die 
geheunnisvoUe aokunft und die frage Bind bier binderoittel, wie 
sie an dieaem iweek ItauaD eine andere sage bot; der Sebwifr- 
riuer ab abgeaanler des Grala iat fom ganten aua betrachtet 
baoptaacbe; das geacblecbt, dae aua ihm geboren wird» iat kaum 
aogedeotet; die andeutung fQbrt bei Wolfram noeb in faJacber 
ricblung, niebt naeb BoaiHon aondern naeb Brabant, nnd fllr die 
erhübung Parzivals bat die Verknüpfung keinen wert, dass Riot- 
Wolfram lüi deu ritler gerade einen s u Ii u PaizivdU wählte, 
nicht einen andern diener aus der Umgebung des Grals, geschah wol 
mit rücksicht aul Pai z. 494, 7 — 30 (s. o. s. 27). — wie ganz anders 
auch bier wider bei Gerherll erinnern wir uns zuerst daran, 
dass G. eine combiuation nicht immer so ausführt, dass der zweck 
klar bervorlrate; dass ferner bei Gerberl Percbeval in ailem als 
auserwählter beld erscheint, wenn wir nun eineraeita aehen, daaa 
Gerbert den Percbevai in der abatammung gana nahe an den 
Orient rOcJtt, denn Perchevala matter Philoaopbine iat eine der 
xwei fmen« die mit Joiepb vArimatbia und dem Gral aus den 
bK fand kamen (Potvin a. 177.. 242 S), aie ala trtgerin den 
tellers, im taiUSüir plus der que lune aparta (der dichter lässt da- 
für die mutter 300 jähre alt werdeu, obgleich i^ercheval und 
««eine schwesler junge leule siud; s. 175 f. 248, dazu RHeinzel 
Gralrom. 77), — und anderseits dem Percheval verkündeu liören, 
dass aus seinem gesclilecht drei brftder hervorgehii werden, die 
Jerusalem, das grab und das wahre kreuz erobern, so scheint 
der gedanke zu gründe gelegen lu haben : die mutter wiiefa 
den Orient mit. den arwablten ioaepba TArimatbia und de» teuem 



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DER CLEVISCHC SCHWANRITTER 6t 



reliqaieo Gral, lanze, scbOiMl; ihr Mho war inoi Verwalter dieser 
hOehateii kteiaodien im abendlande beatiiDiiit, aber nachher aoUten 
«üese verloraa- gehn. Illr die naefakoinnett des aohnes hud war 
elwBs gröberes aufgespart, sie sollten dereinst besila ergreifen 
von dem teuersten wsa die ehristenbeit kannte« von Jerusalem« 
von dem grabe, von dem wahren kreuie. eine Steigerung der 
ehren also führle den dichter zu GotU'ried vBouillon. deuu zweck 
der Prophezeiung ist nicht, dass aus Percheval einsi ein Schwan* 
riüer geboren werden soU (auf einen solchen würde man bei G. 
nicht einnicil schliefsen, wenn die gegchichle vom Scliwanritlpr 
nicht aiKkrvveitig bekannt wäre), sondern dass aus seinem ge< 
schlecht Gottfried vBouillon und dessen brUder, die befreier des 
hl. grabes« bervorgebn. das zeigt neben den swei dreiheiten, 
Gral lanze schUssel und Jerusalem grab kreuii namentlich der 
genealogische chankter der sage wie Gerbert sie mitteilt; was 
das geschlecfat erhebt« wird kun erwidiiil« fOr die sage an sich 
wichtiges wird asagdasaen : d$ tm Ufp^ «ewia^ C$ fodbrn-ln» 
«M imcels Qui moufr sri aoemmt el M; Ifnrife ert d 
ricAe rm'; Jfa£i, for pMÜ er jmr dsirst', Sm» dittru, 
mrt en f/rmt pM B'ardoir o« d$ man d eschil; M91U 
./. fix de Ii naistera Qui de ce peril l'ostera; Amre en- 
fatU de U naistetotu Qui plusors terrti» conquerront; ,L en t 
aura, c*est la «ome, Qm primes aura forme d'ome, Qui mouU 
ura ei gens et hiax Et puts devenra il oisians, Dont inouU 
tri dolans pere et mere; Et saches bien qu'ä l aisne frere Avenra 
aventvre beU: A femme auratme puceU A cui vemu terre sanz 
failU^ fm' wne force de bataiüe; Ei da eslut Ii naistera Ün$ 
flu qiU mmu J, frmt pu mouü e$tera gmu Et mouU plaisam 
ä tmutu fsna, Cot trok fii 4» H naUurmili Qwi Jkmudm 
«mfmmtp Is Mandat er Im tnsm ptHm» (Potvin s. 210« Birch- 
Hirscbfeld 103 0- — wäre Gottfried vBouillon nicht aofilUiger- 
weiso mit der sage vom Sdiwanritler verbunden gewesen« so 
hlttO' die sage an sich für Gerbert wol keinen wert gehabt. — 
Siol-Wolfnm nnd Gerbert konnten durch die eigenart ihrer dieh- 
tung auf ganz verschiedenem >vt gc zu der Verbindung mit dem 
Schwanritter geführt werden : aus gemeinsamer oder verwauter 
quelle brauchen sie die Verbindung nicht geschöpft zu haben 

* erwähnt sei hier noch, dass Gerberl wie auch Pseudo- Gautier, eio 
Crflhetei dem Mmco nach uobcluoiiter fof Uetaer des CreiUeo» eio voo eiocn 

4* 



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aLOTB 



Uld zu diesem crgebois fohreo auch grOude flurserer art. 
t) Mnt eioiige ftiniMisclM oder Mnatig« redaclioB, di« aidi 
iMchlielilieb mit 4er MiwcBrilt«mge besehiftigt — e» Mi dmm 
etile «Dt WolftviB abgeleitete — % gibt toeh mr die leiaeite »- 
deuluBg, -daaaF ihren entoren eine nerbindnng mit dem Gut be- 
IniBot geweaen wsre. — 2) keine Gcalsage kennt ^ nulber Ger^ 
bert und Riol- Wolfram, die Perebe?al-Panifal mOeaen beiralett 
fassen ihrer sitlliclien aulTassung uiul d^s küofligen geschlechtes 
wegen, und dem Sir Perceval, den uir aus spJSun atifzeiciiDUDg 
liennen, obgleich er einiges enthalt, was zu Kiol-Wullrnm stimmt 
(vgl. HHeinzel Wolframs vE. Pnrzival s. 50 f. 112), — t iue Ver- 
mahlung des Pereeval (a. die zusammeosieiluagen bei Bliemzei 
aao. a. 81), sogar Manessier nicht, der doch den beiden bis su 
seinem tode begleitet und der zeit nach zwischen Gautier and 
Gerbert, dh. c 1220 (Burch-Hiracbreld e. 119) arbeitete. 3) entp 
lehnte Gerbert, ao muaa ihm im gUnatigaten fall eine quelle f«r> 
gelegen habend ana welcher tocfa Kiot-Wolftim heint, enthaltnnf 
nnd Scbwanritter beiog. wir bitten elao hier widemn einen 
merkwQrdigen Terluat tu eonatatieren , nicht nnr die dicbtung 
Kots, nicht nur die vorläge^ RiotrOreetiena fa. Helniel aaow 
51 fl), soudero auch irgend eine quelle Riol -Gerberts, oder 
vermutlich noch ein andres glied ciiizwiadien. wenn von den 
franz. dichleru nur Gerbert heiral, keuscbheit und Scbwanritter 
halle, so lässt sich verstehu, dass seine auITassung nicht in 
die andern Gralromane drang oder in die bearbeitungen dts 
Schwanritters, denn Gerberts interpolierung scheint nicht sehr 
terbreitet gewesen sein, nur in einer hs. (12676 BNF, Petfin 
a. 161) hat sie sich soviel man weib erhalten, aber wem die 
quelle Kiei-Gerberta dem Klot achon um 1176 in die hSnde M, 
daa weik KioU dem Wolfram c 1200, die qnelle Kiet-Gerbem 
ilem Gerhert c. 1220, eo iat doch wunderbar, daae in dem b^ 
«endera receptiven leitraum von der mitte dea twolftett jh». tn 
-sonat kein dichter den Pereeval heiraten liefe oder mit dem wtlfk<- 
^men motir der ähatammung Gotlfrieda tBoniHoB und aeiner 

brnder operierte oder, falls er Pereeval wie Galaad jungfräulich 

> 

•ehwan so doct goldenen kette geiogeoea boot ciafllirt, mit dDen totea 
rItCer darin, der tote ligl in einem verschlossenen schrein. nur der beste 
ritter der Helt — Percheval — kann dfn ^rlireio Öflneu. Petrin 248 f| 
Rüeinzel Gralrom. 1^, dcasea Wolfnjus v£. F«rz. s. 81. 



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DER CLEVISGOB SCHWANRITTER 



hallAB woillfly DK^t irgoDd eweD mfraiitett inni'staBiiDvaiar Gott^ 
ÜMft maehCe, wie in der ttberiieferong des HoriaeD. (Aber den 
▼ater des M. Tgl. aber JteWinkel Nederl. letterk. i 187 ff.) 

Nach alledem kauu ich die überaeugODg nicht gewiniien, 
ddää die aokoüpiuüg der Schwanensage bei Gerbert ein so *gani 
sicheres zeugnis' sei, das« Wolfram, auch wo er über Crestien 
binatisgehl, in übereiastimmung mit der verbreiteten sage erzähle* 
ebensoweoig aber darf nuiD auf gruod des oben Mgeftlhrten die 
«duiOpfung der Schwaneosage bei Wolfram ohne weileree 'tie 
eip aicberee beiapiel' «mt vod Wolfram voigeiiomneD^D er* 
wtitenuig dar Gralaage bmehnen. Kiol und andera» Ist rer- 
»eholkm^ aelbsl weon meiee a. 33 anageaprochene lalgerinig 
richtig iai, daaa die Wolframaelie feraion der aage f om Sehms- 
fitter loo Wolfram lierrahrt , so iat damit noeii nicbt erwiesen, 
dass Wolfram auch der urheber der Verbindung ist, obgleich 
letztere annähme dieser folgeruog immerbm eine stütze fmdet« 
TiUturg i. Holland. J.F.D.BLüm 

ETYMOIiOö^EN^ 

Aber glaube. 

lo den äium auflagen seines Etym. wbs. bat Kluge alur- 
glaube als eia vsprUoglicb ad. wori erklärt, und au( dI. eosr» 
falsa/, dfla« ovtrtn varwieseo« . welclie wider dem laL mpinlüh 
uMbgeliildei seieik. io der 5 aufl* fehlt der verweis auf aear- 
gd9Qf nod siifmiiU»^ uod lUuge stellt jetat abtrglaube, oianato« 
frohohd. aftüytimrj ubmoüU, whA^abtrlut 'uDklugheit' als gleich- 
artige bildoDgen sosammen. 

Gewis mit recht, denn diesem aber' entspricht der form 
und der bedeutuog nach genau die an. vor&iibe aur> 'miss*' in 
mrkuHm^ 'entarten', die aus '^abur (ahd. abur) entslaudeu ist 
mit regelrechtem ausfall des b vor «, wie biört ijiljer* <[ Htg- 
burr (ags. beofor)^ niöl 'ünsternis' •< *iiebul (ahd. nebul), haukr<i 
Habukr (ahd. halmh), Giuki < *G^M usw., s. Moreeo Arkiv 
a.fil. 6,311, Aisl.Gr.' 130. 

Oieaea mir- ist in den isL lisa. von dem prtfix daa dem 

* ich bringe Iiier eiaigc etyrnulogien, welche eine nähere l>egründuog 
Teriaogen , die aber in dem kufzgefsasteo wb., »aoiiuiuag Gösciien nr 63, 
flicht gegeben werdea kooate. 



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54 



D£TT£B 



goL w^, abd. «r- tatspricbt uod gleichfalls prifatite bedeutiiBg 
hat, «diwcr n oncracbaMeB, da aa«ral m ala # aul b aigi cfc ^ a t 
werden kano. 

Sicher ligt mt- < elir- (tgL auch aga. i|/lw/briai *pi<a- 
loogareO ver ie «ir/dlr «MkeB der eaaftller des esde «f epyd» 
stageo, saai ikke er foetel i yadef, alae eigU. ,«der hmlere /ÜK 
die biotere tülle', ferser in norw. oiirMr *dea bageste haak i 

ea Stile' » andbenk; vgl. auch norw. aurskida *det nedeflle 
slykke i eo p)ov, den del, hvorpaa plovjeroet er fsstet'. aur- 
velta 'opbryde et lordslykke Iii gninden, eller iodtil dobbelt 
piovdybde', an. awr6or8 'tbe second plank froin Ihe keel of a 
boat'. in diesen f^Ueo isl die gezwuogeoe xuaammeosteUuiig aut 
«rr 'schlämm, saod'^ sa tenverfeo. 

Ce berObrt eich hier nur- in der bedeutang mit got. afar 
^binleDt nach' und nut dem gleicbfidia ferwanten nbd. a/ler» in 
ßpmr$d$^ daa ja anch die bedentnng ml»- bat, fgL Mftvwm. 
ich atelle hierher auch daa «nnkemiii^, wie SnE. 1, 208 der 
gott Hhnir genannt wird; es bedeotet wel ^afteihnnig*. 

*e^iir- iat eine weiterhiUnng in ^ßhh — gr. am« nnd 
dieaea encheint im an. als an- in muM (ags. ceftoyrd) 'verlcht- 
lieber mensch', aulandt * peregrinus*, s. Noreen aao. , und vgl. 
ags. (Bf- in wfponca *misgUDSt\ mhd. ahe- in abegumt, abetoitze 
neben abenoitze, nbd. ab- in abgott *misgoil', abhold *misbold'. 

Die bedeulungsenlwicklung hat abgesehen vou Iat. ab -usus 
'misbrauch' auch in miss- selbst ein seitenslUck, das mit got. 
mitsU ^gegenseilig' jeUt wol richtig nicht mehr zu meiden, missen. 
Iat. mitten , sondern zu ai. milAdt * gegenaeitig', wutkuyä *fer- 
achieden' geatellt wird. 



mhd. Md$, abd. Wdf hat Kluge kaum mit recht von dem 
formell gani gleichen mi-MMe 'uobill* und mk^biXd» *weichbildr 
getrennt, die bedeutungen laaaen eich gana gut vermitteln. 

miMild iat nach RIngea achOner dentung eigtl. *atadtrecfair; 
nur wird ebd. wlh{h), ags. wie nicht aua Iat vkm entlehnt, eon- 
dem wegen got. weihs o. 'dorf ' unrerwant mit mcw sein , und 
auf ein ig. *V;eiknö- neben *ueikO' zurOckgebn^ der bedeutuogs- 

^ etwa §mtf^ «beschlag, mit dem naa d^specr aof d. sand tafstelU*. 
* agB. tvic : gol. weihM^ Itt. vleus agg. h^ap , ahd. houf •< idg. 
^AojQNi^ : Uw kaupas ^htufen', ahd. tewö *strobbuad\ seuöü 'büadiel'. 




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ETYMOLOGIEN 



55 



Obergaog tod * gebot' zu 'umkreis« in welchem das gebot gilt', 
ligt aoth io kMupiti ood io ao« 'gcsels' nnd ^beitrk' (Tgl. 
pfmMp$) vor [for allein auch in mhd. nhd. ^«Mrt]. 

In lat. oaginiff und dem Terwanten abd. ima ^geaets' weehaeln 
die bedeotnngen 'gleieb' — ^ben' — ^billig* — 'recht'; in e(M, 
goL IftM 'eben, gleich' < *An-fia-, an. iafn «billig« rechtfertig', 
lat. im-Üäri *nachabinen', im-ägo 'ebenbild* («« Jebannaaen Beitr. 
15, 229) die bedeulungen 'gleich* — *cben' — »billig' — 'bild', 
vgl. an. likne^'i 'hild'. 

Die gruDdbedeiitung von bil in bil-lich, ags. bile-wit 'aequa- 
n im Iis', in. Bü-vlms {'Bol-vlsi frater', Saxo i 343) wird *gleich' 
sein, und diesellu» li^-l viplleicht noch in nnrw. , schwed. hilUng 
* Zwilling' (vo). den an. nanieii BiUingr) vor, das sich zu *6f7 
«gleich* verhält wie ai. yomd- 'zwiiling' su eft«» und laL tm-f'rer. 

Falter. 

In lat. pa-filio <1 ^pi-jM^f»»- ligt die wnnel pd vor, die in 
der form pol mit einem lr-eu(fii auch in ahd. ol-tNiftrs, mhd. 
H'vaUer eracheint daa lat und daa d. worl veihalten aich alao 
so einander wie ahd. ^tfeMUa lu MptßkaUra, got ipaHiytulirK 
neben pti, pol aleht ple, ph in mhd. tMem, olodsm, nhd. fkdtr" 
flMMi, flammt die gleichfalla mit einem ir-anflBx gebildet aind. 

Ifoar. 

an. hdr ohne H-umlaut zeigt, daas das wort im got. *hSr 
beifseo mUste, nicht hes, hezis. es gibl allerdings einige falle 
ohne A-umlaut, aber danebf n tinden sich bei vollioniger silbe 
immer auch die umgelanleleu türmen; so steht siwr neben snor 
*8chour', vgl. ai. snusä und das aus *schnos verschriebene krimgot. 
schuos 'braul' -. deshalb ist die Zusammenstellung mit aslav. itosa 
*baar', cesati 'kämmen', lat. carere 'wolle krempeln', terner mit 
ID. Anddr, aga. keord ^baar* nicht erlaubt, während die mit scheren^ 
gr» hmIq91¥ (wosq aicher an* tkfr *haar') keine Schwierigkeit macht. 

gol. A«fiaf, aga. an. Aiiai. 

leb will hier nnr anf eine m^glicbkeit hinweiaen, die neben 
den suaammenalellungen mit Iii. asaenlw, aalav. «o^ä *betlig*, oder 

stobar * Schober' » aa» 9p, got. üip : 9bm v agi, UMän, <CDfl. io took 
«acbeo' : mhd. Imgen. 

1 das 2%veitp s von xpaitktildr iai durch nachklaog eolstandeo, s. 
Meringer Versi>fecheii und verlo«en 44 fT. 

* som bedeutuogswechsei vgl. gol. trrüps^ frt. öru 'Schwiegertochter. 



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56 



DETTER 



mit gr. näg *ganz' iramerhin lipstelm kann : hutul kann eiD ig. 
*kmt-tl6- sein, also zu hundert geliüren, und ursprüuglirh Mieka- 
lomhe' bedeutet haben, wegen des nasals vgl. ahd. dinstar zu 
as. thimm 'düster', abd. dämar dämmerung', gegeo got. ams 
'Schulter', mnut *flei8cb\ sachlich kano auf die januaropfer so 
Lederon hingewiesen werden , bei welche nach Thietmar vod 
Menebui^ (MG. SS. ut 739) 99 meDieheo« pfer^e, hapde uiMl 
halma geopfert wurden. 

mhd. keg^l ^uDehelichea liind*. 

•D. kogm^am, kogurmüm aind auadraeket wekbe im ?er^ 
aehdiehen ainne yop rieaen menacbeD gegeoflber gebraucht wer^ 
deD, die iboen wie kioder vorkomineD, vgl. Ymir ugir, at Utü 
l^lhmd vmi at kogursvemi pHm (oainl. t^or), par harn vcm ioä 
[Ulli, sein eit %mgmenni, SnE. i 67, bei Landslad Norskt' folke- 
viser 24 nennt die gfinde yt/ore-mori den kappen Illhugin eit koga- 
haaHy vgl. auch Arwidsson Svenska folksänger i 125 {kakelarn). 
auch ^o^ bezeichnet den Harbard, welchen er früher *UUr8Chcheo' 
{ja)tinn) gtMiciijiit hat, als einen kogiirsvemn, v. 13. 

Die ausdrücke bedeuten offenbar *kleiues kind', und darauf 
fuhrt auch die etymologie. das erste compositionsgUed ist an. 
kogMirr, das Ueppicb, leichentuch, bettdecke' und Uucb' im aJh 
gemeineD bedeutet, vgl. ok handkMi bei Vigfiiason^; ea 

ist alao gleicbbedeutend mit ripH und bk^ und nach Blga}Hila21, 
kdM ava^ Hfti (nlml. den kleinen Karl) wird kfgMrham wol 
* Wickelkind' aein, oder ein kleines kind bedeuten, daa nocb keine 
eigentlicben kleider tragt, aondem in ein tucb eingebollt wird« 

Mit diesem k^gwr kan» mbd. kegd, nhd. (kind und) kegel 
zuaaromengesteIH werden, als ein fall des sufßx- Wechsels l und r, 
s. Person Wurzelvarialion 61 ff. 65ff» und dti eint iche kegel kann 
schon die bedeuluujjj; des compositums kognrbarn liabeti, &o wie 
nlid. sc/iranaa, mbd. sc/iranz zun.'tchst *|?eschli[7ips klenJ^ und dann 
'träger eines sülchen, gcck' bedeutet, darnacb wäre ki^ijel ur- 
sprünglich 'kleines kind' und bälte dann eine bedeutungsver- 
acblecbteruttg erfahren, wie so viele andere worter. 

Kralle. 

Das rrst nhd. -Icrvl^e, mhd. krtllen kann nach dem Sievers^ 
sehen ü < dl-geaets (Idg. forsch. 4, 335 0) au kratzm geatellt 

> das wort ist ios slav. gcdniafCP, vgL rata. *ov«%. klniis. ik#iwr^ 
*heltdaeke^ teypieh'. . 



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ETYMOLOGIEN 



57 



werden : kratte» < *kratnhi < *jfrmtkHi-, oder *gratn6ri kraüe 
<^ *gndkUt^ oder ^gratlA. es Terbalt eidi MU wa krat$m wie 
kmaUm < in agt, enoita ^knolen' ^ *^iiiiliidii-, tgl. 

alid. h»4»^ kmto <C *gmktm^, ^gmaMt-^ und mbd. Anotee f. 

Mau hak mal 'zeiiyuüLi' (got. me/, aiul. mäl) und ma/ *ma> 
cula' (got. mela pl. *8chriflzeicheD, »chrift ahd. mäl) für iden- 
tisch, das Sieversbche 8/-gese!z macht es al er jetzt müglich mdl 
aut *melUm zurUckzutühren und mit ial. mamla <C *matlä lu 
verbiadea. anderseits ergibt sieb aucb für abd. mäl, got. mel 
'zeit' eine neue anknUpfuog, nnmlich an got. mapi, ags, maHUk 
abd. maktti *vcmsiBlang' < *nuUhm, vgl. latinisiert mathu. die 
letalere iQsanmenstellnag ksDo durch den binweis aof got ftffu 
*ieil' und ags. an. 'fersaaiiiilinig'« deren ferwabtschaft fsaU 
steht, gestOCit werden. 

Jfiind. 

Eine etymoiogte, welcbe mund und maul verbindet, wird 
wd der jcizt aligemeiit .zugenommenen Zusammenstellung von 
•nuid und iai. mentmn kmn' (zu e-minere, prö-minire 'bervor- 
rageo') voi7Uztehen si iiu diese iiid^^Jichki il ist vorhanden, es 
verbttlt sieb mund zu maul, wie got. siandan zu stöU. atandan 
ist ans der wz. jctö- gebildet mit einem l-suffix und fi-in6x. 
ebenso munps ans der wz. mv-. stöU kann mit gr. dor. tnaXa 
*siule' verglichen , oder auf ein *itlUMi torOckgeftlhrt werden 
(vgL an. Muär 'gealett, allar"« abd. UaU 'stelle^ UoM %tebn'); 
fbc&ao erklärt sieh «KU aus fNfi-/*enit oder nril-lltai (vgl. ai. 
wiA4A&m *moBdO. 

ahd. sah 8 'messer' und lat. taxum HeW. 

ts sclu^int mir sehr fraglich, ob die beliebte deulung von 
i-ahs als ' sLeinmesser' richti^r isi und dius wort würklich auf die 
sienizrit zurückweist, das germ. wie das lat. wurt g^eliüren zur 
WZ. sek' iu lat. secare ^schneiden', der bedeutungsUbergaug von 
'abtrennen' stt *fels' Ugt auch in an. iker 'klippe' (tn scfterm), 
•bd. Hff (tu an« rifa *aerreirsett')» lal. rüfn 'fels' (zu rumpert 
tabrecben*) vor. [vgL nocbjceise 'mpes' sn leniikDt Beitr.7, 1^4 f.] 

Aach JbasMisr, an. hmarr aslav. tony islehi' können 
«nf eine wz. *zerBcluieidenr serreiÜMn' lurttekgehn« die vielleicht 
aocb in abd. hamal *ver8lilmmeli\ nhd. hamd 'klippe', ahd. Mnml- 
tcorro '(ekstttck* erhalten ist, vgl. an. Miflbm *der sennaloier'. 



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9$ 



DETTER BTTIIOLOGIEff 



•M. tdtädd, mbd. tduM in soeh merklin. die got forai 
te wertet orfMe wol *änßÜi fetovtel Inbett, Qod die idg. grond* 
form wire als ^iftefdlM aonwetteD K dafa ftlgen sich gr. xotvXog 
•pfsnfiP*, v.oxi'Kr^ MiOhlung, becher', ai. catväla- 'bOhluDg' und 
lal. cafnv^ 'napf. ig. *8kotlön- gihl an. $kalli 'schSdel*, vgl. den 
Strub I lo icaiUo j Much Z«. 36, 48. ig. *sk»ilü- (also mil cier vo- 
calisation de« lat. canints) gibt en^l. sAii// 'schadel*. ig. *sketlü 
gibt ahd. sc^id, mbd. schäle, unser iriok-^ciale. ea ligt alao hi«r 
der bedeotoiigafibergaDg von 'genifs' to *kopf' ler^ wie in fn. 
tii$ < lat fdCs» oder in Inap/ ^ mUt. ciippa» oder io Aetqtf, AMide 
(elMi. Ma), welch leteteres geaan dem bt ei|ps ^fasa* einspricht, 
mbd« isMff bedeutet Dicht aar *ecbader« aoodem toch *eiii 
tfockemntfa', vod sebolt. aftutf bedeotet 'trinkschale'. 

Spule. 

mhd. spuole, ahd. spuob bedeuteo ?or allem 'weberspule'. 

das wort kann aul vür^^erm. *späiUilä beruhen, und mit gr. o;rci37] 
'breites, lliclips holz, dessen sich die weber stall des katmues 
beim nltcu, senkrechten wel)siubl bedienten, um den einschlag 
feaUuachlageo', as. spado, niid. spaten, mhd. spalei ^schSufelchen' 
ferwaot aein. mni bedeutuugsweebsel vgl. daa foo uns eniiehnte 
itaL iputfls« spaD. e^^oUn ^Weberschiffchen'« sfn. ifoUt ^apindei*. 

ZolL 

Bei der berlettvng ton sel({)t an. ioUr 'abgäbe^ wir aas ist. 
Mfnmm^ titSnium macht daa U achwierigkeit. es scheint hier 
die fermisehnng eines germ. wertes mit einem lehnworte vor- 
soliegen, vgl. aa« tolna, ags. leise, neben lel(l), abd. soIsfidrt<:^ 

lat. tolonaritu ^Zöllner*, wie neben gr. ödofia 'teil* ein daano»^ 
'übgabe' steht, so neben zoll 'langeomafs^ und *cylinderlürniiges 
stück, klotz' zoll 'abgäbe*, die griechischen und die deutschen 
Wörter bukI auch wahr^heinlich verwpnt. daa/tia und daaurjL: 
geboren zu dcttiofiai, dalofiat 'verleite', und im genn. enlspricht 
dem datioiitat, genau mhd. zetten 'auaaureueo', wozu nbd. %tttd 
^fiug, oder kette eines gewebes', ferner ofutiftedi, verzettän ge- 
boreui vgl. snch an. tMt ^dangen'. x§U kann auf *dMlöt xnrOek» 
gsfufart werden, oder auf hei der lelsteren annähme 

wIre sunichat auf ai. daloa 'teil' htnanweisen. 
A oder got *iktpl* < ig. *«Mll»t? 
Wien, im mai 1897. P. DETTEB. 



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ZUR VORGESCHICHTE DE£ GERMANISCHEN 
-LL- UND -Z-, -MM- ÜNI> -if-. 

♦ 

1 

Üurcli Kluge Beilr. 524 f und Sievi^rs I<J*t. forsch. 4, 3359 
Ul das Verständnis der germ. -Ii- und der daraus ( nach langem 
vocal u. cons.) verkürzten wesentlich gefOnlert worden, und die 
voranstehnden etymr)lo<,'ieM IJelfers Ix^vTeisen au(s neue die frucht- 
barkeit jener beobacbtuogea tür die wortableiluog. aber noch immer 
•Irflubl fticb, wie eia blick in Kluges £tym. wb. oder io das 
Isngeftsete etym. wb. d. got. spräche tod üblenbeck leigt, eioe 
grefae aonbl foo -8- nod -f-ebleitQogeii gegen die deuloog and 
scbeioi 80 in lemleD, dass die quellen des gemiDierten l im 
gem. Dodi Dicht vollsiBiidig aufgedeckt aind. 

Die sahl dieser -H-bildungeD iat iu der tat eine sehr grofse. 
nachdem bereits Bezzenberger die assimilatioD aus »fti- erkannt 
hatte, hat Kluge gezeigt, dass die zu einem kleinen teil auf 
-s/- zurdckgehn, Sievers, dass sicii viele assiniilationen aus -öf- 
.daruiiier befinden, die lauigruppen -sf-, -pl- unterliegen der an- 
gieichiing nicht, und ebensowenig dem anschein nach 'tl- : ein 
blick auf got it/d (ahd. aaf^ai) und fairweitl scheint darüber zu 
beruhigen, indessen, wer die haufigkeit der mit / anlautenden 
snlfixe im gerv. einerseils und die grofse nhi der auf gerro. -t 
•nsgehndeft TeriNilwarsela anderseits bedenkt das gotische 
allein besiltt mehr als 20 lebendige when auf dentale tennis 
darf doch stutzig werden Ober die rehitife Seltenheit der lant- 
grappe -C^-. die paar beispiele genOgen freilich, um die an 
sich nicht eben wahrscheinliche annähme einer assimilation 
de9 stimmlosen gertn. r an ^ fernzuhalten, — > aber vielleicht hat 
das spärliche auftreten der <,'ruppe -tl- im germ. seinen grund in 
Vorgängen, welche der verbciiiehiing fiy>t vorausliegeu? in diesem 
lalle würde zur erkläruog der wenigea tatsächlich vorhandenen 
-tl- ein doppeller ausweg zur Verfügung stehn : entweder es 
sind neubildnngen auf dem boden des germanischen resp. der 
einseidialekte ^ oder die stammen ans paradigmen, wo ein 
snIBxablaut twischen 4- und -el-, -d- bestand. 

Die f erbindang -dl> seigt in der mehrsahl der idg. sprschen 
geringe widetstindakfilL im liL wie im albanesisebea ist sie su -gl- 



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60 



SCHRÖDER 



geworden!; im altiod. griech. and laleioischen erscfaeiot sie nur 
als 'ü-^; bewahrt ist sie im preufs. uad slafiscbeB* sowie in 
altkelUseheii (gall. cnMCO-anlbft * golden chair' Halder i 733. 
Pick-Stokes s. 298)^. im urgerm. oder besser im ▼orgennaDiaeben 
ist die aaaimilalioD von -rfl->-fl- scbonvor derver« 
sehi«bUBg dernedieD ein getreten, dafür soUeo die nach- 
folgenden etymologischen gleicljuiigeü sprechen*. 

Zu got. beitan h^x^n gehören : a) ae. as. (ahd. llilH.) 
hiU ^eosis', vorgerm. Hhid4ö-m. im Beowolf *beifsl' das schwert 
(1454. 257S), es heifst biter ^ nnd headuscearp (2704), und der 
Heliand keoot the» ^tZto Mi 4882. 4903. die seit JGrimm beKebte 
sasammeDSteiliiiig des wertes mit Ml (ahd. hikal) beeinflossl nicht 
nur nosere gtossare m Beewnlf und HeKaod, welche grand- nnd 
(fllr den Heliand) sinnlos die doppelbedeulitng 'Streitaxt, schwert* 
ansetxen — so Qbereinstimmend Heyne, ROckert, Behaghel — ^ 
aondem auch die etymologie : Sterers s. 339 sucht es als *bt9l 
mit bihal<^* bißt- zu verrailtelu. gewis könnte billj Mas beifsende, 
schneidende Instrument*, wie es gelegentlich in ae. und ahd. 
giossen die sicbei, den hobel % die steiiiliacke Itedentef, auch die 
Streitaxt bezeichnen, aber in unserer «berlieterung tut es das 
nirgends, und wenn wir die etymologie von biU geronden haben, 

* Brognianns Grdr. t* §§ W, 1, 58S. 

* ebda ff 67&. 8. 581, 3. 587» 4. * ebda § 595, 1. 

* aus dem spät, irisch hat mir FNFinck fälle für dl> gl Im aolaati 
iü^ U im iulaut, erhaliun^ bei svarabhakti im auslaul nachgewiesen. 

* diese elymolo^irfi rnilidiereü in 4 fällen {bili, bll^ spile, stollo) mit den 
von Sievers aofgestelltt ti, und ich hätte di^» roncurreoz leicht noch fauf ^j-unt- 
seUön za wi. #ed, wallön 'volutare zu walzan 'rolvere' usw.) ausdehnen 
UteMB. die Dacbpröfendea mögen entscbeidcn, wer recht hat. za roeineii 
fUMlaa bcaaik ich aar xwtieiiei : 1> wißt aofMcUaagea fiUra die aab- 
sttotiva durchweg aaf ciae tan primären Terbam lebendige wand sarOck; 
2) anter den von Sie^era ans modernen dialekten heraogfsogeiwn wdrtera 
befinden sich manche, die auf grund eben des dialekls dne anderwdte den« 
tnng zulassen dürften : so bezweifle ich, dass in schwSb. speidel, neben dem 
*p€igel steht (Schmid Schwab, wb. s. 499), das d alt and auf germ. p 
zurückzuführen ist; formen wie tpittel, spettel aber sind doch gewi«? aus 
spiitiei, sptiUer zu tikljrtn, wo erst der im schwnb. so beliebte suffix- 
tausch -el für -#r und di'miiachst (lissiinilalion ^Intlgtfuudeü hat. 

* dies nebeneinander von üiä und bilr im germ. erinnert an die 
Hesychglosae llld sfaM*^ vnd an atkr. iküOM *acbön' ndfco M*dhM, 

7 vgl, Giair ni 95 mdd»^ •nmcfam', vb. denom. MBm «teiebiafe'. 



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GGRHANfSCBES -U- UND -MM- 



61 



kaon Diemaid verlangen, dass vir von da «iae brücke sn M 
di. Mal acbhgen, — sowenig ab etwa so MdW, b) h&la elf. 
^geaüiertee brot', aus der fehlerbafUio glosee 4Ure kUkrn au 
Notkers ps. 73, 4 'd^o astmonifii' sn folgern, und WfMbÜti di. 

nugebtUot brol 'azuiius paais' eiuer En^elberger glosse d. 13 jhs. 
bei Graff III 95 hat Kluge Beitr. 8, 524 richtig zu gou beist n. 
'Sauerteig' gestellt, dass beides — trotz Kluge — zur wz. bhtä 
gehört, beweist die allengl. giosse h^n Wright- Wülker i 354 
^azyma' : andbita vel [and]beorma, — c) mhd. bil stro. *der augeo- 
bliek wo dae gehetzte wild siebt und sich gegen die hunde aur 
webr aetil' nicht 'den aogreifer erwartet', wie Sierers so 
gmslen seiner et|niologie (*tf5-lB- an got brndanl) die angriien 
der wbb. fariierL unhaltbar ist der standpnnct des Mhd, wb4r 
1 123 nnd des DWb.s 1 1376, insofern sie sich auf die bellenden 
hnnde steifen, der uralte jagdausdmck gebort ebenso wie die 
(m'^e zu bl^an und bezeichnet vielmehr den moaient, wo die hunde 
¥oiu bellen zum beifsen kommen. 

Zu ^'ot. skreitan : od. schrei, nlid. schrill 'gchoeideru) scharf, 
▼orgerni. skrtd-lö-, die eiaschr^^nkim^' auf den sjehOrsinn hat 
nichts aufTäUiges und konnte hier obendrein durch den anklang 
SB das vb. Sekreten gefördert weiden. 

Zn mhd. tpUzen : mnd. f., nnl. spül f.^ nhd. speil m. n. 
(nnd tfiiltrn. tum vb.denoni.9säa»), ein danner lugespitsier hob- 
spao sum schliefsen und aufhingen der wttrste^ spreiten der 
imcherfiache usw. (s. Lflbben^Waltber a. 363, Weigand« n 756)* 
die enlwicUongsreibe ist : *8pli^ > *spmiä > «^iUff > »qiifö. 

Zu got. pAHs» ahd. gioi^an : mhd* nbd. (schwib. Schweis.) 
Süüe f. *jsuche', 'kOnfttliche auflösung des staltmists in wasser' 
(Weigand) zum begüUen der pllauzen; \or^erm. ghud'ljä. 

Zu got. stautan ahd. stö^an : ahd. tiollo swm. ^stützbalkpn', 
Torgenn. stud-l/m. meine ableitung bnngt das sinnverwanle stütze, 
Mützen auch etymologisch nahe, laset aber die beziehuogeu zu 
abd. ffndsi» und andern von Sievers s. 338 angezogenen formen 
eanatweUnn fraglich erscbetnen. 

Zn an. bwUi abd. M^4m usw. 'stofsen, scbisgen' : a) ahd. 
ieSi» nbd. MI» f. ^knospe', weiter kimi-p^Ua «eraninm'; ae. 
iella m. 'cfatbus'f keifod-Mla *craniuni'; an. boUi 'ein bauchiges 
gefW. ich nehme den begriff des berforgestoisenen, aufgstrie- 
ktmm ais ausgangspunet an (su tetfs 'knoape' vgl. unser .'dei 



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62 



SCBRÖDER 



bittme schlageo aas'Ot ^ nicbt ferscbweigen, 4tm sich 
aus Graff in 91 mdmrbttttm ^repellere' usw. ein aDdere» effnaa 
gewinnen laast. — h) abd. piuUa, puUlüf rohd. Hnk *papala, 

pnstula' — denn dies, aUo*ausschlag\ ist die älteste bedeutung, nieht 
elwa, wie roao vom uhd. cius ei warita künnle, 'slofs- oder schlag- 
verletzuDg*. grundfonn wäre *bhüd'ljä oder Hheud-ljü. hierher 
auch das gol. vb. deuom. uf-hauljan 'elTIare' : zu bhoud-lö-. 

Zu gol. matt an ahd. mei^an 'mil einem scharleD iastrumeat 
scbneidea' : g. mail ^vtlg, abd. mbd. meil 'fleck\ wobei das Mbd. 
wb. mit recht die bedeuiuog ^wucdmal' an die spitze slellL 
'faUe\ *narbe' und 'acbarle' (Bit. 1074f : ihtnk schilt und ringe 
er in thific, daz diu Mnna mtil gtman) baben den begriff des 
'einacbnitia' gemeinaani, der in dem vargenn. *mot«M-m aleckle. 
und wenn wir mit der doppeldeulung von mtU die von mbd. 
nbd. «mt'T vergleieben [ 1) 'macula'; 2) ^cicatriz, vulnua'J, ja Ober- 
haupt die bedeutungsgeschichte von got. «metton ahd. «mt^oti mbd. 
6mi^en, so drängt sich uiiwiilkürlich die vertu uLuii^' aul, da^ä gou 
maüan ahd. mei^an und got. smeitan ahd. snit^ati in jenem ver- 
waulschaftsverhaltois sieho, für welches ua.meitan — gol, smeitan 
das bekaunieste beispiel abgeben, der uralleo uachbarschaft der 
begriffe Sncidere' und 'iilinere' entspricht es, weno die schreib- 
tatigkeit im ae. durch writan, im got. durch meljan auagedrackt 
wird und diesem wider abd. mOtön mit der bedeutung 'pingere* 
gegenttberatebt. 

Zu mbd.fmiclseii Men mnnd i. lachen versieben' gebort gleicli- 
bedeutend mbd. iwtoUm, das man biaber tu miidm stellte. 

Zu got.imaliraii:me»im«l(J)'odor^,sme00i*olere'; s.bedeutnng8- 
wandet vgl. smtdtm (Beebtel Sinol. wabrnebmungen s. 31fr. 560* 

Von diesen etymologien üus, die ich für mehr oder weniger 
plausibel hake, wag icli iuich noch an ein paar schwierige Wörter» 
um der erwiiubchieu discussioo von vorn herein eine breitere liasis 
zu ^chen. wie mail zu maitan Wehe sich hails zu haitan stellen ; 
der heilbegrid stammt ozw. aus der Zauberei und wahrsagerei 
(abd. Ae^tidii 'augurari'), und der grundwert oder die älteste aa- 
wenditng von kaitttn kann recht wol derselben sphäre angeboren, 
'oomen atqne omen' ist mebr als ein plautiniacbes scberswort': 

* JGrtmin uberaeUt DWb. ii 232 das vb. ballen mit 'geminas protrudere*! 

* vlelldebt enlhftlt das mir nur dem Utel nach bekannte buch von 
KrNyiop Navaets magi maechcs In dies capitel gehörige? an berähniosea 



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GERHANISCHfiS -II- UND -MM- 



63 



4k nimeBgebDngt das 'beifseD*, war eben auch sugl«di ein lieil- 
wQoMheii'l 

Got wal *aeita[M€hDill' uod got. mf Iii awin. 'ftcheffel^ werden 

Üfogst mit dem begriffe des mafses zusammeogebracht : jetzt wird 
man sie direcl zur wurzel med (vgl. lat. modo und modius) &ie\\en 
(iüilen : grundformen *med-io-m und *med-lön. — die Irühzeilige 
verjiied^'uiig von ahd. meil und mäl ('tiota, siignin, cicHlrix, nia- 
caia) uod die TorUchreitende verdrüDgUDg des erstem durch das 
lautere, welche die worterbttcber von Graff iii 714 ff bis zam 
DWL fi 1493 ff herab beaeugeo, erUlri «ch, auch eboe daaa wir 
cuie elymelogiacbe Tennilthiog aacben. nebmen wir ans der ?or- 
naOingawelt der aneil eiDeo gegenataDd ton so vidaeitiger yerwen- 
daog wie daa karbbolx, so konoten die einxeliieii 'notae*, die ibm ein- 
geritn w«rdeDy ab mtÜ oacb der ari ibrer entatebung (voo meisfan) 
Bod als «1^ nacb ibrer atelluDg und bedeotung (?on mes^^an) be- 
zeichuel werden, dass der plur. got. meh auch 'schnUzeicben' 
bedeutet^ braucht uicbt mehr erklärt zu werden, [an ein zweites 
genn. mel == macula (Detter oben s. 57) glaub ich nicht.] 

An got. sels ahd. säl- (m sälig, sälida usw.) sind bisher alle 
.erklärer gescheitert, die centraibedeutung scbeint XQV^^S (Epb. 
4, 32, vgL 1 Cor. 13» 4) au sein, aus der die ina etbiacbe binttber« 
ipieleodeo werte ersl abgeleitet aind. stellen wir wie mel su wi. 
aiid ao aüi n wi. lad» so wurde der adjectifalaniiii *a^d-(d- etwa 
iMdeateft : ^ur BiederlaaaQiig geeignet', ond wur erbtellen einen 
begriff, der mit aeiner welterentwieklang in die weltanaebauang 
aaaerer nneb nicbt aeaabaft gewordenen f orfabren beaondera gut 
bioeio passt. 'wonnig* und ^selig' hltlen demnacb eine ganz ftbn* 
liebe bedeuiuDgsenlwickiuug durchgemacht 

Auch der aal^ *anguilla\ ist bisher den etymologen noch 
sitis unter den bänden entghtteu. die bezeichnung als Hd-lö-s 
*der zam essen geeignete' wäre 8o übel nicht; man muss nur 
bedenken, dass das tier dem altertum wie dem volke noch heute 
lia aeblange galt : der aal war eben der eaabare *warai', nnd 
dm er tataScbUcb in den frOhesten nahningamitteln unserer nr- 
ahnen geborte, beweiaett die bflebenOberreate der ateinaeit (a. 
SHoUer-Jincaeb Nord, altertnniakunde i 8); beriebtet doch Beda 
Hitt. ecci« IT 13 gar ron einem lieltiacben atamme, welchem ^pmimii 

2wiscben 'heil' uod ^beifsen' fehlt es auch sonst aicht : so hal das griecli» 
id^f«« (zum vb. xajUir) die bedeotiiogen *electos' und 'acceptus'. 



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64 



* 

SCftRODfiR 



prÜiA fnuBa nüi ad tmsuiUm tmuim imn^, «ber, d« ich ober 
die biNleatang, nebliger ttber den umreng der Verwendung des 
MilBialen l kein urleil gewonnen hebe,' nroea ich et uneolediieden 
Innen, ob der wegen seiner geftrirsigkeil bekannte flseh (Brebas 
Tierleben* m 2, 328) «cbl vielaebr als «der fresser^ beieicbnet 
wordeo ist. 

Eio wort, das inicii i>ta langem interessiert hat, ist ae. 
ftflp/ n., an. bdl *i}?nis, flamma' — 'rogus'. icli sehe jeUl eiue 
oiögUciikeit, es ohne lautliche bedenken als *bhled-l6-m i^*bl€U0m 
'^*belloni^*beUm) m\i got. ae. blötan (ahd. bluoi^an) 'si)cnücare' 
zu verknüplen und so auch diesem schwierigen worte vielieichi 
btfgritTiich ojfher zu koauneo. deon der begriff des opters ist eiu 
centraler, combinierter, und die verschiedenen ausdrocke dafor 
knnnen nur immer eine seile, einen act der opferbandiung zum 
ausdmcfc bringen, geht nun germ» bäi- tut turOck und 
siebt im ablaut tu Ustan, so wäre hier das brands|ifer oder rich- 
tiger der opferbrand der ausgangspunct der beseichnung. aber 
dazu stimmt fireiiich die bedeulnng der nScfasten verwmlen von 
got. 6<9l«i (vor allem ußtSHiiu naQMrjfftg) recht schlecht, die 
vielmehr in erster linie auf die opferbitte (vgl. auch lat. fiawmiy 
hinsuweisen scheinen, — und im gründe bedarf m doch, um fttr 
bdl die bedeulung 'Hamme' etymolo^Msch zu begründen, nur der 
erkeuuluis einer dissimilatiou *ijt lo <:^*ble -Lö , allenfalls auch 
<C *blez-lö. so wird man von der zusamfueiisteUttiig btü blötan 
Vielieiclii doch absehen müssen. 

Gegen diu lautlich mügliche Zusammenstellung von got. gaüs 
und gails (in gaüjan m)(pQaiv€Lv)y ahd. gei^ und gtil, ae. gäjt und 
gai (vorgerm. *ghoid''l6^) spricht verschiedenes, einmal ist die 
gleichung got. ^«tf » lat. hoedoM, kaedui wegen der vulgür- 
sprachHchen formen ohne h (ofdui, a§du$, sdui) recht zweifei- 
feäflt — und die aprichwdrtliche geUheit haftet doch am bock und 
nicht an der geifsl und dann scbaflt das hlufige vorkommen von 
eigennamen (und gar frauennauttn) mit <SM- bei verschiedenen 
germ. volkerschaften (Goten, [Wandalen,] Langobarden« Boch- und 
Niederdeutschen) ein starkes bedenken dagegen , den begriff der 
geechlechUicben pelulanz sn die spitze der bedeuiungsentwick* 
luDg des adjectivums zu stellen, den weg zum etymologischen 
versti^inlins weist uns der frauenuame Gaila, Geila, der so oder 
als Gela (heMiudcrs m AntugtU, neben Ännegüler) bis in unsere 



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GERMANISCHES -IL- UND -MM- 



65 



tage liio«iii koMfonu lu Gerdrad gewesen ist (Vilmir Kurliess. 
idioL s» 122). seio alter in. eben dieser rolle wird uns durch 
ein ausdrOddiches seugnis wenigstens lllr den- anfang des 8 jhs. 
bestätigt : Trad. Wizanburg. nr 261 (s. 252) Geradrude sibi (di. 
stu^) Gailam. aber der name ist unbedingt noch ulter, denn in 
jedem falle setzt er doch den bestand des später [lioiiophiiioü- 
gierien at vor r voraus, von Gairdrud könnte ps iaiineilim f"ine 
kiDdliche lalUoro), oder aber eine durch dissimilation {Gailärud^ ver- 
mittelte koseform sein, eine dritte mögtichkeit erschliefst uns die 
beobacbtang Kluges : Gaila << *Gaiidö^ und eben diese dörfen wir 
aneh für die erklirung des adj. gaäs, gtü heraniiehen : seine 
grundform *ssMd' isl anfs engste verwant mit $mim — jßr *ja- 
culvm', ist nur dureh die aceentlage unterschieden von ahd. 
fsäla ^virga, scutica' und steht Im doppelten, wuneU und sofBx* 
ablatit zu ahd. gisal (stnl) *obses*. die naineD GUUdrüd, Gaü- 
druä liütl Gerdrüd stehn sich also etymologisch recht uahc, und 
die so Uberaus häufige koseform Gaila kann recht wol in eine 
leil hinaufreichen, die für den Zusammenhang jener namen noch 
ferstflndnis genug besafs, um Gaüa sowol für Güildrüd als fflr 
Gerdrüd (resp. dessen Vorstufe) zu verwenden. 

Zu gründe Ugt allen diesen bildungen eine vorgerm. wz. 
jitf mit der bedeutnng *surgere^ efferri, erigi'. es ist das dieselbe 
wurxd, die wir in den got verben wseknan und fu^aifimn tot uns 
haben : sie bedeuten n&chts anderes als was auch ^erschreoken, 
(sieb) entaetien' aussagen : *in die hMm fahren', resp. *iam -in 
die hohe febren bringen', dass der speersobafi, die rute' und 
der vornehme jOogling (denn bei gisal ligt der bedeutung ^obses' 
die bedeutung 'adolescens liber* voraus 2) alle drei die *empor- 
geschossenen', die ^schOsslinge* oder *8prö8slinge' heilseu, hat 
nichts aufßiiliges, dass aber die grundbedeutung von *gaiZ'lö 

* ob CJfila diese woniicbe bedentang noch fühlte T usgampt üt flber^ 
•eist Mc. 3, 21 i^^xTj, nnd in 6 m 8 filUeo (He. 2, 12. 5, 42; Loe. 2, 47. 
a, M; o Cor. 5, 13) gibt tug§itiuM das gleiche grieish. wort wider. 

' der ataire f9r (meist doch wel ein junger esdienstaiiUD) und die 

schwankt scbdoeo nicht recht zusammen za paaaen-: riier da be- 

achte man, dass bei uns in Hessen die doch nur dem geer vergleiclil»are 
dfichsel allgemein ^PT>e/ (gUchel, gtssel) lieifst, s. Vilmar f!. 127. 

^ vgl. hierzu aurh dip lehrreichf f^lo-^sc 'pigiiora' chind Ahd. gll. i 
^7 (R) — wciLeie iiersjin liveii in HHildebratids inbaitrcichenii wenn auch 
etwas u(erlQ!>en arlikel geuei l>Wb. iv 1^2608^. ! 

Z. F. D. A. XUL N. F. XXX. 3 



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60 SCHRÖDER 



'«latat* w«r, dOtfBD wir m den afad. gloueii t« gtU (Graff n 
tellMl •cbliefoen. wie sich sdMa in UUUm gaüffm md -folgMt 
aus der gleidien wunel uad der gleiches iisnlMben aoadiMuiig 
heraus die eDtgegengesettten begriffe ^erflreoeii* uod ^enchreeken' 

BQtwicktk koüuieu, ist betoodere iebrretcb. 

n 

Die vorauisgeiiutleu bemerkuDgen wartja — für eine be- 
sprechung von Wilmanns Deutscher grammatik — längst nieiier- 
gescUnelteii und liei seite gelegt, als es Uiir einfiel, die probe auf 
meine Iheorie von einer a&siaiilation des vorgenn. 'tU- an der 
abnlich situierteo vorgerm. lautgruppe 'bm- su macbeo, dh. gar* 
naoiscbe wurzeln mit jMiualaut auf m-ableituageo zu uatersucheii« 
diese probe itt ao Ober erwarten klar und ergebnisreich «ns^ 
gefolien» data ich in Teranobung geriet, aie der iltem akisze aber 
•d{* ^ »U^ Toranzuatellen. meio reaultat iat alae» daaa anf germa*- 
niaebem boden die lautgruppe •6m- achon vor der Ter» 
Schiebung der medien s.tt •mm* aesimiliert und hm»- 
nach langem vocal (und cons.) zu -in- gekürzt wurde, dafür 
sprechen die folgenden Zusammenstellungen, die ich gern mit 
einer recht verblüffenden beginne. 

nhd. dämm [di. mhd. tam(m)] und tapfer gehören auls eugsle 
zusammeu : vorgerm. *dhob-mö' und *dkoh*r4', die urspr. be- 
deutung des adjectivs ahd. taphor ist ^gravis, gnvidua' (Graff v 394X 
noch inhd» hat rop/er den sinn 'fest, gedrungen, voUV : so wird 
es fon amen« filfaen, brOsten gebraucht (Lezer it 1404). wie 
nahe dem die gmndbedentung des aubat vorgerm. *dM^»d-i^ 
germ. *damMS atehn muaa, brauch ich nicht tu erläutern; es 
kommt ala hobacher beleg dieser bedeutunganghe hinsu die glosan 
[d.s.] tapherß *mole' (Graff aac), die ein aus dem adj. abgelei- 
tetes stf. taphari uioleb' (das kann geradezu beifsen 'wehr, dämm") 
zu erweisen scheint, auch das swv. güaphcren mit der doppel- 
bedeulung 1) 'gravare', 2) 'praearmure' erläutert den Ubergang der 
bedeutungeu von tapfer und dämm. 

Zu goU.^n^paii ahd. grifan usw. gebort das adj. ahd. ae. an. 
grim{m) 'acer, acerbus'* und vielleicht auch ae. (an.) grima f. 
*>viaierhelm\ 'maake', eigentlich *die umfaaaende' : vgl. ahd. 6t- 
grtfan 'complecti, comprehendere'. 

* unser htM,gripsch (VUmar i. 138) hat alle bedeutuagcn d. alL grimml 



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GERMANISCHES -U- UND -MM- 



er 



Zn ae. sUpan *labi', tö-sUpan ^dissolvi', ahd. stlfan Mabi' ge- 
hört eiomal ahd.üeffar {slqihar) mit der duppelbedeutiiDg 1) 'pro- 
cÜTus', 2) Mubricus'i, und daoQ mbd. tlim, ahd. gi-sUmen *glatt 
nacbeo'. weiter aber mocht ich bestimmt glauben, daBs auch 
iDser Schimm, al» desMD lllteslo bedeutung ja ^obliquus' feststeht, 
•umttflUitr luerlMr ni iteltoB nL die tcbraibiuig äimb^ üimf^ 
i$ DrOhnitig aiiftritt« isl bier ebeiaewenig bereebcigt, in» m 
niidL «PM^ g«g8Dtlber g. «mmmw» in Urnnb nebeD jImmm usw. 
«ean Wolfram widorbolt imanp auf lamp reimt ^an. 105^ 2U 
Will 384, 25), 80 befreist das nur, daaa er eben schon lamm 
sprach wie swamm : diese assimilatioo ist fiel älter und viel ver- 
breiteter, als es uach ibreiu graphischeu auftreten den ao schein hat. 

Zu ae. sJpan mnd. npen, mbd. sifen (Karlm.) 'stillare* : ahd. 
MMR usw., die gemeingenu. hezeichnung des ausOielseDden honi^9. 

Zu ahd. hnfo stellt sich als früher seiteutrieb (^krUhmö- ) ae. 
kiM ^pruina, gelu', auch dem deutschen nicht fremd, wie die 
gloiie *geltt' de rime (Abd. gU. ii 634, 7 n. 3) und bair. nim, 
nkmk uaw. (Schmeiier-Fr. u 93) beaeugen. 

Zn goL «itpe^Mm in mni^iiiü^m^ vmaMa/t^St «w^p«! 
iavebwe', mbd. mnfm uaw« und abd. mbd« motif», ae. iiafl^mi, 
die alle eine rotierende bew egung aoadraekent gdiOrt einmal das 
adj. ibd. iwtpkar ^sollera, eallidus^ und dann mbd. n^Nieti, tiel- 
mtln und aihd. sweim sUn. und sweimen, vorzugsweise von dem 
kreisenden flu;^' der raubvögel gohraucbl^. wenn man sich nun 
gegeowärtig ball, dass der vorgerm. wz. sioid, weiche in dieser 
gruppe vorligt, eioe wz. swibh mit nacbstverwanter bedeutung zur 
seile sieht (s. Persson Zur lehre von der wurzelerweiteruog und 
Wurzelvariation s. 192), zu der an. süifa, ae. twtfan, ahd. 8»tik9n 
aad mpMi geboren, dass ferner dies ahd. mbd. mMbm in erster 
liaie ^nare« natara^» eiat in iweiler *? olanT bedeutet, ao wird man 
■bCsmi— ana dieaer geaellacbaft niebft ferabalten wollen. 

Vea got* kröpjtm abd. knmfim atv. und knmfm awr. bitte 
ahd. hrmm as. kr9m niemals getrennt und um einer abnliebheit 
aeiner spätem bedeutung willra tu got. hröpeigs an. Ardd^ ae. 

1 ntwlkb bat in der luDilie von tltpfv aoch nlid. sUfftrio aUL 
teUSfffig Qomittdbar seioeo plats, das Klage » verfohrt doicii die *Qai- 
idtehrte schreibiuig*, harlnieklg sv tüUUpfwn stellt 

' der DStnibcobaditong ouerer arTSter mag der ^noeimmM aar oder 
blke den aasgaogspiinet ÜQr MPtpAdr 'callidiis' gebUdci haben. 

a* 



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68 



SCHRÖDER 



hred alid. Urnod- ppstellt werden sollen, dies letilere steht mit 
g. Iiardiis 1111 ablauL uud graiiimat. Wechsel uüd hat die bedeu- 
tUDgeu : (überlegene) kraft — sieg — zuletzt : rühm, hruem da- 
gegen wird iu der mehrzahl der ahd. p!o?sen mit 'clamor* über- 
setzt, gebt also auf ein vorgerm. *krdb-m<i'S zurück und hat zu 
^gloria, jictantia' hin eine ihnliche bedeutungsentwicklung durch- 
gemiebt, wie schon ioO' got hoptm 'sich rObmen', hofuUi ^rubai' 
gegenaber abd- {hymuof, [h\umfm ^clamare, plorare*, und wie 
spiterhin auf deutscbeoi bodeu wider mo^ 

Zu abd. laffan *lambere' wollte JGrimm Gramm, n u.a. 64df 
das adv. aablulwijfb 'raro' »telleD : sweifelloe gehört diea won 
zusammen mit dem adv. ahd. Mlfmo ae. ^tXffm» 'frequenlei'. 

Dem ahd. stm. stapluil 'basjä' (GralT vi 657), ae. stapol usw. 
wird uiau got. slöma swm. vTiootaaig^ ^substantia' unbedenklich 
zugesellen kOonen. die bedeutung ist beidemal *der feststebude', 
'der grundstock*. ahd. mhd. nhd. stamm slm. 'trunciis', zu 
deaaen bedeutungen auch 'basis' gehört, beranzubolen , verbieten 
die ae. und au. formen, dagegen darf immerhin angedeutet werden, 
daaa aich fflr got,ilMiMi*scbwerredend*, *in der apracbe atockend' 
und seine aippe (abd. ttammSn^ ttwtm uaw«) und anderaeils für 
im^äfiNMtf recht wol bedeutungaflbergiiige Anden lassen. 

Die deutschen a^iectiva ilra/f und Uraaini worden sich ely- 
mologiseb bequem nahe bringen lassen, daa gleiche wire bei 
klaffen 'gespalten sein' und stf. klamm *die spalte, scblucht' der 
fall, zu den vielen fragezeichen, welche bereits die elymologie 
von troxm aufzuweisen bat, gesell ich den psychologisch und 
niythüh)gisch immerhin i\\ rpchtlerLigenden bmweia auf abd.lriM/afi 
'Stillare' (also vorgeim. *dhrouih-m6-i). 

Zu germ. helpan gehört [gegen Hoops Beitr. 22, 436] ae. hdma 
nLltidhn mnd»Mn 'Steuerruder' (forgerm. *fts26Hnd-). für die 
bedeutung genOgt es an mhd» sftera « Aa^e su eriunenu 

Anderea will ich. lediglich zur erwlgung atetten. fOr $kmm 
stm. ^caenum' bieten aich twei neue mOgUchkeiten dar: ea kann 
(wie ttramm ta itraff) zu als/f (v. stepan, s^/an) gehören und 
die träge, zurückbleibende masse im gegensalz zu dem fliefsen- 
den oder doch in bewegung befindlichen wasser bezeichnen, es 
kann aber auch wie swamms zu swimman zu einem vb. *slimman 
'gleiten' gehören, das wir au8 üifan ähnlich folgern dürfen wie 
«lotmtnait aus smfan^ 



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GERUAMSCHeS -LL- UND -MM- 



69 



Was bedeutet das westgerm. wort *<c^pa-tn, scäp 'ovis' eigeot- 
lieb? es ist offenbar ein product aus der zeit der fortschritte, 
wolcbe die lebafzucht auf deatscbem bodeo sehr frtth gemeht 
hat. aas der frvodapniche Qbernahmeo die Germanen das epflter 
Kbwiadende *<iipf-s, gemeiogermaDiache beieiehiiiiiigeii for das 
mlDiiliclie «od dae weibliche üer sind got mifrm und Umib. 
aeUte wgeim. $tip — ae^ etwa mm ailtj. aeoMm *brem' in be- 
aehung stebn und demnach 'mnlilua* bedeuten, abo ursprUngllcb 
eine beaeicbnung des bammds sein^ wie deren ja mehrere auf- 
kommen mochten? da wir neben aemnm 'breris' ein ahd. hamm 
besitzen, das an der einzigen belegstelte (Otfr. iii 4 , S) als 'ge- 
brechlich' überseui vvirci unil als 'verstümmelt' gedeutet werden 
kauu >, so wäre (bei dem nebeneinander von vorgerm. wurzeln mit 
ik- und /r-anlaut) selbst ein sprachlicher Zusammenhang zwi- 
schen sehaf und hammel (abd. hamat) im letzten gründe nicht 
uamOgUch^. 

* ob oieht das tpit aoflaocbeDda awv. htmmen geiadesQ efamal die 
Mcotmig 'fflDtilar^ g diabt bat, apedeli *afl der aastbiiog des geaddechta- 
tridM hiodcn'? 

* dass scharf und schirm zasammeogehöreD » ist mir bei dieser ge- 
legenheit auch klar gewordeu, aber es bedarf dazu freilich nicht cin^r Ver- 
mittlung durch unsere assimilationsregel, etwa *skdrö-os und *skerb - mü, 
woran ich zunächst dachte, das gerni. »heran hatte, ehe es (mit erfiaduog 
der sciiere?) auf die engere bedeutuug 'toodere* beschriokt ward, die wei- 
tm *ndt daan adiaifen iaatnuaaiii admdlen oder adilagce*. aoa ihr 
MaaniCD aa. dncradla «oorf (nod m. wsenrdteraog Morpft), aadcndta 
ahd. teerm ond tdrm, die aiao nlehl, wie es in der regd gcacbieht, ia daa 
▼crblUais Ton V-men and Urnen gebracht werden dürfen, sondern von haus 
aas vetacbiedene bildnngeo sind : 1) *sker-mo^% nnd 2) *sker-mi-s, vielleicht 
anfangs auch in der bedeutung rersciiiefien : 1) instninient 7iim xkerav, 
2) handluog des skeran. [auch rückbiJdung von schirm aus tchirmen 
ist nicht ao8gesclilo8sen.] noch im mhd. hat das abgtieilele vb. scliirmen 
die iltere bedeutung 'fechtea' bewahrt, die in den ahd. belegeu vor Uueri', 
*protegere' zuräcktrilL daaa 'fechten, baacn* wfiiUidi die lltcie bcdea- 
taag von Mrmm ood deDgtmils adoen» ^odwort sckarm {sehbtm) 
iat, wird aolii achOoale bcttltlgt dareh nhd. MhMUm and sdkuiM, die be- 
kaaBÜieh so teiojan gebfireo : hier wird die haadhabong der schiebwagbi 
datt die dar hiebwafiie als das wesentliche moment der ^beschutzung', 'be- 
lehirmong', Verteidigung betrachtet, der begriff des Schutzes ist keiner von 
«l^nen, für die die spräche von vorn herein primäre ans»1riirksmiltel besitzt: 
er wird inamer durch eine einzelaction des beschützeadcn au5<gtiiruckt : das 
einhüllen oder zudecken, das vorstrecken (der band oder der wzSt), das ins 
ange fassen» die handhabung der schatswaffe asw. 



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70 



SGURÖD£R 



m 

Ich schliefse meine belrachtungen, ohne sie al? abgeschlossen 
^ozuseheD. dass ich mich auf das Qoiweodigsie spracbmatehal 
betcbrlliikt und siebt stets die belege aus allen germanifcheB 
dialakten berattgetogeo habe, g^cbah aua rflcksicht auf den raiUD 
und auf den laaar : Scbadea Altdeatacbea wOiterbucb aad andm 
iitlltUcbe warfce aieba natUrliob anob auf maiiieiii arbailaüacb. 

Die firaget ob die asfflibeloniiDg, die beaODdera naeh analogie 
dea griechiaebeD Ar 46 ood *m6 wahncheinlicb iai» fiDr die 
asaimilalioii entsebeidende bedeulung bat, bab ich nicht erörtert, 
weil ich sie mit meinen kenntnissen nichl zu fordero weifs. 

Eine duseinanderseLznng mit den seither aufgestellten ety- 
mologien bab ich Teriiiiü<lt;ri und es insbesondere unterlassen, zu 
PPerssoDS fleifsigen und vielfach fördernden Sammlungen über 
wurzelerweiteruog und wurzeivariaiion im einzelnen atellung zu 
DebnieD. das thema, auf welches meine combinationeilt dMg ich 
aie nun richtig oder falsch gedeutet beben, bindrfngen, iat von 
der apraehwiaaenBchafl biaber viel in aehr TernachUtoaigt worden 
und bleibt es auch bei Peraaon : die frage nach der auawahl der 
aoffiie mit rOebaichl auf den lantbeatand der woriel. aua meinen 
tiMamaMnatellungeQ und den frOber aebon bekannten tataachen 
ergibt sich eine an sich durchaus verständliche bevorzugung der 
i-sutüxc hei dentalem, der m-suffixe bei labialem wurzelausgang. 
die assimilalion äl ^ Uy 6fn > mm ist nicht ein späteres product, 
sondern die anftlgung von l-suffix an -d-worzel, von in-suföx 
an -&-wunel ist bereits im binblick auf die leicbtigkeit dieser 
angleichung erfolgt, eine weitere rOcksicbt der euphooie oder 
richtiger der eulatie achrtnkte die anfOgung der ^-suf&xe an 
wuriehi mit i im anlaut reap« in der conaonantiacben anfainta- 
gruppe weaendich «n. ich habe swar oben ^patf aua spttfmi 
{*8plid'lö') und (AI aua einer mü U anlautenden germ. wunel 
abgeleitet, mOcbte aber doch anadrQcklich betonen , wie apSrIieh 
diese (-abieitungen gegenüber der grofaen zahl von wurzeln und 
Verben mit anlautendem germ. /, sl, pi, fi, gl {i>K H 

sind, zu fli^ und slio^an, zu gU^m und fliQ^an suchen wir Ter- 
geblich nach einer solchen Weiterbildung, wol aber treffen wir 
neben ahd. gU^an ahd. gtimo und gkimo ^ciccudula', as. gtimo 
'nitor* und mbd. glim(m) m. *scintiUa', stvv. glimmen und gttmen; 
ebenao gebort an /Utfan afad. ßmm und doch wol aaeh mbd. 



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GERMANISCHES -U- UND -MM- 71 



flgm (fhlüm) 'Huvius', das viel zu verbreitet ist, um als fremd- 
wort («US lat. flumm) aufgefasst werden zu dürfeu. die wunel- 
Variation erklärt uns das mm in ^immm — gUmm sowenig wie 
dM wm in moimman — Mocmimi, — wir werden also wol auch 
eine assimilation dm'>mm augeben mllssen, für welche 
naturgemafs die belege weit spSrlicher siAd. (sichere beispiele 
fttr genn. Im sind mir nicbc begegnet : in ae. glitimmiim uä. 
habeo wir natflrlich neubilduogen des eioseldialekts.) und so 
drängt sich deuu zuletzt von selbst die frage mit dem dn aui: 
ich bin allerdings der Uberzeugung, dass die von BezzeDberger 
(GGA. 1876, 1374) zuerst beobachtete, von Kluge weiter verfolgte 
ünd dann von Rautlmann bereits fürs '^irm. belrächilich einge- 
schränkte geminiereode würkuog des n erst auf getreten ist, nach- 
dem dit >> fifi bereits assimiliert war. freilich fehlen mir 
schlagende etymologien, welche diesen nach den ausftthrungen 
Ober dl und im fast selhstversUndlichen Vorgang beleuchten; 
immefliin will ich auf einige bisher etymologisch unerscUossene 
»Orter hinweisen, die vielleicht so ihre erfclMrung flnden. ahd. 
19m ae. Man an. 5mm *raba', also wol ein gemeingerm. wort, konnte 
iDmerhin wie bolla 'gemma' eine ableitung von an. bauta ahd. 
bö^an sein ich nehme dabei an, dass 'höhne' ursprünglich eine 
Bezeichnung der 'schote' ist — wie etwa umgekehrt der Berliner 
frische entkernte erbsen als *scbolen' bezeichnet, das nord. und 
westgerm. adj. und ntr. subsU mein mit den begriffen ^unrecht, 
frevel, schände, schaden« onglück' wird doch wol zu der wurzel 
geboren, die in den verschwisterten meisfan und mm^m die 
doppelbedentangen Hncidere' und *iUinere' aufweist, s. o. s.62. 
das mhrt anf eine flberraschende etjmologie für 6affi 'os, crus': 
sdite es warktich ursprüngliches ^ftitoAM-m sein, den nchl* 
baren knochen, den ^beifser*, den tiersahn vor allem bezeichnen? 
man beachte, dass ein beleg, der alle litterarischen übersteigt, die 
bilduog des \,MjrL<c& elfenbun den zahn des eiepliauLeu meint und 
dass wir ja fUr den 'knochen' noch andere benennungen haben. 

* bei der yeiegeoheit eine frage : wäre es nicht möglich got. laun 
abd. lim n(r. (a. masr ) mit Iius<m, IttUi io vcrbiodiuig SQ bringen lud aU 

Ufu*-n4-m ^öiegdd' tu deuten? 

Blarburg, im sommer 1897. EDWARD SCHRÖDER. 

NacRMS : so a. 66 obsn verweist Rsdhe sof *änm validm' als 
[frrilidi dilettaotiache] iibaaetsasg voa BMwUhm-BHftmiL 



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EILARD VON OBERG. 

Als ich vor kurzem eioe kleine notiz über den dichter des 
Trislrant in die iniscellen des Anzeigers einreihen wollte, erwies 
sich mir eine nachprflfung der von Lichtenslem s. xlviii ff zu- 
sammeogestellleo dalen notwendig, und das resullat war derart, 
dass ich nDich TeraDlaMt sehe« die gesamten urkundlichen be- 
lege aufB neue in regestenfonn fonufuhren und durch ihre Inter- 
pretation ein paar irrtamer zu beaeitigen, welche in darsCeUangen 
unserer alteren litteratur sich bereits festiusetten und in der faei- 
mat des dichtere eine legende zu erzeugen beginnen. 

Das seit dem jähre 1189 bezeugte ministerialengeschlecht fön 
Oberg ist eist \n iinsern lagen, nachdem es im j. ISüo iiuch in 
den preuTsisc li< II graieüsiand erhoben war, im maiiuesstaaime aus* 
gestorben : nul dem grafen Hilmar von Oberg im j. 1861. das 
Gothaische geuealog. taschenbuch der gräfl. bäuser v. j. 1896 
s. 792 r verzeichnet noch eine überlebende tochter, der jahrg. 1875 
8. 608 fT gab einen kurzen überblick über die geschichle der 
femilie, der snmUlssiger ist als der artikel Oberg in Kneschken 
Adeis-iexicon bd n (1865) s. 551. denn bei Knescbke triflt man 
wie so oft nur ein excerpt aus Zediere UniversaMexicony und so 
steht denn hier auch gleich an der spitze ein Eilhard von Oberg, 
der angeblich im j. 1103 (I) *in Rittershausenschen briefschaften' 
als zeuge auftreten soll : dieser doppelle fehler : '1103' statt 1203 
und *Rittershauseu' statt Riddagshausen^ stammt aus CBBehrens 
Genealog, beschreibung des hauses Steinberg (1697), wo unter 
n. 241 eine nur vom 15 jh. ab brauchbare Stammtafel der famiiie 
?on Obierg gegeben ist* (gemeint ist bei Behrens unsere urkund» 
unten nr 7.) vorsichtiger war schon Harenberg Historia ecclesiae 
Gandershemensis (1734), der (s. 1574) als ältesten beleg die ur^ 
künde j. 1191 (unten nr 1**) bezeichnete. 

Nachdem in den letzten jahriEehnten (seil Lichtensteins aus-- 
gäbe) die reichhaltigen, ihren Stoff fUr die Sltere zeit erschöpfen- 
den urkundenbücher der hochstifter Halberstadt (von GSchmidt) 
und Hildesheim (von Janicke), der stadte Hildesheim (von Dölnier) 
und Goslar (von Bode), IVnuT das Asseburger urkuntkiihdch iiJS, 
erschienen sind, ohne die büiege wesentlich zu vermehren, darf 

' das ctstercienserkloster Riddagshausen ist erst im j. 1145 von Ludolf 
Ton Wenden begründet wofdcn, ■» OvHeiiieiDaDn Geich, von BriiMchwei^ 
nnd Hannover 1 32df. 



SCHRÖDER EILARD VON OBERG 73 



di6 hoffDODg auf eioen weitereo sowaebs urkaDilIieher nacb- 
Tiebten als eine sehr geringe beieichDet werden^« ea ist aoniit 
gaatattet, ja geboten, aoa den dOrfÜgen lengennennangen heraus 
xnleaen, waa irgend beranageleeen werden kann« 

nr 1. 1189 juni biacbof Adetog ?on Hildesbehn lerieibt 
der TOD herzog Heinrich dem Löwen auf eignem grund und boden 
ernchteleD capelia in Obergen plarrrechle uiiler lüsung ihres bis- 
berigen vi i hiiltnisses zur routterkirche in Münstedt (MoHigstide). 
Orig. Gupif. III 558 f, zuletzt im Üb. d. bochsutts Uildesheim u. 

bischöie i 446 f (nr 470). die Urkunde ist in Hildesheim aus- 
gestellt uod voD 18 zeugen uoterscbrieben : vorao geba 7 geist- 
liche der Büdeaheimer kircbe mit dem decan dea doncaphela 
Bemo an der apitie; den achloss bildet der fertrauenamann dea 
herzog», propal Gerhard von Stederbui|f« daswiachen atehn nnn 
die mit iaiei' angeführten welllicben aengen : 1—4, aehlieftend 
niit JhMrtMa dapifer, offenbar miniaterialen dea biachofa, die 
übrigen wabrMbeinlidi solche dea henoga : MannM d» Oberem, 
Mäardus filiut mu$, Mowias filius suus, Btmardiu 4$ Obtrgen, 
Tiderims films eins, Edelgerus de Smethenstide (or.) ; der letztgenannte 
erscheiüt auch sonst in Urkunden der welfiscben herzöge, zu- 
weilen neben Eilanf. 

Das dorl ül>ei>: ligi etwa 2'/2 meilen w. von Brnunsclnveig, 
3^2 meilen onö. von Uildesheim. offenbar war die ges.imte 
zeugnisfähige familie Oberg (und mit ihr der benachbarte berr 
^Schmedenstedt) zu dem urkundlichen acte nach Rildesheim auf- 
geboten; die eigenüiche Tertreinng dea henoga aber bg in den 
bliiden propat Gerhards, intimere besiehuogen lur peraon Uein- 
rieba des Lowen verrlt dieaea docnment nicht : die Obergs er- 
scheinen ala grundsässige minisKerialen, die aich Tielleicbt erst 
flail Johannea aen. und Bemard, höchstens aber aeit deren ?ater 
(denn als brüder werden wir die beiden wot auftafessen haben) 
*fon Oberg* nennend die familie ibl uoch klein und bleibt es 

' unter den verlorenen beständen ist, worauf mich hr oberlandes- 
gf richtsr.it dr Bode anfmerkaani macht, der vpriust drr urkundeo des dicht 
bei Ober^ lyelegent-ii siiftes Oelaburg besonders zu beklagen. 

s iu der gewaltigen zeugenreibe des Goslarer boftags tod 1154 (zuletzt 
üb. d. St. Geelar i nr 229), wo der ganze anhang des Welfeohersogs aof- 
jumdbkrtf tocbt naa TtigtbUcb einen tif ger Ihres namens : denn die <km»- 
mmmuu, BwUUbu dt Othbereh hiben nlt ihnen niehls so tno; sie ge- 
hhmt wabnehcinlldi nneb Oitber^enj 1 aeile e. von Httdesbeini. 



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74 



SCBRODfiR 



Mf lungere teit binüit, 4«in in den urkvoden der mdisteD 
15 jebre treffen wir eben nur die namen der drei ettlme an: 
Eilard, Johannee — Dietrieb« 

nr 1*. unter den geiillieben leugen e. nrk. Heinriebe d* Uhren 

wom j. 1190 (Or. Guelf. ni 5600 ergcheiet am scblusse : hhamiet 
de Obergint wol aU äogehönger etues Braunschweiger Stiftes. 

nr 1"^*. als zeuge in e. urk. biacbof Beroos von iiiidesheim 
V. j. 1191 (üb. d. hst. Hildesheim i 461) begegnet : Dideric de 
Obenh filius Bernardi. — nr 1*** desgl. in e. urk. biscbof Ban- 
berte v. j. 1206 (ebda 585) Thidericus de OUrge. — Dietrich int 
hier offenber bUdeabeimisGber minieteriale. 

Beben wir ee in nr 1*, 1**, 1*** wOrklich nüt den oben 
ala fettem angesprochenen Jottiuinee nnd Dietrich ana nr 1 in 
tun, BO ergibt eich weiter mit einiger wabracbeinlidikeitt daaa 
diese jüngere generation um 1190 aucb noch eine jugend- 
liche geoeralion wai : Dieirich vOberg, obwol gewis der einiige 
trager dieses Vornamens, wird 1191 noch als sobn seines vaters 
bezeicimet, seiu veiter Jobaonee ist zwiachen nr 1 und nr 1* geist- 
lich geworden. 

Die gebnrtajahre dieser jOngem gruppe würden also oaeh 
meiner Vermutung jedesfalls nicbt lange vor daa jähr 1170 fallen, 
data acheint mir fotgendea tu atimmen. der name * Eilard' iat 
in der ilunOle nicht eben häufig; ich habe unter mebr ala 
50 männlichen Obergern aua der leit bia 1450 nur noch 2 Eilarde 
gednnden^ : dmr eine kam im j. 1278 uoas leben, den andern 
keuü ich nur aus der urk. or 334 des üb. d. st. Hannover 
V. j. 1355, wo Johannes, Henricus, Eylhardm et Ililäemarus, fratres 
dicti de Oberghe» famuU erscheinen, lu jenem (Eilard ti vO.) ver- 
mut ich den enkel des ersten Eüard, der nach beliebter und fast 
atebender sitte mit dem groiavater gleidinamig war. Eilard ii er- 
scbeint in einer ganzen reibe fon Urkunden aua den jj. 1276—1278 
ala koniglieh daniacher hauptmann (capitanena) von Reval^; er 
fand auf einem winterfeldzug gegen die heidniachen Littauer 

* der dfentliebe lieUiiigmiame iat Bttdenar, Bilnar, Bllnicr : kn Aiae- 
böiger ubb n 309 (nr 1348) ncant dne urk. v. j. 1386 9 mionlleke (ond 
3 wtiblfelie) fmilieogiicdcr : divoD hctfiMO 4 BOmer», 

* die betr. oikk. aid« im Uv-, Esth- «od Garliod. ob. i «oter mr 448. 

450. 451. 452. 457. 458 [aaoh ifli Lflb. ub. t orr 383. 386. 387. 388. 391. 
3921; ▼gl« ferner den Uber ccoans Daniae, die älteste esthaische laodralle, 
In der beilage sa a. 688, wo äam, ßtiardu» nk, £Uai4 n vOberg meimL 



EILARD VON OBERG 



75 



(Iw-hnd. rchr. S295 fif. 8321 fr : von Höben er EtUsrt er 

was zu Heveie houbettnan. 8363 IT. S405. 8453 ff) seinen tod : auf 
miUfasteQ 1278 (ebda 848311. 8499 0). dieser Eilard n könnte 
iDmerbin identisch seia mit dem 'ritter Eilard fon Oberg', der 
in e. urk. des kgl. staatsarcfain su HaoBover ^ v. j. 1308 als ▼er* 
alorbeoer (uzw. offeobar lAngtt verstorbener) iirader eiDes JobiDD 
vOberg beseielioec wird, man beachte, da» in allen genenitionen 
(nach meiner aaffoaaung der aweitent vierten, seebaten des slamm- 
baoms) dem Eilard ein bruder Jobannes aar seile steht 

Far die seit von 1191 bis sum j. 1216, wo im IIb. d. itadl 
Halberstadt i 26 (nr 20) ein FnierkM d§ Obtr$ als sauge in e. 
bisebofl. ark. vorkommt (eio sobo Eilards oder Dietrichs?) be- 
schräükt sich nun unsere gesamte kuüde vou der iauiiiie aui die 
persoD Eilards i von Oberg. 

nr 2. 1196 pfalzgraf Heinrich [der älleste söhn Heim Ichs 
d. Löweol bestätigt einen verkauf der vugle \on Ijraunschweig, 
Baldewm uud Ludoll von Asbeke an kl. Riddagshausen; Orig. 
Gaelf. in 606 f. unter den 9 sengen an 8 steile JBüanku da 
Oberjfe (or.). 

Die nrr 3 — 6 sind sämtlich suagestelll auf dem boflag zu 
Paderborn 1202 (sol nicht 1203), wo die erbteiinng der drei 
sahne Heinrichs des Lgwen *sn deme meidage* dh. am 1 mai 
itattiteid; s. Winkelmsnn, Philipp nnd Otto 1 247 anm. 2. von 
3 und 4 sind bd Leibnits- Scheidt in 626 bcsimiles an finden: 
daraos ergibt aich, daas Otto und Heinrieh in Paderborn jeder 
Ober einen eigenen kansleiapparat verfttgten : die wechselnde 
Schreibung nr 3 Oberge (in Ottos) und nr 4 Hoberge (in Ilein- 
ncliä kaozlei), die bei ur u uud 6^ widerkebrt, hat darin ihren 
gnind. 

nr 3. kg Ouo (iv) stellt in Übereinstimmung mit seinen 
bnhiern Heinrich und Wilhelm den gebietsanteii Heinrichs fest 
Ohg. Guelf. m 6261 (vgl. Böhmer-Ficker Regg. imp. v nr 222). 
drei gruppen von zeugen, die letale umfasst die ^ministeriales' : 
11 genannte 'et alii quam pinres', an 7 ateile : Eikardm 4$ 
Oher$ß (or.). 

nr 4. plkJsgraf Heinrich atellt seinerseils den aniett Ottos 

* b. Ii. Oldeotiiädt iir 2S; ich verdaake ihre keoutuis meiaem vtr* 
ehrten freunde arcbivrat dr Döboer. 

* die aar in copicn vorliagea. 



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76 



SCHRÖDER 



fest. Orig* Guelf. lu 627 — 29. zeugen in der haupUacbe die 
gleichen wie in nr 3 : 10 namentlich aufgefohrte roinisterialen, 
▼OD deneo 9 auch in nr 3; an 7 atelle : Bilardus de Hoberge (or.). 

nr 5. kg OUo atdlt den anteil seines broden WUheim feit. 
Orig. Gudr. m 853 r (Tgl. Rdbmer-Ficker ▼ nr 233). die lengen 
in der hanplsache die glelehen und in wenig abweiebender reibao- 
Iblge wie in nrr3. 4^; unter den ^miniateriales quoque noatri' 
ala 5 tron 10 : B^hrdm da Obtrf^K 

nr 6. pfalzgraf Heinrieh ateHt den anteil Wilbehne feat 
Orig. Guelf. iii S52 f. die zeugen genau wie m nr 5, also an 
5 ateile der 10 ministerialen : Eylardus de Hobe)ghe\ 

nr 7. 1203 juli schenkg kg Ottos in Zustimmung s. brüder 
für Riddagshausen. Orig. Guelf. in 769 f (?gl. Böhmer- Ficiier v 
nr 229). zeugen : 2 grafeii und 12 (nicht ausdrüclilich als solche 
beieichnete) ministerialen, wovon 6 (1 + 5) auch in nr3 und 
nr 4 teugen. als 4 der ministerialen : BUardui dt Oberge (er.)« 

nr 8. 1206 kg Otto bestätigt eine von den oanonieua Ln- 
dolf von Volkmerode dem still SBlaaii tu Braunachwag gemacbte 
acbenfcung. Winkehnann, Philipp und Otto 1 558; Aanebui^. ub. 
I 32 (vgl. Bohmer-Picker v nr 236). am achluaa der sengen: 
BßaräM d» Okrg$ et üHi guom plnrai (or.). 

nr 9. 1207 vor juli i2. kg Otto beatstigt der kirebe SJo- 
bannis zu Katlenburg die ihr vom grafen Diefnch geschenkte 
kirche zu Wetlenstadt. Lilntzel DiOcese Hildesheim s. 390, VVinkel- 
roann aao. i 560 und Asseburg. uh. i 39 nach eioem druck von 
1745 (vcl. Böhmer-Ficker v nr 237). unter den zeugen aU dritter 
von 4 benannten minislenaleu : Eiardus de Oberge. 

nr 10. 1207 nach juli 12 und vor sepL 24. schenkg kg 
Ottos an kl. Marienwerder. Orig. Guelf. iii 779 f (vgl. Böhmer- 
Ficker V nr 238). unter den leugen am achluase der 7 ^laici': 
Mjfiittrdus de Oberghe et o/tt. 

Von den Urkunden 2 — 10 hat Licfatenatein nur die nrr 8 
und 9 nicht gdunnt« durch welche daa geaamtbild kaum eine 
verinderung erleidet, allein er bat wunderlieber weiae den pMs- 
grafen Heinrieb in nr 2 mit aeinem vater Heinrieb dem Lowen 
verwecbselt, obwol dieaer doch schon am 6 auguat 1195 ge- 

^ Simon Aquensis steht hier und io Dt 6 am schloMC des hoheo 
adelfl, vor den ministerialen. 

2 da» y und das falieu hier auf recimuug der copie. 



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ElURD VON OBERG 



7T 



storban jtt, mid er gibl daon weiterliio an (•• ilii), dan Eüard 
ancb in Dir 3—6 noter den miintterialeti 'Heinriehs' (di. des 
▼aters) erscheine, auf diese weise ist dann Eilard von Oberg in 
die unmiltelbare Umgebung des grofsen Welfenherzogs gerückt 
worden, und die litleraluri^eschichte hat <^ich dieses trügerisclicn 
fundes mit eifer bemächtigt, sehen wir von nr 1* ab, wo m be- 
deutungsloser weise der geistliche Johannes vOberg, wahrschein- 
lich der bruder Eilards i, den scbluss eioer lengeoreihe in einer 
Urkunde Heinrichs d. Löwen bildet, so ergeben die Urkunden 
keinerlei nAhere beziehungen der familie oder gar Eilarda lo 
deaaen peraon. Eilard eracheini lunflcbat 1106 0^ nr 2) ala dienat- 
mann dea pliibEgrafen Heinricb, bei der teilnng ?on 1202 gebort 
er noch in der gemelnaamen nnnialerialilit, von da ab iat er mit 
der sttteünng der bninoniacben atammlande an Otto nainialeriale 
dea welflacben kOnigs geworden. augehOrigkeU lam hordienst 
der Weifen beweist seine anwesenheit bei der Paderborner taguDg 
(nrr 3—6); die nrr 7 — 10 sind walirsclicinlich saniilich in Braun- 
sctivveig ausgeglellt, von wo Oberg noch nicht drei meilen ent- 
fernt lag. EvO. scliemi al^o ?-[);ilerliiü nur dann zum liutdienst 
herangezogen zu sein, wenn sich kg Otto in den stammlanden 
aafhielt : aufser in Paderborn und in Braanachweig treffen wir 
ibo nie wider in der nflhe des WelfenkOnigs, wie sieb daa ja aua 
den bei Bobmer^Ficker bd ▼ voUaUndig mitgeteilten seugenliaCen 
der Urkunden Ottoa it bequem featatellen laaat daaa er aber in 
den nicbaten jähren« ao oft Otto nach Braunacbweig kam, su 
den ^mlttiaterialen vom hofdienat' geborte, dafQr apricbt die ihn« 
Ucbe und vielibcb identiache Umgebung, in der aein name unter 
den zeugen erscheint so trefTen wir, um nur ein beispiel heraus» 
zuheben, den riller Ludolf von Bortfeld (aus dem arcliidjacoual 
Üenüioi 1, o meilen nO. Oberg) unmittelbar hinter EvU. in nr 3. 
4. 5. 6, unmittt lliar vor ihm in nr 8. 9. 10. 

Mii Liern jalire 1207 aber verschwimlei Eilard i vOberg aus 
deu Urkunden kg Ottos, und er kouiuil auch später in dessen 
auf heimatlichem boden ausgeatelUen documenten für nieder- 
sftcbsiscbe kloster nicht wider vor, Tgl. ib. bei Bohmer*Ficker v 
nr 497. 499. 500. 502—507, wo immer noch einielne von den 
miniaterialen auftreten, die frflber aeioe gesellachaft bildeten, 
dniu atimmt ea^ daaa wir ihn um dieae leit, uiw. gerade mit dem 
obergiachen beails, in einem andern lehnaverbande Anden. 



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78 



SCBRÖDER 



nrll : twKchen 1209 und 1227 (eine genauere fixierung 
scheint nicht möglich) ist das ^gUlerverzeicbnis des grafen Sig- 
frid II von BlaDkeubiirg' aufgestellt, das Bode und Leibrock in 
der Zeitschr. d. Harzvereiiis ii 3, 77 ff ediert haben^ und in dem 
es (8. 87) heilst : Eiüuardus de Oberch habet in ipn uüia Oberch 
mmmtim tu iedma mletu JL (aUnta. in der iwischeozeit ist 
also der graf fon Blaokenbuiig, wir wiiiea nichtp oli durch kauf, 
leben oder pfandechalt, herr Ton Oberg and Eflard sein dieaatr 
mann geworden; die loalOanng wom welfisclien hofe hal einen 
einfachen rechtlichen und wirtschaftlichen gnmd. 

Von da ab ist jede spur Ton dem dichter verloren, denn 
dass unser Eilard i von Ober^^ wiirklich der dicbler des Tristraol 
ist, kann nicht bezweifelt werden, es ist der einzige träger dieses 
namena in der leit von 1150 — 1250, den wir urkundlich oacb- 
weiaen können» nnd ein aweiter Utost aieb in der frühen ge- 
achichle der ftmilie nur dann nnteihringen, wenn wir Eilarda 
unbekanntem grofsfater, dem vater Johannes i und Beroarda, 
den namen des enkela geben nnd damit also einen bypotbetiscbeo 
Eilard mm Stammvater des gesehlechtes machen, der historisch 
bezeugte £ilard i vOberg ist ferner das einzige mitgliüd der la- 
milie, das in dieser frühen zeit hoßsche luft geatmet und hier 
die Vorbedingungen lilterarischer tätigkeit gefunden hat. 

Wenn ich also mit Lichteostein glaube, dass der dichter eben 
der in unsern obigen Urkunden fttr die seit von 1189 bis min- 
destens 1209 bezeugte weifische und suletst blankenbnrglscbe 
ministeriale Eilard (i) vOberg Ist» so kann ich doch eben des- 
halb nicht an der datiemog des Tristrant festhalten, die uns 
die von Licbtenstein und Scherer (mit Lachmann) angenommene 
und von mir früher eifrig verteidigte priorität vor der Eoeide 
aufnötigt« 

Das werk Heinrichs von Veldeke muss in seiner ursprQng- 
lichen form — und um diese handelt sichs wol — 1175» 
wahrscheinlich schon 1174 fertig gewesen sein (Wilmanns bei 
Bebaghel s* glxiv)» wir kamen somit fOr die dichtung Eilarda 
auf die feit um 1170 (Steinmeyer ADS. 24, 910 • 20 jähre 
vor dem ersten urkundlichen auftreten der familie Oberg, unser 
autor müste spätestens um die mille des jahrhuuüerls geboren 

* es war eoch Lkhleaatda {uua) bcnllB bekanet. 



EILARD ?0N OBERG 



79 



•dn : «r wir» tho 40 jahrig, als er zum ersten mtle hinter sei- 
nem ▼aler als haussüho testiert; ei wäre ein 50 er uotl den 60 
Qdüe, als er m steter gesellschaft mit Ludolf vBortfeld io zeiigeü^ 
reihen erscheint, und dieser Ludolf vBorlf'eld, in dem wir eioeo 
aliersgenossen vemiulen dürfen, Qodet sich im üb. d. st. GofUr 
1420 (or409). 487 (or 498) noch 1220 uod t229 als zeuget 
ab«MO wie auch der die urkuode nr 1 mittettierende Lupoid von 
Eoobevde muidastent bis 1225 (Z^ d« Uanfenins n 3, 86 n. 89) 
lieieugl ist. unsere annähme, dass der 1278 gdUlene Eilatdn* 
an enkel Bilards i wir, wOrde hlnfUlig, wenn wir dessen gehurt 
selion am 1150 ansetzen mflsten. kufium, es ergehen sich so- 
fiele unwahrscbeiüiichkejten — enischeidendc bevveismomente 
sind es nicht — gegen die frühe datieruog Eilards, dass auch 
von diesfi seile her eine wideraufnahme der unterBuchung über 
das Verhältnis von Trisirani und Eneide gefordert wird, die aus- 
gäbe des Roman d'Eoeae von iSaiferda de Grave liefert einer 
seldieo die notwendige grunälage. 

Mao litaeirte aneli noeb folgendes : unser Vorurteil (das 
■einige gaas gewis) fttr das höhere alter das Tristrant ward nicht 
warn wenigsten begünstigt durch die vermeintlichen beiiebungen 
des dicbters zu herzog Heinrich dem Lowen, die wir urkundlich 
gesichert glaubten : in dte lelzLeu lebt^usjBLtre des herzogs, in die 
zeit etwa gar nach dem tode seiner zweiten geniiiliün ^ passte 
dieser iiehesroniau schlecht hinein — um so besser in jene tage, 
als er (1168) die prinzessin Mathilde von dem poesieumstrahiten 
hofe der Plantagenets heimführte, aber das sind, wie gesagt, 
29 jähre vor dem ersten urkundlichen hervortreten fiilards; und 
diase Mhale Urkunde (nr 1), obendrein die eintige, wo der 
ju ge n d liche fiOard (wahracheinlieh) als diensimann des alten her- 
zöge ersebekit, ist in dessen tondesabweseaheit, wahrend seiner 
zweiten verbaonung aufgenommen worden, die persönlichen be- 
Ziehungen den dichtere zu dem mftcbtigeo Welfenfürsteti sind in 
nichts zerronnen. 

* der ebda i 560 (nr 602) z. j. 1243 zugleich mit einem hruder Geve* 
liardiis erscheinende ist wol ein söhn. 

* und der 1308 noch lebende JohaDnes, wend er dessen bni» 
der war. 

* HatlÜie slatb am SB Jsol llgf — vom 26 Jaoi ist die «sie ni^ 
handliche crwihnaag EiMs (or 1). 



80 



SCHBODKR 



Uod in oicbts serrioot aoch Licht6utaiDt aomotigw pbatt* 
tosiegebilde : HicbaeUteia bei BlaDkanburg lit das Tiimhm, 

wo der rilteriicbe dichter in der siille des klosters mn sciBeii 

werke arbeitete, wo er den gastlichen Cisterciensern zuerst daraus 
▼orgilesen habe, es tut mir leid, dieses hild zerslOren zu müsseo, 
oachdem e^ erst vor kurzem die leiinthiiier an der geiieraker- 
Sammlung des gesamtvereins dtr deutscbeii f^esctnchls- und alter- 
tumsvereioe zu Blankenburg a.ü. (1896) in aUe deutacbeo lande 
binausgetrageu habend. 

Ein TrisUDromaD in einem Cialereieiiaerklosier dee 12 jahr- 
bunderts? — dta frageieicben war voo vorn bcreio bareebt^gt, 
und Licbtanttein dnrita ea nicbt bannen durcb einen fainweit 
auf flaremanna Geacbicbte der lande Braonacbweig n. Hannover 
I 31311« wo fon lunahme dea weltlleben ainna und der genuaa- 
aucbt unter der geiatiiebkeit die rede ist : denn eben um dem 
zu steuern, wurden ja die klOster der Cistercienser und Prih 
muiisiralenser gegründet, und Michaelslein (1146 foo Allen- 
cauijtt'ii eins besiedelt) wird t-ilicli im ersten meDSchenaUei 
seines beslehns gleicii ItUeraiurbebUebungen begünstigt iiaben, 
die gerade den Cistercienseru alle zeit weiienferu geblieben sind ^. 

Die ganze annabme Licbtenateina berubl auf einem inter- 
pretationaTeraeben 1 

Die atelle, nm die es sieb bandelt, iat nur in. der bs. fl 
uttTeratOmmelt (f) erbalten : die Terae 7380 ff geben nacb an- 
aicbt (a. l) 'nur einen ainn, wenn der das gedacht Torlragende 
aucb eine atadt Hicbaelaatein for engen batte'» damit könne aber 
innerbalb Deutacblanda nur das klosler (und dorf) Miebaelileia 
im braunschweig. kreise Blankenburg gemeint sein (s. li). m 
diesem zweiten sn/e vMiide man sich wol oder übel (denn wo 
bleibt die sladt?!j imjIm^ hin fsen müssen, weiiii der erste richtig 
wäre, sehen wii uns den zii^.iinmeuhaug eiumai näher an. 

Thstranl in der Verkleidung einea aussätzigen iat auf gebetüs 

* vgl. die Prütükolle der generalversanimlung (Berlin 1S97) s. 10 ff 
(bes. s. 12) : vertrag da krt iKltatiinspectors Spelir beim augilug nach Alirhael- 
stein am 7 sept. 18%. — durch neuere ausgrabuugen sind die grundmauero 
eiuer dieiscbiffigeQ pfeilerbasilika mit querticiiiil uod (üuf apsidea, teile des 
kreuzgangs uod wertvolle romafiitefae archilektorteile blorsgelegt wordea. 

* ich babe uUerlei über die lilterarischen inlere&seu der Cistercienser 
gesammelt und helfe darüber cinoial im saiaauneobaog la haodela. 



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EILARD VON OBERG 



8i 



laalde mit wshllgen vom bofe veHrieben worden und darob 
nit der geliebten lerMlen* das bat tom mai bis gegen Micbaelis 
gedauert (v. TOSi«- 7087); da entacbliebt aie sich, ihm dareh 

deD koappea Piloise eine stihnebotscbafl zukommen zu lassen 
(—7187). der knappe begibt sich dz kurnevälüchem lande, db. 
aus Coro wall, [Ubers meer, s. u.] bis in die nähe von Karahes, 
db. auf das normannische fesUand ( — 7191), und richtet seinen 
aoflrag gut aus ( — 7307). Trislrant ist zur versOhoung geneigt, 
miä aber das jähr der zurockbaltung, das er Kurvenal gelobt 
hat, aoabalten. Piloite wird von ihm reiobbescbenkt «ntlaaaen 
■nd wondel aicb innichat nach einen jabnnarkt» nn einklnfe 
iO maefaeo: 

7^76 dö wa§ in d$mt Unde 
jämutrim im «Amt tt&t* 

Piloise dö Tristranden bat 

daz her in dar wUen Hz. 
7380 Kttrnevdles dar ouck his 

eine stat rehte als4 die: 

por wär mag ich daz 9agm hii, 

dax 9k hizen beide 
§ani Mithtl$it4in§ 
7385 uHd wärm eü nM a6AiHdbe, 

tmd jdmmkm mnm dA gdl^: 

«II «ml« MüMäb flitee 

enwart dö niht vergezzen 

gröz järmarket alle jdr. 
das beifst doch deuiiich iiiclits anderes als : in dem lande, der 
Nonnandie, befand sieb eine ^stadt' mit einem Jahrmarkt, die 
denselben nanMo führte wie eine gleichfails durch einen grossen 
jdmnarkl ansgezeichoete *atadi' in Cornwaü : beide hiefsen 
SMiebaelastein und hatten ihren jahmiarht sa Miebaelis» auf 
dieaer einsig moglioben aualegong MX nun aber aoeb das ver> 
itlndnis der ganien folgenden partie : der knappe nMObt sich in 
grOsler eile — er wtasebt sieh die schneüigkdt des rebs 
7396 f) — aul wedir obir U (7395) an den hof von TiBtanjol. 
künig Marke fragt ihn. woher er komme, und der königiu bricht 
schon der augsLschweils aus. der geriebene Filois«} aber, der die 
not seiner herrin merkt, zieht sich und sie durch eine sweideu- 
tige angäbe ans der affaire: 

Z. F. B. A. XUL N. F. XXX. 6 



SCÜRÖD£R £1LABD VON OBERG 



7422 'ȟ ifmi MUMttmis 

was ich an lUnm nwrfuttage: 
da peiffon kk aUe m$n§ Aoftt 
das ich bin stf Hefte*. 



7430 dö mtrkeiE dm vrauwe sän 
toaz he dar niete meinete. 
voji vroudin sie dö weinete usw. 



während kOnig Marke und sein hotsuat oatüriich nur an dag 
cornwallische 'MichaelBStein' denken, weifa die kOnigin, die dee 
knappen übers meer geeant bat, dass das normaDaiscbe geneiot 
iat, und da aie ihn ao reich heacheokt aieht, erkenni aie ancb* 



Und nun aehlage man die karte der canallandechaften naeb^ 
in denen aich unaere geachichle abspielt, da haben wur dieaaeila 

in der Normandie, zum d^p. de la Manche (arr. Avrancbes) ge- 
hörig, den grofsarligen baulencomplex des inselklusLers MüuL- 
Sainl-Michel in der gleicliuauiigen bai, das durch einen breilen 
dämm mit dem lande verbunden ist : einer der durch beiliglilmer, 
befestigungen und verkehr berühmtesten kirchlichen orte des 
mittelalters. (die umfangreiche litteratur veneichnet Saint-Marlin 
Nonveau dictionaire de g4ographie aniferaelle lu 997.) und anf 
der andern aeite, In Com wall awiachen Liaard head und Lande 
end 0n der Mounla-bay) ein toebterUoaler ?on jenem, Mount- 
Saint- Michel, inaehrtig ganz fthnlieb dem mutterkloater ge- 
legen und mit dem uralten flecken Marazion (Market Jew, Forum 
Jovis), einem bis lus lö jh. sehr belebten handelsplatz, Jurcb 
einen schmalen landstreifeu verbunden; vgl. Saiut-Marlin lu 645 
(MarazioD). der grofse marktverkehr zur Micbaeliameaae wird 
uns hier noch ausdrücklich hezeogL 

Von der TermeintUchen anspielung auf das Harzkloater 
MiehaelateiQ und. den ferwuleten beaiehungen dea dichten an 
den dortigen Ciaterdenaern bleibt «lao nichta flbrig ala daa win- 
zige kOrnleln, daaa Eibrd ein Jfant-iSMnl-JfftM aeiner forlage 
nicht mit *Mi(hM$n, aondern eben mit Mkkdtalein Qberaetxt hat: 
hierzu mag immerhin der name des heimatlichen ortes den be- 
wusteu oder uübewusten anlass gegeben haben. 



daaa ihre botachaft gut anfgen 



n worden iat. 



Marburg, im sommer 1897. 



eOWAKD SCüaÖD£R. 



Züß TEXTKRITIK VON STEICKEES DANIEL. 

Dan« ft087 laotet in RoseDbagent teit Da* er wol jiatm 
haMb. putm bietet die von Roeenbagen zu gründe gelegte bg. b; 
die beiden andern bsa., k und n, lesen ttrUm statt /tuten, justen, 

wie h Uberliefert, und nicht tjosten^ ist auch die dem Stricker 
eigoende form, was der reim piste : gelüste Dan. 5389 klarlegt* 
DUO verteidigt aber Seemüller Anz. Lxm 58 die la. strUeUt 'denn 
im vorbergehnden ist vom scbwerikampf die rede'. wUrklich wird 
5079 von slegm alt4 Uark gesprocbea und 5084 beifiit es Er 
ftp ^ ir hüt usw. nicbtadestoweniger ist justen aus b su 
ledpieren nnd die inoonseqttenz in der bier durob vencbiedene 
biider belebten acbildernng von Gaweina kämpf, jetzt als drein- 
leblagen nnd jetzt ala lanzenateoben, muaa in den kauf genommen 
werden, die stelle lautet nimlicb im znaammenbang : Er ttüf 
dä diu kint, Daz tie niemer wurden : Er gap in üf ir hiU^ 
baz sie ir weinen liezen sin. Er tei des lages dicke sehtn, Daz 
er wol justen kttnde Und ouch nihl erst begunde. die den beiden 
im kamptgewUhi umtosenden feinde sind also verbildlicht als 
ichreieode kinder, welche Gawein zur ruhe bringt« indem er 
ibnen eins üf die hiU gibt. 5086 f bleibt nun aber nocb bei 
dieaem iioniacb gefärbten bilde; denn jutUn, reap. gutUn iat 
doppebinnig nnd beilbt aowol *tjostieren' ala ^beacbwicbtigen'. ea 
beifat bier also von Gawein» der oben die weinenden kinder 
MiOti, daaa er an dem tage zeigte» daaa er aiob gut verstände 
aufs beschwichtigen (resp. tjostieren) und dies bier nicbt sein 
erster versuch war. das worL gusten — besänftigen ist in unsern 
wbb. zwar nur durch 6inen beleg vertreten, aber so, das» es 
weder, weil es im reime steht, seiner form nach, noch seiner 
bedentung nacb zweifeibaft sein kauo und das iragezeicben, mit 
dem es die wbb. versebn» nicbt verdient, die stelle, die uns das 
wori überliefert, ist. Str. 25 von Ueinricb Fraueolobs Minneleicb 
(Etlmoller a» 28); aie kuut in extenao : Wtr km näeh tm^ 
maihu bade 4m mflüttü mit blanken amen süexen twakn err 
kttten? Wer tuai d/ wt<l0nitiiol€i p/nde eenatmlen ein mit Undm 
warten minnecUchen gusten? dieses gusten, durch gQtliehes zu- 
sprechen beschwichtigen, hat an unserer stelle ties Dhii. .lach 
der Stricker im auge, oder will es wenigstens mitverstandeo 
wissen. 

6* 



84 



ZWIERZINA 



So bat sich auch hier wider b gegenüber den auf eine ge- 
IneiDsame quelle zurackgehnden hss. k und m aU die bessere 
dberlieferuDg bei^rl. in der richligea wOrdigoog dieser bs. h 
liegea die fonOge vod Reseobageoe Strickertext angerMgen nnd 
beachloaaen» die ba. von km bitten fkreilieh, beionden in den 
kleineren, formworte betreffenden abweicbangeo, ?or denen von h 
noeb viel Öfter als es geiebehen ist sorOcktreten sollen, fllr 
einzelne (llle hebt dies jetzt auch Seemflller Ans. xxin 58 u. 59 
und bes. Lambel Zs. f. d. öst. gymo. 1897. heilt 3 u. 4 hervor^, 
diss h natürlich nicht unfehlbar ist, braucht nicht gesagt zu 
werden; aber ein consequeuler kritischer lext des Daniel wird 
n]il uiisern heuligen Hilfsmitteln unausweirhlicli eine auzaiil von 
feil lern aus h mit herübernehmen müssen, wo eben das fehler- 
hafte der la. als solches nicht erkennbar ist nur durch eine 
eingebende prüfhng der eigenart von b «nd der ^alitat und 
CMuistIk sintlicher differeoten von h xu km konnte die krilik 
hier die autoriUlt der besseren bs. auf ihr annibernd riehtiget 
melk bescbrlnken« 

Abgesehen davon können wir aber aneh durch die betraob* 
tung blofs eintelner stellen den text, den uns Roeenbagen ber^ 
gestellt hat, teils aus h selbst, teils aus den hss. km, die im 
hintcrlrelTen stehn, noch in vielen fällen l)i8sern. die recen* 
sionen von Ehrismann Litteraturbl. f. germ. u. rom. phil. 1895 
sp. 76, Schtiiibach Ösierr. litteraturbl. iv 13 f, Seemüiler aao. 
8. 56' — 66 und Lambel Zs. f. d. öst. gymn. aao. bieten uns, wenn 
ich mich auch nicht allen beigebrachten vorscbUgen bedingungs» 
los anschliersen könnte» eine lange reihe sicherer und zu ein- 
schneidender textbessernngen sur ausgäbe, rechnet man alles so- 
sammen, was davon bestand haben dorfle» so ergibt sich eine 
gans stattliche liste von ^corrigenda*. die folgenden bemerkungen 
wollen diese liste um ein paar weitere nachtrige vennehren. 

12 Da» man in fAiiafile vtmimit, Aesnns kmrmHU ^ 
snnef Rfosenhagen). Swemne, dh. ihrer Orthographie gemflrs 
tomnt oder weHH, haben die hss. h und k. die hs. m (resp. d) 

* Aieftmaons avfiiMang der tettveriiillBiaae im Dan. (Zs. f. d. ph. 
21» 64311) Mheiot mir Terfebll. saioe *siehareo' nod tdoe *feeht wahnchde- 
lidwD* an! kn gegiaadeteo Torsehllge dOokaD «kh talkritiadicr ▼aedalit* 
mai, der auch das ooch lo laratAren aecht, was Mäher reloliehcs fttr den 
teit geleiatct woide. 



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TEXTKRITIK VON STRICKERS DANIEL 85- 



aber scLreibl wem^ und swen oder swem ist aucii das richtige, 
der fehler wenne^ wenn für swem und swen kehrt \ü jungen hss. 
sehr oft wider, bes. io soicbeo aus alemannischer gegend, wo 
die Sorglosigkeit der Schreiber gegenüber der zahi der m- und 
»-•triebe meiner beobachtuag nach am stärksten ist. Dan. 804 
bialel k wmm^ m wen» für siom des auf Ii berubendeD texte«. 
!■ nnaerer atelle wurde der feUer wmm fttr mum^ ■ in dem b 
nad k naiarllch blob xaftUig lusamBeiitreffeii^, dadurch he* 
goostigt, dtaa die beziefaung des pronomeoa Bmm auf das in» 
dilbiite man dem afuracbgebrauch' des 15 jhs. nicht mehr ge« 
läufig ivar. 

17 Hie yfil der Strickme Mit wortm zeigen $ine kunst R. 
<tne siebt in keiner hs., hk geben sin, in der üntten hs. fehlt 
das possessiypron. ; wir werden also wol sin und nicht sine in 
den iext m Selsen haben, aber dies nur nebenbei. ' zeigm wurde 
itttweiten ferse recipiert; b, der der ausg. sonsl aur grundlage 
dienende lazt, bietet miihen fUr luigi»» und sMtn ist auch die 
richtige In. sie bielet den originelleren auadruck, der ton km 
ii der bekannten Schreibermanier mit möglichst genauem an- 
tchluas an die graphische form des ursprünglichen ▼erflacbl> 
warde. der Stricker ziuhei seine kunst mit worten, er führt sie 
vor, wie man den damen und ritlern die pferde ziuiteL auch 
vom vorführen der pferde kann man neben einfachem ziehen auch 
vür ziehen gebrauchen, und ieizieres finden wir gleich ein paar 
reree später mit derselben Übertragung des riUerlichea terminus 
auf die erzablongskunst des dichters : v. 54 ff heifot es kh wei» 
mt, Mb ifns Mü mrtm gur ktr ßr trikge, Mm ij^rmek», 
«I lekls «Uir (L edir) Mg$ ^irenn. ich seine tOditigkeit mit 
warten gnns Torfllhrte'. hkr hat der reim die bas. km und 
ont ihnen unaere ausg. vor der vnigarisiening der echten la. 
bewahrte 

21 slr. ein mit h. 

III bestehen wud hier mit dem schwäbischen Schreiber von 

• Seemüllcrs beispicle für krenzungen aao. s. 57, dh, also für gemeia- 
sai^e fehler von hk uüer hm, sctuincn mir f^lie allerleirlUester arL ich 
flaabe oicht, dass sich hier 'eiofl isse verlorener qneiieii äußern, die das 
richtige TemiittelteD', soodern dass zufälliges zu&ammeQtrtfTea uaverwanter 
bs. bUUhat, ein zostunmentreifen, dessen aosbreibco'^ bei so leicht ge- 
•ebchcnc» '▼cfieiieQ ' B. 'e. CAer *iiiehr' teftfnadem ntste, al8"8da'*chi- 



86 



ZWIERZINA 



h gegen geschehen km geschrieben, dieses beschehen wurde auch 
sonst noch Öfter aus den uns das gedieht Dberliefernden hss. 
aufgenommen, da diese hss. aber dem schwäbiscli-alemannischen 
Sprachgebiet angehören und dort die form beschehen i\\r geschehen 
spater vielfach die berschende ist, so darf sie dem Stricker auf 
gruod junger alemannischer Oberlieferung nicht aufgehalst wer> 
deo. .80 sind simtliche tocMm des DaDieltextes m. e. in ^ 
«cMm itt «Odern, ebenso wie die auf grund des schwibisdwn 
b in die ausg. eingedrungenen aide und alder in ode und edv 
SU bessern sind, was schon Alieitainann Zs. f. d« phii. 27, 544 
forderte. 

168 Der hörte sagen mare, Swie frome ein ritter w(Bre, 
Suohter den künec Arhh, Er funde noch tnirren dd ze hüs. er 
im letzten verse steht in km, h gibt em. Rosenhagen h'ali em 
far unmöglich und fQbrt unsere stelle in der aum. als beweis 
an, dass die in h erhaltenen reste der alten negation, die in k 
und m l^st vOUig verschwunden ist, sL in archaisierender t^ndenz 
Olsehlich eingeseisi wurden, es ist aber em, wie h schreibt, 
hier nicht nur möglich, sondern nuss auch, da Ic und m dieses 
«I- und M»-, wie wir gerade hdrten, stets unterdrücken, in den 
text gesetzt werden, aus dem Smt'e firome ein ritter w<Br$ Ist eben 
ein Daz kein ritter also frome enwfrre zu verstehn und forl- 
zufabren Nr Hinde denn, wenn er köuig Artus aufsuchtei noch 
einen brssi-ren an dessen hof. ' 

286 Zu Seemallers besseruog getäzens für geaca er vgL 
die la. zu 1636. 

573 Aus demselben gründe, aus dem heediehen und o/der 
aus den Danieihss. nicht in den Stricl[erteit Obergehn darf, ist 
auch dem hädm von b einem beide km gegenOber nicht statt lu 
geben« an und Ittr aich wlire ja btUht an unserer stelle gans 
gut möglich; aber h' bat hier gar keine stimme, da sein dialekt 
die euduag -in (resp. -u) in pronominaler flexion auch dort ge- 
braucht, (las gemeine mbd. -e verlangt, s. unters, s. 8 und 
laa. zu 655. 765 uö. 

646 f Er hät in gelihen lehen , Daz ir (kenst ii las be- 
wittU H. baz fehlt allen drei hss. SeemOUer will «tat statt R.s 
baat lesen, *weil das lehen Uken ja nicht als eine gunst, sondern 
als leichen der herschaft zu verstehn ist', wir bleiben bei dieser 
von SeemttUer dem saUe angewiesenen, gewu richtigen be- 



TEXTKRITIK VON STRICKERS DANIEL 87 



tiehtiiig« wmm wir für <fa« der bss. iar lesen : Ihr ir dkmi bI 
hewani, die Schreiber, welche die beciehung nicht Tefstanden, 

äuderlen alle dar m daz (resp. das), es gibt wenig verlauschungeo, 
die in hss. häutiger wäreo als die von daz^ dd und dar; dagegen 
glaube icli nicht, dass haz oder zim von allen drei Schreibern 
wäre ausgelassen worden, vielleicht könnte die h8.1iche lesung 
auch ganz unveründert recipiert werden, wie Lambel will, der 
Mf Berth. v. Regensb. i 3, 17 verweist, s« auch Greg. 1658. 

6&5 D$r «mos is^eM tmiu (sc scto) dar, BUm wid mr- 
nkrm* üd täu mm wthpitnn Mamgm Hiter isoJbe; D4 win 
mü (pr&atr tfmh» JfeAls ^sMrsr und ger&mi, dss unbeMimnite ^ 
häret des leliten ?enes scheint mir unenrflglicb, man muss doeb 
fai dem mit gtrüen gebundenen wort einen auf ritterliebes kampf- 
spiei bezug habenden, spezialisierten ausdruck erwarten, sowie 
es drei Zeilen früher hv/ü'&L liUen nnd iuinterm und später gleich 
(692) riten^ Justieren unde stechen, ich halte daher gebäret m 
h fOr einen Schreibfehler, an seiner stelle wäre ein auf turnier- 
fibung weisendes, ähnlich lautendes wort zu erwarten, am besten 
eiiNSi das im 15 jb. bereits in Teralten beginnt, wir finden in 
k, was wir brauehen : gßbtrü. ham seheint far das schlagen der 
Schwerter gegen die helme tumieransdmck gewesen m sein, wo- 
(Or idb nur auf die ?om wb. und hwb. beigebrachten belege tu 
verweisen brsucfae. gjeicb darauf (659) heifst es Mm hart dAi 
werf dä klingen, die dritte bs., m, list gewaret und atOtst durch 
seine abweichung die annähme, dass sie in ihrer vorläge ein ge- 
laTd oder gewaret graphisch ähnliches wor t vüifauti , das sie 
nicht verstand, freilich könnte mau auch au yebüret denken. 

725 Der piural helfen in hm scheint mir durchaus nicht 
anmögiich. 

889 Iis IhM He dd nie» mit h. 

896 Str. an mit h. 

968 schiebe ich gegen hm (k kommt nicht in betrecht) er 
hinter eoUe ein nnd interpungiere : Smer dekeine §e MnAaf t 
WatT im geloUt kmte, Solde (er} du Wim eteue, Dass mtos er 
nk «MMften niuwe, %enn ihm jemand gefolgscbafi versprochen 

hatte, so muste er, wenn er dies versprechen hielte, es nun neu 

machen', di. oaiürlich nicht ^erneuern', sondern 'macheu als hätte 
sr es eben neu gegeben*, also 'walir maclu a'. 

110t> Wirde ich nü niht aigeha/t K. : ich tut eig, km, ich nu 



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88 ZWIEBZINA 



mü 14. h; fielleicht WUrd^ «eft umi$9haft^ Bj an», m 
1030 Aber die verliebe dee Stricken filr diese an der nagelte«; 
auoii Uer ligt das negierte ereignia in der anliunft. 

1422 Daniel uod die dame vom Trttben berge reiten traurig 
uebeneinander her. der gruud ilirer traurigkeit wird angegelien. 
(iaijü heifst es bei R. : Sus was ir deweders mmt Zuo deheinm 
fföuden yuot. so wie R. ihn in den Icxt setzt, steht hIxt dur 
zweite vers la keiner t^s. k gibl zii frOäen müt zu fröuden güt, 
m %e frödm kume gut, k sowol als m beginnen den vers also 
mit. frduden oboe daswiscbenstebndea dthtimm* und da» 
for leugt aneb Ji« bringt aber für daa kkm m die 

aweireiloB richtige leanng Mal» pnof. daa oben citierte verajpaar 
iat alao» wie nun auch Lambel benorbebt, mit b in leaen : 
taoi ir itwiim «wer Euo frMtm dMaM .^nof ^ao war der ge* 
mütszuslaud eines jeden von dea beiden zu freuden nichts nutz', 
aui dieses mhd. deheia guot ^ nicliit» uutz, unbrauclibar, uu« 
^'eeigoet hat Hildebiand im DWb. v 4^7 hingewiesen bei gelegen* 
heil von keinniUsie^ dem es ja nach bildung und bedeutung ge? 
naii entapricht. Hildebrand verweitui da vor allem auf Wig. 171,38 
Dax ÜB 9eluU§ g§Uvar Für stidie wärm dthein guot. Lambel 
verwaiat anfaer auf die Wigaloiaatelle auf Rai« 54, 15 Zum üt 
iiaMi gnoC; ich ciüere noch Inliane 146 hm ich ^,i9km 
ptot (dh, ao ntttit .dir der.beaita. meiner, peraon niehta)* 

leOSff lautete bei R. : k ftei'der iat JI0 um» ftUeh t üä wu 
einhalp diu State, Des was dem andern <tn schote; aber h list der 
andey ain scÄ., k der andren ein seh.; m, das schale als *detri* 
mentum' versteht, ändert Das wßs dem andeni grosser schade, aus 
der la. von m das nur durch die falsche auffassung von schale 
schade und die dadurch veränderte beziebuog dea aaUes bedingte 
dem andern in den aonat .aaqb bk hergestellten vera heraber- 
zunebmen, acheint mir vollkommen unkritiach. ea iai mil k^ von 
deaaen leaung b nur gant unw^aentliab abi^eichl, au leaei^ : D4 
mu ßinhalj^ ddt euiße^ IH» mm dir oMbna (k, .Mr mätr fa) äm 
tduUe» dabei ia^ au dir mhm aua dem «Ma^ft der vorheif 
gelinden leile ein anbst halben zu erganzen. tum bilde vgU 
PdQ. t>168 In der unfrüudeu schale A^uoz min hene sii^ith. au- 
ders Lambel a^o. 

1822 mir iemer (wiir lehil km, 1 ^wrer fehlt h) aus h und km 
SU addieren, . wie ^.^die^.tMU ilH aioibw narü4)tig« UDivcd«r hat 



TEXTKRITIK VON STBIGKERS DANIEL 89 



HMD mit h mir in leseo uatf Init R. hinter Hmini 1823 ta Joter- 
fniogiMb, «der taar mit kn, daoD eber etteb 1833* 24 Dich 
kB hertiMteHeo uimI den punet hiAter kmmm su lOgchen. die 

gemeiDsame quelle von km betog das ganze satzgeruge 1821 — 25 
auf die vüii Üauiel der Jaaie vom Ti libea berge bereits geleistete, 
uad oicht, wie h, ruI die vou der Sprecherin, di. der dame Tom 
Lichten bruunen, bei Daniel erhoffte hillt! und setzte seine auf- 
ÜMaung miltelä einer radicalen änderung der verse 1823 f durch* 
dann moste aber, die la. wie h sie bietet immer als die richtige 
fonuigeaetzt, 1822 das jOherlieferte mir notwendig fallen; da- 
deieh waida dieaer vera auf die weite Da» Madi «um beacbriaki 
ind darob den an naheliegenden einaehnb ton mvmt wider auf 
lain ricbtigea maA gebracht* aneb hier dürfen wir also nicht 
die coDsequenz einer als ▼erderbola aufgefaaaten und in den 
apparat verwieseiieu la. \n den sicli aul" die enlgegeiistehude Über- 
lieferung? slülzenden texL niU .nifnehmen. — R. denkt wol daran, 
dass temer in h per homoeot eleu ton {mir iemir) ausgefallen sei; 
diese annabmebjltieaber nur dann begrUndung, wenn sich dassuppo- 
aierte mir tarier in der andern baa^gcuppe tatsächlich vorfönde» 
2104 Die dafferenx von Mfnm giiwerge in kA. and Mate 
ftfmfp« in m beweiM air« /daaa das fehlen des beiworla in h 
daa mpmngBche iat, ond k und m, jedea aeibeUndig, durch den 
änacfaob «inea atehnden epithetona den anacbeinend au kuraen 
Vera {Vor dm getwerge) verlängern wollten* atr. alao küam aus 
H.S text. 

2234 Das daz alier hss. in die zu ändern ist vrol ganz un- 
nötig : ^weil sie sich so jammervoll gebärdet hatte'* 

2469 st den mit b, vgl. zu 21. 889. 896. 

2609 f punct nach vn^tmadh beistrich nach gach. 

26^2 Madb gäM 9r dd Yü mdth ate laMAan Und hau 
$mM§irotii€iiDmgrdmm. , * .fWmi^dim lU«^^ illr 
faba ift h Hat k Umgi9, m f/edadii; jedeafklla iat gelägtU daa rieb» 
tige; ca eniapricht deraltnation am'bealen, erregte aber bei den 
jeagen aebreib^n anstofs und wurde von h durch das geläufigere, 
aber weniger pra^'nanle gelac, von ni durch eüi unsinniges ^e- 
ddhte ersetzt, vgl. lern er Dar>. 3114 Von diu künden sie wol ge- 
l'igeu (: pßdgot) io Shidiciier Situation, — - gar keine bereclitiu;ung 
bat das iedoch 2692 bei Ii fur doc^ hm da k (s. auch Lambel aao); 
l dka ßuk gtld^.tn ddt > 



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90 



ZWIEBZINA 



2842 ti8 m M mit b statt M tltt kmiL 

3204 n D6 tU düM nHU erfwulm, Dö /Mm wu holde Fm 
dm rum aü$> D» wont im «um wub $ädi R* das reimi»iir 
3205 f haUk : alle, das id hm fehlt, sehlsgt SeemflUer wol nit 

recht vor zu streichen, vor dem verse 3208 iVti lief er m aUe% 
ndch muss uns aber doch gesagt werden, dass die andein davuu- 
gelaufen seien, es isi «ialicr 320" in stau im der liss. zu lesen: 
Dö sie daz rehte erfunden . Des wart in zam unde gdch. vgl. 
auch Sie begunden von im gähe» 3222. Dee wart in zorn be- 
deutet : *da wurde es ihnen suviei'; Strickers beiden fliehen 
immer, wenn ihnen sem wdt, s. sb« Dan. 1947 f i üö wmt mtmm 
Acrrvnvorn, Der flödi den höhen twn Und Mte ekh dwrüme, 

3480 Ua mit b für Aar kB.« dean weh die ausiaarang 
des Worten in m weist auf er in der voriage dieser bs*» m Ober- 
sah er hinter dem vorangehnden er (» ere 3479). 

3540 l»s beste nuL h ; hestez H. hat weder h noch km. 

3605 Daz er gehiu ein pfai Durch daz her an ein stat, Daz 
ez im wol tiisent roerten. R. bessert gegen alle hss. Da ez im 
wol tüsent werten^ abt^r ich glaube nicht, dass an ein stat dieser 
näheren bestimmung bedarf : *er baute sich einen pfiMi durchs 
beer an eine (ihm genehme) stelle', der folgende dss-sati bringt 
dann einen begleitenden umstand (enthielte er eine negation, 
wSre er mit *obne sn' tu QberselieD) : *wtlirend es ihm wol 
tausend streitig machten*« 

3674 Str. «ffi mit h. 

3691 i's emcas 7iiht wcBher zimberman R. aber isi das über- 
lieferte er (hffl) wiirkiicb mit R. in ez zu bessern? wa'he lieifst 
doch einer, der sich auf kunstreiclje, zierliche arbeit versteht, 
ein Zimmermann aber, der äne mmor zimmert, wird kaum zier- 
liche arbeit liefern, es heifst also vom beiden im kampigewtthl: 
^Er limmerto woi ohne lot, er war kein kunstreicher simmei^ 
mann : (sondern) schlug grhnmig seine axt an, wo er eben 
hintraf', in der anm. su 3691 meint R., daas der Stricker den 
timmermann *als fsriatlon des Schmiedes (▼. 3626) ersonnen' 
hatte, aber der kämpfende held als zimmermanD stammt aus 
Wolfr. Wh. 394, 1311 : Der zimmerman muos warten Wie er mit 
der harten Ndch der ackes miieze sniden . . . Poydwlz al andere 
fnor (er ist also auch kein wceher zimmerman) : Er knnde wenic 
ndd^ der enmr Mouwen ndA ir marke, vgl. auch jXit 3249. 



TEinRmK VON STRICKERS DANIEL 91 



39S9 Str. «te nil h. 

4408 besser wol itat MSiudlsii. 

4608 Ks Da» m nSd mUkn turgät mit treuerem anschlvss 

an die hss.; vgl. 3536, wo mit Lemtiel ebenfalls vergie (gegen 
ergie H.) zu lesen ist und die !;k^, zur stelle. 

4649 Iis wol dar er für dä er likli., do er ... hin m. 

4901 list R. rillt h Dem danket daz ich stntiic bin (: sin). 
km bietet daz wir sinm'c sini , luul m sieht sich dadurch ver- 
anlasst, den folgenden vers umzureimeo {sint : ktnt). und würk- 
lieb danken sie Daniel ja alle ibrea terstand und so heifst es 
SQcb gleich in den aSebsteo fersen ganz ricbtig : Wir afn aiU 
4m s6i DiM lange jdr ftmim, in den vorlagen von b und von 
km stand also wol «los loir whm^o hm. km Anderten die ibnen 
nnvmtandlicbe form zu gnnsten des vor, b tn gansten des hüu 
wir Mn stebt Mm Stricker aber aucb sonst noeb im reime, sb. 
ttlr ; AM Karl 11373, s. Unter«, s. 40. 

:>! 19 Daz aller herteste pfat R. : das aUer herste b, dm alkr 
hertosien k, den aller ersten ui; Iis Daz aller herweste pfat. 

5700 Warum uiclit alies mit den bss.? 

58t)ü Str. alle mit h. 

595 S m zwei wU H« : zway wyt b, in ztoen weg km; sUr, 
m mit h. 

6227 Gawein sagt, Daniel sei der, welcher für das land sich 
am besten sum berren, für die kOnigin am besten sum galten 
ziente, 'wenn ibr der gleichen ansiebt seid» Södttie (die kOnigin) 
ntme boM Uwmt^, so bR., aber itt niemm iet iie nsüman m; 
fis fff Iiis Msndsr baz biwmu. auch 6580 schreibt bR ntena, 
wo mit m nwMier in lesen sein wird, k gibt dort nte; vgt ferner 
617 ftatmer bmR, nAäer k, niender Ehnsmann ; 101 niemer bkR, 
Hindert m. 

6272 Artus und seine riller schenken Uaniel das eroberte 
land. D.Hjiel dankt : Got selbe der lone vi allen, Daz mir einen 
$ol fallen Daz wir alle erfohten hau : Daz ist gröze triuwe an 
tu geiän; Ich verdiene es iemer, eol ich leben. Seemülier findet 
den vorletzten vers mit recht so, wie er hier bei R. lautet und 
ben>gen wird, unmöglich und fordert Daz ist gröze trivm am 
mir ^dn (oder von iu getdm), leb glaube, näher läge : punct 
nach AdKf for des der bss. 6272, und doppelpunct nach gi* 
fdMy also : ^dafilr wird euch greise treue beseugt werden (werde 



92 



. ZWIERZINA 



ich mich euch stets treu und daokbar erweisen), und idi werde 
es, wenn ich leben bleibe, allzeit abverdienen'. 

6681 f isl mil SeenOUer und Lambel nach km henustellen. 
was R. gibl, tiebt weder in fa noch in km und ist so ?ul({8r» dass 
• es Ton hkm niemals misverstanden worden wäre. 

6719 Str. ol mit fa, vgl. auch m. 

6786 Wä wart ie Me«M fec AM firO^timrtdiel M wcm$ 

auch sin gdtche lemer öfter üfkotM R. : ymer cfttr b, imer sider 
m, iemer k; Iis iemer afierl 

6994 f Der vater der riesen ist schneller als jedes andere 
menscheokind. Swaz diu zwei ie gewan, Beidiu fleisch vnde gmt^ 
Des was an im diu voUeist, baz ez in niht mohte hän erzogen H., 
das ist gut mbd. uod gibt auch schönen sinn, den fi. in der anm. 
parapbrasiert : ^Er halte die kraft, dass alles, was dies beides, 
fleisch und geist, hatte, ihn nicht einholen konnte*, aber es entr 
ferat sich doch allznstark von den his. » 6994 geben alle drei hss. 
te WCS für diw IMS R. und tlsi fehlt in hm, 6995 feUt n&U wider 
in allen hss. ich schhige vor : Dmt wm dn iU vdkütt Dom tk 
fi» moftls hän ersogm *wss ans fleisch und geist sich utssmmen- 
setst, dem mangelte die kraft, dass es ihn bitte einholen können*. 
erzithen wird man aber besser, wie Lambel, mit bezug aui die 
folgenden kiaüprobeu als 'durch ziehen an sich reifsen' verstehn; 

7046 — 50. Die verötlzuuj? von 7049 f, welche Seemüller 
vorschlagt, setzt die von R. in den gesetzte la. h voraus, aber 
«chon R. selbst (s. die anm.) erkaunte, dass der text hier nach 
km herzustellen sei und dass b diese ferse (die Qbrigens anch 
km zu freilich scbUcbtemeren anderungen snlass gaben) um- 
dichtete,, weil das echte seiner seit und sprsche foUkemmen flrerad 
war« -r^ sfr entnilt hier, der sweile (s. so 3263fl) oonsonantisch 
ungenaue reim des Dsn. und es bleibt nur wmb$ : hegwide 25B7.t 

7116 dmr d» hkm; Iis dtf. 

7142 Str. snstit mit h und auch mir m. 

7187 doch wol hinder im mit km. 

7534 Str. und mit h. 

7843 Iis alsö mit h für als kmR., vgl. 8057 also hmli., als k. 

8051 zu den iaa. und SeemUliers vorsobiag lobe statt Um 
vgL 6249 und laa. > 

S057— 62 Sciemtülers gründe für die. athetese dieser zeilen 
halt ich nicht für swiDgend, Daniel niomitrum Ginowe abiuhoient 



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TEXTKRITIK VON STRlffiBRS DANIEL 9S 



mr die 600 ritier mit neb, die im endieftea laode keiM Anit 
geiHMDBeii Inbeo. dieie jfüMn Daoieis brancheb aber nicbt 
jttoggeMlleo itt teiD. ja sie haben' rieht in Cliite, wie wir afr* 
■ehmen mflssen, nur deshalb nicht beweibt, weil eie daheim be- 
reits Iraueti haUeii. vou dteseu Iraucü, die in Artus landen 
Mrückgebtieben sind , ist in den von Seemüller beaustaadeten 
▼ersen die rede; sie begleiten nun ihre miinDer und Ginovere 
zurück nach Cltiss zu Artus festen, damit dort uiemandein die 
»eioe fehle. 

Gm, 2 dee. 1800 [april 1897J. > KONRAD ZWiERZlNA. 

■ 

ZUM TEXT DER WAKNUNÖ. 

A, 33, 402 ver9ffmiUuk$ KBorimki da» erj/^nü «'ner «er- 
ibiiGltiii^ dar Jb., dunk teeldbe eine fsifte tw» intümern m Baniffi 
Mkrift richtig geüäli wurde, hii thwr 9pät§rm UmUMung dir 

hi. ergab sich mir noch folgende nadhhse: 

82 scbaßtTet 140 erweichet 148 dä] dar 176 scimber 
217 0. d. V. der der v. 251 entslach] enslach 282 geslende. 
aso bibafl 392 den] der 495 gelemet 582 mit awie 
fU 590 dach 716 herre ient ehriat 770 nie nienien 
SSO adile 865 manic faltiger 882 erochent 892 rinchnt 
m wol] Tol 1033 hMic 1050 dai] des 1120 von] 
vor 1142 si eben si nicht b. 1221 sargen] Banden 
1256 bercem 1298er/'eÄ/r geiel]get 13üü manige 1325 deü 
guoten 1346 geit im wider 1358 falandas 1367 der] 
des 1470 muget 1501 erj ez 1502 denne 8. k. j. 
154S not] got 1569 der] des 1697 also 1703 diu die. 
<r fAU aiao kmn diu, wie Üimj^t a umtHu , 1 729 vemnafaten 
1775 truchsaetzzen 1783 anderm 1857 maniger vagU 
bade 1906 in 1916 «rwirt 1931 doeret 1976 Biusen 
1992 irn gemach 2011 gaeb 2042^ ohnnnet 2052 «erde 
2091 d. s. m. i aOea g. 2196 ino fM 2368 misae- 
Kagen 2371 balde] bilde 2421 gar] dar 2167 oder ir 
2214 unde] oder 2431 erde] rede 2550 Itirej ere 
1615 thumber Borimki] chumber 2617 zergßn] zergan 
2711 e, w. V. ein sL 2744 gesinde] ingeginde 2777 hast] 
hat 2804 in] im 2855 tar] getar 2862 engen] gert 
2895 aeh. habent a. b. 2897 groaerer 2911 wnbe den der 



WALLNER 



4tL feile ist 3060 ich fehlt 3246 n. sehet danoe w. d. 
w. g, 3345 unendeloee 3429 guot] got 3442 weeent] 
weaen f^adUng) 104 und 106 hinre] hinte N 104 strebt dos 
t Midbe verUkki N 106 ebom N 109 iwen. — die 
Miak fM 791. 2007. 2577. 383 f üt wideHM, aher tfüUr 
halb ausgeldsdii das o der vorsilbe un- wird mit folgendem m 
a&similiert : umminne 938. 1622. ummaere 1770. 2139. 2190. 
2242. 2822. einmal begegnet auch um werde 13. 

Kürzung oder zmammenziehung hat Haupt an ff. stellen vor^ 
gmommm: 65 die ez 72 twinget 77 ez 83 biiCel 
94 swenne 101 merket 105 weioet 123 erzaeiget 
164 dar in 166 es 203 gedenket 256 ubeles 261 irret 
278 cbuDoet 294 besseren 351 erfüllet 334. 394 wände 
409 dinet 411 gedencfaet 412 willen 413 ringet 
432 phliget 464 gmsset . 466 ee »llem 603 donccbet * 
629 er im 665 ez 832 douchte S95 stumbeien 949 stum-- 
belt 1171 ze einem 1268 iure 1311 gedeoket wie ez 
1324 si in 1337 ere 1342 hilfet 1371 heizzel 1376 ez 
1413 er sein 1428 ze einem 1437 machet 1463 aber 
1464 ez 1556 samller 1635 wirserem 1652 erliscbet 
1714 iriu 1758 ofTeobare 1766 waene ez 1911 wie es 
2046 wie es 1942 allen d. L 2048 wellet 2354 er 
in 2373 iaemerlichen 2374 es enmac 2613 ir et 
2803 geit es 2931 in es. . 

in ffi ttdim iM iMs hsL ilbertUfaim fsrmm mwitert 
worden: 80. 94. 1365 sei 266 wip 665 an 895. 1337. 
1421 uDt 1241 um 1348 uieuscb 1364. 1406 bret 
1379 trug 1413 ler 1420 got 1435 saeitspils. 

Das hsi. weitze ist aufser 2334 auch 476 und 1669 anzu^ 
merken. 1193 wird denne in dan gekürzt, 1265 in denu; 
2444 danne m üan. durtiligehends erscheint iu st. iuch: 256. 
294. 512. 656. 787. 803. 818. 942. 1057. 1457. 1581. 1610» 
1613. 1622. 1625. 2174. 2187. 2191. 2197. 2276. 2459. 2609. 
2648. 2796. 3167. 3168. 3202. 3203. 3213. 3243. 3244. Bmft 
haUB doAer, dis er et tmif übenü getoK, muh dies in 1201. 2195. 
2203 ändern sollen, die kürzung im reime wird an einigm stdim 
angemerkt, an änderte nicht : 91. 153. 491. 579. 581. 871. 1335. 
2927. 2961. 3023. 3033. 3147. 3185. 

Vier der Änderungen, die Sleinmey&r im amchluu an ßorinskis 



ZUM TEXT DER WARNUNG 



95 



«an»»» mffM, werde» Aire& 'cto k$. bt^ätift: dar 148. 2421 
gcsleDde 282 chonnet 2042. 
/fil Mdtibl» ii0«l feigeniB Änderungen der hL ÜherUeferung 
fmi des Bü9^$dien textee vareehlagen: 

53 die allitteraiien, die in der Warn, eine nicht unbedeutende 
rolU spieU, legt nahe grisen sl. wiseu, icodurch der rührende reim 
besniigt würde, (vgl. an juugeo und an grisen Hartmann i hücid. 4; 
dhnl. Stricker Kl. ged. 12, 13G; grfsen : wlseo Grey.'^\13) \ i2kolon, 
vgl.\94\ 146 kolon st. komma 177 bringt io überdaz^zii) 
oibl; vgL 639 si bringl in über daz zil nibt, als im ze sierbeo 
geichUit und 172 ab acbiere kumi aln «!• 197 ^lei'iiM^yin 
cM^iefiir TiDdet et, mtöet wM durA eine frtUgtetdie geitüiMii 
9§L SduSnbuA ÄUd. predd, i 242, 17 dar umine ao auH ir oacbl 
oad tag, vm und spate, und zu allen stten dar an denkin daz ir 
vor uch etteswaz gesendet daz ir dort vindet 446 kelen 
448 kern komma b'M) kein komma 532 komma 801 ez &i. 
er; vgl N 148 811 statt mit Haupt süude einzusetzen, möcht 
ich lieber schreiben der der st^le Iteiiich si ; vgl. 758 der zorn niuoz 
Ikien den töt; 789 (haz) von dem diu vienUcbaft erspriuget 
diu nna den töt bringet Sekifnbaeh i 26, 37 der zorn benimt den 
meoaehcn aich aelben nnd maehel im diklte den tot dea Uebea 
ttd der acle, quia ka mortem operatnr 839 da$ m der he. iit 
tevMdlreti. 881 die et. diu, ugf- 450. 1589. 1868. 2989, 
wk ttudk wei hee^t 4328 diu t'n die »u ändern iet; vgl /w. 
13. 402. 1286. 2386. 7824. 900 kolon; vgl das ähnliche satz- 
gebtlde ■l{^b[—-2i}Q\. tibi) komma st. punct; vgl 2094. 1178 
Uhler kann auch stehn bleiben, wenn man mit aiinnerre swsere 
nwr auf klösenaere bezieht. 1232 olie st. bife; vgl. Berthold i 
171, 33 dä man den s6t, den briet, den schant aise ein rint, den 
fmleinte mit steinen; den flaht man in ein rat, den begöz 
■an mit brinnendem olei; iiradi^ftnifiihfl. tfarm. 1, 451\13 
Saictna Jobannea eivangeliata der wart geworfen in ein potige 
voHewelligez olea; IFaefetma^ JVwü xxtm 39 Die si ? f den 
roeseben branten, die betronften si mit wallendigem 
smaltz. eine marter durch begießen mit bUi wird nirgends er» 
wohnt K 1325 kommOt da woi das h&L den guoten einzusetzen ist. 

* «If kifllmutmflB ktgtgMt gweehmolMtm» biet in den iehlund 
fuen : die leoffel gussen der seien da tu ttnot welUch bU io Cfea invnt 
iufräek aminhm se^U und kib 235 {Genu Z\. 



96 WALLNBR ZOMf TEXT DER WARNUNG 



• 

pgl. 3493 1326 kolon zu tilgen 1383 imma 9t* pmust 

1385 functi in v. 1385 ist das subj. pron., da» »ich auf spilere 
JbOMuhsn mms, gespart. 1421 minnet st, minueri; vgl. 1422 — 
1424 15ö9 vielleicht wäre eine Verbindung der lesart Haupts 
der und des hsl. des angezeigt im hinhlick auf Iw. 2196 f der wol 
des ilbes pflegen kan und ders oucii guote State hät. 1779 komma 
SU tilgen 1811 vorwlsel st. vorreisel? 1874 die einsetzung 
W M In mSdit miwmäig; viß, Krmu DmiUChe ged» 4. 12jk$. n 
176 f 1916 eiiwert tt, eawirt 2032 guotos ^oles 
2188 tuget St. muget; pjf, Bmnmar MFr. 186, 15 f ouch ge- 
scbiht ein wunder Ithte an ir, das man si danoe UDgerne siht 
«nd MFr 186, 10 so eotoug ich ir vor alter nihl {Warn. 2187 
das wtp iucb ung^^rnp »ibt , sö tuget ir danne oiht). 
2284 in allen gäheo mtm stehn bleiben; s. Lexer i 724 2342 
komma st. rufzeichen, ez zu sii eichen; vgl. 2274 f 2447 der 
punct ist zu tilgen und 2448 anzusetzen. 2482 betwingel braucht 
nicht geändert zu werden', vgl 2479. 2490fr 2586 der lecker 
if. diu iQge? vgl di9 xmammuMimg Wmn» 2586 f der lecker 
ist al der weride leit* bcatiu wtp loll ir mtdeo %md Stridur 
vdBageni fiann. viii 293, 29ff iecelier nni veraebamptiu 
wtp die machent maogen guoten Up, daz er got wirl gar wilde 
2846 kolon; das folgende kann sich nicht auf den habgierigen beziehen; 
es führt einen andern sünder vor. 3163f der phleget unz an 
iuren t6l: si benimt iu die £ wegen nöt, vgl. 1045 3198 riweo» 
lieben St. reinicltcben ? 3290 komma 3433 punet 3434 kolon 
3449 auch die alliteration Idsst ur&acbeu st. bersaehen erwar- 
ten, IS 1. 41. 222. 226 iuch st. iu N 66 der I6i st. diu zlt? 
kmmui St. punct, N 67 pmct; vgl. 181 f itt wMMt vttßädd 
äitr Bthmber tfua N 65 «ml nnus infolge dessen muh N 68 der 
jungiste tac ist Itomen ändtm. das bild an 9Ük wäre nidit iiih 
flid^l^; vgl so hat die zyt herlaulTeQ mich« Der alte und der 
junge {Altd. bü. i 29) slr. 19. N 103 ob er af. oder. IS 104 
ob er IM streichen. N 113 geduoke aber ez si bcese st. gedenke 
aher er ez si boese; vgl, N §7, N 131. N 136 unverwauL st. un- 
erkant; vgl. 2163 f der Uäl den schaden an der baut, daz ist 
immer unverwant. N 246 in st. iu. iN 'i 11) der duppelpnnct ist 
«tt tilgen und 20U anzmeizeti; v. 250 ist relaltvsats, die liiöt 
üt acc* N 258 selben darf nicht geOndmi toardm : nach dm 
jüngsten (fsruiue wrden kib und ssäs der stnfe oder bekhmmg 
tsilhafüg: di mozent in samet llden, iz et ubil oder gut, alse der 
mensche hie gelut. Credo 1368; vgl. N 246 und die dhnl stelle 
Warn, 243f N 289 das Aal. bowel ist uu belassen; vgl Lexer i 404 
böwen üf. iii 800 wegen stn.; vgl auch Warn. 1113. 2217. 

und Credo 949 daz er uns bevelle liin zo der belle, dä er 
selbe wesen bat. 

Laibacb, 13 juni 1896. ANTON WALLN£R. 



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DAS GEDICHT 

AÜF KAISER LUDWIG DEN BAIERN. 

lo mang ventflniiiidter geatalt ist eioe an kaiser Ludwig 
dm Baiern gerichtete allegorie auf qd« gekomineD« ein bach- 
Uoder der DUlinger jaaoicen hat im 17 jh. die acbOne ha. xer- 
sebnitteD, und nar der kleinere teil des gedichtea ligt una Tor 
in den bruchstücken , die von FrPreiffer und Englert geftioden 
Uüd feröffentlicht worden siod; s. PfeiÜer FoiscliUDg uiid kriiik 
aur d. gebiete d. deutschen altertums (Wien 1863) 45 ff Pi. 
i—xi) 1 und Zs. 30, 71 ff («-> E. i. ii). 

Der ▼erfaaser nennt aich ^acbriber*, uod er lobt Ludwig sehr. 
M war Pfeiffer auf die Vermutung geführt worden, dieaer achreiber 
aei ein mitglied der kaiaerlichen kanilei geweaen; nach ihm bitte 
der protonntar Ludwigs, meiater Ulrich ron Augabuig, dem an- 
sehen aeinea herrn mit offlciOeen rersen au bilfe kommen wollen« 
dagegen ist einspruch erhoben worden von Riezler, der die 
grüüde Pfeiffers nicht ausreichend fand*. 

Seitdem blieb die frage unberührt,, vielleicht aber lägst sich 
die eigentlicbe absieht des werkes etwas schärfer, als es bisher 
leicheheD iat, erfiMten und damit leigen« daaa man den dichter 
jedaaftUa nicht unter den nächaten dienern dea ludaera auchen 
dart mit dem bauptgedanken^ aoweit er erkennbar iat, acheInt 
die Pfeiffersche anaicht achwer vertraglich, auf eine reconatruc* 
tioD der anläge im einseinen musa man bei der darfUgkeit der 
fragmente von vornbereiu verzichLeu. 

Der dichter ist ausgegangen, um ein mittel gegen die not 
leiner zeit, die ihn mit schwerem kummer erfüllt, ausfindig lu 
machen, frau Venua, die er auf ihrer feste Solial( aufsuchte, bat 
ikn an fiuu Ehre verwiesen, Pf. u 55 ff. au ihr«m herlichen 

* vorher WSB. philo8.-hisL d, 4L 328 fi; die fragmeate jeUt 

ia Hänchen cgm. 5153. 

■ Forschungea z. d. gesch. 14, 14 and Geschichte Baierns ii 554 anm. 
hier ibi schon Pfeiffers aogabe, der Verfasser »ciireibe im aoftrag des kaisers, 
saröckgewieseo. aulasi n den nlsventlodiiit war wahrscheiDÜch Pf^x If 

JÜCnA ktU$9 M dtumB t«Mbm 

da« er dcD kaiitr seinen *limB' Pf. m 84^ 100. x O und die katacrin seine 
Yian* B. n 41 nennt, nackt ihn natfifUch aiebt snm dieaer nnd liefmann. 

Z. P. n. A. XUI. N. F. XXX. 7 ' 



98 



SCHAUS 



schlösse komml er nun um die festliche zeit der pfisgsten* Pf« 

1 16. das hofgesiDde tummelt sich io allerlei lostbarkeit und 
kampfspiel, gäste nehmen teil, frau Ebre und ihr gefolge sehen 
zu. — hier setzen unsere Fragmente ein, E. i, Pf. i. n. — zur 
abwechsluDg pflegt Trau FJire sich auf eine tribilne zurückzuziehen, 
E. I 93, Pf. II 17 fl, vvo sie umgeben von frau Mafge, Scbaoi, 
Keuschheit, Treue, Milde, Recht und Bescheidenheit thront, bei 
einer solchen gelegenbeit stellt frau Venus» die auch zugegen ist, 
den dichter vor upd setzt sein begehren auseinander — leider 
bricht hier Pf. u ab. — den gegenständ seiner wQnsche bildet 
ein Schwert für den kaiser. an einer stelle E. n 70ff macht er 
sich gedanken, 

^ wie ich wurde gar entladen 

Des hresten von dem swerte. 

Des ich ze gäbe gerte. 

Ah ich ofte han geseit. 
daraus gebt zugleich hervor, dass ihm sein wiüe nicht sofort er* 
follt wird, über den inhalt seiner klagen sind wir nicht unter- 
richtet; nur Ist anderwärts ersichtlich » dass er dabei auch auf 
bestimmte personen bezug genommen bat. Pf. 39ff wird ihm 
gesagt: 

sollst) ergetzü losrdm 

Atttr itr hemerden, 

Die du von dem swerte hast, 

Dez der von Niffen dir gebrast. 

Ah wir alle han vermmwu. 
bei einer der audienzen soll er über Ludsvig berichten, und er 
tut dies mit rühmenden werten , Pf. m. in das lob des kalsers 
stimmen zu seiner freudigen ttberraschung frau Ehre, Pf. v, und 
ihre damen, Pf. vi, mit vollen tOnen ein. auch die kaiserin er^ 
bslt ein reiches mafs von preisreden, Pf. ir, E. ii. der Schreiber 
aber Tcrgisst darober nicht seinen 'alten schaden' und wurd toq 
frau Ehre TertrOstett E. ii 68 if. durch Intervention anscheinend 
widerum der frau Venus naht er sich endlich seinem ziel, Pf. vn. 
wir erfahren, wie Irau Ehre das schwert holen lasst mitsamt einer 
kostbaren serien ^ von seide und goid. sie will es ausstatten mit 

< *rustQDg* Dseh Pfeiffer s. 50, «decke oder kldd' s. 81. [filich ist 
I«){era ety^logie : tat mriui vielsMhr ist Ductnge s. v. Mvya henntii« 
tfeheo. B.Sjsk.] 



GEDICHT AUF LUDWIG DEN bÄlLRN 



99 



gewalt, die Widersacher des kaiseis zu schrecken, schlechte Christen 
und uugiaubige zum rechten glauben zu bringen, Pf. vni^ 

E8 folgt mm der zweite hauptteil des ganzen, eine lauge 
reihe von ermahoungen, die der dichter als 'fron Eren lere' seineoi 
geiebeok mitgibt, er spricht, Pf. x 11 (T, ?oii dem yerderblicheD 
kämpf der beiden schwerlert wie das eine« mit dem nur da» 
pIpetUcbe gemeint eein kenn, das andere ferdrtngen wollte: 

Da von d& wrik krülmkät 

Jhi H wm uMdm nttfif («-> haut) 

Den der des ewertes hat gewaU, 

Da von hreste manigvalt 

Des rieh es s^tetien vaUet zu. 

Her keiser, trachtent, wie man , 

Das gottes dienst uns wider kam. 
dh. daaa der kirchenbann ron ihm und seinen anbttngem ge^ 
nommen werde — 

Datt iaeer ere und unser firem, 
damit wird das kaiaertiche aehwert wider anerkannt, nnd die 

> bei 6tg krönong in Rom nimmt der papst das rdchsschwert vom 
altar dr s h. Petras, leiebl es dem kaiser und spricht : *Accipe glaeUum <~ 
imperiaHler tibi eoneMum nattreque benedictioni* officio in defentionem 
t'jnt'fe ccclesie dfvinihof nrfiinntnm ad vindf'ftam malefaetorum, Inv- 
dem vrro öonorum , et e.flo memor, de quo jisalj/nsta (44, 4) prophetavil 
ä'crns • Accingere gladio tuo super femur tiana potentistime , ut in hoc 
per p}indem vim equitatis exereeas , molein, iniquitatis potenter destruas 
»t sanclam dei ecclesiam eiusque fiäeies propugnes ac prot^a* nec minus 
9ub fide fült^s fvam ekrieiiani neminie hotteB emeeres ao 
dieperdt», vidues ac pupiUos dsmenter adimm ae defendat, datetaia 
rmkmreSf reeUaamla eo ntene» , uieitemris üduHa, wnfirmu heute dt^^ 
M de. dann nngfirtet er ihn mit dem aehwerte; der kaiaer liebt ea aea 
der adieide, vMIUerque illum ter tfiArat und atcekt es wider ein, s. 
ADiemsod Das ceremoniell der kaiserlnOnaDgen Yoo Otto i bis Friedrich n 
(Mönchen 1894) 139. nach den vier hiromelsgegenden soll der kaiser Ter* 
■■tUcb daa aehwert der fran Ehrr- schwingen, a. QT* 7 ff (lAeke) 

Afit sinr malertp z . . , 

In vier wege strecken^ 

Das mag ivol ertrecken 

Dez keisers widersachen, 
Me ibcrelttatinniang ist alao nieht weit her, aber die stelle gibt die ber- 
ktanliche ideale aafTaBsmig des kaiserUeheD bemfa, die aneh in onserm 
gedieht eiacbefatt. 

7* 



100 



SCHÄUS 



fKiunmd$, Dü dm ridis uffk Ut Ftfit du 6^ mMsH» nU, be- 
eodel,^ PH % 27 IT. er spricbl, Pf. ix, von den beratero der fOrtten 
mit der epilzeD wendoDg, daes wol aucb gute ratseblflge nicht 
beachtet werden, ferner Ton all den vielen pflichten des heraebers: 

er soll auf jedes unrecht oierkeo und es abstellen, er soll schaueu, 
wie es utii geiechles gericht, um schütz der witwen und waiseo, 
um zoll und münze slehL er preist, Pf. xi, unter iierufung auf 
daa wort Jesu (iob. 14, 27) den frieden, der freilich mit Herten 
strengen sacken tu erkämpfen aei, auf daaa man von dm «»- 
frid€ fride hat. 

Der dicbler alao veracbafft dem kaiaer das acbwert, daa er 
führen aoU, daa er demnach biaber niebt gelUbrt bat, nicht fbbren 
konnte, zum mindealen nicht in der rechten «nK fbr einen 

panegyriker wäre der aosgangspunct eeltsam. und in der tat, 
es liedarf wohl keintr längeren erürterung, dass dem verl. seine 
ernsten anliegen und beschwerden die hauptsacbe waren, die 
lobsprüche, (leren Oberschwänglichkeit er selbst gelegetUlich zu 
entschuldigen scheint, PI. x 51 ff, sind nicht ohne überzeuguag 
geschrieben, aber doch sicher aucb nicht ohne die absiebt, ein 
geachicktea deckuogamittel far die vielleicht unbequemen mab- 
nnngen zu gewinnen« alao kein reines lobgadieht, aondern gia- 
vamina in panegyi'iscber verbrSmung. 

Wichtig ftlr die auffaaaung dea ganzen iat die oben achon 
berührte stelle Pf. vti 39 ff, wo dem Schreiber versprochen wird : 
*du sollst ergetzet werden Aller der beswerden, Die du von 
dem swerte hast, Dez der von Niffen dir gebrasl'. zu dem letzten 
vefs merkt Pfeiffer 8. 81 an : 'an dem es der von Neifen dir tehlen 
iiefs? ich kann diesen gebrauch von gebresten sonst nicht nach- 
weisen', die lexika bieten allerdings keine beispiele dafür, allein 
der Wortlaut des sauea iat von Pfeiffer doch antreffend wider- 
gegeben, nor unrichtig auagelegt bat er ihn, wenn er darin eine 
bindeutung auf den tod dea von Neifen aeben wollte in dem ainn, 
daaa der dichter aua dem herzen dea kaiaers heraua den verlnat 
des treu ergebenen anbängers beklagte, s. 54. aus der prSlerital^ 
form gebrast mag man immerbin schliefsen, dass der graf schon 
tot war. notwendig ist es keineswegs, aber was da steht; *der 
von Neifen hat es an dem schwert fehlen lassen', das heifsl doch 
sicher : er bat nacli ansieht des Schreibers das kaiserliche schwert 

> vgl. hiersQ noch ncars ^ s. t04. 




GEDICHT AUF LUDWIG DEN BAIERN 101 



Dicht gut oder nicht genOgend geführt, wot konnte man sagen, 
dass Berlhold von Neifen (Hohen-NeuffeD), graf vMarsteUüu und 
Graisbacb (f 1342) das schwert des kaisers führte, so eifrig und 
vielseitig wai soine läligkeil im dienste Ludwigs ist es zu ver- 
wundern, dass er wulerspruch erwecliip und anlass zu beschwerden 
gab?', es trifin sich günstig, dass ein anderes zeitgedicbt uns 
eine anzweideutige anklage gegen ihn erbalteo hat. in den go« 
genanDteo Wünschen, Lassberg Liedersaal m 477 ff, heifat es: 
96 Ich lotö ttjf da trüwe mm 

Für ainm barm pfmiHg, 

Da» an nur kaitert ding 

Und dm bditieM $öUi iton. 
100 M ißöUi ickkr uzgeridU Aon. 

Im§ ieder man xuo im Mtr 

h kreneker und scheiber 

Ist dü selb sach. 

Wer den zepprl maeh^ 
105 Dez frag den von Nyffen. 
das ist nicht anders zu versteho, als dass dem grafen die schuld 
SD dem streit zwiscbeo kaiser und pap&t zugeschoben wird'. 

* 8. Riezler io der ADB. 33, 400. seine 6lelluu(( in dem schwäbischen 
landfriedeD behandelt Scbwalm Die landfiledai in Deotschland aoler Ludwig 
dem Baien (Güttingen 1889) 86 II; vgl. die m liair. forlsettQftg der Siebs, 
wdlchfoiiik MG. Deotsehe duoD. n 847,30 : Dtr komif Ludweff inmAI« do 
m kuUfogU in Sutaktn dm grafm ßarpMold» vom Ntifftm^ itt wo» gw^ 
wMiger kmifagi in Swaben di wUe er lebte. 

* Dicht gerade freuodlich werdeo auch die voa Pfeiffer s. 54 schon 
aogefQhrten versf an« dem Ouodlibet (WadLcmtgel Altdentsches lescboch* 
8, lt57) T. 12f gemeint sein: 

Ich wrnne, der von Nifen 

Halt sich in de* keiters ieÜ, 
denn nscb Laasbergs anoebnibarer vermntuDg (Ltedemsl m 560) ist der ver- 
fuier identteeh mit dem des Bcboddlgen spottiiedes saf Ludwigs ver- 
■Dflickle Fcidkiicbcr imlemehmoog; s. dsrflber CartelÜeri Regcstea der 
MsehMte rmt Eosslaos n (loDsbrnelL 1806) 168 nr 4489. siif snklfisge an 
Meister Irregaog (s.eieiirsi) uod die Wünsche (s. das folgende im text) ist 
Iiier nicht einzugehn. die abfassungszeit des Quodlibet bestimmt sich übrigens, 
wie ESchrödpr bemerl^t, nnf 1333 — 1342, dh. die z^it zwischen d*^ v. lu f 
erwähnten zprsturunu; Schwatiaus, s. Deutsche städtecbroo. vui 98. ix 780, 
ood dem toJe lieritiuldä von Neifen. 

* Beriliüld von ^ieifen v^iir 1323 als ieicliüvicar nucii Überitaiien ge- 
gangen, und sein taftreten gegen des päpstliehcn lafsteo, der die GselfeD 



102 



SCHAliS 



Wir wissen nicht, was der Schreiber bei Irau Ehre gegen Ber- 
Ihold vorgebracht, ob er etwa den gleichen Vorwurf erhoben haU 
doppelt srhadf, dass die Ira^nienle 80 versagen. 

Es ißt benaerkenswert , dass die wünsche sich auch sonst 
Olit der allegorie berühren, gleich am aofang (v. 4fi) üodet sich 
ein gegenstOck zu der forderung des schreiben, der kaieer solle 
■den kämpf mit der kirche beenden (Pf. x): 

JA iDAifdk tmäOiA^ 

Dos mm ob aüm üi^m 

SöU htm tmd iingm 

Und S9iM ampt mit rtckt Ugan. 
auch die allgemeineren wOneche (v. 10 ff)« <Ims elefalen und rauben 
nie erdacht wären und acht und bann strenger gehandhafot werden 
sollen, lassen sich wo! zusammenbringen 'mit fron Kren lere* (Pf. 
IX, xi). man fiililt sich versucht, aus dicsiT Übereinstimmung 
Schlüsse auf die engere heimal des Schreibers zu ziehn. der 
wttnscher gehört offenbar in die Schweiz, s. v. 109 — III 

Ich wöU für harpfm und videln, 

Das vom Spicher untz zSintididn 

Gitng al^ ^ft skditi «frtHV. 
man nehme dazu, dass aus der chronik des Johann TWinterthor 
genau in denselben tttnen wie aus dem gedieht des Schreibers 
loyale reicbsgesinnang und tiefe belrabnis Ober die verfahrene 
ktrebenpolitik, ihre traurigen folgen, slArung des gottesdienstes, 
Spaltung der geistlichkeit, Verwirrung der gemUter, herausklingen, 
die lange Zwietracht zwisclieu den beiden häuptern der Christen- 
heit, so klagt der minoril (Joh. Vitod. Ciirou. ed GvWyss 200 ff) 
hat unsägliches unheil illier ilic kirrh»- gebracht, statt einig zu 
sein und sich gegenseitig zu unterstützen, haben sie sich feindlich 
einander gegenübergestellt und ihre aufgaben vernachlässigt, die 
feinde des glaubens werden nicht bekämpft, ketaerei und gefthr- 
liehe irrtflmer sind aufgekommen« Aee dmiper eapHa^ ueumdäm 
iierfti Ckridi twaxigtUei sensiim Mgwiam tfiaHi dm oeeorf, «inait 
per mMUa amumm ttmpm icdene suffluermit. neuUr eulrn 
in fua ^MuUcftSfie mteiwitaU M irodiia vü eeiuma ImMiUUr 

führte, hatte unmittelbar den ersten process Johanns xxu gegen Ludwig im 
gefolge gehallt; vgl. Chrousl Die Ronifahrt Ludwigs des Bayers (Gotha ISBT) 
soff. 80 kürinte man in ihm dfn rtnsiifter des kircheDStrdtS seheo. doch 
es fragt sich, ob die steile dies meint. 



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GEDICHT AUF LUDWIG DEiN BAIERN 103 

proeh usus est! [idem cathoUcam minime roboiaverunt vel 
pro(exerunt ; debilem curam et nisum etdtui divino adhibuerunt, 
— malos noH represserunt in ma malicm obstinaios nec conpe- 
sciierunt etc. aao. 201. der bettelmöoch greift die bekaoote Uber- 
lieferuag auf, dass die reiche scheokung des kaisers ConstantiD 
ao d«D papst Silvester daa anbeil verschuldet habe; damals rief 
eiDa bimmliache stiomie wahr «od ncbüg: 'beut hat aicb das 
gilt in die weit ergoaaen' K aoch id TeraeD mit scharfen soa- 
fUlen gegen den papst widerholt Jobann seine klage. 

Die annähme ist zwar nicht zwingend notwendig, jedoch recht 
wahrscheiulicb, dass der Schreiber auch räumlich in die nähe des 
wünschet s uutl des cIuüüiüUü zu setzen ist, wie sein gedieht 
sich diesen Zeugnissen der unzufriedenlteii mil den kirchenpoli- 
tischen Verhältnissen anreiht, diese Stimmung mus in dem leil 
Schwabens zwischen Rhein und Alpen und am Bodensee beson- 
ders stark verbreitet gewesen sein, in einer der dort gelegenen 
KicbsstSdte ' darf man sich die nUegorie entstanden denken, vgL 
Pf.x i5t 

Die ahtoangssat Usst sich nicht genauer ansmacfaen. der 
nrs Pf. TU 42 bietet, wie bemerkt, keinen festen anhält, nicht den 
terminus a quo, den Pfeiffer darin fand, aber in die jähre knnc 

üäch der heimkehr Ludwigs aus Italien (1330) zurückzugehn, etwa 
weil dem dichter die teilnähme der kaiserin Margarethe an der 
Romiahri ihres gemahls noch lebhaft vor äugen steht, Pf. rv 
20 — 24, wäre auch nicht rällich. der kämpf der beiden Schwerter 
muste schon etwas gedauert und sich mit allen seinen Übeln 
langer fablbar gemacht haben, und sehr ansprechend bat Pfeiffer 
s. 53 Termntet, die erfolgreiche miasion an frau £hre werde wol 
ingiert worden sein, nachdem eine reihe ton gesantschaften Lud- 
wigs Afignon ohne ergebnis wider verlassen hätten, jede nähere 
bestimmnng bleibt aber unsicher. 

• über diese «sage s. unten 104 exciirs it. 

* Lindau, Konstanz, SGaden, Zürich gehörten zum scliwähischen land- 
friedensbond von 1331, dessen hauptmann Berthold von >ieifea war, 8chwalm 
9. SS. besoadere beztehuogen Bertholds ergeben sich am Urkunden , tu 
Zürich s. WiokeimaaD Acta imp. ined. n or &33. 535. 5üi. 502, zu Konstanz 
•. Hoppert tut ckionikao der ittdt K. (K. 1891) 314. *Fridcridi der Sdwibcf 
dioriiefr n ZAiidi wird genannt, GtU Moni RcgeilMi dfr Bened. 
•bid Baiieddn nr UO; *Dlrieh der Sdiieibfr' bttigsr in Xoaitaoi 1341» 
llegg. dtr biichSfe von Koostaas n nr 46W. 



10^ 



SCHAUS 



EXCUEBB. 

1) ZU s. 100 B. 1. £• nag erwibnt werde«, itn Meister 
Irreging «ch erbielel (Wiekeroegel Altd. leieb,* 1142» ITA): 

HoM idi item uiid§ hol, 

Ain gut stoert mach ich teot. 

Das der haiser Friderich 

Mil eren fuerti sicherUch 

In xorn und och in güele. 
hierm eme beziehung auf Friedrich von Oslerreich, den gegenkönig 
Ludwigs zu sehen, wie Lassberg Liedersaal ii 310 will, ist doch selur 
bedenkiich. vielleicht war es nicht zu kühn, das gedieht im 14 Jaiir- 
himdert tu liiieii und troudem die stelle auf Friedrich u sn besiehen, 
nlmlich .auf den, der ividerkehrea sollte. In kU$ Umporitvu, acfaräbi 
lohinnYWiBlenlior(ed.WyBs249) um 1848, tfiUhmSMi Oiwni §^ 
nsris km» eimcli ffm^ri* mu^to« voMe 9uerliuiinev%dgdbaUiir, iiipsra- 
lorm FfiAerkum fseundirai Autuf nomtnif ad reformandMM staiMim 
omnjno depravatum ecclesie ventuntm m rohore maximo potesiatis; 
vj^l. Fkampers Die deutsche kaiseridee m prophelie und sage (München 
18ä6) 103. der kaiser, der 1144, 2 genannt wird, muss dann ein 
anderer sein, etwa Ludwig der Baier. 

2) 2U s. 103 n. 1. Für die geschichte dieser sage, die bekannt- 
lich bei Wallher vdVogelweide 25, 1 1 ff begegnet, sei es ge- 
stattet, eine von Döllinger in den Piij)sifabeln gewiesene spur zu ver- 
iüigeü, dli. eiu citat richtig in slillen , da dies lu der 2 aufläge des 
bnehes (Stuttgart 1890, s. 115) mcUi geschehen ist. üiraldus Gam- 
brenris sagt, nieht in aemer Gosmographia, einem poetisehen jugend- 
werk (Opera i ed. Brewer, Lenden 1861, p. 841, Tgl. 421), sondern, 
so viel ich seh^ zuerst in der um 1197 entstandenen Genuna eecl»- 
siastica (Opera n ed. firewer, London 1862) p. 189 : Legilur auiem, 
quia die, qua ConstatUinus imperalor Imperium ocddentale beato 
Silvestro, qui ipsum a lepra curaverat, et successoribus suis con- 
tuleral, hanc vocem muUis audientibus venenosus hostis emisit : 
'Hodie ecclesie venenum talndi . nonh mehrfach ist er darauf zurück- 
gekummeu^ zl. in wörtlicher wideriioiuug, s. aau. 3tiO; dann in spä» 
teren werken : De invectionibus (Opp. i 192), ferner De principis in- 
structione (Opp. tiu ed. Warner Lond. 1891 p. 87), Speculum ecclesiae 
(Opp. IT ed. Brewer, Lond. 1873 p. 350). wertToU wir« es, die ge- 
wihrsmaoner oder den gewShrsmann sn finden, sodass man sehen 
könnte, ob der fabulist Giraldus, dem trotz seiner stiebe auf die reichen 
prälaten die 'Gonstantiniana largitio tarn laudabilis' ist (Opp. iv 2S5), 
aus dem engel den bösen feind, oder ob vielleicht Walther, was eij^em- 
lich wahrscheinlicher ist, in seinem zoru aus dem gefallenen eiueu 
richtigen eugel geinaclit hat. die erzählung, die sehr nach ketzetei 
schmeckt, drückt doch nur eine verbreitete ansiclil poetisch aus, s. 
Döllinger* 112 f. schon der hl. Hieronymus, auf den Giraldus sieb be- 
ruft Opp.Ym 88, hatte gemeint (ViU Malcbi i, ftligne 23, 55), dass 



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GBDICHT AUF LUDWIG DEN BAlEfilS 105 



die kirche, postquam ad chrislianos principes veneril, potenlia qui- 
dm et diviliis maior sed virtuUbus minor facta sit. dann aber 
ichrieb Wido von Osnabrück in den Zeiten des investilurslreils , dass 
der leufel die hnud im spiel habe, seit gerade von CoüslaQliü und 
Silvester ab die kirelie zum reicljlum gedieh ; De conlroversia inier 
üüiieLrauiiuiii ei Ileturicum imperatorem, HG. LibelU de lite i 463. 
ra doi beispielen für die 'foi ai^^iea* am dem 13 jh. kommt Übrigeos 
der ibetoritcbe briet fcSmg Ibnfreds an die Römer von 1265, jeiu 
gedr. MG. ConslitnCiones n 563. 
Berlin 1896. EHIL SCHAU8. 

W£TZLAB£R WIGALOIS-FBAaMENT. 

Der schon mehrfach bewährten gUte des hrn geh. archivrat 
dr Veltman verdank ich auch die bekannischaft mit eineui neuen 
fngment des Wigalois, dem wir wol in seiner reichen geachwist&r- 
tekaar [ügl »uUiMt Zt. 37, 235) die sigle f zuweisen werdm, m 
hmkU stdk «m ein per^fammidappdblatt des 14>A<., ifof unter 
im iestdndm dn HaaUarckhi tu Wetzlar ah ^Mm. vm. Bm 
Htt. B außewahrt wird vnd Mder arg von feuchtigkeit gelitten 
hat : ein schräger von innen nach aufsm abnehmender streifen ist 
toUständig vermodert, in der weise, dass auf einem eingelegten 
hgen papkr diu obgMUterte teilweise Usbar erhalten itU 

S$ wetr edM recht sroll/tcAe Ae. : der betämebene räum muß 
23,5x16,2 CM, die hUdtgritße IdCMf atcA mtf 32— 33x23,5 m 
Wradbien. oh/ der (7,2 cm ftreAeii) tfoke hatten 40 venzeUen 
floht, die aber, eben wegen jenee madendiadent, nirgend» erhaUen 
änd, aufserdem eM auf 6/. i ep. a (mitte) , hl. 2 sp. b (tiftfeti), 
61. 2 .s^. (i (mitte) je 12 Zeilen ausgespart für bilder, die aber 
nicht zur ausfiihruny gelangt sind, es ist, soviel ich sehe, die ein- 
sige Wigahi?hs., der dieser schmuck zucjedacfit war : schon daraus 
ergibt eich, dass das fragment mit keinem der bisher bekamU ge- 
auuhten zusammenhängt, 

JHe wrdmeUe dm 1 Uedtee he§gm mch eicherer beredtmm$ 
mH 172, 40, doM Uatt uMeftt mä 176, 27 [dlea 148 dL 160 — 12 
uÜenllLl reiehiewm 184,5*187,20 [ab» 136 df. 160 — 2x12 
Meilen] ; es fehlen alt» demmüdien 207 vetee, da» wäre ein dappd' 
hktt [räum 8 X 40 320 vvJ\, auf dem wir für 2 bilder 23 Meilen 
abzuziehen hiUten. 

Die directe vorläge der hs. war elsässischen Ursprungs : so er- 
üärt sich («t^er slro^e) der 174, 23. 26 rasch widerhalle fehler 



106 



SCHRÖDER 



sIot;, sto^e ßr strafe, ifar aekreiber »elbst war wol rheinabwdrts 
in Südfrmütm sm kmue, er wrfiikr äufunt gedmüfmhs und 
ISMidk : faUr wie 9aUvr%i für entoli^t (186*24) undgarFui fOr 
Liat« (185t 28) Mtgen «8 kmrätiiaid, 

leh habe üe laarten, da w» der rmm mm voUttändtgen 
ahdrtuk dermrti$er fragmme fM, genau tmeithnet, betmidere 
wif^ge dwrtk epeirdrudt hmerg^b^, andern die siglen der kee, 
tn Pfeiffers apparat beigefügt; für die Schreibung Gmgo\e\s möcht 
ich aufser auf Pfeiffer zu 46,34 mcli auf Gwigaloys der Wien- 
Gaminger bruchstücke E {Pfeiffer Quellenmaterial i 50 /H hinweisen. 
Jas hssverhäUnis aufs neue zn erörtern, hat wenig zweck : möchte 
eich doch Saran entschUefsen, uns die ersehnte ausgäbe zu schaffen l 

173, 3 — 6 imr Utbar : von 3 zuhaiit, von 4 dorch die br.,.., 
oon 5 schonen s , ooii 6 kurU man 8 sla^ [j^]b 

10 t^des] r ^odt» woH flages 11 sü bant 12 lut dai 

ei (€} V. 13 Vber berg vnd vber Ul 14 der fM 
15 slabt (I) ward 16 : 17 weg : phleg 17 Do 18 Kam 
19 Wie im fM {€) 21 Gwigoleis 22 nebil mekr- 
fanh 23 Ala awefel vnd 24 Entaamt 25 Aber 0) 

26 vloch 27 Do gesigl ».28 — 31 sind gänzlich vernichtet ^ 
von 32 : 33 nur die reimworte in ; bia eben erkennbar^ von 34 
i$t uach eugie zu lesen 35 das erste wort fehU die suiio 
im 36 daz si] der tag v, 37 Vod daz mäs die viosler 
bedaht 38 legt 39 ie fekU {€) 40 Diz 

174, 1 wÜ 3 sie 4 vch e gesagt 6 wold 7 Ge- 
vlobn 9 wapen (B) 10 varbe 12 besteket 14 dann 
ein« mana 17 Waa idm nmnar 18 liml er in aammen 
19 ritter iraft 20 abentner 21 dor 22 Bii (B) 

23 Ein atoi 25 Dar vber eins 26 atoie (: moie) 

27 eins 28—31 /UUen wider gärndttk^ von 32 itt nur Dat 
arlairaii 83 aiulen] da$ entspr, wort beg&nn mit w 34 was 
groi fehlt nodk 35 Doch ful (1) 36 vm 37 nieman 
immer 39 ez] er 

175, 1 nioht il)t; wul 2 vüB V. 4 Wann er mohl 
nilil vorbaz 5 fliziclicb vesucht fl) 6 X^r alvmb 7 Do 
nindert 8 wann da fehlt (HC) 9 aber [BCj für 

10 hüi 11 maogetu 12 Düvod er (= C) bercziauier 13 ge* 
dabt 16 manig 18 Voll bring 19 host du ez id 
ende 23 quam sorgen] vreise {BC) 25 nit 



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WETZLARER WIGALOIS-FRAGMEMT 107 



26 Bii verB&mt 27 disbalp 9. 28—38 ftMm gatm 
ü», M» 38 <tf mir «to" «%aii9 Des, von 39 ftfo/t Nü enmoGh — 
crMiM 40 VoQ sim oneh erbeiBt 

176y 1 wand lin 2 elend« 3 an 4 Aller ent 
5 die] der (il) 8 oft 0 aelber 10 wol werden] werden 
vil gut 11 Wes 12 bi nameo 14 üarvmuie gehab 
15 Waone was IG Daz enmag {AB) 17 müd hegood 
an 19 sin 20 ein 21 Sins r6ss zaum 24 liercz 
25 moht 26 weders 27 soltn] du 

184, 14 — 16 : nur die remworte [spjraug, stunden : wunden 
iind erhalten 10 und 22 begond er 21 moh (I) 23 sinen 
Kbilt 24 in da fehU (C) gern (AB) 27 Tot vil 
28 lliaig 20 gerecb (H) 30 alles] ellich 31 : 32 fast: 
glast 32 fner 35 mantg do enpbie 37 eilen] man- 
beit 39 iüng 40 des] der (BF) enphunden 

185^ 3 Min 4 iu fM oberetn «. 5—9 ftOm 
Ml 10 [Injimer an 12 begond 13 balte (eehreibfdiier) 
diu] sine (BC) 14 gnad er den enpbie 15 käsiend 
17 firid 18 trüweü sie 19 Zii einander reht 20 stet 
^1 unz fehlt im 24 Gibt 26 babt ir oo 27 immer- 
uiere 28 liule] Fut 29 Dor zu dl mahl (!) 
30 schön sagt 31 schollen 32 Korliu von v. 33 — 37 
ttNd nur die reimwÖrUr lesbar und dieu m Ordnung 39 Wolt 

1$6, 2 babt vwer 3 sei i geliehen 4 sag vcb 5 Kein 
d dorcb] für bnrgtor 7 bie] do («• da BF) 8 bis an 
die 9 er] der und] so (Q 10 Dii 11 in fM (i) 
12 Vch . wann 14. 15 gesigt : geligt 15 aber da 
m (F) 18 SAst bed 19 rA ?f ein 20 Bis 
21 Dia 22 Gwigoleis zu dem 24 entaint (I) 25 dnkt 
•ie 26 Trend end 27 Oder 1. L] wil icb leben 

28 heia 29 sag vch 30 Rürt 32 innerthalp 
pi >rie {BD) von 33 — 37 sind nur einzelne Wörter und wort- 
tnU erlialten 38 al diu] alle (CD) da scheint zu fehlen 
{ACF) 39 kein 

187^ 1 zorn 2 Gwigoleis der sach 3 berczoklichen 
5 bebllt 6 wis] bis geleit 8 geziert 9 siner] 
diser 10 dl müer 14 ans gleiz] Vnd daz 15 die st 
gegen] Gliaig die stein 19 gesierd 20 Zä bant pUb 

E« S* 



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S. UJEtSÜLA. 

Hamburger fragmeote. 

In den ehemals Uffenhachschen codex der Hamburger Stadt- 
hihiiothek, nr 213 m acrimo^ über welchen Lappenberg Anz. f. 
kde d, d. ma.s 3 (1834), sp. 38 — 40 mutdestens insofern un- 
genau berichtet hat, ah der rückmtad nicht Heilige Geschichte 
in Reimen, sondern Ueiligeu { G&»chiclue | m Heimen. | MS. 
memb. lautet und als die letzte läge nicht 8 bldtter hat , sondern 
mit 7 6tf. complet ist, in diesen nach Lappenberg im 13 odir 
14 jk», nach Uffenbach um di§ mitte dee 14 jht. gesduiebemn 
eodt» itt gleUk bei kersttXkmg MifM» swcft jetMigen mle» einbandiB 
vwn em v9nLappmber$ ntcftf amdrikkUd^ erw^ämtu ptrgam&ni'Matt'- 
paar mUerngt^mdm und drnrn entu bkut auf die inmiueite de» 
V9rderdedcels aufgeklebt^ MnSem ein tfon Lappenberg ntlcibf er- 
wi^ee ^j^einz^hit an tdmalem falze < miteingebunden und 
auf die innenseüe des hinterdeckeia aufgeklebt wordeii. in Harn' 
bürg, also nach 1749 -, sind jedoch die beiden aufijekd'bten blätter 
— durch wen ist unbekanni — von den deckein wider losgelöst 
worden, auf äieseji beiden blättern stehn die 3 hier abgedruckten 
fragmente, die zusammen den durch zwei allem anschein nach 
nur kleine lUcken unterbrochenen anfemg einer poetischen bearbei- 
tumg der Ureula-legende bilden; und swar etdu fragm. i auf der 
wrder't u auf der rMeeHe dee hinim, lu a«/ der oordineite 
dee verdem deMbkttee. die rAcMlTtf de» wrd»m dedtMatte» 
frtf^ Mm ipiir einer fmeetxmg de» gedidUe», »endem aufher 
»inigen Eamburger bOHothdecermirken und einer wol inhaUÜeen 
altem federprohe nur 1) nahe am aufsenrande beginnend 6 von 
unten nadt oben laufende zt. unleserliche^ sicher aber weder 2,u 
unsem fragmenten noch zu dem Inhalte der eigentlichen hs, in 
beziekung stehnde zeilen in iatemischer spräche, die erst ge* 

^ äa$s damals stall des /alzes ein ganzes biatt vorhanden gewesen, 
lässt sich nicht aw'l mttckiedenheit bestreiten^ ist aber nicht xoahrschein' 
Ueht da das Mat» blatt 4er tehiustb^fe des eodus her ist, etm kesvnderee 
sdMMblatt also überßUsis war» 

* denn JoK, Christian Wolf hat dim mit e, 261 seinw ememplare dee 
Catalogus mamiseripUmiM codtemn Hbliathieea» üffMbaeldmae {Fronen 
ad KL 1747) corrupan^erende nr '940' auf die vordereette des kliUem 
deeMbtattes geschrieen, nieki auf die innenseife des hinterdedteh selker. 



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BURG S. URSULA 



109 



idirieben sind, nachdem das blatt ieifun jetzigen zuschnitt 60- 
kmmen halte, und zwar wol im 15 jh. , und 2) die im 16 jh. 
geschriebene notiz bucli gehoirt 50 kanip | in tiie clulen. da 
von derselben hand auf der sonst blofs noch ein Ola dat dus auf- 
wtittndm rückitiie des folgenden (schutZ')blattes — dessen Vorderseite 
mar «Am» kmmeii Lappenbergs auf die erwähnte stelle des Ait- 
ttigm enMU^OMißkrUdur vemmlii itt Di$ bucbelio lA der 
fitAeiS Campe | in der dufed d; fallent fij babo tV | nymi 
vikr eyge gebn, to hnm nur JTamp 0» Bhän, §Arag geginÄber 
M» Boppard, gemdm mAi. 

X>ie deckelbldtter sind so hoch utid so breit wie die Obrige hs., 
ca. 12,2x9,8 cw, das mit dem vordem deckelblatte ein paar bil- 
iknde schutzblatt etwas scJimaler; sie haben aber ursprünglich ein 
gröfseres format gehabt : von allen dreien ist der äufsere teil, von 
dem blattpaar überdits noch der obtre, von dem hintern deckä' 
blatte der nniert wggisehnüie», auf beiden seilen du hintern 
dtMbkaUi ftnd €6tii noeh d6§ knAttabenkäpfe d$r xmmund- 
9i9§nmiptm Mtilm mt ukm, wdEftrmcl vtm der' abenten Meäe emf 
der vardereeite de$ veriem ieMIblattee gerade He hudutabenköpfe 
dem meseer mtm'opfer gefallen sM. der Hmenrand dieeer teUe 
und der Vorderseite des hintern deckelbkutes sind nach rechts hin 
durch eine senkrechte linie begrenzt ; jener ist ca. 3. 1 , dieser ca. 
2,8 cm breit; der untere rand der Vorderseite des vordem deckel- 
bkutes nusst CO, 2,7, der obere beider Seiten des hintern deckel- 
blattes, bis zum fufse der obersten zeile, ca. 1,7 cm. dieanfangs- 
biuhetaben der abgetetxi wtd auf Knien geeduidtenen verte tUdm, 
aafeer Im den beiden ertten vereen dee gedkiiiee^ M»ikihen der 
nmdUme mnd einem meeiten eenkrediten sfn'ele. die rüdtieite dee 
verderen dkkeSbkUee und dae auf it'e folgende hiatt eind im- 

Unser [ragm. i ist von einer zierliclieyen hand geschrieben als 
II und Iii; beide y von der hand des eigentlichen codex grundver- 
schiedene , bände gehören Jedoch einer und derseU>en zeit — etwa 
dem beginue des 14 jh», — an und siud eich bis auf wenige^ 
aber widerhoU voHammiehde^ buduie^t nammuUeh 1, w und 
dufeertt dknUd^. 

Cerreeiuren kommen, eAgetehen «m dem Uber der neiU ein- 
gepidsten^ irier oder fünf mt : 1 11 eida Dar mit unierpunaiertmn 
r, n 12 tlif An wrktxien ernte t am t venUeeert oder «»- 



110 BURG 

gAtkrt, n 14 w»9U9 dmia« nlO dlaidflMtt, n7 

dritu D vielleicht aus \. in unterm abdrudt bezeichnet curno- 

Schrift buchst aben, die ganz oder bis sur unkentUliehkeit fort- 
geschnitten oder weggefressen sind, unUrptmgierung anderweitige 
utmeherheU der lesung. FRITZ BÜRG. 

I 

D Er hl ao togedeu mfet 

Der wert doi ge pjifet. 
E me hat de felde uuol ge tan 
Eu luau lal iümer dar nag Aao. 
5 D«s er der «ifeo lop beiige 
Vöde ein getniwe trage. 
Gefa fioe euen.kerften 
Er Tai nfcbt lange uerften. 

Erae to mit denelte true tdda. 
10 Got unde der ^de moder fin* 

Da bi gedenke icb einer maget ^ 
De liaa an togeden TnitegeL 

Se was van reineme cunne 

Er troll ?nde al er wnne. 
15 hat fe v)l <?ar an got geleit 

Se was och deoeAes em bereit. 

Got hVe ane anegloge 

Diü gude mer verbinge. 

Daz ich van er gefpaecbe alTo 
20 Dai ich to iungeft w*de uro 

Hit den'^du ge cronet baft 

n 

Zu iral^er Talic heit ge wert 

Sr uader mauma waf ge nant 

Ys bntania in faoten lant 

JVr bat wer dlcbeit ge nog 
5 Fan reicte er da de cronen drog 

Er war hoc maneger heren rieh 

Der (tunt fio hofh wil woDfoklfc 

Er war der milde en wüpr fcrin. 

/)ef moflen ze ge troftet Ha 
10 i?e mit hem vmme loldea gao 

Deu wart wil dicke lif ge tan 

Dat kuiiiukiike un oz da; lant 

Z^at rtuni wil gar außDer hant 

Ghewaldighe er dat be las 
15 h oc fcop 0nea feluef gbote du 

i>e lüde heme waren alle bolt 

Beide filuer ande golt 



S. URSULA 



III 



Kuo er lo refcte delen uol 
S iD hen« waf hos thageoden wol 
20 moder de heiz taria 
Der htm feldeii anderf m 

m 

1 mer UDde ganz 

Ze lefdeu werdiklike 

Over al er nke 
Waf en nemaD ge baa 
5 Ze denedeo mit er thogent das 

Daa man en Telde gnnde wol 

Alfo man noch den'^lruen fol 

Her hof der Ituot nach ereo gor 

Van menej^er wiininkliker fear 
10 H \tier aode wroen 

I) e rnoztemen dar fcoen 

M izicuzteri bi en ande vefen 

D a moizte eu ai iner hoc gene/en 

Van finer werdigheide 
15 Vreide unde gflt geleide 
W af en allen da ge geven 

D a waf hoc kertenHc daa kvm 
Wil Tcoler ande fpafen 

Onnase wol ge fcafen 

Amuxo. Ich folge einer auidrüeklichen aufforderunp mrines freundes 
Burg, wenn ich da» wenige, was ich über die fragmenie und ihre über- 
Mmterung zu tagen und ihrem finäer taUwaUe bareii» wäig^MU htttw, 
Vtm auch den lesem de* hübtchen fündlein* nickt vormimalte. Burg 
teiöH hat mt'rh durch zusenditnf^ der h». an dir Mnrbjtrf^i'r iiniraertUäU- 
iibtiolhek in stand gesetzt, seine Lesung und alle seine angaben ai» pein^ 
Heh genau mu kMiäVgen* üt^atonder» tiaktH auch da» wierütka formai 
und dar ganze habitus der Ursula- fragmente seine annähme ^ dass nur 
wenige zwischpnverre verloren gegangen sind : wahrscheinlich fehlen 
zwischen i u. u nur die vennzssten reimverse {mit : last und begert : ?), 
maiadktn n u, m abi rtimpaat umd dar r e imua r » au gani. 

Wo» da» alter dar fi^gwunta ongaM, »a hat omw, dar urh^ar 

"-rn ! norfi im 1^ fh. xchrn'beri f^pfrrnt , der von U. TU, der ihn ablöste 
{vielleicht sein schüler^ dem er mit i nur eine probe vorgemacht hatte), 
abar schon nach 43 xfersen stecken blieb, mag immerhin jünger gewesen sein 
uad da» ganaa »omit dam antan viartm od» dritisl d»» 14 Jik», ang»hlir»n, 

Heimat der beiden war das grenzgebiel zwischen Mittel' und 
Jüieder franken , also etwa die Dfissrldorftw, u uhrscheinlicher noch riie 
Aachener gegenä. dahin weiten neben der «inmisckung niederdeutscher 
etauamamimt ^a aüen drei fragmeaMen aIgnU, in n. tu die naehf 
eehlagsvoaata {besonders die nach mhd. kurzem vocal vor ht) und da» 
auftreten von ande (n 17; !ti tn. 18) neben unde, un (i 6. 10. 14; n 12; 
in 1. 15). die* ande, fiir das ich trot» eifrigem nachsuchen in nieder- 
rheinischen aueiten keine spätem belege ab ff^einhald Mhd. gr.* | 327 
Uteideaar WtlUram^ Bu»th» lagandar^ itoM«r) aMfaumaiaam. vermag, M 



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112 



SCHRÖDER S. URSULA 



rffo hm^rktmwitrteste erteheinung im sprachliehen UUe dar fragmenU 
rcsp. drs uMiUn iohretbm, dar uiMm dMaM waU iVMikr na^igUl als 

der erste, 

Anderes in seiner Orthographie^ was auf den ersten bÜek verblüffend 
wilrkt^ erklärt steh bat näharam »ttaahan aus dar «natakarhaii ühar ga- 

toisse buchstabenwerte, dir spine geringe iibmif^ im deutschxcfirpiben ver- 
rät, alt ich zuerst die 02 tiir oh ouch), nioztenieri für inotite nisn 
arbliektef glaubt« ich Verlesung des aUertümltcken h ab getc/iwäiizles ^ vor 
mir au haban. aber die aaeka ttgt smdars. dar Schreiber von 11. in hat 
ftir mhd. ch (— germ» k) einfaches c in woDinklic Ii 7, kerteolic (/?/> 
kerlleoUc di, kristeniich) m 17; in hoc (für ouch) 11 6. 15, iii 13. 17 ; ferner 
schrieb er et für hl in reicte 11 5. 18 {aach. reieht fUr mhd. rehl). nun 
aakwt^ta ihm anderseits vor : 1) dar wechselnde gebrtmdk von c und z var 
hellem vocal, 1) dir ihm xrlbxt grlanßf^r Schreibung von fz neben ältarm 
te für den s-^ut (UoUulaut 11 '6 ntsbmi fcoler in 18), und so erschianan ihm 
dmn I, c, ch (h) aaiwait ghiakmertigj daaa ihm aakraibungen wia 01 n 1^ 
bos n 19 {beides für ooch); moizt« {aach. moichle mhd. mohtc) iii 13, 
noxtemen in 11 ; weiter Mizrcazten (— Mit zuht«n) 111 12 in die feder 
komm, bei dieser lalstan Schreibung köniüa mancher obendrein m dam 
wundarUühan Mh'te, atn 'vwhMaa diaU^ wUtam : €eA mSakia var äUtaam 
*dtctatfehlem' in altdeutschen hss. einmal gründlich warnen, poetische 
texte namentlich sind im ma. gewis sehr selten nach diclat vervielfältigt 
worden, es gibt beim mechanischen absciweiben ein halblautes oder awä 
achaaalgandaa mamoHaran daa aian galaaanam^ data oft muf gans glaieka 
fahlar hinwürkt wia daa Hnrhören eines dictatif. 

Ziehen wir diese ganz individneUen irrurt^eri vnd Jinarten dar 
aehraibung ab, so ist das spraclibiid des 2 Schreibers demjenigen nieH 
wUlknUeh, wakhaa dia jiaehanar urhmdan imd aiadiraekmmgam »dar 
Mich die aufzeichnungen des von Nörrenberg im dar Zs. d. Aaehanar 
geschichtsvereins \l,bi)ff edierten poetan gaämf 9UM badnUta mir, dau 
unsere fragmenle altertümlicher sind. 

Das original der dick tu ng war gut hochdeutsch und atammta 
wohraakatsiUah vom Oberrhein. warUakadm^ varaba» und ratina amikuHan 
fliehte, wax auf mitteldeutsch rn Ursprung gedeutet werden hönntr , man 
viüste denn darauf wert legen , dass das swv. widen *weise sein od. 
werden' il anderweit nur im Demantin 11516 belegt (l) scheint, es sind 
29 reimpaara (imtf 3 einzeloersa) arhaUan, davon 8 klingende (■> 25^/«) : 
durchivffg rein und dialektfni, was bei eirtem mittr!- oda' mederrheini' 
sehen gedieht dieser seit undenkbar wäre, es findet regelmä/siger wechsai 
wm habung und aankung statte von 61 Versen an^hran kSakaUma 6 daa 
auftacts (II 3; iii 1. 3. 4. 10. 16). dabei hob ich neben der selbstverständ- 
lichen einselzunf: oberdeutscher formen wie l 9 dienste, 16 dieosles, II 15 
sin st. fines rtur die folgenden leisen und »L grammatisch notwendigen 
corraduran im ainn : i 2 wirdet, 9 Bros n 1 Zir iltar, 4 hete aL hat, 
14 Gcwaltecitcbe at, Chewaldif bes m 1 lemennerat 

Das werkchrn mit seiner platten vers- und reimlechnik, seinem 
klaren^ in beiwurten und melaphem etwas abgeschliffenen epigonenstU 
geliört ins litterarische ge folge ^ wo nicht direct in die schule Konrada 
vff^ilnAurg und ist wahrscheinÜ^ älter ab das Passional, das biahar 
für uns die älteste dnitsrhe fassrm^ der l ranlalegenda dorbotm ein »M- 

aammenhang zwischen beiden Versionen besteht nicht, £. S. 



ÜBEB DAS <CAfili£N AD DEUM'. 

Koegel spricht io semer LiUge>cli. (i 2, 471 f) dem ahd. stücke 
(MSD' nrLxi, vgl. 2,353ff. Brauoe AIhI. leseb/ nr xi s. 35f), 
das wir unter dieser Überschrift kennen, ein sehr hartes urteil 
er «ciireibt : *die TegernseeUche «rbeit, die wir ihrer grofsen ua- 
TollkommeDheit halber in eine sehr frühe leit setzen müssen, 
wimmelt fon feblern; $jcberer bflk dej^ Obenetier filr einen 
lebrer, oliwol er von dem ^anne der lateiniteben worte wo gut 
wie nichts TerManden bat. mit diesem yerglicbent war der Ter- 
ÜHser des SGalUsjcben Pfter noster lugid CiiBdo nocb ein meiefiier'. 
(er fuhrt dann einige beispiele von feblerp an und sdiliafet : ) 
'0I3Ü sollte es kaum für möglich halten, an solchen leistuf^gen 
kaiiß man ermessen, welche culturaufgabe Karl der Grofse zu 
lösen hatte, und wie uOlig es war, dass er mit aller eüergie eia- 
gnff und aut besserujug dr^ng'. das ist zu streng, wie ich glaube, 
Bod sowol um Q^e^oe mildere aulTa^sung zu begrOnden, als um 
einiges Ober day iperj^wOrdige Utdniscbe gedieht beisiibnQgeDt 
dmdi ich difi^ «mlfieiffjL aiit meim^r interponqjtion ab: 

SwAe sator, suSragator, 

legttip )alnr, Jargus d^tor, 

jure poUens es, qui potenf 

nunc in ^thra firma petra; 
5 a quo cröta cuncta freta, 

quae aplustra verrunt flustr^^ 

quando ceiox currit velox; 

cujus numea crevU lumen, 

simul seiMi supra pnliuni 
19 Prec^ posoo, proitt nosca, 

jCaeliaree Christ parce 

j^t piada, din j^sla, 

l^de tetr? tua cetra, 

quae c^e^so et facesso 
15 in hoc sexu sarci nexu. 

Christi UQibo meo lumho 

sii, ut atro cedat ^atro 

|*ater, pamiKi pnMßlil vm 
^ 9rcß bqjHiß, ut e .cestis, 
Z. F. D. A. XUl. N. F. XXX. S . 



U4 



SCHÖNBACH 



imo corde, iine iorde, 

tunc deinceps trui et aiiceps 

calapuita ccdat multa. 
Alma tulrix atque outrix, 
25 fulci man US mi, ut sanus 

corüe reo, prout queo, 

Christo theo, qui est leo, 

dicam deo grates meo. 
ich lasse nun die tIbersettUDg folgeo : Heiliger schOpfer, belfpr, 
▼erleiher der geselze, reieber spender, du bist durch das (ewige) 
redn der gewaltige, der (au^) jetit mSchtig ist iod biinmel als 
ein fester feie ; (du bist es) von dem alle meere geschaffen siud, 
deren spiegel schiffe durchstreichen* sobald der rasche kiel da* 
binllnft; (du bist es) dessen willen des licht geschaffen hat und 
die erde, die Ober den pol sieh hinstreckt — mit einer bitte 
flehe ich (dich) an, so gut ich es wei(^, himmelsherr Christus, 
schone meiner (schütze mich) uud wehre ab imi deioem Schilde 
die furchih;iren geschosse, meine schwarzen Sünden, die ich be- 
geh und vüübringe in meiner (gebrechhchen) oatur durch die 
fessel des Qeischesl mOge Christi schild meine seile schirmen, 
damit bald der räuber in seinem dunklen trügerischen kleide von 
mir weiche I — du, vater, halt ab mit deinem Schilde die waflen 
des feindes» damit alsdann seine vielen geschosse, wild und ge- 
fährlich, aus den rippen, dem innersten henen, ohne mich tu 
beflecken, (unschädlich) gleiten. — und du, hehre schotafrau und 
mutter, sttttze mir die hSnde, damit ich als ein unverlelster, mit 
verpflichtetem hersen, so weit ich es vermag, Christus dem herrn, 
der der lOwe ist, meinem gott, dank sage. 

Ob ich dabei überall das richtige getroffen habe, ist mir 
nicht ganz sicher, insbesondere v. 18 macht schwierigkeiteu. 
dass V. 17 der teufel ais kUro bezeichnri wird, ist eine schon 
vor Gregor d. Gr. aufgekommene uud bei karolingischen schrift- 
atelleru häutige Übung, auch Mone hat das schon zur stelle an- 
gemerkt (Hymnen 1, 366), er sucht abpr durch nachweis grie- 
chischer cilate, in denen der teufel alfiononig, die höUe ttct/u- 
^ayos genannt wird, den ahergang su v. 18 lu finden, über den 
er aber doch nur bemerkt : *das wort tu$mmto von tugm hingt 
mit dieser Vorstellung zusammen*, das ist unklar und mir auch 
nicht glaublich, denn ein 9ugmeiUum von sii|sre ist nicht nach- 



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ÜßCR DAS CARMEN AD DEUM 



115 



gewieseij, und w^re es, wie Sollte es ]iier in Zusammenhang und 
consiruciioü passen ? ein sugvientum ^ sagmentum kennt Diefen- 
bach GloM. 507 {Nov. gioss. 324), es ist eise bilduDg; zu tagma 
oder mgmen f^r. adyfia)^ das mit den vocaten a, oti, ti Do 
CsDge fu 268 ff (mid Brinekoieier n 4980 nach weist. 4ie be- 
d^atong ist aberilt tttent 'savinlett^ daao aber auch *^ke des 
lasttieres, kleid', und diesen lelaten sioo kaoD der ▼erlksser des 
byflDDUi sebr wol aus einer grieohiscben glosse geschöpft haben, 
denn Qayptm ist soTOfderst *kleid'. ich sehreibe deshalb m^tim^ 
tum und meioe, dass der teufel hier ähnlich gefasst werde wie 
die heuchler Matlh. 7, 15 {inirin$mii sunt lupi rapaces) : durch 
das trügensclie kleid wird der vfrsucher ^'clHhilicli. es soll nicht 
versclnviegeo bleiheo, dass Forcellini iUr sagmen mehrfach einen 
sacraleo gebrauch io der bedeutung ^heilige krauter' helegt« die 
Yon gesanten bei kriegsaDkündigongen und friedensscbittssen ge- 
tragen werden : mir scheint dieser nnn (wenn man unser a^- 
mmhm damit inaammenbrlchte), obgleieb sieb lur not damit 
auskommen Heike, doch zu entlegen. 

Das gedieht enthalt zuerst in 9 teilen eine anrufung gott 
des ?aler^, dem iu der trinitat die Schöpfung vorzugsweise zu- 
kommt und dessen maclilfülle daher mit dem hioweis daraut he- 
j^chriehen wird, an Cbrislus den soUu i jcliton sich die nächsied 
9 Zfik'Li. in denen er angefleht wird, ften betenden vor ver- 
sudjUDgCQ zu schützen. 5 zeileu biiteo deu heiligen geist (der 
ftUr heifst, wie in vielen trinitatsbymnen), das herz des diebters 
rein zu erhallen und vor Sünden so behOten : ganz vorzugsweise 
eine gnade der dritten gotllicben person. und die sebliefsenden 
& seilen wenden sich, wie schon Mono gesehen hat, an Maria, 
(der gedenke an teMa wäre absul^nen), deren unterstQltende 
fürbitte bei (%ristus der verfksser zu hilfe ruft. — die regel- 
mäfsigkeit des baues ist nicht zu verkennen, sie ist allerdings 
nur gewonnen, indem eine letzte zeile, die auch der besten Uber- 
lieliniLg, nämlich der Cambridger hs. fehlt, weggelassen wird, 
sie lautet ; sicque ab eo me ab eo, es felilt ihr die allitteration ; 
icb halte sie für einen schreiberzusaU und die versuche sowol 
Hönes als du M^rils (Po^. pop. anl. au xiie si6cle, s. 156 
anm. 4)« ihr durch conjecturen aufzuhelfen, für eigebnislos. — 
uDveritennbar ist der bauptgedaofce des gedicktes von der be- 
kannten stelle des Epheserbriefes 6, 11 ff (vgl. 1 Theas. 5, 8) 

8» 



116 SCHONBACH 

über die anMimr» IM ausgegaogea. darttm vgl. sa Uf EpbM. 
6,12; 16f Ephes.6,14; 18 Epbi«6.6,12; 19ff Epbtt.6,17 f, wonns 
denn auch die beziehung dieser partie des liymoos auf den h. geiat 
deutlich erhelU. 'Carmen ad Irinum Deum' wäre vielleicht die 
dem inhaUu am besten entsprecheode Überschrift des gedichts. 

Schau jetzt zei;;i ^ich, dass der ahd. glossator keine teichle 
aufgab« W sich UaUe. v. 1 sator hat er durch fcUer wider- 
gegelMD, OMbi deiaaioDe nach richtig, wol aber gemäfs cler an- 
gaapmbenen eiBUn gOlÜichen person. suff^gotor durch Aa^Ürt 
entapricbl der apKter eDivickeltea hedeuiung des lat, wortea — 
litfereamr; aiiob gam jiMig«^ gloaaaii (Diefeab. 565) gaben es 
durch Mjfar wider, aUeagtisohe durch wmäbwr^ % Ugmi^ 
rar durcb dte« jpgai fc^j n isi eine freie Oberlragung, de» geschieht- 
liehen TerbslUiiaaeD gemala. largiiu «>« mÜUr trifft sieht gan» lu, 
deuu lar^us heifst hier *reieh', wie Vergil Aen. 11, 538 : iargw 
opum, wozu vgl. Servius : abundans, dives. v. 3 poüens = muoA- 
santi ist begreiiiich : die iormel poUem potensque (Sallust lug. 1) 
war dem Übersetzer nicht geläufig, (zu dieser und den tibrigeo 
allitteriereoden biudungea vgl. WölfTlins abhan llung iii den 
MUDOh. Sitzber. 1881, 2, Iff.) zu v. 6 bemerkt Koegei : aplau- 
afra, di« ofiliMlra ^ruder', Dimmt er ftlr a j)2ii«fsf ra, ohne zu wisseu, 
daaa pleiiffViMii Awageu' heifst uad ttherseUt fana skefft\ aber 
opIMv^ plur« iqduiirjB. opdttfre (gr. atphaa%0¥*t) heirai uichi 
* rüder', aouderu, wie FoacelliDi lehrt : oreameBtun iu »mmDa 
puppis parte poaitum und wird von dichtem naiia gebrauelM. 
der tibenetser hat alao. nur das « iweiaMl ttbertngen« dae rare 
wort hiogegeo richtig vemtattdeu* daaa er von /iMtm auf fim 
riet, ist entschuldbar; würe ihm wol für das richtige ßustra, 
ineeresstille, ein aiid. vsoiL zugänglich gewesen? verrvnt hal er 
falsch lOr ferutU geballeu und durch förrent gegeben. 7 hat er 
siongemafs das adj. velox durch das ad?, mmmo überirageu. 
weshalb 10 prec« durch pett^m gegeben ist, weifs ich nicht : ao 
cuie iDatrumeDtale Verwendung dieaee geQitiva(Gn 4, 646 ff. 673) 
iai gewia nicht lu denken, aree hat der ghieaKipr 11 und 2^ 
nicht veratnnden und beide nal» far den abl. tob am gehalten. 
12.pi(K(«)ie iat durch mai'iildCi' richtig mit dtor jangern abgelei- 
teten hedeutuog flberttugenk 15 aam iat gani einngenila dufok 
Mra gegeben, ea hat nanlich hier die aeltene bedeutung nafura, 
iHe es . auch apaier mehrfoch mit iMiim gloeaiert wurde, auch 



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OBER DAS CARMEN AD DEUM 



117 



MSM ist hier frei, aber gut durch it^pmUm widerg«f«beii, t» 
wird etwas von der bedeotuog obUgaH» in der jarittensprache 
darin ttecken. wenn 17 olra auf ktro bmgen wird, statt aof 

sagmento^ so geschieht das mit der romanischen Tertauschung von 
9 und M5, die im 9 jh. nicht sf'lten ist, wie die indices der Poälae 
aevi Carolin i leliren. 18 hat der glossalor ganz (ihergangen, weil 
er sugmmiio nicht verstand, in 20 ist noch mehr Verwirrung da- 
durch gebracht worden, dass ein falsch überliefertes nti durch 
pHAktmj 21 ein ebenso falsches tmma durch noh mir aberseist 
wttide. 23 tatoftUta = oüom iptr webt gleichfalls anf befcannt- 
schefl mil romanischen s|irar.hcn hin, wie schon Seherers anm. 
aeigte. daa misfersttndls von oedlsl als cnsdaf mMi ist be- 
greiflich, dass dem glossator 25 maniMi und mnnm Torlag, hat 
bereits Braune vermutet; das falsche me der Überlieferung führte 
zu mih. ob Corde reo 26 von dem Obersetzer nciiLig verstanden 
wurde, ist aus seiueii scultigemo nicht zu erselieu . es darf wegen 
samis und proiU queo nicht bedeuten 'durch mörder schuldig', 
soudero ^debitor, qui suscepto volo se numinibus obligat' Macrob. 
Sttt. 3, 2. io fco •» leo 27 braucht der Ubersetzer nicht einfach 
das lal. wort herobergenommen lo haben, TgL Bremer fieitr. 
13,386. mit 27 f hateraicb, wenn man daa doppelterem und 
ibo aberlegt, gut genug abgefunden. 

Es ist eben zu bedenken, daas die ahd. arbeit zuerst durch 
glossierung des lat. lextes zu stände gebracht wurde, wo die ge- 
idhr ii.ihe la^, jedes wort für sich zu nehmen ohne aduuiig auf 
den zusammenbaog. ferner, dass in dem lal. gedii hl nn^fewöhn- 
lich viele ganz seltene worle versammelt sind, die der (Ibersetzer 
doch oft genug erraten oder mit hilfe eines glossars ermittelt hat. 
das 'Carmen ad Deum' halt ich oamlich für ein 'glossematisches' 
gedieht (fgl. Uber die gattung die lehrreiche abhandlung von 
€Goets in den Verhandlungen d.kgl.sichs.g6a.d. wiss» 48,62ff. 
1896), du seibat einen teil seines wortschattea aus einem voca- 
bolar scbopfke. eine kurte durchmusternng der ausdracke wird 
das bald zeigen, vor allem ist die spräche Vergils fDf den dichter 
vorbildlich gewesen, und zwar der Aeneis, die Gcorgica lasse ich 
bei seile, sator vgl. hominum sator alque Deorum — Jupiter 
Verg. 11, 725. largus Verg. 11, 338. dator Verg. l, 138. {Hhra 
« himmel Verg. 12, 247. freta Verg. 1, 611. verrunt Verg. 1, 62. 
3, 208. 6, 320. S, 674. tnhx naoii Verg. 5, 1 16. mmm — to- 



118 



SCilÖNBACü 



lualas, poteolia deorum Verg. 1, 137. 2, 396. 5« 767. Iiiin«i ia 
diesen weilero sinne Verg. 4, 584. sohm mm erde Veif. 7, 111. 
jMftu » hinunel Verg. 3« 585 (naa neque erant aatremm igoes 
neqoe Incidue aethre siderea polus). 5, 721. piaeuhm — frevel 

Verg. 6, 568 (quae quis apud Superos, furto laetalus ioani, dis- 
tulii in seram commissa piacula mortem), tmdere Verg. 4, 405. 
(eter Verg, 10,727. ce<ra — =• genns sculi brevions ex loro Verg. 
7, 732 (laevas ceira tegit). capesw von wallen Verg. 3, 234; Uher- 
IrageD vom ausführen des befehls 1, 80. facesso (später mit Ohler 
oebeabeiJeutUDg) Verg. 4, 205. umbo besonders hftufig ichild 
bei Verg. sb. 2, 544. 7, 632. 9, 810. 10, 884. aUr so abertragen 
Verg. 9,719. latro bei Verg. vom lOwen (der das bild des leufels 
1 Pelr. 5, 8)* pamOf Vergil besonders rom weifsen scbild 9, 548. 
11,711. 2,175. cottM im weitern sinne Verg. 1,215. 9,431 
(7, 463). imo corde Verg. 10, 464 (magnumque sub imo corde 
premit gemiluin). almus Verg. 2, ÜG4 (aluia pareus). fnldre Verg. 
4, 247. corde reo vgl. Verg. 5, 236 und Serviiis dazu, queo in 
dieser weise Verg. 6, 463. grates dtcere als verbum solenuif hei 
Verg. 2, 537. 11, 508. — andere worte üadea sich hei scUnlt- 
stellern, die dem höheren unterrichte angebOrteo. mffra^or 
Uor. JuT. jmUSms Sali, pslra Sen. Lucan. apluttr« Lucan. Sil. 
Lucret. Juv. narrere man navigare Ovid. Slat. celax (gr. 
x^ilj^g) Liv. Plant, prmtt so bes* Hör. 0?id. jaeuta Qbertr. Ovid. 
frauiulmuus Cic Plaut, sordiis — sQnde Qor. Jav. irua so Obertr. 
Plant. Lucan. Stat. aneeps perieuloeus Cie. Tae. Nep. aHm 
nuirix Plaut. Curcul. 2, 3, 79. üviil, Melam. S, Sl. — ei ü ige aus- 
drücke sind blofs glosscmalisch. /lusira plur. 'cum in mari fluclus 
DOD raoveulur', gr. ^aAaüa. Festus. — caäiarcus, ein hyl)n(ies 
wort, das keines unserer Wörterbücher entbüli. sexus in der be- 
deutUDg hier Festus. iarcus =» gr. aagxog. sagmentum. iuirix, 
*quae pupilli tutelam gerit' Justinian. Fulgent. ccUapulta^ zuerst 
die maschine, dann das geschoss selbst Pers« PUut. bei Oiefenb.: 
'sagitta barbata sive armata*. merkwardig In binblick anf die pro- 
▼enienz des gedicbtes ist die stelle bei Du Cange it 221 aas der 
Vita SMonani (AASS. Bfartii i 88), wo es bei einem kämpfe 
*cOQtra Aoglos' heifst : 'sagilta ferrea et hamata, quae vulgo cata- 
piiitii flici solel'. — es bleibt noch übrig zu bemerken, dass eine 
anzalii lior in dem gedieht verwendelen worte aucl) in der Vulgala 
mit demseiheo sinne Öfters begegnet, uzw. : sator (4er. 50, 16). 



0B£R das CA|LM£N AD DEÜM 119 



Imp» (I Mac Z, 30). dtürnr (u Cor. 9» 7). jmMm (überaus häufig 
fM. firtimm (8 mal). «oAüi (5 mal). pjaculHii (ftnaalt aber nur; 
«Obaopfer). Jooitoi (abertragen nur Paalm 54« 22; aoaat 12 mal 
coocrat). luMftiif (aehroft). kiro (oft bildlicb Pm. 23,28. Eccti. 
36,28. Jerem. 3,2. auch Evaog.). sagma (Lev. 15, 9). eoüü (ver> 
ailgenaeiaeit Job. 18, 12 : Mnedia invadal coslas illius'). sordes 
(17mal). fraudulentus (4mal Piuv.j. anceps (3 mal ; ;^. i^ladius). 
nulnj- (11 mal, vgl. i Thess. 2, 7). fuldre (6 mal, aber nichi voo 
Moses gelii auchl, welche stelle Mone anzieht), proul. queo (13 mal). 
Im (auf Chriaius ; *eG«e vicii leo de Uibu Juda' Apoc. 5, 5)« 

Aus dieaan suaammeosteUuiigeo ergibt sieb, dass der wort- 
vaml dea laL gadicbtaa in der tai an acbwierigkeiten und dnnfc«l* 
beitan reicb iat : garada daahalb wnrde daa atOck deutacb gloaaiert. 
ftnier aber laaaen dieae vocabeln auch den nraprung dea ge* 
dicbta deutlicher erkennen« juat diese miacbung ven dichten- 
Worten, bei der Vergil unbediogt vorberscht, mit griechischen, 
gräcisierenden uml mit glossematisclitiu ausilrückeu , sowie mit 
der spräche der Bibel (über den glossematiscbeo dicht t r Osbero 
von Glocesler s. Goelz aao. s. 79), ist der latt inisctn n poesie 
der Angelsachsea eigen (Uber die biiduug der ags. dichter vgl. 
noch immer Wrigbt Biogr. brii. litt, i, bes. 37. 39 fr. 43. Ald- 
hefana etil 45 fl). und awar aeit Aldbeün« im kreise des Bonifatiuai 
herauf bia au den dichtungen der karoliogiachen leit seugnia 
dafttr gewähren die verae Aldhekna aelbat ; man fgl. ab. mit unaerem 
silicke die praefolio sn De laudibua virginum (Migne 89 , 237 0 
und aus demselben gedichle (Ebert Gesch. d. litt. d. ma.s i 590 anm.) 
die verse 28 IB : *virlutes quoque, parmaium tesLuduie !?umpu, 
saeva proiaauiuiii conluoduDt tela spaiorum'. 284B:^sed mode- 
rata gerat cetram patientia couIi h'. C : *h( llaior Christi ged mox 
iimhone relundit — genus omne mucrouum, quae meulem siimu- 
lare aolenl*. 287 B : *o ^uam falsa latro spondebat frivole meodax'. 
C : *praeaumplio trux — aed tiro infracta tectua lealudine Christi 
borridn vnlidfloi detrudis apicula ferri. — enmulat anperbia 
piacli*. ea icigt aich noch aulaerdem die merkwQrdigate aber- 
eioalimmung im wortschals. daaaelbe ist der fall bei den rhyth- 
mischcu gedichten aus dem kreise Aldhelma (Migne 89, 301fT» 
Jaff^ Mon. mog. s. 38(T), die teils von Aedelwald, teils von nanieu- 
loseo freunilcn Aldheliiis stanmien (nur v ist von Aldhelm seihst, 
vgl. Traube karoling- dichluugeu s. 13011, der Eberls mit uorecht 



120 



SCUONBACH OBER DAS CARMEI^ AD D£ÜM 



zoversichtliche aulsteliuDgea corrigiert); insbesondere stimmt orm 
(JafT^ s. 44 0 io der auffilUigsteii weise mit dem Carmea (ibereiD, 
Dicbl blofo in einzelnen worteo, sondern ucb io ganzen phrasen. — 
aber den rbythmiseben bau des Germen vgL WMeyer MOncb. 
sitiber. 1883, 1, 89. 

Also such Ton dieser seile ber enpfleblt sieb die annabme 
Hönes (aao. s. 366, ?gl. MSD.*ii 355), das lat. Carmen sei ton 
einem Angeisacbsen vertet (Kelle Liitgescb. i 100 ventebt das 
irrtOmlicb ?on der llbersetsong). man ist daiu wol haoptsSchlieh 
liurch die hersch.ift der allitteration in dem stocke veranlasst 
worden, die sich nicht blofs sonst in Aldhelms hexametern, son- 
dern auch lu den hymnischen dichtungen seiner landsleute Gndel. 
die beobachtuu^'cii , die ich hierüber und über den Zusammen- 
hang dieser praxis mit dem altenghschen langvers angesteiil habe, 
verspare ich mir auf eine andere nahe gelegenbeit. hier sei nur 
aum endlichen Schlüsse noch beroeriit, dass dieses lat. Carmen, 
welcbes wabrscbeioücb durcb die ags. mission (die beste bs» in 
Cambridge) nach Deutaebland gelangt Ist und bter von einen 
geistKcben glossiert wurde, dem die romaniseben spracben ntcbt 
unbekannt waren (s. oben su 17. 23), au den deutlieben 
spuren ags. einfiusses auf die entwicklung der dentsehen littera- 
tur t^ehOrt. Koegel bekämpft im ganzen zweiten bände seines 
werivolkri Werkes die durch KaufTmann wider auf die bahn yje- 
brachte ihese von der einwürkun^ der ags. mi-sioii aut die 
deuls^che spracht, nml ich gehe ihnt lu, dass kautimaiins bisher 
vorgeintirle K>*^i>de durchaus nicht die daran geknüpften Schlüsse 
rechtiertigen : allein, dass die tütigkeit der ags. Sendboten des 
evangeliums in der geschiebte der deutschen sprachaberliefening 
scharfe und wol erkennbare spuren zurückgelassen bat, das glaube 
aucb icb und meine, es wird sieb noch durcb gewichtigere Ober- 
Jegungen, als die an das hier besprochene stock sich schliersen, 
erweisen laaaen. 

Gras. ANTON E. SCfl5NBACH. 

HAT OTFBID EIN *1£CT10NAR^ VERFASST? 

Da es scheint, dass die Tacbgenossen dem einen ergebnisse 

von Saraus hübscher scbrifl Ucber Vortragsweise und zweck des 
Evnng' lienhuches O.s von Weifsenburg (Halle, 1896) mehr und 
nii lir zustimmen (vgl. eben jetzt Roedigers recension DLZ. vom 
20 oov. 1897), so sei es gestaltet darauf hinzuweisen, dass 



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SCfiONBACfi HAT OTFBID EIN 'LECTIONAR' VERFASST? 121 



meinem erniesseo nach dieser hypothese die grundvoraussetzuDg 
fehlt, Dflmlicb die praktische mOgiichkeit eines Bolcbeo denUchen 
lectiouars. zweierlei würe theoretisch denkbar : Verwendung des 
liuches im kirchendienst oder zur erbauung der klosler'jenossen 
dk coliatio. das erste ist von vornlierein vollständig ausgeschlossen, 
aber auch, wie ich glaube, niclit weniger das zweite, denn meines 
Wissens ist wahrend des ganzen niiitelallers niemals ein deutsches 
(oder Uberhaupt in einer uatiunalsprache verfasstes) werk zum 
gegenstände der forlesung in einem conveot gemacht worden, 
geschweige deon eines in deutseben veraen. erst in der sweiten 
hllfte des 19 jhs. wird dieser brauch bie und da seitweilig durch- 
brochen« Olfrid konnte somil sein buch nicht einem zwecke 
widmen, der talsfichlicb nicht bestand, er kann nor an private 
lectflre nnd erbauung gedacht haben« und dass er sein werk 
gelesen wissen wollte, hat Saran meines erachtens mit recht aus 
seinen eigenen worten erschlossen, wenn ich in meinen 'Otfrid- 
siudien' diese ansieht nicht nachdrücklicher vertrat, so lag das daran, 
dass ich der irrigen nieinung war, der glaube an die bestimmung 
von Olfrids werk für den gesang sei von der mehrbeit der sach- 
küiidigen lang aufgegeben. . Saran hat übrigens in einem briete 
an mich bereits freundlichst zugestanden, dass er jetzt wQnscbe, 
sich Ober OUHds ^lectionar* weniger bestimmt ausgedrückt zu haben. 
Gras. ANTON E. SCHÖNBACH. 

ZUM EHYTHMÜS VON lACOB UND lOSEPH. 

— Zs. 40, 375. — 

Bei meiner ausgäbe eotgicng mir, obgleich ich es früher schon 
gewust hatte (s. Poctae aevi Carol. ii 158), dass eine vormals Ful- 
dieche bs. des 10 Jhs., deren erhaltener rest sich noch in Ein« 
siedeln befllndef^ dienfaUs ein bruehstQck des rhylbmns Qberliefert« 
wir kennen es nur dureb den abdrucke den 1617 Christ Brower 
im anhange seiner 2 ausgäbe der gedichte des Venantius Fortunatus 
p. 84 davon veranstaltet bat. es steht dort mitten unter versen 
des Hrabanus Maurus, unter welche sich aber auch soiist manche 
fremdartige stücke eingeschlichen haben, in 1,2 sleln saeculum 
jmlchresceret 1, 3 prolem lote 2, 3 Ebraea aurea 2, 4 
Ebreontm. auf diese beiden Strophen, die also keine benierkens- 
^Vi^[t'o abweicbUDgeu zeigen, folgt als schluss eine offenbar nicht 
zugehörige: 

Gloriam dicamus cuneti sempiterno domino, 
qni nos ma pftlofe feeit esse eadibes» 
ämsU fuoque MÜesmu Umdm vnigenü» 
aipis umuo fmwkto moM pereime saeeuhm, 
weoD unser brncbstilck hiernach fflr die herstellung des textes 
ebne wert ist, so bietet es doch ein weiteres Zeugnis für die 
grofoe beiiebtbeit gerade dieses rbythmns. E. DGMMLER. 



ZUM HILDEBfiANDSUEDE. 



03 dö Ifiltun $e erist askim scritan 

tcarpen seürim : dat in dem icäiim tlönt. 
es handelt sich um die bedeutaog Ton scritan. zwei Bich gegen- 
Qbentehnde erkiSniDgen haben beide im 4 teile von Grimms 
Gninniatik ihren ausdruck gefandeo, s. 640 : ^ausgelassen wird 
kroi (eqoos), der (iaslrumentale) dat. aber dabei ausgedrackt. 
die beiden lieben ihre rosse mit den scbsften« lanien, in scbarfea 
schauern herschreiten, vordringen*, s. 641 werden dann die mhd. 
eil jp tischen Wendungen si liezen dar, umbe gdn (seil, die pferfie) 
zur vergleichung herangezogen, s. 709 dagegen heifst es : *Hiid.63 
. . . (\bt( scritan nicht, wie hisher geschehu, durch schreiten (pro- 
gredi» currere) erklärt werden, es ist das got. skreüan (sciadere) . . . 
der verschwiegene acc. ist nicht etwa pferde (s. 640), sondern 
etwa arme, bände, und adcim, Mrün passt besser au xerreifeea 
als ta schreiten*. 

Die erste erklarung bat den grofseren beifali gefunden; 
$crUan mit zerreUsen, spalten zu ttberaetzen iat ein venweifelier 
notbehelf, es genOgt auf MOllenholTs anmerkung zu verweisen^, 
aber auch die andere deutung [scritan = schreiten, progredi) 
scheint mir schweren bedenken zu unterliegen, zunächst ist die 
verbuidunk' des dat. instr. askim mit scritan, die Ijeziehuns.' auf 
den rosselauf seltsam und iiart und hat ja auch bei JGrimois 
Sprachgefühl anstof:* erregt (aao. 710). die mhd. stelle, die er 
s. 641 zur vergleichung heranzieht (Herb. 4\% passt nicht ganz, 
aie lautet voilsUindig: 

Jffscfor der Ims «rnfte gdn, 
d$ er dä vor lute getdn, 
mit 9per und mit sthtW, 6273. 
durch den eingeschobenen satz erhalt hier die wendung eine 
weit mildere und natürlichere fassung als im Hildebrandsliede. 
auf diese discrepauz würde ich an sieb kein grofses gewicht 
legen, sie uuterstüzt aber eine andere erwägung ; die anwendung 
von scritan für das anstürmen von rossen, überhaupt für den 
lauf oder gang von menschen und tieren ist für daa ahd. und 

* KaufTmann bat neuerdiogs die zweite der Grimnisclien erklärungen 
^^■u\vr aufgeaoiiimen, ohue jedoch näher auf M&lleahoff« apncbliche )>edeoken 
ctuatigeba : fesUclirift für Sievers 152. 



MfiiSSMER ZUM HILD£aRANDSLi£OE 123 



M» Qibiieiigi; <iaff sino, den wir ki das «ort an umcrer stette 
UnaioltgM mOiteB, widerspricht der efilteni bedeiiluiigeeotwi^sk- 
hiBf des Wortes; die sniMndiHig des Terbums isa alto.« ags., 
sltfHes*« si.» ebd., sam nbd. und nbd, m sdurfeiB ^gensstie 
«ebeiid, weisi darauf hin, dass wir als nrsproogliche hedeaUiDg 
MriiiBglelleiit labi' aosaietteD habeD (vgl. die tosammeostetliiiig 
im DWb. IX 1730). wir sehen es daher gebraucht vom lauf des 
«cbifl&ä, von der beweguQg der wolkeu, es wird auf den gang 
der gr>'rirne, das nahen und schwinden von tag uud nacht, auf 
(id.- tutgieiten des lebens angewaiit; die schlangle schreilel : slöä 
Fäfnis, pd er Aanrt skreid til vatns F^lnism.; {wyrm) gewdt pä 
tjmfflrff gebogm wridan tö Beow. 2570; der ßsch schreitet 
iceal Ol» toale mid formte aeridan Grein -Walker t 340); 
dM rad aohreitet {9crtdend$ fwrd Avedie ^eltcott Älfr. metr. 20,216) ; 
foai aasoiiiander|leileik dea Wassens wird es gebraucht (Aisal/ 
fn fmm tsoMars mkum mut etMm fMm U fflön fme pc- 
mtktt, fwpam M mMÜU mfßuMw issAfe islds IdieridhR iMfe 
mi Ansset ebda 30, 90). der urspraoglichen bedentung ange- 
isesaeB ist die anwendung von sii.alH4b fUr ^Schneeschuh laufen' 
{Saitofinni , die schneeschuhlaufenden Fiüueu, DA. n 44). das 
altu. kennt skrida im sinne des gewöhnlichen gehns lucht, be- 
leichnel damit nlier ilas kriechen auf allen vieren^ die mühsame 
forlbewcgung von gelatHiiit ii, verstOmmeilen u3. wenn im Beo- 
wulf die gespenster 'schreiten'i so soll wol das unbeitnliche glei- 
ten, schweben hervorgehoben werden; oder das schweifen, denn 
in siDDO TOD Tsgari findet sich ags. teiidm^ zb. Wlds. 135: 
nsd ioidtntk gauttfum kmmrfui 
gMmm guwma geond gnmda fela. 
die anwendung im gewOhnlicheD sinne tod gehn gehört auch 
hier einer spatern periode an. im Hei. erscheint darldan stets 
in dem alten sinne gleitender bewegung, reflexiv 1085 : e/ thu 
Sit godes sunu, quad he, scrid thi te erdu hinan (von der zinne 
des tempels); ahcl. scritan glossiert Mabi' (Grad vi 577) '; Olfr. 
I 5, 1 vom gange der zeit : uuard after thin irscrt'tan . . ein halb 
jdr; ebenso Tat. 104, 4 : tu thö ihmo ilmdien tage halpscritanemt 

• besditemvcrt iat aUeidtnga die glowienniv m «dinsficallt' (teil, 
ovlbos)« *disiiiDClia*^g4wrdll«i, MiterHitan, Mtcmmelan, Muermuien, mid 
gfmmeodtn Unm 8te^anle7e^Sltvcn n 4S3, 44^ 430, U. 480, 26. 560, d. 
SM, 40. vgl Grag vi 577. 583. ier§itm awv. *sebmiten masheo, apfciaen*. 



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124 



MEISSNER 



'iam aalem 4ie fetto mediiote'. Air die im mhd. und nbd. 
taencbende bedeutusg ist eio frttbes raignw : da s» doM cMmi» 
dm du tbu H (die beioe) §Ao§m, im n iiiA IMm pMnm m 
saiUn Wiener 1 Genes. (Fundgr. ii) 15, 1. bier tritt ecbon die 
vorstelluDg der tUBammeDsetzuDg des menseblicheo ganges ans 
einzelDen bewegungsmomeoten, der gedanke an die mechaoik der 
bewegung, den wir beim gebrauche des wortes schreiten meist 
l'esihalien, deutlich hervor. — aus dem angeführten ergibt sich 
m. e. , dass wir uns für ilie zeit des Hildebrandshedes zunächst 
an die altbLziui^'te IxMieutung *Iabi, delabi* zu halten haben, be- 
sonders, da auch für mhd. schrUen die anwendung auf scharfen 
rosselauf nicht erweislich ist, für nhd. tchreitm gtnz unerhört 
wäre, dann können wir das wort nur auf die Speere beziehen, 
die beiden rennen nicht tum Stoib an, sondern schleudern ihre 
lanien, mbd. ausgedrOckt, sie 'kkkxmii dm tdutff; dann wflrde 
terUm bier eine bewegung ansdrOcken, die dem begriffe des 
wertes nach dem abereinstimmenden lengnis der germ. sprachen 
für jcue seit darchans angemessen wflre>. noch im mbd. findet 
sich das verbum in fast gleicher anweDdung vom dahiogleiteD 
des pfeiles. ich habe nur ^ine stelle beizuix uigen, Heinr. vNeu- 
stadt Ap. 4324, auf die sich Strobl in seinem giossar bezieht, 
berr dr CKraus war su güiiy:^ die handschrifteo (Strobis Signa- 
turen) Cf D uud die abschrift von A, die sich in Wien befinden» 
einsusehen; die stelle lautet nach seiner abschrift: 

C (Wiener hs. 2886, fol. 21*) 
M sAiftB widar auff den tu 
ünd icftoff« tn ainer tpcyl 
A%ff in wol tmaeni pfeU 

Das was alles gar verlorn 

El was ansserhalben hom 
Mit starckm schuppen spannepraü 
Als der p/''i^ f^^fff schrait^ 
So schnellet er wider hinder tich 

* Müst. hat schreiten, 

* erwähut mag noch werden, dass das vielleicht verwante iilt. skrtndu 
filegeD (daoQ auch 'schnell laufen') bedeutet; Kunchat n 384*; vgl. Mallen- 
hoff DA. n 44. 

* ebcnio in der tbsehflfl von A (t34tt4, sappl.84, fel.W); «eür^yf 
D (3879, foL IKH). 



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ZUM HILDE6BANDSUEDE 



Sein Imt kUm$ mmm pAui 

Er gab umb wmm mkimm nidd 

Da was mein arbaü gar enwicht. 
von dem mhe liegenden vorschlage, askim in aski zu änderu, 
brachte mich lUx ilie ab, der mich auf seine anm. zu Reinmar 
vZvetiC 282 y 10 verwies; für das mhd. scheint ein dativ nach 
Uzen c inf. möglich zu sein, er übergab mir ooch folgeodeo 
ntfibtrag : ^tme looft« md^ nifu m dm iagm deheinem Huer Uh 
SM Tritt. 391, 24; d$m mug^ im ituk Mifm Itf» 

ILiAm. 295 (CtA. 31 , 246 dttü. in dm ]m< uoMiier im- 
gab«i mfitki «ifiberipeh B«cb fieleib dU oomtradkiD wir mbd. 
offenbar Hiebt elegant, kmn dtniro aber i» HiM. stbr wal einliert 
habeu'. h:1i fUge hiuzu : näch minne ick manegen {manegem 6) 
dimm lies Parz. 618, 17; der selben gnäden Idz oiüi mir gs- 
niezm Hartmann rede vom Glauben 1910 (Germ. abh. 14, bem. 
voa FrVogi am Schlüsse), ähnliche erscheiDUogeo im ohd. sind 
in DWb. V 232. 237 zusammeageskUt; eine weadung, wie die 
biet iQgefmbrte : Uu% ihm Gm erleben (Sahuj^iiia 517) mi aebr 
heacbteitfWt K daa aiaterial iat kainaawaga «iBwandafrai tiiid 
§l«cbbewciaeii4 s die SBAgliabkail einer soklieB eesatraetion wird 
mm indea for die itelle dea 9ild., bevor eine genauere nnler^ 
laebnng «eberbeit gewihrt, niebt beatfeiten kennen, daa lannek 
hafte ^isrpen ^ürim wttrde sich dann ala apposition an oikim 
aDSchliefseD , geradezu die waffen aeibfit bezeichoea (so auch 
Koegel Litlg. i 1, 22^). 

Für die so gewonnene erklärung spricht vor allem auch eine 
lacblicbe erwflgung; der aiigeroiaoiacbea bampfeaweise grade iai 
es angemeieen, daaa die beiden ihre lanaan acbleudern*' bier 
finde ieb mieb in völliger flbereinalinHnnag Mit Eauffnann, mnu 
er aaew aagt, daM der apraebgebnncb dea Und« niebt mit bdCe 
dM bnflacb- ritterliehen erbürt werden darfe; aneb er nimttt 
flhrlgena an, daM die apeere gewoilen werden, aber, wie acbon 
oben bemerkt iat, deutet er scritan anders: *sie (die ianzen) bohren 
lOcher {tcritau — goi. $kreitan) in die Schilde', dass die beiden 
wurflan2f'u rubren, scheint mir schon v. 40 7,u beweisen (wiU 
müi dinu speru werpan); erst v. 65 beginnt der uahkampf 
(jldplnn t4 iomaney, der geacfileuderte, sausende s|»eer iat ft^r die 

■ wie nae nOr efilUt, kaoa bmb in Wien bfiiea: iumu Mb 
MmotI nmehm. vgl. aaeh Albaecbt Ufpi. vwadart m. 



136 



MEISSNER 



ahgennanifch« forn» tbeiM «lianirttriiliieb, wie die im stose 

gelahrte, am schilde des gegners gpliUerade Unze für das mhd. 
epos. es genü;^t an typische stelleD zu erinnern wie: ßch wcbs 
heard plega wmigdra wrixl Genes. 1990; darodcBsc ßugon, hilde- 
nwdran Kiene 140; mmum wiges spM giefe<) wl gühe, ponne 
gärgetrum ofer scildhreddan scedtend sendet ^ flaeor flängmeort 
Cyoew. Crisi 673; gära ßht Baow« 1766; ful oft of pam heäpe 
kmkimdi fl$ilg 4fi$Umäe gär an gnm pM$ Wide. 128; «wft 
pki tfolMa nr «d|9a 5» MUT AllikY. 11^; «eBn Im m^m 
gr4ra gtira Helg. Heiid. t, 1% der alteitmnltehe *ger' wird im 
Nib. auch noeh im rmlerkaropfe geschlendert (211); eine beaonder» 
interessante stelle ist Rab. 806: dax w<u M^h'hoh von Jrlandt . . 
an den starken Bernccie er raude mü einem guoien marke . . 
Mörholt der vü starkß der schöz an der selben vrisi üf den 
Berjupre . . . init einem scharphen gere. recht^jrebrtluche spiegeln 
oft ältere zustände wider : wenn noch später im mittelelter 
lor feiletellung der benchafl über stromeebreite oder see eia 
gerosteter in dae waater einraitet, aoweil er kanii, und von dort 
einen apeer acbleudert (Grimm RA 55. 66), ao erkennen wir in 
ibm den attgennanlacben mit dem wurfapecr bewaffneten reiter 
wider K Ober daa aUaDllbiicbe zarflcktreten dea wnrfspeera im firani. 
epos vgl. Sternberg Die angriffswaffen im altfr. epos (Marb. 1886) 
s. 36; Bach Die aogrififswaflen lu den alüraiiz. Artus- u. abeoteuer» 
romanen (Marb. 1887) s. 39. * 

Hildebrand und Hadubrand also schleudern iiire Speere, die 
sie mit den Schilden aulTaugeü {dat in d$m iäUün stönt)f dann 
beginnt der emacbeidende ach Wertkampf. 

leb liugne nicbt, daaa aoeb in älterer leit die gennaniacbe 
lanie von reitern ala ateaawaffe gebrauebt wnrde; die *Aramea\ 
mit der die reiter ^contenti' waren (Tae. Germ. 6)* eignete sich 
für beide iweeke. wenn aber San Marie (Waflboknnde 170) be- 
hauptet: *beim kämpf zu ross wurde aeit tHeater leit der speer 
Our ais siofswaffe gebraucht', so wird er den historischen Zeug- 
nissen nicht gerecht, wie der reiter seine lan?e brauchte, wird 
sieb seit ältesten Zeiten nach den umständen gericlitet haben, 
vor allem auch nach der art der rttatuog; der leichte reiter wird 

* eio biibMihcr mg In PoaqD^i Zanberring ist es, ^daat die ritter dea 
eaatintMa ki der gtwMicbee kAflaekcn wdie^ die fecken des aeideiii aber 
aeeh sn raai atft daai w ri ipea i c kinpfm. 



ZUM HILDEBBANDSLIEDE 



127 



dM wBrlWalTe ▼orgoogen, der schwerer gerlliCeto lieber der wucht 
des stoBsee feilraul beben; andere brauchten den Speer su beiden 
iwecken. 

Die kimbriscbe reiterei, Ton der Plut. Mar. 25 eine so 
schöne Schilderung entwirft, irü^i deo Wurfspeer und für den 
uaiikauipi das germanische iangschwert : oi ök litTtelg .... 
i^).aoav kafingoi, xQavj] fxkv eiKaofiiva ^qI(ov (poßsquiv 
XaOfiaQi Tuai ft(fo%ofiaig iöiofi6Qg>oig ^orreg, ag knaigo^uvot 
lo^ig me^iarols tig vilßog ig^alvovto fiel^ovg, ^C(i^a|t ök 
itaoüft^fiivoi aidegolg, dvQeolg dk ItvMig atlXßorweg, uiitoP" 
vtKffta dh ktatn^ dißoUu' avfinetfowBg dk fieyalatg 
lXQ<^o xai ßaQslaig fioxalgaig, die reifer des Ariofist 
schlendern lapiies islSofue auf Caesars begleilmsooscbaft (B. gall. 
T 46). aus einer stelle wie der folgenden kann man nicht 
loi^eni, dass mau die lunze nur zum stofs gebraucht hätte: 
norant entm (die Gerriiauen) licet prudentem ex equo bellatorem 
mm cUbanario nustro (dem röm. pnii/j rreil«,'r) congr^mm 
frtna retinentem et scutum, hasia ma manu vibrata, tegiminf- 
hu ferreiM ahKomüto beüatori nocere tum pam Amm. Marc 
Xfi 12« 22. fon den gotischen reitern rahmt Isidor, dass 
sie mit gleicher gewantheit die wurf- und die stofsbose ge- 
brauchen : nei» snlnm hadii, ssd ef /wultk tqiiümdo cmfligunt 
De reg. Got 69. die Wandalen dagegen wissen die lanse nach 
Procop. Bell. vand. 1 8 nicht su schleudern : ovte yug aKovt loiai 
ovJ€ to^ötat ayud^ol rjöav otre 7t€^oi ig jnaxr^v livai 
rjTtlaiavio, aXX^ irr/iiiii; te i^aar a/ravieg, dogaai re wg knl 
iilelatov xai. ^Upeai ixQiövro. ebenso (Inden wir bei den Osl- 
goten die lange stotalanze im gebrauche, vgl. Bell. got. iii 4 
(Zweikampf des Wiliaris und des Artabases); das reiterspiei des 
Totila (IT 31) lasst uns dagegen wider an eine kflrseret auch 
xom wurf geeignete lanse denken, den frttnkiachen reitern war 
der Speer ala stobwaffe vertrauter als im wurf; San Marte aao. 
170 ferwetst auf Greg. Tur. ▼ 26 (25 Amdt-Krusch); die Schil- 
derung bei Nith. Hist in 6, auf die er sich weiter bezieht, ergibt 
nichts für den gebrauch der lanze {equis emistis, hasiilia cris- 
IHiHtes exüiunt). einige andere stellen fUg ich hinzu; den 
Franken, die mit den kriegerischen bewobnern der Bretagne zu- 
fammenstolsen« ist die anwenduug des Wurfspeeres bei den feind- 
lichen reitern etwas ungewohntes und verwirrendes (Reginon. 



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128 MEISSNER ZUM UlLD£BRA?iDiSLl£DE 



Chron.a. 860). vgl. die Schilderung briUiuinscher !k wafTnuog uod 
kample>\\ ( isr iu i tinioliius» Aigellus in 375 IT, liesonders 4470'. 
der Iräiikische leiier Coslus l^ogt Murmans wurfspiess mit dem 
Schilde auf uud spieugt selbst zum siofse auf den feiad zu : 

(Mlcibus adstrihgens ferratü cornipedem mox 

Murman in adoemm cMCÜm in fmüi 

Hwn hoc fluM&ui ttrlmdiim itt tmpün forvtef 

cuspide Frandtpo tempon lata f<nrat, 
T(jL noch Richer Hist. i 17. 46* dqcb war natürlich die alt- 
germanische kuüst, 'deo Schaft zu schieszen' nicht vergessen: 
Ludwig der Fromme schleuflori mit gewaltigem würfe seinen speer 
in die leiudhche Stadt fcrri». Nig. i 515 (brachis fortim'mis, ita 
ut nullus ei in arcu vel lancea saytitando aequtix^rare poterat. 
Thegan. Vna lUud. imp. 19). Karl der Grofse reitet im feldzuge 
gegen die Dänen in der morgenfrUhe aus dem fränkischen lager, 
bewaffDel mit scbwert uod wurfspiess (i'aeiilttm) Eiiifal VitaKaroli 32. 
eio reitmpiel der beido. Langobarden wird in der viia des b. 
Barbalus von Benevent cap. 1 geschildert (MG. Script, rerum Lang. 
557), in geftrecktem laufen jagen die reiter am ziele forüber und 
schleudern, sich im saltel zurückwendend, ihre speere. Burkart, 
herzog von Schwaben, an der mauer von Mailand pntlniij,' reitend, 
rillmil sich seines speerwurls: fortitudinem siijuidem muri huim 
Stil altitudinem , qua se muniri confidunt, nichiW pefido; iactu 
quippe lanceae meae adversarios de muro inorlnos pi aecipitabo 
Liuiipr. Aulap. lu 14. die uurutauuibcheu itiler brauchen noch 

lor tdt der sci)l||cbt bei Qasijpgs den ap^ ^ wyirlWaire 
(HJflbna Handb. einer geacb. d. kriegaw. 542. Kobler Kriegaweaen 
0. kriegsfOhruog in der ritteneit i 18). 

Am hofe Ludwige des Frommen zu Aachen fand 820 ein 
gerichtlicher Zweikampf atatt zwischen Bero und Sanilo, iwei 
^fielen', auf die Schilderung bei Ermoldua Nigellus mochte ifih 
zum schluss noch besonders aufmerksam machen; die Goieja er- 
bitten sich von f.ndnig die giinst, den kämpf nach gotischer 
volkssitte aiislerhien zu dfU fen ; zn ross mit Wurfspeer und scbwert 
{quia uterque Gothus erat eqaestri proelio Vita Hlud. imp. 33), was 
den zuschauenden Fr;i[ik( n ein ganz ungewohnter anblick ist: 

mujü iUi bellu iace&sunt 
mif wva Fnmit «maa noia minut, 
el ii^eiu^t haftß$f mucfot^ümt üuupqr aäif 
prouia tmptabam irriia mon an«. 

Erm. Nig. nt 605. 
Hier haben wir genau den von uns angenommenen verlauf 
des kampfes zwischen Hildebrand und Hadubrand. 

Gouingen, 13 aug. 1$07. A. MEI6S^fiR. 



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ZUR GESCHICHTE 
DER KELTISCHEN WANDERUNGEN. 



Es isl bekaunt, dass itu alicriume die Kelleu, heule fa$l 
Terschwutideo, eiue wichtige rolle gespielt haben, sie bewohnteo 
eiüeu grofseo teil des nördiichea und westlichen Europa, nicht 
Dur Gallien im spätem sinne, sondern noch viel mehr, es iat 
Mfar wabracbeialich , dass sie im beuiigpn Norddeutschland we- 
nigstens bis an die Weser reichten (Müllenboff DA u 219 &). 
SaddeutecUand, alle« was sadücb vom Maio und ThQriager walde 
1%!^ geborte ibaeo, daxu das anslolseode Alpenlaodt Bobmeo und 
lUbren, weiterfain Pannonien und die benaefabarlen Donauland- 
■cbaften. tu der seil, wo zuerst einige künde aus diesen gegen^ 
den zu uns dringt, finden wir dort Keilen oder, wie man sie 
Mit dem 3 jif auch uaiiiile, Galaler nach Herodoi eutspriogt 
der l.>itüs bei den Kelten, die nach den geographischen vor- 
»Uiiungeu des autors im äuFsersten weslen Europas aulserhalb 
dar siulen des Herakles | also draufsen am Okeanos wohnen 2. 
diese nachricfat zeugt ja von einer sehr mangelhaften Orientierung, 
die abrigens auch bei den spatem nicht besser ist$ denn noch 
Epboroa, ja Entosthenes lassen die ganae OceankOsle im westen 
Earopas bis nahe an die sSulen des Herakles heran von den 
leiten bewohnt werden K aber was Herodot über die quellen der 

* Gaiater (Gallier) und Kellen sind ^leichdeutend ; der unterscliicd ist 
der, dass man sie in älterer zeit nur Kellen nannte, später, seit dem ;i jh., 
Gilater, wobei jedoch die allere bezeichnuQg in kraft bleibt. vg;l. AdSctimidt 
Abhaiid]. sor alten geschlebt« 74 tt. Arbeit de JobalBTilie Rerae areh^l. 1875 
(bd30) i.4ir. 

* Herodot vr 49 fitt ykf 9^ 9m nivija Sv^nhaje i 'Tft^ i^ftmwQ 

Ir JBvfm'nri and ihnlich u 33 "lawfos « fo^ nora^ids ifSufuros in 

xoi ticiv i^a *H(faHXinv arrfkstov, ofxovQiovat 8i Kvvrjfflotfft. nach meiner 
fJi^inung darf man aus diesen stellen nicht schlief^pn, wie zuweilen ge- 
schieht, dass Heroiiot die Donau auf <\vn l'yr» aäen enlspringen lass*'. der 
•ulur bat ao der zweiten stelle zur nalieru beslimiQung neben den Kelten 
noch Pyrene als die bekaooteate Stadt des aufsersten westeDS geoanol. dass 
ci wOrklich eine Stadt Pyrene gegeben hat , von der die Pyrenäen (ITv^- 
Mb dea nanea haben, Ist nasweifeUitft Heiodol bette Abrigens bei 
Ninca bcNhieiboDgea wol ein ksrteaUld tot sogen. 

* Bpboies fr. 38. 43 (fragm. hbt Gnee. i S43II) bd SCrsbe 1 33. 34. 
■t IM. Miller fieogr, Oraee. mfai. i 101. Eniosthciies bei Siraiw n 116. 

S. F. D. XUL N. P. XXX. 0 



130 



MESE 



Dooau sagt, ist im wesentlictien ricliiig, uod man siebt, dass 
etwa dorch fermitÜuDg der Massalioteo doch einige i^unde aus 
dem bionenlande zu den Hellenen vorgedrungen war und nicht 
lange darnach wurden die Kelten besser bekannt, lueret durch 
ihren etnbruch in Italien, sie traten mit Dionysios von Sicilien 
in verkehr, nahmen bei ihm diensle und erschieoeo als seine 
kriegsknechte 368 und 367 v. Chr. auf helUiiisdicm hoiieo 
(Justiuus XX 5, 1. X<'nü[»hüu Hellen. \ii 1, 20. 31). im naciislen 
jh. fielen sie in Ttiraltien und Makedooieji eiu (280 v. Chr.), 
kamen plündernd bis nach DelpJii (279 v. Chr.), liefsen sich in 
Thrakien nieder und drangen bis an die Douaumündungen vor. 
sie gieogeo nach Asien liinUlier, durchzogen die vorderasiatischen 
iandschaften und fanden in Phrygien und üappadokien feste wobn- 
sitse. bei den hellenistischen kOoigen traten sie in dienst, 
kgmpften in den griechischen wie in den karthagischen beeren 
und erfllHten die weit mit dem rühme ihrer tapferkeit. sie 
galten fOr verwegene krieger von ungestflmer Wildheit, die es 
gewagt hatten, was vorher allein dem Herakles gelungen war, 
die schneebedeckten Alpen su flbersteigen (Justin xxiv 4, 4), ab- 
gehartet, kriegerisch und so unerschrocken, «lass sie selbst den 
wellen des Oceans bewaffnet entgegentraten 2, zugleich aber bab- 
sflchtig und treulos, wie alle barbarischen sülduer. 

Zugleich kam auch etwas nJihere künde Uber ihr land zu den 
Hellenen. Aristoteles weifs, dass die Kelten den norden bewohnen, 
ein kaltes land am Okeanos^. er hat schon vom HercyntBchen 
Waldgebirge gehOrty von dem aOs die grofsen strOme gen noiden 
fliefseo, und scheint dasselbe ins Keltenland zu setzen ^ gerade 

hierbei ist sv bedcokeD, daw nan wen der iiüste Ober Oadeiri hioios keioe 
Vorstellung hatte; diese lernte man ent inrnlt des Polybios kennen, aber 
noch bei diesem ist der oaine Iberieo nur den •paoiaehen kwtenland- 
iCba/teii des .Milielmeers eigen. Polyb. ui 37, 10* 

* wie df-nn auch Herodot bekanntlich von einem grofsen ström wnstc, 
dem Eridaiios, der sich in den tiördlicheii ocean ergoss. ni 115. 

* Aristotel. VoWi. vm IG p. 1330 a 17. vin 12 p. t324b 12. Etliic. 
Nicom. lu 10 p. 1115 b 28. Lüi. Ludem. ni l p. 1221^b 28, vgl. Ploieaiiiu« 
bei Strabo vu 901. 

» Aristot. Aoim. generat. ii 8 p. 749 a 25. Poüt. tut 16 p. 1336 a 17, 
vgl. die soeben aogefahrteo stellen der ethik. 

* U^nlvia Metcorol. 1 18 p. 3&0b 1 f. HnUeoboffi 431 f. ii 340 t 
MüUcoboff neinl, die Alpen seien unter den Arkynien mit inbegriffen, dies 



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KCLTlSCflE WANDERUNGEN 



131 



wie H auch naeb ihm gescbsb. man daeble sieb die Kelteo als 
Dacbbam der Skythen den ganien nordweeten Europas ein- 

nehmend. Hekatäos von Abdera, ein Zeitgenosse der bei- 
deo ersten Ptolemaer, setzte im flufsersteo oorden seine iusei 
der Hyperboreer in den Okeanos gegenüber dem Kellenlande 
(Diodor u 47, 1). noch deutlicher isL Diodor, bei dem die Kellen 
oder Galater ao die Skythen grenzen und mit ihnen zusammen 
deo ganzen norden Europas einnehmen, er entthU von den 
britlischen ineeln, die mit andern ineeln sueammen an der ga-' 
btischen kOete liegen, gegenQber dem Heitjnischen walde, wäh- 
lend die berneteinintel Baaileia an die ekythiscbe kflste gesellt 
wird^. naeb der allgemein berscbenden ansieht erstreekten sich 
also die Reiten Tom Weltmeer draoften bis an- die grenzen der 
MiftelmeerslaaLcü iiioab als eine grofse völkeraiasse 2, aus der 
sich gelei^entlich einzelne teile abiOsten und der schrecken der 
cifilisierieu weil wurden. 

Dae dritte Torcbristliche jh. ist der hohepnnct der keltischen 
macht, aeitdem die Römer die weltherschafl angetreten hatten, 
mok sie herab, nach dem 2 panischen kriege wnrde Nordiiaiien 
den Kelten allmablicb entrissen; dann drangen um 120 Chr. 
die Romer ins südliche Gallien ein und unterwarfen die dortigen 
▼Olkerscbafteo. bald darnach folgte die kimbrische Wanderung 
Qod rührte in der gallischen well von der Donau bis an die 
Pyrenäen alles auf. im weitern verlaut der ereigoisse gei>chah 
es, dass die Donaukelten, freiwillig oder gezwungen, ihre wobn- 
silie preisgaben und germanischen und andern stünunen piata 

ist bei der tJn«J!«*h<»rheit dtr altern goo^rsphisrhen voretellurigeii wol möf^Hch. 
hier darf .nher bemerkt werden, worauf Mulieiihoff selLsl aufmerksam ge- 
macht hai, üass liacb Aristoteles die ArkyDiea im oorden des IstroB liegen, 
«as ^anz dem spätem begriff entspricht. 

* Diodor V 25 f. 32f. 21. 23. äbalicli iber kürzer die pseudoaristote- 
hscht »chrifl De mundo 3 p. 393b 9 ff. Dionys. Halik. Arcii. xiv 1. Huiarcli 
Marias 11. dctt gelegentlichen stdlco des ApoUoniot Rhodins liegen oObubar 
ikBÜdie raaebaoongen zu gronde. hier keon noch angeffibrt weideo, daas 
■ach Stcpfaaaiii Bjt, Berchania (Borkun) eise iosel dca Kdlenlandea iat. 
toe bcitiaiiiiQOg kaoo nicht dem dahd dticrten Strebe eoUehnt ado, aoD- 
icn wird etwa am Artenildor atamaen. 

* diea iat Geilte oder rxXäxia im Utero aianc, wie wir ea bcf 
Pilyb. n 2), 6 Ibdce und etwaa apller hd SempronlBa Aadlb fr. 9 (e» 



132 



N1£S£ 



oachlen. das kekisclie gebiet ward so im wesentlichen auf die 
gegenden westlich vom Rheioe beschräiikt. zugleich erfolgte der 
grorse aDgriff Casars auf die liDkarheiniaeheD tSUter« der mit 
ihrer beaiegung uod gSosUcheii uoterwerfung endete, to wurdeo 
die Kelteo allmählich lu Rttmern. sie horten auf eine aelbatto- 
dige nation zu sein; jedoch sie sind nicht spurlos verschwundeo. 
abgesehen vüu den iiocli vorhandenen regleo ihres vulkslums haben 
sie selbst da, wo sie nur kiii7«:re zeit wohnten, deutliche spuren 
ihres daseins hinieriassen. sie haheii von ihiem kriegswesen, 
ihren Sitten, ihrer religiou und iracbl, von ihrer spräche der 
weit sum dauernden hesiue genug mitgeteilt. 

Erat in der lettten zeit, als die ROmer in das herz des 
Keltenlandea eindrangen, lernte man sie vollständiger und bester 
kennen. Poseidonios und andre teitgenossen der kirobrisebeD 

kriege widmeten ihnen genauere beschreibuog, und mit dem 
weileru forlschreiten der römischen wallen ward von spätem 
historikern, vor allem von Cäsar, die kun(ie vermehrt und ver- 
tieft, erst durch Casar lernte man ihre grenzen besser kennen 
und sie von ihren Östlichen nachharn, den Germanen, unter- 
scheiden, von denen man frOher noch nichts gewust hattet, diese 
verbesserte kenntnia hat man nun, wie es die arl der antiken 
geschichtschreibung ist, auch auf die frahere seit angewant und 
die ältern ereignisse aus den neu gewonnenen erfahrungen auf- 
luklUren versucht. 

Es svareu, wie schon erwaliiii, hauptsächlich zwei gelegen- 
heiteu , hei denen die Kelten ifi ihe gescliichte einti aii ii, zwei 
berühmte und viel behandelte ereignisse, einmal der eiubrucb in 
Italien, oder besser dasjenige, was als folge eintrat, die er* 
oberung Roms durch die Gallier, damals war die Stadt den barbaren 
in die hande gefallen und dies war ein nach allen aeiten hin un- 
endlich oft behandelter Stoff, der, seitdem die ROmer harren der 
weit waren, alle weit inlereaaierte. iweitena war es der einfalt 
in Makedonien und Hellas, wobei PlolemSos Keraunos fiel und 
das delphische heiligtum beinahe eine beute der Gallier geworden, 
wäre (280 und 279 v. Chr.). 

* hierüber handelt bekanotlicb MülUnliofT DA ii cap. 4 s. 104 II. 
noch Diodor und selbst Diooysios von üaliiLaraass keo&ea die unteraclici- 
«luag nichU 



KELTISCHE WANDEBUNGEN 



133 



1 Dn ElNWAnOERUNG IN ITALIEN. 

Wober kamen nun diese Gallier, die damala ao UDsaaft an 
die pforieD der gesitteteo well klopftsQ? dieae frage bat achoo 
das alierUim beaebafUgt und beacbsftigt nocb uoare seit, ich 
ksafi ODd will die sablreicbeD bebaDdlungen , die ale gefuodea 
hat, bier otebt anfnibrea. es genüge auf die letzte umfassende 
erOrterung MüUenhoflfs ia seiner Deutschen altei liimskuode(ii247iT) 
biDZUweiseii. etwas abweichend, aber im wesentlichen iihereiu- 
stimmend hat sociann OHIrschfeld t den gegenständ hehnndelt. 
niemand kann die unslerhÜchen Verdienste, die sich MUllenhoil 
om die geachichte des altertums erworben hat, bOber einscbätzen 
aU ich. jedoch in dieser frage bedürfen seine ergebnisse we- 
leatlicber bericbtigung, die sieb besondere aua einer abweichen- 
den, und wie leb glaube beaaero acbfltaung der quellen ergibt. 

In der antiken Überlieferung wie in den modernen dar- 
sleliuu-eii, auch in MüllenhotTs Untersuchungen, herscbt die vor- 
stelliiiii:, dass die Keilen aus dem laude hervorbrachen, das später 
lu rumischer zeit Gallien hiefs, und «Ins? sie von hier aus, also 
roD Westen her, in Italien wie in die Balliauhalbinsei einrückten, 
zu gründe ligt dieser anschauung als die hekannteate und aus- 
fokrlicbate erzftblQng der beriebt dea Livius^. zur zeit als 
Tarquiniua Priacos in Bom kOoig war, so ersSblt dieaer, beracbt« 
bei den Eiturigen (an der Loire beim beutigen Bourgea) ein 
nächtiger kOnig Ambigatua. unter ibm aei das keltiache land so 
reicb an frOcbten und menseben gewesen, daas der kOnig in 
seinem hohen aller eine erleicbteruug wünschte, daher habe er 
Seme beiden schwestersöhne, Segovesus und Bellovesu->, mit einem 
teile des Volkes auf die ausvv;iin|prung ^jeschickl. die tieidei» 
niuslen das loos ziehen; dem Segovesus fiel der Hercynische 
«ald zu, dem andern das schönere Italien, ehe Bellovesus da- 
hin Obergteng, half er den Pbokflern bei der gründung Massaliaa 
(800 V. €hr.)i dann zog er Ober die Alpen, kam bei den Tau- 
rinem in der norditaliacben ebene an, acblug die Etruaker in 
der nihe dea Tidnua und liefe aich in dem eroberten lande 

* Timagenes nad die gallische wandersage, Sitsangsber* der Berliaer 
•cad. t884, m s. 33101 

* Y 34. TgL Niebahr Röm. gesch. n (74 IT. Moromsea R4ai. gesell. 
* 330 C MAUcff^Dtedie Etrosker 1 141 ff. MOUeohoff DA n 347. 



184 



MICSE 



nieder; selo stamm osante «cb losabrer und gründete die 
Stadt Hediolaninm* ihm folgten auf demselben wege die Ceno- 
manen unter EKtovius und grflndeten Brixia und Verona, fer- 
ner die Salluvier, die am Ticinus wobnung nahmen, auf einem 

andern wege, über die Penoinischen Alpen *, kamen die ßoier uud 
die Lingoueo und zum schluss die Seoont n, die sich alle oacli 
Vertreibung der Elrusker und Umbrer südlich vom Po nieder- 
liefsen Livius will mit dieser darsLelluug eine andre erzühhing 
verdrängen oder berichtigen, die er selbst (? 33) kun erwähnt, 
nach der die Gallier von Anins, einem Etrusker aus Cluslum, 
der sieb fOr erlittene scbmach rftchen wollte, durch wein und 
andre eneugnisse des reichen sQdens Ober die Alpen nach Ober^ 
italien gelockt worden seien, das sie eroberten, worauf sie weiter 
gegen Clusium sogen, bei dessen belagerung sie dann mit den 
ROmero zusammeutrafen. Livius leuguet diese geschichte keines- 
wegs, aber er will beweisen, dass die belagerer CInsiums nicht 
erst damals ilb» m liic Alpen gekoiiimen seien, sondern i^cliun zur 
zeit deä Tarquiuius Priscus, also rund 200 jähre früher, wobei dann 
freilich die vulgare Vorstellung bei ihm im weitern verlaufe der 
erzäbluog noch zum Vorschein kommt K die von Livius berichtigte 
enählnng findet sich bei Plutarcb«, wo es also heifst : die Gallier 
seien durch UbervOlkerung tur auswanderung geiwungen und 
mit vielen tausenden« mlnnem, weibern und kindern ausgezogen, 
ein teil sei Ober die Bhipaen an den nördlichen Okeanos und 
das äufsersle ende Europas gegangen, der zweite habe sich 
zwischen Pyrenäen und Aip^n niedergelassen ^ also im südlichen 
Frankreich, und habe dort längere zeit gewohnt, hier hätten 
die Gallier durch die arglist des Ctruskers Aruns den wein 

^ die« ist der pass des grofseo SBernhard, der übrigeDS noch so Strabos 
zeit für fuhrwerke, wie sie eio beenssng nötig liat, oieht gangbar wir. 
Strabo V 205. 208. 

' Livius V 34 f. vgl. hierzu Juistui xx5,8, wonach die Gallier nach 
Vertreibung der Tuskcr die Städte Mediolanium , Comum, Briria, Verona, 
Bergoiuuui, irideiilum utid Vicetia gründen, ergänzuugeu zu dieser erzäh- 
Ittog aus veMehledeBCD quellen bdPIlDias H,n« m 115 f. 123 f. 

» Liv. ▼ t7, 8. S5> 4. 97, 2. Halleohoff p. 251. 

* Canilliis 15. vgl. Oiooyalos Hai. xni 10. aatdraddlcli beneik ich 
hier, dtas Cito fr. 30 (Peter) mit OBrecht «of die gcacbiehle des Anms be- 
jMlgeii wird. 

^ nahe bei den SeooDeD ond Keltoriero {fyyif« JSnmwv mal K»Iko* 
^imw) ügt Plutercb, was ans oicbl gans ▼eratiodlich ist. 



RELTISCflB WANDERUNGEN 



135 



keooeD gelernt vod seien nun durch ihn verlockt in das land 
des Weines, nach Italien gewandert, diese geschichte seigt im 
fibrigen grobe Ibniicbkeit mit der livianiscbeo. es sind beidemale 
zwei kellische liaufeu, der eine weatUi sich nach oslen, der 
der andre nach Süden, die verbesserte Version des Livius hat 
die poetische hegriiuduii;;:, die au die Ifekaiuite vveinseligkeil der 
kellen anknüpft, abgeslreiit und durch eine mehr ralionaiislische 
ersetzt, sodann ist bei LiviUs die galiiscbe Wanderung mit einem 
bekannleo ereignis der griechischen geschichte, der grOndang 
Massalias, in Verbindung gebracht, die nach römischer rechnung 
xor seit des Tarquinius Priscus stattfand K endKcli bat der rö- 
mische historiker seine erzihlang mit einer anzahl von namen 
ausgestattet, aufser den schon erwähnten gallischen forsten »erden 
die volker namentlich aufgeführt, aus denen die leute des Bello- 
vesus stammten : Biturigen, Arverner, Senoueu, Aedner, Ambarrer, 
ikantuten, Aulerker, und weiterhin not Ii andere mehr 2. 

Was nun die hilfe bei der grdnduug Massalias anlangt, so 
ist dies, wie Müllenboff mit Mommsen und andern gelehrten mit 
recht annimmt, ohne zweifei eine willkürliche combination die 
sich an die vulgftre grOodungsfabel Massalias anlehnt; denn man 
enihitet dass die griechischen ankOmmlinge von den Kelten gut 
aufgenommen worden seien und mit ihnen enge freundschaft 
geschlossen hatten *, ferner von den gallischen volkernamen, die in 
der wanderuogsage prangen, haben schon andere gelehrte bemerkt, 

* so ersiblt Jostin nni 3, 4, dass die Piiokier ser idt des Tai^nhiiQS, 
ehe Sic Mcssilia gröndetea, lo Ostia daliefen ond mit den RAmero fteoad- 
selisft scblMseo. 

* IJv. V 34» 5 f. Iiierbci besteht issofero eiee onklarhcit, als spiter die 

SenoDen nochmnls ftcsondcrs genaoot werden. 

' Müllenhotf L»A ii 252 erklärt sich mit recht gepen die Glaubhaftigkeit 
dieser Zeitbestimmung und hält daran fest, die Gallier erst Dach flero" 
dots zeit in OberitalieQ einperörkt «^ein koniieii. ebenso Mommsen Köm 
gesctj. i' 330 anm. ich beni^rkc liit r, dags man (ib. Müller-Dtecke Elrusker 
1 Ul) irrig dua Diuiiys. Hai. vu 3 herausgelesen hat, die Etru^ker hälleo 
sdion Olymp. 64 (524 v. Chr.) Oberittlieo TerlaiBeB. dort wird nur gesagt, 
da» die Eliosker später {cvv x^^v) deo KeHeo Tertrielieo wordeo 

* Piutifch 80I00 1 iostiii xun 3, 6 md dsso AHstotelcs fr. 506 
(T 1561 der akadeniscbeo ausgäbe), vgl. Mallenlioir DA 1 179. dtss diese 
tiM jduger Ist, leift schon die erwihoang der Kellen, die nispriliigUdi 
■cht dahhi gehSieo. 



daas sie aus Cäsar eDtlehnt seio mUaseo oder wenigstens die 
kenntDit der cteahscheD feldzQge voraussetzen ; denn erst damals 
wurden dieae attünne bekannt^, ea leuchtet eio, daaa durch 
dieae beobachtuug auch die peraouennameo Anobigatua, Segoveaus 
und BeUoveaua atark verdachtigt werden, zninal wenn man er- 
wägt, wie Oberaua häufig bei Lima die erdichteten namen aind. 
dazu liommt, dass die erzähl uDg merkwürdige anklänge an den 
AlpenUbergang Hannibals etithali. die Gdllier kommen bei den 
Taurinern io haiieu an, gerade wie nach Livius (xxi 38) Uaouibai, 
und erfechten wie dieser ihren ersten sieg am Ticinus. bei 
näherer Untersuchung wird man eiuiiich vielleicht noch andere 
jflngere elemente unterscheiden können K kurz, die erzählung dea 
Liviua, die nach dem willen dea Verfassers bestimmt ist, die volgUre 
iaaaung m berichtigen , lat eben nichta anderea ala dieae vulgare 
fabel| nur in eine frohere teit surOckveraetit, von unwahrachein- 
lichkeiten gereinigt und aua verheaaerter kenntnia und aonatigem 
wissen mit allerlei einzelheiten ausgestattet, wobei sogleich 
manche l'eliier mit untergelaufen smd, wie zb. Livius offenbar 
aus unkenutnib unter die Keilen auch Ligurer, wie die Salluvier^ 
mit eingemischt hat. 

Bei diesem Sachverhalt ist es nicht wahrscheinlich, dass, wie 
Miebuhr meinte und darnach MUUenboff und Hirschfeld behauptet 
haben \ Livius aus gallischer und zwar inaubrischer tradition ge- 
achOpft habe*, ich will nicht die frage erörtern , ob überhaupt 

* vgl. Arbois de Jobainville Les premiers habitants de I'Europe, Paris 
Ifell, 283 ff. Hir«;rlifeld aao. ^;^3 anm. 2. der französische gelehrte bemerkt 
mit recht die ;uillc^ll( [idt totmache, dass von den angeblich aasgewaodertMl 
keltischen fitämmea sich keiner in Itnlien widerfiudet. 

* «8 kann zb. Polybios n 17 benatzt sein und vitlltichi vereinzelte 
notizen von «ier arl wie man sie bei i iimu^ iii^L. nal. in 115f. 123f vor- 
findet, die «ir erktang einxehicr llviapiselier eigeotümiichkeitea mit nutzen 
herangezogen werdeo kÖoDcn. 

» NiebDhr Röid. gesch. n 362 t MOUenlioff DA n 251 f. Binchfeld 
aaa. 998 It 

* Hfilleohoff TeroiDtet für Livius als mittelsmann dneo grieddiehen 
intor, den Timagenes, Hirschfeld den Cornelius Mepos. gegen letzl^en 
spricht eine stelle des FMinius ui 125, wonach Nepos erzählte, dass Melpam 
von den !nsribrrrn, Boiern und Senonen an demselben tage zerstört sei, wie 
Vcji von (1(11 liumern. es scheint also, dass Nepos sich diese stäiinnc ver- 
einigt in linlit ri eingedrungen dachte. Asic «lie übrigen berichterstaiier, wäli- 
rend sie uach Livius hintereinander koamicii und auf verscbiedeueo wegen. 



KELTISCHE WANDERUNGEN 



137 



die exiftenx derartiger galliecher tnnditioDeo angenommen werden 
dürfe, aber auch davon abgesebeD iai der bericbl dea Liviua 
offenbar das eneugnia aehriftatelleriacher arbeit, der nidita 
national galliacfaea anhaftet man wird nicht fehlgebn, wenn 
oan ihn (llr das eigene werk dea Livios ansieht, und keineafiiUa 
kaou er auf höheres alter ansprucb machen. 

Aber ihm ligt etwas älteres zu gründe, die erzahluiig, wie 
wir sie etwa hei Plutarch Onden, woii.ich aus ileui lieuligeo 
Frankreich zwei wandernde häufen ausgezogen sind, von denen 
sich der eine nach osten zog, der andere nach Süden, von welchem 
lauteren die italischen Gallier abstammten, die Rom eroberten« der 
anigangapunci dieaer erzühlung ist ja die erobening Roma, und 
die geacbicbte erklart, woher die eroberer kamen, waa aua dem 
andern häufen ward, der nach osten aog, wird bei Plutarch so 
wenig aufgeklart wie bei Livius. dieser mangel wird in gewissem 
smne ergänzt von Cäsar (Bell. Gall. vi 24), der in seiner beschreib 
bun^,' und Charakteristik Gäliit^us uml Germauiens den zug nach 
lUilu'D nicht erwähnt, wol aber die auswauderuiig nach osten an 
den Hercynischen wald mit etwas mehr wurten bedacht bat. es gab 
eine seit, sagt er, wo anders als später die Gallier den Ger- 
manen überlegen waren, sie mit krieg überzogen und aua ihrer 
ibervOlkerten heimat colonien Ober den Rhein schickten, die 
gegend um den Hercyniacben wald beaetsten die Volcae Tectoaages. 
fie hebaupten aich am Hercyniaeben walde bis auf den heutigen 
tag und geniefsen wegen ihrer gerechtigkeil und tapferkeit das 
höchste ansahen, es wird allgemein und mit recht anerkannt, 
dass Ccisar hiermit die auswanderuug meint, die nach Livius von 
Segovesus geführt ward und die auch Plutarch andeutet. 

Zum Verständnis der höchst merkwürdigen erzahluug Casars 
müssen wir nun auf andere traditionen zurückgreifen, die sich 
ebenfalls mit den Tectosagen beschäftigen, von ihnen apricbt 
Strahn (iv 187) etwa ao — ich habe aeine worte in einigen 
allickeo verkürtt — : *die Tektoaagen , die nicht weit von den 
Pyrenäen wohnen und auch noch die Cevennen berühren, haben 
ein goldreichea land. man glaubt, dass aie einat ao machtig und 
volkreich waren, dass bei gelegenbeit innerer zwisligkeiten eine 

iberbaopt mQste man erwarten, daw, weaa livlos den Nepos besatst hatte, 
dann bei ititn auch der zerstöniof Toa Mdpnm erwabaBDf gcadichco tela 
wönie, was ukUi der lall ist. 



138 



NiESE 



gro6e nieDge von ihnen aut dem lande geliieben wurde, mil 
diesen hutteo sieh leute anderer aUlinnie fereinigt, tu denen ancb 
diejenigen gehörten, welche ein atQck Pbrygiena, das spätere 
Gabtien« in beaita nahmen, beweis dafttr sind die Tektosageo, 
die neben den Trokmern and Tolistobogiern bei Ankjra wohnen, 
dasa diese, nämlich die Trokmer and Tolistobogier, aus dem 
Keltenlande slammen, erkeont man aus ilirer stammverwaniächalt 
mit den Tektosageo; freilich, woher sie kamen, ist unbe- 
kannt; denn es gibt keine spur von Tiokrnern und Tolistobogiern 
weder jenseits noch diesseits der Alpen noch in den Alpen, sie 
mögen, wie so viele andere, bei den häutigen Wanderungen unter- 
gegaogeo sein, von den Tektosageo sagt man ferner, dass sie am 
zuge gegen Delphi teil genommen hätten und dass die achltze, 
die Capio in Tolosa fand, ein teil der delphischen beute ge- 
wesen, wosu dann von den einheimischen Verehrern des gottea 
anderes hinEogekommen sei. deshalb habe Cipio, wie Timagenes 
sagt, weil er heiliges gut raubte, ein schlimmes ende genommen; 
er wurde verbannt und seine tttchter entehrt, wahrscheinlicher 
indessen ist» was Poseidonios berichtet; man habe in Tolosa an 
verschiedenen oi len an gold und silber zusammen etwa 15000 ta- 
lente gefunden, jedoch der delphische leuipei sei zu jener zeit 
(279 V. Chr.) durch die plüuderung der Phokier im lu ilii^'m knr^M- 
schon leer gewesen, und was die Gallier etwa fanden, liahe unter 
viele verteilt werden müssen, auch sei es uicbt wahrscheinlich, 
dasa sie ihre heimat erreicht hauen, da es ihnen nach dem ab- 
zuge von Delphi schiecht ergieng und sie, in Zwietracht geraten, 
aich in alle winde zerstreuten, sondern es war so, wie Posei» 
donioa und andere sagen : das land war goldreicb, die menachen 
fromm und einfach, und ea gab daher solcher schütze viele, be* 
sonders an aeen, in die man, wie sich spftter zeigte, die gold- 
und Silberbarren versenkte, und in Tolosa war ein besonders 
angesehenes beiligtum, so dass das edle metall sich anhäufte; 
denn viele gaben und niemand wagte von dem heiligen gut zu 
nebmeu*. soweit Straho. 

Ich habe .-^hmu' eruilerung genauer widergegehen, uni zu 
zeigeu, woraut es ihm ankommt, es ist, wie man siebt, nur ein 
fragnient, aber ein lehrreiches fragment. nach der eroberung 
der provinz durch die Römer lernte man dort den atamm der 
Volcae kennen, der in zwei volkerschaflen, Teclosagen und Are- 



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lELTISCHE WANDERUNGEN 



189 



comiker gespalten war. insbetoodm wurde wihreod des kimbri- 
icben krieget 106 f. Chr. der uogebeure icbeti des keltiachen 
Apollo bei den Teclongeo io Tolosa wellberobnit, der voo Ser* 
▼ilius Capio entfahrt ward und nacbher lO eiDem der bekanDtesten 

pohUisctieü processe aulaas j;ab. wer die griechischen hisloriker 
kennt, wird sich nicht wundern, ja es geradezu als ^elbsiver- 
stauiilich ansehen, dass man die voicischeii Tectosagen mit den 
^aiaiiscbeu Tectosagen in kleinasien zusammeubracbie, dass mau 
eich ferner sogleich des gallischen angrifTs auf Delphi erinnerte 
und den schatx Ton Tolosa ala die galliecbe beute tue Delphi 
aBiab. die plQuderer Delphis und die eroberer Kleinaaiena muaten 
also von Sodfirankreieh auagegaugen aein und nachher ihre beute 
dortbin surflckgebracfat haben, man aiebt aua Strebe mit aller 
deotlicbkeit, daaa mau darOber nicht etwa DachrichteD hatte, 
sondern das» es sich nur um uitjiuuugen und Vermutungen han«* 
delte, die sich vor allem auf die namensdhnlichkeit stützten, ein 
Vertreter du'8**r meiniiiig war Timageoes, aber sie war schon viel 
früher aufgekommen; denn schon Poaeidouioa fand sich ge- 
nötigt, ihre Unmöglichkeit darautun. 

Strabos erOrteruog hat den wert, daaa aie die abeichten der . 
hiatoriker kennen lehrt und una einen blick in ihre werkatatte ' 
ton liaat daa was er voraOeaetst und bekSmpft, findet aicb voll- 
ständiger bei Justinus, der uns allein eine zusammenhangende 
(iarsieliung der gallischen Wanderungen, und zwar in drei stücken, 
erhalten bat (\\ 5. 7. xxiv 4. xxxii 3). was er erzählt, Iftasi sich 
etwa SU \vi(iergeben : 

Die Gallier wurden so lahlreicb, daaa ihr land aie nicht ' 
mehr faaate, und da aufaerdem unter ihnen atreitigkeiten ent> 
aundent, so achickten sie 300000 menachen, gleichaam eioen 
heiligen lenz, aufaer landea. von den auawanderem blieb ein teil 

in Italien und liefa sich in der ebene des Po nieder; dies waren 
die Gallier, welcbe Rom eroberten und verbrannten, die übrigen 
Zügen, tje!Lil«L \o[i vögeln, durch Illyricum und blieben in Pan- 
nonif n , von wo aus sie später Griecbenland und Makedonien 
verbeerten, den Ptolemäos Keraunos erschlugen, Delphi angriffen 
und von hier unter furchtbaren ?erluaten zurückgetriebeo wurden 
(was Juatan eingehnder enihlt). nach der oiederlage eutflohen 

' diea Bach Jmüd iz 5, 7. 



L^iyiii^uü Ly VjOOQle 



140 N1ES£ 

die Gallier teils nach Asieo teilt Dtch Timkien und macliteD 
ttcb TOD hier auf den heimweg (Kxxn 3). eio teil blieb am iv- 
saiDiiieDOnas der Donau mit der Save sitMo and Daonte sieb 
Scordiaker. die Teetosageo jedoch kamen in die alte heimai 
florCl€k, Warden aber hier von einer peal faeimgeaoebt nnd ntebt 
eher befreit, als bis sie auf der seber Weisung alles gold und 
Silber« was sie auf ihren zügen durch rniil» und lempelschändun? 
gewonnen hatleo, in den see bei Tolüs.a verseukien, von wo es 
viele jaliK« hernach CSpio an sich nahm, 110000 pfund silber 
und 1500000 pfund gold, ein raub, der ao Cflpio wie an den 
BOmern hart gealraft wurde, ein ansehnlicher häufe der Tecto- 
aagen gieng ana beateluat nach Ulyrieum inrOek« pittnderte die 
latrer und lieaa sich in Pannonien nieder. 

Hier bei Joatinna wird daa erxäbll, waa Poaeidonios 
widerlegte, wenn auch nicht gans genau, ao doch daa weaeni- 
liehet es kann keinem iweifel unterliegen, dass diese ganze 
wanderungsgeschichle dazu dient, zwischen den Teclosagen in 
SüdUdukreich und in Kieinasien, zwischen dem aurum Tolosa- 
num und dem delphischen tenipelschaUe die i)rücke zu schlagen, 
aie lilast beides, den zug gegen Aom und den angrilf auf Delphi, 
aua einer einzigen auswanderung entalehn und erklärt zugleich 
die uraprflnge der iiiyriachen Galater. 

In etwaa anderer und erweiterter form Ugt una dieae gc* 
achichte noch bei Appian vor (Illyr. 4), leider atark mkOnt 
und durch den eigentOmlicben etil des autore verworren, aber 
bei näherer betraclitung doch deutlich genug. Appian sagt, die 
Auian Uen in Illyrien hatten sich den z^m ii ApoUons zugezogen, 
weil sie mit den heilen, die da KimlMrn hiefsen, zusntimuu 
gegen Delphi gezogen seien, die überlebeodeu und zurückge- 
kehrten seien durch schwere plagen, durch peat und grofses 

* ein nnterschird besteht darin, dass das gold Ton Tolosa uicht aus 
Delphi abgeleilet wird, sondern aus der auf den zügen überhaupt gemacliteu 
beule, dies ist eioe kleine verbesserong; die aache wiid featgehilteo, aber 
zugleich habco die eiBwcndnageo dca Paaddoiiioa befaduichtiguog ge- 
fanden, es kommt «ach sonst vor, data die erfolgreieiie kritik an dner 
erfandenen geacbidite intofen berflcksiebtigt wird, dass die anaUMsigen 
poncte ansgemerst werden, ohne die gesebtchta fallen in lassen. Justins 
qneUe war also jOnger als Poseidonios. es kann, wie man aus Strabo sieht, 
sehr wol Timagenca sein, den Gntachmid bekannüich fflf Justins original 
ansieht. 



&ELT1SCBE WANDERUPtGEN 



141 



sterben, dw sieb Ober gaos lll|rieo verbreitete, beimgesucbl, so 
dass sie ralelsl auswaoderten uiid in eoUegener gebend bei 
den GeteD eine kOesmertiehe ODterkuDll fondeo. den Kelten aber 

scljickie der goLi (Apollo) erdbeben und zerstörte ihre stfldte, 
uüd das übel hörte nicht auf, bis sie die heimal verliefsen und 
10 das iand ilrr tllyner, ihrer niilscbuldigeD, eiuüeien, die von 
der pest geschwächt waren, aber sie wurden selbst von der krank» 
beit befallen, entflohen und verwOsteten alles laod bis an die 
Pyrenäen, als sie sieb von bier gegen osten wanten, (Ittrcbtelen 
die Römer, die sieb der früberen galliseben Icriege erinnerten, 
sie mochten über die Alpen naeh Italien kommen, sie sogen 
ibnen also mit den consuin entgegen; jedoeta ihr ganiee beer 
gieog zu gründe, bis sie den Marius, der soeben die Nomider 
besiegt hatte, zum feldherru wählten und nun die Kiniberu wider- 
holt schlugen. 

In dieser appiauischen erzShlung sind als neues elenienl auch 
die Kimbern mit hereingezogen, schon die plündcrer Delphis 
werden Kimbern genannt, und die, wie bei Justinus, durch gOtt* 
bebe strafen abermals aus der beimat fertnebenen Kelten kehren 
in gestalt der Kimbern dahin anraek'. die erohernng Roms 
durch die Gallier wird wenigstens angedeutet, und so scheint es, 
daae der bericht, den Appian aussog, alles : den sug gegen Rom, 
die plonderung Griechenlands und die kimbrische Wanderung als 
eine zusammenbaugeode kelle von ereignissen ansah, auch 
anderswo werden diese drei vrtlkersiüiine gleichsam aus 6iner 
quelle abgeleitet. y<\ mau ^'leiig noch weiter in die verj^angenheit 
zurück und versuchte sogar die Kinimerier, die einst Asien heim- 
suchten, mit den Kimbern zu identificieren * und also den dunklen 
erioneruttgen alter leit aus der gegenwart neues licbl su geben. 

Diese emhiongen, die justinlsche wie die appianische und 
ihre ällern forlagen können, das scheint mir klar, unter keinen 
umstanden alter sein als die ereignisse, aus denen sie herror* 
gegangen sind, das eindrinf^en der ROmer in Sfldfrankreich, die 
plUoderung des lolosanischen lempelschalzes und die kimbrischeu 

^ wobei in ttedeakeo ist, «last die Rimbeni wiiklieh bis so den Seer- 
ditkcra gelangten nad ven hier sieh oacb Westen wanten; Stiabo vn 893 
nadi PiMCidowos. 

* IKodor ▼ 33, 4fl. sdian Peteidonios Tennntete, dte Kinmericr seien 
dicadlicn wie die Kimbero. Strabo Tn 893. PIntarch M«f. 11. 



142 



MESE 



kriege, sie müssen ab«r, da achon Poseidooioa fon ibneo weifs, 
bald darnach aufgekoiDiDeii Min. 

Wenden wir uns nun inrttck lu Livius mil seinen ver- 
wanten und in Cisar« so hat schan Hiraefafeld auf die mancher- 
lei ihnlichkeit hingewiesen, die swischen der lifianischen und 
jttslinischen darsteitung besteht (aao. 339). die bauten des Sego- 
▼esus und Bellovesus, ebenso die beiden beere Piotarcbst ont* 
sprechen den beiden gallisebeo scbwSmien Jostios, von denen der 
eine nach Ilaiieo geht und Rom erobert, der andre weiter zieht, 
MakedoDieo und Asien heimsucht und Delphi angreift. Livrus 
hat die gesclnclite zeilgeniäfs und nach seinen besonderti ad- 
sichteu UHJgeänderl; er verfolgt nur die Schicksale derj^ jiigrn 
Gallier, die nach Italien und Horn bestimmt sind und bearbeitet 
sie in der oben dargestellten weise, das wunderbare und my- 
tbiscbe ist l>ei ihm abgestreift und einer vernünftigeren begrOn- 
dung gewichen, aber was seiner darsteHung als kern su gründe 
ligc, ist doch nur ans der poetischen wanderungsage Justins und 
seiner genossen abgeleitet, die auf nichts andres sielt, als den 
einbrucb der Eelten in Italien und Makedonien aus einen ge- 
meinsamen Ursprung abxuleiien. 

Aus Justinus findet auch CSsars ertShlung von den Volcae 
Tectosages ihre erklaning; sie ist <!iii zk mlich aclitlü.s heraus- 
gerissenes bruciistück au^> dieser wantierungssage. jenes volk, 
das nach Ciisar noch zu seiner zeit am Herrynisc hen walde io 
idyllischer gerechligkeit und tapfcrkeit wohnt, entspricht den 
Tectosagen, die bei Justinus (xxxii 3, 12) sich in Pannouien 
niederlassen, ursprünglich soll hierdurch wol die herkuoft der 
panuoniscben Kelten erklttrt werden, Shnlich wie es mit den 
Scordiskern geschehen ist. CVsar hat dann diese notis etwas 
aufgeputzt seinen commentaren einverleibt, wie er es Oheriiaupt 
liebt, interessantere lesefrQchte tum besten su geben, seine er- 
zshlung ist also ohne jeden historischen wert, wenn su CSiars 
seit dieses grofse, zugleich tapfere und gerechte volk ^ in solchem 
ansehen würklich existiert hätte, so würden wir ohne zweifei 
von andern, zb. bei Strabo oder Tacitus davon hOreu. wir 

^ dcf aeCor acbildeit eie etwa ao wie man bckaontUch die Skythen, 
Gelen uaa. gelegeoUich aehiJderte: ^mkt, Upfcf nad doiek die leiden der 
coltnr ood fiuopena obertfinchte Nftflichkeit noch nicht verderben. Strahn vi 

p. 301 ff. 



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KELTISCHE WANDERUNGEN 143 



keDDen die bauptttlmme der Kelten nttrdlieh tod der Domu 
reeht gut; aber die Veleee Teaoeagee »od nicht unter ihnen, 
haben auch neben ihnen kaum piati, und die Vermutungen Aber 

ihre reste entbehren jeglicher gruodlage. diese Volcae am Her- 
cjiiischeo waltie ^mil gauz und gui' der fabel zuzuweisen*. 

Aus dieser Untersuchung ergibt sich, dass die berichte von • 
der gallischen Wanderung sehr zweifelhalleu wertes sind und 
alle auf den kenntnisseu beruhen, die man durch die römischen 
feldsüge im südlichen Gallien gewann, alle schnluteller gehören 
einer leit an, wo die Kelten aus grofsen gebieten, besonders aus 
den Donaulandschaften fast ganz verdrängt waren und die römische 
provinz Gallien im wesentlichen das ganze keltische Volkstum 
(aufser den loselkelten) umscbloss. dieser seit entspricht dann 
die Vorstellung, dass dieses land der Stammsitz und der ausgangs* 
panct aller Qbrigen Kelten sei, dass sie sich von Osten nach 
sflden verbreitet bitten, sie beruht nicht auf hiatwischen nach* 
richten, sondern ist nichts als eine Vermutung, und nicht einmal 
die einzige vero)uluiif; : denn es |gab andere auloren, liie einen 
grofsen teil iltr hiiksrlieinischen Gallier von fernen inseln und 
aus den rechlsrheiujschen iandsiliafteu gekommen sein liefsen, 
von wo sie durch kriege oder nieeresfluten vertrieben seien 
um so weniger dürfen wir uoa von den Vorstellungen des spa- 
tem altertuma leiten lassen, am wenigsten von Livius, der einen 
stark veränderten aualttufer dieser sagenhaften traditionen darstellt 
und schlieMch erwige man, welche starken anforderungen alle 
diese gcechichten an den glauben der leser stellen, die Schwierig- 
keit ja Unmöglichkeit der dargestellten Wanderungen, die leichtig- 
keil, mit der sich die nur mangelhaft unterrichteten enithler 

* bekaouüich spieleo diese Volcae Tectosages bei MüUeuiioÜ' DA 
n 2770' euie bedeotsode rolle, er denkt tlcli das grolke volk der Yokae 
als eiailige nachbam der Gcmaaeo und leitet davon das gerannlaelie Waik, 
weileiliiD nuaa a4j. titätich ab. mein frenad and College EdwSchrdder aagt 
mir, daas diese ableltong sprachlich wie sachlich aoanfechtbar sei. ich füge 
mich dem ohne bedenken; nur moss ich bemerken, dass die cSsartsehe 
nachriebt, deren Wertlosigkeit ich bewiesen zu haben glaube, jener erklarnng 
als beweis nicht dienen kann, und dass, wer einer historischen stütze be- 
darf, zar hypothese grnita muss, auch Muiienlioff hat ja die cäsariacbe 
sachricht nur in btatk veränderter gestalt benutzt. 

* Tiiuageueä bei Ammiauus xv 9, 4, der die druideo als quelle dieser 
oaebriehteii angibt: alao fir die liibbaber ^abelaiiacher tradHIoaea dae w- 
veffichUidK aataiiat. 



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144 



NIESE 



aber räum UDd teil biowegMtzea, die irrtumer aod fehler « die 
auch dem veroQaftigeteo uad darom bisher angesebetisleii toh 
allen, dem LWiua aohafteD, der, ohne elwas an merken, Eelten 
und Ligurer in einen topf wirft, ea sind allea nur mehr oder 
weniger ausgeftihrie hypolheeen, keine geachtchtei 

Eine wflrklicbe Überlieferung kennen wir nach der natur 
der Sache nur bei den altem schrifUiellern erwarten, freilich 
dürfen wir von ihueu, geniäfs den Jiufsersi dürUigeo keDotnisseo, 
die mau vuni norden besafs, nicht allzuviel erwarten, hätte mau 
etwas sicheres gewnst, so wurden die eben !>phandelien fabel- 
haften wandenni^sagen schwerlich entstanden sein. Heraklides 
l^onticus, ein Zeitgenosse des Aristoteles, sagte in einer philoso- 
phischen Schrift, als er der eroberuag Roms durch die Gallier 
gedachte : *ein beer von Hyperboreern kam von au6en, db. vom 
Okeanoa her und nahm Rom ein'^ der falsche Skylax ferner, 
der in seiner periegese zuerst die Kellen in Oberilalien erwähnt, 
sagt, sie seien dort von einem heeressuge zurOekgebUeben 
Klei tarchos, der Aleianderbistoriker, der ohne sweifel den angriff 
der Kelten auf Delphi schon kannte, lasst sie, wie es seheint, 
vom Okeanos herkommen; wenigstens sprach er von den tluien, 
vor denen sie die Iluclii ergreifen nmsten^. nach Rallimachos, 
seinem Zeitgenossen, kniiini die pluudcrer Delphis aus dem 
äufsersten weslen ^. ein später Widerhall dieser nachrichten liiMlt l 
sieb uuch bei Livius und Pausanias, wo die Gallier vom ende der 
weit und vom Okeanos abgeleitet werden ^ solche äufserungen 
besagen nichts; man liefs eben die barhareo daher kommen, wo 
man sie sich wohnend dachte, aus dem Aufeersten westen oder 
norden, weil man nichts nSheres wüste. 

Ohne sweifel aber giengen die bewegungen, die lur er- 
obening Oberilaliens and zur aberflutung Makedoniens führ* 
ten, von den zunächst benachbarten keltischen stammen aua. 
wir wissen, dass an der mililern Donau schon lange vor 
dem einbruch lu Thrakien und Makedonien keltische stamme 

* Plutarch Camill. 22. 

* biiylax c. 18. diese periegese i>t kurz vor der zeit Alexaaders tb- 
geftsat, enthält aber auch allere eletueute. 

' fr. 20 bei Stiabo vnm ihbiich vielleicht Epboros; vgl. Mülleo- 
hoff DA n m, 

* KaUinach« hyna. In Ddam (iv) 174. 

* Liv. V 37, 1 Paasan. 1 4, 1. 



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KELTISCHE WAl<ID£RÜMGfiN iIK 



#n deo grenzen Illyrieos nfeen, von wo aus sie bekanntlich im 
j. 335 V. Cbr. mit Alexander id berübruog kamen S und ähnlich 
wir es beiib einbrach mlCatieD, wie das leugais dea Polybios 
Uhrt. die Birosker, dtoen ein großer teil der oberilalisel^en 
«behe geborte, hatten die Reiten an nachbam; diese kamen mit 
ihnen in verkehr; das schone fand stach den nordischen barbaren 
in die äugen, und aus kleinem anlass kamen sie mit grofser macht 
faerangezogeü, warrea die Etrusker hinaus, nahmen das land in 
besitz und liefsen sich, acht stamme, an beiden selten des Po uie- 
der*, es ist merkwürdig, dass diese nachricht bei vielen gelehrten, 
auch bei MülleDhoff (DA ii 252) üichl die Würdigung gefunden 
hat, die sie verdient, und dass man lieber dem Livius gefolgt ist, 
der döch niemals mit Polybios in die schranken treten kann, in 
Wahrheit ist der polybianiscbe bericht der einzige, der in betracht 
könuht*, and wenn man ermitteln will, woher die Kelten kamen» 
flio in ttaliett einfiden, mtd man züerst zu fragen haben, 
wo die Etrdriier mit denEelten sich berflfaren konnteh und be- 
rthrten« dies war nur Im norden der fall, im Etachial, wo die 
spoten der Etrusker bia fast nach Boten binautreichen ^ and wo 
viellehiht die Rater, die ihnen ja atammverwant gewesen aein 
sollen, ihre ehemaligen Wohnsitze bezeugen, dagegen im nord- 
westen, nach der französischen seile hin, waren nicht die Kelten 
nachbarn der Etruski^r, sondern, wie ebenfalls aUgemeia aner- 
kannt ist, fjigurer, die vor der atikuiifi ilei Kelten den westlichen 
teil der Alpen und ihres Vorlandes bewohnten und erst von den 
Kelton bei aeite geschoben wurden ^ also im norden, nicht im 

•Afriatti4,e. SMo^aOl. 

w mtUtfi tiß pufft ofMifua^ttPTaS^ A» fum^ n^faaetoi fUfSl^ 

* auch für die ethnographischen Verhältnisse (Iberitaliens, besonders 
die Unterscheidung der Kelten und I.igurer, muss er luarsgebend sein, die 
Römer, such Cato nicht ausgenonuneii , können dagegen nicht aufkommeu. 
der aäclisibeste bericht bei Diodor xiv iU ist wider sa kufi; er sagt mtt, 
dM8 die Kelten von jenseits der Alpeo odt Starker macht darek die pisse 
aack llata kamen ond die Btmsker Tertriebea. das stimmt ja mit Polybio^ 

«laebt aber keine schlisse. 

« MdDcr-Ites^ Etrmker 1 167 aom. GPanli Alüulische forschnngea 
iMC * einzelne funde etroskischer bschriften auf ligurischem gebiete 
IGorsaeB Spiaehe d. Etraaker 1 918) kftnnea aatiriich nicht dagegen bewetsea. 
F. D. A. IUI. N. F. XXI* 



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* 



146 NlESe 

nordwesten war der berOhrungspiincl der Etrusker und Gallier, 
und daraus fol^t mit nolweDdigkeit, dass die italiscbeü keheo 
nicht aus dem s{>äteren Gallien kanieu, sondern aus der Donau-, 
landsdiaft. dieser ansieht muss auch der gewährsmann Diodors 
gewesen seio, also vielleicht Poseidonios. denn Diodor(f32) 
unterscheidet die Kelten im sadiichen Frankreich ?on den nörd- 
licheren Gelatern, die am Okeanoe nnd dem Hercjniachen walde 
wohnen, nnd fflgt hinzu, dase diese letzteren es seien, die Rom 
gepltlndert halten und gegen Delphi gezogen seien, er scheint 
sie sich also von norden her kommend su denken und kann sie 
keiDesfalls mit Li^ns aus dem sQdiichen oder mittleren Gallien 
abgeleilel haben. 

Mit rediL ;ilso haben schon früher einige französische ge- 
lehrte, wie Aleiaudre Bertrand und Arbois de Jubainviüe, auf die 
mangelhatiigkeit des hvianischeu herichtes hingewiesen und die 
bebauptung aufgestellt, dass der Ursprung der italischen Kelten 
in den Alpen- und Donau landschaften nördlich von Italien zu. 
suchen sei ^ diese ansiebt der französischen gelehrten wird nicht 
nur durch das seugnis unserer ältesten und besten quelle gefor- 
dert, sondern auch durch andere umstände vollauf beslätigL 

Es ist bekannt, dasa die italischen. Kelten bald nach ihrer 
ansiedlung mit ihren benachbarten stammesgenossen aus den 
Alpen und besonders mit den Transalpinem tu tun hatten, die 
ihren spuren folgten und ebenfalls nach Italien drängten (Polyb. 
II 18,4. 19,1). die italischen Kelten ferner sahen sich später ge- 
nötigt, bei ibrcLi zurückgebbebenen stammverwauleu gegen die 
Römer hilfe zu suchen, nun kajin mit grofser wahrscljeiülich- 
keit gczei^'t werden, dass die nnchzu^'lf r wie die bundesgenossen, 
die Trausaipiuer und andere, nicht au& dem Westen, sondern von 
norden her kamen. 

» Alex. Bertrand Revue d'arclieol. 1879 bd 29, 286 ff. 294. Aibüis de 
JnbaiaviUe ebcodaaelbst s. 89t f, tiod ui aeioem werke Les premiers habi- 
teots de l'Earope, Paria 1B77, s. 288S: die begründung dieser gelehrten 
weieht tod der ondoigeo erheblich ab. Arboie hat richtig die anxolibf lieh- 
keit des livianischen berichts erkannt uod will ikft ans rieb selbst vider* 
legen, da Livius (v ZA, 8) die Gallier über die Jaliscbe Alpe nach lulien 
isehn la'^se. so deute er damit an, dass sie von nordosten her gekommen 
tieieii. diese beweisfübrung ist ungenügend, da TivinH mit der Alpit JuHa 
ganz gewis nit ht die spät« rn Julisrheo Alpen in Kärnlcü gemeint hat. da» 
über Livius bemerkte ist lui ubiigcii durchaus sulreffeud. obto s. 136f. 



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147 



Zunächst finden wir «Hier den bandeigenosaen der losobrer 
Qid Boier^ die in der acUadit bei Tebnon an ibrer eeite focbteo» 
die bekannten Tturiaker^ die im apftleien Noricnm wobnten>, 
beMMiders aber waren ea die Gaisaten, die den bedrohten Gis- 
alpinem damala sor hilfe zogen, dies war, wie Polybios sagi, 
keioe völkerschali, äuaJern kriegsleute, Söldner, die aus den 
Alpen uud der gegend um die Rhone kamen ^ man pflegt dar- 
nach unsern geographischen Vorstellungen gemäfs anzunehmen, 
das« Sie etwa aus dem oberen Khonetal stammten; jedoch Folybios 
bat eine andere geographie als wir', und sein attadruck weist 
Tiehnehr darauf hin, dass diese gallischen aOldner vom norden 
dar Alpen her und aua den Donaulandachaften kamen, diea muaa 
kiar kon begrQndet werden. 

Nach Polybioa (m 39, 10) xieben aidi die Alpen in einer 
breite von 1500 atadien (reiehtich 270 kilom.) in der richtang von 
etwa nordost nach Südwest, sie werden an der nordseite in ihrer 
ganzen länge von der Rhone begleitet, die über dem winkel des 
adriätischen meeres entspringt und dem gebirge parallel nach 
söd Westen tliefst (iii 47, 2). der kämm der Alpen ist wegen seiner 
höhe, for schnee und eis unbewohnbar; an beiden aeiten dea- 
seiben, im norden wie im sQden, nach der Rhone wie nach 
Italien bin, wohnen keltiache fOlkeracbaften. die nach norden 
n in dem der Rhone tugewanten teile wohnenden heiben Trans^ 
alpiner, die also lugleicb noch in den Alpen wohnen, an der 
Mdseite wohnen die Tauriaker (die also aadlicb fon den Tauem 
anzusetzen sind) und andere keltische stamme *, Polybios drOckt 
sich so deutlich wie nur möglich aus; er hat seiüe kenntnisse, 
wie er überhaupt eiu geborner dogoiatiker ist, in ein System ge-^ 
bracht, und es ist kein zweitel, dass nach ihm die Rhone nicht 

> Polyb. II 28,4. 30, 6. vgl. 15,8. Zenss (Die Deutseben und ihre 
nacbbarstafume s. 239) nod andre gelehrte, zb. Desjardia» Geographie de U 
Gaole u 205, halten die polybischen Taorisker f&r die Tanriner, aber das ist 
ffa irrtoHi, der aas äoet «aegeUiafteD kcnntnla der polybiscben geographie 
ealapringt. die Taarioar «uea kfiae Gallier, aoadcm ligutr, ud dai» 
faade der haobrar. 

* Polybb n23, 1, TgL 28,3. 34,2. 

'* dieser teil der geographie Polybs wird von Magdeborg De PolyUfr 
le geographka <di8s. HaL 1S73) s. 37 f weoig cischöpfeod ond klar dar> 

fCatHlt. 

* Folyb. u 15, 8, fgl. 31, 3f. 1. 28, 3. 34, 2. m 48, 6. 

10* 



14S NieSE 

in den Alpen entopringt« toatim weit in nohleB ttlMr dem 
•Mitiecfaeii neerte^ äieiAlpttt liegen Amb niiMlMD demftheiieiil 
oiid der oberittlfeebeB ebene. 

Man kann sich wol denken, wie diese irrige Vorstellung ent- 
staoden igt. sie isi etwa von Sodfrankreich , zb. von Massalia 
aus gewonnen, wo die Rhone in der tat die Alpenkette begleitet, 
und ans dem zuge Hannibals abgeleitet, der die Alpen (iberstieg, 
mobdem er das Hhooetal verlasaeD hatte (Polyb. m 47, 5). Po^ 
bios war dee glMibens, das« in gleicher weiee cebinre oad flaek 
Hl ihrer gaaaen Hage aebeaeiBeDder haiveogiBB. diaa kam viel- 
toidit die 'dunkle kmde fos eioeoD grefaea etron im Bevden 
der Alpeo, etwa dem Ina oder der Donaa« denn maa tat« 
voa dieeeo gegen dea damals aar geringe keaalnis; der gaaaa 
Dorden war noch nnbekannt, und waa man datoD erslliHe, ver- 
dammt Polybio« (ni 37, 9f) als fabeln, nördlicli vom Rlionelal 
kennt er noT einen namen, die kpltischen Ardyes (iii 47, 3), von 
deiien wir sonst nichts wissen, iiocli spJjter war die ktinde ganz 
unsicher; sogar Diodor (v 25, 4), der wol aus Poseidooios schöpft, 
weife niobt, dasa der Danuvius mit dem latroe identiacb ist, und 
nennt iba aebea dem Rb^o anter den grofoea atroneo daa 
Keltealaades. mia daif eicli alea aiekt waadam, dam- Paljbiaa 
«ich Aber dea haf der Kboaa aine ea wkehrie vorsteHuag ga^ 
tadet hat, «ad wean «r engt *am daa 1lhadnae% aa heM dm im 
die Sprache der warkKebkeit Oberaettt ^aardlieh w» den Alfaii', 
und die Transalpiner und Gaisaten müssen ans dem nördlichen 
teile der Alpen und den Douaulaadachaftcm gekommen aein (vgl. 
ABertrand aao. s. 287). 

Fttr die Gaisaten wird dies noch darxh eine andere erwäguDg 
nahe gelegt nachdem die Boier und Inaabrer infoige des flami- 
niacben eckergeaetses (238 v. Chr.) beachlossea hatten, ihre ianda- 
kala sur hiUe su rufen, daaerle es acht jähre, ehe. diese sich 
gesammelt aad aasgerOetel hsttaa; es ksm eia grofoes heer, aua» 
«ieseae leale ia keslhirer rastang (Polyb. ii 21, 7. 22» 6. 23, 1). 
diese lauge seil und ihia aaeehalieha aaM macht ea gsae aB<- 
möglich, sie aua dem beschrSnkten und dazu den italischen Kelten 
so nahe benachbarten gebiete der oberen Rhone abzulpiiei). sie 
müssen aus einem entfernteren ausgedehnten werbe^ebiet starniiien, 
das viele volkcr umfasste. sfinillirbe KfUeu Süddeutschlaüd& ao 
beiden ufern der Donau mOgea «daui beigesfeeueri babsQ, und wer 



KBLTISCHG WAmERUNGEN 



149 



Wiift, ob Dldi4 f»D jtiweiu des HrnymMh«!! ivaldes her auch 
ONUieher germaDiscbe krieger herbeigekommen ist. 

Aus den soeben entwickelten tatsachen ergibt sich, dass dM 
beziehuogeD der jtaliscbeQ Keitea durchaus uacb Bordeo weifen, 
digegea nii dem beulige» SttdAwiikKich kenii nach aUem wae 
wir wiflaeB* nur eia« sebwaoka farhimdwig bealMiMii babeo^ 
käue spar weist* deraaf Mo» daaa dia Cisalpiaev in de» 
Mbwena kmpfen anl den lUhnar» wn. dart her tvcog oder 
Mb bekamen, in gegeoteil, als Hannlbil» 4nr mbOndete 
dir B^ier «id Inankver, dnrcb dieie gegenden zog, fand er 
neislens widerstand; besonders bei dem italieu zuuäclisl ge-* 
Itgeoeu grofsen stamme der Allobroger begegoete er feiDd> 
seiigketteo, die ihn eine zeitlaog in erosle gefahr brachte» 
fPolyb. in 50 f). die Kelten am westraode der Alpeo waren 
aUo Dicht freunde und bundeagenossen der lasubrer und BoieTi 
aod wir darfen davana-scbftiefiMni data ai» ihnen Qbertianpt femer 
Mtedett. 

Diese Verbindung der lUKsehen Kelten mit ihren Stammes^ 

fsoossen im norden der Alpen wird weiterhin bestätigt durch 
ihre lelzlen bchicksale. bald nach dem zweiten puriischen kriege 
brach der krieg zwischen ihnen und den Römern wider aus. 
der au?gan<,' dieses mehrjährigen kämpfe« war, das« sie teils 
UDtergieogen , teils sich unterwarfen, teils verthebeo wurden, 
dus sie auswandern mästen, bezeugt Polybios ansdrocklich ^ 
wibrend die Insnbrer weniger hart betroffen wurden ond wie die 
Cenomanen wenSgstena smn teil im lande blieben, wurden vor 
allem die Boier veijagt und ihr land von Römern und Latinern 
in besiti genommen, sie wohnten den Römern sunOchst, sie 
waren die gefährlichsten und zugleich die erlHiCertsten feinde; sie 
halten durch den Überfall von Tanneium, die gefangennähme der 
drei römischen oommissare (Puiyb. m 40, 6 ff. 218 v.Chr.) uod 
deich die ternicbtung des Lucius Postumius mit seiner legion 

* Prdyh. II 35, 4 7ie(>i cov rutU (Ti i'&ECDor'aai^se ftsx* oXiyov ^qö^ov 
aixovs ix xwv näqi xov Jlä^op Ttti^icov i^üj>ad'6vxas oidyw xonan^ 

«5r vn* mMt «da 'Ahtus xet/iSvutv, oxm tp^dt/futf Jur nsw« MfiUeDkoflT 
AAnMif Mua. will nH eaiecbl dl» bcdesliiay dkMr sIftUe, md die Mh«i 
Woasker Orifbrn Qcmaaiese 11$ salkMfkMBi atsehte, akschwiebto. es 
koui dock alcmsad teagnen, dam kf er voa einer vsrtnttnag der KaUeekeB 
Idtcn die Nde ist 



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NIESE 



(Polyb. Ol 118t 6. 216 Chr.) die rache der ROmer am meisteD 
herausgefordert die Boier waoderteii aus Italien ans and Uefoeo sich 
ao der Donau in der nachbarscbaft der Tanrialter nieder, wo sie 

seitdem längere zeit wohnten, bis sie von den Dakern vernichtet 
wurdeo die Taunsk^r, die in der schlacht bei Telauioii an der 
seile der Boiiir kämpften ^, werden ihnen durchzug und liilte bei 
der ansiedelung gewahrt haben, ob der ganze grofse stamm der 
Boier, den wir in Böhmen und nachbarscbaft antreffen, aus den 
vertriebenen oberitaliacben Beiern berrorgegangeD ist, Ittsst sich 
nicht sagen, ee spricht nichts dagegen; denitbar ist auch, dass 
bei der einwandening der Gallier in Italien ein teil der Boier 
jenseits der Alpen inrOckgeblieben . war and dass die aus Italien 
▼ertriebenen sich mit ihren brttdern wider vereinigten und ein 
?olk bikleten. sei dem wie ihm wolle, wir haben auf keinen fall 
anlass, wie oft geschieht 3, der nachricht Strahns, die niii Poly- 
bms so gut übereinstimmt, (ien glauben 7m versagen, bei Livius 
allerdings in der geschicbie der gallischen knege von 198 — 190 
V. Clir. steht nichts von der Vertreibung der Boier; er berichtet 
nur, dass nach einer verlornen scbJacht 191 v. Chr. die Boier 
sich den Hörnern ergaben , geisein stellten nnd die bfllile ihres 
landes abtreten musten *, allein seine ersShIung ist in hflchstem 
grade nnzuverlüssig. es gibt wenige stQcke der historischen Über- 
lieferung, deren glaabwQrdigkeit so niedrig steht, wie die be- 
gebenheiteu des römischen Westens dieser zeit in der liviaDiscben 
darslellung, und nimmermehr dürfen wir ihi zu liebe den berichl 
eines kundigen autors wie Strahn beseitigen, eines autors, der 

' Strabo T 213 Tovs Si Botove i^fjlacav ix ttüv töncov. fiBxaoxav 

* Poljb. n 28, 4. nebeo den Beiern stehn die Taarisker, neben den 
lasubreni dia Gaiaateo, aodaas ea fast ao aossiebt, ata waan diese von dea 
laaabreni» die Taariiliar von den Boicra geworbea teico. Ueisa wOida 
aliauaeat data apilar die laaalmr sich wideraai aa die Gaiaatca weadeo. 
Polyli. II 34, X 

* nach den vorgaag e von Zeiiia Dia Beatoehaa a« 244 f auch voa 
Mälleohoff DA ii 267 ann, Zcoia bcfeftaieb a«f Ltviaa tmd meint, der aa»^ 
dnick des Plinios Bist. nat. ni tl6 öi hoc tractu interUn BH aehltese dia 
aoswanderung aus. allein dieser aasdruck darf nicht gepresat wctdaa; er 
bedeutet nur, dass die Boier in italiea vcrtcliwiuid€& waren. 

* Liv. Sornas ff. 



KELTISCHE WANDERUNGEN 



151 



flieh bei tieferem eindringeD immer mehr bewihrt, und der diesen 

beriebt vermutlich dem Polybios Terdankti. 

Die hervorgehobcüc laUache, dass die beziehuDgen der 
Gallier Oberitaliens nicht nach westen, sondern uach uüiüeü 
gebo, dient dem Zeugnisse des Polybios zur vollen beslfiiigiing. 
die Keilen mOssen also von norden her, aus der Donauland- 
schait eingewandert sein, ond darnach wird das bild, das Mullen- 
liolf von der keitischen veanderung entworfen hat , abzuändern 
fleiD. fnr uns mtleeen die Kelten SOddeutscblands , BObmenSt 
J^mnoniens nnd der benacbbarten Alpenlinder filr ebenao alt an- 
steig gellen, wie die Unkerbeiniachen des späteren Galliens, auf 
welchem wege sie einst in jene gegenden gelangten, wissen wir 
Dicht; dass sie vom Rheine her dorthin kamen, wie Hnllenboff aus 
der iivianischen erz;djluiig ableitet, ist ganz unbeglaubigt, eher 
\6i das umg* kelirle wahrscheinlich, djtss nämlich die Kelten von 
Osten her über den Rhein vorgedrungen sind, treflend haben 
MüllenbofT und andere nachgewiesen, dass Südfrankreich erst nach 
500 v. Chr. von den Kelten beseUt ward, dafür gibt es gute 
ssngnisse und andere indieien. erst spftter drangen sie an 
die koste vor, nnd man kann vermuten, dass diese bewegung 
doreh das vonrOcken anderer stimme fiber den Rhein hervor- 

« 

gerufen ward. 

Jedoch mit dieser bemerkung greif ich schon nber die 
grenzen meiner abhandlung hinaus, es bleibt mir nur noch 

Qbri^' einen punct zu erwähnen, der als stütze der voa mir be- 
kämpften aiiffassung dienen könnte, n?imlich die übereiusiinimung 
einiger obehtalischer volksnameu um uulleigaUiseheu ; eine sladt 
Mediolanium, ein volk der Qenomanen % vielleicht auch Liogooeo, 

* die «nrichtiglwit des Iivianischen berichtes lässt sich auch mit an- 
dern gffAnden dartun. von Beiern wn^ überhaupt von daltiern sudluli des 
Po fehlt nach 101 v. Chr. jede spur, das ganze land von Arimmum bis 
PUcentia ist von römischen und latinischen ansiedlnngen besetzt, die alle 
ID deif nächsten jähren nach 191 angelegt sein müssen, teiis Städte, teils 
die markte und yersamDilun^^^lsilze der auf dem lande zerstreaten ^loDisteD« 
ein blick aof die karte (genügt, am lo zeigen, dan oniBdgttcb die hXlfle des 
landes den Bolen verUleben acia Imbb; dicee mOteea, vIeUciebt bii auf 
daeo onMcatcDdea leat, veiMbwaaden teio. dadoieh gewinnt die naelh 
lidit von der aoewandenuig neue beelltigavg. vgl, Dnocker Origlnea 1 19. 

* die Genonanen kommen ala Anlerci Cenomanoi bei Glaar B.6, vn 18^3 
VW. ihr name lebt Im hentigen Le Mens weller. 



Hiideii «dl bitr.wie dort^. wer eimnal ai|f die fjalUM^MD o]rta- 
QDd atammeanamen nur fluchtig geachtet hi|t, wird nigebeii, 
daaa auf dieae nameDabDliehkeil keine acbiflaae auf die hprfcuoft 
der ataanme gegrandet werden kdnnen, ebensowenig wU; man Aip 

TectosageD in Galatien ▼on den Teetosagen bei Tolosa, oder dea 

tylenischeo könig Kauaros vüo den Kauareo aü der Khüüp al>- 
leiteü darf, wir sehen daraus nur, dass sich auch entlegen 
wohneode släamie deosel^en nameu beilegieu, was bei der eigen- 
tflmlicbeD hildung uod der heweglichkeit der gallischen atammea- 
namen durcbaM« nicht zu verwundern iaL 

n Dir untkrcatcg oeb Boier. 

Polfbiog hat, wie achon erwabnt, vom norden Europas nur 
dunkle künde; alles waa iwiacben den flössen Narbo und Tanaia 
nach norden lu ligt» der grUate teil Europaa iat ihm unbekannt, die 
nacbricbten» die ea etwa darober gab, waa Pytbeaa und Timaioa 
ober Britannien und den norden in ertablen woaten« Wahrheit 
mit dlcbtung gemischt^ erregt sein unoberwindlicbea niatrauen; 
däa aind mytben und erflndungen (Polyb. in 38, 2). jedoch bald 
nach ihm kam durch die römischen kriege in Sodgallien bessere 
kuiide, die uns von Poseidouics vermittelt worden isU mau 
lernte nördlu h von deu Alpen die Stämme der Helvelier kennen, 
die zwischen Rhein, Main und dem Hercynischeo walde einen 
grofseu teil des heutigen Baden, Würlemberg und Baiern be- 
wohnten^, es war ein mächtiges voik, reich und friedlich, wie 
Poseidonios sagt*, ein volk also, das sich schon einer gewissen 
geaittung erfreute, sich des raubes eothielt und den fremden kauf- 
mann ftreundtich aufnahm, wir wissen, daaa die Hel?etier griechiaehn 
Bcbrift kannten (Caeaar Bell. Gall. i 29), und ea bt wol denkbar, 
daaa die einmal von Tacitua (Germ, e.3) in den grenigebieteo 6eiw 
manien^ u^d Rstiena erwähnten giiefibjaoben adurjftd^nkmilor 
lOQ ihnm henrohctitt«. 

^ die Lingooes sind nur bei Liviiu v 35, 2 überliefert, bei ^yb.n 17,7 
AtyeH'n. ob die ^^y»rH OberiUlieos mit den JSävovts bei Seat 4waeUmi 
namen haben, i«! sehr zweifelhaft, vg). Arboit de Jll|klillviUe |4S pmwtori 
babiUnts 1 Kurtipc (Paris 1877) s. 2S9f. 

* mil icclil hal Hud. Much Beitr. t. gesch. d. d. spr. u. Mtt. 17 (1893) 
& 2 iL oach dem vorhänge voo Zeuss die 6tdle des Tai:it4w Gi^rm, 20, die 
diet bettu^t, gegen Mfillenhoff wider in ebren gebracht. 

* Stnbo IV laa. vn 299 noXvxfivovs fUy, ä^wnim 



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Oic|i^ «D di« RelT^lier ichtoMeo liiib dj^ Born an (Garop^ 
t, 2$)» im^ nuP^ » *B0luDeii' die jilirbuiidi^ne bMtii;^ 
eriMih^ iurt* soweit dit erhiJtenüeM naebrichten ein urteil gfr 

sUtteo^ beschrflokte sich ihr gebiet nicht auf Böhmen, sondero 
gieog sUüwärU> uach weil über die Donau hinaus» sie oiüsseQ 
hier ao die befreundeten Taunsker gekreuzt haben, die Vio- 
d^ü^er waren ihre nacbbarn (Slrabo iv 203. v 213; oben s. 150)« 

kcailiBea ferner einen grofsen teil Pannonieos, wo. oocb 
hQgf der imiiio der 'bojiscbeo einOde% vieileicbt aqeb verschio^ 
dcoe ertsaaineD an aie erinnerten hier scheint etwa die Dm 
üf) grevie swiseben ilinen «nd den Soordisker« gebildet su 
Mm* am nfiidliclMn DoniiiQttrer besaben sie auch Btthren und 
du anliegeDde Ungarn; es wird ooten auagellDbrl werden, daas sie 
leitveilig sich bis an die Tbeifs erstreckt haben müssen, die sie 
voo den Geten oder Dakern schied, es war also ein sehr an* 
6«iiQlicbes reich, das sich wahr^heiiiiicLi neben deoa berscheu' 
de& stamm der Boier aus einer gröfsern zahl von Untertanen 
0^ yerbflodeten clienteistlima)en aufimmeosetzte 2. nach osten 
Ober den fDährischen jnss hinüber werden sie den Bastarnen, die 
toad gereicbt haben, dureb niebls liann ihre macbt besear er^ 
llaleit wefdan alt dniefa die talaacbe, dasa es ihnen gelang, die 
Kinber«, denen so viele andre erlagen , rorOekansehUg«n ^ 

In di<^n vOlkerverhältnissen der Dooaubodscbaften, wie sie 
m den zeugoissen (uit genügender klarheit sich ergeben, treten in 
<)er ersten li^fte des 1 jbs. v. Chr. verschiedene äuderuogen ein. 
malchet wanderten die Helvetier ana, gtengen Ober den lUietn 
■ad beaetiten das land zwischen Jura und Oberrbein, den wesirt 
bdien und nOrdlieben teil der beolifen Scbweia^ die nisacbe 

* Bo(m Slrabo vn 292. JMmm deserUk PlMos H. n. iv 146* 
tewatnr. prov. 18 (p. 12 Riese), der name Boioduram gegeoäber Pfls-^an 
und — vielleicht — <l8s in Pannontpn zweimal sich findende Boaouia 
(Ptolem. n 14, 4. Itiner. Antonin, 243 W .) ma^ an sie erionero. 

* (ins gleiche gilt übrigens von andern gröfsern TÖlk^n, zb. den 
Tanriskern und üeiveliern, die sich ebtoao aoa mchcerea aiiioinco zu- 
l^UBeii6etzeo. 

* vor 113 ▼..Cbr, PeMidosiot bei Strabe «um 

* jedcaf^Us vor 70 Gbr. iß, «iilae)b vitHeiebt «er sait des aoUaeischeo 
üigiriaifgs^ ea ist » bcacbtsst daaa seit dicacf seit die «ogrilb dar 
Ai|Sov4|kcr aq( Haifas wider baftigsr wcadca, was cbe ialge der alltfcas» 
nmuModiiDg^og der bcTAIkaraeg aiio hine. 



1&4 



NIESE 



ihrer waodeniDg ist unbekanot; wafarBcheiDlicii ist, du» sie dorch 
die teilnabme an der kimbrischeo Wanderung stark geschwielit 
(twei ihrer sttniniey die Toygener [Teutonen] und Tiguriner 
waren nutgesogen und der erstere war Yernichtet), nunmehr den 
andringenden Germanen nicht mehr widerstehn konnten, jedes- 
falls zogen die Germanen aus ihrer entfernuDg nutzen; die 
Sutbeü, zu deutu die leute des Ariovistus gehörten, besetzten 
ihr gebiet; wir finden diese bald darnach, seit etwa 70 ?. Chr.^, 
als hilf8?0lker der Scquaner am iinken Rbeinul'er im heutigen 
Elsass 2. 

Die zweite wichtige Veränderung ist die Verdrängung und 
vernicbtung der Boier, deren stelle später bekanntlich im norden 
der Denan die Marcomannen, Quadeo und ihre nachbarn ein- 
nahmen, nach Tacitus (Germ, c 42) rahmten sich die Marco» 
mannen die Boier vertrieben su haben, jedoch wird diese nachr 
rieht beanstandet (Hflllenhoff DA n 265) und mag daher vorläufig 
aus dem spiele bleiben, wir wissen durch Strahns seugnis, dass 
die Boier mit den Tauriskem von den Geten oder Dakern nnter 
Boirebislas vernichtet worden sind, dies stellt Möllenhoff (DA ii 265£r. 
ähnlich Much aao. s. 10) so dar, dass die Boier zuerst, vielleicht 
von Germanen gedrängt, auf das südufer der Donau binOber- 
giengen und dort um 44 v. Chr. von Bojrebistas vernicblel wor- 
den seien, ich halte es dagegen tür wabrscheiuhcher , dass sie 
ihre wohnsitse in Böhmen erst durch die Dakar verloren und 
daas dieses ereignis erbeblich früher anzusetzen ist eine ge- 
nauere betrachtung der einschlägigen berichte wird dies, wie ich 
hoffe, ohne Schwierigkeit seigen. 

Dreimal berichtet Strabo von dsm Schicksal der Boier. sie 
worden zusammen mit den Tauriskern, ihren verbOndeten und 
vermutlich auch nachbarn, unter dem forsten Kritssiros, der ein 
Boier gewesen zu sein seheint, vernichtet, und «in teil ihres 
landes, die sogenannte bojische eiuüde (oben s. ward wUst 

» Caesar Hfl! (iall. i 36, 7. 

• restf ih 1 lf( lsf ti(»r l)liebt^n üorh zurück, abgesehen von den To»- 
tool der iiiilt» iilii r;:isclj«'i) inschrÜL knitsl Ptolemius nll,6 die helvetische 
eindde (EKowiirtütv igrjfion). vgl. über alles dieses Moch aao. s, 2 ff, wo 
die wandeniDg der Helveticr sum ersten mal ins rechte licht gerückt wor- 
den ist. teh darf diraof hiowciseo, dan ich icben In der eistca inflage 
ncioci Abritaes der römMeo gcacbichte (Oandboeh d. dan. altertomtwias- 
Ton Iwan Müller bd m s. 647) dat richtige kon angcdentet habe. 



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KELTISCHE WANDERUNGEN 165 



^legt. die Scorditker, so «cheiiit es, waren dabei bnndesgeoosaen 
des Boirabistas K die anaehe der feindsefaaft swiseheo den Boiem 
und Bolrebistas war ein streitiges stock land. die Daker be- 

häupteten, es geliOre ihneD , obwol der fluss Parisos- dazwischen 
flo8s : gxxancorreg elvai t^v xw(»ay aqeiiijav xalrtsQ Ttora^ov 
dul^ovrog toi Tlaglaov. daraus ergibt sieb, dass der fluss 
Parisos nach dem damaligeo besilztsiande die grenze zwischen 
Dakern und Hoipm bildete uod dass die beanspruchte landschaft 
an dem bojiscbeo ufer des flusses lag. vielleicht ?erhielt sich 
die Sache so, dass die Boier den Dakern jenen landstrich früher 
eiamai enthsiea Intten. da bod aber die Boier und Daker nach 
läge der dioge Dor im norden der Donau sieb berOhrt haben 
können« so kann der Parisos, wie richtig GHflUer gesehn hat^ 
keb andrer linse sein als die Theifo, die Strabo anderswo 
(m 304) nach ihrem hauptznfluss, der Maroeeh, als Magtaog 
beieichDet^ flir nagiaog hat man also ▼ielleicht mit Max 
Dmicker (Origines 115) Magiaog zu schreiben, oder wie Müller 
will, Jla^LOoQ, was aoderswo der liame der Theifs ist*, mit 
di^er annalime siimnien auch die worie Slrabos vollkuiuuien fiber- 
ein, er tiai zwar von der läge des üusses keinen klaren hej^riff, 
Wie er überhaupt nach Müllers richtiger bemerkung das fluss- 
netx dieser gegendeo noch mangelhaft zeichnet, wenn er aber 
sagt, dass der Parisos sich l»ei den Scordiskern nmso rovg 
SKO(f6£axovg in den Istros ergiefse, so ist dies gans richtig, 
denn itawä bedentet in geographischen bestimmnogen bekanntlich 

* Strabo vii 304 von Boirebistas; tovs ra Ke?.Tor s roii ava^euiyfiä' 
vovi Tol» Te Oga^i xai rote 'Jllv^toli i^tno^&r^ae, boiove 8i xai n(>dr}7f 
^fiiriae roie vno K^tzaati^q} xai Tetvgürxovs usw. 31ü ftt'^oe ftiv St] %$ 
tTfS ;|r<J|>a« ratrTffi ^(^fLCKfav oi Jaxol ttaranojie/urjaavras Boiovs xai Tav- 
fi&min ädini JSjJkmM tA ^n» K^mri^ {ittQ9toc$iQm codd.) fagmptm 

«MvUf ^tajoitv. du* AftA*«!« /liv oi Jaxol xarü^ar^ ro^ots Si xai 
wvftfu'xoiS ixifTfitii^o notXaxiS. iv 213 (die Boier) ftsra&rayrK 8* eis rov9 
TztQt Tov 'Icrnov Tonovs usxa Tavfünu9¥ t^Movr vto^aftowtts n^fos Jpmovs 

* in den anmerkungen zu seiner ausgäbe des Slrabo {Paris, Didot) 9.984. 

* wubei icii eriuoere, dass auch bei Herodol iv 49 Ma^ts die Theifs 
bezdchiict. 

* PaHäatm Plla. B. n. w 80. BartkUtm AnmriaD. Mare. vm 13, 4. 



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inbr oll ao rki aii nvttkn S mä wQrkUcb ligi die mflndaiig^ 
iw Tbeils im BwdwkMelwo DoiiaiiiiCBr gegeoQber; dtooi di* 
Sicardiitoi wohnten an beiden ufoni der Saie<4 maeben Drau 
und Moramu 

Wenn alao der Paciaoa die Tbeib ist , sa iai Uar, dasa die< 

Boier zu der zeit, wo sie mit den Dakern in streit gerieten, noch 
am nönilichea Duaauuier geberseht haben mUssen, ako auch 
QOcb uichi aus ßohoien vertrieben sein könoen. 

Dies wird bestätigt durch andere, besonders chronologische 
erwäguDgen. das aufsteigen der dakiscbeo macht, ihr mächtiges 
ausgreifea nach allen selten ist das werk eines groCsen itlcalea, 
des Boirebiataa, der die geiailten, xwietrjfchtigea, doieli onglOefc« 
liehe kriege geaebwlchten, auch innerlich zerfaileneo atimme den 
Oaker MaanmeaacbUMe, im ferein mil dem preplwten Debainooe 
ein« alraffe, religälae diaeiplin einftlbrie nml ein kriegeriachee 
gemeinweaen. grOndele. nährend torber die Daher sieb niob& 
bemorklieb BMcbten und oHeobar gegenJbce kelliaoben naebbaro 
niebt anfkommen konnten ^ wagten sie sieb jetzt über die Donau 
und bewürkten bei den thrakisch- iUyrischeii uüU kelttt^cheu 
Völkerschaften eine vollständige revolution. Boirebistas kam empor 
etwa zurzeit der dictatur SuUas, wie ausdrücklich bezeugt wird^ 
und nicht hätte bezweifelt weiden sollen^, er starb durch 
meucheliuord kurz vor Cüsars tode (44 v. Chr.), wie widerum 
Strabo in unzweifelhafter weise bezeugt denn es ist bekannt» 
daaa der dietator Cäsar nach «einer rückkebr aus Spanien 4^?. Gbr» 
einen grofaen feidang gegen die Dakar und die Partber rttateto K 
aber Boirebiataa wurde geatOnt, ehe der krieg begann t nach 
aeinem tode lerflel daa dakiache reich in vier oder fünf teile*. 

* sb. Sinbo zvnsaar heUirt as von Bveaike ia Afiiki: näta mmw«i 
tk «Nf« «qe nUpnawpii^mi, und von Badca : mSkt» 9i t$mk 2Wm^ vfs 

* ihre oiederlage durch die Bastaroer crwibot Jnstia xnu 4» 16. 

* Jordaaea Qti. 67 p. 73, 15 MenuDsan : D0kinc rtgmmU CMis 
Buruitta Dicinem uenii im (telAtea^ Um fWM ÜMMMMMMi ^Ua po* 
Üte« est principatit»u 

* wie es Mommseti tut (Res ge^lae divi Aug. 129). aug Trogus Pod^ 
peius (prol. 32) lässt sich für die zeit des Boirt-biblas lactits schlierscn. 

* Strabo vii 298. Appiau Bell. civ. u UO. in 2ä. Vell. ii 5d, 4. Sueton 
JoL 44. Aog. 8. TgL DraoiMui m 070* 

* Strabo m 304 tMmubiMs inmnt9w^m¥ tttv^ w /m* 

% *^ ßai % m «cai4«a «v^i^ 4m* mIM», «< H ^mlil^mm df^i^ 



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KELTISCH£ WAltDERONGEN 15t 



Im finuii, 4ie ungleiehen MClifolger im BdMistas, Kotiio 
wl DikoiMSt Rol«s und Dapyx, ^Hetdi nfceinand^ itt sMl; 
nruit dM aeiMieB 'kti^g«« war «io Mil des Tolhes MH An* 

tooias yerbtindetf während der andere sich zu Oclavian iiiu- 
Deigte, und ebenso wenig herschte einlracht, als MCrassus 
bald darnach auf seinen thrakischen feldzdgrn iu ihrer nahe er* 
schien (29 v. Chr.); einer ihrer fürsten verbündete sich damals 
Bit den «ogveifeiideo AOmern und wurde vod Cfassüs gegea 
ittM stamnieegenosseQ geschützt K sie waren nach der teilang 
aidH mehr gaftbrlieh, und ohna sweifel gatehah es aoia dieaam 
paade, daaa der diaiaiar Caair den fddaug gegeo aie aufgab; 
nr aut aahMr craaipdilDg iat kniner nur Doch vod dem Piither« 
kriege die rede^. es iat aehr wol aMglteh, Ja sogar recht wahr* 
idwialkh, dass nach dem falle des Boirebistas die Daker, ahn* 
Uch wie es die lllyrier taten (Appian lUyr. 13), in Rom um 
frieden haien und dadurch den drohenden angriff Casars ab- 
waDten. liurfh diese nachrichien und erwSgungen wird mit 
liemiicfacr ^^icberheit erwiesen, dass der tod des Boirebistas ins j.45 
f.€kr. ftilt, and weDo gelegentlich behauptet worden ist, dass 
dieser cId leitgaoosae dea Attgüatoa geweaea sei, so iat das efai 
sinhanr ifftOBis. 

flieniacb aiuaa die veniiehtQDg der Boier oDd Taurishdr 
darob BoiraMwaa fOr dteaa j. 45 v. Chr. stattgefhDdeD habCD. 
aech ein früherer zeitpuncl ergibt sich aus einer andern 
kaoolen nachricht. im j. 58 v. Chr. erscheint unter den bundes- 
geoossen der fielvetier ern bojischer hauTe, mit weibern und 
kindern zusammen 32000 menschen, die an der helvetischen 
waiMkrung teilnabaien nod ▼on Casar bei den Hflduern ange- 
»edeit wurdoD. dieae waren, wie Casar sagt, nach Norieum 
• Ngeg iDgeh (RraniMmfX bitten Noreia bdagert «od dann M 

<ȣ nleUa f^dgr^ Siiarrjanv. der hier erwiiliiiie feldzug der Aomtr kaan 
aar der des dict;iiors Casar seio. vgl. tucli Slrabo vn 305. 

« Dio Gass. Li 22, 8. 23f. 26. Plutarch Äiilon. 63. Sueton Aug. 63. 

' Dio Gass, xxxxui 51. das gerächt vom einfall der Geleu in Make- 
Wcn nach dem tode Giian, das MAntoolns verbreiteo lieüB, war bekannt* 
fidi ccfaoden. Appiaa Bell Cir. ni Sft. 8*r. 

»'lewa Die Dentacfaeo s.'144 aad dirnadk Mihni bi Filfly-IViasowis 
Realeiwyelopidle d. clasi. alt m 1, 631. das richtige eigiüt sieb sehen aas 

auarühraogeo MfiUesMb bt 'Bn^b nad GfSbeis Kbeycio^le i bd 64 
(litikci Gctcs) s. 4»ft. 



158 



M£SE 



den Helvetiern aufoabme gefunden S die ja frflher ihre nachbarn 
gewesen waren, die Vermutung ligt nahe, dass diese Wanderung 
eioe folge der niederiage durch Boirebistas isl, dass aiso diete 
Boier sieb aus der kaUstropbe ihres folkes gmilet und aus 
Böhmen nach Norikuin geflocblel hatten, hierzu stininit die so» 
elien ermittelte latsaehe, dass lu der seit, als der krieg mit den 
Dakero ausbrach, das volk noch am nordnfer der Dmu gewohnt 
hat. also bat sich die niederiage der Boier und Taurisker einige 
seit vor dem j. 59 Chr. zugetragen. 

Nun erzählen uns die bistoriker der seit, dass der kOnig Mitbri- 
dates im j. 64 v. Chr., als die letzten Unterhandlungen au den für 
ihn uDanoehmbaren forderungen des Pon)pt:iüs gescheitert waren 
und der römische leidheir nach Syneu gegangen war, (ieu ver- 
zweifelten entschluss fasste, Italien von noideii her anzuyreiteu. 
da ihn viele der seinigen veriiefsen und er auch von den Skythen 
keine hilfe mehr zu erwarten hatte, so wollte er an den istros 
gehn und ?on hier aus mit hilfe der Kelten in Italien einbrechen >. 
wir wissen ja, dass er mit den Kelten befreundet war und fiele 
in seinem dienste hatte; besonders die Bastamer waren seine 
verbündeten, und derjenige, welcher ihm den letzten dienst er- 
wies und seinem leben ein ende machte, war ein keltischer an- 
fQbrer des namens Bitnitus'. er durfte also hoffen, wenn er 
mit einem wolgefQllten schätz bei den Reiten anlange, bei ihnen 
aufnähme und liille zu üuden. uach der natur der sache konnte 
er, da es sich um einen eiulail in Italien handelte, nur an die 
Kelten an der mittlem ÜuLiau denken, an ilie Boier und Tau- 
risker, die zugleich vom Pouios aus am leichtesten zu erreichen 
waren ^. man muss also annehmen, dass damals, 64 oder 63 v.Chr., 
diese Völker noch mächtig waren, und dass ihre katastrophe 
durch Boirebistas noch nicht eingetreten war. folglich muss die 
▼ernichtung der bojiscben macht swiscben 63 und 60 ▼« Chr. 
sich ereignet haben, und gans richtig hat Hax Duncker in den 
Origines Germanicae s. 112 den Untergang der Boier etwa auf 
das j. 60 V. Chr. fixiert. 

> Caesar BeU. GalU 1 6, 4. 38, SIT. td 9, 6« 

> Applao Mithrid. 109. Dk> Cssaias mn 11. 

* Appiao Milhrid. III. 

* ao die Scordisker ist nicht zu denken; sie waren schwer SO cr- 
reicbea, and greostea auch nicht aa luUeo wie die Ttuoakcr. 



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KELTISCHE WANDERUNGEN 



15d 



Vielleicbl darf der versuch gemacht werden, den bergan g 
dieses wicbtigeo ereigDisses in deo grundiQgeii kurz danuslelkD. 
die Ikker sirilteD mit den Boiera am das gebiet am rechten 
ufer der Tbeüs» und es kam bald nach 63 ?. Chr. lum kriege« 
in deo auch die benaehbarteo volker biDeingeaogen wurden; 
deon wahrend die Scordisker dem Boird>istas sieb anschlössen« 
gewannen die Boier nnd ihr kOnig KriCasiros die bilfe der Tau- 
risker. aber das lockere gefüge des keltischen reicbs war den 
einheitlich geführten, disciplinierten , von religiöser begeisterung 
erfüUlen Dakem uicht gewachsen, die Boier und Tauiij^ker er- 
lagen den zahlreichen beeren der feinde ^ die besiegten wurden 
tast '^öui verniclitel oder verlrieben und das streitige land zwi- 
schen Tbeifs und March gieng in den besitz der Daker Uber^. 
ein teil Pannoniens wurde zur wüste gemacht; also gieng der 
krieg auch auf das rechte Donauufer über« wo die Scordisker 
dem fioirebislas gnte dienste leisten konnten. Boirebistaa war 
jetit berr in dieaen gegenden; selbst die Baatamer mögen in 
eine gewisse abhangigkeit Ton ihm geraten sein er sante seine 
beere Ober die Donan und suchte Thrakien und Ulyrien heim; 
an der kOsto des Pontus eroberte er Olbia am Borysthen«^ und 
alle übrigen griechischen stfldte bis nach Apollonia hin^. diese 
griechischen slüdle waren früher von Miiliridales geschilui wor- 
den; nach seinem falle waren sie den iuarbaren preisgegeben, 
überbaupl ibl es gewig nicht zufällig, dass die groläe dakische 
macht sich erst nach dem ende des pontischen küutgs biidele. 
denn dieser war mit den Kelten verbündet, und wie sie ihm 
truppen stellteo, so wird er sie widerum durch geld und 
Waffen untersiQtzt haben. Geten oder Daker, die feinde der 
Kelten, werden unter seinen bundesgenossen niemals genannt; 
and jedesfolls sind sie su seinen freunden nicht zu sohlen* es 
ist wol möglich, dass das ende des kOnigs dasu beitrug, die 

* Slraho vii 3(t5 bezilfert das poUsclif riulV'cliot auf 200000 mann. 

' i\\f sp^iei vüu den barmaleu (Jazygeuj daraus verdräogl wurden. 
Himuü Uiäl. uat. iv 80. 

* die faMieidMii^ wclehe die teilanef 61 v. Cbr. dem CAntonius bei 
Ifttros abgenonBMn bttten, waren im bctits der Dtker. JMo 38, 10, 3. 
Ol, IM», S. 

4 um 60 T. Chr. Dio Chrytoit. so Aof. (vol. u 10 Beiakf). Stnbo 
▼n 304. SaclOB. Jnl. 44 üaMt qtti in PmUtm «t in TknuiM ^ffü" 
dtroitl. 



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1«0 



N1ES£ 



lHd«r8taDdskraft der Kelten ka schwiebea und dem Boirebiitat 
den Meg su erldcbtera. 

Doch kebfeto wir sa den' Beiern zamck. lie wurden nidit 
vollstiindig temichtet; trOonner itnres reiehes btieben sOdlkli und 

DOrdlich von der Donau zurück <. aber es sind nur trammer; 
die grofse masse des eiost herschenden volkes ward veroichlei 
oder gieng io andro auf. 

Ihr haiiplsitz, l^oiohaemum, das land Im Hercynischen walde, 
fiel den Marcomannen und Quadeu zu, die sich, wie bekanot, 
unter Marbod ror den römischen angriffen dabin zurückzogen 
(Stribo tn 290. Vetteius li 108). dies gesehab, wie die quellen 
teigen, unter Angngtna zwtacben 9 nnd 8 v. Chr.; denn das von 
den Marcomannen gertuinte land wurde um 3 t. Cbr. von LDomithis 
Abenobarbna, ab er an der Donau befehligte, den HermundureD 
überwiesen (Dio Gass, l? 10 a). nach den berichten ferner müssen 
wir annehmen, dass die MarcomauDeo das laad ohne widerstaad 
besetzten : die Boier waren nicht mehr vorhanden, es war ent- 
werter herrenlos oder die Marcomanneu hatten schon früher rechte 
daran erworben, und diese zweite mOglicbkeit ist vorzuziehen; 
denn es bietet sich hier die Vermutung, dass die Marcomannen 
dem Bi6irebi8ta8 bei der Vernichtung der Boier bilfe geleistet 
haben. Sirabo berichtet (vn 305), dass su seiner seit die Dakar 
sich den ROmem deshalb noch nicht gans anterworfen bitten, 
weil sie auf die benachbarten Germanen hofften, spiter standen 
also die beiden Völker zu einander in gutem Verhältnis, und die 
Vermutung, dass diese freundschaft alter sei, hat keine Schwierig- 
keit, im gegeoteil, die vollst^) odige Überwältigung und Vernich- 
tting der Boier erklärt sich vjel besser, weuu wir anzunehmen 
haben, dass der augriff des Boirebistas auf der andern seile durch 
einen ein fall der Marcomannen unterstützt wurde« und diese an- 
nähme erhält eine krSftige stfltxe durch die oben s. 154 bei saite 
gelegte aussöge desTaeittts(German.42), dass die MarcosManen ibr 
land von den Boiern mit den wifBen in der band gewonnen 
hatten, dne nachricbt des Taeitos darf man überhaupt nur not- 
gedrungen aufgeben; in diesem falle ligt kein anlass dazu vor'. 

' über die reste der Boier ia Panaonieo vgl. Ptolemios n 14, 2 mit 
CHQUert boIc Zeaw Die Bentacheo ww. a. S48. fan aoidea weita die 
kelUidieii Golial ilea Taeitaa Geim. 43 in den nmerlaaeB der Bote g^ 
hSn hahcQ. 

* mit recht hlltllBoiielicr Orieioes 112 aa der ladteiiclwi nachilebt fast 



KBLTI8CI» WANDERUNGEN 



16t 



vir firimid«» «e vieliD«lir mU da» lengiiniMi SliabM iwd 
fcUielbeii diraas, dass die MareomiDDeD mch gegen die Boier mit 

den Dakern Tereinigteo uad dass, wShreod Boirebislas die KeUeo 
üiii rechten ufer der Tbeifg uod in Paanonien ausrottete, seinen 
Mebiscben ▼erbOodeteo Böhmen sufiel (03 — 60 v. Chr.). aber zu- 
Dlcbst ward das land nicht besiedelt, sondern blieb ?erlassen. er- 
üaern wir ans einer bekannten notis Cftsars (Bell. GrII. it3, 2), 
dass an der einen aeite des Suebenlandes auf nngeflllir 600 millien 
«Dihte sei : dies mag sieb wol auf das jOngsl fsrhaarte Boierland 
beaaban K «rst apilar» ala die Maroomannea Ton den ROmam vom 
RMm ber gedflüigt wurdeiit nabmen sie nil ibrea anebMebstt 
ifmaateB BMudso «od Mlhreo bia rar Haieb totaleblieb in be» 
ntx, liefsen sich hier nieder und stellten damit den spatern zu- 
slaod ber, der dann lange zeit gedauert bat. 
Marburg. B£N£DIGTOS N1CS£. 

EIN HÖFISCHES MINNEUED DES 14 JHS. 

Ah die Zs. 40, 206/7* jyublieierten gedichte aus dem redtnungi- 
hdi des Johann vEhmberg ilm im ersten druckabzug zitkamen^ 
xkrieb Roethe an den rand der fahnen : ''ein erfreultcher fund. 
» also dichtete Reinhard vWesterburg ! ' mit einer ganz ähnlichen 
empßndung hatte ich die Zusendung WLipperts begrüfst und dem 
^Acklichen findet den titei vorgeschlagen, unter dem die beiden 
Mit zum aMnidt gdangß sind, eine dar emp/ mdH tkt i m iückßn 
mmnr Uttmwrimäm ^Mkferung ist $$, im wir «M im 
adKdbMi mlMMMna das 14 Aa.. nnlrHir dtiBiiffift dlir ora/lan 
iWMnrilbia. 1^» ao ^ la^ nIdUt hmUften, imd es seheint mir 
m§e^aeht, jedes ims hegegimde heispiel mit nachdrüddithm 
knweis ans UdU xu ziehen, es ist verzweifelt wenig derart, was 
ti(h bei vdHagen im dritten bände findet, anderes haben die dUem 
Jahrgänge der Zs. und der Germania gelegentlich gebracht, ein von 
BetiunoHH Zs. 5, 418 au$ der SchlatstAdter glosseuhs. veröffent^ 
lichtes lied {von Martin Strafst, stud, 1, 100 [vyl. 384J widerhoU) 
hat mit dem unten abgedruckten aufser der dreistrophigkeit auch 
itn rejrain gemeinsam, und wir werden diese und ähnliche siücks 
wm erklärung der bekannten naehrieht des Umbwgsr dtrmütm 
ms im *wiimm$m* (Wyss 49, 6) AirwMMan mtaan : i$m 
si^tmrmiiMk Man Um ihren namennidu 9ms itr irmstroj^g- 

(tats im wartlmu gm&ß das fiwasr smgibt), sondern vm 
h k riwim , und was itr tkrinitt n.jL 1860 ah eine aUgetmtim 
awiAaÜi^a fvoalMiAM MaUtf amai im hXdwthan wehmmta 

* acbaa Hanactt (Geographie d« Gfieahcn a. Rftner m 48S) «od jüngst 
MHb Mach «aa. si 11 babea htanaf Uagawiasaa. 

Z. r. a A. XUL M. 7« XXX. 11 



m SCHRÖDER EIN BOFISCHES lllfiNEUED DES U JHS 



Okm-deufBchkmäi firÜk mrkereitet haben : ät$ drtistropki^t war 
iififr idkHi Imge regel, vom refrain haben wir nvr einzehe beispiele. 

Das nachfolgende stück war in der reirken sammcflts. cgm. 717 
verslecla , die , so oft sie auch seit den tagen Aretms und Docem 
von den germanisten benutzt wurde, noch lange nicht atisgeschöpft 
ist (die jjublieation einiger historisdi itUeressanier siücke ist dem- 
nächst zu eiwarim). dm inkaU itr As. gibt, freilkh nida an»* 
rmckmd, Sekmdkn kSnserm emetcMi s. il9f. die HM$$ 
daimms Ma49* (niAt 1347, ww SiAmtUir vnd m/ im rüdtm 
ier hi» ttda) hohe schon Zamcke Cato s. 13 aus Dicm Mus. f, 
ttd, kunst u. litt. 2, 265 hervor, brachte aber einen neuen fehler 
Ik a» beschreibung der ks., indem er sie als 'pghs' bezeichnete, die 
ausgeprägte notariat^hand (ähnlich der urk. Lvdwigs ä. Bayern hei 
Sirkel imd Sybel Katserurkk. m abb. ix 13} und die beziehungen 
einzelner stücke, msbesondere der klage um Ueinnch u von 
Preising- Wo Inzach {f. WT — 116'). weisen auf eine weltliche, hö- 
fische atmos^häre. von lyrischen Sachen enthält die Sammlung noch 
die zuletzt von Ihmnermann (Dos tekaeh^eht Heinridu pBaingm 
t. 356 Jf) abgedntdttm ^didite ^de$ von Beringm', vm dmen 
III mni IT glüAfM dniinplng und mit refrain ausgatmtet iiiidL 
yMMT Mehm, da» ^mm verwant ist wid alksfalls zu ihnen ge- 
koren könnte, steht auf hl. 105'' als füllsei hinter dem bei Wacker» 
nagel AUd. lesehuch* 1155^ gedruckten QuodUket und vor dem 
von lUtmfike ooo. besprochenen Cato* K. SCiL 

Si Ml viQ tnd da bi sart, 
ich wId daz frawe ie 8cb6oer wart, 
allA ding tr bas aosiant 

' " rlrnn andern irpn '^'eliclipn. 

5 tV Miilli <iv lull nur vtide rit 
zu der vil miuaedictiea. 

Swat icb sioge ?Dd wa» ieb sag 
Tod ieb tr minen kftMuer clag, ' 
•i apriebt vahsi nibt ainM gral\ 
10 des iiiAss min frawd eotwichen. 
[H] Minne Uv hilf mir vnde rat 
tu der vil miiiDeclicbeB. 

, Wil ai^ yerderbeu oitci), 

si verlitrel sicherlicbe 
15 dan geLriwestea dea si bat 
io alleo lAedaea ricbeo. 
. Hß Miooe dv.bilfe vnde r2l 
wk der vil nuijoeclictaeD. 

9 1. «I| ir djpg — > anatat (: rat) . (dir] div , 0 niooeehVv 

12 niol 14 L aieherlicb IT L hUf mir vnd« vfle v, % und \U 



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ETYMOLOGISCHES. 

BUi. 

In seinem Abriss d. urgerm. lautlebre 244 führt INoreen 
das Verhältnis von ahd, bltOy aisl. bly *blei' zu aisl. 6/ör, ahd. 
bläo 'blau' als einen fall von wurzelvariation ao. die auf- 
fassuDg von biet aU * blaues metall' empfiehlt sich dabei gewis, 
wie wir ja auch fOD den bleiernen kugeln als ^blauen bohQeo' 
»precben; doch scbeiiil mir das aufMlige der wortforai an ein- 
laebiten durch vorauasetiung kelüBchen anprungea erklärt s« 
werden, da idg« i im keltiaehen tu f wird — vgL kdu f^-«,: 
hu rgg^ — , musle aos dem unserem bkm su graad liegenden 
lUet^ im keltischen MIdo- werden, wir haben es also liei Uri 
mit demselben kenuzeicheii keit. herkuofl zu tun wie bei got. 
ntks und seineo gerni. verwanten. 

Lou 

Sicher mit dem keitischen gemein bat das germanrsehe auch 
nndi ein anderaa wort fttrden begriff 'hIeiV nimlieb unser iM, mbd. 
AH« ndL Ml| ags. IM (engl* IhhO« das wort ist nor im west- 
genn. belegt und weist auf einen atamm lendla- snrttek, dem anf 
kalt, aeite gleiebbedeutondes ir. kmid$ aos liandird gegeattbersielit 
die frage, ob hier urverwantscbaft oder ebenfails enllehnoog aih- 
zunehmen ist, bleibt noch zu entscheiden, icli denke an letztere, 
die gruuiibedeiitun;; von lot dürfte nämlicb, wie noch aus uubereoi 
löten durchscheint, 'leichi schmeizbares metalt* im allgemeinen 
gewesen sein, es Iftsat sich aus diesem gründe mit uoserem 
ftuftm^ bctiebuogsweise der idg. ws. plud^ pleud, ploud zusammen- 
bringen, aus pknul^ ptadi^ mnau im keltisohen lande- Isndia- 
werden, und In dieser gesialt gieng daa wort Ina germaniaehe 
ibar. dn auch idg. an im keltiaehen su e» wird, Uefae sieh 
ineb eine gmndfonn fknd$^ pfendia denken« daaa die namen 
des bleia im gerraaniscbeo jung sind, iat nicht befremdltdi : 
wissen wir doch, <iaäs dieses metaü m iunden auf germanischem 
bodeü erst lo der eisenzeit auftritt. 

Zink, 

Bekannläeb gebt eine grofae anxaU von metalloamen aaf 
tMmljectiin soriM^ wotoo uoa ja in M eben ein beiapiel be- 
gegnet iat ich aetie aueh für sMt dn germ; iMh» %eiftr 



164 



MUCH 



foraos. dieMs ergibl «ch aus ahd. sAdto 'albngo, weifter fleck 
im aiige^, wobei man anm beileiilaiigiObeiigaiig griecb. dkq>os 
^weifoer Oeek' neben lat. oiftiia tergleicbe* auch jelsl ist Mkm 
nocb in der bedeutuog Tetiauge' bekannt, und Unk begegnet 
UD8 als kuh- oder ochseDoame in den deutschen Alpeo, gewis 
ursprüuglicb mil beziehung auf die färbe der tiere, weoDgleieb 
mir fQr ein fortdauerndes verstflndois d^selbeo keiu oacbweis 
zur verfOguQg steht. 

Eisen, 

Dasa die keliiscbeo uod gerroaDischcD bezeichnungen für 
eisen m eioander stimmen, ist bekannt genug, da niemand be- 
haupten wird, dass zu der zeit, als das eisen im norden bekannt 
wnrde, die keltische nnd germanische spräche nicht schon längst 
sefaarf geschieden waren, an ist hierbei an ein verbaitnia der 
orferwantsebaft nicht sn denken, es sei denn, dass sich an ein 
schon vorbsndenes wort ein neuer begriff angesetzt hat, ähnlich 
wie ilal. argentom, gall. britt or^iaon, nrir. mnpinlsfi ^weiTs, 
gläasend* im kettischen unter dem einfloss des italischen die 
bedeutuijg 'silber' angenommen hat. die gcrm. worte für eisen 
sioii also entweder gewöhnliche eotlehnungen aus dem keltischen, 
oder doch entlehouugen, was ihre bedeutung .mbelaogt. an ein 
umgekehrtes Verhältnis ist deshalb nicht zu deuken, weil die 
eisencultur hei deo Germanen sicher nicht alter ist als bei den 
Eelten. 

Das germanische bat tier oder fUnf formen des bebandelten 
wortea erhalten: 1. got siMm» ahd. aisl. ümn, aga. to«, 2« ndl. 
ysar (got* *$imr), 3. ahd. Um (got *si«m), 4. ags. km (goL 
*sinoit) und ahd* «ran in Bkmkmt, Foratemann DNb. 1 688 — 
aga. (rswAesrd, 5. aisL Mm tdm < *€rm < *$Bm < *ä«»>, t. 
Noreen Arki? 4, 110 n.« Abriis 135. 195 (got. *iMm), falla hier 
nicht entlebnung aus ir. iam vorligt. die form erklärt 
Nörten Abriss 11)5 unter hinweis ;mf ahd. äJiorn gegenüber lat. 
acer und ähnliches aus contHiuiiiiiliuu des auslautenden r und ti, 
eine erkläruug, die, wenn sie richtig: i^t. auch für das keltische 
gelten kann, wo uns formen eulgegenlreten, die sich zunächst sflmt- 
lich aus einer gemeinsamen grundform Monio- ableiten lassen : s. 
Thurneysen Keltorom. 36. dem ansatz von urkelt. s«Mrfie> siMliie> 
hei Slokes in Ficks Vgl. wb/ u 25 widerspricht ron andorem 
ahgeaehen acbon der name des zeilgenossen des heiligen Patriciua 



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ETYMOLOGISCHES 



hermmu und der gall. ortsoame Itamodwn'. die ältesten er- 
sctiliefsbareo formen, bei denen die elymoJogiti einzosetzeo bat, 
wären üHii^K Ii als imron^ isanon, üarofi, ismon (oder eitaron, 
titaman?) mit stamm» oder sntlixbetonunf? anzusetzen. 

Ich denke dabei au xuaaiDmentiang mit griecb. korkyr. iagog^ 
^OM. usw. lafog 'regsam, frisehf kFftfUgf heilig*, ai. ^iMa *ealend» 
ngiaiii, friedig kelüech *i$mm^ m flnssumeo ümt«, gnindfonn 
wfm^ ymaomehr ab euch die Hannen mit Uinge des atommvocalee 
» bom« iQOS, Ictb« und die fi*lhmeD In kelt. floMnameii 
Imm — Tgl. et. ifiufi/ätij grieeh« laliw loe ^ioin^ — adten« 
Micke besitzen, auch mit einer grundbedentang *daB krflflige, 
starke' kOonen wir uns lür die sippe von eisen zufrieden gehen, 
zumal auch abd. üahal^ ndl. itaal^ ags. &lyk steli , aisi. stäl und 
apreufs. stakla 'stahl' darch verfjleich mit av. s<aa;-fa* 'starke 
fflit' sich erklart: s. BrugnianQ Grdr. it 188. 195. 

Schwefel, 

Ringe, der EWb.* lat. tn^ir als nnferwant von mkmfd 
fmbslt, erwigt bei diesem lugehdrigkeit sa der altidg. ws. «psp 
*acblalen' und sonit eine gmndbedeotnng ^ersttekender, tmender, 
ctnscbUllernder stolT. aber schweM ist weder ein sehbMttel 
■och ein gefährliehes gift. meines erachtens ist aueh die frage, 
ob beziehuog zu suifur besteht, oocb immer nicht aus der weit 
geschafft. 

Sie zu lösen ermOglicbeo die mumiarllichen [ornien des 
Wortes, zunächst weist altwestfSi. swegtl^ jetzt swäggel (acbensch 
adtwtgek) auf Ursprung des labials in tehwefel, gut. stoibh usw. 
ans bbialisiertem velar ; oberpHilzisch Kkmdfü (Scbmeller-Fr. n 631) 
aber, tnf das schon Laislner Germ, volkernamen 21 hinweist, 
Migt, dsae ia|8i|ls- ab die flllesie form anioselien ist, aus der 
sieb mmfitt», aweÖte, smgte durch diseimibtorischen ausfall des 
efslen i, wie er in fiigUh aus flugUh voriigt, ergehen hat. das 
l des Wortstammes sowol wie der velar wird auch durch die 
lorm schwelig (Schmeller-Fr. ii 1)31) l)e8tätigt, die entweder ohne 
das /-sufßx gebildet it^l oder dieses durch dissimilalion verloren hat. 

Dem vorgerm. melqlo- steht aber sulpur aufsei urdenliich 
nahe, ob es nun aus sulpul dissimiliert ist oder nicht, und ob 
SM^^ auf a«i^ surflcbgebt oder eine ahbutform biezu darstellt. 
IM das p für f, beiiehnngsweise lat. t, anbebngt, ist auf 
Umfm und kifm tu verweisen, das wort wird dem bteiiiisehen 



Muca 



M eiDcr anderen iUiKMliett nundtrt oder dem keltiacben tage» 
l^emmen eein. 

Eichhorn. 

m 

Mit recht fasst Detter in s. Dfulscben wh. 22 iIhI. eihhonu ags. 
deitem, aial. ikomi als xusamnjenswlziinf, doch wird umu -örn 
-toert» nicht mit ihm für verwanl tiiil w&seth baUfii dürfen, rinem 
worle,bei dem die hier geforderte bedeuUiog sehr juug ist. ich denke 
«Q verwantscbaa mit Biet« oeMriiHi, preufe. oe&ar^ ÜL i90u>ere 
'eicblioni', Iii. lOilmnnit. *inlnncben fon Ulis und merder^, iai. 
9$omü *A*eUelien' (f^junBi. nnr bei Plinine belegt, wol enl« 
lebnong aus einer nordeoropiiicben spräche), die erste sUbe 
dieser. worie scheint redaplieslion su sein, wu die verschiedenen 
bedeutuDgen anbeisDgl, ist en grieeb. ovgog in aÜ- aUX'-ovQog 
*wiesel oder sonsi eine marderarl' einerseits und oxi-ov^o^ (auch 
%afA\pl- 'l717i- ovqoq) 'eichborn' anderseits zu erinnern, bei 
diesen j?riprh. tierii mien wird ao ovQCc *schwan7/ augeknüptX 
werden dürleo, da es sich un) tiere mit buschigem oder sonst 
aufTallendem schwaoz baodelu da vor : mt : 9ur ein müglicbes 
ablautverbaltois ist, können jene nordeuropüscben worte mit 
diesen griechisehen sogar verwant sein« 

lal. fart*e. 

In AQSonias Moseila begegnet uns eine ansabl von fiscb» 
namen, die uolaleiniscb sind, e/otiaa, It^ieo, rlf^, ssImo und 
andere siod keltisch; (ario aber, deutlich eine hezeicbnung für 
di« lachsforelle aao. 130 (v^l. Isidor Orig. 12» ti), das cier laute 
wegen nicht keltisch sein kaon, halt ich für germanisch, es 
ISsst web an ahd. /aro, unser farbe^ anknüpfen, nach dem seiten- 
stück von griech. öt^tog neben got. fatAsuMi, griech. xoXiog 
neben lit. pdlvas^ germ. *faiwaz, ir. uih aus olio- neben germ. 
dwü' in ah-wüdo, &l9^wuJuig (KJuge iF. 4, 311) ist auch ein 
perMS fiujß» »eben poruet fwrww denkbar, fvi» ivlire darnach 
Mer lirbige', und das pesst sehr gut auf alle arten der foreile. 
ich ennnere daran, dass auch ahd. furkma, ags. f&m usw. ^fortlle* 
auf einen stsmm primf- (bsir. Osterr. förehen, fettkm [aus 
*feThana?\ auf perkno-?)j verwant mit griech. nt^jAi^o^ 'bunt* 
ai. pfJni 'gesprenkelt'. zur(tckgehl und ein elemenl pr (per) enthalt, 
das mit •leni in jarbe der aUleitiiug in j^nind iir^^iiHt-n por nn( h 
meinem »Tmessen dieselbe wz. dnrslelU. vgl. uuch ir. earc aus arc, 
*(p>rilfOj, ittr das 0'lleiUy21d auch die bedeulung 'a salmou' angibL 



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ETYMOLOGISCHES 



197 



norw. syta^ . 

AateD veneieliaet s.789 norwegisebet 'syta, f. en «o sugga, 
pnrka). Hadeiaod. sytegris, m. ung so', das wort ist gebildet 
wie aisl. bima *häviü\ bikkfa 'hündin', fy^a *stule', ahd. merihha 
usw. und wOrde got. i^tjö zu lauieo liabeo. oberptäixisch suiz 
^multerschweio' bei Scbmeller-Fr. n 350 kauo ein und dasselbe 
wort sein : vgl. umlautJoses mUz uebeo nütze, auch durch norw. 
tj/tm allein isl fUr das gennanische der fartbestaod jenes miajd- 
*8diweiii' Daebgewieaen, aus den ich ,Za» 39 , 27 ff. iSkd-dl«, 
M^fRt' gedeutet habe 1. 

bair. sdmen 

sdmcr» «fmar^ eio — wie ao viel Oatevreiebiachea — bei 
Scfameller nicbt irerzetcbeetes wort, ist im .oiederOsierreiebiscben 

Waidviertel die guwöhulicbe bezeichouug für junge, uocli nicht 
im zu? gewesen« ochsen und entspricht iu seiner bedeulUDg 
dea) verbreitetereu spinner, di. spütmer^ eigeullicii 'stierkalh, das 
io den ersten 14 tagen bis 6 wuchen, noch an der mutier 
aaaigeod, verschaiileo worden' (Schmeller-Fr. u677). germ^ward 
aam ea ala tamaraz, älter als doaiaros ansetzen und in seiner 
WZ. mit griecb. dafidXi^g *jaoger alier'« dafialig 'Jialb\ kek. 
dmmu 'riod*, aiod. dm§a ^«ngeaihmier alier^ glaicbatellett darfeo. 

(rama«^ 

Ee iat niobt in abrede au atelleu, daaa ^eaiie, «ibd. ymnia», 

(/«jffis, ahd. *gamHz^ gamn den eindruck eines germ. wertes macht, 
ziiüiäi wenn maii hilduo^eu wie ahd. hii'nz, iiUid. krebez (ianeben 
haii; docii hUibeii saclUiche scbwierigkeilen. die rouiaüiscben 
Worte für 'gemse' iiämiicb , ital. camozzn , franz. chamois usw. 
(mit nicht ganz eiostiimnigem auflixj, die vou gemse zu treuoea 
Bocb nicht ernstlich ferauebt worden iat, müsien, die ursprüng« 
bebe deutacbbeit von s$mm vorauageaeCit, mit lÜuge £Wb.* IM 

' H^itr. 17. II I nicitlite ich noch die beoaerkuug, iiian könne über den 
namen Baretvoi nichts sagen, *so laiif^e ^vdivoi aod ^ovSijra jedefln 
d« II i gsversuche widerstrebl'. Koegtl iiilTi düher nicht i^anz das richtige, 
wfüü er Mgt : 'Mach BeiUr. 17, 110 meiDt, dass es — JSovSipoi — jedem 
deuiudgvTersaeh widafttieb«'. — meine Mkere aofOekhallnog wire aber 
locfa W bekuolacbaft nüt Koegdt dcnUuigaveisocb bereehügt ge w sae a . 
desB adee aekDApfony an Itt awrfew ist acben deshalb abaekbaan, w«tt 
lau ««dar aoa tvoiäo» eotalandae ist nad avch im kdliscken oiabt andan 
als n9iäu lantea konnte, dazu kommea griede dar badeataag, die aw- 
«inandersnaetieo aber aicbt mehr adlig iat. f- 



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1«8 



MUCH 



all «itiflbniiog «OS dem germaDiicliMi bcUachtct werdeo. die 
BrnnaDeo warao aber in den Alpeo die erbgesessene beTölkeraog, 
die alao die genm von alters her kanntaD aad einer beieicbnvng 
fltr iie bedarften. und dieae aoUten einen namen lür lie von 
den Germanen entldinent die erat in dar fOlberwandeningaaeit 
in die Alpen forgedrnngen aind und in ibnr illeren heimat im 
dentadicn mittelgebirge kaum gemaen geaalien battenp 

VoUig auagaaaUoaaen wird urapmng tos der germaniMfaen 
ai|»|ie ftlr die rooBaniaebe dnrcb den beleg cemag, nach A£» 
(dL t^) aufgeführt in einem veneiebnis der Nomina ennetonim 
spiraDtium alque quadrupedum in Polemii Silvü Laterculus aiia 
dem jähre 448, herausgegeben voo Ttteodor Mommseo Abh. d. 
kOnigl. sücbs. ges. d. wissensch. 3 (1857), 231 ff. die schnfi 
eothdli allerdings auch germ. lieruaaieD wie vtsoyis, urus, taxo, 
biber (wenn dies nicht keltisch ist), ganta; aber Lur mii ihrer 
ablassuDg wareu die Alpen noch oicht von den Germanen besetzt; 
und eine vorabd. form voo abd. ^oais mUate, weoQ wir vom 
sofflx abseben, das nicht daseellie zu sein braucht, im anlaut 
ebeniiiUa $ aeigen, aofeme wir es dabei mit einem germ. wnrte 
in tun hUlcD. 

AnderMita ateht der annähme von enllehnnng daa deucachen 
worlea ana dem romaniachen, im beaonderen der gmppe van 
ItaL ümawa nichla im wage, denn romaniacbea c (? or donklem 
focal) wird auch aonat im abd. durch $ widergegeben im gegen^ 
aatie tu laL daa ina germanische namer ala k aufnähme findete 

Wae daa verhiltnia fon ahd. fnms lu g^meze^ bair. gämpi 
betrifTtf so glaub ich nicht, dass es mit Kluge EWh.* 134 diircli 
au&aLz emes ahd. *gamiza in-hen *gamuz richtig erklärt wird. 

• ioterctssiit wäre es dies .in der lielirmdlang Ton Ortsnamen zu ver- 
folgeo. aian vgl. daj» (rulizeilig au%euomjmeoe Kemplen aus ^Caminofüi- 
fUfM, belegt C amMhmwn, gegeofibcr Gamp ans kcltorom. *Ctmbo, ort ta 
eiacr gasskrtaimvag 4cr Salsadi; SmM in SalsiwrglBcheD, aU. CMt^ 
Cutm lH » dat BaglppieB, OmäU Tab. Peot, gcgeeOber dem nanea dar be- 
nachbarten Gugelanalpe auf dem Schmittenstein, CuctUana im Ind. Am. vn 8 
(a. 788); s. Zilloer Gollurgescb. Salsbnrgs 151, vGrienberger Die ortaaanca 
d. Ind. Am. 29. offenbar isl hier der n»me dcf? hedeiitende ren nrtes im zu- 
sanmenhanar mit dessen ^'irm3nisieri.tnf^' liulur dem bair. wnrlscliatz eia- 
▼erleibl worden, liatiu u voa aligclegenen urui unbedeuh iideu urilichktilen. 
▼gl. die iholiche aufeinauderfolge der widergabe von lau rom. v erst durch 
gern, deutsch «o, spiter daieb f, aaf die Kossiona Bcilr.SO, 299 Ana. 
um 236 aafamluam gtnaeht hat 



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ETYMOLOGISCHES 



169 



•teer 4eDke ich, düs wir in gmw eine aeobüdang zu *gamuM 
vor ODS haben oacb tnalogie von menhha nthen marh^ wiUf$ 
eebeo wolf und aadfirai mijö- uod /m-fulBz iiioviert«a üer^ 

ibd« ft«ro. 

Abd. Arn AtriNi, mbd* ilor AiriNt 'tumpfbodMi, kol, sdmuii't 
as. ih«ni kor» *kot', africs. Am ^MblamiDbodeD, leblainiD'» ags. 
A«nl Jl«fy g«ii. aueb hmom ^pblegma, pitiiita, scbleim'« als), korr 
^•efaMiB, roti* wdten auf gem. ^Imrgwa-^ vorgenn., falla hier wr 

nicht aus r entsprungeo ist, *kurqO' oder ^eurqo- zurflck. vermutlich 
aus derselbeo gruudi'orni abgeleilel äioil ir. cercach uu^corcm 'uioor, 
marsh, swamp', worte^ mit denen zahlreiche irische Ortsnamen 
gebildet sind (s. Joyce Irish names of places j 462) wie deutsche 
mit Iwro (s. Förstemann DNb. ii* 827 f). iooerhalt) des bereicbea 
der mOglichkeit iigt es Übrigens, dass das deutsche wort eia 
kf^-, das keltiftcbe ein ablautendes /ror^o- voraussetzt. 

Ein anderes ir. wort verwanter bedeotnng, mamek *mofo' 
ans aani-M-, gebort offenbar zu lat. coemm, 

abd. tw$rhan. 

Zu abd, neirtoi MiwirbelD, wirbeln, abwiacbea, abtrocknen', 
aa» ü aw t an 'abtrocknen', aial. wmfa Pfeilen, abfeilen', goL wmwhUm 
in luaanunenseUuDgen *wiacben' alellt aieb ejnir. clmr/W Ho 
wbirl, to tnrn round' aus kelt. imt^, vorkelt «ftarM-. Ober 
anfahOrigea nn balt. a. Scbade 913. 

Die Zusammenstellung von sret/s, mhd. s<ms, ndl. s/t4t7 mit 
lat. stlva ^pflugsterz' uulei vorausseuung einer germ. grund- 
iottn UiWöt' bei Kluge EWb.*361 scheint mir [iiciit die eiDfacbste 
erklärung zu seio, die sich fOr dieses wort Lieiet. ich zieh es 
vor, von einer grundform sieuti- auszugehn, dit> ich noch immer 
mit Scbade zu stofsen und ihUzen steilen möchte, tteifs ist der 
abgeatutsle korperteil. 

Zur stütze dieser etymologie führ ich an, dass ndl. ttuü 
aocb *das aufprallen', ttuit-toind 'stolawind* iMdeutet. ferner be- 
aleht ein deutacbet afon^ for das Kluges ansata il$«al- unmOgUcb 
iat, nit ihnlicber bedeutuog wie arate. es Iigt vor in ü^/k 
'die acbwantfedern des vogeb in der jigerqiraGbe' und tfo/k der 
kanone, di. 'endalttck denelben', das auch Arook der kanone, 
ndL kraak, engl, krmh, alao 'sieila der kanone' heifst* vgl. 



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170 



MUCIl 



aucli stou (dl. der unter« raod, das uoiere sfcOck) der frauen* 
kleider. 

gall. brdca. 

Wenn steifs und tloß zunäcbsi *da8 abgesUiUle, abgestofseo«* 
und danach den körperteil bedeuten, so ligt die elymologie von 
aga. Me (engl, kreetk), ndl« bntk *fleifii' auf der band; es iat 
*der brucht daa abgebrochene*, die plnralforni in Me erhltit 
aich wie die in bt. finfet. ahd. AmeÄ, aisl. Mir» ags. Ma naw. 
^hose* aber verbftit eich aum namen des kOrperteiies ao wie 
Mtnlar» otbd. niMar, afriee. «idlAer .^brnalbinde der ffauen' lu 
ju^ T^a 'gebärmuuer^ oder le^ekm in M. dieee feigernngen 
scheinen mir deshalb von wert, weil sie zeigen, dasg das gall. 
biäca, bracca, das ja im keilisrlien sonst sicii uir^'ends lindeL, 
ein lehinvuri aus dtiii ^'enüdiiisctieii ist, iiictil umgckeiirt. be- 
kanntlich trafen ja (iit* schuiiibciiea hocbländer in ihrer nauoDal* 
Iracht auch jetzt noch kerne hosen. 

Halten wir dazu, dass auch camma genuauii»cheü Ursprunges 
ist — ». Tburne|8en Keltoroni. 52 — so ist nicht zu verkenueOf 
dass die Germanen auf dem gebiete der tracht für den westen 
mafagebeud gewesen sind, und wie das zunächst jedeafalle aua 
dem genm. ins ItelL aurgenommene tSf9 *aeife' nigt, im gegeMatt 
tu netterer leit auch auf dem der toilette. 

aisi. l/drt. 

Hil aisl. UM achw. m., achved. dial. Utai (Riete 407), aorw. 
Ijan (Aasen 453) wird ein raueb- oder lichlloch im deeh eines 
hauace beieicbnet daxu gehört noch norw. (fur n. 'hui eller 

aabniog i skyerne, hui eller rifl i et tne*. die beliebte zusamroeo- 

slt'llmifi Wortes Ijöri tuil ajsl. Ijös scliciul mir weniger an- 
»luvclu'iul hIs die mit griech. X^vqoq S^c U oiTeu stehend*, daä 
an i ankhu^cude und dauiil ^'k iuil^tMieutende eu^l. louver 
ioQver^ lucufil. levfr ist etymologisch uuverwuut, bedeutet aber, 
da es aus Irauz. louvtri^ l'ouf>€rt sUuuuil, ebeotails von haus aua 
^«iaa offene*. 

anorw. lundr» 
Für anorw. lundr Mucus, siiva\ ascbw. lunätit^ neunord. kmi 
^hain, Waldung' bat Lidta Beitr« 15, 521 r eine etymologie ver> 
aucbi durch luaammenaiellung mit griecb. iaaio^ Hiteht beburi*. 
er aeut dabei für lundr wegen des gen. HuMiar neben hmd$ 
finen uraprünglicben fr-stanm foraiia und fabrl diesen durah 



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BTTMOLOGKCBBS 



171 



rnkm-di' auf ieur« uln-ii- zurück, woraus anderseits giieeh. Xaat'^ 

gewordeü wäre, die bedeutuugsenlwicklunj? bewegt sich auch 
iü griecb. xä '/.rifjia 'waldij?e ge^'emier»', '/.aoituv 'ort uiiL tiicblem 
gebOsch' io der nchtung von M»eli;iiJt dicii' zu 'wald'. 

Zur stütze dieser erklärung köDule man Titlleiclit noch auf 
kelU valtot (ir. foU, cyoir. ywalU usw.) 'bauptbaai' verweigeo, 
womit sich das deutsche wald, germ. *u>al/mz zusammenslelten 
belitt, der vergleich zwischen wald und haar Jigt nahe; ai#a 
sriDiiere sich an die Gnmoisoijl 40 begegnende Yoniellung, dass 
der wald aus dem haare des urriesen Tmi erschaffen worden sei, 
Qod an aisl. kenningar fllr haar wie Mgr AoHtt, hofitdt^ ^nnia. 
mit wM stelll man aber sonst griecb. aloog (für /aXs/o^*?) 
liaiD' und sind, «tftf (aus *vali{) "bannigarten' zusanunen* und 
mit jenem kelt. vaüos 'haar' wird auch — s. Stokes bei Fick Vgl. 
wb/ II 2ü3 — voloti 'fadeu, faser*, Iii. waltis '^üi n, li.^ciier- 
D«tz' zusanimeQ^ebraclii, und niil rück^ichl aut diese woric- scheiut 
mir auch gii^i h. /.uotog eher dUi> eiuem mit ihnen ablautenden 
ulti- als aus uitili-, lür dag Jttde bestätigung fehlt, weiiergebildet 
zu sein« 

Für 2imdr aber findet sich anderswo besseres unterkommen, 
als es der aosstz einer bypothetiscbeo gruodform ulnti- gewährt« 
ich stell es tu germ. Imid *land'« schwed. dial. Unda *hrachfeld', 
asloT. Ifdmn ^heideland, unonUiwiertes land'. man kann dabei, 
was das ferbaltnis der bedeutungen anbelangt, an lat U^ien» *hain\ 
kelL *l(mko9^ wie ich denke, erhallen in den orisnamen Sido- 
iMMMfli, Sege-locum, ^oko- (statt Au)xo-)Qnov , Penne -huMS 
(latinisiert), germ. *lauhaz niedriges gehölz , hain\ lit. laükas 
•freies feld' erinnern, die bedeiitung Miani im besonderen wird 
bei lundr durch die von 'freier platz« eiiigelriedigles land' ver- 
(liuaut lüliren die verwanten worte im keltischen, wo 
ir. land, lann f. ^freier platz', cymr. UaUf com. ian eiugeliegles 
bod, hof, bes. kirchhof, ja auch kirehe Uberhaupt' bedeutet, was 
auch, nach orisnamen su sobliefseo, einmal im bretonischen der 
fall wir, wo (afm, lan m, im übrigen für 'haide, haidekraut' go- 
hrancbt wird; vgL Thurneysen Keltorom. 65. ungezählte cymr, 
erunamen wie Utmfmr^ UmiMt, LUmgadtp^ lUmgädwaladr^ aber 
aoch hretoniscbe wie Lmnpayl sind aus U«Mf lan und dem genitir 
de» namens des belrefiendeu kirchenbelligeo zusammengesetst 
und entsprechen genau nordischen wie Pdrs-, Fieys-lundr. 



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172 MUCH ETYMOLOGISCHES 



Daroach wird niao eine eotsprecbuog zu lundr für die Vor- 
zeit auch deQ Südgennaoen zugesteho mUgsen , da nur die<te 
umnitlelbare beziehungen zu den Kelten batleo und es sieb bier 
um keltogermaDiscbes handelL 

Fraglieh bleibt noch der unprOoglicbe focalismot der be- 
htDdelten worte. sebwed. IMi neben nio?. Ifdte gehe ja gewit 
auf ImA^ tnrOek; bd fand aber kann man swiachen IsNdft- und 
ImA- aehwanken, wird sich aber um so eher flDr letzterea eat- 
sobeiden, als der ablaut e : o häufiger ist als der e : a. es ligt also 
vom standpuDCt des germanischen aus am nächsten, bier einen 
lail auzunehmen wie bei rand, rinden ties^. runde, durch das 
keltische freilich, fOr das raan urkelt. landä ansetzt, würde fflr 
vorgenn. kmdh' der ausschlag gegeben, wie aber steht es mit 
dem orlanamen lam^tiitttm, *London\ der doch auch hierher ge- 
hört und gant wie das ablautende aslov. lfdte» dem geganflber 
er uro ein aollaelivauffiz vermehrt ist, ^haidebind' bedenlen wirdT 
fferner iat au baaehteD, daas aua Indk-, worsus wir IniMb' abidten 
mOasen, wenigatens im gallischen nnd brittischan ebenfella IM- 
werden muste, im uririscben allerdings Und-, möglicherweise 
gab es also vier ablauLformen lendh-, ludh-^ londh-, landh-. im 
germ. wären londh- landh-, im gall. britt. landh- Indh' untrenn- 
bar zusammengeflossen, eine andere möglich keit ist die, (iass der 
ansatz landh- zu sireichen und ir. lann als lehnwort aus gall. britt. 
kmdä, aua Inähd- au belracbten iaU RUDOLF MUCH. 

DIE COMPOSITION DES MÜSPILLL 

Von den neueren forscharn, die aich tum MuspiUi geSnAert 
haben» verlritt nur Steinmeyer die ansieht Mllllanhoib, dass die 
mit V. 63 beginnende partie aich ursprQnglicb unmittolbar an 

V. 36 angeschloesen habe, man hat als bauptgrund hiergegen 

eingewant, dass mahal dauu docli gar zu nah und sinnverwirrend 
in der bedeutung 'irdisches j?erichl' an mahal v. 34 und 31 
rücken würde, wo damit jüngstes gericht' verstandeo sei. Mulieo- 
boff selber fand früher (Zs. 11, 391 f) dies bedenken gewichtig 
genug, um die aufeinanderfolge 36 + 63 abzulehnen, wamm es 
ihm in den Denkmalern nicht mehr galt, hat er nicht ausge* 
aprocben. ich gebore au denen, die aich aber den bemerkten 
punct nicht hinwegsuaelsen vermögen ; und diea um so weniger, 



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JOSEPH DIE COMmiTIOM DES MÜSFItLl 178 



tb glodi naehbar wid«r im gediehl inuMr nur Tom jQBgileD 
feikitt die rede bleibt 

Aber dirf men «ich mm mit WilmMWi, Kelle, Koegel * bei 
der «berüeTerten ordsniig benihigeot bleibt nicht, aadi weoB 

wir VT. 37 — 62 ao ihrer stelle belasseo, noch immer das verhältois 
besteh n, dass mahal nur milteodrin eiomal vom irdischen gerichi 
gebraucht wird? ich glaube also, soweit mQsseD wir MulleDhoff 
eotgegeokommeD : eine frage der Überlieferung besteht hier, 
■nd wer das Terbaiteo der eben genaonteD khtilter iieobacblet, 
die eo mbeirrt der ordauDg der bs. luschwüreo, wird sich in 
dieeer meittusg nur bestärkt füibleii. deoD eioig leigen eie eich 
btoib in der oegetife. wo es sich am poeitife erklftrung beodeU, 
ds geht jeder seioen weg. 

Koegel oeigt einem eompromiw su« er meint (Litteratur^ 
gescb. I 322), mit 31 beginne zwar ein neuer teil : die dai^ 
Stellung des jüü;j;sit^ii gerichls. mil dem v. 37 aber unterbreche 
der dichter seine erzühiuug, um vorerst den Weltuntergang zu 
schildern, mit v. 63 dann wurde das verlassene thema wider> 
aufgeoonuDen — nun als gegenständ des dritten teils. iLoegel 
gibt also zu, dass 37 — 62 eine alMebweifung enthalten, statt 
aber S3 — 72 als unmittelbare fortseUnng fon 31 — SO ansosefaen, 
betraehtet er jenes stock wie eine «weite einleitnng des wider- 
aoligenommenen themas. er erklirl dieses darstellangswftbien 
aoa dem geringen konstleriscben vermögen des diehters. 

Kelle (Litteraturg. i 144) berOhrt sich insofern mit Koegel, 
als auch er in 31 — die einleilung zu einem neuen teil sieht, 
er erkennt aber in 37 — 62 keine abschwedung, sondern behauptet 
dass diese verse mit 63 — 103 'eine zusammenhängende Schilde- 
rung der auferstebuog des fleische« und der sie begleitenden 
ereignisse am jOngsten tage' enthielten, die Teiae 31'— S6 bilden 
nach ihm die gemeinschafUiche einleitnng an diesem sweiten teil 
des gedicbla. 

Wilmanns (GGA. 1883» s. 532f) huldigt der allgemeinen 
anschaaung« die ja auch Ko^gel vertrat, dass das gedieht in drsi 
teile lerfidleu aber er unterscheidet sich von Roegei, besiehent- 

* aeeh Kraoa in actocr cfaif cbndea kritik Koegeb (Zsi f. M gjrauk 

1896, s. 343 f) vertritt die meioang, dass wir es im Mospilli mit doem da^ 
iMtlicbcQ gedickt sa toa hätten, dcNca teile ia licbtiger oidaaag Aber- 
iefcrt aaea. 



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174 



JOSEPH 



Koh wn Keile «iieb BMh darto, dai» er die etOeke 81—36 md 
63 — 72 nicht als eiolettoDgeo oeaer teile betradMet« aoodera er 
Uhu sie vielinehr lo aebluaägliedeni : 3 t— ^6 beioblieihe den 
«raten teil, 63^7) beschlieAe den iiieileii teH. der dichter 

lenke deswegen am ende jedes teils enin jOngsteo gericht Aber, 

weil er vuii voitihereio lien blick auf dieses haupUheaiä seine« 
geiiichts gerichtet IihIumi wolle, uach Witmaons umfanseQ also 
den zweiten teil die vrrs»' 37 — 72, uiiH miihin sieht pr in dem 
Stück 37 — 62 keine abschweiluiig, sondern er tiiulei 'vielmehr 
in deiB ganzen gedieht fortschreitende and planmdfsige, wenn 
aacfa fielleioht nicht ttheraU gnte gedankenentmcklung'« 

In diesem achwanken der positiven oeinungen tritt die ver^ 
legenheit bemerkenswert henror, die die einordnung der atttcke 

31 — 136 einerseits und 63 — 12 anderseits verursacht, so belehren 
ans also gerade die Verfechter der Überlieferung uicht blofs, dass HIlt 
eine frage der überlittpnmL: besteht, sondern zu^^leich welclie! 
es handelt sich, sehen wir, zunächst gar nicht darum, die 
verse 37 — 62 zu rechtfertigen, wie man seil MOllenlioff immer 
und schon vor ihm meinte ^ sondern vielmehr die beiden stücke 
31—36 und 63 — ^72 ricbtig tu placierend dies aber aind nun 
gerade jene partien, in denen das wort makal zoerat und zwar 
so auftritt, daaa ea an zweiter stelle eine andere bedeolong be> 
anaprucht als an erster, und alz dem Inhalt des ttbrigen gedichta 
entspricht. 

üni die überliclerte Ordnung zu erhärten, beruft mau sich 
gern auf ein moment» das zuer&t Zarncke geltend gemacht bat 

* j?rhon Feitalik (WSB. 26, Ü>b4 Hj legle eine ansuht dar, der die Hypo- 
these Mülleoboffg sehr nahe siebt, aoch er verband die vv. 36 und 63 nn 
milieibar. nur hielt er das aosgeschiedene stück 37— 62 niciii für dan werk 
eines spätem dichters, sondern für ein uralt heidnisches religiöses lied, das 
mit einigen chriitliehen vetiaderungen und mit hiosufügung der beiden Aber- 
leitenden 61. 62 In das etgeotticlie Hed cingeseholien wntde. 

* nach 'bd den meistea frObero fonebem nischt sich eine onsicber« 
bdt in der plnderang dieser bnUeo ptrtien feltend. BaHscb (Qem. 8, 55» 
vgl aecb Genn. 9» 67 0 onodUtibar vor 13» indem 'er 87^61 
vor 8t stelle, ibm foigt Veiter (Zn» HaspÜli s. 79 1 94 f), nor dam er 
glaiebieitig 58--6t aesacbeidet Willran (Gerat. 17,3841 f6clitSt— 86 nomittel. 
bar Tor 63, indem er 37—62 nnter noch andern nmordnangeo voraasgeliD 
liist Piper (Zs. f. d. phii. 15, 102 f) beläsHt zwar die beiden partien tn 
ihren nbefiteferten stellen, nimm iber vor und nach beiden lOdkeo an. 



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DIE COMPOSmOM DES MUSPILLI 175 



(Ber. der sächs. ges. d. wiss. 1866, s. 266f) : Danilicb, dass die 
ff. mit 6dff achoD daduroh ferbuodaii mm« öms. beide 
tftiUt»! nelMiredea eHhialteo (v«rgl. auch Kraus aao, 344)« 
dies lalstev« md Memasd Icttgtten. aber weaa Zameke meinl, 
die eine sIeUe gclM auf dia tlreiieBde» parteieot die aodere auf 
des richter, der über den streit m eotsctieiden luit, se vertätet 
iho sfin bestrebeu, enge inlialüicht^ beziebungen zwischen deo 
beidtfii uiahnungeo auizuweisen, zu einer inihaltbarpn Inter- 
pretation, lienu es ist in den ersten versen nicht von pro- 
eeaaoalisfibem streit die rede, sondern, wie der gebrauch des 
Wortes pägan in vv. 5 und 38 beweist, Ton einem solchen, der im 
JnmpC eslscbiedett wird, der also gani aurserbalb des ricbter- 
baben bereiehs sieht, auch Wilmaons Kst iwiafdiao den baidea 
stellen beiiehangen heraus, die objectiver .baurteiluDf niebl 
•mod balteo. da die ermsbniieg sieh an leute foniehmen Standes 
rieble, so ftsae« meint er, der redner die beiden dinge ins auge, 
die für den stand des edelings eigeulüiiilich sind : kämpf und 
geriebt, v. bO. 64 i. diese beiden dinjfe biliiptpn {lt^iiiiia( ii hier 
«ae natürliche, untrennbare Verbindung, aber die er»ien v^rse 
sprechen nicht von kämpf im allgemeinen, sondern sie betreffen 
das ganz bestimmten kämpf bliitsiferwanter um Isiidbesitx, alse 
sie haben deo erbstreit im aage. dieses nebeo dem richtertnm 
als cbarabterislika des adaliogs bennanwiMan, konnte natttrlich 
kalaem dichter emlallen. 

Also mir die. gaos allgemeiDe bcnebnog bleibt twiscbaD den 
beiden stellen bestehe, dam sie beide mabnungen darstellen, 
daraus gebt an sich doch sicherlich noch nichts für ihre aulein- 
aoderfol<;e hertor. in unserm specielK ii h\\ aber lässt sich 
gerade daraus, dass htide ^ilellen mahnuiti^'rii hedeulen, ein eni- 
»cheidendes moiimnl gegen ihre zusaromeogehürigkett antuhren: 
Bdrolich die causalpsrtikd piäm, lail der die sweite raabnung 
aiagaisilei iaL fergegentiirtigen wir uns doch nur, was damit 
snsgedrUckt wflrel «weil die seelen kriegftthreoder blntsferwaolea 
die siralis des jOogslea tagea fOrcbten mflsaas, ist den ricbtera 
anf erden in empfehlen, dme sie ihr ami onbesicchiidi ausflbeo*. 
will asan hierin einen nrsprQnglichen gedenken sehen, so mtste 
iitaij >riuem autor schon statt künstlerischen unvermü^tu» gei- 
liiges uuputiert'ii. 

Und priil ich nun weiter, weichen auschtuss die zweite 



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176 



JOSEPH 



mahnuDg zur fol^ bin bietet, so steh ich vor einem neuen 
rätsel. ich suche mich vergeblich in den sinn eines dicbiers zu 
versetzen , der nach allem vorherbebandelten sich gerade diesen 
breit ausgemalleo einzelfall auser wählte, um mit ihm zu dem 
majesUltisch anhebenden dritten teil überzuleiten, und als ob er 
ordeollich gesucht hätte, sich den UbergUDg zu verderben, noch 
dieser anhflngselvert 72 ni teoUa tid mtmm nok kt im wUatum 
fAml^ Min, das atQok 63^72 achwcbl an umm jatngMi 
orte völlig in der lolL 

Aber aoUle «ich Id iiDaarm gedidit keine affene stelle ttndettt 
in die sich die vene einfllgten? wir bnucben niehl lange n 
suchen, denn wir denken sefon an jene andre vengruppe, 
deren einerdnung nnsem krilikem scbwierigkeilen maofate s an 
die partie 31—36. 

Zum folgestüGk hin Iflsst sie nichts vermissen, aber wie 
steht es mii ihrem anschlug nach vorn ? scbeial es bei näherem 
zusehen nicht, als ob die ßlden des Zusammenhangs zwischen 
30 uüd 31 wie mit der schere durchschnitten seien? in den 
verseil 25 — 'M) wird die arme seele beklagt, die in der hölie ilires 
irdischen Sündenlebens wegen vergeblich zu Gott um erbörung 
schreit die verse 31 ff schlielsen sich hieran mit der partikel dmne» 
die deutlich auf eine innere beiiehnng der gedanken hinweist, wn 
steckt aber eine solche swiscben den sitsen : *Gott liest die sQndige 
Seele in der hoUe nnerbdrt, so flehenilich sie naoh ihm nfC^ und 
«kein mensch darfbehn jOngslen geriefat fehlen'? kUurlich hat das 
eindringliche» nachdnicksTolle, in den drei versen 32 — 34 dreimal 
hintereinander variierte betonen« dasa sn diesem tennin des jongstett 
gerichts alle menschen erMheinen mOslen, dasa kein einaigar 
sich ihm entziehen kOnne, damit jeder ohne ansnahme da sei, 
nur dann sinn und verstand, wenn vorher von menschen ge- 
sproclien war, die meinen konnten, sie beträfe das jdngste ge- 
riebt nicht, nun wird jedermauu zugeben, dass die Insinuation 
eines solchen gedaniteus niemandem gegenOber näher lag, als 
jener classe von meoRchen, die mit dem richlerami auf etdeo 
betraut sind, ihr richter, urteilt gerecht, weil ihr einst vor dem 
hohern richter rechenscbaft ablegen mdst. gianbi nicht, weil ihr 

^ Dach 7S saf gmd der ka. eiaa Ueke anianehmcB, bat wüdg wal»> 
sehflinUcMMit fttr äeh, v|l. StalttBie|cis folteota sa dlescai vciee In 
USD.* 113. 



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DIE C0IIP06ITI0N DES HU6PILU 177 



Uar MibMT riditer mit, da» ihr dort keinoo richlar ttbor muk 
IMtt i deiB ille fluoMben ohne wilanchMd olltteB dort or- 
MhMon. diMor godank» ergibt sieb, sobald wir das stück 63—72 
in die klaffeiKle spaUe zwischen t. 30 uad 31 einrücken, wir 
i^hesx i wm vorher in der lull schwebte« hier findet os /»eioen 
piatz. 

Und wie die abgerissenen f^deo des vers^ 30 nun wider 
angeknüpft sind, bekommt auch der dritla teil das gedichta (7310 
durch die neue farbiaduog, io die er nach nmaleUiiiig von 
e3— 72 triu, die peaieDde Oberleitimg, 4ie ihm forber gefebU 
baue. «irboreaiDdeoierm 6L«2,eriedieaealeuiaBg»tfoll«r 
erwartttDg der elrafe daatebt, die Ober aie eiysbo adl : da er^ 
IM die poaaane daa evigeo« daa IbiiblerUfibe geriebt aai«- 
ktadi^eB. konola der «bcbtar eindmekafoiler aeiiiem bauptteil 
wacbreiten ? 

Was aber den letzten ausechiag gebeu mag ; Olit dem 6inen 
ruck sehen wir den gesain troechaDismtts in Ordnung gesetzt, 
was sich nämlich noch an fragen des zusammeahaiigs an eaaer 
gadicbi knüpft oder gekoUpfl hat, klärt ausb nunaaehr. 

mahal beifat nicht mehr BaitteodriD einmal irdisches g^ 
ricbl, aoAderp es tritt jeHt ao aiater ateUe in dieaer deei börer 
geipebnleatea bedeMag auf : wid nait wllritaaiiier ateigerung gabt 
dar dicbler mm bier aia dam tiber, ea aal jenea bobeie geriebt 
aMnweaden, daa der eigeotliebe gageaalaDd aeiaea poeoia iet. 

Warum y. 30 ?od weridm im prateritum und v. 36 fon dem- 
selben begnü im plusquaruperfectum die rede iat, sab man bis- 
her nicht recht ein. man glaubte daher vielfach zu änderungen 
des pwerkdt hapeta schrei tea zu müssen, die verse, die jetzt da- 
zwischen treten, eathalten besUmniie taten, auf die sich daa pUia» 
^Bampcrfactam aurOckbeiiebt. der diebter will sageo : Ober 
aaie be dia^ wie die enühoteBv die der menaeb daamla. bagpagea 
aad 4er leofei gabwebt batlOi naaa er aieb ver deaa htmialiaehea 
ricbler feraatarorten, 

Ver allen aber leocblet jetat die grefte gliederuog eia* die 
leiee $7 aad 73, die, wie WilmaBna achon hervorhob, aieb fomell 
ate anfange neuer teile chäraktensiereu, begiaueu nunmehr teile, 
die auch luhalihch aufs deutlichste in sich abgegrenzt sind. 

Ebenfalls sah Wilmanns richtig, dass der dichter von vorn- 
herein auf sein hauptthema den blick gerichtet halte und daher 
2. F. D. A. XLU. f. IXX. 12 



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178 



JOSEPH DIB COMPOSiTlON DES MÜSPILU 



flowol deD erslOD wie den iweiteo teil mit maliDiiDgeo bcecblielM, 
die auf dae jaogate gericbl weiaen. aber erst jetst tritt die plan- 
VDfle sfBiaDetrie der erdouog bcrvor. an dea teil* der tod hioinel 
uad hdlle oder von der rangordnuDg der meiiecbeD ioB jenaeitigeD 

lebeo handelt, kDOpIt sich eine standesbetraebtuog , die sich tof 
das diesseitige leben bezieht, an den teil, der ?on dem uoler- 
gang der ^tsaniteo well hatuieU, knüpU sich eine i>eirdciiiuDg 
Uber den besitz des einzelnen. 

Damit wird auch gleichzeitig die leodeoz iilar, die den dicbUir 
bei seineo mahDUDgen leitet : er will die nichtigkeit alles irdiachea 
predigen, an tage des jüngsten gericbta, da gilt kein rang, da 
gilt kein gut nur nacb den taten dea menaehen wird gefragt 
daa iat die lebre, die er den benen seiner bOrer einprägen will, 
das ist der gedankengang, der aeine phantaaie in poetiacber ge- 
staltnng treibt, sicherlieh werden es Terbflltnisse der eigeoea 
zeit sein, die ihm den Stoff zu seinen mahnungen gegeben hahen, 
und kreise der edlen, die er tiabei im auge hat. ob einer be- 
stimmten hohen adresse tos gewissen geredet werden sollte? wer 
will es entscheiden! wir kOnneo nur sagen, dass mit der zwei- 
ten mafanung, mit dem vers 

widr ut dem» dw marka, ddr man där eo mir 

jiM^ mä$on pMkc? 
anf die traurigen awiatigkeitcn angcapielt werden konnte, die 
unter den sObnen Ludwigs des Fronnien auabracben. ond wir 
dflHen weiter termoten, dasa in Ludwigs des Deutschen gewissen, 
wenn er das gedieht htirte oder las, reuig wehmutvolle er- 
iunerungen wach geworden sein werden : ciii umstand, der zu- 
gleich ahnen Uisst, was dm aufzeichuuug in dieses köoigs bucli 
veraulaspie ! 

Wie die Verwirrung der Überlieferung entsiand| ist teicbt 
einsusehen. es durlle ihr ein fehler xu gründe liegen, wie wir 
ibn so sehr biufig beobachten können, das auge dea acbreibera 
glitt ▼OQ dem mühal v. 63 auf das mahal 81 und flberaprang 
infolgedeaaen die ferse 31—36. diese wurden dann — vielieicbt 
zu ende der aeite — naebgetragen und blieben bei einer epäteni 
copie bier atebn, analatt in die richtige stelle eingerQckt lo 
werden. 

Strafsburg i. E. ELüfiN JOSEPH. 



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aMABaAfiETA UND DANIEL. 
tocntOcKB AHB umii mnKäimmi PAftuoRAL w ▼im«. 

I. 

Unter allen pergamentblättem , die schon mr längerer zeit 
von acten, zu deren einbände sie dienten, losgelöst toorden sind, 
fand irh kürzh'ch im herzogl. laiidt'sh(n}ptnrf.hive zu Wolfenbüttel 
%wei zusammengehönge stUcke, die den obern teil eines blattes aus- 
machten und mit altdeutschen otrsen beschrieben sind, die hand* 
tdurift, der dae blatt angMrte, mu$$ Mm simtlidier grüße f0- 
iMwii idk «ienii tire bnitt hürasß 22,5 em, wäknnd für die 
gmmure bendmvng dkr«r höhe ankaUspumte fdUm* dae Uatt itt 
m xwei tpaUm betdirkbm, die j$ 8,2 — tm hreit emd und 
«Amh »mitthenraum wm 0,9 em breüe snoiethen sieh kusen. die 
Schrift, die man noch sehr gut einer hand des 13 jhs. zuschreiben 
kann, stelu zwischen linien, die in einer entfemung von 0,5 cm 
mit tinte gezogen sind, auch die seiUf. der beiden spalten sind 
durch feine linien begrenzt, die verse sind fortlaufend wie prosa 
geechrieben, doch sind die versenden durch pnncte deutlich bezeichnet, 

B$ sind wu auf diese weise vier emsuim pottieehe brwh^ 
Jücfo, die je 16^18 nme ikberUefer», erhalten leordm. drei 
daoan ^Mrm offMar ssueammen; tfe behandeln die l$§enda dar 
htsUfiea\ MargateU» währmid dae vierte den prophOen IhuM in 
der Ufwengmbe mm gegenetande Aof. der dkhier ist offenbar ein 
Minddeuischer gewesen, für den md. dialekt der hs. sprechen die 
endungen -lu, -i! und -int (r 9. 11. ii 9. 16. 17- in 2. 5 iv 5; 
vgl. Whld Mhd. gramm. § 41j, dte formm l»er für er (i 1. ir 5. 
IV 6. 11. 13. Whld § 225), di für der (n 11. Whld § 4G4), der 
gebrauch von gruoi aU femininum (ii 10. vg!. Lexe^- i 1101), für 
amL heimat des diäuers, und saoar teilweise für Thüringen die 
rwüne porCe : fahrte (i 11), geb6rt : wort (ni 2. Whld § 79), tonfe: 
▼erkoafeD (n 2), bende : hendeo (n 12), vorware : bi den bare (iv 2^ 
tage : dagea (if 14. Whld { 199), gewis : h (ni 10. WUd § 347). 

Da die veree auf die heilige Margarete wtit den hidang 
verÖffhUHthten gedachten ^ , so weit ich es habe verfolgen können, 
keine gemeinachaft zeigen, somit ein neues zeuytus für die grofse 
Verbreitung und btUehtheü abgehen, deren sich jener legendenstoff 

* für die xfhr reiche litterntnr v^nnfif irh nur auf Ff^ogt Bfitr, 
1,263^,- /f t'f^'f^iit r im Mfis:dfhnrf:t>r prograrnfn LLFr. iblH, *,^fi Strauch 
Z«. 37, U// da^u Gra/Junäer Ad. jahrö, 19, 131 /l 

12* 



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180 



ZIMMERMANN 



während des mo.s in DeutsMa7id erfreute, so wird ein (Uidruck 
der bruehrtücke wol nicht unUruhUgt erschemtH, nach den la- 
teinifchen Worten, die der dichter seinen verten einflicht, tthemt €r 
M iäMT arbeit eine kUeiniidi» wurk^ benmtMt sm kokmL doA 
üt «t mir nkk gäumgen^ €im Mke miiißnd^ mu madm, dar 
ttsst der U§ndi» dm di$ Aelm Sanetwum (Jiiltt ? i. 24f) mtMlm^ 
hiää mir an timr sfc/le ßmige ankldn^K 

Im naekfatgendm Mrudc hob üdi ab vnd widergegebem, 
die eigennamen durdig^ends mit gre/ien anfangttnuhtiaben ge- 
schrieben und die inUrpunclion eingeführt, sonst aber d(U biLd der 
At. treu gewahrt, ergdnzungen sind cursiv gegeben. 

Das 1 bi Hchstück sdnldert, w)e Margarete im kerker in innigem 
gebet durch die erscheinung Christi, der die kreuzeswundm trdgt,, 
und ferne warte : 'le exspectant ianue negni celorum' %u neuem 
aM$kairrm gutdrkt wirdp den hdtnngm und drohmgm dea OUbrioM 
mtmnhaften widerttand %u leisten, dann kokn $ie dk boten det 
UtMtann mar HdüMdite ah, 

1 alM her ge marteret wart, 

sine bende ao das eruce gespart 

vnd mit den negelen durch slagen, 

ich ^^\[ uch daz vor war aageo« 
5 vüii durch ' sine vüze, 

ob ich iz vch sageo müze, 

sine Site stvoden ofifeo. 

Margareta mochte wol hoffeDi 

do si horte aprecbin Jeaum: 
10 Te eiapectant ianue rogtii eeloniiii, 

6ax aprichit > : din wartest dea himelrichea porte. 

Margareta daz gerae horte 

▼Dd dankete voseme berren aan. 

do quameo Olibrius holeu ^ao 
15 VQd Zügen si hin au daz richte 

zil alle der Inte 

in der lücke hier werden neue versuche, den glaubensüarken tum 
der Margarete xm beugen , erzählt worden sein, dickt vor dem 
n bruchstücke muss dann die drohnmg mü dem wanertode gaHmtdan 
haben, die ata tu den amen vertan dieem afOofeei alt iaufa firdh^ 

* «. «• SM .n 15; doek ngi* mutmekr Zmienina wiImi «. 183 f. 
■ dnrcbboretf ' he* spridunU 



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S. M^GAUEIA mi) DANIEL 



181 



lieh willkommen keifst. Olibnus lässt sie gefessek im wasser 
werfen, aber Gou löst ihre bantk und rettei me. 
n ich woldiz selue eisclie, 

du wazer si mia loule. 

got Jiez sich verkaulea 

▼or alie di iPirit gemwoe; 

5 Dv wil ber mich MtdMii moe 
fott aUui miMü STiideii» 

im dt» mmtn wmUa, 

Olifafim sprtcb aiiw do; 

oemit si wt wnd werfet si h«^ 
10 daz si valle an di gruuL 

gol di iozte au der sluoL 

Margareten beade> 

voQ vüzea vod von headeii. 

lule hef do Margareta: 
tu Diampiali, dMiner vincirfft nea 

Dai ■pncbift : goC hal nioe beode lA brocbin, 

Doeb bliuel fogerocbio» 

OUbrius grot leit spracb 
dw hier flUmim vm$ wardm dm befehl dm OUMm, Margarete 
SN UUm, ihr gebet zu Gott usw. enthalien haben, im dritten 
bruehstücke tröstet die heilige eine himmltsche stimme und »erheifst 
ihr das hmimelreich. sie fordert Maichus auf, dsn todesstreich zu 
führen, der ihr himmlischen lohn einbrmgeH werd». 
ui Äudita est oiado lua, 

Daz sprichit : ich baue dia gabel gebort 

fod dasbe dir al aulebe worl, 

dai da an diner^ wdage 

6 bedlacbt baat dea menacbiii dage 
vDd ntcbr ne «oreblea den tot 
du tolt noeb httte dme nof 
oorwiDoeu vud seliu daz ewige licht, 
dar oe macbtu voo scheiden oiclit. 

> k$. bendeo. ' /4cta Sanctorum JuH ▼ «. 30 : [MargareUi] orabat 
Wmimam üum; Biannpe, OomiM, Tiacota itta, al •acriflatfli tibi neri- 
%mm Mi* ci vMeotea poputi ctadaat» ^ia ta «• Daaa iolaa tt lioriaana 
fMai aanadM ist* wict igaorat 

[* wadife ak fem. 9tneiekiwi mir da» Mmd. wk» B, SCff»] 



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Ig2 ZIMHERHANN 8. MARGARETA UND DANIEL 



10 dm wet sicher vod gewis, 
de wile in hknelricbe is 
got gew^ich mde her, 

du De 8ok n? nicht beiten mer« 

vud riel Slargarela alsus: 
15 war bistu nv, Malchus? 
kvuj, 8la den slach violiche, 
ob du will teil hauen in himelncA« 
Bald hierauf mms das gedieht geschlossen haben, denn das 
IV bruchsiUck gehört schon einem andern gedickte an, das offenbar 
äm ffftpkuen Daniel behandeU, 

IV Itabylooe ich ne negewch, 

der leowea grAwen ne weiz ich Dicht vorware. 
der eogel oam in bi den bare 
vnd vorCen, dar Daniel vor den leuwen aaf. 
5 nv ▼ornemit di rede TorbaK. 
her sprach : disae spise bal dir (jgot) gesant 
do daokede Daniel alsü bant 
gote innicblicbe 
▼nde sprach mliche: 
10 got de ne vergaz nie der sinen, 

daz lezet her iiv wol ;in mir äcbiüen. 
der fiiophcte wart vf geuoiiJün 
vnd vort danoe her was sjekomen. 
der küDinch an deme seveudeo tage 
15 Wolde Daniele clagen 
vod beweine .... 
Wolfenbflilel. PAUL ZIMMERMANN. 

II». 

Das nebeneinander von Margaicu uiul Daniel hat nichts 

aulfallendes: der festlag des prophetpii ist Dämlich der 21 juli, 

der der nothelferin der 2ü juli (weuii;stens in einen» grolseu teil 

der calendarieii, andere feiern ihn am 13 j'Hi). das blatl dieser 

hs. grüsteo fornials slauimt also aus einem passional, das die 

heiligen nach der Ordnung des kirchenjabrs behandelte« wobei 

* ich hatte die fragmente Konrad Zwierziaa, deo ich mit umraneadtn 
Studien äb«r die Margarelenlegende bescliafiiijt wustf, vorfrelpf? t , und was 
hier folgt, i'^f srir:frn briff rnfnomnipit. Her tilel , unter dem wir die frag- 
mente publicieren, gehl hereiis aut seuie auskänfte surück. E.SGH. 



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ZWIERZINA S. MARGAHETA DmEL 



1B3 



daoB auf SMargareta nolweodig SDaoiel proph. folgeo muste. 
ob in der Iis. das gaoze ktrchenjahr oder nur etwa der sommer- 
t(ii abgehandelt war, ist natürlich nicht m^hr auszumachen. 
IV 1. 2 spricht Habaciic, in v. 3, der prophete v 12 t'ehu eben- 
falls auf ihn. die iegendansche erzahiuug wurde io Marg. und 
Daniel ziemlich stark gekttnl, wie sich au» dem fragm. äai 
sicberheit ergibt, ein beweis mehr, dass wir es mil einem gaoien 
pMsioDal, das für jeden einietnen beiligaft nicht alliuviel ratMD 
Obrig balle, i« too babao. die kamiogeD kUDotan reohi wol 
achon in der hitaiD. forlaga atattgefiiDden baban, wie deon knappei« 
faaMogan der MargarataolegeDde widerbok begegDen päd die 
vtta gaM ongekOnt kaum Ja vorkomml : die gleicben auslaseuDgeo 
Ireilicb bab icb in keiner lalein. bs. der qnella gefunden. 

Die quelle der Marg. iai die im Sanetuarium des Mombritiua 
gedruckte fite, die schon Vogt ala rorlage der meisten Margareten- 
l»*i,'pndeu in der vernaciila, soweit sie aller sind als das compea- 
diuni bei Jacobus de Vuragiue, iiaciigewieseo hat. diese vita siebt 
freilich nicht in den AASS. gedruckt, aber sie ist anderweit mehr- 
fach zugäogig gemacht worden, in neuerer zeil wurdi itei lexl 
aus Moniljritins selbst zum abdruck ^'ebraclit bei Wiese Eine all- 
loHibard. Margaretenlegende (Ualle 1890) s. vi — xviii; eine andere, 
seiur aUe hs« (Barl. 5327t moc. 11), deren Überlieferung der im 
Sanctoarium weit vomizieben iat, druckte Assmann, Bibl. der 
ags. prosa begr. v. Grein iii (Rassel 1889) 208 ff, eine Prager bs. 
-dea 13 jhs. Patera in Clasopis Ceskebo museo (Zs. des dech.museuflM) 
1878, endlich druckte neuerdings PPiper in EQracbnera DNL 163, 
s. 334 — ^346 dan text dieser ?ila aus der bs. von Huri (12 jh.)t die 
auch die Hariensequenz (Denkm.XLtn) entbftlt* umfingliche proben 
von tum teil aus dem 9 und 10 jh. staomiendan Pariser (reap. 
Londoner, BerKner u. Hannoferaner) has. siebn bei Joly La vie 
de Ste Marguerite (Paris 1870) 131—141, Spencer La vie de 
Ste Marguerite (Leipziger diss.) s. 48 — 53, Stern Zeilscb. f. cell, 
pbil. 1, 122Ü' (unter dem texte), die laleiu. verse, die iu den 
Zimmermannschen fragmenten eingestreut sind, finden sich sämt- 
lich au iU'u correspondierenden stellen der quelle, uzw. i 10 
Te expectant inmie regni celornm bei Assmann aao. 215, 243 
te sanciae expeclaal portae paradisi {mnctae teiiit in allen übrigen 
mir sur stelle vorliegenden 14 hs. u. bei Mombr.), an einer 
spateren stalle, aber auch dort, wie hier, ala anspräche einer 



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184 



ZWIERZINA 



himiDliscfaeD erächeinuDg Ässmaon 219, 384: aperiam tibi regiam 
taehrum (Mooibr. sowie d. hss. Jolys u. Speacera : ianmm ngid 
wAmnm), ferner ii 15 : JHsrnpitii, imim , umaUa mta \m 
AsHMOii 217, 3Sd 'm uMiilUdbir foruigelMBdMi ^Bbel« der 
beilig«B (hier bitt«^ dort daik) i üfumf «AmhIb mm S eadlidi m i 
[iiiMh «9« bMMf MaMKMij m mwo^ ftw M Aasnaia 219, 974 
an goDttt correspondieranto ilell« : wttdftag ümI dqnmaliHiii 
IIHW (iOMndfirtf eif igfhur mf^ fiM Jolys bs., flBvmMrM uml 
oro/io««* /IM« Paleras Prager hs.)- auch sonst stiiumi vieles 
wort für wort u. widerspricht nichts, die einzige hedeateodere at>- 
weicbung der Wolfenhültler fraginentc Ton der bei Mombritius zuerst 
gedruckten lateio. vita findet sich gleich zu aofaag i 1 ff. während 
in der vita Margareten nur das kreuz Christi erscheint und darober 
eine taube, die daon da» i 10 cilierte wort an sie richlel, er- 
Mbeint bier ieam wm bmn und spricbt lie Mlbat an* ca ist 
daa wol sncb aioer jaaer biofigan Oll«, wo dia bearbeitar tan 
lagendeD aieb durah bildUaba darataHangaa, dia sie in arinoaniBg 
bdiao, baainlhisaan lasseo. in aioar aotcban war jedaaCiUa daa 
kreuz durch das crucifix ersetzt, dh. anschaulicher gemacht, und 
der ileutbcbe verf. erionerl sich ihrer, bekanntlich wird die 
beilige immer jn der situaiiou dargesLelli, die an dieser stelle 
geschildert ist : Margareta den fufs auf dem tirachen zur er- 
scheiouog des kreuzes oder einem gewöhnlichen bolzkreuz auf- 
bückend, auf daa kränz war hier nun auch der gekreuzigle 
ganall oder gaacbnitiU sehr bftoig babao dia bildar in bildarbM. 
dar laganda auf diaae aalbal aingawflrfct, ao daaa dar tat mit dam 
dain gabgrigan bild dar ba. in ainklang gabraebt, rcap. dia be- 
treffende aitoatioD Qbar dia knappere angaba dar qndla hinana 
ausgematt wnrda. ain beisptel davon bietet die fon Wieae edierte 
allloriibard. Margaretenlegende» was ihr herausgeber oicliL bcmeiUt 
bat. dabei brauchen di«; bilden in den erhaltenen hss. nicht 
mehr genau zu stimmen, da der leit auf die bilder des Originals 

' diese divergeoz twischeo den Ist. citat io den frag», aed der stelle 
in der Tita ist foIgeDdemoitiBeD so erkiireo. in der rtta, bei Assoiaiia 

217, 323 f klingrt das ijebet Margaretas dirumpe nmctila mea et tibi sacri' 
ficaho hosdüT/i lauäit ao Ps. cxv Ii an, dieser abrr heifst Dirupisti uin- 
culii mra, tiln tacrificabo hostüim latidrs. mit ab^irhf oder auch unwill- 
kürlich bring l also der deutsche bearbeiler das cilal iü die genauere form 
der ihm zu grunde liegenden bibelstelle; ein Torgang, der sich auch bei den 
selnibeni latelak vHae oad passieDcs oft and oft keobeehtca liiat» 



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S. MARGARETA UIND DAISlfiL 185 

lurückgieog, diese aber später aus technischeo oder anderen 
grüudeo verändert wurden, resp. wegbleiben kooolen. ah eine 
bilderhs. oder abschrifl einer solchen ist damit das Woileubültler 
passionai noch nicht erwiesen, da hier die erinnerwng an eio 
bild oder eine statue in der kircbe oä. vorliegen kann. 

1 16 iei fweifeilos n cigtoieii ; mu «ib ä»r JM» ftiehte, mp. 
(ndttcUcntMll) ttokte. s. Assmaon 217 , 806 tt uenerunt eeUri chn'tatum 
liidere, qtiae pafiebattir c\c. — n 2 diz t/>/i»#r mtn /om/p AsHm. 2 17, 325 : 
fiat mihi hufc aqua fons haplismi mdefieieru. — n 5 nt> wil er mich 
machen reine von allen mincn siinden in det wazers unden : Assm. 217,328 
et abluai me aqua isla in uitam aetemam, derselbe reim auch bei 
Wftid ; JKm iütm ww ir mm t k t mit tte fra/ nätk Mftwt Aü'nii 
$it uU6 dam wM 4m MSm «mmmAm von t^Mm, — n tOf gw y mU 
w e tt tm t, fint ihnl. Weuel tSSf : tmd i^rpm in du wmMW9 gnmt d$ 
kam gefüfgen iud mttlhuU etc. — u 11 ff got di lotte . . . JfiwyMvim 
bende von väzen vnd von hende — Tune solutae sunt manus #t ptdut 
«ivs Assm. 217, 334. — ti 17 ). nicht f. nocht — n 4f Das du an diner 
wetage bedacht hast des ntenschin clage » Assm. 219, 375 ßeaia es tu, 
qua« in poenis tut's memorMti omnes peccaiores. — lu 7 f Du soll noch 
hüte dine not vorwinnen und sehn daz ewige Ueht usw. Assm. 219,383 
IW mMm I« heum iUi praeparolhm, — m 13 gehört iiclMr nr nde 
MaigafeteM, nh der aie ta henkir tellwt hcrbdnft, elao wM m 14 imMf 
n etieicbei ado. — m 16ir «mm* bU In iie, MMmf htm, «Is 4m eiaeh 
vroUche^ ob du toilt teil hauen in himelrieka : lebhafter als Assm. 
219, 395 ff : Fraier (218, 346 wird er Malchus genannt), tolle nunc gla- 
dium tvum f^t percuie «m. ...... $i hoe non feeeris, non habebi* parUm 

Wiecum in paradiso. 

Fnigm. I erzählt was bei Assmann 215, 242—217, 397 steht, nur die 
ganze, m vielen (auch lateio.) bearbeitern aDslöfgige beichte des teufeia 
215, 24Ö — 2lö schluss ist fortgelassen, 

fragm. ii — Assm. 217, ^23— 21b, 345, aber die reden Margaretens 
afod gekflfit, die rede der taube md die bckehraog der omslebendeo ist 
fortgeham. iwiacbea firagoi. i ond n war das twef le rerhör nad die feoer- 
■artcr ertfbll (Aaan. 817^ S07-321). 

ftagn. n «• Aasm. 1\% 314-406, aber die aoipnwiM der lilmHifBehea 
aliaate iat fakSnt, die predigt Ibigaretena an die onalcluideB (Aaeai. 
S16, 386^64) Milt gaoi , ebeoae dea Malcbus Weigerung , sein henkeramt 
10 tno. den raom iwischen fragm. n und iii füllte der hinrichtuugsbefehl 
(Aasn. 218, 343 f), die rinführnng der erscheiauog vom himniel (Assm. 
218, 367 fr), vor allem aber das beiiaoote fürbitteagebet der notbeiferla 
(Assm. 218, 348—366). 

Grat. &OMRAD ZWili^aZIi^A. 



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DER ALTDEUTSCHE HEILSPRUCH GEGEN 
DIE FALLENDE SUCHT. 

Uttcntor bei SteiDmeyer Denkm.* n 300 ff und Kögel Gesch. d. d. litt 
1 1» 2660, dtM GKraiis Zt. f. ötL gymo. 1896, s. 338 ff. 

Ich Stelle im folgenden, wie ecboo Scherer gettn bat, die 

beiden fassungen neben einander, die Münchener hs. cod. !aL 
14763 hab ich selbst verglichen, dem deutsche n lieilspinch auf 
bl. 88b £?**hii daselbst zwpj lalein. anweisiini^ni voraus p fhiXH 
fanguinif, \ Opilau [up frotue in uiraq, \ aure facta cruu. de fan- 

fm)m ipfß kiOf tf I ^^/* y dmHn& Mumiiui { N . 

Üao pr0 kiffiibnf , äna \ dexirU p^Ü fukando ttr \ cU pH. ür. 
dano UAgi auf derselbeo teile, die in die i weite spalte binaber- 
gezogen ist, durch einen verticalstrich vom ende des zweilea 

segeiis. geschieden Doner dutiger; p cadente mär und auf weitera 
14 Zeilen der U'Xl des deutschen Spruches. 

Pariser bs. (P) MUnchener bs. (M) 

ttberscbriÜL 

€ontra tadttam Morsum. Pro eadmUe morbo. 

anweisuDg IlBr den heibrxt ' 
Aecedß ad infirrmm iaeentm et a 

sinisiro usque ad dexiium spacians 
tieque super eum stans die ter: 

1 beispiel. 

Dotier dtilt^o, dietewigo, Donar dutiger, dietmahüger^ 

46 qieam da Itu/efot sin» ttmoni üfderAddmoM^pnueke^ 
^ Adäma hruggw 

und$ teUifa oekUÖU* dm Mn semo wÜoK 
etfien eioin es wito. 

Do quam der Addmes eun Stuont^ des Äddme%'' xun 

unde slnog den tiufeles sun unt sloc ^ dm tieueles zun 

snio %'eiMro siüäon. zü der Stüde inK 

3 beispiel. 

Pdkms ittonta Sau Msr «onle 

Pauhtm Hneti hrwdar ztnen prüder Pmikn^ 

da» er adenma dderon forbunde, daz er 
Pontmm, patum frepunte, den paten, 

ferstiez er den Saianan. frigeze den Satndtk 



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GRIENBERGER HfilLSPBÜCU ti£G£N FALLENDE SUCflT 187 



anweuduDg. 

Abö tuon th dih unmnar äthmo Friwize^^ dih unreiner dtem ^* 

fon disemo christenen Hehamen ahö seierü, fm üttm mmmUm^^ stf merOt 
iMrdt lmt% disemo christenen Uehamen jd adtro, 

90 ik wiü 4m ktmdm die «rdon bm»$r$l %d diu haut wenM^^ Mir trim! 

anweisuDg für deo heilarzt. 

El tätige terram utiaqua manu et Ter cum pater noitv, 

dk pater m^ter. Post h^c transilias 
ad dijctram et dextro pede dextrutn 
Uuus eius lange et die: 

«otlassuDg. 

Stant üfl waz was dir? 
S$t dir giböt dir t», 

soweisttog. 
Bat ur fat a mox uidi^ infirmitm 
mtr$an amm* 

luterpuDCtion und circumflexe rühren von mir her. die 
durchweg langen / der hs. schreib ich s, auilusungen, grul^- oder 
kleioschreihun^ von aulaogsbucbstabeo, zweifelhatie lesuogen geb 
ich besoDiiiTs an: 

1 diet mahtigBr 2 adamez 3 pucclie das erste c aus r COfffi- 
giert 4 /eiiote b ff'ile 6 in üttionl das auälauleude t wie r 
7 adame* S in floe das I aos • corrigiert 9 /iß'dBin 10 jmT 
11 pMtlem 11 ftOnath wie fmaih \Z Mwta» 14 ütB 
15 «mim/cM 16 9^§M wie Wemtt 

Die ortfeüDgrapbisebeo besooderheitett der M OocheDer faaaoDg 
siod : 8 s fOr s uod twar aolautend swfi (bis), seilen, %o (bis), 
inlautend friwize uod auslautend adamez (bis), niemals aber in 
consouaniischer bindnng, gegen 14 s : saut, sante, satnath, disemo, 
deSf tietteles, stuont (bis), stein, sloc, slüde, schUöte, meneschen, 
sdero, lerner 3 r-nnetatheseii : freptmte, frigeze, friwize gegen 
1 gewAhuliches ferbunte, emliich 2 anscheinend md. li : zu, prüder 
gegen 2 «o in stuont und 1 wol gleicbfalis als o di. uo ge- 
meintes 0 in sloc. 

Dbi adjectiv dutigo, dutigir stell ich gleich frUhnhd. duttig 
*mainino8U8\ aucb id den compoaitia grMMduUig uod tdUappduUig^ 
DWb. n 1772, lu ahd. iuti9 twm«, ItcM, iMffa swf. «mamniat 
mm% pL «üben*, dim. dnOUfd^ und tuUüi, Graff in 381 ; üiti- 
wigo in nneigentlicbes compositum mit dem gen. sing, des stf. 



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Ig8 GBiEfiBERGfiR 



diu und *wigü gleich ag«. wiga^ ahd. lu uuidaruuigun *reb«»l!e8\ 
^aff 1 707. diehtmühiiger dagegeü ist echtes compositum un4 
gehört in (iic kategorie vod un-maAftp *iBvalitltis*, d-mahh'g 'etlKtus', 
ala-mahtig *omnipotens', GiafT ii 6^18, anHd. mer-tnahtigaro My- 
ranBorum', wogegen CifcM}yiemaÄ/-i(; ^scibile , Ao^emd/U-i^ 'babiü&, 
BQtceptibilis', Graff aao., die Kraus vergleichen wollte, eine gaoi 
aodere kategorie daraleUea, in der nicht da» fertige adjectiv de- 
termioiert, sondern aus dem fertigen compositum ein adj. ab- 
geleitet wird. dMmdUig ferbslt sich alao wie as. tlMaeaA^ 
mbd. iitlMßg§ ood hier, wie in dem nur etwa« aodera gebildeten 
dktmHgo der Pariser faasuDg wird durch daa Toraosgesettte wori 
lediglich eine Steigerung des hegrilb beworkt, sodass wir das eine 
mit *falde robuatus* das andre mit ^archipugil' Obersetieo dOrfea. 

Was aber ^mammosus' io dieseos susammenhange tu bedeuten 
habe, ist nicht schwer so erraten, der Jhn$r wird persönlich 
und zwar im besondern riesiscb vorgestellt, als eiu beleibter 
mann mit grofsen brüsten, eine Vorstellung, deren anatomische 
richtigkeil ni;iD leichl an musculoseo müDnern mit reicblicheoi 
fctlpolster, rillileten zb. oder fleischeru , iiacliprüft-n kann, dass 
nicht *tuttigo eDtsprechend ?\\(\. tuHo >l('ht, hat seiucn grund in 
der bei diesem wurte schon IrOh auiiretenden consonantischeu 
erieichieruog des aalauts. 

Wahrend nun in der fassung die dem ursprOnglichen 
texte dea spruchea wet näher stehn mag, der etngang *Dnoer 
mammosus valde robustus stabat in ponte Adam' gnmmatisch 
▼ottkommen gisit ist, hat die fasauog P eino tempovsle construo- 
tiMi Httoc veok filins diaboli in pontem Adam', bei welcher die 
erste teile ^Dooer mamoKiMm arehippgH' wie der rast eines fcr> 
stftmm e itcn ferdefsattea aussieht und eigentikh gans in der luft 
steht, aber ich glaube doch nicht, dass hier wOrUich eine ver- 
stOmmehtng vorligt, die auf rechnuog des vergessene wichtiger 
satibestandleile zurückzuführen wäre, sondern eher eine er- 
Weiterung in tonn etnes temporalsatzes, die den unverständlich 
gewordenen < in^Mug erlaulern soll, des tiufeles sun ist demnach 
apposiLiun zum subject Doner uud die eiuleiluo|$ oitl 4ö ein 
formelhafter eingang der erzaiiiung. 

Was die ^AdarasbrUcke' sei, bab ich nicht aushndig machen 
können, und ich bin nicht siciier, ob die folgende au» Zedier» 
gmfsem üniversalleiicon i 45B (17^2) stammende netit etwaa 



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H£ILSPB(JCH GfiGfiN FALLENDE SUCHT 1^9 



nr erklirung leistet : *AdMD«brttck, alM weNea die landbanke 
a der mmä Cefka fem denen eiiMrohiieMi tevemiet, d ie pei l 
ai gbulieD, Adm Mb «uf dieser ineolfewehiief. ebendesellM 
Mcb : ^Adame-pic eder Adem-hOle, eM eehr Iwlwr uad fMdwr 
bcrg auf der imqI Ceyl^o 4d Asies'. geograpbiadie mit Aimt^ 
losaiiHDeDgeeetzte oameii gHit es ja mehrfach, man erwartet aber 
10 deoi termiuus Adamen pruccha woi eher ein appellativuna. 

JedesfailH aber ist die *Adamsbi ücke' das loca), in welchem 
d«»r Doner auilriU uod von wo er dano von dem Adames s^m, 
dl. ja (k>cb wel Chriitija» uü deu waid, abd. a^tkde 'aüva', Graff 
«l651, fertrieben wird. 

Kern tweifal heracbt Ober die bede«tUBg des sweiten ealiee 
muk «offdki edM» 4täm et «de P, ecAttdü dm Mki «mm mia, 
di eieb ja «ber dea ainii dee ferbime nieiit Mreiteii lleat, et 
bedeoiel naoli andd« fiartekUm (sal) 'oeBcldel% gl. Lips, aOO; ^ 
teHm ^eaedere* (laedas), Diotielni it 349, «M. rnnMün ■■er- 
spalten' (cii. mit einer zur faser des holzen parallel lauleudeu 
i^rdilwiiriiuüg gegeo zerschröten ^zersägen' mit solcher senkrecht 
aar -die faser, Mhd. wb. ii 2, 165), nhd. holz scheiUn, Voc. 1618, 
Scbmeller-Fr. ii 4b4 selbstverständlich nichts jmders als *ter- 
irtlniMfirn , zerschlagen* and der beisatz ee wite, oder seme v>üe 
iBiMi ein Uoleee bild, bei dem es ledigkcb auf die form der 
bnKheUloke, die fleidi lioiiaebeiieni uod ipilmeB «ntar den 
»erfcieug des Bleiiii|MlteiidflB fiesen wegfliegen« nniHiainit. das 
bedenken HQUenbofls gegen die snllssigkeit des auedmclM 'IioIb' 
■er nobegrtndel^ da ee ketoem unMangenen einMIen wird su 
glauben, daes aas «ertrttmmertem steine wOrklicbes holz evtstebe. 
UAQ Vgl. (iocil unsre redensarl 'zu scherbeu hauen', die ein be- 
kanntes htid viiu Arndt ebenso metaphorisch auT menschen, nicht 
etwa auf lOpfe, anwendet, mhd. wite, wit, auch ahd. witu stmn. 
m aber in der tat frorztigaweiae« bair. der wii (Salzburg, md) 
anaiebbefolich * kleinbolz zum ttnieiiOnden mdk ao dem be- 
nimnlM artikel in M dm jf sin -nwie wiile *den «lein «um bolse* 
dvf mam aioh nkhl stolaen, da denelbe niobts anderes als die 
^nngsbeMifibnnng eoiblH. die gescfaildeffCe scnne ist wie ein 
dwalisoher nnftritt aniuseben, in welebem das serHHmnwm des 
Heines als eine art kraflprofoe oder eine cbarakteristtscbe band- 
king des starken und gefdbrliciien uuboldes erscheinL die 
icbiiderung in M ist überbaopt lebhaiter und anecbauiicher, wes- 



190 



GIU£NBERGER 



halb sie auch lu ilciii loigeiKif'ii zü der Stüde in deu bestiiiinUeri 
artikel st'lzl gegen dat» aügeuieiuere zuo zeinero stüdon vou P. 
der sioü der kieioeo sceue ist aber doch gewtö der, dass der 
heidnische dänion, der hier als tmfeles sun schon ganz in dea 
vorsieUuogskreii des cbrisiiicbeu leutels biu eingezogen ist, durcb 
CbrisUis Überwunden und abgewendet wird, die beziehuug des 
Doner sum epiieptiscbeu anfall muss, wie ecbon Müüenboff be- 
merkte« in der ferm dee leiden» ihren grund baben. die epi- 
leptiker worden von ihren anfllUen plOUlich beimgeBUcht, soda« 
tie oft gans ohne vorhergehnde anseichen« nichl aellen aoch mit 
einem gellenden schrei, xusammenatUnen, wo sie sich eben be- 
finden, es Hast sich demnach leicht die vorateilung erkennen, 
daaa der tatiadilicb wie vom bliU getroffen luaammenhreehende 
epilepiiker einem, nur eben nicht sinnftUigen donneratreiche sum 
opfer falle, das zweite beispiel des segens nennt blofa ebristlicbe 
iiamen und steliL eine ail piacedenzfail dar, dessen bedeutUDg für 
deu gegebenen fall durcli das alsö tuon ih dih der folgenden an- 
wenduns; in P ganz klar wird. 'Petrus entsendete seinen bruder 
Paul, dass ei ädern verbinde', wobei nur das verbiiin des üual- 
Satzes nicht etwa im sinne von V iiu ii ^t llKlnd anlegen', sondern 
als 'mit einander verbinden, vereinigen' aufzufassen ist, denn von 
aua einer wunde blutenden ädern ist hier nicbt die rede» sondern 
Ton einer Innern atttrung, die als unsichtbare locale trennung dea 
xuaammenhanges gefoast ist. in P steht nicbt eigentlich daz etp 
aondern da Mir, waa man ala graphischen fehler leicht richtig 
stellt, aber das in beiden taungen xwiachen dos er • . . äder9H 
ferbunde gestellte wort n^tinma P und nrame M kann kein fehler 
der graphischen, aondern nur ein aolcher der gedüohtniamlfaignn 
reproduction aein, denn waa hier das uraprfinglicbe iat, duldet 
Ittr mich keinen tweifel, ea kann nur ein eaaua von ädern aein 
und die aus Merseb. 2 bekannte formel bm zi bina^ blwt st 
bluodu, lid zi gülden gebildeL haben, für die fassnng in P wate 
es noch möglich, mit der annähme hlufs graphischen Versehens 
auszukoinaieu, wenn mau *daz er adentn aaderm ferbunde läse, 
nicht aber in M, wo doch eulschiedeu aus unverstilndlicb L'e- 
wordenem *d(d)röin ein nicht existenter name Arome umgedeuiei 
wurde, das ursprüngliche ist aUo für P gewis *daz er dderün 
ddtr^ ferbunde 'ut venaa venia colligaret\ für M *daM er ä(d^m 
ddrM ferbimte *ut venia voiaa colligaret*. 



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HEILSPRUCH G£6£M FALLENDE SUCHT 19t 



Nuo ist in M die fon ibhlBgige cooBtructioo mit zwei 
wciterii tät$en fortgeführt, tod denen der letiie vOlUg klar ist, 
«r Juan nur hmtatn */irftiMi im Saindtk ^curet SataiiMn'. &h 
UkUU ist eine beluDiiie BebeafonD tu StMup Sttän und firigne 
eifcUre ieb als 3 tiiig. prta. opL fon mhd. vergtum swr. *eiii> 
fldtfdigeD, gut machen', afoonyiB mit abd. vyntm, mhd. ar-' 
^HSMik wean ea mOfslich iai m aageo du käti trgtizti mlner 
Ubu pldge mit äktm kiämßdge, Mhd. wb. i 544, so ist auch die 
terbindung dm Satndt firgezzm möglich, wobei iiiiD sich nur 
Tor aiigeo zu hallen hat, dass eheo der Satan inei ab das krauk- 
machende Obel an sicli gefasst ist. schwieriger ist der zwischen- 
geslellle salz frepunte den paten, der Jedesfalls das *colligarel* 
widerlioll mit einem anscheiiu iKi neuen ohjecle den paten. eg 
ist mir durchaus uneründlich, ob uud wie der letzte gewährsmaiiu 
des Segens M den satz verstanden habe, doch glaub ich, das« 
in den oder den pdten uraprQogJicb ein auf ddrm au beaiebeD* 
der reiativsatz *pro quibus oravimiia' oder *pro quo oravimua' 
stecke, anders eotwickeit aicb der entspreobeude lext io P. hier 
wird goaagt, daaa der aum verbinden der ädern auagesante Panlua 
seiner miaeion warklicb nachgekonunen sei und den aatan tat* 
sachlich vertrieben bebe. 

Pömtum paiwm erinnert ein wenig an eine gebeimniavolle 
nnberformel, nnd ich bin nicht aicber, ob nicht der leiste ttber- 
lieferer die Wörter in der tat als solche verstanden, db. mis- 
Terstanden hat. der ursprungliche sine von ^pantum patum, so 
kann mau herstellen, ist vielleicht noch erreichbar, etwa 'colligavit 
circa (veoas) , oravit firca (venas)', woran sicli dum *expulit Sa- 
taoam' als ein aus den heilenden lian liun^^en sicii ergebender 
schluss vollkommen sinngemäfs angln dci f. wir haben es mit 
der 3 ^in^j^. perf. ind. von binlan und bttten zu tun, au die sich 
ein enklitisch zu um gekürztes ahd. um6t\ wol mit präpositio- 
Balcoi werte wie das äübön umbi in Mers. 1, anscblie(st>. 

Im vierten absatse folgt die für den gegebenen krankheits- 
Ibll berechnete nutzanwendnog. /rnaisa in M steht gramaaliscb 
navenniltelt, entsprechend der künern, knappem auadmckaweiae 

* für enkliliscties umöe bab ich Deutsche muoUarleD 1| 11 eio nbd. 
beiapiel na« h^ewipsen. 

* odtr i»i *punium pdium cülii^aviinus, oravimus', eiue erstarrte ahd. 
formel, aoaMebmao? 



üiQiiiZüQ by LiOOgle 



192 



GRlENBEftGEfl 



des ganzen sliickes gegeoUber der gescbwauigereu vod P. die 
bedeutiiog tod firwixe, di. 1 siDg. pris. iod., ergibt sieb ans 
mbd. oenolMft *wegwei9eo^ so vom licbls geMgt, das den schatten 
vertreibt (Mlid. mb, m 74t) nad aus OMenn dM. jemanim dm 
Umia v$r mim dL *mKhuMm\ Mmo isl «wm. MbenCorM m 
iMMt gleich IriM. 4dtma, 4Ümm vad hal hier die bedeolMg 
<geiat't wie a Dkit. m 49 dir iM dMi M dimdlMi. die 
reimwert data «ar iicfaer eiBinel dM» edv. *echMll, eiHg', ooM. 
oM drdli ^lieheld' «ad aiehl emm, dos «ae der S leife dee ab- 
aatees herflbergeiiecimmi ist, dai reinwort m tcäre aber gefiie 
vr§prUDglich Hmuf wk anslaetendem e. 

Auch die schlussformel in P hat, wie sie vorligt, eioe Um- 
stellung erfahren, sie war otlenbar einmal gereimt und muss ge- 
lautet haben stant waz wdä dir? | Gct der geböt fz dir. 

Der schliisssatz in Ml zö diu hatü went& %er erden muss ge- 
nau dasselbe bedeuten wie der \n P sö ih , , , beruere und sich 
demnach gleichfalls auf ein wurkliches liturgisches berühren des 
erdbodens beziehen, nicht blofs ein büd der scbnelligkeit zu %4 
actov «ntbalteo. der sinn des intrans. nbd, ewf. wmien 'ricb- 
tuBg «efaneD', ab. io ladr tri 4k mm teeRdm, gealatlet okM 
weiteres diese auffittaung. 

Die laieiniaclien aoweiaimgeD in P verdieMii einige werte 
der erlinteruag. der httfebringende tritt an die Uoke aeite dee 
am beden liegenden kranken und atellt eein linkea Mn Ober den 
kOrper an deieen rechte aaite. in dieeer elellong mit g ea y reiat en 
beinco — nur so kenn ich dea qMeAmt Teralehn — daa gesiclK 
dem leidenden angewendet, spri^t der arzt den segeo, berührt 
dann die erde mit beiden bänden und lässt ein paler iioster 
iolgeu. daüu tritt er gauz au die rechte seile des kranken hio- 
Ober, betippt dessen rechte seile mit seinem (rechten) fuise und 
spricht die schlussformel. 

Der ganze Vorgang ist voll dramatischer Symbolik, das Ober- 
schreiteu muss die ergreifung der gewalt Uber dea kranken, be- 
ziehungsweise den in ihm tobenden bösen geist bezeichnen und 
das berühren der erde entweder das herbeiholen der bettenden 
kraft, oder das ableiten der krankheit/ 

Wie aich die anweisungen in P dtfe far tu beginn und Im 
ter fM lum achluaae auf die einielnen teile dea geaprocfaenen 
teites und der vonnnefamenden eymboliBchen lumdlungan f«^ 



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HEILSPRUCH GEGEN FALLENDE SUCHT 193 



(eilen, ob sie etwa den gesamten complez von Doner dutigo big 
der gebot dir ez umfassen oder nichts ist nichL ganz klar, 
aber die Vorschrift in M ter cum pater noster dürfte wol eher als 
3 segeu mehr je einem pater noster, denn als 3 S^eo mebr 
einem pater noster zu ende zu verstehu sein. 
Wien, 13 sept 1897. THEODOR VON GRIENBERGER. 

DIE AUISIAGEN. 

Ober die AtaUiegeD ist schon eine kleine litteratnr forhanden, 
CID teiehen, den wir die rechte erklttmng Immer noch suchen. 
SelMrers *AU-ehre habende', Weinholds ^Altgesetzsagerinnen' (Zs. 

f. d. phii. 21, IQf Jaeckeis 'Allgesetzseherinnen' (ebda 23,266), 
Siebs ^Anstürmende' (ebda 24, 442), KauflTmanns 'Ailschonende' 
oder 'Allhülfreichc* (Beilr. 16,203), endlich, wenn ich nichts 
übersehen, Fleiüzels ^Erleoerschreckerinnen* (Ostgot. beldens. 51) 
bieten schwerlich die iOsung, die vielleicht in einer andern rich- 

tBDf \kl. 

Es wird nicht ä^mtW'p sondern o-ANMn* abzutrennen sein« 
Das 0- wäre die vorsetxpartikel, aber nicht jenes ags. und 
aiMchs. d-, welches meist in der hedeutung des got. nt-, ahd. 
er- mit ▼erben componiert wird, wie ags. abiddan 'erhitten% 
•tonm * unterweisen', dies o- scheint durchaus an den Yer- 
bis zu haften, in den Ältesten ags. Sprachdenkmälern tritt es 
bei ijoiiiiiiibus nur dort auf, wo die verballorm noch durchschau- 
iiar geblieben, wie in un-a-secgendlic, w<Bter unaroBfnendlic *aqua in- 
tolerabilis* (Sweet OET. s. 584f), und in der ags. poesie ist dies 
mit vereinzelten ausnahmen ebenso der fall (Job. Schmidt KZs. 
26, 41 Q. da ein Terbum in unserm worte nicht enthalten ist, 
kann dns nnr jenes westgermanische d- sein, das sich im 
•gs. als «- darstellt dieses haftet, wie JSchmidt darlegte, an 
den nominihns^ indem es, von der bedeotang 'ton — hei^ ans- 
gdiend, dem gmndworte entweder eine prifative hedeutung Ter- 
leiht (wie ahd. ä-teilig 'expers' usw.) oder, dem sinne nach mit 
liem goi. its-, q;-, laL. a-. ex- zusammentrefTeod auf die ricliLung, 
den urs-pinii},' der l<iligkeit hinweist, oder Oberhaupt ein 'von 
gnind aus' tipzeichnet. solche wojic ^\u<\ : ahd. nhul'ji, ags. 
obylg 'iracundia', almlgic ^iracuodus'; ahd. adanc und adaht *argu- 
mentatio' ; ahd. amtft, ags. 4tmc ^scandaluro' (neben asviam *scail- 
daünre); mhd. mkc «TeraeDguDg' (Wolfr. Tic 90, 2). ans der 
Z. r. a A. lUL N. F. XXX. 13 



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HEMIING 



ifk poflue, wo die privative bedeatuog aeeh BnrflekiulNleB 
eoheiDt, gebaren «iber mij/lg wtd mvde aocb mrüt 'attfefitehna^, 
4Btprüi§i, awüm Hirepraagt quelle', aw der preee mbmr ^i^ffenber^ 
(Tgl. ebd. «rftare» Uafdeekeo*), «Mee 'bleich' neben Mmujß, 
t^iiyp 'auflenr, aitHg longoe* und iral noch andre Uerher, da 
bei Boewenb-Teller einiget fenvim ieL 

In 4aitfa- nritote sodann der stamm von got. kdtim * unter- 
weisen\ laiseim Mehre*, westgerm. *2aiM, lim Torliegeo. nach 
lier aualü^ic der aDgeführten nomioa dQrfte ein geroiauisches 
Olaisif alaisa * Unterweisung , belehruug' angesetzt werden, und 
die Vorsetzpartikel brflchte zu dem sioiplex nur diejenige nuance 
hinzu, welche das lat. e-docere von docere unterscheidet. 

Aber mit Alaisia ist das germanische nomen noch nicht voll- 
ständig, wenn sich ein uomeo agentis *die unterweiserin' auch 
sprachlich rechtfertigen üefse, müste sich dieses doch, wie die 
beiden nachfolgenden nomine Bedas ü F Hm m kn a» lehren, in der 
inschrift als Alaisiis darstellen, die endung weist auf ein ad» 
jectivom hin» daa, latiniaiert wie der anagangJat, wol nicht mehr 
mit voller akherbeit au reconatmieren iat. daa näeballiegende 
bliebe daa got. kMgi Mm«ot6g 'ad decendum idoneua', daa 
in dieaer aetiven« peraOnltehen bedeotnng swei mal belegt iat 
(I Tim. 3, 2. n Tim. 2, 24). ob ala germaniaehe voratufe den* 
aelben in dieser leit noeh ein deverbalivee laitiagi eMglich 
w«re (SIevers Beitr. 16, 257), bleibt fraglieb. 

So erhielten die Alaisiagen als 'ad edocenduni idoneae*, als 
'die zum iechieü uiili;rweisen befähigten' eiiRii zulru (lenstellen- 
den sinn, was sie weisen solleo« wäre uiciil zweilLÜiatL : da sie 
dem Mars Thint-sus zur seile stehn. ist es das recht oder, my- 
thologisch gesprochen, der wille der gotlheiL als di«- ver- 
künderin des gOtthcheu ist die priesterin auch die berufene ver- 
kUnderin und ausdeuterin des menscbhchen rechtes, vielleicht aber 
darf man, an die alte grundbedeutung von latsian (vgL ahd. Ima 
'spur', /eroMie 'antecedens') anknüpfend, die gOttinnen direct als 
die 'anaaporenden' oder beaaer noch als die ^eiaeqnenias', die 
Tollstreekenden und ricbenden gehillinnen dee gottea fkaaen. 
jedesfalla aind es gestalten der Dike oder den MoereA (Prellef^ 
Rob. b33) ▼ergleiebbart für deren apecielten ainn fleimda ginok* 
lieber binweia den weg gezeigt hat 

Sprachlich worden die afc w i t fl ^ inaofem von beUng sein, 



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DI£ ALAISIAOEN 



195 



alt BM einen arinndychen beleg dafllr erbiflehteii, daw die nei^ 
weetgm. 9 (friee. 9, ags. i») nicht die direcle fortsetsnng des 
nrgeim. i, sondern aus dem westgerm. 8 erst doreii rOckbildang 
neu entstanden ist 
Stralsburg, 21 Januar 1898. R. HENNING. 

KATZ£NG£B£T (2a Zb. 36, 368). 

In Saclisenbeinis Morin 4764 bat Übt mit nnrecbt kaeztn^ 
leff IQ Kayns ftktit verbessern wollen, die fon mir belassene 
lesart findet sich auch im Schweiz, idioticon 11 17 : Mm mUdiM 

Vatfer- und Mntterflüch für Katzenhilt [unfruchtbares gerede] 
haUen; das n\Yl). v 284 belp^:f Katzmg{e)btt au«? Fischarts Flöh- 
hair, VVeidaers lortsetzuug des Zinkgref uud Stiel« i ('maledicluni 
frustia prolatum'), und Daniel Martin (s. Jahrhucli (ies Vogpsen- 
clubs bd 13) sagt im Parlament nouveau l(iü7 p. 807 : Hck aber 
[spricht ein von der schaarwacbt aus versehen geschlagener] gienge 
ttiü m$mm weg fori mU mdnmn auffgehffenm Baekm, und 
wackelndm Zähnen, das Katzengehett twriekend, und Um dm- 
gleichen wüntehmf. im franzMischen texte steht dafOr : ^ditam 
la patenostre du singe*, gemeint ist das versteckte murren, was 
man jetzt oberrheinisch 'maunzen' nennt. £. MARTIN. 

LÜCKENJJÜSSER. 

1. Ürfr Eir ARB \'o?i Oberg und sfine laniilie )int mir PZimmer- 
mann eiuige üolizeu zugehu lassen, welche das oben s. 72 ff zu- 
saiiiiiiüij gestellte urkundliche material iu erwünschter weise ver- 
fflebren. da das Braunschweigische magazin (1898 nr 4, beil. zu 
nr 43 der Braunschweig, anzeigen), in dem Z. inzwischen seine 
sugaben teilweise veröffentlicht hal» schwerlich vielen germanisten 
erreichbar sein wird, benutz ich diese freie seite, um mdnen 
kleinen aufsatz dadurch su ergSnzen. 

Zwischen ii^eineo nrr 2 und 3 (s. 75) ist eine wichtige Ur- 
kunde einzuschalten: 

nr2a. 1197 pfalzgraf Heinrich schlichtet competenzstreilig- 
keiten zwischen dem propst von SBiasii zu Braunschweig und 
den canonikern. Zs. d. bist. ver. f. Niedersachseo 1868 s. 15ff 
(nach copie d. 13jbs. in einsm missale von SBiasii). sls dritter 
der geisUichen sengen, bioter propst und deean des Stifts : 1^ 
kamim d$Oberghe — um schlösse der weltlichen Bylmrdus d§ 
Oktrght et lohannes f rater «im« et alU quam plures (s. 18). 

Die Urkunde ist ein weiteres zp!!f?ni? for die heziehiin^en 
Eilardä zu pfalzgraf Heinrich, sie widerlegt ;ilirr jlt n hzeitig iikmiic 
aonahme, dass dt>r in nr 1 erscheinende bruder li.iiards, Johannes, 
mit dem geistlichen Jutiannes von Oberg in nr 1* äine person sei. 
dieser geistliche, in dem ich den angehOrigen eines Braunschweiger 

13* 



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196 



SCHRÖDER OBER EILARD VON OBERG 



sUfkes Termutet habe (s. 74)« tritt ttiw hm in der tat als cmoniaii 
SBlasii eolgegen : io derselben zeugeuliste, in der wir am schloss 

auch seinRii *genannen* und walirscheinüclipn vpitcr, n bnidpr 
Eilards, autreffen. es ist zweifellos der iohaujies custos jSBlasnj, 
der im j. 1204 (Orig. Guelf. in 774) unter eiiier nrknndt' kg Ottos 
erscheintf denn Zimmermann kennt eine origiii;ilut kimde von 
SBlasii vom j. 1203, die ihn als Johannes de Hoberge cuatos auf- 
führt, und das von Dürre (Zs. d. bist. ver. f. Niedersachsen 1886, 
1 fi) herausgegeben« memorieobuch des etiflee venciehnet (s.l7) 
zwiecheo dem 4 u. 9 man eeioen todettag : Mamiei de Obetfßn 
ean&nicu» ei eustos nuter eaeerdos ohiä (folgen die legate). 

Zimmermann betODt, dass bei den grofsen iücken der ut^ 
kundUchea Überlieferung meine wahracheiDliciikeitsgründe iiir 
bestimmimg von Eilards lebensaUer immerhin trügerisch sein 
können, und ich will gern oochmals widerholen, was ich oben 
s. 79 sclion mit andern worten ausgesprochen habe, dass die 
unmöglicbkeit einer abfassung des Tnsuntu um 1170 durch 
mich weder behauptet noch nachgewiesen worden isl. 

Eilard ii vOberg, der mutmafsliche enkel des dichters (s. 740» 
war» eh er in dflniacbe dienste und nach Re?al kam, dienaUnaDO 
herzog Albrechta d. Gr. : als aoleher eracbeint er 1269 (Orig. 
Guelf. IV praef. a. 13); vielleicht ist er gerade durch diese Ver- 
bindung io die ferne gezogen vrorden. dass er mit dem 1308 
als verstorben erwähnten KvO. (vgl. zu s. 75 Zs. d. bist« ver. f. 
Niedersachsen 1852 s. 380 identisch sei, was ich s. 75 als immer- 
hin möglich bezeichnet hntte, erscheint narh Zimmermanns brief- 
lichen mittciliiiin'en unhallbüf : der überlebende liriider Jüliaimes 
dii ses Eilaid (in) war 130b noch Mamuius' und erscheiot noch 
13«i2 in Urkunden. 

Das VVolfenbüttler archiv besitzt ein Oberger copiaibucb, das 
aber leider erst 1296 beginnt und bis 1399 reicht. 

Am 15 Januar d. j. ist mit der wittwe des bnunscbweig« 
oberjägerroeistere vKalm, Anna geb. vOberg, die letzte heim- 
gegangen, die den namen des gescblecbts gefahrt hat 

2.EmE iLi LisTHiKBTR VViGALois-HS., wie ich sie oben s.l05 durch- 
aus vermissLe, liat mir, freilich erst au& spüter zeit, FBurg nach- 
gewiesen : dieDonaueschioger hs. nr7l (Baracks Verzeichnis 8.44 ff), 
weldie nenodings RKautneb in seine scbdne Studie Aber Diebolt 
Lauber u. s. Werkstatt in Hagenau (Leipz. 1895) a.53f einbezogen 
hat; vgl. dazu die bttcheranseigen s. 84. S5, die uns unter Lauben 
verhigaartikeln auch ^dm Ritter her Wtgoleii fftmoW nennen, acfaon 
Kautzsch hat es als auffällig hervorgehoben, dass dieser codex 
allen unbekannt scheint, die sich mit der kritik des Wigalois he- 
schfiftigt baben. ao ist er denn auch hei der siglenvertpi hing leer 
ausgegangen. £. SCB. 



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DE HEINRICO. 

Das gedieht will^ wie seine erste siropbe sagt, das andenken 
eines fiHbern BeierDhenogs Heinrieb ebreo. et bericbtet ron einer 
Ideriiehen leene iwiechen kaiser Otto und Heinrich, in deren 
folge steh das Yerhiltnis dieser beiden fllnlen so gestaltet, dass 
Otto immer nnr eben das tot, was Heinrieh rat. an welchen 
der Heinriehe, die unter den Ottonen BaierohersOge waren, haben 
wir xa denkeii ? und voa welcher feierlichen seene handck unser 
gedieht? so viel man sich um diese beiden fragen beniühl hat, 
so gilt bis heule das tuiii liquet, mit dem Steinmeyer in MSD' 
11 106 die Sachlage kennzeichnet. 

Die beiden Heinriche, die in betracbt kommen, Heinrich i 
von Baiern und sein nachfolger Heinrich it, vater und söhn, 
ihneltt sich dann, dass beide in ihrer jagend widerbolt blntigen 
ond tflckischen anrnibr gegen das reichsoberfaaupt stifteten, in 
spilerer seit ihm aber warme und suTerlissige freundschaft bep 
tItIgten. in einem puncto nun deotet man das gedieht überein- 
stimmend, man glaubt, dass mit den werten vv. 23. 24 
qutcquid Otdo fecit, al geried iz Heinrih : 
quicquid ae omisit, auch geried iz Heinrihc 
das innige Verhältnis euier süIcIil'u spaleru zeit zun) ausdruck 
gebracht werden solle : und man neigt denigeniäfs dazu, die 
voraufgehnde feierliche scene so zu verstehn, als oh darin ein 
feierlicher act der Tersohnnng swischen den beiden farsten dar- 
gestellt werde. 

Diejenigen, die In dem hehlen des lieds die person Heinriehsi 
erblicken, bssiefaen den Vorgang gewöhnlich auf die bertthmte 

weihnachtsscene 941 zu Frankfurt. Heinrichs t fersuch, die 
kröne des reichs aa sich zu reilscn, eiidele 939 damit, dass er 
sich seinem königlichen bruder Ouo dem Grofsen uiUerwerfen 
mnste. die widerholung seines Unternehmens hülste er 941 niil 
eiuer hall auf der bürg Ingelheim, zur Weihnachtszeit 941 aber 
entwich er mit bilfe eines geistlichen nach Frankfurt, und als er 
fläch hier ?or den kdoig, der eben die kirche zur frObmesse be- 
treten hatte, barforng und im bofsergewand zu boden warf, er- 
bieü er noch einmal grofshersige Verzeihung, seitdem bewahrte 
er frieden, man sieht, die sitnslionen des lebens und des ge- 
dicfaies stimmen so wenig wie möglich Qberein. aber mau setzt 

Z. F. D. A. XLii. N. F. XXX. 14 



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198 



JOSEPH 



sich ober diese Widersprüche hinweg, iodeni man einesteils meint, 
es seien die vorginge der jähre 930 und 941 vermengt, ander- 
seits* es sei die Wahrheit in hofisch tendenziöser weise aut den 
köpf geat«IU« um die bufMc^oe- su einer uiiunpiiyceoe su ge«^ 

4tfllU)D. 

Zu 00 gewagt«! trkliniDgen ilso «Qcb dim hypotbeot Abrt, 
«0 gehl m doch lehoo auf LtcboMOD surflck, ward foa Rgpka 
jighar aaegeTobn« von Sobade, MtManbaff und Sobefer widar au^ 
gaiiommen, von Wihnanna 'ioMiiar noeb al$ die aanahnbania' 

erklärt, und jüngst bat sich KOgd von neuem mit ihr abzufinden 

|;eäucht 

Die übrigen hypothesen aber, die die person Heinrichs i 
zum milieipunct haben, konnten kuinen boden neben ihr ge- 
winnen, da ein würklicb nahes verhitUnis zwischen Otto und 

« 

Heinriob arat seit dem jähre 948 lu constatieren ist, wo Hernricb 
daa. banogtum fiaiarn erbieU, ao aatata Winter daa bageboia 
«nama gadicbtaa erat nacb dieaer latt : er blieb aber gans vb- 
beachtet SealmaDna meinung, daa« daa lied auf die suanrnmen» 
knnft gehe, die.Otio milHainrieb auf dem raichatag an Aagana- 
burg 952 hatte, Ibad beiCill bei Breaalau ond anfangs aucb bei 
Kögel : ward aber von Steinmeyer endgiiug abgetan 

SteiiHiieyer selber meinte den blick wider auf den zweiten 
Heinrich eröffnen zu sollen, dieser musle den ruhelosen ehrgeiz, • 
den er vom vater ererbt hatte, 975 mit seinem herzogtum Baiero 
bezahlen, das nun Liudolfs aobo Otto noch zu aeinem acbwi* 
bischen erhielt, in folge eines neuen aufstandes, zu dam er aieb 
durch dan aucaura dar baidao Hainrioba, Beioncba von Kirnten 
und daa Augaburgar biaohofii Hainrieb * . armutigt faod, ward ar 
978 in Utrecht feitgcaatat. .etat der tod kaiaar Ottoa n im da* 
camb«r 983 befreite ihn aua aeiner halt daaa nun das reich 
unter einem dreijilhrigen könig und dessen griechischer mutier 
stand , war seinen noch immer hochslrebenden plänen eine giM" 

* 

< Lachroann Über die leiche anm. 23 (t829), Kl. schrift iä35; KApke 
Jahrb. d. deutsch, reichs unter d. herseh. köni^ Ottos (1838), s. 9G ff; 
Schade Veter. moD. theot. decas (1860), s. 5i WiLmaaos iiHX 18d3, ^ 4^4; 
Kögel Litteraturgesch. (1S97) i 2, 132 ff. 

* Wiuter Heiorich vBayero, bruder Ottos des Gr. (1872), 8. Iii; SeeU 
mann Mab, d. ipcr. t ndd. spiaebf. 12 (1886), 81 ff; Brcütau AHg. d. Biogr. 
xnv aaa. »aC; KSgel PiiiU GmadriM u 1, Itt; StdeaMyer JISD^'U mt 



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DE UfilNRlCO 



zu günstige gelegeofaeit. er bemächiigte sich des jungeo königs 
unter dem furmodet dass ihm die Tormundschaft gebQbrd. 
Iiiflraii schlössen £ieh wechselvolle blutige kflnpfe, die üid swm* 
nr autiefermg des konigs und zum ▼erzieht auf die Tonnond^ 
icfctft twan^Dt aber üna icbliertlich doeh eeio altei henogtnm 
wider eiidbrachteo. denn berteg Ottos neehfolgir» Heinrich der 
Jtegeffey dem er erfolgreieli entgegen getreten war, feratand aieli 
965 dam, auf Beiern tn venicbten. Hdnricli aber deroOtigte 
aicb in Frankftut vor dem jungen Otto m nnd adner motter and 
wnrde dOrauf von nenem mit Baiem belehnt aettdem atand aneh 
er bis bis zu seinem lode 995 treu zum liaiaer. 

In Heinrich ii vermutete zuerst Uhlaod (Schriften ni 578 — 81) 
deo Heinrich unsere gedicliis : er bezog dieses auf seine aus- 
sOhnung mit Otio in 985. Sleinmeyer aber denkt an eiu spS- 
lercs begebms. er meiut» das gediciit köune aut den zog nach 
Brandenbarg gehn, den Heinrich 992 Otto zu hille unternahm. 
Priebsch Deutsche baudschntten in England i (1896), 26f ver-^ 
folgt diese anregung Steinmeyers weiter uod Martin Ad2. xxiv 58 
betraebtei biemacb die bypotbese als erwiesen. 

Um in diesem widerstreit der meinongen einen atandpnncA 
zu gewinnen» ist es vor allem nötig, der versebiedenen schwierig« 
heilen berr in werden, die der Uberliefernng des teitea 
nnballen. die veraoebe, die man in dieser riebtnng gemacht bat, 
leiden nicht aalten an einem metfaodiaehen fehler, man dentehe 
nnd medelle an dem text hemm je nach dem inhalt, den man 
in ihm aocbte. die pbilologiacfae kritik weiat uns auf einen an** 
dem weg. aie ist immer mnlehat bemabt, aicb durch tieferes 
eindringen in die form eines denkmals kriterien objectiver ge^ 
währ zu erächliefsei). diesen sinn suche ich mir auch für unser 
iied nutzbar zu machen und behaudie nun seiue unäichern etellen 
der reihe u:ich. 

V.l. die überheferuDg lautet: 

iVune ahm» Owro ewigero assii tkitmun filius. 
nmn list diesen vers jetzt gewobolicfa so, wie ihn schon Wacker*- 
nagel Fundgr. i 340 schrieb: 

Nvm ahm mit fiHui iken M§m tkkmm, 
Hwn sondert alao dnich doppeiumatellnng den dentachen tefl wnn 
latemiachen ab« gegen die berecbtigung dieses verfahrene spricht 

14* 



200 



JOSEPH 



aber zweierlei : erstens finden wir noch in der anfangszeile einer 
andere Strophe die menguug lateinischer uud deutscher worte 
innerhalb der haibverse : in v. 22 zweitens : wie erklärt man 
sieb, dass die deutschen worle zwiefach so in die lateinischen ver- 
stttckelt sein sollten, wie es der jetzt übliche text vorauszusetzen 
zwänge? dass nun aber anderseits io der aberlieferuog wttrklicti 
ein febUr stockt, gebt daraus hervor, dass etoigero keinen reim 
bietet, verwandeln wir indessen die starke form dieses epicbe- 
tons in die schwache, so erhsiten wir mit ihm ein worC, zn dem 
das an vorletzter stelle des vems Qberlieferte Aknam einen reim 
abgeben wQrde. schon Wackernagel conjicierte demgemUfs in 
seinem Lesebuch: 

Nvnc nkum iktro 4wi$ün atti$ fiUm lülsniAii. 
Malleohoff aber wies die Umstellung, die Wsckernagel vornahm, 
zurück, indem er bemerkte : *glaubt man eine so zerhackte Wort- 
stellung wie die überlieferte zugeben zu dürfen, so genügt es, 
ewigün zu schreiben*, er beruft sich ndmlich für den reim 
äwigün : ftlius auf die bindungeu dixit : Heinrich 12, fecit: 
Heinrih 23, omisit : Haimihc 24. es bleibe dahingestellt, wie weit 
man die beiderai ii::( a reime würklich aul eine stufe stellen darf, 
aber welche laune mUste den dichter getrieben haben, dass er 
das gute reimwort aus der band gab, indem er es an die vor- 
letzte stelle des venes rückte, obwol es hier auch stilistisch 
offenbar weniger gefällig steht als zum schluss? was nun aber 
vollends Wackernagels Umstellung besUitigt^ ist die analogie eben 
jenes veiaes 22. hier wechselt die folge lateiniich deutsch — 
kteiniach deutsch : und die gensu entsprechende folge haben wir 
jetzt V. 1. die Verderbnis imi^tro erktSrt sich sehr ein&ch aus 
der wttrkung des vorhergehnden wertes wie wir umgehehrt 
anüdpation der endung v. 26 haben, wo die hs. bietet noMUk 
(statt nohiWm) ac liberis^ und 6, wo o nach un$ar und viel- 
leicht auch nach kmsai- i adiert ist. der eine febler zog vielleicht 
den andern nach sich : man stellte fiims ans ende, indem man, 
durch almus verleitet, nun m ihm das reiiuworl sah. 

' überliefert i&i liier zwar Heinrichoy aber die UeuUche namensfonn, 
die auch Wackernagel in den Fundgruben wie im Lesebuch uud Uhland 
Sebift vn 519 setzte, ward von Seelnaoa s. 98 ond von Steioneyer s. 102 
erwiesen. * der lehrelbleliler koente aach bei eioem mittelfiinkisehcB 
copisteo dadurch gefordert werden, dass aeioem obre hier die starke lorm 
vertrauter klang ala die schwaehe (s. Branne Beitr. 1, 141). 



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DE HBII9R1C0 SOI 

VV. 7« 8 der flberiieferang katen: 

kk aiut Btüiriek ftr Air Am huUfßkh 
i^^nm Hki frnn tkir mbm mos» fAic 
für ftr . • . A«r las der erste henusgeber des liedes Eccard hnuAtr 
•od auf dieser grandlage sadite man sich froher mit dem fers 
lurechtzufiDdeD. auf eine andeutuDg Breuls aber, der eine neoe 
copie der bs. nahm, vermutete Steinmeyer in den DeDkmaiern 
bringü her und Priebsch, der die erloschene stelle durch ein 
reagens wider hervorzubringen suchte, fand seine Vermutung be^ 
statigt. Kogel indessen will — übrigens mit einer unmöglichen 
Interpretation (Litteraturgesch. i 2, 133) — die alte lesung halten, 
das von Priebsch herausgebrachte bringt ist nach ihm 'nichts', 
*e8 ist eine unform, die in keiner ahd, hs. überliefert ial*. frei- 
lich mochte auch ich die synkopierte form keineswegs su recht 
erkennen, aber wie oft lassen, wenigstens in späterer seit (s* 
meine beobachtung in Haupts Engelb. 3072X die Schreiber ein 
t* anal nnd hier hedOrAe ea nicht einmal solcher snnahme. denn 
troti den bemerkungen fon Priebach s* 25 scheint es nicht sns- 
gescblossen, dsss daa 4 worklich dagestanden hatte : nimlich Über- 
geschrieben wie in müt^ion 11, iwIfiinMia 14. nun aber erktortBreul, 
der die hs« unmittelbar nach Priebsch noch einmal untersucht bat, 
hrmgt^ js such drAi^l wol flir möglich, doch flir gesichert nach wie 
vor nur brt (Anz. xxiv 59). ich hoffe durch herstellung des folgen- 
den Verses die lesung von Priebsch aufser allem zweifei zu heben. 

Dieser vers ist von jeher das opter der seltsamsten emen- 
dationseinfSlIle gewesen, und duch dürfte heute nur darin einig- 
keil bcstehn, dass mo zu seloe zu ziehen ist '. betreffs der bei- 
den reim Wörter aber speciell schwanken die ansiebten noch 
immer hin und her* die einen nehmen tine^9timm, die an- 
dern « ioetmne, die einen fore futurum ame, die andern 
conjicieren dafür /ore, Priebsdi /erat, in eine neue richtung 
weist der gedenke Steinmejera. er iuAert su dieser stelle MSD* 
n 106 : *dio nächste seile 8 vermag ich nicht sicher in beasem, 
doch scheint mir Wackernagela fan wenig glaublich, Schsdea 
gleichsetsung von u stna mit %$ v€tenn§ wol möglich, vielleicht 
ist fm deuladi (sweisilbiger auflact auch 21) und di^um lidt* 

* streng genommen fiarf mrin dns nicht einmal sagen, da Priebsch 
s. 26 noch Seelmaoos lesuiiK des deutschen halbverses 7 thu teho m6liet 
ine IQ eroste erwigaog nimmt. 



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301 JOSEPH 



ventammeU'. und demgemäi's tiaden wir in 4er jüogilui auflade 

BfiuiiM ahd* leieiMich gescbrieben: 

digtmm fort ihir ulvmo %e Stne. 

•abir wie «ritt umd bei dwMr einteiluog tibi in dan aiaa briogen? 
aoeh leheinl fm dnrah saiM rainibiataade latite ailba ao bia^ 
banger alelle gentbiieial»!. icb denke, oiaii darf aa aocb ala 
devlaebaa wen bier belaaaaDt da die reiaae fm : ifiia in OtfHda 
gote i AMb 1 6, 3, mM : umnUmmi^ u 9, 31, fiMiii : miMärm 
« 4» 9 (vgl WUnaasM Altd. reimv. § 22) aoalegleB fluiden, /ara 
^flflde dann adverbialiaeb : und aonit wire jetil der fielbebandelle 
vers ohne jegliche efneodatiooshilfe in schönster Ordnung nnd be- 
stätigt in Uei tat den vorhergehenden vcrs neuer lesung, weü er 
sich allein zu dieser fügt : 'Heinrich ist (Ir, ein königliches beer 
bringt er, würdig, das» du, du selber au die spitze trittst*. 
/ . Die Stellung des deutsehen wortes aber und damit der ganze 
vers, wie er sich uns ergab, wird widerum gesichert durch die 
heobachluug der loro). die eigentUmlichkeit nämhcb der eben 
bebandelten endseile, dass beide reim werte deutsch sind, kebri 
nwt noch in einer der endzeilen wider : in der letzten alropbe: 

etft non fecmet Beinrich allero rehto gi(kh, 
wm aber aeheint ein a^ratem in dieaen kdnateleien lu erbellen. wir 
beBierben, wie eich jeCit anbngaieUe dar ersten atrophe nnd and- 
laile der iweilan in derselben art benmabebeii, wie diea anlbngaaeye 
der verieutes atrophe und endseile der leliten tun. es tritt alao 
bienntt eine genaue entaprecbung der beiden anfangaatraphen 
eineraeüa nnd der beiden acblnaastropfaen dea Medes andeneita 
zu tage, für die absiebt des dicbters ligt ein interessantes in- 
d.icium in dem vorletzten vers der zweiten slruptte vor, aut den 
sich allein noch die kilnstelei unsrer endzeilen erstreckt hat. 
der dichter setzte in der zweiten Strophe deswegen s^chon bei 
dem VüiieUien vers uui seiner ktlustelei ein, weil die zweite 
Strophe um eine zeile länger ist als die letzte, die ihr entspricht. 

Dass sieb die strophenpaare des anfangs und des Schlusses 
in bawnster arcbitektonik gegenüberstebn, beitundet aiob nocb in 
einer weitern kunstelei, durcb die aicb diese stropbenpssre Tor 
dem Qbrigen gediebt ansieicbnen : atropiie 1 scbtiefst mit fier* 
fächern reim nnd der endrelm der ersten atrophe kehrt im endreim 
der zweiten wider, ao schliefst auch die forletste atrophe mit vier- 
fachem reim und ihr endreim kehrt in der letzten atrophe wider« 



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D& fifiUlRiCO 



V«18: mUb$\ fm Qtifiiivo€i Mhik n^ät mdi mi. . | 
^MMT mt bit an flMi8tMi>'iMlpfiwrlMMobeii. fenifiMM« >aitf vi« 
i«rachi«dm paraoteo bal ina for des «iftiAMcut ^«ralaD : MC 
Oiwltort «OB LodiriiigfeiL {LadMDMio; Tgl. aooh Kopke a. 98), 
Bainrich das JOofarm, das aohii fiarlhalds m Baiam (UUatid; 
fgi. auch Dttminler s. 160), Heinrich ii von Baiern (Seelmaon 
$.83), Heinrich III, den äpäiero kaiser HeiDrich ii (Priebscb s. 26). 
ich meine, jeder mfisse die logik Mulleoiiollt» uiiterschreibea: 
«es ist aber durchaus uriglaublicb, dass ein verständiger dichter, 
der doch verslAadlicb sein wiil, eine persooi daren auwegeoheit 
«adar «r torhar odar nachher enrabiit ooah aio aadilicber graad 
fanuamaalaeD twiogt, pMMiliali ufefedat uod bagrOArt wardan 
haae. obaidiea gabi hiar der [duth dap rain gaikberta} aift> 
gidar Bmmrkk vonoa' (a. 101)« aotial aebaiat alao aiabar s dar 
faia, «ia er daaiabt, tat nacb dar gtstea anläge des gadiehCa r 
Bichl tm faaitaa (vgl. auch Domsilar t. 120). wie steht ea nun ^- ^' ' 
mit dem Lesstirungsvorschla^' , (Jeu Müllenfioll luacljl, aequivoci 
als geoitiv zu nebmeo uod ambo tos, iiKh ni nidii < s hurleliler 
fassl, durcii apogonos oAer eiu dif'sem 1 ei^Titl synonyme» worl 
ui erseUen ? ? hiergegen erhebe ich folgende einwände : 1 ) siebt 
§mko Pü» viel la baab»ichtigt ana, als dass man es Qberbaupl 
Ibr dia laaarl aiaaa sulaUa ballan möchte; 2) wOrda, aakbtt mtmm 
§f§§mmt liaa raefat iwabwcbaiiiiicb ial, daa «raptlUigiicba aais 
selile, Mb bMMT dia angaMMaaa ftrdarbwa «alte vm acbwar 
arkliibar aam; 3) aad bianaf laga leb daa grOalaa aachdrack: 
das geDittvisebe a a ^ irii p a c f ist atoe apeeiOaab* pra sai ie b a ans* 
iirucksweise, die in urkonden wol am plaLz ist, aber m einem — » 
gedieht nod nun gerade äü paüietiscbster sielie uimm^rmehrf 

ich komme also 2u dem resultat : auch j^'J«r liea»erung»* 
versuch lisst uns bei diesem vers« ratlos, aber die »ache ist 
bagreiOiab. dann gehn wir «ideraai an die bctracbtusg der 
lana« aa aeigl akb, daaa diai sr «ars in keiaar gartalt platt bat 
ia aaaam gadkble : er moaa daa aiaacbisbad CHMf apMani aaü / 
aad gilifaabBif atia^db uriphtipaarii 4m aafngi aad daa 
a^bhi^HHBip sa daaaa jiab labaa ^aa^a^aaba aaala^^aa i^aCatriBaB 

^«j^r unter »ich aleichz<rtlife atrophen enthält : das erste paar 
Tierzeiltge, dd> arj-ir»' dreizeilige. die mittleren niopben 

Ban, die ebeoiails gerade zwei paare hiidcn, cbarabierisicren SKA 



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204 



JOS£PU 



dadurch, dass sie die bisher besprochenen eigeubeiteo der um- 
gebendeo stropheo nicht besitzen, dass sie also in einem formalen 
coDtrastferbiltnis zu ilinen slelui. befreieo wir aber die vierte 
Strophe von dem verzweifelten Ten 13, so entreckt eich dieser 
contrast zwischpn mittleren und umgebendea eiropben aach auf 
die dritte eigenbeit : der gleicbieiligkeit der umgebendeD siropheo- 
peare wflrde oogleicliieiligkeit der mittlenii 'gegesQbentebD: 
denn das enie mittiem paar wOrde diu drei und zwei teilen, 
das zweite mittlere drei und vier teilen enthalten, tu gleicher 
zeit wtirde sich aber noch eine flbereinstimmnng ganz neuer art 
ergeben : nlmUcb eine doppelt s|nunetrische Zweiteilung des 
ganzen, beide btlllen des gediehts wurden jetzt sowol aus der 
gleichen stropbenanzahly wie aus der gleichen zeiienanzabi be- 
stehen : wir hatten jedesmal vier Strophen mit dreizehn zeilenl 

leb nehme also keinen anstand melir, die lästige zeile l'i 
auszuscheiden : um so weniger als sich das motiv ihrer einschie- 
biuig leicht genug er^'eben wird. 

Es sei noct) bemerkt « dass Scherer iür die 'eigentliche er- 
zählung', also für den teil, der nach abzug der ersten Strophe 
und der beiden letzten Strophen bleibt, die stropbenreibe fand: 
4« 3« 3. 3. 4 langzeilen. dieses System wOrde sich jetzt so ge- 
stallen : 4. 3. 2. 3. 4 langteilen, also sowol in seiner gliederung 
wie in der hinsieht gewinnen, dass die teilensnmme der 
Innern Strophen der der iubern gleich ist (3 + 2 + 3 «-> 4 + 4)« 
es konnte als nebenprincip unbeschadete geltnng behalten. 

V. 80. Oberiiefert ist: 

€f mUrit fUt' so mw W fibnr kafßit. 
für amtfti setst man seit Lsehmann allgemein omisit. man ver- 
steht dann die erste halbzeile ^ ^und er Ubertrug ihm' und 
fasst die zweite halbzeile als sachohject. nun ist mir ganz r^iseU 
halt, wie omittere * (Ibertragen ' betieuitEi soll, und ebenso, wie 
es mit einem objecl der person conslruiert werden kann, wir 
ündeu es wenige verse nachher (v, 24) iu der gewöhnlichen 
bedeutuog und coustructioo. auch das macht Lachmanns coo- 
jeaur bedenklich, denn wir dürfen unserm mit sorgsamer und 
berechnender kunst arbeitenden dichter solche stümperhaft irre- 
führende redeweise nicht in den tett setzen. Lsehmann liefii 
sich doch wol auch nur dadurch etwas schnellfertig zu seinem 
omIrY verleiteD, weil fttr das ganz sichere emirir an der zweiten 



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0£ fiSINRICO 



206 



•teile ia der be. ebenliiUs eio tmmU Btehu die eimig. j^aeeeiid^ 
iMng iit hier e«fli»tf il, eio woitt das aebon Waekernegel in 
HoBpepiie Fundgroben freilieb beidemal flBr amfyU — eiA- 
leHte, aber im Leaeboeb tu gUDateii von Laebmaona mnitii wider 

aufgab, mein College Hermann Bloch macht mich noch darauf 
aufmerksam, dass für et das in bss. häufig damit wechselnde ac 
gei^laü(len haben werde, diese Vermutung, die die Verderbnis 
graphisch aufs eiufachste erklärt verdieut auch deswegen an- 
nähme, weil sie widerum formale bekrflftigung findet, dass sich 
■iBBlicb zum schluss uosrer Strophe eommisit und genuU und 
um ecbluas der nacbalen emtift und $trüd gegennbcfftreten, 
wird man bei dem dichter, wie wir ihn nunmebr kennen, für 
ketncD lofall halten, aondem fOr bewoate worlapielerei. da nnn 
vor emiift niebt et, aondem oe ateht, so wfirde die entsprechoug 
der beiden stellen aufs glücklichste gewinnen, wenn auch dem 
Mmmmt eio ac vorangienge. 

Für die zweite haibzeile steht zunaciist soviel fest, dass maD> 
her nicht mit Seelmann auf Heinrich beziehen darf : denn das 
Mgl doch schon logischer weise aus dem satz des folgenden 
feraea the$ thir Hiimih ni gtraät» thär umacbreibt Stein meyer 
a. 105 mit *dort, db. an dem orle der tttaammenknnft*. Regel 
aber meint latteraturgeaeb. i 2, 135 anm. *aollte ea niebt ein- 
fteb eine veniirkang dea verallgemeinernden ad taas ad aein, wie 
ea la der apitem apraebe flblieb iat?' darauf iat in erwidern, 
d^s thdr dann mindestens dem sö unmittelbar folgen müste. es 
bleibt demnach nur noch httfode zu erörtern, das man Lald be- 
ISsisr, bald mechanisch in hafodi wandelt (Schade, Udckernagei 
im Lesebucii, Seelmann), mir ist die überlieferte form deswegen 
auiraiUg, weil sie io diesem gedieht den eiozigeo fall bieien 
wOrda, wo notwendig vocaliacb unreiner reim vorläge, in allen 
andern ftllen vocaKacber reimangenanigkeit atebt nSmlicb die an- 
aabme frei, aie auf die lantgebung eines acbreibera snrOekxo- 
(Miran : man aelie fttr droa 11. 19 dhm ein, för fnUM 25 
fmButt (Graff n 254), ao bleibt nur Heinridi$ 22. bierftlr atebt 
aber in der hs. Heinricho, wie wir wissen, und auf gruud von 

* aaf doe aadre aiSg liddiait, diese varderboia so aiUirco, «aiat nicb 
Sfbröder bio, oinMeh auf das haafige and doch ao oft misverstandeoe tiro- 
aiacbe sdcben j für co(n); vgl Wattenbach Aolaitong z. lal. paliogcapMe* 61 
and Zeiiacbr. f. kiiekeageaebicbte 17,103 : agnmnt fär «9gnmrtt, 



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206 



JOSfiPfl 



hera usw. (vgl. Sieinraeyer s. 106) ligt es nahe, in dieser 1». 
vielmehr Bemricka zu vermuieo, wenn auch daneheu v. 3 Htm" 
rieft« gesichert ist. verwecbsluog foa a uad a haben wir ja 
Bocb io deraeUmi stroiihe, und dass tt dar acbreiber mit des 
tmm llberiiaii|vl aiebl so geaaii aalwi, ertdien vir aus Miiicr 
lim itoni ▼• -16| äs bleibt alao dabd : *der rwD UÜ : A^di 
itQnde in a«itter art gana vmi&ialt da- ea koaninl mdk tm 
luaiy. erkanoen wir ilofMb an, an ergibt aidi dn- atrophaiH 
acbliiaa mit fiarlaebem reim, einen aolcben ftill halten wir edma 
in der ersten md in der forlecsteo atrophe dea gediehta, hier 
aber trat diese eigenheit in TerbinduDg mit emer andern au be-c 
absichtigler kUaslelei auf. die andre eigeubeit, dass zwei aoP 
eiQaoderfolgende stropheu auf denselben reim enden, bleibt auf 
jene beiden äufsern stroph^ npaare beschrankt, sollte sich der 
dicliter den effecl seiner künslelui nichl rei» bewahrt haben, in- 
dem er heiile ei^enljellen auf jene Strophen beschränkt hielt? 
sprechen so allerhand gewichtige formale grUnde für die ein- 
aetiung von hafodi, so Itann der stun der stelle durch den con^ 
jnnctiv In jedem fall nur gelMert werden : *er übertrug ihm, waa 
er da« dh* im gebiet ihrer suaammenliunll, nar irgend bitte, ab» 
gaaeben fon deosy waa regele, worauf Beinrieh auch' keinen an- 
affnch erbofa^. 

Zum achlnaa mOcbl ieh noch beilinflg bemeiiten« daas mir 
der Qnedlinburger voraehbg (Jahrb. f. niedd. aprachftHraeh. 12, 87)« 
dea Qberecbllttige £b v.2 in Ai an ferwanddn, billiguug zu fer^ 

dienen scheint, auch hier tritt dem sachlichen grund ein for^ 

maier zur seile, der dichter würde nun seinen gesang ebenso 
damit anheben, dass er sich au sein publicum wendet, wie er 
ihn damit beschliefrt. 

Nachdem ich nunmehr die textesfragen samtlich erledigt zu 
haben glaube, geh icli zur hi&iorischeu deuluug des ge- 
dichtes über. 

Ihr bind jetzt uacli zwei ijchLuagen die schranken {,'ehohi'ii. 
Diichdeni die lesung bniothc} v. 7 endgillig lu seiii^-i ist und da- 
für bringit her besläligunj,' erlahren hat, würde der kaiservelter 
Heinrich n von Beiern ^ mit demselben recht in den gesicktalireis 

^ Ubland sah Mch veranlasst für bruolht hera zu guusieu seiner deoloDg 
htm^UnuTo ae achfdbte, «m dies daoa zu faUrro paimm.n, aldise. 



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DE HEINMCO 



iiasrar eritiguBg treleD wie der kaiterbnider UeiDrich i. ferner 
iü Mcb Ar die wihl des li^bnmee jetti ratmi gcsdiefflu dea« 
oaehdem v, 13 »c^lt, hat man oicbt mebr Sagailieb in be- 
tracht zu zieben, ob ' aneb der iMguAweiit anterkuaft findet 
dinser aequivHm» bat gelegendieh ao seinen spuk getrieben, dass 
er die foncbnng naeb dem begebnis beelünnte« lo ▼erflel 
Ubiand nur ihm to liebe anf das jähr 985 , und auch fttr Seel- 
maons entscbeidung dürfte die frage nach seiuer per&öolichkeit 
Qicbt deu letzten gruad abgegeben babeo. 

Ich geh bei meiner deutang Dicht von der Strophe v. 22 — 24 
aus, wie immer geschieht, sondern vielmehr von den beiden 
vorhrr<,'elindeQ atrophen, deren keropunct ich in den ?eraen 
20 f sehe: 

ae cmmkH tlU ad wa» $6 her thdr hafodi 
praeter quod regtßk^ thes thir Biimich ni gerade. 
Es handelt sich hier nro eine Ohertragung, bei der sich Otto 
aoadrOcklieb daa, vvaa snns regaU gebOrt, forbebalL ^regate* kann 
also nicbt anders ala in dem bekannten techniseben sinn der 
regalien genonunen werden ^ : nnd aonrit ist es iweifellos ein act 
der bdebnnng, der in den fersen dargestellt wird. 

Halten wir das fest, so werden wir aucb das son^MSier» 
moNifs 16 in einem andern sinn versteho, als dies bisher ge» 
schehen ist^. wir werden darin nicht mehr eine einfache be- 
gi üi'&ungshaudluug sehen, sondern einen act erkennen, der eben- 
falls in die belehnungsceremünie gehOrt : nämlich die handreiche, 
mit der die mannschaft begründet wurde (Waitz Verfassungsg. 
?i 65 (T). 

Diese buidigung bildet den ersten act der feier und ge- 

* d^nn was Kögel neoesteos in den worten Hndet (Litteratargesch. 
I 3, 135(1 *der dichter nimml den mund nun ^jiierdings sehr voll, wenn er 
sagt, dass OUd dem bruder alles überlassen habe, was er hatte, aufser 
der köoigHwürde', wir ebenso seltsam dem iuhalt, wie unmöglich dem 
teHeaacii. 

* WäoA flbeiseCsta Miiasen sie efoander bef der band', Seetnaatt 'relchlea 
sie doandcr die band*, Kflgd (t. 181) *teen sieh bd dea hiadea', faideai 

er hinwies anf Nibel. 11 MC : Mmdf dö nihi «nlie, em enpflmge in öuch 
mit Sren und alle »tne man. der künee RäedegSre fuorte bf der hende 

dan. Uhland, der auch «rhon die episch volksmäTsige aasdmcksweise in 
uoserm lied mit eioigen beispielen belegte (SchrifU i 474), führte hier 
Roth. 1756 an. 



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208 



JOSEPH 



schiebt im angesicbte von BeinricbB beer, wonns sich auch die 
aoffUlige ait erklirt, m der das lelitere erwebol wird, dam 
schliebt sich da&D der kirchgaog und hiemaob erat folgt die 
eigeDtliche belehnung Tor dem *c9nci!iwn\ 

Die gauze cerenioaie verläuli also in drei acteo. war elwa 
mit (\vv kirchlichen feier die eidesleistung verhiiutlnn \ so würden 
die diii acte der reilie nach denen entsprechen, die Wailz 
Verfassuogsgesch. vi 65 — 73 gemäfs deo vorbandeoeu berichteu 
als weseoüidi beim belehn UDgsbergaog hervorbebt, in jedem 
foU trifft unser gedieht darin mit der Oblicbkeit Qbereio, dass es 
die- 'maniiscbaft.' als den ersten act der faandiung und die eigsnt- 
liebe lehenserteilung als den schlussaet selrilderL 

Die beiden stropben, die den leisten teil des gedichts aos- 
msehen, betraebten die läge, die sieb auf grund der belehnuDg 
ergibt. Heinrich tritt an die spitze der aprakha, und es wird 
nun einerseits sein Verhältnis zu Ouo in dieser eigenschafl 
rühmend hervorgehoben (v. 22 — 24) und anderseits, wie er sieb 
in seiner Stellung allgemein bewahrt (v. 25^ — 27). 

Nach alledem kann es nicht sweifelbafl sein, dass es sich 
in dem lied um Heinrichs beieboung mit Baiern selbst handelt, 
denn wenn der dichter eine andre belehnung und ibie folgen 
bitte feiern wollen, wie hatte er dies tbema mit der anbOndignng 
eingeleitet, daao er jenen benog besingen wolle, gnl cum A)Nt* 
taU fibsrv Bsiaro rldle ftswomdSs/^ 

Für die frage nun, oh der erste oder der iweite Heinrich 
held des gedichts ist, sind wir zunächst auf den weg indireclea 
beweises angewiesen. 

Heinrich n kann es nicht sein, die ausdrucksweise der 
Verse 20 f würde doch zu wenig die Verhältnisse berücksichtigen, 
die bei seiner belebnung walteten : die worte ceflMNii^ ttft lassen 
nieht ebnen, daae es eine widerbelefannng war, und der sati 

* *der eid wird nat aulgericbtetea häoden oder auf reliquiea geleistet' 
WaiU Verfa88UDg8ge6cb. vi> 71. 

* Schoo Dblsnd hat bd ssloer erstso besprecbung des llcda, to der 
er im Abrigeii sof LacbDSons atsDdpoDct steht, die veise 20f spedell sof 
die TerleihoDr Bstems gcdcntet. er sagt Schrift. 1 474f : *dss gesehiditlfebs 
crcigüis, worsof das Ued sich besteht, ist die YenAhnoag Ottos i mit sdocm 
BMOtefisebeo brader, heiiof Heinrich, dessen anbSnger dem kalacr sofsr 
Dach dem leben gelitehtetj und die verleihong Baieros so deoselben, 
Osch 989'. 



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DE HEINRICO 



209 



«tf im stf her (seU» Otto) thär hafodi nicht, du» Heinrich der 
JflDgere zu gnnsten HeiDrichiii Terzichtete. bedenkt man aufser- 
dem, dass Otlom bei jenem act foof jähr zählte, so wird maa 
aucb die bertorlretend peieOolich actife rolle, die ihm hier tu» 
erteilt wOrde, nieht fentflndlich ftoden. 

Ea bleibt alao nur HeiDfich i. gegen ibn apricbt denn 
aaeb kein sug. ja ea ISaat aicb ein poaitivea monient tu aeinen 
gnnaten beibringen. 

In den AnnaL SBmmeramnii (Non. Germ. SS« i94; vgl. aucb 
Dfimmler Kaiaer Otto a. 100 anoa. 2) findet sich unter dem j. 948 
l)emerkt: Heinricus dux effectus est. Et Otto rex Radasponam venü. 
es ligt nahe genug, diese beiden üachi icliieti zu combinieren : nach- 
dem Heiorich zum herzog gemacht war, kam Otto nach Begeos- 
bürg, um ihn feierlich zu hest^ttigen. diesem vetliaituis entspricht 
deulHch die Situation uosers gedichts. inflem Heinrich schon an 
der spitze des heeres seinem herrn entgegentritt, um ihm zu 
huldigen, sehen wir, dass es nur noch der äufsern ceremonie 
bedarf 1. mit dem satz tku ihir HiüiriA ni gerade scheint aua- 
drOcklicb auf ein vorbergegangenea abkommen hinge wiesen zu 
werden, daaa wir una endlicb in unaerm gedicbt Otto worklieb 
in Beiern anweaend au denken haben y geht aua dem adTerbium 
thdr 20 hervor* 

Daa endefgebnia unarer dentung Utoat alch alao dabin zu* 
aammenbaaen : das gedieht atellt die feierliche königliche be- | 
atMigung Heinriche i ala herzog von Baiem zu Regensburg im 
j. 948 dar und preist die guten folgen des ereignisses. 

Diese zweue aufgäbe ciiüllt der dichter in den beiden 
letzten ophen , Uber die ich mich vorher absichtlich nur all- 
gemein geäufsert habe, denn erst jetzt , nachdem der gegen- 
ständ der belehnung und die handelnden personen leslstehn, 
sind (üe vorausseUungeo fUr das nähere versUindnis dieses teils 
gegeben. 

Es kommt vor allem darauf an, den begriff von spräkhai 
V, 22 zu beatimroen. aua dieaem wort hat man gar verachiedentp 
liebe dinge berausgeleseo : *volk' di. ol tkiu ^frdkha d tkiu 
mmga (Kopke nach Lacbmann? und Wackernagel), ^Vereinbarung' 

'auch der söhn Heinrichs ii von Baiern empfangt erst als ei\sdhUer 
herzog die belebnung des königs, vgl. Giesebrecht Gescit. d. deutsch, kai^er« 
idt 1*668. 



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JOSEPH 



(Schade^ und Kogel in Pauls Grundriss), ^regelm^fsige beraüiiig 
in regierungsangelegenheiten' (Mülleniiolf), 'reicbsiag' (Seelmann, 
ßresslau), einen sinn wie heuiige 'staatsratssitzung' (Kögel m 
seiner LiUeralurgeschichte). aber niemand hat seine meinung 
aus der sacbe uad dem ^uiamiuentaaag dta gedichis gebüiiread 

Voraussunehmeo ist, dass das wart aeineni begriHb nach 
identisch mit dem vorher gebrauchten cimeUiim sein muss : dm 
wird f om gesets der darateUiing erföidert* es kaon aher nicht 
aiit dieaam conMum auch BettUch< identisch sein 2 : das verbietet 
der inhsU des leisten teils , der sich nicht anf einen einsellUiy 
sondern suf die gsose benogsseit Heinrichs benebt. 

Hiemach kommen meines eraebteju flberhaupt nur noch 
twei bedeutuogeo in frsge. 

Die eine ist *reichstag'. dann wtirdeo also unter ol tkiu 
\ sprdkha die wichtigeren reichstage zu verstebu sem, die zur 
regterungszeit Heinrichs stattfaDdeu. man diirlte das al ihiu nicht 
gerade pressen, ebensowenig wie stctil sub und die ausdruckst" 
weise der beiden folgenden verse. der sinn und Zusammenhang 
wäre dieser : Heinrich wird vor dem versammeilen reicbstag be- 
stätigt, er gewinnt damit in diesen Versammlungen Überhaupt 
eine leitende Stellung und wird so in allen wichtigeren an« 
gelegenheiten des reichs der erste beraler Ottos, der dichter 
ruft die nobü§» oe Ub$ri^ di. sein pubUcum, zu sengen auf; dess 
Heinrich seine mecbi nur benutsle, om jeden in seinem recht 
SU schotten. 

Diese deutung wOrde sich also gani mit der aoifaasnng tot* 
einigen« die ich au anfang (s. 197) als die allgemeino der Terao 
hinstellte, mehr noch : man wird aich jelit som seognis dieses 
Sinnes anf den bekannten heriebt Widnkinds (Res gestao Ssion* 

ir, cap. 36) berufen wollen 3 : . . . . prefecttque eum regno Boioari- 
orum, .... pacem atque Concor dum cum eo faciens, qua usque 
in /tuem fUieUter peräuravit .... frairnm vero pax aique con- 
cordtüt Deo mc^tabUis homimÖHsqm amabüii, tele or6« fit Um 

' iodeiu er äuderl 'func stelil /irma al thiu sprakha. 

' über die mehrtägige daner solehcr veisammlungeD vgl. Waits Vcr- 
Iksmogigetcb. vi* 441. 

• schoa DUaed (Schriftio 1 476) and Wioitt a. 78 wafdan daich itte 
Teiae 32—24 a'a WiduUadi tchildcmog eriDoert. 



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2U 



ftm. ^flüHM fmvtm fmmi$» man wird di« mmgt vimm Mitr 
4i6htai^ nvr allgmintr «mgadraekt, in iImi fvorlen vmmimfis m 
fiMp9t fM«|Mf widerftndeii wollen. 

So plausibel deDO diese meiDUDg erseheiot, so darfen doch 
oicbt eiüjge btideokeo vert^cbwiegea werdea, die ibr eolgegen* 
.mteho scheineo. 

Eiüti Stellung, wie ßie hier Heiorich Otto gegenüber ge- 
QieTseo ^11, küoale man für seinao bjruder BrucQ» den Eüloer 
«nbischof, oboe weiteres zugeben, aber voo Heinrich wird diese» 
epeeielie verbaltois niigeods berichtet, obwol man doch meinen 
solltet da« die autoren» die m beOimen aind« das reradbnunga- 
bfld forbensatt anaannialen« sieh die eingelinde darlegnng eines 
derartigen niomenla niebl versagt hatten, auch die Stellung, die 
dem Baiembenog deoti reicbttage gegenober luerteHt wQrde, ist 
jmnierhin befremdlich, wie auch das coUeclivische al thiu spräkhu 
für die eiDzeloen reichstage auiiäliig erscbeiot, da letztere dach 
bald an diesem, bald an jeoem orte zu willkürlicheu Zeilen und 
mit wechselnden teilnebmern staufanden, also tu wenig den 
eharafcter einer festen , yerfassungsmabigen institnüon nach 4em 
hegriff allerer zeit besafsen. 

leh nsnabte daher noch die andre bedentung snr erwignng 
üiUaa, die in ct wdlft nn tfrdkha liegen kannte : der ver>- 
aamasalte landesrat oder landtsg. bei diesem hegriff der woile 
wire die gnme stelle in genauer worilichkett tu nehmen, es wflrde 
im landlag das rechtliche verhaltuib des aeuen lieizogs festgestellt 
and seine eigentliche bestätigung vollzogen (v. 19 — 21) : und da- 
mit unierstünde ihm nun der landtsg dauernd, dh. er führt die re- 
gieruog (v. 22). die verse 23 f aber würden jetzt besagen, dass Otto 
im lande nichts tut, als was Esinricb als regent rät. letzterer 
erfüllt dieses amt so, dsss nnr 6ine stimme dsrOber bestehtt 
jedsm aei von ihm aein foUaa mäht «idarfahien (v« 25^27). 

Wekhea nnu« wenn die anlatat voigelragena dentnng dia 
iwbtige Ist» die dinga aind, hei denen Otto die volliiehenda ge- 
walt be^iut'und Heinrich nur die berstende sostebt, das wird 
nicht ausdrücklich gesagi. aber es vv^ie anzunehmen, dass sie 
10 die rubnk desseu gehörten, was vorher quüd regaU genannt 
wurde, und aus der Zufriedenheit der bei dem gesatig aDwesen- 
dea stammeaangobortgen.« die constatiert wird» dttrlle man wol 



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212 



JOSEPH 



ScbliefseD, dass es sich dabei oicbt lo letzter reihe um besetzuag 
von Jtmtero und sonstige verleibaogen gebaodelt babea wird. 

Mao siebt, wie auch bei dieser sufTassung alle momeDte der 
darstellung io engster folge und gegenseitiger beziehuDg stODden: 
der letite teil des liedes enthielte im gründe weiter Bichli, eis 
die bektinduDg, dass Heiorieh sein amt im lande lojal in dem 
sinn erfOlU habe« wie es ihm in jenem ^concir Obertragen ward. 

Und auch diese sweite deotung iielbe sieh durch einen be- 
leg aas der seit statten, in Hrotsvithas Ottolied (ed. Baraek) 
wird die belehnung Heinrichs Tf.445ff(s,321) mit diesen werten 
gescbilderl: 

Necnon posi aliquot spatii tempuscnla parvi 
Ipsitis Juri proceres subjuuxeral omnes 
Famosae nimium gentis Bajoahorum, 
Ipsum nempe ducem menio faciendo potentem. 
Da sich durchaus wahrscheiulich machen Klssl, dass der 
Gandesbeioier nonne das Heinrichslied bekannt geworden war 
(vgl. die fofsnote s.2i6)» so mochte man in dem sweiten der an- 
geführten verse geradezu eine Übertragung unsers venes 22 er* 
blicken« heifst es im Heinnchslied Mit $ub firm» Bamrtduh 
so im Ottolied 4»Ais Juri wbjunxeni; heifst es im enteren «I 
Üttu tpräklittt so im letiteren euiiiss proetrm, damit wire also 
erwiesen, dasa die aeitgenUssische aufTaaaung unter ol fftiii tprMü 
ebenfalls den adel des landss und nieht des reiches begriff. 
^ Gleichwol rauss die entscheidung Uber den leliten punet 
noch offen bleiben, sollte der zweite sinn sutreffen, so würde 
das kleine piiijslied nicht nur wegen seiner dicbteriscben lechnik, 
sondern zugleich nach zwei seilen wepeu seines bistoriscliLcj In- 
halts UDsre beachtung lürdciii. emuial weil es die cti einonie 
einer landesbelehiniiiij mit einer lehendigkeit und auslührlichkeit 
berichtet, wie nuiaes wissens kein zweites denkmal der zeit, 
dann weil es in die neuen bairischeu Verhältnisse einen blick 
verstatten wtlrde, wie er ebenfalls sonst nirgends geboten ist. 
Widukind enlhit, wie Otto sich durch mOtterliche bitten er- 
weichen liefe, dem bruder das herzoglum su Übertragen, unaer 
gedieht würde uns aagen, dass bei dieser gefühlshandlung die 
Interessen der politik nicht su knrt kamen. Baiem war ver- 
möge seines angestammten herscherhauses das einsige Isnd, das 
noch eine selbstindige stellang im reich bewahrt hatte. Heinridi 



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DE fieiNtlICO 



ttiiiit ÜlAt mtB, winl «Qf die beeresfbige verpOielitel, «r Mennt ^ 
tbs rtelit d«B kooigs auf dto regldieii Mt Imd ttk den tf. 29»94 ^ • 
wurde nun in diesen «Hm aUf die «ebreilkeii seiner nwcHtbeftignit ^ 

angespielt weitleo. damit erschiene also auch Baiera jeaer politik ' » t • ' 
Otlos fogbar gemacht, die die henogtümer dem organisiDUs des ' 
reicfas emzugUedern wüste. ' ^ . 

Entstanden ist dts Heiarichslied noch lu lebzeiten Ottos. - - . .>^ 
t«vw bMMrkte Steimieyer ganz recht (e. 106), dass der eiisdruelc^^'« ' t^-i^^^ w.* 
ilir «nssr iüter ^mÄi ?. 9 aiebt oolifWMlig Otle i nodi als 
lebend forausseite. aber da das ge^Ml nach daan inhall, «He 

jeitt feststellt, in jedem lliU aoeh Mter thiea Otioneii 
hmk sein mflste, so darf Mav sagen, der dichter bIM den 
toteu vom lebenden in seiner ausdrucksweise unterschieden. 

Ja die peinliche art, in der der Ouonische stan(]punct ge- 
wahrt ist, lasst Termuten, dass das gedieht in gegeuvvari tles 
reichsoberhauptes und ibm zu ehren zuerst gesungen wurde, 
an Ottos hof selber aber kann dies nicht geschehen sein, denn 
widerspricht die spräche, denn man darf nach den anführuogen 
Ellgeia (Lineraturgeaeb. 1 2, 1280 den beweis fBr erbracht lialteii, 
dass dai gedieht mittelfrlnkiscben Ursprungs ist 

Und fai der tat bietet sich gersde im müteHMnliisehea be* 
thrk ein platt, der wie gesebalfen Ahr nnset üed ersebelnt. Ich 
ijieine den brüderlichen hof des erzhischefs zu Köln. 

Dreimal nahm Otto in Köln quartier : 956 und 958 hielt er 
dort hoiiag, 965 reichsversammlung. niemand wird mit Sicher- 
heit ausmachen wollen, bei welcher dieser gelegenheiteo gerade 
unser lied zuerst erscholl, das aber macht ich doch festgehalten 
wissen, dass das prädicat kaisar^ das Otto m den versen &• 6 
tttd 9 geniefot, niefat swingt, das g^ediehft erst naeb seiner kaiser- 
bnurang anauseisen^ daas siso nur die raebsvetianittlnng f*n 
969 in belfacbt Iftne. es Ist fiehnehr gar nicht nnwahfeeheltt- 
llch, dSM kMir -tm ein spMerer anfpnts fUr orsprangüslfts 
hmig ist. denn nachdem sich gezeigt hat, wie sorgSan der 
dichter die tatsSIchlichkeit in seinem lied zu wahreu beoinht ist, 
muss es doch einigermafsen aullallen , dass er Otto im j. 948 
als katser anreden lässt. man möchte daher in dem mtttendria 
aaftretenden ktmiglich t. 7 eine ttbrig gebliebene spur der echten 
rcdafreise eritennen. 

Z. P. D. A. XUl. N. F. XXX. 15 



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214 



JOSEPH 



Ist denn aläo iür die verfte 5. 6 und 9 wiirklich kunig an 
stelle vou kaisar vorauszusetzen, so wäre zu vermuten, da^ 
uoser lied jeneo ersten boiiag von 956 weihte, damals war es 
gerade ein halbes jähr, dass Ueinricli das zeitliche gesegnet baue, 
UDd das erste mal seit diesem scbmenlichen tage, dass Bruno 
den kOniglielien bmder in seinem bans empfieng. da wird es 
beiden brfldern ums hers gewesen sein» das andenken des dsbin> 
gegangenen dritten sn ehren, und eine wie aarte aufineriuaai- 
keit wirs, dass Bruno so diesem sweck eine tat Ottos setber in der 
erinueruüg auileben lieJs : jeue lat, die dem sturmbewegLeu leben 
Ileinricbs einen versöhnenden abschluss ▼erliehen battel schöner 
Uefa sich des hohen gasles eiinmg mit des toten nicht verbinden. 

Im juli 962 brach ÜUo zu seinem ruhnieszug nach llalieu 
auf, von dem er mit der kaisericroue heimkehrte, erst im 
januar 965 setzte er seinen fufs wider auf deutschen boden und 
im juni bielt er jene reicbsvefsammlung xu Köln ab, von der 
ein leitgenOssiscber bericbterstatter sagte (pdmmler s. 373) : 'es 
stellt fest, dass kein ort jemals durch solchen glans, durcb solchen 
rnbm an ihm verssmmelter menschen jeglichen gescfalecbts, alters 
und raogs verherlicht worden*, der reichsversammlung unmittel- 
bar vofcuis aber gieng ein familientag, der alle glieder des 
k(}nigliclien hauses nach langer zeit wider und zum letzten 
mal zusammenführte : mit der jL;i eisen mutter Mathilde die brüder 
Otto und Bruno, die Schwester Gerberga, ja selbst die enkel^ 
kinder, unter denen auch der damals fünfzehnjährige baiernherzog 
Heinrich nicht fehUe. als der alte biscbof Baldricb von Utrecht. 
Bmnoa einstiger lehrer, in die erlauchte Versammlung trat, da 
redete er, nach allen selten seinen segen spendend, die fromme 
Mathilde mit diesen werten an : ^freuedicb, ehrwQrdige konigin, 
die gott mit solchen gaben begnadet hat, nun siehst du deine 
kinder und deren kinder. wahrlich erfüllt ist an dir des psalmisten 
Spruch, der da sagt : und du sollst sehen deiner kiuder kin- 
der!* (Vita Mahthildis post. cap. 22). aber in der freude der le- 
benden war Mathilden nicht der tote vergessen, ihr iiebliugssohn, 
um den. sie für immer das königliche gewand mit dem trauer- 

Ueid vertauscht hatte, eben hatte sie seinem Seelenheil ein 

»-•••■ 

• nonnenldoster in Nordhausen, seiner geburtsstadt, gestiftet nnd 
mit der sorge auf dem herzen, dieses heilige werk für alle leiten 
stt sichern, war sie hier in Köln tum familienfest erschienen» 



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DE flEINBiCO 



ich neuie» das ivareo läge, wo das all« lied anferslandeD sein 
wird, wie niiste es dem sinn der matter woltvn» wemi sie in 
diesem kreis ancli ans Singers maiid des lenreD gedlditab ge- 
ehrt fiind. in diesem kreis aber sah man auch Otto das erste 

mal in der kaiserwOrde. wSr es nicht begreiflich, dass man sich 
und ihm die slülze freude des juogeu ereignisses zu kosleu gab, 
indem mau die kaiseranrede, wie frischen blumenschmuck in einen 
alten ehrenkraoz, in das lied verflocht? so also hiefs es nun 
kaisar stall kuni^K und auch die aufmerksaaikeil mochle man 
besitzen, dass man die anwesenheit des jungen Heinrich» des 
Böhnes des gefeierten toten, herOeksichtigte« ihm zu ehren fügte 
mm jenen Ters 13 ein« der ftuher gani anerklirllch bliebt* 

* bexeichnend dafOr, welchen wert man auf die kiiseranrede legtc^ 
i«tt die* entflchnldigaiig, mit der HrotsviUia die widmong an Otto i in ihrem 

Otlolifd bMch!ief?»t : Et licet imperii fenens drcut Octavinni , Non de- 
td^n^ns vocitan Jiüviinc re^^is , Dontc pencriplo vitae regatit honore, 
Ordinr di^fsto necnon sermone dfcore Dicatur tcepiri decut imperialt 
ieanndi (Barack s. 306). Seelmaon, der ebenfalls den kaSsertItel des lleiiirich- 
lieds für uuuräpf üagiich hall, erklärt ihn daraus, dass iho eiu späterer at>- 
achraber soaeliroBisUMh nachtriglieh eingefügi habe (s. 84). 

' zur iüuslrieruiig solcher aachiriglichen rolknbedeolüUQg sei aa das 
Terfihren der jflngereo ViU MahthÜdis erinnert, in der gemifii dew neaea 
aafiraggebcr der ottonlicfae gcstcktspaaet der anpiflagliebea licaibdtaag 
■it deai kdariciaaliehea gewecbtcit ist, und ana die diiedso voiliihNa 
UUf Bdaricki^ wo et nor asgcht, la die actton gengtD werdea. ick lllhie 
die bdsplcie an» die seiade die tehadeniagea dea Kolner fiiadUentag« aad 
der Toraufgehenden ItloatentUlaag bieten. Vita anti^ier eap. 14 : Cm* 
iinmU atitm in Horthmen eomobhtmt ewngrtgtuu tororum eatervam 
pro nta suorumque tahti« animnmm et corporum , m( quoque nepolis 
Ottoni* ium'aris consensu. Vita posterior cap. 21 : Tunc etiam cniutnueit 
monasterium in civitate Nortktirunensi conxetisu xni parvuli nepoUs 
OttoniSf pro anima re^is Heinrici et sui carissimi filUf eui 
pairi» nomen imposuttrai, et quem in praefata civitate pro* 
ertaverat, — Vita antiqnior : ... auiiPt* ilhre mm rege fiUo pm^UtF H 
fmhkrm virgiiu •»oteai stH «eMii frm^irii (acil. OOo), FmUi H w^giim 
Gw¥mg, ««fw atef, «f hkt Hgmtt» tffpiatfiv stmt prtgmtiM, Vita 
pwtcrior : /Ute mmAi munOHit rtgiim fiUo obviam vmU etm nfpoU 
ptrwmhj fiMR AeoMM pHem HH ea Mna dl siurg l» tecum etiam eomi- 
ismia herili puero Heinrico, quem in loeo filii dilamity poet- 
qmmm idem dux Baiowariae, fUius seilieet eiu», ex hae vita 
iiteestit, venil et regina Gerbire, »anetae Bei filia. — Vita antiquior: 
expotuit (seil, malert, vel quaU angeretur timore, oput aiceptum non pouo 
iterficere. Vitt posterior cap. 22 ; fu^ropter eammendamus voöi* omnilnUf 

16* 



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iossra 



wmar taui d«r jung» lürr tnt «iiiige jähre nach dem ercignie 
4is gedicbli sor weit eher die hiiieriMlie ofttme dieMT ehto- 
nelogie iit aiebt grtlMr alt die eiifWirnDg dee kiiairpfidieMi« 
jt sie alebc ee recM eoT einer Mfe nrit iImt. 

Man darf also wol sageo, dass sich alles auf nahe liegeode 

weise erklärt, wenn wir liie entstehung des gedichls mit dem 
Kaluer holUig des jahres 956, wenn wir den aogeuomineDeD auf- 
puU des gedicins mit dem ILoloer CamiliaiiUg dea jabrea 965 ib 
mmiiieBliaiigi>nii«aB^ 

Zum schluss wird es willkommeD seio, dass ich da^ gedieht, 
von den zügeo gereinigt , die aich uns als unuraprüngUch ar- 
gaben, folgen lasse: 

1, Nunc dum Ihero ^wigun «am /Efnn Uuenwii' 
bmiSMu fmuor nMt tbai ig iu eöaaD mnoci 

da ^ttodsm d^ thenoo h^ron Heiartelie, 

(ut emn ügnitaU tbero Beiaro rtche bewarode. 

2. litfnma nanfe imiilAii^ theo kunig manoda her thtia: 
*cur 9ede$' infit ^(kio tber unsar kunig guodo? 

hk adut Heinrich, bringit her hera kunigilch, 

di'^ttm tibi fore Ihir sclvemo ze siue'. 
8. Tunc surrexit Otdo, ther unsar kunig guodo^ 

perrexit ilU obviam iode vilo manig man 

et excepit ülum mid mibilun ^a. 
4i iVinama ficefifa üxü 'wiliienino Heifirtcb, 
: iiae RMi ar aof^ witticvme ald gt ml*. 
5. ' Boro mnpoMO hoe Heinftthe ad ac6no 

eanhauBtre WMum. her leide ina in tlias godea hlla: 

päimmt amb0 . thero godea genilheno. 

«< tii0|ilii» opns p^rfieiaiu} quim inekomvimu* pro anima nottri 
ä^w^ni^ 9t 9ari99imi fiUi Htinriei (Mob. ton. SS 1 58». rr S9f !>. 

* telbstverataadlieh oahm an dem Kölner familientag aach Ottos soba 
WiialBt der «nblaeiaf von Maiai, teil, dieser aber regte geiaae an Jee«r 
aaü dfe «aadefsheuaer senna tn llueia OtlMed an wA tolMdrta sie 11t 
dlEasa xtPBclE* tiffd er tqmIbbi habea^ Ihr das ftlseh waannaDa ehraa* 
M des Meer lages aiHauttilcoT aia mSgliehkek ligt also wdriclkb aiaht 
fem, dns der vertier beaprodfacae Tert der Ottodichttinf in beciebang itni 
HeinriehsKed steht [cerrectomote : sn dem was ich aber entstebong nnd 
WideraTiffrisctidog df? pflichte«« in Köln vortrage, halte man anch die 
sons ti gen theinisclieo bettebiiDgen der Cambridger sammiiing Ans. xxm 203.] 



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DE HEUNRiCO 



217 



^ Ormnin€ faelo intfieg ioa aver Otdo, . . . 

imxit in concäium mit michelun 6run t ' , 

ac cammisit Uli gö waz ed her Ihär halodi, v. 
fraeter quod regale^ thes Ihir Heiorlh ni gerade. v • 

Im Ttmc stetit al thiu gpräkba sub firmo ttunricha: . 
' qvdeqtiid Otdt /mi^ al gtried ii Heiarih: 
quiequii tiß.ümkk, ouch geried it Heiiiilhe. 

6* Ekmn figU «fe (thes htToA ig gttoda fiUint . 
mmhm M fiM^ Ihas tUd alba wAr it), 
Mt «•» /ietaf HeiMeh ■Um rehlo «UldL . . . 
Strifrbarg L E. EUGEN JOSfiFH. 

EIN UNBEKANNTES GEDICHT SEB.BRANTS. 

Diß hier veröjf entlichten laleinischen disiidien Sebastian BrmUs 
fikr dat grafmmi des am 26 augmt 1486 gestorbenen kurfOnUm 
Mnmt von Stukmn sind durch zwei eodicea überUeftrt: 

1} WUT. der kgl, öffentl. biblioth^ zu Drisdm^ 0lm 
Af» MMR mugaag d$s 15 jht» d$r aU Atmk$ Yümctümm am- 
tom hdcmmtm (f€tdddu§ in w HHmd ch m füntwkmmp wMb 
kiat hü 1498, wno. wäknek$Miek ägmiMiiid^ nm im m itr 
yegend Mit Rehd ku iM h n m n feftiiufefi wrfantr hM nadk ütmm 
jtAre weitergeführt worden ist und <ms der ich den diese fett-' 
seizuH^ in der Zs. f. thür. (^esdt. u. aftertumskunde 18 (1897), 
s, 469 unter weglassung der verse v er öff entlieht habe; diese selbst 
stehn dort am ende der biographie jenes hrrfilrsten , vgl. s. 484, 
Mild sind mit den Worten eingeteilt : cuius hoc exstat epithaphiura. 

2) L, die hs, nr 1270 der Le^gßr Universitätsbibliothek, 
mu im kUnter AUsteOe ummeuier mmtMand (p^ «Mdia 
MrdT^ Sur ^tidUtibto 4er mittmtAßfUiiim thiüm in eiMeAen 
MMami, Drmim\W,$.W^ in im üe hir,$l»B9 (foLmg; 
ÜkmArift : EpithavhiiD iUiMlrianiDi prindpis Ernesti sacri Ro* 
mani imperii ardiimarschani atqae eleetoris dueis Saxonie lant- 
gravii Thuriogie atque niarcliioms Mifsnensis vita fuocti xx?i, 
augusti a. d.MccccLXXXvi) von der hand des Akzelkr prtors Miehad 
Smdczer im j. 1 500 geschrieben ist. — dieser codex bietet den 
bei weitem besten und vollständigsten text und ist daher dem nach- 
felgenien abdruck zu gründe gelegt worden, auch enthält er <UUin 
m jcMkim dai suait, dm MoHta» Brant der isntw iu uai He 
mte omprag i» «toflft gMurH kiliimg a m§9Mii dm tfm Meiftner 



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218 SCHMIDT 

doiiUierrn Thammo Löfier (urkundliek hägannt teit 14S9; ge- 
ttorhen \ 5 1 4) verfatst hnt. von interesse sind diese — obwol tM- 
trisch recht mangelhaft — hauptsächlich ans dem gründe, weil wir 
sonst von besiehurigen des berühmten poelen zu Sachsen nichts wissen 
und weil sie zu den ältesten bekannten litterarisdien leistungen 
Brants gehören {vgl ChSdmM BUtoirt litteraire de VAüace 
n 340jf). dam wie äek mu dm ttUer der k$. D ergibt, flOU 4m 
i^faeeimgeMelt iee geHdUee Mmitiiiem 1486 md etu .iMlbr- 
eAeinUA eiber heüd nmk 1486; Brmit Übte dameU in Baed und 
war dm eelt 1484 em der wUvereltdt de retMeknr tätig, er wmee 
alse mMh damtde einen ruf als dichter genosstn htAen» vermut' 
lieh waren die distichen auf eituj an der wand neben dem grab- 
mal aufgehängten tafel, die später verloren gegangen ist, auf- 
gezeichnet (analoge beispiele bei Ursinus Die geschichte der dorn- 
kirche xu Meifsen aus ihren grabmälern, Dresden 1782, 9. 36. 38. 
41 uä.); denn die auf der grabplatte selbst eingegrabene und HoA 
erkdteiee umhrift iUreinm a. 36) iet abweiekenden Moftf. 

Oniiquis et iggressus nasfnim modo fisere caimeD« 
Fatlerii : «x nootro earmine luctiu erit 
Nam 8i forte foles quis eiin cognoecere leeior: 
lam ciois ei modici corporis umbra eabo* 

5 At si quis fuerim venias ut querere malisi 
Hoc triste elogium periege, sisie pedem: 
Namque £roeRtii$ ego : magourn et mecDorabüe uomen 
Turrigere matri prmcipibusque soli, 
nie ego, qiii niultis dominabar geiuibus olim, 

10 SaxoDes o iories, dux ego vester eram, 
Sub dicione mea Thuringia, Misna fuere; 
0 felix patria ftioera nostra gemaal 
Me pietate quidem non quisquam maior et armiSi 
Instior band alios pace togaqa« fuit; 

16 Addo, qucd insigDes titulM^ precooia nactus 
Plurima pontiflcis oscula summa tuli, 
Virliitisque rosam Sixtus michi contulit ille 
Quarluä et iiisigni mc cnice donal item *; 
Tuque puer, cui nunc Bomana poteocia cesait, 

20 Maximiliane : meo lectus es ofticio K 

Nempe sacri imperii elector fui et eosifer buius 
Muaens : iii pust oos ülius alter habet*, 
Qai maior natu maiorque poteotibus annis 
BeUonimque nni cooalioqne dncii 

25 Artiboa hic patriis aoo degener : ipae rebelles 
Sub iaga victor agena ampla tropbea feret 



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! 



EIN UNBEKANNTES GEDICHT SED. BRANTS 219 



Tum piat Emestas pretul primalit bonorcai 
Magdeburge sanclain melropolimqoe leDel, 

Cm natura Hedil mirandum et principe dlgOUin 
30 in<:fnium, doctas qui roHt ipse deas*. 

Tercius in teneris vidil sua fata diebus, 

AUamen elector Cesaree ille domus. 

Quem MoguDtioe sedisque arcbtiufula texit, 

Ante ilidDii rapiiit sed fera Parca Timm*. 
35 Ordjne qui comilator eoa duz deinda Jobanaea* 

Cretua ab egregio sanguine et ille oieo, 

Huoc iuveoem aspiciuot voltu pia fata aereoo, 

Partus ab hoc olim sydera langet lionos. 

Muneribus fecii hys me fortiui;! poteotem, 
40 Quatuor bis nalis certe beatiib eram, 

lovida sed Lacbesis vivacia rumpere fila 

Acceleraos fregit stamina uoslra cito, 

Peosaqae docia manu Clotho tollerare negavit 

Abiecitqne colum. Tain moribuDdua ego 
45 Debita nature persolvi, corpus bumatum 

Defletum et lacbryoiia exequiisque iacet. 

Cum patrihn«^ pronvisque uno teger ipse aepulcbro, 

Mifsnensi recubant qui simul ede sacra. 

Nobibs ecce caro saii^-uis generosior omni 
50 Terrigene preslat vermibus exuvias. 

Huoc tumulum nostris iosignibus armaque celto 

Sculpta ieges igitur oiarmore aarcopbagi, 

Quiaquia adea iector, nobiaque noTiaaima verba 

Die age vel apargaa flumiDa viva. Vale. 
55 0 quicunque leges preseos in marmore canneii, 

Ut deus ipse velit parcere, funde preces. 
Sebastianus Brandl hec tnlidit prrocuran- 
te domino doctore Tbammooe Löfser 
canonico Mifsoeusi. 

(.50 teirigena? M,] 

Anmerkungen. 
' Kurfürtt Ernxi v<ar 14*^0 ;>? Horn und erhielt vom papst Sixtus Vr 
die geweihte goldene rose, dir t-r di-r Meifsner domkirche vermachte. 

* er war bei der wähl Maximiliam zum römUehen könige tu Frank- 
furt (16 febr, 14S6) betondert tätig. * kurf. FrMbrUh dtt W§U«, geb, 

* Enutg§h, 1466, ^nkUd^fwn Mßgdäkwg 1476, t IM, 

* Alkmtig^b, 1404» «dmt'itiflNilor du «rzhütunu Matm» 1482, 1 1484. 

* hurt, Johann dw JMäwUgo f«b. 1467, f 1532. 

Dreaden, ueujahr 1898. LUDWIG SCHMIDT. 



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ALTD£UTSCm i WDE AUä SCHf.lF.BBACü'. 

* 

I. B»tlCSST0CSt XOIER IStmiKKAfefEtSHUl. 

M. mt. 6 (perg^ injk, 1 36 HL, f. Xenia 9^mmrdina n 2, 485) 
in CmmünMurUift» SdAmMk t» Oüen^ o( ittr emMt 
Gregors kmikÜUn; auf dk t'iHimMAt ier AaModrel «m^ 
doppelbtättir «Amt flNlti#iiarMtvAm ^flMf, mh deNM tAies am 

«nrern rawrf« f'm falz des codex haftet, da» andre in der richtung der 
schriftaxe auseinander geschnitten und so yelreunl aufgeklebt wurde. 

Der inhali der brudtälücke stellt sidi als teil eines chor-offi- 
ciums dar, welches wahrscheinlich mn nonnen recitiert oder ge- 
sungen, daher zu ihrem hessern verstiimiiiisse mit einer deutschen 
interitnearversion versehen wurde. 

Das doppelhUUt Ä, bl. 1 enthält den schluss einer oration 
{möglicherweise commemoration) und die commemorationen des M, 
Mmtimtt Tremrentis ep. et €imf und der hl. Margarttka virg. 
ei man*, UtMlerB niekt mehr goM (ai fekttn di§ w§ri$, hetem. $Ütets 
sione virftutis). 

Bl 2 denetbem tage hegimU im ven W dee eanticam Zaduaiaa 
(Benedictus) und süat e$ fort hii mm nAhtm, hierauf folgt eine atif>> 
phona (alma redemploris ete,), Pmar, Aoe und wUtr §ina aoHpkana 

(sie myrra e/c.)t dto auf ttHo b fortgetttat wird» danm wMeftt rttk 
(seite h) versikel, respomorium und dh oration, wdche im heutigen 

breviarium liümanum zur 7ion des officium ^jarvinn BMV. gehört. 

Doppelblatt B, hhiu I beginnt auf seite a mit den schhisS" 
Worten von vers b des ps. 14b, worauf die nächsten bis v. 13 folgen^ 
der auf seile b fortgesetzt wird, mit dem folgenden verse 14 seh lief st 
der ps. 14S, an den sich 149» 1 bis sum vorletzten worte 
wtn V. 3 reiht. 

Bl. 2 des doppelbl. B beginnt mit den schbutwartm tvoAr- 
uheinUeh eiim hjfnimts, setzt fort m«t oemlrel, responsorium und 
antifhoHa ad henedictuM^ auf die dae eantieum Zaehariae tm 1 
Hs mar ersten säbe de$ versa 4 folgt, täte 6 setzt snü vemA fori 
bii Mum vodetzHis mrto dm verm 8» 

Wi$ am dmis inkalte dar bkutar kanmrgtkt, steht msfbkAV 
dar fdUiMt mt dem auf bl B 2* fte^oniuiMii eant, Zstehariae, m 
fM meisehen beiden folgender lat, text samt der daau gehörigen 
deutschen interlinearversion : . . . noslris. Et tu puer, Propheta 

^ den /iinweis darauf danke ich dem hm slt/tiiiibliolhekar GFiel- 
haber in Schlüget. 



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SCmPPMANN ALTDEUTSCne FUltDE AUS SCHUERBACH m 



Altiitimi vMbfria ^ fmübh emm tnU fmkm Ooniliii pumtt 
f m : A4 ^d«|ii aeienltM» «itltttl» ilebi um i in t «vImkk 
nan pMütunmi e^nrai : Per vmm umakm6h» Dei noitii ; in 

quibus vi-, dmer fehlende teil fUlU naih amhgie der miAt in 
den hiMch&lückeii eingehalienm raHmatisnülzung gerade etn blatt 
ata. somit fM aucJi zwischen hl. 1 d#r läge A und U. 1 der 
lüge B nur ein blait. da nun bi 1 der läge B mit schhus van 
vtn S d€t pA. 148 teginnl, so muss auf dem vwhn$ekndm fMmr 
dm UaU$ mmdestens der schluH der commmoration auf A 1^» 
mak MM 8 d0$ p$. 148 gnßmkn MmL ftmtr hmme 
hLM» im InUt« mtk mkkt wmilMmr mif Bi^ fßigm; im 
tMm nmBV* wtrtmst «diRM ü^fwmmmg in jml S49, ote 
mUim «Ml MB« 8 mi mn 4—9 (idUiiif) iuMm jmibn. i»» 
mä w4n. bL 1 eines vitrtm ioppelbl au$gefülU. 

Auf dein dazu geJiörigen bL 2 dejselben laye stand, wie ich 
na^ der zutammemtelhtng im breviartum Bomaniwi vermute, vteU 
leicht der pa. 150, der fünf verse zählt, sicher aber der lußinu», 
wen» die erUen worle omf M 2* dn- schlusB eines hymnus ssnd. 
wir kAm «b» i» wutr» iappelblünem AB dis m^sU tmd irittä 
■ Iflfe «iMff fuMttniB ms idhm. der inhak der otrimum meüms mä 
' ^i$nm Imt kmm »m jrflünn lilfe mü tfeltorfcaft mmhUmm nwfihii. 

AuffäUaii (ten dk ^^taum-t^naiwr mtf ier mweiten 
itiu wm iL \ der las$ A (am unitm rmuU) s(^, 

DiB sekrift dir brudtstUdte ^dk^rl einer hand am der ersten 
hälfte des 12 jhs. an und ist sehr sorgfältig, grofse initialen, so- 
wie ganz und teilweise nibricierte uncialbuckstaben dienen zum 
schmnelce der hs. ich hebe sie durch fetten dnick hervor, da ein 
b^geUf wie oben erwähnt wurde, im falz haftet, so ist die untinte 
utS/t wn bl. 2 der la^ B nicht mclhr lesbar, aber leicht zu er- 
gäiiMe», läwr§mh wif§rfwrimtt9 UstU IMm ffuthritbm uni 

Der lateinhekB tesot ist sehwans, He inierliiuarearsioH rot ge^ 
sekriiim, auf hL2 ier läge A htgepien üdauteni nuiimiah B 

für r, eine eigentümUfhkeit , Üe «mf eine andere hand teeitt» da 

und dort fehlen im texte die yrofsen anfangsbuchstaben. 

Die ersten Insassinnen des im j. 1355 von Eberhard iii aus 
dem schwäbischen yeschlerhte der Wallseer gegründeten, 1620 von 
CiMterdensern aus Heun besetzten (s. Uanauschek Ürtgines Cister- 
thmmm 1 281) dstereUnm wnmmäthsters SchUerbtuh {Mmiaeaalj 



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SCHIFFMANN 



kmm, wie mu mknrm grünim henwgeJu (i. mt^m mifmtM m 
Shti. mnd MiH, am im Bmud,- wui dm CUt^^-wden, 1808 xix, 
hift 1, 97 ff), sehr wahrscheinlieh aus etnem der juritdkiiomgewalt 

des abtes von Salem (nördlich vom Bodmsee) untersiehuden stifte. 

Vielleicht brachten die nmnen aus dem mutterkloüer auch den 
codex 6 oder den mit, zn dem nnsre hruchstücke früher gehörten . die Cist. 
nonnenklöster, die dem übte von Salem unterstanden, waren folgende 
(«. Brusmer Cisterdenserbuch 609//') : Baindt bei Weingarten in Württem- 
herg,9egrA221; FeidbQehbeiStedd>9mmB$dmm,t9grA2b2;Guten- 
sftf hü Oduenhamen Ai Sdueabms, gegrAW^pHepfaAiBedBtmbaek, 
BigfbmXi saeMm BAmuk mdOdu m ik aM m, gegr.ifü^; KaMsraM 
hei Frmmfdd im Thtrgau, gegr^mOO); l^eydingen hti HoMw« 
it^'ngen ; R&thmümter (Margot) bei Rottweil em Nednr, gegr, 1 22 1 . 

Die spräche der bruchstücke weist auf niederalematmüchen 
boden : von der bairischen diphthongienmg ist, abgesehen von zwei 
V für fi , die neben sechs fällen von altem ü nichts beweisen , in 
dem denkmal keine spur; für den nmlaut von ä ist fast durch' 
gängig » feetgehalten, für die alewtomaeehe mda. sprechen die v 
flbr u, iu; ie für i, 1; ow für ouw; m für g im iniaut (19 al- 
iowes)t mi ee kämim daher oMk dk im anittmUt anunakmeioe et^ - 
eMmmden k mhd, k) daßr in oiiqwitdb genommen werdm* ' 

dappMLÄ. 

bLX, seile a, vn zvvsiht vnser bite wucher 

& iidei uostre pbeat iucremeala 
tvgende vh manecoaltige vns vnddigon' ^ 
uirtuto & multipUci dos auffra- 
ge werden getrottet, dritter gotee «ler- 
gio coDSolatur. P^.S Säceidos dd mar- 
Um kifU erwtUer Ht fisr tnu got, Bets 
tiae pagUir cgiagia ora pr» aobit An. Ora 
5 /Vr wu »celiger mariine. Da» toirdee wir w e rde n 
pso nobis beate marline. Tt digai eCflda« 
gemaeA0t der geheim critte*. 
innr promiwione xpi. Dax ist das gebet 

[G\et der boeooweei wand^ von deeheino 
Di qui eoaspiela quia exnal- 
vneer togende eneten mvgen c«r- 
h iioatra uirtute subsiatiinua cod* 

' die ttbU^ongeStriebe sind asuh in der he, verhenden, 

« P btdeutet hier und «. 13 Piter, i kier und».4Z Aolipbona. 



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ALTDEOTSCHE FUNDE AUS SCHLIERBACH m 



UA puBÜgir doM dar viMmium§9 ün 
cede propitios ui intercessiooe 
10 jab>0ii mtrUiut ifei Hhtn^fan iüui vk 
beati roartmi eonfessoris tui atq 

Seite b. rihtmn wider alle wicTwcBrtige 
pontificis conira omnia atluersa 
gemant tcerdeyi. [K]vm vzerwtlHo nUne vn^ sense 
muniam. P , Veni electa mea & pouS 
an dich stvl minen wand^ gerte 
iote thronum meum quia concupiuit 
kvnteh biid'' äinez. vhilfet *i got 
rtx qiedein taaro. Adiuoabit eao deot 
16 dNÜMM tUa, [G]of in mUUm fUM* beweget wiri 
niilto tno. D7 io nedio Ii comnoMbit 

ÜNdulgeDtiam nobis gebst Oremus. 
h§m^ $$rm mit sa^ffSü Mmr§tanU 
dlTe qaefrumas beata margare- 
martirrlne maget div anweine. 

ta martir uirgoque inploret. 
div dir liep alzowes vzstvnt 
que Ii Iii ^rata Semper extilil 
20 vn npn gamender kvse vFi diner beten 
& mehto casUitaiis & tue profes* 

dopptXbl B^. 

bL 1, eeite a. toort sin. [B]erge vh alle 

uerbum eius. Mootes oiimes 
bvheU. [H]olz berhaft vn alle 
colles. ligoa fruciifera & omnes 
zederbome. [T]iej' vn alle vihe 
cedn^. Bestie & uoiuersa peccora. 
dangen vn vogeU geoiderie. IKjßme- 
serpeotes & uolucres peonate« Be- 
25 gB §rim vn alte hte fm^ 
gea lern & omnea populi. prin- 

* eleki wUer nioe» wHek ietst»et übtr da* et ktnemtgem^rMen Ut, 

* niht Ueki mOet nuttea, WBhku über da$ II kinam geeekrieben iet, 

* h fatl unlesbar. * die silbe ti übergeschritbm, ' länge das 

linken trxtrandes itt von^älerer hand gesehrieben Salve ave Ave raargen 
atem d' naid ein ludi . . ^ ce und der obere teil des d nuUerL 



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224 SCniFFMANN 

ten vn §ih fihtwre «rdsn. [tfmgiih 
dpes & 0108 indiees um. |fu«< 
lAiyr t» mm9^ «ttf «dt fvM^ 
nes ^ tthrflinet smim cum 
ran MmMM lerm «Md* 
lüiuB Itodeot Qom domioi^ q*a 
gMut tu nm$ «te «Ami 
eiattatun est oomen eius soU- 
80 {B]ithtt sin vber himd 
US. (joQleätiio eius sup cciuBk 

teit$b, vn erdm, vn erhöhet hcm 

& terram. & cxaiiauit cmu 

popuii 8ui. YniDus omnibui äBb 
fte JM«i bf t noAni 
eiva. aUla israliel popolo «dpr»* 

dt im» Singet hmm 
pinquaali aibi. Gaatato dSo 

85 guane nvwez. lop sin in 
caoticum oouum. laus eius in 
kierchen heiligen. Frowet tich 
ecctia San dorn ni. Letetur isra- ^ 

anim der mache te in vn tohter 
bei in eo qui tecit eum. & filie 

tchersent inkvnegt m^ßm, I0- 
syon ezulteat in rege suo. Lau- 
im namm tin inchort in 
dent nomeii eiua iochoro. in 

40Qfm(Miii m taümm tingm 
tympaDO 6 psallerio psallanl 

doppelbl. B. 

6/. 2y itite a* rf* werlte. [S]egmmwir vaier vü tvn 
IC secli am. Benedicamus patrem & fili- 

mii heilige geiste. [fJoLeri wir vn vb«r 
um cam sco spiritu. Lauüemtis Sc sup 
hohen wir in indiew U. 
oaltenos enm iatcla. ä Beacft dt «rastfx» 

Gengetut h$rr€ 
BCNCDICTVS domious 



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ALTDEUTSCBE FONDS AUS SCHLIERBACH 



45 fif i0m# imkm 

uit & fecil redemptione plebis 
iines. Utt vf rihte hom heiUs 
sue. Et erexit cormi salutis 
ofw in hvse. kindes sin* 

Dobts indomo dauid pueri 8ui. 
Ahe kout i$t dmth mm Migm 4^1* 
Sical toevtn« «st per ot ifv»3^ qiri 

• [a MeMlo MMt prvpbAanibi «tl«. Sa-] 

Mite 5« Beil von vienden vnsem vT/ von häM 
lulem ex ioimicis nris & demaau 
ofler «iie hazzeten tms, Zetvnne 
omDium qui oderunt noa'. Ad facii- 

$0mftarsa mÖ ootaraii tnuam 
.dain joiaediain ran patrilNia afis» 
vn gehvgm vrkmin tkm hiäigi* 
& maoorari Ccstamenii sui liCi. 
Sü Reht gesmm daz swui ze 
Iva iuraodum quod iurauit ad 
vater vnserm zeg^tme 
abraham palrem orm. daturum 
ateft tmi. Daz ane tM»riU« von hani, 
.ja Dobis. Ut aioe tiuuure^ dana* 
^ «üMMfni oftMm (oimt ^ 
na isinucA4 ofom Überati aar- 
fMn im» iWMaeftada vn nl 
«iaaiua ipai. INaaoditale & iuali* 
-•eo v&r im allen tagen 

[Ua curam i^äo omoibus diebu^l 

6i.2,aet^ea. u;ti«le^ t^ns vfgende hohe. [Ejrlvhte 

aitauit do8 oRiena exallo. (IJUumiaa- 

• - 

« die jf»At tmlM* heUigeD, dae Hitr qai rtfeAf» » «wiMAm o 
««d r M «in teeA«tote ««Jiwdlerf. * vmi w ntfr «AI 'M 4lAJM«r. 



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226 



SCÜIFFMANN 



den die inder mnster vn inm sca[Ui . • n 
Ke bis qui intenebris & inumb- 

des todes sizzent zeherihtene 
Ra moRüft «edeot. ad dirigeadop • 
fixe mmr an wec äm frides* 
pedes Doslros inuitm ptcii* 

Alma redemptoris MaRia qua gaiiuiati ifiii 
MMfkm fvr Mf • 

intercede pro nohw, Pater iir. B( ne noa in» 
ducaa io tamptaüoDl. S; litte Doa amlo aiß. 

[H]eil Merie gnade vol herre mit dir, Gmge^ 

Ave niaRia gratift plena dos tecum. Benedic- 
net dv vnd wiben. vn gesegenet frvht 
ta tu in mulierihus. Et benedictus fructus 
hvehes dines. Also mirre t zerwelte smae 
uealKis^ tui. Sic myrra electa odorem 

Seite b. Tu gebe semfte. [H]eri e erhöre gebei 

dedfsti suauitatis. [B]ne exaudi orationem 

minez. [Fjnd' rrf miner zv dir kvme. biien wir. 

meam. Et clamor ineiis adte iicniat. ORem^. 

[Slalcke diener geren wir 
f AMVLORVM TVORVM quesumS 
herre missetat heg^ dam die dir 
domioe delictis ignoace. ut qui ti- 
gnaUen von getaten nikt tvgen wir 
bi plaeeRe de adibus oen nalemi». 
75 iiafar mm i&m htmn mm 
genitRida fliii tui dlli dei noetRi 
mditrkomegmig» wwdin geheiUi, [D]vrdi hm§ 
interceasiooe aaloeniuR. PeR dlTim 

vNMTMi iemm eri$ten svn dinen der 
mm ihm xpiu ülium tuuui qui 
mit dir lebet vn richeset got dorch 
tecum um Ii k regnal d*S pett • 
alle werft der icurlie 
oiuüia scta sclorum. ameM. 

* mntRis. 



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ALTD|;UTSCH£ FUNDE AUS SPÜUERBACH 



227 



II. Em bbdcbstOck dib BcKBiiuuitt. 

Cod. 25 ipcip., XV ;A., 128 bll.^ 4^ s. Xenia Bernard. ii 2, 490) 
der Schlierbacher siiftibibliothek enthält Heinrichs von Mügeln Über- 
setzung des Valerius Maximus. anf dem blatte, das die innenseite 
des vorderdeckelt übtrkUidetj steht die bemerkung : £x bibliolheca 
Job Harunaoii Eoenkel Lib. Bar. 1600., auf jenem, das über dit 
t iwm i wYe iu hitUmn dudseU gdMt üß» stehn vier strüphm 4tr 
Mw t Um heatU&m$ de» fingern texte» wm EdcenUede, getdOMm 
v0n iAmt hmid in amgtkndm 15 ß». die iMwilm iM nkkt 
nmk vmm abgesetsu, die tfropSen aber eind von einander ge- 
idMni wnd flOen den rman, wMen da» bfait bot, symmetristA aus. 

Ein vergleich des bmchstHekes mit dem Augsburger druck vom 
Jahre 1491 {Schorbadi Seltene drucke in nachbild. in), dem Straß' 
burger mn 1559 {hg. von Sehade; str. 44 — 47) und der papierhs, 
des Ib jhs» {Zs, f, d, phil. ix 416) aus der freiherr von Horden- 
bergßaekm Sammlung zeigt, dass der Schlierbacher iext eiek 
m^rmaU in fehUarn zum Hardenbergiedi$n brwhtiüds »ldk* ün 

Schade, Str. 44, Da straicb er herda straich er | hin 

in dem gepirg da suechtt | er in 
er kuodi sein nindertt vinden 
pis8 8ich der abeoU ane | veog 
5 aineii smalleD steig er da | geog ^ 
der draegs in voder | ain linden 
da Tsnt her | Eck ain Roas gepünden 
an ainar linden aalte | 
da lag ain ritter der | waa wandt 
to dnrch sein | prin so mite 

der schilt | den er da bei gelrageo | 
der was zu klaiDen 8tu|ckeD 
voö seiner seilen | geschlagen. 
Str. Ab» Durch den heim was er | verschert 
sein swais er | da schier verrert 
da nider | avff dq grenne. 
von plnel ] da was ain midiel pach ( 
5- von graaaen wnnder daa | geaach 

* gemg. ^ von hier ab andre tinie und feder» 



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ia8 SCUIFFMANM AUD£(JXSCÜ£ FÜIVO£ AUS 8CÜL1£RBACÜ 



vAd da sprach her | eck der keuae 
▼OS wanjen pist d« komeo her | 
.m diase gr^uae aoe 
, pfl I sag dw mir ritter ner | 
^ ip 8(jiuff dir deo slreitt | aio frawe 

• oder kaust | dw mir oitt gesageu 1 
wer dir dij tiefien | wunden 
in deinen | hat geächlngen. 
ßtr» 46. Der wunde riiier da nicz sprach | 
her eck sein wunden anesach ) 
vnd mass jms mit der hende | 
. Till laut er oh jm waffeo rufft | 
5 Dua geaacb ich wunden nie | so tüeCf 
geslagan in kainem | laude ^ 
▼od bab doch atre.tea | yiU getribe» 
^ am pergen | vod in geuilden^ 

o held I an dir ist nicz gancz weli|weQ 
)0 vnder heim vnd vnd( r [ scliilde* 
kain swert das nit | voll enden magi 
es hat I getan von himeU 
ain wilder daner slag. 
Ur. 47. Des aattbratt jm der wunde | naan 
der daner slag hat | mir nicz getan 
schaden | an meinem leibe 
selb I fierde^ ich von | dem ttiSn aiifis ndtt| 
,5 4a schneit ich dise | arblit 
'durch wiHen | schenk #ette 
ich wolt I auch preis 
des ich vi!! | schier engilte 
mich bid | er strait ain | held' gemaitt 
10 der furt | in seinem siltte 
ain ^ lehen der ist | von golt 
der westunjdt mich selb Wrde 
dj I drej schincg e^ lu | iadi 

^ kitrauf Kpgmtde krmut, * Mwinkm selb und vnde ül selb 
ver dwektMekmt, . * vorhat held dkmektlriekm. * ain weimaL 

Innsbruck. KONBAD SCUIFFMAT^^« 



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DIE DIOSKUBEN IM BEÜWÜLF. 



I 

Es ist auffallend, dass die seltsame episode von Herebeaid 
und Hadcyo im Beowuif von keineiD der groften kiitiker des ge« 
dichti einer Würdigung auf ihren myibisclieo unpruDg bin nnt«^ 
logeo worden i&t(lfaUenboff Beowuif b.17; teo Brink Beownlfe^UOf; 
MoUer Altengl.Toikeepos 113f). nödi merkwOrdiger icbenit, daes 
euch die dfei grOlsern dentellongen gennaDischer mytbologie aus 
teiitar teltt die doch dem Baldmiydius sonst eingehnde er- 
örteruog widmen, die Zugehörigkeit der Beowulfpartie zu diesem 
Dicht emmai als möglichlieit verzeicboeo (Mogk m IViuls Gruodr. 
I 1062 ff; EHMcyer Germ. myth. s. 259 ff; Gollher Handbuch 
S. 366 ff), und doch liaben nicht nur gelehrte wie Bugge (Studier 
1 252) und Ueinzel (Aoz. xv 183. xvi 269) diesen bekannilich zn^ 
erat von Gisle Bryojulfsson ▼ermnleteD mythischen hintergrund 
flir darchaus discutabel erklärt, sondern es liegen anch schon 
fOD drei Seiten eingehnde versuche vor,, von allgemeinem, mytho- 
logischen gesichtspuncten aus tiofor in das interessante prohlem 
vonudringen : Rydberg Undersokniogar i gerroanisk mythologi 
n 347 ff. vgl. 247.263; Sarrazin fieowoKstudien s. 44; DeUer 
Beilr. 18, 82fi' 19, 499 f. 

Auch wenn wir von Kydbergs mythologischer Voraussetzung 
einstweilen absehen, dass in dem braderpaar Baldr und HOd 
sich die den indischen und hellenischen Dioskuren entsprechen- 
den germanischen goltheiten bergen, ist seine susammensleilung 
der HredelsUhne Hereheald undHldoyn mit dem nordischen gottor- 
psar durchaus glaubhaft, da nicht nur die namen unverkennbar 
ankltngeo, sondern auch das motiv, dass einer den andern tütet, 
widerkfc'hrt. aber auch für das Tüchtige Verständnis der episode 
iu ihrem zusammeobaoge mit dem gedieh l hat Kydberg bahn ge- 
brochen, indem er <iie identitat des haupllielden Beowuif mit dem 
Saxoscbeu Bous, dem racher Baldrs, die dem namen nach schon 
iacob Grimm (Myth.« i 305) und MaUenhoff (Zs. 7, 411) zugaben, 
auch auf die gleichhett der personen ausdehnte, die auch von 
MaUenhoff vor seiner endgiltigen annähme eines Freyshelden im 
Beowuif erwogene wetenogleichheit mit Bous (Zsv 7, 418) gewinnt 
nach Rydbergs ausfllbningen, wenigstens fOr .den umfang und 
Z. F. D. A. XUI. N. F. XXX. 16 



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230 



NIEDNER 



miialt uoarer epiBod«, mevte bedeulniig. die dreifache oameii»* 
and weaepigleichfaeit Herebeald-Bil4r, Qi^n-Ood, fiMwa-Boas» 
iUckt aber die totnag des morden Hsdeyn durch den Schweden- 
kOnig Ongenlteow von vorobereiiL in eine etgentOmllche belench- 
fang. schon der nano dictiert dem Beowuif dieser eflsode, der 
ohnebin mit dem Beowuif des gediebu wenig gemein in beben 
scheiot, und nicht dem bistoritcben ttOoige, die ursprQogliche 
fUDCtioü des räclieis. 

Voo andern mythologischen grundanschauungeo ausgehend 
hatSarrazio deü dioskunschen Charakter derepisode betont und sie 
als besondere slQlze für seine hypothese verwertet, dass in dem haiipt^ 
beiden des gedichts selltsl Baldr stecke, isl diese ansieht auch, wie 
mir scheint, mit recht zurückgewiesen und ligt kein grund vor, 
die MuUeohoffscbe auffassung Beowulis als eines Freysbelden, die 
jUngsl wider von Kogel (Zs. 37, ^&0) so vorlrefllieh verteidigt 
wurde, zu guosten des lichten goties lu bezweifeln, so list doch 
Sarrnin richtig beobecbtet, dass sum mindesten dine episode, 
nimKch die riltselbafle wetlschwimmlidin Beowolfe und Breese, 
einem agrarischen gölte ursprttnglieb unmOglieb eignen konnte 
(Beowulfstudien s. 67). dadureh wird nun aber die Crsge nahe» 
gelegt, ob ntebt in jener wie in der Hredeiepisode eine dem 
namen nach gleiche oder Anlidw dioeknriscbe gottbeit nach- 
träglich mit dem ingväonischen heros Terschmolzen ist. in 
ditbeoi falle behieile Sairazius hypotbese auch uhue ihre weit- 
gehnden foUeruügen einen besondern wert, jene von ihm in 
der Brecaepiäode beobachteten cliarMkienstischen dioskuriscben 
Züge würden nämlich ebenso gut ute tur Herebeald-Baldr auch fdr 
seinen ihm ursprunglich wesensverwanteo bruder Bous sprechen* 
Sarrazin selbst hat dies empfunden, wenn er ihn wenigstens mit 
dem dänischen Beowuif zusammeasieUt (Engl. stud. 16, 76 0* 
aber diese bescbrüokung ftlhrt — - ganz abgesehen von MoUenbofls 
begründeten iweifeln an der urspfQngUchkeit des 0«neakOn|gs<-^ 
eine awiebch lästige doppelhcit der Aberliefening berbel, da nicht 
nur ein dioskur Beowidf-Baldr neben einem di<>skuren Boowidf«> 
Bous auftritOt sondern auch, die einheitltchk^ der episode von 
vornherein serstorend» neben Herebesid-Baldr ein Baldr-Beowulf. 
scbirerlicb dürfte dieses misverbiltnis durch ein so spiles ana* 
logon wie das gleichzeitige vorkommen von Biidr und Voli sowie 
der Uaddiugjar uud des Helgi Uaddingjaskati io dem verwuireneu 



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DIE DIOSKÜBEN III BEOWÜLF m 



kmeki der Jiraiiiiiwlaniga GmipMiiar eine ^nttgtad« rechi- 
feitifinig finden. 

Am «ingehendsten hat Detter in eeinem euMz über den 
Bektmythne die episode behandelt, indem er haupUächlicii zwei 
pujQcte als aulTalieode abereinstimmung mit der oordischen form 
des mytbus hervorhob, zunächst die Vorgänge bei der tötun^. 
dass üie^e nämlicb bei eioer kurzweil stattfindet, dass sie ohne 
absieht des tälers erfolgt, dass endlich die lodeswefle ein pfeil, 
ja, wenn Detten iUIhne conjectur zutrifft, sogar der mistelzweig 
eelbet ieL sodann, des» Herebeeld und tMsjn ein brOderpear 
dMiletten. beide menente beetiriten ihn in eeiner inObeaiing 
fon der nrsprOngliebe« geetalt des Bythna» nneii der dnat Odin, 
der einiugige gott, den Baldr tüten Heb und Vali in eeiner 
eageneelMft ab rSeber erat späte erflndung wäre. 

Ich bin auf diese abhandlung iu aieiueni aufsatze über Baldrs 
lod' (Zs. 41, 305 ff) nicht näher eingegangen, da bei der gnind* 
Verschiedenheit uusrer ansicbten eine fortlaufende unfruchtbare 
polemik unerlässiich gewesen wäre; ich habe auch hier nicht die 
abeicht, ihr im einzelnen entgegenzutreten; ich begmige mich 
nnr kurz hervorzuheben, daaa ich eine beziebung.dea Baldrmythua 
anf Odin aoa drei grOnden niobt fttr richtig halten kann« aie 
BlAlil eich aar die jnnge und eeenndlre fontellnng Ton Hflda 
blindheit, aie gewinnt erat dnreh eombination mit dem fnn Bugge 
bereila angezogenen, aber ala parallele lum mindeaton sehr zweifel- 
haUeu beriebt der Gautrekssaga von Vikars tOtuog durch Surkad 
Odins Speer als todeswaile, sie widerstreitet den angaben aller tfl- 
tereo quellen, die gerade die räche des von Odin erzeugten Bous* 
Vah betonen, wie ja dies alte motiv.aucb in unsrer üeowul£episode 
necb dwitliffh durcbschimmerL 

Dagegen bab ich noch einen besonders gmnd, auf dnsem 
abaehnüt niber einiogebn, da er auf den eraten blick aeilaani 
gende mit dem jangaten beriebt der fialdraagi, der epiten ia^ 
Imdiachen darateUnng Snorria in der Gylfaginning, an atimnien 
flcheiDt auch dort ntmlieh ward Baldr bei einer knraweil nn- 
ab&ichtlich von Hod mit dem als wurfgeschoss dienenden mistel- 
zweig getötet, auch dort sind — der älteren eddi^hen Über- 
lieferung schemiiar entgegen — die gegner brüder. ich habe 
versucht, jene angaben Snorris als misverständoisse oder buwusio 
fewbinationrn aoa iltem qneUen zu erweisen und zu zeigen« 

16« 



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232 



NIEDNER 



4t« die (ptindform des alten» um 900 noeli in Norwegen vnd 
später dann bei Saxo bewahrten mythua die war^ daia Hod Baldr 

nrsprüDglicb ohne zeugen tötete , dass dieser mord niebt unab- 
sichtlich erfolgte, dass euillich die luduswalle eio scbwert, nameus 
Mistiltein, war. ferner, dass die in den altern quellen nicht 
direct bezeugte brüderscbait Baldrs und Höds der Baldrs und 
und Vaiis kaum gleichwertig sein kann, da nur in diesen sich 
das .eigenUicbe Dioskurenpaar Terkörpert (Zs. 41, 31 7 ff. 3250* 

Lassen diese ergebnisse eine wtlrklich innere, auf parallele 
ssgfnentwieklung oder anf irgendwelche tttterarische entlebnaog 
gegründete Obereinstininrang der Gylfaginntng mit nnsrer episodo 
sehr nnwahrscheinlieh. Ja ausgeschlossen mcbeinen, so drSngaii 
sie unwillknrlich tn der frage nach der realitit und dem wert 
jener ?od Detter hervorgehobenen angeblichen berflhrungspuncte. 

Ddtür scheint es nun aber in erster linie eiforderhch — im 
hinblick aui die oben genannten fruchtbaren gedanken Uydbergs 
und Sarrazins — die auch von der hohem krilik mit besondrer 
Vorliebe behandelte episode auf grund der bisherigen ergebnisse 
nach umfang, inhalt und sussmmenhang mit ihrer om^ 
gebung im gedichte des näheren zu beleuchten. 

n .... 

Wa» zutttchst den umihng der episode anlangt, so scheint 
der eiobeitlicbe rahmen, der sie umspannt, so sicher wie bei 
keinem andern einschob des gediehts gegeben, da anbng und ende 
genau denj beginn und schluss der partie 2511 — 2537, dessen 
parallele erweiterung sie anerkaDiiiermarsen darstellen sollen, ent- 
sprecheu, vgl. v. 2426 f : */e/a ic ort yiogoi^e gü^rma genm, or^ 
leghwtla' mit v. 2511f: 'ic geneMe füa gü^a on geogobe* und 
T. 2508 f : *nu sceaU hiUet ecg, hond and heard iweord ymb hord 
migah* mit 2535 f : *ic mtt dne icedU gold g€ga$iffm (MüUenhoff 
Beowulf s. 147 ff; Bönning fieovulfskvadet s. 70 Q. 

Auch eine inbaltsanal|se ergibt sunUchst gegen die einbeit-' 
lichkett dw episode inneriialb- dieses rahmens keine erhehlicfaeii 
bedenken. Beowulf wichst bei Bredel und seinen söhnen HeTe- 
beald, Hädcyn und Hygelac auf (2428—2434). Herebeald wird 
getötet, sein tod erheischte eigenllicli räche (2135— 244ö). der 
Vater verzehrt sich in schmerz, da er eigeutlicii raciie netunen 
mflste, aber es nicbt kauo, und stirbt vor kiimmer (2444 — 2471). 
darauf fallt auch der mOrder Hädcyn im kämpfe mit Oogentteow« 



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DIE DIOSKUAEN IM BEOWULF m 



wird «bcr ebenfalls gerflcht (doch wol auf einem krieg^ug 
Hjgelacs, an dem Beowulf beteiligt war, 2472—2489). Beowulf 
leigt sich dem flberlebenden Hygelac dankbar fllr seioe gaben 
(2490—2500). ' er Uttel suf dem Friemtuge (wo Hygelae 
out) den BugenkOnig Daghrefii (2501—2509). 

Die itiliitleebeii nnebenbeiteii .eiDd gleichfalU nicb^ toh 
•olcbem belaDg, dase lie eioe auasebeidüDg etuelaer teile reehl» 
fertigten: das bedenkliebe /M9lM(2438)eiiiflU dareh die Buggeacbe 
bcsaerang einen gerade fllr die 'Situation gans besonders präg- 
nanten sinn (Beitr. 12, 103); die von Mflllenhoff gerügte zwei- 
tualige liugeschicklbeit in der anknüpfung (2725. 2498) ächwiudel 
nach Hornburgs bemerkungen (Herrigs Archiv 72, 395); die aus- 
Scheidung der vv. 2444—2462% die Müller (aao. s. 113) für not- 
wendig h^ili, haL wenigstens im Wechsel des tempus keine stüue. 
auch die fehlende beziebung von htm (v. 2490j, das, wie man all- 
seitig gesehen bat, nur auf den seit 2434 nicht erwähnten Hygelac 
gefao kann, widerstreitet an sieb der einbeitlichkeit nicht, da wir 
es mit einer kurzen Ittcke zu tun haben konnten (ten Brink aao* 
8. 140) : ja far eine solche konnte sprechen, dass ein spiterer, 
allerdings jOngerer ansatz einen khegsiug des Hygelae gegen die 
Scbwoden dtreet suf die ersahlang von Hidcyna tod dareb Ongen- 
>K»w folgen Iflsst (v?. 2924. 2951). 

Sonit erscheint die episode in dem oben erwibnten rahmen 
jIs tngOdie Im banse Bredels an sich nach Inhalt und form vor- 
trefflich eomponiert, und sie erschiene es um. so mehr, wenn das 
ganze, wie sonst im gedieht (vv. 1205. 2355. 2918) mit dem tode 
von Hygelac, dem lieblingsküui^e Beowulfs, dramatisch abschlösse. 

Aber ernste bedenken erheben sich doch gegen die eitiheit- 
lichkeit, wenn wir [lach dum gründe fragen, warum gerade an 
dieser stelle, wo es doch nach der einleitenden ankündiguog 
(2426) lediglich auf taten Beowulfs ankommt, so breit auf jene 
tragOdie zurückgegrilfen wird, sodass seihst in der Schlusspartie, 
die das richtige thema, wie die nicbterwahnuog von Hygeincs tode 
leigt, sonst noch treu bewahrt, die besieguog Däghrelns nicht 
wie ^e bauptaacbe, sondern als ein zufalliges anhangsei erscheint 

Somit drangt acbon die kritische beiracbtung des lusanmien- 
hangs auf eine tat Beowolfo» die aich an Herebealds ermordung 
anschlösse, und dies mOste eben die räche fllr den getöteten 
pflegebmder.sein. war nun, wie oben (s. 22911) erwähnt, Beowolf 



üiQiiiZüQ by <^oo^lc 



384 



NiEDflEB 



Mer nti Bow ktenüMli, so wurde sie auch nylbologisdi wol 
mtMidHf m woHe die toriiergehode mifttlirlicblMil der danUVwig 
skiM mir erklären, sondern geradem fordern, die aoeelife des 

bnidermordes, die dankbarkeit, die Beowolf Hredel scbuldele, der 
schmerz des armen, vor zorn und kommer dabinsterbenden fttere 
waren die notwendige folie, anf der sich seine wehe, die nun 
um so kubner und mutiger erschien, abhob, die erinnerung an 
jene tat aber, wo Beowulf-Bous eeiaen bmder Herebeald-Baldr 
flelNe« Unr denkbar paeBend in dem aufeoblick, wo er seilet 
lam todukimpfe «ab aoaebickt«. in dieaem falia bau* alao «Ha 
epiaode uraprilni^b anit Beownlb racbe, an darea aiette Onfan» 
]ieowa tat und tod getrrteD wiitn, abge acW aiaeii imd jene apft» 
lere, aueflIhrKehere enlhlung fon Hadeyna tod und Bygelaea 
racbezug würde dann, wie das bei ihrem anerkannt jungen chat- 
rakter durchaus denkbar ist, die eben erwähnte Übertragung und 
vermutlich unsre ^iaode selbst obne die oben erkannte lacke 
voraussetze □. 

Dass die tötuog Uädcjns durch OogenJ>eow unursprUnglicb 
und jene spatere auaasahing des Vorgangs in Verbindung aiii 
Hygelaea rachetag apitcre erfindnng ist oder weaigalan erat 
attf Wmefü flbeitragen wurde, dafttr apriaht nicht mUTt daaa, wo 
Bonat Hygelac mit fieowulf suaamaMn ala kampfer geoannt wird, Bur 
«on dem verbangniatollen Frieaeoipgo die redo iat, aondem auch 
die eigenartige stetlong, die Hygelae in vnsrer epiaode einnimmt 
scbou der ausdruck ^min liygddc ('24l:t4) darf wunder nehmen, 
da er, obgleich dieser könig auch sonst im gedieht als Hredels söhn 
genannt wird, doch wol noch auf ein andres sonderverliähnis zn 
Beowtttf als das seines lieblingsherrn deutet höchst aufßlllig aber 
ist es, dass dieser angebliche Uredelsohn an dem morde aeinea ai- 
testen bruders Herebeald nicht den allergeringiteA aaleil nock 
irgend welalie ateliung an ilim nimnst belracblal man ?on dieaaaa 
gealehlapunet ana die obengenannte lücke in dar oberliafeniBg, ao 
kdmttt anan in der tat anf den verdaebt, daia das o88t Hygeläe 

(r. S49I4) im gegenwartigen fosaramenlnng nnorsprOnglicb 
ist und der Gaute Hygelac, wie Kögel (Gesch. d. deutsch, liii. 
1 1680 vermutet, mit den angiischeo flredelsObaen aoßioglicb 
überhaupt nichts zu tun hatte. 

Auf jeden taii wird es nach diesen erwägungen notwendig, 
nicht mit ten Brink (aao. a. 141) und MOUer (aao. a. umQ an 



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DIE DiOSKÜR£N IM B£OW(JLF 



235 



2434 die Hygelacepisode auzuschlieiseD, sondern oacb tilguog 
des später zur anknUpfuug zugefügten obhe Hygüdc min an 
?. 2427, und die oiihere beziehuog des htm 2490 in einer lücke 
uomiUelbar nach diesem versp zu suchen; denn vv. 2428 — 2434 
müssen, da sie Beowulfs dankbarkeil motivieren, wie oben ge« 
teigt, integrierender bestaodteil der episode sein. 

ÜnterstOtzt wird diese anordnüng auch dadurch, dass dann 
gerade die hinter der Idcke folgende partie (2490 — 2509), für 
sich genommen, ganz besondets gut dem parallelen abschnitt 
2511—- 2537 entsprechen wflrde. foimell, da nicht nur, wie oben 
geteigi, beide teile gleich anskllngen, sondern auch in den ein- ' 
gangswendungen sich berührten « falls man nar v. 2425 IT vor 
2490 stellte, wodurch sie ohnebin den, wie schon Hflilenhoff 
(aao. s. 147) hervorhob, dem gedenken nach eng verwanten 
VT. 249SfT naher rücken, inhaltlich aber, indem beidemal eine 
haupttaL des Ijeldeü Beüwulf, hier seiu kämpf mit Däghrefn für 
Hygelac, dort sein streit gegen Grendel für Hrodgar, hervor- 
gehoben würde und als legitimation für den bevorstebnden 
kämpf gleite. 

So in den ursprünglich für das ganze angenommenen rahmen 
(s. 232) üocb weit passender eingefügt stünde also diese Hygelac- 
pariie in keinem organischen Zusammenhang mit der Hredel- 
episode, bildete ursprünglich auch zu dieser nur eine Variante 
und würde vielleicht durch das eS5e i» ^tdrlce (v. 2495) ganz 
lofterlieh angeknflpll. 

Den umfang unsrer episode aber dürfen wir durch die 
tv. 2428—2489 bestimmen und annehmen, dass auch der in der 
überlieferten form unorganische schluss (v. 247211) den einbeit* 
liehen Charakter der partie wol su verdunkeln, aber nicht zu 
zerstören vermocht bat. 

Kaum äielit aber unsre episode einen Jüngern Zusatz als die 
Hygelacvarianie dar , sie scheint mir vielmehr zu jenen resten 
alterer epischer übefhelerung zu gehören, von denen len Brink 
(Beowulf 8. 107 0 so schön bandelt, ihre einiüguug setzt das 
bewugJsein von Beowulfs tätiger rolle uotli sicher voraus, und für 
das eindringen Ongeu{>eows gibt die von Piydberg herbeigezogene 
V.9 der Hjndloljöt) — da das Vdla malmr als 'Vaiis schwert' keines- 
wegs eine unwabrscheinlichkeit birgt (vgl. auch Sievers Beitr. 
18,582) — einen immerhin beherzigenswerten wink. 



üigiiizuQ by LiüOgle 



33e 



NIEDNER 



m 

War- 80 die mprOngliebe auffannag Beowulfs als Bous die 
UDtige braekc, die von der epiaode aus siir handlung das liades 
leitele, so waist auch der gause Charakter der vv. 2428-*2489t 
ebenso gebieterisch auf den gleichen mythischen .hintergnind. 

Seltsam in doppelter hiniicht im snsaromenhange des ge^ 
dichte ist die angäbe, dass Beowulf als siebenjatirlger von Hredel 
an kindesstatt angenommen sei, sowie dass der dem tcoaben- 
alter noch uicht eatwachsene Herebeald beim bogen weltschiefsen 
sein leben durch den bruder verloren habe, schon MollenhoIT 
hat hervorgehoben, zu welchen chronologischen Sonderbarkeiten 
es tuhrt, wenn ebeu dieser Beowulf später an den Schweden- 
und Gautenkämpfen leilgenomnu n und dann noch fOnfzig jähre 
späler einen drachen getötet haben sollte, und wie wenig es 
ferner zu Herebealds alter stimmt, dass er schon in seinem eignen 
haus hof hielte (Beowulf s. 148 f. 1 54). die Seltsamkeiten 
schwinden aber sofort, wenn man mythische gestalten in beiden 
sieht : man vergleiche nur, was in der Edda gans jungen gOttern 
wie dem dreitSgigen Thorssohn Magni oder gar dem rflcher 
BaidrSt dem einnSchtigen Valt^ flir taten sugemutet werden, sieht 
man in dem Wettspiel, au dem doch auch der pflegebruder 
Beowulf wol teilgenommen, ursprünglich den Wettstreit der 
Dioskuren, so sind jene scheinbaren widerspräche wol verstflnd» 
lieh : denn grOste jugend haftet diesen naturgemäfs mythisch an. 
und unwillkürlich bietet ^ich als par allele die schon oben (s. 230) 
erwähnte wettschwimmfahri Beowulfs mit ßreca. dort kehren 
dieselben motive wider, in grOster jugend {cnihtwesende .... on 
geogoiSfeore v. 535 ff) rüsten sie sich lom Wettspiel, diesmal ein 
schwimmen : dies endet aber, als höht eästau com, beorht beäcen 
godes (v. 569 f). dies meerabeuteuer lässt sich auf einen agra- 
rischen gott gar nicht oder doch nur sehr geswungeo mit Kogel 
(aao. s. 110) als spätere secundäre Übertragung deuten : wol 
sber passt es auf das göttliche brüderpaar, deieen function als 
seeheschwichtigende gottheilcn besonders im hellenischen mylhus 
hervortritt (Roscher Hyth. lex. s. 1 163). die jugendlichen schwert- 
undgoldpanierbewaffneten knabea,die durch die wogen achwimmen, 
bis das licht im osten erscheint, sind im gründe die Kehlen 
swilUnge, die ebenso das luflmeer durcheilen, bis die liebliche 
Ushas auftaucht (Myrianiheus Die A^vios s. 36 ff; vgl. auch 



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DIE DIOSKUREN IM BEOWULF 



237 



Sarraziu BeowulfstudieD 8. 65 Q. die nameu des nebenbuhlers 
Breca (* Wogenbrecher *) und seines volkes, der Brondingas 
(^Scbaumer^ dQrfen nicht irren : sie werden erst spater für die 
Bituatioo oder vielmehr aus dieser heraus erfoadep sein, entspricht 
aber das* Wettspiel an anarer stelle jenem «ettichwiniDen, 
dann ist aneb das intereise Bredels an Beowalf (ndt ie Jk^.fd 
Uf4 Mm MiU ftesm I» 5iir^ufii potm» beana ANgffe v. 24320 
von gleicher mythischer bedeutung wie der schonen uro den ge- 
töteten liebling Herebeald, und in dem greisen kOnige kann sich 
nur der alle hinimels- oder lagesgott seibst bergen, selbst sein 
tod hat wol noch in der Vorstellung des nach dem abeodzwte«. 
liebt stprhendf'n tagps mythische grundlage. 

Künneo wir nunmehr in Herebealds besitz einer bürg nichts 
auffallendes mehr finden, so dass schon ein wichtiges sachliches kri- 
tcrium fUr die von Möller behauptete unechlheit der w.2444 — ^2462* 
(a. IIS) vregfilllt, so tritt . auch in der Schilderung dea beiden 
selbst und seines beimes noch weitere slte vorstelluag uns ent- 
gegen, und zwar eben, in jener beanstandeten partie, auf deren 
höchst originelle darstellungsart übrigens schon Heiozel (Stil d. 
sitgerm. poe^ie s. 11) aufmerksam geuiacht hat. 

Vv. 2455 ff heifst es : *E8 sieht der bekümmerte in seines 
fohnes behausung wUst den wemsaal , . , der reiter schlnrnmert, 
der beld, im hügel . . . dort ist nicht harfenklang, wie er zuvor 
da war • • • ihm deuchte alles zu weit, wohnstatt und Auren*, 
an einen geraumigen palast mit geboft also ist gedacht, drin 
firobe Inat einst wsitete. man denkt an die balle Heorot zurack, 
die ursprIIngUcb mit dem gott ebensowenig wie der boflialt des 
Hredelsoboes zu tun gehabt haben mag, deren Charakteristik aber 
in gegenwärtiger Oberlieferung sich, wie Sarrazin mit recht 
hervorhebt, auiä engste mit der Schilderung von Baldrs palast in 
den Gl iriiiiismal berührt: denn auch wer in den wortea Uxte se 
Uöma ofer landa (da (v. 311) die von Sarrazin vermutete para- 
phrase tur Breibablik oder nach unsrer auffassung vielmehr tUr 
einen ähnlichen dem zweiten Dioskurcn Bous eignenden Iicb( palast 
nicbt findet, wird doch den auffälligen gleicbklang von 1018 und 
Grimn. 12, insbesondere das f4€muiafi» neben ftätmtali kaum 
flir znbll erkliren kOnnen (Anglia 373). ao bat auch hier 
Herebealds palast In dem eddiscben *Breidablik' oder in dem 
^itni' des BaldrabkOmmlings Forseti, der dem dioskurischen 



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238 



MiEDNER 



wesen des goUes entsprechend auf goldsHuIen ruht, sein gegen- 
sitck (Griffln. 14). auch dass der jugendliche Herebeald schlecht- 
weg *der reitei' genannt wird, gewinnt nun liefere mythische be* 
grttndnng; denn als reifer wird ja aueb Baldr Lokaa. 28 auf«* 
geführt, und ebenso erscheint er im Heneburger sproch. wenn 
aber im nonien apiter Frey ab der beste der reiter figuriert, so 
konnte dies, wie Rydberg mit reeht hervorhebt (aao. it 213), erst 
geaehehen naeh Bald» tode. dieser tug wurde vielleicht erst 
spiter ebenso wie der besitt des ringes Draopni auf den in^ 
gTaonischen gott Obertragen, ist doch das rossebandlgeo uraltes 
erbte»! der Dioskuren und haftet üicliL üur, wie schüii der in- 
dische name A^indu lehrt, fest in ihrem weseo, sonderu war, 
wotür auch der Käatwg Irtiiodapiog der griechischen sage seugt, 
gerade fiem ersiea der brOder eigpnlümüch. 

Wach aUedem haben wir iii der verödeten halle des loten 
Herebeald im wesentlichen die nämliche Vorstellung, nur negativ 
gewant, wie in dem bilde, das Vegtamsk^ida 6f von der zukunfts* 
wohnstatte des gottes entwirft der httgel, in dem der tote 
schlummert (▼. 2475), ist, wie die verwante Situation Helgak?. 
Hundb. n 40ff leigt, dw reich der Hei. und sicher auch der, 
aus dem Odin die Vab emportanbert er siebt ja ^btnke mit 
ringen bestreut und glänsende dielen mit golde geschmOckt'« 
entsprechend dem isAissb (t. 2456) wird auch dort dem Baldr 
'der met gebraut', aber das ^amsii in gtardum <v. 2459), dem 
Baldr wie dem Bous eigentOnlich (s. 237), ist dabin. 

llabeo wir so die breite detailmalerei in Hredels klage schou 
mythisch berechtigt gerunden, so wird auch das sentimentale in 
ihr weniger aufndlig erscheinen, wenn wir uns vergegenwärtigen, 
welche rolle die kla^e um Baldrs lod in allen Versionen der 
sage spielt, schon in der Völuspa und dem gedieht von Ivar 
Yidfadmes tod klagen alle göiier uui den ermordeten : an Friggs 
schmerz wurde auch schon Detter an unsrer stelle erinnert, aber 
der anteil dieser gOttin ist secundirer natur (Zs. 41,331). so- 
weit wir die quellen verfolgen können, ist Odins ioteresse an den 
vorgflngen hei Baldrs ermordung unpranglicher. und das ergibt 
sieh ja auch aehon aus reinmjthisdien' erwagungen. bei dem 
mtttterlichen Charakter, den Friggs klage um Baldr tragt, wird 
nmn an einen nachklang ihrer einstigen bublschsft mit dem 
Zeussehn schwerlich denken woHen : erst, als sie, die sonnen« 



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DIE DIOSKDREN IM BEOWÜLP 230 



gOttiD, dank eigentumiiehe terachieboDg zar mutter des «Itflitei 
IKoikaM an stille der naebl wurde (MflUeDhoff Zs. 30, 224^ 
tritt ihre klage in den foidergruad. dagegen badet das rührende 
■MtiT dar klage des alten bioiittelsgettes, an dessen stelle Odin 
getreten, tief im myihns nnd kehrt hier in dem schmene des 
gamol cssri ^ man denkt bei dem auadmck nowiUkllrlich an 
afanttebe beKiebttungen Odins In der Edda-*-in sehMster lyHsober 
aasfOhruDg wider. 

So rückt diese wunderbare elegie auch an bedeulung eher 
nebeo verwaote der ältero lynk wie Deors klagen, die aul den 
wutulerbaren schmied und den grofsen Golenkomg f xempliflcieren, 
als neben jeae allgemein und iihrasipiihafl gt'liaUeiieu t^ciiiiineii- 
talitflteo, mil denen man sie bisher verglichen hat. wie vortreü-> 
lieb ist die verzweifelte Stimmung geschildert. *jeden morgeo 
denkt er an des sohnes tod . . . keinen sndem darf als ersats 
er bollin ... an dem mörder darf er keine räche nehmen (wie 
er es möste) ... er darf ihn nicht tdten (weil er sein söhn ist). 
... er kann ihn aber doch nicht lieben (wie er als later mdebcey* 
wie matt und eintönig, unklar und linnles dagegen, hnmer das- 
selbe thema varüerend, tb. die rede des Terlassenen alten 
(ff. 224710. 

Wie aehr das klagemotif im mythus wnnelt und erst durch 

seine tlbertragung auf die Hredelepisode dieser den eigeDtOmlieh 
ergreiieiuien Charakter aufgedrückt hat, zeigt auch ein vergleich 
mit der von Mullenhoff (Beowulf s. 17) als parallele beioiUeu er- 
xabluDg I^idrekss. c. 231 f. die verwantschaft mit unsrer stelle 
springt in die äugen, auch dort ein vater mit drei sOhnen. auch 
clorL eui wellkampf, diesmal mit schwerlern, auch dort tOtung 
des ällern bruders durch den Jüngern, auch dort wehruf des 
fatera : 4k hefi nu tynt wtm ssiiimr minwn. aber wie Tiel roher 
ist die aosfühfung im einzelnen, der jüngste acbuldige bruder 
entflieht, der fater macht Herbert, den ältesten, am morde tu- 
beteiligten hvoder, der am wetlkampf ebenfalls teilgenommen hat, 
Ar aUea nnbetl f erantwortUcb und swar nrit recht bequemer und 
banaler metiviening : ^pnti ^Hu »Mr fA adin aaMUf», fffrir fti 
at pu ert yOnor ebir 'dr tkylä^ hOm hnfa fiiim räHt . , , tk 
ddrtgi aertr ßü iugtmdi ainSr tffkm (c. 232). und dann entweicht 
anch der Uträte bruder dem zorn des yaters. 

Inwieweit dieser benchl den eigeuiiicheu kern jene» denk- 



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240 NieDNGR 



wardigen historischen ereignisses im anglischen kOnigsbause, der 
nnserer epieode zu grnnde ligl, noch widenpiegelt» ist selbilterr 
stindlich kaam mehr so sagen : nur spricht die ihnlichkeil Ja 
dan grondlinien und der einheitliche sitt der darslelinng in der 
^id^ek8saga eher fDr eine einheitlieh Obernommene eitiblung, als 
für spätere Umbildung und au88chinücl(UDg. oirgeod aber ist dort 
von einem starken seelischen conflict die rede, wie er in unsrer 
episode so ergreifend zu tage tritt, ersl die anknüpfung an den 
Baldrmythus hat diesem in der l^idrekssaga wol noch ziemlich 
getreu bewahrten historischen rohsioff jenen eigenartig dichtet 
riechen zauber eingehaucht, der sich in wurksamer aceentuierong 
der seelischen torgange kundgibt : *des lehrenden kummers und 
der gebieteris«^ geforderten räche*. 

Denn auch dies leiste alte meti? der Baldrsage ~ wie wir 
oben (s. 233) sahen, die einrig mOglicbe innere motirieruog der 
episode im Zusammenhang des gedichts — fehlt in ihr keineswegs, 
wenn es auch durch die einflecblung des kaaipijes von Gaoteo 
jind Schweden verdunkelt wurde. 

Woi konnte, ja muste der dichter 2442 f von Herebeald 
sagen : tuoUs hv€Bibre swä ßedh alieling unufr0ceH ealdres litmmf 
denn die räche erfolgt nicht sofort; sie iSsst erst den betagten 
Hredei ins grab sinken, ehe sie ?olliogen wird, und sie wird 
auch, Wenigatens im gegenwärtigen lusamnenhsnge der episode^ 
nicht fon dem dssu beTugten Beowulf — da Hygdac, wie wir 
oben sahen, unurspranglieh ist~, sondern von dem persOolleh und 
iiiücrlich daran unbeteiligten Ongent)eow vollzogen, ßwt was 
feohhds gefeoht, fyrenum gesyngad heifst es aber 2441 von 
Haöcyns tat, zum besten beweis, dass sie auch emmai im jetzigen 
Zusammenhang vom nacbslbeteiliglen gefordert wurde, und so 
schimmert das kategorische gebot der sühne weiterhin uberaU 
durch die inslftndige stelle hindurch, die allgemeine auafiihrung: 
^so ist es gramvoll einem greisen manne, wenn «r. erleben 
muss^ dass sein geliebter söhn jung am galgen reitet; .dann er- 
gicfst er sich in klsgen, erhebt gesang voll trauer, wenn aein 
sobn so' hängt dem raben sur freode nnd er ihm reltong kann, 
alt und bochbetagt, nicht verschaffen' — kann doch nur auf die 
an Hadcyn zu vollziehende räche gehn und mit dem folgenden 
zusamnieugeoomnieii nur den doppe 1 schmerz des vaters schildern 
woUeo, der den tod des mOrders nicht hindern darf, , auch wenn 



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DIE DIOSKUREN III BEOWULF 244 



'er iein gaoses geichlecht verlöre, der aber, wenn jeoer leben 
bleibt, immer die pflieht der nebe empfindet und der in diesem 
uoMelNinten aller conflicte in gründe gebt, wird bier aber an- 
gedeutet, dam -Hidcyn Mie mit wergeld nicht tn eObnende tat, 
den ellndbeften frefel' (t. 2441) mit dem tode am galgen als 
speise der raben hatte borsen müssen, so klingt dies auch in der 
scbiideriin^' der kitflnpfe mit Ongeojieow noch (leuilicfi uacli ; es 
ist Dflmlich sicher keiu zulali, tiass Hfldcyn bei den lehdeo um 
Brefna beorh (die rabenburg) — wie Bugge (Beilr. 12, tl) mit 
recht für das h<\. Hreosnabeorh vermutet — den löilichen streich 
empftingt. uüd dieselben mythischen eriuneruugen findeu sich — 
seltsam genug — in jenem spätem bericht der kämpfe Uädcyos 
und Ongen[>eow% der, wie nir nheu zeigten (s. 234), unsre epi* 
aode bereits foranssetzt (w. 2924 fl). noch bezeichnender heifst 
bier der ort« wo Hädcyn fsllt, vielleicht mit unwillkflriicber 
Snigmatik, ^rabenbete* (BnfiunmtdH 2925, HnfineAUt 2935). das« 
ea aicb bei diesen beieiebnungen nicht, wie Sarrazin (Beownlf- 
studien a. 31 f) meint, um bestimmte geogrmphiscbe orte handelt» 
aondern dase sie ebenso wie JBsmii mos (3031) und Iffimsi mbs 
(2805. 8136) und sofiele verwante benennungen in der Edda nur 
al» allgemdne mythische lletionen sn Ibssen sind, bat schon 
Bugge mit recht benrorgehobeo. so blickt das alte motiv also 
selbst noch durch die jüugsten weiterbilduugen der epiäude deut* 
lieh hindurch. 

Der ganze Charakter unsers abschnittes setzt, wie wij sahen, 
eine ältere und unsern ältesten nordischen quellen miEjdesteiis 
ebenbOrtige tum) des Baldrmythus voraus, nicht nur erinnerte 
die Schilderung Herebealds und seiner bürg an den Baldr der 
Aitern eddischen gedichte, auch in der starken accentuierung des 
klage- und rachemotivs sind gerade charakteristisch alte 
mjthentage Oberliefert, in eine noch ältere form des Dioskuren- 
mTthus aber schien uns das Wettspiel der brttder einbltck au 
gestatten (s. 2300 : dies wie die parallele Brecaepisode legt uns 
die frage nahe, ob noch weitere spuren des Baldrmythus sich im 
Beowolf finden. 

If 

Durch aulbllenders namensidentitit als die bisher be- 
sprochnen sdieint hier sonacbst der an zwei stellen des gedichts 
episodenhaft erwähnte Hereuiod (vv. 898 — 913 und 1709 — 1722) 



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^42 



auf den mytbu» des lichten gottes zurückzuweisen, obwol er 
w«der zur Uredei- noch zur BrecnepiMde noch ionst irgeadwie 
zu Beowalf id beziehuog siebl« 

Aber ۥ erbeben eieb wegen des tecusdlren cbaraklin 10- 
wel des nordiecben gottes wie des aogefalieb dgnisebni kOnigs 
erastbaAe bedenbeo gegeo einen nabem smenimeDbsiig. 

Dsss Hennod in seiner ftmaien als untirbSiidler der gOtter 
bei der Del nicbl tief im mftbiis wnnelt, wenngleieb sein ritt 
in die unterweit scbon in Uedern for Snom vnrausgesetst ward, 
isl langst beobacbtet flberaU tritt Hennod im engsten verblltnis 
zu Odin auf : er führt bei diesem die gefallenen beiden in Val- 
büll ciu, ihm liai der göttervater selbst brüDue uuU beim ge- 
schenkt (Hakonarai. 14. Hyndl. 2). und so ist sicher auch nicht 
nur sein ritt auf dem Odinsro^e, wie ihu die Gyllüginning 
schildert, dem des höchsten gottes zur Vala nachgebildet, soudmu 
er ist Uberhaupt mir als hypostase Odios auizufassen, da sieb 
auch sein name mit siunverwanten beinameo Odins wie Btrtmt 
(Grimn. 47) eng berührt (Zs. 41, 333). als typus kriegerischen 
mutes verherlicbt ibn daher das lied von Iver Vidiadmet to4 
(Cpb. 1 124>. und als gleicbe mytbisebe cbsrakterügur ist aveb 
der angelsäcbaiscbe Hetemod sn teen« der weder m der 
reibe dinischer bOnige jemals beimiscb, nocb einem griHtom 
alten mytbeneomjilei angebilrend — ' liebnebr als diebterisebe 
personification kriegeriscbsten mntes bei den Angeln seine popn» 
lare Stellung errang (MuUenboff Beowuir s. ftO f. Kogel LiUeiatur- 
gesch. 1 167 f). 

Nocb wtiiii<.'er deutet aber die beiderseitige charaktensiik auf 
eine wesensgleiclihiit von Heremud und Hennod. wird auch im 
Beowulf Heremod aU vortrefTlicher held geschildert, so ligt doch 
der nacbdruck immer anf seinem harten gemüt, aul seinen grau- 
samen ialen , auf seiner kläglichen verlassenheil infolge seiner 
greuel. auch wenn man mit MüllenhoIT diesen auiTälligeo iwie- 
spalt seiner natur aus dem namen berleitet, so fehlt docb im 
norden für die schaUenseiien in Heremods Charakter jedes ann* 
logen, der versucb Mollers aber, diese fehler des angliseben 
beiden auf ungOnslige beurteilung fom gegneriscben alandpnnd 
surOeksttfUlbren, wird uemand ttbeneugt beben : denn nur dnrcb 
wiUkQrliebe atbetesen gewinnt er in der eralen epiaode ein dem 
Hcremod angeUicb sympaibiscbes lied, im gegeatell aebeuMn 



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ül£ DIOS&UREN m fiEOWÜLF 



943 



gefade die deo Heremod preisenden worte (89Bfl) : se wwt 
wrtcuM wUi$ wuBrott of$r werPßöde wif^mira hM dlmdädumB 
h»pm St (mßäk stark ?erdachtig und kemmen bccbst wahrscbeio- 
licb, di iDtti kmm4iti (?.901) beeier ale appeUati?uii} tvuU dem 
Signittad »i (Heioiel Aas. » 928). in diesem falle Oillt aber aueh 
dar lalsle anball eioer weaenagleiehheit beider geelallen. 

Dagegen iat lieber ein dioskuriflcher ang erhallen in der 
eitablnng m Beowolfa kobner scbwinHofabn nach den nnglQck- 
licben FHeaenange. irenn hier van ihm bericbtet wird (w«2361fl)t 
daea er, ale er ana land geaüegen, dreifaig erben tete rQstnngea 
im arme gehabt babe, so ist dieses kuDstschwimmen mit binder» 
Dissen gewis weder dem agrarischeu goUe uucli dem Gauten- 
kiWiige ursprünglich eigen, es deutet in verbioduo^ uiii der 
scinsL im gedieht Dirgend bestätigten angäbe, dass Beowulf die 
siariie von dreifsig miiiinern gehahi habe (v. 3790» und dem be- 
richi der tou liugge uiii recht als parallele zur Brecaepisode 
herbeigezogenen nordischen sagenüherljeterung (Beitr. 12, 51 ÜT), 
wonach dreifsig mann an dem Wettschwimmen sich beteiUgt 
bllien« auch auf den alten dioaknriacben wettlauf mit aflmtlicben 
gittern lurack (Myriantheus aao. s. 40). aber ebenso sicher ist 
dieeer log dem alten Hjgelacliede, das Holler (aao. f. 109) mit 
gralbeni aehar&inn i« recenalroieren verracht bat* einet ebenso- 
wenig eigen geweaen, wie jene oben (a. 237) eiwihnten atlribnto 
der halle Beorot : denn geruie die andre und wichtigere mj^ 
thiacbe tat, die ton Beownlf anf dem Frieeensnge berichtet wird« 
die tOlung dea Dsghreln mit hlofter fiwat, iet gana im etil der 
Graadelklmipfe und atmet durehana ingrioniaeben Charakter, 
nach einfogung der Breea- und Breddeptiode mögen jene dioa* 
kurisctien zügc ebenso in das gedieht Ubergewuchert sein, wie 
umgekehrt aus dem GrcüUelmylhus in die Urecapartie die sciiou 
von der höhern kritik ausgescbiedeneu, hier durchaus unorganischen 
kdutpfe niii den oieerungetämen eindrangen (vv, ^0 — 577« 
MtUieohoII aao. s. 117). 

Derartige unorgaDische Obertragunf^Tn mügen im einzelnen 
noch üfter stattgetunden halben, besonders im zweiten teil des 
gedifihtea, der, wie Sarrazin mit recht hervorhebt, in der ganien 
anläge eine gewiase «hnlichkeit mit der in der Ormitsage be* 
wahrten form des Dioakurenmytbus ?err«t (Anglia 19, 377). 

Vielleicht darf man hier in dem ach Wertkampf Beowolft 



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im gegensatz zu dem schwertlasen OrendeU und Friesen-* 
kämpfe — dioskuriscben eiofluss sebeo, tiod nocli mehr drängen 
die von MOUenboff (aao. s. 1390 aufgedecliten widerspräche bei 
der motivieraog des dracheoksinpfes, die mir weder durcb Horn- 
borgs (aao, s. 392) noch durcb RAnniogs (aao. s. 19) nocfa durch' 
ietÜDeks «(Zs. 35, 2760 ausfahruogeD gehoben scheinen, auf dl« 
annähme einer mischung mythischer moUve : in dem seinem be- 
drohten Tolke helfenden beiden stedit der agrarische gou; der 
nifambegierige, am erbeuteten goldhort sich weidende fUrst aber 
konnte dioskurischen einfluss verraten, aber selbst in diesem 
falle könnte höchstens eine nachiiJjgliche überlraguug siallgefuu- 
den haben, da der drachenkatiipi als uulwendiges gegenstück zu 
den Grendelkänii)fHii fest im Freysmyihus wurzelt. 

Nirgend, wie wir salien, aufser in der Brecaparlie flnden 
sich im gedieht organische, unsrer Hredelepisode verwante ansätze 
der Baldrsage, die uns veranlassen konnten, an MüUenhotTs geist- 
ToUer recoostrucUon des Sceaf-Beawa-nnthns zu sweifeln, welche 
ja auch neuerdings in Kogel (Zs. 37, 274 fl) einen so reinsinnigen 
Interpreten und noch jUngst in Henning (Zi; 41, 166 fl) gegenüber 
der MoUer-SioferBscben ansieht einen so tortrefflicben Verteidiger 
geftinden hat. 

Es lohnt nun aber, auf die aus dem prachtvollen total- 
gemalde^ wie es MQllenhoif von dem mytbus entwirft (aao. s. 9), 
endgiltig ausiuscheidende Brecaepisode noch einen lusammen- 
fassenden blick lo werfen. 

Dass sie einmal in einem oder mehreren selbständig! u lie- 
dem besungen wurde, dafür spricht aufser dem zeuguis des Wid- 
sid (Küg*'l I 109) die oben erwähnte isländische Variante der epi- 
sode, du; siclipr anf eine gleiche vorläge wie die BeowiiHiiartie 
zurückgeht (Bugge Beilr. 12, 51 fT). gerade wo sie abweicht aber 
bat diese jüngere quelle mehrfach ältere züge besser gewahrt als 
das anglische epos. nicht nur steht sie in der nichtkenntnis der 
kämpfe ihres beiden Egil mit seeungehenern dem ällern Breca- 
liede entschieden naher als der Beowulf, auch die oben be^ 
sprochene dreibigmannerscbwimmikhrt geht auf llteste mj^ 
thische vorstellnng lurOck (s*243)« und besser als die angaben 
von einem mebrtilgigen schwimmen (Beow. 517. 545) spiegelt te 
bericbi der sage, dass das sieghafte Wettspiel Egils einen tag und 
eine nacht gewahrt- habe, den alten nadil» and tagesmjthus wider. 



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DIE DIOSKOREII IH BEOWULF 



245 



Die aOgUehkdl emer sdieiBbar orgtuiieheii eudiechtUDg 6m 
Braciliedes in den ersten teil des epos — aafserlich durch das 
moti? von Hunferds eifersuchl, innerlich, da sich Beowulf hier 
durch keine andern taten fOr den buvorstehnden kämpf legi- 
timiert — iial diese schöne epi^ode, der auch ten hnuk (nao. 
s. 2420) ein höheres aller zuschreibt, vor jener Verdunklung be- 
wahrt, der der schluss der Hredelepisode ;i[jlioimtiel. ward dort 
der anklang des historischen namens Ongen|)eow an einen bei- 
oamen des fieawa-Bous — man denke nur an VaI. cod. Reg. 51*-» 
der anlaat, dass Beowulf seine durch den mythus gefordert« lit 
ao den teliwediscben könig verlor (vgl. Rydberg aao* ii 848X m» 
in hier der eile eliarakter des liedee, da die iinorganiselieB 
meereeltampfe (s. 248) gaoi mraeriich «Dgefttgt sind« itech gcirau 
gewihfL 

Beide Baldrepieodea aiier hat vor aUem der gleiclililang ia 
dem naneo des jüngera Dioalturea mit dem des ingvloaisciieii 
beros ao eng in das gedieht verflochten : beidemal aus der alten 
wnnel Md quellend rfickte er die beiden gotiheiten in ihrer 

segeubriugendeu tätigkeii auch begrifflich n<'<her und erkläil sehr 
woi die doppelQbertraguug auf den gauimcheu küuig. 

V 

Haheü wir so den imitan^^ dio&kurischen eiofltisses im Beo- 
wulf auf die Breca- iiinl Iii eiIt'lepi«ode beschränkt, in jeneu aber 
schon bei üürhtiger betracblung altes sagengut erkennen müssen 
(s. 235. 241* 2430, so erscheint die ursprünglichkeit des gött- 
lichen brüderpaares Baldr und Beawa bei den Angeln an aicb wnbr- 
•cbeinlich. sie findet aber auch in andern erwlgungen und 
paraUelen ihre beatatignng, «ihrend eine einwaritnng Dremder 
eagen« sei ea iaiindiach- norwegischen oder dänischen oder gau» 
tiachen Ursprungs, Air keine der beiden epiaoden an erweisen isL 
Dass der bericht der oben erwlhnlen Egilssaga ok ismundar 
auf die namlldie voriage anrOckgebt, wie die aehilderung daa 
Beowulf, hat Bugge unsweifelhaft dargetan, auch dass Nord» 
eogland für die isländische sage den anknUpfungspunct geboten hat 
und aus djiniächer Vermittlung dort vielleicht die uns iiiclii mehr 
verständliche Übertragung der taten Beowulfs auf den Egil der 
saga sich eiklari, mag zugestanden werden, aber unerfindlich 
bleibt, weshalb die gemt iiisame alle vorläge nicht ein?? jpner enj?- 
iischen tieder gewesen sein soll, die von dem auch im Widsid 
Z. F. D. A. XUI. N. F. XXZ. 17 



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246 



NIEDNER 



unter den sageDberOhmletleii kttnigen aufgefllhrtsD BrondiDgen- 
bencber Breoc« umgiengeD. 

Ebensowenig Iftst sich aber flBr die HreddefHsode nordiiclier 
einfluiB nachweieen« wo ja obmliiD eine thnlidie Variante wie 
für die Brecapartie in Islflndiscben aOgnr nicbt vorligt : denn diO 
fnn Detter (Beitr. 18« 82— 86. i9t501) heibeigeiogeDe, in mehreren 
Versionen Uberlieferle sage ?on den brfldern Alrik und Eirilt 
kaoti als solche nicht gelten, nicht nur sind die aogeblicben 
ahnlichkeiten recht Hllgemeiuer nalur und die hauptübereiii- 
slimmuog, da^^s uanilicli nur der eine der brflder den andern 
tötet und darauf köoig wird , ist durch einseitige bevorfuguog 
gerade der jüngsten quelle gewonnen — denn bei I'iodolf [leifst 
es Yöglingatal 18 : ofr hnakkmars m«ö liojiuSfeÜuvi Dags frlendr 
of drepask kvd(Su — , soudern auch die betiauptele ideuliLät des 
Hugleik mit dem angiischen Hygelac ist zum mindesten sehr 
zweifelhaft (Mülleoboff aao. s. 18)* kann aber auf jeden fall, da 
der Gautenkönig im zusammenhange der Hredelpartie sieher un- 
organisch ist (s« 234), nichts für die verwanlschafl beider sagend 
episoden beweisen, ja es ist Oberhaupt fraglich, ob der Mne, 
allerdings sehr eharakterisliache lUg des roasebUndigens genügt, 
uro den dioskuriscben Charakter der Alrik -Eirik- sage wahr- 
scheinlich SU machen« 

Und so seilen auch die frflher (s. 237. 239) berforgehobenen 
•uflUligen sprachlichen gleichkllnge keineswegs norwegisch- 
islindischen urapmng foraus. fand hieri was aber durchaus nicht 
notwendig, entlehoung statt, so ist sie ober auf nordischer seile 
zu suchen, falls man nicht gemeinsamen Ursprung annimmt, was 
nicht üur die oben (8.2390 erwäbnle niedersächsiscbe Variante 
zur Hredelepisode nahelegt, sondern wofür wir auch in der tra* 
ditioD der Wielandsage eine so gute parallele haben (Z9. 33, 61). 

Aber aucb der btweis dfimsuben einflusses auf den Dioskuren- 
mythus des ßeowulf scheint mir in keiiiei- weise erbracht, ge-^ 
wis sprechen gewichtige indicien dafür, dass die Baldrsage ge- 
rade in Dänemark ganz besonders heimisch war, gewis war ferner 
bei der nachharschafi und der nahen berührung beider rötker 
hier eine Übertragung am leichtesten möglich : aber die von 
.Aydberg (aao. 11 348 0 beobachteten Übereinstimmungen hiosichu 
licht des zweiten Dioskuren bei Saxo sind doch nicht so edaunter 
nafur, dass sie eine entlehnung aus dem dänischen rechtfertigten. 



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DIE DiOSKUREIS m BEOVVÜLF 



247 



Die uamensidentitSt lioiJs-Ueawa gegenObei dem Vali aller 
Dordischea quelleü ist autlalleuii, indes« weiiu Sievers etymologie 
von Vali das richtige trifft (Bf>itr. 18, 583)» doch ohne not zu 
erklären, wie Hydberg aus der düi lugen notiz hf i Saxo : cuius 
corpus ma(jnißco funeris apparatu Rutenus tumulmnt exercitus 
eine äbulichkeit mit der prachtvollen beslattungssceue des Beowulf 
berleiteo wül, da es hier doch gerade auf eiDieibeiteo an«* 
kommt, bleibt mir unverständlich, und ebeaMwenig charakte» 
riitiach isl,. daaa Beowulf wie Bous einen nach ihnen be- 
nannlen grabhOgel erhalten, was rielen gernaniacheo helden 
paaaiert aein wird. 

Oberdies ist Saxoe gan«e daratellong gerade hier wenig 
durcbaichlig und es bleibt iweifelbafl« ob er wttrkliob auf dfi- 
ntacber localsage fafet; vielleicht hat er ans dieser nicbta weiter 
geschöpft als die angäbe, *da8s im Bonabflgel kOnig Boos be* 
stattet war', uod alles übrige beruht auf combioatiooen (Axel 
Olrik :Sakses oldhistorie s. 43). 

Am seltsamsten aber muss die Zuversicht berühren, mit der 
Sarrazin auch neuerdings wider für den gautischen Ursprung des 
Baldrmylhus im ßeownlf eintritt (Anglia 19, 375) : ist doch diese 
frage» so lange nicht eine feste cntscheidung über die heiniat 
des Gauteuvolkes gelroffeo ist — und trotz allem auf beiden 
Seiten von bedeutenden gelehrten aufgewanten Scharfsinn ist dies 
problem noch völlig ungeldst — , tlberhaupt kaum discutierbar, 
jedesfalis ist die berufung auf Mogk (Gniodr. i 1062. 1065) von 
Sanasina siandpunct aus einigermaben befremdend, da dieaer, wie 
der nlbere susammenhang seigt^ seine Vermutung auf jttUSndiscbe 
oftsnamen gründet, wahrend doch für SOdschweden als die 
heimat dea Gautenvolkes eintritt. 

Aber* auch im Ikll lelsteres ala richtig erwiesen wllre, aind 
die von Samisin dort gefundenen geographischen anknttpfungs» 
puDcte sehr zweifelhaft : 'Earnanäs' und ^Hrefnesholt' gehören 
▼ieliiutir, wie scheu oben bemerkt, zum uralten apparat für die 
situaiKHi hngierler poetischer bezeichnungen (s. 241). 

Auch die nolwendigkeit , das wellschwimiiiLn Beowulfs und 
Breels an die gautische kUsle zu verlegen (Beuwuilsludiea 
s. 32. 66), leuchtet nicht ein : selbst wer die sinnvolle deutung 
auf den polarstrom (MoUeoboll aao. s. 2; Möller aao. s. 22) be- 
streitet, wird — schon in rttcksicht auf die grüfse und be» 

n* 



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248 



NIEDNER 



dMitMnkmt det OBlernebneiiB — in dein *Fhmtkmi* {f* 580) 
«n natllriicbsten Finnmarken erUicken (Bugge aao. e. 5411). 

Ebensowenig überzeugend sind für mich die ▼ersochc von 
Binz (Beitr. 20, 164 (Tj, aus den nnriiHn der Hri'dellaaulje gauUsche 
absiariimung zu Iblgern : Hertbeiild zum luindesteu bat, wenn 
auclk boust uicbl übei lielV ri, doch vom standpunct des anglischen 
keine sprachlichen bedenken, und auch Hredel, wie er selbst zu- 
gibt, ist als angliscUer Dame nicht unmöglich, (b r entscheidende 
0ame üjidcyo aber isl, wie man ihn deuten möge, doch auch 
aus dem nordischen von Binz wenig gUukliaft gemacht : schon 
Sievers (aao. s. 165) verteidigt, falls man ihn nach der bisherigen 
anflassung als ^kleiner Hod' frtsst, wofür bekanoUich mehrfacli 
paralleien foriiegen, die mOglichkeit seinca angliadieD unpmga: 
aber auch die bedenken, die Bini flur den fall der langen quan- 
tUtt der eraten ailbe erhebt, eind Tielletcht an weitgehend, wenn 
man an den mythiaehen bintergrund der epiaode denkt : barg aich 
darin vielleicht ein alter beiname dea Dioakorenfeindea mit heing 
avf di« ana der Ortnitaage bekannte version dea mytbna, wonach 
des gottes mtfrder ein drache ist? Hwhctfn ^gezücht der beide* 
(vgl. /jtpÄs/fl^a 'cervus' üeov. 1368) wäre dann t^uic äiiubcbe poe- 
tische Umschreibung wie etwa AeH^i/t^i Ii* ub bL wohner* für 'wolf 
(Aihikv. 8) oder Ij/ngfiikr *fiscb des beidekraules ' für 'schiauge* 
(Gudf kv. II 22). 

Ebensowenig wie die namen der drei fdrslen sind sie selbst 
im norden irgendwie nachzuweisen, und alle ansStse im Beowul^ 
aie mit dem Gautenkonig Hygelac in Verbindung au bringen« wit 
wir oben sahen (s. 234), sind durchaus aecnndarer oauir. 
awar wird der Sveninganeffe (v« 1203) auch sonst wie Hfldcjn 
(v. 2925) Hredling genannt — der auadrock HrUUmfaM 2960 
acheint beide einaubegreifen — , aber wenn im eraten teil 
(v.375) Beowttlf ala aobn dea Ecg|ieow und der ei na igen 
tochter Hredela eingelllhrt wird, ao bertthrt aeine jugendfreond- 
achaft mit Hjfelao daneben immerbin eigentOmUoh. offenbar war 
aowol diesea verwantacbaftaverhültnia — Beownlfs matter wird 
nicht einmal mit namen genannt — wie spHter sein Verhältnis 
als pflegebrudei m den llredelsübnen erst eine folge seiner an- 
kiui[dun^' an Hygelac. in vsürklictikeit aber hat dieser ihn in 
seiner sitdlung als jüngsten der brüder verdrängt, und wir müssen 
annehmen, dass er aus dem mylhus schon in das biatoriaciie 



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DIE DIOSKÜREN IM BEOVVÜLF 



24» 



Hredelgeschleciil verflochteD war, als jeaes iiistuiische ereignis 
im Fneseolande stattfand, das die gestall des ingväonischen 
GreodellOters mit dem jjaiitist hen könige ?erschmolz. dadurdi 
da88 der luiulge der na m e n s gleichtieii anl dem Freysheros ver- 
wechselte Dioskur (MtlllenhofT Zs. 7, 418; Huijge Sind, i 127;. 
Kogel Zs. 37, 268fl) gieichlalls mit dem hisiorischeo Ueowuif ver- 
schmolz, trat Hygelac auch zur Hredelsippe in beziebung und 
(ttfarle dano, als er su einem bnider Hadcyos geworden, auch die- 
oben besprochene ankoüpfung an die historiaehen SobwedeQ* 
kimpfe herbei, wobei O0geD|>eow Beawa ak rflcher Terdrtlogte : äi» 
l«tzte weitcrbildiing im Beowulf aber, die laoge botearede, brachte 
daon alles io einen neuen pragmaliseben susaimnenhang (s. 334). 

Die annähme eines angliachen Dioikuren Beawa neben dem 
Prefsheros worde aber auch vielleicht am einfachsten den eigen- 
tfflmiichen Vorgang erliliren, dass anch in England noch nach 
der ankntipf^ng des agrarischen mythns sn die historische ge- 
stalt des GautenkOnigs die localen Zeugnisse nur von einem 
'BeSw* oder 'Beawa*, nicht von einem 'Beöwulf wissen, durch 
naniensyerwechshing an zwei stellen des gedichts, wie wir sahen, 
die einlilgung alter dioskurischer episoden vorschuldend, gieng 
dieser Beawa doch nicht, wip der iogvaoDisci»»' golt in dem 
helden des epos völlig auf, sondern baflele in der volkslradilion 
als göttliches wesen weiter : von den hei Binz (Beitr. 20, 155) 
citierten Ortsnamen dürfte keiner der beziebung auf den lichten 
goit widerstreiten : insbesondere aber sprechen Beuelei {^te\6 des 
Beawa*) und Beuentreu ('bäum des Beawa') neben Balderesleg 
und Pplesleah (feld des Baldr) fflr gemeinsamen cuU der brtider 
in England, wenn der erste Diosknr in der Hredelepisode mit 
Idier Bsmenslndemng so Herebeald geworden ist, so erkhirt 
sich dss natgrlich durch die anknOpfung an das englische kOnigs» 
haas man denke auch an den Hm-ßegn ond Herhm der 
t^idrekssaga und ebenso ist der Brua des Beowulf und der 
Urtoca des VVidsid, desseo Ut in besondern liedern besungen 
wurde, wol nur ein für die Situation erfundener beiname des 
lichtgottes : dass dieser auch in der anglischen königsgeschichle 
unter dem für sein wesen charakteristischen beinamcn Im kannl 
war, beweist der in den einheimischen genealogieu aul^( liihrte 
frühzeitig als Baldr glossierte und von ESchrOder ungezwungen 
als 'Glanztag' gedeuUte Odiassohn 'Baldäg' (Zs. 35, 242). 



üigiiizuQ by LiüOgle 



250 



NIEDNCR 



Auch die mythen der den Aegdäiehseo nScfaltvtfwiateD 

Völker, der Friesen uod Langobarden« zeigen ja deutliche spuren 
der Dioskurensage : wird für tliese das göllliche brüderpaar noch 
unabhängig von der specifischen gestalt des Baldi myihus bezeugt, 
so deutet doch der friesische Fosile mit Sicherheit auf deu in 
engster beziehuß^; zu ßaldr siehenden Forseii der Edda (Jacob 
Grimm Mylh.* 190 ff), denn weon dieser in seiner Wesenheit sich 
völlig mit dem iichlen Baldr deckt (Grimn. 15), so wird er ur- 
»prüngUch weniger ein söhn als eine hypostase, vielleichi gar 
nur ein beiname Baldrs gewesen sein : wie bedeutsam aber der 
call dieses friesischen Baldr -Fosite auf Helgoland war, ist be- 
kannt (Mngk Grundr. 1 1066). 

Macbdem wir somit in unsrer Hredelepiaode einen allen, von 
der oordiachen tradition unabhSngigen« aber in allen vicfatigen 
puncten mit deren fllteater form stimmenden angÜRhen Baldr- 
Beawa-mytbus erkannt haben, ist nun aber ein erhöhter stand- 
punet gewonnen, von wo aus die nicfatigkeit oder belanf^osigkeil 
jener oben (s. 232) erwähnten vermeintlichen ttbereinslimmungen 
mit dem jungen bericht Snorris klar wird. 

n 

Zonflebst erweist sich die angeblich verwante Situation bei 
Baldrs tOlung als eine täuscbung; keiue der drei behauplclea auf- 
fiflligeu übereiustimmuugen hält einer nähern prUfung stand. 

Gewis findet der nionl im Beowulf wie in der Gylfaginoing 
beidemal hei einer kurzweil siatl, ahcr die 'skemiun' Snorris hat 
mit der des gedichtes nichts zu lun. dort ist Baldr völlig passiv, 
nur das object der i rhistigung anderer, hier ist er bei dem welt- 
spiel in erster lime iiftciligt. dort ist der ganze Vorgang eine 
übermütige probe aut Baldrs unverwundbarkeit, hier ligt auf dem 
wettschiefsen aller nachdruck, wie das Wettschwimmen der 
Brecaepisode bestätigte, dort endlich erklart sich die ganse scene 
vortrefflich aus einem misverständnisse Snorris (Zs. 41, 316), hier 
ist, wie der parallele, mythisch noch nicht beeinflosste beriebt der 
^idrekssega xeigt, die anknOpfting an die tragOdie im banse den 
angliscben konigs nicht ohne einfluss gewesen, bei der neigung, 
bedeutsam tragische ereignisse an derartige heilere scenen con- 
trastierend aniuscbli«rsen, die ja so oft in germanischer sage 
widerkebri« ist die doppelte *skemtun' schon an sich etwas gani 
begreifliche^. 



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DIE DIOSKÜREN IM BEOWULF 



251 



' Ebenso folgt die unabsichtlichkeil der tölung unabhängig aus 
der jedesmaligen siluaüou heraus. Iiei Snorn ist sie das ualur- 
gemärse ergebnis von Lokis eindringen als anstifter zum morde, 
in der Becwulfepisode ist sie ofTenhar durch die Wandlung, dass 
die beiden gOtter irdischen königssolineii wurden, bedingt, dort 
ist sie mit allem detail, um ja keinen zweifel Über sie zu lassen, 
motiviert, hier wird sie zwar auch, um die tragOdie desto 
groitier erscheioen zu latten, vonasgeseUly doch deutet die 
ganze aiisdnieksweise — denn die werte wdue mtndm ecbliefsen 
nicht notwendig eine absichtlichkeit aus — auf ihren secaodSren 
charekter. dort teigt die ftitere form des mythut, die in der 
Tegtamskvida und bei Sixo erwiesen wurde (Zs. 41« 323)« klar das 
unoiiganisclie in der unabaichtlichkeit dea mordeat hier deutet der 
nialtmjlhisGhe hintergrund des dioakuriaehen wettapieb auf ein 
glekhea mhUtnia. 

Auch die dritte angebliche Obereinatiminiing, mmlicb in der 
todeawaffe, will, ob man Dettefa kohner conjectur beipflichte oder 
nicht, wenig besagen. 

Nimmt mau mit Detter au, da^s das miste mtrcehes aus einem 
miste täiie und dies widerum aus MiiteUdnt entstanden wSire, so 
dass es also einst geheifsen Ii litte, *mit dem Misteltan lötete er 
seinen bruder' (Beitr. 19, 499;, so vvfire es doch vollkommen er- ' 
klärlicb, dass der Angelsachse, dem die un norden ganz Obliche 
terwendung dea tän alaaweiiee compositionsglied von scbwert- 
namen nicht geläufig war, aus dem ihm rätselhaften werte einen 
fiäm (2438) oder ^ (2440) machte und folglich das ganze ala 
bogenacbuaa (2437) daratellte. noch leichter ala daa Snorriaehe 
auaferstSndnia and aehr woi unabbSngig ?on dieaem liefte aieh 
gerade unter voraoaaetiung der Detterachen coiqectur dieae Un-' 
derung begreifen. 

Freilich atebt der auf den eraten blick aehr beatechenden 
beaaerung, die nicht nur die im englischen ?olkaglauhen beson- 
ders häufige Verehrung der mbtel, sondern auch die tatsache, 
dass in dem parallelen berichl der Pidrekssaga von einem sc h Wert- 
kampf die rede ist, nahelef^t, doch ein entscheidendes liedeukeu 
gegenüber, der scluvi i inanie *MistiItein* kouule n milich nur aus 
dem norden gekommen sein, was nach dem durchaus angliscben 
Charakter unsrer episode nicht anzunehmen ist : aufserbalb des 
nordeoa findet «ich aooat keine apur von der verwenduitg dea 



üiQiiizea by <^oo^lc 



252 



Mittllteitt im myihus, Mlbst weoD man« waa aber kaon denkbar 
(Zs. 41, 321), an die wuftdersaiiie pfltQie aelbat denkeii wollte. 
Indes erklirt sieh die anoahine eines bogeo- oder snnbnwc* 

üchiefaens m der Hredelepisode auch ohne jene besseruug wol 
am nächsten aus dem knabenliaften alter der kOnigssOhne — 
ein zug, der der l'idreksMga bekanntlich fehlt : welchem Wettspiel 
als dem bogeuschiefseD hätte q äbtjr die kOuiglicheu kiuder wol 
naturgemafser obliegen sollen? 

Wir m(!9«en demnach ^ille (iluMemstimmungeD in der riiord- 
aceoe aU UDerbeblich bezeicbneo und nffhern Zusammenhang 
der episode mit der GylfaginniQg entschieden iu abrede stellen. 

Etwas anders zu beurteilen ist nun freilich die zweite oben 
erwähnte UbereinstimmuBg, namlteb hinsichtlich der brüderscbsft 
BaMrs uad Hüde, nicht etwa, daas nicht auch hier zufälliges 
svaammentreffen gedacht werden konnte, denn wie leicht Hod 
Odina und Bald» hnider, aach wenn er es uraprflnglieh 
nicht war, hitle werden kAnnen, hat schon Bugg« (Studier i S52) 
dargetan; die brflderschaft Herebealda und Htdcfna aber wuneit« 
wie die hdreknaga teigt, aohon in der aogliaehen ktkiigasage. 
•her drei momeBte legen doch den terdacht nahe,' dase die hrOdei^ 
icbaft Baldra und Hfld» aueh den altern eddiachen quellen , die 
ja Oberaus sparsam fliefsen, nicht fremd war, und ihr sebweigen 
in diesem puncte nur auf zufall beruht. 

Sicher kann auf das Zeugnis der Vülu^pa liier kein allzn- 
grofees gewicht gelegt werden : dass sie Baldr als Opens ba7)i 
(r, 32) und Vali als Baldrs bröpr iiiuJ Oßens sonr (v. 33) neben- 
einander au^ührl, zeigt nur, de>> sh- Hdd gegenüber beide als 
näher zusammen f^'^lnin;: licliarhlet, und ein schweigen Ober dessen 
abkunft beweist bei dem skizzcnbaiten der beiden visur nichts, 
sodann haben wir gerade in dem fUr die ältere mythenform 
heaondera charakteristischen gediohte von War Vidfadmis tod durch 
eine eioleüchlende conjectur Bugges (Studier i 35) die brOder- 
achaft UOda und Baldrs höchst wahrscheinlich lu achliefaen. vor 
aUev aber deuten einige »ythioche parallelen, die Rydberg 
(llnderailiniDgar n 21111) aufgedeckt hat, darauf hin und legen 
die frage nahe, ob aeine anaicht nicht neben der Mlllleohoflra, die 
nur in Baldr und Vali die gtltiUchen bmder aieht, beaiehn kann, 
mll einein wort, ob nieht auch Hod uriprOnglich neben Vali 
dioakuriaeher Charakter «nd damit auch gleiche id>knnft sukommt* 



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DIE DIOSKUREN IM BEyWULF 253 



m 

Dorcb Myriantbeus trefllicbe arbeil (Die Apvins 36Ü) siud 
wir in die läge versetzt, vou der grundform des arischeD 
Dioskureoiuyüiu& uus eine aonäberod ricbUge vorstelluog zu 
macben. 

Nacli der vediscben litteratur stellt das jugendücht" , licht- 
spen(jeude, kriegerische, rossebandigende brüderpaar der Divodb- 
päiA ursprünglich das morgenzwielicht dar. vom tagesgolt mit 
der nacht erzeugt steht es in engster beziduiDg zur göttio der 
morgeorOte, Usbas oder Süryd. ihr erscheinen ward aber niciiK 
nr als brauliierbiiiig gedacbc, in der sie dielichle gOttin ihrem 
vater, den binn«Ugoll, alt gemablm aufolurltti, londerD aacli als 
direcitt wariiaiig fttr ihre eigette peraoo. lo dnem mii allen 
gotteni vanmilalteteB welAlaiif um die gOttin ffiliraB sie diete, 
die aieh die brOder lu bohleD ericoreo, ala glQekliebe Araier heim« 
obwol aie aber tbrar naliir und gebutt oadi gleiehaalfirig teil aa 
liebt «Dd finaleroia batlCDt wird ihr tioferganglicber gMliicber 
Charakter io deo Vedeii noeh durchana festgehalten, foo Tdlliger 
oder auch rar teilweiaer aterhiichkeic iat eicht die rede, gerade, 
weil sie nur als gOtter des morgen Zwielichts galten, gieng die 
kehrseite ihrer würksanikeit, ihr verschwinden, in dem jiracht- 
vollen autgange des jungen tages woi lür das bewuslsein des 
beobachtenden uuter. 

Schon Müllenhoflf hat aber angedeutet, dass die Dioskureo, 
da sich ja in der alir nddämmerung genau derselbe vori^ang wie 
beim morgengrauen widerholt, ursprünglich auch mit den diesen 
nauirproce^s darstellenden gottheiten identisch sein mOssen : Ja 
die Identität der Morgen- und Abenddiosfcureo , die aa aich auf 
der haod ligt, bildet eine der notwendigen fonusselzungen eei- 
ner gllotendea und «beneogenden daricgmig dea Harloogeo- 
DieakiireiMiiythua (Za. 30, 224. 241). aber die aporeo dieeer 
eiBBiigen Idealität aiiid nach Hyrianlheua ergebniaaen auch in 
der fediachen dvcbtong, wie mir acheint, noeh deutlich genug an 
erkennen. 

Znutcbat entspricht dem iwiltingspaar -6» k^nt» ein iweitea 
geschwisierpaar» daa analog jenem eraten gleiehfallB an Kcht nnd 
an der fineteniia teil hat. auch dieae sind hinder dea himmele^ 

gottes und des dnnkels; wie jenes erste mit der schnell ent> 
weichenden, so ist dies zweite mit der schnell einbrechenden 



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254 



nacht (Saranyu) erzeugt : ja dies letitere gül sogar im engem lu- 
aammenbange der fedischen mytben. ab das altere. (Myriantheas 
aao. 8. 62). sodann : hat dieses andre iwillingspaar auch im 

gegeosatz zum ersten einen fast ausschliefslich dem dunkel zu- 
neigenden Charakter bekomoaen, so zeigt doch die inUache, <ias8 
nicht nur Yama und Yaml, sondern auch die Dioskuren zuweilen 
ara iilunii aui^arufen werden, selbst tili den fall, dass nur eine 
nachtiagliclie Übertragung vorliegen sollte, wie lest aiau diese 
verwentschaft empfand (aao. s. 54). endlich scheint auch schon 
der name dieses zweiten Zwillingspaares auf identität mit dem 
ersten zu deuten : denn nicht nur i^lll die eintönigkeit in der 
benennuDg auf^ da briider und Schwester denselben namen führen, 
sondern auch dieser name selbst, der weit entfernt von der 
acbdnen Charakteristik des A^vinsnamens nur den allgemeinen 
begrüT «iwilling' enthalt (aao. e. 58). 

Klarer scheint die nrsprQngllcbe Wesenheit und natur des 
doppelgeaehwiaterpaarea im helteniaehen mythua su tage so 
treten, aueh dort atebt nftmllch neben den brOdem Kastor und 
Polydeukea, die ebenao wie die A^vina dem bimmelagelt und 
der nacht enialammen, — denn Tyndareus ist ursprüDglieh nur 
ein beiname dea Zeus und Leda Iftngst you gnecbiacben mytho* 
logeo auf die nacht gedeutet — ein sweiiea brüderpaar , des 
Aphareus söhne Idas uod Lynkeus. 

Dass auch diese dioskurischen Ursprungs sind, zeigen schon 
die namen *der Sehende' und *der Luchsäugige' sowie die an- 
gäbe, dass Lynkeus mit seinem all durchdringenden blick die in 
einer bohlen eiche verborgenen [iioskuren erspäht {y.€ivov yag 
kftix^oviwv 7iavru)y yh'tr' üh'zaxov ofifia Pind. Nem. X 115 Q. 
dies hebt sie aber weil luiuuis über den Charakter blofser raesse- 
niscber concurrenztiguren , wie solcbe in andern hellenischen 
landscbaften gegeoOber den alten lakonischen Dioskuren er* 
acheinen, mit recht betont Furtwangler, dass das doppelbrUder- 
paar in älterer naturanscbauung wunelt und ihr mytbus über 
die zeit dea beginnenden antagonismua swischen Measenien und 
Lakonien hinaufireicbt (Roscher Lezicon s. 1260). 

fiflckt aber die cbarakteriatik der brader Kastor und Poiy- 
deukea sie im einaelnen aufe engste n^ben die Apvins, so deutet 
anderseits daa paar der weniger scharf geieichnelen AphareuasOhne 
aaturgemlfa auf jenes iweite, daa abendiwielicbt darstellende g^ 



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DIE DlOSkUilEIS IM BEOVVÜLF 



255 



whwisterpaar der Veden : ja auch der rinderra'iib, bei Pindar noch 
die einzige quelle ihres streUes mil tleu Dioskureo — I^ccg a(.iq)l 
ßovalv Ttüjg xoho&ilg — stelll sie io engste beztehaog zu 
Yaiiia uud erioneri m» den auf die gleiche gotiheit zurückgehen- 
den raub und widerraub der rioder durch üermes und Apollou 
(MyriaiJÜieus s. 67). 

Noch klarer aber iriil die ursprüngliche wesensgleichbeit 
und doch der gegensatz beider paare hervor in ihrem verhäitDis 
10 den Leukippostöchtero Uiiaeira und Pboibe. dass diese licht- 
wesen siod, leigen Hiebt nur ihre namen, die 'strahlendea liebt 
and beitmD glans YerkQoden' (Freier Gheeb. myth. ii' 98}t aon- 
dem for allem die beielehDUDg ibree faters ala jitmmnog^ die 
is Tielea benenoongeo veo licbtgötteni widerkebrt und unmittel* 
bar auf den bimnelsgett inrOeliweiat. mit reebt aiebt If jrian<- 
tbeua in dem acbweaternpMr eine apätere apaltuog derselben 
gOttin, nimlich der IJsbas oder Sürjft, die dem bestreben einer 
angleichuDg an die doppelheit der Dioskttren entsprang, und in 
dem doppelverbaltuts beuier Dioskui enpaare zu den Leukippiden 
mag sich wider jene parallele naiurerscheinung am morgen und 
am abend bergen, die beidemal zu der liebten götlio lo engster 
beziebung steht (aao. s. 49 f). 

Dachte man aber beide brüderpaare in so nahem TerhalUiis 
zur soDuengüuin, so lag darin die aulTassung der nebenbuhler- 
scbaft schon im keime, freilich haben wir den raub der götlin 
als quelle des Streites erst in den Jüngern hellenischen quellen, 
wibrend die tlltern, insbesondere Pindar, lediglieh den rinderraab 
als aokben kennen, aber gerade der umstand, dase die Jttngem 
quellen siemlicfa ungeschickt diesen mit dem raube der gdttin 
terquicken, macht eine cootamination sweier alter ttberlieferungen 
wahracheinlicht und jene nebenbublerscbaft wegen der Leukippiden 
oder nach einer Variante auch der wesensverwanten Hdena 
(Roscher s. 1161) kann — mythisch ja im letzten gründe mit 
dem rinderraub idenlisch — sehr wol schon in der älteru helle* 
uii^cben sage haften. 

Nach drei richtungen aber nimmt nun die bellenisclie Dios- 
kiirensage in ihrer gesamteDtwickiung eine miltelsteliuug ein 
zwischen der .'ilteslen form der Veden und den durch Milllenhoff 
für das germanische erschiosseueo beiden bauptformen des 
Dioskurenmytbus. 



üiQiiiZüQ by <^oo^lc 



256 NICDNER 

.ZttDiclMl in der aogabe der nVintt gricebiechen quetleo, 
dees Zeus deo einsD der Aphariden, Idas, mit dem Mitze getötet 

habe, worauf dieser mit dera eben von Polydeukes erstocheaeo 
Lynkeus zusammen verbrannt sei. es ist das abendzwielicht, das 
durch den himmelsgoii am dbeud vernichtet wird; deon seit dem 
erlöschen des tafjes sinkt es wider in die nacht zurück : hier 
haben wir, zumal aucli der rinderraub mythisch dem schatzraub 
eiitsprichl , die i.'e[iau8tft parallele zur Verurteilung und lotiin» 
der goldguM i^ren Hartunge durch deo büchateo golt des himmeis 
(MttUenboir aao. s. 243). 

Wiebliger noch nod beiden hauplformen des gennaaiscbeJi 
Dioskureomythtis gemeinsam aber ist die Toreiellung tod der 
Sterblichkeit auch der Morgendioskuren RmIot imd Poljdeukei» 
ein tbema, des, aus ebeo jener beobachtung des naturrorgaiigee 
gellend — deoD des swidicbls tod wird auch firab bei sooMn- 
aafgang roUiogen (MOllenboff. aao. s. 224) — belleoiaebe phaii- 
taeie bekaDotlieh io.fenttbwenderisoher falle variiert bat, indem 
sie liabi, wie bei Homer, beide Dioskureo sterblieh seio lisst, 
bald nur den einen, wabrend der andre im* Olymp waltet, baM 
einen um den andern ^iwei^Behid dem Bades inweist, bald end- 
lieb beide wechselnd einen tag im Hades und einen im Olymp 
weilend annimmt : hier ist der auffallende widersprach der 
iftterblicbkeil eme& Rulles, wie ihn der nordische Baldrmytbus aui 
den ersten blick zu eniliaiiea scheint, so wie die aussieht auf 
einstige widetkehr mythisch vortrefflich vorbereitet. 

Am bedeutsamsten aber ist unzweilelliilt, d;is8 gerade wider 
in den altern griechischeu quellen^ bei Fiudar und in den Ky- 
prien, das motiv der räche eine besondere, dem germaoiscbeii 
analoge ansbildung erfahren hat (vgl. auch Wolfskehl Germanische 
werbvngssagen s. 19). gans genau nämlich wie der rossekundige 
Kastor dnrcb Ljnkeus fiillt auch der Idteste Härtung durch ein 
feindlicbea wesen, und ebenso wie jener durcb Polydeukes, so 
wird dieser dnreb den Jungem bruder gcrlebt. 

Klarer noeb als im deutseben Hsrtongenmj Ibus, wo der feirn^ 
liebe Abenddioskur durcb einen drscben ersetstrist — eine ge- 
italt der sage, auf die aueb der Hadcpi des Beowvilf, wie wir 
sahen (s. 248), vielleicht noch svrackdeutet — tritt der dem 
tyskeua entajpreidiende geguer der Dioskuren in dem nonUschen 
Hod hervor, wie ja auch in dem gestaltenwand^ .des den nehei^ 



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DI£ DIOSKUREIS IM BEOWULF 357 

Bous-Vali flneogtodeii hinmelsgoUtt der BaMroylbue wider aüfii 
engste mit tediaeb-belicDiseheii vorstellungeii sieb berObrt( Wolfekehl 
MO. 8. 20) : amgekehrt birgt sich in der deutsebeo sage, wenn 
hier der siegreiche jüngere bruder die witwe des toten älteren 

heiralet, wol em aller zu«;, der dem uordeu verloren gegangen 
i&L : denn er knOpii au die uralie Vorstellung der buhlscbaft 
beider Morgcndioskuren um die sonnengüitin an. 

Fassen wir nun aber diese momente zusammen, so werden 
wir um so sichrer im Beowulf in Beawa und Herebeald-Breca 
die beiden Morgendioskiiien erbhckeD, in Hädcyn dagegen den 
dem iudischen Yama und dem hellenischen Lynkcus enlsprecheih- 
den leindlictien Ahenddioskuren : das fehlen des zweiten zwillings- 
bruders wird nicht autlaJieo, wenn wir uns vergegenwärtigen, 
dass auch in der beileniacheD sage Idas in den altern quellen 
•o der rächenden tat keinen anteil bat« dass aber in den epi- 
soden des anglischen epes für das frauenmotif kein pkts war, 
das ioabeiODden .in der nerdiacben Nanna so schon hervortritt, 
wird um so weniger wunder nebnen, als in dem gansen gedieht 
frauen nur in nebenroUen eracheinen und aelhat die eiosige genauer 
geichilderle frau, die gatlin Hrodgara, in der cbarakCeriaiening 
durebaua akiiienbaft und typiich gehalten iat (vgl. auch Sarnain 
Beowuirstudien a. 72). 

Gans beionderea liebt ftlU nuu aber aueb auf den nordiacben 
.Ba)dr-Valt-Hod-mytbus. aieber entaprecben Baldr und Vati den 
alten Morgendioskuren : rttckl aie bei Saxo acbon die allitlerailon 
eng zuaamoien, ao in der Edda der name, da aueb Vali nur den 
gleieben begriff enthalten kann wie Baldr und von Sievers mit 
recht neben ahn. vanir und alts. vanum gesteilt wird THt iir. 
18, 583) — vgl. auch den liarluagen 1 dtilo f'Schünle' Mililnilioff 
Zs. 30,222)f — zugleich durch seine hypokuni»ljäche lorm <iuf 
den jangern bruder deutend, beide sind ursprünglich sOhne des 
Imiimeisgottes und der nacht, deren spur sich in Himl. einer 
göltin der finslernis, noch erlialten hat : denn, wie schon ulien 
bemerkt (s. 238 Ij, kann Krigg als mutter Baldrs nicbl ursprliu^'lirh 
sein, ihnen gegenüber aber steht als Vertreter der Abenddioskureii 
ihr hruder Ilüd : der a<lchlliche aoteil seiner natur hat den 
lichten zwar schon stark Überwuchert, doch deuten noch sichere 
anieicheo auf aeine dioakuriache berkunft (Rjdberg ünderaükningar 
u 2ilfl> am meisten aieber das gemeinaame verbältnia zu 



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m NIEDflER . Dl£ DIOSKUREN IH B£OWULP 



NaoD» i. ihr iiame, aoch imoier mit Jacob Grimm (Hitb.* 203) 
am bealeii ala die * wagende* gedeutet^ weiit aaf die aiegende 
natttr des lichtes» weBa er auch spiter« dem nanee Ho^s entr 
aprecheod, walkorisohea kbng bekam. 

So amscbreibt der Baldr-Vaü-HlMt-mylhuB aolk scbOnate den 
lUereinfhicbBtta, tiglieh beobachteten natanrorgaog. 

Der Dioskiir, seit seinem erscheinen in steter gefahr des 
todes, ängstlich beobachtet von seinem vater, dem lichten himmels- 
gott, verliert am abend seine geliebte Nanna» die sonnengOUin, 
da iler lui abendzwielicht erscheineode Höd sie ihm abnimmt 
dh. der nachl zulülirt : erst iiier winl der tod deä Morgeo- 
dioskuren, der bisher nur durch den g].niz lit-s ta^esgolles seit 
erscheinen der sonne verdunkelt wurde, uarklich vulizogen. aber 
auch sein gegner, tkr Abpnddiosknr , lallt heim eiubruch der 
nacht ; denn auls neue erzeuj^te der lichte hiuiiuelsgott mit dieser 
einen söhn, der seinen tolen hnider rächt, wulbe^reitlich alit^r 
ist es,- dass man ähnhch, wie der lod des Morgendioskuren nicbl 
schon in der frUhe gedacht wurde, sondern erst bei einbruch 
der nacht, wo das Schauspiel der abenddftmroemng sich dem be- 
obachtenden aufdrängte, auch die tat des neueneugten räcbers 
erst in die moigenfrohe verlegte« wo die naturerscheinung des 
swidichts aurs neue in die sogen fiel. 

So erhalt die Schilderung Valis in der Vegtamskvida 11 bis ins 
detail eine vortreffliche mythische erkllmng und begrOndung* 
Rind (dh« die nacht) gebiert Vali im wealUchen saal (dh. in der 
gegend, wo das ahendawielicbt verglomm), einnichtig klmpfen 
wird Odins (dh. des himmelsgottes) söhn; die band nicht wischt 
er noch kimmt er das hsnpt, ehe Baldrs feiod anf den holisiofa 
er brachte (dh. am frahsten morgen herscht der Morgendioskar 
wider am himmel und die herscbaft des — besonders in den 
langen mittsommeroichten des nordens noch kaum verblichenen — 
abendlichen ist bis zum einbruch der nacht vernichtet). 

Anderseits deuUl aber der dann ioigeude tod des lious bei 
Saxo (s. 132) und der so stark accentuierte gedanke einer wider- 
kehr Baldrs in der norwegisch- ishlndisihen sage unverhüllt auf 
das sich ewig widerholeode und dauernde dieses ganzen my- 
thischrn Vorgangs. 
Berlin, 22 mirz 1898. F£L1X M1£DN£R. 



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WOLFENBÜTTELER BRUCHSTÜCK 

DES £REC. 



Vor Jahren hab ich im 32 bände dieser Zeitschrift (s. 69 — 123) 
eine iuutmmeiuteUung von fragmenten solcher mittelalterlich-deutschet 
mamucript0 vgrdf entlieht, die in spätem zeiten zerschnitten, dam 
mm einbinden anderer Melker d$r WolfeMU^ biMiothek ver^ 
wani und sMtfiUch von meinen amtsoorgdngem und toidet 
äbgeUftl wcrdm iA bin jetzt m der lagt, dieten m^i&tmsim 
ein midii gam mwiehiigeM atüdc hinmfligtn m kifmm, hei 
fuüAreiim der kated»$iti«na^ unteret numtuer^enlbeMlandeB stieß 
idk dl einer papierke. des 15 /It. (19. 26. 9. Ät^. 4u»), mMe 
die wnter dem nomm Pere g r in us Momi/e predigteneammhmg enr- 
IM, euf retie einer aUen ib. dee Eree, ^ mir der voOetändigen 
mitteilmg wert eredieinen utid gewie den fmeliem auf diesem ge» 
biete wiWrommen 

Die erwähnte hs. de.n Pereyrinns ist Jant einer bemerkung am 
ScA/uss ' I./. 1433 von einem gewissen Hermann Scipel geschrieben 
und nach nner tjism'ption auf ihrem ersten blatte von einem manne 
namem Redeken dem kloster Frankenberg in Goslar geschenkt 
werdenK ihr einband gehört nach metner ansieht noch dem 15 jh, 
an. zwischen den jähren 1433 und 1499 tPird daher die Erec-hs^ 
mit der die inneitdeekel bätM wurden, stendmiuen werden Mini 

Brhedten eind daeen Mwei pergmnentdeppMätter, die, ein 
jedee %u Her teilen, tu einmier genMen waren, die blätter eind 
13 X 21 em grofs, m Aren rOndem durth den hebd de$ (iidk- 
Undere hie md da verttümmeHt, aber ven einer kräftigen, im gansun 
nedt gut UserUdien hand geschrieben, die höhe der seilen betrug 
ursprünglich ungefähr A em melw, sodass sich auf jeder &eite eine 
lücke von durchschnittlich 10 versen ergibt, die hs. gehört ohne 
zwei fei noch dem 13 jh. an, und zwar eher der ersten als der 
zweiten hälfte. sie reicht daher ziemlich nahe bis an die zeit zu- 
rück , wo der Verfasser des Erec noch am leben, war. die verse 
sind nicht abgesetzt, aber regdmdfsig durch einen puncl von ein- 

* Explicil peresrrinn^ |m r nie Hermann Sripp! anno m. ccccxxxitj. 

* Isium librum conlulit Johannes Redcked ad commünem utilitatem 
prepositi et cappellanorom ia Frankeober^^e io remediuoi auime sue pro 
MivioiiilNit ÜMicndii. 



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260 



VON HEINEMANN 



mitT idcftiHleii. Ali 4b, 100 <öi akm% mmkkn wrdtm 
woXUe, itt itr plofs für dk einwu^Mmde initiaU Utr gelat$m. 

Zu dem folgenden abdruek der bruchstücke ist zu bemerken, 
das8 die cousianten und nicht häufig vorkommenden abkui zungen 
(es begegnen faU nur der grade und der haketistrich über den 
Zeilen) durchweg aufgelöst worden sind; im übrigen isi der text 
diplomatisch genau widergegeben, erganzyngen hab ich tu j'unde 
klammem emgeschlossen : t^o solche nicht mit sidierheit twrgenommm 
werden konnten, Ii ab ich die lücke durch punae ausgefüllt, von 
den (8) dür fügen absj^üan der Aj., welche %wr befettigumg du 
mubandrüdeens verwant worden sind, hab tcA diejenigen, zu deren 
mnütlung mir die herren gpmuuialdvreet»r Franz Köhler hier und 
prüf, SAröder geholfen heben, an der paeeenden stelle eing0erdna. 
am rande M icft die terttakkn der xmeiten Hampietken aueg^ 
(1871) notiert, md wo diem eine gröfkere UUke aufweiu (t, 147), heU 
pof, Sekröiar die ent^predienden %aMen aue der fuäU kimMg^'ügt: 
Krietian von frojfu Brec «nd Bnide, neue verbete. tesstan^obe oon 
WFäreter, HeHk 1896. — aufierdem eind aäe f/egeniOer der Ambraeer 
he, neuen veno ohm rOiMda auf ihre eduheU mit einem * ano- 
gezeidmtt worden; man beadUe die dreireime vor 4570 und 4580. 

Für die textkritik des Erec dürften die hier mitgeteilten AsL 
brachst ücke nidit ohne bedeutiing sein, der Erec ist nur in einer, 
der sogenannten Ambraser As., überliefert, und diese geht nicht 
Über das erste decennium des 16 7//*. %nrück. aw-s ihr, 'deren 
Schreiber oft dte redeweise seiner zeit einmengte*, hat bekufintlich 
Moriz Haupt rersyrht, zwar nicht das werk IIa) tnuinns seiner 
ursprünglichen fassung herzustellen, aber ihm doch, wie er sagt, 
wenigstens ^zu erträglicher gestalt zu verhelfen', unsere fragmente 
aber gehören einer, wie oben schon angedeutet ward, fast um 300 jähre 
älteren he. an. me enthalten »war nur — und auch dies nicht 
ohne bMigmtwerte iüeken — ein verglekhsweise kleinoi etüek 
dee gediditee, von dem ende n^tudkh des %weikampfu woiechon 
dem kitnige Guiorein von hland und Eree big vn dee leidem 
trennung von nachdem er dieeem das äüfli abgenoaemeno 

Pferd Gaweine turüdtgegiben hai, über em bUds auf eie genügt, 
um nu eHsennen, wie eehr ek in daretdiung und form von der 
Ambraeer he, abweidun, indem idi die etwaigt Verwertung der 
brutheiiUke in eprachUdier und litterariKher hineidU berufeneren 
forschem überlasse, will ich nur auf die form einiger eigennamen 



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WOLFENBÜTTELER BRUCHSTÜCK DES £REC 261 



MmiwImii ; mmentlidi dtus €m»iiH ab Waliwan erscheint und dass 

sich der auch in eUr Ambrasei /w. bewahrte und von Haupt mit 
benifung auf Wolframs Gringuljele beaeüigie name seines rosset 
Hiiiiwaiite(a : geriteo) btMdtigt. muh da$ dMirchgehtuU ILeye m' 
nkkt nnerwohtu §dmm* 

Ihr koMptwm aber wunui fandei iürft$ tu nUAm 
Mäi» Aut dtarA üm Ha f/raße Iflcfes »mMtn im vmm 4629 
wtd 4630 suM M weütm grMm UUb am^ßlU wird. 
Wolfenbmtä, 29 april 1898. 0. vot« HEINEMANN. 

ÄsMiRKuii« on moAOTiov. i«k möehU dm httrn der ZeitseMfH das 
^gniigeHf dm MKeAfl «r/lwIMkOT fimd dm km vffeinmuum im «Im- 
Mebtm mtf tebtm krUMm wert km pHif&n und dU sieAtm ergtbniste 
wie dS» «MMR firagm und 9»d/iU mm ttmä» der ausgaben Haupts oder 
Bechs SU notieren, nicht vorwegnehmen; nur ein paar allgemeinere be- 
merkungen seien mir gestattet, die hs. ist, dar sieht man auf den ersten 
hliek, nicht so gut, wie man nach ihrern alter erwarten tollte : der 
ihiiringisehe schreiöetf aus dessen feder sie hervorg^angen ist und von 
dtum dSmkkt sie aUerkstnd spttrm «nfioeiei, wird die kwpteekuld daran 
lr«gr<M. ieA koke keinm $l»kem *fikUr* g^mden^ der t'Ar mit der Am- 

ersUingswerk ist die kesiäligung mancher von Haupt verworfenen leswtg 
gewis wichtig, der fretmdliche zu fall, der uns j'ettt die annähernde «r- 
gänzung der einen der beiden lücken bescheert, gibt uns damit sughirh 
die erste ausdrüekHche nennung von Uartmanns gewährsmann, Chrettten 
vTroyes. und mit recht betoiU der finder gerade das inleresse, welches 
eMk an dU naauntfarm Waliwao /llr dm Giavaio dte flwiM, Ualtt 
kkSpft atkan die Jaikraeer ükerli^ kr wu g M dieem naaun ßoctlmah 
V. 1153. 9914» okna dati ikn die herau^ekar HMg erkaxHt UUUn {vgl 
Beeks namenver%eichnis s. n. Walwän) .■ an der ersten stalte mSepricht er 
doch dem mpssire Gauvsin« Chrest. 1090, während die zweite üfrerhaupt 
keine eiüMprechung aufweist (*. tiarisch Gt-rjn. 177). nun hat der Am- 
braser text freiUeh ein paarmal Gaweia im reime : so iunücitst 2560/' 
Gawein : schein; 2754/ würde man imnerhin unbedenklich Mootau: 
Walvin Marn; 4784^ ein : Cawdn flUU in eine *an»laanmg* unterer 
kruekedldte. Zwiereina kat mtek Uker^eagt, daee hier die 'vertage der 
WatfmMUtebr firagaunUe an den namenfaraem Qaweio und Keiin im 
reim aneiert genmmen und darum die verse 4780—4785 geändert kake* 
Hartmann selbst schwankte ahn wol von vorn herein »wischen den zwei 
/brmen Walwäo und Gaw^in, und diese Unsicherheit hat ihre parallele in 
dem nebeneinander von Keiio ujid Keiin in den reimen des EreCf wofür 
dann im heein eontItmUe Keil eiahia, amek wU Ma und Iireiii t^uM 
B. getakteankt wu kakm, Mtannttiek aSkU Ckrettim im Eree «. 1706-^ 
«iap irSger det naamu Tvaia auf : van dteem ereckeinm hei Hartaunn 

Z. F. D. A. XUL N. F. XXX. 18 



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262 



VOM HEIMENANN 



V. 1641. 1643. 1645 dirit / Jfo btütm Mafm «1» Iwan (Twao), d«r trHe, 
§km dtr tpäUre UfwmuiUtr^ abYwtkk s wmigttmt M Htmpt wid 
ß»ek» E. 8. 



schmaler streifen a. 

4549 dienen kan. beider l(ip} 

iwer uatir ist mir wol erkaot. 



4&51 



4566 nicb g«Dieien lui. 

daz ih \v stete triwe. 

41^ wi(l) leisle(n) ane riwe. 

al die wile ich lebe. 

unde gewerit mich ein(er) gebe. 

da bi maoe ich uch herre. 

v*a wart ie triwe merre. 
4560 dan vrunt sineii vruniie sol. 

die beide getriwen aoder wol, 

bi der bite ih daz ir. 

durb minen willen daz entsamil 

ofe min hus ritet. (oir. 
4565 »Ilde da so lange biiet 

uoce dat ir wol gerftwii aiu 

daz ladt waain ane atrit. 
*Dfl ritit bin ia ist lit 
4S70 (E)rek sprach ih wil ia och gewem. 

doh na aalt irs ao lange niht gern. 

ir aiilt ii ane zora lao. 



ih eft mac niht langer hie bealan. 

wen ift morgen fr6u 
unde sage warombe ih dat tA. 

icho uare nach gemacbe oiet. 
swaz ouh mir des nü geäcbiei. 
dar öl achle ih niht uil. 
fvanoe ih nah tugindm werbin wil. 
*iz ge zfi erniste oder z(e spü.) 
Der kunig was des gaslis vro. 
ir urs viengio sie do. 
alse sie woldin ritio. 
do half der kunig Enitin. 
daz sie öf ir phert gesaz. 
mit zuhten tel her daz. 
unde fftne aie oafe den wec 
do reit der herre Erek. 
unde als aie ihr die neate ritan. 
niht langer do ne bitio. 
eine 



4575 



45bO 



4065 



4560 



4506 wanne aie waren alle. 



acibmilir tinifm 6. 

fon eime wenn gemelt, 

I dopp^latl f. 2. 



4599 (ber) sprach iz en ist nibt so ir- 

4600 alair wenit daz iz si. [gangin. 
unde aagete in darbi. 

oil rehte die mere. 
we iz ime irgangin were. 
her aprach aweme ih nv lieb bin. 
4605 der kere dar an einen ain. 
daz ber eotpha uil achone. 



daz ich is ▼ iemer lone. 
den allir thursten man. 
des ich ie künde gewan. 
ouh iatin aie alle gerne daz. 
Erek der herre wart nie bei. 
gebandilit andere wa. 
dan euch des aelbin nabtia da. 
(D)es abindia do aie gazin. 



4610 



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WOLFENBÜTTELEE bRliCüSlOCK DES EREC 263 



tftt oode dar nah gesazin. ouh isi v daz laai unkuuu 

do spracli der wirt ii ist niiü rat. v mach uil lilite mißsegaa. 
daz ir uDs eiuiD arzil lat. her sprach nv lat die rede stao. 4625 

gewinoeo tt uoseru wuodio. wandich helibm nine mah. 
iä daz ir zü disen stundin. langer h\i an den lach. 

4ßSSi uQgebeilit scheidit bin. dise nach was ime bereit, 

daz duokii mich ^rdz uoftio. für eho allir wirdicheit. 
ir Alt uil sere gewuoi. 

*waDD Gyuiriz Lipytii. 
*karte allin sineo uliz. 
*dar aa du her nn achooe pblac. 
*uDee an dao andero tae. 
4820» *ala er dea HDorgeoa 9^1 CSUreir« 3931 jf. 

n doppeWhM #• 1. 

* aage. 

*roo der tuginde richin lalt. 

^quamich io einen schoDiD (?) walt. 

*UQde der kuüig Arlhus. 
462910 *fon TynlaiioD sime hus. 
*wa8 geritin durch iagit. 

*alse UDS Crestieos sagiL vgl, Ckrett,dQ^2ff, 
*nnl schooir massenie. 
'"her unde sio conpanie. 
4Saa^^ *lagin bi der slraze. 
*abo zft maze. 
*eiQ vierieil einer mUe. 
*in derselben wile. 
*quam hm Waliwan geritin, 
482920 »ande bete ain an Wimwalilio« ngk Chrmt,Z9b^ff. 
*bi das pauloo gebaudin. 
*da bala ia Kaya Tundia. 
*darb baoikaD bar dar ouf aai. 
*bar Waliwan irloubata das. 
4829^ *baide ain acbiU unde sper. 
*leD ... da bi das nam her. 
*uude reit alleine öfe den wec. 
♦der heire Erek. vgl, Chre&L:i^lO ff. 

♦gerilia engegin ime quam. 
162^30 *roQ uer(Qe) her sin wäre fiam. 



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264 VON HEINEMANN 

*ali6r IB reble gcMch. 

*do kos her uogeiDib* 

*oufe'deiiie wege bete irlUliii. 

*uade uer(re) hele gerilin. 
MS935 «ande beranoiD mit bHlte. 

*do wart (ime) des mftle. 

*daz her gegin ime reit. 

*unde sprach in siner valscheil. 

*willekunie herre in dil laut. 
4629^<> *aQ den zoum leiter sioe hant. 

*her nt lorsle in aoders nihl bestao. 

*su^- unhU-r in gewuuQeu bao. 

*uiide urageie • . vgl. Chresi,d^^(iff' 

II ioppMIatt 1. 2. 
*(iDir Tol)git aae sache. 
«0945 *ib Wolde dai ir mit mir lu gemabe. 
*. . . t an dirre stunt 

*ih she wo! ir sit sere wunt. vgl. Chrest. 3995 ff. 
*der (ku)uig Arthus roio herre. vgl. Cht est AOO^ ff. 
*lit hie nilit uerre. 
4ß3S^ *iuu iiine) vnde foo der kuttigio. 
*«ull ir gebetin sin. 
*daz ir mit mir ioü bio. 
*rilit Uüde dabi in. 
*gerowit nach dem leide. 
4ßa^'^ *sie shen uch gerne beide. vgL Christ. 4.00^ ff» 

'"alsus was ime (},'ed)achl 
*het er in zu boue bracht. 
4^ daz her danne woid« (8a)gio. mit uil (gro)zia triwio. 
ber bete ime die wundiii geslagio. daz in bigoode riwio. 
oder solde gefangene sio. alliz daz ber . . 4640 

daran wart vollicblicbia ecbio. ift unrebte begie. 
die werlt nie gewao. also das ber' fon valsche was. 

4fi8& einen scbalkhafl[i)ern man (lut)ir alsein spegil glas. 

(sid) beite was gefieril. unde daz ber sieb bftle. 

eitiswenne gezierit mit wer(ken) unde mit mftie. 46i& 

* die hier einsetzend« chtwäklerislik f!Mt M CkretÜMf w{§ 

tchmi BarUch Guek, 8» 164 kmnttkt hüL 



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WOLFEISBIjTTELER BRÜCHSTOCK DES EREC 265 



daz her leiiitr misselele. 
dar an was (her ujaslete. 
nan dar nacli quam ime lier tac. 
daz her oibt . . . iriwio phlac. 



so De Wolde inte uiht genugiu. 4650 
(wa)z her uaUchis gef&gio. 
mit alUo vlize koode. 



46S2 



II dt^pfMaU 9, 3. 

«61 (iDis)seii8Utn. Keye eotworte ime do. 

Dode nienniiDe in gotts wir irkant. 
fon sime vabehe her geoaBl. 

Keye der quat. 



nv uirstunt sich uil rehle. 
Erek waz her mei(uete). 
aiser ime. bpscheinele. 
geloubit »ms lu ifie). 
zü rilene hau ih uerre. 
4670 ichn mach zft dis(in) zilin. 
&z deme wege oiht geriiio. 
were iz (an) miaer mäze. 
iiaeh des kunigis grftze. 
rfire (ich) Ihusint inile. 
URS ir sull mich zS dirre wile. 
mi(iie) strsze tazin uarin. 
got mdte ueh herre be«(a)rin. 



herre enredit (oibl) also, 
im snlt 61» bi&Deii oiht acbeidin. 4680 

iz mis uns beidio. 

ich brinvre uch zü liuse. 

iimin ku^iiigt) Arlhuse. 

zware odir ichn mac. 

Erek tilli roy L(ac). 4685 

hin der rede wasl fl) bewes'it. 

her sprach ich wene ir . , megiL 

da fon ist v al»o göt. 

ir habit darumme ringin muL 

wen woUir mich dare bringio. 4690 

(ir) roftzet is mich betwingin. 

Sit ir frume ir brio(git)mi6b dar hin. 

waone ich ▼ gftt tft gewinneiie bio. 4096 



II äoppelblalt s, 4. 



iTflö hen 

do wart tlreke ailirerst zorn. i'Qß 
1'^ sio urs (fürte er) mil deo sporn. 

her sprach zihet zft viwer baut. 

(ff \var)f her das gewaot. 

ODde rukte dat swerL 

wanoe bera («ol wer)e wert 
4710 her Wolde deme argio zagiD. 

ab die baut slagiD. 

do esUokter sie ime eo ait. 

iiDde iilocb (ane slrit). 

swe her oiife Wiotwalilio. 
1715 deme beslin urse rittD. 

daz ie ritter gewan. 

also trage karter. 



.... 2 her oufe der uarU 

fon Ereke irnlin wart. 

(uode als er) rehte daz irsacb. 4720 

das ime xü heile geschah. 

gewefins was blos. 

Keje der untogiade geoos. 
. . . e Erek hate. 

uil wonderlicbio dnte. 412S 
das sper nmbe (her kerit). 
das ber io oiht nerserit 
ber waote urobe den scbaft 
(uDde stac)b io mit solcbir cralt 
das Key sam- ein sac. 4iao 
(undir de)me urse gebe, 
daz urs vurte Erek dan. 4734 



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266 



VOIS HEl^EMANN 



4735 Keye (der 8chalk)haae mao. (daz ini)r dai urs hie beste. 4740 

ime uasle nach liei. odir ich mftz is iemer me. 

lute her in d[](rief). ge iL uude gehooii sio. 

ia rilter iiil giU. ia en ist iz weizgot oiht .... 4743 
durb (iioen riUeriichio m&t. 

tdmaUr ttnifm ^ wmili^iOw aiuMefund, 

1743 miD. mit lachindin mftle. 4745 

do karte der g&te. 

I dfippMait f. 8. 

m unde tu mir irkaot. . . . . v mines Damen uerihen. 

4750 disis roseis berrio. ae hete icb gamet iw(reD spot.) 

iz en m(ac dir nibl) gewerrio. tA eroper ia herre durch got 

ich wU oocb wiicen dioeo Bameo. (E)rel( sprach ritter nv sagit an. 4770 

du ... . dich oiht sere scbameo. ir shet wol hie (oieman). 

iz is gesclieu uil ma(iiigeii maD). wao iwer unde iniu. 

4755 der nie zagio müi gewan. ia en mach ander t .^t sin. 

Keye sprach nein h(erre). (odir ir) hai daz urs u< r hirn. 

(icb) bit is uch uii uerre. daz sio manter (mit deu sporn). 4775 

ist daz ir mir gnade (tftl). aiser danueo wulde riten. 

(so sil mir) uoliicblicbin g&t Keye bal (in hitiii). 

4760 der an daz ir mich irla(t). her spräche ich wiliz iemer gote klagin. 

(des ir) mich geuragit bat. daz ich (mfiz) min laalir aagin. 477d 

daz icb mich v nande. dea ich uil sere scbeme mich. 

(mich bat) an suibe achande. trochtaeze Keye bin icb. 

brabt al bie mien zagehett. dez urs here Wali(waD) iecb. 47S5 

m ein grlis heneleiL mir iat leit das bera mir niht uer* 478$ 

mfta dar an al hie ge8cb(efaen). ze(€b). 

schnuüer sueifen d. 

4791 weiz. daz ih oiiii samiie lioude. 4792 

1 diOfjpMan $. 4. 

4195 .. der min unheiL odir ich bin allir der apol. 4805 

das ich daz ura mir libio (bat) die mich (wider in adiin gao). 

ich irilch an die etat. Erek sprach daz ain getan. . 

iänfi da mir iaatir aolde (wideniarn). icb gibiz v (mit gedinge). 

(n)iemaB kan daz wol bewarn. ir ault is wider bringe. 

swas dem aoi« beren Waliwane (uon mir). 4810 

edil ritler nv iflt wol. (mit) iwern triwen mftsit ir. 

gebit mir das .... (dur)cb got. daz gelobin widir mich. 



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WOLFENBCTTELER BRüGHSTCCK D£$ KREC 267 



(feeye spraich daz lüa ich. iwern nj^meo (tvoll ich 

uode k'i ouch sicJierlichf n al(so). wizzeo) durch iwer frünjicbeil. 

4bl5 (waooe btr) wa^ der rede uro. iz ist mir iemer (eiti leil). 

(als her dazj urs widir gewao. m&i ich scbeidio aisos hin» 

ich bil neb sprach der edil (iMn). du ich is oogewis . . « * 

(sil) IT air Sit gewesio g&i. • . . weiz we ich ach neulii sol. 

daz in OT uollio(lichio) ttt. so ich iwer gerne . . . . ol. 

(dn kb uch) niAze irkeaae. durch (gol) ni tagil atr wer irni.«90 

oo^ geiichit och mir (oMBe). her ipraefa hem (at). 

(isich>)ditTnibt oodc hfl6t rnkh. is wirt ? iihte hir MCh kuDt. 
Bt ilriifli mal nid «iir rnkmak mmfm 9hig, iarm h§- 

IMT cdüf ffdbr Mdkiliiii aesf äi dkr Ifldi swlMtoi 4629' wd 
4626* tnlerlriii^ tai», imt wMt Uidtr Bmtmmm §ermi» 

kkt waw dmk wm Chretiim (ca. 3930— iO) ab, 

e) si mosie ulen durch aoi. 
wao 

f) dienist bielio bie . . 

oi mio ftat des hao ih mat. 

§) iaia. 

die dieoer sa lit (?) anirge . . . 
nü oeroemet 

h) geuuhlea wart. 

so daz ir 



WALTHAßlUS 2d3f. 

iDprhnie galeam regis toBkaaqae trilieein 
anero loikMn, liriminiiii iiiiigiie fereotaBB, 

die verse harren noch der deataog. nur darflbw heracht wol 

einigkeit, dass wir in hrica und tumca dasselbe rOslungsstflck 
zu sehen haben, v. 333 iässt darOber keineo zweifei. WMeyer 
i. 367 f bat dies zuerst ausgesprochen, doch im Qbrigeo ist seine 
erfclärung Uunrcam, eani a&sero (meia ich), quae ioricam, ifistgne 
(mcisltr-lilck) fabrorum, ferC nicht glücklich, er denkt ofTenbar 
an einen mil ringen benähten rock fASrhulti flüf. leb. n' 32), 
doch itnd derartige pauzerhemdeo für die heldenzeit nicht be- 
ac«gt, auch nud die 4 accnaalite tmmßm fmnUm ImKom £»• 



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268 



STRECKER 



if^iM scbwerfliUig und nnventlDdlteh. mit nebt liefal er aber ßi* 

irtfb'cMi tu kriwm, es itt wgiliBche formeL « 

Neuerdings (seit tinnig 2 aufl.) fordert man, Waltlier mOase ia 
seiner Terlobten ein aeidieo angebeOf woran sie die brünne er- 
Iiennen könne, da nan aus Waith. 965 WidtmUa pMm und 

Waldere A 2 (Mimming) WiUmdti geweorc hervorgehe« daie es sieb jji, 
um den panzer handle, den Wieland fUr Witege sclimiedele, so sei 
insigtie fabromm das Wielandswappen , der lindwurm, die *fabn' , /.j^ 

seieo Wieland und Witege. so Liouig uüd andere. ^i 



ich halte das für falsch, dass Hildegunde ein kenozeicben 
haben müsse, ist eine ganz moderne Vorstellung, in der helden- 
sage ist der held von seiner ausrOstung nicht zu trennen, wer 
kann Sigfrid denken ohne den Balmung, Dietrich ohne den 
Falken? die Jungfrau soll nicht einen, sondern d^n panzer Etzels 
berbeiscliafTen. und die fabri sollen Wieland und Witege sein? 
das ist unmöglich. Witege, der alte Widigoja (Zs. 12, 255), ist 
nur krieger, auf das bandweriL sieht er mit Verachtung herab, 
ThS. eap* 80 : *um meines muttergescblecbles wiiien, so wolle 
gott« dass memo band nimmer komme an einen bammerscbaft 
noch an einer zange griff/ so genttgt der pluralis ftAri alleint 
um die beziebung auf Wieland hier abiuweisen. 

Aber auch sonst halt ich die verquickung mit der Wieland* 
sage fttr unriditig. Waltharins und Walderefragm. sind nicht so 
nahe verwant wie man gewöhnlich annimmt denselben sagen- 
strang repräsentieren sie ja wol, im eioxelnen weichen sie er* 
heblich von einander ab. Gödhere ist *vine Bürgende', Gunther 
*rex Fraucüium'. Walderes vaLer ist toL (irou Fischer zu den 
Walderefragm. 11), der des Wallharius lebt der Charakter der Hilde- 
gunde im Waldere ist detu im WnUharius schrolT entgegengesetzt, 
auch der des Waldere selbst scheint ganz anders geartet zu sein, 
er braucht ermutigenden Zuspruch; wovor er besorgt ist, bleibt 
unklar!. Waldere hat aufser den ringen sein gutes schwert au- 
geboten, dieses spielt aUo eine wichtigere rolle als im Waltharius, 
Gunther verschniciht es, er hat ein ebenso gutes, vor allem 
wichtig ist Wald. B 17 htadwoirigan (Kögel Littg. i 2, 323). das 
wort leigt, dass der Schlusskampf noch an demselben tage statt- 
findet, damit fidlt die flbereinstimmung mit einem guten teil des 
WalthariuB. tunächst t. 1130—12039 darunter die schöne stelle 

1 CosUa Da Wildeit^fngmcotea Itt mir aaingiQgUcli. 



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WALTHARIUS263r 



1 87. ferner ist vnwtlirselieiDlieb, dasB der ennlldele, ver> 
zagte Waldere Doch gegen abend seinen scUupfwinkel veriassen 
haben sollte : so Mtdie Obereinstimmnog mit Waith. 1100^1130, 
1204 — 27; und schlielUieh, wenn wir uns den Schlusskampf 
ähnlich verlaufend • dmihen wollen wie bei Ekkehard, auch die 
ahnlicfakeit in loeal, die felsschlucht. 

Hieraus ergibt sich für uosre frage, dass wir nur dann in 
beideü gfdichlen eine gleiche ausslallung des beiden niil vvaffen, 
ilie Wieiaud, uzw. müssen wir dano folgerichtig (gegeo Althof 
zu V. 264) scbliefsen, für Witege anfertigte, annehmen diirfei), 
weoD nichts dagegen spricht, es spricht aber alles dagegen. 
Waldere hat VVite^ps Miniming (wie das zu beurteilen ist, zeigt 
fragno. B l — 9, MüUenhoff Zs. 12, 278) und die vom vater ererbte 
brOnne (läß, keine andeutung berechtigt uns, beide zusammen 
zu werfen. Wattharius trägt sein eignes schwert und den ge- 
raubten panzer Etzels, diese gehören also sicher nicht zusammen, 
wenn der letztere Wielands werk ist, so ist es das schwert nicht, 
und umgekehrt, an eine Vereinigung der angaben beider gedicbte 
ist nicht au denken, entscheidend aber ist der umstand, dass 
das schwert auf Hägens heim zersplittert, das soll der sagen- 
bertlhmte Mimming sein, derselbe, der die rOstung des Amelias 
(flreilich wol nach jüngerer sage, Jiricsek Deutsche heMeusagen 
42fl) bei leisem druck xerscbnittT 

Man wird demnach nicht umhin künnen, die hewaffnung mit 
dem Mimming für einen wilden sprossling der ags. sage und 
die WidtmUa fdkriea des Waltharius for die iropische beseich* 
nung eines guten pansers wie Wilandes fftmwn Beow. 455, 
%Qyoy 'H^aUnoto Od; if 617 ansusehen. die oberdeutsche ?er- 
knflpAing der Walther^ mit der Wieland -Witegesage (Jiriczek 
aao. 32) zerrinnt uns unter den bänden, die deutung der iu 
frage stehnden stelle des Waltharius niuss also in andrer ricbtung 
gesucht werden. 

Nimmt mau die zwar unbewiesene, aber auch durch Meyer 
und Kogel (aao. 330 fr) nicht widerlegte ansieht vurlautig als richtig 
an, dass Ekkehards vorläge ein gedieht war, so iigt es nahe, den 
ioraielscliatz iJlt aitgermanischen poesie zu rate zu ziehen, die 
berechtigung dieses Verfahrens muss der erfolg beweisen, nun 
ist es formelhaft, die vortreüiichkeit eines rüslungsstücks durch 
den hinweis auf die kunst des verferügers bervorxubeben, vgl. 



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270 STRECKER WALTBARlÜS 263 f 

Reow. 406 mmmt ntAmtd mmdeg trpanmm, Reow. 1681 fnmd§r^ 
mÜa gewim, Reow. 1451 f, 455« ?gl. Rieh. N. Meyer Die alt- 
germ. poesie s. 66. Dach meiiier OberzeugODg ist WaUh« 264 

nichts als die fJbprsetzun<» einer ahtilichen forme!, e«? ist zu 
CODStruieren ioj'icu [sc. prae se\ fert insigne fabrorum der panzer 
tragl das kennzeicheo lier schmiede (pri^^nant : der schmiede, wie 
sie sein sollen, tüchtiger schmiede) au sich, ist eio mei&terweik. 
die Übersetzung ist nicht sehr gewaot, doch bitte ich zu bedenken, 
dass dies nicht die einiige stelle ist, wo Ekkehards latein uns 
Schwierigkeiten bereitet, ich erinnere an ?. 794 luäi» sagtUoM, 
wo die auftassungen der erkllrer sich stracks entgegenlaufen, oder 
an V. 813, wo der schild als propugnacvh muri hpzeirhnet wird, 
eine ausdrucksweise, die an un^eschicklichkeil nichts zu wünschen 
übrig lassl : ist doch kein geringerer als JGrimm (s. 123) darüber 
gestolpert, nebenbei gesagt, die weiulung ist recht mechanisch 
eoiDommen aus Vergil Aen. ix 664 tolis per propugnaeula muris, 
sebwenrerstlndlich sind auch v. 874. 797 uaa. 

Unsre stelle ist fon grundlegender bedeutnng. wenn die 
parallele mit Beow. 406 uaa. richtig ist, so haben wir hier einen 
fall, wo wir mit einiger Sicherheit sagen können, dass das original 
durch die lateinische umkleidung hindurchschimmert, und rfns 
geht noch ^^eiter. vergleicht man Beow. 405 fon him) byrne 
{scän)y searonci seöwed smihes orpancum und Waith, tnnica^ trüix 
lorica^ fabrorum insigne ferens, so ist nicht zu verkennen, dass 
die Qberelnstinimnng sogar his ins einzelne gebt, wir haben in 
beiden fiillen eins der gewohnlichsten stilmittel, die lariation, 
speciell die form derselben, dass in dem sweiten teile ein Ter- 
deutlichender , ausmalender, steigernder zug hinzutritt (Schütze 
Otfrid ^. 5). das wird man nicht für zufall halteu können, da- 
mit gewinnt die oben nur vorläufig angenommene ansieht Uber 
Ekkehards vorläge an Wahrscheinlichkeit. 

Zum Schlüsse Leii icii noch eiue vermuluug mit, die sich 
mir immer wider aufdrängt, mit dem werte ostere ?. 264 hat 
noch niemand etwas gescheites anfangen können, weiin man 
bedenkt, dass im alten epos mit Vorliebe bei einer guten hrQnne 
betont wird, dass sie vergoldet ist (tb. Waldere R 19); wenn man 
ferner erwägt, dass bei Vergil, dem die Wendung trilictm loricam 
entlehnt hl an allen 3 stellen Aeu. ui 467. v 259. vii 639 steht 
auroque irilkem, so erscheint die Vermutung berechtigt, dass 
astero aus auro verderbt sei. doch daif ich nicht verschweigen, 
dass Vergil stets auroii^ trUicem^ nie trilicm auro sagL 

Wenn Linnigs deutung unsrer verse abgelehnt werden muss, 
so ftllt natürlich auch ?. 790 ff die besiehung auf die Wieland* 
sage, meine auffassung dieser stelle hoffe ich in anderm tii- 
sammenhange darlegen zu können. 

Dortmund. K. STRECEER. 



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BRUCHSTÜCK DER KAISERCHßONIK 
AUS KEEMSim 

M Mgnti 1893 wariB im ßntenUmk, 9tdU» JCrarnftr 
{Mahren) vm hÜUoiMtar frm^ BrMeäs Hu pergammMOt auf- 
gefunden, dat iiek ob hnuMttüA tiner At. dsr Kaiserthronik erwiee, 
et wird jetzt in der fürsterzbisch. bibliothek daselbti aufbewahrt. 

Seine mafse sind 21X^1 c/«. es ist beiderseits doppelspaltig 
betchrieben, die spalu mit 34 Zeilen, die spaltenböhe beträgt 26 cm, 
die breite 7,5 — 9 cm. der freie räum zwischen den spalten misst 
durchscknittlidi 1 cm. dieser wie auch die rdnder zeigen unlesbare 
feder proben von späterer hand. die uerse sind nicht abgesetzt, das 
versende durch eine)i pnnct bezeichnet, der beginn der nbaätze 
wird durch rdbricierte initiale hervorgehoben, der einzige gröfsere 
abschnitt, denen beginn in unser bruchstück fällt, ist durch gröfsere 
rubricierte inttiOfU und durch rote titelilb&'schrift bezeichnet, die 
tehrift iU Mimnlich sorgfältig und trägt den duarakter des \djhs. 

im folgenden abdruck (mii verszählung nach Schröder) sind 
die venuäm ^gesetzt, der hanäeehriftlidte Zeilenanfang durch 
verüetdariek heaieidimi, im UMgea ist ik widergeibe MuleAe»- 
getrmL He Mürximgm tind beibekedteH, rubritkru bmäa/UAen 
find dunh fetten drudt keimtUiii gemaekt, 

Hol hruAetM (Kr) gdiärt mw 'ioirieA'deterreiäMim 
grupp^ (X) dee ur^frünjßiehm lexiee und stdU im näherer vtr- 
wmUedktft zu hte, i. % 

Ma 1 hai Kr folgende fehler gemeineam : 5354 den stneat* 
mn dar umbe, 5418 du liut, 5461 «n este. vgl. femer 5452« 
5457. ^ bemeriu sei, dnee Kr mit 1 äBtin gegen aiUe midem 
hss. 5335 die Schreibung dwuDgeo bietet und mit 1 und 4 die 
verbalform sagen (ih) 5351. 

Für nahe verwantschaft mit hs. 2 spricht vor allem das fehlen 
der vv. 5423. 5424, ferner die gemeinsamen änderungen 5o38. 
5373. 5376. 5 lOS. 5418. 5425. 5432. 5434. 5447. 5448. 5449 
{vgl. hier auch hs. 5). 5469. 5471. 

5344 haben Kr und 2 den plural lu romischiu riche, den 2 
muh 5365 heihehaU. 

Es zeigen sich aber auch beziehungen zur rheinisch -nord- 
deutschen gruppe (¥). den fehler 5355 finden wir, aber in jüngerer 
fenn, in der he» ^ under. vgL das ahnliehe verhdUnie nu 6 und 5 



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272 



D. 550 4 /f. hiH^tyeu icbMinl Kr 5441 etnm mit 5. 6 gemsiMa§mn 
fehler noch weiter verschUdUeit zu luihcn. 

Dos wer! ll ich eil 5491 der hs. 6. 3 a. C, das Schröder für eine wenn 
auch vielleicht nchiige conjertnr hält, bietet auch unser bruchstück. 

Unter den beziekungen zu 4 $ind noch 5342. 5409. 5501 
nennenswert. 

Von den etgentn fehlem de» frugments sei vor allem genannt 
die gewaltsame reimverbesserung in w, 5378 — 80, durtk welche 
5377 reimlos wurde, die häufigen auslassungen von Wörtern, wie 
in 5342. 5344. 5346. 5364. 5371. 5387« 5399. 5428. 5434. 
5436. 545S. 5458* 5478. 5494. 5496. 5510 und fMr wie in 
5343. 5356. 5437. 5490. 5494. 

6iS1 [Ro]iDaer roii aide enpraocleD. 
ia vier | halbeo si si tmraodeii. 
harte v*oiei|xeDlieheii. 
mil siegen fod mit 8ticli|eii. 
58S&te flvhte ei ei dwungen. 
di 8cbar | si dvrh ärvogen. 
der chvoic wart | gevangen. 
mit stoeD tivristeu majtieD. 
si tralten vnd vlengen. 
5&i<t swaz si \ ir hcgiengen. 
81 slvgeii 81 vnd schan[deo. 
div lant si v^branden. 
si fvreu | vr6liche. 
in romischiv riebe. 
58tf Do l'dJe berren cbomenr 
wider ze rome. | 

Romsr &a der stat riteo vod gtefl|gen. 
den chvoic si wel enphiefigen. | 
alle vnd ivnge. 
5850 groi lob si ime svolgeo. 
se wäre aagen ih iv das. 
do wa|rt der chvoic Hylte. 
gasrorfeo in «ineo charchnre. 

81 sprachen das er | des todes dar vmbe achvldic mre. | 

5355 er het wider romischez riebe geljan. 
do weget im d^ hilig edi) man. | 
TytTs oert in von dem tode. 



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BRUCHSTOCK D. KAISBRCHRONIK AUS RRiSISIl»! 273 



er mb|ia m ton Rone, 
heim io tift riebe. | 
9aw VespesiaBiie lebet ilo cbvoiehliclie. | 

nv saget daz bvch für war. 

(iar oati | able lar. 

vDil zehen manoUe mere. | 

an detn hlvi vschiet der herre. | 

DDaz ist Ton Tyten. | 
az riebe sUdI do l^ere. 
:$i sprachen | daz Tyifs wtere. 
miU i vnd ch¥ae. 
edil govgi. 

fod dai er | wol gezseeM. 
saro le vogel t ml te ribUB|re. 

RooMBr niht eotweltei». 
. TylTV I ei erwelten.. 

ei woUiett ir walleo bi im | beben. 

do biei er die pbebl Htr trige. | 
5ST5 em «oMe Die oibt genblen. 

wen al|io im eeii dif pbahte. 
Do weren le | Rome tvmbe herreo. 

die dem chvoig | rieteo an sin erc laTgeoUcbe. 
53S0 daz si | wider in Ueleu fr<Tviliche. 

81 wüldeu I iD gern habeu erslagen. 

do mohteo | si der slat nihi babeo. 

<lt i cbvnic wjarl gevvarnol. 

»i cbüinen alle in gjroz not. 
5S85 Tyi^ der riebe. 

werp bjerte wielicbe. 

er beeeotfr ir eioes dra|te. 

er cbom le einer cheminele. 

also er | in aoe eacb. 
fitto fil gl Uicbe er im iv epr|e6b. 

do ib dei richo aller eret gewao | 

do ffiifde df lebende min man. 

wei I gelel ib le ivid* dib. 

ode «ee eehvldig|ist dv mib. 
w Nv eeg mir Ii din tri^. ( 

iz nedarf dib niemer geri^. 



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274 



HOBICH 



w«g I woldfltt dv ban getan. 

molitiBt iIt I min sAme g? teD gewalt ban. 

alao df I in miner gewdl bist. 
5400 DT sag mir dijnan liat 

woMial df mib laaen leben. | 

df adt mir der waibeit ieben. | 
Bo antwurte ime ansT 

der 8ehvl{dig arioloa. 
5405 ih wil dir waerlich sagen. 

maehl ih lim aisu gvten gewjall haben. 

v^cbnsl liv mir also heim|lich cbomeor 

(Jioeo lip het ih dir beDo|men. 

dv DemiehUät is oiemer vberiwerden. 
5410 von mtnea handeu mvsisl j dv ersterben. 

(lines gerihtes bist j dv grimme. 

wirn haben zv dir dehjein miune. 

dar vmbe wellen vrir d|ih erslan. 

daz hast dv vos ze leide | getan. 
M15 Do sprab T|i3 der riebe. | 

harte wislicbe. 

ob ib nab der pbabte. | 

dai lift ribl reble, 

dai df mib dar fni|be alaben wil. 
MM der achf Ide iat doh nibl | f il. 

wil df mir den Up nemen. 

so wU I ib dir min goU geben. 
M25 ao df aller meb|le maht getragen. 

er biet ime ttuMa \ das gadem. 

er hics in bdeiten wider | Si. 

er gafait beim in ein bta. 
sin I iz do volange. 
5430 dü bebaüLt; er deu and|6rn. 

80 let er den eitguuzeu alleusaiuL | 

vnz er di warheit bevaal. 

Sin goU I er in allen gab. 

besviider er si bat. 
MS5 daz I si io aiie da weiten. 

5411 dar ickrtiktr kaUt mmmI pbiRc guehrMm tmd hm&tU durch 
«in ü^wgMekrUAmtM b. 



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BRUCHSTOCK D. KAlSERCflRONIK AUS KREHSIBR 275 



wedifi ti babea wol|lea. 

<lai Ii tto« UM oder frifot waren. | 

twedirt si bu gmine* 
Die etlgnoie | iweire. 
5440 cbomen wider lesainine, 

si sp|racheD dai si ao gebeten wareo« 

daz I ir vodern nie gisehahe. 

iz moht nibt | beliben vngerocheD. 

der chvüic iieL sih | vbersprocheo. 
5445 Si TrvmteD ir niezzir. 

sio I si eDtiürflen bezzir. 

l)iv waren hejtleiilltialheii wn'hse. 

vDd SDllea sam div schjarsahse. 

ob si sih oihl ofTenlichen mah{leD gerechea. 
5450 si woldeD io aber t&geni|icli slechea. 
Tytvs der milie. 

lac an | atnem belle. 

einen trSm er gesaeh. 

da iooe leii er vogemacb* 
M6ft wi er rite in ei|nem walde* 

da I sab er leweu wilde. 

sie I woldeD in nider siheo« 

der herre belgrode fliehen« 

er clMm vil ebbne. 
6«ao iei|oeai dfrreo bome. 

do Defaeteo sin este. | 

delieiner slahl Teste. 

an awelhen ast | §r frar. 

sebier er enzwei brasL 
5465 «0 bejgreif er eioeo andern. 

der vtrswant | imc oz deu liaLuieii. 

der berre lu grojzen sorgen was. 

vnlange stvnl daz. { 

einen andern hhm chos er da bi. 
5470 der j hei grvuiv zwt. 

den wifihil neici « r { zv der erde. 

do erbolie sih der herre. | 

5468 er trat) wUta^rUeh, «t üt rmm fBr nUki wukt cit »§ük$ 



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276 HOBICH BRUCHSTÜCK D. KAISERCHRONIK A. KRBMSIER 



er swaac sih Ii enribte. 

dir ehfoiC'l 5i dem slife encbrihte. 
5475 Do der I «bvoic erwabte. 

den Iron er tdbe | betrabte. 

ali er Scb iit ergle. 
' wielicb | er ig aoe vte. 

der ebvnic gvte^ 
Sittichvf I MD bfle. 

di iD wol bewahteo. 

ze ta'ge vnd ze nahte. 

daz äi ime oibt mob{(eD geschadeo. 

weder geslecheo noh | gt2^1dlleIl. 
54S5 Bi den zilen was ze rojme ein spilbis. 

geheizen was ez astlus. { 

der berrcD sile was so getan. 

da wjolden si iemer Lidue iogao. 

an ein|aDder si do sageleu. 
5490 waz 81 geboret | habeten. 

von werlllicben ^reo. 

des j Oizien sih alle die berreo. 
Tylvs der riebe. 

warb vil luüchlicbe« 
5495 er bfiei- iiD tpehsre. 

Tber alle di aut aageii | mare* 

dai er mii- ataeo beinliehen | mamieii. 

hin le dem apilbtse wäre | gegangen. 

einbalb gienc er in dai spjilbvi» 
5500 anderhalb alal er aih - dar Ii. | 

er biei aih wafen alle aine man. 

^rn l * Wolde deheioem aageo. 

wai er fnrm{en wolde. 

er sprah daz er babeo äulde. | 
5505 ze micbiler note. 

die beide bereiten | sih drale. 

Do saget man | vber ai d» Lvrch maere. 

daz der | cbvoic in dem spilh^s wäre 

Die vieD{de wareo des tU fro, 
5510 achlere samele | 
Innsbruck. FftA^iZ ÜOBlCfl. 



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ÜBER 

DEN JäOBPISCHEN FYLGIENGLA.UBEN. 

► 

Die tbeorie der fylgja, die Mogk im Gmndriis ci^r gemu 
pbilol.i Torlrügt, war, noch ehe durch Tylor« ^Aoßiiige der cultiir* 
der aüimUmas iu schwaug kam, voq Konr. Maurer in seiner 
BekehruDg des norweg. slaromes ii 67 des breitcreu angegeben 
worden : *deo gegeosatz zwischco seele uud leib im menscbea 
prägl die aordiscbe anscbauung so scharf aus, dass sie die erstere 
geradezu personificiert und dem kizUreo gegenüber stellt; na* 
lürlich wird bei dieser vorslelliingsweise — — auch der körper 
nicht als völlig uübeseelt gedacht, und die persüolichkeit de« 
menscben wird an ihn, sicbi «d 4im»n seel« angelivQpft. wider- 
boU kommen red^oiarieD vor wie : mä ugir nur Imgr wm, «Idn* 
»fl «jir mer hugr m und dgl.; hierbei bleibt mao aber nicht 
•tebeo, Yieknehr wird eaggiioinroeo , daie (Hg eeeU (Angr) vikk 
ia einer eigenen gestall« von der ilei neaacheB, welcbeoi sie 
angehört, nnteracbieden, iicb leigen kttnne' uew. 'die tiefgeelalt, 
in welcher sie eneheinl« ist nur eine angenomiDenf , eigentlich 
wird sie als ein flbematttrliehes wesen weiblichen geseUechles 
gedacht und kann auch wol io dteaer ihrer eigenllichen gestalt 
sich seigen. die menschenseelen, welche auf diesem «ege su schnta- 
geistern der menschen erhoben wurden, können dämm auch als 
disir bezeichnet werdeo — dieselben begleiten den naenscben, dem 
sie zugehören, auf allen seinen wegen, daher der name fylgja usw. 

Um zu sehen, ob so einfach, wie es hiernach scheinen kann, 
hinter diese mythologische vorsteiluüg zu kommen sei, versuche 
ich eine genauere prUlung der Zeugnisse, daraus wir sie kennen, 
indem icli deren zusanuiieDSleliurig in Job. Ericis Observaliooes 
(üato.l 769) und Peterseos Nordisk mytbologi (1849) zu gründe lege. 

Mit Maurer auch hierin Übereinstimmend erklärt Mogk 
•.1017 hamingja für identisch mit fylgia und meint« indem die 
seele die halle (an. Aemr) dieses oder jenas tiares annehmt» 

' I m : *fo Jedem mcaidM» lebte nebcii den Mrpar aoeh eie swdtea 
tcb, das dm kSiper wmlumtn koonle« das ibsh tan loda v«m ihn Sreaalt^ 
das persönlich gedieht wurde nod in folge dtisen aach wider eine den 
menschen bekannte gestalt annehmen konnte, am klarsten drückt dies Ter- 
hiltnis zwischen körper und seele der Norweger durch seine fylpja dh. 
folgerin aas. die seele ist die hegleitehn des m« tischen auf seinent lebenswege'. 
▼gl. die nihere ausfuhrung s. 1017. in der xweileo aufläge ist oichla geändert. 

Z. F. D, A. IUI K k\ XXX. 10 



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278 



RIEGER 



werde sie sur JkMii*fi£^i; auf welcher spur schon Job. Erici s« 189 
ift. Hieii denkt hierbei tn Adam. 19» wo Eosibera von dem blut- 
eprengenden adler, den sie geeeheDf ngl : kugda dt af hätum at 
wtri hamr Alh, nnd damit sagen will : eine erscheinung Atlis. 

Die idenlittt stellt sidi hier und da im gebrauche herans, im 
begriffe findet sie nicht statt hammsja, nicht fylgja gebt in die 
abstracto bedeutung 'fortuna' Ober als synon|m von g^fta und 
gmfat die ihrersäts wie hamingfa als wOrksames wesen gedacht 
werden kOooen, wie wenn Olaf Tryggrason zu Hallfredb, dem er 
einen mislichen auflrag gibt, sagt : skal ek letjijja lü fer'6ar pessar 
me(S per mim gipt ok hamiHgju, und daraul 1 liorlcii; zu dein die 
falul gieng : et"^t erln nu einn at, pviat kommgs gwfan fylgir per 
(FMS Ii 158. 160). ähnlich vorlangl in Olafs s. Iielga c. 68 Iljalti 
vom köoig : at pu leggir harmngju pina d pe$$a feri, und der 
kOnig antwortet : bcela vnm pat til um pes!<a ferii, at pu farir 
ine^ peim, pviat ßu he/ir opt re^pidr verit at hannngjn; dazu hoiTst 
er ihn sicher ?«'iti r at ek skal allan hug d leggja, ef pat vegr nokkiU, 
ok tü leggja meb per mina hamingju ok svd öUum y}ir. dagegen 
drackt fylgja nur den begrifT der begleitung aus, nicht aber den 
ihres suverlässig schtttzeDden oder glackbriDgenden erfolgs; so 
dass es schwächere und stärkere Tylgjar geben kaon, davon die 
eioeo gegen die andern nicht aufkommeo; zb. in GuH^ris s.6, 
wo Kjsllak dem Steinolf rftt, sich gut mit Thon su stellen, denn 
es werde ihm sonst Obel bekommen : far tem phuar ffßgfur m$ga 
9i tttmiati harn fiMur, 

Vermöge dieses untersclnedes kann in mehr absiractem sinne 
von hsmingjen sogar bei göttlichen wesen die rede sein : Veglams 
kv* b TülfllSr uggir van ti tekü (nflmlich die fwlar ok tmri, die 
Frigg von allen wesen nahm), hamingfitr mUar horfnttr mundu (wio 
2 keiUir i wfiii hBrßar t^ndusk); wihrend gOtter schwerlich 
fylgjen haben konnten, man vergleiche den verwanten ausdruck 
in einer visa der Halfssaga (FAS ii 48) : yör mimu dauiSar disir 
allar, heill Atcö ek horfna frd Bälfs rekkum; das hier um so 
lebendiger lautet, da der gegner unmiltelbar vorher gesagt hat; 
^^99 hjalmum hingat komnar til Danmerkr disir vdrar. 

Di»' ;irt, wie man sich jetzt das wort Aaini«^/*/ i i klart, führt 
also Hii IjI Ulf dessen bej^rill; und sie beruht auf einer gleichung 
mit dem begriü fylyja, die nititt stalihafl ist, wie es zu der 
erkläruog nOLig wdre. ich ziehe daher v.or, mit Fioo Magnussen 



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ÜBER DEN NORDISCHEN FTLGIENGLADBEN 27» 



(Lex. milb. 8&3) ond JGnmm (Mylb«* 828 0 ^ ^ gründe liegen- 
deo kmn ?oo der glackshaube so fentehD, mit der biftweilen kin- 
der geboren worden und an die sieb bei Terscfaiedenen vAlkern 
in nord und efld aberglaube bellete « weil in ihr der acbutigeisi 
fetiscbartig seinen sita haben sollte, weshalb ihr von den Is- 
ländern sogar der name fylgja beigelegt werden konnte, nur 
wird dieser aberglaube, wie all iliu auch seine weite Verbreitung 
erscheinen lasse, au die schon bestehndc Vorstellung des schutz- 
geistes, dem er dann den üanien gdi), aii^'t;knüpfl, und nicht diese 
Vorstellung erst durch das sporadische vorkummen jenes bfluUeios 
auf den köjjfen ucLigebüreoer hervorgerufen sein. 

Micht deutliclier konote sich der unterschied des begriffes 
von fylgja und hamingja zeigen, als im 57 cap. der Olafs s. 
Tryggvasonar, wo die ^menn in Holmgardh sagen, at fyljffur eini 
4Ulemd$ mans, ungs ai Mri, ü komnar i landit $vd hammgju sam- 
at pwr hößu engU mam fyigjw seO thj/r^ligri. man sieht, 
difls die f|lg|en der leule nur mehr oder weniger der himingja 
fwgleichbar aind und nur in eintelnen ftUen deren namen ver* 
dienen können, ein aoicher fall ist bei dem norwegiaeheo heraen« 
geachleehte, dem nachher im ialllndiachen Vatnadal daa 'godord* 
und die hauptlingachaft auatand. aogleich tu anfaog der Vatna« 
dslaa» erscheint die kamingfa ala eine in der familie bekannte 
und anerkannte gröfse : erhi n« Mn kominn, sagt der ?ater 
Ketil zu seinem sobne, at per vatri mdl oT reyna, koai hamingjan 
vill unna per (FS s. 2). Thorslein der söhn dryggr pat heizt 
fyrir ser at kann mun ireysla d hammgju fih)nr sins (5) und 
sagt nach einem glücklichen erfolge dem vnipr : hinmngjiuia hafa 
styrkt nu sva sitt (Kelils) niäl, at Hann haj^t heüi aptr komü. ich 
bebe aus einer menge steilen nur noch einzelne aus. bei der 
namengebunj,' des zweiten Tiiorsleins heifsl es : mun ek pess vilnast 
at hamingja mun fylgja (23). besonders persönlich gemeint sagt 
nachmals (43) dieser Thoratein mit bezug auf eine grofse gefahr, 
der seine bruder entronnen aind, es sei /eis vdn, at hamingja 
ätipti meö ^atm. den gegnern wird von einer 'späkona' gesagt, 
ea aei tOricbt, at <if/i5 of fftgta kamingju m8 tmm Ingitmmdat 
(54), wahrend ein von diesen verfolgter ttbeltgter aich erinnert: 
m pö hafa peir 5rc»8r rammar fyigjur, ao daaa es mehr geraten 
iat aich in verbergen, ala zu fechten (50)* endlich (58) wird 
una die oft erwähnte Aommg^ii dea geachlechta in peraon ala 



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380 



RIE6ER 



fiß^a vorgestelll, indeiii «s dem Thontaiii trinint» «f kmm tA, tr 
fifyß ImfÜ fäm fr mim ^ in ibin koBme nod ihn wane, «ia«r 
pmmva eioladang in folgen; bflte er niebt, ■acbdem diee drei 
iilchle nach einander gescbeiien, geberebt, m wire er mit den 
seinen in dem betreffenden bause von einer miir (wie man et 
in Tirol nennt) ferschOtlet worden. 

Nor «US dem speeillscben begriflTe der hmminö^ liest sieb das 
ehrwOrdigste seognis Ober sie in den Var|»radoismal ? . 48 f riebtig 
veretehn. unter vier frageo und antworten bezOglich der nach ihrem 
küüfügen Untergänge sich erneuernden weit beifst es an dritter äleüe : 

hverjä) ro pLcr »nei^jat, er U6a mar y/ir, 

frö^geftja^ar fara? 
49 l^rjdr pjö^ar falia ßorp yftr, 

meyja M^gprasis^ 

haminsjiir einar peirra d heim ero, 

fiö pwr meJ^ jöinum <ümk. 

von dem Uberlebeniien menschenpaarp Lif und Litlhrasi, von der 

nachgelassenen tochter der sonne ist vorher künde gegeben, die 

vierte frage und antwort bezieht sich darauf, wer das eigen der 

gOtter besitten soll nach erloschenem weltbrande; so wird an 

dritter stelle scbicklich davon gehandelt, weicbe macht Ober die 

gescbiclie des neuen menschengeschlechts walten soll; denn die 

Mornen und slles was disir beifst wird ja mit den allen gOttem 

nicbt mebr seini und es fragt sieb also, wie aucb diese wesen 

ersetxt werden sollen* es gesehiebt durch drei sebaren von 

tocbtem MOgthrasis, die fllr die erdbewobner lediglicb ^ bsmiogfen 

sein, di* ihnen nur gtOck bescheren werden, obgleich sie ihren 

Ursprung von den riesen (den alten feinden der gOlter und 

menschen) beben, in der neuen weit hat das Obel keine statt 

mehr, und sogar aus dem Jotungesoblecbte mOssen beilbringende 

*disir^ bervorgehu, um die keineswegs nur heilbringeodeo Nomen 

zu ersetzen, die gleichfalls jener unvordenklichen, dem regimente 

der gOtter voraiis^'eganjicnen ordoung des daseins cijlslanmiten. 

* wenn man liborsetzlf 'liie einzigen h.', so wäre daiiiil gesa^l, üa»^ 
tu, wie sie jetzt eAisliereu, dano nicht sein werden; aUo, wenn mau in der 
h. die tede detten der lie hat liehtf dais die daoo lebenden BMmcbea 
keine aeelea haben werden, dne apccalation, die achwerlieh Jeaiand dem 
dichter zutrauea wird, dergebraoch von einn *§olm* im staoe von *iolani, 
tutnm' ist hier nirht andeia als Havam. 51 mikit €fU ikaU wwmC gefa 
ond 1S5 er« #« vi'nr öbrum, ttr viU «i'U ngir» 



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ÜBER DEN NORDiSCÜEN FYLGlENGLAliBEN 28S 

Es gibt ftlUe, worin als wesen dieser art auch die hamingjeB' 
und fyigjen der gegenwärtigen well vQigestelit zu weiiien scheinen, 
Viga GluQ) träumte, es künie eiu weih übers meer auf ihü zu- 
geritten, das mit den «cliuUein fJher die berge zu beiden seileo 
der führde ragte; er selbst gieoge ihm eotgegen und ladete es 
zu Bich ein. er legte sich den trauin so aus, data sein mutter^ 
vater Vigfus mochte geaiorbea Mio, und dieses weib dessen ha- 
miogis wire, die nun bei dem enkel unterkunH suchle (Viga 
Glumss. c. 9), in dem eigenüicb dasaiscben filgjemiixUius der 
Heigakv. HjOrfarteoDsr encbeial die lylgja oder vielmehr, wie 
sieh die prosa Bseh v. ZO in der mehr absincten weise aosdrUckt^ 
erseheinea die ßMur des Heigi als trdWcmia auf einem well» 
reitend, der mit einer schlänge geiSnmt ist, also in gleichem auf- 
rage wie die riesio Hyrrokin, die die Asen ans JOtnnheim kommen 
lieliMn, um das schiff mit dem toten Baldnr vom lande su stofwn 
(Gylfag. 49). auch Hfndla hat einen weif som reictier, den sie 
figOriich ihr treffliches ross — mar minn matan — neonl 
(v. 5 der Hyndlal. isl nur versläodlich, weau m der ersten hälfle 
Freyja redet, in der zweiten Hyndla ablehnend antwuriet, also et 
im 7 halbvers s= ei<^', nicht = ste})t}. daher denii die keuuiug 
$^S]ar giaumr für wolf hei Einar Skul:^sui) iu der mitte des 
12 jhs. (8. Hakonar lierdihreid*? r. 11), indes deutet vielleicht 
die dimension der erscbeiaung, die Vigaglum hatte, nur sym- 
bolisch die bedeutung des roannes an, als dessen fylgja sie ge- 
dacht wird; und eine HrOllkona' ist nicht notwendig eine riesin, 
konnte sogar eine beie sein, da auch dieser die gandret^ =— *equi- 
tatio hiporom' znkommt, zu welchem behufe oGTenbar schon die 
Gnllveig der Volnspa (26) wOlfe tanherisch geiibmt hat, und da 
tM mr anbestimmlen heieichnnng. allerhand nnheimlicber 
Wesen geworden isl. wie dem sich sei, und angenommen dass 
Belgis fylgja sich in dieser gestalt eben nur gezeigt bitte, statt 
sicfa etwa einer beliebigen tiergeetalt in bedienen, so w«re sie 
jedesfalls, bttle Hedhin ihre *fylgd' sieh gefsllen lassen, nicht 
Hedhins, sondern des noch lebenden Helgi seele gewesen, so we- 
nig wie des Viglus hamingja, also seine seele, zu Vigaglums Seele 
geworden wären; als Helgis seele aber scheint es schwer denk- 
bar, dass die iröllkona (h n Hedhin, um sich fdr die abweisun<( 
zo rächen, in eine decj» Helgi iejodiiche luingue verwickeln 
konnte, nm diesen schwierigketten gegenüber die Uieorie zu 



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282 RIEGER 

retten, müslc man schon voraussetzen, dass dieser prosaist. oder 
vielmehr die safre , der er folgte, nicht mehr das leiseste gefühl 
für die ursprUogUcbe idee der fylgja gehabt hätte ; aber wie soll 
diese fon uns erkannt werden, wenn nicht dadurch, dass sie in dem* 
beteugten anftreteD der fylgja unwidersprecblieb wahrnehmbar wird? 

Mibe ferwani mit diesen beiden ftUea ist der des HiUfiredh 
Vandnadhiskald, der im engeeiebte des todes, wBhnnd einer 
meerrahrty ein grofoes weib in einer brQnne (also vaikjrienbafi) 
Uber die wellen auf das sebiff snscbreiten sieht nnd als seine 
fylgjuktma erkennt, ob nur weil er sterben muss und sie daher 
nicht mehr brauclil, oder weil er als «^etaufler mann dieses deui 
allen glaubeti entsprechende veriiüliüis vor dem tode lOsen will 
sagt er zu dem weihe : / sundr segi ek öHu hjiÖ pik. da fragt sie 
seioen bruder : vihu, Pörvaldr, taka i;id mer? und auf dessen 
▼emeinung erklärl sich Hallfredh der sobn dazo bereit, worauf 
die erscheinung TerschwindeL hier dringt sieb« wenn die fi^$fih 
hma als Hallftredhs seele verstanden werden soll, die ftnge auf, 
wie Hallfredb als cbrist nocb im angesicfat des todes seine aede 
von seiner persOnliebfceit unterscbeiden, dh. die lelstere mit dem 
leibe gleichsetien konnte. fOr den sobn, der die fylgjukona Ober» 
nahm, war sie auf alle (^Ue, wenn überhaupt eine seele, nicht 
die eigene; dann war sie aber auch nicht notwendig des Täters 
seele, sondern es kann schon dieser die seeie eines voriahren 
zur fylgja gehabt haben, es erheben sich die gleichen scbwierig- 
keiten für die tbeorie wie in den vorgedacbten ftUen. soUlea 
dieselben vielleicht dadurch lOsbar erscheinen, dass man für den 
ältesten glauben die Vorstellung «ner mebrfaeit von Seelen des 
menschen in anspruch nibme« für die sich beispiele bei Tjlor 
(Anfinge der cultur, Lpi» 1875, s. 427) gesammelt flnden? dann 
wire es etwa denkbar, dass einer die seele eines andern eriMe 
und damit eben nur eine fylgje mehr hatte. 

Damit wire ja auch der sprachgehrauch erklärt, dass einer 
person ebensowol fyli^jur wie eine fylgja zugeschrieben wer- 
den, und in gleicher bcdt utiin- disir, zb. Völs. s. 1 1 : svä hlißu 
honum (dem allen Sigmundj haus spadisir, at kann varb ekki sär, 
bis die Vorstellung der mehreren seelen auf germanischem boden 
deutlich nachgewiesen ist, zieh ich indes vor, jenen Sprach- 
gebrauch daraus zu erklären, dass man bei abnehmender lebendig* 
keit der mythologischen phanlasie sich keine recbenscbatt darüber 



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OBER DEN NORDISICBBN FYLGIENGUÜBEN 283 



gabt ob man ein- oder mehnahl Yi^nqsleUcii babe, und die 
letitere wählte« weil sie der minder bestinupite,. der abstiacter 
küBgende aaadnick scbien : der sieb achoii Y5llig.. erstarrt aus- 
oiniiDt, wenn die prosa der Helgakvida ibreo beldeii sagen liest, 
üi fjfyftit Amt hSfliu iriiiat BMu ßd er hmm «4 Jbmiiia H9a 
wginum, doch kann anch die mehnahl der Qrlgien einer einiigen 
person gani dentlieh . nnd sinnlich vorgestellt werden. Obf 
Tryggmon Ilsst steh naeh seiner landung in Norwegen be- 
stimmen, einen einsam wohnenden Finnen aufzusuchen, der marga 
luti fyrir veAt, di. das zweile tjcsicht hat. dieser sagt ihm (FMS 
X 362 in Odd^ saga) : eipi fara litlur fylgior fyrir /er, ßviat i 
pinu fömeyii ero hiört gub ; en peirra samvisiu mä ec eigi 6era, 
Pviat ec hefi amars conar naiuru, oc fyrir pvi scalt pn ütan 
fyrir mcBlasc. träte Olaf in die hOtte ein, so vTfirdew die glän- 
zenden götter, die der Finne siebt und deren nahe er nicht er- 
tragen kann, mit herein kommen. 

Angenommen, der Finne meinte mit diesen gOltern eigenlr 
lieb die TerBchiedeoen seeleo Olafs , so mnebte man andeiaeiis 
wiesen, wie die tbeorie sich mit der auch begegnenden Torslellung 
einer gemeinsamen fylgja des geschleebls abfinde, an der dessen 
einselne mitglieder enteil haben* eine solcbe lyns/Msi* hatten 
die Völannge« ven ihr ward Signy vor der heirat mit Siggeir 
gewarnt (Vols. s. 4); eine solcbe war die oft erwähnte hmnhi^ 
derVatnsdnlaaaga. Thordb Hredhu (dessen ssga s*31 N. Oldskr.vi) 
meinte, wenn nicht mnige seioer gegner vor ihm das leben hnsea 
würden, k8me seinen €gttarfylgjur keine bedentung zu. abnlicb, 
aber schon recht abstract lautend ssgt örvar Odd (FAS ir 170) 
mun nu cerda at vita, hvert ek hefi nokkvt af CBttargipt vorri; 
wogegen es sich lebendig gt^i^i^g ausnimmt, wenn iu der Laxda^las. 
der sterbende HOskuId seinem söhne Olaf feierlich seine und 
seiner freunde *gipta' überweist wurden am ende auch gemein- 
schaftliche seeien mehrerer mit eiuander verwaoter menschen ge- 
dacht? meines Wissens hat erat der moderne zeiLungssiil die 
einer vorauszusetzenden famiheuscele analoge Volksseele als philo- 
sophisch klingende redensart erfunden. 

Die lehrreichste wie wunderlichste gescbicbte von geschlechts- 
fflgjen wird im 215 cap. der Olafss. Tryggvas. erzählt. Tborhall 
ist bei seinem freunde Sidhu Hall sum ^baustbod' eingetroffen; 
er ist ein ^spimadr' und hat in dieser eigenschaft verbotent dasf 



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2S4 MMn 



te dir koBOMid«» atelrt nkmuA wt die tbon de» henitt gAe; 
TMdkreiidi» der Mit dei winei« tut et deBofH*, «eil er Ue^ 
goMlrt liei. ' IM fleie gekemnee, femiMI er InMitog und iMl 

gegCD nordeu neun .^^chwarsgekieidete weiber mit schw^rtera in 
den hifidefi reiten und ebenso viele io lichten kleidern aur weifseo 
ros9fn im sOden; die sch>vdrzeQ ralien ihn ao und er kämpd 
mit ihnen, ef wird morgens von den «einen tod^vund gefunden, 
ksnn aber, eh er stirbt, noch alles ertihleo. auf befragen gibt 
TIütImII folgenden aufschlase tber deo wunderbarai bergang: 
§äB Md efr ftf et fttta imfi kmmr veHt e5r«r mm fifigm 
IfOnr ^nMidley ek 9i hat ipM^ feoMi j^Ia efti^iff euM ^af 

iÄiHÄ^i fti^Rl^^ ^fc^^l^^fl^ ^fltt^d^^ ^(ni^i^ j^^sf^ ^9^9^^ J^^^^^^V 
er /"^/^r Aa/<i ^mumi dimiiilM; mmni 11^ vAor /yrtt* al^MÜ 
tk pal, m fitr mmMfS eerOe ^«Api äßmür frctndr; mm «mm 

/^CPT Aa/is pvl Unat at hafa myan &kait af yö/ [sern] dör 
mujiu p(vr petta hafa i sinn htf, en hinar bttri disir mnndo hafa 
mißt hjalpa honum ofe frdwufC etgi at sva bnnu ; nu tfiunui per 
fr(Bnär peirra njöta er pann inn ikkunna «Ö munut hafa, er 
P<n 6oöa fyrir 9k fyH§i«u bald darauf landete Tliangbrand der 
misaionar ans Norwegen , Sidbu Hall nahli ibtt gestlicb auf und 
Helb eich ttk eH ieiii«ai MmaMk' taufini, und iwir, nach 
8. 191, gegea da pricelen terMirgiifeg^ diee MMshael eei» /Mp 

Hier eebei «Hr die fyigjen dee geecMeehta , fe« dettee es 

keifat, daaa tre *di«setn glauben*, dh. dem biakerigeo, gefolgt 
seien, aufs deuilichsle als geisler heidnischer vorfahren kcnniluh 
gemacht; wir lernen überdies, dass sie gewohnt vsaren, voa den 
lebenden tk^tt tn erhallen, dh. opler, dha blot , wie es Yogl.a. 
33 und in Horvarars. FAS i 413 erwfthot wird, zu dessen ab- 
laeung sie angesichts der beTorsleheodcD glaubeiMHiderung ein 
jinges leben dea geechlechts hinnehmen; die bessern dieir, ^ 
ni^eich erechieMn, kellen kein recht, den TkidhriBdi n 
keifen i eker dis ekriiilidi gewerdene ijcadilcekt wird üirer neck* 
Behl genielwn, es sM echeiiengel, die, nie nen bei Sidhu fisll 
sieht, der inr teufe willige nm eraatte seiner fyigyen begehrt. 

Die tnsii^ tweieriei einander entgegen würkeiiden. der 
person günstigen und ungOnstigeu disen liiiiift sieb auch im Gisla 
8. Surssonar ausgedrftckt. die eine der frauen, die mit Gisii ini 
träume lu verkehren püe^en, offenbart ihm, dasa er noch atebeu 



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OBER DEN NORDISCaEN FYLGI£^GLAUBE^ 2S5 



jähre zu leben habe, und ermahttt ihn, Bich während dieser zeit 
afler heidnischen gf t^ri^uche zu enthalteu, friedferiig uod barm- 
t^rzig zu »ein, uoii sie zeigt ibm eine schOoe wohnuog, wo er 
Mch dem tode m ihrer gesellacball lebeo aoil (M. Oldskr. tih 
i. iH^, 145); die andre küodtt Hni g yho li wi i eiMD UutigaB 
194 m drtiic ittt lerieiftyiigtB dar mtei tu fiiuiUiiB 
IID. 150l> ab fpiritii «erdan diM liniMa aidit ImiwcIhwi« 
wii fliMrbMipt ditM «Ii foi fyigjen stehlt wtUI; chmklaritlMi 
m Ihm «facbebwig kl bot, da«» die tinM giwian htoftt 
reitet, den Gitli mit ihr hesteigeo soll, um zn ihrer wohouDg 
gefllhii zu werden, man miJ«!S dabei in erwägung ziehen, daf« 
Gisli lrül)i'r eiumal in Däuemark primsigui^t worden war und 
seitdem aulgehörl halte den göUern 7ii opfern (*. 96. 101). mir 
scheint aus diesem wie dem vorhergebnden beispiele tu erhellen, 
dM0 die idee der zweierlei disen nur aus der reihvBg des alten 
a»d mmtik ^In n heno hervorgebt «nd i« dem tiifwtOrlen illtii 
gbi^o fceiM wnntl hei. ditier kaiiBlo aw ivHitikkt ichili» 
gniilier» die, vi« Mi biib sn bihBB|ilMi «ag«» ib «eeleB der ihBMi 
fBD hm ttts gedacfal umwi. lio «MHitB ml eigtBUteh dem ge- 
idileehle insgemefii tugefcommen «ein, doeh ehen denim forznge- 
wei^e geioem haupie oder andern persönlich hervonagendea 
g^edem desselben, nach deren tode sie dann in der verwant- 
Schaft zu blei[)eii wDuscIifn. das vorkommen dips^^s letztem zugs 
beweist, dass aucki mit der (raumerscheinung des Thorstein Sidhu 
Halls aohnee (N. Oldskr. xx?ii 130) fylgjen gemeint sind, oh> 
gleich das wort Bichl gebraacht wird, drei *kMNir' «mraeB das 
Thoralaia kn inmma far afiaem kaechtai der ifaa ermordea waNe. 
dies Widerhall eteh, da der geflArHclia aieneeh Bichl gelhadeB 
wtPdcB haBB, Ib drei »achleB« nad Jedeimal iei eiae aadn die 
apreahariB. in dar drillen machi kämme« eie waiaend uad dia 
dritte spricht : hvm't sAtf/tim vtr fiä hverfa tptir ßmn dog^ A^r- 
gttinn? (tl Magnuss^ sonar mins nniwortet er, und sie darauf: 
iiiiü stund munu ver par meya vera. in dei- lolgt-aden n.iclii 
wird Thorstein von jenvm knechl im bell erstochen, ps i^i ein 
leognis des ins Christentum hinein, fielleichi mit verschweigung 
des Wortes, fortlebenden fylgjeagtoahens. dass Thorsteins valer 
•Iah den Michael lom 'fylg}U eagü' auagebelaa hat» hiadail aiehl, 
data dam aahae wider ^hoaar' eraidieittea« 

Dia fjlgjeo koanen eiaaalB oder ab mabnabl gedacht wai^ 



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2S6 



RIEGfiR 



dea, je nachdem der thoencaU eioieloeii bemo oder der ge- 
eamtbeit abgetehiedener seelen gtlt, was netflrliefa der enibler 

im eiuzcluen falle oicht unterschied; woraus denn leicht zu ver- 
stehn istf wie es zu dem scli wankenden gebrauch der eio* und 
mehmbi von fyigja und hamingja, dem hersch«^nden der mehr- 
xabl dUir kam. bezeichnend für die germauische denkweise ist, 
daae die abnengeisler, sofero sie die function als acbutzgeister 
erUngeD und darin der kommenden dinge kundig sind, ohne 
rOckaicbt auf das geacblecht der peraonen, denen aie eininal im 
leben angehorten, ala weibliche wcaen, *d^air^ gedacht werden« 
die bewehrt ond beritten in die foraleUung der Valkyrien über« 
gehn können, in deien tjpiacber neuniahl wir ihre nicht bn* 
slimmbare menge aultreten sehen; ja das« diese ▼orstellungaweiae 
sogar auf die chrisllichen scliulzeiigt;! überuageu wird, uud doch 
hatie die nordische spi iube das femininum seele, das sich im go> 
tischen für 'ipvx^ hir-iib, nicht einmal übernommen, und <locli 
spielen geister verstorbener, die in der ge&talt, darin sie gelebt 
hatten, auftreten, sonst in zahlreichen Überlieferungen eine rolle. 

Gani valkyrienhall, ala boiin Odbins, tritt die di$ auf, die 
dem BjOm aeinen baldigen tod ?erkOndet (Bjamara. Hitdalak. N. 

Oldakr. i? 62) : CM* er 9f Mi hmia prmiMr mtr dMrt 

pplat mhkggjar wma Ümr dagfegsjar hämii Mm er k m r j u m 
irmmU A^nftn/hUAi hffhr Midi* 

Ob scbuizgeister untreu werden und dem schQtiling Ter- 
derben bereiten küniien, wird im dem uabeslimmten sinne von 
Mfsir' leicht nicht deullich, da etwa Noroeo oder Valkyrien ge- 
meint äeiu können : Hamdism. 29 htyö(tumk at disir, nämlich d( n 
nachher in der not vermisteu Erp zu Löten. Sigkv. ii 24 ßtU er 
fdr mikü^ tf fiu foBti drepr^ Pars pu at vigi »eör ; tdlar disir 
Hände per d tvar hlibar tds vilja pik sdrm ^ Grimniam. 53 
fitt eet'l elf Ufim IM : itoor ro dinr. denUicher iat Adam. 26, 
wo OlaumfOr apricht : kemur Mi^Mr daulSar Iroma < nöu Jldtfoi; 
tMBfi» vart Mnor, vüdi pik kföta^ bybi per hrMgß iü btU^M 
fAmn; elr AoeB t^hna erBnor ptr diHt* hier kommen gespenater 
ans dem totenreiche, den Guonar fOr ihre gesellschaft zu gewinnen, 
nachdem die disen ihm abtrünuig geworden sind, war es mit 
dem glücke eines aus, so konnte man cuivveder sagen, seine 
Schutzgeister hallen ihn verlassen, oder, wie in der oben an- 
geiUhrteo viaa, aie wären gestorben. 




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OBER DEN NORDISCHEN FYLGIENGLAUBEN 287 



Eio scbOne» und klares leogiiM fttr ibren wert im Cunilien- 

leben ist Sigrdrm. 9 : bjargtiäuar kunna, ef pu bjarga 

viU ok leysa kind frd konum; d lofa pa>r skcd rista ok af iiöu 
spenua ok hidja pd dlsir duga. da mau ihnen opfer bringt, ist 
TorauszuseUeo^ dass sie auch um hülfe angerufen werden; hier 
ist es ausdrücklich bezeugt. 

Eine fisa in Asmuudar s. kappalaiin (FAS ii 487) zeigt, 
wie sie, die wir schon warnend fanden, sich anders als der 
dämon des Sokrates auch ernauligeud vernehmen lassen : pa iwarf- 
Mi Imgr i brjösti, er menn eUifu ofrkapp buISu, (iQr mtr i mtftd 
aäfSu Ümr^ U tk hjörUik ßann htj/ja skyldak. . . 

Dass man vor dem tode seine 'fylgja' zu sehen bekommt, 
lehrt das beispiel das Uallfredb; dass sie dabei auch in tiergestalt 
encheiiieii kamiy eioe enübluDg in Njals s. c 41 : da Njal mit 
Tbofdb vor dem banse steht, s^t der lettter» einen geibbock, 
der in der nShe su weiden pflegte, blntig in einer pfiDtse liegen. 
Njal, der niebts davon siebt, deutet das gesiebt dahin, dass Thordh 
niehster tage sterben werde und wol seine fyigja gesehen habe, 
die gestall, darin sie erscheiDt, symbolisiert die Persönlichkeit 
desMn, dem sie tngehOrt : ein labmes hanstier, weil Thordh ein 
zum hause Njals gehöriger freigelassener ist, wahrend io anderen 
fallen die gestalt wilder oder phantastischer liere den fylgjeD vor- 
nehmer heldenhafter und feindseliger mSnner zukommt, diese 
symbolische andeulung der Persönlichkeit unter der maske ihrer 
fyigja ist es offenbar, was nahe gelegt hat, die fyigja kurzweg 
als die stnle dessen, dem sie bei^'clegt wird, zu verslehn, und 
infolge dessen sogar die mahr als die seele dessen, den sie beim- 
sttcbty weil sie einmal als manm fyigja deiiniert wird. 

Dies geschieht in einer letzten fylgjengeschichte der Vatns- 
dnph s. (FS s. 67), die mir noch zu betrachten obligt. Thorkel 
SiUti, der das *godord' tn erisngen hofft, trflumt in der nacht 
vor der wahlfersammlnng, er reite auf einem roten hengst Ober 
Vatnsdal weg (s/^mi yft) und ea dOnke ihm schwierig snr erde 
m kommen; er deutet es im sinne seiner hoffnung. seinem 
weihe aber dOnkt es ein schlimmer tranm, 9k fooS hut mar 
Uäa, m mar er rohw fylsj'a, olr MI rau9r ^huut ef bMug 

ak mA mto at tir, vegiim d funüinm, ef pü mtkar ßar 
gdborHit, ihre meinong ist, dsss Thorkel in der gestalt des roten 
rosses seine fyigja gesehen habe, und sie begründet das ganz me- 



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288 



RIBGER 



thodiMb, «bwol liebt oboe gruMmliicbe freihdt, dank, dais 
«M ^beiti' des beo^ttet msr Mi, wdebes noit mcb fylgja eines 
Misdieii bedeute, dmit tagt sie «as freilich elwas mims und 
auflalleBdes, da wir die onbr nor ab quaigeist keaBea, im beslea 
fUl ab ein elbisclies wessB, daa in verliebter absiebt Aber den 
seUflfer kommt; etwas von alpdroek sebeint aber wllrklicfa in 
dem träum dadarch angedeutet, dass der (rüumende toq dem 
rosse nicht zur erde kommen kann, eine empünduug dieser 
körperlichf n arl fiudel «iltiubar auch stall bei dem s. 58 erzählten 
dreimaligeü träume des andern Thorsleins, wo die koyia kom ok 
dvita^i hann ok kvah honum eigi hlyba mundu ok tök ä augum 
haus, wenn so die wUrkliche fylgja sich in der weise der mahr 
bemerklich zu machen nicht verschmähte, so war es nur ein ver- 
zeitilicher tcfiler, das«; Signy die den mann mit traumempßndungen 
beimsucbende gewali als fyigja bestimmte, die denn in diesem fall 
als ro88 erscbeiftt und durch dessen färbe ein gewaltsames ende 
andeutet; wie es In Njals s. dureh den Mutigen bock geschieht. 

Häufiger begegnet die tiergestait, wenn träumenden «der 
bettsebenden die Itevorstehnde ankunft oder ancb terbergene 
aawesenbeil andrar sich durob deren fflgien anieigt. iwar bei 
Olaf TryggiMOB aind es ^fM fiS, die dem finniscben hellseber 
sichtbar werden, oder die er fieUeicbt nar aus einem aber Olalb 
hanpt wahrgenommenen belliii scheine folgert, wnfcn die *sp** 
nenn* in Rofangardh aussagen, mfmhit ^j&m Viis, er jf/tr Aoiwai 
siaftt, 4nifH um M ika^lki ok 90k mm auarkaifit üstfwis. wenn 
in ^Jals 8. Ii ein betlsehender ansnill : nA mri^ at fylyjur 
Omfi/k und in ^nrdar s. fireda (N. Otdkr. vi 3S) der bald sagt: 
scßkja (U 9er lifriJktr fylgjur (wie Sluri. s. 6, 2 ifrUSar fylgior- 
vm^ komnar i heraM), so bleibt die gestalt der erscheiniing ver- 
schwiegen; aber Njals s. 23 ist es ein ungeheurer bar, der dem 
HOskuld im träum erscheint, von dem er dann sagt, das sei keines 
andern fylgj;« rds (iunniirs von llhdlMrendi. von heldensagen,. 
wo es ein beliebtes episches nuttiv dass kommende personen, 
ja canze bevorslelinle Handlungen sich durch fyigjen, denen 
meist symbolische liergesilalt beigelegt wird, anzeigen, verweis 
ich auf Hrolfs s. Kräka 2. Sdgubrot al fornkonungum 2. Orvar 
Odds s. 4. Hrelfs s. Gautrekss. 7. 12. auch geschichtliche sagen 
sind nicht arm an sttgen dieser art, die wie in den heldensagen 
danit eingefUhrt tu werden pflegen, dass ein scbtlier durch flbles. 



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QUn DEN N0ilDI8<»BN FTLGIEKGLAQBBN M 



gthabea deo ante» weckt nad ihn «if hdlvgiii »itteiltt «w 
•ich ilw kn tmune gezeigt habt, ao wird ni Hawte i. bllr- 
dmgs e. 20 (N. Oldkr. nvn 46) tob 1B «lllfeo um« aBAImiog 

eines fuchses erzXbU, die eioer im trauin auf sieb los renneo 
sah. bi^ wird aber alä auslegung hinzugefügt : ok veit ek at 
ßat eru manm hugir; und so träumt Thordh Hredhu zweimal 
von Wölfen, von denen das eine mal gesagt wird : aussei mr patf 
at pftta eru manna hugu" iiiir tü ßin^ du andere mal our : eru 
peUa manna hugir. 

Da in andern fallen die ähnlichen erschejnuiigon ausdrücklich 
als fylgjea bezeichnet werdeo« so muss wol das Verständnis dieses 
widerkahreoden ausdrucks manna hugir Obar die auffiManag der 
Qflgja antscheideo. sind darunter meascheagaiatar au ferstebo, 
aa ist auch die fylgia Bichls anders als die getrennt vom leibe 
forgeataHla aaala d«i maMckaB, dem eia baigalagt wird, aber 
aa Mte ant bawiaaaii aaiiit diaa ku$r gabt oder eaala iea rator* 
icfaied vam laiba badantan kteoat wasn die gaiävfiga radewaiaa 
aiynr aisr kugr wabrfieh siebt blmrekht ich kenne ea nar in 
dar bedentttog loii Sogeniuag^ oder 'anioMH', niobi von ^ankna*, 
und aebe nicbt ein, wamm die a iai m fl hugir, anmal mit dem alp 
tribnt Hkar til pin, an jenen atallen nicht an fenlehn waren ala 
gesinnongen oder absichien von mäDoern, die der träum bildKeh 
olVeobarL sehe ich aber dann, dass ganz im gleichen Zusammen- 
hang und sinne auch von fylgjt^n gesprochen wird, so biu ich 
geneigt, daraus zu schliefsen, dass bei solchen erscheinungeo, 
durch die sich kommende oder verborgene personen anzeigen, 
das wort fylgja mishrüuchlich angewendet wird : indem man er- 
scheinungen Uberhaupt damit zu benennen sich angewöhnte, weil 
einmal die gewöhnlich anaacbtharen fylgjan im rufe standen, natar 
nmataoden zu erscheinen* und darin werd ich beatarkt, wann 
ich seba« dass nicht nur ayaibolische tiergealaUeD , sondern er- 
scbeinongen faindiiebw roflnner in eigner geetalt als fylgjen be- 
aeicbnet werden« die atelle wo diea geichiebt findet aich in 
IQamar a. a. 48 : aiar um aw «mii imift mtSt ak pUH mm 
mar purfu Imiu otS. — fiut tr aufkH^ u§^ PMjirg, mmmu 
fsMur iru ßat er Ulm hug hafa d per. aofom man aksh unter 
fylgja im nrqiNniDgllcben und eigantUeban ainna dea werte eine 
db dachte, mochte man dieaer etwa die erachainung in tiargeatalt 
autnaan, aber die erscbeinung in der gartalt dea menacfaen, 



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290 RIEGER VBER DEN NORDISCHEN PTLGIBNGUQBEN 



dem sie ihre f^fi widmet, als dessen doppelgtnger, scbsial mir 
•ufserhalb ihrer idee tu liegen; und weDD eine solche er- 

scheinung dennoch als fylgia beieicbnet wird, kommt es aur 

deutlich genug vor, dass das wort eben nur so viel als erschei- 
iiun;^^ oder 'pliaiiii^sma' bedeuten will, zugleich bestätigt aber der 
letzte relaiivsaiz. der stelle meiue auitassuDg der manna hugir. 

Noch verdient eine erzählung von der fylgja in Liergestalt, 
im l^ttr t^orsteins uxafots (FMS in 113) naher betrachtet su 
werden« weil man ihr die ehre angetan hat, daraus sehen tu wollen, 
wie materiell die seele ab fjlgia Torgestelli worden aei» das kiod 
Tborstein, das für den söhn eines geringen banem gilt, komat 
bei gelegenheit in das vornehme haus, wo es nnehlich geboroi and 
aus^eseut worden war. ea Iluft in die Stube, wo sein mnllenaler 
silzi, HiHt d.ü ei auf den boden und sieht den alten lachen, atf 
seine Irjire, warum, aulwortet derselbe : pd er pü köml i siöfvna, 
/^ydi f'^"' -^i^ ''*' l>j\nnar Jnnm ok rann fi/Tir innar d gölfit, «• 
9t lutnn sä inii", hüi/i hanu s/aÖar, en pu fori hddr geysir ok felll pü 
wm Mnmn; en put er cttlan min, ai ßu sir ei^i son Krumm ne 
J^if namir keldr muntu stoerrt CBttar, dass der erzthler den 
«jtbirwelf ala fylgie wiU gelten lassen, folgt allein, aber mit 
gloherbeil ans deso fyigfii ftr, daa in seinem gewöhnlichen sinne 
mivertriglich mit der angäbe wlre, daas daa tier m dem binde 
lisr gerannt sei, und daher nur bedeuten kann : war bei dir als 
fyl^a, leb glaube, es ist nieht schwer auaeinander m hallen, 
was hier fOr den emhler ernst und scherz war. der ernst iai, 
d«»s Geiti diofision des juugen eisbären als vurl uiftr des kindes 
halle und daraus den schluss auf seine ;tiikmilt zo-; der scherz 
Iii, dass er das bei uuvorsichligem laulen gelaileue kind weis- 
machte, f.- w tit' über die erschemung gestolpert, dieser, die des 
kindes auK^ l'Ii< ii. i lu i knnfi lächerlich widersprach, halte sein 
lachen gegulieu, nicht dem falle, ob der erzäbler an eine wOrk- 
liehe fyigje, di. eine abnenseele als achntsgeist dachte, oder nur 
ein prophetisches gesteht meinte, ist eine andre fngn, die ick 
Mtarlich im letitem sinne beantworte, (ür mich gehören alle 
diese sulelit abgehandelten lUle, wobei fremde fyigjen nur wahr- 
genommen werden, und die offenbar für Manrer bei seiner er- 
Ortemng der sache im fordergrund standen, ins gebiet der visio- 
Uiren sjmbolik und nicht des fylgjeuiiidubeus. 
Abbach a. d. bergstr., juui 1S9S. MAX HI£G£R. 



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DIE 

ABIANISCHEN QUELLEN ÜBER WULFILA. 

Das was Maximin seinen gewährsmaun Auxentius über WulQla 
sagen ISsst, besteht aus zwei teileu, die in der furii), wie sie uns 
TorJiegen, kein organisches ganze gebildet haben können. 

Der erste teil geht von ualäe decoj^us bis ut filium mum 
in fide educauit (fol. 282' -^284' zeiJe 18 v. o.). er eiUhäll 
weiter nichts als eine ausführliche angäbe (Iber Wulfilas glaiihens- 
bekenntnis, um die religiöse Stellung des Gotenbiscbots nach allen 
Seiten hin absagreozen. das wird besonders deutlich, wenn Au- 
xentius seinen lebrer dieselben ansichten über den heiligen geist 
haben Mast, wie sie die Macedonianer hatten, aber ausdrücklich 
sagt : U ßUum simUm m» poln' mo neu tecmium Mae$d»nümam 
fhmMuiUm fnoittum • « . isd teamitm iMm ier^finrai» es 
Isl das die sogenannte semiarianiscbe lehre, wie sie auf dem 
concU Sil Constaolinopel im jähre 360, auf welchem Wulfila an- 
wesend war, festgestellt war — - unter auadrOcklicher Verwerfung 
des Wortes ^nnrla als nicht in der bibel stehend, was nun An- 
xentlos mit dem hineinsiehen der Macedonianer gerade an dieser 
stelle sagen will, lann also nur sein, dass Wulfila im gegensats 
zu ihnen in bezug auf die natur Christi zu keinerlei nachgiebig- 
keit bereit war. — m ähnlicher weise setzt sich Wullila iu dem 
berichte des Auxentius mit allen secten und religionsparteien, 
die danials sliauue lialleu, auseinander, alles ist aus einem guss, 
und die Steigerung ist von AuxeuUus recht geschickt zu wege 
gebracht, wenn er gewissermafsen als trumpf, als beweis für die 
Wahrheit seines Zeugnisses zum schluss sagt, er müsse Wuititas 
lehren und bekenntnis am besten wissen, da dieser ihn yon 
Jugend an unterrichtet und wie ein vaier an ihm gehandelt habe, 
man kann bis dahin durchaus nicht den Vorwurf gegen die nach- 
rieht des Auxentius erheben, dass sie schwülstig im ausdruck sei 
und durch grobe hSufuog der effecte unangenehm bertthre. die . 
glaubenserklarung entfernt sich nicht von dem damals in diesen 
dingen Üblichen wortreichtum, und die daran gekndpften bemer- 
kungen Ober Wulflias wirken und sein Verhältnis su Auxentius 
sind von tactvoller knappheit und prSciser deutllchkeit, ohne 
irgendwo aufdringlich zu werden. Haximin hat diesen teil wört- 
lich abgeschrieben, das ergibt sich ans den correctnren rein 



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292 



LUFT 



meebaDischer sebreibfohler iind d«o ditlograpbien. tb gani be- 
sonden beweittiid lllbr tcb too den enCem a» : uiferfeaim 
statt ^eehm nach dem gleiebfolgendeD perftOum, und von den 
ktateren die widefbolong auf fol. 288 leile 12 ff v. «. ! aM «f 
ifM Mi MMi MW AMC fttnm «ae /Üfiwn mi m jMirs p«r /SKnai 
ante mmda facttm mm mt$ prnmm tm tmmäum [md m p§in 
ptr fiUim ante omfitia fmhm mn m» piwtum nee seenndum] 
sed a primo per 8ecunditm . . . man wird es Maximin kaum ver- 
UbelD, wenn er bei dieser verzwickten worliulge von der aeüe 
seiner vorläge abirrte (vgl. aucli VVaiU s. 19 anm.). 

Diesem ersten teile gegenüber gewahrt der folgende (fol. 284') 
kic dei Providentia hh zum schluss des eigentlichen bekennt- 
nisses Wullila^ (fol. 2bü) em ganz anderes bild. iaodea wir in dem 
ersten teile die gewi^hfilichen anzeichen ftlr eine abgchrift, so 
fehlen diese hier, namentlich jede correctnr obiger art (fol. 285' 
ist einmal eio et ültergeschriebeo). dafür tritt uns wider eiwaa 
entgegen, das in dem ersten teile nicht begegnet, es häufen 
aicb hier wider die grammatischen fehler , die Maiimin eigen 
sind, nameotlicb sein liebüngsfebler ad e. ahl. (vgl. Wails a. 32). 
diese fehler finden wir in den zum eraten teil ualde deeenu über» 
laitenden bamerfcnngen, aie fehlen diaaem teile und aetien dann 
wider hei hk dti prouidentin nnK daa kann haum auflillig aein. 
auch atiliatlaeh alicbt der iweite teil gani bedeolend von dem 
ersten ah, der erste war ana einem guaae nnd hei den tat- 
alchlieben angaben Uber Walfila mab* und tactvoll. man gewinnt 
wol den eindruek, daea er ein ehrwflrdiger mann war, aber er 
wird keineswegs in so gewaltsamer weiae aom heiligen gemacht 
wie im iweiten. in diesem ist wOriilich das erlaubte mafs ober- 
schritten und die vergleiche aus der bibel sind geschmacklos geluinft. 
daher ist es unmöglich, dass der mann, der eben so vornehm und 
zurückhaltend von seinem lehrer sprach, ihn gleich daraul in 
aufdringlicher weise mit aller gewalt aus der bibel heraus als 
heiligen erweisen sollte, in formeller hinsieht hsite er es denn 
auch in der ungeschickteslen weise getan, im ersten tcde redet 
er ganz schlicht und um so pointierter davon, dass Wulfila 

* im eisten teile begegnet aUndlogs einmal der daüv beim compara- 
tiv i omni emetUmUiee «eeaMbr, hier musa Hsxinln omni gern iaberlicb 
fttr dea daUv geMten haben, er iiennt sonst diese dativeonstractioa beim 
ceaq^iativ nicht. 



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DIE AHIANISCHEN QUSLLEN ÜB£R WÜLFILA 298 



40 jähre lang eio« gläozende, erfolgreiche i^iigkeii ais biscbof 
enlfaltel uod durch wort und schrifl das chrisleiitum lu »er- 
breiteo gewust hat. darau weiUeu einige bemerkuogen, die diese 
mtigkeit Qoch glänzender illustrifren, geknüpft, und dann schliefst 
Auxeniiüs mit ilem oben gchoo besprochenen trumpf, dass er ais 
scbuler, amaQueosis uod gieicbsam soho am besten Uber Wuiflla 
beicbeid wissen müsse, man sieht, die 40 jähre sind bi«fkal 
ganz oebeosacbe, wjtraii et SO oder 50, so würde das an dieaer 
stelle gar nichle lodem. 

la dem zweiten teile wird nun diese Zahlenangabe heraus- 
geatoeben iiod die jahresiableii ia den lebensabaobnitlen WnUUaa 
werden mit f efgleiehen aoa der Bibel an tode gebeIaL hier wird 
nne nicbt das recheneienipel erlaaeen 74-83«v4IK nnd jede der 
Sehlen wird wider ans der Bibel belegt das hfttte Auientius 
dofih allea gesehiekter bei der ersten erwahnung der sabl.40 » 
bringen hOnnen nnd mOaieii. dadurah dais er es so hbterfaer 
•nbraehte, verdarb er aich ja selbsl den cffeet noeb mehr gilt 
das fon der andern widerholnng, die der sweite teil ens den 
ersten macht GKaofmann (Zs. 27, 212) meint, das kurze glaubens- 
bekeontnis Wultilas bilde den actenmäfsigen beweis für die er- 
örteruogen des AiucaUuSf der jcdea zweifel zurückdrängen mtlsse. 
wenn nur uicbt Auxentius Uber das glaubensbekeontnis seines 
lehrers gleich anfangs in der ausfübrlichsu n breite bericht er» 
stallet hatte, w.t.^ konnte für interesse obwRltea, das kurze und 
immerhin dehnbare testament Wulflias zu beriicks]chii;.;ea, nach-' 
dem man lange vorher deu inhalt desselben in der auslübrlichsten 
form vernommen, sozusagen eine paraphrase Uber das testamenl 
schon zu boren bekommen hatte? wie der glaube Wuifiias un- 
gefähr war, WQSte jeder, der dürftige ^actenmäfsige' beweis 
war hierfür gaiis ObsrflBisig. es kam darauf an, das glaobeoa^ 
bekeonlnis eiues solchen arisnischen führers ganz genau sn 
kennen, und diesem verlaegen entsprach Auxentius im ersten 
teile in der besten weis^, sodsss das knappe glaubeosformalar 
sn hinterher gar keinen sweck mehr haben konnte, samal ea 
mit dem anaAbrlichen referat Ober WoUllae glauben in gar keinen 
insammenbang mehr gebrwhl wird. 

Wir konneu noch einen schritt weiteigebngen. der erste 
teil, der nichts historiscbu enthalt, wird ron Maiimio als ^ 
thda beteichnet. bei den historischen tatsaehen, dh* wo ea aleh 

Z. F. D. A. XUI. N. F. XXX. SO 



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294 - . LUFT. 



Um die coDcilsaDgelegeDheiteD haoMl, lesen wir nteblt fOD ^ 

itula, sondern da heiftt es (F. 327, W. e. 23) : vt sanctus Auxentiw 
exposüit ^. diese Wendung macht ganz den eindruck, als ob 
auf eine uacliüclil des Auxentius nur liini,'e\Yif scn werden soll, 
ohne dass sie in eitenso angefübii wird. Sicvcrs sagt za 
dieser stelle (Beilr. 20« 310; : hier beruft sich zwar Maxuniu auf 
Auxentius, aber eine stelle entsprechenden iohalts ist in dem 
erbaUeueii slück des brieies des Auxentius nicht überliefert', 
das ist auch garnicht von uölen. denn mit dem nt oppostnt 
braucht eben nicht die epiUula gtmeinl zu sein« sondern ein 
anderes Schriftstück des Anxentius. an einer solchen annähme 
ivQrdea die ausdrücke ejriitula und tu expasuü nicht nur nicht 
hiaderoi sondern sie wOrdeo dazu raten, nicht darauf konunt 
et mir aber vorläufig an, zwei Schriften des Auxenlius zu er* 
weisen, eine ^epistala' über das glaubensbekenntnis des Wulfila 
und ein auafabrlicberes 'expoaitum' Ober die lebeoaacliickaale dm 
Goleabiicbors» aondern darauf, data der anadruck «l «qMfMtt 
Qua nahe legt, den eralen, das glanbenibekennlaia Wnifilas eat« 
liaitenden teil, atreng van dem iweilen, der hbtoriadie data 
lieCert, zu aeheiden. 

Ib wekher weite nun beide teile von Maximin überliefert 

sein müssen, wird klar« wenn wir noch einmal kurz die differenz- 
pu&cle hei vui lieben. 1) für den ersten teil liegen deutliLlii: be- 
weise vor, dass er von Naximin wörtlich abgeschrieben ist, 
während tüi' den zweiten jeder anhält fehlt, eine solche abbihrift 
zu coostalieren. 2) der zweite teil sticht von dem ersten auf- 
fallend durch btiiislische ihuii^pI ab. 3) die Maximiu eigenen 
grammatischen lateinischen leider begegnen kurz vor dem ersten 
teile und beginnen wider mit dem zweiten hic dei Providentia 
und ebenso in dem späteren unde ei cum Hulfila usw. 4) durch 
die werte aoacfiia AmwHu» expontü braucht nicht auf die 

* was das ut rweUabm 9it (Waitz s. 2t) bedeoteo «oll, kann ich nicht 

ersehea. solchco satz wie de recogitalo statu eoneiln usw. koonte doch 
Auxentiti^ unm5^Iich officiell fiabrn vorU*;fn wo!I*"n, Maxiniin muss hier 
recitatum in der bt'deutiing 'erzählt' \^ir ex/xn. I n m L'ffn-^t Itflhfti. sonst 
müssen wir arineiinieu, äasna er gt-irrt iiut. solctic vernt rli^Jun^ würe schon 
möglich, da er ja zb. die worte ne argmrentur auf die Orttiodoxen, 
Anxentin (db. WnMIia) hiogegen aie anf die Arianer oder eine dlcace nSher- 
tttknda accie baucht. 



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Di£ ABlAISlSCUEf^ QUELLE!^ ÜbESi WULFILA 2dä 

*epislii1a' verwiesen zu sein, zumal da uns ja gerade die voa 
Maxtmio gemeiote angäbe des Auxenlius in dieser 'episUik' 
feblL durch ixposuit wird dbeo avl «ioe nicht wOrUicb du* 
(elnbrte stelb des . Aiueotius verwieieii und dtniiil .aiHi^eigt^ 
dm .Httümia das, was er .llel sdnso g«vihrtinlQ0m>.Tiir£uid,l 
mcht altes gleiehnnirsig ?erw^Ket iiaL nach Wieden miwli idi 
den seUoss, dass dieser. sweitA teil kein amhentiselier bericln 
des Anxentitts ist, sondern ein auszug, den Marimin aus einem 
solcliea geniociU hat. mit andereu wortea : ich äcLze aUo das 
reiVrat, das für Maximin schon vou Bessell angenommeu ist (vgl. 
Sievers Heitr. 20, 309), bereits für den mit hic dei prouideniia 
beginneodeu abschoiu bd. der grund, weshalb Maximin den 
scblicbteo worten des Auxeotius (bis educauit) noch einiges bimn- 
fiBgle, ligt auf der band, aus dem ersten teil, den eigenen worten 
des Aiutenüus, geht keineswegs berfor» dass Wulftla gerade ein 
heiliger sein soll and deshalb autoritiU beanspracbeB kOnne» die 
absielitv WnlAla als autoriut (iDr du ariaDiaeho glaabensbekenDtnis 
binsustellen, ist gar nicht in diesem ersten teile zu ^ersparen, 
verbinden wir nun aber die stelle vor dem ersten teil hoc secundnm 
— dicenda sunt w\i deai zweiten teile, so sehen wir, <Jas6 
Maximin es darauf anlegte, recht gewichtige personen für dab aria- 
nische bekennlnis ins ireilen zu fiibren. Arius, Theognis und 
Eusebius {storiographus »-> von Caesarea) waren als solche an- 
erkannt, und nun kam es darauf an, auch Wulftla, der zu den 
Vorkämpfern des späteren Arianismos gehörte, sn grofser autorität, 
snr heiligkeit su verhelfen, ans diesem gninde snchle Maximin 
aua einem ^exposltum' des Auzentius das heraus, was ihm in seinen 
kram passte. GKaofmann sägt schon, man mQsae sich wandern, 
dass Anxentius etwas von den Sufsern lebensumstanden Walfilu 
überhaupt erzähle, für die *epistula' und den zweck, den 
Auxeotius mit ihr verband, ist das einfach unbegreiflich, aber 
auch Maximin hat gar nicht die absieht, uns etwas votn leben 
Wulfilas milzuteiicn, er will nur die heiiigkeit des GoteubiscboCs 
dartUB« diese erweist er durch zwei puocte : 1) die Jahreszahlen 
in den einzelnen lebensabschoitten WulOlas stimmen mit denen 
Davids, Josephs und Christi Oberein. 2) Wulfila bat wie Moses 
die luden durch das Rote meer, so seine Goten aus Transdanubien 
Ober die Donau gefahrt, sie vor dem heidnischen Athanarich 
rettend, wie Moses die Juden vor Pharao, aus alledem geht sicher 

20* 



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296 



LUFT 



iHTTor, liatt Gott WnUtb la einoitt beiiigeii voriicrhcstiiDBit battc 
naebdeiD noebmals eindringiielifl die 7 + 33 40 jähre ^ benor- 
gehoben sind, scbliefst der nur zu dem zwecke des Btchweises 

TOD der heiligkeit Wulfilas gemachte auszug mit den Worten 
[ceuüP] e vita. das darauf folgende lenkt ersichilich ein. Maximin 
frill auf das eigentliche thema zurückkommen, nSmlich die machi- 
oationen der Orthodoxen zu beleuchten. \VultiI.is Würdigkeit wird 
recapiiuiierend henrorgeliobeii (a düjyiis dignus dignt kmüraretw I); 
sein kurzes selbstverfasstes glaubensbekenninis, das dem ^exposi- 
lum* das Auxentiiis beigegeben war, konnte sicli Maximin natür- 
lich nicht entgelin fassen, dann aber wird der faden, der mit den 
Worten nam et ad Oriente perrexisse usw. £dlen gelasseil war« 
wider aufgenommen (vgl Waitz 8. 21). 

Nun zeigt der zweite teil, das excei^t des Maximin amL einem 
^expositmii' des Auzentiiis, noch eine interessante erscheinung. 
mir sind die groAeo, sidi snm teil Ins auf die werte erstrecken- 
den anklinge anfgeiillen, die dieser abscbnilt mit dem uns im 
ansauge des Pbotius erhaltenen beriebt des Pbileetorgins über 
Wulflia bietet es muss das nm so mehr wunder nehmen, als 
beides doch nur aussage ^d. bei ihnen solllen doch alle Ähn- 
lichkeiten, die Philostorgius und Anxentius etwa bitten haben 
können, verloren gegangen sein, beide auszüge nun beracksichtigen 
eigentlich uur eiii ereiguis, üdmlich den auszug der GoLen unter 
Wulfilas führung aus Transdanubien nach MOsien. ich stelle die 
betreffendf II :it «schnitte gegenüber, die anklänge sind durch ge- 
sperrten diuck liervorgehobea. 

Philostorgius im auszuge des Auxentius im aussuge des 



V7t6 Evaeßiov ital %üv avv prüpUr mnitomm tahUem Ai 
Tai tü)p h Fttai^ x^ioria- mm q^ässpnt ett erdfimiiif 



» Martin hat gmr rpclit fZs. f. d. phü. 23, ?.T0), wpnn er ssgt, 
die 40 jähre bischofszeit werden iiier (dh. im iwi iit u teile) durch recb- 
ouug gewoinien; und bei dieser zahl fiel Maxiniio ein ueuer zahlen- 
vergleich ein. Moses balle aucb 40 jatire die führerscbaft über die 
Joden, gad Maihnla oddat ia der verderbten alelle diese panHde« der 
vergleieb adt Bisa ist an dca burcn herbcigcaogea, wie schoo Bcmell be> 



Photius. 



Maximin. 



oder 



BMfkt bat» 



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DIE ARUNISCHEN QUELLEN CBER WÜLFILA 297 



&ü ist€ biätfts tamqitam prth- 
feta est ... ordinaius ui regaret ef 
con igereJ et doceret et aedißca- 
ret gehtem Goihorum (die Christen 
sind nach den worien ita et iste 
sanctm .... muUipUcamt). 

fibi . . . thvHC ab irreligioso €t 
sachlego jndke Gothorum . . . 
cristianorum perieculio est exd' 
tata [ut satatuu . . « gOMdenm}, 
ubi et poMt multorum servonm 
«f aneiUarum CkritU 

ter ifm penemtiQm ....... 

mj^etdktm mMtMam vir A«- 
«IKf UlfiU tum grmndi pt- 
puU c»nf€9§orum d§ «ar- 
hartem puiMMt in Jl«- 
mani9 « Urne Imü mewwrit 
Cmttmiii$ priH9^k§Ho r ifict 
tit iutceptHB, Mi ticuti 
Dtus per MtytMm dB jwrm- 
Ita . . . Faraonü et Bgyptiorvm 
popuhm Sutern liheravit et ru- 
brnm mare transiie feal . . . 
ita et per sepe dictum 
Deus confessores sancli filii sui 
umye)iUi de uarbanco Itbera- 
Vit et per i)<umbium tramire 
fecit. 

die compositioQ der ganzea erzäblung ist in Leiden fallen die 
gleicbe, weoo ich vielleicht auch zu weit geh, in der auffalligeii 
widemufDabne berichies Uber WiUfila (fgL Phiiostorgius Sti 
OvQ^ÜM» • • . o %olitV9 OigipiXag ovtog — AuxenUus ubi 
ikme . . . ubi et tupradictv$ ülfia) mehr als blofseo zufall za 
iehD. aufTalleod scbeiot ferner» dass der weitere iniult dea 
PJiikiatorgiaaacbea bericbCea^ den der tadel dea Pbolins voraua- 
aelit, aicb in den UDmiitelbar auf den tod dea Wulfila falgendeo 
worteo dea Auxentiua (Haiiain) widerfiadel: 



Bti Ov Q g>lXav tprjüi xata 
Tovtovg Tovg XQovovg Ix tcJf 
niQGv ^laxpov ^y.v&wv . . . 
rtoXvv elg'Fußfiaiwv dia~ 
ßtßdaai Xaov öt* tici- 
ßeiav Ix tüiv olxtiütr 

vioeu dk , . , xalovftiri^s], 0 
voi9w Ov^iXag ovtog xa^- 
i7/i{ottro Ttjg iSoö&v viSp 

6h Adt • • • . xmagv-^fUH/orta]» 

t^gJMvüiag x^Q^^ iKaait^ 

iplXay dia nie iari] g iye 
Tlfiifjg d) i,- y.ai noKkuv. ig 
6 ig)* ^fiüiv Mütafi gXifgiv 
n^Qi av%ov» 



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M LÜFT, 

Http . dk üStog tw ■ tomiitnBn m§d» oforut mer&um mri firi 
Topd^ ^t^$ od hoc iMM Ihmim ^ ComtmtimfQUm, 

imm Miv CrüUoMf^Mm «f Miicfiii <i 

flMiMeenioNliit « iHjfiiili (iipnus jmt 
taMtam muUitudinem crittianorum pro men- 

xai »ijfi atߣTixijg (M «wts miYe et gloriose honoraretur. Qui 
aitov So^rjg iga- et in exiiu suo usque in ips['!] monumento 
üTrjV aiiöv te y.ai per testamentmn ßdem snam scnbiam po- 
Tovg in avTOV dva- pulo sibi credito äereitguiä tta dicens : £go 

die üijereiQSlimmuDg zwischen dem gtiiiaukeogaoge, den Photms 
im bencht des Philoslorg:itis faud, uod dem, was Maximin an- 
geblich den Auxentius sagen lässt, dh. aus dessen schreiben ex- 
cerpierl bat, ist wider nicht zu verkeuneD. Photius hatte keineo 
fniod, auch das gUabeosbekenntnis eines Ananers in extenso 
mitzutetten» wenn er auch Wulfila nichl so ▼ergOltert wissen 
will, bat er doch unstreitig hocbachtuog vor diesem manne, das 
ergibl sich eben daraus, dass er ihn» den ketser« eines eigenen 
capileb in seinem aostuge wordigt 

Was sieb vns also bis jelit ergeben hat, ist folgendes : wir 

1 dass bei Maximiu der rühm und das beiienntois desWulfila ersl auf 
die erwähouDg seines todes folgt, w&breod bei PhUMtorgiu tob dem tode 
gar sieht die rede ist, kann DaUMich kdocn einwand abgeben, ttbcfdies 
maaaen wir bedenken, daaa bei Pbiloitorglna der bericht über Wolllla ein 

eitischiebsel in die geschichte Conslantios i lat, Wolfilse tod rr erst nnter 
Theodosius eintrat, Phntins also vielleicht zu weit zu geha glaubte, wenn 
ir l>ei CoDStanlia sogar ereignissf* nus Tbeodo^iu« regierung iiinfintirachtf. 
[ ( SNills von Sievers gebilligter ajis WIK, Conslanuu sei liier ein irrlum (dann 
doch äiclier des Piioüus, uichl des I'hilostorgiu») für Coostanlius, ist un- 
angebracht, denn daniit wird ja doch Immer nodi nicht eiklirt, wie Philo- 
atorgiot oder Photius dasn kommen sollten, die gcichichte Wolfilas gerade 
in dem abschnitt Ober Gonslantin an eisihlen. was Aber Walfila seitens 
Philostorglos sn beriehten war, war sicher nur ein excurs, und den aolaaa 
dazu muss ein ercignis zu lebzeiteo Constaotins gegeben haben, wir haben 
f!nlt(^r ni. e. hei dt r auffsssunjj 711 verbleiben, dass der epitornator die er- 
eigriiüHe hu vu^ ^usäintiieiuog, dass die Sendung Wulfiias au den hof Con- 
»taatins und seine weibe durch fciusebius la einen salz zusaromengedräugt 
worden, solche kOne ist doch nicht so nnglanblich, dass wir gleich' dncn 
irrtnm aonehmen mflsten. onnfttig nnd weniger gnt wire es, wollten wfar 
hier CoosUntin den jflngeren (f S40) annehmen, der ala iltcster sahn aoeb 
sonichat als nachfolger sdnea vatcra galt. 



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Diß ARlANlSCfi£N Qlj^EN 0B£R WULHLA 29» 



baben io dem iinoer den aamen dei Au^aiitiiie gelmdeii' icfeMibeii 
iweierlä xn uotandieideii : etttinal dee Aiaeiiitiu 'aiwfalirliche 
■itteiioBg Aber dea glauben seiies lebren, die Httimia:«!!» 
einer Ihoi mliegendeo 'epiflah' wortlieb ausgesebriebeo hat. 
xweiteos beben wir ein excerpl dee Maximin aus einem bericht 
des AuieüUus über das lebeo WulAlas. wir ÜLirfen wol heiiaupleD, 
dass Maximin keine gut durchdachte historische auHassuDg be- 
safs. und es war ibiri auch gar nicht um eine bis ins kkinste 
neblige bistorische darstelluog zu tun, fUr ihn war ja der glauben»* 
aUeit zwischen Ambrosius und Palladius die. bauptsache. Pbilo- 
alorgiua bingegeo schrieb geschichte* ebenso wie sein epilomator 
Pbetina. daber gibl Fbilostorgina rioblige bialoinacbe datav din 
Pbolioa bia tur unfersUindliebkeit siiaaaunengeacbnarl bau 

£a erbebt aicb nun die letzte -ftvge : in welcbeoi ? erblltnia 
steht der erste teil, die ^epialuhi' des Anzentioa tu dem xweiten, 
dem der epitome des Maximin zu gründe liegenden historischen 
bericht des AuxeuLius? 

Wenn Bessell recht hat, dass Anxcutius die auseinander- 
aetznng über den glauben VVuliilas i^ei liole oder auf einem con- 
eil vorgelesen, oder doch zunächst zu diesem zwecke verfasst 
bat, so ist klar, dasa beide teile, die ^epiatuia* (das ^recitatum') 
nnd daa *eipoaitum', orsprOnglicb nicht zusammengehört haben, 
bitte una daa letztere Blaximin in seiner antbentiseben form er- 
batten, ao wäre seine recitation bei bofe oder aonat bei oiBdellar 
gelegenbeit ganz unmOglieh geweaen. daa ergibt acbon die flubera, 
au idrin gliche form, aber auch inbaHlieb bitte es keinen eindnicl 
machen können, uiaa sichi ^ar nicht ein, was dieser historische 
ballast denn noch beweisen sollte, nachdem das einzige worauf 
es ankam, nämlich WulQlas glaubensbekenuluis kli[jp und klar 
auseinandergesetzt war. dasselbe gilt, wenn wir an die steUe 
dea fon Maximin zu ganz anderem zwecite angefertigten exeerpta 
den ausführlicheren beriebt des Auxentius setzen, was interes- 
alerte die biaebofe oder auch den Icaiser daa leben des Wulflia 
io aeinen detailaT für seinen glauben war es gleicht ^ «r 7 
oder 10 jabre in Traoadaoubieo gewerkt hatte, und ob er auf 
«iner eoneilareiae oder einer diaputation gestorben war. auch 
die biblischen parallelen konnten keine wOrkung auf Orthodoxe 
machen oder aul (Jen kaiser. dass Wulfila ein würdiger, ehren- 
werter mann war, konnte man bereiiwiiUgst zugeben und liat 



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SOG LUFT 



es vielleicht auch geian , seioe beiligkeit uad antorit^t konnte 

man trotz aller biblischer parallelen eben seines bekeuoiuisses 

wegeo nicht mgehen. Ha?? hJlttc sich Aiixentitis «icher auch 

gesagt, die historischen dinge halten nur zweck fiir die anh inger 

Wulfllas. diesen muste alles willkommen sein, wodurch ihrer 

fOrkimi^ wflrdigkeit und beiligkeit erhöbt wurde, bat daher 

Bessell recht, so hat Auxeotius neben der 'epistiila' db. dem 

glaiib«B8bekeBiiUiiB WiilfiUs« wie es dem kaiser und den Ortlio* 

doken imrfeli«g«i wurde oder werden sollte, Bocb eine ktine 

lebeoibeeebreilNiiig mlteet» die Itir die tnlilDger des arianisaiiis 

kestimml wsr. denn dH gebt klsr ans dem gsnsen nndsebniben 

dee Msxiniin hervor, dsss Wntfila mit PeiUdine und Secuadlannt 

sn den lührem des dem lode nahen arianismos geborte*, viel^ 

^ dann mflifeli WaUIa and Anxenttaa anch deaaelbcfi gltaben gehabt 
kebcn wie Pilladtaia ead Secandiaans. sie witen alan aach aogtaannia 

Semiariancr* jMtes, der, wie schon Kaaflmann betont hat, Aaxeniius ohne 
gmnd zum Anhonöer macht, — wie käme ein solcher in die gerolgschafi 
des PalladiasT — sieht in dem testament Wnlfibs einen Torschlag zu einer 
uoioQsformel. dazu vsar es dorli so ungeeignei wie nur möglich, besoiulcrs 
inhaltlich, weniger geht das hervor aus den Worten üt»er das Terhaitnis des 
aebncs tnai Titer. sie sind allerdings knapp nod dckakar. aber was noUta 
<a ffir liaa habao, da« Walflla, nacUeBi die MaecdoBiaoer auf der tif" 
Bode 881 TOB den Orthodoxen nacbdrAdKliehat gdchtet waren, ihr glanbcoa- 
bekenntnis in bezug auf den heiligen gdat in so acbroffer rorm wider auf- 
nahmT dadurch wurdf» doch jede Verständigung' rviW den Oi ttiofJoxcn a H- 
mlne unmöglich, die ihren groll zwei jähre ruvor sosehr nti (im Macedonianern 
ausgelassen hatten, obwol letztere in bezug auf des sohnes gütliichkeit einer 
▼ersländiKuriK nicht abgeneigt waren, ebensowenig kaua das testameut mit 
aainen e^o Llfila mq»«r Hc tMÜdt fonnell eine nnionafoinid Twatancn. 
in der form wie nna daa tealamcat vorligt — und gana and gar nngeindert 
kann ea Maximfn nicht haben — kaaa ea nnr für die anbiager Wnlfilaa be- 
ifittiait gewesen aein. nnn bat ea freilich mit diesem testament eine eigene 
bewantnis. ganz so wie e« uns Maxiniin fiberliefert kann es nicht eelautet 
haben, das hat schon Wailz s. 66 fln^rdi ntrt. der sal?. idm fs{ omnium 
deus qui et dotnini noslri est dcus pasbl uicht an seiner steile, wie Kauff- 
maon dargetan hat. ferner macht Josles darauf aufmerksani, wie sonderbar 
Ca Ist, dan Wnlfila gerade beim heiligen geUt aeiae aaalcbt mit stellen aus 
der hdttgen adirift atfitat. achcn wir nna letstcra genaaer aa, ao flndea 
wir kl ihnen überdies gegeafikcr dem gnten latdn des Anxentina in den libal* 
stellen abscheuliche fehler : ecce ego mitto promurum patris mei in uobit, 
ua» autem tedetc in civitatem Hierusalein {L\u:2A,i^). Wulfila wird 
solches latein ebensowenig geschrieben haben wie Auxenliiis. Maximin hin- 
gegen muss des ialein nur mangelhaft kundig gewesen &ein, denn überall 
Wo wir aeine worte ohne jeden zweifei vor nna haben, finden wir solche 



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DIB ARIANISCHElf QUELLEN OBER WULFIU m 



leieht haip «bor non BtmtW MbH gani las riditigi gttroflia. 

Ameothn 'ndlatuoi' ist liallsiclit nie m «tttm ittkliMi ge- 
worden, oder Oberhsttpi «in solcbes gar nicht gtwiteB» dann ist 
«s sriillriicb, dasa as Anxentim,* mn andre amglicbkeiten nielit 
weiter eo berahren, als Parteiprogramm an seine anbXnger sante. 
aul eiu solches rimdächreibea passeu am besleo die scbarlea aus- 
drücke gegen die Ilomousianer, die doch Auxentius vor dem 
kaiser oder auf einem concil der orthodoxen unmöglich Tortragen 
koDDie. diesem rundschreiben liSUe daon Auxeutius zur nähern 
Orientierung die biographie Wulfllas beigefOpt. eniweder waren 
daon beide schreiben getrennt und zwei besondere actenslUcke, 
oder Auxeotius hatte sie su einem organischen ganzen ?erarheiiett 
das TOD Maximin seinen zwecken entsprechend xerrissen wufde. 
welehe der beiden mOglichkeitMi ataitgefunden hat, ist für unsre 
finge von keiaem belang, daa eine steht fest, dass Maximin die 
Baekriclit daa Anxcntina Qler daa glanWnsbekenntttis Wulfilaa 
wUrdicli anligenonmien» aua den hiatoriscben daied aber nur ein 
escerpt angefertigt bat : in dentlicher abaiebt, WulAta ans der 
Bibel herana ab heiligen tn erweisen, nnn macht lemer die 
oben anageftbrte ttbereinalimniung Ewiachen dem excerpte des 
Pbotlna aOB Pbiloatorgina nnd dem exeerpt dea Maximin ans 
Anxentius die annahoie nnumganglieh , dass das ^expositum' des 

schnilzfr. folglich sind diese Mhelcitate einscliiebsel des hitzigen M^ximn), 
der sie woi aus dem griechischen übersetzt hat. wir ^cheo aber auch den 
gnmd, weshalb Maximin diese dtate einachob. Auxeotioa hatte in der 
*epistDla* geugt : mm aaw md i i M i Itoa da n f amw» fNuUUt&m « • • Md Mom" 
dam dtuüus tertMurm» ond bei der eatwlekliiog dct aoakht Wolfllaa Aber 
dco beiligeD geUt die der nacedoDiaDischen so gut wie Idcatlache lebte f e* 
achlckt durch 4 bibelatei)cti gedeckt hier hatte Maximin eioeo anhält, aod 
et fühlte sich bpmöfsipt, norh zwei hinzuiufTi^en. die grundlag<* aHer djpser 
dtate kann offenbar nur ilie goweseij sein, dass sich WoIfiU dagegen ver- 
wahrt hatte, trotz seiner mit der macedouianiscbea identischen ansieht übt r 
den heiligen geist zu dieser secte gerechnet sa werden, und das gauze 
testaaneBt mcht seht« den eindracfc, ala ob ea anf eine er5rterong nit dea 
Poeamatonaebeo augesdihittcn wire« der iatt Um « • . dSn» taast Bbrigeaa 
daa wbillaia dct sidnta vorn vatcr gar siebt acUeebt snaainflieB, ohfltich 
er den gedankeogang anfhilt and stört, ich glaube auch, dasa das testament 
Wolfilas griechiaeh abgefasst war nnd von Maximio übersetst ist. ich maehe 
dsfnr die nng^fschickte ronstrnctioo geltend : credo unum esse patrem , . . 
et in unigemtum ßlium . , . et unum sanctum tpiritum. dann kuunlen 
die citale hier von Wulfiia stammen, ob das ganze historische exposilum 
dea Auxeatius griechiaeh abgefaast war, bleibe dahingealeUt. 



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802 



LUFT 



Awnlins «iich for PbiloMorgiils die gmndlage bildäie. und wir 
dOifmi «nnebmeDt dm di0Mt expositüm eine imneriiia pane- 
^riscbe lebeiiBiMMhreibuiig vofi Wulfila gab und nicbt «Diu lang 
«ar» aodlsa Philoalorgius dicae^lebansbeacbraibiiDg r- ala exeora 
r^. liemlich wOrUidi m leitte yod ariauiacbes» alandpana ana 
^escbriebeDe kireheDgescbicbl« aofnabni* 

€ber daa labeo WulAlaa beaitaeo wir danmaeb nicbt xwd 
von einander noabhäogige quellen ariaDiscben staodpuncts, sondern 
alles was wir Ton arianischer seile her über Wulßla wi^sea, 
geht auT Auxeutius zurück. uuU üa haben wir nuu drei gruppen 
;u unterscheiden. 

I. Das glaubensbekenDtois Wulüias, das er selbst verfasst 
hat. es war jedesfalls griechisch, und Maximin hat es \\o\ über- 
selzl. es bietet ein semiarianisches bekenaluis ruil lieulhclier 
apilze gegen die MacedoniaDer. an historischen tatsachen gewährt 
ea zweit die aus Wulfilaa munde das bestätigen, was wir auch 
aonst wissen : 1) Wulflla war bischof. da er sich aeibst diesen 
tHel beilegt, beben wir nicht das recht, den bekannten preabyter 
dea Amiiiian mit ihm zu identificieren. 2) WuUUa war ein *oon- 
fessor* dh. ein cbriat, der von den beiden aeinea glaubena wegen 
Verfolgungen tn erdulden hatte. WuUUa legte alao wert daranf, 
daef er gegen daa beidentum geatritien bat. 

u. Die erllntening dteaea wulfilaniscben glanbenabekennt- 
niaaeB, wie aie Auxenltoa — za welchem zwecke wiaaen wir nicht 
genau — gegeben hat dieae, latd&iach abgefasst, ist uns durch 
die copie des Mazimin in ursprOnglicher form eiiialten. * 

lu. Ein kürzerer — vielb iclit ^Tiecbisch geschriebener und 
sicher für die anhänger WuHilas bestimmter — bericlit, der in 
panegyrischer furn) das leben Wuililas eoihielL dieser ist uns 
nicht direct erhalten. Philostorgius halle ihn ziemlich geuau in 
seine von Photius excerplierte kir< beugeschichte aufgenommen, 
während ihn Maximin iu andrer absieht excerpiert hat. 

Hiernach beansprucht Auxentius ein grOfseres interease, als 
ihm biaber zu teil geworden ist wir wiaaen leider von ihm 
nicbta* aua Mazimin erfahren wir, dass er bischof von Doro- 
alorua war, das ist alao ungefähr der aitz Wulfilaa, und ein 
'Parteigänger dea Palladiua^ mit dem er gegen Ambroaiua kSmpfte. 
ea sei mir gestattet, hier noch eine mit meinem thema nicht 
zuaamnenbingende combination Uber ihn kundigeren zur prOfung 




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DIE ARIANISCHEN QIIEU'EN OBER WULFILA 903 



'wn^Ugtn* AoiflDtiiis nffuni sieh Mb^t amaDiMiiiis mui •dil|]«r 
Wulfllas. die gaoM art in der ihn MeximiD erwihot macht et 
wahncheinllcb« daas Auienüua Wulfliaa nachfolger gewaaen ist, 
wenigateoa aonlchat den , kämpf for den arianiamua an Walfliaa 

statt weitergeführt hat. nun oeDnen nna aber die orthodeien 

kirchenschriftsteller (Sokrates und Sozornenos) als amaoueDsis 
und unmillelbaren üaclifol^er Wuifilas Seieaas (vgl. über ihn 
TillemoDt iM^m. pour servii usw. vi 631). auch von Seleoas um- 
standen erfahren wir nichts, sollten beide ein und dieselbe persOD 
sem ? zwei unmittelbare oachioiger kann doch Wulliia nicht gehabt 
haben, und ebenso schwerlich zwei amanuenses zu gleicher zeit, 
die verscbiedeoheit in deo namen kann nicht allzu schwer ios 
gewicht fallen. SsXtjväg ist der grieGhiacbe (phrjgiacbe) u^d 
Auxentius der lateiniacbe name. fen einem Auzentioa wird nna 
* Qberiiefen, daaa er aeinen skytiscben namen Hercurinua aua aeham 
flher aeine abstammnng io Auxeotiua umgewaiidelt habe, nun 
sieht man aber dem gni lateiniacfaen namen Nercurinua doch 
das 'abytiache' gamicht an« ea mun alao noch etwaa mehr da- 
hinter ateeken. JS§l^yas hingegen klingt weder lateioiach noch 
griechiach, a^ndern achon eher *8kjtiBch.' im kirchenlezicon ?on 
Weiser und. Wehe i* 1738 wird dieaer Auzeolius, frOher Her- 
Corinna, mit dem nosrigeq, dem biacfaof von Doroatema iden* 
tificiert, mit welchem rechte, bab ich aber nicht ermittelo kOonen. 
wichtiger konnte der einwand scheinen, dass Seleoas ja das haupi 
der Psaliiynaiitr war. dagegen isl aber daran zu erinueru, dass 
sich diese secte erst 384 . abgespalten hai^. zu der zeit also, wo 
Auxentius Uie uns vorliegende schrifl veriassie. war von ihrem 
spitzhodigen streit noch keine rede, anderstii.s liaKeii siili die 
Psathyrianer zur zeit, hIs Maximin schrieb, den gotischen Ananern 
schon längst wider angeschlossen , sodass Maximio davon keine 
abnuog mehr zu haben braocbte, dass Auxentiua später haupt 
der Paathjrianer wurde. 

Wenn die im vorsteboden gegebenen resultate über die 
arianiacben quellen dea lebena WulAlaa aticbhaltig aind, ao er- 
gehen aich für dieaea gewichUge folgeningcn. wir können nicht 
mehr mit Sievers aagen : entweder hat Auientina recht, dann 

* die 'glückliche' (■onjoctiii Bo^sells (Jisjniditio cvJilra PtathropoUttas 
bat Siekers aufs giüaüiiclisle widerlegt, seiue eigue scheint mit aber aucti 

naeaathate« 



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304 



bmlMet PbflMlttrgiw ftMi, oder AaiMtni hat die nUn lir 
•eilen twcck nmAi f enecht, «ihmd Phile eie f gi M nÜMgebe 
dsrcbiw aniielHBler »L die gltobwttrdigleit des ndloeurgia» 
•leirt iiid am Bit der des AueBtiie« den der leiMe iit die 
quelle lir den entern, tm md flir sidi kibe» irir am kdmtm 
gruod n der anoabroe, dass Aaxentim Iber dee leben eeitce 
lebrers ond Torgflogers schlechter unterricblet gewesen sein soll, 
als die orlliodoxen schridsleller, oder auch als der 50 j.ihre nach 
Wolflla schreibende M<iMniin. Sierers sebliefst seinea ariikel mit 
den Worten : 'meinerseits aber kann ich nicht umhin, nach wi« 
vor die aulbeniiciuii seiner (dli. Auxenlius) zahlen für ferdSchtig 
10 halten.* durcli meine unler^uclmng^ wird nun, glaub ich, 
unmöglich gemacht, eine irrige angäbe tn den von Auxentiu«? ge- 
gebenen zahlen zu coDStatieren. er hat weder die Jahreszahlen 
stilisiert noch die biblischen parallelen auf kosten der Wahrheit in 
Stande gebracht, gewie wire eo elwas möglich, obgleich der 
umgekehrte fall in der beweisfObrang der damaligen theologeo 
doch gewöhnlicher ist, Bioilieh ans der zunUigen gleichbeit der 
jahresEahlen bibliacber penonen mit denen irgend eines mannet 
deiees heiligkeit ra erivdeen, und wie wir eaheo, bat Maximia 
aach dieae logik geObt. Aoxeoliaa bitte eich dercb aolcbe etil»- 
aieraag eetbet eiae grobe gegrabea. in der leit, ab er aeia 
acbreibea abtatet Wulflla aoch bei allea ia friacbem aa- 
gedeokea, uad aeine ortbodeiea gegner blileo tba aaf friaeber 
tat der lüge flberflllbrt, deon aie kaantea aoaSbcrad das Idwa 
ibrea seitgenoeeea and gegnera WaUila. dorcb dieae uariebligea 
aableaangabea wQrde ibnea Avxeatiaa aar eiae waffe aiehr ia 
die binde gegeben haben, und seinen anbangem, die doch auch 
Wulfilas leben kannten, hatte er durch solche Stilisierung doch 
auch nur ein l'icheln abgewinnen können, der 50 jähre nach 
Wulflla schreibende Maximin hätte sich solche ungenauigkeiten 
eher zu seiuem zwecke ;,'estatten dürfen, damals war Wulfila 
schon elwas m vcrgr-sriilieil geraten. Maximin könnte also die 
zahl 40 immerhin erst aus dem unbe^irf nbiircn rprhpnpxempel 
7 -f- 33 ■■40 gewonnen haben, und woUeu wir mit (Un zahlen, 
die uns sein randschreiben Oberliefert, operieren, dürfen wir nicht 
die sablen nehmen, die uns in dem zweiten teile, seinem excerpt, 
allein gegeben eind, denn diese könnten aUerdioga luracbt gemacht 
lein« SieferB hat selbst Martina irriom widerlegt, dasa die labl 40- 



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DIE ARUNKCfiEN QUELLEN OBER WDLFILA 305 



ttlMiliaiipl erst mm dieMni «ddilioiiMeaipel gewooBeo «irdA 
denn schon in dam enlen teile, der foo Haximin wllrUich ani» 
geschriebenen *ept8tula' des Anxentios, weit vor jenen zahlen- 

vergleichen, die Maximio zur last falleo, bej[egnet der satz : Eo 
ita jiraedicüute et par Cristum cum dileclione Deo pairi yralias 
agtute haec et his similia exsequenu qnadraginta annis in episco- 
patu gloriose ßorms apostolica grah'a Grecaui et Laimam et Go- 
ticam linffuam sine iiUennisi^ione in nna et sola eclesia Cristi pre- 
dicauit (io Waitz quartausgabe h]t^pu danu noch 13 Zeilen ganz 
anderen inliallf, ehe auf jahreszalikn uider eingegangen wird), 
aber dieser satz ?prirht doch gerade gegen Sievers annähme, die 
zahl 40 (30 kommt im ersten teile Oberhaupt nicht vor) sei 
zurechtgemacht, denn ein gnind zu irgend welcher Stilisierung 
Ist gar nicht vorbanden, auf die xahl wird absolut kein gewicht 
gelegt die 40 jähre «erden so nebenher erwähnt, dass doch 
•ieblt ausfindig su machen ist, weshalb Auxentius diese gleicb- 
gOltige lahl sollte gefllscht haben. h«lte Wulflla 42 oder 3B jähre 
seines hischofamtes gewaltet, so wflrde das an unsrer stelle gar 
nichts verschlagen, und eine absichtliche abrundung hatte Auxen- 
tius durch jnmus oder areAcr kenntlich gemacht die hier so 
ganz nebenbei angefahrte und gerade deshalb um so glaubeni» 
wordigere lahl 40 darf unter keinen umstanden heanslandet 
werden, was fOr den zweiten teil möglich wAre, ist far den 
ersten unmöglich; mit andern werten : Maximin konnte die 
zahlen 7 und 33 zurechtgemacht, auch wol die jähre der amts- 
dauer Wulfilas auf 40 'ab<,'eruiidel' haben, iiichl aber Auxentius. 
daran darf also nicht gerüttelt werden : Wulöla hat seines bischof- 
amles 40 jähre gewaltet, isl dem aber so, dann werden wir 
auch für den zweiten teil nicht im nehmen , dass Maximin die 
zahlen 7 und 33 aus der lult gegntleu Int; diese zahlen fand 
er in der biographie des Auxentius, die er ncpipierte, vor. hin- 
gegen werden wir ihm wol die iogik zutrauen, dass Wulfila ein 
heiliger war, weil die zahlen seines lebeos ihr Spiegelbild in 
dem leben heiliger männer der ßibel fanden, und dieses spiel 
mit den zahlenTergleichen bat er bis zur geschmacklosigkeit ge* 
trieben. von ihm stammt die vergleichung der 40jahrigen fObrer* 
Schaft Wulfilas mit der des Moses; der vergleich aber der tatig» 
kett des Moses mit der des Gotenbischofs rohrt nicht von 
ihm her, sondern von Anzontius oder viebnehr vom kaiser 



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306 LUFT 



CoDStantius. da§ erhellt daraus, dass diesen vergieicli auch PliUo* 
iloigüls hat 

Welch«' Tertrancii kOBoeo wir dos den, laitaagabeo des 
Philostorgius schenkea? Si«vm selbtt hat g«rahlt, daaa wir 

ihnen in jeder beiiehuiig glauben beimessen kODD^n* und er 
sucht daher die ungenauigkett lieber aof seileB des Auxpotimi 
es ligt in der tat kein gmod zu der annahoae för, das» Fbilo- 

störgius Talsches berichtet oder dass ihn sein epitomator falsch 
excerpiert habe, wenn gesagt wird : rraga tov tt^v ^QX']^ ayof- 
fog %ov ed-vovg i.il zvüv rov Kcjvatarrivov ;fpd>'wv eig 
TtQBüßeiav ovv ukkoig artooiaieig Inb Evoeßiov xal nüv 
avv atii^ ti-ctoy.ufTfüv yfigoroveiiat ztor Iv reTiyfj jfpftrr/a- 
vi^ovztüv, so ibl klar, dass hier zwei verscbieii^ue ereigoisse lu 
eiDeili setz zosammengefasst sein müssen, denn wenn hier gleich* 
zeitige erdgnisee berichlet würden, so mQste Wulftb anter Con- 
itanlin i (f 337) zum bischof geweiht sein etwa gar ton 
Ettsebins von Caesarea, das ist aber unlnOglich, denn danach 
mQste er spätestens 377 gestorben sein» wlhrend er - noch, 
frühestens 379* mit Palladius und Secundianus eine action filr 
den arianismus zu uolernehmen gedenkt, mit der annähme eines 
Irrtums sind wir aber auch um nichts gebessert, dass Consta nlin 
ein irrluu) lür Conslautius m i, ist sehr bedenklich, wie wir oben 
s. *29S anm. sahen; die aniidiiiiie dass Eusebius ein Irrtum sei, 
bnugl uns, wie wir eben sahen, vom regen in die traufe, dann 
wäre Wultila 377 gesturben. um 4 — 5 jähre küonle selbst 
Haximin nicht die zahlen ^abgerundet' haben, zu der radicalkur, 
dass CoDslantin vnd Eusebins zu unrecht stehn, haben wir nach 
allem was wir von Philostorgius und Photios .wissen keinen an- 
lass. in einem setz zwei nameo und beide fälscht wSre doch ein 
zu starkes siflck. Rrafft ist allerdings vor dieser ungeheuerlichen 
annähme nicht zurllckgescbreckt (Herzogs RealencyclopZdie unter 
Lllfila) folglich muss es bei der alten ansieht bleiben, dass 
Wullil;i an den hof Constantins i i^eschickt wurde, in Consianli- 
nopet mit defi Arinin i n in vprhiiiduug trat und durcii d< n da- 
maligen bisciiüi von Coustantiiiupel Eusebius von Nicomedi» n, 
das haupt der arianischen parlei, zunj bischof geweiht wurde, da 
Eusebius aber 341 starb, muss Wulflla spätestens 341 geweiht sein K 

* man nimmt an, dass dies auf der synndr zt; Antiochien {in encr^pnü«s) 
^41 siatlfand. Kaufaianii hat dagegeu bchon betoQt, dass der auadruck 
EvatßiOi xal ol ovv avt^ durchaos nicht auf eioe avoode fedeotet wer- 
den muM, nnd dass bischofsweibea auch nicht nur auf synodeo stattBodeo 
konntf'n. die griechischen Worte besagen weiter nichts n!s Fn^rbiu'^ nnd 
teiae antiaiiger' (seine 'partei'h ei>eo80 wie der von Wulfila gebrauchte au»- 
druck des PhilMlorgitts avvov te xäl rovc fnr' avtov nar bexeidmet *er 
nnd seine anhänger*. mit Jener tynode in encaeniis ist es aber befcanntlicb 
eine eigene Sache, man kann sie durchaus nicht eine arianische schlecbthif» 
oeuuea (»lall jeder speciaililleralur sei verwiesen auf Tillemont vi 329 und 
Hefele GondlleDgeBchiehte bd t). die Aifaser waren eiftatlidi In der nin i or 



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Di£ ARUiMSCUEfS UUELi^ ÜB£H WÜLFiLA 807 



Nur der ariaoische bericht gibt uos also besiimmte anhalte 
fOr die cbrooologie im leben Wulfilas, und er redet » ine cfeul- 
liebe spräche, nach dem atiantastbareo zeugors des riulusiorgias 
muss Wulfila spaiestens 341 geweiht seio, Dacb der ebeuäo uuau- 
tütbireD bemerkuog io dem lathtotiBebeo 8chr«ib«o des Auxeatius 
in WnllUa 40 jalnre bitcbof geweseo, folglich i«l WiillUa Bpltestm 
381 geatorbeo. atte Obrigen aogalieD aind xnnüchst uDaiehar. 
die TOD orthodoxer aeite gewflbren ja Oberhaupt keinen cbrooo» 
logiachao aafaalt. aber auch die angaben des Maximin lind nichl 
ohne weitaraa hinxunehmeo. seine zahlenspielerei kann zurecfalr 
gestutzt sein, Wulfih braucht nicht mit 30 jahreu bischof ge- 
wordeo zu sein, er braucht nicht 7 jähre in Trausdanubien und 
33 jähre in Mösien gewürkt zu haben, auch sein lebensalii r rnil 
rund 70 jalireu kann auf irrlum beruhen — alle diese Zahlen- 
angaben, die Maximin alU in Inetet, werden wir erst nach genauer 
prüluDg tiiimelinteu , nachdem wir gesehen haben, wie sie steh 
xwiflcbeo die festen puocte in der Chronologie von Wulßlas leben 
341 und 38t eioreihea lasaco» aber auch die Qbrigeo nach- 
ricbteD dea MaximiD Ober die diaputatioo und die ▼erbaiidluDgeii 
der Anaoer um ein concil mflssen nach dieaeii beiden featen 
puncleo bestimmt werden, die Verhandlungen müssen spätealena 
381 stattgefunden haben, alle spätem arianiscben actionen koBumen 
für das leben Wulfllas nicht mehr in betracht. ich glaube nun 
allerdings, das wa? Maxitnin erzahlt in diese Zeitspanne 379 — 381 
einreihen zu können, mi wesentlichen den ausfUhruugen Bessells 
gemafs, natarlich ohne die 'Psathyropolisiae'. auT die von Maximin 
angeführten geselze scheint man mir zu viel gewicht zu legen, 
denn seit 379 hat Theodosius jedes jähr neue gesetze — besser 
Verordnungen — gegen die haretihar arlaaaeo ; TiHemont bat sie 
acbon alle In aeinani memoiraniferk erwdhot, auch daa zulelxt 
von Sireilberg aua dem jähre 383 beigebracble. ich mochle 
aber eine nSbere auaitlhruog verschieben, bia die von Kauffmann 
in auaaichi gealeJIle neue collation unarer handacbrifl vorÜgL 

Auf Maximina angaben kommt ea auch zunächst weniger an. 

können wir sie auf gruod der uns erhaltenen Überlieferungen 
nicht aufbellen und in einklang mit sich selbst und den übrigen 
kircbeohistorischen nachrichlen bringen, so ergibt das für Maximins 
suvertaaaigkeit bedenken, wir kOuoen diesem mann immerhin 

hc'n (H) gegen 9Ü Orthodoxe), sodans man verschiedene versuche gemacht 
hdt zu erklaren, wie denn das arianische resultat möglich war. das steht 
jedesfalU fest, dass die Arianer eine fctlgeachlossene parlei unter Eusebio» 
blldi fen» wahrend dir orlhnHnxf» parte! at» verfahren lieit iitt. die ariani^srhe 
partei wird Don aher «cbou jedeslails vor beginn der synode ihr proKramiB 
aofcea teilt, fhieo plan beraten and anlilDger sa sanmeln gesucht babco, 
ODO auf solche vorheraU-nde versammlmg — unter Torsitz desEuseblas — 
lassen sich die wnr!r dr«? Philostorgius am ungt*7wnngeoileD dCtttCO, OOd 
sie kaon noch la ConslatiUnopel stattgefunden haben. 



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m LUFT m ARUMSCÜEiX QlELLi^ CBCft VYULFILA 



getcbicbuimonoer luiraueo. einmal weil er gar nicbt gescbichl- 
licte wgriieo gebe» woHl« Bsi mmk 50 jilttw Ster cr- 
MgBieM w 380 BidilMlir t» graMi «ncalMft n «n IwMMhta; 

anderseili war «r fidkncbt auch nicht pai fiihig, die ihm tvi^ 
liegeodeo nacbrichteD ridMig aoliuraiseo. schlieCilich kommt 

Doch hinzu, dass s^ioe Dotizeo eili^ hiDgpworfeDe raodaDmer> 
kuDgen smd, oach denen er tieUeidil eine sclirül verCasseo 
ifoliie. 

über die nnlifm umstände, uuler (ieoeo VVulllla gestorben 
ist, iiiugeii wir also immerbio nichi ganz ins reine kommen, 
für fein todesjabr selbst gibt es kein noo liqueL deon das wird 
durcb die unventtcbtigen wogniMe des Anestiot, wit lie um 
dorch ibD ielbet and durch PhilMtorgiaa (PholiM) erlialteii aiad» 
auf afiateilMis 381 beatimiBt. »od bOeliateM bia 881 konnte 
Constanfioopolis Ton einem so eifrigaa AriMer wie MaiiaBiB des 
ebrentitel GrisUanopolis erballeii K 

Beriifl, in mai 1898. WILBELM LUFT. 

[* die 80 gewooneoen resalUle werden durch deo ebea erschieoeaen ar- 
tlkfl Vogt« Iber Walfila (A DB uiv 370 ff) aiellt eraeblHtert. eine aasfahrliche 
viderlegong der io diej>«m aufnts flbrigens recht voriichtig vorgetragenen an- 
steht über Wuifiiss tf tli.ahnie an der härelikersyncMle 363 hoff ich an andrer 
stelle bei ODtersuchuag der orUiodoxea qoelleu geben zu können, auf einiges 
mfteiit ich aber scIhm Jeist bhiweiaeo. Togt meint aoeh, dasa es Maiinuo 
nur nm das concil von Aqinlpja ?,^[ zu tun sfi. iijitfiin Ist e« a priori nn- 
wahracbeioiich, daas er noch die ereignisae der haretikeraynodc 399 in deo 
krcia adncr betradrtoogen zog und obeSidreiii noch die geselle a«s dicscai jähre 
der erwähnang für wert gehalten haben sollte, anf das eomoieUs quadragirUm 
annU legt Voet unberpchtigtes» gewicht, der ausdruck beweist un«, dasa 
weder Auxentitjs tioch Maximio die absieht hatirn, ihre biblischen parallelen 
aaf kästen der wabrheil an criangen. er zeigt ons anch, dasa Martin mit 
seinem niPtlKjdischen bedenken gegen die 'Verdächtigung der Wahrheitsliebe' 
des Auxeotiu» recht hatte, auch er aber berührt nicht den hsuplpoocl. wir 
nollco es ffir mftglleh ksiten, dass Anaeotioa die bisehofssctt walfilaa von 
43 auf 40 aljiieruiidpt hat. und dass er <ngar biblischen parallelen zu liebe 
dreist diese eben erst zurechtgemachte aahl wider in 7 and 33 Jahre zer> 
legte, sodass Alhanarichs Verfolgung ganz wiliküriich angesetzt wurde, be- 
gieng aber Auxentioa aolche * historische irrtAmer*, wie dürfen wir dann 
seinen afigahen über ditputatr'o, rnncilnnnf eomitatu* blindlings platiben 
•cheokea, zumal sie oach aiigememem Zugeständnis stellenweise uniesbar 
nod fiberdiea ▼erworren ood nDklar sind ? Vogt unaa ferner sngcslebB, dsss 
sich alles am ungezwtmcenslen auf die Macedoninnrrsynodp 3S1 deuten lägst, 
wenn man onr Josten zugesteht, dass Walfila hiasichtlicii des heiligen geistes 
ebenso dachte wie die Poenmatoinacbeo. das bat Jostea ▼ollslindig etw i e sen » 
nun sagt aber Vx>gt, Wnifila kann deshalb nicbt an dem Macedonianerconell 
teilgenommen bähen, weil er nach Aoxentiu« ein schroffer gegner dieser 
secte war. dann ligt stillschweigend die vorau^seUung, dass Walfila nur 
als anhinger der MaecdoBianer geladen werden konnte, allee Wirde sich 
glatt lösen, wenn er 8l<? pepner der Maccdodianer geladen war. und das 
glaub ich aus den orthodoxeu quellen und der darstelluog, die Maximia vom 
tede Wolfilas gibt, erweiaea so kSaaea. cofreetamote.] 



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zu WULFILAS BEKENNTNIS UND DEM 
OPUS IMPERFECTUM, 

lo meinem auiBatt Ober WalOla in der Allgemeioeii deuleebeo 

biograpbie (xliv 27 Off) Marfen eioige der puncte, in denen ich 

fon den bisher geäufserten aufTassuQgen abweiche, wol einer 
nflherD erklaruug« aU ich sie im ralimeo einer solchen darstellung 
geben konnte und durfte, es bandelt sich dabei vor allem um 
die deulung des in neuester zeit von Josies (Beitr. 22, 168 ff) 
und Käiilluiaiiu (Zs. f. d. ph. 30, 93 (T) so verschieden aufgefassten 
glaubenshekenntnisseR des Gotenbi$chor8(VVaiU 8.17 U.21t welches 
ieb fojgeodermafseo überaeut babe: 

Ego ulflb episkopus et con- Ich, Ultta, bisch oF und bekenner. 



fessor * »emper «ic crct^idi el in 
bac fide sola et vera iransilum ^ 
fäcio ad dnin ineum credo unum 
<^se dm patrem soium iogenitum 
•I mvuifüem et in uoigenitum 
fiiiiB eim dim et dfi i opi- 
fieem et faetorem nnivene erea- 
tnre hob habeotem wnilem suam 
ideo uDus est oninium di^ qui et 
de nostris est ds et unum spm 
«cm iiirtutera inlumirianlPin el 
sanclilk:not<>ni «t ait :i|>s (etc., 
folgt Luc. 24, 49 ^ und Äci, 1, S) 
DM dn nee dnm aed iniiiiilniai 

spi nee ..... sabdiiimi 

et oboedieniem in emaibiia flÜo et 
iIiiiB iolMlitum et oboedientem . . . 
in Omnibus dO patn {folgt noch 
eine zeile, von der aU volUtäH" 
dige xcorle nur . . . per Z|NÜ . . . 



habe immer folgendes gej^lauhi und 
gehe in diesem aüpinigcn und 
wahren glauben lunüber lu mei- 
nem herm. ich glaube, dass 
Einer aei 6ott der vater, allete 
angesengt und miaiehtlnr; oad 
«I aeinett eiiuig geaeugten aohn* 
unser n herrn und gott, den 
Werkmeister und verrerliger der 
gesamten creatnr, der nicht seines 
gleichen hat; darum ist er ein 
Gott aller, der auch von den 
linsngeu aus als GüU gilt; und 
daaa ein beiliger geist sei, die 
erleochtende ond fügende krift, 
wie Ghrisius sagt (usw.), weder 
Gott noeh lierr, aondani diener 
Christi , Untertan und ge- 
horsam in allem dem söhne, und 
der söhn unierian und gehorsam 
in allem Gotl dem vater. 



spu SCO ZM lesen sind). 

bei der aufserordentlicb kurzen fassuug dieses glaubensbekeunt- 
oiasea ist natttriich dea einzelnen werten um so mehr gewicht 
beisutegen. die wenigen prldkete, die WulAU dem vater und 
dem söhne gibt, leigen« was für seine ▼orstellnng von den beiden 
gottlichea penonen da« wiehtigate unter der maaae der flber- 

^ 80 eeaetWelflla aidi aef ^ed aebier fär den chiiatUclieB glaibcn 

erfitteoen Tcifelgung und Tcrtreibaog ans der heimat. * so ist nach 

Jottes zu leaen. Waits UtiawuiUam. * Walls §, 21 dtteri faUcbUcb 
iMc, 13, 49. 

Z. F. J). A. XLU. F. XXX. 21 



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310 VOGT 

lieferten wesensbestiaiinongeD war, die ihm lu geböte Stenden, 
sie haben die bedenlung von Schlagwörtern, far ihre beurCeilnog 
iiommt es darauf an, welche vorstellungsreiben in ausfahrlicheren 

formulierungen an ihaeo hangen, welche geltuog ihnen in den gleicfa- 
zeitigeu Streitschriften der Arianen und Orthodoxen beigelegt wird, 
vor allem Tragt es sich diibt i, oh Auxt;ulius eiagelinde und wort- 
reiche darlegungen über die lehre seines meisters würklich in 
organischem zusammenhaug mit dea Vorstellungen stehn, auf die 
Wultilas bektiuUuis hindeutet, oder ob sie auf abweichenden 
Yoraussetzungen fufsen. im einen falle würden wir sie als eine sehr 
wichtige erj^^änzunn^ des bekeunlaisses gellen lassen müssen, im an- 
dern würde es um ihre glauhwUrdi^keit schwach bestellt sein. 

Über die bedeulung des m\u$ tngmüus als prädicat Gott 
Taters bab ich iiauffmanns ausfütiruogen Zs. f. d. ph. 30, 102. 
106.f und den meinigen aao. s. 280 hier folgendes hinzuzufügen, 
an und fOr sich war ja natürlich gegen das ingenäus auch vom 
orthodoxen glanbensstandpunct nichts einzuwenden, so findet es 
sich auch gelegentlich in orthodoxen privatbekeontnissen und in 
hekenntnissen orthodoxer parücabrsynoden. aber im roriiegen- 
den fiiUe kommt es lediglich darauf an, was die gegenflherstellnng 
des tobu ingmihu und des «ntj^eniliii in einem bekenntnisse xu. 
bedeuten hat, welches im j. 383 auf einen in den arianischen 
Streitigkeiten vom kaiser berufenen cohcil abgelegt worden ist. 
die beste antwort auf diese firage geben wol die proteste, welche- 
von der Semiarianersynode von Ancyra sowie von deren haupte 
Basilius von Ancyra in gemeinschafl mit Georgius von taodicaea 
gegen das treiben der strengen Arianer auf der zweiten sirmischen 
Synode von 307 erhoben wurden, sie bezeichnen den versuch 
dieser partei, die benennungen ayt^vi^roi^ und yti/vrTÖg ein- 
zuführen, geradezu als ein sophisma, durch welches sie kelzerei 
in die kirche hineinbringeu wolle (Epipliauius adversu» haeres. 
Migue Palr. Ser. Graec. 42, sp. 429); ja sie lassen die Arianer 
von Sirmium ausdrilcklich sagen, ilas.s durch den gegensatz des 
d.yi\vr]xog und des yevyn]z6g die oiiowTr^g aaz' ovalay zwischen 
söhn und valer ausgeschlossen sei (aao. sp. 440/41). sie selbst 
sehen in der anwendung des ayivvijxog und ytv^J^tog sogar 
eine gleichstellung des sobnes mit deo Qbrigeo geschOpfen; darum 
wollen sie diese benennungen als eine Verleitung xur gotllosig- 
keit abiebnen, vielmehr immer den göttlichen geboten gernttfii 



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WULFILAS BEKENNTNIS U. D. OPUS IMPERFECTUM 311; 



die «usdracke vater tmd wohu gebitadMO (aao. s, 437. 440)*, 
denn nicht im naroeD desynnn^os and dufyin^toSf soadem 
im DameD des valen, das aohnaa und des beillgen geistes sei das 
tanfgebot erfolgt, und wenn jene Arianer den auadruck ovüia 
aus dem glaubensbekennlnia verbannen woHen, well er sich nicbt 
In der Bibel finde, so aei die beseicbnung oyivvi^os ebenso- 
wenig scbriflgemafs (aao. 438). dasii Wnlfila ala ein mOslaclier 
bischof bei den in Sirmium gefohrten verbandluDgen zugegen 
gewesea sei, ist nicht unwahrscheiolich, auch wenn die mangel- 
harten berichte über diese synode ihu nicht unter dcu anwesen- 
den nennen; zweifellos ist jedesfalls, dass er genaue kenntais 
von ihr erhallen haben muss. wenn er unter diesen umstanden 
die ?on den Halbarianern veipüiUfo ausdrücke in seioe glaubcns- 
formel aufnahm, so bt wHist dies allein schon, dass er sich durch sie 
nicbl zum Semiariauismus, sondern zum Arianismus bekannte. 

Durch den zusatz des solus zu unigenüus hat Wulfiia die 
trennung zwischen vater und sehn noch schärfer liervorgehoben. 
das ^ovog dyiyvtjvog ist speciflscb ananiscb. gans ao halte es 
Aritts selbst in seinem brief an den bischof Alexander an die 
apilae seines glaubenabekenntnisaes gestellt; gerade diesea aber 
war kurs vor dem concal von Conatantlnopel lur unterläge der 
verbandlongen der aqoilejischen synode von 381 gemacht wor- 
den, aber die Wnifib durch Palladiua und Auzentioa genau untere 
richtet war, und die aynode hatte jene formel dea Arius stock 
fOr Stack verdammt anderseits hob im j. 383 auf demselben 
coocil, auf dem Wulfilas glaubensbekenntnis entstand, der strenge 
Arianer Eunomins ausdrücklich die bedeulung des fnovog ayiwri- 
zog für die wpsensunterscheiduu^' von vater uuJ söhn hervor, 
beide, so führt er aus, gleichen sich lucht wie vater und vater, 
nicht wie söhn und söhn, nicht wie ayiwrjxog und dyevvt^Tog, 
uovoQ yäg lottv ayiyvtjrog 6 navfOKQazwQ x.ai fxovog viog 
6 fio>oyevr,g (Migne Ser. Gr. 67, sp. 588/9, Valesii annoiationes). 

Auch der söhn ist Gott. Eunomins nennt ihn den fiovoys- 
9f}g -d^eog, genau so wie WulÖia seinen unigenüus als deus be- 
zeichnet, aber die gottheit des sohnes ist doch von andrer nalur 
als die dea vaters; er ist eben, daa betont Eunomins wider als 
daa wichtigste, ovk ayiwi^og und, was ihm als gleichbedeutend 
damit gilt, er Ist nicbt ungeschaffen, obwol gesengt vor der ge- 
samten Schöpfung {fldo ndai^g xtiatwq yevofuvog* o^k oxv«^ 



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3^12 



VOGT 



atog, aao. sp. 588> wir dftrCsB al» aichar aDttabum, dan aaob 
Wulftlft aua deo prtdicattB aalvi ingmulim und unigmilm «ine 
▼eracbiedeiilMit dar beidaa ab Gott bttakbnata» penvoaD aW 
gdetlat bal, nsd daaa alao Ainwalioa dia labra aaiMa SMialera 
dorelMiaa richtig widergibt, was« er sagt, daaa er per ttmmm 
et iractatiu mos tutendit, differentiam este divmUetü patrü m pU, 
dei ingmüi et dii unigeniti. 

Neben dem solus ingenitus hat Wulfila nur noch 6in beiwori 
für Gott deQ vater : mvisihilis. ganz ebenso gibi auch der ari- 
aiiisdie bischof (ierniinius von Sinniam in der glauhensdisputa- 
tion, die Kauffmana aao. s. 107 anm. heran^exogen hat, dem vater 
innatus, invisibilis als erste pradicatc, und entsprechend siellt die 
auf der oben erwähnteo zweiieo siriuischeo syaode vereiobarte 
formal das invisibilem eise gleich neben die anraogslosigkeit dea 
Vaters (Hahn Btbl. d. symboie § 91). dass auf dem coocil von 
Aquileja auch das immeMlu erörtert wurde, oder das« es weoigsteoa 
anm ariaoiaehas bakesntiiia gehörte, liaat eiae neCii dea MaiimiBoa 
noch erkenoeD (Beaaall a« 11 anm.). 

Ea iat aehr beaehteDawert, daaa Woltta Gott dam «ater «ir 
negatife eigenachalteo, daa angeboreiiaein und <Ke vowahr^ 
nehmharltelt beilagt, feiiglaleheo wir damit Aosentiaa dantelbiag, 
so finden wir daaadbe charakteriatiaebe aolMf iHgmih» and IM^ 
oMM« verbanden mit einer wahrhali erdrOekenden menge weiterer 
▼emeiDeDdef beiworter, die gottea VDferänderlichkeit, uoeod- 
lichkeit und unmessbarkeit variieren, sie bewegen sich durchaus 
in der durch W.s bekenntnis angedeuLeleo linie, und ihre be> 
deutung wird am besten durch die bemerkung Haroacks Dog- 
mengesch. it* 194 anui. klar, dass 'Arius und seine freunde 
sich für die negativen prüdicate der gottbeit erwflmieo wie die 
ttberzeugtesten neuplaloniker'. 

Auxentius führt in seiner obenerwähnten darieguog über W.s 
lehre von der verschiedeobeit dea vaters und dea aohaea fort: 
et fairem fäim crsolorMi aua creatwü, fiUum vero createrem 
em tetius ereaiieiUe, et polrem aiaa deimi damiM» fiUum autem 
tem eti# miotnm creaturae. alao niobt der vater, aandem der 
aobn wird als der eraebaffer der ganten aebopfüng und ala der 
gott der geaamten creatnr beieicbnel. das iat neben dem geteugt- 
aaia nach Auxenliiia daratellang die wiehttgate eigenaehaft dea 
fobnea in Wnlfllaa lebie« ancb an anderen atelien bebt er ein- 



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WULFILAS B£ü£iS£4TMS U. D. OPUS iMP£RF£CTÜM dl^ 



dringlich hervor, dass nach WiiUila der söhn der aucior omniunr 
sei UDd dasä Beine, des unigeaitus deus, tnfatigabilii vvrtui cae- 
UsHa et terresiria, invisibilia et visibilia omnia fmÜk fidsse honeste 
fTMÜßalmr, das deckt sieb nun wider vollkomiBeii nii W.8 Jm- 
fceniitais. aiioh »ach diesem ist nicht gott?ater, sondern der 
lobii« der dem MiU$mihu, der eigenUiclw aebftpfeft der opi/er 
iC /tow* (di}|f<09^x^$ wl ffoaiv^js) wnimm» amimrm and der 
4m mH9tt db. iittaer, der ertcbaffmeii wesea Gott das ge- 
ssQgtsein und dss sehOpliBrtiim ist bier sanichst alles was flber- 
bai^t fon söhn« suageaagt wird, es ist im bOehsten grade «af» 
Mlig, dtas daoebeB nieht einmal aeiner menacbwerdung nnd der 
eriosung gedaebt wird, daas es noeb in der lelaten fentoaa^ 
mellen seile des gansen bekenntntaaea geaeheben aet, iat nach 
den erballenen bnebstabenreaten nicht ivabrsdieinlich. jedeafalls 
konnte der gegenständ nur so flClebtig angedeutet worden sein, 
dass auch in diesem falle seine Zurücksetzung gegenüber den 
kosmologischen leliren ganz augenfällig bliebe, und auch in diesem 
charakterislischen puncte herscht wider volle Übereinstimmung 
mit Auienlius darstellung. nur die worle reäemtor und salvator 
erinnern bei ihm flüchtig an die heilslehre; in der auf bie ioi- 
genden lücke könnte nur gan/ wedi^'ts verwante gestanden haben; 
fflr eine genilgrnde hehandluug der m<'tischv\( rdung ist nicht 
platz; in den nüclisten erkennharen Worten wird der söhn schon 
wider als [totius crealiojnis auctor bezeichnet, das ist auf alle 
lUle eine Oberaus dürftige abfenigung dieser seite der chrisiologie 
neben den auslohrlicbent wortreichen darieguogen über die gött- 
liche natur des taters und des sohnes in ihrem verhiltois unier^ 
einander und zur schopfung. nach beiden quellen treten demnach 
in Wulfllas lehre fom sobne ebenso wie in der vom vater die 
ans dem neuplatonismus stsmmenden demente des arianismns 
gans in den Vordergrund. Harnack bat aao. ii* 215 aoagefOhrt, 
wie im arianiamus mit der voratellnng von einem menacblitb» 
göttlichen Christos, der durch lehre und beispiel erlöst, eine mo- 
tapbysik lusammengekoppelt ist, *die lediglich aua der koamoiogie 
alammt und sdilecbterdiugs garnichls mit der soteriologie tu tun 
hat. diese melapbysik ist beherecbt von dem gedanken des gegeo- 
satzes des einen, unaussprechlichen, weltfernen gottes und der 
creatur. die ausführung entspricht deshalb vollkommen den philo* 
sophischen ideen der zeit und der einen häiUe der ausführungeo 



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;314 : 



des Origenes. um eine schOpfuog überhaupt zu ennO^licbeD, 
muss zuerst ein geistiges wesen geschaffen werden, das die er- 
scliatlim^'^ einer geisügsiuiilichen weif V( rniilleln kann, di. widerum 
Christus', das ist nun genau die lehre des Wuifila, hei der nur 
jene an und fOr sich schon untergeordncit^ und andersartige Vor- 
stellung von der nienschwerduug und erlüsung vollends in den 
hiDtergrund tritt, vrie der sohu dem solus ingmüus als umgenitus 
deuif 10 stellt er sich dem unerreichbaren deus invisibäu «Is dtu» 
n$dtr und als jenes weltschaffeade weseo« als der demiurg gegen- 
Uber, diese philosophische groodlage des arianismus pflegen die 
bekeoDtiiisforroelii tneniicher und balbarianischer concilien keines» 
wegs feeUubalien« um so wichtiger isl es, io diesem punet Wul* 
filas bekenntiits durch Auzentios darsKlIung ▼ollkommen bestätigt 
tu seben. . es beifst der Idire des WolSU eioes ihrer wesent- 
licbsteu merkmale rsuben und die Obereinstimmaog der quellen 
kHiisÜich terstOren, wenn man hier mit KsulTmann den text des 
bekeoDtnisses Indem und den opife» er /bcfer MtieerMS tnaturat 
nach den IsndUlufigen bekenntnisformeln auf Gott vater belieben 
will, auch hier bewegt sich das bekennlnis des Eunomius wider 
in demselben Forstellungskreis wie das des Wulftla. aueh ihm 
ist Gott vater der über alles erhabene, grenzenlose, der söhn aber, 
der fw>o)iii]g -^log ist der örifiiovQyo^ ä^aväiojv xai ^vjy- 
TiDv, drjfJLiovgydg taiv nvev/uüicjy xai naar^g aa(^x.6g, der ßa- 
aikeig (magnus rex bei Anxtntius) y.ai Kvqioq naarfg ^oi^g 
xal nvof^Q toiv dt' aitov ytvo^iiyojv. wo die Uibel vom ein- 
grpiff'n GüUes in die geschirke der weit berichtet, da ist immer 
der söhn zu verstetui , der eigentliche weit- und meoschengott, 
nicht der wj'llferne allerhöchste. 

Nach AuxcuUus darslelluug hiog nun bei Wuiflla die lehre 
vom Schöpfertum des sohoes eng mit der lehre xusammen , dass 
der söhn selbst erscbafl'en sei. Wulfiia setzte die erschaffung der 
weit durch den söhn in parallele aa der erschaffung des 5;ohnes 
durch den vater. eine entsprechende angäbe flndet sich in W.s 
kunem bekenninis nichL er gebraucht da keinen der ausdrflcke 
creavft, f9«Ü U fmiaoÜ, die ihm Auxentius abereinstimmend mit 
dem n%gad'€\js xot ^^tfukm&^ig vtso tov noTf^og im bekenntnis 
des Arius als gleichbedeutend mit ^smiilr in den mnnd legt aber 
es ist an sich sehr wol möglich, dass W. das sengen Gottnters 
als gleichbedeutend mit schaffen ansah und so seinen schalem 



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W0LFILA5 BEKENNTNIS D. Dl OPUS HfPERFECTOM 315 



«ffcUrte, ohne duk er « in setoeöi kuneo bekraaum auidrHek* 
lidi angab* war decb auch bei Ariui aeugen lediglich ein syno» 
nymum fDr schiffen (Harnaek aao. n* 193) und setzt doch auch 

Euuomius dem ovk ayivvr^tOi; ohne weitere» das otx aKTiotog 
gleich, in ein bekenntnis, bei dessen formulierung W. immerbin 
noch, soweit t'S aogieng, suciieii mochte cfne gemeinsame basis 
verschiedener ncbtungea zu finden, brauchte er diesen aiein des 
aBatofses nicht aofiNinehmen, um so weniger als ihn auch die 
foroMin der Arianeraynoden Termiedeo hatten nnd ibn sogar die 
80 entschieden arianiaehe fonnel der sweiten aynodo in Sirmioin 
(Hahn | 91) mit der asadmckliebeo bemerkong bei seile ge- 
acboben baue, auf welche weise die zeugung erfolgt aei, wisae 
niemand als der fater nnd der söhn selber, anders war es na* 
tUrlich, wenn Wullitä lu ^aii st ahrlicher theologischer erOrterung 
seine anschauungen vortrug, danach haben wir iieine Veranlassung 
hier den Auxenliiis der Unwahrheit zu zeihen, vielmehr spricht 
die enge Verbindung seiner angäbe mit Wulülas sicher verbürgter 
lebre von dem sobn-schOpfer für ihre richtigkeit. wenn anderseits 
W.a eigenhflndigea teatamentariacbea bekennmia für die Goteii 
maragebend wurde» so ist ea aebr wol nOglicb, daaa die meinuag, 
*g<efeugl' ael aicbt ala ^gaecbaffen* su veratebn, unter ihnen Ver- 
breitung fand« wie man nach einer angäbe dea Tbeodoret an^- 
nebmen rauss. fttr den, welcher aieb nur au diese formet, nicht 
wie Auxentius an die pois^iiiliche lehre des Guleuapostels hielt, 
war eben die auslegung oflen gelassen. 

Die auf die bezeichnun^ dps sohnes als wehschöpfer folgen- 
den Worte des bekeonlnisses non habentem simüem suum müssen 
natttrlicb auch auf den söhn bezogen werden, und ebenso naeb 
der forliegenden Oberlieferung daa weiter folgende tdeo tmns atf 
omntiNS dma etc. beides bat Kanffmann Za. f. d« pb. 30, 98 f fUr 
ODDuOglicb erklart; aeinea gleichen habe nur Gott vater nicht, und 
nur dieser kOnne auch d«* eine Gott aller genannt werden, aber 
das trifft nieht so. man darf den Zusammenhang nicht Ohersehen, 
in welchem dem söhne diese [iindjcale gegeben werden, es ist 
von seinem Verhältnis zur crejuur die rede; unter dieser hat er 
nicht seines gleichen, für sie ist er ein Gott aller, ganz das- 
selbe wird in den arianiscben fragmenten von Bobbio gesagt, 
wie der vater nngularii ist, so ist auch der aoho sin^iiiarti, 
nlmlieb in unvergleicbharer erhabenheit besser ala alles, waa 



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$16 



VOGT 



nach ibm und durch ihn oach der Toraussicht Gottes geschaffen 
i§l ; IIa ut nihil eorum quae per ipsum (den söhn) facta sunt com- 
parari pos6ii ad eum, quia 4^us ut omnium iScriploniiii me- 
nun oofa collecli» « . . «d. ab Asg. Mtio I. lu p. o 213). der leUte 
liU iMi fendflM wie ma commeiilar lu Wulfilis iwM 
fmUrm nufcuruw «rMfimw* n»n habeniem timäem $mm» übt 

im «iaUasf wt Cup«!» deiittuig ra erUlM md ; te awb 
foa 4nk QMrigMi am» db. «icli aacb dar moiiimg oii«er i»aflei« 
alt GoU gilt Waiflia ImIm alM» naab eimaal aacbdrOcUicb aeiaa 
aad aaiaer geauuNiagagenoaiaii abaiiaagniig tos der göuliablwt 
d«a soliMB haffafi wie aie auch bei Aazaatiaa eoargjacbaa aot- 
dniek fladat ja aocb tioa tbolicba bataadera vanicbeniDg legt 
dieser seinem tebrer aosdrOoklich in den muad, aimHcb dam 
dtti schatTuog alles himmlischen ood irdischen durch den deut 
unigenüus . . . a nobis Chrisitun is jure et fideliier er«' 
dtiur. nachdem die Semtarianer voa Adcyra den Arianeiü,von 
Sirmium vprgewürfen hatte«, dass sie durch die unterscht idung 
des ayivvijtog uud des yevvrjvog den söhn den Ubrigeu ge- 
scbOpfen gleichstellten, halte Wulfila alle vernnlassuu^^ zu solcher 
aasdrücklicben erkläruog. unter diesen umständen glaub ich an 
dam ttbarlieferten texte festballen zu müssen, so aufl^ilig aucb 
an und fOr sich der gebrauch des ds imtrii ist. unmöglich wSre 
pnaUicb auch dW tuttri nicht, wie maa genobnlich emendierU 
aar dürfte man dann dem idm aicbt die nlchsUiagande apectal* 
baaiahaaf avf mm h^knim tMkm tmm gaben« Bändern man 
mOala aiieb daa Taiangehende mii in die primiaM lieben t well 
der söhn der 4m tmftr leli der alle ereatar geeebaffen und 
natar ihr niabi leiDea gleiabea bat, darum iat deijeaige, welcber 
ancb der Gou dieses deiu mnUr istt der eine Gott aller. 

Meefalla iat ea auch ohnediea aoa Wnlfilaa bekenntais eiw 
•iehtlicb, wie er den sobn trotl seiner Stellung als weltgott eine 
stufe unter den vater stellte, besonders bezeichnend igt es dalür, 
dass er erst im äüscbluss au seiue auslührui]^' über die unbe- 
dlijgtt^ Unterordnung des heiligen geisles uoier den söhn mit den^ 
selben ausdrucken <i(6dtirifs et »boediem in omnüm * die untere 

* eine amfBhniDg des oboeäieru in omtHkut gibt das bdcenntois des 
Beaaadas : e tr^p twv o9%»v 9tjiu»vfyiav ual ydytctp, «m^ 



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WULFIUS BEKENNTNIS 0. 0. OPUS mPERFECTOM 317 



ordM^g dm Mkpw anttr den VAltr* w^pridiL die draftcbe 
imgabttafliBg ki hier onftrkelifthir, auch iobM dm der tolio 
-tiHdrOcUkii wie bei AuxeaiitlB memUkM inu geaenDi wird, nidit 
Mf der saebe aeeh, «Dsdem auch grofseateiis «onlich itimmeD 
daott wider die bemerktiBgea Iber dea heifigea geial iä deil beidep 
quellen überein ; mao vergleiche sa dem bezüglichen saUe des oben* 
stebodeo iickcüalaisses die worte bei AuxciiLius : inluminator et 
umctificator . . . nec deus nee dominus . . . Christi minister . . . 

Ii Ii glaube nach alledem, wir dürfen Auxentitis liüilegunff 
als eine vollgiiiige quelle iUr unsere kenntais von VVuitilas lehre 
neben dem eigenen bekenntnis des Gotenapostels anerkenoeri. 
mag es bei der vergleicbuog der beiden Überlieferungen auf den 
eraleu <bUck acheiaen, als habe der schfller aaa einer efaamade 
aeinea meiaters eine fanfare gemacht« mig er unter den gana 
anderen verbillBifeenf in denen und für die er schrieb, grellere 
fichler aafgeaelst uad die hUaigkeit der eigenen poiemik aof aeinea 
khrcr flbertragen haben ^ mit Wulfilaa intimen anacbaanngen 
iat er jederfbUa vertnutt aie hringl er getreu and eindruckafoU 
lU^ difalettung« und dieae anichaunngen aind augenscheinlich 
dan ergebaia der ganaen theologiaohpbileaopbiicben auabiMurig 
dea Gotenapostela. wir beben keinen gruad, an der Teilen richtig- 
keit der werte m aweifeln, die Wulflla angesichla dea ledea nieder» 
schrieb, dass er von jeher den glauben gehabt habe, mit dem er 
nunnjehr vor seiuen Göll tiülca wolle uod dea er seinem folk 
als vermacbtnia hinlerlieÜB; dieser glaube aber war der arianiscbe. 

Zum scblusä noch einige worie über zwei kleine Teröflenl- 
Jichuiigei), die nach der eiusendung meines eingangs angeführten 
artikeis an die redaclion der ADB aber vor der ausgäbe des 
betr. beftea erscbieaen sind, die eine belrifift die beiden kaiser* 
Mcheo erlaaae wm jähre 383 gegen die Arianer, die ich aao. 
8. 280 herangetogen habe, aie waren merkwürdigerweise zuvor 
in der Ktteratur Ober Wulfilaa todeajabr unberOcksiehtigt geblieben, 
ohwol schon m der anmerfcuag au Sokrstea bericht Oher dac concü 
von 883 hei lllgneSer.Gr.67, sp. 589 ff auf aie hingewieaeo waiv 
inawiachen hat nun auch Slreiiberg in einer hesoaderea abhaad« 
^nag Beitr. SS, 567' auf die beidea edicle auftnerkaam gsmachl» 

Daa aadre iat eiae erklärung Kanffmaaaa Za. t d. ph. 30, 431, 
durch die er einen wichligen einwand Strciibergs gegen aeine hjpo^ 



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318 



VOGT 



theae Ober Wulflta ab totor des sog. Opos Inperfeetani abtun tu 
kdnnen meiDt« 4a idi mich aao. auf gniDd etogebnder prttAiog dieses 
amuiscbeiillaUhfluscoflDnBeiitan tu derselben aosdMrauug wie Streit- 
berg belunst habe, so seh ich mich genötigt, auch nittne darstcUang 
gegenOber KaufToianns bemeriiung sn reeblforligen. in seinem aaf- 
saii 'Ein neues denlimal der gotischen litierainr^« BeiUs»]fflnchener 
AUg. seiluDg 1897 or 44, hatte EauiTmann s. 5 mit besooderem 
nachdruck auf eine stelle des Op. irop. biogewieseDf welche gar nicht 
anders zu verstebn sei als aus der geschichte der unter Wulüla 
vuii i\tt\\ heidnischen Volksgenossen ausgewauderten Balkangoten, es 
ist da (MigneSer.Gr.56, sp.767 (T) im duschluss an Matth. 10,34 fr 
von dem Schwerte der Ii eiinung die rede, welches der Herr schickt 
und durch welches er auch die nüchslen ver\v;uiten von einander 
scheidet, der commenlator deulet das auf eine lieilsatrie soodening 
der ßdeles von den tnßdeks, heilsam weil die ßdeles nicht fxdeles 
sein können, solange sie mit den inßdeles vermischt sind, ?iel- 
mehr erst durch die treonung von diesen zu würklichem leben auf- 
stebn, heilsam aber auch weil die inßdele$ nur bestehn kOnneu, 
80 lange sie, mit den /ideJst gemischt, diese mit unter der inß- 
delita» halten, wahrend es um sie geschehen ist, sobald sie durch 
die abtrennnng der ßdeles als öi/Wsi offenbar werden, acbon 
aus den lettlen werten geht klar hervor, dasa es sich hier nicht 
um Christen und beiden handeln kann, wie Kauffmann mdnt, 
sondern nur um den gegensau von wahrem und falschem glauben 
innerhalb des Christentums, dh. nach dem standpunct dea coro- 
mentators um Arianer und Nicaener. er trOstet sehie verfolgte 
partei, indem er deren ausstofsung aus der kircbe als eine klä- 
rende und heilsame trennung der gläubigen von den ungllubigen 
begrtlfst. 80 argumentiert er denn weiter, dass da, wo Cliristus 
eine solche trennung gewollt habe, die abgetrenulen immer die 
gläubigen, die andern die ungläubigen gewesen seien : wo man 
auch immer in der schrift von einer trennung zwischen guten 
und Lüsen lese, da hatten sich die guten von den bosen , nicht 
diese von jenen gcsrhudeu, weil das böse das gute, nicht nhpr 
das gute das böse bcllecke. darum spreche es nur fitr <iie gute 
Sache seiner partei, wenn die inßdeles ihr vorhalten : 'ihr habt 
euch von uns entfernt, nicht wir von euch*; denn immer ent- 
fernt sich das gute vom bösen, alles das sind ausfübrungen, die 
allein auf christliche confessionsstreiiigkeiten passen; um den be- 




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WULFIUS BMENr^TMIS U. a OPUS 1MP£BF£CTUM 319 



weis, dafts aichi die heidniscbeo, soodero die cbrisUicheo Goten 
die glittbigen wtma^ lilUe sich der commeotator doch wabrlieb 
aiebl ent tu bemObea bnueiieo. und im folgeadeii setzt «r 
daaii aueb iDr ^/IMi gendeiu tertTte eiiii mdem er dmaf 
bezug niinmtv wie im gegenteli tu den sieb abeondernden guten 
and gläubigen der saeerdoe ka€r$ticM» die fiäeUs sum 
goUesdienst an sich zu ziehen sucht, um sie mit zu beflecken, 
wie verfehlt nuQ vollends die beziehung der lu rede slebuden 
treoouDg auf die auswaiiderung der Balkangoten ^var, geht klar 
genug daraus hervor, dass der commentator ausdnlcklicli betont, 
jene Ireonung der nächsten verwanleu, die trennung des sohnes 
wider den vater sei nicht etwa liOrperlich, sondern nur geistig 
tu ▼eiatebn. Qui mUm äUigit Jhum phu fiNWi j^ursm tmiü 
a patn fUt» umi €arpon (sp. 768); und weiter : Nm dbtit se- 
jimre ßhm « jMlre sid aiovmi ptünm, pda nm torpanim 
separaiiMm pibet sed igMriMfem .... Htm gut* ut a 
patre, non petett stare e&ntra patrem, qui autem ante patrem est, 
ÜU potest esse contra palrem re^pondendo, blandiendo, disyulando. 

Ich denke, Uber die auffassung der stelle kann danach kein 
zwL'jlcl mehr lipslehn. KaufTmann aber meint sieb gegenüber 
Sireilbergs hinweis auf seineu irrtum mit folgender bemerkuog 
recbtlertigen zu können : 'ich habe in der Migneschen ausgäbe 
nur spalte 767 ff ausdrncklicb citiert. es war, da ich auf sorg» 
sane leaer des commentars rechnete, nicht erforderlich, die einer 
berforbehung Oberhaupt nicht hedflrfende stelle aussuschreiben, 
die sich auf spalte 896 findet • . / ich staune über die hohe 
meioung, die KaufÜmann von den lesern der Atigemeinen zeitung 
hat. die slelle, die ei^'enilich beweisen büü , was er beweisen 
will, braucht er ibiieii nicht erst anzugeben; die finden sie ja 
als aufmerksame leser ganz von selbst, wenn sie von der ange- 
führten stelle nur 130 spalten im Migue weiterlesen I noch mehr 
erstaunt bin ich freilich über das cilat, welches Kaufimann nun 
fOr seine beziehung des commentars auf die auswanderang des 
Wulflla und seiner gemeinde aua der heidnischen heimat neu ins 
feld führt* denn ich hatte mir die stelle langst gerade als eine stfltae 
für Streitbergs anffassung notiert. KauSmann freilich führt nur 
folgeodee an : Ifoi enän o^ Üfi» ear^oAnti« corpore, HU antm m 
nobis animo. Nos ab iüis exivimus loco, Uli a tiobis ßde. Nos 
apuä iäos reliquimus fuudamenta parietum, Uli apud nos reit- 



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320 



VOGT 



qutnint fundamenta Scripturartim. No$ ab Ulis egressi snmxis se- 
cundum aspectum hominum, tUt antetn a mbis tecundum Judicium 
Dti* aber letiler bat er die fUr das versUndoi« dieser stelle gm 
unentbehrliclMii forhergefaodM attd foigeiideD sitze fortgelassen, 
lok bitte iIm onailtalbtr wfaer n latn (ttbencbrillt) Meefn d$ 
MeeUgia piü 4£etam'. ^ Efw mim de MteieUm mwv wi-^ 
dteiir« fni €etp$f§Hi€t iSrAt tili fMf lyicpflliifllftfr MHtefAi iwi^ 
«MtfMt fimdmmma rdinquit, ■oniilteliwr hinter KtufftaMeM eiHI 
aber /4eo €t Uli e0rp9ral$s Chris tiani fene^untur n^str^s 
spirituaUa specie coiuiaia , vanetaie fundata. urnl wem^e sälze 
später Sic fwie J»'ru<ial»»m Hie proph^len sowol wie die apOTlel 
verfolgt) et ha er ei i cor um Ecriesia nofk sohim persequuta est 
faifts nmirw et persequi jam cessavit, ted eadm ßU mnm fodmi 
fieto, fMce fotribus nostris fetmaU fotns eonm. eioes wekeret 
eenmeDtan bedarf wol Kauffvaana eitat und aeine cilierweiBe aieht 
Bur daiwif aei aoeb auadrOcUiob biBgewieaaB, daaa aoeb bier die 
irenauBg reoblgllabigeQ(Ariaaer)fiMi den Hiretibern(aliaaOrtbo» 
dezeo)« von der ja wider allela die rede iat, aiebt etwa weg«« iea 
corporalitei^ exire auf eine auswanderung zu deuteo ht, die ganze 
ausfflhruuu kuüpfl an Mallh.24,37 an ( Jt^n/s/^/c^m, Jerusnlem, quae 
oceidi.< pmphetai et lapidas eos qui ad te rniituHiur). das .\\w Jerusa" 
lern carporalis sind die im judentuui verbieibeodeo (sp.895 uoleoK 
daa alle Jerusalem spiriluake dagegen sind die apoalel ond atte 
andarn, die aicb vom j«idenlani dem ebristentttDi ivwaoleii «ad 
daran voa jeaen Yerfolgt wurden, der glaiehe vorgaag bat akk 
jelil iaa naaea leruaaleia, di. ia der ebnatHcbea kircbe wideiboli: 
da üMa anaa «liwanfitnit td aif da Btc^ttut, fia tftnht&fn Gfenbüntf 
fiMtuttit rablcfe cerjMrelf Stduiti, fweni ptrßdi oecwpntfWKi avb» 
ktitia, exieruiu ab Ulis, es hamleit sich also nur um das rer- 
lassen der sichlfiari ii kircbe, welche die ketzer mit gewalt 
e 1 ü ^ e Ii ü auii e u habeu, durch die gli ilrr der unsichlhanen 
kircbe. aber eigeDilich sind jene es rieliuehr, die uns (die wahre 
kircite) verlaseee babeo {magis tnUem iUi exienmt m m b u^ uad 
bier schliefsen aieb naa die oben cilicneft altie aa : Jfaa aada 
jttt dm Aeästik tSBKte wiittwr.. aiti eeraofwlltair tMÜ aaw. die 

MMoriaobe foraaaaelaaag iai aacb bier widar die aaaateftaag der 
Ariaaer aaa der kircbe, aad aacb der Iroel, dea der eonaaealtfar 
da» aaigailafiianen apeadel, iai wider ma derselbe wie oben : aie 
sind die veftteter der wabreu, geistlichen kircbe. sie babeo den. 




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WULFILA5 BEKENlfiraS U. D« OPUS IMPERFECTUM 821 



ketMin die fimdmutia parkhm db« die gotteshluier lassen 
masseD« aber jene faaben ihnen die fumdamenla Scrijpturanm, 
die gniodfeste der wahren kirdie geisesen (vgl. sp. 895 unten: 
Jerutalem hi€ temper Btsdenam Aifii%e, qum dfet'lur tMtn focü, 
tMjus fundamenta posila sunl wper montes Scripiurarum), 

lh& siod Verhältnisse, wie sie für die Arianer vor allem seit 
dem scheitern den concils Ton 383 beslaaden. man wird durcb 
das 0[)u^ iniperfecluni lebhaft an die worle erinnert, mit denen 
Sokrates am schlug seines bericbles über jene synode das ver- 
halten der verurteilten «cbildert : yga/u/Liaoi roi g olxeiovs ^^ol- 
^fiv^ovno ttttQaivovvxtg fi^ ax^M^ai kq>' olg fSoXXoi 
nmuAufmnag airrovg ttp ifioovali^ ftQOcid'Bvto. noXXavg 
yä^ «lyaa vo^g xliiwwg, oUyovg di| wg htlBtaewg» 
Biesleu, S9juoil698. F.TOGT. 

LAMPREOHT VON REGENSBURG. 

Ich benutze diesen räum, um aus KEubels Geschichte der 
4iberdeiilschen (Siraftbnrger) ninorilen-provini (WOnburg 1886) 
henMsinheben, was sieh inr genauem daliening Lenpreebls ge- 

^pvioDen liisst. unser autor nennt in der Tochter Syne, die er 
bald nach seiner aufnähme in den orden schrieb, als anreger 
*bruder Gerhard' : der minnem brüeder ist er provindnh's minister 
in diulschett landen ohene (v. 51 ff). fOr diesen namen bat nun frei- 
lich Eubel so wenig wie Weiohold eine urkundliche bestell guog 
gefunden, aber er hat doch die reibe der oberdeutschen proviuciale 
auf gruttd der verschiedenen listen und einzelzeugnisae fest- 
gelegt, der iweite inhaber des amtes führte einer Urkunde voib 
25 mai 1246 zofeige einen naroen, der mit Jt anfleng. zwiscben 
ihn und Konrad 'de coeli poria\ der sum 13 juli 1252 zuerst ur- 
kundlich vorkommt, fallen : 3) Petrus von Tewkesbury, 4) Gerhard, 
dieser ist mitbin ganz gewis nicht vor 1247 lu datieren, und von 
äier ab bis mitte 1252 erstreckt sich die weiteste frist für die 
€Dlstehung der Tocbler Syou : wir dürfen sie wol eher urich als 
vor 1250 au&etzen. denn wenn L. lu dtm Itülicr gedichlclea 
Praociskenleben 1750 *brnder BerbtoU*an der spitse der Regene- 
burger minoriteii nennt und ▼.3281 den 'sOImu Berhtolt' be- 
«ondsn ausMicbnet, so nuss dieser, dessen hittorische rolle fQr 
«M erst um 1250 einsetzt, doch schon dsmals in seinem kreise 
eine mafsgebende persönlichkeit gewesen sein : vielleicht bat er 
(Eubel s. 34) das amt des guardiaus bekleidet, somit würden sieh 
die beiden \^e^ke ziemlich dicht um d. j. 1250 gruppieren : das 
allere duriie nicht lange vor, das jüngere höchstens 2 jähre nach 
der mitte des 13 jhs. entstanden sein. £. S. 



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ZUM ANNOLIED 



SunMCBMiBift AM Edwab» Scbbobdir. 

Sie haben, verehrter freund, io der eioleilung zu Ihrer 
Kaiserchronik die ansieht verteidigt, dass die vielbesprocheuen 
berOhruDgen zwiscbea ihr und dem Anno aus unmiUelbarer be- 
outzung des liedes durch die cbronik zu erkläreo laico. la«eii 
Sie es sich denn gefalleo, daw einer, der tich jelst lu der veo 
Reediger io leiner «uegibe des Aoiie wider ? erlrelenen bypolhese 
Ten der rerlomcn deataebeo chreuli bekeeat, die im Ilei wie 
in der KaiserdureDik bennttt wordeo sei, eioige erwlguDgee ea 
Sie riehtet, die im sinne dieser annähme sich bewegen, ich werde 
zuirietlen sein, wenn Sie sich veranlasst finden, m den 'üuter- 
suchuDgen' zur Kaiserchronik, die wir von Ihn» uocli erwarten 
dürfen, auf sie zu antworten. Sie finden im iolgeuden auch 
einige sUlisüsche beobacbtungen : von diesen bin ich ursprOng- 
lieh tuegegangea, and als sie sich sehr wol sur bypothese voa 
der ?erloroeo gemeinsamea quelle fogea woUtea, beb ich leb- 
haft Ihre ^UatefsucbuDgen' venniasl und gemeiat« daea wie dfieaen 
wel das eatseheideade wort in dea aager^gtea ftigea lafriiea 
werde, so ich auch gerade Ibaea die gesicbtspuacte, unter denen 
ich das alte thema behandle, zur discussion sleHen sollte, wollen 
Sie daraus sich erklären, dass ich mich in erster liuie au Sie 
wende. 

Roedjger — ähnlich auch wider sein recensent Wihnaons 
Auz. ixm 147 und wol auch Kraus Zs. f. d. Ost. gymn. 1896» 233 
— teilen die ^unbestrittene ansieht', dass das Annolied *ans einem 
gttsse' ist; und in erkenntois ihrer wichtigkeil fttr die gesamt» 
auftusunf^ der coaipositiott and insbesoadere die qoelleafnige, 
bat Reediger die mOglicbkeitea erwogea, unter denea sich die 
Stileinbett des liedes mit der aofnabme- des worthiats aus einem 
fremden werke vereinigen lasse, auch ich erkenne stilferwanl- 
schafl zwischen dem chrünikalischeu und dem legeudarischen 
teile des Anuu ;ui — sie drangt sich zb. auf, wenu tiiaa den 
satzhau prüft, vergieichung nach anderen suimerkmalen hin lieft 
aber Verschiedenheiten erkennen, die jene ansieht von der stil> 
einheit stark zu erschüttern vermochten : liefse sie sich be- 
seitigea, so wäre dadurch bereits ein positiver anballspunct da- 
fOr gewonnen, dass der Aonodichter fttr einselne teile seinen 



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SEEMOLLER ZUM AISISOLIED 



323 



Werkes eine geschriebene deutsche quelle benutzte; und wenu sich 
spuren fänden, dass slilnieikujalef die er in seine vorläge hin- 
einbrachte, in der Kaiserchronik an jenen orlen, wo sit^ in forai 
und iahalt mit dem iied sich berührt, nicht widerkehrten, die 
KaaieicbroDik hier also «Uerea bewibrte, so hatte die hypotbese 
fOD der gemeiiiienieD quelle eine neue sUltse erhalten. 

Eiamil auf diesem wege, bah ieb noebmale die reimlelsacheD 
geprOllt und kana es nlcbl fOr Oberflflaaig haUeo^ auob nacb den 
darateUungea, die Eettner und Reediger dem reimgebraneh ge* 
widmet tiaben, das material nevierdings vorzulegen, denn sobald man 
die frage, die ich berührte, im nuge hat, i^L es uOtig, soweit als 
irgend möglich bei der Überlieferung zu bleibf a und gruppeu 
aufziislellen, die einerseits das überheferte ohne zwang und genau 
eioiuordneo erlauheo, anderseits auch der speciellen textkritik 
mOgliebei wenig Torgreilia. for allem wird auf feststeliung he» 
slimmler tecale in den emlniige», betiebuDgiweise auf scblOtse 
aoe der fecaliiehen qnaliUI dieser stifibtateii reime au ferticbteo 
sein, den dal. plur. von sttbalanÜTen gleicher dedination, oder 
die eodung des inOnilifs finden wir in TerMbiedeoer focalisatioA 
aberliefert : die uniformierung dieser snffiie stOfet auf schwierig* 
keiteo, ebenso unsicher wäre es, der iiberlieferuug lolgend, ein- 
mal reineu, das andere mal, in suust analogem fall, uui einen 
sultix-reim zu zählen, ebenso lass ich den laiiiwerl der form 
harnt offen, für die Reediger regeimftfsig hät schreibt der be- 
griff des *reinen' stammailbenfeims ferner wird für den Anno 
ohne wMters auch qaantlUtsTerschiedeaheiteo in sich schlielsen 
dOrfeo» wefern nur die lautqualitit dieselbe ist: auf die lahl 
der reime — > 4 : e — uS. werden keine scblOsse tu bauen 
sein, da doeb ungleich stlrkere ungenau igkeiten tu geböte siehn. 

Im folgenden zahl ich die nach bestimmten kalegorien geordne- 
teti r eime des Anno üul uiiti sünilcre hier bereils iuuerhalb jeder ein- 
zelueü die beleggruppen, die für unsere frage in betracht küiuinen: 
for allem wird das stück auszusoudi i u sein, das das lied mit der 
Kaisercbronik gemeinsam hat, die abschnitte xi— xxx (v. 179 — 518), 
ich nenne es C. dem kann nun alles übrige gegenübergestellt 
werden, und man bStte su prüfen, ob es in formeller beziehung 
Irgend welche rerschiedenbeiten Terglicben mit C seigt. da aber 
die llrege doch darum sieb drebl, ob die in € su beobachtenden 
abereioetimmungeu mit der Kehr, nicht etwa aus berObemahme 



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S££M0LL£R 



des worllauts t^mer gcmtiiisanieQ quelle zu erklSren siüd, ob also 
ziKischen diesen fremden bestandteileu uuii dem dem veriasser 
des lieüesi eigentümlich eu bestan i unterscheidei>de formroerkmale 
sich aufweisen lasBen, so ^vird man sicherer gehn, wenn man 
jenen rest nicht von voruiiereiri io bausch tiod bogen verfilpichl, 
sondern die möglu hkeit oüen lässt, dass auch hier einzelne teile 
ia eiMSM eingeschrjlüktein marse formelles eigeolum des ver- 
inten sein koanten, wie C es wäre, für lokhe von voroberwi 
auszuscbeideode abtchniUe \umm natariieh Bur der inhalt vor* 
Itaflg naltgeted. sein : OMt grOiler wabradMMlicMMil wird iImib 
iw einUUoBg to bobartm gruto alt eigeDtiMi dea fcrUMMN 
aniiiMbeo teiD, A (n l'*-*l$)t faroar dar im «vgaraii ainna faii 
Aiioa liandalBde loMaaatail — iolialUicli aoodarl aiek diawr 
wanlialaBa idurf von daai foraoflgdi&daft cbromatiaehatt; iwiadMo 
dan baidaB ist alicr cia ObergaDgateil, dar noch dinmikaliacli aftit 
Cbritti geb«rt aioaaltt, dau foo dar durch Palma venidastteD 
apostolischeD tlligkeil In DaotaaUaDd radat — ar kOoiita abea* 
falls aus verlorner quelle stammen, zwischeii der eioleitang 
ferner und dem v. 179, wo die berühruugcn mit Kehr, beginnen, 
ligt ein abachnitl, der gi asienteils ebenfalls chraüikali^ch isi vidi) 
nur in v. 97 — 120 (enger 108 — 120) auf den bejionderen beiden 
des liedes, Anno, hin blickt, ich sondere also inuerbalb jeder 
reimkalegorie die ;,ruj)[)en A 1 — 18 (9 reimpaare), B' 19 — 9t) 
und 121 — 178 (68 rpp.), 97 — 120 (12 rpp.), C 179—418 
(170 rpp.), B 519—566 (24 rpp.), B 567 —878 (156 rpp.). 

Idi lege im aligemeinen Roedigers teit und vergEähluDg IQ 
gnmda, intbeaoDdara laa auch ich die überlicfarlen vier zeiiaii 
wUt sioaAi p^m | oiior Aar aAi- ftii/iMii | In aiaia $km | Umr 
M dl dm is MPaiiaillg nui daai rnm Htiftm : m and liah anab 
iah iUfiit aua f. 044 ala raimworl (?or mmüUf) m r. 643. aliar 
Hl V. 8Sf balaaa icb dan ndm gmapkim : MkolMi. und auch 
aanat bleib leb, wo as ioMnar Maiihaft iat, bai tait I. 
acbraibungen , ia daaao iab vod dar übarlicfarung in ainar tHr 
dan btttgabak adar dan abarakter daa reinaa baafitrkenswerteB 
weise abweiche, bezeichne iab durch * und setze die überlieferte 
form iu klammer daneben. 

A) Mü UM Ii che reime {>c oder ^ x). 

i) CS reimen Stammsilben (als solche sind auch — mit, — 
kaft, — heil, — Uck, — aif, — wm, — «oa/'l, — maai, — 
%oeh betrachtet): 




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ZUM Ar^NOLl££) 



325 



1) rein (quantitativ vei^schiedene stammvocale sind einbe* 
zogen) : A guot : duot 9 geddn : man 11 bewarin : vann 15. 
— B* lüt : ist 29 yeisl : -meist 31 gevieng : ubtrgien^ 39 
%ug : vlng 47 -(juz : viuz 49 Qanc : -«anc 53 doMitit i 
Uita 59 6r(iA^ : mahl 67 ^«ioai( : g9%oU 7 1 ero/]r : heOiH:^ 
scapht 78. 123 -^rd« : nöhi 89. — B* geiatu : ^toonf 99. 

B' man : 125 sper : ^«r 127 itiil : want 135 ^lU : 
Um 145 (miX) : wlhi 147 ^eiooir : flROiii^va/r 163 nben- 
zog : fiocA 165 dannoch : 171. — C gueack : ^ttpradb 
179 wlikmi i knü^ 195 dmnMfrack : ^eyradb 213 tep/am : 
ImT 231 mm : ^ttpoii 235. 463 «rsta» : mm j^41 -tiilii : 
itK 243 trwg : «IdMio^r 245 tforhuam : ^dkdrMMi 24T 
miMf : hau 253 ^pfwft ; gtneh 255 iaiAMtf s mT 257 
ikmf : lauf 273 wdrijirVt^ hirhumert fS^ wkkafiiart^ 
293 virman : dte 295 gimg : tn//?en^ 311 wl^xHf 359 
^ffoeft : ilocA 365 -kau : twnl 385 «eH : kari 395 j^Moii : 
Atf/tf» 399 : 411 -rma : bM 421 4a$i : -ftraia 435 
Msri : gari 457 pimA : mamknak 471 dir : fnetlr 511 Miftt- 
ftd/lr : em/lr 517. — B ^escoAc : gtsaeh 519 sla/*: 545 
er$tdn : ^dn 547 t;trna»i : gihdrsam 549. — E gezaU geivalt 
569 Beinridi : ^icÄ 5S1 t/iar» : geddn 597 a6/(;i2 : 6a2 t)07 
(in/o^ : genuog 619 /a^ : ji'/a^ 623. 705 duot : guot 649 &ranl: 
lata 679 -<r^ : pen 683 lant : hant 697 ein : goUsuin 723 
^anl : -kmt 751 gmuot : dtcot 775 X(n«Af : Volpreht 789 
^a«c : /anc 797 reiht : gern fit 811 sfa^ : gelach 831 ^a« : wa$ 
835 -oi : sto/ 837 man : ^on 843 kunt : -grünt 853 man .* 
goDtm 871. 

•Dm. lu 1) : uoler dieseo reimen aind: 

a) der vocalquantitüi nach ungenau : in A tl. — B' 67. 
171. — C 399. — £ 581. 597. 607. 

b) fon der form : A 15. C 283. 395. 457. — 

2) ttoreiD, dem eoDionaDten nach : kam : mmUgwIt 21 
mui i deÜ 23 cift^ : r$din 35 : ^ 41 vart : tUtn 45 
liftf : iM2r 51 hnHt : 55 mmi : hwin 61 tfotitii : mtAi 
75. — B* «a» : (i^iiaiii 113 «Tii : Aeim 119. ~ B^ JM : ^ 
imIt 149. 0 mm i vrarn 217 : vnium 223 : ^Jirnft 375 : 
Mm 461 : mrUam 479 was : dos 237 A^t7: le^di^ 251 
irgieny : ^tidUitf 261 al : AmtAi 269 ^iMl : gmiüg 289 ahMf : 
^Ml 307 miior : ^eiMMf 321 ai : mmi 325 gaum : man 329 

Z. F. D. A. XLII. N. F. XXX. 22 



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326 



SEEMOLLER 



was : mhs 337 er : *cig^n (eigen) 381 underddn : sorcsam 397 
volcwig : quit 445 -hüt : üs 475 genam : getoan 481 was : 
'saz 501 wichhiom : senitstuol 607. — D kuning : dugint 521 
spranc : lanl 527 s/?^ofi; : &/mo( 529 grafti : ^avi 553 gilegm: 
Ubin 555. — £ duoni : guot 573 man : havin 577 än^^siu : 
j»l^'fi 579 was : -taz 591 -haib : gezalt 595 diet : Hep 611 
i0erft : w^rkt 613 : man 615 sTuortf : ^of 631. 869 ^Moni: 
'9l 641 9(at : ^a/ 645 vtrmidin : virtribin 665 genuog : ^uol 
671 Urtt : 675 -mwg : ipin» 707 (fmu^ : ia< 713 -«I: 
«MM'iMft 719 ^iMy : miiaiU 725 gitat : p«Midb 729 ^cteiis 
ilM/ 741 , pftMiml t Amh 755 ^ctpa»^ : vorn» 781 ^mocI: 
«ri/l 851. 

anm. lu 2) : unter dlesea reiaieii ist 

•} audi der fOcalqnantitAt nach ungenau in C 897. 

b) fOD der form io B' 35. 75. — C 251. — B 521. 
553. 555. — E 665. 781. 

c) voij der lorm x : ^ x iü B* 55. 61. — C 269. — 
B 577. 579, wobei immer, bis auf 579 ipiegiu)^ das zweisilbige 
wort havin oder havü isi. (lloediger schreibt hier UberaU hän, 
hdt uod 579 sehin : plegin statt sin : plegin). 

3) uDreifiy dem Tocal und consoaaDleü nach, iü B bistuont i 
drüt 739. 

u) es .reimt Stammsilbe mit sufQx (unter sufQx sind hier alle 
fiexionsendangen, die ableitungen -ich, -tn, -isch uod die 

eodsttbea mehrsilbiger fremdwOrter feralandeo) : A A9m:slii 17« ^ 
B* fsäfl^ : ifii 25 btHi^tgtünH^t «iiii$fiiiiibii65 Maii:fliäiiMii 
73 : Hd^ 139 Eimualm : butin 85. — B' hM^f : ^ 109. — 
B* dm : «n^dSf^e, 133 Nmm : spS 151 SminmiB : ai 153 
vitngnekiiA.i mtßig 169. — C kmm s n'» 191 
199 Darius : küs 203 Hupen : id 215 . mmi.: ^trüm 225 : 
MdbiilR^. 277 : ^0A«£Mfi 483.-509 tlMm ; ^mmIii 239 iimtf: 
ila«dr 313 fffn ; qnveUn 315 gewan : ^e/Yon 319 flu : irre 331 
ndÄm : man 423 Pompejus : hiU 429 senaius : -ilz 431 kastei: 
snel 505. — D s«n : Martuu 523 man : VraHÄa^ 53Ü : Vrankin 
561 : irs/an(aH 559. — £ sdilm : viugerliti 575 ^eiY : schinit 
587 #r : mtiMii/er 6 David : ^er/fc/; üG9 man : stehen 711 : 
geheizan 807 : irkeinnin 828 Arnoit : bischof 735 gwam : 
»K^rfm 773 Äat?m : ceichin 785 o/fenc : ^ 799 ^am : t;tW<mc/»t-* 
n<m 813 Mo» : innut 81 7 kiriehm ; <tfoii 84 1 iiratl : id 855., 




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ZUM AMMOUED 



337 



anm. zu u. a) in rQcksicht auf die uosicberheit des Tocal- 
lauit's in deu sulfixeii iiuterlass ich die aussonderung der voca- 
lisch uoreioeD. coosonaolisch uoreia giod B' 85. 153. — B* 109. 
— C 199. 215. 331. 431, — E 575. 669. 736, 773. 813. SSSi 

h) der stammsilbeoreim bat die form : B* %1 {birm) 
C313(Aam() £785(Amwi). 

flf es reuneD nilBxe : ▲ Amm : wiUm 13. — B^ «mmiC* 
MiiH : mm^ffilm 38 ^ew^Ale : 57 mndiiii ; jümU» 69 

Funa : JMiis 79 Mm : Thmnoi 81 Bh^^ : PMa 83 
J^Aüe : yral^ 87 micM : iim^dio 157 </t]pA/£i : teif- 
fWNli 167. — € iMrOre : velklAMfe 183 eNfefe : Mn 187 
iimtn^ : BMmua 193 : MtVonü» 205 m(U§ : 197 
ilasRnubrdi : Umiin 209 Cesarem : Arefsere 271 enstf : heieriseh 
303 «<{i7m : vorderin 349 i4^amemna : dandero 3(>1 gesindin : 
*Siciliin (Sicilia) 363 Ci'clopin : Siciliin 367 Ainndn : /^kiia 
371 Piiavium : Timavio 383 tr^nni^ : ^xor 407 Germania : 
manige 417 Colonia : maniga 491. — E vuns/m : (Uurftitjin 601 
genedig : gdönit r>29 Apuh'am t üngerin 681 gewefine : inddere 
6S7 rroime : ^oWe 717 ^«sftM : bigriffe 731 giktistigit : iül?m 
761 lastmn : jfebaldiH 815 tftntfter : loasser 825 ceioliMfi : 
AcAt^ 855. 

anm. zu in. a) consnnantisch uorein sind B' 33« 69« 87. — 
€ 271. 303. 371. 383. — £ 629. 681. 761. 

B) wei5liche reime. • 

• I) slammsilbenreiijie * 
a) zweisilbige * 
1) reine (in rUcksicht auf die qualitat der stammsilbeo) : 
A singen : dingen 1. — B' sunnen : wunnen 43 hlmde : gemuodi 
93. — B* Vratiken : danken 97 fdulite : "^irlinhle [i/inhie) 115. — 
B^ heirti : -»er/t 131 H/m : *irbUin {irbidin) 141 schirmm : ^e- 
kirmin 143 *t;oirikltti (tier<m) ^ : worhtin 159 /aitlen : ütr6niitf«ii 
177. — C wjunfer : grünte 219. 227 : haben 281 ^iioefm : 

ImMm 299 : «i^* 301 wurmii : iit&t^sm 305 &e : 

AMi 309 «fsAi : vtrmäMin 335 limo^ : thfiffim 339 «uMi : 
Msd»343 oft«! : citiafttfii 351 jMi : tMlrAi 357 *fiii^(fM): 

^ ob vorAte oder die gesprochene forai wer,' Itl aoe den rebnen 
159. 489 (lu worAte) einerseits» 599 (zn iserte) nnd 437 (iv Hirtti) andeiw 
adts nicht ansiosiseben* ieh habe dabei Jedesmal den leim ala consonanliacli 
reu geiiUt. 

22* 



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S££MOLLER 



RM "389 Sanle : hnte 'M)3 wante : Imile 405 schinin : sfnt 
425 -kaibtn : *albin {alvin) 439 volki» : wolkin 441 ckingin : 
sprungin 449 duMtin : vluzxin 451 dow^m : virhouwin 459 
infitngin : mutmmigin 467 drin : /^m 473 Ao^tt : *gtlie 
{fM^ All MAU : Hwhtt {wtrU) 489 «fmii : Agripj^na 493 
jÜfur : tlne 503 rAmtl» : mlmiäi 515. ^ B «rIdW : tiifwIelMt 53) 
Mote : ip«fta 551 Mtte : MMrtAi 557 mIMi : knAte 505. — 
B H^tm§in : imfmigin 583 ifMW : smmiwii 589 ^aMnAi : w4ri 
593 iMTf« : MTf» 599 ^nidto : llcAt» 609 ordM : «fitfnt 625 
Hei«: JleAirldbe 633. 677 : mAn 635 Engtlmain : mnIAi 
637 rAiri : ftef 651 cbt'iiAi : goUuäM 653 ^rtfM ; •^«itfie 
685 fidiie : te&n$ 699 liil^< ; teufte 757. 791 MM : l^leA« 
763 trütoin : ruwin 809 irkante : scanfe 819 «cA^i/»' : intgeltin 
823 scei^m : intgeltin 829 n'cAif : sprichit 875 büwHten : 
-lante 877. 

aom. EU 1) : darunter siud a) im suffix consonantiscli ungenau 
C 219. 227. 301. 309. 389. 425. 477. 493. — 1> 533. 565.— 
£ 589. 593. 609. 653. 823. 877. 

b) reime tod langer auf kurze stamnisilbe C 281. 

2) eoDSODaDtisch unreine : A *vähten (vvhtm) : brächen 3 
edbtetfen : MgUngen 5 denken : enden 7. — aneginnp : stimma 
19 gmopkin : UMiin ZI heirrm : 95. — iMMii : 
sänge 107 ftto^e : tpunle III wAf s püdSg^ 117. — B* wtgti 
Nino 137 aUm : ftrviiieii 155 inm : yrvnMiii 175. — C ^eti^ : 
tfterfl85 -rfdhe:-^/eii 189. 201 Mwolf : ^riMsre 229 AenrAi: 

265. 469 g^ti : ^eMiiA'ii 259 fMin : «AeftWin ((e- 
Atfbd*!») 267 «err» : pirno 317 *meii^ (vingen) : Aenm 345 
fidtoi : tndgin 347 MIe : ineeinte 353 -poiime : ou^e 369 
irgezxin : hetti 413 kdmen : halspergin 419 Ägrippa : Herihia 
{birehla) 487 Spiriiwili 499 ^rdm : t;em 513. — D nältin : 
gendde 531 Adme : ordne 525. 535 wtge : toffen 563. — 
E pldgin : wdrin 567 sairphe : emsfc 603 *Ad/jn (JiaUin) : 
dadm 621 Äei'sm : weisin 627 Denemarkin : G V) : 

Äc7m 647 -heirrm : erin 659 wilin : sinin 667 cesw« : selbe 
689 : verrc 833 lichamin : Idgin 6Q{ sege:werel(i9 wtrstin: 
brustin 733 handin : bihalvin 737 itundin : willicumin 743 
blivin : /Idtn 745 herein : erc^tn 749 truntte : jungin 753 5«7a : 
etfni 765 ftdt : jMrmfyitf 767 erda : 6er^ 769 äMdn : bifUm 
771 vAisfAi : eferäi 777 6er^ : ^eme 779 erumbe : ^eMMie 787 



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ZUM ANNOUEO 



mmm$ : aUin 803 volgin : hoUin 805 genädin : virgäbi 845 
sägin : wann 8 17 /anf« : waltin 857 o/ussin : inzuickm 859 
«prwnp« : ftnmne 861 virstuontin : piio/« 873. 

aooi. zu 2) : darunter siod a) im sufßx consooantisch ungeaau: 
B' 107. — B* 175. — C 185. 189. 201. 259. 413. 513. — 
D ö31. 563. — E 639. 647. 753. 803. 845. 857. 873. 

b) reime von langer auf kurze Stammsilbe : £ 691. 743. 

3) vocalisch (in den Stammsilben) unreine: B* hMn l aUe 
63. ^ hirm : wärin 105. B' UkmmH^ : «Niy|«m« 121 
wMi : mif 173. — G «Auie : Mfronft 21t tUseh^ x gröxin 221 
rfeft« : MkAm 233^ 377 9Mif9 i hntufim (Roodigar M^fw^ 
279 »1120 : au 415 fturTäi : «oormi (MfMi) 427 giwritt & 

465 ^düAi : 495. — B €nft$ : (/iii/^e) 
585 -WMi : MhMl^ti 661 inn$ : wimiM' 701 rmiiAi : gnfhmim 
839 Mtrcr : iurer 867. 

amn. tu 3) : darunter sind auch im safßx (consonantisch) 
ungenau : B» 63. 121. 173. — C 233. 279. 377. 495. 

4) CDiisonanlisch und vocalisch unreine: C volke : gecelte 285 
(?) Swdo : Suäbo 287 nämiu : werin 291 inirunnm : * wendin 
(vindin. Kraus sindin) 355 Troie : scowen 379 Albrfne : Röma 
387 heirrin : tcärin 409 -garten : wtirde 447. — E /ifuwdm : 
manne 703 irmgit : volgit 747 nd^e» : /diuii 759 musH 
trikmH i tiwrii 793 sunTm : $oUe 821. 

anm. 4) r darunter sind m\ch im suffli (consonaoliacb) 
UDgenao C 379. 447. — £ 703. 793. 821. 

dreisilbige : B' «toMTp» : tagin$ 91. B* «»11119« : ktrijfi 
101 mBgid» : 103. — B* AM» : laAbra 161. — 

C : AoMltf 181 ctaRlM : taotiAt 263 «fHlre : leM 373 
jaginta : linAfiila 433 Miij^e : ingegine 437 Aari^ : wmigß 443 
ifteAf : *0iAMitl< (tfimUi) 453. B 10^« : dagine 543. — 
E wibiM : AAReb 571 ^Mi^^e (Mnls) : monli^ 617 oinMMäAi : 
havite 663 6t7t(fe : himeh 673 ^esi^e/e : Atmafe 715 wuutige : 
ciäa^/tnie 721 himäine : himile 783 sa^t/d : havite 801 *r$ginte 
{reyineie) : hahiten 863. 

anm. zu ß) : darunter siod a) consonantisch uureio alle, bis 
auf B' 103. — E 617. 

b) vocalisch unrein : B* 103. — D 543. — E 617. 863. 

y) es reimen zwei silben auf drei {-l x ^ x x) : IV *brunigeH 
(bnmieim) i Utunu (Kttm) 129. — C UbarU i ha»ü9 207 hir 



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330 



SEEMLLLEIl 



nmge : siurme 249 inne : brunigm 297 xudevm : einti 327 
-inenigin : Eilhin 333 sprdchin : havUin 341 vrowedin : Tröie 
391 lante : havite 403 werilte : suerlin 455 /an/m : haoUin 
497. — E widewin : sidde 605 gigerwa : variwa 655 infitii : 
mwnigin Ö57 fo^tf« : Arnolde 795 -stirrnn ; midere 819. 

aom. za 7) : daruDier ftiod auch im (ätamm-jvocal uoreia: 
C 297. 391. — £ 655. 

Ii)' es reimt Stammsilbe -f* auifix auf suffix -|- auffix : £ 
IMtn : tDaftÄunciiit 693* 

C) a) reimlose paare : C ^^inmnäin havin (Roediger nM^- 
«WMiM) : widiri 323 tUfnm i gMonur 485. — B FolirAMi : 
bi>i 541. — S «Meft : fiMtdk 727. 

b) tt 11 gewisse reime : dae eine reinwort hat eine Ober- 
achOasige ailbe : C ^ : itlT 401. — B : «^äia 537. — 
B Amt» : lan^ 695. 

Die folgende tafel stellt daa Idar forgelegte reinmaterial in 
sablen dar. in erster linie werden die gruppen € und £ zu 
beachten sein, weil sie die meisten reimpaare enthalten, aus ihren 
zahleaverhaltuissen daher leodeiizeü dtr reimlechnik mit gröfserer 
Wahrscheinlichkeit erschlossen werden können, als aus den klei- 
neren gnjppeü. (s. nebenstehnde lafel). 

Man erkennt vor allem 1) tiass E in den reinen mSnnliclien 
stammsilbenreimen stark unter dem [iiiltel bleibt, daas ferner C 
erbeblicb stärkeren procenisaiz an ihnen hat als £; 

2) dass £ sehr starken ttberscbuss an consonantiscb un- 
reinen weiblichen atammsilbenreimen leigt, C hingegen atailt 
hinter dem mittel, noch weiter hinter B lurOckbleibt; 

3) daaa C im verbflltnis nafaeia tweimal so fiel reime der 
fonn .ex : ^xx bat ala B; 

4) daaa C en labl der vocalisch unreinen weiblieben atamm- 
ailbenreime nennenawert Qberwiegt 

Daiu kommen geringere lablenunterscbiede in den andern 
kategorien. 

Die lafel lehrt aber ferner, dass £ und rn gleicher richtung 
sich bewegen ( verglichen mit dem miUel) : in der zahl der reinen 
und der consonauiisch unreinen männlichen Stammsilbenreime, 
der männlichen stammsilben-suffix- und der männlichen sufßx- 
reime, der weiblichen consonantiscb unreioeu sLümmsilbenreime, 
der dreisilbigen, endlich der reime von der ibrm^x;^xx. 




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ZDM ANNOLiED 



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SEEMOLLSR 



iB aUep dlms katcgoricn stebii jedetmal bade imomm btU 
iiiiler bald Uber dem millely nanenllicb Uacble aaaii die üpie 
der weibiichctt eoMOMOtiacb oardiiea alanmiaflbeBKiiiie. ane- 
euaoder geba tie onr io den reiaeo wetblicben und in den 
adiifacb fertlreleDeD kategorieo der weiblicben maliach und 
conaoaaBiiaehrvocaliicb «Dreiaeo. 

Doreb dieie abereisatiininuDgeD der twei rionificb gani ge- 
treDoCco, aber dnrch deo gemeiiieaflieD Aono-aloir ferwantcD 
gnippen werden die gegensfltze xo C, die E alleio schoo erkenoea 
]iek, Uber das gebiet des xu^lligen oder belaogloseo hinausgehobea 
uod koüüeü nicht mehr als varialionen, die auch bei eioheitlicher 
cooception iooerbalb verschiedener ab&chniUe eines Werkes vor- 
koffloaeu konnten, angrst hea werden. 

Anders verhäll eb sii Ii mit B', tlas ja infialliich iJem chroni- 
kalischen al schnitt C in äbüticher weise verwaoi ist, wie dem 
ABDO-ahHchoiU E. 

Zsvar bewegt sich auch B', im virgUich zum miilel, in 
gleicher richtung mit € in den linien der mnuilichen suffix- 
reime, der weiblicben consonantiscli, vocatiscb uareineo und der 
dreiailbigenr reime , aber in allein abrigeo vergieichbareo gehen 
aie aoaetnander, teils starker wie in den mannlicben und weib- 
lichen reinen und in den minnticben alanmiailben^ttflU'-reimeny 
teile icbwacber. 

Anderaeila aber ist wider aebr benerkenawertt data 1) C und 
Bs im fergleicb au B, durchaoa in den mannlicben und anm 
teil in den weiblicben reimen parallel laufen, daaa 2) dort wo C 
und B anseinandergebn, dieaelben lendenzen twiacben B' und B* 
inmeiat wider au beobachten aind, ao durchaua in den mlina- 
licben, ferner in den weiblicben bia auf die reinen und die fo- 
caliacb unreinen, dadnrcb erhalten weiteres gewicht die grtlnde, 
welche auf einbeitlicbkeit von B' und £ wiesen, dadurch wird 
ferner B' naher zu C als zu -p 1^ f^jesleilt. man wird daher 
auch den gegeiisälzen bedeuluug beilegen diu leü, die sich zeigen, 
wenn man B' uiwi untereinander vergleichl : in der mehrznhl 
der fölle bleibt unter dem mittel, wo B' darüber gebt, und 
urageketirt. 

liie er^icheiuungen in den abscbuillen A und B erlauben 
kein halbwegs wahrscbcinlichr« urteil. 

Ad die einxelstatistik der tafel scbiiefse icb eioe übenicht 



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ZUN iNNOUED 



der aUranfliiltaiiM, iKa «eh m additien allar iiiittDUehMi* und 
aller weiUiehea letme ioBcrhalb jedca eiDulDeo abaehoittas ar- 

gel>en: 

bSiidI. reioie waibJ« feime 



A 


5 




4 


.44!4«/o 


B' 


4d 


72 o/o 


19 


27'9«/o 


B* 


4 


33-3 ö/o 


8 


66-60/0 


C 


87 


51-1 "/o 


80 


47 o/o 


1) 


13 


54-10/0 


9 


37-40/0 


£ 


73 


46-70/0 


81 


51-90/0 




231 


52-ö"/o 


201 


45-70/0 



Die abersiebt lehrt 1) «idar den onteracbied von C und E 
iflB fergleich ihrer o/0n|ilea lum o/oaata der nlnolicheD ynd 
weibUchea reime iai gamen lied, 

2) den atarkea gegesaaU fon B* vnd B*, aiitw eiMDder und 
mit dem geaaiiit*<yatati ferglieben, 

. 3) dan die enebeiauBgen, die E Im rergleich lam dureb» 
acboitt idgt, Iii B\ nur gealeigert, aicb widerbelest 

4) dasa B' alark Ten 0« noeh alärker aber won E und B* 
aieh entfernt : ea xeigt einen ganz besonders grofsen ttberacbnsa 
an männlichen reimeD. 

steilen sich also mit gentigender Wahrscheinlichkeit reim- 
technische unterschiede zwischen den gruppen ü^£ einerseits, 
B*C auderst'its heraus^. 

Das Aniiolietl isl daiier reimlecbnisch nicht aus einem ^usse, 
die ctironiiialigcheQ teile zeigen talsjicblicb andre reimverhdltnisse 
als die specieUen Annoteile, in jenen nehmen aber wider die 
abschnitte von weltschOpfung, attndeniaU und erlOsung, Ninna und 
SMuifamis (B*) dnrcb die menge der mlnnlieben reiaM abge- 
aeoderte •teUong.ein. 

' um auch die zahlen Verhältnisse tu prüfen, die sich «us der com- 
binatioo der mit wahrscheiülichkeit zusammengehörenden, sowie der keiner 
bettimtnlen gröfseren gruppe zugewiesenen abschnitte A und D ergeben, 
habe ieh fanMr die «^/bsaklea Mr die SDiaaw von B' -}-E (16B lefnpaafeX von 
A+B«+B (171 rpp^, 1+B*+B + K m B* + C (838 rpp.), 
B'4-€-|-B (3I3 rpp.) BMfa den dnaeloen is betiacbt itMiaiende& rdm- 
kategorien berechnet : die crgebnisse ans den beiden vorgelegten Statistiken 
werden durch keine dieser combinationen wesentlich weder bepinirächii«;t 
n<Kh aolerstötzL auch tauchen keine neneo aialiigebtiMlefi anbaltapaacte für 
die eiureihaog tou A oder D auf. 



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SEBMGLLER 



Audi km worU«b«lx laatta sich mnUniäMt beobadilMk 
idi grrif« einifft der gew4riMilick«i B^jßtüimAitm waA wihntiii 
tifisehen ableiUmgeii bem*^ 

Von adjeclim (adfirbiiBii) aof -M (ligmalw ^mk des |ir«- 
DomiMliett Imdkk 55. 135, mOkk 101. 254. 501. 614. 753, 
««fiel 301. 035) flodeo sieb : A ÜmUA 12. — B* itmpHdm 
158. — C ofiftifidk 186 WMmÜUA 192 mitMth 285 «nmlcr- 
lieh 326. — E tiurUch 577 gotlkhe 609 iäidkhe 613. 631 
»iginuftUeh 689 pore/fcA 7o2 icenltiich 704. 791 hmiglich 
714 wuntiTÜrh 715. S65 ord^icfc 72B menniilieh 766 misse- 
«IcÄ 813 vrebelich 823. 

Also in A in 18 versen — 1, B* 136—1, 24—0, C 340—4, 
D 48 — 0, £ 312 — 15. dabei beachte man, dass der paralieivers 
za C 186 in der Kehr. 533 sUU tfniüich wildt hat, und das« 
C 285 {mulltk) io der Kehr, überbaopl nicht ▼orkommt. 

Adjectira auf -t^ (mit ausDahme von mmi$) i LknUs 13. — 
W M403. — B'Aa%00 cMkikt4li§m ttrmms 113.— 
ifknnikM 169. C img 225 liui/Ü^ 258 nmti§ 293 
M^Mari^ 443. — P iM> 537. 539. — B Aa% 571. 673. 711. 
763. 815. 866 ÜmrfUs 602 foiddff 629 ten/h^ 710 
727 dvtp 768. 773 fnt^eMi^ 827 lerej^ 843. wann wir 
toeb fftii AeiYi^ abaefaeB, weil der stoff von AB'DB daa wort be- 
sonders nahelegte, so zeigt sich auch hier wider ein bemerkens- 
werter unterschied zwigcheti C und B, deneu sich diesmal, \m 
siooe der aus der reimtecboik gewonnenen ergebnisse B* , be- 
ziehungsweisf B' an die seile stellen, die ueiguug von E-f-B' 
zu diesen ahleitungen auf -i^ wird besonders klar, wenn wir B' 
mchinhaftiij und vrumig hervorhebt ti, für die sonst ceichinhafi 
und vmm zu erwarten wäre, und ferner beobachten, dass die 
Kehr. 496 für das in gleichem sinn auffällige mifmeriger 0 443 
minre bietet : wir dOrfeo daher in tninnerig und ebenso io 
piereggehtieh B* 169 •i'e-formeD aehen, die die haad dea terfasaera 
TOD B + B* io die rorlage biDeingebracht bat. 

Adjectiviache ableitoDgen auf "tarn floden aich fDofbial : mtiH 
aoM 224. 241 earftlMm 247 ^d^dnoai 248 imkum 398 io 
€ and eiDOial io B ^tftdrgom 550. ich balle aa daher fDr mog- 
licbp daaa C 186 wH^kh erat erzeug nis dea bearbeilera ist, der 

^ ich gebe hier, wo es auf 4ea ItDt nicht «okommt, die sctireibungen 
naeli Rödigert text. 



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ZUM ANNOUED 



335 



wnimm Torftnd und tiatt der •faM-abliitani (die weder in A 
necb in noch io B TeifciMiinil) die ihm geliulige auf -Heh ein- 
tetite. 

Adjectiva auf -hafl kommen nur io C vor : tcichaft 293» 
sedilhaft 517, beide auch Kehr. 295. 659. dass der Verfasser von 
£ 4- B* sie vermeidet, geiit auch daraus benror, daes er B* 106 
ctühinhafl mil dem sufßx -ig versieht. 

Neben dem einzigen aubslantivum auf -tuom, das E 596 hertuom 
ond beaeichBeDder weise wider B* 116 vorkomoit, stellt in C 507 
wUktvom — aber in einem satte, der lieioe parallele in der 
Kcbr. bat, wahrend seioe nächste Umgebung dort sich wider- 
findet, sollte es unter solchen umstanden noch ein wagnia sein 
10 schliefsen : hier hat der aberarbeiter verse seiner eigenen 
mache eingeschoben« nnd daa auftreten der -mam-ableitnng ist 
hier filr ihn charskteristiachT 

Ettdlieh lege ich Ibnen einige stilistische unterschiede vor. 

Ich habe den gebrauch des postpositiven attributivf n adjectivs 
uniersucht und in A 1 (v. 9), in B' 8 (22. 46. ü4. 131. 155. 
157. 165. 176), B' 1 (105), C 18 (197. 222. 241. 289. 299. 
304. 310. 327. 343. 349. 351. 408. 412. 418. 482. 492. 506. 
511), J) 2 (526. 535), E 13 (618. 625. 632. 650. 653. 658. 
672. 685. 721. 775. 825. 833. 870) f^Ue gelundeo. ich wUl 
nicht besonderes gewicht darauf legen, dass B* und C jedes einen 
grOfseren ^/osalz hat als E; aber auffallendere erscheinungen er- 
geben sich, wenn man die stilistischen typen im gebrauch des 
naehgeatellten adjectiva auf ihre Verbreitung prall: 

1. a) dtf Uto ardM D 535; aurserdem B 625. 632« 672. 775. 

833. 870 

b) der unser h4ro gwi A 9 B' 64 

c) €in Uri C 197. 289. 304. 511 E 650 

d) sin iieee guo$ C 482 £ 825 

2. a) goU vili röt C 412 g$dü uiMi vr^ne 526 hmverte 

gröze E 685 

b) »mrin maniga C 418. 492 E 618. 658. 721 

c) in znngin sibenzoch B* 165 C 327 

d) helmi Udlin heirii B' 131 

e) Mtm Cime vreisan C 241 

0 numitm vue grömn Q 222. 299. 408. 506 



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336 



S£EMÜLLER 



3. n) diu tp^in tNivH . . iö mtmigvalt B' 22. 46 

hittihof aliö hirinW 105 von den mexsteriu also wahsin 
C 343 mit icierin alsö cleinin E 65:^ 
b) van cigdin den allen B' 155. 157. 176 C 310. 349. 351. 
die übersieht Ithrt, dass der typus 1 a, der tasl die tk^llle der in 
E überhaupt vorkoiumeodea fälle bildet, aufserhalb £ our nuch 
einmal in D« nicht in B\ nicht in C vertreten ist; dass ferner 
3b aur B* und C bescbrflokt, hier aber nicht selten iti; unter 
4ȟ ilrei Rillen von C zeigt auch Kehr. 345. 347 ganz dieselbe 
fonDel* ieh macbe noch aur 3a aufmerksam : £ und B' steigern 
das oachgsseUle a^iectiv durch äh6, das fiodet sicli eminal ancfa 
in C, der enUprechende Tora Kehr. 341 bat aber blofo m» dm 
wiiMMtm wutm, niao wird daher daa ak6 hier auf reehniiog dei 
verbaaera dea liedea aetien dorfen. ob auch daa ateigemde 9$ 
in B' 22. 46 ihm angehört, oder ob es unter die eigentOmttcb- 
keilen fon tu aelsen und jenen antureiben ist, die B* ancb 
in reimtechnischer beziehung zeigte, lasse ich offen. 

beim vergleiche der zweigliedrigen redeusarteu fasse 
ich nur die ins augc, die einheitlichen begriff ausdrücken, lasse 
daher die aiifzähleuden 20. 13. 4ü. 48. 253. 590. 807. 875 bei 
äeke. in belrachl kommen also In B' 3 (127. 129. 143), C S 
(195. 247. 267. 293. 298. 441. 478. 480), D 1 (530), 
£ 15 (574. 580. 605. 607. 671. 679 [dreigliedrig]. 680. 686. 
750 (zwei belege]. 726. 748. 754. 787. 820). der in die äugen 
fallende starke Oberacbuss in E wird dadurch noch bedeutsamer, 
daaa nur drei von den belegen in C (293 < Kehr. 295, 47& 
< 594, 480 596) in der Kaiaerchronik widerkebren. 

Eniacbiedeno atilferacbiedenheii ligt endlich vor in der rer* 
Wendung von bildern und vergleichen mit äb, äb6, «m». 

C daz geMie deH C(d6pi» , , ßkö hö 96 tanjxmm» 369 
(auch Kehr. 357) td$ «In oÄtof oNon'i» am da» kmt 422 
Rehr. 476) die Cetari töAi (ngegine , . M dtr mi veOSrt uffin 

albin 44ü flfet der hagtl vtrt't van dm wolkin 442 (fehlt 

Kclir.}. — D ein creiz . . alsö röht $6 viur unti bluot 530. — 
£ die stJitnint uns von himile ah tz sf6m sterrin nahtis duoiU 
573 vnti'r (landere brähltr sinin ScAlm, ahi der jachaut in diz 
(j}dditn vingef lin den ah ein spiegi^ aneseinn 579 duo 

gimg er mit liutcrefte, alsi diu sunni dnoht in den Imften, diu 
hnnuekin erdm %nti himiU gä, Uidm KdbiH «cftdMf, akö gi€H§ 



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ZUM ANf^OLlEU 937 

, . Anno vure godß unti vure mannon 586 ni den geberin, sa- 
?m'r ein engil wiri 694 ah ein lewo saz her vur diu vinristm, 
als eiti liwib ginc her untir diurfiigin 601 iö dede imi got^ ahd 
dir goUsmid duot : sor w irkin willit eine nuschin gnot , diz galt 
üuiü hir . . mü wehim toerki duot her si Uure . . wole sHft her 
ÜB ^tUine . . aUö däf got semt Annin 649 st ichium aUö 
die sterrin cisamine 722 santi Heribret gleiz ddr ah an goU" 
mtfM 724 Md» der heim . . M dir «ri tinim jwngm 

duM^ mr H qNml» wHHi 4m vlhgin : lur m&M in . . A«r 
wkUU 9Uh4f obd wMr mit gn^mM 776 Jfti mt§B . . 
mm M is flb <6i wüstr 896 dh dm ggmdM dt» Mtf» 
ijginm 4x mi tmn 833» dam konmeo drei Tergbiche mit bi« 
bliielMO penoBen 667. 763. 854 (vgl. ahd v.87l}, der letite 
breit auggeführt 

Das aufserordenUiche Übergewicht von E ist wol rollltominea 
klar, und der ui der Kehr, lelilende vergleich C 440 ist wol 
ehenfalls auf rechuung üea verlassers des liedes zu steilen, diese 
h uilij^keit der bilder in E ist zeichen kunstmafsig-gelehripn ein- 
tliissts. einige unter ihnen siud durch die laiemische Viia, die 
der poet benutzte, angeregt : in der uns vorliegenden (Mon. Germ. 
SS. xi) kehrt s. 511^ 9 (velut aqua) das bild 826 unnnittelbar 
wider, zu 833 ist 511^, 27 quati üiculum zu vergleichen (das 
dort freilich auf den schlag selbst sich bezieht), tu 586 lieht 
Roediger .e. 106 wol mit recht 468\ 33 heran das tertiam 
ligt im liede anders oder ist mindestens schSrfer herausgMieitet 
wie SU 649 Vita 503% lOf und 492^, 14 f — die ausftthrung 
aber gebQrt, so fiel wir sehen, gans d^m poeten — ; tarn ver- 
gleich mit dem löweo 601 citierte schon Kettner Zs. f. d. phil. 
s. 299 den feonli imptttu 472*, 25 f, Roediger s. 106 mag ihn 
aber samt dem gegeosfltzlicheD mit dem lamm 602 wol dem 
dichter selbst /uiraiieii ^. auch die vergleicln' m\l Job 762 und 
Moses 854 hndeu sciteohiücke in der Vita, s. Roediger s. lOSf, 
110. zum spiegil bl9 möchte ich auf aecclesiae spemlnm 509% 31 
iiiijNs eisen, das ist aber eben rist. du; hülfle des ganzen Vorrats, 
und man merke besonders, da^s aiicli in jenen beiden der vier 
(586. 649. 776. 854) ausgeführten gleichnisse, für die gedaok« 
liebe parallele in der Vita sich finden lieüi, die auafahrung ohne 

* TgL Sednttos Seottw Poet lat. m 198,7 ifftfte« iiU fitU müh 
MtittmifM §9rmu», Btanda eolumka hmd» al ho imxqtu mtdi». 



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33a 



seemOller zum amoued 



▼orbüd dorl ist. so lange daher nicht eine qoelle gefunden ist, 
welche nicht bloJs (ieu gedaukeu soDdero auch die form der 
meisleB vergleiche des liedes £ vorgebildet hat, werden wir ron 
einer besondem forliebe des abschnitls £ für vergleiche uod 
gleiehaiBM radeo dflrfen* jedesfrUs aber iM darin «n anffidleader 
uod wichtiger stilantendiiMl iwitdimi B and den indem ab« 
BcbniUeo gegeben. 

IHese grflnde venntasaen mich die anaicbl abnilehnen, dan 
das Annolied aus einem gösse sei, sie verweisen auf die annähme, 
dasb der verfa&ser des liedes eiae geschriebene deutgche vorlade 
benutzte, dass der teil, den Anoolied und kaiscrcbrouik geaieiosam 
haben^ au« einer gemeinsamen altern und verlornen quelle stamme; 
sie erOlfaen die mOglichkeit, dass auch die slücke ^lillester ge- 
acbicfate' — achOpfang bis Ninus und Semiramis — einer tv 
lornen oftan 4 angeboren, die aber vielieicbt schon in ein ganm 
mil jener «Hern cbronik luaanunengearbeitet war. — 

Das, Yerebrtcr freund« aind die gesicbtapuncle und folgernngea, 
die ieh f erlege, an ihnen hsngl die finge naeb der eraten deutsobsa 
Chronik : ist ea die Kaiaercbrenik, oder eine verlorne, die jeoer 
uud dem Annolied als qneile diente? ihr habe ich vom Aanolied 
aus in der vorstehenden weise n^her zu kommeu gesucht, was 
ich hier gewonnen zu haben glaube, bedarf aber der ergäozuog 
von der Kaiserchronik aus, und ich hoüe, Sie antworten nicht 
mit der frage iper nmfH mt'cft, dd nis Iretn Adr fnaiieba, m 

miliar Aont? 

Ihrem 

Innabrack, 14 februar 1808. JOSEPH SEEMOLLER. 

VoRLÄuncER ZUSATZ DES ADRESSATEH. dsss Jos. Sccmüllef seloeD scharfsioQ 
an«! seine exacle arbrilsweise der schwieri<»*»ri fraije nach der composition 
AiinoJiedes zuwendet, dess۟ werden sicli die fjchfft nrkssrii mii mir aufnchtiK' 
frtiieii. mir persönlich sind die Torstchndem ausführungeu, so skeptisch \d\ 
vuflaulig iliieii zielen and ergebnissen gegenübersteh, vielleicht eine mahnoQg 
zur rechten zeit gewesen, denn ich gesteh, dass mich die erfahrungeo inoer» 
halb der Kaiscrebrooik gegeoflbcr rcimstatistikeDf «Se oor wenig ufong- 
icithe partiea nmfasseD, sebr nisUaoiscb geataebl haben, der «uCnta des 
frciradct, der die meChode derartiger uBteisncbnsg nerUlch ▼erfetnert» soU 
mir ein sporn seia, andi voa dieser seile her neine slodieD aufs acus la 
prfUieo. EDWABO SCBRÖDEB. 



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. EKKEHARD UND VERGIL. 

A&Ogel liillg. I 2, 335 bemerkt mit recht, dasa voD.dea dich*, 
nugen onieres «llertunt nur der Waltharins populir tit um so 
Mlblleoder flncfaeiat ei, dm die feusiebteii Ober die grundiageD 
dieieft gediclilee in keiner weise geUirt find, wibrend Scborer 
Littg. i. 56 Termulet, der juoge Ekbehard habe seine vorbge 
siemlich treu widergegeben, hSit WMeyer das glanzatück des 
gaoien für Treie erOndung deä bearbeiters. nach Allhol und 
Kögel hätte Ekkehard iieu stofT durch frei erfuDdeoe oder aus 
Vergil und Prudenluis yeschOpfle Züge bereichert, diese auffassung 
184 der Wahrheit oäber, leidet aber au zu grof&er uobestimmlheit. 
ni folgeodeu ist der Yersucb gemacht, durch eingebnde Ter* 
gkicbung das «erbflitnis unsers gedicbtes in seinen vorbiidern 
niher sn pracisieren. 

Oese JBkkebard nach dem musler Vergils arbeitete» ist sweifel- 
los. aber wie ist das in verstehn? er konnte ihn gewissermaAen 
als lexicou verwenden, ihm auch gelegentlich halbe und ganze 
Verse eullehDeu, vgl. Peiper s. xxiiif. so ist er vielfach verfahren, 
aber djs trifTt den kern der sache nicht, er liuuDte ihn vielmehr 
auch iü der weise benutzen, dass er ihm nicht nur die form, 
sondern auch den gedanken entnahm und so dem deutschen 
bilde rOfliiscbe zUge einfügte, es ist ja nicht ausgeschlossen, dass 
seine vorläge suftllig einmal eine Situation enthielt , die einer 
vergiliscben entsprach und also, fielleicht mit geringer nachhilfe, 
durch diese ersetst werden konnte» zb. t. 528 vgL Aen«ii283. 
«renn wir nber unausgesetzt auf vergilisebe motive stoben, die 
aus einem individuelten zusammeobange gerissen sind, so ist es 
undenkbar, dass sein stoff eine so ins ciuzeliiä gelnule äbnlich- 
kett mit Vergil gehabt haiien sollie. man versuche nur einmal, 
etwa Alpbarts lod nicht iu vergilisches lateiu, sondern so zu 
übersetzen, dass die einzelnen züge des gedichles durch ent- 
^recbende aus Vergil widergegeben werden und doch der iobalt 
im wesentlichen unverändert bleibt, hier tat nur die erkUlrung 
BOglicb, dass der dichter, was seine vorläge bot, verstümmelt oder 
gans nnterscblagen und durch romisches gut ersetzt oder aber 
die romiseben zOge frei zugefügt bat einige beispiele mögen dies 
Vera Ii schau liehen. 

Wer buille aui den gedaoken kommen, dasä die lebensvolle 



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340 



SIUfclCKER 



sclillderuDg f. 538 — 41 uicbts i&l als eiu auszug aus Aca. in 
87 — 106? wie Turnus legi unser held ilvu panzer an (die jihrase 
aas Pnad. Harn. 284 n'gidos duraverat ossibtis artus), er^Tfifl 
Schild und >peer (bei Verg. auch oocii scbwert und beim), 
schwingt den ^eer in der lud (die phrase tos Acn. v 377 wr» 
bent tMm «htm),- »ttd was bei Verg. 105f vim den stiert wl 
d^m Turnns fei^ichen wifd« «iisgMigt ist, sehn wir hier ve- 
tatls ttrauodts siif Waither selbst Ohertngen («snfaifKt hmk 
iMm am tpons ad jm^mmi prthM Jbamia). der loftspruDg 
{$c^'en$) bat wol den zweck zu »ehen, ob die rflstung ricbtig 
sitzt, vgl. Vergtl v. 88 aptal habendo. — nach Scberer s. 55 eot- 
unser gedicbt Situationen, die an die ilias erinnern, das ist 
richtig, aber in anderm sinne, da wir wissen, wie sehr Vergil 
voo Homer abhängig ist, uad nun finden, dasa partieo des 
Wallharius directe nachbUdaogeo der Aeueis sind, so nOsseii ivir 
solche aaUiose an Homer nur natariich ftodea. für nBsere steOe 
vgl. li. Yn206— *18 uaa., fmn immerUm mamt i^l. vnSlS 
odoopr doXixiwioy e>x<>S* 9aHm$ vgl. m $84. um dies nt' 
hiltnis deutlich tu macheo, hab ich gelegentlich die eotaprecbende 
Homerstelle beigefdgt die besprochenen verse sind auch insofero 
lehrreich, als sie einen einblick in die arbeitsweise des dicbters 
gewähren, die wir oft angewemlet finden werden : eine bestimmte 
episode des Vergü wird zu gründe gelegt und mit paaaeudea 
floakeltt Tariicft. 

In der beselireibung des hunnischen beiw. germaniacben 
trini(gelageB reicht Walther dem kontge eine kunatvoU gearbeiteie 
trinkschale« v. 308: 

nappam dedit arte peractam 

ordine sculpturae referenitm yesia priumm. 

Lindeuschniit Uaudb. d. d. ak. s. 479 kann unter den der zeit 
entsprechenden funden kein derartiges kunstwerk aufstöbern und 
vergleicht wenig passend ein ags. gefilfs. er ist auf falscher 
nhrte« solche humpen standen auf der tafel der Dido^ Aen. 1 640: 

fnpefu argentum mmu^ caaltfo^ in mar^ 

fortia facta patrum. 

Der Sachse Ekefrid reitet einen achecken, v. 759: 
fuam tpadloB geUdtat egimt maeuUi oanaliifw 
aonal bt das pferd in der heldensage weift oder schwsrs« n- 



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EUEflARD UND VERGIL 



^1 



«ciloB auch grao < (RMMeyer Dit altg. pociie t. 907). uikil In 
<ier tat ttemnit da» ma aas kdoein deutacheo sUlle, soadern 
aus dem de& Turuus, vgl. ix 49 (v 5Ü5): 

quem Thracius albii 

portal equus. 

Nannigfacbe erkiäruugftversucbe tiat der Jug ber¥orgeryfe% 
daw WalUier oiit dem scbweri in der haad betat, t» 1160: 

oc nudum retinent entern hae (tfe?) oofif pmoihKr, 
VMnm aah dario haidniacba beidanaitla, Allimr erinnait daran, 
dm bei aehwürao und galobdaa daa aohwart gaaogan wurde. 
aUaiD Wallher fkhlal ein aüifaebaa biltgebat loin bioniel. die 
arUlniDg gibt Aee. xn 176: 

fMtfi fms Aitieas stricto iic ense precatur. 
bier isl das enlblofseo des scbwertes begründet, vgl. II. in 271. 292. 

In der angedeulelen weise bin ich Ekkeliards beulezflgeo* 
durcb Vergil und Prudeotius uacbgegaogeD udü hufle weoigsleos 
das wiehügste gefuDden lu babeo« fttr foUattodigkeit kann ich 
keiDe garaotie abernebaaeD« denn weon die vergleicbung nicht 
aa icfawierig wire, wurden Griaam, Peiper, Neyer nir nicht eine 
ao räche nacUeae flbrig gelaaaen haben, nalflriich fehlen aneb 
lllle tticbti wo man iweifdhaft eein kann, ob entlebnnng forligt 
oder nicht 

Die reiterseh lach t V. 179fr. WMeyer s. 386 bat übersehen, 
dä&s der abschnilt zu eiiieiu grofaeo leile üachbilduo^ vuu Auu. 
XI 597 IT iät, in der weise, die wir schon zu v. 538 fT beobachten 
konnten, dass eine bestimmte stelle zu gründe gelegt, umgebildet 
und mit Qoskelo, die andern versen entlehnt sind, aufgepulst 
wird, bei Vergil ist der bergaog folgender : das trojanische beer 
riebt benn und der reiaigen aimtliche heeracbar (eawrmriii Mwts 
V. 598)» eiaem alant daa feld und die ebene (§gtr mmfiqiiB 
f« 602) ergtlnit fon den fonkeinden rOatuogen. nun aind die 
beere auf acfauaaweile aneinander gekomuien und nacben halt 
(üanque inira imtnm teli progremm uierque mbtüterai ? . 608>. 
piOlxlici) brecheu sie iii liuiies geschrei aus {subito erumpunt da' 
more v. 609) und spomeu üie pferde. die geschosse fliegen hin 
und her (undique v. 610) wie schDeetlockeD (crebra nivis riiu 
f. 611. Ii. ui 1^. 278), daas der himmei beschattet wird, aisbaid 

^ die 'felUae* iiel Paal. t»iae. i U spicdicn nicht dagegea, es kaadslt 
sich aas die Isfmalhaftaa elcBieale» 

Z. F. D. A. XtD. N. r. XXX. 23 



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842 . . STRECKER 



(cohlimto y, 6\2) Bprengen Tyrrhenus und Acooleus gegen ein- 
ander, die pferde zerscbmeUern sich gegeoseitig die brüst (per- 
fraetaque quadrupedantum peetmra peUoribus rumpunt v. 6 t 4), wie 
eio blitz (fulminis in morem ?. 616) wird Acooteus durch die 
luft geschleudert, die Latiner werreo die scbilde auf den rQcken 
(retenifU parma$ t. 619) und fliehen, der kämpf wogt bia und 
her, die einen fliehen (datis refenmiur habmii r. 638) usw. — 
Waltfaer bnetn auf, und es folgt die gtnie schar (ixercituB eam^ 
T. 179). er ferieüt die sireiler auf dem gelllde (fir küßi campo9 
a agnu- T. 181). nun sind beide beere auf schussweite an ein- 
änder gekonnieD (iamfut in/Ina tsdiiM M etmgrmut «larfiif 
conttäer^U t. 182). das kampfgeschrei schallt dturcb die luft (fimc 
imdiijMe ekoMT «d mam toUäm- v. 188. ^fii auch zi 622 cfo- 
wmm iBÜmiS, ix 566). schaueriich geUen die bOrner (jmrmiiam 
caHfunAmi äauka twcm 184. vgl. n 732 [mma] Aorrmdum 
sefUMre), und ununterbrochen (coftftfiuo, xi 612 ist es 'plötzlich*) 
fliegen hin und her (hine indeqtte) die geschosse in dichter wölke 
{densae, vgl. xii 40S spieula densa cafhint). speen- tliegen durch 
die luft, Wie ciu f»lilz (fulmims imme modum v. Ib7) gliiuzt die 
lanzenspiize. uod wie im winter der scbnee f^Ilt (nix glomerata 
spargüur v. 188) schiefsen sie die pfeile. hi nie heere haben sich 
verschossen, die band lälirt zum Schwei le {nianus ad mucronem 
vertünr omnis v. 191. vgl. Prud. Psych, v. 137 vertilur ad capubtm 
manus}y sie ziehen die bhlzendeo ktingeu {fulmineos enses vgL 
IV 579). drauf nehmen sie den schiid wider vor, sie sprengen 
gegen einander {concurrunt aäu vgl. s 691 uaa.) und beginnen 
von neuem den kämpf, die rosse senchraettern sich die bru»t 
(peetoribus partim rumpuntur pectora equorum v. 194), ein teH 
der kamprer wird durch den feindlichen schiid aus dem sallel 
gehoben (almitiriir el f^udtm pmr§ Atro wmbotu vinrum^ vgl. 
Plych. 256 imf^ tirnftotiti [sfiM] $Urmn). WaUher wOtet im 
dichtesten gedrtUige und bahnt sich mit dem Schwerte den weg 
(Ai medi0 fitrit agmine hdh obpia pia&piM wtüeiu armü «e If« 
mir« pergeH$f vgl. x 513 prwHna puuqi» 9UtU ^Md üMmpiB 
ftt Msntm ardnu Umffm agit ferro), die feinde packt schrecken;» 
als ob sie den tod selber sähen (i91 pvetmum marim), sie 
werfen die schiMe surOck {vtrtit seuK» v. 202) und fliehen mit 
.verhängten zügeln {laxisqne ferunhtr habenis v. 202). 

Von den uicLl uueiheblicheu ahweidmügeii tuuba ich hier 



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EKEEHARD UND VERGIL 



343: 



«bseheo, im gaoien »t die naehaboiiiog nltlil hrnwAhliu 
DatOrlidi «rbebt sieb ii«d sofort die frage,' ob diaae panie lediglich 
dem EidLebard auf reebouog su aeiieii iat, oder ob dennoeh ein 
dentscber kern lu gründe ligt. die aoblaclu ist im zusammeD- 
bange der erzählung nicht zu missen, sie wird vorausge&i;UL m 
Wallhers Unterredung mit der geliebten, vor allem ist sie nötig 
ala motivieruug des siegesfestes und seiner folgen, die tninkea* 
heit aber ist unentbehrlich, um die unbemerkte Qucht zu er- 
möglichen, aufserdem ist sie durch die parallele Überlieferung 
geMcliert : l^iierolf 12633 f, Wiener fragm. i 1, ThS. cap.242. 243. 
auch aus ftslbelischen rQcitsichten ist die acblacht gefordert» 
Waltbers aristie am roiabeiid aeioer flucht bringt die scbwara 
des Verlustes zur anscbauung, der dem itOaig bevorsteht ea 
acbeini mir demnach nicht iweifelbail in aeio, daas der diebtar 
in aeiner ▼oriage die acblacbt vorfand ond in der daiyelegten 
wdae verarbeitete, die erortarung der frage» ob einiel&e ecbte 
Bilge alebn geblieben aind, wOrde vielleicht v. li^ dqpaoa feao/- 
mml vgl. mb. 2227, 4 (dm tMt dm ruetv h4ket i 44 f/k €t 
htmmtndt don) einxnaetien beben, doch kann ieb daa bier nur an- 
deuten, in den lugehOrigen veraen 203 — 14 sind folgende ent- 
teboungen noch zu beachten : v. 204 f ziemlich frei nach 
III 328 — 30. V. 208 recavo vocat cornu vgl. vii 513. zu v. 209 ff 
vgl. V 71 ff. Aeneas beüelilt : dngite tempora ramis. dies lun 
Llelymus, Acpsies, A^iauius. nach ihnen die ganze schar (segui- 
tur quos cetera pubes). Waliber bekränzt sich (lauro eingeru sua 
tempora), nach ihm die hannertrüger» nach dieaeo die ganie acbar 
{mquitur qms cetera pubes). 

Ich wende mich zu den kämpfen am Waschenslein. WBleyer 
vermutet, in dem jungen dichter aei durch die leclüre der 
Paycbomacbie der gedenke geweckt worden, die kämpfe am 
Vogeaenfelaen.ahnlicb auaxumalen. .aowlre die glgnaendate partie 
der dichtung lediglicb eine erfindang nnaerea Ekkehard? oatQr* 
lieh iat dies cum grano aalia zu veratebn, die kämpfe ala solche 
sind ja sagenech^ beaeogi durdi Nib. und Waldere, ala ktmpfe 
mit den Hunnen aueb TbS. ea iat aber nicht aoageacbloasnn,- 
dass diese einzelkdmpfe in der vorläge so auflunariach behandelt 
waren wie etwa Waiihers kämpfe mit den Hunnen ThS. cap. 2 13, 
dann hätte seine phantasie freien Spielraum gebabu die^ei puucl 
bedarf vor allem der autklaruug. 

23* 



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344 



STOBGRER 



0«r dritte kämpf 7. 726*53. 

t§rtiut m IFirMmhii M MUu^m Uumit, 
fMflmlM ex longa gentratug üirpe n&pottm 
0 mr dan tmm ngnaim et 0Hk mator, 

M «MdifM Uium tmMU priwm AtMm» 
Am«? 495: ferli«t SmyHon, ümi^ • dtarMmB, pnUTp 

Pimdmre, qui qvtndam Hmm tmifimitm /Mm 
in medios tdum twnUti prtmut Adiivw. 

aUu bei beiden tritt gleicherweise als dritter ein preilschütze auf 
den plan, iml gleichen Worten eiogefülirl. dass in Kkkehards 
augerioinmener vorläge ebenfalls an dritterstelle eiü bogerischülze 
den heliden aiigegri(Ten haben sollte , sodass der dichter in aller 
bequemlichkeit (Jeu grinzen passus aus Vergil mit geringen äo- 
derungen herübernehmen konnte, wird niemand behaupten wollen, 
der Zufall wflrp ^ii merkwflrdi?. will man den kam[)l mit pfeil 
und bogen für die \üilage reiten, so ist ni;m zu der annähme 
gezwungen, dass unter den kämpfen ein solcher angriff vertreteo 
war und Tom dichter um der UDgehinderten Verwendung der 
VergilateUe willen an den dritten platz gerftekt wurde, oder dae 
ganze ist freie erfinduu^. für die letttere taiiahine spricht et, 
dasi die weitere aasfohrung ebeofalU ftst nur rüniscbee matcrial 
bietet, v. 730— 82 enthalten nicht», wis aicb nicht ans dem 
forbeigehnden von selbst erglbe, die phnse v. 730 geä<it$ 
fkaninm nach t 336, 731 oegno mvt9 nach m 540, v« 733 
mfUmfUtU artai nach zn 925. der Terhnif des kampfea 
ist nuD lunachst siongemlfse Umarbeitung (dort aGhilderung etnen 
IhaMkanipfes) von Aen. 7 43711: 

sTof pwBÜ Ailslliis nisuque km»tm iodm, 
eofpw UXa Moda alqw oeulii nigüantibus tasit 

444 : ÜU ictum venientem a vertice vdoat 

yramidit cd&rique elapms corport cessU, 
EuUllüs vires in ventum effudit. 
damit conlaminiert Psyrh. 133 IT: et uiculorum 

mibe supermcuam lass^averai inriia dexfram, 
aim ventosa levi cecidissent teia volatu 
iactibus et mcuii hastüia fractß iaureiU, 
verlitur ad c^whim «Mmif. 



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£KK£üAaD mD V£RG1L 



345- 



uod auch die trutzrede y. 740 isi kaum etgeatum des deutsche» 
gedichtes, vgl. ix 747 f: 

at non hoc tdum, mea quod vi dextera oernU 

effugies (1). v 978 f. x 370 0- 
V, 744 nacli Ed. iii 52 in me mora non erit uila, v. 745 f voa- 
dixerat bis volani wOrllich oach ix 410 f, nicht (Peiper) x 127«^ 
V. 746 fecm — eqiUnum vgl. x 601 ftttm mwsroM redndit. 
V. 747 — 49 mit gerioger ioderung nach x892 — 96, t, 749 9t 
m vi dirifit emm vgl. xii 357 dexirM mucnmem tauorquet, 
V. 750 crinei alboi vgl. ?ii 417. ix 651. v. 751 brittgt eioen bei 
Vergil biufig Torfconmendeii tag, fgl. tttcb II« vi- 45. v. 752 
worllieh x 599. v. 758 ?gU xn 382 ofaliiKir em» copitf tnmcum^ 
fuf rdtfua karmoB, vgl. ix 832, II. xiv 496 f. xvn 126. 

AllboT lu V.751 i»t dem dichter gram, dass «r den sierbendeii 
recken iflge verglliamscher krieger verliehen habe, gewis berflhrt 
solch winseln bei einem germanischen beiden peinlich, aber isl 
Werinhard ein germane? wenn man den namen fortnlmmt, so bleibl 
ein römischer besw. griechischer kimprer abrig, in echt vergilia- 
nisehen oder homerischen tarbeo gemalt die ganse episode 
muss als ein mit bewuoderuogswOrdigcr beleseoheit und im 
gaiizeu auch anerkennenswerter geschieklichkeit zusainmt^üge- 
borgter cenlo aus Vergil und Prudentius angesehen werden, und 
wenn Meyer hier jeden echten kern leugnet^ so weifs ich ihn 
nicht zu Widerlegen, wir düifeii den dichter nicht tadeln, weil 
wir etwas von ihm verlaufen, was er gar nicht leisifu wollie. 

Der fünfte lianipf v. 781 — 845. ich l iile den lext des 
Wallhanus zum vergleich aufzuschlagen und l)pschr^nke mich 
darauf, die paraHelen zu verzeichnen, freilich hat Meyer hier 
schon das wichtigste vorweggenommen, doch bat auch er einiges 
obersehen, vor allem aber halt ich es für angezeigt, im rahmen 
dieser Untersuchung die Zusammenstellung noch einmal vonni> 
Böhmen, weil mir daran ligt, Ekkehards arbeitsweise klarzulegen, 
die gmndlage dieser episode isl der entscheidungskampf zwischen 
Turnus und Aeneas am ende des xtt buches, der mit einigen 
fremden tflgen ausgestattet wird. 
V. 821 vgl. X 473/76 (iv 579): «c — 

vaginaqM cooa fulgenim dtr^Ü mam; 
damit verquickt xn 759: 

«dUMi^ tfflasäat anmm. 



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346 



STREC&£R 



¥. 822f xu 707f: tlufßi fpu latinm ; 

ingtntis, ffenitos diversii fartibus orhü 

irüer se coisse viros et cemere ferro — - 

crehros idus conyeminant. 
der gedanke, den Vosagus selbst hkr erzittcru zu lasseu, slaninii 
aus V. 701 — 3, wo Alhos, Kryx und Appenninus aufraarschierea. 
y. S24( zu788f:oUt sublimes armis animisque refedt\ 

hic gladio ßdens, hic acer et arduvs hasta, 
XI 291 : ambo animts, nmbo insignes praestaiUifms (urvui* 
?. 826 III 720 : Uli in (er sese muUa vi volnm'a OMMtnf. 

827 VI 180 : sonat icta ucurihva Hex. 
T. 828 * n 667 : dant sonü%m ßUu galeae. 

X 330 : ffßlea clipeoqut rwulUmt, 11. xu 160 f. 338 f. 
8811 XU 728 : emieat Ate ünfww jmfai» «I eorpwe im 
. iuhktum e(mmrgü Turnus in «nmm. 
jflizt komoiC d«r enle origioelle lug. wuhreod dem Turous das 
schwort xertpriogt, siellt uneer dichter dies metiv fnr eine 
«odre gelegeDheil xiirOdc« hier schlagt Walther es dem unadit- 
ssmen (nach vWinterfelds schöner deutun^ gegner aus der band, 
der erfolg ist gholich, denn 
V. 836 xn 741 : /nftw n^pknitut fragmim AorMm. 
in folge dessen ergreifen Turnus und Hadawart die flucht: 
T. 837f XU 733r:, f^ ot^ An«, 

itf ea^him ipiahm insirvim^ m§taBSt immmL 
V. 838 IX 378 : «erf eeltrare fugam in Silvas, 
V, 839 V 430 : ilh pedum luelior molu freiua^ue iuventtu 

V 295 : viriäique iuoenta. 
V. 842 IX 709 : ch'peum super inlunat ingms. 
V. 843 XII 356 : -semtonimi Itipsuqiie supervenit et pede coUo 

mipn'sso dtxlrae muciont'm extorquet (II. vi 65). 
selbst der zug, (i;iss Weither mit hczitimn^^ auf v. 798 dem 
flieheuden v. 840 hoboeod zurull : quonam fngis? accipe sculum, 
scheint der zuleUl citierten stelle nachgebildet zu sein, wo Turnus 
dem ßumedes die liehie durchbohrend ausruft v.359: 

an a^roff et q[ttam beUo, Treifani, peUtU 

Hesperiam metire üuene, 
man siebt, wir haben hier wider einen musterliaften cento, doch 
ist die hauptmasse aus einem eng umgrensten suaammenhange 
entnommen, ist hiervon etwas speeiflsch deutsch? das motiv. 



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EtiKEÜiiU) mD VERGIL 



dass eiD schwerikümpler uod ein laüzeDschwinger einander gegen- 
überlrelcD und ersterer voo seinem gegner enlwalTnct, verfolgt 
und geiöiei wird, ist ausDahmsios enllehauDg. es ist schwer zu 
glaubeo, dass voo dieser episode, aoweit wir sie bis jetzt be»- 
tracbtet babeo, irgend etwas der Yorlage angehOrC dies ist aber 
die hiapUtdle fflr die noch immer spukende mSr, daw Waitbef 
des fpeerluaipr bcfooden liebe uad Yenlehe, wer das behao|itct» 
mittB sich ta der aonehiiie betfoemeD^ daaa dieser sug, sehwert 
gegen lanw, den original angehört und daas deawegen Ekkehard 
gefade den kämpf des Aeneas mit Turnus zum mnacer genommen' 
hat es ist aber kaum methodisch richüg, einen sug heraus- 
zugreifen nnd ihn für original tu erklären , wenn nicht andere 
statzen fOr dieae anaacht herbeigeschafn werden können, wie 
ist es damit? Walther steht in einem engpassc uud wird zu 
pferde aogegrifTen. wer iu eiuei solchen posiiion die wähl 
zwischen scbwert und lanze hat, wird keinen augeni>Jick zogern 
zur letzteren zu greifen, ein furskampf mit dem Schwerte gegen 
einen reiler ist eine geßihrliche sache. dazu sind nrr i. ii. i?, 
VI. vui ebenfalis mit Speeren bewaffnet, sollte er den seioigen 
fortlegen? und Uadawarl zu liebe auf die sichere waffe zu ver- 
zichten hat er gar keine reranlassung. als Gerwit mit der streit- 
ait beranaprengt, greift er achneU zum 'trauten* Speer, er sieht» 
das achwert TermOge wenig gegen die azt des leiters (Meyer 
s. 394), und der erfolg gibt ihm recht (r. 931 !)• die suletst an- 
greifenden haben es tu empfinden, daaa er auch im gebrauche 
des Schwertes kdn neuling ist, und der schluisksmpf wird doch 
auch mit dem aehwerte entacbieden. ich kann keinen anhält fUr 
die alte bebauptung entdecken und kann auch nicht sugeben, 
dass dadurch Walderea mutiosigkeil (i 24) erklärt werde, vgL 
kügel aao. i 237. 

Gesteht man zu, dass ¥v. 821 — 45 uachahmung Vergils 
sind, so darf man auch in 782 — 84 keinen aiten zug sehen 
wollen, vielleicht schwebte dem dichter P8ych«24 — 27 vor. v.787 
ist wider völlig nach Vergil pearheilef. 

X 453 : destiuit Turnus biiugit, peäa appanU ire. 
xa 938 : aUtit acar in armis. 
wenn nun im verlauf des kampfes, den Ekkehard dieser partie 
sn gründe legte, xii 697ff, Aeneas dem Turnus zurud v891: 
'Terwandle dich in einen vogel, verkrieche dich in die erde, ich 



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34a 



STRECUil 



w«rde <iicb doch erreichen', und derselbe gedinke v. 802 
gttgMt« M Hl €• doch wol deutlich, d«M mto Wer weder ai 
Sottiiigt Bd Mcfa M FIrayjM Mcttand m denken hat Im 
richtige hit acbott Mefcr c893 getehcB« trcudcn kau an 
anch Mar nichi fon dar telaehcn anaehairaog laaaeB. — die «ea 
de» catlebnlen tttcken eingeftiteteii Yene 790—820 weicbeo voll- 
ständig ab, ich haitu gie luhalUich für echt, muss aber daraof 
venichleu, diese ansichl hier zu begrUodeD. 

Die Pata (r i (1 e pi s od e v. 846 — 913. auch hier würkeQ 
Peipers uofollfttliodige oachweieuogeo geradezu irrefübreod. man 
vergleiche Aea. X 810 fr: 

ienCBi Lamm inenfüm Jsuwfu minaiwr: 
"ifiie MMnAiifie mli eMriirajiia utVIkii imdetP 
fMt le üiuttUwm fkkm huf. tiee wiimu tSf 
exmUat demma — — eartramo^ Zoiim 
Bareee /Üb le^imr. 
die episode ist zunächsl nur eine breilere auafOhruDg dieser verse 
Vergils. in die roHe des warner» teilen sich hier zwei personen, 
darum wird da» ver^ilische falht U mcautum pie(a$ tua variiert: 
Hagen v. 851 te mens im falltt, Wallher v. 883 te fervens fiducia 
faUil, V. S50 desiite weist auf die inhaltlich entsprechende stelle 
xnMff. euch hier wird die vranmog verschmäht, xii 71 ordel- 
Ai vma magk Waith. 854. v. 856 vgl. t 842. Ovid Mal. 
X 402. 

Ea folgt die lehrbafle belracbUnig fihcr dea Aach dea galdoa. 
Geyder hat achoa daranf anfmerkaam gemacht, daaa hier dar 

ruhige gang des epos onterbrochen vrird. ich finde aber oirgends 
eioen hinweis daran 1, daȊ diesn klagen nicbl nur dem Charakter 
des germanische]) helden widersprechen, sondero auch ganz aus 
dem zusLuiiiiK'iiiitin«,'«* fallen, v. 854 wird ausdrücklicli g-esagl» 
das» der jüngling von ruhmbegierde brannte, und daran schliefst 
sich unvermittelt die verwQnscboog der heillosen hahencht. wm» 
aell dieae predigt Uber die ^auri aacra famea' dem von kampflaat 
und ruhmbegierde entflammten jflngling? an Gunlhera adreaae 
hatte aie gerichtet werden mOflaen, wenn aie irgend welchen 
ainn haben aollte, ja, man konnte Umt glanhen, aie sei etae leiste 
bitte an diesen, vom kämpfe abculaaaen, wenn der prediger aicirt 
endigte v. 869: 

insimulatus de te est, Q $aeva cupid^. 



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E&KEHARO UND VERüiL 



340 



üa& ist ebenso ialscb wie v. 863. die ausfuhrungen sind an den 
liaareD herbeigezogen, und es soUie kein /weifel mehr daran auf* 
kommeo, dass wir hier nur den möucli sprechen hören, auch 
die quellen zeigen es : Prudent. Harn. 255 ff, Psych. 478 f. Boeth. 
Flui. < üns. ir % 18. auch auf den 'germanismus' fames insatiatus 
sollte oiao nicht soviel gewicht legen , v. 857 f sind aus 
swei stellen des Prud«nUus lusammeogearbeiiel, dabei isi das ver- 
tebeo mit untargelMifieo. 

Hbid. 355 : gurgt» avaräkt§, fnü quam miMuM Maid?. 
Pft|€b. 478 : tue partä propriiB amw imatiaius kabrndL . 

nachdem Hagen geeodigt hat *foii dir ist er augestachell, wilde 
begierde*, ßhrt er fort 870: ' 

blindlings eill er dahin den schmählictiei) tod zu erlt nlt n, 
und um eitlen rühm will hinab zu den schatten er steigen. 

daa trifft die sache, mit dem vorhergehnden ist es nicht zu ver- 
einigen, hier klafft eine lOcke. da die erste rede sicher nicht 
dem original angehört^ enthflU vielleicht die iweite allea aageo- 
gut. aber es laaat sich doch sehr darQber atreiteo* ob die gering- 
aehSlsnng des eiüen mbmea aua dem alten epoa stammt, weon 
wir diese sweito rede iobaltlicb ftlr Ekkehards erfiodong halten 
mOssen« so würde die lUcke im gedankengange vielleicht auf 
einen bearheiter weisen, der dem jungen dichter die erbauliche 
stelle hineincorrigierte. doch darflher ist schwerlich loa reine su 
kommen. — im folgenden macht die erwähnung der jungen 
gatlia und der liehenden muller den cindruck de^ echten. Althof 
erinnert an Alpharts Tod, doch ist wenigstens die sorgende mutter 
autli in der zu gründe gelegten Vergilstelle x 818 vorhanden, 
man konnte auch an ix 283 — 90 denken, die lliränen Hägens 
geboren auf alle fälle dem rüoiischea vorbilde, v. 87 1> vgl. iv 3U, 
T. 877 Ed. III 79. 

Ober lien fortgang des kampfes ist nicht mit Sicherheit lu 
QrteOen. v. 878 — 85 geboren Ekkebsrd, sie sind eine erweitemng 
des gniAdmotivs. der kämpf aelbst wimmelt ja fon Tergilischen 
phrasen (vgl. Peiper «nd Meyer), doch weifs ich die hauptsQge 
888^4, 900^907 nicht su belegen* snderaeits ist auch nichts 
fbrin enthalten, was der dichter nicht hAUe im anschlun an 
Vergil erfindeo kdnnen. f. 900—907 könnte durch iit 491 ff an- 
geregt sein, bei dem vergleich y. 899 hat Ekkehard Aen. 1 707^18 



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350 



STRECliLH 



im aut^e, dasselbe gleiclinis, das wir v. 1337 ff in veräüderter ge- 
slalt widerfinden. zu v. 913 vgl. x 559 f. 

Zü (iiilang war bemerkt, dass dieser abscbniu eine weiiere 
ausfüliruug von Aeo. xSlOff sei. anderseits) ist es klar, das^ er 
von dem ?ich!usskampf v. 1112, 1266 ff vorausgeselzl wird, wenn 
mau nicht annehmen will, düss Ekkehard dort frei erfunden bat, 
so niuss auch bierin ein alter kern stecken, vielleicht weist der 
gedankensprung auch darauf hin. dieser k«ro wire etwa, dass 
Hageo den iOogliog durch die erinneniDg an mutier und gatÜD 
vom kämpfe zurUckxuballen suchte» 

Die betnehtung der obigen stocke hat ergeben« daw man 
ab gmndwtz aufstellen muss : Ekkehard springt rackaicbtalos 
willkarlieh mit dem stoflTe um, sein Iraehten ist darauf gerichtet, 
auf kosten des Originals lateinisches colorit lu erreichen, wenn 
man aus einem kuustwerke einzelne teile herausreifst und lU 
einem neuen zusammensetst, so kann es nicht aushieiben, dass 
die teile sieh nicht immer glatt ineinander fügen lassen und hier 
und da die spuren der früheren forwendung zeigen» vgl. 
vWiluinowilz Horn, unters. 8. 8 f. 14. den fehler hat Ekkehard 
nicht vermieden, man kann sogar sagen, dass er zuweilen es 
ziemlich sorglos veriänint hai, diese spuren zu verwischen, ich 
erinnere an fames insaiiains v. 857. w'enn Äcneas x 599 dem 
ruhmredigen gegner, der nun um sein leben boUelnd vor ihm 
ligt, zuruft : haud talia duilmn dtcla dabas, so ist das m der Ord- 
nung, dass Walther dem Werinhard diesen Vorwurf machte ist 
unbegründet, v. 740f enthalten keine prablerei, vgl. Meyer s. 391. 
Alecto, die sich in ein altes weih verwandelt vii 417, Apollo, der 
die gestalt des greisen Butes annimmt ix 651 , tragen mit recht 
ihr weifses haar, dass der dichter es dem jugendlichen Wenn* 
hard beilegt v. 750, ist ein starkea stQck; die Obereetser flvilich 
verwandeln es in blondes gelock, aber weifse haare sind nun 
einmal zeichen des alters. ^ v. 797 hat viele verbesserungs- 
vennche Ober sich ergehn lassen mlltsen (denn verstftndliefa ist 
er in diesem lusammenbauge nicht), bis man bemerkte, dais er 
in der Aeneis iz 748 steht. Turnus weifii nicht, dass Aeneas 
unter göttlichem schütze steht, drnm heifst es xii 728 emieat im- 
pune putans. auf Hadawart übertragen v. 831 ist dies unsinnig, 
die liulTuung, den hieb straflos fuhriu zu können, hat jeder 
kämpfer, der zum schlage ausholt, v. 821 notum entern isi aus 



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EKKEHARD UND VERGIL 



351 



XII 759 entnommeD« dort ist diese beieieliouDg begründet, Ekke- 
liarcl will es wol als 'altbewäbrl' verstanden wissen? v. 841— 45 
erklärt Meyer : Walther storät ilie lanze oiil beideu bänden in den 
rücken des fliehenden (oder besser nach Althof : er schnnettert 
sie ilim auf den scliädel). rücklings stürzt dieser nieder. Wallher 
tritt auf die kehle usw. aber wenn jemand in eiligem laufe einen 
schlag auf den köpf oder einen stofs in den rücken erhält, so 
GtUt er naturgemäls aufs gesiebt (iL v 56 fQ* ^^nn er ihm trotz- 
dem auf die kehle tritt, so ist das wider unpassend entlehnt aus 
III 3&6 pede colla impresso. — in enger felsschlucht sitzt Hilde- 
gund, da heifst es v. 532 et prowl a^ewu Hiltgunt de vatke 
tHOHÜt (Alülof : fom gipfel des berges). wo sitzt sie deon eigeot- 
Itcb, in einer echlucbt oder enf einem berggipfet? Aceetee ? 35 
steht warfcUch anf einem berge» — lu 402 patrilnu^ veuUü 
fgl« Mejer e. 389. — - v. 1430 dextn fmmi sfaHim aguftmuran 
ist nnunn und erklärt sich nur als entlebnaDg aus ii 341 (ae) 
kUri ii^fmiimaU* — t. 1153 muss man patriae fin» recht ge- 
swnngen als Gunthers laterland ferstebn, es stammt aus Ed. 
I 3. — merfcwOrdig ist v. 1287 maUgeram mit langer erster silbe. 
die misbildung hat schon den alten Schreibern bedenken ver- 
ursacht, ich glaube, dem dichter klang iu deu obren vii 740 
et quos maliferae, das wort steht an derselben verssielie; in seinem 
eifer übersah er die abweichende bedeutun^ und schuf das neue 
wort, dies moment, die gewisserniarseu unbewuste nacbbildung, 
ist überhaupt zu beachlen, vor allem kommen die vor der cäsur 
stehndeu würter m belracht : die sich am ieichiesten einprägen. 
SO scheint ?. 322 tgnicremi» nach iv 453 turieremi» (beide an 
derselben versstelle) gebildet, also als dativ aufzufassen su sein. 
80 wird V. 854 venis durch iv 2 gegen eonjecturen gesichert. 
Wailb.790 : o vtnuU dolis et firmidit eoHMei$ ttrpmu, 

flu 393 :sensilr bwfn delis er fürma» eomeia eomwtm. 
Waith. 1184 : nisiil sf arreeta se fukHt impiser Aosln. 

a 465 : quin arreetii — nöii mtiera6i7s — äi haitit. 
die letzte parallele spricht nicht für die lesart der Geraldnshss. 
an der stelle. — ähnlich acheint 874 durch Psych. 298 he- 
einflnsst zn sein : ixpertm putri gutd pou&u ludiera poni* 
rein nach dem klänge ist auch 813 propugnaada muri ge- 
bildet, vgl. IX 664. 

iu diesem zusamuieuhauge ist Gervvits kämpf 91411 zu be- 



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352 



STRECKER 



»prechen. wibrcBd widerhoH der einulkMipf damit «MlHieri wird« 

dass der schmale zugaDg nur eiDem den kämpf gestattet, zb. 
V. 957 r : semita, ut aniea dixi, 

eogebat hinox hello decemen solos, 
sebeo wir v. 932, wie Gerwii den gegner dadurch zu ermüden 
sucht, dass er sein ross im kreise um ihn herum Uimmclt. dar- 
nach mu8S zwischen der ielsspaUe und der mündung der 'semila' 
ein freier plaU angeoommen werdeo. daoo ist aber die be- 
grfloduog der eiDzelkampfe biofiülig, denn die genossen hätte 
nichts gehinden, diesen freien platz za gewinnen und Waliber 
zugleich anzufallen, was ja Gunther und Hagen nachher für erlaubt 
halten, darin »timn ich Altliof Germ. 37» 33 bei« doch ist dies 
nieht die etntige onklarbeit in der Schilderung der OriJichkeil. 
der held kommt^ vom Rheine weatwirts siehend, an einen engen 
febepalt; es ist ein schlnpfwinitel wie geschaffen, um dort an« 
gestdrt EU ruhen, ein plötzlicher IlberMI ist nicht lu befürchten, 
daa vorliegende gelinde ist ja flberaicbtlich, • denn Uildegiinde 
silst in der schlucht im grase, und trotzdem 

V. 509 : proeul hine acies potis es tranmiUere puras, 
und wUrklich 

V. 532 : et procul a$pictms UiliyHut de vertice monlü 
pulvere snblato venientes setisit. 
die Worte sind Ireiiich, wie bemerkt, unpas<?pnd aus Vergil ent- 
nommen, doch wenn sie nicht sinnlos sein sollt n, so muss man 
am boden der schlucht sitzend die blicke weithin schweifen lassen 
liOnnen U das vorgelünde muss also ansteigend, doch so, dass 
die Steigung einem reiter keine schwierigkeil bereitet, und jedes* 
falls frei von gehOli und gestrflpp sein, sonst wflre die ferosicbt 
nnmOglicb. ein vortrefflicher punct fOr einen einseinen, sich 
gegen eine Übermacht lu verteidigen : er braucht nur einige 
schritte snrflcktutreten und ist im rücken und in den flanken 
gedeckt, und vorn wird die laute ihm die gegner fernhalten, 
so ist die Vorstellung auch anfangs, beim anblick der Bunnen 
tritt der recke in den eingang der spalte (v. 559 inin&um ütth 
hiBiift). sobald Hagen ihn in dieser furchlbaren verteidigungs* 

' ABecker bebasptet in gf'mem an wunderlicfakeitet] reicheo aufuta 
Weslerm. monalsh. 1885, der dichter habe ein photographisch getreues bild 
der Schlucht gelieftri. einige seilen weiter erf»tir»'ii wir, tlass man selbsl 
vom höchsten puocte des steine» aar eine beäcliräukte aussteht hat. 



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EKKEHARD UND VERGIL 



353 



ttdiiiDg €ri»lkskt (y. 572 M tMmB nuptum, nach z 297), rtü 
er an 80 dringviider tnoi frieden, hier erwartet Wallher den 
angriff des Gamelo, wenigstens wird nicht gesagt, dass er den 
plau Yerlasaen bitte, dam stinunt es aaeb, wenn es s« beginn 

des 2 kampfes heifst 

V. öÖ2i : namque angusta loci solum concnrrere t€ii 

cogebant ner quisquam alti succunere quivit. 
dagegen spricht auch iiiclil tl«^r wnldschrat v. 763, der fels iigt 
ja im Waldgebirge, schwieriger ist schon v. 785, die leichen ver- 
sperren den weg, doch kann man auch hier wol, ohne die werte 
zu pressen, an den eingang <ler schlucht denken. a!u r in dieser 
partie erscheint schon in nächster nähe des kampfplatzes gebUsch 
▼« 836. im 6 kämpfe steht der held ohne zweite! im ein gang 
der Schlucht, die Isnie Pstafrids lUInnte sonat nicht vor die fürse 
der jungfran fliegen, von non an geht die anschanUchkeit «her 
^Uig in die brache. 

Y. 957 : asd ssaiira, tU mUM d&n*« 

cog^fU hinot h&Uo itctmtn aohs. 
(ähnlich auch schon f. 916). hier ist durch den sehmslen sogang 
in der klnft der einseUiampf motifiert, und der dichter will, wie 
er ausdrücklich ssgt, such t. 692 so teratanden wissen« und dieser 
schmale steig wird auch v. 1198 ff vorausgesetst. Meyer s. 377 
lasst es unentschieden, ob wir unter der *angusta semita' eineo 
engpa&s oder ciacü liülieurück<.;ü zu verstehn haben : einen eng- 
pa&s sicher nicht, das gäbe ja eine ungeheuerliche Vorstellung, 
Walther stünde zugleich mu eiugange iiihI aus^;uige eines eng- 
passes, ein höhenrücken scheint c? ah<T auch nicht zu sein, es 
müsle denn an einen schmalen telsgiai gedacht werden, und da 
ist kein platz für gebflsch (v. 836). mir ist es nicht zweifelhaft, 
dass der dichter an einen wald mit dornigem nnterholz denkt, 
durch den ein schmaler pTad lauft, ?gU 836. 960, Althof aao. 
8. 33. wenn Wulther v. 1198 recognosciersnd auf der esfMfnefi* 
mmita €M$ bioreitet, so wäre bei einem eogpass das umber^ 
aohanen v. 1199 aberfluasig, hei anem hObenrQcken das horchen 
V. 1200, nur im waldesdickicht ist spSben und horchen sugleich 
am pistse. sudem stammt die ssitaame wendnng (conUnlGA) ss^ 
wiita eaUii aus ix 383 rata per oceuUu Xuceftol lemt'la ealki, und 
dort ist es ein scbmsler wsldweg. man konnte einwenden, im 
Wälde könne Walther den kuss des kOnigs nicht sehen, aber 



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354 



STBICUR 



Higeo titil fo nabe, dass Wallher aeine worte fmtaht ▼.878 t» 

eio schmaler Waldweg gestaltet nur einielkSoipfe , auch kOnneD 
4 mann hintereioander bequem an einem stricke ziehen, selbst 
ciaää Tauäät den auf deo koien liegenden Tragus mit dem Schilde 
deckt, ist wol iltnkbar. 

Ich glaube« es lasst sich nidit beatreiteoi dass eine incon- 
gruenz in der situationsschilderuDg Yorligt : xuerat iat der bald 
durch eine aehlucht gedeckt, dann wird diese faat ▼prge a a eii» ja, 
aie konnle feUeD, und die kimple wflrden nidit andere an»* 
fetten, denn aie sind durch den ingaageweg bedingt, es sind alae 
swei motife Termiacht oder richtiger, dasselbe motiv ist sweimal 
▼erwertet, wie ist das zu erklären? wenn man nachweisen 
küutiU', dass das eiuu dem Vergil entlehnt ist, so mochte man 
das andre für sageoecbl ballen, nun hat Vergil in der tat eine 
ahniiche steile xr 522 : 

€Mt aurvo anfractu wUUs, adcommoda fraudi 
(ormonrnfM dolM» fium Mensis frondttm atnm 
urget «ir^^Rfue UOtu, tenniM qu9 aanit'i« iueit 

swar seigt Waith. 490 ff keine direele nechabmung der stelle, 
viebnehr ist hier die scblncbt deutlich erkennbar, doch hat sie» 
wie mir scheint, dem dichter unbewust vorgeschwebt, er schliebt 

die Schilderung ahulicli wie Vergil 

v.499:Atie, mox ut vidit iuoenis, hue mq^iit eamuM^ 

his iumt in caslris fesrtim componere corpus* 
XI 530 i huc iuvenit tiola fertur regione viarum 

arrqmAfiM locum et siMi insedit mipM. 
▼« 490 E 559 usw. hatte der dichter noch eine klare TorsteUHiig, 
aihnihlich verschwimmt in seiner pbantaaie unter dem eiadruck 
▼on XI 522 ff die schlucbt lu einer semila. denuisch gtanb ich, 
dass V. 490 ff das echte erhalten lat; fireitich ntcht als eb er 
nach autopsie schilderte, denn dem mOnche des klosters SGalleu, 
in dessen uiihe man Huskische aber' jagte, lag uidils ferner, als 
mil dem wauderi^labe in der band die stiille zu besuchen, dafür 
halte er ja seinen Vergil. aher die slelle 490 ff macht den ein- 
druck, als ob hier das original inhaltlich widergegeben sei. ^ 

^ recht onmotWiert eiMbeint es, dass Gnother t. tMf sein pfcfd be- 
steigt, om sieh sa den weaige schritte hiater ihm titaendee Bagco so be> 
geben. 



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EKKEHARD UOTD VERGIL 



355 



sonders aufblleiMl ist die pricise foining des sosdniekss t. 495 
nm taOm mm fluhm scd Mrtkcs nqwm. für onser gsdiebt 
ist es ja gleicbgiliig, ob die verfolgten in einem spalt oder in 
einer hoble sitxen; Yielleicbt war hier im original iBe beiiebte 
sniitbese mit ■nsOn' verwertet danach wäre die ursprOngliche 
fosanng der sage die^ dass Wsllfaer, durch den schmalen synit 
des Wascbenaleines gedeckt, die angriffe abwehrte*. 

Damit wOrde der Wasehensteio als müc von Wnlthers kämpfen 
erst die richtige bedeutung gewiuuen, die er in iinserm geilichle 
mclil hat, und wpüü iJer alte Hildebraud Hagen zuruft Nib. 2281,2: 

nii wei' was der tfem schilde vor dem Wasgetisteine «as? 
so dachte der niittelallerliche leser, der die sage kannte, an 
WaJiber, der in dem steine stand, während Hägen davor aals^. 

Zu dieser Vorstellung passi auch v. 1231 f. Walther wird 
mit einem hunde verglichen, der aus dem versteck seinen feind 
anbellt, nach Ekkehards bericht stand er ?or der felaklufl, der 
Tergleicb passt also nicht, wenn er dagegen in dem spalt stand, 
•so konnte er wol an einen bund erinnern, der durch die tUt^ 
spalte klafft. 1231 wäre danach dem original snittweisen. 

Gar nicht nnleisnbringen ist der plats, wo Gerwit den gegner 
zu pferde umkreist auch hier werden wir veitncbt sein, die 

* oactiträgiich imd ich einen bundt sgeno^Hprs in WGrimm HS* 101: 
*e8 kaau sich ia der schlncht our einer nach dem andern oäbern*. das ist 
ja Utaicblieh aariditif , wie obeo gezeigt ist, aber es Ugt in der sacbe; 
wer dicht gcoae ansieht, wird stets an die seUaeht denken. 

* Althof sao. s. 83 ist geoelgt, in der feisseblocbt oder vlelaiehr der 
so ihr f&brenden sctnila eioe erfiodang Ekkehards zu sehen, wibrend in der 
echten sage psychologische moUve, ritterlicher sinn osw. die einzelkimpfe 
veranlasst iiatten. ich finde dafür such nicht den geringsten anhält, die 
gchwierigkeiten in der schdderuiiK des locals werden dadurch nicht prklärt. 
wol aber neue geschaffea. warum greifen denn die 4 übrig gebliebenen 
heldeo tu dem TCRweifelteD mittel, den Waltharios wie einen fisch an der 
aogel fragen so wollen? doeh wol nur, weil sie ihm sonst nicht hciiioniiDen 
kdnncor hitle er frei dsgesUoden, so wOrde ihr ritterlicher sinn sie nicht 
thgehslten haben, ihn von allen selten anzufallen. Althof milss slso diesen 
letzten kämpf für Ekkehards erfiodong halten, und weiter. Hagen sagt r. 1 102 f, 
io dieser sfelluoir könn? dag ganze Frankenlieer iliin nichts anhaben, schiiefs- 
lirh wird der ganze plan Ha^pft'?, Wallhers verhallen 1135(1'. 1155ff. 1197 ff, 
kurz der weitere verlauf der dichtung durch die «»itrenirmiliche beschaflfen- 
heit des kampfplaUes bedingt, schiebt mau die autorschafl hieriur dem 
Ekkehard so, so mnss man ihn folgerichtig wenigsteos fftr die zweite hälfle 
des gedicktes Tcrsotwortlich aMchen. 



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356 



STRECKER 



Ursache dieses maogels aa ubereiaslimmuog mit dem übrigen 
bei Vergil zu tucben. dort fand Ekkehard eioea reiter, der die 
doppelaxt schwang und aeineii gegner amkreiala» ea iat die «na* 
tone GaaüUa: 

II 651 : twMt ealuüam duain tvpdr Ma/ans §ijMmii» 

.^MU ssfro Uiiuiar ttfisUwr^ aefiMNfaai» 
damil Terqnlcki ? ielleieht du ibalicbe motif i 885-^90. Canflla 
kaon diea leicht auaftlbreD, denn aie kämpft auf fniefli feld, daa> 
aelbe maoüfer deon Gerwit sotuicbreiben tat eine atarke 

dankeiilogigkeit wie weit in dieser episode erfiodung des dichter« 
uder original vuiligl, isl schwer zu cutscheideo. aul' jeden lall 
ißt der schiuss wider Vergil, v. 937f vgl. x 404. 731. 939 vgl. 
Iii 382. es ist nicht unmOglicb, dass io der Yorlage ein axt- 
kämpfer aufirat uod in Ekkehard die erinnerung an Camilla wach- 
rief, vielleicht weist hierauf die ethnographische notiz 919. 
diM der dichter solclie Studien gemacht hat, wird ihm niemand 
auiraueo. kann das aus seiner quelle stammen? merkwtirdiger- 
weise stimmt er hierin mit den hiatonkern überein, die den 
Franken die doppelaxt tuaebreiben, wihrend aaf frankiacbem 
gebiete iwar nnitbltche eintehneidige Ixte aoagegraben worden 
aind« aber nicht £ine doppelaxt, ?gl, Lindenachmit aao. a. 189 ff. 

Der vierte kämpf 754 — 80. hier haben wir etwaa 
.feateren boden unter den falaen. der flOchtige Sachae iat nbne 
aweifel acbon in Ekkeharde ▼orlage vorhanden geweaen, und dan- 
aelbe wird 'man von dem waldaehrat annehmen mllaaen/ nur 
der Schecke ist vergilisch. sobald es aber zum kämpfe kommt, 
beginnt inith wider die flickaiheiL v. 771 vgl. Psych. 324 itri- 
iiula lancea lorio emicat amento. v. 775 fast woniich x 481. 
776 f vgl. X 783 — 80 II. v. 616. v. 778 zusammengescbweifst aus 
X 78 t und XI (168. II. xiv 437 xv 11. hier ist der einzige fall, 
wo das eiulaogeo des pferdes erwähnt wird, dazu stimmt, dass 
nur hier daa pferd besonders charakterisiert ist ist das zufall? 

Ober den ersten kämpf kann ich mich ebenfalla kun 
fassen, auch hier wimmelt es von Vergilph rasen, doch vermag 
ich das tjpiache weder bei Vergil noch bei Prudentina nach* 
auweiaen. doch mOrbt ich an x 482 If erinnern, dort durch- 
achlggt die lanie den acbild und dringt in die bruat, und dar 
getroffene mflht aicb vergeblich, aie herauaiureilken. ix 576 ff wird 




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E&KEUAiiD mO V£RG1L 



eioem kneger ebenfalls ilurcli ein gesCfiOBS dh hand an riie 
linke Seite geheftet, sind diefte stelle» die vorläge lu der epi- 
sode? ito f«68d ?gL u 653« lo f. 684 vgl. x744t iL n 6i. 

lo der danteUiMg des folgendes kampf^i, v. 686--71i^, 
ist die anlefanttBg «a Vei^il wider aogeofilUiger. da» naoHt, dül 
ein kimpfer imm btatiinmlet gepier Mr rieb naarviert wiaaeo 
will, findet aicb fcliflg i x 441 in at4f. 69Sr. II. tm 205r. bier 
adieiiit die aeeM xu 914f xu graode xo liagao, am welcher die 
pbraae cenaararv toU eDlBOauMD iit' dieagni «alive xu liebe 
iMlitfle di« itarwaatadiaft dea ScanaMwi mit den getOtoleB wel 
xHMdB aain f tralx daa reftnmi v. 688. axtraiiefe /dlrlto wir 
es dem verfaaacr. der min folgende kämpf ist wider ganz Ver- 
gil. 694 vgl. X 896 advolat Äentai^ x 781 Ueruitur infdix, 
▼.695 = I 313. xii löä. 11. lu 18. 
69S III 664 : dmUfbtu infrmdens und 

P8|cb. 117 : increpat ort 

hirmtas quatieiis galeato in vertke cHitas. II. xr 42. 
der jüDgling wirft seine speere, einer verfebll das xiel, der andere 
Hast sich ieiclit aus dem Schilde schütteln, dapn liebt er das 
acbWert, alles wie bei Vergii oft. dagegenr kam ich den aug 
Biebt naübweiseo, dass er zu nahe in .den g^a^nar honiDrailnl.. 
7tt Bayob. mt^M ffiftiftar «fve. 
718 flx86(cür9*- Umiitm gaha. 
710 xM6s/M «NAma faste aiift ManliMi gnavlMr jmlaa. 
7tS Widb. 288 i twM amtf 0tmUi$ ßtttta Mfv in fiMClMi §th§L 
diaan xnaüMaaataUuftg w«rfct nicfal io Obeneugand wig in ui* 
dMooepiiDdiBiit dgefa famag ich «iahla nt axAdaahaa, was dan 
atempal der eobtbeit trügew 

DagegLD ist tlies im achten kämpfe, v. 941^81, der fsIL 
der vorläge gehört die 'wielandia iabrica', das abscheren der 
twei locken, das prahlen des erfolggekrönten heiden der gattin 
gegenüber (wie v. 562 1) — und doch aueb hier unverkennbare 
entlehnungen. wenn die vorstürmenden heldeo mit den läufern 
in der rennbahn verglichen werden, so ligt die erianernog an 
dia kanpi^viel« itt Aen. v tu gründe (v. 315(T), eine partie, die 
aocb aonat viel verwenel iat^. wenn daa abscheren .der laokaa 

1 Bkkefcaai fcal kcstiMto liebKiigBaldlaa« die er bmdsn gni W 
beisckt ao ist n MX-»a verwertet v. lOM. 472. 118687 101711 «BiL «ai 

Z. F. D. A. XUI. N. P. XXX. XI 



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35S STE&Cüfia 

alt ist, so auch v. 960, doch auch x 835 baogt der heim des 
verwundeten aa einem haume: aerea rami» . dependet gaUa. der 
UDvermutete angriff des Randolf enlspricbt dem der Ira P»ych. 
116 impatitnt^e morae conto petit. auch hier wird die wucht 
des wurles. ni^t durch den schild gebrocbes, sondern, durch deo 
treflUshen paozer: it caia tub ipsum 

d$ftnwr stwnachum reäopu iaUäUwr »tfii» 

md rm^ dura Uuriw mum rqmftti. 

pnoUä msm FM» €onmi0 MbnmmlH irÜkm 

Mumtf lAaroM'AuflMrHk 
lachfleiD die laim venehMMu ist, greift er tum tchwwtt Ptiycli. 
187 (Aiea« x474)» doch rittt.er .uidit eiunial ^c liaul Pftyfili.500ft 

PÜB in €Ut€ MMNM 

dem gefolleueD beiden tfeltt Wäliber triamphierend den fufs tuf 
die brusl Psych. 155 (x 490): 

, ■ quam super adsistem PatieJitta 'vicimus inquü. 

ich stimme also Meyer zu, der dem Ekkehard die autor* 
schall der kämpfe zuv^eist, doch mit der modification, da&s ich 
annehme, in seiner vorläge waren die kämpfe enthalten, dalür 
spricht der waldschral v. 760 ff, der vergleich mit der schlänge 
und der schild 79U il, der kern der Patafridepisode, die fränkische 
Streitaxt 919, die Wielaudshi ünne 965, das abbauen der iwei lockeil 
971, vielleicht auch v. 975 — 77. und auch durch die sage liegen 
je die einzelkampfe feei» Waldere, Nibelungeniied, erzäbliMg «um 
fiOeen weibe« Bagena Untätigkeit ist ebenfalls sagenhaft, wo aeint 
muater ihm daa malerial holen, trug er kein badfraken, die dip» 
atellung, wie er aie in der Torslellung fand, fallen M laaien nnd^dardi 
die rOibieche eraelaea.; wo ^ir diese, entlebnungeii Bichl kiach* 
weisen kdonea, mag er aidi rtrener an die queUo gehallen habcBi 

Dasa- er warklicb so rOckaichlatoa Terftihr, beweist besonden 
deutlich 'die gastmaMsaccne , die unbedingt der Torlagn angebüit 
(fgf. oben), aie teigt anlebnung an das gastmabi der Dido 
I 6o7 iL dass der kunstvolle becher daher stammt, wurde erwflhnt. 
die schilderuog der prachtvoUen ausstaUun^ erinuerL stark 

au 1 637 II: . . / : 

meisten sind die leixien bOdicr tainttt, da» die kUDpfl^kle in lr»'Ciaige 
•ttileA ia XI. IV. und vm. . : : , 



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EKKEHABD \}m VERGIL 



359c 



at downi$ tnterior reguU splmMki luxu , . \ 
instruitur^ tnediüque parant amvivia tec$i$: 
arte laboratae vestes ostr&que suftrbo^ ^ 
ingens argenium metm's. 
Attila nimmt daoD den ehrenplaU ein wie Dido i 098. . 

V. 304 ipostqvam epnh's adsimpla gtaes mensaeque fem^oe 
(TgL vWinterfeld N. Archiv d. gesellschail f. äU. d. gescb« 22, £|54fi), 

I 723 : pottquttni prima quies epulu «temac^ rtmotat, 
im folgenden ist i 728 ff nicht ungeschickt umgearbeitet, di^ 
gltttgeberio füllt ein gefäfs and Itohl lu Jupiter wpA Bacchus, dei| 
tilg SU einem frcudenfesle zu gestalten, dann reicht sie ditt 
•ebale mit einem proaill dem Bitiae. dieser leert sie .mit eineoi 
rage bif xnm gründe, und die andern giate folgen seinem 
beispiele. Walther reicht dem kOnige den bncher .undk hiilet 
ihn« eich nnd die andern su erfreuen, der leert ihn mit einem 
xsge und forderi die andern auf , seinem beispiele xu fe%en« 
dies . geschidit. — man pütgt hier an die schüdemng den 
Priacus in erinnern, allein die Qbereinatimmang ist doch nnr 
auf den einen sug beedirlnkl, .tot allem fehlt bei Ekkehard die 
charakteristische stebnde wOrze des roahles, der Vortrag des 
Sängers, wenn man bedüukl, ilass^i v. 304 uiul 309 sicher auf 
das mahl der Dido liuiweiseo, so erscheint es nicht unhegrUndet, 
auch V. 310f darauf zu beziehen, dies entspriclit vollkoromeo 
der arbeitsweise des dichlers. daneben sciieinen allerdings echte 
Züge slehn geblieben zu sein v. 291 vgl. Bileroil 6817 fr, v. 312 
?gl. Hei. 2008, V. 315 Hei. 2060 f. 

Sellttt die berühmte Schilderung der irunkenheit und dea 
katieigsmmera ist nicht rein .deutsch, v. 320 vgl. ix 316: 

poMtim Mfnno vme^ per herbtm 
eorpora futa wdüu. 
daa Vorbild des kataenjammen ist Didos liebesquai (bucbiv) und 
Aeneaa anfregong (buch viii,) ▼. 398 w<irtlich vm 20. iv 285. 
t. 385 vgl. vui 19 magno eurahm' fuduat ofitln. veran^chauliebl 
wird der instand des Attite find Aeneaa durch ein allerdin^ 
niehl Obereinstlmmepdes gleichnis, v. 384 vgl. v 791. v. 386 
scheint durch vip21 beeiaflusst an aein. v.390 ISmt wmillcli 
IV 5 (vm 30). — V. 391 f ligi der gedenke an vm 26f nahe. V 
schlierstich scheint v. 397 hierhin KU gehören, man achreibt 
seit Grimm in arbem und im folgenden verae seit Nefer «d{|iie 



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360 



' STRECKER: 



ihoniin. beides isl unnölig. Attila sucht wOrklicli berulii^'UDg 
in den strafiCD der »ladt wie Üido iv t>8 urilur infeJix Dido to- 
taque vagatur urbe furem (vgl. vii 377 sine more fnrü lymphata 
per urbem) ^. zu v. 399 vgl. n 166 noctm cmMHm dueit in- 
somnem. 

Wenn Vergil dem dichter keine aniiDapftiiigspuDkfeB bot, 
fHrd er sicll vemraUicli' enger «n tciiie voriage gehalten haben. 
80 iat' es schon mit dem- nennten kanipre, der in setner typischen 
eifenart sidie^ siebt ¥er|(llisclir i^t ich werde mich dämm fon 
hier an dartuf Uesdirlnkeii kdonen» die pnncte an&useigen, die 
nünisch sind, dahin gehört ?. 992, der vergleich mit der schiefii- 
schlänge.'-^ v. 1032rbi1ngen ein echt homerisehes motiv: 
- xn '896:4iac plure effatut tartm eireutnspteH ingem 

901 : Äfe manu raptum trepida torquebai in kostem. 
▼gl II. VII 264 — 70 uaa. obnixus (Meyer, cod. ohnixum) aus der 
ahnlicben stelle x 127. ix 410. — za 1046 vgl, ix 417; 
V. 1047 vgl. X 601; v. 1051 vgl. ii 4S0; v. 1055 vgl, iv 197; vor 
atlem ?. 1057 f vgl. n 547 ff: referes ergo haec et 7iunltus ibis 
Pelidae genitori; illi — narrare memetUO, 
nunc movere, v. 1061 vgl. x 404. 730. 
▼.1123 stammt fast wörtlich aus viii 400. dort endet das ge- 
aprflch es vaha lwiUw optatn i^äit amplexw, ist v. 1127 cosi* 
piMitfnr tfftm miSog^ mnm denwlccf dadurch veraninsl? 

▼•12 86 ff.' wahrend nach der heendigung der kämpfe 
1062^1286 keine wesentliche nachbildungVergils nachsuweisen ist, 
(die kleinigkeiten abergeb ich), haben wir, sobald speerwurf und 
schwertschlag anhebt, auch wider römische kampfsceueu. Hagen 
schlendert den speer und beginnt damit den kämpf (dimpta 
face y. 1288) wie Turnus ix 52 iacuium attorquens emittit in 
auras, j^rincipium pugnae. vgU auch xu 266. sonst siad es zu- 

» Älilioft, einwand aao. s. 7, es ad aurfSllig, dass dann seiner rück- 
kehr gar nicht gcdacfit w^ire, ist unbcgrOndct, gewfs ist es komisch zu 
mgen 'er lief ins freie, und wenn er an seia bett kam, beröhrte er es 
a«r oiw.*, -ah« das wbd Ekkehard vmr aogedichtet, er sagt atque tkorum 
mm: itktnm iü o^ect su «tf^'O» 'nnd als er saifickkam {wnieru prig« 
oiDt mr rmt mimu iit donbaut onapaiAMg), warf er tleh aafi beif. ta 
gibt die fiberliefeniDg einen gotea aioD, nod wir kOaoeo beider coidecleEea 
entrateo. das doppelte affut Uiibt, aber das wild daicb ad^ aacb aar 
/an äuge wcggeiebaflt 




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£KK£HAaD ÜISD VERGIL 



nSetist ner einzelbeiten: eonspirantt colketis viribus ^ maUgeNtmr 
ha&lam direxiL dann aber gelreue nachahmung x 776 : 

w 

dfxit stridentemqiie emintis hastam 
{«eit, fll iUa rotans clipeo esi exama. 
«lazij aus Ecl. vii 31 marmore lern, sogar der -/ug iL-hlt nicht, 
dass TOB der ahpralleoden lanze ein anderer ferwundel wird 
(x 778. 78t.), bei Ekkehard isi es freilich nur die erde : coUmi 
vehementer taudat. vgl. auch ix 746. eigene erflndang scheint 
M tn «eio, dass Walther den schild schräg hftlt. bei Vergil gebt 
es weiter v. 783 tum pius Aeneas hastmn toei'l, bei Ekkehard 
V. 1294 tunc — iecit Gunihmim finuBinmim toMls (vgl. Ovid 
Met. lu 869 fr^stifm ktuiä^ doeh er wirft ahM krift, iie hau 
bleibt in adiUde stecken und AUt berane, vgl. n M4 1 

tthimfM imhdh aftie klu • 

ex jurnme tlipei nequiquam wnhone pepmäft» 
dann seheiDt der dichter selbatliidig bis 1884 i« arbekeD.* 
V. 1825—33 flcbwebt ihn v 431—58 vor. direet eKtnoiMMa 

ist nur v. 1326 genua labarent (v 432) und 1333 nee mora nee 
requies (v 458). bei Vergil und Ekkehard kommt ein held zu 
falle , ein freund spnn^i iluu zu hilfe, er erhebt sich wider % 
der kämpf beginnt von neuem, die einzelheiten ^vel^:llel^ ab. 

Es folgt der ausgeführte vergleich, der uatui lieh der vorläge 
nicht augehört, ein direcles Vorbild bieltt Vergil nicht, doch 
glaub ich, dass der gehetzte eher x 708 ff einige zUge geliefert 
hat. dem träum v. 623f zu liebe wurde er in einen barnn ver- 
wandelt, ein libyscher bär v 37. tu v. 1355 vgl. ni 421. zu 
135617 x474if. Pallas schleudert die lanze und zieht sofort 
das Schwert, jefie dringt durch den rand des acbildes, iei alao 
schlecht gesielt, and rilst daher nur den korper des Turnus 
(wwgw MirmxU de cwfare Tuna), Wallhen laase dvrcbschUlgt 
(angescfatckt durch onertU ausgedrackt) den scbild des koolgf^ 
reifst ein tDcbtiges Stack {oHguemiwn) des panaers fort und riut 
seinen kOrper {mayno modieim d$ wrpon ttrins^^ alsbald 
siebt Waltber das scbwert usw. die nachbRdung Isl hdcbst un^ 
glflekticb : die lanze reifet ein grofses loch in den panzer, ritit 
aber den künig nur, denn der panzer ist vortrefflich, durch die 

* Gunther iRi ;»!so v. 1326 wurklich geslürzl, M Vergil heifst genua 
Moni nur *die koie Gütern'. 



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(»2 ;;STR5CKE;R :. 

.WBfluM cii^erf^rtetaji h fim0wM ite 4^ ntDgel ao logik 
Dicht «bgcMÜMi. 

V. 1370—80 haUen wir dann die Dachbilduog von Psydi. 
140£r, auf (iie schüu Meyer s. 397 ai]fmerkt»aiii gemachl liaL die 
sceoe ist im wesenlHchen genau widergegeben, leider bricht sie 
gerade im t nisclieidenden momeuL ab, denn der verlust der baod 
fiodel sich bei Prudenliiis nicht mehr, es wäre wichtig. Ober 
die herkunPt der schiKiM uiig des letzten kampfes klarheil zu ge- 
winnen, den Ursprung von 1285 — 98. 1326 — 32. 1333 — 42. 
13^—60. 1369—80 hoff ich glaubbafi nachgewiesen zu haben K 
wie iat et nit den andern partien? war der feriauf des kampFes 
in der vorläge so, dass die enUpredieDden stocke aus Vergil und 
ProdcDlitit mil gewiaaen inderanges einfach eingeateUt werden 
konnten? dti iat kaum glauhlich. die inhaltlich geiiaa Ober- 
DooKnene Pradentiuaatetle moti? lerl den feriuat der band; stimmte 
Ekkeharde forlage ao auffallend lu aeinem muater? oder bit 
Ekkehard aein muater weiter auigeaponnen und den vertust der 
hasd erfunden? lu diaeem sugesUindnia wird mancher bereit 
•sein, da man dann kein bedenken zu haben braucht, auch Gunthers 
schwere Verwundung ihm zuzuschreiben, aber was Gunther und 
Walther recht ist, ist Hagen billig, und dessen einäugigkeit ist 
sagenhaft, also auch hier wol echt, dazu kommt noch eins. 
Hagens naun] 623fr bereitet das ende des kampfes vor, und den 
hat Ekkehard sicher nicht ersonnen, er tragt den Stempel der 
echtheit an sich, Kögel aao. s. 304 cnuoert mit recht an knem- 
hilds träum Mib. 864. wenn das richtig ist und die Verwundungen 
schon der voflage angeboren, so hat der dichter mit dieser so- 
sammensetsong von genaanischen und rOmiachen flicken ein 
meisterstOck geliefert wie man hier eine eotscheidung herbei- 
IhbreQ kanut seh ich nicht« 

Es Ueibt noch übrig, im ersten teile des gedichtes eine hleine 
nachlese lu haiteD. v. 42 beginnt ein eento. 

V. 42 XI 765 : Am dafsr^iMf Mmoa (xu 471). 

V« 44 vu 698 : f*teiif oiquaii ntimers. 

V. 44 f vut 595 f : «f agmine facto [eampum. 

quadrupedante purem s&näu qualü un^via 

* sehr auffalleod ist die ibnlichkeit der Situation 1355— (il. 72^77 

mit 11. in 355 — 65, ohne dass Verpil das ralttelglied wäre; wie oben gc- 
seigt, isi die sceoe im Waitharius aus Vergil and Pmdeotias contamioiett 



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EREBBARD OND VERGIL 363) 

f. 46 fin 2 wmsßimM MmT 4UlUr, n 709. in 7t4. 
f. 47 u 601 : lilt /cnvHi Jkufii Amf «|ir« 

naäan nu nu 529. 
V. 48 t der wgleich sdieiot durch 580» ai» der scbon 
m ¥.44 eilierieir tieUe» aogieregt lu wiik 
ebeat» wi« hkr« vni 502 , die niQlter -raf der matter stebn und 
die ataobwolkea verfolgeii, lieht Wallh. 53 der wichter auf der 
mauer den staub aufWalleu. damit iat verquickt ix 35. der aua* 
6cbdurnde Caimt sieht glomerari fuhtn nubem — hottin üänL 
?. 55 vgl. xii 150 : VIS inimiea propinquat. 

Bei Wallliers gesprüch mit seiutir vciloblen deukl der diciiler 
ao die verhaudiuugeo der Jinio mit Veuus im iv buche. 
V. 241 IV 109 : quod mefnoras 
V. 242 IV 105 : wmthtü mente loeutam 
V. 276 ivll5fl nunc qua ratioiie quod tnsJat 

con/ieri possit, paucis, adverte, docebo. 
T. 249 : teguar studiote vgl. iv 114 ptrge, sequar. 
Mit Gibiebo scblielst Attila das bondois durch die ge- 
aauteu der Franken, auch die Burgundeu schicken geaantet 
aber hier verlangt er, der koaig solle selbst kommeo. warum 
dieaer unlenebied? ich glaube, dem dichter acbwebt Aeo. vii 
960^75 vor, wenn auch die aituation eine andre iat. aicberlicb 
iat V. 62 mika nata mihi quam traäar» pro in§fm$ gebildet 
nach vu268 «t mt'Ai' nata mn jfouit quam iKnpfre nnifro«» 
und an erinnert v. 71 an 
TU 263tf : t>«e modo ienena, natiri ti taaia aqpida apf. 
ft fungi hotpitia propefat «ocAnfua tmanV 
adveniat, voltus neo€ txkomteai amim» 
pars mihi pacis erit dextram tetiqisse tyraimi. 
Die Schilderung der baugeu UucUl 34711 hal ihr Vorbild iu 
dem auszuge des At-neas 

H 725 f : ponesubü coniunx. ferinmrper opaca locorum; — et me 
7iunc omnes terrtnt aurae, sontu excitat omni» 

«wgiauufli. 

7^ : iiamque avia cnrm 

dum sequor et nota excedo ngione viarum* 
795 : stmti^ ipm silentia terrmt, 
der warnmf dea alten Ancbises 733 fuge^ naie, propinqiiumt ist 
fttr den tueiten auasug v. 1213 aufgeaparl. ea vlire naturgemäß 



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aQ4 STAECKIB 

genvf Q».: iMO ;Wallliir bti «Imt fluoht hiDter der joDgfrau mit 
den «ehilMii $^ßn§ßti vflre, wie e« 1204 ff auch gescbtebu die 
QiDgelLehrte ordoang v. dil 8< 4&7 iit «iaUiicbi durch di» cilkrte 
Helle n 725 pmtß nM €mimm vsMlaaet. 
f. 358f vgl tt 1891 : immw «Aiofiii toküi 

fro0Aim% iSait kH Ih^ vgl. mkk st SM* 
U 587<^608 taierkl K«gel mo. 8. 803« dk w«DkMM» 
Mbcii« nadi den vorbilde VergiU gearlieitet nad 8ber da« 
ginal liiom «isgeapomieii lu aein. dM iM licluig, dm vokUU 
findet sich i 369 IT. 587 f vgl. i 868 f (viif 112 u«».)* Waltbere 
aotwort 595 tf vgl. i 371 ff, speciell eolsprichi v, 597 dem be- 
rübmtea mm pius Aeneas 378, («l'/u' 'Odvaevg ^ae^ttaöt^g 
Od. IX 19), und weoQ Wallher eiaen kurzen abn«« »eiuer kbeos- 
ges< hichte gibt, so folgt er wider dem Aeneas. 
Waith. V. 600 : eonmipiens patriam dulcetnque revisere gentem. 

I 3hO : italiam quaero patriam tt ^enta ab Jovt mvmo. 
zu T. 576 vgl Paycb. 707 («ai^tnw) 

tt gmus et nomt», fatritm M da mp m immque. 
auch io dietem abschaitt atoo die verquichnng rremdlftod^bar 
wd beinniacher züge. deon es scheiol nicht zweifelhaft zu sein, 
daaa hier das alte durabaebimoien (Grimn s. 99. Kogel a. 893)» 
vor allem W§lAari fma Wmöm 597 vnd atai ft oMt 
T. 608.. dieae ▼ariundnog verliert das hefjremdaDdei wann, apir 
aia ala Ohanalnung von ^ «alt M anaeben, dara ^ 813 «r» 
m&btt d$ Tuhn meloffa, dieae echt gennaniaclie • fannal vgl. 
RMHefer aao^ s. 804. vielleicht auch v. 614 l^aran.. f«r 

ganzen stelle HildebrandsUed v. 33 f. 

Waith. 629 f. Gunther wirft Hagen vor, er sei ganz das ibeii- 
bild seines vaters, der *gern sich dem kämpfe entzog mit reich- 
lichem Wortschwall/ ebenso Turnus dem Drances gegenüber 
XI 378 f : larga qutdem, Drance, Semper hbi copia fmdi 
ium. ctiai bella manu» poscunt. dgl. 380—89.. 
XI 389 qwd cessas? an tibi Mavors 

vmUota in lingua ptdibuiqm, fMg/wAm itiis 
Semper erit? 

San Marie WaiTenkunde s. 85 fühlt eich durch den sieben» 
hautigen achiid wunderbar an Hemer erinnert, die mtOrlich 
ahenblla an.au benrieUen» daai der vergiliseben ireodiiiig niabi 
ein geraHUÜaeber aiebenbSutiger selvld «ntapricbt» den« 4in 1^ 




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£&iL£ttAIID mB VERGIL 



mffDung Am beiden ist mil w«ofgen amnilmitt .di». 4er tah 
■wriMheo. M WtWi. 284 fgl. 

u 50 1 cnjMffii« I9fii gaUa muM mim,, 
f. 385f II 486 (xii 430); mf$pt$ MktBtm üw^ 

ifliifiVmii AflciMBflnBt flUfn» 
IMD ImNiabi «eb meb die beiden aiebt als nil-icbuppenpitseni 
bekleidet venueteUeD« 4S2 rgl« Barn. 423. 

Es Moben nocb lablreidie slelleo Obiig, wo mn aeeb« 
bililung eines römischen Torbildes annehmen mues. dahin ge- 
böreu (liü gleicliDissc , v. 384 vgl. v 791, v. 585 vgl. xu 73ä, 
V. 899 und 1337 ff vgl. x 707 IT, v. 1000 tT vgl. iv 441 ff. dage^o 
hall ich den vergleich mil einem tollen liuniie v. 404 für echt, 
römisch «nd auch (Jie zeilaugaben v. 348. 428. 436 uaro.; v. 1130 
vgl. die siellen bei IViper, v. 1188 vgl, ii bOl iamque tugts mmmae 
turgebat Ludfar Idae ducitmtquAdiiau ein heaande» lobla^dea 
beispiel ist 

Waith, f. 277 : pcM^am itfimm Pkosbut rmtmtrü •r6ea> 

. T. 279 : €otwma kutm j wwiie u 

V. 286 : pmtfimia diet 9p9kn m vmM* 
danit fergldche mi 

. Aen. f 04 : ii iieiia Um mnaUkm dbmm 

Awrtra mrmIM raHufut rtlimfä ai iawi . . 
jieiieM carfeeilwA» 
V 104 1 eanfeerale df« cdSwvr. 

Ich habe schon oben zugegeben, dasi in dem einen oder 
andern falle die geraiauiscLo vürblelluu^ &ieh mit der römischen 
gedeckt haben mag. im ganzen wird aber leider das resuUal 
dieser arbeit wol nicht angefochten werden können , dass der 
Waltharius uns in mancher [)eziehung eia veriälschtps bild der 
germanischen hekleuzeit gib(- die weitere aiisführuog dieses ge- 
dankens sowie auch die erürteruog andrer fragen denk ich im 
nächsten osterprogramm unaem ginmnaaittma au gehen. 
OortiBHiid. iL STAeC&£R. 

ZU 8. lS6ff {'ßoner duüg^r).. 

M OkOebte Ober daa, was fGrieobcrger alt eiela» baiijpial 
iMliebiiei« eine ibweicbende mamnff forliegen. ich laae im 
Müweiien enacbloaa an Kfaua Za. f. 0. gyaMk iOOO» ••340 : Ommy 
Mwgir, dUmnahÜger Uwmt %f dir Aäamif frumka, 9duM$ dSm 



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366 ^ SINGER ZU S. 186ir 

iImAi. mm «dto Mitiil dar Äiamu «m tntf iiMM im Hmdm mk 
jM Ar ifiNiiiii, uQd flbenetie *der donB«miiiclitade, noidi* 
gewaltige stand aaf der AdamebFacke, sfiallele den alun. ana 
hob ateUte aidi der Adamatobn und acblug den tanfelaaobn ^ 
den pfeiler^. ieh kenne nnr 6ine brOekey die intt Adam etwaa 
n Inn bat, diejeaige, über die zu gehn die Sibylle sich weigerte, 
die ans Adams leiche heraoagewachsen war, aeil. dae kreut . daa 
9nbject des satzes muss dann *Gotl' bedeuten, der ponebat plumii 
legem et viam proceUis sonantibus (Job. 28, 26), dedit veltementissimo 
imbri cursum ei viam sonantis tomlnti (ib. 38,25). dass er auf 
dem kreuz sUhl stall am kreuz, ligt im l)il(lc der brücke, bei der 
kreozigung petrae icmae sunt, die eiüzalil weist speciell auf den 
dillestein. der coordinierle satz widerholt den gedankeu. der Adams- 
sohD ist der menscbeDSoho, der novus Adam, seil. Christus, wie 
tGrieoberger richtig gesebeo bat, das bolz die arbor crucü. deren 
wnneln reicben bis in die bolle, in der hülle durch die kraft den 
krenaes wird der teufel gefesselt — es lag nahe, ibo an die kreuz wurzel 
gefesselt sein <a laaaen, die (im bilde -Ten der brocke) ala pfeiler 
beaeicbnet wird, ao wie er anderwirta am kreniangeibaken feataleckt, 
bei HihInii muaa man entweder febler annebmen oder aebwaebe fem 
neben der einmal mbd., After aga. belegten atarken:(aber fgl. aga. 
i tud m mmif fi. anflillig iat tenfelaaobn für tenfeU'ae beifaen aonat 
nur acblecbte menaeben (Act ap. 13, 10) eder dflmoniacbe weien 
(thMh dem, ftwofre uaw.;. ea ligt wel eine Terwirrang ver, 
durch daa TOfbergehnde nm veranlass i; gemeint iat : wie Cfariatna 
damals den teufel gefesselt habe, solle er jetzt den teufelssohn, 
deu krauktieitsdamon, fesselu. mit dem folgenden hat der segen 
schwerlich etwas zu tun (da es kaum voikuiiiüieD wird anfser in 
▼erderbter Überlieferung, dass zwei 'beispiele* zu einem segen ge- 
setzt werden), TielUnlii <htr mit dem in der Münchner hs. 
voraU8gehn<ien, weuii circa dejctmm pcdem fulcando {U\t fnlciendo^) 
ter soviel heilst wie '3 mal auf den rechten fufs klopfend', dann 
ist der eigene scbuh nur an die stelle des bufeiseos getreten in 
dem Terwanten englischen segen, Ober den Folklore ix 186 be- 
richtet wird : ^king down tbe hammer, ehe smartly tapped eaefa 
(liefae) shoe, saying words to tbis effect aa ahe did so : Fatkar^ 
S9n Bkm, NaÜ l*a inä to M paff. WUh tiäi mttt 

Ben, 28jttnil898. S. SINGER. 



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EIN UED AUF DEN 
EEILIGENSTÄDTER PUTSCH VON 1462. 
Jhu ich das nachfolgende frische historische lied von 4er lüd- 
äe$ nioderdemtuktn sj^aehgebkU hier publicierm darf, mt^ 
dmdt kkp «tft 00» tpoi iA au tehur kuteritdm »UMmmg 
Mi» kmn fnffmr ir JuL Joiger in OmaMA, ier » imr 

SM ainm rmMaUigen Mundanhuh 
itr umä IMmfmir {EUdtshßim 1885) in tintm euüenMemfm 4e$ 
vom ihm geordneten Duderstädter archivs auffand : es steht auf 
einem einzehten papierblatt in mü absei zu iig der urophen, aber 
nicht der %eilm, von einer hand aus der zweiten hdlfle, genauer 
wal fms dem dritten viertel des 15 jhs. geschrieben; die nieder' 
Schrift füüt He vordere und einen teil der rückseite, »ie ist in 
flottem %uge, ohne verändenmg und eorrectur erfolgt, mein ab- 
ähMir fnfU omf emer gätonun eopio doe finäm» ick Mt 4io 
uifiJii'iiii dhgmtat, woboi m^fadio $t^fnmg doo roim» (m in 
$lr* % 3. 5. 8) «Uli in ^* 4 «Am woüargdMdo verdorMo der 
«nlM otrophonhalfte {dmn dal : Dudentad wdro alt otumpf hmm 
möglich) hervortreten, ee ist deutlich, dass wir es mit einer 
nteäerschrift aus dem geddchtnis zu tun haben, die nicht allzu- 
lange nach dem anlass und der enlstehung des gedicktes selbst er- 
folgt sein wird, die sprachformen entsprechen 3fPar im allgemeinen, 
aber keiMOtwege m aUtn einzelheiten ^ dem reimgebrauch des dichtere ; 
m Hmm $imm sn ändern war ich hei dem mutand der Obor' 
Utfmm§ nitkt horoehtigt. mntmro aufnoiehmmg itt gtmie ekm dlt 
orjftilgßt m dm Nür msfgofmidm modo : dm diwnkkirigtiaim$ o» 
dir mrAogrt^pkit, dio oÄroihmgm mio luiuld«D (6, 7X Gauldenebn 
(9, 3), AaUeidorp (10, 1) treffen wir sft. in dms umfemgrMm 
korkki deo ttadtoOro^ Kurd Withenand (1477—79) im üb. d. 
st, Duderstadl &. ^^1 jj wider, so m gewault s. 339 s. 17 v. o., 
s, 340 X. S V, u. — aber auch das gedickt selböi wol tti Duder- 
stadt entstanden : es handelt sich um einen Heiligemtddler Vorfall, 
bot dem Duderstddter {slr, 4) entscheidend eingriffen, nun gehört mn 
dm beiden Städten des Bichsfeld» Hoäigenstadt dem mitteldeutschen, 
Ihtdontadt dem nioderdeutschen eprachgtkiH att» «mir der Dudm^ 
oiädUr gäMliMoH dürftomiMn dtt vorfaam mt miimHin,dernMk 
wftmr eUgfum mmigß (iir.l3)*kejD stuauner leige' war imd mtlr idiir 

< hemmhmmmi, sind die (lUN^Mm) reime mU übereehuss det 
.<•)■ 6,7.7,4. 



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368 



SCBRÖDER 



h&U an .die pairwi m» Hiüt^itmiadt, 4i§ MIL ÄumuuniJiatimttt 
und an den heil. Martin, den patron des ersttiftes Mainz, scMiefti 
Fib- di4 mrgdn^t die unser lied tiJuldirt, gxhi es keine ander- 
weiligen histortedten Zeugnisse, aber die getamllage de$ ßiihsfdda 
m jeiw^ Jahren der Mainzer stiflsfthde iit vm ptirf, Jmger tu 
mtur pregrammiManiUung Beiträge z, gndu d, tntiUftM Mains 
«NUr JMm oMi Imnktrg und AMfn «m Namm (QHiirtii 
{kroUmm 1894) §9 §MriHftiid naulMn' ^emMUtti «ir*«, im 
«n i$t daHrnrng und dmduH$ du Utdm, die w dm s. i^tt 

Graf Ad&lf von Nassau, demherr von Mainz «ml Kits wti 
propst von SPeier in Mainz, halte bereue tntier eizbischof LHitrwh 
üErbach S jähre (1451 — I459j die ämter als prmmor du Mainzu- 
hofes %u Erfurt und oberamtmann des Eirhsfcliis ifintgekabi und 
wv darin auch von seinem Hsbenhukkr Uietker vom hombrng Msk 
ddßtm wM neu eingesetzt worden, er AoMe emt 4keer mit her 
eimmummeifeUtafteHmikaisginjenmgefet^ mi^eMgiuLX4&i 
tfgmik fti^ Pim n, mtkdm der Meer «Am mulimmim§ ftg^ 
heUe^ dös abeetMung Diethen aus und enutmide dem ^m/m Mf 
vem Naeee» dmth preeMem mm erMeehof. mnmekr eeimm eei/k 
auf dem Eidksfeld und speeiell in Uoiligenstads die ufirren wd 
iuiri(}ue7i ein^ in dii^eii milldpunct uns das gedieht hineinführt» 
wie die gei6ilichkeU, 60 war auch die biirgei .schafl zwischen Dn'lher 
und Adolf gehalten : der rat stand %um henburger, die gildta 
hielten es mit dem Nassauer, ende december 1461 gemmn Adolf 
an kmdgiraf Ijudmig n von Niederkeeeem oimen bundee§eieeeeen, eeü 
deee er nur fettetmeit 1469 einem wm§ imrek Oeeefm mmk dm 
lilWni etifiäemäen mUmakm, dime i^oCfim eOdem iem fetedm 
det teue HeiltgemUadHetr.2\ tmfcr demem e^ etm §emUeetBefem^ 
M tmrMrUa (etr, 6), gMig einer Hieermpdimg, M der Im* 
des heistandes der hessischen Werrastddte Bsehwego, AUenderf» 
Wilzeniiausm (.^f/ . *! — 11) sieher sein durfle. aber die remoile 
brach am fnstfKicJil^nbe/nl \str. \) offetibar zu früh los, der riii^ 
dein die idiülzen aus dein naüibarUcheu Dudersiadt zu hüfe kamni 
{str. 4)y gewann rasch die Oberhand, und die Heue n p vom demu 
die Mschweger blaufärber noch uiuenoege Ihren r ek em Mmvnd em 
dem dorfe MaUeneber (icr. 9) miegeibiMeen fcmp»« mm e i e m heleh 
kekrem^ ekne itberhaufi num eimgreifem gtkmgi mAi. 

Der *bovetiicke reige', wie der Verfasser $ein Mmemd^ «i^ 



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UED VOM HBILmmTllraER PUTSCB 1462 MV 



Mafim fwtitkrttt dir hu nään§ mi «Iwp fltk$, Aird lÜiMi 

md ipriehwÖrtUdie Wendungen itnd' k^e fmistvorre gewürzte 

dietion. er erinnert unter den niederdeutschen Uedem jeuer zeit 
am meisten an dcw lied auf die schlackt am Tackmansgrahen (1479, 
UL nr 156)» in einzelnem wol auch an das geäidit des Jacob 
vRatingen Uber dat Bn$lmur koUieHmirakil ih)» 1453 {Nd. jb, 

£.SCH. 

1. Will gi hören singen 
eyD bofescb gedieht 

voD eyneme bösen gesinde, 
dat badd«' seck to hope gepiicbt« 
wu 8ey hebben geduvel 
dussen vastelaveut: 

to den beigen hadden se seck gelovel; 
sey enbilden des werlicb uicbl. 

2. Wy M den rad to Hilgenstad 
^volden nan eralagep, 

meatere unde baHen 
up se hadden gedragen; 
dey d6r han se upgesloten, 
de Hessen darin gelalen. 
de klockp was gegoten 
vor iiiLuiuigem leivcdaghe 

3. Dü de fromen lüde 
in OD dej> worden 

wer dal se nicht künden bedudeu 

de ungetruweu schar, 

or firunde ae bespraken, 

dat sej or nicbt wolden laten« 

unde makedeo Mck up de Straten, 

to banl kamen se aldar. 

4. Do de bösen wicbte dat vomeynen*» 
dat de schulten von Duderstad waren gekomeni 
losamene se sick reipeo, 

in dey kerkeit dai sey leipen, 
des nacbtes wenicb sleipen 
nach (>r*:[ne fromen. 

5. Iii der s^ulvca kerken 
hebbeo se vvuuicb gudes gbeaut, 
bencke unde pulte ^ 

badden se darynne vorbrant. 



W'plm weif kng0 veirher getekmMM 
Ib Ii #Ci worIcQ war (: lebar), oder {Ihtiktff faueo des 
WMdcB gar. * L kaddes YMaonea ü. *L -palte eade kcecfee (i kftrkeo). 



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370 . SCURÖDEB 



de aICerdoke toreten 

vad« in de kerken getebeiteD, 

de schände Herl eikwelen^ 
' to Wide alflo alle lant. 

6. Dar is eyoer uoder, ' * 

de het «ick Rnpenkol, 
; de wüste nnl aDderea 

alle Rchalkheil wol. 

he raiide ui deuie dore 

unde reip od to eopore, 

se scholdea sieb barde baolden, 

be Wolde do hulpe haleii. 

' 7. Eck scheide sey in wel neooen, 

DU 18 er a!to feie, 
. dat eck se mochte erkennen, 
' eck eokao or iw nicht geteleo, 
, or namen sini beschreven, 

de bosheyt de sej hao gedreveQ 

de enis 6a nicht becleven^ , 

▼oriorn ban sey dst speK 

8. Des morgeos fraw de dt degede, 
de hulpe kam 6o' nicht'« 

de frauwen sere clageden, 
?ey weynedcQ [umme ore mao,^] 
sey schikkedeo ore frunde to dem rade« 
sey geven seck ia ore genade, 
wu harde eyde sey dadeo, 
"dat Sich ftl manDicb man. 

9. Dey fon Eschewegen 
kamen alle dar gerant, 
den TOD Cauldenebra <^ 

■ ban sey ore ihime vorbrant 
mit oren blauwen heuden. 
dey duvel mote sey sehenden I 
se niusten seck weder wenden 
unde tbeyn auck beim lo banL 

10. Dey Ten Auldendorp keinen rannen, 
sey weren or rede gar fro, 

wu Btigenstad were gewonnen; 
sey meynden ot were alzo. 
do fornamen scy ander raere, 
wu des nicht eawere.; 

< Wirt in wetee wol * wert' to weten. > Ael ni9ki 
wmrmI g^(utl, üt ihnm mMi gut mugu^lag^tC. * wak rtMmHt k 
ta sidit kam (: avm ; nao). . < Mh* «in« mugntkaUt Mb, 
. f I, GiaUtenef er <: fiwhawcgeo). 



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LIED TOM BEiU6KNSXADT£R PUISCÜ 1462 37t 

' :. »ey iMtn des nicht mit ereil« ' ' ^ ' l 
dal lale wy darby glan i. • . , 

11. Dey von VVyUeuUuseil 
rucbteo up or gelelt,. 

drej armborsle uode tha brnten 

bracbtoD se dar to feit. 

HUgeostad wolde» eey eradfan, ' 

deme fön Nassaw mede vrigeo; ' • ^ f 

forbauweD worden 6n de ati^e. 

dey Kunst hat ön gefeilt. 

12. Were sy vorbafi gekomen 
vor de pnden slad, 

se hailili'ij (lat wol vuroomea» 
Wey sey ^flaJeii hat: 
den wen darheyme geiuudeo, 
Up der mjsten dey buode. 
dat ae nicht begunden, 
dat waa beate M. 

13. Der uoB duaaen reigeii, 
ao bovesKek bat gemacht^ 

he iß kefn atummer leige» 
he hat on wol betracht, 
- ' • den froraen luden to eren gesODghaii, 

den schelken in nitsselungeo; 
darna IielTen sl^ gerungen, 
des wen ou dicke bedaclii. 

14. Des bidde wy god deo hereo, 
dea werdigbeo multer sin, 

UDaan hofetheren 
AaraaiH iinda Juatio, 
uade anita .llarliDt dey mk leran 
dat wy uns oBoleA erweren 
dai wy beatao mit ereo; 
80 wil wey frolicb ain. 
' I. tftaa »lao odtr weten so. 

HEISTER ALEXANDERS KINDHEITSLIED. 

' Zu denjenigeo atOcken der apliero inbd. lyrik, die uoa aften 
vertnut aind, ja ich darf sageo : lu unaera b«Mndem Uebliogen 
gehofi daa gedieht dea meiater Alexander > aaa der Jenaer ha. 

*Bie bevorn^ dö wir kinder wären* (HMS m 300- es hat 

IQ Wacktrnagels Lesebuch'^, in Barlschs Liederdichter und ^^ewis 

* *der wilde Alexander' in C bedeutet wol nichts anderes <ils 'der 
fahrende, betmatlose A*. ätinlich ist der name des 'Wiideu maoues' auf- 
snfasfteo. * I. vor? kinä^r nicht mit Bartach durch kirU su eraeueu. 



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372 MEISTER ALEXANDERS KlNDHElfSUfiO 



noch in andre aiuhologiea aufnähme gefunden, es wird in Scherers 
Littet aiurgeschichte s. 218 mit einem wolgefaüen citiert, ilas mir 
schon aus der Vorlesung des Slrafsburger sommers 1877 bekaonl 
war : *ein reizendes bilil der kindheil, wie aus der erinnerung in 
etwas vergeh wimmende m umnss gezeicboel*. wahr ist es : jeder 
von ODS glaubt flhDliehes aus seinen kindtMiUerinnerungen aaf- 
tauchen zu sehen ; kaam je scheint die poesie der spatem fahren* 
dcB 80 deullicii' den stempet des «rlebteoi lebendig oechempfon* 
deneo ta tragen: 

alr. 3 Wir mnpftmfm mitm 



gm$m d6 wir «ribem ld$m: 
diu wäg «Nff aAi kiniHsh tpiL 
d4 «rlldrf «1 wir td 
imMm kirtm ruofen 
imd» wuofm: 

kinder, hie gdt $lanffm vill* 



und doch, glaub ich, hat gerade hier eine litterariscbe reminiscenz 
die anregung gegeben, wenn wir aus der unerschöpflichen fülle 
von möglichen kindbeitsmotiven im gauzen minnesang (etwa von 
Hadlaub abgeseheo) nur eben dies cIdc bild ausgeführt findeo: 
blumen (str. 2) und erdbeercn lesende kinder, die von 
einem hirlen vor der schlänge im kraute (m dem IrriUe 
atr. 5) gevvarni werden, so verdankeD wir daa der driUea ekloge 
dea Vergil, wo es v. 92 f beifsl: 

Qmi UgitiB flor€$ H kumi natmi ki fraga, 
prigiitii, 9 pH§rii fitgUBkUw, laMt rnngmii in Aarft«. 
die 3 ekloge, weno aneli nMSht ao berObmt niid aDgeaefaen wie 
die naclibarlidie vierte, gehört doch toa alteraher la den ge- 
leaenaten atocken vergifiacber dicbtung. ich will nur anf die 
mefarfaehen geflOgelteD eitale hinweiaeii, die gerade ihr enlatammeo: 
itt.dett *Ul€t anguü in herW t, 93 kommt daa *«fdi mihi mogmu 
iftiOif V. 104 und das 'claudite tarn rtpot* des schUissverscä III. 

Natürlich stell ich nicht in abrede, dass dem gedieht er- 
lebtes und personliche erionerung lu gründe ligl, aber wenn 
gerade dieses bild sich vordrängt, um im liede gestalt zu ge- 
winnen, so ist doch wol der litterariscbe Vorgang dea romisoheo 
poeten entscheidend gewesen. £• SCB. 



IMMk m 4. & Bira«tf eia hdnü» 




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ANZEIGER 

PUR 

DEUTSCHES ALTERTUM 

UND 

DEUTSCHE UmEATÜR 

HERAUSGEGEBEN 

m 

• VOÄ 

EDWARD 8CHR0EDER UND GUSTAV ROETHE 



VIERUNDZWAiSZiGSTEIl BAND 



BERLIN 

WElDMANiNSCHE BUGUUANDLUiNG 

1898. 



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INHALT. 

Seite 

Althof, D»9 Waitbarilied, vou Marold lüO 

AminanD, Yolkaichaiifpiele ans den Bfibnerwald i, von KMWeroer . 391 
Archiv, Scbweiteriachea ror Tolkaknode, bnif. y. Nofitoiann-Kfayer, bd 1, 

▼00 BHHeyer 196 

Arfert, Das motiv vod der uotergeschobeiien braut, von Sinijer . . . 289 
Bachmann , Die Hainkooakinder io deatscher übencUno; dea Id jbt., 

von Sinifer 104 

Bardeohewer, Dtr iianic Maria, von Joüles 312 

Baoernpraktik, s. Helloiann 

Bebaghel, Syotax des Bcliond, toa Mourek 341 

Beoese, S»gcn> a. Jitterarhiatoritcbe onleisncboDgco i. n, von Stöger 370 
voa Borkom, De mnl. bewerkiog den Ptrlbonopeua-fooiao, von 

Franck 276 

Holt»', Das Dan2ig«T theater im 16 ii. 1" jh., von Hoenig ♦ . . , 377 

bruinier, Die heinint <ltT IiulogermaDeu, voo Much 309 

Bürgers werke, s. Griscliacti 

Bugge, Helgedigteiie i tlen itidre Edda, vou Deller 136 

todocb, 8. Scherer 

Chaihiuos Fortunatna, s. Kosanano 

Chrousl, Abraham von Dohna, von vdRopp 107 

Collin, Goethes Fanat in s. Ute r > geatall, voo Poiover .... 382 

Credner, Neidhartstudien i, von HiVliMeyer 375 

Dähiihardt, Naturgeschichlliche volksmärflieii, von EHMeyer .... 310 
Dahlerup, Dct dantke sprogs htäturie i uimcafattelig fremstiliiug, von 

Heusler 208 

Dieterich, Pulcinella, voo KHMeyer 210 

INetrieh voo Bern, «• Heitz, Schorbach 

Engel, Bentscbe poppenkonMien ix>-xi, von RMWeroer 391 

Fabricius, Die akademische deposition, von Heyoe 311 

HFiacber, Beitrige zur lilteraturgeschichte Schwabens, von KiMWerner 400 

, Geographie der srfi wähisrhen mundart, VOO Wredc . , * 250 

KFischer, Goethes sonettedkraiiz, von Piiiiiwer 179 

vFischer- Benzen, .\ll(leuts(he iinrlenlhiiii, von vZingerl«- 329 

Francke, Social forceä iu ^eruiau literaiuie i u. 2 ed., vou Schunbach 99 

Gedicble des xii jhs., s. GKrans 

Goethe, s. Koegel, McLinlock, Heyer o. Witkowskt 

Gottesfrennd, a. Liochert 

Gndl, Die mundarten Westböhmeos, voo Scfasts 97 

Grimme, Geschichte der minnesinger i, von RMHeyer 373 

ftrisebsch, Bärgeis werke^ voo Scbüddekopf 318 



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IV INHALT 

Seitt 



Bahn, Die ^absteine des klosters Weidas, von Schröder 995 

HaiDonskinder, s. Baebmaaii 

Hartoof, Die dentachen altertAntet dea Nibdongeoliedea o. der Kndraii, 

von Henning , 102 

Heitz, Dietrich von Bern, von Seemüller 296 

Hellmann, Die Bauern-Praiitik 1509, von Schröder 205 

Helnur, Zur syntax Hugos von Moutfort, von Ries 208 

Hertzberg, s. Storm 
Hoflmano-Krayer, s. Archiv 
XvHomboldt, briefe, s. LeUnnaoii 

ü$, BeHrife i. gtfcbichte der kanat nod der kunattecbnik ans inhd. 

dich langen, von Heyne 

graf zu Innhausen o. KnyphMteii, Oatfriea. volka- o. rlttertracliten des 

Iliiico Manninjra, von Heyne 202 

Jakobsen, Det noirone sprop p-i Shf>t!;ind, von Kahle 269 

Joacbirosohn, Gregor Hcimbiirg, yuh ilerrmann . . . 299 

, Herrn. ScIiedeJs briefweclisel, von denis. ...... 801 

, Die bnmaniatkwhe gcflchiebtaachreibiing in Denlaehiand l, 

von dema SOS 



Jonrnal of germanic pbilology ed. Karaten 1 1, von Secmölier ... 93 
Karaten, s. Journal 

Kern, Beiträge z. Charakteristik d. dichters Tiedge, von Köster. . . 320 

Keltner, Die ö.^t(>rrpicln<:(>he Nibelungendichtang, von Martin. • . • 278 



Rock, Olli sj)räket8 föriindring, von Jellinek 96 

Koegcl, Goethes lyrische dichtungen der ersten weimarischen jähre 

(1775—1701), von Bielschowsky 78 

Kollmann, Dentaehe Puppenspiele i, von RMWerner SOS 

Koaanann, Fortnnati glöckaeckel n. wnnachhfltleiQ von AvCbaaiaao, 

von PollAk 89 

CKraus, Deutsche gedickte d. Hl jahrfaonderts, von Roediger ... 60 

EKmus, Das böhniisclie poppenspiel vom dr Faust, von RMWerner 302 
Lau( iieri, Des Gottesfreuod im OberlaDd Buch vou den zwei maoneo, 

von Strauch 212 

Lauierbur^', lieliaiid und iaiiaii, wit Jetlinek 211 

Leitzroano, Briefwechad sw. Karoline vHamboIdt, Babel u. Varnhagen, 

von Walael 194 



Lenau, briefe, a. Scbloaaar 

Love, Norges gamle, s. Storm 

Lunzer, Die nx trik der Nibeloogeobearbeitong k, von Heualer . . . lOS 

I.yfl'^ate, s. Zupilza 

Manninga, Üstfii<-s. Volkstrachten, s. ^r. zu Intihausen. 

Mayer «. Riet«i<h, Iiie Motidsee-Wieaer liedcrhandscbrilt u. d. iMuncli 

VOU Salzburg, von Wilmanns . 155 

Ma/egger, Die Bfimerfunde u. d. rfim. Station in Mala, von vGrienberger Ml 
MeUotock, Goethea Fanat, firat part, in engliah, von KOttcr ... 214 
KvMegcnbeig, a. Schob 

Meringer, Indogemaniacbo aprachwiaaenicbafl, von Kretachncr ... 96 



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INBALT V 

Siito 

AGMryer und Witkowskt, Goethes ftufsitM öbcr bildmde kunsl und 

theater, von Harnack 85 

Micljels. Studien nif tJ r filtisirri fastnachtspitle, voü üiil .... 66 

Möller, Studien zum Dun Karioü', von Elster 1S8 

MfiDch TOD Silibarg, s. Mayer n. Rielaeh 
Monoment« Gemtaiae, s. Weiland 

Morrit, 6o«lbettadien, van All 306 

EUfiller, Schillers calender, von Watzel 401 

Muth, Deutsche dichlung in Österreich, von PoUak 403 

Nehring, Über Hfrl^erstelo und Hirsfogel, von Sehiöder 204' 

Niedner, Zur Liederedda, von Heuslir 37 

Noreefi, Abriss der altnordischen gratntnatik, von iioitliauseo ... . 206 
Oeiingen Deutsche grammattk, s. Scheel 

Panier, Bibliographie xu Wolfraai vEschenbacb, von Sdiriider . . . 316 
Puppenspiele, a. Ei^el, KoUmaon, Kraus 

Priebsch, Deotsche bandschriflen in England 1, von Martin .... &6 

Ries, Was ist syutai?, von Seedorf 241 

Hicfsch, s. Mayer 

tiohde, Friedrich Crcuzer u. Karoüfir vGöndtrodc, von Wiii/il . , 108 
Rooge, Die .saagesweisen der Goiuiarer hg. u. der tiederhs. voo Donau- 
eschingen, vÖD Rietscb 167 

Sehati, Die mnndart von Imat, von Hoflinann*Krajer 312 

Scheel, Die deutsche gramnaük des Alb* Oelinger, von Marlin ... 177 
Seheidemantel, Zur entetehnngsgeschichte von Goethes Torquato TaMO, 

von Köster 215 

Scherer, Klein»- scdriflpn i. it. hrsjr. v. Burdach u. ESchmidt, v. Hoethe 225 

Schiflmann, Deutsche stucke uus oberüsterreicb. iiss., von Schröder . 396 
Schillers calender, s. Müller 
Schleich, s. Zupitza 

SchloBsar, NLenaus briefe an Emilie u. Georg vReinbeek, von FMayer 110 
EScbmidt, a. Scberer 

JSchmidt, Kritik der aonaDtentheorie, von Mahlow 1 

Schmidt- Warteoberg, Inedita des Heinrich Kaufringer, von Eultng. . 206 

Schneller, Bei'rr^.;»' z. ortsnnnirnktindp T\v()]< iii, von vGrienberger . 109 

■ — , Trideiiiiniscbc url>art' aus den» 13 jh., von dems. . . . 201 

Schöobach, Dichtungen u. sauber [iu Wieo] Ih 1270, von RMMeyer . 374 

■ ■ ■ , Stadien z. gescfaichtc d. altdeutschen predigt i, von vdLeyen 3B6 

, Ober die sage von Biterolf n. Dictieib, von Jiriesek . . 363 

Schorbach, Seltene drucke ii : Dietrich vBem (Sigenot), von SecmSUer 204 

Schubirt, Die glocken im bersoglum Anhalt, von vDraeb 129 

GvdSchueren, s. Verdam 

Schfirmann, Die entwicklung der parodistischen richtoag bei Neidhart 

vRiMitnlal, von RMMeycr 376 

Schulz, i>a» buch d. aalur v. CvMi'gonberg nhd. hearlteilcl, von Strauch 213 

Schwinger, FNicolais 'Sebaldus Nolhaukcr', von Kraeger 319 

Stein, Die völkerslamme der Germanen nach rdmiacbct darstellung, 

von Much 199 



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Tl INBALT 

Stirkplh^Tirer, Die kunsimittcl in ( FMeyers nofelleo, von RMMeyer . 5I?> 

Storm u. Hertzberg, Norges ganile love v, von Lehroano 45 

Studier, Sproglig-historUke, tilegoede prof. Unger, von Heusler . . 207 

8tn«ekclberg. Langobtrdische plasttk» von Bcyne* SlO 

Ttrdcl, Qoelico so Cbamisiot gediehten, von Waltet 9%% 

Tbalmayr, Goelbe mä in clMiische alCertmn, von Kotvlh .... 217 
Uhleobcck, loRgefiiMtet et jnolog. wdrterbich 4. (Otitclicn ipnclw, 

von Holthaosen , SS 

IJrbsrf», Tridentinische, s. Sfhneüer 

Verdani, GvdScboerena Teuthonisla, von Franck 14^ 
Voiksschaaspiele, s. AmmaDn 
Waltharilied, s. Allbof 

Wdland, ConatiCntioDca cC acta pnbliea inpcratoran at regam von 

▼dRopp 10t 

Weise, Ünaere muttertpraebe, 3 aufl., too MeiCbaer 247 

Weirs, Aeneas Sylvina, von Joacblnaobn 398 

Wilkens, The manoacript, ortbograpby anddialeei or tb« Hildebraodt- 

lied, vnn Luft 314 

Wilmanns, l*eulsche Rrammalik 1*, von Schröder 12 

W ilser, Slammbaum u. ausbreitong der Germanen, vou vOnenberger . 91 
WilkowaM, Dia wal purgisnacbt im 1 leilo von Goethca Fanat, von Kdacer 82 - 
^ a. AGMeyer. 

Wolkao, Böbaaeoa anleil an der denlaeben litteratnr dca m jba,, von 

Spengler 73 

, Geschichte der deutschen ÜUcrator in Böhmen bis som 

naspanq: (irs xvi jh?., von dem« 74 

\\ luiderl ii ti, Liisere Umgangssprache, von Wusliaann 356 

Zimmerii, Die deuUch- französische Sprachgrenze in der Schweiz 11, 

von Joates 394 

t Zapitsa, Lydgatea Pabnla dnoram mareatornm, hrsg. von Sdildeb, 

von Kftppel 48 

Ein brief Jacob Grimms an Rask, von Steinmeyer . . ..... 221 

Ein brief Jacob Grimm«« au Ludwig Schedius, von Heinrich .... 325 

Briefe an Paul Wigand von d. brüdern Grimm u. EMArndt, vuu Strauch 4U4 

Ein neues Zeugnis für den biatoriacbea Fausl, von Scbrdder. . . . 221 

Znm gebelbneb von Mari, von Steinmeyer 323 

Znr altaicbaicbeo Gencaia, von Jelilaek 228 

Ein lengnia fOr Gengeabacb, von Roetbe 220 

Mare morluuro, von Mocb 321 

Monomenta palaeographica, von Schröder 223 

Personalnolizen 128. TU. 328. 40» 

Berichte ül)er GVVeoker« S|irachalias des deutschen reiches, vou Wrede 

XVI. öiau, gelaufen 113 

Regialar 410 




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ANZEIGER 

TOR 

DEUKCKES ALTERIUM W DEUTSCHE UnERATÜR 

XXIV, 1 jmnar 189S 



Kritik der sonantentheorie. eine sprarhwisspnschaflliche uatersnchuog voo 
JouA>NEs Schmidt. Weimar, Bühlaus nacbf., 1895, 195 ss. 8^ — 4 m, 

Joh. Srhmidi hat es sich in diesem buche zur aufgäbe ge- 
macht, dpn riachweis zu führen, d3«s <lie jelzt von der roehrrahl 
der Sprachforscher geteilte anuahme uriDdogermaniscber silbe- 
bildeoder ^, l unrichtig sei. er bekämpft z«ei>i die laut- 

pby8iok)^ischen yoraussetzuogeo dieser theorie. Sievern liatte sich 
in MiDer piMoetik etms uaklar dafain ausgesprochen, dafg 
iwiach^ diphtboogea m% üi, au uod ▼erbioduDgen nie on, «n, 
«r, al kein principiieller unleracfaied sei. hierin sah man die er- 
wünschte bestätigung für das von Brugmann rein mechanisch 
gewonnene ablaulsrhrma, worin den betonler» wurzelformen wie 
joai^, peilt, pert die unbetonten pit, pnt, pi't eni>;prafhpn. nun 
glaubte man, es sei sowol sprachgesehichtlich alb !aul()hyi<iologi$ch 
bewiesen, dass die Ursprache aufser deu auerkannten vocalen 
niich TneaUacbe (sUbebUdende, aonantiache) | gehabt 

habe, uod schritt noch weiter lu der behaopUing, dag» das sweite 
gUed der diphtbonge kein focal sei, eondero coofo na n tischen n, 
m, r, l gleichstehe. üemgegenOber weist S. darauf hin, dass man 
Sievers misverstanden habe; die gleiclisetzuug von ai, au und 
an, am. nr, al habe nur in hefschranktpm siuru- giltigkeit. CR 
^ei uuzweüelhan und wrnie aucli von Sievers ;iii»rkHnnt, das» 
das zweite güed von ai, au em vucal sei. zwisclieii at, au eioer- 
eeits, an, am, ar, at «adreraeila eci qnalilatiT ein bedeutender 
vnterschied, inaefem dort twei gleiebaftig artionlierle, hier swei 
nngleiehe laute veibnoden seien, dies aeige sich auch an den 
sprachlichen tatsachen ; die diphtbonge entwickelten sich wesent- 
lich anders als die Verbindungen von vocal und liquida oder 
uasal; aus einem ai entstiitiden zh. durch augleichun^' d<-r li^nden 
vocale aei, et, ae, e, wühreml dt r^'U k hen in dem anderu ialle 
^au£ ausgeschlossen sei. wenn dlao Bi ugmann behaupte, wie aus 
den wnneln rtSk, hkmiik die nnbelonton fonnen rtt, Mwlk» an 
nmaten aua Mendft, dtrk die unbetonten hkffA, ^ entatanden 
sein, an aei das ein fehischluss. die folgerichtigkeit dieser bewein> 
führung wird niemand beatreilen ktenen, und somit ist die so- 
naiiteritheorie einer wichtigen stütze hpratibt. wf^hrend niso die 
•onantiker ein particip wie tatd, tmtui unberechtigter weise auf 

A. F. D. XXIV. 1 



a 



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2 



iOa, SCUMIDT KRITIK DEB SOI^iAMBlITBEORlB 



eine stnfe mit itä kog stellen, verlangt S., da« man ea mit 
jMltlif fgmtog vergleichen mOflse, und wie dies das e vor der 
doppelconaonatts erhalten habe, so sei es auch bei jenem zu er^ 

warten, ursprachlich also nicht tniös, sondera tentös anzusetzen. 

Von der grösten Wichtigkeit für die sonantentheorie sind die 
iniliächen vocale /; mao uimmtan, dass diese aus der Ursprache 
stammten, also unmittelbar die angeblich indogermanischen so- 
nanten reflectierten. S. versucht demgegenüber den beweis, dass 
das r, wie das alibaktrisebe er», in fiterer leit mit einem vocal 
angelautet habe, beweiskraftig ist bierfdr die tatsache, dass f su 
är vrddhiert wird wie abktr. ere zu än, mir scheint es noch 
zwingendere gründe für S.s annähme zu geben, ein mit r an- 
lautender präsensstamm zei^'l ini aii^nipnttempus är; dasselbe er- 
gibt die compositiou mit emem präUx, also neben rchati ärchat^ 
prärchati. die conlraction zu är ist hier zu einer zeit vor sich 
gegangen, wo es noch keinen r-vocal gab. im spätem sandhi 
entsteht dagegen aus a und f immer nor or. dazu kommt ein 
zweiter, noch äugen eiligerer bevreis. in einigen ftUen zeigt des 
indische gegenttber europaischen Vertretern des r^vocals nicht 
diesen, sondern ür, vgl. ürnä = got. vuüa^ pSnta * /«//«, 
pf/rva = slav. ftrivü. dies ür mit secundärer dehnung vor cod- 
sonanten entspricht einem wr vor vocalen : pürva und purä^ 
pürvl zu puru, pürbhis und puras, dhürm und ähuras. dies be- 
weist, dass vor dem r ein vocal gestanden hat, der durch einen 
voransgebnden labial zu u gefärbt worden ist; dadurch ist die 
entsleboog von r verhindert worden, wer von indogermanischem 
.f ausgeht, für den sind die sahhreichen indischen ür völlig un- 
erkliiriich , da ja diese Sprache gegen pr und 9f nicht die min- 
deste abneipung hat; diese lautverbindungen sind nämlich da 
entstanden, wo vor dem r kein vocal vorbanden war, der zu u 
hätte werden kennen, vgl. zh. prthn neben prathas. zugleich ist 
damit der beweis geliefert, dass das r erst im soaderleben des 
indischen entstanden und nicht gemeinarisch ist, da das altbak- 
Irische die u-ftrbung vor r nicht kennt; will man also das ert 
dieser spräche als r-vocal aufTassen, so folgt daraus nur, dass 
die verwanten sprachen unabhängig von einander die gleiche ent- 
wicklung ^'ehabl haben, wie es auch beim r-vocal slawischer 
diriU'ktt» der lall ist. die anhi^nger der sonantentheorie haben 
denin n h kein recht, sich aul einen arischen, aus der Ursprache 
stammeudeu r-vocal zu berufen. 

Nun hat man aber auch in den europaischen sprachen spuren 
einst vorhandener f und ^ zu finden geglaubt, nlmlich in ge- 
wisaen einwOrkungen, die diese vocale angeblich auf vorfaergehode 
conaonanten ausgeübt hätten, so soll das ahd. ffurni den ein* 
schub eines dentals, abd. sulan den vertust des gutturals einem 
ursprünglich itnnsiitelbar folgenden sonanten verdanken, die bei- 
spiele dieser art bespricht S. im 3 capilel, ahnliche, bei denen 



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iOa. SCMMIOT KRITIK DER SOMANTR»TUfiOJU& 



3 



oasalis sonans eioe rolle gespielt haben soll, wie goL nfrun, 
8. 76—79. alle diese Hille sind so starkeo bedenken unterworfen, 
seibot wenn man auf dem standpunct der sonantentheorie steht, 

dam sogar Brugmann in seiner anzeige von S.s buch Lit. 
ceolralbl. 1S95 s. 1725 auf ihre beweiskrafl vDllig verziclilet. 
unisomehr nimmt es uus wunder, dass derselbe gelehrt«^ einen 
ganz besoDÜereu wert aul einen — allerdings von ihm selbst auf- 
gestellten — beweis für die sonantentheorie legt, den auch streng- 
gläubige sonantiker für sehr schwach erachten dürften, ich muss 
daher mit einigen worten darauf eingehn, obwol S. s.4iff diesen 
'beweis' schon zurückgewiesen halte. TOn manchen wurzeln mit 
innerem r floden sieb nasalierte formen, zb. liu drqsus, dritti 
gegenüber got. gadars, gadaursta. woher Oberhaupt wurzel- 
nasalierung stammt, zeigen schon präsentia wie got. Uayidan, !at. 
mnco, lit. minga; sie führen uns auf die vir prä8ensclcib>e der 
sauskritgrammatik und die damit verwauie t;m(ia/{-ciasse, wonach 
nicht wenige r-wurzeln ihr präsens bilden, zb. vfiyökli, kfiUdii 
(tbktr. kesintM)» nun schliefst Brugmann folgendermafsen: 
vielleicht (sie Grdr. u 970) sei die m aus der ix claase durch 
metathesis des nasals entstanden (er ist aber seinw sacbe so un- 
sicher, dass er auch der anff iSMiDg Per Perssons räum gibt, der 
die inf]p;ieriini,' des nasals zu erklären versucht), jene metathesis 
sei aber nur möglich unter der Voraussetzung, dass bei r- 
wurzeln im iulaut ein r-vucul siaud (Grdr. i 230 aom.). folg- 
lich — sei damit der beste beweis geliefert, dass sonantische U- 
quidae schon der indogermanischen Ursprache angehorten 1 'man 
traut seinen äugen kaumP um mich Brugmanns eigner ausdrueks* 
weise zu bedienen, soweit sind wir also in der Sprachwissen- 
schaft gekommen, dass man einen solrlien handgreiflichen trug- 
schlu^s für einen 'besten honeis' ausgibt, und nicht gcriui: da- 
mit : die metathesis des nasals soll in der weise entstanden sein, 
dass formen wie *jugnU zu *junkie wurden (n 971). S. weist 
mit recht darauf hin, dass nach Brugmanns sonantentheorie ein 
*jugtUe ganz unmöglich ist, da das n zum voeal bitte werden 
müssen, wollten wir uns also junggrammatiscber logik bedienen, 
so wäre das von Brugmann erschlossene ^jugnti der 'beste be- 
weis' dafür, dass die Ursprache keine nasalis sonans besafsl 

Brugmann hat auch eingesehen, dass er auf einen holzweg 
geraten ist, und geht in seiner anzeige aao. von der ^ plur. aus, 
*jungenti aus *jugnenti. das ist eigentlich noch schlimmer; denn 
Brugmann muss es wissen, dass unter ganz gleichen laut- und 
aeeentferhültnissen sonst keine metathesis eingetreten ist, vgl. 
alte worter wie ind. jag^d cyvog, afivog agnui, cjBfivog got. 
wäCMf ind. agiU ignis, abd. degan, ind. kffrid, Tte^xvcg. also ist 
die herleitung von ^jungenii aus *jugnenti ohne jeden anhält, 
indessen für Brugmann gibt es keine bedenken; ihm ist die 
metathesis des nasals 'a priori sehr wahrscheinlich', das heilst 

l* 



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4 



MNI. BCHHUT KBITIK ]»BB MKAIlTBIITeBOiU 



docb, sobjeclives gutiiünken ao stelle exacler for^^cliung setzen 1 
tabäcbe ist, dass solche melalhesis im lulaul auiäeräl «elteo und 
«not nur bei demaleo forkoniiDt, in der weise, daes wl entflehl» 
so dieeem lantwandel war beeondera bei den wOrlem wamr «nd 
Mb» gelegenheil, nud wir finden hier in mehreren sprachen nd^ 
ohne &88 ein ursprachlieher inaammeDhang ?orligt. ganz andrer 
an ist das vorklingen des nasats im lateinischen das dabei 
von ng 8tr*»nf? geschieden bleibt, die waln sc lieinlichkeil also, 
dass lu der Ursprache ein nasal über jeden belieL)i;^'en consonanlen 
hinweg selbst io r-silben hineingesprungen seiu boll, läi für den, 
der nicht a priori, sondern aus den tatsachen acbliefet, gleich 
null, mit 8. hIeibiBn wir dabei, dass die vir prisensclasse ihren 
nasal durch infigiernng in die warael erhalten hat. dagegen 
sagt nun Brngmann, dass diese aufTassung HBoi anserm wissen 
von sprachgescbirhtp niclit vereifibnr' sei. was wissen wir denn 
von sprr}cht,'pscti!chle? wir kuimi'n tiüclislens die enlwicklnng 
der eiüzelspi achlichen würler und lornien verfolgen, aber 
dass in vincere erst die Homer das n hiueinprakticiert hätten, 
hat niemand behauptet. selbstverstSndlicherwelse stamnat das inllx 
der vn dssae aus dem vorleben des indogermanischen, von 
dem wir gar nichts wissen, und ist for uns genau ao ritselhaft, 
wie die gessmte Stammbildung und flexion. wmn wir von infiz 
sprechen, so geben wir dadurch überhaupt kein sprachgeschirht- 
lirhes urteil ah, sonflern 2ebraucheii einen iirnmmalischen ler- 
minus, wie auch BruL:niaiui von wurzeln, deierumialiven und den 
verschiedensten praliieu und sufilien redet, obwol er genau weifs, 
dass das alles nur grammatische begriffe sind und dass der Indo* 
germane seine wOrler nicht aus diesen dementen tusammen- 
leimte, wer wmelinflxe ffir unmöglich erhiirt, der lierere erst 
den beweis, dass die wurzeln seit ewigen Zeiten unteilbare ein- 
heiten gewesen sind; dem v^iderspricht schon die tatsache, dass 
die reduplicatron nur <\vn vorderen teil der wurzel trifTl. lOr die 
VII präseusclasse winl die i nfi^jierung zur völligen gewisheit er- 
hoben durch ind. fr/iomi von {tu. wenn Brugmann aao., um nur 
seine theorie zu retten, gegenüber der tatsache, dass ^nomi das 
piüsens von pii und dies eine indogermanische vrunel mit ur- 
alter Sippe ist xiUog lioee; ^mfH an. as. fthuf; (TkOs 
%}.v%6(; indutus and QnUaraiha Kurorijog frifok. Chlodachariug) 
sich auf seine eigene erklärung Grdr. ii 968 beruft, wonach (tu- 
und frwM- zwei gleichwertige präsenslhemen einer nicht exi- 
sUereoden wnrzel for sein sollen, so miiss man sich würklicb 
die frage vorlegen, wie mit einer metbode. die eine solche Ver- 
drehung der talsacheu gestattet, nucii eine wissenschal lliche he- 
vreisfuhrung möglich sein soll, in methodischer hinsiebt be- 
merkenswert ist aoch folgendes : Brugmann Grdr. 1 230 vergleicht 
mit dem [n fisens krntämi das suhstantiv goi. vniggo, das 
doch gewis keinen urindogerm. Charakter hat, ihm aber sufHilig 



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iOB. BCBNIlkT EUTIK WM SOIfAimnnUOftlB 



in seine theorie passl. die eolsprechende germ. präsensbildung 
dagegen, von der die wurzflnasalierung ausgegangen ist und die 
also allein in betraclil kommt, vergleicht er uieht, weil sie 
seiner theorie widerspricht, diese bäufigeo prasenlia lauten näm- 
licli ib. shd. ringan, springan, slingan, mhd. tekrimpf«!^, goU 
irmpam; ja den kfiuomi 'spalteo' eotapriehl laut fOr laut an. 
ArMa 'stoften*. die weite Verbreitung des oanb bei dieseo 
wanela im getm. erklMrt sieb daher, daaa die prflseiitia in die 
analogie von verben wie bindan Ubprtratpn ; wäre der vocal im 
prfispns ein anderer gewesen — u nach Brugmanns theorie — 
so hinU' diese analogie nicht würken könneo und der nasal wflre 
wie lu got. fraihnan^ keinan auf das präsens beschränkt geblieben, 
mit dem germ. stimmt hier auch das litauische Uberein, vgl. 
tkrmuü taf. tftrmr^ (nasal nur im prasens) abd. icMiiaii, 
ikM \nt Mkii — abd. tUng^m gükmgtm. was «cb also aiie- 
der iodogerm. priseDabilduiig krntämi, kermtaiti, hrirula^ J&nmUr 
ergibt, ist das gegenteil von dem * besten beweis' Brugmanns; 
wir sehen, dass die sonantenlheorie völlig unzureichend ist, da 
sie für solche urallen lauiverhaltnisse keinen weg der erklSrung 
übrig lysst. willkürlich ist schon Brugmanns annähme« dass der 
uasai vou krnlämi aus der toigeudeu sübe übergetreten sei; aber 
aucb dae f ist oicbt das f der leiiaiitifcer, wie die eoropfllschen 
Vertreter beweiaeiH eondem das tod ifttia got firiifn (s. s. 12). 

im 4 capttei wendet sieb S. zu den sÜbebildenden nasalen, 
bei deoeo die sache insofern anders ligt, als diese in keiner al- 
lern spreche vorkommen; bei ihrer ansetzung fUr die Ursprache 
hätte es also <:anz besonders schwerwiegender beweise bedurft. 
S. weist zueilst tiacl», dass schon die verbreitete Vorstellung, das 
arische und griechische a in fcUam Ixatov sei unmUtelbar aus 
der uasalis sonans hervorgegangen, falsch sei, da auch diese 
spnicben vor gewissen consonanlen den nasal etbaken beben, 
iL ßoht», vo/ufctf. dsraof fQbn er s.54 — 69 aus, dass in einigen 
llllen, wo durch vocalverlust ein nasal zwischen swei consonaoten 
mtk stebn kam, der nasal dennoch nicht, wie es nach der so* 
nantenthwrie unausbleiblich haiiP geschehen müssen, in einen 
sübebildeoden sonanten übergegangen ist, sondern als reiner 
consonant aul seine Umgebung eingewOrkt hat. dies ist ohne 
zwei fei der schwerwiegendste beweis gegen die sonaotentheorie. 
ee bandelt sieb hierbei bsuptsüchlicb nm das desiderativ Allmn- 
von der wnriel Ann, eine völlig isolierte and schon den Indem 
niebt mehr versUndliebe form, darum aber fDr die spncbgescbichto 
von der grosten bedeutung. ftt^isn- ist aus ghighnBo^ enialanden 
und stimmt auch im vertust des wurzelanhuts fihfrein mit an- 
dern desiderativen wie dipsa- aus didbhsa- von dabh, pt/fja- von 
^ak. die spräche selbst aber empfand keinen Zusammenhang 
zuis( h* n diesen formen und fasste hirnsa" als nasaliertes prasens 
auf; aualugiebilduug ist also ausgeschlossen, in ghighnsa- ist das 



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6 



JOB. wcxam ntriK dbk somahtikthmrii 



Bwischen zwei consonanten geratene n nicht zur nasalis so- 
nans gewordea, wie es nach der sonantentheorie ahsohil er- 
forderlich wSre. daraus loigt, dass es gar keiiiL' uasalis souaiis 
gahl ich kijüpte hieran einige fälle, die S. au andrer slelie 
(s. 87 ff) bespricht; sie fuhreo zu demselben reeulut das iod. 
ofmon hat als älteste flezion im geoethr ofiMaf, ebenso abktr. atma 
gen. oAiUf; die ufsprflngliche form des geneiivs war OQmnas. 
denseiben Schwund von m zwischen consonanten zeigt zb. iod. 
hudhnd Tnhd. hodam) aus zweisilbigem htdhmnä, v(j1. m S-iirv. 
nach dei' snnnnlf^ntheorie hätte dies iiUerconsorunUisclie ni zum 
vocal NveriJen müssen und a^man solile m der lat nach ßrug- 
mann Grdr. n 344 anm. im geueliv c^anas haben! wenn die ' 
Arier aber ofnas sagten, so folgt daraus, wie aus himtati^ dass 
weder sie noch ihre forfabren irgend etwas fon focalischen 
nasalen wuslen und dass sie n und m immer nur als consonanten 
aossprachen, wie das in den allermeisten sprachen der fall ist. 

Wie steht es nun aber mit den grUnden, die von den so- 
nantikern ffir ihre theorie geltend gemacht worden sind? be- 
kannilii h hildeien einst den ausgangspunct derselben die nasa- 
lierten tkxiüusendungen. wenn zb. in ofi^am ^rr/rov das .suflix 
m ist, so mUstc auch, sagte einst Brugmauu, lu pääam jcööa 
dasselbe snfflx vorliegen, also silbebildendes wu 8. bandelt hier- 
flber s. 71 ff. eins der sufBze hat eine betonte form, die 3 plur. 
•#nl< (tlol^ genn. sincQ; hiernach nimmt S. an, dass die unbe- 
tonten Sttfftze einen scbwacbeo vocal vor dem nasal gehabt hatten, 
der von vorhergehndem a-vocal absorbiert wurde, also bheronii 
au? lihero -f^nti; es liege also zur anselzunL: von nasalis souans 
keni zwingender gruud vor. ich mOchte zum vergleich auf die 
bekaunte erscheinung der lateinischen lautlehre hinweisen, dass 
die unbetonten e von es und est einem vorhergehnden vocal 
weichen, tb. msoit ffiewMil, ebenso <e in tdintfAtaN, wihrend sonst 
gerade das umgekehrte eintritt, aber flDr das accosatifsnflit ist 
diese erklSrung S.s nicht anwendbar, denn aus den accusativen 
ind. gäm, djäm, ksäm ergibt sich, dass das sufQx keinesfalls -ifm, 
sondern -m gelautet hat ; zu demselben schluss zwingt uns der 
unterschied zwischen agnim, sünum, rvarnlm, ^o\.gastins. stintifM, 
und der 3 p. plur. tanvate (nelun ((Dtnte), ipthvati (<'/nhnma$)^ 
bruvate {brüte)^ ^»riic, jatcui jaii (ita), wo die auliiguiig der na- 
salierten endung an den vocal Übereinstimmt mit ^abhis i^nas)^ 
jwiMü (/Snoi) und im auslaut noiHi — nooem, wahrend jene 
accnsative mit nimati, parim^ zu vergleichen sind, wir mtlssen 
also unxweifelbaft als älteste form des consooaniischen accusativs 
podm ansetzen, aber muss dieses m ein vocal sein? muss es 
eine silbe bilden? die älteren germanischen sprachen haben 
massenhafte beispiele solcher Stellung des nasals, der trot^dein 
consonaiii itheh, vgl. goi. afdnmhn, rohm, taikns, garehsns, matpms, 
ebenso im aliuord. freilich hat mau sich auch hier durch die 




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JOB. SCnnDT EftlTII DSt SWARTBUTHBOBIB 



7 



•cbwttrnierei für die sonaDteDÜieorie sn der unbeweislicheo uod 
uobewieseoen behau ptu Dg hinreifsen lassen, du gotische habe ift 
solchen fSllen und in akrs, fugls die n, »n, r, ? vocalisch ge- 
sprochen, dem Deutschen ist allerding^s die sonanlisclie ausspräche 
bequemer; aber ist denn das malsgebend? durch seioe eigeo- 
tUuihche, mit der belonung zusammenhangende silbenbitdung 
nnterscbeidet sich ja grade das deutsche von den ältern und den 
romeniscbeii und slaTisGhen sprachen, der Pole spricht die prt* 
terita gntMt fiM, rxe&l, pntq^ einsilbig, desgldcben wOrter wie 
mgta, miM, miei^, klnieszy Ignqc, iza, pki^ knoi, brwi, dntwi, 
grzbiet, altpoln. ßsm (russ. einsilbig jesmt), zweisilbig /ofttt», 
czosnku, j^dmy. also nirgends sonanten! auch die pr^po^itionen 
to und z bilden niemals silben. so hat auch das altnordische 
consouantenungf iQine wie ulfr, armr, froskr^ hringr, und diese 
siud einäilljig; von bilbebilduudum r ist keine rede, das zeigen 
IM, ft*fiii {engt), myss, wo das r einem eonsonanten assimiliert 
isu die nasale teigen sieli im altgerm. stets consonaotisch, vgl. 
an. hmn, ags. h9im mit t vor tonlos gewordenem nasal; dUniscb 
einsilbig bund^ vand o. an,, ags. pin, rin, vmn , alts. gifrangt ibd. 
ram aus hrahn; got namnjan und ähnliclie schwache verben 
sind Uberali zweisilbig, an. nefna^ ahd. nemnan, ebenso das 
prät. nach vhiIusL des i ahd. namta. ngs. nemde; got. bagms 
lautet westgerni. einsilbig baunty aus -iauhmz wird aud. taumr^ 
abd. 201191. noch viel weniger als dem altgerm. darf man die 
neubodidettlsclien sonanten dem indogerm. aufdrängen, und wenn 
wir als aceosatif poim anseHen, so ist es einsilbig und das m 
ab Gonsooaot zu sprechen, eine einsilbige form verlangen die 
accusative gäm, djäm, ksäm, ein consonantisches sulfix griechisch 
dexada, die einzige form, wo t zu d werden konnte, ind. jjfl- 
dam vprbält sich zu podm wie ahd. regan, fogal zn an. regn^ fugt. 
so Wird e 1 II s 1 1 b i ? HS podm durch 'unser wj?.>eü von Sprach- 
geschichte' uulerdUiul; ui^pradiliciieui ^od/^t dagegeu, wie es 
die sonanliker ferlangen, widersetsen sieb auch die einzelspracb- 
lieben accusatifformen aufs nacbdrOcklicbste. scboo pOdam weicbt 
ab, vgl. nflUM und besonders da^ wm decm; bier helfen nicht 
einmal die 'satsdubletten' Bnagmanns pädip und pädm (di. kein 
einsilbiges wort, da das m zur folgenden silbe gehört!), durch 
die Riich gäm uod ksäm nicht erklärt werden können, im sla- 
vischen endigt dieser accusativ nicht auf oder -t, sondern auf 
-e, zb. desete. theorieanbeter machen dies zum genetiv, obwol 
die äpiäche die beiden casus formell uod syntaktisch ebenso ge- 
nau wie das litauische unterscheidet und die weitergehnde ?er- 
wendung des genetivs fttr den accusativ auf gewisse Ulle be- 
sebrittkt ist, TgL auch Biiklosicb Gramm, m 3. zu dm^te stimmt 
das erstarrte lit. imsäml, das nur ein alter accusativ sein kann, 
wie im germanischen die endnug des consonantischen accusalivs 
lautete, wissen wir nicht; nur das eine wissen wir gaoz genau. 



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8 



Uass sie oicbt so lautete, wie es die soDauieoiheorie fordert, 
Aäi&licb -uHy da es sonst got. broparu, Aofumift bieise. deua es 
ist ttotwcifeUiai^ dm die u-filfbiiiig ta focalt bei ■ml» aa4 
liquideD, wckbe gemeiiigeniifaiMi iil, ml «ller iit «Ii dw itr- 
irtitiibpiiliig splte and ia jedem dialekt TtnehMene audttitp 
geseta, vgl. daiu gemeingermauiscbe ergcbeiDungen wie die eoo- 
tractioo im goX. juggs {juhiza, jundä), das ü io fmhta, uhtvo^ 
ahd. füst (a» b\. p^sti)^ das u der 2 p. plur. perf., das -tun im 
dat. plur. coiisoiiaijtischer Rtämme, das diese io die ti-flexioo 
liberleiteL im acc. piur. öleiil eä lür die äouauteotbeorie aocb 
uDgOnstiger. das ind. $0$ beweitt, dm da« lullls hn« keiie 
silkia bildete» eondern conmaBlisch anmt» weun sich Brugmas» 
Grdr. u 681 dieser bOchst unbequemea telasche xu eDtiedigee 
verauebt, iodm er jrlS als analogiebildmig micb ^Im erklärt, le 
hatte er für einen so uoerhOrleD Vorgang ein beispiei gebeo 
solieo. der acc. plur. hat nicht die gerin^^te neigung, sich nach 
dem sing, zu ricbteo, sonst wurde das iudische nicht das be- 
tonte Suffix -as durcbgelühi i haben, desseu heikuuli läi duuktfl, 
es kehrt aber in den europäischen sprachen wider, denn im 
estgerm« kulel die endung des acc; phir« -s ebne nasal mit i- 
luuaiit^ Tgl. got. MmaM, fr^mitt wmtfi, an. yam, /«Ar usw. 
dm diese endung aus dem nominaüv flDertragea sei, ist un- 
möglich, da das ostgerm. die beiden casus streng unterscheidet; 
im westgerm. ist ihre vertauschung erst durch das abweichende 
auslautgesetz möglich geworden, ebenso endigt im altslavischeu 
der acc. plur. wie der nom. auf da» ursprüngliche suftix 
-ww isL aber in einem falle noch nachweisbar, die r- stamme 
haben im iodtscben -f», ib« hkiiUfn (danach unursprüngUch bei 
snfflzbelonung pitfn). auch hier ist -m rein comnantieeb; 
wjire mit den aonaatikern -|it anzuseuen, so mflste die fem 
ind. bhrätrat lauten, da «fit als vocaliscbe endung wttrken wQrde. 
man sieht, dass mit der sonantenlheorie bei den musatinufllzen 
gar nicht durchzukommen ist. 

Indem also S. die ursprachhcben silbebiidenden sounntea 
verwirft, kommt er zu dem Schlüsse, dass an deren stelle überall 
der cöusonanl mit einem tonlosen vocal davor oder dahinter an- 
gesellt werden inllsse; er beieicbnel diesen focal durch e, ohne 
seine qualitat damil üMtstellen su wellen, in fidlen wie gol« uns 
gegenüber ind. mos hat der nasal ursprünglich sowol ?or als 
hinter sich einen vocal gehabt (s. 152 f); dies seigt am deut- 
lichsten die negativpartikel mit ihren drei fonnen ind. «i^, n-, 
iMv oder ovofia, gut. namOy sl. tmf. 

Den grösten teil von S.s schritt («. 87— 159) nimmt eine 
Untersuchung über die Schicksale von mn in den einzelspracben 
ein. es betrifft dies hauptsächlich die man- Stämme und ihre 
lahlreichen ableger. dim arbeit seigt die bekannten voctOge: 
sorgllAligste dnväiarbeiluttg des gesmten erreichbaren malerials» 




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#0a. MIMIBT IB1TJK »tt aOHANISimttOin 9 

die de» oaebforscbeoden nur ttberlüsst, sein urteil zu bildeft* 
ohne ihm die mohe saebiicher nachprDfun^ atifzutaden. 

Das letzte capilel beschwingt sich mit dea beideo gefähr- 
licbsteu äuswüchseo der souanteolheorie, deo laogea sonaoten 
Ufid deo combioalioaeo wie ^t. beide verdaoken ibr dasein der 
Miebtee siuracbaritbmelik, in der die bucbstabeo wie zahlen be* 
beadeU iMkl ie gleicbuog«D und proportieDen gebracbt «erdeo» 
die fm omI |T tiwl aiiaBcblieftlicb durch rechmiDg auf dt« 
papier gewoneeo. es gibt zwar solche verbinduogeiit sb. !■ 
wOrtern wie etj^ennu/s, zügellos; hier ist aber ihre enUtebung 
klar, dass daget^cn aus *somös [ofxög got. mma) in der enklise, 
dh. im iuglaoiie iJer Schwächung, das viel schwerere *S7fmös 
(afiog got. sums) geworden sein sollte, ist weder lautpbysiologisch 
walurscbeiülicii auch sprachgeäciiichiiich uacbweisbar. iroizilem 
bi^D die sonantiker, bekamitUcli gaaehweme Müde der papiernaa 
netbede, sfcli die ihn und fr zu nutie gefloacbtt Mi damit die 
empfindlichste bMAe ihrer theorie au bedecken, da nioilkh in 
fällen wie afiog sumt, ßa^vg kmtrm die eigeniamlicihe Tocal- 
filrbung eiD^ptretcri ist, ohne dass ein silhebildeoder «(onant da 
\\t\r, so li^t (Jet rückscliiuss auf der hau d , dass auch in Ixordy 
hunäy gabaurps fors keiuer eothalteD war. mit recht macht S. 
auf kunmn aufmerksam, iu dem das y,» der suuautiker vuriigt, 
aber nicht durch ein, sondern durch zwei m vertreten, neuer- 
diug» achreibt Bruganiiii in mm, ff den aweiten buchalaben lUeiu 
und bezeichnet ihn ala *flbergangalattt% ala wenn ein eenaonanl, 
der eiae betooln ailbe anlautet, so ?efduften könnte. 

FQr die langen liquidae konnte mao sich alleDfalls noch auf 
das indische 7 berufen, obwol dies an ^anz andern stellen er- 
scheint, lange nasale da^^egen hat noch niemand weder tot noch 
lebendig aufzulreibtn vernmclit; sie beruhen reinweg auf erfm- 
duDg. truUüem hat Brugmauu bie 'mit UQseriu wiääeu von spiacli- 
geacAirW recht gut lereinbar gefunden, ea wird S. nicht nehwer 
nachanweieent wie kflnalUch und widenpruchavett die theorie der 
langen sonanten conatruiert iat. brauchbare resultate sind ja 
wmik nicht damit erreicht werden, ich mochte noch hinzufügen, 
dass auch da? indische f nur eine orthographische Spitzfindigkeit 
der grammaUker zu sein scheint, die doch tatsächlich auch ein 
langes l und wurzeln mit r erliiniit ii haben, war einmal r als 
Tocal autgefasst^ so suchte man uaiüilich nach seiner lange, nun 
bat sich beim aec. plur. der r- stamme, der allein in belracht 
keoiinly achnn in der acheidung der geschiechter» füfn^ mätf», 
analogiachar einflnaa der fecalatttnme geltend gemacht; ea lag 
alao sehr nahe, nach dem mnater von -8n, -In« -tl», -A, 'U, -Ito 
auch in -r» und -fs ein langes r anzunehmen und zu schreiben, 
ohwol in der ausspräche zwischen T und r kein unterschied war. 
diese hypolhese würde kühn erscheinen, wenn sich ujchl sicher 
beweiaen IteÜM» dass /* würkhcher dehoung gar nicht lühig war. 



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JOH. MHHiirr iBiTm obm sorahtkitbkobib 



dies ergibt sich ersten? aus frca, das aus tri-rca contrahiert ist, 
ferner ans dräha^ trdha, tnrdämi, wo der Zischlaut vor dem lieutal, 
der in der vedischen melrik noch i»<ä< hw cisbar ist, ohne dehnung 
des r geschwunden ist, während die vucale im gleichen falle slels 
gedehnt werden, wäre io püfn dehnung eingetreten, dttrfte sie auch 
hier nicht fehlen* man sieht hieraus, dass r kein mal war wie 
41, t, ti, sondern ihnen njur im grammatischen Schema gleich- 
gestellt isL r ist ein sonant, aber von den vocalen quaUtativ 
durcliaus wschiedeu. das knnn man leicht merken, wenn man 
die laute singt; imch kjiiii r a-, t- und «-farbig gesprochen 
werden , während die eclilen vocale sich unter einander aus- 
schliefsen. r wie die andern sonanten teilen mit den vocalen 
nur die eigenschaft, eine silhe bilden an liOnoen ; dessen ist aber 
jeder dauerlaut fthig. die ?erwechslung von sonant und vocai 
ist der grundfehler der sonantenibeorie. 

Zum schluss noch ein paar werte von der bedeutung des 
S.schen buclips im allgemeinen, man sucht nämlich seiner kritik 
der sonanlentheorie dadurch die spitze abzubrerhen , dass mau 
die ganze frage als belanglos erkllirl; Brugmauii versteigt sich 
sogar zu der behauptuug, es sei ein stürm lui wasserglase, und 
selbst wenn S. recht hatte, wOrde die indogermanische lauUehre 
nur unwesentlich xu modiflcieren sein. S. hat sich schon in der 
einleitung gegen die aufTassung verwahrt, als sei zwischen seinem 
und dem ^ der sonantiker weiter nichts als tka orthogrs" 
phischer nnfersrhied. irli behaupte sogar, dass, *wenn S. recht 
hat', in Brugnianns (ii uiKlnss nicht viel hrr\uchbare s^'iten ühr'v:: 
bleiben, denn mit den iudogerm. sonanten lalb n :iuch die 
und dauu die laugen suuauten und die consunautischen vo- 
cale; es fallen endlich alle weitgebnden folgerungen, die aus diesen 
tbeorien gezogen sind, es fiillt vor allen dingen die sebemati- 
sierende und sehablonisierende methode der Junggrammatiker, die 
das reiche leben der spräche mit ein paar lautgesetsen mafs- 
regelt. dies resultat mögen viele bedauern, die das indogerm. 
kauderwelsch der modernen Sprachwissenschaft zu ihrem Studium 
gemacht haben, wer sich aber mit würklichen sprachen be- 
schüfiigt, wird \ielleicbt dtirch die lectüre von S.s buch und 
eigenes nachforschen zu der Überzeugung kommen, dass ea ^rade 
die sonantenlheorie gewesen ist, die darish ihre einseitiglieit und 
beschnnlitheit seit langem alle erheblichen fortschritte in der 
Sprachwissenschaft verbindert hat und, weil man abeotut nicht 
mehr von der stelle kam, zu den wüsten accentspeculationen von 
heute gefdbrt liat , tu einer allgemeinen confusiou, in der der 
einzelne sellist nicht mehr weifs, was er 'entdeckt' l)at. wer sich 
erst darüber klar geworden ist, was es heifst, wenn ein gelehrter 
wie S. , der nicht etwa von völlig abweichenden principieu aus- 
geht, die sonantentbeorie, dh. die anscheinend felsenfeste grund- 
lage der junggrammatischen Sprachlehre mit so ernsten grOnden 



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JOÜ. SCUMIBT KllTtik bLH SOKAiNT£NTIiEOBIK 



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f«rwirft^ der wird llbwliaapt an den resulUton der heutigeD 
ipncbwiseenscbafl lu sweifela anfaBgen und in eine fomrteila- 
loM prOfuiig derMlben eiozulreten geneigt sein, eioe solche 
pmfnng wird dann freilich noch Ober die sonaotentheorie* hinaus- 
greifen, diese Iwrulii auf der auffassnng, dass gewisse focale 
schon in der Ursprache unter dem einfluss der belonung ge- 
schwunden seien, bewiesen bat das niemand, und weuo wir 
auch hier * unser wissen von Sprachgeschichte* zu rale ziehen, 
so lehren uns die slavischeu sp; wichen, dass auf gleicher uiiȊche 
beruhender vocalausfall in verwaiiitu dialekten ziemlich gleich- 
märsig eiotreteu kann , während die äUere lorm dieser dialckte 
eder gar das uridiom die vocale noch foll bewahrte, weodeu 
WUT diese erfahrung auf die indogerm. sprachen an, so sind alle 
lantgeseue, die urspracblicben vocalausfall sur ? oraussetzung 
haben, zu suspendieren; denn es ist nicht die geringste wahr- 
scbeinlichkeil, dass der Ursprache mehr angehört hat als die 
Ursache des ausfalts, der accent. ist aber der vocalausfall erst 
in der entwicklung der ei nzel sprachen erfolgt, so werden diese 
zwar in vielen puncten übereinstimnipn, in andern aber von ein- 
ander abweichen, schon die in i ^ u u y , unbcluute vocale ver- 
klingen zu lassen — denn von enHui lau ige setz ist dabei 
nicht zu reden — , wird in verscinedeueu sprachen verschieden 
sein; gewisse betonungsverbältnisse werden früher und stärker 
gewarkt haben als andere; sogar eintelspmchlicber lautwandel 
kann dein focalausfall forausgegangen sein, wie es im altb. im- 
perfect Mitof sweifellos geschehen ist, das sich in JltSla; ?er- 
hlU wie ind. ^at zu dadat. statt eine so vocalreiche spräche 
wie das griechische durch allerhand kunststücke auf den con- 
sonaotenjargon in ßrugmanns Grundriss zurückzuführen, wird 
man dann in zahllosen fallen wie iaifi, eirjv, ^(>'>v, ft- den 
vocai nicht als 'restituiert', sondern als allüberlultit nnselien. 
da es formen wie senti, su in der indogerm. Ursprache so wenig 
gegeben hat wie ein ursiavisches sijn oder sto. wenn aber S.s 
Schrift einerseits zu weiterer kntili anregt, so iüUiL sie ander- 
seits auch tu positiven resultaten von weittragender bedeutung. 
dabei spielt der nachweis, dass man nicht von tntös, sondern 
von lIMdf ausgehn muss, allerdings nur eine untergeordnete 
rolle; denn die einzelsprachlichen nachkommen dieser grundform, 
die erkannt zu haben ßrugmanns verdienst ist, bleiben doch die- 
selben, das fruchtbarste ergebnis von S.s forschuog ist vielmehr 
der beweis, dass vocallose nasale im indogerm. vorkommen, die 
sich nicht nach art von ßrugmanns nasalis sonans entwickeln, 
dieser heHenii'nde fortschritt ist erst durch die beseitigung der 
sonauteulheone möglich geworden, es ligt auf der band, dass 
sich solche Hille nicht iniaier wie himmti und apias tiuwickelt 
haben können; s.ubha^ abktr. tioa und pukhdha^ lat. apis^ slav. 
oft«, daxu got. bot, 6t, ahd. hia (neben imbi) «eigen zb. eine 



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12 



JOB. SGBMIDT Itim Dtt MUlAllflimiOIlB 



andere b<^handlung. genau dipselh»? erscheiouDg muss aber, wie 
S. 69 ricliliR bemerkt, auch bei r und / vorgekommen seio, 
und zwar viel liautitrer, als er selbst adzuuehmen scliciiit. üeun 
da g. pürm dem gol. fulls eoUpricbt, kann das r von prnäii nur 
auf ein vocalloses r surückgebn, and so Oberall, wo Of und flr, 
Mf und mar nebeDeinanderiicgoo. min tebeft wir, du« «som 
abktr. imv^Omi m grieehMchen (iißt oder S^do» (aus nttüs^ 
vergjS) entspricht, Um gegt-ouber du aonanüker ratlos waren, 
wie sie auch mit ffem merkwürdit,'ei) rrerm. präsens wirJcjan nichts 
anzufangen wüsten, zu egÖüJ stimmt etn zweitem iii altes präsens: 
i^Ofjiai rchati, und so werden wir daran erinnert, dass im 
griechischen häutig bei ^ und X ein « (oder zb. ^i<scc, rciX- 
va^ai) erscheint, da wo nacb der sonantentbeorie a stehn mOste. 
ata dataiaclMe beispiel ftor focalloaas r ist das ordinalo s. (f^vo, 
das in dies«r eigentamlieben form und ohne da» wonelbafte i 
auch in den onroplisclien sprachen widerkehrt, nirgends aber 
die von den sonantikern Refordertea Vertreter des indischen r- 
Tocals zeigf , sondern immer e vor oder hinter dem r, vgl. äol, 
Ki^og (wie 'iqöut aus terstos)^ lal, tertius (wie ierreo^ cemo usw.), 
slav. tretij^ lit. treczas, ^oi.pridja wie oben s. 5 trimpan. terner 
regt S. s. 50 wider die frage an, ob neben dem ablaut e-o nicht 
iweierlei lonlooe mala 9-9 amnaatsen seien, sieber ist es, daso 
dar neben 0 stebnde Conloae vocal eine geringere neigung zum 
verklingen bat als i; das zeigen zb. afiog neben ofiOQj elöiög 
got peitvods neben olSa vait^ erst in den femininis fula, idvia 
ist auch Q geschwunden, es emptiehli sich, diese vocale nicht, 
wie S. es tut, durch kleinen druck zu bezeichnen, sondern nRch 
analogie der slaviscben t und mit denen sie sehr viel verwant- 
scbaft haben, um so mehr, ab es im indogermanischen auch ein 
1^ ein 1^ und besonders ein zweites d gibt, dao in laisiniscbsn 
ak # arscheint, vgl. rnemt S^fu, ^OMfy jMrars, ffn ralns^ 
iowog datua, oQ&og ordmis, wo der verlost des t; zeigt, 

dass dies ö ursprünglich ein geschlossenes war. so dürfen wir 
aleo hofTen, dfigs uns auf den von S. gezeigten wegen die lOsung 
für eiüR niLMige schwieriger lautverhällnisse gegeben wird, die 
sich gratle in nllerlilinhchen worleiu uud lornien finden, die fUr 
die wiäseuäciiall mafisgebeud sein sollten, ein eingehende» äludiuiu 
▼OD Sehandla bucb ist allsn« die sich mit gramnatischeii ftagen 
hcschlftigen» dringend lu empfehlen. 
Sloglili, im Sommer 1897. Gnono Mahlow. 



DtOttche gramnifltik, gotisch, nlt-, mittel- nnd neuho( lidrutsc h. vonW. W'il- 
jUHBi. I ablelloiig : lauUebre. 2 verbeaserle aufla|;e. SUraGibiirg, 
Karl JTrflbner, 1897. xvi vod 42581. gr.8*. — gm. 

Dasb die erste aullage dieses wahrhaft erfreulichen werke» 
hier gar nicht besprochen worden ist, ftUt mir allein zor last, 
der ich s. s. gleich beim anlesen der 1 lieferung mich entKhkiss» 



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«ILHANKt» DEUTSCHE GRAIlllATIK 



13 



0elb8t «kie anzeige lu sohreibei, tber durch diUckende pfiohtea 
UDd «teilen — vea denen die redection des Anteigen keine 
der kleinsten istl — unmer wider davon abgedrängt wurde, niebt 
■war von dem buche, zu dem iob vielmehr oft und gern zurück- 
gekehrt biD iinri zu dem meine eigene beschSftigung mit deutscher 
grammatik sogar ein ganz heslimmtps Verhältnis gewonnen hat, 
sondern nur eben von der niedergchrili einer recensioD. als ich 
endlich dHimt zu stände kam, da widerstrebte manches, was ich 
für diese auzeige b^timmt hatte, durchaus ihrem rahmen, und 
nachdem Ich eine reihe von eolcfaen cKcunen euegeMbritet habe, 
eieht der reet wider etwas unruhig und bröckelig ans. das gleich» 
seüige beft der Ze.(42t59fl) bringt bereits einen Tersncb von mir, 
iu neuen aufsehlOiaeB ili>6r die vorgescbichtf dps germ. 11(0 und 
mm (m) m gelangen, vnd filiulirhe kleine arlikel : flber <»enn. sk 
im woriinuern, über wurzein mit «-anlaiit, über u lür tmi, über 
eic;; und <nwj sollen in den nächsten hellen folgen, soweit es der 
räum und meine zeit erlauben, damit hab ich das urgermaniscbe 
aus der detailkritik ganz ausgeschieden. 

Nachdem. W.8 Iwch seit jafaren in aller binden ist, hat es 
keinen sweck, es hier nach breit lu cbamkterisieren. die neue 
aufläge zeigt überall den auftnerksamen blick und die nach- 
bessernde band des Verfassers, dem in der litteratur nicht leicht 
elwRs ♦entgangen sein dürfte, besonders freudig hab ich die diirc!)- 
gebnden hinweise anf Wredes Berichte Über den Sprachati is ije- 
grüfst*, die auf diese weise der dauernden aufmerks^unki it, am 
lechteu platze empiuiileu werden, gründücbere oacharbeil resp. 
Umarbeitung haben einige §§ in der einleitnng, leruer die ab> 
schnilie Uber se. Ober is, tber die vocaL anslautgeseiie, sowie 
die 6chlu88-§§ über die betonung erfahren, diese bereits im 
hinbiick auf den n band, der einige monate Torber lum abeoblues 
gelangt war. 

Für iialtnng und ton des ganzen Werkes ist eine wahrhaft 
vornehme besclieidenheit charakteristisch, die darsieliung ist in 
den grofsen hauptcapitelo wolabgewugeti und bezeugt hier über- 
all eigenste uacbprüfung und Selbständigkeit des urteUs« die sich 
auch in der auswabl der beispiele geltend macht wn es sieb 
um mehr isniierte vorginge handelt oder um *lantgeselie% die 
aeüher nur durch ein oder swei etymologien von sweifelhaAem 
werte bezeugt sind, kommt W. gelegentlich den ephemeriden 
unserer wissettscbalUichen iitteratur su weit entgegen : es sind 

* aaeh aonat mehren sich die aozeicben dafür, data diese berichte, 

»US denen man so rirl lernen knriTi, gewflrdipt nnd aosgenatzt werden, in 
der oeabearbeitung von betiaghels aoteil am PaolBchcD Grandris« vmit 
freVish da« capMel *Laale', wo t. «90 dfe Beriehte ao der «pitse der litt»- 
ratnr orsct)rinen, sehr wenig eiiifluss von dorther, wol aber entnimmt 
B. in dein frühern capitel über die mundarten die mehrzahl seiner grenz« 
beachreibungen von Wrede, und dass er ihn hier (8.662) nicht citiert, ist 
wel nnr eis ledaetkinivaishcn. 



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14 



WILIUIWS DSDT8CBB GBAMlIATiK 



da manche eiufäUe der erwähauu^« eioige auch des beifalb ge- 
wardigt , die man alteofaUs dem unruhigen ebrgeis nnaerar aty- 
mologen nachsehen darf, die aber in ein band buch der dentacben 

grammatik unbedingt nicht hineingeboren und aicb naeh meinem 
empfinden hei Wilmanns direct stillos ausnehmen, in 'grundzflgen 
der deutschen elymologie', wie sie neben der grammatik recht 
wol noch räum föudeii, mO^en solche gelegeutlichen vorstOfse eher 
am platze sein, ich iiuieildi<se abbichtiich präcise hinweise auf 
einzelnes, weil es sich hier um urieilsDUaocen haudell, die manch- 
mal fast aache des gefabls sind, aurttckbalten aber wollt ich da- 
rum meine empftndung doch nicht. 

Das grofse capitel über cousonantenverdoppelung enthalt 
(besonders in den §§ 135 und 143) für mich noch mehr und 
stärkere frajiezeichen als für W. ich will hier nur andeuten, was 
ich mich nicht für bereciiii*4t halte iiieiuerseits näher auszuführen: 
dass ich vor 15 jähren bereits durch freund Bechtel auf die weit- 
gehode paraüele zwischen der bilduug verbaler und nominaler 
intenaiva einerseits und der koseformen andeneita anfoierkaam 
geworden hin und in einem langern gesprftch mit Fick die er- 
scheinungen, auf welche Eluge und Kauffmann die radicalcnr mit 
der n-assimilation angewant haben, gani anders ansehen ge- 
lernt habe. 

Neben dem § (158) Über ekthlipsis, der, wie ich nachher 
zei^,'en werde, starker correcturen bedarf, wird sich lür die nächste 
autlage ein besonderer über cousouan tische dissimilation (ar- 
ticulaüoDsänderung und schwund) empfehlen, und dieser dflrite 
sich nicht in herkömmlicher weise auf die liquiden und nasale 
beacbrflnken. einige kleinere beitrüge geb ich unten, zusammen- 
hangendes hoff ich auf grund eigener Sammlungen im nacbaten 
sommer vorlegen zu können. 

Wo das «chicksal der vocale in uubelcmten silben in drei 
grofsen capiieln (§§ '2r>3 — 33ti) mit einer ganz iiciien uud liöt (ist 
dankeuswerteu ausfiiluiichkeit behandelt wird, dUrlle ein kuii^er 
% immerhin zeigen, dass auch die existenz ?on consonanten durch 
accentmangel resp. -schwund gefährdet wird : fklle wie vmiMgen 
neben tMng (§ 107, 2), polUr neben firk (§ 113) finden zer- 
streut auch bei W. erwäbnung; in unsern orts- und familien- 
namen widerholt sich die erscheinung hundertfach, und da das 
ein sprachmaterinl ist, das lehrern und scbülern immi r mhe ligt 
und ihr interesse erregt, so empfiehlt sich die hii ückfeichliguug 
wol. — weiter wäre das vorklingen eines souauteu uud die 
falsche reslituliuu, die gelegentlich (s. 198) in JGrimms und 
Weinholds art als 'gegenzug' bezeichnet wird, einer elnheitUcben 
behandlung nicht unwert. RHildebrand hat diesen dingen im DWb. 
und sonst vielfach beacbtung geschenkt. 

Das sind freilich desideria, wie sie bisher noch keines un- 
serer neuern compendien befriedigt, und ich trage sie nur vort 



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WILMAKAS DKVTSCHK GBAMMATiK 



15 



iodem ich das streben zur vervoUkommDUDg des vortrelliicheu 
handbttcbe aach mit mtiDeii wanachen aDterstauen mochte. 

Das siel des baebca ist das historische ferstflodois der nhd. 
Umgangs- und schriflspracbe , und dies ziel wird selten aus den 
äugen Yerloreu. vielleicht konnten hier und da sprachliche 
procpssp \ini\ /u^tfinde, welche aiissrhiirfslicli die vergleichende 
graüimaiik und die rastlose etymologische produclion der beiden 
letzten jahrzehole erschlossen hat — oder erschlossen zu haben 
glaubt, noch schärfer vou dem gesondert werden, was sich am 
urkundlich ttberlieferten spracbmatertal vor unsem augeu voll- 
sieht. Me, wo dem benutser des buches die controUe entiogen 
oder durch die indirecten litterstumachweise erschwert wird, sind 
nicht selten und erscheinen mir entschieden als ein mangel. 

Überhaupt hab ich gegen die art, wie W. die litteratur nam- 
haft macht, manches auf dem herzen, ich finde die compt ridirn 
und grundrisse einerseits, di»; kleine elymologische gelegeuheits- 
arbeit anderseits überreichlich, die grundlegenden und bahn- 
brechenden specialuntersncbungen nicht oft genug und selten mit 
genügender deutlicbkeit sngefUbrt. dabei ligt, wie ich wol kaum 
ausdrttcklicb zu betonen brauche, der Yorwurf der Unkenntnis 
wie der Parteilichkeit gleich fern, es gibt in unserer Wissen- 
schaft kaum ein buch, das über jedpit verdacht der Parteinahme 
so erhahen ist, — und wenn W. wiirkllch in der litteratur ptwas 
wichUges filMTsehen haben sollte, so bin ich jedesfaiU nicht in 
der läge, ihm das aufzumutzen. 

Es ist selbstTerstAndlich und gar nicht zu umgehn, dass 
beim Vernerscben gesets des entdeckers gedacht wird — nur ist 
dessen berflbmter aufsats (im juli 187b abgeschlossen) im früh-- 
jabr 1876 erschienen, nicht 1877, wie s. 29 oben steht — , 
ebenso dass hei den vocal. anslaulgesetzen (§ 255) Westphal und 
Scherer iliren platz au der spitze behaupten ; auch gegen die prä- 
cise form, i» welcher s. 255 Franck die kl.'iruug der ansichten 
über die ausspräche von e und e zugeschrieben wird, bah ich 
nichts einzuwenden, obwol zb. MHeyne sich darauf berufen kann, 
dass er nie etwas anderes gelehrt habe (am deutlichsten Kl. as^ 
u. anfr. gramm. s. 12). gerade diesen modus wOrd ich eben viel 
häufiger angewant und die lernenden recht nachdrOcklich auf die- 
jenigen aufsetze hingewiesen haben, in denen sich, sei es ein 
gesicherter lortscliriit vollzieht, sei es eine ansieht offenbart, 
die für längere zeit die torschung beherscht bat. so wird bei 
der hochdeutschen lautverschiebung (s. 51 n.) schlechtweg aut die 
litteraturangaben bei Braune verwiesen, bei der germanischen 
lantTerschiebung (§ 18) hätte wol der bemübungen Raumers und 
Scberers um schärfere formulierung der probleme gedscht wer^ 
den können, unbedingt aber sollte hier, wo Grassmanns aufsats 
über die aspiraten mit Sperrdruck herausgehoben wird, der 
wichtige aufoatz von Paul fieitr. 1, 147 ff unmittelbar neben Verner 



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16 



WlLil4RN8 DECTSCBt GRAMMATIK 



geDtnnt werden ; er mnit mdk nrit attem kuppen gdegeoheila- 
citet («uf 96 «DteB) begoügen. in f 36 Ober die dwlrinf 
bMuDgen beaehrliriit sich die littenitQrMDgMbe Mf den oemten 
anfsau voo ß raune (Id^. forschgeD 4, 341 fl), wahrcid die wMHtm 
TOD Kogel (Beitr. 7, 171 ff), der mit teineo ticher« etymologieD 
bahn gebrocheu bat, uod von Kluge (Beitr. 9, 150 IT), der K^eb 
resullate bes. in bp7ug aof das ent«?rhpidpnfl modi^iert bat. onr 
nebeobei je eiomal für eiuzeliieiteu ciliert werdeo. in § ITSfr 
vermiss ich abermals die gruudiegende arbeit : LefTler ^iord. 
tidskr. 0. r. 2, 1 ff . 146 ff. 231 ff. in der Usle der gelehrten, 
die sieb um die ausiauigesetze verdient gemacht haben (s. 31t>), 
fehlt Joh. Schmidt, dessen aufsatz (Kuhns zs. 2ö, 20ff} 
wie ieh ans bd n 8. 646 eebe, wol keiM. die torlrifliclMB 
^edalaiiteraiiehingen fe« Brsune mr abd. grannatik, die eigent- 
lich Jeder atndent der detttadMn pkäloUigie leaeo aoUte« werden 
kaum anders angeführt, als die echnitzel uod späne Tan Helte» 
und allerlei mehr oder weniger geistreiciM el|nologiacbe eioflUle 
Kluges und Ostboffs. die mas^enhalien verweise auf andere hand- 
bftrber und grundrisse (von dcnon djp a?!r Rn?£rmann und Paul 
unmittelbar oacb dem erscheiiuii veraliel waren) machen die 
Sache nicbt besser, dor sludent wird dadurch nur unruhig und 
▼ermisRl doppelt lebliall »nie auswahl der Wissenschaft lieb<»n 
specialltUeralur durch den kundigen fUbrer. in der neueu aul- 
lage, gegen die sich dieae bedenken Docb verettritl wenden, sind 
wider ttngetflblte f erweise auf Streitbei^ ürgerai« grammatik und 
Neieent urgerm« lautiebre binangekoninien : sb. in 1 174 tiiin*2 
wird bei der (aebr smUekbaltenden) bebandlung der goL et und 
nw w irocalen einfaob auf diese beiden verwieaen : allerdings 
kann man bei Noreen eine 26 stellige litteraturliste finden — aber 
wer hilft dem Studenten hier dif» nieten und nullen aussondern ? 

Aus dpn eigensten Vorstudien, auf dtMien W.s iuirh iml- 
berubt, hel>en sieb deuilich heraus einmal die selhstinuiige durch* 
arbeitung der gotischen spräche, die offenbar l^ingst in einem 
ungemein soliden collegienheft niedergelegt war, und dann jene 
Sammlungen, aus denen bereits das den fachgenossen (nach meinen 
erfabrungen) viel fu wenig bekannte bucb Die orthegrapbie in 
den achulen Deutschlands (Berlin 1887) hervorgegangen ist. «nter 
diesen umstSnden ist neben den nbd. das gotische besondeis 
gut weggekommen : man wird auch schwerlich eine eiogehendere 
bebandlung des abd. und mbd. verlangen, viehnebr wOnachen, 
dass der weitere ausKau des buches immer in erster Ii nie das 
nliH. hprücksirhtif^r ; dns goiisrhe kann hei der fülle guter hilfs- 
millei immerhin eiuu^' firselineidungt-n vertragen, unt! vifUeiciil 
entschliefst sich der veri. später, das wichtigste aus der nieder- 
deutschen iHüiielire der ^dteru zeit wenigstens soweit heranzuholen, 
als es für das historische Verständnis des nhd. Sprachschatzes ge- 
fordert und fOr lehrer und sebuler niederdeulscber abstammung oder 



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WILMAfiro OBOnCHS GBAMlUnK 



17 



Umgebung wichtig ist. — dass W. mit dem wnrtlein wtai- 
germaoisch etwas $par$:aiuer umgeiii , als wir es lo üeu ieUteu 
jähren gewohnt waren, will ich gewis nicht Udela. ahor die 
abeiebtlichkeit, mit der er den borizont sb. in § 257 (auslautgesetie) 
auf das ahd. elnschrünkt, wo die heraoziehung des altenglischen 
so nützlich gewesen wäre, oder in § 122 absatz 2 uO. erschei- 
f)nngen als *ahd.* hinstellt, die für das ganze westgerm. gebiet 
gelten, kann ich nicht gniheifsen. die vorsiellung vom alter 
und der verhreitung gewisser vorgange wird dadurch eine irrige. 

Ich gestatte mir ouu eine reihe bald kürzerer bald ausführ- 
licher bemerkungen tu einzelnen §§ des i bände« anznaebiieraen, 
denen vielleicht aplter ähnliche beitiüge zum ii bände folgen aollen. 

In § 51 witrd ich zunächst s. 72 unten den dissimilierenden 
ausfall von / in graschaft (gratchaf) einschalten, der sowol bair.- 
nsierreichisch als mittelfrdnkisch bez^^nfri ist, s. Leier a. v. prdüe- 
schaft und dazu den landfrieden k. lUidolfs v. j. 128t bei Vancsa 
s. 112. 113. damit liefse sich dann gleich verbiuden (s. 73 oben) 
ein hiuweis auf den parallelen Vorgang fUr ^ in uhd. schlohweiss 
neben weitverbreitetem teUofooeifs (D Wb. ix 765) und alem. nei" 
wtt für mhd. w$pBasf {ÜVlh, m 598), den WHorn Beitr. 22, 220 
ebenao wie oberbair. kawataer aus kaswasger für ein von aeinem 
lehrer ßehaghel entdecktes *gesetz* {s^w » > «> zu verwerten 
siiclit. dieser process, der jünger sei als sw sw, soll dazu 
dienen, die lautpe^fM/lu hf enlstehung von wer aus swer zu er- 
weisen : als oij die Verdrängung des indefinitiims «lurch das 
fragepronomen nicht bereits durch hss. des 12 jhs. bezeugt 
warei — der entaprechende Vorgang bei A und M iat aeit ahd. 
zeit durch zahlreiche beiapiele zu belegen, die ältesten hat Kögel 
Anz. XIX 244 hübsch geaannneli, aber gewia unrichtig zu einer 
ausdehnung des lautgesetzlichen Übergangs von hn, hr, hl, hw 
ff. r, /, w auf den inlaut verwertet, vofi seinen 15 (16) beispielen 
g«hOren 10 (11) unbedingt unter inuine erklärung : fe{h)laehen, 
H{ch}iachan, ara{h)lahhan\ smd lijlih, hu9{h)Uh\ ri{ch)Hch, U{h)lnche, 
H(h)lühla', uui{h)roiüi', dutiJ(jnoht; ehir{ch)lih. bei den beiden 
letzten Goncurriert die erkUfrung aua ekthtipsia bei conaonantea- 
hüufong, die bei efttinaarfa wie bei apSterem Mrspef, kirmitte^ 
kirwihe herangezogen werden muaa. in fila, uuinesti^ UUwi 
(FlauuilareJ) wird dialektischer ausfall von h (ch) zwischen vocalen 
und am silbenschluss vorliegen. d;*ss Kogels erklärung nicht 
zutrifft, zeigen na. spüteres ;iletii. inrhicasscr, bair. weichwasser 
neben lierschendem wtrauch, weu uuch; w macht , weinacht. die 
Ortsnamen beslüligen, das^ ch genau so durch dissimilaiiuu schwindet 
wie h, ao Bvbßdi bei Simmern aua Bnoehbadi (FOratemann n* 290); 
ja wo beide im lautwert ganz zusammenfielen, iat ea gelegentlich 
vorgekommen, dass h blieb und ch schwand : die schönsten belege 
bietet das häufig vorkommende Buochlöh^ das mit verliebe zu Btdoäiy 
Bulach uä., nur vereinzelt zu Buchloe geworden iat (FOratemann 

A. F. D. A. XXIV. 3 



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IS 



MOTCCIIE «BAMIUTIK 



n'292); in deu iiesfe.-waldick, ortsuaineii Eila, £y/e»(ausgegaDgeii) 
uuii Buhlen lUr urkuodl. Exhioha^ i^uoAioÄa (Arnold 8.119) ist zuerst 
das A durch dissimilatioo, dann später das A zw. vocalen geschwunden. 

Atit diesen bemerkuDgea ergibt sich scboo, dass ich den ab- 
sals (3) bei W. s. 73* der eingeleitet wird mit deo Worten Ist 
einigemal dem h folgend geschwunden' nicht billigen kann : all- 
mählich ist mit den obiijen beispielen zur genüge erklärt; biet 
ist ein fi-^chname, den man in nd. und mI. wrtrterhflchern aul- 
suchen iiiUöS (vgl. auch ae. bliebe, ue. blay) , dt J" also lail ahd. 
bleicha niemals etwas zu tun gehabt bat; bei geruhen si.gemochen 
ligt ersetsuDg eines aussterbenden wories durch ein ähnliches 
Tor — der fall gehflrt also ins worterbnch, nicht in die laut- 
lehre. bleibt eiotig und allein gdkkteiUBn 3> f^umer, wo aber 
nicht ch zwischen vocalen ausgefallen ist, sondern erleichteruug 
d^r bnti^ruppe chm (am) stattgefunden hat i vgl. ifaicAsMer, 
Meißner, Meifstipr. 

§ 55. Dass das -ich der ableitung zum Übergang in -ig 
neigt, ist im allgeiiieineu richtig, wenn wir aber bei Substan- 
tiven mit it, r, l des wureelauslauts fast constant eh schreiben: 
ftnmt'cA, enrieft, drÜUdi, JuM, I^'cft, Lorieh^ wahrend sonst 
esstj^, reitig^ ßttig^ rtUig, Kinzig, Mer%ig, Bnkig vorhersehen 
(freilich auch /a/(t<ä, teppiAt bottich — ^herBOttigw neben Bötticher)^ 
so scheint doch darin zum Rusdruck zu kommen, da»s die natur 
der vor;ui<fc:ehnden cousonanz uicUt ganz ohnt- einfluss dabei ist: 
es handelt sich um eine ei IcichleruDg der mundarlicuialioii iu 
schwachbetonter oilhe, und das hedürtnis dazu ist oHenbar nach 
stimmlosem und geminiertem coosonanten grOfser als sonst, bei 
den adjectiven wie adlige billig bat natOrlich suflixverwechsinng 
auf die regelung der Orthographie eingewOrkt : in allen Mlen 
dieser art geht das grundwort auf / aus, sie wurden also wie 
hiilig, selig behandelt. 

§ 61 (s. 83) ^flunder, Strand, sund haben nd nls nieder- 
deutsche lehnwörter*, kann doppell irrelühren : 1) wurden sie hei 
hochdeutscher herkunft ebenso lauten (allenlaiU flunier wäre ai6^- 
lieh), 2) sehen die normalen nind. nomiuativformen strant, sunt 
nicht anders aus als wie sie mhd. erscheinen worden. 

I 81 (s. 103) den schwand des 6 in pM, ^ und in den 
kurtformeu zu haben, wofür wir vorläufig keine erklärung haben, 
wflrd ich nicht als dem weitgehnden ausfall des intervocalischen 
g *enleprefhend* hezeichnen — anderseits aber in § 82 den aus- 
fall des d iu ^titji( (chUt), qnit ichit); reist, reit, retle erwähnen. 

§ 84, 2 (s. 107). Die melirzahl der frühen wie der spaieu 
Ubergänge von hd. d (•« germ. >> < im anlaut, ja überhaupt 
die Unsicherheit in der Schreibung aulautender mula mochte ich 
aus der gefolgscbaft eines stimmlosen consonanlen im wortinlaut 
erklaren, der rest eotftllt auf die anlautsgnippen dr (und diD)K 

> die ich hier oicht weiter behandle. 



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WILHAIWS DBUTSCBB GlAHIIATIK 



10 



icb gruppieif^ 101 DacbfolgeodeD zunächst W.s liste, die aber 

Dicht voilslaudig ist. 

ahd. (ßhd. nhd. tütent für düseiit^ abd. tösm für dösen, 
ahd. mbd. UßU für däu, mhd. täl» für d«tt«. 
mhd. HtUtA fttr drafidk. 

ahd. tunkön für AiilIrcJn, mhd. für d^el 

ich füge hiozu : ahd. tasca neben (fosca, ahd. tosto neben t/os/o. 
überall bandelt es sich um dir Vorbereitung pinf^r straffen muod- 
articulation « welche schon in» wortanlaut sich geltend macht, 
auch für das ü la tüUe neben ahd. dola^ für das mm \u trümmer 
oebeo mbd. drum, sowie für das (geschärfte) w in mhd. touwen^ 
tm neben abd. dauwin, dou wird man ^bnlichea eiDflnse an- 
nehmen mllaaen, der naillrlich früher einsetien wird« als er in 
der ecbrifl zu tage tritt. — aus W.a veneiebnis bleiben dann 
nur noch trübe und traben übrig. 

Eine vorldnfiirp durclinnistonmp drs f.exer beslrltij^t meine 
Vermutung : bei dienen und dingen^ bei degm und ätep, dube 
wird man solche» schwanken zwischen d und / nicht ünden (von 
sandbierscheinungeo wie gotes tegen usw. natürlich abgesehen), 
wol aber bei dMler, dßitti, ddud^ dSne : hier aetst sich spater 
die form tibne fest, tünken u. bes. prat tMe bab icb gani gewis 
öfter überliefert gefundeo, awiscben diuhen und tiuken (dazu subst. 
teuchte OvWolk.) Iierscht — in obd. hss. ! — eine beständige 
Unsicherheit, ebenso zwischen dien ntul tien, (igen 'saugen* (ge- 
schSrfles j, vgl. ohnn geschärtles w hei douwm — tonweti). auch 
tonner uu(i luustay neben doner und doneiüag gehüreo hierher, 
während in tonder^ tuuder junge dissimilation vorligt. — aus dem 
mnd. notier icb tut und Uudrn und ferner H {tig) 'gemeindeplats': 
ist das wort, wie man wol allgemein annimmt« mit thin§ ▼erwant, 
gebt es also auf *thih, *thinh zurück, so stellt es eben denselben 
Wandel des anlauts dar, wie die oberdeutschen täht und tdhe. 
dass icb die sache richtig formuliert habe, will ich nicht be- 
haupten, gewis aber verdienen meine beohachtungen weiter ver- 
folgt zu werden : die perspectiven, zu denen sie führen, und die 
aufecbiüsse Uber die ualur gewisser laute, die sie zu versprechen 
scheinen, brauch ich nur anaudeuten. — dass die gleichen er- 
wlgungen bei anbutendem p fflr b (§ 79, 1 s. 100) eintreten, ist 
seibstTerständlicb. den tr <^dr entsprechen hier pr und p/, die 
aus der gleichen Unsicherheit entsprungen, aber gelegentlich auch 
wie lü pritsehe, -phm (<< Hohe, vgl. loA» -< drfAe) unter dem ein- 
fluss der harten < niisonanz des inlaut«; festgeworden sein mügeu. 
für fnkal und posaune, pih und polaler, pochen und purzdn 
kommt diese allein in beUachl. — und noch eine andere Ver- 
änderung von anlautendem 5 führ ich auf die nächstfolgende 
Gonsonana turOck : das w <C ^ in loma, dem weitverbreiteten 
hundenamen TFosssf, älter Basser Matrator' (Walther Nd. korrespbl. 
3, 41), dem bair.-(lst. Wostum, WaUl ist mir (von den bei Weinhoid 

2» 



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WILMAHNS DBOTSCHB GBAUMATifc 



Mbd. gr.'8.17S veneichoeten und ihnlicheo dialekt encbdnniigen 
abgesehen) eben nur bei benachbartem (stimmlosem) i bekannt K 

§ 85. Bei dem spälmbd. Übergänge des anlaulenden tw^s» 
iiiüsle wol eine physiologische erklSrung dem n!trn Irrtum vor- 
heugon , es handle es sich birr um eine art nachtrab der iaut- 
vei >cliitbuiig. dass Hofforj lui Arkiv f. d. fil. 2, 12 n. lu -e er- 
klarung gegeben bat, find ich auch sonst nirgends erwähnt, ein 
isolierter fall analoger natur ligt in dem namen des ilüsscheas 
Wetz, der an ibm liegenden beiden dOrfer gleichen namens (Ober- 
und Nieder* Welz) sowie der Stadl Witiäar iror : jene heifsen nach 
Arnold Ansiedelungen S. 100 ursprünglich Wetfe, seit 1350 meist 
Wetzfe, dieses weist die entwicklung Wttftar^ Weizßar {\A04 — 1726 
nach meinen belegen), Wetzlar auf : das s stellte sich als über- 
gangslaut zwischen dem dental und drin bilabialen f ein. auch 
der name des flüsscheiis, welches 7 inrilin inilwilrts an der ^tadt 
Wetter vorbei der Lahu zueilt, muss euie ahuiicbe entwicklung 
durchgemacht haben, ehe er tu der wundersamen form Wtitdiaft 
gelangte, dass in den Ortsnamen DmUfiig^ tUphe, iVefpJbe, Ütfi$ 
die lautgrappe tf gewahrt blieb, ligt offenbar daran, dass hier ein 
anderer weg sur erieichterung der ausspräche, das labiodenlale /, 
gefunden wurde. 

§ B7, 1 Ts. '(Iber handwerk s. die wbb.' — fdhrt leider 

irre, nachdem soeben wnier Faul jedr einwiirkuug von aiUwerc 
abgelehnt bat. ein blick in die urkuudeiibucher von Strafsburg 
und Basel genügt, um das alter von antwerc in eben jener be- 
deutuog ('ars mechanica*) su sichern, welche dem worte kantwert 
hier flraher, dort sputer (in Strafsburg erat nach 14G0) fon jenem 
aus sugekommen ist. miwerc hat von der bedentuDg technisches 
mitter aus zeitig die von Hechnischer betrieb und dessen Organi- 
sation' entwickelt, offenbar früher als hanticerc, das iiorb bei 
Notker ausschliefslich *opus manuum', *opus rnafui farfnm' liedeuiet. 
die spätere concurrenz der beiden Wörter bal merkwürdige ähnlich- 
keit mit der von 'fabrik' (atitwerc) und 'uiauniactur' (hantwere). 

§ 98. *€kt fOr /) . . . gilt allgemeio im as. und niederfräo- 
kischen' ist suviel gesagt, denn der Heliand kennt eben den 
Übergang (mit ausnähme von C 38 erakt) nicbtl — darsn, dass 
mhd. eintrw^t tu abd. eintraft, efyiiraftt gehört, wird trotz Franck 
to«t7uhalten sein; sein hinweis auf mnl. Over een draghen (der 
durch die gleiche redensarl auf nid. boden , Lexer n 1490, er- 
gänzt werden kann), behält aber interesse für den bedeulungs- 
wandel und die einbUrgerung der neuen form. — dagegen 
würd icli schluckt streichen oder doch mit einem fragezeicben ver- 
sehen, das wort kommt als oberdeutsche llurbeseichnung vor: 

' vieüeicht ist aber aocfi walz, Wf(- frir den zuchleber (Sclimellcr-Fr. 
u lü5b; Vilmar 442 f) eine ähnliche kosetorm zu bSr wie baU^ beiz zu bero 
und spati zu sparo; wH» an4 bei* wären dann doppelfomeo fttr beide, 
bSr QDd ASr, ihre verteiloDg auf den eher oad den hiren erst secoodir. 



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WILMAMIS DgDTSCBK fllUllllATIK 



2t 



Schweiz. Sluocka, Sluochte bei Buck i>. 243, steir. die Sluchten bei 
Zabo Orteoameobucb d. Steiermark im ma. s. 426, elsäss. die 
SdMdu bei Müiister im Gregorieotal; ist ferner in deo Oeterr. 
Helbiiog-satireo im reim auf nuoht Cnocturnus') bezeugt (leosMT- 
duoht II 1361); vgl. dazu mbd. dniodie Leier ii 992. auch in dem 
ostfräok. on. Schlüchtern, dessen Miteste form (FürstemaDO n* 1349; 
Arnold B, 122) Slnohtfrin lautet, ist es cnflinlten. 

In $ 103 bleibt der ilbergang eines inlauteudeu 8t nacb 
Tocal io st uoerörlert, ußVabar weil er io die scbriftspracbe 
wie in die berscbeode urogangsspracbe keioe aafoahme gefundeo 
hat aher aeioe auabreitoog aocb Uber die grenaeo Alemannieoa 
hinaus macht ihn doch wichtig und inleresaant genug — auch 
für unsere Studenten — , um wenigstens nach seinem alter zu 
fragen, die herschendc meinung (Inrilhf-r srlieiiil <Iurcli Wein- 
holds Mhd. gr. § 206, wo nicht herheigelührl, so rJot h ffstirelegt 
zu sein : W. deutet hier reime wie Erer 1779 laste : yltisie und 
einige ähnlicbe aus Ulrich vZuizikhoveu und Rudoll vLrns (die 
er Alem. gr. § 190 noch anders beurteilt hatte) als hstehU : 
g lascht $ usw. Weinbolds beispiele und seine deutung Ober- 
nimmt OAron Beitr. 17, 251 und fügt ausdrücklich den schluss 
hinzu , dass *die alem. ausspräche der inlautenden H als st . , , 
spätestens am ende des 12 jlis. in Ohun^ gekommen* sein müsse. 
KaufTmnnii , in dem durehgehnden bestreben, dt u srhwäb. laul- 
erscheiijuijgen ein höheres alter zu verschallen, zieht tol<,'erecht 
(Gesch. d. schwäb. mda. s. 194) die Notkerischen Schreibungen 
wunsta neben wuntcta» müta neben müeta, wüta neben toiscta 
and schon ftmnati (al. firmwkitin) aus den Weingartner glossen 
des 9jhs. heran, er Obersieht,' dass die nichstliegende deutung 
hierfür, nSmlich der ausfall des c in der gruppe sc + cons. 
schon von Braune Ahd. gr. § 146 anm. 5 gegeben war. diese 
ekthlipsis i^t wie dif meisten derrjrfigen erscheinungeu über das 
ganze deutsctie Sprachgebiet verbreitet, die allbairischen hss., 
vor allem die des 12 jhs. (wie die grulse Vorauerj, zeigen sie 
ebenso wie die mitteldeutschen (beispiele bei Weinbold Bair. gr. 
§ 150; Mhd. gr. § 210). Konrad vRegenshurg reimt Rol. 106, 2 
asmt'slen : lüt$ [75, 13 H§tm : uiUmügte], Kehr. 15476 wuu : 
lQSt$; Eilard 2825 le sehte : weste (vgl. altes fragm. iv 17); 
der md. dichter der Elisabeth (2S62) und Erlösung (3005) glast : 
r erlaßt, die mit asc ^esche' zusammengesetzten flussiKinna 
heiisen einnÄeits Aschaff (und Asckbach, Eschbach), anderseits 
Asphs^ Asbach; die koselormen von Amoin (einem besonders in 
Niederdeutschlaud häuügeo eigennameo) Asche und Assmann, ja 
schon im 8 u. 0 jb. haben wir ohd. isrä, Asperht neben iserfl, 
Aicpirk; nd. FiMii, Fitlam neben FüeMii,^ Füdaea. ein be- 
weis Ittr das alter der alem. ausspräche st ist also aus jenen 
reimen und Schreibungen unbedingt nicht zu entnehmen, 
der ausfall des interconsonantiscben c, mit dem wir es zu tun 



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WILMAIINB DBOTSCn QBAlllUTIC 



hieben, ist liei Graff tür die schw. piaierita vüü lesken fii '2^1), 
mtsken {ii Sil IT), mvsken (n 8S1), nusken (ii 1106), wisken w lnS2 
Notker), wunsken (i 905 de^l.) bezeugt, wobei die belebe bis 
zum glossar Ja hlDaufreicben. — selbstventtndUeh iil vatar deoi 
gleichen gesicbtspunct »uch dar «lufall eiDes c in le, eioet t in 
M ?or I der aUeitung resp. des sweileo cooipoeitionsgliedeä au- 
zusebeD : die formen fleislich (GrafT ni 776), menHislich (Graff u 755), 
ferner emeslich, geislieh (Graff iv 272), angeslich, die in ahd. zeii 
hinautri ichen , L'euügen keineswegs ab slUlzen für die Schlüsse, 
ZU deiitu hie Aroü s. 250 (§ 35) u. s. 24Ö (§ 2S) v. r wertet. 

Zu § 106, 2 aoDi. (s. 135) erwähn ich, da^^ eiu dem 6^- 
alle <C mitaUe eatgegeogesetzter forgang durch das pfthiacbe, 
rhein- und moselfraok. mü {her, in, ank) tlkr hi% (ib«r usw.) 
(s. Lexer 1 278, weilen belege bei Bftr Urkk. u. acteo i. geach. 
T. Koblenz s. td5 UO.) bezeugt ist. 

In § 107, 2 nnm. 2 darf das n in weniifg. ilhring nicht als 
*nasalierung' bezeiclinpi werden : diese kommt nur laagen und 
hochbetonlen vocaien zu. es handelt sich (insbesondere bei trf- 
ning) wie bei dem schou ahd. eining um die falsche reäUtuüuu 
eines nasak und damit suffixübertraguog. aholieb Ugt die lache 
(entgegen Braune { 128 n. 2J bei dem imilrdi^Mfi des Tat«aii, 
suntaringtm des Otfrid neben sonst constantem simtarig, stmMg usw. 
(Graff Ti 50 f) : hier wQrkt die aualogie der adTerbiaieD tomt^i^iiii» 
artoingtm, hdlintjun ein. — auch meinst verlangt, wenigstens soweit 
es über das alemannische gebiel binaii< v^M-breitel i<f. einf andere 
als die rein laulliclie erklärnng : es ist hier aualogielurm zu mtnsi. — 
für genung (^anm. 3) bat mir ein fachgenosse dieselbe erklärung 
wie fOr einmg, wMtg empfohlen, was ich aber fUr die bochtonige 
Silbe doch nicht ohne weiteres annehmen mochte. 

In § 112 sah ich der dissimilation von mhd. kUumM^vlhd, 
knaul, knäul gern die landschaftlich vielleicht ebenso verbreitete lu 
klAwen (so schon Herborl vFriizlar v. 1040. 1106), klauwm, klatt^n, 
kiaun gegenübergesi»^!lt<: vgl.Vilmar s. 205 und bes. DWh. v 1032). 

§ 1 13. Dass IM kodeTy foderUy füdein der ausfall lir^ r durch 
dissimilation erfolgt, war zu erwähnen, vieiit^ichi emptieiilt es sich, 
hier hürgemeister st. tHrgermeister eiuzuöchaUeu : ein genaues aoalo- 
gou zu gämtiinam st. ^enaaiftrviaii. — davon zu trennen und aus- 
drücklich als niederdeutsch zu bezeichnen ist batdh vgl* >ucb wuuek, 
— auch pkAtti und polier sollten nicht ohne weiteres zusammen* 
gefasst werden : jenes haben wir ohne r aus dem nl. Übernommen, 
dieses 7«'iu't die bekannte «*?itlastiing der <r}i\verrn consonanteu- 
gruppe IUI MH iori, die wir in imiudavü. atoUery.katufJelymaketender, 
Magretchen kenuen, die aber nur in jenem rasch umgedeuleleu 
falter, poUei' schnlbprachlich geworden zu sein scheint, viel- 
leicht durften auch die falschen restitutionen wie JumM, kar- 
ten ua. (s. DWb. V 278 s. t. kattun) erwähnt werden. 

§ 114. Dissimilation ligt unbedingt vor in nMtri, päigrii^ 



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WlLMAIfRS DBOTSCBB GlAlllfATlK 



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törpel — weiter in marmel, mörtel, turlel-, marteln, murmdH, auch 
alem. chiUhha ist bestimmt eine art <lis?;imi!atior) : das r zwigcheD 
(ieu beiden hinteru x war eben dem Alemanm ii iiut rtragiich. es 
bleibt also nur p/^Ofna aus und neben pfrüma zu erklären ein 
*Jp/Hkm6mV weonea wQrklich (mechinben) zu bele^jeu wäre, geuugte 
dafDr Dicht, dann der fall Itfge gaDs anders ab bei wtürberi : aus 
6rtfmien* kann zwar durch dissimilattoD des aolauls (aber die ich 
anderwärts ausführlich handle) grambeere werden (zb. Vilriiar 184), 
aber schwerlich ist irgendwo daraus *bhmbeere, *blombeere ge- 
worden, nuu bietet das alleugliscl)»\ wo in plüme (pl^me) das / 
bereits ganz lest erscheinl, die gewünsclite erklarung ii) pIAm- 
treowy und wir köoueu woi nur darüber in zweifei sein, oli wir 
direct eio deiD eotsprecbeDdes deutsches wort ausetzeu ^, oder m 
dem laogsamen durcbdriogeD des I Dicht vielmehr deo einflusa 
von haiidlern oder klostergürtDerD aus dem lande des plum- 
(ruddings sehen wollen. 

Der mechanischen aiirfn<sung von suffixtausch oder -Über- 
tragung, die sich in § 110 und sonst olfenbarl, möcht ich schon 
hier mit aller beslimmiheil entgegentreten : ich holfe bald zu aus- 
lührlichereu darleguugeu gelegenheil zu linden, für kumil <; 
temiii, Atiiii{<Aänt^ nimmt W. wider ^abertragung eines /-sulüxes' 
an, in tamrn^ sei *-e&» für •enm eingetreten', und doch sind 
diese dissimilatiooen so gut Mautgesetzlich', wie irgend ein Vor- 
gang, den man je unter diesen begriff gebracht hat! dem 'sufHx- 
tausch' geht in der mehrzahl der fälle eine lautliche neiguog, 
ein phonetische Schwierigkeit oder yerlegenheit voraus, in seltenern 
beispielen ist er durch das absterben des einen sufflxes veranlasst, 
das an sieb wider sehr verschiedene gründe liaben kann, um 
mtcb hier sunSchst auf den erAen fall zu beschränken : in uhd. 
rainfam gegenüber mhd. rtinftm^ ahd. nhufwM cooslatiert die 
landläufige auffassung ^Volksetymologie', in nhd. aMäisni, Uhum 
gegenüber mhd. steinin, beinin 'suffliaberlragung*. damit ist aber 
nur das ergehnis und nicht das wesen des Vorgangs bezeichnet. 
10 beiden tollen verlaugten die n-n auf die dauer dissimilation : 
für reinfan{e) ergaben sich verschiedene möglichkeilen, und man 
müge bei Lexer u 393 und Prilzel- Jessen s. 96 nachsehen, sie 
kommen fast alle vor : reifan und reinfa^ reinfal {reifal) und remjar 
(reifar); bei der form f«rin/ar erst seUt die Volksetymologie ein: 
sie fahrt zu rain fahre (GranbOndten), niHfarb (PrisehÜDs Nomen- 
clator), tinfert (Siebenbürgen) und vor allem zu ninfufn^ das 
durch Vorbilder wie steinfam (die bezeicbnung einer ganzen 
reihe von pflanzen, s. Fritzel-Jessen regisfer s. 647) herbeigerufen 
wurde, ähnlich steht es mit sletmn : hier war die ditTereuzieruni? 
"^steilen durch das grundwort, ♦s/eme und *sieitiel durch den 
systemzwaug der sfoffadjectiva ausgeschlossen, zaghaft grilT man 

* dai^egeu spricht, daiw solche composita aiil laiporiitileu uti^luajntu 
wie got. tMfiMfrfti, •t» plümirio» bei ods gar afebt beseagtsiad. 



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WILMAHKS DBOTSGHB GRAIIIIATIE 



ZU Steiner fvg!. ein sUiner slot USiclir. m 560, 8)' — Uüd üuq 
erst erlolgte die 'sufßxübertragunji', «Iii. dt-v aüschiuss an eisern: 
stemem. dieses eisern {harin)y älter isarnin, selbst war eine 
archaische form, hatte aber die neubilduog UaniHt isnin (welche 
an dem n-» tu gruade gieng) Qberdauert. mit ahd. Arätdäin, 
hmHirin, mhd. käbirin^ Imhsrin (WilmanDsii § 328); ferner mit 
5t7&erfit, kupftrin, ir§n, lederin bildete es schon in mhd. xeit eine 
starke gruppe, der nun durcfi ihre (lissimilationsbpstrelumgcn auch 
steinern^ beinern, «pttpr sr/nremcni , hörnern , thönern zufielen, 
unt diesen und anderweiUgen «inbufsen schwand lias lebendige 
gefUhl tüi die allen stofladjeclivä aul -in, -ett, oder vielmehr es 
erftihr eine gewisse einscbrtDkung : durch etsem, kHpfernt silbemt 
dUnit udiutrH^ behum (AJrMm), denen sieb dann sebon frah- 
leitig gläsern und spater jltfAbni, Mtm ingeselU babeo, ist die 
Vorstellung befestigt worden, dass das suffix •em adjectiva zu 
harteu slolfen bilde, während -en für die weichen, zumal die 
webstofTt' usw. zur Verfügung stehe : seiden, leinen, woUm, mmmtten, 
hären, ja kaiiniti'ii. uniiderlicU ist die geschieht« von hör- 

nem, nnl dem wir aus dem regen in die traufe gekommen sind 
und das nun sicherem Untergang geweiht ist. 

Jene erwitgungen Ober die grande einer suffixObertragung 
kommen nun auch hei der frage in hetracht, auf welche Sub- 
strate got« asüus und katih zurückgehn. bei beiden ist ein laut- 
hcher grund für 'lausch des suflixes' ausgeschlossen. eine 
gruppe von tier- oder gar hausliernamen, welche das fremdworl 
tuinus angezogen und ihm ihr l aufgedrängt haben könnten, gibt 
es nicht, vielmehr spricht alles für das deminutiv asellus (vgl. 
auch Luft Zs. 41,242); dass hier gerade das deminutiv gewählt 
wurde, ligt nahe genug : das neue haustier erschien wie ein kleines 
pferd. bedeutet doch auch temtfo nicht blofs 'kleines kind*, 
sondern *ktnd*, 'kleiner mensch' usw. — neben got. katili^ SD. 
ketiü, ae. cetel, abd. cÄcf?»7 steht ahd. che^:;in, che^:;i , ae. cete 
(vgl. lV)g;it>( her QF. 64, <f301; aus spSlertT zeit ist ;ib{l. 6eccÄI», 
buehi zu vcrglt icben). wovon mjH Im i die aureguug zum 'suftii> 
tausch' ausgegaugeu sein ? die uanieu von instrumeoten wie ahd. 
meisfil, driscil, fe^^^il, zugil^ siö^il liegen nicht besonders uahe 
und sind ttberdies fttrs gotische unbezeugt. von den gel^fsnamen 
aber, die doch zunächst in betracht kommen, steht fi^lich einer 
recht nahe : tkubil — aber der ist eben lat. cupellus und steht 
zur (früher entlehnten) chuofa (» cdpa für cüpa) im selben Ver- 
hältnis wie der the^^il zum che^^in. die Westgermanen haben 
nulhin von den Hörnern grofse und kleine ke<sel (cntnii und 
caUUt) ( iitlihnl, ähnlich wie wir Deutschen rupaf umi cupelli; 

* diaitktiach sind diese slofladjectlvn auf -er bciir vcrtucitel, aber da 
ftie »ich Dichl nur nach n des wurzeiauslauts finden (bm. üser krit* 
•eisrrii kl« 1,7 . ^trafsb. 7.«vr niö), so wird wo! auch erleichterunfr einer seh« rrm 
coii»unanieii^ruppe im oachloo mibpieleo. richtig deutet W. 152, 4) albern 
als falsche reslitalMHi nach dem maiter von «Ctem nsw. 



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WILMANNS DKUTSCBB 6BANI1ATIK 



25 



die GoleQ und Nonilünder dagegen !)eschranklen sieb auf die 
kliMiiern gelalse tesp. dereo beueuauag, etwa wie )»püler die 
Deutsctieo bei la^ella. 

Die ?i-di$similatiüü spielt auch in capilelo der flexioos- und 
wortbilduogslebre eiue grOfsere rolle» als man ihr in der regel 
antiebl oder SD|^Mebt« & titeo, eiost sehr lahireicbeo scbwacheD 
femioina mit Mbleiluag sind iin mhd. grobeoteils, im nbd. fui 
ganx geschwundeo, soweit niclit der ableitungflailbe dauernd eio 
DebeDton lerblieb. sie haben sieb auf ganz verschiedeoe weise 
um den zwan^ herumgedrückt, dass ein n der ableitung mit 
einem n der flexion in häufige nachbarschaft kam. bütte, kette^ 
küche, mühle, ipiitte, stlddeutsch fresfe, tege\ weiter wüste , bürde, 
Imse, lende^ herie, lüge sind hplp^p für die beliebteste form (kr 
entlastung. (für die masculina bietet der Uberlritl von hahn und 
schwan lu die t-decliiiatioii ein gewisses analogon.) aberiritt in<i 
masc. wie bei mhd. oräen <C ^hd. uräma war ein anderer aus- 
weg. ein dritter war dissimilation des n der ableitung zu /: 
ahd. ar^ala ist aas einer flexion zu erklSren , wo dem oom. sg. 
Organa ein orgamm ^ offakM aller flbrigen formen gegenOber- 
stand. so leit icb auch mhd. nbd. /orMt (fmrh), fordk fttr ahd. 
furkmM nicht, wie es seit JGrimm im Widerspruch mit dem coo- 
Staaten weibl. gescblecht geschieht, ans einem deminutifum ^far^ 
henU ab, sondern aus dem paradigma : nom. sg. forhene — alle 
übrigen formen forhelen. — auch das iipbeneinander von mhd. 
lÜÜl^ene ae. Seafola, ae. Heodena mhd. lietele mOcbt irl) so erklfiren. 

Auf s. 151 (§ r22, vgl. auch § 232) les ich nicht (^hn. be- 
fremden : iieurat liät sjcb bis ins nhd. erhalten; vgl. van iielleu 
Beitr. 20, 508 ich muss dieser ueusteu lusceuieiuug eines alten 
orthographischen spuks etwas näher treten, die ältere auffassuug 
war die, dass in Aeiiral eine entstellte Schreibung vorliege, mochte 
naan nun den gerundeten diphthongen auf ^vomebme Schreibung', 
Volksetymologie oder einen laatprocess zurOckfObren« ich glaube, 
dass alles drei dabei im spiel ist. zunächst die t- und s^feind* 
liehe natur des betr. r^autes, wie sie im 16 — 18jh. auch sonst 
zu tage tritt, icb erinnere an gebürrfe und feuerabend, an das 
iiehrneiunndcr der famiiienoamen hing Eiring Euring , Viering 
I'einnj teurmg ua. demnächst etymologische anlebnung an 
heuern 'tinen contract schliefsen', vm« mau denn geradezu ein 
verbum heurm ^heiraten' neu gesciialleu bat (DWb. iv 2, 1291). 
üchliefslicb bat die ofhcielle Orthographie, wie sie einem scliwaukeu 
gegenüber gern die gerundeten vocale bevorzugte (irdrde, AdZ/eua.), 
zeitweise auch die Schreibung keimi zugelMsen, die vor dem 
16 jh. niemals zu belegen ist und auch in altern Schreibungen 
nirgends einen anhält findet. 

Nun kommt aber van Helten mit einem trügerisclien fünd- 
ein : *mhd. hiuitiure\ construiert alsbald ein ahd. *hiurät und 
sieht dessen directen spross in der nbd. Schreibung Aetiro^. wenn 



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wiLMANr» DBmcn gbahüatik 



mir neben ausnahmslosem und zwar hund«'rttacli zu belegeudem 
htrdt {hib'cere, hiUich usw.) der ahd. uod nihil, zeil ein einziges 
hiusliure präseotiert wird, so werd ich als philologe voo vorn 
herein darin eine der beluinnten vncelanüdpalienen des sehreiben 
vermuten und die form jedesfalls mit drei frageieichen Yereehen. 
die sache ligi aber hier noch weit einfacher : jenes iine kkutmn 
nimmt van Heltens gewährsmann Lexer aus Partonopier 18499, 
wo es der herausgeber Bartsch — für hawttewre der hs. in den 
lext gesetzt hat. also auf hüsstiure führt, oder vielmehr dieses 
bei Leser und bes. im DWb. genügend bezeugte wori bietet ge- 
radezu die iiaudi^chrift ! 

§ 123. Zu dem isolierten schick&ai des w in eibe <. iwe 
(das ich aber voo abenteuer doch trenueo würde) gestatt ich mir 
eine Icleine bemerliung. wenn sich die Schriftsprache in diesem 
einen fall an diejenigen dialekle hielt, welche das intervocaliscbe 
IS als b conservieren, so geschah das natürlich, weil ihr das con* 
tractionsproduct eie oder vielmehr et (vgl. frau, au) widerstrebte, 
deutsche dialekte (vgl. Pritzel-Jessen s. 396), so insbesondere die 
schweizerischen (Schweiz, idiot. i 612), zeigen das i, et vielfach, 
slrt'luMi aber auch nach erweiterung der form, wenn sie zb. gern 
das dem. di, eili, ()d«'r Ibaum, eibaum; thsche uä. anwenden, dass 
dieser alle deutsche waldbaum in mancheu gegenden; ohne gerade 
ausgestorben su sein, nur noch unter dem ^tein. namen Haxus' 
bekannt ist, hftngt xwar in erster linie mit der gartenkunst des 
17 und 18 jhs., aber doch wol auch mit dem lautlichen serfiill 
seines deutschen namens zusammen. 

Vieles einzuwenden hält ich gegen den § 158, der unter 
dem Stichwort 'ekthlipsis' sehr verschiedenartige erscheimingen aus 
allen Zeiträu