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Full text of "Allgemeine encyclopädie der wissenschaften und künste in alphabetischer folge von genannten schrifts bearbeitet und herausgegeben von J. S. Ersch und J. G. Gruber .."

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4 u C S. T. (U) 




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Allgemeine 

(SnctyflDpäbie bcr äBiffeitfc&aften unt> Äftnftt 



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^ i i fl e m e i n e 

6 n c d ( I o M M f 

!■ t r 

äBtffenfflafteit unt» Äönfte 

in alpbo^etifc^er gplge 

»Ott Genannten (S^riftfteUern bearbeitet 

unb l)etau«<jfgfben »on 

3. <§. @rf(^ unb 3. @. ©ruber. 

ÜJltt Äupfern unb Sparten. 



<£ r fit e 8 e c t i o n. 

A — G. 

«^ermann ©roifl)au$. 

günfunbadjtjißjlcr Jf>eü. 

GRIECHENLAND. B. Griechenland im Mittelalter und in der Neuzeit 

(Christlich-Griechische Kunst III. und IV. Abschnitt — Geschichte Griechenland!) vom Beirioii de* Mitt 

bis »nf unsere Zeit L und II. Periode.) 

5. 8. »teifhoa«. 
1 86 7. 



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AI« 




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- 



21 l 1 g e m c t n c 

(Snc^flopöbie bcr Söiffcnfc^aften unt> Äftnfte. 

(Srflte Sectio«. 

A-G. 



Sünfunbat&tjtgjler Jbcil. 

GRIECHENLAND. B. Griechenland im Mittelalter und in der Neuzeit. 



und IV. 

bit »nf uu.ere Zeit. I. und IL Periode.) 



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I 



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GRIECHENLAND. 



B. Ortrtirnlaub im Mittelalter unb in ber »fwjfit. 



<Z\)xi$U$*$xitä)i\ä)e ober bpjantintföe Äunfl. 

(«rdjiteftur, 6fulprur unb SKalerei.) 



HL «bfdjnftt. 

öetfalt »er »»jantiaif*" ftgnfi 

A. evcn trf Strfall« »or k(t fftflürmuitfl son 
«onflann:: f :[ f.irrfj Mf Sateiiwt. 

1) Htfa4(« »r« Setfall«. 

SBir baben bf«ber bie bpjantinifd)e Äunft nur r<on 
fbrer günfrfgften geite berradjttt, oljne nodj barauf bfn. 
juroeiien, welche Jtefme be« Serberben« in ber ©tili« 
SBurjel fafjten. 3nbem wfr nunmehr un« anfdjitfen, 
ba« Oemälbe, weldje« fid> w>r unftm äugen aufrollt, 
burd> bie Sdiilberung be« Untergange« bet bojantfnffÄen 
Jhinft ju »eroollftdnbfgen, fdnnert wfr bod) nic^t efnfad? 
bri bem 3«1)unfte fortfahren , bi« wofjin wir bic 6<ibil* 
berung ber bpjantinifrfcen Äunftentwirfelung geführt baben, 
fonbern »fr mfiffen fn bie frühere 3fft lurüdgreifen, um 
ben ciftcn 6puren M Serfall« nadjjugrhen. 

») SttraBgniffr naa> 3uflinian'< Zeit. 

SJafb nad> 3ufHnian'« Job« geriet!) ba« oftrömifd)c 
Reid) in Sebrdngnrff«, von weldje n e« ftd) nfemal« wie » 
brr erholen fonr.tr. 3uftfnian hatte feit Ö54 burd) brn 
Sturj brr oftgotbifebrn jperrfrtaft wirberum feine ÜJfadu 
in 3talien befefrigt; aber fdjon 568 brad>en hier bie 
Songobarben ein, unb ben ®rfed>en blieb nur ba« 
Grardtat Ravenna unb in Unteriiafien ba« £erjogtbum 
Neapel, »on bem fidj etwa ju «nfana be« 9. 3ahr» 
bunbert* aud) notfc «aeta unb amofft unter eigenen 
Arrjögen ablöffen. Sirilien blieb ben ©rieben, bi« e« 
828 «on ben Sarazenen erobert würbe, bie bann balb 
aud; in galabrien einfielen unb Sari eroberten. 3m 
Cften hatte jd?cn (Sbe«roe« L RufAirwan (531— 579) 

«. «ICVtl. t. 0. » JL «ritt « , cd QU. LX XX V. 



Wfeberbolt bie ©riedjen befriegt. Dann war ba« Reid) 
ben (Unfällen ber »r-aren unb Slawen au«gefe&t $fefe 
bemädjtigten ftd> fegar unter SRauritiu« 589 be« UWo« 
reime? r unb n it burd) bie Unternehmungen brr Äaifrrin 
3«ne unb ifjrer Radjfolger bi« auf Safiliu«, ben 9»a» 
reponier, tonnte berfelbe wieber ber grirdüftben $errfxbaft 
unterworfen werben. Xfe flawifd>ert ftttxt gaben ber 
.jSalbinfel ben Warnen be« SWeer'Sanbe«, SRorea *)• I>i« 
$erfer eroberten wahren* ber Regierung be« *J?bofafl 
(003—610) unb feine« Sohne« $erafliu« (610—641) 
üRrfopotamien, €tjrien unc Haläftina, unb belagerten fo» 
gar 618 gemeinfcbaftlid) mit ben «oaren 6onf»antinor>el. 
2)od> nahm ber Ärieg feit 622 wieber eine glürflidte «Ben. 
bung, unb ber grofie Siejj bei ben Ruinen non RinWe 627, 
in golge tteffen bie ^aierbauptftabt Dafdjtagerb erobert 
würbe, ftellte bie alten @ren}en wieber ber. Run aber 
brangen bie mub/ammebanifdjtn Straber unter bem Jffea« 
(ifenCmar, bem drnir a( SRumntim, feit 635 ein unb 
eroberten rafd) nad) einanber ^aldfttna, (Sprien, Slegppten 
(640) unb ?JJerften (642). Sud) (Sonfiantinopci würbe 
t>on ibnen wfeberbolt, obwol »rraeblid), belagert (6(59 
—676), unb erp 8eo III., bem 3faurier (717 — 741), 
gelang e«, fie entfdiieben jurücfjufcblagen. 3)od> blieb 
Slfrifa unb 6prien feitbem für bie Wriedten »erloren. 

Diefe ereigniffe hatten junädjft bie golge, bag bie 
bpjantmifd)e Äunft betrddjtlidie ©ebiete einbüfite. (^inen 
gropen Ibeil ber ituuftfcböpfungen alter unb neuer 3eit 
traf in ben r>on geinoen bebrdngtrn Wnbern SJerroüftung 
unb Untergang, nidjt blo« burd) bie mit febem Äriege 



1) lifir «on ,vj|lronarri .^r>Brlli( 0rfttrun<| ti 

«"«»Ii« gl ntttlAM J« aflrtW«*»! «aWtM« »»« »tr 3»*t 



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GRIECHISCHE KUNST 



2 



— (III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



unvermriblid) verbunbenen Berberrungen, fonban in«* 
befonberr auch r-indi ben gviiuii«mu*, mit bem Werfet 
unb Wufummcrancr viele .frelligtbümer ber cbrijtlicbcn 
Bölfer ba 3erftörung iviit-;.-n ober bem Dienfte bei 
neuen {Religion übergaben. 

iSine bcfenbcn SJicbtigfcii abiclt aba bie mubam« 
mebanifdte (Eroberung baburd), bajj in btn von ben Ära« 
brrn in Befu> genommenen GkbUtcn ftdi auf ben vor» 
gefundenen ©runDlagrn eine cigenthümlia)c Äunfjt be« 
3«lam entwidelte, bie oicCIric^t auch wieber eine gcwiffe 
9lücfwirfung attf bie bvjantinifcbe Jtunft geübt bat. Da* 
bei hatte ba« bvjantinifdje Heid) im 3nnem unter bem 
allgemeinen Drude ju leiben, ber bie Äraft De« üantee 
ericböpftc unb nur feiten Den Jtünften be« gtieben« freien 
Spielraum gerodete. 

b) ^rmmuiijo >tt d<t|tigtn Üetwn«. 

So war ba« geographifcbe ©ebict für Die bvjantinifcbe 
Äunft aufierorbentlict) ringefebränft »rorfen. Jlber auch 
auf biefem verhältnismäßig Reinen Boten wirften mebrae 
llrfadjen jufammen , welAe einer grbeiblicben (intfaltung 
berfelben binbalicb fein fonnten. Die beftdnbigen Äricge, 
bie wbarenben 3üge ber Barbaren, bie Ungeheuern 
©elbjablungen, mit benen ber griebe immer unb immer 
wicra von ben gclnben erlauft rourbe, mufjten ben 
®oblftanb be« Bolfe« untergraben, fobaf bie Jträfte für 
bie Jcunfir bei grieben« crjcböpfi rourben. Daju fam 
noch, ein tiefer Urgenter ©runb. Schon bem 3uftinian I. 
ift e« jum Vorwurf gemacht worben , er habe , um feine 
prunfrnben unb foftfpieligen Unternehmungen aufführen 
ju (önnen, nicht nur alte metallene Jtunfhverfe au« 
befferer 3"' flro|jer 3«t)t eingefajmoljen unb bie 
Sleuerfräfu ber llntertbanen auf Da« fleujjerjrr ange« 
ftrengt, fontem auch ben tebrern ber fdjönen fBiffeiu 
febaften aller Orten itjre ©ehalte endogen unb baburd) 
Da« (fingeben ba Bilbung«anjialten unb ba« $crein> 
brechen ber Barbarei herbeigeführt. 3" ber Iba« f'ben 
wir bie Barbarei in jeber ,v> in ficht übahanb nebmen. 
Die Literatur wirb äufcerft bürftig unb profaifeb. Bbilo» 
fopben unb Äebna gibt e« nicht mebr, unb bie legten 
Siebter erfcböpfrn fid) in froftigen (Epigrammen unb ver* 
fiftrirter Brofa. Iii ©efebiebtfebreiber finb nur nod) 
trodene Gbroniften unb (iompilatoren von iVarbridjtrn 
über Ältertbüraer , "SRerfwürDigfeiten unb (faemoniel bei 
dbof unb in ba Jfircbc; unb nur nod} ba« praftiftfer 
Bebürfnifi gibt einigen mebitinifdien unb utatbematifeben 
Scbriftitellan Stoff, («benfo verfallen bie Sitten. Wehr 
unb mebr treten Auge be« Slberglauben«, ber Xreuloftg- 
feit unb ba ©raufamfeit hervor. SBiDrfge SJinbe, weldje 
bie Broviantfdjiffe am einlaufen in ben $afen binban, 
waben ber Berietjung einer gigur ber 2vd>e r.ugefd)rie* 
ben, baen gui auf einem Wadjeu fiaitc Statuen unb 
anbere« Bilbwerf, bereu Bebeulung mau nicr)t mehr 
vajtebt, gelten für geheimnisvolle Drafrl fünftiger Xinge, 
unb man macht e« einem Äaifer )uni Bonvurf, bafi er 
3ieaathcn von allerlei Übiercn r ntfrrncti ld^t, weil burd) 
ue, einen angeblichen Xali«man (nXiöitma), ba von 
flpolloniu« von I^ana aufgehellt fei, bie Stabt vor 



Schlangen behütet Korben wdre. Die Treulofigfeit ba 
©riechen wirb bei ben 9lu«ldnbern \\m Sprüd)Wort. 
Tie Äaifer unterhalten ueb mit ©auflern unb ben a* 
bdrmlichften Beluftigungen, unb ba« Bolf liegt Xage 
lang in ber Strnubabn unb wirb in ben Raufen auf 
öffentliche Jfofien gefpeift, bamit efl ba« SBagnügen voD' 
ftdnbig genießen lann. ©raufam werben bie Äaifer im 
gerechten SBefrrafen Sd)ulbiga, wie in ba Üluflübung 
ihrer 5Kad)e. Sf ugenauflfted)en , SBafrümmelungen unb 
mit Änitteln ju $obe prügeln ftnb feinr«weg« unge» 
wohnliche erfebeinungen. (Sin 9carfe«, ein gelbhea be« 
!Blpfa4, wirt lebenbig verbrannt, unb auf bem gorum 
be« üauru« ftanb ein chana Cchfe, ber ju foleben 
©reuein gebient haben fotl. 3uftinian II. wirb geffürjt 
unb mit abgefebnittener 92afe in bie Verbannung gefd)idt, 
unb e« gelingt ihm troftbem, wirber auf ben Xpron )U 
fommen, ben a mit entfteUtem Sfntlib, frvorpsths, nod) 
3ahre lang behauptet. Selbff ber gefdilagenc unb ae» 
fangene geinb wirb bem fd>aulufligen Bolre unter rat« 
würbigenben Zeremonien vorgeführt. 3>abei ba hoblfte 
^runf. Sßenn ftd) ber Jtaifer in feina «Dtajeflät jeigen 
will, fo fet)t er ^d) r)fnift einem ffiothange auf ben 
Zbrcn, um bann p(ö^(i<b. «»-i-n:; ba Borhang »urürf« 
gefd?lagm wirb, in vollem ©lanje \n afcheinen. grembe 
©efanbte müffen ftd) Vor bem JfaiieT ju Boten werfen, 
währenb fünfiliche Vowoi fid> rmpoaerfen unb brüden, 
unb fünfiliche Boge! mit ben glügeln fdjlagen unb 
fingen, unb wenn bie ©efanbten ihr ©eftdjt erheben, fo 
febwebt ba Shrou mit bem Jtaifa ho<h in ba Vurt. 
•«ut't minba al« feldje Äunftjtürfe follen bei geierlid)' 
feiten prachtvolle unb reiche ©ewdnber imponirrn, bie 
bem $»fftaat au« ba faifalieben ©arberobe geliefert 
werben. Slber fte ftnb alt unb abgetragen, verblichen 
unb jerfe&t. 

Sa« ftnb bir 3uftdnbe, jumal in ben brei legten 
3ahrbunbcrten vor ba lateinifdjen (Stoberung, unb unta 
foldjen Berbdltniffrn fann man wenig für bie Jtünftc 
erwarten. Da« Steifte gefebab nod) für fie von ba 
©eifilichfeit, aba aud} tiefe afcböpfte fid) in Barteiun« 
>v« . fotoie in Jtdmpfen mit bem römifebrn Stuhl einer* 
feit« unb ber weltlichen Warbt antaafeit«. 

3« bem allen fam enblid) nod) ber verbdngniüvolle 
Bilberffreit, ba aller fünfUerifcbcu Xhdtigfeit ein @nbe 
ju machen Drohte, unb fcblfrjjlid) gwar ju einem gan| 
entgegengefe^ten 3fe!e führte, aber bodj für bie leben» 
Dige gortentmidelung ber Äunjt im höd)fien ©rate ver« 
terblich würbe. 

B) Tin »ift«ftr«it. 

d« ift faum baran ju jweifeln, bap ber llu«bruch 
te« Bilbaftreit« hauptfächlich burd} ben Borwurf ba 
©ößenbienaei vaanlaßt worben ift, ben bie SHubamme» 
bancr gegen bie ßbrißeu wegen ba Baehrung ber £ei« 
(igen erhoben. Diefer Borwurf hatte fcfjr viel ©runb 
unb bie bilberffürmenben Jtaifa waren jum Jbeil ftdjt» 
lieh von einem reblirheu Streben geleitet, verwerfUcbe 
Wi«brduche unD gefährlichen Aberglauben w untertrüden. 
3um Shfil oba fcr)etnt fid) ba« ©ewanb be« Bilber» 



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GRIECHISCHE KU N IST 



— 3 



— (III. ABSCHN. VERF. P. BYZ. KUNST) 



fircit« ein Jtampf uui bic .jperrfebaft jwiftben ber weit* 
liefern nur geiftlictj en ©ewalt, jwifd>en Äaifer unb H'a* 
triareben gctleibet ju haben , ber Ha, wie im Abenblanbe, 
auögefodjten werben nnipte, bin' aber eine anbere ©cftalt 
baburd? erhielt, bafj bie beiben tämpfenben Wachte an 
bemfelben Orte ihren cip hatten. Daher, unb nicht 
allein au« bem brobenben Serluftc einer Sefd)dftiguii(j, 
bie ibnen ben r-cben«unierbalt gewährte, erflärt fia) bie 
allgemeine Cppofttion ber Wöncbe gegen Die 3Ionuflafren ; 
babet aud) bie Cppofition be« römifdten »Papftcfl, ber 
felbft um bie «Suprematie mit bem Jtaifcr rang, aber 
eine jweite aeiftlidje Wadn von gleidicr «Setbftdnbigfcil 
im Orient feinc«weg« bulben wollte. 

Wad)bem ber 3*lam alle unb iebe Abbilbung leben' 
ber Sßefen unterlagt hatte, würbe bie förage um bie 3u' 
laffung ber $eiltgenbi(Drr von Beuern ernftlidjcn Di«* 
rufftonen unterworfen. Da« öfumenifdje (Soucil von 692 
fanetionirte jeboeb bie firdjlicben Silber autfbrücflid). Aber 
j'cbon $bilipm'ru0 Sarbane« erlief 718 ein ©efrg gegen 
biefelben. tiin heftiger 3Bibrrfprucb erbob fid) alöbalb 
nicht allein auf bem (Soncil, welche« ilapft Gonftanlin nod> 
in bemfelben 3abre ju Wom hielt, fonbern auch von Seiten 
grtetbifeber ffleiftlidjen. Der offene Jtampf um bie Silber* 
verebrung brad) jebod) erft au«, al« £eo ber 3|'aurier 
von bem Sifdwfe Irjeophilu« von Wifolia unb einem 
getauften Wubammebaner, Kamen« Sefet, gewonnen 
war, bie Sefebrung ber 3ubcn unb Wubammebaner ju 
betreiben*). (Sr mujjte balb erfennen, baji bie abgöltifebe 
SJetebning ber Silber bei tiefen ein unüberjieiglicbe« fiin* 
bernifj ber Sereinigung fei. eben in jener $t\t lief«, Jlbalff 
3ejib II. in ben Jtirdjeu ber ibm unterworfenen Gbriften 
bie Silber vertilgen. 8eo jog be«balb bie jwölf Vehrer 
mit ihrem Cbern, welche ber mit ber faiferlirben Siblio* 
tbcf verbunbenen Uebranftalt vorflanben, ju Watbe. Diefe 
aber erflärten fid) für bie Aufrecbtbaltung Der Silber* 
Verehrung, unb ber Jtaifer trat Anfang« von feinem Sor* 
haben jutfid. Uber fdwn jwei 3abre fpäter, 72(5, 
beäugte ihn eigene Ueberjcugung unb vielleicht auch bie 
au0gefpro<b<ne Uebereinfrimmung vieler Vaien, einen ge- 
heimen {Rath au« ©cifjlid)en unb Senatoren jur <?nt* 
febeibung berfelben grage ju berufen, unb biefe gaben 
ihre 3ufrimmung ju einem (Sbirte, weicht bie Äircben 
bilber verwarf, weil fie eine Art von ©ögenbienft fori' 
festen. 

Der «Patriarch ©ermano« wiberfretc ftd? biefem @e* 
böte auf ba« Gifrigftr, unb würbe barin burd) ben «Papft 
Tregor II., mit bem er fit Sriefwecbtel trat, unterftügl. 
SalD beruhigte ber Jtaifer aud) burd) ein neue« (jbict, 
Worin er etfldrte, ran rr ben ©laubigen feinedwegd ben 
©egenftanb ihrer Serehnuig rauben, fonbern ihn nur 
höher ("teilen wolle, bamit man bie Silber nicht burch 
SetaRrn unb Hüffen entweihe. Allein mancherlei 97eben- 
umftdnbe brachten ben gäbreuben Streit ntm ?in*. 
bruch. D« 9M>fr berief eine •ßrovinjfalfvnobe, beren 
Sefdjlüffe ben «Birten be« Äaifer« wiberfprachen , unb 



f«tt a. *. €. 161 fg. 



ber $rarcb $aulu6, fowte ber <&erwg (5rbilaratufl von 
Neapel vermochten nicht, ba$ faiferlidjc Slnfehcn aufrecht 
ju erhalten; in ben Jtlofierfchulru von (£onfiantincpel 
aber würbe auf baö Aeftigfte gegen bie ünfiajten be6 
Äaifcvd mit allen 3Baffen ber 9rebefunft gefrritten. 

25er Äaifer hob bic beeren Schulen al« Sifce eine« 
aufrübrerifeben religiöfen ganati«mu« auf *), ohne fie 
burch beffere «nftalten ju erfctai, unb al« einige 3abre 
fpäter bie Siblicthef im fatierlid?en ^alafle burd) Äru« 
jerfiört würbe, galt in ber SWeinung be« Solf« ber .Raffer 
felbft für ben «nftifter br« Sranbe«. $11« nun bie Hra* 
ber in Jtappabocien einbrachen unb bi« nach Wieda 
vorbrangrn, unb ein (frbbrbeit bie 3nfrln br« ägdifchen 
3)ceere0 beimfudjte, erfldrten bie Wöncbe biefe (freigniffe 
für Seweife be« göttlichen 3»™*. u«b e« erhob fid) ein 
SlufAanb unter ber Scvölferung be« Archipel«. Tl\t 
einet juh.ieulni glottc unb einem ©egenfaifer, Warnen« 
6o«ma0, belagerten bie Bufrührer bic {»auptflabt, wo 
fie jeboeb burdj ba« gricebifdie geuer vernichtet würben. 

<5rbittcrl trat nun ?eo 728 mit einem entfd)iebenen 
(fbicte hervor, weld)e« alle Silber von (Ingeln, ^eiligen 
unb SMdrwrern bei Strafe verbot unb ben Cbrigfeiten 
befahl, biefelben überall in entfernen. Die« übict hatte 
Anfang« wenig drfolg, ba ber Patriarch ©ermanu« 
baffelbe weber nnterfebrieb, nod) vnöffentlid)te, inbem er 
ebenfo, wie ber ^apft, behauptete, baf nur ein atlge< 
meine« 6oncil über bie Silberverehrung entfebeiben fönne. 
Allein bie Parteien traten immer febroffer auf, uimal ba 
bic überall verbreiteten Weben be« 3(*bannc« $ama«' 
renu« gegen bie Silberfeinbe ba« ftcuer febürten, unb 
im 3- 73(> nöthigte 8eo ben Uarriarchcn burd) einen 
abermal« berufenen geheimen Watb (Silentium), feinem 
Amte ju entfagen. An feiner Stelle würbe ber bem 
Äaifer ergebene «naftaftu« erwdblt, unb von nun an 
erfchienen alle (fbirte über ben Silberbienft al« geiftliche 
Serorbnungm. 

Die abfegung bc« ^arriarchrn enegte ben SBiber« 
fpruch be« $apfie«, unb jugleich verurfaebte bie 3ertrünt' 
merung be« (übrifiudbilbe« übri bem Eingänge ber dbalfe 
einen ^öbelanfrithr, her nur burdj ca« Schwert nieber« 
gefchlagen werben tonnte, unb bie 3ahl ber ^»eiligen ber 
gried)ifchen Äirdje mit ben ffleibern vermehrte, welche 
bei bem Serfucbe, ba« Silb ju fehüpen, gefallen waren. 
3)er ^Japft unb ber «Patriarch von 3erufalem verbammten 
ben Jtaifet al« Äfger, worauf bieler mit ber Sefcblag« 
nähme ber ©üter bet römifchen üirebe In Ualabrien unb 
Sieilien antwortete. 

So begann eine Serfolgung, bie balb ben ßharafter 
eine« Sürgertriege« annahm. Die .Kräftigem unter ben 
Jtaifern fegten Den Jtampf mit ^artnäefigfeit fort unb 
unterbrächen niebt ohne ©raufamfeit Anfang« einjelne 
ben taiferlicben ©eboteu SBiberfircbenbe , bann ganje 
Waffen von bilberfreunblich ©eftnnteu. Wamentlid) wa> 
ren bie SKöncbe bev Serfolgung au«gefegt, fie, bie ft<h 
fiel« al« bie geeignetften SBerfjeuge be« ganati#mu« ge« 
jeigt hatten, unb am meiften geeignet waren, ba« Solf 



3) Thtophan. Chronogr. »d ». 718. «d. Bonn. p. 62S. 

1« 



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GRIKCHI8CI1E KUNST — 4 — (III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



aufzuwiegeln, unb bic übetbir« jum Theil perfonlid) ba« 
größte 3ntereffe an bem Silberbfenfte hatten, intxm bic 
Hivita bir eigentlichen SIBerfjtdtteu brr ijciligenbilber 
iv m f ii unb fclbt't ihre (Jrifteni häufig auf b<m Setriebe 
birfer Jtunfl beruhte. 

Politifcbe *Birt>dtlniffe hatten vielfach (Sinjiuß auf 
ben Verlauf be« Silbtrfrret»«, unb oft ruhte berfelbe 
nur, weil ber Aaifer anberweit friegerifd) befdjdftigt war. 
3ßo fid> aber ein ©lement »u aufrübrrrifeben Sewegun» 

8en faitb, fei e« eine unuifri ebene provinj, fei et ein 
rred)tigtrr ober unbereebtigter Jfronprdtcnbetit, ba gab 
ber Silberftreit leicht tue» Stichwort brr karteten Ber. 
91m meinen fpielten bie Scrbdltniffe «u Sem unb 3ta« 
lien ihre Solle im Scrlauf tiefer Bewegungen. 

titon unter ?eo'« energifdbem Sadjfolger, Uonftan« 
tin III., rem bie Sifberfreunbe ben Ufelnamen Jtopro« 
nvmuö beigelegt haben, fam e« bahin, baß faiferlichc 
£eere bie $rovinjen burdjwgen, bie Silber ui jerfrörrn 
unb bie Wöndje ju verfolgen unb jum Aufgeben be« 
mönebfftben Sebent ju jwlngcn. ffiie viel babei an 
Aunftwetfcn in ©runbe gegangen ift, Id#t ftd) benfen, 
unb n>enn ein großer Hieil ber Jrircbenbilber aud) feinen 
erbeblicbeit Äunftwcrtb gebabt baben mag, fo Ift Doch 
gewiß fielet nid)t verfebont geblieben, wa« ber SBille 
ber« Jfaifer* nicht angetaftet wiffen wollte *). SWan wirb 
fid) fdjwerlid) immer bie ÜRübc gegeben baben, bie Wo« 
faifen tu übertünchen, um fte ju erhalten, wie bat 15 ritt 
be« (üonftantin Jf.opronvmu« von 741 befahl. Aber 
Sonfiantin würbe ju viel weiter gebenben ©cwaltfam« 
feiten getrieben, al« fetner Sdjwefier Wann, Arta« 
ba«bu«, wdbrcnb feiner Abwcfcnbcit fid) in donftanti» 
nopel jum $errfd)cr aufwarf, unb ftd) babei auf ben 
<ßatriard>rn unb bie Silberfreunbe flüfite, fnbem er btn 
jtaifer vor brm Solfr tu einem Jtr&er ftempelte, ber 
bannt umgebe , ben üebren OTubammeb'« unb ber 3ubcn 
auf ben Xrümmern ber* tSfirtficntbum« eine Stätte tu 
bereiteu. Durch biefe fflcwaltfamfciteu unb burch bie 
Sefdilüffe brr Svnobc, welche 754 in Gonfiantinopel 
abgehalten würbe, feilen inbeffen brr SBilJe be« Jtaifer« 
burcbgcfc&t ju fein. Allein fd}on beffen Sohn unb 9tad)> 
folger, cto ba Gbajar, mußte für« vor feinem Xobe 
780 erfahren , baß feine eigene ©rmahlin 3rene briligc 
Silber, benen man ücBunbrrfrdfle jufa)rirb, in ihrem 
Seite verborgen hielt, obgleich fte bei ihrer Serbriratbung 
eirlid) bem Silberbirnfte entlagt hatte. 

Titefelbe Drcne glaubte al« Sormünbcrin ihre« 
Sohne« eine Stube bei brm i ; apftc, fowie bei ber mda> 
ttgen, aber jum Schweigen gebradjte» bilberfreutiblidjen 
Partei tu finben , wenn ne burd) ein allgemeine* tjonril 
ben ©ilberbientl bcrftrlkn ließ. Wadjbem e« gelungen 
pon IFenttantin Jtopronvmjttl eingefejten $0= 
entfernen unb ihren fflebeimithreibet (a Serte' 
ailu« an f '" - " r teile ju feBen, berief fte ein 

bie alten Gruppen, 
in Jtoproniiniu« gewefeu 



tarfcaieMjt» im 3. 763 



waren, vereitelten ihre Abft cht, unb ba« ffonril, ba« fid) 
am 7. Aug. 786 in ber Apoftelfircbe verfammelte, ging 
au« rinanbrr, narhbem bie Sifdjöfe ber faiferlidjen Partei 
ftd) entfernt unb bie übrigen noeb einen 93crfud) gemaa>t 
b,atten, bie 8efd)lüjfe ber vorigen Spnobe ju betätigen. 

Ter Jtaiferin gelang tt jeboa>, burd) iiift bie alten 
I nippen lum 9cad)theil be0 Seid)« ju entwaffnen, unb 
nun berief fte im folgenben 3abre ba0 jwrite nicdifdje 
doneil, welche« wirf lieh ben Süßerbienfi h'eifiellte, incem 
man ftd) bamil rechtfertigte, baß bie heiligen Silber nicht 
«Irftnbungen ber SKaler feien, fonbern nach ben SBorfcbrif* 
ten ber heiligen Schrift unb ber Xrabftion audgeführt 
würben. Vtan verwahrte ftdi aber babei, baß man unter 
ben Silbern nicht auch Statuen vrrftebe, bic allein bei 
ben Reiben im ©ebrauch feien unb adeln von bem erfreu 
SSofaifcben ®ebote betroffen würben. 3ug(eid) fud>te 
man ben Segriff ber ben Sitocrn jufommenben Ser* 
rbntng genauer fetijuft eilen, inbem man fte mit ber beut 
Jtaifer jufommenben $u(bigung vergliA "). 

«brr fdwn bei ito bem Armenier (813—826) flir< 

8cn wieber Sebenfen auf, ba ba« lleberb,anbnehmen beö 
Iberglaubentf einem verftdnbigen Segenten nicht entgehen 
fonntc. @cftüBt auf ein (Gutachten von brei ber gelebr» 
teften @riccben, bemühte er fidt, ben Patriarchen 9?icc 
phorufl jur Hinfd)rdnfung bec? Silberbirnfte« ui bewegen. 
Allein bie ^eftigfrit, mit ber biefer jebc frirbliche See 
haublung vereitelte, trieb ben Jtaifer, ber audj btefmal 
wieber bie Iruppen für ftd) hatte, Schritt für Schritt 
weiter unb ftürjte ihn in einen erneuerten Ärieg mit brm 
Patriarchen unb ben ÜRöncbm, al« beren Jjtaupt Ihec< 
borud Stubita auftrat. (Srft bie (Srmorbung ito't machte 
tiefen Unruhen ein (Snbe •). Sein Sadifolger, Wtdjael 
ber Stammler (820—829), wollte in Sejiebung auf ben 
Sflberftreit völlige £ ultima, eintreten laffen, reifte aber 
bie Sflberfreunbe burrh feinen Spott. Orr bemühte fid), 
bie Parteien iu orrfö^nen unb gugleicb ba« faiferlidjc 
Anfehen ber Wciftlicbfeit gegenüber aufrecht «u erhalten. 
Um aud) von Außen ben oneben «u ftdjern , f u ebte er eine 
Serbinbung mit ben granfrn anjufnüpfen, burd) welche 
er ben Silbcrfreunben bie Stüfl'e be« papfte« »u ent« 
.liehen hoffte, nnb Subwig ber fromme, beffen Serwen« 
buna beim papfie er in Anfprud) nahm, erfannte ba« 
Serjtdnbige feiner Seftrebungen an. Aber et fanb ba« 
unbeftrgbarftr ^inberniß bei Ihcobor Stubila, beffen 
3iel bie gdnjlidie Trennung ber firchlidjrn Hierarchie 
vom Staate war '). Der Sohn SBichael'«, Iheophilu« 
(829 — 842), thflt bie legten vergeblidjen Schritte gegen 
bie Silberverehrung, (hwgen von bem gelehrten unb 
beerbten üeo ©rammaticu«, ber fdjon unter Widjael bie 
Unterhanblungrn wegen ber Silbervetehrung geleitet hatte, 
trat er Anfang« milb auf, unb begnügte ftd), in einem 
(f biete von 832 ju verbieten, bap man bie Silber mit 
brm "Ayu>s bezeichne unb ihnen Serehrung beweife. Aber 
ber SBiberitanb trieb auch ihn »elter. Auf einer Sijiwbe, 



6) MUffi » C. 371-397. 6) 6(btoffer «. 404 
— 490. «Bcsfrn. Mgrai. 91«clifatf}eric. Vitt «iflotie. 9k. 8. 
(«aUt 1770.) C. 4M -467. 7) üaf. 467 — 466. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 5 — (III. AHSCHN. VERF. D.BYZ. KUNST) 



bie Sto ©rammaricu« 833 in ber Stirbt ber Slatbernen 
verfammclte, lief* er bit SilbtTfrtunbf mit beut Wnatbrma 
belegen. Dann verbot er alle rrligiöfcn Silber unb lieg 
fir gtrvaltfam au« ben Äircbtn entfernen, unb juglricb. 
vertrieb er bit l^encbc aus? ben S täbten. 3n bei Set 
folgung cinjelner SWöncbe, Die (ich in bei ftnbdnglicbFcit 
an ba« Dogma ber Silbervcrebrung btrvortbaten , bewie« 
er eine ©raufamfrtt unb SSilifür, bit wenig mit feinet 
fonf) an ibm gerühmten @ertcbtigfeit«liebc barmonirte. 91m 
melflen berüchtigt ifi bie Sebanblutig be« 9Baler* ?ap 
rn«, ben er martern unb balbtobt in einen Äerfer werfen 
lief, unb al» berfclbc na* feiner ®enefung bennoth wie« 
brr )tt malen begann, babureb unfdhig machte, baü n 
ibm bie Jpdnbe mit glübrnbem fiifen \\\ brennen befahl. 
Äur mit l'i'uk entriffen bie bitten feiner ©emablin 
Ubeobora benfelben bem lobe. Äurj vor feinem (Snbe 
mufiie er noch erfahren , tut; 2beobora felbft ber Silber« 
Verehrung anhing, unb er )0g e« vor, barüber gu febroei" 
gtn. 9t flarb 842, inbem er ben Äanijet Ibeoftiflu« 
befebmor, nicht ju|tigcben, bafj ber Silbtrbienfi wteber 
eingeführt werbe "). 

Sbtopbilu« war ber le|>te ber bilbtrftürmtnbtn Jtair 
fer, benn fofort na* feinem lobe nötblgtt Ibcobora, 
bie al« Sormünbtrin be« breijdhrigen SIRiebael III. bie 
»Regierung übernahm, unb ber auger Zbeoftiftu« ihr 
trüber, ber Patriuer unb nachmalige (Säfar Sarbat), 
!.ut Seite fianb, ben bilberfeinblicbtn Patriarchen, feine 
(Steile nicberjulegen, unb berief bie greunbt be« Silber« 
bienfte« ju einer Svnobe, welche bie Silberverchrung im 
Sinne be« {weiten nicdlfebcn ßonciltf von 787 wieber 
brrftellte , ben Patriarchen unb bie ihm gleicbgeftnnten 
Stfcböfe abfegte unb verfluchte , unb ihre Stellen wieber 
mit SRöneben befe|>te. «m 19. gebr. 842 feierte man 
bae geft ber ffiieberbtrfitlinng ber Silber, ba« bie grit« 
ebifebe Äircbt feitbem unter bem »amen bt* gefie« ber 
Crtheborie begeht 9 ). 

Die Hb|e(ung be« Patriarchen Dgnatiu« bureb 
«Plicbael HI., ben Irunfenbotb, brachte allerbing« auch 
wieber ben Silberbienft tur Sprache, aber bie Spnobc 
von donflantinopel , welche 861 ben 3gnatiu« für un* 
würbig rrfldrte, fpracb ftdj bahin au«: man bürft bie 
Silbei allerbing« auffüllen, wenn man ftc nur nicht 
anbete. Da« Serbot ber «nbelung febdrfte Michael III. 
im 3- 866 noch einmal ein, aber halb nacbhtr mürbe 
bir Silberverebrung wirber allgemein unb funb nirgenb« 
mehr SBiberitanb. Da« lebte, neunte, öfumenifebt Peniii, 
von 860, ba« ju gonftantinoptl unter Saftliu« abge< 
halten würbe, beftdtigte bie Sajungen be« ^weiten nicdi- 
febtn donril«, unb babei ift e« bi« auf ben btutigtn lag 
gebliebrn. 

d) Stützt M >«f-ci:. # untre Ux macftontfditn X>vnafii(. 

.Raum von ben Drangfalen bt« Silberfireil« be* 
freit, würbe ba« »eich bura) ben SBabnmib Michael'« III., 
be« ürunfenbolbe«, an ben 9tanb be« Serberben« ge< 
bracht. Wit Wülje fuchte ber Gdfar Sarba« biefem ju 



8) 6c*loffet €. 617 -Ml. 9) 3>af. 6. 544 - 565. 



fieuern. (Sr fiel burch bie £anD be« macebonifchen (Sm» 
fjorfömmling« Saftliu«, ber ben Aaifrr gegen ihn iebüete, 
um bann felbfl in bie gu$fiavfen be« Sarba« ju treten. 
Salb aber fah jich ber neue Qäfar gebrdngt, jur eigenen 
Rettung jum 9Äörber be« Jlaifer« ju werben. So griff 
Safiliu« nach @ibbon'« Hu«brncf mit ber blutigen ^»anb 
eine« fRduber« nach bem Weiche, um baffelbe mit ber 
2Bei«beit unb l'iebe eine« Sätet« ju regieren. 

Unter bem ffltfchlethte ber Wacebonier (867 - H»57) 
würben bic Serbältniffe be« Staate« geotbnet, ber pe« 
loponne« wieber unterworfen, bie Slawen im »orten 
unterjocht unb bie SRainoten in ben wilben Gebirgen 
Sparta'«, fowie bie Sulgarrn unb Staffen jum Gbriücn« 
thiim belehrt. 

Dirfe Periobe war für (»riect'enlanb ein 3eitalter 
ber Seftauralion, ba« ben Älanj vergangener läge ju 
erneuern fuebte. Schon 6dfar Sarba« ho»< »•i^ bem 
Unoeiflanbe unb ber wilben Unwiffenhcit ber gürften 
au« ber t)naf(eifcben unb ifaurifchen Donaftie neb ben 
»amen eine« Sffcbü$er« brr SBiffenfchaften erworben. Den 
gelehrten Photiu« erhob er auf ben Stuhl ber Patriarchen. 
Saftliu«, ber SRacebonfer, übertraf noch ben Satbafl an 
»egentenflugbtit, unb fein Sohn unb »acbfolger £eo erwarb 
fich ben auf Xhronen feltenen Seinamen be« pbilofopben. 
l'e&tever hintrrlieg ben fiebenjdhrigrn Ponftantin, ben im 
Purpur Geborenen, unter Scrmunbfcbaft be« Chdm« 
Slleranber, ber ÜDiutter 3°( u»b bann be« Stiefvater« 
»omanu« ^acapenu«, bie ihren TOunbel 33 3ahre lang 
vom ührone oerbrdngten, bi« 9tomanu« 944 von fei' 
nen eigenen Söhnen gefangen unb in ein Jtlcfter ge< 
fteeft würbe. 3cne 3eit ber IHbbdngigfeit hotte Cionflan' 
tin Porpbvroaenitu« ben Stubien unb ber Jtunft gewib' 
met. Qx galt felbfl für einen geldjicften Waler unb 
leitete nicht nur prrfönlith bie «rbetten ber Saumeijier, 
SHofaifarbeiter unb anberer Äünftler, fonbern entwarf 
felbft bic 3ri<hnungen ju ihren Arbeiten, gür ba« Gbrofo« 
tridinium oerfertigte er eigenhdnbig ftlberne 5 hüten unb 
einen ftlberncn, mit verfchirbenen Stoffen bunt auCgc 
legten Speifettfeh fowie bie 3"chnunaen ju einem 
neuen SHofaif, welche« ben Saal gleichfam al# rine 
»ofenlaubr erfcheinen lieg")- 

(I« bezeichnet ba« (Erwachen be« Selbjlgefükl« in 
bem bv)ant{itifjien Solle, bap um biefelbe 3cit aQmdlig 
bie lateinifche Sptaebe aufhört, bie offStielle Sprache be« 
f>ofe«, btr »egierung unb ber ®efr&e ju fein, tie 
aRünjen waren ungefähr bi« 776 noch mit latrinifcben 
Üegenben geprägt, unb nur 3ahien ober 3eichen von 
aftünftjtdtten famen in g.riechilcher Schrift vor. Unter 
iSerafliu« jetgt fich aber icbon ba« (Einbringen gricebifeber 
Suchfiabrn in (ateinifeben Siörteni, wie umgefebrt unter 
jener 3rene lateinifche Suchflaben in gricchifctKn gebraucht 
werben. (Sinjeine lateinifche gormein erhalten fiel) noch 
Idngtr. (Eine Wünje be« Saftliu« SRacebo hat bei ber 
6bnftu«'gigur bie ^egenbe: rex rognantium. »od; in 
btm deremonialbuchc be« ©onfiantin porphprogenitu« 
begegnen un« mitten unter gricebifeben Signalen be« 



10) Thtofkan. Cont. 6, 23- 11) IbM- 6, 33. 



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— 1 — (III. ABSCRN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



jj* -vi ,-rn 'j'rtwortn. rie l'oio 

- ^icut«xc'>»rati« '•rrctwitjuörr map 
• ;in v,tti>»c«n fei '»oamtnen fcnntc 

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m erbanoi an» übet tun Drucf jb abttxn, Ux auf 
«D« laftrtc. 3>a« »df abtt blifh untnbrütft unb in 
flbn-glaubfn rnfunfro. 6flbf» btr ffiob,l(itanb bffitlbtn 
wutbt bunft btn »ufwanb btt Aoft« unb Mt mit 
StOmetitata vjtfübrtot Strikt jmültrt, unb nainral» 
üb auBCTbalb brr ^au»t<)abt M *«o>« 9 ercictjjf bat 
^«itrali!aacn*tvfitm jum du^nflfn Scrberbfn. 2to btx 
-Bbrtoicpf) bradj(t c« bab,in, baf bie grcibdl ber ©f. 
mnnern gdnjiid; mnictitl »urbf , unb bir golae bawon 
war, baf bie ««fuibuctt unb anbtre cfffntlidjc äÜ«fe 
brt jcnmnrn ttu&tn« t fm gjfrfaO prri«flfflfb»n »orfn, 
ba bxt «famtrn brt SiaaW bie bjafür bfjitimmttn ®d« 
bn lirt« füt3w>frfe wrwanbifn, »eldjc bon ©IcUe »xt 
Äaiter f<tmoa><ltrn unb ben «bjidjtfn be« Acfrt cnt« 
ipradk« »»). 3)a« ungtbrure «nncnbou«, »tT*rt 9)ia- 
mirt dcrnntnu« in donfiantinob«! ftiftde, »ar nur ein 
cumpecni btt Uctä? mfbr. unb f(6»alid) geeignet, 
Mffdbe ren ©runb au« ju beilen. gortmdbrenb «riebn« 
bol: na) tte Älage über Idbmenbe ginanjmatrrtaeln, unb 
buib iruTtm neue unb bräcfenbe Abgaben, balb (Sin« 
jnifie in b«e aufaefammelten Sttw&e ber Äirtben, »elttjc 
«tv>j<n fte Äatfa Qrbirtming bervorriefen '*). 

3» glfiftm tiant rnnriifelte fta? in biefer *4Je» 
rurtK bw Äbb« iJrunfbafi entfaltete fie eine duieie 
i?lutt<. un^ mau fann in mannen Cejiebungen ba« 
■^*mVa BMbrnebaifB, ju antifrn gönnen ber 3>arftel* 
.uavj »urüifcuftbrtn. «an ürl>i fogar noip beute auf 
ixm Murrt *tbc« in ber Jtuppel ber Äirdje, 

^ *Jrw a!# €*üperin be« Eingang« in ba« 
m *tw« 4<w.ti ii, eine mnhpürbige Erinnerung 
*u :« 1S^ms4 «IreTtbum«. Aier tbtont 3Raria 
mti jc-n ^>rt"i«*f:al« . umgeben niajt allein »ob ben 
>m cNnira ^a^tlÄvrra «ab rerittiebenen $erfoBtn be« 
wn «*f »a« Jftimirf, fenbern au<b von einer 
;-. -.-c ?c! iSc'f7. nnr fllarc, flnfirtfltö, 

^viim . ><t *a«Mt." ÖMea „ba flhlolog," gopbc' 
»«♦ Nr »«\ iJwv?i?d<< „Nr ftbtic.»o»b" unb 
IS««** vntcurm ber SäKexfdstftt« unb Äünfte, 

■««itc «fci«« #var# ^iNgirag Mrbringnt. 

£t >»v«<ib «araAii äubÄ, jinnal um er 

N» •■^^^• c^.■«■^Jfv , » £>«vcot Nt<TitfBbe (n)ruBgen, 

N« .VvitvNr* >wrsff Jw <xt3n XraBaiicraten anttebt 
>'»c > jS.wtttCvnulo err^t brm «< mit ben'dben 
ikviiw \tuni »iv Jtk ^ra*t NtVr jcu mit Zitaten 
i ij" 1 <S{\\n."\ni*uitH^ . •^ri'vJvT ttara Bberbänri ijt. 
iNMk'N'« h m ta m >r >rwT8 IVt^Hf fni* 

N>>» ^<t »tv v fr»vH im* *uno3B*f tsaer Btebt beitrrn 
"*> x » ift*«v ä «mb B « «« ,e» Samt, wie 

\. n v c„,.< .nuva&rt hat 

^ \* *«:i««i<s« vicv Nif ÄtJ^aef ber tu«« 

v.x^ . v. .v»-t eVjvüi; erxt«. So BHrb 

•• %w. » I» »«v-. ». «Iv -^B-t» Vjät»k »ad L.Mnt 

. vu. AmM fmtm» »*n IT. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 7 



— (III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



bfe junehmenbe Sfrrmlicbfeit unb Dürftigfeit bft Äunft 
tmtrr einet fcbiumernbtn Dorfe verhüllt, ja ba« ,"*>•:- 1 
halten ber alten heiligen unb unantaßbaren Tvpen unb 
t>a«ungefcbmäleTteBemu|jtfein De« 3Bert(>cd Der alten lieber' 
lieferungrn gewährt ben Äuuftwerfen immer noch einen 
Klüftigen Inhalt. illirrbing« führt biefe Stiftung immer 
mehr unb mehr ber Berfnöctjerung entgegen, welche nicht 
mehr aufjubelten war, al« Da« Steidj nad) ben legten Sin» 
ftrtngunjen ber erften Somnenen wie ein alter morfeber 
Bau juiammenfrürjle, unb jumal unter oen wachfenben 
Bebrctngniffen, welche ber Errichtung be« lateinifcbm 
flaifertlium« vorhergingen, fommt e« bahin, ba$3faaf II. 
Ängelu« (1185 — 1195), ebenfo pracblliebenb al« grau« 
fam, fein Wittel ntebr fennt, um ftcfj mit nwiti'dirm 
©lanje ju umgeben, al« baf er allenthalben bie .Kirchen 
unb Älöfier feinte Seiche« au«plünbert unb bie £aupt* 
ftabl mit ben &unftfa>d$<n berfelben anfüllt. 

Dennoch enthielt biefe St\m\t noch (Kemtnte genug, 
welche unter anbern Untftänben ©runblagen einer ge< 
funben unb felbflänbigen @nrn>i<felung werben fennten. 
Die« jeigte ftdj überall, wo fte mit anbern nationalen 
(Sntwicfctungen in Berührung fam, wo fie frei mürbe 
von bem 3<vangt ber griectjiKben Hierarchie, unb noch, 
mehr, wo fte ein freie« 8Bolf«leben antraf, ba« nicht 
unter bem Drude einee orientatifthen De«potiÖmu« 
febmaebtete. SBdbrenb fte auf ihrem beimifa)en Boben 
juleftt nur erftarren unb verfnoebem tonnte, hat fie 
außerhalb beffelbeu, felbft noa) in ber 3<it ihre« Herfalle«, 
eine würbigt ffliffton erfüllt, inbem fte anbern Nationen 
unb namentlid) bem Bbenblanbe Anregungen brachte, in 
golge beren bort eine eigentümliche Äunfthlüthe ft* um 
fo herrlicher entfaltete. 

Die Betrachtung ber einjelnen Äünfie wirb biefe 
Brmtrfungen nunmehr ju begrünten unb ju erläutern 
haben. 

2) «r*ilfflHr 

>) Vit ®d)i<ffale kti tKÜigtn »tutrt. 

(üner ber bebeutenbften Berlufie, welche ba« bvjan« 
tinifche 'Seich burch. bie Sebrängniffe erfuhr , von betten 
e* feit 3ufünian'« lobe beimgefucht würbe, betraf ba« 
heilige ffirab in 3erufalem. Schon 614 wurhe bie Stabt 
von ben Verfem erftürmt unb eine furchtbare Berwüftung 
ber heilig«« Statten brjeiebnete bie gujjftapfen ber geuer» 
anbetet, benen ftd) 20,000 3ubrn angefcbloffen haben 
foüten, um an ben ßbriften, von benen fte au« 3erufalem 
vertrieben waren, furchtbare Sache ju nehmen. Die 
Sage von biefem (Steigniffe, bie in biefer gorm erft brei 
3ahrbunberte fväter in ber arabifcb gefchriebenen ßhronif 
6e« ägvptifchen Ärjte« unb »Patriarchen von Äleranbria, 
(Jutpcbiu«, auftritt 14 ), ift allerbing« nicht« weniger al« 
luverldfftg, unb athmet ju augenfebeinlicb ben fanatifrhen 
Jubenhaj, ber gerabe im 10. 3ahth«nbert im Orient 
brfonber« etfinbung«rticb war unb ben 3uben alle« ba« 
Böfe jur ?aft ju legen pflegte, wa« man in frühem 
3ahrh"nberten auf bie Schultern Der feOeriichen Selten 



14) Hutyck« Ann.].. 2, 213-2«. 242-249. 



ju häufen liebte, Äu« ben gleichzeitigen Duellen ••) 
geht jeboch fo viel hervor, r.-.u bie üperfer bei jener Sr» 
jtürmung bie Jpimmeltabrt«firche auf bem Oelberg/ unb 
bie Bafilifa be« Conftantin jerftört, in bie »uferfiebung«« 
firdje aber geuer geworfen unb alle Äoftbarfeiten geraubt 
haben »*). 

3n ber Ihat Weint bie Bafilifa auf bem £aram 
feit biefer 3eit verfchwunben ju fein. Dagegen mufi bie 
Slnaftaft« nur folebe Befcbäbigungen erlitten haben, baf? 
e* nicht fchwet war, fte wieber in Stanb w fe&cn. Die 
Keftauration berfelben würbe balb nach bem «bjuge ber 
Werfer burch Blcbeftu«, ben «bt be« Älofter« be« theo« 
bofiu«, begonnen, unb bie Werfer mußten fogar ba« au« 
ber Baftlifa Sonfiantin'« geraubte Jtreuj jurAcfgeben, 
nachbem fte von Aaifer ^terafliu« gefcblagen unb jum 
grieben genothigt waren, ^erafliufl felbft trug baffelhe 
am 14. Sept. 629 auf feinem Surfen barfujj unb betmltbig 
gebüeft bura> bie golbene 'Pforte in bie Jluferftehung«ftrcbe 
jurüct, unb feitbem ift biefer Sag bei Areu;r«erh6bung 
ein gefltag ber chriftlichen Airche geworben. Diefelbe 
Pforte galt fvdter für eine «Pforte be« jfibifeben %tm* 
»et«, burch welche 6btifht« feinen (Jinjug gehalten haben 
follte, unb fie würbe au« hiefem ©runve jur 3eit ber 
Jheujfabrn regelmd&tg oerfcbloffen gehalten unb nur an 
ben geften be« Sinnug« (ihri'ti unb ber Jrrrujedrrböbung 
wdbrenb ber firchltchen grter geöffnet gür ben gewöhn« 
liehen gebrauch genügte eine fleine »Pforte in ber »Jfdbe, 
bie u'Ct ebenfo wie ba« golbene ihn vermauert ift, 
beren chrifilichen llrfprung aber ein barüber eingehauene« 
Areu) beglaubigt. Scbon SIntoninu« von »jllacentia ") 
fcheint bie Stabt burch biefe« 9tebentbor betreten ut 
haben. Doch ift fein Bericht baburch unbeutlich, baf er 
von einer Porta speciosa fpricht, inbem er wahrfebein» 
lieh ein angebliche« Ihor be« lemvel«, welche« »pru« 
bentiu« lg ) beftngt, unb bie Äreujfahrer auf ber ffleftfeite 
be« ^»aram wieberjufinben glaubten "), mit ber Porta 
aurea verwecbfelt. Uebrigen« ift bie 3eit feiner Pilger' 
fahrt nicht mit Sicherheit ju beftimmen. Der Umftanb, 
r ,i h er auf feinem äBege vom Oelberge jum heiligen 
@rabe bie Stabt nicht tmreb ba« golbene Zfyox betrat, 
fonbern burch eine befonbere Pforte in ber 9?öhe ber von 
ihm fogenannten Porta speciosa, fcheint bie »einnähme 
ju hegrünben, lav feine Seife in bie 3«i' jwifchen bem 
©njuge ce« £erafliu« unb ber (Eroberung 3erufalem« 
burch ben Ähalifen Omar gefallen fei, benn wir fennen 
feinen »nlafj vor hem (Sinjuge be« $erafliu«, welcher 
ba« »JJerfchlfe§en ber golbenen Pforte herbefaeführt haben 
fönnte *°). Sachbem aber biefer feierliche dinjug erfolgt 
war, fonnte ttch baran um fo leichter bie Sage fnüpfen, 
t>a$ auch ber dinjug (Übrifti biefen iffieg genommen habe, 
al« fchon )u Sonftantin'« 3eit im Zbalt M\ovKn ber 
»Palmbaum gezeigt würbe, von bem bie Jfinber 3«tael 
3weige nahmen, um fie Dem ©njiebenben ju ftreuen*'). 

ir>) Chron. pueb. ad ». 614- 16) ümtr. 3)ie üftttx 
«onÄanli» M ®itfta am btilifloi «rahe 6. 73. 17) Aua 
SmacU. M.ji. T. 2. p. Xn. 18) Pndttii Enehlridion No*l 
Te»um<mtt c. 44. 19) Üo» 9 artii G«it» D*t per Franeo« 

p. 748. 90) n«get a. « C. S 69-71. 21) Wn. Bar- 



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GRIECHISCHE KUNST — 9 — (III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



@ine notbWmbigr Jotge btrfr« SBrrfabrra« brr «rata 
war bir «u«trribung ber Gbriftrn au« brm §aram. SBir 
babm barübrr Frinr iNacbricbt, ja, c« roirb wgar erjählt, 
bafi brr Jtbaüf C nun umgefebrt beut >J?atriard)en ben 
ruhigen Seftft brr ®rabe«fircbe urfunblia? jugeficheTt bahr. 
«Uem biefe wrjdblung, bir juerft bei <5unjd)iu« um 940 
forfommt, :ft Wfr:t weniger al« glaubwürbig. S)et 
SBortlaut brr Urfunbr, bm Äemalobbin nad) münblicbcr 
Ueberliefcrung mittbeilt**), bat fogar in frinrm 3nha(te 
Ginige«, ma« auf bir 3rit be« Dinar nur fcbledjt paffen 
»rill, unb e« ift beutlidj genug, bog bir ganje fflefdjtdjlc 
erfonnen »urbc, um bir jeßige ®rabe«fird)f »or brn 
eingriffen brr Sürfen ju fcbüficn. SBann bir @t>riften 
bm gel [entern oerlorm baten, läfrt fid) bahn nid)t mit 
Sichrrbrit fagrn. (S« fann untrr Omar grfcbrbm fein, 
obrr aud) rrft untrr Abb rl SRalif, von brm eö bcmt, 
d.ip er 686 bie Sacbra in bie SWofdjcr el VUm bind«- 
grjogrn lubr ''). Siebt langr nachher, 697, befugte 
rin gaHifcbcr ©i|d)of «rrulpb ba« gelobte 8anb, unb nad) 
fernen (frjdblungm jricbnrtr brr irifdjr übt «bamnanu« 
auf brr 3nfrl wohin «rrulpb auf brr SRücfreife »er« 
fd»lagrn »urbr, rinr Srfcbreibung beffelbrn auf, bir 
einige flüchtige 3eid)uungm ton «rculpb'« 6anb eridu» 
tern foHen *•). £ierburd) haben wir rinm ©runbrifj brr 
©rabrflfircbe brfommrn, brn man brfonberfl jur @nt» 
febeibung brr Rugc bat bmuhm wellen , ob brr Reifen« 
bom bat) urfprünglicbr beilige ®rab enthalte. 9cament< 
lieb glaubte gergunon rinr «ebnltcbfcit beffelben mit brm 
gelfenbom ju finbrn, welche ut brr «nnabme nitbige, rinr 
(pätere Vertreibung brr ßbriftm au« bem Jparam, etwa 
bei ber Gbriftrnverfolgung be« Äbalifen Däfern ©iamr 
UBab »on ©agbab, 1010, anjmtebmen. «Urin ger» 
guffon'« »uffaffuna be« arrulpb'fdjrn $anbriffe« ifl nicht 
obnr wefrntliaV 3rrtbümer, unb obglrid) r« fdjroer ift, 
bei brr ilugrnauigfrit brr obnr Sacbfenntnifi au« brr 
Erinnerung rntToorfenen 3ri(bnung mit Sicherheit bar« 
über ju urtbrilrn, fo febeint c« bod) viel wabrfdjeinüdicr, 
ba§ «rrulpb febon bir jefcige .ffirdjc jum heiligen ©rabe 
gefannt unb al« bie wabre Stätte be« ©rabe« unb brr 
«uferftebung l^hnfü angrfeben bat. DaJ rin foltfcer 
3wrifrl abrr überhaupt möglich ift, rrflärt fidi au0 brr 
SJrbnlidjfrit , weldjr bie von ben Pbriftm nru rrbautr 
«ufrrftrbung^firdjr mit brr urfprüng(id}rn, für bir fir 
tum @rfa( birnrn fodte, hatte. 

6« lag brn (SbrifJrn frbr nabe, für ba« ibnrn gr« 
raubtr ©rab ("brijn (ia> rinm nrurn tünbad}t0ort ju 
fdjaffrn, brn fic brm bi<brrigrn, fo gut fir fonntrn, 
nad)bilbrten. 2ötr wiffra, ta$ wdbrenb be0 ganjen 
■Mittelalter« frbr bduftg fromme $ilger fold>e ünbad)td' 
ßdtten in ihrer ^rimatb erbaut baten , we(d)r brm 33or> 
bilbr mrbr obrr romigrr äbulicb roaren, ie nad)bem tt 
eben bie Wittel gematteten. »Oe foltbr Ortr werben in 
ber 5Rrgrl obnr Sßritrrr* bfilfgr ®rdbrr obrr briligr ®rab< 

SC) Paul Ltmming, Spec. libri Küm&loddiui Mubammcdis 
B«n Abo Srherif (Hsvnine 1817) p. 51. 27) £"«<ycA. 2, 36*. 
Mnatr ®. 119 fg. 28) Art» S»nctor. Ord. S. Bmvd. (Oll 
1^ iAehtry, ed. / Mabillun, Smc. 3. P. 2. (Venet. 1724.) 
p. 457. 

■. «iK*fI. ». B. ■. 2 OrKcCnti» LXXXV. 



faprQm genannt, obnr bag babei 3rmanbrm ber @infaO 
fornrnm tönntr, fir für bir echte ®rabf)ätle Gbrifii au«' 
.»»grbrn. 9?ccb ru-l ndbrr lag birfr6 in 3rrufa(em felbfr, 
wo bir oirlrn 'l'nacr jufammenfirömten, um auf brn 
heiligen Stätten ibrr Knbacbt ju orrridjten So mtfianb 
bie Kirche jum beiltgen ®rabr, unb man fann fid) nicht 
wunbem, ba^ man bort in feht furjer 3eit bir wahre 
«naftafi« pergeffrn hatte unb bad Wadjbilb für bir ur» 
fprünglicbe nahm, bie e6 nur al6 «nbadjtsfidttr ju er* 
fe&cn brfiimmt roar. 

Iirn befien ©rwrifl, tab bir «naflaji« brr brutigrn 
Äirdjr lum heiligen ®rabe ein »adjbilb br« gelfmbomd 
ift, liefert bie SSefcbaffmbeit brö ©aur«, bir wir grnau 
rrfmnrn fönnrn **), wenn wir bm tyian VrruIpb'S mit 
brm 3ufianbt orrglria>m, rocldjm bir Äird>r nad) brn 
(Srwritrrungrn ber jtrrujfahrrr unb biA ju brm Sranbe 
be« 3abrefl 1808 hatte, unb von brm uns namentlich 
bir Stiebe in brr Ärifr bec br -3tn»r. *") rinr Uhmbige 
«nfebauung geben. 3ut 3 (|t br0 «rculph waren ndm« 
lid) bir «naitaftfl, ®olgatba obrr bir itlrcbr auf brm 
(Sabarirnbrrgr unb bir Äird>r auf brr «Stättr, reo bir 
Ärrujr grfunbrn fein foOtm, getrennte ®ebdube, unb 
nehm benfelben flanb noch rinr SRarirnfircbe an ber 
StrOr, wo jrfct bir füblichm 9trbrnbautm mit brm 'iburn-.r 
fid) beftnbrn. 3wifd)en ihnen lag ein freier JRaum , auf 
brffrn Sobrn OTofaifbänber bie SJerbinbung ber »irr 
Jtircben anbrutrten. 3*tr 3<" Drr Eroberung 3rrufalrm6 
burd) ®otrfrirb «on Bouillon lagen ade birfr t)autm, mit 
«uftnabmr ber Jlnaftafi*, in Ürümmrrn , unb fpdter ttf 
einigten bie Jtrrujfabrer bir heiligen (statten in einer 
großen JMrchr, in wrldjer bie «naflafi« bie Stelle be« 
Schiffe« rinnimmt, ®o!gatba in rinrt Sritmfapellr lirat 
unb bir Äirtbr brr Jtrrttürdctfinbung rinr «rbmlaprUr 
be« @borr« ift. 

Wan mutj ftd) alfo für bir ältere 3eit bm ®ried)en' 
djor obrr ba« ^atbolifon roegbmfrn. 3Rit birfrm fäOt 
aud) brr grofr &aifrrbogm au«, ber jur $rrbiubung brr 
«naftaft« mit bem Aatbolifon bient, unb ftatt reffen er« 
hält bie «naftafi« auf ber Cftfeite biefelbe ®efia[t, weld)r 
fie auf ber SBeftjeitr hat. Rorncr ift ju beachten, ba§ 
bei «rculph bic Jtirdje ber Äreujrflerfinbung alfl Saftlifa 
be« (Sonftantiu ober 9Karrorium bejeichnet wirb *')• 6« 
ift ohne 3»«^' bie jebige #elmafapclle , ju welcher bir 
Äaprlle ber Äreuje«erfinbung eine Jhttptr hübet. 

Die geringftc «ebnlicbfeit mit bem rntfprccbmbm 
^riligtbumr auf brm ^aram hatte ba« ®rabmonumrnt 
frlbfi. SRan fdbeint , um bm Seifen nicht burd) rinm 
fünfilichm Sau ju erfebrn, rin forbanbmr« gelfrngrab 
hmubt ui haben, ba« virl rteiner , al« bie eble £öb!e 
war unb rinr dagrrftättr nach «rt ber «rrofolira in ben 
jtatafontbra enthielt. Daffelbe rourbe aber erft burd) 
üunft ju einem frriftebmben gel« gemad)t, inbrm man 
brn Stein ring«umhrr megbracb, iobaf brr 9obm brr 
Hnaftaft« tirf untrr brn ftr umgrbenben Strafim liegt. 

29) ÜSfCI €. 90 f(l. 30) Com. d> Bruyn, R«Ueo door 
de Termaurdite deel«ii vun Kitin Ali* (Helft 1698) pl. 144. 
31) Acte 8. Ord. Beoed. ed. Mabillon, S«ec. 3. P. 2- p. 459. 
Uncjtr, Vit •Bufcn Oonftaniir.« 6. 99. 

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GRIECHISCHE KUNST 



— 10 



— (III. ABSCTIN. VERF. D. BYZ. KUNST 



Hud> unterfcbieb ftd) baffclbr von ber eblen £öblc ba« 
Durch, bafj 6« (Singang genau nad) Oft« anflatt nad) 
Stopften gerichtet war. Sei ber ßbriflenverfolgung unter 
bem Jtbalifen Jpafeut 1010 wurbt biefe« Stab jebod) von 
ben SKubammebanern terftört unb feitbem ift cd bind) 
einen fünfllid)rn 3Rarmorbau erfefct worbrn, in bem man 
nut ji: verfcbieDenen $tiltn einzelne Stüde De« rauben 
gelfen« balb an biefer, balb an jener ©teile ber ®rab» 
höliU- angebracht hatte, um ben pilgern wenigften« 
Xbetle be« angeblich in bem SRarmorbau verhüllten 
natürlichen ©rabe« jur Serebrung barjubieten. Sei einer 
(grneuerurtg biefe« ©rabbenfmale? im 3- 155i*> foll man 
in bem 2ager (Sbrifti unter ber obern Detfplalte ein 
Stüd vom Äreujc Ghrifti, eingehüllt in ein balbuer 
moberte« ?ei:;tud), unb baneben ein <J5ergamentfiürf mit 
einer faft verbliebenen Scbrift gefunben haben. Sielleicbt 
waren biefe »Reliquien fdjon in bem dltern gclfengrabe 
niebergetegt worbrn, um baburd) bie 9tad>bilDung ber 
unjugänglicb geworbenen Anaftaft« ju einem wahren unb 
völlig würbigen Jjciligthume ju erheben. 

Diefe« wrabmonuraent würbe nun von einer 9?u* 
tunbe umfcbloffen , bie genau fo grofj war, wie bie be« 
gelfenbom«, unb ebenfo wie biefe, au« vier Pfeilern unb 
jwölf Säulen beflaub. Äur bie Orientirung war »er-' 
dnbert , roa« fid> au« ber Sage be« Eingänge« gum Örabe 
rrfldrt. Denn bie Pfeiler fianbeu hier nad» ben vier 
$immel*aegenben, roäbrenb ber gelfenbom in biefer 9lid> 
tung bie Saulenatfaben bat. Die Säulen waren frtlcdtle 
9?ad)bilbuugen ber forintl)ifd)en Crbnung, bie Pfeiler 
aber waren von 'iboren burd)brod)en unb alfo tu Doppel« 
Pfeilern geworben, roa« ftd; (riebt au« ber veränberteit 
Orientirung erflärt. So ift alfo hier bie 9?ad)bilbung 
oeö gelfenbom« offenbar. SBollte 3rmanb etwa bem 
@ebanfeti 9iaum geben, bat» ber gelfenbom, ungea<btet 
feine« vrrl)älinifjn<äflig trefflichen Srvl«, umgefebrt bie 
Hnaflaftö be« Jeggen heiligen ©rabe« gum äRufier gr« 
nommen haben lönne, fo ift baran gu erinnern, bafi 
ber Umfang ber 9iotunbe in bem gelfenbom burtb bie 
®rö§e ber Sad)ra bebingt ift, roäbrenb berfelbe in ber 
lefcigen ®rabr«fird)e gang von bem Srlieben be« Sau= 
meifier« abbing. Die vöUige ®leid)beil be« DurcbtneffeT« 
beiber Sauten finbet alfo nur barin eine Grflärung, bafi 
bie iHotnnbc ber jetzigen ®rabrtfird)c eine aud) bem 
SKatje nad) genaue, abfid)flid)e 9tad)ahmung ber 3(0' 
tunbe be« gelfenbom« ifi. 

Die Kotunbe ber ®rabe«fircbe ift enDlid) von einem 
Umgange umgeben, ber je&t nur bie tvcftlicbe .öälfte 
berfelben umfaßt, aber gu ttrculpb'« itit aud) auf ber 
Oftfeite fortgefegt war. 3ene roeftlidje .frälfte be« Um» 

fiaugd ift unregelmäßig tefig st ), foban fie ebenfalls eine 
d)led)t aufgeführte waa>abmung be» Cctogonft be« 
gelfenbom« s" itin febeint. Sie ift au« bem gelten 
gehauen unb enthält brei »ifdjen nad) Horben, «ßeften 
unb Süben. Hrrulpb'« *ülan verjeidjnet nod) einen 
gweiten äufiern Umgang, ber rbenfad« tbeilweifr in einem 



8S) ?>etft«II'« (Htunbtti in ZeHtt't lojicgruji^i» ven 
.\ftttialtm, ■n^ taajdf bt\ Utijfi «. Hrt. 



über bem erftern beftnblidjen Umgange erhalten gu fein 
idwint. Diefer ganje »au hatte jweimal vier «uögänge 
nad) »orbofl uno Sübojt, welcbe ben beiben (Solonna* 
Den ber öftltdjen £älfte 6er «otunbe entfprad>en. ©egen 
Ofien, bem (Singange ber Wrabböble gegenüber, war bie 
Slnaftafid gefdjloffni , inbem biet ftd) ein Altar brfanb, 
ber au« ber einen Hälfte De« Stein«, welchen Der dngel 
vom @rabr ($hrijti abgewälzt wuc, gemad)t fein foQte. 
Die anbere $ärfte biefe« Stein«, ebenfall« }um Ültar ein« 
gaichtet, lag in bem Eingänge jur («rabböble. 

Oeftlid) von ber Auaftalt« liegt bie ^denatapeUe, 
welche nad) bem ©efagten für bie Safilifa be« 6on* 
fiantin galt. Die Sßänbe berfelben ftnb au« bem gelten 
gehauen, ba man fie etwa 12' tiefer gelegt hat, al« ben 
»oben ber «naftafi« unb ba* Jtatbolifon, vermutblid), 
um aud) barin ba« 93erbälrnifj ber »aftlifa gegen bie 
lerraffe be« gclfenbom« beijubebalten. 3m Uebrigen 
ift bie ^elenafapelle ein einfacher bvjantinifcber ®au von 
auabrater gorm mit einer Kuppel in ber SRitte. Die 
vier Präger ber Auppel tbeiten bie Jtapelle in neun flb< 
tbeilungen, welche brei Schiffe bilben, von benen jrori 
mit fleinen Gbornifcben ober Spfiben auf ber Cftfrite 
cnben, mdbrenD ba« Dritte, füblicbe Schiff in bie Aa< 
pelle ber Jrreu}e«erfinbung führt. Der Sau ift alfo nad) 
einem fehr veninfaebten Svfieme, etwa wie bie Satto« 
tica ju Stilo in (Salabrien, aufgeführt, im 3eit ber 
Jtreujfahrer war fie verfallen, unb e« ftanben nur bie 
vier tiefen unb gelungenen triefenben Säulen, von 
benen man glaubte, baft fie beftänbig über ba« Reiben 
ßhiif'i weinten. Sei ber Jperftellung biefer Äapelle ift 
nur über bem Wittelraume eine Auppel aufgeführt; ben 
übrigen 2b«l berfelben bebedt bie jerraffe be« armeni- 
feben Jtlofter«. ju ben Seiten ber üreppe, welche au« 
bem Jtatbolifon berabfübrt, liegen jwei @emdcber, bic 
einigermafien bem dorther ber gried)ifd)en Jtircben ent« 
fpred)en. 

Sa« bie Anlage ber nod) tiefer liegenben J?apeDe 
ber &reuje«erftnbung veranlafit haben mag, ift ebenfo 
wenig gu ermitteln, al« ba« Serbältnifj ber (Holgatba» 
fapeUe p bem ^onftantinifd)en Sau. Die Warienfircbe 
bagegen febeint wieDer nach ver «nalogie von 3uftinian'« 
Xbfttofo« auf ber Sübfeite ber ®rabe«fird)r angelegt w 
fein. Sie hatte in älterer ,v:u nicht unbeträchtliche Se> 
ftgungen im 5 hole 3ofapbat, unb e« läüt ficb benfen, 
bafj bie« alte Sefieungen ber Xbeotofo« gewefen fein 
mögen. 

b) SBuBbliiiifpu tt« Oduflitl«. 
Die J?ird)enbauten , welche nach beftimmler biftori« 
feber Ueberlieferung ober au« 50abrfd)einlid)feit«grünben 
in bie l 4?eriobe von Safiliu« SRacebo bi« jur (Frftürmung 
öonftantinopel« burd) bie Lateiner |u fejen ftnb, jeigen 
gewiffe Seränberuugcn be« Stvl«, Die man im *Üge< 
meinen al« eine Serweltlicbung bejfelbeu beliehnen fann, 
unb in benen ftd) baber bie golgen be« ©ilberftreite« 
unb be« verfallenben Staat«leben« funb geben. Safiliu« 
iRacebo enttvicfelte allerbing« nod) eine Xbätigfeit für 
(£rrid)tung, {»erftellung unb Au«fd)mücrung von ($olte«< 
bäufem, bie nidjt hinter ber für Erweiterung be« «Pa* 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 11 



— (III. ABSCBK. VERF. D. BYZ. KUNST) 



lafie« jurücffianb. Slbcr obgleich wir weter llebcrrtftc 
berfe/oen, noch auch nur genaue Serid>te über fit bc 
fiftv, |o lajfen boa) cinjelne «nbeutungen iehon erfciu 
■cn, baß ihre germ nidu mehr ganj bic alte mar. Um 
fo wichtiger ift eine Wethe von erhaltenen Äirebenbauten, 
welche un« vollfiänbig üb« »te fpdtrre ©eftaltung be« 
bojantinifehen ©toi« beirren. 

e) feltaJkr. 
»») amR«ntiu»fl. 

(Jtircbe be« £ip«.) Sor ÄUrn gehört babin bie 
Jctrcbe im Dfdjir Dfcbir mabaleffi ]u fionftantinopel, 
welche für bir von bem ^atrijicr (Jonftantin vip* er' 
baute ober wrnigften« erneuerte Jllofterfi'Cbe gilt, unt 
bat>er ald Jtird)e be« Siptf, (lov't] rov Aifas, (hotoxog 
rov yfirf..;, bejeicbnel wirb, (Sonfianlin tfipfl bat jur 
Seit Beo*« be« »JJbilefopben unb bc« (Sonftanrin f'irh 
rogenitu« gelebt. Unter bem IrBtern fiel er in einer 
©cblacbt gegen bie Sulgaren "). Danach beftimmt ftch 
ba«- «Iter ber Jlircbe. Diefe würbe fpdter bem 3*(am 
geweiht, unb ift je^t , wabrfcbrinlicb in golge eine« Sran< 
be«, vcrlaffcn. ©ie ift juerft vou Ulbert ?enoir **) gc 
;eid)net unb befa>rieben , bann aber richtiger unb vollftän» 
riger mit einigen neuerbin g« vorgenommenen Seränbe« 
i ungen von Saljenberg **). 

Xiefc Äirdje jeiebnet ftch befonber« bureb, jierlichc 
unb reiche geraten au«. Da de an einem £>üge(abbangc 
liegt, fo führt eine fcbmale Wampe juni (Singangc be« 
Warth« hinauf. Die gac,abr ift ju beiben ©riten be« 
(Sinaang« mit ©änlenarfaben gejiert, welche ben (Sre< 
Metfor ju eiuer offenen 4)au"e machen, unb au ben 
«Snben her gac,abe finb noch jwei 3iernifd>en angebracht. 
Ueber ber 2bür btfinbet fid) in einem auffteigenhen «irr 
edigen SJtauerftürf ein balbfreteförmige« genfter unb tu 
beiben ©riten erbeben fieb über brn ©äulcnarfaben unb 
ben 3i«"ifd)cn je jwei flacbrunbr Giebel, welche figc;i 
tbümltd) gruppirte genfter enthalten. Sud) bte ©riten» 
wann befl (Sronartbtr ift burd) eine Wifdie gejiert unb 
ber ©eiteneingang auf ber ©übfeite t>at eine in ähnlicher 
SBcife gei'ebmüdtc 'Sorballe, bie außer bem Durchgänge 
nod? rine Serbinbung mit bem (ironarther enthält. (Sine 
Heine Jtaprllc an ber Dfilfeite biefe« Sorbaue«, b«en 
Slpft« in ber gortfefcung ber oftlitben Äircbrnroanb liegt, 
fdjeint burdj einen fpätern (Sinbau bergefteüt ju fein. 

Ueber ber gacabe erheben ftch auf Üambour« brei 
Jtuppeln, eine Heinere über ber Witte be« (Srouartbrr 
unb jwei größere an ben (Silben be« innern Warther, 
ber ungewöhnlicher ißrifc nid;t rechteefig ift, fonbern mit 
4ja(bfrei0nifd)cn auf beiben ©riten fcblicßt. (Sine nie» 
brige Äuppcl über ber Witte be« innern Warthcr tritt 
in ber Mußenanftcbt nicht merflid) hervor. 

Slucb bie ßborfritr ift in ähnlichem Weifte beban» 
bell, Sic ift äußerlich fünffeirig gefchloffen, unb alle 



33) Dil Canyr, Cf. clirint. t, 3. J. 26- |>. 9t. 34) 3n 
iiaithabautl r Monuments uifien« r( uiuderne*. T. 2 UIU in L*- 
M.iV. Arehilceture monsstique , tvi- tit Stix<b' nur ai* Tlicotoko* 
bf,<id|aet »itt. 3ÖJ WtftL »ttWentm. H 34. 36. 



fünf ©eiten bilbm gleichfam eine polpgoue ürfabe, in* 
bem jebe Seite ein genfler hat, welche« bie ganje Steile 
einnimmt unb nur bureb ©äulen von ben genftern ber 
anftofeenbeu Seiten getrennt ifl 

3m 3uncrn entfaltet biefer Sau eiue befonbere <&lo 
ganj, unb man hat babei offenbar ältere Saurefte bv 
nufct, btnn im dorther Collen jablreicbe antifc ©äulen 
anfgeftellt fein, unb verfebiebene Kapitelle erinnern au 
bie ravrnnatifcbrn au« 3ufiinian'« i : , fobaß auch 
tiefen mit einiger SBabrfdjcinlicbfeit ein höhere« 9ltn 
beigelegt werben fann. Daneben fommen aber auch neue 
unb ungewöhnliche gormen vor, wie j. S. ©äulenfüße, 
bie au« mehreren "Hingen jufammengefcQt ftnb 3: ). GNgrn« 
tbümlidf ift rttMitfi bte Jlnorbnung bn ^rotbeit« unb be« 
Diafonifou. l^fl ftnb Capellen, ähnlich beneit ber loci' 
leben JKrdje;i, mit vier fleinen tlpftben. ^ier tritt aber 
audj nicht einmal bie öftlicbe äußerlich hervor, fonbern 
wirb nur burrt) jwei 9»auereinfchnitte angebeutet, ähnlich 
benen, welchen wir noch an armenifeben Sauten begeg» 
nen werben. 

(Jtircbr be« ^antorrator.) (Sin febr eigentbüm» 
lieh« Sau au« ber 3 fit ber ßoinurnen ift bic Älofter» 
firtbe be« ^antoFrator, ;-.nt bic Ailiffc Dfcbami. ©ie 
würbe von ber Jfaiferin .Wik, Gemahlin be« 3oh«inne« 
Gomncnu«, crriditrl, unb Manuel erhielt in einem b<< 
fonbern {»erouni recht« vom (Singangc fein (Hrab, welche« 
mit bem ©tetn bebeeft würbe, auf bem Gbrifti 8eid)nam 
gefalbt fein feilte, unb ben 3Xanuel felbft von (Sphefu« 
herübergebracht unb auf feinem SKöefen vom Sufoleon 
bi« in ba« Oratorium be« »JSbaru« getragen hatte *»). 

Die Ätliffe Dfajami ift ein 3iegelbau in brei 81b» 
tbrilungcn. Die mittlere bat jwei Auppcln unb eine 
Äpft« unb ijt vermuthlich jene« ^»erouin geweftn. Die 
norbliche unb füblichc Mbthrtlung haben bir gewöhnliche 
Einrichtung btjjantinifdirr Jlirchrn mit einer Jtuppel, 
Setna unb Mpft«. Die nörblicbc Stirbt feheint für bie 
SRöncbe be« Älofter« unb bie (übliche für ba« Solf be« 
ftimmi gewefen ju fein. Son bem innern reidien "äWar- 
morfebmutf, ben ©vlliu« noch bewunbate, ift Sticht« 
mehr verbanben, außer bem fdwnen Wofatffußbobtn, ber 
jeboch jrfct jum H)ril unter leppichen verborgen liegt. 
3n bem Wamwrmofaif beffelben finb fletnere gelber mit 
0Ma«mo|aif eingefügt, unb r« enthält unter anbern ein 
jierlidje« Äanfenomament unb ftgürlidw Darfiellungen, 
bie, wie r« feheint, bie Dhatrn be« iurfule? barfteUen. 
(Sin ©arfophag au« Serbe antieo, ber für ben ©arg 
Cer Äaifcrin 3rene gilt, ficht jeftt vor bem wejtlidicn 
(Singangc unb bient al« Skffcrbccfcn für bie Sktfchungen 
ber wufclmänncr **). 

Jlud? biefe Äircbe ift für bic Jlußenanficbt reicher, 
al« e« fonft üblid) war, gefdjmücft. Die gat,abe ift mit 
blinbtn Ülrfabcn gejiert. Die brei (Fhomifcbcn finb äußer« 
lieh mit fteben glächen gefchloffen unb bic 9tcbcuapftbcn 
mehr al« gewöhnlich für bie Sußenanftcht hervorgehoben. 

36) Lme4r, Archit. Honut. 1 , No. 184. 37) Oaii- 
habaud, KglUe de Theotokc». OvCail* VI. 3. flg. 2 — C. 38) 
Nictta», De Man. Comn. 7, 7- ed. Bonn. p. 389. 39) €al- 
jcntxta e. 119-132 unt »I. 36. 



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GRIRCmSCHE KUNST 



— 12 — (III. ABSCI1N. VERF. D.BYZ. KUNST) 



(Sin befandet« gefdu"ige« Hnfeben erhält bie öftlict)c Hn« 
ficht biefer breifadjen Stirbt baburcb, bafi Mt (Jborntfaje 
ber füblidun 'ui ba« $otf beftimmten «btbeilung mit 
ie br jierlidjrn fdjlanfen Wffc^en gefdjmütft ift *°). 

bb) Da* Abnge ®ritd,«l«b. 

(Ätf)en.) 93on ähnlicher ©efcf>afffnl)dt, am mei» 
fu'ii mit brr Airdw be« SJip« überrinfiimmenb, finb met> 
rerr von ben Jrudjen, meldte in anbfnt 'Ihnlen von 
(Nrieitenlanb bffannt geworben finb. Unter bm Äircbcn 
von Vitben gehört vielleicht nur bie Jtirchc be« beil. $ifo« 
brmu« CJJanagia ?ofobimo) in biefe $criobc, «renn fit 
nicht etroa nod) älter ift. Sie fdjliefjt fia> nod) einiger« 
mafkn bem Softem ber Sopbienfird)e im 3nnern unb 
bem «uafetjen bei fleinen «ja Sofia im Heu&ern an 41 ). 
Wlt anbern atbenienftfaVn Äircben bagegen babtn be» 
reit« Oiebelfrontrn, bie e«ft burd) fränfiftb« (Sinflüffe 
eingeführt ju fein febeinrn, unb be«balb erft in bie 
tßeriobe ber lateinifeben jjerrfdiaft ju fe&en finb. 

(We-rea.) 3n Worea gebort btober bie .Kirche ber 
SRutter ®otte« ju SRiftra in ihren dltern 'Ihn! es; **) 
unb bie be« AI öfter« Surfano **). 

(SalonichJ.) Sefonter« «richtig finb aber jwei 
Denfmdler in Saloniki, Heinere Wertem, «veldje nach 
3nfcbriften urfprünglid) Aireben au« ber 3«i ber mace* 
roniiajen DpnafHe waren. Da« eine ift bie Äafanbfcbilar 
Dfcbamifft ober bie Äircbe befl »arbiafl. (Sie würbe im 
3. 987 von bem ^rotofpatbariu« SJafilicu« au« einem 
i^rofanbau in eine Äira)e ber Jbeotofo« unter «nrufung 
be« beii. Sarbia«, feiner grau unb ihrer Ainbrr SRice* 
pbom« unb Vlnna umgewanbeit. Dem Styl brr J,;it 
entipreeben bie vier Säulen, welche bie Auppel tragen, 
bie niebrigen Auppeln über brn (Schäumen unb bie Ser« 
jierung ber gacabe bu«b concentrifefoe, über rfnanbet vor« 
fpringrnbe Sögen **). 

Die anbere SRofcbee ift bie Sarali'Dfcfcamifft, ebe« 
mal« b«m beil. Qlia« geweiht. Sie trat auf iwei Stei« 
nen bie 3abrjabl G562, b. i. 1012 n. Gbr. ®eb. Die 
gorm biefer AiraV ift bie feltene eine« Drifontbo«, in« 
bem auf ber SRorb«, Oft» unb Sübfeite bie Auppel von 
brei grofkn Mpfiben geüu&t wirb, bie im 3nnern halt» 
freidformig finb, nad) Stufen aber fünffettig t>ttvorrrrtm 
unb eine mebrfacbr SBorbure au« 3* f fl fI f tfl » haben. 
Stufjerbem unterfa)eibet ftd) bir Sarah 'Dfcbamifft von 
allen anbrm Air.: • auf grieebifebetn ©oben burd) ben 
quabtatrn fflartbrr unb ba« niebrige fpipe 3 e ''bacb über 
bem ungewöhnlich hoben Jambour* 4 ). Diefe gormen 
finb nidjt ganj bem bmanrinifdirn Saufrftem fremb; fie 
begegneten un« in ben ^alaftbauten be« Saftliu*. «Hein 
für Aircbenbauten finb fie fetjr auffallenb, unb Jeder 
bemerft, namentiieb in Sejiebung auf ben Jrifondjo«, 
bap nidjt nnjufeben fei, wie ftd» biefe gorm mit brn 



40) 6ati*nbrn @. 120 unb 91. 3£. 41) Cavchmid, 
Cbolz .IVfiliw« H.Tt»ntinc5 eo Ortet (Paris 1842) pl. 11. 12. 13. 
42) Saf. pl. 21 — 25- 43) Blowt, Expedition Bciontifiquo 
de Uori*. Atl. T. 1. pl. 19. 2a 21. 44) Teuer et PuUan, 
Arcbil. Bjuat. f . 162. pl 60. 61. 46) 3>af. p. 164. 
pL Ö2-Ö6. 



»nforberungen be« gried)ifa?en Kiru« vertrage. ®ir wrr* 
brn biefelben gormen fpdter in «rmenirn tennen lernen, 
unb e« wirb fia) jeiaen, bafj ftdj biefelben wabrf*cinlid) 
von ba au« in bie Donauldnbet unb vermutblid) aua> 
nad) Wacebonien unb Jfyrarien verbreitet baben. 

Semcrfenflirenh finb bie Sdulen, weid)e in ben 
Airdjen be« Sarbia« unb be« Qlia« vorfommen. Üllletn 
Slnfehcn nad) ftammen biefelben au« dltern, jum Jbeil 
vieUeid)t antifen ©ebäuben her, unb baber erflärt ftd) 
vrrmutbüd) and) bir in briben vorfommenbe Shiweiibung 
reid) veriierter itapftelltdmpfer. 3Ran tonnte fid) jebod) 
aud) barin ben dltern Aireben baben anfd)lir|jien wollen. 

(Sine britte !Kofd)ee, bie Souf'Su Dfd)amiffi, ur* 
fprünglid) bie «poftelfirdjr, bat feine 3nfd)rift, burd) 
weld>e ibr «Itcr beftimmt wrrbrn Wnnte. Jrrier fr(,t fie 
fd)on in ba« 7. 3abrbunbert, obgleid) fie noeb im «n« 
fange be« 10. nidjt untrr ben bemerfenflwertben Äirdjrtt 
von Ibeffalonifa aufgeführt wirb, wdbrenb fie bod) jiem* 
(id) au«ge)eid)net ift. Sie gletdjt aber in Anlage unb 
Stvl in bobetn @rabe ber xird)r be« £ip«, in maneber 
Behebung jebod) aud) ben früher rrwdbntrn ftrinafiati« 
fd)<n .Rirchen. 9Sa« fie befonber« auftjeidjnet, finb ber 
burd) Säulenarfaben geöffnete Wartbrr, bie vier Auppeln 
über ben @dräumen unb bie runbbogigen @iebelfelber. 
Dir JtapitrUe ber Sdulen ftnb ben torintbifd)en nad). 
gebilbel unb febeinen rinlgermafjen benen be« teutfd)en 
UebeTgang«ftvlr« dbnlid) ju fein. (Sigentlid)e ÄapiteD» 
fämpfer fd)einen fte nad) ben vorliegenben 3eid)nungen 
nid)t ju baben, obgleid) lertet von einem Sonogramm 
an ben Dosaerete fprid)t. Der Sau ift, wie bie mei» 
ften .ft uetien riefer 3tit, mit wed)fe(nbrn Sagen von 
^auftein unb 3ie,;eln aufgeführt. 9<ur bir Cfiteite mit 
ben brei flpfibrn ift ebenfo wie bie <f[ia«fird)e gan) von 
3iegrfn erbaut, unb biefe bilben dbnlid) wie an bem 
Jritoncbo« ber lefctem, aber nur nod? rrftber, eine ge» 
fcbmarfvoUe 2}erjitrung von mdanbetartigen ©dnbern 46 ). 

cc) UmKtiWlicn. 

(Sta. 9Waria maggiore bi Siponto.) 3n biefe 
$eriobe gehört in Unicrüalirn bie Jtirdje Sta. Waria 
maggiore bi Siponto, efnft bie rrjbifajöflidje Äatbebrale 
ber feit fed)« 3abrbttnberteii rerlaffrnen Stabt Siponto 
tn brr Qtapitanata * T ). Sin dltrrrr 9au, brm mabr« 
fd)einlid) bie fd>on früher befprod>rne Jhvpte angehört, 
würbe im Anfange be« 12. 3abrbunbert« wtebeThergeftellt 
unb von $apft ^afrhali« II. bri @e(egenbeit be« 1117 
in Siponto abgehaltenen (Soneild geweiht. Son biefer 
©rneuerung rührrn ohne Zweifel bie Ringmauern her, 
über benen im 16. 3abrbunbert eine neue Äirrhe auf« 
geführt würbe. Sie »eigen auf ber SBrfifronte rinen 
Sd)mud von blinben «rfabrn, brr dbnlid) aud) bri brn 
conftantinopolitanifd)rn Äirdicn au« biefer 3«t vorfommt, 
hier jebod) mand)e« @igenthümlid)e hat, wa« auf eine 
Serwanbtfdjaft mit to«cantfrhen Sauten hinbeute« unb 
au« brn Apanbel«be«ebungen ju $ifa erflärt werben 



46) Haf. p. 161. pl. 46-4». 47) Cdjulj, IXnfin. brt 
ituafl im Stittelalitr ii UittritalUii 1, 214 fg. Xaf. 38. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 13 



(III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



fann. Die fpifcbogigen ©ewölbc im 3nnern geboren 
unfrrritig bem u-uu-rn Sau an. 

(©rabfapellr Pe* SoemunP.) 3" biefelbe 3«t 
gehört bie ©rabfaprlle Pe* SoemunD (gefr. 1111) bei 
£. -Eabino )u Öanofa in tu !j}rovinj Sari. 3ie be* 
ttebt au* einem quabraten Unterbau, Peffen Tlugenfeireii 
mit blinPra ürfaben gefdjmütft ftnP, unP einem octogo» 
nen Sluffa|}, ber an ben (Stfen mit 6äuld)en befefct unP 
von gniüern burd)brod)rn ift unb eine jugefpipte Äuppel 
trägt *•). ©onj dbniid) ift bie lauffapeUe 6. ©iovanni 
Satrifla ju »*coli im Jffrdjenftoate, wo ber Ucberaang 
jum «djted üurcr> @rfnifd?en in bem Unterbau vermittelt 
wirP «). 

3n bem Stvl biefrr .«ird><:< bemrrft man nun ba* 
Streben , bie frrengen gormen Per altbvjantinifcpen $lrd)i' 
teftur Purd) gefälligere, minber fdjwrrfäUige unb reichere 
gormen ju »abrängen. Die Angriffe ber 3fonoflaften 
waren ber £auptfa<he nad) gegen Pie trübe SRpfhf unb 
bie niönd)lfd)e Dumpfhrit Per bpjantinifeben Jtird)e ge« 
rietet, unb wenn fte idiliefjlid) auch nicht juin 6iege 
führten, fr blieben fte bod> feine*weg* erfolglo*. (S* 
febmanb Der Sinn für großartige (Sntfaltung Ktf .Winter: 
baue*, ffiäbrenp aber bod) ba* Spftern Per Einlage im 
(Hanjen unverändert blieb, würben bie einzelnen ©lieber 
fdilanfer unb fd>mudteid}er. Schon bie äußere SInftdjt 
Per Jhippeln jeigt Piefen (£barafter. Die 3abl bericlben 
wirb häufig vermehrt, inPem firmere Jtuppeln über Pen 
@tfränmen Pie .tjauptfuppcl umgeben unb kuppeln über 
l>em Innern unP äußern Wartbrr Die gacabe gieren , reo« 
bei Purd} verfdjiePene ©rößc unb £öbe Per Äuppeln eine 
gefällige ©ruppirung erjiell wirP. Sämmtlid>e Äuppeln 
ruhen auf rv(inPrifd)en ober polpgonen Xrommrln ober 
Xambour*. (Die innere .Kuppel ift eine volle qpalbfugel, 
bie jtd) auf einem Uplinber erbebt unb gegen bie 
benrife, von braen fte getragen wirP, »erbältnijjmdBig 
flein erfd>eint. lad ©etvölbe nimmt Daher ra* Änfeben 
einer großen Auppel an, auf Peren Witte eine f leine 
überbebte Jtnppel, wie eine Vaterne, eingefügt ift. Die 
genftcr liegen in Per Xrommel unP fdjnriPen meift nod) 
in Pie Äuppel ein. «n ber «ußenfeite werPen fte aber 
von £albl'äulett unb SRunPbögen ringefaßi. «uf Piefem 
Scgrofranje De* üambour« ruht Pa« jladje Jtuppelbad), 
wie eine 9iofrtte. 9tur bei Der Äirdje De* 8tp* bat Pie 
Heinere Kuppel über Per Witte De* (Sronartber eine 
Irommel, Pie mit horizontalen ©ejtmfen abfd)(ießt. Die 
Trommel ift fd)on Per genfter wegen gewöhnlich äußeT« 
her polpgon, unP Pie bänftg vorfommente jwölffeüige 
gorm Perfelben mag auf Per alten IraPition über bie 
jwölf 6dulen am beiligcn ©rabe beruben. Sei Per 
Xira>e Pe« hps ift nur Dir {tauptfiippel jwölffeitig , bie 
Äuppeln Pe» «artber Dagegen finP adjtfeitig. 

Ueber Den Äuppeln ftnört man bei ben nod) er» 
iHiitem-.i Sauten feine weitere 9ePaa)ung, al« Pap fte 
mit 3«<8<ln belegt finb. Wur auflnabm«weife fdjrinen 
ppramiPenförmige Dädjer vorgefomraen ju fein. Ueber 



48) D«f. 1, 60. lof. 9. gig. 3. 49) 2)«f. 2, 3. laf. 51. 



Dem i'litar unb Dem Slmbo baben wir fte allerPing« fdjtn 
in Per Sopbienfirdie ju donftantinopcl fennen gelernt, 
über Altären ficht man fte auf Pen Silbern Pe6 vati-- 
eanifdjen ÜRenologiumd, unP unter Pen Sauten be6 
Jtjeciptiiltiö wirb Die $orpbpra a(6 ein vieretfiger Sau 
mit einem foldjen Dadje befdniebrn. flueb Die pvramiDen« 
förmigen Käufer, weld>e unter ben ^alafibauten rci Sa> 
filiuö 8D?ateDo cnväbnt werPen *°), mögen nid)t6 Än« 
Pere« gewefen fein. 8bet fdjon tiefe Srwäbnungen 
beweifen, bafi eine foldje gorm felbft bei ^Jrofanbauten 
nid)t gewöbnli* war. «uf ba0 «ufjrrgewöbnlidje Pe* 
3eltPad)« ber (Sliaöfirdje ju 6alonid>i b,aben wir bereit* 
bingeroiefen. 

Aua> auf ben ®d)mu(f Per Sacabe wirb Inn unb 
wieber größere Sorgfalt gewanbt. 3Xrb.rrre Jtfnben ftnP 
mit blinDen oPer offenen Arfabrn geUert. 3n ber 9tegel 
befteb,! jebodf ber ganje Sdjmurf nur in ivrdffelnben 
üagen von wcifilid>en 3Rarmorquabern unb fetjr Dünnen 
Sadficinen, Pie gewöb^nlid) borijontal ließen unb nur 
in Pen genfierbögen anPern Stiftungen in Pen Linien 
b<* Äeilfd»nitle« folgen. Suffiltttr »'« i- ®- h Salo» 
nidji unb äb,nlidj an ben Kauern ber ferbifd>en gtfrung 
SemenPria, werPen aud? burd) ben $Bed)fd unP Pie ver« 
fdjiePenen (agen von Srud)ftein unP Su^d gefdjmarfvolle 
"JRiifkr unP felbft 3nfd)riften f^ergeftellt *'). «udj Pie 
SRörtellager jwifetjen ben 3> r d^ n werPen Dabei al* 
Sdjmud benuOt, Pa fie nid^t nur eine beträd)tlid)e Ditfe 
von iy a — 2 $oü ju haben pflegen unb fd)on baburd) 
Pen garbrnwedffrl ertjöbcn, fonPem audj juweilen nod) 
einen ^tennih von aufgePrudten 3id?admuftern ober 3Kä« 
anPern erhalten. Itefcr ffiedjfel Pe« Material« finbet 
fid) bei allen fpälern Sauten in (£onjtantinopel , nament- 
lid? aud; an ben StaPtmaueni, von benen rin Ibril nad) 
Den an SDtauern unD 2l)üruien erhaltenen 3nfd)riften •*) 
nod> von Sbcoptulu* berrübrt, unD fogar an Pen Innern 
2Bänben Per (fiftemrn. 3n Der @if)erne Sin bir Diref 
wcd)fetu je fünf Sedben ÖuaPer mit fünf •Knien Jiie 
gel ft '). SRan betrachtet Piefe Sauan gewöbnlid) a(6 
eine @igentbümlid)feit Per fpätnn bviantiuifdten Slrdji« 
teftur. 3>iDeffen war fie bcfanmlid) fdjon bei ben Stömem 
vor Der Ibrilung Pe6 !Kcid)6 beliebt, unb Dun man fte 
an Pen Sauten 3ufliniatt'0 in ßonfiantinopel nid)( finbet, 
bat virlleid}! nur feinen ©runP Padu , Paä man hier aud) 
am Heusern Den reia>ern £d)mud ber iUarmorbdegung 
vorwog, Per allerPing« nid}t mehr erhalten ifl. Die Airdie 
Per QW. 3tene bat Pen ffied)fel von s J»armor unP 3ifflfln 
fogar in einer befonber* auPgejctd)neten SBeife mit »er» 
jieden Wörtelftreifen , unb e* ift minbeftenö feb,r mi0lid), 
geraPe hetiit Pen Seweift finPen ju wollen, Pap Pie 
jefyigc .Wirdie nid)t mehr Pie 3ufrinianifd)e, fonPern Pa* 
(£rgebnifi einer fpätern drneuerung fei. (^benfo nt Der 
biet unb Pa vorfommenPe Sed)fe( von fd)lid)teu unb 
über &d gefieaten 3iegeIIagen an ©eftmfen unP befon« 



fiO) Thtvpluin. Contin. 5, 83. 51) (8ffe»»»in in K« 
ÄiIiIkiI bn f. f. lirntral' ffemmifficn 6, 312, tue tiut $iotc 
in Jpct(f<t}>iitl gej|<Kii ift. 52) v. f inntt, Seaftanriitvelif 
u«k Ux Vetvcrat l, IV— X. 53) Andrtomf, Vojag« k 

l ciabouchur« de U n>« noir p. 261. P». 7. 



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GRIECHISCHE KUNST 



_ 1 4 — (III. AB8CHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



bei* an her Sogenfrönung ber £auptfuppeln feine 
Steuerung M ). SBir haben if>n bereit« an ben ravenna« 
tifeben Sauten fennen gelernt. 

3m (Sangen waren biefe SBauten von feinem großen 
Umfange. Die noch torbanbenen Äird>en finb fo Hein, 
baß 8enoir bei brr $ub(icarion bei (Prunbriffe« ber 
Äatbebrale von Ulfen in bem SRaßftabe Steter anftatt 
guß fc&cn ju muffen glaubte, ba er bei unbeutlicbcr 
Erinnerung einen fo fleinen Wapftab für unmöglich hielt 
unb be«balb einen 3rrtbum in feinen Sotijcn vermu< 
tbete **). Die Äleinbeit ber Jtirchcn machte ti nun 
u ii iü möglich, im 3nnern ein minber fcbwerfällfge« Eon« 
ftruction«fvftem onjuwenben. Die *J3enbenrif«, weldje bie 
$auptfuppel fräßen, werben entweber ade vier, wie in 
ber Jcfrdje be« ?ip« unb ebemal* in ber nörblicben unb 
fübliaVn »btbeilung ber Ätra>e be« ^antofrator, ober 
wenigflen« jwei berfelben von ftarfen Säulen getragen. 
3m (entern Salle fdjmürfen bie Säulen gewöhnlich ben 
Eingang be« Ebor« auf ber Dfrfeite. 3» ber Älofier- 
fird)e ju Sjurfano im ^irloponne« tritt jeboa) ba« lfm 
gegcngcfcfcte ein, ba bier Die Eborfcbranfe zugleid) bie 
öftltd)eu Xräger hübet, unb be«balb bie Säulen nur bie 
wefHidje $äljte ber Äuppel ftü&cu **). Den Seitenfeh ub 
nebmen bafür bie flärfern Xonncngewölbe auf, welche 
bie Jtuppcl auf aßen vier Seiten fo umgeben, wie wir 
r« früher fdwn an ber Demetriu«fvrcbe ju Salonicbi 
gefeben baben >T ). Dagegen fallen bie Hrfaben jwifdjen 
ben Pfeilern fammt ben Emporen au». Die grauen er« 
ballen bafür ihren l iUaß in ben Seitenfdjiffen, we«balb 
bie Äreujflügel öfter« befonbere Eingänge baben. 

Und) bie Ebomifcbe erhalt eine reichere 8u«jrattung, 
inbem man jwifeben ben grnftern Säulen unb über ben« 
felben eine Seihe von blinben Sifcfjcn anbringt. Etnigr> 
mal werben trifonebe Streben erwähnt. Sir trafen biefe 
gorm in bem Ualaftbau be« Ibeopbilu« unb an ber 
Eliatfircbeju Salonicbi an. 

Ein Wittel jur Erreichung größerer Eleganz ut bie 
tbeilwetfe SütKebr ju antififtrenben gormen, nament« 
lieb bei ben Äapitellen, bie eine langgeftrecfte JteldV 
form nad) «rt ber forintbifdjen unb tompofttrn Crbnung 
annebmen. Der SBlatt« unb Solutenfcbraucf nähert ftrb 
wiebet mehr antifen SWuftcrn. Die Säulen felbft er« 
hielten bagegen vielfältig eine reich ffulpirte Omamenti- 
rung, welche bie Stämme mit Sfficinlaub unb Ibicrjigurcn, 
ober gcometrifd)en SJtuftern überwog. 2Btr haben bie 
$eifpie(e bavon in bem Jtainurgion be« Saftliu« SWaccbo 
fennen gelernt. Scbraubenartig gewunbene Säulen be» 
gegnen un« mebrfad) in grieebifeben Miniaturen , namcnt= 
liä> in bem SRcnologium ber vatiranifeben Sibliotbcf. 

Dagegen gereichte e« nicht eben jur 3icrf<böncrung 
ber Äireben, baß man bie «ußenwänbe k(M niebt leiten 
mit balbfref«förmigen ®iebeln frönte, welcbe ben Sonnen« 



64) Couekmd, Choix d'cglUei Byiantine« en Grkee (Pari« 
1843) pl. 26. tg. 8. 56) UaiUakaud, Monomen» ancien* et 
moderne*. T. 2- — •• tn Annale! archeol. 1, 43. note 1. 

66) .'.V «tt, Expedition «cientifique de Moree. Architektur«. T. 1. 
pl. 31. 57) Ctaufirtt in Äctläft'e KUgem. «aajtitung. 
3a»t 9 . 15. (»if« 1860.) @, 160 



aewölben enrfpredjen. Die gae,abe erhielt juweilen eine 
iReibe von foleben ©iebeln , wie wir \. 8. bei ber Äiräje 
be« tipt gefeben hoben, «uf ben grieebifeben 3nfeln 
ftnbet man (leine einfdjifftgc Aireben, welche bureb bie 
®iebelabfcblüffe be« einigen Tonnengewölbe«, mit bem 
fie gebeeft finb, ba« flnfeben von Jtofern ober Särgen 
erhalten. Aircben mit borijontal abgefcbloffenen Wauern, 
hinter benen bie 9tebenräutne ftch l'ämmtlicb verbergen 
nnb nur bie 4]>auptfuppel fttbtbar bleibt, wie bei Der 
Jfircbe be« Scrgtu« unb Saecbu«, werben immer feltener. 
Die .ftirebe in bem Duartier ber Säber in Qonfianrino' 
pel ift noeb ein SJeifpiel bavon"), ba« fogar vielleiebt 
erfl ber 3eit natt) ber Errichtung be« lateinifchen Äaifer* 
thum« angehört. 

Diefe leitbtere, elegantere «rchtteftur nähert fta> ben 
üppigen gormen ber arabifeben »auten, wie ba« namenf 
(ich an ben Jtapitellformen wahrnehmen ift. Stan 
pflegt be«ba(b anzunehmen, bap bie Qieränbrrungrn in 
bem bpjautinifaVn Stvl wrnigften« juin Xbeil auf einet 
diücfwirfung ber arabifeben Jcunft beruhen. 3u ber 3 b.tt 
liey ftd) fd)on Xheopbilu« von bem 3ohanue« (Mramma« 
ticu«, ber al« Qiefanbtrr bei bem Jtbalifen Woctaber von 
Sagbab bura) fein imponirenbe« Auftreten eine entgegen* 
fommenbc aufnähme gefunben bade, bewegen, feinen 
Sommerpalaft Sroo« ganj nad) bem 'JDiufter eine« fara« 
jenifeben Schlöffe« fomol in ber 91norbnung, al« in bet 
«u*jtbmücfttng au«jufübren. Sur eine 9Rarienfird>e 
neben bem Schlafzimmer unb eine Airtbe im tBorhofe, 
bie ähnlich wie bie Aircbe in ben Slacbernen, ein Iii' 
foncho« war, unterfebieb ben $a(aft $rpo« von feinem 
Sorbilbe **). ÜUein im @anjen bürfen wir wol eher 
annehmen, baß bie üppige Ürcbiteftur ber Araber eine 
weitere Entwitfelung ber fpätern gried)ifa>en Ülrcbiteftur 
gewefen fei, jumal ba bie grieebifeben gormen ben antifen 
boch weit näher flehen unb eine tlufnabmc ber befonbem 
mubammebanifeben Wanietcn nirgenb« wahrjunebmen ift. 

3) »ileenoe Aüaft«. 
a) etalrtut. 

Den fflerfen ber Silthauerfnnft waren bie ©efebide 
von Siitunj Sicht« weniger al« gün^ig. Son bem reichen 
Schate antifer SBorbilber , ben Ecnftantin in feiner neuen 
{»auptftabt jufammrngebracbt harte, ging ein großer Xbeil 
früh furch wieccvholtc Unglücf«fälle ;u @runbe. Schon 
bie Erbbeben von 447 unb I- 1 1 hatten viele Statuen 
umgeworfen unb jertrümmert. Die Sammlung in ber 
alten Sopbienfircbe ift wahrftheinlich fd)on vor 3ufti* 
nian'd ßeil untergegangen, unb bie großen $rdnbr bei 
bem Sifaaufruhr vernichteten mit bem 3eurippu« unb 
bem Senat«gebäube vielleicht ba« ^erthvoUfte, wa« bie 
^auptftabi an antifen S&ilbwerfen befuß. Seue geuer«» 
brünfle legten im 3. 726 bie Sibliothef *°) unb im 3- 790 
ba« Xriclinium Xhomaiti« im ^alafre be« $atriara>en ") 
in 9(fd>e. ®rope fBerwdftungcn würben abermal« buteb 
Erbbeben angerichtet. 3m 3- 727 warf ein folcbe« bie 

;'*) Laioir, Arcliit. maiuit. 1 , 266. No. 173. 69) ii» 
fihait. Contin. In Tuaophtlo r. 9. 60) tBctgt. Spouitmmii 

lUitoria iuagiuum reitttula 2, 11. 61) Zonarat 16, 12. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 15 



(III. ABSCHN. VERF. I». BYZ. KUNST) 



Statur be« flrrabiu* von ihrer Säuft auf brm fcre* 
lapbu* unb tte crfl Xhcobofiu* tion bfm golbrnrn Iberr 
hnab**), unb Virfr wollten barin rin Strafgericht für 
tu Vifbrrfiürmcrri üeo'* br* 3faurirr* rrfrnnm •*). 
Sin anbete« (Srbbrbcn wirb 789 rrwdbnl**), unb bei 
riafm britien im 3. 861 flürjte bic Victoria von bcm 
golbcnrn Sberr brrab, unb mrljrrrc Äirtfcm unb anbrre 
frftr 3Brrfe in btt fldbe beffrlbrn wurbrn rrftbüttrrt •*). 
Sitbt minbrr vrrbrrblicb warm bit MnRMni Ihrig» 
niffr, wrltfcr bic Vmvüftung bi* unter bir «tauern brr 
$auptfrabt trugen. Srlbfi brr Valaft bri S. s Äama6, 
bm t!co brr ©rofcc in brr 9iäbe br« iBorbrnbr* brr 
Sanbmauct aufgrfübrt hart*- r wurbr 805 von brm VuU 
aarmfürftrn Jrrummo* brm 3üngern nirbrrgrbrannt unb 
au«geraubt. Huf SBagcn fa)(epptm bir Vulgaren au«« 
erlcfme Warmorarbrilen , gewirfte Jeppidjr unb «WrtaU 
fort. Qion ehernen Äunftwrrfm werben baruntrr bir 
totem toe« Rippien« unb brr $racbr be« .frubrien nam» 
bafl grmatbt •"). Srfctrtrr war vrrmutblitb bic gtgur 
an brr borrigen Vrürfe, tvelcbe bie StrUr bejricbnet 
babrn feil, wo rinft rin Dradjr grbaujr rjdtte , brm cor 
3»it« virfr iungr OTäDcben geopfert irorbrn frfrn* 7 ). 

Huf folebr SBrifr valorrn bir Jfütiftlrr bm größten 
Xbril brr VJrrfr, bnnb weldje ftr Hnrrgung erhalten 
unb an brnrn ftr bir brftrn Stubirn machen tonnten. 
3nbrffrn barf man nicht glauben, bat alle Erinnerung 
an ba* Hltertbum ju (Srunbr gegangen wdre. SBerfr, 
wie bir SRiniaturm be« p arifer Vlaltrr*, laffrn im« ahnen, 
wir gut man nod> antifc Vorbilbrr gefannt bah- , unb 
wir wiffrn fogar bureb befttmmte Wacbrichtm, bat <Son» 
ftanrinepel bi« ju brr Urftürmung im 3. 1204 immer 
noeb rinr Hnjabl trbrutrnber unb allgemein bewunbrrter 
Salt brfa)j. 9lireta« bat un* rine Veftfcreibung von 
rinigrn foloffalrn Grjbilbrrn binterlaffen , welche bir 
granfen ringrfcbmolnm bähen, um @e(b barauA ni mün< 
jrn. ©r frlbft brmrrft, bat er frinrtwrg« Vllieö auf' 
jdblrn wolle, wa* hier jcrftöri worbrn fri, unb r* war 
iidjth* nur frinr Hbftd)!, bie foloffalfrm unb brrühtn- 
trftrn SBrrfe bervorjubebrn , in brrrn Vrrwüftung baupt' 
fachlich bir granfen ihrr £abfucbt an brn lag gelegt 
bdtten. (Sr nennt rinr 3uno, rinr ©ruppc von Van» 
unb Vrnu», rinr Äritrrftatur, bie mb ben SRriftrn für 
rinrn Vcllrrophon grbaltrn rourbr , rinrn ^rrfulr«, einen 
efrlrrriber, brn (Safar naeb brr roMacbt bri Slctium mit 
S?ei,<.j.i auf rin glü(ilia}e0 Cmrn rrricbtrt haben feilte, 
rinr «Helena oon audgrjeia^nrtrr Sd)6ni)rit, rinrn ^rrfu« 
Iti, einen Wann, brr mit einem Söwen fdmpft, mebrere 
anbere Ihierbilbcr. (Sr rrwäbnt bie Statuen M ^>ippo» 
bromd unb brftsrribt rine weiblid)e Statue, weld)c auf 
einem mit Sfulpturra rritbgrfa^mücftrn Pfeiler von aimer- 
orbrntIid>rr ^6be ftanb unb a« SBinbfabne biente M ). 

62, CV*«.. 1 , 8*)1 . 4. 63) Aoön. bti 

Banduri p, 110. Codi«. De tlgnit CP. p. 61. 04) (Wr«. 
2, 23- Zonara* 16, 11. 65) Cedren. 2, 173- Dif Jlfutnng 
tri aäyiai auf Cbclidfr«. ©dulfn obfr gututn ui «uüdicr Sßn$l. 
If» Cange, Glossar, sd scripU. ned. el int. grsxeit. sub h. f. 
66) Thropkam.. Chronogr. *d t>. 806. ed. Bonn. p. 786. Leo 
Orammat. ed. Bonn. p. 347. 67) Anoa. iti Banduri p. 51. 
68) AWfcu CkMiata . Dp sjgnis CT. ed. Bonn. p. 854 sq. 



Huf brm gerum brt C^onftanttn ftanb nicht lange vor 
brr (ffrobrrung buref) bir Lateiner noeb ber falpbonifdic 
(fber, brn Hierin* in brn Ualaft vrrfrfrn lir^, unb eine 
30 gut bebe SRinerva, bie »on bem abergldubifa>en 
Söffe <erf<blagft wurbr, wril man fir für brn frirgrri» 
fefren Scbupgrift brr abrnblänbifeben ^eere I>»elt **). 

ffleit gre&em Sajabcn fattt ber ©ilberftrrit ange 
ridjtet, ba ftd) bie Verfolgung «orjug«weife gegen bie Sta- 
tuen riebtete. ift nidjt \u fagen, wie »frl bfr Silber- 
ftürmrr umrüftei babrn mögrn. Stacb ber Beilegung 
be« Silbcrftrcit« blieben aber bie fireblicben Statuen all* 
grmrin verbeten . fobat baburd) bir Slulptur für alle 
3ritrn rin frucbtbarrtf grlb rinbu^lr. 

.*>iu unb wieber ftnb aber boa> aud) nacb brm ®i(< 
bertheitr fegar noeb rcligiöfr Staturn vorgefommrn, wenn 
fir aueb nicht in brn &ircbra grbufbet würben. So halte 
3»icbael brr Irunfrnbolb in brm $alaftr bri brr Äircbr 
br« beil. Warna* über feinem Übrone nn golbene« 
Warirnbitb, von brm rr bir $rrifr in Empfang nahm, 
bir rr in brr »Rennbahn gewonnen hatte 7 °). grrilicb 
grhörtr tiefe perfönlithr Ibeilnabmc an ben 9Bettrennen 
ju ben tbdriehten Ihaten, bura> weld>e biefer fBüftling, 
ber frine Scheu hatte, öffentlich ba* ^»riligftr im Reffen» 
fpicl ju vrrlpottrn, (ich bem Jjtaffe unb ber Verachtung 
preisgab. 

So weit fuii bir Sfulptut auf wrltlithrm (Gebiete 
bewegte, würbe fte aOabing* nicht unmittelbar Durch brn 
Silberftreit betroffen. Hber ba* Verbot Hrd)lid)er SFulp> 
türm rntjog ihr brn Voben, auf bem |ir aBrin grbribm 
fonntr, unb wir bürfrn un« nidjt wunbrrn, rornn bir 
»acbrid)tm r>on aufgefüllten Silbfdufm nad) brr 3rit 
brr 3Ionoflaftm faft ganj r>rrfchwinbm. <Hnr Statur 
donftanrin'* VI. ftanb noch auf brm $rrafionrum 7I ), 
unb berfrlbr Aatfrr hatte feiner graufamen SDrutter 3rmr, 
bie ihn 707 entthronte unb blmbete, rine rbrrnr Statur 
auf brr Spi|>r rinr* Srunnrn* in brm flrinrn ^ippo< 
brom aufftrOrn laffrn 71 ). VI ber ba* ftnb auch bir legten 
Staturn, von brnrn wir Aunbc babrn 71 ). SBenn ffon> 
ftantin Vorpb^rogrnitu* brn Valaft Vulofron mit Vilb' 
fäulm fdjmurft. fo ftnb r* Irinr nrurn Arbeiten, bir er 
madjrn läft, fonbent fir werbrn von wrfcbicbmrn Ortm 
brrbrigrfdjafft 74 ). 

3nbeffrn wurbr ba« Verbot ber Sfulpturen t'elbft 
in Vejiehuna auf fircbltchr Vilbrr «on Hnfang an auf 
eigentliche Vilbfäiilen ringrfchrdnft , unb nicht auf Srlirf« 
barftrllungm au*grbrbnt. x a* Sonril von 787 grftattrte 
au«brüdlicb nicht blo* ©emdlbe, fonbrrn aueb rrbabrnr 
Hrbeit, unb brr Vatriarcb Wermano* verwahrte ttcb, bat 
er , wenn er bic Vilber vrrtbribigr , frinr Staturn meine, 
ba birfr nur bri brn ^»ribrn im gebrauch frirn '*). Br* 

69) Nietleu, Isaacii Angeli aoa com Alcxio filio iteratam 
imperiam, ed. Bonn. p. 738- 70) t7ce.ii«. Hb. 4 «d. Bonn, 
p. 102. 71) Anon. bri Handari p. 18. Codin. De sign. p. 47. 
72) Codin. De aedit p. 124- 73) rVeya«, Seriorb artU ope» 
sub im[ip. Bys. Sect. 1 in Comment. endet, reg. adenl. Got- 
ting. Voll. 11. (Gott. 1793) Cl. bist, et philo), p. 52 Tit 
tftisdhnnmi einer ©latur tto't M 3faartrr« aa fttrfrr €tr(t< in 
rubt auf rinrin 3rrttiam. 74) Tkeaphan Cantin. 6, 15. 

75) Ua.nay*. Hist de l eglise (Rott.rd. 169») p. 13<^. 



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GRIECHISCHE KUNST 



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(III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



fonber« blieben fleinere arbeiten, namentlich ($(frnbein< 
Idjnifleteifii, üblich. Aarl ber ©rofjc erhielt unter anbrrn 
jwei Sbüien von Glfenbein mit reichem Scbnibwrrf von 
brm ^Patriarchen gorrunaru«, bet bie ©cfanbtfcbaft be« 
Wicepboru« begleitete, jum ©efebrnf T *). ©ir haben bfe 
feinen Arbeiten in Elfenbein unb WelaU rennen gelernt, 
welche al« Diprbtfja, a!« Schmud foftbarrr unb nament» 
lieb, beiliaer Mürber unb al« £agiotbiiren tum ©ebraueb 
bei brr $rivatanbad)t verwanbt würben. Gin Welicf van 
größerer «rt, ba« freilich feine fachliche ©ejiebuug hatte, 
mufi bat) ©ilbnifi auf bem ©rabmale eine« ©erwanblen 
be« Äaifer« Ibcepbilu«, Warnen« aicriu«, gewefen fein, 
benn ber au«brurf be« ©ericbterftatter« ertaubt nicht, an 
eine Statue ju benfen, unb ein gemalte« ©Üb wirb 
man auf einem ©rabmale nicht leicht angebracht haben 7T ). 

SBÄbrcnb nun aber fo ber ©ilfcbaurrel bie würbig< 
ften Stoffe entzogen waren, erging fic ftch bafär in fpie« 
lenbeui Scbmutf. SBir haben fchon bie ©cr»ming ber 
Säulcnftämme bureb Sfulpruren von Sßrinlaub unb 
Xbieren fennen gelernt, ©emerfenflwerth finb ferner 
einige Qrunnen , bie un« unter ben ©auwerfen be« ©afi» 
liu« Wacebo näher btfebrieben werben, vor aOen bie 
beiben ©rannen im ©orbofe ber Wea. Die beiben &a\w 
beefen waren au« feltenem Stein. Da« eine au» ägup« 
tifdjem Stein war umgeben von trefflicb gearbeiteten 
Schlangen , unb au« ibret Witte ragte ein hohler Jeebel 
in bie <{pöbr, umgeben von einem Jtranje von bünnen 
Saulcbrn, welche einen 9tanb trugen, au« bem ba« 
SB a (Ter in ba« ©etfen unb weiter auf ben ©oben über« 
ffrömre. Da« anbere Seien von fagarifebem Stein hatte 
einen mehrfad} burchbohrten £egel, ber ebenfall« mitten 
auf bem ©runbe ber Schale ftanb. Darüber aber waren 
an bem umherlaufenbrn Jcranje au« Gr) $dbnr, ©öde 
unb ©ibber gebilbet, bie au« Wöbren ba« SBaffer in 
Strömen auf ben ©oben, auf bem ber ©rannen ftanb, 
au«fpieen. Sfnch waren Jtc(a>r angebracht, au« benen 
©ein hervorfprabelte unb bie ©ortibergehmben »um 
Srinfen «dub"). 

(Sine noch »fit reichere ©njirrung mit aOerlei 
2h'"en jeigt noch jejt brr SBcibbrunnrn br« itloftrr« 
Laura auf bem aifw«. Die ©roftwebr be« arhteefigen 
Dempel«, unter brm Reh berfelbe befinbet , ift au«wenbig 
nur mit Ornamenten von Äreujen , vrrfcblungrnen ©än» 
bem, Wofetlen unb Seinranfen gefebmüdt. Gin« ber 
Äreuje, welche« Dibron bat abbilben laffen, enbet unten 
in einer ©lattverjierung, bie febr an bie romantfehe 
Decoration be« Äbenblanbe« erinnert. Diefe gorni mufj 
fehr gewöhnlich gewefen fein, benn fte wieberholt fta> auf 
ben ©ronjerbüren normännifeber Kirchen tn Unteritalien 
unb ebenfo auf berjenigen unter ben veneiiauifcben ©ronje« 
tbürert in S. SRarro, weldje nicht ber griccbifcbcn Slge« 
minathür nachgebilbet ifi. Dibron fefit bie« «frreuj in 
eine febr frühe 3 f 'l. u "b glaubt, bafi au« biefem Oma« 
ment ba« auf einem $albmonbe ftcbenbe Äreuj hnvor« 
gegangen fei, welche« nach ihm fchon in ber 3ett 3ufh"< 

76) AuwlM Mttlraie* md » «03 t>ri iW. Monum. bi«t. 
Germ. 1, 197. 77) 'fi*irfrp«wuVm> **»•»«• Thtvpto*. 

Contin. 3. 18. 78) U^pka«. Contiu. 6, 85. 



nfan'« vorfommen foD. SWit Stecht wiberfpridjf et ber 
Slnjicbt, wonad) ba« (entere ben Sieg be« ©l)ti^ent^umÄ 
über ben 3«lam bebeuten foll '»). ©ietlcicbt ifi aber ber 
£albmonb Wicht« weiter, al« ein alte« SBapprnjeicben 
von Qonftanrfncpcl , ba« fchon auf antifen OTunjen br« 
beibnifchen ©vjan] vorf ommt ""J , unb von bem wahr« 
fdjeinlich ber türfifebe .fcalbmonb feinen Urfprung ge* 
nommen hat "'). Die innere Seite ber ©rannencinfaffung 
ftrflt allerlei Ibi«« bar, auui Zfyttt im Äampfe mit ein» 
anber, einen Jöwen, ber einen Ddjfen jerrei^t, einen 
^unb, ber einen f>irfa> jagt, Schlangen im Äainpfe mit 
«blern, einen «bler, ber einen Äaben jenrifit, aufjn» 
bem Pfauen, ©reife unb Sauben. «cbnlictjc Sbiftfiguren 
btlben bie SSaffergüffe be« ©rannen«, unb ein Äbler mit 
au* ; vbreiteten Slügeln unb einem ^palbmonb auf bem 
Äopfe fchwebt auf ber Spi^e ber fupfernen SBafferröbre, 
bie, ehrmal« vergolbrt, jettt rolh unb blau bemalt, ftch 
au« ber wetfien !D?arntorfcbale erhebt. Unter bem übler 
ftno brei Weihen wafferfpeienber Irjicrc, oben geflügelte 
Söwen unb ©reife, bfe in aller Wuhe ba« Saffn an« 
ibtro «Racben au«giefjen, in ber «Witte Schlangen, bie 
ihre Angriffe gegen Ochfen unb Schafe richten, woldK 
unten von Schlangen erwürgt werben, unb vor Schmer) 
ba« SBaffer veu ftch ju fpeten fchetnen. Snblicb jteben 
ju ben Seiten ber Schale jwei Söwen, bie, wie Sa)ilb> 
halter, jwei fleine Säulen frühen , welche bei ber SBcibung 
be« SBaffer« al« Lichtträger bienen. Die lefttern finb 
mobern unb fcblecbt gearbeitet, alle« Uebrfge f<bcint ba« 
gegen febr alt ju fein "*). 

Such ber ©orhof be« Jtainurgion enthielt einen 
©runnea mit einem ftlbernen Übler, ber eine Schlange 
in ben Jflauen hielt »*). 911« ein Beifpiel von ähnlichen 
©erjierungen burch bebrutung«(ofe Ihtngefralten verbient 
enblich noaj ein griechffche« ©efäfj au« bem 11. 3abr* 
bunbert im Schabe von S. 9Marco ju ©enebig <£rwa> 
nung, beffen ^enfel au« falamanberarltgen Ungeheurrn 
gebilbet ftnb"*). 

«Won fann e« al« eine golge be« ©rtfall« ber fünft' 
(erifchen Trce>nif betrachten, ba§ man begann, befonbem 
SBerth auf fünflliche mechanifche arbeiten unb Grfin« 
bungen ju legen. Schon jur 3eit be« Xheophilu« jeich« 
nete ftch barin ber SKatbrmatifer unb ^hilofoph $to 
au«, beffen Ünfehen unter ben folgenben üaifern, nament» 
lieh unter SRicbael Iii., bei bem (Sdfar ©arba« nod) 
höher frieg. Diefer funfheiebe Wann verfertigte bem 
Ih^Philn* jro« flwfif golbene Orgeln in ©eftalt von 
Steinen unb ©äumen, auf welchen ©ögel falten unb 
mit ben glüaeln fcblugeu, inbem fie fangen. SWuhaei III. 
lie$ biefe« Äunfttoerf nebf) jwei ebenfall« golbenen Löwen 
unb ©reifen be« ebeln «Wetad« wegen einfehmeljen ; fpäter 
aber ift baffelbe au« veraolbetem Grj wieber rxrqeftellt 
worbrn. Der fingenbe ©aum flanb jur $tit be« Gen* 
ftanrin ^prphvrogenitu« in wr SWagnaura vor bem fo» 

79) l>>dro*, Ieonognpbie ebrit Hi«t de Dteii. p S96. 
80) I* Cange, PunüUe Byi. T»b. 2. 8. 9. 81) 9ttnt. 

9a« jL'aprntM'tfrn >tt »rif<tff n unl. Ü)»in«r («min 1841) €. 132. 
82) Ann. irchcol. 21» 80. 81. 83) Tktopkn*. Coni. 6, 24. 
84) 99erf in In »inbril. tn I. I. «rattal.Kcmmifflrn 6. 1%. 



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GRIECHISCHE KUNST 



17 — (IIL ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



genannten Throne be« Salomo, unb an ben Stufen bf ö 
Xbrone« franbcn bie Jörnen, bie fid) aurtictiiftcn unb 
brüllten, tvdbrrnb brr Ibron fdbfr Mir* eint unfichlbare 
Sorricbtung hoch emporgehoben würbe, fobafj ber Jtaifer, 
Mi auf bemfelben fag. In ben Säften ju f*tteben fd)ien. 
I ur* foldje Spielereien fud}tc man frrmben ®efanbtrn 
ju imponiren. Stfcbof üuitpranb von Scrotta erjählt 
bavon in btm Serid)te über frinen (Empfang, al« er 
946 für Serenaar um eine grieebifebe Srinjtifin warb. 
3n ganj ähnlicher SBrife waren febon 916 bif griedjifcben 
©efanbten ju Baobab von bem jft>a(ifrn Mofiaber em« 
pfangen, Per bann btm Xfveopbilu« nacbgtabmt babrn 
mag. Dir mittelalterlichen Xi*ier bt« «btnblanbt« 
fprtajen mehrfach von brm fingrnDrn Säumt, »renn fit 
bir SBunber be« Orient« fdjilbero **); in btn lirjählungm 
von btn Ubatrn Hierunter'« ift bavon bit Webe, unb 
SUbrrt von Sdjarfftnberg «irrt in bet gortfrßung bt« 
Jiturtl btn ©raltempel mit einem dbnlicbrn Saume, auf 
MMhtaN biafrnbe (Engel ibre Muftf mit bem ffiefangt 
ber Sögtl vereinigen •*). (Sin Orgehvtrf mit muficiren* 
ben Sjflurtn ift bei ®ori naa> einer $anbfd)rift abge- 

b) ÜKiilrtri. 

Selbft bie bllberfrürmenben Äoifer haben bit Malert! 
abgefeben von ben fir*h*fit Silbern feinrtfroeg« fritf« 
mütrerlid) bebanbrit. Sie liefen ftd> unb bie übrigen 
in Silbnlffen barfttllrn unb ibre «flaldjie mit Mofaifen 
unb anbern (Semdiben auflftbmücfen, unb felbft bie 
Äircben erhielten eine malerifcbe »utfftattung, bie jicfc 
jebod) auf «fceroration mit 8anbfd>aften , 5 hierfhirfen unb 
3agbtn befebränfen mufjtr, fobafi fogar bte unbtiligen 
Silber in ben JÜrchen von Strien beflagt mürben **). 
Der Diafonufl Stepbanu« wirft bei ®eltgenbeit ber (Er» 
jdblung von ber Serfolgung be« "Df ou*6 unb Watertf 
Stepbanu« unb von ber Sitberjerftörung in ber Jtir*e 
ber Ibeoiofotf m cen S(a*ernen bem (Eonftanrin Jto< 
pronomu« vor, bafi er bie Jtira^e in einen Obftgarien 
unb ein Sogelbau« umgetvanbelt habe "). .1 an ibto. 
pbilu« bit Äünfiler nt*t verfolgte, weil fit malten, fon« 
bem meil fie bie Anfertigung von heiligen Silbern ju 
ibrtm üebcntf berufe maa>ten, fleht man namentlid) au« 
ber graufamrn Sebanbtung be« altrn unb berühmten 
Malte« jajani«, bem felbft im ®tfdngnifft offenbar ge« 
flauet mar, feine Äunft ju betreiben, unb ber nur ben 
graufamften Martern unttnoorftn mürbe, tvril er fid) mdjt 
abhalten lieft , $rillgt ju malen »°). 

2>ap nadj btm bit Malerei jur 3eit ber mareboni' 
febtn Dvnaftit auf ber ViHten Sfufr fianb, haben wir 
gefeben. ®egen (Enbe be« 11. unb im 12. 3abrbunbert 
aber wirb fdjon ber nabmbe Serfall fiebtbar. 3>ie guten 

r\ 1 - b.«kan f.li.tii..»- unk hin tfimi. tir<.4\ ...ti i"i t. ,. f 

jiunnTperre roeroen iriiener, uno oie j\unu tr]meini uoeT' 



85) 3. »• Stbni» OruM 9. 1847 fa. un» tg(olfbirtti« BL 
129 bet 9Pdb(fr. 9>ratf<bc Ci*«unq im üRiltrlalttt €. 287 Mb 
488. 86) X. Barbier de Montault, Orguei an forme d'arbre 
il Annalea archeolog. 18, 90 — 93. 87) Oori, Theieuir. 

ilij.iv rh. 2, 12- 88) ThtopAan. Condo. 3, 10. 89) Ana- 
Imu graec» (Lutel. Paria. 1688) 1, 454- 90) VA-,./..i 0 . 
Cont. 3, 13. 

*. «acsH. ».«D a.«, «ritt «ecrJea. JiXXX V. 



haupt mtf)r hanbmtrftfmäfiig hrhanbrlt. Tie Sriniaturtn 
finb bitr tvitbtr unfere befte Duelle. Die vaticanifdje 
unb bie parifrr Sibliotbtf btft&tn mehrere voqüglid)e 
{>anbfd)riften au« ber 3eft ber Somntnrn, unb einigt 

ßia>ntn fi* nod) burd) eint gemiffe geinheit ber du«' 
brung au«, aber bie meinen Miniaturen »tugen von 
glüdttigfeit ober Unfdbtarrit be« «Ötalertf, nnb feine laffen 
fid) mit btm pariftr $)alltr ober bem ®regor von 9?a= 

Sinj unb ähnlichen Arbeiten vergleichen. Sine für 
leriu« tjomncnu« (1081 — 1118) gefd)rifbtnt Dogm*- 
tica Panoplia, D. i. tin Sjoffenmagajin be« (glauben«, 
enthalt brri Debirationebilber , beren tüutfführung 9.id)t« 
meniger a(« anfpred)enb ift *')■ (.^ne Sammlung von 
Herten be« 3ohannr« ßbrvfoftomu« in brr parifer Siblio« 
tbef (Eclogae 8. florea Joa. Chryoost BibL Coisl. 79), 
bit 1080 für ftictpboru« Sotoniatt« gtfdniebrn ift, ent« 
hält 4 Sldtttt mit fitifen unb unbeholfenen Atguren, 
bie aber lum Zhril nod) fehr gut gezeichnet ftnb unb 
naturalifrifd) gehaltene Äöpfe haben •*). (fin (Svan» 
aeliarium im Satican (Mtw. Urbinat No. 2), unter 
«Johanne* gomntnufl im 3. 1128 für j»ei Srinjen be« 
Äaiferhaufe« gtfchritbtn, ift fehr fd)led)t in ber 3ei<t>* 
nung unb bunt im (Solorit. 3m Uebrigen hat e« Wchtf 
liebfeit im 6lvl mit bem ®ehtrn'|cben (lober in Böttingen, 
unb bie Jtöpfe finb fogar jum 'Ihcil no* ettva« btfftr 
uuegeführt, al« in bitftm **). 3ieeüct) ( aber meifientbetl« 
fehr verborbtn finb bit Miniaturen in bem Alimar be« 
3o banne« itlimafo« ebenbafelbft (Cod. Gr. 394), einer 
2)arfltHuna ber Stufenleiter ber Sugtnbtn unb Safter, 
bit tbenfaD« in ber Seit ber «omnenen gtfd,rifbtn ift. 
Ätbtn ben fteinen jierltd)en Silbern berfelben fommen au* 
einzelne großen vor. Dir vortrefflich colorirtrn unb fdjarf 
gtjeidjneten giguren haben mehrfad) ungeffl>icfte Seme» 
gungen, unb im ®anjen finb bie tveiblicben ftiguren 
meniger gelungen, a(6 bie männlichen* 4 ). 

Schone Ornamente unb meifl au« iXhierfiguren 
}ufammengefe(te 3nitia(tn tnthält eine Sammlung ber 
Srebigtrn bt« 3acobu« Sionacbu« auf bit Staritnfefte 
in btrfrlbtn Sibliothef (Cod. Gr. 1162). 3m Uebrigen 
haben biefe vorrrrfflid) erhaltenen Miniaturen 9ticbt« von 
ber frühem 3ierlid)feit. (£« ift viel ®olb angttvtnbft, 
bie giguren ftnb lang, von (reifer {talluug, mit tiefen 
Umriffen, fehr naturalifrifd) gehaltenen Äöpfen unb honb« 
rocrf«mäfiig gearbeitetem gattenmerf **). (Jin parifer 
Manufeript ber Sriefe btfftlben Möndje« (Cod. Gr. 1208) 
jeid)net fid) ebtnfaU« burd) gefchmaefvolle 3nitialm au«. 
Sonft ftnb bit Miniaturen jicrlid), abn febon fehr banb< 
merftfmäüig, bie gigurm nod) leiblid) gut proporrionirt, 
obmol bie Setoegungen jumeilen etma« ftrif au«faOtn; 
guch bie ®tfichter oft vorrrejflid), fo lange fit ni*t ju 
flein finb, bie ©tmänbtr ab« meift fd)lea>t. «uch fommt 
febon viel ®olbgmnb vor. 



91) AoiMxnrl T. 58. «Bngl. ©tfdirf Ituag »en «om tt). 2. 
■btb. 2. €>. 353. 354. no ruft ae<b Xsait unt CdtünMl M 
(Jplcrlt* btfoabrrt in ben Ai'pftn ^ffu«b«tt Wieb. 92) Hiycllot 
1, 95. Bbk. tri Montfaucon, Biblioth. Coialinlana nitro Segne- 
riana (Pari«. 1715). 93) »ffduribuBg s»n Stern 6. 364. 
94) »af. 6. 366. Ayincourt mio 68. 95) Agit. Tab!« 61. 

3 



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GRIECHISCHE KUNST 



18 — (III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



e) £<r -sit. 

ffienn man bie ®eft(^td|>unftr erwdgt, wclcbe gegen 
bie Silberflürmer grltenb gemacht würben, fo ifi rt nicbt 
fdwci , barau« ©rünbe für Die Serfcb(ed)lening be« 
Stvl« abzuleiten, wela)e man bfi ben Sojanrinern »er» 
au«jufeften ppcgi. 3unda)ft wieberbolie man bie alte 
Sebauptung, eap bie Silber nur Mut bienten, Per un> 
gebilbelen Wenge eine verfidnblicbe 3üufrration ber bei» 
Ilgen Ueberlieferungen vor «ugen »u fufjren. Diefe Hn» 
fla>t, bie von Jtirebenvdtern unb üoncilirn ebenfo oft im 
«Morgen« , wie im äbenblanbe au«gefpro<ben mar, legte 
reinen SBertb auf fünfHerifcbe unb fa)öne Darjiellung; 
fie wuftte Slicbt« bavon, tap bie Jfmift ein Wittel fei, 
bie €eele ju vercbeln, unb bafi ©ort ftr bem SRenfcben 
verlieben habe, nicht nur, um if)m ba« Heben ju ver» 
fd)önern, fonbern, um ihn über bat 3rbifcbe unb @e* 
meine gu erbeben. 3e mebr tiefe Anficht in beu Sor» 
bergrunb trat, um fo weniger fonnte eine fünftlerifay 
(Sntwidelung Wabrung ffnben, bie nur in ber Darftellung 
be« ©cbönen Sefrirbigung fuebt. Äein ©egenfianb fonnte 
ben Äünftler mebr abfdjreden, wenn berjelbe bura> bie 
fird)licbe &bre unb Xrabftion gebilligt war. papft ©re» 
gor II. nennt baber in einem Briefe an Seo ben 3fau- 
rier vom 3ar>rr 730 bie Darftellungen ber Setben Gbrifti 
unter ben übliajen unb roürbigen ©egenjidnben für bie 
Slutfdjmüdung ber „Streben *•), unb feine Wartcrfcene 
maT fo efelbaft, bafj üe nidjt in ben Wenologien unb 
anbern fortblieben Silbern mit ber unbefangenften Slawe* 
tdt f/ätte bargeftelit werben finnen. (Sfl mag fieb au« 
tiefer ©eiitctfrtdituna, erfldren, bafi auf ben fpätern bvjan* 
tiniftben Silbern, roie j. S. auf bem SRofaif in ber 
Opera brt Dom« von glorenj unb bem golbenen 
Südjerbedel ber Sibliotbef von 6. Warco in Sene* 
big, bie Äreujigung Gbrifti ganj naruraliftiftb bärge» 
fieüt wirb. Der Äötper GbrifH ift ba nid)t mebr in 
bat Diafonrngewanb gebullt, bagegen ber Äopf gefenft, 
ber Selb in üdj jufammengefunfen, obrool bie Sinne 
nod) meift auf ben Äreujetarmen autgefrredt gebilbet 
»erben. 

SJtan pflegt ferner ©ewidjt barauf ju legen, ba)j 
ber OrunbfaR be« 2. niedifebtn Qoneil«, wonaa) bie 
Waler nur ben Sorfcbriften ber heiligen edirift unb ber 
Jtinbr folgten, eine (Srflarrung ber Äunft in feften, b«' 
gebrauten formen >ur golge gehabt baten min» Aller" 
bing« mag baburtb ba« geftbalten befrimmter Zippen 
febt geförbert tvorben fein. «dein eine fola)e (Srftarrung, 
wie man fte |5(b bei ben bvjantiniftben Silbern ju ben« 
fen pflegt, ift vor ber Eroberung donftantinopel« burtf) 
bie Lateiner nitbt eingetreten. Da« ftbablonenartige «In« 
feben unb bie grofk llcbereinjrimmung bn Äircbcnbilber, 
roelaV ben 4tei|enben in ffiriedjenlanb auffällt, wirb ver< 
mutblicb in ber <8cltenbeit alter Silber au« ber 3eit vor 
jenem (heignif begränbet fein. 

Dagegen mu^ man e« al« ein 3na>rn be* beginnen- 
ben SerfaU« betrad>ten, ba^ in ben legten 3abtbunberten 



96) Act» Coocilii Nioacni It. in Labbri ConcU. T. 19- 
P. 29. 



bie SBertbfcböfcung fünftlia>er 2ea>nif unb foffbartn 
SRaterial« au^erorbentlid) junimmt unb fortwdbrenb ge> 
fieigert wirb. ®ir boben bereit« ba« flufrreten ber 
Slgemina im 11. 3abebunbat befprodjen, unb ebenfo 
(eifiet bie Searbeitung be« dmail« unb be« 9tofaif« tat 
(§rftaunlia>fte. Die )ieriia>fte (Smailarbcit, bie \<k gefedea 
babe, ifl bie ber früher befa>rirbenen Süd>erbecfel in 
ber 'SWarcuÄbibliotbef {tu Senebig unb ber Sibliotbef ber 
«fabemie ju Siena. Die 3ierlia)fett ber in feinen ©olb. 
linien gejogenen 3ei*nung unb bet ®lanj ber €a)met). 
färben ftnb gleicb btwunbern«wertb, unb man überftebl 
über ber feinen unb funfrvollen 2ed)nif gern bie über« 
triebene ?dnge ber Figuren unb bie allerbing« burd> bit 
2ett>nlf aebotene SRanier, in ber bie «einen Jtöpfe be' 
banbelt ftnb. 

VI n ,h bie beiben SRofaiftafeln in ber Opera be« Dornt 
)|U gtoreitü (oben Sb. 84. S. 435) finb febr feine Slrbeiteit. 
Die einjelnen Silber finb auf ©olbgrunb au«gefübrt, 
unb ba« Wofaif in ben gleffcbtbeilen fo fein, bafl man 
felbfi mit einer gewöbnlitben ?oupe bie @la«ftifte fa)»« 
untertreibet. 

Die jierliäjfte «u«fübmng finbet man au* in ben 
«Miniaturen mebrerer ÜWanufcriptr au« ben leftten 3abr« 
bunberten. ©d)on ber für Saftliu« 'SWacebo gefebriebene 
Sober ber 3Rareu«bibliotbef in Senebig )eiif>net fia> bura) 
bie feine 3t><b»ung au«. Da« Sebeurenbfie in tiefet 
'Hidjtung ift aber ber Reine Evangelien *t£ober ber parifet 
Sibliotbef, fix. 74, ber in ba« 11. 3abrbunbrrt grfeet 
wirb, (fr ift mit äußerfi nieblitben SilbdVn geftfjmütft, 
bie fo forgfam au«gefübrt fmb, tut» fte felbft butd; bie 
Soupe gefeben faum verlieren. Die Jigürdjen finb etwa 
einen $oü lang, bie Proportionen f<bon etwa« gefrretft, 
aber no<b ntajt auffallenb, bie Sarbe ift fraftvod unb 
barmonifaj. (I« wirb jebea) fdjou viel ©olb, befonberf 
in ben ©ewdnbern gebrauajt, inbem entweber auf gol- 
benem ©runbe bie galten mit brauner garbe, ober auf 
farbigem ©runbe bie galten mit ©olb etngejeitbnet ftnb. 
Daburtb gleidjrn tiefe Silber febr ben bnjantinifeben 
(Smaillen. «ua> bie (Sompofition biefer Silber bat nan> 
aje« @igentbümlia)e, unb e« fprid)t fia) barin ein gt' 
wiffer 3beenrei(btbum unb Sinn für poetifebe Sluffajfung 
au«. UHan licht jnm Seifpiel bei ber ©eburt (5bri|fti 
bie belügen brei itdnige frobloefenb auf hoffen hrun 
jagen. Sei ber Xaufe (fbrifii fiebt man ein reijrnbe« 
Silbeben, auf bem ein (Sngel vor (Fbriftu« voranffibreitet 
unb ibm ben 3orban jeigt. Sei bn Serfudjung Ebrifri 
ifi €atan ganj menftblicb, fogar ebel uub würbevoO ge< 
Aeiajnet, unb nur an einem Pferbe» unb einem Weier* 
fupe fenntlia). ilnbere Silber folgen wieber befannteu 
Ippen. gaft jebe Seite be« Sober entbdlt ein«, juweilen 
aud) jwei biefer Silbcbm. <Silvettre, Souanbrc unb Sabarte 
geben proben bavon, jebod) nur ber Vettere in lutreffen* 
ber Seife. Die beiben flnbern geben ba« Original 
febr enrfietlt wieber, ba bie 3eid>ncr an ber )irrlid}en 
9(u«fübrung ver^tveifelnb ben dopten bie jwei' unb bretfacbe 
©rö^e gegeben baben. «ud) bie fleinen gigürd)en, weltbe 
bie «nfang«bu<bfiaben ber einjelnen Sieben be« ©regor 
von 9?aiian| in ber 1063 voürnbeten vatieanifeben £anb» 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 19 — (III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



iitift (Cod. Gr. 463) bilben, ftnb gum Sljeil von nid>t 
geringerer Sdjönbeit. 

»u allen biefen Arbeiten fiebt man nun audj, wir 
bie SBertbfdjdftung be« foft6arrn Material« lunimmt. 
Sefe-nrertf ift Ca ©rbraud) ber Sergolbung ju beachten. 
3n ben SRefaifen ift berfdbe f<f>on früher gewöbnlid) 
jeworberi Son ©olbmofaif ober 3Rofaif mit ©olbgrunb 
ift febon in ber Sefdjretbung bfr Sauten be« Sbeopbilu« 
mebrfad) btt Sebe. 3n ben Miniaturen fommi bie «n» 
wenbung be« ©olbe« in ber 3rit be« Safiliu« SWacebo 
no* jiemlicb feiten vor. 3in 11. 3abrbunbert finbet 
man febon öfter golrene ©ewdnber unb glügel mit brau» 
nrr 3)eiail jridjnuiig , ober umgelernt farbige ©ewdnber 
mit ©olbfdnaffirungen , weldjr tbril« bit Viebtfldebrn 
betvorbeben, tbeü« bie galten marfiren, wie j. S. in 
bem vatkunifa>eu 3Renctogium , ja golbene Ser&ierungen 
an ©egenfidnben, wo fie na* ber Slatur berfelbrn nia>t 
immer paffenb erfebeineu. 3* erinnere an ba« panfer 
(hangelienbud) 9<r. 74, wo unter anbern hie ©rdber 
ber Auferflanbenen mit einem ©olbranbe eingefaßt ftnb, 
unb ein Saum fogar einen golbenen Stamm unb im 
Sid)te mit ©olb aufgeböbtefl £aub bat. Sebr gewöhn» 
Ua> werben feit biefer ;*cu in ben <Svangeiienbüa>ern 
DarfUüungrn ber ÖTMiigeliften auf ©olbgrunb, wie j. SB. 
in Dem ©eblen'j*en (Jober ju ©Otlingen. 

Scben biefer Steigerung trebnifdjer Aünftlidjfett unb 
.Äoftfpieligfrit, bie man oijne Zweifel ähnlich, an Ulfen» 
brinrelief« unb Arbriten, wie ber golbene Südjerbedel in 
Senebig würbe verfolgen fönnen, wenn biefe Arbeiten 
häufiger eine fiebere 3fitbeftimmung juliefien, treten nun 
aber aud> jene Manieren ber 3«eJ)nung bervor, bie wir 
bereit« jben (Sb. 84. ©.451) bei berSrurtbeilung be«S»l« 
ber beffern Seriobe befproeben baben. (Sbenfe bemerfen 
wir im allgemeinen eine Serfcbledjteruiig be« ßolori«, 
in fem ftcb mehr unb mehr (in grellbunter garbcngefdjniad 
geltenb macht, jumal in ben Stornierungen, bie ü* bariu 
mebrfad) ben arabifdjen ndbern. 3n ben ©ewänberii 
fommen neben ben bellen, gebrochenen garben häufig 
3innobmotb, ein lebhafte« ©rün unb ein bunfle« 93iolett 
iui Slnwcnbung •')■ 3m Allgemeinen begegnet man an< 
fprcdjenben Silbern in ben fpdteru £anbfd)riften immer 
feltener, hdufiger bagegen grofien 3>ebication«bldtlern mit 
ben fcbmudbelabenen giguren von Äaifern unb Äaiferin« 
nen, bie meiftentbrilfl febr abftopenb ftnb. 3* erinnere 
an bie Dogmatica Panoplia in ber Sibliotbef be« 
Satican ••). 

d) Stcoratiei. 

(Eine befonbere Sebeutung erhielt buieb ben Silber' 
Uten bie Derorarlon. SBir faben, baß bie bilberftürmen« 
ben Jtaifer barauf au«guigen, ben «djmud bei Aircben 
gani auf bebeuhing«Io|e Derorarien jit reburiren, bie 
aüerbing« niebt fo weit ging, wie bie arabifdje, ba fte 
wenigften« 3 biete imbebenflicb benufrre. 9lad) Seenbi« 
gitng be« S3ilberftreit« war jwar ba« gelD für biefe 
ibetoratton wieber beengt worben, aber eine Sfaajwir' 



97) »««aen, Ä«»ftw*rfe »k Jtü«|Mfr in ^ari« ©. 225. 
82«. 98) A f i*co»rt, P^BtTabl. 68. Nr. 2. 



fung ber einmal eingefdjlagenen Sidjtung blieb beffen« 
ungeacbtel nicht au«, tie Wanufrrtbte, bie feit bem 
9. 3obrbunbert b^ufiger werben, {eigen un« bie eigen' 
tbüntiia)e l^titwidelung ber bi^jantiniicbcn ü>ecoration an 
ben SRinialuren, mitbeucn fte gegiert ftnb. £ier finten 
wir eine merfwürbige S9enu(ung von Sbingeftalten unb 
menfcblia>en giguren, bie befonber« wegen ihrer noeb 
)U wenig beaa>teten Seu'ehung ju ber «uflfcbmüdung 
abenbldnbifcber 4>anbfa>tthen «ufmerffamfeit «etbient. 
(ffl ftnb befonber« bie «nfang«bud)flaben, 3nirialnt, bie 
man beim S3eginn eine« S9ud)e« ober Abfcbnitte« bur* 
eine fünftlerifd)e Sebanblung au«)u)dcbnen pflegte, inbem 
man nc au« Xbieren, einjelnen menf*li*en giguren 
ober ©nippen bilbete. Son Xbiergeftalten werben vor« 
Hüglid) gif*e unb Sögel, feltener Seblangen unb vier» 
füfiige Xbiere benu^t. i'u- menf<blia>en giguren ftnb oft 
bdiige ©eflalten unb bie ©ruppen enifpred)en meift ju» 
gleia) bem 3nballc be« üerte«. i&in X au« dnem ©rc 
gor von ^a^ian 1 in ber vaiicanifd)en Sibliotbef ftellt 
j. S. bie Xaufe ßbrifii wi , inbem Sbriftu« unb ba 
Idufer bie untetn, unb jwei @ngel bie obem 6djenfel 
be« Sudjftabenö bilben *•). «infamere 3nitialen befleben 
aber aud) bdttfig au« arabe«ren> unb Mumenartigen 
3da)mmgen, ober au«Sdnbern, bie mebr ober weniger 
fünfiltcb in dnanber gefd)lungen ftnb. Mm Xbdl bat 
man antife ffidanber benu^t, namentii* ba« Sdnber« 
Ornament ber ioni|a)en Sdulenfüfte, ba« unter anbern 
auf ein paar atbeuienfifeben @fu(prurcn febr uerlid) tum 
©a>mud von ihrujen verwanbt ift '). 

®a>naafe*) glaubt in biefer ngenlbüuilid)tn Crna> 
mentif eine (finwirfung ber arabita>en unb tärfifeben 
Äunft iit erfennen , unb fiebt in biefem Srble eine ttnt» 
artung, bie erft in ber legten Sctiobe be« gdnilia>en 
Serfall* ber bojantinifeben Äunft jur Gnrwidelung ge» 
fommen fei. tiinfadK «Spuren berfelben entbdlt jeboeb 
fdjon ein @ober ber 6<ba(fammer ber münebener Siblic 
tbef mit Lectiones Evangcliorum , beffen Schrift auf 
ba« 7. ober H. 3<>brbunbert febliefen läpt. 9tan fiebt 
bier verf*lungene Sdnber, bie in übierföpfen rufen, 
ober ben borijontalen Strid) im E burd) eine $anb ge> 
bilbet 3m T ift ber fenfredjtc €tda> von einer 
6d)lange umwiinben, ober berfelbe enbet mit einer $anb, 
bie ben wagereebteu 6 trieb fafit. 3>ajj wir nid>t dlrere 
3nirialen biefer «rt fennen, ift wabrfdjeinlicb nur ber 
Sritenbeit dlterer ^anbfajrifteu jusufebreiben. fflenig» 
ften« bat ber wiener DioÄioribe« dnige einfaa>< Serjie» 
rungen, bie ebenfo in ben dlteften irifdbrn Initialen vor« 
fontmen, nämlich Su*ftaben, bie mit !fidben von tyunU 
ten eingefafit finb, ober in Soluten au«laufen. @« ift 
befannt, bajj bie irifeben 3nttia(en gan) befonber« ba« 
Ornament ber Sdnberverfdjlingungen mit menfeblidjen 



99) 2H(ftf unt «nUxt 'Snltiicl« b<i Aguuvuri, Peint. Table 
49- 50. 9in ankere« {itrlidx« ®rt(rirl «u« Km rauf« Vfallrr 
9»r. 139 Ui SUrt»tre, fulruar. oniv. T. 2. fjrrfll. dud) Moni- 
faucoit, PalMographi* gracc« (Pari». 1708) p- 254. 

1) Oitirtm, Iconogr. chril. Hiit. de Difu. p. 390. Kg. 96 
unb p. 898- Flg. 99. 2) <S(fd<id)tt Kt tilKnbrn Jtünftr im 

ÜIIitKlaller l, 224. 



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GRIECHISCHE KUNST — 20 — (III. ABSCflN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



unb tbierifcben ©eftalten cnnvicfelt haben, unb b<e frtfcl)«w 
Btanufmpte, brntn man freilicb (in fefir hobt* Alter 
beilegt, mit' jcbenfall* jünger, al* ber Dio*coribetf. 
Ällnping* fmb aber aint bte grietbifeben 3nitialen im 
9. 3abrbunbert noch, iiemlid; einfad; unb unennvitfelt 
3« bem panier ffiregor von Äajianj j. 9. ftnb jie noch, 
höJ>ft flüchtig unb plump gemalt, Aujjer einigen Set' 
jierungen von Blumen unb gieren, bie ben Bucbftaben 
angehängt »erben, j. B. einmal einem Bfau, {ommt 
bort nicht viel mebr vor, al* ba* E mit bei fegnenben 
6anb ober ein gifch, bet ein O vorfiel». 3n fpätern 
SJlanuferipten werben bie verwerten 3uitialen aber immer 
gewöhnlicher, unb c3 ift barin aufinorbenllicb, viel C'r = 
jtnbung*gabe unb ©efa)macf ennviefeü. 

i l»e:e , jumal Bogel , waren auch t'onft al* Deco» 
ratiou beliebt. (Sin Swofaiffufiboben be« Aainurgfon 
entbleit in ber Witte einen Bfau innerhalb eine« Stroh« 
lentranje* von farifebem Warmor unb vier Abler in ben 
Vitien *). Den Bfau (ennen mir febon ato häufige 
3iefbe bei ^ immer in Bompeil unb £ertulanum, unb 
et lehrt unenblicb, oft In ben Jtatafomben unb an djrifl« 
lieben Sarfopbagen wieber. Ob er eine fambolifebe Be« 
beurung hatte, ift nicht befannt Der Abler, einft Bo« 
gel be« 3upiter, war befanntlitb ba* alte Svmbel ber 
römifd>en Jtaiferwürbe. 

(Sine Annäherung an ben ©efehmaef ber SRubam« 
mebaner jeigt ftch aderbing* in ben 3<«ratben, bie in 
ben «Wanufrriptrn ben obem Kaum ber erften Seite 
aufzufüllen pflegen 4 ). Diefe* Ornament, weichet) häu- 
fig, aber bo<h nicht immer, ben Site! be* Suchet) in 
fieb fehltest, wirb meift au* lebhaft rolorirten 9lofetten 
unb Blumen gebtlbet. Aebnlid) werben auch '<n Stai* 
nurgion bie bunten Dtofaifmufter mit Blumen an bem 
unten« Iheile ber SBdnbe hervorgehoben »). 6ogar bie 
gewöhnliche durftvfchrift erhält befonber« bureb bie eigen' 
thümliche 3ufammenjiebung mehrerer Bucbftaben eine 
entfernte Äebnliebieit mit arabifcher Schrift *)• 3nifialen 
unb anbete Ornamente werben jum öfiern in einer ber 
arabifchen ähnlichen B3cife gan) au* verfchlungrnen 
Bdnbern gebilbet, bie alienfalle) in Blätter unb Blumen 
autlaufen. (Sine feht reiche unb fünfHicbe ©olbfdjmieoe* 
arbeit biefer Art, bie völlig ben (Sinbrucf eine* arabifeben 
SBerfe* macht, umgibt eine 9leliquientafel im cd'ogc 
ber SRerropolitanfircbe ju ©ran in Ungarn, welche jut 
Aufbewahrung eine« Stüde* vom Äreuje Sbrifti beftimmt 
ift Selbft bie mäanberartigen BacffteinjieTratbrn haben 
«.um Ibnl ein fafi arabifebe« Anfeben. SRan fann 3wel« 
fei hegen, ob in foldjen gäüen arabifeber (Sinftu|j ge. 
»alt« habe»), ober ob nicht vielmeht bie Araber ihre 

3) Tktopka». Contin. 6, 89. 4) €i(t> t 3>. bie Wbtl« 
|>«ng an« t<m 9rb>n'fd>fn Qebei in GtUii Codex IV. Evsnge- 
Horutn (Krurofurti et ttpiiae 1729} unb au« Vtm pjnftr Qtrc 

der »ra 9la)isB) 91t. 643 tti SU w . VaUogt. us.iv. T. 2. 

6) Throphan. Contin. 6, 89- 6) €trfcf tie HbbUbtinq. ao« 

Um tjunarli« »r. 163 Ixt t'jurrntianifdKn «iblioibff ju fi\onn\ 
iti SUftrt. 7) 8r. 8c<f im 3o»tK »er f. f. ««trat <öom. 
m.ificn f*T *a«kfnfm. 8, 140-144 »n» Ul 11. 8) SÖa«. 
gen, JMnlU« «»> ÄttuftwcTtT in 6.225. 228. StumBijr, 
SmL 8crfd>«i.g»» 1, - 



3)ecoration«»eife ebenfo, »ie ihre »aufuntl auf bvjan« 
tiniicher ©runblage entwicfelten. Wag bem aber fein, 
wie Ihm wolle, jebenfaü« gtugt bie Srrdnbrrung , welche 
mit ber bvjanrinifcbrn Decorarion in ben legten 3abr< 
bunberten vor bem i\aik M {Kelch* vot ftch geht, von 
einem Streben, welche* (ich nicht blo* auf reiebete unb 
mannichfalttge Au*ftattung ber Otnamrntirung, fonbetn 
auch auf Gewinnung einer gröjjrrn 8eid>tigfeit unb ge» 
fälligen 3i«licbtot berfelben richtet 

B. 99)ait) unttr at>< nblänbif (t>cn Vetren. 
1) 0(f4id)t(i(«tt OcbtTMitf. 

Durch bie &rru))fige waren bie ©riechen in mancher« 
lei Berührungen mit ben ^eerfcharen ber Abenblänber 
gefommen, bie mehrfach bebrohlidj für ba* bejantinifche 
9ieid) würben. Der vierte Äreuj]ug traf mit einer $a« 
laftrevolution jufammen, unb inbem ein vertriebener 
5Mnj bie ^tlfe ber Äreujfahrer gegen feine UnterbrücfeT 
in Anfprueb nahm, führte er baburch ben Untergang be* 
morgenldnbtfchen Äaiferthum* herbei. 

Anbronieu* domnenu* war 1185 von 3faaf Änge« 
lu* entthront Diefet abet übertraf feinen SJorgänger 
nod» an ©raufamfeit unb mufjte fdjon 1195 wieber 
feinem »ruber Aleriu« III. ben Ibron räumen. 3faaf 
wuTbe auf ber gluctjt in SRacebonlen gefangen , geblenbet 
unb in* ©efängnifi geworfen. Sein jwölfjähriger Sohn 
Aleriu* aber entfam auf einem italienifa>en gahqeuge 
nad) Sirilien. Um biefe Jrit prebigte Sulco von 9leuiD« 
einen neuen Jlreuuug }ur Befreiung be* gelobten 8anbe*, 
ba* 1 187 wieber in bie .fiänbe be* Sultan* Selabebbin 
gefallen war. Die Jcreujfabrer fammellen ftch, r.acbbem 
fie ben Warfgrafen Bonifariu« von SWonrfenat jum 
gührer erwählt harten, in Benebig, »o ber alte blinbe 
Doge Änbrea Danbolo ftd> mit ihnen verbünbete, unb 
nicht allein Ihnen Sdjiffe jur Ueberfabrt flellle, fonbern 
aud) felbjr bie ©efahren unb Sortheile be* Areujjugc* 
ju theilen mit ihnen au*»g. 

Der junge Aleriu* wanbte iieb an ben Siarfgrafen 
Bonlfariu* um {tilfe, unb fie würbe ihm gegen 3«ac« 
fiänbniffe {ugefagt, welche bie ©riedien empören mußten, 
ba fie ihnen nid)t aOetn brücfenbe Stenern auflegten, 
fonbern auch bie Sclbjtänbfgfeit ber grieehifchen .Rieche 
ju ©untren be* päpfilichen Stuhle* aufgaben. 

Die Jrreujfahrer eroberten Qonfiantinopel unb febten 
3faaf unb feinen Sohn Aleriu* auf ben ibron. 3laaf 
ftarb balb unb Aleriu« vermehrte ben $a5 he* Boir« 
unb feine eigene ©cfahr, inbem er bie lateinifchen (froherer 

S feinem Scbuße in ber 9läbe ber $auptfiabt behielt, 
n Brinj au« bem $aufe be* Dura*, Bruriupblu*, 
benu^te bie günfiig fcheinenben Umftdnbe, ftch auf ben 
Ibron ju febwingen. Die Uebetrumpelung be* '-Malte* 
gelang, ber junge Aalfer würbe erm erbet, abet bie ia> 
teiner, bie ihren verfvroebenen Vohn ju verlieren fürchten 
mußten, griffen Qonftantinopel an, um ben lob be* Aleriu* 
ju rächen. Bcur^uphlu* übergab bem Dtarfgrafrn von 
«Wontfenat bni Balaft Buloleon, wo n feine let)te 3u* 
flucht gefudjt hatte, unb ber Bataf* ber Blechernen würbe 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 21 — (IH.ABSCHN. VERF. D.BYZ. KUNST) 



ebenfo an $einrid), brn Srubet ©albuin'« von glau- 
be™ , äberltrfrrt *). 

Ii-.- Sieger thritten ftd) in bir SBeute. ®raf Bai' 
buin von glaubern et hielt bie ,£>auptf)abt unb ben Äaifet» 
utel, unb an bie stelle be« bojantinifd)cn trat ba« 
(ateinifd)e Jtaifettbum von (SonftantinoprI. Willem bitfe« 
JHeid) mit feinem prunfenben litel war bod) nur von 
»ehr geringem Umfange. OTarfgraf 13onifaeiitö erhielt 
Iljeffaloniea , unb ben Benejianern fielen bie heften 
JSanCelf?pläiw an ben Äüftcn unb auf ben 3nfe(n ju. 
Uebrrbie« bilbeten ftd) mebr ober weniger unabhängige 
De«potien ober £errfd)aften in Gpiru«, Jlorintb, Kb,obu« 
unb anbern Orten. 3ntfeit« be« 3Jo«poru« abet in 
Jtleinafien enrfianben jwei neue unabhängige bvüantinifdje 
•§ertfd)aften unter griedjifcben $duptern. Jbrobor 8a«< 
cari« rifj bie meifien aftatifd)rn Provinjen an ud), unb 
grünbete in Wieda ein Jtaifertbum , ba« mäd)tiger war, 
al« tut lateinifdje. ,> jrapejunt aber errichtete ber 
Qcmnene «leriu« ein Sürßen tbum, unb fein Urenfel 
3ot)anne« nabm ebenfalls ben Jtaifertitel an. 

Valbuin fab fid) balb angegriffen vni Soannijja, 
brm Jtönige be« unlangft geftifteten BulgareurcidK«, 
SJlid)arl «ngelu« mad)te ftd) unabhängig inSptru« unb 
bebmfd>te ben ganjen Horben, neben ihm entftanben 
neue gürftentbümer in «tben unter Otto be la SRod)e 
unb in SRorea unter SBilbelm von ßbamplite unb feinem 
9tad)folger ®ottfrieb von BiUeljarbouin, unb bie Srnetia« 
ner tonnten bie 3nfrin be« «rd)ipel« nur gegen bie 
Seeräuber baden, inbem fie ibren wbeln bie Eroberung 
berfdben auf eigene $anb überliefen. Salb war ber 
lateinifdje Jtaifer auf bic $auptftabt befdjrdnft. Der 
ardfte Iheü be« europäifeben gefilanbe« war unter ben 
£erren von Gptru« unb SJtorea getbeilt, unb aufklare« 
benfdjte SWarco Sanuto al« ^erjog be« «rdjipel«. 

Bon «Pen au« würbe ber frdnfif<ben fjertfdjaft in 
Sonftantinoprl ibr 3iel gefegt. Widjael »paläologu«, 
ber in Wieda 125ö bem Xbrobor II. bie Äaiferfrone 
geraubt batte, eroberte 1261 ßonftantinopel wieber, unb 
madjte bem lateinifdjen Aaifertbume ein Chtbe. «ber 
bie Sdjwdebe feinet 9lad)folget unb bie Ibronfrreitigfeiten 
innerhalb ihrer gamilie jertutteten ba« JReid) unb madjten 
ccs uir Beute ber geinbe. Wid)ael befefiigte fid) gegen 
brn brobenben gelbjug abenblänbifa)er gürftrn burd) bie 
Bereinigung mit ber lateinifdjen Äitdje, bie aber fd)on 
fein 6obn «nbronicu« II. 1282 wieber aufbob. W» 
nun bie o*manifd)en lürfen ibre ßroberungen in Älein< 
afien begannen, feblte ben ^aldologen bei bet 3ettüttung 
aller Berbältniffe bie Äraft, ihnen iu wibetfteben. 3Ru< 
rat nabm 1361 «brianopel, unb Bajefib eroberte ganj 
®rird)entanb mit alleiniger «u«nabme von Qfonftantinopel. 
aBieberboite Ibronfirritigfeiten gaben bem lefctern ®e< 
legenbeit, fid} al« JSidjter in bie «ngelegenbeiten be« 
faiferliajen |>aufe« m mifa>en. Sine furje 3dt ftbienen 
fid) bie griedjifcben «ngelegenbeiten burd) ben tSinfaB 
lamerlan'« in bie türfifdjen ®ebiete, 1402, unb burd) 



9) Viiltkardimia, De la cunquSte de Conjtontinople §. 108- 
(ed. Parit 1838.) p. 80. 



bie ©treiHgfeiten unter Sajefib'a Söbnen beffer ju ge» 
ftalten, aber 9»urat II. eroberte abermal* alle griedji- 
fdjen jdnber bi« anf bie 4>auptftabt, ba ber Äaifer «er» 
gehli<b in $erfon bei ben abenbldnbifd)en gürften um 
Seiftanb geflebt batte. (Snblid), am 24. -Slai 1453, 
fiel aua> bie ^auptfiabt. SBie ba0 römifd>e Äaifertbum 
mit einem «uguftud begonnen unb mit einem «uguftu< 
lue geenbet f>atte, fo fiel aud) öonfiantinopel, wie e* 
von einem (Fonfiantin geftiftet war, unter Sonftantin IX. 
Der lejte ber ^aläologen verlor mit feinem gelbberrn 
3ufiinian bei ber mutbvoUen SJertbeibigung fein 8eben. 

«ud) ba« Äaifertbum von Irapejunt überbauerte 
ba« bpjantinifd)e Meid) nid>t lange. Davib domnenu« 
unterwarf ftd) 1461 bem Sultan SRubammeb, unb et 
unb feine 9?aa)fommen lebten in ber SufürfG'Jfa'n^il 
be« Privatleben« fort. 

2) QtrwuftuitaeH. 

Die (froberung donftantinopel« burd) bir Lateiner 
fonnte für bie Äünfte nur bie traurigften golgen baben. 
Die SJerwüftung ber ^auptftabt batte fd)on vorber unter 
ber £>enfd)aft ber legten (»omnenen begonnen, ba bie 
©ewobnung an orientalifdjen 'Jrunf längf» nid)t mebr 
mit ben £ilf«mitteln be« bebrdngten «Reidfe« in« ©leid)« 
gewid)t ju fe^en war. Dem 3faaf «ngetu« wirb nament» 
lid) ber iBorwurf gemad)t, baf er ben Suru« auf ba« 
^ctfcfie getrieben unb ju ben verbcrblidifteu Äünften 
gegriffen habe, um fid) bie SRittel baju ju verfdjaffen. 
Ilm %eue« ^u id; äffen, het^t e«, jerftörte er ba« «Ite. 
@r beraubte bie Jrird)en, rifs bie au«gejcid)uetf)en ®c 
bdube nieber, unb refiaurirte unb {d)mü((tc wteberum 
bie Aird)en unb Ml;hn mit einer greigebigfeit, wela>e 
«De« übertraf, wa« frühere Äaifer gelban botten. «uf 
bet einen Seite nabm er bie btiligtn «erdtbe unb Sdjäfce 
ber Äird)en, um fie ju eigenem @ebraud)e ;u verwen« 
ben, unb auf ber anbern Seite fiattete er bie Atrdie be« 
<h)engel« lRid)ae( mit fofibaren SWannortafeln unb 
©emdlben au«, bie er au« feinem üßatafte nabm unb 
wo er fie fonft fanb. «u« SKonembafta verfemte er ein 
berühmte« Silb ber Jtreujigung bortbin, unb nitbt ebne 
hft , ba er baffelbe nid)t ohne ©efabr offen wegnebmen 
fonnte. «ud) bie grofe (Sr^tbür bet (Sbalfc überwie« et 
biefer Äird>f, unb bie 9lea be« SSaftliuö plünberte et 
völlig au«, in glaubte, ftd) einer gldnjenben Ibat 
rübmen ju bürfen, wenn er bie eine Äirdje jur SKuine 
mad)te, um eine anbere mit neuem ®lanje au«ju» 
ftatten *°). 

«I« bie lateinifeben ^»ilf«truppen feine« Sobne« 
«tetiti« in CÜonfiantinopel lagen, >etf)örtcu bie Umwohner 
be« <£onftanrinifd)en gorum« ein prad)tvoUe« 30 gufi 
bobe« (Srjbiib ber Minerva, weil fte glaubten, baffelbe 
babe mit feinem nad) ®efien au«gefire<ften «rme bie 
fremben ^ecte, für bie e« enidjtet fei, btrbeigrrufen. 
$id)t minbet abetgldubifd) geigte fid) «leriu«, inbem et 
ben falebonifd)en (Sber vom ^ippicu« in ben palaft 
verfeme, unb baburd) bie ffiutb be« SBolfe«, ba« ibm 



10) NictUu, De I*aaco Angelo 3, 6. 7. 



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GRIECHISCHE KUNST — 22 — (Ol. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



fd)ien, |u bdnbigen 

&&tam bannen in ber 2. hat bie frdnfifdjen Jtneger, 
Mc pa Sänne l<* wiemeinaefeftten Äaifer« in ber 
SuM logen , nur vergeben* auf ihren bebungenen ?o()H 
mannen (tat ninfmbe Sötte machte fidj auf, eine 
«.neaVitfee ÄitoV ju jerncren unt bie SBaarenlager brr 
Äasflexte u rionbern. (»iriecbitcbe |Mi|tifr4btttfl traten 
i, sab r* enffeona nd? ein Strafjenfampf, bei 
ber Stobt in Saud) aufging 
be« griedjifcben «bei« mit 
")• 



smt bic berrlittnen 5üalone 



Ba ber Siftüituana ber Stobt 1204 entfianb aber« 
etnt fcrbtercnhe Ärurrfbrunrt , nnb bie Beute ter 
^Intimer aar unermeßlich, tfin Heiner Xbeil biefe« 
%aube« befindet nefc tvabntbewlid) nod) in brm Sdja&c 
t>rr 8Ratcu«ftrd>e Benebig, rreicter eine fliuahl von 
f Inner Rrbeiten in ebelm SRrtafl, (Email nnb Wofaif 
beftBt , Deren bvjanrtntfmer Urtprung burd) bie 3nfd)riften 
bezeugt wirb, fceibet in et» nia>( möglich, über ba« Alter 
biefer »rbetten mit Sicherheit »u urtheiien ■•). Befon* 
bei« bie ^ftatuen testen bie £abfud)t, unb fliceta« 
rbeutenbnen Safe biefer «rt auf, bie 
»erfrort würben (f. oben S. 15). 
Die $errfd>aft Balbuüf * unb feiner 9Jad)folgrr mar 
ii id.it attiaaet, ben frubern ©lonj ber Jtaiferftobt btrju* 
ftellen «l« bet lefttc BaUmin ron Wicbael <Ualdologu« 
iiiiuegrifftn mürbe, mann feine .hilf «mittel fo crfdjcpft, 
Cup ei fid) genötbigf fab, lat Blei von ben Dächern 
ber jtirtben unb Uiuläft» uuf-iutnunjen , um feine Sol» 
baieu tu löhnen unb feine Spulten tu bejahen, unb 
bie ftbönfieii ©ebaube nt(ber«uiei|rn, um nur ba« un» 
«iilbebrliaV Btenubt^ ju befontmen »«). ©ei bem Än« 
aiHf brf Wtaael ttfaldologu« wurte uberbie« bie Stobt 
wti ben ©rietben felbft an piei «den in Branb gefteef t, 
uui bie üateuiet Curau« tu vertretbeii '*;, unb al« Wlcbael 
Ürgteid einbog, gewährte he mebt ba* Büb einee 
i umimerbaufeti«, ul« bei £uupiftafct bei einfl fo mäch' 
ihMit Jldtfeneicb« '•) Vud) bie Hkldologen fanben webet 
aKub<, unt Wittel, 



beui tuimrt wettet um fid) gretfenben 



diuin tfutbalt «u tbun. Seit&em Wunuel (fontnrtiufl 
(eine JKeiitm. in bte Blacbeme* »erlegt balle, verfiel 
au« ber alte Aui|<rpul«ift. IHui in bei gelle «ufoleon 

war euu ttid> uutucflatietr f Iid... «Uobnuna erhalten. 

toi« wg «alcutu eon fttaubetu ein "). «b*t feinen 
*4<Molg« ^iniwb fittteu wti wieber In bem Dalafle 
bei ©tadjcnwn 'Lv4) uud) biefer war unler bem 
U#U« lauuutaxn Aaller «alt um IJ. gaui Vfrnatbiil(rtgi, 



Ai.k«Io .1 AI»« II » l|. .1 Itonn. 



II 

r 798-740- l>t; i», i^..., / 

vi.M lu4 *t», :t44. 14» (».„,, 

D« i iu.il <t. I I' kw Im »tuy l 1 !»»« ••'•'* f> »I ». IKW) 

•J £-J..~ (l'MLf t»*)/ |, ;>>u |/,^ Ai. f/.«^ 4, | 

1 4 **■ | . «j Hl/ r«| | Ii •»! «»«». 

tftru ia») u M> I '• /'« /•...»» .<~ '..«v., HUI <U 

1 *-aujf\n ig ir »«i Im .. , l'. |,i..» t> *4 ■ l'ifrtl 



mit 9. an et unb Sa>mu(, ben 3<uaen brr lateinifdxn 
fflelage 1 *), übetiogen, unb ba« nabe gelegene Älojier 
^antofrator, ba« ben @enuefetn geborte, anrbe ai« 
bie faiferlidje Siefiben) betradjtet *°). SBi±ae( $a(do(0' 
gu« he b fid) baber anfdnglid) in bem ^alafie neben bem 
^ippobrom nieber -'). a)odj oudi hier war Wie« fo 
verfallen, bat) her baufällige 3ufiiniano« um 1300 bei 
einem tjefrigen Sübftunn einftürjle **). Sonbeimonri **) 
fanb ben ganjen Jlaifeipalaß läft&xt, unb $icrre @iUe6 
ixrmod>te bie ©renjen ber ©egenb, in ber er gelegen 
hatte, nicht mehr ,m beßimmen, ba von ben Oebduben 
feine Spur meb,r übrig war* 4 ). Selbft bie Sophien« 
finbe würbe mit Stühe erhalten. 3<" 3^' f ^ >hann 
^aldologu« L befanb fie fid) in einem fo unbroua>baren 
3ufianbe, baf bie Ärönung be« Aantafujenu« im 3. 1347 
in ben befd)rdnften 9idumlid)feiten einet Jttrcte in ben 
9lad)ernen, wo bie Jtaifer bamal« wiebet tefibitten u ), 
vorgenommen werben mu^te **). <ün (irbbeben hatte 
1346 einen Theil ber Sopbienfirthe }entört, unb tQ 
fehlte an @eib, um bie 3Birberberf)e(lung bnrd>iufuhren. 
Der ruffifche ©ro^fürfl Simeon ber Stolje unb viele 
feiner ©rofien fanbten betrddjtlidje Summen, um ben 
Sau ju förbern. Da« @e(b fam aud) um 13ö0 in 
ßonftantinopel an, aber Jtaifer Aantafuirnu« bemdd)tigle 
iid> befjelben mit ©utbeigeu be« $orriard}en italliftu«, 
um feine Cttomanifd)en Sölbner )u befahlen* 7 ). 

Die Slpofiel(ird)e unb anbere beilige ©ebdube waren 
fo verfallen, ba§ 3ohann V. Jtaloianni (einen flnjtanb 
nahm, bie S)iormorblöo!e au« biefen Bauten )ur Se> 
feftigung be« gotbenen Ihcrr* mit }mei neuen Xbürmen 
ju verwenben **). Äann man fid> nod> wunbern, ba£ 
Regierung unb «bei bie ard}iteftonifd>en i>namente, 
Sdulen unb Warmorffulpruren, bie eingelegten gupböben 
unb bie reithen SWofaife au« Äirajen unb ^ald&en an 
genuefifd>e unb »enetianifd>e Jtauftcute verfthleuberten, 
bie fi< naa> 3ta(ien entführten, um bort Aira>en unb 
Ißatdfte bamit au«jufiatten? 

So fanben bie 2ürfen eine verwüfiete Stabt vor, 
unb man fann ihnen (einen Borwurf barau« machen, 
wenn fie bie i nimmer ber 9)»onumente, bie nod) vor« 
banben waren, wegräumten, um ben S<buü ju ebnen, 
unb ba« (oftbare SVoterial iu ihren neuen v ^rad)tbouten 
3n ber 2 bat madjte Slubammeb bie eroberte 



, in ber er bind) Dulbung , Brgünitigung ber (fin* 
wanberung unb Neubauten bte Sehdben ju heilen jta> 
bemühte, ju einer neuen Stabt, beten ©ebdube, Bevöl« 
(erung unb poliri|a>et, wie motaltfd>et unb teligiöfer 
3uftanb fo vetdnbeti wat, baf man bie Sputen bet 



19) /\ieAt/»crr., De Mich. Pal*eol. 2, 31. «d. Bona. p. 161. 
80) S«*pL Grtytr. 4, 2. «• 4. Sl) f. 6. ed. Bunn. 
p. 87- SB) Otory. PacAfmrm n Andrem. PalmcoL 8, 15. 



I>» Mich. PnUeoL 2, 31. wL Bonn. p^l61. 

otm. 
15- 

«I. Itonn. p. 145- 83) Lib. iixnlv. Archipel»«!, «d. 4t ( 
»er. p. 121. 24) <ry<%< Topofr. CP. 1, 7 n. 2. 11. 26) 
/ ,i \\mern, IV Mich. Pmlneol. 5, ed. Bonn. p. 421. 
2(1) SterrM. Grtyor. 15, 11- f- 2- (d. Bonn. p. 787. 27) 
HnAijr, Hill, of the bfianüne ud greek empire« from 1067 
■» I4A3 (Kdinbnrgh »nd London 1854 ) p. 561 nadi Pannt, 
C'uUciuna«, Borna* d'etat et hiitoriw. .VicrpA. Grfor. 28, 
54 I 96, 31. «d. Bonn. 3, 1» 516. 28) P- 586- 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 23 — (III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



einfügen bpjanlinifcben .fjauptftabt, unb namentlich Me 
Denfmdler bp^ntinifcber Äunft tjicr vielleicht am wenig» 
ften futben batf 95?rr nod) von Jrunftlern ba war, 
harte nur bif SBarjl, in türfifcbe SMenfle ju treten unb 
•:dh btn Slnforberungen be* WubammebaniÄmu* ju unter» 
werfen, ob« ficb in bit Stillr ber Älöfler iurütfjujieben, 
wenn er nicht im «Änölanbe fein $eil verfugen wollte. 

Sdicn in ben legten bePrdngten ^t\ttn hatten Rdj 
bie bervorragrnben ©eifier mehr unb mehr nach Italien 
gewanbl, reo man fit mir offenen firmen aufnahm, um 
von ihnen mit ber Unterweifung in gried)ifcber Spratbe 
unb ftteratur ben Scblüffel «u bem Sorn ber SDei«beit 
ju erhalten, ber fid) in ihrer ^eimatt) einft fo fegen«* 
reid) ergoffen Ijatte unb jeyt freilich nur noch fSenigrn 
eröffnet war. (5* war eine «uewanberung ber legten 
£üter griffiger (Sultur, bie ben Stoben immer mefjr »er» 
dp« faben, au* bem fie nod) ihre Nahrung gefegen 
batten. Sergeblid) war, bajj einjelne aufgefldrte «Kanner 
fid) bemühten , in ber grfrd)ifd)en äirdie burd) einen h-n.- 
nung*lofen Jcampf gegen ba* erftarrenbe Dogma neue* 
8eben anjufadjtn. Umfonft roar ber Serfutb, burd> 
*flu*föbnung mit ber tateinifcben SlinU ben Seiftanb br* 
Slbtnblanbe« gegen bie immer näher rütfcnbt ©efafyr ber 
türf liehen (Eroberung »u geroinnen. Ten Stfd)lüfj<n be* 
Geneil« von gtorrnj verfagte ber Patriarch bie «ner« 
fennung unb bie Sdjrift, in welcher jener in glorenj 
berounberte ©eorgiu«, ben man feiner umfafftnben ©e* 
lebrfamftit wegen ©tmiftbo« ober »ieBeidjt mit einer 
»nfpttlung auf fefne Vorliebe für platonifdje qSrjtlofopfjic 
miftqon, ptn angefüllten, nannte, eine pbilofopbifcibe 
Reform be* tJhrijienthum« |u begrunben fud)te, würbe 
von ber grieebifeben ©eiftlitbfeit ben flammen überliefert. 

Unter [eichen Berbältniffen fonnte bie Jfunft nur 
nod) tummcrlicbe Sproffen treiben unb e* roerben einige 
wenige Semerfungen genügen, um ba« ©emdlbe ihrer 
©efdjidjte mit einer ®d>ilberung ibrrt abfterben« ju 
(Snbe ju führen. 

8) Otiifii^Tung abtnbliabifdjet «rdjifcftur. 

Die granfen, bie in ©riedjenlanb tjenfdjten, führten 
bort ihre einbeimifebe Stunft ein, unb nod; erinnern 
prachtvolle .Kirchen remanifeben unb gothtfehrn Stvl« an 
bie Sage, wo SBitbelm von (Fbamplite unb ©ortfrieb 
von SiBebarbouin in «Xcbaja an* Janb ftirgen. 3ener 
baute eine gott)ifd)e Äirtbe ber heil. Scrhia ju Slnbra« 
viba bei (Ifaren&a, von ber nod) bie brei SBpfiben in ben 
Xrümmern au etfennen ftnb *°) , unb btrfer grünbete bie 
gefte SRifitbra, jegt «Wiftra, roo un* webet bie franjö» 
flfdie ?üie, nod) ber goti)ifd»e Sogen fammt @Iorfen« 
tbürmen, nod) aud) abtnblänhiftfce «Sfulpturen, wie ba* 
erhaltene SWarmorrelief be« tbronenben ßbriftu«, befrem» 
Pen bürfen »*). ßbenfo führten We Äreujfafjrer im 
gelobten Hann, ba* freilid) (dngfi ber gried)ifd>en -*p c ' rr 



39) F.-Ur. a. «. C. p. 660— 663. 30) J. A. Bwhon, 
AUm du nonTellM rschereh«» biMorlqae* rar !■ principiat« 
fr»nc«i»« de Mores et de* Mtr» huronle». PI. 10. 11. 81) 
(Hdron, Ad», «tbeol. 1. 48. 



fd)aft entjegen war, ben abenbldnbifdien Saufrvt ein, 
unb franjöiifdhe JMrdjen geigen bie größte 9ei)nlid>(eit 
mit bem grojjen Sau, burdi weldien bie Snaftafi* mit 
©olgattja unb ber ÄapeÜe ber ^elena m SBerbinbung 
gefegt wutbe. 

«Uerbtng« nahmen bie Saumeifter babei mandje 
6igenthütnltd>feit ber ©riedjen on, unb fie waren vocl 
nicht feiten fd)on baburd) m biefem Serfab^ren genötbigt, 
baj» fie fid) einf)eimifd)er sDieifier unb Arbeiter bebienen 
mußten, bie nicht (eid)t von ihren ©eroobnheiten abrmd>en. 
Sbenfo brangen aber aud) qotbifdje (Slemente in gried)ifchr 
Äircben ein, fei e«, baf iKeftaurationen von ben frdnfi< 
fdjen ^erren vorgenommen würben, ober baj» bie ®ried)en 
fid) frdnfifdjer Bauleute bebienten. SBir t)aben früber 
fd>on von ben goti)ifa>en Zpürver}ierungen ber €tept)an«' 
fira>e ju Mbobu« gefprodjen. Die «Ruine be« Slarien« 
flofier« von 3fowa am «Ipbdu», ba« 1262 von ben 
©riechen verbrannt würbe, jeigt gotbifebe genfter mit 
arabiftrenben gormen, wie fie in ber itambarbri vor* 
fommen **). tie Jtircbe 6. «ßaraffevi in Gbalrt« auf 
(Subda, von ©ried)en erbaut, enthält ein wunberbarr« 
©emifd) von bnjantinifebem unb gothiftbem 6rt»l. 3br 
tanggeftredter ©runbplan, ihre Jereujaewölbe mit «Rippen, 
ihre Spigbögrn, ibre Aapitelie unb (Sonfolen, ibre JRofe 
unb ihr ©locfentburm ftnb gotbifd), wdbrenb alle« Irlnbere 
Per bp)antinifd)en Äunft angehört '*). ®pigbogige genfier 
unb Sbüten fiebt man bei ben «einen Äirtben ju «Wo» 
bon unb «nbruffa im «ßeioponne«, von Penen bie erftere 
au« einer dltern ihrd)e umgebaut fein mag, ba ibre 
Warmorfdulen antifen Ueberrefien entlehnt finb, wdbrenb 
ber ganje Sau mit feinen Strebepfeilern wenigften« 
äutjerlid) ba« «nfeben einer gotbifdjen Äirdx b«t •♦). 

4) Dl ebifteationen btt bvjantinifdjcn (Ärdji lef tu t, 

Aber aud) bei ben Äinhen , weld)e wefentlid) im 
bpjantinifdjen €r»( gehalten finb, jeigt fid) eine <Snt> 
wirfelung tiefe« 6«plfl, bie wabrfdjtinlid) auf ftemben 
©nflüffen beruht. 3<b t«bn« rjieirtjer bie meifien ber 
JHrtben, weldje in bem Rurigen Äönigreid)e ©riedjen. 
lanb befannt geworben finb, obwel e« an jeber ftdjtrn 
3eitbffKmmung für Piefriben fehlt. 'Diefe Äir*en jeigen 
@i^entbümlid)feiten, welche mit btn (flementen be« bpjan« 
tinifeben £tvl« nidjt bannoniren, unb ben Saiittn, 
weld)e unjweifelbaft nod) ber vorigen «Jieriobe angehörten, 
fremb finb. ©röfitentbeil« fd)tinen biefe Steuerungen 
auf frdnfifcbem Sinfluffe \a beruhen, ba fie bem abrnb* 
länbifd>en Saufpfieme verwanbt finb. mkh: üe fönnen 
aud) )um 5f-eil ben armeniftben JMrd)en entlehnt fem, 
bei benen fid) ftbon früber biefelben t5igentbümlid)feiten 
ftnben. «ffiir werben fpdter feben, weidjen (Sinfiug bie 
armenifdje 6e»te ber «ßaulirianer unb bie mit berfelben 
im Bufammenbang ßebenben flaviftben Selten ber Soge 
milen in ben untern Donauldnbern gewannen. @* ifi 
viedeid)t fogar ertaubt, hier um fo mehr an @inwir< 



33) Bueko« pl. 9. 83) Ibid. 18, 315. 84) A. 
Kxpedition .ckntifiqu* de Moree. T. 1. pl. 14. 18. CWtmt, 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 24 



— (in. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



fungen von biefer Seite ju benfen, al« wir Spuren jener 
Steuerungen fcbon in einzelnen Stacbriebten au« bet 3<it 
vor ber «Mrürmung von Gonfiantinopel wahrzunehmen 
glaubten. 

Diefe Aitern nähern ftcb zunäcbft im ©runbrij 
einigermajjcn bem im Sbcnblanbe lieblichen. Doch bleiben 
bie brfi flpftben, bic M uvpel über brr Witte be« $aupt 
frtiffc« unb btr 9lartbei '*). Die ttpftben erhalten zu» 
weilen auch äußerlich einen frei«förmigen ©runbrip, in 
anbem gälten werben fie aber auch ijäufig fünf«, ja 
fiebeneefig. Tic Jtuppel erhält an bem Jauibour einen 
Scbmud von äjalbfäulcn, welche burd) Sögen verbunben 
fmb, zuweilen au* ninbe ober etfige Strebepfeiler, jebod) 
oljne alle Serjüngung. <5in ungefcblacbter Strebepfeiler 
mit jwei Strebebogen über einanber ftü&t aud? bie €bor» 
nifdje bet Sanbfirdfce (fwn-ij ik x«6>a;) in Gonftantinc« 
pel, ber jebigen Äabrijr D|cbami, in brr 9idr>e be« 
Ibor« nad) «brianopel "). Sie ift, naebbem ber ur» 
fprünglicbr Sau bet? 3uftinian zusammengefallen war, 
von ber ®emablin be« Sonftantin Dura« ganj neu ge< 
baut, unb ba fie abermal« ben Sinfruq brobte, unter 
Slnbronicu« II. (128.1— 1328) von bem ®rojjlogotr)eten 
Ibrobor OTetocbita abmnal« refiaurirt , wobei Med mit 
alleiniger $lu«nabmr be« mittlem Ibeil« ganj neu ge* 
mad)t werben mujjte 37 )- Der ©au be« Strebepfeiler« 
gehört habet in biefe ^Wriobe, unb niebt, wie Renoir will, 
in ba« 9. ober 10. 3abtbnnbrrt. «efjnlicbe Streben 
finbet man bei mehreren bpjanttnifeben Äircben. 3" 
etwa« verfibfrtener SBeife begegneten fie un« bereit« bei 
S. ®eora in Saloniki. Die g ronte jener SJanblircbc 
bat ebenfall« ju ben Seiten eine« Seiteneingang« zwei 
Strebepfeiler, bie aber nur a(« ftaife äjwlbfdulen gefialtet 
tinb *"). nun) anbere gormen tiefet Äircfre, wie ba« 
breifaebe genfter mit überhöhtem mittlem Sogen unb 
feitlicben jSalbbögen, unb ber nad) ben Seiten au«ge< 
fdtmeifte $unbgiebel **), ftnb niebt mef>r reine formen 
be« griednfeben Stv'* unb jeugen von fränfifebem Gin» 
fluft. Doppelte unb breifatbe genfter, bie nad) ftänfifdjet 
SBcife burd) fleine Säulen getrennt ftnb, fommen audj 
fonft, j. S. in ber ^anagia »icobtmo zu «tben 4 «), unb 
mehreren fleinen Aireben in SRorea 41 ) Vor. 

3m 3nnem finbet man feine ffmporen, wie bie« 
fa>n früher wenigften« bei [leinern Aireben ber galt 
war, unb bie grauen erhalten ibren $lab in ben Seiten' 
febiffen ober im 9cartbcr. Die Jtapnifarea ju Ätben bat 

f. S. ein befonbere« Scbiff für grauen **). Diefe Seiten» 
cfciftc roaren tuweilen fo abgefonbert, baji fie nur burd) 
einzelne genfier unb $büren mit bem äpauptfehiffe com» 
municirten, wie man ba« in «Iben bei einer Aircbe ton 
abenblänbifeb« gorm gefunben bat **). llebrigen« fommt 



36; «rnnkrij Itt .Ku*t ju Stufano im yttet.™/ tri 
€l«ttffcrt in Ätniit * Hilgen, »aintitung. 3aferg. 16. (ffiim 
1860 ) « 346. 3G) Lmoir, ArchiL mooMt. 1, 281. Fig. 188. 
37) ealicnttig €. 122. 38) l.rnoir Fig. 208 aif p. 301). 
39) Dif. p. 2«9. Flg. 177 anb p. 282. Fig. 188. 40) Daf. 
1, 266. Ko. 174 ttn» p. 277. No. 183- 41) SXtf. No. 191. 
42) Uutt, Archi»»cwre moautiqa« 1, 248. 43) ^af. 

Fig. 1G0. 



bie Irennung ber Seitenfcbiffe butd) eine fteinerne 
Srüfhing aud) im ftbenblanbe juweilen vor, wiej. S. 
in ber wat)rfcbonlid> febr alten in gel« gehauenen Äircbe 
bei Sutri in ber Gampagna von »om *♦) unb an bem 
langgeflrecften Ut)Ot ber romanifa>en Älofierftrcbe ju 
Surtfelbe an ber 5Befer. SBenn bie grauen ibren $laj 
im iKartber erhalten , wirb für bie SRdnner ein befonberer 
Hingang an ber Seite ber .Kirrte angebraebt. 

Slm meiften rtaraftcriftifrt ift Tür biefe ®attnng 
von .Kirrten ber übfcbtufi ber ga^aben bureb grontene 
ober fpipe ©iebel mit einem einfacbeir ober aueb gefup> 
pellen genfier , ungead)tet biefe gorm burd) feinen böljer« 
nen Darbftucjl bebingt ober aereebtfertigt ift «»). SBenn 
man bt« jweifeln fann, ob frdnfifcber ober armenifa>et 
(Stnflup" bem jum ®runbe liegt, fo ift in ben mebrfad) 
vorfommenbeu ®loefentrdgern, bie ftcb al« freiftehenbe 
WaueTfiücfe mit einer ober mehreren genfteröffnungen 
»um aufbdngen ber ©locfen über bm grontgiebeln n« 
beben, ohne Zweifel eine SBirfung ber frdnfifcben $nt> 
frtaft ju erfennen. ©ewöhnlid) erhalten biefe Jtirrtea 
eine febr anfprrcbenbe unb gefällige ©eftaltung baburd), 
bafi bie fireutform burd) fturfe (Erhöhung be« Diiittl 
unb Duerutunfl unb Slbfrtliepung aller vier Jtreujifliiget 
mit ®iebeln entfehiebener au«gebi(bet unb bervorgrboben 
wirb. Die @<frdume bleiben niebrig , bie Auppel in Der 
SWitte rubt auf einem würfelförmigen mit einem fleinen 
Sim« gefrönten Safament, an befjen vier Seiten fidj 
bie Ddrter ber Äreujflügel anlehnen, unb feine Äuppels 
über bem dorther verberfen bie »nftebt ber Äreujanlage. 
Selbft bie ??ebenapftben ftnb, um biefelbe nicht ju be< 
binbern, ganj in ba« 3nnere verlegt unb werben äutlei' 
lieb aud) nid)t einmal burd) ÜRaurrcinfcbnitte angebrütet. 
So erhalten bie vier Seiten ber Jtcrrte ganj ba« Sin 
[eben romanifd)er gacaben, nur baf fte mehr in ti< 
Sreite, al« in bie £öbe entwidelt finb, unb baf> bie 
Ihürme fehlen. Die üßanagia SRirobimo ju Ütben bat 
jebod) feine ®irbel, fonbern horizontale Simfe, ebgleirt 
fid> aud) hier bie Jrteujflügel terraffrnarrig etwa« über j 
bie gefrdume erbeben 4 *). Die Jtuppel enblid), arttedij 
ober runb, erbebt fid) über einer jfemlid) frtlanfen Jrompee! 
unb ruht im 3nnern meifl auf Säulen. Dfe Iromrael » 
balb mit einem horizontalen Sim«, balb mit ben begen> 
förmigen genfterbefrönungen gefd)loffen. 

Die genfter werben gewöhnlich nod) nach alter 
Sßeifc mit SRaimorplatten gefcbloffen, bie von frei«rutiten 
Wörtern burebbohrt finb 4 '). 3n ber reichen Cmamen' 
tirung einzelner $bei(e maebt ftcb ber abenblänbifrte Pm- 
flu«» juweilen febr entfd)ieben geltenb. 

ffiir beben t)ier nur ein paar ber bebeuienbften btefet 
Sauten fjervor. 

») 8tltKn. 

(Dapbne.) auf bem fflege nach (Sleufj« liegt ii 
bet S?dbe von «then ba« Senebictinerflofier (Easb«. 

44) 4)u>fa>, tCirältÄrilK. JtirdKn. €. 1 . «I. 6. 8^ W. 'J 
46) «Brifpiete tri Slanffert «. 30» — 371 »n> C»«* 0 *' 
46) Lenoir 1 , 266. Nu. 174 , D<rfll. mit t>rm tüinntrii >«• 
269. No. 170- Coucktnd, C'boiz d'^gliM* Bjruot. pl. II- 
13- 47) «stauffftl €. 351. Couchmd. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 25 — (III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



beffen Jtixtbt nad) biefem Sefteme gebaut i-'r. Der Um 
ftanb, ü uc biefem Orben gebort, erfldrt ben frdnfi» 
'<t>m <.nnilu&. Sdjon bie Serbinbung ber Äircbe mit 
bem Älofttt ift nid)t gried)i|d), benn bie Jtirdje ftcbt ttitfct 
frei, fonbrrn frilbet bie .Jlorbfrite be« Älofterbofe«, ber 
auf brn trct anbern Seiten von bem Jtreujgange unb 
ben Jtlofiergebäuben eingefaßt ift. fludj ba« Sanctuarium 
ift ganj ungewölmlld) eingrrid)tet. 6« bilbet eint abge* 
fonbtrtt flefne 9lotunbe mit öfilitbrr 6f)ornifd>e, Jtnb 
ift fammt ben beiben Slebenapfiben nid)t breiter, at« ba« 
SKitttlftbiff untn bor £auptfuppel, fobaß olfo bie »eben* 
apftben ftdj nid-i an bie Seitenfd)iffe anfdjließen **). 
(spater Sit biefe Jtirdje turd> bie granfen nod) »trübte« 
bene 3ufdfte unb Umgeftallungen erbalten, bei benen ber 
b»jantinifd)e St»! gar nid)t mehr berüdftdjtigt würbe, 
ba fie ben $etgogen von Ätbrn au« bem &au|e be 8a 
9tod>e jur ©rabfitdje biente. Slamentltd) ift bat (Srab 
be« ®w II. be Sa »od)e (gefi. 1308) in einer Keinen 
Seitenfapeüe be« Slartfjer erbalten. So bat ba« Älofter 
einen ©lorfentbunn unb eine feftung«artfge gac,abe mit 
uorhifd>en Iboren erbalten, bie jefct jeboa) vermauert 
finb. 3m 3nnern ber JÜrd>e fiebt man fogar Äielbögen 
an ben brei Xbüren ber Gborfdjranfen. Sonfi baben 
nur bie (anggeftrrdten Äebenapfiben , bie mit ber (Iber« 
ntfd>e <iit gegen ben .ttu »erträum öffnen, rtrea« Selon« 
bere«, ma« entfernt an abenbldnbifdje Sauten erinnert. 
Sie Verlängerung ber @bornifd)e enthalt außerbem nod) 
eine frei«runbe mit einer niebrigen Äupptl bebetfte ftr» 
»eiterung für ben aitarraum 4 *). 6o erhielt ba« Ätter« 
beiligfie eine ©eftalt, roeldjer mir nod) in ber von 9lo- 
manu« Sacaprnu« in bem Älofter S. 8uca« ober Stiri 
in 8i»abien erbauten Äird>e begegnen »erben, unb in 
ber ilaj eine gewlffe ffierwanbifcbaft mit einer armenifdjen 
Äfrdje bemerflid» mad)t. 

(Jttrdje be« Sarianf ps.) Unter ben Äinben 
in Ütben felbft gefjört herber jundtbfr bie Jtird)e be« 
lariardjo«, be« gübrrr« ber -gieerfdjaren , b. f. be« (Srj» 
engel« 3Rid>ael, bie jum '3 heil in Prummern liegt. Son 
ben vier $auprftüben per Äuppef «erben hier bie beiben 
öftlidjen burd) Säulen vertreten, bie bem Eingänge jum 
Slllerbeiligften einen böbern Scbmud n; »erleiben brfrlmmt 
ftnb. (Der @locfenftubl über bem t»efilid)en ®iebel ifi 
nicht im Slpl ber Jlirdje gehalten unb alfo fpdter (in« 
jugefügt. Die t»eftlia>e gafabe f)at wedjfdnbe Sagen 
»on Duabern unb 3i*g*ln, ferner Doppelfenfter mit 
3iege(einfaffung unb Säulen nad) 8rt ber fpätern ra»en< 
natifd>en Sauten. 

Itdjt neben biefer Jtirtbe fiebt eine (leinere feb^r 
ähnlicbe. Sie bat irrnr feine »ecbfelnbe Sagen »on 
Duabern unb Riegeln, rool aber Doppelfenfter mit Gin« 
faffungen von Riegeln unb alt Umgebung berfelben eine 
jmeite dinfaffung »on Ouabern unb 3<ege(n. Inn 
@(o<fenf)ub.l auf bem füblid)eu @iebel ifi ebenfaD6 in 
gani »erfdjiebenem Srol au«gefübrt, obgleid) er fo mit 



48) Unoir, Arehitectore moiuutiqae 1, 260. No. 171. 
49) BucAtm PL 3. 4. 31. 82- 

8. <h<*(. ». S. il JL ö r n , fe*.». LXXXV. 



ber Jtircbenmauer »erbunben fein foD, baf man banad) 
auf gteidjjeitigen Urfprung mit ber itira)r {dflitfan müfitr. 
(Sigentbümlid) ifi enbltd), bafi auf ber adjtecfigen Xrom< 
mel nod) eine furje runbe Zrommel »on ermafl geringerein 
Durdjmeffer aufgefefit ift, auf »eld)er erfl bafl flatbe 
Äuppelbad) ruht. 

(Jtalbolifon.) ®efonbere> merfroürbig ift unter 
biefen atbenienftfdjen Äirdjen bie Äatbebrale ober ba* 
Aatbolifon, ein Sau au0 ber Seit @ottfrieb'6 II. »on 
SiUeharbouin um 1223. «udj bier fft fpäter ein ©lorfen« 
frub.1 über bem t»efilid>en ©iebel aufgefegt. Die ein 
$auplftäger ber Äuppel waren fdmmtlia) Säulen, bie 
man erft 1833 burd) Pfeiler eifert b.at. Tm« Jrlofier, 
rDeId)e< bie Jtird)e frfiber einfdjlof, ifi 1827 bei ber 
Belagerung ber Stabt jerftett morben. Tieit? ®ebdube 
b,at burd) bie Scbönbeit be« weißen 9tarmor«, burd) ben 
reiben Sd)mutf »on Sfulpturen unb burd) bie ©iebel» 
form ein gcr»iffe« antife« «nfeben, ba« aber Sidji« 
weniger al« atbenienftfdje Seminifrenjen au« einer beffern 
3eit befunbet, fonbern offenbar auf bem dinfluffe italieni« 
fdjer Saumeifter berubt. Die Äirdje bat nämlid) ge< 
glieberte Ärönung«geftmfe, roeldje ftd) über ben gronten 
ber Jtreujflügel in ber gorm »on @iebeln mit aebrodjenen 
ßnben bewegen, ftud) »on ben Seitenfdjiffen «eigen 
fd)Täge Däd)er auf, toeltbe ftd) mit balben Siebein an 
bie «reujflügel anlehnen. Der S4)mud ber Sfulpturen 
enblid) bebedt bie obem Ifjeile aller »ier Seiten ber 
Jtirtbe. d« finb tb.eit« eingefüate antife gragmente, wie ber 
antife gefifalenber in bem griefe über bem^auptportal *•*), 
theil« bpjantinifdje Arbeiten, unter benen SBudwn einige 
Kappen alter franjöftfdjer gamilien finben wiD, bie aber 
bod) wol nur gried)ifd)e Äreiye ftnb, wie fie befanntlid) 
bie^eralbif bäufig aufgenommen b.at*°). 3»«i ihrem 
ju ben Seiten eine« Jtreuje« über bem portale erinnern 
an SBenebig, fowte ein Ubier an bie *|8aläologen •'). 

b) 6aloai4i. 

(Stpofie(firä)e.) Die ehemalige Slpeftelfirtbe, teftt 
Souf •Su'Dfdjamtffi, ift eine ber auögejeidjnetften Aird)en, 
in benen ftd) ber fTdnfifcbe 6influ$ bemerflid) macht. 
Sie ift in bem jierlicbften bpiantinifcben Style gebaut. 
Säulen tragen bie Jtuppel, SÖlufier au« 3'ertf'u gelegt 
febmüden bie Slufenfeiten. Der Kartier bilbet eine 
offene @a(erie. Die jwölf (Stfen ber Xrommel unter ber 
$auptfuppe( finb burd) ^»albfäulen gegiert, bie burd) 
ffad)e Sögen über ben genftern »erbunben toerben. 3n 
fofern gleid)t bie Jtirdje benen be« IL unb 12. 3abr- 
bunbert«. «ber wa« fie ber fränfifd)en 3eft juweift, 
finb bie Jtreujflügel, wrld)e bie Qcfräume fo febr über« 
ragen, baß ftc fogar gleicbe <^öb.e mit ben SdTuppeln 
b.aben, unb me^r nod) bie Säulenfapiteüe, weldK in 
einer ben Snjantinem ganj ungewöbnlitben gorm gr* 
arbeitet ftnb unb »ielmebr ben Äapltetlen be« fogenannten 



49«) Q. SBettidjf r, «ttjtnifdjet gedfalenber in Qilbnn. ©ilf- 
Ufd an« $6ilol<uu« m. 23. ««ttingen 1865. 50) «ergi. 
Bucho» PI. 40. FSg. 30- 36. 37- PI. 41. Fi«. 11. 12- 13. 61) 
Ufllft Mll Äir<b« Unoir tri Oailhaboud. Bucha« pl. 2. 



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GRIECHISCHE KUNST — 26 — (ID. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



Ue*tTgang#fh)le# gleieben, wie fit ju «nfang bt« 13. 
Jdjrhunbert« im «brnblanbt übltd) finb **). Itrier 
ir# btn Sau aflerbing« in eint febr ti.;hc 3eit, unb 
aflärt fte für »ad cleganteße Seifpiel Cc« Si»lce be« 
7. 3abrbunbrrt«. Seine 3filb«ftimmung tft aber auf 
fönt urfunblidjen 5tadmd)ten ober 3nfd)riften grgrünbtt, 
an« feine Seurtbeilung bt« Stvl« greift (>ier völlig fehl. 

c) Ir«l>rjaiil. 

3n Irapejunt knie r.ju> tcr ©rünbung be* lateini« 
i'dien Aaifenbum« ein Slleriu« (Somnrnu« feine Statt« 
holterfcNir: ju einem Reinen unabhängigen Staate um< 
gewanbeli, ber unter feinen Wadjfolgern fogar jum Jcaiftr< 
tbum erhoben würbe. Äu« biefer furjen Slütbejeit finb 
einige Senfmdler erhalten, reelle bie ©genlbümliaV 
rrflrn br« fpdtbpjantinifaVn Styl« mit dementen ver< 
binbeu, bit einerfeit« bie Sejier/ung ju ben Jtreu}« 
fabrern, anbtrerfeit« aber aud) bie Bähe Armenien« in 
(Erinnerung bringen **). 

(Sophien! irdje.) Die bebeutenbften Jtiraienbau' 
Itn würben im 14. ^ahtlui uteri von Slleriu« III. unter' 
nommtn, unb au bitfen gehört wabrfd)riu(id) bie vtr« 
(offene «ja Sofia außerhalb ber jtbigen Stabt. Sie 
gleicht in ber Slnlage im ©anjrn ben £ird>en be« 11. 
unb 12. 3abrbunbert«, bod) mit bem Unterfd)iebe , bajj 
bie Ärcujform burd) tinc nörblidje unb füolid)e Sor< 
hallt- von grofjer Hu«brl>nung nod) ftärfer hervorgehoben 
ift. gernrr jeiebnet fie fid) ourd> ba« polpgone ^vra» 
mibenbad) äbtr ber Jtuppel au«, ba« wabflrtteinlid) in 
Armenien ftint Sorbilber bat. Sie gornten ber Äapilclle 
fdjeinen meift abenblänbifehen w ähneln, unb bie @in« 
gdnge finb mit einer breifadjen Sogenftetlung unter einem 
gemeinfd)aftlid)en großen Sogen gefd)mütft, wobei ber 
mittlere (Eingang burd) einen Spi$bogrn audgejefdmet 
ift. i'dt ber Äirdje ift ein ad>tcdige« Saptifterium unb 
ein einzeln ftebenber ©lorfrntburm verbunben. Sie lefctere 
«nomalie weif! auf ben (frfnflufj ber Serübrung mit ben 
Äreujfabrern Wn. 

(Ätrcbt berittaria mit bem golbt nen fiaupte.) 
(Jin einfacherer Sau olme aUt Sdulen ift bie jcird>e btr 
Uanagia Gbrvfofepbalo«. Sa« mit «armerrrlief« gt« 
fd)müdte grofie üRaufoleum be« «int«, sveldje« Jtalo« 
3ol)anne« in bcrftlbtn errichtete, wurbt jwiföen 1448 
unb 1449 au«gefubrt. Siefe Aird)r weidet wiertfg von 
btn gewöhnlichen brjjantinifcbcn gönnen ab. Sit bat 
nur auf btr Sterbfeite tint Sorballe mit tinem (Eingänge. 
Xo« «uffallenbfte ift btr 9cartf)tr, btr biet einen voll« 
fommen quabrirten ©mnorifj unb überbie« eine offene 
Sorballt mit einer fünffachen Slrfabe trbalttn bat. Sa» 
burd) wirb bie Äirdu febr lang gefrrreft, foba$ fie faft 
«cbnlicbfni mit einer abenbldnbifaVn Äira>e btfommt. 

d) itäm. 

(Die »uint ju Stabja.) SieUeia>t gebort in 
biefelbe 3 r >< aua; bie 9tuine beO Jtlofirr« oon «labja 

52) Texier, Ali« minaare 3, 67. 68. Texter et Fullan, 
Arch. Bri*nt. p. 161. pl. 4.-V-49. 63) Teriet, Ali« Bio. 
1, 47 »nl». •« 143 m» pl. 1 Tti,rr etPuOan, Areb Bjiuat. 
p. 228 »oi». pl. 60 — 6». 



nm «bbangt be« Tanru« auf ber Strafte t»on Äaraman 
naa) Seleffe, wtld>t febr «itl 6igentbümlid)ed bat, wa< 
fie von aOen anbern bnjantinifdjen .«irdynbauten unter» 
fdjeibet, unb fafi nur burd) bat 3»fammenwirfen au» 
bammrbanifd)tr unb latrinificbeT @inftüffe erfldrt wrrbrn 
faun. 11 uf einer audgebe^nten 2enaffe ficht man bie 
'1 nimmer eine« Äban ober Jtaraoanferei , ber bat) feno» 
bod)ium eine« großen Jtlofter« gewefen m fein fdieirit, 
ba *er auf btibrn Seiten von jwei tfirdjcn btgrrnil wirb, 
von benen bie eine nod) jiemlid) voüftdnbig erhalten ift. 
2)iefe lejtert bat bit nid)t getvöbnlitbe gorm eine« Iri* 
fondjo«, inbtm bie Jhipvel auf allen vier Seiten von 
groften 9tifd)en gefräst wirb. Sit $albhivpel ber M)Cf 
nifd)e bat bie orientalifdK gorm :e» qpufeifenbogen«. 
«ber nod) viel aufserorbentlicbtr etfd)ttnt ber reid)e 
Sd>mud burd) 9irlief« in ben 9cifd)tn, an ben ^enben« 
tif>J unb an btn AapiteQen. 3»m Sbeil finb e? aller-* 
bing« nur religiöft Svmbolt, Qrmbleme unb SRono' 
gramme. «Heia <i fommrn aud) ftgärliebe Sarfltllungtn 
in berfelben vor. @6 ift bie 9tebe von (Sngtln mit 
fed)6 glügeln an btn $enbrntifA unb von bem (hiengd 
Widjael, weither eine Wenge von beftegten Teufeln unter 
feinen güfjen hat. Seiber fehlt e« an «bbilbungen, fo« 
bap wir über ben Stvl biefe« Silbwerf« nid)t urtbeilen 
tonnen. Slud) ba» Sopptlftnftrr im ßbor erinnert an 
bie romantfd)e 9(rd)iteftur M ^benblanbe« **). 34) 
weift nicht, ob man annehmen fann, bafc in Joelen nod) 
im 13. JabrNnren fo btttuttnbt Jfird)tnbauttn au0* 
geführt worbtn ftitn, ober ob frühere Strübningm mit 
btn Äreutfahrerti im 12. ^nhihunDen bitftlbtn ju er>- 
fldrtn vermögen. (5« tft aber fcbwtr ju glaubtn, bafi 
eine fo ungewöbnlia>t tinlagt g(eid))eirig mit btn übrigtn 
gani verfthiebenartigen Äira>en, weldjt 8prien aufjuweifen 
hat, tntftanbtn fein foDte. 

e) Wer««. 

($avarin.) Sinige f leine Jt treten in fRorea 
fd)rinen ebtnfaU« hierher )u gehören. @ine Jcirebe in 
Sfavarin hat in ber (Sboranlagr eine gewiffe «cbnlichfeit 
mit abenbldnbifd)tn , namentlid) fran)öfif6rn Aireben. 
Sie ift ndmlid) heujförmig gebaut, uub bie 9iebenapftben 
finb dhn(id), wie bie Capellen manebtr ßifierrienferfird)en 
in bit Äreujflügel gelegt, (Der Wartber ift auferbem 
aud) hier ungemöhnlid) grej, unb mit einem Äreujge« 
wölbe gebedt^). 

(Cfphino.) (»ine anbere Äird»e ju Cfphino ent- 
fernt ftd) nod) mehr von bem bvjantinifd)tn Svftem. 
Sie beftebt au6 einem Oblongum , ba< mit einem Ion« 
nengewölbe gebedt ift unb über btr Wüte tint Äupptl, 
fowie übtr btr gront eineit ©lodenftubl mit fpibbogiger 
Oeffnung trägt. Sit Jtuppel ift fo überbaut, ba^ fit 
dufierlid) ba« «nfthen eine« Cuerfd)iff« mit Sattelbad) 
hat. Sa« Sanrtuarium ift glrirb hinter ber Jtuppel 
burd) eine ftrinerne Duerwanb abgefd)loffen , bie nur in 



54) Oe Labarle in b«r Kerne •rrhiologiqoe 4, 172. Texier 
et PuUam, Arebit. Hwunt p. 184. 55) ««««•'. Kipedition 
u-ir„t,fi.,ue de Motee. AU». T. 1. pl. «. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 27 — (ID. ABSCnN. VERF. D. BYZ. KI INST) 



ber Witte «ine Toü: bat, unb ber «War ftrbi in ber 
flrinrn (Sbornifcbe. Sin «arth« fcf>It ganj *•). 

(»nbruffa.) ©nige *ehnlfd>fcit bamit bat eine 
Äirdje )u »nbruffa , wo ein Areujgewölbe bie Stelle ber 
Jtuppcl einnimmt. (Sin genfier unb eine Ibür mit 
gotbifcben Sögen mögen fpäter veränbcrt werben fein, 
ba anbete $f>eile, namentlich bet Gbor, alletbingfl mehr 
altern .Rircbf rt gleichen * 7 ). 

(Wobon.) (Sine in Stuinen liegenbe .Ki.jV bei 
'IVcrpn enblid) fdjeint mietet ein Jtteujbau nad) Sin ber 
atbenienftfehrn gewefen ju fein. Der Qrunbriß gleist 
ira@anjen benen be« 11. unb 12. 3ahrhunbert«. Doch 
nnb bie (Sbornffcfaen an ber «ujjenfeite nid>t mehr edig, 
fonbern balbfre i«förmig , wie bei ben tomanifdjen Äircbcn 
be« «benblanbe«"). 

f) UBteritalüii. 

(6. 9Jiccolo e (Satalbo ju Secce.) Sie fehl 
bie ^Berührung mit brm Sbenblanbe auf biete Gnrwidr» 
lung be« bvjantinifchen Jtircbenbaue« eingewirft bat, 
ftebt man vielleicht nirgrnb« fo beutlid), al« bei ber Jlirdje 
6. Waolo e (Satalbo ju Secce im larentimfcbcn 
bie fd>on 1180 von bem (trafen üanereb von ?ecee 
a.cftiftet roorben ift. Sie bat ganj bie Anlage ber beiben 
dtbenienftfdjen Airdjen mft bem über bie niebrigen (Scf« 
rdume cinporfteigenben Äreuje, beffen glügel mit Wiebeln 
abfließen. Soweit bat auch bin bie orieebifebe Irabi< 
tion noch gewieft. Uber babei ift im jnnern fdjon ein 
ganj untere« arabifirenbe« Softem burcbgcbruugcn. 9iid)t 
nur bie Tonnengewölbe über bem §aupt ■■ unb Huer' 
fdjiffe finb fpis)bogig, fonbern aud) ba« ^feilerfoftem ift 
bereit« in einer ber gothifdjen ßntwidclung febr nahe« 
tretenben SBetfe burebgefübrt, inbem Dienjre ober $alb» 
faulen an ben Pfeilern auffteigen unb fpifcbogige ©urten 

5) Die bilktnbtn JtöiiSc. 
a) Ifdjnif. 

(Sfulpturen.) ©anj vereinzelt fommen in biefer 
Heriobe wieber religiöfe Statuen vor, unb biefe auf« 
fadenbe Ihatfacbc barf man vielleicht bem tünfluffe ju» 
fdjreiben, ben bie Berührung mit ben rSranfen übte. 
3nnärbft geböten babin jwei iSarmorftatuen im AI öfter 
üaura auf bem »tbo«, bie bei bem gdnjlieben SWangel 
an Sfulpturen, weither fonft in biefer *tönd>«colonic 
berrfebt, burebau« al« frembe (Sinbringlingc erscheinen. 
Sie ftellen ben Stifter be« Älofier*, ben beil. «tbana. 
nu«, ben «gbioriten, unb bie 3ungfrau SRaria vor. • 
VfBttTf fcbldgt mit bem »blftabc be« Sftbanaftu« Saffer 
au« bem Seifen unb bie Statue witb burd) eine Huf' 
fdjtift al« ,,ba« Sßunbcr ber 3ungfrau vom SBaffer" 
bejeidjnet. SJeibe Bigureu fteben am äußern portale 
be« Äatbolifon. Der «tbanafiu« foll fdjlecbt gearbeitet 



56) Daf. pL 9- 57) tai. pL 18. CowJtaud, Kglii« 
briantine» 58) SttMlpl. 10. 69) «djiil,, SNnfin. 

Ux Stuut »r< «iutrUltrt« in Unter.iulun 1,289. laf. 42. 3^.2 



fein unb fetjr ben $ropbcten an bem übore uir Serfiten 
be« StBeflportal« von Siötre Dame in Hart« jileicben *°). 
Da§ bin wirflid) einer jener franjöftfdicn $rin)en ge* 
waltet babe, bie ftd) auf ibrergabrt jum bcili»jen Örabe 
in @tied)enlanb feftfe(ten, jeigt ein 9ilb im {>auptfd)tffe 
berfelben Slixdx, wo ein fönigltcber Urinj mit bem 9iobrll 
einer Jfirajc in ber >v>ano r unb vor ibm fein Sobn in 
einem (Sofiüm abgebilbet finb, welches burd) bie Milien auf 
ben Dalmatifen unb ber Jerone ihn- Jperfunfl ju »n» 
ratb<n fdjeint*'). Uebrigen« wirb man jid) erinnern, 
baß allerbing« ludjt immer von bem Ornament ber £üie 
obne weitere« auf fratMÖiifcbeu 6influß gefdjloffen wer* 
ben barf. 

3Kid>ael ^aläologu« errichtete ferner »or bet «poflel« 
firdje eine Säule mit ber Statue be* SWicbael , mmutf)» 
lia) feine« Sd)u(beiligen, be« drjengel«. Sie ftürjte 
bei einem Srbbeben im 3. 12% ein unb würbe fpdtet 
von Slnbronicu« II. wiebet b,ergefiellt M ). 

3n bem d)riftlid)en Wufeum be« Sktican« bejinbet 
ft* eine fleine metallene, mit (Smail unb @bclfieinen 
au«gelegte Silbfdule be« Srlöfer«, bie fd)on ib,re« auffal- 
(enb batbarifebeu Stul« wegen in biefe $eriobe gefegt 
wirb •*). Sei foldjen fleinen arbeiten ifl überhaupt wol 
ba« firdblidje Serbot ber Sfulpturen weniger beadjtet wot' 
ben. 9lamentlicb feilen an ben (Sb,orfd)ranfen fef)r ge« 
wöbnfid) Biguren von ^oUnlmierrei in rnrdjbrodiener 
Slrbeit vorfommen M ). 

( s IRofaif.) Wofaifen finb in ber bebrdngten 3<i< 
nad) ber Eroberung ber Lateiner wol feltener au«gefübrt 
worben , aber aufgehört bot biefe Jtunß feine«weg«. 31 m 
öftlicben Xragbogrn ber Sopb,ienfird)e fanb ftd) ein 
IHebaillon mit bem auf einem golbenen 3 iidu aufaeftell' 
ten (h>angetienbud>e jwifd)en 3obanne« unb aKatia, 
unb unter ber lestern ba« $ilb be« 3obanne« $aldo(o' 
gu«, jum Sewrife, baf btefem minbeften« bie Seftaura» 
rion be« «Kofaifbilbe« angehört. Da« Älofter »atopebi 
auf bem 3libee fe/U Slofaifen au« bem 13. 3abrbunbert 
baben **). gemer fteb.t man alte SRofaifen in bem 
Alofter Dapbne bei Alben, auf ber heiligen Straße nad) 
ßleuft«, von beffen Urfprung in bcT Stit bet frdnfifd)en 
Jjierrfcbaft wir oben gefproeben hilen 

$Bir baben ta>on früher (9b. 84. S. 43ö) be< 
merft, bafi bie beiben Wofaiftafeln mit je fed)« fleinen 
Darftellungen au« bem Üeben (Shrifli, welche |u bem 
Scbage be« Saptifterium« m glorenj gehören unb im 
ÜÜtchiv ber Opera be« Dom« aufbewahrt werben, viel« 
leid)t erft in biefer «JJeriobe verfettigl finb. Sie Witt« 
ben im 14. 3abthunbett von einet ^tnejianerin , Sic« 
colita ©rioni (NicoletU de Grioaibus), ber äBitwc 
eine« Aammcrbenn be« Aantafujenu« gegen eine Leib- 
rente erworben unb follen au« ber fai|erlid)en Aapelle 
herftammen ""). Daß fie einer febr fpätrn 3"t an* 



60) Annale: archcolog. 21. 127. 61) Paprty ig trr 
Rcto« de «tax mondes, 1817. T. 18- p- 777. 62J A'icf. 

pAorvt <;.•-/ r,i-, MUt. 6. 9. f. 1. ed. Bonn. 1, 202. 63) 
«tMmbMfl ton 9tom. »t. 2. M;i 2. C. 382. 64) Üidrc«, 
Man. p. 26. S*äf« t ffi. 69. 66) Annal arebeol. 7, 162. 
66) Oori, The», »et. diptych. 3 , 326. 2)ie »WUviiiigm auf 

4« 



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GRIECHISCHE KUNST 



28 — (m. ABSCHN. VERF. D. RYZ. KUNST) 



geböten, betveift bie $orm bn Sudjftaben in ben 
wuffcbriften, namentlid) ra« glagolitifd>e B unb baö 
latrinifil i A neben tcr altern nnb neuem griediifdjen 
Sonn be« Ickern, flueb ipridji bafür bie btdunlidje 
garte nnb bie etwa« lange Jtörpnbilbung. 3nt Urbri« 
grn iß aber bir ftarbc ftdftig unb gut, unb bie 3da> 
nung mit Hnönabme bet gü§« ganj rortrefflicb. 3>n 
galtemvurf (dpt 9Jid)t« >u w>ur.fd>e:t übrig unb bie «einen 
Wefidjtet ftnb dufierft forgfdltig unb naturgrmdfj burd)< 
gefügt. Dabri ift ba« SWaif fo fdn, ba* man bie 
4stein6en auf ben rrften ©lid nut in bein ©olbgrunbt 
untnfdjribet, unb für sie ®eftd)tn triebt faum eine ge< 
roöbnlidje Soupe au«, um bie ßufammenfefung berfeiben 
m erfennen. Die ledjnif tiefer wunberbnren Ätbdt tit 
fo aujjnotbentlid), bajj ftc butd) bie feinden römifeben 
Arbeiten minbrften« nia)l übertreffen wirb, unb an Äunft» 
mertj) ficht baffdbe fo ho*, bafj r« immer nod> ein 
dufetft günftige« 3fugni* für bie b»iantinifa)e Äunft 
abgibt. 

(gte«co.) £dufign mögen bri bem Drud bet 
3rit bie Sdnbe ber Äitdjen mit grrtfen gefamütft »or« 
ben fein. G« ift bavon nodj jiemlid) viel erhalten. 3n 
Delpbi, 6. ?uco« in Sivabien, SWegafpileion in Ucbaja, 
Sparta ober SWiftta, bem Dorfe Ätadjoma in gafonten, 
Hrgo«, Äorintb r.nb Wegara ftnb bie Äirdjrn nnb nament« 
lid) bie ber Älöftn mit )abjreia)en giguren in gre«co 
bebedt. Vt luIi in ber Sluine ber Äirdje bd Stobon im 
'.ßeloponnr« ift ncd> ein Jhril bet SWalerri erhalten tT ). 
Äm tridjften batan ift abet Athen. $in ftnb nod) 
fünf Äircbrn votlftdnbig ausgemalt, unb bie übrigen 83, 
[elbft ba« jur djriftiicben Äirdje umgeftaltete $artbenon, 
betvabten »enigften« nod) Spuren il)fe« alten ©übet» 
fdjmude« ••). Siele Kiefer ©emdlbc Rammen allnbing« 
au« neuetet Utit. Wand>e geböten abet obne 3»eifd 
neel? bet $tit vot ber futfifeben Gtoberung an. 3n bet 
ÄirAr ber Jungfrau vom Älofter ju Athen ift j. 9. 
auf et unbebeutenben Weften in mehrere» fleincn Jtapeden 
ein grefeo in einet ftifdjr übet bem (Eingänge erhalten, 
beten fplßbogige fjorm auf ibre Gnrftebung unter frdn« 
filier Aettfdjaft fdjliefien laut *'). Bon ben beiben 
atljenieniiicben Jt treten , «reiche wir ai« bttfet Jeir ange* 
hörig bervotgeboben hoben, betigt ba« Äatholifcn nod) 
dnen Dbdl frine« »ilberfcbinurf« im 3nnern 7 °). Bribe 
waren abet au<b an bet »ufcenfrite mit gte«fen bebedt, 
ma« man auaj no* in rinn Winiatut in bem patifet 
ÜRanufcttpt be« 3atobu« «Konatbu« (Cod. Gr. 1208), 
ba« bem 12. 3abtbunbett angeboren maa, fiebi n ). 
Die Jtir*e be« Xartardjuö bat biden i£a>mutf ber Hufen« 
mdnbe faft vollfidnbig etbalten. Die gtont entbdd dn 
jüngfre« ©edO)t unb )u ben ®riten be« Eingang« bie 



Tab. 1. 2 r*x 334 e* 344 fin> ganj anhraiMbtar. Sumcbr , 
3UI. «sif^Bitgra 1, 304-807. tit 8t}ticbMitf| tuUr lafrt« 
«K ffalfntariun» ifl anridslig . 

67) Bhnttt, Exped. »rtent. ea Mar««. T. 1. pl. 11. 68) 
CHdron , Hi»t. da manu«) d'lconographic ehr4t ia ttr. Aonalei 
arehaol. 2, 23- 69) Laurir, ArcWt. mooaat. 1 , 280- Ko. 195. 

70) 3>of. 1. 831. Mo. 232. Ua,ttaW, Moattai. d archit. T. 2. 

71) m 9 rb. W Archit ttoawt 1, 287. No. 193- 



Siguten bet Xpofid $etru« unb $aulu«. 3nbeffen ifl 
bie SRalerd bin jünger, auf ber urfptünglid>c Sau, 
benn fie ift erft angebtaa)t, auf man bie genfiet oer* 
mauett batte J '\. tln bem Jtatboliron fdveint ber *Haum 
unterhalb ber Sfulpturen abftdjtlid) für dnen )u bema« 
lenben Ueberjug ringerid)tri ju fdn. Uebette^e riue« 
fcldjen mit rinem ^eiligen iu Äofj unb anbern fjiguren 
ftebt man nod} an ber Sübfrite 7 ^. 

(lafelmalerei.) <fian\ befonbert fdjeint in 
biefer »ßeriobe bie enfaufHfdie lafdmalnei auf £ol } be. 
trieben »orben ;u fein. 3>ie meiftert ber b»janrtni|d>en 
lafelbilbet, «xidje im Äbenblanbe rerbrritet ftnb, ge* 
böten bem 13. nnb 14. 3abtbunbert an, roa« ft* aller» 
bing« au« bem bamaligen Kerf ehr mit Söjanj triefet 
erndrt. fBorjugäroeife ftnb e« 3Rabonnenbiiber mit bem 
6bdftu«finbe anf bem Sdjeefe, unb mebrfad) fübten 
fte bie 5*e;ria)nung a(« 3Raria {»obegerria. Diefe n>etben 
alfo ba« berühmte Vaüabium von ^onftantinopd »um 
fBorbilbe genommen haben. S« fommen aber aueb viele 
anbete @egenftdnbe in biefer Seife bot. (Üne mit 
unbebeutenbe Sammlung foldjet ®emdlbe beft&t ba« 
diriftlicbe 5Rufeum, »eldje« mit bet «ibliotbef be« Bari« 
can« terbunben ift, rodbrenb man bort nut 4 obet 5 Heine 
Silber au« btfferer 3eit finbet. Da« betübmtefte untet 
jenen fpdtrm @emdlben, ba« ftd) burd) einen geroiffen 
«eidjtbum ber (Sompofttion au«jrid)net, obgleid) e« fonft 
nia)t beffer ift, a(« alle anbern, ift bet von (Emanud 
Zjanfutnad gemalte Xob be« heil. (Spbrem, ben Squat» 
done im 15. .uihthunren au« Wriecbenlanb mttgebrad)t 
haben foQ. Vud) bet Xob bn Stada in bet gottinget 
®emd(bdamm(ung bet Univerfttdt fdjrint in blefe ßrit 
ju geboren. Sir baben biefe« leitete Silb fdjon frübet 
in SBejtebung auf bie iedjntf bet 2Badj«maIerei befprodjen. 

(TO inia tuten.) enblid) ftnb au« biefet 3eit 
mebtete mit SRiniaturen au«geftattete ^anbftfcriften et* 
hatten , unb man ftebt beutlia), wie aud) bie 9bfa>rdbet 
half aufböten, bie 'rührte Sorgfalt auf biefelben ;u 
vettvenben. So bat fd)on bie datene jum ^iob in bet 
vaticanifdjen Siblfotbef, Cod. Gr. 1231, bie im 13.3abrb. 
in Gopern gefd)deben ift, fcblrcbte giguten von ftürbtfger, 
ungenauet 3eid)nung unb faftiofer gdrbung, bie in rinn 
angelernten banbmetf«md§igen Seife au«gefübtt ftnb '*). 
9San fann aDetbing« für bie Sd)led)ligfdt biefn Arbeit 
dnen ffltunb barin vetmutben, baft bet Äünftlet rinet 
entfernten Urrritnialttabt angebötte. 3n bet 7hat gibt 
e« nod) einjelne Iriblid) gute OTiniatuten. Gin parifet 
Gobtt mit 16 »eben be« «tegot von »ajianj, 9lr. 550, 
bn 1262 gefd)deben ift, bat tm Anfange nod) ein paar 
iterltd) gemalte Sldttn in ?vorm unb @efd)mad bn 
gried)ifd)en Gmaiden au« fpdtertr 3dt. Gbenfo jinlid) 
ift bie Xiteloignette unb ein 'Iteii ber 3nitialen, rvdb« 
tenb anbne 3nitia(en toenign gut ftnb T *). (Sin Xbdl 
rine« TOenologium«, bieTOonate Wai, 3uni unDttuguft, 
in bn vaticanifa>en Sibliotbef au« bnfelben 3c it (Cod. 

72) 5>«f. 1 , 889. No. 194. OaMaiaud T. 2. 78) L*- 
ndr, I, 288- CfcW T. 2. 74) »«f*t(,h„ 1( , W n (Htm. 
8t>. 2. WUL 2. «. 866. 76) »cr B I. ffiaa fl ea 6. 231. 
Ri 9 olloi 1, 98. 99. 



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GRIECHISCHE KUNST 



'29 — 



(III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



Gr. Iä28) Kit ebenfall« fem au«gefübrte SHnialurcn, 
bie aber fel>r verborben finb, nebfi Vignetten unb 3ni» 
Halen, Mc ftd) nidjt rrt)cb(id) von anberii imtrrfebeitcn. 
eelbft unter brn SRiniaturcn be« 14. 3abrf)unbert« 
fommt nod) mattete? ®uic vor. SBefonber« mrrfmürbig 
■ it ein &ippoftate« bafclbft (Cod. Gr. 2144), bot um 
1346 gtfcfmrbtn ift. Die 3'it wirb burd) ba« SSilb be« 
Äleriu« Vlvc-r^ufre beftimmt. Die £anbfrbrift enthält 
jwei Bldtter mit gigurrn in gicmlid) grojjem SÄaßftabc, 
bi« mit banbmerfömäpiger geinheit aufgeführt unb nicht 
fo gar fd)ledjt gejeia>net finb. Der Äopf be« £ippo« 
frotrt ift fegar fdjön, gani bilbnijjarhg gehalten , unb 
erinnert febr an manche Xöpfe ber <Sc<f|<f>en Schule. 

(Dagegen enthält bat) Titelblatt eine« Kercptbudj«, 
ba« etwa berfelben 3eit angehören mag (Cod. Gr. 
2243), nur fd)(ecbte«, funftlo« colorirtr« gebrrgefriftel, 
baf ben Viru iu feiner SBoutique mit einigen ran» 
fen unb ben Äpottjefcr mit feinen ®*t)ilfett r *) vorftetlt. 
Soßenb« plump unb ungefd)i(ft gejeicb.net unb oberfläd)« 
(ia) colorirt finb bic ©emälbc ber von bem Bulgaren« 
fönige 3obanne« Hleranber (1330— 1363) veranftaltcten 
flawifcbcn llebcrfeaung ber ®rfd)ld)tc be« Gonftantin 
Wanaffc in ber vaticanifeben ©ibliotbef (Cod. Sl»v. 2), 
bie im ('«an»cn an bojantinifdjen Stvl erinnern, wenn 
U fid) aleid) vielfad) burd; ba« flawffcbc gofhim unter» 

SSilbnfffe au* ber faifer(itf)en gamilie fommen in 
bieten fpdlern SDlanufcripten jum öftern vor. SSanburi 
bat Silbniffe be« SRanuel unb 3obann ^aldelogu« 
unb De« legten $arriard)en von Sonftanrinopei , 6er 
1439 }u glorenj darb, au« einem parifer Wanufcript 
publicirt 7 "). »Uein in bem Sober, ber unter ber von 
ihm angegebenen Kummer 306« vorhanben ift, fanb ich 
feine SRiniahircn. Silbniffe be« TOanuel $a(äo(ogu«, 
feiner ®emahltn unb Äinber enthielt aud? ein Dionnftu« 
«reopagita, ben bic Slbtei St. Dent« 1408 von SRanucl 
jum ®e|d)ent erhielt '•). 

(Seibenmcberci unb <5 lieferet.) Die Selben« 
»Vfberei fcfceint feit bef @rrid)tung be« l iteinifcben JJaifcr» 
tbum« glcid)fam au«gen>anbcrt ju fein. Äu« 9Borra 
unb Slcbaja waren bie beften Arbeiter nad) Sicilien enl« 
ffif)rt, unb von bort au« verbreitete ftd} bie Äunft über 
vcTfdjiebene »ßunfte 3talien«. <S* werben »albadjitt 
unb ©iglaton von ?u«a 80 ), Seibenarbeiter in «Nai* 
(anb •«) erwärmt. S!uf ber 3nfel Ctjpern unb in Ibeffa« 
Uen blühte biefe 3nbufrrie jeboeb unter ber §errfd)aft 
ber granfen wieber auf M ), wäbrenb Stoffe au« Pon- 
ftanrinopel nur feiten genannt werben. Sagegen ent« 



76) SRidji ein jAttgfte« «c:id>i. wie fflaagen 6. 230. 231 
fjqi Sttgi. aud) ben Jtopf be« £nt«e au« bem panfrr 9van> 
atliatium M Sti^a«! Valiologa« M Sthant. Dort iji bie 
Signaiur Cod. Gr. 200 angtgttKii , int>rffen fanb ia) nutet titftt 
9(>«idinun|| aar einen retttämmelten Ucmtncntat lum SRatt^äuf 
chnr SKiniatiirrn. 77) iBnal. Scfarribuag von ftvm. I^ 2. 
«Wfc 9. 6. 366. 78) Baaduri, Im per. oeifot. p. 990- 

Rigollot 1, 100. 79) D« Cmg*, Fmd. Bji p. 342. Jiigotlot 
lt 100. 80) f'rn."i"ii.' - Mickf :' Rech«ti'heii <ur le« iuitte* 
de terie 1, 236. 266. 81) ÜXif. p. 336. 82) D«f. p. 806. 



widelt ffd) ber Betrieb ber 6ribenweberei in ben Weber» 
lanben, jumal in 8ric.«lanb unb Serben *'). Uno« würbe 
fo bcrübjnt, ba$ bie 3taliener fd){ed)tt)in bie Teppitfie 
alt 9ra)ji bejetdjneten. $iedeid)t ift bie £errfd)aft be« 
flanbrifd)en @rafengefct)Ied)t« am $o«poru« babei nidjt 
of)ne SinfluA gewefen. 9m meiften aber würben bie 
mufe(mdnnifa)cn Sribenarbeiten im Äbenblanbe berilfjmt, 
beffnber« feit bem 13. ober 14. 3ar)rf)unbert bie von 
Samaflcu« unb Äartb,ago M ). 9?eben biefen erhielt 
man jeöt burd) Sermittelung bet Slawen unb Sarlaren 
6eibenwaaren au« ffbina über 8anb, ein £anbe», ben 
genuefjfd)e unb venetianifdje 9tieberlaffungen am Don 
vermitteften **). @o erflärt e« fid), baf unter ben er» 
flatterten Srnfmdlern ber Seibenweberet biefer ^rriobe 
neben ben abenbldnbifd}en unb atiatifdjen bic bv^antini' 
fd)en immer ftltener werben. 

Sfoct) feltener finb bvjanlinifdjc Stirfereien. ®ar< 
rued b,:t ein fc&öne« Seifpict einer foldjen au« bem 
3Mufeutn be« @rjbifd)of« von ?»on publicirt, ba« er in 
ba« 13. 3af)rf)unbert fe(t. @« ift inbeffen gerabe bei 
einer foldjen Stieferei jiemlid) mi«lidj, ba« «Her nad) 
bem €rt)l ber giguren nt beftimmen, jumal ba f)ier nur 
llmriffe mit gleidjartigcn gldd)en von farbiger Selbe 
unb ®olbfdben or)ne alle Sd)attirung aufgefüllt finb. 
Sie 3rid)nung ber Jföpfe tft nod) frf>r gut, bie giguren 
nid)t lang, fonbern jiemlid) trofil proportionirt , im 
Ucbrigen aber find allerbtng« bie llmriffe einigermaßen 
unbeholfen. Sie Srttferei ftcOt Waria mit bem (Fbriftu«' 
finbe )Wifd)en ^etru« unb einer Aaiferin, nebft einer 
feb,r fleinen gigur eine« fnieenben Donator« in bifeftöf» 
liebem @ewanbe bar, Sa« 6hrtftu«finb wirb auf bem 
Sd)oo0e ber OTutter vor ihrer 3)rufi gehalten unb mad)t 
mit beiben erhobenen d)dnben ba«3eid)en be« Segnen« •*). 

b) Sntalt »et Silber. 

Der 3nbalt ber Silber blieb im ®anjen unverän« 
bert. Die &ird)cn würben nad) bem üblichen Svftem 
aufgemalt uub aud) bie Sebanblung ber rinjelnen ®c 
gcttftdnbe wirb wefentlid) bicfelbc geblieben fein. 3m 
(jittjelnen jebod) bemerft mau Unicrfdjicte in ber Üuf' 
faffung, bie jum %t)äl burd) Skritbrungen mit ben 
granfen veranlagt fein mögen. Die antifen $erfMffE> 
cationen j. SB. fdjeinen fellcner ju werben. 3>i gcwijfen 
gälten fommen fie jebod) aud) in biefer 3rit nod) vor. 
Der glupgott 3orban ftnbet ftd) >. S9. bei ber Xaufe 
(fhrifti nod) im parifer ®regor von Wajian} vom 3<-bre 
12fi2 (Mss. Gr. No. 550) 3n ben von einem 
bv a antinifd)en SRalcr hmührenben Winiaturen einer 
franjöfifchctt "Bibel au« bem 13. 3abrhunbrrt, bie ftd) in 
ber Sibliotbef be« ftrfenal« «u $ari« (Theologie fr. 8) 
brftnbet, fommt bie 9Bct«beit auf bem Throne neben 
Jtönig Salomo vorj aber fte ift geflügelt unb alfo nicht 
mehr allegorifd), fonbern al« (Sngel aufgefaßt ••). Da« 

88) Siaf. p. 320 »ui». 84) Saf. p. 811. 812. 86) 

!Caf. p. 813 «ui*. 86) Melange« d'atcbeoloirie p«r CaAier 

et Martin 4, 262. pl. 27. 87) ffl i Jtjta, Äuniiirrrfe unb 

.«ünftltt in $ati« 6. 230. 88) «bbilbung bei Diaro», Ann»- 
lee »roheol. 1, 300. 



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GRIECHISCHE KUNST — 30 — (III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



«gen trifft man dbnlieb, wie in manchen abenMdnbifcbeu 
Manufcripien in jenem parifer ©regor von Sajian} 
(No. 560) ron 1262 oft unwürbige »u«ftattung mit 
grotrtfen, femifd)en unb lächerlichen Darftellungen , bie 
rem ücfcr turd) 8bived)felung Unterhaltung geredeten 
f ollen, vräbrmt religio je fflfgfnftänbe ba neben jur flu«» 
ftattung ber Initialen bienen **). 

Ilm meißen jeigt rief) bic Äuffaffung verdnbert bei 
ben (inicifiren unb ben Mabonnen. Die Sruäfire finb 
gm? Ä Mi* nicht mehr in bie Dalmarica arf leitet , fonbern 
tet .Körper (ib,uki ift nur um bie Ruften mit einem 
furjen ©croanbc verhüllt, welche« vom ©ürtel bf« auf 
bie Äniee binabreiebt , unb bfe fRabonneu reiben gewöhn» 
lid? uid)t mehr bat? 6b,nffai«finb mitten auf bem Sd>oo#e 
vor fid), fonbern gleid) ben abenbldnbifcben feitwdrl« 
auf einet 



C) «01. 

SBcfentlid) verdnbert erfdjeint enblitb ber : £tvl ber 
©emdlbe. gteiliai iajeint man nod> bie alten Silber 
gcfebdftt ju haben. SBenigften« nennt fticepboru« ©re* 
gora« einen gewiffen $aulu«, bem man einen vor Gittert 
gemalten heil. ©eorg auf einer ffianb in bem $alafie 
vor b«t Staptüt ber fiegbringenben Mutter ©otte« JU' 
!4rieb, ben bejien unter ben Malern. Man glaubte 
bei bevorflebenben ©efabren ba« Sichern feine« Werbe« 
i u vernehmen *"). fBa« bagegen au« biefer fpdtern 3«t 
erhalten ift, jeigt j»ar, bafi e« nod) einzelne Jtünfiler 
gab, bie ntajt ganj untüchtig roaren; aber im Ällgcmei« 
nett t[t ber rafa>e Berfa U ber Jcunfi forool in ber 3«<b' 
nuug, alt? in ba Sebanblung ber garbe nia>t ju »er« 
feunen. 

(gigurenjeidjnung.) Die beffern Silber bewab' 
ren wenigen« im 13. 3abrbunbrrt nod) einen gewiffen 
(ftnfl unb ein Streben nad) 8u«brud, ba« nidjt ohne 
SBürbe unb namentlich bei ben Wabonnen nicht ebne 
eine getoiffe fttbhdrfcit if). Sa« ftereorppifd) Steife unb 
Starre ber 3eid)nung fa>eint fogar noch ben Vu«bru<f 
religiöfer SBürbr bei vielen biefer Silber ju erheben, 
über bie Sebanblung wirb banb werf «md füg, geiftlo« 
unb mea>anifa), unb ba« Streben nach. Scaturwabrbeü 
unb Schönheit wirb häutig nicht einmal mebr Urd? 
eine dngfUicb )ieriid)e Ausführung erfent. <E« bilbet ftd) 
eine fraktionelle, angelernte Manier ber 3fi*nuifl, bte 
»dj immer mebr von bem flatürlicben entfernt. Die 
Proportionen be« Aörper« finb häufiger übcrmdfjig lang, 
lumal bie Seine ui lang unb bie güjje unvabdltntfj' 
mdfjig Kein, bie Jpänre ubermdfrig lang unb arofj, unb 
bie gtnger bd§lia> gefrumml ober mit Reifer jutiutfnt 
gehalten, i ie jfjeiltgen finb nicht feiten bün unb bager, 
ibre Äöpfe alt unb runjlirb, bie Öremiten oft abfid)tlta) 
früppelbaft. Aua} bie Seroegungen ber äörper rortben 
oft unnaturlia) unb übertrieben, oiguren von bemütbiger 
JSaltung roerben gerabeiu al« burflig bargefteHt. Sei ben 



9Iafe, ber Heine DJ mir mit übermäpig langer Cberlippc, 
ba« Heine .Rinn unb bie arofen manbetförmigrn flugen 
obne »ugenroinlel unb mit fcb»aa>er iBölbung ber «ugra« 
brauen in feinem Serbältnip }um Oval be« ©cfid>r« •»). 
Aua) bie 3nd>nuiig ber ©eroduber nimmt eine ftereotvpe 
Scanier an. Sie erfahrnen oft in enge, bia>t gebdufte, 

"e tn lang 



parallel verlaufenbe galten gelegt , bie 
genen 3 u fl <n ben Aörpa oerbeefen. 

Jg>in unb roieber bemerft man in grieebif^xn ! 
frriptrn be« 13. unb 14. 3abrbunbert« beuilia)e anjetdjen, 
bafi bie Jtunft be« Slbenblanbe« aua> auf bie IRalcTei 
bn ©rieeben nidjt obne Sinftufi blieb, ©nabe in ber 
£eimatb bei lateinifcben Raifer entroitfeite fta) feit bem 
enbt be« 14. 3abtbunbert« bie Äunfi auf eine gldnjenbe 
SHkife unb bie SKunjen unb Siegel biefer Äaifer finb 
nia)t nadj griea>iicber, fonbern nad? abenblänbifeber Seife 
unb offenbar r>on abenbldnbifa)en Äünftlen; gearbeitet 
3nter fa)dne Jtopf be« ^ippofrate« in bem (tobex be« 
«rcFuufc« (oben S. 29) icugt von einer Senvanbtfdjaft 
mit ber nirberldnbifa>en xunfi. SOerbing« gebort biefe 
^anbfdjrift einer Jeu an, al« bie flanbrifaV Ännfl nod) 
rveit entfernt von ber Siütbc mar, bie fie burd) bie töm - 
ber van enentte, unb mir roerben nod) bavou ju 
|prcd>en haben, in wiefern biefe legiere auf bviantintfd>er 
Scbule beruht. Sielleitbt fann man aber aua> ba« pa> 
tr'ee Keceptbud) (Cod. Gr. 224.3) hierher jietjen , beffen 
Initialen in einer ganj ungeroöbnlicben Wanier be hantelt 
finb, bie man einigermaßen ben abenbldnbifd>en au« ber 
gotbifdben ^eriobe verroanbt nennen (ann, rodbrrnb 
feine Signetten jehr cid von bem romanifdjen Stvle 
be« SIbrnblanbe« haben. Vud) bie (Satene lum Jpiob 
in ber Sibliotbef be« Satican« jeigt in ihren Miniaturen 
eine geroiffe Serroanbtfcbaft mit ber abenbldnbifdien 
Malerei, unb balielbe ifl in ben parifn Manufrripten 
ber Meffe be« beil. 3aeob au« bem 14., fomie be« von 
©regoropulo« gefdjriebenen Gommentar« jur ©enefi« 
(Cod. Gr. 130) au« bem 15. 3abrbunbert »abrju» 
nehmen **). 3)ie le|terc £anbfd>rift bat fd>on arabift« 
renbe« Ornament, ba« }um ©othifeben Ijiunctgt. 2>afj 
tiefe ©efchmacfAridftung, bie man fo lange bvgantinifd) 
genannt hat, vom Hbenblanbe gefommen tf), fann mau 
niebt verfennen , roenn man auf bie gdn|iid)e Scrfd)iebeu' 
beit ber frühem grierbifeben Ornamentirung aa>tet, unb 
überbie« berüdfta>tigt, bafi ber romanifa>e Srpl bei ben 
Soiantinern um ein ganje« 3ahrbunbert vetipätet auf» 



tritt, al« im «benblanbe fdjon _ 
mungen (ich geltenb maebten. 

(Colorft.) Arn ftblimmüen lieht e« mit bem 
Kolorit, ftueb in ben forgfdltiger behanbeiten Silbern 
bemerft man nid)t mehr bie frubert ^armonie ber garbe. 
Die ©etvdnbrr roerben grell, vorroirgenb jinnoberrorh 
unli blau. Da« gleifrb hat nid>t mehr bie frühere 
griffe, e« roirb entroeber fahl, grau unb bleiern, ober 
bunfei, orangefarben, ja braun •*). 3umal auf ben 
Jafelbtlbern jtebt man biefe braungelbe garbe, auf ber 



89) SU. • ' •* €.38!. HigoUot 1, 
'«-• 8, 6. f. 2. »d. Bodo. p. 304. 



, 98. 99. 90) iVp*. 



91) 



M ««foifl bti Lommdrt pL 133. 99) 
93) SSaafl«» €. 229. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 31 — (III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



greife Stüter in einer gefrrithrlten OTanier aufgefr^f 
»erben, woburd) cie ©eftalten ein mumienhaft vertred» 
nete« Änfeben befommen. Stan bat bie Urfacbe bavon 
in einer fpätrrn '-Beränberung ber garbe gcfuct>t, bie burd) 
eine d)einifd)c einwirfung be« ©runbe« berfelben ob« 
tKt* ba« Gintrodnen tm,f burjigen Sinbemittel«, wie 
Jeigenmilrt), ober aud) burd) einen gtrniß b*rteigcfü!>rt 
idn möge. 3u btr Ubat will SBaagen in einem parifer 
Wanufrripte ber ©efd>id)te be* Sarlaam (Cod. Or. 1 128) 
dnen fcldjcn bitten, braunen Sirni»i beobachtet haben**), 
•bäufig ift bir braune garbe auch eine SBirfung von bem 
campen * urtb Äerjenrup, bem bie Silber au«gefe$t ge» 
roefen ftnb. Namentlich mag bie« nid-: feiten bei ben 
berühmten fdjwarjen SRabonnen ber galt fein'*), ob» 
glrid) e* aud) fold>e gibt, beren ®efidit«tüge auf ätbiopi-- 
leben Urfprung unb negerartigen Ivpu« fcblteßen laffen'*). 
«Oerbing« erinnere id) mid) nicht, in ben SJHniaturen 
bie braune garbe bemerft iu haben, bagegen l>abe id) 
fte fdjon bd bem ftorenttner 3Rofaif hervorgehoben. 3" 
ber I hat tft e« nur dne fd)led)te SRanier, bie burd) bie 
bunfle Hautfarbe, welche ber füblicbe Gimmel mit ftd) 
bringt, veranlaßt tft. 

Äud) btr ©ebraud) be« Weibe« wirb in ber SBrifc 
fortgrfefct, wie er bereit« im 11. unb 12. 3al>d)unbfrt 
üblich geworben mar, theil« al« $intergrunb ju einzelnen 
giguren von ^eiligen, tbril« ju adedei Sd)tnud ber 
Aleibung. 

SieUeicb« fommt erft in biefer Heriobe rine eigen» 
tbümliefce flanier auf, golbene ©eroänber ju bebanbrin, 
bie Mit bem abenblänbifeben Email champleri, bem 
Opus de Limogu, entlehnt ju fein fdjeint. So wie 
bei biefem oft brdle gldcben von vergolbetem Jfupfcr 
fteben bleiben, um im SBecbfel mit glätijcuben garben* 
nreifen ben gallenwurf an|ubeitten, fo fd>rincn auf 
biefen bvjanrlntfcben Silbern brdte bidjt neben einanber 
gelegte ©olbftreifen, bie gruppenwrife georbnet ftnb, rine 
*lrt von fieifen galten vor-ufteden. 3<b rjabe biefe 
Warner nur auf fpdtem Jafdbilbem aefunben, wie 
). S. auf bem Sobe ber Viaria in ber ©emälbegalcrie 
ju ©erringen. 3n Winiaturen ift fte mir nid>t vor» 
gefommen. 

Sbenfo lebeint e« erft in biefer $eriobe aufgenommen 
tu fein, bie auf Jjolj gemalten Wabonnenbilber mit einer 
Scfleibung unb dnem £eiligcnfcheine von gernebenem 
©elbe ju febmüden, bie mit Stiften aufgeheftet werben. 
Wan behängte außerbem biefe ©über mit allem meg« 
lidjen foftbaren Stbmud, Uhingen, jtreujen, (Sbriftcinen 
unb bergt. Suweilen würben aud) Jfopf unb £änbc 
al« (ehr flach erhabene« Sdjmjwerf ober vielleicht aud> 
in irgenb einer plafrifdjen 3Raffe gearbeitet unb bemalt, 
tobaß e« bod> mehr ben (Sinbrud dne« ©emälbe« machte. 
3n Sammlungen, wie ba« miind)ner SRationalmnfcum 
unb ba« £ötel (?lunv, peht man foldje gdechtfd)e 3»a» 



94) Daf. 6. 231. S32. 95) Sngl. 6i 9 hari im 
(*t I. f. «cnltjl # «cmmifRcn j«t »rforfd)iing Kr äaubfnfin. «b. 8. 
(Sk> 1863) «. 907 . 96) *><nn i* nidji im, f« iff hif 
mit M f^tnarjf» »»»Our« ju «flf*«tt in »ökm« »er Ball. 



bonnenbifber, beren Jfepfe in ben 9(u«fd)nitten dnrr 
Warte von ©olbbled; (teeren. Sie ftnb in ber »egd 
nid?t alter, al« ba« 14. 3ahrhunbert. 

C. 8»l 9 t. ber türfifetjen «crrfa)afl. 
1) SBa«tanS. 
») ®ri<*[|*r «ra)itrftar. 

üiadt ber türftfehen (Sroberung fonnte bie gdedjifdte 
Jtunft nur uod» ein fömmerlid)e« rieben fnfien. Sie 
ftrrhiteftur wutbe in einer großartigen SBrife nur noch 
von ben lüden gepflegt, wdprenb bie ©riechen h«hflen« 
flrine befdjeibene Äird)en bauen burften. ünfang« hielten 
fte wol noa> an bem alten 93aufpfteme feft, aber fte 
ließen boch leicht wefrntliche Dinge fallen unb führten 
einjelne muhammebanifche gormen ein, bie ftd) burd) 
eine gewiffe dlegan) empfahlen. 'SRerfwürbig tft in biefer 
Atnfidjt eine Heine Äirche ju 9?avarin. G« ift eine 
Jirnufmh; nad) bem Svfiem be« Tjtholifon unb ber 
Äirdie be« lariardjo« ju Althen, «ber nc bat manche 
(Sigenthümlichfeiten. T>it Äuppel Aber ber SRitte be« 
Ärruje« ift niebrig, unb bie Jcreuiflügel haben feine 
®iebel, fonbern auch an ben SBorberfelten fa)rdge 2)dd»er 
über ber horijontal abfdtließenben gront. 3n ben vier 
gefen liegen Äuppefn, bie mit ihren Spleen nicht über 
bie ffldnBe ber Areujflügel emporragen. 3)er Karther 
bilbet rine offene #alle mit fünf jfuppein, bie nur wenig 
über ba Sorberwanb berfelben fiebtbat finb. Diefe 
$orberwanb wirb burd) rine $frilrrarfabe mit vier Jclel' 
bögen gebilbet unb ebenfo hoben aud) bie genfter ber 
Jtirche mit alleiniger au«uabme ber in ber $auptfuppel 
beftnblichen ben aftatifchen Jtielbogcn aufgenommen. Die 
ßbornifdje ift enblich ju einer ganj unbebeutenben SBanb« 
nifche jufammengefchmol jen , unb von Süßen gar nicht 
ftchtbar. «uch bie <ßhiale in bem ffiorhofe ift von einem 
fech«ecfigtn ^feilerbau mit Äielbdgen überbedt. Die 
gorm ber Pfeiler im 3nnern unb am Wartha Idßt ver« 
ututhen, baß ber Sau von einem italienifchen Saumrifter 
au«geführl ift »*). 

Die meiften neuen*. .Rtrdjen jeichnen ftd) dußerlid) 
wrber burd) bie Jlreuiform, noch burd) rine Jtuppel au«, 
©ewöhnlid) ftnb e« nur nod) einfache ldng(id)e ©ebdube 
mit einem einzigen Schiffe, unb 9fle«, wa« man ju 
ihrem Schmuefe ibat, war, baß man auf ber SOrftfeite 
bem portale rine ber 9pft« ähnliche ©efiall gab, fobaß 
ber Sau auf briben tfnben abgerunbet erfchrint, gleich' 
fam aUJ ob man bie Jtuppel gefpalten unb ihre Hälften 
an bie briben dnben be« Schiffe« verfejt hdtte **). Wan 
bat gemeint, baß Dielleid; t eine JOppofttion gegen bie 
Surfen, welche fich ben bpjantinifchen Jtuppel hau an« 
eigneten , bie ©riechen veranlaßt höbe, auf ben ©runb» 
riß ber abenbldnbifd)en Saftlifen )urüd)ufommen '*). 

Urft nad) ber Befreiung von ber türfifchen 4)«r» 
fd)aft unternahmen bie ©riechen mieoer große Äirdjen« 



97) Biomet. Expedition Kientifique de Iforee. AUw. T. 1. 
pl. 3. 4. 98) Dtdron. Ani»l«> Mehiolog. 1 , 43. 99) Lt. 
w», Archit. monwt. I, 261. 



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GRIECHISCHE KUNST — 32 — (HI. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



bauten. Sie febeinen ft* babei aber weniger an bvjan« 
tinifdje, al* an venejtanifa)e unb rufüfdje Sorbitc er ge« 
lnilten ju haben, ilndj verfeben Re bir streben jept 
allgemein mit ©toefentbürmen , ba ftr ber SWetnung fmb, 
bap bir Sefeittgung ber ©toefrn lebiglid) auf einem 
lürfifdjen Serbote beruhe. Tick ®lodentbürme werben 
gewöhnlich in einem bem romanifeben dhnlidjen «wie 
gebaut unb bei übrigen Ärdutcftur einigennagen angepaßt. 
Sin Seifpiel biefe« mobetu griedjifdjen Jtircbenbauc« ift 
bie große Jtird)c auf ber 3nfel lino«, bem alten 3eno«, 
im Hrd)ipel, eine fünffcbiffigc Safilifa mit Xonnenge» 
wölben unb biefen enifpreebenben runbbogigen ®iebeln 
über ber grontfeite. Sie bat eine offene Sorballe , mit 
fieben SRunbbögen in ber gront unb je einem auf jeter 
Seite, unb einen Thurm, auf brffen viereefigem unb 
mobenritalienifdjem linterbau ftdj ein eigentümlich ju« 
gefpifcter Jtuppelbau von mehr rnffifa>er Sauart erbebt '). 

b) 2Eütfif*f «t^iterrur. 

Die lürfrn entfalteten in ben .fcauptftcibten eine 
jiemlicb bebeutenbe Sautbätigreit, unb fte bebienten ftcb 
Dabei menigften« «nfangfl grirebifeber flrrbitcften, bie jicb 
Wieberum an bie bManrini|d)en Sorbilber bitten. Sul« 
tan SNubammeb Ii. nabin ben ©riechen (Sbriftobulo« 
in Dienft unD lieg burd> benfelben bie Sopbicnffrdje 
in eine SRof*ee umwanbeln unb mebrere anbere ©ebdube 
aufführen. Da« voqüglicbfte ffierf teffelben war bie 
SHofcbee tiefe« Sultan«, bie SRubamebia, welche 1469 
votienbet würbe. Sie erfebeint im SBefentlicben at« eine 
Scacbabmung ber Sopbienfircbc , unb c« ift ba« Uiaterial 
einer SlpofteIfird)e babei vermanbt, bie jebod) niebt bie 
faiferlicbe ©rabftrebe in bem Salaftr be« llonfrantin 
fein fann. Der Sultan belobnte ben SaumeifteT mit 
bem ©efebent einer Straße in ber Stabl. 

Salb bilbeten fia> aber aud) lürfifcbe Saumeifkr 
berau«, unb vor allen berübmt würbe Sinan , ber unter 
Soliman n. (1680- löf,6) in verfd>ieDenen Ibeilen De« 
«eidje« 50 grope unb 100 Heine «Wofcbeen , über WO 
Saldfie, ebenfo viel Srücfen unb übet 50 Jlban« erbaut 
haben joO. Die Srinjen 'SRofdjec (Sebebfabegan'Dfdja« 
miffO in Gonftantinopel , 1548, bie Suleimanije bafelbfi, 
1555, unD Die SWofcbee Selim'd II. in ÄDrianopel he« 
jeichnen nad) feinem eignen flitöfprucbe bie Stanbpunfte 
De« Schüler«, De« 'Steiftet« unb De« Jtünftler«, Per feine 
bödjfte Äraft aufbietet. Sei Pem Sau ber Suleimanije 
verroanbte Sinan bie Säulen ber ©alerie unter Pem 
£atbi«ma be« 4}ippotrom«, bie ®iUc« noch jum 2beil 
fteben, jum Sbeil umgeftürjt liegen far> *). Die War= 
morftufen von ber 9Jortfeite bee .f>ippotrem« gingen um 
tiefelbe 3rit in ben Salafr be« ©roßveftr« Jbrabim 
Safd>a über *). 

ÄÜe biefe Sauten fcbloffen jidj an bie bpjantinifeben 
Sorbilber an, tbeil« an ba« Softem ber fleinen Äja 
Sofia, wie bie SRofdjee ffjub'«, be« gabnentrdger« be« 
Sropbeten, bie dlrrftr ber «»ofebeen von Gonftantinopel, 



1) Lenoir, Arehit moatm. 1, 271. 2) OyUiut, Topogr. 
CP. 2, 13- 3 Ob Ca»?*, CP. ctari.t. 2, 1. p. 108. 



nnb bie Wofcbee Selim'« II. ju SJbriancpel, tbeil* an 
Die große Sopbienfirct)e , wie bie Stofebee Soliman'«, 
ba« Weifterwcrf ber o«manifeben ürebiteftur. 3nbeffcn 
maebte ftcb bod) mubammebanifebe Sitte unb türfifeber 
©rfebmaet in «ie(fad}er yiinfuht geltenb. (Sin unumgäng« 
Iid)e« drforbemiß bei Wofcbeen waren bie 'SKinarete. 
Die arebiteftonifeben Jormett würben vorwlegenb fpib' 
bogig, unb im Ornament berrfebte überall ber orirnta« 
lifebe ©efcbmael vor. 3» l ' itlf ' felblicinPigern ^Ircbitrftur 
erbebt ftd) ba« 17. 3abrijunbert. Die IRoftbee «ibmeb'« 
von 1614 jeiebnet ^dj ebenfo Purd> bie Äübnbeit ber 
Anlage, al« bie üKefcbee ber Sultanin SBalibe von 1665 
bureb ben @lan$ ber 8lu«jtattung au«. 3<n 18. 3at)r< 
bunbert aber büpte ber ottomannifebe Stpl feine iKeinheit 
ein. (Sbe C«man III. feine SRofobet auffübren lief, 
fanbte er türfifebe Krcbiteften nad) bem «henbtanbe, um 
bie vorjüglicbfien Sauten beffelben )u ftubiren. Da« 
fittu C«man'«, 9?ur Oemani (1748 — 1755), würbe 
bura> (Slegan) unb Slegelmdfigrcit vieQeicbt ba« lrtjönfie 
©ebäube ber ^auptfiabt, aber bie altmubammebanifcben 
gormen würben niebt nur mit ben b,ufeifenförmigrn Är« 
faben be« Sorbof« bereiebert, fonbern aueb mit bem 
SMufcbd « unb Sdjnedenwerf be« abenblänbifeben Soceoeo 
verunftaltet. 8m günfligften duperte ftd) nod) ber beco« 
rarive ®efd)maif ber mubamraebanifeben flrebitefrur an 
ben Srunnenbdufern, von benen einige ber anmutbigften 
ju «nfang be« 18. 3abrbunbert« aufgeführt würben*). 

2) SRalrrti. 
») tHrllree 3eit. 

©ünfiiger fianb e« für bie grirebifebe ftalerei, bie 
ftd) in bie Stille ber xiöüer jurücfjog unb hier ftcb er 
vor bem ganati«mu« ber dürfen geübt würbe, wäbrrnb 
biefe in beu Jtird)en unb Jtlöftern, welche jie in SeftQ 
nabmen , bie Silber jerftörten ober wenigften« übertünd}« 
ten. 3n ber frühem 3 eil fd)etnt Xbeffalonira (Salonid)i), 
wo nod) jept bie ®rird)en ftd) einer großem Unabbingig« 
feit ju erfreuen haben, a(« in ben übrigen I heilen be« 
türfifeben «eieb«, ein SDiittelpunft ber Äunfttbdligfeit 
gewefen ju fein. Später ftnb nur bie Äldfter te« Serge« 
«tbo« eine Sftanjfcbute ber bpjantinifeben Walerei ge« 
blieben. Dort finbet man nod) bmädnlidje Stalerrien 
au« ben erfren ütittn ber türfifeben ^errfebaft. Die 
gre«Fen ber großen ÜMarienfircbe im Aloftcr Saura auf 
Pem Sltbo« ftnb laut ber 3nfd>rift im 3- 1535 gemalt, 
unb bie :Unh fcbelnt baju gefübrt gu baten , Daß man 
bie auf ©olbgrunb gemalten Silber ber £auptfuppe( mit 
einem 9{e« von ringebrücltrn Linien überjog, um ihnen 
ba« Ünfeben von wofaif du geben *). 

Die ©emdlbe tiefer 3eit foUen fid) niebt von ben 
Per legten Serlobe vor ber türltfcben Stoberung unta« 
febeiben. Dod) mag ttalienifd)er Einfluß bin unb wieter 
vortbeilbaft efngewirft haben, ©entile Seilini war von 
Mubammrb IK nad) ßonjtantinopel berufen unb obne 



4) Xti»ltt, «<(«. Uk !Ba»t»n|i 1. 6M-566. €ta«f. 
6 341. 6) bidr»», Ann»l. »rch&l. 7. 46 unt 21, 36. 



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GRIECHISCHE KUNST — 

3weifri flru- au* anbne italienif*e Äüstftlrr in @}rie*en< 
lanb r ä i : h gewefen. 3)ie gähne, bie in ber S*(a*t 
von Bepanto 1572 ben Xürfrn abgenommen würbe unb 
in ter Jrir*e von ©aeta no* ju fttjen ift, foli in ber 
Malern ben (£tnflu# italienif*n Sdjule verratben. 
(Jbenfo mag bat wiUfür;t4e Svmbcliftren unb «Hegcri.- 
fiten, ba« ftcb, in neuem grtr*if*en £ir*enbilbern jrigt, 
aie ba« von brei drjengeln getragene geflügelte (£briftufl' 
hlb in bem fternformigrn au« vier Xreiecfcn gufammen' 
fltfe^ten 9iimbu«, unb brr bärtige ßbriftu« al« $atriar*, 
»eldjr JDibron publidrt bat 4 ), tollem abenblänbifajen 
(Jinfluffe jujufdjteiben fein. 

Huf ber anbern Seite waren manage grie*if*e 
Waler au«gewanbert, bie im Hbenblanbe von ihrer Äunft 
lebten. liefe eigneten fid> ni*l aOein bie Sortbeile ber 
italienif*en Xe*nif an, fonbern tu Valuten vielmehr coli* 
t'tanrig ihre Selbftänbigfcit, fobafj ibre ©cmdlbe ganj benen 
be« «benblanbe« gleichen. 5>ie tri*en 3nitialen in ber 
üriftoteUfcben Moral her Saurentfa nif*en Sibliotbrf in 
$u>rcni, bie ein Demerriu« Sguropulo« 1544 in 'Stau 
lanb grf*rieben bat 7 )« finb ebenfo im italienifcben ®e» 
limaef aufgeführt, alt) bie Miniaturen cinrfl Änafiafiu« 
do Providentia (xiqI xqovouxs) in ber Sibliotbct ju 
Sbetm«, ber für ben borrigen Grjtifdjof grf*ricben ift, unb 
bie ber Cynegetica er* Oppian in ber parif« Siblio« 
Ibet (Cod. Gr. 2737), bie ein Hngclofl Sergifte« au« 
Äreta 1564 für §einri* II. [(trieb. Die jierliAen, aber 
lacht bebanbelten Miniaturen biefe« Sober füllen von feiner 
5*4ter gemalt fein. Sie vnratben abenbldnbif4e S*ule 
unb giguren, wie bie länjerinnen, we!4e barin vor« 
fommen , finb im ©eifie be« Cinquecento «funben. 3)a« 
von Silveftre copirte Statt erinnert an bie grie4if4e 
.Kunrtlcrin nur bur* ben £albmonb, ber einen gang 
mobem ita(irnif4en Chcliff frönt, @« wirb ni*l 
Iei4t )u fagen fein, ob her leidjte turdjfidjtige gitnifi' 
Überzug, ben SBaagen wabrgenommen ju baben glaubt *), 
auf einer bei ben ®rie*en übli*en SEedjnif beruht. 

(Sin ausgezeichneter grie*if*er ^ünftler, nt*i nur 
Mala, fonbern au4 Silbbaun unb Vhdtiteft . war 
lominicu* Ibtowfepulo«, ein 64«!« Sijian'«, ber fi* 
1577 in lolebo niebcrliefj, wo « 1625 ftorb. 3« ber 
©alrric be« ?ouvre ftebt man von feiner .\~vnir fein 
unb feiner 2o4t« •) Silbnif». 

b) üirattf 3cil. 

Seit bem 17. 3abrbunbnt, ba b« Sa fall be« 
türfifeben ÜHcicfccf feinen Anfang genommen borte, ift in 
b« Semübung ber ®rie*en, ibre hinten auf eine 
gidnjenbe Sßrife au«jufaim'tcfen, ein neu« Sluff*wung 
wabrjunebmen. Selbft Mofaifen mit ©olbgrunb wnben 
»ieber ausgeführt. So in bem Jtloftet Megafpilrion 
bei qjatrae unb in ber £lofiafir*e von Gefariani auf 
bem $»metru«. Huben Äir*en w«ben in grrteo na* 
bem b«tomm(i4«n Svflem au«gemalt. 3)« 9D?ön* 

6) Didran, Ieooo|rnphle ebretienn«. Hilt. d« Diwi p. 289- 
313- 7j »ei Silrttre, Paleogr. unlr. T. 2. 8) Bangen, 
*un*nwrff unt JtfinSt'r in »ori« 6. 231. 232. 9) BucAun, 
Atl*i dn nouv. neherebe«. PJ. 18. 

« **c,tL >. B. Jt. OrfteCrrin. LXXXV. 



1 — (III. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 

3kmafcenud ^inar4u0 malt 1717 bie Jtir4c M ,ftlefterfl 
ÄarafaUu auf t>rm 'Htboi. Xafl grofjartigfte 3B«f ftebt 
man aber in ber Alofirrfir4e bn UJanagfa ^bonrromeni 
t Maria (frf4einung) auf ber 3nfel Salami«, bie im 
3. 1735 von ©eorgio« Marfofl au« Salami« unb feinen 
S4ülern »icolauö Mgenigelo« (8enigelo«), Owgafi« 
unb Stntoni« mit einem überau« ret*en garbenf4niucf 
VCTfeben ift. 2>ibron jdblte in ber Äir4« ni4t weniger, 
ai« 3530, unb aufirrbeut in ber anliegenben Capelle, 
worin bie Mön4e ihr tdg(i4e« Officium vernefcten, no4 
I '.*•}, jufammen 3724 Figuren, unb SouqueviOe war 
von bem 9iei4tbum biefer Malnei fo geblenbet, bafi « 
bie 3ab( ber Siguren auf 150,(XK) febägte ,a ). 9u4 bie 
Manufrripte erhielten Wieb« einen )i«Ü4en garbenf4mucf, 
bn fta> frbo4 meifi auf bie teppi4artigen Stu«füOungen 
über ben «nfdngen ber «bf4nitte bef4rdnfte. 3)ie parifn 
Sibliotbef beft^t ein aupnft rei4 unb pra4tvolI au«' 
geftattete« Secrionarium au« bem 1 7. 3abrbunbe rt (Sup- 
plement Greo No. 242), ba« feto* aufjer fol4en Crna- 
menten unb 3nitialen raebrne figürliche DarfteQungen 
enthält. X;e .Köpfe be« SBojewoben Johanne« Mattbdu« 
unb feinn @emablfn auf bem Xitdbilbe f4einen no4 
mit 93a4*fatbe glänjent» gema4t ju fdn, im Uebrigen 
febo* finb bünne ffiafferfarben unb «i4Iicbe iBngoibung 
angewanbt. 

Sri biefen neuern Malereien hielt man ü* im 
©anjen an bie überlieferte Irabition. 35ie Silber jene« 
Sectionarium« fmb im ®anjen na* älterer grie*if'*er 
Sdfe gemalt, jebo4 nur braun febatrirt, bie Umriffe 
breit mit bem $infel gejei*net , hab« 9<ng« unb Sehen 
plump , bie Weücfcter lang unb ba« (Maine für banbmrrf«* 
mäßige Arbeit jietnli* gut ausgeführt. Unt« ben @van< 
gelifien bictirt Johanne« bem $ro4oro«, intern er mit 
umgewanbtem Jtopfe na* ber Eingebung (auf*t , wel*e 
ihm bie 3 ante mit dn« S*riftroue vom ^>imme( herab 
jubringl. Den Mattbdu« bagegen infpicirt ber hinter 
tbm ftebenbe (Sngel. dagegen {Ufr Marcu« unb Jluca« 
mit ihren 2bi«en bargeftellt, inbem ibnen bie £anb 
@ctte« von Oben entgegengerei*t wirb. D« lejtere 
f*reibt aufbor*enb; bagegen Marcu« f4eint in bem 
aufgewogenen Su*e ju lefen. flu* ift bd ibm bie 
$anb @otte« ni*t auf Kern Silbe felbft, fonbnn in b« 
ornamentirenben (Sinfaffung angebracht. @nbli4 ficht 
man vor bn legten iHbtbeilung ben unbdrtigen dbriftu«, 
mit bem „6 av" in bem Äreuje be« SRimbu«, in bem 
ewigen 3erufalem tbronenb, unb umringt von ben 3ei4en 
be« Ibierfreife«. 

Sielfa4 ma*t fi* aber bo* ber «influfj ber türfi* 
f*en Umgebung geltenb. Daffelbe Sertionarium Ift gani 
dhnli*, wie türfif*e ^>anbf*riften , im ®ef4macf bn 
türfif*cn üeppi*webnei ornamentirt "), unb fdbf» hie 
3nitialen finb in biefem fflcf*matf ausgeführt, «nbn* 
feit« bemerft man häufig 9bwd4ungen von ber bnjan» 
tinif4en 2rabition, wel4e rine gewiffe einwirfung 
abenbldn bif4er Sitten unb «nf4auu ngen vorau«fe$en. 

10) Annale« areb«ol. 21, 36- unb »ic «toricbt jurn Ma- 
nuel, ««(irrt aud) bei Sdjäfet. 11) »in »fift>i»l baraie 
W Silratr*, Paleographie onWer.. T. 2. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 34 — (ni. ABSCHN. VERF. D. BYZ. KUNST) 



Dabin gebort beifpielöttxifc ber ganj abenbldnbifd) mc> 
brrne ©Ott Sater mit breiedigem Himbu«, rat Dibron 
na* einem gried)lfd)en gretfro be« 17. 3abrbunbert« mit» 
tfirilt "). Bielleid)! ift bierber aud> ritte Darjteüung 
be« jüngften ®erid?lr« im Älofter ^bilotbeu auf rem 
SUbod }u jäblett, beffen ©emälbe im 3. 1752 au«gefübtt 
ftnb. {)irr fiebt man nämlid) ben (Sharon (& jjäpoi) 
al« lob in ©eflall eine« fdjwaricn Sfrlette«, tat ttn 
gelben aller avIdcu, ftlexanber ben ©ropen, mit einem 
Xürfenfdbel erfdjldgt ")■ Dir Darftellung be« lobe« 
a(0 Sfelett fd)cint abenbldnbifd) ju fein. 3nb<ffen finbet 
man bie Darftelluiig ttt .Kampfe« mit Dem Jtnocben* 
manne aud) auf bem ©rabe eine6 3obanniterritter« auf 
iXbobu«, unb brr Umftanb, baf man in granfrrid) bie 
Xoblrntdnje mit bem arabifeben «u«brurf dnnse macabre 
tans makabir --=i Äitd)bof«beluftigung) bejeid)nete, beutet 
allere ingfl auf eine rdtbfelbafte Sejiehung tiefer Sluf« 
faffung jum Orient bin. 

3umeilen bat man aber aud) bie Sombolif in einer 
Seife gefteigert, weltfje »war bem mofrifd)en freute 
brr ©rirdjen angemeffen ift, aber bod) ber dltern 3"! 
fremb gewefen ju fein fdffint. I ul'in gebort vieUeid>t 
bie au« Sollen bfrabreid>enbe £anb ©orte«, weld>e bie 
Seelen ber ®ered)ten bdlt, eine larftellung, bie in 
neuem gried)if<bcn greöfen nfdjt feiten gefunben wirb •»*). 

(f« gibt übrigen« in bieferSeit aud) «über, weldje 
von italienifa>en JtunfHerit unb nadi italienifdjen Sot» 
bilbern abficbilidj in ber lecbnif ber b»iantinifd>en ©e* 
nnilfe be« 14. 3abri)unbeTt« gemalt würben. 3n einigen 
©egenben 3talien«, namentlid) in Senebig unD Neapel, 
bat man bergleirben fabrifmdlrig verfertigt, weil baft 
Solf bie braunen, fteifen unb trodenen gigurrn al« 
Ajeiligenbilber ben inobernen rorjog. 3" biefer (Slaffe 
gebort vermutblid) aud) ba« Wabonnenbilb, weld>e« 
2ouanbre al« b»jantinifd)e« Xafelbilb au« bem 18. 3abf 
bunbert publicirt bat '*), benn obgleia) e« bie braune 
garbe unb bie aufgefegten fajraffirien Uid)ter jener dltrrn 
gried)ifd)en »Uber bat, fo erfdxint bod) bie 3eidjnung. 
unb einigermaßen aud) bie Gompofttion ganj italienifdj. 
«Ott fold>en Silbern barf man freilid) niebt auf bie 
wirflid) bpjantinifd)e Jtunf) fcblieBcn. 

Xaä Äuffladeiu ber gried)ifd)en itmift war nid)t 
von langem Srftanbe. 3n ber jweiten £dlfte be« vori» 
gen 3abrbunbert« ift aud) in ©riedKnlanD pj f Unfttle 
eingeriffen, bie ©emälbe in ben .Streben ju übertünd)en, 
unb nur wenige Älöfter aufierbalb be« Sltbo«, wie Sala» 
uii«, Dapbne, St. l'uca« unb 3Regafpi(eion baben ibren 
reid>en Silbetfdjmud bewabrt. Selbfi in ber Sopbfen» 
3Nofd)ee .ui gonfiantiuopel fanb man bei ber Kejlaura' 
tion im 3- 1848 nid)t blo« bie JRofaifgemälbe an ben 
©ewölben unb in ben Junetten ber 6d>eibbogen grr^ört 
ober iiberhind)t, fonbern aud) bie reid»e 3»armorbelegung 
ber ffidnbe, bic ©relot nod) floUftdnbjg «or «ugen baüe, 
n>ar ebenfall« von Aalf überjogen. 9tod) beutige« läge« 



12) iHdrom, Hiit de Dleu p. 33. 13) AnmUi »rcheo- 
log. 18, 20a 18«) ««f. p. 2lft. 14) Louandrt, Lm >rU 
»omptuiirei. T. 2 



verleitet bin unb Wieb« «berglaube ober Un»iffenb«it 
Der Wöndje ju 3>e|d)äbigungen ber ©ilber. Den Dar» 
fleUungen be« bunb«fövfigen (Sbrifiopboru« ift bdufig ber 
Jtocf jerfraOt. Ju Satopebi auf bem 9tbo« ftnb in 
bem jüngflen @erid)t IBeeljebub unb bie Xeufel, foteeit 
man fte erreidjen (oiinte, in dbnlidjer Sßeife mi«banbelt, 
unb baffelbe ftnbet man in ben iffiniaturen ber 3Ranu< 
faipte 9lid)t beffer ift e« ber großen apofaloptifcben 
Sabqlon im Jtloßer .(tutlumufi bei Jtare« ergangen , nnb 
man mein md>t red)t, ob ba« $Koln> bier mrbr bie 
SButb gegen biefe Hu«geburt ber ^jölle, ober ein über« 
triebenn «nfprud) auf Decenj gewefen ift '«). 

3n neuerer 3cit wirb bie flu«malung ber Äira>en 
wieber mit Gifer betrieben. Unbebeutenb finb allerbing« 
bie Ornamente, mit benen man bie ga^abe ber großen 
$Rarirnfird)r auf ber 3nfel üino« um bie genfter unb 
über ben Sögen ber Sorbade gefd)müdt bat"). Da« 
gegen beireibt man von ben JMöfteru be« Sltbo« au« bie 
)Hu«malung ber Jcird)rn ganj nad) ben 9iorf(briften be« 
SKalerbudj«, ba« ben bortigen 9)önd)en al« ein« ibret 
widjtigften s J}{alergerdtbe gilt, ttbrr tiefe Malerei wirb 
ganj banbwerf«md$ig unb med)anifd) gebanbbabt. Difiron 
unb «jjuvi'iv faben bort in gan; glrieber fißeife arbeiten. 
Srubrr 3oafapb au« bem {»auptfiofter Jtarr« malte in 
bem Älo^er (ffpbigmenu mit feinem SBruber, jwet ©e« 
feilen unb jwei 8ebrlingen. SBdbrenb fein ©ruber ben 
Mait auftrug, jeiö)nete Der 9»eifier mit grofer Sebenbig» 
feit unb gertigfrit unb obne alle Sorberrituna bie giguren 
au« bem Aopfe auf bie 2üaub. Die ©rfrllen tbrilten 
ftd) in bie Arbeit be« (Bergolben« unb t(u«malen«, fowie 
in bie Delationen unb 3nfd)riften, bie ibnen ber Meifier 
au« bem ©ebddjtnif; birtirte. Die Sebrlingr beforgten 
ba« gatbenreiben, unb mußten ftd) im Uebrigen mit brm 
3ufd)auen begnügen. <luf biefe ffieife würben 6briftu« 
unb bie {Wölf «poüel in leben«gro^en giguren in ber 
3eit von einer <Stunbe vollenbet. 

G« gab aber bod) nod) SRdnner unter tiefen mönd)i< 
\<btn Äünftlern, bie ein ©efübl fürba« UnwürPtge einer 
foltben Sebanblung«weife batten. ^ater Wafario« ju 
Äare» beflagte ftd) über ba« fdjuelk unb aewinnfütbtige 
9»alen. grüber, fagte er, waren bie »Pfnfel beffer, bie 
garben von au«gcjeid)neter Scfcbaffeubcit, bie ^»änte 
g(|d)idt , bie \i er. ni warm ; man malte langfam unb mit 
llcberlraung, um ntiöne Sßerle barjuftellen unb ftd) ben 
^immel ju verbirnen ,r *). allein fold)e Stimmen ver* 
ballen in ber dinfamfeft be« Jtlojier« unb unter bem 
Dtude ber türfifdjrn ^errfdjaft. 

Seil ber Befreiung ©riedjenlanb« bat in bem neuen 
Neidje abenbldnbifd)e Äunfi (tingang gefunben. Unter 
Jt6nig Cito ftnb großartige Sauten burdj teutfebe unb 
franiöfifdje Saumeifier auögefübrt. Jeo von JUrnje'« 
Xbdtigfett bei ber geftfteüung be* $lane« be« neuen 
«Iben unb bei bem Entwürfe be« Äönigflpalafte« bafelbft 
im 3abre 1834 ift befannt '"). *od) iejt ifi in f»om 



16) Karuc frui«aii« 10, 298. 29!). 16) Oidron, Manuel 
p. 287- note 1 17) Ltnuir, Archlt. munMt. 1. 290 «. No. 179 
«af p. 270. 17») ruHron, VttttU }um Mmnel. 18) » tr9 l. 



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GRIECHISCHE KUNST 



35 — 



(IV. ABSCHN. EINFL. D. BYZ. KUNST) 



"Dfar rng , ein •cdu'iJa von llorneliu«, für gned>if<be 
Jfiretjen befebäftigt. Gr bot ju biefem Jirecfe bfe ©e« 
rndlbe, welche brat $anfelfno«jugefcbrieben werben, tr 
fonberö «tiirt'rt trab folgt mit ©egeifterung brn Sfaben, 
welche bie altra gried>i|d)eu Silber unb bie grieebifeben 
Ivpen mit ihrer ngrntbümiirbru Uüoefie vorjeidinen. 

Anbete fflege gebt ber ebenfall« in SKom lebenbe 
flrieAiidir SilDbaucr Veoniba« 3>roftö, ber Abfömmling 
einer banövetfeben Samilie, Warnen« $>orfd>. (Iben» 
fall* burd) bie mund)ener Sdjule gebilbet, bat er bie 
anrife grietbifebe Jtunft ju feiner gübrerin erwählt. Seine 
$üd)tiglei» rourbe febon im 3. 1857 bureb einen «rri«, 
mit bem bie bairifebe Atabemic ber Jtünft« eine fdjöne 
Statue be* Davib frönte, anerfannt. Sud) er m für 
Silben britbäftigt, inbeni er ben Auftrag bat, ein (Hiebe!« 
felb für bie neue Afabemie ,nt Athen au*;ufübrcn. 3n 
beut trefflid)tn Entwürfe fteijt man bie SRineroa bem 
Raupte be* Jupiter entfebweben. d* ift ju hoffen, bafj 
folefce Seftrrbungen für ba* »iebererwaebte ©riecbenlanb 
nicht verloren fein werben. • 

IV. «bfdjnitt. 

«iiflM »tt »«soBtinlfdxn Jtimft aal ka« MMtan». 
A. (fiilrilun 

SBäbrenb bie bvjantinifcbe Jtunft innerhalb be* 
b«)antinif<ben Striche* bie hiebet gefcbilberlr dntwicfelung 
erfuhr, h°t ,u ' au f anbere Wnber in ihrer Umgebung 
auf verfebiebene SBrife eingewirft. So lange Svjanj 
bie rritbfte unb Mübrabfte Stabt unb ba* flriedjifdjc 
Soll ba« gebübetfte uub gewetbtbätigftt Soll ber ffielt 
war, mupte e« feine Sultur ben Wad»barn mittbcilen, 
mit welchen e«, fri e* frieblid) ober fernblieb, in Scrub- 
rung Farn. Aber e* war nicht gleichgültig, in welcher 
ffieife bie SRittbcilung vor ftd) ging, wie tu - aufgenom< 
men unb roie ba* SÜtgethcilte gepflegt unb benu&t rourbe. 
SBäbrenb bie einen bie bvjantinifcbe Jtunft voOflänbig 
ftd) aneigneten, nabtnen bie anbern nur ibre ©runb« 
lagen an, um ftr ju einet neuen unb eigentbümlid)ru 
Jtunfrricbiung ju cntwitfeln. Ob ba* eine ober ba* 
anbere ber gall war, bing tbeilö von ben religiöfen 
Anflehten ber verfebiebenen Völler, tbeil* von bei be 
fonbern Anlage unb bem griffigen Silbung*gange ba* 
felben ab. Tie Söller, meldte bie grietbifebe «Religion 
annahmen, erbielten mit biefer aud) bie bojantinildjc 
Jhinfl unb nahmen biefelbe unverändert bei ftd) auf, 
tvdbrenb bie Söller mubammrbaniftber Religion au* ben 
bvjanttnifrbrn (Elementen eine eigentümliche Jtunft ber* 
au*bilbeten. £>ie Armenier, bie in ihrer religiöfen tint« 
wictelung eine felb|idnbige Sichtung nahmen, hatten in 
bei Jtunft ebenfo, roie geograpbifcb, eine SHittelfteUung 
jwiftben ©riechen unb Shibammebaiiern, inbem fid) ihre 
Jtunft in ben rorfeutlidiften ©runblagen au bie bvjau. 
tinil'aje anfd)lofj, aber bod) muhammebanifdjen (Knflüjfen 
niefct unzugänglich war. Am rigenthümlichften roar bie 

itc »es liiiii, «rK'in'i.fitK ^-.Miiuiiv-i !irf4wm<U mf feiltet 



(tinmirfung von Svjanj auf ba* fatMifdir Abenblanb, 
ba* bortber bie Anregungen empfing, um ba«, wa« e* 
noch von alter (Sultur gerettet balle, mit SentiBung 
bvjantinifcber (Elemente ju einer felbßdnbigen Jtunfl au*' 
jubilben, bie von bemfeiben Augenblidt an, ba bie 
bvjantinifaje Jtunft ber ürftarrung unb Serfumpfung 
anheimjiel, lieh ju einem WU\\>,< erhob, burd) »rieben 
bie (Erinnerung an eine beffere «piantinifd>e Jtunft vöOtg 
verbiinlrit nnirbe. 

Aufjer biefen unmittelbaren (finflüjfen bah«« aber 
auch noa) inbirrete @inroirlungcn ftattgefunben , inbem 
von anberer Seile her grirchifibe (i'emente in ben üRobifi' 
cationen, tvclebe fte unter bem aftatifeben Gimmel erfahren 
hatten , naifr (Europa übertragen würben. $afi bie arabifdje 
Jtunfl einen gewiffen dinflufi auf ba* Abenblanb geübt 
hat, Idfit fia) nid)t in Abrrbe ftetlen, wenn man aud) 
ubrr ben Umfang birfa (Sinwittung flrriten lanu. Slutier» 
bem waben wir burd) mandjeriri ©rünb« ju bet »et* 
mutbung gebrängt, bafi von Armenien au* rin leine*' 
weg* gcitng aiijufcblagenber (Sinftufi auf einen ^bril ber 
Slawen gried)ii'd)er Seligion unb feibft auf bie «Böller 
latrinifd)en Glauben* eingewirlt haben mäffe. ö« finb 
nämlid) iwri @rrigniffe, weld)e Armenier mit bem Abenb« 
(anbe in tBerbiubung gebracht haben , bie Serfe^ung von 
Kolonien armenifcher (jkulirianer in bie ©ebirge 3beffa» 
lien« unb bie Au*wanberung ber Bewohner ber armeni' 
feben Stabt Ani in bie JtfiRenlänbet an bem fd)Warjeii 
s JDfeere unb ber Donau. 

Xlie ȧaulieiantr traten juerfi um 600 in ber Ȋhe 
von Snmofata auf. Diefe Seite, bie lebigtieb ba« neue 
Irilamem al« Sid)tfd>nur ihre« ©lauben* anerlannte 
unb ihren Samen von bem befonber« boebfjeMten Apoftel 
-l^aulu« herleitete, hatte von ben ällern aftatifeben Selten 
ben ©lauben an ein böfe« Siefen al« Sd)öpfer ber 
irbifd)en üüeit überlommen, unb erlitt be«balb wegen 
manid)äifd)er Jte^erei heftige SBerfolgung, bi« ftr feibft ju 
einem Solle von gefährlichen Stebellen würbe. Jtarbea« 
fünbigte bem griecbifd)en Jtaifer ben ©ehorfam auf unb 
befefiigte in ben ©ebirgen jwifd)en Siwa« unb 2rapt> 
^unt bie Sergftabt Sephriea, von wo au« et unb fein 
9iad>folger tJhr»fod)rir, oft im Sunbe mit ben SRufel' 
männern, bie afiatifd)en *l<rovinjen liberftbwemmten. 

(Jonfluntin (?opronr?mu« verfeßte eine Anzahl biefer 
Saulitianer au« Welitene unb 3 beoboftopoli« nacb 
Xbratien unb donftanlinopel ••), entweber, um an ihnen 
eine Sttifce gegen bie Silberverrhrer ju getvinnrn, ober 
um ihre Iriegetifcbcn (jigenfebaften iuni S<bu(e ber 9torb' 
grenje ju verwertben. Johann ^mutui? fiebeltt au« ber 
Ir&tern Siüdftd)t eine noch anfebnlicbrre (Jolonie au* ben 
d)alribifd)en ©ebirgen in ben 2bälem be* Jjiämu* an, 
uub räumte ihnen ^bilippopoli« unb bie Seblüflel von 
Sbtacien ein 1 "). 3n biefen flawifdjen ©ebieien fd>einen 
ftd) bie paulirianifd>en Jtegereien mit ällern nationalen 
Seitrebungen verbunben tu haben. So entftanNn hier 
bie Selten ber Sogomilen, b. i. ber ©otie«fteunbe, unb 

19) Ctdrn. ed. Bodo. 2, 10. 20) Zomtrat 17, 1. «J. 
P»ril. 2, 209. A**n Com». Al««i» Hb. 14. ed. P.ri». p. 461. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 36 



— (IV. ABSCIIN. EIN FL. D. BYZ. KUNST) 



ber Äolbarer, b. i. ber Steinen, bie ücfc von Dalmarien 
au« im 11. 3abrbunbert über bie Sombarbei unb im 
12. 3abrbunbert im 'üblichen granfrrid) unb am ÜRbftn 
au«breiteten. <£« wirb fogar be baustet, baß bie Älbi» 
genfer rfnm eigenen f atriardjen ober fflegenpapft in 
Dalmarien gehabt bitten, gegen ben bei römiidjc fapft 
cinjufdireiten für nötbig hielt * l ). 903ie bebeutenb biefe 
»Jjaullcianer für Svjam waren, fifbt man barau«, bafi 
2500 SRanicbder unter ben gelbberrm fanta« unb Äuteou 
bie gabnen be« Slleriu« Gomnenu« verliefen unb ber 
Jtaffer ntd>t nagte, fic offen ju befrrafen, fonbern an 
ihnen ÜRacbe nahm , inbem er fte im« (jonftantinopel 
lodtt unb bort binterlifhger SBeife überfallen unb in« 
Oefdngnif werfen lie# **). 

Die Stabt Slni war ber Si& be« ©rjbifdwf« von 
Armenien. Sie würbe im % 1064 burd) ben Sultan 
Stiii Ärflan jerftört, unb in golge bavon jogen bie ver* 
triebenen (Ünwobnrr in bie @egenben an ber Korb < unb 
SBeftfeite be« frbmarjen SDteere«. jn ber Ärimm liefen 
fte ftd) in fo grofer :\,;bi nieber, baf biefe $albinfel 
eine 3eit lang ben «tarnen Älein * «rmenien führte, 
«uferbrm festen fte ftd> in einem Sbeile von f olen 
unb an ber untern Donau feft, unb rt ift eine golge 
biefer 8u«wanberung, baf nod) brate ein nid)t unbe» 
trdd?tlid)er Jbril b« Bewohner be« türfifajen «rieb« 
au« Armeniern befiebt. 

I'urd) foldje Begebenheiten fann febr wobl eine Sin» 
wirfung armrnifdjer Aunft auf europäifebe ?änbrr au«< 
geübt fein. Bon Ibeffalien au« war c$ fogar möglich, 
auf bat eigentiitbe (Mriedjenlanb einjuwirfen. 9Bir ftnben 
in ber Zbat jwei ©ebdube auf best Boben be« böjan» 
rinifd)rn Seid)«, beren Ülrd)iteftur gewtffen @rfd>einungen 
in Krmenien febr nahe verwanbt ift. Da« eine ift bie 
«liaflftrdje jtiSalonicbi (f. oben 6. 12), bie eine gereifte 
Hebnlicbfeit mit ber Äirdjt be« «lofter« (ftfcbmiabjiii bat, 
unb ba« anberc ifi bie Jtirdje, weldje Komanu« 8ara» 
penu« in bem Jilofter 6. ?uec« ober Stiri auf bem 
Bartbenon aufführen lief, unb bie im (Brunbrif ber 
Äirtbe von Kiforlfwinba ju Ba« Wutfcba in Smeretbien 
gleicht. 9htr barin liegt ein Unterfdjicb, bat) ber Bau 
be« Komanu« bie Sbornifcbe nad) bvjaniimfdjer SBeife 
mit brei Seiten heraustreten (äfjt unb ihr gegenüber ben 
grofjen Jt uppelrau m bat , wäbrcnb bie Jtircbe von Wifort* 
ftvinba nur einen fleinen Zorbau al? Borballe ober 
ftarrfjer entbdlt. Die JNrdje, w«ld>e bie ©emablin be« 
ÜRomanu« in bemfelben Älofter gebaut bat, folgt bagegen 
roefentlid) bem bbjantinifdjen Svftem, weldjeö in ber 
ÄapeUe ber $elena ju 3frufalem jur »nmenbung gc= 
bracht ift "), ohne jebe Spur von arraenifeben «nf längen. 

B. Ik nJirfrl i*rn Ütttittt tti gritd)ifi^«n (SutU«. 
1) 3>ie 8(f(6tait|i ttt €(«te«n. 
Sd>on unter iVidmel bem Zninfenbolbe prebigten 
bie 9rüber Sprillu« unb tRetbobiu« au« Xbeffaloniob 

21) M Paru, HUtori* major «1 ». 1223- ed. MV. H'aU. 
(Lond. 1626.) p. 267. 22) Arno Comnena, Al«xiu lib. 5. 
•d. P«rii. p. 131 n. Hb. «. p. 154. ««gl. baf. Ub. 14. p. 4Ö0 
-467. 23) B^cn PI. 83. 



ben Sbagaren, ben Bulgaren unb ben mäbrifdjen Slatven 
ba« Sbriftentbum. Wan bat barüber geftritten, ob biefer 
Wetbobiu« berfelbe 3R6nd) biefe« Kamen« fei, ben ber 
$9u(garentönig 9ori« ober Sogori« um 865 berief, um 
von ihm einen $alaft au«maten ju (äffen. Da ber 
Aönig etrea« Surcbtbare« unb £ ebredenerregenbe« ver* 
langte, fo malte SRetbobiu« ba« jüngfte <£>erid)t, uub 
baburd) foU Sogori« für ba« ßbriftentbum gemonneu 
fein* 4 ). Dod) liefj M berfelbe erft in ffonftantinopri 
burd) ben ^atriardjen «ßboHu« taufen. 

Unjtveifefbaft ift aber mit bem gried)if<ben @(auben 
aud) bie bvjantinifdje Äunft in biefe uub bie brrtjebbor- 
ten i'änber gefommen, fei e« nun, baf bie gürften 
gried)ifd)e Äüm'tkr vrrfd)rieben, um $a(df)e unb Jlird)eu 
prad)tvo(l hmtrlUn ;:i laffen, ober bafi bie eingnvan« 
berten SK0nd)e jugleid) al« ^ünfilcr tbdtig waren. ?lu 
ber (Mrenu von 3ftrien unb Dalmatien botte jebod) 
fchrn früber bie gncdjifdje Ätrdje üch mit ber lateinifd)en 
berührt, unb Staxl ber (9ro§e hatte ber (entern ba« 
Uebrrgetvitbt gef«d)ert. 3>ie Slatven von Jtärntben tvaren 
von «nfang an ganj ber Iateinifd)en Äirdje jugewanbt **). 
Die froatifdjen Slamen würben in einem ^rieben von 
812 von Sutmj an fcen frdnfifd)en Äai|er abaetre' 
ten, allein Datniatieu blieb ber gried)ifd)en ^errfebaft 
vorbehalten. Salb erlangte baffeibe jebod) eine getviffe 
Selhfianbigfeit. Spdter unterroarfen ftd) bie Kroaten 
tvieber ben bvjantinifdjen Jtaifem unb führten bie flatvi< 
utcu Liturgien ein. SIQein balb tvurben fic ein Spiel> 
bau* wm »Jim ber btjjantinifrhen , venejfanifdfen unb unga< 
rifeben fJacbt. (Sine Jtird)enverfamm(ung ju Spalato 
fdjaffte unter fotdjen Serbaltniffen bie flarofldjen Liturgien 
»ieber ab. So fommt e«, baf nur alte, aufjerorbentlid) 
Heine, unbebeutenbe Bauten in Dalmatien bpjantinifeben 
(Sbarafter an fid) tragen, wdbrenb afle bebeutenben 
Wonumenle ber abenbldnbifd)en Jfunfl angeboren **). 

2) 8i?bmtn Mühiie 

Unter ben böbmifd>en unb mähri|M;en Slawen bat 
bie römifdK ittrdje fpdter vollflänbig ba« Uchergctrutn 
erbalten, unb nur hödift feiten üöft man bier auf vre« 
einleite Spuren griediiicbcn @influfje«. Die Reinen 9(unb< 
fireben finb faum hierher )tt rechnett. Sie gleiten ben 
fflrabfirchen, welcbe faft allenthalben im übenblanbe in 
biefer gönn vorfommen, unb bie befanntefte, bie beilige 
Äreuj » ober SetblebemSfapeUe neben ber Stepban«ftrd)e 
in ber ^oftgaiTe .tu frag, ifi fd)on bunb ihren Stamen 
al« eine Darfteliung ber heiligen ®rabe«fircbe bejeidjnet. 
Selbft bie ?ateme, welcbe bie Spl|>e be« Da<b<« ein« 
nimmt *'), barf man nicht etwa mit ber 'Irr mm et ber 
bvjantinifd)en Jtuppel in Berbinbung bringen wollen. 
Sie ift nur ein Sdjornftein für 9laud) unb ^tcbterfdimalcb, 



24) 3c f. tCobcowfr«. li'tiriil ui» Vitihei, Ut CU»m 
«poftrl. (Drag 1823.) 6. 80—83. 25) 9. 8rt. ». «Bffr»« 
bofen. AirattKn< Jltfftf tii*Ii<t»f tntfmal^uten, im 3«*)ib. bre 
f. f. tlfnItal.ttcmmifRon für «aubrnfm. 4, 41 fj. 26) 6». 

(titelbrrgrr »ob dbrlbrrg, !Die roiltrl«llrr[i4<n .»eu»ftM»fmalf 
SHAmVim*, tof. 5, 131 fg. 27) 6ic*t bie «bbilbang M 
«runrr in b» SRitlbfil. b«r t. t. Crntral.ttommiffte« 1, 198, 



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GRIECHISCH» KUNST 



— M 



— (IV. ABSCHN. EIN FL. D. BYZ. KUNST) 



ber m4> anberroärt«, wenn auch in etwa« anbern gor« 
nrn, »crfommt. <5ber erinnert bie Airtbe von $abox 
in ihr« Hnlage an bttjantinifcbe Seife. 3fbod) ijt bie 
stuwl hier burch einen Sburm etfefrt, bei auf ben Bier 
r-a« 3Jiitirlgrwölbe ftüfcenbew ©4ulrn ruht"). 

3ti anberer ffieife erinnert eine Waria mit bem vor 
ihr ttnenren, gerabeau« febenben GbriftuÄlinbr, welche 
in ber im 3- 1202 von bem Böhmen Saeerab abge* 
febriebenen unb von einein 3Xiro«lav ausgemalten Mater 
Terborum im böbmifeben 3Mufeum ju fßrag auf ©. 457 
bie obere Siunbung be« P au«füllt, an befannte bvjan« 
Iinifd>e «Berbilbrr *). 

Huf bie nähere Serbinbung mit Svjanj weift ber 
Umftanb bin, bajj ein fflrunbbefi&er be« Dorfe* Opotftbni} 
auf feinem gelbe im 3. 1858 fünf metallene (Irurifire 
unb im 3- 1861 ein fedjfte« ausgegraben bat, beren 
bpjantiniftbei llrfprung ciir* bie 3nf<brifteu feftgeftellt 
ijt unb bie bem 10. unb 11. 3abrbunbert anjugebören 
febefnen »"). 

3) Die Soitaulanber. 

Slnber« iß et in Serbien, beffen alte ftrdi liebe Sauten 
mir nft neuerlich burch gr. Aaiti^ ") fennen gelernt 
baben. $ier ift ber b»jautinifa)r ©tvl in ber umgr< 
Nieten gorm aufgenommen, welche mir an einigen ar< 
menifcbfn Airdjeu, namentlich in ßtfcbmiabjin, finben 
»erben, ©ie haben burcbgdngig nicht bloß an ber Oft', 
fonbern aud> an ber ©üb* unb »orbfeite be« quabraten 
Auppelbaue«Slpftben, welche äußerlich fünfteilig bwau«* 
treten, unb tragen übet ber UJcitte be« ©d)iffe« eine 
Äuppel auf einem Tambour, ber meift aajtetfig ift unb 
in eine ©trinporamibe au«gef)t. ©ie gleichen barin bem 
ältenen unb vorjüglicbften {)eiligtb.um Armenien«, Der 
Alofterfircbe (Sffcbmiabjin. t odi unterfdjeiben fie fia) von 
biefer babttrd), bajj bie ©eitenräume febr fdjmal, unb 
alfo bie Areujarme febr furj ftnb, unb bap |le regelmäßig 
einen Warmer haben, welcher oft ju einem bebratenben 
Sorraum erweitert wirb unb baburd) jur Setlängerung 
be« Schiffe« Dient. (Sben baber tragen fie aud) jumeileu 
nod) eine jweite Auppel über biefem 9tartb,er. 

SBit haben gefebett, wie armenifdjc (Sinjlüffe hier 
mögli*er ©eife haben wirf laut werben fönnen , unb tu 
felben bienen wabrfebeinlid) jur ISrfldruna einer ähnlichen 
drfebeinung in ©riecbenlanb felbft. Die einige Airdjc 
auf grirebijebem Soben, welche mit tiefen ferbifeben Sauten 
in ber Anlage überrin|rimmt, ift bie 6(ia«firaw in ©alo< 
nid>i, beren ungewöhnliche ®eftalt febon früh« (©• 12) 
befprotben würbe. Die dltefie befannte ferbifd>e Atrebr, 
bie ju ©emenbria ober ©mebereroo, ift nur jwei 3abre 
vor biefer, nämlich nach einer 2tnfd)rtft im 3. 1010, 
erbaut, unb bat fogar noch bie runbe bvjantinifebe Huv 
prlbebatbung, wäbrenb bie @lia«fircbe jwar noch. nia>t 
ba« fpi^e armenifibe ^vramibenbad), aber bod) ein flaa>e« 
3eltbaa> über ber Auppel enthält, ba« eine gefaltete 

38) Sinti M- 9, 116- 39) fflctfl baf. 5, 39. M) 
Serf. ebrntaf. C 211. 81) Jtanife, e»Mflt« ^anlnifdK 
SRoanaratt (fflint 1862) ui» btrf. litt.-. alt> ua» M«f<ttifd)t 
.Äit^cnbüufunfl (ffiicn 1864). 



©eftalt annimmt, ba bie Seiten be« polvgonra Xam« 
bour« mit ben runben genfterbögen abfd)lie$en. Dagegen 
haben beibe itirdjen ben horijontalen Slbfa)lu§ ber Hufkn' 
wänbe gemein, unb baburd) unterfd)riben fie fid) von 
ben fpätern ferbifdjen Jrirdjen, bie nad) biefem ©»firme 
gebaut finb **). 

Seibe Jttrtheu brfinben üd> auf bem (Debiete, auf 
meld)em Ißaulirfaner wirffam waren, unb biefe ftnb r«, 
welche bia ihre beimif<ben (Erinnerungen jur Geltung 
gebrad)t haben werben. Wkbt viel jünger, al« jene 
beiben Sauten, iji vielleicht bie fd»dne Äird)e m ^}a« 
vlija am 3bar, beren Jtreujfiüßel mit ntnbbogigen ©iebel> 
felbern, bra lonnengewölben entfpredjenb, abfd)lie^en. 
Dod) finb bie Seba&ungen ber Äuppel unb Äpfibra 
hier fdjon cntfd)ieben in armenifd)er 9Beife pvramiben> 
förmig. Dagegen haben bie $bürme auf ber SBefifeite 
biefer unb ber fmeberrwer .Hinte mutbiiiu«lids einen 
fpätern Urfprung. @ine Serfchiebenheit jwifchen biefrn 
beiben &ird)en befiehl b.u;n , bajj bie erftere vier 9teben< 
fuppeln in ben ©den jwifdjen ben vier Areujflügeln hat, 
bie anbere bagegen biefe @drn in ber ^öbe ber Slpftbeu 
mit ^}pramibenbäd)frn abbedt, ferner ba(i bie Äuppel 
ber erftern auf ffiiberlagrrn , weld)e au« ben Umfaffung«« 
mauern vortreten, bie ber lefctem bagegen auf vier burd) 
Sögen unb «Penbentif« verbunbenen ©äulen ruht. 

Die .1 treten, welche bie ferbifd)cn .Könige in ben 
legten 3^iten biefer *ßeriobe erbaut haben, behalten im 
SBefcntlirheu biefrn ©tpl bei; bod) geigen jid) bei ihnen 
fdjon frembe ©nftüffe, bie fid) baher erfldren laffen, baj) 
bie ferbtfthen Aönige mehrfach mit 9lom in Serbinbung 
traten, um ihre potitifebr ©elbfiänbigfcil gegenüber bn 
bviantinifcben Aerrfebaft ju wahren, ©ie mögen italie» 
nifa>e ober vielleicht aud) ungarifa>e Saumeifier benu^t 
haben. 3">« Äitdjen biefer Ärt rühren von ben beiben 
heilig gefptoebenen ©erbenfönigen hn. Stephan ftf 
mania, ber 1100 al« Vcöad) in bem Alofter Pbilinbat 
auf bem Sltbo« (larb, arünbete bie Aircbe ju Stubeniba, 
unb fein©obn, ber bot. ©awa, übertrug beffen Qebrine 
im 3- 1203 in biefe Aircbc. Der lefttere erbaute bie 
.Kirche in bem Alofter ©hitfcha **) (äiia, mm»), welche« 
©tephan U. Dufchan gegrünbel hotte. Sffiir ^nben in 
bfefen .1 treten neben jener feilgehaltenen ©mnbform 
rntfebieben Elemente be« abenblänbifchen fpätromanifdjen 
©tpl*. 3unächft gebort bahin bie flrinfübraug ber 
«lodenthürme. Die Äirdje von ©tubeniba erhielt einen 
folchrn, ber freilich ifolirt fleht. Slnberc Airchen erhielten 
nur höljerne ®lodenftühle, bie ebenfatl« nicht mit ben> 
Felben baulich verbunben waren, gerner finb bahin m 
jdhlen bie fRunbfenfter ober Siofen über ben portalen, 
bie Doppelfenftcr, bie @iebel an ben Areutflügelii mit 
Sifenen unb Sogenfriefeu, bie auch äufieTÜd) fret«runben 
Slpftben, bie ^vramibenbächer über ben Auppeln, bie 



32) 2>n 9t«eafent in bt» 9)iltb^it«ng(ii ber (. f. Stilral< 
Qcmmiffii^i für Vanbcnfm. (?, 313) will irtg» bn Aetinliajteil 
mit brt Aitd>c ju Arufd}rl»a( Mt 3"ibrftimmunc) fit bie gg (Stmri.- 
bria nid)t gelten laffen. tu ^ntamtbtnbäeffrt Bit» €m'|aieb(l |a 
Jtnif4(»a( iint jebotfl webt |u Suchten. 33) t)ai thi ift \u 
f»rt4«, »it bat feanjiBfdj« gt 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 38 



_ (IV. ABSCHN. EINFL. D. BYZ. KUNST) 



tfcfbldtter an brn ©äulrnfüßrn , unb rnblia) bir ganj 
t f ii romanifd)en äbnlidjm Ornamente von verfd)lungrn« 
Sdntren unb allerlei s Dttnfa)cn -- unb Xb/iagtftaltrn. 
3Bir baben alkrtnng* grfeben, bog mandx von birfen 
Dingen nid)t unbebingt auf abenblänbifd)« ©nfluß 
Idiließm laffen. «ürin wo fo viel jufammrn fomml, um 
btn Sinbiud br« 9lomanifa)rn }u erböbtn, wirb man 
Dirfrn einfluß unmöglid) (rugnen fönnm. Die .Hinte 
tu Sb,itfd>a verlädt fogar bic bptantinifd) • ferbifd)r ®runb« 
form unb bat quabratifebr Mvftbtn unb ju ben Srftrn 
ber Sorballr eine gart) rigentbümlid)e Jtapttlrnanlagr. 

$06) ernten (finfiüffr mad)en Heb in brn Sauten 
be0 legten ftlbftdnOigrn Srrbrnfönig« jafar, ber in btr 
6d)lad)t auf brm «mfelfrlbr (Äoffowo $oljr) im 3. 1392 
fiel, gcUrnb. 3>te .ktrtfcr ju 9tavani$a, weid)e er nad) 
rinn im Solf«lirbr Irbrabrn ürgrnbe trbaute, unb rbtnl'o 
bif Jrira)t in frintt Äefibenj Jcrufd)ewaJ laffen eine 
gewiffe Hinneigung ju arabifd)rn gormtn nid)t vrrfrnnrn, 
wa0 fid) bei brn bamaligen Stiirbungrn ju btn Surfen 
leid)t rrfldrt. 6« gebären babin wrnigrr bie jierlidjrn 
(Stnfaffungrn mit vrrfcblungrnrn Sänbern obre SDtdanbrm, 
al« bie Drtoration von f>ufrifcnböp,rn über ben portalen 
ju Jtrufdjercafc unb bie fpi&bogigm mit firlbogigtm 
Ornament eingefaßten grnfter ju Karantfra. 

Sie (efetr alrfrrbifcbr £ird)r erbaute fafar'« ©obn, 
Strpban, bereite al« Safat( br« «ultanö Sajeftt\ ju 
SRanaffia, unb ihre nod) vollirdnbig erhaltene (Sinfd)Iirßung 
in eine frfte Stauer mit ■* härmen erinnert an ib« 
(tntftebung unter bem 2)rude ber türfiftbtn Obrrbrrriid)> 
feit. Dieft Äira)t bat aber roieber bie aüftrbifcbm 
gormen. 9uf bem linftn 5)onauufa, namrntliä) bem 
SBalbgrbirgr jroifdjen $ouau, 35rau unp 6awr, ber 
grufdjfa Wora in •tvrmien h.;t man nod) bi« mm Snbe 
betf lö. 3abrbunberM bie altfrrbifd)en Stauten jum 
Stufter genommen, obgltid) man nid)t immer mein vei< 
flanb, ba« (ibmmaß ber Srrbäirniffr unb bir fä)6nr 
ffiirfung glüdlid) ju rrprobucirrn. 9ud) bit roa(lad)ifd)rn 
Ä(rd)m |a)lirßrn fid), foweit man ftr fennen gelernt 
bat, bem ferbifeben -stvlc an. 9tod) bie fa)öne bifd>öf- 
liebe ÄloftrrfiräV bei jturtea P'9rgpifa), bie erft von brm 
gürflen 3obann »vagon, Spagor oPer SHegojt (1511 
— 1520) erbaut ift, bat bie altfrrbifdjr gorm beibebaltm 
unb nur btn Garthe r btbruttnb enveitert , bagegen ber 
türfifd)rn Äunft einen writgrbrnbrn (Einfluß auf bie 
fidulmformm forool, al« auf bie glänjrnbe S)ecoration 
t>t« 9ruß«n gtftattrt •*). 

4) St u i U R b 
• ) flrc^ttf ftur. 

Kußlanb tvurbe ebfitfaO« unter ber macebonifd)en 
Dvnaftir von üonftantinoprl au0 beffbrt. 3n ber Ärimm 
unb am 9torbranbe be< febmarjen 9trere6 hatten vieUrid)t 
febon früher ^erbinbungen mit Ülbdiafien unb brn übrigen 
Jtaufafutldnbern Rtf) mirffam ertvieftn, unb bei bem 
Sau ber dlteftm Äird)cn im tü6 bomntinifebr dlrmrnt 



34) 8. »»i|«nkeri»r im Saftt»*« ktr t f. ««Ural.««™« 
mi)H»u 4, 177 fg. 



tbril« burd) (Sinflüffr von bortber, theü^ burd) antifc 
Zrabitionrn obn Sorbilbrr mobificirt roorben. Spuren 
b9)antinifd)<r Sauten firbt man nod) in ^bonagoria 
unb Saman, unb bie alten Jtirdmt von Cbrrfon, «itbo» 
bor (S. Xbrcbor) unb »ubagb fino nad) bbjantinifd)en 
©runofilten conftruirt. «brr bie Jcitcbe von ifertfd), 
bem alten $anticar>äum , bir 757 rrbaut fein foO, jefgt 
rrbrbiid)r (ltgrntbümlid)fritrn. DU virr hohen Pfeiler, 
roclcbe bie JTuppei tragen , ruhen auf forintbifd)en Sdulrn, 
bir Durrfd)ijft finb frbr für) unb ber $oriicu4 bat nur 
bir »rritr be* ^auptfdjiffr« unb öffnet fid) nad) brei 
Sritrn mit bobtn Vlrfaten *•). 

(Srft <9ro#fürft £31abimir brr @roßr ließ fid) 988 
;,u .Ii er nun, bem alter, (fbtrton, taufen , ba er fid) mit 
einer locbtrr brt grfra)ifd)rn Jtaifrrbaufe« vermdbltr. 
3)ir Jrfimmrr brr Aird)r, in «velcber er »abrfa)ein(id) 
grtauft reurbr ,,, ), fowir ber, »rlä)r rr bort jur grirr 
biefr« drrigniffrfl rrrid)trn lirf, jriarn »efrntiid) bitfrlbr 
Sauart, mir jrnr Äird)r in Ärrtfd). Saumtifter ber 
Sopbtenfird)e , roeld)e ffitabimir in 9tort>gorob an ber 
StrOe rinrt Üempcl« brd f(an>ifd)rn @ö(rn $erun errid)' 
ten lief, unb juglrid) Per erftr Stfd)of brrfrlbrn roar 
3oad)im von (Sbrrfon. übrr bie 9tuttrr'@ottr0<Jlird)r, 
roelcbr er 989 in feiner $auplf)abt Airro aufführte mar 
ein fflrrf grird)ifd)rr SWriftrr *0 unb wirb al« ba* dltrfie 
fflerf ber ruffifd)rn «rdjttrftur betradjtrt. 

Aua) bir folgrnbrn ©roßfurftrn fubrrn fort, JWrd)en 
ju bauen unb auf ba« @(dn)rnbür au^iufiartrn. Stu* 
tiefe Jtirä)en unb brfonbrr« bit Jttöflrr finb jnm großen 
2b«l von ©rirtbrn au«grfübrt ivorbrn. 910 Äirm firl 
unb bir »rftbrnj brr Wroßfürfirn nad) 9lo0fau verlegt 
würbe, übertrug man obne 3>veifrl btn ®tvl ber Jtird)rn 
von Äirw bortbin. 2>ir Äird)r von €u0bal wurPe ju» 
rrft, fovirl man rrfdbrt, unter Sifd)of 3obann von 
fBiabimü im 3- U94 bura) ruffifaV Saumriflrr rrflaurtrt, 
unb aud) Jtirm battr ju birfrr Jeu feinen einbeimifdtrn 
Saumrißrr, $etrr Stilonrg. Um tiefe 3eit grünbrtr 
6rrgiu0 ba0 lirrifaltigfrittfflofirr, wrld)r0 ba0 Sorbilb 
für bie ungrbrurrn mit .«trd)rn unb $erorationrn fo 
übrnria) au«grftatteten Älöftrr würbe. 

din tigentbümlicbrr rufftfd)er 6tvl tntwicfritr fid) 
erft nad) brr Sertrribung brr SRongoirn , al« 3»an Öl. 
ffiaffilirwitfd) (14H2-1505) feine $auptftabt »toflfau 
mit brm rrid)m 6d)murf von Äird)rn unb ^laldftrn 
au0ftattrtr, in brm fie nod) beult prangt. Dir $aldfte 
warm bi« babin nur &ol)bdufrr grwr|rn. Xtr heilige 
Clga battr allein ein freinrrne« ^au« brwcbnt. Ten 
rrftrn großm $a(aft mit 30 Xborrn, (Brmdlbrn unb 
rinrr Uhr lirß Stfd)of (Fupbrmht« von Stowgorob 1433 
von trutfd)en Wriftrm bauen. (Seinem Seifpirir folgte 
1494 brr ^atriarä) 3ona0. 91* abrr 3»an III. bie 



35) l>uhou de MitKtprreux , Vnyage antour da Caucaae 5, 
U3. 114. Altai. Hit. 3. pl. WO. fi« 3- 3«) Dutoii 6, 

144- Aüa». Sit. 3. pl. XX. flg. 5. pl. 3'2 bi«. ig. «. 7. K. 
Ataury, Coup d'oeuil aar l'hittoirc de l'an hin-rturr raligicui« eu 
Rassle joaqa'ao ragne de Pierre le Grand in Reme arcbeol. 2 t 
776. 87) <K « ft >• r . Meltaltr StMiaVl brr Kaf|iro>ni «krfdlidjlr, 
»p»rf. *e» 3. ©. eo)U|er. («tipjij 1774.) «. 109. 



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GRIECHISCH!! KUNST 



— 39 



— (IV. ABSCHN. EINKL. D. B YZ. KUNST) 



fi/mmdfa&rtfflrrtf ctnf bem Jtrrml an«baurn lief, jeigten 
fr* bie Äuffen nod) fo unflcjcfcirft in tcr Äunji Dt« 
Selben«, bafc bie .fluche eiiiiiurjte, ftje ftc no* geweiht 
war. 3wan fanbte Nun nach leutfcblanb unb Italien 
nach 9<fd)tcftrn Saumeiftern, unb Per Solcgnefer iKiDolfi 
Äiorat>anti, cct von feinet ®n'd>idlid}feit ten Seinamen 
fllbtrti Mriftotilr erhalten hatte, führte ben neuen Sau 
in vier 3af>ren au«, naebbem er juvor ben rafftfebro 
Stol an ucr Äirtbe von SBlabimir »tubirt hatte. <5r 
vellenbete ba« ©erf 141)4. fluch anbete 3taliener waren 
jn gleicher 3rit in Wo«fau tbdtig ^ietto «ntonio 
baute 1487 ben ®ranirpalaft auf bem tfreml unb fieUte 
mehrere Ibürme her, bie unter Dmirrl Don«fot bort 
aufgeführt waren unb ebenfalls in Jrümmcr fielen. Der 
©enurfrt 1*aul be Soffto, Warco unb ein anbrrer un» 
branntet Italiener vetienbeten biefe Stürme 1492. %\t- 
ouc au« Wailanb führte 1499 ba« Selvebere auf unb 
voflenbrre 1507 bie Stirbt ber Setfünbiaung, bie 1489 
begonnen war. Sluferbcm baute er unter ©a|fiU'3wano' 
»itfcb (1505-1534) bie im 3. 1333 ararünbele Wichel«« 
firttje neu auf unb verfab fie mit fünf Äuppeln. Diefen 
ualienifcben Wriftern verbnnft ber abenteuerlich pban« 
taftifebe ©efebmaef , in bem birr bie bvjantinifcbe (Örunb« 
läge umgefialret würbe, feine *u«bilbung. Sie fachten 
ihre mobetne Sauweife mit ben 9nforbtrungen ber ruffi* 
(eben Sitte unb ber rufftfeben Jtirebe ju vcrfcbmel)en, 
unb e« gelang ihnen, jumal für bie äirchen, einen 
wahrhaft originellen Styl iu fdjaffen, auf ben orienta« 
lifcbe ©ruuDlagen eingewirft ju haben febelnen, bie burd) 
bie Wongolen, welche feit 1225 über Dtujjlanb geberrfebt 
hatten, bort eingebürgert fein motten. 9lur an ben 
^aläften bemerft man gereiffe Äeminifcenjen an ben 
florentinifcben Stvl. »oeb näher trat ben »uffen ba« 
onentalilcbe @tement in ben langen Äriegen mit ben 
lürfen unb Xartaren «nler 3»an IV., bem Scbrecfllcben 
(1524—1584). fBobin Re ibre fiegrrieben ©äffen tru< 
gen, ba gematteten fie bie Wofcbeen in Äircben um, wie 
in Subaf in ber Jtrimm '*) , ober errichteten neue Jtircben 
auf ben Ruinen ber Wofdjfen. 3n ber Äriram aber, 
lumal in Jtaffa, hatten tbeil« bie Armenier ibre Sau« 
roeife eingeführt '*), tbet(6 »arm Her unb in bem alten 
Xbeobofia bie .Jtircben ber ©enuefer in Wofcbeen umge> 
wanbelt 40 ). flu* folgen Elementen entfianb 1554 in 
"Merlau bie fogenannte ©afftli«Slagennoi, ber »ban» 
taftifebfte ruffifebe Sau, von bra bie Sage gebt, bafr 
3wan, ber Stbreeflicbe , bem Saumeifter, ber ftcb berühmt, 
ein noa> prachtvollere« Wonument aufführen ju formen, 
bie Sugen habe au«flecben (äffen, bamit biefer Sau 
unübertroffen bleibe *'). 

b) 'JWatcrc; 

3Me tuf(tfa>t Walerri **) bat ftcb ber grietbifeben 
weit enger angefcbloffen, ba e« feine mubammebanifeben 



88) Ou4«ii dt Mmtpertux 6, 366. 88) Moü 5, Mfc 
40) Daf. 6, 292. 41) ®i«(< it.t^u.'i ü««n >• c - V- 
■oi». (6d>nA*f(, «firfjidji* brr bi(brnb«n Jtinflc im Stittrlalirr 
I, 277 fg. 42) €iOft Wrrübft Mmtn, «. a. 0. tu* 
«.ireff bei «djifer \ 9 fi**ta, €. 483 fg. 



Silber gab, bentn bie ruffifebe .ttirebe ginflug geflarten 
fonnte. 2He alteften firdjlidjen Silber in »Su^ianb waren 
bvtantinifebe unb bie erfrrn rufitfetjen SDtairr begnügten 
fid), biefc ju ropirrn. Sieled würbe von griedjtfcben 
jRalmi in 9tu§lanb gearbeitet, unb noch in ber 1326 
gegrünbeten Äirdn- ber Himmelfahrt Warid auf bem 
Jtreiul waren grieebifebe Sftaler befebäfrigt , wdbrenb fdjou 
ruffifu>e Waler in ben 3abten 1328 — 1340 bie Wiebelt' 
firttje ju 9Ko<fau ausmalten. Wan leimt nodj mehrere 
grieebifebe Silber in 9luilanb, weldje ben rufftfd)en 
TOalern att Wufler bienten. 5)a* ältefle ift ba« Warien« 
bilb in bem Älofter Warid Himmelfahrt ju 9(ijnr, ba« 
nach ber grieebifdjen 3>tfcbrift au« Jrorffun unb au« bem 
3abre 993 flammt, tft'nc Wuria Obogitria )u €mo> 
len«f h .ii bie 3ahr«jah( 1025, unb eine anbere ju Xfeber< 
nigoff 1060. Da« Silb be« (Srldfer« ju 9)owgorob witb 
bem .lauer Wanuel felbft jugefebrieben. 

81« ein 3c*g(ing ber griedjfftben Waler ift befonber« 
bet hril CiQmpu«, ein Wond) von $etfcber«fv, im 11. 
ober 12. 3abrbunbert berühmt, bem man ein Warien» 
bilb in ber Äalbebralr von «Horloff jufebreibt. 3>ie ®e. 
mdlbe be« äiteflen ctoie« nenn* man in diutyanb lorffu' 
nifd), wie «Ue«, wa« au«gejtia>net unb altertbümlid) 
ift. Da« rhriftliche Wufeum be« Salitan enthalt ein 
folaje«, meld>e« beu lob ber Waria gan) in ber ©eife 
ber SOianriner barfieUt **). Wan unterfebeibet bann 
fpdtere Schulen von Jhew unb Wo«fau, unb fpria>t 
auch von einer flöftrrlicben Wanier. Die fremben 
Jtünfiler fiihrtcn eine neue Stnlentwitfelung herbei, ob« 
gleich fie fidj im @anjen befirtbten, ihre ©erfc bem 
ruffifeben 9lationa(geiRe anjupaffen. Wan fpria>t von 
lateinifeben heiligen Silbern unb von einem Styl, ben 
man Friaj&ky (gre«fo ober ftranfifcb?) nannte, unb 
für bejfen Schöpfer ein Jtaplan vom Orbtn ber weiften 
SlugufKner, 3»bann mit bem Seinamen Spaffittl (H*i= 
lanb, vielleicht verborben au« Spiffatel , ber Sopift), gilt, 
ber mabrfcbeinlicb unter gioravanti in ber Himmelfahrt«« 
firebe gemalt bat. 3wan ber Sebredlicbe fab fieb jeboeb 
veranlagt, bie @efeQ,e ju erneuern, welche bie Sefolgung 
ber herfdmmlichen £open geboten. 3n biefer Seit werben 
febon mehrere ruffifebe Waler genannt. Den meinen 9iuf 
aber erwarb ftcb gegen Qrnbe be« 14. ober im 15. 3«b r ' 
bunbert Änbrea« Sublcff, ber eine eigene Schule bilbete. 

Die ruffifdien Äircbenhilber haben mit ben grieebi« 
fdjen gemein, baft fie ftarr an trabitionellen gormen 
ballen, unb bie Waler haben fieb vielfach eine« dhniidje:; 
Hanbbucb«, wie ba« vom «tbo«, bebient. Diefe« unter 
bem 9tamen be« l'oblinnif befannte H an bbua> ift in 
jahlteidjcn alten Hbfcbriftrn verbreitet, bie in (tinjelnheiten 
vielfach von cinanbrr abweichen. Sa« von ruffifebe« 
Q)emälben im t(u«lanbe befannt geworben ift, erfcheint 
jebod) ohne 9u«nahme nur al« eine ffu«airung bet 
grietbifeben ^unfl, bie lebiglieb von fcblecbten Sorbilbern 
au«gegangen ift unb unter einer rohen Sebanbluna ibre 
@rftalt empfangen bat- Selbft bie feine Sedinif ber 
ffiach«malerei bat einer gröbern Temperamalerei mit 

43) Ajimcowt, Pelm, »bie »3. »ffArritung ton Sbm. 

H 1 «btf,. 2. ®. 379. 



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— W 



— (TV. .«8CHN.nPiFUD.BYZ. KUNST) 



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SrnraBera auru n a 'ruat.xxu! if a 
fetin :«ntJCTT?frn ;;!i;a«stij«r »re 
?cnfnt an ^aaora mter rrrer ~<miU ott .rrrrrrrarrH 
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■Smart ancwcrt <?«n* ret a -«fotor. .1* ?rt Obst. 
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T« .cxütairvt »Ätnte*. .rr 
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•Orr* Srass* 

\B ittä alt» 



Mtiij) tii Ni 4«wvHi<ttn *r*itt. 
uilNllt N« rtiiMttiH.'m, »Jtflh* 
tMiiig lin, tum ungern 4»it^»u». a «*u 
*iiubu«, ««b NU i» M :mfe* im 

tllNlU Ul4}l ulWWteN III» »Inf Nt HiAtflt't tut 

iuiiN Hill tuü Äop+en :>* Jertiwwt*». Uem «•»■ 
yuuptt 111 tiiuui NitutNiu -*tintu* «ei nun >n *i 
liu.u WkiW 111 i»ktfuit aa.i iotiN. uaf XiuNt v*vu 
Mtuici' aNiuitiU* 111 viiuui NieuNtu 'tttuiMi*. v >ä xtfrn 
CtlltH Oi'iuw uub Wuuo 41* c<xtbtn mii <s*t«W?tettt. 
Ii tu uvu autiu ul>uuN«Nu vfngii ;wo<«i4\NiiKn. ittter 
mi>ii» tili tfu.|il im u Ni »UiiMurtK uuc Mm %m\Ct«» 

u»l> Uni« Uli klllNlil Hill Nim c «H»"* ■•»tiittV >.m 
W«iivt It.ilivu N« ' M rturuift^ftlt cnfvt, 

MHuii »ml Nu ^luipipm, jui Niuu iw tni<tM. 
Ml (UrU^llHHÜ fci l ui^llan 1» N> «»II* tv» t^iN*. 
\-h inmu \(Vm|I)MM MNit N-u 4Siniti4iuiU> 'üi Mo 
(thMwM (-,,t ^''iNi.iiuuN*. ¥mf* uitti Mi toO Juf 

t'.MKMI »IlM VlU^tll t)lll, N«- ViH» f«S|<iH Uli» 
nwibfU -IdllilM NHuul MMlN'H, IIHt> NllilN'l '4ji»<fri ttn 
Hl »k •»II hllll «illlHill Ktv^K* tli»jl ^HMH in ctiun 
A l|fniifMf |H <^i>Ku i]«lliv«lli «in ltf>i>H'l Kl i^M Nim 
1 ,,..«• l|i im <Vait|| lim um Nu« Vilu'iiil\il> )M 
f,t,fi,^n *u| |»iH«l iVull Mvttl HU >«ttuj unfr uuf Nt 

IUI UllllltUd. |U,UUNt4 Ul^ MHNtlll)) 

i,i hhtff\l+*i Mlili»«,| iu»un>bi»iul>, wsiouuf Mc 
A)„i,v *'-'/»' m|*i...Imi niihtu 44 » 



Sil 



C| tu smi<aiB«kaaif4« Ann». 

c.T SiabtT auf ilncn raütirn 
qrn frfc untmoaifen, tvattn |u> 
ipto 'Jkaoprrn, 'S«ni)ungtti tf« bi^anrini' 
rnt :rac 0 farn e*, Ba# &i« araMf4< (Snllut 

i'rnntua m jv^innntfdx (^ranclagen anfnüpfte unD 
a .rrrmtrta ein» pine ladjttr Sct btiiantinii(fcfn Sul< 
vr Knut antat saxf. ftttt Bit Jtunft t>c6 ofhfimi« 
Bfü tadi* TJtnTf •?tm Bm Urafcrm aufgtnommrn. 
Irrraaa* T-tU* ^nraftot >tc nur buwnrinifdif JtünfUrr 
Sattnol. fflrudjifclK »auuifift« 
rr «oitbrni. ant wo (it nit^t Iftifl.- 
nkr ibrr SeDurfnifif uniflfi^altftfn, 

>c auwtti iürni^at jB«- faoa in finftn trümmnbaftfn 
-uttaacf ?i«TanBat Ännftifd)«! Sloiatf toußtrn fit fo 
trr ,a B«cn. Mb ät tn mtBt ilt rinrm 'f^rii-ti-n^r'CT» 
•raat att Bot Jtuifnt wii lEomtanttncpd fid) Üirfmin< 
:nt -tw eit t a «ttfctMBqca. Sie aottotm rt) 3<"f> f a rwi 
>crm#a ta %m. 5*r J«n »Ännlstfdwii (i(nj«-)«jfM«) nt* 
ami atc Brtr rsrtucr janö? aatgeftaltct ift 

it idbit nne Jtünjtc brtrriBen. 

eine 





StfCB. 3M 

:awttfttn 




BojontinifdKn 
5«r tMtunj oelaiigen, ja 
an IV"..- sie tnifet trettig betgetra» 
. Jn »»amtmtdita Jtanri ibre Aicbtunfl ju 
' at rarr 4itr» antra trat bei'onbem SBciie 
xoe u ^c'uiutca räbrtra, Die war immer 
am 40Rf« 'SfrrevnwtcbufT mit Bein S9iantinif(t)en 
?e* nsb io mm t»on Ben wefent> 
enflirnttca, Bas ffe Ijödjiien* 
UebertiljTritungen Bet twn 
angeftoen 

neb Bie tnab<iminebanif(t)( 
Sa: ucit c -tet -.»oft Bn *nni:d?en. Nif nidjt nur ber 
•v i 9«T«<iB(ti, 'ottixtn am» fttie jteibe von bejHmmten 
Ü^tntmften unf 'Scrbotra 9tcifi<b flbtveicb,ungm ten 
>m 'etbetren, rurt Nrt Äeünt ber AritHi<6en Äira>e 
ta? fte beumfcetr 5t><antuiifibe rirte mit fta> brachte, 
rui wamfOftTt 'luuuri MB flumabme qani ret- 
«Weikn. •weil um «bbütung r-ern lebenbm 

^tffH n n , Bit fn Xtfean Biefelbe verbietet unb ber 
«tUKiwantt aiaubt. bav ein f«t<M «Mb einfi von bem 
"üktietiidet teilte Serie tu -Dem werte. *»t au«nab,m«« 
weilt NiN« ite tu etntdnen ©ebietea ihre* Srtdje« bem 
iwfenten niitt wiberTteben fonnen , nM« biefe Xtinfre für 
nn ^k'it buben mußten, wel^e^ eben üui Ben einfacbftrn 
i<etNiititi'fiat rmjfot^efoinmen tvar*' 1 '). dagegen Die Sau» 
' nitl unb Mc mit bcrfelben verbnnbene Deroration roarrn 
tbneii nnvertägt nnb tviQfommen, unB namentlia), nao)' 
beut Xbctif «tklib 1. 714 feine f>errfd>aft übn bit ganje 
■*i^Uru von Hfxiti unb (Spanien au0gebeb,nt, unb im 



«.) ««mi ittc* «b 

I« 



»r. 



(QnU* 1866) 2, 170 fa. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 41 



— (IV. ABSCHN. E1NFL. D. BYZ. KUNST) 



Cprn f'fiitr SBaffen bit nad) 3ttbitn ju bfn. ©tftabrn 
bet £tr getragen hatte, beeiferten fte fidj, aUtntbalben 
•OToirteen unb ^alüfte btrjuftfUtn, bir mit btn ÜJtonu» 
mmren bcr übtnvunbtnen ^Religionen in ©röße unb 
fradji wetteiferten. 

Stut ibrrm Somaben» unb Süagerleben bradwn bir 
Sraber frinr (Elemente mit, aut brnrn fte bitten eine 
frlbftänDige Saufunft entmfrfrln fennen. in- Sorbilbrr 
für ihre ardiitcftomfcbcn ffierfe boten fid) nur in beut, 
trat jte in btn unterjochten 8dnbern vrrfanben. 

Dabrl war aber bod) ber ©riji btt mubammebani» 
fdjen Jebent unb bie gönn ber ©ottttvtrtbrung fo 
wtfentlid) von bem verfd)iebtn, wat fit auf bvjantini» 
fd)en ©ebitten vorfanbtn, baß baburd) eine ganj eigen» 
tbümlidjr ©eftallung bet Stplt fowol für bie eigentliche 
»rd)itrftur, alt für bie Dtcoration btTbtigtfübrt würbe. 
(5t ift hier niebt bet Ort, tiefer auf bie ©efcbtd)te ber 
arabifa)rn jeunft einzugeben ; bod) wirb et fdwn um btt 
©egeniabet willen jur Sadje bienlid) fein, wenn wir 
rotnigfttnt einige wefenllidie fünfte hervorheben, iveldie 
ben (5baraftet bet arabifebrn ober fogenannten mautifeben 
€wtt bezeichnen. Dit mubammebaniicben Sauten fdjlitßcn 
ftd) bie ju einem flewifftn ©rabt ben bpjantiniftben fird>» 
lieben Getuten an. «m weiften ift bie« ber gall bei btn 
©rabmdiern ob« 2urben, bie gewöbnlid? in Äuppclbauteu 
nad> bvjanrim'fdjen Sorbilbtrn befielen. Die SRofdjeen 
bagrgen babtn vielfach ältere J?ird)eu von baftlifenartiger 
Anlage jum Sorbtlbt genommen. §auptfäd)lith aber 
entroidelten fit fi* aus btn großartigen Solonnabtnan» 
lagen Svrient, bie bat mubammebantfebe Sebürfniß um 
fo eher btfriebigrn fonnten, ba et nid)t fowol auf bie 
£trftrllung großer Serfammlungträume für bie religiöfe 
©tmeinbt anfam, alt vielmehr nur auf jafitreicbe Set' 
pläfce, bie 3d:ut> gegen bie fengenben @onnenftrab(en 
boten, «utgebebnte, t>on (Solonnabtn umfcbloffene Aöft 
umgebtn in ber Segel bie «fRofdjee, bie innerhalb btrfelbtn 
dntn verhältnismäßig fleinen Saum einnimmt unb aut 
mehrm-n paraHtlrn 6äulrnarfaben befleht. 3n»eilcn 
ift eine mlttltrt (lolonnabe bura) größere Breite unb 
wo! aud) burd) eine Äuppel autgejeidjnet, fobaß barin 
wieber eine gewiffe Vtrhilüfcfeit mit ber cbriftlidjrn £ird)t 
hervortritt, äbtr tt fehlt regelmäßig an ber Gbornifcbe, 
unb anbtrt &igentbümlid)feiten, wie bie fta>t Seitmfcbiffe 
ber SHofdjee el Äffa auf bem Garant ju 3ttufa(tm, ober 
bit JDutrftellung ber ۊulenarfaben gegen ben Eingang 
bei btr Wofd)ee ffiaiib't II. ju Damatmt begrünten 
tvieber rotfentlidjt Berfcbicbenheiten von brrfelben. «Spätere 
SMofchetn in perlen unb 3nbien werben bagegtn Äup 
pelbauten, welche mehr ben bvjantinifcben Äirchen äfm r 
lid) finb. 

2iat aber bit mubammebantfehe tlrchiteftur vor« 
jüglicb autitichntt, ift eine gormrntwidelung , bie tbtilt 
aut einem Wangtl an tecbiiiichem Serftänbniß, tbtilt aut 
«inet» übttfebwänglichen Svicle ber ^bantafte hervorgeht. 

Der SRangel an teebnifebem Scrftänbniß jeigt ftd) iu 
ber Strnad)(äfftgung jeber 9(üdft(bt auf bie conflructive 
Seveutung ber archittftonifchen gormtn. Xir Araber 
bat itpcn Daher gormen, bie beftimmte ftatifdjf 3»*d'f 
*. umtn. ». ». ». je. <m. ««rt,». LXXXV. 



haben, lebiglid) alt Detoratton, unb Me golgt bavon 
ift nid)t nur, baß fit bitfrlbtn in einer neuen unb bem 
Sinne Der Sonfrruction wibtrfprtd)tnben SBrife mit ibrtr 
Umgebung in Serbinbung fe^<.*n, fonbern baß fte außer» 
bem btefe gormen vielfach vtränbtrn, um ihntn tinc 
ättannicbfaliigfrtt unb einen «Kcicbthum tu verleihen, bie 
fte auf btm ©ebiete ber an brr confrructivtn Stbtutung 
fettbaltenben bt^antinifrben JStunft nie gewinnen tonnten. 
£iet betrifft bauptfäd)lid) ben Sogen unb bie Auppcl, 
unb in beibtn Sejiehungen fanbtn bit flrabtr fd)on in 
faffanibifd?en Sauten Sorgänge, bit fit ftd) aneigneten, 
über bit fit abtr nod) wtit binautgingtn. 

9Bat junäcbfi ben Sogen betrifft, fo hoben wir br» 
reitt bie ellipttfcbe Uebtrböbung btffelbtn an btm $a(afte 
tu Äteftpbon fennen gelernt, flußtrbtm fommt abtr 
auch an unjwtiftlhaft faffanibifd)tn Dtnfmälern ber 
SpiQbogtn voi, unb tr fchtint ftcb hin an älttre afia» 
tifcht, ;um Iheit tnbifebe Sorgänge anjufdjließen , wo 
tr jtboeb nod) nidit organifd) tntwidtlt ift, fonbtrn tnt< 
wtber nur btcorativ an SDtonolitben auftritt ober burd) 
Ueberfragung ber 6teine gebilbet wirb. 3n feiert 
fennen wir bte monollthtn ©rabmältr mit £ccfe(n, welche 
äußerlich alt fpifbogtge ©twölbt gtbilbtt finb, unb äbn< 
lidjt Dtnfmäler begegnen unt unter ben ältern tknm 
3nbitnt. epitjbogige ©ewölbt, weldjt burd) Utbetfra- 
gung btrvorgtbracbt wtrbtn, fommtn fdjon unter ben 
cvflopifd)cn ober ptlatgifd>tn I -::t finalem ©ried)tnlanbt 
vor. ffiir braudjtn unt nur an bat fogtnanntt <5d)at>< 
haut btt ffrrtut p IRoctnä unb an bit SRaurrn von 
Xvrint ju erinnern. 3n einer fctir mtrrwArbigtn ffietfc 
begegnet unt ein furch Ueberfragung gehüteter Spilj' 
bogen, ber überbiet ganj eigenthümlich becorativ bebau 
belt ift , an bem (gingange btt altinbifcben üempelt von 
Soro'Snbo *»). Die faffaniDifchtn Dtnfmälrt jeigen 
unt bagegen ben Spifcbogen organifcb rntwitfrlt, inbtm 
bitr fchou btr Äeilfd)nitt bei Demfclben angewanbt tfi. 
3n btefer ©tftalt muß man ibn alt eine weitere «nt» 
widelung bet römifd)m «unbbogent anfeben, unb er 
enthält tintn gortfd)ritt, inbtm btr Sritenfcbub bet 
Sogent beträchtlich verringert ift unb baburd) bie «Stuften 
bit ju eintm gtwiffm ©rabe entlafiet werbtn. Die 
faffauibifeben Denfmälcr $rrttrnt birten aber aud) fdjon 
ein Srifpirl von rinrm Jtirlbogrn bar, obwol nur alt 
eine in gelt aebaunu 9cifd)eneinfaffung , bie fogar nod) 
eine jierlicbe Sred)ung ber l'inten enthält. Diefer tftv 
liehe, flad) gebrochene Äicl bogen brfinbtt ftcb an btr 
geltwanb bei Sifutun ofhvärtt von Äermanfchab, am 
gluffe ©amaftah, unb gehört tu bem Zafht'i'Sd;irin 
ober btm Ibront ber Scbirin , btr viel btfungtnen ©attin 
bet Gbofru Sarvi} 4 *). Die Irabition, wtlibt ftd) in 
biefer Benennung autfpritbt, fept alfo biefet Denfmal 
in bie leßten ^tittn bet Saffanibenhtrrfdjaft. 

Dit ÜSraber haben nun in Äegppten unb Sprien 
vorjugtweife ben Sptebogen, in Werften unb 3nbien 
bagegen ben Äielbogen verwanbt, unb häufig benfelbtn 



4b) Lo «rar du nond*. T. 4. (Parin 1861. Sem. 2.) p. 304. 
46) Co»/« et FianJi*, Voy»g« en Prrw, pl. 17- p. 7. 

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GRIECHISCHE KUNST 



(IV. AHORN. DVU D. BYZ. KUNST) 



nodj mit rinn innern (Sinfaffung von ftrtnm ©igen 
obn Jjrfrn bereichert. Sine britte gorm , bie in Spanien 
»it bettfehmbe ift, bar «£>ufeifrnbogrn , fommi rbrnfaU« 
in 2ffien, befonber« in ben bubbbifiifcben Xanpelgrottrn 
3nbim«, vor. 

(Sin brltebtrr Sajmud btr ©rwölbe, bm bie Araber 
aber aticfj jur SBrrjirrung von Säulen unb ^riefen be> 
r.uctT. , fdjlirßt fid) an bir früher ermähnte faffanibifebe 
Okwölbrconftruction an, wrldjr bm Urbagang, von ba 
auabraten ©afi« jur Jtupprl burd) eine fontid>e 9tu«« 
füUuna bet <fden vermittelt. Dir« ift jene« Svftrnt vou 
übet einanber aufgetürmten fleinen Wifdjen , mrl<br« ur« 
iprüngü* ebenfo, wie bort, nur bie ßdm auffüllt, bann 
aber aud> bie ganzen @rwölbr übergießt unb bie foge> 
nannten Sialaftitenbrdrn bilbet. $ier ifi von einem 
conftruetivm prinrip fo roenig bie Siebe, baß j. 99. in 
brr Hlbarabta ju @tanaba birfr (Brwölbr au« einem 
überau« fünftlichtn Spftcme von grfcbnittrnrn «vp«ftüdrn 
jufammmgefefct worbtn ftnb 4T ). 

3eigt ftd} nun fd)on t)itnn, baß bie Drcoration bei 
ben «Beftnnrrn be« 3*Iam jur £auptfacbe wirb, fo tritt 
bie« nod) weit mebr in bem Sdunud bervor, womit fte 
ibre SBänbc übcrjirhm, unb ben fte um fo reidjer unb 
mannigfaltiger aucuibilbcn bemüht finb, al« ber .Koran 
burd) ba« »erbot ber «bbllbung lebenber Dinge bie 
(Stemmte ber eigentlichen Decoration einfd)rdnfte. Die 
lehtae wirb baber Mit gang an6 matbematifdjen Figuren 
unb Sinien jufammengrfrfyt, wobei abermals utgapiQte 
unb gebrochene üöogmformen eine wichtige Stolle Tpielen. 
Tiefe arabifd)e Decoration bat befanntlid) eine Sluflbil« 
bung erhalten, mit ber fid) fein anberrr Stvl meffen 
fann, fei e«, baß man ben @efd)mad ober brn 9irid)< 
rh mit brrfrlben in 93errad)t jirbt. 

So bat ber SRangel an technifcher ISinftdu einer' 
feit« unb Ueberfchwanglichfrit ber .»bartiafie anberfrir« bie 
maurifche Aunft von bem Drude ber mpftifdien 33a< 
fenfung befreit unb ihr ben Strmprl ber Urppigfrit auf« 
gebrüeft, unb biefe Umwanblung hat einerfeit« nicht 
ungünftig auf bie bvjanrinifdK .(fünft felbft jurüdgrwirft, 
anberfeit« im ftbmblanbe bie (fntfaltung bvtantinifeba 
(Stemmte ut Per Slütbc gotbifdw Aunft vorbereitet. 

D. Rrmtuiru in» eie JtaulafutUnbct'. 
1) ©ie ältcflrn Stil». 
Armenien unb bie benachbarten Jtüftaigcgmbm be« 
fduvarjm 9Kerrr« erhielten mit bem tJbriftcntbum ihre 
(Sivilifation von 33vjanj au«. Sie jum Übeil in jRuinrn 
liegmben fluchen biefer Vanber haben in ber Xbat einm 
Stvl, ber von bem btnautinifd)m abgeleitet ift. Doch 
geboren bie meiften einer fpätrru '|<eriobc an, unb fönnen 
baber erft weiter unten iur SJefpredjuiig fotnmen. Der 
liabition nad) fofl bie Äird)c tu $li(unba in 9lbd)ajicn 
um 550 auf »efehl 3uftinian'« erbaut morbrn fein. 3n 
ihrer jrtigen ffleftalt entfpriebt fie aurrbing« bem Stvlr 
fpaterer bpiantinifcba, namentlich fteinafiarifthei flutten, 

47 , Jul" Goury «ml Oleen Jontr, Plant, elertlioiu, •et-tiou 
nml detail* <>f th« Alhambra. T. 1. (Londoii 1«2.) ad P l. 10. 



unb ber leid)te fiefbogenartigr Schwung bei Tragbögen 
unter ber Äuppel }eugt fogar febon von fara}enifd>em 
(ftnftuji. Dagegm ftnb bie tHpfiben auch aufjerlirt) mnb, 
wa« auf ein hohe« »Itet fdjließm lä$t* n ) 9Babrfa)ein« 
lid) ift ber *Ö.m fpäter im bvjantinifchen Reifte verdnbrTt, 
wäbjenb man bie burd) bie ^unbamrnt! gebotenen $or> 
men beibehielt. Der dfrunbrifi läßt fogar bie Annahme 
ju, baß vielleicht ein urfprünglicbe« ?anghau« fpdtrt in 
einen bvjantinifchen Äuppetbau umgewanbelt ift. 

(Sin paar «lotuimente von fehr ulterthümltd>em «n-- 
feben haben Säulen, weldje an bie rawnnatiicben lieber« 
aang«formen erinnern. Stber bie ©ebanblung ift fo rob, 
baß e« fich nitht wohl eutfeheibm läßt, ob K-.r altafta' 
tifche Xrabition maßgrbenb grwrfen ift, ober ob man 
bpjantinifche SRufter ungefchidt nachgebilbet hat. Da« 
eine ift bie ©rottenfirdsc bet Sjoglobvtrnftabt Üepeferman 
in berltrimm, beren unentwicfelte @eftalt auf bie erften 
3eitrn brr Sbrifttauiftrung biefer @egenb fchließen Idßt. 
^>ier fommm Sdulm vor, bie über uorf fd}malen Stin« 
gm, von Denen ber untere platt, ber obrre bagrgen 
roulftig ift, au Jtapitell haben, weld)r« rher einem 
Äapiteafdmpfer gleicht «•). Da« anbrre ift bie fretftebmbe 
Äircbc be« qpöhlenflofter« Jfieghart oba «trivanf in 
©roßarmenieu, ba« von bem beil. ®rrgor, bem erften 
Patriarchen jur Jvit be« Üiribatr«, geftiftet ift. ^>ier 
tragen bie Säulen anftatt ber Jtapitelle bide, faft fuget« 
artige äBülfte unb über biefen ÄapiteUfämpfer, wie fte 
im abmblanbe bei ionifdien Jcapitellen oorfommen. Sie 
fteben auf einem fchliditen SBürfrl. Vluf birfrm liegt ju> 
nächft ein mehr gebrüdter fflulft, unb auf bem lc(tcm 
erhebt ftch ber Schaft, ber unten von einet breiten bänb« 
artigen platte umgeben ift, wie wit fie in 9tavenna in 
einigen fällen angetroffen haben "'). Dir wulftigeu 
gormm haben aber auch «nig« Slehnltdjfeit mit ben 
jwirbrlartigm Säulenformen , wrlchr in fpätrm armeni« 
fchen Jtirdjrn vorfommm unb auf inbifchr ©nflüffe 
hinweifen. 

(Sin brfonber« mrrfwürbigrr Sau ift bir Aird>r bn 
heil, dtipfimr in (Stfchmiab)in, bem brrühmtrfim .«U-ftei 
in ©roßarmenirn. Dir Jtircbr, noch ie^t bie be« Isi 
triarchen, foll ebenfall« von bem heil. @regor gebaut fein. 
Der Su nn- (£tfd)miabun bebrütet bir (Srfcheinung ßbrifti, 
bmn Glregor tvollte an biefer StrDr (Shriftu« grfehen 
babrn. Hbrr ba« Jtloftrt wurbr erft unter bem Patriarchen 
9lerfe« II. f>24 rrbaut, unb bir'tttirchr, bir 618 rin» 
geftürjt war, unter brm patriarchm @omibaö wirbrr 
bergeftellt. Später bat bet »au manche SJeränbcrungen 
erlitten, allein bie urfprünglicbe ünlage ift lvahrfcbeinlicb 
bie (Srunblage bet fpätern Srneuerungen geblieben. 

Der $auptaltar ftrht mittrn unter ber «Kuppel unb 
beneidmct ba« wahre @tfa)miab)tn , o. b- bra £>rt ba 
Srfcheinung @brifti. Aber bir Bonn brr «ffirdje fd)ltrßt 
ftd) einigrrmaßm bn SKarirnftrchc in itfetMehem an, 
wa« oielletdit baburch ju rtfldrrn ift, baß biefe Äucbe 



48) l>uboit dt Montperetu , Vojafte »utour du Crnic»»«. 
AU«. S*r. X P l. 1. 2. 49) J>«f 3, 312. Atl. 84r. 3. 
pl. 6. «g. 1. 2. 5«) t>af. 3 , 393. Atl. S«r. 3. pl. 10- 



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CIUECIIISCHK KUNST 



— 43 



(IV. ABSCHN. EINFL. D. BYZ. KUNST) 



bie «Stelle eine« frübcrn Sempel« ber Anabit r-brr arme» 
nifcben 33enu« eingenommen babcn foll, bie man nicht 
beffcr, alö burd) eine Star;enfird)c crfrften fcnnlc. Da» 
neben favin aber aud) bie befonbere Scjicbung auf 
tibriftuö bin bie ungewöbnlid>e Au«rilr.£t,-, ber Jtreui< 
form besänftigt haben. 3war bat tStfcbmiabjin fein 
Üangbaud, ab« ber Äuppelbau ifi mit einem im Scr< 
bältnifi ju anbern grird)tfd)cn Sauren allerbing« febr 
»fiten JQuabrat umgeben, ba« an beei Seiten Apfiben 
bat. SMe nörblidvr unb füblidjc Apft« treten nad) bvjan« 
tintfdjer äBeifc äufirrlid) mit fünf geilen au« bn SBanb 
brrau*. Die öftlia)r Äpfi« liegt bagegen faft gang inner* 
balb brr Umfaffuna«maucr iwifdjcn jwei formalen Sieben« 
räumen, welche ftd> tu briben Seiten an brr «Dftfrilc 
ausbreiten, unb tritt nur wenig mit brei Seilen au« 
brr Stauer nad) Aufcen berau«. Die freujförmige flu» 
läge wirb fogar noa) burd) ba« portal btr ffirfifeite 
»erDoUftänbigt, welche« ebenfaü« nad) Art ber Apfiben 
angelegt ift *'). 

2) Srntfnitn« 6d»ftänbiaf eil. 

Seit bem 6. 3ahrbunbrrt nat)m bie rcligiöfe (tnU 
widclung bei ben Armeniern einen felbftdnbigen i5baraf< 
ter an, unb naebbem bie politifebe Unabbängigfeit ber« 
i'lbcn lange ,\at binburd) von ben Svjantinern unb 
ipdter aud) von bru Sarajenen fyart bcbrdngt gewefen 
war, gelang e« wenigften« in bem Stromgebiete be« 
Starr«, @tofjarmenien wieber ju einem felbftdnbigen 
Striche ju macben, wo K8ö Afdjob I. au« ber alten unb 
mächtigen gamilie ber Sagratiben fid) .um Könige frö« 
nen lieft. Da« Solf ber Armenier hielt feinen (glauben 
gegen bie Stubammcbancr aufrecht, wie c« ibn frübrr 

Segen alle Sctnübuugen ber Saffaniben gewahrt batte. 
Iber e« blieb aud) ebenfo unabhängig von Svgait), alfl 
von Sern. Unter foleben Serbältmften bilbete fid) ein 
eigener armrnifdjer Srol, in beut bvjantiuifax @mnb> 
lagen mit aftatifebrn (Elementen ücrfefct fiub. 

liefe Sclbftdnbigfeit währte bi« in ba« 13. 3abr* 
bunbrrt. AUcTbing« würbe fdjon um ba« 3abr lOiK) 
ba« 'Jteidi burd) Streitigfeiten in ber gamilie brr Sagra« 
tibeu gefd)wdd)t, unb baburd) unfähig, bem gleid>ieitigen 
anbringen ber Svjantlncr unb Selbfd>urfen Idnger ju 
wiberflebcn ; rt würbe nad> unb nad) eine Seilte ber 
kriechen, Surfen unb .Stürben. Allein einzelne cinbei» 
nifdx gürften vermochten bod>, ihre Unabbängigfeit ju 
bewahren, bid 1242 bie Stongoleu ganj Armenien 
eroberten. 

Au« biefer Scriobe ber Selbftdnbigfeit haben fid> 
mehrere gröfinr unb fleinere Aircten, 9rab> unb 2auf< 
fapeüen erhallen, in benen ftcb jrr.e b»jantiiiiid)<afiatifdie 
(Sntwidelung ber armtnifd>en vjrdjtteftur funb gibt M ). 



bl) Oubot, 3 , 369 Atl*.. Mr. 3. iL G. 7. 52) 

Siciit »b«-T!io.ivt Terier. Dcicriptioa d« l'AriD«nie et de la Perac. 
V. 1. (P«rii 1M2 ) P. 2 (1852). A>uAoi» de Montprreur, Voyag« 
autoar du CaurM«. 6 Voll, et All»». (Pari» Jh39 — 18-13). 
Bro$*et , Rapport! »ur im Tovu4(e archeiiloirique dnn» 1a GeOrgie 
et dann l'Artneaie baU i* nj*t q'frticn. Maury in Ux Re»oe 
nreheol. 3, 774- 



Sin grofier Xbril ber .«ircheu in Armenien unb ben 
Jtaufdfuolänbern hat fid) bem Softem ber d>auptfird)e 
von @tfd)miabi,in in fofern angeftbloffen, al4 fie bie vier 
Äreujflügel in Apfiben enben laffen. 3n ber Segel 
legen fid) aber biefe Apfiben unmittelbar an bieÄuppel. 
Am wenigen ift ber ®runbplan von Stfrbmiabjin in 
ber ilirdjc be* .«ttfiertf Sien bei Atem in 3m«etbftn 
verdnbert, bie ber Armenier $ogbo« unter »agrat II. 
nad) jenem SBorbilbe baute"), unb biefer dbnlid) ift 
bie «ircbe \\\ Wariwili in SKingrelien , bie in ba« 11. 
3abrbunbert gtfeot wirb M ) $ie armenifdjett Äirdjen 
legen meift bie vier Apfiben ganj in bie biefe HRauer« 
majfe , bie verfd)iebene ©eftalten annimmt. 2)ic Äapeüe 
von Sd)af<Sulat in üarabagb, bie in ba« 12. 3ahr' 
bunbert gefegt wirb, ift aud) äußerlich rrra)förmia mit 
vier duperlid) auabratifeben glügeln von gleicher ®röie **). 
Dagegeu bilbet bie Airdjc ber bril. 'Jitpfime ju Sagbar' 
fdjabab außerlid) ein Cblongum, inbem bie dftlicbe unb 
weftlia>e Apftd fid, nid)t unmittelbar an bie Äuppel 
lehnen unb fo in Serbinbung mit bem Äuppelraume 
ein längere« Sd)iff bilben, wdhrenb bie (Sden bureb Äa« 
pellen au«gefuUt werben, bie burd) tiefe Stauern von 
ber cigenitidicn .«irtbe abgefonbert finb. Die Stauern 
bilben bie Strebepfeiler, welche bie Jtuppcl tragen, unb 
ber gange Sau erbält baburd) tat Anfehen , a« ob bie 
Äirdje g(eid)fant aud ber felfenartigen Steinmaffe au*> 
gebohlt wäre *•). 

Seltener finb einfad)e runbe Kuppelbauten, von 
9iifd)en umgeben, bie aber ebenfall* in ber biden Stauer' 
maffe liegen. So bie Äirche Gbe Jtafcfh in 3merftbltn 
au« bem 12. 3ahrbunbert, mit ad>tSifd>en, von benen 
bie öftlidje (Shomifcbc fid) etwa« länger binau«ftredt. 
Aeuferlid) ift nur auf brr Cftfcitc biefe legiere a(« brei' 
fettige Apft« g wifd)en jwei runben Apfiben ftd)tbar. 3>ie 
lct>tern finb aber nur uim Schein ba , benn fie entfpredjcn 
nid)t einmal ben ber (ibornifcbe junddjft (irgenben §tifd)cn 
im 3nnern* ? ). 9tod) eigenthümlicber ift bie bifcböflitbe 
Äirdje von Sifort«minba «u Sa«>Kutfd)a in 3mneibicn 
mit quabrater Apft« unb dhnlfd)em Au«bau auf ber 
SBcftfcite, unb vier Sifdjcn in ben Udcn be« Duabrat«, 
weldje« bie Äuppel trägt, woui nod) auf ber 9torb« 
unb Sübfeite je ein oblonger 9tauni mit einer öfilid)cn 
Apfi« in ber Stauermaffe fommt *•). 

AUen biefen Jtird)cti fehlt ber Sarth", unb fie haben 
nie mehr al« eine Augel. Die legiere ifi in ber Siegel 
elliptifd) überhöbt. Aru^erlid) ift ber 2amboui raub, 
unb über brmfelben erhrbt fid) ein fteinerne« Jtrgelbad). 
Aud) bie Xonnengewölbe ber vier Jrreujflügel werben 
mit fchrdgen Steinbdd)ern bebedt unb am (Snbe mit 
Spitigiebeln abgefdjloffen. So finb für bie Au^enanfidU 
bie runben gormen aufgegeben, wie rt in Svjanj fd)on 
hier unb ba vorgefommen ju fein fdjeint. 

Dagegen haben biefe Äircben lehr häufig an ben 
«ufenwanben, fowlc an bem lambour einen Sdjmud 



53j />»*.>•» 8, 40. Atla». Sir. 3. *L 9 a. 54) 3>»f. 
p'. 4. fl«. 11. 66) 3)4f. pl. 4. 56) D«f. pl. 8. 67) 
S).f. pl. 4. tu. 12. 58) a>*f. pl. 4. tg 10. 



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GRIECHISCHE KÜN8T — 44 — (IV. 4BSCHN. EINFL. D. BYZ. KUNST) 



von leichten runubcgigrn SBanbarfaben mit fdjlanfen, 
tcbtäbnltcben , einfachen ober boppelten Säulen. Die 
Sogen folgen getvöhnlid) ben Jiinien be« Simfe« unb 
Hetzen um« ben ®iebeln hoch empor, fobafi fie ftd) ge» 
fällig gruppiren, unb jurorilen nehmen He aud) eine 
leichte «jpufrifenform an. Die ÜRuine ber 9Rerropolitan< 
ftrtfe von Äutaiö jeigt biefen Sa)mucf von Slrnbarfa« 
ben in befonber« gefchmacfvoller flnorbnung unb gier» 
lidjrt Äu«fubrung *•). 6« liegt barin bie (Sniroidelung 
eine« demente«, ba« wir in einfathjer 8)eftall an S. 
«pollinare in ©äffe ju Stavenna (ennen gelernt Ijaben. 
Än ben gried)ifd)en Sauten fann biefe gorm nidtf naa> 
gewiefen »erben, aufier an ben Tambourö einiger .Riechen, 
bie erft einer fpäteren ^eriobe anzugehören jebdnen. 

Sine ben arnunifebeu Äircbrn eigrnitutmlidn- Deco* 
ration, bie aüerbing« in ber Äirdje be« £ip« eine «Ana« 
(ogie bat, jinb bie nffchenartigen SRauereitijcbnitte von 
breifeitigem ©runbrijj, bie an ber Äuücnieirr emporfieigen 
unb in bet 9läbe be0 Dachgejimfe« mufd)e(förmig ab' 
fcbliejjen. Sie beliehnen gewöhnlich bie ©renjen ber 
eingejogenen »pftfl uno bienen jundajft gut OTateriatet« 
fpnrnifi ba, roo ein Strebepfeifer nad) 3nnen tritt. Sei 
jenen Äircben, in benen vier «pfiorn in ber birfen SRauer» 
maffe liegen, roieberbolen fie fid) baber an allen vier 
geilen, unb geftatten. fid) fo ju einer böchft origineUen 
Serjierung ber SBanbflächen. 

SWaucbe Sonnen, roie bie hir. uitb roieber vorfom» 
menben Spifcbögen , ^»ufeifenbögen unb gejebroeiften Äiel« 
bögen beuten baneben auf fafjanibifcfce ober farajrnifcbe 
(iinftüffe. (Sbenfo werben anbere orientaIifd)e Decora* 
rion«forraen aufgenommen, unb einige Denfmdlrr, bie 
in ihrer fd)roerfälligen unb überlabenen $rad)t bie Se» 
rounberung ber Weifenben erregen, roie bie Äatbebrale 
von Äutai« in 3merclbien, entfernen fid? fajt gang von 
ber bwantinifeben Irabltion unb nehmen in bem Streben 
nach ®röpe unb »ddjthum ber Hueftattung ein ganj 
orientalifche« flu«ieben an. Die barotf baud)igen Solen 
unb Äapitdle ber Säulen unb bie jrotebelarrig empcr= 
jtrebenben Sdulenfiäinme, von benen fa>on bie SRebe war, 
erinnern fogar an inbifa>e Bärmen. (Sine bödjft merf' 
ivürt ige Art ber Decoration nbeint in (Georgien burd) ben 
Sau ba Äatbebrale von Äutai« eingeführt ju fein, bie 
von Sagrat III. (1008 — 1014 ober 1015) gegrünbet unb 
von Saarat IV. (1027 — 1072), bem ©djroiegerfohn 
be« Äaifetfl SRotnanuö «rgvru« mit AÜfe griediifcher 
Saumeifter unb SBrrfleute ju (fnbe geführt rourbe. Der 
gange Sau hatte manche« Sefonbere, ba« ftd) au« ber 
Serfrbmeljung armenifdjer unb bvjantinifdjer Slemente 
erfldren lägt. Sorgüglirb brad)len«roertb jinb aber hier 
bie Sergierungen ber ^fdlerfapitelle burd) pbantaftifebe 
Ibierc, Sögel mit Wengen topfen, vierfüpige 2btere mit 
Sogdföpfen, liger, £öroen, bie mit anbern 2bierrn, 
al« &irfd)en, rotlben dfdn, Schlangen, Tauben fdm» 
pfen *•)• *ehnlid)e« finbet man in ber von GJeorg IH. 

59) Pb*om, All». 8er. 3. pl. 13. 60) Duboi* \ , 413. 
AU. Sir. 3. pl. 15. flg. &. 6. Oamia, Vojpag« d»n. I* Komi« 
• (P»rU 1826) I, 1B8 unk r«)u He I«ffl im «IIa«. 



(1158—1184) gegrünbeten Mfdjöflichen Aird)e von Wart' 
roili in Wingrefien "). 3»an roeijj nid)t, ob tyce bet 
grird)ifd)e @cfd)mad an fo!d)en baroefen Deeorarionen 
ben Ich angegeben bat , ober ob alrperftfd)e 9ieminifren< 
gen rvieber lebenbig geworben jinb. 9Uerbing« fanb 
man biefe Söron. unb @rdfe, roeld)e Siehe verfolgen 
unb jenei^en, nicht nur in bem hdbnifdjen @rabe be« 
Serge« Jtuloba bei Jfertfd) in ber Ärimm* 2 ), fonDern 
aud> in bem Oratorium bc« früher envdhnten altrn 
£6b!enfIojtcr« Äieghart in ©ro^armenien. Dort fteht 
man einen 9bler, ber ein $amm in feinen Alauen hält, 
unb dnen 3trgenfopf mit dnem Stritf im SRaule, an 
beffen Gnben jroei 8öwen in Sulingen hängen •*). 
Sehnliche Serjierungen von $enbentif« hol Srofjet in 
feinem äBcrfe über bie fRuinen von «Hui auf dner Xafel 
mit ber Unterfd)rift: Macödoine, abgebilbet. M' fud)te 
vergeblich im Ztitt nad) dner (lr(äiiterung über bie 
■^erfunft biefet 3dd)nungen **). 

E. Da« KtirnHai». 

1) (Jinldlnng. 

@ang anberer Art war ber Sinflufi, ben bie bvjatt' 
tinifdje Äunft auf ba« Slbenblanb geübt bat. SBäbrenb 
bie f(aroifd)en üdnber bie gried)ifd)e .Runft aufnahmen, 
ohne fid) irgenb felbftlhätig ober fe(bftfd)öpfedid) gegen 
fte iu verhalten ; tväbrcnr bie Stuhammebaner bie b»]an< 
rlnifcbe Äunjt mit cigcuthümlidicr ^ihantafic um^cfultcteu ; 
tvdbrenb cnblid) bie «Armenier ber muhammrbanifd>en 
Äunft eine geroiffe (Sinroirfung auf bie 9iu«bilbung per 
bei ihnen einheimifd>en , urfprünglid) b»jantinifd>en Äunjl 
geftatteten, bat ba« «benblanb vpn ber bvjantintjchen 
Äunft nur .Reime ju neuen (Sntroiddungen empfangen, 
bie e« felbftdnbig pflegte, fobajj eine eigenthümlicfte , neue 
unb felbftdnbige Jtunftblüthe fid) barau« entroiddn feunte. 
Da« Serbdltni^ ber abenbldnbifdjen «Runft )u ber bpjan* 
tinifchen liegt baher nid)t fo offen vor unfern Äugen, 
ba$ e« ohne roeitere« erfannt unb dd)tig beurthdlt 
roerben mü§te, unb e« iu au^erbem noch burd) vorge» 
fa§te SKdnungen unb 3mbümer vielfad) verbunfelt 

S« »irb inbeffen im Allgemeinen jugegeben, baf 
bi« jum 12. 3ahrhunbert bie Äunjl im Äbcnblanbe unb 
namentlich in Stalten tief gefunfen roar, rodhrenb bic 
bvjantinifche Äunjl immer noch ber abenblänbtfehcn übn« 
legen blieb, unb bajj von ba an bie abenblänbifd)e Äunft 
einen neuen 9tufjd)roung nimmt, roährcnb bie bpjan» 
tinifche ber @rftarrung In tobten f|ormen anheim fällt. 
Wen bat ftd) lange 3"t blinbling« an bie Xrabition 
gehalten, ba^ biefe Umroäljung burd) Srrührungen mit 
bvjantinifcbc: Äunft ihren flnftep erhalten habe, ja 
man hat befanntlid) fid) geroöhnt, bie abenbldnbifcbe 
Äunft be« 11. unb 12. 3ahrhunbert« gerabeju al« bvjan« 
tinifdje ju betrachten, bi« e« einer jfeptifdjen Äritif ge* 
lang, biefe Irabition ju erfd)üttern , inbem fte nadjroic«, 



Gl) IMou 3, 48. 44. AH. S.r. 3. pl. 80. IL 68) X>of. 
8. 48 m» 5, 812. All. 8*r. 3- pl. 24. 63) J)a(. 3, 39Ö. 
All. S4r. 8. pl. 11. 64) Btoutt, Ruine. d'Anl (St. Pete«, 
bourg IH60) pl. 36. 



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GRIECHISCHE KUNST — 45 



— (IV.ABSCHN. EINPL. D.BYZ. KUNST) 



bie Äunftübung De« Slbenblanbe« nie völlig unter« 
tacken gewefen fei, uno bafc jwtfeben bei fälfcblicb al« 
hfiantinifdj bejeicbnetcn JJunft be« Stbenblanbefl unb ber 
be« b»}anHnifct)en Weiche« eine erhebliche Serfcbirbenbeit 
berTfebe. 3Ran befann fid», bafi in ber politischen 6nt< 
»idelung be* teurfeben Weich« von ber 3cit bei Ottonen 
biö ju bei ber .fpobenftaufeu ein SRoinent liege, wrldu« 
tux Urflärung be« felbftdnbigen Slufblühen« ber abenh 
Idnbifcben Äunft bienen fönne, unb man gab enblid» ju 
bebenfen, bafi bie bvjantinifcbe Jcunft ttiel ju rief gefun« 
fen fei, unb al« eine viel n erbärmliche unb unwürbige 
¥ebrerin nieheine, al« baö man fo bebeutenbc «Srfolge 
von ib,r ableiten bürfe. 

9Bie e« ftd) mit bei angeblichen (Srbärmlichftit bei 
b«}antinifcbeii Äunft verhalte, I>a6rn wir gefehen. IS« 
i|t aber aucb einleucbtenb, baf eine Äritif ju weit geht, 
welche (finflüffe be«halb leugnet, weit bic bürftigen 
Gbronifen unb ähnlich- geftbttebene Duellen be« SDiittel« 
altera barfiber wenig ober Wicht« berieten. Vielmehr 
wirb bie vielbefprodjene grage nach bem wahren Sei» 
bdltnijj bei abenblänbifchen Jrunft jui b»janrinifcb,en nui 
burch eine Unterfuthung jur (Srlrbigung gebracht werben 
fönnen, weld)« voi Slllem feftjufteü'en fucbt, ob bie abenb« 
länbifcbe Jtunft Elemente enthält, bie bei altcbriftlicben, 
lateinifcben Äunft fremb waren, wät)renb fu bei böjan» 
tinifd)tn Äunft eigentümlich ftnb. äBenn wir folebe 
Elemente anerfennen muffen, bann wirb ed auch nicht 
fchwer fein, bie Spuren ber fflege tu entbeden, auf 
betten biefe (Siemente bem Slbenblanbe jugebracht werben 
tonnten. 

(*ö verlieht (ich von felbft, baj» wir nicht eine völlige 
Uebeteinfrimmung »milchen bei abenblänbifchen unb bvjan« 
tinlfcben Äunft verlangen hülfen, um eine Slbbängigfeit 
ber erftein von biefei le&tern behaupten ju fönnen. 
SBebei ift bic SBorau«|'e&ung begiünbet, bajj ba« abenb« 
Linnich Ghiropa feine bisherigen Xtabitionen unb @e* 
wobnheiten völlig werbe aufgegeben haben, um bem 
Srembaitigen >J}(ag ju machen, noch läfit ftd) ben 93öt* 
fern be« Stbenblanbefl, bie ju einem neuen politifa) unb 
geiftig regen Sehen erwacht waren, jutiauen, bafj fte 
nicht in bei Verarbeitung bei? aufgenommenen Sremben 
ihren eigenen ©eift hätten walten (äffen. Da« eine, 
wie ba« anbeic bürfen wir um fo weniger erwarten, 
al« »wtfehen ber Denfweife be* b»jantinifcben SBolfe« 
einerfeit« unb bei tur lömifrben Äiid>e fid) befennenben 
Warionen anbeifeit« eine tiefe Jtluft lag, bie man nicht 
einfach übeifpringen fonnte. Dem giicdjilchen 9Jtpftici«>- 
mu« unb Slnacboretentbum ftaub ba« Sfbenblanb ebenfo 
fremb gegenüber, al« bem De«poti«mu« ber griechifchen 
Jberrfd>er unb bem Äned)t«ftnn ihiei Untertbanen, unb 
rbenfe fem lag auf bei anbent Seite bem SBolfe von 
SBvjanj ba« SBerflänbnijj jener Hinneigung >um 2Hunber« 
baren , ^fjantaftifeben unb Saroden , bie bem ^Mittelalter 
im Slbenblanbe einen fo eigentümlich au«grprägien 
Ubaraflet verlieh. 9l(lerbing« brang auch im Slbenblanbe 
feit bem 9. 3ahrbuubert ein gewiffer aHvjhri«mu« burd), 
ber ftd) vorjug«weife auf bie fdwn von ©regor bem 
©ropen anerfanule, aber erft je$t aUgemeinei verbreitete 



Schrift be« angeblichen Dionvftu« «reopagita frü^te. 
Slber nirmal« hat er bie Sebeutung unb ben Umfang 
erhalten, wie im griedjtfdjen Weiche. Stet* trat ihm 
eine Oppofttion von Seiten veife&ertei Seften mächtig 
entgegen, unb fehl halb unterlag er einer ganj entgegen« 
gefegten Sehre, bic ftd) in ben theologifchen Schulen unb 
al« eigentliche Doctrin birfer Schulen, al« Scbolaftif 
jur ©eltung brachte. SIDcrbing« fpielten bie Jttöfter im 
Slbenblanbe ihre frbr hebeutenbe Solle, aber fte wanbten 
ftch vorjug«weife praftifchm Dichtungen ju, inbem fte 
©elebrfamtrii pflegten, ober ftch ber Sorge für öfono« 
milche Serbejferung be« 5?anbe« unb für geiftige unb 
geiftliche (Sryehung be« SSolf« mit einem Gifer annahmen, 
ber ben ein|ieblcriirben Wönchdcolonien be« Orient« fw« 
fremb gewefen ift. Slllerbing« berrfd)te im griechifchen 
dieiche ber maßlofefte *2Bunber< unb SIbeiglaube, aber 
nie ift ei bort p ber ätomantif ber Stiftet« unb Sagen« 
poefie verebelt, nie h<Jt er eine 9ti<htung erhalten, gleich 
ber, welche fieb in ben fühnen unb abenteuerlichen Unter« 
nebmungen be« Slbel« unb in bem fefbftbewufiten Heben 
unb Iretben be« Sürgrrtbum« im Slbenblanbe funb tt)at. 
Die Warienverehrung, bie feit bem SJeginn be« 14. 3ahr* 
hunbert« im Stbenblanbe einen fo außerorbenflichen Stuf« 
fchwung nahm, ift wahrfcheinlich burch bie Berührung 
mit 9»janj, ba« hierin vorangegangen war, entjünbet 
unb genährt worben; aber fte jeigt ftch in ber ritterlichen 
poefie, wie in ber 9tomantif be« 9}olf«g(auben0 ver« 
ebelt unb von einei Xiefe unb 3ttnigfeit be« ©efühl« 
erfüllt, von ber ber bojantitiifrbr ©rieche feine Slhnung 
hatte. Der $reiheit«brang unb ba« Unahhängigfeit«« 
gefühl be« Slbel* unb Sürgerthum« war enblid) ein 
Clement, welche« ftd> gegen ben 3>rurf be« 3)e«poti«mu« 
mit unwiberftehlicher Stacht auflehnte, unb ba« bem 
bvjantinifehen Weiche ju feinem gröften Serberbcn völlig 
fehlte. 35a« Slbenblanb fonnte baher von einer Äunft, 
bie unter bem Inn» be« bttjantinifehen Ü)e*poti«mu« 
unb be« bpjantinifohen Stönchthum« ihre Sfu«bilbung 
erhalten b.ute , ja bie au« biefem 3>e«poti«mu« uno bie« 
fem Wönchthum ihre hefte Wahrung fog, nur Slnregungen 
empfangen, nur einjelne fruchtbare Elemente bei fteh auf' 
nehmen, aber nicht, ohne biefelhen um^ugeftalten, unb 
au« biefen Jeeimen etwa« ;u rntwideln, wa« in ben 
wefentlichften Ziehungen ul« ein 9teue« unb tilgen» 
thümlithe« erfcheint, fo beutlicb auch bie hiftoiifd)e g«« 
fchung barin bie bojantinifchen (llemente erfennen mag. 

2) 3>it 3tit tt» Öfd4ll# tit abtnMinMfd)«» Xuni. 
») 3ta(tn feil 3afliniaii. 
Sßähreitb in Spjanj bie burch Sonfianfin eingeleitete 
Aunftentwidetung ihren SlhfdiluH erhielt, ging im Slbenb« 
lanbe bie Jtunft mit rafdjen Schritten bem firfften ®er« 
fall entgegen. Da« wefhtömifche Weich erifrirte nicht 
mehr ; e« war eine $eutc ber Sarbarrn geworben. Unter 
biefen geithneten ficb jeboeh bie ©othen burch Silbung«« 
fdhigfeit au«, unb bei ihnen fefcte ftch ein gewiffer Äunfi» 
betrieb fort, fobap fte anbern Sarbarenftdimmen immer 
neich jum 33orbilb bienen unb benjelben fogar ihre 
«ffierfmeifter leihen tonnten. So wirb von einem ©au 



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GRIECHISCHE KUNST 



46 — 



(IV. ABSCHN. EIN FL. D. BYS5. KUNST) 



bc« granfenfönig« CSMcthat grfagt, er fei „mit gotljtfdjer 
£anb" aufgeführt morben **). IS« verficht ftdi von 
felbft, cap man babei nicht rnlfrrnt an Mf benfen barf, 
ica« mir heutige« Zage« gotbifdic Baufunft ju nennen 
pflegen. 9m meiflen ^aben ü dj tu- Dftgotben unier bem 
großen Jbeoberid) au«gejeid)nei, ber von bem Äugen« 
bilde an, ba er auf italienifd>em Boben feflen $uß ge» 
fa#t hatte, bemüht mar, fein Bolf auf ade SBeife ben 
Segnungen einer hohem Kultur jugänglidj ;u machen, 
©eleitet von Wännern, wie ßafftobor unb Boetbju«, 
fud>te et feinen !RcgierungSft$ «Ravenna burd) großartige 
Bauten ju verfd>önern, unb forgte nicht allein für (fr» 
haltung unb Sammlung von Jtunftwerfen, fonbern aud) 
für Bermebrong berfelben unter ber Leitung eine« befon« 
bem Beamten , ben er nad) bem Borgange ber Stabt 
Moni für biefen $md ernannte M ). 3n ber Ibal *eid)« 
nen fid> feine lUuiuni baburd) vor allen gleichzeitigen 
au«, baß fie am treueften an ben berfömmlidjen römi» 
fdjeu gönnen feftbalten, unb felbft im Stvl fid) am 
meiften ben antifen nähern, S"Md> fann man nidjt 
baffelbe von feinen Bauten fagen, unb in feinem be» 
rühmten ©rabmal, ber je&t fo genannten S. Maria delln 
rotonda ju Savenna, bricht bie angeborene rohe $erb« 
beit De« g'otbifcbro Bolf«d)araflrr« in einer hödjft origi> 
ncllen SBeife burd). Da« übrige 3ta(ien unb nament' 
lid) bie $auptftabt 9iom mar burd) mfeberbolte *Blün» 
berungen in einen 3uftanb be« tiefften Berfall« geratben, 
unb Xbeoberid)'« l bdtigfeil wuCPe bier völlig geldbmt 
burd? bie Hnftrengungen, bie 3uftinian nidjt ohne ®lüd 
machen ließ, biefe« Vanp feiner Botmäßfgfeit mieber ju 
untermerfen. 9lad( Sbeobend)'« 3obe verfiel ba« oft* 
gotbifdje Bolf in fid) felbft, unb föließlicb gelang c« 
Ouftinian, ber ^errfdjaft, ja ber (Sriftrnj beffelben über« 
baupt ein (Snbe ju bereiten. 

SBa« mit nun in biefer $tit von Jfunftwerfrn in 
3talien unb Spanien fennen, ba« ift fo erbeblldj von 
ber urfpriing[id>en d)riftlid>cn Äunft verfdjieben, baß man 
vielfad) geglaubt bat, babei bvjanttnifd)e (Sinftüffe vor« 
auflegen ju müffen. 8m auffaOenbften laßt fid) biefer 
Qegenfat an ben ©emdlben ber römifd)en Aatafomben 
beobadjten , wo gerabeju ber vermiltelnbr Uebergang feblt 
von ben altem ä&erfen, bie fid> faf) al« fludjtige 9cad>< 
bilbungen ber pompejanifdjen .Kinm barftellen, unb ben 
jüngern, in benen ganj ber bpjantitiifd)e ®etft ju meben 
ftbeint. Stur in ben dlteften remifdjen Äirdxn ift einiger- 
maßen ein foldjer Uebergang wabriunebmen. Tenriod) 
ftnb e« nur vereinzelte gdUe, in benen btijanrinifdjer <Sfn< 
flu« beflimmt nadjgeroiefen werben fann, unb häufig 
laßt fta) eine befonbere Urfacbe beffelben auffinben. Sßenn 
d. B. i» bem SKofaif über bem 3 numpbbogen ber 1<aul«« 
firtfer tu Äoni Die fegnenbe rKetbu be« Gbriftu« nad) 
bojantmifdxm SRitu« gebilbet ifl, fr erfldrt fid) bie mutb» 
maßlitfce Benupung griedjifcfeer Äünftler leidjt baber, 

er,) mitkemi. Diptychon Leodien»* (Leodii 1659), »pp- 
p. 22 m* »naelinirftni Act Aodoeni de builio D. P*tri Ro. 
thomagentif. ^ir in Hn Aeti» Sinrtorum (Aug. 4. 806 «q.) 
^<^r■(fIc« ritt AadMid feaWn kauen 9ti*t«. 6«) C<u»„>dor. 
V.ri«. lib. 7. form. 18- 



baß biefe« SRofaif von @aOa ^llaribia beforat würbe, 
bie ju 9iavenna refibirte unb mit Sonfiantinopel in 
nddjftcr Begebung fianb. Cber wenn bie von Starfr« 
561 erbaute Brüde über ben Unio ober Üeverone auf 
ber Via Salaria an ber Bruftwebr rolje Ber^ferungen 
in bV{antinifd)em Stol trägt, fo läßt fid) vermutfjen, 
baß ber ftrgreia)e gelcberr jui'tinian'« biefelbe mit ben 
Bauleuten in feinem Speere au«gefübrt habe. 3n ftrdj* 
lieben Bauten eublid) fann ber bpjantinifdie Einfluß ba> 
ber abgeleitet werben, baß bie faiboufdje ®eiftltd)feit 
unter ber 4>errfd)aft ber arianifdjen ®otben auf ein 
engere« «nfd)ließen an (Fonftanrinopel hingewiefen mar. 
3mmer befd)rdnft fid) jebcd) ba« Bpjantinifd)e auf ein- 
jelne becorative Sormen, wdbrrnb bie Qlcfammtanlage 
ba« bergebrad)te Spfiem uidjt verläßt, (finjelne Pfeiler 
be« 9Xitlelfd)iff« unb ravennatifd)e Jtapitellfämpfer ftnb 
bie einjigrn fremben formen, bie in einigen römifd)en 
J?t:cfjen be« 5. ober G. 3abrbunbert« vorfommen. 

Biete«, wa« man geneigt ift, bpjantinifdKn @in< 
flüffen )Uiufd)reiben, bat aber bod) nur feinen (Srunb 
barin, baß bie geifhge Strömung, weldje ber bvjanrini« 
fdjen Äunft ihre 9iid)tung gab, aud) im »benblanbe 
nio>t vöüig wirfung*lo« blieb. Hie »eigung ju pomp/ 
bafter "Vraajtentfaltung war and) ber abenblänbifdjen 
(Mciftlidifeit nid)t fremb, unb bie meidjlidjeren , prunf» 
bafteren, unb ben Aörper mebr ver^üUenben Woben 
fanben aud) in .Meiden Qingang. Auf ben .Raiafombcn« 
bilbern biefer Mn fet)en wir j. B. bie wetbltcbe JMcibuug 
meifi au« farbigen unb jum Ihcil gemufterten Steffen 
gemacht unb mit bunten Streifen von mancherlei Sorot 
verjiert. Selbft bei Hfännern , wir j. B. bem beil. Sbeo« 
bor auf bem 9Jtofaif in S. (Mmä et I anuam )U 9tom, 
fommt zuweilen biefe bunte Aleibung vor. '.Hni wenigften 
aber haben wir (Brunb, bie Berfd)led)terung ber abenb« 
länbtfdjen Äunft von bvjantinifd)*n (Jinwirfungen her» 
gleiten. 

4m aDgemeinften fd)dnl ein gewiffer bem bojan« 
tinifd)en venvanoter Stvl in ber Be'banblung be« Blatt« 
werf« an fflebduben unb äRetadarbeiten verbreitet 30 
fein, unb man fönnte annehmen, baß bt)3antinifay Sir« 
heiter al« bie gefdtidteften aud) in entfernten Bänbern, 
wo man fold)e Monumente antrifft, wie j. B. in Spa« 
nien, vor)ug«weife Befd)äfrigung gefunbeu hätten. v'Uiein 
Mim großen 3beil läßt fid) bie eigenthümlid)e Behanb« 
iung fold)er Ornamente auch fd)on au« ber iunebmen* 
ben fünftlerifd)en Unfäbigfeit unb Unbeholfenbeit ableiten, 
ein «Pfeilerfapitell am portal ber Äirdje S. «iufto ju 
Vutta, ba« ber Ueberlieferung nad) von bem '^alafie bet 
lengobarbifdjcn Könige hnftammen foll, jeigt aUerbingd 
einen Sdjnitt be« 9(fanthu«blatte«, ber bem ravrnnatt« 
feben nid)t unäbulid) ift. 3m ®anjen aber hält ftd) bie 
rtonn biefe« AapiteO« bod) weit mehr an bie antife 
römifdV Säulenorbnung , al« bie« bei bojanttntfeben 
Kapitellen ber Sali ift, unb bie gefägten 5aden erfd)einen 
baber vielmehr al« ein utfäUige» (5rgebniß ber roben 
9iad)abmuug antifer Sormen, bei ber man nod) nid)t 
genöthigt ift, bp|antuiifd)e ©nflüffe vorau«3ufe$«m 

3talien ging halb wieber für Bvjatti verloren, unb 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 47 — 



(IV.ABSCHN. EINFL. D. BYZ. KUNST) 



bie verwirrten gSrrfjdltnfffc unter ber .Sperrfa)aft ber Songo* 
barben gematteten ben Äunfien, bort mr eine äufjen't 
qebrtirftr unt> fümmer(id)e Srtflen} ju friftrn. <£* gab 
aber immer nod) rnanä)erlei 'Berührungen, wrldje 6er 
bvjanrinifdVn Äunfi eine grroiffe belebenbe Ginwirfimg 
fidjern Fonutrn. I urd) bic .ftanbrl«verbinbung war 
mandjeni ©rjeugniffe r»wntini|d)«t Jtunjrfertigfeit brr 
ffieg nad) Italien geöffnet, unb aud) auf anbern äBegen, 
burefj ®efd>enfe unb ^tlgerreifen mod)te mand)eö bvjan« 
tinift^c JtunfrmrrF nad) bem äbenblanbe gelangen. ©e« 
beuten»« noa) war »ielleid)t bet IBerfebr ber' SRöndje, 
in bereit £dnben bamal« »orjng«weife bie Aunfrübung 
lag. Xenn e« gab griea>ifd>e Älöfter in 3talien unb 
lateinifriu' in G)rird)enlanb, unb ein Serfebr jroifd)en 
beiben fartb »ielfad) ftatt. Der ©ilberftreii vollenbö be» 
wog viele 3Röua>e, naa) 3ta(ien au«juwanbern unb fie 
würben bort nfa)t nur gebulbet, fonbern meiftentbeil« 
mit offenen Ärmen aufgenommen *'). 

8m meiften war wo( ba« drardjat von Slavenna 
unb beffen nddjfte Umgebung mit (Sonfiantinopel in 93er» 
binbung geblieben. Da« Heine verlaffene Oratorium in 
bem ölten Cenebirtinerflofler ju Gwibale ingriaul, ohne 
3weifel baffelbe, welche« im 8. 3abrb.unbert pon ber 
•&erjogttt ©rrtrubi« »on griaul erbaut würbe, bat über 
bem Eingänge Att beiben Seiten be« Ärntter« fed)« foloffaie 
Äelief« in @vp«, meid)< gried)ifd)e heilige «Männer unb 
Krauen in bpjantinifd)em doftüm barfteileu **). Sie 
'iknejianrr behielten nod) lange ba« Sßort Ancona für 
93ilbtafrln , eine dntfiellung au« bem gried)ifd)en Eicon, 
unb in SRavenna nannte man bie SWballe Ardica naa) 
bem gried)ifd)en 9tartt)er. Slud) in ben »on 35enebig 
abhängigen Sejihungen wirfte bie bpjantinifd) 'veneria* 
nifdje Schule in gleicher Sffieife, namentlich in loreello 
unb «Nurano unb felbft in 3|trien . ba« feit bem 9. 3abr« 
bunbrrt unter r*ene)ianifd)er <&errfd>aft ftanb. Skfoiiber« 
merfwürbig ifi im Dom von trieft ba« SKofaif ber äpfi« 
ber frühem Safilica SRariana, ober ber nörblidjen Seiten' 
apfi«, ba« neben SDfancbein, wa« nidjt bujanrinifcb ift, 
in ber "üKaria mit bem gerabeau« febenben Jtinbe unb 
ben (Srjengeln im ü^riefterornat bie entfebieoenften Sin» 
Ränge an b»;antinifd)e« Aerfommen jeigt •*). tqs 
aueb anberwdrt« gried)ifd)e (finwirfung nid)t feblte, be» 
weift ber Qebraud) be« ©ort« Icon bei ttnafiafiu«, 
bem ©ibliotbelar, unb $eo vonCftia, fowie anbere jum 
Xbtil entfteüte gried)ifd)e fflörter, befonber« foldje, bie 
fbg auf Walerei mit @o(b unb Silber bejogen , in ein« 
^anbt'djriit be« Uome« ju Uucca, wela>e «orfajriften 
)ur Bereitung von Sarben vielleidjt nad) einer grtrdji< 
fä>en Duelle enthalt 7 °). 

3nbef|en finben wir von Jlunfrwerfen tiefet 3cit 
bod) faum etwa« in 3td(ien , wa6 einen belebenben @in< 
flufi bvjantinifdjer Aunft rrfennen lie^e. SBielmebr nebmen 



67) Lf> AUativ», De eorlecisc owid. iiqu« orieot. j » t 
petn» coiurmione 1, fk. §• 31- (Colon. Agripp. p. 122. 

68) Gailhabaud, Monumenti urica* et moderne«. T. 2. 69) 
«aa« in »rn «finhfil tft I. f. («ratrah Bcmimdtcn 4 . 208 f,(. 
unt Xaf. 11. 70) Morttlori , Antiquität«« Italic» medli »erl 
*, 166. 



wir ein ftdjüidje« Sinfen ber ita(ienifd)en unb nament' 
lieb ber tömifa)rn ^unft wabr. SEBit lönnen baffelbe 
befonber« an ben römifdjen Wofaifen einigermaSen ver- 
folgen Dif älteften Wofaifen fmb bie von Sta. 
(Soitanja. Sie entbalten febr einfache dufter mit vier 
maligcr 9Bieberbo(ung einer ü)atfiellung ber 9Beüt(efe 
unb bem Silbe ber (Softanja, unb ftnb )war noa) im 
antifen St»l gcballen, aber bod) febr bantroerfflmäpui 
gearbeitet. Sie gleiairn barin bem rol) gearbeiteten 
^oq>lM?rfarfo»>bage ber Sonfiantia, ber fd>on weit plumper 
au«gefübrt ift, al< ber ^orpbvrfarfopljag ber Helena. 
6« fdjeint bemnad), Pap fd)on feit ber Ueberfteblung 
«onftantin'» nad) »bjanj bi« jnm lob« feinn Sdjwefter 
eine Serfd)(ed)terung ber Äunft in 9iom eingetreten ift. 
^ifüfutt bat man aber aud) für bie (entere etwa« mebr 
gefpart, al« für bie Wutter be« Jtaifer«. %dd)ftbcnt 
ftnb bie dltefien SRofaifen in SRom bie ber $aul«ßrd)r, 
von benen ein übeil au« bem Sranbe berfelben gerettet 
woTben ift. Sie finb fd)on ganj fd)lrd)t in Sfiämng 
unb^arbe. Safs fie au« Sonftantin'« 3«t ftammen, ifi 
nid)t an^unebmen. 9Iad) einer 3nfd)rift ftnb fte erfi von 
ber ©aäa 0laribia gefiiftet, unb bie nad) griea)ifd)em 
9litu« fegnenbe ^anb be« (Sbrifru« über bem Zriumpb' 
bogen (dft auf b»)anrinifd)e Slrbeiter fd)(i«$en. 9tid>t 
viel jünger ift bie 9lu«fd>mü(fung ber rnifdje von 
S. Celfo e Damiano, wie man wenigfien« baran« glaubt 
abnehmen tu fönnen , mh $apft gclir V. bort angebrad)t 
ifi. 6in Xl)eil biefe« Icßteru 9tofaiffd)mud« bot nod) 
enoa« von antifer Stürbe unb ©ro^artigfrit. Slllein 
man erfennt letd)t bir Spuren nerberblid)er dteftaurationen. 
Die Sigur be« Zapfte« fd)eint mobernifirt ju fein. Der 
beil. Übeobor if) eine wiberlid)e, fpdt mittela(trrlid)e @e< • 
ftalt. Der Öbriftu« ifi würbig gehalten, aber bod) febr 
mtttelmäfcig unb bie galten be« golbenen ©ewanbe« 
oenatben fpät bpjantinifdien Stvl. Die Oeflalten be« 
$etru« unb '.tyaulu« ftnb nod) am meiften anrif gehalten, 
aber fie tragen ebenfall« Spuren ungleichartiger Strfrau« 
rationen, unb bie Aronen, weld)e bie von ihnen bem 
$ei(anb tugefübtten ^eiligen tragen, haben nid)t mehr 
Ca« antife Lorbeerblatt, fonbern grjaefte Sldtter, etwa 
wie von (£id)en. 9tur bie Umgebung ber ßhornifebe 
enthdlt nod) einen unverdnberten Sieft be« alten iifofaitt, 
ber urfprünglid) aud) bie @<fe ber Gb°Tnffd)t nad) bt>«.:n« 
tinifcher Sieffe mit einer 8rabe«fe überwog, fiaein ein 
fpdterer «u«bau ber Äird)e bat biefe (Jinfafl'ung burd) 
einen untergefdjobenen Warmorbogen verbetft unb auper. 
bem ba« 3)iofaif an ben Seiten verfhimmelt, fobaS man 
nur nod) Foloffaie emporgeftretfte ^dnbe mit Äronen 
ftebt, wo)u bie gigurrn fehlen, bie an ben Seitenwdnben 
gtfianben haben müffen. Die dngel au biefer bie 6bor< 
nifa)e umgebenben ffianb mad)en fid> in ihrer Sinfad)» 
heit mit wenia garbe nod) am heften. 

Diefe« WofaiF ift unter allen römifd)en SRofaifen 
au« älterer 3eit ba« vorjüglidjfte , aber gegen bie ra»enna< 

71) €d|naaf<. Mtfdiiditr t><t Hlbrnlxii .Künflr im Wiitd« 
all«. St.. 1. C. 615. ®». 2. «blli. 2. 6. 5S8-541. (W 
»nd CavateaieUe, A new hUtory of p»intiag in It»ly 1, 11 ~ 18. 
45-53. 



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GRIECHISCHE KUNST 



48 



— (IV. ABSCHN.KINFUD.BYZ. KUNST) 



tifdjrn TOofaiTtn tritt e« f*on fcbr jurücf. ffieit fdiUriter 
finb aber bie fpdtern Wofaifen. 3d) fübre barunter ba« 
in 5 SWarco an. 6« ift nie au«wenbig gelernte SDtaleret, 
wie Tic in ben frdnfifdjen SRiniaturen t r« 11. 3abrbunbert« 
gefunben wirb, »aMcdit gejeiebuete, lange gigurrn mit 
nid)t«fagenben @efict>iern unb conventionett gefalteten 
®ewdnbem, obne eine 3bee von brauchbarer garbe. 
Befonber« ber ebriftu« ift eine abfdjeulidje gigur , lang, 
alt unb Kielt*, in braunem ©ewanbr. »sogar bie 
Scbafe, bie in S. eo«md et Damiani nod) jiemlid) natur« 
gemäfi erfd>einen, finb Ijier auffallenb fdjledjt gejeldjnet. 

6in «Dlofaifjiütf, ba« au« ben Aatafomben von 
6. ^eter in bie Äirdje S. SWaria in eo«mebin verfetjt 
würbe unb wabrfa>einlid) au« bem Slnfange be« 8. Satyr 
bunbert« flammt, ift nod) etwa« beffer, jetotb im ®anjeu 
rob, unb jeigt fajon bie rotbfletfigt öarnation ber fpdtern 
raten natiftben Wofaifen. 

Soriüglid) finb bagrgeu bie TOofaifen ber eternud'c 
in S. SRaria in Iraftevere, bie 3obaun VIL im 3- 
707 geftiftet baben foll. Sie finb au« griedjifdjer Schule. 
Die (d>6nr TOabonna mit bem Jtinbe unb bie Sluffaffung 
ber Tarftrllungrn au« bem Sebcn ber SSaria laffen über 
ibren bv}antinifd)en Urfprung feinen 3weifel. $>o<b ftetyt 
t« babin, wie viel bavon einer fpdtern Keftauration, 
unb namentlicb bem »Uierro eavallini, ber in biefer Airtte 
um 1340 gearbeitet bat, anaeljören mag. 

Hud) S. ^ubcnitana bat ein fdjöneö anfdjeinenb 
fltiedjifdK« 9lifd>enmofaif. Dod) geboren minbeften« bie 
{»eiligen im SBorgrunb, von benen nur ber Obertbetl 
be« Jcörper« }it feben ;ft, ;um Tbetl offenbar einer mo< 
bernen ^eftauration an. 

J^iernad) frbrinl man fid) in !Hom grieajifdjer Xmp 
ler bebient $u baben, bie in golge be« ©ilberftreit« aufl» 
gewanbert fein mögen. 3nbeffen wirb bie 9lad>rid)l be« 
8eo von Ofria, baß feit bem 0. 3abrbunbert bie Jtunft 
be« Woüifö in 3inlien verloren gegangen fei, nidit 

San) wörtlid) ju nebmen fein. Seit bem II. 3abrbunbert 
nbet man aUerbing« bort fein SKofatf mebr, bi« im 
11. 3abrbunbert wieber arm1>ifd)e Jhtnfi bort auftritt, 
übt Scfibetiu« von 3Rontr eaffttio verfebrirb 1060 
gried)ifd)e Jlünfjtlcr von eonftantinopel. lie 3Napcnna 
über ber nörblitben 'Jbüt von Jlra (Seli mag griccbi(ci)(« 
SRofaif au« bem 11. ober 12. 3abrbunbert fein. 

So feben wir alfo bie italienifa>e Aunfi rafd) ftnfen, 
unb felbft bie a.ried)ifd>cn ober von ®rie<ben erlogenen 
Aünftler, bie eine 3*<t lang in *<>m arbeiteten, ver< 
motzten r.idjt, bem »SetfaU berfelben einbalt >u tbun. 
SBon einem (ftnfluffe ber bvjantinifa>en Äunft auf 3talien 
fann baber in biefem 3«Toun« W«« *fbe fein, unb 
e« ift am »enigften gereebtfatipt, wenn man bie Set» 
Änderungen, tvelaV mit ber italienifa^en Jtunft vor fid) 
gehen unb (ebiglitb auf ber 33erfd)led)terung unb ^er« 
fummerung berfelben beruhe«, au« bem einbringen 
bv)anrinifd)er Elemente ableitet. 

b) Jtüil trr Arup« unb ftint 9ldilM~otgtt. 

Äarl ber («rofje batte ben Serfudj gemadjt, ben 
nod) rohen unb jum Jbeil faum befehlen Golfern, roeldje 



er unler feinem Seester vfreinigte, fo viel, al« über* 
baust nod> von ber (Sultur ber antifen äöcli gerettet 
n>ar, {uinfübren. Den ®lanj von SRavenna tvoOte er 
in feine :Rrfiben)ftabt viaen verpflanzen, unb ben gc> 
lehrten Slngelfadifen Sllcuin gog er an feinen ijci, um 
turd) ihn höhere« ÜJiften }ii verbreiten. Denn in ben 
augelfddjftfdjen Älöfiern tvurbe bamal« am meiften 
eine ®elebrfamfrit gepflegt, bie ftd) vieOeid)! noeb von 
ber 3eit ber «ömerbenfdjaft b«t bei ber britifd>en @eift- 
lidjfeit erbalten halte, unb irifebe, «vie angelfddjfildje 
9»önd)e betrieben feit geraum« 3eit bie Wiffton in ben 
beibnifeben ©egenben von leutfd)iaub, unb grünbeten 
gilialflößer in ben norbifd)en ®egenben, ber €d)tveij 
unb am fübltd)en Abhänge ber Slipon. 

SWn biefen 9emübungen um allgemeinere (lulrur 
unb um 3lu0brettung unb vefcfti<)ung be« (Sbnflenlbum« 
verbanb ftd) eine gewiffe Pflege ber Aunftübung, bie 
jum ühnl bem mädjtiaen Jtaiferljofe einen angemeffenen 
@lan) verleiben, jnm Xbeil aber audj fircblidjen 3n , ecfen 
bienen follte. 9tan ntiv e«, tvie Jtarl in bem Wünfier 
)u Hatten ein freilid) febr unvoOfommenr« 9ead)bilb von 
©. 9Ütale in Dtavenna berfteüte, wie er in berfelben 
Stabt Sllie« aufbot, um ibr ba« «nfeben einer römifdjen 
©tabt au« ber beften 3eit ju aeben, wie er grofjartige 
»yaläfte in «imwegen unb jngelbeim aufführte unb 
namentlid) ben (entern mit Qemdlben uu«)d}mürfen liefj, 
weld)e feine i baren verberrlid)ten. e« frnD ferner einige 
foftbare ^ergamentbdnbe erbalten, bie für ityn nnb feinen 
Snfel , Jtarl ben atablen , gefd>rirben unb mit bem reiebfirn 
s J)(iniaturenfd)mutf au«gefiattet würben. 

Äber biefe Seftrebungen ballen feinen bauernben 
Erfolg. Jcarf« be« ®rofien 9auten finb bi« auf ba« 
aaa>ener "JRünfier |u ®runbe gegangen , unb bie« [entere 
war nad) einem Sorbilbe von fo ungewöbnlid)er Anlage 
au«geführt, bap e« in einem ftmtc , weldje« ftd) voll' 
ftinbig von Som unb ber römifdjen Jlirtbe abbdngig 
madjre, unmiglid) maigebenb werben fennte. 9tur 
wenige Spuren werben von ®ebduben gefunben, weld>e 
ftd) bie gönnen be« aarbener fünfter« angeeignet baten, 
unb biefe wenigen SRonumente finb von geringer 9rbeu< 
tung. Die SRalrreien biefer 3ett aber, wie febr fte aud) 
bamal« bewunbert unb gepriefen würben, neben auf 
einer aufjerorbentlid) niebrigen Stufe. Sie finb faum 
metyr, al« febr bunte unb faß finbifdje erjengniffe einer 
angelernten Wanier, bie weit bavou entfernt ift, aud) 
nur ben mäfiigfien Slnfprütben auf wahre 9iaturfd)ii« 
berung ober vollenb« auf wirfliebe Stbönbeit geredjt )u 
werben, bie fid) vielmebr begnügt, vrrüdnblid) )u fein 
unb burd) grelle garben, fünftlid) verfdjlungene Drna» 
tnrnte unb ahnlidie äufjeriid)e SRittrl 411 tmponiren. 

e« tjt 9)td)t« irriger, al« bie plumpen unb fd)[ed)t 
rolorirtrn 3tid)nungen in ben 3Kfniaturen ber farolingi» 
fdjen epod)e bvjantinifd) ju nennen 7S ). 3nbef[en gab e€ 
atlerbing« in biefer ,'\c.i mancherlei iBejiebunaen ju bem 
{>ofe von Sonfiantinopel , wie w ber gnediiitben ®rifi- 
litbfeit. Sdjon bie trifdjen unb angelfäebfifdjen Alcfter 



72) «ttgl. 9tumol)t, 3ulifnif«tK 1. 327 fft. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 49 



— (IV. ABSCHN. Kl N FL. D. BYZ. KUNST) 



fdjrinra früh SBerbinbungen mit gried)ifd)en Älöflcrn go 
habt ju hoben. £ie ©riechen verachteten iwar bie hir* 
barifcben Stationen be« «benblanbe«, unb Ihr Stoli 
würbe nid)t feilen brldbtgmb. Slbcr bie 3fonoflaftcn 
hatten rech gern bie SBeruiittclung be« mächtigen Jtaiter« 
mit brat an ter Silbervrrcbrung fefthaltenben päpftlichen 
Stuhle in Snfprud) genommen. Ter 'jßatriard) von 3e< 
rujalem erfannte Stcxl ben ®ropcu mit greuben al« 
cinrn Sthupberrn be« heiligen @rabe« an. Koch weniger 
hatten bie gr1rd)ifcben Jtaifer Sebenfen, fid) auf bie friegV 
rifdje Äraft ber ©arbaren ju ftüften, unb bie Söhne 
(JnglanM bilbeten einen £auptbcftanbtbeil ihrer Selb« 
truppen. @ricdji|d)f Äimfbverfe famen tbeil« al« ©brciu 
gefdjenfe, theilö burd) $tlger, tbeil« auf bem ffiege be« 
$anbel« mehrfach nad) bem Hbenblanbe. Sit« Hilfe 
rtflärt eö, wenn fränfifdjc SRöntbe in manchen SBeiiebun» 
gen fcuwminiidn-ii Wuftcrit gefolgt finb. fWan hat fa>n 
jum öftern bie Semerfung gemalt, ba§ bie ©ilbungbrr 
Säulen mit ihren Jtapitrllen unb griffen, bie in We§» 
büefaern häufig tut (ünfaffung ber erflen Seiten vcrwanbl 
werben, in ben in ''dien unb angelfdcbftfcben «Wanufrripten 
grojjt «ebnlicbreit mit benen ber fvrifeben SJlanufcripte 
haben , todbrrnb fie fith nur fehr entfernt an bie antifen 
Säulenfcrmcn anlebnen. I>iefe $batfad)e ifl unleugbar, 
unb ein frdnfifdje« SWiffal ber görringer Bibliotbef, ba« 
nad) ber barin brfinblicben SJeftiinmung be« Ofierfrtte« 
rntroeber furj vor ober für» nad) bem 3abje 900 ge' 
fdjrirben ;i , geigt Aapitede unb griefc, weldje ben ravrn» 
natifeben gönnen aufjerorbentlid) nahe (ommen. (Serabc 
bie SJauformen fonnten am erfreu im Slbenblanbe @in» 
gang finben, ba bie immer häufiger roerbenben $i(ger« 
reifen baju führten, bafi man an ben oerfe&ierenfren 
Orten 9?ad)bilbungcn ber Jtirdte jum belügen @rabe in 
3erufalem bariufteUen fachte, bie natürlich nicfjt mehr 
bem Sorbilbe be« urfprünglid)en <5onftantinifd>cn Saue« 
folgten, fonbern jener roheren 9lad)bilbung beffelben, wrldie 
btijantinifdie Jcunjt in bem ben (Brieden verbliebenen 
'5l'".'i'i' von 3erufa(em aufgehellt hatte. 

Serrinjelte 93erfud>c, bvtanrinifdje SBerfe, bie auf 
irgenb eine SBeife nad) bem «beut laute gefommen waren, 
narbjubileen , mögen ebenfalls mebrfjd' vorgefommett 
fein. 8114 einen foleben pflegt man bie beiben befannten 
(flfenbeintafefn in ber SMbliotbef iu 6t. Wallen anju< 
feben, bie für Urbeiten be« «bte« lutilo (geft. 912) 
gelten 7 '). HHein »eber ba« A unb Sl, nod) Der mi«< 
rätselte, banttrtrfSmäpig au«gefübrtc galtenrourf, nod) 
bie fombolifdjen Gkflalten von Sonne unb TOonb, 6rbe 
unb $terr, n>e(d)e aud) im Slbenblanbe feit ber 3rit 
StaxVt be« @rofjen fibltd) rvaren, fönnen ald genügenbe 
Seroeife bafür angrfubrt werben. 3n bem nfantbu«« 
Ornament be« einen Ti.fd» ifl ein antif'römiicbe« 
@d)nit>werf, weld)e« ebenfall« nod) auf berfelben Siblio-- 
thef verwahrt wirb, mit größerem @efd)id nadmebilbet 
Worben, a(« ber JYünftler für bie menfd)(id)en giguren 
auftuwenben verftanb. (Sin SBeifpfel, wie rot) man hier 

73) £ir rinr ift öfter llgriiilfctt. am heften in b«r «rijt U* 
Drialnal«, oker ohne tat UhUiUMh Ornamtnl. in tübff, Wtfdj. 
ktx VUftif |K.;.,. S 1868) C. S88. 

S.««r»n.».ffi.ii.*. •titeC((titn. LXXXV. 



ttnb ba bbjantinifebe 93orbilber cepirte, ifl ber nad) griechi« 
fd)rm iTtitufl fegnenbe Cbriflu« auf bem berühmt«» ©cdjer 
be« Stifte« Ärem«münfieT, bem ®ejd)enfe be« ©aiern» 
hrrjog« Zbafftfo unb feiner (Memablin 8itttpirc "). In 
Senttbung eine« bt)janrinifd)en Wufler« ftnbet ihre (Fr< 
flärung, wenn man mit bem 9lrd)fvar be« Stift« an' 
nehmen barf, baß bie« berfelbe Sedjer fei, ben Thafftlo 
nad) einem anbern verfertigen lie§, welchen bie Senebicti« 
ner von ^Nonte t^afftno an Jtarl ben @ropen gefanbt 
hatten '•). ©n anbere« wenig beachtete« »eifpiel von 
rohen Kopien , welche ungefähr berfelben 3<it angehören 
mögen, bieten einige ©emmen mit grote«fen Äepfra bar, 
welche fid) an Seliqnienbehältern be« 5)omfd)a^e« ju 
«aa>en beftnben, ttnb bort ben Sefuchern a(« dgnptifd) 
aufgeführt werbwt. (fö finb nur äufjerft plump au«' 
gefallene 9?crfud)c, beffere römiftbe ober griedjifdj« ge; 
fd)nittene Steine nad)iuahmen. 

Die bviantinifd)e Jtunfl gewann aber nod) auf einem 
anbern SBrge (finflufj im fränfifd)en 9leid)e. Xeutfd)(anb 
würbe hefanntlid) burd) SRifftonare von ben britiftfcen 
Dnfeln befehrt, irifebe H'Ma fanbten 9eönd)«colonien 
au«, bie fid) in Sfanbinavien, !£eutfd)(anb, ber Sdjweii 
nnb ber »iombarbei nieberliefjen, unb Äarl ber ®roöt 
10g ben 91ngelfad)fen «leuin an feinen $ef, um burd) 
ihn gelehrte Silbung, unter ben granfen ju verbreiten. 
Sowie bie Schrift eine 3rit lang angetfäd)ftfd)e gönnen 
annahm, fo gingen aud) gewiffe SRanieren in ber 3<<d)' 
nuna, weicht jenfeit« be« Jtanal« herrfchten, in bie 
Äunftwerfe über, welche von ben Jtlöftern be« fränfifd>en 
9ieid)« geliefert würben. 

9Ran erfennt bie« am heften an bem etgenthümlithen 
Scbmud ber funfilid)en Initialen, bie un« tuerft in iti< 
fiten Wanufrripten begegnen, unb bann in fpätem {>anb< 
fchriften ber feftlänbi|d?en 3ren»Jtiöftfr auf eine eigen, 
thümlid) pbantaftifebe, jum Xhfil fehr rohe unb wilbe 
aSeife autfgebilbet erfdjeinen geiner unb reid>er bil' 
beten bie »ngetfachfen bie« Ornament au«, unb e« war 
vie(Ieid)t ber (Finflup «leuin«, ber ben etwa« ftrifen, 
aber fehr eleganten Stvl ber frdnfifcbrn {tanbfehriften 
au« ber farolingifd)en ^eit entwidelte, ber bann bie 
©runblage für bie weniger lierlicbe, aber freiere unb 
pf/antafirreiebere romanifche Ornamentirung geworben ifl. 

I te jtunft ber 3ren unb üngelfachfen beruht aber 
entfdjieben auf b^aanrinifehrn Vorgängen. @in« ber ältc 
ften irifdjen 9)?anufcripte, ba« (©genannte Cuthbert« 
Book (Cotton. Ms«. Nero. D. IV), ein Gvangelien» 
bud), weiche« von gnbfritb, «ethelwalb, »ilfritb unb 
aibreb für Suthbert, alfo im 7. .• :b:buntcrt, gefdjrieben 
in. geigt tinwiberleglid) burd) ba« o agioe ober einmal 
o agius, bei ren Warnen ber (Fvangeliftrn , ba§ feine 
Miniaturen nad) bvjantinifrbrn Sorbilbrrn gearbeitet 
finb 7T ). 3E>ir hohen ferner bereit« auf bie SSerwanbt' 

74) 'üod in fern Stttltfxituna.rn ber f. t. üttttrat'ßpmmiifiim 
4, 11. 75) $trinn< (af. 4, 170. 76) %ttt. ÄHIct, 
Silber ubI> «djrtfi ji'mr in b«n infam SRanufcripttn bet fdiirti jm- 
fdKit ^iblwtfKftn. jn ben SRittfteilungen btr antiquanfd)» ®i- 
f'Ufdsaft in 3üri*. »b. 7. (3ütieb 1863.) 6. 61 fg. 77) -Uaa. 
8 en, «unütvette unb MnjUrr in OnaUnb 1, 184-136. 



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GRIECHISCHE KUNST 



50 — (IV. ABSCHN. EINFL. D. BYZ. KUNST) 



idjafi ber arrfiiirft^ntuf m 3eid)nung bcfonbert in btn 
M iipitellformen mit bttjantinifcben Sorbtlbern bingcmtefen. 
Xud) in ber gigurenjeidjnung ftnbet man bpjantiniidje 
Manieren. Hm auffallenbften iß eint eigentbümltdje ©e» 
baublung fitcgenbrr ©ewdnber, t>ic ganj ähnlich, in hjjan» 
«inifajen Miniaturen wicberfeprt. SnMia) f)at Die iriid> 
anflflfädjjtfdje ©ctfe, bie 3nittalcn au« verfd)lungenen 
Sdnbcrn unb tbierifßen ober menfd>lid>en gißiiren ju 
bitben, grope SBerroanblfdiaft mit ber bpjantinifd)cn. 
«aerblng« gtfüaltrt ber wilbpbantafiifdje @eift brt 3«n 
bie« »Ue« mit allem viel tob«, fonbern aud) viel 
barotfer al« bri ben ®ried)en, bie niemal« fo weit gc« 
gangeu finb, felbfi bie menfd)lid)en jjtiguren in fatligra« 
pbjfubr Sdjnörfel aufjulefen unb ba« Ornament mit ben 
frafcenbaftefien Äu«geburleu ber $banta|ic berau«jupufcen, 
roie ba« j. 9. tu ben Manufcripten be« triftben Jtlojtrr« 
iu St. @allen gefunben wirb. 8ud> laut jtd) bei ben 
3ten ein nationale* (Sleuient nid)t »erfennen. 'Bie eigen' 
tbümlitfjen Soluten, bie in ben ältcften irifa>en Manu« 
feripten ben rocfenllidjften übeil ber Serjierungen au«* 
matten unb in ben angelfäd>ßfa)en .Initialen eigentümlich 
au«gcbilbet ftnb, erinnern unwillfürlid) an bie Ctnamen« 
tirung altgennanifdicr ober edtifchcr fflrabnrnen unb 
Sronjearbeiteu , welche in ben £eibengr4bern , jumal in 
ber Sronjeperiobe, gefunben werben. Die Sd)ndrfel, bie 
in bem wiener $>io«coribe« vorfommen, (äffen ftd) faum 
Damit vergleichen. 

8uf weld)e Seife bie irifdjen Mönche ju ber «uf* 
nah uic bvjanttnfftber SBorbübcr famen, wirb man leicht 
begreifen, wenn man bebenft, bafi eine SJerbinbung tri- 
fd>er unb bojantinifeber Älöfier auf bem Seewege früh' 
jeitig eingeleitet war. Man bat fogar eine 9fad)rid)i 
von dgpptifdjen Möntben, bie in Srlanb geftorben finb, 
benugt , um ba« baroefe irifdje Ornament au* einer 9lad)« 
ad)muug ägöphfcber .(fünft, mit ber t* jebod) SRidjt« 
gemein bat, ju erfldren 7 "). SietleidM war aud) ber 
llmftaub nid)t obne l?ittflu<?, bajj britiftbe Jtnegcr einen 
£auptbrftaiirihcil ber faifcrlidjen Solbtruppen in (5 toi 
ftanrinopel aufmachten, fobaj? felbft in bem ^»ofeeremo« 
nie! mehrfad} 9eglüdmünfd)ungen br* Äaiferö unb äbn* 
Liehe 3«™ff in englifd)er Sprache, Itikelisei, vorfom» 
men. Man fönnte fogar auf bie 9$ennutbung fommen, 
ba$ bie bpjantinifdjen «laier jene Manieren ber 3ela> 
nung unb Ornamentirung von ben 3ren angenommen 
Wtten, unb e* llejie ftd) bafür anfübren, baß wir bie» 
felben erft in ben fpdtern griea>ifd>en Manufcripten an' 
treffen. ©ewip" ift bie M.:.bt, welche bie Sarbarrnljeere 
im bvjantfniidjeu Seiche übten, iiid)t obne (Sinflup ge* 
blieben, unb e« erflärt ftd) wobl, baj» unter anbern bie 
aermanifay Sitte ber Scbilberbcbung bei ber ÄaifeT» 
rrönung von ibnen eingeführt würbe. Vlber bie Aufnahme 
fo wefentlid)et Seiten einer barbarifdjen Äunft fdjeint 
bod) gegen ade Analogie ju fein. 

Xte Ornamentirung ber irifdjen 3nirialen ifl in ber 
£auptfaa>e bpd) nicht* «nberrt, af« eine neue «nwen« 
bung ber antifen Deroration«weife, bie bei ben Stojan» 



78) '».■[.• XtUtr ti t*a ÜKtllbcilui^ci tn anliquarifdpra 
•effUfajaft in 3fitid) 7. (3firia> 1846.) 6. 79. 80. 



tinern mit ^ßbantafie, Sinn unb (Mcbmaa* audgefübrt 
wirb, wäbrenb bie Songobarben biefelben (Elemente jwar 
ebenfalls mr Serjierung ber 3niria(en benuQen, aber 
bod), inoem ftc biefe arabedfenarttge 3ti<bnung mit einer 
gewiffen ^üd>tigen unb nid)t ungefälligen 8eid)ttgfeit, 
ebne alle (ileganj unb Sajönbeit, bebanbein, wenig mehr 
iu Stanbe bringen, ald böd)|i einfadje unb nid)t immer 
febr gefd)inarft»olIe 3ufammenfe$ungen »on gifeben unb 
Sögeln, bie bin unb ba burd) rob gejeidjnete Sldttrr 
unb SSlumenguirlanben verfnüpft werben. 

3) 3>a« «Bitbcrertpadien t>tt .ftnnft feit btn Dttmen. 

•) 11. K-;üd;t 

Seit bem Zobe £ar('e> be0 Wroßett litt ta? getfrige 
Srben unb mit bemfelben jugteid) jebe Hxt ber J?unft- 
übung unter bem $rude, ben bit poülifdjen Chreigniftc 
über (Suropa haßten. 92id)t taj jetc «rt ber Äunft-- 
übung erlofdjen gewefen wdre. fSerfe, wie bie ©ibcl, 
weltbe Äarl ber Aable ber ÜBerertfirdje in «om fdjenfte, 
ba« auf* »eidtfe mit 3nitialen unb bi(bHtt>en Darrel- 
lungen au»geßattete Wiffale ber götringer SPibliothef, 
beffen Jtalenber, wie grfagt, auf eine $tit für) vor 
ober nad) bem 3abre 900 weift, ba« ^tprmbon be6 
2.utilo in St. ®a(Ien- unb bie Wadsridn äber bie Bar* 
fteüung ber llngarnfd)lad)t unter ^einrid) !• in Werfe« 
bürg beweifen ba« ®egentbe4l. 8brr jene nod) erbalte» 
nen Benfmdler jeigen un« bie abenbldnbifdjc Aunft 
auf einer jiemlicb tiefen Stufe. (*rft unter ben fäd)ft' 
ieben Jtaifern erhob ftd) Zcutfd)lanb roieber $u politffd)er 
(Mrö^e, begannen wieber wiffenfd)afrlid>e SJefhebungen, 
bie )um Sbeil auf ber bohen Sd)ule ber fpanifdjen flra< 
ber 9Iab,rung fud)ten, unb |u einer M'.t, ba im bpjan 
tinifdKn Sleithe fd)on ber (Sifer für Siffrnfd)aft unb 
Jtunj), ber unter ben erften Jtaifern au« bem macebo« 
nifa)en @efd>lea>te geberrfd)t hatte, ju erfd)laffrn begann, 
nahmen bie Jrünfte im Abenblanbc einen ungeahnten 
KuMwun. 

Man hat viel barüber gefhittrn, wie gro^ ber Sin* 
tbeil fei, ben bie Sermäblung be« Äatfer« Otto EL mit 
ber grie<bifd)en Srinjcfftn Ibeopbano an blefer Belebung 
9er abenblänbifdjen Jtunft gehabt habe'*). Sa« bie 
biftorifd)en Ueberlieferungtn bacon berid)ten, iü fehr 
wenig, unb wir werben nod) barauf jurürffommen. SlUein 
man fann gan) baoon a hieben , ba r« befan.it genug ift, 
;mp gried)ifd)e Silbung bamal« in duropa für bie hcAiüt 
galt, unb ber Srrfrhr mit (Sonftantinopcl unb ben ^an« 
bel«pld(en von Sprien unb rlegppten au^erorbentlid) leb* 
baft würbe. X)ai fo(a>e Srrbdltniffr auf bie @ntwicfr> 
lung ber Jtunjt im trlbenblanbe etngewirft haben ntüffen, 
Id^t jid) mit bezweifeln. Unverfennbar ift bie« auf bem 
@cbiete ber Sattfunft ber gaU, obwol e« bunhau« ge< 
red}tfertigt war, bie 99e)eid)nung ber abettblanbifaSen 
«rthtteftur be« 11. unb 12. 3abrbunbert« al« bojan» 
linifd) ju vawerfen , ba ber H irdienbau in feinen ®runD» 
lagen ber rdmifd)en ürabition treu bleibt unb nur mit 



79) fflutfl. edjnaafc, ttM4. in Hlttnttn .«iinftf im WÜUOß 
atlrt. 9t>. 2. Htti,. 9. 6. 666 fg. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 51 



— (IV. ABSCHN. EINFL. D. BYZ. KUNST) 



Scnu$ung bt?janiinifd)er (klemmte eine felbftänbige 8ufl 
bilbung abäli (Sbenfo (äffen fid) in ber fRalerd, unb 
fewft in ber Shilptur (iigcntbümlidjfciten wahrnehmen, 
Mc ber bttjantinifefcen Äunft entlehnt finb; ja e« gibt 
cinjelne Äunftwerfe von fc auficrorbrnüidier Sortrefflidr 
frit, bay jif eine lange ted)nl|che Uebung unb <Srfabning 
in dnrr ©djule vorau«fet)cn , wddje wir nur bri ben 
^v; an tinern finbrn tonnen. 

Sun trat ab« im 3. 121*4 bie (Sroberuug (fonftan» 
tinopel« burd) bie Ärrujfahrer ein, unb bie« war ein 
(hrignijj, n>cld)c« fcafl Slbenblanb mit bQj|antinifd)CT (FuW 
lui unb bpjaniinifdifr Äunft in fo nahe Serübrung 
braute, roie fit nie juvor ftatlgefunben baue fjeere von 
Kriegern, ^tigern unb Abenteurern jogen burd) »riechen» 
lanb; Sidc liefen fid) bort für geraume 3eit nieber, um 
ibr ffllüd ju verfudjen, unb festen bann in ifjre #ei- 
matb juriief. 9luf ber anbern €eite famen Äunftfd)ä&c 
in großer jjabl nad) bem Wbcnblanbe unb würben al« 
fc-ftbare (Seltenheiten geehrt unb aufbewahrt. <Bo würbe 
ber 0u6taufd) ber 3bren geförbert. Tu- neuen (ateini« 
fd)<n ^jerrfdjer bradjtrn ihre heibnifd)e Äunft nad) 
Qriechcnlanb, wdhrenb gried)ifa>e (Elemente im Slbenb« 
lanbe Eingang fanben. 3Wan weiß, wie einzelne ©eletjrte 
in 3tolien fid) mit (Sifer auf bat Stutium ber gricd)i< 
'dxn Literatur warfen, unb mit wdd)em @lüd gebilbete 
Öriedjen bort al« fccbrrr ihm fcrfmaihtidpn €prad?e 
auftraten. <Sö läßt fid) vermutben , baß aud) bie Äunft 
ber St)iantiner ben Äbenbldnbern , jumal ben Marionen, 
mit welchen Svjon,i burd? bie (Srobrrung in engere Se« 
jiebungen fam , näher getreten fei. Vber aUerbing« ftanb 
biefe Äunft jefct in S»)anj felbft längft nid)t mehr auf 
ber ,»Sol>e , welche fte nod) jwei 3ohrhunberte früher dn< 
genommen hatte. 3u Scjiehung auf bie Walcrei bc 
gegnet un« nun bie ©age, baß in 3talicn biö auf 
Gimabue, alfo bid gegen bat (Snbe be« 13. 3atn"i)un< 
bert«, bie rohe, fdjledjte grtedjifdje 3Raiiier gcherrfdjt 
habe. Sir ftnben biefe Snftcbt bereit« ein 3abrbunbert 
fpdter, bei ({ennino ßrnnini unb ©biberti, unb Safari 
begrüntet biefeibe in Scjiehung auf glotenj naher, iu< 
bem er angibt, baß gdednfdje Heuler bortbin berufen 
fden, um bie faft verlorene Äunft wieber rjer^ufteUen, 
unb baß biefe unter anbern in ber .Kapelle ber (Wcnbi 
in <£>. SRaria Sovdla gearbeitet bitten. @cgen biefen 
Geriet)! (onnte man aber geltend madicn , baß bie Jttrdtc 
6. SHaria Sovdla erft 1279 erbaut worben ift, wä h n ur 
Safad ben jungen Gimabue, beffeu @cburt«jabr er in 
ba« 3a^r 1240 feftt, a(6 ©djulfnaben mit birfen «Wa« 
lern »ede^ren Id^t. «uf ber anbern Seite ift b,inldng' 
Iid> nacb/grwiefrn, rup ber Setrieb ber Wala ei niemals 
in • 3iaüen eine völlige llnterbredjung erfahren hat *"), 
unb wir haben fnUirr brmerft, baf bie dltem italieni< 
fd}tn 9Ralereien feine Sebnlidjfdt mit ben echten bntan- 
tinifd>en @emdlben hoben. (Einige ber großen Wofaif« 
werfe be6 13. 3nbrhunbert0, benen wir in Stalten be» 
gegnen, ftnb mit ben 9camen ber 9Rriftrr bejeidmet. 
Sllle biefe Warnen, Solfernu« in Spoleto 1207 3a« 



80) 9t«mo*r, 3»al. »crfH)U»9«' 1. 180 - 249. 81 



iobti6 Zoriti unb »Uhilipb" 0 Siufuti in 3icm, beräKbnd) 
3tirobu6 unb Snbrea 'i.-.fi tu äU-ut.j, ftnb italienifcb, 
unb nur in bem Slpollonin«, ber bem 2ajt jur ^ilfe 
gewefen fein foU, begegnet un« ein ©ded)e, ber aber in 
ißenebig anfdfftg war. «u« foldjen (Srünben dol man 
bie «urfaffung be« Safari ftarf angejwdfdt, unb e* ift 
befonbnd ein @egenftanb be£ Slreitd geworben, ob bie 
abenblänbifaV Äunft be« 13. 3ahrhuisberi(? burd) An- 
regungen von Sv;an) au« geförbert worben fei. iRan 
fann faum glauben, ba0 ein (Strignijj, wie bie Grobe« 
mng unb Slünberung von CFonftantinopel mit ben Um« 
ftänben, welche fte veranlaßt unb begleitet hnben, nicht 
von ben augerorbentlichfien Sirfungrn gewefen fein follte. 
Iier Serfebr ber .«rreujfabrcrhrere in ©dedjenlanb, unb 
jumal in (SonftantinoBd, bie »u«wanberung vlder <Mt= 
a>en, bie anbenvärt«, jumal in 3»otien, eine geftdjetle 
(Sriftenj fudjtcn, unb bie Serbreitung gried)ifd)er Äunft» 
crjeugxiffe im vi ben Maure waren Zbattad)eu, bie gewiß 
nicht ohne (§influ6 blieben. Leiber finb wir von birecten 
9tad)dd)ten über bie SSirffamfeit gried)ifa)er Jrunftler im 
Mbenblanbe faft ganj verlaffen. Sehr vereinjdt fteht bie 
9{ad)dd)t, baß, al« ^einrid) L fdne ?od)ter mit bem 
griedjifdjen Sdnjen Ctonftantin vedobt hatte, unter ben 
von Svsanj gefanbten @unua>en, welche bie Srinjdfin 
in ber griedjifdjen 6»rad)e unterrichten fotlten, aud) einer 
war, ber ben Auftrag hotte, ihr Silbntß für ben Bräu- 
tigam ^ malen. SEBir wiffen aber, wie audgewanberte 
©riedjen bie Äenntniß griedjifcber Sprache unb Literatur, 
unb baburd) ba« SBirberaufleben ber Siffenfd)aften in 
3talien vermittelt hoben. J an ähnliche tiinrcirfungen 
in Sejiehung auf bie bübenben Jfünfte ftattgefunben 
haben, müffen wir au« ben bVjantinifcbrn (Siementen 
fd)liepen, bie in ben Aunffwerfen be« 13. 3ohrbunbert« 
nid)( in verfemten fiub. 1)it 9lrd)tteftur biefet Seit hot 
bavon )Wor nur wenig aufjuwdfen, ba fie fid) fehr balb 
in dner eigenthümlich nationalen Seife ju bem fogenann« 
ten gothüdjen Stvle enrwicfdte. @ntfd)iebener treten 
bagegen bie bt))antinifd>en Elemente in ben Serien ber 
Waler unb Silbhouer h«vor, unb jwar ebeufo fehr in 
ber Jcdjnif, ol« in ber tlompofition. 3n«bdonbere bie 
Walerei fd)lie§t fid) ber bujantinifeben Xed)nif in ber 
ftarbengebung faft nod) beutlidier, al« in ber 3dd)nung 
unb Sluffaffuna ber formen, an. Db nun aber biefe 
bttjantinijdien (Elemente burd) griedjifdje Weifter im Vlbenb- 
lanbe eingeführt finb, ober ob abenbldnbifdje Äünftler in 
®ried)enlanb bei bortigen Weiftern in bie ®d)ule gingen, 
wirb man faum ermitteln fönnen, wenn man nicht ber 
Irabition, welcher Safari gefolgt ift, ©lauben fdjenfen 
will. 3»or fommen hin unb wieber gdechifebe Wuf« 
fd)dften vor, welche auf bvjantinifchcn Urfprung ein« 
feiner Jtunftwerfe fd)liefen (offen. 3n ber Kegel finbet 
man biefelben inbeffen auf beweglichen Silbern, bie von 
©ded)enlanb importirt fein fönnen, ober e« finb nur bie 
befannten Sejdchnuugrn ber SRarien - unb <Sl>riftu«bi(bcr 
mit MP er unb IH XP, bie aud) im Slbenblanbe mol 

SRofait« an Um Demi ju <&pvUto in Um Htla« von Stcfia* ttt 
>jff*ltf dftrlg'n« in »«4 .;,.,i:r 1S09 f(»t Hit» U« MnfOtr e«l< 
frno Btinl, f«HK t* nur »uro) ein «üat t>ti Rigotlot 1, 104. 

7* 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 52 — (IV. ABSCHN. BINFL. D. BYZ. KUNST) 



beibehalten würben. Silber, bei betten e« außer 3wrifel 
ift, Paß fit von ©rieben im »bentlanbt verfertigt friert, 

(lebören immer ju ben Seltenheiten. SOTan führt al« 
oldje« eint franjofifc^e Sibd in btr Sibllothef Dt« «r. 
frnal« ju Sari« (Truk>l. fnuic;. 8) on, bit im 13. 3at)r< 
bunbtrt gefa)riebtn ftin unb enrfdjifbtn grircbifdK SRinia* 
turrn oithaltcn foll **). Sagtgen gehört nur febefnbat 
tin Äelief hierher, redete« an btr außenfeitt ber Jttrdjf 
G. Saolo ui Srnebig eingefügt ifi. 6« fttUt eint tbro* 
nattc -Dfuiicr @otie« mit btm Äinbe ;reif*tn Setru« 
unb 5?aulu« vor, umgeben von einer oblongen (Sin« 
faffung von Sorbeer, äbtr btr bit unverflänbliche 3nfajrift 
fttl)t: O 0BOC TOT JHMUTPIOT"). Stil £>ilft 
tint« Sergrößfrung«glaft« fitbt man abtr, baß rint fugt 
bit Umrahmung von btm £auptbilbe trennt. Äußerbtm 
ifi bit «orbeerrinfaffung in riner fdjlidjttn unb einfachen 
SBrift btbanbrit, redete von bem €tvlt bt* Sütt« auf« 
fatltnb abftidjt. Seftttre« gleicht brn abenbtdnPifdjeti 
Sciniarurrn be« 12. ^abrbunbert« mit furjrn, gebrun» 
gentn giguren, gefebmungenen gelten unb rundlichen, 
naturaliftild) aufgefaßten Kröpfen. Sie 3nfd)rift bat alfo 
i'.tett urfprünglicb ui btm Sildt gehört, fonbtrn in da 
Srudn'tücf einer Starmortafrl , au« btr man ein Stüd 
herauflgemdßelt bat, um t« al* ©nfaffung für ba« Silb, 
t>a« vnrmutblid) in Srnebig gearbritd ifi, }U btnu&tn. 

2Bir tvoOtn nun bitft anfielen, bie bier in allgt« 
rarinen Umrifftn angebentet würben, bura> tint (Srörtt» 
rung ber finjrintn Jcunfigweige unb ber babri in Srtrad)t 

b) Krdfftrrtut. 

Sa« btbeutenbfie Srifpiel btr (Einführung be« bvjan< 
tinifdjen «aufm!* im flbenblanbe ifi btfattntüd) bit War« 
ru«fird)e in Senebig, |u ber Soge Sierro Orftolo btn 
®runb Itgtt, nad)btm btr frühere Sau bei bem Huf* 
fianbt gegen ben Sogen Sietro ganbiano 97G in glom- 
men aufgegangen war. Ser rigentiidje ©au begann 
jrbo<6 erft unter Somtnito (Sontarini, 1043, unb voll' 
enbet würbe er bura? brn Sogen ©elvo, 1071. Sit 
bvianttnifebe gorm tiefe« ©ebdube« bat man nie ver* 
fannt. Obgleich baffeibe in feiner Sßeife eine 9laaV 
abmung ber Sopbienfircbe in ffonfianiinopel ifi, wie mau 
uü her rool gefagt bat, fo fehlt cd boa> auf brm ©oben 
:<6 bvjantinifcben 9trid>c« nicht an Sauten, redete große 
SenoanDtfa>aft mit 6. Scarro haben. <S« ftnb aber 
bjB»tfdd>u4 bie alridjjeitigtn bvjantinifcben Sauten, 
»d*e bie gröstt UebeTtinfHmmung aufjuweiftn babtn. 
e« |ai man namentlitb, in ber Äirdje be« itoi, bie um 
Soitjje« frubet gegrünbet ift, al« bie 3»artu6ftrö)e, 
iWKte SiulenfariteUe unb €äuleufu£r btobad>tet. 
Wi'sl* babtn tte fünf 3Xofaiftüntttcn über ber gacabe 
in VlaKuthiibt rint gtwifft Slebnlictfcit mit ben fünf 
falbnatm grnftem, redete bit gacabe an ber ,Kmtr 
t'4 *i94 iieren. Sir trf)en alfo, baß btm venejianifrben 

*/, Ami« uth*<>\ot l, 299 — 300. m 9int «Hilf 
Mh % At» 9m\** lud n« U\ Cicoynora, StorU dell« (eul. 
um IteiUMM T 1 T»» Ä, bp» |fb«4 »i« « 0 rbc« ceta faffa 114 
Mtl tet Ctfi H« ««lief« ift «n«H^« mir ft^r nwU. 



Sau fcafl 6»f)em tum ©runbe liegt, redete? in jener 
3eit im bvjantinifdjen Srictje berrfebenb war. 

m lag fetr nabe, bie bvjantinifc&e gorm tiefe« 
reunberbaren SBtrft« au« bem Strb4(tniffe Senebig« )u 
bem bvjanfinifc&en Stritte ju erflären, unb man bat 
baber meiftentbril« angenommen, baf ttr Sogtn net 
bvjantinifcber Saumri^er btbitnt hatten. 3n ber 2.bat 
wirb von bem Sogen Seloo berichtet, ba# er Scanner 
unb anbere Steine, fowie ScrijieT au« anbern ©egenten 
verfcfyrirb. Db baruntrr (Mnceten waren, erfahren wir 
nulit, wobl aber, baß er foftbarrn IN' armer unb Sanier, 
von Äthcrt unb ben grird)ifa>en Unfein fommeu ließ. 
3nbeffen gleiten bit Äavittllt ber gdulen btr Scatcn«» 
fird>e im ®an»en bod> mtbr btn iütrn gormrn, welaje 
in »Jiavenna, lorrtHo unb ^artnjo vorfommen, unb t« 
fd>rint babet, baß wenigfien« tin großer I&ril bnfdten 
dltetn Sauten, wtiaje in Stntbig gewefen fein muffen, 
entnommen ift. Sie Hnnabme aber, baß btr venru'a< 
nifrfie 'iiraajtbau von bttjantinifeb/tn Steigern au«grfübrt 
fei , btrubt ftbigitet auf rintr Strmutbung , bit fta> auf 
btn €tv( btfftiiben fiüet, wdb.rtrtb e« frbr glaublid) ift, 
baß bit Senejianer bamal« übertaia-t in biefem £re!e 
gebaut babtn. Sutern ifi bie 9u6füt)rung im dinjtlntn 
bod) vitifad) tigentbümlidjet ürt, unb man fann nur 
fagen, baß in ben »runbjügen tint Serwanbffa>aft mit 
btn btfannttn bvjantinifdjen Sauttn befreit, wdbrtnb in 
<ün}tlbetten große Serfd)iebenbcittn vorbanden ftnb. *m 
wenigfitn glricbt fit btn weit )itrlid)errn bnianiinifdjen 
Äirajen ber fpdtern $tit 

Sie bnjantiuifa>e Anlage ber 9larcu«fird}e fann 
abtr and) auf einem gan; anbern Urnftartbe berubrn. 
Sie altere Starcu«fird)e , an brrtn r teilt vie je^ige er< 
bant if), war ndmlid) na et ber Ueberftebelurtg ber ®tbdne 
be« @vangdiften au« Ütleranbria von bem Sogen @iu> 
fiiniano Sartfrivajio (828 ober 831) auf einer Stelle 
aufgeführt, rodete bi« babfa eine .Hinte be« heil. Iber - 
boru« eingenommen hatte, unb bit Itfettrt war naa> 
Gintgtn nitbergerifftn , um btm Meubau %Ma^ ju matben, 
nad) «nbern bifftm Htubau tinverleibt. Sie ÄrrdK be« 
teil. Xl}fobor foa abtr im 3. 532 von Starft«, btm 
Äelcbenn v Vaftintan'«. errichtet ftin, unb e« ifi mögli*. 
baß fte bitftm Umfianbt bit bvjantinifctje, frcu)förmige 
©efialt be« ©runbrijfe« verbanft, unb baß man bti bem 
Sau btr $tami«fira)t bit alten gunbanttntt benuftt bat. 
HOtrbing« war bit Xbeoboru«fird)t nod) mit 4>U se< 
btrft, unb erft ber Soge 6elvo hat bie Ä trete reölbea 
laffen. «ber aud) in gvnftantinovel erbielt bie frmt' 
förmig angelegte «poftelfirdV trfi nad) bem 3a&« 532 
ibre SBölbung. Sem mag jebod) ftin, wie ihm wellt, 
jtoenfall« ifi ber Sau be« 11. jabrbunbert« mit frinrn 
nidd)tigtn Pfeilern auf JSuppdgewölbt angtltgt, unb 
unfirritig bat barauf bit Srfannttcbaft mit bvjantinildKtt 
Sauten eingewirft. Scan ift ben Sriipiritn, rodete man in 
(Jonftantinepri vor Äugen batte, gefolgt, aber bie Vrt 
ber üluffübrung, bie Plumpheit unb übergroße (finfad?» 
heit btr Anlage fprid)t mebr bafür, baß man fuhn mit 
eigenen, nod) unerfahrenen Aräftcn ba« große Unter' 
nehmen au«fübrte, al« für bit gart} bvpotbetifd)t «nnabme, 
baß man üd) biuantinildser Saumdüer betient habe, 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 53 — (IV. ABSCHN. EINFL. D. BYZ. KUNST) 



Ter Hinauf tiefe« Saue« auf anbrrc Jttrcbenbauten 
im »benblanbe ift fc^r befebränft geblieben, kleinere 
foulen, wir S. ®iacometto bi 'Jliallo tu Senebig unb 
Sta. go«ca tu Xorcello, fcbliefjen ftd> in ganj unterer 
Seife bvjantinifcben Soibilbern an. S. «ntonio in 
$abua bat bie ©runbjüge bei Äuppelanlage von S. 
SMarco entlehnt, währenb Die 9lu«fürirung eine gaii) ab« 
reetebenbe :Kid>tung nimmt. 9tm merfwürbigften ift ber 
Bau von S. gront in *4$erigueur, ber gerabeju al« ein 
fdjmucflofe« Wobell ber 4Rarcu«fird)e angefeben werten 
fann. Söärc bie 9?adjrid)t, baj? ber Sau von S. gront 
bereit« 9H4 begonnen unb 1047 eingeweiht fei, fidjer auf 
ben jefcigrn Sau ju beziehen , fo mü$te man annehmen, 
tag ®. gront i»nt Sorbilbe für ©. Wareo gebienl habe, 
»llein wabrfebeinlid) ift ber jeftige Sau erft in golge be« 
Sranbe« von 1120 entftanben, worau« ftd) benn auch 
leichter man du- (Sigenihümlidjfeiteii, wie bie fpi&bogige 
gorm ber Tragbögen, erftären (äffen. Ter Erbauer von 
6. gront bat offenbar ben ©lan von S. Nfarco bentifet, 
ben er bur<b Sermittelung ber in bem nahen tfimoge« 
beftebenben venejianifcben Jftanbel«colonie befommeu beben 
mag. <5t hat fogar bie *wape beffelben genau eingebal« 
ten, unb nur ben italienifcben ,in« burd) ben etwa* 
Reineren franjöfifcben erfrot. (Sin Unterfchicb liegt in 
ben Tutdjgängrn ber Pfeiler, bie in ©. gront enger 
ftot unb bahrr feinen rechten ©Inn haben, wäbtenb fte 
in ©. SNarco burd) bie 9nwenbung von Säulen erwei* 
tert würben, fobafc fte bort bie ©rttenfebiffr bilben. 

Ta« Saufpflem von S. gront hui ftd) weiter im 
flerigorb unb bi« jur Jcuflc be« Ccean« bin ausgebreitet. 
Äber man Kit nur bie bojantinifebe Hirt be« Auppel« 
baue* über maffenbaften Pfeilern mit fpbärifcben 3wicfe(n 
aufgenommen, bie Jtreujform be* ®runbriffe« aber wie< 
ber aufgegeben unb Vangfdjiffe gebilbet, in benen mehrere 
Jtuppeln an einanber gereiht finb **), 

Tie Setbinbung Senebig* mit (Sonftantinopel unb 
ber SBeg, ben ber orientalifcbe £anbel von Senebig au« 
über bie «Ipenpäffe nahm, erflärt vielleicht aud) bie (Sin- 
führung bei CFolonnaben ober Sauben, welche in mehre« 
ren ©tdbten auf beiben Seiten ber Stlpenfettr ©trapen 
unb öffentliche *i<ldße rinfaffen. 

Tiefe Vlnwenbungen be* bvjantinifdjen ©tvle* be» 
febränften ftd) alfo auf einzelne ©egenben, unb ihre birecte 
ober inbireele Slbftammung von Svjanj läüt fich einiger 
mafien verfolgen, üinige anbere Neuerungen, bie böjan» 
tmifdjen Urfprunu« ju fein febeinen, fommen fporabifch 
bei tomanifchen Sauten vor, ohne bafi ftd) etwa* ©icherr* 
übet bie ®rünbe biefer (Stfd)einitiig ermitteln liefk. Ta* 
bin gehören bie (Smporrn, bie in mehreren (Segenben 
Jeulfcblanb« fogar ben grieebifeben Namen Sriecbcn, m- 
qIoxcu, führen. 

(§* gibt aber einzelne (trfebeinungen ähnlicher Hrt 
an ben romanifeben Jtucbenbauten, bie eine allgemeinere 
Setbreirung haben. Dabin gehört jundchfl bie verän« 



84) F. de Vernnth. L'irchitcetare bjianUne en Fr»m«. 
(PwttlSBl.) üailka6aud, Honamcns d'arcbitertur«. T. 2. Jlü,v 
Ut, «tfAicfcK bn 9aat a «ft 2, 173 fg. ««naafc, Qt(Mu 
ttx bUKntfit Jtünitt int SRitulaltrt 2, 2. fS. 304 fg. 



berte gorm ber ©äulen. SBir haben fchon vorhin be< 
merft, ba$ bie (Einführung ber würfelförmigen, fotb* unb 
felcbartigen Kapitelle wahrfcheinlich fchon in bie farolin« 
gifche 3fi« fÄUt. Taju fommt fpdter bie «u«fchmucfung 
ber ©dulenftdmme mit aDerlei Wuftem, bie wir befon» 
ber« an einigen nieberfdchüfaien Sauten wahrnehmen. 
(F« ift febr möglich, bafi biefer (Mrfcbmacf burch bic Um« 
gebung ber grieebifeben ^riiijeffin Ihfphano, ber ®e» 
mahlin JDtto«II., in biefe ®egenben vcrpflanjt werben 
ift. 9tan hat ben (£infhtjj biefer gürffin früher febr 
überfcbdbt, unb in neuerer 3 n; wieber gam befrdtten, 
inbem man geltenb machte, bai Sbeophano webet in 
(Jonftantinopel, noch bei bem teutfehen 9t>el in febr 
großem Slnfrhen geftanben habe. Slber man mu§te bod) 
jugehen, tau wenfgften« eine gleichjeitige Nachricht von 
einem Sau erjäblt, ben einer ber (Riebet Otto «, Sifchof 
9»einwerf von ^averborn (100i> — 1036), burch gricebifdie 
Satimeifier ausführen (fe^. <3« war bie Sartbolomäu«* 
fapelle ju $aberborn, beren JTuppelu von grieebifeben fich 
nur burd) bie im *ßu$ augebeiiteteu Jlreu3grätrn unter« 
fdjeiben. Tie Aapitellformen finb aDnbing« bort mit 
einer gewiffen ©clbfidnbigfeil bebanbelt. Tie Wantafte 
bc« Saumeijier« fcheint burch bie Kapitelle ber Jltofter« 
firche von @orvet> geleitet ju fein, wo man in ber etwa« 
dltern ©erhalle ba* forinthifche Äopitefl mit feinem ®e^ 
bdlf jiemlicb genau, wenn aud) ungefd)icft, nachgeahmt 
hatte. Tech ift ber paberborner 3Hri|ter fehr viel freier 
ju SBerfe gegangen, fobag bie Hebnlicbfeft mit ber forin« 
tbifd)en Orbnung hier nur eine fehr entfernte ift "*). 

SieOeicht gefchah e« auch in gofge von Sorbilbern, 
bie man in Kavenna ober anbem Orten be« @rard)at« 
vor ttugrn halte, ba^ man ein bem JTapitedfdmpfer 
ähnliche« Wiitelglieb einführte, um entweber ©äulen» 
arfaben mit ber babinfer liegenben ®anb ju verbinben, 
ober biefe Stauern über bünnen Säulen aufaufuhren. 
Slan Tteht biefe ftnwenbting am häufjgfien in Vinco 
unb ©ifa. 

Turch bie entfebtebenere *u«bilbuug beT Jtreujferm 
im ®runbriffe ber Äirthen wirb man ebenfall« einiger« 
manen an Snjan< erinnert, obwel bie romanifd)e 9rd)i« 
tefrur in ber allgemeinen Anlage wefentlid) an bem 
Spfieme ber dltern römifdjen Airchenbauten fefibdlt. 3" 
beachten ift aber bie ©eftaltung her dhornifche. Nicht 
ganj feiten irt blefelbe in ber eigenthütnlicb grirchifd)en 
Seife ausgeführt worben , bafi ihr ©runbri§ nur auf ber 
3nnenfeite einen ^»albfrei«, auf ber Hujjenfrite baaegeu 
ein «ßolvgen bilbet. So j. S. bei ber fleinen .Rircbe 
1» 3t«nfen bei ©reufiifch Winben"), unb vielfach in 
Schwaben, gemer jeigt bie reichere ©ntwicfelung »et 
«Jhernifdje mit genfrern, Sdulennrfaben unb fleinern 
NifdKtt häufig eine gre^e Setwanbtfchaft mit bvjantini« 
fdjen Anlagen, häufig fiebt biefe ($ntwicfelung mit ber 
SluSbilbung ber xTeujferm be« ®rnnbriffe«, unb biefe 
wieber mit ber (Sinführung be« Äuppelbaue« in engfier 
Serbinbung. Tie «nwenbung ber Jtuppel unb über« 



85) Bergt. 'jrte* SAnaaft, «<{<fci(btf »tr t>ilt<rtib'n Äünjtt 
im »itlflau«. IS. 2. «Mb. 2. 6. 51-55 m. 573. 574. 86) 
6ibf t , «efebieb« Ut «tcbiteftur. vu.fi ». («M« 1858.) 6. 291 



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GRIEC HISCHE KUNST — 54 — (IV. ABSCHN. EINFU.D. BYZ. KUNST) 



baupt bie SBölbung ber Deefe ift aber bie bebeutenbfte 
Stülvetinberung, burd) bie eine bem Söjantinifcben äbn» 
lid>e Senn vom Slbenblanbe aufgenommen würbe. 

(fine brr merhvürbigften Sauten, welche hierfür 
jiiru Seleg bienen fönnni, ift gw. SRaria auf bem 
(Sapüol in (Sein, berrn Anlage mit bem urfprünglicb, flad) 
gebeeften Äauptfcbiffe unb bem fleeblattförmigen Sbor bie 
iiröjjte Äcbnli&feit mit bei SRarirafircbc ju Seiblebem 
bat. T ifif Airtbe würbe ftbon 1049 von 'Bapfl 8eo X. 

8nvfili[ unb erhielt fpäter eine Uebrrböbung unb 2B6U 
ung be* 9Rittelid)iff«. Die urfprünglia>en 3 heile finb 
febr rot» au«aefübrt, fobaf bie maffenbaften SBürfrl* 
faptielle obne #alfi unmittelbar auf ben ftarf verjüngten 
Schäften ft$en. Sie Meinung, ea£ bie Äfeeblatrform 
be« efllicben Xtieil« biefer £ira)e burd) bie ®runbmaurm 
eine* alten lemifchen Stabtbaufe« bebingt gewefen fei, 
ift eine ^»potbefc, bie fta> lebiglia) auf ben »amen ber» 
felbcn ftubt. 8« bat minbeflen« ebenfo viel für fta), 
aufnehmen, baji ber Srjbifebof von (föln bei bem Sau 
bei SKarienfircbc, ben er auf bem au«gejei<bnetften Ullage 
bet Stabt oornabm, bem Sorbilbe ber berübmteften 
OTarienfircbe ber SBelt, bie an ber ®eburt«fiäfte Gbrifti 
t'elbft ftartb, gefolgt fei. Die «nwenbung biefer gorm 
ift bür eine gang anbete, a(« bie, weldje mir ungefähr 
um biefelbe 3«« *u Scmenbria in Serbien fennen gelernt 
baben. «uf teutftbem ©oben fann biefer .fcmbiicf nach 
Setblebetn aber um fe weniger befremben, ba Sifcbof 
Bulben von Gbartrefl (geft. 1029) SJJaria als bie <V 
bieterin ber (Sbriftenhcit bingefiellt hatte, ja $eter Da» 
miani (geft. 1072) fit al« bie voUenbete, im ©ettbeit 
eibobene Kreatur, btt alle ©ewalt im Gimmel unb auf 
(irbtn gegeben fei, Brie«. 

Sie Pilgerfahrten ju ben heiligen Stätten in 3eru< 
falem veranlagten bie (finfübrung noa) anberer Sau» 
formen, bie jrbod) ebmfo wenig, wie jene fileeblattform, 
fid) einer febr aflgmeinen «ufnabme bei ber Anlage ge« 
wöbnlicber Äircbcn ju erfreuen hatten. SKan barf viel» 
leicht We gelfenlitcb« von 3orbignano unweit Ottanto 
bierber }ät>Ien, bie eine fo merfmürbige «ebnlicbfeit mit 
ber JtapeBt bet $eiena bat, bap man verfugt wirb, 
eine 9tadjabmung berfelben anzunehmen. Doch finb bie 
vier triefenben Säulen tytt burd? Pfeiler mit angelegten 
apalbfäulen vertreten, bie Xerfc ift jirmlieb flad) gebal* 
ten unb eine erhöhte Kuppel über ber Witte febit ganj. 
iii ur bie gelber vor ben brei Äpfibtn baben flacbe Jrup» 
p>ein, unb bie übrigen ied)S ftbtbeilungen ber Dccfe ftno 
„f partenartig" au«gebauen, fobafi jebe in vier fleine 
Kreuzgewölbe )u zerfallen febeint BT )- Die £öblenfircbe 
fann ju einer 3<" entfianben fein, ba bie Kapelle ber 
Helena nur nod> ein proviforifebt* Äoljbacb ba"*- 3n» 
befjen ld#t fid) ba« Älter berfelben leibet niajt befiimmen. 

-fcdufig fommen aber Heine Äuppelbauien vor, in 
betun man bie ünaftaft« )ii ^erufalem nadjbilbctr. $ifa>f 
Weinwerf von $aberborn fanbte ben JIM 3Qino von 
Jgilwartdbaufen eigen« naa) 3erufaUm, um von bort bie 
Wafje bet Äira>e unb befl b'ilig'n ffl tabe« ;u b oten *»). 

87) €4 uli. Dtafm. Ux Stuart to WtilulaUtxt in Um«t» 
1. 270. 88) Vito Ueiavrerct c. 216 M Peru. 
UM. Setipt». U, 168. 



«Eint bet merfwürbigften »rabfireben bieftt *rt ift bie 
Äapeüe ju 2>tüggelte unweit Soeft in SBeftfalen. 5)af 
fie biefe Stbentung batic, lägt fia> naa? bem, wa« bureb 
©iefer« übet it>rc ®efcbia)te befannt geworben ift, nia>t 
bezweifeln, unb feibft bet 9iame Drachlete, ben fie et' 
bielt, unb au« bem fpäter bie je$ige OrMbenenuung 
Drüggelte würbe, ift wabrfcbeinliw nur eine nieberfäcb' 
fpifcc ileberfeeung von ftnaftafi« OBeriaffung, lete, oe« 
Sarge« ober ber Stubt, druch) ••). Sei biefer unb 
mannen anbern JEapeQen äbnlia>er Kit wirb bie Ser' 
mutbung, Tli-i fic bem briligen ©rabt in Otrufalem uad)< 
gebilbet feien, befonberö burA ba« Sorfommen eine« 
Äranje« von jwolf Säulen unterfiüjt, nnb in einigen 
gällen ifi auf erbem naajjuweifen, ober tvenigften« *u 
einem bob<n ®rabe von 2ßabrfa>einlia>feit ju erbeben, 
baß innerhalb ber 9iotunbr äbnlia), wie bei bem Sau 
be« kil. $etroniu« ju Sologna, ein Äenctapbtum ge« 
ftanben Sjabc , wetd)e« ba« ®rab Qfbrifii vorfirlltr. Selten 
waten aber biefe Kuppelbauten mit »irflidjen Äircbcn 
vetbunben, wie in S. ®ereon }u (Söln unb ber ebema-' 
(igen SKarienfirebe auf bem barlunger Serge bei Sranben« 
bürg an bei {»avel 9 ^). %ur bie Xempler bauten wirf« 
li$e Auppe(fira>en in runbet ober pologoner gorm, bie 
niebt blofe @rabfape(len fein fcUtett. 3br Sotbilb bat' 
ten fie ebenfall« in 3erufalem, aber e« war niebt ber 
fpätbvjanrinifcbe Sau, ber bamal« für bie ®rabfira>e 
(Sbrifti galt unb necb biefe Sebeurung bat, fonbetn jener 
urfprünglia) CCouftantinifa>e Sau auf bem ?Bla(e be« 
Salontonifcben Tempel«, beffeu Siiita fie ftcb nannten. 
I icfc 9iotunbe, bie wieber reftauritt unb jum ®otte«' 
bientt etngeriebtet war, bejeiebneten fic al« ben Zempel 
®otte« ober be« ^errn , im ©egenfati gegen ben Sempel 
Salome'«, worunter fie bie SRofcbet el ilffa verjtanben, 
in ber ber Äönig von 3rrufalem feine SBobnuna auf» 

Sefcblagen batte. Da« Silb biefe« Miinblempelfl fübtten 
e in bem Siegel be« Orten« •»). 

«Üe biefe drfebeinungen blieben jeboeb nur vetrinjeli. 
Siel allgemeiner a beben ftcb gewölbte Aitcben fa>on im 
Anfange be« 11. 3abtbunbert« in Sübfranlreirb, nameut« 
lieb in bet Sroven^e, ber fluvergne unb Surgunb. VI bet 
bie ®ewölbe batten biet feine fperiftfd» bO|antinifd)e gorm, 
fonbetn e« waten Sormengewdlbe, bie hier vermöge 
einet altrömifajen Xrabition fia> erhalten baben, ober 
aueb Serbilbrtn entlebnt fein tonnen, bie bamal« nod? 
in jenen ®eaenben befianben baben mögen. 3rt ber 
Xbat ballen |id> biefe Aireben aueb in ber Hu«iübrung 
unb bem Ornament ber übrigen Xbeile in manebet Se* 
liebung noa) reiner an bie antifen gönnen, ai« bird 
feibft in 3talien ]u jener 3eit gefebeben ift. 

Da« Spflem ber Ueberwelbung mit Jtreujgewölben 
bat, foweit bie 9lacbricbten trieben, bie 9lormanbie am 
frübefien burd^gefübrt, unb bie Anregung baju werben 
bie gried)il<ben 'Brooinjen von Unteritalien gegeben baben, 
in benen fiaj bie Normannen feit 1016 fefrfeften. ?etbrr 
finb in Unteritalien unb Sicilien feine Sauten au« 



HS) Ctgan fnt Ofrijtlldj« Stm$. .'utu U. (9»ln 1864.) 
€.. 89. 90) naget. "Bit B«utrn SanfiantiB'« Ut <8tp«<n 

€. 109-111. 91) 5>af. S. 122-124. 



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GRIECHISCHE KUNST 



S5 — (IV. ABSOIIN. EIN FL. D. BYZ.KUNST) 



itormdnnifaVr 3dt Wann», bie herüber genfigenben Huf' 
ütlup geben tonnten. 

Hebnlirb ift <t> mit bem $rad)tbau be« 3)om« von 
*i'ifa, ber 1063 na* dnem glän unten Siege über Die 
Siriliancr burd) ben Saum einer ittainalbu« aufgeführt 
würbe. Xu ärrujform mixte bin burd) dn ungewöbn« 
Iid> lange« Cuerfdjitf in einer für Italien ganj neuen 
Seife entwirfelt. 3»ar blieb ba« Schiff nod) nad) alt« 
latriniftbet Sitte fladjgeberft, aber über ber SJlfrte be« 
Äreuje* etbob fid> dn mächtiger Jtuppelbctu. Huf biefe 
Äuppel fdjdnt fid» bie 3nfdmft ju bejieben, »ritte ba« 
fünjilitbe Söerf eine« Su«fetu« verberrlitbt. Wan bat 
jebod) bie Sermutbung, bafi von dnem ©riechen ber 
Sau ausgeführt fd, vergeblich. bura> bie Serufung auf 
biefen Tnifiifiii ju unterftüfeen verfudjt. 2Beber gorm, 
noa> Sibrribung be« Warnen«, unb viel weniger ba« 
mitfvetftanbene poetifdje Sriroort fönnen bafür angeführt 
»erben. Hber rro&bem liegt bie Sermuthung nahe, bafi 
Net grtecbifdje Sorbilbtr, bie man auf ffrilianifcbem So« 
ben fennen lernte, majlgebenb gewefen feien, obwcl bie 
nod) vorbanbenen Sauten biefer 3nfel, in benen fleh 
abenblätibifebc, gried>ifd)e unb mandfebe Äunfi ju dnem 
ebenfo pbanta(tifd)en M jierlicben ©anjen mifeten, 
fimmllid) von jüngerem Urfprunge ftnb, al« ber Dom 
von 5?ifa. (Eine (£igentbümlid)frit biefe« (entern, foroie 
ber meinen Jemt-en unb Jbünne btefer Stabt, bilbet ber 
r^mmf be« Heusern burd) blinbe uub offene Säulen« 
atfaben, unb bie Serbreitung eine« äbnlid)en Sdjmude« 
in ber 8ombarbri, in Dalmatieu unb im Dibrintbale 
fpridjt für ben SinflutJ be* pifauer Saue« auf anbete 
©rataben. 

3n anbetn Sbrilen be« Hbenblanbe* bat man ben 
@en>ölbcbau erft fpät unb nidit unmittelbar au« Hn« 
rrgung burd) bvjantinifdje Sorbilber aufgenommen. 9tie« 
bedachten hatte fdne glänjenbjte Sauperiobe in einer 
3dt, wo ber ©ewölbebau nod) utd)t allgemein (Eingang 
fanb, unb e« waren erß bie <Sijterrien|er, welche ben« 
felben and) bortbin übertrugen. SMefelben fdjeinen in 
Cejierreid) auf gleiche SBrife gewirft ju haben. 

ßnglanb erbielt fein Sauföjlem von ben Siortnan» 
nen. IN fanben jebod) birecte Scjiebungen jwifdjen bem 
3nfelrrid>e unb ©rircbenlanb burd) bie Sermittelung Der 
Schiffahrt in febr früher 3dt fiatt, uttb vielleicht erflärt 
jtd) barau«, baj» bie englt|d)cn Aircbenbauten dnen von 
bem fraujofticben ganj abwrid)cnben @runbrif annabmen. 
Sie bereiten nämlid) nid)t ben runben ober fodter edigen 
gotbifeben Qhox bei, unb fügten ein jweittfJ fürjere* 
Duerfd)iff lunitt bem ^austquerfd)iff binju. ®o nabm 
ber ®runbri$ bie @eßalt be« ciflcnthümlidsen bogantini« 
jdjen Areuje4 an, weld)«« ^wei ober brri Otuetatme von 
verfdnebenet Sängt bat, von benen ber obere vermutb« 
lid> bie 3n|'d)riftiafel mit bem L N. K. I. unb ber untere, 
ber abet aud) feblm (ann unb nitbt feiten fd)räd gefrellt 
wirb, dn gujjbret »orfteUt. «unerbem finbet jtd) biefe 
©eftalt be« Jtreuje« im Hbenblanbe nur febr feiten, am 
bäuftgftfn nod) in Sotbdngtn, we«balb bie granjofen e« 
ba« lotbaringifaje nennen**). 



92) Didroa, tconopsphte p. 3H9. 



3n cfner anbem ffirift ndbfnt Heb We Äirdwn In 
Ungarn bem br<)antinifd;en Saufnftcme. Gic baben bret 
ungewöbnlid) fur^c Sdjife, brei neben einanber (iegenbe 
G>br-mifd)en, von benen bie mittlere nur wenig über bit 
anbrrn binaufttritt, unb fein Duerfd)ijf, fobaf bet @rnnb« 
rip faft quabrarifd) wirb. Timb bie beinernen ^vta« 
mibenDddjer ber Sbürme unb ben 6d)mnd bet Äalb 
fdulen an ber Hufcenfrite ber «pftben haben fte fogar 
rinige 9Jerwanbtfd)aft mit ben armenifdjtn unb ferbifeben 
Sauten. Sri ben flrinen Sauten von bmcnttni|'d>rt 
Hrt, bie in Dalmatien jer^reut jinb, fommt baiu nod) 
bie eDtptifdje Ueberböbuna »*) ober fogar bie fm 3nnern 
fonifdje ©ejialtung be« Äuppelgewölbe« •♦). 

Xiefc @rfd)etnung ift unjrrritig burd) bie Seniri> 
rung mit Serbien unb ber armenifmen Hu«wanb«rung 
(f. oben €. 37) ju erfldren. 9tan fönnte fogar nod) 
weiter gehen unb bie Ueberrinftimmung mana>er gt>t' 
men be« romaniffben ©rbl« im Hbenblanbe mtt ffigen« 
tbümlidjfeiien bet atmtnifeben Hra>iteftur bem (Sinfliiffe 
ber J^atbattr, Dianidjäer unb Hlbigenfer tufebrdben. Xit 
SRuintn von Hni haben dne auffaDenbe flehnlithfrit mit 
ben romanifd>en £rrd)en be« Hbenblanbt«. (Ebenjo tr,v 
gen bie merfwürbigen Sogengrappirungen an ben gaca> 
ben von <£tfd)miabdn , fowie von @amthawi unb SRftcbeta 
in (Georgien unb ba« Svmpanon über ber ibüt von 
®elatbi mit feinet €ru(ptur gan) Den Qbatafter, ben 
Wir im 9tomanifcben antreffen. Sorflügfid) aber bit 
pbantaftifd)en ibierbilber ber remanifdjen ihrd)en, bie 
fdjon ber hdlige Sernharb für finnlofe Hu«geburten 
dner »iigdlofen ^h«ntofie «rffättc, unb über beten Se« 
beutung man fia> mrijt vergeMia) in ben Sefriarien unb 
fogenannten Physiologi be« aRtttdaltet« Statb« erholt, 
erinnern an bie eigentbümliiben, an altpetTtfcbt unb lau« 
fajtfd)e heibnifdje Hltenbümer anbdrpfenben Ornamente 
ber Jtathebrale von Jtntai« unb anberer faufajtfttjer 
Äird)ra •*). 

3n ber l ba i waren bie Aarbatet in matteten Statten 
3talien« mächtig genug, um einen gewijfen Sinfluft auf 
bie Hu«bilbung ber Saufunfl üben )u fennen. «ber 
freilid) unterfdmbtn ftd) bie romanifd>rn Sauren 3<alien« 
auf ber anbem Sdte wieber wefentiid) von bem Stvle 
ber untern xionauianver, von Denen Die itjercreitung otejet 
Sefre au«ging; unb man müßte annehm/n, bat) fte nur im 
Stanbe gewefen wären, ihrer Drnamenrirung <f ingang 
ju verfthaffen, auf bie ©efammtform oet Jlird)cnanlage 
bagegen feinen (Sinjlu^ gewonnen hätten. Huf bet an« 
bern Sdte batf man aud) nid)t überfthen, ba$ bit barotfe 
romanifdje Omamentirung nahe Serwanbtfd)aft mit ben 
pbantaftiidjen Bt'tbnunaen ber 3nitia(en jdgt, bie wir 
bereit« in ber farolingifcben $eriobe beobachtet haben. 

3n Untedtalien begegnen un« bie dtatbara feltener, 
obwol bort »ßaulitianer im bp|antinifd)tn 4jeere gefämpft 
haben. 4^ier in ber lauffirdje S. ®iovanni ju «fönte 
S. Hngelo lernten mir (Sb. 84. S. 346) dnen Sau 
fennen, ber bem armenifd)en Stöle febr nahe jtebt, 

93) QHtc Ifcciatr in in iatyl. b«t f. f. •.•mtral«domimm'e« 
fit ®aabenrm. 5, 267 »at %iq. 87 aif 6. 255. 94) Sa(. 
(5. 183. 96) 'i'ciridf tu («Wmm, MonamenU d'architmtar* 
Bjriaotln« en Q«orgie «t en Arnenie (St. PetonDong 1869). 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 56 



— (IV. ABSCHN. EIM'L. D. BYZ. KUNST) 



wdhrenb er auf brm ©ebietc ber römifdjrn Stirbt oftne 
rtfptcl ifl, unb wir würben min umbin tonnen, ben* 
felben von folebeu armenifeben (finflüffen herzuleiten, 
wenn wir nicht 6 er Jtuppelanlage ein böbere« Alter bei' 
legen bärfien, al« ben $J}rofilirungen , welch« bie ijtfen 
be* ©ebdube« au«füüen. (5« wäre freilief} nod) eine 
anbere (Stflärung biefe« merfwürbfgen Den f mal« mög/ 
lieb, baß" ndmliei) bie ungewöhnliche 6onftruetion«weiie 
beffelben burch bie «raber ben faffanibiftbrn Sauten in 
Kerpen entlehnt unb auf ibre Sauten in Stcilien über» 
tragen, unb auf biefem SBege ju ben normdnnifcben 
Seperrfdjera von Vlpulien gelangt wdre. 3nbeffen fen» 
nen wir feinen arabifd)en Sau, ber eine Analogie b,ierju 
barböte unb eine folebr Stnnabmr rechtfertigen tonnte. 

So feben wir alfo i<icr unb ba btijanrinifche dinftäffc 
wirffam, beren Duellen ftch in febr verftbiebenen 9iid>« 
hingen ergießen. Ibeil« ftnb <-3 bie ,§anbei«bejiebungen 
jum Orient, tbeil« bie $ilgerreifen nad) bem gelobten 
üanbc, ibeil« politifdje Serübrungen , ja felbft bie arme« 
nijebe «u«wanberung, welche bvjantinifcbe Ännfi nach 
verfdjiebenen ©rgrnben be« abenbldnbifdjen guropa bin» 
tragen. Daneben baben wir aber nahe verwanbte (Sr« 
febeinungni, t>auptfäcrjlid} im ("üblichen fcranfrrid), ange» 
troffen, bie an einbeimifche unb altrömiftbe Erinnerungen 
unb Sorbilber anfnüpfen, unb nicht wobi au« einer 
Uebertragung bpjantinifeber Äunft abgeleitet werben Mir-* 
fen. 3mmerbin ift bie Sinwirfung von Spjanj weit 
vrrjweigt unb bebeutenb, aber — wir muffen wieberbolt 
baran erinnern — nicot fo mdebtig, Daß fict> nicht ber 
eigene ®eift ber abenbldnbifcben Sölfet in ber Sri, wie 
er ba« gremDe ftdj zueignete unb weitet bilbele, geltenb 
gemacbi hätte. Ba« er gefebaffen bat, trägt ben Stem- 
pel be« bpjantinifebeu Uriprttng«, aber e« i(t nicht met)r 
bpjantinifd); unb a(« im 13. 3ar>rbunbert bie Nationa» 
litdt ber germanifdjen unb romanifdjen Sölfer in ibrer 
Sprache unb Literatur jur vollen (Sutwicfelung gelangte, 
ba fheifie aud) ibre JJunft, inbem fie biegorm annahm, 
welche wir unfl gewöhnt haben, gothifd) ju nennen, ben 
lebten Schein be« Spjantinifcbeu ab. 

Der gotbifebe Srpl ifi in feiner Seife mit ben bpian« 
tiniidjen formen verwanbt. Die ©runblaae biefer feil« 
widelung berubt, in fofem fie von ber VI u tu ab nie be« 
Spi&bogen« abhängt, eher auf maurifrbeu Sorbilbern, 
welche burd) bie Sermitteluna ber Äreuifabrer nad) (Europa 
übertragen würben. 3nbef|en ift e« bod> bemerfen«wertb, 
baß in bem erften Drittbeil be« 13. 3ahrbunbert« jwei 
befonbere gönnen aufgenommen würben, weldie aller» 
bing« nur in bojantini|d)en bauten ibre Sorbilber baben, 
nämlich bie Serjferung ber Säulen burd) fteinerne Glinge, 
welche ben Schaft in mehrere «bfcbnilte tbeilrn, unb ber 
Lettner, Leotorium, welcher ben (?bor von bem (Schiffe 
ber Äirdje trennt. 3ene Säulenringe würben jur Ser« 
jierung ber portale unb ber Säulen, bie ben Anfang 
be« Gbor« bezeichnen, gebraucht. Sie gleichen ben Stein' 
ringen, mittel« beren in (Sonftantinopel unb anbern 
Orten, wo man alte bpjantinifd>e Sauten finbet, nament» 
lid> in tfairo, angewanbt waren, um in tiefen ßifternen 
mehrere 6dulenfidmme über einanber anbringen ju fön» 
nen. £ier Meuten fie einem teftonifd)en 3 wtt ' t ' 3" 



ben ,ft treten be« Slbenblanbe« bagegen ftnb fie nur De» 
coration. Sir hoben fte vereinzelt in einer unteritatt« 
fd)en tfrvrfc gefunben, bie auch in anbern Sejiehungen 
einer bvjantini|d)cn tji^eme glich. Sonft fommt bie 
Serjierung ber €du(rn burch knoten, $rrlenrincje unb 
bcrgleichen twar fchon früher in SDiiniaturen unb bei 
ÜRelallarbeiten vor. Aber bie eigentlichen <Ringfdu(en 
treten etfi im 12. 3ahrhunbert an einigen franjöftfchen 
Sauten auf, worauf fte im 13. 3«hrhunbert ftd) auch 
über einige ffiegenben Seulftblanb« verbreiten. Sie finben 
ftch jebod) nur in foldjcn .Wirdjrn, welche eine üenben) 
ju ber im gothifchen @t»l voQenbeten (Sntwicfelung haben, 
namentlich in ben teutfeben Sauten be« fogenannten 
Uebergang«frplr«, unb verfchwinben wieber, (obalb ber 
vollenbete gotbifebe @tpl auftritt**). Die Seltner ent< 
fprea)en ben bp^anrinifchen dborfchranfen. 6ie bienen 
juweilen in itlofter» unb Domfirchen )ur Trennung ber 
3Röncbe ober ber Sapitularen von ber ftemeinbe. Sber 
nicht immer haben fte biefen 3wecf, unb )u weilen ftnb 
fie auch in ben gothifeben Jtird*enbaulen beibehalten. 

3m ©anjen hat aber bie (gntwidelung De« gothi' 
fefaen 6tpl« 9tid)t« mit bem b»)antinif<hcu gemein, ba 
fte wefentiieh auf einer Sntwicfelung ber religiöfen Hn» 
lichten beruht, bie ber bpjantinifdjen Denfung«art gerabe 
entaegengefe$t ift. Sir haben an einer anbern Stelle 
nachgewtefen, wie bie auf ba« Stubium be« Üfriftolele« 
ftd) itüBenbc Sd)olafrff e« war, welche in bem gotbifebeu 
Stple ihren Hu«bruef fanb, wdhrenb bie romanifchen 
Kirchen mehr bem auf fBlato'« 3beenlebrc gegrünbeten 
3R vft ici«mu« entfpracben, welcher bem bp)antinifd)en 3ie 
ltgion«fpfteme ndher verwanbt war (f. ben »rt. Gotbi- 
schc Baakunat). 

e) tSitbaUx Xünüi. 

3n Sejiehung auf Sfulptur unb SRalerei fteht e« 
nia)t anber«. Diefelben SBege, auf welchen bpjantinifebe 
Elemente ben Hrcbiteften be« Abenblanbe« jugeführt wur' 
ben, haben ohne 3ivafrl auch bie Silbhauer unb 9Kaler 
mit ben Sor)ügen ber bpjantinifchen Äunft befannt ge« 
madjt. Die unmittelbare (linwiifung ift fogar bei biefen 
noch größer gewefen. Spjantintfche Jtunftwerfe, weltbt 
burch 4>anbel unb ©efebenfe im abenManbe verbreitet 
würben *'), boten ftd) al« Wufter jur Nachahmung bar, 
unb wir baben guten Qrunb ju vermuthen, baß abenb« 
Idnbifche Äünftler gerabeju bei ©riechen in bie 8ehre 
gegangen ftnb, ja wir haben in biefer Sfjiebuag fogar 
einige Nachrichten , bie febenfall« nicht geringe Sead)tung 
verbienen. Seiber erftreefen fid) biefelben nur auf 3talien, 
wdhrenb wir in ürutfdjlanb unb granfrrid) Irbiglicb auf 
bie Serglrichung unb Seurtbeilung ber erhaltenen jtuuft = 
benfmdler hiugewiefen ftnb. 

3n 3talien ftnb Senebig, Unteritalien unb Sloren) 
von Sicbtigfeit. 3n Senebig, ba« bi« )um 12< 3abr- 
hunbert feine gactoreien in Uonftantincpel hatte unb 
fogar in gewiffem Wafie nod) bie Oberhoheit be« gricd)i< 

9G) !{lcTfll. SC i<tflcen b a <b in Itu MNWhjlgtll f" I.'- ÜVn« 
lTal>'jomm<(iioii 7. 63. 97) @d)naa|<. (Sr(<b. >tr bilbt^ot 
Jtiinll» im a»itl«taltrr. 1^.2. Wblti. 2. ©.571. »»mehr, 3lal. 
S^imgcn 1. 315. 



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GRIECHISCHE KUNST 



57 — 



(IV. ABSCHN. EI N FL . D. BYZ. KUNST) 



einige 
tafeln 



fa*" Astifat anerfannte, obgleid) e« ber Iba! rod fiel) 
bereit« nacb Umftänben al« unabhängiger Staat gerirte, 
ff 61t« e« nid>t an gritdjifdjfn Jtunfterifugniffen, bie jiir 
$ad)abmung, reijen fonntrn. Die Pal* a'oro, t>te niel» 
lirtt übür, bie beiben <llorpb»rpfeiler an ber Sübfrite ber 
Warcu«fird)e , bif reiche »eute von «onftantinoptl ge< 
hören baf>in. Die fpäter binjugefügten Sbeile iwt P&ls 
d'oro unb bie §aupttbür von S. War«, weld?c laut 
bet barauf beftnblidwn 3nfd>rift 2eo be s Äolino, 1112 
'Jtrecurator von 6. SRarto, verfertigen lieft, {eigen, wir 
man foltfje Borbilber brnuble, wie weit man bintet ben 
Originalen jurüdblieb, aber aueb, rote felbftänbig bif 
venetianifoben Jtünftler verfnbrrn. 

^Beliebig befibt nod) oerfcbirtienc Sfulpturen von 
rvjdtuinifd>em Styl. Dabin geboren außer ben Säulen 
an ber «ußenfeite unb in ber Terhalle ber OTarcuflfircbf 
je an bet »orbfeite berfelbrn eingemauerte SRelief« 
in unb ein paar in <ßrivatf)dufem befinblicbe »tun« 
nen. @« ift aber jwrifelbaft , ob biefelben au« ©riedten» 
lanb berübergrbradjt ober nldjt vielmehr in Benebig felbft 
grarbeitet ftno. 9iamrntlid) bie Säulen unb ibre Jtapf« 
teile würben bereit« früber befprodjrn, unb wir baben 
geffben, baß wabrfdjcinlid) bie bviantinifcbe ffieife an 
ber gangen Jtüfte be6 ®olf« von Sienebtg verbreitet ge< 
wefen ift. 3m 3nnern ber 9Rarcu0fird>e ftnb an swei 
Pfeilern SJtormorrclief« mit fdtönen ftfbfnbfn 3Rarirn 
eingefe^t, beten bpjantinifeber Urfprung ttofc ber «uf« 
febrift MP BT ebenfaft« febr bcjweifelt »erben fann. 
3ebenfall« war Senebia rin fünf: , wo bpjantinifa>r 
Äunft 9ttd>t« weniger M unbefannt war, unb fiberbie« 
bilbete et burd) feine tage ein (Smporium, weldiefl ben 
Öanbel mit grieebifebrn Äunfterjeugnifftn für ba« mittirre 
Europa unb jumal für $rutfd)lanb vermittelte. 

Da« griecbifdje Unteritalien unb Sirilien t>allc eben' 
fall« gried)ifd)t .(fünft. Wan fennt bavon einige Spuren 
au« bem 11. 3«brbunbrrt in Gapua, «malfi, «vellino, 
Otranto unb anbern Orten. 3n S. «ngelo in gorrai« 
jii Papua bemerft man fogar eine ber bojantinifeben 
ähnliche fpflrmartfdje »u«fcbmüdung ber Äitdje. «ber 
al* entfernte unb ftet« unfiebere ^rovinjrn fonnten biefe 
Wegenben (eine äunftibärigfeit entwitfeln, bie mit ber 
be« rigentlicben bpjantinifdien 9teid)« ju vergleichen wäre. 
SBaö bort von ältetn Äunftwerfen übrig ift, gibt bavon 
feine febr vonbrilbafte <BorftelIung ••) , unb wir feben, 
baß bebeutenbe Arbeiten, wie bie Kgeminatbüren unb 
bie Wofaifen für SHonte (vafftne von @onfiantinoprl m. 
fdjnrben werben mußten, «ber burd) Ämalft würbe bier 
ber Sejug folther ©egenftänbe in äbnlid)er SBeife va> 
mitte», wie burd) SJenebig, unb e« waren bauptfäcblicb 
bie reichen unb bevounbern«we«beti (frjeugniffe ber Jlunft 
unb 3nbufrne, welcbe bie normännifeben «benteurer 
lodten, Ina- ibr @(ütf i« verfud^rn. @6 beftanb fogar 
nod) lange, nad)bem bie ®ried)en ibre ^errfa>aft bort 
eingebüßt bitten, in Unteritalien eine gried)ifd;e 91aler< 
fd>ule fort. Die gamilie ber SJojamani, bie in Drranto 
nod? im 15. 3<>Wiinbfrt tbäHg war, ift bi»länglid< 
befannt. 



M) «wnjbolrii (1864) 2, 489. 
.».«.«.dt 



iBon glorenj enblid) boben u>ir gefrben, wie nadi 
einer freilid) beftrittenen lleberlieferung bort ber Äunft« 
betrieb burd) @riecbra, bie man ju biefem Swtdt btv 
beirief, begrünbet fein foll. Die« gcfdjaf) ju einer 3eit, 
ba bie bujantinifay Jtunft bereit« tief gefunfen war, unb 
in ber 2bat fdKinen bie glorenriner junäcbft bei biefa 
gtfunfenen Stbule in bie tfebje gegangen ju fein, inbem 
ibre 'äRalerei an bie fd)ied)te, fteife unb braune 9Ra(ctei 
be« 13. 3abrbunbert« anfnüpft. «ber bie« war nidjt 
überall ber gall, an anberu Orten ftanb man, wie wir 
feben werben, mit ber beffern bv^anlinifdren 2ed)nif ber 
frübem itit in Sejiebung. Safari wu^te aderbing« 
von ber altern @efd)id)te nur au« feiner iBatrrftabt ju 
erjäblcn, unb inbem man feiner Darftrllung eine aDge- 
meinere (Geltung jufebrieb, fanb man ba« SBorurtbril 
begrünbet, al« ob alle bmanttnifd)e Äunft ft* von jeber 
in biefem 3uftanbe ber ©tftarrung btfunben ^dtte , fobafi 
alte @emälbe unb Srulpturen nid)t feiten fd«on be«wegeu 
für bpjantinifd) erfldrt würben, weil fte befonber« alter, 
tbümlid), fteif unb rob erfd)ienen. 

(Sö fommt aber noeb binju, 6a^ felbft bie eerberbte 
bpiantinifdje Jtunft immer nod) Elemente batte, weldK 
geeignet waten, einet neu erwad>enben Jlunft frudjtbare 
xeime .lujufnbrcn , um fo nuhr, al« fte burd) Stuftet« 
bilber au« einet beffern Seit untetfhiftt werben fountr, 
bie rnrweber in ba« «benblanb au«gcfübrt obet von 
benen, bie an Ort unb Stelle bie bewunberten 5Betfe 
frühen r Sage auffuebten, auf griediifd)em Soben frubirt 
würben. Selbfl an bervonagenben antifen ffierfen war 
eonftantinoptl rro( ber großen Bcrlufie, bie e« erlitten 
batte, immer nod) rrid)**), unb wir baben bereit« ge> 
feben , wa« bie gtanf en bort ju «m'tören unb ju rauben 
fanben. 8ange nad) ber tütfifd)rn Eroberung von Pen« 
ftanttnopel fab ^ierrc @ille« nod) an bem Xriumpbbogen 
be« Xbeobofiu«, bem golbenen '3 bore, bie 9trlfef«, weld)e 
bie «tbeiten be« £etfu(e« bar^elltcn. Sie ftnb beutige« 
üage« fTeilid) burd) eine Seränberung be« mittlem 
$urd)gang« jerftört. ffiir erinnern un« ferner, ba£ 
©enrile ©eUini nod) bie «elief« ber Sdule be« 2beobo« 
flu« jeid)nen fountr. Hud) in ben »llrotfinjen gab e« 
ohne Sweifel nod> mandie« Denfraal be« «Itettbum«. 
«I« 6er Normanne ©obemnnb 1107 in ®ried)tnlanb 
einfiel, ftanb auf bem Ihne von 2>pnbad)ium, oor 
welchem er fein riagcr auffd)lug, nod) eine bron|ene 
JStiterftatue '). «ebnlicbe Xenfmnler werben aud) an 
anbern Orlen oorbanben gewefen fein, unb fie fonnten 
ben abenblänbifd)en Aünftlern nicht unbefannt bleiben, 
nad)bem einmal ber Serfebr mit bem bp)antinifd)en 
9ieid)e lebbafter geworben war. 

®ir wollen nun feben, wie weit ftd> bie SJerbrei/ 
tung ber bojaiitinifdjen leebnif nad) bem «benblanbe 
verfolgen läßt, unb bann erörtern, in wiefern bpjan- 
tinifdK tSlemcntc in bem Stple unb ber X^rfteDungÄweife 
ber abenblänbifeben Denfmälet ftdjtbar werben. 

i 3f.ii ii tf j <£« gibt im «benblanbe Sfulpruten 
von großer Unvollfommenbeit unb altertbüm(id>em «u«- 

99) Hegne , Seriurkt arlU upera, aub imperaloribiui Bjrxan- 
tinli, in CommeotaM. Sooiet Gotting, hut. pbilol. 11, 31. 
1) Anna Vomn. Alexia., lib. 13. ed. Pari«, p. 380. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 58 



— (IV. ABSCIIN. EIN FL . D. BYZ. KUNST) 



feben , feit (14 burd) 9?tcbt« au*jri*nf n , al« burd) ihre 
Mängel unb gerat» um biefer Wängel willen für bvjan« 
tiniicb a/balten werben. Sie finb fteif unb leblo« in 
ihrer Haltung, von unnatürlich lang gebraten Verhält« 
niffen, unb mit ©ewänbcrn bcflribet, bit in parallele, 

ficsroene galten gelegt finb. tj« finb mangelhafte Serr 
udje einer erwacbenben Jtunft, ba« ungefüge Material 
mit ned) unvollfommenen Wittein ju bewältigen. Die 
bv}antinifd>e Äunfi bietet leine Sinologie baju bar. 

(Dagegen gibt e« eine Seihe von Sfulplurcn, bie 
ben erften 3«ten ber wiebererwadjenben abenblänbifeben 
Jtunfi angehören , unb bereu 2ed>ntf eine fo höht Weiftcr* 
febaft befimbet, bafj üe unleugbar eine gebiegene unb 
auf lange, vielleicht 3ahri)unbertr lang vorau«gegan« 
gene Hebung unb (frfabrung fieb ftüfccnbe Schule »er» 
au«feM. 

An ber Spifce biefer Jcunftbenfmäler fiehen bie 
Sfulptureu be« Siceola ^ifano, ber im Vi. 3abtbunbert 
befonber« in üueea, fNfa unb 6iena arbeitete. (Se ift 
befannt, bafi 9?icrola jum 5beii SBorbilber bcnu&t unfi 
mit einer gewiffen greibeit nachgeahmt hat, bie fid> auf 
einigen ber im (iampo 6anto ui *flifa aufgefteUicii an« 
tifen Denfmdler bejinben. Allein biefe« StuDium ber 
Äntife reid)t nidjl bin, um e« erflärlicb ju finben, bafi 
er, ber juerft unter ben italienifchen SLMlbbauern etwa* 
$rnncn«wertbe« leiftete, gleich im Stanbe war, mit einer 
fo voQenbeien üecbnif aufzutreten. Wan fann aber er' 
in ihm, wo er feine Schule gemad)t bat, wenn man 
beachtet, baft er urfunblicb al« ber Sohn eine« Uetru« 
von Apulirn bejeiebnet wirb *). 60 hohen mir alfo hier 
eine unjweibeutige $inn>eifung auf bie (Sinwirfung einer 
griechifchen Schuir. 

3n leutfdjlanb treffen wir bereite im 11. 3abr« 
bunbert eine SReibe von Sfulpturen an, bie ebenfalls 
von einer »ortreffltcbfcit finb, welche nur in ber 35orau«> 
fr&ung einer fremben 6d»ule, bie wieberum nur eine 
bfljantintfcbe fein fann, ihre <irf (drang finbet. <i# ge« 
hören babin vor VI Hein bie }u $üd)erbetfeln verwanden 
(ilfenbeinplatten ber münchener 3taat«bibliotbef, von benen 
ein Ihril ju ben @efd)enfcn .jpeinrieb'« II. (geft. 1025) 
an ben bamberger lern gehört. Liefe leQtern mag Der 
Äaifer au* Unteritalirn heimgebracht haben, unb bort 
mag ebenfo, wie bei Wiecola 'JMfano bie Schule ju 
fuchen fein, au« ber jte hervorgegangen finb. Dod) 
fpreeben Stvl unb Inhalt mehr bafür, baf» fie von abenb? 
Idnbifchen Schülern ber griechifchen SDfrifier , al« bafi fie 
»on (kriechen felbft auflgefübrt feien. Sie au«gejeicb« 
netfte tiefer Watten enthält eine ebenfo reiche, alt« burd) 
ihren 3nbalt merfwürbige Gompofition. t£« ift eine 
(»mbolifche D>arftrllung ber Jcrrujigung. lieber bem 
Dreine fcbweben brei llngel unD über biefeu reicht bie 
^anb trotte« au« ben Seifen herab. Unter beut Ärcuje 
minbet fta> ber brftegte Drache. 3» Seiten t>e« ©e« 
freujigten flehen genginu«, ber mit ber Sanje in feine 
Seite flicht, unb ein anDercr Wann, ber ihm ben Gfftg« 
fchmamm reicht, «eine britte gigur in Wamel unb Jtapuje 



2) Crwe ud CW«a«tf<, A new birtorjr of pafntio« in 
Itmlj 1, 187. noK 8 



unb mit einer gähne in ber Üinfen fängt ba« ®lut auf) 
ber Seite Chrifti in einem Jte(0>e auf. <£0 ifi nad) an« 
bem Analogien unzweifelhaft bie Strebe. 2>irfelhe gigur 
ift rrdjt* wiederholt, wie fie bem Aaifer bad 3<'^ 1 * n 
feine« Jluii*. eine Scheibe, wie fie auf altern Silbern 
ben $amen4jua. beö Äaifcr* ju tragen pflegt, übergibt. 
Unter biefer (geene ifl (Shrifti ®rab, bavor ber (Sngel 
unb bie brei grauen bargeftellt, unb unter biefen bie 
«uferftebung Der lobten. 3n ben (Sden fiebt mau 
oben Sonne unr Wonb, unten Werr unb «Jrbe perfoni« 
fieirt. 3wifd»en ben lejtern not eine weibliche gigur, 
bie burd» feine weiteren (Smbleme bejeitbnet ift. Sie fiellt 
ohne 3w*lf«l tint Stabt vor, entweber 3erufalem ober 
:Hn.>. görftcr'6 drfldrung berfelben al6 Svmbol ber 
weltlichen ©ewalt ifl ohne Analogie 

Xicfed fchöne ifunftwerf ifi -n vergleichen mit einer 
(Slfenbeinplatte ber parifer Sibliothef , bie eine ^anbfehrift 
auf 1 bem 5. 3abrhunbert (Suppl. lat. fi50) jiert, aber 
wahrfchriulich bod) von viel jüngerem Xatum unb abenb' 
Idnbifchen UriprungO ift. Xie dompofition ift gan^ 
ähnlich. Wau fleht oben noch bie 3eio>en ber ftvange« 
liften. Die gigur jwifchen Weer unb (Srbe bat hier 
eine Äuge! unb eine gähne, unb ift buröj biefe 3eid)en 
ber aßeltberrfchaft wol unjweifelhaft al« Som bejeidinet. 
Diefrlbe Stoma nimmt bie Stelle be« ÄatfrrO ein. Sie 
trägt hier eine Wauetfronr, unb bält in ber Siechten 
bie gabne, in ber üinfen aber tftwad, bad ohne 3n>eife( 
ber Jtugel entfprecheu foll, wovon id) aber feine (h* 
flärung habe audfinbig maa)en fönnen. SBor ihr ficht 
bie perfonifirirte Äirdie mit bem (Mcftuö p.c Segnrnc*. 

gerner jeichnet fid) unter ben (»rabtuälcm im Xome 
ju SSamberg bat» be* SJifdjofd (günthtr von ciiran 
bürg (geft. 10t>5) befonbere burd) bie Schönheit brt im 
Profil bargefteliten Äopfe« au«, unb vielleicht erflärt 
ftcb auch ba« au« ftlabaftrr gearbeitete @rabmal be« 
«Bapfte« glemenö II. (geft. 1Ö47), eeffen Stpl ganj 
eigenthümlich von allen befannten trutfehen Sfulpturen 
abweicht, unb über beffen Aller baher bie gröfite Wei« 
nung«verfchiebenheit obwaltet, au« ber Annahme einer 
ähnlichen dinwirfung griednfeber Schule. *Dap ba« 
lefctere, wie wol behauptet wirb, in 3'alien verfertigt 
fei, läfjt fiefa fchon be« Waterialö wegen nicht wohl 
annehmen. 

Um bie 3<it ber (Eroberung von (ionftantinopet 
hemerfen wir abrrmal« eine bebeutenbe (Erhebung ber 
Sfulptur in einer Bleibe von Arbeiten, bie baiiptfäcblicb 
in ben ober» unb nirberfäcbfifcben jänbern grfunben 
werben. (Jin« ber bebeutenbften ®erfe biefer Art ifl 
Da« ©rabmal ä^cinrich'« be« üöwen (geft. 1195) im 
Dome ju Sraunfcbweig , ba« nid)t gar lange nad) bem 
Üobe be« welfifchen gürften auflgefübrl fein wirb. 3n 
biefelbc Jett fallen bie vielbefproa>enen 'öilDbauerarbeiten 
in ber ÜirdK ju SBedtfelburg unb an Der golbenen 
Pforte <u greiberg. Wan fpricht von einer fäcbfucben 
Schule, au« ber biefe unb ähnliche Arbeiten heroorge* 

3) «bhltanara in «. «4t«(r. tttnfnak truifdKr «ilbnnri 
1. 9 m* btfffr 111 Mclangci urLhiulo({ti|no« p»r Cakter ttUnrtm 
(P»rU 1851.) T. 2. |d. 4 nitb Labarte, HM. dr. arU indu.tr. 
Alb. pl. 40. OHgiffr Wim <B.I»t>«r SBarr in «Hi»*««. 



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GRIKCIIISCHK KUNST 



— 59 — (IV. ABSCHN. RINFL. D. BYZ. KUNST) 



ganges fein foDcn. (&t liegt ab« frftr nahe, getobt 
um Mefe 3öt aud) biet ben i> infutf einer bvjantinifdjen 
i j'u.f ju vermutben. Natürlich Idftt ftcb nid» ermitteln, 
o* bin bojantinifcbe Wciftrr in leuiicblanb gearbeitet 
haben ober teutfdje üReifter in @enftantinopel ober viel» 
leicht auch nat in 3ta(ien bei ©riechen in bte ?ebre 
gegangen ftnb. 

I rutltcber erfennen um bte «rrbreilung ber grirebt» 
(dien Xcdmtf he« ^üKofaifd im ftbrnbtanbe, wenn rt 
and) vielleicht nur eine Erinnerung an einen ftuebrtirf 
be» Winiu« *) war, ba$ ber 6r>ronif) von (Fava Bon 
einer Hn griedjifdjtt HWaflerung, pavimenturn grae- 
canicum, fprid)t. 

9iaa> rem Berichte M 8eo von Dftia mufjte *bt 
Deftbet iuo von SNonle <$affmo Wofaifarbrtter au« (Jon» 
ftanlinopcl (ommen (äffen , alt er 1061 ben gldnjenben 
Sau c l l m loftet rii.t'i: unternahm, weil bie Xecbnif biefer 
Jfunfi feit 50U 3abren in Italien nid)t mehr befannt 
gemefen fei. Die ledere ©ebauptung, welche bic Sie* 
rufung von @ried)cn erddrrn foU, ift jebodj febwerlidj 
ganj ridjtig. 9Jtit ber gricd)ifd)en Ännrt hatte ftd) in 
Untehtalien unb Sirilien, Die bi« jttr normännifeben 
(heberung enrfdjieben grietbifebe ^rovinjtn waren, wahr* 
fcbeinlicb, audi bie Äunft bee OTolaif* erhalten, wenn 
and) bte bortigen Jtünftler nid)t mit benen ber Aaupt» 
ftabt tioaliftren fonnlen. tue gried)ifd>e Älofiee ju 
(Crotta lu-ruiia tm albaucr ©ebirge, heften Wönd)e ftd; 
au« Spulten bortbin geflüchtet tu haben febeinett, hat 
über bem au« antifen ©rudjftüden erbauten Shorc eine 
fcünette mit einem SRofaif von offeubar gried>ifa>er 9lr* 
bett, tat aüerbing« nicht fehr tur "Hacbabraung auffer< 
bert*). 6* läpt ndi (aunt bezweifeln, ba(j bie Woucbe 
biete Jtunft au* ittrer £eimatb mitgebracht hüben, unb 
ran mithin noch bie Wofaifarbeit in llntcritalien be< 
trieben wurhe. «her freilich wirb fie feiten jur Hnwrn< 
burig gefommen fein, unD grofie funftletifcbe <$kfd)i<fli<b< 
feit wirb man in twn Jtloftern Meier entlegenen unb 
»ernad)läffigten *l<rovinj nicht haben fud)en bürfen. <Bo 
war her Gbronift von SMontr (Saiftno in feinem Secbte, 
Wenn er hie Jhtnfi ber ÜRofaitiften in Italien alt Idngft 
erlofchen betrachtete. Ob bie normdnniftbrn (hobeter 
biefe Muiw'i von einbetmifrben ober fremhen ^rird>en 
gelernt haben, vermögen wir nicht ju entfchetßen, aber 
man begreift, bafs fte wol bie griediffdic 2edmif ftdi 
aneigneten, aber fiod) in $inftd)t brd S»)lt ftd) mehr 
ben frdnfifd)rn Jtunftwer(eu anfd>loffcn, alt ben bojatt 
tinifdten, bie ftd) ihnen vielleid)t nur in geringer 
unb fd)lcd)ter 9efd)afenhett al< Hlufter Darboten. 

«id>t viel fpäter, alt auf «Wonte «afftno, um 1070, 
beginnen hie «Kofaif arbeiten in 6. SHarto ut ißetteeig. 
2)te dlteften ftnbtt man in ber ÄapeÜe 6. $tno, unh 
man will hier manche tvpifdje ®efia(ten ber gried)ifd;ett 
Mut-, wieber erfennen. 3nbeffen macheu bie SNofatfen 
biefer .Kapelle im Ovtmrn genommen bod) nicht ben @in> 
bruef bqjantiuifcber Arbeiten. Sielmehr ifi biet ber Sali 
mit bem Slifchenbilbe über bem Singange, ber au« bem 



M^Mcw mm "t^' 61 " i S ^ I Jm "ltj»)'*"" 



nörblicben glugel ber «orballe in bie Äirdje führt. <S« 
ifi jrbod) ebenfo, wie bie fpdtern Seftaurationen her 
ravennatifebrn iXofaifen, matt in ber Sorbe, unb nament« 
ltd) ohne WobeHtrung berfelben. 9)ur ber @olbgrunh 
hat feinen vollen ®lan) behalten. Demnach febrint tt, 
baft ber Jtünfiler, ber i-u-r nad) einem bvjanrinifdjen 
SWufter gearbeitet hat, in ber fflahl ber S«tben nod) 
fehr befchranft war. 9Bahrfd)einlicb haben in ben Lagunen« 
ftäbten fd)on weit früher 3Rofairifirn gearbeitet. Ußcnig' 
ften* foll hie nicht mehr vorhanbene <Tirdje €. 6vprian 
in Üfurano ein SIBofaif mit SHaria unt> ghrifttt* jwifchen 
©rjengeln unb ^eiligen enthalten haben, auf bem man 
bie 3abr«jabl HH2 lat. Da^ bie bortigen Äünfiler mit 
ber 6dnile von (Jonftantinopel in SJerbinbung ftanben, 
lafit ftd) bei ben Sejiebungrn «enebig« ntm Orient »er» 
muthen. Hbn wenn aurb einteilte Sriecben in iBenebig 
gearbeitet hoben , wie j. 9. jener ifipoUoniu«, ben flnbrea 
lafi nach Sloretu berief, um bei ber 9u6frhmücfung ber 
Jtuvpet von i. Giovanni behüfltd) ju fein, fo Idft ftcb 
hod) Der venriianifd)en <£d)u(e eine gewiffe Seibficinbig' 
feit nicht abfprechen, unb man ifi in feiner Keife )u 
her Annahme genitbigt, oafi jene SNofafcrftenfcbule, 
welche ben groften unb reichen €d)ntucf ber Wartuafircbe 
lieferte, burdt b»iantinifd)e Weiftet gegrünbet fei. Sehen» 
fall« bat fte bie bp}antinifd)c üedtnif nitb^t in aUen 
fünften angenommen. SBenigften« hat man beobachtet, 
bafi hie SRofaifeu von «enebig, 5 tieft unb anbem 
Orten an beut Wolf von äknebig weniger forgfdttig ge> 
arbeitet ftnb, al6 bie gried)ifd)en , namentlich bau man 
ftcb hier nur mit einer $ergol(ung ber @la0wflrfel auf 
Der Oberfläche begnügte, währenb bie ftajanriner bae} 
(«olb nach «rt ber gemalten ®la«fd)alen , welche wir in 
hen Jfatafombengräbctn ftnben, nod) mit einem ®la«fluf 
überwgen. 

3n bem mittlem Italien war allerbina« in ben 
legten 3ahrimnberten bie «uc3fd)mürfung ber Äircben mit 
Wofaifen nid)t mehr vorgefommen. toie begegnet un» 
jttetft wieber in ?Kom, wo bie «hornifebe von 6ta. 
«aria in Iraftevere vielleicht erf» bem 11. ober 12. 
Sabrbunbert angehört (oergl. oben ®. 48). Irofi ber 
^tefiaurarion, welche von $ietro (?avallini im 14. ,V,tbr 
btinbert vorgenommen wurhe, erfennen wir hier befon^ 
ber« in bem febönen ^iattonnenbilbe unb einigen Ingeln 
bie gute bvjantinifchc Schule. Junta! ba6 s Xtahonnen> 
btlb dhnelt fehr ben £ttra0bilbern. Kud) bie IRabonna 
in einem Wofaif über bem füblichen ©ngange von €ta. 
1'i.m.t in ara codi «eugt von gried)ifcber 6cbule. 
Sehr verfdjieben von biefen fine bie Wofaffcn, welche 
in 9tom unb anbrrn Orten, wie glorenj, «Pifa, Jutca 
unb Spoleto im 13. 3abrbunbcrt au«grfut)rt würben. 
Die ^ünfiler, von welchen bie lentern gearbeitet ftnb, 
werben vmt jum 2beil genannt. 3^re 9lamen ftnb, 
wie wir febon früher bemerft haben, ttalienifd). 3m 
8 tri fd)(ie«en ftcb biefe Wofaifen ganj ben gleichjeitigen 
SreOrogemdlben hei florentiner Scbnle an, von benen 
nod) weiterhin bie Siehe fein wirb. 

Die 3Ralerei vermittele} Qlatfluüe« würbe ebenfallft 
von ®ried>ettlanb au« im Sbenblanbe verbreitet. 3nbeffett 
febeinen bie feinen, )ierlid)en, in Qowfhtjfw gelegten 



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GRIECHISCH!? KUNST 



— 60 



(IV. ABSCHN. RINFL. D. BYZ. KUNST) 



(SmaiHen räum bei ben abenbl4nbif*m ®elbf*mteb«tt 
9ia*abmung gcfunben ju baben. Die gröbere «rt betf 
in au#gefto*cne .Rupferplatten ringef*moljenen (Smail 
war befanntli* im Wittelalter febr verbreitet. (S* war 
befonbertf alt Ärbeit ton Sfimogetf, Opas de Limogia, 
berühmt, obrcel etf au* anberwdrttf, namrnth* au* 
in 5eurf*lanC, verfertigt würbe. Tiefe Jtunfi t'*einl 
eher bcrienigen äbnli* ju fein, ivcl*c m jüngere labile 
(tral altf ant (Srftnbung ber Barbaren am Ocean fr« 
wäbnt. 3nbeffen (äffen bie vorbanbenen Denfmäler 
feinen 3ufammtnbang jwtf*cn biefer ältern unb ber 
neuem gimofuirr 2e*nif erfennen, unb man batf wcl 
annehmen, baB grie*if*e (fmailarbeitra bie Bcranlaffung 
gegeben baben, bie alte vergebene Äunjt ju erneuern. 
Datf »bcnblanb bat bann befanntli* biefelbc weiter 
rniwirfclt, unb aQmdlig batf Email cloisonne, ben 
3cllcnf*me() gegen bie vpufommmere SWrtbote betf mir 
bem 1'infel gemalten ©latfjluftetf, bn ben Sojanttnern 
ni*t befannt gewefen ju frin f*cint, aufgegeben (f. bra 
Hxi. Glasmalerei). 

Die Jtunfl betf -SieHo ifi ob.» ;\ivc\d ebtnfaUtf 
Cur* bejantinif*r Arbeiten gefdrbert, Nr in großer 
3abl autfgefübrt würben. 3nbcffen mag bic 2e*nif 
cm acmnanriiajen wioicpmiecm 



ccriciorn 

n verloren gewefen frin, wenu fit au* früh« nur 
rbr geringem Umfangt jur Änwrnbung fam. Die 
äl>!ili*e 2e*nif brr gröpern Slgcminaplattrn f*eint ba= 
gegen weniger ?Äa*abmung gefunben tu haben, Sl»u 
baben gefeben, wir bie Normannen etf vorwogen, an 
ben bronzenen .tirdnbüren bie frblenben platten pur* 
rinbcimif*e (»hinarbeit ju erfe(en. T;r 3ierratben, bie 
man gewebnti* nut aufnietete, f*cinen jebo* jum 
großen Sbeil ebenfaOtf b»janünif*en Sorcilbcrn gefolgt, 
vicüfictt fogar in bo)anrinif*e gönnen gegoffen ju fein. 
Samratli* wieberbolt ft* an ben verffbiebenfien Orten 
betreibe 3ierratb. »efonber« finbet man batf eigentbüm. 
liebe bojantinifdje Äreuj, batf unten in SMdtirrwerf autf- 

Sbt, auf ben meiften bei normänniftben Xbürrn in 
nteritalten unb ganj ebenfo auf ber britten Sronirtbür 
in S. Warco )u »enebig , bie ebenfaQ6 gegoffen ifi. 

4Ba# batf flbenblanb von beT bo^antintfoVra lerbnif 
bei 5aftl» unb Lautmalerei aufgenommen baben mag, 
ift fd>n>er ju lagen. Ik Sßarbtfmalerri bat man jebett' 
faü# mdji angrn"anbt. Tagegen fdyeini bie 9enut>ung ber 
Sergolbung in ®emdlben ben Stajantinem entlebnt w frin. 

Siebte ifi aber vicOeidX raebr im Abenblanbe w 
breitet »orben, al* bie bt»antinifa>en geitengetoebe 
lie berübmieften Stoffe waren aUerbing« immer ne* 
bie orientalifdjen, unb batf «benblanb würbe wn w 
fAiebenen Seiten ber reiAlt* bamit mfeben. «irletf 
lieferten bic feanifeben Araber. SMrranbrta, ^erutf, 9n> 
tiodfia tvaren n>t<btige Stapelpliitje für eeibentioffr. 
Hutf aftatilfben Sabrifen bra<bten oie Xrcu)fabrer grofe 
erbdBe an foleben fojtbarrn ^robueten na* Europa. 
"Ben ben roi*tigRen gahrifortrn I a^atfiutf, ^agbab 
unb ?kbt>lon erhielten bie befannteften Stoffe iorrn 
Samen. l>amati *) beitjt no* beute bie »Ibtreberei. 

Ii 310 



«alba*in ') biet) bamaltf ein foflbare« 
Uarillon bejei*neie jundrbft bie 3rftrü*er aufl ©abelon. 
lanebrn roaren jrbo* fortmäbrenb au* bojantinifebe 
Stoffe verbreitet, unb Vevanrin fonnte man fotool bv)an> 
ttnif*e altf aftatif*e ^robuett nennen. Die Jlreutfabrrr 
ma*ten in Sntiocbia 1097 eine fo unermc£(i*e Srutr, 
bat} au* ber Sirrin fte rri* mürbe, unb barunler »erben 
namenili* Seibenftoffe erwdbnt *). Der venejianif*e 
^anbel mit Sonflantinopel unb anbern grie*i|*rn 
VUw-i "t*t minber rührig, aitf in fruberrn Tagen, 
unb mit Senebig wetteiferten anbere Stäbte, wie ©enua, 
UJifa , «malfi. »eben jenen auf mubammebanif*en 
Urfprung binweifenben Benennungen finbet man anbere, 
bie ft* auf Sejanj begeben. 3rrar feiten wirb <£on> 
ftantinatf ober (ioufiantin altf ein pra*tvodrr Stoff tx> 
wähn *). .».läufig ifi bagegen ber Sammtt, samita, 
sametum, xanütum, examitom, beffen Stamc ni*t 
etwa autf seU mixtum, fonbern autf ^«i^urov, fe*tf« 
brdbtig, abzuleiten ifi, unb urfprüngli* wabrf*rtnli* 
eine anbere ffrt ®ewebe, altf beutigetf Sagetf brjei*' 
net ,0 ). ©rie*if* jint» femer bic «utfCrürfr BoflFa, 
Dibaphus ,_ von tympg, jwiefa* gefärbt n ), unb 



?T'V "w* b*« 

*etf etaaitfrlrip war, 6a? 



weift auf «onf 
Slaramangion ein friegrrif*etf 
man vieQei*! von ben $erfrra entlebnt batte. .Weira, 
bafter ifi freili* ber grie*if*e Urfprung ber tlutfcrürfe 
3mbal '*), (vieDei*t von Hv&en> ober von Sinbb?) 
unb Siglaton ober Sidabetf u ). Slu* bei bm man*er> 
lei noa) erhaltenen Seibenftoffen , gewirftrn unb gefrirftrn, 
we(*e ft* in Sammlungen unb Jtir*cn)*aeen vorftnren, 
l&lt bie 3n*nnng bäufio. auf arabif*en, aber bdufig 
au* auf bo;antinif*m Urfprung f*liet)ra '*). 

(Der Stol.) «Kit ber "Intiuf übte au* ber 
Srpt ber bv)anttnif*en Jhinfi ttinflup auf catf Übenb' 
lanb. Um jebo*. bierüber ein ri*tigetf Urtbril )u ge« 
Winnen, mufi man ft* vor «Oem von ber vorgefaßten 
Weinung frei ma*en, baf nur batf 9tobe, S*le*te 
unb Sewegungtflofe bojantinif* fei. flderbingtf ift etf 
fühlbar, bat) bie b»jantinii*e Jtunfi ni*t mehr auf 
ibrer >^>öbe ftanb, altf fie bie ^ebrerin betf VJlbenblanbetf 
würbe. Smn ein 9iunta von Uh'fa ft* altf S*üler 
ber $v§antiner jeigt, fo rrprdfratirt er bo* nur bic 
verfallene Aunß betf 13. 3abrbunberttf, unb batf gctrt< 
lefe flnfitliepcn an feine Vebrmeifter geret*t ibm ni*t 
ebm )um ¥ortbeil. Simabue aber verhanft feine hervor» 
ragmbe 53ebeutnng wmiger bem, wa« er unmittelbar 
von ihnen gelernt bat, altf bem geiftigra behalte, bur* 
ben ft* feine ®rTfe über fte erbeben. Sein S*ü(er 
Wiotto aber erwarb ft* größeretf «Öerbimft unP gröpem 
9tnf, inbem er mit brr grir*if*m Xrabttion bra*, ben 
(^olbgrunb unb bie Lanier » trstti aufgab, unb ft* 
auf oatf Stubium ber narurii*en (hf*einung »in tue 

7) Tai. p. 251. 9) GW. <V b, äS n Bengami 6e«ta 
IM per Krwroi p. 712- 91 Fraacuqnr ■ Mtrirt I, J62. 

toi rjf. P . ton «»ii. im. i7t. ii) tat p. 2*o. 12) 

tmf. p. 240. IS) Tai- p. 219. 14) Tai. p. 234- 15) « 9 I. 
itufeairl Bt. ««et, »rfd). Kt Um». «raMÜUm 1. 87-32. 
t«A«r rt Martin ,. Mclwg« d i«b«of. 2, 101 «. 233 «ir. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— ■ 61 



(IV. ABSCHN. EINFL. D. BYZ. KUNST) 



Stint 9ta4)\o[.\n warnt taftci n.lu ber SReinung, baß 
er feine SBorjüge von ben ©rirdjrn babe. Gennino 6m» 
nini fagt vielmehr, tt Im Vr bie Jtunjl be« Walen« au« 
bem @ried)i|~dint in Da« ?ateinifd)e unigewanbell unb in 
ba« SRoberne hinüber geführt '*), unb ©bibnti riibmt 
von ihm, nad)bem Qtmabue in ber griccbtjdjcn SWanier, 
an ber tr feftgebalten, ben größten 9tuf in (Strurien 
erlangt gehabt, fei er jur neuen Aunjt burebgebrungen, 
unb babe bie Stobbfit ber ©tiedjeit überwunben "). 
»eibe batten bie fd)led)ten gried)ifa>en ffierfe be« 14. 
3abrbunbert« vor «ugen, unb ber grojje gortfcbrilt, ben 
«etto birfen gegenüber vertrat, ließ fic ba« SJerbdltniß 
tu ben beffern Säkrfrn ber bvjanrinifcbeu Jtunfi überfeben. 

Tie bvjaniinifdje Äunjl bat aber einige Seilen, bie 
audi in ihren fpdtrn unb fd)led)ten ^eugniifen nid)t 
verfamtt werben fönnrn, unb bic ihren (iinflup auf bao 
nbrnbtanb unleugbar geübt haben. Daju fommt, baß 
gntijTe bervonagenbe (Sigentbümlidjfeiten ber ältern unb 
beffern b^antinifeben Jtunft felbft bei ©iotto unb feinen 
■Hadjfolgern a(d djarafteriftifebe SRerfmale wieber b,eT» 
vortreten, wärirrnb anbere (figenfebaften bei anbern Sd>u» 
len foaar rinnt unmittelbaren 3ufaramenbang mit ben 
dllern SSvjantinern voraudfeßeit (äffen. 

Sßir werben bie« am bejten barjulegen im «staube 
fein, trenn wir bie giguren$eid)nung , ba« Golorit unb 
bie (Soinpofttion gefonbert betrndMrn. 

(Die gigurenjeidjnung.) Sd)on in ben Den?» 
malern be« 11. unb 12. 3ai)rbunbnt« maebt ftd) ein 
bv)antinifd)rr (5tnflu§ baburd) bemerflirf), baß an bie 
■Stelle ber früher üblieben furjen unb plumpen ©eftalten 
allmdlig mrbr lange, fd)(antc unb magere treten. Da« 
»benblanb folgt barin ben fpätern btjjanttnifdjm SBerfen, 
obne jebod) immer bie eble, würbevoDe Haltung ju er« 
reteben, bie jenen eigen ju fein »fliegt. 9lm nädjfien 
«ein barin ben Svjautinern bie "Marl ilncona unb beren 
Umgebung. 9?od) bie eigentümlich langgeftredten gtgu< 
ren eine« ©iotto ba gabriano unb Shtjio bi ©ubbio 
mögen babrr abiuleiten fein. 3n Hencbtg jetd>net fidj 
ein SRofaif ber $Rarcu«fird)e in ber üünrtte über bem 
(Eingänge au«, ber au« bem nörblicbnt glügel ber SBor« 
baOe in bie Ainbr führt. Jtein anbere« bat fo febr ein 
.bvjantinifcbe« Ku«feben, aber e« ift auch fein anbere« 
fo ebel unb würbevou* gqeid)net. <S« ift jebod) bcbenflid), 
allgemein jene fteife geinlicbfeit unbeweglicher mcnfdj 
lidjer ©eftalten, leite langgejogenen ©eftalten, jene ©e- 
wänber mit langen parallelen galten auf bnjantinifdj c 
Vorgänge )urüdjufiibren. 3» vielen gälten ift bie« Stile« 
bod) nur bie Unbebolfenbeit einer «ftuuft, bie ftd} au« 
ben en'ten rohen Anfängen emporjuarbelten im SBcgriff 
ift. ©ir baben barüber bereit« in Scjiebung auf bie 
6-fulpturen . «ben. 

Dagegen treffen wir anbere Dtaninen ber 3rid)nung 
an, bie auerbing« von bo)antinifd>en • Vorgängen abiu< 
leiten ftnb. 3e'ne eigentbümtfd>e gorm fhegenber ©e- 
wänber, bie bereit« von ben «ngelfadjfen angenommen 
war, begegnet un« noa) auf ber golbenen SHtartafel , bie 

16) Cennw Crnnini, Trattatu della pitiura, mouu In lue« 
da OiuM. Tambroni. e. 1. p. 3. 17) Cutoynara, Storia della 
Knlcara 2, »9. 



$einrid> IL bem 9»ünfter ju ©ofel jum ©efdjenf mad)te 
unb bie jefit im «ftotel (5lun» ut $ari« aufgefteUt ift; 
ebenfo auf ber 9ltartafe( }u Hornburg bei <&a>n>dbifd) 
<£)all, ferner in ben SBanbmalereien br« 12. 3abrbunbert«, 
»eldjc ju ©raunfdjtveig , «£>alberjiabt unb iSiiteehcni 
wieber an ba« £ia>t gebogen jinb, an ben giguren ber 
golbenen Pforte ju greiberg unb an vielen anbern 2>enf* 
malern jene» 3*it. 

(Sine eigentbümlidje ßinvoirfung auf bie 3rid>mtng 
hatte bie bijjaitttnifcbe unb verrcanbte orientaliftbe Selben« 
Weberei unb Stiderei. Die burd) bie ledjnif berfelben 
einigermaßen bebingte berorarion«md6ige 3«ia)nung würbe 
burd) bie galten, Sanner unb ^erolbömdntel eine 
Sigentbümlitbfeit ber 9Bappen, fte modjtrn nun vor» 
fommen, wo fte wollten. Der Arönung«mantrl ber 
teilt iitcii «K .ttier, ber au« bem «rdjafcc ber normdnnifdien 
Jtönige flammt, ift urfprünglid) ein ©efebenf an Stöbert 
©uifearb, burd) welche« ein arabifdjer @mir feine ^ul> 
bigung ju erfennen gab. Die Unterwerfung unter ben 
mad)tigcn gürften ift auf bemfelben burd) ein «Äameel 
bargeftellt, weldje« von einem Söwen ju Soben aeworfm 
wirb, unb Sid)t« (ann un« beffer, al« biefe« »ilb, über 
ben Urfprung ber b'ralbifd>en 3rid)nuug, juinal ber 
SJappentbitre, belebren ••). 

3m 13. 3al)rbunbrrt trifft man bei ben 3taltenern 
eine SRanier an, bie auf bev 9tad)abmuna von SBerfen 
ber fpätern verberbten bpjantinifeben Jtunft beruht. @« 
ift bie« bie eigentbümlid)e Scbanblung golbener @ewdn< 
ber, weldie man al« bie Wanier » tratti brjeid)net, 
bem tfnfdjein nad) eine mi«verfianbene Nachahmung von 
Emaillen TOan finbet fte ebenfaH« vorjug«weife in 
ber ©egenb von genara, Bologna, Umbrien unb 6iena, 
an bem lebttm Drte 5. 59. bei ber großen SXabonna be« 
©uibo von Siena in S. Domenico, bie mit ber 3abr« 
uihi 1221 bejeidjnet ift. 

^Rebr nod) febeint ftd) bie ftorentina £d)ule fd)(ecb< 
ten buanttnifdjen Sebrern ober 93orbilbern angefdbloffen 
>u baben. Die große SWabonna be« Simabue in Sta. 
Statla WoveUa ju gloren) jeigt bie« in ihrer fcblecbt 
ge)eid)neken gigur )iemlid) beutlid). ÜBeniaer (dßt ftd 
ba« an ben Icöpfen erfennen. Die Äöpfe ber (Sngel 
baben vil' ©ute«, ba* eber bijianrinifdjen 33ilbern ber 
beffnn 34it entlebut fein fönnte, unb ber Äopf bn 
9Karia mdd)t bie großen 'äRängel ber 3eid)nung burd) 
eine impofdnte ©rofanigfeit ber «uffaffung gut Deut' 
lidier erfennt man ben (jfinfluß ber fpäten verberblen 
bvjanrinifcben Sd)ule, wenn man bie Wabonna be« 
Slnbrea 9iico von danbia in ber ©alerie ber UrfM-en 
ju gloreii) mit ben Silbern ber ©iotto'fcben 6d)ule ver« 
gleid)l. Da .finbet man bie langgefd)li(ten klugen, bie 
lange 9tafe, ben Heilten 5Äuub wteber, bie ben fpdtern 
bpjantinifchen tBilbern eigen ftnb. 3nma( bie gefd)libten 
Äugen pflegt «man al« cbarafterifhfd) für ©iotto ju 
halten. 3nbeffen ftnb fte auf ben ©tlbern, bie tbm mft 
«Sidjerbeit jttgefajriehen werben bürfen, nod) vermieben, 
unb fie werben verft ;u einn iRanier feiner 9Iad)tolgn, 

18) 'Jltbilb. tffi Borf ia k<R Süitt^eitungrn brr Gntftal'Qfoui-- 
inifficn für tliteridjuin unb 0rl<altana ber Oiiutrnfm. 2, 124. 
Inf. 5. 19) B«fll. Aginc. Peint. T. 106. No. 1. 4. 6-11. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 62 — 



(IV.ABSCHN. EINPL.D.BYZ.KÜNST) 



bit aHerting« taufig vtrltitct, ihm ©emälbt juntfcbreibtn, 
on benen er feinen Hntbril bat. 

Webt noa>, al« bie 3ta(imer, (äffen bie Hiebet» 
läutet in ber 3 n d)nung ter Jtopf; bie bojantintidjc 
Schule erfennen, unb «war ift efl nicht blo« ba« eigen' 
IbümHcbe fpdtbv»anrinifd)e Wabonnengeficbt, ba« fte fo 
wunbervoll gu oerebeln wijfen, ba« man aber auch bin 
unb wiebrr in Italien, g. S. in Sta. Waria in $orto 
bei ftavenna, antrifft, fonbern gang befonbrr« audj bie 
ftarf auflgeptagte Kbatafteriftif ber bilbnlßartigen Jtcpfe. 
Wieb« beweift beffer, wit t>ie( bie Weberldnber von ben 
Svjantinern gelernt baben, al« ber feböne Äopf be« 
Johanne« Kbrvfrftomu« auf bem gweiten Slatte einet 
parifer ,§anbfcbrift von au*erlefenen ©rüden be« I5f)0?= 
fcftomu« (Bibl. Coislin. 79), bie um« 3abt 1080 für 
brn flauer ^ih rphmifl Sotoniate« gefebrieben ift. I it 
SehanMung jene« alten in gfemlirb großem Wajiftabe 
gehaltenen Aopfe« ähnelt fo ich ber niebetlänbiftben, 
tau man ihn unbebtnflieb für ein fd)önt« SBerf ber 
K*4'fd>en Schule halten würbe, wenn er nid>t in einer 
griedtlfcben £anbfcbrift ftdnbe. 

(garbrngebiing.) Stncb in ber SehanMung bet 
fcarbe geigen ftd) bie Italiener fowol, al« bit Hiebet« 
länbet al« Sd)üler bei Sbgantinfr. Sie nebmen von 
ihnen bie Änwenbung bc« ftolbe«, fogat in bet manicra 
tratteggiata, an 40 ), «bn bit £auptfaa)e ift bit St 
banblung bet gleifcbfarbe. ,lit>ar bie Florentiner folgen 
au(b biet wieber ber verberbten bvgantinifdjrn Warnet, 
intim fte (ich begnügen, auf eine giemlid) banbwerf«« 
mänigt Seife mit tiner bräunlichen garbe gu f(bat> 
tiren. Stur Qhotte f<beint, na<b ben greifen gu >|}a« 
bua ju uribetkn, etwa« von bem beffern Kolorit ber 
Altern Svgantinet gefannt gu baben. Seine Nachfolget 
verfielen aber witber in bie braune Wattier. Dagegen 
treffen wir an anbtrn Drten eine gang abweidjenbc 
garbengebung an, bie genau mit Derjenigen üb-rein* 
ftimmt, welche un« nicht feiten in bvgantintid)en Winia« 
tnren be* 11. unb 12. 3abtbunberr« begegnet. Sie 
»eja>net iia> au« burä) einen febr lidjten, weifjlicfeen 
gleijtbten, grünliche €<batten unb lebbaft rotb gefärbte 
Sangen, unb fic gelingt gewöhnlich am heften in Fletnerrm 
Wapftabr, wäbrenb fte bei manchen Walern gufammen- 
banglo« unb ftetfig wirb, fobalb fie in größerem Wap- 
Habe arbtiten. Sei ben Hiebetlanbern ift riefe« Kolorit 
jirmiid) «Ugcmefn verbreitet. 3n Italien bagegen berrfebt 
e« vorjug«weift in gerrara unb Siena. Is« weift bie« 
abecmal« auf eine alte ürabition bin, bie ftdj an bie. 
Srrbinbung ber Warf Wntona mit Svgang fnüpft. Sdion 
au ben Wofaiftn in Äavtnna bemerft man häufig ein 
ähnliche« Kolorit, in welkem allerbing« bei bem Waitgel 
aller Wobelltntttg weniger bie grünlitben £a>atten, al« 
We rotbtn ÜBangen hervortreten , bit al« fatbigt gletfen 
erftbeinen. Weift fann man annehmen, bafj tiefe 
Wofaifen jpätetc 9teftaurationen erlitten baben. Jlueb 
auf bem ntebrerwäbnten Wofaif ber Warru«ftra}t )u 
fknebig im nörplkben glügtl ber SorbaQe ftnbtt man 



*» 3tal. «ctfABna«. 1, 313. RyoUot, Hi.t 

tu de d«wta 1, 104. 



• 

biefelbt (hfdjeinung. 2Jie Serbefferung bt« Kolorite 
auf ben pabuanifa)en gre«fen be« 3atopo b'8lraii)o unb 
Älbigbieri ba $nio wirb vermutblid) feine (grtlärung 
in einem ätmlid>en Kinfture ber in ber Warf Sxcona 
bewahrten Ürabition finben. 

Jim metfwürbigften jeigt fl<b bie« Kolorit bei gra 
@iovanni ttngeliro von giefole, ber fo einzig unb auf er 
allem 3"fammenbange mit ber Kntwitfelung Oer floren? 
tiner Äunft baftebt. Werabe ihm mi«lingt bie garten» 
gebung in großem Zemperabilbem, wie , 9. ber Ärmj« 
abnähme in ber nfabtmie ju glorenj am leid)teften, 
wabrenb er in feinen großem gre«fen bie gdjwierigfrii 
weil bejfer )u nberwinben weif. 3n feinen Meinem 
miniaturartig au«gefübrten Silbern trägt aber btefr« 
lieble bbgantmifebe Kolorit nid>t wenig ju bem Steige bei, 
moburd? «t fo ungemein für ftd> einnimmt. 

Kr ift ber legte, ber biefe bv^anriniftbe Wanirr ber 
garbengebiing befolgt, ohne ihr eine weitere Kntwufelung 
ju geben. K« ift aber febr möglicb, ban er baburd) niebt 
wenig baut beigetragen bat, bie Kntwidelung br« Kolo« 
rit« in ber florenliner Sdutle m förban. Die Beobad>< 
tung einer gewiffen iBenvanotfd)aft be« Kolorit« bai 
Seranlaffung gegeben , in SJenejjo K^ojjoli einen 3<büler 
be« gra niigelko ju vcrmulbtn. 

(tic Kompofilion.) 3n ber Kompofition jeigt 
ftd? in ben ^cmälben be« »benblanbe« auf ber einen 
Seite eine gewiffe bramatifdte Vluffaffung, weldje mit 
bet vorhin ern>ä bitten d>araliervo(len unb naturaliftifdien 
3tid?nung ber Jtöpfe im engften 3ufantmenbange ftebt, 
unb anbetet feit« bod) wieber baneben eine mvftffdVfenti' 
mentale 9tid)tung, btibe« Kigrnfd)aften , weltbe rbenfo 
bie bojantiniftbe xnnft au«;eid)nen. Sie biefe anfd>eineno 
wiberfpreebencen 'Jiiditungen mit cinanber verfdjwiftert 
fein fönnen, jeigt am heften wiebtr gra gitfole, bet 
jwav lebhaft bewegten, btamatiftben Darftellungen nitbt 
gewadrfen ift, aber bod} eint «aivttät bet «uffatlung 
unb eine £d)lid)ibeit ber 3eidjnung hat, weldje bie 
9toturerfd)tiimng in einer burd>au« realtftiftben Seife 
wiebergibt, unb babei btttnod) überall eine rief mvftiftbt 
Kmpfinbung burd)blirfen Uöi. 9u« allen feinen Silbern 
leudjttt ein fd)wdrmertfcb rtligiöfe« KVmütb betvor, nnb 
getabe auf biefeT Seite beruht bie gropt Kniiebung«ttafi 
betfelben, ungeachtet feine Wittel (0 tealiftifcb ftnb, wie 
nur irgenb möglid). 

Weiften« gehen freilich oeibe !Kid)tungen bei vtr« 
febitbenen Walern, ja nach verfebiebenen Schulen au« 
einanber. Die realiftifd)e unb bramalifcbc Siicbtung ift 
am ftärfften bei ffiiotto unb feiner Schule au«g<präfli. 
Sie hübet ben ipefenilidjften Sorjug biefet jungen auf' 
frtebtnben Äunft, unb wir erfennen barin bie Kigen* 
ibümlicbfeil wieber, burd) welche fieb ba« Woberne über* 
haupt von bem Ülntifen unttrfebeibet. 3" biefet iUid; = 
tung fonnten felbft bie fd}lf<bttn bbiantinifchtn Wetftrr 
nach bem galle bt« Xeicbe« no<b eine belebenbe Sinwir* 
hing auf Die wiebererwadjte Äunft bt« «btnblanbe« 
Supern. 

Die entgegengefe^te ftntimentale unb mmtifebe 9ticb< 
lung bagegen bmfebt mehr auf bem ©ebiete vor, »0 
ftcb bie alte b»jantinifd?t Xtabition nbattm ui baben 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 63 — 



(IV. ABSCHN. EIN FL, I). BYZ. KUNST) 



icfrnnf, unb namentlich wirb man bie Wrfgung w »bau. 
tafttfcb • ][;!'ii!idif:t Darftrllungen, bie noch bei fpätrru 
Jerrarefen fo bemerfrnftwertb hervortritt, vermutlich au* 
lern ununterbrochenen merfrbr mil Sbjuiij unb bcm 
unmittelbaren Sinftufc ber griecbifcben Den!« unb Sin« 
t<bauung«»eife ableiten bürfen *•). allgemeiner jrigl 
ria) ab« Me m»fii|'Ae <Ricbtung in Pen aMabonnenbilbcrn, 
bie feit rem 13. 3abrbunbert eine fo hervorragende 
£ct>rutung im »benblanbe erlangen. 6« gebt bie« äMnb 
in £anb mit bet ritteriieben Vc&.c, bie Cid) mit U$or« 
liebe in bie SMpfrif befl SMadencultu« vertiefte, unb e« 
leibet feinen 3wdfel , bafi hierauf vor allem bie Atruj.» 
lüge eingeroirft haben , bie jun<id>fi ben Utitl btf Slbeiib« 
lantetf mit ben (figrittbümliebfeiten be6 griecbifcben (£ul» 
tut befannt unb ben poetifebrn Elementen beffelben ge« 
neigt machten. 

So jetgt fieb alfo brr ISinfiuf bvjantinifcber 3Jor» 
bitter ober Spulen in bem allgemeineren (Sbarafter ber 
ßompofition. wie er auf ben ©emälbrn verfebiebener 
obenbläntiftber Schulen hervortritt, «ber e« gibt aua) 
noch fpetiellerc (Srjctjrinungen, welche noch 6eutlid>er ben 
3ufammrnhang jwifrbm abenbldnbifcber unb bvjanlini« 
fä)er Malerei buraj bie 9lrt Per (Sompofition befunben. 
ibril« fitib eft nämlich beftimmie Xvpen , tbeit* ber ©e» 
braud) geroiffer 'l'rxfonificationen, welche oa* übenblanb 
von ber bvjantiniftben Äunft aufgenommen hat, unb 
et ift eiue beaebtendwertbe ib.tii.ni'* , bafi beibe nur fo 
lange ftd) glcicbfam auf bem fremoen Soben einbürgern 
tonnen, bi« bie abenbläntifebe Äunfl fieb tu einer ganj 
felbftanbigen unb nationalen burdjbilbeti. Sie »erben 
wieber ausgeflogen, fobalb in Deutfcblanb unb granf- 
reidj bie gothiiebr Äunft unb in 3talien bie »enaiffance 
tum Surdjbrucb gelangt. 

(Die luven.) Dir SSieberijotung typifcher Dar» 
ftrllungeroeifen fann am tvenigften in Den Xbeilen von 
3talieu auffallen, bie noch lange unter bpjantinifeber 
$erdcbaft grbliebeu finb. (£$ mar natürlich, baü man 
bie gewohnte Sluffaffung ber rrligföfra Silber fefthielt, 
obgleich bie Verblutung mit Svjanj aufgehört hatte unb 
bie römifebr Jlirche unbeeinträchtigt ihre Slnfvrüche ver* 
folgen tonnte. SWan finbet baber jumal auf ben altera 
SRofaifen Her SRarru«fird)e ni »enebig vielfach eine 
grofje Ueberrinftimmung mil bem, wae man in griedji» 
ia>en Aird)en fteht **). SJefonber« intereffanl ift bort bie 
SJenupung ber grircbifdicn v 33orftelIung von ber bimmli' 

Hierarchie in ber iauffapelte. ifilerbingft mar rie 
Vebrt von ren (Sngricbören für baö «benblanb fchon 
von ©regor bem (Mrojien aneTfannt morben, aber wo 
bie bilblicbe DarftrUung Prrfelben vorfoinmt, ift ttod) bie 
Sluffaffung wefentlid) von ber grieebifchen verfebtrben. 
Dem ©uffalmacco febreibt man ein SJilb ber Schöpfung 
im (Sampo fanto ju $Ji|a ju, auf tem ber Schöpfer eine 
Scheibe mit einer SBettfarte in ben £änben b<Ui. fyer 
fiebt man bie trbifa>e SBelt von neun concentrifchen 
Areifen mit oen (Thören ber <£ngel umgeben, allein man 



21) Sfr S (. Cdiiiaare, «ff*id)t t tu Kltuibm Äunfte im 
Witifloltrt 5. «16 fa. 32) Didron in tn Qetrt»< u 



vermtpt eine ebarafteriftifebe Uaterfcbeibung berfelben 
,V.i S. *D?arco bagegen werben ben verfchiebenen (Shörett 
cigenthümlicbe Sunetionrn jugetbeilt, bie a&erbingft nicht 
alö bvtaniinii'me Üvpen nachgewiefen werben tonnen, 
aber Poch mabrfcbeinlfcb im wefentlichen auf bnAantinifcber 
Irabition beruhen. Die Kberubim finb bir iräger be« 
^enn. Die Ibrone werben bureb einen Sngel vertreten, 
ber mit Seeptcr unb Ärone auf einer geftirnten Gimmel«* 
fuget fifti. Die ^enfehaften finb cur* SRicbacl mit 
Speer unb SBaage bargeftellt. Der dngel, welcher an« 
flatt ber lugenben auftritt, ruft ein föerippe jur Stuf- 
erftebung auf, unb geuer unb ®affer beulen banebeu 
bie 9?ieberi;cburt an. @in @ngel von ber Drbnung ber 
^Rächte ieffclt ben ju Soben getrreeften Solan; ein (&ty 
enget erhebt eine Seele auA bem , vi efeuer, unb ein 
(fngel erfcheini alö Scbupengel eine« Jtinbe«. din anberer 
(Sngel fty geharnifebt auf einem Jbrone, unb ebenfo 
ein Seraph mit einem Stabe, unb ein Kberub mit jebn 
ftlügeln wirb bura) eine 3nfctjrift auf ber 59 ruft a(6 ber 
Inbegriff aDrfffliffen«, plenitudo scientiae, bejeiebnet* 4 ). 

Äm treueften Kit Sidtien an ben berfömmlicbra 
Xvpen fefigebalten. 69 finb bort nur iRofaifen auft 
ber normännifeben /,rit erhalten, aber auf tiefen bemerft 
man jum Ibeil bie voUftänbige SBieberbotung ber Dar« 
flellungSweifen, welche bie vatieanifeben ^anbfehriften in 
bem xVenologium unb bem Cctateucb barbieien. 

@benfo erflärt ee> ft<b aui bem apulifeben Urfprunge 
te« Kiceola ^ifano, ta£ feine Darftellungrn ber ©eburi 
unb ter Ateujabnahme gbrifti an ben Jtanjeln M QJt|a 
unb Siena, übn tem nörtlichen (Singange von S. War» 
tino ju fcucca, ja noch an Der aut? feiner S<bnle hwor» 
gegangenen Äanjel \u «Pifloja in ben £auptjügen fta> 
bem bvjantinifchen Xtipui anfcblieüen. 

Hnbere fird>tid)e DarfteQungen, in benen b^jan- 
tiuifcbe «uffafjungdweifen vorbrrrfeben, wie bat mehr 
erwähnte Wofaif in S. 9Rana in Iraftevere unb bie 
greOten in S. rtruncefleo ju Sfftfi, bält man mit mehr 
ober weniger guten (Srünben für bvjantinifcbe SCrbett. 
Uni) in ben ®emälten, welche fich an ten fflätiben ber 
wirber aufgegrabenen alten Jtlrcbe unter bem (*t>ore von 
S. Elemente in 9tom gefunben haben, unb bie wahr» 
fcbdnlicb bem 11. 3«bthunbert angeboren, wdfen dnige 
tvpifcbe formen, namentlich bie priefiediebe Jlteitung 
ber (frjengel Wicbael unb ©abdd unb eine nach griecb> 
febem Siitu« fegnenbe «taria, auf bpjanrinifebe Schule 
bin *»). 

aber auch anberwärtO fommen ähnlicbe (5rfifceinun • 
gen vor. Selbft bei ©iotto finbet man bie ©enuputtg 
grieebtfeber Ivpen. Unter anbern b at man auf einer 
bei lafeln von ben Sa)ranftbüren au0 S. ftroce, (eft 
in ber «fabemie ju glorenj, in ber Darftttluug ber 



28) Pittur« » fr««co 4«l C«Bi|i««»nto di PU», dUego. d» 
Ciw. Houi. «d ImM d» O. P, Latiuio. (-Fironie 1832.) T»?. 18. 
'24) .«Min. «an!*, b.-r «<i*. t't Walrrci. «ufl. 2 von 3ac. 
«nnf batM. 1, 27». 280. 20) Willbftl. itt I. t. ttmttal. 
(SemBiüRrn für fftlorid». trr •H.iuNnfm. 8, 302 ig. taf. 11. 19. 
Die Ia«f»tnt in Ätni)« auf j»ti «Stbiubtn ift s>t»ia<t »«n'djti. 
Uni. t» ftt ©hu« auf tljfdiifl 9. A babtn Um unt milbiu nidjt 
u»lb.»(nti« bujantinifd) ijt. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 64 — (IV. ABSCHN. EI V FL. D. BYZ. KUNST) 



Snfldrung CtyrijH bie größte Sfebnlicfcfeit mit brrfelben 
SarftrQung auf bem bsjantinifeben "JWofaif in bn Oper» 
re? bortigen Som« gefunben, unb man fann nidt etwa 
an eine 9enuf)ung be« SRofaif« benfen, ba baffelbe 
n u nad) ©iotto'« §tit n adi glorrnj grfommen ift **). 
Celbfi Safari fjdlt nd> nod> jiemlia) an benfrfben 3»pu«. 

3n granfreidj hat Sibron vcrfd>iebrntlicb SBiebn* 
b^lungen bvjantfnifdjn Ippnt nadjgeroiefen, bie fid) bier 
(ria)t au* ben «Begebungen ju bem latrinifdjen tfaifer» 
tbum in (Jonftanltnepel nflärrn laffrn. 3<b füf)re bie 
btm Sbenblanbe frembe Unterfcbribung be* fiberiTDifd rn 
fvmbolifdjen (ibr.'tu* unb be« uri'.tni von bn 3ung* 
frau geborenen burd) einen unbdrtigen unb einen bdr» 
(igen @eitcbt*tvpu* an , ber ; 95. in einem franjöfifdjen 
OTanufcripte au* btm 13. 3abrbnnbrrt wrfommt ,r ). 
Slußerbem will i* l>ier nur nett) eine Sarftellung be« 
englifdjen ©rußt« auf rinn emaillirten platte im £ötel 
(Flunp ju «Pari* erwdbnen, wo TOaria fteftenb unb mit 
nbebenen £änben ganj fo, wie in Um parifn ©«gor 
von Wajtanj Wt. 510 , obwol fonfi äußerte fietf unb 
fdiledt gejeiebnet, gebilbet ift. Sic ©ebnbe fdjeint jebed) 
biet uidjt fcwol ba* ©ebet, al« vielmehr fBmvunbrrung 
über rie Serfunbigung be« Gngel« aufljuDrürfen *"). 

3n Zeutfd)lanb finbfi man grird)ifd)e Xvpen vor« 
juglidj auf ben Aunftwnfen, welepe m ben ©efdjenfen 
.£>efnriay* IL an brn bambrrger 1cm geboren, unb 
warjrfdjrinlidj von rintt untrntalienifdien €d)ule au*» 
gegangen finb. «Befonber* mnfwurbig ift ba« gnnaltt 
SMalt mit bem Grueifir in einem »Svangelieneob« bet 
mündjenn Sibliotbef, bft au« bem Wiebermünftn ;u 
9trgen«burg fiammt. Xer ®efreu»tgte ift Met ganj in 
bn frujaniinifdjen f«mbolifd)en Kuffaffung al« Siafon 
mit Jerone, langem ©ewanbe unb Stola aufgefaßt. 
Unter ben Webenbilcern fommt ein <ingel mit bem Äeldjc 
auf bem Raupte vor, ber an ben Ungel in ber Hramli« 
fdjen Liturgie ninnnt, weld>em (Sbriftu* bie Matena 
vom Raupte nimmt. Sie gabne in Inner JSanb djaraf« 
teriftrt ibn je: cd bier a(« Spmbol ber Äirdjr. Sin 
anberer tfngrf Ijdlt ein lange* fjanb, auf bem er ju 
fdjrdben fdjeint, in dnrr ganj eigenen «Seife. (*« fdseint 
bier eine griednfdje Sarftellung, auf wriebn ber (fngel 
in btr rigentbümliajen SBrife ber gried)ifd>en Äirwe au 
ein $013 fdjldgt, um bie feier(id>e £anblung rinralduten, 
von bnn 9tafn, bn nad> bn Sebanblung be* Crna< 
ment* fein @rird>r geroefrn fein fann, mi*reTftanbnt )U 
fein **). dine dbnlidn SRigteutung be* ldutenben 
Cfngel* auf bem von ijanfurnari gemalten lere be* 
beil. (fpbrem im (briftlidjen Vrufeum be* Satican rourbe 
fd>on frübn (Sb. 84. 6. -125) envdbnt. 

flrVülid'e grird)ifd)e@rurifiTe trab mehtfaa) inSratfaV 
(anb unb granfreta) verbreitet, unb manebe von ibnen 
febrinen im «benblanbe verfertigt ju fein *°). «1* man 
ibre «ebeurung vngeffen Ijatte, rourbe bie fegenbe ge» 
bidjlet, nad> roelder fie eine Jtönig«tod)tn vcrfteüen 



26) ÄMBIcbl, 3l«t. 3eif*««41f1l 1, 306. 27) Oidron, 

Annale* «rrhiolof 1, 295. 28) Looandrt 2, 109. pl. 102. 
29) 6i«tf *it UHutazi m Surftet'« XtsfaialtTii >rr Stltnrrri. 
9. 2 ■ 6. 15. SOi tu «dfrul bei Hi r M. < Iii st. du 
■ru d« d«»ia. AU pl. 9. So. 24. 



feilen, bie von ibrem 3Jater mit fünblidjer Qegierbt vn» 
folgt unb, al* ©ort auf ihr ©ebrt ibr i*öne« flnrli^ 
ju einem bdrtigen SDrdnnngeficbte enlfteUr batte, an* 
Äreuj gefdjlagen rourbe. Diefe neue {»eilige erhielt ben 
Warnen S. Stliforti* ober SBiliaforti«, bn vieOdd)t au* 
„beilige Äort, billige $ort" corrumpirt ift. 3n Seutfa^' 
lanb ift fie befanntn unter bem urfpningli'dKn , ebenfall* 
nia^t mebj verftanbenen Warnen St.^ülfe, beffen Uebn« 
feeung att« 6. €a(vator fia) urfunblid? nad)todfrn lägt, 
nnb bie £AIfrn*btfge, auf benen fie verebrt wirb, finb 
nod) ;en: jum Xbdl befuebte »2L<aUfabrt«örtcr. Seltenn 
ift bn Warne 6. (Sumernu* obn Jtämmerniß. 

8ud> bie rinfadien Jtreujr nehmen nidjt feiten grie< 
ebifebe Sonnen an. 9Ian bat namentlid) bie Semnfung 
gemalt, baß bie in ber ^eralbif üblidjen Areu)e fap 
Idmmtlid! bbjantinifd)en gönnen entlehnt feien *'). 9bn 
aud) fonfl finbet man bnglritften. Sie aufgebeftrten 
Äreuje mit bem in SMdtter au«cer)enben guße auf ©ronje» 
tbüren in Unterilalien unb SJeuebig finb fa>on fniber 
erwdbnt wotben. Sa« Jirroj mit brei Duerbalfen fommt 
an ben €fulpturrn ber Ihn be« Saptifterium« ju $ifa 
vor. Ub.riftu« föbrt baffelbr auf bem, introitaa solu 
überfa>riebenen, Silbe in bn Wehlen, inbem n ju ber 
Unterwelt binabfieigt. €o mag au* bie na<b gne*i 
'.brn: 9citu« fegnenbe J^anb bin unb ba al« ein Übet! 
be« bvjantinr f ru Svpu« aufgenommen unb alfo nid)t 
immn ein fidlen Sewei« von griedjifd^n tlrbeit fein, 
dine SariteHung, bie man nidjt eigentlid) al« bpjantinf' 
fd>ni Ivpu« berraajten fann, bie abn bod> wabridjein' 
lid? ebenfall* grieajifdjen SJcrbilPern entnommen würbe, 
ift ba* Sabvrintb. Wan finbet fie in ©tiedjenlanb ju« 
»eilen an ben SBdnben ber Jeira>en, und bie ©runMage 
berfelben ifl offenbar bn ©runtriß be* fretenftfa>en fiobp« 
rintb*, wie er auf ben bortigen Wunden vorfommt. Sie 
Sarftrdungen in ben Afrdjrn bilben ntnbe 6a>eiben mit 
frei*förmigen ©dngen, bie naa> einem fpmmetrifayn 
€ofteme burd> rabiale ©dnge vnbunbrn finb. <£* ift 
jweifelbaft, ob bie ©ried)en einen aOegorifajen Sinn ba< 
mit vnbunben baben , ober ob fie nur eine SRnfwürbig» 
feit bem 93oIfe vor «Äugen jtellen wollten. 3« 8ueea 
finbet man ein icldje« «iabvrintb an einem ^feiln tn 
Sorballe von €. Wariino, unb bie bimugefflgte 3n< 
(dirift: IIIC. QVEM I CRET1CVS ! EDIT. DE- 
DA | LVS. EST. j LABERINT | HVS: SEQ(V) 0. 
NVLLV S. V ADER iE. QVIVIT. I QVI. FVIT. 
INTVS.|NL THESE |V8. GRAT; IS. ADRIAN E. 
ST All 1 1 NE IVTVS. ®enn biefe 3nfdjrift ftdj auf Den 
rinfaebrn Seria^t übn ben «JDtptbu« vom üabvrintb be 
fd)ränft, fo beutet bed) bie barunler bennblidje 3nfdrift: 
+ SEPLTVRA . ROLANDI DEBRAGALV + 
barauf bin, baß man bier ein SJilb bn wedjfelvoUen 3"» 
wege be« geben« bat geben wollen. Wod) 1609 finNt 
man ba« ?abvrinrl) al« Sevife eine« Warrin Cbl« ra 
Würnbng mit ber Untnfdjrifl: „Sie ffiege be« ^e^icffal* 
finb ein ?abvrintb; nur bn. fo ©ort liebet unb furajiet, 
gebet fidjern guße* bi'tburcb" **). 

31) IHJron, Icooogr. p. 396- 32) »fflfrmann, 30«' 
Biirtf Wurf*, »ruatdxftf , 1863. »t. 78 6 621. 



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GRIECHISCHE KUNST 



— 65 — (IV. ABSCHN. EIN FL. D. BYZ. KUNST) 



aWf&rfady, namentlid) in granfreid), bat man aber 
bif gaberintbe alt mufivifdien Scbmud be« gugboben« 
benuft, unb juni Hbril ihnen bie Sebeulung einer Dar» 
jieflung 6« «Uilgerreife nad> 3erufalera beigelegt, »bbil» 
bungen ber heiligen Stabt in ber seilte unb giguren »on 
pilgern in ben (Sden laffen barüber feinen 3roeifel. Siel» 
lrid>t haben fie aud) ba<u grbirnt, auf ben gezeichneten 
3rrgängen rine «liilgerfabrt im Äleinen au«iufübren. 
«nbcrwärt« machte man ein Spiel barau«. 3n ©ent 
befanb fuii in ber SorhaHe be« Stabtbaufe« rot Briten 
ein Sabprintb au« 3irgrlftein, auf brm bie Sthulfinber 
liefen '*), unb ein ähnliche«, oa« bei £ano»er vor bem 
fogenannten 9teuen £aufe im greien au« Kafen gelegt 
iß — ber Sage naa) ein wunberbare« Jfunftwrrf eine« 
jum üobe Serurtbrilten, ber bamit feine greibrit et' 
faufte — foll beftimmt gewefen fein, ben £erren »om 
Äatb nach ber TOittagötafel eine mobltfjuenbe Bewegung 
ju »erf (baffen. 

(Sin anbere« Seifpiel, wie man anfpreebenbe (Srfcbri. 
nungen au« gried)if<ben Jffrtfren entlehnte, obne SRüdfidjt 
baiauf >u nehmen, ob fte »om Solfe »erfianben würben, 
in bie SÖieberbelung be« febonen Salfnbrom« von einem 
Sribwafferfruge in ber £ ephiniftrcfce ju Sonftantinopri : 

NIVON ANOMHMATA MH MONAN OVIN, 

welcbe ftcb in granfrrieb an einem Skibwafferbeden im 
'Vi ufeu tu )u Ärle« unb in Cnglanb an einem Xaufjieine 
in ber Ambe »n £ugbam in ber ©raffdjaft Worfolf 
trabet ■*). 3n Serlin bat man baffelbe fogar noch neuer« 
bing« auf bem SBafferbeden cor bem fegnenbrn ßbrifhi* 
im Sorbofr ber griebenflfirdje angebtaebt. 

(Die $erfonifitationen.) Die (Einführung ber 
Uerfontfirationen in bie bilblicben DarfteÜungen be« «benb> 
lanbe« febrint bereit« in bie 3eit Xaxl'i tt'i ®topen bin' 
aufjureutm Tie farolinifebrn Süd?« fpreeben juerjt 
bavon. Iit büberftünnenben Jlaifer fud)ten ndmlich gegen 
bie febroffe Dppofition, welche ihnen ber $apft ju ©unjten 
bn Si(berverrt)rung machte, eine Stufte bei ben frdnfi> 
uliff Jtönigen. Diefe nabmen jebod) rine vermittrinbe 
Stellung ein, unb namentlich fanbte Äarl ber ©rofje im 
3- 790 an «Papft £abrian brei Sücber »on ben »übern, 
bie er in feinem Samen batte febreiben [äffen, unb worin 
er ebenfo febr ben übertriebenen SJebauprungen , welche 
bie Silberjiürmer auf bem jweiten nkdffcben Soneil vor* 
brachten, al« ben »eftrebungen ber Sitberoerebrer ent> 
gegentrat, inbem er bie verftänbige Vlnücfit begriinbete, 
Cup bie fitd)Iidjrn Silber nidjt ju rernxrfen, aber aud) 
nid'i ju @<genjtdnben ber »erebrung ju maa)en feien. 
£af 23. (Sapitel be« 3. Suibed biefer Libri Carolini 
ift befonbere gegen bie »on einem ^riefter 3<>bannee cor« 
grbradjtr Sebauptung gerietet, baf. bie SRaler niajt gegen 
bie ©a>rift, fonbern im (iinflange mit betfriben feien **). 
«1« Seweife bagegen fubrt ber Äaifer rine Slnjabl »on 
?)?erfonificatienen auf, beren |ia) bie SRalet ju bebienen 

33) M»ug«r de« Mienen» bi>K»riqau (Omad 18ti3) p KHj. 
34) Cigaii fit d--iii«1:r Jtuat. 9». 13. (Silin 1863.) 6. 91. 
86) August» eoneilii Niescni II. ceniar», lu «. Cnroli it. De 
impio Lmugioum cultu libri IV, cor. Chr. Aug, Heumanno. 
■: Harun nf tu- ■ 1731.) p. 868 .'<••). 

C OhMtH b IB. ». Jt. «rfUecriio*. LXXXV. 



pflegten. Da nennt er bie gigur bee SIbgrunbee, Slbpffufl, 
ber ®rbc, ber giäffe, ber Sonne, be« 'Konbe«, ber Sterne, 
ber SBinbe, ber Monate unb 3abre6jriten. Daneben fnbrt 
er rine Sieibe von m»tboiogifa>en (fridblungen auf, bie 
ben beibnifdjen Dia>tern unb 4 J?bilofopben angenebm ju 
fingen ober mpfMf* )u bebanbeln, unb ben 9Ra(ern ge* 
läufig barjuftellen feien. 

9tun aber finbet ftefa biefe Sebanblungeweife in ber 
abenbldnbifd)m Jtunfi, foroeit unfere aUerbing« bürftigen 
Duellen tan; kr ein Urtbul geftatten , bie sum 9. 3abr. 
bunbert nidjt vor. Sri bem 3ua.c ber 30raeliten burd) 
bad rotbe IRm >. 9. auf ben alten fKofaifen in S. 
SDtaria maggiore in 9iom (eben wir feine ber $erfonifi' 
rationen, wela)e ber Mjjantinifdje 1»pu* anwenbet. über 
ba0 Slbenblanb nimmt aud) fpdter nur eine geringe Sin« 
gab! von $erfonffi(ationen auf. Um baußgften crfa>rinen 
in biefer Seife Sonne unb 9Ronb, jumal bei ber £reu< 
jigung, wo fie bdufto weinen, wie unter anbem fdjon 
in bem göttinger Wiffal um 900 unb auf ben grter- 
fteinen; baneben mebrfad) ISxtx unb 2J?eer, wie auf einem 
(SIfenbrinbedel in ber Aira>e tu Xongern '*) unb auf Ben 
ftuber erwdbnten (Elfenbeintafeln in ber mäna>ener unb 
parifeT Sibliotbef, wo überbiee nod) Stom ober 3"ufa : 
lein brajufommen (f. oben S. 58). Die Srbe wirb auf 
ben beioen lefttern ähntict\ wie bei bem jüngften ©eria>tr 
in Safopebi, burd) ihre Attribute jugleid) aI6 bie frud>t' 
bringenbe unb bdmonenergeugettbc bejridjnet, ba6 Hülm 
aber jt« auf ber parifer lafel auf einem Seepferbe. Sonne 
unb ÜKonb fabten auf ber müna>ener lafel auf 5Bier* 
gefpannen, jene mit «offen, biefe mit Jtuben. Huf ber 
tJlfenbeintafri be« 2utilo ju St. ®aQen umgeben Sonne, 
ÜKonb, @rbe unb ^Reer ben tbronenben (5fjnftu9. ^ier ift 
aber bie (£rbe nur alt bie ndbrenbe mit bem güQborn unb 
einem faugenben Stinte bargeftellt Die glufigötter finbet 
man vie(leid)t nur, wo fie bie vier $arabiefe6ßröme bar' 
fleOen, wie ). 9. an ber Dede ber 9ha>arii6fird)e in 
$ilbeebrim. Dagegen fd>rint ber 3orban bei ber Xaufc 
nur auf wirflid) bp)antinifa>en Denfmdlern vorauf cm 
men. Stuf bem SRofaif ber XauffapeUe in S. Warco 
ju Seneoig ift aud bem glu&gotie eine Sirene geworben, 
ein äßeib mit golbenem Scbupprnleibe, vieUrid)t rine Um 
beuiung bee bpiantinijdjen Ippue in rine Stfegoric ber 
bura) bie Saufe ßbrifii befdmpften SBeltluft. 

Die Senusung fold)er mptbologifd)er Qeftaltrn bleibt 
jebod) im flbenblanbe eine febr befd)rdnftr. Die 9cenaiffance 
bat jle in einem ganj anbem Sinne mieber aufgenom- 
men unb nut:! leid)t bei fird)(id)en Silbern bavon ©e< 
braud) gemaa>t. DaA auffallenbe Seifpiel in Dem jüngften 
®fria>te be« fRfd)riangelo, wo Gbaron bie Serbaramten 
in bie 4jdtle treibt, fdjeint in ber 2bat auf bvjanrinifd>en 
SReminiitenjen \u beruhen. 

(«llegorie.) 9ieia>lid)eren ©ebraud) madjt ba« 
«benblanb »on aUegorifd)en Darfleflungen , bie jum Ibril 
witlfürlicb erfunben fein mögen, jum Zhed aber auf 
überlieferten berfömmlid)en Soi<fieUung6weifen beruben. 



36) Rerae de Vit chietieii 6 , 449- 87) «ibfr, »ff*, 
etr 9laM «. 283. tBergl. $i»(t, »vtt)«l«fli( 2^ 72-80. 



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GRIECHISCHE KUNST 



66 



— (IV. ABSCHN. EINFL. D. BYZ. KUNST) 



Am bäufigflen finb bit Allegorien ber Xugenben unb 
5fa|icr, benen meirtentbeil« immer biefelbcri altberromm» 
litten Attribute gegeben »erben. 3u»eilen fommen ab« 
auch eigentümliche Grfiiibungen vor, wie j. 99. in bem 
Hortus deliciarum ber $errabe von £anb«berg bie 
Saperbia ouf einem Sofft, beffen Sattel mit einem £ömen> 
feil bebetft ift, »ie ba« baneben gefajriebene : pellis leo- 
ois befagt , ober ber $runf»agen Der S<b»elgerei. 3" 
ben intfreffautefttn Darftellungen bieler Vitt geboren bie 
von ©iotto in ber .»tmfce ber Serovegni, S. Maria in 
Arena, ju $abua. Stauche«, »a« und »iUfürlicb unb 
unrrflärlicb erfcheint, fann bod> jutveilen auf bamal« 
üblid)e unb allgemein befannte 3beenverbinbungen jurüd» 
geführt »erben. So erflären fta) j. 33. bie Säumt, »on 
betten ©iotto'« ungerechter Kichtcr in ber Altena ju $a» 
bua auf eine fo eigentbümlicbe SBeife umgeben ift , au« 
ber Sergleicbung ber ungerechten fflelt mit einem ffialbc, 
in bem man fia) verirrt, eine Allegorie, beren ftdj Dante 
im Eingänge ber göttlichen Äomöbie bebient M ). Site» 
rarur unb Äunft gingen hier £anb in £anb. 3Ran 
hat manche Silber au« feinem anbern ©runbe bem 
©iotto jugefebrieben , als »eil fte allegorifchc Äuffaffun« 
gen enthielten, bie im ©eifte be« großen Dichten!, »ie 
man meinte, gehalten, ja »ol gar ber göttlichen Äomö« 
bie entnommen feien. Die Allegorien ber fteben Sacra« 
metüe in ber 3ncoronata ju Neapel unb bie ber bret 
SJtöncb«geIübbc in ber ©ruft be« heil. granei«rufl ju 
Afftfi haben »ol fd»»erlith einen anbern Anfprud) auf 
©iotto'0 Urbeberfchaft, al« biefe fdjeinbare Sejiebung 
ju Dante. Auch anbere Äünfiler haben ihre Sejiehungen 
jur Literatur. Dem $<trarca ftanb ber mehr fentimen< 
tale Simon Stemmt nahe, unb gleichzeitig mit Petrarca, 
obmol in »am anberem ©eifte al« biefer, febilberte Or» 
gagna in einer großartig gebachten Allegorie ben Triumph 
De« lobe«. 

Aber auch bie Siteratur »ar eon einem b^antmi« 
fdjen f>aud)e angeweht. Die geiftlicben Schaufpiele, 
bie im Abenblanbe feit bem 13. Sabrbunbert auffamen, 
hatten ihre Sorlaufer bei ben ©rietheu, unb bie fcebrer 
be« griechifchen Altertum«, benen man in Stalten be« 
gierig laufchte, haben ohne 3»eifel nicht »enig von 
ihren neuen Anflehten unb 3been verbreitet. 

Um bei ben bUbenben Äünften flehen ju bleiben, fo 
gibt e« aflegorifdje ober fombolifche Darfteüungen im 
Abenblanbe , bie cor anbern eine grofe Verbreitung ge» 
»annen, unb bie fich unverfennbar an bojantinifebe 
Darftrllung«»eifen anfcbliefen. Unter ben 3'ia)nungen 
ber $errabe von üanb«bcrg ju bem Hortus deliciarum 
zeichnen fid) J»ei, bie lugenbleiter unb bat) @lüd«rab, 
au«, bie beibe befannten bvjantinifcben Allegorien ver« 

38) %. 8br. 6^ff7r7»W7«fir»ia uub *(Mfcr7u») 
«• 198 fo. 



»anbt finb **). Die üugenbletter erinnert an Den Jtti» 
mar be« 3obanne« Älimafo«, unb ba« ®lüd«rab an 
bie in ben Äleftern tjäufiac DarfteHung von bem ffiecfcfel 
be« «eben«. Da« untere bat häufig Singana im Abenb/ 
(anbe gefunben. AHerbing« fonnte man felbftdnbig ben 
Vergleich, be« »echfclnben menfd)(ichen ©efebide« mit bem 
fid) e»ig brebenben Stabe von ben römifchen Dichtern 
unb fpcitent S^hilofophen, wie Soetbiu«, entlehnen, aDein 
cfl ift fd»n von anbern bemerft »orben, bafi erft mit 
bem 12. 3abrbunbert biefe« Silb im Solf«be»ufiffein 
löund gefaxt habe, unb von Dichtem, fowie in ber 
bilbenben Jf unft benuet »orben fei *°). Diefer Umftanb 
fpricht nicht wenig für bie Verleitung biefer Auffaffung 
au« ber bvjantinifcben Jtunft. Da« ältrfie befannte 
©emälbe be« ©Iüd«rabe« im Abenblanbe ift jene« in 
Dem Hortus deliciarum«'). 3m 13. 3abrf)unbert finb 
SBeifpiele bavon in ben Miniaturen nidjt feiten «*). 39e» 
fonber« fommt aber biefe DarfieUung an ben Stofrtt ober 
fogenannten S. Satharinenrcibrrn vor, »eiche bie gac.a< 
ben ber otirdjen jieren. 3»brffen befchrdnft ftd> bie 
DarfieUung im Abenblanbe gewöhnlich auf bie an bem 
Wabe auf' unb abfirigenben Sfenfchm , unb bie parallel» 
votftellungen, »eiche auf ben gried)ifd)en Silbern ba« 
©iüd«rab begleiten, finb im Abenblanbe nidjt mit auf* 
genommen. 

eine ber fdjönften aDegorifchen DarfleÜungen, »ela>e 
wir auf rechlichen Silbern finben, ift bie Anbetung be« 
Samtne« auf bem berühmten genter Altarblatt ber Srü» 
ber van (Svcf, beffen Seitenflügel ftch befanntlid) im 
berliner SRufeum beftnben. AOerbing« ift ber ©ebanfe 
hier felbftdntig entroicfelt. Allein e« fcheint ihm Dennoch 
ein M'jaminii'tbrr Xppu« mm ©ntnbe )u liegen, benn 
e« ift hier in ber Zbat nur ba« £amm an bie Stelle 
ber 3Raria getreten, bie, »ie »ir früher gefebm haben, 
in einn fehr ähnlichen Sßeife von ben ©riechen al« 
(ebenbringenbe Duelle bargeftellt »irb. An biefem Sei' 
fpiele }rigt fich am fchönfien, »ie bie bpiantinifd)e Äunft 
anjuregen unb bie erfte Schule unb erjiebung )u geben 
vermochte, unb »ie bie abenblänbifdjen Sölfer ba« lieber' 
lieferte mit finbtidjer (Sinfalt aufnahmen unb mit eigenem 
©eifte ju einer ihnen felbft angebörenben Äunft entfal« 
teten, bie auf ihren neuen SBegen ihre gealterte unb 
verfümmerte 2et)rmeifierin weit hinter ftdj jurüefliefi. 

(Fr. W. ünger.) 

89) 86t. 91. dnAtlfearkt, ^trrak »m taitMbcrft unk im 
38rrf : Horta» delicUnun. (Scutl^art ub Xübmfltn 1818.) %a\. 
2. 6. 9. 40) $<-U<r in Wilitinluniirn txr f. f. (iintrali 
dcmmifjea i. 112, rec »(gm bei bidjurifdjo 9<bi«b(sng bie(r< 
&e9tt aa\ (Srimin's SRattMos", Ruf). 2. C 825, unb btfem 
15 auf ii- ; .f ; t ri .i .: t l -:i .»..«pt'e .IfilfAr. Mir bmtfdK« BltrT« 
ibum 6, 134 fg. bingrwirfrn »irb. 41) duadbaibt a. a.D. 
6 44. 42) «<ibrr «. a. O. 5)flj» du Sfcif»t«l ■■ bti TUm 
de IllSt chriUen 6, 561. 



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GRIECHENLAND. 



B. ©rtf (frenUttb tut. SJtitteUltt* un* in Der t »3 e i t. 



©eföidjte ©rie^enlanb« norn Seginn bes Mittelalter« bi« auf unfere 3«*- 



8 i n l ei t u n 9. 

1) $etiokcn Kr aeaettn ft t i t d> : Fdj t ■ Q3cfd)id)t(- 

3n ber ©efdjicbte be« neueren ©riea)enlanb« Ijabm 
toic »irr #auptabfdmit«e ju untrtfcbeitien, bie fief» von 
felbft ergeben, wenn wir feie Helfer ins Singe faffrn, feie 
feit ber Xbetlung t;J Stömerreicb« nadj Jhccfeoilufl' I. 
Icfeefeie ^)ämo«'^)albinf<I beberrfcblen. Xir er fte <j?eriobe 
tddrt brmnad) »im 395 — 1204 unb umfaßt bie rdmifd)- 
bvjanrtnifdje Rtlt > (Unfälle ber Sarbaren , von benen nur 
ein Ibefi auf bem ©oben t<$ eiaentlid)en £ella« [eß-- 
bafl Wirb, finb bie bervorogenbe (frfcbeinunß in biefen 
troftlofen 3abrbunberten. 3Bieber liajter wirb bie <5e« 
fdjicbte ©riedjenlanb« in ber »weiten $eriobe von 1204 
— 14C0 wdbrrnb ber occibentaUfd)»fränfifd)rn £crrjd)aft, 
bie mit ber ßroberung Gonftantinopelfl burdj bie Jtreuj' 
fabrer beginnt. 3m ©egenfafc ju bem faiferlicben De«/ 
poti«mu« tritt ber weftlia)e geuba(i«mu« bervor; bie 
Vellen, von franjöftfcf^en unb italfentfcbcn Sittern auf 
bem geftlanbe unb ben 3nfe(n be« eigentliebcn Jvlla? 
aefebaffen, überbauen! tbeilweife ba« Sateinerreid) in 
»vjanj um 200 'MUr, 3a für einzelne 3 heile be« 
iReicb« enbrt tiefe tHeriobe erft viel fpäter, für bie 3nfein 
brt dgeifdjen SWecre« erft 15W5, für Äreta 1009, für bie 
»enetiantfeben ©eftfcungen im ionifdjrn Weere erft 1797 
mit bem gatl ber Warcu««9tepublif. Dagegen beginnt 
für ba« griedjifdje geftlanb bie britte «ßeriobe 1400-1821 
mit ber ©ejwingung be« ^eloponnefo« burd) bie Cö 
manen; nur auf furje $tH wirb bie türfifdje £errfd>aft, 
Cnbe tefl 17. 3obrbunbert«, burd) feie 93enetianer unter« 
croaVn. Slielfadi äbnelt tiefe ,1 ei 1 nun ber erfirrt ; bie« 
felbe Unterbfüdung, bitfelbe ©erwabrlofung, nur baß bie 
Rennten bem ungläubigen $abifd)ab »on etdmbul, nidjt 



mebr bem ortboboren Slutofrater von $vjan) jinfen, unb 
bie Sebrüder be« 9Jo(f« ^afd>a« unb Sffiovmoben, Rait 
Strategen unb üurmardjen beißen. Da« municibale 
Jeben gebt baneben benfeiben ©ang, ben e« unter ben 
Styjantinern gegangen: ein Seroei« für bie -Jähigfeit 
be« grie<bff<ben Clement«, ba wäbrenb ber gramen' 
berrfebaft ba« Stäbteleben vor bem £eben«wefen ver< 
fd)wunben war. Da« 3<>br 1821, bie (Erhebung be« 
©rieebenvolf« gegen ben fremben 3rcingberrn, rn3ffnet 
bie vierte ^eriofee, bie bi« auf bie ©egenwart reidjt, ben 
beKenffdjen Unabbdngigfeit«frieg , bie Stiftung be« Aönig* 
reid)« ©riedjenlanfe unb bie Sdjidfale beffelben unter 
jwei Jtonigen, bie, gleid) ben freujfabrenben (Jrobrrern, 
bem ffieften entftammen, umfaßt. £öd)jt »erfAiebenartig 
an Umfang , Sbarafter unb Sebrutuug finfe feie Duellen, 
au« benen bie ©efdjicbte biefer vier Venoben ju fdjöpfen 
ifl. Siegen für bie le&te, wie e« bie Statur ber Saaje 
mit fW) bringt, birfeiben un« fein jablreid) vor, fo finb 
wir für bie Xürfenjeit auf einjelne )erflteute 9iad)rid)ten 
in ben o«manif<ben 9ieid)«annalen, mebr nod) auf bie 
S3etid)te europäifeber Steifenben angewiefen; einug für 
bie furje (Spifobe venetianiftber ^errfa>aft flirßen feieieiben 
rcidjlidjer. Slud) in biefem fünfte dbnelt bie @efd)id;te 
biefer ^Brriobe ber ber erjten, bie fidi nur mübfam au« 
ben verfibiebenartigften Duellen {ufammenfteden läßt unb 
immer nod> erbeblidje Süden aufweifen wirb, tlnber« 

Eftaltet fid) bie jweite $rriobe, über bie un« nid)t nur 
icbtigr — großeutbeil« hod) ungeferudte — Gbronifen 
vorliegen, fonbern aud; ein febr reiebe« urtünbüdje« 
terial, namentlid) in ben 8rd)iven 3talieit«, aufbewabrt 
ift. Da id) biefe ;ieit jum ©egenftanbe fpreieller 6tU' 
bien gewdblt unb im ©tanbt war, bie betreffenben 
Slr<bioe forgfam )u burdjforfdjen, fann bieft Jlrbeit für 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 68 — 



(EINLEITUNG) 



biefelfcc wol ol? ehw« burd)Weg SRcurfl unb -SeK-ft5a» 
bfflrt gelten , wdbrrnb id> für frühere unb fpdtere 3riten 
mid) wenigfien« theilweife auf bie <Berfe rüftiger «Bor« 
arbeiter <iü©m fann. Dod) glaube iit, au* für bie rrfte 
«JJeriobe hier viel 9teue0 au« bi«her überfeinen ober 
mitfverfianbenen DueDrn bringen unb namentlich jut 
fcöfung einiger Sarbinalfraaen , wie über ben Urfprung 
ber lleugriecben , bie fia»ifa>en Ginwanberungen , ba« 
Einbringen be« 8eubalt«mu« in« ©vianrlnenrefd), bei* 
tragen ju fönnen. 

2) Scarteftingen ber allgemeinen ■engt U$ifdj<n 
• efdjfijte. 

3n feweit efnielne biefer ^erioben bi« jefct felbßv 
fldnbiq bearbeitet [ms, wa« namentlich von ber jroeiten 
unb vierten gilt, werbe id) fpdter bie ffierfe, in benen 
bie« gefebeben ifi, an betrrffenber Stelle aufführen. Jpirr 
fmb uniätfcft bie Arbeiten in« Sluge :u f offen . welche bie 
aanje fpdtere @efd)fd)te be« beUenifcben i'anbe« unb 
Solle« bebanbeln. Da eine fperielle ©efehiebte be« btuan- 
tintfdjen $ofe« unb «Reiche« nicht t>icr von un« verflicht 
werben fofl, genüge e«, auf ba« berühmte 3Jua> ©ib- 
bon'« (History of the decline and fall of the roman 
empire. London 1777. 4. 6 Voll.) ju verweifen, ba«, 
rroj erheblicher 3rrthümer unb verfehlter ßombinatio» 
nen, bod) immer nod) al« ein in feiner 8rt metflerbafte« 
wirb. Huftfübriicber fyat ?e Beau (Histoire dn 
Empire), gleich ©ibbon faft au«fd)liefilich auf bie 
bvjantinifcben ^»iftorüer geftütjt, bie Jtaiferjeit bebanbelt; 
aber felbfl bie neuere au«gabe von St. Wartin unb 
fJroffet (Paris 1824—1836. 8. 21 Voll. t if) weit ent' 
frmt, unferen Änfprüctjen an et nur irgendwie ju genügen. 
teuere ffierfudje, biefe Surfe au«jufüllen , finb, wenn wir 
von ginlav abfeljen , völlig fefjlgefcblagen unb baber nicht 
ber Srwdbnung werft). Dagegen ifi wenigfien« bie 
Öbronologie eine« Sbeil« ber Äaifergefdjidjte von (5. 
v.W uralt (Essai de Chronographie* byzantine pour 
aervir a l'wniBM des annales du Bas -Empire et 
particnlierement des clironographes slavons de 395 
a 1067. St. Petersbourg 1855. 8.) nad) Ärug*« ') 
Vorgänge einer neuen Prüfung unterjogen worben, unb 
wenn aud) ber Serfaffer in einzelne 3rrtbümer verfdllt, 
wenn auch fein SJucb für bie Altere ^eft (Flinten'« 
gorfebungrn (Fasti Komani, the civil and literary 
chronology of Korne and Congtantinople from the 
death of AuguBtus to the death oi Justin II. Ox- 
ford 1845—1850.4. 2 Voll.) nhtt übrrfh'iffjg gemacht 
hat, fo ifi bod) nicht ju leugnen, bafi vor SRurall bie 
bvjantinifdK Ehtonologie aller feften ffirunblagen ent« 
behrte, unb er juerft biefem Uebelftanbe nach beflen 
Ärdften abgeholfen hat. Den erfteu Serfuch, eine voll* 
ftdnbige ©eTdtidjie be« neuen ©riechenlanb« ju fchreiben, 
machte 3ame« Qmerfon (The history of modern 
Greece. London 1830. 8. 2 Voll.), aber e« war ein 



1) Jteirihfq« Qnfudi »r ftaflUnraa >er t>»iailinif<feea Cfbro 
nologw mti kfesfcm Rirffity auf tie fti^m «efäidjir 9tu(la»k«. 
Ct. *«ttrt»ai g 1810. 8. 



bdebft unglücklicher. Die beiben erften Venoben finb 
gang ungenau behauten ; hier frrofct ba« SBrrl von 3rr« 
tbümern. «ßeffer ifi feine Darftctlung ber türfifchen unb 
neuem 3eit, bod) auifc hinter fpdteren 9earbeitunaen 
weit jurütfftebenb. gallmeraver gab mit feiner @e* 
fd)id)te ber Jpalbinfel SDtorea, in ber er iiindchft bie von 
hinten entberfte tfhrcaif berfelben nubbar mad)t, ben 
Slnftoj» ju weitern gelehrten $orfd>ungrn. «uf %aü* 
meraver'« Cud), ba« )u feiner 3eit (fpod>e machte, werbe 
ich, ba e« ja bod) immer eine Svecialgefcbichte, bie 
nicht über bie lürfenjeit fortgeführt ifi, weiter unten 
jurücffommen, wo id> bie von ihm aufgehellte Iheorie 
binftchtlid) ber ßnrftehung ber tfeugrieajen ndh« beleud)' 
ten werbe. 6eine «nfichten befdmpfte 3infeifen nicht 
ohne ©lürf in femer „©efehiebte ©riechenlanb« vom «n» 
fange gefchidjilidjer Jhinbe bt« auf unfere Xage," einem 
burchreeg gnlnblidjen, befonnenrn ffierfe, von bem aber 
Mir Sanb 1 (bi« 1147. 9eip}ig 1832. 8.) unb Sanb 
3—4 (eine Searbeitung ber ©efd)id)te ber griechifeben 
dievolution von ©orbon. Sbenba 1840. 8.) erfebienen 
finb. Sei bem gan} unjurrichenten Watertal, ba« ihm 
über bie ocribenlalifche ^errfdjaft in £eOa« vorlag, ver« 
fchob er bie SoQenbung be« weiten gjanbc« bi« auf bie 
Untbcrfung unb Veröffentlichung neuer Duellen unb be« 
frfjrdnfte ftcb fcarauf, einen iuqen (freilich ganj unge« 
nügenben) SJbri6 ihrer ©efajichte in bem erften Sanbe 
feiner ®efd)id>te be« oömanifchen 9ieid)« in Europa 
(Hamburg 1840. 8. S. 177 fg.) unb in bem von ihm 
für ba« teonoerfation««£rriton bearbeiteten Wrtifel „®rie< 
cbenlanb" jn liefern. (Üne €perialgefchid)te ber 3nfel 
Areta, bie er gletdtfaU« angefangen, bie im Drurf fchon 
grogrntheil« voflenbet war, blieb ebenfo Hegen*, fpdter ifi 
biefelbc, theilweife umgearbeitet, auch in bie o«manifche 
©efd)id)te (»b. IV. 6. 582 fg. ©otha 1856. 8.) auf« 
genommen werben. Seine gorfebungen blieben gragment. 

©an» oberfIdd)Iid) mar in neuerer 3eit eine ein« 
fcfclägiac Sdjrift be« Smerifaner« 2kirb (Modern Greece. 
New York 1856. 8.), unb aud» bie für bie Sammlung 
be« Univers pittoresque gelieferten Arbeiten von Srunet 
be <Pre«le unb 3lana>et (Grece depuis la conqußte 
romaine jusqu'k nos jours. Paris 1860. 8.) unb Sa« 
aoir (lies de la Grece. (Sbenba 1853. 8.) laffen viel 
tu wünfehen übrig, wenngletd) erfiere ben (iterar«hifiori< 
fd)en -3 heil fleißig bebanbelt, unb itacroir un« eine jiem» 
lid) votlftdnbigc ^iNiogrophie über Specialgrfchicbte ber 
3nfe(n aeliefert rjai. So wdre benn nur noch ber feit 
langen lWkh in Athen (ebenbe Schotte ©eorge ginlao 
)u nennen , ber in einer Seihe von SBerfett bie ©efehiebte 
©riechenlanb« feit ber (Srobrriing von Äorintb bi« jum Wb* 
febluffe ber grieebifeben «Revolution bargefieai hal. (S« finb 
biefe« feine: History of Greece under the Romans 
(bi« 716; London 1857. 8., beutfeb mit trefflichen ünmer« 
fungen von (f lliffen. ?eip}ig 1861. 8.), History of the 
byzantine and greek empires 716— 1453 (eine eigene 
lieh hPi.uitinifdie Jtaifergcfcbicbte ; Edinburgh 1853 — 54. 
8. 2 voll.), bann History of Greece from its conquest 
by the crusaders to its conquest by the Türks and of 
the empire of Trebizond 1204— 1461 (Specialgefchichte 




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GRIECHISCHE 



— 69 — 



ber jjrnnfenherrfchaft, ebenba 1851. 8., von ber dne 
fcblecbte Uebetfefrung von iJtetcbinp, ju Bübingen 1853 
f rid>ii-ii) , Hi story of Greece under othoman and 
venetian domination 1453 — 1821 (ebenba 18.%. 8.), 
enblid) History of the greek revolutioa (ebenba 
1861. 8. 2 Voli.j. Sdmmtlithe «Schriften ginlav'« 
fllänjcn ebenfo febr burd) einen fräftigen Stvl, wie bura) 
ftaa tftmdnnifcbe (Sinficht unb pbilofopbifdjeii ®eift. Sur 
bat et eft »etfdjmäbt, gerabe für bie dliern bunfrln 3n 
ten — in bit neuern bat et felbft oft banbelnb mit «in- 
gegriffen — neue Duellen auftufuchen unb ftcb, mit 
bem begnügt, toa« vor tbm gallmeraver, unb über bie 
granfenjeit namentlich 93ua>on gefammelt unb gelciftet 
baben. Daher finben mir auch bei ibm, in 8olge un> 
genügenber Duellen, bie unb ba fthiefe Uttbrile, bie 
fonft leicht von bem fdjarffinnigen Denfer vermieben mor- 
ben rvdtrn, unb @rfd)öpfung tefl Stoffeft, (hlebigung 
ber Qatbinalfragrn ift auch bei ibm niebt tu finben. Slm 
füblbarften treten tiefe Mängel roäbrenb ber jroriten *J}e' 
riebe henwr, für bie mir ba« umfaffenbfte Material vor» 
liegt, fobafj ginla»'« Darftrflung berfelben nur bie oft 
mtebtroolte Sebauprung, „baji bie £errfcbaft ber «benb* 
Idnber in ®riecbenlanb eine ber ttaurigften Venoben 
feiner ®ef<hia>tt bilbe," ju beftdtigen febetnt. $>a$ bie' 
l fl La- r urdMu* irrig , baben fdj o n einzelne ®riecben fribft 
anerfannt ; mir metben eft fpdter bemeifen. 9$on gried)i< 
fd)en Bearbeitungen mürbe im enblid) noch bie ölige» 
meine ®efthicbte von $eUa0 )u nennen fein, ucldje St. 
5ßaparrbigopuioö vetfproeben bat, mdre biefelbe niebt, 
rrofc der ®perialforfcbungen, tveldje ibr 3$erfaffer über 
ba« Mittelalter angcftellt bat, bi« je$l nod) in bem Silur« 
tbum fieden geblieben, »u<b bie 'EULtivuta *) M dltern 
3. 9t. Kbangabe fommen hier nicht in ©etradit, ba fie 
faft au«ftblie&Iicb ®eograpbie unb ©lariftif bebanbeln 
unb nur gelegentlich auf bie ®efd>id)te *Rürffid>t nehmen. 

Unb bamit hätten mir furj «tieft aufgeführt, wa« 
bi« beute von envdbnung«mertben allgemeinen SBerfen 
über bie ®efd)icbie beft mittleren unb neueren @ried>en< 
lanbft vorliegt. &txoiv wenige $3orarbriten, von un» 
gleichem SSertfie, am heften bie von SKuralt, ^infrnVit 
unb fttntav, bie baber fdmmtlid) auch hier gebübrenb 
gemürbigt unb berüdftebtigt ftnb, ohne baj» ich fie bei 
lebem «bfebnitt fpedett dtfrt bettle. 

3) ««atbMUnflfit itt fpeciclUn ntttgrifdjif d)en 
«if«b-<b> 

®röfjere 8u«brute gemdbren fpedelle llnterfuchungen 
über einjelne ^rovinjen, Sidbte unb 3nfefn ©riechen* 
lanb«, beten mir eine ganje Wenge vorliegt, unb bie, 
tbrilrorife von 9teugriecben verfaßt, in ®dea)enlanb ge» 
brudt , bei un« — in Guropa , roie alle« ?anb meftmärt« 
von bem «ßeloponnefo« bript — vöUig unbefannt ftnb. Oft 



2) Ti 'EIXtfmä t'roi tU9tffa<prj )><■>)•{•< <i ioru^ix-',. 

«I. Conti. Antmiada. Athen. 1853 — 1854- 8. 3 Voll. 'Jttu ti 
iatht «« ba« ipn V. «• 6l«|>bani>t« Mitaet^eUtr SJ Tjttil|tti|» 
«tr WVW ••■ Vul - 3- P- 702- 703. 



(EINLEITUNG) 



biefelben ivertbvoDe Urfunben unb Jnfdjriften, 
bie man anbertmo vergeblich fudjt ; anbrrc ftnb bagegen 
völlig unbrauchbar, von untviffrnben Scdbrnten an'em- 
mengeftoppelt, von 3rrtbümern, gabeln, felbft von Ä,u 
fchungen ftrosenb. Vlnbere rvieber berühren faum mit 
dner 3eüe caf» SRittelalter unb befdjränlen ftch auf bie 
Nachrichten, meldte bie Vllteu über ihre <stabt ober 3nfel 
aufbemahrt haben. 3»bem iJ) (entere möglichft aud> 
fa)dbe, verfud)e ich, hier eine fürte Urberftcbt ber haupt' 
fächlichften gdeebifthen 6pedalgefchi<hten |u liefern, bie 
mol um fo eher ale ein bibliographtfeher «Berfuch hier 
ihren Ißla* finbet, ald bie betreffenben SBerfe, ben 
SKeiften '.biver jugdngltch, nur <ur <&anb ftnb, unb id> 
biefelben mit furzen rritifchen »Otiten hie unb ba be- 
gleiten roerbe. 3d) beginne mit ßpiroft, ber nöiMidjften 
vrovini ®dechenlanbd ; biefelbe bchänbdn: H. 9tuftoriDi0 
i litt/,' uvav «ovtffutxav ccvaipioofiivap df rijv toto- 
Qiav tijs 'Hxtlfov, Alxallas, AxttQVttvtas xal xüv 
xafftaumlvov vifiaw im Helliuomnimon p. 41—59. 
204 - 230. 347 — 363. 458 - 579 l«tben 1843-1 846. 
8.], roonn auch eine fdtifche SluCgabe ber Gbronif von 
Spiro« *), »eiche bie 9Wönd)e «ßrollo« unb Äomneno« 
verfaßten, enthalten ift; dne vorzügliche Arbeit), Üthanaf. 
Stagidtid ('//»tocoruea ^rot löTOQia xal ytaygatpla 
r»„- Hxtiffoii xakaut rt xal via. SBien 1819. 8., füt 
bie neuefte 3eit nicht unbrauchbar), Semitelo< (Epiroti- 
corttm über I. Berolini 1854. 8 M Xlltrrthum ) unD % l H. 
Jlravantinoft ( XoovoyQayiu rijj 'Hmloov xüv xi bpo 
(f&v xoqöv. 0tben 1856 — 1857.8. 2 Voll., rleipig unb 
brauchbar, für bie neuere 3dt namentlich viel fonft unbe« 
rannte« SRatertal enthaltenb). Hlbanien« ®efchid)te ift 
von Jhunmann (©efchidjte ber öftlichen europdifthen 9361' 
fer. 8%. 1. Seipjig 1774. 8. 6. 169 fa.), v.$abn («Iba« 
nefifche 6rubien. 3ena 1854. 8.), ^etquaro (Hwtoire 
et description de la haute Albanie ou Guegarie. 
Paris 1858. 8.) unb gallmeravcr (Da« albanefifdje @(e> 
ment in ®dechenlanb I— III. in ben Slbbanblungen ber 
hlftorifchen Slaffe ber "äNünchener «fabemie. »b. VIII 
— IX. 1860—1862. 4.) bargrfteltt morben; ich merbe 
biefe trlTbdten, fomie dne gegen £ahn gerichtete, aber 
verfehlte ®egenfd)rift von 9t.<». Ntfofle« (17tpi xip ov- 
xo%9ovlas xäv 'Akßaväv t/rot Exuuxüif. ®öttingen 
1855. 8.) fpdterbin, menn ich von bem «uftrelen ber 
«Ibanefen hanble, ndher beleuchten, lieber Jbeffalien 
fajrieb 3o. Ülnaunoft. Stonarboft (Ni&täxt} t^j Btaaa- 
Mas z o Q 0 YQ a <fx tt - *i'eftb 1836. 8., meift gecgrapbifcb), 
über bie fReteorenfföfter 9. ^euje« (Let couvents des 
Meteores en Thessalie d'aprea un ms. grec, in ber 
Revue aroheologique. Nouv. serie. V annee. Paris 
1864. 8. p. 153—169, febr gut), über Dvnbadjion 
«Wavrophrvbi« (/7t(»i 'Extdä(ivw ij 4v#«ilov, in ber 

3) QiffrUw leatb tutrft ftbr untcUAAnM,] (Mit tea Panijut. 
vtlle, Vojrag« d>ni U Otiet. Tom. V. Pari« 1821- p. 199. uitk 
Garant rci>rtli<t) ab^tbitttfl in «n bonnrr Httf^abr brr Svtantmtr 
(1849): bann vcUndnH|| van 9 a Uno* m tn 3<ttfditift: Afhprit 
t)Tot üvüUmu ytwffatfaitt, qptAotojrraä ». r. 1. Nsuplian. 1831; 
Mbli* am^b«ioi^iu rafftfdiec U(btt(t(ma wm flJabr. Dfftunid. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 70 



(EINLEITUNG) 



3dtfd)rif« Mvt^aawt{. «tbrn 1862. IV. p. 248, mtffi 
au« tucanac arniBiUrt), über Arrnu)a ^aparrbigoputp« 
(IUni xöv h> tä dr';ua NvfupaaUts &f%tumv %ul puCauo 
vuubv (tvrftuUov xal liUne xiqI kiwirtr^ , in her /7m 1 
»sie«. XIV, 335. «[heu 1864. 4.), übn «alaribi 6atba« 
(Xgovutdv ävixioxov rala^nilov ij toroo/a 'Apqiö- 

R)M 1866. 8., dne Ghronif au« bem 3<tbrt 1703, 
»on Dem Stände (lutbsmio« »trfafct, mit (finltirung 
unb ftnmtrfungrn), aber Suli unb $arga ter n>adtrt 
$Jtrrbd»o« (IoxoqI« 6vvxapo$ tov EovXlov tui Tlao- 
fae. $ari6 1803. 8., «ihm 1867. 8.; ubrrfrftt in 
Ghtrardini Storia di Sali scritta in creco volgare 
da BvxirotfTjla. 1829. 8.), te ©effet (Parga aod the 
Ionian islands. London 1822. 8.) unb Ugo go«colo 
(Ob Um ceasion oi Parga. London 1820. 8.). 

Skrjtid)nifft btt »tnttianifcbtn ©tattbalitr »on 3>»r» 
rijaditon, mit »on (fuWa, frriUa) ftbr un»oü*ftdnbfg nad) 
brn Libri aniTeni, »«6fftntlid)ie ®raf $ora»eo Sttta 
auf fliegmCtn »Idtrtrn (MiUno s. a. fol.). g ehr §ab> 
nid) iß bit Sittrarur über bie ionifdjen 3nfr(n; »on 
aUgtmrintn 38a fen finb )u nennen bie »on grant. ®ri« 
moni (Relazioni storico-politiche delle isole del 
mar« Ionio »on 1760, brrau«gegeben »on Gicogna. 
Venezia 1866. 8., (ehr i»id)tig), b'tltbi'i« (Memoire 
aar les trois departementa de Corcyre, d'lthaque 
et de la mer Egee. Pari« 1798. 8.), ®rafftt br €t 
©au»tur i Voyages dans les lies du LevanL Paris 
an VIII. 8. 3 Voll., forafdltig), b« «atiboncourt (Mc- 
moirs on tbe Ionian islands, translated by Wolfen. 
London 1816. 8.), Ärnbrid (The Ionian islands. 
London 1822. 8-, rbetfiädjli*), ©or» b< 6t. Sinccnt 
(Histoire et description des lies Ioniennes. Paris 
1823. 8-, mrifi naturfaiftorifcb), (Fufani (La Dalmatia, 
le «tele Ionie e la ürecia. Milano 1847. 8. 2 VolL, 
brandjbflt für bit 9ttU)rit), II. Danbelo (Lea lies Io- 
niennes sons la protection britannique. Corfou 
1861. 8. Paris 1861. 8., ber biftoriftfx 3nhalt au6 
Wormora tnrtfbnt, confu« unb »trtblo«), 9t. Dama« 
fdjine« (Esqnisse historiqae sar les lies Ioniennes, 
im Spectateur de 1 Orient IL p. 87. Athen 1867. S 
ebtnfo), 9. Vunji (/7tpJ xys xoittmyg yutzaoxaettos 
Ttff 'Enravt/Oov inl 'Evirärv Stbtn 1856. 8., gang 
unigcarbritet in bn Ufbtrfffciing : Deila condizione po- 
litica delle iaole Ionie sotto ü dominio reneto, ver- 
siooe con note di M. Typaldi Foretti e N. Barozri. 
Venezia 1858. 8. unb fortgritfct in Storia delle isole 
Ionie sotto il reggimento de' repubblicani traucesi. 
(Sbtnba 1860. 8. unb Deila repubblica settinsnlare 
libri IL Bologna 1863. 8., »orrrtjfiitbt arbeiten), 
«nfttb (Tbe Ionian islands. London 1864. 8., natur* 
biftorifd) iumrifi) unb Donoto txl Werbo: Saggio di 
una descrizioDe geografico-storica delle isole Ionie 
(Corfti 1866. 8., für 6tarißtf übt t»id)tij)). &Ktitü 
nbtx Aorfu febrirbrn 91. Warmora (Ilistona di Corfti. 
Venezia 1672. 1., unfritifd) unb fobribaft), 9otta (De- 
scrizione della isola di Corfh. Milano 1799. 12. 
2 Voll., notUTbiftorifd)), Vnuto bfl Worbo (Notizie 
miscellanee intorno a Corcira. Corft 1808. 8., mdfi 



naiurbiftorifdj), 3»f!i*i (Essai aar Testat de la ctvi- 
lisation des Pheaciens, mit gritdjifdjfr Ucbcrfe^ung 
»on 9t. Warromatti: Joxlfuov xtql xoknapav xöv 
«TWxwr Corfb 1811.4., ««f «n«gabf »on «(. 2om« 
»to«. «brnbo 1859. 8., »atb»oa füt Sitrratur* unb 
«ulturaffdjidjtf bi« 1800), Zbeotef« (Details snr Cor- 
ioo. Corfou 1826. 4-, ^auprrorrf aber Staflfrif brr 
3nfd), tut U* a. 9Ruütoribi0 ( Illustrazioni CorciresL 
Milano 1811 — 1813. K. 2 Voll unb Delle cose Cor- 
cireai. Vol. L Corfa 1848. 4., nxl*r« trrnltctc ©rrf 
Ifibtr nn»oOrnb« qrbhrbon i>n-, über ArbbaOrnia Snbr. 
Sötcroftni (Corsi di penna e catena di materie sopra 
Tisola dcUa Cefialonia. Venezia 1628. 4., tferitafife 
nad) f»dlrr »rrnidjtftra Urfunbm), ?o»nbo (Saggio 
istorico dell' isola di Cefalonia. 1808, nur banb' 
fd)rifilid> auf Ärj>baUcnia unb 3antf »orbanbrn). 8fro» 
fom (!Die 3nfri Srpbatonia. »trlin 1860. 4., für ba« 
fRittflaltft ganj unbraucfcbar), ®. imt>9 3afo»ato« 
(EvXXoyri äprawXoyucöv Xuixxvov XTjS vtfiov KnpedL- 
UtpUcg. Kephallenia 1861. &), 9. Waaarari« (Ruh 
xöv Ivdo^en 1 ävdffAv xijs vrfiov KKpaiXjprlag. $mtbia 
1843. 8.) unb D. 9M. XaOaporta (Ihm tfvufuoteaov 
xrjs xoiUos .ljjiovetov. Corfu 1849. 8., ftattftifd» ; 
übre Seufae 3ac. ®ranbi (ßisposta a Aless. Pini so- 
pra alcune ricbJeste intorno S. Maura e la Prevesa. 
Veneaa 1686. 12., febr t»mb»off), 3). $errijiopuIo« 
(»on befftn Sdiriftrn i Saggio solle prime eta dell 1 
isola di Leocadia. Firenze 1814. 8.; Seguito delle 
medaghe Lencade. Padora 1815. 8. unb Saggio 
sau" eta di Leocadia sotto il dorninio de 1 Romani 
e successivi conquistatori. Venezia 1824. 8., nur 
(t&trrc rigcntlid) bitrbin gebort; fit ftroftt, glrid; ben 
anbrrn, »on gabdn unb (fTbid>tnngnt) unb 3. 91. €ta» 
matdos (OUoHoyautL iucxQtßcH xiot Aevxadoq xara 
rot>s ÖMoxaxovs xffövovs- fttbrn 1861. 8., nur Slltmhum). 
Die Aiflorifer 3ioefa'e haben felbfrorrfiänblid) <nt fafi 
audfeblirglid) mit brr allen Seit brfibdfrigt, fo @tü (The 
topography and antiquities of lthaoa. London 1807. 
4.), €4)rfibtr (Ithaca. ?ri|>jig 1829. 8.), ®. g. Sonxn 
(Ithaca. Corfä 1860. 8., «brrfrftt »on ?tt »railo 
Vrmenie al* 'Aff^uolayucn oWp^Wj «toi rijs vrfiov 
'/Oäxiji in bn ITavdaoa EX, 209—210. fltbrn 1858. 
4.) unb 9c. fxTtbrr (ferner unb bae Jthafa brr SBirf« 
lid)frit, im ^rrmre I, 2. Striin 1866. 8. 6. 263 fg.); 
nur 9?. Jtara»ia9 ®ri»a6 ('/dropte xys vrfiov 'I&äxtj$ 
axd xmv äp^aiorcrrof xqÖvw utiQi tov 1849. fltbtn 
1849. 8.) bat aud> bit neuere 3<it berud M*ru]l 9(dd)fi 

Jtorfu tft 3antt am auefubrlidrfm btbanbtlt »orbtn, 
^unädjft von «tmenbini (De Zacynthi antiquitatibus 
et fortuna. Venetüs 1756. 8., in« 3talimifa)t ibtx< 
ftbi mit »itltn Xdfcen »on 6trra, ungtbrudt im Stftß 
bt« .^rn. Barbiani auf 3antt), Curiola (Storia del 
Zante, glridjfaQ« ungtbrudt, bod) rmtblo«), i! 9kn» 
cati (Saggio sulla atatistica della citta ed isola di 
Zante. 1811. 4.) unb tnbifd) »on $an. dbiotf« (lau,- 
t»ix« eutofivtjfioifvftaxa r>£ vifiov Zaxvv&ov. Corfii 
1849—1862. 8. 3 Voll., »on boten aber 9anb III. 
ned) mebt »oOtnbet ift; bödjft flerfig, bod) confu« unb 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 71 



(EINLEITUNG) 



uoiriiifö); über «trifte, von bem aud) eine Äarte auf 
ber 3nfel fflb^ rrtd)ienen ifl (3o. Äorondo«, 'H fij- 
tfo* ^vpa. Cerigo 1853. fol.) bat Sie. Stai (Rac- 
colta di aaticbe autorita riguardanti Fisola di Citera 
oggidl Cerigo. Pisa 1847. 8., braud)bar), gefdjrieben. 
tat dOttjt griefljifdje gtfJlanb unb bie 3nfeln be« ägei< 
fajen SRerree hat SReurjtu« bereit« im 17. 3abrbunbert 
bebanbdi unb babei geleaentlid) and) auf tote fpatere 3tit 
•Küifri*> genommen, veranlaßt burd) bie veneliantfcbe 
Derupation , rrufctenra Snbe beffelben 3abrbunleTt« per» 
idjiebene Wo-uMurtiifii üb« bcn Uleloponnefo«, von beneu 
id) nur bie von SBinr. goroneUi (Memorie i«toriogra- 
fiche de' regni della Morea, Negroponte etc. Ve- 
nezia 1685. 8. unb öfter«, aud) in« leutfdje unb grau« 
iöjtfd)e uberfe|t), ®ir. Slbrij,ü (Es* tu notitia del 
Peloponeso. Venezia 1687. 4.), föanbolpb, (The pre- 
sent State of Morea called anciently Peloponnesos. 
London 1686. 4.) unb üDapper (Naukeurige beschry- 
ving van Morea en de na bygelegene Eylanden 
Amsterdam 1685. fol. , aud) ftanjofifd) überfetjt) nenne ; 
t>on neuem Sd)riftfiellera ftub nur Ueatt (Travels in 
the Morea. London 183a 8. 3 Voll, nebft Supple* 
raent: Peloponnesiac». (Sbenba 1846. 8.)unb ßurliu« 
(Peloponnesu«. ®otba 1851—1852. 8. 2 Voll.) ju neu* 
nm, bif beibe aud> bie mittelalterliche ®efd>id)te ber 
£albinfel berüdfidjiigt feaben, fowie gallmeiaver'« ®e« 
|cbid)le ber £albinf<l «Korea roäbrenb be« Mittelalter« 
(StuUaart 1830—1836. 8. 2 Voll.), bie id) fpäter fpe« 
• ica befpredjen werbt. $pn Sperialgefd)id)ten nenne id) 
über Slrfabicn bie von Scbrvab (Slrfabien, feine Statur, 
feine ®efd)id)te. Stuttgart 1852. 8.), über Jtorintb bie 
von Spangenberg (Chronicon Corinthiacum. Stras- 
burg. 1569. fol., veraltet), bie Corintbiac ecclcsiae 
mcraorabüia in tfami'« Deliciae eruditorum (Tom. 
IV. Florentiae 1738. 8., nu&bar) unb b'<St'd>avanne« 
(Histoire de Corinthe. Paris 1854. 8., ftäcbtige (tm> 
pilation); über Safebämon von be la ©uilletiere (Lace- 
demone ancienne et nouvelle. Paris 1676. 8. 2 Voll., 
wrbddjtig) , über SWetbone unb Jlorone, nauirntlid) bie 
borrigen Si«thümer, von glam. Gornaro (in Catharus, 
Dalmatiae civitas. Patavii 1759.4., fprgfdltig), über 
ba« Jtlofler SRegafpildon von Aonfi. Cefonomo* (Ktl- 

TOOiXÖV i) XQOÖXWTTttjQtOt' 17}Q uy«; xai ßcHhjUxifi 
Itovi/s rot» MtyüXov Lsnhxiov. 8ltl>i:i 1840. 4., mit 
«wtrf>v»Üen Urfunben). (Sine Xiiffertatton von 2. Wo* 
lanb, bie biet ju enväbnen wäre (St Omer dans la 
Morec. Esquisse de la domination francaiae au 
moyer» age. Paris 1852. 16.), ift mir trob aller SBe« 
mübungen nid)t ju ®efid>t gefommen. lieber «ü>cn bann, 
wobei id) felbjrtebenb von allen übcnviegenb ard)do< 
logifdjr« SBerfen abftrabire, banbeln be la @ui(Ietitre 
(Athene« ancienne et nouvelle. Paris 1675. 8. , ver« 
bdd)tig), ^ier Vlm. $a<iftco (Historiografica notitia 
del ducato d' Athene con la descrizione de 1 fati de' 
•ecoli passati e col successo dcll 1 anni veneti sino 
SIT anno presente 1687. Venezia 1687. 12., für*), 
dorn. SRagni (Relazione della oitta d'Athene coÜe 
proTincie dell' Attica, Focia, Beozia e Negroponte, 



von 1674. Parma 1688. 4., nid)t übel), gr. ganeDi 
(Atene Attica descritta da' suoi principii sino all 1 
acquisto fatte dalf anni vmete nel 1687. Venezia 
1707. 4., ebenfo), ^ittafi« (L'ancienne Athene« on la 
description des antiquites d'Athenes et de ses en- 
virons. Athcncs 1835. 8., fläd)tig unb unjuverläffig), 
gallmeraver (lieber ben @iiiflu$ ber SBefeBung ®riea)en> 
lanb« burd) bie £(an>cn auf ba« €>d)td|al ütbrn«. 6turt' 
gatt 1836. 8.), 2). 6urme(i« (K<ni6taat$ awoxrutij 
fr,; nöitos 'A&mmv. ütben 1846. 8.), QOiffen (in fei' 
nem 3Dtid)ue( Sfominate« von @bond, Sr^bifa^of von 
»Iben, ©ötringen 184<5. 8.) unb ©reton (Athene« de- 
crite et dessinee. Paris 1862. 8., für un« bier teeaig 
btbeutenb); mit fverieUen «bfcbnitten ber atbenifdjen @t» 
faiidjte hüben ftd) ber $erf«ffer (De historiae ducatus 
Atbeniensis iontibus. Bonnae 1852. 8.) unb Saborbe 
(Atheoes ixxix XV, XVI et XVII siede«. Pari« 
1854-8. 2 Voll.) Mdjöftiflt; über bie Zopograybit von 
SOtegara liegt ein anonvmer Huffab (£. imoroi)] Ix 
MiyiQtov) in bet TlavduQa (XII, 281. Athen 1861. 4.) 
vor. Die 3nfdn be« Sflrdjipcl« überbauvt bebanbri« 
©uonbelmonte (Liber insularum Archipelagi, ed. O. 
R. L. dt Sinner. Berolini 1824. 8.), Sartolommro 
3amberti in ©onetten, bab,er meift dalli Sonetti genannt 
Osolario, o. O. u. 3. 4.; 1632. foL), »eneb. «orbone 
(Iaolano. Venezia 1534, 1547. foL, reo aud) anbere 
3nfe(n befprod)en »erben), 1. ^orcacd)i (Le isole pin 
tamose del mondo. Venezia. 1572, 1576, 1604; Pa- 
dova 1610. foL, ebenfo), £ofd)ini (L Arcipelago. Ve- 
nezia 1658. 4.L L'etat present de 1' Archipel (par 
U.M.D.L. Colognc 1678. 12. 4VoU., meifi -)U> 
man), Sianbolpb (The present «täte of the ielands 
in the Archipelago. Oxford 1687. 4.), ^iacenja 
(L'Egeo redivivo. Modena 1688. 4.), Dapper (Nau- 
keunge beschryTing der Eilanden b de Archipel. 
Amsterdam 1688. fol., franiöjf^^l703._fol.), ®int. 



(EomueUi (Ijolario. Venezia 1696. fol. 2 V«U., «wrfb< 
voll, aud) anbm 3ufeln umfafienb), Sauget unb Iaril= 
Ion (Histoire nouvelle de« anciens ducs et autrea 
souTerains de rArchipel. Paris 1698, 1699. 8-, ein 
feltene« 9ud) voller <^rbid)tungen, nur jum Meinften 
Xbeil auf eobte, nod) in 9taro« vorbanbene Duellen 
bafirt), Xournefort (Kelation d'un vorage du Levant. 
Amsterdam 1718. 4. 2 Voll., nieift nad) Sauger), 
$afd) van Jlrienen (Breve descrizione delP Arcipe- 
lago. Livorno 1773. 8., neu abgebnidt in i. 91 of, 
®raf »Uafd) van Brienen. §alle 1860. 8., febr brandj* 
bar), griefemann (Desoripüon historique et geogra- 
phique de PArchipel. Neuwied 1789. 8.), V. Ätna«» 
bergen (®efd)reibung be« tllrdtipel«. flu« bem &oQan< 
bifd)en von St. Sprengel, ttofted u. Öeipjig 1792. 8.), 
9loi (»Reife auf ben gried>ifd)en 3nfeln be« 4geiid)en 
3Heere«. Stuttgart 1840—1852.8. 4VolL), be eigala 
I riayQfiffixij :THjiyoii<( >j rov vöuov täv Kx/xXädiov, in 
ber 'Äxofrrpif) xäv wpeÄlpov xal rt^nväv yväxiiav von 
3af. «ßibipfo«. Spra 1848. 4. IL S. 53 fg.). 2>i< meifien 
3nfeln beffclben babe id» in meinen ©eneto-btHantiRi» 
fd)en «nalelten (ffilen 1859. 8.) unb verfd)Ubenen « r . 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 72 — 



(EINLEITUNG) 



tifeln biefer Smoflopäbie (Ghisi, Giorgio, Giustiniani, 
Gozzadini) belcuditet. ii'.n reich finb mir an Special' 
gefebiebten über tie cinjelnen 3nfeln be3 dgeifdien SJlee» 
tee"; bod) bebanbeln biefelben meift auöfdjlicfilid) Dmn 
Altertbum. 3 .f ertodbne biet toie Arbeiten über Argtna 
von (5. 3Rüllet (Aegineticorum über. Berolini 1817. 
8., nur Slltertbum), «nbro« oon 3. G. Wfioota (De situ 
et antiquitatibns insulae Andri. Friburgi 1844. 8., 
ebenfo) unb mir (©efcbidjte ber 3nfcl «nDro« unb ifjrer 
SfbenfcbfT oon 1207 — 1566. Sßien 1855. 8.; Urfunbrn 
unb 3uf<H>t, tbtnba 185»5. 8., jtalienifd) oon ©. ©. 
©arbagna. SBrncua 1859. 8. unb grfecbifd) oon 9ic< 
ruso« in brr /Zotvdwp« XI, 245 - 251. «Ibra 1860. 
4.), 8fh>palda von ffl. 3abarclla (11 Galba ovrero 
historia della Ser 1 " 1 famiglia Quirini. Padova 1671. 
4., trog vielen Sdjroinbclö brouebbar), (5tno<s von ©ircl. 
©iufiiniani (La description et histoire de l'Üe de 
Scioe. Paris 1506 [ju lefen 1606]. 4., intereffant, bod) 
fabelhaft), Wieb, ©iuftiniani (La Scio sacra del rito 
latino. Avellino 1658. 4., grünblicb), einem flnonemu« 
(Distinta desorittionc della citta, porto ed isola di 



Scio. Venezia 1694. 12., unbebeulenb), $oppo (Sei' 
ttdge jur Äunbe ber 3nfel Gbio« unb ihrer ©rfcbjAir. 
granffurt a./O. 1822. 4., Hltertbum), Äorai« (Xutxijs 
ccfficuokoytag vAjj in feinen "Ataxia. Vol. III. Paris 
1830. 8., ebenfo), Jfofob*3Btlte (De rebus Chiorum. 
Havuiae 1838. 8., ebenfo), «1. «Blaftee (Xuaui. Her- 
mupolis 1840. 8. 2 Voll., brauchbar), ©. (Sdenbretbet 
(Die 3nfel Gbioe. Serlin 1846. 8., wenig für SWittel^ 
alter), (5. ^agano (Delle imprese e del dominio dei 
Genovesi nellaGrecia libri IV. Genoval846.8., meifi 
<fbio$ betreffenb, mettbvoü', nur unooUftdnbig), von brm 
Setfaffer b'et («ttifel Giustiniani; überfefct ald 'itfro- 

QtXt] nunyuarUd XIQC tÖV tX AwW^J 'IovÖZtVUCV&V, 

in btt 3eitfd)rift X 9 v«allis II, 43 —48; DJ, 49. «Iben 
1864— 1865. 4.) unb von Domen. Uromifl (La Zecca 
di Scio durante il dominio dei Genovesi. Torino 
1865. 4., febr gut); ba6 berübmte JHpfter ber Nla 
Movrf bafelbft bat eine gute SDtcnograpbie von brm 
Gbtotcn Scifcpboroe" (H toia xat Uqcl axokov&la töv 
bototv xcü öfexpopov nariffov tjfixäv Nixrjra, 'Iadv- 
vov xcü 'Ia6'w röv mrdpov tijs iv V.Vo tff/}«<Jfi/rt$ 
uovin rijs imXtyofuvys vias. 9)raebia 1804. 4.) auf» 
mioeifcn, weichet ledere juglcidj mit War. 9?otara« bie 
3uftdnbe ber 3nfel im Anfange ber jtociten £dlfle be» 



15. 3abrbunbertd bebanbelt bat (AuiuovaQiav 
nermupolis 1855—1857.4. 3 Voll. VoL L p. 11 sq.). 
Die Aiftorifer bc$ belügen Delo«, wie Sdjioencf (Dc- 
liaca I. Francofurti ad M. 1825. 4), £d?.läger (De rebus 
Doli Cycladis insulae. Mitaviac 1843. 4.) unb ber 
Hbbi Sallier (Histoire de TÜe de Delos, in ben Me- 
moire» de l'acadcmie des ingeriptions III. p. 376) 
haben natürlich nur bie alte 3eit berüefftebtigt, ba bie 
3nfel im Mittelalter unbebeulenb unb faft verfallen 
mar. lieber Suböa febrieben ^flugt i Kerum £uboicarnm 
speeimeu. Berolini 1829. 4.), Surfian (Quaestionum 
Euboicarum capita selecta. Lipsiae 1856. 8.) unb 
a. SJaumeifler (Xopograpb.ifo>e e(ijje ber 3nftl (Suboia. 



«üfcetf 1864. 4.), obne über bat «Itert^um f)(nau«< 
juae^en; bagegen hüte leb bie fflrunbjüge brr miltelaltcr» 
lieben @efd>id)te in meiner Abbanblttng über Äiimftr« 
bar.ulegen verfud)! (Urfunblicbe SRittbeilungen über bie 
©efdjicbte oon Äarofto« auf duböa 1205— 1470. SBim 
1853. 8.J grieebifeb a!0 'Axöaxaopa r^s Usroiflae riß 
KaQtrttov oon fller. 9ib. Kbangabe in ber IJavdmQa 
VI, 131 — 133. «Iben 1855. 4., erqänjt unb tbetltoeife 
umgearbeitet in ber Dissertazione aoeumentata sulla 
storia di Karystos, versione di G. B. Sardagna, 
coUe ginnte deU' autore. Venezia 1856. 8.). lieber 
^Obra banbeln SRiaulie' (Lwoxxixri totoifla tmv xawbv 
Vttvtixäv vrfiav "T6qov, ZjxstOöv xci Voqöv. Nau- 
plion 1837. 8. , fleujeit) unb ^. SBtoiani 3tccbini (Mo- 
nografia dJdra in ber Bivista contemporanea. To- 
rino 1862. 8. p. 432 — 451, ebenfo), über Äeo6 
3)rönbfiebt (Voyagca dans la Grece. Tom. L Paris 

1826. 4., »Itertbum), über Stot Sanotx (Seirrägc jur 
Aunbe ber 3nfel Stot. Hamburg 1831. 8., flltertbum), 
Äufler (De Co insula. Ilalis 1833. 8., be*gteid)en) unb 
Seafe (in ben Transacüons of tbe R, Society of the 
United Kingdom. II. 8er. Vol. I. London 1843. 4-, 
gleicbfall«), über ?emno« 5Rl>obe (Res Lemnicae. Vra- 
üalaviae 1829. 8., ebenfo). über Jeflbo« ffiinc. ©gualbi 
(Kepublica di Lcsbo, della ragione di stato in un 
dominio aristoeratico libri X. Bologna 1640- 4., 
nur »elitifd)c0 Kaifonnement über ben 3bealftaat), Ran* 
ber (Beiträge jur Jtunbe ber 3nfel i'r«bo«. Hamburg 

1827. 4., alte ;V:ii:, Wehn (Lesbiacorum Uber. Be- 
rolini 1826. 8., gritdjifd) überfe^t von (Suft. ©eorgia« 
be6 alt* 7% AaSßtaxa #rot töropi« tng vrflov jiiaßov. 
«tben 1849. 8.) f St. I. «nagnoftie { f H Atößüts, fft) 
Mai laroQixbv tyxtöfuov. @m»rna 1850. 8., für bie 
9?eujeit brauchbar), ®. flriftibi« (/7tpl r^s xmk *6v 
(uOttiöva xataöTaaiai t>js Aiaßov in brr tfavo'uoa 
XIII, 299. Stben 1862. 4., flüchtig) unb «. Gonje 
(9ieffe nach ber 3nfel grtboe. ^anover 1865. 4., für 
Ältertbum hcdift n>ia>tig), fomir Äötiuc unb crricbldnbcr 
in fpdler ju nennenben Wün}tverfen. liebet 9{aro6 tr • 
fttjen mir üßonoaraphien oon ©. jabareHa (Tito Lirio 
Padovano. Padova 1669, Venezia 1782. 4., locrtb' 
voll für bie ^erjogdQrfoäithte), 3gn. 8id)t(e (Description 
de Naxic lle consid^rablc dans les Cyclades, nur 
banbfchriftli* auf Waro« unb in meinem SBeftfce), ilrifpi 
(Albero genealogico ed istorico della famiglia de' 
Signori Crispi. Meseina 1797. 8., gleichfalls Aur 
^crjcg«geicbid)te, boeb reiner Scbminbel), ©rüter (De 
Naxo insula. Ilalis 1833. 8., «Iterthum), (ingel (Quae- 
stiones Naxiae. Gottingac 1835. 8., ebenfo) unb 
«Jurtiue (flaxo«. ©erlin 1846. 8., wertbooQ); überhat* 
mod unb <Samo0 oon ©uerin (Description de llle de 
Patmos et de Tlle de Samos. Paris 1856.8.), 3of. 
©rorgitenotf (Sefchreibung Iii gegeumdrligen 3«fi f >nbe0 
ber 3nfuln gamo«, Wcaria unb »Jktbmo«. 1689. 12.), 
^anoffa (Res Samiorum. Berolini 1822. 8.) unb Orpam. 
©tamatiabt« (Th Eaputä. Sltben, Vol. L, 1862. 8., 
faft nur Ueberfegung au« $anoffa unb nur bafl «Her« 
th,um berüh^renb); übet Santorini oon «Boewindel (De 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 73 — 



(EINLEITUNG) 



Theraeorum insulis. Berolini 1856. 8.), fygut* 
(Histoire et phenomfcnes du volcan et des lies vol- 
caniques de Santorin. Paris 1842. 8., brauchbar) unb 
3. De ($iga(a (Itvtxi) axaxuixuiii r^s vlflov ©f/ons. 
£ermupolif 1850. 8.); über Sfiatbofl oen <£pipbaniof 
(loxogia riß vrfiov 2Äua&oi>, in btr 3ritfcbrift 'H Al- 
yxvala. Aegina 1881. & S. 223 fg., oberflächlich); übet 
Sora von txlla 9tocca (Traite complet snr les abeilles 
•Tee unc metbode nouvelle de les gouveraer teile 
qu'elle se pratique Ja Syra, precede d'un precia 
nistorique et economiqae de oette Ue. Paris 1790. 8. 
3 Voll.). Die 3nfeln bef tbrafifeben SReeref fuib oen 
A. Gonje (tteife auf ben 3nfeln Def tbtafiicben Weetef. 
Äonoocr 18GO. 4.) gtünDlicb etforfebt ttorben; über 
Thafo* fperieü banDelten ^afftlbad) (De insula Tbaso. 
Marburgi 1838. 8.) unb ilrofefd) von Cjien (Dell' 
isola di Taso, in ben Dissertezioni della pontificia 
accademia romana di archcologia. Vol. VI. p. 181. 
Koma 1835. 4.). linofl roatb »on SR. 3allonn (Voyage 
aTine. Paris 1809. 8.), «1. De Nation (ile de Tine 
in Der Revue des deux mondes. Paris 1843. 8.), 
S. 'JJrrpignan ("OOov xai 'Apa.Ua, üpt-u ff. ($onftan< 
tinopel 1854. 8., ftatifüfd) inlereffant) unl> % St. SJlaffo* 
villi? (Statistique de Tinos, ftanjöfifd) unb rufüfdj. 
61. $eterflbutg 1861. 8., ebenfo) bebanbelt. liebet Äreta 
nenne i<f> nur bie Sänften von glam. Eorcato (CreU 
»acra. Vcnetiis 1755. 4., $auprmerf für Wittelalter), 
£öd (Äreta. ©öuingen 1823 — 1821». 8. 3 Voll., meifl 
alte 3eit), Sieber (weife such ber 3nfel Äreta. 8eipjig 
unb Sotau 1823. 8. 2 Voll., naturbifiorifcb), 91. *Pa6bler> 
(Travels in Crete. London 1837. 8. 2 Voll.), 9K. 
(»hurmiuif (KQTjtixä. Athen 1842. 8., gut für £ w- 
ttfrif), 3». ©ernarbof (Ioxoqia xf,s Äpt?ri?s. Athen 
1846. 8., confuf) unb 6p. 3ampeliof (laxoQuta «xij- 
voypagpitfMrra. Athen 1860. 8., romanhaft). 58on Sb,o 
bef unc Ävjpic-f febe id) biet ab; ef finb über biefe 
3nfeln jablteicbe Heilige ^Sonographien rrfd>ienen-, an 
Urfunben für ben auf erfferer bettfebenben Orben ifl 
6eb. \l'auli ? Codice diplomatico (del sacro ordine 
militare Gerosolimitano. Lucca 1733 — 1734. fol. 
2 Voll.) febr reich, ; tie ©efdjicbte felbft hat SJofio (Dell' 
istoria della sacra religione di S. Giovanni Geroso- 
limitauo. Roma 1594. fol. 2 Voll.) am grünDlicbftrn 
behanDelt; SJertot hat ihn nur ereerpirt, Der neuefte 
ijtorifrr ort Orben« Jaaffe wenig Sleuef beigefügt, 
aqegen hat doronelli in feinem Such über 9lboDof 
(Isola di Rodi geografico-storica, antica e moderne. 
Venezia 1695. 12.) aua> bie ®ef<bicbte Der umliegenben 
fleincm 3nfeln bebanbelt. lieber Jirpref hat ba0 urfunb« 
liebe ®erf Wae* Sattie'f (Histoire de ille de Chypre 
saus le regne des princes de la maison de Luaignan. 
Histoire I. Paris 1861. Documenta I — II. (Sbenba 
1852 — 1855. 8.) alle frühem Arbeiten, felbft Die De« 
fleißigen »Reinbarb (©efebiebte bef Äönigteicbf Gvpetn. 
(Jrlangen 17ti6 — 1768. 4.), überflüffig gemacht. 3u 
ermahnen finb nur noch verfdjieDene, in Den Archive* 
des missions scientifiques enthaltenen Arbeiten fran» 
jöftfdjer ©elebrten übet gried)ifchf 3nieln, fo »on »ßenot 
a. ««,n.».».«.Ä. «nt«e«rti.i. LXXX V. 



über Ihafo» (II, 1. Paris 1864. 8. p. 1-104), »on 
»ajin über «etolien ((Sbcnba p. 249 fg.), oon Wart 
über «eaina (III. 1854. p. 481), von 5Joutan über 
¥e«bo« (V. 1856. p. 273), oon «ebarbiet übet qjatmo« 
(V. p. 412), oon guftel De (foulangrt übet 6bio« (V. 
p. 481), Die aber von feht ungleichem 2Dettbe ftnb unb 
nur tbeilnxife über Da« Altenqum hinaufgehen. Sticht 
eigentlich biethin gehörig, finD bod), Da fte auch füt 
©tiecbenlanD felbft manche Aufbeute geben, bie SBerfe 
von rfotl Svianriof übet donftantinopel (Kavaxav- 
xivovxohs. Athen 1851 — 1863. 4. 2 Voll.), Da« 
Die Arbeit Drt ^attiatchtn Alhanafto« (Kavöxavxivide 
xaJLatü rf xai via ^rot xtgtyfatprj tt)S Kav&cavxwov- 
xoIhk 93enebig 1824. 8.) gan| in Schatten ftellt, von 
2afel über Xbeffa(onid) (De Thessalonica eiusque agro. 
Berlin 1839. 8., eine voriügliche Arbeit, ber n&i beneU 
ben De via Romanorum Egnatia. Tubingae 1841. 4. 
toütbig anreiht), von <H 3fufalaf übet ^(bilippopoüf 
C IoxoQix(ryt(i3yQa(pixi] xtQiyfftttptj rift ixaQrlas OiAix 
xovxöktatg. -Mn\ 1851.8., btaudjbat füt Die9ieujeit), von 
9i. 6. 9lijof übet .RappaDofien (Kaxxaöoxutä fycot, 4o- 
xlfuov ftfrooix^s ntQtyQutpije t«',- aff%aia$ Kaxxadoxtae. 
ßonflantinopel 1856. 8.), von Äonfl. Cefonomo« übet 
6mprna (Avxo6iidu>e StaxQtßii «pi l^vpvr^. TOalta 
1831. 8.) ju nennen. SReifeuxtfe, bie nur für fpeeitlle »Be* 
tioben 3nteteffe haben, wie Die oon 3Jelon, ititvtt unb 
bie folgenoen, übergehe id) hier : ich werte fie )u ihm 
Seit hetüdfichtigen, ebenfo bie Journale, von brnen untet 
ben grirchifchen einzig Die Pandors, ju nennen ift. 

9Baf bie b9)antinifthen .ptftcrifer anbelangt, fo habe 
ich Die bonnet Aufgabe , foroett fte vollflänDig , ju ®run r e 
gelegt, icnft Die patifet betangejogen. SDicbtige drgdn' ' 
jungen ju Derfelben bieten unf bie UtfunDen, roelcbe 
Wifloüch unD ^füllet (Act* et diplomata graeca medii 
aevi. Vindobonae 1860- 1865. 8. 3VolL) betaufgeaeb*n 
haben; füt Die Sejiebungen bef »Jieichf )u Den flawifchen 
iRachbatn vom 12. 3at)thunDett an finD TOifloticb'f 6er« 
bifche UtfunDen (Monument« Serbica spectantia histo- 
riam Serbiae, Bosnae, Ragusü. tjbenba 1858. 8.) 
von höchftem SBertbe. {)infichtlich bet OueOen übet Die 
vielfachen wichtigen apanDelf beu'ebungen jroifcben 39»)anj 
unb Dem Ccribent nenne ich füt 'Qua Dal Qotgo'f Iii» 
funben (Raccolta di diplomi Pisani. Pisa 1765. 4.; 
eine neue voUftdnbige Sammlung von Sonaini unD *DfüU 
let fleht in Auffid»t); für ®enua Die ffletfe von ®on» 

Sota (Real gnadeza. de la republica de Genova, trad. 
. C. Esperon. Madrid y Genova 1(165 -1669. foL), 
DDrrico (Lettere ligustiche. Bassano 1792. 4 ), 
Sauli (Deila colonia 3 ei Genovesi in Galata lihri VI. 
Torino 1831. 8. 2 Voll.), «ßagano (oben bei dbiof 
cilirt) unb (Fanale (Nuova storia di Genova. Firenze 
1 862 — 1 864. 8. 4 Voll. ; Deik Crimea , del suo com- 
mercio e dei suoi dominatori. Genova 1855 — 1856. 8. 
3 Voll.), fo«rie bie von (he. iHieotti tietöffentlicbten Do» 
rumente (Libcr iurium reipublicae Januensis in ben 
Monumente historiae patriae. Vol. VII unD IX. 
Taurini 1854 — 1857. fol.); für ^Benebip^ Die Tjarjlel. 
hingen von Warin (Storia civile e poliuc* del com- 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 74 



— (I. PERIODE VON 395 - 1204) 



mercio de' VenezianL Veneria 1798 - 1808. 8. 
8 Voll) unb Somaniu (Storia documentaia di Ve- 
neria. Venezia 1853— 1861. 8. 10 Voll), foroie bie 
Urfunbcnfammlung von lafel unti I boma* (Urfunben 
uiv älteren £anbel*< unb @taal6grfd)i<f>fe brr Äepublif 
Benebig mit befonberer Begebung auf '©»jauj nur bit 
Eevante. fflien 1856 — 1857. 8. 3 Voll.); enPlid) für 
Barcelona ba* mit Urfunben reichlich auJft ftattftc ffierf 
(Sapniativc* f Memoria s historicaa aobre la marin a, 
comercio y artes de la antigua ciudad de Barce- 
lona. Madrid 1779—1792. 4. 4 Voll.)- 

3* wenbe mid) nunmehr »ur ©efd>id)le fdbft unb 
beginne bie erfn- Beriobe berfelben ba, tvo mein Bot» 
ganger, welcher in tiefer Sncvflopäbie bie alte ®efd)id)te 
bebünbdt, abgebrod)en bat, mit bem Äbjuge ber @otben 
au* @ried)enlanb. 

(Srfte Betiobt. 

516m if* » bgjantinifdje 3*ü »cn 91a:!*'« (Jiniall Iii« 
iui (teobetaag ftrit*rnlanb« tut* bie Jtrea jfa b, xt x 



L 8bf4n.it. 

3>ie «iafdlle btt »arbarta in ba« e»T»BiifdK Sei* 
feit *l«eid)'« «b(uae bi« aif .-^n fioTmiiurn anter 
Jtaifet Xibceia« II (397 — 677). 

1) funntn inb Änmnatn gegen Öftrem. 

8lari4'* Weihen hatten 397 ($riraVn(anb geräumt. 
8u* bem veröbeten, mit W-nbeu bebrdten ?anbe hatten 
fic fid} nad) 3'i^ricum }urüdge)ogrn, wo nunmehr fünf 
3abre lang ibr $duptling alt taiferlia>er SRüitairfiait< 
baller fcbaltetc unb plünberte. lieber ben clenben 3»' 
ftanb ber iUoviu, 84aia unb be* übrigen eigentlicbca 
@rird>enlanb* fwb un* nur vereinzelte, fragmentadfdje 
•?}ad)tid>ten erhalten. SBdbrenb bie Sarbaren fid} im 
Horben, ndd)ft ber Donau, bielten, febtten bie $eUenen, 
fo fd)einl tt, von ben 3nfeln unb Betgen, wo fte vor 
bem ©otbtnfturme ein 8fpl gefudjt, in bie alle £eimath 
jurüd «nb bauten an ben alten BranbfteBen neue Stäbte, 
bie ben Samen ber früheren trugen. Sehen «Iben, ba* 
verf4ont geblieben, er i deinen ttieberum Jtorüub, «Sparta 
unb 8rgo0 a(* a^auptftdbte 84aia'*. Aber wäbrenb 
bie frtmben barbarifdjen Änftebler im Sorben be* Seid)* 
menia.ften* nene* Beben fdjafften, war hier Stile« er- 
Idjopft- Die Bevölferung war furch i ha r bedmirt — mit 
ibr juglrtd) nabm bie $robuction naturgemd§ ab — ; 
nur in ben Äuflrnftabien unb in einigen Orten be« 
Binnenlanbr* founte nod) vom ©emrinbeleben bie KePe 
fein; ber Seft war menftbenleer nnb verwilbert. 3n 
Bptanj felbft belTadjtefe man «djaia wie einen verlaffe» 
nen Soften, wie eine entlegene Brovinr. au« ber fein 
irgendwie belrdAtlicber ®rwinn gejegen werben tonne. 
3n brr $auptftabt centraliftrte fia> »Ue*; tvat früher 
Aorintb gemefrn, warb nun Bpjanj., ber ajauptfin be* 
HUellbanbel* ; alle Bilbuna eonrentrirtr fid) bort. Der 
$of ergab fidi ber fcrglofeften ;Kube, wdbrenb Viralen 



felbft (412) im $etIefpont ihr Siefen trieben; Wieb nur 
(ionfrantinopel frei von ben Barbaren, fo modjten biefe 
bie verlaffenen ^rovinjen , foviel fte wollten, plagen. 
SiScbft ba bejtänbigen 8ngft vor einem Einfall ber 
nörblid)en Sad)barn mar tt ba* waebfenbe Vlm'rhnt 
Per Jtirdje, bie fd)on unter Ibeobcuui} I. einmal auf* 
dntfd)iebenfie ber faiferlid)en fBiUfür entgegengetreten, 
wo« ben clbfolutfOrnu* in ben &d)tanfen ber 3Renfd}< 
Urhfeu bielt. 

Unter ber langen Regierung be* fdjwacben , unfrlbft« 
ftdnbigen Ibeobofiu« II. (408—460) boren wir nur 
wenig von brr innern Sage ®ried>enlanb*, befio mehr 
von ben fBerbterungen , rr eiche bie nörbtitfren ^rovinjen 
be« «Reid)e« fafl obne Unterbredjung trafen. Dod) er« 
feb<n wir au* einem ©efe^e vom 3abre 424«), ba# 
von allen jur «Urdfertur 3üpricum gehörigen ^rovinjen 
fid) «dwia materiell am fdjlecblcften befanb, unb ruber 
ber Sevölferung, bie erfldrte, nur ein Drittd ber ibr 
auferlegten Steuern jablen tu f innen, ein $ad)la$ ber» 
felben bewilligt würbe, dilf 3al)re fpdter wirb in dnrnt 
anbem ®efepe*) bie Äaffe berrenlofer @Ater ijtrvor' 
gehoben, bie getabe in biefer $rovin) fid) befanben. Da 
liefen fid) benn freilich au* ibr nidjt dhnlicbe Summen, 
wie au* ben »oblbabenbern 3}rovinjen, erpreffen, Sum» 
men, bie lebiglfd) baju bienten, bie ®etbgier ber Bar» 
baren iu befnevigen ober ben ©edel bungrign Statt» 
balter )u füUen. apatte bod) Pefl Äaifer« Sd>wefter, bie 
«ugufta q3n(d)eria, bic feit 414 bie BormunPfdVift für 
übeobofiu* fübrte, rin förmlidje* Softem ber Cforruption 
organiftrt, ba* erfl 451 burd) ein Verbot ihre* fflemabl*, 
be* .Kaifctö SRarcianu*, aufgehoben warb. IV an pflegte 
bie beffern ^rovinjen be* mdd)e*, Pie be* a^>eUefpont, 
Wafetcnien , Xvrene, förmlid) an Stattbalter ju vrr< 
taufen; bie Jtauffumme warb jum Tribut befrimmt, ben 
man ben Sarbaren jablle; bie Statthalter aber buttert 
bamit ba* Sedjt, ganj nad) äßillfür, wie fouveraine 
Utafdra*, in ihren ^rovinjen ju fd)alten. Sie mi*ban» 
bdten ihre Untertbanen, faUe biefe nid)t jablen fonnien; 
®errd)tigfdt war am Äaiferbofe nia)t )u boffen, aua> 
wenn bie klagen ber Unterbrüdten bi« dabin ihren 
iffieg fanben »). Denn ber #of batte mit anbern wid>* 
tigeren Dingen )u thun, mit feftlicben 3agben, 9tönd)«< 
jdnfereien, Ponrilien, vor lÄOem aber mit ben Barbaren, 
unter benen bie wilben {»innen halb in ben IBorber' 
grunb traten unb jdtwdlig bie Germanen ahlöften. 
5d)on vor bem 3abre 421 hatten bie $unnen im Berein 
mit ®otben unb Scrrmaten bie Keid>*gren)en überfd)rit< 
ten; 422') batim fie Ibrafien beimgefudjt. Die »Jie» 
tereroberung B^nnonifn*. ba* frit 50 3abren ben Bat« 
baren überlaffeu , im 3abre 427 *) war nut ein epbemeret 

4) Cod. Theod. Lib. XI, 1. I. 33 „de sunoim et tribatin": 
Arhlvi qui prulcitati «ant nihil a »e ullr« trrtiun r*rtrm yarrm 
conferri , illnd rxiolTuil , ad quod ■« indubitanter fore idoaeoa 
pollieentar. 5) Obenba Lib. X , 4. I. U „de bonia f«i-an. 

tibu. " 6) Eunapiun («d. Bonn.) fragm. 70. p. 96. 7) M"r- 
i tltma» Cvmu in Ohronira medli arvi , rollr^t (.'Ar. Fr. Kars. 
/rr. Tobinga« 1798- T. L p. 24ö. 8) tfbenKi p. 259; Jor. 
Hann, D« rebuK G«tid« cap. 32 (ed. C. A*g. dorn, gtottgart. 
1861. 8.) p. 119. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



75 — 



(I. PER10HB VON 395—1204) 



ffrfolg; benn ale 433 nad) bee Jöumwnfp:ug6 9?u< 
oüa 5obe beffeu 9tcff<cii Htlila unb ©leba an bie Spi^e 
ibree Seife getreten, würbe bei ber Untfrurhmimgfcluft 
unb unerfättüd;cn £ubakr bee erflern bfe «Sefabr für 
£>ftrom von $ag ju laue, Urbdbung bee bie babin 
Mahlten Sributrt »wir ll>re erfte Sortierung, nnb bet 
t<troad>e Äaifer gab na* unb jablte, fo lange nod) 
etwa« im ?anbe ju erpreffen mar; ja felbft bie weuigen 
begüterten gamilien in ber $auptjtabt, bie rool bitf babfn 
mit 3 a Mungen verfd)ont geblieben, würben berange« 
joaen v ). Dod) aitdj bae genügte nid)t; je mehr ©clb 
ge|anbt würbe, um fo üppiger bie Sarbaren. 3oi 3abre 
441 10 ) branarn lir in 3Ui?rintm ein, nahmen bfe nnr 
fdjwad) befefugten gefangen Waiffum unb Singfbon unb 
würben nur mit SRübe ju einjähriger SBaffenrutx be» 
frimmt. Jtaum aber roar bie griff abgelaufen, ale 
Htlila unb ©leba nicht nur neuen Iribut, fonbern aud) 
bie «uelieferung ven glüdjtlingen forberten. Ibeobofiu«, 
unfähig, bie erftete gorberung ju erfüllen, t>atte ben 
Stull), aud> bie leptere jurüdjuweifen. Hiebalb brangrn 
bie Juanen aufe 9teue ine Seid) vor, birect auf bein 
SBege nad) ber $auptftabt bin, bie brei 3abre juvor 
(439) bura eine koppelte Stauer gegen bie (ünfdfle ber 
©arbarrn gefio>ert war. 6ie jerflörten (442) ") Sa» 
tiaria, 9caffa, ©bilipbopolie, Ärfabtopodfl unb Jtonflantiu 
unb häuften burd) ganj llbrafien bie jum fdjwarjrn 
Sleete bin; felbft Jfallipoli«, 6-eftoe unb «itora« »ur» 
ben von ihnen beimgefud)t; «njig «brianopolie unb 
^eraflea behaupteten fid>. $te faiferltdjen Iruppen 
riAtum wenig gegen ffe aufl; innere 3rpiftigfettni unter 
ben Barbaren, in golge beren 444 Ättila feinen ©ruter 
morben ließ, t>iell<n wol tüi 2 d; wert ber ©otteSgeitiel 
nod) einige 3<tbw lang auf, ja gematteten fegar beu 
©rieeben, tat verlorene Starfianopolie wieber ju gewin' 
nen. ÄUeta bie SBieberrroberung biefet <5tabt gab bae 
Signal ]u neuem furchtbaren (tinbrueb. 9?achbein ber 
»rrehiehabet Sbrafiene, «rnegiftl "), am Bluffe Utu«, 
bem heutigen ©ib, ber bamaie bie JDftgrenje von D»ci» 
ripenii» bilbete, getobtet, übetfdwemmten bie fiunnen 
bie »eitbftlanbe, burebftreiften , ©eute fudjenb, Stößen, 
Ifjrafien unb Stafebonien unb jerftörten gegen 70 meift 
neuerbinge erft bergeftellte 6tdbte. Stadj 'WarccUinuö 
(a. a. O.) brang ber Sieger (447) felbft bie „Xber» 
mopolie" verbeerenb vor. Unter leftteretn fünfte bat 
man meift bie Xbermopvlen oerfteben wollen ; bexb finbet 
jtd> nirgenbwo ein Seugnif, baf bie ßunnen audj 
<Spiro6 unb Zbeffalien burd»ogen; vielmehr (eben wir 
bfutlid), ba# aua> birtmal II>t Sinfall bie anröbnlidje 
»iebrung nad) £)jten b<n, gegen bie ^aupt|iobt felbfl. 



9) Priteu* (ed. Bonn.) p. 143. 10) Marcetiüws Cvmn 
f. 5KÜ5. 11) 7*«>pAo(i«t, ChroDographw (ed. Bonn.) Vol. I. 
p. 154; Prosper ed. HonUr p. 296; MarctUtnut Comtt twt Qu- 
nodonu ebrnt« p, 897- 12) Anegiiclu »ei ManeUim» Co- 
■m» p. 807 — 308; »ec$ »et t8<r ein aftmanifdifr 6»t»ur, al« 
<\n Öiürtbt AnurKtnem, «ir it)n Ckra*. Patehait (ed. Bonn.) 
Vol. I. f. f>H6 Bfint i wrgl. /Voiper 7Vro «. a . O. 9t tfi ü<bcx 
ibmHfd» «it t«m Onigi.cln., Satrr ^M 9n^|), M Pn«** 
p. Ifa (Omipwtoi) Utt t «uriMM. 



nabm. Ü)enn ber tbrafifdjf PfctrfonefoÄ III glrid) barauf 
ber Sdjauplafc eine« entfd)eibenben Jtampfe0 **) jiriftten 
ben ©arbaren unb ben Cftrömern , beren gelbberr ?tna» 
tolioft, beftegt, genötbigt wirb, nid)t uur alle glüd)tlinge 
iiue^uliffern, fonbern aujier einer baarrn Summe von 
6000 qjfunb ®otbe« einen jdbrlidjen üribut von 2100 
$fnnb {u^ufagen, fowie jeben römifd)en ©efangenen mit 
12 $funb autfjulöfen. 5Run wieberbolen fid) bie alten 
C*rprefiurigflf(cnen; mebrere g(üd)tlinge, föntglitben €tam< 
me6, geben jtd) felbft ben 2ob, um niebt in bie ^>anb 
be6 Sobfrinbrt, ber feine6 eigenen {HeldilectufJ nid)t ge» 
febont, ju faden; nur bie geftung 'rlfemo* gewährt burd) 
bie fluge 9?annbaftigfeit ihrer ©rwobner ben ghid)t= 
lingen, bie bort fid) geborgen, zeitweilig ein fidjertö ?lf»t. 
über ber Äaifer, von allen Seiten bebrängt, muß enb« 
lia> nad)geben, al« 448 neue bunnifebe @efanbte mit 
SB ieberauf nähme ber geinbfeliflfeiten btoben, fallfl nidjt 
alle glüdsfünge ausgeliefert würben, unb man ben $un< 
nen nid)t alle* Janb von Üßdonia bie nad) ffovi, einen 
^anbfrrid) von fünf lagereifen Idng« ber 3>onau, ein» 
rdume; 9taiffott foD aemeinfamer Warftpla^ fein, (5on» 
fularen hoben alö fflrfanbte ben $nnnenfönig in Sarbifa 
}u begrüßen. 9tad) langen Serbanblungen , wdbrenb 
beren man fogar einen Ccifua) mad)t, ben fteinb burd) 
9Seucb,elmorb ju befeirigen, einigt man fid) 449 babin, 
bie 5)onau al6 ©renje gelten ju (äffen ; flttila vfrjicblet 
auf bie «u*liefeTung ber Jludjilinge, unter ber ©ebin« 
gung, bafi man feine weiteren aufnehme, unb Idfjt außer 
anbern befangenen aud> bie gleid) folgen gehaltenen 
(aiferlidxu ©efanbten frei. 3)od) ba er nad) wie vor 
auf dahlung brt Tribute befiehl, werben neue erfolglofe 
Unterhanblungen angefnüpft. ü)ae entfebitbene Auftreten 
brt neuen Jtaifrrt HDtarrianut (450), feine drlldrung, 
man werbe ©efdjenfe fpenben, fade et fid) ruhig ver< 
halte, SBaffen unb Zruppen, falte er brobe, imponirt 
bem Ätfiia; balb barauf wirb er nadj SL'eftcn bin ab< 
gelenft unb enbet, in ÖtaWen beftegt, in Italien ver» 
rjeetenb, 454 babeirn burd) bie ^anb eine* SDeibee. 

©on ben £bermopvlen aud) weiter fein ©ort. 
Sdjon 3i«Wf"» wnnulhet baber, baß unter bem Üb«» 
mopolie bee SRarceOinue eine ndbet nadj (Jonftantinopel 
bin gelegene Stabt ju vergehen fei. STOan Wnnte babei 
vieüetdjl an Xbeffalonid) benfen, bae alte 2berma — 
weld)R Harne ja aud) noch von ©tjjanlinetn genannt 
wirb — , ober gar flatt BtQfuäv nöXt$ etwa ibeobo« 
fiopolie (ein Warne bee ganj nahe bei ber Jpauptftabt 
(iegrnbm 9pro<S) lefen. 9htn wirb aber ein $benno* 
polie 922 aie Aampfplaf) jwtfdjen ben ©Djaniinrrn unb 
©ulgaren genannt, bae offenbar nur in ben 9torbpro< 
vinjen liegen fonnte, unb gewiß mit bem bee Starrel» 
Ihme ibentifd) iß (vergl. bie Quellen bei Muralt, Essai 
de Chronographie Byzaotine p. 499 j. X 922. n. 4). 
Um fo weniger wirb man au« ber ftotij bee lefctern 
folgern fönnen, baß aud) bie ©rovinjen bee eigentlichen 
©riedjfnlanbe in dbnliaVr ffleife bie SÖntb unb ffiudji 



18) Prucu, a. a . £3. p. 141-14«; ntopk**» ». «. O. L 
p. 168 i.f ». 

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GRIECHISCHE GESCHICHTE 



— 76 



— (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



bcr fiunnen gefällt, wie bie nörblidjen ©renjlanbe an 
bet Donau ober fpdtrrbin bee" nötblidjen 3ta(ien. 

Stil Ätrila'Ä lebe bradj fein 5Rrid) in Srummer. 
tit Unrinigfeil friner Söbnr lodte bie unterworfenen 
©ermanen* unb Slawen ftdm nie jum Äbfall. Ärbarid), 
btr ©eptbenfönig, oernitfetete ben (fllal, »itila'« älteften 
Sobn, unb warb SBerbünbeter bei ©rieefeen, bie it:n, 
»ie bie benadjbartrn ©otben, fa)on unter Warrianu« 
burd) teld)c ©efdjenfe unb 3abrgelber an (xdj gefeffelt. 
3« bem benenlofen Daden «bob fid) an ©teile be« 
S3arbarenreia)e« ba« germanifdje Seid» bcr ©epiben, ba« 
trü 566 brn 8ongobarbrn unb ben mit biefen «erbrüber* 
ten floaten erlag, cüblid) oon bcr Donau finben wir 
ein djaorifdjeG ©eraifd) oon germantfd>en unb flawifdjen 
Stdmmcn, baneben Ueberrefie bcr $unncn; neben bem, 
roa« von alten (Solonifteu nod) übrig geblieben, neue 
barbarifd>e HnfteMer. 93ei bem Sölfergewirr tft ti un 
möglia), frrenge ©tenjen ui jeeben jwifdjen ©epiben, 
©otbtn unb £erulem, Sarmaten unb Slawen, $unncn 
unb «lanen; bei bem unftdten ©elfte, ber bie neuen 
einwanberrr befeelt, m e« (aum >u benfen, baß biefelben 
ftet« an benfelben fünften fefibaft blieben, oirimebr 
mußten fid) bie ©renjen — ob „©ebirge unb glüffe," 
ob „frieblidje Sanbmarfen ober fefie .£>od)wad)ten" bie* 
felben bqtidjnrten , ifk babri dnerld — oon felbft oft 
«erfdjieben. (Sin bunnifajr« Clement erhielt fid) über* 
wiegen b nur turje 3dt nod) in Siebermöften unb bem 
öftlidjen Italien, wo Crnaf, HitiuV« jüngfter Sobn, 
über fein Soll unb bie bemfelben jin«pflid)tigen Sforen 
unb «lanen gebot; wdter na* SBeften b,in in Ober« 
mifien, Walebonien, Darbamen, Daden fafjen neben 
bcr altrömifdjen ©eoölferung ©ermanen unb Slawen. 
Unter ben ©ermanen treten bie ©otben neben ben ©epi* 
ben mieber al« berrfdjenber Stamm beroor, bet, faft 
ungemifdjt, lang« ber Donau bi« in bie ©egenb oon 
Sinbobona gebot. Bon frieblidjen ünüeblungen germa* 
nifd>er ober anberer Sldmme in Ibeffalien ober bem 
nctbliajen $c(Ia« ift 99id)l« bedeutet; nur oon (Spiro« 
triiTcn wir, ba§ bort von Hlarid)'« Reiten bet dne ger* 
manifdje Kolonie verblieben, bie namentlid) in ber 9tdbe 
von Dorrbadjion iljren Sie t>a«e unb unter ibrem .fcdupt« 
Ung Sibimunb fid? fpdlerbln mit ben ttammoerwanbten 
Dfigotben gegen Djrrom »erbanb. 

©ing bcr .ftaupttbeil be« bunnifeben :K«-id>* auf bie 
©epiben über, fc würben bie Cftgotben bie (.üben ber 
bunnifdjen SDfadjt. 3>oar «ergebt nod) dn 3abtbunbetf, 
bi« bcr 9lame ber Aunnen vor neuen CHnwanbercrn unb 
Selifar'« gutem Siwerte »eTfdiwinbet; aber feit tjuaf« 
lobe babm fif ben alten irofc verloren. ^>unnifd)c 
Stämme 14 ), bie Sataguren, Utogen unb Onoguten, 
fudjen, gebtdngt oon ben norbwädd oorgefdjobenen 
«oaTen, f3unbee5genoffenfa>aft ber ®riea>en (464); fie 
büiien fdjon früher mit einem anbern bunnifeben Stamme, 
ben «foliren, gefdmpft unb legiere befiegt. Äaifer 
ito L bewillig« ibre »ittej mit ibteti frubern geinben, 
ben «fatlrcn — bie im folgenben 3abrbunbert al« Utur* 




Ii) Pritau «. c O. p. 186. WL 



gurtn genannt werben, wdbrenb jene anbern Stdmme 
al* bie Äuturgurtn jur 3eit Ouftinian'6 I. bejeidtnet 
ftnb — auf lurje 3dt verbunben, fümpfen fie fpdterbin 
in bojanrinifebem Solbe gegen bie fjkrfrr. Daffelbc 3et* 
würfni^, ba« unter biefen Stdmmen berrfdjt, baurrt fort 
im £aufc «ttila'«. Uli »ilila'6 Söbne vom Äaifer 
468 bie Oeffnung eine« 9Rarfrplat>e« an bcr S>onau for« 
bern, unb Ceo (ie abweift, rütiet |idj ber wilbe 5>engijif 
jum Ärieg, wdbrenb ber milbere ßrnaf bavon abrdtb; 
in einem @ngpa^ erliegt ber Arirgftluftige 4>> , .< bem faifet* 
(id>en gelbbetrn ünagaß, Slrnraififd Sobnc, ben gotbf« 
fdjen Sunbedgenoffen unb bem suerratbe rine6 Stammed* 
genoffen, 6beld>al; bat $aupt be6 Sarbaren fönig« wirb 
im (Xircuft auf eine Stange gefpie^t unb ber (djauluftigen 
Wenge auegefteüt '*). Sdtbem hatten bie @ded»cn SRube 
oor brn ^unnen, unb wenn biefe aad) gelcgcntlid) — wie 
474 gleid) beim Negierongeantritt beö au«fd)weifenbea 
3eno (474— 491) — in Ibrafien rinfielen, fo waren e« 
entweber oerrinjelte Sdjwdrme, ober aber, »a« mir wabr* 
fdidnlidjer bünft, ber bojantinifdje Äird)fnt)iftorifcr '•), 
ber biefen Einfall beridjtet. oerftebt unter bem „xXißoi 
iän> ttaixu Maaaaykav" einfad) beren (Jrben 
unb emandpide Untertbanen, bie Cftgotben, bie um 
biefelbe 3dt in ber 9(dbe oon «rlabiopolis baufien unb 
ben faiferlidjen SJerwanbten ^naflio«, wril er fie gc< 
böbnt, niebermad^trn ")• 

3n bem Sölltr*(ibao0, bd ber Unmöglid)fdt, ftrenge 
etbnograpbifcbe Sonberungen oorjunebmen, war 9?<dji8 
natürlidjer, ale baf bie ©cfdjtdjtfdjrriber ber ©riedien 
bie frembartigften SJölferftdmme, mit benen fie rinmal nur 
irgenbwie, aW Herren ober ©eftegte, in IWrbinbung ge« 
ftanben, Iririflo« burdjrinanberwarfen ; unb wirflid» itl 
bie« wdbrenb be« edirn unb jwdten Kbfcbnitte« biefet 
$rdobe in folgern % Worc bet gall, ran mit nut mit 
dufjtrfter SJorfidH unb forgfdltiger Jfriril ibren Scridtfen 
über ^unnen, Slpttjen, Bulgaren, «oaren unb Slawen 
folgen lönnen. 

Unter ben ©olben waren naa> Sernt(btung be« 
^unnenrdd)« rin '3 heobeneb „Sttabu«," ben bie SJo.tan- 
tinet Sobn brt Iiiariu« nennen, unb bie btei Söbne 
Sinitbat'« bie angefebenften Aduptlinge. «lle empSn* 
gen oon bem oftrömffd>eu ^>ofe rrid>e ©ddjenle, erfierer 
bie rridrfen, we«balb biefe 461 eifedüd)tig in ^Uprirum 
einbraa>en unb com Äaifer ba« $cdprca>n gleid>mä$iger 
3ablung erjiwangen. Dagegen lie$ bcr eine bcr brd 
Srübrr, Sbeobemir, fdnen ftebenjdbdgen Sobn 2beo* 
berid> in donftantinopel al« ©dfel »inid; al« er naa) 
jebn Dabren ,)u ben Seinen beimfebrte, batte er voDe 
©elegenbeit gebabt, bie Sd)wdd)c unb gdgbcit be« 
©riecbenlaifer« ju burcbfdjauen. 3bm unb feinem Solle 
foütc ba« !Hd d) geboren , ba« bi« babin bie ©otben al« 

16) P ruc*M 7 7d. p.~l«2; Uc^M^TComt, bti 
colli (Vciiutior» latinorum •cnplurum rhronic». P»r» II. Pa»»" 
1787. 4.) p. 25W; Chroa. Puch«]« (ed. Bona.) To». I. p. 
16) /.f.iyriitt Sckolmticu* , Hislori> ecclcaiutic» (binlrt ^rn 
5!i.-.^rr<m# >cn 6bib4, ed. Valnuu. MogootUe 1679. tbl.) Lik. 
III. csp. 2. p. 334. 17; ilalchu, (ed. Bodo.) p. 263- t>«' 
\tlbt (3«i|jeaejf) (d)»<igl »oh Hm ^aRancnfallc, »«im» Theo- 
pkantt I. p. 186 iM *»l :rn Ohogriu« «adjfr|4^t. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 

9unbe«genoffen entfall unb beffen ungebdnbigte Straft 
nur burd) fortwdbtenbe ©ctt)fptnt>fii jügeltt. Die bintet» 
üfrigt (Stmorbung be« bi«ber a(lmdd)tigen Slöpar (jattr 
bereit« 471 ben älteren 2beoberid) ju einem Sngriff gegen 
tu .jjauptfrabt oeranlafit, bet fnbeffen burd) 3eno, be« 
Jlaiirr« Sdjwiegerfobn, unb ©aiilidfo« abgrfd)lagcn war; 
jwei 3abre Ipätet forberte berfelbe auf« 9?eue für fid) 
tat Srbe unb bie ffiürbe H«par'«, forote aud) ba« Sedjt, 
in Ibtafien fefte -r;pr einjunebmen. ia ibm nur ber 
leere 'Xitel bewilligt warb, biad) er auf gegen Slrfabio- 
poli« '"), bezwang biefe ©tobt burd) junger unb »er« 
beerte alle« ?anb ringsum '.JJbilippi. Ted) nötbigte itjn 
bei Langel an 8eben«mitteln balb felbft ,tun: grieben, 
ben bie DHromer mit einem jäbrlicfeen iribut von 2000 
^funb @elD bejablten. Die Wethen »erpflidjteieii ftdj, 
rem Jtaifer gegen alle SReicbSfeinbe, nui iu*i gegen bie 
Stonbalen, beijuftebe« ; bet Jtaiftt bagegen gelobte, feine 
gotbifdjett glüdjttiuge aufjunrbmen, unb übertrug bem 
Xbeoberid) nidjt nur ba« ÖEommanbo übet jwei Jegionen, 
fonbern aua> bie .»Sehnt über fämmtlidje ©otbenftdmme. 
"rettetet $un(t, fo fd>eint t«, wedte auf« 9teue bie (Sifet* 
fud)t Ibeobemir 1 «, bei obnebin im öben Hannonien 
mandje Dtangfale aufljufteben, mandje (Sntbebtungen 
tu leiben batte. Ungebinbett übeifdptitt er bie ©ave unb 
roanbte fid) gegen bie unoertbeibtgten Donaulanbe. s Jtad) 
(ftoberung oon Staiffon, Jjeraflea unb Sarlffa griff er 
(473) Xbcffalonid) an unb nöthigl ben Äaifer, ibm ben 
gewonnenen Sanbfrrid) mit Send, *Pella "), «uropa, 
SRebiana, Bcrrboa unb ©ium abjutreten. ?U« SS-unbe«» 
genoffe foKte er mit feinem «olfe bie untere Donau 
fdnrmcn. 9iid)t lange barauf ftarb Ibeobemir; fein 
tobn, ber jüngere, grofie Ibeotcrid), warb einfümmig 
vom Solle jum Jtdnig aufgerufen. 3bn, ber ganj mit 
bem b»}antinnd)en 9ßefen vertraut geworben, aber tto$ 
ber gried>ifd)en SBilbung, bie er fid) angeeignet, von 
©runo au« ©ermane geblieben, fuebtf Jtaifer $tno 
junäajft mit (fbren ju uberbdufen unb fo ju fibern; 
babei baute et auf bie alte geinbfdjaft jmifdjrn feinem 
Stamme unb ben SRöfogotben be« altern Xbeoberid). 
3m 3abre 477 warb jenei fogar jum (ionful unb ^a« 
rrieiu« ernannt, al« Sobn für ben SJeiftanb, ben er bem 
Jtaifet gegen ben rebelli'djen 35aftli«fo« geleiftet; felbft« 
oerftanbltd) bfltte bet Iriarier fid) auf bie ©eile be« 
Ufurpator« gefcblagen. "elber ba« gute Siuverftänbnifi 
jW>ifd)en bem Jtaifer unb feinem „Äboptiofobne," bem ei 
felbft bie (übte eine« Sriumpb« in bet Jpaupfftabt ge' 
gönnt, war nid)t von langem SSeftanbe. Vielmehr feben 
wir balb barauf bie alten geinbe, bie beiben ©etben* 
fütften, fid) bie JSanb bieten jum Siunbe gegen bie 
@ried>en. «Bergeblid) bleiben alle ©elbverfprtdjungen ber 
©riedjen; 481 lommt e« jum »oUen »rudie. lb«o- 
berid) ber jüngere jiebt au* gegen Die -fcauptftabt, wirb 
abei an ber langen TOauet jurüdgtfdjlagen — ba« erfte 
Wal feit langet Seit, ba$ man ben Barbaren mit (fifen 
ftatt mit <0o(b gelohnt, übet bet 6icg wirb nid)t ver- 



18) UoUcKu, a. «. O. p. 234. 19) Jordama e. a. O. 

cp. 56. p. 191 mad)i »»«M «ine «tabt «n«pcOä. 



7 — (I. PERIODE VON* 395—1204) 

folgt; man ift jufrieben, bafi ber altere Xbeoberid) grie« 
ben fdjliefit unb mit 13,000 Scann in faifer!id)e Dienfte 
tritt; er jiebt fid) jurüd nad) 3Qprien, wo er balb bar< 
auf an einer «Speerwunbe ftirbt. Unterbetten häuft ber 
beftegte 6tainmgenoffe in ibrafien unb Wafebcnien mit 
geuet unb ®d)Wert. €tobi unb ^eraflca werben von 
bem ®otben ,n ) oertilgt, XMalonid) bebauptet fid) faum; 
bann gebt ber 3"8 weftwdrt« gegen "ipibamnu« (Dorf 
tbad)ion), bad von ben fönwobnern aWbalb vetlaffrn 
wirh. Der 8efebl6babet bet 6tabt dboina, felbft ein 
Scrwanbtet Xbeobetid)'«, unb Sibimunb, $aa$t bet in 
ber 92äbe feit fllarid)'« $tittn angefiebelten ©otben, 
fnüpfen Üntetbanblungen an, cie ibn factifd) )um {Krrn 
oon Spiro« madjen. 9tod) einmal erlcibet et einen 
fd)weten Seilufi, inbem ber 9Iad)ttab feine« i^eeie« untet 
feinem S3ruber Ibeubimunb bei (Sbeffa in Wafebonien 
bem *iilitairbefebi«bab<r oon 3Uptirum, Sabinianu«, 
etliegt, unb 5000 @otben in bie Jpanb bet Otitdjen fal« 
len. Dod) ber fdjnelie 2ob be« Sabinianu«, bet frinen 
Würbigen 9lad)folger finbet, lapt ibm balb wiebet freien 
Spielraum, ©elbfl in Xbeffalien biidjt et ein unb p(ün> 
bett beffen $auptftabt Sariffa *'). Da bietet ber Jtaifer 
ülled auf, um gtitben ju etfaufen ; reid>e ©efdjenfe wer« 
ben gefpenbtt; ben ®otben witb ein Xbeil oon Darien 
unb WiebefWofien getdumt; ihr Häuptling witb mm 
Magister militiae ernannt unb jum donful für bat 
folgenbe 3abt (4«4) beftgtrirt. Dod) auf bie Dauet 
witb e« ibm ju eng in feinem Sanbe ; nad: wiebetbolttn 
$lünberonjfl«$ügen auf b»janlinffd)e« Otbiet, bei benen 
u. a. bie SJaffetltitung von 6ofd jerftött witb, lenfen 
ibn tridit minbet eigenet Unternebmungögeift unb 9iotb 
im unwirtb(id)en 3"otien, all bie Sitten be« flüd)ttgen 
9lugietfürften griebrid) unb bie willig ertbeilte 3uf» nT ' 
mung be« argwöbnifd)en Äaifet« nad) SBrftcn bin gegen 
ben Ufurpator Cbovafar, ber fid; nidit unter St))anj 
beugen will. Der €ieg bei Serona 4B9 unb ber gaQ 
von iKaoenna 493 fiebern ibm bie J^ettfd)aft über Stalten. 
ÜXit ibm ging fein ganjer €tamm hinüber in« SBeft* 
teid); nut von ben fogenannten tettatitffd)en Ootben, 
bie in ibten alten ©i^en aud) jut ß*it D « Sölfetwan^ 
berung geblieben, feilen fid) nod) im 16. 3abrbunbett 
fpärliaV Siefte in unb ;unäa)ft bet JTrim , wo ein eigene« 
J^erjogtbum @otbia etiftitte, erbalten baben. 

von biefen germanifdjen 9teid>«feinbrn war 9ojan| 
befreit; abet bie xotblanbe, foweit btefelben nfd)t oon 
ben ©epiben, 6(awen unb bunnifdjen tieften bebauptet 
würben, waren oerdbet unb menfdjenleer ; wie ein b<tten> 
lofe«, wenn aud) balb wertblofe« ®ut, mußten fte balb 
neue barbarifd)e Qrtobetet loden. 

Ratten biefe @otbtnfrütme ftd> nid)t fübwdrt« übet 
Xbeffalien binau« erftif.fr , fo waten bod) aud) Wittel' 
gried)enlanb unb bet Stloponne« oon »nfdllen ber ®er« 
manen nid)t oetfdjont geblieben. 

©d)on um« 3a hr 466 batten bie wefilidjen Hüften 
be« etgentlid)en ©ried)enlanb« von ben Serbeetungen be« 



20) Zwirns M Ecagriut „. a. O. TU, 25. 21) Mar- 
ctllinist Coma a. «. O. P- 299. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



78 



— (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



Sanbalenfönigfl @enf«ridj ju leiben gehabt, irrldja, 
naebbem er Wom unb Sictlien geplünbert, feeraubenb 
baS flriftfcifd)« ^efilonb beimfud)te. 3n 3U»rien, Wittel« 
griecbcnlanb, bem Seloponnrfo«, »vir auf ben „Unfein be« 
lomuten Wcrere« ftiepcn gleichzeitig feine Scharen an« 
üanb ; man vertilgte bie fehle cht bewohn te n Seefldbte unb 
fcblepptt bit ^innjo biier unb bit ©eutt, fo viel man 
beten in Site aus btm Sinncnlanbc jufammentreiben 
rennte, unerbittlich, fort n ). Wirgenbmo eine «pur von 
SJibcrftanb, ben etwa ein bpjantinifcber Statthalter ben 
Wdubcrn gcleiftet; bei ber ftiefniütterlidjen Schändung, 
bit man in (Sonftanrinopel tiefen verlorenen Srovinjen 
angebeiben lief, bei brr ewigen Slngft um bit Schaltung 
bn &auptfiabt felbft, fehlte e« bort auch, an ben not Ii 
bürftigfren SeTtbeibigung*anftaltcn. Dagegen rafften (ich, 
bit 'Jfcloponnefur felbft noch einmal auf, al« Wcnferich, 
fith gegen Jänaro« **) ober Ädnepoli« — wie bit ntut 
Stabt hiep — tvanbtt , in btm SJah.nc , ohne ©iberflanb 
au* bitft ftrftung vernichten ju fönnen. Sein voreiliger 
Ängriff warb bureb bie madere Wegcnrccbr be« bort« 
geftdblten Vergreife« vereitelt; ebne bit Stabt gewonnen 
ju haben, mußte ber Sanbale mit erheblichem Seelüfte 
ubiirben. SSeiter nuefc Dftcn frrrifte er too( nie, jumal 
ba ber Äaifcr rüftete; feine Stoib über ba« Scielingen 
be« Unternehmen« mußte ba« unglücflicbe Jafvnthoö ver» 
büßen. Vuf bieler biühenben 3nfel warb ein greuliche« 
Slutbab angerichtet; 500 ha angtfrbenfteu (Sinwobner, 
juuäcbft jur Sflaverei brfrimmt, mürben auf Sefebl be« 
Unmenfcben auf bem Schiffe in Stüde jerbauen unb 
ihre Wrbeine in« ionifche Stcer jerfireut. Sehnliche See' 
nen bebrohttn 475 M ) Sab» obtr ?Kt (hnroä; fd)on 
hatte ©enferid) Wilolwli«, bit £auptftabl, befeft, alt e€ 
bem faifrrlicben Wefa übten Severu« gttang, ben Sinn 
be« Sarbaren tu enreieben, fobaf» er nicht nur bit Se» 
lagerung aufhob, fonbem auch in einem förmlichen Ver- 
trage bit ¥o«faufung ber befangenen genehmigte, jrrti 
3ahre Darauf ftarb ©euferieb, unb mit feinem $obr 
fcbroatib bit Sanbalenangft ; uudi vor bitftn Germanen 
blieb ba« Weich, blitb ©riedjtnlanb fortan fta>er. 

2) Tit ©»Ißattn unb Unart!. Unttrgaia. ber $ui> 
nti. Äaiftr 3 a »ti ni an u 4 I. (527 — 666) «üb 3uf)i< 
nu< U. (666 - 678). 

Unter Jlaifet «nafialuttJ L (491 —518) crfdxiuen 
balb neue Weid)«feinbe an btn nörblichen Slarfcn. Iie 
^Bulgaren, tin turanifeber Stamm, roanbern von ihren 
Silen an ber Stolga groficntqeil« mit ffirib unb Äiitb 
au«, roilbefl, rohe«, tapfere« Jtrieg«gcfchle<ht, vom Staube 
lebenb, fefte ffiobnft^e in htm fruchtbaren Süben fuchenb. 
tt« tvar ein ganj frrmbarrijgr« Uklf , ben ^unnen flamm' 
mreanbt, mit bem bie «pjanriner hier 9efanntf(haft 
machten, mol auch febon in ftolge ber ^ölfenvanberung 
irefilicb gebrdngt. ffn ber SBolga, von ber man btn 
Warnen ableiten null, unb brr Äama hatten fit tin bar« 



30) /Vocopiu. , Bell. Vand»l 1,6 (e<J. Bodo Vol. I. p. 336). 
J3) UbfnU I, W (Vol. I. P-4ÜÜ-401). 34) Uolrku. a . a. C. 
f. KU 361- 



barifchr« Weich gegrünbet; ein Iiieil bc6 MJrlfctf behaup« 
tete tuii bort unter erblühen Sttjant bi« in« 10. 3agr» 
bunkert. Sri ihrem Vorbringen gegen bie bvjautinifcben 
©renjen frieden fte jundchfl auf flarvifche 3}ölferfcbaften 
unb lleberrrfte germanifther Sldmmt, bie fie ohne SRübr 
unterjochten. Sie erfchienen geroifferma^en al« ber htrr* 
fchenbe Stamm, bem fieb bie Slaroenftdmme unterorb« 
neten, ähnlich n>ie fpdtnhin bie rnffinbeu Slameu üdi 
bit normannifchen 9iobfen ju ^erren erforrn. i'Itt btr 
ßtit fanb auch bei ihnen, wie in Wu^lanb, eine Ker- 
fchmcljung be« herrfchenhen unb bt« bitntnbcn Stamme« 
flatt; gleich ben SSardgern, nahmen bie Bulgaren, bit 
offenbar fia) gegen bie Slawen in btr 3Rinber)abl be> 
fanben, flamifchen SPrctucb unb Sittt an, fobaf ilt, ur< 
fprünglich grunboerfchieben von brn Slawen, mit ben 
3ahrbunbrrten bod) m biefen gewählt mürben. 

Son btm linfen Ufer brr untern Donau brangen 
fit balb, nach bem ührobtrich ba« £anb geräumt, gegen 
Ihrafien unb s JRöfieit vor, Vlle« ringsum plünbemb unb 
mit re ietjer Seutr — fo viel brren ba« S?anb noch bieten 
fonnte — in ihr jenfrit« be« gluffe« gelegene« Stanb' 
lager jurücfeilenb. Ten erßen ^uiammeufte') imifchen 
ihnen unb Sfrrom fe^e id) in ba« ,Vihr 493. 3» bem 
felben berichtet un« Slarcellinu« S1 ) , baö baraal« btr 
mftgitster militiae 3ulianu« in 'Jhrafieu in nächtlich 
blutigem Äauipfe gegen bie Sfvthen (Sariaute Offen) 
gefallen fei. SDiau barf babei nicht etwa an bie ©otbtu 
benfen ; fo gut wie auf biefc 9teich«feinbc ber Warnt ihrer 
Sorldufer, ber ä^unuen, übertragen warb, cbenfo nun- 
mthr btr btr Wethen auf ihre itammvcricbiebeiien hu(> 
garifchtn Wachfolgtr **). Da$ letztere abtr fdjon früher 
Wacbbarn ber (Srlecbtn gtworbrn, geht au« bem ^eug- 
niffe be« ^chcinne« von Slniiochi a *') hervor, bem jufolge 
3eno fte 482 gegen bit Wethen tu Jjiilfe rief: bod) er* 
litten fte balb barauf bunt 'Jheeberut eine entfeheibeube 
Wieberlage; felbf) ihr Jpduptling Sufa« fod 487 im 
Kampfe gegen bie Wermanen gefallen fein. 3m Jtahie 
499 fam e« ju einem ^weiten ern 'Unten CFcnfttct, nad)> 
bem fie faft alljährlich in bie unbelebten, burch fein Aeer 
veitbtibigten lonaugrenjeii eingefallen. Sic bebrohten 
emftlid) 30pricum, ja felbff bie faiferliche Wefibenj; vtr« 
herrtnb bura>trreiften fie Xhrafitn. Slrifto«, ber Sefebl«« 
haber von 3Dpricum, wg gegen fie mit 15,000 Scann; 
eine elenbt, muthlofe Sruppt, fo trägt unb unfriegtrifcb, 
ba0 fte fid) nidjt nur ihr ©tpdcf, fonbtrn aua> bic ©äffen 
auf 520 Sßageu nachfahren lieft, wie SWarcelltnu« er« 
tahlt **). Un btn fttiltn Ufern bt« gluffe« 3urta wur« 
ben bie Jtaiferlichen von einer Sulgarenfchar überfallen 
unb warfen ftd) mehrio« in wilbr 'öludjt; über 4000 
Wömer fanben ben 'J ob tntwtbtr auf ber tfludjt ober in 



36) a. o. C. p. 303- 26) Maneiiimu a. a. C. p- 315 
H>iid)t (im ia\)it 617 ivirbn ten 9tnf4Qtn brr Uvta«; ZonaraM 
XIV, 4 li r n n J bitfdbra b<je<|<n Ui U)ttm mbtigen IRaaini iil< 
SulqdTrn. 37) 3» bn» Kra«iii«nlA hlit. Gimcc. od. 

ß SliUeru$. Vol. IV. ParifUi 1861. S. fr»em 211. p. 619. 
38) J », C p. :■»'>: Jordan**, De regnoram nac««i>ioue (tri 
Muratm, Scriptirt» I, 1) p. 340; Tkevpnantt „ a , £). I. p. ■j-j-j, 
t<i bamalf jurtH ibifi; 'JJamcn befanat »erbtn 1 j pt . 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 79 



— (I. PERIODE VON 305—1204) 



ben ®eucn, unter ihnen bie „(trafen" 9Iifoftroto«, 3nnr 
tenriu« uitp Aquilinu«, mir bannt „ging bie 3 apfcrfci: 
l*r iavrifcheit Ärirger ui ©runbe." Iruppen ftanben 
nidjt hinlänglich in Sbrufien, ba« ?anb war brm geinte 
offen, ber rft genug (eine {Raubjüge wicberboltr, unb 
namentlich 502»»), ohne auf irgenbwelcbcn SSBiberftanb 
\u fiepen, in gewohnter 2Brife kaufte unb ben Jtaifer in 
feiner ^»auj?! :. : fcbredte. Bon Abwehr war feine 9tebe; 
man tröftete fid) bamit, bag bie „teuflifeben Unbolbe," 
n>ie galfmeraver fie unb ihre flawifeben ^cidjjügler fdjilt, 
bureb 3auberfünfie uMjir? vollbracht, unb überlief} fid) 
abergldubifcbcn ©rübeleien; unbeilbriugenbc Stityn fan> 
ben nun ihre (Kommentatoren; 9ticmaub backte baran, 
bap tapfere ©egenwrbr für« Saterlanb bie einua richtige 
Deutung, fei. Doch blieb wtnigften« ber Jtaifer nid)t 
gleichgültig gegen bie Roth ber junäcbfigelegcnen $ro« 
»inien, ober vielmehr gegen bie Angfi ber verbätfchelten 
Äeftbenj. Diefe vor aOen Singen bermetifcb ab)ufpcr- 
ren, war fein ©cbanfe. Cb Shrafien noeb eine gehörige 
Streitfraft an« ben bort angrfiebelten barbarifeben Solo« 
niften ftellen fönne, war ihm ein«. (Sine äHauer von 
SRännern war Autefraten ftet« verbäcbtig; Sölbncr 
unb geftung«werfc mußten ben morftben Ihren ftüfreu. 
Daher ahmte er ba« Bcifpicl be« jüngern Ibeobofui« nad) 
nnb lieft 512 eine Wauer — nad) ebineftfeber «Rani« — 
von Selpmbria an ber Broponti* quer über bi« Derfon 
am fajwarjen SKeere jieben, bie, 280 Siabicn lang, 
mit $od>n>ad)ten unb Ibürmen wohl verleben, bie .Jpaupt« 
ftabt wenigften«, »tnn auch mit Aufopferung ber $ro» 
vinjen, fieberte unb von bejahlten Schmeichlern wie ein 
neues SBeltwunber angrftaunt warb — ein Reichen ber 
Cbnmucbt, ein Denfmal ber geigbeit!* 0 ) Die Btvvin« 
Jen überlief» man ruhig ben Bulgaren. Sie brachen, 
Käbrrnb theologifche 3 an ftreien Äaifer unb Äaifrrftabt 
fefielten, 517 »•) in SRafebonien, (Spiro« unb Üheffalten 
ein unb erreichten plünbernb felbfl bie Sbermopvlen ; bie 
wehrlefen Dörfer würben überfallen, wdhrenb bie be« 
feftigien Stäbte vermieben würben; mit 1000 Bfunb 
Wölb mupte ber Bräfrct von 3flvricum, Joanne«, bie 
(befangenen au«löfen. loch fättigte ba« ®olb nicht bie 
Habgier ber Sarbaren ; bie nicht auSgclöften befangenen 
würben unter Jpobn vor ben Blauem ber unbejwungenen 
Stdbte, vor ben Augen ber feigen Bcfafeungen uifatu< 
mengebauen. SBenig beffer warb e« unter Äaifer 3ufti« 
nu» I. (518 — 527), ber, obwol nicht ohne guten 8BU« 
len unb Energie, burd) bie bebrdngte Sage be« Geichs, 
»ie burch innere SBirrcn gleichmäfjig gehemmt war. Bfit 
jabllofen Bulgarrnborbcn M ) trotte ihm ber «Rebell Sita« 
Hann«, ber felbft bi« Ancbialo« vorbrang; feine hinter« 
lifttge drmorbung im 3abrr 520 war nur bap geeignet, 
bie {Rachgier unb Beuteluft ber Barbaren neu anzufachen. 
£aju famen unter feiner dirgierung eine Wenge unglürf' 



29) itarcelhnvt «. a . C. f- 306; Hill, miieell. (in SRu< 
Mtoti'f R«rum ItBliearom Scriptorct. Tom. I. p. I.) p. 101 
-102 n. f,). 30) Evagriui o. a. O. IU, 38- 43. p. 367. 
31) Z<mara, Ub. XIV. c. 4 («>■ P«ril. Tom. II. p.fW); Mar. 
<*W c. n O. p. 815 M*l »t Ott»». 321 iSrayW«. „ ■. O. 
III, 43- p. 876 - 876. 



lieber Waturrreignifje, namentlich (Frbbeben, bie einzelne 
^firovin'en beö SReidj« fofl ganj entvölferten unb für 
lange 3ahrc ju ®runbe richteten. Schon 518 hatte ein 
(Srrbebcn Sarbania beimgefueb: unb 27 fefie i<(4je 
^erfrört 3 *). 3wei 3ahre fpdter traf Äbcbo« baffelbe 
SooS. SSJahrldjeinlicb hatten aud) bie übrigen 3nfe(n 
be« Archipel«, bie febon unter Seo I. bleiche« erlit« 
ten ' 4 ), bei biefrr @elegenheil fchwer ju leiben. 9tod) 
)wei jähre , unb (522) Serrhathium , ber @eburl«ort 
Anaftaftu«' I., von biefem jüngft nod) mit prächtigen 
©ebäuben gej|iert, unb Äotmth gingen ju <8runbe M ); 
tublreiche Wenfd)en fanben unter ben {Ruinen ihr fflrab. 
BÜ na* Anajarbo« in Äilifien erjVrecfte ftd) bie (Gewalt 
be« (Srbbeben«; vermuthlid) fielen baburd) aud) viele anbere 
-Rüftenftdbte Ächaia'«, für beren ^erfteilung hernach 3u* 
ftinianu« I. nicht unbebentenbe Weibfummen verwanbte. 

Sic lange Regierung 3nfKnian'«I. (527 — 565) war 
eine ununterbrochene Aette von UnglücftffäQen für ba« 
■liadv Wdhrenb man entlegene, (angft verlorene Sro« 
vinira wieber ju gewinnen trachtete unb jritweiiig wie« 
ber gewann, blieben bie nörblicben ?Reicb«grenjen fort' 
währenb ben Sarbarenhorben prei«gegeben. gafi allidhr» 
lid), fo berichtet Srofopto« »•), brachen ^unnen, ©fla« 
vinen unb Anten in 3Qvricum, Jlnoficn. £rUa«, ben 
(Jberfonefo« ein, verheerten alle« 8anb von bem ionifd>en 
Weere bi« in bie 9iähe ber $auptftabt unb verwanbelten 
e« in eine „ffptbifcbe SBüftenei." »ei jebem (Sinfaüe 
würben wol über 200,000 ©riechen niebergeme6elt ober 
in bie Sftaverei fortgrfcbleppt. Sod) fielen auch nicht 
wenige Barbaren bn unerfdttlichrn ^Rorblufi be« Jtaifer«, 
ber felbfl flawifcher Abfunft, jum «Opfer. $<er treten 
neben ben ^unnen, unter benen wir wol vornehmlich 
bie Bulgaren ju rrrurbrn hoben, bie Slawen, in bie 
jwei ^auptüdmme ber Slawinen unb Anten (5Ben- 
ben) getheilt, »um erfien iRal at« »eich«feinbe auf. 
Schon befafjen fie ben gröjjten 5heil be« Sanbe« jenfeit« 
berSonau, boch ohne fefte fflobnftOe ju haben; einzelne 
niebrige gälten, nicht juiammenhdngenbe Sörfer, waren 
ihre ruTh"f,v.\ bie fie nad) Umfiänben unb Jaune wed)« 
feilen. 3brc Bnfaffung war republifanifch ; „von Alter« 
her gaben fie ft* felbfi gemeinfam ihre @efepe; gemeinfam 
trugen fie blücf unb Unglücf." Adern Anfcbein nad) 
ßanben fie batna!« fchon unter ber Roheit ber Bulgaren, 
bod) mehr al« beren BunbeSgcnoffen, benn al« ünter- 
joebte. @ewaltfam brdngten fie mit ihnen 529 gegen 
bie Donau vor, fanben aber unerwarteten SBiberttanb. 
Der Wililairgouverneur von 3Dpricum, IRunbu«, ein 
©epibe, trieb fie au« Tbrafien") mit nicht unbebeu« 
tenbent Berlufie; Sdjaren gefangener Bulgaren wur« 



98) MnrctUtn— Oma <i. a. 0. p 316. 34) Eragrwu 
a. a. C II, 14. p. 307, wo Dir 3aftl Sto4 ntitt Jenik 1 « nam> 
boft armadit mxt. 35) tfbntia IV, H. p. 386; Ja***. Mata- 
tat Ub. XVII. (ed. Bonn. p. 417); Theopkmt» Vol. I. p. 259 
u f. ». 36) Anrcdots csp. 18 (ed. Bons. VoL III. p. 108). 
37) MarreiU*n$ «. a. C- P- 320 fpridit hier tciiUt ten *<loi. 
Sit »p'antisci itnam bafüt bi< vunnen; ba« rt n<b rtft um »i» 
5BaIa,awii fianbdt, ntbt u. a. an« Tktophama I. p. 838 u. 340 
nnb üforj. C*dre*u, (ed. Bonn.) I. p. 662 fctwt. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



80 



— (1. PERIODE VON 395—1204) 



ben in Armenien unb 8ajifa angeffebelt. Dann fd)ritt 
man 530, wdbrrnb bcr Berjerfrieg entbrannte, baju, bie 
Donau tureh eine ganje Weihe neuer obrr wieberber« 
flffttUttr (SafteUe unb BJarTenplä&e ju befeftigen; Wii- 
buDie« warb mit Xrupprn (531) bingefanbt, »in ben 
geinb an brr Ueberfchreitung bei Strome« ju hinbern. 
ias gelang ihm brei 3abre lang; fo oft bie Bulgaren 
unb Slawen rjfrüberjuftreifm wagten, mürben fte jurürf » 
geworfen, au<b wol über ben gluft binau« perfolgt. Bei 
einem fola)en mit geringen SiTritfräfirn 534 unternom> 
menen Streifjuge fiel er inbeffen in bie $anb brr maffen» 
baft beranftürmenben Slawen unb warb niebergemad)! *•). 
Seine Irupprn (öften iia> auf; ber llebergang über bie 
Donau Ii,; ri.- ben Barbaren offen, bamit jugleia) bat 
fteid). Seftbem Ruften fid) ihre (Unfälle, unb nenn 
auch bie obige Angabe De« Brofopio« von brn $unbert« 
taufenben, bie ihnen alljährlich jum Opfer gefallen, ftcfcer« 
lieb auf einer ftarfen Uebertreibung beruht, fo ift bod) 
(eine rjrage, bafj bie Worblanbc furchtbar verbeert unb 
balb menfcbenleer rourben. Späterhin fo berietet ber> 
felbe Sdjriftfieller, gedeihen bie Slawinen unb Anten 
felbft unter einanber in gerjbe, in golge beren bie Intern 
von jenen unterbrütft würben. SBabrfdjeinlid) ift aber 
biefe Stählung nicht auf bie Strritigfdten ber Slawen 
unter einanber ju bejieben, fonbern auf bie Unterjochung 
ber Slawen burd) bie Bulgaren; welcher ledere 9tame 
t)on*l}rofopiofl gar nid)t genannt wirb — ber befie Bewei«, 
taji wir bie Bulgaren bei ihm unter ben Slawen, bie 
„nadj bunnifdjer BJrife" leben, unb ben $unnen felbft 
ju fucfjen t)aben. 

Um biefelbe 3eit, al« Belifar feinen Sinjug in Som 
hielt unb über tat* balbPernicbtete ®otb,enreid) triumphiite, 
im 3abre 540, überfebritten bie Bulgaren ober fjunnen, 
wie fte Btofopio« nennt **), mm elften SWal bie ®renjen 
be« eigentlichen ffiriedjenlane«. ffiäbrrnD bie faiferlidjrn 
ScMbner in Stallen unb an ber pcrfn'cben ©renje ftan» 
Den — felbft £unnen *°) werben barunter genannt, offen» 
bar pon ben in Armenien unb am febmarjen SReere an» 
geftebelten Barbaren — , würben Ibrafirn, Bcofien, 3U»< 
rien, furi alle Sianbe jwifdjen bem ionifchen Weere unb 
ber woblbcwabrtcn ÜRdibcni. pon ihnen auflgeplünbert. 
Sachtem fte 32 fd)led>tpertbeiDigtc Bkcbtpoftrn überrum' 
pelt, wagten Tie fid) jum erfien s lRal an eine regelrechte 
Belagerung. Die balbjcrftörtrn gcftungftmcrfr von Äaffan» 
bria würben berannt unb fielen ; mit 120,000 (befangenen 
febrten fte rteim, um al«balb wieberjufommen. Die 
GaftrÜe auf bem tbrafifchen Qiberfonefo« würben erobert 
unb au«gemorbet; pon Sefto« festen fte felbft naa) ber 
fldnaftatifcben Äüjte hinüber unb plünberten biet wie 
bort, ohne ©nabe, ohne Stanb, Alter, @e|<hled)t ju 
febonen. Sin ^aul'c wanbie fid> uigldeb gegen äjella«; 
er erreichte bie Ih«n>c-P»ltn- Bergeblid) warb bort 
ffiiDerftanb »erfucht; fie überfebritten ben $an unb burch» 
ftreiften alle« ?anb bi« «m 3ftbmo« hin . nur ber Bdo» 



38) Pracop,«,, Bell. Ooth. III, M (Vol. II. p. $31 •««».). 
39) Bell. Per. II, 4 (Vol. I. p. 167 — 168). 40) Procopi*,, 
Bell. Goth. III, 6 (Vol. II. p. 302). 



pennefo« |blieb perfebont. Daf Athen unb %t)tbm frei 
geblieben, wie gaOmeraver uteint, ift höchft unwahr» 
fcheinltcb; ^rofopiot? nimmt brn $r(oponnefo0 au«, unb 
ber UmftanP, ran kne StäMe hernach Pom Jtaifrr mit 
neuen geftungdwerfrn verübe :i würben, möchte bod) 
gerabe nur für bie Bernicbtung ber alten fpredjen. (Sbenfo 
wenig ift anzunehmen , b a h bie Bulgaren fid) bama« in 
Jö< tlatf niebergelaffeu ; bei ber ganzen Organifariou ihrer 
3ügr war d nicht auf eine Anftcbelung mit BSeib unb 
Äinb, fonbern lebiglid) auf Blünberuna abgefefren ; war 
ber Beute genug gemacht, fo ging e« heim in bie Säger« 
pläb-e an ber Donau. 

«Mit einem fräftigern ^eere bdtte nun wol 3ufH» 
nian bem treiben ber Barbaren liinbali tbun fönnen ; 
allein bie Sölcner würben tu ben fofifpieligen autldn» 
bifchen @roberung6(riegen ober gegen bie BerfeT ver» 
wenbet. Abfperrung DeO Sanbe« burch dauern unb 
Sepungen follte helfen. Ratten fid) boch bie natürlichen 
Schanjen am 3ftbmoe< wieber einmal attf beftc* Berthei» 
bigungdmittel für ben Beloponnefot bewährt. Daher 
würben nunmehr ju ben dllern bereit« feit 530 gefebaffe» 
nen Bcriheibigungdlinien neue angelegt, bie a0e6 Sanb 
jwifdjen Donau, bem thrafifeben Hherfonefo« unb bem 
3ftbmo« gegen bic feinblichen iJinfdDe fiebern foHten. 
Wan )og in beren Bereich bie pon ben altern römifeben 
äaifern angelegten feften Stäbte, bie man neu per» 
fchanjte unb ummauerte, unb perbanb biefelben, inbem 
man cinjdne \u großartigen 23affenpld(en ju geftalten 
fuchtc, unter einanber burd) eine unabfebbare Sieibe ein» 
jelner BJartthürme. Die neuen ^eftungen einjeln auf» 
i u »iihren, ifi hier nicht ber Ort; ich barf bafür wol auf 
er« Brofopio« fed)« Bücher über bie faiferlichen Bauten 
unb ben geograpbifaVn i heil biefe« S3erfe« perwrifen. 
Daher nur einige Anbeurungen. Schon 530 war eine 
8cftung«linie burch Darbanien unb TOöften gejogen, 
welche bie Stätte Utpiana unb laurefium (feitbem 3ufti- 
niana 1* unb II' genannt), Oermana unb SarDifa 
perbanb. Daju famen nun dne 8inie läng« ber bdben 
Donauufer Pon Singibon bi« jum fct)warjen SReere, bie 
auch bie alten ßaftcOe Biminadum unb Sattada um» 
fcblofi, unb eine jmdte, pon 9teu»dpfro« auögrbenb, 
burch SRafebonien unb Ihrafien bi« ju ben neu befeftig» 
ten dauern be« Anaftjftu« unb ben tjaftdlen auf bem 
tlherfonefo« rda>enb; Apbrobffia«, Jtiberi«, JtaQipoli«, 
Sefto«, Khdbejio«, £eraftea, Sdbmbda unb anbere 
waren bort entweber neu bergeftellt ober fdtdj befejtigt 
worben. 3m offenen 8anbe jwifchen unb unterhalb biefer 
{»auptlinie warb dne ganjc Vnjahl fteinerer geftungen 
theil« aufgeführt, thdl« projerrirt — benn wie Biele« 
blieb nicht auf bem Bapiere flehen, ober warb nur fo 
rummrrlich vollbracht, Daß e« fein Wenfchcnalter über» 
Dauerte! — ; Bnifopio« nennt beren in -J'/Mfien 181, 
in Btafebonicn, Darbanien, 3Uprien , (Jpiro«, iheffalirn 
382. B3icbtigeT finb hier für im« bie Borfehrungen , bie 
er in 9}orb»£beffalien unb 3Rittclgricd)cntanb »im Scbu^e 
bc« eigentlichen Jpdla« traf. Da bie alte Seftung Die 
fletianopoli« am See von Jtaftoria verfallen, warb eine 
neue Burg 3uftinianopoli* auf einer 3nfd im See ge« 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE 



81 



— (I. PERIODE VON 395—1204) 



grünbel; feftc Waticrn unb Sic 9S?crfc von W«ropi lc 
unb ^rraflra follten bic @ngpdffc, bie uumcit Irftterct 
Stabt au« 3ßj>rien ine nört>(icf>r ©riechen lanb führen, 
betfcn; ©ompbi, Marina , ^Jbarfalo«, Xriffa, Demetria«, 
Thebae Thessalicae unb manche anbcre -Embte mürben 
mit SJoUwerfen umjogen. .£>auptfdd)(id) aber fajjtt ber 
Äaif« bie Xbermopplen in« «119c ; Der £auptpa|j unb 
bit berüchtigten Sciteupfabe mürben bureb hob«, mit 
boppelten ©orwerfen unb 3i">«n btroe^rtc Waucm un« 
jugdttglicf) gemacht; bif Wauern ftlbji umfcbloffen flrine 
@aftelle mit Gifternen unb ^rem'antbäufern , in bif fid> im 
Khlimmftcu galle bic 9eta$ung jurücfjicben fonnte. ©i«' 
ber hatte bie Grba'tung Der alten 9cfejria.una.en bort ben 
Ginbcimifcbcn obgelegen, mclcbe bie £od)road)icii ju be- 
fojen pflegten unb, obfcbou ohne Snfteut, bod) ben 93ul« 
garen jüngi) bie 3 dbne gemiejen ; nuntnebt f elfte an bie 
ereile bieten nur jur 3eii ber ©cfabr voUjdbltgcn *J}to« 
rinjtalmiltjen eine itehenbe Scfapung Ms 2000 Sölbnern 
treten. Den Sdjuij, ben biefe Sarbaren boten, mußten 
freilid) bie t>rl(rnif<fyrti Stdbte tbeuer genug bejablen; 
bie Staar«cinfünfte au« Hcbaia, fomie bie (Selber, bie 
bi« babin für bie cfrcntlidjcn Spiele au«gefefct m arm, 
feilten nun jur ?anbe«scrtbeibtgung verroanbt werben. 
Ueberau" roarb gefpart, um nur bie Sölbnct ait8julc(jnen ; 
felbft oa« Goniulat rourbe, roie ti beißt, au« Sparfam» 
feit«rücf fiebern abgerafft, unb bie legten heiligen dteße 
M alten ^»eibentbumö fielen ber ängft vor ben Bul- 
garen lum Opfer, gretlicb hatte djriftlicber difer aud) 
baran (einen Slntljeil, rbenfo gut, roie bad SRireliiruug«* 
unb Gentralifirungflfpftcm ber Oftrömer, benen Gonftan« 
tinopei bie Bell; allein lächerlich ift« boeb, wenn ber 
fpdtrre ».JJbranec« 4I ) in ben glcicbfall« von 3ufHnian 
uno bfffen Statthalter Siclorinu« angelegten Meridian« 
jungen am 3ftbmu« — Gaftellcn unb SBartlbürmen — 
nur ein Denfmal ftoljcr ȧrunffuebt, nicht feiger $ar< 
barenfurebt erfennen roiH. 5flud) bie roeftlid?en $rvoin)en 
Wittelgtiecbenlanb« mürben bebaut; bie Wauern »on 
$(atää, I beben unb xltben mürben bergcftrUt; Wegara, 
eine wichtige fteftung bie jur Sürfenjeit, roarb mol um 
biefelbc 3fit pon bem ©rieben Diogenc«, be« ftrchclao« 
6obn, mit neuen Söerfen bemebrt, ju Deren 33au er 
felbft 100 ©olbflüde bergab 4t ). «ber ein bauernbc« 
3nteteffe ber im fieberen SBejanj reftbirenben «utofratie 
für be« alten £e«a« clafftfeben »oben, ja felbft für bic 
nddjften Ärirttflaiibe tritt nirgenbroo berr-or. Die Böller 
bort galten eben nur al« „S Huven be« Scbafce«," au« 
benen eine möglicbft bureaufratifd) organinrte Berwal» 
rung ba« Wöglidjftc für bie Bcbürfnijfe t>c« faifcrlicben 
£ofc« unb für bic au«rodrtigen Groberungen ju erpreffen 
fudjtc. 3n bei 3uftü gcroiffc fefte formen; aber bic 
praftifebe Sfnrocnbung Hefi in ben ^ropfnjcn lange genug 
auf fieb »arten ober trat nicmal« beroor. Uralte ©t« 
»obnbeitöreebte bebaupteten gegenüber ber fünftlia)en 
ßobification ibt biftorifebe« Scttjf, ber $artifulari«mu« 



41) Qtorg. PkranUa (ed. Bonn.) Lib. 1. c»p. 33 |. 3Ä. 
p. 96 u. 107- 42) C. I. ""l' l> Cor|>n> iaieripUoDum) 
Tom. IV. n. 8(82, Ire bic 3nf*tift irria »et 476 angebt ijt. 
S. ttnrpfT ». SB. u.U. thrfl» •irrt«. LXXXV. 



erbiclt ftcb in ben ^rooin)rn txci) aller autofratorifebeu 
DefTCtc biß jum Untergang bc« römffd) * bijjantiniftben 
^eidte«, ja bif unb ba bt« beute. 9Bdre nur bei aD' 
ben Summen , bie man für bic fernen Eroberungen p«r< 
faMcuberte, ctroa« für bic reelle UJcrtbcibigung be« 2cm< 
bc« gcfd;cbcn! toeb bie 3)onauübergdnge blieben offen, 
unb roabrenb man in Italien unb ftfrifa Lorbeeren fant« 
mcltc, mar ba« fltridj ben Bulgaren unb ibren flaroi- 
feben Sa)u^getioffen prci«gcgeben. ©rdfilidjc Scucben 
famen ba<u; bic $cft, bic von 041—644 im Seidie 
bouftc, foll bie |»dlftc ber ganjen »epölfcrung rocgg«afft 
haben; in ber ^pauptftabt jdblte man faß brei Sxonatc 
lang tdglid) über 10,000 Jobc«fdIle; ein)c(ne ^ropinjen 
waren ganj au«gefiorben **). S« folgten neue ($rb' 
erfebüttcrungen unb furd)lbarc Ucberf(broemmungcn. 3tn 
3ab'( Ö51 rourben Söoticn, Sofri«, $bo'i«, :1-J?aia 
von einem entfe^litben drbbeben beimgefudit; labllcfe 
Dörfer gingen mit ibrer ®cr<öl(rrung m @runbe. 3rt 
einer einigen Statt, mo gcrabc eine Waffe SBolf« im 
Seier eine« fteftc« vtrfammclt mar, i ollen nad) einer 
frarf übertriebenen 9naabc mebr «Decnfdjcii umgefornmen 
fein, al« ber 9let1 be« ?anbe« bamal« beherbergte! 2)od> 
mürben in $arrd 4000 Siumobnn pon ben flcffenben 
Slbgrünben ucrfdjlungen ; Qibdronca, Jtoronea, Jtorinib, 
9laupafio« unb anbete S table mürben verniebtet. 3»' 
glcid) trat in Qolge ber (Srberfdiütterung ba« Vtttt bei 
(Scbino« unb Sfarpbca, an ber ©renje pon Söoticn unb 
Xbeifalien, junief unb übcrfcbmcmmtc alle« $anb bi« an 
bie ©ebirge; bie gunbamentc ber Stdbte mürben unter« 
mfibK un» bradjen jufaramen. Äeiu 3»eifcl , ba^ fdjon 
bamal« eine «njabl ber neu angelegten 8eftung«mcrfe 
ju ©runbe ging. 

Unb immer rodtet brangen bic »arbaren r>or. 3m 
Sän< 540 bautten bie €lamcn in Sbralicn, mürben 
aber burd) ein r;crulifd)e« Sölbncrrorp«, ba« jum Itarfe« 
nacb 3tolien ftofjcn folltc, jurüdgefd?lagcn **). Da« 3abr 
barauf pcrbanbclt ber Äaifcr mit ben Slawen ; er miß* 
ihnen bic Stabt Zurri«, eine Kolonie Xraian'« jenfeit« 
ber Donau, übrrlaffcn, fall« fte al« feine IBcrbünbcten 
bic.{)unncn ^urürffcblagcn **). Dod) obne (Srfolg. 3)iel< 
mebr l'eben mir bic Slamcn 548 *•) miebet in 3H»ricn 
einbrechen unb felbft bl« por bie Ibore pon Dpnbacbton 
porbringen, ohne ba«! ein faifcrlitbc« Sölbnerbecr pon 
15,000 Wann bie gcringfie ©eaenmeb» nerfuebt; «de« 
mirb geplünbert, in bic Sflaperei gefdjlcppt ober gemor» 
bet , bic (vi ttdie brm (Srbbobcn glcid) gemaebt. ;{«.iifut 
icigcn ftcb bie .ftcrulcr feinblicb; bamtt ein Gorp« bcn> 
felbcn gegen bie ©otben Sciftanb letftc, muffen ihnen 
Singibon unb anbere baFifcbe Stdbte 549 **) übcrlaffen 
mcTbcn. 3m 3ab r * 551 **) erftbeinen neue Slamcn» 
borben; 3000 Wann, in jwei ixt nun getbeilt, fiblagen 
bie Äaifcrlidjeii unb erftürmen alle nod» porhanbenen 
Sinucnfeftungen in Xbraficn unb 3U»rien. Der eine 



43) x '\t OwUcn tti Mwatt a. a. C. p 168 tum 3- 6050 
n. 4 44) /Vor, ./Mi«, Bell. Ooth. III e. 13 (Vol. II. p. 330). 
45) Qtiriita HI. c 14 (Vol. II. p.336). 46) Qtotnba III. c 99 
(Vol.II. p.307 - 398). 47) «btnba III. c.33 (Vol. II. p.418 
-41Ö). 48) «b«>a UI. c. 38 «eq. (Vol. II. p. 441 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



82 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



taufe befe^l ba« unbeffbfrmtc Xopero«, bie crfle lbrafifd)e 
eefeabt; mit gcwohnicr @raufamfcit wirr mc mär.n» 
lid)e ©etölferung — 15,000 an 3«M — geme&flt, gc 
pfählt, verbrannt; ffieiber unb Äinber waiibern in Die 
Sflaverei. 8uf bem öiütfjuge werfen aud) bie Statiner 
mit fortgefd)leppt. Der anberc Raufen bebrobt Ibefja' 
lonid), toirb aber burd) Den faiferlicben gclbberrn ®er- 
mono«, brr fd)on früher bie Linien beftegt, aufgehalten. 
Sd)arenmcife burd))icben fie bat Seid) narj) Often unb 
Sßeften unb rüden fogar, nadjbrm fie bei Äbrianopel bie 
unter bem tjommanbo be« (Funudjcn Scbolaftiru« neben' 
ben Äaiferlidjen beftegt, gegen bie langen Waucrn vor, 
werten aber bort cnblid) mit bebeutenbrm Seelüfte jurüd» 
gefdjlagen. 3m mich freu 3<»bjre verheert 3(WmrL «n 
verbannter Jangobarbe, mit einem Strrifcorp« JUnrien 
unb übtafien **); bann überfdjreiten bie Slawen wieber 
553 bie Donau, unterftüfct con ben ©epiben, denen fie 
für bie Ueberfabrt je einen OolDjiater bejablen *°). Wog« 
Iii), taft babei aud) ber Qwtbenfonig Xorila« feine Jpanc 
im Spiele batte; benn um bicfelbe 3eit fanbte er 300 
Schiff«, mit bem befehle, Älle« nieterjumacben, gegen 
Ha)aiu *'). Die 3nfeln be« ionifebrn Weere«, nament« 
lid> Ä rrfvra , bie Umgegenb oonDobona, Wifopoli« unb 
8lnd)ifo« würben beimgcfud)t unb nit^r wenige Iran«- 
portfa>iffe, bie bem Warfe* Proviant jufübren follten, 

Jcfapcrt. Daneben bie gewobnten fBcrbecrungcn ber 
Bulgaren unb Slawen **). Wan fudjte nch ber ungr< 
ftitmen Nachbarn burd) ein 4?nnbnip mit ben Üangobar.- 
beu ui rrleDigen , welche leptere man gegen bic OkpiDcn, 
bie Schirmherren ber Slawen, aufhefte unb' jur 'Her 
tilgung ihre« Wcidjce aufftadjelte. Xrogbcm nahm ba« 
(Slcnb im Weiche fein lintc. Der faiferücbe dpof ver- 
barrte bem gegenüber in gewohnter Sorgloftgfril; fo 
lange nur bic barbarifrben Sölbner, meift jperuler, in 
ber Wcfibenj bie Wube aufreibt erhielten, war für brn 
Ibron Wicbt« ju furchten. Tad eigrmlicbe Wcid>«beer, 
Das »'»45,000 Wann jählen follie, von benen aber fartifd) 
nur 150,000 oorbanben, liant, in Heilten Bbtbfilungcn 
jerftreut, im Äu«lante; Xbrafirn unb bie »tntern ^rc- 
vinjen Hieben febußlo«. Unb baju roclih ein Htfr! 
Die Gruppen ohne Didciptiii, plünberungdluftig, gleich 
ben ^Barbaren , in ffiobllcbcn verfnnfen, feig unb fo un 
geübt, baß fie nicht einmal ein taget \u brfeftigen ver 
jtanben! Die Führer wenig beffrr, meift bejahrte Su> 
nudKn, von benen ber 'Ibron Richte» <u fürchten hatte; 
fräftige Wdnncr, wie ^Pelifar, mußten nur tu leid» bem 
'.'Irgwohn tc« feigen äaifet« unb ter rwftfchen Clique 
erliegen. 

©alb treten neben ben alten Weid)«feinbrn neue 
hrrror. Wod) einmal raffen fid) bie jpunnen auf jutn 
«fgfn ba« Sricb. <*)rb«&l von ben ©epiten, 
* aud ihren Schlupfwinfeln an ber ^Jalut) 
heften auf. Wan fudjte fie burd; bie 



c. 27 (Vol. IL p. 604). 60) «tfn»a IV. 




grWobnten Wittel, Irtbutjablung unb Bnfad)ting be0 
Stammbaffe6, aufjubalten ; man nahm felbft ftüdjiigc 
„Uturguren" in bem wobeien übrafien auf. Da» refjte 
Die ämurguren, bie gleidje ®efd?enfe forderten, wie man 
fie bem Häuptlinge jener, Sanbilcbu», gefpenbet; unter 
ihrem gübrer 3 < >' >( TB an ^ (vielleicbt 3aber Jthati) meid)' 
len fie im hinter 558 bie Donau unb fehlen iu gufj 
unb Stop über ben jugefrornen Strom; in ihrem (befolge 
befanben ftd), wie gewchnlirfc. bie ftammverroanbten Sul« 
garen unb flawffcbe H orr>(n - 3u 'Ihrafien theittc ftd) 
ba6 .neer in brei Raufen. Der eine wanbte fid) burd) 
Wafebonien nad) .hella« tyin, warb aber burd) bie 
geftungftwerfe ber Ihcrmpprtlen jurütfgefd)redt. din 
jweiter, ber bie Reftungen be« ßberfonefo« unb Älein* 
aften bebrobt, warb im Äuguft 550 von @rrmano4 bt> 
(legt > GOO, bie fid) aufe Weer gewagt, famen in ben 
glutben um. Die Dritte Äbtheilung unter 3<3bergane6 
felbft. Darunter 7000 Weiter, war birect gegen bie £aupt* 
fiabt vorgerüdt. 3bre flawifdjen Sunbedgenoffen hatten 
bie verfallene Wauer be4 Änafrafiu» burd)brod>rn unb ben 
Magister militi&e Sergiut) nebft anbern gefangen. 3n 
ßonftanrinopel herrichte feige Wutbloftgfeit Mc Äoft« 
harfeiten f er aufierhalb ber Kingmauern gelegenen .Kirchen 
waren in bie $auptfiabt gefdiafft. Die faifer(id)e Leib- 
wache ber Sdjolarier — 3500 SRann — foOte ba« gol* 
bene 'i hör unb bie Wauern bed Xbeobofiuft vertbeibigen ; 
allein fie, bie nie einen geinb gefeben — bie Stelle war 
nur für ben grieben gefebaffen unb babet felbft fduflid) 
— wagten nidjt, ben SDarbaren, bie nur 150 Stabien 
von ber dpauptftabt gelagert, in0 Äuge ju fdjauen. Da 
griff ber greife ©elifar nod) einmal jum Sa>wert; mit 
einem rafd) )ufammengerafften .vieere, benehmt auf 301 
Veteranen, bürgern unb SanbvoK, fd)lug er ben geinb 
unb nötbigte ihn , fein Saga bei 3Re(antia6 am Ätberad 
aufjubeben. 3abergane« wid) jurüd nad) Ärfabiopoli* 
unb Xjurulon unb räumte enblid) nad) Oftcru (Äpril) 
559 bat 2anb "); bie römifd)?n gefangenen würben mit 
@olb audgelöft. Seitbem verfrbwinben bie dpiinnen vom 
Jfriegdfdjaupla^ ; ihr Warne ging auf bic «irben ihrer 
fiacln, bie Ävarcn, über. 

Vettere finb un« fd>on 4ft4 ald Wadjharn unb Drdn« 
aer bunnifd)er Stämme begegnet. Urfprünglid) bem Än« 
|d)ein nad) finnifd)<uralifd)er Äbfunft, vermüchten fie 
ftd» halb mit ben lürfen, bie am faipifdien Wenc ein 
Seid) gebiibet M ). Der Drud be« türfifdjen Sultan« 
Difabul nötbigte fie 552 jur Äu«wanberung ; nur 20,000 
Wann ftarf crfd)ienen fie at« glüd)tlingc auf ihren Jtar« 
ren am Oftufer be« So«poro«, ber Strafe von Jtertfd). 
Dort ftirfjcn fie mit ben uturgurifd)en Hunnen )ufam< 

53) Agathiat V, H «oq. (e<l. Bonn. p. 290 Mo,.); J ■•;„„. 
ttalalat p. 490; Thtophana Vol. I. p. 361—362; Georg. Ct. 
drenta Vol. L p. G77 — 678; Victor Tumvnm». Chron. (bti 
RotKoUi) II, 377 lägt tabei tit Qulgann, tit »»I Un Mtrn 
tie buntiifrtifti x>rttrt bitbfttn, in ttn Votbtrgranb trttrn. M) 
tlelxT i'u Hvaun rcrgl. Olar Säbingei, CftntntJiiiitf <M<, 
fdjiditr. !Bb. I. tttviifi 1858. C. 61—78, tpo am ,|iunM!Ct)H<n 
uhfr fit ^rtjantflr ift. 3d) Qibt bin nur Mc «nnaltn ihm Vi*. 
f4Ut i«< cr1römnd>c Meid). 4«ii»t4acUr i(l Henander («I.Bonn.) 
p. 282 »eq 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



83 



(I. PERIODE VON 395— 1Q04) 



nun , tie ihre ©ertünbeten gegen tote Auturguren wur> 
ben. Aanbif — wol berfelbe, ber al« Uturgurenhdupt- 
ling Sanbilcbufl genannt wirb — rrfdjien 558 an ber 
ipipt einer ®efanbtfd)aft in Gfonftantinopel. Sin ben 
frembrn gerotteten SRäunern, bie im Qtanjrn ben Hun- 
nen dbnlicb, rin bäfilidjer Schlag , fiel bort 9tid)t« mebr 
auf, al« ba« »übe lange, mit ©änbem in einen ßopf 
}ufammengefled)tene £>aar, von weiset Uradjt grieebiiebe 
unb fyrifdje **) ScbriflfteUer fogar ben «Hamen br« «Holte« 
ableiten wollten. ^rablrnb erflärten bie Hbgefanbten bie 
Äraren für ba« g r ö§te unb tapferfte aüer 3Jölfer ; fie 
feien bereit, gegen tSbrtngefdKnfe unb ¥anb ba« Seid) 
gegen beffen geinbe ju fdjiemen. Cbg(eid) ber Wefanbte 
ber Surfen nun freilich in Sonftantinopet von ihnen 
aeringfd)ä6ig wie von feigen 8u«reifiern rebele, würben 
l'tr bod) von 3ufiinian mit gelbenen dfyrenfelten unb 
anbern reiben ©efdjenfen bebadjt. 3ugleid) würben fie 
nad) bem am £ofe feftftebenben («runpfapr, bafi bie 
©arbaren ftd) unter einanber aufreiben mfifilen, gegen 
ihre i)unnifd)en Stammverwanbten unb bie flawifcben 
©ölferfc&aften aufgeftadjelt. ffiäbrenb fie bie ledern 
unterjochten unb lj)r 8anb rdubenfdj auflfogrn, liefi ber 
Äaifer in ber 9{db,e ber To mm neue gefiung«werfr an* 
legen, bie fie am Ueberfcbreiteu be« Strome« binbern 
joUtcn. 3$ier 3abrr lang blieben fie rub/ig ; ibre tHJucpt 
irarf jid) wefhvärt« bin felbft über bie Slawenlanbe 
binau«, wo fie mit Hbüringern unb granfrn jufammen« 
fiteren. Gnblid) treten fie 562 **) wieber feinblidj, al« 
£unnen, im Dftrömerreicbe auf unb erobern ftnaftafio- 
poli« auf einem ihrer tbraftfeben Streifjüge. 3bt £äupt' 
ling ©ajan tritt mit ber gorberung hervor, bafi ihnen 
fefic siöorr.fior angewiefen würben. 3ufrinian weif) ibnen 
ben vor Jeu, n von ben £erulern bewohnten Xbeil $an* 
nonien«, junäcbfl ben ©epiöen , an; bod) fie jifben bie 
alten 9ßobnft8e vor, fall« fie nicht neue am redeten 
Donauufer erlangen tonnen. SRan verbanbelt bin unb 
ber ; ba ibre @efanbten aufier ben f alferllthen ®efd>enf en 
aud) eine üRenge erfaufter SBaffen mit in bie ^eimatb 
nehmen wollen, Idfjt fie 3ufUnian, bem vom Senate wieber» 
holt her ©orrourf gemacht, bafi er ba« JReid> an bie ©ar- 
baren überliefert, unterweg« überfallen unb entwaffnen. 
Da« ftad>elt bie fflutb ber ©arbaren auf« £od)fte. 
Untertxffen fHrbt 3uftinian I. am 14. »ov. 565; 3ufri» 
nu« U. tvirb fein 9tad}fo(ger. 'Sofort erftbrtnt ein ®e» 
fanbter ©ajan'«, üargite« — ber 9tame mahnt munber' 
lid) an ben ^erobotifchen Stammvater ber Sfvthcn 
Sargitao«! — unb verlangt für feinen $errn, ben ©e» 
fieger ber Auturguren unb Uturguren , nicht nur gleichen 
Jrtbut, wie man jenen einft gejablt , fonbern aud) Vis 
tretung von Sirmium. SRutbiaer , al« brr altetflfcbwaaV 
3ufHman, weif! ber neue Äaifer bie rrofcigen gorberun» 
gen jurüd. „3br tobten 4]>unbe," fo Idfit ibn ber Sprer 



56) 6c 3etunnf( von <3»bO~u« Jtit*rn,Ki*i(t?<f (8«< 
Ume»ti(d)rn übnUft von 3. St. 'S* i'nfe 1 o r t. WütHbtu 1862. 
8 ) Sud) VL dar. 24. S. 263. 'iUi^l. Joumie« SJiMiof von 
(ifbefu*. >rr «tiu fucitcftf Jtitctornbiiicrif« t . (Sinlritrnbt gtutmi 
»« 3. 3». tan*, in** 1866. (»ine b«r »idittaftcn DutUm 
fit Ml njd)ftf e l B e»K 3«It. 6«) TUoph**- Vol.1t. p. 366. 



Johanne« von ©pbefo«* 7 ) antworten, „wollt bem Ärmer» 
reiche J rohen! So wifit benn, ba§ uh eud) eure 3°Pf ( 
abfdheeren unb eure Aövfe abbauen (äffen will!" Secb« 
SDtonate lang würben hie @efanbten in l^halfffcon ge» 
fangen gehalten; ohne oie üblid^en @efdienfc febrten fie 
beim. 2!e« Äaifer« entfehieoene« Auftreten frappirte bie 
SBarbaren, fobafj fie vorldufig von weitem gorberungen 
«hftanb nahmen. Sie näherten fia> ten germanifdjen 
SBölferfdjaften, bie in Dafien fafien ; naibbem fie ftd; mit 
Pen grau fen vergüten, fehl o Pen fie fidj eng an bie 
Sangobarpen an. 3m SBerein mit tiefen vertilgten fie 
566 ba« @eptbenrei<b, unb al« bann Ulboin 568 ftd) 
au« Dem müften ^.(annonien aufmachte gegen bie ladjenben 
gluren ^efperien«, warb ba« ©epiben » unb Sanaoharbrn' 
lanb, ba« alte $unnenrrid>, ben verbünbeten Sarbarrn 
frieblid) eingeräumt, l^ine 9krmifd)ung re« Qafiarb« 
volfe« mit germamfd)en Elementen ifi un)n»eifelbaft; ba> 
ber bie wieberbolt beridjtete Sage , hafj Jangobarben unb 
«varen ftd) r-on pem ©epibenvolfe abgeiweigt hätten unb 
im @runt>e nur gepibifdje 6lan« gemefen •"). $wc Hb« 
runbung ibre« SReiwe« fehlte ibnen nur Slrmium, wo 
bie ®epiben längfi fdjon eine faiferlidje SkfaBung auf« 
genommen; 9onu«, ber feit 562 bie Donau hütete, lag 
bort mit taiferlirben iruppen. dpinterlifiig, wie fie von 
9latur waren, gingen fte aud) bie«mal vor. Sajan bat 
ben Äaifer um ^anbwerfer jum ©au eine« Aban'$a» 
lafte« unb ©abebaufe«. 3Ran lieferte bie Urteilet, bie 
inheffrn fofort baju verwanbt würben, eine ^oijtrücfe 
über bie Donau ju fd)(agen. $ll«balb erfd)len ein üvaren» 
beer vorSirmium, junäcbfi neue (Sbrengefdjenfe ju for« 
bern; ba inbtffen ©onu« fid) weigerte, biefelben — fo un» 
bebeutenb fte aud) fd)ienen, bünften fie bem Wanne bod) 
fdjndbet Sflavenfolb — ju fpenben, warb junädjft eine 
Schar von 10,000 jin«pflid}ligen .«uturguren über bie 
Save bin nad) Dalmatien lo«grlaffen, fie bort in ber» 
gebrachter 3ßeife (engten unb plünberten. Unterhanb» 
lungen blieben ftud)tlo«; ba« dteidb litt furchtbar, bi« 
man enblid) »70, nad)bem felbfi gan) Xbrafien von ben 
bunnifeben ©enoffen ber Sloaren beimgefud)t war"), 
nadjbem ba« an ber Donau ftebenbe Arn tue Sibcriu« 
geworfen, mit 80,000 ©olbflüden Inbut ben grieben 
unb bie ©unbe«aenojfenfd?aft ber ©arbaren erfaufte. 9lun 
fd)ien gTtebe, «übe unb Sfd)erbeit hcrgefieUt; felbft bie 
veirflärften ©efaenngen an ber Donau wurpen ver» 
rinqert — unb halb ftanb ba« Sanb auf« 9Ieue ben 
©arbaren offen. Unter üiberiu« II-, ber am 7. Sept. 
574 )um SMirrrgenten unb (Fdfaren ernannt warb, blieb 
ba« iMömerreid) tortmdbrrnb von Jlrieg beimgefud)t burd) 
bie je(t in ben ©orbergrunb tretenben, „flucbwürbigen 
Slawen unb bie lang bejopften «varen" **). gällt aud) 
ber erfie Sinbrud) ber Slawen nod) in bie Äegittung«' 



67) a. a. C. 68) Tk*>pKou*4 VoL L p. 146; Co^tant. 
PorpAyrvg. D« «dm. imp. cmp. 26 (ed. Bonn. Vol. III. p. 111); 
OWy. Ctdmtu Vol. L p. 601 u. f. ». 69) 3o(ana<« een 
(Jpl)(fu« a. j O. II, 30. 6. 73. „ddr .Rüdtra »urkra ai«' 
qerlüntrit, iit «Iure vcrn>üitrt." 60) 9t>rnba III, 96. € 120. 

i!im (toulfaraifd) {Chronlcon SyrUcum, od. O. Q. Kirtck. 
Lip.iM 1789. 4 ; ™». Ut. p. 94). 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 84 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



;nt 3ttjMnu6' II. , fo muffen wir bodj hier rinnt Aalt« 
punft matten, um un« bie 3uftdnbe )u vngegenwdrttgen, 
weldje toiefe eng «rbünbeten SReid)«frinbe in $ella« um« 
3übj 577 vorfanben. 

3) 3nncre 3»9änbc * r 1 1 cfj r ti I an»« feit 896— 577. 

%ir b:S:M fragmentarifdjt Siadnicblen jinb un« üb« t 
tu ivMmt Den ,£>eUa« wdbrenb birfn jwei 3abrbun> 
rerte ttefftn Qrnirbrfgung aufbewahrt worben. Unb rieft 
finb mrifl brr x'irt, bafi fte mehr bie geograpbifd)en al* 
bie bifiorifcben Sri bältniffe berühren. Um bin nid)t ju 
wiebnbolen, wa« bereits in bem geograpbiftbrn Ärtifel 
gefagt ift "), vnjicbte ld) gern auf eine weitläufige Hna« 
(nie brffen, wa« Hetbicu«, ber Sfnonumu« von wavenna 
unb $inofle«, ben gallmeratter mit Unrecht al« eine 
ganj unfritifebe unb wertblofe Duelle bejeiebnet, bn ab« 
erft in bre neuen «uflgabe von «Partbeij (Berolini 1866. 
H.) ganj nujbar geworben ij», barübn berieten, «hieb 
eine anbete nod) ungebrurfte Duelle, bie aber fpdteften« 
in ba« 9. 3abrbnnbert )u fefcen ift: „Deecriptio uni- 
verai orbia quae et mappa mundi dicitur" •*), be< 
gnügl fid) mit angabt bloßer Warnen unb ijt nod) baju 
im bödmen ®tabr vnbtrbt unb confu«. £eben wir hj« 
nur in bn .Rütte bie widjttgiifn SRomrnte hervor , fo ijl 
en befanut, tu» <?onftantin bn (Brofe bat »Hei* in vier 
Srdfrffuren tbrilte; ju ber ven 3lhjrirum geborten Mafien, 
Sannonien, 3H»rien, (Spiro«, Wafebonien , Ibeffalten 
unb Kd>aia. Sei bn Xbeilung, we(d>e nad) beut lebe 
be« großen Jbeobofiu« erfolgte, verblieben von biefen 
tfdnbern bie Dirkefen Mafien unb SHafebonten bei Dft« 
tom; leitete iimfafte ffd>« «on faifrrlidjen Praeaidee 
verwaltete Utovin^en: «cbaia, «Dlafebonien, Äreta, $beffa< 
Heu, Kit» unb Weu • Spiro« ; an bn Spifce be« ©anjen 
ftanb ber Praefcctua Illyrici orientali s . Tie Serwalter 
bn einteilten STOvinjen führten aud) wo! biet nur bir 
eigenen, althergebrachten Xitel, fo bn von flebota ben 
eine« Sroeonfut ober av&vxxnog. Die Notitia digni- 
utum *'), beten Hbfaffung in bie J<u Iheoboffu«' II. 
fällt, gebenft an bn betreffenben Siette aud) De« Pro- 
corum Achaiae, fowie feiner Unterbeautten unb Diener« 
fdjaft unb feinn (iinnabmen; fd»on bn frübne £naufl* 



61) 9*nt LXXXHI. «. 270—379. 63) 3n rintm 
Wanufcripl« ttt 16. UabrbnntfTt«, frubrt im Sfcfi»' brt Di. trefc 
in ^aaim, Kann ttt "3ncent< fen Santarrtn. Ti< gan« £l<llc (aalrt 
fol. In „In hoctift innt proTinti« larcdemoniR itlincvu attica 
hUtmo« »rh»i» ambadia. In buetla drltate« eraelea olimpia 
thi-hr «alc. In lacedemonia rifitaMa dalinia aulooea jadera. 
In lllirieo trograU dorratiao. In atica civiu» megara Achaia 
rtt intor linam illiricao et «inum chorinticqin. Kt h«o clri- 
Utea tiaa patrat eborinthna lacedemonia metoii» aigua; arebadia 
e*t in achaia. ProTintie macedosie qa« ineipit a itrimon flu. 
mine uaqa« ad hostia danubii flnmini«. Dalmatia elladaa epi- 
rua aiiata tratta eptrvea traialca. Ciritatea Karuro provintiaruiu 
sunt naartlaoopolla nicopolla atnpia tarlaaa agloa dimitri paai- 
ana conatanttnopolia «catoa teaaalonica atbene. Flnmini cem- 
•tantinopolim «trynion ot ebnu. In achaia Stent dno flarainu 
ynacu* et erinantaa. In laoedemonia eat mona olimpua ei la 
boetla aciocenunla." Stuf antra .•„• .■'.•:■*;■*,> Dnrtlrn N-t>ah,. 
|mjBmay b«t >m nad)M «»fdinitt ,«tä(f 63) ed. 



gebn berfelben , ftanriroli M ) , bat bie Kamen bn legten 
ihm befannten Sroconfuln )ufammen}uftellen vrrfud)t. 
£ i d: fridjt feinn bn von ihm genannten bie) ine) 4. 3<tb>*' 
bunbert binein , wäbtenb Södtng aud) auf) ber 3«t beeJ 
jünger ii 'JheoreriuG nod) ben 3anuariu0 '•*) unb {)ef«d)iu6 
(435) nambaft mad}t unb naebwrift, ba# :!:r 6i( ba6 
woblbefeftigte Jforintb gewefen ••). 9tod) frübn wirb von 
3ofimoö ein «nriod)o«, De« Sujinue) ftrrunb unb ®e» 
noffe, als twihWos 'EUädog genannt •'). Gin 
nid)tiget Warne, obne writne Sebeutung, watb bat) 
^toconfulat, wie efl fdKint, untn 3ufrinian L aufge* 
boben; bie neue Wilitairorganifarion btad)te wol von 
felbft bie Sbeilung bn gtö^etn ^itovinjen in fleinrre 
Wilitairbijrriete mit fid), an bnen i pipe ein @ttategr>« 
ftanb. 3n bem eigentlid)en ©tied>en(anb, oa« nod) vor 
Jufttnian von £ietofle6 al« eine einige ($vard)ie bc 
jeid)net wirb, gab e« vier Strategen, ben von ^teüa«, 
ben be« $eloponnefo«i ben von 9tifopoli0 unb ben bet 
ägeifd>en „Win ; fie rtftbirten )U Sbeben, .«orintti, Wifo» 
voli« unb auf 6amot). Hit fpdterhin bir <iintl>etlung 
be« Äeidje« in 2bemata '*) attffam — bieftlbe murce 
nid)t mit einem Wale burtfcgrfubrt, fonbetn entfianb gan) 
ctUmülig, wo rf ba« Sebürfni^ mit fid) bradjte; fo 
warb ibrafien nft (»79 tum übema nboben, naaSbem 
man ben Bulgaren ba« 2anb )wifd)cn Donau unb ^dmo« 
eingndumt — , blieb nad) wie vor ein Strateg ober 
Ureter an ber @pf(e eine« jeben, unb nur mi«brdud)< 
Ii lI 1 würbe gelegcntlid) biefen reinen üRilitairbeamten bn 
Uroronfultitel ertheili 6< ). Dafi aber bie 9leotganifarion 
ber Verwaltung, bie mit bn be« ^eerwefrn« fyinb in 
$anb ging, nur (angfam gorrfdmtie mad)t, baf cbenfo 
bie jabllofen Sauten io ), bie nid)t blo« eitle Srunffiidjt, 
fonbern bie Slotb be» 8anbe« bictirte, nur tbeilwrife 
vollenbet würben, liegt auf ber £anb. Wodjten bie 
Snbenungöjüge bn Sarbaren aud) bauptfddjlid) bie 
nörb(id)en Urovinjen treffen — Dvrrbad)ton war utmeiji 
ber füblid)fte tynnU, ben fic eneiiten — , fo ballen bod) 
nad) fllarid)'« Villi? niebnwnfcnbem (einfalle bie Seilte« 
fabrten ber Sanbalen gegen bie SBeftfüfte be« verarmten 
Urioponnefo«, wie bn (finbrud) ?f)eoberid)'« in UbetTa« 
lien (482), bn Sulgarenjug gegen bie $f)eraiop»len im 
3abrr 540 aud) ba« eigentliche £eUa« fwtver l)rimgefud)t. 
Daju fam ba« faifnlidx (SrfvarungöfnPem , bei bem 
bie «tuniripien jum Sefien bn ^auptftabt unb bn ?an« 
bedvertbeibigtina ganj btfonber« berangejogen würben. 
»Sa« in ben $nwinjen nod) einigermaßen wie 8utu« 
an«fal), watb abgeftbafft, bamit man in bet »tfiben| 
ptajten fönne unb (Delb für bie au«wdttigen Kriege habe; 
Den Uommunen würben immn brüdenbne cafien, fo bie 
Unterhaltung bn $anbe«vertbeibigung, aufnlegt, unb 



64) «d. Genera« 1633. fol. p. 165—166. 65) Cod. 

Theodot. Lib. IX, 1. lex 3. 66) VUnt* Ub. VI, 28. 

lex a 67) Lib. V. c. 6. p. 251- 68) Sregl. ben gfejia. 
rfiifcbrn Ii«il 6. 305 fg. 69) So in brr 'Anftfioloflu r»}f V«5» 

feillaml nlnraetö» xataaräoimt ttf itbilclbte« rem «rpiraibrt 
N-i CoiMtaa». forphyrog. De ecrlmonlia anlae Byaantina« 
U, 52 (ed. Bonn. Vol. £ p. 727 m£ 701 »in MlWlM 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



85 



— (I PERIODE VON 395—1204) 



baneben arbeitete ber Ä0e« centraltfirenbe Äaifer nur fear» 
auf bin, bie lebten Sefte muniripaler Selbftänbigfdt ju 
brechen T '). 9te(iatöft llnbulbfatnfeit, mehr noch finan» 
üillf Raubgier, fotten ben Äaifer brftimmt haben, auch 
bem VaUabium von H«Ua«, yltben, bie traten beißnifeben 
Erinnerungen ju entn>fnben, bamit fürberbin in bem 
moblorgantfuten ofrrömifcben Volijeidaate alle pbilofopbi 1 
fd>en Schwärmereien verdummten, unb Alle* fid) vor ber 
im Dienfie be« Dc«pori«mu« flehenben Vfaffengcwalt 
beuge. SBäbrenb bie Sea)f«fcbulcu in Gonftantinopel 
unb Vervto« blühten unb gehegt würben, bamit fie an 
bie Siede ber grieebifeben Wunidpalrccbte ba« ben Ab« 
icluti«mu« fancrionirrnbe römifdK Jlaifcrreajt featrn, ir>ur« 
ben bie «Hefte be« Hribtntbum« im ganjen Äfidje »er« 
folgt unb foweit Ibunli* ausgerottet ; fo namentlich in 
Kr Hauptftabt unb in Anliocbia. Daneben galt $eüa0, 
•cm't unbeachtet, al« ba« $anb, in rem bie Hinneigung 
}u ben alten Olvmpiern unb ihrem heitern Gullu« troQ 
aller Sebrürfungen unb Verfolgungen noch nid)t au«« 
gefterbrn, galt ntt)en al« bie Stabt , von ber noch immer 
(ine Cppofuion gegen Die Alle« niveQirenbe @cwalt be« 
Äaifer«, gegen ben Alle* erftiefenben Iiutf be« Äleru« 
ausgeben rennte. Hc legten 3u<funa,en be^HeUcnentbumft, 
bie legten SteminiÄccnjen an bie jeritobeue grribeit mufften 
befeirigt »erben, 2Ba« bie arianifdjen ®otben an natio« 
aalen (Erinnerungen, an bedenifcheni Hriltatbum ubri 9 
^etaffen, fiel bem ganati«mu« ber ortboboren JTircbe jum 

Schon Alarid>'« §otbtn hatten bie Sationalgöttci 
ber H fU "enen ^erRört. ffiar ein grofjer Ikcil ber ©ebil» 
beten Idngft jum Gbdfientbum übergetreten, fc war ba« 
gegen bie Waffe be« Volf* im Anfange be« 5. 3abr* 
bunbert« trofc aller faiferlicben Verbote unb Srrafanbro* 
bungen bem alten stauben treu geblieben, unb hatte an ber 

tabfuebt ber faifrrlidjen Statthalter, bie gegen beftimmte 
aren betbnifd)« Opfer geftattet, bie hefte StüBe gefun-- 
ben. greilich fiarben nad> unb nach bie alten heiligen 
»räuebe au«; an bie Stelle ber gefrfpiele traten bar-- 
barifche n anfl,t,ur f HalMfn mit W*W °t>fcöner 9Kimif, 
bauplfäcblid) von Änaben aufgeführt, unb Sbierbeßrn. 
Die olwnpifcben gefie hatten wol fdjon mit bem £obe 
.Kilian'« ein Gnbc gefunben; ber Armenier Varajtab 
foll ber leftte Dlvmpionife geroefen fein Tt ). Dann verbot 
394 Jtaifer Xhtobofiu* I- offteicU bie frier ber Spiele; 
bamit fam auch bie bisherige Secfcnung naa> Olvmpia« 
ben ab 7 *) unb machte überall ber nadj fahren ber Sßelt 
unb ber faiferlicben 3nbidion Vlab. 3n anbern Stdbten 
behaupteten ftcb rool länger noch einjelne foleber aller« 
tingfl ber ursprünglichen feürbe nicht mehr cntfpredjenbe 
gefte; Verbote ber tfaifer Anadadu« I. unb 3ufii* 
nu« L, ber fie in «ntioebia verpönte, brtveifen iljre 



71) S-ttui 9m. £u(>n, Sir fiärttfdic *n>> büig«rlitt)f 93<t< 
fafiing M rimifdKn B»f idi* t>i< auf Kit 3eiUn 3nUiiiaii'<. 8<imfo 
1864 — 1866. 2 Vit., ne «bei übn tu cii)rntlid>( <Kri«btn- 
Inb — bei bnn nclprifdVn ÜÄanjt»! on Dn«Um — Ü4 »fitifl 
fvM. 72) Matt Ckortnentü III, 40 (tli«t. d'Anninle, publ. 
pir fe VaiUant dt Ftoriml. \tnit 1841. 8- Tom. IL p. 97). 
73) Ctdrtma Vol. L p. 573. 



längere gortbauer. Sonft hatte ba« flrenggläubige apau« 
be« Iheobofiu« ba« ÜJcöglichfte gethan, um bem Solfe 
von apella« felbfl ben »nblid ber alten aufgegebenen 
® ötter ju entjichen; man hatte bie ?Jd utenreife be« 
Vbibia« au« Athen unb Cfumpia entführt 7 *), ben tflre«' 
tempel ju Äthen geplünbert unb wa« fonfi ber 9!uf- 
beivahrung iverth unb foftbar fchieu, burch ben Vatrfder 
Vroflo« au« §cU.i* fortfcblrppen laffeu, um bamit Die 
Hauptfiabt ju fchmürfen. Sa)on CFouftantin ber @ro(je 
tvar ihm mit feinem Veifpiele vorangegangen; alle einiger« 
mapen bebeutenbe Stäbte be* Seich« hatten ihr Gontin» 
gent )u ben Denfmdlem firllen muffen, mit benen er 
bie neue Äaiferftabt am S3o«poro« fo vnfchwenberifd) au«« 
ftattete. So n>ar «then, ba« ber SophiÜ «thenäo« al« 
rJp» kafiXQ<näTip> nöltmv xaaöv öxöauf b Zeie &va<pcä 
vu, fchon jur Jett be« flrfabto« faum ein Schatten mehr 
von beut, rva« e« einftmal« gemefen Ti ). Sbnefio« '•), ber 
)rvei j.tbre nach Vllarich'o Einfall Athen betrat, verrvünfcht 
in rhetorifchen glo«feln ben Schitf«rapitain, ber ihn hin« 
geführt. „SOian prahle mit antifen Samen, mdhrenb auf 
ben Strafen nur Honigfrämcr ftd)tbar; ba« ©anje gleiche 
bei abgezogenen Haut eine« Cpfertbier«" 77 )> Schon 
lange vor ihm hatte V^ilofhato« über bie burch tbrafifebe 
unb pontifebe Sölbner in ber Stabi vrrurfacbtr Spraa> 
venvirrun^ geflagt, rvährenb er von ben umliegenbcn 
Dörfern rühmt, bafj fid) in ihnen noch ber atrifebe Dia« 
left in urfprünalicfjer »einheit erhalten, «ber fo unbe« 
beutenb ba« «then be« 5. 3abrbunbert« mar, noch immer 
galt e« al« bie Stabt ber Vbilofopben; mochten auch 
au« feinen Schulen nur pebantifebe SBortflaubrr unb 
rabulißifcbe Sachwalter hervorgehen, immer febien e« 
noch ba« Gentrum ber daffifcb'betfenifcben, in „heiß' 
nifeben" Vilbung '•). ffiaren aud) jur 3'<t Ih'obo« 
ftu«' II. Wteopag, Hdiäa, ber SRatb ber 500, ber ©e« 
richt«hof ber Gifmänner unb ber Ixl zliXtptvim verdummt, 
ber Same ber Jheömothelen , Archonten, Vo(emard>en ? *) 
verfchwunben , fo nahm ba« regfame Voll Alben« bod) 
noch ben lebhafteften Antbeil an feinen Vbilofopbenfcbulen 
unb verhanbelte mit gleichem Gifer, al« wenn e« gälte, 
bie «vichtigden Staatsangelegenheiten enbgülrig ju ent« 
fcheiben, wegen ber SBatjl ber von ber Stabt ober vom 
gi«cu« befolbden Sophidm, OJrammatifer unb Shetoren. 
VartdFdmpfe aller Art blieben bei [eichen Gtdegenheiten 
nicht au«; ba inbeffen fcblicfilicb tie Vedätigung in ber 
Hanb be« faiferiiehen Vroeonful« lag, blieb fein Wittel 
unverfucht, um biefen für ben einen ober anbern Gan« 

74) Omry. Cedrauu, De *igni> Cnnulantinopolitania («d. 
Bonn.) p. 47 ««!■ ilktjl. üb<tNupt «. Safaalr, Ttt Uut.t 
gan<) tf« ^.-lUiiie-nme. Wind)» 1864. 8. 6. 112 fo. 76) <8«Tgt. 
». «. totbb'fo. ¥<ittj,i« iui Oeidndjic ut ®tb<utunj Wtfim« 
(von Hiaie ti» juftmian). <Srrnian«br 1864. 4., rinc r.;dst «bie 
Mib«it. i« brr attr dir V*lliflrn'i*m ^crfitiungrn ronftoit fonmrt 
ttxrtfn. 76) EpirtoU« ed. Ntwgmrgiut. BmIIom (1668) 8- 
Up. 136. p. 436 »eq. 77} <fc oMh> tiotnn al »*» 'A»jvai 
»Iftrb* ilX ij tu xliiru tut xn>e«* omSfuna, xeri xa&orxte 
Uftlov MHtf/ayfUTov rö tifjta Itinnai ]rrmf/</>a rov naUti 
xort £eiov, ovtwi «. r. 1. 78) Vrrgl. '«(tnharM). OJrimbrii 
ttt firtf*.(dKH SiKiatur. 9h. I. >:alt( 1852. 6. 566 fo. 566 fo. 
79) Thtodortti epiteovi Cyri 'Ell^rixinr 9ifanrvTinii xa1h)iiu- 
tttv ÜMf. IX rifun («1. SekuUt. To«. IV. P. IL p. 980). 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 86 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



bibatrn ju gewinnen, fobafi juweilen S3tftecbung am 
ftcbcrfxcn jum 3'rie führte. Xaraal« trat e« einer Xodjter 
fttben«. Die ebenfo febr purdj Sdjcnheit, wie bur* töil« 
bung gldnjte, brfd)ieben, ben Aaifrrtbron )u bezeigen. 
Uttbenaifl, n>ie man fie nannte, n>ar bie Xcnfiter bc« ybilo- 
[opbtn Seontio« *°) (nad) flnbern .gtrraflito«), gleich bem 
SBater im £eibrntbutne erjogen, baneben claffifa) unb 
philefopbifcb bodjgebilbet, wu benn von ben Xöcbtcrn 
ber «tbener noch im 13. Jahrhuntert gerühmt warb, 
bap wiffenfdjaftlicbe Stubien von ibnen mit gang befon» 
berer Siebt betrieben würben. Der SJotcr "•), überau« 
rrid> mit ®[ürf«gütern gtfegnet, batte in feinem Xefia' 
ment feine btiben Söhne Salcrio« unb ©enefto« ju 
Univerfalerbrn ernannt, ber Xocbtcr aber nur ein Scgat 
ton 100 ©olfcfturfeu audgefeftt, „ba bat ©(Ad fd)on 
fie höher bebtnfen werbe, alt» irgenb fonft ein Sffieib." 
Sergeblid) befebwor Sltbrnaid bie ©ruber, ba« väterliche 
53rr mögen, wie e« fonft Sraucb, mit ibr gleichmäßig \u 
(heilen; bie Srüber hielten feft am Wortlaute bt$ Sefto 
uitnta unb wiefen bie glcbrnbe fort au« bem fßaterbaufr. 
(Sine mütterliche Xante nabm ftd> ber SBerwaiften an; 
mit ibr ging fie nad) Gouftantinopel, wo ihre« SBater« 
Scbwcfier lebte, um am Äaiferbofe ©ered)tigfeit ju finben 
gegen ber Srüber ©ewalt. Xle Xante in Gonfiantiuopcl 
pellte fie ber «Regentin Pulcheria vor; ibrt btrtbte Älage, 
ned) mehr ibre «Schönheit unb Sieblicfcfeit, cntiütften bie 
Slugufta in fo hohem ©rabe, bafi fie biefelbe bei ftd) 
behielt, ja balb ftd) überzeugte, baß für ibren faiferlicbeu 
trüber in ganj $ella« feine paffenbere 23ruut ju finben, 
al« bie Xocbtrr be« üßljiloi'opben. 3m (Sinverfidnbnijj 
mit ibrem greunbe, bem allmächtigen 3Rinifter $aulinu«, 
bejrimmte fie ben ©ruber, feine 4?anb ber Sltbruerin ju 
reffen, fobalb biefe nun (FbriAcntf>unt übergetreten unb 
ibren beibnifdjeu tarnen mit bem cbrifilicbm Subofia 
veriaufd)! batte. «m 7. 3uni 421 warb fie, 20 3abrt 
alt, bie ©emablin Xbeobofm«' II., am 2. 3an. 423 
jum Slang einer «ugufta „Welia Sicinia (Suboria" er» 
boben. So batte tut be« «atert «bnuug erfüllt. «1« 
bie habgierigen ©rüber von biefem plößlieben ©lüde« 
mecbfel Jtunbe erbielten, fdjlug itjnen ba« ©ewiffen; 
(Subofia aber ließ beibe unter fteberem ©eleit nacb <Son« 
ftantinoeel fommen. „$dltet ibr mid) nicht fo übel be* 
banbelt, fo fäfje ich nidjt bier unb auf bem Xbroue," 
fprad) fie ju ibnen in verteibcnbem Xouc ; bann warb ®e« 
nefto« »um flkdfecten von 3Huricum, SSaleriano« jura 
Magister militiae ernannt. <5o lange (Subofia auf bem 
Übrone fa$, war ti ibre rifrigfte 6orge, bie 9tott> ibrer 
alten ©laubenägenoffen, ber grieebifdjen Aeiben, fowie 
ber 3uben im 9leid>e \u linbern , modjte aurb ber fdjwadje 
©emabl mebr bem tictaterifdjen «uftreten ber fanatifd)» 
ortboborrn 6d>wefter folgen. «u.b auf bem Xbrone war 
(Subofia nidjt auf Utofrn gebettet; im 3abre 444 warb 
bie «ugufta, bamal« 43 3ab" alt, naa> 3erufalem ver< 



80) 90ol btrfflK m ju birfer 6tcUc intn tigmes ©:Ufn 
i-urd) ktn Clvmmebcie« (nj* >(|fc* Hngab«, «d. Bona. p. 460) 
i'HiHtt H'.h: 81) Xi« DueUrl bei Mut all a. a. C f>. 32; 
bcfsatrtt Malala» p. 363 «4 



bannt, angeblid) wegen einer romantifd>'fabelbaften Siebe 
ju bem bejabrten SKintfter itautinud ; wabrfd>einlid) burd)< 
freujten ftd) nur ju febr ibre unb VuKt'cna'e Vrbend< 
anflehten unb Sejtrebungen. (Sie, bie ftetd ben beib> 
nifdjcn ^bilofovben bolb blieb, hatte wol nia)t $ulcberia'6 
Hoffnungen in vollem ÜRa^e erfüllt; anftatt ber intri« 
guanten Aegeutin ftet« gefügigee ffiafjmg )u fein, batte 
fie nad) erlbftdnbigfeit geftrebt, vielleicbt felbft bie über« 
mütbige 6d>wdgmn auö ibrer SD?ad)tftellung gu ver< 
brdngen getrachtet. 3n ber SBrrbannung foü fte bie 
Aomerofentra gefa>rieben baben, eine au* £omerifcben 
Serfen jufammengefteate $af|Ton«gefa>id)te, al« bereu 
Sßerfafferin fie inbeffen nid)t mit voller Sicherheit bejetcb» 
net werben barf; im 3abre 455, fünf jährt nad) fem 
üobe bed frblaffen ©emahl^, bem fte eine einzige gleid)> 
namige Xochter geboren, befdjlofi fte ju 3emfalera ihr 
vielbewegted Sehen, bie erfie fltbenerin, bie ben Jfaifet' 
thron grlbeilt, Sorlduftrin zweier anbern, an beren eiurr 
wenigften« febwererer OTafcl haftete, alfl ber gemi^ un> 
gegrünbetc Vorwurf unbefonnena Siebelei mit einem 
©raufopf. «fflafl «tbenai« für bie ÜJaterftabt getban, 
un» im Ginjelnen unbtfaunt; ben angeerbten £afc ve« 
©emabl« gegen bafl 4jribentbum unb „Sthreiberthum" 
bat fie wol nad) Jtrdftcn \u paralvfiren gefudit ; bap e« 
ihr nicht vollfidnbig gelang, bafür bürgen ein neue« 
faiferiiehe« Sbitt gegen bie Anbetung ber alten ©ötter 
vom 3abee 423 unb bie Sludraubung Sdbrne, bie l*nt- 
führung feiner JtunitfcbdBc burd) ben faiferlfd)en ©emahl. 
Xod) bulbete man in Snjanj aud) nad)ber bie in Slcbaia 
fortlebenben Reiben, wenn fie bem ^>cfe ober bem 
jtaiftr gar Xtenfte erwiefen; ein beibnifeber (wol eher 
iübifcbrr) Sqt 3acob, eheufo berühmt burd) literarifcbe 
Jlcnntniffe, wir burd) praftifebe Erfahrung, warb 462 
in bie £auptftabt gerufen unb heilte glütflid) ben fieber» 
franfen Sto L 8 *). Xod) wenbtn wir un« jurücf ju ben 
mbilofopbenfdjulen Sllbtn«. 

Olompioboro«, ber felbft ?Itben befudjte, flagt » s ), 
bap bort bie ^auptfacbe in bem geremonlel bei «uf» 
nähme neuer <Dtitg(irbrr unb unrrquicflid)en Streitigfeiten 
über bie SBürbt be« Pallium« grfuebt werbt, fowie in 
reichen Scbmaufereien, welche bie 9teuaufgenommtaen 
ju (Ihren btr 5l5orf"ttber ber Schulen, ber fogrnannten 
Akromitae, ai veranftalten hätten, — ein frJblagenber 
kernet« für ben Serfall be« 3nfiitut«. Xod) wirb un« 
nod) au« biefem 3abrbtinbert tiue nid)t unbeträchtliche 
Slnjabl bervorragenber ^bifofophennamen genannt* 4 ). 
Xer fleißige Sachare«, Sthüler be« ^erafleon au« Silben 
unb Sruber be« ©rammatifer« Xio«foribe«, geno# nid)t 
unbebeutenben JRubm al« Sopblft; er bilbete ben (lu* 
fttpbi««, «fterto«, Superiano« au« 3faurien unb ftih' 
lao« au« SRvra, ber erft nach 492 ftarb. ^lutarcho«, 
be« a ceftorio« Sohn, war bi« ju feinem 431 in hohem 
«Her erfolgten Xobe Sorfieher ber ^(atonifchen Wa< 
bemie; Svriano«, be« '^biloreno« Sohn, warb fein 



82) J/ar«//.»« Omm a. i. O. v. 294. 88) «L 

Bonn. p. 461. VA) !ö<r S l. Ch»ton, P.Mi Roauai. Vol. U. 
P. 315 ^. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 87 — (l. PERIODE VON 395 — 1204) 



Sadjfclger, überlebte ihn jebod) nur wenfge 3abre; 
Icmninre unD ber Armenier Davib, ber Uhilofopb, wer» 
Den unter feinen Schülern, n>ie ^ierofled unter betten 
feinet SBorgängrr« genannt. Vlber viel bebeutenbrr war 
fein Nachfolger "Jlroflo«, Die legte 3><rbe ber atbenifeben 
Schule" 4 ). SBon Iofifd}en «eitern 410 in Genftantinopel 
geboren, bilbete er fiefj tunäcfcft in Aleranbria unb fam 
Mnn 429 nad) Äfften, wo ihn fein cantrtmann Stifolao« 
wra TOnra am Aafen empfing, unb er bie Sorlefungen 
De* Spriano«, »JJlutarcbo«, Üachare« befuebte. Wegen 
90 Jabre ftanD er ber AfaDemic vor; ftanDbaft blieb er, 
obgleich febwer beorängt von bem a n Jti«mu« ber (Sbriften, 
Cent alten QHauben treu; ja er jog fogar nad) Shpbien, 
um bie borrigen Hellenen bei Der Religion ber iBäter ju 
erhalten. Cht ftarb im April 486. Jablrticbe Schriften 
hinterließ er, über bie man in bem literarbiftorifdien 
2 heile bat Wabrre fuebrn mag; unter ihm bilbrten ftcb 
flmmonio«, De« ^ermia6 Sohn, Ulpiane« and (Doja, 
Agapioo au« Athen unb Warino« au« Dein fvrifeben 
Neapoli«, au«gejeicbnet al« Watbtmatifer, De« tfebrer« 
Nachfolger auf bem JfatbeDer. Daneben wirb 3tnoboto« 
al« «JJrofeffor ber »^bilofopbie genannt. (Sin anDerer 
(sebüler De« »JJroflo« war *ßamprrpio« "«), ber, au« 2bf 
ben in Aegypten gebürtig, nach Athen fam, um ftch von 
tem „großen »4-lroflo«" in ber titfern ffleiflbeit unter« 
richten ju laffen , bann bie jiäbtifcfte *Jlrofeffut ber ©tarn» 
matif erhielt unD Dort viele 3abre lang lehrte. (Sine 
ihm von Jbeagene«, einem angesehenen Athener, jnge- 
fügle SWeiDigung bewog ihn, fein @lüd l Si 1 in <5un< 
itantinopel ju fuchen, wo er balD bei bem allgewaltigen 
s £tinifter .Kiii« in böcbftrr Wunft ftanb. *.ßamprrpto« 
war £eibe mit ?eib unb Seele unb machte auch in ber 
Äjiferftabt fein Jhebl Darau«. Aber bei bem Sofft galt 
er für einen äSabrfafl« unb 3<"<berer; babet würbe er, 
al« fein ©eid)ü&er nach 3faurien ging , auf 'Seranlaffung 
feiner Leiber unb auf »eftbl ber Äaiferin Serina au«» 
getrieben ". nach mun< herlei Abenteuern enbete er 488 ") 
cjewaltfam )u ^apvrion burch bie 6anD De« 3Hufl, ber 
ittbft halb Darauf ju Srlrufia enthauptet wart. AI« 
De« SWarine« Schüler wirb 3fibore« au« Aleranbna 
(um 500, grjt. vor 526) genannt; von ihm (ernte Da« 
ma«fto«, von biefem Simplifio«, fdjriftftrllenfcb bebeutenb 
gleich feinem SBorgänger, Der lehte „®toßmeifter" De« 
9euplatoni«mu«. Ob beibe legiere freilich noch in Athen 
eine entfprecbenDe £ehribätigfeit fanDen, ift böchft frag« 
lieh; eher möglich, Daß fte anDerewo ein günfiigerrt 
lenain auffuchten. Denn ju ihrer 3eit hatte ba« 3n< 
ffitut in Athen ftch ganj überlebt; an bie Stelle frei« 
©eiftc«"»twirfelung »ar ein jämmerlicher Äaftengeift gt' 
treten. Unb nun fam 3uftinian I. mit feinem Alle« 
nioellirenben De«poti«mu« unb feiner finanziellen $(u«< 
macherei. Alle Staat«gtlDet würben eingebogen; Daher 
Da« SBetbot öffentlicher Spiele; baber fein (linfcbrfittn 
gegen bie beibnifefcen <JJbilofopbenfcbulcn Athen«. An^ 



86) Marinut, Vit» Prodi ed. Btimmain. Lip«i»e 18U- 8. 
8fi) MalrAu. ed. Bonn. p. 270. 87) OurUen tri Uurah 

«. «. O. P 104. 



geblicb **) hatte er nach Athen , wo ja auch iuriffifche 
Stubien betrieben würben, ebenfo wie nach Servru«, 
feine neue ©el'e^fammlung gefeftieft, wo! weniger, Damit 
Dir bortigrn ^bilofopben fir prüften, al« Damit fte fein 
römifche« Stecht annähmen. 2Bie weit biefelbe Dort An< 
flang fanb, wiffen wir nicht; Dagegen berichtet $rcfo' 
pio« ••) al« Sewei« Der unen'ättlichen ^abgier be« Äai« 
fer«, ba§ er fogar „Den Aeritrn unb Sebrern Der freien 
Äünfie Da« jum £eben «othwenbiae entjogen habe." 
3ft Dabei auch Alben nicht gerabe fpeciell genannt, fo 
läßt ftch bod> fchon au« biefer Stelle fcbliepen, Daß Da« 
(Srfparung«f«ftem „ju fflunften Der ©efefHgung ber Iber« 
moppten" ohne 3wtifcl aua> bie $hilo|opben Athen« 
betroffen f>a t ; bejoa bod) jeber Der Dort angrftrtlten ^hi> 
(ofopben nod) ein Jahrgchalt von 1000 tjtalDfrürfen *°). 
Aber v IRa(a(a« *') fagt un« au«brücf(id), Daß im 3«hre 
529 w ) ber Jlaifer ein (Sbict nach Athen gefanDt habe, 
be« 3nha(t0, Daß Stiemanb bort fürbtrbin ^hilofophie 
lehren, nod) Die tjJrfepe au«legen folle; er h«tre eben 
Dem JJanDe unD Der Statt fein neue« @efepbttd) auf» 
gejwungen. Unb Damit wurDen bie Sajulen ber ^ßbilo= 
fophen Athen« gffcbloffen , ^ellenenthum unb Reiben« 
thum erfriert Wit ber Aufhebung ber Schulen bat 
®ibbon juerfl febarffinnig genua bie von Agathia« •*) 
berichtete JReife bet flehen griedjlfihen ^bilofophni nad) 
^erfien ermbinirt. Dama«fic« ber Spree, Stmplifio« 
ber Ailifier, (Sulamio« ber $btpgier, $ri«fiano« Der 
SnDer, Ajermid« unD Diogene« au« $bönifien uno 3ft* 
Doro« au« ®aja, Die Slütbe ber Damaligen $hi(ofDphrn, 
fo erzählt er, fühlten fich (al« Reiben) unbefriebigt Durch 
Die bei ben Körnern berrfcbenDe Üehre von Gtatt. 3n 
bem ffilauben, Daß e« im Striche Der Werfer bei weitem 
beffer fei, unb baß fte bort ben $(atonifd)rn 3bealftaat 
verwirf licht finDen würDrn, begaben fte ftcb nad) ^Jerften; 
Die griedjifchen ®efe$e hatten ihre ®ewiffen«freihrit be« 
fchränft, im Striche 3uftinian'« fanben fie nicht länget 
bie frühere perfonlicbe Sicherheit. Salb genug aber er« 
fannten fie, wie wenig ba* 9teid> De« großen J?bo«ru 
Dem geträumtrn 3beale entfpredje: Diefelbe Uitterbrücfung 
De« Schwachen Durch ben Stärfem, Stäuber unb Diebe, 
@raufamfeiten atlrr Art, (Ehebruch bei $3ielweiberri. Auch 
.fthoSru felbft war nicht ber neue Warf Aurel, ben fte 
in ihm geflieht; vergeblfcb Iud er fte ein, in feinem 
£anoe ju bleiben. Ungefäuntt entfchloffen fte fich jur 
ä^eimfehr; lieber nur noch einmal ben griedjifdjen BoDen 
betreten unb bann fofort fterben, al« Dort bleiben unb 
Der böcbften (Sbren tbeilbaftig werben, war Ihr fflabl« 
fprueb. UnD Da ,Üho«nt balb Darauf (533) mit Dem 
Äaifer ^rieben fchloß, wurbe au«Drüdlich fefigefr(t, Daß 

88) Joanne» MaiaUu p. 448- *H; Aneedüta cap. -£\\ (ed. 
Bonn. Vol. III. p. 143): ,,tovs /«rpotSg rt nai Si&aexixlovi 
xAv IXtvQtaim ta\r avayuaiayv tfrtoiiat^oi nrwoitjxi." 90) 
I lammt:,,., Vit» Icidori btl Phaliut. Bkblioth. p. 346; Suuta$ 
«. T. nidxmr. Öl) Joannen Malalai p. 4SI- 92) 3» 

»■(in nämlKhrn 3optr i'rftiitr Ut beitig« «<n<Mct auf Mcnic 
(SofSno t'Rlcn ned) übrigen Tempel »poIli>'« ua» arinbele 
an beffen «teile ta« treliirriiintic Jtlollet. 93) Lib. II. 

e»p. 30-81: ed. Bonn. p. 181. »er 9 l. «a(o«lt a. e O. 
€■ 142 fg. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 88 _ (I. PERIODE VON 395—1204) 



fte ungebinbert in ihr Skterlanb brimfebren unb frei 
benfen uub glauben bürftrn. Horb auf bem £eimwege 
faben (ie ein entfc6lid>e* Sdjaufpiel, ben von ^»unben 
jerßeifebten Seidjnam eine« SMutfcbänber« auf offenem 
gelbe (irgen ; ba« le&te Silb, ba« fte au« bem unwirtb' 
lieben Skrbarenlanbe mitnahmen. 

dt iß nid>t unwabrfcbrinlicb, baß biefe Sieben bie 
testen Sehtet bet aufgehobenen Spulen ju »Iben waten, 
obgleich bie« nirgenbwo mit SJtßimmtbrit angebeulet iß. 
Daf fie ihrer Sibfunft nad) fdmmtlid) «ftaten waten, 
ßebt bem nirfjt entgegen ; eingeborene «tbcitcr hatten wol 
in ben lebten Seiten bort nut fetten ben Jtoibrtet ein» 
genommen, unb ba« öcifpicl be« «egvpter* ^amptepio« 
neigt eben, baf» aud) afrifanifebe fflneeben bort lebeten; 
ja bie Samen be« Tamaöfiod unb Simplifioö motten 
wol mit jicmlttber IBeßimmibeit barauf binbeuten. 

Daß bann 3ußinian füt ba« materielle 5BoIit Athen« 
wenigßen« foweit Sorge getragen, ran et bie ®cfeßigung«< 
werft bec Slftoooli* .'enteilen ließ, iß gewig; (ag au.fi 
bie Stobt „ber SBeifen" ihm, bem Slawen, nicht weiter 
am fierjen, fo wat fie boefc ein *u wichtiger ßrategtfcber 
*ßunlt, um gänjlicb vernadjlctfßgt ju werben. Surtiu«**) 
irrt wol nicht, wenn er gegen 95if<brr'« unb SJurftan'« 
Behauptung bie fogenannte SJalerianifcbe Stauer, weldje 
tiefe ber granfenjeit juweifen wollen, unb bie vom Huf« 
gang ber «fropoli« junäcbß nad) Horben gebt, bann 
beim (Hvmnaftum be« ^tolemäo« (ober bet Stoa be« 
«ttalofl) ftd) eßwärt« wenbet unb enblid) beim liege* 
neion wieber jur Slfropoli« jurüdfrbtt, für ein 5B«rf 
3ußinian'« ball. Unb baji ferner von bem orlboboten 
Jtaifer aud) bort mit ben Ueberreßen be« .^eibentbumS, 
feinen lempcln unb (Sötterbiloern ebenfo grünblicb auf' 
geräumt würbe, wie im übrigen (Hrircbcnlanb, barüber 
rann fein ^tve-.fel obwalten. Die beUenifd)en lempel 
würben in d)rißlid)e Jtird)en — wie biefe fpdter in tür-- 
fifebe *DIo«fcen — vetwanbtlt unb djrißlicben ^eiligen 
unb SNdrtvrern geweibt. Um aber bie le&lern bem Solle, 
ba« nod) immer im Stillen um bie tobten ©ötttr ttauerte 
unb wol etß langfam von bet woblotganißrten .£>ie< 
rardjie gehebelt warb, näher ju rüden, fnüpfte ba« 
irbrißentbum aud) biet, wie überall, an bie autifen 9?e* 
mini«cenjen an unb fubßituirte ben beibniftben (Mortem 
unb <£>eroen bie entfprrdjenben (Heßalten au« feinen bei« 
(igen Sibriften unb Ifegenben. So warb ber >j?artbcnon, 
ber jungfräulichen üßada« i]>au«, ber Jungfrau fflaria, ba« 
Clvmpicion bem erlöfenDcn ®ottr«fobnc, ba« 'Ihn in- 
tern Dracbrnlöbtrr St. @eorg geweibt- Unb wie benn 
bat) SJolf von Silben ßet« jum Di«putircn geneigt war, 
fo traten an bie Stelle ber pbilofopb'fcbcn Dedamationen 
balb religiöfe 3Bortgcfecbtr ; Webereien famen bort auf 
unb würben befdmpft; bie Sefte ber Iritbeiten batte 
bort balb barauf, wie in Äorintb unb «Rom, bie eifrig* 
ßen unb jablrridjßen «nbdngcr »»). 

Damit ftnb unferc 9iacbricbten über ba« Sltben be« 
8, 3abrbunbert0 erfd)ö>ft; fo bürftig ße ßnb, Tonnen 



94) Hmiitr et«i« I. 1%'ti.r.qfti 1863. 96) 3 »bau tu« 
»cn »pbtfu* a a. C. V, 2. 6. 197. 



wir f.e nod) immer nid) nennen, im Vergleich, ju bem, 
ma« und aufter ben Sarbarenßürmen gegen einzelne 
geßungen über bie anbern bellenifd)en Stäbte berichtet 
iß. 3<b abßrabire babei vorläußg von ben 33ifd)cf? 
finen, bie meiß bem tarnen nach an altbefannten 
Stdbtcn bafteten, wenn aua) bie witflid>e bifrböflidie 
Stellben) ßd) bie unb ba auf ein vrrobeted Dorf ober 
eine vereinjette Slbtei befcbrdnfen mcdjte. SNan bielt in 
biefer 93ej(iebung fo )db feft an ben rlafllfeben SHemini» 
feenjen, baj felbß Stdbte, bie Idngß verfd)ol!en waren, 
burd) bie an ße ßrirten S3ifd)of*rileI wieber au« ber 93er 
geffenbeit rjervortaudjten. 3m Uebrigen wiffen wir, bap 
im Dtloponnefo« neben *Patrd ••) alt wichtiger 4>afen 
Wctbone genannt wirb; tt war bort eine faiferltay 
glortenßation, freilicb nid)t immer am beßen verleben, 
wie benn gu 3ußinian'6 Seilen (534) bort 508 9?ann 
von bet gegen bie SBanbalen beßimmten Krmee in Bolge 
bed elenben verborbenen Proviant« geßorben fein fol< 
Im* 7 ); ber Keß erreichte glüiflfcb bie nddifte Station, 
ben 4i>afen von S^^ntbo«, unb von ba au0 Sirilien. 
Slud) beO 6ap« SKalea unb feinet Stürme, wie ber 9lru< 
ßabt (Aänopolid) am Xdnaron, wo gleichfalls ein wich- 
tiger 4>afen, wirb an berfelben Stelle gebaebt. Jtorintb 
gebenft um biefelbe Seit banfbar befl Äaifer« unb be« 
ffiictorinu« **), ber wol bort alt faifet(id)et Statlbalter 
gebot; wol erß bem folgenbm «hfebnitte bagegen geboren 
ber $atridu« 3anuariu« unb ber „erlaubte" Doraeßitu« 
Paulöd an, beren 'Hamen auf einer 3nfcbrift im 4jofe 
einet) J$m. 9totara0 ju lefm ßnb, alt) Stifter — jeben« 
fall« irgenb einer Äirdje * v ). Der Srfe^igung Stegara'O 
burd) ben (iemet) Diogenes iß bereit« oben gefacht wöl- 
ben. Hu« .Iterfvra liegt un« eine alte 3nfd)rift au« ber 
Seit fefl Jtaifer« 3ovianu« vor '), ein Voblicb auf hm 
ortboboren Seberrfdjer, her ba« unter bem Jreibenfer 
3ulianu« neu einbringmbe $<ibenthum vemid)tet; in 
ber JTloßerfirdje ber Saatgd ju 3tbafa liegt ber fflrab» 
ßein eine« Wönd)« 3ofef , ber wol in biefe Seit geboren 
mag*), geße (bronologifdje Angaben fudjen wir faß 
immer vergeben« in ben un« erhaltenen griednfehen 
3nfd)riftm biefer qjeriobe; ob in bem t>. ober 7. 3abr» 
bunbert bie Jtirehe^ be« heiligen ©torg ju ©ortvn auf 
Jtreta unter bem Seriniariu« Higiliu« mit 9eibüfe bt« 
3oanne« unb ^>ellabio« bergeßellt fei *), iß nicht ju 
entfebeiben. Sagegen läfit ßd) bie eben bort vollenbete 
geßung mit Stiherbeit bem J,:bre 531) juweifen, ba in 
bet berreffenben 3nfd)rift 4 ) nidjt nut bet ^roconful — 
ber Xitel beßanb all'o bamal« nod) für bie 3nfd — 
Ültiliu« unb ber @T)bifd)of Jheoboro« genannt werfen, 
Tonbern aud) au«brMid) tc« «vpion gebaebt wirb, ber 
im hefagten 3abre ben »amen be« «onful« trug. SBeiter 



96) Oagl. M«rolt , am 3<*rt 546 p. 190. Sa»fi «tgiliu« 
u-c-ijtc t«rl Un Statimianu« jaro Vii'Acf ven 9tar«ntia. 97) 
Prwyj/iiM, De belln Vandatiro I, 13 (ed. Bonn. Vol. I. p. 367 
seq.). 98) Ootckn, C. I. n. 8640. 99) Cftuta n. 8824- 
Tic 3»fd)nft n 86-20 grfrfttt fidjft in t'm viel fp4l»t< 3eit, ol-. 
aitira R( -.ti v.-Uö in tit Üto'< I- fatirn foll. 

1) ateuba n. 8608. 2) tjtjtnea n. 9437. 3) tR.»nba 
u. 8835. 4) «b'nta n. 8636. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 89 — (I. PERIODE VON 395—1204; 



miautet 9tia)t6 übet bie tellem|d)en Statte. Semadv 
Idfftgt von Svjanj, »eil ben barbarifd)« 9terbldnbcrn 
nod> unerreichbar, unbeachtet, weil arm, jefctra fte von 
ben Grinncrungcn großer Vergangenheit, unbelümmert 
um bie 3ufunft. «k fr bie folg/nben Sarbarenftürme 
foUten neeb tiefer in ba« beUentidje (eben einidmeiben, 
al* bet »fdffifdje ülutoftat 3ufh'nian I. gewagt; fd)on 
unter feinem Steffen unb Seadtfolger fotlten fie bie gort' 
eriftenj be« SRomderreidje« in gragc fteden. Xie Gentra« 
Iifining«pc(itif bet faiferlidjen : roten erntete, wa« fte 
aefäet ; 3at)rbunberte lang erwehrte ftdi ihrer bie apaupt« 
flabt, ba« „bpjantinifdje Svjanj," wie man« wol im 
Vergleich mit rem „attifetten Ü(tf>en" nennen barf; allein 
eine $rovin) nad» ber anbern warb ron ber Äeftbenj 
losgetrennt, unb be« weiten SJömerreiweö Herren wur» 
ben tie tttranifdjcn unb flawifdien Sarbaren. 

IL «bfdinitt. 

Sic €la* tn ,infil!e in ©ricdicnlanb (577-807). 

1) Ben Si»«rU«H an bie auf nie Stuntc |«tf»M 
«co « >t» 3iauricr« (577-716). Qni»itfcla»3 be« 
t&njantinUinu«. 

99c 6 bei (ebjriten 3ujiin'0 Ii., im britten 3<tbre 
ber '3WitTegentfa>aft Xibenu«' II., 577, erfolgte ber erfte 
arofje (Sinbrudt flawifd)cr Völferftdmme in ©rirdienlanb. 
jobannc« von Spbefo« *) er;dblt, bat bamal« bie Sla» 
»inen ganj $cda«, bie tbeffa(ifa>en unb mafebonifeben 
Vrovinjcn burrbjogen, viele Stdbte unb Surgen ein« 
nahmen, überall verbeerenb, plünbernb unb fengenb. 
„Sie bebcrrfdjten ba« 8anb unb wohnten barin 
frei, wie im eigenen. Xat bauerte vier3ab,re lang, 
fo lange ber Äaifer mit ben Verfem friegte (bi« 582) ; 
baburd) bauen fie freie« (spiel im üanbe, bi« ©ott fie 
binau«warf. >re V(ünbaung«)üge gingen bi« jur 
dufterften SNauer; alle faiferlidjen beerben würben er' 
beutet." DaraadJ tonnte man ftfciicpnt, rap jur 'fcH, 
öl« 3obannc« feine JMrcbcngefd>icbte fdjrirb, alfo 584, 
bie Slawen wieber au« ben 9ieid)«lanbcn vertrieben 
waren, führe berfelbe nid)t fort: ,,Si« heute ftften unb 
mben fie in ben römifd)rn Vrovtnjen, ohne Sorge unb 
gurd)t , plünbernb, morbenb, brennenb ; fte finb retd) gc 
worben, befteen ©olb unb Silber, apccrbeti von SKotien 
unb viele äöaffcn, unb fte baben gelernt, «Jtrieg ju 
führen, beffer al« bie iKomdcr." 3m Uebrigen fdjilbert fte 
berfelbe Scbriftfieller al« einfdltige Seute, bie meift nur 
2—3 fflurffpiepe fübren unb ftd) au« bem Verflerf ib,rer 
Sffidlbrr mit: in bie offene gclbfcbladjt wagen. SRenan« 
ber gebenft für»*) beffelben ßreigniffe« ; gegen 100,000 
Slawinen plünberten bamal« nad) ihm Ibraften unb 
viele« anbere ?anb; aud) $clla« wirb (nad) einem an« 
bern gragmente) 7 ) von ihnen vcrroüftet, ohne bafi ber 
Äaifer bei ber äffenge feiner grinbe an Abwehr benfen 
fann. 3>aber mufi >hannc«, Vtäfect von 3Uvricum 



6) e. o. C. VI. c. 25. p. 266; »erat, «anb a. a. O. 
6. 168. 6) p. 827 (ed. Bonn.). 7) p. 404: „ «»aito^Vi}« 
rijs 'ElXäiot i*i Z«i«r(Jij»»»." 
*. ff«« n. ».».».*. 9r(u c«.i, L LXX X V . 



unb ben 3nfeln, ben Seiitanb Sajan'« anflehen, ber mit 
00,000 Ovaren über bie X>onau in« Slawenlanb ein» 
bringt. Seine ©efanbten, bie (Jrgebung forbem, werben 
auf 3?cfcM be« Xaurcntiu« (wol Xevrat), Häuptling« 
ber Slawinen, nieberp,fniad>t. Äis« diaebe verwilfiet er 
alle IBeiler unb gelber ber geinbe, bie ftd) vor ihm in 
SBdlber unb ßoflen gefliidjtet, unb raubt, wa« ihm 
in bie jpanb fouimt. <ft fwfft babei viel Wölb )u erbeu« 
ten, ba ja bic Slawinen ba« benachbarte 3tömer(anb 
grünMid) au«geplfmbert. «ber bie greunbfdjaft jwifdjen 
5B»jan^ unb bem Jtban ift nur eine trugrrifdje. 3m 
3aljre 57*J "), nadjbem er burdj feinen (Defanbten Sargt« 
te« 80,000 @o(bfiüde üribut vom äaifer erhallen, 
ruftet er ftd) angeblid) jur Verfolgung ber Slawen, bie 
feine ©cfantten qemorbet unb ibm ben fd)ulbigen Tribut 
verweigert. ^n\i*eu Singibon unb Sirmium lagert ber 
Jltjan unb beginnt mit £ilfc von Schiffen, bie von ber 
Xonau mitgrbrad)t, eine Srücfe über bie Save fcblagen 
ju laffen. Seine Küftungrn enegen ben Verbad)t be« 
Vefebl«bat>er« von Singibon, Setb; auf feine Vorfiel' 
lungen erwietert er, bap fein 3"8 lebiglid» ben Slawen 
gelte. (Sr protejtirl bagegen, bap man ihn al« geinb 
be« SReidfe« anfebe; „fjabe er bod) obne ?el>n viele 9Wv 
Haben ©efangene, bie et ben Slawen abgenommen, beut 
Äaifer jurürfgegeben." gr ftbwört bei feinem ©Ott 
unb auf bie Vibel, ben Sau ber Vrüde nid)t fortjufefcen, 
fall« man feinen ©efanbten freie ^affage burd) ba« 9teid) 
geffattej bie« wirb jugeftanben, reo(bem aber rüfttg 
weiter gebaut. Xeuilia) genug erfennt ber Jtaifn bie 
v'It'Hrfu ber Varbaren, bie wtd)tige ©rcnjfeftung Sir» 
mium, bie man jüngfl erfi ben ©epiben abgenommen, 
vom Verfebr mit bem übrigen 9frfd}c abjufd>neiben. £a 
bie Stabt nur eine fdtwaaV VefaBung hatte — uiit t al« 
ob man ben SBarbaren traute, fonbern weil ba« £eer 
im Cflen gegen bie Verfer im gelbe ftanb — , würben 
Unterbanblungen angefnüpft unb ©efdjenfe gefpenbet; 
aber bie (Smwrbung ber b.eimfebrenben ©efanbten, bie 
irofr faifalid)er SebeJung in bie $dnbe ber Slawen 
fallen, regt ben 3«n ber Sarbaren auf« Hcu&crfle. SRit 
@ntfd)iebenbeit forbert er bie Abtretung Sirmium« unb 
entfenbet jugleiw feine wilben Sdjaren gegen ba« 9icid>. 
Xbrafien unb Xb.eile von ©ried>enlanb unb Vaitnonien 
werben von ben Ävaren verheert, wdbrenb nm biefelbc 
3eit bie Slawinen, iept im ^»erje" beren Verbünbete, 
in 3Uprirn unb Hbrafien einbrcd)en *). @in Verfud), 
ba« bebrobtr Sirmium }U cntfe(en, mi«lingt; immer 
neuer Succur« ftrömt bem .Hl- an \m, wdbrenb brinnen 
opunga«notb brob,t. Qrnblia) mu§ üiberiu« ben Hvaren 
bic Stabt rdiimen (581); bic Sefaeung unb bic Sevöl« 
ferung jicf>en ab ,0 ). iamit war ba« Sollwerf be« 

8) WmU p. 332 *eq.; Zcuarat Lib. XIV. c. 11 (Vol. II. 
p- 73). 9) Srral. /«im. Bielartmü Chronic.» (»rt Ktmnth 
U, 389 — 390). ttt SBcrfaffee teMe w>n 568—575 i« (Linflai. 
tiac»(l; rr rrlrj6nt aua) ttt £[a*rncinia(((« »ra 577. nmrntlidt 
Ur Vae^lintmiiia thrafifeSitr €(4btr, un» lift tu Ittatca iairn 
579 in Xhratien baufn — i'jüntar jener Sdbjug grgm bic &a> 
irincn. (»benba II, 388.) 10) 3o6annt« von HrJi'ü 1 « 
VL c. 30 - 82. €.261; Mtnander a. «. O. p. 424-425; Thto- 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



90 



(I. PERIODE VON 395 — 1204) 



•Heid)« äffaücn; Oftrom ftanb wieberum bot Sarbaren 
offen , bie immer ftoljer fta) geberbrnb, bie ungemeffen* 
f»rn gerberungen erbeben. 3m 3abre 582, bemfelben, 
in welchem Sirmium burch eine Jener«! .unft tu ©mute 
ging, beftieg Dtauddu« (582— 602) ben Jtaifertbron. 
Seine !Äea.ierung ift be«balb bebeutitng«voU, weil unter 
ibm ber |d)on lange vorbereitete Uebergang römifdjen 
SBefend in ben 39»j mtini«mu« fid) voiijiv,, 3nbent man 
bie gried)ifdje Sprache efficirll an bie ereile ber tömi* 
fd>en feftte, mochte man glauben, bamft jur bellemfcben 
divilifation jurürf »uf ehren ; aber ber 9Jame SRomäer, ben 
man einmal angenommen, blieb nad) n>ie vor. 3Hit 
einem grwiffen Stolte pg man itjn bem obfoleten 9ea* 
men ^dienen vor. Hui) bie römifebe Surraufratie be< 
bauptete fid} in alter SBeife; bedpotifcberDrutf von Oben; 
fortwährend (hgänjungen ;u ben beftehenben ©efepen, 
obne baß bamit ber !RedM0fiun gewadjfen wäre; bie 
Staat«mafd)ine nur von nrd)(id)rn yiurfftcbieu beeinflußt, 
fo »war, baß fd)en unter 3uftinu« II. UJräfcntation unb 
Qontrole ber böbern Sieamten in bie .£>anb ber Siifdjöfc 
gelegt MC (Sine Äriftofratie in Staat unb Äira)e trat 
bervor, bie fid) allmdlig al« privilrgtrfe .Uafte anfab, 
unb bereit crrlufivet Si$ bie SlUe« eoncentrirenbe ^aupt« 
Itabt warb. Dagegen mebrten ftdj im Striche bie fremb« 
artigen (Elemente; bie ©evölfrrung ber S9alfan«^albinfel 
begann fid) ju wanbeln. SJor »Urm waren e« bie fla* 
wiicben Stämme, bie nad* 3obanne« von IJpbefo* nod) 
584 in bem 3Wd>e feßbaft waren, unb beren weitere 
3li:3bebnung hier namentlich in« Sluge »u raffen ift. 
Dort) treten fie in ben njren 3abren be« SRaurieiu« 
nod) mrift gegen bie vorbringenben Slvaren tn ben 
Äintergrnnb. Bereit« im STOai 583 *') forberte ber 
üppige 93ajan (Jrböbung be« jährlichen, bereit« auf 
100,000 ©olbftude gefteigerten, Iribut« um weitere 
20,000 unb anbere ©efdjenfe. Da Slauriciud ibn ab' 
wie«, eroberte er Singibon, Hugufta, SJiminarium unb 
häufte mit geuer unb Sdjwert bi« 9n<f)ialium. 93er« 
geblid) fteUte ibm ber faiferlidje ©efanbte ©ptbiu« bie 
#eiligfeit ber Serträge vor; ber SBarbar pflegte mit Hiben 
ju fpielen. Die 9Jrablerden be» Gommentiolu« von bei 
©rößr unb £errticbfcit be« Sieicbe« erfdjienen nur lädjer- 
licb ; faum baß Sajan feine« (eben« fd)onte. „(fr werbe 
fommen unb bie langen 'SWauern fa)lrifen," brobte er, 
unb bie ©riechen, gewohnt, bem geinbe eher mit ©olb, 
al« mit Gifen ju lohnen '*), vedianben fta) jur verlang« 
ten (Jrböbung be« Iribut«. SBäljrenb neue Unterbaut" 
hingen be«balb von CHpibiu« gefebrt würben, kpte 
©ajan bie Slawinen, bie in ben 9torbprovinjen faßen, 
gegen ba« Seid). Unter Slrtagaft brachen fie in Ibra' 



t.kyla». Simoculta I, 3 («d. Uonn. p. 88 «q.)i fr^rn» V, 12. 
p. 431 (uhI*)* «t*lle mrift itrij auf br* i:, r ,,n,,, ven 677 ««. 

t<U\<t Vfitt). 

11) TheofAt/lacl. Simnntlla I, 8 — 6- p- 39 — 46; Thropha- 
mi Vol. I. p. 389 •«}.' Ctdrmut Vol. I. p. 091 *eq.; '/.marat 
XIV, 12. VoL U. p. 73 — 74. 12) Indoru» Hupairmi. 

CbronleoQ (bei Ronealli II, 459); C«>ntiou*tor Proiperi H»v. 
nieufl* bti 0. Htilt, De tuuünu«tore Proip«ri ». «41 Hnuienii. 
Bfrolini 1866- 8. p. 35. 



Ken ein unb ftürmten vorwärt« gegen bie langen dauern, 
würben jebod) von (iommenriolu« am gluffc @rginu« 
584 '*) beftegt unb genitbigt, ba« @ebiet von Mbriano' 
poli«, Gnftnum unb ben ®au Slfrifa ju räumen. liefe 
Stieberlage rd)te ten Sajan; wäbrenb fein ©efanbter 
Xargite« in ber ^)juptftabt weitere Steigerung be« In* 
but« bcanfprud?te, fiel er 586 unter bera «orwanbe, 
baß man benfelben alö ©efangenen beljanble, bagegen 
brn „fMbifajen" «Berfüb.rer etne« feinet lEBeiber auf. 
genömmen, in SWöfien rin unb gewann in funer 3dt 
bie ganje geftung«rribe an ber untern Donau : Äatiaria, 
»ononia, »fv«, Doroftnlon, Salbapa, »ßannafa, War* 
fianopoli« unb Iropäon "). «Sommentiolu«, in golge 
ber legten Siege jum Obergeneral ernannt, fanbte 40Ht) 
au«erlefeue Jtrieger unter (Saftu« unb Wartinu« gegen 
ibn; ber geinb warb bei Salbapa unb Icnti geworfen; 
ba aber (iommenriolu«, anjiatt weitere Serftärfung m 
fenben, ftd) nad) SNarfianopoli« jurürfjog unb ßafiu« e« 
unterließ, ben Ovaren ben iKürftug ahufd)nciben, würbe 
Unterer überfallen unb gefangen. Unb tviebet brang ber 
Jtban in Ibrafien vor bi« an bie langen dauern. (Sin 
fBerfud) be« (Fommentiolu«, ibn anzugreifen, fd)eitert, 
ba ein panifd)er Sdjretfen fein Aeer überfällt; bod) aud) 
bie Ovaren ergreifen plö^lia) bie glud;t. 3Nit Belage« 
rungflmafdjinen wobl verferjen, beftürmen fie 587 «p» 
piaria unb nehmen e« ein •»); fie bebro^en »errböa, 
3>iofletianopoli«, «Ubiüppopoli« unb Hbrianopoli«, wer» 
ben inbeffen bei legerer Stabt von 3oanne« 3H»f»afon 
3urü<fgefd)lagen. 

Sollten bie Slvarrn ruben, fo würben bie »in«* 
Pflichtigen Slawenftämme gegen Bpjant lo«gelaffen; fo 
fdjen u>88. 2>ainal« häuften naa) Simocatta ,B > bie 
Slawinen, bie er mit ben ©eten jufammenwfrft (tb .. 
rnuüov ravthv &' ilxtiv al töv ZxXafirpräv ayihu), 
auf« 9leue weit unb brdt in Ibjafien. gallmerapcr bat 
mit biefer «ngabe bie be« (Svagrio« ,r ) au« Gpipbanta 
in (Jölefvrien in Snbinbung gebrad)t, nad) weldjer ju 
betfelben 3rit, ba 8lntiod)ia burd) ein (Jrbbeben - am 
31. Cct. 58U l ") — bdmgefudjt würbe, unb ba« £eer im 
Crtent ben ©ermanu« tum ©egenfaifer prodamfrtr, bie 
Ovaren in« Meid) dnbrangen unb (naa) gallmeraver) 
„bie ganje gnea)ifcbe Sevölferung au«rotteten." Da bie 
Stelle be« Jtirdjenhjfiodfer« al« gunbament bei von 
bemfelben ©elcbrten aufgeftellten Slawentb/orie bient, 
ict'-i e« fta), biefelbe hier tu wieberbslen. „Die Slva* 
ren," woblverftanben nicht bie Slawen, „brangen iwei* 
mal vor bi« an bie langen SRauem unb eroberten unb 
fnediteten Sin<|ibon unb Ünd)ialo0 xal rqv 'Elkaba 



13) Thtophtlact. Simocattn I, 7- p. 4S-47; T\eop>> a *f 
Vol. L p. 891; Ctdrmu, Vol. L p. 692; '/.onanu a. a. C. 3n 
rtaigi-R vanrid>rif»<n ttt Iridonu a. o. O. imtn ti< Slatriaat 
mit Irm rogtn Wimm Hunni bfjrtdjiiH. 14) Thtaphylact. Simo. 
c<uia I, 8 §»q. p- 47 »«q. ; Thtophanu Vol. I. p. 395 <cq. 
15) Thruphiflart. Stmteatla II, 15 — 17. p. 100 — 104; £royn«# 
VI, 4; 'i'htopkanet a. a. C. 16) in, 4. p- 119; HfnL Eva- 
VI, 9. 17) Lib. VI, 10. p. 402. 'inuWi .tu: um 
frtili* frni tun $«lla«. 18) 9Un*a Lib. VI, 8. p. 460. 



Uigitizecl by 



GRIECHISCHE GESCHICHTE — ! 

axuvra xal xvQXoXovvTte, wdbrenb bie Struppen im 
Crient jrrfhtut waren." 3>aj» biet toic beiben Goaren« 
(Sir.fdlle von 583 unb 586 gemeint ftnb, nicht jener Gtn« 
6rud) ber Slawincn in übrafien, beffen nur Simoeatta 
gebenfl, liegt auf bet 4)anb. SBa* ijt aber unter £etla* 
iu verftebeii? Sbeffaiien, SDtittelgriecbenlanb etwa, wie 
gaHmeraner will ? Sie anbern jeitgenöffifd}cn $iftorifer, 
bte in (iuropa fcbricben, mclbeu nirgenbmo, ba$ bie 
Hvaren (ober gar Slawen!) bainal* fo roeit fübmärt« ein« 
gebrungen; vielmehr befa)rdnfen fid) beren Verheerung«' 
güge überall lebfglid) auf Jbrafttn. SRur Unfenntnifs 
Der ©eograpbie fonnte ben Sprer (Svagrio« veranlagen, 
nddjft ben befannten Stdbten Singibon unb SCncbtalc« 
nod) von „ganj .£>ella« nnb anbern S labten unb Sur« 
gen ju reben ; " entmeber bad)te er ficb unter $ella* eine 
Stabt ober Curg, wa* am rpatjrfdje tnlid)ften , ober er 
übertrug ben anrifen 9lamcn be* eigentlichen ©riechen« 
lanb* auch auf bie tbrafifcb»mafebonifd)en $rocinjen be« 
Stömerreitb«. Gbcnfo wenig ift an« bem ixoiXvvtts 
axavta xal xvQxolovvrte ber Sdjlufi iu jieben, bap 
bamal« ba« ganje $elIenenvolf von bieten „tcuflifcbcn 
Unbolben" ausgetilgt tvorben fei, fobaf autf) feine Spur 
von ben ^Kllcnen übrig geblieben; id) fann einfad) biefe 
Stelle nur fo vetficben, baü bie Ovaren „überall mit 
geuer unb Sebwcrt häuften," eine 9u«brucf«weife, bie 
aßen Sprachen gemeiufam ift, ohne bajj man barau* 
auf rabicale 9)eroid)tuiig eine« gangen $olf«ftamine* 
fcrjlicjien bürfte. 

3d> »erbe fpdter bei eingebenbcr 9e(eud)tung ber 
gallmeraper'fiben ^vpotbefe nod) einmal auf Qvagrio« 
furj jurütffommrn ; hier möchte c« aber frbon jur Gvi» 
benj erwicfen fein, ba£ biefelbe in jener Pagen «ngabe 
be« geograpbifcb febr fdjlecbt orientirten Svrer* — fall« 
bie €e*art übcibaupt nur richtig! — eine fehjr fttwadic 
Stü(e finbet. Jtebrcn wir jurücf ju ben Hdglicben Hn» 
nalen ber Drangfair, bie bat« bajantinifcbe meid) nod) 
weiterhin burd) SBarbarent)orben unter SRaurfciu« unb 
beffen SRacbfotgern erbulbrt. 

3m 3abre 591 rüftct bei Jtaifer gegen Sajan, 
ber feine SBcrbecrungra unabldffig fortgefefct, wirb aber 
burd) unglücfverfünbenbe 3 l 'i < b tn un ^ bie SSnfunft einer 
perfifeben ©cfanbtfdjaft abgelcnft. 3uglei<b bieten bie 
granfen ihre #ilfr gegen beu gemeinfamen geinb an; 
aud) Slawenftdmme tudjcn ben faiferlid)en Sdjup. Dar« 
auf rjin wirb bem Sajan ber Jribut gefünbigt; aua) 
werben bie bi*ber in Werften befd)dftigten Druppen nad> 
Dbtafien gejogen. 99ajan befiehlt ben ibm unterworfenen 
<S(aroinen, eine Srücfe ju bauen; bod> bie Sevölferung 
M 8anbe* bemmt fie. Ser &fyan aber (oft bie gefan< 
ejenen Stawinen au* unb jiebi weiter, um bei SKttfion 
eine ©rüde über bie ©ave ju fcblagen. 3weima( wirb 
fein Bortrab von bem Unterbefebl^babet 6alvianud bei 
$ro(tiana beftegt; aber er felbji bringt in Ibjrafien vor, 
beftürmt 0nd)ia(o< unb Drufipara unb fdjlägt 592 Ben 
Cberfelbbenn !ßrf«ru« bei ^eraflea. «eftterer wirft fid) 



19) Thecpkgi. Simocatta VI, 1-3. p. 241-24C; Theo- 
pkant* I. p. 412 i*q.; Cedrema I. p. 696; Zonarat «. a. D. 



| _ (I. PERIODE VON 395 -1204) 

in bie Surg Jjumlon; ©afan belagert ihn, jiebt aber 
auf bie ftadjricbt bin, bafi TOaurtdu« feine ® eiber unb 
Äfnber bebrobe, febteunigft ab *°). lied brnu^t tynecat, 
um 593 gegen Slrbagaft unb feine 6lan>incn ju jieben; 
er überftbreitet bie Sonnu, madu grofjc SBeute unb fenbet 
jablreicbe ©efangene jur ^auptftabt, bie iebod) unter» 
weg6 burd) anbere 8(awiuen befreit werben. SRit furd)f» 
barer @raufamfeit wütben bie Jtaiferlicben gegen bie 
Slawinen, bie man balb barauf, alt fie im ©egriff, 
auf 150 Sdjiffen ju entftieben, in trunfrnem 3ufianbe 
überrafebt, unb fe$t bann, ob^Ieid) am ^>ofe Idngft be* 
argwöbnt, feine €rrcifjügc über bie Sonau fort. Tie* 
tDliötratien gereicht ben @ried>en <um ©erberbrn ; bie ®(a» 
winen, vom Äban aufgebent, brechen wieber ein, unb 
man vergleich fid) nun mit 39afan; 5000 avarifrbe ®e» 
fangene werben freigelaffen ; bafür barf fid> baeJ^peerber 
©rieeben mitten burd) bie feinblidje etrmre nad) Druft* 
para jurürfjicben ■•). 3»o 3abre barauf plünbert ein 
J&aufe von 600 Slawen ©albapa, «M unb Sfupi, 
wirb aber von 5ßetni«, bem Stacbfolger be« ^ri*ru«, 
bei SKarfianopoli« niebergrmaebt. Xa« reijt ben ganjen 
©olfdftamm ju neuer ffiutb; fie bebroben bie ^aupt' 
ftabt unb plünbern unb brennen ringönm. Slrbagaft 
felbft aber überfdQt 597 ben Sorpofttn qSetnt*'; 10U0 
©rieeben, bie über bie Donau vorgebrungen, werben 
niebergemaebt, unb foramt aud) ber Slarocnbduptling 
balb barauf in einer blutigen Stblaebt um, fo bleiben bie 
©rierben bod) bie Seftegten. 3»g(eicb rüden bie 5Bul» 
garen vor gegen 9loed; mit ©e|d)enfrn mnf» man fie 
abfinben**); bie Hvaren, 100,0«) Wann ftarf, beflür* 
men Ibeffalonid), ba« einjig burd) ein 3Bunb*r feine* 
SdiuDparron«, be« belügen Demetrio«, gerettet wirb •»). 
Sffiteber übernimmt <Pri«ru« 598 ben Oberbefehl an ber 
9corbgrenje unb bringt vier Sagereifen weit norbwdrt« 
über bie (Donau in ba3 ©arbarenlanb ein; von Sdjiffcn 
unterfrüfct, treibt er ben geinb au* Singibon unb Idfit 
bie gefebieiften geftung*werfe b^rftetien. Unterbeffen per« 
beeren bie Ävaren Datmatien, wo bie Stabt Sanfei* 
unb vierjig ffiadbtpofien fallen * 4 ) ; nur fürte SBaffcnrube 
ift beiben Xbeflen vergönnt. SBcbrenb $ri«ru* ftcb in 
Singibon verfcbaiijt, wirb im ffiintrr 599 nod) Demi 
belagert, »m 10. «pril 600 fdiliefst q}ri*fu«, bem e« 
an Proviant feblt, einen öOtdgigeit SBaffenrttÜftanb; er 
taufd)t felbft mit bem geinbe ©e)d)enfe au<J. «dein bie 
erwarteten ^i(f«truppen unter (Sommentiolu* meutern 
au« «ngft unb jerftreuen fid); Drufivara fdttt in bie 
4>anb be« Äban«, unb wieber ergiejen fid) bie jabl' 
lofen Sd}aren ber geinbe, bie nad) ber Sage „ganje 
Ströme unb Duellen autftrinfen," über ba* unglürflidje 
Üljtafien. 3" ber {vaiiptftafct bie gemobnte !KatbIofig= 
feit; mdbrenb ber waifer bie langen Stauern befeften 



20) Tktopty. Simotatta VI, 3—5. p. 246 — 2S0; THro- 
phantt I. p. 4]5 »tq.; Ctdrtnu* I. p. 696; Zottara* XIV, 12. 
Vol. II. p. 78 — 74. 21) TheophyL Sinoeaaa VI, 6— 11. p.250 
— 267; TheopJuna I. p. 417 — 422; Ctdrtnu» I. p. 696. Ü2) 
Thtnphjl, Stnocatta VII, 2 — 7. p. 271 ieq. 23) Aeto 

Sanctoron , Octobr. die« IV. p. 143- »trat. » u t> i h g t r «. a. C. 
6 64. 24) TA»/.*»/. &»«.eo«a VII, T-13. p. 281 wq. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 92 



— (f. PERIODE VON 395—1204) 



laffen will, finnt t»ie Sevölferung auf feige gluctjt nach 
Pluifcbcn. Da rettet eine furchtbare Seud)e, bie im 
»varenh«re aufibriebt unb felbft bie Äinbtr befl Äban« 
wegrafft — ®otte« Strafe, »eil bie ©arbaren bie Äircbe 
be« Ijeiliaen «leranber ju Druftpara geplünbert — , ba« 
Seich. Der Ähan unterhanbelt wegen ¥lu«löfung ber 
®efangenrn — über 11,000 — ; SRaurieiu« jögert, bie» 
felbe III jugefleben ; etiblicb einigt man fidj tatjin, bajj 
ber Jribui um 20,000**) ®olbftürfe gefolgert wirb. 
Dagegen bleibt bie Donau ®rrnje; nur wenn ber Äaifer 
bie Slawin«, bie tamalJ 3frrien unb Dalmatien \hu\: 
fugten**) unb felbfi Italien bebrobjen, verfolgen will, 
foü e« ibm gemattet fein, biefelbe ju überfdjrriten. So 
enbete, jdjmdblid) für ba« Weidj, wie immer, aud? biefer 
«varenfrieg. «Hein ber griebe entfiel« fdjon in ber 
einen Sebingung, bafi ter Äaifer bie Slawinrn, bie bod> 
meift ben «varen jin«pflicbtig, in ihrem Vanbe jenfeit« 
ber Donau angreifen bürfte, ben 3uuber ju neuem Äriege. 
Da« faiferlichr £eer, aufgebest von Dem ebrgcijigen $1)0' 
fa«, betrobte ben Äaifrr mit JRebetlion. Die« mar in 
foweit günjrig für bte Ovaren, a(« bie robm- be« jtyjgan« 
mit 13,000 s JWann 601 einen 3treif,uig nach ber Üfceif? 
unternahmen unb gegen 30,000 „®epiben" niebermaajten. 
VlUein "JJridcu« vernichtete fäe unb beilegte felbft ben ju 
dbilfe eilenben Ätyagan; viele Taufend Ovaren, clawinen, 
®epiben würben ju ®efangenen gemalt. Dagegen er' 
litt Gommentiolu«, ber ju ihm nad) Singibon unb 
Siminarium jietjen follte, untenveg« auf ber Drajan«» 
ftrape bebeutenbe Seelüfte unb raupte enblid) frol) fein, 
oie Sittterquartiere in <Ub,ilippopo(i« ju erreicf.n. SNan 
batte anfänglich vor, bie ®efangenen al« Goloniften in 
ben veröbeten tbrafifd)« Stdbtrn anjuftebeln , bod) mußte 
ber größte Jbeil — 8000 Wann — auf bie Drohungen 
be« Ähagan« bin frei gel äffen werben 2 '). 3m ndcbften 
3arjre (602) rüftete ber le&tere ju einem «Racheiuge gegen 
Hbrafirn. Setru« vrri)ielt ücfj gegen ihn pafftv an ber 
Donau, wdtjrenb bei Unterfelbherr ®ubuin ben Strom 
überfdjritt unb unter ben Slawinen ein Slutbab anrichtete. 
$11« aber ba« faiferliaje $eer jenfeil« be« glufje« in 
geinbe«lanb überwintern follte, fam bie Idngft verbreitete 
3Rilitairrevo(te jum VluebruaV 81m 23. «Äov. warb ber 
fd)dnblia>e ^etat jum Äaifer gefrönt; ber erfte «et 
feiner «Regierung war bie Einrichtung be« «JRaurtriu« 
unb feiner fünf Söhne. 

®aren bie 3"tWnbe be« 5Reid>« fchon elenb genug 
unter 'äRaurieiu«, fo war bie Regierung feine« blutigen 
Nachfolger« (602 — 610) noch unglüdlicher. ganatiferje 
Crtboborie in ber Äirctje — ber Äaifer trug Rd) mit 
bem ®ebanfen, aOc 3uben im Seidje jum (Jb,riftentbum 
ju jwingen — , ®reuelfcenen in ber dpauptftabt, Se< 
brangnii von Sinsen . namentlid) burd) bie Werfer, bie 
ficb tu 9luträa>rrn be« ^Rauriciu« aufwarfen unb felbji 
bi« fcbalfebon vorbrangrn, uvft unb 4punger«notb be< 



26) 3<t W»< mi4 &i« an 7l«»>Ay/. Simocatia VII, 14 — 15. 
p. 295 *eq. Oeral. tagten Muralt a . j. C. p. 259. 26) 
S. Ortaorii Papat Epp. Lib. X , 36 (ed. P»ri«. 1705. M Tom. II. 
p. 1065 - lOfiS). 27) 7**opV. S.mocaltn VUI, 1 - 5. 

p. 313 »fq. S)rt<)l. tit inttn On»Ucn b«i Muralt a. a. O. f- 260- 



Irinnen bie aajtjdfjrige Aerrfa>aft be« Ufurpator«. Daf 
babei bie Staren uno Slawen nia>t müftig waren, lä^t 
fid) oenfen ; im 3at)re 604 «•) mußte ber Sribut wieberum 
erljöljt werben, bamit man nur alle Xruppen gegen bie 
Werfer aufbieten fönne. 3m Uebrigen fehlen un« bin» 
ldng(ta)e jeitgenöMlfaje 9{ad)ri(btcn über biefr 3ahr; ob 
Dalmatien bamal« gropeniljeil« fd)on von ben Slawen 
oerupirt warb, welche Serljeerungen bie Ovaren in duropa 
anrichteten, wdftrenb bie Werfer ben Orient b,eimfucr)ten, 
if) nirgenbwo berichtet. (Sbenfowenig erzählt un« irgenb 
eine Duelle ven ber völligen 33ernid)tung be« b,e(lenf|cben 
Helfe«, bie gallmeraper grrabe in biefer greulichen $tit 
burd) ben „fv|Jemarifcb,en 9}ertilgung«frieg ber «varen 
gegen bie ganje 3Renfa>beit" reü siehe n 1*5 öt ! 

(ftwa« beffer ftnb wir über bie lange «Regierung«' 
jeit be« braven, aber ob,nmäd)tigen fiwacliu« (610-641) 
beriebtet. ®dbrenb bie Werfer im Oflen eine Stabt nad) 
ber anrern eroberten, blieben aud> Slvaren unb Slawinen 
nid)t untbdtig. @ine furchtbare ^ef) batte eben 618 
ba« dieid) heimgefud)t, al« ber Ävaren« Äb,an bireet gegen 
tic 4^>auptPabt, bie ber verjweifelnbe Äaifer fd>on' ver* 
laffen wollte, um in ttfrifa ein 9jv1 )u fuchen, vorbrang. 
Aeracliu« befann fta), er jog mit faifer(idt»em $runf im 
3uni 619 naa> ^eraflea an ber $roponti«, um Unter' 
fjanblungen antufnüpfen; aber ba« ivar nid)t nacb bem 
Sinne ber Sarbaren. Sie überfielen ba« faiferlidfe ®e» 
folge, erbeuteten felbf) bie 9ieid)«inftgnien unb brangen 
unter furchtbarem Slutbab bi« in bie ?Rdt)e ber Jpaupt' 
jlabt. Mt Äird>en unb Dörfer ring«um würben jer« 
^ort; mit 70,000 ®efangenen febrte ber Äb,an in fein 
Sanb jurüd M ). Die golge biefe« Sicg«jugefl war dr> 
l>öb,ung be« Sllavenfolbc« auf 200,000 ®olbfrüde ; baju 
reidje ®efd)enfe; vier ®eifeln, unter benen felbfk ein 
Saftarb be« Äaifer«, Sohanne« Sftbalarid), würben ben 
Sarbaren gefteüt. 9tun warb ber ^erferfrieg mit neuer 
(Energie forigefeijt; bie Äircben mußten irjr ®olb unb 
Silber uir Sefheitung ber Äoften bergeben. Die erjten 
Skrfud be« Äaifer«, ba« Verlorene in Mfien wieberiu> 
aewinnen, waren nia>t ob,ne Ifrfolg; feit langer 3''* 
ftanb jum erften 5Ral wieber ein Äaifer perfönltcb im 
gelbe. Den 8varen«Äi)an hatte er nid)t nur burd» 
prompte Sributjahlung ju löbern gehofft, fonbern aud) 
fegar eine «rt verwanbtfdjaftlidje« Serbdltniß mit ihm 
eingegangen, inbem er ihn jum Sormunb be« Sbren* 
folger« ernannte. TOit gewohnt« Surfe brach ber Sar« 
hat fein fflort. 311« ber Äaifer gerabe gegen Äfjo«ru II. 
im gelbe ftanb, rüdte bei Äban, bennli* mit ben 
«ßerfern verbünbet, mit feinen ttvaren, flawifchen unb 
aepibifchen £ilf«truppen gegen bie lange «JKauer. Slm 
29. 3uni erfchien fein Sorfrab, 30,000 wohlgerüftete 
Ärieger, trefflid) mit Selagerungömafd)inen verfchen, 



28) Thtophant* L p. 451 ; Ctdremit 1. p. 710. 29) 
qufU« ko« i-cttif* aa<<lffd)inü(ftr ffi«tf ttt Otorgiui Pinda. B«l- 
Iura AtbHcud (*d. Bonn. p. 47 «-i . 3)aatfccit tu Sbren«« 
otaülKii Theopkanet I. p. 464 w.; Cednmu I. p. 716: Zona- 
rat XIV, 16 (VoL IL p. 82) i Gtwg. Ramartolut (ed. Muralt. 
P«*er.burg. 1»59. 8) p. 566. tut Conttouator Pro.peri H»v- 
nieuii (ed. Hille a . o. O. p. 37) MNl fS* Chunul. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 93 



— (I. PERIODE VON 395—1204) 



*or SMetanlia*. ®egen Tie tonnte ba« 9reid) nur 12,000 
Streiter aufbieten, tut ftcb hinter bie Wauem be«Ibeo* 
boftu« jurüdjogen, ben «nprall be« geinbe« erwartenb. 
SEäbrenb bic (JJerfer hfl in bie SBorfiäote von Gbalfebon 
bie 3t r $örung trugen, langte ber Jtban, brr bereit« 
Äbrianopel — bocb vergeben« — befiürmt, am 29. 3uli 
626 vor (Fonfiantinopel an unb berannte jwei läge bar* 
auf mit feinen Ävaren unb Slawinen bie $auptftabt. 
9tur oafl nadte feben foQte ben unglüdlitben Bewohnern 
verbleiben! «Seine Belagming«mafdnnen fpielten unauf» 
börlid); Schiffe foüten von ber Seefeite helfen; allein bie 
Brvölferung ber Keftbenj, angefeuert burdj beu wadem 
«Patriarchen Sergius, mad)te einige glüdlidje äuflfälle 
unb gewann bannt neuen SMutr). SRan regnete auf ben 
Seiftanb ber tfirfifeben tfhajaren, bie jugleicb ben Werfer- 
fonig labin legen feilten. Ii.- Slawinen, für bie eigene 
Sicherheit beforgt, jogen ab, unb bem Jtban, bem e« 
nod) baju an Proviant fehlte , blieb enblid) 9cid)t0 übrig, 
al« am 8. Slug. ihrem Beifpiele ju folgen w ). 9Hit ber 
S)robung, beim m'tdiften 3"S f &a« Berfäumte nacbju* 
bolen, 50g er ab; read nod) außerhalb ber ^Ringmauern 
unvrrfebrt geblieben, warb nun niebergebrannt. Ii* 
er hielt fein SBort niebt ; Siege be« Äaiferö unb Übten» 
revolution in Werften nötbigten enblid) aud) ba« in (Iba!' 
febon ftebenbe perftfebe £iIf«corpö jur Mäumung be« 
SKömerlanbe«. de war b« Sturm gegen (Fonftantinopel 
Per lefcte grofie jpeereSjug, ben bie »varen gegen ba« 
«Romäcrreicb roagten. 9lacbbem ber Jtaifer fiegreia) aufl 
Berßen btimgefebit, fiadfelte er bie febon halb ftaiviftr« 
ten Bulgaren auf jur Bertilgung ber SReid)«feinbe. 9tod) 
(Kitten bie 635 bie Ovaren viele griedjifcbe ©efangene 
in ibrem £anbe; felbft ein Scbrecfteifobn befl Äai'er« 
warb bamal« erf) lo«gefauft. (lOein febon erhoben u.t> 
Bulgaren unb Slawen, bie mittlerrpeile auf bem Boben 
be« Seid)» felbfi fejtbaft gerrorben unb bic für ben 
Äderbau — £auptbefa)äfttgung ber Slawen — günftig« 
ften Difiricte frieblicb eingenommen, ja felbft bamal« 
febon tbeilweife ftd) bem ßljriftentbum jugewanbt hatten, 
reie benn von ber Haufe eine« „JpunnenlönigS" fd)on 
619 bie fRebe iff, gegen ben gemeinfaraen Untrrbrüder. 
Jtuvrat, ber eigentliche Begrünbcr be« Bulgarenreidj«, 
eine« ÜReidifl, Da« fd>n bamal« überwiesene ftawifebe 
(Siemen te in ftd) aufgenommen, warb GZo jum Uatri» 
du« ernannt unb mit reichen Wefcfcenfen bebaebt, bamit 
er mit feinen <£>unnogunburen — ein 9iacbflang wol ber 
Cnoguren von 464 — , b. b. ben Bulgaren unb Slawen, 
ben Abagan angreife. SJor ber Uebermatbt ber Bulgaren 
unb ber (Einigung ber }inepflid)tigen Slawinen fiel ba« 
Ävarenreid) 5)ie langhaarigen Barbaren würben 
weftwdrte gebrängt; nicht (dngrt geinbe Cftrom«, weil 
buraj anbere SBarbaren befiegt, befdjrdnften fte ftd) auf 
ba« alte ©epibenlanb «Pannonien, bi« fte, als Ihafft- 



30) Georg. Pirida a. a.D. p- 69 »eq.; Ckronicon Patthal* 
(«i Bonn.) VoU L p. 715 »eq. (t<H i<*t « tt «fü«(l>« tft) ; 
Thtopkana I. p. 486; Ctdrtmu L p. 727; Georg. Hamar. 
tohu p. 867. 31) SuiAu t. t. "Jßa 9 if. ,,"Or» toi« 'Aßa 9 i S 
ol liolyaooi mnä xpvro: Soitjv ^«rt«»;" ttfnfo i. ». B6l- 
yaooi (au« Pritau). 



lo'fl II. gjerbünbete aegen Aar! ben Otogen bervertretenr, 
bem weftrömifehtn Aaifer erlagen. 3hre Ueberrefte ver* 
fchmoljen ftd) Wol mit bem uralifd)eu 9Jotfe ber oitgrier 
ober SKagaarcn, bie im 9. 3ahrbunbert Sltttla'fl alte« 
9teid) befe^ten, unb überlieferten birfen neueften dinbring' 
lingen bie alten bunnifdjen ürabitionen. 3n ben o|t> 
römtfdjen Sfnnalen verfapwinbet ber 9tame ber Sparen 
fafi vollfidnbig ; fpätcre Duellen werfen fte mit b;n Sla« 
winengern, bod) unfritifd) genug, jufammen. ^eiligen« 
legenben") gebenfen ber barbarifäicn "Oußgw, bie wol 
untre Sajan gegen Ziberiopoli« vorgebrungen unb, nach' 
bem fte siele anbere gricdnfdje Slabte jerftört, bort alle« 
35olf geme&elt ober ju Sflaveu gemadjt, aUe Tempel 
vertilgt unb aud) bie ®ebeine ber heiligen 15 üRärtvret 

Srftreut. «ueb bie flawifajen, natürlid) auf bvjantinifdje 
ad)rid)ten bafirten Duellen gebenfen nod) bunfel ber 
ftoljen, hodjgewadjfenen „Obren," weldje bie fpätere 
Sage mit bem bunnifeben dtiefen jufammenbringt, bie 
aber „@ott bi« auf ben legten Wann vernidjtet habe." 
Ifaher ba« ruffifd)e Sprüdjmort: „Sie ftnb babinge« 
gangen, gleich ben Obren, ohne 9tad)fommenfd)aft, ohne 
Grbt" 

i'fiuerf? warb ben S(awo>9ulgaren ju Ibeil. 9?ad> 
bem 93erid)te b<« bulgarifcben erjbifajof« 2heopb»laftofl '*) 
folgte auf bie Srarett ein anbere« 93olf, gefe$lo« unb 
roh, bie Bulgaren, 6ie au« Sfptbicn über bie Donau 
vorbrangen unb wie neue ®otteflgcijjeln ba« ®tiedjenreid) 
beftürmten. „Sie verehrten Sonne, 9Ronb unb Sterne" 

— alfo Sfabier, wie urfprünglid) ih« @efd)(ed)t«ge« 
noffen an ber SBoIga uno Aama, bie fpdterbin mit 
offenen .'innen ben jübifdjen 3J?onctheiflmua aufnahmen 

— „unb wußten %td)t« von (Sfirtfro. Sie aber be« 
fe$ten ba« gante i(Iprifd)e Sanb, ba« alte Wafrbonien 
bi« jur Stabt Üheffalonid), ba« alte Ihrafien, ba« heißt 
ba« iani um Serrhöa unb ^bilfppopoli« unb blieben 
bort a(« fcfibofie Snftebler. Xit alte 93evö(ferung weaV 
feite, au« ben Stäbten wanberte fte in bie geftungen 
unb uragefehrt; bie a^enen aber blieben ffarre Reiben 
tro^ bet Wohnungen ihrer djriftlidjen Unterthanen." 
3u vergleichen ijt bamit eine SteUe au« bem Seben 6e« 
Slawenbefehraö Siemen« laut beren bie Bulgaren 
„♦ßannonien, Dafien, JhtaKen, 3U»ricum unb ben 
gröjjera 'Ihr;! von Wafebonien unb 3 benähen " in Be< 
jt« nahmen. ®ewip liegt beiben Angaben eine gemein' 
fame Duelle ju @runbc; ba« „2heffalien" be« £egenben> 
fdjreiber« iji offenbar nur ba« theffalonidjer 8anb, beffen 
ber bulgarifajc Gabifdjcf gebenft. 



32) MaorvQio* läv nyimv ivS6£m U 9 ottovd%toi> u tu» iv 
TißiotovKÖlH fiaorvoTjaccvTav inl tf,t ßaniltias rov dwiai- 
ßovs lovlatrai toi naoaßatov, rj ßovlyaotnif inonfia(ofuvyj 
ZtoovfiltSfi, um Um »tjKfdief Stilen«« Jbwi^utaftc«. {Theo- 
fihgtatti [Bulguru« urcliiepUcoi il Opera omai* edd. Binetti »Ul. 
Tom. Iii. Vcnetiii 1758. fol. p. 477 Mq. cap. 27.) 83) 
Ae*for (ed. Hiklotich. Vindobonae 1860- 8.) L p- 6. «. 8; 
Co«ilctia JtTonaca-ct (ftn«^>ibr tfr jt*at'jjrapbifd|'n 4icm< 
mtfiion) ib etn Danioe coapaaw pyccKxw itromcelt. St. Peters- 
barg 1861- 4. Vol. V. p. 84 — 85. 34) a. a. 0. cap. 28. 
35) f&ti 8. ^ilfcrktn^. <it<fd|id}t( tre Crtbtn unb Siitgatdi. 
«u# bem 9tuffifd>ra. Xbeil I. (Valien 1856. 8.) 6. 8. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 94 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



Doch wo »arm tie Bulgaren, tote feil «nojtofm« L 
fo bebeulenb in bie Scfaidfale be« Sdinerreicb« ringe» 
griffen, feit 3uftinian L geblieben? Daß fie ben Äem 
jener flawiftrtm SSöIfrrfdjaftrn bilbeten, welch« ber Ober* 
beer, (er Slvarm»&ban, gegen ba« Sömerreich enrfanbte, 
fo oft e« ihm einfiel, nid)t fein eigene« Bolf in« @c* 
t ränge ju wagen, fann nid)t zweifelhaft fein. Sie Sla« 
winen be« C. unb 7. 3abrbunbert« ftnb bie wälurnb 
100 3at;re gemeinfamer .Knechtung im Slawenthum 
untergegangenen Bulgaren **), bie neuen Sfvthen unb 
äjunnen ber Bnjanüner, bie, nunmehr hinlänglich unter 
cinanber verftfamolzm, fo ungleichartig fie au* urfprimg« 
lieb, bie fremben «varen bejwingen, gleichwie vorbem 
Sanaobarben unb «baren verbünbrt bie ©epiben, unb 
Dothen, ©epiben unb Slawen ein 3ahrbunbert früher 
bie $unnen vernichtet. Wn bie Spifce ber flawifdien 
Bölfericbaften, bie feitbem auf Bmanj brängm unb fefte 
Söobnfihc ring« um ben .ftämo« fliehen, treten bie Bul« 
garen, nicht mehr ein luranifcbe«, fonbern ein überwie» 
ger.b antifcb«flawinif*e« ©efcfjle*!. 

grieblich fiebeln fid) ftbon unter {»eracliu«, ber bie 

S,an$li* entvölfertrn SScftlanbe neu zu colonifiren fuchte, 
[awifebe Stämme, theilweife gewiß mit utfprüngli* 
bulgarifcber Befmifchung, bie«feflfl ber Irr, au in Dal» 
matten, ffllafebonien unb 2btafien an. So bie bctbni« 
fdjen .Kroaten (Chrobati), cenen Dalmatien »«heißen 
warb, fall« fie e« von ben «toaren fäuberten. (Sin Sheil 
be« Bolf« verließ barauf hin bie frübnn Si&e jenfett« 
ber „Karpathen, morbete bie avarifebe Bevölferung unb 
ftebelte fieb nn. wenigften« jutn Sehein bpzantinifeber 
Cberherrfcbaft hulbigenb. »nbere flawifche Stämme, 
Serben, ließen ftcb in ben veröbeten 8anbftri*en 3h> 
nen« unb Antonien« nieber; fobaß atlmälig alle« 
£anb läng« ber Donau von Slawen eingenommen warb. 
Sur bie balmatinifcbm Jtuftenftäbte Sagufa, angeblich 
im 5. 3abrbunbert (449?) von ben vor ben Serben 
fliebenben ($pibaurieru gegrünbet, Spalatro, Iragur, 
3ara (Diabora) unb bie 3nfeln Ärbe, Beglia unb 
Cfero blieben in griechifeber #anb unb begannen erft 
unter Bafiliu« I. ben flamifcben Sacbbam ju jfafm. 
lieber bie politifeben 3uftänbe bitfe« Slawcnlanbe«, ihre 
Bennien, ihre Slumcipalverwaltung barf ich wo! auf 
Äonftantino« 3lerpbvrogennete« verweifen, ber in feiner 
Schrift : De administrando imperio ,T ) audfübrlifib ba» 
von gehanbelt hat. Bon Slawen in Spiro« unb Ibeffa» 
lien erwähnt ber faiferiltht Scbriftfleller fein ©ort; boeb 
ifi e« unzweifelhaft, baß auch bort unb in ber Umgegenb 
von Ibrffalonicb, tvo ein Servlia entftanb, zahlreiche 
Slawenftämme feßhaft waren. 

Ueberbaupt fühlten ftch bie Slawen in ben neuen 
wirtblicbm Siben balb heimifch; nn neue« (Fulturele« 
ment , ähnlich wie vorbrtn ba« germanifebe an ber Sorb» 
grenze, brang fomit in« Weich ein; aber eine völlige 



36) Stlht *tx Sulciürfn-Äfran an ttx $)rl«a tritto Mclek. 
»|.S»k)ab, „Stbn\$ in €lairfs." «jMunnt. 87) e»p. 29—36 
(*L Bonn. To». Iii. p. 136-164). Sflcr 9 l. Muraü «. «. £>. 
{um 3a(|tf 620. p 275 — 276. 



Qrädfirung beffelben war unmöglich, ba bie alten (Sin* 
wohner bort großentbeil« au«gerottet waren, unb ba« 
Banb, welche« bie Slawenhäuvtlinge an ba« Äaifm 
thum fnüpfte, ftet« ein äußerft lodere« blieb. 

Den um Sheffalonich anfälligen Slawenftämmen 
galt ohne frage ber gelßjug, ben Gö7 Jtaifer Qfcnftan« IL 
0341 — GG8) gegen ExXaßivia untnnahm"), unb ber 
mit SBegführung vieler @rfangener unb Uuterjoehung 
berfelben enbete. «ber unter ber unalüdlicben 9)egieruna 
feine« 9kcbfo(ger« Jtonjtantino« IV. $ogonato« (('169 
— 685) brnubten Slawen unb Bulgaren bie ®efabr, 
welche bie Äraber fcem Seich« bereiteten, )u einem wieber» 
holten Sturme gegen Sbejfalonicb ; e« galt ben SUm'ucb, 
auch bort ftch unabhängig ju machen. Der Siograpb 
be« heiligen Demetrio« »•) feft bie« Greigniß in bie 3rit 
be« (Srjbifcbof« 3obanne«II.5 mit ©ewißheit laffen ftch 
bafür bie 3abre 675 — 681 annehmen. 3m 3ahre 
675, a(« bie ä^aubtjlabt ihre vierte Belagerung bureb bie 
Araber au«halten mußte, verheerten jabllofe Slawen, 
auf Ääbnen im ägeifchen Steere umberfebweifenb, bie 
Xüften von Xheffalien, @riea)enlanb, Spiru«, 3Ubrien, 
bie 3nfeln, felbft einen Sheil Jtleinaften« unb rüfleten 
fieb bann, Iheffaloni* ju Sanb unb Steer ju belagern. 
S« waren bie Stämme ber Dragubiten (Sregovitfchen) 
unb Sagubaten (Safulaten), 9tatbbarn von $'beffalonid> 
unb Berrhöa, ber Belegtsten (Bjelefttfchen; wo! am 
pagafäifchen @clfe anfällig, Wo heute noch Belrftino, 
ber am meiteften nach Süben vorgefchobene Slawen» 
flamm), ber Berjiten (wol ein 3weig ber le$tfrn), ber 
Bajunttcn (fficjntt»'*en , vielleicht epiretifchr Slawen au« 
bem nach ihnen genannten Bagenetia [Bonibal unb 
anbere, bie fo plö&li* al« 9teich«feinbc auftraten. Stile« 
war auf eine fefie Cteupation biefe« wichtigen fünfte« 
abgefehen, ber gewiffermaßen unter aQen $läben be« 
Sorben« einjig ben Samen einer Stabt verbiente. tiine 
Staffe glücbüinge au« ben jerfiörten Donaufeftungen 
hatten bort ein Slfvl gefunben. Die Slawen fchloffen 
Sheffatonich von allen Seiten ein; in ber Stabt völlige 
BerftWriflung, biö ber Schu$hei(ige feine hilMcbe ä^anb 
barbietet unb bureb verfönlicbe« (hfeheinen bit gläubigen 
jur SBcbr ermuthigt, ben Barbaren Schreden einflößt. 
(Hn Sturm jerftreut bfe Belagerung«ftotte ; ber gührer 
be« SaubbeereC gbabon (dhotun) wirb gefangen unb 
aefteinigt; ber Seft be« Be!agerun9«heeTe« jerftreut fieb. 
3wei 3ahre barauf riefen bie Slawen ben jlvarrn'&bantf) 
unb bie Bulgaren ju ^ilfe; fie erfebrinen 677 unb be« 
{türmen bie Stabt auch mit SDtafcbinen , bfe geuer fcbleu' 
bem. SBieber rettet ber ^eilige unb bie tfnrfcbl Offenheit 
be« HqMfAoff i nach 30 Xagen ziehen bie geinbe ab, 
unb bie ©efangenen werben au«gelöfl. Doch trifft bie 
Bevölferung balb große« £eib bunt eiu (Srbbebm; btr 
Tempel be« heiligen Demetrio« brennt ab; 2 Stonate 
vorher war ber tapfere Berthribiger 3ohanne« II. ge» 



38) Theopkann l. p. 580; Ctdrntu I. p. 761. 89) Act» 
Stnctontn. Ortobr. dlei IV. p. 162 — 174. c«p. 168 — 198. 
Ocrgl. Taftl, De Tbetulonicjt eliuqu« agro. Bcroliai 1839- H. 
p. tXXU .eq. &. «Ufftbina o. a. 0. II. (1864) * 4 - 5. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 95 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



ftcrben. 9?ur fur»e griebenfljeit ift bem 8anbe gegönnt. 
I<r !J}räf<ct ber Staot befdjulcigt anbete in brt 9ldt>e 
betfelben frietolirf) angeftebelte Staroenftämme bct lluircut 
unb fenbe t ben «ßetbounb (*JJ«bub) , Häuptling ber 5Run« 
djinen (ÜRjajbanerY), bet frirblfd) in ber ©labt verfeljtenb 
überfallen wirb, auf faiferlidten Sefebl in .Retten naaj 
ßonftantinopel. (Sin gludjrverfudj enbet mit feinet St* 
morbung. <ll«l>alc vereinen iid> bie Sundjinen mit ben 
Sagubaten unD Strvmoniern (Strumjanetn, ben Sla* 
mrn am ustromon) ju einem SRadiejuge. 3w e ' 3al)te 
lang (678 — 680) fdjtiegen fte bie Stobt, in bet grafj« 
lidje ij)ungcr«netb entfielt, ein unb plünbern alle* 8anb 
ringsumher. 3»m Sntfa^ fenbet ber Aaifer, burd) 
aitbere Jtrirge brfchäftigt, nur 10 Heine Jtrieg«fdtijre ; 
»iebtr rettet ber .^eilige unb bie Uneinigfrit untet ben 
Slaroenftämmen , von benen bie 93je(efitfd)en feibft mit 
ben JtaiferliaVn halt«!- 3m folgenben 3abre 681 ein 
weiter «ngriff, wieberum burd) be* ^eiligen 3ntet»ention 
abgewehrt, unb bann 687 untet ber »tegierung 3ufit- 
nian'ö II. (685 — 605) neue ?Brrbetriing«iügc bet Wun» 
Amen unb bet ftrmnonifdjtn Slawinen, »ela)e griedjifdje 
Äanbel«fd)ift'e feibft bi« in bie *Proponti« »erfolgen unb 
Ration unb ^rofonnefo« verheeren. 

SJon aflen biefen Slaroenjügen gegen Iheffalonidj, 
twldje bie Uegenbe fo au«fübrttd) bebanbelt, beridjtrn 
bie bQjanttnifcprn ijofhiftorifer unb Shronograpben fein 
©ort. Sie battrn nur bie JReftbenj tm Huge, bie in 
ben 3abren 674— G78 alliäbTita) von ben Ungläubigen 
bebrcbt warb, unb faum war biefe ®efabr gefdjwunbtn, 
al« bie Bulgaren ihre Stürme gegen bie junäAft ge» 
legenen ?Promnjen erneuerten. Sie überfdjritten 679 bie 
Donau, widjen jurütf, al« Jtaifet Jtonfiantino« mit 
«Aeinbarer Urberma&t nahte, etfannten aber ba!b bie 
Sdjwädv be« geinbe«. RBdbrenb ber Jtaifer in SRefem* 
bria franf lag, belagerten fie $arna unb nötbigten bie 
benadjbarten Slamenßdmme jum ©etjorfam *°). fRit 
®elb mußte ber griebe cnblid) rrfauft werben; wieber 
warb eine tyrovinj vom Seiche abgetrennt. «Üe« 8anb 
iwifdjen ber Donau unb bem ajämo« warb ben 33ul* 
garen eingeräumt, bie bort ein eigene« Seid) ftifteten. 
Xafür erhielt Sbrafien, fest bie nördiebfie ^rot-inj , eine 
fflbftänbige Wilitaircerwaltung, unb e« warb ju einem 
eigenen 2b«na erhoben. Die« war wol ber Jtrirg, ber 
ten Äonßantino« binbtrte, beffern Sucrur« nach Sbeffa« 
lonid) ju fenben. fluch unter 3uftinian II. hatte man 
mgleid) mit ben Bulgaren m ihm unb ben gegen 
übeftalonid) ßürmenben Slawen. Der gelbjug gegen 
bie lebtern midlang 688, bagegen würben bie Slawen« 
ftamme enblid) unterjocht unD <ur4pulbigung genötbigt 41 ). 
Hin Jheii blieb al« ftitblidje Soloniften, beftimmt, bie 
naa) Ibtafttn fübrenben Sngpäffe ju hüten, im ®ebirg«* 

40) KiNphonu Cpolilan. (ed. Bonn.) p. 39; Theopkantt 
I- p. M9 seq.; Leo Ürammaticui («d. Bonn.) p. 161 **1-; Ce- 
Jrtntu L p. 766; y-onarat XIV, 31. Vol. IL p. 91. 41) 
Thtopktmt* I. p. &A7; L*i Grammatoms p. 163; Cedmut I. 
I 771 *«q.; Acta S. Deinen ü a. a. O. cap. 190 acq.: Con- 
timit. Poryhyroj. D« thematibua n, 3 (ed. Bonn. Vol. in. 
P- 60). 



(anbe bc6 Strnmon; bie Wehrjahl warb bagegen nad) 
bem aftatifdjen Xbema Cpfiftcn (Obfeauium), ba« 9)fi>« 
fien, SBith»nien unb einen 2hci! »on $hn?gien umfaßte, 
»erfeöt. «u« ihnen warb G91 ein eigene« Sorpö ton 
30,000 Wann gefciibet, ba« gegen bie «raber bienen 
foOte; allem uvti Dritthcite befertirten unb fdiloffen fid> 
bem geinbe an; bie übrigen würben niebergemetyclt. 
So waren biefe langjährigen Jtrirge enblid) beenbet; aud) 
bie nörblid)m ^rovinjen fonnten freier aufathmen, ba 
bie Bulgaren mft bem ataifer in grieben unb grounb* 
fdtaft lebten, grrilidj motten erhöhte Jributjahlungen 
babei aud) bat 3btige thun. 

3bttm gürften Serorl (702 —719) verbanfte ber 
Z\>xam 705 feine SBiebeteinfebung, bie frcilid) nidit 
bloö mit ©elbgefd>enfen, fonbern aud) mit Abtretung 
oon 3<>9"<ir b. h- bem thrafifdjen ?anbe fenfeitd bet} 
^dmoögebtrge«, bejahlt werben mu|jte. 3wti 3ahte 
batauf (707) warb ber Äaifer, bet ben grieben fetle&t, 
b. h- «idjt reidje ©efdienfe genug gefpenbet, bei «nd)ia» 
loö beftegt unb jur gludjt in bie iKeftbcnj genötbigt. 
St rergleiibt ftd); 3000 Bulgaren hdfen ihm 711 gegen 
ben Ühronprdttnbcnten 'i'biiippinid 9arbane6; ba er 
unterlegen, bringen biefe 9unbe6genoffen auf lern gluffc 
$büea0 712 btd jum Sodporotf unb bi6 )um golbenen 
Z^oxt vor, werben jebod) von bem neuen Jtaitet «na* 
fiaftud IL abgefunben. Wlii (e^tetem lebt bet Ähan in 
grieben; er mad)t fogar 719 einen ffletfud), benfclben tu 
refKtuiten, mug ab« fd)liefjlid) bet Snergie itc'i III. 
weidjen unb feinen Sd)ü6»ng auöliefern. Seitbem »er* 
ftummen ade Sad)rid)ten über bie Bulgaren faß 40 
3abtt lang, erft 762 wirb un« «on einem Sadjfolaer 
bed Ahan« Seleb beridttet. 

2) Die Dvitafiie tet 3fjutier nn» bie Slawen* riege 
fri» jat 9Bietietetebetnn8 ecn ««tra 716 - 807. 

3m September 716 gemaun 5eo 11L ber 3taurier 
ben bojantinifdjen Ihton; feine Ätönung erfolgte erft 
am 25. SWdrj beö folgenben 3ahte«. St warb ber 93c* 
grünerr einer neuen Dvnaftie, bie in ihren legten Hu«* 
Idufern 867 ctloftb unb fid) butd) Snergie »oriheilhaft 
gegen bie frühern Jtaifer, ba« $aufl be» sptracliu«, auö* 
jcidjnet. 2>afl jenüttete 4>een«cfen warb neu georbnet, 
bie ginanjen regulitt, bie 3uftiwerwaltung burd) neue 
©cfr&e gefräftigt unb ergänjt. Dabei trat bie Sntfrem* 
bung von ©eftrom, bie mit Srhebung ber Jtaifrrin 3tene 
voüiogen warb, immer fd)drfcr h'tvot; ba« bojautiuifd'c 
Sßefen, ba« glnla» erft von bftfer 3*it batiren will, ba 
eine fleinafiatifd)e Dunaftie ben Jtaifatbtcn inne hatte, 
fam mm Dutd)brud). Schabe, tat? nur pfdffifehe Sbro* 
nifttn biefe btffere 3«»' be« Bojantinitmu« behanDelt 
haben, unb bafi baher ihre Duellen , felbß wo fie bie ab* 
feit« ber religiöfen SBirrtn liegenben auswärtigen Ser* 
hdltniffe berühren, von «Parteileibenfdjaft entfteUt ftnb. 
Sogar ben Befonnentreu galt bet Jtaifet al« ein be«poti* 
fajer gteigeift, al« et, um ben Sultu« m läutern unb 
ba« SReid) von bem übermäßigen Sinftujfe be« niebern, 
mit bem «ßcbet bet äpauptftabt fraterutfrrenben Jtlerutf 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 96 .— (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



ju reinigen, feine fitmgrtt (Stiele gegen 9BifbetrcrcB- 
rung erlief. Die Dppe|ttion ber tNöndje unb bei SWaffe 
muf»te ihn nur ju immer gewaltfamern SWajjregeln fort« 
reiben. SBäbrrnb man in ber {»auptftabt bie faiferlidjen 
Jrabanten, weicht bie Silber wegräumen foHten, raorbete, 
erbeb ftd) 727 bie 5Bevölferung te0 eigentlichen ©riedjen« 
Ianb0 unb bei Ättflaben ju offenem nuffranb gegen ten 
Äaifer. Cb babei ta« alte ,£>eitentbum, ba0 ftd> an 
bie d>riftli<ben ®c|jenbilbet angeflammert , cb aufbeße« 
rcien au0 3ralien , reo ber »ilberbienft am meifien 
blühte, im Spiele war, ift |d)Wet ju enlfdjeiben. ©etvffj 
aber, bafj bie Cppofition in ten entlcgenften, vernad)< 
(äffigten Krovinjrn gern jebe populaire SJeranlaffung er» 
griff, um mit ben ©äffen in ber #ant gegen bie ifeen< 
tralifation in ber »Uefl verfebtingenten £auptfrabt }u 
protefriren. $ella0 unb bie 3nfeln befl ägeifeben TOeere« 
erbeben ft<f) in offenem «lufftanbe **). Der Surmaraj 
von £ella0, agatiiano0, füllte ftd) an bie Spipe; im 
Sunbe mit Stepbano0, wol bem Raupte ber Snfelbe» 
völferung, rüfiete ereine beträchtliche glotte. TOan pro* 
damirte einen geroiffen Jtc0maS jum Aaifer unb fegelte 
birect gegen bie $auptftabt; eine grofje Sref<blad)t foDte 
ben 3faurier vernichten, aber ein voreiliger Singriff am 
18. april enbete mit ber Sieberlage ter rrbeUifcben 
Hellenen (EUaätxoi); ftgatliano* unb viele anbere fuct>« 
ten vrruveifelnb ben 2et in ten glitten; ber tRefl er* 
gab fid>, unb Jic0ma0 unt Stephane« fielen burd) 
.§enfer«banb. 

3m Uebrigen beweif» un0 biefe «Rebellion, bafi noa> 
in £ella0 unb auf ben 3»f<ln eine gewiffe Jtraft unb 
eine jablreiebe Skvölferung vorbauten war; immerbin 
möglich, ba0 letjtere buvcb 3ujügler au0 jrrflörren grie« 
(bifeben Stätten verftärft «••ar ; aber ras etwa neue 
„ffawifdje" «ufivblcr ten $auptfem ber glotte gebilbet, 
oter ter ganie 9iefr be0 perlenen Ibumfl ftd! auf bie 
3nfe(n gerettet, gebt teet? au0 feiner (Siede ber Chrono« 
grapben bervor , bei benen jubem in erfter Sinie nicht bie 
iöewobner per Jfvflaben, fonbem bie be* eigentlichen 
#eUa0 genannt werben. Cb mit tiefer Webrriage unb 
ter ^inriajtung ber Häupter bie Scbulb gefübnt war, 
ober ob ber fonft fo befonnene Jfaifer ba0 ^eflenen* 
volf noch nad)träglid> feinen 3<>ni füllen lief» — aud? 
tariiber fein ©ort in ben Duellen. 

lern warfen; Kater folgte ber glefdmeartete ®ofm 
JHonftantino0 V., Jtopron»mo0 von ben SRöndien jube» 
nannt, von 741 — 775. 3» ben au0wärtigen Jtriegen, 
ben Äämpfen gegen bie überall vorbringenten Araber, 
gefeilte fid) in ben 3ab,ren 740 — 741**) eine furdjtbare 
*eft, bie au0 Sicilien unb (Salabrien nad) Wonembafia 
eingefcbleppt, ehella^ unb bie umliegenben 3nfcln „gleich 
einer 2IUefl venebrenben geuerflbrunft" befmfudjte, „ein 
göttlid)e0 Strafgericht über ben gortlofen &onftantino0," 
wie fte tie SRöndje nannten. 3Bo bie Seuche auftrat 44 ), 

42) flitephor. Cpotilan. p. 64 — 66; Tktophantt I. p. 623; 
Ctdrma I. p, 796. 43) Thtophana T. p. 651 — 653 ; Ctiirr. 
nia II. p. 7 — fi; Zonanu XV, 6. Vol. II. p. 108; Lto Gram, 
motic. V 184; JUick. Glyca, (ed. Bonn.) p. 526- 44) Sic 
pker. Cpolilan.,f. 70. 



raffte fte alle0 93olf b<nw>eg; nur wenige retteten fid> 
burd) guidjt au0 ben verpefteten ®egenben unter ®otte« 
Sefftanb. SIm drgfien wütbete fte in ber $auptftabt, 
dr>nlidi wie 541 jur 3ar 3uftinian'0; bie «njabl ber 
lobten überwog bie ter tfebenten; baufenweife würben 
bie Seidjen in (Srdbrn unb Giftemn; geworfen. (§rfl 
nad) einem ,>ahrc entete bie 9totb. 

3u berfelben 3dt, ba bie $eft bie gan;e Srbe ver* 
Wüftete, würbe nad) Aonffantino0 5Jorpborogenneto0 **> 
gan) ^e(la0 unt ber 33eloponnefo0 „flawiftrt unb bar* 
barifer) (ia&laßü&tj Öl itäaa t] rcapa x«e yiyovt ßäff- 
ßttQos). 3Ran bat ba0 ioiU^huh, wieberbolt gegen 
gallmetaver, für ben biefe ©teile eine jweite ^auptftüpe 
feiner Slawentbeorie ift, gern babin beuten wollen, ba# 
nur von Unterjochung tc0 8ante0 bie «Rete fei. aaeht 
abgefeben bavon, bafi ftd) bie grage von felbfl aufbringt, 
wer benn in biefent gaüe bie Unterjod)enben gewefen — 
bodj nidjt bie SBi'jantiner — gibt un« ber faiferlid)e 
Scbriftffeller felbft fofort ben SBewei0, ba^ er von einet 
wirflidjen Slawiürung, b. b. bem (Sinbrinaen unb ber 
$(nfictr[ung barbarifdter Slawenborben im fjMoponncfoe? 
unb in .riellu0 rebet. „Daher fertigte ber berühmte 
©tammatifer 6upbemio0 ben 9?eloponnefter 9tifeta0, ber 
feine 2od>ter Sophia mit bem faifer(id)rn ^rinjen 
6briftopboro0 (geft. 931) vermählte unb auf feinen «bei, 
richtiger feine unatelige Hbfunfl, ftol) war, mit bem viel» 
verbreiteten Spottver|e ab: yuQaodmUiijs 6if>t$ la&la- 
ßaidvtj (ein verfchmibte0 — nad) ginlao yaiäuooadhg, 
alfo efelhafte0 - Slawengeftcht)." «Be «erfuebe, lef> 
tere0 SSort anber0 ju beuten „facies in servitutem 
redacU," ftnb fo verfehlt, tafj man fid) wunbem muS, 
wie 3<manb nur barauf verfallen fonnte. Der $e(o* 
ponnrfo0 warb flawiftrt; ba0 nebt fef); einem pelopon« 
nffifdjen abnenpoljcn Slrd)onten wirb feine flawifete 
tlbfunft, ber flawi|d)e Xvpu0, ber nod) unverwifcht ge« 
blieben , von einem äBtnbolbe vorgehalten. Sei ben 93er* 
beerungen, welche bie »Seft im saute anaerid)tet, war 
9tia>t0 natürlicher, al0 bafj bie frrvmonifd>en Slawen 
unb ihre bereit0 in ^r>effalien am pagafäifdjen fflolfe 
angefietelten Stammgenoffen, tie von ber <Pef» oerfdjont 
geblieben, wol jugleidj von ten Bulgaren gettrdngt, fict> 
auf ba0 enwdlferte tant warfen unt neben ten heße* 
nifdjen Stdbtrn unb Dörfern, bie von ber Seuche 
unberührten, auf bem bm"ri<M'cn flachen Sanbe ihre 
ÜÖeiler unb glitten erbauten, aber bie Occupation be« 
grieebifdjen Soten0 fann treft be0 „xüaa f] röfa" 
bod> nur eine febr partielle grm:fen fein, (finjelne 
hellenifche Sfdbte, an benen ohne 3weifel bie Keift 
vorübergegangen, waren wol, ba ba0 ?anbvolf bort 
maffenbaft jufammenftrömte, gerabeut übervölkert, unb 
baher fonnte Äonftanttno« fogar 755 **) baran benfen, bie 
entvölferte ^auptftabt mit neuen (Foloniften au* Jj>ella0, 
bem Ke(oponnefo0 unb ben 3nfe(n ju füllen. Um bie« 
felbe 3eit wirb ber ©efchidlitbfeft ber ^eüenen in Qo 
mentarbeiten gebadjt; jur ^afleUung ber Salentiniani« 



45) De th.m.libn. II, 6 (Vol. IU. p. 53 - 54). 46) 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 97 — (1. PERIODE VON 395—1204) 



fcben SBafferlctlung — 767 — würben u. a. 500 fddjcr 
Slibftter au0 ^jclla6 unb ben 3nfeln contmanbirt. Xic 
Jjaupii'orge be0 Jtaifer* galt ber Wefibenj unb bem ver* 
ebeten Sbrafien. I «: würben 755 Surer unb Slrmenier 
au0 SDielirene unb S^robofic^olie angeftebelt, nicht ohne 
ffiiberfprucb ber ^Bulgaren, weiche btc auSgefiorbene 
Üprovinj al0 ihr (gigenibttm anfaben unb wegen ber 
neuen 93evölferung wcnigfren0 <5rbebung be0 2ribut0 
forbertea. Die enifebiebene äBrigerung be0 Jtaifer0 
veranlagt einen *£lünberung0jug gegen bie langen 
SHauern **), von bem fic itegrctcb beimfehrten. vift 
758 *"> lonnte Jtonftantino0 baran brnfrn, brm Seinbe 
mit (Snetgic entgegenjutreten. Sie Bulgaren waren 
bamal0 wieberum, im Sunbe mit ben benachbarten 
Slawinen, gegen ibeffalonicb vorgebrungen, aber burch 
Eifinniu*, brr mit einer faiferlichen glotte bei Sfiatboti 
lag, unb bem ber beilige Xeuutrio« im Üraume bic 
9Iott> feiner Stobt verfünbrte, abgewehrt werben. £ie0 
benufctc bee Jtaifer, um feine Cberljobeit über bie tbra« 
filmen Slawenftämme neu ju befeftigen. <5r wanbte ftcb 
gegen bie frrvmonifcbcn Slawen, unterwarf ftc unb 
machte fie }in0bar; ein Xbc.i warb au0 bem Sanbe fort' 
geführt unb in Jtlcinafien angcficbclt **). Unetnigfelt 
unter ben Slawinen felbft unb gurdjt vor ben Bulgaren 
mochte fie bcfnmmen, bV}antinifcbe £errfcbaft vorjujiehcn. 
Xagegen war ber gelbjug gegen bie Bulgaren felbft 
wenig erfolgreich. 3m ttngpap von Beregaba erlitten 
bie Jtaifcrlicben 759*°) eine fcbmäblicfx Wieberlage; ber 
Strateg von Xbrafien, ito ber $atrieier, unb viele 
ilnbere blieben in bem .Kampfe; ihre ffiaffen würben bie 
Beute be0 geinbe«. «ber ber Jtaifer verlor ben 3Rutb 
nicht. Warbbem bie Bulgaren 702 ib>e Jpduptlinge — 
a(0 foleber wirb bei bem 3»g« liegen Irjcffalonitlr? ein 
6uberu« (wol Jfuvrat IL, Wacbfomme be« 668 gefror« 
benen ©rofifban« Jtuvrat I.) genannt — gelobtet, er» 
hoben fic ben Iclef} ui ihrem Jtönig, ber ll 4 aldbalb 
gegen ba0 Weich wanbte. Bor ihm her flüchteten bie 
ben Briantinern unterworfenen Slawinen; fte erhielten 
in Bitbonirn am gluffe ürtanaA 3Bol?nftr>c angewiefen 41 ). 
Xelcfc felbft warb 703 bei S8ncbialo0 gei'dtlagen unb halb 
barauf von feinem Bolfe . mit bem er Xbrafien rdumen 
mufite, ermorbet. 3m 3<>brc 765 bringt Jtonftantino0 
wieber in« Butgarrnlanb ein; flawifche Seeräuber, bie 
Dort eine 3uftud>t gefunben, werben ergriffen unb hin« 
gerichtet **). Doch muffen bie 2500 ©eiattgenen, welche 
bie Slawen von ben 3nfeln 3mbro0, Samothtafe unb 
2rnebo< fortgrfcbleppt, noch 761» mit feibenen @ewdn« 
bem au0geloft werben '*). 3m Ccteber 773 jiebt ein 
bulgarifcbrr S3oöwobe Bo(r)ila0 mit 12,000 Wann au«, 
um bie Slawinen von ScTjctia — in Iheffalien — 

47) Thto/ikanti I. 



47) Thtoplkont I. p. 663; Ctdro JJ. |i. 11; AcU 8. De- 
Betrii a. a C. csp. 195. 48) Act» S. D«metrii a. a. C. 
:»p- 197 — 907. 49) Thtophcmt* I. p. 663- 5U) <3;int,i I. 
f. 664 — 665; Ctdrtmt II. p. 11; Zonarat XV, 6- Vol. II. 
p. 109. 51) Nictph. Cpclitnn. p. 77; Thtophmf I. p. 667. 
»ad, rrttttem 206,000 €la»i«n. S («i« et« fc«r ntemit^Br 
3ail. Unratl «. t. O. p. 860 »rrmnl^rt 18.000. 53) iVi«. 
pher. Cpolilan. p. 79; Thiophanu I. p. 673 ; CtdrtnuM II. p. 13. 

- ° r LXXXV. 



fortiufchlrveen, wirb aber vom Jtaifvr bei Vitboforia 
gefchlcgen **). 3n golge beffen entbrennt 774 ber ©ul» 
garenfrieg auf* Weite: trügrrifcbe grieben^verhanblungrn 
wedjfeln mit etfolglofcn SSerheerungdiügen ; fo bauerte 
e« fort, fo lange .4onftantino0 lebte**). Unter feinem 
Sohne 8eo IV. (775 - 780) fdjeiut ber griebe h>ge* 
ftellt ju fein; wenigften« hören wir bei ben Ghrouo< 
gravben «Ridjt* von Sulgarenfriegen. Sex Äonig be« 
Sßeltrt fclbfi, Iele6, flieht vor ben Seinen jum Äaifer, 
erhält bie 2aufe au0 btr £anb eine« faiferlichen 93er* 
wanbten unb wirb jum $atriciu0 ernannt. Sbraticn 
erhielt 778 **) neue <£oloniften burch forifete 3<t<obiten, 
bie bad faiferliaje ^»eer bei ©ermanifia gefangen hotte. 
8m 8. Sept. 780 fiarb ber Jtaifer; fein unmiinbiger 
Sohn Äonftantinoö VL folgt ihm (780 — 797), junaäjfe 
unter Sormunbfchaft feiner intriguantrn Stutter, 3renc. 
Weben neuen ©ulgarenfriegen — fie ülerfaOen 789 ben 
Strategen 2braficn6 tyiiUtat unb fdmpfen 791 gegen 
ben Jtaifer bei fßrobaton — begegnen wir in biefer 3«t 
bem erften bvjantinifcben Jjieere^juge gegen bie in Jpella« 
angefiebelten Slawen. Cb 3Tene, al« geborene «the« 
nerin, ihr eigentliche« £eimath(anb mit anbern Sugen 
angefeben, a(6 bie frühem Sdfaren, ob fte crnftlich barauf 
bebaebt gewefen , biefen entlegenen ^rovittien auf jubel« 
fen, wiffen wir nicht aber bie Slawen bort benn 

hoch allju mächtig ju werben brohten, ja bei ben üblichen 
ShronTevolutioncu (eicht auch einmal bem Weiche einen 
Jtaifer aufzwingen tonnten — ein flawifcher Qunuch 
WifetaO *') war fchon 766 bei Jtirchc vom Jtaifer Jton> 
fiantino« a(0 Patriarch aufgrbrungen werben — , war 
wol mit Qrunb ju befürchten. Jtaum hotte taber bie 
Jtaiferin mit ben Arabern grieben gefa>loffen, al0 fic 
783 ihren {iebling, ben «Parriciu« Staurafio«, jegen bic 
Slawinen in Ibeffalien (bie am ©olfe von Sßolo an« 
fäfftgen Sjelefttfchen unb bie jüngfl von ben Bulgaren 
bcbrofiten Qcrjeten ober »eljelcn) unbÄeOa« entfanbte*"). 
Staurafio0 unterwarf fämmtlichc Slawenfrämmc unb 
machte fie jin0bar; er brang felbft in ben $cloponnefo0 
ein unb lehrte von bort mit reicher $cute unb vielen 
(Befangenen beim. 3m 3anuar 784 hielt ber Sieger 
einen feierlichen Zriumpbjug; möglich, ba£ jur örinne- 
rung an ben Sieg Serrböa feinen alten Warnen mit bem 
neuen 3renopoli'0 vertaufchtr. Doch war bie Unterjochung 
ber flawifebett Jjäuptlinge wol nur eine verübrrgrbenbc; 
STbbebcn, bie 796 ba0 Weich, namentlich Jtrrta, heim« 
fuebten, unb ba0 3etwürfnif im faiferlichen J^aufe, ba0 
797 mit ber ©lenbung be0 unglüdlichen gürften cnbete, 
fonnten für bic Selbftänbigfeit ber Slawen nur günfiig 
fein. 3rcne, felbft auf ben Ihron erhoben (797 — 802), 

54) Thegphme* I. p. 691; /.,.. QrnmnuUic p. IkK. 55) 
Scrgl. »i< Outan b«i Murait a. a. D. p. 368 — 369. 56) Theo- 
pkama I. p. 699; Ctdremu 11. p. 19- 57) QkD. 780. G/gau 
a. a. C. p- 527 führt al« Otltg feiner tarfeaiifdjra 9Mnnfl on, 
tai n tic (*ru»inif*f ltu«iVrad)( ffattt, tu nid)l «tt nt(«n »«, 
fcatrru »i frradi! 58) Thtophatut I. p. 707 ( re Bt««ttlo- 
»»kt; fleejt, tat iiLberTm Ta/,1, Ö. TheurJonic« p. CVI, lin " 
|Unu| rmtitbirt tjat); Cerfremu n. p. 21; U 
p. 194; ämUm ü t BMiothtcar. in frnre lleiaff». 

(ed. Bodo. D. p. 250) Urft einfddj Th.fi.li«». 

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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 98 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



begann ibre «Regierung bamit, bafc fie it>re Sdjwäger, 
bereit Crbebung fie fürc^Kte, im November 797 nad) 
ibrer eigenen Vaterftabt «tben in« Grit fdjidte. Vei 
ben Atbenern fanben bie verbannten Vtinjen — - bie 
le&ten Mm 4jaufe b;« „blutigen" 3faurirr« — Sum» 
paifyie; Vürger ber Stabt wanbten ficb an ben Slawen« 
Häuptling von Veneria in Sübtbtffalien, Afamir (Ata* 
mero«) **), bamit er fioj ihrer anm'bmen unb rinrn ber* 
ft Iben auf bfn Äaifertbron erbebe. 3renf, bie Äuttbe 
erhielt, tum ber Siebellion juvor; fie fanbte ibten Steffen, 
ben Spatbario« 2b«opbvlafto«, "<id) Athen. Derfelbe 
überblatte feinem Vate. - , bem Vatriau« Äonftantine« 
Sarantapedjo«, bet mit ber Verwaltung von Atttfa 
betraut war, bie Vefehte bet faiferlid)en lantr; nod) 
ehe bie Verfcbwörung sum «u«brud> grfommen, würben 
bic Vertädjtigen im ffl/drj 75H» ergriffen unb geblenbet. 
Äebrenc« läpi fu fogar von bet atbenifdjen Vevölferung 
trmorbet »erben, «ber audi 3rene'« 5Rad)t roar ntdjt 
von langer Dauer; entthront, im 'Ualafte angeblich, vom 
eigenen blinben Sehne verraten, befd)lo|; bie gebe« 
müßigte 3ntrlguantin am 9. Aug. 803 ihr blutige« 
geben im ßril auf J!e«bofl. ihero« 1. beftieg ben 
Ibron; Verwanbte ber Äaiferin felbft, wie ein ?een 
Sarantapedjo«, werben unier benen genannt, bie ihm 
ben 31m'. s baju bahnten. (Befrönt vom ^atriara>en Üara« 
fio«, regierte er von 802 - 811. Siebet brobtcn Araber, 
bie 807 ganj 9H>obo« mit Auflnabme be« Saften« vcr« 
beerten, unb ber Vulgarenfürft Ärum; eine (Srpebition 
be« Äaifer« gegen le&lem warb vereitelt, ba eine 93er« 
fchroötung in bet £auptftabi ben bereit« bi« Abrianopel 
vorgebrungenen ^enfdjer jur Slücffrbr jwang. 3m 3abr< 
809 brangen bie Bulgaren vor bi« «um Strpmon, crbeu» 
telen bie faifcrlicbe Ärieg«faffe, nahmen Sarbifa unb 
nudelten (XXX) Ornaten. (Sine neue (Srpebition be« 
Äaifer« warb burd) eine neue SRilitairrevolte vereitelt; 
felbft angefebene Ärieger gingen au« gurd)t vor feiner 
Strenge ju ben Bulgaren über. SRaffenbafte Steuern 
tvurben 810 jum Vulgarenfriege : rieben, alle 

liremibnen aufgebeben, aDe Veamte, bie (Selber unter« 
fdjlagen, jur Srftattung genötbigt, bann ging« 811 mit 
jabllofem opeer — naß ©efinbel, mit Störten unb 
Sdjleubern bewaffnet, obne Solb unb £offnung — in» 
Vulgarenlanb. Ärum, trm bie «Waffe iinponirte, bot 
vergeblieb wicberboll bie £anb jum grieben; ber mäa> 
tige Äaifer liefi bie £eerben, liefj bie Äinber ber Vul* 
garen fdblad)ten unb verbrannte ben Aul be« Äbanö. 
Da raffte fid> ba« Soll in feiner Verzweiflung auf; in 
blutigem @emr(el erlag am 23. 3ult 811 ber Äaifer 
ben iBarbaren; fein Sa)dbel biente bem Ärum nun 
Ürinfgefafi. Die (Befangenen, bie nicht ihren Olauben 
verleugnet, würben entbauptet, erfeboffen, erwürgt, ober 
ftarben im Äerfer ben apuugertob. So febmadwou enbele 
biefet »ulgarenfrieg. «1« 9Wi*acl L (811 — 813) ben» 
felben wieber aufjunebmen wagte, bmberte ibn wieber 

59) Tkeopkann L p. 733-734; Lto llrammahc. p. 2Ü0; 
'mw II. P- 27; 2»»or« XV. 13. V»!. II. p. 120; Geory. 
"->«><■* P- 671. 



eine SMilitairrevolte in bet Verfolgung feiner Entwürfe. 
Ärum eroberte 812 Debelto« unb überfdiwemmtf Ibra« 
fien unb Wafebonien; 3Jerrböa unb «nAialo«, ba« 3rene 
iüngft neu befeftigt, capitulirten obne SBiberftanb ; Ätle« 
warf ft(b in wilbe öluttt '"'); bie Bulgaren waren fetten 
be« Sanbe«. SSergeblia) »udjte bertiaaj Äaifer Sco V., 
ber Armenier (813 — 820), fi* burrfi eine Ärirg«lift be« 
Äban« ju bemdd)tigen , bie jclge bavon tvaren roieber« 
bolte Hinfalle ber Reiben, bie felbft bi« in bie Sorftdbte 
von Sonftantinopel vorbrangen •'), Äira>en unb Älöfter 
plünberten, bi: Äüftenitäble ün ber 93roponti« b'imiuaV 
ten, Selvmbria jerflörten, Äeraflea bi« auf bie ftarf 
befefiigte Surg verbrannten, ^anion, »pro« unb Oano« 
vertilgten. S5i« Sbrianopel bin fab man nur eine veu 
öbete glJa>e; biefe Stabt felbft mnfre au« Langel an 
??abrung«mitteln fia) ergeben; 10,000 SWenfcben würben 
au« ibr fortgefa)leppt , ade« 33o(( ju Sflaven gemad?t. 
Unterftübt von ben Arabern unb ben jiu«pfli$tigen 
Slawinen Übrafien« ruftet, ftcb nunmebt Ärum jur (ir« 
oberung ber apauptftabt. OHl 30,000 Wann feine« 
Stamme« unb ben ^>ilf«vö(fern ftanb er bei Arfabio« 
poli«, bie lBe(agerung«maf<binen waren fertig, al« er 
plößtieb am 13. April 814 einem SMutfturje erlag. 
Vortagen (Cmortag, Dmbritago«, Ärvtagon) watb fein 
9{acbfolger. Aber jugleid) bradie« in bem Vulgaren« 
teidje neue 3«vtft(Afeitrn au«; ein übeil be« 93el(c«, be« 
febrt burd) ben ^fangenen Vifdjof SRanuet von Abria« 
nopel, ivanbte fid> bem (Sbriftentbume ju. Unb ftarb 
audj biefet erfte Slawenapoftel auf SBrfctjl be« Äban«, 
ber bem Gbriftentbum abbolb, ben 3Kdrtörertob, fo be* 
gann boa) bamal« fdjon im Vulgatenvolfc, ba« estblid) 
fefte SBobnfiec eingenommen, eine Umwanblttng tlcfo vor« 
zubereiten. SRan näherte <\A< von 3abr )u Jabr mebr 
ben Vojantinem, unb nad)bem Äaifer i'eo V. 817 **) 
fie nod) einmal fiegreieb »urürfgetritben, warb grieben ge« 
frbloffen, ber bie wilben 33arbarrn auf längere in 
ibrem neuen 9ieiebe fettluel; unb ben 3?v»antineru bie 
;Sctd>«grenje , bie tbrafiieb«mafrbonifa>en Vrovinjen, wo 
ber Äaifer mandje verfallene Stäbte berftrllte, ftdjerte. 
Seitbem rubten bit Vulgaren 30 3abre lang, fo lange 
ber 817 eingegangene SBatrenftillfianb bauate. 

9lod> unter Wifepboro« I. würben, fo wirb un« 
jum 3abre 810 beneblet «*), jablreidje Iruppenfdjarcn 
au« allen Seirbfltbeilen nad) Slawinien beförbert. Xiefe 
Verlegung in bftbnifd>e« i'anb erfebien ben Vetbeilig« 
ten „fcblimmer al« feinblidjc ^aft." inj babei junaebtr 
an bie gegen bie Vulgaren jufammengeiogenen ßorp« 
ju benfen ift, liegt auf ber .jpanb; möglid) aber aueb, 
ba@, ba naei) Äebreno« ber Äaifer bie SoTbaten nötbigte, 
ibr (Srunbeigentbum ;u verlaufen, an förmlid)e Kolonien 
in wiebereroberten, bi«ber von Slawen gropentbeil« oeru» 
Porten Vrovinjen in benfen if). Unb «u ben le^tnn ge« 
borte aüerbing« aud) nad) Äonfianrino« Vorpbvrogenneto«' 

60) ©«igt. Murait a, a. C. p. 398 — 406 Urb bit ZXutlltr., 
an^abri Ufelt« 61) »b<nba p. 401—402. 62) übeaha 
a. j. C p 4(J5. 63) Theophanes I p. 756; CVA-w«. II. 
p. 37. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 99 



— (I. PERIODE VON 395—1204) 



«noabe ber Veloponntfo«. Soffen wir ben J!aifer felbft 
riben, irif er tine ber wlcbiigfifn (Spifobcn au« rcr irv 
nrm ®cfcfeid>tc be« eigentlichen ©riecfeenlanb« barftellt, 
ein (Sreignifc, ba« freiliefe gegen 140 Safere VH Slbfaffung 
fr int* SuaScS: De administrando imperio* 4 ), fdHt. 
„916 SJifepfeoro« im SRomdcrlanbr regierte , fennen bic 
Slawen im Veloponncfo« auf Sfbfall. Sie begannen 
bamit , bajj fie bie 9£obnungen bei benachbarten @rircfern 
(Fc/ftucüv) jertterten unb au«plünbrrten. Sann wanbten 
fie fid; gegen bie Sewofener von Vaträ, verfemten ba« 
fladje fcanb vor ber Waurr unb belageren, unterfiü^i 
von Sarajcncn au« Jlfrila, bie 3mm. Wach einiger 
3fit begann fid) unter ben belagerten 9»otb an 9cah* 
rung«mtttcln, Sßaffet unb Proviant, ju jeigrn. Daher 
foBten fie ben l'lan, einen Vergleich einjugeben unb 
geaen 3ufidjerung, Dafj ifjnen fein Seit wiDcrfabrc, 'ie 
efabt jenen ju ergeben. Da man jeboefe nodj hoffte, 
tili; ber brm Sbcma vorftefernbe faifcrlicfee Strateg, ber 
auf ber bürg von Jtorintb fajj, fomme unb ba« VBclf 
ber Slawinen befdmpfen tvürbe — benn längft hatten 
ihm bic Ärebontcn von beren Hnjug berietet — , ent* 
fcbloffen fid> bie Sewobner ber bürg, juvor einen .ffunb» 
febaftet nad) ben öftlidjen Sergen ju fenben, bamit er 
erfpäbe. ob ber Strateg beranjicbe. Sie geboten ibm, 
fall« er ben Strategen nahen fefee, jutüdjuciTen unb jum 
3eid»en fein gdbnlein ju fenfen, bamit fie bie Knfunft 
be« Strategen erführen; wenn niefet, follte er ba« gdhn.- 
lein gerabc halten, bamit fie niefet Idnger vergeblich ben 
Strategen erwarteten. Der Äunbfdjafter jog ab, erfuhr, 
bai ber Strateg nicht nahe, unb lehrte beim, ba« gdbn< 
lein gerabe in ber ^anb. Da fügte ti @otl, auf ba« 
gürwort be« briligen Ülpoftel« änbrra«, ba|j ba« 
holperte, ber 9)eiter herabfiel unb bot) gähnlein fenfte. 
Sil* bie Sewofener brr Surg biefe« 3« u l> 1 :i fab" 1 . Qlaub« 
ten fte jeft, ba|? ber Stratrg anrüde; fie öffneten bie 
T.borc ber Surg unb machten einen mutbigen Wuöfall 
gegen bie Slaroinen ; babei fabrn fie mit eigenen fingen 
ben flpoftel ju Kofi gegen bie Sarbaren lo«frürmen, ftc 
mit 9Rad)f in bie glud)t fcfelagen unb fem von ber Surg 
d)en. Die Sarbaren aber, bie ihn erblidten, er» 
über ben gewaltigen «nfturm be« heiligen 
Slpoftel«; jitternb unb bebenb flüchteten fte in feinen 
heiligen Tempel. Hm brüten läge nach bem Siege fam 
wirtlich ber Strateg unb erfuhr Den Triumph bei ^>ci' 
ligen. Stl«balb melbrte er bem Jfaifer 9cifepfeoro« ben 
(ginfall, bie Verheerung, Knechtung, Vernichtung, Vlün< 
berung ber Slaroinen unb wa« Hebel« fte fonfi bei ihrem 
3uge in «d;aia verübt, bann bie langbauembe Velage* 
rung unb anhaltenbe Vebrängnifj ber Vurgbrwobner, 
rnblicb ben herrlichen Sieg, erreicht bmcb perfönliche« 
Srfcheinen be« Bpojtel«, in beffen heiligem Tempel fie 
eine 3uflud>t gefuebt. W« ba« ber Äaifer erfuhr, be« 
fahl er: „,,ba Oer gldnjenbe Sieg bem «poftet ju vor* 
banfen fei, foUe ihm bie ganje Siegrfbeute geroeibt 
werben."" 3ugleicr> verfügte er, baf» bie geinbe felbft 
mit ihrer gangen gamilie, Veroanbtfcbaft unb £abe bem 



64) C«p. 49 («d- Bonn. Vol. III. p. 217 - 220). 



«nbrea*. Tempel in ber SRetrcpole von $arrä, wo ber 
genannte »peftcl fcldjen Sieg erfodjten, geweiht werben 
tollen, (fr gab barüber auch eine feierliche llrfunbc . . . 
Seitbem haben bie ber SKerrepole leibeigenen Slawinen 
ben Strategen, bie fniterlicben 9?camten unb alle if 
l%vü)v üxo&ftlXoyivovs xQtofiiti (5; bpqQovs •*) ju 
untrrbalten ; " bie SWetropole felbfl wirb nicht baju her» 
angezogen, vielmehr liefern bie Slawinen felbft bureb 
Krpartirung unter einanber alle* (Morberlicbc an Sprite 
unb Tranf. Jtaifer itc (fieber Veo VI.) brfitmmte burd) 
ein weitere* GhrvfobuÜ im Detail, wa* biefe jin^pflid)» 
(igen Slawinen brm tDcetropolitrn ju (eiften hatten, unb 
verbot ä"ft' f ia) jebe weitete Safl, bie ihnen etwa von 
cem Äaifer ober fonft 3emanbem auferlegt werben fCnnte. 

Die ganje (Srjählung von ber wunberbaren ßrlöfung 
bfr l ebrdngten Stabt bat berflaifer, wie er felbft fagt, au« 
ber (ebenbigen Trabition gcfdjopft; ein l'eftimmted 3ahr 
ift nicht angegeben , wie ti ja bei fold) münblitber Ueher* 
lieferung natürlich erfebeint. Da aber in bem Scricbte 
von einem fara^enifeben AilfeVorp« bie ätebe ift, unb, 
wie bereit« erwähnt, im 3abrc 807 bie glotte be* Äba« 
lifen u. a. fRbobo« beimfuebte, irren wir wo! nicht, wenn 
wir bie« @rrigni$ um biefelbe jat anfeeen, unb bamit 
bie Unterwerfui;a anberer Slawenflämme brr £albinfel 
unb neue griecbt|d;e tjolonifationen — 810 — in Ser* 
binbung bnngen. 

@m gjachflang ber Sefieguna ber Slawen bard) 
ben Scbußbeiligcn von »JJatrd finbet ftd) in einem Svnobal« 
fchreiben ba« ber Patriarch Wfolao« IL von <ion< 
ftantinopel (1084—1111) an Äaifer «leriu« I. richtete, 
unb in bem ber Sewci« geführt wirb, bafi e« unrecht 
fei, ben SRctropolitrn ihre bi0berig.cn Suffraganr ju 
entjiehen. (5? hei#t barin, Jtaifer 9tifepborc« habe ben 
9cetropoliten von $aträ mit verfebiebenen Privilegien 
au«gefiattet um be« SBunber« willen, ba« ber ftpoftrl 
Knbrea« leiblich vollbracht bei ber Vernichtung bet 9lva> 
ten, „bie ganje 218 3ahre ben Veloponnefo« inne 
hatten unb fid) von ber 9tomdrrbcrrfdjaft losgetrennt, fo> 
ba6 fein romdifdjer Scann — o. b. fein Spjantiner, 
faiferlidjer Seamtrr — benfelbcn betreten fonnte. 9lun 
aber würben biefe burd) bie (Srfcbeinung be« erftbeni' 
fenen Mpoftel« in einer Stunbe vernichtet, unb ba« 
ganje ?anb bulbigte auf« 9leue bem romdifeben Scepter 
(lv xtaaOTQtHpjj täv 'JßäQav . . ixl iiaxotflotf öt- 
xaorrä jjpöi'Oi^ oIms xnraöj;t>tTOV ri v /7«/Uwt<!wij- 
ttov, M<u tijs Pofiaixtjg affX'Ü K!t»ri[totinw, ü>a Mm 6t 
xoda ßaXtir okmg dvvua&ai lv avry Pofiaiov avÖf/a' 
lv (im dt ß{fa xovtov (Uv atpavuf&lvratv, rr)$ dl 
ixäöijg rois Ptafiatxois Oxtpcr^oig txavtX9ov- 
0*16) " 3" m Sohn bafür habe Jtaifer 9Iifepboro« bureb 
ein Gbrvfobull ba« bi«betige Srjbi«tbum Vatrd jur 
9Ättropole erhoben unb ihm bie Sifcböfe von Wetbone, 
Slafebdmon unb Jtorone (2aQ6o*oQtivr}) untergeorbnet. 



65) Jatübei iwiur unten. 66) J- Lennelariv , JutU 

GrMco - Romani tarn canonici quam civilis tomi duo. Kranco- 
forti 1596- fol. Tom. I. p. 278 — 279. T .■■Mtv ift untorirt; 
Äallmcra-K: uns 5iit(r.ir:i \tfm u irrig ir.e 3a6i 1081. 

13 • 




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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 100 — (I. PERIODE VON 394 — 1204) 



SJeftdttgt warb biefe« (SbrvfobuU von ben nacbfolgenben 
Jtnlfern, fo von 8eo VI. unb Hleranbro« (898 — 912), 
unter Denen offenbar bie Mafien ber unterworfenen r.a- 
wen regulirt würben, von Womano« L, (»bdftopboro« unb 
Äonfiantino« VII. (920 — 931), von Wifeptwro« IL $l>o< 
fa« (9G3 — 969) unb enblid) von Wifcpboro« HI. ?>o* 
toniate« (1078- 1081). 

<Sö fann feinem 3n>Hfet unterliegen, bat» biet von 
bemfelbeit (Srefgnifi bie Webe ift ; nur nennt ber patTiard) 
bie «varen ftatt ber Slawen; aber ba« fann un« nidjt 
irren, ba fpdterr ®cfd>id)tfd)rriber auf bie Slawen bie 
Warnen ibrer frühem £rrren unb Dränger mit gewöhn« 
ter elbnograpbifd)rr Unfrnntnit) übertrugen. Sefcen wir 
bie f:t:urt':u",j ber Slawen von •jur.,: in« 3abr 807, 
fo hätten nad; bem Patriarchen biefelben feit 589 ben 
Peloponne« innc gehabt unb bort 218 Jahre lang felbft' 
ftänbig, unbefümmert um faifcrllcbr Sefcble unb obue 
nad) bem auf flfroforintb refibirenbeu Strategen ju fra» 
gen, gewirtbfebaftet. Äber wie weit bebnte ftcb it>c ®ebiet 
au«, war wirtlich ber ganje peloponne« Stawenlanb 
geworben; b«nbelte et jtcb nur um vereinzelte Wieber« 
laffungen einzelner flawifd)er Stimme auf ber ,£>albinfel, 
ober um eine vöUige «uÄlilgung be« altbellenifd)en l'olfe« 
burdj bie flawifdjen Warionen? 

8) 3allmctj»tr'* flawif(fec ^sjicitKf». 3nnrt« 3uSiiibf 
bt« «i(|en:li*en Oriedjtnlanb« com OnDc t>r< 6. hii 
«tnfii« *f< 9. 3abrbun»rrt«. ttibrn« artflfbli*t 
>l\tr * tu n j. 

„Da« ®efd)lea>t ber $ellenen ift in Europa 
autgerottet. Schönheit ber Äörper, Sonnrnfiug be« 
®etfie«, dbtnmafi unb dinfalt ber Sitte, Äunft, Wenn« 
bahn, Stabt, Dorf, Sdulrnpracbt unb 3empel, ja fogar 
ber Warne ift von ber ©berjtäche be« griedjifdjen Gon» 
tinen» verfdjwunben. (Sine jweifadje Grbfcbicbte , au« 
3riimmetn unb Weber jweier neuen unb verfdiirbeiien 
Wenfcbenracen aufgehäuft, beeft bie @räber biefe« alten 
SJolfr«. Die unfterblid>en ffierfe feine« ®eifte« unb 
einige Wuinen auf bfimatblid)em 25oben finb prüfe noch 
bie einzigen Seugen , batj e« einft ein Bolf ber $edenen 
gegeben babe. Unb wenn e« nid)t biefe Wuinen, biefe 
Vetd>enbugel nnb fVaufoleen fjnb; wenn e« nicht ber 
Seten unb ba« 3ammergefcbid feiner SJcwobner ift, über 
welche bie Europäer unferer Sage in menfdjlidjer Wiih • 
rung bie güde tbrer 3drtlid>feit, ibrer Sewunberung, 
ibrer Xb^rdnen unb ihm SJerrbfamfeit au«giefien , fo bat 
ein leere« Phantom, ein entfeelte« ©ebilbe, ein nid)t in 
ber Watur ber Dinge eriftirenbe* fBefen bie Siefen ibrer 
Seele aufgeregt. Denn aud) nicht ein Sropfen 
etbten unb ungemifdjten $ellenenblutfl flietjt 
in ben «bem ber djrifelidjen fJevölferung be« 
beutigen @rird)enlanb*. Gin Sturm, bergleicben 
unfer ®efd>le<ht nur wenige betroffen, bat über bie 
ganje (5rbfldd)e jwifeben bem 3fier unb bem innrrften 
SBinfcl bt« peloponneftfd)en Gilanbr« ein neue«, mit bem 
großen 6oIf«ftanime ber Slawen verbrüderte« ®efcblecbt 
von fkbauern au«gegoffen. Unb eine jweite, vieBeicbt 
nicht weniger widrige Revolution burd) (Jiuwanberung 



ber SMbauier in (Sriecbentanb bat bie Stenen ber 95er» 
nidjtung voOenbet. Scvtt)if<be Slawen, il(vrifd)r 
Slrnauten, itinber mitterndd)t[ia)er SJölfer, 
S3tut«verwanbte ber Serbier unb Bulgaren, ber 
Dalmatiner unb 3Ro«fowiten finb bie Golfer, 
weldjc wir bfute Hellenen nennen unb )u (brem 
eigenen @rftaunen in bie Stammtafeln be« ^e< 
rifle« unb ber ^bilopömen t)inaufrü(f en. «rdjont 
unb SWöndj, «derbauer unb ^anbwerfer be« neuen 
fflriecbenianb« finb fremb« Ueberjügler, ftnb in jwri 
biftortfeb verfd>iebenen 3eitpunften von bem mitternddjt' 
lid>rn ®cbirge nad) $eOa« *crabgeftiegen. Unb ba« 
SBert ®ried)e felbft brjeid)net beute nidjt mebr, wie 
ebcmal«, bie }wifd)en bem Xempetbal unb ben Strömun' 
grn be« Gurotaö angefiebelten Äinber Deufalicn'«, fon« 
b'tn ade jene ^ölferfdjaften, weld-e , im @cgenfa( mit 
ber Sebre Wobammeb*« unb ber römifd)en Aird)e, ®rfet> 
unb ®laubeii vom $atriard>altb.rone 2? : -ian>, empfan« 
gen böben. Der «rnaut von Suli unb 8rgo«, ber 
Slawe von Äiew unb BHüufH in ürfabien, ber Vulgär 
von Xriabitja unb ber d>rifilld>e Wdubn von Siontene.jro 
b,aben mit Sfanberbeg unb äolofrrroni gleite« Wed?t 
auf Warnen unb Wang eine« ©riedjen. Da« ©anb, 
weldje« fie gemeinfdjaftlid) umfd)lingt f ift ftärfer al« bie 
®anbe be« ißlute«, e« ift religiöser Watur unb gleid)fam 
bie Sd)eibewanb jwif<b,en ber Aaaba unb bem ¥ate« 

ran (S« ift im Innern be« ganjen grieebi« 

fd)en Sefilanbe« gegenwärtig uidu eine etnjige Somilie, 
beren Stbncn nidjt entweber Srutben ober Hrnauten, 
Sllmugavaren ober gronfen, ober gräciftrtc Hfiaten au« 
*J?brogien, dilirien, Aappaborien ober ?vbien wären. 
Unb wenn ftd) ^ellenenfreunbe etwa nod) bamit tröffen 
wollen, bafi, wenn aud) bie alten ®efd)ied)ter von {)«Ua« 
gänjlid) untergegangen, borb ihre Sptadje unb ihr fU* 
etnt auf bie elngebrungenen Sölfer binübergepflanjt, ba» 
felbft ununterbrochen bie ^ertfebaft behauptet babe, fo 
muffen wir itmrn leiber aud) biefen Iroß nod) rauben 
unb ihre letjte Hoffnung für eine 2äufd)ung erRdren, 
ba e« ftcb jriat, batj man auf bem offenen JJanbe in 
Strfabicn unb @(i«, in SKeffenien unb 9afonien, in IRic 
tien, $t)ofi« unb Sfarnanirn viele 3Renfd)enalter bin* 
buret) flawifd) gerebet babe, wie man e« in Serbien unb 
Dalmatien iet>t nod> fprid)t, in Bommern unb auf ber 
3nfri Wögen aber vor 3abrbunberten gefprodjrn bat." 
IV it biefen Sdtjen bat gaUmeraver in ber 1829 gefebrie» 
benen Sorrebe jum erften Sanbe feinet „®efd)icbte ber 
albinfel OTorea wdbrenb be« OTittelalter«" (2 *änbe 
rurtgart unb löbingen 1830- 1836. 8.) feine Übeoric 
vom „Untergange be« bellenifd)en ®efd)led)t«" in (Suropa 
eingeleitet. Da« ganje SBerf, burd) ba« bauptfädjlid) 
bie von 9)udjcn entbedte (Sbronif von SRorea jnrrfi in 
Üeutfd}lanb befannt würbe, ift ein burdjau« tenbrntiofer, 
bifiorifebrr (fommentar ui ben eben au«gefprod>enen 
Säßen. 3tindd)fi foOte bariu nur für ben Ißeloponnr« 
bie Sertil^ung ber legten Spuren be« ^eQenrntbum« 
naebgewiefen werben. 9Bie ber 9}erfaffer erwartete, fehlte 
e« nicht an lebhafter Öppofttion, )umtif) von Seiten 
teutfa)et Philologen, benen e« febr unbequem fom, auf 



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GRIECHISCHK G K.SCHICHTE — 



101 



— (F. PERIODE VON 395—1204) 



ihre fd)önrn SBuftonen von bem gortlebtn ber ett>ltn 
unvermifcbtcn Gnfel eine« specific« imb Sophie« auf 
bem clafjtfrben ©oben ber tBdtrr verjid)ten ju follen. 
3bre Cppofition aber warb mrift mit t'umpfen SBaffert 
geführt, mdbrrnb ber «JRationalftolj bet 9tcu'.§tU<ntn 
ftd) aufd (Impfmblicbfrc gehäuft füllte, bafi b(r teutfebe 
«JJrofeffot fie ju «J?ad)fommen von Slawen ftcmpeln wollte. 
(Ibra von brai tütfifchen 3od>e befreit, würben fie in 
bem, wa« ihnen al« ba« <§eiligfte galt , auf« Sd)wetjte 
angegriffen; fie, bie fo »aefer für ihre« Hiaterlanbe« 
^vrftellung gefämpfl, feilten nun wieber ju „Sftaven," 
wie fie'« verfianben , erniebrigt werben. Dah,et bie befti' 
gen Schmähungen in ben albenifeben 3eitungen unb bie 
ferfönlichen 3nfultatlonen, benen ber «Brrfaffcr bei feinem 
Aufenthalte in ber £auptftabt von 9{eu>^>etla« au«' 
gefefct war. übet auch von Seiten vieler in Silben 
febenber Icutfdjen, namentlid) ber Diplomaten, benen 
bie neuentbedte Stammverwanbtfchaft be« 4]>eflenenvolf« 
mit ben «JDto«fowiten bebcnflid) erfebien, warb Sali' 
metaver mit unverhohlenem 9Ri«trauen begegnet, (Sine 
förmliche fBiberlegnng feiner Ztftotit wäre ba« 93e(ie ge» 
wefen, wäre fie nur auf Dorumente, wie et felbft fie 
verbrachte, bafirt gewefen. Allein ben «JDieiften, bie gegen 
ihn auch, bei unfl in bie Scbranfen traten aT ), feblle e« 
an ber notywenbigen Sadjfenntnifj; bie Urfunben, bie 
gaümetavrr vorbrachte, fdjienrn fo ju fagen bie rinu'geu 
vorbanbenen Duellen jur ©tfchidjtc be« grirebifeben 
^Mittelalter«. «J?eue« «Diaterial warb faum beigebracht j 
man wufjte Nicht« ju finben. Daju imponirte Sali» 
mrraver'« gewallige Sptadjfenntnifi ; wer fonnte ihm bei 
allen feinen etymotogifeben Stubicn über bie flawifdjen 
Ort«namen be« QWoponnefo« irgenbwic folgen ? Sintern 
imponirte vielleicht nicht minber ber gtdnjenbe, be« 93er' 
fafferfl ber gant au« bi«her ungebrurften Duellen gefrhrie« 
benen Jfaiferge|d)id}te von Irapeiunt würbige Styl, fo 
red>! ronrrafhrenb in feiner griffe unb .»trefhnt gegen 
bie Sdjwerfdlligfeit feiner gelehrten ffliberfacber. «Dtan 
begnügte fich, anfrort neue Jbatfachcn vorbringen, mit 
uornebmen l'brafen bie Aeftcrci ju verbammen, biegall« 
metavrr gegen Die althergebrachte Meinung begangen, 
ben «Dränget an "Pietät |n rügen, mit bem er bie bftlifl' 
freu 9temini«reniien ber «Dcenfcbheit in ben Staub ju 
treten »erfuebt habe , unb fo weiter **). Aber wie grfagt, 
tneift übereilte 'Pbrafcu, anftalt befonnene Äritif ber von 
ihm angelogenen Duellen ober ä^Krjujiebung neuer lum 
©egenbeweije. Au(ter Äopitar, ber in ben wiener 3abt' 
büd)rrn bet tfiteratur bei einer «ätfprrcbung be« crjtcn 



67) Um h.i'ifü no* nädiii jinftifrn 3. ». Ol«, Tu «l^jim 
munij Ux fSrud»« nn» M« 3rrtbämcr m c Säafdiu»g«n M Dr. 
Iii; . jllmnam. SRänditn 1847. H. , wo namrallid) 1 1< angeblich 
flatcifdj-rn Crtdnjmrn in öfin-djfiilar,; (UUt Mcr.acn.-n ^ryf^iM 
mtlrTjegt« fijili, tu pi|tcrif(t)fn D«eU<» fuij — ab«t fttilt* i:n« 
««11901» — Nleudjttt »etbrn, im» Itib« «im u»ae^irijtfr 
SitjlrlliMKR nrq.::ii[ii1't jtnb, bi< natBrlld) v« trn farrattif (t|«n 
Xrul<nfa>[iigrii ferr 9r4gmritiflrn infamm(nvtfrt>en mifita. 68) 
So in abgrfdjinacfKitrr 9&eife i IB. ,.a\t 'tü-iiftllW 8. von 
€u<f oir, tirx Sc«s<i(, baf in $<uttgni 0rird)(n ti( rd)trn Scbne 
brr allen «cUnrn jlr,t. Stralfunt 1841 8. 69) 8t>. LI. 1830. 



Sanbe« bewie«, baf gallmeraver'fl Äenntniffe ber flawi« 
frhen Spraken ungenügenb, unb ber al« competentefier 
Acnner berfetben nne nicht unbeträchtliche ftniabl tty* 
mologifcher !D?i«gTife unb 3Ri«beutungcu aufbetfir, hatte 
bei un« nur ^3 i ri f ci fcn in bem erftert 9anbe feiner @e< 
fchirbte ©nedjcnianb« ro ) eine ernftliaje ffliberlegung ber 
frifrb in bie SBelt gefrhlenberten äpPpPtbefc ouf ®rutt9 
einer befonnenen Nachprüfung ber von gaUmeraricr bc 
mißten Duellen verfurht. 9lber beibe brangrn nicht burch, 
obgleich legerer namentlich *tw Wenge verwirrmeet 
SBiberfpntdic in gallmerapcr'« Angaben enthüllte, viel' 
mehr fpielte biefer fofort gegen feinen ®egner einen neueu 
Srumpf au«, inbem er bie $anf(amifirung nicht langer 
auf ben ^Peloponnefo«, ,,ba« febon burd) feinen Namen 
al« flawifd) gefennjeichnete Worea," befcj>ränfte, fonbern 
auch Sittifa unb namentlich Athen a(« burch unb burd) 
flawiftrt barftellte Die« gefchah in feiner afabemifaVn 
Slbbanblung: „SEBelchen (jinflut) hatte bie ScfcRung 
®riechen(anb« burd) bie Slawen auf ba« Schicffal ber 
Stab: Silben unb ber ?anbfa)aft Sittifa? Ober nähere 
Segrünbung ber im erften Sanbe ber ,,„©cfd>ichte von 
9»orea wäbrenb be« Wittclaltet«" " aufgehellten «Jehre 
von ber @ntft*bung ber heutigen @ried)en" (Stuttgart 
unb Bübingen 183o. «.). «Seite« „93eweife" für ba« 
Slawenthum ber heutigen ©riechen, namentlid) au« einer 
Stabtchronif von Sronemvafia, brachten bie „gragmentc 
au« bem Drient" 71 ), in benen unter anbern eine 9te« 
capitulation ber ganjen Streitfrage vorgenommen, unb 
namentlich bie Slawifirung Xheffalfen« au« ben bort 
zahlreich auftauchenden Dtt«namen nid)thrOenifd)en Stam' 
me« bebudrt warb. 3ugleid) brauste „ber grag' 
mentifl," wie man gatlmetaper feitbem nannte, biefen 
Slbfrhnitt, um feinen für unvcrfdlfcbte« 4!rtllenenthum 
fd)wdrmenben , bod) ohne Seweife {id) in Scbonrrbnereien 
trgiefenben canb«leuten ein« auf bie ginger ju geben; 
bie von ©riechen felbft vetfud)ten S&ibrrlegungen beruh« 
et faum. 2Jon lef tcrn iji be« jungem Defonomo« ,',Avk- 
tqoxi} röv yQatyöntav ort ovtit$ räv vw 'Ekkrjvav 
anöyovos räv igxtd<^v" (Athen 8.) aDerblng« ein 
fchwache« «JRachwerf; viel bebeutenber ifl ba« im ©eifte 
3infeifen'« gefebriebene ®ud) von Äonjt. s .ßaparrbigopu' 

ti$ tijv TltloTtovt'ijaov" (Athen 1843. 8.), ba« aber etft 
in feiner Umarbeitung al« „22Laihxid Iv rttlq 'EXkjpn- 
xatg xüqms iitoixtfing" 7t ) (ich ber Arbeit jene« teut« 
fdjen ©elebrten würbig )ut Seite füllt. Auch hier wer- 
ben einjelne bijtorifd)e 3nconfequen)en nachgewiefen unb 
namentlich wirt bie Ungenauigfrit unb Unjuvrrläljigfeit 
ber afabemifchen Abharblung übet Athen betont, gegen 
welche fd)on bet fonjt nicht eben bebeutenbe atbener 
?anb«mann Dionpf. Surmeli« in ber 3. Au«gabe feiner 
atl.enilchen ®efd)id)te ") mit «echt «Btoteft eingelegt hatte. 

€ 111 — 120; wt 9 I. tu »«fufloit m Un Cnllntt 3a6toüd>fta. 
1840. 6. 31—48. 

70) Z^til I- ttivii« 1832. 8. 6. 68» U- 71) USant II. 
@lutigait un» lüomufn 1846 8. £. 367—458. 72) 7«ro- 
o»al ufirfitaxtlm vnö K. IJantiftoyonovlov. IKifos I. 
«tftm 1858 8 p. 22i> — 370 73) Kattietaiti awoxttxit 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



102 — (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



SBäbreiid einzelne fircng wiffenfdjaftticbe (frfodcber ffa- 
wifcher (Defcbichte, wie Ii« unparteiliche Safarif T *), nur 
mit gröpt« Verficht die neugewonnenen ftefultate berüd» 
fidjtigtcn, jubelte ber Gbor der ^anflawiften laut üb« 
die gemachte Eroberung, ohne t'dbft weit« ju prüfen. 
,£>attc doch riu £anfow«fp um bicfelbe $tit, ba gaü» 
meraper in l'anböbut fffnt SSonebe fcbdeb, gar ben $0* 
m« 74 ") ju einem flawifdjcn Sdnaer ftempeln wollen — 
denn t« Sänger b« 3lia« War blmb, unb beö ferbifcbrn 
.£«rule«, bc« fabelhaften Äönig«fobn« 9Rarfo, follen ja 
auch namentlich bie blinbcr. ©riger gebenfm, die mit 
d« @u«le da« SJanb burcbwanbern ! unb bie flawi' 
fdicn Spraken geboren ja aud? jum inbogermanifdjm 
Stamme — ; unb bat niüjt ein SBiolamJfi bie rätbfdbaften 
ctru«fifchcn Jerte einfach a(« nrflawifd) beuten wollen, 
wie Scbmi$«8lu«bacb al« urg«manifd)? ®ibt nicht 
ncch beute ber früh« befonnene ^ierra«jew«fi ben 3enb 
Vlfffta al« älteftc« Wonument ber Slamenfpradje b«< 
cu«? $en ^anflawiften pajjtc eö natürlich nur in brn 
.ftram, wenn gerade b« iHuficnfreffer unb T>emofrat Jall» 
m«apcr rem angeblichen 2cftamcnte de« $aua *Pctet 
unb ben SJcftrebuugcn brr 3arewna Üatbarina II. neue 
.§>andfcabcn gab, bamit man ben Ätieg gegen den 3«(am, 
b. b. tie (Sroherung von Stambul, ber £errin breier 
3Bdlthrife, jugleicb al« einen heiligen Äampf für bie 
SPefreiung der iiammpcrmandten Slawen Pen Bulgarien, 
Wafebonien , Jtjrafien unb ganj .jjjdla« febminfru fönne. 
gallmcraper hat feine $vpcth<fc aud) weiter in p«fcbic 
benen 3etiung«artifdn , namentlich Gorccfpendenjen jur 
Vlug«burg« Allgemeinen, pcrtrrtm; fie fmb, gre(jtrnibeil* 
unperfür}!, im britten SJande feiner pon ibouia« ber» 
eingegebenen gcfammelten 53crfe (8ripjig 1801. 8.) wie» 
ber abgebrudt worden. «Seine lefcte Mrbeit betraf ba» 
„albanciifcbe Clement in ©riea)cnlanb;" mit nod) unju> 
reichendem Duellen, bie grofjrntf>cil6 höd)ft unlauterer 
£«funft, foUle ber SJewei« geführt werben, rap, wa« 
in £dla« nidit flawi id), Wenigsten« albanrfifcb fri. '-lUi» 
brm ber gragmrntift wegen be« Slawentum« ber 4jel« 
Ktmi mit ben tat neben @eld)rten gdebe gemacht unb 
anfdjeinenb al« Sieger bie Sßaffrn nicb«gelegt, galt e«, 
bem fpdrlidjen ÜKefte bner, bie ihre Stammbäume bi« 
ju ben §erorn ober ben ^hilofopben be« Sl(t«thum« 
jurüdfd)tauben möchten, ben lepten Stop" )u PcrfcfceH. 
Sßir werben fpdtrr, wenn bie Sllbanefen fclbfiänbig b«* 
portreten, feine Jbeorie näher ju beleuchten haben; por 
ber $anb genüge hier biefe Slnbeutung. 

Der $cfdbigtrfie jur 9eleud)tung ber Slawentbcode 
bätte 99u(bon fdn fönnen, bätte « nur nidjt bd feinen 
Stubicn über grie<f>ifd)e6 SRittrlalter fid) bie ©ren}e all tu 
eng gejogen unb mehr bie gloirc IrwifniBe unb einen 



r^s nältms 'Atrjvwv ano tffi irrioaix; aizipi vnh tmr 'hat- 

i -i C>Xf ttiovt "~,t TovQnonfiniuf. ütljm 184ti. 8. p. 69. 

INvtt «. 

74) £UiPif*r ailctlf)üm<T. Jfulid) i» SR o f i g vtn W(&rtR> 
f»H, li»ta««c|ff|rt<n »cn $t mr. »utlf«. 9t. II. etipjig 1S44. 8. 
€ 162 f j. ; »in <l4(Sf«f#, ren mit »iclfa* t>(nuftf<i ©<tf. 74 ») 
Homtru« i)«Tici» di»ltrti. cngnW« lingas »crip»it. Vindoboq»« 
1H29-1831. 8. 



Sij in ber 8faPemie im Sluge gebabt, al« grünb< 
litbe «ufbcüung t»r bunfelfien 3riten grietbifd)« @e* 
fd)id>te. «ber ihm lagen nur „nos Fran^ais" am 
$erjrn; fowie er bie catalenifdje ^«rfdjaft in Sltben mit 
wenigen 3d!en f.bf«tigt, ebenfo fem lag e« ibm, fritifd)« 
langweilige Untcrfua>uugen über bie nrdi weniger roman* 
ttfdien unb rubmreid)en Slawenjüge antufteUen. Xa< 
gegen rerfudjien lafel unb (5Uiffen wieberbolt, gelegentlid) 
einzelne fünfte Der Slawcntbeode ju roiDedegen , xoat 
ihnen aud) pollflänbig gelang; allein dne burtfegebenbe 
Jtdrif fämmtlidirr von gaUmeratier aufgeftellten Sd^e 
auf }undd}ft fireng bifiorifeben ©runblagen untnblirb, 
ba jener überwiegend bie ©eograpbir, biefer bie ^itrratur 
be« mittlem unb neuem ©riedjcnlanbd jum @egenftanb 
überau« grünblid)« Stubien gewdb.lt. Äl« nun neuer» 
bing« gar ginlau, b« freilidi nirgmtwo neue Duellen 
beibrachte — foleb Urfunbenjagen war pon jeber tem 
praftiftben Sdjolten antipatblfd) — , dagegen mit gdun« 
ber Äritif bie podiegenbm beleudjtete, unb mit pbilo/ 
fopbifebem Sdjarffinn bie ®efd)id)te da innnn 3uftdnbc 
pon ^eQa« (freilid) nidjt obnebie unpermeibtidjen, burd) 
Dudlenmangel pemdadjten 9Ki«griffe) tu reeonftruiren 
fuebte, anfdjeinenb ganj auf gallmnap«*« Seite trat, hatte 
bie neue £ppotr)cfe bei un« faft geftegt. Unb „ba0 aOe 
Hellenen Slawen feien," galt für eine aufgemachte Ihai- 
fadje, io fefjr aud) bie Seffern be« 9)olf«, bie auf tcut< 
fdjen Uniperfitdten teutfd>e Silbung liebgewonnra, ba« 
gegen protefiirtrn. «ber bie Slawentbeone feilte aud) 
über bie Sdjranfrn gereijt geführten pbüolrgifcben 
Äampfe« binüb«gefpielt w«ben; bem ganjen teulfdje« 
ffiolfe, ba« für fprrififd) pbilbeUmifd) galt, Pa rin teutfd)« 
«Pritij bm ibron r-on 9leu»j>ella« beftiegen, foUten bie 
Äugen geöffnet werben über ber *flfeubo« Seltenen mo«« 
foroitifebe Stammperwanbtfd)aft unb Hinneigung jur 
ftammp«wanbten , 9ftle« ntpellirmben Ort^cdode bn 
alleinfeligmacbeitben Mirfat be« 9)uffen)aren. 3u bem 
populairen 3ourna(e ,,3Beft«mann'« 3Uufidrte SRonat«« 
befte" '*) bat Jtriegf bie grage über bie Irlbilammung b« 
heutigen Jpellenen al« dne burd) gallmnap«'« (ütjne 
j^ppotbefe pollftänbig gelöfre, ba« Slawentbum al« den 
unbefireitbaren Mnn nrnl)eUenifd)en Seben« bargefiellt. 
Und fo ift allmdlig gallmeraper'0 tflnfd)auung bie bei 
un« gdng und gäbe geworbene; übnad bort man nur 
pon bem Wifcblingflpolf b« beUcntfd>en Slawen reben; 
die ©egeifterung für da« neu «bobene ^»ella« erfdjetnt 
al« eine gemachte, erfünfldte; denn bie Slawen, bie fid) 
^dienen idjimpfen laffen, haben auch dannihre Unfäbigfeit 
jur Selbftregfemng betbdtigt, fap fie gleich ihren Stam» 
me«genoffen in inufHanb, 'Holen unb anber«ipo, felbfi 
neuerbing« in bem „hellenifirten" diumänira, fiel« grembe 
ju ihren Aencn «form, neibifd) auf 3eben, ber unter 
ihnen felbjf grofi, fdedjenb gegen ben grembm , ber ihnen 
dar di Abnenprunt ober „'HbHbeUenenibum" imponiren 
fonnte. 9tan benft dabei unrpiQfürlich an bie Sdjilbe» 
rung, bie Äaifer ito der ®eife pon ben Slawen entwirft» 



75) 3abr„. 1869. 5»r. 29. 6. 634 ffl. „tu Slb8amm B n ft 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



103 



— (I. PERIODE VON 395—1204) 



gaffen wir Jtrirgf« Sd&e, bie unzweifelhaft für bie 
2Ran< ber „©ebilbetcn" bei unö maßjcbenb geworben, 
tu: aber im ©runbe nur ein (Jrcerpt au« gallmeraper'« 
für Me teutfeben ®eleb,rlen befrimmten Argumentationen 
finb, »ufammen, fo fctjrint golgenbrf uiiumftöfltd) auf- 
gemalt ju fein, „Sif }u unfern ^agen tjat ba« große 
publicum (Surcpa'f bie (Sinwormrr ©riedjenlanb« für 
Scacbfommeu ber allen ©rieben gefallen. Die ©cletjr* 
ten wußten urar, baß nicht unbetrdcbtlicbe Steile ©tit» 
cbcnlanb« von Hlbancfen bewohnt finb; aber auch, fie 
jrocifelten niebt im gcringften an 6er echt griedjifcben 
Abfunft ber übrigen (tinwebnrr. 3n neueirer 3«< fat 
jeboeb gaflmeravvi naebgewiefen , baß bie Seugriccbcn 
mit geringen aufnahmen feine 9caa>fommcn ber alten 
©riea>cn, fonbem größtentbeilf von flawifeber äbfunft 
finb." (Dafür finb )unäcbft bie Mi wlffc u Seweife ?ot« 
gebraut. Scbon ju Strohe'« $tittn !<M<>< 2anbftricbe 
ött; bann bie SJerrjeerungöjügr ber ©ottjen im 3. unb 
gegen @ube »e* 4.; Gbrifrianiftrung be« ganjen ©rie» 
cbenlanb im Saufe bei 5. 3a^rljunt>rrt0 ; nur ba« 'Seif 
am Xapgeto« (Die echten alten Stafcbdmonier) bleibt beib» 
nifcf) bi« auf Skjiliu« L Dann »eitere 93ölferftürme 
gegen ba« fa)wacbe, ftecbenbe Oftrom, ba« von 499 
— 7ti3 von ben Barbaren verbeert wirb; bie Äufmor« 
bung be* 9teia>« unter 3uftinian nad) «JJrofopiofl' 
AnecdoU; «tl>en 400 3af>re lang öbe; froatifebe, hui« 
garifebe, ferbifdK JReidje auf bem Sioben be« alten 
dtomderfiaat«; Sinfdlle ber Araber, Normannen, granfrn 
unb Albanefen, bureb, welche „bie gried>ifct>e Nation bi« 
auf einen febr geringen Jheil untergegangen, unb in 
ihren äBebnfiBcn huret« Slawen unb anbere SBölfer er< 
fe&t werben if), welche tie neugrieebifebe Sprache au» 
genommen haben. Alf unvennifebte SRefte ber alten 
©riechen fann man nur einen Jbeil her ganarioten — 
boebabeifge gamilien, von benen bie raeiften altbefleni» 
feber Äbfunft ui fein febrinen; in betreff einiger, wie 
ber 3)pfilanti, ÜRorufi unb JcaUimacbi, fann bie« fociar 
urfunhlid) (??) naebgewiefen werben — , bie Ifajafonen 
unb einen $bcil ber jnfelgriectjen anfehen." Stiegen bet 
Zfchafonen erbebt inbeffen Jlricgf woblbegrünbete Sie- 
brnfen. (Snblid) bie eigentlichen Seweife: 

1) Die üKenge unb lange Dauer ber gefien ©riechen» 
lanb gerichteten Staubjüge roilber üßölfer — 400 
3abnr lang; 

2) bie größere ©raufamfeit unb 93erbeerungöluft ber 
Hölter, wriebe in ba« bvjantinifcbe Seich ein« 
fielen ; 

3) bie fchriftlichen 3rugniffe von3fitgenoffen. 

4) Die altgriecbjfc&en SSölfer* unb Wnbernamen finb 
alle untergegangen unb bura> ftembe erfe|>t Hor- 
ben (bat>er Somder, Roman» unb ha« flawifebe 
Korea). 

5) Die altgriecbifcben Samen von Städten , Dörfern, 
glüffen unb ©ebirgen ftnb «um allergrößten ibeil 
au« ©rira)enlanb t>erftt)wunben , unb an iljr« Stelle 
finb flawifebe, turfif * » albanrftf*c unb neugtiecb> 
fa>e (!) getreten. 



6) Die beutigen Bewohner ©riecbenlanb« baben feine 
Srabitionen au« ber altgriecb,ifdjen 3«t mebr; ihre 
bifiorifcb.e (Srinnerung gebt vielmehr nur bi« in bie 
3eit ber beginnenden 2ßiebereiufü6rung (?) be« 
(Sbriftenthum«, b. f). bi« in ba« 9. 3al>rbunbert 
hinauf. 

7) (Snblicb bie burett unb burdj mit flawifd>en (Fle* 
meinen oerfeBtc neugriea>ifd)e 3prc*e. 

*4?unft 4 — 6 gehören eigentliaj in bie ©eographie 
©riecbenlaub« unb finb aua> hier fo au«fübrlicb erörtert, 
baß ich. nur eine fleine 9tad)le|'e unb SHerifton ju galten 
brauaje; 'JJuuft 7, ber n>ol in her ©efebjebte Der mittel* 
grfea>ifcben Literatur grünblicber abgebanbelt roirb, fann 
iaj ehenfo nur anbeutenb berübren. ^?unft 1 unb 2 flehen 
al« aufgemachte Xl)atfacb.en auch, nach bem hier ©efagten 
M: e« Ijanbelt fta> alfo bei fritifefeer Srleud)tung ber 
gaOmeraner'fcben Theorie {undebft unb vor Allem um 
$unft 3. 3fr e« richtig, baß bie 3'<tgmoffcn in ibren 
Schriften bie Suörottuiig be« ^ellenenvolf« unb bie 
Slawiftrung von gan) ^ella«, mit Aufnahme be« (leinen, 
von Ariegf naa) leinem Vorläufer envdbnteu $rua)tbeil« 
— ganarteten, Ifcbafonen, 3nfelgried)en — beftdtigen? 

Daß in ber 3eit vor 577 ©riecbenlanb gar 3abr» 
bunbrrte lang von ben ^lünberung«}ügen ber nörbliaVu 
Sarharen m leiben Jjatte, ift eine aufgemachte Irjat' 
faa)e; ebenfo ermiefen ift e«, baß in biefer 3eit von 
einem Seßbafuverben unbellenifcber Stdmmc im eigent« 
licb,en djella« — abgefeben von ben ©erben hei Dvr» 
rbaebien — nirgenbroo ein ©ort verlautet; haß vielmehr 
bie £l}ermovvlen (aum j;oeimaI, ber 3ft>^mo« niemalf, 
von ben norbifchra „Unf)olbeii" eneicb.t tvorben finb. 
Siefumiren mir nun fun, tva« unf auf bieten: jreeitrn 
Slbfcbnitte quellenmäßig feftftehen fann über bie GinfdUe 
ober vielmehr bie Weberlaffungen ber Sarbaren in 4j>el« 
lafl, fo fommen mir ju folgenben, urfunblicb, enveifl« 
baren 3^atfacben: 

I. 9»acb 3ol)annef von 6pf>efof plünbern bie €la= 
reinen 577 ganj ^eHafl, Sljcffalicn , a»afebonien, he. 
beuteten baf Janb unb ivoljnen batin, bif — „®ott 
fte t)inau«tvarf." ®ann ledere« gefebaf), fagt er nicht; 
bed) — 584 — ,,bi« l>eute fi^en unb ruljen fie, burefj 
^Plünberung reidj, in ben römifebrn k 4Jrovinien." Daffelhe 
berichtet Wenanber. Der Äaifer ruft gegen fie bic Äva» 
ren, tveldje aber nicht nur bie Slarocn befriegen, fon« 
bern gleia>fallö ba« SReicb. verheeren unb enblich 581 
©irniium nehmen. 

II. Steuer (Stnbrudi ber 21a reinen, bureb fJonu 
mentiolu« ahgeivebrt 584. 

III Die «varen (äffen Die }in«pfli(btigen Slawen 
le« gegen ba« Seich 588 (laut Simocatta), nacb.bem bie 
elfteren felbft 583 unb 586 eingefallen unb im ganjen 
Korben mit geuer unb Schwert gekauft. SBenn -5va' 
griu« ba ven einer Stabt $t\la4 rebet, fo ift barau« 
ehenfo wenig tu fcbließtn, baß 9)cittelgriechenlanb von 
ben »varen — nicht Slawen — beimgefuebt fei, wie au« 
bem „uitoXÄavtii anavta xal xvoxoXovvTts" baß ba« 
ganje ^eUenenvolf bamal« von ihnen ausgetilgt wer- 
ben fei. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 1 

IV. Bei Bajan'« Äricg 591 fiften bic lfm «in«« 
Pflichtigen Slawen im «Korben be« Meid)«; ifcr gühret 
»rbagaft, bcrfelbe, ber 584 ben <5inbrud> geleitet, wirb 
503 angegriffen, ba« Slawenlanb jenfeit« bei Donau 
von ben Aaifcrlidjen furchtbar verheert. Die Angriffe 
wicberbclcn (ich; «rbagaft fällt 597; bod) bleiben bie 
Slawinen bic Sieger. 

V. «varenfturm gegen tat Seid) 600, abgefauft; 
um bie in 3firien unb Talmaticn plünbernDen Slawen 
ju verfolgen, barf ber Jtaifcr bie Donau » SReid)«gtenje 
uberfebreiten. Dann »eitere $eetjüge mit wcdjfclnbem 
(hfelg; ber Sdjaupla« bleibt ftet« in ben Morbgtenjen, 
an ber Donau, ©roper Kaubjug gegen bie Äeftbenj; bie 
«raren »erben abgefauft 619; ein jweiter «ngriff mi«« 
lingt. Da« «varenreid; fällt vor ben Bulgaren unb ben 
ilawit'djen Untertbanrn. 

VI. Die Bulgaren grünbrn auf bvjantinifdjcm 
Bobcn ein »Jcrid), ba« bi« in bie 9?äbe von ?r)effalonid) 
ftd> erftrrrft. 3"fll'i* — um« 4]>erafliu« — frieblidje 
Knfiebelungen ber Äroatrn in Dalmatien. 

VII. Die mit ben Bulgaren vrrbünbeten Slawen 
ft&cn in rerfd)iebenen Stämmen um Sbrffalonidj, »erben 
von (»onjtan« II. 657 unterjocht (babei ZxKaßivta, bie 
Slawenrantcnc am Strömen u. (. w.). 

VIII. Stürme ber Bulgaren unb Slawen, welche 
festere <ur See auch bie JCüjirn ©rirdjrnlanb« geplün« 
bert haben, gegen Sheffalonicb 675 — 681. Slawtfaje 
Stämme fit)en in 'Iheffalicn am ©elf von Bolo unb in 
Bagenetia in (Fpire«; bie Slawen am Strtmon rauben 
68 1 jur See in ber Uroponti«. Da« Bulgarenreid) 
wirb alfl felbfiänbig anerfannt 679 ; bagegen werben bie 
Slawen um Sbenalonidj (bie Sfiavinia) 688 unter« 
icd)t. 

galten wir hier einen ftugcnbtitf inne, fo ergibt ftd) 
al« unumfiefiliebe« Stefultal, baf aud) biefe Barbaren« 
einfalle faß au#fd>liejiiid) bie nörblicben Brovinjrn rra« 
fen. Sclbft bie 3 f "fl n 'ff e SJtenanbcr'« unb 3<>banneö' 
von tjpbefc« geben burdjauö nicht brn fefirn Bcweifl, 
bajj -^ella« feitbem von ben Slawen oerupirt worben 
fei; vielmebr beflätigen fte nur, Ba|j Jbeile be« Reiche«, 
unb ü '.mv gerabe im Horben, von ibnen befefct worben 
finb. Solche flawifebe Wieberlaffungrn c rjrreden fi<b @nbe 
be« 7. 3ahrbunbert« füblicb bi« nad> Boni&a in 6piro« 
unb Beleftino in Jbfffalirn ; bafc fie aud) SRittclgriedjenlanb 
unb ben Beloponncfe«, ber gelegentlich jur See verbeert 
warb, umfaßten, M nirgentwo bewiefen. Die bebeu« 
tenbfren flawifeben (Solonien finben fieb um Ibeffalenidj, 
unb c« bebarf wietcrboltcr £eerjüge ber Jtaifcr, um biefe 
Stämme jinibar ju mad>en. Daf» bie Slawinen, bie 
577 aud> in JptÜai plünbern, mit benfelben Slawen 
ibentifd) finb, bie unter «rbagafl 584 — 597 bie Seia)«-- 
lanbe verbceren, fann feinem 3 ,rft f'' unterliegen; wo 
fie fid) fepbaft geraadjt batten, gebt au6 bem ©cjagteu 
hinlänglich hervor, nämlich in ben *Rorbprovinjen, jumeifi 
an ber Donau. 

Bahren wir nun fort mit bet Ourllcnreviften, fo 
jinben wir weiter: 



4 — (I. PERIODE VON 395 — 1204) 

IX. Den «uffianb ber bellenifchen 3fonobulen — 
'EXiadixol unb Bewohnet bet Ävflaben — unter bem 
Iurmard>en »galliano« gegen feo IIL 727; 

X. bie furebtbare $eft von 746 — 747, bie rtebt 
eigentlid) &tüat unb bie 3nfeln trifft, unb ba, wie in 
ber $auptjtabt, wol großentbeiit) „audmorbet." 

XI. 3n Solge berfelbtn (um 750) flawifebe Sin« 
ftebelungen in bem veröbeten ^ellae) unb ^Irloponnefotf, 
bie „flawifttt unb barbartfd) werben;" ^lorpbvrogenneto« 
belegt biefe «ngabe mit bem flawifd»en ®efid)t*tvpu* be« 
abnenßoljen Beloponncjter« 9?tfrta6. 

XII. Uber wol nur ba« platte £anb würbe 
gro$entbri(6 von ben naeb Suben vorrütfenben frmmo« 
nifeben unb pagafäifeben Slawen befe^t; bie beflenif<ben 
Stäbte, gewifj tbeilweiie von ber Beft verfdjont, waren 
faft fibervölfert, fobap au« ibnen 755 gonftantinopel 
neue (Foloniften erbalten fonnte. 

XIIL Äeue Stürme ber Bulgaren — mit ibnen bie 
rebellifdjen firvmenifdjen Slawen — gegen Ibtffalcmijf, 
758; lejtere werben wieber unterjod)t; erfjere friegen fort. 

XIV. Jlaiferin 3rene unterwirft 783 burd) Stau» 
tafio« alle Slawinen 2beffa(ien0 unb 9?ittelgrird)ra« 
lanbf); felbjl bie Slawenßämme im $rlopounefo< werben 
angegriffen, allein nid: t unterjoa>t. 

XV. «famir, Slawenbäuptling in Beleftino, wiU 
bie in «Iben internalen Brucer S?eo'd IV. gegen 3rene 
erbeben; bie 9iebeUion wirb 799 rafa) gebämpft. 

XVI. Dod> halten fid) bie Slawen unabhängig 
im ^eloponnefo«; He wollen, a!0 9tifepboro0 I. regiert, 
volle Selbjlänfrigfeit gewinnen. Unterfingt von bert 
«rabem, plünbern fte bie Käufer ber benaebbarten (%i<^ 
eben unb beftürmen (tat beUenifdje) $aträ. Qin ©tin* 
ber rettet 807 bie Stabt; ber faifer!id)e Srrateg be« 
Beloponnefo«, ber in Jtorintb refibirt, fommt bin; auf 
Befehl be« »ifepbero« werben bie befiegten Slawinen 
ber jur Wetropole erbobenen Äirdje von Barrä a(* 
Seibeigene jugewiefen ; ihre Saften werben bemad) (jwifdjen 
898 unb 912) regulirt. 

XVII. Httut Goloniften au« bem ganzen Seid}« 
werben 810 in ba« wiebergewonnene ^eibenlanb gefanbt. 

«u« brn ©nagten gebt nunmehr hervor . ba$ nod> 
)ur 3ftt ^eo'« Iii. ^ella« ein beträcbtlicbe« ^peer, bie 
Änflaben eine bebeutenbe flotte fiellen fonnten, baf 
alfo an eine «u«rottung be« Aellenenvolf« in Sali« 
meraver 1 « Sinu nid)t ju teufen ift. Bielmebr finb auef) 
nad) ber großen noa> einzelne belieniftbe Stäbte 
volfrrid» genug. Dagegen warb ba« platte £anb, nament« 
lia> ber Beloponnefo«, um bie Witte be« 8. 3abrbunbert6 
weit unb breit von ben flawifeben Stämmen befejt, bie 
fd>on feit länger al« einew 3abrbunbert fid; in Ibrafien 
unb einem Ibeile Sbeffalienfl niebergelaff en , unb nun faft 
60 3abre lang unabhängig bort fdjalten. Die Slawen 
in ^eüa« unb Ibeffalien werben 783 »in«bar, bie im 
Beloponnefo« 807 wenigM« tbeilweife '«) unterjocht. 



7C) «ntfre ffawtfffl« Mnflrttrt grtrig rt» fpätre. »ie *ir 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 105 



(I. PERIODE VON 395—1204) 



Satrd unb tforintf) ab« finb fortwdbrrnb griediifch ge- 
blieben; nod) verwaltet tic £albinfel, reu* fiüber, ein 
faitVrltdjcr (gtratrg. In un« t>icS Jtenftanrino« '[ : :t 
pbvrcgenniru« nu- i't, freilich au« fcmi Solfoinunbe, be< 
richtet, türfte bie Hingabe in bem Spnobalfcbreiben be« 
Patriarchen Nifolao« IL, „bap, fo lange bie Ovaren 
im Seloponnefo« benfcblen, fein romäifther Seamtcr ben 
felben ju betreten wagte," bod) wol auf ein befebeibene« 
SNajj jurudjufübrrn fein, wenngleich ber Seutejug be« 
€laurafiotf gegen bie (Slawen ber #a(binfel beweijl, baft 
man biefelbe u-iriiid) wie ein abgetrennte« Barbarenlanb 
anfab, von bem nur einzelne griecbifdje Stäbte, burd) 
ihre gelungen gefebirmt, bem Äaifer »erblieben waren, 
«nber« bürfte e« mit ber Behauptung fieben, bafi bie 
Ovaren, b. b- bie Slawen, 218 3abre lang ben Selo< 
ponnefo« beberrfebt hätten, alfo von 589 — 807; wäbrenb 
au« unferrr Erörterung hervorgehen müfjte, bafi fie nur 
feit etwa 750 — 807 .perrrn im 8anbe grwefen. Ratten 
bennoeb bieSlawinen, bie 588 nach Simofatta „Ibrafien" 
reiben t, bamal« auf ibrem Seutejuge aud) ben 83eg in 
ben offenen Seloponnefo« gefunben unb fid) bort fepbaft 

Semad)t? -Sie viel SBertb auf bie Stabtcbronif von 
Ifonembafta, bie garu ähnliche Angaben enthielt unb 
in ben „gragmenten au« bem Orient" »um frften Mal 
jum Seweife ber Ibeorie vorgebracht wirb, m legen ift, 
werben mir bernadj prüfen. Suchen mir bin junädjft 
nach weiteren 3eugniffen gleicbjririger Scbriftjteller, bie 
nicht fowol bie dupere Jtrieg«gefd)icbte, wie mir fie hin 
notbwmbfg in ben Sorbergrunb (teilen mufften, bebau- 
beln, fonbern bie geographischen ober innem Seirbdltniffe 
be« einfügen ^rllenenlanbe«, wenn aud) nur gelegentlich 
unb anbeutungflweife , berühren. 

Daf bie geograpbtfcben angaben be« 3ren Diruil TT ) 
hier nid)t in Srrrad)! fommen fönnen, liegt auf ber 
$anb; finben mir bod) In feinem Suche fein Silb ber 
Damaligen 3uftänb« von .Jjetla«, fonbem nur eine Kom- 
pilation au« dltern SBerfen, namentlich Siiniu«, Soli» 
nu« unb ber ico«mograpbie be« fogenannten Stetbicu«, 
welche für biefe 3abrbunberte ohne allen bifiorifeben 
SBertb in. Siel williger muffen hier bie Serjeicbnijfe 
ber gried)ffcben St«tbümer fein, bie bo<h wenigfien« 
tbeilmeife noch bie gorteriftenj fjcOrnifc^rr Stätte be« 
weifen fönnen, unb auf bie id) br«balb fpdter jurütf* 
fomme. Sonft Werben bei ben bvjantinifcbrn ^iftorifern 
unb anber«wo nur dufjrrfi feiten bie 3nfeln unb ba« 
gefllanb von Jfpella« erwähnt, wenn wir von ben Nach» 
richten über bie £eerjüge, bie felbji bürftig genug finb, 
abfrben; nur Sltben wirb häufiger genannt, fonft faum 
eine Stabt be« mittleren ®ried>enlanb«. Son ben 3n« 
fein be« dgeifeben SReerr« hohen wir in fofern einige 
Äunbe, al« biefelben ba« ndebje 3>el ha Wauh» unö 
droberung«jüge brr Araber waren. Um biefelbe ,U;t 
(653), al« Sapft Wartin auf Naro« anlangte, um brrt 
bie Sdbet ju gebrauten-*"), würben Äreta, Äofl unb 



Sboboö von TOoawije geplünbert; duf festerer 3nfel flürjte 
ber Sieger ben berühmten jtoloj? um; mit bem gefauf« 
ten (Jrje foll ein 3ube au« (fbeffa über 900 Jtameele 
belaoen haben 7 *). 3m 3ahre 726 entfianb )wifd>en 
übera unb 2hera|la burd) eine ber im 8lrd)ipel gewöbnlithen 
vulfanifchen (Eruptionen bie deine 3nfel 6iera ; biefe« 
unb anbete 9taturerrigniffe foQen brm .Raffer 8eo III., 
wie bie 3fonobu(en fabelten, ben @lauben beigebracht 
haben, bajj ©ort wegen ber Silberverehrung jornig fei, 
unb ihn fomit aufier anbent ®rünben tum Serbote 
bert'elben beftimmt haben. Son ?emno« " 5 ) wirb un« 

Sim 3ab« 766 berichtet, ba# bie auf Sefebl be« Äaifer« 
onfiantin V. in« MWn geworfenen («ebeinc brr hei> 
Ilgen Quphemia bort gelanbet feien; £e«bo« enblid) war 
ba« dril ber Jtaiferin 3tene, bie bort am 9. rlug. 803 
fjarb ■*). Son bem ®efdjwaber ber 3nfe(griedjen war 
fd)on oben bie Siebe; al« Sefehl«baber beffelben erfebeint 
780 -") ber @rofiabmiral ber jwölf 3nffln (d(fovyyä(fu>s 
riß . /..üWcrr v'.ov) Übeophblafto«, be« 9thangabe €ohn. 
6« fft bie« meine« SBtffcn« bie erjie 6teüe, in ber bie 
Avflabrn unter biefem Kamen erwähnt werben, ber fpd« 
ter ganj gäng unb gäbe wirb. 

3m $eloponnefo«, auf bem ein Jfaifer 8eo (HL ober 
V.?) um biefe 3eit einen SBarttburm anlegte, wela)er burd) 
fteuerjeieben ba« Slahfn ber Sarbaren, wol ber arabifeben 
Straten, veifünben follte**), wirb, wie wir fd)on gefeben 
haben, fortwäbrrnb Äcrintb al« ^auptftabt genannt 
S)a$ bort aud) faettfd) ein (Sr'bifdjof refibtrte , geht au« 
ben Sriefen ®regor'fl be« (großen hfirvor, bn i. 8. 
590 •*) bem bortigen @r|bifd)of Slnaftafto« feine S3ab( 
melbet, fowie ben Qefenfor Sonifadu«, ben er an 
ben jtaifer SKauridu« fenbet, empfiehlt; fpdter aber 
(595) ••) beffen Nachfolger Scanne«, „ba «nafiaftu« mit 
Stecht abgefept werben," feine Hnrrägc ober Se fehle bin« 
ftchtlid) per «nfldger feine« Sorgdnger« ertheilt. 8ud) 
bie bei 8e Duien »0 genannten Nachfolger be« lefctern, 
wie ©tepbano«, ^ilarioi, 3oanne» II. unb Saulo«, bie 
allerbing« »um Zhdl bem nädiften Hbfdjnitte angehören, 
refibirten ohne grage am Orte ber 9J?etropoli* felbfc. 
Neben Jtorintb tritt nun im Sd<wonnefo« »on ben 3«ten 
be« Äaiferfl Wauriciuö (582 — 602) an namentlid) 
SRonembafta hervor, ber le$te ^erb gried)ifd)»romdi|cher 
SRunicipalinftitutionen. Obgleich Ue Duien •■) bort feinen 
Sifchofflnamen vor bem bc« Setrofl, ber am 7. öfume» 
nifd>en (Soncile von 787 Iheil nahm , fennt , wiffen wir 
bod) au« SbKtn&e« •»), ber felbf* ohne grage bah« 
flammte unb mit ben alten ®efd>lecbtern ber Stabt burdj 
verwanbtfcbafllidK Sanbe verfnüpft war, baf bie bortige, 
fpdter mit vielen Privilegien bebadjte Äircbc gegen <Snb« 



79) Tktophane» Vol. I. p. 627« anb bie aabtrn DurlUn bei 
Muralt a. a. C. p. 290, 7. 80) yierph. Cpoliimtu p. 64; 
Thtopkanm Vol. I. p. 621 ; Ceirenu* Vol. L p. 796- 81) 
p. 364. 82) 0«Ur« ibnta 



77) A. Ltlronne, Recherche« geograpbiquet et critiquw mr 
1* livre de menjur» Orbis terrae cumpoie p»r Dicuil. ' 
1814. 8. 78) Man* X, 851- 8.^_ 

a.cfi«»n.».ffl. t «. 



64; 

Iheophann Vol. I. p. Hi Ceirenta Vol. I. p. 796- 81) 
Da<U« bei Murall a a. O. p. 364. 82) Curürn (bmba 

p. 389- 83) 7VopA<i»« Vol. I. p. 703; trtfll. bfit Sfttt. 
maior Slraboni» Lih. X. p. 1270- 84) BorckA, Corp. Inwr. 
n. 8620. 8ft) K P p. Llb. I, 27 «• o C. H. f- 517. 86) 
Kpp. Lib. V, 52 o. tt. O. U. p. 779- 87) Orient Chrl.il«- 
nu». Tom. IX Puriiiis 1740. fol. p. 162 aeq. 88) a. a. C 
p. 218. 89) Lib. IV, 16 (ed. Bonn. p. 398). 



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GRIECHISCHE GESCmCHTE — 106 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



t>t6 6. 3abrbunbcrt* (unter SR an Heine) von Äotintb 
abgetrennt unb ale fclbftänbig tonftituirt wart. «Dictum* 
hafta, in Ärgoli< unweit ber alten Siabt (Spibauroe 
ifimrta auf einem bureb bic 9?atur fa>on unb balb noch 
mehr burd) Jtuuft befeftigten gelfeneilanbe gegiünbet, warb 
im Saufe bei 3at)ic ndcbft jtorintb bie wicbtigfle bvjan« 
tinifd)e grftunq ber .Jjalbinfd, if>r vortrefflicher Jftafrn 
einer ber fieberften, in bem felbft bie bieber im 3nfel' 
meere wenig bewanberten Crribentalen gern anlegten. 
Tabcr gebenft beo Aafene) auch bei belüge SSilioalb, 
fpdler (741—786) Sifcbof von Gicbftdbt, bei in btn 
3abren 723 — 728 nacb bem heiligen üanbe pilgerte. 
3n feinem von cinei $ierwanbtcn, Wonne in Reiben* 
beim, vcrfafjten ?eben ober Stcifebericbte •") heifit ee, bafj 
er mit feinen- Begleitern naa) breiircdie ntlidiem Aufcnt» 
balle auf Sieilien „inde navigantes venerum ultra 
mare Adriaticum ad urbem Alonafcuiam in Slavi- 
nica terra. Et inde navigantes in insulam nomine 
Choo, dimittebant Corintnios in sinistxa parte. Et 
inde navigantes in insulam Samo." 'Run fehlt frei« 
Um in bei fritifdjen Ausgabe beffelben SJucbee von 
b'Äcbcrv unb SRabillon •') bie ganje betreffenbe Stelle — 
von Sicilien fommt SBilibalb gleich nad) <5amo4 — , 
unb aud) bie furjere Scbenebefdjreibung bee ^eiligen **) 
erwähnt nur Stot unb «Santo*; aber aueb roenn biefei 
3ufa$ urfprünglid) ift, fonnen wir bod) baraue niebt 
folgern, bafj wirtlich batnale? Üionrtnbafia im £ tarnen • 
(anbe gelegen. Denn bie geograpbijcben Jtenntnifie ber 
Seifafferin finb fo ungenugenb, bafj ftc Iprue unb 
6ibon in« abriatifebe SRccr verfemt M ); rbrnfo gut (onnte 
ftc babet aueb reo! bie ganje Auut -£albinicl, bie 
notorifd) grofjentbrile ron clawcnfidmmcn oaupirt war, 
alt Slavinica terra bezeichnen. 3» bem Scbluife, Pafi 
ringe* um ba6 bcllenifd) gebliebene Woncmbafta altes 
Vanf r am als flaroifd) gewefen, (ann biefe vereinzelte 
Singabc einer in ber ©eograpbie fo fcblecbt bewanberten 
•Wonne gewiß nicht berechtigen. 2Bie nun aber, wenn 
bie von gaQmeraVcr in ben Fragmenten ° 4 ) angeführte 
£tabtcbronif von SRoncmbafta biefelbe ganj unb gar bc 
fidtigt? Xicfelbc rlnPet ilcb in einet aus bem 16. %ab& 
bunbert ftammenben ^tanbichrift Per tnnner llnrverftldtt< 
bibliotbef (Cod. Graec. CCCXXXVI) unb ift unter 
bem Site!: /7tol xrlöuai Moviftßaaltti in bem ^anni« 
fdjen Kataloge'*) vollftdnbig abgebrueft worben. Icr 
wcfcntlicbc 3nbalt ift folgenbcr: 

„TieAfarrn, ein bunniicb«bulgari»chetf Bell, nur 
bureb bat« lange, mit Sdnbrrn burd>flod)tenr £aar von 



90) Viu m Hodooporioon n ttn Act» Sanctorum Julii. 
Ton. II. (cd. Vcnct. 1747.) cap, II. n. 15. p. 504. 91) Act« 
Suicbirum rJmli 8tt. Benedict! P»r» 11. VrneüU 17.'M. fol. 
SS7. 93) tltxaka p. 34t). 98) Cftxata p. 341 (ed. 
'•*»</. p. 508): „T*nii ad mar» Adrialicum , longe ab llirru- 
i, ad utlxm Tynim et Sjrdonrm." 94) »ftan» 11. €. 414. 
maart mrini, bitfdtt (n ticUrid)* *M feni oft ^«iiaantr 
^bayef »i'n WcnrmUSj — Irf Im« ilt tnrtftea «in 
'« 17. 3ajrfcanrfrt flrid)ri<tTnr« »rtf. 95) Co- 
H bibliothrra« ngü Taurinruif Atbonaei, it. 
<u, Aal. Ittrauttlta vi Frme. firrti Taurini 
L gr«ci p. 417-418. 



ben anbent ^unnen vrrftt)teben, urfprünglicb meift auf 
ütagen lebenb unb bie Sbenen um ben Jraufaju? be« 
wohnenfc, erfebfinen, von ben Surfen gebrdngt, am ©o«« 
poroe, bann nad) manchen .Stampfen unb vielfachem aper« 
umfebweifen an ber 3)onau unb bitten 3uftinian um 
•.»lufnafcme ine) Weich. Stenfcbenfreunblid) nimmt Per 
Äaifer ftc an unb weift ihnen SBobnH^r in Wöften in 
Per «tatt IDoiofroIon, bem heutigen Xrif'tra, v.l. 'H'nd; 
geworben unb maffenbaft anwaebfenb, würben fte balb 
unbanfbai, bebringtrn bie ?Hömer '■"'), ftblepptcn We« 
fangene au0 ZbraFfrn unb Wafebonicn fort unb beftürm- 
ten felbft bie £auptjtabt. 

Unter flauer $iauririu6 aber im 3abrc 6075 
(= 567; bamale) regierte aber 3uftinuo IL) brad) ihr 
Jlhagan, UnmaiiigefJ forbemb, bie Waffenruhe unb ver' 
beerte Xbcffalien, ^etlad, Attila, (Suböa unb Pen '^elo- 
ponnefoe; fte vernichteten ba6 Bolf unb liefjcn fieb bort 
nieber. 3Ba6 flicbcn fonntc, icrftreute ftcb, unb fo u-g 
Pte Scvölfcrung von ^alrä nach dteggio in ßalabrien, 
bie von $lrgo6 nacb «Drobr, bic von Jtorintb nad) 
Siegina. fluch bic Sfafoncn verliefen ihre ^»eintath, 
fegelten nacb Sicilien unb wohnten ba in X'emena , wet)* 
balb ftc ftatt üafcbämcniten X-emciiuten (Watnolen) gc 
nannt werben. Die anbrrn flngrl'ebeneren fanben einen 
unerftriglicben dt an bei SRecreefüfie unb bauten bort 
eine fefte @tabt, bie fte Wonembajia nannten, weil 
biefelbe nur einen einigen Zugang diövrjv i'ußaatv) bat. 
cie wohnten aber in ber 6tabt mit ihrem eigenen 
$ifd)ofe. Modi anbere tieften ftd) mit ihren ^»eerben 
unb flefrrgeräthen in ben nahen felftgen ©egenben nie« 
bei, bic an ben du#cif)cn («reinen 2fd>afonim6 lagen; 
baher würben aueb bie Vafonen fclbfi üfa>afoncn genannt. 
Die Vlrarrn behaupteten unb bewohnten ben 'jfeloponnc 
fo0, webet bem Jtaifei, noch fonfi 3emanbem untertban, 
218 3abre lang, b. b. von 6086 (588), bem 6. Segie« 
rungpjabre bed Slauririud, bte 6313 (805), bem 4. Jahre 
br« 9(irrpboru6. 9iur ber ofilidie I heil beft ^eloponne» 
fo6 von Äorinth hie Walea blieb frei vom 6lawincn' 
volle, weil fclftg unb unjugdnglid) ; bortbin warb vom 
Aaifer ein Slrateg gefanbt. Siner biefet Strategen, 
aus JHein »Armenien auf) bem @efcb(cd)te täv ixovo- 
pa&pLvav EfAqqöv entfproffen, griff bae Solf bei 
Slawinen an, beilegte ee im Kriege, pcniicbtctc 0;<j-clvi- 
6tv) ce> fctliepltcb iinb geftattrte ben alten Bewohnern 
bic Wücffehr in bie frühere ^jeimath. Ale bae Äaifer 
9lirephorue erfuhr, entfebtofj et ftd) voll Freuben jur 
^crftellung bei 6tdbte. Die von ben Sarbaren jerftör« 
ten Jtircben würben wieber aufgebaut, bie Sarbaren 
fclbfi cbrifiianiftrt; bat) hie herige (»rjbiätbum Hatra aber, 
bem Painale fltbanaftoe vorftanb, vom Äaifer unb Ua« 
triaid)cn larafto* (784 - 80(3) jur Metropole erbeben ; 
VafcMmenia, Wetbone unb JTorone würben ihr als 
Sidtbümer untergeorbnel." 

Dann folgen weitere ftaebriebten über bic SSitftbümer 
SKonembafta unb Safebdmonia, bic legten aue bem 



96) ofxo» b« iit = fffovv, n>if vorder nat&ia = »d/a. 
Vit lattiai(d)t Urtirifr^iuig ift ttinet Unjtiia. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



107 



— (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



3al>re 1330, bie Wir bter vorläufig bei €ette (äffen 
(önnen, ba fit bit £lawenfrage nid)l berühren. Aller* 
btng« anfdjeinenb rin neue« gemid)tige« 3eugniä für ta« 
(Slawen tbum brr Hellenen. Sur fdiabc, bofi gallmeraver 
au« bemfelben eingig ben übeil hervorhebt unb abbrueft, 
ber mc Unterjetbuna, be« ?anbe« burd) bir Asarrn, ober 
ine fte bernad) plöplid) beigen, burd) bir Slamineit be» 
trifft, bagegen ben 6d)lu|» von ber Au«rottung (tjqpavi- 
atv bebeutet bod: fauin meniger) flau) megldfit, abfia)t» 
lid) verfdjweigt! Seffer hätte « wol gethan, wenigften« 
ber biftorffdjeu 9Ba!)rr>rit mehr Setbnung getragen, «16 
feiner Slawrntbeorie , wenn rr bic Angaben brr ©tabt» 
djronff fritifd) ««prüft bdtte. Da er ba« aber mobl» 
twiÄlid) unterlaffen, feine Sadjfolger aber fid) bei feinen 
eingaben meift beruhigt haben, fo muffen mir bie« hier 
nad) holen unb nad) bem Alter unb ben Duellen biefe« 
Sertdjte« fragen. Die ganje $anbfd)rift ift eine Samm» 
lung auf SWonembafta bewghdjer Sdiriften, meift Wo» 
luthu'ii unb {yeiligcnlegenben. Am roertbvolliten ift fte 
toaburd), Pap mir au« ihr ein Seneid)nif (frrilid) nidjt 
ebxonologifd)) ber Metropoliten von Monembafia erhalten ; 
banrbrn eine Afolutbia be« (Srjbifdjof« Iheopbone« be« 
Scfennrr«, ein Serid)i be« Grjbifcbof« $aulo« über brei 
beilige SBeiber, bie bort unter Gonftanltn VII. getfbtet, 
wie über bie beilige Wartha, Aeblifftn be« bortigen 
„unierbalb be« lempel« ber ^obegetria in ber Surg, 
oberhalb be« ffiaffer« Slvdjeron" gelegenen Marien» 
floftft*. AI« Metropoliten erfebeinen in einem erften, 
im 3uli 6905 (fo ift tvol richtig, ftatt be« unfinnigrn 
ß nu ju lefen; alfo 1397) gefdjrtetenen Serjcidjniffe 
Damiano», 93aft(io« 1., Äonftantino« I., Stfepboro« I., 
See, Sifinnio«, Safilio«lI. ( 3ofephI., Mid)ael,Ghrifto»ho» 
ro«, Sifcpboro« II., ©corgfo« I-*'), Pantaleon, Aleran» 
bro«, Äodma«, Äonftantino« II., Iheopbane«, >l<etrc«, 
3oanne« I., Sifeta«, ©eorgio« II., Sifolao« t unb 
3oanne« II. Dann folgt in eiuem imrften SerjeiaV 
niffe, ba« offenbar bie Samen be« erftern tbeilweife 
reprobucirt, junddjft ber Same be« Xheophane« be« 
Sefenner«, bann ?l}ctro«, »Paulo«, ©eorgio«, Jfonftan< 
tino« I., Sifeta«, <£briftopboro«, Joanne«, Safilio« unb 
Sifolao«; hierauf Anaftafio« I., oaba«, Sifo» 
lao« II., Äonftantino« Ii., Damiano« unb Anafta» 
fio« II.; ferner Arfenio« unb Jconftautino« III., 
hierauf bie Samen irrner Äebie (Xbeoboro« unb Aga« 
tbofle«), fomie bie ber <Snbifa>öfe 9tifo(ao« III., 
€ovb.ronio«, Joanne« III-, 3«Iobo«, Doro- 
t^eo«, 3ofeeq L unb 3ofepb. II. , bir von jmei au« 
SKcnembajia gebürtigen Metropoliten von Slbrianopel unb 
2beffaIonid), unb bfe ber bortigen erjbifdjöfe «faMoö, 
Aprillo« t. «Bb,otio«, Dofitfeeofl; bann bie 3abr«nabl 
10. €ept. 6961 (1452); enblidj nod) ein 3ofepl> III. 
unb ävrido« II. @« finb im ©anjen 42 Samen, 
von benen 23 in bem 1397 gefd)riebenen '.ßeT)eid)nifTe 
genannt tverbtn, 17 in bem von 1452 b,injugefügt 
finb, unb tnblid) bfe jmei legten wol nad) 1452 ge> 



97) ffi»l ikiUifd) mit bcn in ttt ,:n.f p. 418 arnanttn 



boren. SBergleidjen wir bamit bie un« anber«»o, bei 
Ve Ouien namentlid) unb in ben von Witloftd) unb 
SRütler t)crau«gegebenen €pnoba(aeten vorlirqenben Sa- 
men, fo ftnben mir bei erfterem nur ben *l>etroö (787), 
Scanne«, v ^aulo«, Sifolao«, einen 3ftboro«, ber aber niebt 
beftdtigt warb» 8 ), S6eoboro«(1438)»*), enblid) ben Wfe« 
nio« ftpoftolio« (um 1500) envd^nt. Die anbern DueOen 
nennen au^er bem 3fiboro« ben 6opl)ronio« (1315), einen 
3oanne«(1327), ben 3afobo«Äufunare«(1347), ben 1348 
bortbin verfemten Metropoliten von $arrd (wol Doro» 
tbeo«), ben 3ofepft(I.) (1357 — 1390?) unb ben Wa» 
fio« (1396-1404), vielleidjt Sadjfolga eine« 3»fepl> IL, 
fotafc ba« Mnemoloqion »enigfien« ttjeilweife aud? d>ro^ 
nologifdj mit ben 6»nobalvertjanblungen überrinftimmt. 
€o Idpi fid) nur für bie« 14. unb 15. Sabrbunbert — 
menigfien« anndftemb — bie« Serjeia>ni^ ber $ifd)öfe 
Moncmbafta'« aua) urfunblid} belegen — immerhin ein 
n>id)tiger, menn aud) ungendgenber Seitrag jur bvjan« 
tintfaVn Jlird)engefd)id}te. Denn fo ivenig tiefe blope 
Somenclarur, aDer dfronologifcben Stnrjen entbel^renb — 
benn bie von 1397 — 1452 beigefügten Samen gehören 
nur tl>eiln>eife in biefe $tit — un« befriebigen fann, fo 
gewinnen wir bod> barau« bie Urberjeugung , ba§ biefe« 
ganje 6ammc(bud) eine Kompilation au« bem Anfange 
be« 16. 3abrbunbertö tfl, unb bie Bermutbung qkfini'fl, 
bag mir bl« bie Gollettaneen be« ©abriet 6evfru«, bie 
er au« {erfreuten Sotijen aller Art, guten unb fd)led>ten 
Duellen, £egenoen, <5pnobalacten u. f. w., über feine 
ÜBaterftabt jufammengelefen, wirb faft jur dvibrnj. Alfo 
(ein „ ur(unblid>e« ßcugni^ eine« gleid^eitigcn S*tift- 
fteUer«," fonbern eine ganj fritiflofe ®ubdd b<« 16. 
3al)rbunbert«. Unb ba« )eigt fid) vedenb«, wenn wir 
bie Duellen anfeljen, bie b.ier bei ber @r)äblung von ber 
©rünbung SRonembafta'« benupt finb. tau bem Gorn* 
pilator bie b^jantinifd)en ^iftorifer nid)t fremb waren, 
barf un« nid)t wunbern ; waprfdjrinlid) (jat er fogar ben 
••Rraiuie« benu^t unb an beffen Angabe, baf bie 6tabt 
unter SSauriciu« jum 95i«tl)um erboben, feinen 9»ptbu« 
von ibjer 6hftung angefnüpft. ffla« er von oen Ava« 
ren melbet, ftimmt mit ben Spjantinern, fo aud) bie 
Cccupation von Doroftplon, ba« freilid) nid)t wobt ba« 
ganir iBolf ber Avaren beherbergen (onnte. Sei bem 
Hinfalle be« .ftfyan« ift ba« Jahr 567 lieber falfd); e« 
ift bem aber us.H abzuhelfen, wenn man ba« gan) 
üu«gefd)rirbene ißdofiiptocxöv mit Ivevtpuxstöv va 
lauid)t; mir fommen bann auf 587. Die 218 3abre 
ber Avarenberrfdiaft finb au« bem £vnoba(fd)rriben be« 
$atriard)en Sifolao« obne 3mrifel entlehnt; felbft be« 
,,Au«tilgen« (aaxtvfjuv)" ber Sarbaren wirb bort mit 
benfelben Sorten gebad)! ; ebenfo bie Angabe über ^a» 
trä, wo nur ber Same be« Grjbifdjof« Atbanafio« neu 
ift, au« bttfelben Urfunbe uub au« ?Horpbprogenneto«. 
Seine gabeln bagegen finb feine Sortjen über bie Au«» 
wanberungen ber Sewobner von Vmi (wo ja ftet« 



08( 3>erf*l*(. 1342 tmi\)U. ««e» 1M7 «atrut« wn (Jen- 
fUitinoittl an» ftatk 1349. 99) 0d ikntifd) mit Matm 

14* 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



108 



— (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



freflenffdje SevdKcrung blieb), Slrgofl, JJorintb, Safotiieit 
tu di Italien, Sirilien, Drobid - (auf tan vrrbfertcn @u« 
bda?) unb Brgina; ob b'er bie (Erinnerung an Die 
dolonifatton @rofjgricd)enlanbfl vielleicht bem Berfaffer 
vorfdjwcbte, ober gar bie albanejifdfen Qolonicn im fHeidjc 
beiber Sirilien ihn ju foleber gabelei verleiteten tro$ 
ihrer notorifeben 9teul)cit? Sann wieber ftimmeu biete 
Äuflwanberungrn aufl ter Cftfüite ber apalbinfel tcife 
febr f<t}Lecf)t tu feiner fpdtem Behauptung, baß ber Often 
tefl ißeloponnefo« von bei Steftbem Jtorintb an bifl jum 
(iap «Walea von ben Slawen verfebont geblieben; war 
biet ter Sali, weflbalb flüchtete benn bafl Holf von 
ßpibaurofl Simera auf bafl gegenüberlfrgenbe geffen« 
neft? Aurj, reiner ®irrwarr, lauter äßibcrjprüd>c, 
mit tenen Sie (itvmologien ber Tanten Söianiaten unb 
2fd)afonen recht luftig abwecbfeln. 9(ur ein einiger 
ȧunfl fdjeint mir beaaStenowcrtb \u fein, ber Siame befl 
Strategen, bei bie Slaminen befl ^eloponnefofl unter» 
jedjte unb vertilgte, b. b. bifl auf bie, wcldje bernad) 
@briften würben. 3)afl Selerofl ber ajwnbfdjrift ift ent* 
febieben verberbt-, efl ift bafür Sderofl tu lefen. SBirf« 
lid) finben wir »), baft Äaifer «Widjacl L im 3abre 811 
ben ito, Sobn befl Sderofl, jum Strategen brt $clo' 
Bonnefofl ernannte; aber biefe vereinzelte »ngabe ift aud) 
8lllefl, wafl wir von ibm wiffen. Ob er Den Jtricg gegen 
bie Slawen, bie nod> gropcntbeilfl unbejwungen, mit 
(Snergie fortfetjte, läfit fia) auf bafl 3 ru fl"'P ber Statt- 
ebronif bin nidjt behaupten. Taft er cfl aber nicht war, 
ber bie Slawen bei *l?atrd unterwarf, ift um fo gewiffer, 
alfl bie« iSreignijj in bie 3rit befl Kifepborofl fdtlt. 
ffiabrfcbeinlid) batte er bauptfdd)lidj mit ber neuen 810 
begonnenen (Joloniftrung brr ajalbinfel ju Ibun. 

So eibalten benn bie 200 3abre Slawenbmfcbaft 
bureb tiefe* neue Komment burdjaufl nidjt bie gewun^bte 
Sefrdfligung. Äber noeb mifllicber ftebt efl um bie Sla< 
wifirung Wttifa'fl, um bie Sluflmorbung befl bcllenifdjen 

ntfl, bie gallmcraver glridjfallfl alfl eine auflge« 
machte 2batfacbe btnftellt, unb bie, tro{f aller ©egen- 
febriften, nod) beute nur \u allgemein verbreitet, w rief 
fcftgcwurjclt ift. S>fr SWptbo« von Silben fehltest ftd> 
bem von Wonembafia würbig an. Tu- erfte Angabe 
über eine ^abrbunberte lang anhaltenbe i^eröbung Slthrnfl 
ftnbet fid> in einem SBriefe befl 9fauplioten 2beoboroö 
•Jogomala« an ben tübmgcr *J)btlbellenen Wartin Äraufl 
vom 3alj« 1581 *), in welchem jener über bie Serbcrbnip" 
ktx — von albancftfchcn Elementen überwucherten — atti» 

epradje ftjgi unt fdjtieftlid) einer KiOjdbngen Ser< 
wüüung ber Statt gebenft, ber n*drtige Sevilla 

mm (jne colluviei gentium fei, fobap man lieber von 
alfl fte frbrn möge: „fpijuoi tfuivav 
Wf xtqixov 300* owot dt fx diatpögov 
-wifyfdvw • xf/HTzov <st axovtw i&nvaiov 
ttefi Bvgomalafl unter ben 300 3abffn 
verftebt, wdbrenb beren frembe 



Leon» Birda« ftllo; bintrr /■••-.■ 
HS). 2) Hart. Cr uHut. Tarco. 
i 1&B4. fol. Llb. IL p. 99. 

I 



c reiben tnlifrte (f (erneute in Stttifa einbrangen, unb bic 
Sllbanefen, unterftüfit von ben frdnftfd}en .^rnogcn, bort 
feften guft gewannen, wirb (einem Unbefangenen ent- 
gehen ; unb fttben ftanb factifa) leer, ba bie dllern £cr* 
Doge bifl auf bie ücdajuoti meifi in bem fruc&tbarrn 
5bebett refibirten unb wo! nur feiten auf ber 9l(ropolifl 
befl felfigen Slitifa ihren Söcljnfiß nahmen. Slliein nit&t 
biefe Stelle befl 4 4<eloponnefiafl ift efl, bie gaümeraöet 
jum 8eweife vorbringt, fonbern bie banbfdjriftlidje Statt-- 
d)roni( von 9lttifa, auf ben tarnen tinefl gewiffen An' 
tbimofl getauft, unb vor Hliem bie gragmrute aufl bem 
Jtlofter ber heiligen Iflnargvri (JtoAmaA unb Xamiattf fl) 
>u Hihen, „beren wenigfienfl tbeilweife 9Jrröffentliä)ung 
wir übrigenfl jenem gelehrten gorfa>er nicht genug banfen 
(önnen" *). Mufl ber ffbronif befl Slnthimoö, ber übd* 
grnfl aud) gallmeraorr *) (einen bebeutenben »Bertb bei» 
fegen wifl, — ein trodenefl 9JeTjeid)ni§ ber türfifeben 
Sffioiwoben «tljen« vom 3obrt 1754 bifl 1800, bafl wir 
fpdter mittheilen werben, fei im ganten SSerfe nods ta« 
Sefie — fübrt er nur eine fRotij über bie in Silben um 
1675 hlühenten vorne hmften gamilien an ; bagegen ftnb 
bie 33ldtter ber 9narg«rend)roni( ibm ber befte 93eleg 
für ben Untergang befl atbenifebert ^>elleniflmufl. Hui 
berfeiben ergibt ftd) nad) ibm 6 ): 

Sogen B S. 9 — 1 1 »). 35a« Älofter ber »nargurf 
(nad; gallmeraver im 10. ^ahrhunbert geftiftet; benn 
vom (>. bifl 10. war Slthcn öbe, wie wir bernad) feben 
werben) batte feint eigenen .Qiftoriograpben, ben ^hilo» 
fopben Samuel, ben ^llatoni(er Wctbobio«, bie Siebte 
9)ifepboroA unb 3ofepb unb ben 3Jtönd) Jta(lini(o«, „ber 
bie von jenen begonnene @efd)id}tfler}äb(ung fortfefte." 
?e$terer nun berietet: 

„3n bem ndmlicben 3abrbunbert (b. (». nad) gaQ' 
meraper'fl JNedjnung unter 3uftinian I.) warb $ellafl ber 
Sd)aupla$ ber Üerhecrungrn , Vtttifa aber wüft nahe an 
400 3abre (^ 'Atxixt] Ixatnrjvttjaiv IffijfWi diit xtxQa- 
xoöioi^ nxidov xQovovg). X'ic Athener jogen mit ibren 
gamilien nad) Salamifl; bie meijten beweiben bauten 
bort $dufer unb Äirdjrn in bem glerfen Slmbelafia, 
(reiche nod) beute von ben @inbeimifd)en bie ber ?ltbener 
genannt werben. 9Jon ben Sewobnern 9(ttifa'fl blieben 
nur wenige in ber UKropolifl, einige anberr in verfd)ir' 
benen ^bürmen ber Statt jurütf. Sllle Sing entliefe (a> 
men 9)duber, weldjr bie ßinwobner $buftd ovora^) 7 ) 
nannten, überfielen bie wenigen 3urudgebliebenen, raub* 
ten, foviel fte (onnten, unb flücbietrn bann in bic Serge. 
Die meffien {»dufer fielen ein, bie Strafen würben von 
Säumen überwuchert, unb bie aange Stabt war eine 
jammervolle © alt tritt ni »i ( iva dadoc IXtuvöv) *), Die 



3) OMlifftn, Sfid)i»l HromUdtc« S. 3. (Rot. 1. 4) Vts» 
ttm-.'itrc tlbbanMin{| i. 47. 6) 9cn brm <&otl)<iifiitfaQ tut 
3>tl M Qjltirna« VViwn B. «. 6) febt i<b ob; Cr »rrbrannlrn 
barnad) bit Qjumr unb ftürftra bir Xrmbcl am; fo ürlm and) 
6 <ejulrn cen hi» tt* olt)mr ifd)<n bi« ttx Rtbrarr .Itlrgbrmo« 

fjr rrrtrirb. ^Irt lir^rn effrabar Ulaii*'« 3ua unb br« I^rripre« 
maanbaftr 3P«br |um (Mrutihr. 6) Ä a 1 1 m trai>r i a. a. C. 
6. 83 fg. 7) »€«U b"»<n Oreaftd — ISioaftd ria «Urem. 
9aa ta Worra " 8«U<n«rat(t a. a. C 8) gaUmcrasn 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



109 



— (I. PERIODE VON 395—1204) 



fRäuber fegten geuer an bfr Saume, unb mit ihnen »m 
brannten aud) bif SHicrtbüinct; tafl ©timnafium be« 
$to(emfto« warb vom iRaucbe jeftbwdrjt unb ftürjte 
tbrilrrrife jufammen; aud) brr lemprt be« panbelleni* 
fdjfit 3cu« warb vom SHaucbe gefdjrcdrjt, unb gar vfele« 
Slnbere ftürjte dn. tu Vir km: aber, bit nut>t länger 
bie Entfernung au« bem Satertanbe ertragen fonnten, 
fd)idten enblia> ©efanbte nad) Qonfiantinopel unb baten 
um bie ifrlaubnifj, in tbr Satrrlanb brimfebrrn unb 
bort ftd)er wohnen ju bürfen. Wacbbcm ir>nrn biefelbe 
ertbdlt, febrten ftc beim unb begannen alle »ereint bie 
Stabt »u reinigen unb Jbäufer berjufteHen. Tamal« 
begab fid) audj ber ^riefter Xemetrio« Äalofvne« au« 
Btben <um $atriard)en 3oannific6 na* Konfianrinoert 
unb erlangte von biefem bie Erlaubnis, in Sitten bat 
Sil öfter ber bdiigen Sfnargod ju bauen, ba« er felbft 
mit vielen Setzungen auöftaitetr, wie au« bem $a« 
triarrbalfd) reiben betvorgebt." 

,,„3n biefer furjen SRotij über Htben unb Ättifa,"" 
fügt galiineraoer binju, „„liegt bie @efd>idjte be« ganzen 
gnedjifdjen geftlanbe« jroifcben bem feebftett unb ahnten 
3abrbunbert unferer 3dtrerbnung." " gemer aufwogen 
B. S. 30 •) eine Scbüberung ber Tratten ber «tr/ener 
„bie albanrftfcbe guftaneUa unb >J}[attmü$e verbrängten ben 
fleinrn Sdbenbut unb bie rotbgeflreifte Tuniea ber atbe* 
nifeben Sürger be« funfjehnten 3abrhunbert«." «Ufo 
frier eine 9?otij auf brmfelben Sogen, bie obne grage 
in bie Türfenjeit gehört. 

Tie nämlichen „ banbfd)riftlfd)en gragmente" ,0 ) lte< 
fem enblid) amb 9cad)rid)ten über ben 3ug ber ßatalonier 
im 14. 3ab rbunbett ; bctti toeTben ftc von gatlmeraver 
halb al« „bie banbfd)riftlld>e (Jbronff von «Üben," 
bafb aK« Tetradia (Sogen) dtirt. So hatten nad) 
Bogen B. S. 13 ") bie Gatalonier 3500 Weiter unb 
4000 „gurjgeber," bie verbünbeten Sfthener 6500 Weiter 
unb rbenfall« 4000 „gu^geber." 9iad> 6. 14 ebenba '*) 
»abrannten bie ftegrria)en gatalonier ben uralten Wvm« 
ph-nbam bei Äolono«. 

Skr bicic« £eft B. nun djronotogifa) in Erb» 
nung, fo haben mir: 

1) S. 6. ®otben' «Unfälle. 

2) S. 9—11. Die 400 3abre Seröbung (vom 6. 

— 10. Sabjbunbert) unb bie ^etmfebr ber 
«tbener au« Salami« jur 3dt be« *Uo« 
triartben Soannifio«. 

3) S. 13—14. Ter gatalonierjug. 

4) S. 30. Türfifdje 3eit; 

unb älle« nimmt voüfommen. SRun aber finbet fieb »u 
ber Q)efd)id)te ber Äu«manberung noch eine wichtige Sr« 
gdniung in ber 'Exuixolr) 'A&tjvalav «pig tbv 77a- 
tqusqxw, einem Wanufrript ,,au« ber ehemaligen Siblic 
«jef be« $aufetf Werio «cdajuoli in «Iben" "). 



kfaft. Pitliffm o a. O. : ■ itn * • ^ cortigiit» 

9) 9allmcca9ti a. j. C. 6. BS. 10) fti, KM 
Stttca. S». II- 6. 170. 11) 8b(r.ta €. 18a 13) «ttntia 
«. 183. 13) 8«U»era9er, «(„ttmifdjt «b^antlang e. 99. 



Sie Stabt mar ibe, fo leitet gatlmeraver a ein; 
in golge ber 9u«manbmtngcn aber erflärt e« ftib, roe«< 
balb bie 3nfe(n, wie Salami« namentlicb, fo mddtfig 
werben fonnten, bjfj fic eine glotte gegen ben SMlbrr- 
ftürmer ?eo III. fiellten. Xa biefe unterliegt (727), 
„fcbleubert ber faiferlid) gefinnte ^atriareb ben Sann« 
flud) ber Äitd>e auf bie überwunbenen Sltbenienfer naa> 
Slmbelafia. 2>iefe trotten aber ber geiftlidjen wie ber 
weltlicben Hffacbt mit berfelben ^artnärfigfeit, bi« enblieb 
ber £iuimrl felbft bie Seftrafung übernabm unb bie vier* 
faa>e Scbale feine« 3orn« über bie ^äupter ber freveln» 
ben 3nfulaner auögofj. 2)a« geuer flawifdjer »ranb^ 
facfeln, bie SMtfeucbe unter Sovron^mu«, Unfrucbtbarrdt 
mit junger unb ba« Stbwed barbarifd>er Seeräuber 
ivütbetcn nad) einanber in brr atbenienftfeben dolonie 
auf Salami«" — ba« gebt Hlle« au« bem angefügten 
Senbfebreiben bervor. 9iod) fianb bie unbemobnte OBait- • 
ftabt, bie 0u«gewanberirn faben bie „von ber 9Rorgrn< 
unb flbcnbfonne vergolbeten 3> n »« <n 'b r ' r Xembel" unb 
ernteten, gebeeft bnreb bie Sfroboli«, bie Stabttbürme, 
bie 3nfel, alljäbrlicb bie £>liven am Jtevb'ffo«, bie Xrau> 
ben au« ben Weingärten um brn ^iräeu«. «Iber nun 
femmt bie $efi von 746; jugleiaj wirb geuer in bie 
SSalbftabt geworfen; „ibr Sranb unb bie in Sdjutt ver« 
ftnfenben lempel verfünbeten ju «mbelafia bie «nfunft 
ber neuen Semobner ©rierbenlanb«" (b. b- ber Slawen). 
Xaui batn'i bie $eft auf Salami«, ba« gelb ift mit 
Sdcben bebeeft; bann ber junger, ber Älle* verniebtet, 
wa« bie Seucbe noeb verfd)ont bot. 9i*rue« Serberben 
Mit di barbarffrbe Saubfüjiffe '*); @rntelfeenen aOer ürt; 
Sflaverri ber Weiften. „^Jriefter, an bie Wuberbdnfe ge» 
febmiebet, waren felbft ben SKäubern dn erfebütternber ?in» 
blief : bdnabe bie ganje erwaebfene männlicbe Sevölferung 
warb eine Seute biefer 9}duber. «Inblicb ein Srbbranb, ber 
bie Seinberge am »Uiräeu«, ben großen Olivenwalb unb 
alle« ®ebö(j nwifajcn bem ^omettu« unb bem SÖceere 
remiebtet." SBer fiieben fonnte, rettet fta> nad) Siegina 
ober auf ben (burd) unb bura) flawifiden?) Seloponne» 
fo« (alfo mitten in geinbe«lanb). Son ba au« erging 
ba« bemütbige SittgefuO) an ben $atnarcben um fKud- 
fübrung in bie ^eimatb, ba bie grevler umgefommen. 
Tod) bauerte, nad) gaUmeraoer ,s ), ber ja erft im 10. 
3abrbunbrrt bie Seröbnng enbrn lüpt, ,,ba« Sri! nod) 
an bie jmefrninbert 3<>bre, unb ebenfo lange war Silben 
eine verlaffene Sranb(»4tte, eine ©ilbnifj," in ber fid) 
nur bie Surg — oft al« Serbannungflort benu^t — be» 
bauvtete. 

3>emnaeb — lautet gatlmeraver'« Wefnltat — 
„barf ba« enblifbe UrlrHdjen ber wahren altbeüenifcben 
ÜRaee auf bem Soben von 4)ella« nur von Jenen Welebr» 
ten nod) geleugnet werben, welcbe mebr bie Sorurtbeile 
unferer 3uaenbjeit, al« ben ®ang ber SBeltbegebenbriten 
|u Satbe jieben. 3<b für meinen Tfieil bin nad) unb 

14) Ballmtraim a. a. O. «.85 front A4, »6 unter Hrffn 
Sumot Slair«n rtn KutijmmrtaBet |U mflrfr«t feif», un» tau 
C*ntfi fid; für Ir^lrtr, kic ja aa(^ in Orrrin mit Un ■• 
i<atra b'ftürmtfit unb im 8. 3al)itiimt'fr. t\t Jufilr. in i 
SRcrrrd fcrtwifjrcnt wtbeert«. 15) a. ». C. €. 84. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 110 — (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



na* auf bie Meinung verfallen, unb nehme au* Irin 
©ebenfen, e« elnjugefteben, bafi ©ott ba« griccbifcbc 
S3olf jum befonbern ftegenftanbr feine» 3orn« au«crfrben 
fijt, um alle feine Strafgeridjte an bemfetben }ti voll' 
tiefen unb bem SRenftticngefdilccbte ju jrigen, ba» vor 
ibui £obe« unb Kiebrige« gleich nichtig fei." I a« gebt 
fonnenflai au« ben Anargnrifcben Fragmenten hervor, 
grrihen macht ber ^Patriarch 3oannifio« einige Scbwi/rifl« 
feiten; im 10. 3ubrbunbert finbet jid) fein foldier Same '•); 
bod) wir finben ba „eine vierjährige Qrlebigung be« 
heiligen Stuhle«, ober vielmehr eine Hit (»79— 982?), 
wäbrenb weldjer vielleicht (!) ein 3of)anniriu« fafj; fei 
tt, Daf er intrusus ober nicht aOgemein anerfannt mar ; 
ober bai in ber ffbronif ein Käme ftatt be« anbern 
fiebt." Auch bie woblverbürgte Kotij von einer Kevolte 
ber Bürger von Athen gegen einen babgierigen Archen« 
ten im 3abre 915 fönnte Siebenten erregen; allein biefe 
Angabe fällt nicht in« ©ewiebt gegenüber ber entfebeiben« 
ben Autorität ber ?lnargnrifcben Fragmente. 

Soweit biefe drpofition. (Gegenüber ber fcblagenben 
Argumentation ber atbenifeben Stabtcbronif mufften $inU 
eifen'» beldjcibene Zweifel \u „gabeln in beclamatori« 
fcher gönn" ir ) nifammenfcbrumpfen. Dod) faft fürchte 
leb, bai Ifftterer SBorwuif viel eher auf ben panflawifirert« 
bra gragmentiften jurüdfallrn wirb, al« auf ben nüd)-- 
ternen, forgfamen belehrten. Uber freilid) baben, geftü«.t 
auf biefe fteberfir Duelle, faft alle Kramt bie 4üUjab< 
rige Skröbung Attifa'« al« eine aufgemachte Sbatfacbe 
angenommen, fo noch nruerbing« «fiettner in feinen griechi« 
fchen Keifeffiyen '•), Ariegf in feiner populairen Dar« 
(Mutig ber gallmeraver'i'cbra £vpotbefe unb viele Anberr. 
Sogar (illiffen bat '*), obmol er auper ben von galt* 
meraper felbft angeregten Sebenfen anbere nidit min« 
per begrünbete vorgebracht bat, ftcb nidjt ganj ber be« 
gmingeneen Semrifedfraft biefer unfrbäfebaren Fragmente 
wehren f innen; nur flagt er, ba§ gadmeraver, biefer 
fonft fo umftdftige Ärittfer *°), bod) bie von ibm be« 
rührten Scbwierigfriten unb SBiberfprürbe mit ben Sin- 
gaben btr bojaniinifdnn Chronographen feine«weg« ge- 
nügenb gelöft babe. 93iel febärfer trat Kofi auf; feine 
Abbanblung; „2Bar «Iben jemal« vier 3abrbunb«rte 
lang wöbet?"»«) liefert ben entfehiebeuen »ewei«, bat* 
Athen vom 6. — 10. 3abrbuubert nimmer veröbet ge« 
wefen, fonbrm al* üRunirip fortbefianben, unverfebrt 
unb unvetlcjt von ben „flawifeben Unbolben," Si& von 
Sifcböfen, $eimath von Jtaifrrinnrn , eine fefte Burg ber 
Svjantiner. Eiefe 93ertbeibigung«fd)rifl blieb unwibrr« 
legt. Jim befien bdite freilicb gaUmeraper getban, wenn 
er nun rnbllcfc bie lange erfel;ntra, bi«ber nur bnicbftüdrveife 



16) aotmrifir« I- »at Vatiiarcb w » 1523-1524; krt II. 
»oi UM— WH, 1660-1651. 1663-1655; kft DL («a. 
to>(*a) tn 1760— 1764. 17. K«llm(taBtr a.a.O. 6. 28. 
18) aBramtfdjtrnq 1853 8. 19) a. a. C. <£. 3 (im 3at?rr 
1846). HO) üurt mau CfUiffm'J nttux< Wnlt. namintti« ferne 
*ertrrff)ia>m Hnatcften, f» bürftt i\t\<-> toi »et faft al« 3tonit 
rrfaVim«. 21) 3urrft in ttt nngrairiiun SRcaai«f4riil. Jtitl 
1853. 8. 6. 594 —603; kann in fo«« «i<^äfli^ifc^«n «affapen. 
2 eammlsng. ttifm 1861- « H3 fe- 



vercftfeniliditen 8nargörif<ben gragmente (beren Originale 
wol nicht blol von ihm abgefdjrieben , fonberu factifch 
in feinen 93efi9 übergegangen waren?) aller äßelt buraj 
ben Ü>rud hätte zugänglich machen wollen. Sap bie 
Fragmente, namentlich ber wichtige Sogen B. , übt fpä» 
len urfprunge) ftnb, ba^ tie, in fd)lechtem neugried)ifd)en 
^ialefie ge|d)rieben, (frü tieft cn$) ber Üürfenjeit ange- 
hören, brbarf wegen ber (£rroäbnung ber albanrftfchen 
guftaneUa feine» Seweifed. Aber fte fonnten bod) au» 
alten echten dielten ebenfo gut flammen, wie bad $nar> 
gvrenflofier au» bem 10. 3abrbunbert. dagegen lägt ftd) 
nun freilid) anführen, baji Dionvfio» Surmrli», bem 
wir aud) ein intereffante» SBerf über bie SBetbeiligung 
«Iben« an bem griedjifchen grcibeitcJfriege verbanfen, in 
ber brüten Auflage feiner ®efd>id)ie «tben« ") bie fede 
Behauptung aufstellt, baji ber 4(iOjdbrigen "Belebung 
Athen* eigentlfd) nur bie vage Angabe be* Svgomala» 
jum @runbe liege, befrdftigt burd) „gefälfehte Urfunbni, 
an bie gadmeraver ebenfo geratben, nie leichtgläubige 
(Sammler ebler Steine an gefälfehte Diamanten (rüv 
xiatträv jiiQvyQtttpav noktftivTfav avvbv, xnft' 
(>c Tun.Tiir xoXowtcu Tic xlßörjka xat ixixXaöric diu- 
(utvruta dg Tovg axnQoxdkovs xai tvrftu$ töv äv- 
»Quixav)." Alfo eine grünbltche gälfdjung fiatt auiben< 
tifd)er, allen SBibrrfprud) ber 2?^antiner nirberwerfenber 
Duellen auch auf bfefem @ebicte? I ift boeb ju 
ftarf. 5Benn freilid) ein Simonibe« feine Zvfiate ebirte, 
eine ®efd>icbte ba M3r>tlofrjpbenfd»ule von Seme, bie nie 
eriftirt bat, #pmnen be« Äriftotele« auf einer fleinen 
3nfe( bei donßantinopel au*grub unb fcblicjlicfc mit 
feinem Uranio* felbft manche unferer Aegppiologen 
tdufebte, fo ift e« mir rein unbegreiflich, wie ein fclcher 
längft vorher fd)on in Alben wie in $ari* entlarvter 
Setrüger nod) in 1eutfd)lanb irgenbwic (glauben ftntxn 
fonnte. Doch e« war fo; unb barum Dürfen wir une 
nicht wunbera, wenn bie Äritif, bie mit ben angeblieben 
tieften be« claf|tfa>en Altertbum* fo glimpflich verfuhr, 
bie Gcbtbeit ber „mittelalt«lid)en" Anargvrifchen jrag' 
mente, jumal ba fje ein Wann, wie gaUmeraoer, ver* 
trat, nicht anjutaften wagte. Unb nun plöftlicb Da« 
fübne ©erebe be« Athener«, ber bie« S3ra>ei«mitlet nicht 
nur wie eiliffen ju fd)mdlern unb ju entfräften, fon* 
bern gar al« eine offenbare gdtfehung barjuftcllen ftd) 
erbreiftete. Aber neben <5urmrli« erhob ftcb balb ein ge« 
wichtigerer ©egner, ein unzweifelhaft tüchtiger Kenner ber 
ganzen mittclgriechifchen (Mrichicbte, ber fchon früher mit 
freilid) unjureidjcnben SDtilteln bie Slamifirung«tbeoric 
eifrig beftritten, Jlonfiantino« ^apanhigopulo«. 3n fei« 
nen weitern llnterfuchungen über bie flawifeben dinwan« 
berungen in £e!la*") befd)reibt er un* näher bie ge» 
heimntf vollen gragmente, bie bei ber (Srbebung Atfjen« 
in einem alten Stabttburme gefunben worben unb auf 
vier unjufammenbdngenben SJogen venelianifchen (Stern« 
pel») Rapier« gef*rteben gewefen. Davon betrifft: 

22) Diany*. Svrmeli», Kietamaetf otwtMmxi) rijs nSltmf 
'Alhjrm crxi rijt nrtöünos airijs vnö T<£» Ponfiaiiav (Uzt* 
iovi Tovfnouif artet. Slihcti 1846. 8- p- 59. Otolr a. 23) 
'JCTOfmal xqaypctziüxi. VgL I. p. 230 **q. 



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QRIBCmSCHH GESCHICHTE — 



111 



— (I. PERIODE VON 395—1204) 



Segen 1, (Sinfdöe ber Sllbanefen unb Türfen. 
» 2. Die Seröbung «tt-cn«, bie dtdubrrrtcn fccr 
$buftd. 

» 3. 3tbrnifd)e Iracbtcn; Umlaufen frembet 

grifft; 2ob be« 2Rönd>e« «rfenio«. 
« 4. Den ®otbenbetre«jug untre ©allienu*. 
8ejeid>nenb ift ab« babei, baß auf beni jweiten »ia)tfg. 
ftcn Sogen bie 400jdbrige $5erobung plö&lid) in rine 
breijdbrigr »erwantrlt wirb; ftatt xtxQaxoolovs o%tiw 
Xqövovs riebt ba ndmlid) gang brutlid) ,.*,« rpfi« 
Äw xQ°vm>i." (Sine foldje furje porübergrbcnbc Skr« 
beerung paßte abnr nalürliaS nirtt in gaUnirranfr'i? $lan; 
cielmebr beftanb rr barauf, in bem SDiaiiufnipte , ba« 
or 1833 ringefeben, ba« man ifjm aber bernad) nidjt 
wieber babe \a.\cn wollen, babe beutlid) mit 9ud)ftaben 
ba« nrQttxoölovs geftanben. Daß bie Slnargprffdjrn 
gragmente, fotric fie jeht banbfd)riftlidj vorliegen, rpffc 
lefen, ift feine frage; nad)bem mein grrunb Äonftan« 
tino« fantbopulo« btefelben im 3abre 1852 für mid) 
angefeben unb aud) bie Gbronff be« „»ntbimefl" fut mid> 
au«gejogen, batte idj felbft 18K3 ©rlegenbeit, mid> ba- 
uen iii übertrugen. «Urin mittlerweile waren bie lang 
erfebuten Fragmente, gegen beten pollftdnbige ȧublidning 
fidb gallmeraper fertwdbrenb gefträubt, burd) ben Drud 
felbft befannt geworben. 3br (Sntbeder unb ©eftfcer, ber 
Ober'ßonfercator ber atbenifdjen Slltertbümrr, ^ittafi«, ber 
fie früber gallmeraper bereitwillig mitgeteilt, naebber it)rr 
@inftd)t bem „^»ellenenfeinbe" Besagt batte, ließ ftc in 
bem tu nul? ton ibm rrbiglrten Journale, 'AQxaioloytx'n 
itprjfugts, nebft anbern ^eugniffen abbruden unter bem 
Xitel : "Tlrj IW xpipfyuixty jrp©s ecxödt^iv Sti ot viv 
xttToucovvTts rijv EXXäda tlaiv inöyovot xäv igzalmv 
'EXlyvav, b. b. Waterialien jur SHSfberiegung gaurne« 
ra?« 1 «. Tie Hnargprifcben gragmente „äxöaxaöpa ix 
xov jjnpoypägwy xr$ faxoQtas xäv 'Afhji'üv" ftnb bort 
(1853) ©.940 fg. mitgetbeilt, ebenfo bie ©eftdfigung«« 
urfunbe be« $atriara)en 3oannifie« für ba« Snargpren« 
flofter. ?e$tere ift vorn 17. 3uli 6051 batirt, fiele alfo 
in« MU 543 unter 3uftinian; allein wie ungefdiidt 
biefr« Datum gewählt ift, fällt 3ebem in bie «ugen. 
^Raparrbigepulo« **) bat bafür roiUfürlid) genug ba« 
3abr 1651 fubfHtuirt, wol weil bamal« 3eannifio« II. 
jum jweiten Wal ben <Parriard>enibron inne batte. 

©eben wir un* nun nad) ben Duellen biefer grag- 
mente, bie, ein wörtlicher »bbrud ber »on «ßiltafi« be« 
feffenen Originale, r-ielfad) t»on ben neu gallmerarjer einft 
mitgetbeilten abweidjen, um, fo ergibt fid> jundtfcft bie 
überraftbenbe (Fntberfung, baß bie gragmente au« ber 
Gbronif abjuleiten ftnb, bie ^ittafi« gleidifaC« befiftt, 
bem BißUov foroptxov mgüxov dutaÖQovf iaxopiag 
fövyyQatp&y] trxtQ ifurv xov xtatuvoi) Avüvpov 'j49t}- 
vtdov. 1614. Notfißff. 20. Der Same Slntbrtmo* aber 
i^ ebenfo gut untergefdjoben — eine JRafur beweift e« — , 
wie ba« Dalum. Denn bie dbwnif reiajt bi« 1800, 
unb ijl wol gegen Gnbe be« 18. 3abrb. begonnen; itjre 
^auptqueflen ftnb weift ganelli'« Atene Atticsa, 6pon'« 



24) a. L D. 6. 232. 



Seifen u.f. w., lauter befannte fflerfe; ntrr für 1754 
— 1800 ifi (ie originell. ®ie bebanbelt, ganj an ga« 
nelli angelebnt, Don Statt 49 an bie alte ®efd)irfjte, 
auf SBlatt 106-119 bie 3eit ber fränftfdjcn Äerjoge, 
bann bie Xürfenberrfdjaft. ©leid) wfe bei ganelli, ftnb 
aueb bier bie 7 3abrbunberte »on ber granfenberrfajaft 
(5(XJ- 1200) aan) blanl; ber Serfaffer aber bötet fta) 
wohl, barauf bin ben ©djlufi uon einer langen fla»l« 
fdjen ©eröbung ju wagen; er fagt einfacb (Slatt 106): 
„93on ba an lieft man 700 3abre lang Sidj» r>on »Iben, 
emweber au« Langel an @efcbfd)tfd)reibern, ober weil 
Sllle« in 9lube war" **). Da« conrraftirt nun gar feit* 
fam gegen bie (Hrcuelfeenen, we(d>e bie Slawen unb 
Araber nad) bem ünarg»rifa)en gragment bort angerid)tet 
baben, unb bie in ben Sriefen ber na* Mmbelafia ge> 
ftüa>teten Sltbener fo fdjrerflid) au«gemalt ftnb. «ber 
wunbnbar genug, auf ©iatt 147 finben wir wirflieb 
biefen SBrief por, ber aber barnad) in bie lürfenjeit 
fdüt. 3a wfr fennen fogar feinen SJerfaffer Demetrio« 
»rgpro« »enalbefl, einen gelebrten «tbener, ber nidjt 
in bem barbarifajen Dialefte feiner ?anb«leute, fonbern 
in ed)t bpjantini|cber Sprad>e fdjreibt **). SBann aber 
berfdbc wirflid) abgefaßt fei, fann nad) ber Khronif 
ebenfo wenig in 3»rifel fein; er gebort in« 3<»br 1690; 
ber $atriard>, an ben er gerietet, beißt 3afobo«, nidjt 
3oannifio«, unb ein feldirr nutet fid) pon 1686 — 1690 
por. 3Bar ütben nun brei 3abre lang öbe, fo fdOt bie 
$lu«wanberung in« 3abr 1687 ober 1688. Unb wirf' 
(id) gibt „flntbimo«" (a. a. C) fogar ba« Datum ber 
Sludrcanberung genau an, intern er fie in ben Wdrj 
1(588 fest. Ja ixM>odos «wrij emaxtiiftfiis xäv '^rh;- 
vedev ixb xrjs tp{lf^ xaxQldog lytvexo Iv pr,vi uaf- 
xlov rot avxoi öxovg (1G88)- iyxaxtAtüpfh} olv ff 
'Afrika xavrigijfioi Ixi XQtlf oXov$ j;p(m)t>?." ©eiter 
erjdblt bie tibrontf, wie bie Ginwobner nid)t nur auf 
Salami«, fonbern aud) auf Regina, Jtrpbalonfa unb in 
ben »enetianifeben $ld(en be« ^rlopennefo«, namentlid) 
Jtorintb unb 9tduplia, ein Äfpl fanben, wie bie Surfen 
geuer in bie grabt warfen, unb ba« Warirnbilb in ber 
jtirrbe JTamnifarea fo Pom fRaua>e gefd)wdrjt warb, baß 
legiere fritbem bie ^apnifarea bieß. Die (frlaubniß )ur 
^eimfebr geftattete ibnen nad) mandjrn Drangfalen enb« 
Itd) ber Sultan — alle €d)ulb warb auf bie Senettaner 
gewdljt — , |a fogar «bgabefreibfit auf brei 3abre. Der 
»iJalriard», ber enürnt ben Sannftud) geftbleubert, weil 
binftdjtlid) be« »letTopoliten JTpriUo« ©rreitigfeiten ent« 
ftanben, ließ fid) aud) enblid) befcbwidjrigen; Demetrio« 
Jtalofpntbe« botirte mit feiner ®enebmigung (1691) ba« 
Änargrrtrenflofter. 

^>ier baben wir nun flar unb beutlid) bie @runb< 
läge ber „gragmente" por un«. .«tamt ta nod) 3<nianb 
jweifeln, baß biefelben ein ganj neue« gabrifat ftnb unb 
au« unferem 3abrbunbert, nidjt au« bem 10., au« b« 



25) 'An «rvt<W zor »aipA» fos tls iiiartiiu, hnxawxiien 
hör ihr ivttytv&nutat n xtfl ^»r/rm», t> M UU,* t * iato- 
furyfdtfm» rj tiü r« «pri^iora ij«a» ir ij«i»x'? 26)6nt« 
mcH« a. a. C. «. 68 - 72 fc>t »nffl»» wafoM* «fcj«»«<ft 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



112 



— (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



SMblfotbef m Acriajuoli ober rem Anargvrenftoffer f)am< 
men? Aber wer f>at tiefe Jälfcbung gefebmiebet? Auch 
barauf brauchen mir bir Antwort nfebt fcbulbig gu biet« 
ben. M<c bdebft unwiffenber , plumper gabrifant ifi 
WcmanD anber« al« ibr SBefther, ber jüngft verstorbene 
«Jjittafi« felbft. gallmerarier *') nennt ibn jmar einen 
gelehrten Atbenienfer, „beffen feben im 1. ißanbe ton 
©öcfb'fl Corpus inscriptionum rübmlicbft Grwöbnung 
oefebiebt;" im 4. ©ante wirb bagrgen feiner mit anbern 
«Jbrentitcln al« eine« „homo vanUsimus u. f.»." ge< 
badjt, unb feine @(aubwütbigfeit wiederholt angejwei« 
feit, '.'in i' Kofi welfl n ifberbolt barauf bin, wie unju« 
verläfiig er aewefen, unb bebt baneben noch anberc 
bebenflidje (gigenfcbaften hervor. 9iid)tf fonnte Sali« 
merarjer erwünfebter fein, als um jrbrn frei' neue *Se< 
lege für feine Sbeorie ju entbeefen, bit wol im 3abre 
1833 in Wriccbcnlanb felbft wenig befannt unb gewür* 
bigt war. Ser „ariehrte Atbenienfer" fam feinen £off« 
nungen entgegen; im SJcftfje einer «nuH Sogen vene« 
tiamfa>en Stempelpapicr« compilirte er für ibn au« bem 
„Antbimo«" bie fabelbaften gragmente unb vetfauftc fie 
ibm für baate Wünje. Cb le&tere« im eigentlichen 
Sinne be« SBort« gefdjeben, ober ob, wa« id) ju gaü' 
merover'« Cbre lieber annebmen will, ^ittafi« bernacb 
bie gragmrnte auf bem reichlich vorhandenen Rapiere 
noch einmal abcopirt Hit, fann und im ®runbe gleich* 
ültig fein. ®cnug, icb fab bie in ber arcbäologifcben 
rttfebrift abgebrochen Originale auf bewußtem $apier 
unb überzeugte mich auf ber Stelle, bup ihre Schrift 
niebt nur au« biefem 3abrb"nbert, fonbern von 
ber eigenen $anb ibre« „gtlebrten" Sefi^cr« 
ift. Taft aber gallmeraper einen foleben Setrug nicht 
merfte, bleibt unerfldrlicb; fatfefie Scheu, ben offenen 
3rrtbum einiugefteben, einen 3rrthum ( mit bem feine 
ganje afabemifa>e Abbanblung, feine Jbeorie von ba 
Slawiftrung unb Seröbung Altifa'ö über ben Raufen 
fallen mufile, fann ibn altem ju feinem battnäcfigrn 
Schweigen brftimmt haben. Daf! aber trofcbem beute 
noch Äricgf unb fo viele Anbrrc bie 8nargvren»8rag« 
mente al« Duelle anführen, obgleich f<hon Slop, bem 
aber lange nicht aOe bie von mir angeführten 7b« (fachen 
befannt waren, 1854 in einem Meinen Auffafe**) bie 
SSertblofigfeit berfefb 
begreifen ju fönnen. 



fe ,r 

gBertblofigfeit berfelben bargelegt, ba« geftebe ich, nicht 



loch wir haben fchon lange genug biefe „falfchen 
Urfunben " betrachtet ; wenben wir un« nun )U ben pofi» 
tiven 3engniffen über bie gorteriftenj Athen« feit Schlie« 
pung feiner ^bilofopbenfdnilen. £r. tyittafi«, ber ba« 
bem ^>ellenentbum voreilig jugefügte Unrecht ju fühnen 
fidj verpflichtet glaubte, hat bafür in feiner 3eitfcbrift 
eine Wenge 3eugniffe vorgebracht, bie ich aber von ben 
übrigen gewif» beffer verbürgten fonbern ju muffen glaube. 
Gnrbalten biefelben auch gewif» einzelne* Sehte«, fo liegt 
boch ber «Berbacht ju nabe, bap 1 ein Wann eine rein übereilte 

27) a. «. O. 6. 20. 28) tit !PIfnd>«4icnif so« «Iben; 
in $ru». D*Mlf4t« nufrum. 1864. Kr. 23; »lebet Oberurff in 
«rd)w(»9i(d)fn SUffibett. 2. Sammlung € 142 fo. 



alte gälfebung burch nette Srblcbrungen aller Sri wieber 
gut ju machen fudjte — bie ,weite deebartton ber .,«rag> 
mente" beweift c« hinlänglich. Sllfo jundchfi anbere 
fiebere 3eugniffe, wie fit un« bie ®ojantiner unb fonftige 
echte Duellen liefern. 

SäJenn Ibeopbvlafto« Simofatta* 9 ) bei bem üobe 
be« SDiauridu« (ti02) «tben aufforbert, Irauerfleiber 
anjulegen, fo bürfen wir barau« freilich nicht folgern, 
bap ber .ffaifer eine befonbere ffioriiebe für bie Stabt 
gehegt habe; e« ift ba« eben nur eine clafftfehe iRemini«» 
cenj, eine rfjetorifc&e $brafe, gleich *>en ÜRufrn, ber 
3>ia« unb ben (Srinnven, bie in fein St lagelieb verwebt 
ftnb. Sagegen wiffen wir, bap Äaifer fconftan« IL, 
al« er, verfolgt von bem Schatten feine« gemorbrten 
©rubere Sbcoboftu« unb bem tyiffe be« SBolfe«, ftch ent> 
fcblof), nach Sicilien feine SReftbenj ju verlegen unb von 
bort au« bie Jtangobarbcn |u vernichten, ein 3ahr — 
662 — lang in ntben weilte *°) unb bort bie Iruppen, 
bie ibm folgen follten, concentrirte, wa« boch in einer 
gan) enrvölferten Stabt unmöglich gewefen wäre. 3«r 
See fam er von ßonftantinopcl hin unb fe&te auf bem* 
felben SBege feine Rahrt nach larent fort; 668 enbete 
ber Xorann ju Svrnr.ua, von einem feiner 1 teuer im 
©abe erftieft. Tan bann Ütben in ben folgenben 3abr« 
bunberten oft al« Serbannung«pla9 bvjanrinffcbrr (Brosen 
benu^t warb, beweift nur, bajj bie fefte, von 3ufHnian 
neu ummauette jlfropoli« alle gewünfehte Sicherheit bot, 
nicht aber, bap bie Stabt ganj verfümmert war. Senn 
nicht nur bie f leinen unb großem 3nfeln be« Archipel«, 
wie Sfyro« (825), Samothrafe (857), Gbio« (1042), 
Samo« (1042) unb namentlich 8e«bo« (803, 858, 1042) 
Mental, wie fpdter |ur Xürfenjeit, jur 3nternirung ver- 
bäcbtiger Staat«beamten, auch Äephalenia *'), balb Sifc 
eine« Ihema'«, beffen Strateg «Paulo« 810 gegen SBe« 
nebig friegte **), unb bit reichen, flarf bevölferten Stäbte 
Ibeffalonich unb Sherfon bargen oft StaatÄgefangene, 
fei e« nun, ba§ bie Slbgefcbiebenheit von ber übrigen 
Wtlt, ober eher bie ftarfe ^feftigung baju ben anlafi 
gab. Tap bie jüngeren 39rüber Seo'« be« Sl hamm-r. von 
ihrer Schwägerin 3rene in Athen gefangen gehalten 
würben, wie ber Slawenhäuptling von Ukleftino Afamir 
ftch ber verbannten $rinjen annahm unb wie traurig bie 
verfuchte (Sthtbung enbete, fahen wir bereit« oben. 3n 
fpäterer 3ei: beherbergte bie Afropoli« jeitweilig al« @e* 
fangenen (887) ben geblenbeten Wanicbäcr unb 9Jer» 
fa>wöret Shw^oro« Santabareno« **), ehe berfelbe nach 

29) Llb. VIU, 12. p. 388. 30) Panha Oiacomu, De 

r:i» Langobtrdoram Lib. V, 6 bei Uaratori, Seriptor«« 
1- p. 478- Anattat. HUwthfc. Vita* | ontificum, rbmba 
III. p. 141; Johanne* Diaeonut Sayornimt, Cbrooieon Vccir- 
tom bei Peru, Monuments. Vol. IX. p. 10. 31) 3>ort» 
bin warb j. 9). 702 Vbtlippifo* Bdrlane* *on Xibrriaf III. 
»trbannt. 32) Üioit tlnrm feiner 9tj<hfo!qet !Rttr|$or<># 

befttt 6r. tanbrc« in «Iben ne* ba« Criginalfiead mit ben 
•tufftbiiftcn: KE <»v 9 u) B0H9EI TSIZ Sil JÖYASt (nebf 



Äreuj) unb N1KH *OP'. AUtTIA». CTPA'. KE) **. 
( Ni*TFv4aov nfmoenaOaolov arfanjyov Kn^aUirr(ut)- 33) 
VMM Harter p. 701; OWy. M«nachy. p. 851; Uo ÜrawC 
motu*» p. 266; Theopkanu, Cooeinntt. VI, 6- p. 366; Ctdre. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 113 



(I. PERIODE VON 395 — 1204) 



Affen aufführt warb, fowie (896) ben beffelben Scr= 
brechen« befcbulbigten Saftlio« (ipcifto?, 97rffcn ber ver« 
ftoibenen Jtaiferin 3*' **). Daf ober auf er biefen 
verbannten ®rofen nod) eine 3aI}I geachteter vornehmer 
Sürftfr in Athen lebte, gebt tarau» auf« Srjrimmtefie 
brrvor, baf Jtaifer (Sottftantin V. im 3abre 769 ") 
feinen IJrftgeborcnen ?eo IV. diu Sraut au« Athen 
wdblte unb feierlich, auf prächtigen, mit Seioe au«ge« 
idMagcnen Schiffen in bic äaiferftabt einholen lief*, jeit 
ber l $bilofopbcntocbtei (Subofia bie erfte ©rieebitt, bie auf 
bem Xaifertbrone faf. Unter bem 9tamen 3rene warb 
fir am 17. Der. jur .ffaiferiu gefrönt; nach be« (Batten 
lote jebn 3ahre lang Sormünbcrin ihres Sohne« ßen» 
flautin VI. (780—790), bann nad> beffen Slenbnng 
(797 —802) felbft Seberrfcbcrin be« 91omäervolf«, enbete 
ba« intriguante blutige Sffirib, ber fogar Jtarl ber ®rofe 
feine djanb angeboten, um Oft« unb 23efi-9tom ju 
vereinigen, elenb in ber Verbannung auf üeflbo« M ). 
Son ihrer Serwanblfcbaft in Athen wiffen wir, baf 
biefelbe mit mititairifeben Aemlcrn reidi bebaebt war; 
einer ihrer ndcbften Angehörigen war ber Stabtpräfect 
bafelbfi, ber Sotdrfltf Aon|rannnofl ©arantapeebo«. Auch 
ihrer Richte Sbeopbano war ber Jtaifertbron bcfdjieben; 
Sifephoro« I. trennte fte von ihrem frühern (Beinah! unb 
MTbeirathete fte am 20. 3)ec. 807 **) mit feinem Sohne 
Slaurafio«; jtoei fthöne 3ungfraurn, bie ihr in bie 
£auptftabt gefolgt, würben wäbrenb ber .£> od) jeittage 
felbft ein Opfer be« alten SffioUüftling« Kifephoro«. 

Ob bie bribtn Äaiferinnen, namentlich 3rene, irgenb 
etwa« für bie Saterftabt gethan, wiffen wir nicht 2>af 
bie rechtgläubige 3rene nach Unterbrürfung ber Silber' 
ftürmer zahlreiche Jclöfter geftiftet, t fr au«gemad)t; ob 
aber Athen auch von ihr mit tiefen Segnungen reichlich 
betadjt würbe, wie man wol meint, ift burch feinen 
tuverläfftgen Sd>riftjteUer verbürgt *-"). Siel gröf ere 
Serbienftc würbe fte ftd) ohne ixuxiftl erworben haben, 
wenn fie bie von 3ufiinian gcfchloffenen (schulen neu 
bergefteüt, b. h. jeitgemdf unb nicht im Sinne be« ftar<- 
ren Ortboboridmu«, ber birfe unphilofophififie lodjter 
Athen« befeelte, rrftaurirt hätte, fcavon lefcn wir nun 
freilich eben fo wenig, bod> fcheint e« immerbin, baf 
einjelne Ueberreftr ber alten Schulen noch fortbeftanben, ja 
taf felbjl jur3eit be« £eracliu« Athen gewiffermafen wie* 
ter al« ßentralpunft weltlicher Silbung Stuf gehabt habe. 
Huf ben Warnen be« Arjte« Stephano«, ber, ein Schüler 
beö Ibeopbilo«, ein geborener Athener, im 7. 3abrhun- 
tert fchrieb '*), will ich babei nicht eben grofefi ©ewiebt 



»atb Mlctr an« htm Bril t«riicfa.frnf<n unb erhielt fi« 
l; n ftatb frjt um 919. 



34) 



p. 859; Leo 



p. 273; 



<nt II. p. 262; ZoMtai XVI, 12. Tom. II. p. 176. (Santa 
Kart h>f 

Thtop/Lne», Contliniat. VI," Iii. p. 364; Ctdrtnu» II. "p. 258. 
35) CuflWn tri Murait f. 366- 36) 31id)l in Sttbtn, mit 

Alml/aradtek p. 138 nuiiit. 37) TKtopknm* Vol. I. p. 750; 
Zonarnt XV, 14. Tom. 'II. p. 122. 38) 3n ÜUtclint fall 
fpälrr rh<.>vbile* (829 — 842) ba« berühmt« Jtlctl« Vui-c-.- rhu* 
!'«» grSifltt haben. l>it Sr^rnbr «er. brm bvrtigra Statimbtlbc 
f. bei B:ekon, La Gri«o cootiniMitale et In Moree p. 350 neq. 
39) Fobricü ltil.li.-thn-« gram«. Lib. VI. c»p. 7. §. 14- 

■.«MO.KtB.tt.«, tw.e«di«u LXXXV. 



legen; er mag feine Stubirn aud) anber«wo gerrieben 
unb namentlich in ttleranbria gelehrt haben. 3ntereffant 
bagegen ift eine bisher unbeachtete ftotit, über ben heiligen 
@i«lenu«, ber um« 3ahr t>40 nach {tennegau fam unb 
bort ein berühmte« Äloiter ftiftete. Wach feinem Sio» 
grapben 40 ) war er in «trifa von vornehmen «eltan 
(inelyti parentes) auf bem 8anbe geboren unb hatte, 
naebbem er baheim üdj grünbliche Sorfenntniffe unter 
guten Sehrmeiftern erworben, bie 'l'htlofrphie in Vitben 
jtubirt. (Traditas ergo liber&lium artium paedagogis 
ac imbutus plonitcr bis, studuit philosopbiae poet 
apud Athcnas nobilissimam Graecoriun urbem . quae 
cunetis nationum Unguis tribuit totius flores elo- 
quentiae.) Doch unbefriebigt von ber irbifeben 9Bei«< 
heit, wanbte er ftch bee göttlichen tu unb trat in ben 
SWönch«orben ber Saftlianer. 3«m $riefter geweiht, 
erinnerte er fid), wie einfi ber heilige Dionpftu« «reo» 
pagita von Athen nach 9tom gewnllfahrt, unb entfdjlof 
ftch, beffen Seifpiel nadjjuahmen. So fam er in« «benb- 
lanb, wirfte bort tbätig al« ^etbenbefehra unb befd)lof 
fein fegen«reiche« (eben um« 3aljr 681. 

wag nun auch hier bie fpdtere Vrgenbe, wie c« ja 
in beren Statut überhaupt liegt, SBabrbeit unb Dichtung 
vermengt haben, fo viel ficht inbeffen [.it., taf im 
7. 3abrbuitbcTt Uthen nod) immer in (luropa al« eine 
Stabt galt, in ber weltliche 3Bei«beit am heften ftubirt 
werben fönnte. Unb baf e« nid)t au«fd)lieflid), wenn 
auch vorwiegenb, bie antifen 9)emini«een)en maren, welch« 
biefe «nfchauung erhielten, fonbem baf wirflid) in ber 
angeblichen 3BaItftabt aud) fpdter nod) etwa« ju lernen 
war, ift un« burd) Seifpiele au« bem 12. 3abrhunbert — 
von benen id) fpdter hobeln werbe — binldnglid) ver» 
bürgt (Jtncn wunberlidjen @inbrucf macht e« baher, 
ivenn bie gabel von ber 'Udpftin 3vhanna — baf r« nie 
eine foldje gab, bat Döllinger 41 ) hinlänglich erwiefen - 
auch an Athen anfnüpft unt biefelbe auf ber bortigrn Uni< 
verfitdt ihre pbilofophifche Silbung gewinnen Idft. Sei 
ber S3fber(egung biefer %abtl ift freilich oft jtt viel <&f 
wid)t barauf aelegt worben, baf bamal«, 6nbe ber rrften 
{tälfte be« 9. 3ahrhunbert«, in Athen 9tid)t« mehr ju 
erlernen gewefeu ; mit biefen (Begenbeweifen allein liefen 
fid) bie Sertbeibiger ber 6d)theit wol nur fdtfedrt wiber. 
legen. Ob babei vielleicht an bie jtaiferin 3renc ju 
brnfen ift, laffe id) babingeftetlt ; fcharffittnig genug hat 
Dödinger bagegen erwiefen, baf Athen, ber alte fit? 
ber ffiiffrnfchaften, gerabe barnm in ber gäbe! genannt 
werben mufte, weil von literarifcbrn Stubfen im gan)en 
Abenblanbe bajumal faum bie Dtebe war, unb erft fpdter 
bie grird)ifd)en Univerfitälen borthin überfiebelten **). 

3ft nn« nun freilich au« biefen bunflen 3ahrhun' 
berten wenig von ten SBeltweifen Athen« unb ben Port 

il)) Uabttlc» , AcU Sanctoram ordinis S. B«n«licti. Tom. II- 



p. 757 »*')■, ütrtt rpifcoponim C«ocr«cciuiom bri Peru. Ho. 
numt-at» Vol. IX. p. 409. 464. 41) tut $arft > ^abritt b<« 
IRittrlaltrr«. iWimrtifn 1863. 8. <£. 1 fg., »• adr anbttn Cudlrn 
angaben unb £trciifd)r[ftm fctgfaltia gtpTÜft finb. 42) SRit 
•it,j:;.; auf ttt Amalricu» Augeriia ac BHarri» Chronicon ponti. 
ficium (soit 1362) in Eecardi CorpiM Vol. II. p. 1706: „in 
«tndio Athenarum quod tuoc erat in Graccia." 

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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 114 — (F. PERIODE VON 395 — 1204) 



betriebenen pbilofophifdien Srubien berietet, fo fehlt 
tt bagrgen nicht an tbtologifepen Warnen in tiefen 
unb ben folgenben 3abrp unbetten „ ber Scröbung." I a 
bin |tnt außer ben wenig bebeutenben Samen von SRon» 
eben unb ©infteblern cor allen bie ber atbenifajen Ober« 
btrten ju rrajnen, r>on benen ?c Duien **) folgenbe 
anführt; SMfdtöfe: Joanne« 680, auf bem Gondle in 
•Koni; 6aba« 860, Anhänger be« »Ubotio« ; Sifeta« L, 
Metropolit, SBertbeibiger be« Patriarchen 3gnatio«, an« 
weienb auf betn 8. gondle 869; (£nb(feböfr : »ol fd)on 
Anaftafio«, ebenfalls ©egner be« WMwat (um 880); 
Ibtobegio« .lA&rjvöv" 997; SSitfeael L 1023—1024, 
ito 1054, Wfeta« IL 10H2, teuerer in Sbnobalarten 
genannt; cnblicb au« bem 12. 3obrbunbert Otrorgie« 
1156, Wifolao« £agiotbeoborite« UM unb Michael II. 
Afeminato« von Gtbonä, ben gelehrten, muihigrn 3dt» 
genoffen ber fränfifebrn Grcberung, auf wrlcpe beiben 
leftern ich feiner 3dl jurüdfommrn werbe. 

3<f> babe btefe« verbürgte IBrrieicbniö be«balb bier 
voüftänbig mitgetbeilt, »eil et un« eine ©runblagr gibt, 
auf bie bin wir ba« faft voUftänbfge 3krjrid)iit|j ber 
atb/nifd)en äirdienfürften controliren fönnen, welche« 
'l<ittati« in feiner obgebadjten SBiberlegung ber gall« 
metaver'fttoen Theorie rnittbellt, unb beffen Urfprung 
folgenber ift. Skfanittlub hauen bie ©riechen bie ®e» 
wohnbetl, an ben Aupenfeiten ihrer cHirfbrn ftati förm» 
Iid)rr ©tabftrine 3nfd)riften einrnfraBcn, wrlcpe bie 
Warnen unb Tobe«jcil ber ©orftrher ber .Kirchen ober 
ihrer Beamten ober anberer burd) grömmtgfrtt hervor» 
ragenber Männer überliefern, Solche 3nfcbriften finben 
fiep u. a. auf ben Marraorfäulrn ber Äircpe S. Derne» 
tri»« )u Wititbra, in benen man bie Warnen ber trftrn 
nacb SBietrreroberung ber Stabt bureb bie Waldologrn 
eingefeftten SBifcböfe von Eafebämonla lieft **). Klcbnlidjr 
?nfd>riftrn nun würben von bem rufftfeben Arajiman» 
rriien Antonfnu« auf ber Mauer ber Äirdie be« heiligen 
Wifobemo« (roi> Nutodtjpov) entbeeft unb von 'i<itiafi<* 
tn beffen 3«urnal 6. 935 fg. 4 *) al« iöewri« für bie gort» 
eriftent. Athen« abgebntdl. Tiefelben gehören fdntmtlicb 
Dem Seitraume von 1022 — 1070 an; bie ältefte ®tab« 
fdjrift ift bie be« lirieftet« 3eanne« 'UfvrmvtteO (geft. 
:<0. Mäq 1022), bie jüngfte bie eine« «ifolao« vom 
lecember 1070; bei ber angeblld) int) 3abr 1223 ge< 
legten be« Joanne* Äofftilato« mag bie 3abrjahl wol 
verlefen fein. Die betreffenben perfonen finb meift (Seift» 
Iid)e ; al« gamilien » ober Seinamen erfdjrinen neben ben 
idwn genannten ein Svfcr», Äonnefafi«, Äcndrlaree, 
tfvrofa« ; ferner »erben ein Stepbatto« x^nmcrlra^ (geft. 
4. Der. H>44), »ol Patron ber Jtirtbr be<3 Wifobemo*, 
unb eine Anna Chartuluria (ob ftattin eine« Gbartu- 




feirtu«, ob ibentifd) mit ber ebenba dritten, am 15. Ort. 
1060 geftorbenen Slnna?) genannt. Söol ähnlichen Ur« 
fprung« ftnb bie ebenba fpdterbin mitgetbtllttn Wrab» 
febriften **), ob,ne hiüorifcbe Scbeutung, bie eine* feon 
Weioteio« (geft. 5. €ept. 912) unb anberer; ber 5?ame 
ber SRarina (geft. 2. 3uli 1064) allein ift intereffant, 
ba er und Äunbe von einem in Silben bnmal« beftehen» 
ren 9lonnenflofter ber bfiligen Dreietnigfeit (r^s aylae 
Tgucdog) gibt, reeldje« biefelbe a(6 »ebttffin leitete, ßu 
riefen 3nfd)riften, an bereit (5d)tbrit ntcht ju }»eife(n ift, 
fügte pittafid noeb anbete binju, bie theilo auf ben 
«lauern brt 2befeu9»!lem»tlfl 4r ) (896 — 967), tbtil« 
auf ben Ucberreften einer Ptopvlden« Säule *■) entbetft 
»urbrn; le(tere gehören meift ind 12. 3abrbunbert (fefte 
3ablen 1108—1171). «Uein aud) biefe Samen — meift 
Vornamen — ftnb piftorifa) gan) »erihloc». 'Biel tviep' 
tigere HuObeute fodtc bagegen ber ^aripmon felbft bieten. 
6(pon in feiner $efcfcreibung Athen« ,s ) hatte pittafi« 
eine 3nfcbrift, bie angeblid) jur Iiitfcnu'it an ber füb< 
litten SHatier be« Parthenon criftirtr, mitgetbeilt, laut 
bereit bie JtirdK ber britigen Sophia 630 erneuert »or» 
ben ; allein bie Uneitihcu berfelben ift nicht nur baburd) 
conftatirt, raü ber 'Parthenon et»ei«(id) ber ^anagia 
geweiht »ar, fonbern auti burd) bie Hngabe be« 3abre« 
„630 muh Spriftu«" ftatt be« entfprrcbenben jähre« 
ber 9Belt (6138). Wim fe^te aber ^ittafi« feine gor» 
febuna/n am partpenon fort unb rntbetfte, bajj fowol auf 
ben ödulen be« Ueriftvl«, al« aud) auf ben innern 
Sdultn eine Waffe 3nfd)riflen eingefrißelt waren , bie er 
bann in feinem 3ournale müthrtltr unb iu eridutern 
wrfudtte»^. Daf bei (Sntjiffetung berfelben pittafi« 
eine Wenge gebier beging, bie unfinnigfien ßonjreturrn 
verfud)te, wirb 9liemanbem befremben; im Corpat in- 
Hcriptionum ftnb biefelben vielfach emenbirt, roch ift 
(eibrr bei ben jahrtahlcn regelmäßig bei unten gerügte 
gebler begangen. Hu« biefen 3<tfd)riftrn erbalten »it 
nun junddjft genaue Daten über ba« Ableben ber atbf* 
nifdjen Cberbirten. SBir finben bie folgenben ©ffdtöfe 
genannt: Joanne« I. (geft. 6. Hpril), Iheodjarifto« (geft. 
25. 3»ai), «bamantiofl (geft. 10. 3uli), ohne erhaltene 
3abrc«angabe ; bann mit berfelben: Anbrea« (geft. 15. 
Ort. 693), Warino« (baneben al« Wetropolit bejetd>net! 
geft. 4. April 704), 3oanne* II. (geft. 24. 9lev. 713), 
fflregoriofl (geft. 21». Det. 779), 3oanne« III. (geft. 
6. ÜWai 819). Ob ber urfunblid) verbürgte 3oanne* 
(680) mit Joanne« L beffen Tob nadj pittafi« , r >95, 
550, 505 ober 460 fallen foll, ibentifd), wage id) nid-t 
;u behaupten; bag aber, wenn ba« IBerjetcbniß ridttig, 
er nidjt ber 3oanne« II. fein fann, liegt auf ber ^ianb. 
Wun folgen Die erjbifdjöfe, junädjft ©ermano« (geft. 
I. Der. 841), ein Ungenannter (geft. & OTai 879), 
Wifeta« L (geft. 15 Aug. 881), Sabbafl (geft. Ii. Der. 
913), ©eorgioö L (geft. 4. Sept. 921), Wifeta« IL 

4«) 6 1H08. n. 34W5-3478 nnt c. 1910. 47) 4. a. D. 
K. 1599 — 1600; 8452 — 24M ; C. I. n. 9346 — 9349. 48) 
a. a. C. d. 1591 — 1598; C. I. n. 9337 — 9844. 49) P«t«- 
ki*, L'Bncicna« Alhinet. Atbtnc« 1835. 8. f. 387; C. L 
n. 866U 50) 1. a. 0. n. 2914-8993; C. I. n. 9350-9421 



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(•RIECH ISCHE GESCHICHTE — 



115 



— (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



(gefi. 6. 9Jo». 927), Äonftontino« (gefi. 29. 3uni 975 
ober 945 na* SJitlafifl; na* bem C. I. 985; bo* 
jHmmt lefcterr« ni*t ju bem Sobefljabre be« *Ra*folger«, 
ber f*on al« Metropolit genannt wirb); baneben ebne 
fi*ere« 5>atum ein 2>emerrio«, geft. 4. 3an. 839, 809, 
899, 929 ober 959 na* »JJtttafi«, 809 na* bem C. L 
(au* riet tritt brrfelbr gall ein, wie bei bem Jlonflan» 
tino«). Allein biefe iReibe ftimmt mit mit ben Warnen 
bei 2t Duien; benn Sabba« (gefi. angebli* 913) war 
ber «orgdnger be« Wifeta« L, ber mögli*er Seife 881 
geflorbrn fem fann, ni*t beffen Wa*folger; legerer, 
Anaftafie«, ift ni*t ouf ben 3nf*riftcn ju finben. 33e* 
benfli* ift ferner, baß ba« ©i«lbum jur 3eit be« <Ubo» 
tio« jum (jrrjbi«tb,um unb no* in bemfelben ^abrbun« 
bert (vor 8G9) jur Metropole erbeben warb 41 ), rodbrenb 
biefe 3nf*riften f*on 841 ben Job eine« 1 .Wf*ef« 
regiftriren, ba gegen ben erflen Metropoliten in« (Snbe 
be« 10. 3abrbunbert« verfe|)en. I )rrfrlbe beißt bort 
Ubilippo«, ®obn be« am 24. 3uli 959 grfiorbrnen 
Sbartopbvlar Sbeobegioö (gefi. 17. gebr. 981); ihm folgen 
Sbcobegio« (grft- 17- Sept. 1006), 3oatine«:IV. 8lachcr< 
nite« (geft. Wovember 1016, nid)t 1027 ober 1057, wie 
«Oittafi« meint), 2Ri*ael L (geft. 13. Aug. 1030), ein 
Unentjifferter (gefi. 14. Oct. 1060, na* $ittafi« ?eon, 
auf ben ein anberer 1069 geworbener Üeon Weftor ge> 
folgt fein foll; bod) finb Warnen unb Datum ganj wn> 
fi*er), Wifela« III. , von $itlafi« willfiirli* Jturbe« 
jubenannt unb fd)on vorher einmal junt 3abrr 1083 
citirt (geft. 28. April 1103). 5$on biefen finb Ibeobe« 
gio«, iüu'.Mfl I. unb Wifeta« IIL urfunbli* »erbürgt, 
aud) bie 3abre«jablen ftimmen einmal überein. flu« 
bem 12. 3abcbunbert folgen enbli*: Wifepboro« (gefi. 
19. gebr. 1121) — bann fehlen bie urfunbli* erwiefenen 
Öeoigio« unb Wifolao« — , 3ofcpb, wie ba« C. I. lieft, 
ober Ibeopbvlafto«, wie «JJiltafi« will (gefi. 1175), ein 
Anonvmu« (nad) $lttafi« ©eorgio« II., gefi. (Snbe 3a» 
nuai 1182) unb enbli* Oeorgio« II. (ocer III.) 6 
(flfir. 6. 3uli 1190). $)e« lefctcu Wa*folger müßte 
bann 3)ii*ael II. von ßljoitd gewefen fein, ber auf Jteo« 
geftorbrn ift. Se&terer aber fagt felbft, baß" er feiner 
Jtir*r 30 3abre vorgeftaut en 1 - , baber muß er um 
1175 ben atbenif*en Wetrepolitentbron beftiegen baben, 
unb bie angebli* 1182 unb 1190 gefiorbenen (£ribif*öfe 
fönnen unmögli* eriftirt baben — ober aber 4*ittafi« 
bat ft* roieber einmal verlefen. Weben biefen für bie 
(Mef*i*tr ber atbcnif*en £ir*e vor allen wi*tigen 
tarnen finben wir auf ben Sdulen be« Ulartbenon no* 
bie eine« 919 gefiorbenen ©if*of« (Mermano« von 
Siaulia*'), wol eine« Aibeucr«, Suffiagan« be« borti^ 
gen «Metropoliten, unb vieler ©roßwütbtntrdgrr ber $aupt-- 
fir*e Alben«, bie, wie wir tjiex beutli* lefen, ber 
^lanagifl, ber Sungfrau SWatia, geweibtwar: fo ©feuo« 

51) Leoni» Sajnentti «t Phohi Ordo |>«triurcbanim unb /-•' • 
n>< Sapienlit Ordo tbronorum Ki Uitroclei cd. Parthty p. 74, 
9G- 52) !Brr,il (Jlli(f*n a. a. C. 6. 12. 53) «. a. C. 
n. 29»^ — 2967; C. I. n. 0378- Diaalia, tat ttx fyxaafatkn 
t.4 C. 1. tbenf« ic, im.. <nl»«f(n faantc. tetr ViMati*. ift »ä« in 
>rt St«nfcii|cit #fi etnaniiK £«ulia owr Cawilw in ^^ofi«. 



pbplafe«, SBorfänger, Sbartularier, Cefonomen, £*rei> 
ber, Crpbanotropben; bann $riefter, 3Rön*e unb anbert, 
au« ben 3abren 892—1071, au* einen IJriejler 9Iifo» 
lao«, ber am 1. 3uli 1314 gefiorben fein foQ, wa« mir 
jebo* fragli* erf*eint. 

Diefe 3nf*riften finben fi* nun wirfli* auf ben 
Stelen be« ^artbenon vor, wie i* mi* felbft überzeugte; 
fie fmb ben an ber 9ii(ebi'uio«fir*e gefunbenen ni*t 
ad)u undbnli*. üro^bem finben ft*, wie i* bei 8uf' 
jdblunj} berfelben bereit« na*gewiefen, i)itt nur ju viel 
äBiberfprü*r mit verbürgten Angaben, foba^ i* mi* 
be« @ebanfen« ni*t völlig erwebren fann, au* bier 
mit einer gdlf*ung )u tbun ju baben. S3ci ber Stel> 
lung, bie U^Uttafi« einnahm, bei ber faft unbef*rdn(ten 
4}>errf*aft, bie er über bie $lfropo(i« unb beren Alter' 
tbümer ft* erworben , war e« fein £ing ber Unmöglt*> 
feit, füj er ebenfo gut bie €du(en be« *!<artfcenon , wie 
ba« venetianif*e ®tempe(papier )u feinem patriotif*en 
3wede mi«brau*te unb befri(elte! Sin firitter SJewei«, 
wie bei ben 9lnargprif*en gragmenten, li$t ft* t .trüber 
freili* ni*t fübren; bo* fann i* mi* wenigfien« be« 
5Berba*te« ni*t erwebren, baß biefe S3if*of«*ronif von 
»*en nur ein würbige« ilenbant au 6er 9)(ön*«*ronif 
ber «nargpri fei. 

lap" baneben *Pittaft« au* e*te 3nf*riften mit- 
getbeilt, fann un« ni*t befremben, ba f*on vor ibm 
Vocode unb Anberc foI*c au« *rifili*rr 3»"it ftammenbe 
in $l*en abgef*rieben hatte. Allein bie legtern M ) ftnb 
faft ganj inbaltlo«; bloße Warnen verfiorbener SDtdnner 
unb grauen, eine« „ebleu .öerrn 9tifepboro«," eine« 
(Jupbemio« be« ^lafuntarier«, einer Diafoniffin SRifa- 
gora unb anbere, wol ber erfien *riftli*en 3 L '" ange< 
börenb, bann ber eine« Sbeopb^laftv^, ber wol 936 
fiarb, unb enbli* eine 3nf*rift über ber Hb« 1 ber Äir*e 
ber heiligen Ibeobori, ber jufolge im September 1049 
ber Spatbarocanbibatu« (Sarbeoberft) Wifolao« Äaloma' 
laö bie alte, verfallene Jtir*e neu berftellte. confi baben 
ft* bi« je$t feine weiteren grie*if*en 3nf*riften au« biefen 
3ahrbunbnten in Alben gefunben, bie nur irgenbwie 
neue Auffldrungen über biefe bunfelfie $eriobe feiner 
@ef*i*tc gewährten; unb ebenfo wenig ift $itlafi«' 
fpra*Ii*rr 9?a*weifl, ba^ in Athen ba« AltbeUenif*e 
ni*t au«gefiorbcn aR ) , ober feine lange üiatribc über 
ba« ibrater be« dperobe« Agrippa*') irgenbwie f*la« 
genb, ober nur brauchbar. @enug, dafi wir au« ben 
angeführten e*ten 3cug"iff«n wiffen, baf Atb.en« vier« 
bunbertjäbrige IBcröbung eine gabel ift, bie aber mit 
neuen gabeln ni*t wiberleat werben fann. 

€*on oben hatte i* hervorgehoben, baß bie gort- 
erifierj altgrie*if*er Warnen bei ben SRetropolen unb 
$t«thümern be« Sanbe« einen wenn au* f*wa*en unb 
unfi*ern ©ewei« bafür abgeben, baß bie altbellenif*en 
Stdbte ni*t voUftdnbfg vom Ihbboben vertilgt worben. 



54) C. 1. n. 9307-9320. 56) CAWfcr. Imcription«. 
BDtiqnae. Oxnoit 1774. fol. Pai> II. p. 85. u. Xt.IX : T,if-, 
(KMfa p. 1214. n. 2447; C. L n. 8803, rf. p. 593. 56) «. j. 0. 
€. 644 f 8 57) a. a C. 6. 1707 fo. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



116 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



3dj gebe baber, inbrm i* 2t Duien *•) folge, ber alle« 
ihm ju ®ebote ftebenbe "Material fleijtfg benuht bat, 
eine furje Ucberft*t über bie ftrc^licf>r (tintbrilung befl 
eigent(i*en @ric*en(a:ib(5 in birfen unb ben na*folgen« 
ben 3abrbunberten bpjandniftfjcr .£>errf*aft. ^Die fir*» 
liehe Diöcefe Jlitmcum )Cific( in !• »Urovinjen, von benen 
bie Dafien« ain Wittelmeere unb bie Darbanien« mrtt 
in ben Serri* unferer Untrrfucbungen faUtn. ^itrbft 
geboren nur folgenbe "#Tovinnn: 

L Wafebonicn mit bfn Metropolen: 1) 3br"alcnirfi 
(bem Stange na* no. 16; barunter bie Sl«tbümer JTitto«, 
Sertqöa, ba* bn Drugubiteier [3>rogovitf*rn, flawif*], 
Setvia lebenfo], JTaffanbria , Äaftrfon ober ber Äam« 
paneiei, Sierra, #erfulron ober Vlrbamereö, 3etiffo«, ui 
bem ber SUbo« gebort, Site, bat ber Sarbariotrn ober 
2prii (rool bie türf ifd) • magv<irtf*en «nfiebler]); 2) Bfr 
lippt (no. 39; barunter neben Siöthümer: Ibeotion, ^o< 
Ittftolon, Selifia, ßbriftupoli«, Smoldna, Ääfaropoli« 
unb Sllefrrvopoli«); 3) Send (no. 58); baneben eitirt 
2t Duien noch Dion, Stobi, 'IWthifcpolifl, Dobrre«, 
Gbeffa (Sobena), ^eraflea Sintica, Slmpbipoli«, ?em» 
no« (autonome« (fribiflibum), Ibafo«, Sargala unb 
anbete Site, bie in ben und vorliegenben Aitern SerjriaV 
niffen ni*t erwdbnt ftnb; tbeild waren fic rool f*on 
bamaie auegegangen, tbeil« würben fie erft um in er- 
rietet unb von bereite beftebenben "Metropolen abgetrennt, 
wie j. S. 3'°J na unb SBMenifon r>on Send. Slnbere 
wedjfelten im Saufe ber $ti\ ben Wanten; fo warb Site 
fpdter au* Wentvna genannt; ein Warne, ber an bie 
flawif*en Wundjini viellei*t anflingt. 

II. IbtffaKen mit ben «Metropolen: 1) Sariffa 
(no. 34; barunter ^hariale«, Drmctria«, 3ctunion, 
(fjero« (flawif*], Joiborifion, Xriffa , (**ino«, JfoIV' 
bro«, Stagoi, Domentfon, Äatria, ©arbifton, ein {weile* 
(Barbifia, cbenfo ein jwrite« (J*ino«, ^eritlera, Wabo- 
vi«bien unb »Ua&una |beibe flawif*], Sefena, Sfopclo« 
I3nfei], Jtallinbo«, SNarmariftien, ein {.weite« Äolobrof, 
Cofa, (Jbarmena, Sunrna, £almpte«, Drömofobon, 
Siana) unb 2) Weu^atrd (no. 50; barunter ©alaja, 
Äujiagroe, Sibifto«, Sariana). Daneben ritirt 2t Duien 
Vamia (3etunion), ©ompbi, £vpata (Weu''Jtarrä), Wto 
trcpoli«, Sftatbo«, "Jkparetbufl unb anbere; neben übet» 
wiegenb bellenifebem finbet ft* liier au* einiget f(aivif*e 
Clement In ben Warnen. 

III. »ll»(Jpiru« mit ben Metropolen: Q Wifo» 
poli«, fpdter verlegt na* Waupafto« (no. 35; mit Sun« 
bi&a, einft Dobona, Wto«, 8*eloo«, Wegoi — ob Wo« 
gu« — , Jeannina, ^botifa |Sella|, tlbrianopoli« 
(Trinopoli«, Stgvrcfaitronl, Sutbreton unb SUmaia); 
2) jtrrfvra (no. 7.1); baneben autonom ba$ tfrjbietbum 
Veufa6, unb fpdter au* Ana. 

IV. ^»ellae mit lxn ^MettOPdflt! I) Äerintbce 




SWaina); 2) «tfjen (no.28, mit duripo« [Suböal, Diau» 
lia, Jtoronea, Änbro«, Oreod, JTanjfioe, tßortbmo«, 
Slulon unb Sera); 3) &lt<3taträ (no. 32, mit £afebä' 
monia, ba6 1082 jur eigenen 9Netropole erhoben warb, 
SWetljone, Äorone, 4}»elo6 unb Soldna — lefctere* fla» 
wif* —);■!) Ibebd (no. 57). Sutonom war ba« (5rj» 
bietbum Regina unb £eee ; oerf*ollen Äencbreä , 3Rega< 
(opolie (fpdter erneuert unb Qbrtftianopolie genannt), 
Wauplion (mit Sitae« unirt), 7egea, Waratben, (flatea, 
Wegara, Cpue, $latdä, 3be«pid, Xanagra, 2rc<ene 
(mit Xamata unirt) unb anbere, wdf>rrub eine \>lu;jbl 
bei 2t Duien genannter Sietbümer erft in fpdterer 3^*» 
namentli* t>on ben granfen, gefa>affen würben unb ber» 
nadj wenigftene bem Warnen nad) unter ber 'lürfen-- 
herrf*aft fortbeflanben. 

V. Wru'@piru0 mit ber SRetropote 5)pnba*ion 
(no. 42; barunter Stepbaniafa, (Fbunobia, Äroia, (5(iffo6, 
Dioflea, gfobra, Drivafton, $olatba (ipulab, Spolitum], 
(^(aciniha ober «froferaunia, Slulonia, Vrt*nibo«, Unit* 
vaxii, Ijernifon, ^o[p*eropolie unb ÖJrabi^ion); ba* 
neben eine Sltuabl verfa>oiIrner Warnen. Die albaneft* 
f*en Stdbte würben fpdter einer eigenen VII. fßrovinj 
untergeorbnet, iWoaiifl genannt, beren Wetropole 
(Stobra warb; bie meiften iöjten ft* t>on ber SRetropolc 
'Xvrrbadjion ab. 

VI. Äreta mit ber TOetropoie @ortpna, jur 3«* 
2to'6 VI. in ben {tdnben ber Ungläubigen, fpdter wir« 
ber mit einer Anjabl 6uffraganen, ben Si|*öfrn t>eu 
©noffo«, Ärfabia, 4>ieraperra, Sappa, «jprrafleopoli», 
Subrita, Apollonia, (^berfonefoe, Ä»bonia, Äiffamoö 
unb anbern auegeftattet. 

Der VII. fyro»ins 'Urdfaiie if» bereit« geba*t ; 
bo*. münrn wir jum eigentlt*en (9rie*enlanP no* fol« 
genbe Wetropolitanfile jdblen, bie ju Per Didrefe bei 
■Äodaben gere*net werben: 

1) Wbobo« (no. 38; mit Samo«, (fbio«, Äo«, 
Waro«, ba« im SWai 1083 abgetrennt unb, mit %ani 
rereint, T!<. Wetropele würbe, 2bera, tJJaro«, leno«, 
SRelod, ^iffina, 3Iaria, Verna, Slftwpalda, 5ra*ia unb 
Wifwro«); 2) s Hiihjlene (no. 49; barunter ffriffo«, 6tton» 
grle, Jenebo«, SerbinoS, 'Jerperine unb "Karmari&ani) 
unb enbli* 3) 9Wetbr>mna (no. T u 

Xap bie Wangorbnung ber "Metropolen vielfa*em 
3Be*|'el unterworfen war, bag mit ben verlorenen $ro» 
«injen, mit Ibrilung einzelner Sprengel barin brbeu« 
lenbe Seränbcrungen eintraten, liegt auf ber {>anb. 
5Ran fanu biefelben am beften au« ben t>erf*irbe' 
neu Notitiae episcopatum rrfcbeu, bie ^jartbep 
feiner rreffli*en 9lu*gabe be« ^ferollr« angebdngt bvtt, 
unb n tenen i* nur fyiniufügrn triU, ba§ au* bic 
n ?lnnalen un« Ueberfe$ungen berfelben auf« 
bewabrt baben *"), namentli* vor ber unter 2to VI. auf« 
geftetlten, von *l'artbe» unter no. 2 mitgetheilten Tnfe. 

Sofie! »lebt inbeffetr au« btefen Warnen unb Wang' 
liften hervor, bap bie Sif*of«fi^e meift bcllenif*e Warnen 



!IÜ9) Rrücr, »ufitldi» Hnnalrn, bctauMtqfNn ren Cd)[»|rr 
ii»tn 1809-1809. 8. 6 »K.) »h. tlf. 6. 99. 

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GRIECHISCHE GESCHICHTE — * 117 — (!. PERIODE VON 395—1204) 



trugen; flawifcbe Sifce finben fid} in größerer SlnjaU 
nur in SRafebonien, bemnäcbfl in Innrod unb Jheffa« 
lien, währcne 2Jfittelgried>enlanb unb ber 93eloponnefo« 
nur vereinzelte Kamen aufweifen, grcilicb läßt ftd) bar« 
auf atiein hin nidjt wegbemonfhirrn, bafj nid)t aud) bort 
in bieftn 3abrbunberten Slawenftämme anfäfjig gewefcn 
unb ficb felbftdnbig guir» gälten. I nn null man einmal 
gaUmeraoer'« ^riucip confequent burdtfübrcn, fo fdjcint 
ber ganje ^Beloponnefo« beim erften anblitf einer betatl* 
lirten Jtarte von Slawen »SBeilem ju wimmeln. Diefen 
$unft genauer ju verfolgen, habe id> bem geographifcben 
ibeile ber Gncvflopäbic überlaffen muffen *°). OTancbe 
Kamen, bie ber gragmrnttft für ccbt flawifd) erflärt, 
crweifen jidi al« altbcllenifd) ober fränfffd), im $atoi« 
De« ?anDoclfc« vcrftümmelt ; von festeren namentlid) 
werbe idi fpdler eine 9lnjar)I analvftren, bie bisher nod) 
ein unlö«bare« Kätbfel ju enthalten fcbienen. Und) über 
bie angeblich urflawifAen Kamen SRerca unb SRifiibra 
werte ich bort miaj au«fpred>en, ba biefelben juerfl in 
btr /«anfeilten vorfommen unb wol am fiajerften au« 
ber occibentalifcben grembberrfd)aft ihre Deutung (toben 
fönnen. 3m Uebrigen fann id) für mein Ibeil nach 
genauer Prüfung ber beften Marlen be« «Beloponnefo« 
nur De« befonnenen kafe anficht beitreten, bafj unter 
40 geographifcben Flamen, bie un« auf ber qpalb« 
infet begegnen, nur einer flawifd)en Urfprung« fei. 
KUerbing« häufen ftch folebe flawifdje Kamen in einjcl« 
nen ®egenben ganj befonber« an, fo an ben beiben 
Ufern be« Gurota«, in SJfeffenien, fefbft in einem Z Nile 
flrfabien«; aber e« ift nur ba« platte ?anb, ba« fie ein- 
nehmen, wäbrenb in ben Stäbtcn burdigebenb« ba« bei« 
lenifdK Glement fortbefterji. Dag neben ben SBrilern 
auaj Serge, glüffe, Sbäler, Sanbfdjaftcn flawi|d>e Ka- 
men fübrten , Darf un« frinr«roeg« befremben ; allein eine 
vellftänbigc 9lu«rotrung be« $ellenentbum« ifl bamit nicht 
auögefprocben. Kod) weniger barf man, wenn man 
flawifd)« Kamen im ^eloponnefo« begegnet, bie jufdllig 
fidj in bem rufjifdjen ©rofjfürfienthum Suöbal wieber« 
finben, bie «Wo«fowitcn al« bie neuen Goloniflen @ried)en« 
lanb« binfieden, wie gadmeraper getban; e« finb eben 
ganj allgemeine Begriffe, wie fte überall vorfommen — 
Sumpf, Berg, 2bal u. f.w. — , roelc&e bie Kamen für 
bie neuen Dörfer unb SBriler hier wie bort hergaben, 
fflir baben oben gefeben, wober biefe flawifdjen Golo« 
nifien flammten. «Uein mit ber Behauptung, baf nur 
ein fleiner flawifcbcr Srud)tljeil fid) nad) d>eUa« gewer* 
fen unb wol erft 746 bie burd) bie giofce 'JJefl cntvöl* 
ferten ?anbftrid>e in Beft6 genommeu, fdjeint bie angäbe 
eine« freilich jiemltd) ungenauen bpjanttnifdjcn Geogra- 
phen , ber Gnbe be« 10. 3ahrh" n oert«, wol unter Jtaifer 
Bafilio« IL, ben Strabo ercerplrte im SBiberfprud) 
ju flehen. 3 ritt au« feiner ganjen €d>ntt un« ber rnate« 
rielle iBerfad @ried)enlanb« offen entgegen — $3iotien 
ift burd) Srbbeben verheert **), bie (Stj* unb difengruben 

~ ; ( fi< btnf. 6. 206 fj. 61) Xm«*oiia9ii«t h 
rot yimytot(pi*m t*i Strato ed. Almehvcn- Am- 
07. föL Lib. IX. p. 1264. 68) 9hn»* Ltb. X. 



ber lelanh'fdjen @bene auf Guböa liegen ebenfo brad), 
wie bie ©ilberbergwerfe von Vaurion — , fo febrint 
namentlid) bie Angabe ' 3 ), ba§ nad 1 fr (Spiro« faf) ganj 
^eUa«, ber *Jleloponnefo« von ffptbifdjen Slawen be» 
wohnt werbe, Die üBernid)tung be« griecbifd)en Clement« 
ju bejeugen. Daju wirb fpeciell von Gli« •*) erjdhlt, 
ba§ Dort Die alten Kamen ber lHaten, Jlaufoneu unb 
?Pulier verfcboUen, alle« ifanb aber von Sfptben bewohnt 
werbe. 2)a& ber «Berfaffer h'« namentlid) ßli« hervor- 
hebt, ift natürlich; bort in ben Kieberungen, fcheint e«, 
batte fid) bie Stehrjahl ber flawffd)en Goloniflen nieber« 
gelaffen; von bort war wol aud) ber Sturm gegen ^arrd 
auflgegangen, wdbrenb 9ld)aia, burd) $atrd unb Jtorinlb 
von jwei Seiten gebedt, beUeniiib geblieben, allein 
felbf) in Gli« begegnen wir um biefelbe ,;cn nod) einer 
rd)t grieebifeben neu auftaud)enben Stobt arfabia, bie 
vielleicht al« Falferlicbr Surg gegen ba« weitere Sorbrin« 
gen be« flawifeben Glement« geghinbet warb. Unb aud) 
in ber allgemeinen angäbe (dfjt Da« „itäaav "Hnugov 
xal 'EV.ada 6%tdov xat Ihloxöwijaov xtd Maxi- 
dovlav Zjtvöcu ExXäßoi vlfunnai" bod) nur auf eine 
tbeilweife S5efe$ung be« SanDe« burd) Slawenflämmc 
fchliefjen. Dafi 9Haratbon jur 3eit be« (»pffomator« 
^Srana, Salami« aber äiluri, $(atdd unb Delphi, wie 
heute Äoibla unb Jtafhi bienen, tafj man für üRpfend 
unb Clpmpia bie Kamen dharvari unb Stirafa hatte, 
beweifi eben aud) nur, rat? flawifd>e Kamen vereinjelt 
in SKitletgriecbenlanb unb {»ella« auftreten; legt man 
auf biefe Ortsnamen, bie tbeilweife in fpdterer 3^'/ 
fd)on unter ben granfen, burd) bie antifen Kamen ver< 
brdngt würben, ein übergroße« @ewid)t, fo feilte man 
boeb aud) nicht vergeffen, bafi gerabe bie wid>rigern 
See« unb ¥innenftdDte De« 8anbe« confequent ben alten 
Kamen behalten haben, alfo nicht flawiftrt werben finb. 

So viel fleht aud> hi« feft : ein flawifebe« Glement 
im ^Deloponnefo« wie in <£>ctla6 ifi unleugbar; allein 
Daffelbe mufi ebenfo wol djronologffd) begrrnjt — unb 
ba« 3abr 746 gibt un« in biefer Seucbung ben einjig 
fiebern {)alt — , al« auf fein befcbeiDene« Wa^ rebucirt 
werben, ^atte wirflid) ba« Slawenthum in d3eQa« fold)e 
■ÜRacbi, baf e« ba« @ried)enthum ganj überwucherte, 
baß ber $elleni0mu« von ihm au«getilgt warb, bafi felbfi 
bie Sprache ber geiftig überlegenen gelierten ber flawi« 
fdien weisen mujte ober, mit flawifÄcn Glementen bi« 
jur Unfenntlidjfeit vermifdjt, ba« warb, wa« man htute 
al« bie neugned)ifd)c Sprache bejeidjnet« gallmeraper 
unb feine anbdnger bejahen biefe grage in votlfier au«« 
Dehnung, ai« „fd)la^enD|le" »eweife, Da$ ba« Keu« 
griedjifaje ganj flawi|trt fei, fübrt Äriegf") nad) ihm 
folgenbe Drei an: 

1) Da« häufigere Sorfommen ber Hauptwörter in 
ber Diminutivform, felbfi bei bpjanh'nifcben Sdjriftfiel' 
lern, ohne allen ®runb. „Kun gibt e« aber feinen 
€prad)ftamm, in welchem bie Diminutive häufiger ge« 
brauebt würben, al« in bem flawifdjen;" folglid) ifl ba« 

63) <SUnH Lib. VU. p. 1851 — 12t». 64) Clkitka Llb. 
Vin. p. 1261. 65) «. a. C. 6. 540; wt fl l. B*llmfra?er, 
Korea L S, 236 f 9 . 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



118- — 



(I. PERIODE VON 395 — 1204) 



Neugticdufdjc flawifirt. Stoß bie (Fnbungcn unb Stamm« 
Wörter aber altbellenifd) finb, baß fdwn in bem claffifcbcn 
©ricd)ifcb bcrattigc ^cifpteie nid>t feiten finb, baß bei 
Bolfftmunb überaß gern in Diminutivformen fpridjt, 
Wirb f)ier nicht bemerft; ebetifo gut ließt ftd) bat)« ba« 
3talicnifcbe, bafl ja aud) bic diminutive gang befonber« 
liebt unb ebenfo oft grunblo« anwenbet, a\i vom Sla» 
wifd)en beeinflußt barfteDen, wie bic Bolfdfpracbe be« 
feurigen (Wriecbcnlanb«. Slber in Vllf Italien r.i.tt übet« 
bauet urfprünglid) flawifa), wie $r. Jrollär in feinem 
auf Soften bet wienet Slrabemie gebrudten (!) naebge« 
laffenen ffietfe **) jur Gvibenj erwiefen haben in Ii, unb 
ba« (Struflfifcfae nad) 3Bolari«fi nur ein Dialeft bet ut« 
flawifeben Spradje!? OTit foldjen Argumenten läßt ftd) 
fttilid) «Ue« benxifen. «Iber außetbem iji 

2) „in bet fetbifeben, bet bulgarifd>rn unb maneben 
onbetn flawifdjen Sprachen bie Neigung vorbertfibenb, 
bie brittle&te •«•.•Ut ju betonen, unb ebcnbaffelbe jinbet 
fi* im 9leugtiea)ifa>en weit r>&uftarr, al« im Ältgriedji« 
febrn." Der alte üiccent , bie antffe »ßrofobie follen »er« 
löfebt fein; roenn nach gaUmcraucr „bie alten ^KÜenen 
Jä(fi6a«, Äopti'ftcv . "Okvfutos, 'ExldttitQog acccntuir= 
ten, babei aber fcariffa, Äormth u«, Dlpmpo«, Crpibaüro« 
fpracben, fo fpridjl unb fa>teibt bagegen bet Neu« 
grieebe Ai^Ma, K6^v9os u. f. \x>." Allein roet in aller 
ffielt fagt un» benn, baß bie Ältgrietben — abgefehen 
von ben Dichtem, bie bodj biet nid« maßgebenb fein 
fönnen; wie viel actentlofe Svlbra »erben nid« burd) 
bie Bofition lang! — im gewöhnlichen Sehen fo ge« 
fproeben baben, tote gallmeraver will? HirgcnbWo ein 
pofiiiver Bewel«. (Ebenfo wenig fHcbbaltig iji enbltctj 
Bund: 

3) baß bie Ncugricdjen, ,,wa« am meiften beftemben 
muß," ben £«caut in benjenigen SBörtcrn nicht au«« 
fpredjen, in weldjen bie alten ®ricd>en ibn bitten — 
alfo @Uine« ftatt $e(lene«, g)bra flott $»t ra. 91 un feblt 
aber in ben flawifdjen Sprachen bet 4j'&»ut, folglid? 
aueb biet flaroifcbe Ueberflutbung. Uber aud) biefet Sa$ 
muß etbeblia>e Bebenfen erregen. @ewiß fpracbcu bie 
alten Otiecben, bie obne 3wetfel bem 3taci*mu« bu'btg« 
ten unb ftd) niemals ju ber neu von (£ta«mu« erfuns 
benen 9u0fprad)e befannten, ben Spiritus asper viel 
rceid)er au«, al« wir au tbun pflegen, unb ebenfo tvar 
e« im Btiltelaltet bet galt, wo man ibn iwar fdirieb, 
obet nut leife bäumte *Q. D ie Hüffen rranferibirten ibn 

66) J. Koltdr, Staroitalla alarjanika. ffiitn 1853.4. 67) 
föergl. J. 85. ükktkardi IV. Cuu SÜ. Oalli 18 in Perlt, Mo. 
numeul*. Vol. FI. p. 125; Vuitjtrandi Antapodogis ebrnha Vol. V. 
p. Ii 7 7 ; bätf l'aalteritun KalUco-ronBanu-hebruico-latinuin 
in tn tamtargrt IBibllottKf (M». A. I, 14): Ihii/ct fynvv Ai 
tanaUa h roV vfa(nm rov fityälov nvoov EvatafHov top 
'Paiiaiov (um 1010) ed. Zachanae a li»y*»Mo/. IJputa« 1866. 8 
p. 274. f. LXIV, 6, wonaA ta »«<nj« Ihlonow^ov *«l 
'EUätos itri« in fiwm «et 'EUäg (mit Itm Spiritu» loni») 
fdiritb; tcä> (rftittc »et Mayunoo« m 95i)jflnj, tat titftf 
I-: th.^rariM'dini hilrtt tit llrfuikr teil ihr* ttBUigtrit tthalt*n 
fotttc. •h.'Nfn t\t\tt 3tittutn« ben *QiTT,s <m (tnrai Clawm ju 
f)<nipeln, »in tvi) ttttat |U atlragt; aad; jnttt«too lrat(B in 
»(rfclbca im» in nxil (piimt 3fit tu iNiajtrr nid)t immrt »ir 
IWft6*t in btt Sf4)ti'd)t*ibuii^. 



oft fo, baß Je fiatt He gefefct würbe, ba fie fein f> 
baben; fo lefen wir Selenja ftatt Helena; fpiter et^ 
witb et balb ganj unbejeia>net gelaffen, balb butd) ein 
@ erfeftt. @b,er nod) möcbte baö faß völlige 3}erfd)winDen 
be0 öafjnitivff, burd) ein vä mit folgenDem ßoniunetiv 
etfe(t, ftembe Wifd^ung vetratben. 3>» *4$c(oponnefo6, 
meint gallmetaver weiter, watb allerbingd viele 3)<en« 
fdienaltcr binburd) faft nut flawifa) gefptoeben; allein 
bet flawifaV Xialcft fei bod> nun witflid) auf Worea 
auögeftorbcn. Dafl rütjre baber, weil bie fremben Än« 
fieblee feine eigene Literatur gebabt, weil fie mit Det 
Saufe 6d)rift unb Spradje ihrer »poftel unb 3wing« 
betten ju etletnen genötbigt feien. «Üein warum be« 
wahrten bic nörblidjen elawen unb anbere, bie unter 
gleichen «Bctbältniffen lebten, jdh itjre Nationalität unb 
6praa>e unb jwangen beibe fogar ihren 3winghenen, Ben 
Bulgaren, auf? grrilid) waren bic Bulgaren nod) robet, 
al0 bie )in0ptTid)Hgen 6lawinen, währenb bie <£(aiocit 
im $eloponncfo6 cd mit ben Heften cined cinft blühen« 
ben (Sulturvolfcd ju thun hatten. Ulbcr gerabe biet 
finben rott bie hefte 3Bibet(egung einet Sheorie, wetebe 
bie ooOfiänbigc 9(udrottung bei -^ellenenthum« burd) bie 
„fu«baltfdjen Unbolbe" in ben 'Borbcrgrunb jtellt. Ueberau, 
wo bad ®lawenvo(f figt, bat cc alle anbetn vorhanbenen, 
ja felbfi beherrfd)enben ßlcmente, falle biefelben »übt 
maffenhaft überwogen, fd)on in einigen OTenfehenaltern 
vetfdjlungtn ; bic tutanifeben Sutgaten gingen in ihm 
unter, bie notmannifeben SRobfen, von ben Slawen Muß« 
lanb« b«fbeigerufen unb ju ihren ^enen erforen, hatten, 
obfdjon an Qivilifarion ben 99eherrfd)ten unenblid) übet« 
legen, fd)on nad) vier QJrncrafionen ihre Nationalität 
völlig eingebüßt unb waren burd>au6 flawiftrt werben. 
2Bcnn ba)Telbe nicht ebenfo in £clla6 erfolgte, wo nod) 
baju bie Slawen ald ^erren aufgetreten fein ioOen, fo 
bürfen wir nid)t etwa einen iBergleirb mit ben ftegenben 
9tömetn, welcbe bie Guttut bet beilegten ^eOenen ftaj 
ju eigen machten, h'tbeijiehen, vielmehf nut annehmen, 
baß bie flawifdjen (Jolonien in Atüai feine0weg0 an 
Waffe bie bott jutüdgebliebenen Hellenen ubetttafen, nod) 
etwa bae ganje fianb übafd)wemmten unb fnetbteten. 
SSielmebr paßt aud) auf bie in ®ried)enlanb angeficbel« 
ten Slawen vortrefflid) bie Sd)ilberung, welcbe Äaifcr 
?eo VX *») von ben anbetn flawifa>cn Bölferfd)aften 
entwirft. (Sin ungrfdttigtct gt(ibeit0brang tvat nacb ihm 
©ruubdjaraftet aller Slawenftdmme. So lange fie int 
eigenen Sanbe |enfeit6 bet i)onau faßtn, genoffen fie 
voUfommcne gteiheit; fo oft fte autogen, wollten fie fia> 
liebet von ihren eigenen Häuptlingen (jupanen) vernia>' 
ten laffen, ald ben ®cfeQen bet ÜKomäet folgen. Ahl 
t'anb ift ftarf bevölfert; ohne 9Surten tragen fie ä)i$c, 
•Uvitc, Hegen, Blöße, Hoth. Aaifet Bafiliud L 
bann vetfud)te, fie au« ihter Barbarei ju erlöfen, ihnen 
bafl (f hriftentbum fanbte unb ebenfo Häuptlinge fe$te, bie 
fie nad) griechiidjem Braudje regierten, würben fie Ber* 
bünbete be« Heid)«. 3htt ©aftfreihtit, bet Sd)ue, ben 

G8) Twtiea e»p. XVIII. p. 99-108 in Jo. *«««• Oper» 
ed. Lami. Flunntiie 1746. fol. Vol. VI. p. 806 - 807. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 119 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



it jebem grrmblfng angebriben (äffen, ihre OTenfdjlicbfcit 
flcjjfn ihre (Befangenen, bie fieb Purd) Arbeit ihr iföje- 
flclt verbienen muffen, unb bann entmrbrr fo heimf ehren 
ober al« greunbe bei ben frühem ^terren jurüd* bleiben 
fönnen, bie Acufcbbcii ihrer ffieiber werben von Pem 
faifrrtieben Vhil. • . n mit fo lebhaften garben grfcbfl' 
tert, fcajj man ein Scitcnftüd jur @ermania ju lefen, 
in einen €ittenfpiegf! ju bliefen glaubt, ben ber Selbft« 
beberrfebrr ber Somder feinem entarteten Volfr al« 59ci- 
ipiel »orbalte. Aua) bie «eauemlicbreit unb Scheu vor 
anftrengenber Arbeit erinnert an bie alten ©ermanen; 
gleich ihnen fannten fie feine ummauerten Stdbte, fon« 
bem (rbten frei in ihren 28cilern unb (Bauen , benen vom 
Stamme erwählte Häuptlinge nicht al« abfolute $men, 
fontern mehr in patriard?alifcber 3Bcife vorftanben. 

So waren auch bie Slawen »(Baue in @rietbenlanb 
ohne gragr organijtrt; ba« offene £anb, foweil er) ju< 
gdnglicb, fiel ihnen ui. An ben Abhängen ber ©erge, 
an Pen Ufern ber Ströme fdjlugrn fie ihre Si&e auf, 
uM wenn felbft einzelne Stämme auf veröberen Verg« 
Plateau« fid) anfiebelten, fo Virilen fie fiel) botb meift 
fern von ben fefien Stäbten ber Hellenen. 9cur n>o eine 
alte bcd>8fltflfne V ur g Her Äonider verfallen war, liegen 
fi.- fid) mol unter Pein Schlejjberge in ber Gbene nfeber 
unb grünbeten lörfrr unb gierten, bie balb ben Warnen 
Per jetftörten gejhing, balb einen neuen flaroifcben fübr« 
trn. SWit bem verunglücken Eingriffe gegen Vatrd enbett 
ihre Wacht in Uli«; bie freien Slawen wurpen leib' 
eigene Sflaven ber fJiomäer, Jtnol-aumi ber griechifchen 
Äird)cn. ^Dagegen bewahrten fie, wie wir bernacb feben 
»erPen, in anPern Ibeiten be« Vfloponnefo« noeb lange 
mit ihrer Nationalität ihren glauben unb ihre Selbf> 
ftdnbigfeit. fJRag von biefen flawifeben Anftebelungen 
ber wel mancher Xropfen Sfvtbrnblut« (n ben Abrrn 
foleber fliegen, bie fid) für birecte Wacbfommen ber alten 
£ellenen halten, gewiß ift biefe Vcimifcbung nur eine 
lehr geringe. lao ffawifd>e Clement warb hier nach 
wenigen SWcnfchenaltern jebon von Pcm numerifd), wie 
geiftig weit überlegenen hellenifcben völlig verwifd)t; 
nur Pie Warnen ihrer SBriler, beren heutige Bewohner 
aber fcbwerlid) ihre Stammbäume bi« ju Pen Slawen 
be« 9. 3abrbunbcrt« b' nau ft u bren fönnen "), unp ge< 
legcntlid) im« begegnmpe unverfennbar flawifebe %%» 
Pen erinnern an bie 93erfrbmr({ung hellenifcben 3Mute« 
mit Pem flawifeben, Päd einjig unP allein bei ben Ifcba 
fönen (Pen Ur*£>rllenen ober Vcla«gcrn gallmeTaver'* 
unb anbererü) fieb bi« beute unvermifebt erhalten hat. 
Xafür ben Vewci«, wenn id> ba« erfle biftorifebe Auf« 
treten biefe« Stamme« natfaiuweifen habe. 

W\i bem ©efagten bürfte gaUmeraver'* Iheorit 
mol auf ihr richtige« Wag jurürfgefübrt fein: flawifebe 
Kolonien allerbing« auf bem griechifchen geftlanbe, allein 
torber Itanflawinrung , nod) totale Vernichtung pe« ,<;<\ ■ 
lenentbum«. 3n bem folgenben Abfd)nitrc werben wir 
ba« Scbicffal ber erftern im Veloponncfo* weiter ju vrr* 
folgen haben. 

69) Ben btr~ iirfunblid? cnrieftBra" fcaniifijj<n~*brnnfr w 
Sraatiottn fpit«. 



Tritter Abfcbniit. 

3>i« Änd)<f rifi^.- gegen bic Snlgattn, 91 raber unb Wer« 
»lanntn bll ;um Xott Kobcrt ®ui«corb'« (807 — 1065). 
35 te <SlaB<(n im ¥<[oponn<fe<. 

1) 35 i* !R(i4«trirge gegen bie tBulgartn unb Brabtt 
bi< «iDi Unlttgange te« ttflen 9ttlgartn<9ltid)<« 
(817 — 1018). 

gaffen wir «unäcbft bie au«wdrtigen iTriege bet 
bviantinifcbcn vftaifer in« rtuge, foweit biefelben auf ba« 
engere (Driecbcnlanb irgcnbwelrbcn Sinflug au«übten, 
fo treten neben Pen Bulgaren Pie Slraber in ben Sorber« 
arunb. Ter SJaffriiftillfranb, Per 817 mit jenen ge» 
frbloücn war, wurce von beiben Ibrilcn treulid) beobadj« 
tet, einzelne unvermeibliche Streifjügc abgeredinet. <DJor« 
lagon bot feine ^ilfe 823 Pent Jtaifer «Wicbael II. pem 
Stammler (820- 829) gegen feinen Mitbewerber, ben 
Slawen ?boma«, an , ber itd) für ben geblenbeten Jton* 
ftantino« VI. au«gab, in Antiochien au« ber ^anb be« 
'Patriarchen bie Jerone empfangen unP bei $c«bo« bie 
gan^e faifrrlicbe glotte an n.l< aejogen ••'). Irr An- 
griff be« $rdtenbenten gegen bie dieftPen) febeiterte; mit 
35«) meift au« @riecbcnlanb lufammengebracbten $anpe(6' 
febiffen beftürmte er Srriba; allein bie glotte erlag Pen 
faiferlicben Sranbcrn; fein Sanbbcer warP von ÜRortagon 
befielt, er irlbjt von ber Sevölferung Vbrianopel« au«< 
geliefert unb gepfählt 71 ). Dagegen «Härten ftd) um 
biefdbe 3elt bie bieber nod? ben »pjantinern unter* 
tbanen Stdbte Dalmatien« für unabhängig; ebenfo bie 
benachbarten flawifeben ßupan«, benen jene wo! jinften n ), 
unb im Süben be« Weiche« ging, wie wir hernad) feben 
wrrPen, Jcreta, niebt länget Purcb bie in ühoma«' Dienfi 
ftebenbe Jtnflabenflotte vertbeibigt, an bie Äraher Valoren. 
Unter Wicbaer« Sobne unb Wacbfolger Xbrvpbilo« (829 
— 842) wagen fid) Sulgarenbaufrn wieber einmal bi« in 
bie @egrnb von 2bcffalonicb, werben aber von ben Jcaifer« 
lid)en jurücfgrworfen ;J ). Um biefe -\-.n war auf «Kor» 
tagon fein Sohn 'ürefiam («JRalomino«) gefolgt, ben 
Uhriften feinblicb, gleich feinem SBater '*); Ainamou, ein 
bei Verheerung «trianovel« burd) Ärum forfaefcbleppler 
®ried>e, Per ben ältern »ruber be« neuen Ähan« SBoi- 
no« (tjnrabota«) jum Phrifientbum befebrt, Rar* unter 
ihm ben Stärtvrertob. Allein brei 3ahre fpäter ftarb 
Vreftam felbft, unb fein Üfteffc, 9ori« L (Sogori«, fla- 
wifd) Siabiwoj genannt), Pe« Suiniee« Sobn, trat um« 
3abr K*> bie .^errfdiaft über bic Vulgaren in Vrr«lama 
an. SBabrfcbeirilicb hatte er fd)on bet be« Cbeim« l'eb» 
jriten einen 3b (, l be« Vulgarenlanbe« inne; im 3abre 
844 lief er fid) von ber fRcgrnrin ?beobora {um grieben 
bewegen ; feine Schwefier, bie in (fonfiantinopel al« <9e« 
fangene ba« 6hriftenthum angenommen, warb au«ge« 
löft. Angeblich warb ihm, ber jwifeben Dorojrvlon unb 



70) Theophmt*, Conlinual. II, 13- («d. Bonn.) p. 66; 
Orf««w Vol. II. P . 7St; Xonaro, XV, 22- Vol. U. P . 136. 
71) Thtophantt , Conllno»t. II, IG. p. 63; Ctdrtnw Vol. IL 
p. 84; Ueaaitu (ed. Bonn.) p. 41. 72) 3>it CaeOm bei 
ralt a. a. C p. 410. 73) (fbenba p 417 — 418- 74) TKm>. 
phylaeti arcMepiwopi Opera III. p. 477 »eq 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



120 



— (I. PERIODE VON 395—1204) 



OTöjien faß, bamal« ba« ?anb 3agora **) jwifdjen bem 
eifernen Xf>or unb 3)ebelton überladen; bort» mödjte id> 
bit förmliche Sefidtigung im »efifce biefc« Sanbe« lieb« 
mit Sonata« '») in«3abjr861, na* ftintt lauft , fejen. 
Äerciji aber ift e«, bafi um 850 ba« ganjc fogenannte 
tnafebonifdje SÖulgarien obtr Jtabofia, mit tt bit Sla» 
wtn nennen , pm {Htidje be« Sori« oeljötlc. 

9i*ad) Ablauf ber 30jäbrigen Söaffenrubt wieber' 
holten bit Bulgaren ihre ge»pobuten (Einfälle in« bpjan* 
tinifebe Reid), würben aber 852 au« Italien unb 
'Deafebonien t trieben unb jura grieben qenötbigt "). 
3m 3abre 859 unternahm bann Jtaifer ©fidjael III. 
(842 — 867, felbftänbig feit 856) in $erfon tintn gelb» 
iug gegen btu Jtbagan , btt tbt nfo jiegreieb tnbtlt '•). 
Um überlief btm Äban, nadjbem tr 861 bit lauft 
angenommen unb feinen bulgarifdien Samen mit bem 
ft int« faiftrli^tn falben 9Htd)ael pertaufd>t, ba« ?anb 
3agora. IDafl ganje 5Jolf btt Bulgaren folgte ftinrm 
«eifpitlr; «DtetboPio« (gtft. 885) (btr »ruber be« beili« 
gen JtpriUee', ber juerft um 852 ba« fiawifdje Stlpbabet 
erfanb, in bem Sbale bt r SBregalnija , eine« 9lebenfluffe« 
be« Hrio«, ald SRifftonar auftrat unb gried)ifd>e (itur< 
gifd>t Sd>riften in bic mafebonifdj'f(amifd)e, b. b. bu(< 
garifd)e UNunbarl übertTUg) warb btr Slpoftel ber Sla» 
tven. Zairern geftalteten fid) bit Sqitbungtn jmifeben 
ben lepiern unb ©pjanj günftiger, wenn aud) bie 8n« 
ndberung bt« Sori« an 9Jom im 3abre 866 bitftlben 
einigermaßen trübten T *). $tm Seifpiele ber ©ulqaren 
folgten allmälig bie übrigen Sla»ptn in Dafien, Ober« 
Wollen unb 5>almatt'en; mit btr 3eit traten alle Stdmme 
tum (Sbriftentbum über, unb nur bie Siarentanrr per» 
harrten an ben unjugänglidjen felfigen Jtüften Dalmatien« 
nod> lange bei bem Xieirenthum unb matbten fid) nod) 
im folgenben 3abrbunbert al« berüdjtigte, verwegene 
Seeräuber ben italienifdjcn Stählen, namentlfd) bem auf' 
blübenben gagunenftaate, furdjtbar. Sit Itbltn in alt« 
flaipitdjer äBetle felbftänbig, ftintn» SXenfdxn unttrtban, 
ipäbrrnb bit übrigen balmatinifdjen <5laiptn wenigften« 
nominell bpjaminifdje Cberbobeit anertannten unb r.il: 
ibrt felbftgeiräblten 3upan« w« tfaifer bfftätigtn liefen. 
Xiefe @briftianiürung ber Slawen POÜtnbttt ftd» unter 
Äaifer »aftlio« L (867 — 886), ber felbft ein mafeboni* 
fdjrr Slawe, tpic Jini; man , Stifter einer neun» £pnaftie 
warb, weldje ftd» nad) ibm bic mafcbontfd.'c nannte 
unb bis 1056 ben Jtaifertbron inne batte. 2Da« gange 
3Rrid) ju ebriftiamfirrn, battt fid> ber Äaifer ,m -.'i.n. 
gabt gefegt; baber 874 ber $efeb(, f-H alle 3uben im 
ieanbe bie laufe annehmen fodten, unb ber freilid) niebt 
pollttdnbig gelungene 3Jtrfud), aud) im 5'loponnefo« alle 



75) TlfopAa««, Contino«. IV, 15. p. 165. 76) Zvnaro. 

VI, 2. Vot. II. p. 155. 77} Symron Moyuter (ed. Bono.) 
p. 657; Lto Grrmmaliau p. 235. 78) Ouettni bri Mvralt 
o. j. C. p. 436. 79) 8«tul. Htübtr aMistrli« 3a«atia 
von f inptntttal, Bdttja« jut ®{f(titd>l( in hÜitnMei Äit<fcc, 
im («* Memoire* de l'wademi* dei •eieoce« de sc. l'el«ril>oarg. 

VII. Serie. Tom. VIII. 1864. 4., unk fcif «jim^» ton jtuni! 
in k»m Bulletin de l'ncndemie. Tom. VII. p. 341 —360; f(i«i 
Cilfrrking a t. C. I. €. 37 fg. 



(^ö^enbtentr jum »Ibrifieutbum ;u nötbigen. 34 fomme 
barauf »weiter unten »urüd. 3Wit bem ©ulgarenfönigt 
9Sia>atl'»ori« lebte ber Äaifct ingritben; erfterer, ba 
u. a. bie flor allen J-Jiten t>on ben ÄParcn lerftörtcn 
cbriftndjtn Semmel, ». ©. ben ber 15 belügen TOdrtorer 
in Strumi^a, berjtellen ließ, (tgtt im 3abrt 83D bie 
äront nitber, bie er nad) bem @r>bifd)ofe lbeopbpiafto0 
36 Jahre lang getragen — bemnad) Wäre btr Anfang 
feiner SKegitning in0 jabr 853 ju ftfen, wol tr»a6 )u 
fpdt — unb brfd)(ofi am 2. iWii 907 fein £ebtn im 
SRönibdfianbe. Sein äftejhr Sohn SEBlaDimir (^aubomir) 
regime nur Pier 3a»)re (889 — 893); bann folgte ber 
»piloere ©ruber Spmton (893 — 927), unter btm fid) 
bte Sulgartnnotb für ba« fdjwadje Stid) trneuert. 3" 
3eit be« Äaifcr« 8eo VL De« »Ubüofopbcn (886 - 912) 
war fd)on SBlabimir unter bem 3Jorwanbe, ba§ ber 
{»anbei feine« HJolfe« in Ibeffalonid) gehemmt würbt, 
889 *") in« gtlb gerüdl, um (Id) felbft Sed)t ju »rr< 
fdjaffrn. ®tgtn ibn rief ito bie türfifdjen SRagparen, 
bie j an oft unter Hrpu: ftd) an ben Donaumünbungen 
niebcrgelaffen , unb anbere oenpanbte -Z tdmme ju $Ü\t ; 
fo warb mit Seiftanb neuer Sarharen ber griebe er< 
jiDunaen. tBier Jahr« fpdter (893) "') erneuert ftd) 
ber Jrritg; Spmeon rernidxet bei SulgaropbVgon. ba6 
faiferlid)e ^eer; bod> »virb ber griebe balb bttgefteHt, 
ba bie türfifdjen Stämme ber U<en, vHSnareh unb 
»Uetfebenegen roeiter nad) ffieften binbrdngen unb ibre 
flawifirten Stammgenoffen im Sdiad) balten. fDajit 
famen wol aud» Iributjablungen feiten« be« Äaifer«. 
5Rtt retdjen ®efa>enlen fanben Äonftanlino« VI. «ßor» 
pbprogennelo«' (913—959) SBormünber 913 •*) ben 
Jtönig ab, ber vor bie ^auprftabt gebrungen unb biefelbe 
pon ben Sladjernen bi« tum gelbenen Ibore beftürmt; 
914**), a!« er wiebtrum in Xb^afien häuft unb felbft 
Stbrianoprl erobert, rettet man fid> wieber out eh foftbarc 
Spenben unb ein Sünbniß, ba« ber 'Jtatririer Ji> haitneh 
Socja« mit ben ^etfdjenegen abgefd)loffen. 3m 3ab« 
91 i •*) wagt ber fBomefticii« ito l*bofa* einen neuen 
gelbjua; fdjen ift ber Sieg erfod)ten, a(« eine in ber 
fiauptftabt brobtnbe Setolution jur SüdTebt nötbigt. 
Spmeon folgt unb wmidjtet am 21. «ug. faft ba« ganje 
faiferlid)e Aeer bei Slndjialo«; faum tay btr gtlbberr 
fia> nad) aWefembria retten fann. Dod) meft ^bofa« 
biefe Sdjarte 918 burd) t>en Sieg bei Jtatafprtd, ben er 
theucr genug mit bem Serlufte feine« Sohne«, Xboma«, 
erlauft, wieber au«; bann gelingt e«, bie Serben gegen 
Spmeon iu bc(en unb ihn fo jeitweilig ut befd^dftigen. 
3n ben folgenben 3abren wieberbolen ftd) bie Jtrieg«« 
lüge ber vulgaren; felbft Slbrianopel roirb 924 be* 
fef>t ; neue @efd)enfe, ba Spmeon burd) ba« perbeertt 
Ibrafirn unb Wafebonien felbft bi« $egd unb bi« ju 
ben 2Mad>ernrn por^ebmngen •*), unb ber geinb jiebt 
ab, obne ba$ ein bepnitiper griebe ut Stanbe gefommen. 
»ielmebr rüftet Spmeon 925, ba gerabe ein Srbbeben 



80) .V«rW< a. a. C. p- 470. 81) U.ralt ,„„ ^ tt 892. 
p. 473. 82) dkmt« P- 491. 83) (Zkrika p 492 - 493. 
84) iStnta p- 494- 85) Vtraha p. 502. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 121 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



furchtbare Serbeerungen in Ibrafien angerichtet, im 
Sunbe mit ben «egvptern auf« Weue gegen ba« Seid); 
ber lob Simeon'«, ber am 27. SRai 92 1 gegen bie Jtroa« 
ten fällt, innere 3wif*igfotcn, Der Slnfturm bei gerben 
nnb türfifa)en gerben retten nod) einmal Svjanj. Unter 
Svmeon'd Sohn unb (Srben Seter (927 — 969) beginnt ber 
Verfall be« altern Sulgarenreid)«. Schon am 8. Ort. 
'.•27 fcblicfjt er ^rieben mit bem Jtaifer; bie Srinjeffin 
Warm, toi SRirregenten ßbrifiopboro« Sodjtrr, warb 
feine (Battin. Dagegen häufen 929 wieber Sulgaren 
ober ben Bulgaren }in«bare Slaroenborben •*>, welche 
gegen ben Sulgarrnfönig beffen Sruber SRicbael al« 
*ßrdtenbenten aufgehellt, von SNafetifl au« bm Strvmon 
übeTfdjreitenb, plünbernb in aSafebonien unb -frelia« 
(p. b. wol felbf» in Sijeffalien unb (Spiro«), bt« nad) 
Wfopoli« bin. Sd)liefjlid) erobern fte tiefe Stabt unb 
iaffen fich bort nieberj „fpätrr erfi nad) n>ieberi)olten 
Jtrirgen würben fte," wie Äebreno« berichtet, „ben 
'Rcmäern untrnhan." Jnirr finben wir alfo in ber alten 
ftauptfiabt von (Spiro« eine barbarifd)e (Kolonie vor, bie 
ftd> behauptet, ja vielleicht auch von ba au« ftd) nod) 
weiter über einzelne epirotiftbe Difhicte au«gebebnt bat, 
unb )uqleid) bie laue verbürgte 9tad)rid)t über flatvifdV 
bulgarifdje Ufieberlaffungen in ®ried)enlanb. 

Da« eigentliche Sulgarenreid» mar nicht länger ju 



lj bagegen bebrofjten 934 unb 943 türfifefae 
6tämme bit £auptftabt, mürben inbeffen mit (Befdjenfen 
abgefunden. Die nun folgenbe grieben«}eit — fünf» 
|är»rige SBaffenrube — betrübte ber SNitfaifer Romano« I. 
baju, 943") bie tvol bureb ba« <Srbbeben von 925 
unb bie legten bulgariidjen Freibeuter jerftörten tbra* 
liftten unb mafebonifd>en Stähle hmuftellen, in ber 
$auptfiabt Sßaldftt ju erbauen unb $ofpitä(er für bie 
«Iten unb Jttanfen \u grünbrn. Sil« 948 bie Surfen 
im Sercin mit ruffifeben unb bulgarifcben Scharen 
»ieberum broben, merben bie Srtfcbenegen ju $llfe ge» 
rufen; man läfjt bie Sarbaren ftd) unter einanber jer« 
fteifdjen, unb fdjafft ftd) fo Siubc babeim. Hürfifctje 
Aorten, bie 958 in Ibrafien eingebrodjtn , »erben burd) 
^otbo« «rgproe jurürfgefdjlagen ; 968 bebrängen bie 
Muffen Bulgarien; 969 fallen be« jüngfi verftorbenen 
Äönig« Stfer 6öbnc, diomanu« unb Sort«, in bie £anb 
be« 9iufftnfürjten Swäto«law, ber im folgenben 3abre 
bi« Shilippcpoli? bauft, aber mit feinen petfcbenegiidien 
Scrbünbeten bem faifrrlicben Schwager Sarba« Sftero« 
bei Ärfabiopoli« erliegt. 9?un folgt ein langer blutiger 
Äampf gegen bie Muffen, bi« enblid) am 8. 3uni 972 
griebe gemacht wirb unb Swäto«(aw abjicbt. Siö jum 
lobt betf waefern Jtaifer« 3oanne« I. Ijimi6ce« Ctftbem« 
d)ficb, eine« Armenier«, 969—976) wagen bie Bulgaren, 
von ben Muffen unb Setfcbenegen gebrüdt, nid)t aufjuatb« 
men; ifir Surft Sorte II. enbete 976 bureb SDtörterbanb, 
fein Sruber Momanu« nad) 1002 al« (Suuud), Satricier 
unb faiferlicber Sefebl«bab« von Sbvboö. Sie waren. 



bie einfl fo ftoljcn Sieger, factifd) Untertbanen be« bpjan« 
tinifeben Striche«; fortbauernbt 3»iftigfeiten im 3nnern, 
bie fdjon bie legten 3abre Seter*« getrübt — vier »rü« 
ber, Söbne eine« SBovwoben, iDavib, OTofe«, ilaron 
unb Samuel, waren faft mdd?tiger al« ber Jtömg felbfi — , 
raadjlen fte unfäbig, bem burd) »arfere llfurpatoren neu 
befeftigten Sleidjt erfolgreich entgegenjutreten. So blieben 
fie rubig, fo lange S)imi«ce« lebte. 

Vlba aueb anbere längfi verlorene Zbn'.c be« 9tei(be« 
waren in biefer 3« 1 wieber gewonnen; bie bpiantinififce 
Seemadjt b<"te fid) aufgerafft, im ägcifdjen Mmt unb 
auf ben füblid) gelegenen 3nfeln war feit 961 , feit ber 
©roberung von Äreta, bie faifnlid)e ^errfdjaft, bie bort 
138 3abre bem 3«lam gewidien, bergefteOt worben. 
Die @efd)id>te ber arabifa>en Dpnaftie ber «bubafüer, 
welcbe tu biefer 3eit „«frita«" beberrftble, ift bi« jejt 
wenig befannt geworben; felbfi über bie Mamen, 9leibrn> 
folge unb dbronologie ber @mir« liegen un« nur frag« 
mentarifwe Macbritbten vor. («ea-ift ift, bafi bie Cccu« 
pation ii utt von jenem ©efdjroaper be« Äbaliten au«> 
ging, ba« 807 unter £umeib 9tbobo« b<>mfud)t, viel« 
mehr waren e« fpanifd)e gfüd)tlinge, bie 823, wäbrenb 
bie ratierliche ftlotte unter bem $rätenbenten Xboma« bie 
apauptftabt beftürmte, fid) be« verlaffenen Soften« be> 
meiflerte. an ibrer Spi^e ftanb «bu f>af« Omar I. 
3bnSd)o«lb 3bn «1 ®b«litb, gebürtig au« Seirtib »") ($e-- 
broeba , nach «nbern au« gob« «lbolut) unweit dvrboba, 
ber al« Mrbell gegen bie Cmmeuarcn aufgetrieben, mit 
einer Söjar anbaluRfcber grtibeuler im 3abre 199 ber 
^ibfebret (814—815) ftd) nad) SIegoptrn wanbte, bort 
eine 3 ra Um.i fclbftänbig wirtbfd)aftele unb enblid) 823 
bie günfiige Gelegenheit wabrnabm, um eine eigene 
Dvnaftie auf .Kreta }u grünben. Son ben 30 Stählen 
ber 3nfel fielen ade bi« auf eine fofort in bie $anb be« 
Giraten, ber mit 40 Sd)iffen beranjeg, ben griedjifcben 
9ifd)of JtnriDo« binriebten lief}, ben übrigen (ibrifien 
jebod) freie 9leligion«übung geftattete. SJon Dia au«, 
bem einzigen ?Ma$e, ber ben ©riedien verblieb, fud)te 
üßbotino« twd> ^25, bann nad) feiner Sieberlage Jtrate* 
ro« 826 ba« Serlorene wieber jugewinntn ; »ngeblicb; 
Meuterei ber 2ruppen binbenen Ie$tern an «Berfolgung 
eine« gewonnenen Sortbeil«; flüchtig wart er bei Ao6 
ergriffen unb von ben geinben gehängt. Damit war 
ber Sieg ber Ungläubigen entfd)ieben; ijmar felbfi , au« 
Segvpten verbrängt , fdjlug bort 826 feine ÜReftben) auf, 
führte fpanifdje, agvptifche, fprifd)e ffoloniften hin unb 
grünbete unweit be« SBorgebirge« (£harar eine neue 
4>auptflabt, bie er ßbanbaf (6banbar, Sthanje, Surg) 
nannte, unb bie ber 3nfel ihren mobernen Mamen Äanbia 
gegeben bat. gruwtlo« blieben aUe (Jrpebirionen, welcbe 
bie SBvjantiner jur fBiebereroberung brr 3nfel au«rüfitten; 



HG) -neophann, Coatinuit. VI, 29- 
Vol. II. p. 312-313. 87) " 
p. 181. 



420; 



Ctdrnut 

n, 46. 



88) Ahmed Ebn Xokammtd AI Mokkan The hiltory of th« 
Hobammedan djmutin in Spain, trsnalatod hjr Pate, de Gayui- 
got. London 1843. 4- Tom. II. p. 103; ** Ant. Conde, Hittoria 
de la dominacton de loa Anbea en Eapafta. Paria 1840. 8. 
Parte II. cap. 36. p. 126 — 127. iBttfll. Kaimt »te »?janttn»t 
iti Mural! a. «. C. p- 410— 4U; uamtntlid) Genetiut p. 47, 

UX " M ^ 9mitt *™ a " 9it '- 16 



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GRIECHISCHR GESCRIfTITE — 



122 — (!. PERIODE VON 395—1204) 



ben fülincu Giraten ("taut ba« gante 3nfflmccr offen, 
fll* jperren berfrlben branbfd>af,ten fte nc bnjantinifeben 
Jttiftcn, [eblugen 82!) bei Zfcafo* bic faiferlicbe glotte 
unb verheerten bie Jtvfiaben. Unier Wicbael III. ver- 
fugte 843 ber Sogotbet Ib/oftiM vergeblich bie Stürbet' 
croberung; böfe (Menidjie ou6 ber £auptftabt ober ber 
Serluft feine« {teeret nötbigten ibn tum flbjug. Huf 
VJbu $af6 Cmar folgte 8&5 fein Sohn Schoeib I. 
unier bem bie 6trelfjüge ber farajenifdjen Giraten bie 
weile fte n 5>imenftonen annahmen. 3m 3af>re 866 **) griff 
er mit 27 odiiffen bie 3nfel ^rofonnefo« an, plünberte 
unb morbete, warb aber cnblidj mit bebeutenbem SBrrluft 
juruef getrieben, flutet c farajenifdje Schiffe, im CDicnftc 
ber Slabjabitrn von Jtatrwan, häuften im ionifeben unb 
abriarltcbtn Weerr, bebrobten 8t>7 Wagufa — wo ringsum 
flawinifcbe Sölfer fafjen — unb ©an; obgleich vom Äaifer 
?ubwig II. bem .Karolinger (urucfgebrdngt , wieberbolten 
fte ihre Singriffe gegen Italien, bifl fie enblid) Sicilien 
ben ©vjantinern entwanben. Sin bieten SJerheerung«« 
jügen nabm auch Sdjorib Ambril - ') ; d)rift(ia>e Kene» 
gaten, ftjnfcbe Abenteurer führten bie gleiten befl Äre« 
tet«. £>«man, (Smir von Xarfo«, brbrdngtr 880 M ) mit 
30 6d)iffen Stjalftö auf @ubfa; Podj rafrb fanbte Ccnia« 
te«, bamal« Strateg von .^ctla«, ein £ilf«corp« vom 
geftlanbe; ber grinb warb geworfen, feine glotte tnirdi 
gric4>ifd>rd geuer lerftört. tiefe 9)iebeTlage tu rächen, 
jog im folgenben 3 ab« (881) auf Sefehl ectieeib'* ber 
Renegat ^iborio« gegen ben "tyloponnefo« au«. Wetbone, 
MÜ unb 3Jatrd ") , alfo bie SBrfifufte ber Aalbinfel, 
follten geplünbert werben. Um bat brofjenbe ©erhäng« 
niti abtutvebren, erfaßten ber Sbmiral Stifrta« Onjpha«, 
ber bereit« 867 tum Schub von 9)agufa gefanbt tvar, 
mit ber faiferlicben glotte in Äettdjrcä; bei 9facbtjeit 
würben bie Schiffe über ben 3ftbmo« tranfJportirt; bann 
ging'« in ben fc-rintbifeben SHeerbufen. 2Ran übet' 
rafebte bie Saraienen ; jwanjig ihrer € ebiffe würben ver< 
brannt, fte felbft in alle SBinbe jerftrrut, ber gefangene 
'Renegat mit ed)t bojantinifebem Raffinement gefebunben. 
Offenbar ertvartrten bie Jtrrter Succur« von ben Slgbla« 
biten; benn um biefelbe $rit waren 00 Schiffe, je mit 
200 Sarajruen bemannt, von flfnfa gegen Jttphalenia 
unb ^almibofl vorgebrungrn unb betrübten von Süeften 
ber bie &a(binfe(. Q« gelang bem faiferlicben Gapitain 
Siofor , ben 4j>auptlbeil biefer Klette im ionifeben SReere 
m erobern; weithin verfolgte er bie ©eftegten, bi« nach 
Galabrirn, Sicilien, Hfrifa; bie wenigen erbeuteten gabt 
jeuge mürben ber äjmuptfircbc in «JWetbone geweiht. M> 
betten fct>tcii e6 gcralbrn, ba« eigentliche ^>rUa6 nicht 
länger ben Einfallen biefer Ungläubigen au«j.ufegen; 
'i nippen würben nach Jtepbalenia, Xörrhacbioii, bem 
k iteloponnefo0 verlegt; Ceniated unb ¥eo flpe rinpofl i c Ii 



8d) Sic BunltMl ■rannt ilft bal» Satt, •Satt. Q-aip; Irf« 
ictr# tft |rfc<ifall# mc rictittfl« Äotra; et fibti t<n 9Jjmr» ftinr« 
QhtiTairti. W, Muroti a. a. 0. p- 442. 91) libnta 
^ 788- 93) WenM p. 461- 93) <fta»a p. 462. £•{■ 
ttt ipatttt Pkrmha I. 34- (•*>. Bonn.) p. 103, »rt Qla< 
ttrjj bii(Bt'iiitt, ti( obn feift nir^mJirc ^nanai if., »»I audi 
Mb) Btdtt al» £laM rr iitK. 



ten (entern mit ben tbraftfdieu unb marebonifo>en 8d^a 
ten fta>ern. Tod) »raren biefe üRüftungen immer nur 
halber 5? nur unb uidu von bauember ffiirfung ; einjetne 
faifcrlicbe @crp4 erlagen ben b,erumftreifenben £arajrnen, 
fo bie von üpoftvpoä preisgegebenen, meift au6 (slatvinrtt 
befief)enben Sparen bei ^Irofopio6; roäbjenb man an 
SBiebereroberung von Sicilien unb Scb^auptung Gala' 
btieuö badjte, blieben bie eigentlich grieebifeben ÜRctctj** 
(anbe fortwdbrenb ben Sarajenen preisgegeben. Stuf 
cdjeeib folgte jundd)fi fein älterer Sobn Abu flbrailab 
(@enefioe nennt ibn Sabbel) 94 ), bei bie 93erbeerungen 
gegen ben $e(oponnefo< fortfr&te, jeboa> unter Aatfer 
8eo VI. (gefl. 912) mit feinen lUratenfdbiffen fdjeiterte 
unb in bie ^dnbe bed (Strategen Jronfiantinod Saranta' 
pcdje« (eine« 92ad)fommen ber ■rippfdiaft ber .Iranerin 
3rene) gerietb. 1>arauf fam bie ^errfdjaft über Jfrrla 
an feinen SSerwanbten (viedeidjt ©ruber, «iryywoe, 
rvie @eneftoS ibn nennt) €birfuh ( Zipxvwrs) , ben 
„©orldufer be« je^igen ©ebenfdiert von Strtta." Äber 
bie linitrfl felbft rraren l'djon Idugft in ben Aintergrunb 
gcbrdngt bureb. bie ©efeblSbaber ber ^iratenffotten ; ftatt 
be« Sbirfub tritt feit 889 fein «bmiral, ber «Hrnegat 
8eo auS IripoliS, b,eroor, ber bamalö ©amo« eroberte"), 
ben ©efcblSbaber ber Curg 'JtaSpaloft gefangen nabni, 
bad ganje „Welmcer auSpliinbcrte unb felbft Montan- 
tinopel bebrdngte. Sieben ihm ftanb ein anberrr ^Hene 
gat Damianos, ber 8% **) päd volfreidje X)emerria6 
am pagafdifdjrn @olfe plünbertc unb auämorbtte, wdb' 
renb ein (grbbeben Serrböa in Wafebonien gerftörte. 
Aaum gelang e« bem 9efeblSb.aber ThrafienS, bem 
tapfnn 9ütepporo6 ^bofaö, bie ©arajenen von feiner 
$rovin) abjuwebren. 3m 3ahre 900 mieberbolen bie 
Äanbioten, bie 3arajeneu Jlreta'S, ibre Einfälle; Sem- 
no<t wirb erobert; ber ©erfud) bcS ^»imerioS, mit einer 
glotle, auf ber 28,300 Wann, barunter 700 «Ruften, 
b. t). normannifa>e 6ölbner, bie geinbe im eigenen ifanre 
aniugreifen (902), miSlingt unb reijt bie <5ara jenen nur 
ju neuen Singriffen. SBäijrenb ^imrrioS 901 iidj mit 
ber faifertieben gleite bei üemnod halt, bringt £eo ber 
Zripolilaner mit 54 grofjen Schiffen, jebeS mit 200 
Streitern, meift Wöhren, bemannt, gegen Übrafien unb 
SRafebonien vor unb erfebeint am 29. 3uli vor 2heffa> 
Ionidj v7 ), ber reidjften ^anbelsftobt befl ?anbe«. flüeS, 
»aS vor bem geinbe von ben 3nfeln entfliehen fonnte, 
hatte ba auf bem geftlanbe ein Slful gefunben; bie 
Stabt blühte burd) ©rrfebr, ja ein nicht unbebeutenber 
turu« berrfdjte bort im ©egenfape ju beT elenben Um' 
aegenb unb ben auSgeplünberten «vflaben. Ter borrige 
»efeblSbaber 9tifeta* rechnete weniger auf bie Unter« 
ftü&ung ber be« fflaffenhanbmerfS entwöhnten ©ürger, 
aU auf ben Seifianb ber benachbarten ftrvmonifaVn 
Slawen, bie al« ©ogenfcbüfcen auSgejeicbnet waren. 
Sei ihrem Häuptling hatte ber Eunuch ^hobophplo« 



94) a. «. O. p- 4«. 96) Muralt a. a. C. p. 489. 96) 
a?brab4 p. 476. 97) Srrgl. übet »<■ Jtrit« p$tu Ibetfalcn.dt 
«nb btc b»ttijm ftaSdibc be« hi'4'1 iBtrtrffmlr« SertAt brtf 3m*' 
nt< Aameaiatii {Theopiann, Cnntinast. ed. Horm p. 467 *>q.V 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 123 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



•wei S^lente, bie er ben In Sirilien ftationirten Xrup« 
?m al« Solb übermitteln foßte, beponirt; Siffig« ober 
forberte färamtlicbe in ber Umgegenb anfdfftge Slawen 
auf, mit hinlänglicher 95}ebr ju |>ilfe ju eilen. «Urin, 
wie Jtameniata flogt ••), ,,e« «Wimen beten nur 
wenige, arme« unb \um Kampfe untaugliche« SBolf. 
Da« fam baber, weil im Häuptlinge — nicht bie 
faifertieben ©eamten **) — Iböricbt unb fcbdnblid) ge* 
nug, ihren eigenen Sortbeil mehr, al« ba« gemeine 
$ette im Sluge hauen, lieber ihren 92aa>bam nad)ßell< 
ten, t$tfd)rnfe au erbetfehen fachten unb Sicht« bdbtt 
achteten al« (gewinn." 9krgeblid> beflürmte Wfeta« in 
micberbolten ©riefen ben Strategen ber ftr»monifd>en 
Slawen, eiligfi beranjujirben , vergeblich, ftellte er tbm 
vor, ba$ bie Sdjulb alle« Unglürf«, ba« bie Stabt 
treffen fönne, aHein auf ihn jurüeffallen werbe; bie ge» 
heften flawifcfeen 5Bunbe*genoffen tieften ben Stifeta« 
unb bie unglürtlicbe Stabt tm Stiche. Doch batten au« 
bem «tnämftgelegenen Dijrrirte ftdj nicht wenige Sla» 
wen ') von ben früher oft genannten Stämmen ber 
Dregovitfcben unb Safulatrn *) in ber Stabt eingefun* 
ben, bie, an verfd)irbrnen Sofien aufgehellt, mit ibren 
Pfeilen ben geütr jurüefireiben foOten Jtuum aber 
bot |tcb wäbrenb be« Sturme* eine günftige ©elegen» 
beit, al« fle fid) ber Sd)lüffel ju einem ber Sbore be- 
mächtigten unb bie Stabt verliefen, angeblich, um bie 
übrigen Slawen vom Stromon au Hilfe au rufen. SBor 
ber Uebermadjt ber grinbe, ibrer wobigerä fielen glotte, 
ibren furchtbaren 8elagerung«mafcbinen fiel Xbeffalonitb 
am 30. 3uli; ein fd)rrdlid)e« ©lutbab warb angerichtet, 
nur wer ftd} mit ©elb au«(öfcn fonnte — wie ber geift< 
licfee @rara> ron fytiat — blieb verfebont. imax ge« 
lang e« bem £ogotbeten Svmeon, mit bem von ÜXhobO' 
pbvlo« beponirten (Selbe bie völlige 3erftörung bei Stabt 
abjuwenben; allem eine allgemeine ^lünberung war 
urrcernteiblid). 58it 22,000 befangenen, meift jungen 
Seuten, febrte bet Sieger, ber glucflid) bie faiferlicbc 
glotte umgangen unb auf Saro« — bamal« gleid) ben 
anbrm Ävflaben ben Jfanbioten untertban — angelegt, 
nad> .Kreta unb Sripolifl beim; mit ©olb würben bie 
Unglüellicben wenigflen« tbeilweife nachträglich (otfgefauft. 
3m 3abre 911 entbrannte ein neuer achtmonatlicher 
.Kampf ; ber faüerliihe ftbmiral ^imertoö unb ber 93efel>l«» 
baber von Santo«, -Romano«, würben in ber 9täbc ber 
leetern 3nfel von 8eo bem Iripolltaner uno feinem ®r* 
noffen, bem „ilrr.nr.il" Damian au« 3 uro«, gleicbfafJ« 
einem Renegaten, gefeblagen unb bifl nach üe«bo« bia 
verfolgt. Dann wieberboiten ftdj bie $fratenjüge, bie 
meift für bie ©riechen ungünjrig enbeten, bi« e« 924 
bem Joanne« Äabino« gelang *) , ben £eo bei Üemnofl 
teDftänbig ju vemiebten; faum ba§ ber fübne Seeräuber 
bafl naefte Veben rettete. SRit bief« «ieberlage war bie 
Biad-t berÄanbioten gebroa)en; boeb verftria>en noa> 37 



98) «c«»a p. 614. 99) «ilfetkin« U. €. 18 U< 
kuü SttUr fnKvrtitantrn eferr »rrtrt^t. 

1) Camtniata p. 628. 2) (tOMikft p. 496- S) Vi>rnfc« 
t- 646-546 4) Mvralt t. «. ß. p. 502 



3abte. biO it>r »eiaj ju ©ninbe ging, fflie ber Sobn 
unb «aebfolger brt (fmir Sbirfub gebeten, wirb Mn 
Öenefio«, ber ju feiner Seit fa>rieb, niett envdbnt; wabr< 
icbfinlteb folgte junäebf) ein (^abib ober) Sa>oeib II., 
sann beffen Sobn Omar II. unb auf biefen Vbb<e(' 
Mfle>*), ber le^te Qmir ba 3nfe(, bei ben Sojanrinrrn 
Aurup (Auropatate?*) genannt. Süol fajon ju feiner 
3cit mad)te unter Jtaifer äonftantinot VII. ber (j unuefa 
Äonfiantinoö (Dongolaft, ©efehlefbaha von Samo0, mit 
12 Schirren einen IBerfud) jur SBirbeTgeminnung brr 
3nfel, warb aber ahgefcblagen. 6rft mit ber folgenben 
«Regierung tet» 9iomano0 II. (959—963) warb eine neue 
(frpeoitton gegen ba« $iratennefl mit befferem ßrfolg 
verlud)!. 3m 3uli 960 •) jog «ifepbow« fPborae (fpäter 
Äaifer von 963 —969) mit einer fitartlid^rn glotte, not» 
mannifeben, armenifd)cn, flavonifa>en Sölbnern nnb 
einer S<bar gepanjerter Ärieger gegen ben geinb, ber 
gleich im erftrn Ireffen unterlag, »ifepboroe) $afti(ae, 
gegen bat) »tn:urr ber 3nfd auftgefanbt, gerietb )wat in 
einen Hinterhalt unb warb get6btet; aber ber O herfei t 
hm fchritt unverjttglicb mr ©elagerung von b'bonbor 
unb beilegte ein fara}enifa>e4 Gntfabungtfeorp«. Cbgleicb 
bie im ganzen Heicht berrfa)enbe ^•.;ncier?noib auch bie 
faifcrlidje Ärmer brimfua>te, gelang e4 bod) ber (Snergie 
be6 gübrerr}, bie Di6riplin aufred)t au erbalten, hie am 
7. 9Rai 961 T ) (Sbanbar getürmt unb unter blutigem 
©enteil genommen warb; ber Guitr felbji gerietb in bie 
$anb be« Sieger« unb befdjlof fein lieben, mit ©«lern 
audgeftattet, bod) feinem ©lauben tren, in ber H au t"' 
fiabt. Sein Sobn ftnema« fiel fpäter (972), in faifer« 
lieben Dienten tapfer ftreitenb, gegen bie 9luffen; nacb 
einem feiner 9iacbfommrn, s 3Sicbael Knema«, ber mit 
feinen ©rübern eine 4Ut febwörung gegen S(erioe) L an« 
gebettelt unb in einem inndtbft ben Sladjernen gelegenen 
Ihunnc eingeftrfat war, fubrre le^terer — ba« H«upt' 
ftaattgefdnguiji fdtbem — ben Kamen be* «nentad 
tburmee *). 

ßhaubar warb gefdjleift, unb an bie Stelle bet 
allen $iratenburg trat eine neue bojanrinifebe Stabt 
lemenoe, in bie eine armenifd)e ©arnifen gelebt würbe. 
Jugleid) wat man barauf bebad)t, baS ^bri^rntbum, 
ba« unter ber langen f>errfcbaft bee 3«leim in Setgeffen« 
beit geratbm, ber)ufieuen unb von ben mubammebani' 
fchen (ilemcnten, bie e« in fid> aufgenommen, ju reini' 
gen. Der Zeitige Stifon *), früher 3Rönd) im Älojter 
Sbtpfvpctra — an brr ©renje von $apbIagonien unb 
$onto6 — , bann al« SRifftonar in jlrmenien tbälig, 
begab ftd) nad) Jheta unb belehrte burd) eifrige $rebigt 
enblid) ba« aan; verhärtete Solf. SRan ftedte bie ver> 
faüenen djriftlichen Äirdjen b«; brei lagereifen von 
©ortvn erfdiien bem «poftel im Sraume bie bdlige 



6) 9tad( 6ai*3t'n3»8U« bei (Soibr a. o. O. war mftlit 
et* €ot,n Cm«'« an» (Inbl €*o<ib'<. 6) ilur.it <l «. O. 
p. 533- 7) Aftcata p. 634> 8) thteanft, CoaotanÜDOpolM 
Chriatimna («d. P.H.. 1680. fol.) p. 43 - 44. 9) Vit» 8ti 
Niconi« MttimoJtM n.on»rhi 5. 20 - 23 in Marlen, «t Üurmul, 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



124 — (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



•Jtboitno unb ermahnte ihn, bort, WO bie IHcfte rinefl 
alten lempel« fid) jeigten, it>r eine Jflrcfje ju grünben. 
flifon folgte brr «ufforbrruitfl unb, unterfHtyt t>on ber 
nrubefebrten Vevdlferung, braute er e« babin , baf nad? 
iwel 3al)ren an ber früh« wüften Stelle fid) etn präd> 
rige« Q)otte«bau« erhob. 9tad> (Erfüllung biefer «ufgobe 
verlief 9tifon bfe 3n(el, um feine 9Hlff.on«tbätigf»-it auf 
bem gried>ifd)cn geftlanbr fortjufefcen ; wir »erben ftc 
bernad) bort n>eiter verfolgen. Sud) al« Statin blieb 
WifephoreP ftegreid) ,0 ); bie Sarajenen fdjredtc fortwdb*- 
rrnb fein fiarfer Vltm; ber Vatrlciu« Wfeta« Gbalfufce« 
gewann ben ©rlecben 964 aud> JTvpro« wieber, unb ba« 
mit war bie faiferliaje &crrfd)aft Aber btc Unfein be« 
Wtttelmeere« bergefiellt "). Dod) fiel ber Jtaifer enblidj 
969 al« Opfer einer Valaftvcrfdiwerung, bie ben 3oan> 
ne« ljlim«ce« (969 — 976) auf ben Sbjon erfcob; ge« 
fürdjtet von ben Kcid»«feinben, gleich feinem Vorgänger, 
ftarb biefer am 10. 3an. 976, unb wieber beftteg naa) 
13|df}riger Unterbreitung bie 2>onaftie ber SWafebonier ben 
Ib,ron. Vafilio« Ü. (976 — 1025) unb fein »ruber 
Jfonftantino« VIIL (976 - 1028) befdjloffen ben Kann«« 
flamm be« Slawen Vafilio« I. SBieber raffen fid) nad) 
3j(mi«fc«' Jobe bie Vulgaren auf, an ibrer Spiee jenen 
Samuel , ben «vir fdjon 963 gegenüber bem f>au|'e Jftum'« 
alt unabhängigen VJopmoben baftet)en feljen. Vvjan« 
li-.uüi - Mebeuionen felbft madjen e« ihm möglid), feinem 
Volle bie verlorene Unabbängigfeit wieberjuaewinnen j 
ber erbte bulgarifa>e 9larionall)elb, if» er juglcid) bie an 
feinen lob ber Sdjreden be« gemitteten JHomäcrreicbe«. 
Vielleidjt, baf fd>on fein Vater, Sdnfdjman •») felbft» 
ftdnbig über einen Jbeil Vulgarfrn« gebot; iernc-vo 
wot feine tfjeimatb. Durdj IMenbung unb Qrmorbung 
be« alten Vater«, burd) Vrubermorb uub Vertreibung 
feiner Steffen brfeftigte ber ebrgeijige Samuel » Stepbano« 
feinen Zt)ron, fär ben balb bie ®rcnjen 3agora'« ju 

»würben. Äu* brn alten bitlgari|a)en Warfen fd)ob 
baffelbe ftet« weiter nad) Surften vor; Vrr«pa am 
See vor Ädjriba warb bie Seftbenj Samuel'«, beffen 
^errfdjaft fid) balb über Wafebonien unb (EpiroÖ, reo 
ja fdjon in Wfopoli« bulgarifdK Stammgenoffen fafen, 
auöbebnte. 9iid)t aber foOte efl ftd) Idnger um vereinjelte 
«Raubjüge banbeln, wie bi«ber; Samuel'« ®ebanfen 
waren auf eine vorige Unterjod)ung alle« gricebiftben 
ganbe«, felbft be« Velcponncfo«, geridtfet. SBdbrenb 
jtaifer Vafilio« II. mit bem rrbcllifcbcn Varba« Sflero« 
frieate, bunbjog Samuel mit feinem Speere ") ben janien 
ffiefien, Ibrafien, Vtafcbonien, ba« Üanb um Übeffa« 



10) TnU „ 4)rlkf*|cft M Vbctit. Xiimiittl unt> VatiliN II." 
|at Jt. v k 1 1 ti ii^opul»* bfbjntfli in («in<n 'h£rpunrra htj 
rrfc Mrrä rov fU9U¥ aiä/Kt <oroj>(«i rov 'hilipnov i&vovt 
{tUm n<r»A<^a Vol. VI. Athen. 186fi. 4. b 13»)- 131: p. 322 
-336 uik Ml> -365). 11) CtJm». Vol. II. p. 863; 7.o. 
•mm XVI. aü. Vol. II. p. 201. 13) «ilfrtt>in 4 a. a. O. 
II C SB fg. Wenn »vtt «htr ««bifebnaa mit Um üKcfrc« trr 
•mm «em«fii4 (VII, X «I. Bonn. Vol. L p. 848) ikntipi<trt 
lattk, f« Stakt kit< auf «ti(in g«ia)li(bfR Wtfr<twtfc<n kre an> 
•«fikrtta «tttlt. Welte«, ktt «knt Nr altfa kaUjimbrn «»«w. 
Ü «bat itwifti f'i» «»ntt 18) ÖtJrmm Vol. IL 



lonld), 7b,effalien unb £eUa6; viele geftungen tvurben 
genommen, felbft Üariffa; Da« Voll warb nad) Bulgarien 
fortgefübrt unb tbeilweife feinem $eerr einverleibt; bie 
«Selfguien be« Saju^bciligen ber Stabt, be« »ifdiof« 
«djilleio«, würben nad) feiner JKefibenj Vre«pa entfübrt. 
Selbft ber »l<eloponnefe« warb bebrängt. VBafilto« ÜIpo^ 
faufo«, ber Strateg ber ^albinfel, th.it fein SXögltdffted, 
um Jtorintb }u bdi.tuptctt. Sd)n>er erfranft, rpanbte 
er fid) ber (cgenbe nad) an ben fjeiligen 9li(on nad) 
Sparta , bamtt er ib,m Seifianb bringe. 9lifon erfd)iett 
unb heilte nid)t nur ben Strategen , fonbern brad)te ihn 
aud) bie frobe JTunbe, bat) bie Vulgaren plöftlia) abge« 
jogen, eine Jhtnbe, bie ftd) balb beftdtigte Denn 
eben tjatte Vafilioö IL feinen ®egncr beftegt unb wanbte 
fid) (um 981) gegen Sarbifa ober Iriabt&a, wie efl 
flawifd) tjiefj, um bie Vulgaren p jüdjtigen. Die Ve» 
lagerung 30g fid) in bie £dnge; ba verbreitete ftd) unter 
ben Jfaiferlidjen ein blinbe« ©erüd)t von neuer ^bron« 
rtvoluiion in ber ^»auptftabt, von ber @rbebung be« Vro 
ÜÄelifleno«. 3" ber Verwirrung entfd)Io^ man fid) }itm 
9lüd)uge; ungeorbnet, wie er war, galt er ben Varbaren 
für feige glu*t. Samuel, ber feine Gruppen au« bem 
Süben jurüdgejogen, griff ba« Sager be« Jtaifer« an; eine 
SHaffe Veule warb gemadjt; btö nad) Sbraftcn verfolg« 
ten bie Varbaren ben Jtaifer, ber ftd) faum buTd) cie 
bortigen (Sngpdffe nad) V^ilippopoli« rettete. Jtäntpfe 
in 3talien unb ber JTrtm, rcic innere SBirren, bielten 
ibn forrwähjenb befdjdftigt unb liefen ben Vulgaren 
freie« Spiel, bi« enblid) 990 •*) ba« bebrobte 2b<ffalonid> 
bie Slufmerffamfeit be« Jlaifer« auf ftd) jog. Der Äaner 
felbft befud)te bie Stabt unb lief ein $cer unter ®w 
gorio« Xaronite« jurüd, ber bem weitem Vorbringen 
be« 9ieia)«feinbe« ficuem foüte. Da« gelang fänf 3abre 
lang, bi« @regorio«, a(« er 995 burd) einen 0u«fa(l 
feinen in Samuel'« ^änbe gefallenen Sobn Ülfd)ot ju 
befreien verfudjte, felbft getöbtet warb, mit ibjn ein 
grofer 7t)H( feiner Slrmee. Unaufbaltfam rrgoffen ftd) 
nun bie Sd)aren ber barbadfdjcn Sieger über ganj 
@ried)enlanb '•); fte burdjjogen ba« „ Ibeffaltfcbe 2empe," 
überfebritten ben Venrio«, verbeerten Xbeffalien, Voorien, 
Httifa unb brangen felbft über ben 3ftbmo« in ben ^elo« 
ponnefo« ein. «uf bie 9lad)rid)t, baf 9lifepboro« Ura« 
no«, vom Jtaifer jum 9iad)fo(ger be« Zaronite« ernannt, 
ftc verfolge, febrtrn ftc um mit ibrer Vrute unb lagerten 
am red)ten Ufer be« von 9iegengüffen angcfd)wellten 
Spcrdjeto«; ihnen gegenüber Urano«, ba fein ©epdd in 
?ariffa jurüdaclaffen. (Eine gurth mad)te e« leeterem 
möglid), bei 9iad)i ben gluf )u überfd)rciten ; bie VuU 
garen würben pldblid) überfallen unb faft fdmmtlid) 
niebergemad)t. Jtaum retteten ftd) Samuel unb fein 
Sobn Somano«, beibe ftbroer venvunbet, burd) «etolien 
unb über bie Verge nad) Vulgarien. Die gefangenen 
©riedjen würben befreit; Ibcffalira »ar gerettet, unb 
mit reia>er Veute )og Urano« triumpbirenb in Ifjeffa« 




U) Vita Sti. Nie« 



...coolf f. 49. p «67. 16) 
Vol. U. p. 447; Zwarm XVII, 7- Vol. II. p. m 16) Ct- 
drrmu Vol. II. p. 449. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 125 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



lonid) ein. 9lod) war $prrbad)ion fn geinbe« $anb; 
aber tUfdwt bei Darunier, ber al« ©efangener bie Siebe 
einer Zoster Samuel'« gewonnen unb mit ihm £anb 
bie bortige Stattbalterfdjaft erlangt, »ermittelte balb bie 
Uebergabe an ben Satriciu« (iufiatbio« Dapbnotnele«. 
gaft alljabrlid) unternahm feitbem Safilio«, bem ber 
lehte 6ieg neuen SDlutb gegeben, Jirie s j«$ügc ine? Sul« 
garenlanb, gegen Iriabifca, Sobina, Serntfo«, Strum» 
pija, Sld)rtba unb Sre«pa; bod) fehlte efl im eigenen 
?anbe, nie in Xbe^a(onia> unb äbrianopel, nid)t an 
beulen, toclctje im Serbadjt ftanben, e« beimlia) mit 
tsamutl Iii galten unb bcöbalb beporrtrt würben ober 
ju ben geinben übergingen. 3m 3abre 990 »werben 
bie bulgartfdien Surgen um Jriabifca genommen unb 
terfiört; 1000 fallen ©rofj< unb Älrin'Serfthlawa unb 
Slt«fowa fenfeit« be« ßdmo«; 1001 ergibt Dobromir 
Serrböa , wäbrenb 6er»fa, lange von 9iirolifte« pertbei» 
bigt, erftürml warb; bie Sepölferung wirb fortgefübtt 
unb eine gried)ifd)e ©arnifon hineingelegt. Sann werben 
bie bulgarifcben gelungen in Jbrafien oerupirt, ibre 
(Samifon, wie bie be« g(eid)fa(I« eroberten Sobina, nad) 
»Bolero« verpflanzt; bie alten grted)ifd)en Surgen ibejTa» 
lien«, »on Samuel twrbeerl, erfteben auf« Weue. Hn 
be« Urano«' Stelle, ber nad) Hften gefanbt, übernimmt 
Dapib «Warnte« ben Oberbefehl in Ibeffalonid) unb 
febirmt ba« Hanb, fo lange Samuel lebt. VIb.c tbdtiger 
neu) ijt Safilio« felbft; 1002 erobert er Sibpna, fdjeurbt 
teit Samuel, ber tiefen Slugenblid ju einem Slünbetung«' 
juge gegen Slbrianopcl wahrgenommen , jurürf unb ge< 
rotnnt Sfopia, ba« ibm Sorna nee, ber Sobn be« frübern 
Sulgarrnfönig« Seter, ergibt. Sagegen fdjeiteu ein 
tnn.\:;ii gegen $erni(c0 an ber tapfern ©egenwebr be« 
Jlrafra«, unb ber .Äatfce fein t über Sbilippc-poli« in bie 
^auptfiabt jurüd. Ob 1005 Sprrbadtfon auf« 9leue 
ben Bulgaren, bie e« alfo tpiebererobert , Port einem 
Ubeoboro« entriffen »orten, läßt fid) auf bie einjige 
»utorität be« ?upu« »Protoipatbariu« »•■) bin nidjt be« 
Raupten. Jtebreno« fdjweigt bann, wie Pon Weilern 
(Jrpebitionen gegen bie Bulgaren, bi« jum 3ab« 1014. 
Sie Sulgaren fd)ienen burd) bie legten Serlufte erfeböpft ; 
unmutbig rubte Samuel, um neue Jtraft ju fammrin. 
(Snblid) war ein ftalllidje« £eer gerüftet, ba« unter 
gübrung be« 9icftori&e« 1014 gegen 2beffalonid) auf' 
brad) '0- Sbee: .'• Sotoniate« tdjliig eö uirürf 
unb eilte, fid) mit bem Äaifer in ben ßngpdffrn pon 
Älibion ju perbinben. SJäbrenb biefer burd) bie feinb« 
lidjen Safcbanjungen im Safc pon Kimbw longus 
aufgeballen mar, gelaug e« bem «ifepboro« fipbiafl, 
ben Seeg Salatbifta ju umgeben unb fo bem geinbe in 
ben Süden ju fallen. (Sin furditbarr« ©emefcel begann; 
faum flüdjtet Samuel iu feine Surg $ri(apa; a(6 aber 
balb barauf ibm 9afilio0 15,000 gefangene Bulgaren, 
alle geblenbet, bi0 auf 100 (Sindugige, bie al« gübrer 
ben anbem bienen follttn, jufenbet, nlag ber Äönig 



16 ») Lupui Ptototpatkarint M PertM, Monamnits. Vol. VII. 
(ScriMorei. Vol. V.) p. 66. 17) Crdrauu \'ol II. p. 457 
y.onara, XVII, 9. Vol. IL p. 2Äi Utgea, p. 577 - 578. 



bem 3ammer über bafl ioo* feine« Solfe«. 3tpei läge 
barauf, am 15. Sept., fdion flarb ber Sarbar, bem bod) 
nid)t alle 3Renfd)[id)feit fremb geworben; mit ibm fiel 
fein Seid). Sein Sobn ©abriel Siomano« perfud)tr 
noeb pergeblid)e iüebr gegen ben fiegreid) porbringenben 
ÄaifcT. ^rilapa unb Stppion fallen fdjon 1014; eine 
9iebe0ion in Sobina 1015 wirb balb unterbrüdt unb 
mit SBerfeßung ber meuteriftben @arnifon nad) Solero« 
geabnbet; in ben tbrafifdien @ngpdffen erbeben fid) 
tdjü&ent bie Surgen Äarbia unb ^agio« @(ia«. @abrie( 
»rill bulbigen; man traut ibm niebt, erobert SXoglena 
unb perbrennt bie nalje Surg 9Jotia; ba fommt bie 
Äunbe, ba# Wabriel burd) bie J>anb feine« Setter«, 
3oanne« 3üilabi«laro, Slaron'« Sobn, gefallen. In 
neue Sulgarenfürft erbietet fid) ju grieben unb Unter' 
roürfigfeit; bod) mit gleid)em ^2i«trauen begegnet ibm 
ber Sieger, ber bie ilmgegenb pon Oftropo, So«fo« 
unb bie (Sbenen pon $elagonien burd)ftreift unb, wie 
er trnn einmal an tetn ed)t b»jantinifd)en goltermittel 
ber Slenbung (Metallen gefüllten, jebem bulgarifdjen 
befangenen ein Kugc auöftedjcu läpt. (Snblidb fällt 
aud) «djrita, tie alte Sulgarenbauplflabt; 3oanne« 
ffilabi«Ian>, blutbefledi. wie fOu ganjer Stamm, tpanbte 
fid) gegen Dprrbadjion, um, roa« er im Cflen perloren, 
burd) perjweifelten Äampf im äufietflen SBeflen »ieber- 
jugerpinnen. 

3n Seiagonien fcg.cn ftd) einjelnc Sulgarenbaufen 
tut SBebr unb Pemid)trn bie faiferlidjen I nippen; aber 
fd)on fällt Ihcrmipa in bie £iant be« Dapib lÄrtanite«, 
Xriabi^a unb ba« Scbloü Soion in bie be« Jipbia«. 
iHlle @egentprbr bleibt frud)t(o«; nur S^ni<f 0 « leinet 
SBtberftanb. 3m 3ab" 1017 jieben ber Jtaifer, «na 
nite« unb äonjtantino« Diogene« auf« Keue in« gelb; 
Selagonia »irb tpieber geplünbert, ein drittel ber Seute 
fällt, wie üblid), bei; norbifdjen Sölbnem ju, Sofograb 

Srjlört unb nad) iffiieterberftellung ber dauern pon 
errböa eine bet früb«n »eftbenjen Samuel e, Setäna, 
in einen »fdienbaufen perroanbelt. Der geboffte Seiftanb 
bet Setfd)enegen bleibt au«; bei neuem Sliigriff auf Spr« 
rbaebion wirb Anfang« 1018 3<>bann Slabi«law, ber 
lebte SulgarrnFänig, gelobtet 1 Seine SBitwe Waria 
eebirt Sulgarien bem xaifer, ber nun faft ebne S ehtrert = 
fhreid) Pom 9iefte be« üanbe« Seji( ergreift. Sunmebr 
rapitulirte aud) S^nifo« nebfi 35 anbern Slä^en, tie 
Ärafra« bi«ber bebauptet; Strumpi^a bulbigte; bie bul> 
garifd>en Häuptlinge würben mit bem Stange pon Sa' 
tririern bebatbt. 9tad)bem Saftlioö ben Dap'ib «rianite« 
jum Sefebl«baber pon Sfopia befallt, bielt er feinen 
feietlidjen <5injug in bie alte ÄönigSburg «djrita; reid)e 
Sd)ä&e würben bort erbeutet; bie perwftwete gürfiin 
Waria unb ibre gamilie — mit ^udnabme breier Söbne, 
bie fid) nad) „Albanien«" Sergen, bem Xomor, ge> 
flüd)tet unb erft naa> längerer Selagerung fid) in Dea> 
boli« (Sepol) ergoben — beugten ftd) por bem Sieger, 
ber ben Gufiaibio« Dapbnomele«, früberen gommanban- 



18) Cedrnu, Vol. II. p. 466 »eq.; O/jrco* p. 678; Zomara, 
XVII, 9. Vol. n. p. 226. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 

Ich von 3)vrrbaehion (997) bort al« Sefebl«baber ritt' 
fejte. 3n 5ßre«pa , bem $!ieWingflfif,e SamueP«, würben 
jwci Surgen aufgeführt, eine, Saftlt« gebeifen , auf ber 
#6iK, bie anbere am nabdiegenben See Die leöten 
bulgarifdjen Sttriffcbaren jerftreutcn ftd; obrr würben 
rertnditct, 3baße«, von brtn (Gouverneur (hjtatbio* 
(ber ba(b barauf roieber nach £«rrbaa>ion verfefct warb) 
im augufl bd »Pronifta auf bem Serge Srotboto« er« 
griffen, geblcubet unb gefeffdt, 9HfoIi&e«, ber fid) frei« 
willig ergab, al« ©efangene. nach Iheffalonid) gefanbt. 
9tad)bern bfe Äönigin SOitwe von Jtaftoria au* in bie 
fiauptfiabt abgeführt, lief ber Äaifer burch, fipbia« bie 
Surgen in Servia unb So*fo* (bem Io«fenIanbe) 

en *, in Stagu« erj ±icn Slemagofl, ber Ärdjont von 
©erat (Sriograba) '•), im Sflavengewanbe, nebft ben 
anbern ftahontrn Sllbanien«, fi* vor bem Qewaltigrn 
beugenb. Jtlat gebt au* aQe bem t-cn-er . bajj bie 
£auptmad)t fcc* geftürjten Sulgarenrrid)* auf bem Ztyih 
von Spiro« beruhte, ber balb barauf unter bem tarnen 
tllbanta erfcheint, unb beffen rrieg«mutbfge Sergföbne 
— «rianite* flammte fta)er auch baher — in bem 
faiferlfdjen £ecre (ich feberjdt burch Unerfchrorfenheit unb 
üopfetfrit betätigten. 3"8ldd) aber wirb barau« flar, 
wie ba* heutige Albanien eine fo erfiauniirh grofce Waffe 
f(awifa>er Crt0namrn aufweift. Grinr, wenn auch furje, 
bod) enlfdjribenbe Slawenberrfcbaft war üba bat (anb 
ergangen; „nicht ^lünberungeiüge, fonbern fefte Sin» 
ftebrluug, Unterjochung be« Komdervolf*," war be« Sul« 
garcnbelben S!ofung«wort gewefen. 3m «£>erjen von 
talbanien, ber „Jomornlja — üomrrit," bem Sanbe 
um ben alten Somaro« » Scrg , hatte ber leßto Sprotic ber 
vernichteten 3)»naftie bie le&tc 3»f»"<ht fldud>t unb ge« 
funben; bie ftreibrit in ben Sergen vertaufchten fie mit 
bvtantinifeben liteln in ber bumpffgen £auptfiabl. 
«Bieber erhoben fid) |ur Sdbfiänbigfrit bie ben Sulgaren 
unterworfenen StammrHSupter ber Cpiroien, wie jener 
ttlemag von »erat; obgleich bem »amen nach bem 
bV)anttnifa>en Äaiier untertban, behaupteten fie fiefa, 
Iribut jahienb, in ihrem wilben Srrglanbe in urwücr/» 
figer Selbftänbigfett, bifl fie nach einigen ^ahrhunberteu 
wteber auf ben hiftorit'cben Sdjauplafc treten, um fortan 
ben Arm einer neuen griecbiidjen Sevölferung ru bilben. 
ffiir werben ihnen in ben nädjftfolgrnben ^Perioben wieber 
begegnen; vorläufig nur biefe Ünbeutungen unb bie Se» 
merfung, baj» felbfrverftäiiblich, bu!garilch>fl<Hvifd?e Äefie 
in „Albanien" jurüefbldben mußten, unb fomit bort 
neben bem alt'urbrimifiben Elemente auch dn bulgari« 
fae» ,0 ) fdt Gnbe be* 10. 3abrbunt>ert« vertreten blieb. 

Son «Ibanien aufl ging ber Siegefljug be* Jtaiferfl 
SafilioflII., „Sulgaroftonoe," über jetunlon unb bureb 
bie Ihermopvlen jundchft nadi Silben. Hm Sperajeiofl 
fah er noch bie bldcbenben ©rbeine jene« Bulgaren« 
beere«, ba« 995 von Hifepboro« Urano« vernichtet; in 



19) «itf<(>tng U, 101 Knft »abet im« an Stlgra» an 
i<t Conan 20) Tlabn aud) teel tit sielen {latriiaVn 0«<i 

nainra in nt $iM< t«n Manw'io«: Bmelmt. Salti(a, »enifa 
ie«n»i»« ( »agtnetia), Jtatnta, »ifi|ia, Ueini^a, DoboU*» n, f. f. 



— (I. PERIODE VON 395— 1204) 

ben Zhermopplen infpicirte er bie auf bem Serge 9tu> 
penid gegen bie Sulgaren angelegten Sefhingftwerfc, 
namentliih bie Stauern, 6felo6 genannt 3u «ibeu 11 ) 
aber betete er im Sempd ber „®ottrtmutter" — um tti 
Siege* wideii, ben fie ihm gegönnt — unb beftbenfte 
bie Jfirche mit foftbaren ®aben. Wt ein a(trömifd)er 
Xriumphator jog er bann anfangt) 1019 burch bad gol> 
bene Sbor in bie Aiauptftabt ein; vor feinem 3ßagen ber 
bie Äönigin SMada, bie Söchter be* wilben ©amurl 
unb bie bulgarifeben fflcpwoben. So enbete ba« «weite 
Sulgarenreici) Samuel'* be« lerncviten. 

2) edMdfaU aci<d)(nlank« in trrfclbe« B«<tJ n<n« 
3n(»dn*t; bit @tan>cn im ^fleponnef«*; it)tt «uf< 
ftintt unb Unltrjo4nna. 

SBie weit ba* dgentliche {»ella« auch von biefen 
$eerjügen benihrt warb, Idpt fid) au* bem (Sefagten 
Indjl erfehen. ^ervorragenbe Womente ftub, um e* furj 
ju recapituliren , uub inbem ich von Spiro« vor ber £anb 
abfehe, ebeufo bie 3nfein bei ©rite laffe: 

1) ber Hnariff ber fanbiotifa>en £arajenen gegen bie 
fficfrfüftc be« ^doponnefo*, von »ifeta« Orvph»i« 
881 abgefthlagen; 

2) ba« Sorbringen Samuel'«, ber Sartffa genommen, 
burch Ihtffalien unb ^dla« bi« an ben 3f»h«ic«, 
100 3ahre fpäter; 

3) ber Serheerung«jug von 995, bei bem felbft ber 
3ftbmo« überfdiritten wtrb, unb bie Sulgaren auf 
ber £a(binfel plünbern; 

4) bie ©iege«friet be« „Sulgarenvertilger*" auf bem 
Sarthenon in «then; 

alfo nur vier epochema<henbe (JreignijTe in einem 3eit^ 
räume von 200 3afjren. loch laffen ftcb bie gewaltigen 
S?üden wenigften« trjrilwrife au« ben b»jantinifa)en ^iftc 
rifem unb Chronographen, wie aufl Äriligenlegenben 
ergänze ii. 2)ie Slawen, bie auf ber ffleflfüfte be« Selo- 
ponnefofl fafen, waren feit ber vrrunglücften @rpebition 
gegen ^atrei Idbrigcn geworben. Ter Armenier Jeo, 
be« Sflero« Sohn, 811 )um Strategen be« ^rioponne« 
fo« ernannt, hatte wol genug mit ber neuen Golomürung 
ber <£>albinfd )ti thun, fobaf an dne vollftönbige Unter« 
jochung ber übrigen in Jafonien namenllid) unb Sr« 
fabien angeftebelten Slawen nid)t ju benfen war; bö** 
flen« baf biefelben ftd? vieUeid)t ju einem aeringfügigen 
Iribut verftanben unb fo jum Schein bie faiferlidje Cber« 
hohrit onerfannten. Sei ber Empörung be« Sboma« 
gegen Wichael II. 823 beftürmten, wie wir faben, 
grirchifche Schiffe bie $auptftabt; bie alte Dppofttion 
ber bebrüdten ^ßrovinien gegen bie be«potifd)e Sentrali' 
firung in ber £auptjtabt äußerte fid; luci wieber einmal. 
Unter Jhtophilo« (829 —842) *») begannen bie Slawen 
im Sdoponnefo« abjufatlen — b. b wol bie bi«her tri« 
butpftichttgen Stämme, niebt bie leibeigenen um Üaträ — , 
fie matten ndj unabhängig, plünberten, brannten, nah* 



21) OtaVimil Vol. II. p. 47f>; CWy«»» p. 578—679; Zona- 
nu XVII, 9. Vol. II. p. 229- 22) Cvnttantmu Porphyre- 
ftnihu, Do ndminMraiido imperia rnp. 60. p. 220—291. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 127 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



3SI 



Im unb madjlen . w.r* ihnen in bie fyv.it fam, ju 
Sflaven. et trieben fie e« nodj eine 3"' lang unter 
Michael III. (842—84>7), bi« biefet bm qjrotofpatbar 
(Weneral) tbeofttfte« Srncnnio« jum Strategen rc» 
IMoponnefo« ernannte. Derfclbe hatte 843 eine mt«» 
lungene (Srpcbition gegen bie fanbiotifdjen Araber geleitet; 
in (Snedjfnlanti felbft war er glüdlictjer. 9Hit einem be> 
oeulenbeu, au« Xhrafien, SRafebonien unb anbern »r ert- 
lichen »Provinzen jufammengejogenen #eere jog er au«, 
unterwarf unb bejmang alle Slawen im >4Jeloponnefo«, 
unb wer fonft bort noch felbfiänbfg war (um 849). »ur 
iwei Slawenftdmme blieben frei, geberft bureb ben Zw> 
geto«, an beffen Hbbdngen fte wohnten, bie Ailingen 
(SNilenjer, 3Rtltl'a)anen) **) unb bie (Sjeriten Öeferjer). 
£er Xaugeto« fdiieb bicfelben, ibre SBr-bnfi&e lagen unter« 
balb Stafebätnon unb #elo« ((£jero). Dod) verftanben 
Sd) aud> biefe baju, bem Strategen einen jährlichen 
Xribut ju jablm; 60 ©olbftiitfe mürben ben Ailingen, 
300 ben @jertten aufgelegt; mochte nun (edlerer Stamm 
der bei weitem ftärfere fem , ober auf günftigerem, frud)t' 
barerem »oben fieen. »Uein aud) biefe «bbängigfeil 
mar nidjt bauernb, nur fdjrinbar. Unter Jfaifer Stoma' 
no«I. (920-944) beridjtfte (940) ber bamalige Stra» 
leg 3oanne« nad) Svjanj, bafi bie beiben Stämme — 
rnelleidjt burd) ben Einfall ber Bulgaren gelodt — ab» 
gefallen unb Weber bem Strategen, nod> bem Aaifer länger 
geboreben »rollten. Sie weigerten fid>, £ricg«bienfte ju 
leiflen , frräubten fid) gegen bte biöber übliche (Ernennung 
ober ©eftätigung ibre« 3upan« burd) ben Strategen 
unt> beanfuruebten volle Selbftänbigfcit. 9tod> ehe ba« 
Schreiben be« Joanne« eintraf, batte ber Aaifer ju beffen 
Nachfolger ben Arinite« Ärotra«**) ernannt; fofort nun 
warb ihm ber 39efeb,l, ben Ungeborfam ber Slawinen 
in ȟdjrigen, fte |u befriegen, ju unterwerfen unb wo 
mögltdj au«jurotten. 3m Wärj 941 begann er ben 
95ertilflung«frieg mit SJerwüftung ibrer «edfer unb »er» 
brennung ibrer grüdtte; bod> leifteten fte bi« jum 9!o* 
vember beharrlichen SBiberftanb; bann erfi faben fte ein, 
6a6 längere (*raenwehr frucbflo«; fie unterwarfen fid) 
bem Arinite«, ber ben frübern Xribut erbeblid) fieigerte, 
inbem ei jeben ter Stämme 600 @olbftütfe jabjen lieft. 
33alb warb ber frdftige JTrinite« al« Strateg nach £eüa« 
verie&t ; an feine Stelle fam ber fd)wacbe Sarba« *yia« 
ropu«. Sofort brachen 3wifttafeiten au« jwifeben ibm 
unb ben anbern (Generalen; feine Änffänger vertrieben 
ben «ßrolofpatbar £ron »gelaftofl au« ber Üßrovinj; «Ueö 
roar jerrültet. liefe Gelegenheit benufcten anbere Sla« 
iwnftämme (ZxXaßyCwyol), bie wol gleicbfall« bort nod) 
unabhängig, bie *4Jrovtnj ju bebroben unb ben QJerfud) 
»u wagen, biefelbe von Svjanj abjureifen. gür bie 
Ailingen unb (^eriirn war aber nunmebr aud) ber 
günftige 3ritpunft gefommen, um eine 9cebuctton be« 
Jribut« auf ben frühem Stanb ju beanfpruchen. 3b« 

23) »«fll. «diaiaril a. a. D. »». H. 6. 228. 24) 
««gl. Mt fcgmW M hali.ini tafn ultra; Annttc« (ft *i«U«i«t 
tum Stxi»iu* <St,alti»*, ttx 961 »tffbli^tt 6al4ktie»« »«, 
«het b,rt f.* nidgt tbt* knid) U R » ( fd|o[t r Htirft (.»«ifidlintf. ««gl. 
Cedr«,« VoL U. p. 367. 



0tefanbri<baft warb von Romano«, ber befürtbten mu§te, 
bap fie fid) mit ben anbern feinblidjen Slawinen verbin» 
ben fönnten, bereitwillig angehört; burd) ein QbrvfobuH 
warb ihnen geftattet, bap bie alte 3a bin ng von GU unb 
300 @olbftäaen wieber in Araft treten foüte, unb feit« 
bem blieben bie Ailingen unb (S)eriten, unter eigenen 

täuptlingen, bem 9ieid)e tributär unb wenigften« bem 
nfdjein nad) untenban. £a$ fte ftd) in Üfttn alten 
Si&en fortwäbrenb, aud) unter ben granfen nod), be« 
baupteten, in au«gemad)t; tay fte ibre alle 9latur aber 
nidjt verleugneten, börbfi tinrubige Untrrtbanen warrn 
unb tbjen alten flawifd)en @öttern wenigften« nod) ba« 
gange 3abrbunoert binburd) treu blieben, werben wir 
bernad) fetten. Sonft batte fd)on Jtaifer öaftlte« L ba« 
^3efeb,rung«werf ber grfed)ifd)en Slawen jiemlid) voOenbet. 
Die von Xbrcftifto« unterworfenen Stämme bebielten 
ihren ®runb unb Soben; aber ibre alte (üfauvrrfaffung 
leite fid); bv^antinrftbe« 9ied)t unb ortbobore Aird)e 
»ahmte bie wilben Söbne be« Horben«. SKaffenbaft er» 
hoben fid) bie »afilianerflöfter, SBarttbürmen gleid), auf 
fteilen 4}öl>en ober feftung»anig verfdjanjt in felftgen 
Jllüften; mit Äapeüen, um bie balb X*rfer enrftanben, 
bie ben »amen be« betreffenben ^eiltgen annahmen, 
warb ganj @ried)enlanb iiberfdjwemmt. Die »efte ber 
Slawen würben mit btm ^briftentbum iuglrid) voUään- 
big gränftrt; fowie fte ibre 3upan« verloren unb ba» 
für ben faiferlidjen Strategen al« ihr nädifte« redjrmä^i' 
ge« Dberbaupt anfeben mußten , fo gingen aud) bie alten 
(figentbümlid)feiten, 0)ebräud»e, Sprad)e unb ÜReligion 
nad) faum einem 3abrbunbert in bem 9IUe« gleia>mad}en< 
ben 9vsantini«mu« unter. Der SRafebonier ©afilio« I. 
war ber erfte Äaifer feit langer 3^t, ber au« eigener 
(Srfabruttg ffiriecbenlanb fannte unb liebte. 9tad> gaU' 
meraver müjjte man glauben, baf er ba ein ganj ver» 
öbete«, arme«, elenbe« 8anb gefunben; allein factifd) 
gerabe ba« ©egcntbeil. Der i^eloponnefo«, wenigften« 
bie altbellenifdjen Stäbte, erfreute fid) nidjt blo« einer 
gewiffrn SBoblbabenbeit; wir finben fogar bort Spuren 
eine« (oloffalen 9teid)tbum«, ber freilich nur in ben fyn-- 
ben weniger (^lüdlid)en vereint gewefen fein mag. Da« 
erfeben wir am brften au« ben Schiebungen be«Aaifer« 
iu einer $eloponnefterin Daniii« au« $aträ, wol ber 
SBitwe eine« Ülrcbonten Danirl, nad) bem fie ben Kamen 
führte *»). 

«I« junger Wann war Saftllo« jur 3eit»id)aer«IIL 
im ®efolge be« Xbeopbilo«, eine« faiferlid)en OJerwanbten, 
nach bem »Peloponncfo« gefommen, wo fein Aerr im 
«uftragc be« Äaifer« verfajiebene (Seftbäfte »u beforgen 
hatte. 3n$aträ befud)te er, gleich bem Xbeopbilo«, bie 
Aircbe be« heiligen $(nbrea«; al« er biefelbe betrat, bc» 
grü^t ibn ein greifer Stöncb al« uifünftigen 4}>errfd)er. 
Da« 9Jolf glaubte, tay bem Wönd)e bie @abe ber 
^ropbejeiung verlieben; balb verbreitete ftd> ba« (üerücbt 
unb fam ju ben Obren ber reiebjen <S elbanie ber 



26) Thtcphane», Cootinukt. p. 226 »eq. 317 —q.; CedrnuM 
Vol. II. p. 190 «q. 236 Mq., Zwar« XVI, 10. Vol. II. 
P- 17«. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



128 



(L PERIODE VON 395—1204) 



©labt, I anili«, „wddjc über bie haften be* V.inpe« 
hervorragte unb b<rrfd)te." 9?ad)bcm fie Den Wönd) 
toritrr befragt unb von ihm bic Seftdtigung beffen , wa* 
ibr gu Obren grfomnun, erhallen, befcbloj? fie, fieb be* 
SJaftlic* anjunebmen. la berfelbe wegen Äranfbrit 
feinen £errn, ber nad) vollcnbeten ©efebäften naa) don« 
ttaniinopel beimfebrte, nicht begleiten tonnte, nabm fie 
ibn in ihr #au« auf, pflegte ibn unb bcfa>enfte ihn 
reichlich mit ©olb, prächtigen ©ewänbcm, eblem Sd)mucfe 
unb 80 Sflaven. AI* Hanf erbat fie fid) bafür bie 
©unft, ba$ SBafilio« ibren S*bn 3oannr« wie frinen 
geirtigrn Srubet anfeben unb fid) ibrer erinnern möge. 
Anfang* fträubte ftcb ©aftlio«, er, ein Diener, fri viel 
Iii gering für folaV ©nabc; bo<b enblicb gab er nad) 
unb gelobte, wenn bie ^Jropbeiriung ftcb erfülle, fie wo 
möglich tW £erriu ber ganjen IJjlrovinj m machen. 
Dann febrte er beim unb faufte von feinen großen 
6d)ä$en au*gebebntc Stanbauter in Wafebonicn, befcbenfte 
reichlich feine gange arme iBmvanbtfcbaft, blieb aber nad) 
wie vor im Dienfte be* Ibeopbilo*. Ueber Wicbael'* III. 
Sridje fübrte ibn 8*57 ber ffleg jum Jcaifertbron. 2reu» 
lid) bielt er fein SBort, bet erfte Art feiner Regierung 
mar bie (Erhebung frine* „SBruber«" jum Urotofpatbar ; 
fortmäbrenb munte biefer um ibn fein; bie greife Butter 
aber lub er ein, nacb llonftantinopel ju fommen, um 
bort mit eigenen Augen ju feben, wie bie !ßropbcjeiung 
Pc« Wöncbe* fid) erfüllt. 3n riner Sänfte machte fie 
8f>8 bie Steife in bie {»auptftabi, begldtet von 300 
Sflaven, von benen ie 10 abweebfdnb bie £>rrrin trugen. 
3n ben 'Ikunfgemdcbein be* »JJalafie« Wagnaura, wo 
fenft frembe gurrten unb ©efanbte ibr Abftrigeauartier 
ju nehmen pflegten, warb bie ^doponnefierin betrinkt; 
fönigtiebe ©efdjcnfc brachte fie mit für ben faiferlieben 
ȧflegcfobn. Darunter 500 Sflaven, von benen 100 
(Sunudjen, burdj Schönheit au«ge}rid)net, unb 100 be* 

flriber, 300 tünnenflribet verfdjiebcner Art unb 100 
anbere ©ewdnber, fdner al* Spinnengewebe, fobafj 
jebe* in einem Schilfrohr aufbewabrt werben fonnte; 
golbene unb filberne ©rfdfje in Wenge. Der Äaifer 
aber ebrte fie auf jebe SÖeife, nannte fie WutteT, unb 
fie felbfi jubelte, bap ibr größere« ©lüef ;u 2 heil ge» 
worben, al« fie jcmal« gehofft. 3n ibrer greube febenfte 
fie ibm aud) dnen nicht geringen Sbctl be* '.ßrioponne* 
fo6, ber ibr (Sigentbum war ; bann (ebne fie beim in ibr 
£anb, wie eine ^errfebfrin ibrer &inb*lrute unb Aaifcrin, 
mit fürftfitbem ^aml AÜjabtlid) wieberbolte fie ibre 
Wffcbenfe; a(* ©afilio« 87«» bie prddjtige Äird)e be* 
Orrjengel« TOidjael unb be« WTopbden ®ia* aut €übne 
für ben an feinem SJorgänger begangenen Worp erbauen 
lief», befahl fie, bie ÜRofaifböPen auöjumeffen unb lie^ 
bafür bie entfpred?enben (bftlidjen leppidje im Udopnne» 
fo* weben. Cbgleid) bod) bd fahren, überlebte fie, 
wie ibr aud) teuer Wöncb verfünbrt, ben u.kht nod) 
üwri 3abte lang. AI* ^aftlio* 88ti geftorben, ergnn^ 
fte bie eebnfucbt, beffen €obn unb Nachfolger 2tc VI. 
411 begrüben; auf* 9leue madjte fte 887 bie wette Steife 
nad) ber $aupifiab!; ähnliche ©e)d)enfe würben mitge» 



brad)t, unb ba ihr einziger leiblicher Sohn Scanne* be< 
rdt* geftorben , ber Äaifer jum @rben ibre* fämmtli^en 
Vermögen* dngefebt- 6ie bat, dnen Beamten )u fen> 
ben, ber barüber ein Inventar aufnähme; bann febrte 
fie (uruef na<b $aträ, wo fte bereit* im folgenben 3abre 
(888) flarb. 3ur SBollftrecfung ihre* ®iUen* warb ber 
'.ßrotofpatbac 3<"ebio* gefanbt; in 9caupa(to* erfuhr er 
von ihrem (fnfd Qanid, bai fie jüngft ba* 3dtlia>c 
gefegnet; bann ging er nad) Ijjaträ, um ben (aiferlicbra 
«Befehl au«jurid)ten. 3n ihrem »ad)lafi fanb fid) rine 
Unmaffe ®elb unb ©olt>, filberne unb golbene ©rfäfje, 
©ewdnber, 93ieb unb Sflaven, gröfjerer Äricbtbum, a(0 
wol ie ein ^dvatmann befafi, faft bem dne* gärfien 
gleich . 3abllo« waren ihre <5ftaven, fobaü ber J(aifer 
3000 berfdben frei liefi unb al* (üoloniften nad) Apu> 
Ifen fanbte M ). Alle* Uebrige warb ihrem legten SBilJeu 
gemäfi vertheilt; nad) Abjug aller Legate verblieben bem 
Äaifet al* ^aupterben außer anbern Uteicbtbümern nod) 
80 üanbgüter. 

Au* biefer 9ton'i etfeben wir beutlid», bafj in bem 
$cloponnefo* bajumal nod) grofie 9edd)tbümer vorbanbrn 
waren, ja bafi rinjdne Arcbonteu — unb ju biefen ge» 
borte ohne 3wrifel ber ®emabl ber Daniii* - fürftlidj« 
Stbäße unb föntglichen ©runbbefte inne bitten. SSir 
feben juglrid), bap biefe ©ropen allen ®cquemlid)feiten 
be* üeben« fröbnten; bafi ©ewerbe, nameutlid) SeiPen« 
ftiderri unb äNalerei, bort in hod)fier ^oQfommenbeit 
blühten; jugldd) aber lehrt un* bie Waffe ber ©Raven, 
bie bnuptfäd)licb biefe Jtünfte betdeb, bag bie freien 
Wdnner im üanbr feiten waren. Dafi biefe gdbeigenen 
gröftentbeil* unteriotbte Slawen waren, ift wol wahr» 
fdjeinlid); bagegen liegt nitbt ber gcrinafte ©runb vor, 
bie ffiitwe felbft unb ihr ©efd)Ie<bt für Slawen ju lei- 
ten, am aUerwcnigfien, ba fte in $aträ wohnte, wo ia 
bie Slawen ju ©Häven gemacht, unb ba* bdlentfcbe 
(SIement fid) bi« bahin rein erhalten, »eben ber Waffe 
?cibeigeuer finbeu wir in ben Stdbten, auf ben 3nfdn 
unb hier unb ba in ben unjugdnglid)ett ©ebirgen nod) 
freie ©riedjen. ^ob aud) 8eo vi. bie Scefte ber alten 
Wunicipalitdt*vcrfaffung bureb ein faiferlicbe* (fbict auf, 
fo erhielt fid) biefelbe bod) wol in einjelnen Stäbten be* 
eigentlichen ©riecbenlanb* nod) jtemlid) lange, nament« 
lid) in Wonembafta, ba*, wie au* ben tXbrpfobutlrn ber 
fpdtern Aaifer beevorgebt, in biefer Sejicbung befonbere 
»Privilegien genojj unP ebenfowol wegen biefer rrimirten 
Stellung, al« wegen feiner £age auf bem @ilanbe nahe 
ber Äüfte nidjt ungefdjicft mit Senebig verglichen wor- 
ben ift. ©njelne bervorragenbe Arcbontengefd)led)ter 
mach teil wol aud) in ben gried)ifd)cn Wunidpien, wie 
fpdter in3ta(ien, bie ^>errfd>aft ju ihrem au*fd)lieftlicben 
Privileg, unb ftebben, wie fie bort in ben lagen ber 
©uelfen unb ©hibdlinen an ber Xage«orbnung waren, 
bleiben aud) bort nid)t au*, ©rwaltfcenen unb Unter« 
brüefung be* gemeinen Wanne* waren gewifi nicht« 
Seltene«; bafi ba« SJolf bann gelegentlich juc «otbwebr 



26) Sin» tot vuüri^t ti< $«trrnfrc, tit nn.ti »er €taMdnomf 
»on ü»on«ntaCi4 nad) 3tejflie a^uditct fei« (»Um» 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 129 — (L PERIODE VON 395 — 1204) 



griff nur blutig ben grevler ftrafte, barf un0 nid)t be> 
r'remben. So tcur tt in 8tben 915 brr gall >7 )- Ctbafc, 
be« 3uba Sobn, — oielleid)! ibrnttfd) mit bem *$roiO' 
rpatbar tinb (tunudjen Qbafe, bei bei Äuifer «leranber 
913 großen (iinfliip befap — , (in ffiüftling voll uner- 
fätilidier Staubgirr, warb von bem SBolfe Alben« unb 
brr Umgrgenb, ba« fi* Aufammengeroltet, innerhalb brr 
•Wetropolitanfirdir ber *Panagia (be< <ßartbenon«) ge* 
«einigt. 3m folgenben 3abrtunbert (1026) traf in 9fau> 
parto« ben bortigrn Strategen töeorgio« gleidje» Soo«; 
frint Grpreffungen riefen einen HufruV bervor, ber ibm 
ta« rieben foftete; feiue £abe warb aeplünbert. X>od> 
roijfen wir, ba& jtaifer (Jonjlantin VIII. bitft ©wall' 
tbat auf« Srrrngfir nerhinbertc , unb fogar brn angrblidj 
mirfd)ulbigrn (Srjbifdjof blrnbcn Ium **), wäbrrnb un« 
»on rinrr 33efirafung ber aufjidnbifcbrn Sltbener SRidjtfl 
berietet wirb. 2)ir »aupaftfrr batten üa> an bem faürr- 
lidjen bödjfteu 2V .murr, vergriffen, mdbrrnb ßbafe wol 
nur rin üppiger Slrdjont war. So blutig dufsertr fid) 
gttegentlid) ba« »tdbtifAe ?eben in ©rirdjrnlanb ; ®rwall« 
(baten, btren Suf felbfi nad) ©wanj gebrungen, unb 
Die be«balb aua) bie faifertid>en fciftoriograpben aiifju* 
jeidmen nid)t unterliefen, ftnb faft bie einigen Regungen 
muniripalen treiben«, bie un« berietet finb. 

$lbrr neben ben leibeigenen unb jinöpflid)tigrn Sla- 
wen br* platten rjanbeö u:ib ben freien hellrniiajen SJür» 
gern bet Stdbte ftnben wir jur 3ü: bt« SBafiliod I. 
nod) ein anbere« freies (Siemen! in (MriraVnlanb. 6on-- 
ftantinu« ^orpbflrogenneto« berietet und**), ba# unter 
rem Hütt befrhrrnbrn Äaifrr Safilic« audj bie Mania» 
ten (Mainotm) ba« (fhtiftentbum angenommen bdiren. 
„Dir 93rwobnrr brr 93urg Maina," fagt er, „finb niajt 
?om @cfd?lcd)tr ber Slawen, fonbern »on ben ältrrn 
Äomdrrn entfproffen. Sie werben uod) beutr *°» ben 
(Sinbrimifcbm £rlknen genannt, weil fte vor 3eilen 
©öjrnbiener waren, gleia) ben alten $t Denen, bi« fie 
unter 99afilio« fid) taufen liefen unb Gbriften würben. 
"3t»r £anb ift fdjwer jugdnglid), arm an SBaffrr, bod) 
reia) an Cel, von rem fte leben. 3bre geftung liegt 
über Sjero binau« nad> ber Meereslüfte b> n ouf bem 
Vorgebirge Malea (entweber ift bier üdnaron mit Malea 
serrcedjfelt, ober Malevri fiatt Malea ju lefrn). In 
fte aber cöUig unirrtban finb, ben befehlen ttt Srra« 
legen geborgen unb von ibm ihn: Häuptling empfan« 
arn, jablen fie feit ben dlteften 3eiten 400 ®olbftüde 
iribut." ^tier batte ftdj alfo nadj bem faiferlitben 
€cbriftfieller ba« ^ellenentbum rein erhalten; burd) bie 
Jage gefdjüfct, ballen wol Sefrr ber freien Jafonier 



27) TheopKanr4, C 
Gtorgitt» Monachu* p, 
feiffft Sl^otlaltc«, !Ü<i 
04trt ja mottfit fn<t) 
i-rTfdjtrubrrtr. «ntliä) 
«tfini»r gtttrfen.Jw* 
>« TKtophana, 
ilaguter p. 732 unt> 
al« fyümt tvjtidinfl. 



onli nuat. p. 388 ; Symeon Sf agitier p. 723 i 



880. Leo Du 



p. 204. £ai eis $e 



icanMrr iti '-(l.iitiiiui OJifriiii', btt )<■■)'* 
, ^fI;tf^'l^ \m «ludjl nittyiqtt, (eine 9ül<t 
abrt 922 mit • 6on,i ttÄtaft »Art, (in 
nur in >et 

p. 399; im Itttt, »ie bei 
Gcoryiut Honaeku* p. 893, ntiik »t nur 
28) Ctdrauu Vol. U. p. 483. 29) 
cp. 50. V»l. ni. P . 224. 

LXXXV. 



bort ihre urfprtiuglidten @tgentbämlid)feitrn benabrt 
unb neben ben Sitten ber 33dter aua) ben alten @lau< 
ben an bie Olpmpier fefigebalten. 953 ü irren gewif 
nia)t, wenn wir in ibnen bie 92ad)fommen jener ODric 
djen feben, bie ben Angriff @ntferid)'0 gegen Zdnaron 
fo mutbig abfd)lugen unb in ibrem rauben, unjugdng« 
lia>en dkbirgdlanbe allen Stürmen trotten, bie fonß 
maffenbaft über bie Jtalbinfel ergingen. Cb aber btrftr 
9left altb,ellenifd)eu 95luteS fid) bura>weg rein erbalten, 
ob nidjt feit ibrer (Sbrifiianirtrung eine 93ermifd)ung mit 
ben benadjbarten Slawenftdmmen von (Sjero eintrat, 
gleidjwie in fpdtern 3abrbunbtrten felbfi albaneftfdte 
Elemente bort Eingang fanben, loffe ia> babingefteüt. 
SWag autb ber 2>id>ter be« 93olW, »ifeta« »ipbafi«, von 
ibren 93ergen fingen *") : 

3» bteft Serge jl^h<n einft Me altrn Statttaten, 
£i(f(lften, ivddv brüte man benennet SRaniateB, 

unb ebrnfo ibr(n greibeiWbrang , wie ibre ea>tc Stbfunft 
von ben Spartanern preifen, gewif iH, bafi bie ganje 
Maina — nid)t Mo« bie ^rovin», weldje bie 93enetianer 
mit bem Stamen Braccio di Maina benannten, fon» 
bem feibf» bie nddjfie Umgebung ber I3urg — von flawt- 
fdjen Orttnamen wimmelt a)ab,er int wol Sa>afarif »•) 
faum, rornn er in ben „ÜRaniajern" ein grirebifd)' 
flawifdjeö 5Kifa>voIf erfennen wiD; bie 9?aa)barfaaft ber 
Slawenfidmme, bie 3ajeriten namentlid;, bie gleid) ibnen 
fo lange fid> gegen Irlnnabme brt (Fbriftentbumö firdub^ 
ten, fann unmdglid) obne @inftu# auf ta* verrinielte 
Häuflein von Hellenen geblieben fein. Uebrr ben 9ta> 
men Maina ober SRani (bemnad) Mainoten ober Ma« 
niaten) fmb bie oerfd)icbrnften 93ermuibungen aufgefteHt 
worben. 9S3dbrenb (*racrfon **) ibn für flawifd» bdll, 
u'.:J rein unmöglicb, bot Sallmeraver *') über benfelben 
eine ber wunberlia)ften Sonjeeturen aufgefiellt, bie nur 
erbenflid) ift. gr glaubt b«n »amen beUenifd), b. b. 
von (udvi6»at abzuleiten, alfo „8*afcnbe," ba« 33o[f 
felbfi aber foll feineflwege beUenifd» fein. Seine ^eimatb 
fud)t er — in Jturtißan, wo ber Stamm ber Marbi 
(Mdnner, Sauber) lange gefeffen, bii er vor Äboöru H. 
nad) bem Libanon geflüd)tet unb er bort unter brm 
»amen Maroniten ober Marbaiten, „Safenben gleid)," 
gegen bie MoSlemim gefdmpft. «IS enbiid) Jtaiftr 
3ujrinian II. 68(5 mit lefttern grüben gefd)loffen *♦), 
war bie 93ernid)tung biefer Sdubrr eine 4>auptbtbingung. 
12,000 Mann jiarf, muf ten fie au« brn frühem SBobn* 
fteen in anbrrr orrfeftt werben. 2Bo aber fanb fia> in 
©riedjenlanb für fie ein beffrrer «ölafc, al« bort in bem 
gelfenlanbe be« 9>loponnefo«, ba« bie »Jidubet an bie 
Sdiludjten brS Libanon, ja an bir furbifa>r $eimatb 
erinnerte, gdglid), fo f*Iieft gallmeraptr wurbm fte 

SO) 71 Ammpt%ij {«oooyoaipia vxh toi Ntx/jta JV^epeW) 
AAmrci- Hillen 1853. 8. »rr*. 7 *cq. (befte 8n<flab« ; fenji ju* 
rtirt »cn Kanrer, ©udjon, ^enridifen ( ,9t»grarf! Digt om 
Wameterne." Jtcpeniagen 1849. 8.) 31) <Sla*ifdK ailtTtlinmer. 
8b. U. €. 229. 32) HUtory of Modern Greec« L p. 218. 
33) «efdiidite »on Wotea. töb. I. 6. 294-304. 34) DutUen 
bei Muraii a. a. C. p. 316. 

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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 130 — (1. PERIODE VON 395—1204) 



f*6 in« ©ried)ifcbe. Dafj berfelbe Vitt richtiger von 
einer Stobt De* Flamen« abjuleiten, wirb jebem Hube» 
fangenen Hai ftin ; Die (fnbung ot» stammt, bie burd)« 
au* m*t an fMavofUvovs anfllngt, weiß fctyon Darauf 
bin, unb tie (Srtßetu ber ©urg tß un« burd) Jtenßan« 
tino« viel früher »erbürgt, broor ber peutige 9lame be« 
Stamme« urfunblid) etfdjeint. «ber, meint gallmeraper, 
biefe Ueberfebung bürgerte ßd) erß aflmäblid) ein; benn 
nod) lange nannten fid) biefe SRainoten ftlbfit 9Jca»baiten. 
SBirflid) ßnben »ir bie SRarbaiten De« ^elcponnefo« 
wieberbolt genannt; fo unter ben Sruppen, bie 875 
unb 876 *•) gegen bie Sarajencn jutn Scbu&e Sirilien« 
gefanbt würben unb mit ber gleite in ben ^>afrnftationen 
©ierar unb Jjtclr« ,e ) campirtrn ; ber gröpte Ibeil ber* 
(elben faf in Jtfeinaßen bei Slttalia, befehligt von eigenen 
Äauptleuten, bie ber Äaifer betätigte "% «ber nirgenbwo 
eine «nbeutung, bafi fie in irgenb einer ©ejlequng ju 
SRaina fiepen. tJielmebr lehrt un* *Porpb»rogrnneto« *•), 
ber, hdtte irgenb eine foltpe Serbinbung obgewaltet, bie» 
felbe gewifi nid)t mit Stillfcbweigen übergangen baben 
würbe, auöbrücflicb, baf bie «tarbaiten eine »ri fatfer» 
Hehn Iruppen waren, bie tpeil« im Dßen, tpeilfl im 
2Beßen al« ©efafcung lagen unb jufammen — bie eß« 
litten unb weßlidjen — «•« ^orp« 9174 Wann 
cni«mad?ten. SJon befHmmten Siben Derselben ueriautet 
füd)t«; fic lagen in »erftpiebenen Xbemen al« ©efa&ung, 
nameittlitt wol um Httalia. Den Äern bitbeten bte 
«out Libanon weggefübrten 12,000, au« beren Stad)« 
fommenfebaft wol bauptfdeblid) ba« Gorp« refrutirt warb. 
Ob bereit« 810 feld)e marbaitifebe Scharen nad) bem 
«Beloponnefo« gelegt würben, bleib» bapingeßellt; bat» 
ne aber mit ben niel dllern Waniaten Wd)t* ju fdjaffen 
haben, bleibt fitt)er. Ainfetfen leitet ben »amen ber 
lebtrtn t>on einem Sanfrritwortr maü ab, ba« »erg be« 
beute, unb in Walea, wie in Walrori fid) wieberßnbe, 
unb bebt penwr, baf berfelbe »ante un« aud) auf bem 
tbeffalifd)en Hochgebirge unb an bem balmatinifdjen 
gelfenufer unweit SBubua begegne; er will OTaina al« 
„raube« ©ebirg»lanb" Deuten, wa« allerbing« ber Sa« 
tur be« 8anbe« ganj entfpridjt. (Sine fiebere (Sromolegfe 
lau fid) freiließ nid)t feßßetlen; hier genüge e« nur, bie 
llnbaltbarfeit Der gallmerawr'fcbrn Gonjectur angebeutet 
\u haben, bie, fo paTabor fie aud) iß, bod) nod) immer, 
<um 2beil t>ielleid)t gerabe be*palb, ibre ©ertbeibiger 
bei un« gefunben hat. 911« gactum bleibt bie (Jbrißiani« 
mg ber Urbeuilferung ber SMaina unter ©afilio« L 
beßeben, wie fte un« Äonßantino« ^orphprogenneto« be- 
richtet. Dcrjelbe iß bie 4>auptqueUe über bie 3b«ien« 
(Sintpeilung De« 9Jeid)9, wie fte um 900 befianb. (Sine 
au«fübrlid)e flnalpfe feiner jwei ©ücber ,,/7tpt tot 
iWrrwv ." bie fid) nid)t blo« über ba« eigent(id>e ffirie» 
djenlanb, fenbern aua> über bie afiatifcprn *UroDinjen 



86) Thtoplmn. Ontiniut. p. 303. .'tfij Vbriiba p. 311; 
tirnl. Muralt «. •. O. P- 457- 37) 6e 6taBt«tio<i *Ut»9 
890 B nb «brrtio« 913. «er«L *™* «• «• O- P 471. 4i». 
38) D* cerimoniU U, 44- **■ Bonn. Vol. I. p. 664 — 665; 
w»jL ««l«r« « «Rott Hl« Vol. II. p. 775- 



rrftreefen, ift in bem geograppifeb>n Jpdle **) gegeben 
werben. €>o fann id) mid) benn bin auf ba« befcbrän< 
fen, Wa« Aonfiantino« von ben beUenifeben 2bemen 
angibt. (Sr jdblt Deren fieben auf (aufer Xbraficn, 
bem t>on Slawen bewobnten Xbema be« Strpmon, unb 
Jpejfalonifa, bie wir ptar bei Seite laffen fönneu): 

L aRafebonien mit brei (Spardjien, barunter bie 
Ibeffalifdje, in ber 17 Stdbte genannt werben: tiariffa, 
Demetria«, Ibrtd Übeffalitd, ©djindo«, SJamia, 5rifa, 
®ompbi, «pate (^ppale?), 9ieu«^atrd, Jtdfarea, 5ßbar* 
falo«, Suraminfo«, Salto«, 3oannubio«, fowie bie 3n< 
fein Sliatb,o«, Sfopelo« unb $eparetbo«. 

II. ^»ella«, b. b. 9titte(gried)enlanb bi« ju ben 
Sbcrmopplen, mit 79 Stdbten (nad) ^lierofle«, ber aber 
aud> ben *4}eloponnefo« ju ^»clla« red)net); nur bie fieben 
erjlen: Sfarppeia, ©eufi«, Daulion, gbdronea, »au« 
pafto«, Delppi unb «mpbilfa werben nampaft gemadjt. 
3u bem 5b»ma geborten aud) bie 3nfeln duböa (aud) 
(£bali« ober abalfi* genannt), Hegina unb rinjelne ber 
Äpflaben. 

HI. ^eloponnefo« mit 40 Stdbien, barunter bie 
jwei SRetropolen Äorintb, Sie De« Strategen, unb 
v 4Jatrd, bannSifpon, »rgo« unb Uafebdmonia, „früper 
Sparta;" bann fieben umlicgenbe 3nfeln, bie pelepon« 
nefifd)en genannt. Sei biefer (Belegenbeit mudbnt Äon» 
fiantino« bie alten 9tamen ber ^albinfel: Hpia, ^Jelaö' 
gia, 8rgo«, fowie ibre $ebnlid)fcit mil einem ffiein« 
ober 3?(atanenblatte; ber fpdtere 9Iamc Storea ifi ihm 
nod) unbefannt — ein fiebere« 3eid)en, baf berfelbe 
bamal« nod) nid)t erifiirte; fonfi roürbe ber Äaifer, ber 
ebenba bie Slawifirung ber Idngfi wiebergewonnenen 
apalbinfel unter (Sonjlantin V. erjdb.lt, benfelben gewip 
nid)t »erfd)wiegen boben. 

IV. Äepbalenia mit ber gleichnamigen 3nfei, Äer« 
fpra, 3afpntbo«, 8eufa« unb 3tb<>'«. urfprünglid) fein 
eigene« Z\)tma, fonbern balb jum ^eloponnefo«, batD 
jur «ombarbei gered)net, erfl »on 8eo VL um 887 uon 
legerer getrennt 4 ") unb einem eigenen Strategen unter« 
georbnet. 

V. Wfopotifl (8!lt> (Spiro«) unter einem Dur, ber 
in ber gleichnamigen $auptfiabt feinen Sifc b«tte; neben 
ibr unb ber Wetropole Dobona jäblte e« nod) 10 Stdbte. 

VL Dprrbadjion (»tu - (Spiroä) unter einem «Ion* 
filiariu«, mit 9 Stdbten: Sfampla, Slpollonia, Sutli«, 
Hmanlia, «l'uld)eriopoli«, «ulon, ?i|iron, Sfeupton unb 
bie SRetropole tHIeniDo«. Darunter ftanben 5 (Spard)ien 
mit 15 Stdbten, jwei unter einem ßonjtliariu«, *wet 
unter einem Dur; Dod) waren Diefelben Damalö großen' 
tbeil« in Slawen<£anb. 

VII. «egdon «1<elago«, aud) jn Äßen gerechnet, 
füblid) »on bem 2bema Samo« begrrnjt, unter einem 
Stratea; e« umfafte bie Jtpflaben unb »en ben Spo* 
raben S!e«bo«, (Sbio«, Uemnoö, Sfpro«, fflelo«, «mor« 
go«, Sbera Iherafia unb «penea, fowie gegenüberlie* 
genDe aftatiidje Aüßenßrid)e. 

39) a. a. C. «. 806-31«. 40) 
De »dminlitiando imprrio c»p. 6a p- 224 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 131 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



lieber bie SJrrwaltung ber Ibemata ^at 3infeifen **), 
reut toii hier gart) folgen, alle« ifflcfentlicbe au« ben 
iQuellrn, namentlich au« $orpb9rogrnncto«, jufammeiw 
qrftrUt. 3n 8olge ber 33arbareneinfälle war eine ftarfe 
3RiIitairorgüttifation be« 9ieid>c« notbweubig geworben. 
Tie Zijtmtn aber waren grojje ^Hilitairbiftricte, beren 
£aupt, Strateg ober luv, junädtf ffiilitairgouverneur 
war, baneben «Kr auch bie <?ivf(vcrwa(tung leitete. 
Schon früher, unter 3uftinian IL, finbtn wir in Jpclla« 
mehrere Strategen genannt — alle führten ben Sitel 
<Hatriciu« unb 'jJtoconful (ovfrwtatos) — , foba§ e« 
fa>einl, al« fei ba« ^Jroccnfulat bamal« auf mehrere 
*Perfonen vcrtbeilt worben. Vllk Strategen, vom Äaifcr 
felbfl ernannt, geborten in bie erfte ©eamtenclaffe j ihre 
fRangorbnung war fo, bajj bet von Wafrbonien bie 15., 
ber be« ^JHeloponncfofl bie 19., bei von SKifi poli« bie 
20., ber von AtÜat bie 22., ber von Äepbalenia bie 
25., ber von Xiirrfiarfncu bie 27., ber be« ageifeben 
fBeere« cnblid) bie 20. Steile, gleich nach beut von 
Samo«, einnahm. SDfan unterfebieb tveftiidje unb öftlicbe 
Strategen; (entere, ju benen noch ber be« Sbema'« 
SKafcbcnien geregnet warb, bejogen ihren ©ehalt tbcil» 
»eife au« bem faiferiieben Schate; bie weftlicben mulM 
ten von ben betreffenben Ibenien felbft unterhalten 
tverben. ÜHelft befletbeten jte wol ihr 'Unit nur auf 
ein 3abr unb rourben bann, wie bie fpanifchen SBirev« 
in Stmcrifa, au« einem Übrma in« anbeTe verfemt — 
gewiß niebr |un 93ortt>eif ber $ T °vinj, bie ter neuen 
iBeamtenariftofratie oft nur tvie eine melfenbe Jtub er» 
fdjien, ober, falls* ber Strateg felbfi ©ewiffen befafi, 
ton beffen Sdjranjen unb (Befolge, Solbaten unb Schrei' 
brrn, auf« Unbarmbenigfte auägcplünbert warb — ein 
Sorfptel ber fpatern Söirtbfcbaft turfifajer *Pafd>a«, eiu 
Sritenftücf jur fpanifaVbab«burgifd)en 3)rovinjiatver' 
Walking. Unter ihren Beamten finben wir bie gettung«» 
commanbanten ober Aleifurara)« , bie gelegentlich, fclbji 
hier unb ba eine fclbftänbigere Stellung einnahmen , unb 
bie lurmartben , welche einzelne in ben Jbemen jerftreute 
Slbtbcilungen be« faifrrlicbett .Jpeere« befehligten, Sin 
Dberricbter „xptrrjs ober dutaerng rijs 'EAAddos" **) 
leitete unter ber Strategen C herauf fidjt bie iH ca)t«pflege ; 
toeb befaßte er fid) auch mit Beitreibung ber nitbt un< 
bebeulenben Summen, bie faß auSfcbliejjlicb „jum Scbu&e 
bet ganbet," für {yeer unb glotte venvanbt rourben. 
SBie hoch fitb biefrlben beliefen, mögen folgenbe von 
3infeifen au« ^orphnrogenneto« entlehnte Beifpiele neigen. 
«I« Äaifer «eo VL 902 jur ffiiebererobcrung von JJreta 
bte umfaffenbfien Lüftungen traf, ftetltc ba« z«näcbft 
bahei intcreffirte unb be«balh vor allen herangezogene 
Sbema b<« ägeifa>en 3Reere« 40tX) Secfoibalen (barunter 
1000 dinAo! , tvoi ßrfafcniannftbaft) unb 4100 Streiter 
,ui m Sanbfriege, ferner 7 gro(ie 3>reirubrr, je mit 70 
Solbaten unb 230 Suberfnecbten bemannt, unb 7 fiel* 



41) fl. a. C. 6. 791 fg. 42) IltUfa ed. ZacJuu-iae 

f. 274. S>t9ttttn Witt aud; p. 247 (c»p. LI. j. 26) 8'"*'. *» 
itn ibn «tage grfibit v>itb, »ai u km angcMtd)» Onif^rr 



nere Sa>iffe, von benen brei je 160, vier je 130 Jtopfr 
9Mnnnütiiift zahlten, dagegen rüfiete ba« Xbema ^eQa« 
nur 10 gro^e @a(eeren au«, jebe g(eid)fatl« mit 300 
Wann bewehrt, lieferte über 200,000 Pfeile unb 1000 
lange SiBurfipicße; eine Nachlieferung warb jiugefagt, 
unb ber Sefeh(«haher von Suböa ven>At<btete fifb noch 
befonber« für 3000 SBurffpeerr. ßbenfo würben bic 
Themata ^elovonnefo« unb 9tifovoli« herangezogen. 
2)ott> fehlte e« babei nidjt an perfönlicben 9Jergünfhgun= 
gen; fo würbe bur<b 93«nnittelung be« Strategen 937 ber 
ganje ȧeioponnefofl von ber SBerpflicbtung , an bem gelb- 
juae gegen bie ftriiianijaVn Sarajenen 2'oeit ju nehmen, 
befreit gegen 3ab(ung von 7200 @olbftücfen unb Liefe- 
rung von 1000 geni)icten Streitroffen. Severe würben 
fo repartirt, ba| bie Metropoliten von Äorintb unb 
^attä je 4, bie öifeböfe, bie faiferlicben unb $atriara>al' 
(löfier je 2, bie antern Jtiöfier — bi« auf bie dement, von 
benen jwei jufammen ein $ferb aufzubringen hatten — , 
je 1, bie (Generale (Protosp&tharii) je 3, bie Oberften 
(Spatharocandidati) je 2, bie Dfficiere (Spathani 
unb 8tr»tore8) je 1 5ßferb ftetlen follten. (Srimirt von 
biefer Saft waren bic faiferlicben Seamten, bie Schiffer, 
bie gn'cber, welch/ *Uurpurmufcbeln angelten, unb bte 
*pergamentarbeiter — ^anbwerfer, wol )tit alten 3citen 
priviiegirt unb viedeiebt in beftimmte fünfte eingefchloffen. 
Jur go«faufung«fteuer foQle jeber Zeichne 5, von ben 
ütermeren je jwei jufammen ein ©olbftütf zahlen, 'iccfc 
warb biefe Steuer nur von ben iffiaffenpflichtigen erhe- 
ben, bereit Sinzahl fieh nad) biefer Summe freilich nicht 
fritftcQen Idtjt. Senn wenn gallmeraoer barauf hin an' 
nimmt, bafj bie ^albinfel bamal« nur 1440 reich- unb 
ebenfo viele arme Saffenpflicbiige gezählt, fo bat Ji pf- 
eifen mit Stecht gegen biefe« Sechenerempel geltenb ge« 
macht, baf unfl eineetbetlö bie gonfaiptionSgefeee be« 
9teia>e« ganz unbefannt ftnb, unb anberntbeil« bie Sin* 
Zahl ber Xroffnettte, bie in jenen 3eiten bie SRaffe be« 
£eere« bilbeten, nia>t erwähnt wirb. 35ie 3iblenben 
waren offenbar bie „£opIiten," ber Aern be« Äeere«; 
wie viel 2ruppen überhaupt (ich im ißrloponnefo« ba' 
mal« aufbringen Iiefjcn, Silk« inbegriffen, lät)i ftäj 
barau« auch nicht annähernb einmal berechnen. @anz 
unbefannt tft e«, wie lange bie üMcnftteit bauerte, welche 
klaffen bavon völlig frei waren — 9 ( wi6 nicht wenige; 
man benfe nur an ba« jpeer von $rirftem unb 1'cou. 
eben - , fobaf ftcb ein fiajere« ftatiftifche« Äefultat über 
ben bamaligen Stanb ber pcloponucfifrhen Sevölferung 
au« biefer Angabe allein nieftt eTjielen Idfit. 3n ben 
Seeftabten tbaten wol bie »ürgermtlizen ba« 3brige, 
in ben feften ^lä^en lagen Sefa^ungötruppen, bie Aon« 
ftantino« Ttixcyvis nennt, unb bie 3>nfeifen für iben' 
tifd) mit ben £fcbafonen ober Sacone« halt, ein Name, 
ber im $ftbauif<bcn „Xrojjfnecbte, @arnifonbienftpflieb' 
tige" bezeichnen foll. Xerfelbe pafft faft ebenfo gut auf 
bie 9Jlarbaitcu; üjrbafonen unb SRarbaiten al« befon' 
bere Waffengattungen neben einanber unb beibe, wie 
gallmeraver unb Änbere na6 ihm meinen , entweber bie 
eiujigen unverfdlftbten Nachfommen ber Äellenen, ober 
^eUcnen unb — Äurben. 3«b werbe weiter unten auf 

17« 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 132 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



bfe Sfchafonen jurudTommen unb beren unvrrfdlftbtrt 
Slowentbum nacbiveifen. 

60 ungefähr war bie ©ftlitairverfaffung ©riechen» 
lanbfl im 10. 3ahrbunbert ; fcte Ste uerrege lung hing fafl 
«Dein von bfn ©ebürfniffen be« ftcbenben £cere« ab. 
grrilid) begnügte man ftd> nid)t ju allen 3dten mit fo 
geringen Abgaben, wie man fie btm ©eloponnefo« 902 
unb 937 jum Ärtege gegen bit Sarajenen Ärtta'« unb 
Sirttien« auferlegt baue. AI« Suirpranb von drrmona 
al* ©raurwerber für Otto TT. an bat faiferlicben £>of 
ging, flagte ibm brr ©ifdjof von S?eufa«, ein (Sunud) «»), 
baß frtne Äircbe jährlich 100 Woltnüde bem Äaifcr 
gablen müffe (968), unb bir anbern ©i«tbümer in glei« 
djem ©rrhdltntffc brfieuert würben, nid)t etwa ju ertra» 
orbinairen Sudgaben, fonbern ju ben laufrnben; fo jablte 
brr (*rjbifd)of von Jterfpra jährlich 15 xtvnpxxQuc. 
3m Uebrigen fagte ber ttrmpfang bei feinem CfoUcgcn in 



S*eufa« bem feingebilbeten Sombarbcn wenig |u; er flogt, 
baß in ganj ©riedjenhnb bie ©ifd)6fe ungaftlid) feien, 
rtid) an ®db unb gierig auf ©olb, faft jUjig. Äud> 



ber 6trateg von Jterfnra , ba« un« hier jum erjten Wal 
unter feinem mobernen tarnen Äoripbu« begegnet, 
SRicbacl au« ßberfon, bat nicht feinen Beifall, ein immer 
läthelnbrr, fd)önrebnerifcber Alter, bod) im Jim cm ben 
Ürufel; bie ©efdjicbte ber Unbill , bie er von ibm erlitt, 
ift freilich nicht ganj Flar, ba bat ©tanufeript bamtt 
abreißt. i*i ti (Srbbeben unb eine Sonnenfinftcrniß werben 
erwähnt, welche (entere fieb am 22. 968 jurrug. 
X'cdj gab e« unter ben ©ifchöfen Wrkcbrnlanb« in bie» 
fem 3abrbuntert aud) beffere ©erfänliebfeiten ; fo wirb 
ber heilige Äibanafto«, ©ifebof von ©tetlwne, gegen Cnbe 
be« 9. 3abrbunbert« wegen feiner Tugenbrn , ber treuen 
Sorge, bie er für feine ©emeinbe hegt, unb feiner Un« 
eigennü&igfeil genriefen. Üx war freilid) in gatanea auf 
Sieilien geboren, unb feine keltern erft waren mit ibm 
vor ben Arabern, welche bie 3nfe( unterjochten, na« 
©aträ geflüchtet, ba« alfo bamal« alt ein fidjere« Afnl 
erfebirn; unb fein ©iograpb, ©tfdjof ©eter von Argo«**), 
ber niebt weniger 93ertb auf feine fruebtbringenben (fr» 
mabnungen, al« auf feine ©hinbertbaten legt, war 
gleichfall* au« Sieilien gebürtig. Seine tbeologifdie 
©Übung fiatte Atbanafto« obne3weifel in ©aträ erbalten; 
bie bortige ©Jetropole, ber ja auch ©?ctbone feit 807 
untergeordnet, war bie angefebenflc in ganj fflriedien» 
lanb; au«gebebnte Privilegien waren if>r aud) von ben 
.Rai fem be« 10. 3abrbunbert« verlieben worben. Dann 
hatte aud) bort 3»anne« ¥amparbopulo« „axAotfocpos 
b n,->umuu;xij ; rrji" ein ^Hefter gegrünbet, welrbe« ben 
Warnen tj ftovrj rov tptXoeötpov führte; ©atriard) ©c 
Iveurto« (956 — 970) hatte im Augufl 964 biefe Stif- 
tung betätigt **). Hu« biefer unjweifclbaft ed)ten llr» 
funbe fcpcfnt bervorjugeben, baß ticdj anberr itolienifcbe 

43) L*KMio ml Nlcepbonn Phoemn (^inl<r Lr*> IXacamu, 
ed. Bonn. p. 371)- 44) Acte Sanetorum. J»nu»ni. Vol. III. 
Brurilb 1863. fol. y. 740 »«o,. 45) Zt«n<(umpt in riBft 
" nit ttt «atriaid»™ Xvulle* L (1624-1632) Bon 1624, 
evirt vor JUtor<t)i« «IM 1H-17; at^.-ru.fi m Ux 'Af 
i. . iartuoic p. 1216. 



Goloniften in $atrd eine Jinludn fud)ten; benn jener 
3oanne« ift ohne 3weife( ber «bfömmling eine« fola>en, 
Sohn, b. h- Sproß, eine« ^angobarben, b. f). 6Ab--3ta' 
lien«, wie ja @a(abrten unb Spulten lange genug offieiell 
al« Songobarbia bejeid)net würben. Sllfo ba« Umg_c 
lehrte von bem, wa« bie Sbronif von SKonembaita 
fabelt, aud) hier: bie bi«her unter Spjanj ftehenben 
3taliener unb Sicilianer flüd)ten in« betlenifd>c patrd, 
nitbt bie $aträer nad) SReggio, von wo fie freilid) nad) 
©errilgung ber Slawen heimgefebrt fein foden. Aber 
außer $atrd gibt aud) Wittelgricd)enlanb — abgefehen 
von ben hier wie bort Mübrnben 3ubengemeinben , auf 
bie td) fpdter fommen werbe — nod) ceben«jeid>rn in 
biefer ».ßertobr. 3n Iheben warb in ben 3abren 876 
—877 bie Jtirdje be* heiligen ®regorio« üheologo« von 
bem Cberfien (tucvStdäroe , b. I). Spatharocanbibat) 
»afilio« volienbet * s ), beren Subera fpdter jum ©au 
ber fleinen Äirdje be« heiligen ©afilio« bienten. 3n 
bem benachbarten Drchomene« hatte 872 4r ) ber ^roto« 
fpathar ?eon bie Äircbr Der «pojiel »ftetru« unb qjaulu« 
au«ge|'d)müdt unb eine Jtapeüe ber panagia angebaut, 
«ber neben tiefen lirAlicben Stiftungen finben ftd> aud) 
anbere mehr auf ben allgemeinen ©ortheil abjielenbe. 
So fieUte ber Ihotofpathar Sheophblafto« wo! gegen 
(Snbe be« 9. 3ahrhunbert« bie 4 guß breite Straße 
her, bie auf Cruböa von Qbalfi« au« nad) ber lelanti« 
fd)en @bene führt, unb bie in ben frühem 3'iten arg 
verfallen i»ar *"). lieber Walebonien geben für biefe 
3eit bie in ben Atbo«flöftern aufbewahrten llrfunben *•) 
mandjen intereffanten Auffd)(uß-, bod) muß id), ba biefe 
©rovinj n;. tu in unfern ©ereid) fällt, auf bie von ©tüller 
mitgetbeilten üJtegeftcn verweifen, nad) benen h«uptfdcb« 
lfd) ®aß*") feine ©Jonofjraphie über ben hdligen © rt g 
jufammengejiellt hat. $ter erwähne id) nur, baß ba« 
Aufblühen biefer Älöfter von ber 3'it ber mafebonifdjen 
JTaifer per batirt; bereit« ©aülio« verbot allen ©Seitlichen, 
bie Sinftebler auf bem ©erge ju brunnihigen, unb 
£co Vi. erimirte fie von ihrer bi«berigen Abhdngigfrit 
von bem AlojieT be« Scanne« Jlolovo«. Schon 919 
wirb in einer flawifchen Urfunbr ba« Klein- 1 ^cywi 
erwdhnt; 924 freUt Äalfer Somanrfl I. ba« von ber 
Äaiferin ©ulajeria gefliftete Älufter f eropotamo« her ") 

46) Hotckh, C. 1. n. 86K6. tt>t<a»alKT n. 871H (ctmt 3«« 
ball, «Dpi au* tm 11. »\q}irliiinHil|; n. 8882 (Oljmc titut ata 
iminiK Sidfca 91 it f u# auf Hm Darimmt k<r •? !*■ S. Suta«, 
»öl älttt); 8914 (*cl au4 brm 9. 3abtf»uufetrt, diinurmug a* 
«inni £*mrnic«, ba «iiu Jtirair auebaul( 'f) unb 9422 (9rabftriB 
rinrf SfJiufln*, ttol au« Hm rrOm 3 jtiihunt<Tt Bad) Qbriftut)- 
47) tt>b»B»a n. 8685. 48) ?»b. €upb«ni. «fift biidj »t«ij« 
«Wrflrib» M ■itblidwii «rirdxnlaiM. «clp«ig 1843 8. U- 
»cripUonts n. 9. Sud) bri 9to| unb SdimdUi, Utfunbrn ]Ut 
0'ffd)idj[f Writdimlaiir« im SRtiKlaltd (Ubbanbt. bei Witttbna 
«rabrnir I 61. II. 3h, I- «brt ) «. 158 ffl.; BonM, C. I 
n. 8801. 49) 3of. ftnllrr, giforffdk Srafmaln in ttn 
Hlcänn ttt HlbiX in Slirivfid). @la*ifo>t t3iblioH)cf. filin 
1851. 8. €. 128 fa. 50) «a>:. 3« OMd)id)tt btt flm t 
Stlbüit. Cjiiffrn 18C6. 4.; »rrgl. banibn tUffton, Zil Slinäsi- 
utMlt M e»r 9 fi Jltbo«, in »au mtt't «tikrifaim lai*«- 
b.d». 1860. 6. 1 fa, 51) Wuile. a. C. €. 201 
— 207. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 1 

unb bdcbenft efl mit Seliquien. OHn ßbrbfobull Äonfran« 
tino«' VI. brftätigt 9(10 bie Bedungen be« Jclofirr« Jviron 
(t«v 'IßqQcav, von Johann „bem 3bcrer" (982 — 997) 
gegründet unb von georgifdjen Bfönd)en bewob.nO, tin 
anbcre« von Romano« IL für ba« .ftlofter be« Joanne« 
Äolovc« SN)0 gebenft einer flawo«bulgarifd)cn (Jolonie in 
Jeriffo«. Seit bem 3abre 970 tritt ba« Savraflofter hervor, 
980 »erben bie Bewohner ber Älöfter fceontia« in Ifecffa« 
lonid) **), Joanne« Jtolovo« in 3fdffo« unb 6t. Siemen« 
auf bem *tbe« unirt. Jm 3abre 101 1 fdjcnfl (Sufrrario«, 
9fbt ber imxa, bem JMofter Bumvtir eine (finftebdri auf 
Sfvro«; banrben verfcbiebcne anbrre Stbenfungöarte, 
(Sntfdjeibungen be« tbeffalonifdjen Sfd)trr« unb Broto« 
fpaibar« Wifolao« übet @üter be« Jtloftcr« ^oiron (997) 
unb Sa&ungen unb anbrre Urfunben be« heiligen Vlrk; 
nafio«, ^Regenerator« be« bortigen 3Röncb.?lebrn« (969 
— 997). Sd)abe, baß von biefen UrfunBen, bie gewiß 
ein trePa>e# Bilb be« gricd>ifd>en ÄlofterUbenfl liefern 
ntüßteu, bi« jefci nur ber furje Inhalt vorliegt; baber 
bie UnvoUfommenbeit in ber ncueftrn Bearbeitung, bie 
aber fo unvermeiblia) roar. Saß viele Slawen in ber 
Umgegenb faßen, geht nid)t nur au« ber flawifa>en Ur« 
funbe von 919 b.ervor, fonbern aud) au« einem rib* 
lieben deugniffe, tat 1002 Baul „noxkaflLxW unb 
ber $apa6 Joanne« 1 „Ijtptedhtrjs" über ein bem 8ra>i« 
biafon JTonftantin Bfegeljcv gehörige« gelb ablegen, unb 
ba« im Jvironflojrer aufbewahrt wirb. 

Räber liegt un« hier Iljeffalien ; bod) befd)tänft ftcb 
bie dndge und vorliegenbe urfunblid)e 9?otij auf ben 
Flamen be« Batridu« fflregorio«, Sohne« be« Sempab 
(Äiefafi?), au« bem Stamme ber georgifeben gürflen, 
ter 1007 Sirateg von ?ariffa war unb bie Äiraje ber 
Banagia ju (Sani in feinem Batrrlanbe erbaute •*). Bei 
btefem großen Btangd an utfunblidjem "STOatertal ift e« 
nun ein (Mhnf, baß wenigften« bie bi«ber fo arg ver» 
nactjläfftgten .fteiligenlegenben, wie wir fdjou oben faben, 
unerwartete« Jidjt über biefe bunfdfte itit ©riedjenlanb« 
verbretten. Daß wir biefelben hier nur mit Borfid)t be« 
nu&cn, brauebe id) nid>t erft ju fagen; e« n't ba« ja 
fdjon bura) bie Statut ber Duellen geboten. 

2>ie Segenbe von ber heiligen £beofti|ta M ) fpirlt 
auf Bare« 902, jur 3«t aI«^»imeriofl gegen bie «raber 
Äreta'« jog; ein 3<i»8frioffe, ber benfelben al« ©efanDter 
begleitete, bat fie un« berichtet, »uf 3o« burd» wibri» 
gen SBinb in ber gortfefcung feiner gab« gebinbert, be» 
fdjloß er, Boro« unb ben bortiaen Üempel ber Banagia 
ju befudjen, ein prachtvolle« Btarmorgebäube, ba« aber 
von ben Ungläubigen grünblicb verbeert war. «1« ber 
©efanbte, ber in bem trefflichen, 9taro« gegenüberliegen' 
ben $afen ber 3nfel gelanbet, über bie Seene ber «er« 
beerung jammerte, trat ein (Sinfiebler auf ibn ju, „blaf, 
abgemagert, barfuß, in geOe gebüut," Simeon mit 



52) <5Urti anb 'Mh tin Jtloftrr 3c6annr« >r,i Uufnt (ro* 
ifiov ütotQdfiov) graannt. M) Brontt, Iiwcrtptioni gior- 
gienn** et «utre» recavilliM par Nertet Sargiiian p. 13 in ttn 
Memoire* de l'scadvmi« de* icienee* de St. Petertliour«. VII. 
Serie. Tom. VIII. 1864. 4. 64) Saroniiu , Annale* eocle- 
■tatW J«m 2»t,xt 902. n. 2-15. 



!3 — (I. PERIODE VON 395 — 1204) 

Kamen, ber bic ®efa)ia)te ber Serwüfiung auf feine 
Bitten erjagte. 9{afr, ber Stbmiral be« fretenfifeben 
dmir«, (anbete einft bort, bewunberte bie $rad>t be« 
Tempel« unb befcblof , ibn nacb. fdner 3nfd ju entfübren. 
(&t begann tat Xabernafel abjurei^en; allein baffelbe 
warb burd) ein SBunber immer größer unb größer, bi« 
ber Sarajene, entfept barüber, ba^ fta> baffelbe burd) 
frine Der -Ii-utcn fortfdjaffen ließ, bavon abftanb. Sei- 
nen Berfud), ba« {»eiligtbum ju jerfiörrn, büßte er balb, 
inbem er mit fdnem Sd)iffe an ber «Rufte duböa'« bdm 
Borgebirge ifvlopbago« untnging. SBeiter vrrfünbete 
ber fDtöncb bem @ej'anbten eine glüdlidjc gabrt nad) 
9taro« unb Jtreta; vorher abn c^abltr er nod) fdnem 
®aft, mit bem er, auf alten S4uienfrümsfen fi^enb, 
mitten unter bidttem Üaub, junddift einer frifd) fprubeln' 
ben Duelle, ein befdjeibene« ^Natjf rinnab.m, Die @e» 
fdjicbte ber heiligen 5(>eoftifta. Bor wenig 3abreu, 
bedeutete er, famen Jdger au« Jtrrta naa> $aro«, ba« 
reidi an ®ilb aller «rt. giner beflelben melbete ihm, 
ba& er früher einft al* 3dg« babin gefommen unb ben 
verheerten Xempel ber @otte«mutter befud)t, baf ibm 
bann , al« er ftd> bort ndher umgefeben , dne ®rube mit 
wenig Bkffer aufgefallen, in ber cupinen — bie gewöhn« 
liebe Wahrung ber (finftebler — wud)fen. Neugierig 
ndherte er fid) ber Stelle; ba gewahrte er ein nadtr«, 
greife«, au«gemergelte« SBdb, ba« ftd} al« bie Hin« 
ftebleriu Xbeoftifta entbedt. Ju SRethpmna auf 8e«bo« 
geboren, war fie al« Atnb 9tonne geworben, aber 18 
3ahre alt, mit ihren Berwanbtrn von 9lafr fortgefdjleppt 
worben. Auf Baro«, wo bie SRduber anlegten, würbe wegen 
be« £öfegelbr« gehanbdt ; fie aber flüchtete mitten in ben 
ffiaib, wo fte fritbem über 35 3abre von Uupinen unb 
.Kräutern allein gelebt, im Uebrigen aber ihrem Stanbe 
getreu &ott gebtent habe. Sie bat ibn, wenn er im 
folgenben Jahre bie 3nfe( befua>e, ihr dn gewdhte« 
Brob mit}ubdngen. Qr erfüllte gern ihre Bitte; fit 
empfing ba« Slbenbmabl unb verfd)ieb balb barauf. 
Söunber erfolgten, ba« Sd)iff , mit bem bie Jäger bdm« 
fuhren, wollte fid> nidjt von ber Stelle bnoegen; Xbeo« 
ftifta'« deiche lag ja unbeerDigt. Daher lehrte er tKim 
mit feinen (BenofTen nad) Baro« unb fanb bort ein neue« 
SBunber; bie Stelle, wo fte gelegen, hatte ben ganjen 
(Ünbrud ihre« Jtorperfl bewahrt, bie 8eid)e felbft aber 
fanb ftd> nid)t; bie £dlige war gen 4>immel gefahren. — 
3Mefe ?egenbe jeigt un«, wie bie Sarajenen Jheta'« 
auf ben 3nfrin be» ägeifdjen ÜReerc«, bie fie ebenfo 
al« ihr (Sigcntbum anfaben, )U wirtbfd)aften pflegten; 
baü ber @roßaDmira( 9tafr fo fdjr eingenommen war 
für ben Biarmortempel , möchte wol tu ber Bermuthung, 
baß riefer Borläufcr Qlgin'« ein gded)i|d)er Renegat ge« 
wefen, vidi riebt tbenrifd) mit bem 8eo von Xdpoli«, 
beredjtigen. Die Blünberung von 8e«bo« muß in bie 
gjtfttr be« 9. 3abrhunbert* faOen ; bd ben Bpjantlnern 
Wirb ihrer fperirtl nidjt gebad»t; aber wer baue aud) 
ade bie 9iaub)i'ige, bie bie Äanbioten bamal« gegen bie 
vöDig unbefebü^ten 3nfeln be« ägdfdjen Weere«, wol 
aUjäbrliaj, unternahmen, budjen mögenY 9tur wenn Die 
tytuptftabt felbft bebroht war ober möglicher fflrife ganje 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 134 — (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



SJJrovinjen abgeriften werben tonnten, weld>e< 8cc« bem 
?Peloponnefo« 881 beinabe bevorflanb, liefern fit un« 
ou*fubrlid>en Seritbt. Ueber Aertvra müfrte ba* &ben 
t>rfl gelehrten heiligen Sfrfenio* mandie intereffmite «u? 
fünft geben, läge ti und vollfläubig in einer alirn Sie« 
bactien, nietfe Wo* in «in« fpätern »fclutbie cor*»). 
Um 931 lebte er, in Setbania geboren, alt erfter SRe* 
tropotit per 3nfel, eifrig feine (Gemeinte pjiegenb. 816 
bie Sfvtben (b. h. wol Slawen ober Sara jenen?) bat« 
gegenüberiiegenbe gefttanb plünbertrn unb bie 3nfei be* 
brobten, begab er fid) unerfauorfen ju ibnen, um bie 
ȟben Sauber ju beftbwidjrigen. Hl* aber biefe ben 
frommen SWann auf ibren Skiffen fortjufcblrppen »er« 
futbten, ruftrte fub ganj Aerfpra, befiegte Den fteinb, 
«erfolgte ihr. bi« iu ber Meinen 3nfelgruppe nörblia) von 
Aerfvra (Ttx^avrfiia) unb befreite ben «rfenio«. «I« 
fpätet ein habgieriger faiferlfd>er Beamter bie bortigen 
Sehörbrn ber Untreue befdjulbigte, eiite «rfenio* ;a 
Aaifer Aonitantine* VII. nad) Svjanj, unb r« gelang 
ibnt glücfltd), beffrn &m gu brfd>a>tcbtigen. lod) er» 
reidjle et feine 3«M nicht; bie Strenge be< ffitnter* 
jog bem ©reife auf Sfiatbo* eine Aranfbeit |u, an ber 
er Hübe bei Äorintb frarb, naebbem er etwa 20 3abre 
feiner Aircfcc vergeflanben. Sie Ärrforäer bollen feine 
lieiaje in feierlia>rm Jrauerjuge ein unb befiatteten fie 
in ber Aatbebrale. Die ffiunber, bie er tbat, matten, 
ba£ er balb aU ^eiliger angefeben wart. 2>ie 3nfel 
wollte ifjn jum Scbu6patron; fein geft warb am 19. 
3an. gefeiert. Ju biefe Segenbe nun jwar leibet febr 
mager, fo liegen und bagegen über bie Sufiäute be* 
'Jkloponnefo* unb Wittelgrircbenlanr* |wei anbere vor, 
bie bier befonber6 in* tjtetvidjt fallen, ba* Seben be* 
beiligen ?ufa« be* 3üngern (geft. 7. gebr. 946) unb 
ba* be* beiligen ftifon von Jlafetämon, ba* ich fdjon 



trüber rrieperbclt berangrjogen habt. 



beiligen 



üufafl 93orfabren flammten, wie fein gleid))eitiger 9)io* 
<™»»b mahlt *•), au* Hegina. Da bie rretenfifd<en 



Siratrn aud) bort obne Unterlaß häuften, roart bie ganje 
Sevölferung ber 3nfel tut au*wanberung genötbigt; 
«rtifa, Söotirn unb ber $eloponnefo« nabmen bie glüaV 
tigen auf. £>e« fcufa« «bnen aber jogen nad) «•» 
in bie ©eaenb von Ariffa, roo fie unweit be* Serge* 
3oannifti neb am SReere anfiebelten. «Hein and) bort 
iruren fie nidit fidjer; bie Serbeerungrn ber Ungläubigen 
erfrredten fid) felbfl bi* Pah in; baber wanbertrn fie von 
bort jum Jnafen i<jthr?, »o f tcpbjncs, M ^eiligen 
Saler, geboren warb, unb von ba balb weiter nad; 
Jtattoria. Dort faben bie (Sinbeimi|d)en bie fremben 
(finwanberer mit unfreunblid>en , mftfgünftigen Vugen 
an unb »erftiefien fie julettt; bod) erreid)te be0 iuht 
Wropvater burd) eine «Reife na<b (Sonflantinopel , m? ein 
faiferlicber »efebl ibn unb bie geinen in ibrent «fvle 
ftbüfrte. f»it ber eblen eupbrofpne i rügte Stepbanot? 
fieben Ainber »••), von benen Sufa« ba« britte war. 

fi6) Jfutorirfl , Dell« com Comreri. Vol. I. Corft IM«- 4- 
p. 409 56) Acta Sanctorum Fcbnurii. Tum. II. P»- 

riatti «t K i»' 1864. fol. p. 88 — 100- 56») 3*r 3iil tri 
«Mifiiaj »i*f« »u^ra^bi« l(M( «cd) rta« tcd)tn, Salt. «U Renn< 



Son 3ngenb auf \u einem bef<bas(id>cn Sehen geneigt, 
befdilop berfdbe, ben 3Könd)#fianb *u w4blen. ür »er« 
liej Ibeffalien unb madjte fidj auf bie Seife na« Äet 
la«. Unterweg^« fiel er in bie ^>änbc von SBadiwofien, 
bie auf entlaufene Sllaven fabnbeten; fie geigelten ibn 
unb terferten ibn ein ; bod) erlangte er auf tot 3«ignip 
luverlafftger Scanner hir. balb feine grribeit irteber. 
Tiefa erfie miMungene SJuerlug in bie Seit befammte 
ibn jur 9tüdTcbt int Selternbaud; ba er aber babxim 
nur Spott fanb, ergriff er begierig bie uätfefte belegen« 
beit. um feines 3)orfa( audpfubrnt. 3wd Wönd^e 
lehrten auf ber Südreife von >Jtom in bem gaftlidjen 
^aufe fnner ^Mutter ein; 0>r 3iel mar 3erufalem. ®crn 
wollte fie Jufa* begleiten; bod» weigerten fie fidj anfing« 
Ud», ba er ju jung, bie »eife ,u befd)werlidj fei, unb 
feine «erroanbten itjn wol reclamiren mürben; allein 
enbltd) entwieb er beimlicb unb folgte ibnen junädtf nad) 
0tben, wo bie bribrn l'iönite mit ibm im ^anbeiicn 
(skcrum illic Dei Gen i tri eis templum) anbeteten , tbn 
aber bann jurücflie^en in bem Alofter, wo fie ihr nb< 
firigequartier gewdbli, nach bem fie ibn bem $oriteber 
beffelben heften« enipfoblen. ?ufa« empfing bie Jonfur 
unb trat al0 Äovije in ben Safilianerorben, obne feine 
4^er(unft m gegeben. Sie iVutn-i war trofilc«; |tpri> 
mal foll fie bem $robft im Iraum erfdjienejrt fein, btö 
Mefcr ben Vufas n mahnte r Stlifa ju verlaffen unb tu 
ben Seinigen )urüdjueilen. Ungern folgte er ber auf« 
forberung, febrte jur (Supbrofvnt juritd, pflegte fie 4 SJiV 
nate lang unb führte enfcltdj mit ihrer Suftimmnng fein 
Sorbaben au«, in- blieb in ber $ak ; auf bem '«erge 
3oannl(i, wo ein Airfblein ber beiligen anargvri fianb, 
baute er eine ($infiebe(ei mit f. einem (harten unb nxiltc 
bort von feinem 18. Sebentfjabre an — alfo feit 908; 
er war 890 geboren — fieben 3abre (908 — 915). 
Sa>on Pamalfl wobnte ibm bie Wabe Itt didetf in bie 
3nfunft bei ; fo verfünbrte er viele Jage vorauf ") Den 
Mnmarfd) ber ffntbifa>en Bulgaren gegen 4^<Ua« unb 
ben 'Jtaoponnefoe. Derfelbe blieb nid)t au& Svmeon, 
ber SBulgarenfönig, burebjog — wol 914 — baufenb 
ben gried)ifd)en Gontinent, „«Uet5 ju SHaven maa>enb, 
bie ©nen be« «eben«, bie «nbem bn greibeit beraubenb, 
unb ,iu 3in«pflid}tigen erniebrigenb." Tie Stibte biei« 
ten fidj burd) ibre feflen Wauern, ba* «anbvolf ftudjtete 
nad) tiuhoa unb bem HMoponnefod. 9tit ben benad)« 
harten Säuern rettete ftd) £ufae> vor ben Sarbaren auf 
bie umtiegenben 3nfeln; aber ber geinb fe(4e fid) burd) 
Vitt in ben SeftB von Adbnen, verfolgte bie glüdjlinge 
nnb vernid)tete fte faft fdmmtlid); nur wenige rüftige 
Sd)wimmer, unter ibnen $ufa<, entrannen bem Jcbe. 
Sie ftdKrfte 3ufiudite}ftdtte bünftr ibm nun Aorintb, ber 
Si( beft raifertid)en Strategen; aud) boffte er, auf ber 
bortigen Sdjuie, mt ibm an lbeologiid>ei Silbung 
nod) fehlte, rafa) nadjbolen ui fonneu. Beer bie üblidje 
^bagogil fanb mdn feinen SeifaO; bie Sd)üler be« 

S'fen }war rafcb; aber ba« Cm lernte witftt nidtt be« 
d)ttnb auf bie Sittlidtfrit. ia-* verleibet« ibm ben 

6?) o. a. C. p. 88. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



135 



(I. PERIODE VON 395 — 1204) 



Slufentbalt in Jtorintf). (Fr hatte von rinem frommen 
(Sinfiebler au« 3<mena , rinrm Säulenbeiligen, gehört, 
t>er untren $aträ lebte , unb enri*lc«t ftcb, tbn aufju« 
fneben. lieber (Irinc Dörfer führte ihn bor Weg nach 
Der jweiten .ijpaupljlabt bet Jpalbinfd ; bet (Srrmil nahm 
ibn frrunblicb auf unb t>ielt ihn wie feinen eigenen 
•Sohn. 3et>n 3ab« lang (916— 926) biente et ihm, 
»erforgte ibn mit £oU unb gif*en unb vrrfab feine 
Äüdje; bann verlief er ihn, um in ber Äapelle be« 
heiligen prefopio« al« «Nöncb )ii bitnen. Da ftarb 
027 ber Sulgar Svmeon, unb ba beffen Sohn '4Jeter 
al«balb »") griebrn mit »pjanj fa)lofi , burfte er frei 
unb lieber nach ber 4?eimatb unb ber alten 3elle auf 
rem 3oannif.iberge iurücffthroi. Dort beberbrtgte er 
fern @r)bifd)of von Äorintb, ber von einer Steife nach 
ber §auptßabt jurücf lehne, unb liefi ftcb von ihm in 
bem priefterlicben 9htu« unterweifen. 9ecuc 5ßunber 
machten halb feinen tarnen befannt*, fo rntbeefte er ben 
Dieb, 6er in Äorintb einen nach Slfrifa gebenben Sd)a&- 
meittet befahlen, unb heilte |u Xhehen, too er ben übt 
eine« in ber SJerftabl gelegenen Älofter« Hntonio« be< 
fuebt, buTdj fein @ebet ben tobtfranfen Sohn eine« ber 
angefehenften «rebonten. «Mein in ber #eimatb fehlte 
e« auch nicht an 451acferei; bah« fanbte er ben ®er« 
mano«, einen ?aienbruber, nach Äorintb ju bem 
„weifen Jbeopbrilafto«, btr, obgleich ber irbifeben 2L<ei«« 
bar 8rbrrr, boa> burch ba« SSeifpiel feiner lugent» Älien, 
welche baß ®ute liebten, bie Sugenb einflößte," um 
von ihm ju hören, wa« ju thuit. Ibccpbnlafte« ant> 
wortete ibm mit einem Spruche be« heiligen Ärfenioö: 
„gliche, febwetge, ruhe au«," unb al«balb jpg er nach 
Äalavion (KaXvfkov wol, eine (»injtebelci) unb weilte 
bort brei 3abre, nicht ebne von Seeräubern, bie ihm 
^wnbmüble fiabien, geplagt ju werben (933 — 936). 
aber brachen 936 bie Surfen *») in «ttifa ein unb 
bebrohten auch feine (Sinftebelei. Bieber flüchtet er auf 
eine nah« fleine 3nfel «ntpeloS, bie öbe, felfig, ohne 
Zrinfmaffer, ihm alle erbenflieben (Sntbebrungrn auferlegt, 
mit ihm ein Ihnl ber Nachbarn. ?ehtrre wollen nach 
eem $eloponnefo« überfiebeln, „ba Ättifa wol faum je» 
mal« von ben Reiben befreit werben fönne;" er aber rdtb 
bavou ab unb lebt bort brei 3abre lang (936 — 939), 
von feiner Schwefter reichlich mit 8rob verforgt. SIbet 
bie öbe , unwirthliche 3nfel mi«fiet auf bie Stauer feinen 
@efäbrtrn; er verliefj fie auf ihr (Drängen, um anber«wo 
eine neue ffiobnflätte su grünben. 35er ju Jbebrn reft« 
birenbe Strateg von 4)ella«, $olbofl, be« «rgpro« 
Sohn 60 ), nahm fid) feiner an; burch eine Prophezeiung 
hatte Sufa* fein gunje« Vertrauen gewonnen. Seine 
(Gemahlin, bie in (ionftantinopel weilte, hatte ihm ge* 
f (trieben, et folle i'cbleunigft beimreifen, ba ber Äaiier 
e« bringen» wünfehr unb fein Sohn töbtlich etfranft fei. 
^Jotbo« war be«bulb nicht wenig beunruhigt, jumal ba 
in ber $auptftabt bebenfliebe SBtrren herrichten, unb er, 



6«) 8. Ott 927. 59) Kol biefr »*n . bie 934 bie ««übt. 
ftah btbranat«n. 60) itiu 922-968; »eral. Mm* a. a. D. 
P . 499. 630; tc<6 wirb er ba nidjt alt. Strateg von 4>rlU< brj.icbnrt. 



al« Sproffe eine« ber vornehmjten 9Itchontenge|"cblecbter, 
von bem allerböcbfien Wi«traurn nicht« @ute« erwartete. 
Doch Vula« tröftrtc ihn; er machte bie Steife unb fanb 
fein Äinb gefunb, ben Jfciifer aber, wir ihm jener propbe« 
jeit, au«nehmenb gnäbig, foba^ er bem ^eiligen gern 
bie neue fflohnung in Soterion, je^t Stiri •'), beflditgte. 
Such mit einem anbem Mächtigen, bem eblen Arintto«, 
fam ber ^eilige in Berührung. Ärinito« «rotru«, ber« 
felbe, ben wir oben al« SBejwinger ber peloponnefifcben 
Slawen fennen gelernt h«ben, war bcimal« «im Stra» 
legen von Aella« ernannt worben. «uf ber Seife hörte 
er ju Sarijia von ben fflunbrrn be« briligen Scanne« 
unb lub benfelben ein , ihn in Sieben gu befuchen. ¥u< 
fa« erfchien; ba aber ber Strateg, ber gerabe beim SKable 
faf, ihn feine« Sporte« würbigte , verlief er ihn al«ba(b, 
empört, ba^ ber "JRönch«rocf in fo geringer Sichtung ftebe, 
unb fuebte in ber Sonlabt bei feinem greunbe, bem Sbte 
Antonio«, eine gaftlicbere £n berge. ®(ücflicbcrwdfe er- 
fannte Jcrinito« halb, welchen $erfto$ tx begangen, vn> 
föbnte ben frommen Wann unb ftiftete jum 3ei*fn frtner 
aufrichtigen ©ufje bie Äirche ber heiligen Sarbara. 81« 
Ärinito« halb barauf abberufen warb, verfunbete Ihm 
?ufa«, ihm werbe fogleich eine neue Stattbalterfcbaft p 
Sheil werben; unb bereit« auf bem SSBege nach Sariffa 
warb ibm ein fatferlicbe« Scbtriben überbracht, ba« ihn 
jum Strategen be« peloponnefo« ernannte **). 

Um biefelbe 3eit (941) verfünbete er bie ®ieberero< 
berung Areta'« 20 ^aljrc voran«. ,,9tomano« wirb Areta 
unterwerfen." „Der ie(jt regierende JTaifer (9tomano« I. 
920—944)?" fragte man ihn. „Sticht blefet, fonbern 
ein jweiter Stomano«," war bie Antwort, unb unter 
Somano« IL (959 — 963) fiel bie 3nfel 961 wieber in 
bie ^anb ber dbrifien. 9locb manche anbete fBunbcr 
erjdhlt ber ©iograph, ber biefelben von Hugrnjeugen ver» 
nommen haben will, bie Teilung einet eblen Dame 
Jhtben«, bie »efehrung be« Spathario« «Phiüppo«, 
IBruber* be« bei bem ^eiligen wrilenben 3Mönche« 
Ih<»bofio», Sluflrreibung von Dämonen, Suren, felbft 
an Sbwefenben voüjogen, fo an einem 3oanne« au« Per 
3nfe( ühermia (Xermenia), an Demetrio« Jfalona«, an 
einem (luböoten, an Jtonfiantia au« Jbermopvla, bem 
3öQner 6briftophoro0 unb fo fort. Sieben 3ahre lang 
(939 — 94»5) lebte er in feiner tSinfietxlet ju Soterion; 
al« et feinen lob nahen fab, (ieji er ücb burch ben 
priefier @regorio« eine @rahftdtte wählen; am 7. gebt. 
946 ftarb er, fromm, wie et gelebt; von feinem Sarge 
flof eine buftenbe Salbe, unb noch manche ffiunber 



61) U»«nl. AucAon, L» GrixM oODtiDcoUle p. 241 Mq. 
62) tat Aqor i»dv ralatttiün (ed. Sathat p. 192—195) bat 
riar 9tcii| übrr bta (finbrud) ber Sutaarea in 6rUa4, bt< H'ti 
brtriiBj ven S-iIcsa, bi( 9rbränaaiff( von «lalaiibi, bü, B>rna 
wir übci^anfl, »i* fehr pcttflbaft fdfiiat, sif birft Ipjtr Curtlt 
einigen ffirrtb Iram bflrfru, «ffmbai mit ben SarbarnrinMIIrn 
(u ibtirijtcircu ift, bic ber tBtcgrapb bt< b^tliaen üuta« «qafcli 
<m*t rtwa 981 obrr 996. wie e«lba< ttilt). Dort felat bir (ir- 
.ibluna rinrr «trfl (1054*). neu <8ar«'arnifi«f4ne (1059Y), cm 
■Sariicl üb« ®ui«arb unb «earr. Urft mit ben *Mii|fa$rrrit Wirb 
aud, hin mrfcr «lebt; bod) and) ba i« bie {Jbnmit n.r mit bSdiflrr 
«otjidit tu bf«nt>fn. 




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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 136 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



ereigneten ftd) nad) »Vi nein lobe an ber britiaen Stätte. 
Sed<* fficdjen nad) feinem Ableben fam ein uRönd), ber 
(Sunud) Äcduiaö au« *BapbIagonirn, auf ber Seife nad) 
Julien gen Ättna (Gbroliarta); ba erfd)ien ihm bei 
.heilige im I räume uut ermahnte ihn, bort ju bleiben 
unb ibm ju bicuro. Da« grftbab. 3roti Jahre fpäter 
(948) befdjloffen feine Sd)üler, eine Jtirtfje unb 3< l,f " i u 
ftiften; fit begannen mit bem wettern Au«bau bet Ä irdje 
ber beiligen Barbara, bie mit böchfter *",rad)t au«grftuttet 
warb; baran fd)loffen fid) itlofterjellen unb ein #ofpij; 
bie ©rabftätte be« ^eiligen warb in Äreujform au«' 
gebaut unb in ein Crdtorium verwanbelt. in weit bie 
Srgrnbe, bie un« ein anjiebencr« ©üb von beu bamali> 
gen gried)ifd)en 3 u l Iat,tf| i gib*- 

SBir laben, Wie bie Araber ®ried)enlanb« SBeflfujie 
beim i udjeu unb felbjt in ben SReerbufen von Jtorintb 
einbringen — 881 fanb ja bort bie Sd)lad)t ftatt — , 
wie Argina'« 3$olf au«wanbrrt, wie entlieh bie Bulgaren 
bi« ju Spmeon'« lobe 927 in SDtittrlgriedjenlanb ge« 
bieten unb Alle« }in«bar marben, wdbrenb bie bvjanti« 
niftten {»ijtorifer nur von (SinfdQen in Ibrafien berichten. 
Daneben treten bie beiben ^»auptjtdbte ber Ibemata, 
1 beb en unb Jtorintb, hervor; in lefterem Orte brftanben 
nod) tbeologiftbe Sdjulrn, in Athen tieftet unb bie 
SNarienfircbe auf ber Aftopoli«. Die frübern Angaben 
ober bie (Sinfälle ber Sarajenen in Jpefla« erbalten eine 
wichtige tfrgänjung baburd), baf» ivn; ein Sinbrud) ber> 
felben in Altifa erwähnt wirb; neben bem Warnen be« 
Strategen von $ella«, $oitjo« Argvro«, ftnben wir ben 
Jtrinito« Arotra« genannt, ber gleicbe Würbe erjt bort, 
bann im $e!oponnefo« befleibet; bie Segenbe gibt un« 
bie Wittel, ba« 3abr 941, in welchem riefer bie Sla« 
wen ber ^atbinfei unterwarf, mit Seftimmtbeit firtrrn 
iu rennen, Wdbtrnb früher gewöhnlich bafur SRcbrere 
bar) Jahr 940, SWuralt •») bagegen gatu, irrig 922 an- 
genommen. 

Wod) intrrrffanter in bifrorifeber ©cjicbung iji ba« 
Sehen be« heiligen Wifon, ba« freilich erft 1142 von bem 
neu erwählten Abte be« ibm anreihten Jtlefter« in 9afe> 
bdmon gefd)rirben ift. Jet habe feiner Anfänge, wie 
feiner 3Riftten«ibdtigfcit auf bem wiebereroberten Äanbia 
bereit« oben gebaebt, unb wie er ftd) bann enifdjlcfi, 
birfelbe auf bem grird>ifd)rn fteftlanbe fortjufe&en M ). Die 
Scveifcrung be« "JMoponnefoO war bamal« im böcbften 
©rabe verwilbert; neben ben cbriftlicb'bv}antinifd)rn Gin« 
wobnern ber bellrnifd)cn Stätte fafen bort in Safcnien 
uod> jene Slawrnftämme , bie troß aller ©efebrung«pcr« 
fuebe Saftlio«' I. unb fre« ihrer Unterwerfung burd) 
JTTinito« ihren hetbnffd>rn Wöitem trni geblieben. 3Jon 
Jtreta, fo enäblt ber $ioa.rapb be« äSriltgen, gelangte 
9tifon in ö 3aaen nad) l^ibauro«, ra« bamalfl fd>on 
feinen neuen tarnen Xamala trug. Tic cctiner, bie 
ibn führten, argwöhnten, bap ber angesehene IVann im 
$eii«e reicher Sd>dpc tot ; fit mad)len einen Ancblag 
wiber fein Seben, würben aber von Ihm befehlt. 3« 
Xamala begann er feine SujiprcNgtrn; bann bcftblop 



•8) «. «. C. F 800. 64) 4. J. C 5 M mq ^ kS4 Mq. 



er, nad) Athen (Cecropk urbs) ju fegein unb gan} 
^>eOa« mit bem bort verHungenen SBorte @oltr« ju er« 
leudjten. Da aerobe von Xamala au« )wei cdjirte bort» 
bin gingen, beftieg er ba« eine; bette fegeln jugleid) ab. 
3n ber 9Idbe von Aegina ging ihnen ba« Zrinfwajter 
au«; um neue« einzunehmen, lautet man auf Salami«. 
St frlbft burebfireift bie 3nfe( unb frhvt erü fpdt auf 
fein Schiff jurücf, ba« ibn lieber nad? Athen brad)tc, 
wdbrenb ba« anbere, trof feiner Ahnung, früb abgefegelt 
war unb eine 'Heute ber Giraten, ^iadnügler jener 
Jrretenfer, warb. 3n Athen prebigte er auf ber Afropo' 
Ii«, „wo ber herrliche lempel ber ®otte«mutter liegt," 
unb gewann fid) bie Siebe be« Solfe« im hintfien @rabe. 
93on ba i.og er nad) (fuböa, ,,ba« bie Alten aud) Surt> 
po« nannten" M ), prebigt, auf ber ÜNaurr, ftatt auf 
ber Aamel, jtehenb, heilt Aranfc unb verruhtet SBunber. 
lieber Iheben fd)lug er hierauf ben 9Beg nad) bem ^elo> 
ponnefo« ein. Unterwrg« ftnbet er einen Üafonirr, einen 
rrdftigen Wann, ber ju 'iiferbe nad) Äcrtnth reift; 9tifon, 
obne ibn ju fennen, nennt ibn bei feinem tarnen, unb 
tiefer, verwunbrrt über be« {»eiligen geheime 9Biffenfd)aft, 
nimmt ibm gern feinen Stantel mit. Aber, o SBunbrr; 
'.Vifen erreicht ebenfo rafd; ju gu0, wie jener )u :Hoh, 
ba« näobße fletfeuel, bie ^auptfiabt ber ^albinfel; baf 
er juerft tiefem Safonier begegnet, galt bernad) al« üBor* 
jeicten, baf er in Safebdmon feinen Sie auffd)(agen 
feilte. 3n Jtorinth prebigt er auf Dem Sftarfte, wo bie 
tSrlöferfird)e ficht, reift bann über Snorion (Agionori), 
wo bie Sanblrute ber Umgegenb einjnfebreu pflegen, bie 
Süuber )ur 39upc mabnenb unb befchrenb, unb fr&r 
fein 9Riffton«werf unb feine SBunber )u Argo« M ) unb 
9tauplion fort. Aber unwiberftrblid) sieht e« ibn bin 
nad> Sparta, „ine 8anb berDorier," wie fein gelebrtrt 
Siograpb ßd) au«brüdt. 9!ad)bem er bort jwei Äircteu 
geftiftrt, burd)jiebt er ben Süben ber $albinfet, befud)t 
sDtaina, ^alamata, Aoronr, Wethcne unb Wrffene 
(Wi«ponr irrig), ba« bamal« fd)on feinen mobernen 
Warnen Sulcano (Surtanum) trug, fowie Arfabirn. 
Auf bem 9tiicfwege naa) Sparta erfranft er in Worum, 
wo er in einer yvhk fein Säger aufgefdjlagen ; er 
empfängt bort bie ^rtefierweibe unb wirb nicht nur ge> 
heilt, tonbern verforgt aud) ba« Solf, ba« maffen< 
baft bingefirömt, mit frijebem SBaffer; gleich Wofe« 
öffnet er burd) einen Scblag mit frinem Stabe eine 
frifd) fprubeinbe Duelle. 3n Ampflä erfd)eint vor ibm 
(982) eine Deputation au« ben angefebenften bürgern 
unb von $(ebejent au« Safebämon, mit ber Sitte, er 
möge nad) Sparta fommrn, wo bamal« eine Seuche 
furd)tbare Serbeerungen anrid)trte. Sr et flirte ftd) ba)u 
bereit, unter ber Sebingung, baü ,,ba« 3ubenvolf vor« 
ber au« ber Stabt vertrieben werbe." Da* verfpradjen 
bie Abgefanbten; er folgte ihnen; bie Juten würben ver« 
jagt, unb bie 'l ; cü rnbete. ^r felbjt aber brfd)lo$, nun- 
mehr in Safebämon feinen bleibenben Si( \u wählen. 



65) Titti Setu ittt g!ui *nt ÜReiitt m 9tttxt»nt f. 27. 
p. s'ö 66) <>c iliin^ ttt 3c«iir« ■etatntnir« j 33. 

p. 85H- 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 137 — (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



•u« btm gangen $e(oponndo« ffromten maffenweife 
Aranfe ju Mm frommen Wanne, b<r nidjt blo« bie 
leiblichen ®ebred)<n befltt, fonbern aud) für9trttung bar 
«Strien mirfte, „beffer uns wichtiger für £afebämon 
forgenb, al« einft fyfurgo« burtf) feint alten ©efe^je." 
®ne nrat Airtbe foDtt nun bort gebaut werben; ber 
Bifcbof Sbeopempto«, rin geborener Stbrner, ebenfo an' 
gefeben, reit tugenbbaft (nuna illuatru epücopus et 
virtute sapra famam iUostria), gab gern baut bfe 
ttrlaubnifi, ba« Bolf tjalf bauen, febenfte ober lieb ©elb; 
et begann mit ber Subftruction be« ©ptte«(iaufe«, ba« 
bem (htöfrr, ber Manama unb ber bdiigen Avriafe 
geweiht werben fodte. wur 3oanne« Strato« mar ba« 
gegen, „ber Befcbüger ber 3uben," ber voll !Reib ben 
^eiligen plagte, unb überall auf bit burd) ihn bervorge« 
rufene 3ubenvertrribung fcbmdbte. Slu« CoSbdt Urft er 
burd) ben ffiaurrpolirer einen 3uben unter bie Ärbeiter 
tinidjmua.qdn ; allein 92ifon, „ber bie 3uben fo ftbr 
bafnr, baß er nicht einmal ben tarnen hören fonnte," 
trieb ihn mit prügeln fort au« bem $ei(igtbume. 9fun 
ergrimmte Stratpa immer mehr; Wfon hielt fid) ruhig, 
ba« Bolf lebrenb unb ermabnenb, in frinem Alofter; 
ber gdnb fud)te Ihn auf jebe SBrife ju verieumben. 
Uber eine« Macht« erfebienen biefem jwei (Stifter, hinter 
ihnen iwet riefige (Sunucben , bie ihn furchtbar jerbldu« 
Itn. ©in b.eftige« girber mar bie golgr ; er fleht btn 
Briribigten um Teilung un ; vergeblich, fd)on am britten 
Sage ftarb er. Da« SBunber belehrt aud) ben 9teft ber 
Svortaner, bie etma nod> nld)t an 9cifon'« göttliche 
Wiffton geglaubt. 9?un folgen in ber £egenbe neue 
SBunbtr gelegentlich bt« Aircbmbaue«; Simonen werben 
auftrieben; SRifon verwanbrlt fautrn SBetn in rrinf« 
barrn ; ber Xempel baut fid) von fdbft. Dann fttllt ber 
Adlige ba« Bolf auf bie «Probe-, a(« fönne er nicht 
Idngtt bie «rbrittr bejablen, lägt er fid) von ben Wau« 
rrrn mit einer Äette um ben $al«, gleich dntm Sfla» 
«tn, burd) bie Stabt führen; bie Safebämonier (öfen it>n 
fofort au«, unb fo wirb ber lempel rafd) vollendet unb 
geweiht, ein $rad)tbau mit Warmorfäulcn, (Steifleinen, 
prächtigen ©emälben; babei neue Wirafel. Uber nod) 
aiibere fBunbertbaten wirft Sifon "). Sil« er rinft in 
ftintr Airtbe betet, bringen au« ber Ärgclühule eine 
Stenge 3ünglinge, unter ihnen ber Stator ©regorio«, 
in« Alofter ein, fpirlen bort mit ihren Augtin (boccia) 
unb vollführen rinen entfeclicben Wrm. Da 9tifon'« 
Drohungen vergeblich fmb, trifft halb bie grevler bie 
»rrbiente Strafe, ©regorio« will bie Augel fcblfubern; 
plößlid) fühlt er fdne $anb gelähmt; er lä0t fid) in bie 
äba uptfirebr bringen, beid>ttt, bem 2obe nahe, bem 
Bifcbofr feine Süuben unb erlangt Teilung, naebbttn 
er vor Wfon Abbitte getban. Seltnem beßanb jwifeben 
bdben innigt grrunbfcbaft; 9}ifon vtrfünbete btm ®rt« 
gorio« langt vorau« bit bdbtn für ba« 9toniderrcicb fo 
gefahrbrohenben 9tebe(lionen be« Sarba« <S(lero« unb 
be« Sarbaö $hofa« (988 — 989). Seiner Begegnung 
mit btm Strattgen bt« «Ptloponnefo«, SJafilio« «»ofau» 

67) a. a. C. f. 47 »eq. p. 866 wq 



fo«, ber ihn um 981 mi fid) nad) Äorintb. entbot, hohe 
idj berdt« früher gebad)t. Slpofaufo«, 8h»hnT eine« 
®dd>ltd)t«, ba« unttr btn ^aldologtn in Spjanj dnt 
hervorragenbe SRoIIt fpitlte, wirb hier al« ein vortreff> 
lid)tr SHann grfdjilbert; ehe er bie $a(binfr( verlief, 
betete er nod) am Sarge be« jüngftverftorbenen 9?ifon 
unb nahm von bem ^eiligen Celt, weldie« von bitfem 
trdufdte, mit jid); burd) Slnwenbung beffdben bdltt tr 
balb ftinen franfen Diener ©regorio«. SJon Aorintb 
fehrte »ifon heim nad) Sparta; bri »raijfld wieberhotte 
ftd) rin frühere« SÖunber, fnbem er mit feinem Stabe 
bem gdfen einen lebenbigen Ouell entlodle; rin ©löu* 
biger, 3oftmo«, baute bort nachher eine Äapelle, bie er 
btm ^eiligen wdhte. 3" ^afebdmon felbft * s ) ftie§ er 
bagegen auf neue äBiberwdrtigfritrn. 3oanne« Wala» 
feno« (wo! 9hnt be« fpdter in 3Reffenien unb $hofi« 
reid) begüterten <flrd)ontrngefd)(ed)t« ber SOtrlfffeni) — 
btrfdbe ^rotoiVatbar, ber 997 al« 39ui<?arenfreunb nad) 
Conftantinopel abgeführt warb* 9 ) — , ein Wann, „ber 
wegen feine« Übel« unb fdner 3Bri«beft nicht nur in 
Üafebämon, fonbern wo! auf ber ganzen ^albinfet unb 
in Äella« bie erfte Stelle einnahm," war, fo melt>ft 
bie ?egenbe, burd) bo«hafte »eioer bei SBafilio« IL an« 
gefd)wäqt worben. Dirfer fanbte }Wd Jurmardjen 
nad) ?afebdmon, mit bem Sefeble, ihn gefeffelt nad) 
ber $auptfrabt ju führen. 3« fdner 9?otp wanbte er 
fid) an 9iifon, ber ihm jufprad) unb ©ute« vtrfünbete. 
<2r folgt alfo ben faiferlia)en ©efanbtrn, roufie fid) aber 
in ßonftaniincpel fo gut von bem 93erbad)te geheimen 
Sinverfidnbniffe« mit ben Bulgaren ju reinigtn, bafi ber 
Aaiftr ihm einen ©brtnplafi unttr ben Stnatoren an* 
wir«. «U« balb barauf (rtwa 998) 9?ifon ftarb, wollte 
SNtliffeno« gern ein Bitb von ihm beft^m-, alle ©e» 
fdjreibungen, bie er bem Waler von bem $ri(igen madjte, 
waren ungenügenb, bi* berielbe bem ledern im Iraumt 
erfd)ien, unb fo ihn in Stanb feste, dn ähnliche« ©ile 
für ba« Alofter in {afebämon ju fertigen , ba«, von bem 
Adligen geweiht, biefem gewibmet unb nad) feinem 
warnen benannt war. Der fromme 9ifd)of Üheopempto« 
geleitete ihn jur treten Stubeftätte. Über fowie er fein 
«eben lang SJunber gewirft, fo wieberholten ftd) bie 
Wirafel, wie fdn Biograph erjäblt TO ) , aud) nad) feinem 
Xobe. Da lefen wir von ber $rilung be« »^ritfter« 
3oanne«, Söhnt« be« Sabbatio«, von ber rine« Befeffenen 
au« (Sli« uub eine« anbera au« l'lagia, einem Dorfe 
an ber ©renje von Aorinth, eine« gelähmten ffikibte 
au« Sparta u. f. ». (Sin au« Aalamata gebürtiger 
s ii(cnd) hat Schlangen im ?ribe unb wirb geheilt, foba$ 
bie Bevölferung biefer Seeftabt ihn ganj befonber« aud) 
nad) feinem Hobe verehrt unb alljährlich ju feinem ©rabe 
wallfahrtet, grüher war bie ©egenb imifcben Aalamata 
unb Üafebämon böchft unficher; ba« $anbvolf plünbrrte 
unb morbete; 92ifon hotte Die Stäubet vergeblich jur 
Butjt ermahnt; fie fieOten ihm nad); aber pldhlid) wur* 
ben fte mit £ab unb ®ut von bem ©äffet verfd)lungtn; 

68) a. o. O. f. 51 »eq. p. 869 ~q. 69) CW. 
Vol. IX p. 451. 70) «. a. D. j. 57 «q. p- 878 ^. 

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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



138 



— (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



ihre «etfer verwanbeltrn fid) in fincn tiefen Sumpf, 
au* bem nur von Der alten Airdje be* (Jrjengel* tWuijacl 
bie Spi(jc inmitten hervorragt. 8ud) für (ein Alofter 
blieb btr «Ipciliqe felbft na* feinem Ableben tbättg. Der 
Vbt beffelben, Oreaorio* au* !$aphlagonien, war nad) 
Gonfiantinopel gereift, um von bem Jraifer (lieber ©afi« 
Iio0 II.) ein neue* 6l)r»fobuU mit 33cftätigung ber ibm 
verliehenen ®üter ju erroirfrn. SBäbrenti er bort roeilte, 
erfdjien in liafebämon ein faifer lieber Aammerberr, ber 
brrritd ben SRefi be* fJJeloponnefo* unb Jjella* burdj» 
ftrrift, um Steuern i.u erbeben unb begann habgierig 
„wie »elfte Sirt Vcntf finb" nsftt nur bie Stabt, fonbern 
audj ba* Alofter be* heiligen Sifon auf iebe Seife ju 
platten Die SOföndjc befapen fein ®olb, tro&bem 
forberte er e* von ibnen, ferfrrte fte ein unb badjte fogar 
baran, ba* Jtlofler ju plünbern. Wan betet in ber 
3jer|rn*angft jum Scbu&briligen , ber bem frevler al*' 
ba(b im Draume erfd)eint unb ihn fo prügelt, bajj er 
niftt nur bie ®efangeneu frei [ist, fonbern fogar bem 
Sarge be* ^eiligen 72 ®o(bftütfr, bie er von ben 93ür» 
gern erpreßt, al* SBeibgefcbenf barbringt. Der SBorfirber 
be* Alofter* fdjicft bie* ®elb an feinen Slbt nad) ßon« 
ftantinopel, um bafür AirdVngefäfje iu taufen; jugleid) 
frrömten anberwritig bemfelben reidje ©efdjenfe m , tobaf» 
ber ®lanj ber Säulen, ber bunte SWarmor, bie präd)» 
tigen ©emälbe, bie "Borballe, bie Stufen ha* Staunen 
Silier erregten. 2)alb aber erftanb bem Alofter ein 
fd?limmerer geinb in ber Herfen be« „gottlofen Vlntio» 
d)04, ber al* Dux bem ^etbenlante ( Kthnicoram re~ 
gioni) vorftanb" '*). 3« (einer grrd)beit wagte er fogar, 
ben legten ißitlen 9iifon'* ju verleben, inbem er Abfier» 
grunbftüde, bie an ba* apeibenlanb greinten, in 33efi$ 
nabm unb tre& "Her Sieclamationeu ber IVondK behielt. 
Da erfd)ien bem blutigen SiSütberid) ber ^eilige unb 
verfemte ibm mit feinem Stabe einen töbtliaVn Streidj 
in bie Seite, Antiodw*, ber it>n mit eigenen Slugen 
fab, befahl feinen Dienern, it>n ju greifen-, tod> ihnen 
blieb Wfon unfidjlbar. 9iod) hatte er fo viel Araft, um 
fein SRob ju beftrigen; er mad)te fid> auf nad) üafebä' 
mon, ftürjte aber 30 Stabien vor ber Stabt tobt ju 
33oben; feine t'eidje tvarb tmft Sparta gebracht, aber 
bimmliftbc* geuer vernichtete fte fammt beut Sarge. 
Keffer erging e* bem 9).idjael ßbörofphafte*, einem vor» 
nehmen unb reichen tatt bämonier , ber fonft wegen feiner 
Sdjönbeit, Sanftmuib, Alugbcit unb 33erebfamfeit aO< 
gemein beliebt war. (fr beanfprudjie von bem Jllofier 
ein («runbftüd; ba er et» nidjt in ^rieben erbielt, »er» 
fammelte er um ftd> eine tKotte döfewiebicr, nahm ge« 
n ba* G>runbftüif an ficb unb mi*banbelte ben 
~*pt Iw* Älofter*, ben greifen 3 l "tmo4', mit Sa)ld> 
•nn ging et* gegen bie 41der*leute unb Iiener, 
leunigft« 81ua>t B>r ^eil fudtten; ÄUe* warb 
Sd>af' unb 3>ci)enftalle verbrannt, alle* 
„um be* Alofter* ben „SWvfetn" jur !8eute gt» 
n ' Aber aueb ihm erfdjetnt in ber folgenben ^.ad)t 

« G6. P . *76. 72) «. t. O. |. 67. p. 877. 




9.ifon mit broljenber ®eberbe; er verfdUt in ein gieber, 
wirb gelähmt, unb enblid) befebrt. — Slueb einige ho*' 
hafte Reiben vom Stamme ber Hielingi 74 ) (ex ethni- 
coram gente, quos indigenae Milingou pro Mys- 
midonibue 7& ) vocant), blutgierige unb unter IKduberei 
aufgervadrfene ^cnfdjen, hotten befeblofien, ba* Hieb 
be* Jtlofter* von feinen SBeibepIdften fortjutreiben. Der 
ilnfrhlag gelang; mit ben geraubten Sdjafcn unb 3<egen 
madjten fte |ift auf ben 'ÜKütfrveg ; aber roieber eriditen 
ber <£>eflige mit jivei roilben Aunben, bie er auf bie 
9tduber beptr ; jugleid) mürben jte von ihm mit Sdjlägen 
traetirt. lümadjt, iahen fte, ba* 8lle* ©irflldjfeit , unb 
gaben ben diaub jurüd. (iin anbermal 7fl ) beeren anbrre 
Gelingt, 9.ad)barn eine* Aloftngüt<hen*, „ ber Diduberei 
unb bem Worbe nad) Sarbarenroeife ergeben," Warbt* 
in ein Bauernhaus ein unb entführen ein iVärften, 
um e* <u verfaufen; ber aprilige bewirft ihre 9ieftiturion. 
9)o<h folgen eine Wenge anberer 5t? im per, bie aber meifi 
ohne gefchidjtlidje* 3ntereffe iinb ")■ Sin 9?ooi|e >iu< 
fa*, ber im Jllofier be* heiligen 9?ifolao« — unweit be« 
flfitMi bei ©labt — lebt, ein J mc* hau er be* AloiteT* 
rofopto*, ein Solbat, s l'fidiae. irlrgvromite* au* So» 
rinth, in Safebdmon ftationirt, unb viele Stnbere werben 
geheilt; ein grevlrr Scanne*, berühmt al* Ibierar^t unb 
i^ferbebdnbiger, weil er ein arme* SBeib beraubt, beftraft. 
Der heilige blieb üafebdmon* Sa>u6geift in Jtranfheit 
unb @efahr; er warb befonber* von ben SDtatrofen au* 
bem ^eloponnefo* verehrt, bie auf ben faifer(ia>en ®a> 
leeren bfenten; oft geigte er fift fd)ü(enb auf ihren 
Sdjiffen 7C ). Aber auch gremben half er gern; al* jwei 
Lateiner, 93rüber au* Sfquileja, in £anbe(*gefd)äften 
nad) üafebdmon famen unb ber eine berfrlbeu, Hiiali*, 
bort fd)on erfranft war, rettete ihn ba* @ebel ju bem 
dpriligen. Sein 23ilb jeigte man auf einem Stein, auf 
bem e* fid» abgeprägt hatte, al* er rinfi bort m @ott 
um Jpilfe flehte; ba* war bamal*, al* ba* gan^e Vanb 
ber i'afebämonier burd) ein (Srb beben faft völlig jerftört 
warb 7 *) — wol 9G8. 

Audi tiefe geaenbe ift, wie biefer fune Siufiua he» 
weift, von hoh^m hiftorifd)en Sßerthe. fflieber tritt h'«, 
wie in ber be* heiligen fiufa*, Slthen hervor, ba* alfo 
unmöglid) veröbet fein fonnte; baneben wirb eine 9lnjab( 
anberer hellenifcfccr Starte erwähnt; aber Üafebdmon, 
ba* lange verfrhollen, tritt in ben SSorbergrunb. -nter 
fitjt nod) eine theilweffe reiche , gebilbete 93roölferung, 
unter ber aber, wie im gangen t'anre, @ewaltthaten 
nid)t eben etwa* Unerhörte* finb. Wamentlicb muffen 
bie 3uben, bie bort, wie in ben anbem Stäbten be* 
'Ileloponnefo*, jum Ibeil größere (Memeinben hatten, 
viel von bem Uebermuth ber 0"hnt'trn wie von ihrem 
ganati*mu* bulben. drpreffungen faiferlid)« Seamten 
iinb aud) hier in bem entlegenftrn ffiinfel Wrieftfn- 
lanb* alltdgltd); baneben bie räuberijd)en, wilben ®renj* 

74) a. a. C. }• 69- p. 879- 75) 5<r Arrfaffn tnili rj. 
bti »öl an tit MMribtM ; t»d| ftne »irfr Hytmidonu (ftvtif 
itfntifd) mit Im ibtn gtnanntra Stjfttn. 76) a. a. C f. 78. 
p. 883. 77) a. a C. } 70. p. 679 .e<j. 78) a. a. C. 
f. 80. p. 880. 79) a. a. O. f. 73. p. 881. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 139 



— (I. PERIODE VON 395—1204) 



nopain, Kit flawffcben 2Rctingi, bie, obgleich unter 
rinein vom Jfaifer ernannten Dur — wie jener Stntic- 
cbo* — ftefjenb, bod) neben ihrem #eiKntbum noch rine 
Slrt Selbflänbigfeit Kwahren, gern auf dgene jS.m: 
9taub)üge gegen bie beerben Kr £afebämonier unter* 
nehmen , frieblicbe 2Banberrr auäptünbern — bie ©anben 
bei Halamata waren wol Siammc$gettcftcn — , ober 
auch alö Siravi btn übcrmüibigen $(dnen dnbeimifcbcr 
Ülrcbonten ©orfcbub lef ftrn. Im;: ba6 Grbbcbeit, ba« 
gonj ttafonien heimfucbt — unb wir haben ein ebenfo 
traurige«, wie »obre« S3ilb Kr fodalen unb inntrn 3"' 
ftänbe K« ^eloponnefo« im 10. unb 11. 3abrbunbert 
vor un«. Sröfilicber if» bit Erwähnung ilalienifdjrt 
$anKleIeute in Mebärnon; wir [eben, bafi bie Stabt, 
bie »ol nad) Km erbbeben ficb jiemlid) rafcb erholt, 
dn günftiger .£>anKl«pia& war; Kr ©urota«, bei bem 
ein Jpafen genannt wirb, wrftltd) von bn Stabt, »et« 
mittelt ben SSerfebr mit bem 9J?ccre. 3ßabrfdir inticf? 

fieberten oiefe .Äaufleute auf Äquileia tu jenen venetiant« 
a>cn £anbri«leuten , bie bamal« fcbarenweife im SRcttbe 
«Kitten unb mit ber 3dt, wie mit halb feben werben, bort 
förmliche (Kolonien organifirten unb feften 93efiB erlangten. 

«Kit ber Siegender m Saftlie« 11. in «Iben 1018 
fd)lo|Ten »ir ba« erfte (Sapitel; dn neuer fcblagenber 
Sewei« für bie gorteriftenj tiefet Stabt, Kren berübm' 
ire, vom Äaifer reich Kfcbenfte« $ciligtbum, pie Jrirche 
ber Sßanagia, einf» »-Uartbenon, autb, von fpdlern «Reifen- 
ben noch oielfad) erwähnt »irb. Der Liber Guido- 
nis ") prrifi «tbrn al* ehemalige «Mutter ber ^bilofo» 
bbie unb Serebfainfrit; am meinen aber bewunbert er 
ba« göttliche, nie veriöfcbenK Vid*t in bem fofibaren, 
aud wunberbarem fflefiein erbauten lempel Ki 3ungfrau 
unb @otte«muttcr SKaria, Kr, einft ütyropptdon genannt, 
vom .Röntge Jafon gegrünbet fei (divinum lumen et 
inexstinguibile in templo quod propilia olim a iasone 
rege dei genetricis semperque virginis maria condi< 
tum miro sumptu miroque lapide est, ut cernitur). 
«ud) ber 3«tdnber Sdwulf 1 "), ber 1102-1103 nad) 
3erufalem pilgert, nennt neben $aträ, ber 6labt be« 
Zeitigen «nbrea«, (*uböa unb anbem 3nfdn Kn #afen 
von .ftofta (portus Hostae, jrfct ftvabofio), von »o 
au« bie Pilger, theiltf w gufi, tbrilfl ju ßfeln, in |wei 
Sagen nach Ibebä gebogen, „bad im SSoIfömunK (Sti* 
va« genannt »irb," unb bann Vtben, gleicbfatl« jwei 
2agereifen von Km Forintbifcben @olfe entfernt , berübmt 
bureb ben Slpoftd ^aulu6, ber bort prrbigtr, unb bureb ben 
bdiigen Qionefiud, ber bort geboren, unterdebtet unb 
bernacb von $au(u4 belehrt warb. Die d>rifi(ia)en 
^eroen ftnb an bie Stelle Kr bdbnifcfcen Aatbgattet ge- 
treten, bie nun in »unberlidjen Sagen fortleben, »ie 
oben, »o 3afr>n ald ®rünKr Kr $roptildcn genannt 
ift. «ud> Sdwulf oergipt nidjt, ba» SBunber von ber 
ewigen 8ampe in bn Wadenfirdje ju »ieberboten (ibi 

80) Back, Lettre > Mr. L. Belhmino mr un ms. de U 
blbliotbeqae de Boargogne intttale Llber Gaidonii. Uruellea 
1860. 8. p- 186. 81) Saewu^ IttnemrioiD llierwotymit». 
»um im RecnetI de rojage« et memoire» publie» per U «ociet« 
de geographie. Tom. IV. Pari. 1839. 4. p. 884. 



est ecclesia B. Virginia Manne, in qua est oleum 
in lampade Semper ardemi, sed nunquam deficiens); 
bie alten UbMofopben unb Stebncr, brren Quibo gebenft, 
finb für ibn tobt. Stua) über bie politifeben 3uftänbe 
Kr Stabt fd)«rdgt er; erft gegen Unbe bee 3ab,rbunberW, 
alt bie grempberrfd)aft dtigen Sdiritte0 fierannafyt, ftn< 
ben ficb barübrr wieber au4fübdidie, freitid) fldg(id)e 93e< 
da>le, dn Sdtenftüd >u bem, wa« bie Segenbe vom 
Küigen Äifon über bie SBctwaltung K« ?ßetoponnefo« 
beridjtct ober burdjbliden (d^t. 

3>oa> jurütf jur duneren ®efd)icb.te be« tpjanrini« 
feben »eitbe«. 

3) »oriortneiifdlie in ®titd|«n(an» «nk 9t imintl < 
fa&rtf« MI jum Zott fflpfceit «aiecark'e, 1018 
-1086. 

Serfolgen wir iiindcbf) bie legten SarbarrneinfdUe, 
foweit fte wdbrenb be0 11. 3abrbunbert0 bad eigentlicbr 
®ded)enlanb ober bod) bie )undd)ft liegenben Sanbfcbaf« 
ten berührten. Ma* bem gälte K6 93ulgarenrrid)ee er> 
holten ficb bie gried)ifcben $rovin}en rafd) genug von 
ben SBerb/erungen , bie fte betroffen. Unter 9lomano6 III. 
(1028— 10H) fteOten 1031 •*) £eua« unb Siafebonien 
nid)t unbebeutenbe Streitfrdfte wm Äampfe gegen bie 
Sarajenen Siriliena; al« jur 3eit aRitbael'« IV. (1034 
— 1041) 1037 ■*) eine fd)were ^>ungCT«netb bie nörb* 
lieben $rovin«en bi« Iheffalien bdmfudjte, halfen ^eüae 
unb ber $doponnefo« mit 100,000 Scheffeln (Betreibe 
an«. S^rdKuterjüge ber Sarajenen, welche bie Ävftaben 
unb bie 3nfe(n Kt» ionifd)en SReered bebrohten, wurKn 
meifi mit (Erfolg abgefchlagcn. ®eorgioc> Xheoborofanod 
unb Seriboe*, bie »efebldbaber von (lhio6 unb Samoe, 
laperten 1027 •*) jwelf Kr faraienifcbrn Schiffe, welche 
gegen bie JfvfTaKn gejogen, unb irrfrreuten ben 9teft. 
(Erneuerte Sinfdlte fteitianifcher Sarajenen, bie 1032") 
3Uprien unb Äerfpra verheerten, würben von bem *#a« 
tddue 9lifephoro0, K* Äaranteno« Sohn, Strategen 
von Sauplion ••) mit £ilfe ber «Äagufaner abgewehrt. 
SBieberholte ^tünberungejüge gegen bie Ä^flaben »0 im 
3al>re 1035 enbeten gleichfatl« mit bem Untergange 
KrSarairnrn, bie gepfählt, gehangen ober al« Sftaven 
nad) Gvnfianrinopd fortgefd)leppt würben; bie norbifeben 
Sölbner thaten ftd) babei betonbere> hervor. Die Uiebelr 
lion bed Strategen Xheophito« drotifoe in Jlvpreä, 
ber neb 1043 unabhängig ;u madien verfuebte, warb 
gleichfalld von Kr faifedichen ßlorte cb.nc SERübe unter- 
brütft "). Dagegen litt Sbronen um biefelbe 3eit 
»ieberb,olt bureb bie Einfalle ber ^elfchenegen, bie 1026 
in Ütlt'Sulgarien dnbrangen, aber balb genug über bie 
Donau jurudge»orfen würben; pie ©efangenen, bie fie 
gemacht, lifte »omano« HX K>28 mit (Selb au«. Crf. 



82) Cedrtnu$ Vol. II. p. 497. 83) dbrntu p. 616. 
84) Clbnipo p. 484; Zonarn, XVII, 10. Vol. II. p. 229. 85) 
Cedrauu Vol. IL p. 499; ZoHanu XVII, 12. Vol. IL p. 282. 
86) 3d) rafttbte tiM tbu an 9t4nvaflc« bmlea, al« aa tat bru< 
liftc TOauuliDlt. 87) Cedrenu Vol. II. p. 612 u. 614; Zona- 
rtu XVII, 14. Vol. U. p.238. 88) Odrtma Vol. II. p, 549; 
O/yc« p. 594; Zmerei XVII, 22- Vol. IL p. 260. 



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GRIECHISCH K GESCHICHTE — 



140 



— (I. PERIODE VON 395—1204) 



1035, wdbrcnb bie Sarajcncn bie JTvFlabcn bcbroben, 
erneuern fte ibxt <£infdlle; fie bringen übrr bie jugefro« 
rene Donau in Ibrafien unb SWafebonien ein, wieber 
holen im folgenben grübjabre (103G) brrtmal ihre Ser» 
beerungen, graufam 'Hütt mortent, wafl ihnen in brn 
SBrg fam. Daju tine neue (frbebung ber Bulgaren im 
vorie&tcn 9legierung«jahre 9Rid)ael'« IV. »»). »Beter 
Delean, b<r fid) für einen (Snfel Samuel'* att«gab, 
warb in Kaiffofl unb Sfopia als Jtönia begrüftt; ein 
f>aufe feine* Seif« fcfcarte fid) um ben abrateurer; alle 
Griechen, bie man fanb, würben niebergemad)t. Den 
Sufflanb ju unterwürfen, jog Safilio« Svnabeno«, 6tra« 
leg von Dvrrbadjion, gegen ihn; als er aber bi« Dibra 
gefommen, warb er auf 'Befehl be« mt«trauifd)en Äaiferfl 
abgefegt; brn Oberbefehl übernahm Sföldjael Dermofai« 
trS, brr ihn verlrumbet. De* lejirrn Bebrüdungen unb 
ßrpreffungen riefen ba(b im ganzen äBcften ben ©eifr 
ber ßmpörung read); man erhob bort ben lidwmir, bei 
aber balb vor Delean fiel. Dfefer jog nunmehr fätnmt« 
liebe bulgarifrbc Streitkräfte an fid) unb rüdle vor Ibeffa» 
lonid), wo SRid)ael lagerte, geige eilte tiefer mit feiner 
Jeibgarbe in bie Jpauplftabt ; alle* ©epdtf, feine Schäle 
unb foflbarrn OJrwänber, bie er bort unter Obhut be* 
Wanuel 3ba^e6 (wol eine* Sobnc* reo Bulgarenhdupt' 
ling* 3baje« au« Samuel'« 3^i fn ) jurürfgelaffen, 
rourben von tiefem bem geinbc, rem er felbfi ftd) an« 
fcfctop, überliefert. Wimmeln tbcilte Delean fein £eer in 
jwei Raufen, von benen ber eine unter Äaufanofl Dpr« 
rbathion nahm, ber antere unter ÜtntbimeS gegen ipellaS 
vorbrang. Sei Hieben trat ihnen SWafaffeu« entgegen, 
mußte febod) mit großem Serluftc ba« gelb räumrn. 
Salt bulbfgte aud) ba« ganje Zbema Wifopoli« bis auf 
9taupafto« freiwillig ben Bulgaren. Die Grrpreffungcn 
brS 3oQeinneb,mer« Joannes ÄußomvtrS, ber bie 9iatural- 
lirferungrn ber bort anfäfftgrn Bulgaren in Gtelbjablungen 
venvanbelt, hatten ba« ganic üanb gegen ba« bpjanttnndic 
Regiment aufgebracht. Der Srtrürfcr roarb in Stüde 
jerbaucn; freubig fdjlop ftd} baS Solf ben Stammge- 
noffen, bie gleich ibm na* greibeit bürdeten, an. 
gortivdbrrnb mehrte ftd) bie jabl ber Ueberldufer ; fo be» 
gab fid) ber 'Harrinu* Älufian, au« bem Stamme Scbiftb' 
man'«, febwer gefrduft vom £ofe, nadj Oftrevo in« 
ilager Delean'«. Gr roarb »um Wirregenten ernannt 
unb führte balb ein Bulgarenbrer von 40,ou> *v; 
gegen Sheffalonieb. ®irber einmal roarb ber beilige 
Demetrio* ter Wetter; beim Sturm lief) flluftan über 
15,000 lobte unb fafi ebenfo viel Gefangene; mit bem 
:Wt entfam er ju Delean. Salb aber entzweiten ftd? 
beibe; bei einem TOable ließ «lutlan 1041 feinen ©e* 
noffen blenben unb flüchtete bann nad) Weiviiopoli« )um 
Äaifer üSicbacl, ber ihn .tum Magwter militime er» 
nannte, hierauf brang leererer von Ibeffalonid) au« in* 
Sulgarculanb ein, bei:: äcl i^jy^f«blinben Delean, 
jerfiorte bie von 3hi^M^ttM^s.sJtal^££_ Boll* 
roerfe bei Ulrilc 



Vol II 



be« (entern ben ganzen Jhteg. ©icberum bultigte 9ul' 
garien brn ©pjantinern ; ein fpäterer fBerfurb (1075), 
mit ferbiidjcm ©eiftanbe bie Selbftdnbtgfeit tpieberjuer' 
langen, enbete nicht minber unglüdlid). 

Dagegen traten bie $etfd>enegen unb anbere ver> 
wanbte türfil'die Stdntme nod) öfter« brobenb bervor. 
3m 3abre 1048»°), al« Äaifer Äonftanlino« IX. WU* 
nomadjo« (1042—1055) regierte, unb eben brr Slufftanb 
be« 8eon lornife« blutig gebdmpft tvar, fielen jablrrtcbt 
Sd)rodrme berfelben in« iKeidi ein. ©abrenb einjelne 
Häuptlinge ftd) letebt befd)tvid)ligen liefen, ober einmal 
befugt, felbfi ba« Sbriftentbum annahmen, festen anbere, 
bie (roifeben Donau unb Hämo« gelagert, aud) 1049 
ihre Seutejüge fort. Aonftantino« flrtanite«, 9efebl«< 
baber be« ©efien«, rool ein Sobn be« früher genannten 
Davib, warb von ihnen bei Dampoli« beftrgt; bei Dia» 
fene roarb bie )u d^ilfe eilenbe «rmee be« Orient« — 
unter bereu gührern aud) ein granfe Qtni genannt 
toirb — in bie glud)t gefdjlagen. Seite d^eere vereinten 
fid) nun bei ftbrianoprt; allein burdj bie llnvorfldjiigfeit 
eine« Unterbefebl«baber« Samuel Bürge« erlitten am 
8. 3unt 1050 bie faiferlicben Iruppen eine neue Sie» 
berlage; IRrtanitr« frlbft fiel, gortbauernb häuften bie 
Sarbaren, plünbernb unb morbenb, bi« nach Abrianoprl 
bin*, entlieh gelaug e« bem IVicbael rlfolutbo« unb Wife« 
pboro« Smennio«, burd) brrifacben Sieg bei GJcloe, 
Üopli^on unb Sbariupoli« (luöl) fte }u beugen unb ben 
Verheerungen n>enigften« auf einige 3abre Sdtranfen )u 
fegen. Dod) trifft ba« Seid) f<hon 1068 neue« ?eib; 
erfl im folgerben 3ahre ivirb rin Sffiaffenfttllftanb auf 
30 3abre abgefdiloffen. Da« binbrne fte jrbod) nid)t, 
aud) fpdterhin mit einirlnrn v^itncMi juten Sulgahrn, 
Ibrafien unb Wafebonien (1073 unb 1088) beinijutud>en. 
3Bar bei tiefen Wauhuigen ba« eigentliche Gntcrbenlaut 
verfdiont geblieben, fo roarb bod) nod) im Üaufe be« 11. 
3abrb. dj>rlla« von anbern Sarbarenftdmmen verbeert. 
01« Äonfiantinc« IX. Dufa« (1059—1067) über bie 
»Römer berrfdjtc, erfebirnen 10ti5 Stammvenvantte ter 
'iletfdjenegen , tie türfifa>rn Ujen (Cgbufen), bie in Wu#- 
lanb unter bem Samen ber "]3olorojcr lange gefurchtet 
UMren, von ben Wuffen gebrdngt, an ber Donau"'). 
DaS ganje Soll, angeblich 00,000 ftreitbare aRdnner, 
roar mit djSab unb ©ut aufgebrochen, um auf bem So- 
ben be« Äaiferreicb« neue SBobnftfe ju ftnben. SU 
festen in jahllofen .Qähnen über bie Donau, warfen bie 
fort tum Sd)u$e aufgehellten ©riechen unb Bulgaren, 
nahmen beren gübr'r gefangen unb ühcrfchrormmtm bie 
gante Donauebene. Gine ^Ibtheilung burchjog verbeerenb 
Ibrffalonid) unb brach fogar in dprlla* ein, Alle« plün< 
bernb; allein auf bem Würfmarfcfce überfiel fte ein furcht' 
barr* llnmcttrr, fobap fir nicht nur bie gemachte Seutc, 
fonbrrn fogar ihr eigene* GJcpdrf jurüdlirfien. Die 
Wehrjabl birlt ftdi lenfett« be« d>dmofl, Sulgarien, 

90) CrirwM VoL IX p. S61 Ha.; Zomanu XVTJ, 26. 
Vol. II. p. 257 Mq. 91) Joanutt Scytiüt* Curvpolate* (od. 
Dona, (fültrr bm CMwm Vol. II.) p. t',.M ••q.; Zottarm 
i VIII. 9. VoLlI. p, »73 — 274 (ÜO.OUU; iti etvli»«. 600.000 
• !). 



GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



141 



— (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



Ibrafien, Wafebonien auifaugenb. 93ergebtidj fucfcu- Per 
Aaifer mit ben gewöhnlichen bpjantinifeben Staffen, mit 
(Soll, »u }um Abjuge >r. bewegen. 5)a fie alle Aner* 
bie Hingen ali ungemigenb jurürfroiefon, war er enMicb 

!|tnötbigt, um nid)t für feige unb filjig ju gelten, gegen 
k aui jurüden. Wil nur 150 Wann (Farben — ld 1 1 r • 
lieb genug — brach er von donftantinopel auf, rcar 
abri faum eine Weile marfd>irt, alt» ihm in Gboirobaf« 
et et bie SÄelDung jufam, brr geinb fei bem junger 
unb Seuchen, wie bem Schwerte ber Sulgarrn unb 
Hetfcbencgen erlegen. Sie fpdrlicben Ueberrefte unter« 
warfen ftd) bem Äaifer, ber ihn eu Staatilänbereien in 
Wafebonien anwiei, tni SBolf unter feine Sölbner auf* 
nahm unb iijre ©rofjen mit Xttrln unb SBürben bebadste. 
3n$ellai — nie weit fte Dorthin voraebrungen, (efen wir 
nirgenbwo — blieben feine SRefte biefer Sarbaren jurüd. 
Unb abgefeben von einzelnen fpdteren drpebitionen ber 
!J}etfcbenegeii ( enbet mit biefer &tit bie traurige üljeriobe 
ber ©arbareneinfdlle. 

ffiicber werben bie wilben Horben Afieni von SBöl» 
fern germanifeber Abfunft abgeloft. 9tod> bevor mit 
Slrrtod L bie frdftig große Ivnaftie ber Äomnenrn ben 
Ihrem befteigt, erfebeinen neue geinbe an ber SBeftfüfte 
bei zerrütteten Keicbci. Nachhaltiger unb für bie SReu» 
geftaltung bei eigentlichen ©riecbenlanbs unenblid) mich« 
llgrr, ali alle frühem Einfälle flawifebrr unb türfiieber 
Rotten, tft ber erjte Angriff ber Normannen •*) Apulieni 
gegen ©pjanj, bai IBorfpiel ber Jlremjüge, bie 33or* 
Bereitung brr $ranfenberrfcbafl in ©riecbenlanb. 

Die 6rfd)öpfung ber Ottrömer hatte ben triftigen, 
abenteuerluftigen Söhnen bei 9?orbeni es möglich ge< 
macht, von ihrer frattjeiifeben (Solonie au« ftch Unter« 
Italien? ju bemächtigen ; wäbrenb in Sojanj eine ^alaft« 
rrvolution bie anbere brängte, faß auf bem {Krtogitbrcn 
Apulieni ber ebenfo eiiergifcbc, wie verfcblagene IKohert 
(Buiicarb, lancrrb'i von .jpauicville 6of)n. las iReitb von 
©viann, obgleich bureb bie Sulgarenberrfcbatt im heften 
3abre lang von bem übrigen (suropa abgefebnitten unb 
bem ganjen Occibrnt faft fo fremb geworben, wie ein 
aupereuropdifebei Sanb — unb fvater wieber; jenfcili 
"i'attä fpriiht man heute noch von (Suropa wie von einem 
fremben ffieltlbeil! — war wenigfteni für bie Norman« 
neu fein« terra incognita. SJilheten bod) ihre Stammet» 
genojfen, bie SBarangen ober Muffen, wie man fte auch 
piep, ben Amt ber faiferlicben Sölbner unb brachten, 
tjrimgefebrt in ibr norbifefaei »-Baterlanr-, ju ihren Kanbi' 
Ieuten bie locfenbe JtunDe von ben unerfdjöpflicben 
Schäden ber Aaiferfiabt unb ber unfäglicbcn Feigheit ber 
in ®olb unb Seibe ftroßenben Swtantiner. ©uiftarb 



08) ^annttrerf ibtx ^i^ «rfdii*« ibm Stirtrilat'una iit <»<»»• 
i» Blatü», La Ituarrexion« l'uglirt« e t» conquint» Normann* 
nal imoIo XL Napoli 1864. 8. 2 »oll.; »icfv« ttcffiidx 
kl Me frälera ttibritoi eon Off^iiiii, (Maultier e'iHtc u. (. ». 
" grniiidil. Urbrr t«n 3ufl tonn man .lud) 

rk, tlebcr bir 8<^i»'l* Äi'l'frl Wui«(jtr'< g^m t-at 
fcj* y. t c.n«lltB tjrnf(t.lll i\ul>a lK. r >t 4. 

-«• de Biatiif, auf ten ii> iu4 tit 



felbft aber t>arte ftet), gleid) feinen waefern SBrübern, 
wieberbolt in Italien mit ben Aaiferiirbrn grmeffen; auf 
ben Zrümmern bei bujantinifeben jtatapanatd, wie auf 
benen ber beilegten (angobarbifebrn gebncjfiaaten hatte 
ficb bat} neue ^erwgtbum erhoben. lay Xobrrt'0 
93Ifcf lüftern nach bem reichen, unvertbeibigten Cften 
binüberfebweifte, barf und ntebt wiinbcm; von Srunbu« 
fium btö na. Ii ber epirotifeben Jtüfte war ja nur ein 
Sprung, unb bie ewigen Ihronftrettig feiten in Sojan) 
febienen einem fübn verfebreitenben (Eroberer ben aui> 
gebehnteften Spielraum ju gönnen. Vange frteMidie Her* 
banblungen gingen vorauf, ju Jcaifer Widiarl VII. 
4 45arapinafee} (1071 — 1078), unter beffen febwaeber 9ie« 
aieruna ber Weft ber grieebifeben f>errfcbaft auf ilalirni* 
febem Soben in ^tormannenbanb fiel , war Stöbert gleid) 
bei beffen 2.bronbe|)eigung in frrunbfebaftlicbe 'SBeztebuu« 
gen getreten; ber präfumtive (hbe bei 9ieid)ee, Um-. 
ftantiitoi, war mit Helena, ÜKobert'i Jochtor, verlobt, 
bie Sraut felbfi nach Gonftantinopel gefanbt worbrn. 
Sa erhob fid) gegen Den .Raffer im Cetobrr 1077 9iife' 
pborofl Srvennioi, Statthalter von Dpnbacbion ; er warb 
fcblieglicb gefangen unb geblenbet; aber halb folgte eine 
neue Rebellion tn 9iifda, in Solge beren 9)ifepboroi 
Soloniate* am 25. Wän 1078 in donftantinopel ein' 
jog, ftd) am 3. flpril jum Äaifer frönen lieg unt feinen 
Vorgänger ind jtlofter febidte. ^rin; Aonfianlinoi 
(heilte, entmannt, fein (ooi; Helena unb eine anbere 
Zocbter Sioberfi, vielleicht Wubiiia, bie fpdter ben @ui(< 
laume be (^rantmeinfl beiratbrte, würben a(6 (befangene 
gehalten. Sold) ein @ewallftrrid) machte bie ^Idne bti 
fübnen Normannen reifen ; wahre nb Dai verlaffene Jtieiu 
afien 93eute ber felbfd)ttfifd)en Xürfen warb, rüftrte *Ro> 
bert tum 9iad)efriege gegen Svjanj. (Sin grieebifeber 
Abenteurer, Wönd) ober Sd)enfe, ber ftd) für ben rat« 
thronten Wid)ael ausgab unb mit allen möglichen geiei« 
(id)feiten in Salerno fetirt warb, würbe vorgrfdjoben. 
^apft tSregor VII. felbft, ber von Stöbert*« (iinfdudien 
bie llnterbrücfung bei grieebifeben Sdjiima'i unb fernere 
Erweiterung ber päpftlicben SlUgewalt honte, forbertr bie 
ffiölfer Slpulicni unb Salabrieni jum heiligen Kriege, 
mm Jtreutjuge gegen 9v)an) auf, unb erbot ftd) felbfi 
jur Stellung von Äilfitruppen. 3m 3abr« 108O ging 
9taoul „»llelle bi fupo" ali 9tolert'i ©efanbter nacb 
denftantinopel; SBieberetnfe^ung Wid)ael'i ober £rirg, 
war bie (ofuna. Zugleich follte ein i'erüuh gemacht 
werben, ben ®eneralbefcblihaber Vllenoö jTomnenri, 
jüngeren Sohn bei frühem itaiferi 3faaf, iui norman- 
nifdje 3ntereffe ju jiehen. 9tifephoroi fertigte ben ®e« 
fanbten einfach ab, inbem er ihm ben echten Wehdel 
jeigte; SHerioi bagegen rebeQirte allerbingi, allein nur, 
um felbft ben väterlichen 'ihren )u gewinnen, .jpanno, 
ein teil t| eher Anführer ber SSarangen, verrietb ihm bie 
^»auptftabt; ?iifcphcroi warb ini Alofter verbannt; er 
felbfi am 1. April 1081 nun Jtaifer ausgerufen. Unter' 
beffen hatte ©uiiearb feine Lüftungen voUenbet. Auf 
150 Sd)iffen joaen 30,000 Wann — barunttr eine 3ahl 
normannifeber Btitter, felbfi neue ^ttuigler aui ber 
dpeimatb — im Wai 1081 gegen ®ried)en(anb; mit 



GRIECHISCHE GESCHICHTE — 142 — (L PERIODE VON 395 — 1204) 



bem d3erjoge feine ©ottin Sigelgaita unb ber «Bfeubo« 
Äoifer. ©an Otranto foUtc e« juglefcb gegen Stifopoli« 
nnb Staupafto« gckn ; aber wibtige fflinbf hielten btn 
$aupltljeil ber glotte auf, fobaf Stöbert (einen Jtriea»' 
plan änbertr unb ftch entfcblofi, Dprrbacbton anjugrrifen. 
SBar birfe Stabt auch, von Statur unb burd) Jtunft ju 
einer djjauptfeftung be* Steide« rote gefdjafftn, fo lag fic 
botb von ber ^auptftabt ebenfo fern, rofe bem Stor» 
mannertreiaje nabe; ber SBeg von Srunbufium führte 
birect babtn. Jutem hatten bie frühem Jtaifrr bie Stabt 
fajt unbeachtet gclaffen, wieberbolte (Smpörungen fyattm 
ftattgebabt, ihre SefeblSbaber nad) Setbftdntigfeit ge» 
trachtet. 2)at)er mar efl bie erfte Sorge be« neuen j?ai» 
fer«, fobalb er Äunbe von Stöbert'« Lüftungen erhielt, 
ben unjuvrrläfftgrn Statthafter ©eorgio« Wonomacbo« ju 
entfernen unb bat) Qommanbo bem erprobten ©eorgio« 
5Baldologo« ju übertragen, fotvie bie Sefa$ung rnöglidjft 
ju verftarfen. 3uglri<b erging an alle Befehlshaber ber 
3nfeln unb ber Söeftfüfte bie SJtabnung, au«jubarrtn 
unb bem 9tcicb«feinbe mit dntfebiebenbeit entgegen Mitre» 
ten **). SJtit bem Sorrrabe occupirte alObalb Soemunb, 
be«SBatet« wärbiger Sohn, Äerfura, flieg ju Sutbroton 
an« geftlanb unb rütfte, naa>bem er bie füblid) von 
Dijrrbacbion gelegenen $lä&r Slulona unb Äanina ge< 
Wonnen, gegen bie afToferaunifcben Serge vor. Die 
glotte Stoberl*« foDte ba« Sanbbeer beim ©türmt auf 
Dljrrbacbion unterftü&en. Äl« biefelbe jeboch ba« Sor» 
gebirge ©loffa ((inguetta) umfegeln tvoDte, erhob (ich 
ein heftiger Crfan unb jerftrrute bie ©aleeren in alle 
SBinbe; viele f dienerten am Reifenufer, anbere laufen ; 
jahlreidje 'Jiroviantfcbiffe gingen verloren. Selbft ba6 
Schiff, bat) ben Jperjog trug, mar in (Gefahr; aber 
„webet bie 9Butb bei? SKeere«, noch gurdjt vor bem 
Zott vrrmochte ihn, fein fübne« Unternehmen auf;u> 
geben." Srft nach Ürben Sagen fammelten fiel; bie krüm- 
mer ber glotte bei ber Sanbjunge ©laviniea unb verein» 
ten ftcb bort mit Soemunb'« 4>eer. Durch «tue 3ufubr 
au« Srunbufium verftätff, rüdten bie Stormannen gegen 
Dvrtbatbion unb eröffneten am 14. 3uni ju ?anbe unb 
SJteer ben Sturm. ©emaltige Selagerungfltbütme er* 
hoben ftd) vor ben SJtauern unb auf ben Schiffen ; man 
jeigte ben ^feubo « Äaifer unb forbrrte Ergebung. Die 
SJtutbigeren höhnten fein; anbere waren ratblo«, aber 
!Baläologo« feblug mannhaft bie erften tingriffe jurütf. 
Unterbeffen rüftete Mterio«, ber bie gorteriftenj beö Stomäer» 
reiche« auf bem Spiele flehen fab, mit aller Wacht. 'Mit 
ben öftüchen Steid>«feinben, ben Surfen, feblod er SBaffen» 
ftillftanb; bann wanbte er ftd>, ba ihm felbft feine bin« 
retchenbe glotte ju ©ebote ftanb, an ruf eiferfücbtige 
Senebig um Seiftonb. (Jinfdlle ber Normannen in Dal» 
matien, ba« bie Stepublif fa>on bamal« ale ihr ©igen- 
thum anfah, hatte fdjon Idngfi bie Senetianer gegen 
Stöbert gereijt; neben ihnen burfte feine anbere Wacht 
länger auf bem abriarifdjen SXetre gebieten. <S« warb 
bahrt bem Aaifer nicht fchwer, jumal ba er reiche ©t= 
icbenfe fpenbete unb beträchtliche $anbe(6vortbei(e i|ufagte, 



98) d* BUuia Vol. Ii p. 370 



ben Dogen Domtnico Selvo, ber felb|x mit einer grieefji» 
fchen ©rinjeffin vermählt war, unb fein ©olf jur 3 nie: 
Ventfon ju beftimmen. 3XH 63 gewaltigen ©aleercn unb 
vielen flrineren Schifftn jog Selvo in $erfon gegen ben 
genieinfamen geinb aut. Qt anferte beim (iap ^ali 
nörblich von ber belagerten Stobt unb erwartete günftigen 
SBinb tum Stngriff auf bie glotte ber 9tormannen. 58oe- 
munb forberte ihn auf, ben Wichacl ald Aaifer anjum 
f ennen ; feine 3umutbung warb mit Spott jurücf gewiefen. 
Salb fam e6 jur Schlacht, [©egrn bie venetianifche 
glotte, bie im d>albfreife — bie Schiffe burth JJetten mit 
einanber verbunben — aufgeftellt war, jog bafl normo n« 
nifche ©efchwaber, bem ftch auch S<hiff< »on »agufa 
unb anbern bolmatinifchen Stdbten angefchloffen , in« 
©efecht. Son einem feinblichen fflurfgeichoffe getroffen, 
fanf ba« Slbmiralfehiff , ba« Soemunb trug ; er felbft galt 
fdlfchltch für tobt; in wilber gludjt eilten bie Seinen 
jurütf jum d^afen von Dhrrbochion , unabläffijft von ben 
SSenetianern verfolgt. Sl(«balb machten bie iBekgerten 
einen fiegreidjen tlu«fall ; brei Sage fpäter erneuerte (ich 
ber Aampf jurSee, ohne eutfehieben )u werben. Salb 
erfdnen auch eine bvnantiuil'che ^)ilf«floite unter ^iaun 
fio«; Robert jog ftch mit ber feinigen jurütf, um vor» 
läufig ben Jcrieg auf bem feften SJanbe energifd) fort» 
jufeeen. Salb brobte ^ungertnoth, ba bie 3nfeln unb 
Stdbte, bie man früher erobert, bie bi«her ©rib gejablt 
unb3ufubr geliefert, abfielen, unb bie geinbe allen «Ber 
fehr mit Italien abfehnitten. Die Stoib unb bie &\pt 
be« Sommer« erzeugten Jcranfheiten ; gegen 10,000 Ärie» 
ger, über 500 diitter folien bem gieber „um Cpfer gefallen 
fein. Stallte man neuen Proviant au« Spulien uub 
Strilien haben, fo mufite ftch bie normonntfehe gloiir 
wieber auf« offene SReer wagen. Sro^bem fr(tc Stöbert 
eifrig bie Selagerung fort ; nicht minber thätig war $a» 
läologo«, teilen größte Hoffnung freilich auf Senebig« 
Seiflanb unb bem verfprochenen (intfaeheere, ba« Sllerio« 
felbft binfu&tfit wollte, beruhte. ¥angfam nahte ber 
Äaifer, 70,000 Mann — barunter viele «Bardger — 
folgten ihm; jugleid) rechnete er auf ben Seifianb ber 
baluiatintfchen 3upane. 3m JDctober erfchien er am gluffe 
fltceni ; fein Aj>eer bebeefte „jabllo«, wie bie 4)eufü)recfen," 
tie Serge unb gldchen nörblich von ber Stabt. Da bie 
Untnhanblungen, wenn überhaupt von einem ber beiben 
Sbelle emfilich gemeint, erfolglo« blieben, mufften bie 
Staffen am 18. Cct. entfeheiben. Die (Sntfcbloffenbeit 
ber d^erjogin, bie felbfi in ben Aampf wg, unb ber Wutb, 
Soemunb « gewannen ben Sieg. Da« bvjantinifche -beer 
terftrrute ftch; 0000 Sobte blieben auf bem gelbe; Werlo« 
felbft, in ber allgemeinen Scrwtrrung mit fortgeriffen, 
lief feineu ganjen Proviant unb feine Jtleinobien im 
Stiche unb rettete ftcb faum nach Devol. ©eorgio« «Ba» 
läologo«, ber jum Äatfer geflogen, war von ber Stabt 
abgefchnitten ; ben Oberbefehl übernahm ein nlbanefe 
Äomi«forti« •*). Die d>offnung, ba§ ber Äalfer balb 
wieberfthftn werbe, ber 4>inblicf auf bie venetianifche 



zv H 'Art«**» tf/^^« Koiumiw A "* a 

, §. Vol. Y. p. 221. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE 



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— (I. PERIODE VON 395— 1204) 



gtotte hielten brinntn ben SMuth nod) aufregt; aber ba 
ter ffimter nahte, mufjte lefctere ab^trt>en , unt> burd) 
ben Herrath eine« ©enetianer« Domenico fiel bie Stobt 
am 14. gebr. rro& waderer SBcbr in Koben'« £anb; 
fielt Seaman er, bamntrr ftlbft bei Sobn be« Segen, 
würben gefangen. 9iacbbem Stöbert ben gortino bi 
Äcffuno jum (Sommanbanten von T nrrh.jitur;: ernannt, 
trang er weiter ein in (Spiro* ; nur Äaßoria wagte 
©iderftanb; ba er aber mit ©elagerung brobte, capitu« 
lirte bie au« nur 300 Wann beftebenbe SBardger«©«' 
l'aeung. Schon rüftete Stöbert jum Angriff auf Xbeffa« 
lonid), ba« Snbjiel ber in Dorrbatbion begirtueuben ©ia 
(Sgnatia, al« ein Älagebrief ©regor^ VII., bafj bie 
Iruppen Aeinrid)'« IV. in« päpßlidje ©ebiet eingefallen, 
ihn nad) »pulien jurüdrief ; im äpril (anbete ber $<rjog 
in Otranto. ©oemunb blieb bagegen mit bem Sonne 
table ©rian(b) unb bem .naupttheiie be« $eere« auf grieebi» 
fa)em ©oben jurüd, um ba« (Gewonnene ut behaupten 
unb SBeitcre* ju gewinnen. Kacbbem er Hefm, ©erat, 
Sirta befefcl unb ganj ©ajenetia unterworfen, hatte er 
bei 3oannina ein fefted ?ager aufgefcblagen, von bem 
au« er ganj Gpiro« verbeerte unb branbf<ba(te **). (5 m 
im *Dtat 1083 hatte Äaifer Sllerio« mit Pen Irummerti 
feine« jerfpreiigten #eere« einen ©erfueb gemalt, bem 
geinbe entgegentreten; troft allen friegeriteben Stafftnc 
mcnl«, tro$ ber faiferfidjen Sichelwagen, war er bei 
«dmba auf« SReuc geworfen unb na* (Sonßantinopcl 
geflüchtet ganj Äorbgriedjenlanb, felbft Ibeffalien, ftanb 
ben Normannen offen. 3« brei £eere«baufen rürften 
fie r*or ; gierte b'Üulp«, ber fpdler in bpjantinifebe Dienfie 
trat, unb von bem ba« mächtige Vlrdiontengefdjledjt ber 
*J}etralipba« feinen Urfprung herleitete, eroberte ©rofj» 
unb älera'Hologa (Holobo), ber ©raf von ©ontoife 
Sfopia. ©oemunb felbft beßürmte vergeben« Sla)riba 
unb Cftrovo unb wanbte ftd) bann über So«fo« unb 
Scrvia gen ©errböa. Da er ffiiberftanb fanb, rürfte er 
über ©obina nad) Woglena, wo er ein jerßörte« ßafteU 
herftellte unb eine ©ciaeung unter einem gewiffen Sa» 
racino jurüdliefi. @r felbft erreichte ben Hörbar unb lagerte 
brei SRcnate long in SWprä Scclcfia. Unterbeffen be* 
aanuen bie Seinen wegen be« langen Kriege« im fernen 
canbe ju murren; Äaifer SUcrto« fud)te mit ©olb ju 
gewinnen, unb verfdiiebene ©rofie fannen auf Herrath 
ober liefen aar jum »Vinco über, ©oemunb, ber ftd) 
nicht mehr flehet fühlte, verlief fein feße« Jäger; wäb* 
renb bie ©riechen SRoglena jerftörten unb ben ©rafen 
Saracino töbteten, jog er über JTaftoria gegen Sariffa, 
Ibeffalien« Jjauptfiabt, um bort fein 9Binterquarticr 
aufjufcblagen. ©anj ©elagonia, Xrifala unb 2jibi«fo« 
würben brfent, bann begann bie Belagerung von Sariffa, 
ca« von btm Gommanbanten Jeon JTephala« fedj« Wo» 
nate lang wader vtrtrjeibigt würbe, «angfam nur nahte 
faiferlieberBeißanb; fa>on brohte bie 6taM au« Wangel 
an $eben«mitteln ju capirulirrn, al« IHlerio« mit 7000 
rürfiidjen cölbnern in Xrifala erfd)ien ; er war über ba« 
Qebirge Äellia gqogen , batte ben ftf ffavo« rea)t« liegen 



H) dt Blcuii» Vol. n. p. 306 «*q. 



geloffen unb bie SBladjenbcMer Sjeva, nahe bei «n 
bronia, unb «Plavija, fowie bie ®drten von Selpbina 
berührt. 3n Srifala empfing er ©riefe, welche ihm bie 
$otf> be« $anbe« meldeten. SBohlbefannt bamit, ba$ 
ber Äeinb im offenen Selbe unbefiegbar, befd?:cp er, ibn 
in einen Hinterhalt ju (öden. @r lief ben 9(ifepboro« 
Wiliffmo« feine faiferlidjen ©ewdnber anheben unb bc 
fabl ihm, ben geinb )tim Jtampfe ju lodett unb bann 
fdjeinbar nad) bem ©ergianbr um ^pfoßomion )u Rieben. 
Qr felbft $og burd) ben Ha 3 von ttvotanimon um Sirveni' 
fon b^erum, fobatj er linf« von Sariffa im ^interbalte lag. 
3)ie Äriegeiift gelang. 3)ie Normannen, tm ©ab", ba« 
aanje ©ried>enbeer vernidjten ju formen, verfolgten ben 
geinb, bi« fte in ben ^interboll gerietben, unb bald war 
bie 9tieber(age voOfommen. Der Jtaifer )og in ÜaritTa 
ein, bie Normannen jurüd nad) Jtaftoria unb Srifala, 
ohne bajj ©oemunb'« perfönlidte Xapferfelt — am Hertrio« 
fud;ie er nod) ein verfcbanjte« iJagcr auf)ufa)(agfn — ber 
gludjt (Sinbalt getban bütte (3uni 1084). älerio« legte 
nun in ftuiffa eine ftarfe ©efa^ung unb traf weitere 
Slüftungen jur Kbwebr be« 9ieia>«feinbe«. 2>ie wad>fenbe 
llniufriebenbeit be« a^teere« beftimmte ©oemunb, nodjbem 
er Äaftoria bem @rafen ©rianb, bie ©urg Holoao« bem 
Hierre b'Slulp« anvertraut, nad) Hulona ju eilen, um 
von ba wegen neuer £ilf«truppen nad» 3talien ju geben. 
Unterbeffen, ba bie normannifd>en Streitfräftt getbeilt 
waren, gelang e« fdjlieflid) bem Äaifet, JTaftoria ju 
erobern ; bie normannifdjen Sruppen gingen \u ihm über, 
nur ©rianb wie« alle Stnerbierungen be« Wlerio« jurüd 
unb verftanb jta) fdjlirtilia) nur baju, hinunter nid)t 
mehr ba« j5d>wert gegen bie ©riedjen ju erbeben. Cb 
©oemunb wirflid) jum Haler nad) Salrrno fam, ifl 
fraglia); fid>er aber, baf Stöbert 1084 noa) auf« 9{rue 
rüftete, um bie bei £ariffa erlittene €d>arte au0juwe(en. 
lern Äaifer blieb 9«id)tö übrig, al« wieberum mit @e» 
fdjenfen unb 3uftd)eruna von Hrivilrgien bie ©enettaner 
gegen bie 9cormannenrfotte aufzurufen. €elvo jog in 
l>pnbad)ion ein; ba er aber bie ©urg nid>t nehmen 
tonnte, griff « Jtcrfpra an unb bewoa bie ©evölferung 
jum «bfaU. «nfang« Jjtrbß erfdjien Sobert in Äulona, 
wo ©oemunb'« Truppen ju ihm ßiejjen; man nahm 
Sutbroton unb warf bann bie £auplmaebt gegen Äer* 
fpra. Dreimal unterlagen jur €ee bie Normannen; 
bann warb SaffenßiU|tanb abgefdil offen. (Ein veneria« 
nifdjer Herrath er, '4-Uctro (fontarini, melbct bem <£>erjoge, 
baf bie Slotte feiner £anb«teute «erßreut ober entwaffnet; 
neuer Singriff. Die ©riechen verladen ihre ©erbünbeten. 
©enebig« Statte, vom (Sohne be« Dogen geführt, wirb 
jerftreut; be« Sohne« gebl büfjt ber Hatte, an beffen 
Stelle ©itale galier jum Dogen erhoben wirb. Die 
«oraannen, bie bei ©utbroton (aaern, verKertn 10,000 
TOann burd) junger unb gieber ; felbft ©oemunb, fdjwer 
erfranft, eilt nad) Salrmo, um yvtlmu; ju ffnbrn. 
Unterbeffen gewinnt Sllerio« burd) neue ©rivilrgien — 
bem Dogen verleiht er bie Xitel HTotofevafto« unb .vier 
jog von Dalmatien unb Kroatien — bie ©enetianer, 
fobafi fie au«hamn unb neue Sdiiffe fenben; jwifdjen 
Jferfvra unb ©utbroton wirb bie glotte be« ,,vertred)t« 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 144 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



rtf*en Wobertofl" befiegt. Dazu fam ber lob ®re« 
gor'e VTL in Salerno am 25. Stai 1085 unb bie fixere 
3u«ft*t auf neue Scrwirfclungrn in 3talien. Da« be« 
ftimmte Äobert, um menigften« rinrn fefien L'siTation«» 
punft gegen ©OJ<"U gu bebaut- 1 m , fi* argen bie ,WU 
Ärpbalenia ju rcenben. Seinen Sohn moger fanbte et 
voraufl; er felbft folgte mit feiner muthigen Gattin unb 
flieg am Vorgebirge «Iber (SIterra) an0 Vanb. $*ri ber 
SonnenbiBC warb bem Dürfienben ber Sage na* von 
einem Sauer SBaffer gereicht au« einer Quelle, bie unter 
ben ÜKuinen einer uralten, Idngfl lerftörten Stabt 3eru« 
falem bervorfprubelte. Sil« man ihm ben Warnen nannte, 
erjdhlt !Bnna Äomnena"), erzitterte ber Normanne; 
man hatte ibm prophezeit, wenn er «lletf bi« jum Sletber 
(*ttf>rr) unterwarfen, »erbe er na* 3erufalem »allen, 
um bort ju fterbtn. Salb fühlte er fi* franf; fpäter 
würbe vom ®ift ber ®rir*rn ober gar ber eigenen ®at» 
tin, wel*e gefürchtet, ibr Solm Roger muff« bem Soe» 
munb »eieben, gemunfelt. (Sr wollte juriid, mußte aber 
in einem ^>afen unweit ber 9lorbfpi(e ber 3nfel, be« 
ßap« Dapbnubi, liegen bleiben. Seine legten 3Bortc 
»aren, beifjt e«, eine 'Mahnung an bie Seinen, ben 
Sßlan gegen ben Drirnt ni*t aufzugeben, fonbern mit 
aller 3Xa*l au* na* feinem lobe ju verfolgen. 0m 
17. 3uli 1085 fiarb Stöbert, el»a« über 70 Sab« alt, 
auf Ärpbalenia *') ; ber £afen bort, früher Veneti victi 
von ben Lateinern genannt, hiefi feitbem unb beute noo> 
«IJorto Sierarbo ober ®ui«carbo. ©eforgni(j, ba§ Soe« 
munb bie £em'*aft in 3talien an fi* rei#e, beftiramte 
bie $erjogin fflitwe unb Ca« #eer jur $rimfebr. 3n 
Dvrrba*ion blieb nur eine Heine ©eiaßung utrütf ; be« 
f!o*en vom Äaifer, meuterte fie, lö&tete bie wenigen 
®etrruen unb übergab bie geftung. So war au* bteft 
®efabr glücfli* abarma*t, weniger bur* bie 2apfrrfeit 
ber ®rie*en, al« bur* eine Kombination glürfli*er :>u- 
fdUe. 3nuerer 3»iefpalt im 9(ormannrnrri*e, bie Oppo« 
ntion ©oemunb'« gegen ben #er}og Stöger, feinen ©tief» 
brucer, bem er f*lietili* bo* »ei*en mufjte, binberte 
ba« frieg«luftiae Solf, fofort ©ui«carb'« lebten Vitien 
ju erfüllen, ©oemunb »arb mit larent, Otranto, Sari 
unb ancern Stdbten abgefunben ; aber er betra*tete ft* 
au* juglei* al« (Srben ber vdterli*en 3nfprü*e auf 
ba« Scomärrrei* unb erfermte ben !&ugenbli<f, ber ibm 
bie SRealifirung berfelben ermögli*en tonnte, greili* 
iv u nit' er ft* no* lange gebulbrn ; ba}u fam, ra« bie glolte 
Senebig« immer md*ttger mürbe, unb bafs Cllerio« e« 
verftanb, ba« eigennüBige .§anbel«volf bur* immer neue 

96) Lib. VI, 6. Vol. I. p. 287 §«q. 97) €o na<6 «nna 
Jtcmntpa; anbrrc Sdmftrt'lttr lafftu ihn in Äafopo auf Jtctt^ra 
trtfcn. Äana nuntiat babei M jrornübrrlitviravra Jttuia, n>o 
aiM<hl:.t) ein« €ta&t 3«ufalf« a ,! w n (!). SBea Xtthx* au« ii 
3iMa nid)t <n rrHilfm; ta^u nii. « i Rai, »de nid» btftinimt 
bat. ÄftbaUnia ala 6«r^<ti(aj OJaifcar» t f. luululun , in vre 
ftnaAtai^t Nt (Üüttr M tciliam lamniiditit !BUl^um< »rn 1264 
(CiHinalralU im flidiiv t<e tal«inif.t<n 9Ji<ttiBia» ju 3anir) au«: 
irvdlilb ftn*jtinl ,,roO niQtßoiietmrov rö ovviyyvi jcaoäau r^c 
äyi'ag 'Itifoivalrlp" (terreno di Saat* Geraulem j. 752 ttt 
italunifchtn Urttr>r(ann in m<in(m %tü(r). flud) ria mos tijt 
inti/uyitii Vioränov tm Zolvpn* »ijt texi grnaanl. 



ffonceffionen gan^ in fein 3nterefft |u jlehen. «Oerbing« 
war ber «jjrei«, ben man ben SBtnerionern jahlte, im 
U3erb/ältni§ ju bem, wa« fie leifteten, b.o* genug; aber 
fie hielten bo* zeitweilig bie Nebenbuhler jur See im 
S*a*. I,m aber in golge biefer donrefftonen ft* 
förm(i*e venetianif*e Kolonien im !Rri*e bilbeten, bie 
mit ber 3eit ni*t minber ®efahr bringen burften, al« 
bie Normannen, flberfah man am Jtaiferhofe. 1>a$ 
ferner bur* ben unaudgefeßten Serfehr mit benfelben 
ntan*erlei ocribentalif*e 3nftitutionen ben S?ea in« 
9tomderlanb fanber., ba^ in ganj (Juropa ft* bie Äunte 
von bem fabelhaften $et*thum ber Äaiferftabt, wie von 
ber aBei*Ii*feit ihrer fiberciviliftrten Sevölfetung vrr« 
breiten mu^te, bea*tete man ebenfo wenia. Der Itste 
geinb, ben man ju für*ten gehabt, war gtflorben ; unt« 
ber ftdftigtii Jpanb ber Äomnenen begann ©ihrem neu 
aufjuathmen; nun galt e« nur no*, Jtleinafien wieber« 
jugewinnen, wo man vor ben Selbf*ufen i[uriicfgewi*en, 
um alle Jtrdfte gegen ben SBeften coneentriren )u fön< 
nen; unb ba« wei* hotte wieber eine $öhe errei*t, 
wie e« fie feit 3<>hrbunberten ni*t gefannt. Daju follte 
fl.un (Suropa mithelfen; ocribenta!if*e Sölbntri*aren, 
wie man fie f*on längft im Dienft hotte, fodten maffen« 
haft geworben unb bie a«fetif*«religiöfr Stimmung, 
wel*e in bem ber ewigen innern äriege uberbrufügen 
SDeften herrf*te, wie bie no* ungebdnbigte Jtraft, bie 
na* »ufjen hin einem würbigeren Siele juftrebte, au«« 
gebeutet werben. So begannen bie Jtreujjüge, anf*ei« 
nenb im 3ntereffe ber Svtantiner, von ber römif*en 
durie al« heiliger £rirg um Uluifti ®rab willen fanrrio« 
nirt; fie enteten mit 3eetn'immerung be« 9tomderret*e« 
unb (Srri*tung ocricrnta(if*rr throne in ben afiatif*en, 
wie europdif*en ^rovinjen. £ier fönnen un« nur bie 
(eetere ndber iniereffiren. Setra*ten wir baher jum 
S*luffe biefr« 9bf*nitte« )und*ft bie 3uftdnbe ®rie*en« 
lanb«, foweit biefelben ni*t f*on bei bem UteneinfaU 
unb ®ui«rarb'« 9tormannen)iig hervorgetreten unb, von 
ben le&ten mafcbonif*en Jcaiiern an bi« auf bie Jtomne« 
nen, fowie bie $aubrI«rolenitn ber £>cribentalen im 
9tei*e, ben »nfang occibentalif*er ^errf*aft. 

4) 3an«t« Buitanbt <8ti««<nlanb< feit ©afilic«' U. 
Ctn»c bi« auf bie -R - ' l. , . ü _i . ©ie Ulli »n i f dun 
J&jntcl»ftflpnif n in ber «auptflabl unb im 9t(id>c. 

Die ^teiliqenlegenben , für ba« 10. 3ahrhunbert eine 
fo ergiebige Duelle, laffen un« hier (eiber im Stiche ; 
vereinzelte JnKtnnott , furje Hnbeutungcn einzelner (Shrc 
niften finb ni*t im Stanbe, fie un« zu erfe^en; nur 
wenige unbebtutenbe Xbatfa*en ftnb un« von ben Svjan^ 
tinern auper bem bereit« @efagten überliefert. Unweit 
einer Srüdr be« alten Sparta fanb gourmont eine 3n< 
f*rift vom 1. 3Nai 1027 *'), be« 3nhalt«, ba^ jene jur 
Surg von gafrbämon über ben gluf 3re (@urota«) füh» 
renbe Srüde von bem 9Kön*e Wifobemo« mit vieler 
ÜKübe erbaut fei. Derfelbe bef*lof barauf, bie linf« 
von ber Srütfe gelegene erlöferfir*e )u crri*tcn. Da» 



98) Boeckh, C. I. u. 8704. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 



145 



— (I. PERIODE VON 395—1204) 



mit er aber, fo lange rr Ubtt, frric SBerfügung über 
2'rüifr unb Jtircbe babe, wanbte rr fidj an itaifer .Ron» 
ftanrino« 3Nonoma<bo« unb empfing von biefem ein 
^Privileg, fraft beffen brr Slrateg be« Ihema'« tum 
Kurator birftr S3auten rrnannt, unb n:.)Ui± bem SMfdjofe 
von Safebämon unb jebem anbern 0)rtitlid)en brr Diöceje 
verbeten warb, einen gujj in bir Jcirebe »u fegen, b. b. 
geiftlidje ©ewalt über biefelbe jn beanspruchen. Die 
xirdje geborte barnadj au jenen erimirten, welche man 
aewöbnlid) al« faifeilicbe bejeidjnet. Sa* feinem lobe, 
fo verfügte Sifobemo«, folien Strateg unb ©ifdjof au« 
fammen einen neuen übt au« ben ber Äirdje bienenben 
SDtondjen wägten, ber bann »eiterbin „in ?iebe ber 
Äirdie unb ber 3?rücfe, wie ber Älofterbrüber pflege." 
9?ernad)ldfjigt er feine ^Pflidjt, fo foü ein anberer an 
feine Stelle treten; ben aber, ber biefen legten SBillen 
au verlegen wage, treffe be« Stifter« fdjwcrfter glud). 
SLMr finben fjier einen Saebflang jener Sidjtung, bie 
Wifon in bem verwilberten Sfafebdmon erweeft, unb id) 
glaube faum au irren, wenn ia) in bem SWönaV Sifo« 
bemc« einen feiner Sacbfolger vermutbe, ber vielleicht 
felbft feinen Samen von bem gröpern Vorläufer enllebnt 
ljatte. «ber auch be« Sietbumfl »lafebdmon wirb in 
biefer 3eit gebucht; unter »lerio« L unb bem «Batriareben 
©uftratio« (1081 — 1084), unter bem aud) $aro« unb 
Saro« unirr (SRai 1083)»») unb gleid) bem fleinafiatifdjen 
ttttalia (1084)') lur Metropole erhoben würbe, warb 
gleite SBürbe 1082 ber bortigen Äirdfe au ibeil 1 ). 
(Sine freilich frfyr fpdte, bod) möglieber SBeife auf urfunb' 
l io' o Sad)rid)trn baftrte Bngabe ftnbet ftd) barübrr in ber 
oben jerglirberten Stabtdjronif von Monembafia *), welche 
vieA «Jreignifj 1083 anfegt, ba Ibeobofto« trrt ©ifdjof 
rvar. $!afrbdmon wirb von $atrd, bem eS feit ber 
SlawenvemidHung (807) untrrgeorbnet, losgetrennt unb 
für felbftdnbig erfldrt; baber ber oben erwdbnte Üßroteft 
unb ba« Svnobalfdjreiben be« ^atriardjen Sifotao«. 
„Sacbbem ba« ?anb," fo beridjtet ber Gbronift, „burd) 
©otte« ®nabe wieber bem romäifeben Jtaifer unterworfen, 
warb ©regorio« ber erfte Metropolit von Monembafta *) 
unb Aum drangen br« ganjen ^eloponnefo« befirllt. 
91« iv l.bcr vertrat er bort ben ^Patriarchen von @on* 
ftantincpel unb weibte ben Stfepboro« in ?lmviflj, ben 
Warfe« in <£>elo« ju 3Mfd)öfen, in £afebdnton ben $ara> 
fufuntino« jum Sfeuopbplar, ben Maletara« tum 6a« 
feüario«, ben Chtgenie« tum (Sbartopbvlar. 91« bann 
ber 2ltularet»bifcbof Sifcpbero« von Jfreta — bamal« 
in partibus infidelium — ber neuen Metropole (?afe« 
bdmon) vorftanb, weibte er au SSifdiöfen von SHmofld erft 
ben Äapfofababa« unb nad) beffen lobe ben Guarefto«, 
bagegen ©tegorio« SJuta« ben (Sugenio« *). Der ^riefter 
«tbanafto« Äentofoge«, ein greif« Jtlerifer Safebämen«," 



99) Täiut *tma»td 9 ia S Vinter Um äierocUt ed. Parihey 
p. 123- 219- 

1) (Stielt h 116- 2) ötifitta p. 119. 216. 259. 8) Pa- 
tati a. a. 0. p. 418. 4) U»t>« tit (Ft^bu»8 i*r SltUmU unb 
tit gjtifdjmeltuna mit tex alt« SRetiejielf »Bie« wt^l. man bie auf 
Urranttit atfti^U ««nabe in ttn 1 o^fis x V oxnt>i ä v ia t p. 237. 239 
b. f. ». 5) *ltt «fk fi(*er itt Xnt ar* eomairt. 

ju *tß. ib. u. x *ätn. LXXXV. 



beijjt e« weiter in bem böebfl verworrenen 93ericbte, „fagte 
au«, er Ijabf bem S3if<bofe ^aftlto« «natolifo« von 
@Aero (b. b- $e(e« in ber officicOen Sprache) gebient, 
a!0 berfelhe unter bem Metropoliten von Jtreta geftan« 
ben. ü)a« gefdiai; bamal«, al« Sifolao« Wetropolit von 
SRonembafia mar unb bie 33ifa)6fe von {»elo« unb SRaina 
(bie, gleich ihm, früber unier Jtorintb geftanben) al« 
feine Suffragane rerlamirte. 811« er bebuf« Sinfe&itng 
eine« Sifcbofd baf«lbfi aueb ben von jtreta einlub, ent« 
fpann ftd} jmifeben fbnen ein «Streit; Sifolao« von üRo» 
nemhafta forberte bie geiftliebe Oberbobeit über «rnvfld, 
ba« urfprünglitb, gleich Safebdmon, unter ^atrd ftanb-, 
allein ba viele Jeugen au«fagten, ba§ e« unter Mebä- 
mon gebore, fiegte ber Jtretrr." 3n i'afcbdmon ftellte 
berfelbe, wie ebenba berichtet wirb, bie Aircbe be« beili< 
gen Demetrio« ber, ebenfo ba« nabegelegene Wagula, baute 
Wühlen, pflegte Celbdume unb ©arten unb faufte 
empbvteulifd) einen 9Beinberg, fowie bie ber itirdie au« 
ndcbft gelegenen ^)dufer be« 6b<wtopb9tar (Sugenio«. — 
!Die leg lern 31 »gaben ftnb offenbar einer 3nfd)rift ent« 
lebnt, bie im 16. 3abebunbert noa> erifrirte, jegt aber 
Idngft verfdjwunben ift. 3m Uebrigen liefert un« auch 
biefe Sadjricbt ein unerqutcflia>r« ©üb von ben fird)li*en 
3dnfaeien im ^eloponnefo« ; würbige 92ad)fommen jener 
atbenifeben ®opbiften, bie untn efnanber über bie Sflürbe 
be« $aOium0 janften, ftritten bie ÜRetropoliten von Vafe 
bdmon unb Wonembafia nunmehr über bie Untabl ihrer 
6uffragane, bie 9u0bebnung ihrer nberfircfalicben (?e> 
Walt. ?lueh «rgo0, ba0 gleich IVcnemhafta urfprünglich 
unter Jforintb üaar, fed 6597 *) angeblich uir s Hietrc= 
pole erhoben worben fein — unter 3(aaf «ngelo0; bod) 
ift bafür ohne grage 6697 = 1189 ju lefen. I.r.n 
jener ?eon, ber im Ortober 1143 bem Sonnenflofter ber 
«JJanagia in «reo (tv 'Affila) ein fefte« «Ritual verlieb 0, 
beteichnet ftd) felbft in ber Unterfdjrift nur al« „Sifdjef 
von Sauvlion unb »rgo«," unb 3faaf regierte erft (Snbe 
be« 12. 3abr^nt>ert«. Die bifdjöflidje Urfunbe für jene« 
£ (öfter, in bem 36 Sonnen wobnten, unb ba« von 
aller fird)Iid)en 3uri«birtion erimirt warb, geigt un«, 
bafj nod) bamal« ba« dgeifd)e s D?eer von Seerdubem 
wimmelte, ne ;1!le« verheerten, Sid)lfl verfdjonten. .lur 
6idjerung ber frommen 3nfaffintten mu^le aud) ba« 
^(ofter verlegt werben, unb fern von bem leicht )ugäng< 
lidjen ©eftabe würben in ©uje neue 3e(Ien für bie Sen« 
nen gegrünbet. Da« alte *lrea warb in ein Wönd)0« 
flofter verwanbelt; legterem bauptfddjlid) gelten bie ?ln< 
erbnungen, weldje ?eo mit feinem «leiftegel, ba0 auf 
ber einen «seile bie 'JJanagia, auf ber anbern ben beili' 
gen Ibeoboro0, «rgo0' 6d>ugpatron, jeigt, berrdftigte. 
Soviel vom ^eloponnefo0 au0 jenen 3<>ten. 

Vi.if A?e0be0 ftellte ber Werropelit von TOetbpmna 
„XQcnoHQÖidQoe rüv XQwzoövyxiXXim'" Sifepboro« 
1085») eine Äirdje ju 9»olivo« b«»); unweit Sau« 



6) Tottis *to*«*tS t la S a. a. O. p. 21h. 381. 7) Pa- 
tin a. o. C. P- 42Ü ; Mutloiidi* in H«llinomniin<iii p. 279 «q. 

8) So«,«, atofe auf t-er 3nfd Ktbet. «anetft 1865.4. 6. 22. 

9) BovU, C. L n. 8730- 

19 



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— 146 — (I. 



VON 395—1204) 



Mite* grünbete bei Mrebtmanbrit »rfenie« ba« JWoficr 
ttutnafora '"), ta» aba balb irrtet, vtctlcidii von ©ui«< 
(•rv'l Wormannen vrtwüftrt; rtn neue» (Hebdnbr warb 
frafär von einem feiner Wadtfolga .Wunne» untre Äaifa 
IRariuel 114- rtridiirt. 3n 3 brflaloiiid), wo wol um 
blefrlbe .Uli tu tfrjbifdtef »^aulo« bin In, Deffen Siegel 
un« nod) erballrn tfi "), grüitbet tet ^rotofpatbat 
Kbrlftopboro« 1111 Septrmbn I05W in feinem Warnen, 
wir in bem frinrr (Maltln Waria unb feinet Äinber Wife» 
pboro«, Änna unb Aamfali brn brr Wanagia unb Dem 
tjetllgcn "öarbla« gewebten 3.empel; etwa« fpaler, rool 
loM, erfia.it. ebenba bie Äird>r be« heiligen «IIa« »*). 
Viul »em «tl»o6 '*) »«brn al# weitere Jflöiler l*»pbig« 
menn (1031), $od)larlu (1037), Wiolbeu (1048). &v 
rafailu (um 1070) genannt ; Aonftantino« äHonomadw» 
bift.tttgU 1040 bir 3 »plfa be« (»eiligen "Serge«; bie Saura 
wnrbr UMSO von allen Steuern unb Iflbgaben brfrrit. 
'Kn-hr Wefdjinfe empfingen namentlich Xocbiariu unb 
3viron, baupi|dd,lld) in ber Wdbc von Ilieffalonidj. 
Aaifer Wlrrio« I. bann, flcftrrfreunblld) wie er war, be« 
fMligir auf« Weite bie Unabbdugigfrit brr SWoncbe von 
Wr aMad)t ba < i>at(iard)en, bie rlbgabenfreibeit Per Alb» 
der, bir t»»tl<1}i»barfell be« »Uroio» ober Dberabte« über 
bie Hrüb«. 3m 3ull 108:» Hellte ber ©roübrungariu« 

San«« ba« Älofter irnopbu b«; im folgrnbrn 
unberl famen baju ba« Wufftfon (wol von ruffu 
iWtfucbeu bewobul). ba« 1100 aud> 6a» Aloftrr 
be« 'llanteleenton in 3 beffalonid) envirbt, unb ba» be« 
rübmtr $laweaflo|irr tfbilatttari , von bcui 8erbrnfönia,c 
Stefan Wrmanja (geft. geftiftel. Leiber finb, wie 
febon oben bemerfl, bie un« vorliegenben Wegeilen, fo 
wbieiiülid) au<b an (leb finb, fo mager, bat« wir 
au» i Nim wenig für bir innere Okitbidttr lanrn, für 
«•«•Übe «n.ielue Urfunben, lagen lie voUttdnbig vor, bod.'ift 
w»atbb»R fei« müüten, wie \. ba« Irnament einer 
Wonne Waria von 1098, ba« über ben ramaligen 3»' 
ganb ber 3»buicrie frbt interrffantt «uffcblüffe geben 
tott «brr iii'M blc» auf bem «tbo« raebrten ftd> unter 
«Uno« 1. bie Xlejto; au* bie »dn bee «rtbipel 
würben bamil ttubli* beba«bt, unb bie Jtirdjen Irlbit 
mit fo bebeurrnfcrm ffrunbbenne au»ge|tattct. bap mit 
b« ;\ett ein {jUnftrl be» ganzen Wria>e» in ihrer 4panb 
»rat. «u| ttme-rae» '*) eriwb üd> KWä in einer .pöble 
ba» Alolrer ber itanagta Obojebietiif.i, in rem beute 
r.\t ta» 4*üb ibrr» taiirrtKbrn l u rünber» ui finben ni: 
bet beilige Übu^cbulo» {$tH U< iVari gninbete 
anf bem Mägen, w atftniaVm ^eben etnlabenben isit< 
I Nrübmie AloÄer bc* tfrsingdiüen. unb 
. beitOitigre bemlelben tm *vnl H^SS «») m *t 



II) «K«M • ST«*: Ct T«rr~ 
Bm 

lim *i U UrK'» u N, Rrr« 4* l~vr^ Brur.W 
r*4». V f .> \i 




nur brn ewigen Sefin ber 3nfe(, fonbern au* bie be< 
nii» auf Ao», Sero» unb Sipfo erworbenen (Brunbftürfe, 
mit ber 9efiimmung, bap ba» AI oft er vollttänbig erimtrt 
fein unb von feinem I aiferlicben Beamten , am wenigjtrn 
von ben €ölbnern moleftirt werben folie. übrifiobulo» 
(eibft bat« trüber auf Strovtlo» an ber tarif$cn Jlüfte, 
Äo« gegenüber, in einem von brr 8d)wr|ter be» reieben 
Aonftantino» Äavaiuri» gegrünbeten unb von Wifrpbc 
ro0 Sotoniate» 1079 ti (tätigten Alofter gelebt; bann feit 
10KO auf Jto» geweilt, wo ii>n bet faiffTli*t Scbaj' 
mrifter in ^ewobnter Sßeife arg plagte; enblid) warb ibm 
bier ein «fpl gu 3l)eil, ba» freiließ in ben erften 3abren 
feine« »efteben« ebenfo ferjt von ben erpre|(unflen bet 
fi»falifdien Beamten, Wie von ben SJerbeerunge» ber 
<Sara)enen )u leiben batte, balb aber, bureb immer er« 
neunte (fbrpfobullen gefiebert, mit immer au«gebebnrcren 
(^ütem botirt, untrr ber rrefflicbrn, von <3briftobuio« ab' 
grfajjtcn Wegrl ein Wuftrrflofier warb. i£o trat her in 
biefer K \&. ba» (ird)licbe 3ntereffe wirrer mtlcbtig in ben 
»orbergrunb. Äudt in Wittelgriecbenianb meoren ftd) 
bie Jtlbfier. 3m «Srptember 1097 ") febenft Klerioe I. 
bem Alofter ber Wetamorpboft» auf bem Sage €agma< 
ta» (früber ^vpaton, oberhalb bem Dorfe SirbodtO ein 
€tücf vom edjten Äreuje, fowie ben See von Ungria 
(ieijt OTorifi) unb befreit bie 3»önd)e von aßen Jlbgabrn. 
3n «Itben entftanb wol in bemfelben 3abrbunben — 
nad) ^ittafi«' «ngabe 1045 — bie Wifobemo«fira>r. 
»on nambaften Htbrneru wirb neben ienem Jbrcpempto», 
ber )u Wifon'» .Uit bet Aircbe von ^afebdmon vorftanb, 
tunüa>tl ber ^rotofpatbario« 3beopbvlaho« genannt, ber 
1031 >r ) )u bem dürften von .£>aleb ging, um im faifer' 
lieben Vuftragr mit bemfelben einen Vertrag abjutcbltrtjm ; 
bann ber ttjholog Aatananfr», ber 1085 in ber $au>l> 
it.iM fein CibwinbelgefcMft trieb '•); bet ftomme 3oan> 
ne», 1091 »ifa>of be« «erge« Sinai '•), unb Äonftan» 
tino« larfitr«, ba auf Äreta, wobin et von «tben 
geiogen, 1129 ein Wanufaipt ropirle '•»). 

3m ®an Ä en baue ba« eigentlia>e fflried)enlanb mab* 
renb be« 1 1. 3abrbunbat« angefangen, neb wirba einiga» 
maptn )u erbolen ; ba« feben wir beutliä au« ben 3rup< 
pen, bie e« UKll aufbraebte, an« bem (»betreibe, ba« e« 
U\37 lieferte; aueb ba @inbrucb ba Ujen lOOü war 
nur ein raub vorübagebenbe« llnglüct. lap tro^brn 
bie carajenrn gdegrntlia> auf ben 3nfrin viünNrten, 
felbit ba« amt*e gefUanb bam.uwia«. itt wtl 



Im R,trU*r, St. Ohh«t»<Jal« « U r«ttan*« <t<x courtan (toc* 
m Xt' t*»h» 1>«>.v 12. r. (™r-.». Dcamptioa <it fit« 

«t f»t»« »t 6f Vi\< U S»»». Vuru 1S.">6. ">w: 6. 9t i. «akl 
*«t K» isif*n*<m 3»iVl» het »tt^*<t Krrrr« ©» IL 6i«b« 

\m n.i lü i*=<iut urfuta * «. c. e im. 

JT> . W-r,- V.>;. Up.** — r .V3- lS Amm* 

AW^i« VI. ; B.« V*l. t p. S*»). 

I« *~r~i TT, ! V mi S «~t* { 

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Iii* 4. i 




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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 147 — (I. PERIODE VON 395— 1«04) 



ju vermutben. ?itcr e« fdjeint faft, alt habe um» >ih 
1040 rine (Fmpirung ber albenifcben Sevölferung gegen 
ben Äaifer flattgefunben, fei efl, raji bfefelbe ftdi unab» 
bängig von fremten (Jinflüffen erhob, ober an toie Slawen 
ober Sarajenen anlehnte. Die bpjonttntfcben {lifioriftr 
fdroeigen bavon; allein eine 3nfdjrift legt baför reben» 
be« 3 f ugni$ ab. ö» finb bie «Jtunenjeteben auf bem 
dürfen jene» Söwen, ber einft auf mddjtigem «piebefial 
am Eingänge be0 'l*irdeu<? ftanb uub tiefem ben Warnen 
«JJorto Seone gab, je»t aber mir anbern Heitlern (&e< 
noffen, eine Siegrtbeuie SDiorofini'«, bie «Pforte be« Hr* 
fenal« ju SBenebig bütet. Stodjbem vergebene (Fnt< 
jifferungÄverfucbe miöglücft, fdjeint iRafn. enblid) ba» 
»idjtige getroffen ju baten 10 ). 9tad) ibm befagt bie 
llnftbrift jur ijnfen Seite: „-öafon, vereint mit Ulf, 
«•munb unb Drn, eroberte bieten -fcafen. Diefe «JWdn» 
ner unb $aralb ber Sange legten bebeutenbc @clbbujjcn 
auf wegen ber ScbeUioit be» <£)rird)envolf». £>alf war 
gefangen in fernen Sdnbern; dgtl mar im Selbe mit 
9iagnar in Rumänien unb Ärmrnien." «Recht« lieft er 
bann: „B«munb grub ein biefe «Runen, vereint mit 
»«geir, 2 Inn uu, Short unb 3var, auf ©ebeij? «£>aralb'« 
be« Sangen, obgleich bie ©riechen, be«ba(b jürnenb, et 
ibm unterfagten." 9$on allen blefen Normannen ift un« 
au» anbern Duellen nur£ara(b ber Sange befannt, ba» 
4}>aupt ber Uebrigen, bie unter feiner gübrung ten rebel> 
lifeben «Uirdeu« bejwangen. <S« ifl berfelbe riefige $a' 
ralb HI. $aarbraabe, Sigurb'» Sobn, ber nad) bem 
Hobe Jlönig Claf« IL (1030) bie norbifdje Jjeimatb 
verlief unb von 1033—1043 ben SÖvjantinern al« Ober« 
felbberr ber frrmben Sefbwacbe, ber SBarctger, biente, 
bann 104? ben norwegifdjtn Sbron beftieg unb enblirb 
al» SBerbünbeter be6 Normannen JBilbelm 1036 bei 
SBattelbribge gegen Jtonig $aralb von (Snglanb fiel. 3m 
bpjantinifd)en Dienfte bcfdmpftc er bie farajenifebeu Gira- 
ten im dgeifd)en SWeere unb bie Bulgaren (Scythae) ju 
ganbe unb febrte 1043, mit Sd)d8en fo reidj beloben, 
ba(» faum jwölf 3unglinge bie Waffe be» @o(be* tragen 
tonnten, in bie $eimatb jurüd* 1 ). t3alb genug malte 
bie Sage bie gewaltigen .ftelbentbaten be« foniglicben 
Jirieger« in bem fern loaenben £ella« auf» «Reicbjte 
au» **). lieber Äpulien fam er nad) berfelben in bie 
4>auotf)abt, wo bamalfl Joe unb «Romano« III. Ärgpro« 
(1028 — 1034) geboten, unb nabm al«balb Dfenfte, um 
nod> im jjjrrbtt brffelben Jahre« im dgeifeben SReere auf 
ber faiferlidjen glotte umberjufebweifen. 3Boblwrl«lich 
wfd)wieg «Jcorbbrift (9lorberl), wie er fid) nannte, feinen 
»al>«n «Äamen, wie, bat) er ein norbifeber Aönlg«fobn j 
„benn im !Reid)e bulbete man niajt frembe *l}rinjen," 



unb fein eigener ©tolj moebte fld> aud) wol bagegen 
empören, »ber bie »bentfiifrluft überwog. Die fai|«< 
liebe glotle tefebllgte bamal» ein Serwanbtrr 3««''« ber 



20) '<'•/", Rnneiiukrift l Hrtten*. KjSbenhsTn mf.r„ 8. 
21) Adam. Brcmtniii, Oe*t« Haaiiuibargen». eccl«s. pontifican 
III, 12, 16 M Port*. Monumentt IX, 338; AmxUMa Soxo 
VUI, 65tfi. 2?) HvBld Hurdrtade. St«» in »«it 



Ei»«ctbi(Fe 6niiorr ut%hn i Cv<rfartlrlf«n af tet Äongdtfle Wot« 
kifte ritifr.ti. reifet. »» VI. Ajiftra^aeji 1832 » «•». 3 



6. 109 — 141 an» latrinifOi «taf. 
daran dt rebut go«U» 

1836. 8. p. IS5-161. 



16. 

in: ScrlpU hittorica Im» 
Vol. VI. " 



tapfere ©eorglo« Wanfafe», an ben nod) beute ber 
g(eid)namige 'Xburm in Spracut erinnert. Üluf ber glotte 
fanb er eine »njabl Waräger vor, unter ibnen brn 
Hauptmann War ^unröbfon, einen 3«ldnbrT, ber bei 
einem Wefihrten Norbert'«, ^»albor Snonefon , neugierig 
nad) beffen @efd)lcd)t forfd)t; ba er jebod) Siebt» er' 
fabren fann, ba» $ter verldft. 9n(b fhamten «He 
SDardgrr ju ibm, foba§ er ju beren Oberbefebl«baber 
ernannt warb; im herein mit Waniafe» fäubertt bet 
Wormanne bie grieebifdjen 3nfeln von ben bort baufen» 
ben farajenifeben «Piraten. SBalb aber gerietb er mit bem 
Hbmiral in Streit: „bie SEBardger," fo entgegnet er bem 
ftoljen, auf feinen 53onang potfcenben 99vjantiner, „baben 
ba» «Kerbt, unabhängig von 3ebem nad) eigenem @nt> 
bünfen ?u hanteln, nur bem Jfaifer unb ber Jtaiferin 
finb fit untertban." @in Aampf )W<fd)en ben beiber-- 
feirigen S nippen brebt auöjubredjen ; bod) warb ber 6on> 
flirt frieblid) burd)» Soo» gefeblirbtet, unb feitbem batte 
4j>aralb freie» Spiel. 3Mc offenfunbige Seradjtung, bie 
er bem «bmiral joüte, führte enblict) ju firmlieber Iren« 
nung ; beibe arbeiteten auf eigene £anb, bi» (Ütegorio* 
mievergniigt in bie «Seftbenj beimfebrte; manche bet jun« 
gen griecbiicbrn Solbaten, nad) Sdjdfen trarbtenb, blit» 
ben bei bem SBardger jurätf. 9tun ging» gegen bie 
Saraflenen nad) «frifä, wo Aaralb unter ÄaiferWldiatl IV. 
bem Jtalfatrrer (1034 — 1041) mehrere J.ibte lang Fämpftr 
unb reiche ®cute gewann, bie er feinem grranbt 3aio»' 
(av I. nad) J&olmgarb (Äuftlanb) fanbte. 9?ad)bem er 
fid) aud) in „Slalanb" ftegreid) umgetban, (ehrte er beim 
nad) (Sonftantinopel, wo Tf>n 3oe nnb ihr @ema&( boeb 
ehrten, «über halb beleibigte er burd) einen rvnlfiben fflit> 
bie feufdjen Cbren ber Äaiferin, baber bie fpdiere geinb» 
febaft, bie Waniafe», eiferfüd)tig auf be» grembling« 
Subm, in jeber ffieife fdjürte. (Siner abenteuerlichen «Be* 
rübrung mit einem Ungeheuer, b«< bie ®aitln eine« 
fflardger« (hlenb befeffen, wirb bann weiter gebadjt, 
fowie eine» fiegreidjen Äampfe« gegen bie Reiben, weld>e 
bie 9tefd)»lanbe bebrobt. Der ^eilige Claf, «Äorbert'« 
Sruber, hatte, hieß e«, babei vom $imme( ber gehol- 
fen} jum Dan! warb ibm, trot> langen fBiberfireben» 
ber ©riedjen, in ber Aaiferflabt eine Äirdje geweiht. 
'Dann ging e» (1038) gegen Sicilien jugleid) mit «JDra- 
niafe»; bei Dragina würben bie Ungläubigen nad) Idn» 
gern Jldmpfrn veruid)tet "). StBegen Jhtiiun^ bet «Beute 
eutfiebt balb ein Janü mit Waniafe»; ^aralb trennt 
fid) von biefem unb pilgeTt nad) 3ernfalem, mit ibm 
bie OTebrjabl ber «JBardger, bie gnn auf ben faiferildjen 
Solb verliebten, fo £albor Snorrefon unb Ulf Cepaffon, 
wol berfelbe, beffen «Äame neben bem feine« gübrer» 



23) e<m(. tw™« Vol. II. p. 522. 646. t»»r «<»itM( 
M .*ek«nc«, in 600 SltJnn au« »Mit* irnfeil« in «[pen fUtt, 
ein Tmal), WiMiianKm Ulttlttaii. tri tirllcidll unfft ^artl»; fidjn 
indit, mit Muralt j. a. C. p. 616 mrim, <BJilbtlm VtKiiorm von 
4)a«t<riflr. cjbrr Urft fi* an Wruilln, t«n f»4tmi Onfra m« 
»wifa, 3lai«ntf< Aampfaenpffr» , krtfr». 

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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 148 — (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



auf bem *piräru«<?öwen eingemeißelt ift. 9lu«führlicb 
fditlbert bie Sage feint g.iltrt rur^t^ beilige canb; beim* 

?efebrt, fanb er cm Äonftantino* LX. ÜRonomacfcefl 
1042 — 1055) all 3«'* ©tmabl auf bem Äaifertbrone. 
Sd)on friiber Ijatte .paralb fid) um bie £anb ber ÜRaiia, 
einer Sidjte brt Äaiferin, beworben, unb tro& abfduägiger 
Slntwcrt beimlid) (in ?iebe*verbä(tni|j mit ihr unter« 
halten Sun bebten Waniafe* unb anbrrc 9iric« bra 
neuen Aaifet auf gegen ben fremben Sbenteurer, bet fidj 
erftedjt, an ©erfdjwägerung mit bra $aufe ©aftlio«' 
be« iRafebonier* tu teufen. SRan lauerte ihm auf, al* 
er bei ber ©eliebten »eilte; fie lief ibn an einer «Stritt* 
leiter hinunter; anbete Slnflaqen, wie bajj er feine Sßacbe 
fdjledjt halte, würben ebenfo fdilau wiberlegt. Äber in 
$aralb'6 Seele erwadfte enblid) bie Sfbnfutfet nach bem 
„berrlidjen" Sorben; et legte fein SImt nieber unb wollte 
abreifen*, ba« mt«fiel ber $ot, bie felbft, wie bie Sita« 
räger munfeltrn, ben cvnifdien 2Bt$ be« freien Norman» 
nen nicht fo ungnäbig aufgenommen, um mdjt ibn fid* 
alt) neuen Watten ui wünfd)en; beftige ©efdjulbigungen 
würben erboben, er bube Staat*gelber verfdjlrubert, bie 
<Drin'effin Waria entebrt. SD?it feinen ©rtreuen, £albor 
unb Ulf, warb et in ein unterirbifd)e* Verlief geworfen, 
bat) ein giftiget Cradje bewobnte. Mber £aralb tobtet 
ibn •*) unter Anrufung feine* ©ruber», Olaf* be* 
{»eiligen; eine reiebe Watronr bet ^auptjtabt, brr Ie*)> 
teter jugleid) erfdjien, etlöft ibn au* ber £aft. Jparalb 
eilt ju feinen Söarägern, blenbet ben Äaifer, entführt 
bie Waria unb entfliebl. MI* et ba* fdiivarje Wter tf 
reitbt, fanbte er bie Prinjefftn unberührt jurürf, bamit 
fie ibrrr lante melbe, welche Seute bie Normannen 
wären. @r felbft aber eilte gen fwlmgarb jum SBardger» 
fönig 3aro*lav, heirothet beffen loditer iSUifif unb lehrte 
tnbltcb ftdjer beim in ba* Äonigrcid) feiner Slhncn. 

Te* nenvegifdjen £dnig*fcb»c* Slbenteuer in bem 
reid-en ©iflagarb rief halb bie wunberlidjfien Sagen brr» 
vor. Selbft tltben* verfallene ®röpe fanb in ben Vie» 
bem be* Sorben* ibren Sadjflang; auf 3*lanb t'prad; 
man von ber „brbren Statt Silben, bie mit Sedn bie 
■Mutter aller ffiiffenfdjaften unb Pflegerin aller philo- 
fepben genannt werbe unb ibre* ©leidjen in ganj ©rie« 
djenlanb fud>e, tvo feine prächtigere ober berühmtere 
Stabt eriftire." Dafj fdjon lange vorher vielfache 93et' 
binbungen jwifeben ben Sormanncn Sfanbinavirn* unc 
©vtanj beftanben, ift befannt. Skiren bod) bie ©ren - - 
nad-barn be* Äait'rrrrid)*, bie Ri rmaniuüte 
Heerführer, bie von ben Sinnen unb Slawen Pf* hru 
ttgen Sujjlanb* au* Schweben gegen ibren bulgarifcbcn 
dränget, ben ruraniidjen Äbagan an ber SBrlcij, ha> 
beigetufen waren "). Äuf fdjwebifrtun Siincntfcincn be» 

34) Cfrol. Sota Qraximntw , H ijtiuU Hu im edd. f. K 

Miller ot J. U. Vtl*> Ii 
(iutlrtmui Mnlmnburimtii 
plorct. Krtncofurii 1 

I-IL CdJj 
txa« b.irl 
Bn(M-«»ri! 



gegnen wir bÄufig bem Samen ©rifia, ©irfia (©riedjen« 
lanb) unb ©irbdfi (©ried>en), aber ftton lange cot 
Jtunil b«< 6d)löjer 36 ) mit Wecbt bie SPchanutniiq auf* 
gebellt, baf baruntrt «ornebmlfcb ba* beutige Suflanb 
•u »erfleben fei, beffen ühjnajien wdbrenb be* 9. unt> 
10. 3abrbuuberi* in fortwäbtenbem Serfebr mit ben 
Stammgenoffen in ber $eimatb blieben. Wartarifi, 
Aolmgarb unb ©räeia be'eid>net bei ben norbifd*ert 
ScbriftfteUem etwitfen nicbl ba* bo)antinifd]e Seid*, fon« 
bem ba* ?anb junädul füblitb an ber Oftfee, ba* Pen 
feinen fremben ^eeren ben Samen Sufilano empfing. 
Später erft wirb ©riflanb mit feinet ^auptfiabt *3Rtf la* 
garb a(* gan} von bem ruffifrfcen ©rifia ober ©arbarifi 
wrfdjieben bejeidjnet. 

Sd>on vor Sonfianrin'* be* ©rofen 3ritni waren 
bie Äaifer gewohnt, ibre ceibgarbe au* fremben Sölb* 
netn ju hüben, ©otben unb anbern germanifdjm SA* 
fern. 3)iefelbm würben al* foederati betri ebnet, weltber 
Same, in* Sorbifa>e überfetjt, !Uäringjar lautet. An> 
bert beuten ben Samen 2Baräget ober fflarangm, ben 
jme ^rdtorianet febon im 10. jabrbunbert fübrten, ned» 
minber rid*rig al* ^eimatblofc, Verbannte tT ). 3>af 
'Scaneber, ber in brr norbifd-en ^etmatb Üdj eingeengt 
fühlte, ober virlleicbt eine* ©ergeben* balber ihr brn 
Süden febrte unb auf bem weiten l'fme in frrmbem 
Dienfie fein ©lücf fud-te unb fanb, :it miglid). Aber 
ebenfo gut fiebt fefl, baf ba* (^orp* bet faifrrlid>en 
ceibgarben, wel<be ftd* IBarangi nannten, uefprünglid* 
au* ad ben vrrfd>frbenen barbarifdjrn ©ölfcrfcbaftrn w 
fammcngcbrad'l war, bie an ber Sorb' unb Cftgren-e 
be* Seid*e* ftcb angeftebelt hatten, baupt(äcblid) au* 
©ermanen, ©otben, ^>emlrm unb anbern. Sie »übt 
len pornebmlid) ben Samen foederati; al* fit au* ber 
Säht be* Seiaje* fortjogen, traten anbere ©arbaten an 
ibre Stelle, frtilfd) nfebt gewaltige {»rerbaufen, ganje 
©ölferfdjaftrn, wie jene, fonbern eine jum Sdjufce ber 
faiferlidjen ©erfon, be* ^alafte* unb Sdjafe* au*' 
reiebenbe erltfene Scbar. ©errit* Jlonfiantino* ^orpb»' 
regeunetotf *•) erwäbnt eine* Slfoltitbo* al* Slnfübrer ber 
mit Streilärtrn bewaffneten ^alaftwad*c, ohne biefelbe 
inbeffen al* 48arangi ju bejeid-nen. @rfi unter flni< 
(tantino* 9Nonomad)o* wirb ber Same gebräucbliditr ; 
baneben aud> ber Same tpffäyyc*, bet bod) wol mit 
jenem ibentifd) ju fein fd-eint **). «u*fübrlicb banbell 
von ibren Privilegien Äobino* Jhiropatate* in feinem 
©ud)e über bie bvjanrinifd'en ^ofärntn **), b« fie, 
gleid) Siftta* Uhoniata, für (Sngldnber etfldrt. 3Äög« 
lidi, baf in ben legten Seiten be* Somäerreicbe* baupt' 
fädjüd) ©riten bort Sölbnetbienjte verfaben, ober, n>a* 
wabrfd-einlicber, baf; man alle mdglicbm ©ölfertdjaften, 

26) «. ? «d>I»icr, «Ui)<mcine 9tcitn'ih< l».f*i*:f vatlf 
1771. 4. «. 803. 64«. 864. ' 27) Vton«. Knuigrt tue JtiaN 
tratfdicc <Bir-ril S:. III. 5tümb«t,- 1834.4- 6.6; vtitf. SlrÄcr 
UM e«l('|rr V. 6. 19«. \») th evrlmoaiii I, 97. Vol. I. 
[>. 4421 II. 82- p. 718; Nou« Reitkit tb Vul II. ,. 474. 
Wt«L an* /%<•<! «y» \n Ciiidudui (ed. Bonn.) p. 329. 29) 
G t Jrmm Vol. II. p. 602- <>06 ( unirt \tm Sli-luibc» Vlidud 
671. 80) Codimu, Ue olnctU (ed. Bonn ) p. 37. 39. 
67. 61. 68. 8a 81- 94. 



1082). 67 
■40. 49. 6 

m 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 149 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



bie au* bem Korblanbe „Xbule" nach OTiFlagarb famen, 
gemeinhin Briten ober granfen biei $ajl bct Jtern 
brr Seibwad>e germanifd) war, ift unleugbar; frlbft bie 
Sitten Per BJarägrr weifen baiauf hn. 010 ein lieber« 
mülbiger au* ihrer SÄitte ein SJeib ju febänben ver» 
fudjt, unb biefe ibn erbelebt, rädjen bie ®enoffen nicht 
nur nicht riefen 2Rorb, fonbern loben ba* SBeib, (äffen 
ihren Äameraben unbegraben liegen unb geben be« %uv = 
Int .*abe ber Beleibigten al« Sübngelb ftid>l biet 
alt Sfeibwadje bienten fte bem Äaifer; and) in ben gelb« 
lügen warb ihr Korp* vielfach verroencet; fo 1047 in 
Unteritalien unb ^aralb ipaarbraabe in Sicilien **). l'e&< 
lerer war wel ber etftc Norweger, ber |o bem Keidte 
mit feinen SRannen biente; unter ihm, ben 3©e jum 
£berbefebl*b«ber fdmmtlitfcer SBarangen ernannt, ftan< 
brn bann auch bie anbern Scharen von Sölbnern, bie 
au* europäifcbrn unb aftatifchen Kämpfern gebiibet waren. 
Salb aber ledte fein Beifpiel maffenhaft feine V%nrö» 
(rute. '.Vi. tu nur au* öpulien Famen felbft vornehme 
Hermannen nad) Bvjanj unb traten in bie* (web an* 

Seiebene Korp*, fonbern ber ganje eiiropdiftbe Korben 
eilte tarn fein Kontingent. So fdion feit ben dürften 
3eiten ba« ferne 3«lanb, au* bem ") ®eft Sborball«fon 
au«jog, babin verfolgt von feinem Üobfeinbe Üborftein 
Stvrijion; £ol«fegg beiratbete in 3Riflagarb unb warb 
Häuptling aller Söarägcr; ©olle Bollefen befleibete bort 
biefelbe (Stelle; fie alle fallen In ben Anfang be* 11. 
3abtbuntert«, noch vor ajaarbraabe. Später waren e* 

Serofirntbril« Tauen, roelebe bort reiben <So(b fanben; 
o f ehrte um* 3abr 1140 ber junge eble (fnbrib, ber 
Jahre lang unter SRanurl atomneno« gebleut, beim unb 
veranlagte bureb feine Krjäblung von bem fremben Sanbe 
unb beffen reichen Schäden nid)t wenige feiner Sanb«» 
leine , ihm gu folgen M ). Äm au«fübrlicbften wirb ber 
ffioiferftbaften, au« benen bie faiferlirbe Ucibgarbe be« 
ftanb, gebaefjt In bem eben »») erwärmten Kbnjfobull 
Stlrrio«' I. für ba* 3obanne«flofler ju Batmo«. Tort 
»ft bie Webe von „'iWtfcw, BaQuyyav, KovXxlyycov, 
'lyyXlvav, &Qayyav, Nmlx$a>v, Bov/.yaQuv. £affaxtj- 
v&v, 'Aleevöv, Aßaoymv." Die Deutung »frfer Kamen 
ift nicht febwer ; e* ftnb Normannen (bie Päg, ber £ern 
ber ©orangen), Briten, granfen, Jeutfdje, bie bier bei; 
flawifdben Kamen ber Kemifti fübren; bann Bulgaren, 
türfifef/e Sdjaren unb Georgier au* bem i 'rennten 911« 
bauten unb Sl belüften. Kur bie Jtulpinai ftnb unflar; 
man fönnte fte mit ben im Chronicon Cassinense * 6 ) 

! genannten ©ualani (eher Alanen?) itentificiren ober Palli- 
en barunter verlieben, liefe nicht eine anbere Stelle ber« 
ftlben Kbjtmlf un* beutlia) erfeben, bafi wir e* bier nur 
mit bem vtrftümmelten Kamen ber „ffiarangi" ju tiy.m 
baben. 

ffiir feben au« bem Beifpiele £»l«fegg'«, ba$ manche 
biefer SBaräger auch in Konftantlnopel beiratbrten unb 



vielleicht bort ibren £rrb grünbeten ; fteber fernen niebt 
aUe biefe Sölbner au« bem reiehen Süben jurürf in bie 
eiftge £eimatb, fonbern blieben bort fefbaft, gleia) jenem 
apulifeben Kormannen $iene b'ftulp«, brm Ülhnen ber 
fetralipba«, einem Kcbert 6ri«pin, £eroe, 3o*eeltn, 
Urfel be SBailleul unb anbern. Sin frembc* @lemeni 
ftebelt fta> fomit im 9(eia)e unb jwar iunärbf) mitten in 
ber Seübenj frieblfd) an: ®ermanen, ob ihrer Ireue 
bamal« ebenfo berühmt unb berüdttigt, wie bie £a>weijer 
in neuem ^titm um bie be«potifa>en Sbrone bee Bar- 
baren unb ber *ßäpfte, blieben jene 3abrbunberte lang 
bie hefte, ja einjige Stü&e be« wanfenben Komderreiaj«. 
«ber wdbrenb anbere (Germanen , theil« fdjon romanifirt, 
fortwdbrcnb bie Ijeftigften Streia>e gegen ba« Seid) don« 
ftantin'« führten, brang )ug(rid< ein neue«, überwiegenb 
iomanifd)e« Clement in baffelbe ein unb bereitete, frlbft' 
ftdnbig unb fc(bftbemu&t, balb ben 3ntereffen ber Sluto» 
fratie bienenb, balb jene jermalmenb, brn Sturj be« 
99pjantini«mu« vor. Keben ben Slawen, ben norbifdjen 
unb anbern fremben Sölbnern waten e* bie 3taliener, 
bie von ihren Kolonien au« burd) jabtrriebe Privilegien 
gefd>irmt, nadi bem ftlleinbanbel im 9teid>e, halb naa) 
iurrnidttung be« @ried>enreid)« unb SRomaniftrung bet 
SBeltftabt jlrebten, bie brefer (Srbtheile Sßerfehr vermittelt 
unb bebenfebt. Sdjon ber Biograph be« heiligm Kilon 
gebrnft jener J3anbe(«Ieute au« flauileja, bie in iah' 
bdmon verfemten, «Borboien ber JP)err|d)aft SBtnebig« 
über Stjjanj. 

Die ^anbelöbejiehungen ber Drribentalen )u bem 
grtcdjifrben iKmie, ju Sjien unb Slfrifa bat in 
einer Krihe fleiner 8 br> anbiungen in ber Üübinger 3eit» 
fdjrift für bie gefammte Staat«miffenfdiaft vortrenlid) be^ 
leuchtet. 3©fef SDtüller bat bann biefelben mit erheblid^en, 
vom Serfaffer felbft h^rfiammenben (Erweiterungen in« 
3talienifd>e überfeet"). ffia« Sauli, Kanäle, Oberico, 
Vagant, Kicotti für ©enua, bal Sorgo für $ifa, IV .v 
rin unb neuerbing« Xafel unb tlboma« für Benebig 
geleiftet, ift hier überficbtlicr) jufammengeftellt unb forg» 
fam verarbeitet. So fann un« benn rjtcr £evb'« erfter 
ürrifel: „Die Anfänge ber nahe mühen ^anbd«colonien 
im bvjantinifdjen Keid>e" *') alt hefte @runblage bienen. 
Uuter ben hanbeltreibenben Böllern 3>alien« waren bie 
Vmalfttaner mit ba« erftc, we(a>e« mit Bv^an) in nähere 
Berbinbung trat. So lange ihre .Vxrwge bie Ober« 
boheit be« @ried>enfaifer* anerfannten, blieb biefelbe un' 
geftört; loftbare $urpurgewdnber würben au* ber *Saupt« 
ftabt borthin gebradjt ; fdjen um bie3Ritte be« i ; .'3ahr» 
hunbert*. vieüeidjt fdjon 1042, fcatte ftd) bort eine 
Kolonie au« Mmalft niebergelaffen. pantaleo au« bem 
®efd)led)te be« ®rafen OTauru«, ber Äirdjen in ber 
Baterftabt unb in Korn mit prächtigen Bronjetbüren 
fchmürft; beherbergt bort um 1005 ben iperjog ©ifulf 
von Salerno; feinen Xitel Konful beutet ipevb wol mit 



31) Cedretu, Vol. H. p. 508; Ofyau p.586. 32) Cntl. 
Un ha Mnrait *. a. C. P. 632. 33) €«l»»fr «• « C. 

€. , r i66. 34) Thurm. Turfatm», Orcade*. Harniav 1715. fol. 
1. 31. 119. 86) e. 146: tn Int na* 6atellion'< Hu<> 
3C) U, 87; 68 in Peru. MonameDt» IX. p. 632. 678. 



37) Le 
medlo «to. Vol. I. 



in Oriente nel 

e Toriw, 186«. 8. 3* <iH« na« 



Ux itatimif4<n «uigakc, »a fic r»aiMn>l 9 fi i». 38) 3tit-- 
fdjnit fit kit enat*»ifftii|«4ft. »>. XIV. 1868. €.662-720; 
tr«du«ione p. 1 — 91. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 150 — (I. PERIODE VON 395—1204) 



Srdjt babin, ba§ « Sorfleber bet amalfitanffcben (So* 
lernt bafelbft gewefen. Seine Sanb«leute befapen in b« 
Jeatferflabt bie Stirbt be« heiligen «nbrea« (grwöhnlid) 
bft ber SSmalfitaner genannt), bie Älöiht 6t. Saivatot 
unb Sta. 3)1 an a be Satina ; fe(b|t auf fem %tl>o6 fKfttten 
fte ein eigene« Jtlofter (röv Mohptväv), ba« von ben 
beiben erjtcn Äomnenen mit (SoltbuÜen bebadjt, aHein 
wol früb fdjon verlaffen warb, über gegen Snbe 
be6 11. 3abrbunbert«, frirbem Ämalji in bie ,»>ar.t> brr 
Normannen gefallen, lodern fid) bie frühem Begebungen 
fo fcf>r, rat; »lerlo« I. 1082 allen Hmalfitanem, bie im 
»riebe Berfa uf«lotale galten, einen 3*»* J" ®unften 
feinet »enetianifdjen Bcrbünbeten auferlegt. Ürofcbem 
beftanb audt nad) bem Sd)lage, »ela>en «malfi 1135 
burd) bie eiferfüd)tigen Bifanet erlitt, eine (Solonie in 
Bvjanj fort, i»o 1192 ibt Duartier, obetbalb be« pifa» 
nifdjen, unb ibre 8anbung«frdtte erwdbnt wirb, unb nod) 
unter ben latefnifdjen Jcaifern (1208) %er unb tyrer 
Jtrra)en gebadrt wirb. 

«Umdlig folgten bie anbem Seefidbte 3lalien« bem 
»eifpiele Untalfi'fl, aber wdbrrnb bie Hifaner erfl 1112, 
bie ©enuefen 1157 einen förmlichen 4j<inbe(«vertrag mit 
Byjanj abfdjloffrn ober fripulirlen , batirten »ie veneria' 
mfaVn Wieberlaffungen im Steide weuigfien« feben aut 
bem 10. 3al>rhunbert. Beliebig hatte, obgleitt) fid> frei 
fflblenb, in »vjanj von Jeber alt Bertiuenj be« Gr» 
arebat» von Bavenna gegolten; bie (Dogen waren von 
ben Äaifern ebenfo gut al« if>rc Bertreter angefebm 
wovben, wie bie Statthalter in Seaprl, Kom, Sidlfen, 
we(d)e gleid) tt)nen ben fierjogdtilel trugen, über im 
®runbe war biefe« 9Dhdngigfeit0oerr>d(mif nur ein fetjein» 
bare«. Obgleich ber Jtarfet ben Battiardjen von ©ratio, 
unter beffen (Einfluß bie Bereinigung ber bi«ber patri« 
ard)a(ifd) von Xribunen regierten cagunenfnfeln G97 
ftattfanb, unb bie äerjoge Benebig« mit prunfenben 
liteln bebaut — wie benn bet Warne 3pato ((Sonful) 
bereit« bem britten Dogen Otfo beigelegt unb in beffen 
gamilie erblid) warb — , halfen bie Benerianer boaj nur 
grlegentlid), wenn e« Ibt eigener Bortbeif mit fid) brad)te, 
bem Seidje mit ihrer glotte, fo gegen bie Sirilien unb 
«pulien bebrobenben Sarajcnen. Sobalb bann bie 
Sranfen in Stalten feften gu# gewannen unb anfingen, 
fid) bort alt $erten ,ju jeigen, empfing bie SepuMif, 
ohne ihnen bienfibar ju werben, aern von ihnen Brivi« 
legien, bie (ie gegen Oftrom waffneten. Waebbem 810 
ber 9legierung«ii& nad) fRiaito, bem Zentrum bee beu< 
tigen Benebig, verlegt war, entwirfelte fta> ber Staat 
von log ju läge felbftdnbiger, fobap bie Bvjantiner 
bie fübnrn Seefahrer nur a(0 Sunbe^genoffen, nfd)t al6 
Untertbanen anfeben burften. 3war baut noa> @iufti= 
niano «Uarteripajio (827—829), vom Äaifer ?eo V. |um 
ttonful ernannt, „auf ©efebl be« lefctern (Mnctissimi 
domini aostri Imperatoris Leoni*) unb mit (Selbem 
de propria camera itnperiali" bad Wonnentloftet 
6. 3a«oria M ) ; abet unter bemfelben 2>ogale entfagt 
man faetifd) voOenbA ben k B»jantuum, inbem man ben 



89) !«ftl im» Xb*»«< a. a. O. I. «. 



bi«berigen Sdju$parron ber (Solonie, ben Oriedjen ©t. 
Ibcoboro«, abbanft unb bafur jum »annertrdger ber 
Sepublif ben (Svangeliften Dlarru« erwdblt. €«r)en bc 
mald vermittelte (Benebig, burd) feine Sage baju pta 
beftinirt, ten ÜBclthantcl; man verfebrte |e(bf) mit ben 
Garajenen, obgleid) Aaifer, Doge unb 0apjt tt ver- 
boten; bie wieberbolten ©biete gegen ben Sflavenbanbel 
(87C, 945, 900, 971) beweifen eben nur, bog berfelbe 
tro^bem ein 3ab'bunbcrt lang in voller ^lütbc ftanb. 
Sdhrenb aud) im 10. 3abrbunbert bie ü>ogen unb beren 
Söbue mit gried)ifd>en Titeln geifert würben, begann 
ber dpanbel im 9lcid)e um biefelbe 3eit mandien ^inber* 
niffen )u unterliegen. Die gierige Sifttatfon bet edjiffe 
nad) verbotenen «rrifeln, bie oft mltlfürlid) von ben 
ntcroeamten erpooenen sout moajten awanwem oen 
Berfebt mit 55pjani verleiben. @rft 991 würbe Biefem 
Uebrlftanbe abgeholten; bie hoben 3^He würben herab» 
gefetyt; bie Bifttarion ber @<biffe würbe einem bdbrTii 
faiferlid)en Beamten, bem koyo&irt)$ räv oixtutxäv. 
anvertraut. Juglcid) erfeben wir aue bem Diplom, baü 
blOber auf venetianifd)rn dj>onbel0fd)iifrn auch Stmalfita- 
ner, ."Juben, lombarbifaV JlaufU'ute aud Sari unb an« 
berc @efd)dfte mad)ten, fo wol aud) jene aus Slquileja, 
bie in Jafebdmon weilten , um unter bet fretnben glaogc 
bie b^bern, ihnen aufliegenben 3öüe tu umgeben. Dir 
Eroberung DalmatienO burd) Senebig warb 999 von 
SafttioA II. unb beffen Sruber förmli^ fanetionitt ; be« 
Dogen Sobn @iovanni Crfeolo beiratbete 1004 bie 
Wieble be« äaifert SRaria. Mio bann gegen Snbc be< 
3ahrhunbertö bie 3Kad)t bev Wormannrn t<d) erbob, al6 
biefe fogar 1075 lüfierne 33(ide auf Dalmarien warfen, 
fühlte Senebig feine tdngfi fefigegrünbete dperrfd)aft auf 
bem abriatifd)en SReere auf« Jpödjfte bebrobt. @emein> 
fame 3ntereffen mußten bie alten Sunbedgenoffen auf« 
9Ieue einen; baju famen grove Serfpreebungen feiten« 
be« ttlerio«, bi« enblid) ein förmlicbe« Sünbnif abge> 
fdjloffen warb, unb ber Jtaifer im SRai 1082 ben 9)enr 
tianern ein SbrvfobuU verlieb, ba« biefen bie au«ge« 
behnteften dpanbel«red)te im Stcidje verbriefte. Äatten 
früber fdjon viele venetiani|d)e Jfaufleute in ber fyaupu 
fiabt gebanbelt unb bort jpdufer erworben, fo war ba« 
9llle« bod) nut $tfvatbefT( gewefen; utu watb butd) 
einen förm(id)en Staat«vetrrag ber Kepublif ein be^imw 
ted, genau begrenze« Slreal in <!onfiantinopet jugetbeilt, 
auf bem eine förm(id>e (Solonie, ein Heiner Staat im 
Staate, emporblübtr. ün bet günfiigften Stelle ber Stabt, 
bie von jeher al« (Sentralpunft ade« Süerfebr« angefrben 
war , am j^afen von ilera ($erama), jundcbfl ber 3uben> 
frabt (3ubeca, 3uetie), erbob ffd) ba« Ouartier bet Be» 
netianet*°) mit Sanbung«fidtte, ^dufern, Speicbetn unb 
Äirdjtn, unter benen bie be« beüigen «finbpno« wol 
fdjon früber von Pen bort weilenben Benetiancrn benu&t 



40) 9>n OitaU galin (1084-1096), vom *«ifrr 10B4 
■um VrotofrvoRo« eraannt , td>nift( Slxil« »irff* (BcM<4< 1090 Hm 
9lt»i Xarimam« tt* Äloftn« 6. Otorgio ma^giort in Stattig; 
ttbii ic u& tit Aiia>t C 'Jiicclc graannl, oi( gtrMftlll tert <bt> 
Ü|UBjta üngnriffoi ft^fllim X« frl «no Xtena« L ©. 66. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 151 — (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



war 4 '). $em 2)ogen, bem Batriarchttt, b« ÄirdKit 
tcr 3taN würben (fiirengefcbenfc gefpenbrt; ba* riva« 
liürrnbc Amalft )U 9Senrt>infl Bortbcil brfteurrl unb 
l'djliijjlid) beftimmt, bafj bie Bcnctianrr im gangen :Hrtd)c 
frei faufrn unb verlaufen burften, ohne Böllen, .Jjafen« 
gelbem ober anbern Auflagen au unterliegen. Bon ben 
U>Iäo«n , an benen ite ihren {»anbei treiben, werben**) 
in Ajtcn ?aobtfea, Antiochia, Wamijtra, Vi bona, Jar« 
M, Attalia, Strovilo« (wo ba« berühmte Jtlofter), 
(Fhio«, 5b,eoloflot3 (b. b. ba« fpdtere Altoluogo) unb 
Bbofäa genannt; in Europa »unädjft bie «JJld^f in ffpi« 
10», bic vor allen beu einfallen ber Normannen au«' 
gefeht waren: Styrrbacbion, wo ihnen bie Äircbe be« 
heiligen Anbrea«, bamft jugleid) fieber ein grotic« Ouar- 
tier, verbrieft warb, Aulon 01<a Ilona), Äerlpra (6tjoti* 
pbud) , Benbi^a (Bagrnctia, Boniya) ; ferner im cigent» 
lieben ©riedfenlanb Biethone, jtoronr, Kanplion, Jtorintb, 
Theben, Athen (ba« alfo nerb alt f>afen« unb £anbel«< 
jtabt Bebeurung hoben muftle), (fuböa ((Suripo«) unb 
Qrmetria«, unb in fctn nörblicben Btovinjen Ibcffaicnich, 
(»brnfepeli«, *|*rrirhcoric:t . Abvbo«, SRbaebefto«, Abriano« 
poli«, Apre«, £eraflea unb Selmnbria genannt *'). £icr 
finben wir nur bie wiüjtigften (Smporien be« Sieich« auf« 
gejdblt; bafj aber aua> im 3nnern be« Bdoponne« ber 
j&anbeWwrferjr ftd) regte, beweifen unter anbetn bie fpd« 
trrn golbenen Süllen au« ben folgenben 3obrbunberten. 
'Sur ber widjtigfien jum 9ieicbe gehörigen 3nfeln, Äreta 
unb Äuproö, wirb l)iei nicht gebadet, ebrnfo roenig ber 
Jtüftenfidbte am Bonto« (Surine«; allein e« wäre ge« 
wagt, Barauf bin ju f (blieben, bat? testete ben veneiia« 
tiifdjen £anbel«leulcn verfperrt gewefen. SWan baue 
mir im Allgemeinen bie nercorragenbiien, am meiften 
Wuchten Bläftc genannt; erft fpdter, ba vielleicht beö» 
halb Konflirte entfianben, wirb (1199) aueb Andjialo« 
am Bonto« al« ben Benetianern offen genannt; auf 
Äteia unb Jtpprotf warb ba« Privileg au* bem Buch« 
ftaben narf) — benn factifcb war Alle« eingefdjloffen , „in 
omnes partes Romanie," wie e« im 2)iplom beifjt, 
»a« jum iSomäerreicbe geborte — 1148 ausgedehnt. 

So nur vcrfianben ficb bie Benrnaner, bertn im 
Seid)f lebenbe (Bmoffen a(« Liener (SovXm) bc« Stau 
fer« be jeidjne t werben , baju , ben Angriff be« Normannen 
Quükarb erfolgreich u webten. Siebet in ibrer @o< 
lonie, gleich ben Warägern ioederati brr Äomnenen, 
benutzten fie bie ndcbften 3ab« baju, ihre £anbfl«ver« 
binbungen moglicbft aufljubtbnen unb fia) be« Mittel« 
meere« {yerrfebaft jujueignen. Züchtern unb bereebnenb, 
liefen ftd) bie Benetianer nirbt von bem Saumet, ber 
Europa ergriff, al« Bapft Urban IL ba« Äreuj gegen 
bie Ungldubigen prebigte, fortreißen; f« eonfolibiricn 
ibte (Felonie, häuften burd) Aanbel unenblicbe €d)ä$c 
babeim wie in (Fonftanrinopel an unb jogen allmälig 
ba« gange »eifl> in ba« 99th, ba« ft e porfid )tig um 

41) «.»t«f wart 1107 mit aOrn ibr i«Brt*nkfU «»«len hrm 
•>4ttlai^<n PC« «Jtafci« ibrrtpirfm. 9tn*a €. 67. 42) Iaf<l 
ia» »•■■« L C. B2 - 63. 43) ,,«t p«r ip»m Megalo- 
Polin," l,fiM <* letiur, »»bei man aar an ,.fflit1«aart,'* ni*t 
'Ux n ba« at!al>if<t>( ÜUtflalcpcli« ja UaUn trat. 



baffelbe weben, um berelnft feine Amen ju werben. 
Daf fie fid) im Keiebe vielfad) umladen, Map fie ftd) 
bort cie genaueren geograpbifdien unb ftatifiifd)en .Rennt» 
niffc anzueignen verftanben, gebt au« jenem 2bet(ung«< 
vertrage von 1204 bervor, in bem fie gern ben au«ge> 
bebntejien ZW;\ be« üanbc« ibren verbänbeten <Sölb> 
nein, ben granfen, einräumten, ftd) aber bie wid)tigften 
^afenpldfte überall audbebungen. $3on ba au« re< 
gierten fie factifd) 2'/, 3abrbunberte lang ba« fteid), 
beffen Äaifer, ob granfen ober ©rieeben, trep be« bod)« 
rrabenben 2on«, ben (entere gelegentlich annahmen, nur 
von ber <$nabe be« italifd>en Arämervolf« abbingen. 
6ie fielen, fobalb Benebig von ibnen bie 4>anb abjog 
ober vielmehr cemmeteieOerSoniunrtuten halber von ihnen 
abgehen mufite. ta$ alte Berhiltnip lehrte fnb um; 
bie frühem Iiener würben bie Herren; aber ein Böbe« 
rarivverhältttif ftctXte fld> nimmer i-er. feitbem bie Qe» 
netianet einmal bie innere gäulnif im Somderrriche er« 
lannt unb biefe« al« leidjte $rife genommen. 

IV. «bfdjnitt 

T>it Asrantnen mb bie JCr(Bi<ügt. fftubalitat nnn 3tt> 
l c f« n ,1 > ? r r er p Bitter ttn fl m g «Ii. Sie it j 1 1. ntfa)ta 
4an»el«<0lont(n, ber eicrlr .ttteaiing anb ber 8*11 
br« «oma(rrti<4t« (1066-1204). 

1) Sie ÄomBtBeB inb bie «reujjugr. «eerfahtten bft 
«tnrlianer unb 9tormanntB (1065 — 1188). 

An bem erften Äreujntge felbfl hatte Senebifl ebenfo 
wenig, wie bie anbern Äanbel«f)äbte 3talten«, birertrn 
Antbeil genommen. <frft naebbem ba« Unternehmen, 
wo! gegen bie Berechnung ber vorfid)tigen G)ro§b6nb(er, 
geglürlt, eiltm fie, bie gtädjft beffelbrn au ernten. 1-it 
nunmehr ficb reichlich enlfaltenben ^anbel«bejtebungen 
iur Jevaute finb bie einiige reelle Äu«b<ute, bie «Europa 
von biefen 3ügen mit Aufopferung fo vieler $unbert< 
taufenbe gewonnen hat. Die ®efd>id)te jener tulminirt 
in ber Eroberung bt« SRomderreid)e«, be« abfoluten 
Wanbarintnfiaate« am Bo«poro«; mit feiner $inf<blfe' 
(hing unb faettfehen Unterorbnung unter romanifche 
{»ernrhaft öffnet ftd) }ug(eid) ba« fernfie Aften ben flau* 
nenben Blfelen be« durepdrr«, unb bie fpdtere lieber« 
ftebelung be« clafjtfchen {»ella« auf ita(ientfd)en unb teut« 
fd)en Beben bereitet ftd) ver. T e.-t> bavon fpdter. 

Schon oben beutete td) an, wie ber erfie Jtreuuug, 
jwar von Bapft Urban II. hervorgerufen, bed) feine 
B3urjeln grepentbeil« im Äcmn«nenreid)e hat, wo Alerio« 
hoffte, mit ^ilfe oeeibentaiifcher ritterlicher Sölbnet, einem 
großartigen BJardger-eorpfl, ba« verlorene Äleinaften 
wieberjugewinnen, ba« feit ber Schlacht von SRanjilert 
(1071) unb bem unglücfltcbcn Bertrage von 1074 ben 
Sclgülen überlaffen unb in ein Sultanat venvanbelt 
war, welche« man balb nad) bfm Kamen ber 9io« 
mder 9iüm, balb nach feiner {»auptftabt 3lonium nannte. 

Alerio« I. **) hotte mit £>ilfe ber b»)antinifd)c« 
Arifiofratie 1081 ben Thron feine« Cheim« besiegen 



44) Finlay, B]rx>atine «od greek empiret. Vol. IL p. 64 «eq. 



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GRIMMSCHE GESCHICHTE — 



152 



— (I. PERIODE VON 395—1204) 



unb boten, bie ibn erbeben, jundebfi man*« Gonctffion 
umeben müffen. ©n ÜXrfftrr tn ber Diplomatie, hatte 
er e« verfianben , biefe ßonreffionen balb babin abjufcbwd» 
eben, baß prunfooHe, tbrilwrife nni erfunbene Ittel ben 
Wangel an reellem (Singreifen in bit Staat«verwaltung 
crfr&ien. Sebellionen waren rafcb unterbrüeft, SBerfcbwö» 
rungen argen ba« Sehen rc# Äaifer« entbedt unb je nach 
SBebürfntß balb nur mi(b befiraft, balb mit berfelben 
rifrrnrn Sirenge geabnbet Worten, bie ber Jtaifer gegen 
bie ijeteroborie bervorfrbrte. ©« war wiebet Orbnung 
gefolgt auf lange 3abre ewigen Xbronwecbfel« unb innerer 
3rrrüttuiig; ber Abfoluti«mu« hatte fid) rafcb wieber be« 
feftigt, unb fo nahm ba« 9tcitfe, bureb feine ©eir&gebung 
mehr nod), al« burd) bie in bemfelben gepflegte äBiffen* 
febaft ben Abenblänbtrn imponirenb, unter brei gleich 
frdfrigen unb flugen .£>errfcbrrn dn 3abrbunbert lang 
in (Suropa feinen alten Sang dn. Sadjbcm ber erfie 
CKnontd) ber Sormannrn abgewehrt, ging bat Söerf 
ber innern (Sonfolibirung rafcb vor ftd); ©efefte unb 
'.ßolijri, beibe« bem Abfoluti«mu« bienenb, würben neu 
organiftrt, bie £rirg«jucbt b«a.efiellt, bie glotte verbeffert, 
Aunff, SB:ffenfd)aft, ®ewerbe unb fwnbrl gehoben. 
Aber nod) immer t>arte man von äußern grinben ju fiirdj-- 
ten. Die turanifeben *J!etfd)enegen unb .Rumänen, bei 
benen bie verfolgte b^retiföe Sefte ber »tfaulirianer eine 
3uflud>t gefunben, beftürmten erft 108« ba« SKcid) *«), 
brachen bann 1087, 80,000 Wann ftarf, unter Djelgu 
in Ifjrafien dn, würben beftegt unb ftegien reieber unb 
rücftrn fogar 1089 gegen bie jpauptftabl vor. Sacbbem 
fie lange in Xbrafirn gehäuft, würben fte enblid) am 
29. April 1091 bei Srvunion vernicklet; ein Slv.l ber 
befangenen warb gemefcell, dn anberet al« (Solonijien 
in SÄoglena angefiebelt. Sad)tem fo (Suropa von ben 
©arbarenborben gefdubert, erfaßte ber Äaifer ben fübnen 
(Genanten, alle verlorrnen $rcvin)rn be« Srid>efl in 
gleicher Sßrife wieberjugewinnen, alfo junäcbft Jllein« 
alten ben Ungläubigen iu enhvinben. Sribft Sifäa hatte 
bort ben Sclgüfen übertaffen werben muffen; Abu'l 
Ääfem, ber baffelbe 1086-1091 al« Statthalter rer« 
waltete, war mit bem Xitel Sevaftotato« geehrt worben; 
bie burd) Salut unb Äur.it wohl geformte Stabt war 
bie erfie Seftben) ber Selgüfen» Sultane. (Jmir« regierten 
in Ät^ifo* unb Sinope; ber ^iratenbäuptling Ijacba«, 
ber fid) 1092 in ben i*rtp von Smprna gefeftt, nadjbem 
er febon balb nad) Älerio«' Ibrenbefteigting Jtlajoutenä, 
^bofäu unb Ubio« gewonnen unb 1090 bie faifetlidje 
glotte unter Sifeta« Jfuüamonite« beftegt, bertfdrte 
frlbftdnbig übet bie Sporaben unb nahm fogar ben 
Jtaifertitel an. ^nax verior er bereite 1092 8e«bo« unb 
Santo« an bie Jtatferlia>en, allein gleichzeitig au«bred?enbe 
Empörungen auf Äreta (unter Jtarvfr«) unb Jtppro« 
(unter Sbapfomate«), bureb ben furchtbaren Steuerbrucf 
hervorgerufen, binberten, obfebon fie balb genug unter; 
brüllt würben, ben Jtaifer, mit aller Energie gegen ben 
Sebenbuhlet einjufebreiren. Soch 1093 beftürmte berfelbt 
Abvbo«, bi0 e« bem Jtaifer gelang, ben 6<hwiegerfobn 



46) Finloy a. «. C. p. 101 i»q. 



be« 2jacba«, ©ultatt Äflfg «rtlan L (1092-1106) 
gegen biefen aufjuhe^cn, unb ber $iral burd) beffen 
SRörberhanb fiel. Cbgldch ber Sultan frieblich jum 
Jtaifer ftaub, verheerten boeb oft genug dnjclne uuab> 
hängige Selgüfen'Scbaren ben Sefl bc« bpjantinifcbrn 
9tcich« in alten, beffen Jjaupt« unb ©renjftabt Sifo< 
mebia geworben unb mit Shürmen unb ©rdben befefiigt 
warb. Uber auf bie Dauer mußten auch biefe legten 
SJefiOungen ber Somäer jenfeit ber $roponti« ber hoch' 
ften ©efahr auflgefejt fein; baher ber Aufruf VfonW L 
an ba« chnftliche Abenblanb. Jtlug verfianb r« Urban II., 
mit biefer rein welllichen Angelegenheit bie Sache be« 
heiligen Orabe«, ba« von ben Sarajenen ubnöbe ent« 
weiht, ju vereinten. Sollte bie Unternehmung, ju ber 
ftch bann Sfßefiettropa auf ber SSetfammlung ju Elermont 
begeifierte, einerfeit« bie faiferlid)e ©ewalt ber Jtomnrnen 
im Ddcnt neu hrrfielltn, fo foQte fie anbererfdt« bem 
ürgreidjen $apftthum bie ifrone auffegen, bie neuge« 
febaffene, nod) jüngft bebrohte Hierarchie bod) über ade 
Jtonig«tbrone ber weit erheben. Sitterlicher SDlulb unb 
Slbenteurcrluft, a«fetifcher Sinn, ber in bem irbifdjen 3eru» 
falem ba« 33orbi(t> be« himmlifdien fab unb mit bem ^. •'t t f 
jene« bie fidjerfte Anwart auf birfe« ju erfämpfen hoffte, 
reichten ftd) bie jpanb. @wige« Seelenheil unb irbifcher 
©eivinn locften in gleichem Waße; bie TOaffe be« lanb» 
bauenben SBolf« r>offte be« Irurfe«, unter bem fie fd)mad>< 
tete, lebig ju werben, verfdjulbete Sitter, bie babeim 
ba« 3h" verpfänben mußten, träumten von Saronirn 
in bem fernen Orient. So begann ber erfie Jtreu^ug, 
eine Sölferwanberung ber Ccdbentalen nad) Auen , nad) 
Svjan). dine aua> nur einigermaßen betaillirte ®t* 
fd)id)te beffriben ju liefern, ift tytr nidjt ber Ort**); 
id) berühre benfelben nur für), fomrtt in Solge beffelben 
orribentaliid)e (Elemente nicht blo« votübergehenb ba« 
Seid) berührten, fonbern bauernb in baffelbe einbrangen. 
2)a« jügellofe Auftreten be« maffenbaft au«ge)ogenen 
Sanbvolf« unter ^eter b'Ad)rn) von Amien« unb $Balter 
Sanfavoir auf gried)ifcbem ©ebiete, bie »piünbetungflfce« 
neu, welche fie felbfi (1096) in ber $auptfiabt verübten 
unb bureb 33nntd)tung auf afiatifcbem ©oben bei feri« 
gorbon unb Jtiboto« büßten, waren wenig geeignet, bem 
■Railer unb feinem IBolfe Vertrauen tu ben gremben 
einzuflößen, bie mit unenblichen Anfprüchen auftretenb, 
bie gorterifren) be« Seiche« fchon bamal« ju bebroben 
fdjienen. Die feubalen 9arone be« Abenblanbe«, offen, 
wilb, ungebilbet unb ber bvgantinifdK Abfoluti«mu0, 
überfeinert, in biplomalffchen Äunfigriffen Weifter — 
hier bie Jtriecberri ber Wenge vor bem Einen AUmdaV 
tlgen, bort Selbftgefübl in jebem @inje(nen — bann Der 
nie erfiorbene firchliche Seftenhaß, ber Anftoß, ben bet 
gepanjerle Äleru« be« Abenblanbe« bei ben griedjifchm 
«fönchen unb bem von ihnen gelenften 93olfe ber ä^aupt« 
ftabi erregte, furj, fo viele febneibenbe ©egenfäße, baf) 
an gemeinfame« 3ufammtnwirfen in feiner SBrife ju 



46) 3* wnwifc fiAlt allrd »fllcrn auf dir rrfffliihm OutOen. 
UBltrfiidmiifl«!! in ^. ». 6*fcfl, Cil((*i(til» M rrften Jermyiig«. 
XiifftUerf 1841. 8. 



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GRIECHISCHE GESCHICHTE — 153 — (I. PERIODE VON 395 — 1204) 



brnfen war. Unb nun gar unter bot gübrern be0 $aupt> 
berre0 ber ©obn ©ui0earb'0, gürft »oemunb von Sa- 
nnt, rraftvod, nldftd)t0to0<eneTgifcb, fd)on imeimal Orr 
©d)ieden ber Svjantiner, beengt auf ben gürftenftub