Skip to main content

Full text of "Allgemeine encyclopädie der wissenschaften und künste in alphabetischer folge von genannten schrifts bearbeitet und herausgegeben von J. S. Ersch und J. G. Gruber .."

See other formats


4>. & IL. (33.) 




Digitized by Google 



f . ---| •: 

i. AJ>. 



Digitized by Google 



4. «,.4. X. (33.) 




Digitized by Google 




Digitized by Go Ale 





Digitized by Google 



0k 



51 l I g c m e t n e 

®ncpf!opdbtc 

SBiffenfcbaften nnb St ü n ft e 

in alpbabettf^et 3 o l g e 

t>on genannten <5d)t\ftfttlUtn bearbeitet 

un& bf TOU«gegebtn von 

3. ©. ßrfd) un* 3. ©. ©ruber. 



3 » e i t e 6 e c t i o n. 

H — N. 

31 u 9 u ft ß e 0 f i e n. 

J)rciunbbrciBi9iicr Jfteil. 



KARACHTTAIER— KARL V. VON LOTHRINGEN. 



8 e i p j t 8 : 

1883. 

Digitized by Google 



v, ?5 




Digitized by Google 



Allgemeine 

@ttct)fto*abie ber SSiffeufdjaftett unb Mnftt. 

S to c i t c 6 e c t i 0 tu 

H— N. 



2>reiuubbrei{ji9fter Z\) eil. 
KABACH1TAIER — KABL V. VON LOTHRINGEN. 



Digitized by Google 



Digitized by Google 



I 



allgemeine 

Gnc^flopä&ie bcr SBtffettfdjfrftett unfa Äßttfte. 



Digitized by Google 



Digitized by Google 



R. 

(JWW, bie unter K m*t fttbcn . fufte man unter C.) 



KARACHITAIEK (Karakhitaier, audj Karaki- 
danen), eine aud (vtiina ftammrnbr Dtjnaflit mongoli!tf)er 
Vbfunft, reelle im 12. 3flbrr). cbrtftlirber 3titredjnung 
übet btn größten ÜH'il dentralajicnd gebot. 3n« 
bem fit jum rtftrn mal bie jab(reta>en von ber d)ine* 
fifd)tn ©tenje bid jum 9mü«£ariä rjauftnben türfifrben 
Stämme unter einem Seester vereinigte unb bie 3Radjt 
btfl 3dlam in befftn öfilia>en ©renjgebitten ferner er« 
febüttertt, war ftc eine Sorläuferin ber von 3)fd)ingid« 
Äban gegrünbeten mongolifa)tn SBtltmonardtfe, von 
wtlcfcer fte ftlbfl roieberum veri'djlungtn warb. 3*)« 
©tfctjidjte gliebtrt fid) in jroti Slbfcbnittt: bie ber Sta> 
raebitaier inXutfiflait unb 3Rdward'l«nal)r unb 
Diejenige ber Äaradmater tu Jtirmdn. Df)n< und 
über ben Urfprung btd Ramend Äaraajiiaier ober Äaraft* 
bantn (fdjroarjt Gbitaier — ober Äioanen) in eint X>id» 
tufjion eittiulaffen*), wenben roir und fofort ju erfltrrn. 

Slld ©rünber ber Dvnaflie ber Jtaracbitai wirb von 
ajintftfä n OutHen 2)elu 3 atfd>t genannt, ein Sproß« 
Iing bed faiftrlirfctn £aufed btr Siao (Jtibanen), wtldjed 
feit Stginn bed 10.3ab.rf). ba« nörblidje Gpina beberrfdjte 
unb von beffen «bnbemi «paofi ?)clu Xatfdji im 8. ©liebe 
abftammte. Gr nahm am $ofe eine bervorragenbt 6te(< 
hing tin unb fdmpfte niajt ohne &rfoIg gegen Die tun« 
guftfdjen Xfdmrtfdjfn (Äin), wrlcbe im 3. Sabrjefjnt bed 
12. 3at)rb. bie SRaajt btr Siao ju flürjen (hebten. Süd 
ber äaifer :JKii: :n-n»ht 1122 von iljncn jur glud?t 
gejwungen roarb. begleitete ihn 3)rlu Xaifdji tinige Sat 
lang, trennte ftd> abtr fpäter von ihm, um mit tiner 
Keinen Sd)ar im SBefien eint neue Erjfltnj ju fudjtu 
(1124 n. 6br.). &uf ftintr SBanbtrung bureb bie Steppen 
mußte tr ftiut afiadjt burd) Sujüge aud ben nomabifi« 
rtnbtn Surf tn flammen balb erbebiidi ju vtrjlärftn, unb 
gtwiij war t0 nid)t blod bit Erinnerung an freunbt'djaft« 
Iia>e gamilien« unb Stammedbejitbungtn, fonbern noa) 



•) 3)i* blc« bei mobammtbanifAtn JlutüHn 84 ffnbenbe 9t' 
jcidjnurg. fctl auf fett Snfrriorltat b«t Jtaraäitai gejenüb« fern 
tignllia)tn ,,($tit«t" (Q^ina) (inttieiftn; im* anberer CJrflaruna 
fotl bie ,,'äct?trjijf" auf bie Unalaubigfeit btr Albanen aber auf 
bic bidtten ÜBälbrr ifcrer $cimat (leim. 

«. tic»n. ». s. l *. a«Ktt< cittUii. XXX III. 



weit nteijt bie öut\t>t, tvtlite btn uigburifd)tn Äfjan Silefe 
Otfilefo , ^ilfba) veranlaßt!, bem Abenteurer uidgt Mo* 
freien 3>urd>jug burdj fein ©eblet, fonbern aud) rtidje 
<§ü(fe an Sebendmitteln, Sdjladjt « unb 3 u fttfeb ju flt« 
tväbren. 2>j t weitertn Unttrnt^mungtn 3)e(u Xaiftbi'd 
bid ;u feinem (Srfa^einen an btr ©rtnjt von SRiward'l« 
natjr werben von btn djintfifa^tn unb mobainmebanifa)tn 
Duellen febr abwtia)enb berietet unb ftnb aud) im ein« 
jtlnen unftdjer; ald beflimmt Idßt ft* «ln>a golgtnbt« 
trftnntn. 2)elu laifcbi vcrfuajtt anfangd in bie Jtirgifen« 
jltppe tinjubringen, wict) aber vor ber tntia>loffenen Jpul« 
tung btr Virgilen wieber turürf unb grünbtte weiter 
fubwärtd bie Stabt 3mil. Son hier br,t(fi er an btr 
Spipt von 40,000 Jtibitfen gtgtn öalafagbun (mongoL 
Gu baligb, ttwa norböfilid) vom btutigtn Urumtii) auf, 
wo gleid)ivie tu Äafdjgar unb iRiwarä'! « nabr mobam« 
mrbanifd)t Dvnafltn türftfa>en 3Mutd faßen. 6ie führten 
ihr ©tfd)lta)t auf üfräfiäb, btn fagenr^aften S3ibrrfad)er 
3ran'd jurücf unb beißen baber bei mot)ammtbanifa)eu 
Sctjriftflellern „bit 9tad}foinmra Slfräftdb'd" ; turopiifaje 
©eleb.rte nennen biefeiben gewöb^nlid) 3(efa>ane, aua> wo! 
Jcaradjaniben, beibtd oljnt triftiaen ©runb. Seim «uf« 
treten 3)t(u laifdjt'd war ib« Wadjt tu rafdjem 3trfau* 
begriffen unb btr rtgitrtnbt £bau, unfdbig, ftd) noa> 
Idngrr btr mongoUfdjen Stimme btr Äaugbli unb Stw 
luf ju erweb^rtn, bot bem Albanen lluo;: unb 9teid). 
9tlu iaiMn na!' v.: bad flntrbitttn an, beließ jeboet) bem 
bidb.trigtn Stban ben Xitel 3ltf- 3m Stftß tintd feiten 
Stü(punf!fd jögerte tr nia>t, fein 9Rad}tgebitt wefiwärtd 
ja erweitern. SBabrfrbcinlid) 522 b. gl. (1128 Gbr.) 
wanbte er ficb gegen ffafd>gar, beffen er ftcb ohne TOübe 
bemeifitrtt. 93on bitr fd)ritt er jur Eroberung Edward'!' 
nabr'd. Dtr türfifdjt Äb,an, 3Rarjmüb b. »JWofjammeb, 
verfud>le umfonft Sffiibtrftanb ju leifltn; gtfctjlagcn wanbte 
tr ftd) an btn ©ebiettr Eb»rdfdnd, btn mdcfjtigen Stlb« 
fct>uftnfuttan Sanbfdjar, weld)er bem JRufe golge ju leifltn 
nia)t vtrfdumtt. Strtitigftittn um ffieibebeftp jwifdjtn 
d)urdfditt|'a)en Vögten unb nomabifirtnbtn Jffbantn mögtn 
beut Stlbfdbufen ertviinfcbten tünlaß )u feinbfeligem fBor« 
aef)tn gtgtbtn b,abtn; fidjtr ift, baß er im 3»'l*bibbfcf)ab 
635 (1141) mit einem jabjreidjtn, burd) Sontingente 

1 



Digitized by Google 



KARACHITAIER 



_ 2 - 



KARACHITAIER 



aller bcnad>barten moölimifdjen gütften vcrfiärf t<n Speere 
ben Slniü Xarjä überfdiritf, um Den bcibnifd)cn Eroberern 
ju begegnen. 3m Safar »36 erfolgte in brr 9?ähe 
Samarfant« t>ie EutfrbeiDung«l'd)(ad)t, in welcher bie 
SKobammebaner eine furchtbare 3tirbcrlage nliticn. 2>a« 
£eer Sanbfdjar'« warb völlig aufgelöft; rt felbft entfloh 
mit einigen bunbert Geitau nad> lermij, bann nad) 
Bald); feine erfte ©cmabHn («Dialifab'i 25fcbabän), 
Sutfan (Ibatun, mit vielen Offneren fiel in bie £änbe ber 
ßbitairr. SJtdward'l« nabr ftanb nun ben Siegern offen ; 
in Äctmineb nahm 2)clu laifchi feierlid) ben tatariftben 
2ittt ©ürd}dn an, unter rceldjcn; er bei mobammcbanifibrn 
Autoren irrtbümlirb fdwn früber erfdjeint, nannte ftd) nad) 
ebineftfebem ¥ra«cbe ffiangli (Jtaifrr) unt> fdjmüdle feine 
Angehörigen unb Offtjiere mit djinefifdjen 2itulalurrn. 0» 
SJtäwara'i «naht fdjeint er aueb bi« ju ober bi« furj vor 
feinem 2ote (trcl 537 b. gl., 1143 dbr.) geblieben ju fein. 

25te« ftnb bie hrrvorragenr-ften Spijjrn, welche roir 
im 5>unfcl ber llebttlicferüng mit IciMictjcr Sicherheit 
ju erfaffeu vermögen, ianeben erfahren wir von einet 
verunglüdten Erpebilion gegen bie IfrburtfdKn (irin), 
von Eroberungen in ben an« öfilidjc 2urfiftan unb nn 
litawarä'l«nabr angrenjeuben ©ebteten, boa> ibre fid)ere 
Einreibung in ben burd) jene cmftbeibcnben fünfte ge« 
gebenen ÜRabmen ift bei ber überaus fdjwanfrnben ßbro« 
nologie unb ler türfenbafliftfeft Oed »ugängliiben Duellen« 
matcrialfl niebt wohl juläifig. 25afj ein angeblich auf 
*l)elu Üaifdji'« SBefcbl gegen ben GbwäriimiSdjäb <ltfij 
unternommener gelbtug, infolge reffen (euerer fid) ju 
einem Iribut von 30,000 ©clbfiildm verpflichtet, auf 
einer l'envedjfelung beruht, vielmehr erft fltftj' 9cad> 
folger 3l'flr*lan ben Äuradjitaicrn tributpflichtig warb, 
bürfrn wir wol al« auögcmadjt annehmen. 

3n ben eroberten ©ebicten verfuhren bie Aaradji« 
taier im allgemeinen febonenb. 6ie ließen bie einbeimi» 
feben Surften weiter regieren unt> begnügten ftd) mit 
einem 2ribut, ju l>effrn Erhebung ©eamte (Dänighas) 
in jeher Statt eingelebt würben. 25iefc« Berfa bren, 
augrnblirflidjer Bequemlidjfeit hödift bienlidi, hat wie oft 
aud> hier bie 3"ftöruug be« 9ieid)« beförbert. 25ic 
Steuereinnehmer reijten bit ber Ernrralregierung fremb 
gebliebenen Bevölferungen burd) 25rud jum Aufruhr 
unb bie angefiammlen Xpnaflen boten jeber Bewegung 
ba« geeignete germent. SBufite bann ein fräftiger 9lad>» 
bar ftd} biefe Elemente jum $mtd eine« Angriffe bienfibar 
ju madjen, fo mochte er feine« Erfolge« beinahe fieper fein. 

Stuf fflclu 2affd)i folgte beffen minbcrjdbrigrr Sohn 
g)ttu g)ili unter Bormnnbfcbaft feiner 'Kutter Sa-hu» 
ntn. lu Dauer ber Segentfcbaft wirb von dtineftfehen 
Duellen auf ad)t 3ahTe, bie ber felbftänbigrn Regierung 
2)elu 2)ili'« auf breijehu, ba« Üobr«jahr be« (ebterrn auf 
1154 ((ihr.) angegeben, tva« mit bem oben auf ©runb 
ber }uver(dffigfien mobammebanifdjeu Duelle (3bn al-- 
athir) angefegten 2obe«jabjt §)elu Xaifd)i'« unvereinbar 
tfi. 3>a inbe^ bit 3uverläffigretl ber djinefifdjen Sin» 
gaben in bem SRafie abnimmt, a(« ber Srbauplap ber 
Eteigniffe von ber ©renje übina« fid? entfernt, fo fonnte 
jener ÜBibtrfprudj un« nidjt veranlaffen, ben burd) inne* 



reu 3nfanimenhang fid) empfehleuccn 93erid>t te« trtfilid) 
unterridjtetrn, nur um wenige Wenfa)enalter jüngeren 
3bn al^nihir hintanpfe^en unb nad) <£>oworth'« '-Bor^ 
gange jwifdjen ber (bineftfeben Ucberlitferung unb ben 
Taten fvdlerer motflimifdirr {tiftorifer ein Eomvtomiti 
ju fiidjen. 2}on §)elu 2)ili wiffen wir nur, ta« er 
eine $olf«uiblung veranlagte, weldje eine ©cfammijabl 
von 84,800 fteuerpflidjtigen gamilien (alfo au«fd)lte^lid) 
ber Ärieger, Seamten unb ©elehrten) ergab. 25a | tiefe 
3abl im ^inblfet auf bie V(u«t>ehnung bc« 9teid>« wol 
ju niebtig ift, hat fd)on ©rigoriew gewiß mit ÜRedjt bc« 
werft. Bei feinem 2ooe ernannte 3)ciu g)Üi feine 
Sd)weflcr?Bu»fo«huan <ur Siegentin wdbrenD ber3)iinber» 
jdhrigfeit feiner beiben Söhne. 9tad) vierzehnjähriger rHe« 
gierung würbe !Uu'fo'huan erfcblagen, unb Sicbifulti 
(lfdjilufu, g)elu Ifdiulfu), §)elu »j)cli'« jrociier Sohn, 
beftieg ben Ibron (1167). 

Unterbeffen hatten bie SBerbdltniffe an ber ©renje von 
«DiämaTä'l'nabr ftd) wefentlid) verdnbert. 31'^rolan'« 
älterer Sohn, 'Mlä»u'l'6in 2afafd>, hatte mit jpülfe tot 
Äarad)itaier feinen vom »Bater $um 9lad)folger beftimm* 
ten jüngeren Sruber Sultan 'Sdidh übenvdltigt unb 
feine 3JJucbt nad) Sefiegung te« lejten wirflid) fouve« 
ränen Selofdjufcn Sogbrul TU. über einen großen 2beil 
^erfien« au«gebehut. Dbwol vom ©ürdjäu faitifd) un> 
abhängig, hatte er bod), weniger wol au« TaufbartVit al« 
au« bolitifdier Älughoi:, Der bi«hrrigen 2ributpftid)tigfeit 
fid> nicht entzogen, nad) freilid) unverbürgter lieber« 
lieferung cir Sdjonung be« farad;ilaifd)en !Keid>« al« 
eine« mißlichen Sollweif« gegen Dften feinem Sohne 
'Sllä'u'l'oin 9Nohammeb fogar oriugent) an« JpeTj ge« 
legt. 2)0* leeterer war folchem Äathe ju folgen nid>t 
gewillt. 3Jad)Pem er nod) tot ^ülfe be« ©ürdjdn <ur 
«ieberwerfung be« ©höriben Sd)ihäbu'l«Hn fid) bebtent 
iino Die iranifdjen fanbc in ihrem ganjen Umfange üd) 
unterworfen, wantte er feine ganje Äraft auf cie SBe» 
fdmpfung ber JTaradjilai. 9}ad)bem )iindd)ft Buchara 
gefallen, al« beffen .£>ert ein gewiffer Sanbfdfar ÜKalif 
genannt wirb, fud)te bee Ebwdrijm < Sd)äb ftd) Samar« 
fanb« ju verftdjrrn, wo Dthmdn au« bem ©et'djlecbt 
üfräftäb'« al« Bafatl be« ©ürdiän regierte. Kit ihm, 
ben2fcbifu(u burd) Serweigerung ber Jjpanb feiner lodjter 
beleibigt, verbanb er ftd» jum Sturje be« (edleren. 

25afl ©Clingen biefe« »Blan« warb burdi bie innere 
?age be« Keia>« geförbett, welcte unaufhaltfam ju röU 
liger «uflöfung binbrdngte. 2)er übet bie Uigburrn ge« 
fejte 25drögbab war von bem mit ihm ^iniufriebenen 
35rlfe erfd)lagen worben (1209) unb ©aurtfdjaf, ber 
3bifut (gürft) trr lligburen, untenvarf ftd) bem Xfcbin» 
gifl=Äbau (1211). Seinem Seifpiel folgte 9r«lan<Aban, 
ba« Stammbaupt ber Aarluf. Jtutfdilut« Jthan rnblid), 
ber /wirft bn wefllid)en Kaiman, weld)cr auf ber glud)t 
vor 2)frbingt« am 4p°fc Xfd;ihilu'0 Sdiu( grfunbrn unb 
beffen 2od)ter jum SScibe erhalten hatte, empörte ftd) 
unb begann mit ben Meften feine« Stamme« unb ben 
SRetfit ba« ©ebiet feine« Sdjwiegcrvatrr« burd) Streif* 
jüge heimjufuchen. 

2)lcfe aufrflh"«fl*'n «ewegiingen an bei Dftgrcnje 



Digitized by Google 



KAKACHITAIER - 3 - KARACHITAIER 



unb im ^ftjrn be« ?Reid>d lahmten Sf^ifulu'« Jtraft 
bei fem nun folgenben Kampfe mit bem Öbwdnjm'Sdjdb 
unb beffen ffierbünbeten. Äaum hatte ficf> ber ©ürd>dn 
wrftwün; in SJtwegung gefegt, fo jwang ibu ein (Sin» 
fall Jtutfcbluf« jur Umfcbr. (Sfl gelang ibai iwar |f$j 
teren am Ufa beo lidjimbubfd!« »oüfommen ju fdjlaaen, 
Sultan äRobammeb aber fegte in ®rg[cicun^ Otbman'« 
über ben SJmü'Iiarjd unb brachte bei Xatdj Ifdjiftilu'* 
altbewährtem gelbberrn lanifu ein« euifdjdbeube 9tieb«r» 
läge bei. ©an} 9D?äwarä'l <• nalw bi« Olrar war 6er 
l'ohn biefe« Siege«; bca> fautn war 3Robammeb nad) 
Gbv&riun jurüdgefebrt, at« Sftbifulu bereit« roiebrr an 
ber Spige eine« £eerr« »on 3ü,0(X) Wann »or Samar« 
fanb ftanb. SRobammeb eilte }um ($ntfag herbei, traf 
aber feinen ©egner nicht mehr, ben ein neuer Singriff 
Äutfd)(uf'« nad) 9icrb«n jurüdgerufen batt«. Sei genafet 
fani e« jwifeben beni nadjriienben 5Robamineb unb 
2jd)ifulu auc Schlacht, welche unentfebieben blieb unb 
mit bem :Rürfjuge beib«r 2 heile enbigle; ber ©ürdmn 
aber fanb bei feiner Reimte br bie Über« feiner <£>aupt» 
ftabt 93alafagbua »rridjlofjcn, ba bie Sinroobner, ber 
frrmben £«rren müb«, auf bfr balbig« Slnfunft be« 
(Jbrodrijm « Sd>db »ertrauten. Der Wag würbe nad) 
fecbötägigrr 33elagrrurtg erftürmt; ba« unter ber Se» 
»ölferung angerid)t«t« SBlutbab »erfd)ärftc iebod) bie all» 
gemrinr !Ki«ftimmuna unb »erfcblimmrtt« bie Sage be« 
©ürchän, fobafi e« Jtutfdjluf nun leicht rourbe, feine« 
Schwiegervater« £en ju roerb«n. Durch Ueberfall roujjte 
er brffen Herfen in fein« ©eroalt ju bringen unb ba« 
?Reid) ber ßaraebitai errriebte hiermit fein @nbe (wahr' 
fd)«in(id) 1213 rt.ßbr.). ll'djifulu rourb« bi« tu feinem jrcci 
3abr« fpäter erfolgten Job« in ehrenvoller $afl gebalten. 

Jtutfcbluf'« {ferrfcfcaft war nicht von langrr Sauer. 
3*»ar »«rfudjt« er nicht obne ©lud bi« }u Dfdjingi« ab' 
gefallenen öftlicben fBafallrn ;u jüdjtigen. abrr felbft im 
Ubriftentbum« (S)ubbbi«mu«?) «rjog«n, reijle er bi« mo«» 
limifdje ©«»eiferung burd) blutige ffierfolgungen gegen 
fid) auf unb «bntt« fo b«r mongolifAfn 3n»afion b«n 
Sß«g. 91« baber Dfcbingi« naa> Unterrorrfung brr oft* 
lieben lurfftämmt feinen gelbberrn Ifdieb« 9?ejan mit 
dn«m $«tre argen bi« Aaracbitai fanbt« unb berfrlbe 
allgemeine [Religionsfreiheit »erfunbigt« , «rflärte fid> bi« 
Sevölferung fofort für bi« frtmben (Erobern. Jtutfcbluf, 
brr fid) in Jtafcfcgar dngefdiloffen, rourbe burd) einen 
Slufftanb ber Bewohner jur glud)t nad) b«n ©ebiraen 
ron 93abatbfcban gejiroungen, im 2bal« b<« €arigb»«ul 
»rn ben nadjfefcenben Mongolen mHl unb gdöbltt. 
Da« Wdd> ber Oürdjäne rourbe mongolifdie 5Bro»inj. 

9?ur rin febroadjer gdjö&ling »om mddjtigen 6tamm« 
b«r turfiftanifdjrn Äarad)ttai«r fmb bi« Äarad)i«ai«r 
von Airmän. Sic b«bau))trtrn fid) jroar äbrr adjtjig 
3abr« a(0 Safalltn tcr iranifd)«n Sfd)ingi«d)autben, »rr- 
mod)ten aber nit ihren (ftnflu^ äbrr bi« flrin« $ro»in) 
Äirmdn im (üMi4en 'JPerfun au«iubebn«ii, nod) irgenb* 
n>(ld)en polirifdbcn L'tnfluö ju gewinnen. 2>er Orünbtr 
brr 2)t)nafric roar Saraf b. Jfalbür, rotldjer »on ®ürd)än 
2fd)ifu(n jur (Sinforberung be« jdbrlidjrn Itibut« an 
b«n $of bt« (fbrodriim-edjab 9Robamm«b (naa> anbtrer, 



i«b«nfafl« irrtbümlid)«r «ugabe, be« lafafd)) gefanbt 
rourbe. Son (euerem jurüdgebaltcn , rotiBl« fid) 93araf 
burd) p«rfönlid)e 2üd)rigf«it rafd) bie @unfl fein«« neuen 
.*>:rtn )u «rrocrbrn, roeldjer (Im jum ^>dbfd)ib (Ober* 
fdmmercr) ernannt«, weldber Xitel ibm aud) f»ät«r »<r< 
blieben ifl. 9Iad)einanber juni oberften Unttrfudjung«« 
nd)t«r, )um Sltabcf Sultan ©bidtbu'l'btn SBairdm 
«d)d{)'«, be« '5 o biior- SRobammeb'«, unb jum »4Jolijei- 
prdfecten »on 3«fab4n ernannt, b«gab «r ftd) bdm Sfurj 
ber 6bmdrijm»€d)db« burd) Dfdjingi« au« 3rdf nad) Äir« 
man, um ftd) in 3nb(cn SÖiobammcb'ö tapferem Ecbne 
Dfdjaldlu'l-bin aeanfbfrni anjufd)tie§en, 3n «irmdn 
roiberfe^te ftd) ber Statthalter €d)ubfd)d.u'l'bin «bü'l« 
Jtdjim 3au;ani feinem 3)urd)juge mit bewaffneter <&anb, 
rourbe jeboeb »on Saraf beftrgt, roorauf bi«f«r auf f«in«n 
«rfttn tplan »erodjtete unb fid) Jtirmän« bemdd)tigte 
(617 gl., 1221—22 n.ßbr., nad) anbrrn Quetlfn 619 ober 
621 gl.), ffion Dfd)ingi«' 6obnt Ufbai Äddn mit Hit- 
man feitrlid) bclcbnt unb burd) ben (Sbrrnnamrn jTutlug< 
Sultan au«g«{«:d)n«l , regierte er etwa 15 3abr« (bt« 
G32 gl ). I a fein Sobn Siurnu'l'bin (Kbwäbfd)ab .»>iff 
bd fdnftf 93atrr« Xob« fid) im ^oflagrr (Urdu) b«0 
Äddn iju Äaraforum bffanb, fo gflang «« Saraf« 
Sruberffobne, Äutbu'l-bin TOobammeb b. dba'mir Id» 
jantu, für furj« 3dt ba« Sultanat an ftd) ja r«ifj«n, 
bod) mufite «r bereit« im folgenbtn 3abre (633 gl.) bem 
mit brm ®<ltbnung«bip(om b«« St&an berbeidlenben 
Kufuu'l'bin toeieben unb begab fid) nad> b«r ÜKongold, 
wo er funfjebn 3abrr »crweilte. Sil« 9J?angu nad) Ufbai'« 
.Job« mit btr £ädn«roürbr bef leibet würbe, glüdte ti 
Autbu'l'bin burd) bi« ^Berwenbung te« ^dcfdjib OTah« 
müb 3alwabfd) »om St sin bie Selebnung mit Airmdn 
ju erlangen. SKufnul'bin fudjte vergeblid) Sd)U( beim 
Abalifen ju Sagbab, bann bei SRangU'Aban, weld)er 
ibn feinem 9ii»a(tn auslieferte, ber ibn tobten lief (650 
%L). So in ungrftörten SefiJ ber oberften ©ewalt ge» 
lanat regierte Autbu'I«bin fünf 3ab« ju allgemeiner 
ßufriebenbdt, »orjug«rodfe burd) ba« fflerbienft feiner 
©emablin Authigb Xurfan Sbatun, dnrr früheren Son' 
eubine br« ©hidtbu'l'bin ßhrodd^m'Sd)dh. Qiefe burd) 
fficiü unb Sharafter her»orragenbe grau führte nad) 
ihre« Chatten Jobe (655 gl.) wdhrenb ber Winberjdhdg> 
feit ihrer tdter. Söhne £abfd:äbfd} unb Sujurghatmifd) 
bie 3üg«i t>r Regierung mit fefier jpanb unb behauptete 
ftd) aud), nad)bem ihr älterer Sohn ^abfa^äbfd) münbig 
g«n)orb«n, gtgen beffen IBerfudje, fte ihre« SinfluffrS ju 
btraubrn. ^abfebdofd) floh nad) 3nbi«n unb ftarb bei 
f«in«r «Rüdfehr (670 gl.). Sujurghatmifd) aber roufte 
fid) nad) »ein lobe be« 5)fd>inci«d)dniben «bafa<Jfban, 
bor lurfan (Sbatun'« Sdjwiegerfobn unb ^auptfiüpe g«* 
roefen, von beffen 9tad>foIger rlbmab<Ahan bie Selehnung 
mit fdne« 33atrr« 9tdd>« ju »erfdjaffen, unb Xurfan ShQ' 
tun ftarb nad) vergeblichen Bemühungen, ihren Sohn wie» 
ber p »erbrdngen, au« fflram ju Sebrij (681). 5Jacb ihrem 
It'tt birtrt bi« ©efcbidjte ber ftaradfitai »on Jtirmdn fafi 
unouögefrjt dn triterlid:«« 9tlb erbitterten Sruberjwifie«. 
Suiurghatmifd) rourbe nad) unruhiger ^Regierung »on 
f«in«r So>»efi«r «Bdbfd)db(ihaiun mit apülf« be« 3>fd)ingifl» 



Digitized by Google 



KAKADAGH 



— 4 — 



K.\RADSCHITSCH 



tf-imtf- Äaidatu» Jtban entthront vn> rrrr.ettet (693 
gl.), weld lefterr wietenim na* Äaidatu'« 3cte von 
ter SSttne (Sujcrgbaimifd'« unt €dwiegermuttrr Saitu 
«hon'«, te« Wadrclget« Äaidatu«, ta« gleide ?c« erlitt 
(694 gL> Wad ihr wutte 3)in$affara'l<ttn Wrbammrt 
€dob t. $atfdötfd tutd Sattu« Wadfclger ©hajen» 
Äban , unt nad t<r<n frübjritigrm 5cte (701) Sdäb 
iEfdjabcti b. gujurgtaimifd mit £irman fcrlf tjnr. $cn 
Äbajan» Äban « Wadfelger Ulttdaitu abgelebt <703gl., 
1203 — 4 n.Gbr., na* antrin 7CG gl.) ftaifc gdeb Ifdja» 
han alt 5>riratmann in Sd:xc*, ebne mdnnlide Wcd= 
femrcer. ju hinteTlaftrn. 90t ihm erleid tie Ipnafrie 
tet Aaiadiiaifr von Jcinndn. 3br £ant fiel in tie 
Adnte mcngrliider «mite, fpdttr te« Wat'ül €döb b. 
Wabtnüt 6däb 3ntfdu, bi« e« 741 gl. in tie Gewalt 
ter SRujaftariten fatn. 

«ittratur. Sie Cuellen finb tbeil« dineftfde, 
tbeil* mebammetanifde. GtfieTe fint tutd» te SSailla, 
SuStelrn, 3afintb n. a. jwedmäfiig beatbeitrl trotten. 
Unter leiteten nimmt, wie bereit« temerft, 3bn eWethir 
eine hervorragende Stelle ein (Cbron. ed. Toraberg 
T. XI. XII); ibm folgen tie meinen arab. Jpiftetifer 
trie 3bn Gbaltün. Unter ten per f. Curllen fint einige 
ter bettorragentfttn, wie Ifdutraini unt Wafditu'l'ttn, 
tbeil* gar md:, tbeil* erft theilweife im Original ju« 
gänglid unt wir (eben un* taber ned ;ur Senkung 
fpäterer (Jempilatoren, wie SDUrdwänt unt ßhträntamir 
grnöthigt. 93cn ten Arbeiten turepäii'drr (»elebrten 
nenne id, ältere Wtntt aUgemeiner Hrt teiieitelafient, 
namentlid: Sdott, Jtitai unt Äarafitai. «bh. ter 
Srrl. «fat. 1679. — £ewortb, Tbc Kara Khitai. 
Jotini. of the R. As. Soc. N. Ser. VIII. — Tbc 
Kbitai or Kbitans, ibid. N- b>er. XIII. — ©riaoriew, 
Wostotsrbnij Turkestau II, Pb. 1873, ibid. Karacha- 
nidy w Mawcrannahric. Pb. 1874. — Stranbman, 
Chuandamir's afliandling om Qaracbitaiska i Ker- 
man. Heising!". 1869. (F. Ttu/el.) 

KARADAGH ifi eine ton ten urfprünglid ap* 
peUatitxn, ober turd) ten ©ebraudj ju eigenen Warnen 
gewereenen geograpbifden Bejeidnungett, mit weiden 
bie türfifdjf eprade tie Irvantinifden ?änter unt einen 
2beil dentralafien* befdenft bat, unb unter bieten neben 
Äarofu (f. b.) tie gtbräudlidfir. SBörllid übntragrn 
beteutet e« „fSdwarjbrrg"; ta aber ta« lürfifde Sei» 
wort Äara mit tem £auptbegriff ber bunfeln garbe ten 
nrbenfädliden ber Übeln Scrbrteutung, te* Unheil 'SBer« 
ffinbenben, vereinigt, fo finb von ter türfifden Nation 
im allgemeinen nur fofde Serge mit bem Warnen Jfa» 
Tatagb belegt Worten, weide wegen fdwieriger über fie 
fübrenter Strafjen, fttiler «nftiege unb fdroffer «bföüe, 
fowie wegen ter beut Steifenben auf thnen al* Sdlupf.- 
winfeln von Üiaubgeftnbel trobrnben ©efabren in Serruf 
fieben, unb jualelä, von ber @bene au* betradtet, al* 
aewaltige bunfle Waffe erfdeinen. tn ffiegenfa$ von 
Äarabagb ifi «ttagli, „ffietfiberg"; beit« fteben jueinan» 
ber in bem SJerbältnifj, bafi »fbaaf) immer für bie @e» 
genb, von ber bie ^Benennung au*gebt, ten feineren, ftd im 
weifilldxn Stau vom ^ori)ont abbtbenten, Aaratagb bo» 



gegen ten näbcrni, entweter üine Cctenfarbe erlernten 
latenten, cter trd von ter ütmofpbäre tunfelblau ge* 
fätbten ©ebirg«?ug tarftellt. Slftagb ifi temnad aud) 
oft ta* €dneegebtrge unb Äaratagb ta« ®a(tg<tirge; 
ted fann man nidt tagen, tafi, wie Jtaratagb einen 
finfieren, »o «ftagb einen heiteren (jtntnid auf ta* ©emütb 
made. IBielmebr ifi Aaratagf* ter befanntc, ter 9kr< 
febr*erforternifff wegen nidt ?u rermeitentf nnb trt» 
balb tie von ibm gebotenen SBibermärtigfriten fühlbar 
madente, 9ftagb tagegen ter unbefannte Serg, über 
ten feine in Setradt fommenten Straprn »übten. Äebn» 
lid bot ter ۟cflawe ter Salfanbalbinfel feine 9u*> 
trürfe:3tna/@cra unb 9jela<@ora. lie betütmtefteSroa» 
<8ora ift ta« raube ©erglanb von SRontenegto, weldef 
bei ten Sütfen nidt blo« volf*mdf}ig, fontern aud of» 
ftrietl ten Warnen Jtaratagb führt. lod ifi bemerfen, 
t<5§ ftd tie begriffe ren 3rna«@ora unb Äaratagh nidt 
vollfiäntig teden, wie tenn ter Sütflawe für SBaltge» 
biege unt ®alb ten betontem 81u«trud /ölen» gor» 
beftpt. - Wad 3?orfiebenttm ifi t* m'dt ju terwunteTn, 
tafi von ten gebirgigen 'j>rovinjen ter europdifden wie 
ter aftati'dfn Türfei faum irgenteine ohne ihren su< 
ratagb ift, wenn aud tiefe legieren nur wenig ihren 
$la( auf ten ö'eneralf arten ter Surfei grfunten haben. 
Sotiug*weiie befannte Aaratagb* finb in (furopa ba« 
auf ter tjttenje jwifden Wottalbanien unb Cbermöfjen 
über 3000 Weier bod ftd abebente t» f birge, teffen 
eigentlider Warne €där cter €där«I:agbv neben tem 
übliden Äaratagh fortbefieht nnb fdon von ten «Iten al« 
ZxÜQdtov up<v, Möns tfeardus erwähnt Wirt , unb in 
«fien ter im W. 35?. ter alten €tatt färauta (Äara« 
man) 2fj00 Weier bod attfragente, in ter Irfaonifdtn 
jj)odebene weitbin ftdtl-are etiofdenc Sulfan te« glet« 
den Wanten*. — 93erwantte *u*trüde mit Äarabt'da* 
iagh „fdwärjlider S?erg", Äara/Äaja „fdwarjer gel*", 
Jfara<Suruu „fdwarje* SJorgebirge" u. a. m. dagegen 
ifi wurjelhaft verfdieten ta* ähnlid flingente Äattagh» 
„gdneeaebirae". (G. Roten.) 

KARADSCIIITSCH, in terbifder Crtb,ograpbte 
Karadzic (Viik Stephanowitseh), ter geniale SBieber» 
erwerf« te« ferbii'd'n 93oIf«thum« unb ber SJegrünber ber 
heuligen ferbifden <£drift'pradr unt Jiteratnr, mürbe 
am 7. Wcv. 1787 in bem lotfe Sriic" im beuligen Ädnig» 
reid Serbien geboren au« einem häuetlidcn @efd(ed>f. 
ba« au« ter Herzegowina tcrtbtn eingewanbert war. 
3)ie «eitern, felbf) te« Seien« unt 'rdreiben* unfunbig, 
fonnten tem jungen 33uf feinen Untenidt geben, €du» 
len gab e« tamal* im ganjen Sercid te* Serbentbum« 
fo gut wie gar nidt; wer, um etwa $riefier ober Wöneb 
werben ;u fönneu, lefeu lernen wollte, mujstc in tie Jtlöfier 
oter ju einem llriefter gehen, aber felbft von Wondrn 
oba 9/rieftern fennte nidt jeber fdreiben. $Buf halte 
aber ba* ÖMurf , von einem in Jit-i.' ftd aufbaltenten 
95erwatitteu tie eriien Elemente te« ?efen» ttnb €dr« e 
benö ju lernen unt fonnte ftd nod vetvollfommnen in 
ter 179f> im benadbarten Jojniea von einem Sdulmeifter 
eröffneten €dule. liefe löfte ftd intefj wegen einer 
(Spibemie halt wiettr auf, unt Suf, nadbem er ju» 



Digitized by Google 



KARADSCHITSCI1 — | 

vor nod) im Jeloftet Sronria vergeben« Unterricht gefügt 
(bie SWöncbe verwenbeten it>n al« £irten), war auf eigene 
Uebung anaewiefen. Seine Sefiüre bilbeten ferbita> 
fird>en)lawifcbe liturgifdje Sucher unb einige in berfrlbcn 
funftlidjen Spradjfcnn aefdjrirbtne erbauliche Schriften. 
Tn Änabe erregte butd) frinr unerhörte gertigfeit im 
üefen ttnb Schreiben ba« (frfiaunen, ja faft bir (rbtfurcbt 
btr ganten Umgebung, wäre aber fcfbfk gern nach in. 
mi<n in eine btr bort brftebenben ferbifeben Schulen ge» 
gangen, ber Sater ließ ihn jebod) nfd)t udu-n. 2)a bradj 
1804 btr ferbifebe Slufßanb gegen bir Surfen au«, brr 
aud) Suf« iBerbältniife völlig änberlr. (Fr würbe brr 
Schreiber (Srcrelär) be« $aibufen T jorbje (®eorg) Gut« 
eija (b. i). Äürfdjnrr, fo benannt von feinem früheren @e- 
werbe), brr mit feiner Sanbe von ben Sergen berabge. 
fliegen war, um ben »ufflanb ju unterftüfcrn. $er un» 
ruhige .£>aibuf vertrug ftcb nicht mit ben übrigen güb* 
rem be« Slufftüitbf« unb warft von bieten au« bem Sßegr 
geräumt. 3nju>ifd)rn war SuF« ^teimatäborf von ben 
Üürfrn verbrannt werben unb Suf befam von feinem 
Sater bie Grlaut 1 jj, bir Schule in Svrmien ju befueben. 
$acbbcm er fich von 1804 auf 1805 baju privatim vor< 
bereitet tidtte, befugte er 1805 — 180« bie Elementar» 
febule, unb wollte 1807 aui ba« ©timnafitim übergeben, 
würbe aber von beffen Sorftanb al« fa>n ju alt nid>t 
aufgenommen. 9tacbbrm er jtd) barauf nod) einige 3?it, um 
$euti"eb ju lernen, in Serrinja aufgehalten, febrte er 1807 
nad) Serbien jsurücf. $ie Serben hatten unterbcß faft ba« 
ganje fpätere gürftentbum ben Surfen entriffen unb 1806 
aud> Seigrab genommen, wo ber 1805 eingetid)tete €enai, 
bie böcbftc regierrnbe Sebörbr, feinen Si& nahm. Serretär 
be« Senat« war bamal« 3wan 3ugovic, ein öfterreiebi* 
fd)er ceibe von einiger gelehrter Silbung. 91« birfer 
fein tlrnt verlor, überrrbete Suf feinen Setwanblen, ben 
Senator 3efto Savic, benfelben, von bem er einft bie 
Sucbftabcn gelernt Ijatle, 3ugovic in fein .§au« aufju* 
nehmen. Son ihm lernte er Deutfcb, unb al« 3ugovic von 
Äara«®eorg bie (Jrlaubniß befommen hatte, in Seigrab 
eine höhere Schule ju errieten, in ber ©eiebiebte, ©eo- 
grapbie «nb Sicdjnen gelehrt würbe, befudjle Suf aud? 
biete einige Seit. (Sine gid)tartigr Jtranfbeit, bir ihn in 
biefer 3*'* M"' unD 9 e ße« M« er in verfdiiebenrn OK' 
garifeben Säbern 180Ü vergeblich Teilung fudjte, jog 
ihm eine leben«länglid)e Zähmung be« lir.fen Auße« |n. 
Son 1810, wo Suf nad» Serbien »urüdfrbrte, bi« 1813 
beflribete er vcrfd)ieb<ne fletnter, mußte aber nad) bem 
unglüdlid)en Äudgange be« Sefrriung«friege« 1813 wie 
viele feiner 8anb«leute nach Cefterreicb flüchten unb lieft 
|ld) in SJien nieber. ^>ier fanb bnrdj befonbere Umftänbe 
feine geniale Segabung erft ben rechten Sehen unb be« 
fam bie ihr angemeffene 9iid)tung. 

3n SBien erfchifn 1813 eine ferbifrfje 3«tung (No- 
vine srbeke), gefd)rieben in ber nmU von ben Serben 
gebrauchten fogenannten flaweno<fnbifchen Sprache, b. h- 
einem fünftlicben, nie unb nirgenb« gefuochenen @emifd) 
von Tufftfd)« unb fcrbif*-fird)etiflawifcher Spradje mit 
ber Solf«fprad)e. Senfor über biefe wie tba alle flawi« 
fohen Südjer war ber fpäter fo berühmif Slawifl £opi< 



— KARADSCHITSCH 

tar, bn wußte, baf jene Sd)riftfprad)e nicht bie wirflid)e 
ferbifdje Sprache fei unb fofott auf Su! aufmerffam 
würbe, a(« bieier in jener ßeitung einen «rtifel in ganj 
anberm, volfOtbüm liebem Stil veröffentlichte, tfopitar er* 
fannle ba« Talent Suf« nad) biefer Dichtung unb m- 
anlafite ihn, fid) ber Searbeitung ber wirfliehen ferbifchen 
Solf«fprad)e ju wibmen. Son ba an entwidelte Sut 
jene ausgezeichnete fchriftflellerifche Shdtigfeit, bie ba« 
ferbifefcc ^olf«ihum nad) ben verfd)iebenften Seiten be» 
hanbelte; et gab bie enU ®rammatif unb ba« trfte 
ffiörterbud) brr ferbifdjen Solf«fprad)e b«u::e, fammrlte in 
muftergültiger SBeifc bie Solfölieber, Sprichwörter unb 
SÄärd>tn feine« Solfe« unb gab butd) eine SRenge von Heine- 
ren unb größeren Schriften übet bie 3nfiince Serbien« unb 
ber Serben felbft ba« tlaffifd)e 3J?ufter bet mobetnen fet« 
bifdjen, au« ber Solf«fpracf>e entnommenen Sd)riftfprathe, 
für bie et jugleid) eine ben Sauten au«gejrid>net ent> 
fprechenbe unb einfache Orthographie auffttUte. Suf 
fchrieb in ber füböftlicben (herjegowinifchtn) OTunbart 
br« Serbifcben, bie ihm von jpau« au« eigen war unb bie 
fich allmählich immer mehr fowol bei ben Serben wie 
bei ben Jtroaten al« bie regelrechte %oxm ber Schrift» 
fpradje Sahn gebrochen hat. 3n Talmatien unb Sla' 
wonien gab e« wol bereit« im 16., 17., 18. 3af)tb- tine 
«ationauiterarur. 2)ie Sprache berfelben ifl ftarl mit 
grembarligem vermifcht, hoch ift fie im großen unb gan« 
»en bie hnite übliche Sdjfififprache. ©fl würben auch 
©rammatifen unb aBörterbüdjer gefdjritben, troebem fam 
aber weber bie Orthographie nod) ber formelle Jheil bet 
Sprache ju fefter ©eflaltung. 3rter Scbriflfteller be« 
folgte feine befonbern Kegeln, ober richtiger feine befonbere 
9iegeIlofigfett, benn man ift vrrfucht }u behaupten, bei fei» 
nem finbe man eine confequent burchgeführte öebreibweife. 
3n bem erften von Suf veröffentlichten Suche: „Mala 
prostonarodnja slaveno-srbaka pjesnarica" (2Bien 
1814), einer Sammlung fertifcher SolWIiebet, ftn» 
bei ftd) fchon eine verbefferte Orthographie. S3ei» 
tere Serbefferungen brachte ber reffe Serfudb, einer Hei* 
nen fabifchen ©ramraatif : „Pismcnica srbskoga iezika" 
(SJien 1814). Um bie Solf«lieber, epifd)e wie lvrifcbe, 
unmittelbar au« ber Ouefle ju fdjöpfen, hatte Suf ftd) 
nach Sbrmirn begeben, hi« au« bem 3Runbe von Solf«' 
fängern aufgrjeichnet, unb fo erfchien 1815 ber »weite 
2heil ber Pjcsnarica in vollfommnerer gorm, wa« bie 
Serte betrifft, al« ber erfte, aber hinfiebtlicb ber Ortho« 
graphit gab Suf hier bet heftigen Oppofition, bie fich 
gegen feine in ben jwei oben genannten 3Berfen ange> 
ftrebten Reformen von feiten feiner ?anb«leute erhoben 
hatte, manche« }um 9?achtheile ber guten Sadje nach. Da» 
mit fdjließt bie erfte Seriobe b« Jhdtigfrit Sur«, in btr er 
nod) mehr taftenb unb unftd)er verfuhr unb nod) nfdjt jut 
vollfommtn flaren «uffaffung feiner «ufgabt burthgebrun- 
gen war. 3u biefft gelangte er bei brr «u«arbeitung be« 
SBörterbucb« unb einer neuen, erweiterten Searbeitung ber 
©rammatif. Unter eifriger Anregung unb mit aufopfrrnber 
^ülfe Jfopitat'« fam ba« Siörtrrbuch ju Staube unb et« 
tebfen infflien 1818 (ber beutfebe unb lateinffebe Sitel lau» 
ten : „SBolf Slephanfohn'« fttbifch'Iatefnifche« fflörtahueb, 



Digitized by Google 



KARADSCHITSCH 



— 6 — KAHADSCU1TSCH 



Lupi Stephani F. Lexicon Serbico-Germanico-Lati- 
num"),bie CSinfritung bilbet Die neue, aufifübrlicbrre Bear- 
beitung ber ferbifd)en ©ramman'F (überfc^t von 3- ©rimm, 
Seipjig unb SJerlin 1824). öeibe »rbeiten gaben nid>t 
Wo« ber neu ,m febaffenben, ob« vielmebr ntu au* bem 
Siolf«munbe ju entnebmenben ferbifdjen Sd)riflfprad>e 
it)re fefte, fortan uiterf(*üttcrlfdjf ©runblage unb fdjufen für 
biefe Sprad>e eine au«gejeid)nrte Ortbograpbir, fonbern 
würben für bie flawifdje Spracbwifffnfdjaft überhaupt 
burd) bie |uvcrläfftge Zxtut unb ©enauigfeit brr Sluf« 
jeidjnung unb bir bann ftd> oftenbarrnbe ^d.im brr 
grammatifd)rn Beobachtung im böd)ften ©rabe anregenb. 
<£« nt jebod) hervorzuheben, tnp 93uF bin feine Slu«« 
fpradje be* Serbifd)en ju ©runbe legt, in weldjer ber (Jon» 
fonanth nid)t gefprorben wirb. Da« eonfeauent btiraV 
aefübrte SBeglaffen be« h, bem 93uf bi« 1836 treu ge« 
blieben, gab ber Spratbr in feinen SBerfen, bie in 1818 — 
1836 fallen, eine nid» angenebme provinzielle gärbung. 

ffluf mad>te 1818-1819 rine Seife in «uflanb, 
wo er mit «u«jrid)nung aufgenommen würbe, unb be» 
futbte 1820 Serbien, ©ein SBerfud;, SKilofd) Obrrnovic 
jur ©rünbung einbeimifeber ferbifdjer Stfculen (man hatte 
bi«ber gefd)ulte Veute au« ben mit ben 33ebürfniffen unb 
Äufdjauungen be« Sante« weniger vertrauten öftrneicbi» 
ftben Serben nehmen muffen) ju Überreben, mißlang unb 
SB«! Febrte nad) SBien jurüd. 9tad) einem {weiten 93e« 
fud> in Serbien 1822 woQte er feine grofje Sammlung 
ber ferbifdjen 93olf«poefie in SBien pubdeiren, bie «Regierung 
verbot aber ben Drud au« gurdjt vor bem (Siiiflufj bie' 
fe« SBerle« auf bie nationalen S3efrrebungen ber Serben, 
unb SBuf ging bamit nad) Deutfcblanb; in «eipjig er* 
fdjien bann (bei »reitfopf unb gärtet) bie berühmte 
Sammlung („Narodne erpske pjesme"), 83. II unb III 
1823, 33. 1 1824 (ber IV. 33. fam erft lange nadjber, 
1833, in SBien her au«;. Diefe Sammlung Im: von allen 
SBerfen SJuf « ben weitrticbenbften Ginflufj gehabt, ba fie 
namentlicf: bem Stubium ber epif<btn 93olf*poefie eine 
ganj neue, fiebere ©runblage unb neue Slnfcbauungen 
au* unmittelbarer 33eobadjtung gab. ©oetbe unb 3- 
©rimm erfannten fofort bie aufierorbentlicbe 93ebeutung 
ber ferbifdjen S3olF6poefte, Ueberfe(ungen in bie meiften 
europdifeben GulhufpradKn madjten biefelbe fd>nefl be» 
Fannt (von beul|'d>en Ueberfefcungen finb bie befannleften 
bie von Salvf, ©erharb, Äapper). Die Univerfitdt 3ena 
erfannte ffiuf*« Sierbirnfte baburd) an, bap fie ibn jum 
(Sbrencoctor aeirte. Sonftige flnertennungen fehlten aua> 
nid)t: bie rufftftbe Regierung verlieb ihm 1826 eine jäbr< 
liebe $enfton von 100 2>u(aten. 

^atte 93uf fo feinem SSolfe in ganj (Europa Styin« 
patbien erworben, fo batbte er für reffe» 93ilbung0brbürf' 
niffe burd) einen von ibm b(tau6gegebcnen almanad) 
„Dftnica u (ÜKorgenftern) )u forgen; bic fünf bavon er« 
fdjiencnen ^»efte (1826—1834) enthalten Seitrdge von 
ibm über Spradje, StarfftiF, ®eograpl)ie, neuere ©efajicbic 
Serbien«, alle von größtem ©ertb unb vorrrefjiid) ge» 
fdtrteben. 3» Wnen 9krbienften um bie neuere ©efdjtcbte 
feine« 83ater(anbeö gebort vor allrm aud), baS er Seopolb 
SanFe in SBien feine Äenntniß ber 83egebenbeiten ber 



3eit von 1804 an münblid} mittbeilte, bie bann in 9ianfe'« 
befanntem S3ud)e „Die ferbifebe Revolution au« fabifdjen 
«ßapieren unb SDJittbeilungen" (33rrlin 1829; in erwei' 
terter Oeftalt unter bem 2itel : „Serbien unb bie lürfei 
im neunjebnten 3abrbunbert", ?eipjig 1879) venver* 
Ihet finb- 93uF fclber bebanbelte bie tfreigniffe in Ser* 
bien von 1813—1817 im „Milo* Obrenovic Knez 
Srbije" (Ofen 1828). 

93uf ging 1827 nod) einmal nad) Serbien unb mürbe 
balb barauf tro( feine« Sträuben« vom dürften SRilofd) \nt 
SKitwirfung bei ber $lu«arbcitung eine« ®efe(bud)e« für 
Serbien herangezogen, (fr beanfprud>te eine jdhrlidje 
llnterftüftuug von >'<•.' ' i !\wt:; unb verfpradj oai Iffiefeb' 
buch auf ©runblage be« bcftebentxn @en>ol)nbeit«rra)te6 
bei ben Serben im 9u«ianbc unter 33eihü(fe gelehrter 
3urifien )ufammrniufie((en. liefern SBunfdje würbe 
nidtt willfahrt. Da« ©efe&bud) mugte von einer Gom< 
miffion in Ära^ujeva^ unb jwar auf ©runblage be« Codo 
Napoleon gefdjrieben werben, unb fo Fam e« benn audj, 
wol obne bebeutenbe (Sinflugnabme 93uf«, rea>t müb' 
fam ju Stanbe. SRilofa) felbft baebte aber feine«« 
weg« baran, fieb an ba« neue @efeb ju binben, 
unb ba« 93olF warb unjufrieben. S(ud) ÜUuF (ber 1831 
^rdftbent be« belgraber SRagiftral« war) entjmeite fid) 
mit bem Surften unb enlwia) nad) Oefierrrid) (Srmlin), 
von wo au« er einen äußerft heftigen 93rirf an Wilofd) 
voll SBorwürfe gegen beffen rüdftd)t«lofe ®ewa(tberrfa>aft 
rid)tete. Die golgen biefe« 3erwürfniffe« ber beioen be* 
beutenbfien Männer Serbien« waren ;unddrft für bie 
33eftrebungen S3uf'« in S3ejug auf Spradje unb Literatur 
febr ftörenb, inbem «Äilofaj bie ßinfübrung 8J U rfd)er 
83üd)er in Serbien unb bie «nwenbung ber neuen Cr« 
tbographie unterfagte, ein SBerbot, ba« viele 3abre 
lang befitben blieb, ffiuf ging, ba ibm aud) ber Slufent« 
ball in Oefterreid) verwebrt würbe, jundtbft nad) :Kup» 
lanb, burfte aber 1833 nad) SBien jurüdFebrcn. 1834 
unb 1835 matbte er eine Steife in Dalmatien unb Won« 
tenegro, feine 93eobad)tungen verwertbete er in bem 
beuticb erfd)ienenen berannten 23ucbc „Montenegro unb 
bie SRontenegriner" (Stuttgart unb Bübingen 1837). 
Sefonber« frud)tbar würbe aber biefe Steife baburdi, baß 
SM ben ferbifdjen Dialeft Sübbalmatien« unb Monte« 
negro« genau Fennen lernte unb ©rammatif wie Ortho« 
grapbie ber Sd)riftfprad)e banad) vervollfommnctc. Die 
nädjften 3abre feiner ftbriftftelleriftben IbdtigFcit vergingen 
tbeilweife in bor 93ertbeibigung feiner {Reformen gegen 
mehrere bartnädige ©egnet in glugfdjriften. 

Sein ndd)fte« bebeutenbe« SBerf war bie Sammlung 
ferbtfd)er Sprid) Wörter : „Srpske narodne poslorice 11 , 
(Qetinjc 1836, in iweiter, vermebrter Su«gabe SBien 
1849). 3n ber umfangreieben S3orrebe m biefem SBeiFe 
finb S3ur« auf ber eben erwähnten Keife gemadjten fprad)« 
lieben 93eobad)tungen niebergelegt. Darunter aud) bie 
über bie «u«fprad)e be« h in ben ferbifdjen Dialeften, 
unb hier fe&te Siut biefen (Sonfonanten in bie Sdjrtfifpratbe 
wieder ein. Darin folgte eine neue, umba« Doppelte etwef« 
terte «u«gabeber ferbifeben SSolffllieber (in4S3dnben jwi« 
fdjen 1841 unb 1862; ber 5., nach feinem lobe, 1865 er« 



Digitized by Google 



KAUADSCHlTSCll 



KARA- GEORG 



fdjienene S)anb, epifdje Vierer au« SRontenegro entbaltenb, 
ift nid)t rdn volfötbümlid)) ; bin möge aud) nod) diu 
mit Bu f o Warnen al« Jjjerau«gebrr gefdjmüdte, von SJuf 
SBrcevic jufammengebradjte Sammlung berj,rgominifd)er 
Sieber angereiht »«fern „Srpske rmrodne pjesine n 
llcrcegovine" (SBien 18(56). SRur ein SÄann von Söuf'« 
au*o,e«id>netrr Äenntnijj ber Spradje unb alle« ed)t 
velf-iihümlidjen äBefen« fonnte eine foldje in Sprodse 
wie o-'.hnit f.-j't burdjau« vortreftHdje Sammlung veran« 
Italien. 9tad> ihm ftnb $ablreid>e Sammlungen (erbifdjer 
Solftycrüe herau«gefommen, aber fein $erau«geber vrr» 
ftanb nie er mit fritifibrm SBlid ba« (Sdjte vom Unedtlen, 
ta« Südenbafle unb in ber germ UnvoUtommrne com 
Sßoüenbeten ju fdieiben unb bie frtnen ftuanren ber Sprache 
aufjufaffen. Sein JBerf ift baber mit dteebt für bie anper* 
orbentlid) jablreidjen fpcieren Sammlungen flawifdjer 
SBolMporfie, unter benen viele vortreffltdie ftnb, mutier* 

Siltig geblieben. (Fin unübertroffene« SRufter ferbifdjer 
pradje fdjuf bann SSuf in feiner Urberfr&ung tti Steuen 
Xeftament« (SBien 1 «47 ), bie Danicic, ber gröpte lebenbe 
Senner be« Serbifdjen, mit iRedjt bie Jerone feiner fdjrift» 
ftetlerifdien 3bätigfeit genannt bat. (Sineu neuen %ext* 
(ebritt in ber genauen grammatifd}rn unb lerifalifajen 
ginnt mi ber Spradie be;eid)net ferner bie 1852 ett'd)ienene 
neue Bearbeitung brö äßörtetbud)« , an brm berrit« ber 
junge Danicic, ber würbigfir goitfe(jer von Sßuf« 53e« 
ftrebungrn, betbeiligt war. ©ejeidjnenb für ben in Ser« 
bien in biefeu 2>ingen nod) benfebenben Unverfianb war rö, 
bap aud) biete« SJerf im gürftrntbum verboten würbe. 
SBorb" iebon (1845t) hatte SBuf in bem intereffanten 
„Sdiü^faftlein (Kovceiic) für ©efcbidite, Spradje, Sitten 
ter Serben aQer brei »efenntniffe" (»b. I, mebr ift nidit 
erfdjirnen), ©etradjtungen über ba« »l*erbalmip ber Serben 
unb Kroaten unb brr verfdsiebenen Xialefte berfelben 
angebellt. 9?od) einen febr widjtigen Seitrag jur Aennt« 
nijj ber £ßoIf«lileraiur (onnte er liefern burd) bie Samnu 
lung ferbiftber S5olf«märd)en „Srpske narodne pripo- 
vijctke" (ffiten 18Ö3; mit 3ufä$en in 2. Slufl. ÜÖien 
1870; beutfd?e Ueberfe&ung von feiner ledfter SBil< 
belmine Jtarabfcbftfd)), in ber feine febarfe Jtntif aud) ba« 
in Sprad)e unb 3nbalt SBollenbetfte jufammenfieüte. 25er 
©ef<bid)te feiner Spradje erwie« £ßuf einen $>ienft burd) 
bie SBeroftenllidjung von groben älterer lerte („Primjeri 
srpsko-slavenskoga jezika", 1857). (fr erlebte nod) bie 
«ufbebung be« SJerbote« feiner «Reformen in Serbien 
1860 unb ftatb am 26. 3a n 1864 in Sien. 9tad) feinem 
Zott erfebirn nod) „Zivot i obicaji naroda srpskoga'% 
„geben unb Sitten be« ferbifchen «Öolf«" (SBien 1867), 
unb „Deutfd)>ferbifd)e« fflörtabitd)" (Sien 1872). 

3eQt ifi bie von ?Buf eingefübrte %oxm ber Sdjrift' 
fvradje allgemein angenommen, niett blo« bei ben Serben 
im engeren Sinne, fonbern aud» bei ben Aioaten, erftredt 
alfo ibr @ebtet über ba« Aönigreid) Serbien, bie von 
Serben bewobnten ©egenben Ungarn«, S3o«nien, ^»erjego« 
wina, «Montenegro, 3>almarien, Slatvonien, Äroatien im 
altbiftoriicben Sinne unb ba« fogenannte «Provinjialfroatien 
mit ber frübaen aMilitdrgrenie. 

Qiat «uflfübrlidje ©iogravbie S3uf« gab nad) eige» 



nen flRittbrilungen be« 9Rannee 3- 3- Srr)nev«fit im 
Moskovskij sbornik 1847; fte reitbt aber nur bi« 1842; 
fpater eifd)ien fie veTvrllftänbigl ebenb. 1876, vgl. fetner: 
SB. 3agie, Vuk St. Karadzic i ujegove zaslnge u his- 
toriji srbske i hrvatske knjizeviiosü (3lcjrum 1865); 
St. »Uavlovic (im „Srbski letopis" 1864) ; ben «rtifel 9Juf 
Stef. Jtarabjic" im c»rd?ifd>en Slovnfk naucn^. (A.Paeic.) 

Knräer, f. Karaiten. 

Karafto. Kratto, 3nfe(, f. Sachalin. 

KARA-GEOKG ob« KARADJORDJE, ber % 
ftbwarje Sforbje, mit bem h'irfifcben Qtgenfdtaft«« x 
morte kara, roe(d)e«, in ber SSebrutung bunfel unb 
unbeimlid) auf bie menfdjlicbe Hautfarbe bejegen, in 
allen 3biomcn ber 93alfanf)albinfe( Slufnabmc gefunben, 
ift ber einjig edjte 9iame, unter »veldjem feine 3«" 
genoffen unb ?anb«Ieute bi« cuf biefen lag ben erfteu 
Segrünber ber ferbifdjen Unabbdngigfeit gefannt unb mit 
bem fte ibn bejcidjnet baben — ein «Äame, für meldjen 
flaroentbümelnber Üifer »ergeben« (S)nnigeorg (nad) bem 
9tufftfd)en; auf ferbifd) beijjt fdxvar) ern, fpr. zni) ober gar 
Seorg (Sjcrni, glcid)fam ®eorg Scbwarj, bat einbürgern 
wollen. Ser voOfommenc Abgang borumentarifd;er 9lad)« 
rid)ten au« ber frübrren ^eben«periobe biefe« merfwür' 
t'Min Wanne«, jugleicb mit bem SBunfcfte feiner £anb«« 
(eute, fo wenig al« möglid) bie Steden an bem in feinet 
tjkifon aufgefüllten ^pelbenbilbe ju Sage treten ju taffen, 
bat feiner @)efd)id)te einen vielfad) (üdenbaften unb legen* 
barifd)rn (fbarafter verlieben, ber nid)t einmal in ba« 
Übatfddjlidje, gefebweige benn in bie SBemeggrünbe fei» 
ner ^»anblungen überall einen Haren (Sinblld gemattet. 
■)iad> ber am beften beglaubigten UebeTlieferung würbe Jta» 
rabjorbje jwifdjen 1760 unb 1770 in bem Dorfe SBifd)ewa& 
im Jtreife itragujevap geboren. Sein SBater, ein wenig 
bemittelter Söauer, hiefs $etroni, weiter flamt mit 
'l'fKv für ibentifd^ galt, foba^ Djorbie, ber allgemeinen 
Sitte jener ,U".t folgenb, fid) m<b ihm ^etrowitj nannte; 
Samilicnnamen waren bamal« in Serbien nod« unbe> 
fannt. 3" feiner früben Jtinbbrit fiebelten feine Sehern 
nad) lopola, einer giinfiiger gelegenen Crtftbaft beffclben 
ÄTeife«, über, in mrldjer er aufivud)« unb weldje er ftet« 
al« fein £eimat«boif betrad)tet bat. »od» vor 1787, 
alfo ungefäbr 20jab"g, foll er fid) an einem Hufftanbe 
wiber bie Jürfen in einer SSBetfe betbeiligt baben, bog 
bie Griffen* ber ganjen gamilie gefäbrbet war. Qx flöd)» 
tete nad) Ungarn unb rrfdjofi feinen SSater, ber ibm nid)t 
folgen wollte, wie man fagt, au« finb!id)er Siebe, um 
bem alten Wanne einen qualvollen tXob burd) türfifdjc 
Aenfer«banb ju erfparen. SSon bem dinbruif ber grau- 
ftgen 3 iv.t auf Mutier, ©ruber unb Vanböleute fd)weigt 
bie Qrjdblung. Cefierreid) bereitete fid) bamal« ju einem 
jfriege gegen bie Pforte vor, unb Äarabjorbje (iei ftd> 
in ba« ßberft 9?fd)ailowitjifd;e ferbifdje greirorp« auf' 
nebmen; ras er in bemfelben sum getbwebet avandttr, 
(dpi auf wadere unb erfolgreiche Sdetbeiligung an ben 
dampfen mit ben Xürfen anf ferbifebem »oben fdjliepra. 
»ad) «bfdjlup be« grieben« von Siflowo 1791 folgte 
er bem abjiebenben greieorp« nad) Ungarn unb trat ba« 
felbfJ in ben Xienft eine« ferbifdjen Äfofter«. WebreTe 



Digitized by Go 



KAttA-OJSOKC; 



- 8 - 



KAKA-ÜEORG 



3abre verharrte er in tiefet Stellung, nxldx ihm <*)elegrn< 
bett bot, v i5fibinMjityfn un;,u!nCrpfrK, tue rr, alt fpatcr 
ein f«btnfrruntlid)et Uia f u von ©rtqiot feine unbean» 
ttunbetc 'Küdfebr uad) Xeppla ermöglichte, in dura tu« 
craltven Sdj welru - «rpemgef djdfi nach bem ©anal vet' 
wettbtn fennie. So »urbt et ein »c-blhabcnber, unter 
feinetglelcueu onaefebener Wann, auf btn, alt in 
3. 1H04 bet (unete 3»ift ber SRcbamrueBauer Serbirat, 
Öi« ÜTt>tbung bet Jajiitiajartn unter ben tiai reibet ben 
•r mi thaller Wu|iafa »Jiafdiu unb bie Vertreibung ber 
Spahl juntbft beut auf bie t erben gelegten Drud eint 
Seweguna unter beu (rbteren veranlagte, in ber widj» 
ligen ferbifdjra *Ureviut Sdjumacla alle Ölitfr fid] rieb» 
Uten. I ir rüdfitbltlefc tfnergit bet Wunne«, roeldje 
iu ber Itrmerbuiig bet eigenen tüuiere einen fo ergreifen' 
rtti w.hm.iuJ gefunbrn, bie Jtrirgtjabre in önmeiajifcbeu 

Ditnfttn, blt ■ V vorbtm im Qaibutculcben grfammel' 

ttu ärfabrungcu, alle« bejeidmeie ihn feinen Diftrklt' 
gtuoHeit alt) rlnfubrer ; fo Huiigrdi n>ai fein 9tamt, bafi 
aud) bie gleidueiflg unb frlbftanbig crfelglen «uffiänbe 
bet Irina' unb brt Woruwatbalt ifeu als ihr $aupt 
aucrraiuileii, bevor noch ntnntntrotrtbe Ärlrgttbaten vor« 
lageu. in MjiDudjui lurllfdjen ®arnlfontn im offenen 
r\iube waren balb Dtniicbifl, unb bie Dal fallen fid) auf 
$<lgtab befduflnfl, weichet Äarabjorbjt belagerte, (ft 
(am b<n vi, .[im in Milien ju ftatlrn, bafi bft Pforte, von 
«uwirfeluugen mit Wuftlaiib bebrohl, einrn Äricn mit 
ü)(iitlta)cii Uiiiertbaiien an ber ©rrnje einet (rjrffillcben 
ohv'snaata jtbeuie unb in brr Hoffnung, |u einem gut' 
.ia,Mi nbfouiuirii ui gelangen, halbe »JJtafircgclu ergriff. 
*.H'bi imiHim auch auf Serbien 3ufiänbe, in btntn bat 
<Mf tubuc Webitgträuber alt Webleter anttfannlt, fdjwtr 
laffca i ahn in ei, i a |i JTarabiotbje fid> nid)t bie 9)tad>t 
Autiauti', bic Pforte auf bie Dauer jtit 3Hnebaliung ihm 
iuiagcu ju iwingtn, fei ei, baß fdjon bamalt bit ruffifebf 
\uuigut ilkiifei uuir alt! bat ftrirbrntbebuifnif} feiner 
>wJi pvtji .Kiiegtjabre verarmten t'aiibtleute — bit 
a,uuitigv' pelttiicbe (ioujiindur blieb von ihm unbeaubt. 
^nM l^Ui Ii ja im ber von 'Hufllaiih langfl geplante 
Xiua, wibci Mc Wortt, in vorlagen Serbien nunmehr alt 

u liidja ^uutiöginop hiuciugeiogen würbe. (Sin Jta* 
>a.vuv »> Äviuieit wbdnbeuber blutiger «erratb, nad) brr 
um itut ^«t diolgteii liapiiulalion Selgrabt wlbtr bie 

,,u,vaK tuihia> ttrfaftung verübl, beirldjnetr ben 



Ucbcigun*. i^ui »Kimlunb war tt febr weribvoll, bafi 
\. »wndveu ben «erben unb liufen babuvd) vor 
v. ^..ij uultatbav, unb Serbien gani an ben ^unbe«* 
„ v ica idtau würbe, ber tt für eigene 3lWNh benujen 

l ~biu 4aiabu<ibie in bem «erratbe eineu beflagen«' 

. . • ^ivtugd an fiiiliiber Jfraft bewiefeu batle, fo 
e t>m aua) nia)l, bat von ibm geleiteit junge 
-v. ,\ .k.i sviba ben ibm |d)mertti<b filblbaren <Jig(u> 
'«4 s. - itOKu «olmf lidjtr )tt flrllen. Seinen ¥ente 
i .. li .mfrtlHkVt Meguneni, arb bie untre ben Um 
«Sij uu.g a|piieWia>t »eaieruugf form , einjufübren, 
. \kjlaiu"> mit ber öuifefung eint* „ regieren' 
^ isi waa>em bie iogenannttn «oiwoben, 

i*~#u»U. ittiii ibeil ebcmalige 4>dibufrn, 



rin burd;aut untcimäptge* dltment, berufen rrurbrn. 
ler Sana einet Surften würbe ibm vrnvetaen, rr feilte 
nur alt xBrbowni 'lädt, cberfter f^übro, nad) ben Qr< 
feblen trfl aut leinen Untergebenen gebilbetrn, ftd> an 
•KuplaiiD flammernem renal? agirrn. Sufrrtrm fanbte 
Muplanb in ber Herfen brt ®rita>tn «Koboftnirm rtntn 
ücmmiffar nad> Seigrab, weld>er im Suntor mit btm 
aleid.falli ber ariedjt|a>tn Sation angtfjörigm frrbifdjen 
Äctropolilen feonrie aUe 3ntriguen wiber Äarabjorbit 
unierftübte. Sieberboltt Sitgt, wtla>e ber (rßtrrr im 
heften unb im 6übrn bet ifanbrt über türfifät 9til(jrn> 
hiT rr bavongttragtn halte, famen unter Pirfrn Umfränben 
ben Serbtn, ba bitterer $artribabrr jtd) ju ben du^rrn 
Sebrdngniffen gefeilte, reenig jugute. 3ebod) fit# bie 
V'oru oit Nation an btn Segnungen oet SS2affeniti(I- 
ftanbet von 1808 tbatfädjlid) tbtilntbmtn, obiool SRufj* 
lanb fit beim rtbfd>tufj von brmfelben autgefdiloffen hat rr. 
25er im 3. 1809 wieber autgebrodjenc Jtrita war für 
Jtarabjorbje fo unglüdlid), bafi nur bit von Kufjlanb gt> 
wäbrtt milildrifd)t 4>ülft bie fifartia)e türfifa)e «rmtt 
aufhielt. Aaum aber war bie Sid>ert)rit nad) auflen 
bergefiellt, alt bit inntrn .^vpiisfritrn mit vtrboppelttr 
SOutb wieber autbraajen. 9ßcl nid)t oh,negua, würbe bem 
Aarabjorbjt vorgeivorfeu, rinen feiner angefebenfien ©egntr, 
ben SBoiwobrn SRilan Cbrenowilfd), älteren Stiefbrubrr 
bet fpdttr fo brrübmi geworbenen Wilofd), in Sufartfl, 
wo tr mit lieben ruffiid>tn Offijieren verbäd)tigtn SBer« 
febr unterhielt, burd) @ift aut bem 3Bege gerdumt ju 
haben. 9}id}itbefroweniger wud)t feine Popularität, 
unb iwar weniger wegen feiner Jtriegttbaten, alt weil 
bat (öolf von ibm Sd)u& gegen bie Keinen Üorannen 
erwarlete, bit ftd> unttr ra|ftfd>tm öinflufi aufgtworftn 
halten, unb ihn alt$ert ber ferbifdjenWationalilät wibtr bir 
Mobofiuifin, Stonlif u. f. w. betrachtete. Der $af» gegen 
ben befagttn ruf|ifd)en Vlgenten war fo allgemein, bafi 
bat prtertburger Üabinei im 3- 1811 fid) tu feiner VIMh- 
rufuna bewogen fublir, unb nunmehr fonnie Jfarabjorbje 
eine umgtfiatlung bet Scnalt im monarebifeben Sinne 
burd)fe(en, wclrte eine gebetblicbtre ^ufunft bet jerrifft' 
nen iUolfet |u ermöglichen fihieii. Stuf Sranfreirbt 9ln> 
trieb bot ibm bamalt bie Pforte bie gürflrnwürbt übtr 
Serbien alt autonomen IKifallenfiaat unter ber Sebingung 
an, bafi et fid) gaii) von Siuplanb lotfage, eine Sebingung, 
auf weldje er nicht eingehen »u lönnen glaubte. Dat fid) 
in feiner Ablehnung funbgebenbt «erträum auf Sufj» 
lanbt L«rofiiniitb aber rechtfertigte biefet f*Ie*t. 3n 
bem ju Surarrft 1812 abgefd}loffenen ^rieben ftipulirte 
et für bit „ferbifrhrn Sewobna brt $afd>alift von Sei' 
grab" nur eine gewiife abminiftrativt Selbjtregierung unb 
gnäbige Sebanblung feitent bet (Bro^berrn, woraufhin 
bic Pforte altbalb nutliefemna ber 3Baffen unb liebet' 
gabt bet rtefiungen fotbette. Jcatabjorbie wollte hierauf 
nicht eingehen; aber bie Kation war ni>br mebr rviber' 
jtanbtidbig. t*a|1 ohne Jtampf rudten bie lürfen in 
bat ifanb ein unb befetten im "Xu bat von feinen »Bet« 
tbeibigetn preitaegebene Stlgrab, wäbrrnb Jtarabiorbje 
mit bet «ehrjabl ber «oiweben fein Äeil in ttt gludjt 
nadj Ungatn fua>te. *on ber cjrtTTtidjifdKn »tgitrung 



Digitized by Google 



KAUAIIISSAK 



- 9 — 



KARAIBISCHE SPRACHE 



al« ÜRebell brbanbrlt unb nad) <0raj intrrnirt, fjatte 
rr fegar mit Mangel \u fämpfrn, biß nad) längerer 3''» 
Äu&tanb ibm bie Srtaubniti jur Ueberfirbdung nad) 
SRufftfd)'Heffarabien vcrfdjaff'c unb ihm bie Stabt <fh,otin 
al« SßcbnuO anwie«. 

9tad)bem injwifdien Wilefd) Cbrenoivitj , nidjt an 
rufftfdje Witwirfung gebunben unb bemnadj humaner 
unb glüdlicfcer, tic frrbifctjp Sutoncmie wieber aufgeric&tet 
hatte, febrtc Jtarabjorbje im 3- 1818 — wie ohne He? 
weit behauptet wirb auf pant)cUeniftifcf)G Anregung, ftdjer 
ab« mit riiffifctjfn $cgiliman'on«papieren über Süb« 
Ungarn nad? Serbien jurüd, wie c* fdjehtt, mit ber 91bfid)t, 
SRilofd) in feiner £errfd)afi ju ftören unt» viell<:id)t aud) 
neue §änbel mit ben Surfen ju fud)en. Hon bem Hräfecteu 
;u Semenbria junächfi gaftlid) aufgenommen, würbe er 
von bemfelbcn auf Hebrobung be« gürften 9J?ilofd> im 
Schlafe umgebraebt, unb fein Äopf nad) Helgrab unb 
roeiter nad} donftantinoptl gcfatibl, um al« berjenige 
eine« berüdirigtcn Stäuber« unb »Xebellen vor bem grofj* 
herrlichen Setai au«geftdlt |u werben. — So ftarb ber 
erftt befreiet Serbien«, in unpatriotifeber «bfidjt au« bem 

in ba« Hatrrlcnb jurürfgefebrt, bafelbft von Her* 
rätberbanb. Jtarabjorbje befafi in bobem ®rape bie CSigen* 
fdjaften eine« Jtriegflfübrrr« i inciviliRrtcr 9Raffrn; et war 
von riefigem Äörpcrbau, von unermüblichrr Äraft unb 
91u«bauer unb von grofjem perfönlicbem SJlutb ; auch ge* 
brad) e« ibm nidjt an taftifdjrr Erfahrung, bie ibn gegen 
bie ungeorbneten Raufen ber türfifdjen $rovinjialautae* 
böte häufig jum Siege fübrte. «ber ein Staatsmann 
war er nicht. (§« fehlte ibm vor allem bie @abe ber über« 
jeugenben unb gewinnenben tUebe, unb wenn er and) bie 
Herhältniffe oft ria)rig brurtbeille, fo nü&te bie« wenig, ba 
3äbjorn, ^»abfudjt unb bäuerifd)c Schlauheit ibn auf 
vetfebtte Hahnen riffen. (G. Roten.) 

K&rag»*8cn ober Karagcssen, f. Karakassen. 

KARAIIISSAR, gewöhnlich .Min u M Karahissari, 
n't ber 9tame einer Stabt unb eine« Nnnenlänbifdjen 
eanbfdjafö ber türfifdjeu ©eneralftallbalterfcbaft (Hilajet) 
von Gbobawenbfjar (Hruffc) in Alrinaften, unb hübet alt 
Iet)lere8 ben fübofilidxu Il)dl be« befugten großen Her« 
»<tliunß0berirf0. 9?atb bem türfifeben Staatobanbbutb 
(Sälnämeb vom 3. 1297 b. gl.) umfafjt ber Sanb* 
fdjaf bie folgenbrn Äafa0 unb Labien: 1) Jtarabtffar 
unb ©mir 2)agbp, 2) Sanbvflv, 3) S vifcbatilv, 4) Satvma 
unb 2>anif<bmenbli , 5) Sd)eicbl», 6) Äejitler, Sfcbol Oma 
unb Sebricblv, 7) 3fd)iflo unb Serabfdjlp, 8) Jidjal mit 
Sofia, 9) Scidliri, 10) bie SRomabrnftämmc Hü«, Ulü«, 
Cbowarc0m unb Hlofulibfdje, 11) Holiwabon (fpr. Hul- 
roubun), 12) Sdiubüb. 13) 3*b«fl», 14) Äatamef unb 
Ifdjai, 15) «ftfie, 16) 3)fd)än*baril)tn, 17) Gboöreiv 
Utafd>a unb 18) Harbuttfdip. lue Sanb iit im allgemeinen 
ftudjtbar unb tvoblbebaut; unter ben Hobenerjeugniffen 
ietdtnen ftd) m ri (Drogurn au«, Opium unb ärapp, welcbe 
bribe in grofen Duantiläten für ben @rport nad> fiotna 



*) »nf ben harten Isen ÄlriBaßfB t)\t irnb ^a »Pain. 9t 
ift tief* UQtitstia; bie ?irfr« nrantn len Cptum Ilm mit) Um 
■(agTi(d)ifä>ni tä itftövu 

t. iü.-tll. t IB. «. X. 3«Ute«ctin. XXXIII. 



gefanbt werben, ttm elfteren verbanft bie £auptfiabi 
be« Sanbfdjafd ben Heinamen «ftün (Cpium), burrb 
n>cld»en fic von anbern JiarabtfTärfl (Sajroarjburgm) 
unterfdjieben wirb. Siefe f>auptfiabt, in ber Ibalebene 
be« bem Hinnenfee von 9ffd>ebr juftrömenben glühen« 
«farfu gelegen unb einen Anotenpunft brfonbrr« iviebligrr 
^>anbel0flraf)cn bilbenb, ift in eigentümlicher 2ßci>"c ring« 
um einen fdjlauf unb fafi prrpenbifulär aufragenben Sra* 
cbptfelfen erbaut, wetdjer auf fditoer erftriglidjer ^>öbe bie 
9tttinrn eilte« alten bvjantinifd)en ober frül) « rürf tfdjctt 
@af)eü« trägt. Sie bat 12 Stafdpen unb jroei Äiidjen ; 
bie Gimvobnerfdmft wirb auf 8000 türfifdje unb 400 arme* 
nifdje gamilien angegeben. Die {)auptinbufirie be« Crt« 
ift bie Hercituag fdjroaribrauner giljberfen, roelaje viel« 
fad) oi« Hetteppidje (Seobfdjdbeb) ober al« »Portieren 
gebraudjt werben. — »fiün Äarabiffäri ift ber St& 
eine« Statefarrif«, eine« bem ttppelIation«gerid)te von 
Hruffa unterftebenben erftinftanjtidKU @erid)t« unb einer 
9tormalfd>ule. (Dafj e« eine antife Crt«lage einnehme, 
ift nad) vielfad) vorbanbrnen bautiebrn Ueberreften nid)t 
ju brjmeifeln; jebod) bat fid) ber 9tame nod) nid)t frft* 
ftellen (äffen. !\-v Stifter ber o«manifd)en Xh)naftir, 
Sultan C«man 6*baft, eroberte bie Stabt im 3- 1288 
nad) Hefiegung eine« fic regierenben Sieffür (d)rift(id)en 
gürften) unb lief bafelbft juerft bie (Sbutbeb, b. i. ba« in 
ben i«(amitifd)en Vdnbern bie Souveränetdt bejeid)nenbe 
greitagflgebet, für fid) unb fein £aii« fpretfcen, mrtbalb 
bie Surfen in Äarabifjät einen wefenilid)en SHu«gana«. 
punft ifjrcr ftaatlid>en Wadjtenlfaltung verebren. — Sße« 
gen be« bdufigen Horfommen« be« Ort«namen« St ata* 
biffdr in ben türfifeben Sdnbern — ba« türfifdje Staat«« 
banbbud) fennt allein 10 Sifrrict« « Hororte biefc« 
9iamen« — fübrt unfere Stabt cfftciell oen unterfd)riben» 
ben Heinamen Sabib, „be* ©ebieter«", einen Heinamen, 
beffen llrfprung niibt mit Sidierhei: mi ermitteln ift. Site 
»Uferte fd?reibt alfo Jlara«^>iffär«Sabib, wdbrenb ber 
Ort im Herfebröleben nur al« Vlfitm Äarabiffär be« 
fannt ift. ((?. Rosen.) 

Karatben, aud) Cariben, f. Caraibcn. 

KARAIBISCHE SPRACHE. 3>ir Äaraiben 
waren ein USifdwolf. 3n voreolumbifdier 3eit bat, fo 
beritbtet bie einbeimifd)e Sage, ein feftldnbifdjer Stamm 
bie äaraibrninfelu erobert, ade männlid)en Sinwobner 
niebergemad)t unb bie einbeimifd>en gßeiber in ftd) auf« 
genommen. Diefe Segenbe finbet in ben (Frgebnijfen ber 
Sprad)forfd)ung ibre voüfie Heftdtigung. ($0 lebten 
in bem Holfe jmei Spraken nebencinanber: bie eine 
rebeten bie SDIännrr unb bie SBriber, wenn fu ju 
SNdiinem fprad)en, bie anbere fpradjen bie grauen unter« 
rinanoer, atfo vermutblid) aud) mit ben fleintn, nod) 
ber mütterlidjeu Pflege anvertrauten Äinbern. Hcibe 
Spradjen unterfd)etben fid) pielfad) im SBortftbafte, fteHen« 
weiie aud) in ber ®ran;matif, jumal in ben gürwörtern ; 
febr viele0 aber bat fid) im taufe ber 3eit in ©emein« 
gut beioer ©cfdMrdtier vermaubelt. 9?ad) Süden flbam'0 
meifterbaft geführter Untrrfudiung flebt nun golgenbr« 
.feft: £»ie Spradie ber HJeiber unb ber o.röfjte Sbdl ber 
4)rwrinfd)afilid)rn @rammatif finb wefenhtd) arawafifd); 

2 



Digitized by Google 



KARAIBISCI1E SPRACHE — 1 

bie Sprache bei $Ränner, jomeit fit »er nun mehr al« 
jroeibunbert 3<>brrn erhalten mar, ift am tiäebften bem 
®alibi, rocilerbin bem (Fbapma unb (funianagote w 
wanbt. ÜDian abnt, tap im Sßed>t'el ter ©eftblechter je 
länger je mebr ber mütterliche Sir.flufi Wadibrucf nbru 
muftie, uuö fo haben wir Ijicr eine Wifdifpracbf, in 
welcher bit (Sroberten Sieger gtblitlum ftnb. 

Dir Sprache brü^t folgenbe üatite: 

SBocale: a, e, i, o, u, ü, ö; Dipblbonge : »e, 
ai, so, ei, oi; ßonf onanten: k, g, t, p, b, pf, b, 
V, 5, I, r, y, n, nb, gn (— n?), mh. Da« u nor 
anbern SJocalen Cürfle bem englifeben w entfpreeben. 
Sitte SBörter unb Silben lauten entweber auf ©orale 
ober auf (inen ber Siafale n unb m au«; Per ^»atu« wirb 
nur in gewijien gdllen burd) Sßobllauteregeln fermieben. 

Der Slccent fann auf jebrr Silbe ruben; eine Slrt 
pluti ber erftett Silbe biem jur ©iloung be« 3ntenfU 
t>um«: iroponti, gut; lroponti, faft wie ihiropouti 
flinf|tnb: febr gut; nhnegüaiti, er ift franf ; näueguaiti 
(fprictj: naahaneguaiti), et tft febr franf. 

Der Sprachbau ift einoerlcibenb ; ba« ©erbum 
nimmt fubfedive unb objectivr ©ronominalelemente in 
fid) auf, ift rri<b an temporalen, mobalen unb anbern 
gönnen unb bei aller ©ilbfamfeit boeb verbdllnnjmäfiig 
t>ura>fid)tig in feiner Strueiuv. Suffire finb häufiger 
al« ©läfife, 3nft;e ganj unbefannt. bie fficriftämme im 
wefentlidjen unwanbelbar. 

Da« Subfiantivum bot *n>ei ®efd>Ieebter, ein 
männliche« unb ein weiblich 'fädjliche«, erftere« auf i, 
IrQtere« auf u au«lautcnb, §. ©. 
aparuti, SDförber: aparutu, Werbelin, 
kalukaerari, (Suabelupauer : kalukaemru, ©uabe* 
lupanerin. 

Der ©Iura! bot btr (Snbungen em, üm, yüiu, welche 
jebcd) nur für belebte ober al« foldje betrachtete Siefen an« 
gewanbt werben, j.©.ubeku, ©Jelfe; ubckuyünj, SBolfen. 

(Sine eigentliche Declinatton ift nicht vorbanben. 
35«« Subjret ftebt vor, ba« ©bjeet hinter bem ©erbum, 
ber ©enitto binter bem Subfiantw, ju welchem er ge< 
bort unb welche* bureb ©offeffwpräfixe ber 3. ©rrfon in 
eine «rt casus construetus tritt, j. ©. 1-ugutti hfieyu, 
feine«güDe Sonne = bie Strublm ber Senne; t-abu- 
lugu ueibo, ibr-®ipfel ©erg = ber ©ergr«gtpfel. Suf' 
fort ober ©efipofttienen erleben bie örtlfdjen ßafu«: 
?ocalir>: -ta, 3ueffh>: -roku, Slblatw: -Scem u. f. w. 
Doch fann an Stelle ber ©oftpofition aud) ber casus 
construetus treten, inbeul man bie ©oftpojtiton al« 
felbftänbige« Subftantirum bcbanbelt.unb mit ©offeffiv 
vtdfijren «rftebt. 

Die felbftdnbigen ^Jerfonalpronomina fmb: 

aiimrrftttftr «cmriiifan 9ütib«Tfrt«dK 
Sing. 1. ao, inara inura, nukoya 

2. amanle, manle .... iburra, bukoya 

3. mann!. . . . likia, ikira ...... 

3. tteibl. fdd)l. tokoya, inukura . . . . 

tßlur. 1 hü-ihurra, uakia. . . . 

2. h-ihörra, b-okoya . . . 

3. temm. . . . inibara, namkia .... 



KAUA1MSC11E SPRACHE 



Äufjabcm erfebetnen bie pnfönlidjen gürmörter in 
folijenben Sßrcl« unb Suffijformen: 









! ' 


II 


I 


II 


III 


IV 


Sing. 1. 




D 


ua 


u 


na 


D 


2. 


a, p 


b 


bu 


1)0 


bu 


b 


.H. maic. 




1 


e 


i 


Ii 


1 


3. fem. neutr. 


t 


t 


nüm 


nüm 


ru 


t 


$lur. 1. 

2. 


k 


tut, bü 


ua 


ua 


ua 


UM 


h 


h 


hö 


hö 


hö 


b 


3. cetnm. 


nh 


nb 


gnem 


gnem 


ÜID, 


uha 












nüm 





lie beiben ^räftrrriben bienen jittileid) ol« ^offefttt»» 
Pronomina, dieibe I bei männlieben, dieibe II bei ivrib* 
litten ober fädjlieben Subßantiocn, j. S. iumaan, »Bater: 
i-iuinaan, a- iumaan, 1- iumaan, t-iuinaan, k- iu- 
maan, h-iumaan, nh-iuniaan ; erebe, Stirn : n-erebe, b- i 
erebc, 1 -erebe, t-erebe, bü-erebe, h-erebe, oh-erebe. 

SBejcidjnen wir nun ben iBerbalfranim mit — unb 
bie ^ronominalelemente mit ibren 3'ff""t. f° ergibt fid) 
folgenbe« Sdjema ber einfadjen, objectdlofen ßonju« 
gatien: ^rdfen«: I — cm, yem, en. 
*Urdteritum: — ha-ti-IU. 
guturum: I — ba, uba. 
3mperfectum — $rdfeu6 + -buka. 
UJIu«quaraperfe(tum — »Utdierituin + buka. 

©ei ßinwleibung Ui Cbiectft bejeiebnet Suffif» 
reibe IV ba« Sttbiect, dteibe III ober I ba« Cbjeet; 
Unterem wirb bei ben erftett unb jweiten Vertonen bie 
Silbe -ti- vorgefügt. Da« Schema beT 6onjugation ift: 

träfen«: — kualV-iem (ieii)|ti|III. 

Präteritum: — kuaIV-in[ti|III. 

guturum: — kuaIV-uba[ti]IIl. 

3mperatio: — kualV-al. 
Ucbrigen« fmb nie Serbaiformen hiermit nod) lauge 
nidjt erfdjepft. IS« gibt ein ^affir>um mit bem Suffe» 
cbarafter -u, -ua, ein negative« 3Jerbum, ba« in ber 
«Wdnnen'pracbe baö Suffir -p«, in ber «Belberl'pradK 
ba* ^Jräfif in-, ein SBerbum perfeetnm mit ber ©ebeu* 
tung, Daft etwa« gut cjetban fei, gefennjeiebnet bureb ba« 
$rdfir k- u. f. w., babri gelegentlich (Slifton (ober Um» 
laut?) De« fchliepenrcn Stammneeal«. Da« QJerbum 
übenouchert , wie in faft allen amerifanifebrn Sprachen; 
e« gibt feine nominalen "Jkäbiraie; t>o:i ukae, Jopf, 
leitet mau ab: k-akae-ti-na, id) habe einen Sopf; oen 
akliem, Sd>muj: k - aklieu - ti - na , ich habe ScbmiM, 
bin fcbmujiig u. f. u>. Die Suffifreibe I tritt überbie« 
in fubjeetioer ©ebeutung an ba« Demonftratiuum t;aga, 
an gcioiffe @oniunctioncn unb an ben 3nterrogativftamm 
kata, j. 5P. v^ga-na, ba« bin id>; ab«ta-e, weil er; 
kata-gnem, njrr fmb ftc? Die SuffiiTeibe II tritt in 
gleichet fögenjtfcaft an aubere 6onjunetionen, <. 'S. aka-D, 
wenn ich. 

Duellen: St.SBreton, Dktionnaire enraibe-fran- 
<;ois, Hureire lt)G5. — Der). Diitionnaire franvois- 



Digitized by doogle 



KARAITEN OD.KARÄER 



— 11 — 



KARAITEN OD.KARÄER 



caraibe, baf. UWtG. — Dorf. Grammaire caraibe, baf. 
16(57, 2. «ufl. «PH 8. »fcüDi unb (Jb. 8ederc. »ßarid 1878, 
(mit Ginleituna von 8. flbam uub Jlbbruif beö (hf 
lon't'djen Catecbisme carnilic. 1. *ufl., «urerre 1664). 

— 8. VI) am, Du parier de» hommes et du parier 
des femmes dans la langue caraibe. $art0 1879. 

(G. r. J. Gabelmt:.) 

Karalbischc» Meer, (. Caraibisches Meer. 

K ARAITEN *) obfr KARÄER («npa ^ya'), 
tnpn ^53, D'wip), 9came einer jübifd)en Srft« 2 ), welche 
in 6rr jwtiren reo 8. 3abrb- n. i»br. unter .vi!" 

rung nnan ben Xaoib'e' doii brr @rfammtbrit brr 
3uben fid) abgeiöft unb bie auf Dir ©egenwart üd) er« 
halten bat. Xen tarnen gab bie (Seite fid) felbft*), um tat 

— in 2ßirflid>frit niemals 1 ronfequent burdjgefübrte, fou« 
bem gar oft willfürlid) ergriffene unb wieberum willfür« 
lid> faDen grlaffcne — q?rinrip anjubruten, ber biblifcbe 
Irrt (tnp, tr-.pa) fei aud ibm felbtr herau« unb 
ohne SBeaditung brr berfommlidirn Uebnlfeterung ,iue 
julegen, unb tat al\o aufgelegte gefd)tiebene Sßort fri 
obnr JHürfiiajt auf bie fogrnanmc „raünbiidie r?el)rr" alt 
bir allein mbiitblid'e 9! cm für bie Sluflgeftaltung reli« 
giöfer Vrt?r.- unb religiofen 8rbeit0 ju belradjtrn. 

Der tfrforfd)img brr faräifdjcn 8ilcratut ift in ttn 
le&ten 3obi'}ebnten, befonbert um ber Anfänge ber Waf» 
forab, CSfegefe, ©rammatif unb Xogmatif willen, eine 
foltbe «ufmerffamfeit entg<gengebrad>t worbrn, bafi Saht* 
jefcnte bitrüber eine reichere gülle oon «ufflärung ge« 
bracht baben al« früber 3abtbunberte. Wicht nur n?ur« 
ben befanntc SBeft&jiänbe an Karaiticis, wie namentlio) 
bie S?evbenet SMbliolbef, bmd) gebiegene Untersuchung, 
Sefchrcibuna unb tbeüweife auch 3Hitihei(ung in etn 
vollere» ivitknfcbaftlicbe«' 8i<ht gefteUt, fonbem auch un< 
geahnte €cbä&e bed Crimla erfdM offen (ich Der Riffen» 
fqaft, vornehmlich burd) bie iBermittelung Abraham 
Sirf on>i tfd},'.*) Allein mit bem Cffenbarwrrbm eine« 
überreichen bflnbfcbrifilicben, epigraphifcbeit unb epirapbi* 
fdjen SKalerial« famen neben eitlen glaubwürbigen Auf* 
fcblüffen aud> fo viel ©efremben erweefenbe, ben ganjen 



•) Sic »cllftänbigeu 3itrl unb Warnen bei banffge? anjufiuV 
reabe» Duellen, btj. »uferen, fchf am €*lufTf. 1) Stffn «ainc 
»irt f<bon turdj Mt ältcB* fc«Taa»t ä t»L-rlHii» Tat. €*tift PSTOtt 
ftTSa («d. ©r*U» 6 b ), »adjfditifl bri«a a i. 3?i< i«iKn ankern 
Ikcu. Wattirn fin»t«i iidj Mufia, (oicif k»r Slrcm far. 8i»ttarur 
»reit« iu «if»«n anb«bl. »er '«nan Haif man *<n «amta md>t 
f«*r B ; in Wrqitlafc 2t ift fnt O'KTpn mit «anbfdjriftfn 
vnt untrnfunrlrn ^rnitrn Irfrn: m3 , Ort T^r. €itb< Stab« 
bino»ic t : Ü^lt>iO -pvrpl 's VIII, S. 127 [Ü>], Jlnm. 90. 2) 
Set Sarn 9tatrvnai \a$t rcr. ttn Sdlülmi 'tünan'«: TS5531 
nait«, »uiaibif», anjirfibrt im 1V«3 DUO? "l HD 
H. a>arfd)au 1865, €. 38). ' 3) 9^1. He «enSeruna M »er« 
mitblia) gtifen <Sntt tot 12. 3«brb. in Hea*»ltn lebrneen tüer« 
faner« ber ,.€d)laa)trra,rln in arjb. 

Tpiz «b T , " , ^ t * snet^nJi 004,3 lison 11 v^ 1 * 

«npcb« y^ria ono^b n« ^'«ip oott tjrrb» (einn< 
ia>ieiktr in ®ei aer '< 3n». 3rirf<br. J, S 241, »nm-3). 4) €. 
4ber Birf. 3ub.3«ilf*r. XI, 6. 142 fo, »u» *ebr Sibl.XIV, 6. 133 fa- 



biof)trigeu <£tanb nidji allein ber jübifa>en*), fonbem 
aua) ber aligemeinen*) ®efd>icbta* unb 8iteraturfunbe 
umfieGrnbe unb umfeb,rcnOe s Äad)rid)ten \u Sage, batj 
in ben leßten jwanjig 3abren ein anfebnlidjer Xr>eil 
.Diffenfdjaftlitber Arbeit auf bm ütadjrcciö oon gdlfdjungen 
auf biefem @rbiete oenuanbi »erben mut3te.^) 

@d roirb baber gerechtfertigt erfd^einen, wenn nebd 
bem, wo« vor ntebr al6 breiig 3abren fd^on in biefer 
(Sneoflopdcie im §. 14 bed SlrtitelB Jüdische Literatur 
(II. Seet., ZtL 27, S. 404 fg. unb pass.) über bie fa« 
rdifdje Citeralur mitgrtbeiit worben ift, hier oon neuem 
I. über bie ®efd)id)te pr« ,^ardi»mu6 unb 
IL über bie öJefcbidjie ber Jtarder, entforedjenb bem 
gegenwärtigen ©tanbe unferer Ämntni^ be« Äardertbum«, 
auefübriidjer gebanbeit werben wirb. 

I. @efd)id)te be0 Aardidmue. 
~ ] läi) ^bftamraung 8 ) unb fyauptfdcblitfcrm Sefmntnitj 
fiub bie Jtarder 3uben, baben fietö ald folebe tid) ge< 
ü.iilt unb finb aud) oon ibrm anber«^(dubigen Hinge» 
bungen jeberjeit bafür angefeben worbra, jcbafi U)re ®e« 
fd)id)te nur einen Sbeil ber allgemeinen „@rf<bid)te bei 
3uben" bilbrt. Xie politifdje @efcbid]te Des tardifdien 
©cftmflamme» ift nur bürftig an ÜMomentm, meld* 
geeignet wären, biefelbe quo bem ftabmen ber aUge« 
meinen politifdjen @efd;id)te ber 3uben brrauArreten ,<u 
lauen. Unb aud) bie Literatur ber Jtarder ftebt allju fefjr 
unter bem (Sinfluffe ber rnbbinifdjen unb rabbanitifeben, 
aid baB ße anberö benn alt ein $)eftanblbei( bed aüge* 
mein iübifd)en €d}rifilbum6 brrradjtet werben tonnte. 
Sie Sefonberbeit fann nur in bem eigentbümlidjen ©e« 
präge liegen, weldted ber fd)iAmatifd>e <5tanbpuntt, bae 
!araitifd)e 'Jfrinrip, brr 8ebre unb bem 8eben ber Jtaräcr 
aufprägt. Xarum mag füglid) ba ®e fdjidjte ber Jtarder, 
als ber Sräget be« faraitifdien «Princi»«, bie Xarfteflung 
ber ©efd)id)te biefe« principe vorangehen. Xie ®e« 
fd)id>te M Jtaräertbum» roirb burd) bie aQfeitige »lüte 
brö Sabbanitentbum« im 12. 3abrbunbert») in twet 
grot)e Hälften getbetlt, beren erfle man al« bie auffiel' 
grabe, beren jweite man alt bie abfteigrnbe bejeidineu 



5) Sff ttmitien nad) Dinfftr'* ®crganae geaen bie Sntorllal 
von 9tbrabam ben Oira unb 9brat)am ben Sanib ben Ca« 
räern nid)t el*a blo« bie 9»fän«e, fenbern f*on flnfeljnltfjjr erfle Sei« 
ftnngtn auf brm (Hebietc ber liebrätfrhrn Arammatif unb 8rrtfoara> 
pljie, ber Sldiirnnfl unb ber fQafforab junrlsteien. 6) <5o (itUtrn 
bie meiflen 8 i r 1 1' »o i l j a>*fa>ra ftunbe bie Öc fditdirr ber Änm auf ben 
Stopf. 7) 3" ©e(Uj) auf bie (Spigravbe uub bie Spitapljica, 
bie burd) Sirf .t> ;n> i)ini)rn, fei, um nicht burrn WufiiMunej ]u 
ermflben. biet auf ba» erfdiobfenfe nnb abfdiüefcrnb« ®erf «. ©ar = 
fa»»'«: «IltjibifdH Denfmaler an« bet Jtrim (ei.«5eter«bnrg unb 
geipjtg 187b) »eTtvirfrn. 92cd> lanqe niitjt abqefajfcffen bagegeii ift 
bie Prüfung (er$anbfd)riff rn, namrnilidi btlrcf« ber flnio reu« 
Ii amen unb 99 üdler t it tl auf ihre Vlulftr nlicil.il. Sin» bcdi taum 
alle 3rrefü!)rnn^en Dinffer'« bnrd) 8'''- »ber eigene 3rr» 
Ibümrr fd)cn an ben tag gefemmen, rr»( brr forgfcilt'.ijrn unb 
ringegenben Vriifnng be« inbalt«reid>en nnb BerbienftveUev ^Qipb 
nvSTOTp burdt 6(einfdjneikcr. «tiger. 6d»crr, Wen« 
bauer nnb rttanfl. 8) ©gl. SDerfaffer« HufTan: Jtae. Slibirn 
n. 'S in 3Xi.-nat»iebr. 1882 S. 3 ig. 9) 06 aber in ben frim> 
fdjen JtatJein ein nnb bei. ein wie grofer Viorentfaft cbajaru 
fdjen Urfsrung« fei, fdjeint Biiffenfeb,aftlicl) aed) ni(6,t fr(lgtfteai 

2» 



Digitized by Google 



K ARAITEN OD.KARÄER 



— 12 — 



K ARAITEN OD.KARÄER 



taxf. Die rrRen ritr Safarbunbtrtt (von btr SWittt bt« 
8. bi« jur «Killt bt« 12. 3<ifatb.) finb btm Aufbau 
unb bem 91 u« bau bt« flaräidmu« brftimmt. SSäbttiio 
in bitftm langen 3fiiraumc nur tin btfonbmJ btrver» 
ragtnber ©cgner, Saabia ©aou, btn farailifrbtn SPau 
tn Sßabrbtit ertiftlid) btbtebt haltt, babtn bic rabbaniti« 
idjtn #trocn be« 12. 3fbtl). bcni'elbrti auf allen ßnben 
ittf tr)d}ütlai. Dtr eridjütltrtc Jtaräi«mufl Hebtet üd) 
bann bind) bit Jbäligfcit ber „fccibtn Aaronc" (13. brj. 
14. 3afarfa.) triebet auf unb wirb biö in« IG. 3abrli. 
wlwtiltg von SRAlUian vertreten, bie beadjtenöwerth blei- 
ben burd) ©eift unb SBiffen. 3?on ba ab batiit bit 3eit 
bt« SBerfaU«, in bet öinjtlne alltnfaü« butd> biblic« 
grapbiiefae Jtrnntntffc fid) bervortbun. öine eigentlich, 
fehöpftrifebe Ibätigfeit criftirl fenan nicht mtbr. 
A. SBegrünbung unb Aufbau bt« ,<< iräidmuö. 
Die »^eriebe btr Scburäer unb bit erjit Jjpälftc 
bei gt onäifcbcn, bic wie» 3abrbunbcrte nad) Abidilutt 
bt« babr>lonifd)en lalmub«, gefaörcn ju btn bunftlfttn 
Sbtilen btr jübifdjtn ©cfcbidjte, unb tint Aufhellung 
btrftlbtn barf faum in Slußfidjt genommen vrerbtn. SJcn 
»Italäfliiia btr unb btm grö&len Sbfüe btr nicblbabvloni» 
fd)tn Diafpora tönen au« btm jütifefaen Scbrffitbum 
faum tinige Kamen ju un« herüber, von SJabvlonien 
ber faft nur tarnen unb wenige Daten. Wit Sicherheit 
wirb babtr bie frage, ob ba« Sdii«ma, ba« im $)ereicbe 
ber ffieonim im 8. 3abrb. auöbracb, fttb febeu feit 
lange im füllen im Scbofe be« ^ubentbum« vorbc 
rtittt habe o&er nid)t, nitmal« tntfcbicbtn werben fön» 
nen. Allein gtgenüber ber früber von ©eigtr lebhaft 
vertretenen, beute von faft alltn ccmprttiittn r)eurifaci(crn 
aufgtgtbtnrn Annahmt, wonach nicht allein ber Sta> 
rdi«mu« ein geiftiger <?rbe be« ehemaligen Sabbutäifl* 
mu« wäre, fonbern auch bie faräiftbe ©emeiubc Itiblicbe 
Utbtrrefte ber für vtricbollfn gtbalttntn Sabbutätr in 
ftd) gtfdjloffen Witt, Idjjt fid) füglid) vermutheil, fay 
uvar ein freier ©eift bt« Sibcrfprud)« gegen bie güfa* 
rung bei rtligiöirn Spityen, wir tr in talmubifcber 10 ) 
3eil r>r aftifeto in fem Sa&e ntm Au«brud tarn: ,,9Ba« 
frommen uns bte diabbanan? Seit jrher haben fte un« 
be« Diaben ©tnujj nicht gtftatltn, btn btr 2aubt nicht 
vetfagtn fönnen!" wol feinem ©cftbltcbtt , alfo aud) 
ntebt btm 3<'talttr ber Seburäcr unb rrftrn ©conim 
völlig gtftblt haben bürfte, bafi aber tin au«gcfprod)tncr, 
fpjtemattfdjct SEBiberfptud), tin principirUer, offentunbfger 
©tgenta&, wie tr in ptrfdnlicbet unb (eiblicher (Sonn* 
nuität vom ©abbucäiflmu« jum fd)i«matifdjen Äaräer« 
lhum hätte berubetfübren foden, unmöglich bura) 3afar< 
bunrerte „fottgewudjert" haben fönnt, ohne irgenbrine 
größere geiftige Bewegung factvorjuruftii, ja ohnt in btr 



j« ffift, SBtnn von lat. etile, namentlicJi »cn btr 5 i r f eiritinY , 
auf «nfraatn rntnieber a<tj4j»ei> bi«R><ilen Hie m»(jti*!<it d|a{a< 
ttfdifn UtfiiniBg« für tit Wmfdjen Äarätr al« eine na^Iieatste 
tfjficfcnrt »ujte, fe grfd)al) iitt an« mi<cilligni«wertVn flüjlid: = 
MMlMP^II» 9. 3)einatk'< Be^aiiiitun« eine« iai«if*en Ot/ 
iprailfl* Kr fritnfefem Äatdrr ul^^ fem* 9Jr»ei#filirun,i in D'ip KOa 
troedt UTiii j •>Htl:cjfr 

10) 6anljrtrin W k unt 100*. 



Literatur eint btutlidjf, unvttftnntart Spur Itträrfl» 
laffcn. Sem 3. Safari), abwärt« fdjwinbct aber jett 
Spur fabbucäifcbcr ftfarmeinungen, bie bem fpäreren Äa- 
räi«mu« bureb lein anberr« %)} ePium übermittelt rvurbrn 
al« bureb ba« tahnubüdjt Scbrifttfaum, in weldjent ne 
angeführt unb befämpft würben. 11 ) Der geiftige Sritl' 
ftanb, ber SKangtl an fd)öpfrrifd)er Jritblraft, n?ie tr 
felbft an beu fERitttlpunfttn jübifditn ®tiftt«lt ben« , an 
btn .£)ccbfd<iilcn Sabvlonitn«, nad) Abfdjluit bt« Xalmub« 
tintrat, ftr.t> nur unter err Amtabmt verftänblid;, la$ 
bcrfömmlidje i'tfart unb über(itftrung«gtmäBee geben 
fchon ftit langer 3tit unangttodjten gtblitttn, unb bap 
bit officitUtn Serlreto birftr ?efart unb Ditfe« i?eben«, 
bie Sdjulbäupter von Sura uno ^umbebitba, in 
ibrtr «Dfadjt übrr bit «Äabtn unb in ihrtm Anfer>en bei 
ben Serntn nitaial« ernftltd) gcfäbrbtt worbtn waren. 

@rfi ba nad) btn mdebtigfitn Umwälzungen ta 
ftaatlidjeu Snbältniffe, unb |td)erlid) aud) ermuntert 
burd« bie Stttenbiloung im 3«Iam, ein Wann von autü' 
ritaliver SttUung unb von vernefamrv ^erfunft fiel) gut 
htrrichtnben 9iid)tung in ©tgeniaj unb an bic «vir., 
btr ©fgttfrfcfaaft fttllte, fonnte uno mu§te e« ju einem 
Sd)i«ma femmtn, ba« nicht allein im Sdjofe ber bäreti- 
fdjtn ©tmeinbe eine regtrt gtifligt 'Btwegung bervorrief, 
fonbern aud) für btn übcrlitffning«trtuen Äerii ber 3uben» 
beit, für bie Stabbaniten, infeftrn tint förberfame, fruebt' 
bringenbe Ibatfacbe wurbt, al« bie 9Joihwtnbigltit, bem 
Umftd)greifrn be« Sd)t«ma« wirffam ;u brgtgntn unb 
bie Ueberlieferung erfolgreich gu verfeebttn, im Ärtife ber 
Siabbaniten tifrigt« Strtbtn nad) Dtn bi«hrr vernacbläfftii« 
icn Siubien auf btn ©tbitttn ber Gregefe, ©rammatif, 
Dogmatil unb ©efdjidjte crn>trftt ") unb wad> erhielt. 



11) Sit Harätr tianiltn üd) ü&trftansi gern jene flnthbttn 
uut Üt^rmiinungen an, lit in Ptt talmitifdirn ^ilrrolur jn 'IBotlr, 
attr ni<t>: jur W <■ 1 1 un gtfsmmen toaien. CBijl. ÖJül t tobt r <S. 10 
fj. Hilm., »e mii 9i(d)i naebacirirren ter.e, l>oj sie Ufbtttiaiiimmun.j 
jirifebtn .Rar. unb Kr „alitu ^aloetia " niebi, reit (Seiger »ill, 
btn ftrlönlidKii 3u|Jtnmrnbana iluifttitn €,iDbucätrn unb' Jtjrdtrn 
Wnwi(t). Ii« rjttrprragtittn etbrer btr «crieit. »eldjr in brr 
SWinsritäl grblittvn »arrn, fclllen babutd) in Bcrfian^cnt Äar 
gtnemvrlt rotrbtn. 3nbem bitfe et nitmal« Süert babtn irrtlten, in 
ibrem 9Bip«fprua) ^rgtn bic bttlöuimlicbe Ueberlifftrung bit tbr 
inaligc fabbucäifcfee (iltgiittfrttafi .]t s .n t..- münMiebt {ehrt tvitfetr 
aufgenommtn ;n baben — rrniinttilid) baiuni, »til btm fabbncai= 
frbtn Qiamni all^n fct>r ber Wahl bt« UngUubtBi) an CT~n mir 
anrjaficlt — rrbid)ie:en iir fiel) tint Jtettt ton trabiiie>ni|len, in 
irelcbt fit H'ofilflinjtcnbt 9lomtu au« frvbttifcbfn vnb tannaiiifrbtn 
Ärciftn aufnahmen, Sidnnrr, bit aueb im rabbanitifebtn iagrr litt 
»trtbrl »iirbrn, btrrn Onlfebtibiinjitn jtbi>* niebl bautrnb rrebw« 
fiafug reurbtn, wie nanituilidi .lebuba btn Xabbai unb »5 d) i m -- 
mai. fflabrtub aber bit fiarätt in ibien auf Äabbantiin unb 
9)i(bljubtn l'.tal r.rttn Z*rincn ebne »Beber.ftn tieft angcbliebtn 
SBurgdnjtr ;u btn ibiiatn ttdintn, beginnen fie 16t „Stflfngttä«!« 

im ®otlf«baHlt nm 'Slnan benDa?ib nnb btlun^n bamit. 
bafi fit in ihtabrbrit ihn al« ibtrn Ciifttr ober etfien ©etifubrtr 
berraebttii. 1- Tie« .,>f*.:ii freilid) (bat grnug. 3« ^ab^lomen 
giug bit £iiiinvtbrit m ctr Wiehianitung btr ©cfaljtlifbldt t<c «a 
räi«mu« fo keil, bafi b.r ftlaon ftatrenai — jnm itiiiiDefttn ^wei 
»entral^ncn nadi'Sluan — btifin »Bttl n«r «cm .türenfagen 
fennl. „9e. ßlrafor ütlluf bai e« geftbtn. " (3n btm nbtn angt« 
führten Cjtiitatb'tn.) 9tfl €>aabia bringt na et) lOabnlen btn 
ttbtnbiget Sfplfafl, retbanli über freiiid) feme , bt» iremben un» 



KARAITEN OD. KAUÄER 



— 13 — 



KA RAITEN UD.KAKAER 



«Kit 'Sin an benDavib, einem gelehrten Slitgliebe 
be« tfrilarcbenhaufe«, ber naa> feine« Cbeim« 2obe vollen 
Slnfprud) auf bie SÖürbe be« «mb; sm gehabt hafte, gegen 
ben aber bie Scbulbäupter auf Srgrcobn, er neige jur 
£ärcfie, mit (Erfolg ben jüngeren ©ruber Olunanjub 
auf ben Scbilb erbeben, trat biejenige tßerfönlid)feit auf 
ben *l'lan, bie tum aJJiticlpimft unb jutn ojaupt einer 
Sefte bie redete (Eignung befafj. 3m Orient ift in jeher 
^ärefte bem rrligiöfen Moment iiugleid) auch ein poli - 
tifdje* ") von größerer ober geringerer Iragweitc bei* 
gegeben. 3)ie« fehlte auch bem Jlaräi«mu« nidjt völlig. 
Sein Stifter ober erfter SÖefenner fpielte nid>t bie SRolle 
eine« 9Reffia6, wie anbere furj vor unb nad) feinem 
Auftreten; benn bann hotte er bei Sage ber Serbältniffe 
feiner jeit gar balb biefe Stolle au«geipielt ; aber er war 
ein 9?ad)fomme S)avib'«, ber legitime „Surft be« ©ril«", 
ber flbnbftr aller fpäteren D's-sj in ber ,,um $ion 
trauernben, feuftenben unb äcbjenben" ©emeinbe, wie 
bie fpäteren itaräer fieb gern nennen. 14 ) 

9?ad) fituationägerednen , glaubwürbigeu ©erieb» 
ten '*) würbe bie fcbi«matifcbe (SrHätung burd) 'ünan 
vor bem Gbalifen abu>®'a'far Sümaniür — unge- 
fähr im 3.761'*) — au«gefprod)en. ©ei biefem nämlid) 
ber (Empörung angeflagt, weil er von feiner gartet 
gegen ben betätigten cjjjiarcben ftd; jum ®egenerilar*eu 
batte ernennen laffen, febwebte 'Slnan faft eine SBedje 
in bödjfter ©efabr, bie e« ihm gelang, perfönlfd) beim 
dbalifen vorgelaffen ju »erben unb vor bemfelbeu — 
entfprecbenb bem JRathe eine« mitgefangenen tnuelimifdjen 
Seftirer« — ju erflärrn, bie von ihm befannte unb ver» 
fretene gorm rc? 3ubentbum« fei von ber, roeleber fein 
SSruber al« ßrilard) vorftebe, grunbverfebirten. X)eutlid) 
aber madste er feinen fd)i«maiiid)en Stanbpunft bem 
(Sbalifen an einem praftiftben SJeifpiel, welche« für biefen 
ebenfo einfebmeidjelnb wie verfiänbiid) war, an ber *JJreiö= 

Sebung be« rabbinifrben, auf S3ered!iiutig beruhenben 
talenbertvefen« ju ©unfien ber Skftimmung be« Heu- 
monbe« auf (Hrunb Per jebe«maligen 6id)t ber neuen 
SRonbfityel, wie fte auch im 301änt ftattfinbet, unb ju 
fünften ber 3nterealation auf ®runb ber «Prüfung be« 
Saatenftanbe« vor 8tnje«anfang. ,? ) 



[u.ir nMutif ii Wannr« Sfrufuna, an Nr Seifcf Ut furanifdjen §o<t 
fdiulf ffintr (rfoljicidxn ©ffämpfung Irl Jlarärrtbume, bif t<mnü* 
in Sabulcn fdjon auf fflftflantnin unk ÜBürbigunj. qtilc§fn war. 

13) ®if man leidii burd) tinrn Bltcf in €'abr aftaai' I 
J>A,M. JJUJI ^jUcJ'SJ. I fidi «berjfugc« fann. 14) Di<« 
rnui bftont loribfn gtgcnubfr btT ojfrnfanbtarn ffnttitllung tu 
€adiwbalt« burd) Saimo» t'rn 3tru<feam im Dfalmrn .ffoin« 
mtnliir. ©fll. Bi«fft( flnh. C 52 ülnrn. unb Otcubantr €.13. 
üttrx Mt anafHt*t 5>jfl>cdK Ur „gürfen" fitlif 3un|, <Hc\ttt- 
Mcnftlidit Storlradf €. 139, ©fio.fr'« 3fitf«rift U, 108 mi 
<St, infdjnriter, 8f»>. «atal. p. 236. 15) 6. Die raWaniti. 
f*f (C«aki«'a?; IarftfUttB 9 , angtfabn im laräifd»! piVn 
TOini V*rtpn t,i JJinffrr Hub. £. 103. IG) LH cd: «ra» 
v, 465. 17) Y>yen by -n« m -jetc [pjj nroi 
^bam s^aeen mar» n-.*n rv»n b? -m niBipn fiayi 
ib pno:i altern n-.n rnn by isnaon rm K-nrt 

>.b mtlPSI («hitlar a. a. C). 



9Mit biefer GtHörung vor bem (Sbalifen, bie '«nan 
Sieben uno greibeit envirfte, war nad) aupenbin ba« 
SBott ber Trennung unb ber 8o«|agung von ber jübi* 
fdjen @efammtbeit autgefproeben; nun galt'«, biefen 
@egcnfc$ aud) nad; innen in SB er: unb Sebrift jum 
Sluebrud, irf ein Svftem ,;u bringen. <S.S ift niebt wahr> 
fdjeinlieb, baf '91 nan ober feine unmittelbaren 3üngrt 
ihre ȧrinripien in fvftematifd: . : DarfteQung entwideit 
haben, wojii cc ihnen iiod) aüju febr an roiffenfdiaftliaVr 
€ebulung gefehlt haben bürfte; benn fonft würbe jui- 
unfehlbar ein längerer <J3affuö von prineipiellem 3nball 
auf 'Slnan'ö ooer ber 'Slnanija 9eamen erhalten hohen. 
@tn (Sag, beften @d>tbeit burd) bad aramäifebr 3biom 
bejeugt roirp, bem aber bie teueren eine prineipiedere, 
tenbenjiöfere Spise geben, al« notbnwnbtg in ihm liegt, 
wirb von einem Späteren auf '«nan'* Warnen über* 
liefert i -pco tervvwa "rcron = forfd)et gut in ber Scbre! 
S)ci ber ^Dürftigfeit unb Uni.ulängltd>leit beffen, waö 
gegenwärtig al6 roörtlidjeö (lilat aud'$(nan'd 6d)riftrn 
befannt ifi — alle« jufammen jtvei bi« brei Oetavfeiten 
über breicrlei religion«gefe$lidje ÜRaterien — la-.tr ftd) 
beute nidjt mit r idjerbeit fefifieOen, wie viel fdlon 
'8h an, ber erfle SBortfübrer be« jtaräifimu«, iu beffen 
Slufbau beigetragen habe. 9ln ben fad?ltcben Sntfdjei- 
bungen unb (Frflärungen, bie auf 'Snan'fl 9?amen über* 
liefert würben, läfit m erfenuen, ba^ er an Stelle ber 
berfommlitben Sdjriftau«legung, wie biefe im Jalmub 
niebergelegt war, unb im möglidjften") ®egenfat>e tu 
ibr eine 9(u«(egung gefebt hoben mu|i, weifte bie &in» 
,;ell'eilen ber gefe^Tidjeu Partien ber Sd)rift nad) 9Bort< 
bebeutuug, nad) 3ufu»»nenbang , nad) fad)li(ten ober 
wörtlirben Analogien, unb nad) ben rabbinifd) «üblichen 
Kegeln ber £enueneutif ju erforfeben fud)tr, weld)e 'Rc-i - 
Übungen von ibm in aramdifdjen ") Schriften nieber- 
gelegt würben. Sjec @cgenfa( '9lnan'« fdjeint mehr gegen 
ben 5almub al« gegen ben 2a(mubi«mu6 ftd) gelehrt 
»u baten; benn er brueft ftd» nidjt in bei anbtrn 
Welhobe au«, fontern in ben entgeoengefe^ten Scblufj« 
ergebniffen. Unb bie« ift aud) einerfeil« barau« ertlät« 
lid), bog '9Inan'« unb feiner Partei Cppofttion in 
betvonagenbem S>fa§e von perföntieber Verbitterung gegen 
bie SJertreter be« Salmub« eingegeben war, wie anberet« 

lb) 9tatronai läit'flnan \u t<n (Srintn fvrrdxn: '-i-, "sty 
■»bfiB rrabn nsb nc?« -«atn nabm n:t» <a. a. C). '«nan 

a,rlanatt in frinrr i£u<tit narb Wiucm ju mand>tn (o nnUfärlioVn 
Sfutansfti, fafi (dirn (<inr uamiltrlbarfitn 3üngrr 8« strttKtftn 
mußten. (Sflt. "-*bt« r-.n« p. 39<i an» 63a.) Salmon bta 
3<rna>am » unb ff älrrtr Äar. Angabt, baf 'flnan Mf in siflf» 
IJinjfK im Sabbanit(nib.Bin pcftfcft, ti» i\ inj cm in btn ÜRpfr 
unb fnrcrffävc bir Cvdtmn immtr mrbr rurmrirtoi. fdjfint un< 
ten Un J&iftoriffru mrbr unb fdiirfft a«raluirt werbt« gu ffin. 
al« redit inb nMbia »ar. 3n «rät' tariltlluna, (a. a. O. 
6.499 h.). bic btttclf* »er S»fib,cbotcai< '«naa't rcabtfdjcinlid) 
ba« dtidjtigt i)at, ift ja brmrrfrn, h«$ »r'r itorifrl, ob (dien 'Sin, in 
»rrboten babt, «in Sidlt am Sabbal brtnnnt ju lafftn (a. a. C. 
®. 504), bar* irrbK Vlltt p. 31 b bfrtit* babin gtlffl ift, »a» 
'Hnan unb atie far. STlfift« mit Slu^nabnir 3tfdiua't> (paar fer 
»trn, ein brtnnrnbt« Sid)t aa«>ulil'd|fn. 19) ffflr rrballrnrn 
«brttid)cn (Sitatr au« ' iln an' I S)d>rif«n iinb im aramiifdjrn 3bicm 



Digitized by Google 



KARAITEN OD. KARÄER 



- 14 — 



KARAITEN OD. KARÄER 



feite barau*. bafi ju 'Anan'« 3«t bie mu«limifd>e Sbeo« 
logie, weld)e nadjmal« in nomofanonifdjer Jpinfidjt ben 
Jlaräeni jui gübrerin biente, felber nod) laum er« 
blüht, ben älteßtn Äaräern rool nur in ben bürftigtlen 
Umriffen befannt geworben fein bürfte. 40 ) Sem Um» 
fange na* erfrredte jid>, um nur bie «beflimnit anf 
'Anan jurudjufübrenben unb blribcnbtn Aenberungen 
hervorjubeben, bif Umgeftaltung be« rdigtond' gtfe^tic^cn 
£eben« burd) 'Anan auf 6injel()eiien be« Sabbatgefebe«, 
bie Seftünmung be« fteumonbe«, bie AnfeQung be« 
@d]abuoii)'gefird unb ba« Ghf«d)t")i Demnach auf 
fo mefentlidje fünfte ber religiöfen $ra?i«, rat; e« neben 
bei vrinrivieu'en Jfluft eine güDe von »raftifeben Sto* 
meinen gab, bie geeignet waren, bie Trennung ju einer 
bauembeit ju madjen. 

6. Au«bau unb SJollenbung be« .Raräiömu«. 

'Vi na ii trotte in feinen cobificatorifeben Schriften \~tz 
nixsn unb ns-Vrc) unb in feinem $entateud)«(Sommentar 
bie Autorität ber Ueberlieferung preisgegeben unb grribeit 
ber Gdjrifterflärung für fid) in Anfvrud) genommen. (St 
burfte tiefe grribeit ben anbern nicht verfummern unb 
für feine Au«legung nfd)t bie Autorität unt> bie ««er* 
binblidifeit forbern, bie er felbft ber Xrabition verweigert 
hatte. So gewichtig baber aud> 'Anan'« Stimme feinem 
Anfange fein mochte, ber anfänglich meht nad) verfön« 
I liier Sejieljung al« nad) fachlichen Jtnterien „'Ana* 
nija" biefc, in vielerlei Singen muffte bie 'Ananija 
felbft von ihrem Weiftet abweichen, weil feine Deutung ihr 
wiüfürlid), gegen ben SBortftnn ober fachlichen 3ufammen« 
bang verftopenb fdjien. 93ei bem Langel an jeber ob« 
jectiveu 9lorm in ber Scbriftbeurting mar ber Subjecti« 
vität unO ber SBiOfÜr innerhalb be« .ftaräerthunie ein 
weiter Spielraum geboten, unb in ber Ibat Ijrrrfdjt 
aud) innerhalb btrfelben bie größte 3Nrinung«Derfd»eben« 
heit über bie wiebtigften unb beteutfamlten fünfte ber 
religiöfen «ßrari«. Anbererfett« harte 'Änan fid» in 



20) Von itfttRMF<l*fB au*tT&alaAif*»n Ätnatnifftn ift b«t 
'«■on in »fit MHM «tnfidjlfB bb» »tgiüabBnqtn, bit wir au« 
Hnfü&rungtn frnntn, aaA nidft btt «ninaftt Spar ja tntttiftn, 
■nb im btfenbttn aid)t -ca IMrammatit unb vcUtab« gjt ben '|'f)i- 
lefepbit. Saabia, btr in tintm anb btiaftlbtn Aayittl bt< 
nVtl mmbt (im'ß. "^KS)'«m«'« unb ainiamln'« Hn» 
fi rti tut anführt, fditint ben btn allgrmtintn .(ttnntnintn bt« Iffcltrrn 
tint günfrigtrt SRrinuag gtbabt ju tjabrn. 21) 3n btn 'ananiti« 
(d>tn Sttatln übte 3»<cfi, rollflinbig angefüllt btt üttubaatr (®. 
106 fg.) tonn man (Aon rtAt btutlid) bit Aufaßt jn btt bit Itib« 
liAt wriAtni bnr Äarittftftt trsnltd) gefä^rktabtn «uabtltnung btr 
CfbfTtrbrit (3*o~ ob<c 3"2"ir) ttftnntn. £tn 9tita« bütftt ' H nun 
no6 ni<ti! tinfAnribtnb umgtMtrt li^'m flu« brm fifacn oft ai> 
«tfü^iltn «httadiit« Watten ai'» läftt H f*lititn, bo§ bit furäi-- 
t*r «ättfit |i* aniana« mit bn «udlfbribuna tr« tigtnllid) 
aR>ioniio>ra unb IalmuM(*<n «u« btt tilutgit btgnügt Sabin 
ȟtftt. 55a| bit 'ananitifegtn Dttuttanatn (untin trf&tofttnbtr 
Sv'aiut irattn, ift bcfannl. 9tut im iBunttt btr 9ttinVi'*atft(t in 
Stiug anf btttn SnirrnbuRg in btr (Stgenmatt 0anb 'Haan auf 
rabbiniflfetm, rrltttbttrnbtm Üabtn. du: btt in $alä|iina h)uI)ntRbra 
JtariStt ttfläittn (u Mnfana« bta 10. Jabilj. bit 9ttinf>titbgtftkt 
aud) für bit (Dtgtiiwart füt «trbiubtiA, mit aud) bit batdfiintnjt« 
1*tn »abbanitta in bitftr $in|i*t tint vül rigaroftrt Utrari* tia» 
hielten alf bit bab»lpaifa>rn. 



feiner Unterfdjä^ung ber Wadjt ber @ewofaf)eit unb ber 
£rben6iräftigfrit einer taufenbjä feigen Ueberlieferung 1 *) 
in Sebre unb Seben getäufcb.1, unb mandjr?, ba< in ber 
Srfenneifdjaft lebte, cfyxt burd? ein Sa>rifiwort grbörig 
belegt werben ju (önnen, muffte von 'Anan unb feinen 
Wadjfelgern alö religio«« verbinblid) angenommen werben, 
'iaburd) würbe einerfei« ber Bann ber ©iblicität be# 
Äaräertl)um6 wieberum burdjbrodjen , anberrrfeit« bie 
Sreligion vom Xafte abhängig, unb ed gehörte ein feinem 
2aft, al6 bie Äaräer ibn befa^en, baju, am Ueberlie» 
ferten jwffdjen ?eben*träftigem unb Ueberlebtem ju unter« 
fdjeiben. 

Auf feiner erften Stufe b.at ber Aaräidmuft lebig« 
(id) auf bie gefifieUung be»5 9teligion«geie$ee« fid) be» 
febränft, unb wol aud) feiner weiteren ipülftfwiffenfmait 
baju fid) bebient. liefe Stufe be« JIaräi«mu«, weld)e 
bie 'Ananija barjtellt, mag burd) jwei Generationen 
gewährt haben. Au« ibr verbient nur ber gelehrte «Jnfel 
'Anan'«, 3ofijahu, hervorgehoben ju werben. <?tma« 
erweitert würbe ber Mini ber gorfdjungen unb Stubien 
ber Statin burd) Sinjamin von 9lahawenb"), oer 
nid» allein bem @efeije unb ben gefe(lid)en ^heilen ber 
^eiligen Sd>rift feine Aufmrrffamteit juwanbte, fonbern 
aud) bogmatifeben Hm\t\i fein 3ntereffe fdjenfte unb auch 
nid)rpentaleud)ifd)e Mürber, wie namentlid) ba« Sud) 
Jtoheleth* 4 ) unb ba« ^ofaelieb* 5 ), unb vielleidit aud) 
3>aniei**) unb 3cfaia 17 ) vollftänbiq, ober in ihren mef« 



22) «ltrin Ütgt bit i rffiitlidjjlt Sijftren} in btt flaalr/gu 
jtsifAta €abbutäi«ma« anb Jtatüiemu«, baj bit fabb. flnfanar 
bc(6 in tint ütit iirrärirtitttrn, tro bit tannailifo>r Sbätigftil ü* 
njl ju rntfalttn btginnt, w&errnb btr iitqnm M Aar. btrrii* 
ritt etil aaegtbautt« ttabbaaiitatbum soriinbtt. 23) 3>it 9c 
ldiiöiit btt Jtar. fann nur an bra gtiftigtn Scttfdirttlnt ebrr 9tud- 
fdjntttn btr loaangtbrnbtn St6m anb SRtiftrr brmffTtn nrrrbra. 
Qt wirb «btr niAt mt^r bffrtmbtB, »tan »it bit Samtn, btt 
«infltt j»ifd)tn*«aan anb 8 inj am in tiafüqt, nitbt »tilt i bt= 
ittdffditigtn. 3um :!■;.! gtbörtn fit flngfrtta Httisnhdtltittn an. mit 
j. ». ITia -<«53, äbtr btn irf) in btt »tcnaMfdir. 3abra. 1876. €• 
M fg. gr^anbtll babt. anb lao)a nr>4 Oottlcbtr ©. 139 «um. 
«irf. («&) anböbajolfon-« ©dtluSaumtrfBng 12 t u btTgtt i4rn 18, 
jum Ibtil gtbüttn ftt tatfdiitbfn fpatmn ecodxit an, »it btr tditt 
rtS 13 T», btt niAt ticr btr arabifAtn 8luttt»oAt bt« Jtar. «e 
Übt bat, unb auf bfjjfn Wamtn na« «abafft tint grabt 8al< 
fd)ang soltjr>gfn warb, mit iA im "TOn 3afcrg. VIII,, ®. 121 fg. 
aruigt; tarn X^til auA btmt)t btr Jtar. manAtr ItbigliA anf btm 
angtbliAtn 3eugni* Sal. b.3tt.'d in b« fAcn «jcb 6Ai>rr u.a. 
für grfdlfdjt trflirttn iKufabbamab, »it "Ci 13«, terrrö anb btff« 
6c6n WS, obtr <t ftnb tabtid) ftlbiiänbigt €<ftirtr ebtr 4>irr< 
Hftr, Tit "iSian rP13iy a. a. 24) »rRAttidt aa« Salinen 
btn 3fraAam'# SJerrfbt ym «obtlttri.öftnnifntar bti «inf tt t 
«nb. €- 100. 3)a* abtr btt ven ^infttt btm »injamin )«• 
gtfAritbtnt Vemmtntat |u Jtobtltib tStnjarain aiAt aagtbena 
teant, u>«U tr aid)t< mtntgtr al« tbrifA'aUriterifd) ilt, R<6t bti W tu« 
bautr 6. 107. 26) 3t ftt im (fommtutar jn 3tf. 53, 12 btt 
$iaffrr a.a.O. 3>teftr utrmutfttt, ba| Q.'e ticmmtnt.it ÜA 
auf alle fünf >"•?:.•: trRrtdt bibtn bürftt; wir abtr jtnb brr fltti« 
nung. bafi ®. nar bit tsjifA -allfgcnfA tu btaltnbta {Rrtltn, b. i. 
Jtebtlttb anb ba« ^cbtli<b, au4otltgt habm bürftt. 26) 3t ftt 
gtgtn Sabt bt« Semmtniat« ju 3>anitt fäbtt 9.'« 3>tatung btr 
Ititrn ©ttft bt< «aAt« fcaaitl an. «infttr «ab. €.82. 27) 
3e fAluit «inff tr i.3. 45) au« 3«f«i in 3<(. 53. 



Digitized by Google 



K ARAITEN OD. KAKÄEP. 



— 15 — 



KAKAITEN OD.KARÄER 



fjanifArn uns e*cbatoIogifd>en Stellen auflegte. 6eine 
Deutung biefer ©üdter war eine tr>pifd>e. «") Qx nahm 
ein (ober mehrere) 9Rittelwefen, einen (fngel an, bei jwi« 
Ilten @telt unb ber Schöpfung fianb, unb auf biefen 
Qrngcl als ben Krprdfentnnteii bei @oltef^errfd)aft unb 
bei ©otteöbenlicbfcit bejogen 93 in ja min unb feine 
Sdjule 2 *) bie Slntbropomorpbiömen unb »ml ropopai 
it>irn bei {»eiligen Schrift. Seinet Sluffafiung von bei 
jenfeitigen ©clohnung unb ©eftiafung grbenft Sa abia. 5 ") 
Äuf treirbetn SBege ©injamin ju ftnftrbien gelangte, 
bic ■hui Ibeil von ©büo berftamwen, fann jebt nicht 
eimiitelt werben. SDh'e biefen feinen pbilofopbifcbcn ©trr* 
tungrn wirf« aber ©injamiu feineflwega auf ben fol» 
gen ben Äardi«mue5 ferbernb ober anregenb ein. Unb 
wenn wir ©injamiu'« ©lütejeit etwa gegen 830 an* 
fefttn, bann vergebt ein für bie Jfaräcr auch »'ruft redjt 
geiftcäarmcd halbem 3ahrbunbtrl, innerbalb beffen ber 
AaräiAmuö' jur ^bilofopbk ftd) io gleichgültig fttllt, baß 
wefeer eine Spur von SBoblwctirn, nod) ein leifetf 3eid)en 
von UebelwoUeu gegenüber ber '.tfbilofopbit ftd) btmttf» 
bar rnaebt, M im 10. 3al)rb. bittere geinbfeligfeil gegen 
^btlofopbie unb jebe SBiiienfcbaft, bic nidjt gerabtju eint 

Sülf0wtffenfd)aft jum ©trftdnbni& ber ©ibtl ift, fta) 
nbgibt, um im 11. 3abtb. einer faft fflavifaVu Sad) 
betttng ber SWutajila ui weichen, iie ©ebrutuna ©in» 
ja min '6 für ben Jtaräi«mur» liegt in feiner ©tft&rt* 
au«legung unb DaifteOung"), bie in vielen fünften von 
ber '«nan'e? abweiebt. Rieben wir ba« gacit teffen, 
um« fpdtcre Jtaräer auf 'Slnan'* unb auf ©iujamin'0 
tarnen übtTlieferu, bann ergibt jid) um!, fcafi ©inja» 
min ber littet Lieferung binfiebtlicb ber 9iefultatr vit( 
näher fleht al* 'Snan. 9Hit welcbem «Kedjte Salmon 
beu 3erua)ani bie entgegertgefegtr 3MittbeiIung macht"), 
»mrtögen wir niebt mebr ui beurtbeilen. 3n feiner Wetbbbe 
Dagegen febeint ©inj am in jicb fdjon viel weiter vom 
2a(mubi6mud entfernt )u haben a(6 '"Slnan. Seine 
©egriinbungen jeugen bie weilen von großer €djwdd>e 
in btr baladjifdjen Wetbobe unb ftnb geeignet, Sddjeln 
\u erregen. ") ©injam in'« Sprache in ben gefet>lt(ben 
Sdjriftm bürfte, nad> ber einen, befannten ju fd)lit$en, 
bie bebrfiifdje gewefen fein, bie ttt Uommentate roar 
vielleicht bie arabifebe. 

(Sin 3eitgenoffe ©injainin'6, Daniel benOTofe 



28) €aImon ben 3rrudiain a. a. C. 29) tfine Cefte 
9tamena SRagartja (Sebeutuno. unb 6djrelbung be* Aarnen' Rnb 
anfiA.i). angefübrt im STTOH H\ v \- 98 unb 8 jW oflani 'd Jtiiäb ul« 
IKIal Ucbetf.£aarb tu der 1,257. 30)T5M a.a.O. 31) Vat 
unter btm Warnen fS'Ja rutoa ctirtc balaifciiche fierfdjen tü.'t 
Ii n. ieitti Denn tu von Olcigtr (91aä>g<(afieRe 60)riftrn V, 
160 fg.) t-eneifte Siete «trr iPrr^ünineturig euegefullt trürbc, umn^g« 
heb tu' ectiüeatc>riflbr ^aartireif B.'t feil. 82) Salmon ben 
3<rudtam «u Iii. 69 bei Vinffcr 21. 33) Co \. 'S. nie. 
tivirt 9. feine Mnfidit, tay ein mi<raltjener Sctjn rnteibt teerten 
tvnne (»ir cntgcgtngcfc^te rabbinif$c Unfiäft f. bei SRaim. Sbn 
P-.br3 VI, 12), au* 6<m UmBanbe, »af nad) Slcfe nid)t bejfen 
3obne, {anbetn ber ftembe ^ofua bic 0üt)rmg 3frad« übernahm: 
(fa^a r«roa e.6»). 



bafumfi, «bat ftd) auf ie!igion«gefet)lid;fm ©ebiete be- 
fonber« bervor, unb blieben feint anfttfettn unb beren 
Stgrünbung aud> bri Spdleren febr gefd>d(t. 

©o weit Der Jtardi«mu* in fein« verarabiidjen 
@pocbe. 3 U feinem bauptfdd)(ld)ften ,iiclc, ber grfttleUung 
no fRelfgionfgefetjeft, wirb er mebr von inbivibueütn 3n* 
ftinrtcn bttin von wifftnfd)aftlia>tn ^rinripien geführt. 

s .if> dnberte ftd), fowie bie ßarder mebr nad) brm 
SBeften vorbrangen unb mit ber muälimifeben übrologie 
vertrauter ju wnbtn btganntn, an btr Sdjcibt brt 9. 
unb 10. Sttbr!-. tun ungrfunbtr 9iationali0mu0, bei 
mitllerwtitt aud) im 3ubentbume feine 93ertreter gtfun> 
ben battc, forberte ebenfo febr vom Jtaräiftmue wie vom 
SlabbiniOmu« feine wiffenfebaftlirbe SBibedtgung. gortan 
fonnte fein Tardifcber @tfet)e«au«leger ober tjafutft völlig 
von einer objectiv beftimmttn, abtr nomofanonifeben 33ab« 
ftd) entfernen, foüte ber Subjectivitdt unb SBidfür im Sta> 
fäiCmuo grftruert werben. fRan fonntt übtr bit ©er' 
binblidjfeit mand)e0 ^rincipS verftbitbener Unficbt fein, 
aber man fanntt bitfe ©rinripien unb ibre Tragweite. 

3oftf btn 9Ioad) (in. ^atjrlv) erfannte nur jwei 
.I7anone0 fürt 9iciigion6gefe$ an: (Die 3 .b ritt uns 
bie Uebereinftimmung ber @efammtb(it (sra 
unb •pap), verwarf bagrgen, wie 6aabla innatjalb 
bre «abbanitentbum«, bie 6d)luffolgerung (opn). 
Sabal ben SKasliad) (940) ging hierin bagegen fo 
wtit, bat) er vier Äanonc« anerrannte: bie Specula« 
tion (rnrt rn=n), fflortverftdnbnig b;r Sdjrift, 
Schlußfolgerung unb Uebeteinfiimmung btr («c« 
mtlnfcDaft (rrw, oprs, raxsu), Sutib btn 3«fft 
batewi (980) na^m nur biefe brei treten an.» 4 ) 



34) 3m a'hw« «Ii*. 16» beijt e«: . . . '^ito nvren" 
oi T™" fi» in mira apn f* ">a maana 
«-ipa -«Ja" . . . mira srp- «b •«a na«i »; ns |a siei"'" 
p pan, rmrrfl rmr rtbt»a -»brira ib-oca 
raana rrim 't b? nV<bart th"^-iobct ta« n^baea 
bba "rbaa opna D:atti mrat opnat yaeaai rm 
]3 T^soi, nmrn na nbr rtra nr cpna ^a rTart 
. . . rrwrai topna^ jao-ca a-nm "sa Vban •Pr» 'ibn 
3>af. im «M. 169i . . . «Vi yiapai araa rrTTOB •■a Wm 
tfT n: pDOV miapw fW'. I>a|j €ab,al ben Maj» 
liadj, ber fein Stennb ber 48ijfeniefc«ift . tvemt and) fein folebec 
(Üegner ttie etwa €al. ben 3<r. »ar, r?TM TTtan neben ®P!1» 
alfv bie ®pecal4licn, eber, roenn man will, bie Qingebung bei 
gefanben Stlenfetjenterfianbee) mit in bie Aanone« antnab^gi, bleibt 
befremblidt. 3u ber 3)artlrtlimg üt-n C3rä» V, gtete 17, IV, 
n-eldte biefen ttnntl mll €<farfBnn entwletele, iH beriektigenb in 
bemerfen. ba| bie »iflrnfd>aftIioV iöerttefung b«T tar. »nnramrutal« 
Ibeclogt« nidit »»ifdKn »inj. nnb 6alm. b. 3et. erfolgt fein fbnw. 
Der einjige Iraget ber ffltM«J«ft biefem 3eitTattwe, l>«»ib 
bin 8«rt« ftanaffi, fonft nidjt feiten in a*h«J* eitl«. »itb tier 
niebt genannt, «abaffi taft »ielme»r burdtblierm. ba« 3 »f. ». 
9toad, bem€a«bia gefolgt fei (OJ rm in). 6aabia 

buefte ben Jtar. nornerrfen, bof ^LlüJI im 9religton#gefet ntdft 

Äallbaft fei, »eil '«n«n unb feine Wacbfolger bauen aud) ebne 
nrineisielleei SerouStfcin ben mo^lffeflen Cit<braud) i)emad)t battm. 
fflenn Seif fetner in Cejug auf bie (Bibel (3P3) einen •eaenfo* 



Digitized by Google 



KARAITEN OD. KAKÄER 



- 1(5 - 



KARAITEN OD. KAKÄER 



Die Uebereiuftimmung ber gunbamente ber 2>og» 
matif Sueib'6 mil beucn ber fd}f tiifc^en unb bie ®nt« 
Innung au« ber fdjfilifcfcrn Xbeologie »on feiten ber 
Jtaräer ifk >u effenfunbig, at« bajj eö nötbig wäre, fid} 
weiter Darüber jti »abreiten. ^••cl>ti ! i ift, bafj efl wol 
übet bad *Hcd>t bei c rt'Iufjfelgerung unb ber Spe • 
culatiou iiiu'it't-ii Den Faiäffcben ^Dogmatifern TOei« 
nungöscrfdjiebenbeit gab, bafi aber 2Bcrt»erftdnbnifj 
ber Schrift unb Uebereiuftimmung ber @cmein- 
tiltati allen in gleichem SMafie für fanonifd) galten. 
3)urd) bie Aufnahme ber „Ueberrinftiininung" in bie 
Aanouefl fonnte nunmehr ber Jtaräidmu6 alles, read 
im 3ubentbum lebte, ohne unmittelbar burd) bie Schrift 
belegt werben ju fönnen, wie L 33. bie Sdjladmegeln, 
für »erbinblid) erflären. 2)er Äardi«mu» entging ba« 
burd) Bielen JBerlegenbeiten im einjelnen, beging aber eine 
3nconfequenj an feinem ganten urfprüngitdjen $rtnrip, 
wonad) bie Sibel aüein, wenn nur ridjtig aufgelegt, 
felbftgenügenbe, vollfommen au«reid<enbe Duelle religiöfett 
Veten* fei. Spätere Äaräer redjtfertigen jwar biefe 3«* 
eonfequen}, tnbem fie fagen, alle«, roaö in ber @emetn< 
febaft ber 3uben (ebe, müffe in ber ^eiligen Sdnift 
feinen Slu*gangfl« unb Stü$punft haben, nur fei unfer 
auGlegenber SRenfdjenDerftanb bisweilen $u befebränft, um 
benfelben ju finben**); aQein biefe fterbtfertigung beraubt 
ben Jcaräidtnuä jebe« SKedjte« jur (hfcbüttrrung unb 
theilweifen Hufbebnng einer Ueberlieferung , bie mit ge» 
ringen «u«nahmen faft in ihrer ©efammtbeit — ein 
(Jrgebnijj taufenbjäbriger gortentwicfelung innerhalb ber 
jubifdjeu ©efantnttheit — *on ben Äaraern »orgefunben 
werben war. 

SEBie aber felbfi bie gunbamente faräifdjrr Iheologie 
unter mudlimifdjem dinfluffe üd) f eftigten, a(fo gewann 
au et: fardifdx SfuAlegefunft, ja alle« faräifdw !X>enfcn 
unb DarfteÜen burd) bie Siadjabmung mutMimifcber Bor- 
bilbtr an logifdjer Schärfe unb au SBiffenfdjaftlidjfcit 
be« 8u«Drud«. Unb wie einjelne, wie 3ofef ben Ülbra« 
hu tu inn.'ch unb fein Sd)üler 3ef(bua ben3ehuba 
(beibe im 11.3abrb.), auf Schritt unb Sritt"), in Se« 



irifditn 8abb. unb Äat. borin ftaben will, t Jp »tt Äaraert&um uc 
0**^35 unb D->2"ina ttx H1W fl Iti<t)S<ai, nenn r« gilt, ein 
Seligiongefej fefliufleUen , aibunt brr Xalwub tit probfcrt^en 
Sd»n(it in biefem 9etra4te i it-.unfent na4 Um ©rnnbfafce 

ircb> «b nbap -nana rmn +w, fo ia auf Mi m<Mb<v 

Ilgen «i«einanberfefcnnf)en Satib CltuIcih'* in <9etget'» 
3»». 3eltf4r. XI, »3 fg. fcniunieifen. »c grjetgt wirb, ba« ber 
Xalmub unb bie icmaabtc iilcralut oud? ttn fmgrgrngrfr^Kn 
«mnbf«» auffteUt unb MtMl: , m min nSTS nbap -<-i3i. 
Anb«nfrit< Ijörtn mit an* inndbaSb bc« X«. eine fo gefeierte 
flulorilät, nie Setci ben 3efct («lewi, ben fe.:» aiiffpretyn : 
r"b mpTji rrcr r-atBio rjjv tb« t^3 o-icn o-> . . . 
in« flf rtsip* rrTnr bfn *o yrr «tti tb« ?i*iwin 
ntraj bat! ""Jea d , m , 33 'aroa "rair noi« pai Cffasn 
29 d rmtt. .Tnn tf? nn riMiasi. 

36) lobt« b. 2'lcfe tammaatif. citirt t>on «. 9«f«j. «nf. b. 
mn*. 36) »ei 3of.iai.Mb feine» Spület 3ef Aua enrdjbimgt 
mntajtlitifate flnf^nnng aua) bie«nlad)a; fo fc<fonbert bef etftcre« 



grifftbeftimmungen , ©adjbenennungen unb «icffeinttjci« 
Jungen bie 3«*' bn arabifajen gdjule barthun, fr 
fönnen auch bie übrigen, weniger mit ber fremden 
2ßtjfcn)'diaft nertranten ober gar berfelben feinblid) gejjf n» 
übafiehenben SReifter bcö Äarcii«mu*, wie 3efet ben 
»Ii unb feine Söhne, ober Sabal ben Wajliacb, 
ober al'&irfiffani, ober Salmon ben 3erud>am 
1 10. 3ahrh-) unb früher fd)on ihre Slrabifd) fa>reibenben 
Sorgänger, Davib ben$oa4hanaffi,9laron>abuI' 
garag, 3ij(baf ben Sablul, 3ehuba ben 31«». 
3ofef ben $ad)tewi, in ihren grammatifchen unb 
eregerifeben Sd)riften bie förbernbe (Sinwirfung ara* 
bifa>cr 9Biffenfcbaft nid)t cerleugnen. fturb in bie Snna« 
goge ber Jtarder Drangen gottedbienftlidje 9räua>e unb 
Geremonien, weldje jum Xbril äuperlidi an ba« 6erc- 
moniell ber SWudlimen erinnerten"), obg(eid) bie Jtaräcr 
ohne viele lUühe bie innere ©eredjtigung ihre« ®otteö» 
bienfte« au0 bem biblifeben SBortlaute naihwiefen. 

3m allgemeinen aber wirb bejüglid) tet arabifdten 
dinfluffe« auf ben Aaräidmud gefagt werben bürfeu, 
bafj er nia>t, wie innerhalb bed 9(abbanitentbum6, m« 
arbeitet unb bcherrfd)t, }u neuen Silbungen unb Sd)ö< 
pfungen geführt hohe, fonbern batj er unverarbeitet unb 
unbeherrfd)t blieb, fein mädjtig förbernbrr 2ricb jur Um» 
gefialtung, fonbern ein ^emmnifs ber gortentmirfelung. 
So j. binberte ber Umftanb, ba^ 3ofef baroeb unb 
3efd)ua, bie tonangebenben Weifter bee? 11. 3ahrh-. 
2(ütajiliten waren, nod> ben im 14. 3abrb. fdjteibenben 
«aron ben (Slia, an beut sollen (Sinlenfen in bie 
jebenfad« phüofophifdjere »ahn ber arabifdjen Hriftetdif, 
bie ihm burd) SRaimonibe« befannt unb gcrabe barum 
oirlleidjt aud) jum 2beil perbaßt warb. Jlnberrrfcitt ha 
fein Äaräcr auf ffirunb feiner Jfenntni^ brt Slrabifdieu 
mit brr Weifterfdjaft be« 3ehubah ihn (Shaifüg bie 
gefammte hebrdifd)e ©rammatif fuftrmatifd) umjeftaltet; 
benn ber Aaräi6mu6 rerjehrtc feine beften winenfdiaft' 
liehen Gräfte im Siugriff be6 9tabbanitenthumd ober in 
ber SertbeiDigung feiner eigenen Stellung. Irtde £>üliei« 
wiffenfa>aften würben nur infowrit gepflegt unb heran« 
gejogen, a(0 fie biefen beicen ^auptjwcffen bienftbar 
grmadjt werben fönnen. 3» biefem Serracbt ift an bem 



bie fteftAellung be« Segriff« „ItMf im €abbafgefe( unb einjelne« 
.m fftbreebl. nnb für lederen bleibt tt djarafteriflif*, Hi feiner 
[^»1 "»pyn raren - viermal »«mefdufftli* in «ebben 
nnb unter bem Site! HaHSm nil« in <So«lo» ebiM — frn^« 
{eilig eine fnrie tfinleitung über grtrdmdie unb tabbintfdje terminl 
techoiei sorangefAiett »urbe, um bie febtrrre Xrrminologie 3e« 
fAua'« ol« eine 9)otbU'entidfeit eifennen ju Idffen. 3n fpäteten 
3eiten gebt jebem im miffln "XO eine t^ilofcvbirenbe <tin> 
Irttnng uot«n. 

37) Cgi. Soft €. 310, «nm. l.unb übet ben mn«limifd>rn SinRui 
übeibjLft '3 1 e i n f 4 ne s b e r : Stri.3 .ittn in eieürtfnrvti II.6eet. 
Tbl 27. S. 405, «nm. 10. Unwiffenbeit nnb böfer fflille ^ben ben 
Xit. übetbauvt \\i einem {tbfl«lf4 be« 3«löm Rempeln Wollen im bereit« 
annefü^rten tmp («Dia. iji„ r (JtccbJfimunq i^re« Unit« würben 
bie bertf4enben !Dtu«limen ciufa4 t.:4t geiiattet ub.a na4 bem, 
toa« A4 au« @clb(i9cr'« Kittb,eilunaen in SRonat«fdic. 3abta. 
29, 6. 309 fliegen läüt. " 8 



! 



Digitized by Google 



KARAITEN ÜD.KAUÄER — 17 — KAKAITEN OD. KARÄER 



barten Urteile, ba« Abraham ben Daoib 1 ') über 
ben Jcaräidmuö gefällt, cap ct „nie eine flute ®d)öpfung 
für 3frari ben>orgrbrad)t", aua> heute nidjtd ju änbern, 
nadrtem erwirfen ift, rat< ber fotnwoüenbete fardifebe 
CDidjier HJiofe bett «brabam Dara! nidjt, wie 
•JMnffer geglaubt, bem 9. 3al}tt). (843) angehört, fon< 
bern bem Beginn De« 13.'»). bap baö \wi» Dar-ib 
ben Abraham al'gafi'» feineöweg« in* 10. 3abrb. 40 ), 
fonbern oirlleidjt uad) Hbu'l Äatit ober gar in bie 
3dt nad> «1 brabam ben Sjra 41 ) ju fe&en iß, tag tic 
mutajililifdjen <Sd)rifien 3 of ef baroeb'6**) bem 11. 
,kbrlv angeboren, unb naebbem ba0 fardifebe Befenntnifj 
ber SRafforrtben Ben Afcber ned) reibt rriiftlfch in 
grage ftebt. 4 *) Xie ia ,<c\uäiPmu£* unausrottbare Sud)t 
jur fteltmif layt ber Steigung ju pofitivem, confrruirrn« 
bem Schaffen nur wenig Spielraum übrig. Xiefe me- 
iern:! , fcie tieb oud- gegen bie Tc ebterbefenntniffe befl 
3ubentbume wenbet 44 ), febrt bie Spi&e ihre* 3ngrimm« 
gegen Xalmub unb s Dcibrafd), gegen $alaa)a unb Agaba 
unb beren Berlbeibiger, jumal gegen Saabia, beffen 
(»rfebeinung unb Auftretei» bic ©rifter Der Äardet wie 
ber dtabbaniten gleidjfam eleftrifirle, unb beffen (heilige 
Statur ben befonbern SBibrrfireit ber (Segner erwedle, unb 
fpäter in ber jweiten <$pocbe aud) gegen Abraham ben 
(Sjra, SRofe bajewani unb anbere. Die molcmif 
gegen bie $alad)a ift wol fo alt wie ber Äardidmufl 
überhaupt, bie gegen bie Slgaba bürfte mit ber propa« 
ganbiftiftben (Srhebung M itaniiflmuS in <$aldftina unb 
feinen ©renjlänberu an ber Scheibe be« 9. unb 10. 
3obrb- jufammenfaHen. 9Sebr, beiwritem mebr (Belegen* 
beit jum «ngriff al* bie dlteren 9Nibrafd)im boten 
ber fardifdjen i)}oltinif bie jüngeren pfeubepigrapbifdjrn 
SRatbwerfe mit ihren (raffen Antbropomerpbiömeu, für 
wtldje bie Slabbaniten febodj mit 3ied)t jebe Berant' 
wortliajfeit ablehnten. 4 *) Unb feitbem biefe Art von 



38) 3m frbapn "WD (Ufil). 39) 6trinfd>n«ibrr in 
»rigrt'« 3üb. 3ritfd>r. IX, 176 fc|- fd)Iirgt bit Sarai • 'Sragr 
bahtc ab, baf Stofc 3). vet 1226 «u frbra fei. San frutirirn mjj. 
grbrnbrn UrtbrUra über Sarai fri b«fe.Bb<r* »o« 6d)ert'« in 
TPbnrt VI orroorgebobra in brr burrbau« trrflicbrn Strrenfioa br» 

rnrrp -trvpb. 3n b« b«br. mi. vh, u unb iö ff«» in «nm. 

11 allr «rbritrn genannt. bir bit 1864 mbfl brr »rbar6t«n Simnfion 
♦Srberr« jur ©rriroiigang $tnffet'« beitrugen. 40) 9Jj4 
«3trinfrbatib«r in $ol. an» apol.gir. ©.349. 41) Clact> £ * o 1 1 
a.a.O. C.65fg. ©gl. aurfc (Ürigrr'f V^-nri^w »«■ t'lr« 
b anet ' < Notite iu In lexkogr. Hebr. in ber 3ä» 3«ilf4r- «.297 fg. 
42) Sgl. Birfoinitf« in trOn ■'53 Ig. 18 fg. unb «arfaen, 
etabirn na» Witib»ila»g<n au« btt f}«. SBiM, III, «um. 44. 3offP* 
hatnb bclrmiffrt in .Lq^JL»^! vjLiä'oft grgra b«n Oacn 6a > 

aid bcntXbcfni, grgra brn rr fogar »in« Nfeaben €(biift «rr< 
f*§tr. 43) Orgra «»<«. brr für brn *«r. brr Srn.afdjrr 
awbrriott ta brr Wai.aufcbrifi tintrat anb n»d) »intritt. Rrbtn 
aintailitb Sasib 0>t>»nb(im in Origtr'a 3üb. 3«i«f4r. XI, 
"9 fg., 3bn 6apir, »4r, «trarl a. a. 44) 6. 6t«ia< 
f*i»ib»r, «olrm. an* a»al. Üiuwlar II, § 23 unb paaa. 45) 
«aatia. ritirt von 3bn »arfilai (BTp m3>i?n p. 69: 

trarnn *-vri vbs> isapm »brtnip nyo -inw 
mtl im isb r«" TiBbna ubi flMHM Kb il^ro -SB» 
t. tn<«n.b. s. «. «. 3=<i!« etetu«. XXXITI . 



^olemif begonnen, hielt fein äarder ber rrften 6pod)e — 
felbft bie oft genannten 3ofef baroeb unb 3tf<bua 
ben 3fbuba itidjt — fi* für vornebin genug, nitbt in 
ben diwr ber Kgabafdfterrr miteinjufiimmen, in weld)em 
6aImon ben 3erud)am Bütjrer unb lonangeber war, 
ju beffen Gbarafteriflif wol bie Ibatfadje ba« bejeid?» 
nenbfte «Woment iff, ba§ feine einjige bal atb. t febe «n» 
ftebt, auf feinen Wameu lautenb. überliefert würbe; ju» 
gleifl) ein Skweie, wie bie frucbtbarfle 5J}olemif bie 
unfmebtbarfte Safuifiif bleibt. 

(Sin neued bilbenbetS Moment für ben &aräi6mu6, 
aber bei weitem triebt an (Sinbringlid)feit bem mudlimU 
fdjen dinfluffe veigleid)bar, bot bie Berührung mit ben 
Spätlingen beö jpelleuidmud in SonftantinopeL 3u* 
nddjft erwetfte bat) $rbürfnifs, bie arabifd)'fardifd)e Site« 
ratur aud) ber nid)t arabifd), fonbern grieebifd) fpredjen' 
ben fatai 1 * fu $er>ölferung jugdnglid) ju tnacben, bie 
Stjätigfrit eine« Uebrrfeber6 ober einer €d)ule »on lieber» 
febern, alfl beren ÜRittrlpunft lobia ben Wofe gilt, 
«n ber gropm «Wenge griedjifdjer ©orte unb 6dBe in 
ben bebrdifeben fflerfionen ber arabifdjen SBcrfe beT erften 
(Spod>e ld§t ftd) erfennen, ban bie lleberfe^erttjdtigfeit befl 
Xobia ober feiner €d)ule (@nbe be# 11. ober Anfang 
beft 12. 3al)rb ) ihrer Sludbe^nung nad) eine red)t gro^e 
unb umfaffenbe gewefen fein mufi. S(n innerem SBerthe 
freilid) ftebt bie fardifebe Uebrrfe$ung0funfi weit b>ntet 
ber ber gamilie Zibbon'* jurücf, unb mit SRed)t wirb 
ber Wangel febe« ©efdjmad«, bie Ulumpbeit be« ©Hl« 
in ben Berftonen son Äaräern felbft 44 ) a(0 ein 3eid?en 



in» VH "bin »b i« bbty»TD" 'i -nai trrt dn na tsb 
tttras oittip D-iccnr: o-ai nen» ins -rao br ü-mtt 

rrira in l I9B rpjt. 122 

fagt: . . . ibbn »ns"» -10» barrtf« So -in ... st«imo> 
ni»t« (in vmn "«yas e. 17): ...Dunmp n»8 
cw-.pn tttk ->an mibtn ""nsTS nn«n . . ütetb. f^ärfrr 

wirb birfrr $«T»ad|t aalgrfprotbni coa ipn HO» ia D'Qn 3ns 

(uwia ur« ni,62Miiib.*.rd,b»im , «) : 2hp«to vnpovo 
nasi . . . n-fsj pno 112a Dbun ne« nwofib D-o^nn 
■'Ist ^ari5 Tri TTam •pon ^55 iiniaTJ utws 
ömbt pwstTa vn rshs^ sp^pa o^Qiai "tpoi 

B-'S'raTpn tm»a i:i«i:B "IS mtWl. ^trr Wirb brn Jtar. »ia» 
|*«ifa«bt Dfrttb«bigrasbifd»r IMHgfrir (igratathrl; «üraial fi>0«n ffr 
brn älttrra Stabbanitra van 9>am»n 99«rfr anlrrfdgitbrn, trrldu ba« 
9iabbaaitrntbnm bleffftUtn but* cranrn Slntb/topamcrrbianiu« u. 
bgl., fabann fotlr« ffr nrur fflrrft mit lataifdxn 8lnftd)trn al« 
araltr btivarvrobutirra. 3nmirtrrn brr rrgr Slrgwchn «tma brrrrb« 
tigt trarr. fann brutr ntd)i nt»br rrgranbrt n>rrb»n; brr gro<it« 
flrgtrvbn it jrbrnfall« aid)t ganj unbrgrünbrt. QKOrtiir rt boa) faft 
•"l-tiiirr. al< I: jttr g itf otr i ifiti brm ipr mSQ )u $ertr(St grfrffrn. 
Drrift» Treben tariifojr» ^frubrpigrapb'r auf fröb»rrn 3»it»n 
warrn bir 3atrrpotatian brr angrHiehrn ■T , br , ]3 thfl btrma, 
•vi*r bir Jtairuanrr gtabbanitrn aal ibrrn Vrrmplarrn ftricbni 
(6. sVlBCt fllpb. 224), feleir bir SnltTVaUtien br« Vingaig« s«n 
Bbr. b. üira'« D^Tt»». 

46) Co flagt «ijabu eaf«ia|i (rn» fol. 1): nr<rtbi 

«b enpn ^robs anpnym, a-i? [iioba armoo -nana 
BtWMIS lab, ^itstrin pTjrnrr ny , T unp 'soa, aij" 

3 



Digitized by Google 



KARAITEN OD. KARÄER — 18 — KARA1TEN OD. KARÄER 



t>n Unberufrnbeit brr Vertreter angefeben. SfQcin nidu«-- 
beltoroeniger würben burd) birfe Ueberfefcungen Werth» 
volle Sdjriftrn tcr elften faräifdien (Spodje einem grofien 
Üt)ctlr »itgänglid) g*mad)t, bei» fit im Original völlig 
vrrfdjloffen geblieben wären, unb bie Ueberfeftungeu 
blieben erhalten, roäbrenb bie Originale untergingen. 
Über aud) unmittelbar förberie bie Berührung mit bem 
bvjantinifaVn ©eifle ben jtaräi«mu«; benn wie fef)r ent» 
artet aud) bie gorm bei) f)elleni«mu« war, bie er bar« 
bot, immerbin waren e« Diene einer elafftfd)en ^eriobe, 
bie er mitentbielt , unb cb aud) feine Spur barauf tjm» 
weift, bafj bie tnjantinifdien Aaräer mel)r al« etwa 
bie gangbaren Qomprnbien ihrer 3cil fennen gelernt, 
3ebuba $abaffi 47 ), ber 9lepräfrntant be« bvjantini« 
fiften Äaröiemu* im 12. 3abrb., fteüt in «nfehung feiner 
SBellanfrhauung unb allgemeinen SBilbung eine anbtre, 
vtcOcief)t etwa« Ooberc Stufe rar cl« 3ef*ua, ber 
Slu«ldufrr be« arabifrben Jlaräi«mu*. 3m mauritdten 
S sanier, batte ber jtaräi«mu« faum begonnen, fr (tat 
gut) Kiffen ju wollen, a(6 ffl rabbanihfa>em öinfluffe 
gelang, ihn von ba völlig ju vert>rängen. 3n antxrn 
djriftlidjen (Sulturlänbern , wie in tSvjanj, begegnen 
wir feiner Spur von Aardtemu«.* 8 ) 3" tatarifrben 
Sdntent botte er um tiefe 3eit eine ftd)ere SBc-bn- 
ftdtte, aber feine Gulrurftätte fid) ju begrünbrn ange- 
fangen. 

Uebnbliden wir nun, wa« ber Äaräi«mu« in feiner 
erften, ber auffreigenben (Jpodw, Sleibenbe« gefAaffeti 
:nr 9u*geftaltung eine« religiöfen Sehen«, ba« fid) bem 
tabbaittttfdjcn gegenüberftelltr, fo finb e« junädjft Situ 3 
unb Siturgir, welche innerbalb be« Jtdräi«mu« ein 
ciuin anbere« ÖJcpräflc erfubren al« im 9tabbaniteii< 
tbum. Anfang* mag, wie fdjon bervorgeboben warb, 
ber £aräi«inu« fid) Darauf hefd)ränft baben, bie mild)» 
nifdjen unb talmubifdjen Ginftrruungen au«'ufd>eiben ; 
im weiteren Verlaufe febod) würben bie Slenberungeu unb 
Umgeftaltungen immer rabiealer, bifl ba« gauje fefte 
©efüge ber rabbanltifdjrn duloglen mit tno uno ber 
rtor bej. sae rbor unb tcp nber al« SRittelpunft 
6urd)brod)en warb, unb an Stelle ber (Suloglen 3ufammen« 
ftellungen von »ibelfiellen uno «ibclverfcn, unter benen 
yeo uno nevrp freilid) aud) bervorragen, trat, ju ber 
fpäler — nid)t obne Jtampf — nod) ^ intim biiuufainen, 
Pie entweber nad) rabbanitifdjen iliuftern gefdtaffen 
ober obne weitere« ben iKabbanitcn entlehnt würben, 
lieber (Sinjelbeiten be« faräffeben Situ« fei bier auf 
3oft'« Darftenung« 9 ) verwiefen, ber freilid) erft bie Crb' 
nung be« «aron ben 3ofef (13. 3obtb.) ju ©tunbe 



. . . rwoi w m»n Tie •<!» rrwnn m, nv-a 

«I« «utsira, Uxtn «taWfdlrt Drigiaal burd) bir Una.rfdiid'lidrfrtt 
bri UrbrrfrMrr) alfe grlitlra, BHibM arnannt (nickt nad» dtren*lr> 
gifaVt »»it)»BfiilaO: 3«I*uj. 3ei(f i-.i: 3cfrf Air< 
tiffaii, €at)al, 9li((i txn »oa4, ttti, 3<ftl> 

AT) €<in Äöni m KSTt byOH äffe im J uni.- a>g »«rftümmfit. 
e»t))t burübfr «frfafffrt tat. 6tub. a 8 M«nat«i*t. 3atirg. 1882. 
i«) QJtraka. 49) «efAidm 3«KnHiam» int f«'n« €«f(ta 
II, 810 fg. 



liegt, über be« fardifdjen «Ritu« gefdjiditlidje enraudeluag 
auf bie elaffifdje DarfteUung 3un»'.*°) Cbgleid) nidtt 
geleugnet werben (ann, bafj bie ^uioKirr.cif'tcUiKi., ber 
bibli|d)en Stellen, an bie rmsy-z erinnernb, numcift eine 
ba 3<'t unb ber @e(rgenbeit enlfpreebenbe ift unb ein 
gciriffe« Svfiem in ber tlnorbnung verrdtb ; bem „tnnd:, 
eine (Hemeinbe ober dinjelne burd) @ebet fid) erbauen 
iu laffen, geuügte bie dompilation aud) bei fdiönften 
Stüde ber {»eiligen Sdtrift nid)t in auärriebenbem SKafK, 
fotofi wir einzelne Jtarder mit Äeib auf bie rabbani' 
tifebe ©ebetorbnung Uiden unb ba« rabbanitifd)e '.'!du 
jebngebet verriebten feb*n.**) 

lie fardifdje ©on«"« 1 «'. »i« fif JU"» Stbluffe 
ber erften (Spodje burd) $abaffi reprdfentirt wirb, ftetlt 
jebn @lauben«arrifel auf, bie fpäter — gegen Grnbe be« 
lö. 3abrb. — von ßliiabu IBafdtja^i nur wenig 
mobifteirt wurden: 1) Sie ganje Jtörperwelt if) au« bem 
9iid)t« erfd)affen worben. 2) 6« gibt einen 6d)öpfet, 
©ott. 3) Diefe« göttlfdje Gefeit ift geftaltlo«, din«, 
aOen aubem 9Befen undbnlid). 4) @ctt bat Wofen unb 
bie anbem $roppeten gefanPt. 5) ©ort bat burd) SXofe 
fie iborab gefanbt, wetebe wabrbaftig unb Sine ift, in ibrrra 
f>efd)riebfntn Sffiortlaut voUfommen au«reid)enb unb einer 
drgäujung burd) bie fogenannle „münblid>e 8ebre" nidjt 
bebürftig. 6) Die Iborab miiff« von jeoem 3ftaeliten 
in ber beiligen Urfpradje erlernt werben. 7) ©Ott bat ein 
^eiligtbum efngefe&t. 8) ©ott wirb bie lobten am Sage 
M ©erid)t« wieber beleben. 9) ©ott vergilt jebem 
nad) feinem Jfcun. 10) ©ott wirb 3fraet burd) Senbung 
be« Sobne« lavib'« au« feinem (llenb erlöfen. M ) (£igent< 
lid) gegenfä|>lfd) jum Siabbanitentbum verhält fid) nur 
Slrlifel 5 in einem Ubeil ber Attribute, weldje ber Iborab 



50) 3a: X>ic Otitn« n. f. » (SScrlin 1859), ©. IM fg. tut 
iocl. fol. 162. Xrofbtm 3»ni' 9Srrt na 3atjt sei b<in 
'sip *3"tpb ^iafftr'« (rf<tirtt, iil ttt Wtiiln« brr Slitca 
llrtlj'il üb<r trit f j raifdir« Stita« an v<t:uftirntfr Jtraft brm 
tßrrbicte flbrabam ttn Tfatil't uab itvi ttn Qbabib « 
gl(id>famairnb , *» mihi gor burd) bit 9Bad)t bp i rTrn f <fc a 1 1 1 i djer 
tBrwfiefi^ruag baff^lbe übtibietrab, and) brutf nedi »cttftäabig auf 
i(d)t tu balltn, naifebrm Mi tcräi -Si.i.|f btünilie grgrn $infftt 
rntfdii(b<n n>urbf. 3a feinrr „üitcratutarfdiidMr brt fRaagrgatfB 
<n«fir" (»rrlta 1H64.) hat 3un j bi» «Nitlji<ilungfB *iaffer ? » u.a. 
übrr Fat. ^Jitanim an bin briüatidiro Ctrilrn errwrrtart rbrr tt> 
rtdttigi. 'Xu- altra f jt. $aitanim Mgra in 9o[m unb Hftrrilm 
aud) im 3nbalt bru rabbaRitifdjm Slfiilrrn. Itcfür ifcrrr finfr. 
Dicborad) b«n9tattian. jtd) bic f<taifr .Hiigr br« g.itfd)rr« brr 
Wutabbama 6alntci< brn 3(radiam « itl. it. Wnb. 6.62) |b 
gqcg.B bat. 61) Wa4 3er.idi brn «atpan (1637) M9t(i< 
baarr € 144. 52) «adi 3»fi a. a. C. 6. 331 fg. «tma» brr 
brAarn Crrnung eairpjaii'«, abrr mil *a kaffi'a 3nbalt. Sri 
brr {nrfrnbaltiglrit unfrrrr jtanbr tarn ültrrrn itaräinma« la(t ndt 
■nebt frttßrllni, auf tvrn bir ftaffirllung birfrr jr«R CMIaubrn«- 
arlifrl jurürtjafabira i|). üogifd) lana (Irl- 6 fr in dj(aubrn*artifrt 
frin . unb irr* br^iKiHr, ba| rnea 3sfrf barc'cff ctrr 3<fd)ua 
riarn fclrbrn auMrOtUt b/ab<n im« SRir iA*< R)abrfd)nalid>rr. bai 
brr »migrr lr>gifo>r ^abaffi in frinrr Qoilirbc für bir irhnjahl, 
rir fid) aud) anbrilrritig in SnCbt, brffrn Srranlaffuag ja rbru 
aud) brt $r!aleg iri. (u rrfrnara gibt, birfr jrfcn 0(laubrn«artifrt 
(uttrt oBtgrnrllt babra bürftr. laburd) wirb r* rrd)t fraglid). tb 
birfr 3rbuHb" muelimifd) fri, n>ir 3ef» ©. 331, Hnm 1 k>IO. 



Digitized by Google 



KARAITEN OD.KARÄER 



19 — 



KARAITEN OD. KARÄER 



ata t-c r grfcrjriebenen 8ef)re brigelfgt werben; bod> bat 
fardifcbrr «Barteibaß, wie oben fdtcn attgebeutet würbe, 
au* bem Hnifel 3 infofern eine Splfce «gm batj 9tabba« 
nitentbum ju ßtbcn gefud», af6 bemfelben ein budjftäb- 
Hcher (Staube an bie craffen 3lnlbropoinorpbic>mm in man* 
diet SIgaba uigemuthet wirb; eine 3uunitbung, bie, wie 
fctjon bernern, von ben ENabbaniteu abgelehnt würbe. 
Slber auch. IJtrtifel 6 gelangte in fetner weiteren JluSfüb» 
rung ju einem ©egenfaße jum dfabbanfteutbum infofern, 
alcS von faräifdjer Seite ber fvnagogate ©ebraud) von 
punftirten unb accentuirten Iberubrollcn geforbrrt würbe, 
»ad auf rabbanitifd)er Seite bekanntlich für unftatt» 
baft gilt. 

Die fardifdje Sthriftau0legung biefer öpodjc 
fletit anfange* lebiglicb im Dtenfte ber Safuiftif, nebt 
fvtmnn mefftanifdje Stellen in ben Äreifl einer tvpifcfj» 
aürgorifcbrn Deutung, um nad> einer längeren l<aufe, 
innerhalb beren ber iKationnliflmuS von außen aud) ben 
inneren ÄntJbau be* ÄaräidmuS ju gcfäbrbrn begonnen 
hatte, in einer 9tetbr tüchtiger Stiftungen bem gefammten 
©ebie te t<t briltgen Sttrifubumö ficb jujumenben, wobei 
aber immer nodj bem «Eentateud? unb befonberS feinem 
a.efe$lidjen Xbeile bie haupnaa}lid)fte Slufmerffamftit gilt. 
'Bit Stute biefeA auölegenben Sd)rifttbum6, mit beffen 
Pflege bie ber 4>ülf«wi|Tcnfd)aflen, wie befonber« ber 
©rammalif $anb in £anb gebt, fällt in bie arabiftfce 5Be» 
riobe") (10. uub 11. 3abrb.). 

Die farüifcbe ©efebeSfefrjtellung, Qafuiftif, meld)» 
bauptfäcblid) ber gleiß unb bat* Streben Der s IRrifter ge« 
wibmct blieb, ift in biefer <3pod>e nabeju "im «bfcbluß 
gefommrn. SÜat? in ben Sotgejeiten von bervorragenben 
Vt-brcnr"' and) uir SBervoÜftänbigung ober «Berichtigung 
bei faräifcben Jjjüiadjj mag geleistet werten fein, fic be« 
wegen fttb babei jictS in einem von ben ?ehrern ber erften 
(Spodje breitgetretenen @eleife. Jtein ©egenjtanb ber 
religiöfen $raxi6 erfdieint nunmebr alt) völlig neu unb 
unbefannt auf ber «Bilbfläcbe ber DiSruffton. Da* pro 
unb contra ift jebenfall« fdjon in ben älteren „©ebote» 
budjern" jur (frörterung gefommrn, unb bie Hufgabe ber 
Späteren fann nur noch borin befterjen, bie wiberfrreiKrt' 
ben Hnftcbten unb beren «Begrünbung anjufübren unb 
allenfalls für ober gegen fitb ju entfd)eiben. 3n bei fa» 
räifdjen tjafuifiif ber erftrn (*pod)e berridit bie benfbar 
größte 3J?einungSverfd)ifbrnbot über bie widriigften ©egen» 
ftänbc, wie jeber Äenner ber faräifcben .ftalaeba weif. 
£>ier mögen nur wenige tharafterffrifebe Qrinjelbeiten 
bervorgeboben werben, befonbert eine, welche für bie Sin» 
brit, ja für ben »eftanb ber faräifcben Sefte von be« 



&3) 3aeeb ben SReuben'« TOJ7! "CO bat nuc Mb SBertb 
einet CJemipilaticR ven Duellen, bie f.ht oft, ja |umeift n-*i ein> 
mal angegeben verten , nn» ßeljbft vieQeia)! anefe i.i'-i- Ux 3cil 
■adl ^« baff i an, tro^tn andi tat "p~rcn D 3 s co t Tai m a > 
nl'i iu f(pn> ift. 2>at Vylgravb uub ^a< 0pii«p6, bie Um in« 
]'» 3.il:rb- tn|f*»n, Rnb uifd>t. Üa,t. Qattatt) €.258. 54) 
tBu ema 3<ta<l ^amagtebi, 3 e f < t btn .■; j i •: Saint! 
«(«agitii, H« Wb«n «aren», dlijaft« Bafdjiaji, aalfb, 
»oft <Bafo)ja){ u. a. 



tonfliajfier ©efabr gewefra wäre, wenn nidjt bie Hutoritdt 
einzelner mad;rvoU fta> bie allgemeinjte Slnerfennung ver« 
fdjafft bdtte. ®i« jum 11. 3ahrb- batten innerbalb h9 
Äaräi«mu« bie aisnn -»bys bie Oberb^anb, b. b. bie «Ber» 
treter jener überaus rigorofeu (Sbegefengebung, weldj« an 
ben Stamm biblifdjer ßbtverbote eine fo(d)< fjülle neuer 
(fbeverbole fnüpften, ba§, noa> eine lang biefe @r> 
fdjwerung fortgefebt, bie fardifd)e Seite ftdj balb bdtte auf« 
jebren muffen. Solange ber Jtardi6mu4 in feiner «Bro< 
paganba fortfdjritt, mag bied faum empfunben worben 
fein. 9(0 aber ber JtaräiSmuS bura? baä Hufwadten 
bee rabbanitifdfen ©eifte* ftd) baran gewöbnrn mußte, 
nur ben ererbten Stamm ber Sefte a(0 feinen feflen, 
f»d>etn SBeftanb anjufeben, ;u bem nur febr wenige 
von außen berjuifommen mürben, mußten bie Ubcverbcte 
befdjrdnft werben, unb bie« gtfdjab mit großem (frfolge 
luid) bie oft genannten ÜNctfter befl 11. 3abrb., burd) 
3ofef barceb unb 3<f(bua, welcbe aber and) unter» 
einanber nid)t vödig einig waren, unb {war fo, baß in 
ben Diffrrenipunften 3ofrf bie gefialtrnbe, 3efd)ua 
bie verbietenbe fluüdjt vertritt.* 11 ) Diefe fclbfi haben e« 
nidit 93ort, ja abnen eS viel(eid)t faum, baß ibt 3Bibrr» 
ftreit gegen bie ma-n '»b« vom SelbfrerbaltungStriebe 
ber Seite eingegeben fein fönne, benn ju befdmpfen 
ibre ©egner mit ^wingenben b<rmrneutifd)en ©rünbrn; 
aber unbewußt waltet vielleicht ftbon in ibnen felbjt jener 
mddjligt Jrieb, jebenfallS aber in bem Seftenjtamme, 
ber ftd> fofort jenen Hnfidilen juneigt, bie Ibm bie Wäg» 
li<bfeit M gortbrftanbe* barbieten. «Bei einjelnen üebrern, 
namentlich bei «Binjamin, bei Jfirfiffani, juweften 
aber auch bei 3 o f *f baroeb unb Zobla begegnen wir 
einer Neigung, mit ber Ueberlieferung übereinjuftiinmen; 
bod> bürfte bieS auf 3ufälligfeiten bentben. ÜKajIiad) 
unb fein berühmterer Sehn Sa bat befunben ihren aud) 
antxrweit befannten SRigoriSmuS unb wefentlid) ihren 
fanatifeben 3ngrimm gegen bie Stabbaniicn befonberS in 
@in}elbeiten be« Sabbatgefeje«; „tat äpaul 3<» f et 
balemi'0" bagegen, unb vornebmlid) ?ewiben 3«fft 
balewi, einet ber rationellften Gefüllten ber Aarder, 
befunbet in ber 4)alaa)a eine verbdlrnißmäßig bo«h a«' 



55) S'al -nOX Afpf?. 338 unb Kn ü* bdranfcblirtnibfn Stamnu-- 
fnn«t nna» |»m 8. 99. 9t. p 80 : trKnpn ro PJT1 
tfi"n 133T mjom aia^n ■'bya '«n, mrr vnob rtpy« 
m« rsyno"" isan pöki . . . i?r nyitJ' isam ntn-n 
«in p""TS -a nyTO-> 1331 n« msyn nao-n aiann -«byaa 

'BS, 053 33» 7153» n«Tnn t)OT> ^3311, V^3T3 

rnssm "it niows nspws no3 nr* 1 , Ogi. n V man 
o. a. 0. p. 32 v unb p. 33. «Bebten» ber altert flaron bem 
Ksifb folgt, fd)tief;l bei lüngne flaron nnb naa> irm 9af«>ja.|i 
fio> 3efd|ua an. 3n SiUea, rie |*if<ben 3»f(f unb 3<f4ua ranrro« 
Der« fjnb, wirk grfatofifnen Cfben an« 3*rif»l fciaeeube Jtr jfr beigelegt 
unb muS bie *3<brilung burdi Sdjribebrief niolgen. (Oleubauer Cg. 
64, n-n« p. 91 ». 5>ai tlbetfCbl. bie . ...tr darrte ber far4ir 
fdjen <8efebr<lebre. ift beute faft nur auf r*tn nitt }ii «cftrb'R. 
OTofc »affljjaii »inbtrirt einet, groim Ibtil bei OrrMenftrt, ben 
313" »erbrängt ju liaben, ben ©aabia »affi, bei 9»eub. ©. 64. 

3» 



KARAITEN OD.KARÄER 



- 2D — 



KARAITEN OD.KARÄER 



jufälagenbe 9iu*lernheit, fcroic Tulbung Hb Slner- 
fennung gegenüber ben 9tabbaniten. M ) 

Sine ©ef*i*te ober Gbronif bat bie erfte (Jpccbe 
be« Äaräi«inu« ni*t ju läge geförbert, wie benn über« 
baupi ber <8ef*i*t«ftnn bei brn Jtardern von vorn 
herein baburd) fi* balle abftumpfen muffen, bat» ber 
Jtardi«mu« fofort mit einer giclion in bie SBrit trat, um 
für etwa« Änberefl, ^ö^errt gehalten ju werben, al« 
wa« er in SBirfli*feit war: eine erilif*e gßiebetbelebung 
be« rrftorbenen Sabbucäi«rau«. 

C. <5rf*ütterung be« Jtardi«mu«. 
I .-.y ber .Hanuömue bifl jum 12. 3abrh. fo weit 
erflatfen unb fi* fo weil verbreiten fonnte, hatte bie Un« 
tbätigfeit ber ©eonim in ben erjtcn anberthalb 3abrbunber> 
ten feit feinem ßntfteben vetfdjulbet. 9Rit Saabia war 
hierin »war eine Slenberung eingetreten; aber au* er 
hatte ni*t bie erwünf*te @efolg|*a|t; au* balle er in 
feinem Uebereifer, ba« Htter alle« Salmubifdjen unb 3ra = 
bitionellen behaupten unb beweifen ju wollen, ni*t feiten 
über ba« $iti binau«gei*offen unb Sebauptungen auf« 
gcfteUt, beren S*reä*e von ben jeitgenöfftfdjen Jtardern 
Salb erfannl uub bloßgelegt würbe, unb weltfce von 
rabbanitif*er Seite wie von J&ai al« unriebtig ver< 
worfen werben mußten. 3n 33abvlonien finben wir nur 
nod) Samuel ben (Fbofnt unb ben eben genannten 
Jjai in ber SJefdmpfung be« JtaräiSmu« tbdtig. Tut* 
ben Im in unb bie Stübrigfeit ber fardif*en ^ropaganbifirn 
be« 10. unb 11. 3abrb. war ber Jtardi«mu« von $aldftina 
unb feinen 9?a*barldnbern au« na* Sorbafrifa unb ä\: 
nien wie na* @rir*en(anb vorgebrungen. 3n Spanien war 
er jweimal gewaltfam bur* Anrufung ber Staat«ma*t 
von feiten ber fKabbaniten utitcrbrürft worben. Die Sin» 
wenbung von ©ercalt jur Unterbrüdung geiftiger 9te» 



56) Si<Iy fllyb. 17H. $aj $abaffi nub: mit fem 

riaorofen unb fanotifdjeu Jjaufe be* $titfier6 (SRaitiacb unb 
€ a fi a 1 «raten 0*5!"i2) , alt mit bem lateten ans tulbfanirtfn fyau\< 
be« iniin t 3 r f « » unb ien>i fcaltwi) fbmr-atbifttt . «et« 
ttht n ti: »cn felbft: r.rt bleibt felbft in feinen »uaen Da« «)au« 
tt*i bei feiwr freieten $rari« Red» st-U trditalaubia. Sgl. and) 
mit« p. 30 ü , 8e»i (tagt einem Stabbaniten in feiner SIu»» 
tage übrr Strumcnb. ica< felbji ber nulbe 9aftb|aji (n~!TR p) 
lutüfttreift. «in« febr rintirbWrcUe »emerfung *. < feaben mit 
eben in »ete 34 angtfnfcrt. 3fc>t Surfte fi« aebübrtnb M$taU 
Stnfidlt anteit>en. bie »afdjjajii in t.t Warnen (n-IN LH») an. 

ftyrt: frm nri bzor. *s ^crin sin na-i« n:»t« . . . 

*57 T03 «Tt TIMH *D raOS mlS Btt B , «"'3 

BWTl atrci, c-ci-cn ihn ""cb rtaa p 
rüf ^:a- rro'ÄJ V 1 «:«!» ata rrna nbs* 'ai, tst "renn 
BUBI ' Wl ortiti ctrcsni B'^r D-yaci BWOSSI IWOft 
.otibd: by pna? 13^» aTt bau, rao V^a "pna 

Zte) tiefet feinet liailfreunMieben U<bei}cuftung aber, bet faum ein 
teteHeur WnAiuct b.iitf gegeben n>etben fennei, gelangt ielti 
bcnsccl) tum tidtttirrbet, irt;. in 6tid) ter 15,4 aud> „einen 

Stanb etbalten" bebente. Urbet bie Sdtranfen »«# i*rtmeintlid)(H 
biblif4en SSottilane« femmt eben au* ber begabtrAe gatder nidjt 
binan«, «nb ;nmal «emi niebt. befft« »ebeutung r.idft in feiner 
Stffea«tTeunbIiib,rett 9 efnO)t »etben t«rf. 



gütigen bleibt immer eine niefit tu red)tfertigenbe Unbill. 
Sie war aber bamal« überbie« au* völlig übrrfiüffig; 
benn f*on bamalö barg ba« «abbanitentbum in Spanien 
bie Äeime ber femmenben Slute in feinem Sdjofe. 
Unb ba« 12. 3ab,rt). brad)te in bem »ntagoni6mu* 
Üivifdien Siabbaniten unb Jtardern bie @nlfd?eibung für 
alle folgtnben ^tixtn. 3ebuba {»alewi errang bie 
$a(me im Charten ber !ti*rung, Abrabam ben v|ta 
auf bem $oben ber @rrgefe, iwofe ben ÜRaimun im 
:Kih1u ber @ebanfen unb auf bem (Sebiete ber (SafuifHf. 
•Hefe brei aut)ge)ei*neien ©ciftedbeltcn, weltbt bie rab> 
banitif*e 3ubenbeit Spaniern) innerhalb eine« halben 
3ahrhunbert« nebf) einer anfchnlithen Sleihe anberer bei' 
vortagenber SRänner au« ihrer Witte baue hervorgehen 
fehen, bleiben fortan für beibe ührilungen befl 3uben> 
tbum« bie tonangebenben Wtifter, beren ßinwirfung l'elbft 
ber ©egner fid) nidjt mehr entfdjlagen fann. Tut* bie« 
fr« bebrüt rufe geifiige Uebergewi*t auf feiten beö Sab» 
banitentbumö ift biefem nunmehr Sieg unb £errl*aft 
gefi*ert, unb ber Aardiärnu« wirb tief erf*üttert. 3 naT 
ift e0 von ben brei genannten SSertretern ber rabbani' 
tif*en Ueberlieferung nur einer, ber gegen ben otardid' 
mit« auf S*ritt unb Jritt angreifenb vorgeht, nbraham 
ben (Fjra in feinem Sommcniar ;um l ^enlateu*; bie 
beiben anbern ftreifen ben ^aräi«ntu« fafi nur fcfjr 
nebenbei. 3'huba opalewi, al« Tenfer wie al« Ti*tcr 
eine milbe, f*enungövoOe ^«fönli*feit, gebenft im Stw 
fori ber Äarder in einer febr glimpflidjen 3Beife, «nb 
aud> Waimonibe« fu*t bur*au« feine Gelegenheit, 
ihnen j^iebe »u verfepen, verlangt fogar, bafi, infotange 
bie Jlarärr ni*t bie Sabbaniten f*mähen unb 9Rif*na 
unb Xalmub ni*t verfpotten, mit ihnen ein ehrerbierign 
v i5erfefcr gepflogen werbe, baß man ihre {tdufer betrete, 
um na* ihrem SBohlc Ü* ju erfunbigen, unb baß man 
fogar ihre Jtndblein am Sabbat bef*neiben bürfe, ba, 
wo fte ber rabbanitif*rn görberung ber iCPUt fi* unter» 
werfen. Tiefe 9rudfi*ten feien f*on barum ;u üben, 
weil viellri*t ben gegenwärtigen Jtardern ein Same 
entfpringen tonnte, ber reuig in ben S*o« be« rat» 
banitif*en 3ubentbum« jurüdfehren würbe, wie au* 
f*on 31. J^ai ft* geäußert habe.*') fflenn unter ben brei 
genannten TOciftetn be« Sabbanitenthum« Wairaonibe« 
jur (£rf*ütterung be« £aräi«niu« ba« Weifte beigetragen 
hat, fo jeigt ft*, baß bie Staffen, wel*e riefet bi« ba» 
bin gebrau*t hatte, ba« Siabbanitentbum {u befdmpfen, 
eben ni*t ri*tig gewdbli waren. 2Ra imonibe« 
wanbte feinen ^>ohn unb feinen Spott an jur Jtränfung 
be« ®egner«, ionbern wirfte pofitiv für feine ©efenntniß« 



57) Sabbalbai Äeben ;u n?T n~ l T< Jttp. 266, § 17. 
liebet ben SBcd)fel bet ubban. %tari< gegenüber ben Jtar., bir namtut.- 
Iio auf bie Ülutctitat ttt tutjr 3ett im vtotgenlanbe lebtnben € im s 
fen auf €rn' (rtranfreieb) unb fbäter auf bie Sejalel {lfd)lr< 
na|i'« nrb Aüfte, u>etbeu Dir an anbeten Ctte banbeln. Sie 
«cffnmigaNufe ben »1 atmen ' t, t.ip ein Ibeil ber tat aer Stabb. 
werben ntotbttn. Ktn-ittlidjte Srt> nm» 3abr 1313 unter Km U«. 
enlel be* «oft, «brabam Dlaimuni IL 6t.be »Acti SarAi 

*ap. 5 tu man ircr m i rfl i. ®ra» vii, 3or.. 



Digitized by Google 



KARA1TEN OD. KAKÄER 



- 21 - 



KAHAITKN OD. K AUA ER 



genoffen unb fdjnf ber rabbanltifeben GafuifHf ein cbrenbe6 
2>rnfmal in feinem SSerfe min nzevt, bat in fcltmeT Svfie' 
raatif alle SKatcrien be# religtöfen Sebent auf ®runb 
ber talmubifcbcn Sitetatur lichtvoll verarbeitete unb bar< 
tu- Uic. In* von ben Äarärrn fo viel geläjiertc #aladja 
be« Salmub fam fo auf wunberbare SDeife tu <?bren. 
Äber aud) ber Bgoba erflanb in iRainionibeö infofrrn 
ein Anwalt, alt er siele SRitrafcbficlIcn für bm ®e* 
fcfcmacf jmrr 3dl unb tvc SRittelaliere überhaupt fo 
paffrnb auszulegen unb in feinem rrmas rmo fo gut 
311 verwertben verftanb, bafc bie Ifflabbanitcn fortan mit 
Stolj auf bie »gaba Midien, bic, ihrer fpradjlidjen, bilb« 
lid)en j£>üUc entfleitet unb in ihrem tiefer »erborge- 
neu ffiefen erfaßt, folebe ©ebanfenferne enthielt. I)er 
Ginttucf auf bie Äarärr war ein fo tief erftbütternber, 
bafj 3<>brjrbnte vergingen von ber Vcriobr ber <hfd)ütte* 
rung bi6 jur 

D. Verlobe ber Sammlung be6 Jtaräi6mufl. 

3ab,rjebnte binburrb nach, bem äuffd)muuge bet Sabba« 
nitentbnmö bullt ftd) ber Jtarditmu« in Schweigen. Q* 
mehren ftd) in feiner Witte in ben mctMimifdtrn Säubern bie 
«bfctlle jum bmfebenben 3«Iam") unb )um geizig jicg. 
reichen Xabbanitenthum.") JHeinlid) angelegte Staturen 
»vier et holen Erörterungen , bic fd)on jum lleberbrujj er« 
örtert worben waren, ober eonftiuiren fia) eine (i'efcbidjte 
ber wahren Ueberlieferung aud alten unb neuen Gr» 
Dichtungen. Diefer Jeu gebort vermutblid) ber Skr» 
faffer ber c"5a-m o*«-pn pV;n an.*°) Bei foleber Oebe 
geroinnen 3fracl ben Samuel el'Siagrebi unb 
3(f et ben 3cf tr, au ftd* bebeutungdlofe Siteraten, bennod) 
Vcbcutung. 3ebenfall« arbeiten fie bem Baronen« 
Vaare vor, beten älterer bcn3ofef (1270—1300) mit 
3bn Gjra verglichen wirb, unb bereu jüngerer ben (Sita 
(ftarb 1369) von ben Jtarärrn gern bem VcaimonibefJ 
jur Seite geftellt wirb. 1k 3bdtigfcit beiber bat in 
3 oft'« Darfletlung eine gerechte HDütbigung erfahren*'), 
auf welche hiev getroft verwiefen werben barf. 3bnen 
verbanft ber JcaräitmuS (Sefdjloffrnbeit nad) au&en unb 
nad) innen Vertiefung, unb fie blieben für alle §olge*eit 
bie Üonangeber; Saron beu 3ofef bejüglid) be* dtttud 
unb berGregefe, "flaron bcnGlijabu bejügltd» bcrDog« 
uiatif unb Gafuiftif. $ervorragcnbe Jlcnntnfjj ber älteren 



68) 9ta« Kant in 3oft* «nnaltn , Jarjto.. 1841. -Z. 84. 
tri «r4» a. o. Ol «. 146. 59) 6i«b< Rah 67. 60) «b,<< 
tradt 9«« ««ufin in p"b «n'i. 6. 99 fa. SBfll. au« t<»t. Jtatal. 
Htrtnt. V. t)\t Utitttn; 3«f»« t>rn @aiti'«. al« d*M 3<itgt- 
aefftn «afaff i '<•. i)t von 6l»infd>ntibft iciftrt^olt, unb bc* 
<alrpl in fetter fei. unb «»öl. tu. <ß. 342 (rn8li6 in {frage arftrllt 
m?r»<n. 61) Ö»<(d} bte Jnbentb. u. f. CS. II, 366 fg., 362 fj. 
Scan in l<(lcr 3<it Vor. b. dltjarja al« nn Hr,irei«cr Xucd)-' 
bie*« atiitcielif*er ttrllanididuun« a»pri»fen worfrn tti («ab». 
Zum. D«ffliUen«frfiheit. »erlin 1882, «. 38 f fl ., 96 f fl ., 136 fg.), 
fe brrurjtr »irf<« Urthri! nidil auf bei rictMigrn ©adtfmntniü . reit 
9tenaiefr«r 1882, «. 191 aeiriaf »urbe. Die bribrn «arone 
bil»<n ihrem «»arafter aark He benffcjr fifcäifften Bfgrnfaje, »e<» 
halb aadi ber innrere meift t)egen ben .ilteien fid) auefeeidfi. »en 
3c fei iß ber tcalirbafligere. 



Jiteratur, innere unb äußere ^crrfd>aft über ben rei» 
eben Stoff, unb unter ben faräildjcn dobifteatoren bie 
flarfle unb anfd)aulid>i)e ü^arfiellung befunbet (Slijabu 
Safd)ia»i (ftarb 14H0), beffen Jlbberetb allein an ©e* 
beutfamfeit eine halbe Sibliotbef aufwiegt. 8ein £d)wa' 
gei unb £d}ü(er Jfaleb Sfeubopolo fd)Iie^t ftd) ihm 
erganjenb an. jm profanen 2Siv"eu umfaffenber al0 
(Slijabu unterrid)tet, bat er in ber tlrfaffung ber dlteren 
Gafuiften tiefen nicht erreicht, wir feine (Fpitomen m;u ~x 
unb jum D^n ys geift» unb urtbeiI6(ofe SRadjwerfe 
Ünb. 931er jugcnblidjc Slübrigfeit regt ftd) im Urenfel 
(Sltjabu'«, in ?Kofe Safdjjaji, unb feine 6d)riften 
befunbeu eine bei ber 3"gcnb be* QJerfaffer« — er flarb 
28 3abre alt Im 3- 1555 — boopelt erflaunliebe »e- 
Irfenbeit jumal in ben 6d)riften ber arabtfeben Spodje. 
3n ber bbjantinifeben Literatur ber ilarder bort fortan 
jebe beaditenäwertbe Regung von (Selbfldnbigfeit ober 
von 3nlereffe an bebeutenberen Stoffen auö bem geiftigen 
Seben ber Sefte auf. 3n arabifeben üänbern würbe 
in biefem ganjen Jeittaumr nur ein Sud) von eini« 
gern gelange gefebrieben, ba« SWurfdjib Samuel al» 
'JWagrebi'«. Jpicr tft eine« $erfud>e0 tu gebenfen, ben ber 
jRabbantte Sd)emar)a 3friti (auö Strgrotentr), beffen 
S9lüte mrifl in bie 3eit }Wtfd)en ben beiben Varonen 
fdllt (1290- 1320), madjen woüte, um bie beiben 2bci» 
lungen be* 3«bentbum« )tt einen. Sdjemarja b«tte 
nifbt bie redjte Begabung ju folcb fdjwterigem, wenn 
aud) nid)t unmöglicbem SBnfe, unb biefer fein Serfud) 
— furch eine pbiiofopbifdic drlduterung ber Sibel unb ber 
talmubifcben Hgaba bie Aarder ber Ueberlieferung jurüd» 
jugewinnen — miSlang. Ueberbaupt aber war baö SSerbdlt» 
niß )Wifd)en Sfabbamten unb Mardern in ben gried)ifd)< 
türfifdjen Säubern meifi ein freunblid)e6, unb, ba bie Stab' 
baniten mit ber Weltliteratur feit je eine inniaere güblung 
unterhielten alfl bie JTarder, fo würbe ber Umgang mit 
ben Sabbaniten für bic Äaräer febr förbetnb. Slorbedjai 
Äomtino würbe unmittelbar fürba« 15.3obrb. uub mittel» 
bar nod) barüber binau« ber 9Rentor, wie feiner rabba« 
nitifdjen «enoffen, alfo aud) ber Marder, unb feine allen 
fid) mittbeilenbe, milbe $erfönlid)feit witfte auf Sab« 
binen wie (Slijabu ©törachi u. a. im Sinne ber 
Dulbung vortbeilbaft ein. 

E. <ßeriobe be6 Verfalle. 
Uli im 9tabbanitcntbum eine Sülle wirflieber Okifträ« 
froft vorbanben war, hatten bie Äarder wol mit bavon 
gejebrt; aber fie Welten ftd) jumeift in ber (Sntfernung, 
um nicht in ber fid)tbar überlegenen Partei aufjugebrn; 
von bem Woment aber, ba bae» Kabbanitenthum griftig 
finft, feben wir mafwürbigerweife bie Unbebeutfamfrit 
in biefem unb bie in jenem Saget einanber nid)t mehr 
fo feinbfclig gegenüber. 3>a« gilt von ber 3eit an, ba 
ein nicht geringer 3 heil fardifd)er dntwicfelung fid? in 
Voten unb Vitauen abfpielt. ($0 währ; nid)t lange unb 
bie Aabbala eint bie (getrennten u. ihrem Dfcnfie. 9)id)t, 
al« ob nnr.it in 3 — 4 3<*brbunbertrn etnjelne ftamilien 
unb einzelne ftd) aud) in ber Veriobe bc0 VerfaOe her« 
vorgetban hätten — wie etwa bie gamilie ürofi in 



Digitized by Google 



Z2 



KAftAJTES OD KAEJ-EE 



— *-">-*,»<lV >*4 W*«tttp><» 4nu«i»lt" ; 

i«M-» ,uni > | r .iiu 7/«xr v»« mir vrV» W^-vf^ 

MiM«Miri<6 m JM** •••»» '•'.KM'i , vi #>rt»r.l<f 

— • 5>^»-^^ ^«ft.«*"" *rfr*r;»»r «»ff 

4<mf'«4 ,♦••>» «i« 4f^««t«4r.tMfAt vvw»r M(f"f flfcrrtV, 
m »— >y*^ ^iv/i fcf '♦»tMtfn hi tn 

— ( M' IB-Tr^*^ T.»** vr»Ä' f • 

p*<r»n»tr, »W ffe#ff« Mf4 Ä'JPm« frl*' mm »f 

OTMWl ^»»V h» mn»*** wynnwl Mrrif yftri^H 
llitM Mir V*'" «vi»«* fAnfffn, ^»rafcaiN 

i'{"it, *->h n p»0 Mw «»fhAfff, 
Yrr«*»!^» (f t fif*, m» H I>l4i1 m'bt flu <*»f«/n|lanb 
pW Hnt4s1 ßft f «. ».»« #f»»*i«w>»*, *f/l M* |lfln<lp« 

tyfffMftftJirffl -»fi», |pp*wI* p»I«mp p|n» YiVNMrbuiia 

M» *»fr> »»* M« »<>lllllrf)»ii 

ff f* tfflttkn v/brff«^»«||Aiff)in»N Mf M*iin «hhflnal. 
mit,,*,« tyj *».,.<.»» '"•'♦i m» WMi'Ml Ihr»« «»ff'rn- 
{, .„.„.i |„ |„|».« fipiphipfflriMtH /»mm, f|# tr> fi i r r n 
,t.Ht jmtifti Mn *M'Pi')f|) Nil M» l<*P<hllHlllfri)r .liibfn' 
i .i, NfrfMwHj tot». #» ppWipm MiMph lud inunrtjfr »itl- 
ti»n»«f»'MtiMM pi«l<»f|lrfi»M fWMrt(*n fnuiri vrrlaul 

» . .,»(• « iffifArMirli (il-n l#f>» Ml flhriir>lf|i»nbfif 

in. i. i.i, M . «,,,,),, n#MrMM>#f Ita «rt fiMlÖ *f»l»n 
M| r«IHtr|tr(l IMiIi», h<h futi1lfil)f *ftlf Hill vlilfii 
«ImpmI.ipm nNimiiMi NN ^«»M'HMllf M iiii«firN'ill'l IP. 

i |i iv mi» »«'Ii mi Ihihm !•»»> VHUknNI ÄnnUiiiMim^, 

hripHrf«H»l»ili| »pIii HMtlll <t« M lifnlillfiilr |W« 

1 tni(l rt-Kii* HMNtl It'll «pMuIiI Hit) iinlft t>rn 

li»tii|f».Mi IPHNMIpt|||rH Hill Wp rt'iinp fni »InHIMffi i »i'lf 

ItlMM ''t'<M c p!(p »<h(| filHMI *,ilrn hf| min 

i. ,,!.„'.., Ul.,1 ,! 1 l..,t"f.,ii|,Mi |.t|l'PH»lifll 1 Uli l|) Vl'IH 

'»'.iiii.i*i-iH.hr iii.Miiti'i'M mMMMMiintliiMfi 

imI i i -11.1,1'» mchii» i-nn pIii» ^>n-P||iiii|i, Hf Ii* Ibrfin 

•VlllHU jlWMj I rf*M ll'IhlHIM HMItN, fllt 

iiM)(il m Pin ^.'l',»«|»tin«<l i»IHpli <<!>«« UtMHItt'm Wh*- 
» i m " i >•'. t.mti«iit»«i in »NM'iWll nitOt tirfidll 

ii'i^t« 

H ^lllll'l'i iMd'hl'h f.i »<»»|J»» 

HMIlim M 'in* |tf*HI >»(»ll>i (UM iu 
Ht|# Vm»,i» s'vi *mm tw»M ^w^«^f^ it^tn. 

yv,i »(.Pv^riii« vi»»! a^imKn»« a»iH*a«^i ¥vH« 

< MtHMMt«b^WH Vui»ül»»t Kl »«.'iKt 1 ^'* ^^t 

r^ ^W ^ i^ 1 *^ >'W vs^f*i^ , »t^««*t 
\<m^ic^i» M <t»Mi**«»* M>4 f*l ♦** ^Nf*^^ 

(L«t>«l ^'l IS* l»s>> ^Ppts-V« J»W» 

W>ilr w*V>>\ <^*«*>-p« ^«f^ -.»/\\vNp.im *\«»*t«> *«» 

«\\ir K" i|^'.>»'N^ N«>» 



fiifi 9?0<liniif(fim uno <4nttfi(ten Stfqienin.jm ral 
*«r<jr^ in» 3i<r titaer ifmdftn 3aöra. So* « 

u:iB .nnn cfummf bar iflrafaM hir oir Hicofotfra «• 
AT« ."tnriflvrT?. Uns au<t rafibanisnfii: tiönrnttto, nt 

irr fi>hronö4rJ»6 «bra&jin bert ScVil, rt ^i ii i i m 
rrlf m Bfr ,njfit«i .rjdlr« :<« 12. Jafirt laarä ifcc 
?fifa ans ftti&n&u Bei SrfmüaaBCtf . Sarf ä4 im 
hmr* Barüber Qtitmmttt üqn Uft. üt m Jtirqe 

■ n | n nnt fnn Vnban ü ta erneu 9räfc ü ^ « 
frm Urrfidf BtlBrn litt, vauern nuftr. nad: ^dtäjttBd 
»i< ffttH finijirt renttr, tonB«rv blnbm in 8a 
»»(»nlril'^rrfitn unt Bai i?<b«ilanMrn. %at tea 
(fnnr r f« f. 3abrf). rr«fi frtnr ^uinldfüge Spar auf f a> 
ralfttrn Vnfrnibalt in ^aldüina unP (<tani ®Tra;« 
i mf 'tri h:i. 3m 10. uns 11. jatrh. inrr vom ^Kiügai 
tfanBr au< rifrtg natt aUrn 9tid)tungrn bin ^rcptigaTita 
H'fifUn, Kfgvptm unr Ceja nj irrtBrn für 3abrbnn- 
trrtr it.immnt)' ttt Staria, Spanien nur rcräbrr' 
nrbrnb, roril fir von rabbanitifdbrn (Bünjilingm rr# 
,ho|r« irorfmal unlrrbrüifl rourbrn.**) ®dbrcnb brr Sri» 
frnbr '{iclacbia au0 flrgrn^burg M ) (rruM uriNbm 
1170— MW)) in brn ®rgrnbrn um tat aforofitjr unb 
«SdjrrQrjf OTfrr**) uniciffrnben D-srs bcgcgnrt, b. b. 
nvi .(taiarrn, bir burd) langt (Snifcmu'ig von bm Winel^ 
punflrn brr ^ilbuna rorbrr vom lalmub neeb aud) frlbfl 
von r.i räl ulirt ^rari« rinr rrdjtr 93orfic(Iung baMrn* 6 ), 
brirugl Mc VlniVffrniKil Haron b<n 3ofrpb/4 iu 
iSolcoal im 3- 1270 jum rrfiru mal ambentifeb 
blr Vlnirrfrubrtt rinr« rccblrn Aardnd — unb rool au* 
rinn farälfdjrn iHtmcinbr nrbtn rintr rabbanitifdjra — 



HU) (Unr, vH'Atr i« 3»Ä € 295 v.-V.-mnun b<i. Ord^' 
IMMH (V, # y»n». Ulm. 4) plnr udit Ai^bdltia. Sa« tun* 
fl u*t 4«f ftltM b'ii 9trii(b'« Wjotn; railddlxilt sirt, ift 
Nt mn nVi't ji.ffttrfiii.j a|« irJtt w.ilf*ttra na* (abaffi 

I 1 • i I pi PMNl .lahm VI \Ut »a» M« »Icjf«: tnrt rtT 

V«?» D'W^pn ST^ m «dilUtb i b Jd».:b brtriiw. fo ift 
*»l Vkhii iWipmi*!«: 2Ubt<. IS7p! € {■ nnrriirn. 

Wr#al. K.tti 4*4>p«. Ki «irrttialtArt €iommn^ 

Hl *»' . Iii Mit m,*i M«M .X» J> min mn m 3rr»f. 

Ui W<iW«r«ii t*« u i a tm >«■ diu uf i'racm 9nunrn 
P'- #»■■< .>n • ■ r I <■> €.491. iKt xi4r rrtrr 

Iii Faul ll*M— 4SI. •** »»fr bc« Clij«!« 
♦ !•* i . b<« (tfnNi »r» it«. rrwar t« brtt««m saftn. RjL 
Vt««»«««« #. .t| tu» * <3< f iv«« TL 97 warn 8». 

•-■>»■< * ir\ M' r < Maiui Nr 9«*(«nt Set. « ud» 
J»«». ♦(«■ **nii« t t*.\ 00 «« tNrKV 4><t(€*9 
V*U-. rWM». • KUP *, t » T~Ä. «i jM ttumnt 
<fc«t»^ r.» ITXO 2*TC |R *« ).v 9<*fcrv* im $mta« 
l4 » \ t M| s-vffrji^»« X-ru limLJI «araf-- 

».•lu <>-i »«« ♦»*» » i« <*t «s. »r» «enrt. p. 103* 

s™ \i r»"*»^p »*f* ^r«r* "rr s-xtX. flu 

^^ «•"<•■►♦'• «p» «v\» 4»k«i>« unn >e -vwi kh» Cui^ite 
s« ><• «V<S<< iV t«*v«t>m«n-Csii i*n *mOi\u j « iimiU»» . ä» 

K M» cMPX* Vl^ ..|<|i».|.< Jrti». &S.' »'mn li-tfr-utui ul mnij- 

"* «»•o'« ^< •*»». frt'<aiii^n^r« ioo B*«r*j« 



Digitized by Google 



KA RAITEN OD.KARAER - 23 — 



KARA1TEN OD. KARÄER 



in ber eigentlichen ,u rim. *••'> 93on t)irr au« famen 
Jiarder nach Litauen unb 5ßolen — farätfebe 8n< 
gaben au« bem vorigen 3ai)rb. loffen birfc (Sinwanberung 
gegen Gnbe be« 13. ^abrtj. auf SEBunfd) be« polnifcbcn 
Surfun fid> vrlluebcn — unb Mu&lanb. ß ur @cfct)td)ie 
brr yolnifcbrn unb luffifcbcn Äarä<r gibt cd in <£i.«*Peterd* 
bürg eine gülle urfunblidjcn aRatcrial«, ba« abet nod) 
nidjt voilfiänbig grfidüel unb georbnet ju fein fcfceint.»») 
?lu« ben Toiumentcn, bie febon '**) jur öffentlidjen .Rennt« 
niK gelangten, ifi erüebtl;d- , t%:\\ bie {Regenten $olcn« 
jUDieifi ben Jtardern Privilegien gewährten unb befidtig* 
ten — wie fte Ne* aud) ben Mabbanittn gegenüber Iba« 
len — , bafi bie Äaräci ber ©cmcin.be Z r e f :i a unter 
CFbmelniff» im 3- 1650 ebenfo litten wie bie Stabbani« 
teu jener ©egenb. SBefonbcre iBorredjte erhalten bic £a« 
rärr gegenüber ben {Rabbanitcn in "Huplanb im 3. 1796 
burd) bie Jtaiferiu .Katharina prtromna, ein Siecht«* 
fianb, ber bi« in tie ©egenwart verblieben ifi. 3n ®a< 
litien erfreut fid) eine faräifdic ©emeinbe in $alkj b<« 
vollfirn ©cnuffe« aUer ©ürgerredjtr. 

lieber bie ©evölfr rung«vctbältniffcber Äarder 
bat fid) au« utebr benn elr lorbunberten faum ein 
volle« juvetläffiger 9?oti}en erhalten, fobajj itgenb* 
»eicht faltbare Sd)lüffe nicht gu jieben jlnb. 1' . n < 
jamin von üubela fanb in ßonfiantinopel 500, 
in %«falon gegen 40, in 3)ama«f gegen 200. 3m 
SBerbältniü jur bezüglichen rabbanitifcbrii Sevelferung 
= 1:4, bej. 1 : 5, bej. 1 : 15. 70 ) l)er fardifdjt SReiicnbe 
Samuel ben (Davit finbet 1641 in .Kairo n0$äufrr 
Gigentljum ber fardifdjen, meift au« ©olbarbeitent be* 
fteljenben ©emeinbe, mdbrenb früher 70 ^idufer ben Jta« 
rdem gehört haben feilen. 71 ) 1785—86 wirb in *j$a« 
Idflina gebort, baf von ben ungefähr 150 fardifeben ga« 
milien in «egvpten mehr at« bic .fiälfte von bet $eft 
aufgerieben roorbtn fei, erjäblt ber 9fcifcnbe SSenjamin 
btn <5lia. f *) 3n ben 4 friinfdjen Jtaräerfifcen Jtale 
(üfa)ufut'Jlale<3ubenbttrg), ©o«(ow (Supatoria), Äaff a 
(geobofta), SDlanguf leben 1755 an 5U0 faräifdjc ga» 
milien, unb jroar nad) brr 9teibe ber genannten Orte an 300, 
bej. 100, bej. 50, bej. 40.'*) 3m 3. 1871 foll bie «n* 
jabl aller Aarärr in 9eeuruplanb unb ber Ärim, roo 
brt übfrwirgenbjie Ärrn ber Seite lebt, ben Jtaufafu«* 
Sänbcrn, iBolbipnien, ben ©ouvernement« SBilna unb 
tforeno, ©alijien — wo an 50 gamilien leben, ßon« 
ftantinopel, 3trufalem unb »cgwpten, alle« in 
allem gegen UOOO Seelen betragen haben. 7 *) 



67) »gl. £.irfa»v a. a. C. e. 107, «n». 3. 68) Sic 
Sufjtfdi gt((t<ri(b<nfit tvataKtltc brt ȟf f*m ejmmiunn ircllu 
Ut BiMiol^cfar. grrr 9ilfd)foff. .tittr. (ülcvbaurr 6.53). 
69) Sur« {Rrnbauci. flu« trr $<l. «irt. t<« fflidjtigft« an« 
>rn tftbtäiitbr» Soriiintnirn ät<(t$i>l(n im II- fln^ono, oi«r aaa) 
pu«. in Xtfit, itienttt» 6. 52 unh 69 fg. 70) Ögl. Qrrf.4 
Xax. eiutira n. g. <9Ri!ttat<rdir. Oafirg. 188*2 6. 6 ) 71) 4>ri 
• urlanb: 9)infr 3i««I 6. 6 72) 81. a. C. «U 5»«4uag mr 
ttitMB »ci?<W*tfieun,i 6. 88. :mt frulifr mit 9 rtfi«ill von R<b. 
baute o.a. C. 6. 61. 7:i) «b«<ba £.49 unb an« Dorum, 
»t. 133 auf 6. 142. 74) «b t «(.am || tf »■ 11(4 in »in« 
Oiigsbc an ben «aifer ncn C»*rnri^, balirt ®i<n, brn 12, 3uni 



Sie perfönlid)en Sejiebungen ju ben 9tab< 
baniten waren in brr erfien $eriobe überall bir brnf' 
bar fcblecbteften unb blieben im {»eiligen Sanbe fiel« 
voll Siiterniti. 3» Jiegppten war jur 3«t TOaimoni« 
be«' unb in ben folgenben 3<italfcrn ein leibliche« \><ct. 
hdltni^ iWifchm ben beiben 2l)cilungen be« 3ubcntbum« 
eingeireten. 3n ©riecbenlanb unb ber2ütfct warb 
baö Serhdltni^ im 15. unb 16. 3ahrb. bWweilen ein febr 
freunblicbe« , ni*t minber in 5J3olen im 17. unb 18 
3abrh. 7& ) 

Son autoritativen Stellungen, bie itardex 
etwa an {löfen eingenommen haben, ift — bie Stellung 
von fürjilidjen Seibarjtrn 7 *) au«genommen — wenig 3u» 
vnldffigr« befannt. 33on ben brti Privilegien, bie ein 
Jtarder, 92amen« Samuel, ben girfowittd) mit einem 
angeblich im 3- 202 <&cg'ra — 1063 n. (5br. in Äairo 
veritotbenen, von SKabbaniten wie Jtardcrn gtrid) febr 
betrauerten iximuu Samuel ben 3rfaja 3«fcnbert 
halewi ibentifteirt 77 ), rinft in Äairo für bie 3uben erwirtt 
haben foll, erinnert ba« brirte fo unverfrnnbar an bie Sage 
von ber ©rünbung Jtartbagoö, ba<i bem ©an-,en baburd) 
ber 6l)arafter Ut SRotbe aufgeprägt wirb. 7 ») flud) bet 
9crid)t über ben für ba« Sohl feiner ©laubcn«brübrr 
bebadjl gebliebenen ftapitdn ,;m .«jcc dafimir ;Uge5* 
lo'«, SRofe ben Samuel, ber 1400 geboren, im 3. 
1456 jum ftapitänrange erhoben worben fein foQ, an 
fid) nid)t gerabe unglaubwürbig, Valien feine ©laub' 
würbigfeit babureb, bafi girfowitfd) fie burd) eine an< 
geblid) von ihm in Srof angefertigte (Sopie, unb nia>t 
burd) ein Ctiginalbocument belegte. 7 *) Verbürgt bagegen 
ift , ba§ im 17. unb 18. 3abrb. in Litauen wieberboit 
fardifa>e D'bbtb5 mit obfrgcrid)tlid)eT SefugniJ — bi«« 
weilen aud) über 9labbaniten, wie biefe bi«meilen über 
Äarder ju «Richtern ringefefct würben — au«geftattct wa« 
ren, unb ihre« »mt« in anrrfennen«mertb« ©iUigfeit 
walteten. 80 ) 

3m allgemeinen barf bie politifebe Stellung ber 
Härder, mit wenigen ifluenabmen, al« eine ber Stellung 
ber SRabbaniten wefentlid) gleiche bejeichnrt werben. 

@ine Ueberfid)t ber gegenwärtig befannten 
fardifeben Literatur, namentlich ^ fr nfien periobe, 
wie bet ffierfaffer fte b«« ju geben beabfichtigte, mag beffet 
vertagt werben, bi« über bie «.weite (SoUertion girfowitfd) 



1871, in »ftfliro H«i»«eb'# W"<p «TO» 0 6.45, »en Ur 
tiefer beb^aitilcl, ba| ifim eine beglaubigte beutfaV anb rufHfdie 
Qo»ie ooigelegrn b>bc (a. a. O. 6. 42). ®egen btc lluirrfdwft 



Sief.'« an bittet von Stinai» miigetfjeilien Eingabe iß 
finjutrrnt . ii. Die 3.) bl 6000 nruebe mit aud) ftnft ' fläligt 

76) Datüber beabüditigl !Berf. in einer ffortftfuig feiner tar. 
6iubien in btr SRanaMfrfeuft an(fnb)rlie])er fiel) jn rrrbrriten. 76) 
Uebcr taräifd)e Sterile »gt. 6teinf dj neitet , ^tbr. Oibtiograt>t>it 
3«ljrg. XIX, 72 fg. 77) t\VTi -53 (SBfen 1871) 6. 4 fg. 78) 
*. a. C unb fräbtr au< ber Steifebefdireibang 6amue! ben Da< 
rib'l bei Otetibaurr a. a. C. 6.43 nnb bei ISurlanb a.a.O. 
6. 7 nnb 8. 79) "tenbaner o. a. 0. 6. 141: ,.OJr. 68. Softit 
angefertigt (1H54) sen «>. gfrfenjitf cb au« einem SRanuf«. in 
Srnf, »«auf bann bie belreffenbe «itttjeilnng folge. & 
9ieubauet a. a. C. 6. 71 fg., ferner bie 35otnmente «Hr. 



Digitized by Google 



KA RA IXEN OD. K.ARÄER - | 

in ©t. .«fje ter«burg rrfcböpfrnbere TOittbcilungen m 
bt«ber in bie tyjfmnWeii gelangt fein, unb nament» 
lid) aucf> bi« bif neuen (Snrabungen be« SSritifb TOu» 
(cum, über welche ber SSerfdufer TO. SB. Sbapira in 
Ine Atbenaeum") berichtete, von einem gacbmanne ge« 
prüft fein »erben. 

Quellen: TO. Slrinfebneiber, Catalogus codicum 
Ilebrseorum bibL Acad. Lugd. Batav. (Lugd. Batav. 
1858), citirt al« Sevbnrr Äatalog. — 3. 3». 3ofi, ®e< 
febiebte be« 3ubcntbum« unb feiner Seften II, 294 fg. 
(Keipjig 1858). 2. 3unj, Die 3titu« S. 156 fg. (»er« 
Ha 1859). — 5. $in«fer, nrnerp «aipb, aud) u. b. 
Süd: 3ur ©eiebichte be« Jtardi«mu« unb ber fardü 
febeu Siteiatnr b. f. w. (SBien 1800), Icrt S. -tVi = 234 
unb «nbang 228 S. Sie bauptfdcblicbftrn Kecenfionen 
biete« cpocbemacbencen SBerfe« von 3. £. Scfwrr in pibnn 
3oqrg. VL, (1861) 56 fg. — «. ©eiger (in SJriefform) 
in -ran: tt» IV, (1863) 8 fg. — TO. Strinfcbneibcr, 
in ferner bebrdifcbrn SJibliograpbie (Taten), com 

2. 3&brg. angefangen btd jum 7. Oabrg. — .£>. (>»rap. 
®efd)id)te ber 3«ben V, 197 fg. unb 9lote 17, unb bie 
' <■■ Partien ber fpdieren Sdnbe. — 3- Surft, ©efebiebte 
be« Äaräertbum« bi« 900 ber gewöhnlichen 3rirrrd)nuug 
(«rrpjig 1862), 93b. II: von 900 bi« 1575, 33b. HI: 
von 1575 bi« 1865 (Seipjig 1865, be|. 1869). 3n ben 
erftm jroei 33dnbcn ift nabeju jebe «ngabe mit TOi«< 
trauen aufjunebmen. — 2>. dbwolfon, «cbtjebn bebrdifiht 
©rabfebriften au« ber Ärim (St.»$eter*burg 1865).— 

3. ©urlanb VTaftrCPt dbs btne- ntt 1. ^eft(8pef 1865), 
3. $eft (St.»$eter«burg 1866). — H. 53. ffiottlober, 
D-tnpri miVtrb rnp3 s (SBilna 1865). — H. 9leu* 
bauer, Slufl ber *Beler«burger 33ibliotbef u. f. w. (?eipjig 
1866). — «. girfonjirfd), rrsn -3a (SBien 1871). — Der« 
felbe, ynst «53« tüd (SBilna 1872). — Ä. -fiarfav» unb 
dp. 8. Sirad, (Katalog ber bebrdifdjrn 4panbfd)riften ber 
raifcrl. öffentt. SJibliotbef in St.'$rjeter«burg I. unb II. 
Sbril (5t.>$efertburg unb ?eipjig 1875). — d}. ?. Stracf, 
% girfowitfeb unb feine (Sntbecfungen (öeipjig 1876). — 
«. $arfav», «Itjübifcbe 3)enfmdler au* ber Ärim u. f. w. 
(St.»'Bcter«burg 1876). — TO. Sleinfcbneiber, $olemtf<be 
unb apologeiifdje Siteratur in arabifeber Sprache (Sleipiig 
1877) II, 23 unb pa*s. — 6. Drinarb, D"np eron noo 
(SBarfcbau 1878). «uffdje in ber „TOonai«fd)rift für ®e* 
fa>i<bte unb SBifjenfcbaft be« 3ubrnif)um«", 3abrg. 1871. — 
£. ®rdj, 6. 1 — 12, 49—59. — % %. granfl, 6. 
114—119, 150—157, 3abjrg. 1872. — üerfelbe, 8. 
207—17, 274 — 80, 3abra. 1873. — 3)erfelbe, S.481 
—496, 3abrg. 1876. — l)erfelbe, S. 54— 73, 109— 
125, 321—331 (aueb unter beut Zitel: Aardifcbe 
@tubien im 8onbnabbrud erfebienen), 418 — 430, 
471—480. — f>. 3aulu« £. 73—77, 3abrg. 1881. — 

®rde, 6. 362 fg., befonber« 6 366, «nm. - % 



81) 9»r. 285ri, 3uli 15 , 1S«2. 9lt. 2856 mm 22. 3uti unb «Rr. 
2858 sem 5. Bilhild. .-Urita toill 138 ^intt wtrtl)»i>ll(lfr Wa« 
nuknetf, iu aUrrmrjft Iariifd)(n Urfpruij|4, btm IBrit. 9Rif. ibir> 
Ufftn Ub<n. üRandjf SrnjcUKiKn U4 ©^anito'fiiK« 9}rrid)i* 
' rr f ] f n i' i n 1 1 1 it J u*f i f ( 1 




I - K ÄRA JAN (TU. GEORG, RITTER V.) 

8. granfl, S. 470 — 473 , 3abtfl. 1882. - Derfdbi, 

5. 1 — 13, 72 - 85, 268 —275. — TO. Stfiufdjnrit«, 

6. 324-332. «uffd&e in ber ,^übifd?tn 3eitf*rifl für 
aBiffenfcbaft unb geben", H, 157; III, 128-133,240, 
303-305; IV, 180 fg., 214 — 232 von «. ©eiget, 
IX, 172—183 von TO. Steinfcbnelber, XI, 79—90 
t>on i>. Ctpenbeim, 6. 142— 155 oon «. ©ciger, ft 
292 —293 ron «. ÄarfatJO mit SRad)bemerfung Mfl 
«. ©eiger, ©. 193 — 195. 

Huffä(r in ber „bebrdiferjen ©ibliograpbie" (-rstsn) 
I, 18 fg., 70 fg., 105 fg.; II, 92 fg. oon TO. Stein, 
fdjneiber; IV, 43 fg. »on «. ©eiger, 6. 45 fg. von 
TO. Steinfdjneiber; V, 49 fg., VII, 11 fg., »o bie 3u< 
fammenftellung in Hnmerfung 11 (Seite 14 unb 15) bt» 
frMer« ju beachten ift; XI, 9 fg., 37 fg.; XIII, 63; 
XIV, 133 fg.; XV, 38 fg.; XVII, 11 unb 128; XIX, 
57 fg., 72 fg., 89 fg., 91 fg.; XX, 69 fg., 91 fg., 107, 
121 fg. r>on TO. Steinfcbneioer. 

fluffäfc im -rnsn (§afd)a<bar, herausgegeben ven 
$eter ginolenfff» in ffiien) Pen *ß. g. granfl, VII, Aeft 

II unb 12, VIII, fjeft 1, 3 unb 4. (P. F. Frank.) 

KARAJAN (Theodor Georg, Ritter von), ftt* 
bienter ©ermanift unb ®efd)id)tSforfd)er, geb. 22. 3aa. 
1810 ju SBien, geft. 28. «prtl 1873 al« f. f. Regierung«« 
ratb unb jroeiter ßuftc« ber faifetl. ^ofbibliotbef ju SBien. 
<5r war ber jüngfte gohn be« gegen (5nbe ber 50ger 
3abre be« porigen 3ahrhur,bert« au« Äojani in TOare. 
bonien nad) SBien eingewanberten griedjifdjen ©rofj^ 
bdnbler« ©eorg 3chann wn Äarajan (rgl. ben betr. 
Strtifel in ber „HUgem. beut|d)en S3iographie" S3b. XV) 
au« jroeiter (Fhc mit 3"^ Domnanbo au« Sonftantinopel 
unb wie feine S3orfabren gried)ifcb * orientalifeber Kon« 
frffton. 9tad)bent er, faum 8*/t . v »abre alt, feinen SSater 
verloren hatte, genofj er ben erften Unterricht in ber von ber 
wiener @ultu«gemeinbe unterhaltenen gried)ifd)en Schule. 
33om ^erbft 1820 bi« Sommer 1826 befuchte er ba« 
bamal« fed>« 3ohre«turfe umfaffenbe ©»mnaftum, an 
welchem ihn neben ben alten Sprachen bie ©efd»d)tr 
berarrig feffelte, baf; er vierjehnjdbrig bereit« umfangreiche 
biftorifd« Special werfe mit Cifer ftubirte. «Rad? SJoU- 
enbung ber beiben „pbilofopbifcbeii Jahrgänge" (182<J 
— 1828), wrldje bamal« für bie brei höheren garul« 
tdten vorbereiteten, verlief) er auf ttnbrdngcn einiger SJcr* 
wanbtrn, welche rafchen Eintritt in bie 33eamtentaufbabn 
empfahlen, bie Univerfitdt. Unbebautem 9?aibc ftd) fu* 
genb trat er am 9. TOai 1829 beim f. f. djwffrirgtfratb; 
iici't J?rieg«minifierium) al« ^iraftifant ein, wo er an* 
fang« im Crpebite, nach 3ar»re«frifr im TOartnebeparle- 
meiit befdjdftigt würbe. Ctrft brei 3abrc fpdter fanb er 
eine feinen Acnntniffcn unb Neigungen meljr jtifagenbe 
SBirffamfeit al« Segifrraturpraftif'ant im Slrd)iv ber f. f. 
allgemeinen £offammer (jeßt ginanjminifterium), befferi 
Director, ber Dichter granj ©rillparjer, Äarajan « 3Beril> 
fofort erfennenb, ihn nach TOöglichfcit ju forbem fuebic. 
Som 19. 3uli 1832 bi« (Fnbe gebruar 1841 (feit 18. 3uni 
1836 al« iRegiftraturacceffift) am 4j)pffammcr'r1rctHP 
roirfenb, entroideltc Äarajan währenb biete« 3t't™unie« 
eine minber frdftigen »aturen verwehrte raftlofe «rbeif 



Digitized by Google 



KA RA.IAN (TH. GEORG, RITTE K V.) 



— 25 - KARAJAN (TU. GEORG, RITTER V.) 



famfeit, inbem er 3ab" bfnburd) fdjon um bie briete 
5Worgenftunbe übet $anbfd>rfftra unb v £üd»crn faf unb 
alle von ben S(mt«gefcbäften freie XageAjeit )u feiner 
wirfenfcbaftlidben Äudbilbung verwenbete. Da er fid) 
gleich bei feinen erfreu frfcrtitfieü'crtfcbcn Verfucben von 
ber Nolbwen bigfeit einer luftigen Jtcnntnijj tcS Wittel' 
hocbbeutfdjen überjeugt hatte, wibmete er \ub von ba ab 
dundcbfi al« «utobibafl, fobann 1838 furje 3eit unter 
gübrung St. ». £abn'«) einbringlicbem Stubium ber alt« 
brutfcben Sprache. (Sine feinem wiffrnfcbaftlicben SBrtürf« 
niffe völlig enrfpredjenbe Stellung eri)ie(t Jtarafan rnMicb 
an Der faiferl. £ofbibliotbef, in beren Dienfl er am 25. gebr. 
1841 trat. ' n anregenbem Vrifchr mit ®elebrten 

b<4 unb 9u«lanbe« — von ben beimifd)en feien 
vor allen Step!». <5nblid)er, gerb. ffiolf unb au« fpäterer 
3ett granj SDlifloftd» genannt — inmitten eine« reichen 
Sucher« unb .§anbfd)riftenfd»a$e0 fab er fid) am $itU 
feiner ffiünfcbe, jumal bie geringere 3ai)l ber Ämtflftunben 
)u fd»riiifrraerifa>er Sbdtigfeit mel»r Slufie bot. HUmählid) 
jum Dritten Srriptor vcrgerücft, mürbe er, nacbbem tr am 
1. gebr. jum wlrfl. SRitglieb ber im Vorjahre gegrünbeten 
Äaiferl. «fapemie Der gßiffenfcbaffen in Söien war ermaßt 
»orben, im 3Ral 1848 von feinen «Mitbürgern in bie 
Ueutfdje SRationalveTfammlung nad) gtanffurt a- 90?. ent» 
fenbet, wo er bem redjten Zentrum angehörte unb bi« 
Ceptember blieb, ohne jeboch brfonber« bervorjutrrtcn. 
Suf wieberbolten Kuf be« SKinijhriunt« trat er am 11. 3an. 
1S50 al« orb. Vrofeffor ber beutfdjen Sora.br unb Site« 
ratur in ben Ärei« Der Sehrer ber miener Univerfitdt, inbem 
ir gleidjjeitig bie SteOe an ber jjofbibliothef niederlegte. 
Tod» fdbon im ^erbü 1851 — nad> einer nur brei ©e» 
meßer umfaffenbett erfolgreichen afaPemifcben SBirffanu 
teit — fat) fid) Jfarajan tiurcb eine Vrrorbnung be« 
Unlenid)t«minijler« ®rafen ?eo 2bun, welche Hfatboli» 
frn bie Uebernabme afabemifcber (Ehrenämter principied 
verwehrte, genötigt, bie ihm liebgeworbene Sebrtbätig« 
feit wiebtT aufzugeben. Vom Zage feiner Enthebung 
(O.Oct. 1851) an lebte er über jmei 3ahre al« Privatmann, 
bei voOer 3lu\it nidft nur felbfl energifd) proburirenb, 
fonbern aud) jeberjeit bereit, bie wiffenfd)aftlid)en Arbeiten 
anbetet uad» Ärdften ju förbern. daneben entwidelte 
er in ber wiener ÄFabemie, weldje ihn am 28. 3uli 1851 
jum Vuepräftbenten mit breijährfger gututionflbauer ge« 
wählt batte, eine bebeutenbe abminiftrarive Sbdtigfeit, 
»eldie burd) viermalige SBiebermabl unb entlid» 18G6 
burd) bie Kahl jum ^rdfibenten ber ©efammtafabemie 
aebührenb anerfannt würbe. Ueberbie« fungirte er von 
1864 bi« 1859 al« Vrdfibent be« wiener «Iterthum«. 
vereine«. (Der von mafigebenbet Seite ergangenen Huf» 
fotberung, al« erfier ©ertptor mit 6uf)o«titr( an bie .£>ofbi» 
Miotbef jurüdjuf ehren, [elftere er am 11. 3an. 1854 um 
fo frrubiger golge, al0 er biefe Stnftait vitr Sahre früher 
nur ungern vertanen hatte. 'Jfad>rem er am Ii. Ter. 1867 
jum {weiten Suf)o0 vorgerüdt war, erhielt er am 16. ÜRai 
1871 ben Xitel unb (Sbaratter eiued 9iegierungdrathe0. 
€<bon 1853 bura> bie Verleihung te? «Rttterfreuie« be« 
f. f. grana'3ofn»V Orten«, 1865 be« «ommanbeurfreuje« 

■.«MftLk.fl.1.«. Cnii*«. XXXIII. 



be« faiferl. merifanifdjen ©uabeloupe 'Orten« au«ge' 
jeid»nct, würbe J'faraian am 1. STprif 1867 in ba« öfter» 
reicbifd>e ^errenhau« berufen unb am 11. 3u(i 1869 auf 
@runb ber Verleihung be« ftitterfreuje« be« f. f. Seopolb' 
Orben« in ben erblichen ftitterfianb erhoben. 6in 8eber» 
(eiben, gegen ba« er 1856 eine Srunnencur in av.nieu« 
bab mit (hfolg gebraucht batte, ba« fid) aber fpdterhin, 
namentlid) feit November 1872, gefahrbrohenb entwidelte, 
fe^te feinem Sehen unb ffiirfeu in ber 9?ad»t be« 28. «pril 
1873 ein 3ieL (Sr ruht in ber garailiengruft ju Waucr 
bei Kien. 

3öie Äatajan im Jfampfe gegen £emmniffe, weldje 
feinen Siloungdgang beDrobten, fid) frühjeitig ju einer 
febarf ausgeprägten $erföu(id)frit entwidelt haue unb 
wa« er wart, wefentlid) burd) fid» felbfi geworben ift 
(vgl. ber *nifel Aaraian, Üheob. ®g. SR. v., in ber „Slli« 
gemeinen oeutfd)en Siographie" 9b. XV , wo aud) ba« 
im «lmanad) ber wiener Äfabemie b. SHJ. 1851 ©. 225 
fg. nur bi« 1850 reidjenbe SJerjeicbnifi feiner ©d)riften 
ergänjt unb v.i (Snbe geführt ifi), fo tragen aud) feine 
winenfdjaftlichen Arbeiten ben Stempel einer felbßdnHgen 
»atur. Die nabeju vierjig 3ahre umfaffenbe febriftfieür. 
rifd)e ffiirffamfeit Äarajan'« eröffnen einige »heil« bifto« 
rifdje, theil« ard)dologifd»e, tbeil« lopographifd)e «ufidte: 
„ölrope gcfilidjfeiten ju 3nn«brud 1580" in Per wiener 
„3eilfcbrift für Äunfi, Literatur, Ibeater unb OToPe" (1833 
9lr. 91), „Der SBafferfall be« göUbad)e« ju @aming" 
(ebenba Sit. 105), „Da« Nachtlager au @ranaba. Verfud) 
einet fritifdjen gorfd)ung" in ber „Oefterr. Jiin.iirift für 
ffiefdjid)!«' unb ©taat«funbe" (1835 9lr. 12 fg.), „Jltalo 
von .<hraftpeim, üeiba«t gerbinanb'« I., Wa|imilian'« II. 
unb 9iuPoIph'< II. Siograpbifme ©fiije" (ebenba fix. 
37 fg.). Jaffen nun biefe auf weit voneinanber abliegen' 
ben gorfcbuiigdgebieten ftd) bewegenben (Srftlingöarbeiten, 
benen fid) «njeigen von SBerfen heterogenften 3nhalte«, 
fo von «. «Wiauli«' neugriea>ifd)er „®efd)id)te Per 3nfel 

tb^bra" (Wündjen unb 3taup(ia 1831) in ben „berliner 
ihrbb. für wiffenfd). Äritif" (1835) ober von H. g.9tril'« 
„Donauldnbdjen" (ffiien 1835) in ben „Oefierr. Vldttern 
für Sitterarur, Aunit unb Jtritif" (1835), von 3- 6. Äopp'« 
„Urfunben jur ®efd»id)tc bet eibgenöfjtfcben Sünte" (jiu* 
gern 1835) in Per „Oefterr. 3eitfd>rift für ®efd»id)t«« unb 
S(aat«funbe" (1836) u. a. m. anreihen, Jfurajan'« (Sigen« 
art al« ®r(et)rtcn nod) nid)t benimmt hervortreten, 
fo iß boeb bie Untere in ihren ©runbjügen fdion beut« 
lid) erfennbar in ben 1838 veröffentlichten „Seitrdgen 
}ur ®efd)id)te ber Ianbe«fürf»lichen Wünje ffiien« im 
Mittelalter" (abgebrueft in 3- Sbmel'« „®efd)id)t«for> 
fdjer" 1,274 fg.). Denn bie hier niedergelegten Unter« 
fud)ungrn, ju benen Jtarajan butd) eine ^anbfajrift be« 
f. f. ^offammerarchiv« war angeregt warten, unb welche 
burd) bie Neuheit ihrer auf ftreng mrtbobifebem SBege 
gewonnenen (Srgebniffe bie flufmerffamfeit ber gelehrten 
Jlrtife fofott auf ftdj jogen, jeigen bereit«, wenn aua^ 
nur gelegentlich unb feine«weg« bnrcbgefübrt, jene frud)t> 
bringenbe ©erbinbung von biftorifeber gorfd)ung unb 
♦Philologie, bie von ba ab in ben gefdjiflbtlidjen gorfdjungen 



Digitized by Google 



KAI? A.JAN (III. (iKOIKi, RITTER V.) — SO - 



KAKAJAN (JH. GEOKG, RITTER V.) 



Wie iii ttli i,iMi..iv.i«:r,li.. tu Ju§e ttitt uni> 
•ir tiefet btU al« innd- tfdten toif. ;W biclem .;.T<.r 
\i*en <*Mtiiit>iii»if fe-nuiit flbtr nech ein untete* niett 
siim ctjarorifillHldie* SWcmcitt, iveldje* ten • a.t* 
**$cn 3rilv>(riotrn fid> lenbnnbtn t'nftun^fn ftnrrVti* 
rvrwie^cHt» vl)il«l(>ttH(bfr unb anbfirrffii* n-twiwn? 
N»ic-mifcrr 91t t (iitiKfantiitt (in tiuAaue inbiiUbutUe* 
frcriAvK verleibt. Weben ttm allufmrtnfn biKcmitea 
2:ntV mtuilieb war e* bei ollen Arbeiten ÄJNiNn'i* tvi* 
k*c*Mv\e 4>rtntat<>iKf Abi be« Oeftertr i*er* , aia>t feite« 

Ki* i ■: ^ntctcrTr be* Üßienet*. N* «f 

K* «VjM r-er ll»lrr|ii(t)«n,|^f,un|lantt nufrt nur. tenbera 

au| Mc Tin <WAt» im,) Ni Unimu^un^« ü{>* b* 
t ..uvvufh 1 ., l»HotUKu., fa Mlci-.a-.-.::'^:-. 

v^^**e MHf KuliurriiMvIiMuHit w allem al* eine (Sbw 
l>t t> K t-tivut Uttci (»»eleluter tiiitefceub, Isit er fdbÄ. aat 
k ** H;KuHut> \\< j»tiit)»liitfii * MMN biet $a.r ri«*i )ii «je 
K ** N ^ H »f rniM>jfbeiirc ttaMrN jiervtb* t<«K«t!jen 
V nNmi l iit»iuii,i»Mi>fifv« lugeweur« . «Kl»t* *« 
f Aw * Vu-tkiiiUMii. bei i^naniihr Seihte* JfrdNin^ 

W ~ XVtMllll, b,l £»iu*r|*lt( $<tai1* N\ 5t**Kt 

L -1 « ,M L. N, 1 . * M W»">1 bifc'iiNfc« «i» -Wer «fit- 

s ^u^ f !!^K U,, ^ f » l,, "!i » aB 

r K?Ä U , fM ^'»»rtbllHH«« tt. t« b*«HH*« 

wJl k U ,VI * »««"«IM Mi«t\t< AVn* Umab 

«*»>> V««liau«l»iUH'A-HN c^tbcit 

fiuS l £. l £*J! w "* ,M *Nt*ftu XawN-t s> 

^,:::,\^\.! h ... nw ^ *«. 

Nii? Nc* 
Wtfc. 

«Mfc«r4Nrl'»*'i 

» .V (k,. k,X N^CI^M\l MKIX'I Nil' 411? tt 

vNv ^ \; i !tTu\ubfT " ^ ^^«^« 






^abm rint* 9?ro<tftij(rf# rinrt BKtcrläntifcifn ©rtidjlrt 
»Äail", „tf# 9ua>t4 Nt Sngni", M fc«nannt(n „€«« 
fnrt ^Ibltng" u. a. ». '< , ;u~ eficren 5 bal ubtr frlb> 
wjntM rrfibinini Kat. reit, on den siben slifa^ren. 
6m <»rtt*t brt XIII. Jaferfc.'' (£citdbtTa, 1839) cb«t bir 
sattr b<n lud: „gträblu>^ab< für ^trunbe dlttw 
S itmwt" (V&tn 1 S39> mnnigtra Stüde , ferner bie 8n» 
mrrtun^at tu U.ri(b sca ftätrarreta in (5. SadMnann'tf 
*u#mbe Berlin 1841), ..Äntaei Sebaim"« Su* sen 
ben feeaern 1462—1465" Swa 1S43). enblid) „Deut- 
»a>e Scw>tb«rina!e te# XII. Tlabtfc.'' (»ira 1846) 
wt <^M*re IttdMd: Seb^im;« 5 irr «efdjiddt 

CrftttttttW uab Uagdta*", speiic nrtrnn^Iidj in bem 
Saataieiafetfe: .JDaeüea sab per^t nagen |nr iMtetldn« 
bitten ^»et^ittte. Simarar an: Äanft" egg. fen 
^» reu Äattfjim. Ä. gtrababer, ?nf n. i. ». (ffiten 
4") «rNfcteata. 3a ber Brtttea ^erieb« (ILn» 
Mag ISCt> brf 9<i}i3a l"?5c , nrriite tn ceat dn^cren 
^efrea^aage Jtjraian? beärn !a-e Stbnfcänafat alt 
<ia ber artener llnreeritw: {II. 3««. ISüO M 
9. Cft 1>5I\ bie SolSl ja« iuesränfiearen ber 8fa» 
bentie >cr S&!ita'>tu-nva - t«M-ibenrra 2er 5biIo»'cpbil4* 
«l*f?e- m Ä. 3«ü 1-51. b« onf bie erbe« 
•una »a ber f«mmr rcloenBe nufc t benn 



^ifrt:kibn^t 

bea ^ISicOeittRtnti :n ?it jjcfbibiictöef 3^a. 1S54) 
Herruft, utar ÄiNwn'J rr-.ce anD wdrtmge Begabung 
m ibrrr roatha tfntf«iraa>i mürm <r dm« ruccrfjwe, 
iCcjI* e^ut jteti£ytitt} an Mr Uarrerntäi ii$ Sebrer, ia 
5»r iraetuitt ai* icurrtfaareaeer irsrrr, m ber ^cf« 
bibiK'ibtf frr ^"wuntmucn anc raretnibraag brt 
.£ti\K ottiantra Jtatau-^ ailir .icertrtänDitdjea Cobicrt 
itne aatTfuani .Tn-urtivtt r^atgft!: .■nnrufeite aab ba« 
•ufvn aitt nMtn'iiuNmi*tn ^tfmmjfn berüenrat. Bte ifcm 
tut üle o...teii aiun .crenrcUrt *iT n Der «drinrra. 
wt -wetten. c<trt >t .rcetie ikrtoCe sarneamltd) 
b-fnten *t*?v«n. e Scannt :a 5m tttep« 
Jvr nutra irttteft Tuftr ^piTortf^je ja 
..tonnet ^itanxt t»c >nn jt>»Tr>mrr ^c Uubliconoaea 
rift^ Atiraamr* >tn .*t«en iirijtr jrwntaeren tsttfctea 
vj'saxtftu >t ^.trtt^i iJrrcnti:»n Jtartritfn S im Sarära 
. •miMtvt. \£n\ i xn Gruben '« >rr fnnntm £jxeQ*a< 
'n-vcun^i -u.;en«ttt?t, >« aar Nnt *rrn|fltb«re abücto» 
i»!»ft*t ^rtwtiiCi- ^v<t tf^taf. in bhbe Stod). 

Niim^tftn Ar ;ui't r»->n ;-.-vreii ?w tn L. Äiabe 
>.» r.nr'«t«--:t!t -xt "öi'u:. iturmit 5er ffitireatifc " 
^ur» , üvrftttirtt rmtrrrUt Uaterradjanu: 

.ÖU( v*«^.^« N* iv^;:* wj ;-cn 1245 ' qmd* 
>n»C «urnn«t^ ttafBR^ ;tae* jfle«tfrrf*en lair..- 
Ti*«t»a <*>ii»«5t* >t# X.O-JL ^5i*t?. nar jiobe neaex, 
>< ifet^v. OH >a rv»a , ftttc«ar<Tfanaduai} be» 
m*tnf\t iNiSNMn -tt»5^5, etnet ^t< lane. aber in- 
Sinn* ^rxvnMiwjJt >attr Sitttabitn'S SM» 
,vvX >i , >AUv'<Lraiu tuatuur our-j oato- 

,»u» ■ ^jutn^hi Nt mihi Sf&etne Der Stftnrnt. 
V v: \. ! c m ,ufB x# Srrtratrnnitj*« 

\ ::. n* v:i. :x>ü. 



Digitized by Google 



KARAJAN (in. GEOKG, RITTER V.) - 

beffen ali muftergülticj anerfannte. (Sbltfon in ben eilt» 
Idtenben, auch um ber gorfchungdmelbobe willen bebeu» 
tenben (hörterungen (S. I — LXII) eine gülle inier» 
effanter hiflorifa)er unb fpracbgefchichJlichfr Detaild ju 
läge förberte. «ufer ben genannten brachte bfe erfie 
$dlfte ber funfjiger 3ah« noch dne Seihe gchalt» 
voller phflologifchct unb literargrfcbicbtlicber Arbeiten, 
von benen bte baten afabemifeben 93orträgr: „liebet 
jwd ©ebichte äBaltber'd von ber 33ogelweibe (©i&ungd» 
ber. VIII, 1851, 359 — 382) unb „lieber eine bid» 
K-r unerflärte (gothifche) Snfchrift" (ebenba XIII, 
1854 , 211 — 232), worin eine Idngft befaunte, aber 
bi6 babin rätselhafte 3nfchrift auf einem ©olbblättaxn 

(u beulen verfucht wirb, enblich bie umfaffenbe Unter» 
uchung: „lieber Heinrich ben leidjnet" (im VI. 93b. 
ber lenffdjriften ber faiferl. «faDemie ber ffiiffenfd). 
pb.il. - hiftor. Glaffe, Sien 1855, S. 85 — 174) befon« 
berd htnwrjuheben finb. »l>on 1855 ab, in ber vier» 
ten 9)eriobe feiner (iteranfehrn SBIrffamfeit, bie mit 
bem legten Xrittheil feined bebend ungefähr jufammen« 
fällt, jiebt ildj Aarajan immer mehr auf jened Srbdtdfdb 
jurüd, roelcbed er fd)on im 93cginn feiner ®elchrtenlauf< 
babn betreten hatte, auf bad ber vaterldnbifchen ®e» 
fdbiajte unb fpecieü ber ®ef<hi<hle 2Biend. 9lur 
jweimal in biefem 3eitraume tritt er, burch neue gunbe 
hierja angeregt, mit germaniftifchen Unterfuchungen h:r 
vor, fo mit ber übganblung über einen £unbefegen 
aud bem IX. 3af>rh- unb einen ©prttcb jur 93e fcc.Wc.rung 
von Schlangen unter bem Xitel: „3»ei bidber unbe» 
fannte epradjbenfmale und rjdbnlfcher 3eit" (Si&ungdber. 
XXV, 1857, 308 — 325) unb in ben noch im Spät« 
herbfte feined bebend burch .£>anb|cbriftcn«gragmente w« 
anlasten frilifdjen Beiträgen: „3u ©eifrieb £elbling 
unb Cttafer von Stcicrmarf" (ebenba LXV, 1870, 
377 — 390 unb 565 — 576), mit welchen Dichtern er fta) 
fdjou ein SJierteljahrhunbert früher ringehenb brfd)äftiu,t 
halte, immerhin mag bie Stellung Aarajan'd in ber 
»fabemic, in welcher er feit 1850 ald ©eridjlerflalter ber 
SommifRon jur $crau«gabe ber „Acta conciliorum sae- 
culi XV," feit 1851 auch ber (Sommiffton für bie £er» 
audgabe äfierrrichifeber ©efchichtdquellen, enblich feil 1864 
ald SRitglicb ber Sommiffion jur £eraudgabe öfterreidji» 
fchn SBetdlhümer fungirle, ben äußeren wnfiof gegeben 
haben, bajj bie 3ah« von 1855 ab vorjugdwdfe ge» 
f$id}tlia>c »JSublicationen brachten. $atte er bod) ald 
SReferent ber hißodfchen unb ber 6onrilien»ßommiffion 
bie 3ahredberichte über t>ie Arbeiten tiefer (Sommiffto» 
nen ju rrfiatten, welche 33eridjte (1851 — 1868) naa) 
Anlage unb Ausführung fclbfi wiffenfcljaftlichcn 9ßfrth 
beanfprud>en bürfen. Sine ber »iajrigften SBeröffent» 
lidjungen ber bjftorifdjen Gommiffion, bie Fontes re- 
nim Austriacarum, eröffnete Äarajan felbft, inbem er 
in bem L 33anbe bn Scriptoros „Äleine Duellen 
jur ©efajicbte Oef)eneld>d" (barin: 3<>^>nne0 3.id;tei'd 
Xagebud) 1477 — 1495; Siegmunb'e von $crberftrin 
Selbfibiograpt)ie 1486 — 1553: Johanne* (Sufpinian'd 
lagebueb 1502—1527 unb ®eorg Jfirdjmair'd 2>enf' 



>1 - KARAJAN (TH. GEORG, RITTER V.) 

würbigfeiten 1519— 1533) rjeraudgab. «nbererfeitd fanb 
er ald 9J[eeprdFtbent unb naa^mald al« ^rafibenl bäuftg 
Gelegenheit, in ben feierlichen 3al)redft|jungen am 30. Wat 
tcjdld neue ©eitrdge jur SBürbigung öflerreidjifajer »e» 
genten, jumal Waria Zljerefia'd unb 3ofepb,'d II-, ju 
bieten, tbcild aud neuem urfunblid)em Wateriale fa)öpfenb, 
in engem 9Iaf)men jufammengefapte Silber lilerar» 
gefdjiajdnt bebeutfamer ^rrfönlia^fdten ju entwerfen, 
wie btreild 1854 von $elnrid) bem Icirfjnft (Alma» 
nad) ber faiferl. Sfabemie IV, 113 fg.), von Stetafiafio 
(ebenba XI, 1861, 85 fg.), von % abraljam a Sanrta» 
«lara (ebenba XVI, 1866, 101 fg.) ober von $eter ?am» 
beef (ebenba XVIII, 1868, 101 fg.). ©perieU ber ?o» 
ca[gefd)ia>te SBiend geboren an bie am'.; formvodenbete 
„geftrebe bei ber feierlichen Uebernabme bed ehemaligen 
llniverlitdtdgebäubed bureb bie Äaiferl. «fabemie bec 
ffiiffenfcbaften , gdjalten am 29. Ort. 1857", welche bie 
®efd)»d)te Diefed ©ebdubed fowie bie llnioerfiidtdreformcn 
unter Wada Ibn-efia unb 3ofept) II. behanbrlt, unb bie 
auf vieljdbrigen Stubien rutjenbe, junäcbft im VI. 93b. 
ber 33erid)te unb v }Hittbei(ungen bed wiener %91tertl)umd» 
vereind publidrte umfaffenbe llnterfua>ung: „!Z)ie alte 
Jcafferburg ju 9Sirn vor bem 3- 1500. iUad; ben Suf» 
nahmen bed f. f. Surgl)auptmannd ^ubwig Wonloper 
mit gefchichtlichen 0rr(duterunaen von ZI). ®. von Äa» 
rajan v ' (9Bienl863). 23ie fritiiche Sonographie : ,,«bra» 
ham a ©ancla dlara" (1.$d., 9Bien 1867), dne bttrdi 
mühevoOe ©tubien vorberdtete betaiüirte Sebendfcbil« 
berung bed vielgenannten «uguftinermönched war bie 
legte umfangreichere Irrftcriufcf Arbeit Jfarajan'd. 33on 
bem urfler feiner Teilung begonnenen unb mdler gefübr« 
teu großen raifonnirenben {»anbfchnftenfalalog ■ „Ta- 
bulae codicum mes. praeter graecos et orienta- 
les in bibliotheca Palat. Vinaobonenai asaerva- 
toruna", beren I. Sb. 1864 audgegeben würbe, war bei 
VI. 93b. noch bureb .ftarj jau felbft in 'Srurf gelegt wor» 
lajen (Vindob. 1873). Sine Biographie bed öftrrrcicbi' 
ben ©taatd» unb (Sonferenjciiniftcrd jtarl ®rafen oon 
3injenborf unb tßottenborf (1739—1819) auf ®runb 
ber bamald noch unbenubten inhaltrdchen Zagebücher, 
bie ihn feit 1871 faft audid; lieblich befchdftigt hatte, blieb 
leiber, ungeachtet bie Sorurbriten hlerju im ©pätherbfte 
1872 bereitd abgefd)loffen waren, infolge ber örfranfung 
Jtarajan'd unaudgeführt, ebenfo wie eine vor 3^bren in 
Angriff genommene fritffche Audgabe ber Sicimchronit 
Ottofar'd, eine phi(olog(fch<hiftori|che Untrrfuchung über 
öfterreichifche Ortdnamen unb dne iUuftrlrte ^dufer* 
chronff von Bltmirn. 

Die ehrenvolle. Anerfennung, beren ftcb bie tüchtigen, 
von umfaffenber ©elehrfamfrit jeugenben miffenfchaftlichen 
Seifhingen Jtaraian'd bei ben gachgenoffen bed 3n • unb 
Äudlanbed unb von feiten jahlrdcher gelehrter Äörper» 
febaften wie ber «fabemien ju Serlln unb «München, ber 
®efeOfchaftcn ju Sdpjia, ffiöttingen unb anberwdrld ju 
erfreuen hatten, wirb ihnen wol noch auf lange hinaud 
gewahrt bleiben. „Denn wad ihn audjdchnete", fagt 
J. »Bahlen In bem frönen 9caa>ruf( (Almanach ber Wie 

4* 



Digitized by Google 



- 28 - 



KARAKORIM 



■»* «fabetnie XXIV, 1874, 1C5-213), „unb wafl ade 
feint Stiftungen gewinnbringtnb unb förbtmb gemacht 
bat, »ar bif ©cwiffenbaftigfrit br« in btr 3"d;l bnt 
ffiabrbeit aufgcwacbfenrn «Wanne«, entfernt von brm 
lünfel, btr, bic eigenen Jträfte übrrfcbä&fnb, leiefctrn 
SBurf« 5tfclflc ju erringen unb blinftnben S^cin für 
9GQri6t>eit ju verfaufen meint, war et fte!« gewißt, ba« 
ihm jutbcil geworbene SDtafc von Jtraft ganj unb ehr* 
luii einjuftfctn, um ba« vorgefitrfit 3ict nach «Köfllidi- 
frit ju trreieben, überjrugt, bafc bit SBiffenfdjafl 
ten auferlegt unb nur ber ihr wahrhaft bient, btr ihrem 
©ebot fid) willig unterwirft." (Max R. von Karajan.) 

KARAKAL, rumdnifebe Stobt, ift btr ffiorort 
be« fonft nur Dörfer unb SBeiler befi&tnben, in ber 
Stieberung jwifeben ter untrren Donau unb btm rechten 
Ufer be« DU «Stoffe« (Slluta) gelegenen, jur ehemaligen 
Aleinen SBalacbei gehörigen Ärri|i'd Romaiiati («Roma; 
rtiRa). Der Dil jdhlt 8590 Einwohner, welche ftch fafi 
au«f<blie{ilfcb mit «efetbau unb SHehjucbt brfcbäftigen. 
ftanbtt unb 3nbußrit ift wenig cntwicfelt. (£« finbet 
neb bafelbfr eine Ikäfectur, ein Dbermünjamt, ein liftrict«» 
rath, eine ^oftanftalt, eine Jeltgrapbrnfration, eine fräbtifebe 
*P olijeipräfectur unb ein Dorobaiijtn»CFommanbo. — 
9?ur tinmal bat ber fonjt unhtbtuttnbe Ort eint {Rolle 
in btr 2age«gefchicbte gefpitlt, unb jmar im 3- 1848. 
tjrbitttrt übtr bie Rodung iRuflanb«, welche« bamal« 
al« ©aranliemacbt ber Donaufürficntbümer bureb btn 
bem rufftfehen politifcbrn @goi«mu« oienfthartn .£>o«po» 
bartn ©ibe«co aü*e vom Üanbt verlangten :h'e formen feint* 
anjubalten roufjte, vtrfammtltfn bie Slbtraltn btr SBa« 
lachei ju Äarafal eint grofc« Wenge — angeblich 150,000 
— fanatiftrttr ?anbleute, um ihr, übrigen« nur gerechte« 
unb acbtung«Wtrtbe« SJrgrijrtn mit ©rwalt burchjufeirn. 
35er .£)0«pobar, bureb ba« Qiotrüden biefer 3?olfömaffe 
gegen Sufartft in Scbredcn gtftt)t, unterjcidmrte btn 
24. 3uni 1848 aüt verlangten Gonceffionen, fowit tint 
fcbntll aufgtfitQtt 2$trfaffung-, bann aber abbirirte er 
unb jog ftch nach Ärcnjtabt jurüd, worauf *Ruf»lanb, 
bie 5ßfortt gegen beren 3nlereffc unb befferc (jinficht mit 
geh jiebenb, jur militärifeben 3htervention febritt unb 
bie gefammte SKiffre ber früheren 3ufiänbe mit Energie 
wiebfrberjteÜte. (G. Roten.) 

KARAKALPAKEN (Schwarernützen), tint 
bem Stamme btr lataren angthörtnbt SJölferfamilie von 
höd'ftrn« 30,000 Strien btr mongotifeben «Rafft, lebt 
an ben SRünbungen ber bribtn Ärme be« Sir «Daria 
in btn Äralftf, »on welchem btr füblicbe Thurau >Darja 
btijjt, unb oberhalb ber Sir«Darja bi« nach Ural«f hin. 
3br 8anb grenjt im Worbtn an ba« Sanb ber äirgifen 
ber Jtttintn $orbe, im Offen an ba« ber Äirgifen Pft 
©rofien £orbe, im Snben an bit Jtifil«Aum<*jßüfit unb 
im SPtflm an btn Rralfee. Sit nannten (ich fonjt Äara« 
Äiptfdjaf ober fcbtvarjr «Biehjüehtcr. Die itarafalpatrn 
Itbtn ruhig von Stderhau unb Siehjucht unb hoben Äbane, 
berrn @twatt ahn ferjr gtring i|t, wtil ba« tBotf bie 
äuöfprücbt ihrtr $ritf}tr (Cholgen ober Sscitcn), bo 
ihre tigenen «u«fagtn noch «cm aRohammeb abfiommtn, 
«thr oebttt ak) bit »tftblt btr Jtbant. Sit lehtn im 



ffljinttr in (fften ^äuftm, im Sommer nomabifirtnb in 
3urten. Äud) befeböftigen fie jich mit btr Srrftrttgung 
von (Siftnwaarrn, SEaffen, $u(vtr unb SMti. 

(Richard Oberländer.) 

KARAK ASSEN ebtr KA RAG ASSEN, rin frbr 
fltiner Urberrffi tint« SSolfe« von famojebifcher J^etfunft 
im aftatifchen dlu^Ianb. 9Ran fann anntbmtn, baf fit 
jur 3eit btr frirgerifeben Unruhen im 16. Jahrb. a(« 
glüchtlingt fid> gefammell habtn. Sit nomabiftrtrn früher 
am gltiffr Saffejew; je^t jiehen fit an btr Uba unb au bem 
Sajanifdjen ®ebirgt im 3tfui«h'fcbtn @ouvtrntmtnt in 
tinigen wenigen gamtlien herum. 3hte Sprache ift 
eint wenig veränbtrlt Samojebifcht SWunbart. Sit ftnb 
arm unb haben nur einige Stetitbirrt. Sc« SEBinttr« 
leben fie blo« von btr 3agb, bt« Sommer« aber von 
wilbem SSurjelwerfe unb von Bifchcn. Sie ftnb noch 
nicht alle gttauft, unb auch bie (Belauften bleiben mehr 
al« anbtre Sibiritr bti ibrrm väterlichen Scbamanifcben 
ühtrglaubtu. Sie btttn bit Sonnt unb ba« gu-mamtnt 
an unb opfern Äopf unb £frj »cn Sären unb SRotb' 
wilb. 3hre lobten bterbigtn fie jt$t, früher verbrann« 
ten fie bieftlbtn. SBgl. «. Gaffrcn, SJerfuch einer foibu« 
lifeben unb faragaffifditn Sprachlehre u. f. w. #etau6' 
gegeben von «. Scbitfntr, St.--«Peter«burg 1857. 8. 

(G. f. d. Gabelentz.) 

Karakithaier obtr Karakhitaier, glrichbtbeutenb 
mit Knrachitaier (f. b.). 

KARAKOKUM. (Sin tigtut« @kbirg«fvfttm, ber 
Himalaja, füllt btn weiten tRaum jwifchett Dfttuvffftan 
unb 3nbitn. parallel mit btmftlbtn ftrttchtn, burch beib 
Hochebenen getrennt, bit Jtrtttn Aaraforüm unb .tciun 
lün, bie nicht, mit bi«her gefdiah, al« befonbere @tbirgd' 
fvfttmt betrachtet werben bdrftn, fonbern nur al« unttr» 
gtorbnett Ättttn be« Himalaja anjufehen ftnb. Die SJt * 
wohnet von Cfrturfrftan ntnntn bit itettt Wufiagh, b. 
i. fflltlfchtrgebirgt, unb verlieben unttr Jtaraforüm nur 
btn fo benannten %a$, ber an bem Änetenpunfte <l3ufa>t' 
i'Äaht mit bem itamtf unb brm ^inbufuh jufammen« 
läuft, unb ftch in ber ÜRicbtung nach CSC bi« in bie 
9täht btr 3nbu«que(lt im cbintfifcbtn librt hinjitht. 
3» btr Jtaraforüinfctte Hegen ber 3)apfang («Berfldrte 
Srfcbtinung) mit 8625 SRrttr (ber jweithöchfte 9?trg btr 
ßrbt), btr 'X'iamar mit 8111 Wtter unb btr 9Ra{fa>e< 
ribrum mit 7803 al« höcfjftcr @ipfri. 

Dtr Jraraforüm«*ßaf (5583 TOtttr hoch) ifi bit 
SSaffe rt'ajeibt jwifchen 9iorbrn unb Süben in 43»thafien ; 
frint Sebntriinit trrtfeht im 9forbcn 5670 SWetrr, im 
Sübtn 5550 bi« 5600 SJctttr. Die ^auptfehwitrigffit 
btim Ucbtrfchrtittn bitft« ©tbirgt« litgt in btr verhärm- 
ten ?uft in fo bebfuttnber ^öhe unb btr Unfruchtbar, 
ftit btr Umgebung; btnn ba« bajwifchtnlitgtnbt ^ixb' 
plattau ift ganj fahl unb nur fpärlich von verkrüppelten 
3aranbelbüfcbtn bewachfen. Jrinfwaffer ifl febr ftl» 
ttn, btnn bie vitltn jerjrrruten SSeiher entfalten nur 
hraFigt« SEafftr, wtlcht« ba« $anb mit tintr Schicht 
von Salptttr unb Patron, 15 — 30 dtntim. bief, 
btbtdt. iitutlicht Spuren ftnb vorhanbtn, baf auf 
bitftn ^echtbtncii einff brei Seen fid) befanbtn, bertn 



Digitized by Google 



KAKAMAMEN 



- 29 - 



KARAMANIEN 



nidfldnbigc fefle Seftanbtheile eben jene beiben SKinera* 
!i(n fittb. (Richard Oberländer.) 

KARAMANIEN ober KARAMAN ift ber frü> 
bere Same einer Sanbfdjaft in Äleinaften, welche, unge« 
fdbr bie ®ebiete »on Svfirn, ?Pampb«?lien, «ßifibien, ?vfac* 
nien, einen Styil ber ^f>n?gia paroreio* unb bfn weji* 
lieben Ibeil von Äappabofieu umfaffenb, bfn räumlidi 
auegebebnuftn Serwalrung*eomplcr bu großen $alb« 
infel bitbet unb alö foleber in bie neue ^rorinjialorgani' 
falion ber lürfei unter bem Samen Silajet von Äonia 
übergegangen in Sic ®rcnjen von Äaramanien waren 
niebt immer gleich, inbrm im SBeften SKrntefcbcb, im ©ü* 
ben 3tf<^ ' 31 unb im Djlen Äaiffarieh gelegentlich fein» 
jugefügt unb wietcr abgetrennt würben, .freute umfafit 
ba* Silajet bie folgenbtn fünf ganbfehat'*: 

1) Äonia, im Sorben von ber ©aljwüfte unb bem Sila» 
jet ilnaora, ©anbfcbaf 3ufgat, im Dften von bem ©anb» 
fdjaf Sigbeb, im Süben von bem Silajet Slbana, ©anbfcbaf 
3tfd}«3l unb 2efjeb, im SBeften ton ben Sanb- 
febafö Surbur (grfprocben Sulbur), £amib unb Stfiün* 
Äara * «friffdr, ju bem Silajet (Sbobawenbfjdr gehörig, bc« 
grenjt, enthält bie folgrnben Äafa* unb Sabien: Äonia, 
€uberbt, Gbatün «Srrai, Saib'3li, Äara»Svnär, Sut* 
nun", @regli, Sola, Äaramän, ©feafrbdb, Söe-Äor, Sil' 
werän, (Sbibim, Sllabagb, £ibi«€cbebri, ®übfd)i, Sei» 
febebri, Äpr-31i, Seffdjar, Slffdjebr, Sogbün<#ijiär, 
Surgbubumlu, Sfdjibanbegli, 3lgbt?n, Slrglnb'ßbän mit 
bem Somabenfiamme Sefcbwdn, 3dpeffa« unb Äoifcb« 
biffdr. 

2) üefjeb, im Sorben von ben ©anbfdjaf* Surbut 
(Sulbur) unb Äonia, im Dften von bem Silajet Slbana, 
6anbfd)af 3tfa>3t, im ©üben com SRiltelmeer unb im 
SBeften vom iBilajet SJibin, ©anbfcbaf SJcentefcbeb, be» 
grenjt, enlbält bie folgenden Saint unb Labien: üefjeb, 
Sntalia (Slbalia) mit SRürit, Slftanö*, Ävfol'Äaja, ®er» 
mefi mit Äara*#awu*, Subfdjaf mit £c*ni, ©erpef, 
SReiÜi, Seftb'Äonaf, «laljjeb (fpr. SHaja), SHutdroigbät, 
ßlmal», ÄdtbUfcb mit ginifrb, «ffofi unb Äafd>. 

3) Aamtb, im Sorben com Silajet ßhobawenbfjdr, 
©anbfcbaf Slfiüii'Äara'£ilTdr, im Eft™ »""u ©«nb» 
febaf Äonia, im Süben vom ©anbfcbaf Surbur (Sulour) 
unb im SBeften von ben Silajet« Slibin, ©anbfcbaf Hi> 
bin, unb (Sbobaroenbfjär, Sanbfdjaf Aara'^iffir, be< 
grenjt, enthält bie Äafa0 unb Sabien: Aamib, 30oärta, 
©jöndnv, Äetfa>ibur(u, (Sgerbir, *Pd«vl», »gb«», 3ärvla, 
Äara'SIgbatfcb mit (Sfjdjäb (Sfftbär?), 3alon)abfd) mit 
(Sbatvirdn, Uluburlu mit @jonän. 

4) Surbur, im Sorben von bem €anb|d)at $amt'b, 
im Cftfit von bem Sanbfdjaf Äonia, im (süben von 
bem @anbfd)af Sefjeb unb im SBeften von bem €anb> 
l'djaf $amib begrenjt, entbdlt bie Äafa« unb Sabten: 
»urbur (©ulbur) mit 3nbfairli. «gblafvn, Sefti, Äje« 
mhib. ®iölbiffäri, «^Äara.iHgbatfa) mit 3a»ibf*eb 
nnb ?)rla. 

5) Stgbeb, im Sorben vom Silajet »ngora, Sanb« 
ftfcaf Äi)r>6<bebir unb <5anbfrf>af ÄaifTarieb, im Cfien 
vom Silajct Slbana, €anbfö>af «bona unb Ganbfdjaf 
Äofan, im 6übm vom Silajet «bona, ©anbfa)af «bona, 



unb im SBeften vom €anbfd)af Äonia unb ber €alj« 
wüfre begrenjt, entbält bie folgenben Äafa« unb Sabien: 
Sigbeb, Äaranif, Sör, SJnbögbi?, Ifcbeffäm Slrbi, S5ere- 
felli (»erefetli SKaben»), €*ebfd>d 'eb«2)in, «fferdi Sero« 
fdjebir, ®barbifün, «rfüb, 3abjdlv, 3li'Äoifa>$iffär. 

Äaramanien liegt alfo tiad) ben vorftebenben bem 
türf. 6laal6banbbua>e vom 3. 12U7 ber gluibt ent' 
lehnten üngaben jwifa>en 27,» unb 33 ®rab öftl. 11. unb 
jroiübcn 3b,e unb 38,s @rab nörbl. 9r. unb erfrredFt 
fid), bad neu binjugefägte fäblirbe (Srenjlanb 'Xefjeb ab< 
gereebnet, über ben am roenigfren gefegneten Irei'. 
Äleiuaften6, ein üafeüanb, weld}e<, burd) bad t& im 
roeiten Sogen füb' unb ofhvärtö umfaffenbe Zäunt» 
gebirge von feiner natürlidjen SBerbinbung mit bem SRectc 
abgefdjnitten, be6 Hbfluftee für feine ffierodffer enlbebrt 
unb biefelben al« Sanbfeen, 6ümpfe unb roeite ?ad)en 
bei ficb behalten mu^, bifl bie Sonne unb bie SBinbe 
fie auftrodnen. 3)ie fidj bitrau« ergebenben periobifdjen 
Ueberfd)wemmungen ftnb aber nid?l ber einige gebler 
tee Sobend, vielmebr b;t berfelbe auf weite Strerfen 
burtbaut bie ^igenfebaften eined unfrud}tbaren Gteppen« 
lanbetf. Sie Duellen iitib dufjerfi feiten unb fehlen hier 
unb ba auf Zagereifenrocite voOßdnbig, fobajj bie nad) 
bem 3urudgeben ber Ueberfebroemmungen auffprie^enben 
Ärduter nidjt einmal ald Siebroeibe verroertbet werben 
fönnen. €teDenweife ift ba* @rbreidj fo nitron* unb 
faljbaltig, ba? überhaupt feine Vegetation bafelbfi ftcu 
ftnbet. Sie im aitertbum von ben ©riedjen einjdnen 
Jbfilm Älelnaftenö gegebenen Seinamen «rvlo« unb 
Äatafefaumene würben nod> heutigentage« für Äara» 
manien ihre voDftdnbige Sered)tigung hoben. Sie nn 
lofe ®leid)förmigfeit ber (Sbene wirb burd) rinjelne au* 
ihr ju bebeutenber ^öbe aufragenbe ifolirte *Bicfl, meifien* 
aufgebrannte Sulfanc, unb burd) von bem Sanbgebirge 
gegen ba« 3nnere ftdj loöjweigenbe §öhenj|üge unter« 
brodjen. So nbebt ftd> im Sorben ber Sarv«Su(a( unb 
ber ÄartahSagbv, im Dften ber Äegel be6 ^affan* 
Sagbv unb im Süben höber a!0 alle anbere ber Äara» 
bagb mit 2500 Weier hoher ©pifre, fowie im Seften 
ber (Smir-Sagbv unb ber ©u(tan«SaghV- Wanüe 
biefer Serge geben Duellen unb giüffen ben Urfprung, 
weld)e in ihrem Sereidje einen von ben benad)barten Ort« 
fa>aften au* betriebenen mannirbfadjen 9lnbau geftalten. 
Äaum minber wid)tig für bie ©eftaliung Ttnb auch bie fid) 
bem Sfuge wenig bemerflid) madjencen SobenweOeu bei 
Sbene, welche biefe in verfebiebene groie Setfen tbeilen unb 
bie winter(ia>c Ueberfcbmfmmung in gewiffe ©renken weifen. 
Sen tieften •Iheil biefer Srden bitben hier unb ba ©een, 
wie im Sorboften ber grofie 2uP'®iöIü unb ber Äjut« 
f(buf«®iöl, im Dften ein anberer 2uf*®jölü unb ber 
«fgjöl, im SBeften ber 9Iffdjebir'@iötü, ber3lgnn*®jölü, 
ber Sejfd)ehir»@jölü, ber ®amirdn unb ber (Sgerbir* 
®iölü u. a. m. Son giüffen ift ber ^alp« }u erwähnen, 
iveldjer eine ©trede weit bie ©renje be* ©anbfdwf* von 
Sigbeb gegen ba* Sifajet von Sfngora Mit et; bie übri« 
gen, ob fie nun Sinnenfeen fpeifen, ober bem ®ibün in 
(iilicien nuftrömen, obn nach furjem Saufe in Den fata* 
lifdjen fflolf münben, |hb fdmmtlid; unbebeutenb. - 



Digitized by Google 



KARALIAMEN 



- 30 — 



KARAMAMEN 



Im* ttr Hl ■man Serfcöltmie int rnnmjig; mit 
mmtaatmc I« bafem btfdm « *im*c-?iridxrt JlüBrnlaarer 
tat Kr jcmipgscrra ©{aaenlaarfi^ti $in>ien leitet 
ffmiimi sm eben'» rober SmieTfalte sie ob glii» 
bester S*nsterttse: Äirber x«t je gewines 3^ttt*< 
lata ix w §a|cm ¥trrtsj entexrieb, unt SWit, «V* 
Ist, 'twie alot assednre Araafbeuen bsitea immer 
rr-te gnia ftfealxs. X*» Mc ?ri;fmin^ re* 
$»*üitf* jms Mn gräet ri, rri£emt za<b Scriieben* 
fem fecgmf1id>; «st mess e* im Süenbame taidtü reid>e 
bsS Uaftafec Statu gab, tnm Samen lust in (h- 
hiui 'eses, *e is $s fcfrirfüitn^ra , tag teni tiefe 
6tgin.ua tu gxrfe £as»et#«raje ren ter icni'Cben 
Jtkkt *a± S-rrics €eb haua, eise Strafe, wr!d>e ta* 
ull eise« Steves IbrJ re# Serfrfcr* «wi'~d>en (furrpa 
sst N"» radttea lösten Säest rermhtelte. ÄUer* 
tragt fibrt asm kernte He ^cerirrase ren (Feajtannao' 
yd aa& Srncs äbrt Aecia; aber abgeüben raren, tafi 
feie vra ibr betsbrtes, tobet w blibesten Saat« fdmmt« 
lim retzrmt int, bot tu feinem »c gewaltig enrwidelte 
Sdwnabn tersraaea Saateemmasuaiienen ifctt Beteurung 
fir res fersen S&aaresrerfebr junemeen. — Xie Ure« 
tsftt tie»e* Ibeil* rem Jtletaonen fennen nie ren gre jer 
BetemtBBg geweint ihn; beste beidrdafen fte ftdb auf 
Sali, wtiÄ<< Ii ifengf ren ten 2 all ' er r. gewonnen tritt, 
asf Salpeter, Ärarr , ©jnmweüe , (Selbbeere (Rhunnus 
tinetorias). Sefam, Seius, ©erftr, fcirie im cüben 
Cüremil, Bern, Cts sab taJL, wein ne4 feie ^retufte 
feex mit S«rliebc betriebenen $ieb;n<fct, itafe, Äedjtuittt, 
StOt, £aBte, eatlid} £cig nat in tta Uferldnreni 
te* Süulmeerr* Seiteaeccrn* femmen. Xie Bereife« 
rüg in rerwiegent tnrfifdKr Slarionalaät, t. b. eine au* 
bei }aa 3*1 jbi Bbetgcttr»aen flato<btbcn<n unt ten 
maöeafcjft eiBgesuntertra fettK&ufi''a>tn Znrfrn fniüan« 
teic Bit jm teeegena gorm gdaagte 9Rifd>ling«rajfe 
tütftfa^ea 3tum*. Xit biet uat ta in fiarfm ^rmrin- 
bei rertmenen ®rw*ea türftra alt unrafälfifctf 9tad}< 
fomrnra bei altes rrfarni«, $tnriet a. f. tc. ;u tetia$(rn 
fei». laaeben natea nd> anm fafc überaQ in trn 
Statten flrmrnier. Satliit (ieben in gewiffen an bic 
(Ebene grrn}enten 9tbirg6aegrnten jtrei rerfdbietrnc tut* 
fifa>e 9Umatea- Stimme, tie 3uruf unt tie lutfmanrn, 
mit ifcr'a Renten umbet, uat im SaatfdMf 9?igtrb 
nirft man jb 3eüen Jlstben. Tie Umgang4fptaa>e ift 
fsgai nntet ten (Srirften unt Sltmeniera ted ^antetf tie 
mtfitefee, aelibe tie frnbrte ariecbif&e Sante«fptaa>e cbenfo 
rettTdBgt bat mie rot 3eitrs tiefe felber tie alten nein» 
aftanfaVn 3ttome. 

Unfern arftbidtUAen SüifbUd befa^tänfen trit auf 
tie Stu, reo tie uaut bem Kamen Aatamanicn vetrintg' 
ten ?dnber fut }irei 3«>brbBBtette einen fclbjianbiaen 
Staat bilteten, ta ne retber feit ibtrt (sreberung tuta> 
tie Werfet unter tiefen, unter ten Staffloniern, unter 
ben Stömern unt unter ten Seltfd>ufcn, wie naebbtr 
unter ten Ctfmanen immer aar tad @efammtf(bi(ffa( 
Aletnafien« getb/ilt baben. Sic apülftfaueflen ftnb gf 
ring; eine eigene 8iteratnr baben iene ®ebiete nie bc* 
feffen, nnb bie griecb,ifc»e Ktrratur, n?e!d)e jun j*ft berufen 



n>at, fix feen 9tasgd erajBKebea. jLttet in feiten 0e« 
legeabeit, te* meber SairbsEter nc<t> SSafn-Bitigfeitea 
bietenten ^aate* gebesfes. ^(hane«! bewant in tem 
feinem Uatergange i'iti mtgegea^ebeaten C irre mit d>oi 
Aji'ermaje ein gevtne* 3*terrne rsr ten faromanif<ten 
Staat, mdtbe* Rd> an« ter 3nterti«eBgemnaf(baft, ter 
beiten gemetnfameB Sa^n ret tem Cfaasenreiite, ge« 
nngt'am etflän, nnt fe Säten iaj oscb bei ten fpäterra 
brjannnifaxa ^üenfera mertbrclle 9ted)en aber tie 
inneren heiujiatifdyn 3?egeteEbeuen. JteJc<t ttnb tie* 
fribem «ereinieü, unt nnt bki, am ten garen nitfet ju 
rerlieren, auf tie rutfifcte ^t^ehegrapbte angnriefca, 
bei berca f?enuenng nnt na* teigtgemvättigen muffen, 
tag tie Omaner me-.ven* in effiaetter SteOang fttne 
ben, nnt felbji trenn ne fieb |B etan rein ebj«trren auf« 
faftnng erbeben fennten, ni<bt immer tragen turften, ter« 
felbes f&nftUdKB lattcmf jm geben. Sir folgen biet 
t aup :mAI;4 tem Jana? « i < Qüli^en • t • SSeorif, tiner auf 
ben betten CatUen berabenbem mit ren ten turftfd>en 
©tlt'onen al* rcriBg*nrei't Bnparteiifa> tetraa>teten Sern« 
püattca *). treibe hnli± i£en, Bxil it ibre ISütbetlun' 
gen ren Jtaramanten [ettglid tem i? mite ven ter c*< 
maat'iteB SeiO>*grfcbicbte nnterertnet , weit entfernt iÄ, 
aüe Katbfei ta lefen. <*ic.i ;a ünfaog bleibt ter Ur« 
(prang te* Staat* ebenfe tanfei nie ter Untergang te* 
Sultanat* ren 3«mum, au* tem Jtaramanten berrcr« 
ging; n>ir etfabrrn nio>t einaal, eb Jljraman ter Käme 
eine* Stamme*, einet (jamilit cter eine* 3ntirHtuum*, 
te* Stiftet* ter Xvnanie, geveicn. Ueberbanpt erfab/ren 
nnt ntebt* ren naem iattritaellen Jtaroman; ten iSu** 
trnel Jtatamaa « Cablu , Aaramaa * Scba, aber türfen 
wir nia>t tpönlid) f'affen, ta a na4> tem Sprad>gebraua>e 
jener 3eit nut ten erften SertreteT te* j^aufe* beteutet. 
3n ter ilnfang*gefibicbte te* C*manenteicb* im 13. 
3abrb. finten wir neben tiefem eine flnjabl tem Ur- 
tprunge nad) ibm verwanttn türf-.'i mcbammetantfa>et 
Staaten in Äleinaäer. ret, unter tenen Äaraman, al* 
tie gefeierte &»te*bauprjtatt ter Selt>d>ufea, Äc nta, etn> 
fcblie&ent, wel eine* befoBtem ftnfrben* genießen mr4}te. 
O'liiJitif Jtämpfe gegen ibre a>njtli<&eri Stad)barn, tie 
neu) unabbdngigen $riea>en f?itbrnien*, gaben ten C#> 
manen bale ein militdrifdK* unt pelinfa>e* Uftcr« 
gewittt untet i(te*gleid > en , uat femit tie flu*ndu auf 
vtieirigung ter rerterblid>en Äleinwaaterei nnt ®ietet' 
berftellung ter mit tem Seltftbufen SetdH rerfd)wunbenen 
?ante*einbeit. Sd)cn Crd>an baue ten Staat Jtatafn 
ebne Siücfftdjt auf tie Sertiroite te* Serbenfter* nm 
feinen $kter C*man mit Saffengewalt ni angeeignet unt 
tamit tie Unterwerfung aua> ter mebammrtanifa>en Kad?' 
barn eingeleitet. Irr Siege*lauf feine* Srbne* Slu« 
rat I. tnrd> Xumehen unt ta* rafa>e flnwacbfen feiner 
iKaa>t ei füllte taber tie anatr4ifa>cn Xpnaüen mit 9e« 
fetgnip, unt ter 9eg ren AoTamanien fud>tr ein aQ' 
gemeine* S?üntnip tet gürjtrn gegen ten Sultan ju 
ctante )u bringen, ■riefet unterfcbdfte tie @efabt niebt, 



•) taiia» i'WäU'dKi't'ftcmf. Qmwto im «eUazH*et<l 
m X 125* ttt 5la*t. 



Digitized by Google 



KARAMAMEN — ZI - 



KAKAMANIEN 



bie it-m t-amit ttcHr, fonbern fam im 3- 13G1 von 9tu- 
melien In- n'tbir, unb bradjte r rm von feinen SBibcrfadjern 
arfammeltrn $eere bei Slngora eine 9iieber(age bei, wcld*r 
e labt infolge beffen ftctj ihm übergeben mußte, ffit Mf« 
fem (STfolge ließ er fiel) um fc mehr genügen, al« ber 
S?eg von Äutahia, nunmehr vrn Offen unb von SBeften 
bebroht, an ber SRöglicfcfeit ber «ufTrdjterhaltung feiner 
llnabbdngigfrit verjrorifeltc unb fid) freiwillig unterwarf. 
SKurab fdjeint banial« ftd) ber Hoffnung Eingegeben ju 
Itaben, er rterbe bie gürflen hinfort überbau?« auf frteb- 
lidjem JBege au fitt) jieben fönnen; nldjl blo«, bat) er 
feinen Sohn ©ajafib 3»?lbmvm mit einer lobtet be6 
SJrg von Jlutabia verbeiratbete, gab er feine eigene Iod>- 
ter brm 8Hi<5?eg«Äaramanogb!u jum üBeibe. Unmittel' 
bar barauf aber taufte er von bem wefHicben ©ren mad)< 
bar feine« neuen <Ett)wiegerfohn«, bem Surften von ^>a« 
mit, .jjufJein-SBeg, welcher, fo ftbeint e«, von Äara- 
manirii nidjt al« touverän anerfannt würbe, fünf geflnn« 
gen, ndmlidj $eg-gdiebri, <Sibi-S(behri, 3alowabfdJ, 
Äara-Slgbatfd) unb 3«bärta für (Selb nad) aUeu für 
©runberwerb vom i*!amitifd>rn 9ted)t vorgefebrirbenen 
görinlicbfriten. Tie« erbitterte bert 8tli-©eg; er ver- 
bünbete ftd» mit mebreren oftfleinaftatifdjen £crrfd)ern, un- 
ter anbern mit bem 5)eg von 3?aibutt, mit Notaren unb 
Surfmanen, unb rürtle in ba« (Sebiet von $amib ein. 9Wu-- 
rat> fah üct) baburd) ju frbleunigen ©cgenmaßregeln veran- 
laßt; er fütjrtr faft fein gefammle« jteggeivobntr« rüme- 
fictifatjcA £eer, cinfdjlirßlid) einer fbrifiltdjr:: (253! aM) 
4jülf«trupp< von 2000 Wann, über ben {trllrftpont ge» 
gen ben geinb. ©ei Äonia trafen bic {teere jufammen; 
Slli-Scg rourbe gefdjlagen unb genötbigt, um grieben ju 
bitten, welcher ihm aud> auf bir gürbitte feiner ©emab- 
lin, SRurab'« lodster, gegen £erauögabe ber im 8anbe 
$amib gemachten Eroberungen, alfo unter ben Urnfldn» 
ben nad) feljr günftigen ©ebiitgungen, gewdtjrt rourbe. — 
»cd) aWurab 1 « L lobe (1388) lies fein Sot)n unb 
fRadjfolger, ber (Sultan ©ajafib 3vlbvr»m, fid) junddift 
bie voQßänbigr Unterwerfung ber gürflen SBcfl-JUrin- 
afirn« mit vcrbopprltem (Ufer angelegen fein unb regte 
baburd) bie nod) felbftdnbigen üi gemeinfcbafllicbcm 
9ßiberftanbc auf. Unter biefen roar nad) rlli-Seg Äa- 
rainanogblu ber gürft von Jtaflamuni, Jtjöiürüm 23njaflb« 
S5eg, ber bebcutenbfte; e« gehörte baju aud> bergürfl von 
lefjch ©ermian Oghlu 3afüb<$rg. 9?od) bevor biefe 
beiben letjterrn in bie Slction eingetreten waten, hatte ber 
Sultan Sajaftb mit ber Sdmelligfeit, bie ihm ben Bei- 
namen 3blb»t»m „SEBetterftrabr eingetragen, bie gürflen 
von Sarudjan, Stirn: unb 9J?eutrfd)eb verjagt, mar bann 
i.t ba* Sanb Srfjeb eingefallen unb tjatte ben ©ermian 
Cgblu jur Untertverfung grpungen, hotte bie ©ertval' 
tung ber neu erworbenen SEeftprovinjen georbnrt, unb 
rüttle nunmehr gegen bengürften von jfaramanien 9li>9rg, 
feinen 6d?ivager, welcher tvieberum von bem Sanbc^ä« 
mib ©efip ergriffen halte. 2)ie Aaramanier wagten m'djt 
6tanb ju halten, fonbern jogen ftd) fdjleunig jurürf. 
Sajafib erfdjien vor Äonla, meld>e« f!d> ihm ergeben 
mußte, eroberte «fftbebir, «fferai unb fogar ba« ferne 
SUgbet) unb jwang ben «li«99eg ju einem grieben, in 



weiden bem Sieger ba« ganje ©ebiet bffl an ben gluß 
2fd»erfchembeb*eui förmlid) abgetreten wurbe, fobaß bie 
taramanifdje ^errfdjaft jid) auf ba« 2auru«gebirge mit 
ben Xißriclen Sdrauba ober Jtaramdn unb 2afd) =3li be« 
fcbrdnfic t?« gefdjab bie« im 3. 1390. Sajafib »er- 
ließ ba« ?anb, nad>bem er in bie eroberte SJrovini einen 
feiner erfabrenften gührer, 2imur lafcb.^afttja, al« Statt- 
balter etugefeßt baite. 9&fd)t«bejioweniger wagte «Ii- 23ea 
auf bie evmvatbfen ber ®ewof)net jener 2änber für fefrl 
^au* unb ihren SCibcrrciUen gegen bie d«manen batienb, 
al*balb jur ffiiebergewinnung be« Verlorenen «nfialten 
iu treffen. (Jr befiegelte bainit feinen Untergang; benn 
fofort war »ajafib wieber jur SteHe unb brachte ihm 
eine vernid)teube 9?ieberlage bei, ix ber er fammt feinem 
€obne in o«nianifd>e Oefangenfdjaft gerietb. aii-Bea 
wurbe feinem erbitterten ©egner Simur 2afd) lur f>ut 
Ub i r Ä:A er wle bif »fl'«f*»n £i|loriograpben 
auebrucflia) hervorheben, au« perfönlid)er geinbfdiaft ohne 
ermddbtigung feine« ©tbietrr« umbringen ließ SBabr- 
fdjeinlicb war ber Sultan mit ber S&H, bie ihn von 
emem gefährlichen SBiberfadjer befreite, burdjau« einver- 
panben, mußte aber, ba e* fidj um einen ibm verfct)wctgerten 
güriien au« berühmtem £aufe hanbelte, färben bie lllema 
ber heiligen gtact Äonia inflgebeim $ropaganba machten 
ber offentlidjen «Weinung in ber i«lamitifd?en ffielt «Redjnunq 
rrageu. «u<b jum 33erftänbniß ber nun folgenben Grr» 
eigntiie hat mau fid) biefe 9lüct|lcbt gegenwärtig ju bal- 
len, lieber bie Beugeftaltung, welche bunt) «li-Scg'a 
Jfataitrophe nothwenbig wurbe, t&eilt ber larid) nicht« 
mit jfbod) bürfen wir fd)Heßen, baß ber Sultan feine«, 
weg« bie dußerften ßonfeauenien feine« Siege« jog, fon- 
bern baß er bie autonome £rrrfd)aft von Äaramanien 
innerhalb ber bem Äli-Seg angewiefenen ©renjen be- 
ließ, unb baß mit feiner Genehmigung ein anberer Sproß 
be« ^auie«, TOcr;ammeb'Seg Jfaramanogblu — viel* 
leicht ber mit bem «Bater gefangene Sohn SUi-SJeg'« — 
bie 3ügel ber Regierung ergriff, lieber ba« Dörnanenteict) 
brad; nunmehr jum erilen mal feit feinem Seftehen ein 
fdjwere« Unheil herein ; hergerufen von ben fleinaßatifcben 
gürflen, griff ber gewaltige 9Rongolent)errfct)er Simur 
ben Sultan Sajaftb an, fdjlug ihn im 3. 1402 
bei «ngora, uabm ihn gefangen unb burdjjog, ohne wei- 
teren göiberftanb ju finben, bie ?dnbet, von benen bie 
oflmanifcfce SWacfct ausgegangen. 9?ad? einjdt)riger ®e» 
fangenfdiaft flarb ©ajaftb ju «ffdjebtr in {»amib, einer 
ber von ÜXurab fduflid) erworbenen geftungen, in weldje 
ihn Simur hatte bringen (äffen. @r hatte für bie 
übronfolge feine SSefrimmungen getroffen, unb fo bradj 
benn nad> bem Kbjugr ber Mongolen au« Jtleinaften 
ein blutiger 3n>ift für mehr a(« jwei Sufrren unter 
feinen brei Söhnen um bie Ärone au«. Jtaramanien« 
geflieht »vdhrenb aU biefer Gegebenheiten im 2aria> 
feine tirwähnung. (Jrft au« bem 3abre U10 erfahren 
wir, baß Suleiman, genannt ßmir Sultan, ber dlteft« 
von Sajafib'« Söhnen, weldjer in Äieinaften betrete, 
auf bie Jtunbe, ber von ihm jur $ulbigung entbotene 
gürft von Raramanien, Wohammeb-Seg, weigere fid) 
ju erfctjeinen unb gebenfe it)u, ben Suleiman, bei ndd)t- 



Digitized by Google 



KARAMANIEN 



- 33 



KARAMANIEN 



liehet SBeile ju überfallen, ba« t"anb butdj feinen gelb» 
nenn Hwrano«-3ieg mit Ärieg übersehen lief, baß SDio« 
batnmfti$eg nach afferat (welche« er alfo wiebetgewonnen) 
flüchtete unp fcbließlidj f»<b baburch rettete, baß er Die 
•Ödlfte feined Gfcbiet« bem ^weiten Sohne 93ajafib'«, 
SRobammeb, genannt Sultan üfcbelebi, brm gefürdjteten 
Nebenbuhler Suleimau'«, verehrte. (Srnftlid) war biefe 
Schenfung nicht gemeint, benn als im 3. 1413 na dt 
Sulciman'« lobe Sultan Vcobamineb gegen ben jüii' 
gjrcn 5)ruber SDiüffa, weldjrr fiefc in SÜumelien al« 
(Sultan Hnerfennung vert'cbajft taue, Ärfrß führte unb 
feine Hrmee von Jtleinafien nach Jbtafien hinüber' 
geführt hatte, brach Jtaraman»Dghlu 3Rohammcb«$rg in 
ba« Worttngebirt ein unb türftc in fcbleuuigem «Warfdjc 
bi« cor Sruffa, wn »o er nad) 35--tdgiger vergeblicher 
Belagerung erft wieber abjog, alfl bie £eidje be« in- 
jroifdjen gefallenen s ])lüffa, auf beffen (frfolge er qebaut 
hatte, jur 33rftattung Dafelbfi eintraf. Sultan Mohorn« 
ntrb'fl v j?ücf fefir ließ fiefc nun in furjeni erwarten, unb fe 
eilte SJcobammefc'^eg beim in feine ^»errfdjaft, welche er 
über bie friibete (anbeflgrenje binauö um einen ibeil 
von Jipamib vergrößert hatte. Die« (entere ffiebiet, bie 
Ijouiibifcben geftungen 93eg»Schebri unb Sibi'Scbebri, 
jwang ifjn im folgenbtn 3- 1414 ber Sultan, inbem 
er »erfönlicb mit Iruppen beranrüdte, wieber berauflju« 
geben ; weitete Cpfer aber würben ibm nicht jugemutbet, 
von ber »ajafib'fchen ©renje am Ifcberfcbembeb'Sui ift 
auffallenDerweife feine Nebe. 5>en auf fo glimpfliebe 
39ebinguitgen bin ibm gewährten grüben brad) gleidjmol 
SJcobammeb'SBeg, alt? er eine SBeile barauf ben Sultan 
mit 9tiebeTWerfung eint« Slufftanbe« in brr ^JJrovini 
3)fcbanif im heften von Irapejunt befefeäftigt wußte, 
unb rürfte wirberum in ^amib ein. 3eboch würbe er, 
wie ber laricb beridytet, Putdj einen gelbberrn be« 
Sultane" Nlobamnu'b, mit tarnen Sajaftb'^afaja, ge* 
fcblagen unb gerietb fammt feinem Sohne SRuftafa in 
türfifebe Äriegflgefangenfebaft. Der Sultan, beißt efl 
ohne weitere grfldrung fobann, habe Ihn begnabigt unb 
in feine £enfd>aft wiener ringefe&t; al« er aber Darauf 
ftaat«recbt«wlbrig bie Belagerung bet geftung »Dalia am 
SRittelmeere unternommen, bo.be er, von einet ttanonen< 
fugel jerfebmettert, Po« 8eben verloren. — 3n bet ®t« 
febichte Äaramanitn« ift biet wiebet eine Öüde ju be» 
flogen, bie ftdj au« bem blo« fecunbdten 3ntettffe ber 
türfifeben ,£>iftoriograpben an bem Gegeben ber £crr» 
fd)aft erflärt. Sultan SDtohammeb I. fanb füt ben Ncjl 
feinet Negietung feine SBeranlaffung, ben deinen Nachbar« 
ftaat ju beunrubigen, von welkem vielleicht bamal« au* 
irgenbeinem ©runbe bei alte Sfnfvrud) auf {»amib 
nid)t gcltenb gemadjt würbe. Huf SRob^ammeb folgte 
im 3abre 1421 fein Sobn Wurdb IL, welcben feine 
Jtriege mit Sübflawen, Ungarn, ftlbanefen unb 2Ba- 
ladjen vorwiegenb an (Suropa feffelten. 6o feblen und 
benn über bie SBieberbefeQung M burd) SRo^ammeb' 
Seg'0 lob erlebigten Jbroneö bie unmittelbaren 9?ad)' 
ridjteti, unb etft nue bem 3<>6te 1430 rrfe^en wit, baß 
3btabim»<Btg, gürft von Äatamanien, offenbat ein 
Sproß bet alten Q^nafiie, über beffen iBerwanbtfdjaftd' 



verbdlrniß ju feinem 93orf«bren aRobammeb^Stg wir 
aber im llnfiaren bleiben, wieberum in £amib einge- 
rüdt war. SWurdb IL fanbte Iruppen gegen ibn unb 
notbigte ibn, nid)t Mo« Serjidjt ju leijten, fonbetn aud>, 
um fein fernete« SBoblverbalten ju verbürgen , feinen 
Sobn ] ; it »Slbmeb an ben ^>of tei Sultan« al« ®eifet 
}u fenben. (Der Umfianb, Paß ein anbetet fatamani* 
tdjer ^rini, 3dbaf'9cg, fid) gleidi barauf an ben Äof 
be« ber Pforte feinblid) gefilmten Sdjab« von perlten 
begab, ließ aOerbing« bie 9lbfid)ten 3brabim « Seg'« in 
jweifelbaftem ?id)te erfdjeinen; jePod) würbe bi« ju *Ku* 
rab'« lobe 1451 ber griebe niebt unterbrodjen. Dann 
aber fiel 3brabim » 33eg , offenbat ben Ibjr<mwed>(el al« 
eine günftige ©elegenbeit berradjtenD, wieberum in $a« 
miP ein, ba« er eroberte, wdbrrnb von ibm au«gefanttc 
Srupptn fengenb unb brennenb bie üänbet SWtntefdjel) 
unb Slibin outd>jogcn unb fogar Jfutabia btlagtrten. 
s JKurat>'d 9iad)foiger, Per gewaltige WobammeP IL, 
weldjer bamal« bie Eroberung (Fouftantinopel« plante, 
befd}(oß nunmebr, biefe ftete vtunrubigung gritnblid) ju 
befeitigen. 3u biefem 33rbufc ernannte et Pen 3«baf* 
$afd)a, einen bewdbrten ^eerfübrer, jum Seglerbeg von 
9natolien unb ließ ibn, um fein @ebiet vot weitetem 
llnbeil ju fdjü^en, fofort wißer Sbra^im'Beg vorgeben. 
Den Spuren jene« folgenb, führte et bann felber einen 
gntügenben Srudjtbeil feiner rumeliotifdjen »rmet übn- 
ben Aeüe«pont nad) Äaramanien, wobin ftd) 3brabim- 
99eg fdjleuiu i jurüefgejogen hatte. gBicrrfianb war ntd)t 
möglid), unb ohne allen Aufenthalt enetd}te Per Sultan 
J?onia, welche« bei biefet Gelegenheit au«brürf(id) al« 
bic ^auptftabt von Jtaramanien bejeidjnet wirb. Dem 
um @nabe flrbcnbcu gürfien würbe von ba ber griebe 
bictirt. Unb wieber war bie 99ebanb(ung wie e« fa)rint, 
auf 3nterreffton ber Utema, eine glimpfliche; 3bTahim 
behielt al« 9)afal( ber Pforte fein Var.r, er fanbte feine 
Zodjter al« ©emat)lin Pe« Sultan« in ba« großhenlidje 
Aarem unb verpflia>tete ftd?, feinem Sdjwiegerfohne hin« 
fort £eere«folge ju [elften. Cb biefe [entere ©ebingung 
iur «u«fübrung gefommen, ift wol nicht nadjjuwtil'en ; 
alfl aber im 3- 1459 Ävfvl «lb,mcb, ein «nfel be« 
3*fenbtär' Seg von Aaftamuni, vor bem Sultan nad} 
Jruramanien floh, verweigerte ihm 3brabtm bie Huf' 
nähme. 3m 3<>bre 1464 ftarb 3brabim unb hinterließ 
bie beiben bereit« erwähnten Sdhne, von benen bet eine, 
$ir Slhmeb-Setj, am 4?ofe bM Sultan«, unb ber anbere, 
3«baF'33ea, in ber Umgebung Pe« £>err(d}erfl von $erfien, 
Ufün <6affan (b. i. Per lange ^affan, gewohnlich arabifcb 
H.ct Tawll [f.b.j genannt), lebte. Vcohammebü. ernannte 
Pen $tr abmeb'Seg ,<um Nachfolger feine« 93ater«, unb 
beauftragte bie Sanbfchaf'Sßeg« von Säfarra unb «n« 
tiochien, ihn, ben al« türfifchen Schübling im ?anbe übel 
angefebenen, in feine SJürbc einjufühten. Nun fanbte 
abet auch Ufün £afian ben 3«bäf»3&eg mit Sappen, 
um feine Hnfptüche auf Pen väterlichen Ihren geltenP 
)u machen. <S« fam jut Schlacht, bfe Zataten 3elüf'9 
würben gefchlagen, unb et fetbet floh ju feinem $3e< 
fchüfter, an befieu ^iofe er ftarb. *J}ic ab,meb«3)eg feinet« 
feit« genoß feine fflürbe nicht lange. 2>et md^tigen 



Digitized by Google 



I 

KAHAMANIEN - 3 

griffigen Strömung unter feinen Unterthanen nadtgebenb, 
empörte auch rr ftd) gegen ffinrn fimn unb SBobltbätcr, 
roricber nunmehr bem unruhigen Safattenftaate rin Gnbe 
ju machen befcblofj. 3u biefcm Schüfe crfdjirn tinft ber 
Heerführer betf Sultan«, Scrhemeb'Safdja, mit einem 
4jtete in Äaramai n eroberte Äonia unb Säranba 
(tfaramau) unb nahm baö gange Sanb für ben Sultan 
In 99ef«8. (Sine Slngabl Angehöriger be« gürfienqaufe« 
rcurbe nach (Sonfiautiuopcl, nunmehr ber 9lrich«baupt' 
tuet, gefanbt unb bort hingerichtet; brm Sir '.Ihmeo« 
Srg felber gelang r« <u entrinnen. Irin anberrr Spröj»» 
ling be« f)aufc6, Durgbub ©ghfu, welchem ber Safcba, 
tem türfifdjen Srauebe gcmäfj, um bie frieblidie An« 
nähme bet Sfortcnbervi'djaft bei ber Sevölfrrung ju 
rririebtern, at« gro<iberrlid>em Scannen bie Statthalter« 
reürbe übertragen wellte, entgog ftd) biefer ©nabe, bie ihn 
uvifdfcn fem Sultan unb gwifchen feinen eingebilbeten 
unb (>od)fal)renben S!anb«lculen in bie fdjwierigfie Sage 
gebracht gaben mürbe, burd) bie glud)l, fobaf» ber Safcba, 
um bie ftmfcbafi gu befeftigen, gu jablrricben Serbe n« 
nungrn vornehmer Äaramanier febrriten niufjtc. SRah« 
mub'« SRadjfolger, SDichemcb'Safrha, ging nod) rücffittiiö» 
lofer r>or, inbem er fegar einen Siachfommen be* als 
Jpriligcn verehrten theofophifeben Siebter« 2)fdje'ül • f b« 
itr. rHiinu von Jtonfa »erbannte, worüber in ber. Ulan .. 
frrifen be« gefammten rürrifeben «Reich« gro&e Aufregung 
entftanb. 3Jir «bincb«Srg lau ftd), um Sriftanb flehenb, 
an ben .§of von Aferbeibfcbein gu Ufün ^»affan begeben, 
temfrlben, ber vorbem feinem Sruber wiber ihn -jjülfe 
gewährt hatte; er fanb bort wol freunbl(d)e Aufnahme, 
aber feine Sache war hoffnung«lo«. Sultan fffiotjammeb 
ndmtid), feit bem galle Gonftantinoprl« aud) mt See 
mächtig, (ich fafl Xauru«gebirge, welche« bis bahin eine 
Serbinbung ber Jtarautanier mit ben 9?rid)«frinben ermög« 
liebt t'a::r, aud) auf ber füblid)en unb füböfilidjen Seite 
angreifen. 3m 3. 1470 fiel baö fefte Alafa bem Abmeb 
®ebif«Saf<ha in bie £änbe, unb im folgenben 3abre 
erftürmte berfelbe Heerführer Scleffeh (Seleufia), wo» 
felbfl ein Sohn 3«bdf'Seg'ö al« ber le$te unabhängige 
Äaramonier berrfebte. Derfelbe würbe hingerichtet unb 
fein gleitet, ben .jjunben ju freffen grgeben. Gnblid) eut« 
ftblof ftd) Ufün $affaii bie Sache Sir Hhmeb'« aufgu« 
nehmen ; a rütf te von Zabri6 burd) Armenien nad; bem 
öftltdjen Jtlrinafien oor unb fd)(ug bei Siroad ein tür* 
fifo>e6 <§eer. 910 aber brr Sultan ÜRobammtb ftd) 
felbnr an bie Spifte feiner Xruppen fieQte, erlitt er auf 
bem letbfdjana* gelbe in £>fitteinafien eine furdjibare 
Siebnlage unb ftarb balb barauf in 2abri«, reo« 
felbft aud) «JJir «limrb.Söcg in 5Bergeffenbeit feine Sage 
befdjlof. 

ffion ben Stä^tcn Äaramaniene ftnb jnxi ju et* 
rrdtjncn, Aonia unb bad auf bn Siede ber alten gleid)* 
namigen St übt gelegene tdranba, \vc\dxi le ptere al* 
iritroeilige Sleftbeni M ^»aufed &araman'Cgrj(u aud) 
fiaraman genannt roorben ift, offideO abet nod) immer 
ben alten tarnen führt. Xiefe Stabt liegt in dner mit 
©etrribe »ohl angebauten, frud)tbarm Oegenb unb foD 
gegen 3000 $dufer jdhlen, roddje, b« fie mdfteml mit 

t i. %, ffi . * C«tt». X XXIII. 



I - KARAMSIN (NIK. MICHAJLOW.) 

@drten umgetxn ftnb, bem Crtc eine un»frhä(tnigmä|jig 
gropf 9u6behnung geben. Qinige ÜRofdiefn in gierlidiem 
farairnifd)em Sauftil unb dn «iererfige« mit Xhüraien 
fianfirtrt (faftell erinnern an bi< furje ©lanjjeit ber 
faramanifdjen autonomie. Die ©endlferung ift oorroie« 
genb mohammebanifd); von !Bnber<g(dubigen gibt et nur 
armenier in Üdranba, weldje bafelbft eine tlrine ©e* 
meinbe hüben unb dne anfebnlidje Aird)e beuten. 
9?ennen0roerthe 9iefte M Sllterthumt ftnb nid)t vor» 
hanben. 

9Son Äonia, bem alten 3»nium, wirb in einem 
befonberen «rtifd (Konia) gehanbelt, auf «eichen wir 
hier »rrweifen. (0. Rosen.) 

KARAMSIN (Nikolaj Michnjlowitsch), bet be* 
rühmte ruffifthe ^iftorifer, ivurbe am 1. (13.) £<c. 1766 
im bamaligcn ffiouvernement Simbir6f geboren. Sein 
(Befd)lcd)t Oammt von einem tatarifeben »brligrn, Äara» 
Sturja (Wurga bebeut« t Slbeliger), ber nod) gu ben Gri- 
ten ber mo0fauifd)en 3>^ten tat (jfjriftentbum angenom' 
men hatte unb in rufftf6e Dienfte getreten roar. Sta* 
ramfin'd 93ater, ber ebenfall« im SRilitär gebient hatte, 
tvar ©uttbeft^er von mäßigem Setmögen; bie SRutter 
war früh geftorbat unb ber Sätet vermählte ftd) in jroei' 
ter She mit ber 2ante 3- 3. Dmitrijnv'« (be6 befannten 
SchriftHeDer«), mit bem Äaramftn fpdter eng fcefreun» 
bet roar. Seine äinbhdt verbrachte Aaramfin auf bem 
@ute; er lernte früh (ffm unb feine Sicblingtlrftüre roa' 
ten Romane, bie fdne Sbantafie anregten unb gropen 
(Sinflup" auf ^nlroidelung feiner Anlage gur Scnti' 
mentalitdt ba'ien. 3n feinen Sierfen fintxn fid) ver> 
fd)iebene Stminifcengen auO biefer Seriobe feine« Sehen« 
(bdonber« in „Witter unferet 3dt"). Seinen etßen 
llnterrid)t eth'dt er in dner Senfion in Simbir«f, reurbt 
aber, wie e« fd)dnt, mit bem viergehnten Söhre nad) 
SRo«fau nebrad)t, reo er gu rinem bamal« befannten 
btutfdjen Srofeffor, Sdjaben, in Senfton fam. Unter 
beffen 8ritung mochte er fid; mit ben eurcpäifAen Site» 
raturen vertraut, t>örie dnige Sorlefungen an bet mo«» 
fauer Univerfitdt unb befdjlof gut SoHcnbung feiner 
Silbung bie Unioerfttät Scipgig gu befud)en. Alldn 1783 
fuhr er nad) Seter«burg unb trat in ben SDVilitdrbienft, 
in ben er nad) bamaliget ©ewohnheit fdjon feit btt 
Äinbhdt tingefdjrieben roar. Dort traf er • um erften mal 
mit Dmitrifero jufammen unb betrat guerfi bie lue- 
rarifdje Saufbahn mit bet Ueberfe&ung einet ©efjner'« 
fdjen 3bvüe (1783). 3m SWilitärbienft blieb Äaramfm 
nicht lange, fonbern nahm, al« er 1783 ober Anfang 
1784 bie »adjridjt vom lobe feine« Sater« erhielt, fei* 
nen «bfthieb al« 8ieutenant unb ging roieber nad) Sira» 
bir«f. ^iet führte er ein nur bem Sergnügen geroib« 
mete« Sehen, würbe aber Gnbe 1784 von 3. S- luxao 
new*) fiberrebet, nad) SWo«fau gu gehen unb von Wefem 



*) V< Kar tut htx Oatcr Ui <nttD(aj 3irarcttitfd) Zutffr 
nrro, U6 SlaaKmannt^ au« brr 3rii 8(nanbrr'< I., itx näa) 
1825 fmifliirtt unfc bet fflfrfafct M Itfanntt« !E«id)n ,,L» Rani« 
et le. BuHt", 8 B4»b. <V«i« 1847) «, 

5 



Digitized by Google 



KAKAMSIN (NIK. MICHAJLOW.) 



- 34 - 



KAIiAMSIN (NIK. MICHAJLOW.) 



in ben maurerifd)'tn«fiifcben Hirtel Slowifow'S eingeführt. 
3n biefem Äreife verlebte Äaramfin sin 3ab« unb batte 
baiin intime greunbe, wie ben begabten, früh, verftorbenen 
«. M. $rtrow, «. 9R. Äuruforo (geftorben 1789 in 8er» 
Ii ii , Ivo er tcr ffitrttrter ber moSfauer greimaurer tri 
ben berliner „SRofenfrcujern" war); biefe 3eit batte nudi 
fluni™ @influß auf feine intellcttucOe unb ftttlicbe tönt« 
widclung. 3n ber Ibätigfrit Slowifow'S liefen jwei 
5Sia)tur, l n n nrbeneinanber : mvftifd)e IDbilofopbte , bie fid) 
mit ben tiefften Problemen über ©otfbeit, Statur, SRenfd) 
abgab, bie fie freilich äußerft rtnfeitig löfie, unb bie Senium 
bung um Verbreitung literarifajer Vilbung überhaupt 
burd) Verausgabe von VilbungSfd>riftrn unb lleterfefcun» 
gen, burd) Anregung junger Jträfte, burd) Journale unb 
Ausbreitung beS Vud)banbclS. Die träumerifd)e Senti- 
mentalität Äaramfin'S fanb hier reichliche Wahrung, boefc 
blieb er aiifd)cinenb ber eigentlichen 3Nvftit fern. Seine 
SBißbegicrbc würbe burd) eine SMaffe literatifchen 9J?ate* 
riold befriebigt; in biefem Jtrrifc, bem unter anbern 
aud) brr befannte beutfete Dichter ber „Slurm« unb Drang« 
jrit", ?enj, angehörte, ber aud) in SRoSfciu ftarb, (ernte 
Aaramfin Shafefpearc unb Seffing fennen, obwol er feit ft 
brr pfeubo'dafjifcben Schule angehörte. SluS feiner Ute« 
rarifdxn Sbätigfeit fällt in biefe 3abre: „Detokoe 
ctenie", von Stowtfow in ben Mosk. Vedomoati ber« 
ausgegeben; ferner Uebrrfe&ungen : beS 4>aller'fd>en ®e» 
bidjtcS „Vom Urfprung beS liebet* " (1786), beS ,,3u» 
Hu6 <?äfar" von Shafcfpeare (1787; nad) einer fran« 
«öftfeben Uebertragung), ber „(Smilia ©alotti". 

3m 3- 1789 reifte Jtaramftn in« SluSlanb, »0 er anberi' 
halb 3abre verweilte: „ber 2Bunfd), bie Statur in ihrer 
großartigen 9Rannicbfalligfeit jui befrachten, jene großen 
SRännrr ju feben, bereu Schöpfungen auf meine ümpfin» 
bungen fo ffarf eingewirft bitten, würbe ;u einer wahren 
Üribenfdjaft". Die „Briefe eine« ruffifeben SReifcnben", 
bie er balb nad) feiner SHürfTebr brrauSgab, waren ein 
bemerfenSwenbeS (Srcigniß in ber ruffifeben Literatur; fit 
finb auffaUenb burd) bie ausgebreitete Velefcnbrit unb 
bie außerorbentlicbe VJißbegier beS ned) jungen VcrfafferS 
unb jugleid) ein ;>,n:.r.'iy von feiner bfljen Verehrung ber 
weftcuropäifd)cn Vilbung, bereu 3been ibn hinrijfen. <5r 
befuebte Äant, ^»erber, SBiclanb, Sfavatcr, Sonnet u.a., 
führte fflefpräd)c mit ihnen (bie in bem Suche wieberge-- 
geben finb), legte ibnen grauen vor über bie ©rgrnftänbe, 
welcbe bamalS bie ©elfter beschäftigten unb aud) ibn fclbft 
erfüllten. 3n bet rufftfeben Literatur waren bie „Sriefc" 
baS rrftc Sud) bei Art, welches bie l'eicr prrfönlid) mit 
ben Vertretern ber eutopdiid)cn Äufflärung befannt madjte 
unb höbe «djtung vor berfelben einflößte. Die 
ganjc Dutftdlung freilid) ifi ju febr von iböllifcber Sen« 
timentalttät burd)brungen. 3n granfrrid) fab er bie «n» 
fdnge ber Revolution unb verurtljeilte fie alS eine ge« 
waitfame ffrfdjürterung , bie bem gortfd)ritt ber ®dtlU 
{dpaft immer ungünftig fef; fie misfiel ihm aud) beSmc 
gen, weil fie bie gldn^enben €alonmanierrn ber früberen 
Verfobe jeifiörte. 3ebenfaU6 aber fam Jtaramjtn mit 
nod) verfldrftrr Ädjtung vor ber eurcpdifd)en Vilbung ju« 
rüd, beren frineipien er aud) in ber ruffifdjen Jiteratur 



vertreten woUtc. 3" b« erfien 3«! war er biefen 3been 
mit btfonberer Segeifierung ergeben. €ogleid) nad) fei« 
ner fKüdfebr unternahm er bie Verausgabe eineS 3our« 
nalS (Moskovskij Vcstnik, 1791—92); barin erfebir« 
nrn bie „©riefe", bie berühmte (Frjäblung „Bedn»jn 
Li/-a u (bie arme SJifa), ©ebiebte, Ueberfejungen auö weft- 
europdifdjen Schriftftedern. Die „Bednaja Liza", bie 
Oc lehnt- te eines 33auamdbd)enS, baS einen abeligen £enn 
liebt, von ihm betrogen wirb unb fid> felbfl baS (eben 
nimmt, war ein reiner VuSflufj bet fentimrntalen Stiftung, 
bie bamatS in ber europäifd)en Literatur namentltd) burd) 
«Ridjarbfon, €terne unb Stouffeau verbreitet war. 3n ber 
ruffifeben Literatur war fte fdjon burd) Ueberfenungen 
unb originale SBcrfudje vertreten, Äaramftn wanbte fte 
auf einen ruffifeben Stoff an, legte in bie <£rjdb(ung 
bie ihm eigene ßmpfinbfamfeit unb baS SSerf batte einen 
unerhörten Grfolg. 81 ber bie 3eiten würben ungünftig; 
Katharina IL, etfebreeft burd) bie dreigniffe ber gran« 
jöfifeben dievolution, verhehlte ihre rracltcndre Stimmung 
ntd)t. Sdjon vorher war bie Deportation 9Rabifd)tfd)ew'6 
erfolgt, je^t begann bie Verfolgung beS moSfauer Waurer« 
thumS, vor allen Wowifow'S, ber an ©eift unb ffharafter 
ber ^»auptfübrer riefe« JtrrifeS war, unb ber Schatten 
biefer iffiSgunft fiel aud) auf Jtaramfin. Qr ließ fein 
3oumal eingeben, gab in ben nädjften 3ahren einige 
Sllmanacbe h«auS unb fdjwieg enblid) ganj. Die Äe« 
gieruna beS -RaiferS Vaul hielt bie ©efellfcbaft in einem 
ScbredenSjuftanbe, weldjer ber Shäligfrit „beS ©eifteS 
unb Rajens" wn\ig günftig war. öinlge ftnb ber 9Sei* 
nung, baß biefe dteactionSjcit, bie von feiner ftüdfrljr 
auS bem 8luSlanbe an volle ;ehn 3ahre wdhrtr, febwet 
auf Jtaramnn'S Stimmung gebrüeft, feine frühere Ve< 
geifterung für bie 3been beS gortfdirittS gcfcbmdd)t unb 
ben ©runb gelegt habe ;n jenen oft ju ftarf conferva» 
liven Xenbenjen, bie et fpäter jelgte. Das ift möglich, 
allein man wirb jugrbrn muffen, baß bie .Reime baju 
vorhanben waren in feinem früberen empfinbfamen Opti« 
miSmuS unb in ber ju Vlatonifdjen «rt feiner Irdume 
von menfcfcltcher grribeit unb ©lüdfeliafeil. 

Die Ibrortbefteigung «leranber'S 1. belebte bie ganje 
ruffifebe ©efellfcbaft wie bie ^Befreiung «on einem brü « 
denben 8llp; bie Literatur entwidelte eine außerorbent« 
liebe cebhaftigfett. Sd) on im ndd)ften 3abre unternahm 
Jtaramfin bie Verausgabe eines neuen 3onrnalS (Vest- 
uik Evropy 1802—1803). Der literarifd)e ßbarafter 
war cerfelbe wie früher, aber baS Programm war er* 
weilert burd) .§iiijunabmc beS po(itifd)en Clements. su> 
ramfin gab intereffant gefd)riebetie SWittheilungrn über 
innere unb dußere Volitif, fpracb über fodale gragen 
aus bem rufftfa>cn ?eben, flod)t hiftotifd)e «bbanblungcn 
hinein. V'« nfd)fen aud> bie hiftcrifdje e^ähluna 
„Marfa Posadnica", bie ebenfalls außerorbentlicbcn ffr« 
folg bade alö rrfter Verfud) ihrer Sri, obwol (ober vid« 
leicht weil) bie ©eftbiebte hier eine fentimental'metobra« 
malifebe gdrbung trug. 8Iber Jtaramfin jog fta> balb 
von bet 3ournaltftif jurücf. Die neue 3dt halte bie ÄuS- 
ftd)t auf eine neue Vorwärtsbewegung gebracht, ahet offen» 
bar hatte unter ben Seiben ber Vergangenheit aud) Jtarain« 



Digitized by Google 



KARAMSIN (NIK. MICHA JLOW.) 



- 35 - 



KARAMSIN (NIK. MICIIAJLO W.) 



fin'fl 3ntmffe an bem Allgemeinen unb feine (Sntrgie 
gelitten, ba« geben hatte feine abfühlcnbc unb abfehwä» 
tbenbe (Srfabrung gebracht. (5r wanbte fid) von bei neuen 
Bewegung ab jur SJergangrnbeit, jiit ©efdjidjtc. Son 
ba an beginnt eine neue $criobe feiner SBirffam* 
feit, bie in ben Augen ber 3dtgrnoffen wie bet Wach» 
weit feine frütjete literarifdje 9rbeutung in ben Jpintcr* 
grunb brängte butd) ben neuen 9iubm be« erjtcn rufft« 
1<ben Wationalbiftorifrr«. 

Jtaramftn hatte fid) fefcon früher ber ©efajidjte ju» 
gewanbt nnb einige feiner Arbeiten jrigten ein bemerfen«» 
wertbc« lalent ju gefd)icbllid)er Darftellung. 1803 würbe 
er jum dpifloriographen ernannt unb befara 3"aang ju 
ben SlaalÄarcbiven unb SBibliotftefcn; unb nun vergrub 
er fieb fein geben lang in einbdntifdje unb frembe 6b.ro* 
nifen, Urfunben unb @efdjicfit*Wfrfe. Wur einmal riß 
er üd) von biefrr Arbeit lo« , inbem er 1811 bie „Za- 
piska o drevuej i novoj Rossii u (3Remoire über ?llt< 
unb Wcurußlanb) publicirtr, eine Schrift, bie Durch bie 
iRrfonupIdne Atqranbcr'« (beren SHoUftrerfer SperanSfij 
war) hervorgerufen würbe. Jtaramfin, ber einfi fo viel 
geträumt Mite von greifet unb ®lücf ber SJelfet, ber 
für fRußlanb bie Befreiung bet ©auein, eine weitgebenbe 
Aufflärung, vernünftige 93erwal»ung gewünfchi hatte, bet 
it* nc* je et für einen „SRcpublifaitct" hielt, jeigte fid) 
alt) f dürfet @egner von 93cränberungrn, beren Jiel bie 
tBerbtfferung einiger hänget be« rufiifdicn bebend war, 
folcher 9Rängel, bic auch bem im SBege flonben, wa« 
Jtaramfin noch jret al« für ba« ruffifcf>< 2Jolf wüttfeben«* 
rorrtr) anfah. SRit einem SBerte, ber Cbaraftcr ber „3a* 
piöfa" n>ar rein ronfervativ. 3n feiner Jtritif ber Stc* 
formpläne tag au 4- eint getviffe SBafcrbcit, allein bie 
fa)wad>e unb abßoßenbe Seite btr „3api«fa" brftanb bar* 
in, baß er an (Stelle be« 3Jcrworfencn benfelbtn alten 
De«poii«mue unb StiOftanb empfahl, ber ba« Grlenb be« 
rufftfdjen geben« bilbete. 

3m 3- 1816 waren acht Sdnbe ber „©cfdjicbte be« ruffi- 
fdjrn Wdcbc«" fertig, unb Jtaramfin, ber bi«het in 3Ro«* 
fau gelebt hatte, ftebclte be« Drude« unb ber Sortierung 
frinr« SBkrfe« wegen trfi auf einige 3dt, bann befinitiv 
nadj ißetcr«burg über. Der Jtaifer Atrranber, ber Jta* 
ramftn 1811 frnnen gelernt halt« unb burdj bie „3a* 
pi«fa" unangenehm berührt war, hörte jefct mit 3$er« 
gnügen ber SJorlefung ber erfien Ii: die ber ©cfcbicble ;u 
unb bewic« bem J^ineriogratsbeti fortan ba« größte 2Bob> 
wollen, $a« ©rfädnen ber erfien acht Ibdle ber ,,©e» 
fchidjte" war ein nie bagemefene« Grdgniß in ber rufff» 
fdjeri gilerarur; bie Auflage von 3000 war in rinem 3Ro* 
nat vergriffen; geule, bie faum eine Ahnung von ber 
Gfifteni einer ruffifebrn Literatur gehabt hatten, warfen 
fid) auf bie grftüre be« Sffierfed*, ber Srfolg war vott« 
ftänbig. Aaramftn gab felbfi nod> brei weitere Sdnbc 
herauf unb harte noa) einen (ben 12.) fafr fertig, ben 
njd) feinem 2obc 5Jlubom httau0gab. Studj Jtaifer 
folauö jelgtt brm Strfaffer aufierorbentliaje Jheilnahme 
unb verlieh naü) beffen am 22. IRai 1826 erfolgtem 
2obe fdner gamilie eine Dotation von 50,000 «Rubel. 
Die »ebeutung Äaramfin'« für bie ntfftfaje Sitcra* 



tur ifl in verfchiebenen S9ej|iehungen ffr>r groß. OTit fei- 
nem tarnen ift bie große ÜBenbung in ber (fntwiefefung 
ber rufftfd>cn gitrraturfprache vrrbunben, bie SBenbung 
von ber fdjwrTfäUigen früheren 33üa>erfpradje mit ihrer 
Seimif<hung bed au« alter 3dt ererbten Jtira)enf(awi* 
fdjeit ju einer leid)teren, ber gefpnxbenen Siebe fia> nä* 
hernben gorm. Jtaramfin befreite bie Schriftfpradje von 
veralteten SBenbungen unb gab ihr, wenn auch nicht 
^ufd)(in'fd?e Bollenbung, bod) eine gewiffe ®ldtte, ffleidj* 
hdt unb eine — freilich nicht feiten ju fentimenta(>füp* 
lidje — Schönheit. Dide Steform jog ihm Ängriffe ber 
«nhänger be« „alten 6til<", namentlich ihre« gübrer«, 
tefl Slbmiral« 6d)tfchfom, ju, aüein bitfe Angriffe waren 
erfotglo« unb Jtaramfin'« 6pra$e gewann fefien 9o* 
ben in ber Literatur unb berdd)t )um Xbeil (in officiellen 
®chnflftü(fen) noch beute. 9iiele« in Jtaramfin'« Stil 
war naa> fremben Wintern gebilbet, in feinen erftrn ffler* 
fen finben üdi gerabeiu @allici«men; fpdter eröfneten ihm 
feine biftorifchrn gorfchungen ein( neue Dudle für 
bie tBervollfommnung ber Sprache in ben cSchriftbrnf« 
mdlern ber alten 3dten, in ben Urfunben unb Shroni» 
fen, unb bie Sprache ber „®efchithte" entwiefdte jid) in 
biefer 9tichtung ju größerer Sigenthümlicbfeit unb Jtraft; 
e« fommt frdlich vor, bafi bie herrfchenbe fentimentale 
Lanier fehl cd? t ju ber rnergifchen Einfalt br« Sllterthum« 
ftimmt. 

fBir fprachen oben von feiner ühätigfett al« 3our« 
nalifi. Diefer 3wd9 ber Literatur war in iRufjtanb lange 
vor ihm begonnen, allein erft von fdnen 3ournalen an 
beginnt bie gegenwärtige ruffifebe 3ournalij)if mit bem 
ihr eigentbümlichen Sharaftrr populär * encpflopdcifcher 
geftüre, bie nicht feiten bic einjige geiftige Währung ihrer 
Sefer bilbet. Jtaramfin gab bem 3ournal SJeben unb 
Wannidifaltigfeit, jog ba« gefeUfchaftlich« (Slement unb 
bie politifchen 3ntereflen hinein. 

Wach feinen literarifchen 3been, nad» feiner Söelt* 
anichauung war Jtaramfin ein Jtinb be« au«gehenben 18. 
3abrh., ein Schüler «Rouffeau*« unb Sartbclem»'«, ber 
beutfehen „tfufflärer", ber englücben grdbenfer unb *J3f}il" 
anthropen unb tum 3hd( ber frdmaurerifchen 3Rvftifer. 
Seine 'IBdtanfchauung war ein frdbdilichcr Jpumani«» 
mu«. (St war jum 2hdl bewegt von ben jbeen ber 
gran;öftfd)en Revolution, obwol er ihre Snwenbung fcheute, 
unb hielt fid) für einen „Wepublifanet". Seute, bie 
Anlage nur Demagogenriecherei hatten, verflagten ihn 
febon 1790 unb noch 1816 al* «evolutionär — aber 
in ber Iba! hatte et ftdj fdjon früh dneö großen 2bdl« 
ber früheren grdhdt«begeifterung entäußert unter bem 
Drucf be« ruffifeben geben«, bet auf ben ju weichen 99o* 
ben feinet Sentimentalität fiel, unb in bet „3api«fa" 
von 1811 }dgt er fut:, wie oben bewerft, al« ßonfer» 
varbet. 

Die vornehmfte unb rinflußreichfte Arbeit Jtaram« 
ün'« war feint „©efd)id)te"; fte hatte dne wdtgebenbe 
IBebeutung fowol in rein wiffenfcbaftlichrr wie in Iftera« 
rifthtr Sejiehuna. 3n ber rufftfdjen Jjtijtodographie war 
bie« ba« erfte »erf, welche« in großem Waßftabe bie 
gorberungen ber ffliffenfehaft in 95etraa)t jog. S8or Jta« 

5* 



Digitized by Google 



KARAMSIN (NIK. MICHAJLOW.) - 36 — 



KAKANSEBES 



Tamfut batle ferner cer rufpfcben ober beutfcben ©efd)id;t« 
fcbreiber, weldje pd) mit r-:t altfn t»Jc[djjd-tf ÜRufilanb« 
beictjafiat hatten, eine fo umfaffenbe Duettenforfdjung 
u:ni fftcLü. SBirle Duellen würben juerP von «Raramfin 
nadjgnviefen uno bepimmf; frin rufpfcbcr Stbriftpeller 
halte pd> bi«ber fo bie biPorifcbe Äritif ju eigen gemacht, 
unb Jtarampn war ber erPe wurbia,e «Jladjfolger Scblo« 
jer'«, »«bann aber mit btt Äritif ein unvcrglcidjlid) grö« 
|ere« biftcrijojcfl SRaterial. Stacbbem rr ade« gefammelt 
hatte, Pellte et eine «Wenge neuer Unlerfudningen an unb 
verbreitete pe in ber gorm einer leisten fd>öncn Sprache, 
febap bie „©rfcbicbte" ju gleitet 3'" «n* bebtntenbe 
Sbat in ber rufpfdjen EBiffenfdjaft wie in ber Literatur 
mar. Äarampn würbe mit einem male unb blieb lange 
bie bödjfte Autorität in ben gragen rufpfdjrr @efd)id)ie, 
an ihn fd}lo# ftd) unb wn ihm ging aus bie weitere 
Bearbeitung be« ©egenPanbe« bifl ju ber Jn; , wo von 
(Snbe ber breifjiger 3abre an ber wtffcnfd>aftlicben gor* 
fcbung ein neue« gewaltige« SWaterial jufloß burd) bie 
»uflgaben ber „lBrd>dograpbtfd}en ßommifpon", unb biefe 
felbft pcb vertiefte burd) neue SWoraente ber biPorifdjcn 
Äritif ; bamit trat eine neue «Reibe geiebrter ^iftorifer 
auf, an beren Spi&c Solowjew. »ber einjelne «npd)ten 
Äarampn'« haben nod) je tu tbren SBertb. 

gür bie rufpfdje ®efellfd>afl unb bie @nve<fung 
ihre« €elbftbe»uptiein« hatte Aarampn'« ,,®cfcf>id?te" nicht 
geringere SBrbeutung. 9Rad) $ufd)fin'« 8fu«brucf würbe 
SBltrufilanb von Jtarantpn entbeeft wie tlmcrifa von 6o« 
tumbu«. Unb in ber Ihat befianb vor Aarampn bie 
rufftfebe biftorifdje Siteratur in trorfenen ard>äologifd)tn 
Untrrfudjuugen ober in fctwerfdlligen Kompilationen in 
ber Ärl lattfcbtfdjero'« ober be« ungebeuern Sßerfc« vom 
gurften Sd)tfd)erbatow. Jtarampn'« fffierf war ba« erPe, 
Ca« lc«bar war unb roirflid) vom großen «ßublifum ge» 
lefen »urbe; abgefeben von feinen äujjeren SBorjügcn 
frffeite e« burd) feine nationale ®eftnnung unb feine 
patriotifdje Sßarme. Äarampn'« „®efd)idjte" würbe fo< 
fort bie offieielle «uffaffung ber rufpfcben Vergangen» 
beit. Siefen Sinn hatte au* bie auficrorbentlidje hieben«« 
würbigfeit be« Äaiferfl «Jtifolau« gegen Äarampn. 

81 u« ber „3api«fa" oon 1811 fann man i'cblicfirn, 
tu weltbem (Seifte bic „©efebtebte" gefebrieben ift. SHMe 
in feiner erfjen «Beriobe bie äBeltanfcpauung tfarampn'« 
einen frnlimental« liberalen Sbfltafter trug, fo jent einen 
fentimental'confervativen. tiefer leetert jeigte pcb nicht 
nur in ben «Beurteilungen von «JJerfonen unb (Irrig« 
niffen au« bera erflügclten ©epdjüJpunfie ber „(Smppnb« 
famfeit" unb „Sugenb", fonbern aud) in ber Stellung 
ber bif)ori|'d)en grage überhaupt, bie fdjon bamal« ge« 
roidjlige Sinwenbungen freier benfenbtr Jtreife benoorrfef. 
Sie „@efd)i<bte" Jcarampn'« war eine ©efdjiä)te be« 
„Äeidje«" (gosudarstvo), eine @efd)id>te ber ^»errfeben» 
ben au« bem ©epd)t«punfte von beren ^nterePen. 3Ran 
warf ibm vor, er fjabe ba« SBolf unb beffen 3ntereffen 
aufet «d)t gelaffen. 3n jeitgenöfpfeben gragen (f. bie 
„3api«fa" von 1811) Panb ÄaramPn gegen (liberale) 
Neuerungen auf, babei berief er pd> auf bie „burdb, «Her« 
thum gebeitigte" Ueberlieferung, bie feftpebenbe ©ewobn« 



beit, bie er al« ein Wefultat ber Sntf<beibung unb lieber« 
rinfümmung be« SJolfe« auffaßte. @r vergap nur babd, 
Mit bie ©efd)id)te aud> von vielen veralteten Ueberliefe* 
rungen unb ©ewobnbeiten rebet, baf) bie lange einge« 
wurzelten gormen be« 6taat«leben« nod) feiner Sntfdjei« 
bung unb flbpimutung burd) ba« 9Jolf unterworfen wa« 
ren, unb baß man pd» auf eine feldje geredjte SBeife nuc 
bann berufen bürfe, wenn biefe «Probe erft angefiellt wöre. 
Sie ffonfervativen fabren bi« auf ben beutigen lag fort 
jurare in verba Karameini. Sa« jeigte fid) befonber« 
bei beffen 3ubilaum 1866, ba« eine ganje Siteralur eon« 
fervativer panegprifrber Sdjriften hervorrief. 

Sie Literatur über Äaramfin tft febr umfangreirb, 
wir mafen barau« an: bie Siograpbf' :1 " »SloTar 
dostopamjatnych ljudej 11 von ©antpfd) > J?amen«fij; 
^ogobin'« „Istorir^eakoe pochvalnoe slovo Karam- 
zinu" 1846; bie lleberftcbt feiner biftorifebrn Veiftunaen 
von <soton?jen> in fed)« Sluffdften ber „Otc£e»tvennye Za- 
piski" 1853—1856. Sie literarifAe Sbätigfeit Äa« 
ratnpn'ö im allgemeinen ift von (onfervativem Stano* 
punfte bargefiellt von ©aladjow in ber „Istorija rusa- 
koj Bloresnosti, 2. «u«g. 1881, »b. 2. 9?ou ben 3«' 
biiaum«fd)riftrn nennen wir bie au«fübrlio)e «iograpbie 
von «ßogobin: I. M. Karamzin po ego s menijach 
i otzyvam sovrcruennikov, fJDtoOfnu 1866. — Kut* 
gaben ber SBerfe: .,Sofincnija Karamzina 11 , 8 Sbe., 
9JJo«fau 1803 — 1804 ; 2. 8u«g. in 9 93bn. 1814; 3. 
Mttflg. 1820; 4. 8n«g. €t.««|}eter«burg 1834—35; 5. 
Sluflg. in 3 SBbn. St.=13teterflburg 1848. — „Neizdan- 
nvja so£inenija i porepiska", @t.^eter«burg 1862. — 
n Pisma Karatnzina k I. I. Dmitrievu", »St.'^eter«» 
bürg 1866. — .,Pi8tna Karamzina k Malinovakomy", 
2Ro«fau 1860. — „Istorija gosudaretva rossijakago", 
8 Sbe., €t. * <JJetCT«burg 1816; 2. «u#g., 11 Ibeilf, 
1818 — 1824; 3. Muflg., 12 Scjtile, 1830— 31 ; 4. «u«g. 
1833; 5. «u«g., in 3 Sbrilen, 1842—44; al« bie heften 
gelten bie jweite unb fünfte 8u«gabe. — Sie „3api«fa" 
von 1811, bie uur banbfdfriftlicb verbreitet war, burfte 
erP in ben legten 3abren in FJiufilanb gebrueft werben. — 
Sie UeberfrQungen Jtarampn'fdjer Sßerfe in anbere @pra« 
eben pnbeu ftd) verzeichnet bei «JRefhom „Sistematices- 
kij katalog ruggkim knigam u , €t.=$eter«burg 1869, 
©. 712—713; bei bemfelben bie 3ubilcium«literatur in 
„Vtoroe pribarlenie" 1871, P. VII— XV, «Rr. 1—173. 

(A. Pupitu) 

KARANSEBES, ein meipen« von WalaQtn bt» 
wobnter SRarftPerfen, ^>auptort be« je$t mit bem fraffötr 
vereinigten ungarifa)« (fomitat« €j6renp, liegt im ehern 
2eme«tbale, roelcfce« öftlid) unb wePIicb von hoben fßtt* 
gen rfngefd)loffen ift unb füblid) bei Sjlatina unb Zt» 
regova fieb ju fdjmalen @ngpd)Ten verengt, in ir eichen 
bie norblid) Pie^enbe lerne« ftd) einen ffleg gebahnt bat. 
grüber war Jtaranfebe« 6tab«ort ber banaler «JNilitdi« 
grenje, weld)e im 3- 1873 aufgehoben unb Ungarn ein« 
verleibt würbe. Jtorabinfifu fagt in feinem geograpbifd)« 
biPorifcben «JSroburten«8erifon von Ungarn: ,,<f« ift 
biefer Crt fd>on vor 3riten al« eine grofe unb volf» 
reiche Slabt gehalten Worten, weldje viel Stajen (Serben) 



Digitized by Google 



KAKASCH 



— 37 - 



KARASU (FLUSSNAME) 



unb ©riedien bewohnten, unb ifjre Wieberfagen ton 
türfifdien äßaaren aUbier batten." ®egenwdttig ift ber 
£anbel be« Crt« jieutlid) unbebeutenb, bfe neue Gifen« 
tabu nad) Orfota an der Donau wirb ben SSrrfebr mit 
Sumänirn jebenfall« Reigern, äaranffbe« ift Si& einrö 
$rir*»d)»crirntalifcbfn, b. b. niebtunirten Sifdjof«, ber 
Suffragan be« in Siebenbürgen in 4permannöftabl refi» 
birenben (Sr*blfdjof« SHrtropolitan n'r : ferner beftnbet fid) 
bafelbft ein @ericbt«bof, ein ©cjirfÖa/rid)t unb ein Steuer« 
amt. 3m 3. 1880 iäi>ltc man bnirlbft 4764 (iinrr-obner, 
barunter 302 Ungarn, 1552 Üeurfdjr, 2538 2Balad)en; 
1772 römifdje Äatbollfen, 2Ü11 orientalitdje ©rirdjen, 
HS Sfrarfittn. (J- Hunfalvy.) 

Knrantaner, f. Kärnten. 

KAKASCU (ung. Karas ober Krassö), Weben» 
iluö ber 2>onau im filblidien Ungarn; er entfpringt oft» 
lia> ton Stcierborf am Serge Wufnijaf au« bem foge» 
nannten Slbleifee )Wifd>en ben beiben ©ipfeln be« Sit 
menif; bi6 .uiIt.u-.1m fliegt er nörblid), bann wenbet er 
ftd) weftlid) unb burd)brid)t ba« ®ebirge in einem ge* 
»unbenen engen übole, er berührt bie Drte Jtrajtö, 
9lag»*2iftau, Wagt'JTafota u. f. w. im fraflöer (jo» 
initat, bilbet bann bie Orenje jwifd)en biefem unb bem 
ifmefer (5omitat unb münbrt unweit ton HJalänfa in 
bie lonau nad) einem tfaufe ton etwa 16 Weilen. <5ö 
«ereinigen ftd) mit bemfelben ticle Heine Sddje, et ift 
ober für ben S8erfel)r ganj obne Sebrutung. 

(1 Hunfalty.) 

KARASU (Sdjwarjwaffer), in ben türfifdjen 8än* 
bem bieffeit unb jenfeit ber briben SReerengen ein febr 
häufiger glufiname, ift eigentlich ein HppeQatrobegriff 
unb bebeutet ein über moorigen ober bod) bunfeierbigen 
Untergrunb binfliepenbe«, nidit obne ©efabr ju burd)* 
futtenbe« ©ewäffer im ®rgenfa$e ju bem feltener tor« 
fommenben üfi'u, SBeifrmaffer, bem in ftefnigem unb 
folgltd) feftem Sette gebenben gluffe. üerfelbe ©egenfafl 
jinbet fid> bei anbern unter ben gleiten gecgrapbifdjen 
BeTbflltniffen lebenben Wallonen, wie bie Sübflawen ibre 
jtna unb bjela Sjefa, bie Weugriedjen ibre SJtawropo* 
tatno unb Sldpropotamo beü&en; offenbar ift aber fein 
Urjprung weit älter M bie türfiftbe (Sinwanberung, wie 
bie anrifen glußnamrn SRela« unb £eufafia bejeugen. 
3n flnatolirri finbet ftd) ber Warne Äarafu wieberljolt 
bei glüffen, weldje bie alte ©eograpbie und alt OTela«*) 
fennen gelebrt bat, unb bürfte in folgen gäOen ein 
älterer analoger einbeimifd;er Warne anjunebmen fein, 
»ie benn aud> in ber armenifdjen Spradje ber Stu6brud 
Sewtschur (Sdjwarjwaffer) ßebrdud)lid) ift. g- 33on 
ben t«tfd)iebenen Jtarafu bet europdifeben 2ürfei finb 
bie befannteften bie beiben Ströme ber oftmofebonifeben 
Tiefebene, we(d)e neben biefem allgemeinen nod) ibre alten 
Specialnatnen Struma, b, i. Strömen, unb Wefta, b. i. 



•) «I« !B*ifbid kirnt b« untnfulb von Cifarto in Jta»pabo< 
r.tn bem ?.-.::<• )uitr3nnkt „9tda<", »«tdjrn «Iratw irtt^ümlid) 
114 in t<n öarS:ot rtgir(«n I<Sf t . unk brr titxWk ffnli«d)i<n4 
ncn bu t«b«tn 6<ite in ben Cwntrt n«finb«bt 8ln?, Ktltyx bm 



SJefhiö, fübren. Diefet (entere fommt ton bem 3wifd)en« 
gebirge berab, weldje« bie Sorböben brt 2750 Wetet 
bobtn Wilofegeta mit bem 3>o«pat»2>agb>>, ber 5Rb°bope 
be« «Itertbum«, terbinbet, unb nimmt in feinem Saufe 
bie fämmttitben ton berSübweft'Slbbadjung ber SRbobope» 
fette btrabfommenben ®rwdffer auf, um fia) uafye ber 
Stelle, wo torbem bie alte Stabt Äbbera gelegen war, 
in bad 8(cgdifd;e 3Rrer gu ergießen. Ungleid) bebeutenbet 
ift bie weftlidjer fliepenbe Struma. 3)iefelbc entfprlngt an 
bem burd) batf obere 36feT<üba( ton bem Halfan ge* 
trennten, nidftooeffoweniger aber aW gortfefcung bieje« 
ju belradjtenben 9Bitofdja<' ©erge; wenn alfo bie »Iten 
bie Duellen be« Strtmon in ben fidmu« »erlegen, fo 
fft bie« nid)t obne »eredjtigung. Sei bem 2>orfe ©o» 
bofdjewo burd)brid)t ber glufc bie an bie ÜJumaniBa* 
$lanina iia> anlebnenben ©orböbrn brt 9tffo'©ebirge0 
unb tritt bann, bura) reute Sbdler flie^enb, in bie wo« 
rebonifdie Tiefebene, weit unb- breit bie ®ew4ffer ber 
$erin'£rlte (be« Orbelufl), bei ÜKalefdjfa', *ß(aflfawi&a* 
unb ©elefdjfa «$Ianina an ftd) urgent. Ser bebeutenbfte 
feiner weftlidjen, b. i. rerbtefeitigen ßuflüffe ift bie Stru* 
mlfa, gleid»fam bie Äletne Struma. 3m Süben tertieft 
bie Wieberung ftd) aOmdbüd) in einen umfangreidjen 
See, ben Äarflniti« ber alten, jc(t Iad)ino, wetdjer, 
auger ton ber Struma, an feiner Oftfeite ton ber waffer* 
reidjen «ngiffa, bei ben «Iten »ngifie«, gefpeift wirb. 
3>ie überflüfftgen ©ewdffer be« See« ergießen fid), ben 
Warnen be« ^»auptfluffe« beibebaltenb, burd) ein furje* 
enge« 'ibnl, ftd) jmifd}en bem ^ef.tuf ■•iMab9 unb 
bem 9unar'3>agb«), bem alten $angäum, !;!uh;r<t 
brdngenb, in ben gleidtfall« nad) bem Strtmon be« 
nannten Strmnonifdjen @olf ber Stelle nabe, wo bie 
Htbenienfer, eine ton Watur fefte $ofition an ber SKim» 
bung be« Strome« benu^enb, im 3. 436 t. (5br. ibre 
berübmte Kolonie Kmpbipoli« angelegt fw»'"- Urfprüng* 
Iid> bejeidjncte ber Strtmon bie ®renje jwifdjen SWafe* 
bonfen unb Sbralieu, baö fpäter ton ben mafebonlfAen 
Äönigen gewonnene ?anb bi« )um Weftu« würbe Ma- 
cedonia adjecU genannt; burd) bie ton t'bm erbaute 
unb benannte Stabt Ubtlippi fdjü^te Äönig *ßbilippu« H- 
baffelbe gegen bie Ängriffe ber Ibrafer be« Sbobope« 
®ebir(jeÄ. 3)a« gefammle Strtmongebiet folgte ben 
Scbtrffaien ber mafebonifdjen 3Ronard)ie. Tic genaue 
;i<tt, wann bie nod) unter ber rcmit'djen ^enfdjaft im 
(srnpmontbal entäbnten 9?ölferfd)aften tbraftfd)en Stam> 
me«, bie (Sbonier, bie Obomanten, bie iV.ircr unb bie 
©entbtleten , in bem allgemeinen ©riedjentbum aufge* 

Sangen, lägt ftd) nid)t bejrimmen. 3)ie unnlüd lieben 
uftdnbe ber fpdteren Äaiferjeit bürften ba« ?anb ent>- 
tölfert baben, benn ton bem 6. ober «nfang be« 7. 3abr« 
bunbert« ab fanb dne maffenbafte Cinwanberung ton 
Slawen ftatt, weld)e feitbem ba« torwfegenbe (Element 
bet ©nwobnerfajaft be« Srnjmontbale« gebilbet b»>ben. 
Unter btefen Slawen, weldje alt eine bialeftifdb gefon« 
berte ®ruppe ber bu(garifd>en gamilte anjttfeben finb, 
(eben a(« Steprdfentanten ber frübrrtn 8anbc«bewobner 
3in|aren, ® rieben unb Hlbanefen, woju nod) Surfen 
Im Sanbe Äoinari, 3conitr, genannt unb al« 



Digitized by Google 



KARASU (FLUSS IN D. KRIM) 



- 38 - 



KAKASY 



Sladjfcmmen felbfctufifcbcr Siebt« betrachtet, treibe 
fcbon vor ber o«manifcbrn Eroberung ber Halfan « $a(b« 
infel, neu dttrinaften fommenb, fich in ben Camal« ver« 
Öbrten ftiebcrungrn "5 hcifaftm« unb SRafcbonien« fiue 
neue ^eimat gefacht hatten. Die ©riechen finb wenig 
joblreiaj unb leben faft au«fcfalie|iilich in ben ©egenben, 
wo im Slltertbum bie Kolonien blühten. Sebeutenbe 
Stdbte ber üRcuicit finb Sercö, oberhalb be« See« Ja« 
chino gelegen, fBetritfcb an ber Wünbung ber Strumi^a 
in bie Struma, üJIdrnit am gujje be« 9?erin • Dagb« unb 
Drama im Secfen ber Slngbifta. — Durch bie Scftim» 
mutig be« ju San« Stefano am 3. Wdrj 1878 abge> 
fcbloffenen ruffifcb« türfifeben griebeiiövertragfl, wonach bie 
©renje be« neu ju grünoenben bulgarifcben Staat« com 
Sefdjiffee oberhalb ber Qbalfibife jur i'itinbung be« 
Äarafu, b. i. bei Strumen, laufen follte, würbe ba« ge» 
fammte Srrumagcbirt ein flawifchc« $>anb genorben fein. 
Huf bem berliner Sotigitfi ivurrc bie« uiebt genehmigt; 
bie mafebenifeben Bulgaren erlangten nicht einmal bie 
©leiajltellung mit ihren in Cftrumelien tue Autonomie 
berufenen tbrafifchen Stammgcnoffen, fenbern hatten 
unter bie 3ramcbiatherrfcbaft ber Pforte turücfjufebrrn. 

(G. Roten.) 

KARASU, b.h. auf latarifch Schwarte« ffiaffer", 
glufi in ber JTrim, ber nach feiner «Bereinigung mit bem 
Salgir in ben Siwafcb flu-»:. Der Jtarafu entfpringt 
auf bem füblicbrn Hbbangc t-eJ frimfdjen fjaupigebirgr«, 
9 Äilomctcr füblich von ber ©labt Jtarafu « ©ajar jwi» 
feben Äalffelfen. 3uerfi wenbet er «Idi nach Sterben, fc 
bann nach Storboft, vereint fi* darauf mit bem Salgir 
unb gibt beffen unterer Strömung feineu 9tamen. 3Jor 
feiner 5Jtünfcung in ben Siwafd? toirb ber Aarafu in 
ben öftlicbcn 3trm abgeteuft, ber im 3. 1784 von einem 
SRurfa (tatarifeben (Fbelutann) auf fünfUirbe SIrt herge< 
(teilt ift unb bie Jpauptjrrömung be« gluffr« vndnbert, 
bie burch eine baumlofe Stepp« führte. DU Sdnge be« 
Jtarafu beträgt von feinem Urfprunge an bi« ju feiner 
Bereinigung mit bem Salgir cirra 72 Kilometer, bi« ju 
feiner TOünbung aber in ben Siwafcb, fall« man bie 
untere Strömung at« eine gortfefcung beffelben gluffr« 
betrachtet, 107 .Kilometer. Der a^auptjuftui bce gluffe« 
ift ber Äut -Schuf« Jtarafu , ber von ber 3ai(a herab« 
ftrömt unb bei bem Dorfe Uruönifi fich in bra Jtarafu 
ergieß. (A. v. Wald.) 

KARASU -BAZ AR, bejirfetofe Stabt im fimfero» 
polfifjen Jtreifc be« taurifebrn ©ouvernentent« au ben 
glüffen Huna« unb Jtarafu, 4G Jtilomcter im Dftnerboft 
von Simferopol, liegt in einer niebrigen von Sergen um« 
fcbloffenen Gbene, von benen ber eine ,,«f<Äüja , b. h. 
weifter gelfett, gleich einer flauer bie Stabt vor ben 
Storbwinbrn fcbü&t unb burch feine weiße Oberfläche fic 
Sonnenftrahlen jurüetwirft, fobaß bie Temperatur ber 
Stabt wärmer al« bie ber Umgegenb ift. Jtarafu« 
33a jar hat jw«i griectftftt) « ortrrctjcyc Jtircbcn, vier unb 
jwanjig Stofcbecn mit fRinaretcn, eine armenifcb« unb 
eine falbolifcbe Jttrcbe, einige Svnagogen, 325 äaufttben, 
7 Talgtichtfabrifen unb Seifenfiebereien, ein« Dalgfebmet« 



jerei mit einer «Probuetion von 47,000 »übel unb 14,020 
einwohnet. 

Jtarafu'©ajar ift banf feiner günfiigen Sage an 
Der Sranfttfrrajje von Simferopol nach Sl<u\d} unb geo« 
bofta einer ber roi<htigftrn apanbe((3orte bet Xrim unb 
liegt in einer fruchtbaren, an Ob)t< unb Skingärten rei« 
chen ©egenb. 3m 3- 1871 belief fich ber .fianbeltum« 
faj auf über 1 SRtUion 'Jiubel. Die^aupt<<frportaTtifr( 
IM! 2ala, aSJoße, rohe fidute, SBeintrauben, SBein, 
9lüffe, Vfrfchiebene grüchte, Sfabacf, Safftanfabrifate vet« 
fajlebencr «rt unb lucbburfen (Sörfe von grobem luaje). 

(A. v. WM.) 

KARASY, ein ju ber ©eneral« Stattbalterfchaft 
(Silajct) von ßhobaivenbfjat in Aleinafien gehöriger 
Sanbfcbaf, welcher nörblicb unb weftlich vom Warmora« 
iWcrc, ber Darbanedenftraße unb bem Hrgdifcben -VUcxt 
bi« an ben ®olf von tibremib begrenjt, im Sübrn von 
bem Sanbfcbaf Sarucban, Bilajet Slibin, b. i. Smvrna, 
im Cften aber von ben Sanbfcbafj Jtarahiffar«Sahib 
unb Sruffa, beibe jum Bilajet (Ihobawencrjar gehörig, 
ringefcbloffcn wirb. 9tach bem türfifeben Staat« «Äa« 
lenbtr*) wirb er von ben folgenben Jiafa« unb 9tabicn 
gebllbet: Salifefr, 3wrenbi, 95alia, garat unb Sthami 
mit Sufvgbvrlvf, Äireffün, (Srbef (b- i. bie .ftalbinfel von 
Cpjicu«), ÄapvDagbb, $afcba«?imäni, Wermere (b. i. 
bie 3nfel ÜRarmora), (fmir tili, «itr.;M\fvf, SanDvrma, 
©iunäit (gefpr. ©iönen), Waniä«, (ScremiD, b«n 9?omaben« 
ftdmmen ifdjini, Aql«Don(u unb .ftaramin, ber SJahia 
von Mwi , J?ema«@biemib, fliwalvf ( Äpbonia) mit b«r 
3nfe( S?i'ni5. Sawuta mit XclPuchän, Sighaoitfcb, San« 
bvrgfya, Salat unb Jtebfüt. — Die ^auptftabt Salifefr, 
b. i. ngr. $aleo Jlaftro, Ottenburg, weift mit ihrem 9ta« 
men auf ein vortürfifche« Qfaftell hin, eine anritt Ort«» 
lagt ift jeboch bafeltft nicht nachAuweifen. Sie iji b«r 
Siö «ine« SWuteffarrif« (Statthalter« 2. Sange«), eine« 
Webfchlie (9(egierung«collegiumfl) unb eine« erftinftanj« 
liehen ©ericht« mit llnterftaat«anwalt. 9torma(«Sa>u(en 
ftnbrn fich fiebert innerhalb be« Sanbfcbaf« unb jwar in 
Salifefr, in dbremib, in Jtemcr«@bremib, in Salat 
(IBalation), in Samma, in Jtebfüt unb in Wibalitfcb. 
Da« ?anb ift von rauhen, walbteicben ©ebirgen burch' 
jtogrn, beft^t aber fchöne fruchtbare (Sbrnen, in b«n«n viel 
©etretbe, auch für b«n ivpcn, gewonnen wirb. Die 
©fgrnb von (fbrtmib unb jTemet ift reich an herrlichen 
Ölwtnpfianjungcn, unb bte 3nfel SRarmora liefert einen 
vortrefflichen blau gereiften weifien Marmor. 

Der Sanbfcbaf von Aaraf» ift in feinen fragen 
©renjen eine Schöpfung ber o«manifcbcn Sultan«. Den 
feibfchufiflhen ^errfchern in Äleinaftra war e« nicht ge» 
lungen, bie burch bte See mit Üonftantinopct in $ct« 
binbung fiehenbrn nörblichen uub wefilichrn Tb nie b«« 
Sanb«« brm grieajtfcbea Aaiferrriche ju entreißen, unb 
fianben biefetbrn )ur $tit be« Sultan« Crchan unter v«r< 
fchiebenen fleinen Dvnaften, leffür«, wi« bi« türfifeben 



*) ». t.brmei[iiAtn/.t^r»(ft.>.RI^.i<C4ma a iii > ScnM' 
tmtptl 1297 t. gl 



Digitized by Google 



KARAT 



— 39 — 



KARATEGIN 



©etdjicfiifdjreiber fit mil einem bem Slrtnenifdjen ent* 
lehnten Sitel b*nennen. Der füblidje gebftgige ianU6- 
thtil bagegen geborte iu bem ©ebiete be« Siofdjlän » 5?co« 
eine« vornehmen Seibfcbufen, welcher ftd) rühmte, mil 
ben Sultanen von 3conium verwanbt ju fein, unb wel» 
djet beim 3erfaUen bc« Seidje« Sunt bi« über S3rrgama 
hinau« al« unabhängiger gürft anerfannt rrorben war. 
Ütfcblan« SBtg war bem Drcban unb fdfon vor ihm bem 
Ctman ritt treuer 99untc«genoffe grwefen; nid}t«beftO' 
weniget fudjte Crdjan, nadjbcnt rr SBruffa erobert unb 
bit grtecbifdjen „Teffut«" von Ulnbdb, Wubalitfcb u. f. w. 
jur üributgablung verpflichtet, mit bem Sohne Slb* 
fcblan'«, btr brm tmw.idjm verdorbenen 5Baler in bet 
Srgirtung gefolgt war, im 3. 1336 Streit unb eroberte 
fein Sanb, welchem er btr im Sorben unb Söeflen ben 
©riechen abgetponnenen Diftrictr beifugte, wäbrrnb et 
bie (üblichen ®ebiete lo«lrcnntr, um fte mit bem Sanb* 
fo>af Sarudjan gu vereinigen. (G. Rosen.) 

KARAT (franj. karat, carat, engl, carat, ftal. ca- 
rato, fpon. unb portug. quilatc, gunädbft au« bem arab. 
klrut, bat wieberum au« beut grird). keration, hülfen« 
frudji , Same be« 3obanni«brote«, flammt) bieji vor 
(Sinfürjrutig be« metrifeben bedmalrrt ©ewicbtdfvftem« in 
ben begüglicben ?dnbetn unb beißt im britifeben Steide unb 
in ben (Bereinigten Staaten t>ru Sorbamerifa nod) bec 
24. 2bcil ber Warf ©olrefl, in ben lettgenannten San* 
bern ber 24. 2heil be« Sroppfunbr« im fegenannten 
$iobiigrwid)t (f. b.). Da« Äatät würbe in 12 ©rän 
getbeilt, a!6 Unterabteilung be« Iroppfunbö aber grr* 
Ml. : r« in 4 ©rän (grains) ju 4 Duart« (SBiertel). Säcbft« 
bem bilbet ba« Äarät nod) jept faß in allen Ihrilen ber 
Seit bie (Jinbeit tetf 3uwelengewid>t«, nad) welchem 
Etilen, diamanten unb anbere (Sbelfteine abgewogen unb 
.-.eicS-cut werben. Wan tbeilt ba« Äarät in biefem galle 
entwebet in reinen ^>alb»ungen bi« auf V»4» fbw ou<h 
in 4 ©rän. Da« Äarät ift nid>t überall gang gleid) 
fäjreer; am verbreiteten ftnb ba« auch in brn Siebet' 
lanben felbjt bi«ber nod) gebtäucblicbe boUänbffdieSuwelen* 
farät = 20,s«m fientigramm, ba« englifdje — 20,sio4 tjenti* 
gramm (3,i*m engl. Srofyjrän, inbem bie Irot)»Unge 
151 V, Äatät bat) unb ba« frangöftfd)e = 20,»<xi tjentl» 
gramm; boeb reebnet man im $anbel bie vetfebitbenen 
'juweltnfaräte bei iljret fo geringen ©ewidjrtabmeidjung 
at0 einanber gleid). SBri brtn rrangöfifd>en ^uwelenge« 
widjt bilben 144 itarät eine Unge (onee). Seit 1872 
gilt in gang £cutfcb(anb unb feit 1876 in JDeftcrreid)' 
Ungarn baft allgemeine metrifa^e ©ewidjt aud) a(0 M- 
ivelengera>id)t, wie bie6 gefe^licb aud) in brn Sieberianben 
oer nill ift, :vii'rTrnc man fid) in granFrrid) nod) br« 
Äaiät« bebient. ^inftdjtlicb, ber SAdJung be« ffiertbe« 
ber UMaraanten ftneen unter ben 3uwelieren unb tinter 
ren gadji'djriftfteaern mebrfadje «Ibn>eia>ungen ftatt, bod) 
fann man im allgemeinen ben ffiertb be6 Jtarät* eine« 
mm Sdjntlt tauglidjen toben Diamanten im £ura> 
'*nitl«i>rftfe »u etwa 50 beurfdje Warf unb oen be« Sta* 
:« eine« gefebliffenen Diamanten (Sritlantcn) gu 180 
bi« 270 SRatf annebmen. Det SRettolog Dourftber in 
Jittwetro» gibt im 3. 1840 an, bafi man gu biefrr 3«» 



ben SBettb be« Äatäl« ber erften Älaffe auf 48 granfen, 
alfo auf 38«/» Warf, fd>a>ie. Der $rei« fdjweraer, 
über ein Jfarät im @rwid)t binauegi-l-nitc r Steine wirb 
ber aewdbnliajen Siegel nad) baburd) beftimmt, bafj man 
bie 3abl ber Jtaräte, weldje ber Stein wiegt, quabritt 
ober mit fid) felbft unb ba« *|3toburt mit bem Steife 
eine« Äaräl« mulliplirirt, fobafi ein 2«, 3', 4', lOfarä» 
tigrr Diamant bae 4; 9<, 16>, 100fad)e eine« einfa« 
rätigen von gleitet Sdjönljeil foftet. SJenn g. ba« 
Äarät rol>er Diamant 50 Warf foflet, fo ift biernad) 
bn "l'uit eine« rob,en Diamanten von 3 Jtarät ®ewid)t 
mit 450 Watf (3x3x50 Warf) gu begablen. lieber 
20 Äarät ©twid)t btnau« werben inbefi bie auf biefe 
ÜBrife ftd) agebenben greife voOfommen imaginäre, weil 
gu febr tbeuern Stürfen pd) wenig Äftufer finben. 

9kn btn gefdjliffenen Diamanten nimmt man an, 
baß fte burd> ba« Sdjleifen bie ^älfte tbre« votberigtn 
©ewitfct« verloren baben, unb be«b>lb beftimmt man be* 
ren $rei« burd) Duabrirung be« Doppelten bet 3<>W 
Jtaräte tbre« ©ewid)t«, multiplicirt mit bei 3^H br« 
greife« eine« tinfarätigen Steine«, ober, wa« ba« näm* 
litte Srfultat gibt, burd) Duabrirung ber 3.11M Jtaräte 
ibre« ©cwid)l« mit bem Sierfadjen Jene* Steife«. 3ft 
biefer lefciere g. 8.50 Warf, fo etgeben ftd) fut einen 
gefdjliffenen Diamanten von 3 Aaräi @ewid)t 1800 Warf 
(6X6X50 ober 3x?3x200). 

Die $rei«fd)äjung ber gefdjliffenen Diamanten ift 
abet fefneflroeg« eine übetaQ gutteffenbe, ba ber iBrei« 
aud) von bet Seintjeit if>re« SEBaffer« abhängt. So 6<U 
man ben im 55efi^e be« Äaifer« von Cefterreid) befinb« 
lieben gtofsen Diamanten von 139 Jtarät ©rwid)t, wel< 
d)cr fetnergrit bei bet Sfnnabme eine« greife« von 48 
grauten füt ba« J?arät toben Steine« (f. oben) bet an* 
geführten Segel nad) 3,709,632 granfen hätte wertt) 
fein muffen, auf nur 2,600,000 granfen SBtrtb abge* 
fdjäfet, weil er eine gelblid)e gätbunq befiat unb al« 
Sofette gefdjnitten ift, wogegen bet „Scgent", ein Dia- 
mant ber ftangöfifdjeti Ärone, weldjer viel vellfommrnet 
ift, abet nut 136 Äarät wiegt, auf etwa 5 Willionen 
granfen SBerth abgefdjäfct worben ift, obwel er nad) bet 
erwähnten Segel nut einen fflertb von 3,551,232 gran« 
fen haben würbe. 

3n ©togbritannien unb Sritifd)'Dftinbteit roenbet 
man bie nämlid)t S9<red)nung«weife an. Wan iM->i?ie 
bort vot mrhrern 3al?rtn brn *Btei« eine« einfatäiigrn 
Stein« auf 2 $funb Stetling, wonad) ein roher Im 
mant von 3 Äarät ©ewid)t einen SBrttb von 18 $funb 
Stetling (3x3x2) reptäfentitt unb ein gefd)liffenet 
Diamant be« näm(id)en ©ewidjt« 72 $funo Stetling 
(6X6X2 obet 3X3X8). 

Äatätitung nannte man in Deutfcblanb unb 
Defterreid) bi« gur (Einführung be« metrifchen Waf- unb 
©eroid)t«fijftem6 (im Deutfdjen Seidje mit «nfang 1872, 
in Cefttttefd) mit Anfang 1876) bie ?egiruna obet 93et« 
feftung be« ©olbe« mit anberm Wetall. (fr. Noback.) 

KARATEGIN ift bet Same einet ?anbfd>aft 
Senrralafien« am mittleren V.mfe be« Surghal, eine« 
tedjten Sebenfluffe« be« «mu «Daria (Ofu«); im Sor« 



Digitized by Google 



KARATOWA 



— 40 — 



KARATSCHI 



ben unb Dften grenjt e« an ben SBejirf vou Srraffcban 
unb an ba« gergbana » ©ebie t, im Süben an Darwa«, 
im SBrfien an iluliab unb bafl äj)iffar*©cbirt. 9ln ber 
SRorbgrenje erbeben »1* ba« Sllai« unb ba« biliar •(»'.• 
birge, im Süben liegt ba« $amit>UUuttau. (i?.) 

KARATOWA ift bet 9iame einte? Scrgftdbtcben« 
mit ®eMet im nörblicben Mal ebonien, in einer wegen ihre« 
$Rinrnrr(cbtbum« feit 3abrbunbertcn boebgefebäßten unb, 
nach ben Spuren alten Sit' Im« 3 iu urtbeilcn, auch bem 
SJlterlbumc wobl befannten ®egenb, bie aber, wie über» 
baupl bie an fie grenjenben @ebietc Darbanienfl unb 
Dbermöfien« , in ber alten Literatur faittn je eine (5p 
wähnung gefunben. 3la<t) ber jefcigen l'rovinjial-Dp 
ganifation be« ^forlcngjbietö bilbet c3 ben Vorort eine« 
uim rn:.H*af von isfopia (ll«fjub) gebörigen Jfafa 
(Diftrict) unb untergeht mit bemfelben bem Silajct von 
Jtoffowa. ftaratowa liegt an ber Sraonifca, einem ber 
DucUbacbe be« ISgribere| ein«« linf«feitigen 3»fluffed bed 
SEBarbar, ungefähr in brr Mitte jwifeben ben bebeutrn; 
ben Stäbten SJclefeb (Jfjöprülü) im S3B. unb Jtjöfien« 
btl im 910. in einem fnf> nur gegen SBcften öffnenben 
engen Übale, umgeben von fteilen, vielfad) natfte gel«' 

Sebängc bictenben, reo aber ber Sobcn e« geftaltet, mit 
neben unb Sueben hiebt bewaebfenen Sergen, welche 
eine £öhe von 800—1000 Meter über bem Meere«» 
fpiegel erreichen. 3m Horben «inb Dften febliept ftd) 
baran ein noch wenig erforfebtrfl ®ebirg«Ianb. Tie SEBid)? 
tigfeit Jtaratowa« beruht auf feinen Sergwerfen, roelcbe 
ftd) in ber füblicben ®ebirg«wanb be« 2halc3 befinben, 
unb in benen au« f»e«itifd}cm $orpl)örgeftein ein filber« 
baltiger Sleiglanj gewonnen tvirb. Die 4}oböfen bc 
ftnben ftcb in Jtaratowa felbft. 

T;c ®egenb von jtaratowa mit ber tveftlicb vor 
bem Serglanbe fia) au«breitenbrn dpoebebene gehört ni 
ben Steden ber Salfanbalbinfel, toe infolge ber 'Hölter» 
wanberung bie Slawen juerft 9?iebedajTungen gegrünbet 
unb ftften guf gefaxt haben. Son raher flammten bie 
jtaifer 3uftin unb 3uftinian au« einem febon volltommen 
beimifd) geworbenen ®efeblecbte, unb wie beute bie Sanbc«» 
einwobner, abgefehen von einigen, in neuerer 3"' cn '' 

(tewanberten SUbanefen , beinahe auöfd)Iiefilia) Sulgarrn 
inb, b. b- ftacbfommen ber frübeten, vor ben Serben 
bereit« vorgefunbenen flawifdjen (Sinwanberer, fo bürfte 
ba« gante Mittelalter hinburrh bie Srvölferung eine fla» 
wifebe gewefen fein. Son ben fpecieUen S<birf|a(en Jca« 
ratowa« ift nicht« berannt; bafi e« wie ba« benachbarte 
Sergwerf von SRovobtbo fäcbfifcbc Sergleute gehabt, wirb 
nirgenb« erwähnt. 9toch im G. 3ahrb. machten ftcb bie 
Slawen ber ®cgenb von ber hniantinifchcn jjerrfebaft 
unabhängig unb blieben cfl, bie tbeilweife Unterwerfung 
bureb Jtaiier Saftliu« (1282) abgerechnet, bi« ber mäch» 
rige ferbtfebe Jtaifer Stephan Dufcban fte in ber erftrn 

tälfte be« 14. 3a^rb. feinem SReiche einverleibte. Sei 
erbien bürften fie lange über bie Schlacht auf bem 
SImfelfelbe binau«, ja vieQeicbt bi« ,jut völligen Sernicb' 
ung ber ferblftben Autonomie verblieben fein, au«gr» 
nommett bie Anwohner foldj werthvcDer Stellen wie 
bie Sergwerf«gegenben, weltbe bie Jpabfucbt ber Sultane 



t einen. 3m % 1455, im 2. 3ahre nach ber (iroberung 
(Sonfiantinopel«, lagerte SRcbammeb II. mit feinem J^eete 
unter ben Sergen von äaratowa unb befehle^ bafelbft 
bie SBegnahme ber bem ferbifeben Äral jugehörigen 5Winen» 
fiabt 9covobrbo. Srrfelbe Sultan führte eine türfifrbe 
(Solonie nach bem benachbarten Sfopia, wofelbft auch Cie 
Sanbfchaf »Sege refibirlcn, welche wahrenb ber 3abr» 
bunberte tütfifdjcr 4j>errfchaft Äaratowa verwalteten. Wk 
ba« gefammte Mafebonien, fo würbe auch Jtaratowa 
nach bem ritfftfch'türfifcben Kriege von 1877—78 für 
ba« von ber rufftfeben Diplomatie geplante große Sul» 
flauen in Anfpmcb genommen, von bem Serliner Gon» 
gre^ aber ber Pforte erhalten. (G. Roten.) 

KARATSCIIEW, J*rci«ftatt im europäifcb»ruffi» 
feben ®ouveruemcnt Drei, 111 Kilometer norbwefilicb von 
Drei, an ber Snefbeta in einer abfoluteu ä^öhe von 834 
gujj über hem Meerc«fpiegcl. Sin bie Stabt fdjlie^en 
ftcb neun Sorftdbte unb fteben $orffcbaftcn unmittelbar 
an. Der Stame Aaratfd)em finbrt (ich in ben rufftfebrn 
dhconifen feben im 3- ll-li; vor, in bem bie Stabt von 
bem ®ro6fürftrn Swiato«law jerftört würbe. Seit 1240 
würbe Jtaratfcbew ber {»auptort eine« befonbern Sc» 
nrf«, ber von Miftlaw, einem Sohne be« ifrbrrnigowfcbcn 
gürftrn Michael, eingerichtet würbe. 3m 16. 3abrb. 
fam jfataffcbrw an citaucn, im 17. 3af)rt}. war e« im 
Kriege mit $olen Serfammlung«ort ber üruppen au« 
ben verfchiebenen Stdbten be« ®ouvernement« Drei 
unb Aur«f; im 3. 1662 wurbe bie Umgegenb Jla- 
ratfehew« von ben frimfebrn Üataren verwüftet. 3nt 
3. 1778 wurbe Äaratfcbew jur Ärei«ftabt be« ©ouverne^ 
ment« Drei erhoben. Die Stabt bat 10 Aireben, 115 
Jtaufläben, eine Jtrei«» unb eine (Slementarfcbule unb 
11,734 (Sinwobner. Die 3nbufrrte unb ber äpanbel 
ber Stabt ftnb ziemlich bebeutenb. (5"« gibt in ber: 
Ulbert vier 3!a(gfdbmel}ereien unb Xalglicbtfabtifen, eine 
2Ba&«bleicberci, eine S?acb«(id)tfabrir, eine (Serbrrei, 
eine Sier< unb eine Metbbraurrei. Die Aaufieute bau» 
bcln vornehmlich mit ®etreibe, glacb«, Jr>anf, .vjanfi'amen 
unb{>anfö(, von bem in 118 Delmühlen jährlich t. 30,000 
5?ub gewonnen werben. Der ju Jtaratfajew am 16. — 22. 
3u(i ftaltfinbenbe 3ab:maift wirb in ber Sorflabt Sr» 
refebfa abgehalten unb werben auf bemfelben SBaaren im 
SBcrtbe von 25 — 40,000 «Rubel abgefe&l. 

(A. r. Wald.) 

KARATSCHI, engl. Curracb.ee, ift ein britifeber 
Difrrkl in ber ȧrovinj ^inb, jwifeben 23"34' unb 26* 
57' nörbl. Sr. g<lcg«t, 39,000 DÄilometer ober 705,i 
geographifebe □ Meilen glädie (alle wenig größer al« 
ba« Jtönigrricb Dänemarf ober bie *J?rovin» Hannover), 
1878 mit 423,459 Srwobnern, alfo 600 auf btr QMeile. 
52ad) Horben grenjt er an Sbifdrpur, nach Dften an 
ben 3nbu« unb $aibaräbab, nach Süben an ba« Meer 
unb brn glufj Jtorf, unb nach Sßeften an ba« Meer unb 
Selubfcbfftan ober an bie Sänber be« Ahan von Jcalat 
unb ben gluß äpabb. Diefer Ibfil bet fo ebenen $ro< 
vinA Sinb ift im SSrfien gebirgig, wo jahlreiche hebt 
9u«ldufer ber Airtbai» Serge in« glacblanb vorfpringen. 
Son tiefen hoben unb unfruchtbaren, burch tiefe unb breite 




)igitizecl by 



Google 



KARATSCHI 



— 41 — 



KARATSCHI 



Ibölrr jciTcbnittenrn Sircttrn oi« wirb ber Boben nach 
SC. ju ein« ftcb fen'enben Gbeue, bi» im äuperfeen 
Süben ba« 3Mta bcä 3ntus5 ftdj al« eint niebrige, flache, 
unmalcrifcbe SlUuvioti« > (?tene bt« an ben $orijcnt 
binbebnt, bic nur bureb jablreicbe, um 3Rcere gebenbc 
SBafferläufe etwa« an ihrer (Sintönigfrit verliert- (Die 
rindige größere SBaiferflädie hübet ttx SJJancbhar'See 
in Sebwcn. (Die etwa 11 Jfilom. nörblicb von ber 
Stabt Jtaytfdfi gelegenen heißen Duellen von »Uir* 
URangho «eben wegen ihrer malerifeben Umgebung in 
ben febr oben unb fclitgen 'Bergen manefce Beiudier an. 
Sie entfprtngen unter einem kaufen von (Dattelpal' 
men, welcher ba« (Snbe eine« feliigen Jlalfhügel« bcoedt, 
in einem von anfebnlicben ^pöhen untfcblojfenen bübfeben 
Übale. 9cabc babei liegt ein wegen feiner gewaltige;! 
3abl von Jtrofobilen berüchtigter Sumpf, welcher ju ben 
$auptmerfmürtigfeiten Jtaratfcbi« gehört, £unberte 
bietet Ungetbüme fonnen fieb träge neben einem fcblane 
migen, grünen »Bfubl ober friedjen Nahrung fuebenb um« 
bef. Gine *Mofd)ee front ben ©ipfel eine« Reifend, mit 
einer bübfeben weisen Jluppel unb icblanfen ÜJtinarct«. 
3ur gauna geböten teoparb, .fpvdne, SBr-lf, Sebafal, 
Sud)«. Bär, »ntilope unb wilbe Sdjafe; unter ben 936' 
geln finben ft*t' graue Jauben, «ebbübner unb 

Wachteln. 

3n ber alten Statt Schwan fteben bie dtuiuen 
eine« gort« von febr bofcem Älter. Tir loeale Jrabition 
frbreifrt baffelbe Slleranber beut (Mroßen ju, ber ben 9?e» 
arebu« au« tiefer (Segenb nach bem *UerÜ!djen 9J?ect» 
bufen fanbte. ©ewöbnticb inbeß wirb c« mit bem febon 
Hit Sllcranbet'« 3*it vorhanbenen Sibomani ibentifi» 
etrt, ba« fpdter alö Siwaftan befannt war. (Die Stabt 
war febon eine wichtige, als" N Dcoliammcb Äaftm Safift, 
ber erftc mufelmanifcbe (Jinbtingling in Sinb, nacb ber 
(groberung von 9Jeranfot, bem beutigen £aibarabab, um 
713 ba« 8anb untenvarf. @erabe unter ben SRafli» 
bergen lag Mon Samui, bie 4jauptftafct ber Samma-- 
(Dpnajtie, urfprünglid) .£>inbu< ober Bubbbiftifdje Surften, 
welche ftdj von 1351 bi« 1521 unabhängig von ber *Wacbt 
Per Wobammrbaner erhielten, '.'lud? al« fte gegen @nbe 
be« 14. 3abrh. jum 3«lani übertraten, blieben fte trofc 
ber nominellen llntertbdnigfeit gegen gitoj üugblaf von 
(Delhi tbatfäcblicb unabhängig; unb bie Stabt latta, 
ihre gewöhnliche JReftbent., würbe fpäter ber SRittelpunft 
tri Bcvölferung unb be« $anbri« von ganj 6tnb. 3m 3- 
1521 befiffl'C Schab Seg, ber Otünbet bei «rgbtfn. 
Spna^ie, ben legten Samma'görjten voflftdnbig unb 
warb bei Bebetrfcbfr be« untern 3nbu«tbale«. Slber 
febon 1554 erlofd) bie 8lrgbun*Sinie. üRirfa 3ani Beg, 
ber le^te Socalregenl von Satla , würbe 1591 burch 
eine Slrmee M iVughal-äaifrro' flfbar brftegt, unb Sinb 
unb Dittltan würben bem Aaifmeicbe einverleibt ; iatta« 
v.üif aber würbe bem 3<ini»9eg ald Sehn überlaffen. 
ÖBeg^eu fieler Streitigteiten um bie 9cegierung von latta 
fdiarrte 3abangir ba« erbliche Birefönigthum ab unb 
fefcte beliebig Stellmtretet ein. 1793 folgten ben Jtal« 
bora. Surften bie lalpttr ^«Wir«, weldje ben «Bertb bt« 
^afen« von Äatatfdji für ben ^>anbel etfanntrn, unb 
«. a«rert. ».«D.i.t imiu ecctui XXXIII. 



nun erft erlangte bieier Ort eine 9Bid)tigfcit. 1839 fa< 
men bie Briten bureb (Sinnabme res Wanora'gorrd in 
ben Beftf ber Stabr. Schnell wud>» btefe unter ber 
neuen 9Jenvaltung heran unb würbe ber £auptbafen bt« 
norbwefilidjen 3nbien«. 

3m 3- 1872 gab e« im ÜMftrictt 717 Dörfer; von ben 
Bewohnern waren 242,510 männlichen (öti,* BneÄ 
1^4,2»» meibl. ®efdjlea>t«. Di* Jfinber machten 36,»»Utoc. 
au«: 87,498 Änaben unb 69,692 3Kdbd>en. 348,773 
waren «Kobammebanet unb 73,304 £inbu«; 3829 waren 
(Sbrifien, 81t> anberer »Heligion. »Jan jäblte 2035 
(Suropder, 323 ilurafiet, 1039 3nbO'^ortugiefcn, 208 
anbete 9(icbt<äftaten, 73,304 ^inbu«, 104 eingeborene 
(Ebriftrn, 717 $arfi«, 406 anbere unb bie Wobamine« 
baner. ($« gab 8 Stdbte mit mehr al« 2000 Serien: 
■Rararfchi mit 56,753, Äerri 7949, Sebman 4296, Bu» 
baf 5703, 2>abu 3357, 2atta 7951, Aeti'Banbar 2199, 
Wirpur' Baioro 2846 (Sinwobnern. 

Üderbau fann nur an wenigen Stellen ftattftnben unb 
in von Brunnen, Duellen unb iRegen abhängig, ^aupt« 
ernten liefern tifeboar, Bafdjra, Werfte unb Suderrobr; 
vom 3nbu« her beriefelte Slänbercien liefern 94ei«, aba 
nudj SKeiien, Snrffncbr, ^>trfe, Baumwolle unb Sa» 
baef. (Sic füblidjen (Ebenen bebeden fid) nach jebem 9ie* 
gen mit Kräutern unb @ra« in Sülle, wo bie Berg> 
bewobner ihre beerben weiben taffen. 3n bet Smabban» 
bat « Subbtvifion befinben ftd) am Sirganba »Creee au«< 
gebebnie Saljlager, weldje nacb be« 3ngcmeur« liapt. 
Butte iintrrfucbung au«trid)enb Sal) tut bie ganje 
4fielt auf bunbett 3abre enthalten. (Die ($ifenbabn 
von Äaratfcbi nach Äotri ift 164 Äilom. lang. See» 
unb glu^fifch«« ftnb von ©ebeutung. 1814 gab e« 
49 Schulen mit 3167 eingefebrirbeneu Äinbern. 

3m 3- 1874 war ba« «Wartmum ber Sempetatur 
38,3*6., ba« Winimum Ü'Q.; e« fielen 211 SRiUimctct 
»Jiegen (im «Wittel fallen 127). Äaratf^i foll ber gefun» 
befte Ort in Sinb fein, wo übrigen« viel Jlranfheit, aud> 
6bolera, brrfdjt. 

Die f^eejlabt jtaratfcbf liegt faft in 25 nörbl. 
©r., am äu^ertlen Worbenbe be« (Delta, nahe bem 
Sfibfufjc ber »llabb-Berge in 8alutfd)if»an. 1872 jäbllt 
man 5t ; ,753 Öfnwohnrr. He Bai wirb burd) bie vor« 
fpring'nbe v })(anora'Spi|je gebtlbet, weldje ba« (Sube ifi 
von einem 16 Äilom. langen 9liffe, ba« einen natür« 
liehen Schuß gegen ba« «rabifebe «Weer bilbet. 3wifd>en 
SRanora unb bem gegenübergelegenen Sanitarium (£lifton 
bat bie Bai etwa 5,» AUom. State; aber ben ($in> 
gang fpmen bie Irlufterfelfen genannten gc(«infeln, unb 
babtntet bie größere 3nfel Aiamari. (Der Aafen bebnt 
fid> nach Horben 8 Kilometer weit von 9xctnora au« 
bi« )u ben (öligen be« Sajari'gluffe«, unb etwa eben» 
fo weit ift e« von ber alten Stabt Jcaratfdji am Dftufct 
bi« jum äußerflen üBefrpunftr. Uber nur ein fleiner 
Iheil biefer Stäche vnmag große Schiffe aufjunebmen. 
«uf ÜWanora»ä^eab (leben ein ?eud)ltburm, ein 1797 er» 
baute« S°rt, J^afen« unb 8ootfen'®ebäube unb ein 
Sbril be« inbifd) • europäifdjen driegraphen < ÜJeparte« 
menttf; fern« eine engliicbe Ätrcbe, auch eine europäifajc 

6 



Digitized by Google 



KARATSCHI 



— 42 - 



KARATSCHI 



Sdjulc, 39ibliolbcf unb S&iUarbjimnicr. Jtiamari Im: ben 
V.:i:tung>?p:a$ unb frei SWolrn; bie 4,« Allem, lange r ul 
Papier - -StcU verblutet tu 3nfel mit teiu geftlanbe unb 
ber Statt. Xte 2inb>Lvi(enbah:i reicht bid Jtiamari. 
Um Gnbe ber Welt liegt ba« 3°Ubauö. Ter dlttfte 
I'.h-A ber Stabt, mit ber bidjteftcn Söevölferung, jiebt 
firtj länge teö i^afen« bin. Sin Der WJeob» Strafte 
liegen bae> Q)ericbt6bau0, bie neue 33anf von Bombay, bie 
31gra'39anf, bie ijanbetofammer, bie ßifenwerfe unD brei 
febr bereute Ute ©aumrooUprcffen (tdgtia) 1000 93alleu); 
ferner liegen in biefem "Biertel bie 9lrmcn = Slpcthefe, ber 
SBabnbof, mehrere Sdjulen, ein neuer #inbu» Tempel 
unb bie rneifieu (Somploire ber europdifebeti äaufleute; 
ba< 3 8cte4 bebeifenbe Slfghancn» Sarai, 1873 für bie 
Jtaravanen von Jtanbabar gebaut. 40 8cre< nimmt 
ber 1 V Jtücm. von ben Jtafernen entfernte rKegierungP- 
harten ein. 3n bem militdtifd}en Jbcile ftebt aueb bie 
anglifanifd)e Xreifaltigfeit««.ltird)e, ein unfeböne« Sau« 
werf ; bie fatbolifebe St.>$atrirf6'Jtirebe unb Schule )ei< 
gen gar feinen Stil, lie 1854 gegrünbete europdifebe 
unb inbo « europäifaV Sdjule bat ein bübfrJbrt Stein- 
gebäube. Sintere neuere ©auwerfr fitib bie preflbvte* 
rianifdje St. »SlnbrercAiicbe, bie ("briftuft «.Rirdjr, SRif« 
ftonÄ» Schulen, bie Papier.- Danielen, ba$ ®i6rt'Sanita< 
rium unb bad $oftaint. Tie 1865 eröffnete grere» 
£allc, im vrnerianifd) •- gotbifdten Stile, enthalt bie 93i< 
bliothef unb ta9 SRufeum. Ta< Ocuveriumcutöhaiiä, 
bie -""efitcnj te<5 Oiommiffiondr« von Sinb, liegt im 
bürgerlicben Viertel. 

Äaratfdu ift faft ganj eine britifebe Scböpfuttg. 
9ior 1725 erjfxirte b»« feine Crtfcbaft. Unter 3am 
: :na (5 ben 3ofia begann an bem bequemen £afen 
etwaä Hantel, unb bureb von Ufa flf a t bergefebaffte xano> 
neu würbe ba$ fleine gort verftärf t ; tuend) entwirf elnbc 
Torf rourbe »Haraifd» genannt. Sbalb naebber trieb bie 
boffnungelofe ißcrfcblecbtcTung be* Sdvihbantar >£afen6 
von bort bie Sevölferung mit ihrem ijanbel biet« 
ber. Tie *la'pur».£)äupilinge eroberten ben Crt 1795 
unb bauten an ber -Diünbung ein gort 511 9)ianora. 
S;e maebten au* bctrddjtlicbc Slnflrengungen, ben jpan» 
bei ju btben, fobafj 1838 febon bie Statt mit ihren 
UJorfidbten 14,000 (Sinroobner, jur §älfte £inbu«, uihlie. 
Tie einfrörfigen @rbbäufer ballen alle flache Xadjcr. 
Tie ^Regierung ber Wirft lief» ben Crt furch einen fco« 
potifcb berrfuVnben 9lawab eerroalten. für 

3m 3. 1872 waren unter ben 50,753 ©rmobnern „ 
29,150 SRobammebaner, 23,404 £inbu«, 3397 Gbrifien „ 
(worunter jab'reicjje Suropäer) unb 790 anbere. Tie „ 
SWiliiärmadjt beftanb au« 3227 Wann : 1 Batterie fönigl. „ 
Vlrtillene, 1 europäifd>en unb 1 Gingeborenen »3nfantene« „ 
Regiment unb ber SRannt'cbaft unb ben gamilicn te« ®e« 
fdjüp - unb £afeTncn<Tepartemente". — 1844, im erften 
3abre ber bntifdxn £errfd)aft, war her SBerth ber (Sin« 
fubr 122.160 <j?funb Sterling, ber ber flutfuhr 1010 
«Dfunb Sterling; 1874 beliefen fieb bie SSkrtbe auf 
1,481,70.*» utit 2,025,9 1'.' 'ff unb Sterling; alle war bie 
(iinfubr auf bat» 12 fache, bie «umfuhr auf taf 200fad>e 
in 30 3»b" n geftiegen. 



Tie (Einfuhr 1874 beftanb in: 
26.831 Bf. €terl. Jtleibung«ftüefe, 



23,215 
713,775 
49,069 
43,653 
13,170 
16,407 
13,087 
49,866 
20,818 
21,554 
47,396 
66,836 
18,650 
17,956 
16,001 
33,388 
111,964 
2\4'.»2 
12,722 

ik'ti Gnglanb famen: 



■Refoftnüffr, 

baumwollene Stücfgüter, 
baumwoDene 2wifie unb (Barne, 
jumhie unb Segetabilien, 
(ioafd unb Sehlen, 
Horn unb djülfenfriiebte, 
(flfenbein, ► 
3ute-Sßaaren, 
Wali'giriffigfeiien, 
2Beine unb tiqueure, 
Spirituofen, 
verarbeitete WetaOe, 
^rovifionen, 
Gifenbabn-- Material, 
Seibe, 
©ewürje, 

3»cfer, Kelaffe u. f. »., 
creete. 

für 382,833 ^. Sterl. 95aum. 
woüwaaren, (fifenbabn» Material, ©errdnfe, Jtoble 
unt (5oaf», 9Rafa)inen, SRetalle, !Uroviftoucn, ÄleU 
bung, Trcgurn, Wetteamente ; 
von Sombai? für 1,112,668 i«f. Sterl. Saumrooll', 
Stüefgüter unb 5»iftc, (Wölb, Wetallr, Seibe, 3ucfer, 
Sbee, 3"te, @ewürje, gdrbemitlel, 3Bollenwaaren, 
Aofoftnüffc, verarbeitete Seibe, @>etrdnfe, gntebte unb 
äkgetabilien; 

vom 'i<erftfeben Wecrbufen für 45,564 Bf. Sterl. trotfene 

griidjie, ®f[D, 2ii 0 lle, Äorn unb ^ferbe; 
von gTanfreia , ) für 3449 »4$f. Stexl.; von ber 9)*aftnn» 
füfie für 7989 *|Jf. Sterl. SeBoUe, ^rovifionen, Äorn 
uub {>ülfenfrücfcte; 
von Äalfutta für 48,478 Sf. Sterl. 3uie, 3uefer, Jtern 

unb 4~)ülfenfTÜrble; 
von S3tiiitcl> S3armab für 17,080 Bf.Gtnf.j 
von Jlalfd) unb Jtaibiawar für 6587 Bf. Sterl.; 
von ©merate für 5137 *Pf. Sterf.; 
von Walabar für 8828 *JJf. Stetl. 



Tie Rsifs 

37,263 $f. Sterl. 

381,720 „ „ 

14,283 „ „ 

16.286 „ „ 

98,531 „ „ 

24,093 „ „ 

451 ,538 „ „ 

51,612 „ „ 

11,617 „ „ 

39,201 „ „ 

203,778 „ „ 

11,501 „ „ 

609,518 „ „ 

22,727 || „ 



br 1874 beftanb in: 
93ieb, 

rohe Baumwolle, 
Saumwollgüter, 
Troguen, 
gdrbemitiel, 

grürbte unb Xegeiabilien, 
Aorn unb 43ülfcnfrüa>ie, 
v^uute unb geOe, 
Cele, 

$Tovi"tonen, 

Celfaat, 

$ol}, 

ffloUe, 

Speeie. 




y Google 



KAKAVANE 



— 43 — 



KARAVANE 



SRa* bem 9Jtrfinigten ,Rönigrci*e gingen für 859,805 
«Bf. Steri. »aumwollt, SBolIf, 3nbigo, Saat, $äutf, 
gfllc, üb«, Oele; 

na* granftei* für 36.688 «Bf. Stert, »aumwolle, ®in» 
grlli uuö 9iap«|aat; 

na* «ombap für 697,888, Jtatf* für 37,894, ®ujerate 
füx 17,211 »Bf. Steri. Saunnvolle, Aorn, ®bi, 3n» 
biao, Orte, Saat, «Hei«, Äobfeibe, Sbawl«, Solle, 

*Br«tN; 

na* bem UJerftfd>cn ®off für 49,896 ?Bf. Stfri. 3nbtgo, 

Oele, t&äute, gelle unb Stüdgüter; 
na* btt SRüfran'Äüflf für 13,767 !Bf. Steri. Äoni, 

3nbigo, Oele, Stüdgüter; 
na* 3Ralabar für 24,145 $f. Sttrl. «Bfcrbc ; 
na* Gbina für 149,762 <Bf. Steri. robe SkumwoUe; 
na* Aalfutta für 318 «f. Stfrl. 

Dfr SMnntnbanbfl f*lieBt aufjcr ben auf ber ©feie 
fo*n von Aotri fommenben ®iilrrn btr obern «Brovitijen 
«in: eint grefie SKenge SBolle, tredene grü*te unb 
?Bferbc ton Äanbabar unb Aelat; wäbrenb Äcmcle, 
©*|'en unb (Sfel, »rennbolj, @ra«, ®bi, Datfrlblärter, 
£äute unb Saat von Sa« 3*e(a unb Aehiftan fomuien. 
Die (finfubr<Sre}6lIe beliefert fi* auf 23,389, bie 
8lu«fubrjölJe auf 10,022 «Bf. Steri. 

3m 3- 1848 liefen in ben .'Säten ein : 891 S*iffe ber 
(Eingeborenen von 30,509 Jon«; 1874 war bie Sonnen' 
labl mebr al« bie fünffache; e« liefen ein 30 Segel» 
f*ifff, 152 Dampfer uno 731 S*iffe ber (Eingeborenen, 
olfo 913 gabraeuge »on 161,284 Ion«, «Bi« gntw De» 
ctmber waren für bie £affn.9ierbffferung 449,798 »Bf. 6t. 
aufgeroenbet; Pa« £auplwerf, ber 458 SOteter lange 
SO?anora»©eUenbre*er, würbe 1873 »oUenbet. 

■Iii 1868 vollfnPflc ®efängnifj fann800®efangene 
aufnehmen. Iie *Jiegierung«'.§o*f*ule jäblte 1875 77 
3öflünge, bie auglo'vernacularc S*ule 130 3öglinge; 
auiabem beftanben 4 regierung«»vateriänbif*e Schulen, 
mehrere ?Räb*enf*ulen u. f. w. (Ffl erfdjeinen 5 3ettun< 
gen; 1874 würben 10,657 Aranfe verpflegt, bavon 73 
im Aranfenbaufe unb 9379 vom ^>o«piia[e au«, wo« 
von 897 im 6o«pitale. — Da« Alima gilt für Pa« ge« 
fünbeft« in Stirb troft JÜärmc , geudiligfeit unb Sümpfe. 
Die mittlere 3obre«temperatur ift 25* <?.; «pril, 30?ai 
unb 3uni ftnb bie brifieften Monate. «JRit bem Srinf« 
ivaffer ift f« no* übel beftetlr, man will einen 29 Ai« 
lom. langen unterirbif*en Slguäbuct vom SWaIir«9?iver 
tjerfteUen, beffen Äofien auf 140,000 *JSf. St. veran« 
f*lagt finp. ((7. A. ron Klöden.) 

Karnusche, f. Cyprinus. 

KARAVANE, ein in fdmmtli*en vorberaftatif*en 
Spra*en eingebürgerte« unb al« orientalif*e« grembwort 
von ben maftgebenben ^Belfern Suropa« aufgenommene« 
SEBort, bebeutet eine mit fflnaren unb Irofi reifenbe ®c- 
feUf*aft von Aaufieuten. Da« 3nfiitut ber Aaravane 
ift uralt; f*on bie ®enefi« lägt «Batäftina von i«mae< 
litifdwn Aaufieuten bur*»ieben, unb ber lange ver aller 
©ef*i*tflanf}fi*nung erfolgte internationale «u«tauf* 
von Statur« unb Aunfteri,eugniffen , von tjulturpffanjen 
unb Pgl. mebr ift für bie ©innenlärtber nur bur* fie ju 



erfldren. Ua aber Aaravane, eigentli* Aarwan, ein 
perftf*e« SBort ift — e« ift mit lei*ter Korruption von 
Aiit'i'Tewan, wanbelnber ober reifenber ßrwerb, abju* 
leiten — fo barf man wol annehmen, bafi bie ju aU« 
gemeinet Jlunbe gelangte, feit 3abrbtinberten in ben i«* 
iamitif*«n Wnbern beftebenbe germ Per Aaravane au« 
ber 3ett fkmmt, wo unter ben abbafftbif*en ftbalifen 
bfe perftfebe Station, wie in Der Literatur unb in ber 
«Bolitif, fo im ^>ant«el unb ®ewerbe, eine leitenbe Stel< 
hing bebau; :-: Genien, von einer au* für ben $an< 
bei bo*begabten Nation bewobnt unb bie Q^erbinPung 
be« vorbem Orient« auf ber einen Seite mit Cftinbien, 
auf ber anbern mit Xibci unb ßbina unb enbli* orit« 
ten« mit bem turanif*en Horben vcrmirtelnb, war ein 
vorjug«weife geeignete« ¥anb, um für bie periobif* in 
weite gerne jiebenben Jfaufleuie beftimmte ®enoffen« 
f*aft«nonncn aufjufteüen, von benen bie wi*tigften, 
b. b. bie (Sinfefcung eine« «nfübreT« mit Piöcretionärrr 
Srrafgewalt, bie ®erpfli*tung Per SWitglieber 51111t 3«. 
fammenbalten auf bem Warf*e, fowie ju gemeitifamer 
Slbwebr etwaiger Eingriffe, bie ftrenge öerpönung von 
Diebftabl, von Streit, fowie übttbaupt aüer ©ewalt- 
tbdtigfrit unter Pen ®enoffeu no* beute fbre ®ültigfeit 
bewahren. Der flnfübrer, auf Sürfif* .1tjarwati<Saicbi, 
Aaravanrn ; £aupt , genannt, ift in ber Dtegel ein ge< 
wanbter, roegen ($rfabrung betreff« ber iu unternehmen' 
Pen 9ieife, fowie wegen 3"*friäfftgfeft feine« (fbarafter« 
in bobem Hnfeben ftebenber Wann; feine Autorität ift 
um fo unbrftrittencr, al« meiften« bie Jtaravane, in wel*e 
frembe Elemente aufjunebmen bur*au« vermieben wirp, 
unter feinen «ufpicien ju Stanbe aefommen ift. öt fennt 
ni*t nur bie einsuf*Iagenben ®ege, fonbern aueb bie 
9Äa*tbaber in ben 511 bur*t.iebenben {änPerftreden, fo» 
wol Pie blo« tbatfä*li*en wie bie vom Staate einge» 
festen SebörPen ; er wriü, wo am heften bie 9la*tlager 
;u nebmen, wo für Srinfwaffer, 9labrung«mittrl, gutier 
ju foraen, an wel*en Stellen für bie Si*etbeit befon» 
bere "äxafiregeln ju treffen finp, wel*en S*ei*«, ©eg« 
u. f. w. ®ef*enfe ju gewdbren, in wel*er SBeife ein be« 
waffnrte« ®eleit )ti bonoriren u. f. w. 911« Vertrauen«» 
mann fübrt tr für berartige 3»vede eine Äaffe, |n »ri» 
*er alle WitreifenPen beifteuern. 

Die von ben Äaravanen eingef*lagenen SBege, bie 
fogenannten Äaravanenftrafjen, ftnb, wo e« ft* um ba« 
*Bafftren menf*enleeTer fflrgenben banPelt, meiften« eher 
dticbtuugen al« geebnete 'BfaPe; nur um über glüffe, 
Woräfte, Sümpfe unP felfige ®elurge ju ff Den, finben 
fid) wol befonbere firagenbauli*e Sorfrbrungrn getroffen. 
Die Anlegung von Brüden unb (ünfebrbduferu bat im 
mobammebanif*en Orient immer al« ein Art rrligiöffr 
2Bo&libätigfeit gegolten. SBie bie Anfänge be« Jtaravanrn' 
verfebr« felber, fo verliert ft* au* bie ®ef*i*te Per 
Äaravanenftraßtn in bem Dunfet ber Urjeit. lieber 
viele fehlt überhaupt jePe 9lufjei*nung, unb laffen nur 
gunbe von Wünjen, *arafteriftif*en S*mudgegeiiftän« 
Pen unb bgl. auf *r «inftige« Sorbanbenfein f*lie6en. 
3JieIe ftnb bi« auf ben heutigen Jag befteben geblieben, 
haben aber bur* bie «rnnbungen ber Weujcit, (Sifenhahnen 

6* 



r 



Digitized by Google 



KARAVAN-SEKAI 



- 44 — 



KARAVAN-SEKAI 



unb Dampffd>iffe, ibve die Bcbeutung für ben tBölfer* 
verfebr eingebüßt. Die rcicbtigften bürften nodi cuf 
langt 3eit bie centralaftatifdjen unb cenlralafrifaniiaVn 
bleiben, obwol aud) biet bie Seiten vorüber finb, wo 
berühmte Stäbte wie Bodjara unb Samarfanb ihnen 
@lanj unb Seidjtbura veTbanften. — Ea« am meinen 
verbreitete Äaravanen»Xbier ift ba« Jlamel, welche« ftd) 
gegen bie rafebrn lempetarurrorcbfcl ber norbperfifeben 
Aodjlänbcr ebenfo wibcrftanb«fäbig jeigt wie gegen bie 
©tut bc« librjfeben SBüftenl'ante«. 3n ben Slltai ian- 
bern fd)liefjt fid) ibm ba« bei rauher Äälle nod) au«« 
bauernbere nwcibörfcrige Äamel, ba« Irampel:!)ier, im 
nörblicben SRefopotamten ber gaftoeb«, in ben Kcinafia« 
tifd'en ©ebirg*gegenben ba« Safipfcrb unb ba« «Dtaul» 
tbier, in 3nbien ber (Stcfant an. Die Jtamrle läßt 
man, foweit bie flimatifcben Berhältniffe rt geftatten, 
in ©nippen von 5 bi« 9 Stüd bintereinanbtrgefeppelt, 
burd) einen voraufgebenben Sfel, ben ber Ireiber ge» 
legcntlicb befteigl, leiten. — Sei ber wichtigen Solle, 
welche ba« Jtatavanenwefen im Orient, unb }war, wie 
febon bemerft, vor}ug«wcift in Tertien, fpitlt, ift tfl nur 
natürlich. Daß Dafftlbc aud? in bic Bilbcrfpracbr beö 
Sprichwort« unb ber $orftc vielfachen (Jiugang gefunben. 
„Soviel audj ber 4?unb hrilt, bie Äaravane gebt vor« 
über", fagt ber Surfe, um ju grbulbigem «uflharrrn bei 
ohnmächtiger «ngeiferung iu mahnen. Die SJiorgrnraft 
ber Äaravant ift bem perftfeben Dichter Sombcl betf 
vergänglichen gebcn«genuffctf, bie ©locfe b<« leitenben 
Äa'mcl«, welche bat) 3ri<rcn J um Aufbruch gibt, eine 
SMabnung be« lobe«; ein Duft, ber ihn entjüdt, lä#t 
ihn fragen, ob bie ©clieble bie Dorfen gelöfi, ober ob bie 
Äarasane von (Ibotett, bem .ftcimatlanbe be« 9WofdniC, 
angelangt. 3m Sanffrit heifit bie Jlaravanc ein« 
fach Särfbja, Gnperb, bem perfifchen Jtar ohne ben un« 
notbwenbig erfcheinenben 3ufa& rnvdn enifprrcbenb. Be» 
merfrn«wrrtb ift im Wababharata (Kala, Buch XIII) bie 
Brfchrcibung bc« Ueberfall« einer (Stefanien« Äaravane 
burd) »vilbe ®cbirg«rlefanten. ((V. Roten.) 

K ARAVAN - SERAI , b. i. JTaravanen » £au«, 
nennt man im Crient im allgemeinen alle jur Aufnahme 
unb Beherbergung von Jtaravanen enichteten @ebäube, 
im befonbern aber berartige Anlagen, welche fem von 
Dörfern unb Sldbten, gleichfam in btr (Sinöbe, ben vor» 
übeniebenben ä>anbel«gefeüfcbaften Cbbad) unb Sdwe 
gewähren. Die innerhalb ©rtftftaftcn gelegenen Sa* 
ravan»S«ai« finb mit bem .Jthan ibentifeb unb führen in 
ber Segel biefen Warnen; fie »erben ivol von Orient» 
Seiftnbtn al« eine ?trt 3Birtb«bdufer bezeichnet, obwcl 
bie 9lehnlid)fett mit bem, wa« wir unter folrhen verftrben, 
nur eine geringe ift. Die Aban« finb meifien« burgdbn» 
lieh angelegte, maffive ®cbäuPe, in welchen bie hinein» 
gebrachten Jtaufmanndgüter ber Vernichtung burd) bie 
in orientalifefcen Stäbtcn relativ häufigen geuertbrfinfte 
weniger au«gefe$t finb unb, wa* ebebem wichtiger war 
al« heutjutage, fid) gegen bie Beuteluit aufftdnbifcher 
*ßöbeIrotten leicht vertheibigen laffen. (Sin einjige« fefie« 
2 bor führt in ba6 innere, unb jwar gelangt man bura> 



einen übenvölbten IPang auf einen vierecfigtn grpjlaficr» 
ten greibpf, in ber SDlitte mit einem Stöbrenbrunnen w 
fehen unb binreidjenben SRaum gewährenb, um bad ?lb» 
laben, refp. S3elabeti , verfebiebener Äamele ober SJaul« 
thiere beguem ju geftatten. Den $of umgeben nach ben 
vier Seiten bie Saulicbfeitcn, roelcbe aud «wei offenen 
$feilerarcaben , bie eine über ber anbern, je mit 
breitem überroölbtem Jfrcu$gange unb bahinter rntfprechfn< 
ben Seihen vcrfcbliefibarrr' ©eradeher beftehen. 3« bat 
obern (Sange, auf welchen jebed baranliegenbe @cmad) 
ftd) burd) eine niebere fchwerfdllige Ihür öffnet, führt von 
bem Cringangftrorribor aue> eine folibe €teintreppe bin» 
auf. Die*C*)cmächer, je Durd) ein in ber «ufjenwanb 
be6 ©ebäubee angebrachte« vergitterte« genftn erhellt, 
finb bi«iveilen mit einem Jfamine verfeljen, entbehren 
aber alle« Mobiliar« ; fie bienen ben Ttifenbcn Äaujleuten, 
von benen vorau«grfcgt n>irb, ba6 ftc ihre fdmmtlid-rn 
©ebütfniffe cl« ©epdcf mit fid) führen, al« 9Bobnung 
unb werben von ihnen burd) autfgebreitete Watten, 3er' 
piche unb ^olfler für bie (f rforberniffe ber 9cad)trube unb 
bc« 2age«aufentbalt« eingerichtet. Der JTamin ober ein 
Jiohlenbeden bient jur (Erwärmung unb jur Bereitung 
einfacher @crid)tr. (Sinjrlnc SSaarenballen ftnbrn wol 
auf bem (Sange vor bem SBohngemacbe ^lla^; al« eigent- 
liche 3»oacrjinr aber bienen bic im Grbgcfcbofi hinler 
bem Slreabengange unter Pen SPchngcmäcbrru befinblicben 
Säume, fofrrn fie md'i $11 Stallungen eingerid)trt finb. 
Diefelbcn beß(en iu ber 9Iuf:enivanb feine ober nur 
Schie^fcharten ähnlid^e Ceffnungen, unb erhalten ihr %i<bt 
nur burd) bie geöffnete 2bür von bem ftrrabengange 
her. 8m (lingang«conibor bemerft man noch ba« be< 
fdjeibene ®elafj be« 3nttnbanten Per Slnftalt, Cba»Ba-- 
fdji, 3«mmerauffehcr geheißen, welcher bie ffiohnungcn 
gegen eine feftgefeete laye anweifi, Pie @äfk einer feften 
vt>^u«orbnung unterwirfl unb im ^ntertffe ber Sicher 
heil über alle (Sinrrrtcnbcn eine forgfältige ßomrole übt, 
fowie baneben in ber Segel ben gaben eine« Balfü, 
Spejcrcibänbler«, von welchem bic ®äfile ^ohfohlen, 
Butter, Cb\t, Brot, Sei« unb fonftige Bcbüifniffe ent* 
nehmen fönurn. Bon all biefen geringen Bcqucmlid" 
feiten wirb in bem eigentlich fogenannten £aravan»£crai 
nicht« geboten. Danelbe ift nur ein mit Wauertrerf 
umgebene« @eböfl, eine ober mehrere übCTbachte, ab« 
nadj ber 4)offeitc offene ^laDen einfcbliefenb, in benen 
bie Seifenben unb ihre Ztytxt gegen Segen unb 
Schnee Säue ßnben fönnen. Der äußern Sanb ent« 
lang läuft in ber Segel eine erhöhte Steinbanf, SRafiaba, 
auf welcher bie Scppicbe jum Suhen unp Sdjlafen au«» 
gebreitet werben; aud) nur et fid) wol ein Jtamin al« 
geuerfirUe. gür Speife uub Sranf aber, für geuerung«» 
material, für ihren Schuß gegen etwa brohenbe nächtliche 
Ueberfälle hnben bie Seifenben felbfi juforgen; ba« Äa» 
ravan»Strai ift unbewohnt unb bat feinen Huffeber, ja 
nidjt einmal eine Ihür. (5« verfieht nur einen Dienft, 
ben eine ^öble im ©ebirge, wenn fit vorbanben rpäre, 
faum weniger gut leiflen würbe. Üebiglicb einem unfteten 
H»ublifum überiaffen, finb bie Äaravan<Serai« meiften« 



Digitized by doOQlc 



KARA- VERIA 



— 45 — 



KARAW ANKEN 



balb nad> ihrer @rrid)tung jrrfatfm ; in einjclnen Qiegen* 
ben, wie in Cft-JHetnafien, finb tttre Suinen fo häufig, 
bafj fit (Ibarafter ber gemftdjten geboren. 

Seiberlei Hnlagrn, bie Jlban« wie bie cigrntlidien 
Äaravan'Serai«, »engen von ber gürforge ber oricntalt« 
fdjen Waajibaber für £anbel unb Scrfebr. SBdbrenb 
bie Äaravan « Srrai« ben auf ®rfd)dft«reifen «Begriffenen 
rie Gefahren unb SBefdjwcrben be« 2Bcgc« crlcfdjtern 
folltrn, harten bie Jlban« bra 3w>f<f, ben gremblingcn 
uatrr Sidjerficllung von '.Herfen unb Gigeutbum ten 
Skrfauf Per SBaare an ben SBeftimmungöorten au ermöft* 
litten. Wan fann nidjt verfemten, ra« tiefe Wafjrcgeln 
rieb bewdbrt baben; banf ibnen (onntrn viele 3abr» 
bunberte binburd) bie fcftbartn Satur* uub 3nbufttie« 
»Urobucte Gbina«, 3nbien« unb «Haften«, bie Spejerrien 
Slrabien«, ba« Glfenbein Sigriiien«, Die «Ueljwaarrn ber 
«Holarldncer burd) babfüdjtigc unb robe Selfrrfdjaftcn ju 
rrn ©eftabrn be« Wittrlmccr« gefangen, unb umgefebrt 
bie (fr^eugniffc europdildjen Jlunftflet^rd bi» in bie ent' 
iegfnftrn Ibcilc be« alten kontinent« vertrieben werben. 

(G. Roten.) 

KARA -VERIA, ba« alte «Bcröa ober Serrböa, 
ein Stdbtdicn in bem lürfifdicn Silajrt Sclanif (Süb» 
mafebciiten) unb jwar im Sanbfdjaf Sclanif an ben 
iftUftca «Borbeben be« 155 Weier bohen Hgboftö«.®c 
birgee, be« alten Scraiu«, an einem fleinen Scbrnflufte 
ber 9EL ; iftri|>a (Siftri&a, b. a. £aliafmon) gelegen, ift ber 
SBorort einer Sahir, welche nad) ibnt Aara'Srria ober 
aud) nad) bem Gebirge Slgboftö« benannt wirb. Der 
Crt tft bauvtfdtblid) von Bulgaren, jebed) aud) von 
dürfen unb @«ricd)cn bewohnt unb in 8i& einer ortbo« 
boyen Wetrepolie. #ara » Srria wäre mit Sdjwarj* 
«JBeria §11 überfe$en, unb tonnte in btefem galle ba« 
Seimert fieb auf bie garbe befl Csrtrcidjd ober be« vor* 
wiegenben ©eftein« bejieben, wie au« dbnlidjer Urfadie 
bie grofjr 92alatf?ei Jtara * 3fläf , bie Welbati Jfara» 
Sogbdn unb mehrere alte geftungen Äara'£iff<u- ge« 
nannt werben; wabrfcbrinlidjer ift tnbcjj , rap in bem 
«Seite eine von ben Surfen affimilirte (Erinnerung an 
ben fid) in ba« «49ermiu«»®ebirge hineinerftrrtfenben 
Diftnet Jtvrrbafti«, von Ji"rrbofi, ber wrftlidien *Ract>* 
barftabt «fieröa«, erhalten bat. SBeria felbft ift bie reget' 
redete neugrird)ifd)e 8fu«fprad)c von Bloom; inbef 
fdjeinen betreff« be« anlautenben JB fdjon im Slltertbume 
rerfdjiebene 5lnftd)ten beftanben |u babtn. äCenigftenfl 
<;ibt ber gre^e, tfljantinifdjc Oecgrapb €te»banu6») an, bie 
ctabt fei von i%ron gegrünbet werben, unb bie Hu«» 
t'cradK BtQoitt ffatt Giootn beruhe nur auf einem ma> 
febenifdjen $rovin)iali«mu«, wie man in bem Sanbe aud) 
ßrJ.i vMth- fialt QakaxQÖv unb BiXixxoi ftatt Q>lkutxo$ 
bore. l:r 0u«fprad;e mit * hat fid) in ber türfifd>en 
cifirteQen Ernennung ber 6tabt unb br« Xiftritt« Jfara» 
^erta erhalten, wdbrenb bei ben Bulgaren unb @ried)rn 
bie weidKre Suflfpradje mit B, w, fdjon burd) bie €d)ul» 
gelehrfamfeit ju allgemeiner ©eltung fommen mufjte. — 
Jn ber eigenllidjen «OJafeboni«, ber (Jmathia, ber Wie* 



•) Stfph. Byi. I, 108 *■ y. Bi V oia. 



berung {Wifa^en ben untern glujiläufrn be« SIfiu« (jBar« 
bat) unb be« ^aliafmon (SBiftri^a) gelegen, ift ffleröa 
ohne 3weifel eine ber dlteficn mafebonildjeu Wicberlaffun* 
gen; febon üb.uevbibe« gebet; f: feiner al« einer burd^au« 
befannten gtabt. »un> an« ©eröa« fpdteren gelegent» 
litten (5/rwäbnuna.en in ber alten Literatur geivinnt man 
ben (Sinbrurf, bap e« ein großer anaefebener Crt gewe« 
fen; eine politifebe Solle bat e« inbep nie gefpielt. 
«u« ber «poftelqefdjidjte («et. 17, 10—13) erfeben wir, 
ba|j in ber römiid>en ifaiferjeit aud) eine jiibifd)e 9?ieber» 
laffung in 93eröa brftanb, in weldier, wie in ben jübi* 
fdjen (Solouien mantber anbern <Siabt be« Slltetibum«, 
eine frühere pbönififd>e gaetorei aufgegangen fein bürfte. 
Gin Segleiter be« apoftele qjaulu«, ©opater, war von 
ba gebürtig. £er flawifd>rn 3nvafton ber Halfan «J£»alb' 
infel im C— 7. 3nbrb. fiel aua> bie Stabt jum Dpfer; 
iebcd) fteUte Stavxx Qionftantin Gopronpmu« bie faifer« 
lidie Slutoritdt im €üben bi« Seröa wieber her, 
weldie« eine .-Vi: lang al« @rrntfeftung gegen bie un< 
beim. Slawen SWafebenirn« galt. 3m 3. 783 
unterwarf bie Aatfcrin 3"»« bie tbeffalifdjen unb fübs 
mafebonifdien ^rovinjen auf« neue unb befudjte felber 
mit ihrem gobne Genftaniin Seröa. Huf ihren ©efebl 
würbe bie (ciott neu befeftigt unb nad) ihrem Samen 
3renopoli« umgenannt. 3nbeji ift biefe neue SBejeid)' 
ming in ben 9Self«munb nie übergegangen, fowie aud) 
bie Semübung, ber <£tabt inmitten fiawifeber Umgebung 
einen grieebifdjen Gbarafter üu bewabren, erfolglo« blieb. 
— '£urd) ben in San 'Stefano bei Genftantinepel am 
3. %,v.i 1878 abgefd)loffenen ruffifdi*türfifd)cn grirbend» 
vertrag feilte aud) itara>Seria, wie bie weltlicher gclege« 
nen Crlftbaften Jte^ani unb i^afteria, bem neu ju be< 
grünbenben bulgarifd)en Staate einverleibt werben. Irr 
«Berliner Gcngrefi aber verwarf biefe Seftimmung, unb 
erhielt bie Stabt, wie ganj «Wafebcnien , ber 3mmebiai« 
berrftbaft be« eömaniiMen Seid?«. ((?. Rosen.) 

KARAWANKEN, eine ©ebirg«fette ber eftfar» 
nifd;cn «Ipen in ber fiiblidjen Äalfalpenjene. Sic wirb 
im Serben von ber 2)rau unb im Süben von ber Save 
begrenjt unb erftredt fid) al« eine eftlid)e gortfe^ung ber 
wcftfamifdjrn Sllpen von bem®aili^bad)e unb bem «Seigen« 
fel«'Uebergange oflwdrt« an ber 5anbe«grenjc von ilärn-- 
ten unb Jlrain bi« jum Seeberg ober jtanferpa&. üer 
Same wirb auö ben Äeltifdjeri unb jwar von Äara, 
Stein unb Santo, SBiefe abgeleitet. 2)er ganje @e. 
birg«jug fällt gegen Sorben fteiler al« nad) Süben ab 
unb prdfetitirt fid> wrilbin gegen Serben al« eine ftbreff 
abftürjenbe, jrrriffene unb in ben mannid)fad)ften gormen 
aufragenbe @rbirg«mauer, welche eine ?dnge von 75 
itilem. unb eine burd)fd)nittlid)e ^)öbe von etwa 1600 
Weier bat, über weldje fid) ned) jablreidje @ipfe( um 
einige bunbert «Seirr erbeben, ler Gulminatien«punlt 
ber @cbirg«fctie ift ber Stev 2239 SSeter, au§er welchem 
ber Saiönif 21C& «JWeter, ber Äofutnif'Sburm 2135 
Weier, 3elenica 2179 Weter, SBelifi vrb 2085 Weier, 
Sterjic 2134 Weter, ber ®ro#« ober 4>od)«0bir 2141 
Wetcr unb ber grofcc Wittag«fcgel 2144 Weter erreidjen. 
■Xiie Tbdler finb mit wenigen «uenahmen furj unb enbfn 



Digitized by Google 



40 - K ARCHER (ERNST FRIEDR.) 



KARBITZ 

oft bod-tit malerifcb mit einem Keinen, grünen Sßiefen* 
flecfe unmittelbar an Pen SBdnben fenfred)t abftürjeuber 
gelfen. lieber ben ®ebirg«jug führen jmei grofje Stra» 
f en unb jwar über bie SBurjen in einer 4?öbe von 1071 
«Meter unb über ben Soibl in einer Seehöhe von 1370 
«Dieter, ®eologifd> wuroen bie Äarawanfen im 3. 1855 
aufgenommen. (Sgl. 3ab,rbud) ber f. f. geologifchen 
9J.eid)«anfralt in Sien, 3abrg. VII, 1856, S. 629— 
78.) Sie werben von ben ©liebem ber Steinfoblenfer« 
mation ber Triaö unb 3uta jufammcngefe&t. SBcftltd) 
lagern werfner c (.tiefer in geringem unb guttenfteincr 
.Ralfe in größerer VDtdcbtigfeit auf. ffiritcr öftlid) wirb 
bie üria« benfdjenb, vertreten bureb fcfciefrigr, fanbige, 
mergelige ®efleine, Dolomite unb Aalfjicine. Sie werten 
an mebrrrn Stellen von Diorilen unb ?Porph»ren burd)fe$t 
unb »oh Daebfieinfalfrn überlagert. Die «ßorphpre unb 
Dioritc fd»efnen nad> verfdn'ebcncn SRiebtungrn Hebungen 
veranlagt ju Ijaben, woburd) bie jerriffenen gormen bie« 
fe« ®ebirge* enrftanben. Die Äaramanfen beherbergen 
auf ber nörblicben Seite SMeiertfagerftäiten, ferner Jtupfer« 
fablcrjc unb SDtaladjfte bei ginfenftrin, 3intcrj< mit 33lci« 
glanj bei Sinbifcb'SMeiberg, .Rappel unb Sdjmarjrnbad); 
ßifenglanj , Stolbeifcn«, SSraunrifenfteine unb Spat» 
eifenfteine mit 3fnm>f>f>" M Sdjwarjenbad) unb Cappel; 
auf ber Sübfeite Spateifenftrh unb Wanganerje in ber 
Steinfoblenformatiou, ferner Scbncnerjc unb JMeicrje 
bei Stein, Duerffilbcr bei «Äeumarft unb Stein, »lei* 
erje unb S'"^«"*'*'" ben Spateifcnfrcinen am gujjc 
ber ©olitta unb beö Stov. 51m ^»odj'Cbir befinbet ftdj 
bie bödjfte meteorologifebe $eobad>tung<J «Station Oefter« 
reich«. (Ferd. Gratsaver.) 

KARBITZ, Stabt im nörblidjen SBöbmen uvifeben 
Wufjig unb 3epli$, Station«plaB ber biefe beiben Stdbte 
verbinbenben ($ifenbabnlinte unb Raupten be« farbißer 
©cridjÄbejirfc«. 9cad> ber 3dhlung vom 31. Der. 1880 
hatte e« 4030 Ginwobner unb jwar 1963 mdnnlidje 
unb 20G7 roeiblidje. Der Stationalitdt na* «gaben 
jid> 3891 Deutfdje unb 2G Gjcd>en. Die Stabt bat 
eine fattjolifcbe ^farrfirdjc, eine 2)olf«f(bule mit 5 Äna« 
ben« unb 5 «JRdbdienf (äffen, eine ftdbtifcbe Sparfaffe, 
ein f. f. S9e}irf«gerid)t, ^oft« unb Telegrapbrnftation unb 
14 Vereine, Äarbij, ba« im 3. 1833 nur 1040 <5in« 
»ob tu-, befaß, veibanft feinen Sfuffebwung bem feit ben 
funfjiger 3abren in ben lebhafteren «derrieb gelangten 
S9raunfoblcn«S3ergbau. Derfelbe »itb bermalen von ben 
3Jtafd)inenfd>äd)ten „Saxonia", „9titfa>elf*ad)i", ,,3o» 
banrt« unb 8ranci«caf(bad)t", „ffiafopuraafc&adjt'', „SBatl« 
febadjt" unb einigen £anbfcbäcbicn geförtert. «fflit ber 
Station Äarbifc finb ferner notfj bie „grdflieb weftfdlifdjen 
Äoblenwcrfe " unb ba«3 ©ewerfe „äuftria" verbunben. 
3m 3- 1&78 belferte ßd) bie Jcofylenoerfracbtung von ber 
Starion auf 493,133 Tonnen, im % 1879 auf 558,580 
Tonnen. Ter SSergbau von Äarbi( befd'äftigt mehr al« 
2000 Arbeiter, bie ihre befonberr. gort bilbung« vereine, 
llnterftüjungö» unb Ära nfenf äffen befi&en. Der burd)< 
fcbnittlicbe Sagelohn eine« »ergarbeiter« betrug im 3.1881 
1 gl. 50 Är. bi* 2 ®ulben. — Urfunblid) wirb Äarbifc 
ol? ®«t unb Äirdjborf juerfl im 3abre 1350 al« Se^ 



ftanbtbeil ber ^>enf<6aft ©raupen im 33eft6e ber reidjen 
gamilie ber ^enen von Jlolbi^ erwdbnt. Seit 1487 
»edjfelt e* bie $ejt$er; 1549 wirb jum Stdbteben 
erhoben unb 1577 gelangt ti an bie fönigli*e Äammer. 
5Bon 1600 bt« 1601 tritt rt in ein Untertbdnigfeitfiver« 
hälrnip jur Stabt fieitmerit), »ed»felt bann bie ©efaer 
bi« jum 3abre 1640, in weldjem bie ©rafen von Äelowrat 
mit ber ^errfd>aft Jtulm au* Jlarbip erwarben. Set 
biefer gamilie verblieb ed, bi« e« im 3- 1^30 an bie 
©rafen von SBeftfalen überging. ((Sine gute Wonograpbie: 
©uftav SRattaua), „ßbronif 'ber Stabt Äarbih". Aar« 
bifc 1880.) (/>. Schlesinger.) 

KARBOL, KARBOLSÄURE. 3ur Gtgänjung 
ber in bem Slrtifel „Ebenol, ^benvlfäure" über va« 
cbemif-te Verhalten fdjen Seigebradilen fei hier nur auf 
bie fo aufjerorbentlid? grof e «ffiiajtigfeit bingewiefen, welebe 
ber genannte Äörpcr in ber neueren 3«t feiner fäulnip« 
wibrigen, antifeptifebeu Qcigenfcbaften halber fowol für 
bie {wgieine al« auch für bie Chirurgie, fowie für bie 
©vnäfologie unb ©eburt«hü(f( befommen bat. 

Tie Jtarbolfäure nimmt unter ben b(«inficircnben 
yjWitteln — allein, ober mit anbeni SCRitteln, j. SB. (Sifen» 
Vitriol verwenbet — für Äborte, ®cfd§e, welche bie t?nt* 
lebrungen von an 3nfection«franfheiten @rfranften (Iv- 
phu«, Gbclera, »Kühr), jur Steinigung ber geölten SBdnbe 
bet Äranfenummer u. f. w. bie erfte Stelle ein. gerner« 
bin ift bie Äarbolfdure ju 3nbalationen bei putrioer Seae* 
rion ber < Refpiration*'S*leimhaut, bei Jungenbranb, fo« 
wie bei Diphtherie unb Acudjbutten mehrfach mit günfh« 
gern drfolge angewenbet, l'oirte auch ju ®urgel< unb 
«JÄunbwäffern (bei febabhaften 3^i»"iO benunt worben. 

Die hauptfdcblicbfte Slnwenbung aber finbet bie 
Aarbolfäure in ber Gbirurgie, bcjüglicb ©vndfologie unb 
@eburt«bülf(- Seit ber ßinfübrung ber »genannten 
anrifeptifeben fJDtetbobe bura> Viftcr unb nach ihm vor« 
jüglicb bureb SÄ. «ßolfmann ju ^»ofJe, IhMd» in ?eiv« 
«g unb fluljbaum in 9»ünd?en — bei welcher pie Äatbol« 
fdure nebft ihren Urdparaten immer noeb bie aufjgebebn« 
tefte Senveubung finbet — ift bie Sterblicbfeit an chi« 
rurgifeben Jlranfheiten unb na<t Cperattcnen in einem 
dußerft erheblicben ©rabr berabgeic&i, bie 3lu«führung 
von Operationen möglich geworben, welche früher nie« 
manb hdtte wagen bürfen. @benl'o ifr auch, mit Sicher« 
heit )u hoffen, baft naa) (yinführung ber antifeptifchen 
«JHetbobe in ber ®eburt«hü(fe bie Sterbliehfeit am fffiochen« 
bettfieber eine wefentlirie «defchränfung erfahren werbe. 

Die bei ben verftbiebenften 3uf»ä"ben verfudtte inner« 
lidje Serwenbung ber Jlarbölläure bat bisher eine <uvrr* 
Idfftge Sgjirfuug nid>t erfennen laffcn. {Alfred Krug.) 

Karbunkel, f. Carhunkcl. 

KÄRCIIER (Ernst Friedrich) ift am 4. «ug. 
1 789 in 3d)enfyeim > einem «Dearftflerfen in ber fJcbeinebene 
jwifdjen Vahr unb Äebi, geboren. Sein Sater (Shrifioph 
Sernbarb Jldrcber war bort prafrifd)er 9lrjt, würbe fpdter 
al« 9mt«d)iritrg na* Durlad) verfeit unb ifr bafelbfl 1813 
verdorben ; feine SRurler Dorothea Suffe Sembfe ftarb in 
bem hohen Älter von 81 3obren 1845 in Jrarlflrube. 
Seine frübefan ?eben«jabre verbracbie er in Durlad), wo er 



Digitized by CiOOglc 



KÄRCHEK (ERNST FRIEDR.) 



— 47 



K ARCHER (ERNST FRIEDR.) 



auch feine erfle 3?iltun^ in bem bertigen päbagcgium 
erhielt, die gortfr(ung fcüie er in je"arl«ruhe finben. 
der bertige 9tufrtttl?alt würbe ihm tureb bic Aufnahme 
in tue .jpau« feine* 3ngenbfreunbe«, bei ben Acltcrn r«s 
StaatSratbS SBiclanbt, erleichtert, {»irr brachte er in ge» 
niriiifcbaftlictem Srubtum unD untei bilbenbem Umgänge 
feine Lwealjcit ju, erfreute fieb be« Untcrrierjt« eine« San« 
ber, 4>cbcl unb aJödmann unb boneben ber feilung unb 
gübrung feine« Pflegevater«, bei ben claffifeben Stuticu 
nie fremb geworben war. SBofcl vorbereitet bejog er 1807 
bie Univcrtudt ^»eibclberg; bort folite er nad) bem SBunfcbe 
ber SRutter Ideologie ftuoiren. 2Bol fonnten ihn bie 
iüorlefungen von laut, SRarbetncfc unb de SBettc an< 
v.cb<n, aber mehr feffelten ihn bie Philologen (Jrcuiicr, 
S?cdh unb ber jüngere Pef». da aber bamat« bie Pbi< 
lologie allein feine «u«ftd?t auf ein fünftiget Lehramt 
gewährte, fo mufitr er Sbcologie unb Philologie wr» 
einigen unb that ba« mit fo gutem (Srfola, baft er am 
25. Sept. 1810 mit bem Prdbicatc bei „Porjüglicbfcit" 
unter bte Ganbibaten bc« evangelifcb.cn prebigtamt« auf« 
genommen würbe. SBalb nachher trat er alt) äjauSlebrcr 
in bic gamilir tcö in Stuttgart reftbireubrn weflfälifcben 
@cfanbtcn @irarb. der Aufenthalt in biefem augefebenen 
£aufe »erfdjaffle ihm Sicherheit unf Wewan: ii im Um< 
gange unb baju auch eine feltene gertigfeit in bem ©e» 
brauche ber franjöfifcben Sprache, bereu JTrtintaif) er in 
feiner crfien Arbeit für ben beutfcb'franiöfifchcn Übeil he« 
qiofccn SSerlerbuch« von SWojin befunbete. ') »ad) jwei 
fahren mu&tc er ciefe angenehme Stellung aufgeben, al« 
er im 3anuar 1813 jum Lehrer an ber großbcrjcglidjen 
Magerte in ÄatlSruhe berufen würbe. 9(ad)bem feine 
Bewerbung um bic Stelle eine« JjoftiafonuS erfolglos 
geblieben war, entfehieb er fieb bauernb für ben Lehrer» 
beTuf, ju bem ohnebin feine Steigung ihn jog. 3m 3- 1815 
würbe er }um erftrn Lehrer an bem Päbagcgium in durr 
lad) ernannt mit bem ßbaraftcT al« diafonu«. damit 
febrte er jurüd an bie Stätte feine« .Knabenalter«, wo 
er nun in ber gamilie be« Hauptmann« SBielanbt in Luife, 
rer dürften locbtcr bc« £aufe«, eine 3ungfrau fanb, 
mit ber er ftch nad) feiner Ernennung jum prefeffor 
(1817) verlobte unb am 15. gebr. 1818 verbeiratbetc. 
die erften M\\u bei neuen fBunbe« waren nicht ohne 
Sorgen, benn bie Sefolbung war gering unb bie Ibeue« 
rung«jabre 1817 unb 1818 forberten bei eigener 93er* 
mögcn«lcftgffit (Sinfcbränfungen. 

diefe iRoth hörte auf, naebbem er 1820 nach «arl«> 
uihe berufen war unb bamit ben Soben betreten hatte, 
auf bem burdj 35 3ahre feine 2hätigfeit fieb entwirfein 
unb ihm immer neue (Sbren bereiten folite. 3m 3anuar 
1820 war er tum $auptlcbrrr ber vierten Jclaffe ernannt, 
febon 1821 rüdte er in bie bhtte Älaffe vor, halb in bit 
jweite unb 1831 in bie oberfte Jtlaffe (Seyta) be« Lt>- 
crom«. 3m 3- 1830 hatte ihm bic Lanbe««Univetfttdt 



1) tut tieft 6uto*t trogen nd) tu ?Ptro: >?rpgt. »cn 1835 
im tit SBetfe Hr JttanicftB ub» 1838 tat Sniirurf ju »in<m 
tS4Bj. tirmel. JBtrtrtbu*f ; aa4 ctnis« »<CfB«trB»n in ttn Qrit<\K 
OaSbAdiar.. 



bie pbilofopbifcbe doctorwürbe honoris causa cuhcill 
unb fein L anbeflherr ben Gharafter al« äp^frath verlieben. 
1833—1838 war er 9J?itglieb ber evangelifdicn Jtfrcben< 
unt. Prüfung« «dommiffion. 3>n Wat 1837 würbe er 
.umi fflütgliebe bc« im Slpril 1836 errichteten Cberflubien« 
ratbe« ernannt, in welcher Stellung er bid jum 3abre 
1848 mit Siebe unb öifer wirfte. »m 24. Kov. 1837 
wurbe ihm bie Stelle al« directer be* fyceum« über» 
tragen ; er war bamal« int aa>tunbvierjigften Sieben«' 
jähre; in bemfelben pabre erhielt er auch ba« Dtittcrfreuj 
be« Crben« vom 3öbringer Söwcn unb 183^ ben (5ba< 
rafter al« @ebeimer $ofratb. die Äeifett jur Pifttation ber 
Schulen bc« Sanbc« hatte er in ber Siegel in ©efeüfcbaft 
feiner un&rrtrennlicben Lebensgefährtin gemacht, aber fte 
wurbe ihm 1848 bureb ben Job entriffen; auch jene 
Keifen, bie eine angenehme Unterbrechung ber SJrbeit in 
ber Schule unb in ber Aanilei geboten hatten, hörten 
auf, al« er 1850 feiner Stellung im Cberftubienrathe 
enthoben wurbe. Um fo ungeftörter fonnte er ftch Darauf 
feinem Berufe in bem ?rxcutn unb feinen Stubien mibmcu; 
ba« $ebcn wurbe für ihn immer ftiller unb einförmiger, 
die getcr feine« vtcrjigjdbrigcn dienftjubiläum« wurbe 
am 13. ÜRärj 1855 von allen Seiten feftlid} begangen; 
bie bei bem Sdjulfefte gehaltenen 'Jicbtn ftnb „auf iferr* 
langen ber Sefta" gecrurft worben. die Aufregung be« 
geftcö febieu erfrifdienb auf ihn grwirft *u haben, aber 
bie Hebung ber danfedpflidit gegen bic GoUegen, weldje 
bem 3ubel["efie freunbliche 2heilnahme gefebenft Ijatten, 
führte eine Jungen» unb Arrjentjünbung herbei, an ber 
et bereit« am 12. Jlpril 1S55 fanft unb «big entfcblief. 
Seine Snhdnglicbfrit an ba« ü»ceum bat er auch burdj 
jwei Stiftungen bewiefen. Schon bei feinem Leben hatte 
er bie 3i«f'rt von 100 gl. im .'Inbenfcn an feinen Lebrer 
unb grrunb, ben Prälaten $cbe(, al« ^»ebelftiftung ju 
einer 33üa)er» Prämie für eine gelungene 8u«arbritung 
beftimmt. 3n feinem Heftamente hatte er ben größten 
Ibeil feiner «iblictbef, weit über 1000 Sdnbc, nebft 
einer großen «njabl von Srofcfcüren ber Schule über« 
wiefen unb bamit fühlbare Lüden biefer Sammlung au«» 
gefüllt. 

Sein Unterricht war grünblich, geifivoll unb frhr 
anregene, wenn er ftch aud> bisweilen bei einem ©caen» 
ftanbe, ber ihn befonber« interrffirte, ju fehr fertreiben 
lief). 911« directer mufitc er drbnung unb 3ucrjt 
fräftig ju banttjaben unb bic Kecbte ber »nftalt, in ber 
Sitte unb Pietät berrfebte, ju bewabren. Seine $\ 
wanbtbeit unb fieben«würbigfeit balfen ihm babei febr. 
der neue Unterrid)t«plan fonnte 1837 mit Leichtigfeit 
eingefüfjrt werben; ber neu aufgenommene lurnunter- 
riebt, ba« Singen unb 3<i<6nen gebieben unter feiner 
gürforge. SBei waebfeuber grequenj forgte er für bie 
(jTricblung von ParaUeI<9lbtbeilungeTi mit großer Umficbt. 

»eben ben flnforberungen be« Amte« fanb er bei 
feinem turüdgejogenen Leben unb reger Slrbeitfamfeit 
Wufif für litrTarifchc Arbeiten, beten SRittrlpunft bie 
lateinifebe Lcrtfograprn'e bilhet. Sie finb tbeil« tbeorettfeb, 
wie 1821 Xbeorie bei Sßortbebeutungen in Seebotc'« 
fritifditr »ibliothef, 182G bie »bhanMung De optima 



K ARCHER (ERNST FRIEDR.) 



— 48 — 



KAKDIOIDE 



latini lexici condendi ratione unb bie Ptobe eine* gtö» 
jjrren latrinifcben Serifon« in 3abn'* 3abrb. I, 1, 197 unb 
übet bie Gintidjlung eint« latcinifdjcn Schul wörlctbud?* 
in Seebobe'* frihfcbet Pibliotbtf, tbril* praftifd) in dar* 
Uta PJetfen unb in bet Peuttbrilung anbetet in tiefe* ©t* 
biet einid)lagtnbet Sd>rif«n. 1824 war baö rtvmolcgifcbc 
ffiörlerbud) erfefcirnrn, wieberbolt 1826 unb 1843; r* 
ift von 3. Po||d)a in* vateinifd« überfefct, aufierbem in 
ba* Gnglifd«. 9lud) dn Heinere* SBörterbud) in et»» 
tnologifcbrr Crbnung gab er berau*. Ii:; Uebcrfrfyungcn 
au* fem I mi'/i u in fad Votcinifdjc feil« ba* „Äleine 
beutfebdatrinifd« SBörtcrbucb für anfänger" (1824) bie» 
nrn. (Sine jweite 'Jteibe bilben bie lateinifeb • beutfdien 
unb teutfcb'latfi i i v SBörterbücbcr in alpbabrtifdicr 
Ctbnung. 182ti etfdjien bei £abn ba« von Wubfopf begon» 
neue, von ihm fortgelegte unb vollenbe« lateinifdj'beurfdje 
5Bör«rbud> unb biefem folgte in bemfelben 3abre nad) 
Sd>rller'?ünemann tut beulfdi-lateinifdie. Xie erftcre 
abtbctlung würbe 1833 von Setpftra in* 4poÜänbifü>e 
überfeftt. Sie nveite audgabe 1840 fann wegen bet be« 
b«u«nben Umarbeitung unb Erweiterung al* Ädrcber'ä 
felbjtänbige* Sßerf betrachtet werben, iaju fam 1842 
tat Jjjantworterbudi bet lateinifeben Sprache (Stuttgart), 
in welchem aud) bie 9fealien au* Q)cicbi<b« unb (_*)co» 
grapbie eingjrbcnbcre Pcrüdüdjtigung fanbett. äritifen 
bat er veröffentlicht von SBüftemann'ö bcutfaVlateimfcbem 
gBörterbudje, von .Riefer (ailgem. Schul*. 1830 II, 9fr. 
105—100), von greunb <3ctt|'djr. für H.2S. 1836, 9fr. 
18). kleinere Beiträge geben aud) bie in Programmen» 
abbanblungen gebrudten Peilrägr jur lar. Gtvmologie 
unb Srxifograpbie ; fo 1X42 über «piio unb beffen ga» 
milie, 1846 unb 1847 profobiftbe* aud plautuö unb 
leTcnj, 1854 9fad)trägc ju gorccllini*) nebft rincin 
grammatifdven Grrurfe über Die Pcbeutung unb Pileung 
ter Slbjectwa, weiebe ftd> auf bilis unb buiidn» enbigen. 
Plan fann nid>t lagen, ban bie Siffenfcbaft burd» biefe 
Arbeiten febr geförbert fei; tt fehlte bie umfangreiche 
Jtenntnijj ber SJatinität unb writ angelegte GeUerlancen, 
aber bie für bie Sdjule brftimmten Pütber empfahlen jtd> 
bureb glurflicbe Kombinationen unb Sdjarfftnn in ber auf« 
fuefcung ber SBörterfamilien. Äärdjer war ein gutev ©e« 
Iegenf>cit«t>tcbtfT *) ; biefe gertigteit bat er aud) ben alten 
Scbriflftrilem uigewenbet unb namentlich Sbrofrit »er» 
beutfebt. Xat elfte 3t»U erfdjien al* Probe biefer lieber» 
feeung mit einem Porwor« übet jwei Stellen in 3b»U 
XV. im 3- 1845. Unter ben lateinifeben StbrifrfieUern 
war er befonber* mit aporaj vertraut, birfen bat« er 
viel in ber Schule erflärt unb genaue ÄenntniA ber weil« 
febiebtigen Literatur erworben. Um fdnen Schülern eine 
Erinnerung baran tu geben, aber aud} für Vebrcr dne 
probe ber Grflärung ju (iefetn, bat er in brei Programmen 
birfen Mittler bebanbelt. Qt (am ibm jurrft barauf 
an, bem berfömmlidjen (intbufiatmut für bie (Srbabeu» 
bett ber Cbenbiajtung entgegenjutreten unb im Slnfcbluj» 



2) Diffrt S3rcj|t. ift in Mcnfctm Sl^^rB(ff, Jtarletub* M 
CtOBn, in Im »ndjbo^d «ffcmmf«. 3) «■* »iiif lathn. Ctt 
ton it,m 1» *<i fffllKbfT »«lMnibfit «rttnrfj. 



etwa an (Sidjftart u. a. bie i'aune unb (ScbaHbaftigfrit bc0 
2)id)terd geltenb )u madien unb bamit eine tiditigere 
«uffaffung ber Vieber berbeijufübren. So 1848 t« 28. 
Cbe bc« L. Budjö, weldje al« lialog jwifeben einem 
6d)iffer unb bem begrabenen «rdwia* bargeftellt unb al* 
3ronic auf bie gpeculariou genommen wirb. 1^50: 
3ft bie 2U. Cbe be* 1. Sudje« ed?t? gegen bie mite» 
grünbrten Perbddjtigungen peerlfamp'*, aber mit unge« 
nügenbrr Scldjüpung ber (Jonjectur tum bibes. (Snb» 
liefe I.s : ")3: SBa« ift in ber 8. Obe beö 4. Suche* eebt unb 
wa* nicht? wo er bie feth* legten Perft auch für intet* 
politt erflärt unb über anbete Sdjwierigfciien ftdj tutd) 
getwungeue ISrfldrung hinweghilft. 3n ben Poncben 
unb anhängen biefer brei Programme werben aud) an« 
tere Stelle» be« Siebter* bebanbelt, auf welthe hier cin< 
Augeben nicht ber Ctt ift. «uch mit Jacitu* hatte er 
ftcb viel beithäftigt unb einige Stellen ber «nnalen im 
Pbtlologu« (IX, 74— Hb) erflärt. «m mdften aber hatte 
er ftcb gefreut übet bie Entbcdung, baß Gato'* Liber, qui 
iuseriptuB est Canum de moribus in Petfen unb jtvat 
in trodjaifdjen Scptenaten gefd)riebcn fd. Er hatte bie» 
fe* tvftifia fofort an Pödb jut Pfilthdlung an bie ber» 
lincT äfabemie gefd)idt, r* aber aud) in bem pbilolegu* 
(VIII, 727, IX, 148, 412) für weitere Jlreife veröffent« 
li6t. 0>r hatte allerbing* bie greube, Pödb'* 3ufiiwmung 
ju erhalten (in bet berliner ataremie vom 22. Pf ai 18">4, 
je$t abgebrudt in ben Jtl.Seht. VI, 2<«5), aber anbete ver» 
hielten ftd) ablfbuenf, wie gledeifen Catonianae poesis 
reliquiae (I«ö4). Ccr fogar Sotabeen cnnahm, ober wie 
3fitfcbl (Opusc IV, 297), Pablen (3drfdjr. für öftm. 
©pmn. X, 46!») unb 3otban, bie eher Satutniet anju» 
nehmen geneigt finb, foweit überhaupt eine mem'fcbe gorm 
anutnehmen ift unb bie gragmrnte ein begrünbete* llr^ 
tbeil üulajfen. liefer guno war .Rärcher'* Sdjwanenge- 
fang. au* feinen nadjgelaffenen Papieren ift nicht* ret 
cffentlittt. 

(Model, (f. gr. Äärdjer. Gin feben«bilb enrtvorfen 
im Flamen ber anftalt, al* Peigabe jum progr. be* 
Svceum« 1855. 5)ie Piographie von ? öblein in Sßeed)'* 
Pab. Piogr. I, 444 tonnte id) nicht benu&en. 

(F. A. Echt ein.) 

KARDÄTSCHE, vom laleinifchen Carduus (Diftel), 
eine 8tt Striegel au* ben Äöpfen bet Äatbe obet Bebet' 
biflel, übetbaupt dne ftrife, fdjarfe ©ürfte, um bie {>aare 
ber Pferbe unb be* Siinbvieb* ju reinigen; aupetbem 
gleicbbepeutenb mit Stempel unb in bfefem Sinne, ob» 
wol veraltet, noch in ber Streicbgarnfptunctri angewenbet. 

(JV. //. Uhland.) 

Kurdcndistcl, f. Dipsacu«. 

KARDIOIDE (xaedio ud^, herjförmig), eine 
algebraifdje Gurve vierter Crbnung; ber Same ift von 
Gaftillioni, Philo». Trnnsact. 1741, p. 778, ber Gurve 
ihrer ®e|1alt wegen gegeben worben. 3n einer befon» 
betn Pfonograpbie bat juerf» Gatte, Mcm. de TAcad. 
des Sciences 1705, bie« Gurve bebanbrit, inbem et 
von ber folgenben Grjeugungöweife babei au*gebt: 3« 
bem fejten punfte A auf rer Peripherie eine* feften 
Ärrife* mit bem lurdmicfier d wirb eine G»erabe gebreht. 



1 



Digitized by Google 



KARDIS 



- 49 - 



KARELIEN 



Zeichnet P toi jweilen Schnitipiinft berfelben mit tem 
.Streife, unb wirb tote ?dnge be« Dnrchmeffer« auf ber 
©eraben nach betben Seilen von P au« abgetragen, 
Pü = PO' = d, fo ijl btr Ort ber fünfte II unb IT 
bie Jtarbioibe. rieft Srjeuguag, bit daxxi übrigen* 
nur unrollftänbtg aufführt, inbtm er biet ben önbpunft 
btrjtnigtn Strtde betrachtet, welche in btr Stiftung von 
P nach A fällt, lägt bie tfurre al« eine befonbere Jlrt 
ber Äoncboibe auf rirfularer Saft« erfcbeinen , bie bereit« 
ron Scaberral (Dirers Ouvrages, contenues dans 
Memoire« de l'Acad. depuis 166G— 1699, T. VI) 
unter bem tarnen: Limacon de Parcal unttrfucbt 
worbrn finb. 3n ber Iutroduction k Fanalyse des 
lignes courbes 1750 ift bie dum ron Krämer (§. 173, 
exemplc 3) bi«cutirt Worten, bodj trieb fte hier alt 
tvflifcfce Surre erjeugt, inbent ein Jlrri« auf bie SJJeri« 
»bfrit eine« anbern mit gleichem Stabiu« rollte. SU« 
folebe ift bie gurre ftbon in bem Traite de la lumiere 
1690 ton Jürgen* (6. 123 unb 124) unter ben Äata» 
faujtifen be« Greife« enthalten. 3n bem allgemeinen 
Spfieme ber algebraifcfcrn (Surren rierter Orbnung ift 
bie Jtarbioibe baburdj d'arafirrifirt , bap fic brei Spi&en 
OKüdfebrpunfte) beftfct. 3wti berfelben finb imaginär 
unb falle u mit ben 5trei«punften jufammen. Demnach 
bietet bie Surre eine frecielle 8rt ber Sartefifcben Orale, 
bie ron ßbarlr«, Apercu historique, Note XXI, unb 
reüftdnbigcr ron (Sapler (Journal de mathematiques 
T. XV) alt birjenigeu Surren ritrter Orbnung befinirt 
worben finb, ireldjt jwti Slüdfebrpunfte in ben imagi» 
ndren Jtreiöpunften bejtyen. (Axel Harnack.) 

KARDIS, ein ®ut im euroräifaVrufjtfaVn @ou« 
rtrntment Sirlanb, im borpatfebtn Ärtjfe, im Stivb- 
fpiele iait, hart an ber ©renje ron Sftblanb, 67 
Kilometer irrböfllicb ron Dorpat. (St liegt auf bem 
Kanbrüdrn, welcher Sftblanb unb Jirlanb > tnibet unb 
ifl tcdbolb bügeliger alt bie meiften übrigen ©egenben 
be« rorpatfdjen Areife«. jReicbcr gifebfang, gute ÜBieb» 
judjt auf ben Sergen, trefflicher Jtornbau unb febr gute 
Obftbaunsuidji machen .Starbt« ju einem febr angenehmen 
auftutbalt. 3n Äarbi« trurbr einer ber rt>id>tigftrn 
grieben«|d)lüffe für ben ganjen Horben öuropaö jefthloffen. 
Ult Jtarl X. ron Schweben mit 3obann II. Jtaiimir 
ron *ßolen in einen .Krieg renridelt mürbe, inbem er 
wieber sie alten Slnfprüdje <PoIen« auf bie febwebifche 
Jlrone beroorfudjte, glaubte ber ruffifme 3ar Sllerti 
SXidjailowitfib jetjt bie befte ©elegenbeil ju haben, feine 
früheren Slnfprücbe auf ttrlanb unb Sftblanb irieber 
aeltenb ju machen. So gerirtb Jtarl X. fogleid) bei 
feinem SRegierungeantritte in einen Jtrieg mit $olen unb 
Auglei* mit JRujjlant. Hlejei SRicbailomilfd) nahm ben 
$erjog«titel ron tirlanb »iebet an, wdbrenb er jugleid) 
»Bolen mit Jtrirg überjog, um bie Oberberrfdjaft über 
bie }u ihm abgefallenen Äofatfen ,ju behaupten. Sr er* 
eberte Smoleusf, Sßitebflf, illintt unb (Srobno, wäbrenb 
3obann Aafimir an ftarl X in Serbinbung mit ^rrufien 
faft fein gan^rd Jtönfgrrid) rtrlor. 3n biefer 9?otb 
vermittelte Oefierreid;, u-rUt-e^ $o(eu nidit ganj finfen 
üffen trollte, einen halbjährigen SJaffenftiOflanb , wo« 
■. ««c»n. ».».«. ». 3«<iice<crifi. XXXIII. 



burd) »u^lanb bie gürflenthümer Smolenef, Setrerien 
unb bie llfraine wieber erhielt. Oefteneia)ifa>e ^ülfe 
gegen bie <5d)rotben in $oltn unb bit (frfldrung ber 
9ciebnlänber unb £dntmarf6 gtgrn Sd)n>eben rtränber> 
ten ben 6tanb ber Xnge(egenl)titen unb Alerei eroberte 
Dünaburg, itofrnbuftn unb Dorpat, brlagerte jebod) 9{iga 
rergeben« unb J?arl X. brfam im 3. 16Ö7 in Sirlanb 
trdhrenb einer fürdjterlidjtn $tft bie Oberhanb. 3)ie« 
madjtr beibe Iheile jttm grieben geneigt unb fo würbe 
am 31. $tc. 1658 jmiftbtn Schweben unb Äu^lanb bet 
brtijdbrige ffiaffenftiUftanb u: SBaUifar bei 9tanra ab' 
aefd)loffen, bem am 2. 3uli 1661 btr griebt ju Aarbi« 
folgte, in trtld)em IRuglaub alle ;i: Anfang Ut Stritatt 
in Sirlaub gemachten droberungen an Schweben jurud« 
gab unb ben febmebifeben Jtaufteutrn im rufftfdirn Eriche 
grofie 5Boned)te juftebertr. (A. v. Wald.) 

KARDSZAG, KARCZAG, gtofet 9RarftjIfden 
im ungarifeben Somitat 3<>i)pgi(n^@ro§>Jcumanirn unb 
Sjolnof, früh« ^auptort ron ffirop'Äumanien, liegt norb« 
öftlich ron Sjolnof unweit rom ®erett»oflufie in einer gaiti 
flaa>en Sbent mit großen Sümpfen unb SRoorrn, Sarr/t 
genannt, dt beftnben ftch bafelbjl ein fonigtieber ©triebt«^ 
bof, ein S9ejirf«gericht unb ein Untergpmnafium. Die 
©emarfung Ut 3)rarttfleden6 l:ot einen gldcbenitibqlt 
ron 65,568 Äatoflraljocb, bie Sinwohnerjahl betrug 
1880: 15,712, rrn welchen 12,884 fteformirte, 2199 
römifche Jtatl}olifen, 629 3frac(iten waren. 

(7. Hunfahy.) 

KARELIEN, btr füböftliche 2h«l be« ©rotfürften' 
thum« ginlanb, feit 1121 ron ben Äarelen, ftnnifcb 
Jtaria»8aifet, einem btr reiben ^auptfidmme ber eigent- 
lichen ginnen, bewohnt. Unter tiefem Wanten rerftanb 
man einen Ibeil Ut iejjigen ®ourernemettt6 ^etertburg, 
ber an ben ?abogajee grenjt, einen großen Tbeil Ut 
©oitrernement« Olonr) mit einem 'Ibeile Ut anhanget* 
fa>en ©ourerwmrnt« bid )ur farelifcben Sucht ut beißen 
SHeeted. 3" biefen ©egenben wohnten bie Äarelen jur 
3eit ihrer trften ©efanntfdtaft mit ben {Hüffen, b. h. im 
12. 3ahrb- Den Wormanntn wartn bit Aurelen fchon 
riel früher befannt. 3u «nfang Ut 9. 3al>rb. breng 
ber Äönig Srif Sbrnunbfon (fiarb 833), nach norbt« 
fdien Sericbten, auf feinen Streifjügen burd? ginlanb 
bie Aarelien oor unb im 3- 877 erfocht ber gelbherr bcfS 
Aönig« $aralb ^ax\aaj, Shorulf Jtwrlbuffon, im vBunbe 
mit ben Jcmenen (einem anbern finntfeben Stamme) einen 
glänjenben Sieg über bie Harelen. Uebrigend behaupteten 
biefe ibrt Unabl^dngigfrit unb entrichteten nur ron 3rit ju 
3eit, unb iwar unmittelbar, nachbem fte ron ben Norman' 
nen gtfajlagtn waren, einen 2ribut an lt$tere. 3m 3.1141 
erfebeinen bie Jlarelen jum erften mal in ber rufftfeben 
©richtete alt SunbeÄgenoffen be« nowgorobfehen gürflen 
Slleranber, btr mit ben ftorogorobtrn unb Sabogarrn bie 
Stabt ftoporjt btlagertt unb tinnahm. 3m 3- 1227 litfi 
btr ©ropfurft 3aro«iaw Sftwolobltfrh bit Jearrltn burd) 
SKifftonäre taufen. Uroftbrm war bie Kbhdngigfeit ber 
ffarefen ron ben 9iuffrn noch f*ine rodftdnbige unb bie 
mfftfehen gürjren wartn genotbi.it. $t(b)ügt nach Mau- 
lien ju unternehmt n , um bit jtd) tmpörtnben Äardtn 

7 



KARKL1EN 



- 50 - 



KAKEN 



ju unterwerfen, wie j.S. t>cr ©rofcfürft Dinülri flleranbro* 
witfdb, ber Äardifn 1278 verwüftete. 

2?cn 1293 an begannen bie Schweben Äarclien }u 
unterjochen ; in bie ff m 3ab« griinbeten fie feie ttftc Statt 
in Kardien, ffiijborg, im % 1295 Aejbotoi unb fünf 
3abrr fpätcr 8anb«frona an bem (SinflufT* b« Ofbta in 
bie flava, ha« 1301 von ben SJowgorobern jerftört würbe. 
3m 3. 1302 machten bir JRuffen jufammen mit Pen fta< 
reim @infdQc in bafl n erbliche <Rormrgen, jeboeb enbete 
bei Aampf mit ben Schweben um ben SBefifc Aarelien« 
bamit, r.n'; im grieben von Rotenburg (1323) ein be» 
beutenber Xheil Aarelicnö von *Ru£(anb au cd) ine« 
ben abgetreten würbe. 3m 3. 1593 grünbete ber ®rop» 
fürft gebor 3obannowitfd> ba« farelifdje ©i*tt!um; übrt* 
gen« gab e* im ganjen nur jwrf farelifcbe 39ifd>öfe, unb 
auch biefe waren nur, wie efi fdjeint, UJicate ber <Srj« 
bifdjöfe von 9fowgorob. 

Xie Aarelen verbreiteten ftcb au« ibren urfprung* 
lieben Stammft&en ju verfd)iebenen ßeiten nach Sübofi. 
So ftebeite fdbon 3wan ber Sdjrecflicbe nach bem Artege 
mit ben Schweben einen großen Übet! ber von ibm ge» 
fangen genommenen Aareleu im ®ouvernement 2wer an. 
(Sinen größeren Umfang befamen biefe Slnfiebelungen im 
17. 3abrb. unb jwar namentli<t nach bem ftelborcrfi« 
feben grieben im 3. 1617, fo befonberfl in ben Sohren 
1646, IGtKJ, 1665-66, 1669 unb 1678. Sic ©eftre« 
bungen ber {Regierung waren barauf gerietet, bie Aare« 
len vorjug«wel|e auf Aronlänbereien anjufiebeln , beffen< 
ungeachtet gerietben aber viele Barrien in bie Seibeigen' 
fdjafr ber ®ut«befiRer. I im'.) brn npfiebter grieten«* 
fdjlufi würbe 1721 ganj Aarelien mit diufilanb vereint. 
3n gegenwärtiger 3"' bewobnen bie Barrien, bie alle 
mebr ober weniger ruffififirt finb unb nur einige Gigen* 
tbümliibf eilen ibre« £npu« unb ßbarafter« bewahrt t)a> 
ben, folgenbe ©ouvernement«: 1) ta« twerfrbe, 93,093 
Seelen; 2) ba* nowgorobfdje, 25,691 Seelen; 3) ba« 
©ouwntment Clonej, 12,524 Seelen; 4) ba« ®ouver* 
nement Hrcbangel«!, über 14,000 Seelen; f>ter (eben fie 
gröptentbeil« im fain«ftfd?en Greife, wo fie ben ^aupt» 
beftanbtbeil ber Sevölferung bilben; 5) ca« ®ouvernc» 
ment *)3eter*bnrg unb jwar bie Areife von $eter«burg 
unb Sdjlüffelburg, circa 42,979 Seelen; 6) ba« ®ouver» 
nement Aaluga unb jwar an ber ®renje be« ®ouverne» 
ment« Sinolen«f, 1396 Seelen; 7) ba« ®ouvernement 
3aro«lam, 1283 Seelen, ©nblid) finben 'ich audj noa) 
«bfömmlinge ber Aarden in ben ©ouvernrmenl« fflla« 
bimir, Somborn, SBologba unb Smolen«f. flach ben 
oben angegebenen taten würbe fia> alfo bie 3«b( ber 
Aarelen in ganj Sujjlanb gegenwärtig auf 150—160,000 
Seelen belaufen, von benen ber größte $beil bereit« gänj» 
lidj ruffifirirt ift. 

Xie Aartlen befennen fid) jur berrfd)enben grfrcbifcb« 
ortboboxen 8anbf«re(ig(on mit 8u«nabme ber im ®ou< 
vernement 3Jeter«burg lebenben, bie protrftantifrben @lau» 
ben« finb. Uebrigen« gibt e« unter ibnen febr viele 
Sef lirer. 3n ibrem pbpnfrben Dppu« baben fie bie finni« 
feben 3üac unb befoucet« bie bfüe garbe ber £aare be« 




unb nur bie ® reife fprcdien noeb farelifcb. 3n morali< 
fd>er öinftebl jeirbnen fieb bie Aarelrn vor ben fRuffen 
burrb ttarfen (ligenfinn, Serfcbloffenbeit, 9Ri«traurn unb 
9taa>|nd}t nirbt vortbeitbaft au«. ®erübmt wirb bagegen 
ibre Gbrlidjfeit unb «einliebfeit, wobureb fte bie rufftfeben 
SBauern bei weitem übertreffen. 2kl. SRein, Spccimen 
de vetere Carelia, Abo 1825; Saflren, dtbnograpbifdje 
SJorlei'ungen S. 144; Sjögren, ®efammtfcbriften , 5?c« 
ter«burg 1861. (A. v. WaM.) 

KAKEN. Unter bem stauten Aaren begreift man 
eine eingabt bolbwilber, fpracblicb unb etbncgrapbifw unter« 
einanber verwanbter, in Sarma lebenber S5ölfrrfd)aften. 
ticfelben geboren bem inboebinefiftben Stamme an. 3bren 
Sagen jufolge finb fie vom Horben ber in ibre jeftigen 
SCohnftfe eingewanbert, unb in ber Ibat reben noeb beult 
gewiffe unabbängige Stämme be« füblirben (5bi:-.u fare« 
nifebe Dialefte. 3n ben lenten vierjig 3abren bobtn 
umerifanifebe aHiffwnäre mit bebeutenbem ©rfolge unter 
ben Aaren gewirft. 

Dir Aaren »Spradje jerfällt, foviel bi«ber befannt, 
in aa>t Dialehe: Sgau, $gbo (^wo ober Sbo), 33gbai, 
^Kottje Aaren, üaru, SRopgba, Aai ober ®aifba unb 
Soungtbu. Unter Kiefen finb bie beiben erften Pie be« 
fannteften. Da« Aaren bilbei offenbar inncrbalb ree 
inbocbinefifeben Spracbenfamilie eine ©ruppe für fich 
unD febließt firb weber an ben ribeto barmanifeben, nod) 
an ben ebinefifeben, noeb an ben ftamefifeben ober itgenb« 
einen anberu befannten Smtia befonber« eng an. Sein 
Sau ift wefenilicb monofpUabifcb'ifolirenb, lein 2Bortfcba( 
iHrmutblicb, bi« auf einige peguanifdjc Lehnwörter, rein 
inbocbiiteftfd). Da« Sautivefen jeigt in ben verfebiebenen 
Dialeflen bebeutente 8bwei<bungen. 3m Sgau unb 
$gbo finb bie 8u«laut«ronfouanten unb ibre IBerbin* 
bungen: 

k, kw, kL kr. ky p, pw, pl, pr, pgh, py, 

k, tw, Kl, kr, ky. p, pw, p 1, p r, n gh, p y. 

g". b, bw, bl, br, bgh, by. 

I, jrw. m, dw, ml, mr, mgh, my. 

ng, ngw, ngr. y, yw. 

9, 8w, sr, sgh. r, rw. 

hs, hsw, hsr, hsgh. 1, lw. 

8, sw. w, 'w (= MW?). 

ri, fiw. d &w, 9r. 

t, tw, tr. h. 

t\ t'w, t'r P (arabisches 'ain). 

d, dw. w 

n, mr, ny. K " 

Die Sßocale jtnb: ^, ü, i, ö, ü, n, e, i, o, ». 
3ebe Silbe enbet auf einen Socal, welcher im 
nidjt im Sgau— nafalirt fein fann. 3eber Silbe haftet 
eine ber folgenben feeb« ^Betonungen an: 

bie riefe gleia>e, mit 
bie fadenve, „ 
bie circumflere, „ 
bie furj abgebrochene „ ' 
bie furje, „ : 

ber fiteigenbe (unbejetebnet). 



II 
II 



Digitized by Google 



KARG VON HEBEN BURG 



— 51 



KARG VON BEBENBURG 



(Sine Schrift befafjen bie Staun früher nid)t; nie ©lifüo' 
nate bebienen ftd) für bat Sgau bet barm anif eben , für 
ba6 ©gbo einet befonbert von ihnen erfunbenen ül« 
»babett. 

(Die ©JortftcIIunatgcKBe gleichen im weftntlicben 
ben djineftftfcen: bat Subject tiebt vor, bat Dbject hinter 
htm ©erbum, währenb j. 33. im tibeto-barmanifeben 
unb vielen anbern verwaisten Sprachen bat Objrct 
bem ©erbum vorautgeht. 9Mb,«« ©eftimmungen treteu 
voran, wdbtcnb fit in ber ftamefifeben Spradjengruppe 
fielt folgen. Tif SBortbilPung gffrfjifbt tbeilt mittel« 
einfacher Gompofition felbftönbiger Stammwörter, tbeit« 
bureb formalive J^öifdworter. ($in reicher ©orratb grant» 
ntarifeber ©artifeln verleiht bei Svntar einen giemlid) 
hoben ffirab von ©iegfamfeil unD Reinheit. — 3m gol« 
gtnben wer&en wir nur nod) bat Sgau bfrücfftctjtigen. 

Die perfönlidien gürwörter haben folgrnbf gönnen : 



eubi. 


Dt 1 «« II. 




•Heicris. 


Sing. 1. ><; 

2. np 

3. wä 
©lur. 1. p? 

2. frü 
8. wä 


n«j 
awä 

n 

p-wä-&«" 


>•«■• 

ü 

Pg*>{ 
» 


\ ,-k.-f<- 

ni--kc-b<- 

p-ke-sö 

pp-ke-sf' 

frü-ke-s«' 

p-ke-se 



(Die Subjectt «Pronomina L unb 2. ©etfon liehen vot 
beni ©etbum, wogegen wä ihm folgt, j. 93. 8, lieben: 
yp ?, n«; T-, ? wä , pp ö, dü e, P wä. (Dat ©erfedum 
bat bat Suffir Ii: n<; P Ii bu haft geliebt; P wä Ii er 
!■ :■ i geliebt, fie haben geliebt. Da« guturum roirb burd> 
cat ©räfir kp br jeiebnet : ye kp P, ich werbe lieben ; kp P 
wä Ii, er roirb geliebt hoben. Vtnbere l'artifelu Prüden 
©itte, ©efebl, Verbot, (Srlaubnip, ©teglirbfeit, 9Jotb' 
wenbigfeit, llnmöglidifeit, 9Bunfd) u. f. ro. aut. (Sin 
©afftvum roirb in folgenbet ©Jeife gebilbet: yp P yp Op:, 
id» werpe geliebt; P e »p:, er roirb geliebt; np P Ii np 
#p: Ii, bu bift geliebt worben u. f. w. 

Die Zahlwörter ro« 1 — 10 lauten: 1 tp, 2 k'i, 
3 9&, 4 lwi, 5 yä, 6 jü, 7 nwi, 8x<>:, 9 k'wi, 10 hsi. 

Literatur: g.OTafon, Synopsis of a Grammar 
ot' tbe Karen langriage, einbracmg botb Dialects, 
Sgau and Pgbo or Sho (mit ©Jörterverjeicbniffen). 
davor» 1846. 4. — 3. SBabe, Karen Vcrnacular 
Grammar, with English interspersed et-r. Waulmain 
1861. 8 (faft ganj in 6gau gefdjrieben). — «ine lieber« 
frBitng be« 9leuen leftanientfl: The New Tastament 
in Karen, davon 184.1, 8 ift uon Wafon angeferrigt. 

IG. r. Galxlentz.) 

Karfunkel, "äHineral, f. Granat. 

Karfunkel, @ef(broiiT, f. Carbunkel. 

KARG VON BEBENBURG, ein jüngere«, wie 
unten gejeigt werben foll, briefabelige« @efcbled)t, bot 
jroat Pen Warnen bet alten erlofnbenen »on fjebenburg 
nebft beffen SBappen annahm, mit ihm aber burebau« 



feinen nadnveidbaren 3uf<"flntenr>ang hat. — erfebei' 
nen juerft rnnt S3rubrr, 4pant unb dhomat Aarg, bie 
d. d. 9tegen6burg 14. 3uni 1594 einen Sappenbrief 
erhielten. toteren ©itfel, 9iament griebrid), rourbe 
vom äaifer SRatthiat d. d. granffurt 17. 3uni 1615 
ber Seiditabciaftanb ertbeilt unb ihm von Äaifer gerbi» 
nanb II. d. d. 9Sien 21. $ov. 1621 unter 33eftärigung 
feinet «belt ber 3uname von ©ebenburg inatb bem alten 
fränfifthen, 1522 erlofdjenen ©efdjiecbte biefet «ament, 
bem ber befannte gürftbifd>f Jropolb III. von 93anu 
berg 1353 - 63 angehörte) verliehen. Sllt fürftbifdjöf« 
iiehrr bambergifeber .'.ah'.K'-.-.fta- vermählte er ftd) 1642 
mit ln>a von Sorber (geft. am 16. Ort. 1696) unb hinter« 
ließ bei feinem am 7. «LVui 1679 erfolgten Hobe biefet 
feineT SBitroc aujjer vier Üöchtrrn aud) vier Söhne, bie 
ben Oiuhm ihret @efd)led)tt begrünbeten. $toti berfrlbrn, 
3ohaun Gatpar (geb. 13. gebr. 1650), Witglieb ber ®e< 
feüfchaft 3^11, unb pobann 3arob (geb. 17. Der. 1655) 
femmen für bie giliation nicht in ©etradjt. Sud) ber 
dltefte Sohn, ber am 19. gebr. 1648 geborene 3 an n 
griebrid) (feinet 9Jamenö ber berübmtefte), roibmete fjd) 
bem geiftlid)en £tanbe unb erlangte bereitt in früher 
3ugenb ein Äanonifot bet GoUegiatftiftrt ju 6t.'3acob. 
3m 3- 1664 »urbe er ©accalaureut ber ©bflofopbie, 
ftubirte hierauf btt 1G68 bie _ ©ottetgela&nbeit )u 9lom, 
foroie 1669 bie 9)echttrviffenfchaften tu ©rag, unb voU< 
rnbete feine tvcltmännifchc ©ilbung auf laugen Sieifen 
burch bie 92ieber(anbe, granf reich unb 3talien, wo er 
K)76 ju ©abua jum Docter ber Siechte ernannt würbe, 
tfluf feinen 9ieifen hatte er verfchiebene ©erbinbungen 
angefnüpft, bie ihm ©rranlaffung ju vielen fpdterrn 
Wifüonen werben follten. üRit bem 7ite( einet apofloli« 
fchen ©rotonotart unb einet faifnlichen ©faljgrafen fehrte 
et 1678 in feine ©aterfiabt heim unb würbe hier vom 
gürftbifdjof ©eter ©bilipp von (Dernbach, jum geifilieben 
unb geheimen 9tatb ernannt. 9Jad)bem et fid) in biefeT 
Stellung wie alt Scbriftftellcr nicht unbebeutenben diuhm 
erworben, berief ihn Jtutfürft ©iarimilian ßmanuel, bie 
bairifd>eu Angelegenheiten am pöpfilichen wie am faifer« 
liehen JQo\t ju vertreten. £ er JTnrfürft ©iarimilian 
Heinrich von Äöln hatte fid) jur Un)ufriebenheit bet 
©apftet wie brt Äaifert ben vom franjöftfchen Jpofc 
begünftigten SSilhelm von gürflrnberg am 7. Jan. 
1688 alt Goabjutor beigefügt, bie ©efiäiigung bff* 
felben jur Nachfolge aber bit ju feinem irhou am 
8. 3uli beffelben 3ahret erfolgten üobe nid)t erlangen 
fönnen. JTarg fudite nun in 3iom ein SBablfubigfiitr'- 
Sreve ju ©unften bet bairifeben ©rinien 3ofepb Glt> 
ment burcbtufr&en. (hhieli biefer bei ber barouf ju Äöln 
fiattfinbenben ©Sahl auch nur fünf Stimmen, wäbrenb 
auf gürflenberg beten brei^ehn fielen, entfd)ieb 'Ikpft Jn< 
norm) XI. bennod) )u ©unftrn Pet etfieten, welche l*nt- 
febeibung Jtatg pcrfönlich nach Jtöfn überbtadjte. 4j>ier 
fönt et ju ben befanntrn ©3ahlfireitigfeiten , bie fcblirß- 
lid) jum Jtrieg mit granfreid) führten, aut brnen aber 
3ofeph (Clement jule$t ftegreich hervorging. Tiiefer, 
bereit« ©ifdjof von grrifingen uub «Regentburg, im 
jugenblidjen «Itet von ffebjehn 3abren fomit auch Äut< 

7» 



Digitized by Google 



KARG VON BEBENBURG — 58 - 



KARGOPOL 



furft von Jtöln, berief Jtarg fofort ju feinem ©rojjfanjler 
unb Staat«minifter, bie fdjwierigen Serwaltungflgrfcbäfte 
feinet jetftrruten V:.uu ju leiten. 3» ri ' : ' cl1 ;v - u tot* 
noch bie gefürftete $ropfiei Sercbte«gabcn (1694 auch 
tie ßoabjuteric von £ilbe«beim) unb fchjicßlid) ba« Vic 
tljum V ü 1 1 i cfj btnjugefommen. 3n ber 2bat rrftaunlid) 
waren bie Sbärfgfeit unb bei politifebe SdjarfMicf 3e« 
bann griebrieb « von Jtarg, ba biefe febwierigen 3<i' 
ten hoppelte Sfnfrrrngung erbeifdNen. Sefrembenb iji 
eö borum nicht, baji er brn ihm 1693 angetragenen 
fürftbifcböflichen Stuhl von Samberg anzunehmen ge« 
badete unb ftd) nur auf ftarfe« Drängen be« Jturfürften 
3ofepb (flemen« entfcblienen tonnte, bie aufreibenbe 8ei> 
tuug feiner bi*bet innehabenben Staat«gefd)äfte beim» 
behalten. 9tad> bem Blieben von Steroid hatte fid) 
Jtarg verleiten laffen, wie er wol glaubte, jum Seften ber 
von ihm vertretenen 3ntereffen, Serbinbungen mit granf» 
reid) ju unterhalten unb biefer ÜOianj tbatfärhlidicn 
tlu«brutf ju geben, tluf energifche Sinfpracbe be« fötner 
Domcapitel« etflärte ber Jtaifer ben Jturfürften fammt 
feinem Jtanjter im SJtärj be« 3- 1706 in bie Sieicböacbt. 
Grit 1711 bei ber Sßabl reo neuen Jtaifer« fotvie bei 
ben grirbeii«vethanblungen ju Staftabt unb Sahen — 
bi« babin lebten £err unb Diener alö ©äfte 8ub« 
wig'«XIV. ju Salencienne« — fonnte Jtarg bie SBieber» 
rimefcung feinet fturfürftrn unb fomit auch bie feine 
erlangen. (St ftarb nach tbatenreiebem Sieben am 30. Stov. 
1719 ju Jtötn, wo ber banfbare 3«>fe»b Giemen« ibm 
in ber Jjauptfirrbe ein feinen Serbirnften entfpreebenbc« 
©rabmal fefcen Hei — <S« fei nod) erwähnt, bafi er 
1694 ba« jum (Fanton ©ebürg gebörenbe «Rittergut 
Jtirchfietten von ben 3ct;nern von 53 raub getauft, baji 
er ben fpäteren (Snverb ber Slittergüter Ober*, Wittel» 
unb Unter *3ßeiler«bad) eingeleitet unb beförbert, fowic 
baf er vom Jtaifer SJeopolb d. d. SJien 29. Stov. 1698 
mit bem ?ßräbicat „von Jfircbftetten" unb „cum jure ex- 
tensionie" ben 9ieicb«frribennftanD erlangt hatte. Sein 
groiefl Bermögen fiel an bie Jtinbrr feine« ©ruber? 
£ieronvmu« Jtarl Jtarg von Bebenburg. Diefer, 

fieberen am 2. 3uni 1651, wibmete fid) ber Scecrjtöwiffcn» 
cbaft, würbe Dr. jur., taiferl. JpofpfaUgraf, fürftbifeböfl. 
Jjcfgeiftlicber unb ©eheimer iKalb, 1691 Sicefanjlrr, 
1694 furmainunter ©eheimer Stoib unb 1714 SBirfl. 
^ofgeri<bt«»$räfibrnt unb Jtanzler, in welcher Stellung 
er hochgeachtet am 3. 3an. 1723 ju Samberg verjiarb. 
VI uf gürfpracbe feine« Jturfürften unb gürfibifebof« 
(ÜRainj unb Samberg vereinigt), Jetbar granj von 
Sebönborn, t^attc ihm ber Äaifer d. d. ffiien 11. 8ug. 
1709 ben 9teid)«ritterttanb verliehen. «Bon feiner ©attin, 
SRaria ^Margaretha geb. von Siebm (geft. 19. Sept. 1733) 
binterliefi er unter neun Söhnen unb fteben Xöchtern bie 
nennen«wertben Söhne ©eorg Jtarl (Stifter ber bairi« 
feben finie) unb ©eorg 3ofepr> (Stifter ber fränflfcben 
Sinie. — ©eorg Jtarl (geb. 5. SKärj 1686) war bereit« 
1711 fürfrl. ^ofralh. 1721 ©ebeimer 3?ath, furmainji» 
fdjer Jtämmerer unb ©efanbter am tüeia>«tage ju Siegen«« 
bürg für Samberg, Strafiburg unb &ur> Trier. (Sr 
kox ber (Srwerber von Dber», Littel' unb Unterwriler«' 



bad? unb von feiner erjten ©emahlin Slnna SWargaretba 
von SJifind) ber Stammvater ber unterm 13. ÜJJai 1813 
bei ber greibcrrnflaffe ber fönigl. baitifdjen $tbe(0matrife( 
eingetragenen bairifa>en Jinie. — Sein Sruber ©eorg 
3o|eph (aeb. 15. gebr. 1698) ftubirte bie 9leeht«wiffen. 
febaft ju sBJürjburg, würbe fürjibi|a>ö|1. Aof» unb :Nc 
gietung«ratb, 1721 ©ebeimer «Rath, 1731 Sirefanjlet 
unb 1739 Äanjl« unb ^ofridjter, weldje« «mt er bödift 
ehrenvoll bi« ju feinem am 28. 3uni 1779 erfolgten 
Üobc verwaltete. Seinen ererbten Sifc Jhrcbfietten hinter« 
Iie0 er feinen mit SWaria «Wagbnlenn granjiöfa geb. 
greiin von 8et?pred)ting erjeugten Söhnen, unb ift er ber 
Stammvater ber unterm 29. 3uli 1812 bei ber greibemt' 
Haffe ber fönigl. bairifrben 8bel«matrifel eingetragenen 
fränfifdjen Sinte. Diefe 3mmatrieulation beiber Linien 
gefebab auf ©runb eine« , )leid?«'greiherrnbiplom«, ba« 
br« Aieronumuö Jtarl Söhne vom Jfaifer Jtarl VI. 
d. d. SBien 15. Der. 1731 in Hnfcbung ber Serbienfte 
ihre« Cheimö, be« greiherrn 3ohonn griebrid), auf fid) 
au«gebehnt erhalten hatten. Da« berjeit in Saiern unb 
Oefterteid) blühenbc ©efdjlecbt führt im filbernen gelbe 
eine freifdiwebenbe rotbe Surg mit jwei 3innenthürmen, 
auf bem J^elm einen wad)ienben roth gefleibeien Gngel, 
^elmbeden: roth'filbern. Diefe« ifi genau ba« 9£ap> 
ven ber alten erlofdjenen Herren von Sebenburg, bie ibrer» 
feit« (Sine? Stamme« mit ben gleidjfaO« längft verblühten 
sperren von Rothenburg jum rebenoen 98appru biefer lt%» 
teren berechtigt waren. (//. v. Dorwit: u. HarttetuUin.) 

KARGO, Sd>iff?labung, vom fpanifdjett carga, 
Jabung, abftammenb; bavon Supercargo, ein Sevoli» 
mddjtiflter bee Sefradjtert, ber bie Steife mit bem Schiffe 
macht, nm über bie SJabung an JDrten, wo ber Se» 
fraefcter feine Serrreter bat, )u verfügen. (R. Werner.) 

KARGOPOL, Jtrei«fiabt im ruffifcb>europätid)en 
©ouvemenuni Clone;, 670 Jtiiom. füböfilich von U ; e 
trafawob«f, am linfen Ufer ber fduffbaren Onega, 3'/» 
Jtiiom. vmt beren SIu«ftuffe au« bem ^atfd)afee. £ar< 
gopol gehört ju Den dlteften Slnfiebelungen im Sterben 
Äuölonbö, bodj fincen ftrh hiftorifche *ad)rid)ten über 
bie Stabt erft au« bem % 1447, in welchem bie gürften 
Siinitri Scb'emjafa unb 3ohann SOtojaiffij fjeh hierhin 
vor ber Setfolgung SSafftl'« be« Dunfeln flüchteten. 
Bon ber früheren gefiung, bie hier nod) zur 3eit Steter'« 
be« ®ro§en erifiirte, hat fid) nod) ein (SrbmaU mit 
einem an bie Cnega fio^enben ©raben erhalten. Die 
Stabt hat 19 Jtirrhen (barunter 16 fieinerne), ein Sfonnen« 
flofter, 28 Jtaufläben, eine weltliihe unb eine geifiliche 
Jtret«fchu(e unb 2146 (Sinwohner, bie baiiptfäcblid) ba« 
Jtürfchnerhanbwerf treiben. Serübmt ftnb bie $elje au« 
6ichhörnd)enfellen, bie hier verfertigt werben unb einen 
bebeittenben $anbel6artifrl bilben (2 3RiUiouen («i±. 
hörndjenfelle, von benen 200,000 fibirifd)e, wnben jähr» 
lid) verarbeitet). (Sine« guten Stufe« erfreuen ftd> aud) 
bie hier gebauten, brrimajtigen, fargopolfehrn Schiffe, bie 
auf ben ©ewäffern be« Wariinfchen Jtanalfvftem« an» 
gewaubt werben. 3wei unbebeutenbc 3ahnnärfte fjnben am 
16. SNdrj unb 24. Juni ftatt. Jtargopol bleute früher al« 
Serbannungöort für tatarifdje Jthane unb rufftfdje Sojartn. 



y v 



Digitized by Goo 



KAMEN 



- 53 - 



KAMEN 



Xrr Ar ei« von Aargopol nimmt ben füböfi* 
lieben Iheil rc* ©ouvernemeni« Clcnq ein unb um» 
faf t nach Sdjweijer einen gläcbenraum von 418% 
□SRcilen mit drca 70,000 Ginmobnern, beren $aupt< 
tcfcbäftigung btv »rfcrbau ift. 93orjug«weife werben Sog* 
gen, §afer unb ©erfte gebaut, weniger gfodj* unb 
£anf. Xie SBicbiucht befriebtgt nur bic örtlichen 93e* 
bürfniffe. Der 33obcn be« fargopoler Areife« ift mit 
$lu«nabmc be« mefthd?en 2beilc« lehmig, fumpfig unb 
reich bewäffert. ütx £auptflu(j ift bie Cnega mit ihren 
Suflüffen Aena, SNofcba unb Seitufcba. 93en ben vielen 
Seen finb bie bcbeutenbften : ber rVffd)mor, ber Satfcba« 
fee unb ber Aenofero. Sicht minber reich ifl ber Arci« 
an Sümpfen, bie fieb gröf tenlbeil« längt ben Ufern ber 
glüffe gruppiren. Die SBälbcr, brfonber« 9cabelbols, 
nehmen 85 $roc. be* gangen Slreal« ein. (A. v. WM.) 

K ARIEN . Sanbfchaft im fübweftlicben Alemafien, 
im Horben an Sobien, im Cfien junäcbft an bie ^broger, 
bann an ben Ivbifcben Stamm ber Safonier in Aabalien 
(Aibvra) grenjenb. 8n ber «jWeereefüfte bctübrt ftd) ba« 
farifdjc ©ebict mit bem Ivfifcben. Die geograpbifeben 
©renjen ber Sanbfchaft fteben bei ber naben i'mvanbt' 
fdjaft unb ber feit ber ^erferjeit eingetretenen 93crmi< 
febung ber vafebiebeuen 93olf«ftämme niebt vollfommen 
feft (vgl. Strabo XIV, l, 42. 2, 1). 3m allgemeinen 
bilbet ba« 9Jfalwgi«gebirgc im Serben, ber Aabmo« unb 
ber Salbafo« im Cflcn bie ©rrnje. — Den ^»aupttbeil 
ber Sanbfdjoft bilbet Pa« frud)tbare Jbal be« untern 
«Räuubcr unb feiner jablrcidjm von Süben femmenben 
5lebenflüffe, unter Pcnen ber §arpafe« unb ber SWarfpa« 
bie bebeutenbften finD. Die aujjcrorbcntlid) reid) geglie« 
bertr, überall in lange febmate $albinfeln au«laufenbc 
Aüftc wirb vom 93innenlanbe bttrd) ba« qucrvorliegenbe 
Satmodgebirge abgcfd)nitten. 

lieber bie 91 a 1 i o n a l i t ä t ber Aarcr jinb bie verfebfe-- 
benartigfien «nftcblen aufgehellt. 3" ber $tit, al« man 
überall am ÜRitlelmeere femitifebe 33olf«ftämme unb (Suite 
naebweifen wollte, finb auch bie Aarcr meifl für Semiten 
crflärt »orbtn. 9Jad) SRover«' Vorgänge bat Soffen, 
3eiifd>r. ber Drutfcb. TOorgenl. ©efcllfcb. X, 341 für eine 
«Reibe farifdjcr fflioffen utic Samen femitifebe (Stpmolo« 
gieu aufgefüllt, bie freilid) faft au«nabm«lcö verleb« 
finb unb »um üb«' bem femitifeben Spradjgeiflf gcrabeju 
in« ©eficbt fthlagen; vgl. be Sagarbe, ©ef. »bbanbl. 
S. 200. 212. 268. 282. Hud) Sunder, ©efd). be« 
Slltertb., ift geneigt, bie Aarcr für Semiten ju ballen, 
roäbrenb i 93. ßurtiu« fte im ©egenfafc tu ben nach 
feiner «nfid)t reinfemüifcben Svbctn für ein «Kiidjvolf 
erfldrte. 

liefen verfebiebenen auffaffungen gegenüber ift gel* 
genbe« ju brmerfen: 

1) 35a« Reg. n, 11, 4. 19 al« Seibwacbe be« Äö« 
nigfl 3oo« »vn 3«ba envdbnte (lorp« cx-irn -nsn, 
b.'b. angeblich „Jfarer (anbere überfein „Sdfarfridjter") 
unb fidufer", bat mit ben Jtarern nicht« gu thun, -"is 
Äari ift Schreibfehler für -n-= Äreli, Sam. 11,8. 18; 
15, 18; 20,7.23, unb biefe „Äreter" finb na* Sam. 
1,30, 14 (ejed). 25, 16; 3epb. 2,5) ein Stamm ber 



^biliftcr (im Sücen ihre« ©ebirt« anfäffia), au« bem 
jahlrcidje Sölbner in ben üirnfien beT jübifcbeit Aönige 
ftanben. Sbenfo bemerfe id) gleich hier, bap, wenn £e» 
robot 1, 170 ben Ibale« von 3Milet tö aväut&tv yivog 
luv Qoivtl nennt, er ihn baburch al« fJJacbfommen ber 
nach 3o«ien au«gen>anbeTten Äabmeer (Her. I, 146) 
bcjetdwn will , au« ber Angabe alfo tvrber eine alte 
phönififdjc SInftebelung in SNilet noch ein femitifdjer 
Urfprung ber Jtarer gefolgert werben barf. 

2) 93 ou ber Sprache ber Jturer finb un« aujkr 
einigen ©(offen (aufammengeftcBt von 3ublon«fi, Opusc. 
III, be Sagarbe ©cf. Slbbanbl. 267) in 3nfd)rtften 
unb bei Scbrifntelierr. zahlreiche ^erfonennamen er< 
halten (jufammenaeftrllt von {>auffou(lier , Bulletin de 
eorr. hellen. IV, 1880, 315 fg.). liefelben tragen 
meift einen fpeeififeben, Jlaricn cigenlbümlithen 2vpu« r 
Wie J. 33. MawsaaUos, 0va<ltoXlo$,'Ißdvtoli$; 'AqvaO- 
<kg, IlavvaaCH [unb -ani\, Kßov6w(Hke; Tüfitntf, 
niyQiti u. f. w. Sammt unb fonber« haben fte inceffen 
ein völlig unfemitifcht« ©eprdge, wdhrenb fie bem 
ßharaft« ber inbogermanifchen Sprachen nicht wiber' 
fpred>en. Unter ben ©(offen finb einige unzweifelhaft 
inbegermanifeh, j. 33. äiMßavüoi = htaovtxoi (Steph. 
Byz. b. v. '.■//.<. ,ii.vd<:). I c& itryc ftd) benfen, ro»i 
wir e« hier {um IhcA mit Sehnwörtern )u thun hatten. 
Unter ben £rt«namrn Aarien« ifl einer entfehieben femi' 
tifch, ber be« ©ebirge« ftabmo«, b. i. ber Cfiberg (mp), 
unter ben übrigen henfeht bie in ganj Äleinaften ver» 
breitete 33ilbung auf «affo« (u. d.) vor, j. 93. SSvlafa, 
3affo«, ^alifarnaffo«, 33argafa, ber glui ^jarpafo« u. a.. 
Daneben 33ilbungtn wie «labanba, «linba, «alvnba, 
Vraexovdtis (^bVle in SDcplafa), welche wie inbogerma« 
nifd>e <0articipialbilbungen audjeben (vgl. Kiepert , Sehr« 
buch ber alten ©eogr. S. 73). Sod) ift natürlid) ber 
Scblui von ben Crt«namen auf bie Nationalität ein 
unficherrr, ba biefelben ja einer früheren 93cvö(ferung 
angehören fönnlen. 

3) 9cad) ber rinheimifcheu Srabition, b. h. nach ber 
Slnftcbt ber farifeben aiterthum«forfd)er (Jhrod. I, 171 ') 
finb bie Aarer in ihren SSJotmfi&ni auf bem geftlanbe 
autoebthon, ihr Stammvater Aar (beffen ©rab in Su» 
angela gezeigt würbe, Steph, Byz. s. v. EovwytXa, 
nach bem biefer 9came „®rab [cowtv] be« »önig« 
lytAffl" bebnitet) war 3?ruber be« S«bo« unb 9Jlvt'r«; 
baher ift ben crei Stämmen ber ßult be« 3eu« Äario« 
in Wt'lafa gemeinfam. Der h'«au« ftd) ergebenbrn 
$rä|umption, ba# Aarer, Spber unb Stufer nahe ver« 
wanbte Stämme waren, fteht fein irgenbwie gewichtige« 
SHoment entgegen. Slnbaerfeitfl finb bie (vber iweifel«> 
ohne 3nbogermanen uno nahe U! et wanbte ber ^brvgrr. 
SBir betrachten baher bie Aarer al« ein ©lieb 
be« großen inbogermanifchen 93olf«ftamme« 
ber SBeftfleinafiaten (9Beitere« f. »rt. Kletoaeien). 



1) ®jb Jtwtctici ft* Ux «nfidjt ki fanf*»n «flr^l» nidit 
anfMkii. »icfcltirn skIbkIii nadi h«tif«rr Ittwxm «p» t<n 
3m>ln tmge»an»ett ffin U|t unl lan'm »'« ÄJurih ju Stuic^Hir' 
jen ma*t, ift natürli« füt iib# rölli 9 sbnt Srbfumn 3 . 



Digitized by Google 



K ARIEN 



— 54 — 



KARTEN 



4) 3d> febliejje hier noch einige SJemerTungen an. 
3m Sd)iff«faialog D, B. 867 führen bie Äarer brfannt' 
lid> t>a« SJeimorl ßaQjkco6<pv>vw, bellen SPrtcutujsfl irbe 
»erfebieben erflärt wirb, f. <S<raAo XV, 2, 26, unb ju 
golgerungen über ihre Sprache in feiner ©eile verwertbrt 
werten fann. 8?aaj bem SJerfaffer einer farifebrn ©e» 
fcbid)tc ^3bilippo« von Suangela 2 ) bei Strabo 1. c, 
nnfen jid> im Äarifd>en jablreidjc grieebifebe SBörter, 
wie nad) Wafo, Kratyl. 410 im vhnjgifcben. Slud) 
biefe 3cotij iß mit SBorfidjt aufzunehmen unb bejieht 
fi<b vielleicht nur auf ben geineinfamen inbogermanifd)en 
SBorlfcbae. — Äarifcbe 3nf(briften Tennen wir Crei« 
jebn, Sie auper einer in ffarien gefunbeuen fämmtlid) 
au« Slegvpten flammen unb von Sölbnem »erfaßt fttib; 
fie finb jufammengefrellt von «"enormant, Rev. arib-, 
nouv. ser. XXI, 1870, 151 fg. (bie bieroglppbifaV- 
farifdje "Bilingui« auf einer bronjenen 9lpi«ftatue au? 
bem Serapeutn von "We mpbi« ift je$t von 3- be 9lougf, 
Inscr. him>gl. IV, 300 publirirt). Da« Sllpbabrt ift 
eine Itaiietdt bc« altgried)ifd)en ; bie 3n!cbriften finb 
jeboeb ju furj, um ber ßntjiffcruna irgenbwelcbe opanb« 
habe gu bieten, offenbar enthalten fie tueiit Eigennamen. 

lieber bie Religion f. Kleiuasien. hieben bem Gült 
ber ©öttermutter (»gl. baju Herod. II, 61) — bie von 
ben ©riechen häufig, fo in (h>f)tfo* unb Wagnefta, in 
ihre Slrtemi« umgewanbelt würbe — tritt vor allem bie 
■Berrbtung eine« ©otte« heroer, ben bie ©riechen al« 
3cu« bezeichnen. $11$ 3*"* äjtio« von SWvlafa — nad) 
HeroJ. V, 66 auch von bem ©rfcblecbt be« 3fagora6 in 
Silben verehrt — haben wir ihn frbou Tennen gelernt. 
Daneben ftnben wir bier einen 3 ru * Clcflo ( Ocoyci), , 
in beffen Tempel nad) ber heiligen (sage bie SJfcere«- 
»oge ftd) jeigle (Pausan. VIII, 10, 4), Die 3nfd>riften 
nennen biefen ©Ott baher häufig ZijvoxoouÖäv-y offen« 
bar ijt er ein ©Ott be« jpimmeifoerean« wie Ter inbifebr 
SJaruna. Sil« ©Ott be« $age«lia>te« (Zivg navt/pi- 
qw$) wirb er in 3bria« (ober (Jbn?faori#, f. Stepk. By:.. 
in beUeniftifcbet 3eil StraloniTea) verehrt, ©ewöbnlicb 
bfiüt er bier Ztvg AlpiMJrrofptiv; fein #eiligtbum ift 
% JWitte(punft ber alten farifebrn «msbiftvonie (Strabo 
XIV, 2, 25). 3n bem Dorfe ?ambra»nba bei aXolaia 
bcfinbei ftd? enblid) nod> ber hochheilige, von ÜPtplafa 
verwaltete üempel be« Ärirg«gotte« Zu-,- Ztucctus 
(auds ./< ;i,jyrrrö.^i. ber mit ber Strritajt in ber 
Aed>ten (aud) auf SJtünjen: Rer. num. 1856, pl. III, 3 
unb fonfl) bargeftellt wirb: Ilerod.X, 119; Strabo XlV, 
2,23; Itnt. Qu. gr. 45. 5Jn legerer Stelle wirb eine 
offenbar erft fpät entftanbene äriologtfcfce Sfegenbe irjdblt, 
wie biefe fljt vom ^eraTle* ber Ompbale gefajenft unb 
iunäd?fl von ben (pbifeben Jtönigen gerragen fei, bit im 
.Kriege gegen &aubau(e0 ftrfcli« (ob ibentifd) mit bem 



2) «81. WülUt fr. h. gr. IV, 475. «.n onUrm ^Snmn 
res A'opiKff »iir trr tri Stephanu* ßy.-. i>fi tilirtr flrclli-mc« 
m>ii Mrbretiüa« fflüllrr fr. IV, 310). »n im Stile frr frJtftfn 

iflt Bttt dairlflft '.lui'Ulirlialtll Mt Ijtlldjt Ur : -'".li'.M ,-;jHI, 

an tri fjaui (inet 3lammhanmr4, dn t<fl,B ®t>ijt -tat ftebt unt 
in ttn tit tftjfimamrij ummllidju fjrif*« SlJMr rmjrrribl fin». 



in Spfien al« axljjgoi »tos screbrieu ?lrfaIo6? Pt«t. 
def. orac. 21) von «PMafa bem ©pge« ju i^ülfe Tarn, 
bie cnei-ar:, bie Ippifd) lafoi/s beipt, erbeutete, unb 
feinem r^eimifeben ©otte (baber Zivi Aa$Qabtvi [sie!]) 
weihte — eine ©cfdjidste, bie teuere ju erpmologildifr. 
unb biftoriftben Spielereien «erwerthet haben. — Sgl- 
aud) grieblänber: 3 f u* 2roioö, 3"t* ffeto unb 3' u * 
Ofogo, in 3f'ff < 6r- für 5Tumi*m. U, 107 fg., wo unter 
anbern eine Jtaifermün}e von ßeramo« abgebilbet vi, 
auf ber ein bärtiger ©Ott in Turjem ?ribrod, mit ?an)e 
unb Streitayt in ben j^^nben, von einem Üöwen be= 
eitet, bargeftellt if», ben grieblänber vieOeid-t mit 
edjt für ben 3eu« Cfogo hält. 

lieber bie polilifdjen SJerbältniffe Äarien« ge< 
währen Strabo XIV, 2, 25; Herod. V,37. 118—121; 
VII, ( J8 einige Sluffdjlüffe. Die ©runblage hüben bie fe(b< 
ftänbigen Sauemgemeinben (xüpeu,), weld)e bei ber 
jährlifben gefrverfammlung am Tempel M $tui ($brr- 
faoreuA bei 3briafl (f. o.) an ben „weipen 2afeln" 
(Afi'xal arf}iUu) St'b unb Stimme hatten (vgl. über 
biefe XempelgenoffenfaSaften 6. Gurtiud, 9lbh. 9erl. 9lfab. 
1872, S. 9.) 3n ber Segel bilben, fo fdjeint e«, meh- 
rere brrarfige Dörfer eine politifd>e (finbett, bie in fpä« 
terrr 3<>> oft burd> Spttoifiömo« }U einem ftäbtifdjen 
©emeinwefen (jtökj) verfdjmeljen, fo bie ißebafeer unb 
lurcmeer; vgl. Äubn, (5ntjlcbung ber Stäbte ber «Iten 
S. 252 fg.. Daneben finben wir überall im 8anbe fefte 
Burgen, welche von ben ©riechen gewöhnlich al* Jeleger« 
bürgen (f. u.) bejeiebnet werben (Strabo V1L, 7, 2; 
XIII, 1, 59; Xen. Cyrop. VII, 4, 1 ; Pomp. Alela L, 
16). 3Babrid>e'nlid* finb bafl bie Sipe ber Slbrif)« 
gefa}(ecbtcr, brneu wir überall in Jtarirn begegnen, unb 
von benen wenigfteitt* in her $erferjeit bad ^anb überall 
abhängig gewefen ju fein fdjeint. ?ludj an biefe Dvnaften« 
fije fdjliegen ftd) vielfach ©emeinwefen an, bie jum übctl, 
wie ». 33. 9Rplafa, fpäter ju grö§eren Stäblen erwach- 
fen finb. 

Die Äarer jittb ein friegerifches» 35olf; ben äpelm- 
bufcb, bie (frfinbung be« Sdjilbgriff« unb bie Sitte, 
ba« SBappen au[ ben Sdiilb ju fefcen, führen bie @rie- 
d>eu auf ße jurüd (Her. I, 171). grühjeitig haben fie 
ftcfj auf bie See gewagt; bie auperorbrntlicb reift je» 
glieberten Jlüften ber Sanbirbaft boten jablrritbe äp^t cn 
uub SrblupfwinTrl für Giraten. 9Bic e« fcheint, ftnb bie 
3nfeln be« SIegäifcben Weere« in alter 3<it metfi von 
ihnen befept gewefen. 9tad? Thtd. I. 8 ergab ftd} bei 
ber burdj bie Slthencr im 3. 426 v. Ohr. vorgenommenen 
„Steinigung" von Delo«, bat) bie meiften bort gefunbe 
nen Särge Äarern angehörten, unb bie jtrrrifdK SlnttAt, 
ber fid) ^>erobot anfdjliept (I, 171; von Strabo XIV, 
2, 27 al« 6 tLÖhex biiokoyovjuvoi loyog bejeia>net), be> 
trachtet bie Äarer al« urfpriinglich auf ben 3nfeln bei' 
mifcb; erft burdj Wino« feien fie auf ba« gefilanb jurütf^ 
gebrängt. 6« ift nid)t unwabrfcbeinlicb, bail bie auf ben 
3nfeln be« ?legäifcbeii Weere« (unb in ?lttifa?) jabl- 
reid) gefuitineu fogenannten „geomerrifeben" giguren 
von Sttin unb Zfyon ihnen angeboren. G« finb bie« 
febr rob gearbeitete männlidje unb weiblt*e giguren. 



Digitized by Google 



KAMEN 



— 55 — 



KAMEN 



tri reuen tie Sinne übtreinanber auf Irr Srufr (icgm, 
ten Sdniltern parallel, woturd) ber Ci-afotpCT (int 
faft vieredige ©eftalt gewinnt. $icrturd) veranlaßt 
jwingt man Die ganje giaur in edige gecmeirifdje Si- 
nien. Sgl. Ibicrf*, «tb. SDiüncb. «rat. I, 1835; Sep, 
«rcbäel. «uffäfte I, 52; C. «Müller, T«nrm. tet alten 
Aunft, Taf. 11, 15; ©tri. SKuf. Str. 922a — d u. a. 
«nfä&e tcffelbtn Stile finten fid) unteT anterin aud) 
in ten jablreid)en ten Sdjtictnann in 3lio« grfuntrnen 
fogenannten 3toIen. 

Ot Aarer in alter 3"' °nd) au f °a« grtedjifcte 
geftiant torgetrungrn fint, läfit fid) nid)t entfdieiten; 
nad) Strabo VIII, (j, 15 behauptete «rifrotrle«, Pap 
@pitauro« unt $crmione vor alter* larifcb gemefen 
feien. fBöllig unbegründet ift tie 93ennutbung U. Aöb' 
ler'«, tie ©täbtr unt tie Aunft von Slplenö unt 
Spata feien rarifdjen llrfprung* («IRittb. te« ard). 3nft. ju 
«tben III). Gbenfo wenig wiffen wir etwa« über tie 
Serübrungen, weldje jwifdjen ten Aarern unt ten <ßbö« 
nifern, tie feit minteften« 15UO o. @br. auf tem «rqät* 
feben *Weerc 4>tnbel trieben, unjwcifclbaft ftattgefun» 
ten baten; bötbfien« in tem tarnen te« Serge« Hböni? 
auf Per rnitifeben Gbrrfone« mag iid) eine (frinurrung 
an ebeaialigc pbönilifcte «nftrtriungen tewabrt baten. 
Sontt erlennen wir nur, ta# tie ©rieeben aUntäblid) 
weiter torPringen, unt fdfliefjlicb torifebe unt ienifebe 
«nftetlcr jid) an ten {jauptpunlten Per farifdjen Äüfte 
fefifeften. Tic 2ratitionen über ten Serlauf tiefer «n» 
ftePelungcn (Herod. 1, 146; «Bbrreröbefl bei Strabo XIV, 

1, 3. 21 u. a.) haben für tie fflef<btd>te wenig Seteu« 
tung; Pap tie ©rieeben vielfach mit ©ewalt vortrangen, 
tie Aarer eTfdjlugen unt ihre SBtiber uut üeajtcr 
raubten, ift gewtü richtig, dagegen in antern gällcn, 
namentlich im ©ebiete tet torifeben «nfietclungen, iß 
tie Eolonifatton unzweifelhaft friedlich vor fid) gegangen. 
So tft in ter Teppelftatt 4palifariiaffo«-SalniaftS ter 
gröfstr Übril ter Sctöircrung nach «u«r»rifl ter tarnen 
unjwtifelbaft rarifcb, Aarer unt ^eüenen ftnP ;u einer 
Sürgcrfcbaft verfcbmoljen. daneben ift ein großer Ibeil 
tet Aüfte — mit ten Orten Sargplia, Aarpanta, Äe- 
ramofl, Sarqafa, »Jtb»«fo«, Aanno« u. a. — immer rein 
rarifd) gebtieten. Setreff« te« le^trrcn fei hier noch erwähnt, 
taf? tie Saunier nad) Htrod. 1, 172 (Danach Strabo XIV, 

2, 3) in Sitten unt dirligion Don ten Aareni rerf (bie- 
ten waren unt ton ftreta gerommen ju fein hebaup* 
teten — gerötet hielt fie für «utoebtbonen — Pagegen 
raufet fpradien. 

3n enger Serbintung mit ten Aarern nennen tie 
gricd)ifd)en Angaben über Pic ölteften Söirtrverbälmiffe 
te« «egäifcben SReere« ten Selffftamm ter Selegcr 
(f. taf.). (Spbefo«, SKilet, Sctafo« foüen lelegifd) ge- 
wefen fein, tie alten ©räter unt Surgen in Aarien 
febriet man ten Selegctn ju, ja tie genealogifcbe *ßoefte 
— fiomtr weif nc-d» nidjt* tavon — madjt tie fceleger 
• u Urteroohnern Monien« unp ÜSeffenien«. 3n bifto- 
riftber 3eit Pagegen ftntt tie Ürleger überall — au|er 
au Per SüPrüftc ton Iroa« — wfcboUrn, unp niemanP 
wuftr über ihre 9tationalität unb ihr Serbältnip ju ten 



Aarera «u«runft ju geben. £efiot erfldrte fie für 
Afxroi ex yaltft Xaoi\?) (fr. 136 Ainfei), ^erobot läfjt 
AiXtyn ten älteren, ju 9»ino«' 3eit geträud>lta>en Ka- 
men ter Aarer fein (I, 171), ^berefpte« (tri Strabo 
XIV, 1, 3) macht tie Seleger ju ten nörtlid>en Sacb- 
tarn ter Äarer (pgl. Pauean. VII, 2, 8 Aiityig tov 
Knoixai' potQ«), unt Aalliftbene« (bei Strabo XIII, 
1, 59) conftruirte ftd) fcblieflid) tte ©cfd)id)te eine« 
alten in Aarien mächtigen Srlegerrricb« mit $etafo« al« 
SKittelpunh; fpäter feien tie Veleger tut* ganj ©riedjen» 
(ant {erftreut Worten unt fd)(ie|jltdj verfebwunten. 9Iad) 
alletem fdjeint .Hm?h ein virlleid>t letiglid) von Pen 
©rieeben gebrauchter Slame Per rinbeimifeben fleinaftati- 
feben Aüftenberolferung, ober vielleicbt eine« rarifeben 
Stamme«, Per im fpäterrn 3onien anfäfftg war. 8twa« 
mehr bietet tie «ngabe te« ftton erwähnten ^bilippo« 
ton Suangela, tie Äarer verwenteten bie ?eleger nod) 
ju feiner 3eit (xdXai re xal vvv) al« SHaven (fr. 1 
bei «Dtuller vol. IV, 475), womit tie 9?ctij P/ur. Qn.gr. 
46 ju rertinten ift, in Sralle« fei tie üöttung eine« 
Selegcrö oter 9Jiin»er«(!) fdjon turd) tie ßrlegung eine« 
Scbejfct« Atd)erertfen gefübnt werten. üRan hüte fid) 
inteffen, au« Perartigen «ngaten auf Stammverfcbieten< 
beit Per Aarer unp Sclegcr ju fd)liefien (tgl. tat SBer« 
hältnip Pet Spartaner unP SWeffenier). 3u tölliger Alar» 
beit ift in tiefer grage, tie febon ten «Iten ein unlö«« 
bare« {Räthfel war, mit unferm ganj Pürftigen unP 
gröfjtentbeiie völlig werthlcfen Waterial nietjt ju ge- 
langen. 

3n rein biftorifd>rr 3<it finten wir tie Aarer in 
.jahlreidje Heine ©cmrinwefen gefpalten, Pie meift oter 
turebweg unter rinbeimifeben Stnaften fieben. ?Rit ten 
©rieeben Aleinafien« fint fie auf« engfte vertunten, tie 
Kultur 3onim« gewinnt wie in Jptten, fo aud> hier 
frübjeiiig völlige Aerrfcbaft. SEie in ^»alirarnafj ta« 
3onifcbc Pie Sd)riftfpra<be war, fo auch in ten rein 
farifd)en Stätten — ton SRoIafa beftfen wir grird)ifd)e 
3nfd)riften au« ter ^erferjeit. Ta« gried)ifd)e Stätte- 
wefen mit feiner Selbftterwaltung fintet überall (Fin- 
gang.. 3>er Sd)iff«rapitän Slvlar von AartanPa, Pen 
Tario« I. jur @rforfebung Pe« 3nPu«(auf« au«fcbidte 
(Her. IV, 44), war ein Äarer, ter feine (?ntteduiigen in 
ionifcher Sprache befdjriet (Pie gragmentc bei SRülltr, 
Geogr. gr. I, praef. S. 36 fg.) unP aueb ein SBcrr über 
Pie rarifebe ©efd)id)te feiner 3rit verfaft hat (f. unten, 
vgl. ton ©urfdjmit, «Rhein. SRuf. IX, 141). ©enug, 
in nod) höherem ©rate al« in $pPtrn tolljieht fid) be- 
reit« vor unp in toOftem «ÜRafie wäbrrnP ter ^erferjrit 
tie $eUeniitrung Per (antfebaft; Diodor. XI, 60 (t. i. 
(Fpboro«) theilt im 3- 465 tie AüftcnftäPte Aarien« in 
rein bfUenifdje unP jweifpraebige (vgl. aud) Thvk. VIII, 
85, 2 r«vUx7]v, KÜQtt ilylaoGov) , ein Sewei«, wie 
febr tie einbeimifebe Spradjc tamal« fdton jurüdge- 
Prängt war. Turd) tie Eroberung «leranter'« wirt 
tiefe (Sntwidelung tann jum «tfdjlui gebraut. 

SHit ten 3oniern jufammen unt natürlicb fort» 
wäbrrnt mit ihnen rivaliftrcnt jieben tic Aarer auf 
Schiffahrt unP Srnaut au« unt fegein nach fernen 



Digitized by Google 



KARIEN 



- 60 - 



KAUIEN 



Jtüjlen, um im Selbe frember gürflen ifir ©lud ju 
mad>en. ©efanntlid) bat fo (um 660-650 v. (Ihr.) 
QJfamraeticb von «egvpten mit ionifcben unb fatifdjen 
Sölbnern, bie ihm, wie bie affarifdjrn angaben an» 
beuten, Äönta @>>i]cö von Svbirn ju .£>ülr'c fdjidte, bie 
»ffnrer au« Hegvpten vertrieben unb feine £errfd)aft auf' 
gerichtet. Seitbem bitten 3onitr uub Jtarer ben Jtern 
bei ägvptifcben Streitmad)t unb jaMtitJ* finb fie vor 
allem in 9taufrati« — wo btr 9til ba« ionifdje unb ba« 
farifdje Duartier trennt — , aber aud) fonit im ganjen 
?anbe angefiebelt (Her. II, 152 — 154. 61; 111,11). 
Die 3nfd)riften fari|ct>tr Sölbner, bie ftd; in «egvpten 
gefunben haben, finb fdjon erwähnt worben. 

SBann bie Jtarer unter Itpbifdbe «fterrftbaft gefommen 
finb, wiffen wir nia)t. 2Jon einem Jtriege be« »Ivattc« 
gegen bie Jtarer, in bem Jtröfoö ftd) au«)eid)nete , be« 
rietet Nie. Dam. fr. 65 Dt ü Oer. $110 bann nad) ber 
(Eroberung von SaiKe (Jperbft 54G) Jjarpagoö im Vliif» 
trage be« Jtnr*« ba« weftlidje Jtleinafien untenvarf, 
leiftete ihm in Jtarien nur ber Diftritt ber *ßcbofeec 
längeren äBiberftonb {Her. I, 174 fg.). Dagegen al« 
ber ionifdje »ufftanb au«brad), fdjloffen ftd) bie Äarer 
meifl ben ötebeüen an, mehrere ihrer Dvnafien würben 
verjagt (Her. V, 37. 103. 117), mäbrrnb anbere auf 
bie Seite ber 8(ufftänbifd>en traten. 3br £eerbann 
würbe iubeffen in mehreren Scbladjten befiegt unb i'cbließ» 
(id) ganj Jtarien unterworfen (Her.Y, 117 — 121; VI, 
25). Die ®efd}id)te be« Dvnafien Jperafleibe« von 5Rv« 
lata, ber fid) bei biefen Jtämpfen befonber« au«jeidjnete 
(Her. V, 121), bat Sfolaj von Jtarvanba in einem 
eigenen ffietfe bebanbelt (rc »toi 'HQcodtidijv rbv Mv- . 
Xadtav ßcasOitt Suula* s. v. £xnL& f. von ®ulfd)mib, 
£RI}rin. SRuf. IX, 141). Unter ber <lierferl>errfd)aft bilbet 
Jtarien mit 3onien üeoli« (ju bem Irea« nicht gehört!), 
Svften, Vtiloa« unb . in pbblien bie erfte, bat ganje 
i(einaftatifd)e Jtüfienacbiet von ?e6bo« bitf jur fitilifctjen 
@renje umfaffenbe «satrapie (Her. III, 90). Die ein» 
jelnen ®emeinben bebalten inbeffen wie überaU unter ber 
perfifdjen £errfd)aft ibre eigene, wenn aud) von ben 
*Berfem beeinflußte Verwaltung. Än ber Spifce ber 
farifd>en Slotieurontingcntr im J5eere be« ferre« fieben 
burd>weg einbeimifd>e Dvnafien (Her. VII, 98 fg.), unter 
benen be« ?vgbami« Üodjter Slrtemifta, bie gürftin von 
Jjyalifarnaffo«, ber aud) bie 3nfcln Jto«, 9tiivro« unb 
Jlalvbna geboren, bie brrvorragenbfie SteÜung einnimmt, 
(ja fei >iiT nod) erwähnt, baß wir befanntlid) in bie 
innere (Mefdndjte von Jjatifarnai in ber golgejeit burd) 
jwei große 3nfd>riften (9tr. 1 publica! von 9tewton, 
A history of discoverieg at Halicamassus etc. pl. 85 
unb Xert vol. II, 2; Derf. in ben Trans. Roy. Soc. Lite- 
rat. Dec. 18(57; gauppe, ®ött. 9iad>rid)ten 1863, 303; 
Jtirdjbojf, Älpbabet 4 fg., unb neuerbing« SRübl, Philo- 
l«gus41, 1881, r». 54 fg.; 9tr. 2: Newton, Essays on 
Art and Archeology; j^auffouÜier, Bull. Corr. Hell. 
IV, 896 fg.) einen genaueren (finblid erhalten. 

Slu« bem farifeben Außen gebiete werben bie ^erfer 
im 3- 465 »on Jtimon auf ber (Jjrpebition, bie ittr 
®d)ladjt am (Survmrbon führte, vertrieben, unb infolge 




befteu erfd)einen jablreidjc einzelne Stäbte uidjt nur ber 
Jtüfien, fonbern aud) be« ©innenlanbed wejllid) vom 
?atmo«, wie Dtvlafa unb <{Jebafa, ferner mebrere Dv- 
nafien (^igre« von Suangela, v Jaflve« von 3bvma, 
Ivmne« C. J. Att. E, 226. 227. 240. 256. 264) in ben 
aitifdjen Xributliflen. Der julr$t genannte !£vmne« iji 
aller 2Balirfd)einlid)feit nad) ein €obn be« von Herodot 
V, 37; VII, 98 genannten Dvnafien $tfttäo*, 6obne$ 
bed Xvmned von Xermera; wir beiden nad) perftfd)em 
@rwid)t unb mithin unter perfifeber Jperrfchaft geprägte 
Stünden ard)aifcbcn Stil«, meltbc auf bem Sloer* einen 
J^erafle« unb bie Segenbe TVMN, auf bem 9trvcr« 
einen föwenfopf mit ber fegenbe TEPMEPIKON 
jeigen (SBabbington, Rcv. num. 1856 , 53; »ranbi«, 
OTiinj -, $ta§> unb ®ewid)t0f«fiem , (£. 474). SBie tt 
fd)eint, bat bann Svmneä unter attifd>er Obnbrrrftbaft 
einen Ifjett feinet) ©cpbe* behauptet, ba nach ber 
Jributlifie bee? 3- 440 (C. J. Att. I, 240) bie Ku[qi j 
uv Tvlfivtji «Qxtt 3000 Drad)men gejahlt hoben. Da» 
neben erftbeinen a0erbing6 bie TCpp^ijs fd)on vom 
erftrn 3ahre ber un6 erhaltenen ?iflen (454 v. @br.) an 
a\i felbfhfnbtge ©emeinbe unter ben Uributjahlern. 

3nfolge bet) SBerlufte« be« Jtüfiengebiett) fdjeint ber 
9teft ber fattfdjcn garrapie ju ber l«bild)eu gefcblagen ju 
fein; bem Satrapen vonSarbefl, ?Piffuthnea— beffen natür- 
lidjer Sobn ftmcrgeö fid) um 413 in Äarien empörte(rAwX-. 
VIII, 6, 5; 19, 2; 28, 2) — fdjeir.t nad) Thuk. 1, 115, 4; 
111,31; Viod. XII, 27, 3 and) ju gehören, wat) von 
ber erften Satrapie perfifd) geblieben war. (Sbenfo iA 
von 413 — 408 liffaphemefl Satrap in 8vbien wie in 
Jtarien (ihm gehört SarbeO: Xen. Hell. I, 1, 9 fg.; 
Hut. Ale. 27, unb ebenfo «OpenboeJ in *Pampbvlien: 
77.uX.VIH, 87; ferner Jtarien, 3onien, Heoli«). 6r 
erhielt nad) ber Stieberlage ber Htbener in Sidlien ben 
Stuftrag, bie griedjiidjen Stäbte wieber ju unterwerfen. 
Dann würben Anfang 407 beibe Satrapien »ieber ge» 
trennt, Xiffapbernr« auf Jtarien befdtränft (Xen. Anab. 
I, 1; Hellen. III, 1, 3), wdbrenb gpbien jufammrn mit 
@roßpbrvgien unb Jtappabofien bem neuen Oberfelbberm 
Jtljrot* gegeben wirb (Xen. Hell. I, 4, 2; Anab. I, 9, 7). 
Sei biefer ©elegenbeit ftnb wabrfd)eiu(id) bie äolifd)en 
Stäbte jur Ipbifdjen Satrapie gefommen, bie ionifd)en 
blieben }unäd)ji bei Jtarien, empörten ftd) inbeffen gegen 
Siffaphrrne« unb fcbloffen ftd) bem Jtvro« an; nur 
Dtilet hat Jiffaphftne« behauptet (Xen. Anab. I, 1,6; 
9,7; vgl. Hell. III, 1,3). Diefe (üntbeilung ift feit« 
bem beftehen geblieben, unb in Sfvlar ^eriplud (gefd)r. 
um 355) bilbet baber ber Dtäanber bie ©renje jwifeben 
^»bien unb Jtarien. — 9tad) JtsrofJ' ©efiegung im 3- 
400 erhielt bann üiffapb/rne« bie Ivbifcbe Satrapie auf« 
neue unb jugleid) beu Cberbefebl in Jtleiuaften (Xen. 
Hell. III, 1, 3 ; Diod. XIV, 35, 2). 3m 3- 395 wirb 
er auf ©«fehl be« Jtönig« von Jitbtaufte* ermorbet. 
biefer an feine Stefle gefegt (Xen. Hell. III, 4, 25; 
Diod. XIV, 80, 7). Jturje 3eit barauf, juerft im 3- 
391 (Diod. XIV, 98, 3), begegnet und Jtarien wieber 
alt eigene Satrapie in ben $änben be« Dvnafien von 
SJtvtafa (Strabo XIV, 3, 22) , £efatomnc« , unb gebt 



Digitized by Goog 



KAMEN 



— 57 



KAKIKAL 



Ben ibm auf feine 9fad)forameit über. Da Pirfelbc fo im 
etbiidjen SBrftftc eine« einbeimiftbot Hbel$gefd)lca)te war, 
beifjen Pie farifd>en Satrapen je&i bei Pen ©riedjeu meift 
iwäöTcu, Ti5p«vw>i ober ßaötXiis — 3fi>frattd (Paneg. 
162) gibt im 3.380 bem ,£>cfaloiiinoe> ben bejeia)nenben 
Jitel ö Kcunm i.Tr'öT«»fios — , inbeffen Die 3nfd)riften 
ton 3Nl)laja (C. J. gr. 2691c — e — Lebas 377—379) 
bezeichnen Den Wauffolloft nuöPrüdltdj a\6 Satrapen 
(^|«t&p«flrft5ovros— peij.Kbshatrapava, bebr. ^tmen«), 
rbeufo Pie unter 3 iberiuö grfdlidjte Jtnfdiiift von 'XrallrtS 
(C. J. gr. 2919 = Lebas 1651 3 ) ben 3brieufl. gerner 
beaufprueben oPer brft&en biefe Surften in ber Übat tit 
aanje erfte Satrapie fiyfien bat allerbingä in tiefer 
3rit, namenilid) untertänig 'JJerifle«, lange 3tit feine Un» 
abbängigfeit behauptet — Die grofje löftfebe 3nfdjrift betf 
Cbeli«fen von JfantboB läfit, fo wenig fie oud> bisher 
nod) im einjelnen entjiffert ift, Pod) leutlid) erfennen, 
bafj fie f on bieten Äämpr'e» haubelt — , inbeffen fcbltcp« 
lieb bat aftauffollo» Spficn unterworfen unb Idpl e« Purd» 
feinen ^»»pardjen ÄonPale« verwalten (\Arist.) Oecon. 
II. 15). Gbenfo gebort »JÖiiUmö ju HlefanPer'e 3«' P<>* 
lirifd» s m Sofien, mitbin wie bei Uerod. III, 91 jur 
farifeben Satrapie (Arrian. I, 24, 5). 

Huf <£ttfatomncd, Satrap 395(?) — 375, folgten Per 
fXeihe nad) feine fämmtlicfcen JlinDer, luerft 9J?auffoUofl 
375 — 351, Dann Peffen Sa)wefter unP (Semabün Hrte» 
mifia 351—349, Pann Der {.weite Sobn 3&rieue 349— 
343, ciiDlid) Peffen Sdjwefter unp ©emablin HPa 343- 
339. Diefelbe wirb von ibrem lüngften SruPrr Wro< 
taroe? verjagt, nad) beffen 2oPe 334 fein Sdjwager, Der 
Werfer Olbonlopaie«, mit Per Satrapie belebt« rrirb. 
Vir,, wenbet fieb Dann an HlejanPer, Per ibr nad) Per 
@roberung von ^mlifarnap Marien jiinicf^ibt (Strabo 
XIV, 2, 17 = Arrian. I, 23; Diod. XVI, 36. 45. 69. 
74; XVII, 24. DioPor'< cbronologifdje Hngaben fmP 
von Schäfer Demosth. I, 439 nad) Hin. XXXVI, 30. 
47 u. a. berichtigt ; ba« DioPor alle Daten um jwei 3abrc 
ju bod) gerüdt bat, leb« frbon XVI, 74, wonad; 
U!irobaro0, Pen er im 3. 341 jur Regierung fommen 
ldfjt, bi« jur ötäßaots Hleranbet'o [P. i. grübiabr 3:54 1 
fünf 3abre regiert baben foll). SBon Pen meiften Piefer giir- 
ften befinen wir «Wünien, Pie bei Sranbi«, Ulüuj', Wati- 
unP GJewiajtfpftcm, S.475 fg.; vgl. and) Str im Nu- 
uiism. Clironicle, 1877, B. 81 fg. jufanuncngeftrlll ftnb. 
Won 3:ifd)riftrn fommt ju ben bereitd genannten noeb 
Paü frürt'tüif einer in HPalia gefunbenen Warmortafel, 
iu ber von einem Sertrage M ^Nauffollod, ivabrfd>etn' 
lid) mit einer pampbpliftben Stabt Pie SRePe ift (f. yv.i-'-.b 
felP, ÜDicnatöber. Per Serl. HfaP. 1874, S. 716 unP Pa« 
beeret Pe* , +HiroPare* bei *)i Sa>miPt, 9teue Ipf. StuP. I, 
60). Huf ibre ®efd»id)te, Pie in Pie SatrapeiiaufftänPe in 
SBorPerafteu unP Pie jablreicben ^dnpel jwifdjen ©rie*en 

3) S>rt iKtKibin^i von ®»tjt, Schein SSuf. XXXVU, 
8r». r > ij. jrmaditt 9)>-r{iili, teu .Inhalt tifftt 3nf4rift für rd)t ju 
ttfl jtfn , nnt ta ti< ^atirunii bttülben im ü'itnfrtudi mil )>rr 
rrrHldirn ftiinig«lin< A<ln, tit («(Inf. irrtet»' curdi ten aSttnrmi« 
f(p<n Jtancn tt* ^iDtcmäo» sMIin t)<fid?ttl ift, auf Arunt< trr 3«« 
jdjuit iu <«iri>)itfii, frtjeint mit söllin unlwltt'ur. 

«. t«c»n. m. «. t. 3«i« ««tto». XXXIII. 



unP ^erferu überall aufd engfte verflod;teu ifi, uäber ein* 
jugebeu, ivürPe )u iveit fübreu. ($d genügt buu , auf 
Scfcäfet'fl 33emoftbfne«; SdjmiPt, 3ut @efd)id>te Per 
(arifdjen Surften, »Progr. ®ötringen 1861; »ßobla, De 
dynastis Caricis, Srrtlau 1868, ju vertveifen. 

£ie Dvnaftie be» ^efatomno« ift iroar eine farifdje, 
unP Äönig *J5büiPP maa>t Pem HlejcanPer SJonvüvfe, Pa& 
er au Pie Sermdblung mit einer Icibtcr beö *4JiroParo«, 
KtcQog iv&Qcöxov xtd ßftQßapa fiaoiltfi dovlevovros 
gebadjt babe (Plut. Alex. 1U), inbeffen in ibrem Huftreten 
lieben fit völlig unter bem (iitifluffe bcllenifd)er Gultur. (Si 
ift befannt, nie Hrtemifta ibrem verftorbrnen (Semabi von 
Pen eiftcu Jli'tuftlern Per $tit Päd SRaufoleum erriditen lies 
unb einen ^rei6 auf Die befte Sobfrbrift auf ibn an6fet)tt, 
um Den ftd) Pie angefebenften Stbctoren @ried>enlanP0 
bewarben ((itllitu X, 18; vit. X orat.; Saidas «. v 
&iodixTT}s unb IaoxQartjs u. a.; vgl. ©lafi, Htt. SBe^ 
rebfamfeit II, 68). Daij griedjifd? Pte officieUe Spradie 
war, Pap Pie Sta'faffung von SRvlafa, Per urfpriinglidjen 
dteüPent Pcd Jperrfeberbaufed, nacb giirdiiidjrin Wufter 
georbnet war (Die ^fepbiömen beginnen: ido%t Mvka- 
atxHhv lxxli)Oir)s xvQiitf ytvofttvtjs, xal ixtxvgacav 
ae TQtii arviat), ift fd)on erircibnt. Wauffolloel vrr< 
legte bann Pie jHefiPcnj naeb ^»alifarnap unb forgte auf 
alle SBeifc ttircb Sauten, Sefeftigungen unb vor allem 
Purdj Serpflanjung Der @inwobner von fedj« benad}' 
barten Ortfdjaften, alfo burd) einen SvnoifWmo«, wie 
er Patin in belleniftifdjer 3eit fo bäufig vorfommt, für Pie 
Serfebönerung unP ^ebung ber Stabt (Strabo XIII, 
1, 59 unP mit einigen 8fbl«n PHn. V, 107, beibe un« 
Äiveifelbaft au« Äalliftbaie«, Vitruv. II, 8, 10 fg.). 

Tie weiteren Sebidfale Per farifdbrn SanPfdjaft 
btaudjen wir nicbl \r. verfolgen; fie gebt in ber betleiii' 
ftifeben au6 einer J£>aub in Die anbere, bitf ftr t'tfclietj. 
lieb im 3- 129 von Den Wörnern sur »Jkovin» Hfien 
gcfcblagen wirb. Die einbeimifebe Wationalitdt ertiiebt 
vcüfominen; in Pen jabireidjen Stdbten Per Sanbftbaft 
enhviifclt ftd) wie überall im vorPcru Jlleinaficn unter 
bem (Sinfluffe ber hcIJeiiiftifeben (»"ultur bober Süoblftanb 
unP ein vielbewegte« Sieben, voii peffen (Sbarafter bfe 
krümmer Per alten StäPte mit ibren jablreirben 3nfd>riften 
nod) Uzt 3<«flni& ablegen. — 3m aUgemeinen vgl. 9?cw 
ton, History of Caria in feiner Hixtory of Discovericti 
at llalicamasBUs etc. I, 1 — 71. (Eduard Meyer.) 

KAHIKAL (in Per 2arail»Sprad)e „ber ^ifeb» 
paij") ift eine franioftfcbe HnftcPrlung unP StaPt in 
ÜanPfcbur, X>iftrirt SllaPra«, in 10° 55' nörbl. fjr. unp 
87° 22" öftl. 8. von 8 "> 2,44 geogr. niRfilen oPer 134,m 
□Äilom., mit 92,516 @inwobnern. (5d liegt am SDfeere, 
19 Äilom. nörPlid) von 9legapatam unb 9,s Ailom. 
füblid) von Xranfebar. Die gratijcien eroberten tt 1738 
auf 1739 vom IanPfd)ur'9JaPfa>a; im 3. 1748 wurpeu 
81 Dörfer binjugefügt, unb biefe 3ufüguug würbe burefc 
ben Vertrag von 1754 betätigt. Die (Ingldnber nafc. 
men e« 1760, gaben e« 17G5 jurürf, nabmen eö 1778 
abermal« unb gaben e* fd)lie(itfd) im Sertrage von 1816 
wieber jurüd. 6« bilbete bie Saft« von ImUh'ö £)pe< 
rationen gegen üanbfdjur. Dir Stabt ift an einer ber 

8 



Digitized by Google 



KARISCHES MEER 



— 58 - 



KARISCIIES MEER 



Wünbungen :rr JTavt'ti bübfa> gebaut unr treibt leb* 
haften £anbtl mit Gertlon, (Sutepa unb ben franjöftftf!en 
(Felonien, inbem fit »ei« au«> iinb bauptfäcblid) curo- 
päifdje SBaarrn unb £olj einführt, «n ber Spüje ber 
Serwaltung ftrbt tin bem ©ouverneur von Sonbidicrv 
untrrgeorbneter ©tarnt«. Segen ber ctfufrn ift eine 
Convention mit ber SJ?abra«'9legienutg vorbanbrn, unb 
alle« auf franjöftfdjetn ®cbiete confumirte Satj tnuf 
vertrag«mäflig bei ben (Snglönbrrn getauft werben. Da« 
Sfant in 6er Umgebung irr Stabt, ba« jum Kaveri' 
Delta gebort, ift feto frudjtbat. Die (Sinnabmen betragen 
400,492, bie *u«gaben 277,204 gTanr«. 

(G.A.t. Klöden.) 
KARISCIIES MEER ober Karischer Golf 
beißt ein Tbeii be« nörblidjrn Gi«metre« jroifdjen ber 
Cb^lbinfel unb «er Dcppelinfel Sowaja-Semtja, tve Idje* 
burdjba« ÄuriiAc Ibot ober bie &arifd>r Strafje 
(aud) „(üferne Pforte" aenannt) unb Die 3uflorifd)e 
ober Ugriftbe Strafje jwi|d>en bem ruffifdjen geftlanbe 
unb ber 3nfel SBaigatfd) mit bem weftlidjen (5i«meere in 
SBetbinbung ftebt. Die fuböfilidje, b. f>. ftbiriftfee Äüftc 
be« Jlarifdjen SWeerr«, ift mü fefjr langen, weit in ba« 
geftlanb hineinreidjenben »udjten verfeben, wie bie 3" 
nifeiffifdje, ®ibanffifd)e, Obifdje, Jtarifcbe ober $ai- 
barajfifdjc SBudjt, bie ungebeuere £albinfeln bilben, j. SJ. 
bie £albinfel 3alraai jwffdjen ber SatDarajfifdjcn unb 
Cbiidjen 8ud)t. 3« ber Stöbe ber norblicben epi&e 3al* 
mal* liegt im Äarifdien "ß'rcre tie bebeutenbe 3nfel ©jeloj 
(SBeifie 3.). Die Süboftfüfte be« Äarifdjtn Meere« ift im 
gangen roenig befannt unb nur bie äüftenlinie ber £alb» 
tnfel 3almal ton Obberff an bi« jur füböft(id>en Spifc f 
ber Äarifdjen ©ud)t, fowie bie Saidjolffifcbe Äüfte ift 
von bem (Steuermann 3wanow betrieben. Die« gange 
Äüftenlanb ift fteinig, mit niefet bobm gelfen bebedt 
unb nur ftellenweife gang fladj. Die bötbßen Uferfelfen, 
roie ;. $. ba« Gap (san?tfd>ewa in ber ©aibarajfifdxn 
SBudjt, f)abeu eine £öbe von 70 guf» über bem 2Reere«' 
fpiegel. Der füböftlidje Stranb be« Jfarifdjen SBeere« 
ift mit TrciMwIg bebedt; bie Uferfelfen aber roie ber 
niebrigr Aüfienfaum entbehren ieber SBalbvegetation mit 
Aufnahme ber Ufer ber Obifa>en ©udjt fübltdj von bem 
Vorgebirge Jtamennoi, weldfe« mit unburdjbringlidjem, 
febr bobem Slraudjwerf beroaajfen ift. $ier werben aud) 
grofje Stüde von Steinfoblrn unb ©etnftein gefunben, 
bie von ben fWeertetvellen an ben otranb geworfen 
finb. Da« norbroeftlidje Ufer be« Jtarifdjen TOeere« ift 
ebenfo wenig befannt a(6 ba< füböTtlid>e. flur bic oft* 
litte Jtüfte ber 3»fe( SBaigatfd) unb ber füblidje Xbeil 
von 9lowaia «Senilja finb von ^aftudww befd)deben. 
3n feiner gangen äu*bebnung, von ber 3ugorifd>en bi« 
jur 3Katofd}fin<6rraf|e, ift ba« Jtüftrnlanb grögtrntbeil« 
fteinig unb felfig. Die in ber Segel rtfy über 40 gu§ 
bob,en gelfen befielen gröfjtentbtil« aufl fdjwarjem fr^» 
flaüinifdjem Sdjiefer, feltener au« Äalfftein. Die ftd) 
unmittelbar über bie Uferfelfen erbebenben »erge über» 
fteigen niebt bie abfolute ^dbe von 250 gu§ unb nur 
ber Serg in ber 5idt>c be« SBorgebirge« ^enen errrid)t 
eine 4>öbe von 500 gu*. 9lod) böber (700 m bod)) ift 



ber Serg an ber 93u<bt Jiebtfe. 3m Serben von ber 
SRatofcbfin »Slrafje ftnb bie fiatfaett @ipfel ber gelfen mit 
borijontalen 8agen ewigen 2d-nte« bebedt. Die Scgc 
tation ber norbwrftlidjen Aüfte be« Äantd^n SMeere« ift 
äufkrft bürftig unb beftebt nur an« »ßolarfräutern , wie 
Scdum RhodioU, Ardrosace cham., A. villosa, 
Cocblearia lenensis, Eutrciua Edwarbü . Platype- 
talum purpurascens, Artemisia borealis, Nectaro- 
botryurn striatum, Papaver nudicaule, Saxifraga 
nivalis, S. caespitosa, S. oppositifolia, Sileue acau- 
1U, Arenaria ciliata, Spergula faginoides etc. Son 
StTdiidjfm fommeu ^trr bie Äriedjbirfe, ber SBadi* 
bolber. bie ^eibtlbcere unb Sumpfbrombeere vor. 3n 
jablreidjercn (Sxemplaren ift bie gauna vertreten; von 
Sdugetbierrn: ffiölfe, rotbe güüjfe, weifje unb blaue Q\6' 
füd)fe, $irfd>r, grlbmdufe unb weifie ©dren; von 
Sögeln: Sdjwäne, wilbe ®änfe unb (Inten unb Sdjnee« 
eulen. Die Zugvögel, ; 33. bie ®4nfe, fommen auf bem 
norbweft(id>en Ufa von Sowaia'Semlja IRittc 3Rai an 
unb fiebfii )u dnbe be« Septemba ober ui Anfang br« 
Oftober von bier fort. Da« 3nncre be« Aartfdjrn 
Weerr« ift gan* unbrfannt. 3m Sommer ift e« mit 
grofjen (Si«maffen bebedt, fobafi bie Sdjiffabrt barauf 
unmögtirf» ift. Skmerfen«merlb ift e« jebotb, bat! sur 
2Binter«jeit ba« vffarifdje Weer jumeilen offen, b. b. ei«« 
frei erfdjeint. Die Temperatur über bem Weere überfteigt 
felbft in ben wärmften iRonaten r.ui-t +9*91., füllt aber 
feiten unter 0* berab, unb in biefem galle berrfdjeu bier 
beftige Sdjneegeftöber. 5ro(t biefer niebrigrn Temperatur 
finbet in bem SJJeete fein Langel an organifebem i(t>a\ 
ftatt. 3u ben $ufen ber Sorbweftfüftc warbfen ber te< 
genannte Seefofjl unb bie Seeerbfe. ©on Tbieren fom- 
men barin vor: ber weine Delphjn, bie Phoca albi- 
gena, Phoca hispida; von gifeben: ber Sdlbling, bie 
nörblidje ead>«foreUe, ber Stodftfd), ber Dorfdj, ber 
Plcuronectea navalis; von wirbellofen Tbieren: ber 
Seeftern, ba« SUeerttadjflfdjweiu unb viele Hrteu von Wu* 
fd?eln. SBalfifdje geigen ftd) nur feilen im äarifdjrn SKeere. 

<$rft in ber erftrn dödlftc be« 16. 3abrb. würbe ba« 
Jtarifdie 9)Jfrr von rufftfd>en Seeleuten befabren. 3« 
3u(i 1580 gelangten bie dnglänber Set unb 3<idmgn 
burd> bie 3ugorifd)c Strafje in ba« Ti<tr. würben aber 
18 Tage lang bei bid>tem Sebel von grojen diemaffrn 
eingefd)loffen unb waren be«balb gezwungen, wieber um» 
jufebrtn. 3m 3- 1594 unb 1595 gelangte ber ^ollänber 
«orneliu« Sav burd) bie 3ugorifd>e Strafe bi« jur 
Wutna'Suait unb bi« &ur Stufte ber ^albinfel 3almal. 
3m 3- 16i'0 btirdjfegelle ber ruffifdje Steuermann Sto* 
bion 3wanow bie ©aibarajfifdje S9ud)t, erlitt Sd)iff' 
brueb bei ben Sdjaropowi Jtofd)fi unb überwinterte 
mit 15 SRann auf ber ffleftfüfte ber ^albinfel 3a(mal. 
3m 3- 1734 unb 1735 fuhren ber Lieutenant SRurawjem 
unb Saulow bura) bie 3ugorifd>r Strafe in ba« Äa» 
rifdjc «Heer unb famen bi« mr »?utna'©ud)t unb ben 
Sd)aropowi Jtofdjfi. 3m 3- 1736 überwinterten bie 
Lieutenant« SRatygiu unb Sfuratow an ber Wünbung 
be« gluffe« Äara, umfdjifften bann 1737 bie $albinfd 
3almal, gelangten barauf in bie Obifdje »udjt bi« jur 



Digitized by Google 



KARKEMISCH 



— 59 — 



KARKEMISCH 



SNünbung be« Ob unb überwinterten in Serefow. Sfu- 
ratow fetyrte von bort in ba« jfarifdje SDfeer jurütf, 
mußte aber, von (Jiflbergen einge fdjloffe n , jmifdjcn bcn 
TWünbungcn ber Saibariia unb Jlara überwintern, unb 
lehrte rrn 1730 burd) bie 3ugorifd)e Straße nad) Hr» 
cbangrWf nurürf. 3n ben 3abren 17C0 — Gl gelangte ber 
unternehmenre Steuermann Sawroa ?ofd)ffn burd» ba« 
Äarifdie 2bor in ba« Aarifaje SWeer, verbrad)tc jwei 
SBinter auf ber Cftfüfte 9?owaja«Scmlja«, umfebiffte 
bicirlbe unb tarn au« bem jtarifaVn SRerre in ba« nörb» 
lidje (fi«mcer. 3m 3- 1768 gelangte ber (Steuermann 
M<c«mvflo»r buraj bie Watofd'ftn «Straße in ba« Äarffcbe 
StYcr, überwinterte in einer $ud)t, um Münte bann einen 
3bril berDjHüfte von 9?owaja'Semlja unb ferjrte 1769 
junii. 3m 3. 1772 würbe bie Äüfie be« Äarifd>en 
Ware* ven Sujew, einem Begleiter be* berühmten *j?al« 
la« befud)t. 3m 3- 1828 bereifte ber Steuermann 3wa» 
now ju ijanbe bie ganje füböfilicbe Äüfie be« £arifd>en 
ÜKeere« von ber 3ugorifd>cn Straße an bie Cbborff unb gab 
eine 99efd>reibung berfelben berau«. 3n ben 3abren 1832 
unb 1833 überwinterte ^iadjtufow in ber Äamenfn- 
93u<fct auf ber Sübfpifce von ?<owaja'Scmlja, fegclte 
bann bura> ba« Äarifebe 3 bor in Da« ÄarifdK Wen, 
verfaßte eine SBrfcbretbung ber Dftrufte ton ttowaja* 
Semlia bi* jur OTatofcbfin' Straße unb febrte bureb 
IcMcr nad) 8rd>angel«f jurüd. (Snblicb im 3- 1861 
getaugte ber Lieutenant Ärufenftern burd) bie 3ugorifd)e 
S •:.:•<• in ba« AarifaV SKecr in ber SlbfidU, bi« jur 
SRünbung be« 3enifei vorzubringen, war aber burd) fdjwim« 
menbe (Si«bcrgr genötbigt, fein Schiff in ber Äarifdjen 
9ud)t ju verlaffen, unb fonnte nur mit £eben«gefabr 
na> unb fein dommanbo auf bie $a(brnffl 3almal unb 
ton bort nad) Obborff retten. (A. v. Wald.) 

KARKEMISCH (ctox-.s 3tf- 10.9; 3rrem.40,2; 
II tfbron. 35, 20; LXX XÖQfuts), Stabt in ber »dbr 
be« (Supbrat, bie mau früber auf Orunb ber Sautd&n^ 
liitfrit für ba« gried)ifd)e Jtirfefton an ber Wünbung 
be« CSbabora« in ben öupfjrat hielt. Da inbeffen Rai 
femifcb offenbar an ber ^auptbeerftraße von Emien 
nad) UKcfopoiamien lag unb eine bebeutenbe Statt war, 
Jcirfefion bagegen inmitten ber forifd)'mefopotamifd)en 
Süße fern von allen .£>eerftraßen liegt, war biefe ®leid>« 
is'himg von Anfang an unhaltbar, rritbem ift un« 
Aarfemifd) auf ben dgvptifd)en unb affvrifd>rn 1 ml 
mälrru feil circa 1500 v. Gbr. unenblid) häufig ent- 
gegengetreten al« eine große Stabt be« nörbfidjen Serien«, 
juerft hat ®. Kamlinfon (Five great raonarchies II, 
67), bann Wafpcro, De Carchemisch oppidi situ et 
bist, antiquissinta 1872, bie fßermuthutig au«grfprodKn, 
bie Stabt fei mit ber fpäterrn Sambnfcj^ierapolt« 
(jKabbüg) ibentifd), bann bat 1870 06. Smith uörblid) 
von 9Rabbüg bei T in bi* (bem ISuropo« ber mafebc 
nifd>en 3^0 eine grope uralte Stuinenjtabt entbedt, bie 
er für Äatfemtfrt erfldrte. 3»r UnterftuOung biefer 
«n nähme fommt hinju, ba§ nad) einer !tori) au« 
«lejcanber «ßolljhiflor hei Stepljanu« 9Jpj. s. v. fivpowrd« 
bie von Seleufo« 9itfator gegrünbete Srabt ISuropo« 
früher Ttkftrficös bjeji, worin ®. ^ofmann, «u*iüge au« 



forifdjen Sitten perfifcher ^Rdrtvrer S. 163, wo! mit 92ed)t 
einen dieft be« tarnen« Jtarfemifd) ficht, beffen erftei 
Scfianbtheil bann burd) ba« ffiort teil, „^ügel" erfe|t 
wäre. SBSeitere« f. unten. 

Die ägvptifdjeu Denfmäler nennen bie Stabt Da« 
riqami'aftba, Jrirfmtfd;a u. ä. 3uerft erwähnt wirb fte 
bei ihrer Sroherung burd) Dehutine« III. (um 1450 r. 
Uhr.), von ber wir au« ber Stograpbjc be« am Jtampfe 
betheiligten gelbhauptmann« Slmenembrb erfahren; au« 
feinen Angaben gebt tugleid) hervor, tan fte am „ftluffe 
von 9tc.harain", b. i. bem (Suphrat, gelegen war. Unter 
ben närt'ften Nachfolgern be« großen Sroberer« wirb bie 
Stabt in Übhängigfeit von 9egt)pten geblieben fein. 91« 
ftd) bann (um 1350) in Serien ba« große SRetd) ber 
6l)eta mit ber apauptftabt Oabefd) am Oronte« bilbete, 
gerieth auch ber Jlönig von Aarremffdj in Slbhängigfeit 
von bem „©rofjfönig ber 6h*la". Unter feinen $er- 
bünbrten ober Zufallen wirb er in ben Qeridjien über 
bie .Kriege ftamfe«' II. erwähnt. Diefelben euben bamit, 
baß bie Gbf M fld) im SBeft^e @ö(eforieu« unb bei nörb- 
lidjen ?anbf djaften behaupten unb bie ägt)ptifd;c SRadjt 
im wefenttidjen auf ba« heutige ^aläjtina befd)ränft 
wirb. 4ln bcn (Supbrat ftnb bie Pharaonen bie auf 
9ied)o nidit wieber Vorgebrungen, unb infolge beffen 
wirb Äarfcmifd) in ben ägvpti|d)en «ngahen nur nod> 
gans gelegentlid) erwähnt. 

Sin tbre Stelle treten bie SJeridjte ber affpriftfcen 
Jtönige. 9tad) ihnen fjt Jtargami« (fpdter (Hargami«) 
am red)ten 6uphratufer in ber .V.:'.'e von .Hnr cd\il- 
manaffar (b. i. Xilbarftp, je^t Sirrbiif) gelegen, unb recht 
eigentlich a^auptftabt be« ttanbe« ber dbaiti, b. i. ber Hbcta. 
Erwägt mau nun, baß bie S(u«bchnung ber d)etitifdien 
9Rad}t über Jrleiuafien, wo fte, wie bie allerneueften 
Üntbedungen haben erfenuen laffrn, überall Monumente 
hintcrlaffen bähen, aller ffiabrfd)elnlid>feit nad) in bie 
3eit jwifchen bcn ägnptifrben (Sroberungen unb bem 33c» 
ginn ber affvrifeben Äricg«jügc uutcr liglatpilcfer L 
(um 1120- 1100), b. b. in« 13. unb 12. 3ahrbunbert, 
ju fe$en ift, fo Drängt ftd) bie 33rrmutbung auf, baß 
bamal« unb infolge biefer Jtrirgr ber Srbmrrpunft be« 
ßbetareid)« ftd) nad) Storbrn, nad) Jtarfrmifd) verfebeben 
bat. Slnbererfeit« fanr. e« wo! feinem 3weifel mehr 
unterliegen, baß bie gewaltigen Srümmerbüget von Djc 
räbi«, bie größer al« ftinivr fein follen unb iablreidje 
ebetitifebe 3n|cbriften unb Sculpturen enthalten, bie Stätte 
ber Jpauplftabt ber (Jheta bejeiebnen, fobaß an ber ©leid}-- 
ff^uitg bieier Ruinen mit Äarfemifd) faum mehr gr» 
jweifclt werben fann. 

Der erfte ber affprifdjen (Srobcrrr, üiglatpilefer I., 
bat um 1120 auch Jtarfemifd) beftegt, unb ift bann bt« 
an« Wittelmeer vorgebrungen. Seine @rfo(ge waren vor< 
nbergebenb, erft flfurnafirpal (884 — 861) bat wteber ein 
große« 9teia> gegrünt et, ba« fid) über Worbfprien au«< 
behnte unb bem aurb ber Aönig von Aarfemifcb ftd) 
unterwerfen mußte. 3n frieblitber unb feinblicber SBeife 
envähnen bann alle folgenben Könige bie Stabt, bi« 
Sargon (722—706) ben lefctcn Jtinig von Äarfemifd), 
lliftri, in bie ©efangenfebaft führte unb einen affprifd>en 

8» 



KARL (MÄNNL. VORNAME) — CO — 



KARL (MARTELL) 



Statthalter über bie gtabt fefctc. »uf tiefen galt von 
Karfemifcb fpielt oud) 2tc(cita« 10, 9 an. (Sine 3ufammcn* 
fttUuno Der afforifeben Angaben f. bei Schrabcr, SttiU 
infdjritten unb ®cf£^id>t#fcrfd?unö S. 222 fg. ; ^eli&fct>, 
®o lag ba« ^Jarabie«? S. 265. 

3u!iM ermähnt wirb Kartemifdj al« ber Ort, bei 
lern im 3. 605 SRebufabtiejar ben König 9leche, ber jur 
(Eroberung Sttrirn« au«gejegen war, fdjlug (3mm. 
46, 2). Daß in bellenifjifchcr 3'i' Guropo« — ba« feinen 
tarnen einer mafebonifeben Stobt verbanft — an frine 
6 teile trat, ift feben ermähnt, lieber bie Ruinen von 
DjeräM« wiffen »ir bi«jeftt wenig. Die furjen 5Äoti»en 
ihre« (Sntbeder« ®. Smith hat griebr. Deli&fd) («ßarabic« 
S. 266 fg.) veröffentlicht. Seitbem finb mehrere Mit 
bort ftammcnbc Steinblöde mit Sculpturrn unb 3n* 
fdjriften in b,amatb.enifd)er (ehetitifeber) Schrift in« British 
Museum gefommen unb von Wolanb« in ben Transact. 
of the Soc. of BibL Arch. VII, 429 fg. (1882) weröffent» 
licht werben. 93gl. auch Savce, The monuments of the 
Hittites, ebenbaf. S. 248 fg. (1881). (Eduard Meyer.) 

KARL, männlicher Ißername, altbodjb. (sharal, 
latintfirt Carolus, franj. unb englifd) Charles, ital. 
Carlo, fpan. Carl.-, ift baffelbe 'Jvru wie ba6 jefcige 
„Äetl" unb bebeutet „«JJiann". Sen ben Slawen ift 
ba* Sßort in ber gorm kral (böhm. unb fübflaanfch), 
tuff. korol', pcln. krol aufgenommen unb bereutet bort 
„König". Die hcroorragenbfirn Träger be« tarnen« 
.«tarl lirtb nacbftehenb aufgeführt. 

L Karl: qperrfeber au« bem ®efd>lecht ber 
Karolinger. 

a) KARL, genannt Warteil (2ubitc«), b. i. ber 
Jammer, töniglicher SDfajcrbomu« unb gürft ber gran» 
fen von 719—741, geboren um 688, mar ein Soljn be« 
«Deaiorbemu« Pippin unb ßhalpaibatf, einer grau, welche 
al« vornehm unb fdjön geptiefen roirb, aber febweriidj 
bic rechtmäßige ®emaf)lin Pippin'« mar. 9H« folebe er» 
fdjeint nur *ß(eftrur>, bie 3Äutter feiner Söhne Drogo 
unb ©rimoalb, ber Regenten bc« Welch« beim lobe 
Pippin'« U6.Detbr. 714) unb bie geinbin Karl'«; fte 
baßte ober fürchtete ihn fo febr, baß fte ihn gefangen 
fefttc. «ber mdbrenb ber Umwäljung, welche ein »uf« 
ftanb ber ffleufttier gegen Slcffrub unb bie Erhebung 
be« JRaganfrcb uim Wajorbomu« herbeiführten, roieber 
frei geworben, gewann Äarl in 9fttftraficn, ter Heimat 
feine« ©efd)lecbte«, bebruieubeu Anhang unb griff nun 
(715) in ben Kampf um bie #crrfcbaft mit folebem 9iaa> 
bruef ein, baß er nnd? einigen 3ülnm feiue SlnfprüdK 
auf bic 9idcbfo(ge in ber Stellung feine« Sater« Pippin 
burdjgefejt hatte. Sadjbem er 710 bei Köln von ben 
beibnifa)en griefen, ben 5)unbc«gen offen ber Sleuftrier, 
qefcblaaen war, erfocht er im Kampfe mit ben 92euftrirrn 
fclbft Sieg auf Sieg; 716 fdjlug er fte bei «mblroe 
(füblid) von ?ülticb), 717 bei SBinrp im ©au von Ganu 
brav unb 719 bei Seiften«. $ier wollte ihm auch £er- 
jog (Subo von Aquitanien, ein anberer SBetbünbeter ber 
Scruftrier unb ihre« König« Ghilperiib II., entgegenrre' 
ten, inbeffen noch vor ©eginn ber Schlacht jeaen bie 



Slqmtanier in fluchtartiger (Silo auf »Hati« ab nnb 720 
machte Gubo feinen grieben mit Karl ; fte fdjloffrn einen 
«Beitrag, traft beffen jener in Aquitanien unabhängig 
weiter h«ffd)tc, aber Karl al« SRajorbcmufl anerfannie 
unb ihm (Sbitpertcb auslieferte. Karl hatte fchon 717 einen 
eigenen König eingelegt: ben 3)?frowingcr Qblotbar IV., 
unb ba biefer halb uarb (719?), fo beließ er Qbüprricb II. 
bie König«würbe; er gab aud» ju, baß nach bem tjetr 
beffelben ju (?nbe be« 3. "20 ein Sohn Dagobert'« III., 
Ibmbericb IV., auf ben Ihren erhoben würbe. Uehi« 
gen« waren biefe Werowinger nur Xitularherrfchrr, Schein» 
röntge ohne SSadjt unb ©ebeutung. Der wirtliche We' 
genl be« dteiebe« war Karl, ber wajotbomu«, ober wie 
er in mebrern dlteren Duellen auch genannt wirb, ber 
gürft (prineeps) ber granfen, unb al« foldjer eine wahr- 
haft epochemadjenbe ©rfdjeinung, Urheber ber größten 
gortfehrittr, welche bie von Pippin begründete unb einec 
finrfen 9Ronard)i< immer mehr jufirebenbe 9teich«grwalt 
ber Karolinger, n>ie fte bn« alte nierowingifcbe König' 
thum allmählich ganj verbringen feilte, in ber 3<it ihrer 
(Snlftehung übeibaupt gemacht bat. Denfwürbig ift vor 
allem, wie energifd) unb erfolgreich Karl {ich bemühte 
bie große, in ben leßten *i?arteifimpfcn wieber ftart ver» 
roilberte Slriftofratie im ®ehorfam ju halten unb ihre 
reidjen «Wittel unb Kräfte für ben iReicfröbicnft, nament« 
lieb für ba« {»eermefen, nupbar ui madten. «Diit tüd« 
ftd)t«lofer Strenge unterorüdte er jeben ÜBiberftanb, bem 
er im 3nnern be« JJieicfa« begegnete: jwet «Snfel ^ippinV, 
Söhne Drogo'«, enbeten al« Staat«gefangene (72o); 
ein anberer «üerwanbter, »bt 2Bibo von St.«93aaü, wurre 
al« Vßerfcbwörer hingerichtet (739) unb einen von ihm 
Klbft erhobenen ©iicbof, ben allrrbing« febr rinfluß- 
rcidien unb tnctcbtigen ^ucheriu« von £rlean«, entfernte 
Karl mit Oiewalt au« bem rtmte, ohne baß er ihm ein 
beftimmte« Sergehen utc Caft legen tonnte, nur bannt 
jener nicht übermächtig würbe. Dir -{>auptftüfec feiner 
qperrfebaft bilbeten alle ©ettetten, bie ftcb im Kriegflfalle 
um ihn fcharten, barunter aueb viele geiftliche Jpfnen, M 
Karl bei ber^erleibung ber hoben Kirdjenämter, ber SM*- 
thümrr unb Abteien vornehmlich auf wellliche digen« 
febaften, auf Sud)tigfeit im KTieg«bienfte, auf Treue unt 
(irgebenheii fab. aßieberbelt beförberte er ?aten }xs 
©ifchöfen ober Hebten unb mehr al« einmal »ereinigte 
er tirdilicben Sorfchriften juroiber verfchiebene 58i«tbüm«n 
unb Klöfter in ber $anb eine« unb beffelben «Drälarm 
Die bebeutenben Wittel, beren Karl beburifte, um gcleifte t* 
Dienfte ju belohnen ober neue Anhänger ju gewinnertt 
entnahm er ju einem großen 2 heile eigenmächtig ber — 
Qinfünften unb «ßefiftungen ber ft'rcblichen 3nftitute; frün.« 
greigebigteit ober Sßillfür ging in biefer -Beiiehung f<< 
weit, baß bie Einbußen ber Gigenthümer allmählich t-«^ 
(Sharatter ber Snaubung annahmen. Deffenungeacfc te. 
war Karl burdwufl fein geinb ber Kirche al« fc!4»e x 
wenn er einerfeit« vielen ?aien ffionbeilc gewährte auf Ä - 
ften einjelner firehlidjer 3nftitutc, fo waren Wiftunge«.^ 
et im 3ntereffe be« «Reichte unb ber Kirche von ber 
fammtheit ber Unterthancn verlangte, entfpredjenb grrx * 
%amrntlirh in ©fjug auf ben q^eerbirnft muthete ^5 2- 



Digitized by Google 



KARL (MARTELL) 



Gl — 



KARL I. (D. GROSSE) 



feinen granfen viel ju, wie er cS tbun mtitjlc, ba rr bed? 
nid?t nur für bit Gtweittrung cce 9iftd?SgebicteS unb 
bie ßtböbung ber fränfifeben SGeltmarbt inS gelb jog, 
fenbtrn jtilweilig aud) um bic (ffiftcni beS 9ttid?c6 ju 
fämpftn hatte. SJm bdufigften befriegte Äarl bit beulfdjcn 
Solfsftämmt rcdjtS vom «bau, berat Unlerwafung 
von Pippin fd?on erfrrebt unb begonnen, ab« nur in 
geringem Unifange cacid?t war. Äarl bagegeu trjitlle 
gröjSert (Srfolge : tvAbratb rr bie bacitS begrünbttt Cba« 
hrrrjnaft über Sllemannien behauptete unb bermanen be« 
feftigte, baß er nad? Vertreibung beS jjajogS Ibfutbalb 
(um 732) baS ?anb ebne £rrjog regierte, brachte er 
SJaiern , welches früber fränfifd» gemefen, aber unter 
Jperjog übtobe (grftorbtn 717) wieber unabhängig gc 
werbm war, burd? jroci geibjüge (725, 728) jum ©t« 
berfam jurüd; £ajog Cbilo hatte feint Qrbtbung (739) 
Äari'S ©unft ju vnbanfat unb blieb von ibm ab« 
bingig. JBfi ben griffen maebte Äarl bem StammtS« 
betjogtbume überhaupt ein Gnbt; feine Äriege mit 
.£>erjeg ©obbo (733, 734) hatten ben Untergang beffelben 
unb bie Ausbreitung ter fränfifeben $>cctfd>aft bis bau 
an bif jäd)ftfcbe ©renjc jur gotge. Xit Sad?ftn felbft 
blieben unttr Aar! tum greifen Sbeii unabhängig, nur 
tinigt ©aut wurbtn tributpflichtig, aber im allgemeinen 
bettirften Äari'S geibjüge (718, 722?, 724, 738) bod? 
fo viel, Daß bit Sadjfen mit ihren rdubaifdjrn @renj< 
friegen fürs erfte innehielten. Unb je weiter ftd> Äari'S 
3Rad?t auf beutfebem Soben ausbreitete, um io lieber 
ftitg fein SRub m als beS vornebmften 9efd?ü6aS, ben 
vaS ffitrf ber Gbtiftianifirung unter ben £culfd)en ba» 
mal 6 balle. „5»an tonnte nicht fagrn, ob bie frän< 
fifdje $eafd?aft mtbr baju beitrug bie Reffen unb 
dbürtnger ju befebren, ober baS Gbriucntbum mehr btefe 
Völler bem fränfifeben SHeidje tinjuverlf ibtn " (Saufe). 
Eroberung unb dbrfftianifirung gingen febon unter Äarl 
Jjpanb in #anb. Äauin war gritSlanb burd? btu Hob 
teS fanatifd) btibnifdien .$)frjegS fliatbob (geftorben 719) 
ton fränfifeben @influp irieber erfdjlcffen, fo beeilte ftd? 
Äarl, btr Äirthr von Utrecht unter (Srjbifdjof SSil« 
brorb Vtwtlfr von gürforgt t» grben, bit Äämpff mit 
•Vtcitea, Sobbo rourbrn jum JKeligionSfrirgt, unb wenn 
2öt?nfntb'V<>nifaciuS mit ber 3RiifienStbdiigfeit, roeldjt 
tr 723 auf ©runb päpftlidjtr Vollmacht im mittleren 
£tutfd?lanb, namentlid? in Reffen unb Übüringen be» 
gann, halb bebeuttnbt Grfolgt ttiitltt, fo «rbanftf ft 
bie«, roit tr ftlbft beftnnt, cor alltm btm Sdjujt, btn 
Äarl ibm grroäbrtt. Sil« Äarl'ö gröftt Zbatrn galttn 
nun abtr |d)on bamald feint Stampft mit bat Slratern, 
jcr.en tabfrritfn unb roilbtfttn IBorftrtitcrn ttt O^Iam: 
ba ftc nad? ber Eroberung Spaniens aud? über bit *4h)' 
rendtn vorbringen unb bad frdntifd?t SReid? entroebtr 
untcrmrrftn obtr vernid?ten Teilten, iß JFarl ihnen loiebei' 
holt unb mit burrbgrtifrnbtm Erfolg entgegengetreten: 
fo juttfi 732 im Ottober, als tr «bbenabman, btm 
Stailbaictr be« ÄboÜffn über Spanien, in ber grofjen 
€d?lad?« jTOÜd)en HJoitierS unb 2our«, bei bem hfuti- 
gen gierfen (Stnon eine fibmert, gtrabt|u vernidjtenbe 
«icberlage btreilttt, unb banad?, al« bie UJerbinbung 



ber Araber mit miSvagnügten ©ro^en im Süben be6 
iReid)cS eine gortfepung btS AriegeS nötbig mad?lf, nod) 
einmal in ber <5d?lad)t an ber 99erre (737), «vorauf jene 
ftd) nur nod? in <Septimanien eint 3rit lang bebaupteltn. 
«uf ivtittrr (Srobtrungen im 3nntrn bt« europäischen 
SontinentS mußten fte enbgültig veniebten, wäbrenb 
Äarl «Wartea, inbem tr baö ^dnftfdje DJtid? au« fd)tvfrtr 
©efabr rettetr, ftd? juglttd? um bit Sicherung br0 C> giften' 
tbumS unb d}rifilid?er Sflbung im Vltenblanbe bebe 
ffitrbienftc envarb. Xiefer uuivetfeüen 5Bebeutung feiner 
Sitgt übti btn SßobammtbaniSmuS tntfprad? renn 
aud? feine SBeltiteUung in ber <$ped?c betftlbtn. 9?it 
Siutpranb, btm .Röntgt ber i?angobarben, perfenlicb bt' 
freunbet unb im Jlampft gtgtn bit Ärabtr roirffani con 
ibm unterfii'u flaut itarl, ber bereits von $apft @re' 
ger II. btn @brtntiit( einte ^atririuS ber Römer empfau* 
gen hatte, aud? mit ^apft ©reger III., btm erbitterten 
gtinbt bet fangobarbtn, in regem «Berfcbr, in gutem 
(Sinvfrntbmtn ; in Wem rear er bamalS fo angeiebtn, 
bai ©regor III., um feine ^»ülfe gegen baS Vorbringen 
ber Saugobarben ju getvinntn, fogar ben ($nifd?(u$ fafte, 
ftd? vom oftrömifd?en Aaiferrtidje loszureißen unb Äarl 
unter bem 3itel eineS denfulS ulS roell(id?en ^erru 
über ;Kem anuierfennen. 3nbeffen, als im 3. 740 eine 
pdpftlidK ©c|anbtfd?aft mit fo!d?rn 9(ntrbiftungrn unb 
©ffudjen ins granfenrrid! tarn, ging JTarl obnt 3<vrife(, 
»eil tr fid) bie grtunbfd?aft btr Sangobarbfn trbaltfn 
tvolltt, nid?t barauf ein, aber er blieb «BatririuS ber 
ÜRömer unb tint gnvifft Verpflichtung $um Sd?ut)t ber 
römifeben Äircbe bat er ivahrftbeinlid? anetfannt. 3nner» 
halb beS frdnfiidicn JTJeicbeö betrachtete er ftd) bamalS fo 
febr alS baS rvabre Dbcrbaupt bec Staates, bat) er nad? 
bem lobe beS JfönigS Ibtubetid? IV. (geflcrbtn 737) 
obnt Jtönig tveiter regierte unb ba tr fein eigenes @nbt 
bebadjte, unter bem Stiralbt ber ©rotjitn bit Jtodjfolge 
orbnete. 3m 3. 741 vtrtbfillt tr baS *Rtid) unttr bit 
beiben Söbnt, welche feint ©nnablin dbrotrub ibm gf 
boren hatte, unttr Äarlmann unb Pippin: jener empfing 
Sujtraftrn, bitftr 92tuftritn, a(S $aupt(anb, wäbrtnb bie 
Söbne, welche Äarl mit anbtrn grautn (fflcifdjldfertnntn) 
trjtugtt, wie Sembarb, KemigiuS, ^)ifroni!imuS, ©rifo 
iiindcbft nid?t btiücfftdjtigt würben. SieOeidjt ift bieft 
«eicbStbeilung ned? von Äarl felbft abgeanbert werben 
ju ©unften ©rifo'S, feine« SobneS von ber Swanabiib, 
weldje aus S3aiern flammte unb eine Siebte btS ^er- 
jogS Cbilo war; jtbod? ift bieS nicht fidjer. Salb banad) 
ßarb Äarl SKarltO: am 21. Ca 741 enbete fein 
tbattnteidjtS Jtbtn; in ber Äitdje beS ÄloftcrS von St.« 
$«niS würbe rr beftattet. Sgl. Sauer, De Carolo Mar- 
tello (Berlin 1846); fj. <$. ©onnefl, üie «nfdngc beS 
farelingifd?en |?auffS (Berlin 1866); 2b- Srevftg, 3ahrb. 
beS fränfifeben 3}eid?fS 714 — 741 (Ceipjig 1869); ®. 
3iid)ter, «nnalen beS fränfifeben SReidjcS (^paüe 1873) 
unb betjelbtn 3rittaftln bei beutfdien ©efd?id>te im 3)citteh 
alter (JpaUe 1881). (E. Steindorff.) 

b) KARL I. (der Gross«), 768 Äönig ba granltn, 
774 Äönig ba granfen unb Sangobarbtn, 800 römffcba 
Äaifer, war tin So^n btS ÄönigS «Pippin auS beffen 



Digitized by Google 



KAHL I. (D. GROSSE) 



— 62 - 



KARL I. (D. GROSSE) 



«3he mit SJertraPa: am 2. April 742 würbe fr geboren, 
wäbrenp fein jüngerer Sruber Äarlmann erft 751 Pa« 
ücbt Her 3BeIt erblirft haben foU. lieber Jtart'« ®eburt«» 
ort gibt e« nur fabulofe drjäblungen au« fpäterer 3^t 
unb bejüglid} Pe« ®eburtöjabre« enthalten fdjon mc dlte» 
ren Duellen abweicfcenPe Angaben, aber fo viel ftebt 
feft: 742 irr beffer beglaubigt al« 743 unb 747. Die 
Erhebung Pippin'« vom *Drajortomu« jum Äönig Der 
granfeu (751) bilPet auch in Per 3ugenPgefcbid)te feiner 
Söhne Pa« wfebtigfie (Freignifi. 3br Irjronfolgeredjt 
würbe früb}eitig unP mannidjfacb anerfannf, «im frier' 
lidjften vom <ßapf» Stephan III., al« er Die ganje fonig* 
liebe gamilie mit <Sinfd)lu# ber Söhne Pippin 1 « am 28. 
3uli 754 in Ter Äircbe von St.«Deni« fatbte. Seltbem 
pflegten Äarl unr Äarlmann bei wichtigeren Staat«acten 
anwefenb ju fein ober nominell jugejogen ju werten, 
fo bei rot SeurtunPung be« Scbenfungöverfpredjen«, 
weldn-tf Äönig Pippin Per römifeben Jtincbe bejüglid) Wa« 
vrnna« unb anoerer StäPte Pe« (if ara>at« ertbrilte (754), 
fo bei ber vaffallitifcben dbulbigung Pe« äprrjog« Daffilo 
von 93aiern (757) : Per UiP, Pen er Pamal« leiftete, galt 
md-: nur Pippin, fonPem aud) Peffen Söhnen. Äarl 
legleitete 761 unP 762 feinen 9Jater auf grlbjügen nad) 
Aquitanien; fo mürbe er mit Ärirg unP qpeerwefen ver» 
traut, wdbrrnb er al« 3nbaber einiger ®raffdjaften (feit 
76.')) anPere 5heile Pe« Weid)«bienfte« fennen lernte unb 
Purdj Unterrid:, Pen er am 4}ofc erhielt, für geiftige 
$MlPung empfänglich ivurte. Äönlg Pippin, nad) Per 
Unterwerfung Aquitanien« (768, Sommer) iebroer er» 
franft, tbeilte ba« <Rcid> unter feine Söhne Perart, Pap 
beibe fo jiemlitb ju gleichen Ubeilen, Äarl im Worten, 
Äarfmann im Sütcu Pe« ®efammtreicbe« germanifebe« 
unb romanifdjc« SanP erhielten. SBalo Parauf, am 
24. (Sept. 768, ftarb Pippin unP am 9. Cef. erfolgte Pie 
Jbronbefteigung feiner Söhne, Äarl'« in Wovon, Äarl- 
mann'« in Sei tum«. 3eber regierte in feinem 5befl» 
reid < felbftänbig. Sie ber 3bee nad> fortbeftebenbe Ein» 
heit Pe« graufenreiebe« follte wol nur in einer gewiffen 
®emeinfamfeit au«wärtiger Angelegenheiten jum Au«' 
Prucf fommen, inPeffen e« fehlte, ma« unerläßliche SSor* 
bebingung mar, ndmlid) Eintracht unter ben £errfd>ern; 
fie harmonirten fo wenig, Pap Äarl bei feiner erften 
SBaffenibat, einer ^erfahrt gegen J&rrjog qpunalP von 
Aquitanien (769 grübjabj), leinen SBruPer vergeblich um 
Uuterftü&ung bat. Uebrigen« murte er feiner aquitani' 
feben SBiPeriadjer allein $err; inPem er Pie ®aronne 
überfd)ritt, Prang er in Pa« noch unabhängige SBa«« 
fonien ein unb erjroang von Vupu«, Pem jperjog Pe« 
VanPe«, Pie Auflieferung qpunalP'fl. 3n Per golge ge» 
lang e« Per Äöuigin »'Mutter SertraPa jwifcbrn Pen 
Jtönigen ein beffere« 3}ert)ältnin beriufteUen ; ferner mar 
r« ihr SBerf, wenn .Mail ju Defibedu«, brm Aönig Per 
canaobarPen, in nahe ^BerbinPung trat; im 3. 770 ver« 
ntäblle er fld> mit einer 2od)ter Pe« Äonig« (5)efiPerata?). 
Aber ba DefiPeriu« troePem in »Wom am pdpftlidjen |>ofe 
nur fein 3ntereffe gelten lief), unP fperieQ Pen frdnfiia>en 
(Jinflup flatf ericbütierte, fo wanbelte fich Pie gmtnPfchaft 
} ivif*en Ihm unP jfari f<fron 771 in geinpfdjaft; Äarl 



verfließ feine langobartifche ®emah(in unP erbob Pann 
febr balb eine grau au« rPlem fd)n>äbifd)em ®cfdjlecfrte, 
$ilPegarP, jur Äönigiu. AnPererfeil« »anPle fid) Äarl« 
mann Probenb gegen ^apft Stephan IV., aber wie e« 
fa>tint, ohne oa| Jtarl ihm Parin folgte. 3batfad)e ifi, 
Pap" auch Pie ©rüber fid) von neuem entjtveiten, unP 
Paf) ein Jtrieg unter ib^nen au«)iibred)en Probte. — Da 
ftarb Jtarlmann pld^lid) am 4. Der. 771 unP ohne feinen 
beiPen unmünPigen Söhnen Pie Wacbfolge geftchert tu 
haben. Jtarl fam ihnen Penn aud) juvor, im «linm« 
ftänPnifj mit Pen ®roften Pe« erlePi^ten Sbeilreidje« ergriff 
er fdjleunig Sefi^ unP »dhrrnP )eine Weffen üd) in Pen 
Sd)u& Pe« l?angobartenfönig« begaben, mar er bereit« 
anerfannt« AUeinberrfcbrr pc« gefammten granfenreidje«. 

AI« foldjer bat Äarl Pie Regierung ctroa« über 
imetunPvierjig 3ahrr geführt unP inPem er eine«tbeil« 
llntrmehmungen feiner fßorfabren fortfe(tc unP voll' 
enPete, anPerrrfeit« neue Sahnen betrat, eigenartige 
^Richtungen verfolgte, hat er unter allen Karolingern Pa« 
^»öchfte geleiftet : vor allem Purd) eine Weihe von be« 
PeutenPen (Eroberungen unb 9)7ad)terrcriterungen »urbe 
er fd)on mdbrenp Per beiPen erften 3)eiennien feiner 
«fletnherrfdjaft Oer größte SRehrer Pe« Weiche« feit Äönig 
GbloPomed), bemSd)öpferPe|Telben. Unter Pen Eroberungen 
Äarl'« fteljt 3talien obenan. ^)ier mar e«, wo er juerft 
unP in furjer $tit neue unP lange mafigebenPe 9)facht» 
veihälmiffe |d>uf. 3n einem einigen gelP^uge (773 bi« 
SRitte Sommer 774), unternommen, weil DefiPeriu« 
mit liapjr q^aorian I., Pem Wadjfolger Stephan'« IV T ., 
in (Sonflict gerathen mar unP fid) beharrlich weigerte, bie 
jum Scbuje Pe« Zapfte« geftellien gorPerungen Äarl'« 
ju erfüllen, gewann Piefcr Perart Pie OberhanP, Pa^ 
ihm auf Pie Dauer feine anPere fWacht gewadjfen 
mar. 3J?it Pem Äönigthum Pe« DefiPeriu«, Per nach 
Pem galle von Havia ein ®tfangener murte, vernichtete 
Maxi aud) Pie SelbftdnPigfeit be* langobarbifd)en Weiche«. 
(Sinen großen Jheil Peffelben (5ombarPei unP Xu«cieu) 
vereinigte er mit Pem fränftfdjen Weiche fofort unP un» 
mittelbar, währenP Pa« qperjogthum Spolrto erit einige 
3ohrr Ipdter hinjufam unP Pa« gro^r, von q]>erjog Arid)i«, 
Pem (JiKam Pe« DefiPeriu«, beherrfebte gürftentbum 
Senevent nod) länger unabhängig blieb. Wach Wom 
jog Äarl nod) vor Per Eroberung von ^avia, ftt>on ju 
Cltern (April 3) 774, Pa »Papft q>abrian feine weit» 
lidie SWadjt injwifdieu auf eigene ^anP erweitert, nament» 
lidj im Jjerjogthum Spoleto gufj gefaxt hatte. Staxi 
fejte foldjem v l<orgefirn 3iri unP Sdjranfen mittel« eine« 
gütlichen Abfommen«, Pem jufolge er pem Zapfte Pa« 
febon envähnte Scbenfungdverfprechen feine« SSater« 
Pippin von 754 beftdligte unb in einer eigenen, leiPer 
nidjt mehr vorbanPtnen Urfunbe erneuerte, wäbrenb 
«Bapft q>aPrian Pen Äönig al« »Batririu« per Wömer, 
P. h. al« Pen jum Scbupe Per Äirdje Steüvertteter Pe« 
Jtaifer« anerfanntr unb fid) binftd)tticb Per tharfdeh' 
liehen SefriePigung Per Anfprüa>r, wrld)e er auf weit» 
lidje .hcir.t'.;': über Territorien unP Patrimonien in ver» 
fdjirPenf.i ®egenPen 3talien« erhob, ihm, Pem Äönig» 
«Uatrkiu«, unP Peffen EntfcbeiPungen unterortnete. — 



Digitized by Google 



KAKL I. (D. GUUSSE) 



— 03 — 



KARL I. (D. GROSSE) 



?Jad> Per üroberung be« Sangobarbenreidx« unb vor ber 
Jlaiferfrönung jog Äönig Statt nod) brcimal 110* 3ta» 
lim unb find ergab ftd) (in neuer 3u»a*ö an 9Macbt 
unb «nfeben. Dm 0. 77G war er im Horben, um einen 
ftufftanb ju unterbrüden , ben <£>CTjog .Jjrobgaub von 
gtiaul angeftiftet hatte; biefer fam im Äampfe um unb 
al« Stadjwirfung feine« Slurjefl erfdjeint ber ©eborfam, 
ten .£tcr£og Jptlbebranb von Spolcto, obwol er MB 
t'apfte eingefc(t war, bem Könige fortan ieifieie. 8n« 
bere benfwürbigr (Srefgniffe begaben ftd) wdbrcnb be« 
Cfttrfefte« 781 (April 15), weifte« Äönig Äarl mit bem 
4 Bapfic in 9lom feierte. Xamal« tilbete er au« bem 
Iangobarbifdj«frdnfifd:en 3talicn (in befoubere« Jlönig' 
reich unter feinem Sohne Pippin, einem vierjährigen 
Änaben, ju beffen »Hatbgcbern einer ber tüchtigfien Äleftcr« 
griftlirbtn be« 9frid)c«, Slbalbarb, Übt von Gorbie unb 
Setter red Äönig«, gehörte. $apf) Jpabrian, ber Pippin 
au« ber Saufe gehoben hatte, fälble ihn jum Äönig von 
Italien unb Subwig, Äarl'« jüngftrn Sohn, jum Äönig 
von Aquitanien ; fo foUte biefe« widjltgc, aber itecti nicht 
völlig beruhigte «nb geftdjerte ©rrnjlanb nid)t nur ab» 
miniftrativ, fonbern aud) bijnafiifd? mit bem -£aupireid;e 
fetter verbunben werben, genter geldjab f« ju Äom 
781, bat» ber Äönig einwilligte in bie Verlobung feiner 
lodjter 9ietrub mit bem gried)ifd)cu Äaiicr Äenftanlin VI. 
In Srrlobung ging aud von ber Äaiferin Butter 
unb iRegentin 3rene: ihrem jüngft verdorbenen ©cmabl, 
bem Äaifer ?eo IV., fehr unähnlich, ba fie ben vielum* 
frrittenen SJilbcrbienfi in ber Äird)e in bemfelben SNape 
begünfHgte, wie er ihn verfolgte, erfannte tiefe jwar 
bcrrfd)füd)tige unb bigotte, aber aud) fluge grau btutlid), 
bafj fie, um ihre SRidjtung burAjufübren, eine« Kurf» 
halte* in bem übetwiegenb bilberfreunblicben Slbenblanbe 
turebau« beburfte: baljrr vor allem eine Annäherung an 
^apft Jjjabrtan, beffen biöherige Abwenbung von Cftrom 
teerj we|entlia) au6 bogmatifdjen Motiven entfprang, unb 
baber nun weiter bie Serbinbung mit Äönig Äarl, ber 
cbcnbamal« mit bem Zapfte bie engfte geiftlicbr ^ernu- 
fdjaft einging, beffen ©evatter (coiupater) würbe. lieft 
frdntifd)'gried;if(btgreunbfdiafi, von (ßapft J;iatrian, wenn 
r.id-t geftiftet, fo boeb eifrig geförbert, war freilich nur 
von furjrr Dauer, wie ba« auch faum anber« fein rennte 
bei bem ©egeniafc ber politifdjen Dntereffen beiber SKeidje, 
vornehmlich bei ber Stbwicrigfril, ihre »Jiivalitdt in ber 

tmfehaft über Italien abjugren;en unb auflj,ug(eichen. 
10 Äarl 787 feine britte 'Homfahrt madite unb nun 
aud« nad) UnterOulien vorbrang, verbanbdte er in 6a« 
pua mit faiirrlichen ©cfanbten über bie Au«fübrung be« 
Scrlobungdverrragr« von 781, aber umfonfi, bie Väex* 
mäblung, bie, wie t« fdjeint, von beiben Seiten nidjt 
mehr gereünfdjt würbe, fam nicht juftanbe unb anfiatt bafj 
jwifdjen ©riechen unb granfen eine weitere Annäherung 
erfolgt wäre, griffen jene ju ben SBaffcn, um biefe aud 
Unter«3ialifn wiebtr ju verbrdngen. 9hm aber hatte 
Äarl ba« gürftenihum Sknevent, biefen legten «Refi be« 
aIllangobarbifd)cn deiche«, ftd) für) vorher betmdfiig ge« 
madjt, unb al« bie ©riedicn au« ßatabrien anrüdten, 
leifieten bie SBtntvtntaner unter .$erjog ©rimoalb, bem 



gohne be« 787 verfterbenen Slrid)i«, ben graufeu rafd) 
unb au«giefcig 3"äufl> 788 erlitt ba« faiferlidje ^>eer 
eine fo fd>were Kieberlage, bafj man in Shjjanj bie gort» 
fe$ung be« Äriege« für« erfte aufgab. - €djon jebn 
3ahre vor biefer SueeinanDerfrfcung mit bem dlteficn 
©roftftaatc ber Sbriftenbrit hatte £ar( ju ben Sieichen 
be« 3«lam (Stellung genommen. @ntfpred>enb ber 
(itif feine« fBater« $tppin, ber mit ben Ätjaltfen von 
Sagbab, ben Abbafiben, in gefanbtfdjaftlicbrm Ikrfchr 
geftanbrn hatte, trat Saxl im 3- 777 mit anbern gein« 
ben be« omjjabifcben ^errfdjer« von üorbova, mit bera 
farajenifdjen Statthalter von Barcelona, in SJerbtntung; 
in: 3. 778 jog er mit großer $cere«madjt nad) Spanien, 
um auf Jtoftcn be« Jthalifen tlbberrhaman Eroberungen 
)tt machen. 3nbeffen wie bebeutenb bieft Unttrntbmung 
al« SBaffentbat erfa)eint, fo verlief fie tod> unbefriebigenb; 
ba ber Jtönig ba« fara$enifd}c Saragoffa vergeMic^ bc< 
lagerte, fo gab er aud; ba« d)riftlid)e $ampe(ona, bie 
{»auptfiabt von 9tavarra, welche er vorher erobert hatte, 
wieber prei« unb trat über bie hörenden jenen Stücf* 
marfd) an, ber burd) itdmpfc mit bem lapfrrn ©ebira«< 
volfe ber 3£a«fencn unb burd) eine angeb(id) im 2ba( 
von Sroneevalle« erlittene 9(ieberlage ber frdnfifdjen 
9cad)hut fo berühmt geworben ift. 3m nörblichen Spa» 
nien gewann Sbberrbaman wieber bie Dbrrbanb unb 
bi« )ttm 3- 785, ba bie Stabt ©erona von ihm ju ben 
granfen abfiel, nahm Äarl von weiteren Angriffen 9lb> 
ftanb, um mit befto größerer Anftrengung unb veharrlid)' 
feit ba« frdnfifdje «Keid« nad) einer Seite hin au«ju« 
bebnen, wo c« febon von jeher Sobcn gehabt hatlcunb 
wieber jur ^errfd)aft fommrn mufite, wenn e« feinem 
urfprüng(id:rn dharafter gemafi (leb al« gertnanifd)c« 
ffleltreid) weiter entwfrfeln foUte. 

Äarl unternahm e«, ba« ganje Xeutfdjlanb redjt« 
vom Sbein, welche« nodj nidjt frdnfifd) war ober mit 
feinem 9ieid)c nur lofe jiiiammenbing, frdnfifd) ju machen. 
(ix begann biefe« äßerf mit Ariegrn jur Untcrwerfuna 
ber Sadjfrn, be« einu'gen beutfdjen Stamme«, ter nod) 
nad) altgcrmanifdjer suerfaffung lebte unb burd) unb 
burd) heibnifd) war. Urberbie« fianben Sadjfen unb 
granfen infolge ber ©rrnjfhritigfeiten lange miteinanber 
auf Äriegöfufj unb wenn Äöntg Äarl jene angriff, fo 
fd)lug rr bamit nur eine 9tid)tung ein, welche feine 
gropen SBorfahren, Äarl 3)?artetl unb Pippin, ihm burd) 
wiebnbolte gelbjüge vorgtitichnrt h«Hcn. Tie geinb. 
feligfeiten begannen im 3. 772 mit einer fiarfen Jj»traufl» 
forberung von feiten be« Äönig« ; auf einer Heerfahrt 
in ba« ©ebict btt fjngern bi« jur ÜBrfer eroberte er 
bie @re«burg, eine fäcbßfcbe ©renjfrfte an bev Hemel, 
unb )rrflörie bie 3cminfdule ((frmrnfuf), ein fächfifdje« 
9carionalhc>'(igthum, welche« wabrfdjeinlid) in ber SUhc 
von ?ippfpringe lag. $nx Sergeltung verheerten fdd)üfd)c 
Raufen Im folgenben 3ahre ba« nörbliche Reffen, wo 
namentlid) griglar mit feiner Äirdje, einer Stiftung be« 
Sonifariu«, hart bebrdngt, faft gan$ jerftört würbe. 
9?un gab ftonia, Äarl bem Äampfe ben (Fharafter eine« 
planmäfjigen grobeTung«» unb 9(eligion«friegf«. gortan 
woflte er ben Sad)fen in«gefammt ftint anbert SBabl 




Digitized by Google 



KARL L (ü. GROSSE) 



- 64 - 



KAKL L (Ü. GROSSE) 



laffeu alfl llntftwftfung uuter bie fränfiftfjc .jjerrfchaft 
unb Sinnahme retf (Sbrifttnthumfl ober Seniicbtung, unb 
mit feinen gtlbjügen von 775 unb 77C erreichte et 
wirtlich fo viel, ra«t er mibrent brfl Sommetfl 777 im 
3nntrn befl Sudyculaut'Cfl ju Soberbotn eine fränfifdje 
Üleicbövttfammlung halten fonntc. £iet empfing et aud) 
anftbtinenb fiarfe Sürgfcbafttn für bie 3ufunjt feiner 
£ftrfd) aft ; viele Sadjfen Heften fid) laufen unb ver» 
»fänbeten für Den gall, baß fie abtrünnig werben foOlcn, 
■t>re grtiheit unb itjr (Jigfnthum. «ber bfffenungcad)lct 
irrte fid) Äönig Äarl, wenn er fdjon bamal« nahe am 
3iele ju fein meinte, fo leidjten otuufefl follte er befl 
bartnädigftrn aller beutfeben Stämme Bodj rittet £err 
werben. 3n brr SRaffe bcö fäcbfiid)en SBoIfcd mar ber 
Äaß gegen bie frdnftfcben Gröberer noch mädjtiger alfl tue 
gurcht cor ben fdjroercn Strafen, womit ber flbfall vom 
Äönige unb vom Gbriftentbum brbrebt mar. "Aud) fehlte 
cd nicht an btrvorragenben SRänncra tur Leitung eincö 
nationalen SJiDtrjtanbcfl. Her bebeuteubfte mar 2Bibn» 
finb, ein weftfälifdjcr Gtbeling unb in Den großen .Stampfen 
ftänbigcr gübrtr ($ertog) ber ffirfifalen, abrr jur 3<it 
ber paberborner Slricbflvrrfammlung lanbrflflücbtig unb 
im Schule befl SJänenfönigfl Sicgfritb. 3m 3- 778, 
alfl Äönig Äarl ber Sacbfen, roie er Raubte, fid>tr, bie 
fpanifebe $eerfabrt unternahm, fielllc iia> SJibuftnb, bem 
alten grcibfitflbflben Slrmin Hiebt unähnlich, an bie Spi$e 
aller Sad)fen, welche lieber 2reueibe brachen unb .jjab 
unb @ut, grtibfit unb ?eben auffl Spiel festen, alfl Daß 
fie fid) ben granfeti miDcrftanbfllofl unterwarfen. 9)iit 
arger Serwüftung befl flbtinlanbefl jwifeben Xtu|> unb 
itoblrni begann ber Ärieg von neuem unb feitbem mürbe 
et fortgelegt fiepen 3abre lang mit nur einer erheblichen 
Unterbrechung (781) unb unter Sbwanblungen, milche 
bie granfen tre& ihrer Uebrrmacbt ju immer größeren 
Stnftrtngungcn nötbigten unb bfibe H)tiU, bie Sieger 
forool alfl bie Unlerliegtnbtn, ju einer mahrbaft bar* 
barifdjen Jtrtcgfübrung rcrleitelen. Obgleich flönig Äarl 
im 3.780 bifl nu iäd)fifd)>rocnbifchcn ®rcnte au ber 
Gibt, bifl jum Cftnflug ber Obre vorgebrungen mar unb 
bamalfl fogar bei vielen Sewobnrru bei Satbtngaufl unc 
befl norbelbtfcben iadjfen«, unter ben 9totbIeuten , ®e« 
boifam gefunben hatte, brach im ^rrbfie befl 3abrcfl 
782 ein neuer ttufftanb lofl, unb wäbvtnb eine fränfifdjc 
J^eereflabibfilung am Sünielgebirge faji aufgerieben murbr, 
erlitt bafl faum begonnene ScfetjrungflwcTf einen febrne 
ren Stop in ben ©auen troifchen bet SBefcr unb ber 
unitrtn Glbe, roo ber «ugelfachfe SBiÜebab im Huf« 
trage btfl Äönig« bie Wiffton leitete. Ueberau, aud) 
nörblid) ber Glbe, unter ben Uitmatfen mürben bic 
ftbriften von ben Reiben überfallen, mebrert ^rieftet tr« 
fdjlagen ; 3ßiUehab rettete fid) nur burd) bie gludjt. Jtonig 
Äarl fdjritt gegen bie Ginpörer mit duperfter Strenge ein. 
3» Serben an ber Silier ließ er, meil SSJibufinD, ber 
^>auptrdccldfübter, ihm ntd)t ausgeliefert roerbtu tonnte, 
4500 anbere 9ufftdnpifd)e an einem üage enthaupten, 
ein furebtbarrfl 9lutgrrid)t, aber im Sinriange mit bem 
berrfcbenbtn Jrriegdrecht, ba t6 mabrfd)einlid) fd)on ba° 
mal« ein entfpredjenb ftrenge« Specialgefe^ gab, bfe Je 



genannte Capitulatio de partibus Saxoni&c, monad} 
nid)t nur fd)m«re Serbretben, wie SlbfalJ vom Höntge, 
(frmorbttng von ®cifilicben u. äbnl-, fenbrrn auch fdjf inbat 
geringfügige öanblungrn, Uebcrtrctung ber gaftenge* 
böte, loctenbeftattiMig nad) bcirnifdiem fiitufl, mit bem 
lote befiraft werben foüttn. Sllfl 93oU)tebung biefetf 
Oiejebrv* aufgefaßt mar bie 9Waffenbinrid)tung tu Serben 
mentgften* fein ?lct brutaler SBillfür, aber eine entfeß» 
liebe Sarbarei mar fie unter allen Umfiänben, unb, 
roafl vom politifchen Stanbpunfte tut Scblimmfte mar, 
fte verfehlte ihren 3wetf. Slnftatt abju|djrcden gab fie 
ber Gmpörung neue Nahrung; Jlönig Äarl bejmang 
Savbfen enbgülrig nur purd) JJricgflgewalt, mie er üe 
783 in ben fiegreieben gelbfd)lacbten bei Trtmolb unb 
an ber <&afc, 784 unb 785 in planmäßiger Sermüfiung 
ber auffiänbifd)en föcbietr tut Vlnmenbung brachte, unb 
burd) fluge Serbaublungen mit 2BibuFiub, rer fd)ließlid>, 
ald ilarl um bie Dtitte befl 3- 785 bifl an bie untere 
(Slbe vorrürfte, felbft erfannte, baß tr bem jtonige auf bie 
Sauet nid)t gemachfen mar. Saber fügte er ftch in bafl 
llnorrmeibliche, febloß mit Jtarl einen Untermerfungfl' 
vertrag, ber ihm. unb feinem Ocfäbrten »bbio Straf« 
lofigfeit fieberte, unb folgte bem Jconig in bie »JJfalj von 
?lttignv, um lum ßbriftentbum überjutreten. So ihrer 
gührrr beraubt, wat bie beibnifche 9iationa(parirt «mar 
noch nid)l vernichtet, aber bod) fürfl erfte fampfunfäbig; 
in Sacbfcn fowie in gtiefllanb , fomeit efl nod) bfibnifdj 
war, begann eine neue Crbnung ber Tinge unb Jtönig 
Äarl halte alle Siube, bereu er beburfte, um übet feine 
9Bibrrfad)er in anbrrn beutfrhen ^anbeu ähnlich ju 
triumphiren mie über bie Reiben im Horben. 3n Shü« 
ringen fam tr ebettbamalfl einer Serfcbwörung auf bie 
Spur, tvelche, von miflvcrgnügten @roßrn angtfittiel, nichlfl 
®eringcrefl plante, alfl ihn ber grriheit unb btfl Stben* ^u 
berauben ober bafl ?anb von feiner .£er 1 1 cbaf t lofl)ureißrn ; 
ber Äönig beugte ber ©cfabr vor, inbem er Sruppcn 
febidtr, bie 6auplfd?ulbigtn feftnebmen lie^ unb fte flrcug 
befttafle. Salb barauf roattblc er ftd> gegen Sairrn, um 
bafl Stammcflbrrjogtbum ber Sgilciftngrt tu unier; 
brüden. Ire urfprünglid) freuubjcbaftlidjen Sejiebungen 
Aarl'fl tu a3cr.iog laffito waren umgrfdjlagrn in tili 
liefefl ^iflirauen, melcbefl in legtet 3nftanj vermutblid) 
barauf gurüdgjng, baß üafftlt', um volle Selbftdnrtgfrit 
tu trrrieben, itd) gegen üonig SiPPin einefl groben 2 reu» 
bruchfl fd)ulbig gemacht, im 3. 763 bafl nad) frdnfifcbem 
*Red)le tobtflroürbige Serbreeben btfl $ariflig begangen 
baue, ohne in irgenbriner gorm bafür ©enugthuung ju 
(eiften. liefern Sorgange tntfprad) ber erfte Schritt, 
ben Jfönig Äarl Ihat, um Die «Warbt btfl -Sptrjogö, meldje 
ibm namentlid) wegen ber Sermanbtfcbaft brffelben mit 
bem grfhirntn langobarbifdien Jtönigflbauie unb mit bru 
gürflen von Senevent gefährlich mar, tu be|d)rän(en: 
von Sapft ^abtian I. nacbbrüd(id) unterftü^t, febie er 
t* burd), baß Haffilo auf einer fteicbflverfammlung in 
SBormfl (781) bafl frühere Safat!itdt4vcrbä(tniß erneuerte 
unb friue SrntC burd) Stellung von ©rifeln verbürgte 
Slber bitfefl Slbfommen muß fieb für Jtönig Jtarl fd?on 
halb alfl utijuldnglia) etmiefen baben, unb naebbem nod) 



Digitizecl by 



KAHL L (D. GROSSE) 



- 65 - 



KARL L (D. GROSSE) 



M« na KvirsM 3'rifdifnr'aU, rin blutiger ©renjeonflirt 
«afcbca Steieni unD granfrn im (.Mi.lith.il (784 ober 
7\>) cragetmrr. war, beftanb tu Stufaug Pcö J 787 
tat taamae Spannuug, bafi bei djerjog bie Bemiitte« 
Lag rrt Stapfte« anrief, freilich umlernt, beim ^apft 
<srriaa et. : - unbeCingt für Jtönig Jtarl Partei; für 
t« «all. bap Taifilo nie befdworene üreue rnkpen 
l'jflie, betroMe et ibn mir Dem ©arm. äßeiterer ©eiftanb 
ha fem Jtöntge au« Saiern felbfi: alfl Saffilo in 
rfenrt Uabetmdpigfcit einer Sorlabung nicht golge leifirte 
Aar! bann mir groper £)mc<5mad;t gegen ibn cor« 
tudte, griff ba« bairiicbc 35ol7 in ben Jtampf ber gürten 
ein. (ii fiel von feinem Jjerjog ab, biefer mar bei 
fiinfiftben Uebtrmacht wehrlo« preisgegeben; nur eine 
urcbmalige Erneuerung be« 9tafaQitdt«eibe«, 3. Oct. 787, 
miete ibn vor bem 4eupcrften unb nur für f*br furje 
3<it. Salb war JaffUo'« Sturj bei Jtarl befcbloffenc 
ead* unb er fam jum 3id mit $ülfe einer «Reich«- 
reriammlung ju 3ttgelbetm (Sommer 788), roo jener 
ren feinen eigenen Untcrtbanen feinerer Vergeben, nament» 
läs boaSverräibmicber Brrbinbung mit ben Ovaren an< 
^cflagt, niebt forool mit Südiicht hierauf, al« vielmehr 
iregen red unter unb gegen Jtönig Pippin begangenen 
Jtapitalverbrecben« miUturlid) jum lobe verurteilt mürbe. 
Jtönig Äatl lirp ©nabe malten, (ir entthronte feinen 
Gegner unb beraubte ibn ber Freiheit, aber ba* ?eben 
icfaeiftc er ihm; jum 3Röndj gefahren mupte lafftlo in« 
JTlorter wanbern unb bie ganje berjoglicbe gamilie tbeilte 
rie« Scbidial, bie listen «gilolfiiigeT enbeten faft alle in 
rränfifeben Jtloftern, rodbrenb für Steicrn eine neue 
Öpedc ftaatlicber (Sntwidelung begann unb Jtarl'« 4jerr* 
iibaft unter anberm aud) baburd) gefiebert mürbe, bafi 
lafülo im 3. 794 cor einer gropen Scid)«verfammlung 
ju granffurt für iieb unb feine Jtinber auf jebe« 8fn> 
red?t an Steiern in aller gorm ^Scrjid} ieiftett. Uebri' 
gen« hatten bie vornehmen 23aie.ru, bie ihn 788 in 3ngrU 
heim eine« geheimen Sinverftänbiiiffe« mit ben Viraren 
teiajulbigten, fd>werlid> unrecht. Jtaum mar Safftlo 
g'ftürjt. fo überfdjritt bieie« »ilbe unb namentlich ben 
ummohnenben Slawen verhapte SReitervolf, welche« 
i.n beutigen Ungarn häufte, bie ©renje, machte einen 
Xoppelangriff juglrich auf SEteicrn unb griaul unb oer* 
iriclelte fo Jtönig Jtarl in einen Jtricg, von beffen 8ufl« 
aa:ig febr viel abhing, ber wie für bie Behauptung 
Saiern« unb feine« flawifchen Sebenlanbc« Jtarantanicn, 
h für bie iRacbtftellung be« Jtönig« im Often von (Europa 
überhaupt entfeheibenb werben mujjte. Sehr wichtig ba« 
ber, ray bie Ueberlegenbeit ber granfen über bie «»a« 
ren halb hervortrat unb ftd) mit ber Reit immer ftärfer 
geltenb machte. 9la£hbem bie avarifaen Angriffe von 
788 naebbrüeflich jurüefgewiefen unb tBerhanblungeu über 
(^rrnwerbdltniffe 790 gefcheitert waren, ging äarl 791 
ieinerieit« jum Angriff über. v JRit mehrern 4}>ferc0ab> 
ibeilungen, ju benen alle ceutfehen Stamme, auch bie 
iüngit unterworfenen Sachfen unb griffen, (Sontingente 
geftettt hatten, burcbjog er bad Slvarenlanb von ber (Inn« 
bie jur Äaab unb vrrwüftele e«, ohne auf SBiberftanb 
|u ttetpen, wäbrenb fein Sohn Pippin, ber von bem 

XXXIII. 



irtriftben ä^erjoge 3ohannee unterftü$t bureb 3Unrien vor« 
rücfte, mit bem geinbe jufammentraf unb einen glänzen* 
ben Sieg erfocht. Diefem jugenblicbcn gürfien gebübtt 
auch ba« SerDirnft, bie Unterwerfung ber Vivaren wefent» 
Itcb geförbert l aben burd) bie im 3. 79(3 voübradjle 
(Froberung unb 3erftörung ihre« fogeuannten «iuge« 
jwifcheit ionau unb Ihfi«, einer großen frei«förmlgeit 
gefte von weitläufiger «nlage, bie al« Sie be« Jlha« 
fan« unb al« Sdjaefammer für eine unermefiliche Ärieg«. 
beute biente. 3nbeffen al« bauernb fampfunfdhig er« 
Idjcint ba« 93o(t ber Sllvaren boa> erft im 3- f<03; ein 
bairifche« 4?eer, welche« 802 bei ®ün« in Gieret - '^.m- 
noniett mit ihnen geformten hatte, war noch von ihnen 
gefcblagen warben. 9JWt JRfdu urtheilt (tinharb, ber 
Biograph StaiVi, bafi unter aOen Äricgcn, weldje et 
überhaupt geführt hat, ber avarifebe nddj'ft bem JTampfe 
mit ben Sachfen ber grötjte gewefen fei. i&t war e« 
aud) in bem Sinne, bap von ihm fo bebeutenbe elvi- 
lifatorifd« Sfflirfungen auflgegangett ftnb wie fonfl nur 
noa> von ber Unterwerfung bei Sadifcn. 9Io<b wdhrenb 
be« JTrieg«getümmel« würbe in ben alten, aber btei 
3ahrhunbertc lang veröbeten (Sulturlänbem ber mittleren 
'X'uu.n; (Ufer>9loricum unb Dannonien) ber ©runb gr> 
legt ju einem neuen unb bauerhafteren Gulturleben. 
3n bem von ber 9fatur reich gefegneten ?anbe »wifdjeii 
Lmui« unb 3Biener'2Balb, bem beutigen 92ieber'Cefierrria>, 
erfchienen fchon bamal« au« Buiem geiftlicbe unb weit' 
Iidje Aerren, um von bem ©runb unb ©oben gjefij ju 
ergreifen-, eö folgten ihnen Scharen höriger Steuern, um 
ftd» auf bem neuen #errengut anjuftebeln unb et) naa> 
altldnbifcher Seife ju bercirlbfchaftcn, unb ber Jtönig, 
ba nach frdnfifdjem SRedjte ö,^enthümer be« eroberten 
?anbe« unb tbatfdehlid) ber gröpte ©runbbeftöer war 
förberte biefe ©ewegung nach J?rdften, eineötbeil« burd) 
Irabition von Jtönigögut an einjelne ©etreue unb ver* 
fchiebene geiftliche Stifter, anberntheil« generell baburd) 
bap er feinen ©etreuen gemattete, 8anb )u oecupiren auch 
ohne fpecieüe 9»ed)tfltitel, nur iU 9tufc unb grommen ber 
JTtrche ©otte« in »Uannonien, wie e« in ber betreffenbeu 
Urfunbe heipt. «ud) bie lird)Iid»e unb politifcbe Orga« 
nifation be« ilanbe« würbe noch wdhrenb be« Jtrlege« 
tu «ngriff genommen; bie erfte Verfügung, welche bie 
4}cibenbefehrung in bem gropen ©etiete jwifchen Iirave 
unb ÜRaab, bem ehemaligen Unter* *ßannonien, ber Jtlrdje 
vonSaljburg übertrug, erging fd)on im 3-796, unmittelbar 
nach ber (Eroberung be« „Singe«", unb nur wenige 3abre 
fpdter beginnt für un« Die «Reibe ber 9J?arfgrafeu, 
welche, bie einen eben in Unter. Uannonien, bie an- 
bern jwifchen Saab unb (fnnfl, al« hödjfte Seamte be« 
Jtönig« für Jtrieg unb grieben eingefept würben, wdbrenb 
in ben ©rei^ldnocrn jivffd)cn ber 3)ravc unb bem «bria« 
tifd)eu SNrere bie ©rafen von griaul eine marrgrdfllche 
©ewalt fdjon feit längerer 3eit befafien. 3n ber Ihat, 
bie eminente Stellung, welche Jtönig Jtarl innerhalb ber 
brutfdjen ©efdjicbte einnimmt, gebührt ihm vor allem 
alfl bem 33egrünbcr ber fnböftlithen SRarfen be« Seiche« 
unb alfl SBefieger ber Sachfen. 3nbem er biefen beutfeben 
Stamm uuterwarf unb jugleich bie frdnfifd»e 4>crrfchaft 



Digitized by CjOOQic 



KARL I. (D. GROSSE) 



66 — 



KARL I. (D. GROSSE) 



übet Baiern neu befeftigte, arbeitete er ber Bilbung eint« 
beutfdien <Rationalreid)cö berart vor, bat? ein folay« in 
bemfelbe« Augenblicfe entliehen rennte, wo ba« ©eil« 
reid) .Karl'« für immer ju ©runbe ginn. Unb ebenfo 
entfehieben beftimmte er bie Sichtung, welche ba« werbrnbc 
beutfdje Meid) recht eigentlich al« (lulturmacbt innehalten 
feilte. Wii beutfdje Surften unb Bolf«flämme fpäter 
an ber Totiau unb an ber ©Ihr, an ber Cbet unb an 
ber SBeicbfel, alfo auf a(tgetmanifd)rm ©runb unb Beben, 
rurd) (Sbriftianiftrung unb ©ermanifirung frember, ju» 
meift flawifrter Bölferfd)aften geleiftet haben, war in 
Sffiahrbeit bod) nidjt« anberc« al« bie gortfrfcung ber 
frieblicben Gultutarbrit, welche um ba« 3abr 800 in 
bem ehemaligen Ävatenlanbe begann unb von .König 
.Karl nicht nur mit Staffengewalt gefdiüpt, fonbrrn aud) 
planmäßig gelottert unb ind £eben gerufen würbe ; and) 
«uf biefem ©ebiete war fein Sßirfrn babnbrechenb für 
alle 3ufunfr. 

Uebrigen« in bei $tit, al« bet «Kampf mit ben 
Avarrn nod) bin unb ber wogte, war er nid» einmal 
ber cinjige Krieg, ben ber König ju führen hatte; ringe' 
um an ben ©renjen be* gewaltig vergrößerten Äeidje« 
galt e«, geinbe nieberjubalten, roeldje fid) gegen Könnt 
.Karl unb bejfen Änfprücbe auf ©eborfam unb Dienftbar« 
feit erhoben. 3n Italien war e« «öcrjog ©rimoalb von 
Benevent, ber ihn betau«forbette: burrh Bcrmdblung 
mit einer grieebifchen »Jirinjrfttn vofljcg bei «fretjog um 
790 eine bebeutenbe Annäherung an ba« Cftrömifd:e 
.Kaiferrcid) , wdhrenb er feine ^Pflichten al« frdnfifajer 
Bafali vernachldlftgte. I)e«balb fdjicfte Jtönfg Karl 
feine Söhne, bie Könige Pippin von Italien unb Vu r > 
wig von Aquitanien, mit großer Jruppcnmadjt gegen 
Benevent, aber vergeblich, bie ^eerfabrt mi«glürfte, ba 
eine gewaltige ^»ungerfnoth, welche weit unD breit in 
Sübeuropa herrichte, bie Bcrpflegung unmöglich madjie. 
Um biefetbe 3eit war ber neue Kbalif von Gerbova, Ab« 
benhaman'« Sohn unb Nachfolger JSefdjam I., in encr« 
gifebrm Borrücfen gegen ?! orten begriffen ; Verona würbe 
wiebet erobert unb wegen be« Abfalle} ju ben granfen 
gejüthtlgi; ein fränfifd)«aquitanifd)c« §ttx unter SBil« 
heim von Jouloufe würbe 793 am gluffe Crbieu )mi« 
feben Narbcnne unb (Sarcaffonnt auf« .fpaupt gefdjlagen. 
Aber bie gröjjte ®efabr entwirfelte fiefa bod) auf beutfdjem 
©oben, im 6ad)fenlantie. Bermutblid) getrieben unb 
mitergriffen von ber frirgerifdjen, verbrdngenben Unruhe, 
welche unter ben Norbgermancn , ben noch völlig beib» 
nifdjen Bölfern auf ben |fanbfnavifd}cu 3nfrln unb £alb' 
infein fdjon bamal« verbanben war, erhoben fttb in 
Sachten Anhänger bet Reiben tbumd nod) einmal ju 
bem Bcrfutbe, ba« V.inr von ber frdnfifcbrn .foerrfebaft 
iu befreien unb ba bie erften Unternehmungen biefer neuen 
fäcbfiicben «Rebellen, UeberfdUe frdnfifdjer Xruppentbeile, 
bie bem Äönige aegen bie «varen jujiehen fo0ten(792,793), 
(frfolg hatten, |o breitete bei Aufftanb ftaj von ba un» 
teren ffiefer unb bet unteren (Slbe heT rafd> au«, fobafl 
er wieber nur mit ©affengewalt ju bdnbigeit war. Aber 
aud) hiermit fam per Jtönig nid)t ohne weitere« jum 
3iel. Sundthft (794) wieberholte fia) nur ba« alte 



Sthaufpiel: Unterwerfung einzelner Jheile be« fddjfiftfcen 
3?olfe* unter ben üblidjen Sebingungen bet ®eifel|irllung, 
be« 2tfueibe« gegen ben Äönig, ber Annahme be« 
Shtiftenthumö, aber nad) bem Abjug be« ^)ertf*er« 
StüdfaU bet jüngft Unterworfenen bei fortbauernber 
SSiberfe^lsthfeit bet nörblichrn, bet 9torbfee benadjbarten 
iiftticte. Tieje waren beim aud) fd)on von 795 ab per» 
jugäroeife JtriegdfdiaupläO. von Aarl, ber bamal« bi« 
in bie ®egenb von Sünebuni vorbrang, würben f;r 

San) wie geinbe«lanb behanbelt. €o hduften fid) für König 
favl, ber ftd) übetbie« einmal (792) eine« gefdhtlidjtn 
Anfdjlage« auf Xbun unb i'ri-vn. einer Q3erfd>wöruug 
feine« ©aftarb« $ippin mit einigen miövergnügten ©ropen 
ju erwehren hatte, bie friegerit&en ^erwitfelun^cn von 
3aht ju 3ahr in bebrnflirher 9Beife, unb e« ift nt*t 
iu viel gefagt:jut Behauptung feiner 9£eliberT|d.<aft be< 
burfte Aönig Karl beffelben Aufwanbe« von Jtraft unt 
AuSbauer, weither erforberlid) getvefen war, um fic ju 
erringen; ein günftiget Umfdjwung erfolgte überall nur 
allmählich. 

^erjeg ©rimoalb von Senevmt behauptete feine 
Unabbängigfeit, wie gegen bie ©rirrpen, mit benen er 
balb wieber brach, fo aud) gegen bie granfen bi« an 
fein £eben«enbe; etft ber Nachfolger, ©rimoalb II., t<t 
ftanb fieb baju(8l2), mit Äarl grieben ju machen unb 
wiebet Zribut i» jaulen. An ber fpanifchen ©renje war 
bie 9{ieb<rlage von 793 alierbing« viel früher weit ge« 
macht; bereit« au« bem 3- ?95 verlautrt von einem 
6iege, ben aguitanifche granfen im ©ebiet von Barte» 
lona übet Sarajenen erfochten; inbeffen erfi burch bie 
Eroberung Barcelona« gewann bie frännfehr #etti'cbaft 
jwifchen Brenden unb (Jbro frften Boben unb Tauer» 
baftigfeit; im €ommer 801 fiel bie wfdjtige (Start nad) 
jweiiähriger Selagening unb würbe ber £i& eine« SRarf» 
grafen, Wittelpunft ber fpanifchen Warf. 3m 3. 806 
würbe $ampe(ona wieber erobert unb bamit erteilten 
bie gtanfen nun aud) tetritorial ben Anfd)lu§ an bie 
fleinen d)tiftl!d)en Staaten im uotbwefilichen Spanien, 
beten Cbethaupt, Stinia Alfon« von ©alicien unb Aftu< 
rien, ein tapfetet unb fteijteichet fflotfärnpfet gegen ben 
3«lam wat unb mit Äöntg Kail febon feit 798 in einem 
engen greunbfebaft*« unb Bunbc«verbältni(j fianb. Bei 
ber Nieberwerfung be« fächRfchen Aufruhr« leiftete ihm 
eine von ben flatvifchen Bölferfcbaften twifchen 6lbe Ul 
Cfjfee, ba« Bolf bet Abobriten, wirffame {»ülfe. SBar 
König Karl 789 übet bie (Slbe unb fogat übet bie £a> 
vel gejogen, um bie 2Bi(;en (Selataben), bie Nachbarn, 
abet auch bie geinbe bet Abobtiten ju unterwerfen, fo 
griffen biefe iept für iljn gegen bie Sachfen, namentlich 
gegen bie Norbalbinger, ju ben fflaffen; gürft Ihrafuco 
erfocht 798 ju Sventana (bem jef>igen Bomhöveb) einen 
bebeutenben Sieg; viertaufenb geinbe foflen gefallen fein. 
Ädnig Karl felbft ift mit ben Sachfen in offener gelb« 
fdjlacht nicht mebi jufammengefioSen. TOilitärifd) würbe er 
ihrer wieber ^>rr burd) einen fleinen Krieg, ben einjelne 
fränfifebe {»eeredabtheilungen nod) einige 3aW weiterfübr« 
ten. Aufjerbem brach er ben SDiberftanb butch planmäpigt 
(Sntvölfetung einzelner befonber« feinblidjer Xifrrtcte. 



•v 



Digitized by Google 



KARL I. (D. GROSSE) 



- 67 - 



KARL I. (D. GROSSE) 



Sind brn Omu ju kirnt Seiten bei unteren Ölbr 
würben bie Sewoliner »oicb<Tl>oU In 9Haffe rjpatriirt, 
um im 3nnrni bed granfrnrricbcd ritir iicut $rimat 
ju ftnbcu. Diffftf Scbicffal war rin allgcmrined, ed traf 
ifltelige unb (Seineinfreie, 9Rftfd)ulbigr tcö Slufrubrd unt> 
Scbulrtofe ohne Unterfcbieb, unb Gonfidcirung ibrrd 
0>runbbeiified ßrb^rle wefentlicb ju biefem ©erfahren, 
welchc-d Jtönig Jtarl unferd SBiffrnd julefct im 3. 804 
cmwanbie. §lm grünMtcbftcn räumte er in 9iorbalbingien 
auf : Her wird er gvrfir Strrden feinen flarpifcf^rn Sunbrd' 
getieften, brn Sfbobtiten ju, wdbrrnb rr übrigen? »erfuhr 
mit in brr avarifcbeii Warf, nämlich feine fränfifcbcii 
(Betonen gciftlic^cn unb weltlichen Stanbed mit ©runb 
mtb SSobert rcid) audftattcte. Stlfo eine Äeibe von burdj' 
greifenben unb wirffauien, aber auch harten 9tta|jregeln, 
bie noeb lange ald folcfce empfunben würben, «nberer« 
feitd jft nicht ju verfeuuen: Jtönig Jtarl veTfuchte, bie 
U l ariftiirung r. c tiefjerrütteten Sacbfenlanbed aud) auf 
gütlichem wege ju erreichen, obwol bie alte unb oft 
wiererbolte (Jrjäblung von liuem förmlidxn griebend» 
vertrage, brr jmifeben Jtarl unb bem Vlbel ber Sacl)fen 
im 3. 803 ju Salj geftbl offen vourbr, feinen ©lau« 
brn verbirnl; fie ftammt aud trüber Duelle unb 
rtttfprichl ber Sachlage, tele Tie und aud brn ed>ten unb 
teilten Duellen befannt ift, bnrebau« nicht. Sfber fo viel 
ift Ibatfacbe: Jtönig Jtarl erfe&te iened erftr unb burd) bra« 
fonifebe Strenge cf>arafteriftrte Sperlalgefeb für Sacbfcn 
(f. oben S. 04) nod) vor beenbigtem Jtriege burd) ein 
neue*, burd) bad Capitulare Saxouicum von 797, wel« 
cbed bie älteren Strafbcftimmungen wefentlicb milbeTte. 
gerner: bad alte Summcdrcdjt ber Sad)fen, welcfced unter 
Jtarl juerft aufgrjeiebnet unb burd) 3«fä&< reicbdredjt« 
(ia>cn 3nbaltd ber neuen Drbnung ber Dinge angepaßt 
würbe, blieb in ©eltung, unb aud) bie gürforge bed 
Jtönigd für bie Gbriftianifirung unb bie fircblitbe Drga* 
niftrung bed Sanbcd bauerte fort, fie war rin Jjpaupt» 
mittel feiner grirbendpelitif. Slbcr von ben grüdjten 
brrfelben bat er felbft nur wenig geflaut; nur bie 9n> 
fsitige bed fireblidjrn bebend in Sadjfen fallen nod) unter 
Jföblft Jtarl. 38on ben neun SJidtbüinern ber fpitrren 
3eit |tnb allerbinqd jed)d: «Dtunfter, »ßaberborn, Ddna« 
brücf, 'SKiuben, S5remen, SJerbrn, fdjon bamald gegrünbet 
lvorccu, aber über eine primitive, unfertige (Xfiftenj fa» 
nun fie bei Jtarl'? &bjeiten uid)t binaud. Jtlöfier ftnb 
in Bacbfen überhaupt rrft unter tfubwig bem grommrn 
entftanben. So wirftr ber Umftanb, ba^ .König Jtarl 
bie $errfibafi über biefen beutfdjen Stamm nur mit bem 
©diroerte ju beljauptett vermod)te, in bem SJerbältnif 
bed Jfönigd jum ?anbe felbft nod) jabrelang ungünftig 
nad>, »oibrenb bagegen, unb bad ift für bie weitere önt« 
wirfelung feiner uniorrfalen ®röpe ungemein wichtig ge* 
»rorBeii, fein «Ruhm in ber übrigen 5Belt, fein 8fn|eben 
in freuwen «eidjen unb bei anbern £erfl'd)ern in ber 
Epoche bed fddjfifdjen «ufrubrd unb rro» aller Sfbwanb' 
lungen in ben (Drenjfrirgeu nid)t nur nid)t jurüefging, 
fonbern ftd) Iteh'g fteigerte. 

SRft Aönig Dffa von Wercia, bem bebeutenbften 
Regenten unter ben bamaligen Jtönigen brr 9fngelfud)fen, 



war fiönig Änrl um bad 3- 790 verfeinbet uub bad 
3erwürfnlfj ging fo weit, ba^ von briben Äönigen eine 
j^anbeldfpene verbdngt würbe. Slber nur wenige 3ahre 
vergingen, fo bot Dffa bie £anb jur Hierföbnung unb 
fanb bei Jtarl enlfprecbrnbed if ntgegentommen ; in Offa'd 
leßten 3<ittn — er ftarb am 26. 3uli 796 — war nidjt 
nur bie greunbfebaft ber {»errfdrrr erneuert, fonbern aud) 
ber alte ^»anbeldverfebr ihrer Nationen in aller germ 
wieber freigegeben. — 3m 3iifammenbaiige mit ber 
gegen ben Äbalifen von dorbooa befolgten urobrrungd« 
politif ergriff Äönig Jtarl 797 bie 3nittativr ju einem 
gefanbtfd)aftli(ben iBerfebr mit bem JJ>auptreid)e bed 
OTohammebanidmud, mit bem Jtbalifat von ©agbab, 
wo bamald Jj>arun'a(<9(afd)fb regierte, unb bad gemein« 
fame 3ntereffe an ber €d)wäc&ung ber cmijabifdjen ©acht 
in Spanien envied ftd) in brr 2bat ald ein fräfliged 
Sinbrmittef ; tro^ bed @egrnfa$rd bed (Glaubend ging ber 
Jtbalif in feiner greunbfa)aft für Jtönig Jtarl fo weit, 
bap er bireete iSejiebungeu beffelben ju ber ebrifilieben 
S3rvölferung feined großen Keicbed nid)t nur nidjt bin* 
berte, fonbern birect förbrrte, inbem er ihm nad) (fin* 
barb'd $$erftd)rrung über bie heiligen Stätten ju oen:> 
falem Jj»obeitdred)te einräumte. — SRittlrrweile war aud) 
in bem feit 78S feinblidjeu 35erbältni0 bed Jtönigd jum 
Dfirömi|'d)en Jtaiferreid) eine frirbliifce 9Benbung einge« 
treten unb jwar, wad für bie bebe ÜRadjtficUung bed 
Jtönigd gewiö bejeidjnenb ijt, auf ©etrieb von Scjanj, 
fpeelell ber Jtaiferin 3rene, welche 797 ihren Sobn, 
Jtaifer Jtonfiantin VI., vom Übrone gefroren hatte, aber 
ben von ihm ftbon begonnenen gefanbtfcbaftlicben 93er' 
febr mit Jtönig Jtarl unverjüglid) fortfe^te. So würbe 
798 bad frühere (Sinvernebmen erneuert, vir(leid)t fogar 
ein formetled Sfbfommen getroffen, bei bem freilid) in 
bem vielumftrittencn unb jumeift f(awifd)cn Sanbe jwi' 
fdjen ber unteren Donau unb ber Vlbria fränfifdjed unb 
grieebifebed ®ebiet uid)t genau abgegrenjt unb ebenfo 
wenig bie griedjifdbe ^errfdjaft über Sirilien gegen frän« 
Hieben (Sinffuy binlänglid) gefiebert würbe. SÖenn eine 
»etbeiligung bed päpftlicben 4>ofed au ben fränfifeb- 
arird)ifif)en «Berbanblunaen von 798 nirgenbd faersortritt, 
lo ift bad fd)werlicb i^aü, vielmebr entfprid)t biefe 
SDabruebmung genau ber untcrgeorbnrten Stellung, weld)e 
bad "ßapftthum in ber poliri|a>en S£elt überhaupt uub 
fpecieff Jtönig Jtarl gegenüber cinnabm. 3n ber lange 
gehegten Erwartung, mit Jtail'd .^ülfe bie weltliehen $3e« 
Übungen bed römifdjen Stuhled beoeutenb ju vergrößern, 
immer von neuem getäufd)t, i-jue 'l'apu opabriau L 
SRübe, {»obeitdrechte felbft nur ba ju bebaupten, wo ibm 
folebe nad) Jtarl'd SBiOeu unb Slnorbnung j^ußanben, 
wie im drard)at von Saoenna, unb weit entlernt, für 
bie auf bem weltlichen @ebiete erlittenen Qinbufjen mittele) 
bed geittlid)cn *4)rimatd Grfa$ ju gewinnen, mujite 
er fcplie^lid) erleben, ba§ fein Slnfeben aud) in biefer 
SSejiebung ftarf jurüefging, ba§ Jtönig Jtarl im ©unbe 
mit ben übrigen fircblidjen ©ewalten bed flbenblanbed 
bie allgemeine Jtircbe, unter Umflänben fogar im ffiegen« 
My ju 9tom, lebiglid) naa> feinem SGBillen leitete. So 
gei'djab ed in ber größten unb aua) politifcb wiebtigften 

0« 



Digitized by Google 



KARL I. (D. GROSSE) 



68 - 



KARL I. (D. GROSSE) 



Gonirovcrfr, bie efl in ber Kbriftenbeit bamal« gab, im 
Bilberftreite. Ten bilberfreunblldjen 93f ftfclllfftn, weldjf 
ba« jweite (Fonril ju Wieda 787 nacb bem Sinne ber 
Äaiterin 3rene unb unter arttntndgißcr 3ufiimmung 
r-äpüliitrr Segalen grfapt bat», feßtr Jtonig Jtarl ebne 
3tocifel in (Jonfequeni, be« Jfriege«, ber 788 jmifdien 
ihm unb ben ©riedien in Unter>3ralirn au«bra<ft, junäcbf) 
im 3- -"90 eine t)ffiifle unb perfönlid) gehaltene ll'cleniif 
entgegen, bie große Strritfdirift wibrr ben ©ilbrrbirnft, 
bie unter beut Warnen ber Libri Carolini befannt unb in 
©etreff iljrrd Wabren Berfaffer« immer nod) rälbfrlbaft 
it. Aber nod) mehr: im 3. 794 hielt Jtonig Jtarl ju 
granffurt in ©rgenwart päpfllidjer Jegaten, aber unirr 
feinem SJorfih, ein große« Vorteil, auf me(d)em bie angel» 
fädjfifdie ®eiftlid)feit burd) feinen ©eringeren al« Alfuin 
vertreten war ; '.••irr würben tu- legten Tecrete ber ©riedien 
über ben SSilbertfenft ober vielmehr bie ben ©rfeeben 
fäh'rblirfc imputiere „Anbetung" ber Silber verworfen, 
mit brm Anatbrma belegt unb ber $apft ( brm biefrr 99c» 
fdjluß mitgelbeilt würbe, mar febroad) genug, bic faum 
gewonnene Einigung mit ben ©riechen tbatfäcblid) rote' 
ber in grage ju ftrllen; in feiner flu wert menbete er bie 
Sarbr fo, Daß er jwar bie niednlfdjen 99efd)tüffe al« rrdjt' 
gläubig verlbeibigte, aber bie (Jjcommiinicirung be« Jtaifcr« 
Jtonfiantfn VI. au« anbern ©rünbrn niebtebefloweni' 
ger in Auflfidjt ftellte. so trat äjabrian L ben Würf» 
jug an vor bem Uebergewidjte, tromit Jtonig Jtarl al? 
fivrblicber ©cfrßgeber auftrat unb fegar in SBcjug auf 
ba« {Dogma eine allgemeingültige Autorität für ftd) in 
Anfprurb nahm. 9Bar er bod) fdfon vor bem franffurtrr 
(Jcncil in äbnliaxr Wicbtung tbärig gewefen, ba er einen 
*TJrä(aten an« bem nörblidten Spanien, ben 33iid)of gelij 
von Urgel, roegen Abweichungen in ber fchre von ber 
$erfon i>Mifu al« einen Anhänger be« Aboptiani«mu« 

Sr Kedjenfdjaft jog (792, Smwbe ju Wegenflburg). 
in planmäßige« unb jfelbewußte« Streben nad) brm 
Wubme ber Ortbobrrie mar bem Jtönige urfprünglid» 
fremb; jebenfaU«: in ben ©efefcen unb 5Berorbnungen 
(Kapitularien), bie au« feinen früheren 3at)«n über» 
liefert finb unb auflfdjließlirb ober bod) vcrjug«meifc auf 
fird)li<be iUrbdltmnc Srjug haben, roic bie großen Gr» 
(äffe von 787, wirb ber 3nbaltber @lauben«lcbre nirgenb« 
berührt. Sfber naebbem Jtfnig Jtarl bie Widmung auf 
ba« Dogma, auf bie Bewahrung ber (finbrit unb ber 
Weinbrit ber flebre einmal ergriffen, verfolgte er fte roeiter 
mit ber if>m eigenen Energie, unb nad) bem SBeiratbe 
von tbeologifrben Sadwerftänoigrn , ttrlde ber älteren 
©eneration be« frdnfifrben Jtleru* außrrorbentlid) über« 
legen waren, natnentltd) babureb, baß fte mit befferer Jtennt» 
niß ber SBibel unb ber patriftifa>en Jiteratur, alfo mit 
dKifMidjer Sffiiffenfdjoft eine bebeutenbe profane «Übung 
verbanben unb ftd) alfl Sefjrer in ben „greien Äünftrn", 
wie ©rammatif, 9ri>etorif. Tialeftif, ^um Sbrit aud) al« 
Sdjriftfteller nad) bem $?ufier ber Alten Stuf erworben 
ballen. Unb gerabe nad) biefrr Seite hin wußte Aönig 
Jtarl jie burd)au4 ju würbigen; obne Unterfd)ieb bei 
Nationalität unb ber Staat«angebörfgfeit jog er feit feiner 
jmeiten «omfarjrt (781) weltlid? gefdjuite Ideologen unb 



firdilid) gefinnte ^SrofanfdjriftßeUer an feinen ^iof. lie 
3ta!iener ober ^angobarbrn !PaiiIu« Xmeoitu«, Sfcnrf» 
ju SRonteraftno, unb $etru« von l'ifa, üeljrer bcr©ramma< 
tif m $avia, madjtcn ben Anfang; ibnen, bie am ^iofe 
StaxVi unb im Serfebr mit itjm vor)iig«wcife Iiterartfd) 
lb,ätig würben, fid) burd) Tid>tungen von verl)ältntft* 
mäßig guter Satfnität bervortbaten, folgte balb ber Angel' 
fadjfe «Ifiit'n (Albinu«), Wagiftrr an ber berühmten Tom« 
fdjule ;u 2)orf unb bamal* nod? ein großer »Berebrer 
«Bergil'«, mit einigen Jüngeren Vanb«leuten unb Bringen, 
um bur* Unterridit ju wirfen, vor allem um ber von 
alter« i)et beftebenben, aber jurürfgebliebenen ^offdjitle 
einen neuen Auffdjwung ju geben. Unb faum war bie« 
gefdjeben, fo fanb bie cbriftlidie 9(enaiftanre be« clafüfd)en 
literlfjum«, wie man bie neue ©eifte«rid)tung wo( 
djarafterifirrn barf, in ber Umgebung tfarl'« aud) be< 
beutenbe SSerrreter uänfifdjer ^rrfunft wie Angilbert, 
ein Sd)üler Alfuin'« unb Crinbarb, ber ben ©runb jn 
feiner umfaffenben Silbung im ftiofirr finita gelegt 
balle, fte aber am 4jofe be« Jtönig« voUenbrte unb nirbt 
nur al« SdjriftfteUer, fonbern aud) al« 3ed<nifer {»ervor« 
ragenbe« leiftete. Jlönig Jtarl flanb im SRirtelpunfle 
biete« afabemiid) georbneten unb mit ber £offdiulr enq 
verbunbenen Jtreffe« von gelehrten unb fundvetftänbigen 
SKännern. S3aib metbebild) lernenb, wie er benn j. SB. 
bei •}kir.:$ von $ifa Sorfräge über ©rammatif borte, 
unter Alfuin'« Leitung 9ib.etorif, Tialeftif unb Atrronomir, 
fein (febling^fad) ftubirte, balb anregenb unb felbft berror> 
bringen f ba mandte ©ebidjte nnb dpifteln, bie unter 
feinem Warnen in bie SrBelt gingen, ibm bod) wol min« 
brfira« inbaltlfd) :ugefd)rteben werben tnüffen, war er 
jugleidi Scbüler, ©enoffe unb 93efd)üner ber ©elebrten 
unb JtünfHrr, bie ihn umgaben, er gewann ju brr all« 
gemeinen 3<>tbilbung ein 9?erbältniß lebenbiger Ibetl» 
nabme unb perfönlidien 3nl*«ffe«, wie e« nod) bei feinem 
fränfifdjen Ädnige verbanben gewefen war. 3n literari' 
fd>em Serfefjre fübrle Äönig Jtarl ben Warnen „X»avib", 
wie Alfuin „glaeeu«", Ängilbert „Horner", (finbarb 
„Sefeleel", bfjiebnng«roII jubennnnt würben, unb feine, 
be« Jfönig«, Scrbrtrlirbung war naturgemäß ba« vor« 
nrbmfie ibema ber Literatur, wrldje au« bfefem oScr- 
freffe betvorging unter au«giebiger Senu^ung antifer 
ffierfe alfl muftergültiger SJorbilber ber dompofition unb 
be« biftorifefcen Stil« im allgemeinen, aber aud) al«gunr-- 
gruben ber $brafro(ogie uno be« «ilberfdjmucfe« im be» 
fonbern. So entftanb norb bei Vtbjeiten JfarC« ein 
größere« epifdje« ©ebid>t, worin er u. a. al« *Uroiector 
be« Zapfte« 8eo III. fdjWungvoU gefeiert wirb ; ber tßer* 
faffeT war, wie e« fdjeint, Angilbcrt, unb ju ben <5le» 
menten ber überau« gewanbten unb gefdjmadvollen dorn« 
pofüion gehören außer ben befonber« ftarf brnu&reit ebrift» 
lieben Tidtlungen be« $rnanriu« gortunatu« maffen» 
hafte Entlehnungen au« beibnifd)cn Autoren, au« 3?ergil, 
Cvib, üuean. So entftanb bnlb nad) bem Üebe JTarr« 
bie (eben«befd)reibung , wrldir (finharb von ihm ver» 
faßte; aud) l.ier erfa)eint ber ed)tgermaniid)e Stoff ganj 
unb gar in römiidjer gönn. Ta« ®erf ift „niebt allein 
in einjelnen Auflbrüden unb ber 'l'brafeclpgie, fonbern 



Digitized by Google 



KARL I. (D. GROSSE) 



— 61» - 



KARL L (D. GROSSE) 



aitdj in ber Slnorbnung be* Stefff 0, ler ^Reihenfolge bet 
Jtapitel eine Nachahmung Sucton'«" ilRanfe). Jtarlfelbft 
war, wie (Finharb bejeugt, allem f>eimifd>rn SBefen auf« 
Mitt:^ jugetban; er war [blj auf feine ^Rationalität ald 
?ranfe, unb je vielfältiger fein ©eift fid> unter bem be« 
frudttenben Ginflujj ber djrifllidjen 3b«n unb antifer 
SBrltbiltning entwfrfelle, um fo höher ffiegen Sprache 
unb Dichtung feine« SBolfe« bei ibm im SBertbe; fam 
e« voih babin, bafj er alte Jjelbenliebet ber Drutftben 
in ber Utfpraa>e fammelte unb aufjeiebnete, an ber .frer* 
ftellung einer fnünfifcbrn ®rammatif arbeitete, )u ben 
lateinijdjen Flamen ber SRonate unb SBinbe entfpredienbc 
teutfebe erfanb unb in Umlauf braute, «ber anberer* 
feit« war aud) bie antififirenbe 9ii(biung , tveldje unter 
ben ©elebrlen be« Jpofro unb unter ber böfifcb gebilbeten 
©eifllid ifeil np 9lei<be« bie Cberbanb batte, bura)au« 
nad) bem Sinne be« djjfrrfdjer«. Verfolgte er fie boch 
felbfi entf (hieben unb renfequent in ben monumentalen 
Hracbtbauten, bie in unb an ber $fah ju äadjeii 
nach unb na* entftanben, vor allem in ber Bafilifa von 
Sl.'OTarirn. Weht nur ben Stil (adjtediger «enlral« 
bau) entlebnte er au« Stallen, fenbern au* ba* »au« 
material, beffen er beburfte ; Warmorfhitfe unb STOofaifen 
lieferte 9favenna, anbtre« 3tom. Unb nun nad» ein Wörnern 
von politifa>rr Sebentung : roäbrenb .König Jtarl ftd) t>ou 
SJIFuin im 3- "9G baurrnb trennte, um ibn burdj im -• 
Hebung jum nbt von St. « SRartin in 3 cur* auf einen 
Soften ju fteden, von bem au« tiefer Jjwuptreprdfentant 
ber neuen 9ir<btgldubigfeit al« tfebrer unb Vater ber 
Jtlofterfdmle eine gemeinnützige Tbärigfeit in grofirm 
Stile entfalten follte, blieben bie frdnfifdjrn ©enoffen ber 
feböngeiftigen nfabemie in ber näheren Umgebung be« 
Jtönig«; ibnen gab er audi an ben Staat«gefd)dften 
bebtutenben Slnfbeil; ihr 9tatb unb ibre Dienfte würben 
in aüen wichtigeren angelegenheiten vorjug«weife in Sin« 
fprudj genommen. Die« gilt von örinbarb, ber, wie er 
felbft ertldrt, wefentlid) au« perfönlidjer Danfbarfeit gegen 
feinen grofjen SrBobltbdter beffen Biograph würbe, e« gilt 
aber befonber« von Slngilbcrt, bem ältefien unb treueften 
ftreunbe be« Jtönig«, bem ftebbaber von Huri'« Xodjter 
Bertha, bie ibm jwei Söhne gebar, Jjarnib unb Wit» 
barb, ben fpäteTen ®efd)ichtfd>rribrr. nngilbert be* 
gann feine ftaai*mdnn(fcf)e Laufbahn al« erfier $of« 
beamter CfJrimicrriuö) 'JJippin'«, be« Jtönig* von Stalten ; 
fpäter fiel ibm vor atlrn bie febwirrige Aufgabe ju, bie 
Begebungen Jtarl'« jum päpfllicben £ofe ju vermitteln. 
3u biefem 3wede war Slngilbert in ben 3«bren 792, 
794, 796 in «Rom, ba« lebte mal al« (Sefanbter er« Äö* 
nig« an ben 9?artfolgrr be« 795 verdorbenen £abrian L, 
an liapft ito HI-, ber feinen <Kontifirat mit Steuerungen 
größter (frgebenbeit gegen Jtarl eröffnete, ihn in aller 
jjorm feiner Treue verjtdjerte unb felbft bie 9borbnung 
eine« @efanbten erbeten bat", um ba« römifdje »olf 
iur Treue gegen ben Aönfg eiblid) ju verpfli<btrn. 3n 
Prm 6<breiben, welibe« tSngilbert bem $apf)e vom ftönig 
ju überbringen batte, be^eidjnete biefer al« 3iele be« ui 
erftrebenben fffnverfidnbniffe«: C?rböbung ber beiligen 



Airdjc, Stabilität ber päpfilidjen 9Bürbe, €idierung feine« 
$alri(iatc«. 

Da gefd' : : e« nun, bafi in Äom 3»ftdnbe eintraten, 
Mc nvjr ba« jwette .Vnnivti'nuf in ber $olitil be« Jtönig«, 
bie Stabilität ber päpftlidien 9Bürbe, in Srage fieUten, 
aber bur<b bie ®egenwirfung , weldje fte hervorriefen, 
für bie SBelt überbaupt unb )uma( für Aönig Jfart, ben 
neu anerfannten ^arriefu« ber Körnet, eporbemadienb 
würben. (Snbe «pril be« 3. 799 gerietb ^Papft 8eo HL 
in gro^e ©efabr; eine Partei be« römifdjen «bei«, an 
ber Spifce jwei 9lepoten $abrlan'« L, empörten ftdi ; 
unter ftbwrren »nfdjulbigungen — Unjudjt unb Wein« 
eib wurte ibm vorgeworfen — lünbigten fte ibm ben 
©eborfam auf; wabrfdjeinticb traditeten fie ibm aua> 
nad) bem Veben. ®ewip ift, ifeo erlitt förperlidbe 9ti«« 
banbluugen unb Siblimmerem entging er nur baburd), 
baS er heimlid) bie Stabt verlief, um Ben €>d)u$ anju« 
nebmen, ben eine frdnfift&e Sdjar rafcb berbeieilrnb 
ibm gewährte. So war er perfönlid) in Sidjerbeit, übet 
in 9?om war Slufrnbr, unb um biefen ju bdmpfen, gab 
e« nur dine 3nftanj, bie wie ba« 9ted)t, fo bie Wadit 
ba.iu batte: Jtönig Aarl. Hn ibn wanbten fta> aud> bie 
neuen SRadjtbaber. ÜBäbrenb ber $apfi auf «norbnung 
be« Äönig« ebrenvoO ju ibm gefübrt würbe unb in 
Sacbfrn, }u Haber her», einigt Qtage bei ibm verweilte 
(3uli? 799), erfebienen römifdje ®efanbrr, wiebetbolten 
ibre Sefcbwerben über 8eo unb verlangten gerid)tlid)e« 
ffierfabren, namentlitb beftanben fit barauf, bafj ber Hapf), 
um feine Unfa>ulb )u erbdrttn, einen 9ieinigung«eib 
leifie; anbernfall« möge ber Jtönig — fo foli bamal« 
in Haberbom beimlid) gerarben worben fein — ibn ab* 
fe&en unb in ein Jtlofter fperren. Jtönig Jtarl war n: 
nädifi geneigt, ben fBerfi<benutgrn be« $apfie« ®(auben 
ju fd>enfen. (?r entftbieo fid> für bie fBieberberfteUung 
beffelben unb beauftragte bamlt eine grofjt ®efanbtfa)aft, 
ju ber unter anbem bie (frjbifdjöfr von Saljburg unb 
Jtöln geborten. 8m 29. 9lov. jogen biefe vornebmen 
Ironien mit Vec III. in 9lom ein, bfeltrn Aber bie «e- 
bellen ®erid>t unb fdjicften biejenigen von ibnen, weldje 
befcbulbigt würben, ba^ fie ben Hapft hätten umbringen 
wollen, bem Jtönige jnr nburtbeilung unb Seftrafung. 
9(td)t«befroweniger bauerte bie Beunruhigung, welche 
burd) bie Sin griffe auf bie prrfönlitbe SBürbigteit be« 
Zapfte« bttvorgerufen war, fort, namentlid) in 9tom 
felbft; @rjbifd)of «rno von Saljburg erfuhr bort arge 
(Dinge über Seo'« 8eben«wanbel. dt melbete fte nad> 
5onr* an Hlfuin, unb biefer nahm bie Sna>e fo ernf», 
6a§ er ben Brief verbrannte, um, wie er felbfl fagt, 
Slergemifi ju verhüten. Jtönig Jtarl aber folgte feinen 
©efanbten in 3abre«frifi, um felbft ten ©irren in ber 
^attptftabt ber Gbriftrnbeit ein (Snbe ui madjen. Sor* 
her ging er mit feinen ©etreuen im alten Srantrnreidie 
ju Xatbe; auf eine Wefibenj in 3 cur« bei «Ifuin (800, 
9Wai? Sin fang 3uui) unb eine Spnobe in Halben, an 
ber auch Hlfuin tbeilnahm, folgte im Sluguft eine 9ieid)«- 
verfammlung in Wainj. Dann jog ber Jtönig mit 
#eerefinad!t natb 3»om, weldje« er am 24. 9?ov. jum 



Digitized by Google 



KARL L (D. GROSSE) 



- 70 



KARL I. (D. GROSSE) 



vierten mal betrat. Tut einer großen, ciu« ©eiftlichen 
unb 8aien, au« granfrn unb «Römern gebilbetcn ffler* 
fammlung, bif am 1. 'See. in St.'^eter tagte, begann 
ber Sßroceß jur Unterfudjung ber gegen ben »jnpji er« 
l' o t'cncu Anflogen unb baucrte übet brri 4Uod>cn ; rrft nad)< 
bem Ute ©ebäffigfeit brr Qenunciation bargrtban unb 
genügenb feftgejtelit war, baß niemanb ba ivar. um bie 
Auflagen vor ©rridjt ju vertreten, enbete ba« Verfahren 
am 23. Det. , wieberum in brr $rter«fird)r, mit einem 
Meinigungeeibe, ben ber Stopft öffentlich ablegte. 3n 
ber 3wifdjcnjeit hatte Äönfg Äarl fid) felbft mit ber pein» 
liehen Angelegenheit eifrig befdjäftigt ; auf ihn vor allen 
ift r« jurüdjuföbren, wenn ber <ßapfi, um fich in ber 
Meinung brr SBrlt völlig ju rebabflitiren, auf ba« ver» 
fänglidje Nüttel be« 9teinigung«eibe« fd)ließtitb einging. 
3n ber Xbat, f<»l Äaifer Äonfian* U (»541 — GG8), ber 
im 3- 663 felbft in 9iom tvar unb jebn 3abre früher 
einen römifeben ^apfl (Wartin I.) wegen Äet)erei unb 
Aufruhr« auf ba« härtere brßraftr, batte bort fein weit« 
lieber ^<rrfdjcr in 8)ejug auf ba0 »Uapfttbum mit foldjer 
Ueberlrgenbrit gewaltet wie jefet Äönig Äarl. Äein SBun« 
ber baber, wenn bie bereit« vorbanbene unb ben benfen» 
ben, ber ^Jolitif funbigen Rettgenoffen (Alfuin) geläufige 
Urberjcugung, baß Äönig Äarl in ber güüe feine« Jtönig« 
tbumfl überhaupt cinjigartig baftünbr unb unter ben ebrift' 
lidjen Jpettfcbetn feinet 3^* uubebingt ber erfte wäre, 
ftd) gtrabe bei tiefer ©elegenbeit, im 3ufammenbang mit 
feiner bebeutenbfien Seifiung jum Sebufce ber Äird)t be« 
fonberfl nacbbrücfllcb geltenb machte, unb wenn biefe 
lleberjrugung in ber 3bee M Äaifertbum«, in bem 
ffiorjcblagr, ben Äönig mit bem ^rineipat ju befleiben unb 
nfdjt mebr !Patriciu« ber {Römer, fonbern 3mprrator ju 
benennen, Denjenigen Au«brucf fanb, welcher ber biftorifebrn 
C?ntwlcfelung, ben wirflieben 3Jlad>toerbdltniffen unb bem 
befonbern Übaraffrr ber neuen ®eiftr«bilbung allein an' 

Semeffen war. Unfrre Duellen geftatten leiber nur bärfrige 
rtnbiicfe in bie ©enefi« be0 wichtigen dreignitfe« ; in» 
beffen fo viel tu brutlid) : bie intellertueuen Urbeber beffelben 
ftnb wat)rfdjeinlicb bie beben ©eijtlidjen, bie bamal« in 
9tom verfammelt waren, elnfdjücßticb be« Zapfte« gc< 
wefen, unb unter ben ©rünben, welche für bie (Erhebung 
Äarl'« jum Äaifer aeltenb gemacht würben, war bie 
drwägung, bat) ber 3ufianb in ®pjanj, bie anbauernbe 
unb nod) baju ufurpirte Alleinbtrrfcbaft einet grau, eine 
unerträgliche Abnormität fei, ober anber« auflgebrüdt: 
baß ba« Äaifertbum bei ben Oriedjen vacant |ei, von 
befonberm ©ewid)te. Sehr rnerfwürbig ifl nun, wie 
Jtönig Äarl fich verlud t. Obgleich er bie 3bee, ibn jum 
Äaifer ju erbeben, an fid) obne 3n>eifel billigte, fo bot 
er ju ihrer 8(u«fübrung boa> nidjt obne weitere« bie 
£anb; eine Übatfadje, bie wol am rirbtigften auf polirifcbe 
äeredjnung jurüdtgefüb,rf wirb, namentlid) auf ben fflunfd), 
junddjji unb vor allem ein weitere« einvernehmen mit 
bem $ofe von (Sonftantinoprl ju erjielen, ftd) mit 3rene 
rtdjt eigentlich über ba« Jtaifrrt^um ju verfidnbigen. 
Änt), xönia Jtarl ließ ftd) bitten, et jögette überhaupt, 
aber $apft eeo III- trieb weiter; in feinet päpfHi<ben 
SBürbe neu befeftigt unb ber allgemeinen 3-.;ftimmuiirt 



ficber, nabm er bie große Neuerung fdjon am 25. 1)«., 
am !ffleihnad)t«tage be« 3. 800 uuö eigener «Wacbf 
vollfommenhei« vor. 3n gt.^eter, wo Äatl erfdjien, 
um bie SWeffe ju hören, war ohne fein 9Biffen bie Jtatfet« 
frönung votbereitet unb al« ber Jtönig fid? vom ©ebne 
erbeb, volljog ber Q)ap|i bie feierliche ^anblung ; er t>(tc 
JTarl eine .Hunte auf« £aupt, unb vom SJolfe ertönte 
jubelnb ber 3»nif: „JTarl, bem frömmften flugufru«, 
bem von ©Ott gefrönten, großen, friebenfdjaffenbeti Jfaifer 
lieben unb Sieg!" 5>ann hulbigte ihm ber ^apfi ganj 
fo, wie ben früheren 3mperatoren gehulbigt ju werben 
pflegte, ndmlidj burd) Slboration: er fanf vor ihm in 
bie Jtnte unb befajloß bie (Seremonie bamit, baß er fo« 
wol ben Äaifer al« autb ben gleidjnamigen Selm beffelben, 
beu iüngerrn Jfrui, falbte, ben letzteren jum Jtönig. Der 
Äaifer batte, wie (Sinbarb rrjäblt, anfang« eine große 
Abneigung gegen ben neuen Xitel, ben er führte; er 
äußerte fogar: ungeachtet be« hoben gefte« würbe er an 
jenem 'läge bie Jtirdie nicht betreten haben, wenn er um 
ba« iBorhaben be« Zapfte« gewußt baue. Aber praftifd) 
bebeutfam war birfer nad)trdglid}e llnmulb nicht- 3« 
ber ^olitif hielt Jlarl feit bem benfwürbigen Jtrönung«« 
acte ba« Jtaiferthum al« ju Äedjt beftehenb mit aller 
Jtraft aufrecht; im 3- 802 verlangte er von feinen färnmt 
liehen Utttertbanen, welche ba« jwöljte l'ebeu«jahr über« 
fchritten hatten, einen Ireurir , ber brfonber« ftreug fotmu« 
litt wat unb ihm teebt eigentlich al« Äaifer galt; felbft 
biejenigeu, weldje ihm al« Äönig »dien einmal einen dib 
bet Xreue geleiflet hatten, mußten ttocbmal« febwören. 
9lad> atißenbtn madjte Karl vor allem bebeutenbe Sin« 
fhengungen, um ftd) bie Anerfennung ber ©riechen ju 
verfchaffen unb fdjließlich, im 3- Sil, ifl ihm bie« 
auch gelungen. 3)a ließ Äaifer Michael L ihn in oer 
Sinrebe mit brinSitel ßuodtvs, b. i. 3mpetator begrüßen, 
ivdhrenb Äarl fd>on flet« bie Anrebe „©mber" (i'rater) 
gebraucht unb bamit feflgeftellt hatte, baß er nicht be« 
anfpruebte, al« ber Äaifer idilechtbin ju gelten, fonbern 
nur einet von jwet gleid)bcrcd>tigten 3mperatorcn fein 
wollte, gemäß ber alten unb aueb ihm geläufigen 3<vei' 
tbeilung be« römifeben 3mp<rium« in ein morgenlän' 
bifche« unb ein abenbldnbifcbt« «eich. Den ©riechen 
gegenüber Heß Äarl efl überhaupt nicht an entgegen» 
retnmen fehlen. 3m 3- 802 machte er ber Äaiferin 
3rene ben IBorfcblag, fich mit ihm ju vermählen unb fo 
ihre »Jteicbe ju vereinigen. Sie foll biefein tylant ge» 
neigt gewefen fein, aber ba jdjon (Snbe öcteber 802 ihr 
©turj erfolgte, fo würbe et, faum aufgetaucht, wiebvt 
befeitigt. gerner im duf^mntfnhang mit beut Umftanbe, 
baß 3rene'« Nachfolger, 9ticepboru« I-, bie Serhanblungrn 
mit Äarl febroff abbrach (803), entipann fich jivi|d>eu 
granfen unb ©riechen ein Äampf wie um Dalmatien fo 
um bie Snfelftabt SJenebig, unb biefe, bie fchoit bamal« 

Sc See mächtig war unb völlige Unabhängigfeit an« 
ebte, weber ©riechen nod) granfen unterlban (ein wollte, 
fiel im 3- 810 in bie ©ewalt ber legieren, inbeffen nur 
auf furje 3 f <t. Äarl gab biefe (Eroberung, wie Werth' 
voll üc an fich war, freiwillig wieber auf unb erleichterte 
baburd) wefentlid) bie neuen griebenöverbanblungen, bie 



Digitized by Google 



KARL I. (D. GROSSE) 



- 71 - 



KARL I. (D. GROSSE) 



accb in ben legten 3eilen be« 9?icepboru« vcn tiefem 
ielbff eingeleitet wurten unb mit ter formellen Slner« 
fmnunij Aarl'« tureb fRidwrt I. unt II. jum Abfdjlufi 
tonten, t'fi'.-cu ter (Srpetitien gegen SSenetig wurten 
aad) cer Jfaiferftcnutig von fteidjfl tvegen nert) manche 
jntrre Ärirge geführt, fo mit einzelnen Abtbeilungen ter 
Seiten unt Avaren, ferner mit ten flawifd'en SJölfcr« 
tefcaften im ©ebiete ter ctetn unt mittlem (llhe, mit ten 
gerben (806) unt Söhmen, gegen tie fieb S05 unt 80Ü 
rerfebiecent ftänfifebr £ecrfdiaren, befonter« von Saiern 
ju#, in 9cwea,ung fegten. 93a(b tarauf mürbe c« and) 
f&Micb tet »ßvrenärn, in ter fpanifd)tn l'!arf, wieter 
lebentig; cfl begannen bamal« (809?) fränfifebr Streif« 
läge in ha« farojenifebe ©ebiet, tie bann faft 3abr für 
jabr fertgefefct, vor allem auf tie Eroberung trr großen 
unb fefien Statt Sertofa (üortofa) am Gbro abhielten, fte 
hatten inteffen nur einmal, im 3- 811, einen Scheinerfolg. 
Äuperbent häuften fid> in tiefer 3''* Me feerduberifeben 
Angrifft afrtfanifchrT Sara jenen, trr SRautcn, auf tie 
?on Cbriflen bewohnten 3"ffln unt Jfüftenlanbfcbaftrn 
be*J weftlitben SRittelmeerr« ; tie 3nfeln Sartinien unt 
(forfica hatten tcfentei« fdjwrr ju leiten unt jur Ab' 
»ef>i tirnten riue6tbeil« einzelne (Erpebitionen, bei tenen 
tir granfen fieb unter llmftdntcn aud) auf Seegefechte 
anliefern, antetntbeil« ein gröffcre« Softem trr jtüften* 
verthritigung, welche« bauptfäcblicb auf (Errichtung von 
glottrnftctticnen an ten gltifimüntungen berubte. cängfl 
ben Jtüften De« Altantifcben Ccean« bi« ju ten beulfcben 
glüffen, tie in tie Siorbfre müntetrn, bat« Äönia Jtarl 
Äbnlidie (Smridttungen jur Abwehr nermannifefcer Giraten 
fefjon feit tem 3- 800 getroffen, aber tafj in tiefer 99t» 
jicj>ung nicht genug geleifiet war, jeigte fieb im 3. 810, 
al« eine bdnifdje gleite ton jweibunttrt Schiffen gric«« 
lant überfiel, c« furcfcibar verheerte unt ju einem Sribute 
gwanfl Sfefer rrfte normamtifebe (Einbruch in beutfebe« 
ganb war ba« Kerf te« Sänenfönig« ©otfrieb unt fiant 
in 3 tt fanwunbang mit antem Unternebmungen beffelbeu 
jur Auebreilung ter bdnifdjen f>errfd;aft über mebvere 
ilawiftfje «Bölfnfdjaften jwifchen Cjifee unb Ulbt, tie fid) 
©en granfen unterwerfen bauen, namentlid) über tie 
«bebrilen. liefe batte ©obfrirb im 3- 808 feine Wacht 
fdjroer fühlen laffen, er war überhaupt unter allen geinben, 
mit fernen Jfaifer Jtarl gegen 6nte feine« ?eben« ju fdmtffu 
batte, tpeitau« ter grfdbrlicbfte. @egen ibn ridjtete fid) 
in ten 3abren 80D unt 810 tie Anlage einer ftarfen 
grfte in 9?ortaibingirn, ter 33au von Gfeöfeltlj (36et)oe) 
an ter Stör; gegen ibn todre ber Jtaifer, ter auf tie 
Jlunbe von ber 3nvofion grietlant« aUe verfügbaren 
2rutten {ufammenraffte unt an tie SGefer eilte, nod» 
einmal felbft im gelte erfebienen, wenn (Sotfriet nid>t 
von einem tlöplieben Jobe ereilt, von einem feiner eigenen 
?tnte erfdjlagen wäre; fein 9lad>fo(ger, Äönig Demming, 
Sei Kr ftcb fogleid), fd^on 811 mit ten granfen in aller 
gorm grieten ftbtiefien. Uebrigen« war e* nun fdjen 
eine grofte Seltenbett, baf$ ber Jtaifcr felbft in ten itrieg 
;o.j. tem Cberbefrble betraute er gewdf)nlid) einen 
leiner Söhne, welche tie Jtönigäwürte befafen : $icvin, 
SJutwig, Äarl, oter höbeie 9teitfiebtamte, wäbrent er 



felbft, ter alte unt alternte (Eroberer unt Ärieglbclb, 
fid) ald Stai]<x gewiffermafien juv 9iub( fe^te unt tu« 
•ne vc rKculi von feinen i'faljen au« weiter reginte. 
Unter tiefen bevortugte er Aatben tbril« wegen ter 9!dbe 
ter Sirtennen, in tenen er gern 3agben abhielt, tbeil« 
wegen ter warmen, feiner ©efuntheit in hohem ®rate 
itulrdglidjen Reifer terart, taft e« mehr unt mehr ten 
(£barafter einer fefien Siefitenn erhielt. 

Ülber wenn aud) ta« Außere geben Jtönig JTarl'« ftd) mit 
ten 3abrrn ruhiger unt legelmä^fger geftaltetr, fo war er 
wdhrent heften tod) raftlo« tbdtig auf tem ®ebiete ber in» 
neren 9teid)«rrgieTung, wo feiner ebenfo fdjwierige wie jabl» 
reidie Kufgaben warteten. 8Bäbrenb bie 3ntereffen einjelner 
fird)lid;er 3»f)itute naeb 9n«wei« ber einfdjldgigen 1U« 
fiinten te« Jtönig« fogar in ter (fvedjt ber großen drohe* 
rung«hiege au«giebig von ihm befrietigt würben unt aud) 
bic aligemeinen Hngetegenbeiten ber Äircbe in trr @efe$' 
gebung tiefer 3'" weitgehenbe gkrüdfiebtigung fantrn, 
lo geborte tagegen eine ftarfe Iegi«tative (iinwirFung auf 
weltlid)« 3ntereffen unb rein ftaatliihe fBerhdltniffe ba» 
mal« ju ben Seltenheiten, unb wenn fic nrfolgtr, hielt 
fte fid) fiel« in jiemlid) engen Sd)ranfen. 5ßid)tige 3wetge 
te« Seidjetienfie«, wie tie 3art*bittion in bm ®raf« 
fd)aften unb, in ben 3n>munitdten, ferner ba« ^eenoefen, 
würben jahrzehntelang nur nrbeniddjlid) behanbelt, unb 
tod) hätte gerate hur ein (fingreifen te« Äönig« vor 
allem notbgethan. Sie golgen ber lanaen Jtrieg«jrit 
mad)trn fid) hin befonter« fühlbar; tie $i«riplin unter 
ten Beamten würbe (oder, bie Sefdiwerten ter Unter« 
thanrn, namentlid) ter ärmeren, über Scftedjlidjfeit tet 
»Jtidjter unb fonfligen 9Ki«braud) ter «mt«gewalt in 
privatem 3nterejfe häuften fid). Jtönig Jlarl war feine«* 
weg« hl int gegen tiefe Vage ter Singe, bie ftotbwenbig» 
feit reformaterifthrr ÜHafsrrgeln vornrbmlid) ,ium Schübe 
unb 3nterefff b« nietnen Alaffen, ber „Ärmen", würbe 
aud) ihm flar unb halb, narbbrm er Äaifer geworben, 
ging tx an« SBerf. 3Bar eine religiöfe Auffaffung feiner 
(Gewalt al« eine« brUi^en, ihm von Gbrifhi« oter ©Ott 
felbft verliehenen «mteö ihm von jeher eigen, fo fieigrrte 
fte fid) nod) mit ter (Erwerbung be« ^aiferthum« ; ifarl 
felbft gab feiner Wenardjir eine Kid)tung )ur Ubeofrarie. 
Sie allgemeine 6briftenpflid?t, ®ott ju bienen gemäfi tem 
göttlidjrn @ebote, war laut faiferlidjer 3nfhuction jur 
vlibe«leifiung von 802 jiigleicb bie erfte unter ben be« 
fonbern pflichten ter untrrthanen gegen ben Jtaifer, 
währent tiefer eben bumal« bie ihm wie ®ott unb ben 
{»eiligen obliegente gürforge für Aircben, SBitwen, ffiaifen 
unb anrere fchunbebürftige tßerfonen unter feinen 9tegenten« 
pflichten befonba« hodjftetlte unb ihr auf verfd)ietene 
Keift gerecht ju werten fuebte, theil« burd) reidje ©aben 
(Sllmofen), wie er fit aud) armen Gbriften in fremben' 
Reichen oft gewährte, theil« auf tem Bege ber ©efefc* 
gebung unb Verwaltung. 3n liefer gorm berührten fid) 
bie S3efrrebungcn Jfarl'0 gur Hebung ber allgemeinen 
Kohlfahet, in benen aud) technifobe Unternehmungen, wie 
bie Anlage eine« Aanal« jwifeben Altmühl unt Ketnib 
unt bie Uebrrbrüdung te« JNhein« bei Sßainj, in 9e« 
jiehung ftanben, febr nahe mit feiner aDgemeinen Weich«* 



Digitized by OooqIc 



KARL L (D. GROSSE) 



- 72 - 



KAHL I. (D. GROSSE) 



polttif, mit ad cm SRufiregeln, ric er crflriff, um in feinem 
gewaltigen Reiche eine ftarfe ßentralregieruug L crjufieUen, 
um überhaupt in feinem Jcaiferthume ein 3Kaf» von Gin* 
hm unD Otbnung ju fdjaffen, wie er e« in feinem eben« 
fall« »che grofjen unb reid) au«gefiattetcn, aber aud) viel 
beattfptucbten .£>au6balte ju erreichen verfugte, unter 
anberm burd) eine au«fübrlfcbe fBcrorbuung über ben 
SMenft ber föniglic^en Öffner, rinfcbliefjlid) ihrer *f 
wlrthfchuftung unb be« 9ted)nung«mefen« (Capitukrc 
de villi« vom 3- 800?). 5>ie Organe, beren er jur 5>urd>» 
führung feine« SBillrn« beburfte, fonb er in ber «Heid)«» 
verfaffung, wie fte unter Jtarl «Kartell uno Pippin fort« 
gebiibet mar, uton fertig vor, aber inbrm er fieb ber vor' 
h anbettcn Einrichtungen unter veränberteu 33erhäliniiTen 
unb recht rigentlid) ju 3meden ber Reform bebiente, 

!iab er ihnen unb bamit Ger SBrrfaffung überhaupt eine 
eftere ©eftait, ein neue« ©eprdgr. Allgemeine 9ceid>«' 
verfammlungea mürben unter Jtarl mit grofier Siegel« 
mäfiigfeit faft alljährlich gehalten ; allein in Vlacben haben 
ihrer wäbrenb ber faiferlfcben Epoche fed>« getagt. 3u« 
«teilen fanben in einem uub bemfelben 3abre jwei 8er» 
fammlungrn fratt, unb tvenn bie Umfidnbe e« erforbrrten, 
fo würbe bie höhere ©eiftlidjfeti ju befonbern fircf}licben 
SJerfammlungen vereinigt, ohne t.ni bie einjelnen Spnoben 
ftd) au«fd)liefilich auf Da« geiftltdjc ©ebiet befebränft 
hätten. 5>a« SReld) unter Jtarl bem ©rofjen mar aud) 
in bem (Sinne eine ebriftlicbe Univerfalmonarcbie, ca« 
Jtaifertbum (Staat) unb Äird>e bamal« burebauö unb 
roefentlid) al« Einheit aufgefapt mürben, ba§ jmifeben 
imperiam unb Bacerdotium wol ein Unterfdjieb gemacht, 
aber nf et: t, wie fpärer, ein principieller ©egenfa« anrrfannt 
rourbe. einmal, im 3. 813, ift e« vorgefommen, bafj ber 
Jtaifer jrvifeben jivei *tteid)«verfammlungen mehrere fird)» 
liehe, aber auch weltlichen ©rofjen jugänglicbe $roviniial< 
Versammlungen, Spnoben, nad) dtbetmd, libalon«, 3 mir«, 
¥lrled unb iVatnj berief unb fie übet biefelben ©egenftänbe 
beraten liefi, um auf ber näcbftcn 9teieb«verfaiumlung 
bie Srfcblüffc berfelben entgegenzunehmen. 3"beffcn biefer 
gall fleht vereinjelt ba ; im allgemeinen mürbe ber 3u* 
fammenbang awifeben bem JXcicböoberbaupte unb ben 
i»rooinien einfacher vermittelt; ba« regelmäßige unb fpecied 
für bieten 3»«*, für fearfe unb ftetige Ein wirf ung be« 
Jtaifrr« auf bie *Ked) («pflege unb UJerwalrutig in ben 
Heineren Ukrbdnben ber ©raffdjaften unb Dioccfen be» 
ftimmte Organ ber Seid)«gewall mar ba« alte unb aller» 
bing« jeitwrilig verfallene, aber immer mieber belebte 
3npitut ber Jtönig«boten, ber misai dominici, missi re- 
gales ober mic fie fonft biefitn, in ber sßerfaffung, me(d>e 
Jtarl ihm wäbrenb bet faifrrlicben Epoche gab. Salb 
nadj Per Ordnung, im 3. 802, unb in unmittelbarem 
3ufummrabang mit ber oben erwähnten neuen SJer« 
eibigung ber Untertbanen verfügte er bie »bfenbung jabl« 
retdjer Jtönigeboteu burd) ba« ganje Seid) unb normirte 
bie Ibätigfeit jrbe« einjelnen burd) eine 3nftruction, 
bie für alle binbenb fein foQte. Sehnliche« mar fd)on 
früher vorgeiommen, t. 3). im 3- 789, aber neu mar bod), 
oai bqüglid) be« $erfonal« biefer nften faiferlidjen 
„Negation " eine befonberö forgfdlrige 8u«roabl ftatt» 



gefunben, ba§ bet Äaifer nur bie vornebmften üRdnner 
be« *Reia>e«, vom JUeru« nur (frjbifdjöfe, Sifd)öfe unb 
Siebte, von ben i'aten nur ^erjoge unb ©rafen unb unter 
bieten mieber um nur bie roürbigfteu berüdftd)ligt hatte; 
ärmere Natalien, roie fold)e an feinem ^>ofe im $alaft 
lebten unb früher öfter«, aber jum Sd)oben be« 9mte«, 
al« JtönigAboten gebient ju haben fd)einen, überging er 
geflfffentlid). (Sine aubere «Reuerung^ ergibt ftd) au« bem 
Jn halte ber 3nfrruction von 802; fie ift nid)t nur aud' 
fübrlid)er al« ältere cdjriflftüde ber 9rt, fonbern aud) 
beffer georbnet; anftatt be« fonft üblidjen ©emenge« |tnb 
hier griftlid)f unb tvc(tlid)e Seftimmungen au«einanber< 
gehalten, juerft iene, bann biete ^ufammengefiellt unb au 
Per Spiße be« Öfaittnt fleht eine bermafien weitgefaßte 
mcneralvoUmadjt, Pap bie neuen J{öntg«boten Daraufhin 
alle« unb jrbe« in ben Sercid) ihrer Untcrfucbungen jiehen 
tonnten, ftd) nad) feiner Seite hin Sdjranfcr. aufjuerlegen 
braudjten. iSnbereTfeit« in loraler Sejichung war ber 
SSÜrfungdfrei« ber einzelnen Äonig«bolen genau abge» 
gren)t; in ben un« befannten gälten beftanb ieber mtffatifd)e 
3)cji(f, febe „Negation", mic man aud) fagte, au« einer 
iVtln von Clauen unb Sanbfd)aften; )ur 0mt«führung 
waren immer je ^wei ^erfonen berufen unb @runbfa0 
war, wie e« fd)eint, bap von ben beiben jufammen« 
gehörigen Aönigdboten ber eine Jtlerifer, ber anbere Saie 
war. l)rm entfpredjenb entwitfelte ftd) aud) bie 3nfrruirung 
biefer widrigen 9teia>«beamten ; au^er ber ermähnten 
®eneTalinftruction empfingen bie einzelnen Äönig«boten 
von bem Jtaifer nod) Specialverfügungcn, bie jmar jutn 
Ihdl nt*t* anbere« finb alöffiieberbolungen ber generellen, 
aber in (Sinjelbeiteu bod) aud) Scue« enthielten, ben be' 
fonbern fBerbältniffctt angemeffen waren, gur bie ©e* 
fd)id)te ber 9ceid)«verwaltung unter Jfarl bem @ro^en unb 
jumal für bie SBürbigung feiner abminiftrativeu Seiflungen 
in ber Sporne be« .Raiicrthum« hüben feine jum ®lüd 
jiemlid) {ablreid) vorhanbeuen miffatiftben (Irlaffe, bie 
capitula missorum unferc <£>auptquellen; in ^ßerbinbung 
mit ben gleid)ie>(igen grfe$gebcrifd)en Birten be« ä^errfebrr«, 
ben faiferlidjen (Sapftularien fdjlemthin, geben erft fte bie 
richtige SJorfiellung von bem 2Befen uub ber Sebcutung 
feiner innern ?Keid)«politif; nur fo erfennt man eine«« 
theil« bie gewaltigen gortfdjritte in ber Erweiterung ber 3ic* 
gierung«gefd)äfte fpecicll nad) ber weltlidjen Seite, anbern> 
theil« bie Srbwierigfeiten, mit benen Äaifer Äarl vornehm' 
lid) auf ben früher nur wenig ober nod) gar nicht regleinen» 
tirten @ebieten be« Staatdieben« ju fämpfen hatte. Um 
nur eine befonber« wichtige unb d)arafteriflifd)e (hfd)einung 
hervorjubeben : in 3}ejug auf ba« 4>eerwefen ertrreblc 
Jtaifer Jtarl wenige SBnbefferungen fo nadjbrücflid) unb 
fo beharrlich, wie bie Sefeitigun^ ber llctelftänbe, weldje 
für bie minber begüterten 4Jolf«fla|ien ®runb ober ffiorwanb 
waren, um (ich auf bie ober bie anbere ÜBeife, fei e« burd) 
llebertritt in ben geiftlicben Stanb, fei e« burd) Unter« 
werfung unter einen jperrn, ber Serpflidttung jum Jtrieg«- 
bienfre ju entgehen. Daher im 3- 802 generell uub 
fpecieO bie SBeifung an bie Jtönigdboten, ftd) ber arme« 
rrn 3)irttfrpfiid)tigen freien Stanbe« anjunchmen unb fie 
gegen ben Drud ju fd)ü«en, ben ©rufen unb unbere 



Digitized by Google 



KARL L (D. GROSSE) - 73 - 



KARL I. (Ü. GROSSE) 



faiferlicbe Beamte c-.:rd- SBidbraud} ihrer ttmttgrwalt, 
infjbclonhere Durch (Eintreibung von Sannbußen, weicht 
brr Jtaifnr ihnen auf bcni ©nabenwege trlaffrn hotu-, 
aufJjuubrn pflegten. Daher bie wieberbollen iBcrfucbe, 
rie Ärt bei Dtcnftleiftung naa) SRaß brr 93ermögrnd< 
verbdltniffe ju dnbern, bejiehung«»eife bir Dienftpflid)t 
unp bie Sefirafung bcrjrnigen, welche fit verlebten, nad> 
biejem SHaßftabe abjuflufen. «bct wafl war am Gnbe 
ber <8rfolg? (Sine febt metfwürbige Iractanbe brt Jtaifert 
pr Ncicbavcrfammlung M 3. 81 1 („über bit II rf aajen, 
au0 brnen bie Veuu- b<n ^rirgöbie nft ju verweigern 
pflegen") bezeugt, Daß nidjt nur bie alten VBefchwerben 
über bie Mutbeutung ber ftcrmrren unb Schwächeren 
burrh bie Steigeren unb Mächtigeren , über ^Beamten' 
willfür u. ä. ungefcbwäcbt fortbauerien, fonbern auch, baß 
neue ^injufamen, wie bie bejeicbnenbe unb bie Äcbr» 
feite be* miifatifdjen 3nftitute grell beleuchienbe Älage 
bet ©rafrn: ihre gingefeffenen verweigerten ihnen ben 
©ct)orfam mit ber Sebauptung, baß fte in Seireff be« 
•öecrbanntf nicht :£:nen, beit trafen, fonbern nur ben 
$eten (missi) t>c6 Staijtti Ncchenfcbaft fcbulbig wdren. 
Sllfo Sßibrrfptnfrfgfrit auf beibcn Seiten, in Dem einen 
galle bei ben Untrrtbanru, im anbern bei ben Beamten. 
Ober um bie Summe ju jieben : im MJolfc junebmenbe 
SÖibcrfetjlicbfeit gegen bie Staatflgewalt überhaupt al0 
Spmptom junebmenber ?otferung be« allgemeinen Unter« 
banenverbanbe« unb fortfebreitenber Senbenj jur geu< 
balitdt, gemäß hem erfolgreichen Streben ber gcifllid;en 
unb weltlichen ©roßen, fid) namentlich mittel« ber 
Safallität private 4>errfcbaflen ju grünben, welche einem 
wesentlichen SRerfmale ber allgemeinen wirtpfchaftlicben 
Vage, bem ftetigen Anwachsen bee» ©roßgrunhbcftftcti 
freilich burebaua entjpradjen, aber in ftaatlicbrr S)ej(cbung 
bod) nur auflöfenb wirflen; baju bann innerhalb ber 
großen unb ungemein compliririen Seamtenwelt 6on« 
flirte ber verfcbifDenen ^nftanjen unb (Sompctenjen, vor 
atlem ba« jnfHtut ber JtönigÄbotrn vielfeirig angefochten 
unb eine Duelle neuen 3wiefpalte«, wäbrcnb et» feinet 
Seflimmung nach ein Wittel be« grieben« unb ber «uö« 
eilcicbung fein foOle; cnblicb inmitten aller 3nlercffen* 
fdmpfc, ©cgciifane unb Stbwicrigfriten, pie bod) jum 
Ibeil aud) in ber Statur ber Singe, in bem foloffalen 
Umfange ber Monarchie, in ber nationalen SJcrfdjicbcn* 
beit ber Unterlbanrn, ber Sprachen unb brr Stammet' 
rechte, in ber 2Range(baftigfrit ber fBcrfrbrtcinricbtungen 
ihren ©runb halten, ber Äaifrr nicht nur tBUeinhtnfcher, 
ionc-ern auch Stlbflberrfcbct, b. h- immer von neuem 
senotbigt, mit feiner eigenen gewaltigen «ßerfönlidjfeit für 
Einheit unb Crbnung im Neicbe einzutreten, wenn biefe 
unteren 3nftanjen im Dienfie verfügten. 

Unter riefen Umftänben war bie grage, Wer ber« 
malrinft fein Nachfolger werben follte, eine Angelegen« 
beit von größter Sebeutung; ihre Dringlichfcit wud?« 
mit jebem 3ah,re. Knbererfett« waren bie gamilien* 
"lt Im. n: ine tfi Mai\<x$ nidjt banad) angetban, ihm be« 
finitive Seftimmungen über bie Succeffion ju erleichtern ; 
fte waten in feinem fonfl fo ruhmvollen Sehen überhaupt 
ein wunber ^Junft. Äarl war viermal vermählt. Nach 

«. dxc»rt. ». ©. ■. ämHu eertic». XXXIII. 



bem Jobe ^ilbegarb'e5 (geftorben 30. Hpril 783), feiner 
(weiten ©emahUn unb ber 9Rutter feiner Söhne Jtarl, 
Pippin unb Subwig, in-irmhetf er wenige 9Ronate fpäter 
gaftraba, eine vornehme grau cfifränfifdjen ®efd)lea>ted ; 
fte gebar ihm }ivet Xöd)ter unb fianb in bem 9iufe ber 
©raufamfeit; @int)arb befdjulbigt fte, eben infolge biefeO 
(Sbarafterjuge« einen fchlethten dinflup auf ben Äönig 
geübt ju haben. ga|rraba flarb 794 unb »päteften« 796 
würbe ?iutgarbe, aud alemannifchrm ©efcblecbte wie 
^ileegarb, ihre Nachfolgerin. £iefe @h( blieb finberlo« 
unb alt) ftutgarbe im 3. 8U0 fürt-, btiratbrte Aarl nid)t 
wieber, wohl aber fuhr er fort, außereheliche SJerbinbungen 
ju untrrbalten; von fünf (Soncubinett unb »cchei illegitimen 
Jtinbern, barunler vier Söhnen, finb aud) bie Namen 
befannt. Vit feinen 3.öd)tern hing Aar! mit befonberer 
3ärtli<bfe{t; fte erhielten eine ebenfo forgfdltige @rjiehung 
wie bie 9Mnjen; Untenicht in ben freien Äünfteu unb 
SSiifenfchaften würbe auch ihnen julheil. Der SBaier 
halte fte nicht nur im i'alaft, fonbern auch auf Seifen 
öftere« um fid); fein (£goie>niu0 binft<htlich de« SBerfeM 
mit ihnen ging überhaupt fein weit: um fid; von feinen 
Töchtern nicht )tt (rennen, gefia riete er feiner ftch ju 
vermählen, obfebon e9 an Siewerbern nicht fehlte; bie 
golge war, baß er illegitime SiebrftverbäUniffe, wie ba6 
febon erwähnte jwifchen Sertha unb flngilbert, bulben 
mußte. Sie« Nachfolger im 'Rente Famen natürlich nur 
bie brei legitimen Söhne bie Äönige Äarl, «Pippin unb 
Subwig in Serracht. ©ne jReidjciibrilung, welche ber 
Äaifer auf einer Neicfafverfummlung ju Liebenhofen im 
gebtuar 806 vernahm, beruhte auf ber 3Jorauafe&ung, 
baß enfweber alle brei Söhne ober bod) jwei ber|elbcn 
ihn überleben würben. Demgemäß wuroen bie ©ehiet0> 
antheile frftgeftellt, et würben bie gegenfettigen Ned)te 
unb Pflichten ber iBrüber alei Jlönige geregelt; in0be« 
fonbere würben ib,re Seuehungen uir römij'chen Airdfe 
alO eine gemeinfam aud^uübenbe Schulpflicht beclarirt, 
ohne baß bet) Äaiferthumd Erwähnung gefdbah. 3n tiefer 
^inftd)! bePurfte bie Neichötbeilung von 806 einer (&t> 
gänjung unb ba fowol Pippin al« Äarl nod) bei £eb* 
weiten bed Saterr* rafd) nadjeinanber ftarben, jener am 
8. 3uli 810, biefer am 4. £rc. 811, fo trat bamit bie 
SucrefftonAfrage überhaupt in ein neueä Slabium. Der 
(Sinjige, ber jct>t auf bad ©efammlreich Slnfprucb erheben 
fonnte, war Äönig Subwig von S(quitanien, unb gu 
feinen ©unfien entfehieb ftch brnn auch ber ffatfrr; nach 
eingehenben Serathungen mit ben ©roßen bee> Neicbd, 

Silet>l auf einer großen Neicbeverfammlung ju »adjen, 
nfang September 813, erhob et Subwig i» feinem SKit« 
regenten unb Nachfolger unt> jwar recht eigentlich in 
Skjug auf ba« Äaiferthum, er frlbfi voKwg an bem 
Sohne bie Zeremonie ber Äaifafrönung , Sonntag ben 
11. Sept. 813, in ber SRartrnfiTcbe ju iMachen. Nur nach 
einer Nichtung hin befebränfte et bie fünftige 9Utin* 
herrfchaft feinet* $(iifaifcr0, nämlich in 3>atien, wo er eben 
bamal6 feinen @nfel Sernbarb, einen Saflarb beo ver« 
ftorbenen Äönig« Pippin, unter rem Üitel eined Äöniad 
ber Jangobarben jum Negenten einfette. Sllö Äaifer 
Äarl biefe wichtigen Staateacte vornahm, war feine 

10 



KARL I. (D. GROSSE) 



- U - 



KARL I. (D. GROSSE) 



©tfunbbttt btrtii« crfcfeüttfTt, fetne Äiaft überhaupt gf 
brochen, ritt ftbreacbtT ©rri« auch in ber äußeren m> 
fcbrinung, an tinem guße labm unb frit längerer ;Vu 
leicht vom Stttxr ergriffen, war er jwar noch im Slanbe, 
in geroobntei fBeife wäbrrnb be« Jpnbftrt bei Ha<btn 
rinc 3<>flb abjwbaltrii, abrr jur 3Binferraft ^urüff^rfrt)Tt 
in bit vfalj, fcUif er fie lebrnb nid»! mehr vrrlaffm. 
Um ben 20. Dan. jrigtcn fidj in beftiarn gfebrranfällcn 
bit Borbotrn idjwmt (Mranfung, ftnt »ipprnfellent» 
jünbung entwidrlte ficb unb am 28. 3an., nachbtm brt 
Äaiftr tag« juvor bit Strrbrfaframente empfangen baltf, 
trat ber leb ein. Sir Btftattung erfolgte an bemfelbcn 
2age in r« 33aiilifa von St.'Warien ]u Äacben. IM 
Sarg biente rin autifer Sarfephag, grjitrt mit rinrm 
fjilbe mvtbolegifrhrn Jnhalt« (Äaub ber ^referpina), 
barin ruhten bie ©tbtint Stalin Aar! - bit fpälerc 
brutfcbe Äaurr, Otto III. unb gTirbridj I-, getrieben von 
ttarebrang für ihren großen Vorgänger, fie roieber an« 
ficht )ogm. (Stählungen be« 1!. 3abrbunbrrt«, wo« 
nad> Äarl brr ©roß« in rinrr ©ruft brfiattrt würbe 
fijenb auf golbenem Xbrene unb gefcbmüdt mit fem 
faiferlidjrn 3nfiguirn, habrn feinen biftorifdjrn 2ßerth; 
obrool in ©cfd?icbi«werfen überliefert geboren biefe fabeln 
bod) ju ienen jablreicben unb meiffen« hod)pbantaftil"d)en 
Dichtungen, bie wäbrrnb be« Wittelalter« ;u <?brm 
Äart'0 br« ©reßm felbft in Vänbern, über bie et nicht 
gebenfd)t batle, entftanben. 9}euerbfng« finb fie von einem 
tranjöfiicbm ©elebrtrn ju einer poctifdjrn ©eftbiebte Ä calci 
tt« Oievcn (©. 'i'ari«, Jlistoire jwi^lique de Charle- 
rnagne, HJari« l*4fif>) trefflich »erarbeitet worben. — 
Bon tem bfftorifdien Xarl bem Wrofirn, wie er in ge« 
funben lagen auf ber $6ht ber Wad>t unb in ber gülle 
ber Jcraft wirflieb war, gibt un« fein Biograph tfinbarb 
eine brullicbe unb obne äweifel aud> ridilige BorftcUung. 
Cr febilbert ihn cl« groß grwad>fm unb fräftig gebaut; 
bit Sänge be« .«örper« »ar gleich fielen feiner güße, 
ein nidjt ungewöhnliche« Bcrbälmiß bei ben granfen ber 
3eit, e« entfpracb bem Durcbfcbnftiflmaß. Die Wafe 
überfchritt bie mittlere ©töße, unb au ber Stimme fiel 
auf, baß fit heller war al« man bri ber fenftißcn Veibe«» 
befdjaffentjeit hatte erwarten follen ; ein Slnfaß jur («er 
pulenj blieb nicht unbemerft. Slber trofbem war rief 
tfbrnmaf) in ben ©liebem unb ©ürbc in ben Bewegungen; 
Auftreten unb .f»altung waren feft unb männlid?, ber 
HluObrud befl Okfidu« ron 9Jatur heiter vmb fo lauge 
Äarl überhaupt gefunb war, gebradi e« ihm nie an r-iift 
iu Sefdiäftigungeu, welche bie .Körperhaft übten unb 
ttdblten ; im Weiten , 3agcn, Schwimmen war er ebtnfo 
gtwanbt wir eifrig. Seine Slrt ftch ju ftfit>rn war fttt« 
tinfaeb, ber fränfifeben Sitte geuicifj; ^rachtgeweinber 
trug er nur an gefttagen unb tu frember, b. h. römifcher 
Ztaa)t bat rr fich nur in -\cr felbft ein paarmal auf 
Sitttn ber ^«äpftt verftanben. 9lud« im übrigen war 
feint £eben<wtift, ahgtfehen von ben Unrrgelmäjigfeiten, 
wtldjt tr ficb im Umgänge mit grauen $u Sdjulben 
fommen lieft, einfach unb wohl geregelt. 3runfcnbeit 
war ihm wiberwärtig, in ber #inficbi war tr mehr 
Stomane alcj ©eimanc, unb obwol rr ftd) nicht« barauc3 
maebtf, im 3nterefie feiner ©efunbhfit bie gaftengebote 



HuWfiten ;u übertreten, fo war er hoch fein greunb von 
grofitn ©aftmdblrrn; er vtranflaltttt fit nur an btn 
hödjftrn grfttagrn. I:r tägliche {tauptmabljnt nahm er 
im gamilirnfrrife ein; gwifeben cen einjelnen Clingen 
hatten Sänger unb Sorlrfrr guttut, dagegen für feine 
greunte unb für Slaatfangrlrgrnbtittn war rr febon 
fnihmorgrn« ingdnglid); tt fam juweilen vor, baß 
er nod) wdbrenb be« Slufleibtn« 9iecbt«frreitigfeiien tnt« 
fehieb. Wußtfiunbtn verwenbete er großentbeil« jum <lr- 
lernen fTtmbtr Spraebett unb im ^attinifeben brachte er 
rt fo weit, baß ©ehete in tiefer Sprache ibm ebenfo ge' 
läufig warm wie auf frdnfifdi. Wit bt m ©rierbifchtn wurb« 
rr nicht fo rtrtraut, abrr er fonnte e« bo<h rerfteheu. 
3n ber Sdjteibfunft blieb er fein Sebenlang ein Sin« 
fänger; im Walen von Suebftabtn fam rr nicht über 
ungelenfe Strfucbe bfnau«. Tein- häufiger nahm er bie 
©ienfte feiner Schreiber auch für litrrarifcbc 3"^' 
rinfpruefa; f. oben S. 08; hier fei noch erwähnt, taß 
ein Saminelmrrf politifcbm £barafter«, ber fegenanute 
Codex Carolimis. brr fdmmtlidK Sdjrtibm römifcher 
»Bäpftt an fränfifebf ^frrfehtr frit Äarl HRarttU, bt# 
iltebnng«wfife ntut (?opim ber Urfcbrifteii enthielt, auf 
»efebl Aarl'« im % 791 enlftanb, um bie wichtigen 
«etenftfide vor bem lintergange su retten. «1« 2L*erfr. 
bie Äarl felbft la« ober ficb vorlefm litß, nmnt ßinbarb 
©tfebicbt«eri|ählungm (^>iftorim), fpeciell foldje, bie von 
alter, b. b> wol römifcher ©efehiebte I>anbeltm; außerbem 
ftubirle rr gern bie Schriften be« 9(itguftinu« unb unier 
biefen febä^tt tr, wit fpäter Otto von grtifing, ber 
größte Univerfalhtitorifer ber Xeutfchen im Witielalter, 
ba« gtfdMcbttpbilofopbifehf Such vom ©olietfftaatr (De 
civitate Dei) reifl hoch. Äein 3*ftf<l baher: Äarl 
ber ©roße befaß Sinn für ©efdjicble unb ©efthirbt« 
febreibung, unb ber Sluffdjwuug, ben bie ^)iftoriograpbie im 
fränfifdjen »Wrichr nod) bei feinen Vebieilen nahm, vor allem 
ber frifdjf 3ug, welcher unter ihm in bie jeit- unb reich«« 
gcfcbichiliehe Jlnnaliftif hineinfam, mtfpracb tbenfo fehr 
bem btfonbtra ßbaraftcr feiner literarifdjm eiebbabtrtim 
wie btr rpodjtmadjrabtn Stbttttung feiner Ihaten. 

l*int nabfju voUftänbigt nnb fritit'djc ©tfammt' 
au«gabe ber Duellen jur ©efebichte Jfart'« be« ©roßen 
gibt e« icnr in bmi 9tationolwrrfe ber Monument» 
Gennaniae historien: bie ©efepe J?arl'« (@apitu(arim) 
in I^gum T. I, ed. ®. £>. ^erp unb neu bearbeitet in 
I^cgum Sectio II, T. I, ed. Sl. Sorrtiu«; Slnnaleu, 
Gbronifen unb anbere ©efebiebrtwerfe in Scriptor. T. I. 
unb II, »adjiräge in T. XIII. unb XX, hiftorifdj wrrth« 
volle (Dichtungen au« bem farolingifebm 3eitalter in 
Poetar. Latinor. medii aevi T. I, ed. Ii. Dümmler. 
ßine entfprrcbeube Sammlung ber Urfunbtn, namentlich 
ber Tiplome Äarl'«, fehlt nod), währmb für bie Cr» 
forfchung be« Urfunbmwtfen« unter ihm unb für bie 
g^erftellung von dtegefteti feiner Urfunbtn SBtbtutrnbe« 
geleiftet worben ifi: von 3. g. Böhmer, Regest« Chrono- 
log. diploni. Knrolorum, Francof. 1833 (neu htarbtittt 
von @. Wühlbacher), 3- g- Böhmer, Regesta Impeni I, 
3nn«brurf 18X0 nnb von 5b. Sidel, 'tit Urfunbtn brr 
Äarclingrr, 2 Ihrilt, ®im 18(17. — ÜJablmann'fflaij, 
Diiellenfunbe ber beutfdien ©efd)icbtt 4. 8ufl. S. 5»7 fg.. 



Digitized by Google 



KARL H. (D. KAHLE) 



- 75 — 



KARL II. (D. KAHLE) 



oiicntirt über bie Siteratur ber gelehrten Searbeitungen, 
uittCT benen S. Übel, 3abrbücber be« fränfifcftrn iHeicbe« 
unter Jtarl bem ®roßrn, 9. 1, Striin 18GÜ unb ®. SBat$, 
Xcul|d)( Serfai'fungögefajicbte, 9. 3 unb 4, Aid 18U0, 
1801 , bic eriftr Stelle einnehmen, ijux neurftrn Sit«' 
tatut gehören 15. Dümmler, ütw. „Jtarl I. ber ®roßc", 
Slllg. Deutfibe Siograpbie XV, 127 — 152, einig« ju« 
lamwienfufunte SBcrfr, in benen größere Ati'a)nilte jut 
teutfeben ®efcbicble unter Jtarl brm ©rojjeu enthalten 
fmb: Jt. 51). von 3naina-- Sternegg, Dcutfcbe IBirtb« 
rct>aft6gcfd}ict>te bi0 juni Schluß brr Jtarolmgeruericbc, 
Seipjig 1871); SB. «ritolb, Deuifcbc ®efa)icbte II. So., 
l.£älfie ( ®otha 1881; ®.Jtaufmann, Seurfcbe ®rfdifatye 
bt» auf Jtarl 6«i ®roß>n, 2 Sbe., Seiprig 1881. 

(2?. Steindorff.) 

c) KARL II. (der Kable), weftfränfifeber Jtönig 
unb römifeber Jtaifcr, geb. am 13. 3uni 823 in bet Sfalj 
;u granffurt, war ber jüngfte 3 rhu Jtaifer Subwig'« 
wfl grommen; ffinc SButter, bie Jtaiferin 3ubitb, ent< 
flammte bem q)aufe ber SBelfcn. Sie war Subwig« 
jroeite ®emablin, unb ba bei ihrer Serbeiratbung (fpä* 
tttim« im grübiabre 819) bie Ibronfolgerrcbi« ber brei 
au« brr «nun gb< be« Jlaifer* entfproffenen Söbue \d)on 
feit einiger 3eit (817) reicb«g,cfeelid> geregelt waren, jo 
ftiep ba« Serlangcn ber faiferlicben ftelicrii, nachträg» 
lieb aud) ein (Srbrrcbl br« jüngfieu Sohne« jut @e(iung 
ju bringen oon vornherein auf grofie 4?iiiberniffe. ßrft 
nad) langen febmeten kämpfen, beten «uöaaug Jtaifer 
Subwig nid» mebr erlebte, würbe ba« Sßfberftreben, 
namentlich ber auberu Söhne, überwuuben; erft nach 
mannicbfaayn Slbwanblungen , wie in ben Scbirffalen 
unb iNadjtverbälmiffen ber taiietlidjen gamilic, fo aueb 
in ben planen unb (Entwürfen, welche bem 3ntereffe 
Jtarl'« bienen folltrn, fam e« enblicb babin, baß er bei 
ber entfebeitenben 9teicb«tbeilung von 843 feiuen alteren 
Srüberit recbtlidj gleia>geftrttt würbe. Sßcuii ibm ur« 
fprimglicb (820) unb fpäier noch einmal vorubergebenb 
(834) Alrmanuicn, bie qpcimai feiner 'ihur.a, al« £aupt« 
lanb jugcnnefcii war, fo erwarb er injwifcben (832) Sin* 
forücbe auf Aquitanien unb 837, ?u einer 3«t, ba 
Äaifer Subwig mit feinem älteften Sohne unb SHilfaifer 
Setbar einmal wieber i)t]ü^ entjweit war, fonberte er 
auf Unfoften be« liieren für Jtarl ein i I dlreidj au«, 
;u bem nid)l nur größere ®eb:eir mit oeutiebrebenbrr 
Sevolferung, wie grieölanb, Stipuuricn, fonbern aueb 
fdjon wefenilicbe Seftanbtbeile be« mittleren grantien«, 
mebtere neuftrifaVburguubifcbr ®raffcbaften, wie Ülurerrr, 
'Sari«, Sbartre« geborten. Seitbeul wanbte fid> Jtarl 
mit feinen Anfprücben unb Srwerbuugen immer eitli(bie> 
bener bem romanil'cben SBeften ju. «nlayicb feiner 
Sebrbaftmacbung unb Krönung im 3- 838 würbe ba« 
uorbwefttiebe ÜReuftrien (^eriogiljum 9Raine) feinet £eu' 
fdiaft unmittelbar unterworfen; ferner ein Xbeilung«' 
«rtrag, ju bem gotbar nadj erfolgt» Vtu«föb,nung mit 
feinem 3Jater 830 in Sßorm« bie {»aiib bot, fe^te Jtarl 
«um (Srben ein für ba« ganje Feindgebiet weftlid) von 
iSaa« unb 3aonc unb füblicb ber mittleren dtbone, alfc 
aua? tn bem aquitanifeben Äonigreid?e, weldje« naaj 



äuffaffung be« q^ofe« für* ben Üob be« Aönig« ^ip» 
»in L (X)rcembcr 838) rrlrbigt war, obwol ibn jwei 
cöbne, Pippin II- uub Jtarl, überlebten, unb in bem 
größten Übeile von Surguub mit (finfd>luß ber s 4Jro» 
vrnce. jlngeftdjt« einer brrartigen fluebebnung ber fünf« 
tigen !Retcb«greui,eu bi« an bie flipen, ba« iRitleimeer 
unb über bie $vrenäen moa)te brr Äücffali ber früber 
erworbenen beutfeben Sauber an Votbar leiebt ju ver» 
fa^merjen fein; nacbtbeilig wirrte nur brr Umjtanb, bap 
ber wormfer Tbeilung«vertrag erft uarb bem üblebett 
äaifer i'ubwig'« in aliaft treten folite. Denn faum war 
biefer am 20. 3uni 840 geftorben, fo ftellte fttb berau«, 
baß Sotbar gegen feine Srüber Sfrge« im Ccbilbe 
fübrte, rap er allen feierlidjfi übernommenen Strpflia^' 
tungett iuwiber fpeciell ein lfrbrr4>i feine« Stuftet* 
£arl .anuid'ft überbaupt nitbt ober boeb nur in fehr 
befebränftem Umfange gelten (ie$. Sollte Jtarl fia> 
vor ort ltebermad)t Sotbar'«, be« nunmebr alleinigen 
Äaifer«, niebt einfacb beugen, fo blieb ibm r.i*t« anbere« 
übrig, al« für bie «nfprücbe, wie er fte namentlid) au« 
ber wormfer ibeilung oon 839 herleiten fonnte, ba« 
eebwert ju jichrn. Jtarl mußte neb fein weftfränfifcbe« 
Jtönigreia) erft erobern unb er voßbradite bie« wahrenb 
ber 3abte 841 unb 842 einerfeit« in engem Sunbe mit 
feinem ©ruber Subwig von Saiern, ber bejüglicb be« 
oftfräufifeben 9teicbe« Solbar gegenüber in gleicher Sage 
war, anbrrerfeil« oott manchen weftfrdntifcben @roßen 
unb ihren berittenen Safallen fräftig unterftüpt, vou 
vornehmen $(nbänc|ern, wie feinem Setter 9titbarb, bem 
trefflichen ®efcbicbi|cbreiber be« Srubcrfriegefl, mit vieler 
Eingebung geförbert. Sc Hmpfte Jtarl in ber €rblacbt 
bei i^ontenoo (gontanetum, fübweftlia) von üluferre), 
25. 3uni 842; biefen glänjenben Sieg über Solbar, bie 
@runblage unb Sorbrbingung aller weiteren Gefolge, 
half er in ^erfon uiiierriugrn ; fo betbriligte er ücb an 
ben giiebeu«vcrhanblungen ber nächften golge^eit, au« 
benen im ftuguft 843 ber Sertrag von Serbun hervor» 
ging uub Jtarl im SQefieu be« alten ®efammtreicbc« ein 
Jbeilreicb bavontrug, welche« jwar bureb bie Jflu«beh« 
nung be« Sotbarifcben 9teiche« von ber 3»aa« bi« jur 
Scheibe unb im Suben von ben aipen bi« auf ba« 
rechte Ufer ber unieru dibone bebeutenb hinter bem 
Serrrage von 830 jurüdblicb, aber nach ungefährer 
Schalung immerhin boeb vier güufibeilrn be« beutigen 
granfreieb« entfprach unb bem Jtönigc unabhängig von 
ber faiferlicbeu ®ewalt )u felbftänbiger, fouveräuer 
4prrrfa>aft überlaffen würbe. — Jtarl'« Sünbuiu mit 
Vubwig bem Xeutichcn überbaurrtc ben Sertrag von 
Serbun noch eine $tit lang unb obwol Sotbar troft ber 
erlittenen 9tieber(agen forifubr, cbrgeijige iMane ju hegen, 
fo verfebonte er feinen tveitfrän[i|d)en Sruber bod) mit 
offenen gcinbfeligleiten. Dagegen innerhalb be« eigenen 
deiche« war bie Stellung be« Jtönig« bei feinem die« 
gurung«aiuriiie außcrorbentlid) unfia>er uub gefahrvoll. 
äBäbrenb füblicb ber ®aronne bie Sa«fen unb n6rblia> 
ber Soire bie Srrtonen auch ibm gegenüber in natio« 
naler geinbfebaft verharrten, halte er im eigentlichen 
Aquitanien mit eiuer ftarfen bynaftifdjen Oppofttion, mit 

10* 



71 — 



E Air r ~ t.ati; i 



}e»o«ir 9Utin' uiu t>A* irVtfWr» Itw^r JJ «nt Kilm 
nullit «aij.uut«» K»>U>r.|y«i- <«i fftflMitff, nn( autrO' 

(,«* M.U<tn«|i »VlM* Ii- •>«► H-rlUti 4»|i|W|jri>ff« IOT. 

vi* ff >wu <<.<»."' ; <U »>'«id<.|Htjj*«; tft 
;<l,i.M.I*IW fct», t* K Kr 4kv|l<*'Mt.H<tfft|i, m,: tti.'t. 

«,✓ b»Uy««MM<iiA<» fcn*»«««-, (v i^niWUr Ha» 
■mm*#. «,«4 l<fc»i<i'4« *'iA KU« kut»« Vuhp^ 

\.:: + <.'Ast Um^kMM^II ♦•<€ «t«Mluti M M' 9Ui.fa.rv i.«J 
«.x«' |Mf4 k^v' (■•-( f'i-^ «•" M4IMM i ytvtfl* 

(•✓y ».-'•Ar j,j a j<i(,.rt- «•« *».<L«< |tfft 
i.S.'> t' i >,» . //ti'4 «tu« U 1<Liw i»yi , v'4 

»..kl ,•»> r ..<*/.'•>« IM .WUIM Iii V«M*«i «tu« tfM* 



•.£m.U,-i / : > J « fru* rt#.*»C»«'t i»M »<lW fv!». 

»»« *.» »•■' W». . n«i «* iImuj Nfalta b»4 
, » ,t ii V 4 . | / »«4 Vii.iLCt r ii«<i^liti w(# out DAiit 

'.X.' •> iu ij.hill <it'i»vl<l«Mlf lnul,iult Ml 

f t , ( t #<.../ ij.r4iul,i V ivv«f »ylitiill, uu( M</ul< tu 
,„., ».-«, » % x. (al g4* ^'j Ii»« V'ti'vU«« iil |fiutu4 ( Kit 

it ■■ * ■ }/'■••* «im *•»«•* <£«uiwll|u )iMil«. 

•. ..«'/ « l ; 1 «« ««•« »|i («im #, <,<|imi 

• ./ *.«/ Y« ii, tu «..*, Iw ti'uUtitu ItyMfMM 



^*><fjipf>»r htttitt nw» rrsr: t- er ftr S'rtaicvuiorr 
mmtwlbtn unt ortf i-i'Cir me.!; i t- xpct abr tr tr: 
Rol^t: ifr c«f-r trrrriiain' «a: nrrrrr &mmt Jtid:: 

n j. .. r r «rnf fa *i . r . ^ t In _. ir*- r n m, rmA Ow-* 

it Bbft er ttr rKrrainiK rtmrnsntrni **t 

upb fui« irtffrtrtrrr MT»txiapc Stttc. bbbhi, mit tra 
9)itt<l'ft<fit*Hinßrr \tmtf nun Srrcicitr fttnau w 
'uBiaiftitidf , n tnc »flrer pc!- nr ematttan Uit 
'd'srung ar.. f£dhrmi t^r Jlnnr er rte SmbMr ir 
(fevupt^B wroBifr; »*: oif mtwin.. '""4i* — ^"v.t iitr. 
fudU<t< iBgf'irpenbeitrr piffna' fenr , a , amnjint narrt. 




tiüurtr. r«; 
»4<mjj and ai# »fiirirtr-n 

«iitpnid>f a« t<ü 6frut imr taf SbrrarcÜrr. m# Är= 
bijj«, at« ^B<^I ttn n? imr rate tftrrr teafbali t« 
ulttuü Hui BSUMiitliit M ns >r £*iKTKanT, ttn: B 
Ujjij^tKif, is rrfcei fern» »et muiubcx (•»repfn an#» 
uliij^, ir-K is 'rtr.ai Jtcmnrr cir ftaaitjnirr. Cnr. 
n>lrtfii»mtrag jv«r:'S<r Äci. rar S J nj»u-. II . 
(^l«||fB Im 3 frir: rrfSet t>c £h»mii Ute *ffbi 

im« «Muiu«i'4f Knd jiu itlHton*ian ^*rm*an ut<r> 
ir, . Iß+.iM, . * mault im Uj «i H t| «m i»ar nur reu txtnn Icorr £(fcrt -47 ttonncr nr 

».....»- »/••./, i#.»»U».»< j«fpL*MltNi ^MlirN |ld> Wirt« Mittli* ecnaa.*rr. >4? hatir Äomf 
H y '* /..y «4 Mii| MiM^Mlbl^ wl« ( .ii oii)M<a 1W «t oruncnitthni #rrt^ca ant MM 

rill« uii t in Crtrvxut pt Vcrat SLvmat afrodnl: , fff' 
»■»i.mi »r «t'H ^'dci-rt t!f Seiht. n»äbrrnr Swpjs 
iiuiI) uiiflruw llnifc-mfrcji *':>~l (j^autim pf rfn . onfaf* 



... («'<><Km tluthM Utöpn4fl «-.II. ,.|wll* 

, , . er m«I#'|4.i« '♦.i.t.M Hwi4,i«,i|i WH 4/"-4,nii>.ll) 
,.v /.i.. .1 t 4,1 i—u4. >*i» |im«» »-ulIu«, «.., um 

I in ü-' *'•••>» »»> Will t(^..<.< „....,i IUI 

kflttlftw Mi !*'■'•« (M tii^tHfhft t »14,1 Hu» lud in» 

V',i. U.iH «IM 1 >i H kn\U 14,1)1$, {hHltttt H»4t Hl «Im- 
»iui.»»« /« <»»/, H* * (•*<.! «iMMI «m 

H.,««/H..i| iiiii i| «Mti >/<». i.KtiH,, p»t*n* ( iimiI nMi 

Hiuiii km wmm i»fiiM» iiMiifu 

w.iii-*»ii'i'»i ui"' ltf(4^fl<rn«NMi m*ifiMi n»»ton MiM 

»lüJ ^11 Iii II'*, •! ail l»i||| l||l|| IM":!»»!. t»llii,»|u vni 
11111») ll.i'll >>|i<M Milk MM NM|I|»M||>H'' fi'Mli|'ili HMI-iH.lll, 

ul«i au nun fniiiHilnii«.»H '|l»f|hiilnMrll null n.i m .i 

(fcli iaul«l#, Uff III ^•IIKill .. |. • .i. »llliflililli i» |i i. 
llitill, (I UIMI HHftll '/l<l||in« |i.l »Uli Ml»HrWN Nf»M 
fOjiillfU, ulii Ij»|iiMI, lim«, Rl*fbrfttH *H[mtf*§A 
^i.i rt ui i()ui ul>, Im llNufmfi im i .■»n«i|l 1 ich» m Iii 
ijuiiu Ii« «*i|i/Ih« MiMiuiiI., |„mI, • »•.-.... . |m 
Kui tu ijtfllM WNlIci, M# «..IImI.i |MH||t a Imlli 

Baiunifi tu im <ii ii im, in vi «<f ,i.< i-* , mint f« iiimii 

n„iii iliuflUiiiiil ul« Ii* Ii ül>ni ||r|i|illiiiirii »In >l|»|i|i ,»| 
K||lrir|lj uriilii«! muH Hilm \'ii|i|ili I i Iii Ii null H*|N|I' 
HlclMIIWII <»Ii iiihiIiii rill ,;.'ili..|Mi »UrllMll I ■ 1 1 • . |»i«ltt> 
Jlt in,) Jtuil f.uiiii ||fU'iiili|fii gfltfrlfll, hilll» M id ndlil 
ua,i.. 111,1 untliiiii.ru, |lit» i .irti uh. II In lu|.,u 

(^«iliililjill ||| cilll, luill ii ii r* Uli Km WMI |I«IM lill'H 
(Mi'i) iih.iliriiru l«i»ll|iln| .^lufiiiiii v.n 'Klirlmli ihn 
feMieiiiriimiiilif «i.ili nllvu '«un (l r<i ( iiiiumiiiiii Vln 
Mnglidl Hunt» ^rl Jl^wlg »HNtnM« »min Hm ,\«'u.i,i< 
b«i tuilllMid» Hin. in»», i».nm ni. t b Hill (lim •K.I.W' 

offfautmlunj |u **«uod Mr l'MHHctfili |.Mmim> «ua- 



iiifiil uiib jur tfiniKttufq in* Älrörr reruntinti wir^t. 
ciiu liinnnrr löfctfr Aai! vsx trühcr auf ftv 
Hill« 9l'*i(« Mmifii wert«, KlueMrcrfuit, ta 
*üi»pin MAS) uiilrriiahm, mrfßlttf:«, trat t»o*nra cinr 
ei.m.N |ii €clffi>n« Ha« «mabrni t<# Armo? af 
Hill,,) Im.ik, n i ii Ii ic jtmr ß(t ra oDcr ^rnn murr 
ii... («ii, um (otuiiti itbtinbax frinrillig Pot SRrn**' 
i,.liil i f nii|ulr(i,«n. ,)n Hquitanirn r»rün§ Ärniq ÄcrJ t 
\W4\M, ||l*lit)iunnl»]«t 'irhii r ic StorK out 6iriltnj. 
•ima Ui.r , ii n (näft) unA aud) t>rt Ic^tr £ir<Tttan: 
l 1 1 i i.i . ■ II , tirm (0 Mf>4 in trt 2bat ^ricagni n?at. 
(rinn .lfli>|l«il)ii|i in fiitfii«l)fn, tcurbf irhn ^abu fpita 
Ulli i.i in m mii llutri|lUBtiiiti tcr fltiftlictvtn luirntä« 
,iiiiii|l ,(.t)imli«n. Wf»]«ii an^ftf Sri£^«iffin^e WTmnbtf 
lfi»in,l Hm I iii»iil)uiipt nur »tntg, mit ©a«rrn ?nraü 
nullliu» H' ir **WW mi0iuti4tfn. 3n bfm Äriffi« «*•" 
|..ii li'nii'iun nllll rt iplfbrtholt rmpftnblictr ^itrnlaa«. 
,1111(11 uiu tül Wiiii. Hf»| , ale nr, netfc cb< rtt Äarapf 
...'lli,| uiiiilii.rrii iiKii, ba«J iScfyladWflb in feiger gluctt 
1..1111II1I1 Millff. Sa Im:- rO brnn, ba§ bk M» 
\..ii.',l 4<oiii(iu»( nun viii<- Jt<3ni|)6nu'iTD{ unqrijinNrt auf 
|..||.n r.hu l>nflut»i iit.r[|)in»i, unb jugleit^ fcnbnic 
I ii <ISii.i|)U< .iiuh (mtlid) von Scftfiamirn at ; tic 
t.i.l..i.i|iiH.i ftiltfetfe faglCM Mn btt 3J?frroH»«W' 
,,.umiIi in» UinHla)W »Ml 3 cur» förmltd) Id«J, um 
HHlfl b»m Vi|.l»o| w» Toi rinf cigent Jlird)cnprW' n 3 
im MlKH l M fl«il||« IW.uukifiung, ju btr |14 b« 
^i.lourn|ii,u ÜUe^l unb nfim «adifolgcr €a!cnipn 



Digitized by Google 



KARL II. (I). KAHLE) 



— 77 - 



KARL IL (D. KAHLE) 



(857—874) in fricblidjen Reiten herbeiliefen, beftanb in 
einem 4j>ultigung6actt unb in ber 3ahlung einrt gering» 
fügiger. IributS. S3a6 Karl'S erfte kämpfe mit Pen 
Hermannen betrifft, fo gehörten SBaffenerfoIgr, wie er 
fit 848 an bet Dotbogne unb 855 im SBalbe H Serthe 
Davontrug, ju Den Seltenheiten, i ubnlidj fehlte rt bei 
rintm neuen Slnfturme befl alljeit frirgSbereiten geinbeö 
überhaupt an SertbeibigungSmaftregeln ; bie eilig ju< 
fammengerafften £eerbaufen bet nächft brbrebten 0c* 
genPen erwiefen ftd) faft immer «I« urtjulänglid), fobaf) 
felbft lief im 3nnern gelegene Stäbte, wie $ari« (84ö, 
856, 861), ba« Sdjitffal bitten, geplünbert unb »er» 
wüfiet ju werben, unb nur ein einjige0 mal, im Som« 
nur 858, liefen bie Wormunnen, Pie von einem fefien 
Stanblager auf ber 3nfe( Ciffet in ber Seine baä i'anb 
meilenweit in Sdjretfen hielten, ernfilid) Oefahr, burd) 
einen energifd)en Angriff beS Königs felbfl verjagt ju 
werben. Aber auch tiefeö Unternehmen feblug ju feinem 
Sacbtbcile auS, weil im enlfajeibenben flugenblide innere 
»irren eintraten unb feine Kräfte vollftdnbig lähmten. 
Senn wie tic Aufregung über baS anfdjeinenb unauf' 
ballfame Bertlingen ber ncrbitd}en Barbaren im ganjen 
Seife jttnabm, fo iru.i i? aud) baS SBiberfttebrn ber 
mriften weltlichen (Breden gegen bie bochgrabig bierar« 
djubc SRidjtung in ber Bolilif bcS Königs, svcI.1t ftd) 
unter anDcrm in feinen gefepgeberifebrn Steten, vor allem 
in bem BerfudK, baä ^nftitut ber Königsboten unter 
Dem Uebergewidite beS geiftlidjen QrlemcntS }u erneuern 
(853), allgemein fühlbar unb brjeicbnenb ausprägte, unb 
taju fam nun ned) ein für König Karl febr ungün» 
ftigrr Umfdjwung in feinen Srjiebungen ju ben übrigen 
Karolingern. 3n bemfelben OTajje, wie jener fid? burd) 
persönliche Annäherung auf ben fogenannten granfen» 
tagen von 844, 847, 851 mit feinem älteften Brüter, 
Kaifer £otbar I., auSföbnte unb gegebenenfalls, ins« 
befonbrre ben Normannen gegenüber (852), ;ti gemein* 
famem fywbeln verbaut, rntfrembete er fid? König Hub» 
wig bem Deutfdjen, feinem älteften Berbünbeten unb 
2Baffengefdbrten, unb fdjon 854 hatte oiefer ihm einen 
Beweis von bödjfier geinbfeligfeil gegeben, intern et 
feinen jweiten Sohn Vubwig mit einem £eere nad) 
Aquitanien febidte, um Pönig Karl, beffen Stellung 
burd) abtrünnige ®re(ie obnebin einmal wieber ftarf 
erfdjüttrrt war, ganj tu verbrängen. Die (Sjpebition 
icheiterte allerbingS fldglicb unb im 3- 855 würbe ber 
Ältere wenigftenS äujjcrlid) wieberhrrgejtellt. Über im 
Srincip war nun bod) einer oftfränfitefcen ßinmifebung 
in Die Angelegenheiten be* weftfränfifeben SleidjtS Xhor 
unb $hür geöffnet, ein Vorgang erifiirte, ber bei bem 
gefpannten Serbällniffe bcS Königs ju ben großen weit- 
liehen Safallen DeS neujrrifcbcn #auptlanbeS nidjt ohne 
9?acbwirfung bleiben tonnte, wie eS Penn fd)on 856 
nahe baran war, baf König Subwig felbft einer ?luf» 
forbetung weftfränrifdjer ®rob*er jum Sturje ilirrt Äö« 
nigd Solge letfteie. Da nun Überbit? ber 3etf<$ung0« 
proee^, ber 855 mit ber Slbbanfung unb bem lobe 
äaifer Sotbar'd I. in feinem Weid)e frwcl al# innerhalb 
feiner Dvnafiie eintrat, einen 3ntereffenfampf jwifdjen 



wefrfränfit'djen uub oflfrdnfifcb,fn Äarolinaern, jwifcfcen 
Staxi beut Jtaljleii unb Subwig bem Ten tuten, förmlid) 
herauftforberte, fo beburfte ti fdXiefilidj, eben im 3. 858, 
nur einet) neuen ^tmpulfrd fettend Per weftfränfifdjen 
^IKiövrrgnügten, um gegen Jtönig Karl einen wahren 
Sturm von geintfeligfeiten ju entfefieln. Der ilufruhr 
begann wdhrenb bed Srühjahrö mit ber IBerfagung feinet 
älteften Sohne« (ubwig, bed jungen Äonig« von 9ieu< 
ftrien, auö Pem ^erjoothume SSaine. Dann im ^odj« 
fomnier, a(6 König Karl gegen bie Hermannen von 
Ciffel im gelbe lag, milchte .König «ubwig bet Dentfche 
(ich ein; mit einem ftattttrhrn ^eere fam er ben «uf< 
ftänbifdjen ^u Jj)ülfe, befehle tat* füblirhe 9!euffrien unb 
traf 93orfehrungen, um fid] bauernp Per {)ertfchaft ut 
bemächtigen, währenb Karl, auch 111 feiner nächflen 
Umgebung von Empörung unb Senath bebroht, einer 
geltichlacht bei Stienne an bet «übe (12. 9tov.) au?» 
wich unb mit einet Keinen Sdjat von ®etreuen in ber 
SBourgogne Schuß fuchenb umhetjog, fühlte ?ubwig (ich 
balb fo ftchet, bafl er feine beutfehen Gruppen in bie J&ei» 
mat entlief» unb allein in 2Be(tfranrien jurucfbUeb. Sur 
ter hohen ®eifllid)feit , inObefonbere {)infmar'0 unb bet 
von ihm abhängigen Sifctöfe, vermochte bet Lue ber er 
nidjt £trr ju werten; auch in rem SRoment ber du#et> 
ften ®efahr h'tltcit fte an König itarl feft, unb ba6 war 
beffen ®(ücf, barauf beruhte bie drhaltung frineft 1b,xo> 
Mi, nut fo würbe ti möglich, bafi bie fSieberherfiellung 
Karl'6, wie fte fd)tirfj(ich bod; auch von feinen ndchften 
mütterlichen Serwanbten, von feinen welftfchen Settern 
Konrab unb $ugo, energlfdj etftrebt unb unterftüfct 
würbe, rafdjet unb leichttt von ftatten ging, al« man 
nach allem Vorausgegangenen hätte erwarten follen. 
Da« 3Bid)tigfie war fchon ju Hnfange M 3- 859 ge* 
fchehen: Hut wig ber Deutfche, von juverldfftgrn 9(n< 
bangem entblößt, lief ®efahf, überrumpelt ju werben, 
bedholb jog er ab in fluchtartiger dile unb bot feinetfeitS 
balb bie .nrmr ju griebcntfunterhanblungen auf ®runb 
be« früheren StftjftanbeS ; bet brfinilive gtitbe würbe 
im 3uni 800 ju Koblenj gefchwffen. Der Sertrng etit* 
hielt bie läftiae Seftimmung, bafi König Karl feinen 
abtrünnigen Safallen «mneftie gewähren unb bie ihnen 
entzogenen Seftpungen wieber beraut>gcbr.t fotlte, abet 
anbererfettö erwuchs bet Krone auS jenem Sertrage bod) 
auch ein grofjer ®ewinn. 3nbem bet oftfränfifche König 
fid) von ben bocbverrälbrrifchm Sefrrrbungen feiner weft« 
fränfifdjen Anhänger feierlich loSfagte, verloren biefe 
ihren fefien Siüdhalt, unb obgleich bie allgemeine Ser« 
wilberung be6 wefifräufifchen SafatlrnfianbeS auch nach 
bem @r(öfd)rn be« aufrührt von 858 noch lange fort» 
bauettr als ter fd)werfie Sdjaben, an bem bie 38ob(< 
fahrt bet) SReidje« ftanfte, fo würbe ft< boch bei «ebjeiten 
KarfS bem Seflanbe feineS XhrcneS nie wieber fo ge< 
fährlich wie bamalS in ber (Spoche ber ofrfränfifchen 
Snvarttnen. — Die erfiert 3ahre nach bem Koblenzer grie» 
ben waren für König Karl überhaupt verhältnismäßig 
reich an Erfolgen. 9carhbem er in einem Sonfliete mit 
feinen Söhnen ttubwig von 9cruftrien unb Karl von 
«quitanien bie Cbcrhanb behalten hatte (862, 863), tarn 



Digitized by OooqIc 



KA£L IL 'V.tSAULK) 



- 78 - 



KALL IL ^D. KAHLE; 




Ut Unis* r.n gortfi« 
fite o»f osn grt>rn 
ÜMirirt Q«i VA) t*i*lrnew 



1*4 «i'exrm t<» «wu^l fcrta>dfcrrst im ginge« 

Nfttfta. j« 3- 99> tarifer M *t «rb«ri"dxr »rr 
<j**4-'4rs ^«rjjflu«, Mr ftfeiüf #•» intm, m früt« 
-.4* äH fr««Midc< «ejirbaRgra jaos iwtrfriaftidKn 
Hrt4t *«* 1t*9% Hilt'.iut l., ttt %xc$t an£ 

k ;4«. y< Hrüiumu (t totoner tt« pdfitliaVa $>nmatr« 
«di-ii im »neide ter m*ra,enl4ntifd)en Äirlt unt 
«V.fc~J*H, »»» «i« «ronir w»«. l*i 

« «»I fi< i^udw« aai f<4rt tfinrrraetjmea mit Aäaig 
JUri Mmut« Äkrd) Irgtr, uns in loa o*itOT}*fig' 
U«, vldmldbliiitjjriien €t*emr 1*1 all gemein«» Seid;« 
Mai ^«•ulwBft'SiHf «4 JtareüiigifaVn /Saufr« endjrini 
Ä#ri Iii todee .Jett al* ritt« firr nridtigften gadeirn. 
4tr m» <*, Irr tir feinem SJrffrn Reibst II- au« cen 
ItUum* Itbrivanirin rrroatbfmten ürdeyfnbeilen tutd) 
rtki »»Mkn^MU ^rinna^ne für ttr orrftofkne Jtö» 
hiui Ibidtcm nadj Jtrdfirn ft< rrti unfi v«fd)4rftt. 
j(,m u/Uo« r* «u* tief 6a Montan unb lange febr 
*Wi<Wft/« t« *ori»unfa>en £rrrfa>rr, fir« Jtaifet« 
*«*■»!, II mt Htbur II. <u IfuCttig tun Ifiitut;c:, 
IMU* aUmttbli« für M> |u gewinnen, Derart, fia| Vud« 
»ig m<4 tri frb|riirn frmrt INrif«, abrr obnr Veit« 
»iffuHa Mt*«« erriribrii im grobjabrr |u Wrj 
muii »erii<m mit Jtarl dnging, rocnadi fir t le Ärid)e 
u>iri Wrffcu bri fcrm IKaiigri Irgitimrr 9?aa)fommrn 
uue (IrWu unirr fid) glrid,md|iig uuflibdlen wollten, 
(iribifdiri ^infmar mat mit »rr anli'Voibariförn tk> 
liitf m* Ätiu,)« feurdiadiigfg rinvrrfianben , |um grofirn 
ib'il war fir Irin rlarrtfir« (Hlnf; mfjrflrn in ansrrit 
)tld)»niti Wiiflrlrflftibrtcrri emundpirir Start Heb, von firm 
(»lufiutlr (diu« lunaldbrigrn rrfirn 'Jtathflrtirr«. 'Lex 
lirftiar unfi |lmf prr|i)iiiid}r (fon|lfrl tr« Wrjbifdjof« mit 
tbi|4)«f !Moib«D »oii £oiffon0 (MiU — Höh), frinrm <3uf« 
truguu, ii>Hrr *bnr ;{n»rifrl unfirr«, für ^mfm<ir'0 flu» 
Mini leriil^rr nudjiiirl(i|i vrrlaufm, toriin trr Jfönig 
Ultimi dum oornbrrrlu fiurauf vrriltbirl Imiic, brr pdpfl' 
•ii... aiiiinl|il)uiia (HO.t) WffirrDanfi |U Iriflrn, unb al6 
Hm riu nrur« Jrriplkrfuifi an>4fd>nt firm 'l<a»flr un» 
Minimal tidin in «iu«fiit)l fiiiu». fam JTarl irnrm fogur 
püliilu ii .ti riilgrnrn, um nur fijr UibfbuiiH rinr« frinrr 
(MuuÜliii|W, firr liului .fflnKrr In 'Hbriui« grivrlrn ivar, 
iuiii Ui4i.iM)i.r von Voui|K« flr,|fii .^infmar'« SUilirn 
tuidMulrpoi In Wu|it)lli|i fir« Jtonlg« an Wem voll' 
,. ,| (Uli iitinbtiupi nl.l i obnr Irlurm moiiai<l)l((brn <Srlfi|'l* 
Kdiiblr iiuiuitrilri Iriii<ilbliiuu||rit unfi Cpjrr tiuliii» 
ni$pn, Ülilr ilrt unfi libu'fi baiir r« Ibn ,|.fi.iufi, 
ü. i|l Iriiir loil»l« ^tifillb, Wme fir« an|ir||d(t)0(«brii 
.«um,!« Ulbrliui'll unfi nrlrrniilr tftalllu ibu« 5lirf. 
I^lmr« UilKlIiuln, ||,|) uill firm |l.iufiil|.<}rii C«ra(ru «ah 

bunt I (UiiriM IhIiiiIIiI) wrtbunfirn unfi au firr «rilr 

liau« UuiiiUimi« im tVHitiilhbrii 'Nfi.li» l n iKliicbl 

ijmiii (miJ) Wlxi Irin KUifirill.iiifi ||ri t ru filr «rimab* 
ftlMj H»|.* tyMHt tm i'»i,|»t.|lib, null 'llapll MlMau« 



Otinc 



€4 »• Wind Itjjir r-j ailt ScicTxmgni rar* Vtaitv 
t'rrfi*r oHö>njn; tu*: r;naai at'" Nr gci^rniBg rinrr 
Tttginfitani Äirtfcmtcs* nmsir ttt *eawj je tvürixn, 
al« rt gram Cafir r-rt 3. i'riar emnllyun^ au«, 
tprad). flu* foi# frtttr r« iribf« in l*i glniliorrrtti g^o>< 
innrr iftrauning u4>t an gropni S^wicngfnrni. «or 
allrm tir RaprtgriB, trri(b< r*r Ärnig ngnff, am fiir 
Scrmannrn |u ^rmribm uafi nrur 3nr«noarn Nr'rltr n 
i.n mbinrnn, natnrntita? fiir fleiagr firrynn «rfdii« 
ganarn an trr untrrn £nsr (bei ^imtt) unt fiir 
Mungnr Snivm&ung fir« frbr brfiraHiaxn iXiad«, firn 
grtnfi fiuraj ©ritjahlungrn (um flb.ugr ;n bnrcgrn, 
frinni brffarn (rrfolg al« fiir frubrrra j^cci' 
fir« Äöuig«; UriBungrn brlfintmüibiga Japfa« 
ad>t namradia) von tra «bnbmn fir« |pä< 
rtinifitrn errr Jtaprtingifabra Aönig«bjufr«, 
trm üXarfgrafrn Äobm ton Inicu, firt im 3. *iM 
l'rincn Ict im Jtampfr fanfi, vrrfdjarftm nur verüfirr« 
ri r hnir rintgr @riria>trrung, unfi in SBaferbtü liiirn Sanfi 
unfi £rutr, jumal in firn ?idum<trtt(rnrr. UfrTgrarnfirn 
firr Sdnr unfi Üoirr, :u.l rotr vor unfaglid}. @r|riite 
*i* fiod) ju firn Xrangfalrn firr norfiifcbrn Sarbarrn 
fiir Saft firr übaabrn, mit firnrn firr JTönig fiir ®r« 
fammtbdt frinrr llntcrtbatien jur «ohritung fir« Xinriu 

5dfir« brftruatr, faft f*on al« ftrbrnfir («lun^rung. 
)rffrnungradiirt bnbriUglr jt$ firr Äönig frlbji an firr 
ttbtvrbr firr 9Iormannru ntd)t mrbr, al« uuumgäng(ia> 
notbmmfiig war; rinrm 3ufammrnftop in orfnirr grlb' 
fd?Iaa)t ging rr mrbr ftff mitifirr grffiiTrntlid; au« firm 
Üürgr, frin flugrnmrrf ria^trtr ftcb immrr riiifd)trbrnrr 
auf fiir Xuritfübruna jrnrr (?robrrung«polttif, ivri^e 
ba« 0u«ftrrb<n fir« £otbarifcbrn ^>aufr« jur Sorau«* 
freung battr unfi, in firr ffiabl firr SHittrl völlig grunl»* 
fa^Io«, firn anfirrn Aarolingrru grgrnübrr nur firn rigrnrn 
«ortbril, al« ©rrnjrit unb Scbranfrn firr rrfircbicn 
«rrgröprrung nur tbatidcbliaV SKatbtvrrbdlmiifr grltcn 
lici'i. K(« xönfg i'otbar II. am 8. 8lug. 888 in $ia> 
u'ii|j ftarb, fr^tr Ainig Jfarl fid) übrr fia« tflbfoinmrii 
von Wib obnr writrrr« binwrg. Jlauut virr Sßod^tn 
fpatrr rürftr rr in Sotbrtngrn ein, um fixt) br« gangen 
Jtönigrricb« bi« jum ÜKbrin ju brmadjtigrn; jablrridu 
@rlrrur, fiaruntrr rin brfirutrubrr Vtnbattg au« firm 
?anfir fribfi, fammrltm fia) um ibn unb am U. £rpt. 
ivurfir rr ju *Krß al« Grbr unfi 9?ad)folgrr tetbar'« IL 
grtvribt unfi grfrönt. Irr SBifirrftanfi, auf firn er ftie^, 
tvar iunddjft frbivad), infieffm fia ?ufiivig brr Deutfdjt 
balfi mit Jtrirg firobte, ivid) Jtarl jurüd; unfi ging auf 
rinrn frirfiliebru «erglrid) rin, firr ungefdbr bie <l>ä(ftc 
firr «rute in feinen d^dnfirn beliey; uaaS einem v ^rd(i' 
minarvrrtrage ju Vladjrn (6. Wjh 870) fttloffeu ttt 
Jffönigr am 8. 0ug. fieffrlbrn 3abre« in Werden au ttt 
Waafl rinrn rnfigültigrn IbeilungSvettrag, ftaft firffrn 
Jfarl bir 0»rriiien fir« ivrftfrdnfifa>rn JKeidje« befieutenb 
mvritrdr, im «orten bi« jui 'Staat bei iüttiO) , ivdb' 
rrttfi im €üfi<u unirr anfiern fiir 6>raffa>aftcn unfi «i«. 
Ibumrr loul, «erfiun, «efanjon bei fiirfrr GJrirgenbeir 
tvrflfrdufild) ivurfirn. »lUotrftr fir« 'Hapfte« 4»afittaii IL 
IM Üunfkl fir« Äaifer« «ufiroig II. al« fir« uärrjfi. 



Digitized by doo 



KARL II. (D. KAHLE) 



- 79 



KARL II. (D. KAHLE) 



berechtigten l*rbcn von Sotbringcn verhallten wcnigfirn« 
bei König Karl wirfung«lo«; tiefer, bei genau wufjte, 
tag ber von Sarajcnrn imb anbern gdnprn bari be« 
brdngtr Kaifer im Horben ber 9l(pm maebtte« war, lfe| 
•ld) von ffincii @robrrung«planrn nicht mrbr abbringen. 
Stech wdbrenb t>e« £erbftr« 870 überjrg fr bie ihm in 
Wcerfen ebenfalls jugriYrccbenrn Sefi&ungen be« Kai» 
fer« am 9?böne mit Krieg unt> enrrig fbm ba« triftige 
Sienne (23. Tee.). Km 12. Äug. 875 ftarb Kaifer ?ub« 
wig II. unb König Karl, herbeigerufen fewel Pen Sapft 
3ebann VIII. al« auch von einer Partei ber italirni» 
feben ®re§en, naluu cen neeb ungeteilten fRcft be« ebe> 
matigrn jetharifdl >er {Reiche« tiufcblicfilieh rcr Kaifer« 
würbe ohne weitere« für fieb allein in Hnfprud), wdbrenb 
bie pfifränfifeben Karrlfngcr aud) in biefem %aüt mit 
oem Seetangen einer glcidjmdfiigen unb gerechten Shei* 
lung hervortraten, darüber fam c« jum Kriege unb 
in birfem halte ,'tcnig Kari mebr ©lud al« fonft, 
tveber Karl ton Sdjvrarrn nod) Karlmann ton Sairrn, 
welcbe im auftrage ihre« Sater« , Subwig'« be« $>eut» 
feben, rafm nactrinanter in 3ialirn einrüdien, um Ibrem 
Dbfim ben ffieg ju »erlegen, vermodjten etwa« gegen 
ibn au«juricbtrn. 3enen befeitigte König Äarl mit ©äffen» 
grwalt, tirfem war er tutcb Ärglift überlegen unb am 
17. Ire jttg er in SRotn ein, am 25. empfing er au6 
btn Jöänbcn 3ebann'« VIII. bie Kaiferfrone, aber nicht 
fraft feiner tlbftammung von Karl bem ©refirn, fonbrm 
al« ein ©efebenf päjjftlictjer ©unft unb ©nabe, für 
beffen 3uwenbung er ftdj nad) ber Wrinniig cefl Saofle« 
vor allem bureb frdftige SertbriPigung be« briligen 
Stuhle« gegen Sarajrncn unb anbere SDirerfad)« er« 
fenntlid) jeigen feilte. 3m gebruar 876 hielt ber Kaifer 
einen «Reichstag ju Savia, wo bie ©refcen be« ?anbe« 
ben vom «ßavfte pclljogenen £rönung«act al« güllig 
auch für ba« italirnifebe Königreich anerfannten, |ebaj| 
eine brfonbere SBabl be« Kaifer« wm ftönfg von 3talien 
nicht mehr für nötbig erachtet würbe; bann febrte er, 
inbem er feinen Sdroager Sefo von Sienne mit ber 
Skbrnchmung her Saiferrecbte in ber 3^1 feiner Slb» 
wefenbeit betraute, fcbleunig in ba« weftfränfifebe {Reich 
jurüd, weil biefe« mittlmveile jur Scrgeltnng für Karl'« 
3nvafion in 3ialien von Jubwig bem Ilcutfcben mit 
Krieg überjogrn uiiD ftrichrveife arg verwüflct worben 
war. X>ie beiben Srüter, uor 3abren infolge ihre« ge« 
meirifamcii SJiberftaiirc« gegen ?oibar'« I. Äaifermacht 
in treuer SimbeSgeucjfenfcbaft eng verbunben, (ianten 
fich jefct am (fnbe ihrer Laufbahn Durch 6djuln rer von 
Stail wfolgtrn (frcberung«pc<litif al« erbitterte Sirer» 
jaebrr unb 9febenbubler gegenüber unb ftarl trieb bie 
geintfehaft fdjticRlid) fo weit , rap er fie, al« ?ubn>ig 
6er Deutfche am 28. Slug. 87G ftarb, gegen bie Söhne 
bejfelben fortfrbenb, nun ben 3 ( <'Vunft füt gefommen 
anfab, um fieb ba« 9oiharifd?r !Rcid) in feinem ganjen 
urfpiitnglicben Umfange bi« jum 9ihein hin anjueignen, 
um überhaupt mit allen 'Mitteln ber fift wie ber (Gewalt 
auf Soften ber beuifcben Karolinger bie SBelthenfchaft 
tu erftreben. 3tibeffen, wenn ?a« ©lüd ihm auch an« 
fang« hole war, wenn widrige Stäble, wie Wej, 



Saasen, Jtdfn (September 876), (hm wirf lieb vorüber» 
gebenb jitfielen, fo war bed) ber UDibrrftanb ber von ihm 
herau«geforbertrn Sracbtbaber ebenfo nachhaltig wie ftart. 
Sei Unbrmarh wagte Saifer Sari IL einen inngriff auf 
Jtönig ?ubwig III. (btn 3üngtrn), 8. Cd. 876, aber 
ju feinem Serbtrbtn; er würbe auf« $aupt grfchlagrn, 
fein ftattlidie« apeet faft ganj aufgeriebtn, er felbft ent» 
rann ber ®efangenfcbaft nur burd) eilige gludjt nad; 
Sütticb. Wit ben Normannen, bit unterbeffen an ba 
(Srine unb 8oire von neuem aufgelaudjt waren, Iie$ btr 
jTaifrr fnt; überhaupt nicht mehr auf einen Kampf ein; 
btn Seine» Hermannen jabirr er lieber bie gewaltige 
unb vornehmlich ben bebrdngten ©egenten aufgebürbttt 
Summe von 5000 Sfunb Silber, al« baf et ba« Sebwtrt 
gtgtn fit gelegen hätte. Xa gegen betrieb er, Wirber» 
holten bringenben tfufforbrrungen bt« Sapfte« naa>» 
gebtnb, eint jwtitt Äomfahrt mit difer, unb obwol vide 
©rofe ba« unternehmen fdwn mit »üdfidjt auf bie 
innere 9to!b(age unverhohlen mi«bitligten, trat ber Kaifer 
nach einer 9ieid>«verfammlung ju Jfierfe (Witte 3un{ 
877), wo fein Sohn, ber neiiftrifch'aquitanffche Jtönig 
Subwig, jum 9lcicb«vrrwefcT efngefe()l wurbt, im ^>od>« 
fommer ben 3ug aber bie Vlpen wirflid) an. Uber 
bie«ma( fam er nicht über bie Sombarbei binau«; 
vereinigt mit Sapft 3obnnn VIII. , ber ihm bi« Ser« 
eelJf entgegengeeilt war, lief er ©efahr, von einem feiner 
eftfränfifebrn Neffen, bem bafrifd>en Könige Karlmann, 
mit überlegenen Streitfräften angegriffen ju werben, unp 
noch mehr erfdjredte ihn bie Kunbe, baß Serftdrfungen, 
wtlcbe er au« bem weftfrdnfifdjen fReidje erwartete, au«» 
bleiben würben, ba unter ben ©rofien eine Serfdjwörung 

Siegen ihn beftünbe unb felbft Sofo von Sienne jur 
einblichen Partei übergetreten wdre. Unter biefen Um« 
ftdnben fuebte Kaifer Karl fein ^>eil in fcbleuniger 9Jüd» 
fehr; wie ein glüdjtling jpg er wleber über bie »Ipen 
unb al« ein tobtfranfer 9?ann erreichte er nur noch 
ba« Thal be« ftre; am 6. Oct. 877 vi a ju Srio« ge» 
ftorbrn. I ie allgemeine Weinung ging bahin, baf; fdn 
jübifcher $ribarjt ih,m ©ift anftatt Krjnd gereicht hätte. 
X>er Leichnam würbe provifodfeh in 9tantua, einem 
Klefter btr Diöccfe ?von, beigefe(l; fpdter fanb er bem 
ffiunfdje be« Kaifer« grmäfi In St.'Denl« bie le&te 
«Ruheftdtte. — Son ben vier Söhnen, weiche bie Köni» 
gin 3rmintrub, grftorben 6. Oct. 869, geboren batte, 
waren jwei, ?ed>ar unb König Karl von «quitanien, 
febon in jungen 3ahten aeftorben j Karlmann, vpn feinem 
Sater jum geiftlidjen Staube gezwungen, hatte fich im 
5. 870 unb in ber nddjften ?oIgejeit be« «ufrubr« 
fdiulbig gemacht unb rrfebien bem König al« ein fo 
gefährlicher Wajefldt«oabred)er, ba§ birfer ju bem ent» 
frplid'cn Wittel griff, ben Sohn burrb SIenbitng unb 
@inferferiing unfehdblid) ju mad>en (3anuar 873). üu« 
Karl'« jwdter (f be mit 9iid)ilbe, einer Srhwrfter be« 
©rafen Sofo von Sienne, flammte rin Sohn, ber wie 
ber Sater Katl biefj, aber halb nam ber 5aufe (877) 
ftarb. So vererbte (ich ba« weftfrdnfifcbe 9reid) in bem 
Umfange, wie König Karl e« burd) ben Serlrag ju 
Scrtrnn envorben unb burd) ben Serlrag vrn Weerfen 



Digitized by Google 



KARL II. (D. KAHLE) 



- 80 — 



KARL III. (RÜM. KAISER) 



erweitert batte, ungeteilt auf frinen Sobn Subwig IL, 
ben Stammler, wahrem» bie Saiferwürbe jundd)ft einige 
.\abrr rut'te unb bann auf bie oftfrdnfifdjen Sarolinger 
überging, um mit ber Jett ein bauernbe« SJefiftibum 
beutfdjet Siegen tenbdufet }u werben. Sari ber Stallt 
eröffnet bie Seibe bei Äönfge von granfrrid) nid)t wegen 
feinet ftatferpolitif , fonbern rrog rerfelben; mit biefer 
ftebt et oeftinjelt ba, wdbreio et in S3e»ug auf anbete 
9iid)tungen feine« reibt eigentlid) föniglid>en Regiment«, 
wie bie £erfteriuna, einet befonbetn 3nterrffengemein' 
fdjaft j*iia>en firone unb Sleru«, bie SJrrfudje auf bie 
Gnrtpidrlung be« Vebenwefen« rinjuwirfen, e« ftaatlidj 
)u bi«riplinirrn, enblid) bie Sdmpfe um bie Nbeingrenje 
labirricbe 9iad)fotget finbcn, majigebenbe« Serbilb bet 
fpdteren nationalen Söntge werben follte. Xenn ba* 
£i>erf feine« ifeben«, bie SJeuconnituirung ber SRonarcbie 
unter bet gatlo'romanifdjen SBölferwelt in ber (Snlftebung*« 
epcdje ber franjöfifcben Slaticnalitdt unb be« Seben« 
wefen«, aber in engem 9nfd>lu§ an bie altfarolingifdK 
9i»id>«verfaffung, batte ungeatbtet aller Sdwdcben unb 
WiSgriffe brt Urheber« 'örftanb für viele ®enerarionen. 
Äod) ein anberer $ad)rubm verbleibt Saifer fiorl II. 
unbefrritten, ba« £ob, fein Seben lang ein ebenfo vet« 
frdnbnifaoller wie eifriger görberer ber Stubien nnb ber 
Wiera tur, ein freigebiger greunb unb ©efcbüfcer bet ®e« 
lebtten genxfen ju fein. SBie Sari ber ®tope, fo machte 
and) Sari bet Sable auf bitfem @ebiete feinen Untet< 
fcfcieb }wif(ben ben Äationalitdten ; jugewanbertt 3ttn 
(Schotten) unb Spanier rivalifirten in tetnet ®unft mit 
jablreicben eingeborenen Sepräfentantrn ber trabitionellcn 
©eifte«bilbung; bie altfarolingifcbe £cffd>ule feste 14 
fort in einet nrugebilbeten weftfränfifdien unb aud) 
barin glich Sari ber Wahle feinem großen ftbnberrn, t 
er bei aller Vorliebe für Theologie unb tbeolegifcbe 
Scbrififteller auf bie Wege ber SBrlrweiäbeit unb auf 
VitfTarurerjeugniffe profanen 3nbalt« beben ©ertb legte; 
in Betreff ber fanonifd>en geftfeftungen über ®lauben«« 
trabrbeiten war et butdjroeg unbefangener unb bulbfamer 
gegen bwergirenbe Anfühlen al* Sari ber ®ro(je. Da« 
vertraute 9jerbdltni§ be« gürften ju 3cbanne« Seotu« 
((irigena), bem fübnfren unb eigenartiaften SJenfer be« 
9. 3abrbnnbert«, brr viele 3abrr am $efe be« Äonig« 
lebte, beffen äofpbilofepb et war, ift in aQen jenen 93e« 
jtebungen wol ebenfo cbarafteriftifd) n>ie feine Stellung 
;ur ®efcbtcbtfd)reibung , wir ba« 3ntereffe, welche* er 
bet von Sifcbof gruben riu« von Irove«, einem Spanier, 
verfaßten gortfejungj ber älteren 9teid}«anna(en jurvanbte. 
Qin lijemplar be« werfe« war (hgembum be« Sönig«, 
nub al« $rubentiu« im 3. «61 Warb, trat (Prjbifcbof 
£infmar von Sbeim« an lerne Stelle. Gr bewdbrtr ben» 
leiben berben unb bodj lovalen greimurb, mit bem er 
al« erner, aber nidit feiten mi«vergnügter Staat«mann 
feine« Sönig« praftifdj wirfte, aud) al« beffen ®efd)id)t< 
febreiber ; bie von $rubrntiu« unb apinfmar gefebriebenen 
lünnalen ftnb anerfanntermagen bie wertbvollfte Duelle 
jur @efd)i(bte ftarf« be« ftablen. 9gL fä. 9Sattenbad>, 
SJeutfdjlanb« $efducbt«queQen im Wittelaller I. 240 fg. ; 
Deuter, ®<fd)id)te ber religiöfen »uffldning im Wittel« 



alter I, 48 fg. Die Urfunben Äarl'd be« Sabltn ftnb 
verjridfnet von 3- gr- Söbmer, Regest» Karolorum 
(granffort a. 3R. 1833), p. 14<> fg. DarfteUenbe 9Betfe : 
S. go^ ( De Catolo Calvo. Dissert. Halens. 1844; 
Q. lümmler, ®efd)id)te be« oftfränfifdjen "HcutS Sb. I 
unb H; Q. v. 92oorben, J^tiufmar, @rjbifd)of von 9lbeim« 
("Bonn 1863); 6. v. Saldfiein, Wefdjifibte fe« franjofifebtn 
Jlönigtbum« unter ben erftrn (Sapetingern , 8b. I (@in> 
leitung); eeffelben »rtifel: „Sari EL, ftönig bet SBeft- 
franfen", 8IUg. Deutfdje «iograpbie »b. XV, 1Ö2— 157. 

(E. Stendorf.) 

d) KARL III., oftfrdnfifd)er Äarolingtr unb 
rötnifdjer ataiier (881 — 887), geboren S3!>, unb fpdter 
(;uerft im 12.3abrbunbert) jubenannt ber Tide (Crassus, 
Grossus), wdbrenb fein 9?ame tn 3ialirii fo>on bri 
feinen Üeb}eiten in Jtaroleto (Sarlito) gewanbelt würbe, 
war ber jüngftr Sobn Jronig Vubwig'« be« Xeutfd>en 
unb ber Sönigin {»emma unb würbe ber Nachfolger 
feine« fBater« in bem fleinften ber burd» bie geftfeftungen 
von 8(>5 unb 872 gefdjaffenen oftfränfifdjen 2beilftaaten, 
in bem SReidje von Sdiwaben («lemannien) unb (?buf 
wallen, wo er feit feiner 3ugenDieit beimifd) war. 33on 
birr an« untemabm Jtari e« ivieterbolt, in ^rrbinbung mit 
feinem 9ruber ^ubwig ibrrm 3)ater unb Sönig wegen an> 
geb(id>er $evor)ugung ihre« dlteften trüber« atarimann 
feinblid} entgcgen)utreten (870 fg.), nnb nidtt ohne (Srfolg, 
ba atarimann in ber übat auf Saiem unb bie |'üböj)(id)en 
Warfen befdirdnft blieb. Xu« fdwdbiftbeut @efd)le(bte 
flammte aud] Sari'« (Semabiin Äidjarbi«, Iod)ter eine« 
trafen ®rd>anger, ber namentlid) im dlfap febr be« 
gütert war, wdbrenb ju Äarl'« Seftnungen unter anberm 
bie ®raffibaft im SkeiÄgau geborte, «m 28. Äug. 87G 
ftarb Jtönig Subwig IL t>er -Xeurfd<e unb ein Sertrag, 
ben atarl mit feinen dlterrn trübem balb barauf bei 
einer 3ufan' m cnfunfl im 9lie#gau (November 87(>) fdjlofj, 
fiibeTte ibm rllemannien, verbalf ibm wabrfd>einlieb aud) 
jum ©fap; burd) weitere Vereinbarungen, fpeciell mit 
feinem Sruber Jubrotg III. (tem jüngeren), bem ba« 
ganje mittlere unb nörblidje Xeutfcblanb jugefallen war, 
famen in ben 3abren 877 unb 878 Sbeile be« beutfdjen 
beibringen unter Äarr« aperrftbaft. Diefe nabm über« 
baupt unb «war lebiglid) infolge be« Umfianbe«, ba# 
fomol ben Srübem Sari'« al« and) feinen weflftdnfifd)en 
Stammetfvettern befd)ieben war früb ju iierben, wdbrenb 
ber ndd)iten 3abre getvalrige Ximenüonen an ; mit Slu«« 
nabme be« vormal« Sotbarifeben ^urgunb«, wo 33ofo 
von Vienne, .»Serio.i von ber »örorence, Cctober 87!> bie 
Sönig«ivürbc ufurpirte unb ftd) behauptete, follte Sari 
von edjwaben fo jiemiid) ba« ganje granfenreid), wie 
e« au« ben Sriegen unb Eroberungen feine« Sbnberrn 
Sari « be« ©reprn hervorgegangen war, burd) Erbgang 
unb Sertrag ned) einmal unter feinem ScrpteT ver« 
einigen. 9uf Italien erwarb er Snfprüefce burd) Ver« 
;id)t feine« fdfwer erfranften unb 22. Sept. 880 r-erfror« 
benen Sruber« Sarimann unb nod) bei Sebjriten beffelben, 
Sotembet 879, bulbigten ibm bie iialienifd)en ®rojen 
auf einet $eid)«veTfammIung ui Stavenna, an ber aud) 
$a*ft 3ob inn VIII. tbeilnabm. «it ibm trat Sari in 



Digitized by Google 



KARL III. (ROM. KAISER) 



— M — 



KARL HL (ROM. KAISER) 



lln.erbanblung wegen ber Jtaiferwürbe, beren legier 2 rüget 
(ein roeftfränfifdjer Cbrim Staxi II. (Der .Kable, geftorbrn 
0. Ott. 877) gewefen war, unb im gebruar 881 fam 
jener mit feiner ©cutablin nad) 9iom, um in Sl.''4$eter 
rem 3obann VIII. gefrönt ju werben. SNittlerweile hatte 
ion ©ruber Jtönig Lutwin III. SSaicrn, ta« dpauptlanb 
be« verftorbenrn Jtarlmann, mit feinem nunntebr faft 
HJiV} Deutfdjanb unb Lothringen umfaffenben Weiche »er» 
einigt, aber 6a er febon 20. 3an. 882 finberlo« ftarb, fo 
würbe Jlaifrr üarl III. auch von ben ©ropen ber beutfebrn 
Stimme jur Nachfolge berufen uno mit einer JReid)«« 
vrtfammfung ju SBorm«, ÜRai 882, n?ar ber »Regierung«» 
antritt vollzogen. 3" SBeftfrancirti fa£cn bamal« bic 
beiben dürren Söhne Lnbroig'« II. (be« Stammler«), 
S . tiwig Iii unb Äarlmann, auf bem Zbrone unb bie 
Donaftie StaxVi be« Äablen febien in ihnen unb in ibreoi 
nadjgeborenen »ruber Äarl gefiebert «u fein, inbeffen ba« 
Unerwartete gefebab aud» liier; Luowig III. enbete feton 
am 5. Aug. 882 in ber 33lüte feiner 3abrr unb al« bann 
aua> Jtarlmann am 12. Dec. 884 finberlo« ftarb, ba fanb 
fub unter beu neftfränfifebrn ©ronen niemanb, ber an» 
ijrficbt« brr fcbmrreii ©ebrängnin be« Lanbe«, vor allem 
burd) bir iHaubfriege ber Normannen, ben SKutb gebabt 
batte, ein Jtinb auf beu 3bron ju fegen; ber fünfjährige 
Äart (ipäter jubrnannt ber Einfältige) würbe übergangen 
ju I9unfteu be« gleichnamigen oftfrdnfifcben Stamme«« 
setter«, ber bie Äaiferfrone trug. 3m 3unt 885 empfing 
Aar! III. bie ^»ulbigung ber weftfränfifeben ®rop>n, 
aber unt bie SRcgieruug feine« neuen Sicicbeö befümmerte 
et üeb junätfcft wenig; namenllid) jur Abwehr eine« 
.(rotten Dänenbeere«, welche« in Weberlothriugen, bei 
Loipen, feft eingelagert recht eigeutlicb SBeftfraurien mit 
neuen uns wilben Angriffen bebrobte, (bat er nicht« 
weiter, al« bafi er bem lotbringifcben Aufgebote befahl, 
mit bem weftfränfifeben 4jeerbann vereinigt gegen Löwen 
ju «jeben. Die SHegententbdtigfeit Äarl'« III. blieb über» 
buupt weit jurücf hinter allen, aueb ben bringrnbftrn 
Jliitorberungen ber 3eitumftänbe, fte täufebte bie gereeb» 
leiten Erwartungen unb Hoffnungen feiner Untertbauen. 
*lux in ber $3ebanMung fird)(id>er Angelegenheiten bewied 
et (Jtfer unb felbft eine gewiffe ©cfcbirflidjfeit, fo lange 
*8ifebof Liutwarb von »UcrceUi, ein Emporfömmling von 
bebeutenber ©ewanbtbcit, feilt @rjfaprllan unb vornebnt' 
fter SKatbgeber war; burebbrungen von fircblidjer Di«' 
riclin unb mit geiftlidjer ©Übung vertraut wdre tiefer 
Karolinger in frieblicbeu 3eiten, unter georbneten 93er« 
hältuiffcn allenfall« ju einem ©rälaten tauglich gewefen; 
bagegen war er burebau« unfähig a(« weltlicher d)err» 
idjer. ©orncbmlid) im Kriege uno in ber ^»eerfübrung 
gab er ücb faft immer arge ©lö|jen. SBcnu er in einem 
oelbtuge gegen Währen (809) einigen Xi;\m erwarb, 
fo tbeilte er ihn mit feinen Srübern Aarlmann unb 
fcuewig, welche ba« SKeifte jum Siege beigetragen halten; 
nw Jtarl al« alleiniger Heerführer ober al« 4>aupiperfon 
auftrat, war bie Sarbe, bie er verfocht, halb verloren; 
fo auf einer italienifcben $«rfabrt von 875, al« er ben 
vergeblidjen 33erfucb machte, feinen weftfränftfeben Obfim 
Jtarl beu Jtablrn au« ber gombarbri ju vertreiben, unb 

XXXIIL 



fo wieberum 88i> in bem Kriege, ben er gemeinfam mit 
ben wefifränfifebm Königen gegen »ofo von SBurgunb 
führte. I ic Hauptftabi sBienne war bereit« eingcftbloffen, 
aber Jtarl vereitelte bie 0orti"e$ung unb Durchführung 
be« Äampfe«, inbem er fein Jager nächtlicherweile 
nieberbranntc unb allen Serabrebungen juwiber nad> 
Italien abjog. Dieie« unfriegerifebe ffiefen war befl 
Äaifer« fcblimmfter gebl« unb obwol erfldrlich au« feiner 
febwächlicben (Sonftitution, namentlich au« bem Umfiante, 
baü er noch im Wannedalter boebgrabig rpileptifd, war, 
fo munte e« ibm verhängnisvoll werben in einer .int, 
welche bei ber tiefen unb immer noch gunebmenben 3"« 
rüttung be« Striche«, bei ber gebbefuebt ber ®ro£en unb 
bei bem maffenbaften «nbrange wilber äujjercr geinbe, 
wie ber Sarajenen im »üben, ber Dänen im Storben, 
ben SBertb eine« ^»errfcher« laum anber« abfcbäfccn 
fonnte al« nach bem SRafcfiabe feiner friegerifd)«n Seiftun* 
gen. Aber wa« hatte Äaifer Äarl in biefer Sichtung 
aufjuweifen» Um oou feiner ^afftvität bejüglicb be« 
innern ^arteihaber« unb ber fleineren itriege an beu 
(^rrnjen gar nicht ju reben, auch in ben wichrigüen 
kämpfen, in ben Kriegen mit ben Normannen, war fein 
©erfahren enhveber lahm ober unftch« unb wiberfprueb«' 
voll: erft brobenbe« Uorgeben unb bann Acte ber Schwäche, 
welche ben geinb ju weiteren llebergriffen ermutigten 
unb gleithfam htrau«forberten, bie eigenen Untertbanen 
bageaen in ihrer SBoblfabrt fa>dbigten, an ihrer (5bre 
fränften, barin beftanb bie Summe ber größeren äßaffen« 
tbaten biefe« Äaifer«. (Sin gelbjug, ben er wdbrenb be« 
Sommer« 882 mit einem ftarfen dtetrt)f3r>eerc unternahm, 
um normannifrbe Scharen, welche uet? auf Lothringen 
geivorfen hatten unb ba« Sanb faft feit 3ahre«frift beillo« 
verwüfteten, au« ihrem feften Lager ju <fl«loo an ber ÜJlaa« 
»u vertreiben, begann günftig; im 3uli »ar bie gin* 
fd)Iiefiung bewerfftelligt ; aber ber weitere SBerlauf unb 
ba« Gnbe waren fchmachvoll trog ber im beutfeben 4>cere 
berrfebenben Äampflufl. Denn ber Äaifer, bem, wie efl 
m einer Duelle beifit, ba« 4?en eatfiel, lieg fieb auf 
llntnbanblungen ein, gebot SBaffenrube unb fcbloi grieben 
auf $)ebingungen, bei benen ber Siortbeil burchau« auf 
feiten be« geinbe« war. &iner ber Dänenfönige, ©ot« 
frieb, würbe fogar ©lieb be« iKeicbr«; tum Lohn bafür, 
ba(j er (um äbriftentbum übertrat, nahm ihn ber Aaifer 
unter feine SBafallen auf unb beUbnte ihn mit frieftfebem 
Sanbe; ben Abjug ber llebrigen erfaufte er ftd) um febmere« 
®elb, bureb ein fogenannte« ©efchenf von einigen taufenb 
»Pfunben ©olbe« ur.b Silber«. Atta fflunber baber, 
wenn bie Deutfeben folchen Abmachungen nur mit 3a« 
grimm golge leifteten, wenn Stimmen unter ihnen laut 
würben, welche bie faiferltcben ?Kdtbc be« SJcrraibc« unb 
ber Seftecbung befcbulbigten unb über ben Jtaifcr felbft 
nicht viel anber« urlbeilten. Selbftverftänblich auch, ruf; 
bie Normannen nicht fdumten folebe Schwäche au«iu< 
nugen. Schon in ben nädjften 3abren, wdbrenb ber Äaifer 
ftd) vorjugftweife mit italienijcten Angelegenheiten be» 
fchäftigte unb monatelang jenfeit ber Alpen weilte 
April bi« October 883; Januar bi« April 885), fenten 
fte ihre «aubhiege mit frifa>er Äraft fort unb fudjten je 

11 



KARL IIL <;RÖM. KAISER) - 82 - KARL IV. (RÖM.- DEUTSCH. KAISER) 



r.i ß-.-» : - urt tic nörMioVn 8mN 

i-rf Ätrirrt, bait u# nxfrfrdnrtfd>e Seid) mit neuen 
*rTi*fnt»gni bem. Unter Nn Orfabrrn, tit im % 885 
•'•.■enrfl ffct g^naunen tinau« enn'prangen, glaubten 
he berrisro wie fefccn nwdhnt, nad) Dem lote 

iHrt Sern;« Äatlmann allein in tet Ibronerbebung 
tt« Aaifer« "Rettung ju finben, unr n>ie rrrnig Neigung 
rtf'et 011* anfdnglid) beteigte, an bem fett November 885 
i!in <l*n« (cneenrrirten Äriege perfönltd) IhrilAunebmen, 
««f tie lauer vtrmedste er fia> tiefer $flid)t bod> nfett 
pi eui^efcra. «I« rie Netb ter völlig unuingrlten unb 
wfitfcenB angegriffenen £a«ptftatt trog tapferffer Q)egen< 
»rbr fdjon auf« bcd>fte grftiegen »ar, im .£>od)fommrT 
886, jeg ter Jtaifrr enrlid? langfam mm (£ntfanc f>erbei 
unb fanm baue er mit feinem ftattlidjen £rrre bie nörb* 
litten £ebm vor Sari« meiert (Ccteber), fo trieb, brr 
geint uj.reriüglid» auf ba« linfe Ufer brr Seine lurütf ; 
n n fetten ter Äolferlidun , weltbe ibm rafttn folgten, 
beturftr e« allem 8nf*ein nad) nur nod) einiger rafdjer 
irr «ergifdser Sctftöfje, um ihn ganj |u vertreiben. 
Uber ntr^t« brr «rl gefttab. vielmehr verfuhr ttr Jtuifer 
genau fo n>ie vier 3abre früher vor (Pl«loo; rrfcbretft 
lutd) bie Nacbtidjt, tajj bie Normannen balb bereu tenbt 
Srtftdrfungen tu erwarten hätten, eilte er, mit rem 
Wrid>«feinbe feinen grieten m madjen unb ibm Se» 
bingungen ju gerodbren, bie fdjon von einem trilgenöfftfcben 
Wrfdiidjtfdjteiber unumrounben al« tfnltrürtigung ber 
fatferlidjen SNajeftdt bejriajnet tvnben. San« würbe 
allrrblng« fref, aber nur gegen ein Wfegelb wen fteben» 
bunbert Sfunb Silber« jablbar am l.SRdrj be« folgen* 
ben 3af>re« unb gegen Srei«gebung be« weftfrdnfifd>en 
Surgunb« an tie bi«berigen Belagerer ber Statt; ob' 
tvol (jenügenb befannt al« wilbe fetten erwarben fte ba« 
9led)t, in iener cultivirten unb bi« babin geldjugten ?anb* 
fdjafl au überwintern. Sie llnjufrietenbrit mit tiefent 
„wahrhaft erbJrmlidjen" Sefdjlufi ging lief unb war nid)t 
nur fvmptomatifd) von Srbeutung al« Vorbote be« all* 
gemeinen flbfall«, in bem bar) faifrrlidje Regiment 
Staü't III. balb jufammenbrcdjen follte, fte gebötte redn 
rigentlld) au ben llrfadien biefer Jratafiropbr. Denned) 
würbe bie «Hube mnäd)ft nfdjt gefrört ; im grübjabr unt 
Sommer fyielt ber Jfaifer, ber wdbrenb be« SJinter« fdjwer 
franf gewefen unb fdjlirfilid) am .(topfe opetfrt »erben 
war, in feinem geliebten Schwaben £of »Ie in rhiebene« 
jeiten ; aud) »icbligere @efd)dfte »urben von ibm erlebigt 
auf 9irid)0verfammlungen in 9UeiMtngen unb in Äircb' 
beim am Cberrbrin (9?ai, 3»ni), »0 (td) aud) (Dro^e 
au« brn anbern 9ieicben, au« Stallen, fBurgunb, SBefi' 
franrien, einfanben. Der trete »et von Sebeutung war 
bie ungndbigr Untfetnung be« Sil'cbof« ^iutwarb von 
Qcreeili au« bem »mte eine« faiferlid)en (irAfapellan« 
unb bamit vom >\jtu , »0 er, getragen von ber ©unft 
be« Aaffer«, jahrelang leitenber 9(atbgeber, erfler 4<ct 
trautrr gewefen war. 3eQt fiel er auf »nbriugen feiner 
fprciellen Üanb«(eute, ber fd)Wdbifa)en ^ro^rit, unter be neu 
er brfonbet« viele grinbe rjalte, unb bie ndd»te geige 
war, baß nun aud) bie Jtaiferin 9)i<barbi« ibre Stellung 
am $ofe für unbaltbar anfafe. ö« fam it>r fit Oftren, 



taö fte befdjultigt »urte, mit Jiutwart verbotenen Ilm. 
gang gepflogen au baben, te4balb verlief fte iliron 
mabl unb begab jtd) in ta« Jtlofter »ntlatt im <5lfaj, 
ihre eigene Stiftung, um ten üReff ifjreö °eben« in geift« 
lieber Slbgefdjietenbeit jtt verbringen. Salb nad) tiefen 
ernfien @r(rbniffen erfranftc ter Jtaifrr »ieter „an ?fib 
unb Seele" unb intern er nun fo einer Jnvalititdt an« 
Ijetmftel, für bie e« feine Reifung mehr gab, f*rilten 
jundd<ji bie fflrofjen te« oftfränfifdjen Sieidjc« taju, tie 
3ügel te« Regiment« feinen fd)»ad)en ^dnben ganj ra 
entwinben. «uf «ntrieb unb im 3ntereffe feine« illegi- 
timen Neffen, te« $erseg« «rnolf von Ädrnten, wurte 
tem Jfaifer bei 9Bieteraufnabme ber @cfd)äfte in granf' 
furt ber @ef)otfam verweigert unb jenem al« Jtenig ge» 
bulbigt; bewaffneter SJibeTfianb war nid>t mögltd;, <V~ 
gar tie getreuen Sdjwaben getrauten ftd) niaSt grge» 
»rnclf, ter mit einem fiarfen, vornebmlid) au« Söatern 
gebildeten ^>eere erfefaien, ta« Sdjwert au jiebtn, unt jo 
ergab ftd) ter Äaifer, ter unterteilen nad) Ürtbur 
gegangen war, in fein Sdjidfal. 3?ad)bem er ftd) ton 
nrnolf einige perfönlicbe Sergünftigungen, unt« an> 
bem ben leben«ldnglid)en ®enu(i mebrerer Äcnig«» 
güler in Sdjwabrn erwirft t>atte, jog er fid) tcrtPin 
Mirüd. Dem Seifpiele ter beutfcfyen Stdmme folgten tie 
@ro$rn in brr combarbet unb 4?od;burgunb um tie 
3abre«»enbe ; bort würbe SRarfgray Serengar von grianl 
vielleicbt nod) in ben legten Sagen be« Deeemba« 8b7 
mm J?öuig gewdblt unb gefrönt; bier trat ter Seife 
Äubolf, ein ©rofcnrffe ber Äaifain 3ubitf) unb ter 
Königin ^emma, al« ^rdtentent auf unb febte feine 
Äönigflwabl im 3anuar 888 burd). ®äbrenb tiefer Ser» 
adngt ftarb ber entthronte Jtaifer: ;u Äeibingen an ter 
Donau erlag er feinen 8eiben am 13. 3an. 888; in ter 
Jriraje be« Aloffer« 9teid)enau liegt er begraben. Seine 
(Sbe mit 9tia>arbi« war fintrrlo«, aber au« illegitimen 
Srrbinbungen flammten jwei Söbne: ifarltnann, geftorbrn 
87ti, unb ©embart, ter ten Slater überlebte. (Sin SJer« 
fud» te« Äaifft«, tirfrm feinem SBaftarb jut Äadjfolge im 
SRetrfce ju vtrbelfen (885), frteiierte wie fo manebe anbete 
Unternehmung te« unglürflidjen 4>enfa>er«. — »Sgl. 
(f. Dümmler, ®efcbid)(e te« eftfrdnfifcfeen «eiebe«, I. 
unt II; «5. Wüblbadier, Die Urfuuten Äarl'« III. (»ien 
1879), S. 5 fg.; gefebid)tli*e Ueberffdjt unt teffflbn« 
«rlifel „tiarl III.", «ng. Deutfd>e »iograpbi« XV, 
1 57 — 103. (K. Sttindorf) 

U. Aarl: beutfdje üail'cr unt Röntge. 

») KARL IV., römifaVtrutfcber Aaifer untJlönig 
von «öbmen, regierte von 1340—1378; Sobn 3obann'« 
von curemburg ober rübelburg unb ber (Slifabetb, Tod)' 
ter ÜPrnjcPö II., »urte er ten 14. Wai 1316 geboren, 
am ^ftngftfefte vom t?rtbifd)ef von ©tainj getauft unt 
nad) feinem mütterlidjrn Wro^valer unb Obetm, ten 
legten jwei ^TArmsi'liben , SBenjcl genannt. Da« fit«' 
trauen te« Sater« gegen feine eigene gamilie batte \a)cn 
ba« trrijäbrige Jiint ju fühlen unb taffelbe fiittrauen 
war tie Urfacbr , taft 1323 ter *J$rinj nad) granfreitb 
gebrad;t »urte. 3n 'i'ari« grnof} er eint forgfältige 



Digitized by Google 



KARL IV. (ROM. -DEUTSCH. KAISER) - 83 — KARL IV. (RÖM.- DEUTSCH. KAISER) 



Grjiebung, hier würbe fr vom Zapfte confirmirt unb 
Jtur( genannt unb mit Slanfa von Saloi«, rrr cdjivc 
ftrr t- c fpäteren .König« Sbiüpp VI., verlobt. Son ben 
SRänncrn, tote beftiramenb auf ben jungen Lü&elburger 
enctvirften, ift vornebmlia) Seter Stöger, »bt von ge«can, 
bcivorjubeben , er mürbe Sifcbof von Slrra«, ßrjbifajof 
ron Sen«, von Siouen, (farbinal unb befrfeg 1342 at« 
Girmen« VI. brn apoftolifcben Stuhl. Die fteben Sabre 
feine« Aufenthalt« in Sari« roaren für Äarl, weltber 
mit einer fcbarfcn Seobadjtuna«gabe au#gerüfiet war, 
ber mit flu gern Sinne fia) aneignete, wa« ibm nü&iid» 
fdjien, ber einen regen ©eift für ftunft unb SJiffenfcbaft 
befap unb beffen 3ntereffe für alle feine :\<n beroegcnben 
Steen immer ein lebhafte« blieb, ganj fidter von ber 
nad)baltigftcn Sebeutung. 

3m jjuni 1330 ging JJael naa) ?u{cmburg unb im 
War) tti folgcnben 3abj** nacb 3talien, tvo fein Safer 
3obann in überrafdjenb furjer 3eit fidj eine $errfd)aft 
begrünbet hatte, ffacbbem Her U?«nj einem geplanten 
Sergifiung«vcrfua)e glütfltd) entfommen war, traf er mit 
best Sater in Sarma jufammrn, n>e(d)er ibm ba« Sie« 
giment in 3talien anvertraute. Aber bie von bem ©lüde 
be« Luxemburger« betäubten (Segnet hatten fia) erholt 
un6 bie ©cn-iiltbuber in ben £ tarte n ftd) mit bem mdd)< 
tigen glorenj unb bem Äönia von Sfeapel verbunben; 
imar (legte katl bei San» Seiice (25. Stov. 1332), aber 
feine Vage blieb trofcbem eine febrrierige, fte vermochte 
aueb fem jurüdgefebrter Sater nicht ju änbern, wela)er 
fd>liefjlid> bie treu gebliebenen Stäbte um möglia)ft hohe 
€ummen verpfänbete unb 3la(ien feinem Scblcffal über« 
lies. Die jtvcijäbrige Jhätigfcit in ber apenninifeben 
£albinfcl war für fien Äronprinjen von Söhnten eine 
treffliche Schule in ber Scegierungdfunft, er hatte feine 
eigene ftraft fennen unb ibr vertrauen gelernt, unb bat 
in bie verfcblungenen gäben ber Damaligen ^oliiif 3«a« 
lien« unb in Da« 3ntriguenfpiel ber Parteien tiefe Sin» 
Wide gewonnen, bat aber gerotjj aud) auf ba« geiftige 
tfeben De« Lanbe« feine «ufmerffamfeit geridjtet. 

9tad) einer «brvefenbeit von elf 3ahren langte Äarl 
am 30. Ca. 1330 in $rag an. Der 3uftanD feine« 
JSeiniatlanbe«, beffen Serwaltung mit bem Zitel eine« 
SRarfgrafen von äRäbren ihm übergeben tourbr, war 
ein rroftlofer. las Sdjloji u; $rag lag in Zrümmern, 
iie föntglicben ©üter waren vrrpfänbet, bie Sarone bie 
Amen De« VanK«; Äarl begann ben Sau be« Stbloffe«, 
lofte bie verpfanbeten unb vcrfdjleubertrn Surgen unb 
®üter ein, ftellte bie Crbnung im Staat«bau«balte ber, 
forgte für bie »übe unb für bie 9ccd)t«pflege. Sein 
Regiment mar leiDer von furzet Dauer. Sein Sater febrte 
mit feiner nveiten ©emablin Seatri-c von Sourbon naa) 
Böhmen )urüd unb lieb ben Serleumbern fein Obr, 
weltbe ibn gegen ben Sohn hegten. Diefer ift hierauf 
eine 3 C ' 1 ' an rt '° @<blefien tbdtig, er eilt fobann nad) 
Zirol, um feinen Sruber unb beffen grau SRargarelba 
iRaultafd) gegen ihre geinbe )U fa)ü(en, nimmt hierauf 
Xbeil an bem von Honig 3ob<mn veranfialteten Äteuj-- 
inge gegen bie btibnifdyen Litauer, ift fpdter in bie an 
ben ©renjen von lirol unb Stalten entbrannten getjben 



verwidett, nimmt 1339 bie Regierung ber böbmifa)en 
Ldnber abermal« in bie $anb unb greift von nun an 
auch in bie äußern Angelegenheiten mit (Sntfdjiebenljeit 
ein. Der SRarFgraf fipnt ftd» mit 8(bred)t II. von 
Deft et rriit) au«, fd)liet1t mit &arl Stöbert von Ungarn 
ein Sünbnip unb verlobt feine Xod)ter mit bem unga> 
rifd)en Aronprinjen. Der in bie SBeite f<t)weifenbe 
Ibatenbrang, ein gamilienjug, wela)er ftd) aud) bei ihm 
grltenb machte, führt ihn naa) granfreia), um Übe« ju 
nehmen an ben envarteten @efea)ten unb Sd)lad)ten j»vi- 
fdjen Snglänbern unb granjofea, ja er plant fogar, gegen 
bie 3)iauren von @ranaba ju liehen, er überwinttet 
jebod) biefe Abenteuerluft unb gebt mit feinem erblinbeten 
Sater nad) Mvignon, wo er ba« frühere freunblid)e See« 
hältnii mit bem Abte von ge«ean, jel)t (Zatbinal, roieber 
anfnüpft. — .finnig 3obann ftellte am 11. 3uni 1341 
ben böbmifeben Stänben feinen Sohn als Nachfolger 
vor unb übergab ihm im gebruar be« folgcnben 3abre« 
bie Regierung; feit biefer 3eit ift «Warfgraf Äarl bet 
eigentliche Kegent ber böhmiftben 8dnber, n>eld)er mit 
®lüd ba« ©teuer be« Staate« führt uub mit feinem 
fd)on erprobten @<fa)ide Crbnung in Die Serwaltung 
ber ginannen bringt*, einen feiner Siebling«n>ünfa)e, bie 
Erhebung be« Sidtbum« Srag jutm 6r)bi«thum, führt 
er 1344 mit $ülfe feine« früheren Vehra«, be« Sapfie« 
Siemen« VL, glüdiict) ju (Enbe. 

3n Zirol würbe 1341 3ohann, ber Sruber Jtarl'«, 
im dtnoerfiänbnit) mit feiner ©attin verjagt, weise hier* 
auf 8ubwig von Sranbenburg, bem Sohne be« Äaifer«, 
bie 4>anb jum ehelidjen Sunbe reidjte, bamit ivar aber 
aud) ber unheilbare Srud) )wifd)en beu Käufern £u^em< 
bürg unb SBittel«bad) beftegelt. 3ene« fente ftd) ben 
Stur) be« Jtaifer« )um ^iti unb mürbe babei fräftig 
vom Sapfte unterfiüt>t, weld?« 1343 ben S rocr t< gegen 
8ubwig erneuerte unb bie beiben Luxemburger 1344 nad) 
Slvignon )u einer 3ufammrnfunft (ub; fte )o^en im Sprit 
1346 nod) einmal in bie päpftlid^e 9itfiben) ein, wo e« )u 
ben Sd>lutverhanblungen fam, in tveldjen (24.aprü) Äarl 
ber 6urie weitgebenbe 3ugeftänbniffe mad)te, wie fie biö» 
lang von feinem beutfdien Äönia betviüigt werben roaren. 
hierauf forberte Siemen« bie xurfürftru jur Stahl auf 
unb bezeichnete feinen Schübling Jtarl al« Sanbibatrn. 
Slm 11. 3uli fürten ihn bie brei geiftlidsen SSablfürtfit, 
3obann von Söhnten unb SRuboIr von Saa)fen>3Qitteu< 
berg tum ftönig. Jtarl, welcher bie Jtrone bauptfäa)(td) 
bem Sapfte unb ben (Srjbifctjöfeu be« JturcoQegium« )u 
banfen hatte unb barum von feinen ©egnern al« Sfaffcn' 
fönig be-eirbnet würbe, enthielt ftd) vor ber päpftltd)en 
Seftätigung feiner S3ahl aller 9legierung«aete unb begab 
fid) mit feinem Sater naa) «ranfreia) unt> nahm theil an 
ber Su)laa)t bei «reo* (26. «ug. 1346), weldje Dem 
blinben 3obann ba« Leben fofiete. 

Snblid) langte bie päpfiliebe Seftätigung feiner 9B?af?l 
an, unb nun würbe Jtarl in Sonn (26. Nov. 1346) 
gefront. Seine bamaliae Lage hätte aud) einen enU 
fa)loffenen unb tbatfrüftigen SRann eatmuthigt. Sein 
©egner, ber Jlaifer, war ihm an *äRad)t mehr al« ge< 
road;fen, >u ihm hielten ade willigeren Stdbte unb ein 

11* 



KAHL IT; (RÖM.-DEUTSCH. KAISER) <M - KAKL IV. (ROM. -DEUTSCH. KAISER) 



a,rc«kT Ibeil ter wtltlil'en £enen, rräbrrnt t a$ teuifcbe 
ftcnigtbum ftari'* antärigltcb fa»t nur vcn feiten ter 
Weiftiicbfeil Änerfennung. fant, weiche neb ihre Partei •- 
nahmt ttirrb Ii« SinStirliiin:] oller möglichen "Pnrilcflim 
nnt greibeitcn befahlen lies. ftarl be'a§ im 'Reiche ned) 
'e trenig üjtra ?cten, ta§ er ftch ju lynrt tc* 3abre?, 
wie ei« Gbrcnin berichtet, rrrfleitet na* Söhnten furch« 
t'cbleicten mu§tr. «Ben hier eilte tr na* Jircl in ter 
$cffnun h \ tiefe Onaffcijatt tfn SBiitciabacbern entminten 
$u tonnen; nad) ©öhmen jtmidflefebrt , lief? er ftd> am 
2. Sept. 1347 Ite böhmifdie Äronr frtnrlidj auf rad 
£aupt feBen unr rüflete fefann ;um ftampfe mit Vut« 
roig. 3m rager bei Tau* mut^e ibm tie fixere ftunte 
ton tem plöplicten Slblcben (11. Cct) bet) ftatfere. «I* 
nun ftarl tie Wrrnten ütertebritt, rratfn f ifle ^erren 
unb Stätte, iftcgemJturg unt Dürnberg rcian, tu il?m 
über, tie meiften Ullerting») gegen bebe (^elbfummen 
unb anterr 3uftd>erungen. Tie ibred £auptrf3 beraubten 
ffiilfrlebacber trugen tie ftrone ötuarr III. von Ifng« 
lant an unb tieften fid) tarnt mit ftarl in llntrrbant' 
lunaen ein, welche fid) aber ;erfd?!ugen. Ter ftönig 
wuwe fte aber turd> tic Hnerfcnnurg fcfl falftfcen ffial« 
bemar an einer tbrrr empfinrlicbften Seiten «u faffen, 
bte fJranbrnbtirgei fielen r?on rutwig, tbrem bisherigen 
J&rrrn, ab, welcher fid) jrbecb in granffurt a. b. D. hielt 
unt> Äarl belehnte ben ^Betrüger mit ter Warf unb Ter 
fturwütbr. Tie am 90. 3an. 1340 erfolgte ©abl GUin« 
tber'd von Sdwanburg tum (Megenfcnig ift ber (Hegen* 
jug ber SHMltelebadjer, welcher \tve<b leine Sebeutung 
taburd) einbüßte, bajj ftarl bte bislang gefcbloffene 
bairifcb -- pfäljifdjr »Partei tureb feine am 4. Wärt mit 
Vlnna, ber Joditer bed <J}faUgrafrn «Rutelf, velliogene 
£eiratb fprrngtc. 3rrjt mar Günther verloren, er unter« 
hantelte mit tem Vuremburger, entfagte ber Ärone unb 
jkrb balr batauf. ftarl bagegett, allgemein olö beut« 
febrr »önig anerfannt, lieg fi* }u «adjen frönen, föiMite 
fid) mit Vulmig ven 'dranbenbitrg aiifj, itadibem er brn 
falfdjen ffialbeinar trftnfttc hatte fallen laffett, unb ver« 
anlafttr tie lleherfftfjrung ber 4 J{etd)f3fleinobieii nadj 'J3rag, 
»e fte mit fird'lidiem ®e»ränge enmfangett würben. 
Um bie ftaffrrfrone w erhalten, unternahm er mit einem 
fleinen ffiefolge im Cctober 1354 ben IRomerjug, Öffnete 
ftdj 6urd) llnterhanblungen bie Ihcrr 3RailantrJ, no et 
»um Äönig r»ou 3talien gefreut rourbe, fam in ber 
ßharroedje vor Äom an, begab fid) heimlid) in bie 
6tabl, um bie heiligen Crte |fl teiudjen, riirfte fobann 
am Cfiertage (f.. «pril l.'Jöö) an ber Spipe ber Seinigen 
in «Rom ein, würbe oon bem (Satbinal von Cftia, al« 
ttm Vertreter befl »IJapfte«, gefrönt, wrliefj, eingebenf 
feiner ber Gurir gemachten 3"f a 8 f » an bemfelben 3jgc 
bie €tabt unb elf Jage barauf bat» ftirdjengebiet. 3n 
Ulfe fam e0 «?.:.-. =-r feiner Mnrcefenbeit in ber stacht 
auf ben 20. 5Raf ju einem Slufftanbe, toeldjer nieber* 
grfd)(agen rourbe, unD anfangt 3nli befanb er fid) mirber 
au r rnitfdsem Soben in Sfug*burg. Schon vor bem 
^omeruige fliehte ftarl brn gebben bind? ranbfrtrben(5> 
verlröge Einhalt ju thun, in gleidjem Sinne roirfte 
er aud) oM ftaifer unb verfdjafflr auf ben Jagen tu 



»egendburg unb Wef (10. 3an. urP 25. Xee. 1.35»)) 
jenem iHeiaSfgetej« tit SnetfeTinung, rrelcbee? unter bem 
Kamen Eer Seltenen ©ulle befannt tft. 

S.'rit mehr alt in TrutfcHanb, rrc fie heefcent« 
rricfrlte lanPe^fürftlicbe 9Jad?t einen unüberftetgltcben 
lamm für grünblidw Reformen bilfete, rermorbte Äarl 
feine hohe v^emcherbegabung in ben böbmifeben Jtxcn- 
lanbern u: »eigen, rcelebe, baS ^auptlant voran, treib« 
renb feiner ;Kef,irrung \n einer nicht geahnten *lüte ge« 
langten. Slm 5age feiner ftrönung (2. Sept. VM7) 
beftätigte er feinen llntertbanen alle ihre *Jied)te unb 
greibeiten unb am ". Jlpril 1348 fteUte er mit 3uftim« 
mung ber Stänte eine Weibe tr-iebtiger '©riefe auf, 
reelaV pornebmlid) tie 3ied»te ber böbmifeben Jtrone 
ficherttelleii follten. Spdter lieg er rie alten Sa$ungen 
be$ «fanbe* fammeln unb in ber Majestas Carolina 
jufammenftellen, einem CHefepbueb, ba# rie fönigltd^e 
SRacbt nxfenllid) erhöht hätte, aber ron bem Vant 1 ge« 
(September 1355) niefct beftängt mürbe; fropbem haben 
ftcb mand?e «eftimmungen ber Carolina eingebürgert 
unb ber Jfaifer erlietj noch manche Wefetje, weldje fie 
Sicherheit be« (Jigentbumtf unb bte «ufrerttbalruug rer 
♦Ruhe unr Crbnung beredten, für bie er trieherbolt 
mit 9?ad)brud unb Strenge eintrat, lirag, bie Wetioenj 
bef) ftaifere?, mar al< folrbe eine j$tit laug ter IVittelpunft 
beeJÄömifrb^beutfdjen SRetcbefl; um tie biefrt hohen Wange* 
mürbig ;u machen, tr.- eiterte Äarl bie Stabt burd) rie 
Stillegung Der Weuftabt unb bie ($tnbeiiehung bee} Vororte* 
91ujejel in bie am linfen Wolbauufer lirgente Äleiiw 
feite. l*r rief burd? ben 3*rief rom 7. 9lpril 1348 bie 
^>od>fd)ule in *ßrag inf» Sehen, Die erfte in Teutfcb« 
lanb. Tiefe feine Schöpfung, n>eld?e nach bem Kcrbilbe 
ter Unirerfttdt ^arifl eingerichtet mar, pflegte er mit 
«orliebe; er bebadjte fie mit ben nötbigen Wittein unb 
forgte für tüchtige Jehrfräftc. C*in marmer greunb unb 
görberer ber 2i»iffenfd>aften, itt er felbft ber «erfaffer 
einer Selbftbiograpbie unh einiger ibm tugefdjriebenen 
tbeologifdien Sdjriften; fein treuer iWatbgrber, (Jnift ron 
'l'arbubiß, rer erfte <ir>bilibof von 'Brag, n>ar ein ge» 
(ebner Wann, an ber Spipe feiner Äan^lei ftanb eine 
Seit lang 3obann au* Weiimarft, fpdter ^t»cbor von 
Clmüjj, roelcber fid) alt» Scbriftfteller bethätigte, ber 
Weifterfänger ajeinrid' po:i fflfigeln hielt fid) vorüber' 
gebeito an ftarl'« £efe auf, fein Öinffuft tft in ten 
(jbronifen ber beiten pragcr Tomberren granj unb t9e- 
nefd) von ©eitmühl ju erfennen unb er munterte ben 
italienifdjen SOiinoriten 3obanu SRarignola auf, tie »e« 
fdjicbte von SJöhmen ju febretben. Ter ftaifer fleht mit 
vielen anbem gelehrten S'i'flUffK'i ■« Berührung, fie 
alle werben von granj Petrarca weit überftrablt; ftarl 
mad?te beffen perfönliche $)rfannif&aft roätjrcnt be* 
*Römequgfl unb 135f> fam ber berühmte 3t«lienrr naa> 
*I?rag. ÜBie bie SBiffenfcbafteu, fo pflegte ber ftaifer auch 
bie Sänfte, (fr legte fdjon 1344 reit Olrtinbfteiu »um 
prager Tom, beffen S9au bi»J w feinem 1352 erfolgten 
lobe WattbiaA von SlrraC, fobann ber Scbivabe '^eter 
von Wmünben leitete, tvelcber aueb ben dpor ber ?ar« 
tr/olemduefircbe in ftolin begann, bie Woltaiibrürfe 



Digitized by Google 



KARL IV. (ROM. -DEUTSCH. KAISER) — 85 — KARL IV. (RÖM. - DEUTSCH. KAISER) 



baute unb ned) manche anbete 3?auwerfe tbeil« begann, 
tbeil« ju Gnbe führte. £iet ift bie SSurcj «.Rarlftein ju 
erwähnen, ein mächtiger Sau, £iebling«aufcntrialt be« 
alternben ftatfert linb ?lufbemabrung«ort ber «Reich«« 
fleinobien. Die Steinmetjen, welche Wc @otte«I?äuf«r auf« 
führten, meifjelten aud) bie Silbmrrfe, welche tetfebwen» 
berifdj mc Denfmäler (er gerbififcen Saufunft [cbmütfcn. 
Slucb bie OTalerei fanb in Äarl ihren görberet, febon 
1348 war in $rag eine rigrne 2Balrr}ecbe, bie SRaler» 
brübrrfcfcaft, ber rrfle in bein 3""?^"* eingetragene ift 
Weifter üheoborieb ober Dietticb ton 3>rag, ton bem 
etliche ber Silber bVerübren, welche bie föniglidy äapeüe 
auf bem Jfarlftein jierten; in be« Jfaifer« Dienften ar« 
beitete aud) Wfolau« genannt ©urrnfer au« Straft» 
bürg. Unter bem tfinfluffe bfefer unb anberer SReifter 
bilbrte bie prager Schute, welche mit ber ton Äöln 
unb Dürnberg in erfter 5Reit)e fleht. — 9?ur wenige 
feiner Sorgänger unb Ufadjfclger haben fo wie Jtarl bie 
Screutimg be« bcutfdjen Sütgertlntm« erfannt unb für 
bie gevKrbfleijjigen unt> hanbel«tbätigen Stäbter gleiche 
Sorgfalt an ben lag gelegt. Der fdjon torber fdjwung« 
baft betriebene £anbel hat bureb bie Sergröfjrrung ber 
lujemburgifdjeii f>au«mcidjt unb burd) bie Grbrbung 
Äarl'* auf ben Äaifertbron ein weite« unb grfidjerte« 
ßebiet für feine Dhäligfeil gewonnen, bie ber böbmifeben 
?änbeegruppe jugebörigen Äaufleute jogen über Oeftcr» 
reieb unb bie Eliten nad) Statten ; ton Sdjlefien nad) 
«Polen unb «Ruplanb, ibr £anbe(«net> umfpannte ganj 
Detitichlanb; «Prag unb Sre«lat:, aber aud) bie Reineren 
Stäbtc, nabmeu an biefem Serfetjre lebhaften Slntheil. 
ler Äaifer fudjte it>n burd) (Jrlbeilung ton «Pritilegien 
aller Slrt unb burd) ^inwrgräumung aller ^inberniffe 
m beben, fo befiehlt er, bie polnifdjen Jfaufleute au* ben 
böbmifdjen unb beulfchrn ?änbern au«juroeifen, weil bie 
Srafauer bie fflaarrnjüge au« ben böbmifdjen Äron» 
(dnbern nad) Greußen unb üRujjlanb hemmten, ober er 
orbnet bie £anbel«fpetrr gegen Ungarn, «Polen unb 
Cefteneidj an, weil bie betreffenden gürften ben böbmü 
üben {»anbei in ihren Väuberti untnfagt hatten. Da« 
.^anbroerf, tom Jfaifer begünftigt, erlangte in Böhmen 
rrdbrfitb feiner Regierung fein golbene« 3f<><ilt«. f * 
blübten bie Uudjmadjerei unb bie gärberei, italienifd)e 
SReifter terpflantten hierher bie f apferfabrifation nnb 
Slvbeiter au« bem OTorgenlanbe, welche gaftHd)e 9luf< 
nähme in «Prag fanben, bie Äunfiweberei; bie Qrrjrug« 
niffe ber ®olbfcbmiebe l welche nidjt feiten einen fünftle« 
rifd)rn ©ertb t)<Mtn, wetteiferten mit benen anberer 
?änber. «cail trug aud) Sorge für ben Sanbbau, er 
liefc ben Salbungen feineu Sdiutj angebeiben, förberte 
bie Teidjmirtbfdjaft unb lieg bie SIMjänge bei «Prag, 
Wrlnif unb tfritmerip mit «Reben tem «Rhein unb au« 
Suraunb bepflanjcn. 

©in OTeiöer in ben Äunften ber Diplomatie führte 
ber Jtaifer mit ®efd>id bie äufiern Angelegenheiten. Die 
5WiflbelIigfeiten mit 3nnoeenj VI. wegen ber ®olbenen 
Sulie, ba fte ben pdpftlicben (Sinfiug bei ber beutfd)rn 
ftenig«rtahl ftillfcbweigenb befeitigte, würben balb bei« 
gelegt} fdjlimmer geftaltete ftd) bagegen ba« «ßerbaltnig 



jwifdjen Äar( unb Slttbclf IV. ton Defierreid), feinem 
Sdjwiegerfobne, beffen ^rdtenftonen er entgegentrat, 
weldje ihren «u«bru<f in bem ton ihm gefachten «Priti» 
legium be« Äaifer« griebrid) I. fanben. Der #erjog 
fanb in ben ®rafen ton 2Bürtemberg ©erbünbete, fie 
mürben 1360 jur Unterwerfung genötbigt, er fd)lcfj fta) 
ben $oleu unb Ungarn an-, fte heften ftd) jum Sßaffen* 
ftiOfianb unb enblid) am 10. gebr. 1364 junt grieb rn 
ton Srünn bewegen, welchem aud) Siubolf beitrat, ja 
e« fam fogar jwifdjen ^tab«burg unb Sufemburcj ju 
einer @rbterbräberung, unb natbbem eine dbnlid)e )d)on 
torher jroifdjen ?ubwlg ton Ungarn unb bem <5er)og 
«Rubolf gefcbloffen worben war, fo «ritt un« bamü jum 
erften mal bie 3bee ber Bereinigung ber öfterreid)ifd)en, 
böbmifdjen unb ungarifeben 8dnber )u einer grofjen 
gj?onarcbie entgegen. 3m 3- 1365 lief fldj bei Äaifer 
jum Äönig ton Ärelat frönen unb ba« 3abr barauf 
jog er in bie £onibarbei, trat mit Sarnabo 9ii«tonti 
ton Wailanb, ben er in einem fedj«wöd)entlid)en ©äffen« 
gange niabt bejwang, in Unterbanbtungen, rücfte fobann 
nadj SRittelitalieu oor unb führte ben $apft Urban V. 
in 9Jom ein, ebne baf ber rigentlidje 3»«* biefe« 3uge« 
eneidjt worben wäre. Denn bie 2Rad>t ber 9Ji«eonti 
blieb ungebrodjen unb ber *ßapfl liebelte wieber nad) 
Xtignon über. ®(üdlid)er war Jlarl in ber S3ergröfjcruug 
feiner ^»au«mad)t. Seine jwefte ^eiratb mit ?lnnj, 
Soebter be« 5Jfal<grafen JRubolf, bradjte ihm bie Änwart« 
fdjaft auf bie Cberpfalj; hier erhielt er ton 9tuprrdjt 
bem 3üngcren ton ber ©falj pfanbweife mehrere fefte 
?ß[dt>e, bie fpdter bergeftalt termehrt würben, bafj ftd» 
bie ^errfdjaft be« 356hmenfönig« bi« an bie Sbore ton 
Dürnberg erfireefte; überbie« bradjte er nod) tiefe Stdbte, 
Surgen unb Crtfdjaften im Sleicbe fäuflid) an fid). 3n 
britter dbe termdblte ftd) ber Äaifer mit «nna, ber 
Jodjter be« ^erjog« 8o(e«lam ton Sdjweibnifr, unb 
terfdjaffte ftd) bamit bie 9u6fid)t auf bie 4J>erjogthümer 
S(bweibni( unb 3auer, e« fiel ibm aber uudj nodj bie 
9iiebertauftt) unb fcblicfdicb Sranbenburg ju. Sei ber 
(hwerbung biefe« äurlanbe« jeigte Marl feine biploma- 
tifebe ©ewanbtbeit unb bie fluge ?lu«nü$ung aller Um« 
ftdiwe im gldnjenbficn 8td)te. wacb iebnjdbriger raftlofer 
Dbdrigfrit fiel bie «Warf bem Äaifer burd) ben «ertrag 
tom 15. 9!ug. 1373 af« reife gruebt in ben Sdjo«, 
«JWarfgraf Ctto erhielt al« («nlfdjclbiflung einige Stdbte 
unb Sdjlcffer in ber Oberpfalj unb eine bobe ®elb« 
fumme. Jtarl (iefi fid) angelegen fein, aud) biete« feinen 
neuen Sefft), welchen er mit ber Jfrone Söhmen ter* 
einigte, nad) 2Röglfd)frit ju b<ben, (teilte bie lang 
entbebrte Kube unb Drbnung her, löfte frühere Ser* 
pfänbungrn ein, errid)tete ein 9anbbud>, fd)ü$te ba« ®e« 
roerbe unb bob ben $anbe(; granffurt unb üangermünbc 
mürben wichtige ©lätje für ben Serfehr. 3n ben legten 
3abren feine« 8eben« eröffnete bie Verlobung Steg= 
munb'*, feine« Sohne«, mit SJlaria, Ioa>ter be« unga« 
rifeben Äöntg«, ben ?uremburgem bic Slnwartfdjaft auf 
Ungarn. 

Irot) ber ®ebred)en, ton welchen ber greife ^»err« 
Wer befmgefuebt würbe, untemabm er im Decmber 1377 



Digitized by CiOOqIc 



KARL IV. (ROM. -DEUTSCH. KAISER) 



— 86 — 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



tu« Steife nach granfreicb, um noch einmal jene Stätten »u 
flauen, an welche ftch feine fchönften 3ugenberinnerungcn 
fnüpften; er riebt am 4. 3an. feierlich in 'JJarit ein unb 
lehrt von hier über turembutg nacb Söhnten jttrücf, wo 
er am 29. 9tov. 1378 fiirbt. Dat Srbe würbe getbeilt. 
IV (i Mähren hatte Jtarl feinen aut lirol vertriebenen 
»ruber 3obann unb bctTen Manntftamm febon am 
26. »ov. 1349 belehnt, bie ©raffchaft Suremburg, am 
13. 3Rärj 1354 |uin Jpetjogtbum erhoben, hatte er feinem 
jüngften »ruber SBenjel verlieben. Jtarft dttcfier ©orjn 
äBenjel, noch bei Sebjeiten bet »atert jum römifaV 
beutfeben Jtönig g wählt unb gefrönt, erhielt »öhmeu, 
Sajlefien unb hie »errungen in Saiern unb Sacbfen, 
Siegniunb befam »ranbenburg unb 3obar.n bat #cr}og< 
tt)um ©örlifc. 

Jtarl wirb unt grfebilbcrt alt ein Wann von mitt- 
lerer ^>ctje, vorgeneigtem Aalt? unb Jtopf, bunfler #aut« 
färbe, breitem ©ejtcbt, gregen Singen, gerunbeten »aefen, 
febwarjem »artbaate uno fahl am vorbern 2beile bet 
Jtcpfet. 3n feiner Jtltibung mar er K>it>'t einfach, boch 
liebte er bei feierlichen Gelegenheiten i'ut: im volljten 
$runfe ben »litten ber beenge ju jeigen ; er war baut« 
bäfterifeb. unb im Sammeln bet ©eiset eifrig; empfing 
es jemanb, fo war er gewöhnt, mit einem flefnen Keffer 
an $oljftäbcbcn ju fchniaen. Dabei fchaute er bem 'Po- 
fueber feiten in bat ©eftebt, fonbern e6 irrten vielmehr 
bie üuaen umher unb feine ©ebanfen febienen weit 
ab ju Irin, bennod» hörte er aufmerffam ju unb ohne 
lange ju überlegen , gab er treffenbe »emerfungen unb 
Antworten in wenig xßorten. Der Jtircbe blieb Jtarl 
von ben fahren feiner 3ugenb bit ju feinem Jobe un 
wanbelbar treu unb ber ©eiftlicbfeit war er ein warmer 
greunb unb »nehm; er liebte et, bie fireblicben gefte 
mit einem nie gefehenen tyomt> ju feiern unb bie von 
ihm jablreicb aufgebauten ©ottetbäufer mit Sceliquien 
autjuftatten, bie er mit großen Jtoften in Dcutfcblanb 
unb 3talien fammelte. — Der Jtaifer ift nicht in bie 
Seihe jener Jtriegtbetbcn ju (teilen, bereu 2baten bie 
3eitgenoffen anflaunten unb von beren ^>e(bentt)um bie 
fpdte Fachwelt m erjdhleu weig, er bot auf bie ©unft 
bet wetterwenbifajeu Jtriegtglücft nie ju viel gebaut, 
fegte feine Hoffnungen meV auf bie Jtunfi ber Unter' 
hanbfung unb bat auf biefem SBege weit mehr erlangt, 
alt er mit ben SBaffen je hätte erreichen fönnen. Stuf bem 
bivlomatifchen gelbe fühlte er ftcb SRcifter unb et ftanb 
ihm eine ßäbigfeit, eine ©ewanbtheit unb Schlauheit ju 
©ebote, vor welcher feine ©egner bie Segel fhreichen 
mußten. SBeft autfebenbe $lane waren feinem nüchtec 
nen unb praftifeben Sinne fremb, er fegte jta> bat ©r» 
reichbare jum 3'<l, bat er unverrüeft im Äuge behielt, 
mit unermüdlicher «utbauer verfolgte, von bem er {ich 
bureb feine ^inberniffe abfehreefen lieg, er wartete ben 
günftigen Moment gebulbig ab unb nügte bie »lögen 
feiner ©egner aut; hierbei fam ihm ju jiatten, bag er 
bei feinen georbneten ginanaen jeberjeit über bebeutenbe 
©elbmittel verfügen fonnte. 

Duellen: Cbron. Au lue regiae; Vit* Caroli IV.; 
bieSbronifen vongrant.$Prag.unb»enefcb von SSBeit» 



mübl. — meljel, ©efehiebte Jtarl't IV. (2 »bc.). — 
ajuber, Siegelten bet Jtaifetreicbt unter Jtaifer Jtarl IV. 
— griebjung, ®efd)i*te bet gei(liaen «ebent unter 
Äail'er ÄarllV. — ®eruntftt, *arl IV. (von bem auf 
4 SBänbe berechneten SSBerfe bither nur ber 1. etfebira). 

(G. Min r mann.) 

b) KARL V., beutfdjer Äaifer 1519—1556, alt 
Jtarl I. Aönig von Spanien feit 1516, war ber dltejte 
Sohn bet (Jrjbtrjog* $hi(ipt> von Cejterreich unb 3o« 
hanna't, drbtochter gerbinanb't unb 3fabella't ber Sta* 
tbolifchen von Spanien. @r wav geboren am 24. gebr. 
1500 in ©rnt unb erhielt ben 3itcl einet $erjogt von 
£ur/mburg. @r würbe in ben 9cieber(anben erjogen, auch 
wAhtenb ber mehrfachen «bwefenbeit feiner Seitern. Seine 
lleberwachung unb Leitung fiel hauptfäa>lich feiner »atert« 
Ktjroefter, ber erjherjoain »JKargarettje ju. 3m 3anuar 
1506 übernahmen $W\r: unb 3obanna bie Stegierung 
(lajiilient ; inbeg ber er^ere ftarb fdwn 25. Sept. 1506, 
unb 3obanna verüel immer mehr in eine büfiere 3flt> 
laucholie, bie fie tegierungtunfähig machte. Durch ben lob 
feinet Sktert würbe Jtarl ber nominelle $err ber fieb* 
jehu ^rovitiv.ii ber 9tieberlanbe fowie ber burgunbifthen 
grrigraffchaft; bie Kegentfchaft für ihn übernahm wieber 
feine Xante Margarethe. 3n flaiiilien bemächtigte ftd) 
fein ©rogvater gerbinanb von Äragon ber ^errfchaft. 
Äarl würbe weiter in ben 9tieberlanben unter unb von 
Webcrlänbern erjogen. Sein ©ouverneur war fflilhelm 
von C5rov, ^erjog von Uhieoret, ein ehrgeiiiger, wenn 
im ©runbc aun> wenig befähigter Magnat von an< 
genehmen unb gefälligen gönnen, ber ftcb jumrffx be» 
mühte, bie ©unjr feinet fürftlia)en 3öglingtju erwerben. 
Sllö eigentlicher 8cbrer biente biefem ein üprofejfor ber 
löwener Univerfität, Stbrian gloritjoon aut Utrecht, ein 
emftcr, eifriger, gelehrter, tehr woblmeinenber, inbeg geijtig 
nur mägig befähigter Jclerifer, ber bem jungen ij)errfci)er 
frübjeitig regen Üfifcr für ben fatbolifdjen ©lauben in 
geläuterter gorm einflößte. Jtarl hat feinen Srjiebern 
^ett bat banfbarfte tlnbrnfen bewahrt. Jumal (Sbievret 
würbe, alt er beranwucht, fein bauptfäcblicbfier Seiter 
unb »rratber. Uebrigent würbe Jtarl aucfc'mit ben ritter< 
liehen Jtünften wohl vertraut, fobag er, bit feine ©efunb' 
beit abnahm, im furnier, in Sali' unb anbern Spielen, 
felbß im Stiergefecht ftcb ftett autjeichnete. 1515 würbe 
Jtarl formell grogjährig erflärt Seine watlonifcben ©ünft' 
linge jogen ihn um |o mehr jur franjöfifct>CTt Partei her« 
über, alt fte in ihm ben lebhaftejten JSag gegen feinen 
©rogvater gerbinanb ju erregen gewugt hatten, ber ihm 
fein cajtilifcbet @rbe vorenthielt. So fcfclog er im SDiärj 
1515 mit granj L von granfreia) einen greunbfchaftt* 
vertrag, ber et biefem möglich machte, bie (froberung 
bet SKailänbifcben ju unternehmen unb ju voflenben. 
Sm 23. 3an. 1516 ftarb bann gerbinunb ber Jtatholifche, 
unb bamit würbe ber driherjog alt Jtarl I. Jtönig bet 
gtfammten Spanien. Sit er bort erfebeinen werbe, über' 
nahm Garbinal fimene) für ihn bie Regierung, ein fa« 
natifeber, herrfchfüchtiger $rä(at, ber jich um bie Sefcble 
Jtart't ebenfo wenig fümmerte wie um bie Siechte ber 
Unterthanen. Jtarl eilte betbalb, von ber Jjenfcbaft in 



Digitized by Google 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) - 87 - KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



€panien unverniglid) S3efi0 ;u ergreifen; unb »ni fid> 
rifS ju erleichtern, fcblojj er 13. Säug. 1516 mit granj I. 
ben grirben von 9Jovon, in brat er alt Jtönfg von 
Spanien bie franjöftfdV SVfifcnabme fRailanbS aner» 
fonntr. 3m September 151? lanbrte Äarl an brr 9?orb' 
lüfte Spanien«. lieber bic (5igcnmäd)tigfritert be* fimenej 
erbittert, burd) feine wallonifaen ©ünfilinge roiber ir>n 
eingenommen, fürebtenb, berfelbe werbe fid) ju feinem 
Jjerrn machen wellen, befahl er bem Sarbinal, fid) fo» 
fort in feine (Srjbiöjefe Solebo jurüdjujiehen. Stefer Un» 
banf brach bem 80idtjrigen Prälaten tat ^erj ; er ftarb 
febon im November 1517. 9}or allem galt tt nun, fid) 
mit bet eigentlichen ^errfd)crin, ber Äönigin 3ohanna, 
auSeinanberjufe&en, bie wie eine (befangene im Schlöffe 
ju 3 erbefilla lebte. Surd) ?nt unb Sd)meid)eleten lodten 
Äarl unb <Sbtet»re« ber armen gürftin bie '.Brllmaebt ab •), 
für fie bie JRegierungSgrfehdfte tu üben, bie nun unter 
bem Warnen „Johanna unb Äarl" geführt würben. Hann 
verlieft man bie Königin, bie wieber ihr einfameS, ja 
ärmlirbrS Safein ju fuhren hatte. 

Äarl vereinigte a(fo Spanien mit ben Weberlanben, 
nnb balb folltc ihm bie britte grefje (Srbfdjaft ju fallen, 
tveldje ber (ibrgri) feiner ©erfahren für ihn erworben unb 
befhmmt hatte: bie beutfdjen Setzungen ber £abSburger. 
Ginfiroeilen erregte aber Äarl'« {Regierung unter ben 
ftoljen Gaftiliern bie bödjfte Erbitterung. Sie fontiten 
tt nicht vertragen, fid) von gremben, von SiieberldnbeTn, 
auf baS roiflfürlidjfte unb gewfffenlofefte beberrftbt unb 
mmol unverfcbdmt auSgefogen ju fehen. Sie einflufj« 
retcbftrn unb eintrdglithften Remter in Staat unb Stirpe 
würbe:: mit ben unwürbigen Erraturrn, SSerwanbten unb 
grrunben beS £errn von Winf befe(t. Schon feit 
1518 gab tt ernftlicbe Reibungen in ben EorteS, HuS 
brüebe populären Unwillens. Ter ledert ftieg aber auf 
ben ©tpfel, als Äarl «Kiene machte, Spanien auswärtigen 
3ntereffen unterjuorbnen. 

«m 12. 3an. 1519 ftarb Äaifer tDJorimilian. Um 
bie Äaiferfrone, bie immer noch rjofjeS SÄnfehen unO 
vielerlei Änfpnidje verlieh, bewarben ftd) wetteifernb fein 
trnfel Äarl von Spanien nnb beffen bisheriger grrunb 
gronj von granfreid). Surd) 3ntiriguen aller Hrt, be< 
fonberS aber aud) burd) $&efted)ung ber Äutfürften unb 
ihrer Siener im groftarrigflen Wafiftabe befdmpften ftd) 
bie beiben Äebenbubler. greilid) übertraf granj ben jungen 
Habsburger weit an 9tubm nnb perfönlidiem Slnfeben; 
allein bie «BolfSgunfl roar gegen ben granjofen, auf feiten 
beS auS beutfdjem ©tute entfpreffenen Äarl. Sie öffent» 
lia)e Meinung, untcrftii&t von ber Slrmee be* Sebwäbifdjen 
f>unbeS, trug ben Sieg bavon; am 28. 3uni 1510 warb 
ber Äönig von Spanien in granffurt als Äorl V. uim 
römifAen Äaifer gewählt, freilid) m feiner Wadjt burd) 
eine 3Bableapitu(ation bebeutenb befd)ränft. 

ftm war enblicb erreicht, waS grieorid) III. unb 

1) SNin fcfrf bimU'rr {iindl tatttil Bllal, Premier ro. 
rüge Je Charte- Quint m Espagne, Collection de« voyage« de* 
SonTerains de« P»t«-B«j>, parSachird et Piot (9. III, SrAffrl 
1881). 



Warimilian I. mit unenblieher 9eharrltd)feit angeftrebt 
hatten: ein babeburgiieheS ©eltreid) war entftanben, roie 
cS nod) nie gefeheu morben, mächtig genug, um öden 
anbern Staaten baS @efet> ju oietiren. Xte öfterreichi« 
fdjen (Srblanbe famen bamit ni ben ftieberlanben , ber 
gretgraffchaft, Spanien, Sarbinien, 9ieapel unb Sieilien, 
ben amerifanifeben ßolonien mit ihren wunberbaren 
Schaben. SKit ber Äaiferfrone hatte biefer gewaltige 
StaatSförper feineu Kbfchluf), auch äußerlid) bie rjcdjfte 
SSPürbe, ben rechtlichen jlnfprud) auf bie SBeliberrfcbaft 
erhalten. Unb nichts weniger war eS, tvaS Äarl V. an* 
ftrebte. »Vi du Ijailt bamalS nur eine geringe Meinung 
von biefem gürjten. 9(0eS an ihm erfehien langfam unb 
bebächtig: feine ffleife ftd) ju bewegen, fein Denfen unb 
^anbeln; felbft baS SJerfiebfn unb ?erneu warb ihm 
nidjt leicht. Äörperlich war Äarl von mittlerer, wohl' 
propettienirter ©eftalt. Sie «ugen trugen — baS (Frbe 
feiner 3Wufter! — einen melancholifchrn nuSbrurf, weldjer 
burd) bie auS frühjeittger ÄTäuflichfeit hervorgehenbe 
Släffe unb {»agerfeit beS Slntlijeö, burd) einen weit 
bervortrttenben Unterfiefer fotvie burd) feine gebeugte 
Haltung nod) verjtdrft würbe, ^ellblonb , faft rötblid) 
•vor fein {»aar, feine tfugen hatten einen ftechenben 
SluSbrud. Seine Sprache war unbeutlid) unb erfehien 
fo traft d}rr. 9*u i- bie breite Stirn lief) auf eine hdftige 
3ntelltgen,t fd)lie^en. Seine ftleibung, fein Aeffiaat tvawn 
einfad); in einer $tit, wo man viel auf baS «eu^ere 
gab, fdjienen fie eines fo großen gürfien wenig würbig. 
97icmanb huta' noch etwas 9tu6ergewöbnlicbe6 von ihm 
gehört ober gefehen. 3tn @egentbeil, er galt als völlig 
abhängig von feiner Umgebung, von (SbiivreS unb bem 
3?iemontefen SRerrnrio ®atrinara, feinem @ro^Fan|ler. 
9lber fchon galt er als überaus fleißig in ben @ejrbdften ; 
nnb in ber Zlm, mit jebem 3<thrc griff er thätiger in 
ben @ang ber ^olitif ein, bis er fa>on in ben erften 
iwanjiger 3ahren bie Seele feiner Regierung würbe. Unter 
fdjeinbarer 3nbo(enj reifte er voeitumfaffenbe $lane. 
9cid)t mit fdjnell vorbringenber ®ewalt, mit umftdjtt'g 
angelegten Semübungen wollte Äarl ftd) allmäblldi bie 
JDbetherrfehaft über Europa erwerben. Unter biefem 
<Beftd)tSpunfte verfebwanben ihm nalürlid) bie nationalen 
3ntereffen feiner einzelnen Sänber. Siefe (enteren waren 
ihm vielmehr nur Wittel ju feinem 3wede: fie hatten 
ibm ©elb unb Solbaten jur fluSfühtung feiner weit« 
nmfaffenben Uniwürfe ju liefern. ^öd)ftenS mit ben 
9?ieberlanben, jumal mit beren wallonifd)em Sbeile be» 
wahrte er eine «et perfönlichen 3ufammenf)angS. Seine 
OTutterfpradK war bie wa(lonifd)e, b. h. franjofifebe, 
bie er am liebften rebete, in ber er nod) am ftbenb feines 
Gebens feine Senfwürbigfetten abgefaftt hat. Mud) in 
fpäteren 3ahren bemetfte man, bafj Äarl, ber als »iem« 
lieb getjig befannt war, fid) ben Weberlänbem freunb* 
lieber unb freigebiget jeigte al* ben 3talienern unb felbft 
Pen Spaniern.*) 

3m SRai 1520 hatte Äarl EafHIien verlaffen, um 
nach ben Wieberlanbeu ju fegein unb von Ijier auS feine 



■2) ReUiione di Niecol» Tlepolo 1582. 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



- 88 — 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



Ärönungöreife nad) Deutfd)(anb anzutreten. 3m October 
1520 in Stachen «frönt, nahm er wie fein ©rcßvaler 
unb Vorgänger ohne weitere« ben litel eine« erwählten 
römifdjen Äaifer« an. Sofort batte er «5rfolge ju »er* 
jficbiien. 35er Sdjwäbifdjt Sun», ber ben ^erjeg Ulridj 
au« aBürlemberg vertrieben batte, gab ihm für bie @r« 
fiattung ber Ärieg«feften tiefe« £anb in Sequefter. 3m 
3anuar 1521 eröffnete er feinen erfien Reichstag in 
SBorm«, von Minien unb Stäuben volljährig umringt. 
Um burd) Ibeilung ber ©efd)äfte biefelben ju verein» 
fachen, übertrug er fjicr bie beutfaVöjrmri$ifa>en Sanoe 
feinem SJruber gerbinanb. Dann orbnete man bie Reich«« 
angelegenbeiten im Sinne ber *Rartaiilianifd)en Reformen, 
aber in einer für ben faifrrlidjrn ©influß güuftigeren 
SBeife. Da« Reid)«regiment, ba« Reid)«'Äammergerid)t, 
ba« Reicböfinanj» unb SRilitärwefen würben enbgültii) 
organifirt, oie (Sintbeilung be« Reia)e« in jebn Ärei|c 
burebgefübrt. 3nbeß bie wicbtigjte grage, oie bem jungen 
Äaifer bier entgegentrat, roar bie religiöfe, bie bamal« 
ganj Deutfd>lanb in oie höd)fre Aufregung verfemte. 

SWan batte ft# allgemein mit ber Hoffnung ge« 
fcbmeidjrlt, ber neue ä^erricbcr werbe bei ber feinbfeligen 
Stellung, bie $avft Üeo X. gegen feine SBahl einge« 
nommen batte, ftd) ber ilutberifaen Reform anfcfjlief en. 
3ablreia>e 93olffllieb«r begrüßten ibn jubelnb in biefem 
Sinne. Mein ba« roar bod) ein veUftänbiger 3rrtbum. 
Gin fo planmäßiger Hopf wie Äarl V. lies (id> nid)t 
burd) »orübergrbenbe 3wifd)enfä0e leiten; unb feine bauern« 
ben 3ntereffen wiefen ibm, wie er einmal feine 3ic(e er< 
faßte, feine SieKe jur Seite be« Zapfte« an. ör beburfte 
wenn nicht be« »eijtanbe«, fo bod) be« SDoblwellen« ber 
univerfellen Äfrtbe, wenn er feine $lane auf SBieber« 
aufrid)tang be« univerfellen Äatfertbumfl verwirflitben 
wollte. ßr wünfdjtc mit tcr Äirdje einen Sunb ju ge« 
meinfdiafilitber Durchführung irjrcr 3ntereffen ju fchließen. 
(Sine Äitdje unb eine bödjfte weltliche Wacht in Gurcpa: 
fo bad)le er ftd) bie 3"' un f>- äud) feine innrrfien 3J2<i« 
nungen ftimmlen bamit überein. @iner Reform ber Äircbe 
war er wobj geneigt. Da« war auch bie Slnftd)t feine« 
aitfgefldrten unb etnftebtigen Beichtvater« ©lapion; aber 
fie feilte auf bem SJoben be« Äatholiciömuö unb burch 
bie überlieferten fircblitben unb weltlichen Gewalten voll« 
jogen werben. 3n ber 8uft be« ftreng ronfervativen unb 
autofratifajrn bttrgunbifrben £ofe« aufgewaebfen, »erab* 
fdjeute Äarl alle« revolutionäre treiben. So mußte c« 
ibm alß ber ©ipfel ber Sermeffenheit erfebeinen, baß 
ein unbebeutenber SJiöncb e« wagte, bie feit anbertbalb 
3abrtaufenben beftebenbe Äird)e umfiürjcn ju wollen, 
baß 33auem, Bürger, Ritter unb einige dürften e« unter' 
nabmen, biefem tollfübnen unb anmaßenten Schwärmer 
gegen aUe geiftlicbe unb weltliche Cbrfgfeit beijufteben. 
Da nun aud) ?eo X. mit Äarl grieben madjte, fo hätte 
betfelbe am lirbfien Sutber gleich, verbammt. Rur bie 
gorberung ber Stänbe ließ ibn ben wittenberger SRönch 
noch jur SBerantwortung vor ben wormfet Reith«tag 
ritiren. Der fd)lid)te Wann wußte ib,m, feinen Spauiern 
unb 3taUenern wenig )u imponiren. „Der," rief Äarl 
au«, „foU mta> nidjt jum »efier madjen." fflirflid) ge* 



lang e« bem (Finfluife ber faiferlidje;» Slutorität fewie 
ben (dngft gepflogenen gewanbten utib bidereten Unter« 
banblungen Ber Faii'erlidjen Staatemänner, ben gürften 
ba« «(toibecret wiber «utber abjurroDen (26. 9Rai 1521). 
So fdiieb H<b ba« offkieUe Reid) von beu Reformation*« 
beftrebungen für immer. Seioen biente ba« ni<bt jum 
9?ortl;eil. Dem Reid>e würbe bie frffdie unb beiebenbc 
Jtraft ber Reformbetoegung entzogen, unb balb lehrte 
biefelbe ftd) wiber ba« Reid), um beffen gdujlitben 3n> 
fall bnbei'ufübrrn. Luther aber fab ftd) genötbigt, bei 
ben gürften eine 3«fl«d)t ju fud<en, ftd) ibnen ju übet» 
liefern unP babei in ber (Sinfeitigfeit feiner religiöfen 9e< 
ftrebungen abjufdjliepen. ($r fd>ieb biefelben von tu 
Sad)e ber politifdjen greifen, er wanble fid) vom «olle 
ab, ba bie« ibm (einerlei d>a(l unb Unterftü^uug ge« 
wdbjrt bdtte. 

Äarl aber (ebne 1522 nad? Spanien jurüd. Sie 
3ntereffen ber großen ^»(itif jogen ibn einfhvcilen vöQig 
von ben beutfdien Angeiegenbeiten ab. Seit feiner Riebet« 
tage in ber fBettbewerbung um ta« beutfd)e Äaifenbum 
war granj I. mit größtem äj>affe gegen Äarl erfüllt. Der 
bodj nod) foeben fein Sd)wiegerfobn batte werben feilen. 
3n folcbeT Stimmung lonnte e« bem franjöüfd)eit Äönige 
an ©rünben ju geiubfeligfeiten gegen Äarl V. ttid)t fehlen. 
Der ungeredjt« 93eft6 Ravarra« von feilen Spanien«, 
oie ^rbndberrlicbfeit granlreid}« über bie nieberlänbiftben 
©raffdjaften gtanbrrn unb 9lrtoi« (onnten granj jeben 
Slugenbtid einen Sorwanb >um Slteite geben, wdbrenb 
Äarl ftd) barübet befdjwerte, baß ber äönig nod) immer 
nid)t bie 9elel)nung mit ^ailaub bei ib.ni nad)gefud)t 
babe. Der franjöfifdje ^errfdter glaubte um fo eljer ben 
Äampf beginnen ju fönnen, al« gegen ben Äaifer gerabe 
in bem öauptftee feiner 3Rad)t, in Spanien, ein gefäbr- 
lieber «uffianb ftd) erhoben batte. 2rob ber ijodjgrabigen 
Unjufriebenbeit ber Spanier batte Äarl von ben 6or> 
te« beträdjtlidje Subftbien für feine Reife nad) Deutfd)« 
lanb erpreßt. Kl« er nun aber bei feinem iUeggange feinen 
ber bcflagtcn Uebelfiänbe abftellte unb einen gremben, ben 
jum Sarbinal beförderten vlr-rian von Urred)t, al« Statt« 
balter jurüdließ, brad) ber Aufftanb au«. Rod) einmal 
fudjten bie Stdbte von tlaflilien unb SBalencia bie alte 
greibeit gegen ben fönigüdjen De«poti«mu« wieberber« 
jufleaen. «n ber Spi&e Der ßoinmunen ftanb Jolebo, 
bie alte ^auptfratot be« £ante«, unter ber Leitung ber 
Don 3uan be ^labilla, eine« jungen Wanne« au« einem 
ber erften cafiilifa>en 9be(«gefd)(cd)lrr, ber (id) aber ftrt« 
tb<ilnabm«ooQ unb ebrgei}ig gugleid) ber Saa>' be« fBolfc« 
angenommen haue ("Kai 1520). 3uerj) trugen bie @omu« 
nero« wieberb/dte Siege über bie üruppen be« Statt« 
balter« bavon, bi« $H>rian erftbredt biefelben ganj auf' 
löfte unb fo Spanien ber ©ewalt ber flufilänbifdjen über« 
lieferte. Diefe verfuhren mit vieler Umftdjt. Sie be« 
mäd)tigten ftd) ber fd)wad)ftnnigen ftönigin 3obanna 
unb unter ihrem geheiligten Ramen führte bie 3unta ber 
9lufflänbifd)en bie Regierung. ä>ätte ber eaflilifebe «bei 
ftd) bamal« mit ben Somunrro« orrbunben, fo würoe 
Spanien bauernb bie greibeit erfochten ^aben; allein e« 
glürfte ber Regierung, mit gefcbidler 9?enujung be« 4>affe« 



Digitized by doOQlc 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



89 — 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



unb brr fflrringf(fcä&ung be0 Vlttlff gegen bir S9ürger» 
[uteii r brnfetben burdj Hrn'unung jmeier Statthalter 
au0 feinet Witte für bie Wniglfcbr €acbe ju gewinnen. 
Ter flfel ftcüte bir $auptmad)t ju ber netirit Htm«, 
iit gegen bie aufftdnbti'cben ba0 gelb nahm. Sabitla 
jrigtc fid) al0 mittelmäfifger Weitem! , unb nad> mehr« 
fachen anPern tRieberlagen würbe er bei 93iHalar (23. 8pril 
1521) entfaMtben gefdjlagen. (fr felbft warb gefangen 
genommen unb na* wenigen Zagen hingerichtet, bie 
caftilifcben (Srmmunen eine nad) ber anbern unterworfen. 
Seit bem Zage von S8iUalar war efl mit brr üWarbt bet 
8erle0, überhaupt mit iebem Qegengewicbt für bie fönig» 
(i*e ©ewalt in CFaftilirn vorbei. Z/er tlbrl würbe für 
bie Sdjrrgrnbienfie, bie er geleiftet, belohnt, inbem Jtarl 
einige 3abre fpäter fowol il)n alt aud) bie ©eiftlicbfrit 
oon brn Horte« au0fcblo&, ju brnrn ferner nur nod) bie 
Bertrrter von aittjebn SiänCen einberufen würben. !lRan 
iifF ihnen lebiglicb ba0 9lcd)t ber Petition unb ber 
^emilligung anpcrorbrntlfchrr Stmrrn. So warb bie 
mh grrbinanb begonnene aufrichtung Itt toniglidjrn 
9bfoluti0mu0 in bem einft frribriiflfrolirn Ifaftilien voll« 
rnbrt. @be nod) granfrrid) feine ;Hüjtunrirn fertig gr» 
bracht, war allcä rntfdjirben. Uebrrbaupt Tollte granj I. 
eine biplomatiffte 9cieberlage nach ber anbern von feinem 
3<cbrubublrr rrleiben, Der bamal« vorjüglid) ben 9intb' 
fcblägrn ©attiuara'« folgte, einr0 griftvollrn, fdsarf« 
brnfrnben, fribjtbcwufjtrn Staat0mannr0. auf nirmanb 
glanbtc granj ftd> üdjerer verlaffen ju fönnrn alt auf 
brn englifd)rn Jtönfg qjeinrid) VIII.; abrr Äarl wufite 
birfrn felbft burd) rinrn unrrwartrtrn ©rfud) in (Snglanb, 
fercie feinen attmddjtigrn Wünfiiing, brn (Sarbinal SSolfrv, 
burd) ®elb, (fbrrnbrjrfgungrn unb tat ©rrfprecben ber 
Ziara naa) bem Zobe Wt X. ju gewinnen, granj lub 
aud) tat Obium be0 erftrn Angriff* auf fid) unb gab 
fo ^einrieb VIII. ben SJorwanb, ju bem Äaifer über» 
}u;rbm, mit brffrn Jg>ü(fr rr bir flnfprüdjr feiner 3?or» 
fabrrn auf granirrich su rrnrurm hoffte. •) Der ©apft 
abrr f*lc6 im SWai 1521 mit brm Äaifer ein Sünbnff* 
iur SJertreibung brr granjofen au0 3talirn ; ber *fjrri0, 
ben er bafür forberte unb rrbirlt, war bir Ächtung 
?.v,tn'i. Urbrlgni0 fpracbrn rfl Xaifrr unb ©apft in 
birfrm ©ertrage offrn au0, baf fir bie äjerftrOung ber 
redjtlicfjrn Untrrorbnung fämmtlicbrr dürften untrr Äaifrr* 
tbmn unb ©apfttbum mit allrn Mitteln anfhrbrn woO« 
trr. £irr bat man brn wabren Scblüffrt ju Äarl'e V. 
U?clltif. 

So begann untrr ben für Hart günfiigften «ufpiden 
im Wai 1621 ber Jfampf, weitber nun 2UO 3abre bin- 
bnrd) jwifcbrn granfrrid) unb brn Aabäburgrrn fortbaurrn, 
bi^ jnm Siebenjährigen Kriege bie neuere O'eicbidjtr br< 
hrrrftbrn folltr. 3n brn Wirbrrlanbrn würbe er }undd)fi 
obnegrofe ^ntfdjeibung geführt; brr Angriff ber granjofrn 
auf wavarra wurbr burd) ihre 9tirber(age bei @jquiro0 
srreitflt. 3n 3talien hatte ber franjöfifdje ©eneral S»au» 
trer, obwo! von Senebig unb gerrara unterfiütit, mit 

3)^. lülniit, 0«gli(4r Srrmttttlani) im X If.Jl . Jpifior. 
3eil|«r. riB?IJ XXV, 272 — 303 

XXXIII. 



bem 9ti0oergnügen ber SRaildnber gegen bie franjdfifdjr 
{»errfd)aft unb mit ftrtem Welbmangel |u fdmpfen. So 
nötbigte ihn ber faiferlidie grlbbrrr, brr Sömrr $ro«per 
(Solonna, jur 9tdumung Wai(anb6, wo ein <B ob n Subwig'A 
br« iSohrrn, granj Sforja, al» firrjog ringrfr^t warb 
(ftov.1521). »I« am 1.3)er.l521 8eoX.ftarb, folgte ihm 
be« Äaifert (Srjieber, «brian von Utredjt, alt abrian VI. 
SBon brn ©djwrijrrn vrrftdrft, ging freilich Sautrrc roirbrr 
»um Angriff anf Solonna über; aber bei Sicocra (april 
1522) fd)eitertrn alle feine Stürme an ber felfrnfeften 
Zapferfeit ber beulfdjen Sanb6!ned)te @eorg'0 von grnnbtf' 
berg. lautrer mufjte nun Julien ganj rdumen. Sämrnt« 
lid)e Staatrn brr ^albinfrl untrrroarfrn fid) brm faifrr^ 
lidjen ©influffe, ber auf berfelben fo mächtig war wie 
nie feit ben Zagen grirbrid) ©arbaroffa'«. 3ug!rid) 
fielen faiferlia)e unb eng!ifd>e Zruppen in tat nörblidje 
granfrefd) ein, bilbrtr fid) in birfrm felbft eine 9Jerfd»wörung 
unter gübmng Jtarl'0 von $ourbon, be0 (Sonnetabte. 
grrilid) würbe IrQterr entbedt, ber @onnetab(e mufitr auf 
faifeTÜdie« Webiet entfliehen. @r würbe ber gübrrr be0 
faiferlid)en .sSrcr«\ ba0 einen neuen angriff ber granjofen 
unter bem abmira! Sonnivet auf ba0 5Woildnbifche fteg« 
rrieb jurüeffeblug (grübjahr 1524). ai0 aber brr radje» 
glübenb« ©eurbon feinrrfrit0 bir ^rovrnce ju crobrrn 
fudite, fdjeiterte er an ber ©rlaqrrung von «WarfriOr. 
Äinig granj folgte ibm bei frinrm Kütfjugr auf brm 
gupe (Sept. 1524) unb bemächtigte fid) nod) einmal br0 
ä^rrjogtbumA SRailanb mit au0nabme ber feftrn Stnbt 
UJavia, wo fid) 5000 Drulfcbe unter bem belbenmüthigen 
Spanier anton be £esoa waefer hielten. (Snbiid) brad)ten 
bie fafferlitfien (generale rin neue0 Jpecr von Spaniern 
unb betttfd)en 8anb0fned)ten jufammrn, mit brm ©onrbon 
ben ^önig gran) im Zbiergarleu bei $avia (24. gebr. 
1525) voUfommen beilegte , ben ä^rrrfchrr frlbft gefangen 
nahm. Sie Scbladjt bei $avia bat ba0 Sdjidfa! 3talirn« 
entfehiebrn; mebr a!0 brei 3ahrbunberte binburd) flanb 
e0 (eitbem unter bem öinfluffr br0 4>aufr0 Orftrneid). 
Äarl jog ba0 äprrjogtbum iRailanb ju feinem eigrnrn 
Srfif ein. 3)er gefangene granj L warb nach SDfubrfb 
grbrad)t unb hier (14. 3an. 1526) )u einem böd)ft un« 
gütiftigrn grirben grndtbigt. Z)urd) brnfrlben vrrtid)trte 
er auf aOe feine ita(ienifd)en anfprüdje, auf bie Ober« 
berrlid)feit über artot'0 unb glanbern, auf feine 9Jrr* 
binbungrn In Z)rutfd)lanb ; trat ba0 .^rnogtbun S3ur< 
gunb an ben Äaiferab, vermählte fid) mit beffen Scbwefter 
©ieonorr, ber venvltweten ffönigin von Portugal, unb 
vCTfprad), »ourbon unb beffen anbänger in alle ihre $e« 
ftpungen wieber einjufelen. «Racbtem granj feine beiben 
Sdbne a!0 ®eifrl bem Äaifer ausgeliefert, würbe er wieber 
in greib>it gefe&t. 

3nbe$ hatte er fofort im geheimen gegen biefen ihm 
tiufgenölbigten ©ertrag protr'lirt. 1« SBibrrfianb, brn 
er im franjdftfcbrn ©olfe fribft gegen bie abtretung 
9urgunb0 janb, gab ibm ben ©orwanb, fid) feinen ©er« 
pfiicbtuugrn ju entjieben. ®anj 3ta(ien erhob fid) gegen 
bie wiUfürlidje faifrrlichr ^rrrfd)aft. »l?apft tllrmrn0 VH n 
ber Nachfolger abrtan'0, |d)lo6 |u 6ognac im 3J?ai 1526 
mit granj ein «ünbm$; aud) ä>einrld) VIIL, berebenft» 

12 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) ^ 90 — KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



wenig wie ffiolfcp tinen $Bortbeil au« trr faiferlicbrn «uiar.t 
gelogen, trat ber Etgitc von Gcgnac bei. 3n6<fffn ber 
Jtaifer fam feinen |ablreicben GJegnern juvor. Gr unter« 
Darf Aunädtf SWaiianb wiebrr, bann jog ber Gonnetable 
von SBourbon gegen Sem. Äarl V. fpirlte eine bura> 
au« bcuchlerifd)« Solle. Gr ermächtigte SBourbon nidit 
grrabrju, ba« Oberhaupt Der Äirdje anjugrrifen, aber 
er (bat aud) nid?t*, feineu gelbhernt von beffen ein 
Sicrtrljabr binburd) woblbcfannicr Wbücfct abjubringen. 
Am 6. 3Rai 1527 erfiünnte Sourbon bie Gwige Stabt; 
er frlbf) fiel, aber feine I rutfebrn unb Spanier plünberten 
fte grünMid) au«, rräbrrnC (Kernen« fid) tu bie Gngel«« 
bürg einfcbloß. Cbwol er 400,000 Scubi beiablte unb 
ben Äaiferlicbm bie bauptfdd)lid>(ien gefien be« «ireben« 
ftaate« einräumte, hielten ihn biefe fortwäbrenb gefangen. 
Gnblid) famen 30,000 granjofen unter Itautrec heran, »er« 
trieben bie Raiferlid)cn, bemächtigten (ich fafi be« ganzen 
.Königreich« Neapel unb belagerten beffen ^auvtftabt. 
Allein wäbrent biefe« Kriege« follte man bie überraidjenb* 
flen SBanblungcn erleben. granj beleibigte bie ©enuefer, 
fotaß bereu berühmter Abmiral Änbrea« 3>eria ju ben 
Äaiferlidjen überging unb ben granjofen vor Seapel bic 
3ufutjr abfdjnitt. {>unger«notb, unb 93cft brach unter 
ihnen au«, benen 8autrec felbft erlag. 81« ber Ueberreft 
ber granjofen fieb burd) einen fdjleunigen SRüdjug retten 
wollte, würbe er im Auguft 1528 bei Äverfo jur Gr» 
grbung grjwungcn. Gbcnfo überfiel 8epva (Juni 1529) 
ben franjöfifcben Gommanbirenbrn in Cberitalien , St.« 
>XtoI, bei Süanfcriano unb nahm ihn mit bem größten 
'J heile feine« {teere« gefangen. Sacb biefen entfd)eibcn< 
ben Siegen ber Xaiferlidjen machte ber Hüapfi mit ihnen 
feinen grieben ju Barcelona (29. 3uni 1529); »arl »er» 
fpracb, beffen Ramilie, bie SSrbiri, roiebrr in jlorenj jur 
^rrfdjaft ju bringen unb vereinte ftrfj mit Hirn jur Au«* 
rotlung ber lutberifcben Äenerei. Am 7. 3«Ii 1529 fcfcloftcn 
bann auch bie lante bc« Äaifer«, Grjberjogin »Margarethe, 
unb S!uife von Savoven, bie SRutter granj' I., jwifdjen 
ben heilen £>auptmäd)tcn ben (fogenannten Damen«) 
grieben ju Gambrai. Darin würbe ber Vertrag von 
^Dcabrib mit allen feinen für granfreieb ütimpflidjcn Sc« 
bingungen beftäligt; nur anflatt Surgunb« begnügte fid) 
ber ftaifrr mit einer Gntfcbä&tgung von jwei SRillionen 
©olbtbalern unb ber Abtretung ber geftung üournai. 

An biefen militdrifchen unb politifeben Erfolgen hatte 
ber junge Äaifer perfönlid) eifrig mitgearbeitet, ohne bed) 
bie greuben ber Safel unb ber Siebe ju vernadjläfjtgen. 
Sei feiner Durchreife burd) bie Sirberlanbe, von Dcutfcb« 
lanb nad) Spanien (1522), war er eine flüchtige 3Jer* 
binbung mit einer Sieberldnberin eingegangen, au« ber 
ihm eine Zodfter 9Rargaretb.e, bie fpdter fo berühmt ge« 
roorbene ^terjogin oon $arma, entfprojj. Stiftern lebte 
er in Spanien, tvo er ftcb mit einer porrugirüfeben 
^>rinjrfftn, 3fabeUa, rcrmäblie, ber er ber)fid) jugetban 
war (fie itarb fd)en 1539), unb bie ihm ben Zbronrrben 
»ßbilipp foroie jroei 2öd)ter gebar: 9Ö?aria, fpdter ®e« 
mablin Äaifer SWafimilian'« IL, unb 3or>anna, fpdter 
©emablin 3obann'« HL von Portugal. 3nbeffen fnüpfte 
ber Äaifer »dbjenb feiner langbauernben Seifen unb 



Smal nad) bem Xobe feiner Gattin tablreid)e, aber ftetfl 
meO vorübergebenbe 8iebe«KTbäItnif|e an ; fo gebar ibm 
bie Barbara SMumenberg au« Seqen«burg 1547 ben be« 
rühmten 3uan b'Sluftna. 3nbe$ nie bat eine feiner 
(beliebten einen politifd)en (hnflun au«geübt. Sad) bei« 
Xobe ®atlinara'« (1529) übemabm virlmebr Jtarl feltfi 
burd)au« bie Leitung feiner *i>cliiif. Gr borte nod> ftet« bie 
Slnfidtten feiner Sftinifirr, wie be« ®roBrommanbeur« von 
l'eon, Don granri«eo be lo« Gobo«, unb )uma( be« gret« 
grdfler« Sifolau« $errenot eon ©ranvelle, eine« 3urtfien 
unb Staat«manne« »on erüem Sange; aud) feine $ridu« 
vdter, befonber« $ebro be Soto, waren nid)t ohne Gin« 
flufc; ab« nad) forgfältiger unb umfiefatiger »erathung 
pflegte Äarl bod) felbft |u entfdjeiben. Gbenfo war er 
im ftriege unerinüblid) tbätig; er wollte alle« felbft feben, 
alle« felbft hören; nid)t nur al« Äaifer trat er ba auf, 
fontern aud) al« einfacher Hauptmann. Sein langer 
Aufenthalt in Spanien (1522 — 29) bradite ihn bem 
fpanifdjen iOolfe immer naber unb machte ihn fdjlievlid) 
bei bemfelben fehr beliebt. Schon bajj er aud) ben G)e« 
ringften vor fid) (trü, ibn woblwotlenb anhörte unb nid)t 
ohne ein freunblidje« SSBort verabfdjiebete, gewann ibm 
viele ^erjen. «ber ued) mehr: bie glänjenben Siege, 
welche bie Spanier in gan* Guropa erfoeblen; ba« 8n> 
feben, ba« fie überall genoffen; bie ©eute, bie fte bavon« 
trugen; bie fabelhaften Groberungen in Slmerifa, bie 
Sd)ä(e, bie aUjdbrlid) in immer fteigenbem Umfange 
von bort jufloffen — alle« bie« begeifterte ben Stolj, 
bie Submfua>t, bie jpabgier ber Spanier für Äarl. Sun 
bat biefer frrilid) ben univerfalen Gbarafter feine« {terrfeber« 
tbum« fiet« aufrrdu erhalten. Unermüblid) war er in 
feinen univerfalifrifdbrn 3ntereffen thdtig. Seunmal bat 
er Deutfd)lanb, fed)«mal Spanien, viermal granfreid), 
ftebenmal 3talicn unb jeb:tmal bie Sieberlanbe aufge* 
furbt; jweimal war er in Gnglanb unb ebenfo oft in 
«frifa, überbaupt madjte er elf gröfjere Seereifen. Gr 
hat in militdrifdjen unb Serwaltung«ämtem Italiener, 
Sieberldnber, ©urgunber ebenfo wol verwenbet wie 
Spanier. Aber r« erfdjirn ihm bod) allmählid) Spanien 
al« Ccr wahre SRifteipunft unb bie eigentliche Straft feine« 
9Br(treid)e«; bort hielt er fid) am liebften auf; mehr unb 
mehr verwud)« er mit biefrm ^anbe. 9Da« ihn wieber« 
um bemfelben befonber« werth marbte, war feine eifrige 
fatholifdie grömmfgfeit, fein S?*n gegen bie (ulbeiifcbe 
Äenerei. ?ange hatten bie politi|d)en SBeifjctlmiffe ihn ge« 
nöthigt, biefe Abneigung jurüdjubrängen; je^t enblid), 
nad) bem rübmlidjen grieben von Gambrai, fonnte er 
angriftdmrifc gegen bie Seformation auftreten. 

gür bie große religiöfe unb feciale Seformbewegung, 
bie ba« Slbenblanb unb ganj befonber« Deutfd)lanb er« 
griffen hatte, befaß Äarl fein SBrrftdnbntß, fonbern trat 
ihr mit bem ganten <§affe feiner mittelallrrlidien unb 
autofratifdjen @efinnung entgegen, gür bie Srbürfniffe 
unb SBünfdje Deutfchlanb« hatte Äarl gleicbfaa« nid)t 
bie minbefte Sr>mpatbie; bie große Unabhdngigfeit b«r 
beutfeben Stänbe bem Äaiferthum gegenüber flößte ihm 
Abneigung wiber jene« Seich ein, beffen Sprache er nicht 
fannte. SBon allen feinen «Belfern wußten nur bi«Deutfd}rn 



Digitized by Google 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



91 - 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



nirmd« frfn Sertrauen ju erringen. <J« war verbängnftj« 
voll für Drutfcblanb, baf e« gerabe in biefer entfcbriben« 
bfn ftrife aller frfner Serbdltniffe einen -^errfdjer hatte, 
ber ihm frrmb, ja eher frinblid) war. Jtarl V. iß ein 
Unglücf für unfer Satcrlanb aewrfen. 

3n Slbwcfrnbeit be« Äaifer« hatte bie anlfräpftlidje 
Sichtung, bie feit anberlbalb 3abrbuitbrrtrn bie beutfebrn 
Surften beberrfeble unb auch in bem Stricbtrcgimcnte vor« 
waltete, jur Sernacbldfiigung be* äöormfer @bict« gr« 
fübrt imb bem Suiberthiime bie 3Xög[id)feit ruhiger Hiiö« 
brritung gegeben. 3war unterlag baß !Keld>«reaiment 
brr Äurfürften 1524 bem Sunbe ber parriculariftifcbcn 
unb reactieuären (demente ber faiferlicben Partei — benn 
&atl V. wellte lieber bie Slnardjie im Weiche al« eine 
Ctbnung unter niajffaiferlicbrr ©ewalt ; jwar »er» 
flärfte aud) ber ungtücfliaje Saucrnfrirg bie rerrrgrabe 
Sartei unb hatte in inblvridjen Senile- rien blutige Ver- 
folgungen gegen alle Wcugldubigcn jur golge ; aber 1526 
trafen bie liiiberifdsen giirften unb Stänbc mutbig ein 
Ucbcrrinfcmmen ju lorgau nnb festen bann auf bem 
frieret Weid)*tagc eine vorläufige üoUfommene Dulbung 
tn Weligion«facfccn bureb. Der ffaifer war cntfdjloffen, 
biefem Suftanbe ber Dinge ein Unbe ju rnadfen unb 
ba« £utberibitm in Deuifd)lanb ju unlcrbrüdrn. Unter 
brr Ginwirfung feiner Siege fc&te bie fatbelifebe gartet 
unter brn 9ieidi«fürjten auf einein neuen freierer Wcid)«« 
tage r« bm* (-äJtärj 1529), bau alle weiteren Steuerungen 
verboten, jebem Stanbe aber ba« Siedjt gegeben würbe, 
auf feinem Serritorfum ba« SSJormfer tfri.t au«jufübren; 
feitbem nahm in ben falbolifchen ©ebieten bie Verfolgung 
ber Weugläubigcn überhanb. Die lutherifeben Stdnbe 
legten gegen tiefen freierer Sdjlufi Verwahrung t in „nb 
erhielten bavon ben Warnen ber „«preicftirenben Stdnbe", 
ber „Vrotefianien". — 3m Sluguft 1529 erfaßten bann 
Jlarl V. mit frifrben Gruppen in Italien, wo nach furjrm 
ffiiberftance fieb ihm ade« unterwarf. 9Kit Giemen« MI. 
hatte er m Sologna eine vertrauliche 3ufammenfunft 
unb erhielt von ihm bie Äaifcrfrönung (gebruar 1530). 
glorcn;, ta« einjig nod» wibrrftanb, würbe burd) ein fai» 
ferlicbeO £eer überwdltfgt, $l(e;anber von fflcbici bort al« 
.£>crjeg cingefeflt. Sil« wahrhafter Äaifer, al« -vecr ber 
ÜBelt rrfchien baraal« ber noch jugenblicbe Jlarl. Die 
ihm ndber traten, ftaunten über leine cfngcbenbe Äennt« 
nip ber politifdjcn Dinge unb Srrfonen, über bie Sicher-- 
heit feine« Unheil« unb bie Sdbftdnbigfdt feine« (?nt< 
fdjtuffc«. 

.Vit- cm Stüri hierauf nad) Deutfchlanb ging, fefcte 
er (ich al« .-'wir feiner Solitif: juerft Untrrbrüdung be* 
£uihertbum«, bann Ginigung Drutfdjlant« jum Kampfe 
gegen bie lüden. 3m 3- 1526 waren ndm(id) burd) 
ba« Slufffterben be« Jüngeren jagdlonifcbcn flönig*ttamme« 
Böhmen unb Ungarn an bie ^ab«burger gefaOen. SUIrin 
in bem lederen Weiche erbeb jid) unter 3obann 3<>iwfr<» 
bie Wationalpartri gegen bie ^>ab«burger unb rief jur 
f>ülfe bie Surfen herbei. Diefelben überfdjwemmten ganj 
Ungarn unb brangen bann in Deutfdjlanb ein. 3«>ar 
belagerten fje 1529 SBien vergeben«, aber Ungarn blieb 
in ber ®ewalt 3<ippfr*''* «nb feine« Dberlchnflherrn 



Sultan Suleicnan'«. — 3° \tntti briben 3wetfen berief 
Äarf dnen 9teid)«tag nad) Mug«burg (3uni 1530). Doa> 
jeiglen gegenüber ber faiferlicben Ungunft bie »Proteftanten 
fid) trft unb reid)ten hier bie von SRelanobtbon au«ge> 
arbeitete sflugflburger Gonfeffion a(« ihr @laubfn6ber>nnt« 
nif ein. 2ro( aOcr Serfprediungen unb Drohungen be« 
Jtaifer« liefen fid) bie $roteftirenben hiervon nid)t ab« 
bringen. Da befdsleffen Sari unb bie 9(ei)rheit ber 91eid)«< 
fidnbe, auf ba« SBormfer Gfbict gurütfjugeben unb gegen 
alle fflerle^er beffelben ben «d>t«proce6 einjuleiten.' So 
hatte Äarl burd) ben aug«burger 9tetd)«tag bie red)tlid)e 
ÖJrunblage jur Sefdmpfung ber 5ßroteftanten erhallen; 
ber erfte feiner 3wede war erfüllt, ©erarc baburd) aber 
war ber jweite, gegen bie lürfen gerid)tete, vereitelt, ba 
bei bem brobenben innern .Kriege bie von ber fatbolifdien 
Mehrheit bewilligte 9{eid}«f)ü(fe von 48,000 SRann vöüig 
iOuforifd) war. Unb bie Haltung brr ^rotefianten würbe 
immer brobenbrr. 91« bie fecb« fatholifd)en 'turiürften 
im 3anuar 1531 brn .ffönig 0ertinanb von SSöbmen 
unb Ungarn, ben Stuber be« ftaifrr«, ;um römifd)en 
Äönig wdblten , fd>loffen bie preteftantifdjen gürjtrn unb 
Stätte 29. »idrj 1531 ju Sdjmalfalben einen S9unb 
ju gegenfeitiger SSertheibigung unb rüfteten ju biefem 
$cbufe ein ^eer. 3a ein Sbeii ber ratbolifd)en Sürßen, 
beT au« politifchen ©rünben ber wad)fenben Wadjt ber 
$ab«burger gram war, trat mit ben Scbmalfclbenern in 
sBrjiehung unb begann, mit ihnen über ein gemeinfame« 
Sorgehen gegen jene tu verhanbeln. Unb felbft bie Wehr« 
heil ber ratholifd)rn Stänbe jeigte fid) nid)t geneigt, et- 
wa« Gm(ilid)e« jur Unterfiüfcung ber faiferlidjen 5lb|id!ten 
jn unternehmen. Dabei erhob im ©egfnn be« 3. 1532 
Suleiman (td> furditbarer al« je. 3ebe« griebenflaner« 
bieten be« Äönig« gerbinanb wie* er jurürf, e« foUte 
ein Cnifdiiibungefampf jwifdjen bem mo«lemitifd)en unb 
bem ebriftlicben Äaifcrthum werben. 9Jid)t am wenigfren 
jdbllen bie dürfen auf bie ihnen in aOen (Sinjelheiten 
fehr wohl befannten Weiigion«ftrritigfdten in Deutfdjlanb. 
3n ber Xbat verweigerten auf bem Bieid)«tage ju Siegen«: 
bürg bie Urotcftantcn jebe Seihülfe. So erfannte ber 
•Kotier, ba( er feine Zaftif dnbern inüffe. 4^atte er bi«' 
her geglaubt, erft bie Srotefianten, bann bie Dürfen bc 
fiegen ju müffen, fo fajte er nun bie Slbfidjt, fid) vor« 
erft mit ben Srotefianten ju vertragen nnb mit ihrer 
£ülfe bie 2ürfen ju fd)lagen, hieraut erft bie Jfe&er ju 
vernichten. (?« war ein ebenfo feiner wie treulofcr $lan. 
Seinahe ift er Äarl V. geglüdt. 6rft im leplen, freilid) 
entfd)eibenben Slugenblide fd)(ug ba« Sd)idfal um. 

Schon feit bem Sommer 1531 hatte ber äaifer 
burd} Jturmainj unb Xurpfah mit ben $rotefianten ver« 
hanbeln lajfen; al« bann im grübjabr 1532 ba« türfifdjc 
Jöeer ubermal« gegen SBien aufbrach, nahmen biefe 
Wegoriationen dnen rafeberen Serlauf. So fam ber fege» 
nannte 9tcligton6friebe von Dürnberg ju Stanbe (23. 3u(i 
1532); brr Jtaifer verfprad) barin allen beutfd)en Stdnben 
greibett bei ber 8fug«burger CJonfefiion bi« ju einem all« 
gemeinen frrien (Joncil; bi« bahtn foüten auch alle Srocrffe 
bei bem 9?eld)«fammergerid)te wiber bie fd)malfalbener 
Serbünbeten ruhen. Sierjehn 3a|)re lang ift tiefer nüm« 

12» 



Digitized by Google 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) — 92 — KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



beiger glitt* befielen ge blieben, jum grofjen Bortbril 
ber beutfeben Kcformatiou, tk von bier ibren einiger« 
uta den gefidjerten Beflanb batiren fann. über burd) ibn 
würbe aud) ber Tüifcnfricg im ganjen günftig enifdjiebeu. 
(Berabe bie Broteftanren jeiglen ftdj am eifrigften. Slit 
italienifd)rm unD fpanifd)em 3muge fam ein JReidjflbcer 
von etwa 80,000 Statut jufammen, ba« fdjönfte, ba« 
man feil 3abrbunberten in ber Sbiifienbcit gefeben. 
©uieiman mar über biefen unermarleten ÜBibcrftanb er« 
Man tu unb begab fid», ebne einen entfliehen Jcampf \u 
magen, nad) Jtonftantinopel jurüd. glitte gerbinanb fid) 
nidjl fo unbulbfara roibrr bie Svangelifdjen gejelgt, fo 
hdtlc man Ungarn jurüderobern fönnen. «Klein tunt> 
lein Betragen gegen fie gercül, oerlief fid) ber gröjjte 
Ikfii be« $eere«, nadjbem für Die beutfeben ®rcnjcn 
niebt« nufjr ja fürchten mar. 3iymif<ben balle Torta 
bie rürftfet}« glotte gefd)lagen, bie mimtigfien gelungen 
Btorra« eingenommen. Tiefer gelbjug mar bem gan* 
anber« abgelaufen, al« Sutriman gebadji baue. 5Ricbt 
nur war 6 cm Sorbringen ber Türfen abermal« an ben 
beutfdjen Warfen eine unnberfmreilbare ®ren*e gefejt 
worben, fonbern bie Jtafferlidjen ballen ben Cfimanen 
wieber einige von berrn Bedungen eniriffen. Ta« waren 
immerbin (erfolge be« nürnberger !ReIigiou«frirben«, wenn 
au* burrbau« feine entfebribenben. 

Der Jtaifei mcibte fid> wieber leinen univerfaliftifdjen 
'Ulanen juwenbeu. $116 Sdftctn feine« ganjen ©efcdutc« 
beirad)tcie er eine Srneuerung ber allen fchirmberrlicben 
unb reformirenben (Gewalt ber römifdjen, fädjfifthen unb 
frdnfifcbrn Jfaifer über bie Sinkt. (So war r« ein« 
ieiner wirbiigften 3«'*» allgemeine« Goncil in einer 
faiferlichen Stabt ju Stanbe ju bringen, welche« bie aud) 
ibm noibwcnbig erfdjeinenbe Reform ber Jcird>e vollführe 
uttb bamit jugteid) ber lutberifd)cn Äe&crci ben Boben 
unter ben güjicn wcgjiebe. Über barüber fam er mit aller 
SBell in Streit. Die beutfeben fatboltfcben 9ieidj«ftänbe 
vctlaiuih'u bringenb ein beutfdicfl 9tationaiconcii. Sie- 
men* VII. unb |ein Jpcf jebod) wollten überbauet von einem 
Soncil nicht« roiffen, jener um feine SNacbi, biefer um feine 
Sinfünfte ntdjt gefdjmdlert ju feben. «Hein ber Äaifer 
lieg nicht von jenem $(ane ab, ber in ber 2hat ebenfo 
feiner Ueberjeugung wie feineu politifdjen Sbficbten enl> 
iprad). (fr eilte nadj 3lalien, wo er im Tecembrr 1532 
in Bologna eine jmeile Sufammenfunft mit Siemen« VII. 
batte. iu-u-r ftrdubte fid), fo viel er vermochte; aber er 
mugte fürchten, ba§ ber .ffaifer, oer fefi auf feinein Bor» 
baben vaborrte, au<b »bne ihn ein Soncil einberufen 
werbe. Sr fagte alfo \un Schein ju. See Bapft war 
erfebrerft unb ergrimmt juglridj unb faßte br«balb ben 
Befehl ufi, abcrmal« feine üßartei ju mrchfcln , fid) burd) 
einen Bunb mit bem Jtönige von granfreid) »er ber lieber' 
macht be« Äaifer« unb bem (Soncil ju fd)ü(en. Tick »Ii i au 
würbe burd) eine 6«ratb, jwifdjen ber SRidjtc bc« 4 4Ja»fteö. 
Jlatbarina von Siebtci, unb bem jmeiien €obne beö 
Jtönig« — fpdteren 2)au»l)in — ^einrieb befiegell (^crbfl 
1533). granj woOte mit »dpflndjer Untn|lü6ung bie 
€panier au* Dbcritalicn vertreiben, bafür ba6 3uflanbe< 
fommen eine« goncil« vereiteln, ©eibe traten, aud ^kib 



pegrn ben Jtaifer, felbü mit ben beutfd)en Sroteftantrn 
in IBerbinbung. SiUe biefe Umtriebe wurbru burd) ben 
Umftan; erleid)lert, bag ber JTaifer feit «nfang 1533 
wieber fern, in Spanien, weilte. €o marbte bie unge« 
beure Sluöbebnung von jtarfd $ria> jebe frdftige %er< 
folgung feiner 3i^e im (Srunbe unmögltd). Ter eif'rigfte 
unb friegdluftigfle ber beutfd)en SProlcftunien , £antgraf 
"UbilipP von Reffen, ber bem Jfaifer nid)t ebne @runt> 
midtraute unb fd)on ungern bem nürnberger :Keiuricr.o- 
frieben beigetreten war, trug fein Bebenfen, in SJat'le« 
lue mit bem franjöfifiben {terrftber jufammeuiuticffcn 
unb von biefem eine Uulerfiüeung von 200,000 ©clD* 
tbalern in (Smpfang ju nebmen (Januar 1534). Seit 
biefem @elb< warb er ein $cer 11 " E fiel , .lugleid) mit 
fraiijöfifdien unb (otbringifdjen Truppen, in Särlembrrg 
ein. Tie borlige babdburgi|rbe Regierung würbe vre 
trieben, Jperjog Ulrirb jurüdgefübrt. König gerbinanb, 
von ben Türfen unb ;V.ipcl'.:u bebrdngt, mu$te im griettn 
*u daban 1534 biefe fede Umwäljung billigen unb ben 
$roteftanten neue Bortb.eile jugefleben. Unaufbullfiim 
bebnte fid) bereit üebre im ganzen Bieidjc an*. "Selber bie 
balb unterbrüdte wiebertduferifd)C Bewegung in SWünfter 
ibat iM feinen 6d)aben. 

T>iefe Vorgänge wurbeu bauptfdrbltd) baburd) er< 
möglicbi, ran ber £aifrr abermal« burd) feine europäifa>en 
Betwidelungen von Teuticblanb abgezogen würbe. SBit 
lieg fid) in ber Tbat (in 'Jici* conlequent unb wirffam 
regieren, ba0 au« einer grofen »ujabl in ftaffe, (Spradje, 
Slnfd)auung, Sitte unb 3nterrjfen burd)au« verfebiebener, 
aud) geograpbifd) weit von einanber entlegener Sinltr 
beftanb? 3<ben Sugenblicf (eigte fid), troQ ber boben 
©oben Äarl*« V., bie llnmöglidjfeit von btffen univer* 
faltflifdjen $ldnen. Unb bod) batbte er an eine neue 
Bctbdtigung unb SBeiterfübrung berfelben. 

(S« war ber Tob Siemen«' VH. (1534), bcT ibn 
baju ermutbigte. SDtit ibm fiel ba« päpjilicb'franjörtfcbe 
Bünbntfi babin. Sein 9{acbfo(aer $aul III. (garnek) 
neigte mehr )u ber faiferlid)en B aTt( i- T)iefe Umfidnce 
wollte ftarl benu(en, um bie j^errfebaft br« türfifebrn 
Slbmiral« unb Biraten Abair'ebbin Barbaroffa in Tuni« 
ju vernid)ten, ben legitimen gürflcn SWulet »^»afjan untn 
fpanifdjer Obetbmfdjaft wieber einjufe&en. (Sin jabl' 
teiebeö ^>eer, au« Spaniern, Teutfdjcn unb 3talienetn 
beftebrnb, bemannte bie glotte, mit weldjer Jtarl tm 
Sommer 1535 vor Tuni« erlebten. Tao fcjre ^tafen< 
fd)(og (Soletta würbe of)ne groge Scbwierigfeit rrftürmt, 
bie boppelt fo fiarfen Sparen Ji h oiw trm 't befirgt. Ter 
JTaifer jeigte fid) al« gefebidter gelbberr. Sin Hufftanb 
ber Sbti^enfflaven eröffnete banu feinen Truppen rie 
jjauptftabt felbft, bie unnbittlld) geplünbeTt unb ver< 
wüftet würbe. Ter Äaifer bebielt @oleita unb einige 
anbere Äüftenfefiuttgen, ben Sief* übergab er feinem Ba 
fallen TOulei »#affan. Tiiefe« Unlernebmen lieg ibn al« 
wahrhaften ftatfer, al« gübrer unb Borfdmpfer ber 
(ibrifienbeii gegen bereu ungläubige geinbe erfd>cineni 
bie 9u«f)cbung be« ^iratettneftee Ztini« trug itjm ben 
Tduf gan) Suropa« ein. 9iur Jtönig grauj batte feine 
Umtriebe mlber ib.n fortgefett «l« im Ccrober 1535 



Digitized by Google 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) — <J3 - KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



ber lefcte Sforja von SRailanb ftarb, branfpruebte jener, 
ai« SJeftberednigter, mit bem .JjeTjogibume tc(cf>nl ju 
werben. Daju war aber tot Jtaifer nidjt ju bewegen. 
Jpöebften« bem britten Sobne De« Äonig« trollte et efl 
geben, aber aueb nur um ben $rti6 eine« franjöftfaVn 
Sünbniffe« gegen bie Dämonen unb bic Sroleftanten. 
Damit war granj md: gebient; nid:: um ftd) ber fatia 
lieben Solitif unterjuorbnrn, fonbern um ibr in 3lalieit 
uub onbfrtmo fTäftig unb gleid)berrd>tigl entgegentreten 
ju fönnen, verlangte er beu SBcfio von 9HoiIanb. 6« waren 
t>a« ©egenfdje, bie ftd) nut burd) (inen abermaligen 
ffiaffengang au«gleid)en liefen. Da granj fab, bafi bie 
faiierlid-e Diplomatie lebfglid) gemmnen wollte, um 
txft bat rmd; bie tunefifebe Uniernebmung br«organifirtr 

«ter wieberherjuftelleii , überfiel er unter fabenfdjeinigem 
oroanbe ba6 mit Äarl vribünbete Savoven unb occupirte 
e« binnen wenigen SBodjen (grüblabr 1536). 3"ßW* 
ritfiete Suleiman, be« Mrrd)rifllid)firn Äönig« Ser* 
bünbeter, ju neuem anfalle auf bie bem Äaifer geb,or- 
iamen Sdnbrr. 

ffarl brnu&le gefdjidt beu franjcüt'djfii Angriff auf 
Savoven unb $irmont, um fteb al« Sdjirmer ber Un- 
athdngtgfeit unb greibeit 3ialirn« roiber bie franjcufdie 
Slnmapurtg unb (Sroberungdgier binjuftcllen unb alle 
italienifdjcn Staaten ju ciuem Sünbniffe gegen granf- 
reieb ju vereinigen. So tjaitc er binnen furjrm eine ge* 
wältige Srmee von 50,000 Wann jufammen. 8ber an 
ftatl bamit Savoven jurüdjuerobern, fiel er, burd) bie Gr- 
eigniffe be« 3. 1524 nid)t belebrt, in bie '.Provence ein. 
granj I. verwanbelte bie ganje $rovinj mit Slu0nabme 
einiger grojjen Sldbte in eine 6inöbe: ein barbarifaV* 
Sertabren, ba0 jebod) (Erfolg batte. Denn ber Jlaifer 
fonnte >ld- in bem wüften 8anbe nidjt bat«» unb jog 
fidj, naebbem er bie -fcdlfte feine« £eere« burd) junger 
unb Äranfbcitcn eingebüßt, »iebet jurütf. Wd)t minber 
mitflang ber (Einfall, ben eine jroeite faiferlidte SBrmec 
von ben 9iieberlanben au« in granfreid) ocrfud)t batte. 
Der grofce Angriff Äatf« »ar abgcfdjlagen , unb nun 
meinte granj bie 3«i* gefommen, feinerfett« jur £ffen 
fioe überjugeben, an ber er febmdblidjerweite autb bie 
Dürfen betbeiligte. Sein eigener gelbjug in ben Weber* 
lanben batte wenig ßrfolg (1537). 3«bcffen in ^iemont 
maebten bie granjoien gortfd>ritte ; Abair-- ebbin mit ber 
rütfifcbrn glottc plünbette bie apulifd)en JTüflen; k: Un- 
garn vernieteten bie C0manen bie ganjc öfteirei(bif<be 
armee bei (Sffeg. 60 »ar eine für bie ^ab0burger febr 
gefdbrlidje Sage, jumal in Deutfdjlanb ber $rotef)anti0' 
mu0 immer fübner fein Jäaupt erbob, bie c teure ber 
SRieberlanbe jebe »eitere ©eifteuer ju bem JJriege ver- 
nxigerten. Da fam bem Äaifer bie öffentlidje Meinung 
ju $ülfe. 3n aanj Europa, in granfrrieb felbfi beimbtr 
bie lebbaftefle «ntriiftung über ba0 IBünbnip granj' I. 
mit ben Surfen, über bie furtblbare Snbeerung be0 
ionifdjen 9rd)tpel0 unb ber italirnifd»en Außen burd) bie 
legieren. Surnai ber $apfi mar von Jtummer, ben fran- 
jofifdjen 4pettfd)er mit ben beutfdjen Jte^etn unb bem 
30lam »Iber bie eifrigfi fatbolifrben £änbcr aUiirt |u 
feben. 3una<bft vermittelte $aul III. (gebruar 1538) 



einen grieben }»ifd)en bem Jtaifer unb gerbinanb anf 
ber einen Seite fo»ir 3obann brr ftd> von ben 

Dürfen mi0trauifd) unb verdd>:lid) bebanbelt fab, auf ber 
antern. Selbe Dbeüe fagten fid) Unterflü^ung roiber ben 
Sultan ju. Dafür follte Japolpa ben Dbeil Ungarn«, 
ben er innebatte, behalte«, aber nid)t feinen Si intern, 
fonbern gerbinanb vererben. Dann roanbte UJaul feine 
©emübungen bem Äönige von granfreieb ju. Diefet 
empfanb felbfi ®e»iffen0bebenfen »egen feine« Serfabten« 
unb rourbe in benfelben burd) bie tßorftrllungen be« 
eifrig fatbolifeben Daupbin {»einrieb befidrft. 6r liefe 
ftd) beftimmen, in S^iya unter per|onlid)er Sermittelung 
be« $apf)e0 mit rem Aaifer )u unterbanbeln. greilid) 
erröte« e0 jtd) balt a(0 unmöglid), bie ünfprüd)r von 
beiben Seiten au0iugleid)en. «ber man traf ben Vluö 
»eg, einen jebnidbrigen ^affenfiillfianb auf @runb be« 
augenblidlidjen 39efib|tanbe0 abjufa>liefien(18. 3uni 1538). 
granfreieb bereit einftroeilen Savopen unb jroei Dritt' 
tbeile von Siemonf, ba« Ir&te Drittel btefe« 8anbe0 be' 
fanb fid) in ber €e»alt be« Jfaifet0; ber unatücflidje 
4r)eri.og von Savootn blieb auf bie ©raffdjaft *h\\z tc- 
fdjrdnft. 3nbefi biefer Stififianb von -iUw »ar an fid) 
minber wid)tig al« brr Umfiaub, bafi Xfonig granj, von 
Aranfbeit gefdjmdd)!, vom Zapfte unb ber bigoten {»of' 
Partei unter ber Sritsng be« Daupbin befhinnt, fid) ju 
einer völligen IBeränberung feine« Snfabren« beftimmen 
lief), bie ihn \um geborfamen Safaden ber faifer(id>'pdpfi' 
lieben $olitif ber Univerfalmonarebie unb llniverfalfircbe 
matbte. 8uf ba« gefdjidtefie beutete Äarl feine greunb» 
ftfcaft au«. 6r veranlagte ibn ju einer 3ufammmfunft 
in 9igue«'9?orte0 an ber franjöfifebrn Sübfüfte. Jfpier 
fparte er niebt bie SBerbriiungen : er »olle binnen f urjem 
IVcilanb an be« Aönig« jüngften Sobn übertragen; 
bafür verpflid)tete ftd) granj, in bie giga gegen bie Surfen 
einzutreten, welcbe ber Jtaifer bereit« mit bem $apfte unb 
SBenebig gefdtloffen batte. So hatte Jtarl lHu«fid)t, wirf- 
(id) an ber Spi(e ber grfammten abenbldnbifd)en Gbrifien- 
beit »iber bie C«maiten au«nijiebeti, bie im lebten .Uifcrc 
bie 9No(bau unb bie Ärtmtataren unterwerfen, bie glotte 
ber ?iaa unter Dorla gefdjlagen ballen. Diefen ^Idnen 
itu Siebe fdjritt er gegen bie faibolifdje ©egenrrformalion 
ein, bie fid) in Deutfeblanb unter gübrung be« 9teid)0' 
vieefanjler« SOtatibia0 von £c(d ju bem Sünbniffe von 
Dürnberg jufammengefd)loffen baue. &elb empfanb bie 
Ungnabc bc0 Jtaifer«, ber nürnberger Sunb würbe auf- 
gelöfi; unter eifriger Unterftüfiuna ber fran|dfifd)rn ®t- 
fanblen — fo ballen bie ßeiten |id) gednbert! — würbe 
twifdtrn ben beiben 9ieligion0parte{en (3Rdrj 1539) ein 
SBafftnfiiUitanb unter bem »amen be0 franffurteranfianbe« 
gefdjloffen. So braute Die allgemeine Weltlage ben >l<rc- 
tefianlen immer »ieber Ku&en. 

9ber ber Jtaifer vermod)le bie für ibn fo günftige 
Situation nid)t nad) feinem SBunfdje auszubeuten. Sein 
ungebeure« 9ieid) brobte burd) ba0 @ewid)t ber innrrn 
Set)»ierigfeilen au«einanberjufallen. 6« »ar felbfi einem 
Aarl V. unmöglid), i)itx ein georbnele« 3ufammenwirfen 
ber gewalligen 3Rafd)inerte berbeijufübren. 3n SWailanb 
unb ben tunefifdjen gefiungen empörten ftd) bie unbe* 



KAKL V. (DEUTSCH. KAISER) - 94 - KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



jabltrn Sölbnrr. Unb a» nun brr Kaiftr ftd) um $ülfe 
an feine (Srbldnber rcaubtr-, fanb et nur nrur brbmtlidje 
Sdjroierigfritrn. 

3n brr iXrctirriina, M eigrntlicbrn Spanien mar Karl 
brm bopprltrn ©runbfafte brr ftrrngen fircbjicbeii ©laubig» 
feit unb b(6 föniglidjcn AbfclutiÄrnu« grfelgt. <Jr baue bic 
Mauren von fBalencfa jur Hanabmc bcr üaufe gcovungen. 
1U unglüdlidjrn 'äRebammrbanrr, brnrn bn brr (£r* 
obcrung von ©ranaba ©lauben«freibrit verbrijjrn worbrn, 
erhoben ftd) grgm bir llntecbtüdung unb vrrtbribiatm 
ftd) lange (1526) in brm grlfrugrbirgc dfpoban. <5nb* 
lid) untrrroorfen. fabm (ie ftcb mit jicmlicber *FMbe brr 
banbrlt, mrnn fte nur dufjerlid) ftd) brn ©cbrdutbrn brr 
Kircbe anpafiirn. Die Irjtrrr, bir frrilid) von $tit ju 
3rit brm .Jjerrfcbrr fcbrocre Abgaben p entrichten batir, 
profprrirte autirrorbrntlicb in brm Spanien Karl'« V. 
Süietrrbolt brfdjmcrtrn fid) bir (Sorte? über bic ftrte ;]n 
nabmr brr ©efifcungcn brr ©rifilichfrit unb vrrlangtrn 
SMufirrgdn grgm birfr* Urbrl, bae lie weltlichen Stdnbe 
auf« äufjcrfte bebrobe. Allein Karl jollte brn 6ortr« nur 
'.Küdftdit, mrnn ftc ihm neue Struern tu bewilligen Raiten. 
l*fl ging bereit« unirr birfrm gürftm rüdwdrt« mit Bcr 
öfonomifcbm Jage Spanien«. Dir ftetrn Kriege in 3tati«i, 
Dcutfd)lanb, granfreid«, Afrifa lirfirn ungrbeure Summen 
aujirr fanbe« geben, bir nid)t rnieber jurüdfamen unb 
frlbft burd) bfr amrrifanifeben Sd:dnc nicht rrfrpt mürben. 
9110 Karl von brn Giortr« ju 2otebo rinr nrur Steuer 
vrrlangtr, weigerte ftd) brtfbalb trr Abrl auf ba6 rnt- 
febirbrnfir (1539), biefrtbe ju brmilligm , unb verlangte 
»irlmrt)r, brr Kaifrr foflr frittr Krirgr rinftrllcn unb im 
?ant>e frlbft feinen brtiänbfgcn SBobnfie nrbmrn. Der 
Kaifer mufjie bir dortr« unvcrricbtrtrr Sacbr auflöten, unb 
bat fritbrm rorbrr Abel nod) ©riftlidjfrit mrbr ju brnfrlbrn 
einberufen unter brm Qiormanbe, tafj birfr Stänbc, ba 
ftr ja nidjt» ju ben Steuern beitrügen, bir leßtereu aud) 
nid)t au bcroiUigen bättrn. 

Aebnlicbe unb nod) gröfjere Sdjroierigfrilen fanb Karl 
in brn Äicberlanbm. 3n birfrn reichen unb frcibeiigewöbn» 
teil (Segenben halten bir Sdjriitrn rutbrr'« unb feinrr 
Anhänger balb rrifimb febnrllr ©erbreitung unb jablreiche 
greunbc grfunbrn. 3nbrffru ba brr Kaifrr Ijter niebt burd) 
bir Srlbfiänbigfrit brr fürftlichrn ©cmalt bebinerrt mar, 
fo fonntr rr frinrr grinbl'd>aft grgm ba« Ärjertbum frrirn 
Jauf laffrn. Seit bem 3- 1521 rrftbirnen in furjrn 3rit- 
rdumrn bic ,,'iüafatr", mrldjr bir ^drefie mit brn ftrrng= 
ftrn Strafrn belebten. Sein 3nquifttor 35an brr 4j>ulft 
forgte rifrig für bir Muflfübrong tiefer bluligrn @eiroe. 
Vi Uc in ibr 'JfH felbft fomir ihre bdufigr SLMetrrholung 
bemrifen, au« brr 9f fa>e ber geinorbrtrn Scfrnner 
frucbibarr Ärimr brr nrurn £cbre fid) immer mritrr »rr> 
breitrtrn. Su« Drutfd>lanb unb burd) bic fremten Kauf« 
lrutr in Starrorrvru Drang ftr immer von neuem in bie 
9?icbrrlanbr ein; unb fir marb bdufig von brn fldotifcbrn 
Obrigfritrn frlbft brgünftigt, fdjon mei( bir faifrrlicben 
«laubenötlafatc virl|ad> bir greitjeiten unb «Rechte brr 
Jfanbr vnlretrn. ©orialiftiffbr ^rrotgungen, mir bir brr 
SBirbrnäufrr, brr 9latf ildufrr , vrrmtfcblrn ftcb mit brr 
rrformatorifd)rn Strömung, fflenn bir leßterr noch nicht 




ju grö^rrrn rrvolutionärrn drfrbüttrmngrn fübrtr, (ag 
ber ©runb in brm Umfianbr, ?u« Karl prrfönlieb in brn 
flirbrrlanbrn beliebt mar. 3Ran brtrarbtrtr ibn felbft al« 
Ä'ngrböTigen br rfrlbrn ; frinr iVacbt, frin {Kubm rrfd/irnrn 
al« rinr 9}rrberrlicbung br« nirbrrldnbifcbrn 9<amrn«. 
(fr mu$tr ju brn Wrbrrldnbrrn in ihrer Spracbr }u rrbrn. 
(St oerlief) ibnm b'rvonag.rnbr ©trflungrn in fdnrr 
5BrrmaItung unb in frinrn ^prrrrn. (Sx gab brm nirber* 
Idnbifcbrn ^anbrl rinrn betrdd)tlid)en Vlntbril an brn 
•Hcicbtbümrrn ber fpanifcbrn entbrrhtngrn. Da« ?anb 
mar blübmb unb rooblbabrnb burd) »drrbau, ©nvrrb' 
tbdtigfeit, 9Jerferjr mir frin anberr* ©uropa«. So rrtrug 
man aud) langr, obmol mit SUibrrftrebrn, bir brfidnbigrn 
ßingriffr br« Kaifrr« in bir urfunblicbrn grribcitrn brr 
firbirbn ^rovinjrn unb \Mu , mrnn aud) munrnb, bir 
beträchtlichen Summen, bir rr ibnm fortmdbrrub für 
frinr großartigen (futmürfr unb Untrrnrbmungrn abvrr- 
langtr. @nblid) abrr rrbob. mrgrn brr übrrgrrprn Strurrn, 
bir rricbftr unb mdebtigfir Stabt glanbrrn«, ®rnt, ba« 
"Banner br« Aufruhr« (1539) unb ging brn König von 
granfrnd) um ^)ülfr an. 

Karl mürbe faum allr birfr ^inbrrniffr babrn übrr- 
minbrn fönnrn, mrnn r« ihm nicht grlunurn mdrr, 
grant I. in feinrm Sünlniffr frn.tubalteu. Ter Kebrr 
brr Siütfgabe IRailanbe an granfrrieb vrrfrbllc auch 
jeftt nid)t feine 28iifung. Auf auöbrüdlicbr (finlabung 
grant' nahm ber Kaifcr feinen SPrg von Spanien nach 
ben 9iicterlau6en, jur 'Brjmingung ©ent«, burd) granf- 
rridj ((htbr 1539), naebbem rr vorbrr mridlicb ba« 3Jrr- 
fprel-rn ermitft hatte, man mertr ibn mdbrrnb frinr« 
bortigrn tflufmtbaltrfl mit jrbrm StaatÄgrfdjdftr ver 
fdjonen. (?r murbr auf ba« gldnjrnbftr aufgrnommrn 
unb bemirthrt, rr vrriubr mit brr gröfjtcn ©efcbidlid'frif, 
abrr faum battr rr bir franjöfifcbr ©rrn^r im 'Jlücfrn, 
al« bcr König brn ^rci« für frinr greunbfd)aft in brr 
©cftalt be« Jöcrjogtbum« ^Dcailanb biingenb brgrbrtr. 
Karl beeilte ftd), mit ©ent abiurrcbnrn, ta« rotrflid) in 
furjrr 3''' brjmnngrn murbr unb feinrn ffliberftanb mit 
brm 9*erluftr friner grribritrn unb feine« SBoblftanbr« 
ju büpen hatte. Uli rr ftd) Durch bir i obr Straffummir, 
bir rr ©ein auferlegt, mit ©rlbmittcln vrrlrbrn unb für 
bic 3ufunft bic SBiUfdbrigfeit brr 'Kircerlanbr grficbrrt 
battr, glaubte rr, brm franjöfifdjen Könige grgenübrr 
frinr mabrrn «b|id?trn rntbuürn ut fönnrn. (Jr mrigrrtc 
ftd), SWailanB an granfrrid) birret ab}utrclrn, unb forbrrtc 
fogar bir fd'lrunigr *Hdumung von Savrt)rn unb $irmont. 
Dafür brachte er drimdri|'cbrÄriraib«proircir tulagr, brten 
Bcnvirflichung nur jum Wadubcil granfreieb« grrrtd;t 
haben mürbe. 

3c9t erfannte gran) bir 5du f diung, bir fid) bcr 
Kaijcr Hirn gcgrnübrr rrlaubt battr, unb fein ©rimm 
faniite frinr ©muen. Die bigot^faifcrlidtr gartet an 
feinem 4]>efc fiel in UngnaPc. Ur vrrbanB ftcb mit dprrjog 
SBilbrlm von Klcvr, err ficb brr von Kail mibrrrrcbilid> 
ecrupitten gclbrifchcn Grbfcbaft bcmdcttigt battr (3uli 
154U). TäWtt Brm l«apftr. trr 6c« Knitrr« (Eonrilbr« 
fttrbungrn nicht mrnig iebrute, trat granj von nrurm in 
ein engerr« »Brrbdltniß. Dir« vrrbtiibcrtr ibn nid)t, 



Digitized by Google 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) - 95 - KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



Sultan Suleiinan bie größte greunbfdjaft ju jeigen. Ler* 
fdbe war ohnehin ju einem abermaligen Jtrfrge in Un- 
aarn entfdjloffen , t>a fein früherer l S(^ü^(ing 3obann 
•Japolpa im Jtampfe gegen Slufrübrer umgrfommen war 
(Sommer 1540) uub nun Jtönig gerbinaub ficb rüfleie, 
auch brjfen Ambril von Ungarn in 93ffl© iu nehmen. 3" s 
milien birfcr atigemeinen Gärung gefcbaf) e«, baß ber 
franjoftfche Hgeut in Jtonftantinopel, jRinconr, a(« CT ben 
Siünbnißtntwurf mit ben lürfen in ber 2afd)e, auf feiner 
«tife von granfreid) nach bcr lürfei burd) ba« SDtai« 
länbifdje tarn, auf »efctjl be« bortigen faiferlidjen Statt* 
balter« ermoroet würbe (grübjabr 1541): ein ©erbrechen, 
ba« granj I. für einen fcbmäblicben iörueb reu @cfanbt< 
iebaftöreebte« au«gab unb jur Jtriegaerflärung gegen ben 
.Rarer brnu(t<: (1542). Grmutl)igt würbe er Daju ferner 
burd) bir SJerlufte ber Jjjaböburg gegen bie dürfen, bie 
nod) 1541 ben größten Ibeil Ungarn« eroberten. 93er' 
gebend fucble Jtarl biefeibrn burd) einen Angriff auf 
«(gier ju befdjäftigen (&erbß 1541). Liefe« Seitenftücf 
ju betn tuneftfd)en Unternebmen mieüang voliftänDig in* 
feige ber ungünftigen 3ai)"«jeit, jumal eine« Sturme«, 
ber ben größten Ibeil ber glotte vernichtete. SJon feinem 
febönen $eer, feinem trefflichen ©efdjroaber bratbte Jtarl 
nur traurige Stummer nach Spanien jurürf. iie* be* 
nu&rnb fielen (1542) 60,000 granjofrn unter bem Lau» 
pbin in bie bantal« aragonifdie @raffd)aft 9touffiuon ein, 
eroberte JjcTjog Jtarl von Orlran« ba« ganje 4perjog- 
tbum ?ujemburg mit 9lu«nabme ber gefhmg Liebenhofen, 
griff SBilbelm von Aleve bie eigentlichen 9cieberlanbe an. 
3m ndcbften 3abre (1543) erfdjien granj felbft in biefen 
(enteren, Jlnbererfeit« freujte Jtbair-ebbin mit einer furcht > 
baren giotte unb einem 8anbung«beere unter gübrung 
eine« franjöfifd)eit SJevoHmätbrigren an ber ralabrifcben 
Jtüfte, bie er entfefclid) terbeerte. 3n SDtarfeille burften 
bit türfifd)rn Giraten ibre djrifilicbrn ©efangenen al« 
Sflaven verfaufen. SKit einer franjöfifcben glotte vereint, 
untemabmen fie bie Belagerung 9tijjaö, bie inbeß mi«* 
laug. 9cadjbem fie fid) hierfür burd; unmenfd)tid>e 93lün* 
Gerungen entfebdbigt batten, erhielten fie ibrrn '25m ler • 
aufenlbalt in Soulon. 

liefe Vorgänge erregten bie allgemeinfie (Sntrüftung 
gegen granj I., jumal audj bei ben beutfdjen Vroteftanten, 
bie febon über bc« Jtönig« »ünbniß mit bem Zapfte febr 
unjuftieben waren, «u« bem lederen ©runbe baue auch 
JHeinrid) VUL bereit« im gebruar 1543 mit bem Jtaifer 
ein ©ünbniß ju förmlicher Jbvilung granfreid)« gefcblcffcn. 
3m Sommer 1543 fteUteu ihm bie Leutfdjen (in £eer 
von 34,000 '.Wenn jur Verfügung, mit bem er junädjft 
an SEBIlbelm von Jtleve Stäche nabm. Lerfelbe mußte 
Selbem an ihn abtreten, uuf alle antifaiferlicben Atlianjen 
verjid)ttn unb jur fatbolifdien Religion jurüdtrbren (93rr< 
trag von 93enlo, September 1543). Sonft aber fteBte fid> 
Jtarl ben $rotrflanten febr günftig, ja verfprad), felbft 
bie Sad>e ber dteformation in bie j5anb m iicbmen gegen 
bie lüde unb geinbfd)aft be« Zapfte«; nur muffe tx 
erft mit ben granjofen fertig fein. Dura> foldje unb an* 
bere S3erfprea>ungen, von benen bod) feine aufridjtig ge» 



meint tvar, brachte er bie protiftanrifdjen Stdnbr, bamal« 
bie tvaffenmdd)tigften in Deutfcblanb, bat)in, ihm 1544 
abermal« eine bebeutenbe Xmppenjabl fotvol gegen bie 
granjofen wie gegen bie Jirfen jur 93erfügung ju [teilen. 
9Rit einem J^eere von minteüen« 40,000 iRann, jumeifi 
3)eutfd>en, bann einem tlorp« Spanier, nahm Jtarl ba« 
gelb. 9Üd)t viel fdnvdcfaer u>ar bie 'Armee, mit ber Jäein- 
rt;|. VIII. in 6a(ai« laubete. Liefe große ^ad)t joUte 
bie @ntfcbeibung bringen unb fid» gerabe«meg« jur i>t ■ 
oberung von »Jjart« vereinigen. 3Birflid) brang Jtarl, 
reiche 33eule madjenb, burd) bie Champagne bifl auf fedi« 
Weilen von $ari« t-or, Pa« in uiibefcbreiblidjc gurd)t unb 
Aufregung gerietb. 9Bäre Jpeinrid) VIII. fe^t, bem Ver- 
trage getreu, vor ber Stabt erfd)ienrn, fie unb granfreid) 
mären verloren gavefen. Allein ^»einrieb hielt r« für 
nüßlidier, bie Seevld(e im uorbmeftlidirn granfreich ju 
erobern; unb fo fch Jtarl fta) außer Stanbe, bie 'Be- 
lagerung von *in:u« ernftlid) ju beginnen, vor bem ei 
jebort) in brohmber 9?dhe liegen blieb. Liefen äuffdjub 
benu^te gr.ini, um ben über ba« 3ög«n be« englifdjen 
Jtönig« erbitterten fiaifer burd) fetjr vorthtühafte Slner« 
bietungen ju bem grieben Von (5re«pp (18. Sept. 1544) 
ju bewegen. Darin würben bie Sfieberlanbe nebft loumai, 
bie greigraffebaft fo»ie Neapel in voller Souveränetdt 
bem §aufe JDefterreicb überlaffen. Lie gegenteiligen t*t- 
oberungen, auch $ienont, feilten berauflgegeben werben. 
J^eirathcn jwifa)en bett beiben fürfilichen gamilien würben 
verabrebet. Unb außetbem verpflichtete ftd> granj in einer 
SSBeife, welche bie Uetalegenbeit be« Jtalfer« über ihn 
beutlid) unb offen anerfinnte, ju gehorfamer Unterftü^ung 
ber faiferlidjen *ßoliiif, bie jept bie für gtfommen 
hielt, bie grudjt breißigjähriger gebulbiger unb mühfamer 
«rbeit einjuemten. 3« geheimen «rtifeln verfprad) granj 
Unferftüfcung einmal gegen bie O«monen, bie freilich 
Jtarl augenblicflicb weniger im Sinne lagen; bann jur 
Anbahnung be« Sonril« — ba« war bem Jtaifer fd)on 
weit wichtiger; unb enbiiä>, wa« jefct bie J^auptfache für 
ben leiteten war, jur 3£ieberh(rfte(lung ber religiöfen 
(Sinheit, ba« heißt jur 93eriichtung be« $rotef)anti«mu«. 
Unb ba« würbe nunmehr i» ber Ihat bie Signatur ber 
3eit. »Ue Ounft, bie ber Jtatfer im legten 3ahrjehnte ben 
s 4hoteftanten gejeigt hatte, wer ihm nur Durch augenfclirf -- 
lidje Serflimmung gegen ben ^apft ober burch bie SBudjt 
be« franjörtfd) f türfifa)en Lopp»Ifriege« auferlegt worfcen. 

La« macht ben ©mnbjig von Jtarl'« ßbarafter 
au«: jähe hielt er an feinen 5olitifa>en (Sebanfen feft, 
unb ben Sntfchluß, ben er einmal in feiner langfameu 
SBeife unb nad) reiflicher @rwdgvng gefaßt hatte, gab er 
nicht wieber auf unb fud)te bie politifdjen 93erbdltniffe 
immer wieber nad> ber einmal beabftcbliglen 9üd)tung 
binjulenfen. Ler Jtaifn fannte ba« öVbeimniß eine« 
jeben, ber in öffentlichen Lingen Sebeutrnbe« erreiehen 
wiO, fehr wohl: fid) nur mit ben großen Angelegenheiten 
ju befd)dftigen, ba« Letail ben fflrbülfcn ju überlaffen. 
Lie innere Regierung feiner jahlreid)eu Vdnber volljog 
fid) im einjeinen jiemlid) felbftdnbig; hier begnügte er 
fla>, in regem SBriefmechfrl nur ba« ffliduigfie, bie alh 



Digitized by Google 



KART, V. (DEUTSCH. KAISER) 



- 96 



— KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



gemeine ülidjtung anjugeb« fowit bit ©fbürfniffc br0 
nrüfu-n (Sanjcn anfjufteüen unb dniuforbcm. Jbril« 
fran«t>»lf*, thril* fpanifd) ift birfe ßorrrfponbtnj abge» 
fafjt. Da« waren bie Sprachen, bic ihm geläufig waren, 
unb bie fid) bei ihm allmtblidj bi« ju rinem gewiffen 
®rabe flegenfeitig burtbbrangen unb btrinfinfjten. So viel 
er aud) mit btn frrm&en Staatömdnnern perfonlid) ver« 
lehrte, er ftlefr r« bod) unirr feiner ©ttrte, ftd) babti 
viel 3t»o*iB aufjuedegtn. Seinem 3orn lief» er oft in 
heftigen unö febimpfencen «uWrürfm frrien ?auf. Da- 
gegen vergafj fr 93rld&igungen niemal«. So verjirb er 
am wenfgften btn Srotrfianten bie jteefbeft, mit ber fit 
in btn testen 3abren ihre Uebermcidw im Weiche geltenb 
gemacht hatten, atd ob e« feinen Jtalftr mebr gäbe. Sir 
bauen ben eifrig fatbolifebtn f>trjog tyinrid) von ©raun- 
febwrig grmaltfam au« frinrm Kanbt ve-meben. Sie hatten 
wiÜfürlid) mehrere ©itftbümet ber Sefcrmation unter- 
worfen. Sit untcrflüßtm ben Äurfurfttn von Äcln, 
^ermann von ffiitb, in btm Stftrtbrn, fein «Irjftift ju 
lutbrrifttrn. Sie bauen fid) um feint Verfügungen be? 
Jlaifet« unb be« 9ieid>«'.)fammergencbtr« geflimmert. 
Da« foOtt jrftt beffraft unb jugleid) rir ganje populär* 
reid>flfurfitid)e religiöfe Umgcitaltung vcrnidjrrt werben, 
bit ihm, btm jähen (Fonfervatfvtn unb überjeugten Sribfi' 
berrfdjer, flrt« tin ®reuel gtwefen mar. Gr baut ja 
granfrtid) unb o.udj btn »JJapft ju bitftm »ebufe auf 
ftiner Srite. 

«ßaul IU. erfanntt tnblicb, bafj fr, wenn nifbt 
Deutfcbfanb völlig btm Jtatboliii«mu« verlor» geben 
foOte, fid) mit btm Jcaifer auf ba« engfte rrrrinigrn 
imljTe. So ritf er wirflid) bei« von btm jtaifer fo langt 
vergeblich gtforbrrtt <3onriI jufaiunen; im SWdrj 1545 
warb e« in Irient eröffnet, rfnrr wenn auch jtnitit btr 
Wpen gtltgrnen Stabt be« Deumen 'Hat*. Der 8f 
ginn btr Gondl«fttjungen bejrictnef dufjerlid) ben Sßenbe- 
punft in bem bi« babin nod) fereinbar frfunbfdjaftlicbfn 
SBcrbdlmifff be« Jtaifer« ju bet ^rottflanttn. Diele ver« 
weigerten burebau« bit fBttb'iligiing an dntm Gondle, 
beffen Sriter unb £m ber »Hopft fei. Da fdjIoRtn Äarl 
unb $au( III. dntn ®uno grgtn fit unb begannen 
Süjtungtn. ^trmann von ffiirb rourbt vom Zapfte ab 
gdf(t, bann aui btm Jfurfürfitntbumt verrdtbtn (3anuar 
1546). fBrrgtbtnA wanbtrn bit Gvangtlifcben ftd) an 
ftranj I., an {»rindd) VIII. 4 ); bribe ivartn mit Äail 
im $unbr. Siif franjdfrfdft ©ermittttung bin battrn 
felbj» bit lilrfen einen mebrjäbdaen aÖaffenftiUftanb mit 
bem Äaifer gtfdjlofftn. SBortrrfflid) battt bt« Itbttrn 
Diplomatie bit militonfd* «ction f erbereitet. Die fatbo« 
lifdjt Cppofttion gtgtn bit ^ab«burgtr hatte er vötltg auf 
feint «seilt gejogtn, unttr ben $rcteftonten fclbft ben 
SWarfgrafen 4>anö von ©ranbenbnrg» Jffnftrin, ben tvilben 
rauflujrfgen SDiarfgraf^n ftlbredjt von Sranbtnburg'Jfulm' 
bnd), vor afltn btn ^trjog WoriiJ von €ad)ftn, tinen 
flugtn unb unbfbenflidjfn ^olitiftr. 3nbtm btr Äaiftr 



4) Urin titf* Jtönift* «.il).illitiij 4 u t,m Jtmfrc unt b«n 
SJrcknanim Ut)t man €■ ©ournsatlfn, 3ur «<(a)i(tiu K# 
ed»malffltK«t *rif 9 «; «iffcr. ^itfdjr. (1876) XXXVI, 26 f|. 




überad verfünbttt, ti gelte niett brr protef)antifd;en Re- 
ligion, fonbrrn nur btr Unbotmdfjigfdt 3obann gritt 
rid)'« von 6adifen unb Philipp'« von Reffen, beroog er 
aud) bie Äurfürften von 93ranDenburg unb ber $falj 
jur Neutralität. So hatte er bie @rper flugüa) ge« 
fpalten. 

3nbe§ nod) waren fdne Lüftungen nirbt voHenbet; 
tr batte in fRegrn«burg nur erf» 9f<X) Wann um fid) 
vereint, al«, butd) vorjdtige Jcunbgebungen ber römiffben 
(furie gereijt, brr fda)ftfd>t Ätirfürfl unb ber Sanbgraf 
mit 20,000 Jfrtrgem in £öbbeuifd)lanb erfdjlenen, reo 
nod» 12,000 SSürtembtrger unb Gontingrntt brr ober< 
brutfeben £täble ;u ibntn ftftfirn. (S0 tvdrr ibntn dn 
?rid;tfö gewefen, ben Jtaifer mit fdner gtdngrn 3Rad>t 
ju vtmid)tfn; allein Philipp von Reffen, ber auf prote 
ftantifdjer €ritt ben Cberbeftbl führte, wagte nicht, ba< 
»Hddjdcberbaupt birtft anjugrrifen. 6o gewann Äarl 
3dt, fdne «frftdrfungtn hftanjujifhtn, bi« tr an 40,000 
«Wann bdfammtn battt. Nun b>tt rr bd 3ngolfiatt 
btn ISvangdifdjtn 6tanD, bi« aud) frint 17,000 Äifber« 
Iduber h^btigefommen waren. Unb ba fiel (Stovtmber 

1546) {»er^cg WodQ von 6acbftn mit ben Xruppen 
bt« 5tönig« .Vtttnanr in ba« fddififdje Jturffirflrntbum 
ein; in furjefier »uift war ba« verthdvigung«(ofe Sanb 
erobert. Dirfe« drrignifj gab ba« «Signal jur Äuf' 
löfung br« grofjen protrftantifd>tn (ifnrf in Sübbrutfd)' 
lanb, btnn nun eilte ieber, fein dgtnt« ©fbift iu beden. 
Sdhrenb aber 3obann griebrid) fein Äurfiirftentbum 
iurüdgtwann, ging bie protrfkntifdje Sadje in Süb- 
brutfdjlanb verloren. SBürtemberg wume von btm -Raffer 
unterworfen} burd) ben ^eilbrcnner Sergleid) (3anuar 

1547) gab ftd) <^)trjog U(rid) politifd) unt> mtlitddfd) in 
bie @ewalt Äarf« V. Die fübbeutfdten Keitbflftdbtt 
mufjten beffen Serjdhung burd) bftrddjtlidjt ®dbfummtn 
rrfauftn. 9Red) hfdt er f« nffbt an btr 3dt, biet bie 
Äe&erel |B unterbräden. Denn feirfe unerwartet grofim 
(frfolgc hatten ben »ßapfl unb Äöntg granj L ftufig 
flemad)t. 3ener jog fein $eer au« Deutfdjlanb jurüd 
unb veriegte, eine in 3-rient herrfdienbe Äranfbdt jnm 
Sortvanst nehmen r, ba« Qonril au« biefer Stabt nad« 
bem pdpftiidjen Sologna. gran) aber fanbte ben $ro> 
teflanten gar 200,000 ®o(btba(er unb verbirg ihnen bt 
waffnttt llnttrfiüQuna. Äarl trfanntr, bafj er biefer 
Cppofttion nur burd) fd)nr(Ie Uehmvdltigung ber Schmal' 
falr-ener bie Spi|>e abbrrrben fönne. (fr eilte nach Sad«' 
fen, ierfireute 3obann Äriebrid)'« f)eer bri SRühlberj; 
(24. «pdl 1547), bfmddjtigte Ttd) be« Äurfürfien fdbfi. 
Diefer mufite in ©Ittenberg eine 6apilulation unter 
jeidinen, bureb weld>e er feine gelungen bem Äaifer 
überlieferte, auf bie JTurwürbe unb dntn grojjen Ihdl 
feine« Vanhe« ju ®unf)en feine« Setter« Wode ver' 
iiduete unb bafür anftatt be« fd>on gefällten Tctct- 
urtbeil« ®efangenfd)aft nad) be« Jtaifer« Sütlitben dn' 
taufdilf. Durch ba« traurige Scbidfal fdnr« Sfrbünbrtrn 
gtwarnt, fah Sanbgraf Philipp nur in fdiltunigtr Unier 
Wtrfung fein Ärll, Der Äatfer wollte ihm nur greihrit 
von 8dhf«fhaff unb twigtm ®tfdngnffi jugtfitbtn; 
TOodb von Saasen, al« Unterhdncler, liefj — wie e« 



Digitiz<sd by Google 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) — 97 — KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



feteint, nicht obnt fctlimmr Hbficbt — ba« SBort „e»i< 
qtt" (perp&tuel) au«, fobaß Philipp ebne jebe« ®efdng» 
niß bavon ju fommen meinte trab In bie Kapitulation 
willigte, bie ihm, wenn aud) unter mandjerlei erfebwe» 
renben »ebtngun„en, fein 8anb beließ. 3» frinem ff* 
♦Jaunen fah er ftd) nad) feinem gußfalle vor bem «aifer 
(19. 3unl 1547) gefangen gehalten. @« unterliegt feinem 
3weifel, ba§ «arl jene Äu«laffung jwar uidjt vcrurfadit, 
aber bod) rrd)tjeitig bemerft unb ftiUfdjweigenb gebilligt 
bat, um ben gehaltenen unb gefätjrliaftcn feiner beut« 
fdjen ®egner obne Sd)wierigfeit in feine ©eroalt «u 
beforamen. gür ben «ugrnblid hatte ber Jtnifer feinen 
3roerf crreidjt. Die cor [urjrm fo übermätbigen «rper 
im iKridje, in Böhmen, in Oefterreid) nagten — mit 
Huönabme einiger nleberfdd)ftt"d)rr StJbte — feinen SHMber» 
flanb. Sein alter Sebenbubler, granj. mar foeben ge* 
fUrben. Um feinen Irinmpb ja wrrollftanbtgen unb ju 
legalffüen, nerfammelte ber «aifer ben 9teid>«tag ju 
«ug«burg. SBäbrenb er bem pdpftllcben SBiberftanbe 
gegenüber feine ©efanbten unb $rä(atcu von Bologna 
abberief, faßte er ben ©lan, felbftänoig, ebne 9tudiid)t 
auf 'l ; ap|'i unb (Joncil, eine religiöfc ßinigung in Tai r iv 
lanb ju Stanbe ju bringen. G« mar ein überaus füb= 
nc4 Unternehmen, aber nad) allen feinen Grfotgen traute 
«art ficb bie SRad)t bafür ju. greilid) foUte ber birr ju 
«ug«burg aufgearbeitete Gntrourf nur M« jur Gntfdirl« 
bung eine« allgemeinen Goncil« bauern nnt trug beöbalb 
ben »amen Interim. G« mar, ben ©cfinnungen be« 
«alfer« gemdß, in fafi burdjgrbenb« fatbolif<bem Sinne 

Behalten, mit wenigen, meifi äußerlichen ^Abweichungen, 
irrerem nabmen bie grdngftigten protrftautifcbeit Stänbe 
in ihrer großen fRebrbeit bn« Interim an. ÄÜein bie 
beutfeben «atbolifen, vom $apft aufgrftadtelt, miefen c« 
gurüd. « mar bie Äbfitbt be« j?aifer« auf Weber» 
berfteOung ber religiöfeu unb bamit aud) ber politifd>en 
Ginfgung Deutfcblanb« vereitelt; ba« 3nterim rrfebirn, 
al« c« (Wal 1548) turnt ein iui;fc«gefe& ben «Prott» 
fronten aufgenötigt würbe, lebiglid» al« eine an tiefen 
geübte ©ewaltibat, ber Sdjmalfatoener Ärirg nadmäg» 
lid) tro* ber rntgegengcfc&tcn Beteuerungen tc« «aifer« 
al« ein SReligionefrfeg. Gbrnfo ging efl ben «buchten 
«arl'« in pclitifcbrr ©ejiebung. Dir von ibm gemünfdjle 
taiferlicbe £iga aller beutfeben Surften fum nldjt ju 
Stanbe, fonbern nur einige ©efrimmungen iur fffiabrung 
bc« grirben« unb ber £elbfidnbigfeit be« »eieb«. Der 
Uiiabbdngigfeitftftnn gerate ber fatbellfdjen Surften beugte 
ftd) nicht unter bie $ldne aud) be« fiegrrieben Jtaifer«. 
3eigte brrfclbe bod) gerate hier, ;u rlugeburg, wie wenig 
er ftd) a(« nationaler ^errfdier Deutfeblant« füblte. (Sr 
befreite bie 9lieberlanbe gdnjlld) ton ber (Siuwirfung b« 
ortentlitben »efdj«obrigfeiten, nur burd) terbdltnißmdfjlg 
geringe Iruppen« unt ^elbbeitrdge blieb ber SJurgunbifdje 
firri« neet: in einigem 3ulatnffi«ibange mit bem deiche, 
ba« tod) bie Saft behielt, jene ^rotinjen gegen alle 9n< 
griffe ju tertbeibigen (1548). 6o bat Äarl V., fo baben 
bie &ab«burger ba« ftebenbuntertjdbrfge Bant jwijd>en 
ben 9}icbertariben unb Deutftblcnb gelodert, gerriffen! 
Die ©rfolge Uarl'« waren nod) nid« abgefdjloffen. 
«.».^n.k.w.i ». 3»H«< e«««. XXXUI. 



3m SRooembet 1549 befreite ihn ber Zob ton bem ibm 
fo fernblieben $opfte $aut III. Deffen 9Ia(bfo(ger, 3u- 
liuö UI., fant ftd) bereit, ba« (Sonril wieter nad) jrient 
lurüdjutfrlegfn. Da« 3ntertm würbe, freilid) häufig 
mit Drobungen unb ®ewalt, immer weiter unter ben 
'.ßroteftauten burd)gefübrt , alle ffliterflrehenben , )umal 
bie $tebiger, in bie Verbannung getrieben. Sur SWagbe- 
hurg leiftete, troft ber faiferliö>en «d)t»erfldrung, mutbi' 
gen SBiterftanb unt würbe gunal ber 3uflud)t«ort ber 
vertriebenen ^rebtger. tlUein wie lange fonnte ba« 
bauern? 3n 3- 1550 ftanb Sari feinem Ju-lc ndber 
al« Je ju»or. Da« wiberftrebenbe ^apfitbum tjattc ftd) 
unterworfen; unter Aarl'« flrgibe follten bie Seialbuugen 
be« Soneil« ton neuem beginnen. Sronfreid) war tief 
getemütbfgt, 3ialien lag ju be« Äalfer« gütien. »uf 
einem neuen 9tetd)«tage im 3- 1550 weigerten aud) bie 
beuifdjen Surften jtd> nid»t länger, bie »efdjlüffe be« aü^ 
gemeiuen, unter bem ©djatten con Äarl'« Autorität wr^ 
fammelten (ioncilö anjuerfennen. Sod) wenige 6djad)' 
iiige, unb ftarl ging au« feinem ?eben*fpiele al« Sieger 
bervor. 

Da* erfie 4Ri6gefd)id, ba« ifjn hierbei traf, war 
ber SBibcrfprud), ben er bei feinem eigenen Sruber Srr- 
tinanb fanb. Der ilaifer wünfd)te nid)t« febnlicber, al« 
fein SBerf ju fiebern, inbem er feinen Sehn '-Philipp 
nid)t nur in feinen Qrblanben, fonbern aud) im »aifer - 
tbum al« *ad)folger einfette. Daton aber wollte ba 
bereit« jum römildjen flönig erwdblte gerbinanb nid)t« 
wiffen unb war feitbem feinem ©ruber wenig günftig. 
Uebetbaupt aber mußte eine auf Univerfalberrfdjaft ge- 
ricbtfle Warbt, wie bie be« Saifer«, gerabe im äugen» 
blide ihre« böebfien Xriumpbe« ton allen Seiten ben 
@egenfa$ ber nod) freien Stalional'Stanbe«» unb Ginjel 
frdfte hervorrufen. Damal« eröffnete Sultan Suleiman 
in Ungarn unb im Ütittelmrere ben ftampf gegen bie 
^ab«burger ton neuem. Die garnefe in üßarma, ton bem 
«aifer mit Sernidjlung bebrobt, riefen franjöftfdje ^pülfe 
an, unb mirflid) fagte ibnen ber Junge mutbige unt 
unternebmenbe 86nig ^einrid) IL burd) ©ertrag vorn 
grübiabre 1552 au«giebige UnterftüOung ju. ©alb barauf 
bracben mirflid) bie geinbfelfgfeiten in Stalten an«. «Üe 
bie alten @egner fanben ftd) von neuem wiber ben 
ftaifer gufammen. Unb aud) in Deutfdjlanb nahm bie 
Ungufriebenbeit immer mebr }u über bie SBiüfür be« 
«aifer«, ben Uebermutb unb bie Staubgier feiner fpant- 
feben ftrieg«fned)te, bie langwierige o^aft ^ohan« grieb^ 
rieb'« unb Philipp'«. Da« 3ntmm erjürntr bie ©rote» 
ftanten, weil e« ibnen ju wenig, bie «atbtlifen, weil e« 
jenen ju viele (Soncefftonen machte. Sdjon jeit bem aperbfl 
1548 fud)ten ftd) bie eifrigften «Proteftanten p einem 
©nnbniß ju vereinigen, «ber ber wahre SRittelpunft 
Per gefammten beutfdjcn Oppofttion mürbe Äurfürft Worift 
von Saebien. tlud) er harte von bem «aifer manche 
©enacbtbriligung ju leiben; vor allem aber wollte er bie 
Spanier nidjt allju mddilig in Deutfd)lanb werten laffrn. 
^orftdjtig näherte er ftd) ben ©roteftanten, beiinlid) bem 
«önig von granfreid). Dod) dußrrlid) bielt er nod; jum 
«aifer. 3m Sorembn 1550 ließ er ftd) von beinfeiten 

13 



Digitized by Google 



KAHf. V. (DKtrraril. KAIHKII) ~ »8 - KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



W« rrAbrtmg bei flfdMiiiigifflfgrf) gtgrn Mr €>labt IV an 

bfbiirg 6berrf*g,rn, um »Ir mllliarllrbe Vrbrrrfdjung 
VIprHntllifilnnM, ja Mr (IntfibrlMinn. Abrr brfuii edjlrf* 
f«l In t>ti fyant» haben. Wabreiib rr iaVInbar grgrn 
Mf flftlgfn '«irMrflantrn frlnbfrlln auftrat, fdjlpf rr am 
ürbr. IftM mit gan« von Äiiim-. un» Prffrn ©unbrf)« 
«enoffm »Ii I tttun »Mir grbelmr i'uia „jur ISrba Illing 
r-rr «Hfllfllnn unb rVflbel» brr Drutfcbrn". ; lu Sodjau 
(t tlfbtt i . .1 1 H im rr bann mll rlnrm fruiuofilcbfn 
i'»h"iMi rinm IkbmacbooUrn Wrrlrag ein , brr fAr 
llriiftflAb'" i b" Vrotfftunlm bind) .»vuituli II. brni' 
fHbrn Mf ''lAibrinift Wir», 'loul, Wrrbun unb Uumbrai 
«Ii ••ii. Tu. vnlprarlu Nr brflnlllvr tlurtrag iwifebm 
brn ! • ■ 1 1 - 1 ■ i, *|ltiiir|hinlrii hup .i)r(nricb " wurbr am 
lf. inn I r<f »V Iii (Ibambotb unirrirldjttrt. >uM(d}en 
bnllf Vli ilb Vlnnbrbura rhu frbr günfllgc Uapitulatioit 
■fWAkrii ««nftilifif «Nr nlw«riDffion>rni H rt friiir Irupprn 
litimtt inrlir, 

WH lilfll H Mi in, in Irugnrn, bafl In birfrr «riftft 
Wnil V , «irii tu <*'i«M ftt>trc t geplagt, nld)l frinrn ge» 
iiMMmliilifti iftbiiifMIrf unb (du fonfllgr* Mifi' Urtbeil 
rtM'liiI biil, t't'it'i'l rr Im (t'iunbe wn brr Unjuvevlaffig« 
Iril flMi'ilti n' >M> ihn »'tu. Srlnr Winlllfr beflagtrn tut« 
IbH Ulli' UnrnlMilMWnbfit, Mnr Unluft in brn 
fliiAflHI, Mt boib rlnr Immrr üblere Wenniu,i nabmrn. 
Mf <tifiliiiiiblihi|irn br<» Uonril« rrfAIrnrn »o aurMtdM«- 

Mi|i bei »tillrr |rlb|i bellen eu«penfion brantragrn 
iMHjilf, im |ii«>»fn flirnbr br* 1'apttr«, brr grrn barauf 
• |ii||l»l) ^Hibbibt INVA ;luglriw. irigtrn ftranfmeb* 
»hfliruMi» |l<b In ,\toltnt |o uberlrgr « bub Äail bort 
fluni itIVnfililflaiib finjugebrn fnt grnetbigt tob, brr 
»•I» i'>i)(im Im )U|(b«' von a.an« cfavovru unb ^«irnient 
Mii« | Vt|*t<t l<V»t>>, U<lrt bebrnfllaVi war «od) wa# m 
t inil>M<inb voi^lng, £o grbrim waren bod* bir Wane 
mir- 'NOiliiii,if» be« »mfitirtrn IVenji nldt geblieben. 
i.t|i m.l l rlnr nn.tiwt)W »nnbr von ibnrn Ii* ubrwU 
>.il'».ii(i bau», »türtn »vn t. bft KIM* bir 



ilüf.ll ULM ,u»mH In rolitiKtrN Tinam bribJtmr. Un« 
M Hop r« W,M««n|Wn, bir «bm wu ^fn »vmvr- 
Mii»«.<« c'.ti.n Mnb mit Hsi«tirnbrv tVrtlmmibnt immrt 
«uirn »»i^iw««« b«<'t> *<« rwnfbant* ^iuNtrbitrtntii 
»um 0<i«>«b«w «i« %V\m^' Jivmv \mlnrrn. rmrlbrvrt' 
tibiiKH «mi tbm r*Hf twiintsbJltlut» ^wumwmrunh in 
Uh<m<mii< wo b<i ,f*i»o titt tsiNMlt julKli AnUbr 
im»b"b.uv n.b.\i\H.t««j tti» n»kw, 4t« im Wau l»\\S 
i\.i»m,v \\ unb bif iP\*WU»hii jSfflt^ l»*Ktluam! 
V,» «.um NMnb M»r* b»<tiW itKAitti Mn>;tiib( «tf^m* 
M,\ in b.i i.vliw»w«>« ^»r Ät»u«.wn msnt« 

vonirt «ii.bWX Ni« ^<v« ^ r» im iPci^»«jt frmr 
\NrtiU in v^i^i Vtf NuNmsK^ tlvv*r» tmt^Unb^ 
wirrt Ä^mji j\>iNwAnb »>^Ijm» tv« Jvt >Wu^«<r b<* 

Äi*wii.t.^ w^^i*»rwr* «Ntr# »t.1mi »xb w»r><xt<iT«-* t<W 

ITM rt»^ ,x *'^ 11 *"*<\T4sn t N\ i kiN-. 

4Vmmw.vi v^oft rs>n tV..iN',^>r**st^f,A «>»> «vk« 
b« Ni".«„r> mM n> t^wf *«<»«Nt;Mm 

\» u hitiwii w»ll>^ »v« <s, ,^»|v»M»r,^ ^vf^< 



\ 



berab! 3n meld) unawartricm Umfangr jrigtr u4 bir 
inarrt f>oblbril brr) anf<brinrnb fo flogen faifrriia>* 
unforr fali tili eben < 3Raa)tg(bdub<<! (Der hanfe Äaiirr muptr 
nacbtliajmorilr auf) Jantfbrucf in tat fcbnrcbfSrtftt 
Q^rbirgr ^ücbtrn. 9r Tab fia> grnötbigt, frinr« Sn^rr 

Srrbinanb mit Snbanelungrn mit brm rrbrUifari Jtun 
ir^rn jn beauftragen; SRiltt 3Rai trat ein Saffraftill' 
Ii uns ein, um bie ftriebentnegociafionrn in $affnu rr' 
bffnrn )u fönnrn. J.ianni bo<b iniwifcbrn bir äurwcin 
fia>Soul0, 9)erbun« unb 9Rrf' brmdajtigt! grrilt<b batir 
.«.Kl junÄcbft bir Stbfidit, untrr brm 2)ramantri irr 
paffaurr Sirrbanblungrn rin $ta ju fammrln, um tri 
vmdlbrTifibrn cad-fen ju lüibttgrn. 3nbr| fa}lirslidi 
fab rr ftd) bod) vrranla^t, brn $af)auer i' ertrag |n 
ratificirrn (Huguß 1562), ber bir frieb(id)r &d)li<b< 
tuug aHrr rrligiöfrn ffltrrrn auf Dem ndtbßrn Mridjtugr 
worfdjrieb , 3obann Rtirbria) unb $bilip» von $effrn ia 
grribrit mit, bat) 3nter1m tbatfädjlid) bei'ritigtr. vilu, 
Ding« gab Jfarl bir ^>cjfnung niett auf, birfe« Cpfa 
Irinr« prrfönlidxn cicUr«, feiner reltgiöfen Uebrr}rugung, 
feiner pclitifdsen Vbjtcbteu wirrer jurütfAunebmrn ; ab« 
grrabe br^balb mar r* notbig, junddijr bir äu^nn 
rjrtnbe, lumal granfreid) tu brmötbigrn. ÜBäbrme 3Rerib 
fein {>eer nueb Ungarn fübrte unb bort bie lürfrn wirf' 
fam brMmpftr, »og ftarl mit 70,000 3Xtann vor ".Vu' ■ 
(Ortobrr 15Ö2). Xet iV'tp bieftr n iebiigrn unb rriaVn 
6tabt mimte uiuaitu übrr bir ganjc €trllung br« M 
frr« entfebeibm. «Urin Wej »urbr ron b«m jung« 
rVanj von ®uife auf bar) gefd)iifte|ir vertbeibigt-, bir nap 
falte Söitterung brr ^rrbft > unb ffiintrrtagr erjeuglr in 
brr fumpfigrn iSbrne Jlranfbeitrn , bir rin ^Drittel M 
faifrriiibrn jSee;e^ wegrafften. 3m 3&nuar 1553 mu^tr 
bir 9rlagrrung aufgrbrbrn vrrrbrn. ^uglcid; maebten 
bie graniofrn in Wittrlitalien gprtfebrittr , erobert» 
mit benSürfrn verrint Serftca. VUrf fd)lug trm Äaifrr 
frbl; frlb» bie SiirberliinPer würben mitmuibig ""b 
»oOtrn ui*r* mrbr von frrnrrn 3ablungrn für bejfea 
mwttfritr «ngrlegrnbeiten boren, greilta) frbtr rr no4 
mrbrtre ^tabrr ben Aampf forr, «arnal gegen gyanhria): 
allem rnii<tnbentr ^ortbeile rermea>;e er nidjt mrbr 
a.e>ie:i baffrlbe «u gewinnen. (Fbenfo nxnig gelang tt 
ibm. btiuernbra Unfneren in XrntfcblanP iu i'nften, um 
io bie iW'^lutfrtt sur Sirteranfnabme «n.rrr reiigion«- 
peliu'ifren i^lane $x gerrrnnrn. $irlmebr warb rr ra« 
bur* nur ben reutta>en, Nu Ättboltfrn wre Pen $re' 
tetranlr«, r*»m tetbabt. «nb ne ngrltrm *re «erbälf 
nitfr gan| ebne ^^Mnarr auf iba. Xet HugribuTi;eT 
^eimen^nwfe a\V> erntttc enMi* ba* Pringnibr 
*«b<t<b4rlr»p be# nun bemro an «urjig 3*bre vc« brn 
944»b<a««TYtrr<rrirrm t e näimt e » rrnriUnt«. 

HÜ! ?<e»< örr.^a *< csytni Aart atenengrn, oaj 
hu« tvVrf ».i»r# iiXt# 'wMciri ant rrli^Mfem wie auf 
pWtr.'i-*« «*<rbteK c^Ätarrt vl 3m inaer anrofract' 
Hut*, rveaej*« i?«eTricaw*w«'r banr er bie 
t«be*r*Ktve )cf W*emf*,-« «reM^ntfevi. bir 

i : o&r SJiit 




Digitized by Google 



KARL V. (DEUTSCH. KAISER) — 99 — KARL V. (DEUTSCH. KAISER) 



üu<4 ohne biefe rdigiöfen Sdjroierigfriten batte fich immer 
wieberboll bie Uninögltdjfeit ber @rrtd)tung dne« Uni« 
rcTfalrddj« in ber lebeu«vollen 3rit be« 16. 3abri>. 
berauageftelit. >tr ber ju bem Ungeheuern ©anjeti von 
.Karl'« Seid) jufammrngefa&ten Sationaliidten mottle 
frei« wiebet ihre (Signum, ihre befonbrrn 3nttrrffm gel» 
trab unb jdgte mit readtfentem Wacfctrurf ihre llnluf), 
jene JU ®unftrn eine« Allgemeinen aufzuopfern, für bat 
tu ferne politifaV nod) nationale ©pmpatbie fübttc. 
Unb anbererfeil« tief ba« Univerfalrrid) ganj natürlich 
aud> umverteile getnbfdjaften unter fuii wad). iBfle nod) 
unabhängigen Staaten üben fid) bind) baffrlbr bebrob', 
unb reöbalb fanben fi« fid) auch fiel« von nruem int 
IBänbnijj gegen .Karl jufammen. t'im menigften war ti 
möglid), bauernb ben Vertreter ber universalen Jlircbr, 
ben $apft, für ba« untverfale Jtaifetthum )u gewinnen. 
<Sr merfte wohl, bafj Äari V. ftd) bei biefer Bereinigung 
ben {owenantbetl jubadjte; unb er war jugleicb viel ju 
fcf>r rceltlidjer Surft, um bie unbedingte Jpenfd;aft ber 
©panier in 3talien gern ju (eben, ©o trat ber ^apft, 
t>er boeb an ben rrlfgiöfeu fkftrebungen Aarl'0 ben leb« 
bafteften Antbeil bätte nebmen unten, in entfebeibroben 
«ugenblirfrn immer al« beffen SBiberiadjer auf. Vln 
btrfem ®egenfo&« fchelterten aueb bie befebeibenen fird)* 
iid>en 9irformpldnr , mit roten ber Aaifer ftd) wdbrenb 
feine« ganjen bebend getragen batte. 

äUe bie enlfcbdbenben SRiöerfolge trübten bie ©Hm» 
Äatl'« um fo grünblicber unb unheilbarer, al« er 
fid) juglrid) von Äranfbeit unb vorjriligrr ©d)mad)e 
«rfebepft fanb. ®id)t, »fthma, fowie bic golgen feiner 
9u«fd)wdfungen plagten ihn feit langer 3eit unb traten 
immer quälenber auf, jumal er fid) in SJejug auf bie 
von ibm find febr geliebten Xafelfrruten turdjau« feine 
SBefcbtänfung auferlegen wollte. 95rreiid ol« gunfjig« 
jdbriger erfdjien er al« ein gebrodjener, hinfälliger ®rei«, 
Dem man ein balbigr« £eben«enbe vorberfagte.*) Unter 
einen Umfidnben nabm bie febroermütbige , ber 3öelt 
feinblidje ®emütb«fiimmung, bie ibm al« Srbtbeil von 
feiner SRutter unb beten ÜJorfabreti überlommen war, 
immer mebr ju. ©djon feit vielen 3abren baue er ben 
®ebanfen gebegt, ftd) itt bie ©title eine« JHofter« jurüd^u« 
jiebrn. Äl« fein einiger ©obn hrranwudj«, gewann biefer 
Oebanfe größere geftigfeit unb ©efummtbeit; jeht würbe 
tt m einem wahren Sebürfnijj für ben franfen, mW» 
tnutbtgen, an ftd) felbft verjwrifrlnben Äaifer. «I« ibm 
ber grope ßrfolg geworben, bfe £anb Stada'« von @ng« 
lanb für feinen ©obn Philipp i« gewinnen, batte «er 
biefem bereit» (Sommer 1564) Neapel unb SRaflanb 
übertragen. Der Sob feiner geifteöfranfen «Kutter 3o« 
banna (grübiabr 1555) verfidrfte feinen Iriibftnn. ©o 
favie er ben unwiberruflia>en (Sntfdblug, bie Sürbe feiner 
OK-MuHtc von ftd) ab auf jüngere 6d)u(tern ju wdlien, 
felbft ben füblen unb feud)ten Horben auf immer mit 
ber reineren unb wärmeren Suft Spanien« «u vertau- 
feben. (rr litp feinen ©obn ^bilipP von @nglanb na$ 



5) Ognnno glt pronotttc» br*»e »tu; Kelatiooe dl Msrtoo 
C»»mlli, 1661. 



©rüffel rommen, «nb bier trat er ibm (25. OcL 1555) 
in feirriieber SBerfammlung ber ©eneralftdnbe bie ge« 
fammten 9tjeber(anbe ab. 3m 3anuar 1556 erfolgte 
bann, wiebtrnm in »rüffei. bie Gefften ber fpanifdien 
Äonigreitbe mit allen fowol in ber «Uten wie in ber 
Weuen SBStU bavon abbängtgen Sdnbern an Aönig 
Philipp. Sie Bereinigung ber Wieberfanbe mit ben fpa« 
nifd)«ita(ienifd)en ®ebieten ber ^)ab«burger bebeutrte ,u;« 
gleid) bie enbgültige Trennung jener von 5>eutfd)lanb. 
Denn intern Jtarl ade burdjaud fatbolifdten Vinter feint? 
Wadjtbrreid)*) auf $bi(tpp übertrug, brad) er jugleid) 
feine unb feine« Sobnc« Berbinbung mit bem über« 
wiegenb FeRcrifdien 2)rutfd)lanb ab. Sidmebr war et 
jept ganj mit ber «bftd)t feine« 33ruber« au«geföbnt, 
ba« Deutfdx Äaifertbum für ben jüngeren 3weig b<« 
fiab«burgifd)en jpaufe« ju referviren. 9Bar bod) ber 
verfud), jene« wieber jur bödjftcn, allgemeinen Obrigfeit 
ber (Sbriftenbeit in weltlichen unb geijtlidien Dingen 
jh erbeben, völlig gefebdtert; nid)t einmal ba« war ge- 
lungen, in Deutfdjlanb fdbflt bie faifetlidie Öewalt ja 
dner felbftänbigen, wabrbaft monard)ifd>en ui madjen. 
Diefe fd)wad>e, bem fürfi(ia>en Uebergewid)t unterworfene 
Jerone batte für Jtarl feinen SBertb mebr. Am 7. Sept. 
1556 übertrug er feinem $rubrr getbinanb Me 9tegte< 
rung be« Sieicb«. Dod) behielt er «et« ben faiferlidten 
litel, ftrone, «Kantel unb ©cepter; audi rinen ®efanbten 
gerbinanb'« batte er bei fid) im Älofter unb verhan* 
belte fortwdbrenb mit feinem ©ruber über bie SReid)«* 
gefdjdfte.«) 

äßenige üage nad) jener Uebertragung«urtunbe 
(17. Sept.) fd)iffte er ftd) ju feiner legten 9(dfe ein, um 
ben febon long« von ibm erwäblten unb vorbereiteten 
SRubeftp jufjufudten. (!« war ba« ^jteronpmitenflofter 
©an<$uf)e in ber angenebmfien unb gefd>üptcfien Sage 
ber cafttlifd)en $rovinj djtremabura ; am 3. gebr. 1557 
jog er in baffelbe ein, um e« nidjt wieber ju verlaffen. 
Dod) bat er bort fdne«meg« ba« Seben eine« a«(ettfd)en 
Ginftebler« geführt. SSielmebr bulbigte er nad) wie vor 
ben greuben ber Jafel unb umgab ftd) mit allen ®e< 
guem(id)feiten eine« fürftlidjrn Dafeiu« fowie mit einer 
AJblrddjen Dienerf<bafl. Daneben nabm er fortgefeoten 
Slntbeil an ten politifdjen (§rdgntffen, über bie er regel< 
mapig untrnid)tet würbe, unb auf we(d)e er bi«wei(en 
eine unmittelbare @iuwirfung au«übte. grdlid) gab er 
fid) aud) ben Hebungen ber grömmigfrit mit großem (lifer 
bin, befd)äftigte fid) baneben mit media nii'axn Arbeiten, 
wie Automaten unb Uhren , ober er börle bie Jeftüre 
bifiodfdjer ober erbaulidjer $i<<brr an. 9lod) in ben 
treten 9Bod)en feine« Seben« entjünbete fein fird)tid)er 
ganati«mu« ftd) an ber 9tad)dd)t, baft aud) in ©panirn 
proteftantiftbe (Bemeinben entbedt worben fden. Cr 
brdngte eifrig« auf völlige, unnad)ftd)ilid)e Sernldttung 
be« Äeftertbum« auf ber ^atbinfel, er bat bie Serfol' 
gung entfeffelt, wdtbe bie Deformation in ©panien er* 
tobttte. Salb barauf verfd)ümmerten fid) fdne Uebel von 
neuem — bie berühmte ©rene fdner dxequien bei leben« 



6) «jgi. K«r»jione di KeJ. Baduero, 1667. 

13* 



Digitized by Google 



KARL V. (DEUTSCH. .KAISER) - 100 - KARL VI. (DEUTSCH, KAISER) 



bigem ileibc fdjeint Me ffrfinbung eint« SRoncbe* iu 
fein — am 21. 6e»L 1558 verfdrieb ct, auf ben Sippen 
ba« (Srurifc, ta« ctnTt aud) feinet ©emablin in ber 
Strrbeftunbe gebient unb ba« ihn nie vetlaffen baut. 

Hu« brr übetaufl reichhaltigen 8 i I e r a t u r über Aar! V. 
tonnen hier nur bie bauptfäd>Ii<bftcn 2Berf< angeführt 
werben: ( ommentaires de Charles -Quint, pn blies 
par Arrvvn be Settenbovc (Druffel 1862; brutfdje lieber* 
feeung von ©arnfJnifl, Seipjig 1862). — 3«mntÄ 
@encfta0 Scpulvcba, De rebus gestis Coxoli Itnpe- 
ratoris libri XV (gle icbjfiti.qe SBiograpbie, veröffentlicht 
'SWabrib 1784). — Sanboval, Uistoria de la vida y 
heebos del Emperador Carlo« V. (2 Sbe., SWakrio 
J604 — 6). — «Robertfon, Ilistory of the emperor 
Charles V. (Sonbon 1769, feitbem häufig aufgelegt; 
beutfil: von STOiltelftebt, 3. Slufl., 3 Sbc., ©raunfdjweig 
1795). — SDiob. Safttente, Historia general de Espana, 
Sb. II. 12. — SKanfr, Deuifcbe ®efcbid)te im 3eitalter 
btt «Reformation (Sdmmtl. ffierfe Sßb. 1 — 6). — SB. 
•JWaurenbredjer, ®eidjicbtf rrr Falbolifcbcn Reformation 
<lbl. I, Sdrblingrn 1880). — ®iuf. be Seva, Storia 
documentata di Carlo V. in correlazione all' Italia 
(4 33be., Sencbfg 1864 fg.). — Coleccion de docu- 
mentos inöditoa para la historia de Es na na. — 
«Iberi, Relawoni degli ambasciatori veneti al Senato, 
Serie I. — ®ad)arb, Relations des atnhassadeurs 
veoetiens sur Charles-Quint et Philippe II (tBrüffel 
1856). — Sanj, Gorrefponbenj be« ÄaifereJ Äarl V. 
(3 33be., Seipjig 1844 — 46). — Derfelbe, Slaatepapiete 
sur ®efdrid>te tefl .Raifer« Jtarl V. (Stuttgart 1845). — 
Derfelbe, Hctcnfiüde jur ®efd)id)tc Aaifer Aarr«V.(Stutt' 
gart 1853[). — ©adunt , Correspondance de Charles- 
Quint (Srüffel 1859). — St ®lap, Ncgociations entre 
la France et l'Autrichc 1500—1530 (2 ©be., «Carl« 
1845). — ffieifc, Papiers d'Etat du Cardinal de 
Cranvelle (?fjarie 1841 fg.). — «- von Druffel, «riefe 
unb «den jur ®efd>id*te be» 16. 3abrbunbrrt« (9Künd>cn 
1873 fg.). — ©adjarb, Jeanne la Folie et Charles- 
Quint (Bulletins de l'Academie de Belgique, Srüffcl 
1870 — 72). — 3ufle, Charles- Quint et Marguerite 
d'Autriche (Briiffel 1858). — Köeler, Die Äaifertoabl 
Jtarl'« V. (SBien 1868). — Jjöfler, Jtarl'« L (V.) ffidbl 
junt römifeben ftönig (SBieu 1874). — griebrieb, Der 
!ttrid)6tag ju 9Borm« 1521 (Denffd)rift ber mänebmer 
«fabemie 1871). — $dflet, Der «uffianb ber rafitEta' 
nifdjen Stäbtc gegen Äaifer Jtarl V. («Prag 1876). — 
•Vfnir.rt, La rivalite de Charles- Quint et de Fran- 
cois I (2 S3be., «Parid 1875). - ©aebarb, Trois an- 
nees de Charles -Quint (SBrüffel 1865). — Druffel, 
Äaifer Jtarl V. unb bie römifdje Curie 1544 — 46 l i'liin- 
iben 1877). — SDfaurenbredjer, Jtarl V. unb bie $ro» 
teftanten 1545—55 (Düffelborf 1865). — ©. Soigt, 
".Vieri p von <Sad)feit (Seipjig 1876). — Eignet, Charles- 
Quint, son abdicatiou, son söjour et sa mort au 
Monasterc de Yuste (^urtö 1854, bann oft aufge< 
legt). — @a$arb, Retraitc et mort de Charles- 
Quint (2 »be., Srüffel 1854 - 55). 

(M. Pkitippion,) 



e) KARL VL, bcnrfcbrr Äaifer von 1711—40. 
al« fpanifeber Äönig Äarl HL brr le^te bee beurfdsen 
babtburgtfajen Wanneftamme«, war geboren am 1. Cct 
1685 ale iweiter 6obn be« JFaifer« Seopolb I-, enl' 
flammte ber britten 6be feine« Statert, ber fBerbinbung mit 
(Slernore Wagbalena von ber $fali. Seit feinem Rebentea 
3abrt leitete bie @riiebung «nton glorian gürft von Pied)* 
tenfiein, ber ibm aud) fpdtet in Spanien |ur Seite tvar. 
JTarl, nad) bem Serid)te be« venetiantfd>en Sotfcbafter« 
Snjjini übet ben funfjebnjdbrigen 9r}ber|og ber iieb-- 
ling be« »ater«, biefem dbnlid), abrt beweglicher unb 
rnergifdiet, jog 1703 al« ^rdtenbeut nad) Spanien, 
18 3abre all, nadibem im Spcnifdjen Succeffton«ftreile 
bie Scemäd)le (FnglanD unb £olIanb fid) für ihn a(6 
(Srben ber fpanifdjrn Ärone erflärt ballen unb bn Jfaifrr 
für fid) unb feinen Srflgeborenen , ben römifeben Jtöntg 
3ofepb, auf ade fpanifdien Vänbtranirnict'c vrTjicbtelc. 
Um 3. 9?ov. 1703 traf Aar! im Jpaag ein, am 26. Son. 
würbe bie glotte fegelfertig, furchtbare Stürme hinberten 
ba« «u«Iaufen bertclben bi« >.um 3anuar 1704, bann 
fuhr Jtarl nad) Qnglanb unb von bort am >. 9Rdrj 1704 
mit ber hoUönbifeb'englifchen glotle im 2ajo ein; er cr< 
hielt bafelbfi bie 9tachrid)t, feine Staut, bie portugiefifa>e 
$rinjefftn, fei brn ©lottern eilegen. ©r bemächtigte 
fid) ©arcelona«« , ba« von feinem ®egner ityütpp V. 
(Vi-uie XIV. Gnfel) belagert würbe unb bem gaUe 
nahe war, al« e« burd) ba« (frfd)einen ber englifdjen 
glotte befreit würbe. Da« Jrrteg«glüd in Spanien wed)> 
feile häufig unb Aar! hielt (weimai feinen (Sin}ug in 
SRabrib, um e« jweimal wteber iu verlaffen. 3m 3 
1706 lieg er fieb al« Jrönig Aar! III. bafelbfi jnin ftönig 
au«rufen. 3m ganzen war feine Stellung mehr von 
bem (Srfolge ber SBaffen ber beulfd)'englifd)'hoU<inbifd)en 
doalition gegen granfreid) im llrbfolgefriegc al« von 
bem ®ange ber Ärirg«ereignijfe in Spanieu felbfi ab' 
bdngig, wiewol feit 1706 aud) auf bem fpanifeben Schau* 
pla(e feine Generale gagel, S<beinburg, vor allem brr 
fühne Qnglänber ^eierborougb ihm (saialonirn erobert 
hatten, wofelbfi er aud) vom iw.h geliebt würbe, hin- 
gegen er in Saftilirn feinen «nhang hatte. Salb fah 
fid) Sari wirber auf Katalonien befrbränft unb in Sur* 
eelona fefigebannt. 3Kit 3Hübc biclt fid) ®uibo Starhem' 
berg gegen bie franjöfifcbe Uebermad)!. Da fiarb am 
17. Spril 1711 Aar!'« »ruber 3ofeph L, brr beutfd)e 
Jcaifer unb &m ber öflerrcid)ifdjen Üdnber, unb Aar! 
erwartete fegt ein anbete« So«, ba0, feinem faiferiid)en 
Sruber im Drutfd)cn Striche ju folgen. 9tur ungern 
verlief* er ba« Sanb friurr Neigung, Spanien, am 
27. Sept. 1711, (ic£ feine ©emahtin tSItfabetb Gbriftine 
(üoehter f»erjog« Siubolf von Staunfchweig < Sünc 
bürg) al« Siegentin junid, injwifdjen (Sngen von Sa« 
vopen an ber Spi$e ber Äaiferlid)en ben «bein fidserte 
uub an ben <$>öfcn ber Jfurfürfleii bie fiaifcrwabl Jtarl'« 
emfig betrieb, bie am 19. Der. 1711 erfolgte. ©Ietd)teiiig 
war ber grieben«congre§ nad) Utred)! uudge|d)rieben, bic 
Seemächte weigerten ftd), eine bab6burgt|d>e Univerfal" 
monarchie grünben )u brifen, unb Äail VL mu^te auf 
bie fpanifdje Ärone verjid)ttn, bie nun red/fmäpig an 



Digilized by Google 



KARL VL (DEUTSCH. KAISER) - 101 — KARL VI. (DEUTSCH. KAISER) 



ben Bonrbon 9ßf)ili»P V. tarn. Staü ftljielt von fpa< 
nifd>rn ffrbe sie ftebenlänber, b. i. bae 3J?ailänbtfd>r, 
Mf Siroerlanbr, 9?eaj>el, Sarbinirn, SSIdfce unb JSdfen 
in Xo*tana — im grieben ju Saftabt (1714), finf golge 
.-rt 6irge btf $rin)«i (lugen von Saoooen. 

92fd>t lange barauf brad) rin Ärieg mit brn Hülfen 
mt. Harb bem Jtarlowifcrr grirben, i» weldjcm Crfter« 
rridj brn ©eftfr Ungarne unb Strbcnburgene wieter» 
gewann, war b<i £od;mutb brr Cemaneu fo tirf gebe« 
müibigt, bafi fic jebe* fetnMiifrr Vergeben aufgaben unb 
fe-gar Pen Hufftanb 9iafcr)V'0 nid)t unlrrftü^tcn. 60 
warb tieft gefährliche ätebtQion burd? ben Strdt unb 
Sroiefpalt .uMül'tn brn gübrrtn unb burd) bm balb 
erfolgtrn Uebertdit ftarolvi'* ju brr Partei bei Jfaifere 
in brm gefdfyrlirfjften tlugcnblide, ndtnlid) bei brm lobe 
3depb'e L unb brr fbronvuranj in SBirn, erfiieft. 
Sfldn bir Cimanen fuebtm gdnbfeligfeiten mit brr SRe* 
publir ffienebig. «I« bir lüden SRorra, bir 3nfeln line 
unb Srrigo rrobm borten, Sentbig in 9?otb grrietb, 
wanbtr fid) beffen Oeneral, ®raf Sdiulrnburg, an (Sugrn 
unb tfarl VI. fcfclcp mit SBrnrbig rinr BUianj jur Sic 
Impfung bei Ungläubigrn. (ähigtn von Savopen ging 
txi $eterwarbdn übrr bir I onau unb erfod;t an brr 
6pi(e beuifdyrr Ädegrr innerhalb fünf Stunbtn brn 
aldnjenben Sieg bri $elerwarbein am ö. Äug. 1716. 
u> ganje türfif'djc Sager unb rinr ungeheuere 'Beute 
blirbrn in Pen §dnPen brr Sieger jurürf. Wo* iu brm« 
leiben 3af)re jirl lemrtvar, bir für unrinnrl>rabar ge* 
fcaltrnr geftuua, bae tSnlfaebeer würbe grfeblagen. 
$unbertvieninb(ed)jig 3at)re warm bir Süden im Sefifce 
birfrr grftung grwefen. Da« Banat wurbr befeBt unb aud) 
nodi Streifjügt in bir SBaladjei unternommen, in brrrn 
.jpauptftabt Bufareft rin faifcrticfjfr Äapitdn frinrn Sin» 
jug hirli. 3<n grübjabre von 1717 jog Sugen übrr bir 
Xcnau, nahm rinr fefte Stellung jir tuten Drau unb 
€avr unb lagerte ftd) vor Beigrab, roeld)e geftung von 
30,000 C emar.en vertb>ibigt tcutbr. Sugen rrfod)t hier 
m offener gelbfd)Iad)t einen glänjenben Sieg, etoberte 
bae Sager ber Xürfen unb mad)te rinr unermr&lidjr 
Beute; 20,000 grfallenc Oemanen bebceftrn baeSdjladjt' 
feto. Am 18. Aug. 1717 capitulirte Seigrab mib 600 
Qkfd)ü6e unb bir gange i onanfletiUr mürben eine Seule 
ler Äaiferlidien. 3m ganjen Xtulfdjrn 9teid)e fang man 
hat Qtalfefirb, »rrldjce biefen Sieg verhrrrlidjt. 3m 
Srrtrage von ^affaronie am 21. 3u(i 1718 rrbirit 
Cefterreid} nrur @rrnjrn, Srlgrab unb rinrn Sbeil von 
Serbien, Hemetfvar unb bae tBanat, rae ;HrdM ree 
Sd)u&e« türfifdjrr Untrrtbanrn, bae SRrdjt, Gonfuln ju 
brftrUrn unb Sortb,ri(r br* J&anbtiebetrirbre mit ber 
Levante. 

SBBäbrenD ber ifaifer mit bem Xürfrnfrirgr befd}df< 
tigt mar, verfugte $b,ilipv V. von Spanirn mirber in 
ben $rfi( brr im Utrrdjtrr griebrn eerlorrnen 9?eben< 
Idnber ju gelangen. 2)er (Sarbinal Älbrroni braute eine 
arge biplomatifdje Seroegung hervor. 3nbc$ verriniglen 
fta> granfrrid), @ro|britannien unb ber JTaiftr (^ollanre 
Srittitt mar votbrbaltrn) jur DuaoruselaOiani. Dir 
Aaifrrlid>rn untrr ©onnrval marfdjiren im Sicilien ein 



unb ber Jtaifrv rrbdlt im grirbrn gegen Sarbinien, 
me(d)e0 ber ^rrjog Bieter ftmabrue von Savoorn olfl 
Aönigreid) erMIt, Su:!icn, unb baburd) ben S3cfi& bei 
mieber vereinigten Jtöuigrrid>e beiber €idlien. 

Sml, brr als Jtarl HI. langr in Spanirn grmdll, 
battr lebhafte Svmpatljien für bir Katalanen unb au« 
Danfbarfeit nab,m er brim Snlaffrn br* ?anbe« eine 
ganje «njaljl brT ibm trru rrgebrnrn fpanifdjrn ©ranben 
unb £ofbramten mit ftd) nad? SBien. Diefe beeinflu^trn 
ben jfaifer mebr aie gut war, btlbrtrn mit brn neapo» 
litanifdjen Söflingen eine g<tgm brn brutfd)'6ftrndd)i> 
fd)en Übel, an brjfrn Spi^e ^dnj (fügen fianb, geridjtete 
einfluiireiite gartet. Dirfr $artri mu^tr brn Jtaifrr 
babin ju bringen, ba^ er ftd) von brm ^rinjen tfugen 
unb feinen biebrrigen dOiirtrn (Snglanb unt ^>oOanb 
abmrnbrtr unb fid) Spanien jumanbte, mit weisen tx 
eine von bem fpaniidien Winiftrr JKipvnta entmorfrne 
«Uianj abfdjloi. Did« foOle )um 3»ed baben eine 
SBtdjfelbriratb, fobai ber 3nfant Don «arlce bie ^anb 
brr faiferlidjrn <Srbtod>trr 9Hada 'Iberefia erhalten tiätie. 
Dirfr Kilian*, weltfce bem Jtaifer ftinerlei $ülfe von 
Spanien verfprad), obre bir gdnbfdjaft von (Snglanb unb 
$oüanb eintrug, enrgtr aud; bae SRietraum ber prote> 
ftantifd)en Aurfürften im Deutfdsen 9ieid)e, unb @eorg I., 
J?urfüd) von {»annovrr unb .Röntg von Qnglanb, »el* 
djrr ftd) fdjon an granfrdd) angdrbnt battr, •dtiofe mit 
frintm Sdjwirgrrfobnr, brm Äönige von ?Jrru6en grieb* 
n* ffitlbrlm L, brn Vertrag von ^ermbaufrn. (lud) 
S artinten , Sairrn unb Dänrmarf traten alricbjalie gegen 
ben Jtaifrr {ufammrn, brr ftd) nun, infolgr ferner fpa< 
nifdjrn flllianj unb frinrr maritimrn Xrojrrte — @rün' 
bung rinrr pnoilrgirtrn (Sompagnir in Cfttnbe — von 
einer ruropäifdjrn Koalition umnngt iah. SRruig feinte 
legt brr Jtaifer ju frinem jeittveilig ventadjldffigtrn unb 
vrrfannten Statbaeber, brm $rin)rn (Sugrn, ;un;if, brr et 
ftd) angelegen fein lieft, junadjft ^rruftrn auf bir €eite 
bee Jtaifer* ju bringrn, mae ibm aud) burd) bie l\'iffton 
SerfniPorfe nad) Berlin gelang. 9?ad) brm lobe 
(Seorg'e I. fudjte Sugrn bei ffialpclr cir Bejiebungrn 
mit (Snglanb tvirbrr günfiig ju arfiallrn unb aud) $oU 
lanb wirter auf bie Seite be6 Jcaifete ju bringen. 

de mar bae um fo miebtigrr, aie Jrarl VI. tamaie 
bir neue Srbfolgeorbnung, bir fogrnannte l^ragmatf fd)e 
S amtiert jur aDgemrintn Änerfrnnung bringrn moDtr. 
®ir vor jwanjig 3abren in Spanien, fo war jr^t in 
Ceftmrid) brr wanuefiamm brr {jabeburgrr bem Cn- 
löfdVen naf)e. gür birfen gall batle Seopolb I. in dnem 
$au*gefe$e nid)t bloe bie Unjertrennlidjfdt ber öfter» 
rddjifdjen (Frblanbr, fonbem audi bir Surceffton ber «rt 
befiinimt, ba§, im gaQe Jlad VI. obne mdnnlid)e Chrben 
ftürbr, bir Zötfctrr 3ofepb'e I- ben £öd)tern Jtarl'e vor« 
angeben foOten. 9Udn Jtarl vndnbene birfee tVefep 
babjn, ta0 in Srmangrlung mdnnlitbrr 9iad)fo(ger fdne 
dgenen Sdd}ter unb bereu Defrenbenten bie fdmmtlidjen 
unb unheilbaren o^rrrridjifebrn Sänber erben folltrii. 
Dafür foOtr nun nid)t bloe bir Einwilligung brr StdnPe 
ber (frblanbe, fonbrrn aud) bie ber rutopdlfdjen SDidd)tt 
unb bir ber beutfefcen 9trid)6fürjien gewonnen werben. 



KARL VI. (DEUTSCH. KAISER) — 102 — KARL VI. (DEUTSCH. KAISER) 



9m 13. Kpril 1716 warb bem Äalfer rin Sohn gcopolb 
geboren; oüfin ciffcr fiarb fdjon am 4. 9tov. beffelbcn 
3abre« nub fo würbe nun trnftlidj bie Urbertragung bei 
Ärone an be« Äaifer« dliefte £od>ter SRaria Jtjfifiia 
(geb. am 15. 9Bai 1717, fltfl. am 29. Sov. 1780) — bie 
nochmalige Äaiferln — in« «uge gefafit (bie Sdjmcfjern 
jtnb fDIarta »malia, geb. am 5. Hpril 1724, geft. am 
19. «pril 1730; «aria Anna, geb. am 17. 9tov. 1718, 
(5 cit. am 16. Der. 1744). Der Durchführung biefer <£rb* 
folgeorbnnng galten nun ade Sßldne Äarl'«, bie Än« 
ftrengungen ber Staat«funft be« *]3rinien (lugen unb bie 
kämpfe Oefierreicb« bifl jum lobe Äarl'« VL Um 
ben Äurfürften von Sadjfen ju gewinnen, ber auf bie 
polnifcbe .Krone Änfprud} crlwb, beteiligte ftd> Äarl an 
bem fegenanuten Schäfchen «SrbfolgrfTirge (1734 — 35) 
in weidjem Äarl für «uguji IU- von Sadjfen gegen 
Stanislaus Scfkwtiflfi, Schwiegervater Bubmia,'« XV unb 
polnifdjer Sbrontanbibat granfrrid)«, gartet nabm unb 
baburd) in einen dicicbtffricg mit graufreid) unb beffen 
Srrbünbeten, Spanien unb Saveven, geriete). Da« 
Ärieg«jahr 1734 rnbrte mit bem Serlufte ber £ombarbci 
für Cefterreich. Um Dibein fübrte ber greife Srinj 
«lugen mit unjureithenben Mitteln einen SertbeiDigung«* 
flieg, um ba« Serbringen ber granjofen im Seiche ju 
verbinbern. 3n 3talien verlor Oefterreid) Neapel unb 
Sirilicn, unb fo fab fid) benn Äarl genötblgt, am 3. Oet. 
1735 ben Liener grieben tu fd)lic$en, in welchem aller, 
bing« Suguft III. von 5ad)fen Solen erhalt aber ba« 
Deutfcbe weid) Lothringen an granfreid) verliert. Der 
Jperjog «on Volbringen granj, ®rmabl ber (Srblodjtcr 
Ataxia 'Iberefta , erbdü ba« bureb ba« Äuflfierben ber 
SHebiccer lcbig_ geworbene Io«cana, ber Äaifer verliert 
Neapel unb teilten , befnmmt allerbing« bafür einen 
großen Ibeil ber ttombarbri, Sarma uirb Siacenja a(« 
«ntitbdbtgung Sor allem aber ift bie $ragmatifd)c 
Canelion gejiepert. Stiebt lange überlebte ber bebcutenbfte 
Staatsmann b<« Äaifer«, Srtoj tfugen von Savonen, 
ben Sicner grieben; er ftarb am 21. April 1736 im 
73. Jebenflfabre. dr tdnidite fta> nicht über ben SJertb 
feiner ftaatdmdnnifaKn Stfolge unb e« rolrb ihm bei 
Saft in ben SXunb gelegt: „2tX).O00 Solbaien ftnt> beffer 
als ade Xractaten. — Salb folltc Äarl bie Schwere 
tiefe* Seelüfte« empfinben in bem Xürfenfriege von 
1736—39, ben Oefterreid) an ber Seite 9tutjlanb« 
fübrte. Die «rmeen unter Secfentorf, Stinj von £iw> 
burgpaufen, ©raf SBaliifl unt> Äöntgöegg erlagen butd) 
fcblecfcte gührung, 3mietrad)t Der gübrer, fcbledjie Ser» 
pfleg ung, 3"lP t i ,,min 8 tfl Gräfte, unb im Sclgrabrr 
grieben vom 16. <£epi. 1739 verliert Oefterreid) tvieberum 
Sclgrab, <&d)aba6, bie kleine 9Balaajei uno 3nfet unb 
geAiing On'oroa. — 9S3aUtd unb ©ruf 9teipperg jeigten 
biefetbe Unfdbigfeit in Cer biplomatifcben Serbanblung 
toie in bei Äriegfüljrung unb mürben, um bem mi^ver» 
gnügten Solfe ©cnugibuung ju geben, ju geftungöbaft 
verurtbeilt. 

3n ben innern Serbdltniffen batte fid? in ber 3eit 
«arf« VI. nxnig gednbert, ble ®lauben«elnbeit würbe 
aufted)t erbalten, @lauben0phtfung0'(Sommffrtcnen auf- 



geftedt unb ben Srotefianten nur bie Sutroanberung nad) 
Siebenbürgen geflatict. immerhin beginnen fid) unter 
«aifer «arl VI. rinjelne Serfudje jur Belebung be« 
geiftigen Serfebr« )u regen. Die 3efuiten verlieren meljr 
unb mebr ben monopolifiifdKn dinflup unb finben leb 
bafte Cegnerfdjaft an ben ©enebietinern unb «Piarijien. 
«n ben Univerftldten be« «ridje« tritt mfeberbolt bie 
lanbe«fürftlid)e Cberauffidü gegen bie jefuitifebe fRetbobe 
be« Untenicbt« auf. 3m übrigen mad>t ba« Seftrcbcn 
ber Qentralifation ber 6taat0veriva(tung unter ftari be- 
beutenbe gortftbritte. (£ine Sonberftellung erbirlt ba« 
Stabtgebiet von 'I rieft, beffen banbel«po(itifd}e unb ma 
ritime Sebeutung auf Itart jurddjufübren ift, rvrleber 
Irieft unbgiume ba« greibafenredjt ertbtilte. DieSldnbe 
verfammlungen finfen unter Äarl'« Regierung )u völliger 
Obnmadjt berab, ba fie baju gebrad>t werben, in foge» 
nannten Derimalrerrffen bie Steuern g(rid> für 10 3abrt 
ju bewilligen. 

ftarl war ein befonberer Srrunb ber ftünfre unb 
jeigte bie« namenliid) in ber Segünfrigung ber fkru> 
fünft. Qx arbtete bie ginan^notb gering unb fübrte foft- 
fpielige Sauten auf. (Sinen Augenblitf lang fa>rvebten 
jwifdjfn ftarl uno £eibnij bie Serbanblungen über bie 
Segrünoung einer Vlfabemie Cer 2Biffenfd)cften. (lugen 
begünftigte biefen ^lan, ber nid)t jur *u*fübrung fara. 
Damal« lebten in fflien vorjug«weife italienifdje Didjter 
unb Sünftler wie aud> Qelebrte. Unter ben lentern 
©arofalo, ber Hrd)do(og, unb ber berühmte <Ä-M:uM 
fdireiber ^letro ©iannone; ber Dia>ter 3ean Saptifie 
JRouffeou war eine 3 f|t long an bem vom $tai\tx 
Äarl VI. gegrünbeten 6taat«ard)io al« ^jofhiftoriograpb 
befcbdftigt. Der Did)ter unb Jpumanift Spoflolo 3«" p 
lebte ßleicbfall« an Äavi'« ,^>ofe unb fein Seibarjt ©arelli 
ift ber Stifter einer grofjen Sibliotbef, weltfre bann fpiter 
ber Ibererianifdien Sitterafabemie unb enblid) ber lern- 
berger Univerfitdt übergeben würbe. Äarl ift ber jweile 
Stifter ber ^ofbibliothef, bie er um ben ^udjerjdja») 
@ugen'« unb bie fi-ftbjre {>anbfd)rifienfammlung unb 
Sücberei von (Sugen'« (Seneralabiutanten ^>ohenborf be 
reidjerte. gür bie bilbenbe ftunft erfianb 1704 eine 
flfabemie, mit welcher eine ftunftgalerie mit antifen 
Denfmdlern in @ip«abgüffen in Serbinbung trat unb 
bie f. f. Stlbergalerie, bie bann im <£ugen'fd)en ^alafte 
im Selvrbere uniergebrad)t würbe. Da« Wünjfabinei, 
von «arl gegrünbet, würbe bebeutfam für bie «Itertbum« 
funbe unb Sifdjeroon (frlad) unb feine Sdjule bradjten eine 
befonbere Slüle ber «rdjitcfiur h«rvor. Der «arolinifcbe 
2 ratt ber ^ofburg, ble Sommer* unb S}interrritfd)ule, bie 
ftarl6fird>e, ba« ^offtallgebdube, bie {»ofbibliotbef mit ben 
von SBiucfelmann bewunoerten gre«fen von Daniel ©ran, 
bie Sommerpaläfle ber dürften Sd}Wariciiberg unb Auer«' 
perg, bie "Saläfte be« »l^hnai (Fugen — finb SSerfe ber 
beiben gifehr r von tfrlad), artbiteftonifrhe Denfmale ber 
Ädrclinifflhen (Spotbe. Da« 3tolienifdx berrfifaie aua) 
am öf-fe vor unb ^Ketaftafio war be« Saifer« {>ofpoei, 
ber Schöpfer ber itclienifdjen Singfpirle. Äarl verfam^ 
melte an feinem ^»ofe au«ge|ei<tnete 3Ruftfer unb feine 
«apeUe verfdjlang ungeheuere Summen; er felbfi com« 



\ 



Digitized by Google 



KARL VII (KARL ALBRECHT) 



- 103 



KARL Vn. (KARL ALBRECIIT) 



rennte Die Anfänge militdrifcbct ©Übung lagen in 
bei von Aar! gegrünbeten ,,&rieg*baufun|tfcbule'' vor. 
Äarl ftatb am 20. Ott. 1740 im Schlöffe gavorita 
(jfftt Xbetefianum) in SBien nad) turjet Äranfbeit. 

Literatur. Schloff«^ ®efd)id>te be« 18. 3abrlj. 
(5. «ufl., 1864 — 70). — £. v. Soor ben, Gurop. ©e. 
febiebte im 18. 3abrb. (Düffelbotf 1874). — Ä. 8. ©?en« 
iei, »euere ©efdjicbte kl Deutfdjen (9. unb 10. ©anb). 
— Dtoofen, ®efdjicbl« ber preufi. ©olitif (4. ©anb).— 
Sehr wichtig iß: ärnetb, Leben @uibo'* von Sinthern» 
bng (©Jien 1853). — Srnetb, UJrinj (Sugen von Sa» 
»oi^rn (3©äube, SJien 1858 — öy). — Ärone«, £anb« 
buch ber ©efebiebte Oeftettrid)« (4. ©anb, ©erlin 1879). — 
ffiettere Literaturnarbwrife für ältere ©earbeilungrn iu: 
Ärone« „®tunbrif ber ötirm-icbifdjen ©efdjicbte mit be» 
fonbeter 'Jiüdftcbt auf Cueücn» unb Litetalurfunbe" 
(©3ien 1881—82). (//. M. Richter.) 

f) KARL VII. (Karl Albrecht), beutfeber Aaii« 
(1742 — 45) unb Äurfürfi von ©aiern, geboren 4 u ©rüffel 
1697, ber Sohn Hiai (Smanuel'«, Äurfurfien von ©aiern, 
bamal« Statthalter cer fpanifeben Kieberlanbc, war nach 
ort (Stobeiung ©aiern« burd) ©rinj (Sugen unb 3Rarl» 
borougb unb brr <Jd)t«erflärung feine* ©ater« Durch 
Aaifa 3o|'epb L al« faiferlicber ©efangenet luerjt in 
Jtlagenfurt, bann in ©örj «rjogen werben. Der 9ta« 
ftabtet grieße 1714 gab ihm bic greibeit unD an bet 
Spi&e bt* bairifebm Iruppencontingeni« nabm er 8n» 
tbril an bem luifenfriege unb an ben schlachten von 
©eterwarbein uns ©elgrab. 3m 3- 1722 vermählt« er 
itd) mit ter jüngeren locht« Äaifrr 3ofepb'« L, äRaria 
»malia, auö roelcbcT ©erbinbung er jeine Erbfolge« 
anfprüdK gegen Diana Ibetefia herleitete. 3m 3- 1726 
folgte er feinem ©ater al« Äurfürft von ©aiern in ber 
Regierung. 25er am 25. Ort. 1726 ratifteirte ©ertrag, 
Bet bie ©ragmatifd)« Sancrion anerrannte, war nur auf 
jroet 3ab" gefdjloffen unb nicht wieber erneuert roorben. 
©en ©aiern au« würbe »ieberhd» ber ©erfud) gemacht, 
für ben Äurprinjen bie Aanb 3J?aria Sberefia'« ju et» 
merben, woburtb Oeftemid» mit ©aiern vereinigt roorben 
rodre nnb bit ©efdjide Deutfdjlanb« nie Oefterreicb* 
gewtjj eine bebeutfame äöenbung erfahren hätten. Diefer 
©erbinbung fc&t« ©iaria Zbrrefia, roegeu ihrer Neigung 
)U granj Stephan von Lothringen, ©3iberffanb entgegen; 
1738 — 39 tebwebte ber ©lan, bie (Srnherjogin Marianne, 
bie jüngere Schroetter ©iaria Überefta'd, mit bem Äur« 
prinien ju vermählen. 9?arb bem 5ort Äarl'* VI. pro» 
teftirre ber bairifdjc ®efanbte «JJerufa gegen bie Succeffton 
Waria JhcKlia'«. Uer (Sarbinal gleurv trat in Unter« 
banblung mit bem bairifeben ^>ofr unb Qabinet, weldxfl 
leitete erflärte, ber 93eriid>t ber Oiattin bt«S JJurfürflen 
iu ©unfien ber $ragmati|d)cn Sanction fei blo* binbenb 
für fit, ntd)t aber für ben fturfürften. Xj gleid)jeitig 
auch griebrldj von ©reuten 3ln(prüd)e auf €cbleften 
«heb unb mit 3.ruppenmadjt in biefe* öftrrreid)if(bc 
tfTbianb einfiel unb ©raf von ©elleidle at6 bae ©ro' 
aramm ber franjoftfeben ©olirif binftetlte bie Ibrilung 
Cefierreid)« unb bie ÜJerhinberung ber Äaiferroabl granj 
€tfpl>an'#, anierbem Spanien unb Savocen bie italie« 



nifd)en günbtr ^ab<burg6, roic granheid? felbfr bie 
9tieberlanbr, beaniprucbten, fo war eine Koalition gegen 
SWaria XheTt|ta von felbfr gegeben, in weld)er bem Sur« 
fürfien Jtarl Wibrecht von Saiern eine bervonagenbe 
Siolle jugebarbt war. Der SVvmphenbuTgrr ©ertrag vom 
18. ober 22. 3Rai erffiirt nrurften gorfdjungen nach nicht, 
hingegen 10 unbejtritlrn, ba§ am 16. «ug. 1741 ein ©et« 
trag abgefdjloffen würbe jwifeben ©aiern nnb granfreid); 
bie Unterhanblungrn ber Maria Zberrfia in 9J?ündjen 
blieben nfolglc6. ftarl Wibrecht »rbl in ben Orfterrrid»-' 
leben Clrbfolgefiieg jnr felben 3<it, a\t auch griebrid) 
von ©reuten mit granheieb einen äUianjvertrag gc 
fchloffrn holte. Die ©aiern nnb granjofen rueften gegen 
©affau vor, weldje Stobt ber fturfütfr am 31.3»l» 1741 
einnahm ; er rtidt bann natu Obrröfterreicb, jiebt in Sin) 
ein, Idfit il± bafelbft von Sanbberren nnb ©rdlatrn bul' 
bigen, befeßt <Snn«, jiebt in 9cieberdjtcrretdj ein unb 
rütft bi« €t. '©ölten vor. 3n ®ien erwartet man be» 
reit« ben getnb nnb bie fehlest befefligte, von Truppen 
entblößte, nur von 6000 SRann ©ürgrrmili) unb einer 
Sajar von Stnbenten uub ^anbwerfern vertbettigte 
6labt gab ftd) febon verloren, über gegen ade @rwar< 
tung brach Äotl fllbrrebt mit feinem bairifcb'franiörifrhrn 
^eere in ber 3'it vom 15. Sept. bii Anfang November 
nid)t nach SBien auf, fenbem Hey bie Slrmre in gwei 
Sorp< narb ©öbmen abfdjwenfen. 'Keurrbing« war 
grirbrieb von ©reufien mit ©airm ein ©üubnifi ringe 
gangen, wonad) ©aiern ©öbmen, Oberöfterrrid) , lirol 
unb ©orberöfterreieb erhalten foOte. 3»r ©rwinnung 
©öbmen* war nun aud) ein brüte* bairifib'fran)öftfd)e* 
Sorp* über Ilmberg au* ber Oberpfat) in ©öbmen ein- 
gebrochen unb 21,000 Sarbfen unter Kutow*fi nerftarf 
ten bie furfürftlicbe Slrmee. 3n ben Zagen vom 25. unb 
26. 9tov. würbe ©rag burtb bie bairifcb'fTanjöftfcbe 
«nr.ee erflürmt, am 7. Dec. lief ber bairifebe Stur» 
fürft ftcb al* Jlönig von ©öbaun nach göttlichem unb 
menfchlidjem »echte au«rufen unb am 19. Dec. nach ber 
Jlrönung burd) ben ptager Grjbifdjof von 400 «Kit* 
gliebern ber Stdnbetafel hnlbigen. ©idhrenb nun Wor* 
(d)all ©edeidle ben Oberbefehl in ©öbmen an ©roglte 
abgrbenb in Deutfcblanb bie Aaiferwabt be* bairifchen 
Äurfüritett vorbereitete, brach ber öf)erreid)ifd)e ©eneral 
ftbevenhüUer gegen Oberöfierreicb auf, jog gegen $inj, 
befehle biefe*, brachte Oberöfierreicb roiefier unter bie 
^errtrbaft ber 9Raria Sbnefia unb brang über bie ®renje 
am 7. 3an. 1742 in ©aiern ein. ©Jähren» ber bairifdje 
Surf) jum beutfdjen Jfaifer gewählt würbe al* Jlarl VII., 
jogen bie leichten JKeiter, ©anburen, Äroaten, ZeU 
patfehen unter SBenjel unb gTanj von ber 2rend, überall 
S di reden verbreitenb, burd) ©aiern, befehlen am 13. gebr. 
•äJiümtn;, wäbrenb bie öfleneid^ifcben ©enerale ftarl von 
Lothringen, ftönigtfegg unb Lobfowib bie Operationen 
in ©öbmen begannen. W* nun SRaria Überefta in bem 
9re*lauer grieben ben ÄÖnfg von ©rru&en bureb Ab» 
tretung eine« Ibeile* von Sd)lefteu befriebigt hatte, 
wanbten ftd) ihre Struppen gegen bie graniofen in ©öb' 
men mit Qnrrgie unb biefe hatten grofie 9?oth, fi* in 
©rag ju verlbtibigen, bi* e* ihnen gelang, auf einem 



Digitized by CjOOQIC 



KARL I- (KÖN. V. ENGLAND U.S.W.) - 104 - KARL I. (KÖN. V. ENGLAND U.S. W.) 



mit grofjeu 3k duften bewcrffledigten Südjuge bei großer 
ffitnlcrfdltr tat 8anb iu verlaffrn. Ir^cr blieb bi« 
7. Sept. 1743 Per lepte .nalipunti in Schmer.. 2Me 
Defierrtid>rr Raiten injwifdjen "München geräumt unb 
faheu fid) im Dctobtr auf ^affau unb Sd)ärbina bc 
fdjrdnft. Dagegen fiegte Ährrrnbütl« über bie Saiern 
unb granjofen am 9. SRai 1743 bei 6imbad> unb ©ran« 
nau, wiePer fiü4)trt Äarl VII. au« SWüntbrn unb bet 
Gvamarion«traclat von »ttberfcbönfelb liefen ganj ©aiern 
in bie $änbe Oeftrrreicb*. 3m September lieg ftdj iVatia 
2,fjrrefia von ben bairifiben unD oberpfäljifdirn 6iänben 
butoigen unb befiellte au Stünden al« ruttbalter ben 
trafen ©oep. ^njituntcn bat« cu* Cefterreid) an 
G nglanb einen greunb gewonnen, ber bie granjofen b<' 
fcbäftfgte, bie fogenannte pragmatifebe Armee aufteilte 
(Sieg berfelben bei Überlingen über $oai[(r«), bie fflormfa 
XriprlaUianj ..wifdjen Gnglanb, Sarbintrit unb Oefter« 
reid) friflete. Gnblid) b^atl« fid) aud> Sadjfen von ber 
Goalition gegen ©taria Sbtrrfta loÄgeriffen. Diefe großen 
(Erfolge Cefterreid)« brachten griebrict von tyreupen baju, 
ben »reiten Scbleftfdjen ftrieg ju beginnen, in welchem 
©rag am 16. Sept. 1744 vor ben ©reufjen rapilulirle 
unb jum jweiten mal Sari VII. bulbfgte. Aber bie (fr« 
folge griebrid)'* (amen Äarl nld>t mehr jugute. Gr 
fonnle n>o( nod) nad) SRüncben jurüdfebren, am 23. Oct. 
17-4-1, unb würbe mit 3nbel von ben ©aiern aufgenommen, 
ttarb aber am 20. 3an. 1745 von Äummer unb Ätanf« 
|>rit erfd)6pfl. Sein ©rifpiel mar für ben Geben nidjt 
verloren, War 3">fn>b fd)lofj ben Sri eben ju güffen, in 
wc(d)cm er bie ©ragmatifefce Sanction bureb ba« gefammte 

tau« $Bitte(«bad) anerfannte unb feine Stimm* bei ber 
aiferwabl bem (Hatten ©faria Zberefia'«, granj Ste« 
pljan (al* Äaifet ftranj L 1745—65) iuftd>erte. 

Literatur: 4]>eigel, 35er djrerr. Grbfolgeftreit unb 
bie Äaifrrwabl Äarl'« VII. (Jiörblingen 1877); ferner 
.fteigel, 35ie «nfprüdje be« Äurfürflen ftarl Hlberl auf 
bie dfterr. Erbfolge (Börtlingen 1874). — llbbe, 5Me 
ftaiferfrönung ftarl'fl VII. (-fciflorifaje« lafdjenbucb, 
5. golge, 3abrg. 6, 1876). 2>ie einfebldaige öfterr. ®e» 
fd)id)te in tlrnetb, 9Roria Jtyerefia. Grfte 9regieruna«> 
jähre (I. ©anb), unb Kante, 9 ©üeber preuplidjer <So 
fd)id)te unb bie eintägige bairt|'a>e @efa)id)te. — 
«retin . ßl)ronolodifcbr«©erjeicbnif» ber bairifeben Staat«« 
Verträge, unb Send IL. 130. (//. M. Richte.) 

III. Äarl: Äönige von Gnglanb, Stfcottlanb 
unb 3rlanb. 
») KARL I., Äönig von Gnglanb, Sd)ottlaitb unb 
3rlanb. Arn 19. 9lov. 1600 ju Dunfermline in Sdjott« 
laut* (®ra|id)aft gif«) al« (weiter Sobn be« Jtönig« 3a> 
(ob VI. von Sa)ott(anb, weiter am 24. SRdri 1603 
aud) ben eng(ifd)en Ibtou al« 3afob I. besieg, unb ber 
Vtuna von Dänemarf, 2od)trr Jtönig grirbrid;'« II., gebo- 
ren, entroidrlte fid) Äarl rrdfttg, würbe ein guter Wetter, 
im ffiaffrnfplete gewanbt unb liebte jeitleben« bie 3agb. 
an ®«iil unb Äenntniffen blieb er weit bjnter pem ge. 
lehrten Bater, an (tnergie hinter feinem älteren ©ruber 
^einrid) iurittf, lernte aber viel in ber Sdjule bc« «Bater« 



unb natjm ben großen Äunftftnn be« ©ruber«, ben er 
ftttlia) in brn Sd>atren Redte, in fid» auf. Seit {»ein' 
riaY« Hob (1612) Vrini. von SBale«, jridjnete er ftdj 
burd) Sittenrrinpeit au«, war grbilbet unb voll SBobU 
wollen, vrrfianb r«, aud) fd)wierige Kragen ,iu ergrünben, 
febrieb gut unb fein #au»balt war )tt)i geregelt. Seine 
giirftenebrr ging ihn: über ade«. 

»1« er au 3abren gefommen, foüte er im 3m<"fc 
ber qSolirif bie 3nfantin »aria, Xodtta Spilipp*» IIL 
von Spanien, fjeiratben ; ©utfingbam naf)m bie Slngelegen» 
beit in bie $anb unP reifte mit JtaTt, über ben er ab< 
folute ^>errid)j»t gewonnen butte, oerfleibet al« IRr. Smitb, 
wie fid) aud) £arl nannte, im grbruar 1623 nadj Spanien. 
3n Gnglanb war man entid)ieben gegen Pfe fpanifdx 
$riratf) nnb begünfifgte ben (Sebanfen einer branbet^ 
bnrgild)rn ©erbinbuna, wdbrenb vom JfSofc aud) wegen 
einer franjöftfdjen ©riniefftn Unterbanblunaen begannen. 
Sebr gefdjmeidjelt nabm ber mabribet ^of Äarl unb 
©udingbam im lüdn 1623 auf, erwartete aber Pen 
Uebermtt von Jtarl'« itinbern jum jtatboliri«mu« unb 
weitgebenbe (Sonrefjionen für bie engliftben Jtatbolifrn, 
unb in bem politifd) -- religiofen ©rrbdltniffe Gnglanb« 
unb Spanien« war e« begrüntet, bap bie üngelegcnpeit 
fd)eftem mu§te. ©udingbam, beffen ©enebmen bei ben 
förmlichen Spaniern gropen «nftofj erregte, Prdngte jur 
«breife, (ab in Spanien« 3PO trun fl m,t e<r ©eilobung 
eine perfönlidje ©eleibigung, unb mit ibm febrte Äarl 
unter bem 3ubel be« ©olf« im Crlober 1623 nad) ?on 
bon beim, ©on nun an ftanb Äarl mehr benn |e unter 
feinem (tinflnffe, über Spanien empört, tief beletbigt in 
feinem Stolje. 9l«balb fäbelte ©udingbam feine ^eiratb 
mit ber Üodjter «^einrid)'« IV. von granfreid) unb 9ia= 
vana, Henriette Stada, ein; SorP Äcnftngton ging in 
biefer Sad)e nad) ©ari«, ©udingbam'« beabftd)tigter 
Sturj unterblieb, er löfftr Gnglanb immer mebr von 
Spanien, betrieb bie franj6fifd>r ßriratb unb einen fpant« 
feben Ärleg. «m 12. Der. 1624 uttterjeidjnete Äarl'« 
©ater »u Gambrtbge ben ©ertrag wegen bet fran§öfitd>en 
Anrath unb er wie Äarl an bemielben Zage eine ge> 
beime ©erfiebrrung; in briben würben ben englifd)en 
Äatbotifen grope 3»9'^ n hniff< gemacht. Äm 8. Äpnl 
1625 brflieg Äarl ben Übron ale „Ädnig von Gna- 
lanb, Sdjottlanb unb 3r(anb". «9leid) Safob X 
war er burd)brungen vom ©lauben an fein unbefd)rdnftr« 
göttlid)t« ^errfcherreebt. flu« ©olitif wie au« lieber' 
jrugung befdjüpte er bie blfchöflid)e $od)fird>r, wanbte fid) 
feinblid) gegen bie ©uritaner unb ©re«bi?tetianer unb 
bebanbelte bie Äatbolifen milb. G* erregte grope Un- 
iufriebenbeit, bafi ©udingbam ber lettenbe ©ünftling blieb 
unb al« ©titglieb be« au«wärtigrn Amt« bie Leitung 
be« &tl)timta Watb« an ftcb tog; vor ädern woQte er 
bie glotte b'ben unb in einem Seefriege gegen Spanien 
felbft ba« (Sommanbo führen, wobei er auf nieberldnbifdjen 
©eiftunb hoffte. Äarl verwanbte barum feine Sufmerf' 
famfeil befonber« anf bie glotte unb wieber begann ber 
leibige Äaperfrieg. 3m ©tai fam ©udingbam nad) 
©ariö, um Äarl'« ©raut abjuholen, entfaltete raffinirten 
?uru«, fd)(itrrtc aber mit feinen politifdjen 9Wa<binarionen 



Digitized by Google 



KARL I. (KÖN. V.ENGLAND U.S. W.) — 105 — KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



bie auf r<n Sünbnif mit granfrd^ gegen Spanien au*« 
liefen, an 9tid>elieu'fl Staatemeiebrft, febrte unbrfriebigt 
beim unb verlor in (gnglanb ben letjten Keft von Po- 
pularität. 1625 beiratbete b<r Äönia Henriette Viaria 
von gTanfrridt, wae feine protrftantiftben Uutettbanen 
ibm iehr verübelten; fit fürd)teten Stitdfebr jum „Papie* 
rau»". Arn 28. 3uni eröffnete Äarl fein tx ; tti Parlament, 
tie« jf igte fid> aiebalb enrfd>(offen, bit ftit £rinrid) VIII. 
fort^efeRt gefdiurigten nationalen 9ie<t>te ju verfrdjten. 
spalte ftd) Äarl in ben legten 3abren best Parlamente 
gegenüber per 9Jiiewirttyd>aft ber Jerone gfinßig gegeigt, 
fo trieb ibn ber .£>rri.og von SJutfinnbam jrbt gegen bie 
parlamentortfctoe Gewalt. Äarl erfüllte bae Verlangen 
tt« Parlament« uld)t, argen bie Aatbolifen vorzugeben, 
er fab fid) in ber Unmoglidjfeit, rein proteftantifd) ,;u tu 
gieren, hatte bei feiner Verlobung PrrpfUcbtungrn gegen« 
über Korn eingeben muffen unb mar nfdit gewillt, bem 
Parlamente (Sinfluf auf bie geiftliajen Angelegenheiten 
{B gewähren. Durd) firdjlidie Cefugnifte verftärft, (teilte 
fid) bie föniglicbe Autorität brt erttrebtrn Allgewalt be« 
Parlamente entgegen. Die vom Parlamente bewilligten 
6ubftbien waren äufjerft farg, unb ba0 üonnrn unb 
Pfunbgelb würbe Äarl nur uuf ein 3abr jitgrfprodien; 
er aber batte com Pater 700,000 Pfunb Sterling Sdjulben 
übernommen. SBovon follte er ben Ärieg mit Spanien 
beuiblen? "öudtngbam, ber fein gleidjgefteliter greunb 
unb uid't fein Siener fdjien, lief) rrob ber peft ba« 
Parlament nicht auerinanbergebrn unb forberte von ibm 
unter allgemeiner Perßimmung neue Subfibirn, bie ab' 
gelebnt würben. Die Antipathie gegen bie SBiÜfürberr» 
fdtaft flieg, al« Sudingbam im 3ulf im SBiberfprudje 
mit Ä irl'e Berfprewen, bie Strafgefefce gegen bie prirftet 
ju beobachten, bie Siegelung einer ungefe&liaVn 9>er» 
iribungdorbonnanj für einige fatbolifcbe Priefier veran« 
lüfte. $urftiigbara war weit mädjriger geworben al« 
unter 3afob 1.; Parlament, ©rofie unb bolje ©eamtung 
waren feine geinbe unb fabelten feine 93erwa(tuitg, aber 
anftatt ibn um be« grieben« mit feinem Solle willen m 
entlaflen, bielt ibn Äarl. Der Sonflirt ber coniiitulionellen 
bemalten würbe immer febroffrr, mit bem SBacbfen ber 
Äronwillfür wud>« aueb bie Erbitterung, bie greibeiten 
re« ©ärger« fa>ienen nidjt genägenb garantier, ber ®lanj 
be« &ofd blenbele bie Augen ber Station nidjl, wäbrtnb 
»er bfirteTe puritani«mu« brobenb im $intergrunbr fid) 
au«breitete; bdrter benn je empfanb man ben Drud be« 
»bjoluii«mu« in Staat unb Jttra>e. Die Gjpebirlou bet 
ftleite nad) Gabi? fdtriterte, inbeffen bie beutfd)en greuube, 
befonber« Äurfütft griebrfd) von ber Pfalj, fo gut wie 
feine Unterjtüpung rrbtelten. Unverblümt würbe ber ©unft* 
ling im Parlamente a!ö Urbeber ber llebelftänbe bejet'djnel, 
aber Äarl'« Vertrauen blieb uncifcbüiteriid). Anftatt auf 
anbete ja boren, Ufte Äarl auf $ucfingbaui'0 9tatb am 
12. Aug. bat Parlament auf, aber trofc aller Äüntle 
»ar bie Stimmung br* am 6. gebr. 1626 eröffneten 
neuen beut £er»og ftfnblid). Äur« vorbei war Äarl ge- 
frönt werben. Selbft bi6b«ig* Anbdnger griffen Surfing^ 
bam'e 2ii0nMribfd)aft an, unb al« ber &rirg6ratb bem 
Parlamente «edjenfdjaft über bie jum fpanlfdjen Äriege 
ilK»n.>.t«.t. 3wUt XXXIII. 



verwiOigten (Weiter verweigerte, vergrößerte bie« ba« 3«' 
wurfnifi. (Snrrüfiet fab man, wie Äarl baft Zonnen> unb 
Pfunbgelb obnt be« Parlament« Bewilligung forterbeben 
lirfc. Ünterbeffen fiel bie «Oianj mit granfreid), tiefe 
^aebt fd)lo>3 mit Spanien am 30. April 1626 grirbnt. 
Sßdbrtnb ba« Unterbau« ftm anf<bi<ftr, Pudingbam jur 
IBerantwortung ju jieben, flagle ibn ®raf drittel im 
Oberbaufe befonber« wegen ber fpanifaien jjtrirat^efatbe 
an. Am 8. SRai brattten ad>t *D?itglieber bei ben ®e> 
meinen eine lange Ätageacle gegen Pudingbam ein, maA 
Äarl fd;wer verlebte; er modfte nid)t für einen Xiberiu« 
gelten, neben bem Sejan ftebe. Die ®em einen forberten 
am 11. 9Rai bei ben ?orb« SJucfingbam'fl 93erbaftung, 
bod> wollten biefe erfl ba« Sdjidfal ber Auflage abwarten. 
Äarl griff nun ju bem bebenflieben «Kittel, bie Parlament«^ 
mitglieber (fliot unb Digge« verbaften ju (äffen, unb fab 
ftd> gezwungen, fie wieber freiiugeben, eine ftbwere 9eieber< 
läge. Aid offenfunbige Parteinahme Äarl'6 für 9utfing> 
bam galt mit 9ted)t beffen (Srwdf)(ung juni Äantler ber 
Univerfitdt Sambribgt. A(6 ba« Unterbau« auf einem 
förmlichen 9ied)t«fprud)e gegen ©urfingbam unb feiner 
einftweiligen (Entfernung au« Äarl'« Stäbe bebarrte, griff 
ber auf feine SRad)t eitle Vtonard) trob ber Stoib« aber^ 
mal« ein unb (öfie, um ben grrunb ju retten, am 15. 3uui 
fein »weite« Parlament auf. Da bie franjöftfa>e unb 
fatbolifebe Umgebung ber Äönigin viel 9Jri«bebagen er« 
wedle unb aud> ben ftreng anglifanifd)en Äönig verbro^, 
fo fdlidte er fie nad) granfreid) K-tm unb erfrgte fie 
burd) englifdje prrtrftanten. 9iüdüd)t«(o« ging er gegen 
Sucfingbam'« geinbe vor, lief ibn von ber Strrnfammer 
freifpred)en, unb erbob mit ibm t reift bie vom Parlamente 
ntdjt venvidigten Xa;en. iffler ttd) wiberfe^te, riefirte 
Äerfer ober (Sntlaffung; fo würben 93entwortb unb 
£ampben gefangen. Die ©flbuotb wud)«, Solbaten unb 
Watrofen blieben obne Solb, ba« SJolf wie« bie ju 
geringbalttgt y 2Umn junid unb jablte trotj aller gorbe^ 
rungen ber Ärone feine freiwilligen Abgaben ; bie 3wang«' 
anleibe erbitterte furd)tbar unb ging nur burd) rigorofe 
@ewaltanwenbung ein, ber ?tid)trrftanb würbe ber .»Scupt 
wiberfad)er birfer P{i«regierung. Pudingbam ruhte nidjt, 
bi« er Äarl jum Äriege gegen granfreid) geneigt mad)te; 
im 3anuar 1627 erfolgte ber 93rucb. Der ^ünfiling 
begegnete ber Äönigin, in ber er eine ®enoffin Nicbelieu'« 
fab, mit duf erfter gred)btit unb wollte fte nad) granf^ 
reid) brimfd)iden. (St nabm ftd) ber bebrdngten ^>uge' 
notten an, um pepuldr ju werben, woüte Ca»9locbelle 
retten unb granfreid)« ^anbel auf ben SXeeten vei 
brdngen, bevor granfreid) unb Spanien &ng(anb ju 
griffen. Äarl fanbte ben Ddnen einige taufenb Wann 
an bie (flbe gu {>ülfe unb begann mit Budingfjam bei 
bem bel'en Abel in >^tanfr«* , in Volbringen unb Sa> 
voben gegen Kicbelieu gu intriguiren. wit ^ülfe ber 
3tv«ng«anleibe fam eine gleite jufammen, aber bie dje» 
pebition nad) ber 3nfel »bt im 3uli 1627 enbete flda- 
Iid>. Äarl empfing ibren gübr« «udingbam, beti bie 
Station verfludjte, im Stovembet biefe« 3af)re« voll $ulb, 
unb biefer rüftert tro| Qelbnotb ju neuem Äriege. Um 
bie Auegaben eine« foldjen befheitm in tonnen, tietb er 

14 



KARL L (KÖN. V. ENGLAND ü. S. W.) — 106 - KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



felbft Äorl jot Berufung eine« Parlament«, ju rinn 
Steife auf mehrere Sebcnömittel unb ju rinem ftebenbtn 
Ae«f, Die erjlen ©rofien verfteberttn flarl, Purfingbam 
foDe nicht angegriffen unb bie Perhanblungen mit btt 
Jtrene mafroll aefürjrt werben. *l« aber ba« neue parle 
ment am 17. Pfärj 1(328 eröffnet würbe, waren fafl alle 
SJtitglt'ebrr gtgrn bie ftront; Äarl ftanb mit bem Unrechte 
unb Pudingbam allein. Da« Parlament forberle Soll« 
genujj feiner Siedete unb grribeiten nebfl Abteilung bc 
grünbrter ©efdjwerbtn. Seine gemäßigteren SXitgliebrr 
wollten auf ewig bie 9DiUfürinact>t auf gtft&licbfm SBege 
befeitigt feben unb Jtarl lieg e« geftbtben, bajj bie unter 
ibm verübten Uebcrfcbreitungcn be« altengltfcben ^Kcdjtd 
unterfuebt würben. ®ab man ibm raftb Subftbien, fo 
wollte er für Sicherung ber alten Statte feine« 9JoIfÄ 
eintreten, günf Subftbien würben Äarl »erwiliigt unb er 
erflärlr, für ewig auf 3wang«anleiben u. f. w. ju »er» 
jidjtcn. Am 8. ®iai fam eine Petition of rightB mit 
Aufjäblung ber bauptfädjlitbrn Peftbwerbrn ein unb baiD 
badjte Statt abermals an Auflösung be« Parlament«; vor 
allem ftieji er fids an tie ©ntjtebung bc« Strebt«, ihm 
bebenfliebe Perfeneit verhaften ju laffen, er faf) bierin 
einen (Singriff in feine Prärogative. Sudingbam unb 
Hart wollten bie (oniglid)en Stechte beffer gewabrl wiffen, 
aber auch bad Oberbau« verlief) fic unb bie Petition of 
rights »affine am 28. SJtai beibe Käufer. Äarl lief) ftd) 
von ben Stichlern trflärrn, er fönne bie Petition an« 
nehmen, obne fein Stecht ber SBerbaftung prtt«jugtbtn, 
unb feine Antwort vom 2. 3uni war bunfel. 3«» 93uding» 
bam, fo I)ief etf barum, wurjtle alle« Unheil, unb ein 
wilberStunn brad) im Unterbaufe gegen ben Perbafirn lo«. 
Äarl wollte ibn beftbwiebtigen, iubem er am 7. 3uni bie 
Petition of rights, bad fflBcrf be« großen 3uriften Gb« 
watb Gofe, annahm; ben ®runtfäRen ber SJtagna'Gbarta 
gemäfi würbe burd) fie ber Qrunbvcrtrag )wi|d)en Äönig 
unD ÖJclf erneuert. Die Petition fprad) ftd) brfonber« 
au« gegen ba« Eintreiben erzwungener unb unbewiüigter 
Anleihen unb Steuern, gegen wiüfürlicbe Perbaftungrii, 
gegen gejwungene Einquartierung unb Anwenbung De« 
Ärirg«rcd>tö im grieben, gegen bie ®cwa(tfamfeit ber 
Sternfammer, gegen bie Präünftigung be« Pnpi«mu« 
u. f. w. 3bte Annahme verfehle bie ganje Station in 
3ube(, benn fie erwartete je$t &udingbam'« Stur». Äarl 
aber btVlt um fo fefter an ibm unb meinte, nid>t« von 
feiner Prärogative aufgegebeu au t>aben , inbetn er ber 
Petition beipflichtete, gab aud> ba« lonnen» unb Pfunc» 
grlD nid>t prri«. 810 in ber grofen 9iemonfiration be« 
Unterbaufe« vom 1 1. 3uni Sudingbam wiebrr al« Urgrunb 
aller Hebel unb feine Gntlaffung al« rrwünfd)t bejndjnct 
wtirbe, gab ibn Jtarl nidit auf, ergriff für ibn Partei, 
wie« am 17. 3uni bie Stern onftralion hinweg jurürf, 
reidjte bem ffiünfllinge bie #anp jum Äuffe unb vrr» 
tagte, al« ba« Unterbau« wegen be« Xonnen« unb pfunb- 
gelb« remonftriren wollte, am 26. 3uni ba« Parlament. 

Der Srud) jwifdjen ibm unb feinem SBoKe erweiterte 
ftd) bebroblid); b^>^ r ^bcn ftanc Sudingbam neben bem 
jungen gürften. 91« er jum (Sntfane ber Hugenotten in 
Ja«3lod)eIle neuerbing« rüftete, würbe er am 23. «ug. 



1628 ermorbet. üQäbrrnb bie Station jubelte, fetrauertr 
ibn Jlari aufrid}tig; er war ibm unrrfeßlid}. Staxi über« 
nabm nun im eigeullidifren ®inne felbft bie Siegiming, 
für bie arbeit bödjft befäbigt, für bie 1-öbetr Staat«' 
Iritung ungefd)ielt; in ber innern Politif ftarrfinnig, 
verfeblte er in ber auflrvärtigen meift fein 3iel unb wurot 
wie fein SSater auf bem (kontinent miöadjtet. Jtarl'« 
SQiine, bie Hugenotten unb Dänen, waren unglä<f> 
lid); trofc einer englifeben EzpeDilion naa) Üj'iKcdjcüe 
fiel Die Sorbnrg be« Protefianti«mu« unb dfjnOfun IV. 
von Ddnrmarf verlor Jtrempe an üidv. Jtarl badjte be» 
reit« an ein Slbfommeu mit gtanfreid), ber @influ$ feiner 
@emabiin frieg feit Sudingbam'« Xcbe bebeutenb. Zxct' 
bem mad)te Jtarl ben Jpugeuotten neue Hoffnungen auf 
Unterfiüeung gegen feinen Srbwager, ^ubwia XIII., 
unb nur fein fparfamer @roBld)a$mriftrr SBefton bielt 
ibn bavon ab, Dänematf reicblidjer ju belfen. Die Kation 
war nidjt mrbr fo febr auf Jtrieg mit Spanien erpidjt, 
unb Jtarl, beffen Politi! bin unb t)tx fd)wanftr, baebte 
vorübergebenb an einen gegen granfreid) ftd) ridjtenbtn 
©ünbni^vertrag mit Spanien. Segen ber allgemeinen 
Aufregung würbe ba« Parlament bi« jum 20. 3an. 1629 
venagt; eine Perftänbigung fd>irn feit Sudingbam'« 
Xobe leicbter. Da« 9Jti«traucn gegen Karl vorjüglid) aua> 
in religiöfen gragen nabm {u, ber (Sinflul? ber Jtönigin 
unb be« au« ber Cppofttion in ben föntglidjen Siatb 
übergetretenen SJentwortb (fflraf Strafforb) beängftigte 
bie Proteftanten. «m 20. 3an. 1629 begannen bie 
Parlamentäftßitngen unb Jtarl äufserte ftd) am 24. in 
SlBbitcbaO, er forbere Pfunb« unb Zonnengelb weniger 
traft feine« (5 rbredjt« al« infolge be« Jjerfommcn« uub 
Per Senötbigung ; er werbe e« ftet« al« ©abe feine« Polf« 
anfeben unb boffe, ruö alle Schatten jmijdjen ibm unb 
bitfem fd)wänben. 

Die gröfte Sufregung verurfaebte bie Sieligirn. 
Einige fflciftlidje batten be« itönig« abfolutifiifcbe Scbritte 
»rnbeibigt, ba« Parlament batte fie befiraft, ber Jtönig 
jte aber von ber Strafe befreit ober beförbert; bei Uonbon 
wurve ein jefuitifdje« 3nftitut tntbtdt unb ju milb be« 
jrraft. Da« alte ®efd)rei vom Sßadiötbum be« Papi«» 
mu« erbob ftd) unb vornebmlid) auf antrieb Gliet'« er« 
Närte ba« Unterbau« am 27. 3«n., e« balle feii an bem 
Sinne ber 9irligion«artifel, wie fie unter Elifabrtb im 
Parlamente feftgeftellt unb ibm burd) öffentlichen Üct ber 
englifd)en Jtircbe wie burd) atle ibre Scbrtftfteller über« 
liefert worben feien, verwttfe aber ben Sinn ber 3rfuiten 
unb arminianer. Der Jtonig war bierübrr entrüfrrt; 
wie butfte ftd> fein Parlament ber Gonvoralion gegen» 
überftellen? SHiltlerwrile ging bie Jounen« unb Pfunb» 

Selb »Angelegenheit weiter; bie Parteien waren noch fr» 
itterter al« bi«ber, enbllcb befahl Jtarl ber Sajajfammn 
unb ben 3olleinnebmeru in ben Häfen, Donnen' unb 
Pfunbgelb fei fortan wie in ben lebten 3abren feine« 
Pater« ju erbeben unb wer bie Sablung weigere, muffe 
beftraft wnben. Die« führte mm febrofffien 6)egenfaft 
jwifeben Jtarl unb bem Parlamente. Äl« ftarl am 
25. gebr. bie Häut'er auf eine ffioebe vertagte, fa6 unter 
«llet'0 gübrung bie Oppofttion an einer großen Stemon* 



Digitized by Google 



KARL L (KÖN. V. ENGLAND ü. S. W.) - 107 — KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



üraticn für bie Sacfce be« Parlament« gegenüber bet 
Jttone. Slm 2. Siäri, a(« eben Do Sprea>et jin* trat 
Parlamente feine abermalige Vertagung cerfünbtt batie, 
pi ote fitricu C?liot unb fein äubang bagegen. Einige btrtien 
gina) auf Dem Stuble feft unb (Slict begann eine <5r* 
flätung ber «bftdjten be« #aufe« vorjutragen. Seegeben« 
wollte gtnd) ibn am «erlrien binbetn. (Sllot trug ben 
rinn feinet Proteflatiou betebt vor unb forberte vor 
aDem ®efton'e> Auflage. (Der föniglirbe Secimle erhielt 
auf fein Jttopfcn Gtnlafj, man erlaubte : h :n . bie Jteule, 
fia« Svmbol ber Autorität, wegzutragen unb idilep" aber' 
mal« ab. 3cpt aber fanbte Jtarl ben Xrägrr bei fd)»ar;rn 
Stabe«, um ba6 .*>au« jutn SSrggcben tu veranlagen, 
feine Garbe madjtr Anftalt, Den Eingang ju ergingen, 
gelles aber frt)lug vor ju erflärtn: 3eoet fei ein Xob» 
feinb be« Neid)« unb be« Gemeinwefen«, »et Neuerungen 
in ber Neligion vorbringe, roer jur ürbebung be« lonnen« 
une PfunfigelD« ob.ne parlumentflbewiliiguug ratbe, »er 
e« erbebe unD »er ei begabte. Da« Jj>au« «obm biefe 
9efd)lüffe an, vertagte fid) felbft unb öffnete bie Xburen. 
Jtarl roar empört unb lüfte päd britte Parlament nod) 
am 2. i'Ia; i auf. Gegen bie «nuefn be« Grofifiegelbe» 
»obrere Soventrp fdjlop" fid> .Huri berjenigen äBefton'ö 
an, bie Prärogative ftreng ju hanb&aben unb mit Jjjärle 
rem unbotmäßigen Parlamente iu begegnen. iL ! u- |d)on 
^einrieb VIII. unb (flifabelb, in dbnlid>em galle getban, 
jog Jtarl neun WitglicDer be» Unterlaufe«, unter ibnen 
Glio», vor Gerid>t unb liefi fie einfperren; in einer <Sr» 
flärung vom 10. 9Rdrj, an welchem Zage er bem Ober' 
baute bie «ufiöfung bee Parlament« mittbeilte, verfprad) er 
bie Petition of rights burdjjufübrrn unb feine Neuerungen 
in berÄirdie ju gehalten, erhob protefl gegen bie Anmaßung 
be« Unterhaufe«, ein brjebfte« Jribuiml felbft für Staat«* 
minifter unb Gerid)t«böfe fein ju »ollen, betonte ba« 
tem 9Xonard)en juftebenbe Ned)t auf lonnen« unb Pfunb» 
gelb unb hob in einet Prodamation vom 27. aKärj ber» 
vor, er babe genugfam bewfefen, ba§ er gem mit einem 
Parlamente regiere, bic legte n örlrbniffe feien aber berart 
qewefen, bap* fte ibn gegen feinen 2Bitirn nötbigten, von 
ber Negierung mit Parlamenten abjuftcben, unb er »olle 
erft bann ju einer «pichen jurüdgrrifrn, »enn fein SBolf 
ibn beffer fennen gelernt babe; it)in allein fomme e« ju, 
Parlamente ju bemfen, fortjufefren unb aufjulöfen, unb 
e« bebet: ti' eine Anmaßung, ibm hierzu eine 3cit vor« 
Kr reiten ju »ollen. Jtarl war entfchloffen , fortan rhm- 
Parlament m regieren, »t'e Pa« mandjer Porgdnger auf 
bem englifrben Ibrone getban; ober im Saufe Per Ge* 
fd>id)te »ar ba« Parlament jum Xrdger ber grribeiten 
uno ber religiöfen Garantien in ben äugen ber Nation 
geworben unP Jtarl erfdjien ihr barum in ungefeftlidjer 
'Stellung. 

I .er Srbafc »ar leet; um ibn ju fällen, erging am 
7. <Wätj ein frrengee SJefebl, ieber habe lonnen» unb 
PfuRbgelb ju jablen ober »erbe eingefperrt. Unter biefen 
©inen litt ber Jjanbel unfaglid). 

Anftott fid) in ben au«roärtigen gragen neutral ju 
wrbalten, ftrebte Äarl banad), in Europa eine »olle *u 
Meten unt bie Pfalj feinem Sdjwager, bem unglüdlitben 



„SSinterfönige", »ieber jtu verfdjaffen; um bie« ju et* 
trieben, trat er mit ben proteftantrn unb jtatboliten, mit 
@d) »eben unb $äntmatf »ie mit gtanfteid; uub Spanien 
abrved)felnb in Unterbanblung. Der lange votbereitete 
griebe mit grantreid» fam ju €ufa am 14. Hpril 1629 
ju iSlanbr, beibe verjid^teten auf <Sinmifo>ung in 

bie innrrn rlngrlegenbeiten be« anbern Polf«. ^irrburd) 
tonnte ber englifdje $of, bet bie Hugenotten aufgab, 
feinen ptoteftantifdjen o':'..:r.tfirr beffer behaupten. Ddne- 
marf niadjte mit bem Aaifrr grieben, »dbrrnb Jtarl an 
ein Pünbuifi mit ben protrfianten br« Sonrinent« baebte, 
um bem Umfidjgrrifen fie« Jtaifer« unb ber ?iga in Norb* 
brutfdjlanb entgegen)utretcn. 3e(t »ollle aTarl aua> grieben 
mit Spanien ; bie Unterbanblungrn, bei benen bie pfalj 
ber Jpauptftreitpunft mar, begannen, Jtarl :r:di von feinen 
gorberungen ab unb begnügte ftd) im grieben mit Spanien 
am 5. Nov. 1Ü30 ju 9»abrib mit ber SBerfidjerung, Jtönig 
Pbilipp »olle fid) in bet pfdljifdjen Sarbc venoenben. 
Srbr ungern faben ti<e bie @eneral|taaten, Jtarl fann 
auf ein ®ünbni§ mit ibnen unb grantreid}, um bie 
Pfalg {urüdtugeivinnen. Dann jog er fid) ntebr auf 
feiner Nefcbe Ergeben jurüef unb fianb von ber europäifdjrn 
Nolle, bie ibm fdjledjt gelungen, ab. 

Säbrrnb ber englifdje 4)anbel allmdblid) »ieber 
aufbiübte, erregten bie digrnindd)ttgfeiten Jtarl'« im 
Staat«leben neue SerfHmmung; bie Sternlammer tourbe 
bureb ibre »iUfürlldjen Urtbeile tdglid) vtrbapter unb 
ibr Serfudj, ben erpreffungen ber Jtrone einen legalen 
Stuft riet) iu oerleiben, mi«glütfte. 

Sifcbof Saub von Bonbon näherte bie anglifani^ 
febe Jtircbe bem römifd)en Sbarafter be« itird)entbum«, 
obne Papifi ju fein; er »ar ein geinb ber felbßjufriebenen 
CDogmatifn unb be« tbeologifdjen ©e|änf«, fud)te roeniger 
SBabrbeit al« grieben unb ftrebte nad) Uniformilät ber 
terfd»iebenen Sliefier Per @efammt(irdie ; unbebingt geftanb 
et bem aRonardjen ba« Supremat in bet Jtitdjt ju, um 
mit feiner Unlerüu&ung feine 3iele burdjjufübren. Jtarl 
ba§te gfeid) 8aub bie Puritaner mit ibrem glübrnben 
(fifer, bie im Papfre ben Slntidjrift faben, 8aub gewann 
in geiftlicben gragen auf ibn ben »eitefigebenfien (£in< 
flup. Jtarl felbft wat entfd|iebenet IHnglifanet, verwarf 
bie 33errbrung IRaria'« unb Der Jpeiltgen, bie Anbetung 
be« Sarrament«, ba« gegefeucr u. f. w. Neben 8aub 
gewann Sientnortb (@raf Straff orb) allmdblid) bei 
Jtatl ivintlup, ber bem Parlainentariflmu« bie Seben«' 
aber unterbinben unb Jtarl ju einem abfoluten 3)ionard>en 
machen »oüte; ibm fonnte bie äjCTrfdjaft be« Jjaufe« 
ber Gemeinen nid)t gefoüen, er braudjte einen Jtönig, 
bet au« eigener P?aa>ivo(Itommenbeit Steuern erbeben 
tonnte unb ftd) auf ein ftebenbe« Jjeer ftüpte. 

Sil« Gufiav ttoolf nad> Deutfcblanb fam, batte 
Jtarl bem %Karqui« vou Jp<imi(ton geftattet, für ibn 6000 
greiwillige au«)ubrben, Die im 3uli 1631 nad) bem 
Sattifdjen SWeere abgingen; Jtarl überlief Jpamilton hier* 
für 11,000 pfunb Sterling unb Sir J^enrp Bane be* 
gann englifdje Unterhaltungen mit ®uftao «fiolf, ber 
nad) bem Nfain torbrang; e« galt Die ffliebergeroinnung 
ber Pfal|. Guftav «bolf forberte, Jtarl fotle mit Spanien 

14» 



KARL I. (KÖN. V. ENGLAND U.S.W.) — 108 — KARL I. (KÖN. V. ENGLAND U. S.W.) 



brechen ; er obrr plante gerabt ein engerrt Pünbnif mit 
Spanien unD Dein Äaifrr. Seine Poliiif war »nfiar unD 
mlogen. Hamilton'« üntppen f*moljen bebenfli* ju* 
lammen, unb Äarl würbe mit ©ufiav «Dolf niebt einig. 
9ia* feinem JoDe unb bem grirDti*'0 V. von Der Pfalj 
trat Äarl in Der pfäl,iifd>en gtaqc no* Dringlicher auf; 
um aber bem Uebergemi*te von granfrei* unD $ollanb 
iu begegnen, näherte er fi* Spanien wieber. gertwdhrrnb 
f*wanfte er jwif*en Spanien unb granfrrt*. 

3n S*ottlanb lief Äarl in feinen erfien Regierung«' 
jähren rrligiöie Dulbung malten; mit PJäfiguna ver» 
waltete ber prima0 Spottiewoob Pie f*ottif*e Äircbe. 
mt aber na* Pen grirben«fd>lüfien Äarl'« mit granf« 
rei* unb Spanien Da0 Spftem ber Serbinbung politif*er 
unb fir*li*et ®e»alt in dnglanb an« Ruber fam, ver« 
(angle (0 au* in S*otilanD na* Per Leitung. SBaren 
bieder vacante Pi|d,iof0itüble na* bem @uta*ten ber 
f*ottifcbcn Pif*öfe befent werben, fo entf*irb hierüber je&t 
aewöbnli* ?aub unb wählte Anhänger feiner tbrologif*> 
pierar*if*en Meinungen. Sie ®rneralverfamnilungrn ber 
Sit*« unterbliebe n, bie Äir*engewalt foUte ganj bei ben 
SMf*öfen fein unb bem ralviniftif*en ©ewiffen c-.e Sfanbe« 
war e« ein Kreuel, baf ber 9rminiani0mu« brgünftigt 
würbe. «I* Äarl 1633 na* S*ottlanb fam, war «aub 
bei ihm; offenbar wellte tiefer bie Heuferlt*feiten be« 
®otle«bienfte« ber anglifanif*rn Äir*e au* in S*ottianb 
einbürgern. ütr (fifer für Die prr«bpterianif*e Äir*e 
hingegen nahm tu; man forberte bie unabhängige fir*« 
liefce @eri*t«barfrit mit @eneralvrrfamralungen befl Äleru« 
unb bie alte Autonomie ber .ttircfce, frei von jebem (Sin« 
griffe Per Sirene unb mit nur nominellem Si«tbume ju« 
rücf; ja et) bilbete fi* eine 9ii*tung, bie in ernftli*e 
Oppofitton ju ben ®elüften fauP'« trat. Sri Äarl'« 
Ärönung ju £olpreoP am 18. 3uni 1633 wurPen ®c> 
bräuebe beobachtet, Pie an Rom gemahnten, unb bie 
Sif*efe erf*ienen felbftbewuft neben bem Abel; im 
f*ottifd)en Parlamente würben im 3uni Befüllungen 
laut; bie 32 £orb« Der «rtifrl, an ihrer Spije Die acht 
Sifdjöfc, brfafjen t)i« ben größten iSinflufi. «u* wegen 
ber fir*Ii*en Re*t«pflege lagen 93ij*öfe unP beber 
IHbel in bitterem §abrr; Äarl jog mehrere 93if*öfr in Pie 
S*a(fämmer, bie wr(tli*en ®rri*te unb ben Geheimen 
Raib. ma*t< fogar ben Prima« jum Rricböfanjlrr. So 
(ag 3"nbf)off genug vor, unb nun verfolgten Äarl unD 
SauD no* Den unglü(fli*en plan, Da« eng!if*r Proper« 
Poof in ber f*ottif*en Äircbe rta|.ufübren. dfl gelang, 
Die (Anführung no* hinaus- uf «hieben, unb Äarl rerürf 
am 18. 3uli 1633 €*ott(anb. Säre er bei Purnti«* 
lanb bainalfl ertrunfm, wie viel ?eib wäre ihm unb 
feinem Rei*e eTfpart geblieben! Sein Pefebl vom 15. Ort. 
1633, wona* ber Äleru« bei bem ®otte«Dienfte in weißem 
Ornate erf*einen foDle, fegte neue S*ranf<n )wif*en 
ihn unD feine Sdjotten. Seine neuen Pif*öfe in Schott« 
lanb wurDen altf bebrobli* für ben Purilani«mu«, a(< 
SatrUitrn ?auD'« angefeben, unb btefer 8aub war fett 
«uguft 1633 @nbif*of von Santerburp, bat} ßentrum 
ber geiftli*en Verwaltung. ?aub unb Äarl träumten 
von einer von Sern unabhängigen bif*öfli*en Äir*e. 



£auc trat au* ber übfTtriebenen Strtnae ber Puri- 
taner entgegen unb er wie Äarl fpra*en offen für bie 
Sonnlagavergnügungen be« «Bolffl ; anflall biermit ver- 
föbnenb }u wirfen, f*abrte ev feiner Sa*e Dur* Üb- 
DulDfamfeil, wie fir j. 9. ÜDiUiam $rpnne erfubr. gort< 
wdbrenb f*wanfte in ben fBirren ber .jnt Äarl'« ücv 
baltuiii )u Spanien. Sit) 1633 bie fpanif*en lieber 
(anPe eine Revolution gegen Spanien planten, vrripraä» 
er ibnen beimli* Unierftu&ung , aber fein (Bertraater 
Saltbafar @eTbier verrieb aOr« ber Stattbaderin 3fabella. 
Spanien vereitelte Da« gante äiorbabrn unb ftellte fid) 
von neuem freunbli* tu (Snglanb; ja Äarl Da*tr batb 
Daran, Den Jungen «irben Der Pfalj jur fpanif*en «rmee 
im (Slfaß ju f*iJen, um gegen bo« verhafte granfreia) 
9li*elieu'e ju fämpfen. ©ergeben« wurDe er von vfäljifcbrr, 
ntebalänDifftier, franjöfif*er Seite beftürmt, biefem Reffen 
mit regelmäßigen SubftDien unter Die arme ju greifen; 
wieDeTum fanDle Äarl @elD, ging aber auf feine bmDenbe 
9}erpflid)tung ein, f*on um feine Parlamentdberufung 
}u ridtireu, unP näberte fi* überhaupt von nruem Spanien, 
um bem Drrbcnben Ucbergeivi*te granfrei*« unD ber 
Qkneralftaaten )u begegnen. Äarl*« 3ntriguirrn mit aller 
SBett unD mit allen Parteien brachte ihm feinrrlri t*-. 
folg ein. gortgrfr^t in (Selbnöthen, fu*te Äarl eifrig 
alte @ere*tfame Per Ärone hervor, um ohne Parlament 
in OelDe ju fommen; mit Drrifter ^anb griff er in 
privatwalDungen ein unD branfpru*tr fte al« alten 
Äönig«furft, wieberum verlieh er !D2onopole ju au«f*ließ< 
li*em Gewerbebetriebe, erhob hebe Abgaben von ein)«!' 
nen Slrtifeln, „fu*te fid) mit Dem S*lüffel Per ®rfr$c 
bie Pforte jur abfoluten Gewalt ju öffnen", unb forberte, 
um eine fiarfe Seema*t gegen $ollanb unD granfreia) 
aufzubringen, auf Den Stath William Rod'« unb auf Gfcunb 
alten Srau*« Der ü)vuafiie Plantagenet, e« foliten bie 
AafenftäDleS*iffe jurPertheiDigung be« Kei*« auÄrüften. 
Äarl beanfpru*te für Gnglanb eine «rl Souvcränetät 
auf ben bena*barten Plenen, baö alleinige gt|*ereirecbt 
in ihnen, unb am 20. Der. 1634 erging an bie ©eberben 
Per ^afenftdPte unb Äüfienplä^e Pie zBeifung, eine be 
ftimmte Sln»ahl S*iffe mit beftimmtrm Üonnengehalie 
auf fed)« Pionate ju ürlicn ; Diefe pfji*t murDe auä) 
über Die binneulänbif*en Graff*aften unD Stäbte au«< 
gebehnt. 010 fein eigener P?inifirr be« S(u«wärtigrn 
führte Äarl eine hö*ft ung(ücf(i*e politif. ®raf Sinbfev, 
mit bem (Sommanbo Der bur* Da« S*iff«gelD aufge> 
fieOten gtotte betraut, frgelte im 3uni 1635 Den Äanal 
hinab, um bie frant.öfif*'bo(Iänbif*e glotte jum Saluriren 
ber englif*en gfagge ju jwingen, erret*ie aber ni*t« 
unb febrte im «uguft heim, währen» englif*e fetbiffe 
bei X)ovrr geplünbert wurDen unD Die $oüänDa ft* bie 
freibeuternDen bünfir*ener S*tffe au« englif*en {)äfcn 
herau«holtrn. dinc neu« tijpeDition ?inbfep'0 war ebenfo 
erfolglo* (September — Oetober 1635). 

Unter ber Stattbalterf*aft PSentworth'0 blühte 3'' 
lanb empor, er verf*affte Den 3ren eiue Weihe Dauern« 
Der aSBobltbalni unb frug nf*t Dana*, Da§ fie ihn wegen 
feiner Strenge haften. Jn Sa*en Der «Religion, Die in 
jenen Jagen mehr a!0 je in grage fam, war et ftarf' 



Digitized by Google 



KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) — 109 — KARL I. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



gläubiger ^totrflant: er wollte wie Jtarl unb iavto bie 
t nctöfli*« SBtrfaffung a(« §auptgrunblage btr a bfolulen 
ffloitt »erwtrtbcn. Rotten fchon bie anbern gorbtrungen 
Aotl'« im Seiche böte« »lut gemacht, fo sali bie« baupl« 
lieblich vom Scbfffögelbt. Dt« «ßrindp« wegen vtr« 
»eigrrle btr (Sbrlmann 3obn £ampben bit 3 a blung 
Nt ouf ihn fallrnbrn i.a\insig Shilling €d)iff*flftt> 
unb «erlangte, btt ©tridjtt müfltn ü btr bie Srgaliiät 
crndltii rntfebeiben. Cbgleicb bie StcrnfammeT ihn 1637 
munbeilte, hielt bat gange 43elf ibn für ben Sieger, 
fein Kamt flofi bind; ba« Sifttt. Tic llnjufriebenen im 
jantt befpraebtn SJafjregeln ju gemeinfamtm $anbcln. 
Staube« Vöttb ben Indianern genug Slnlcf mm <Sni» 
fefctn gegeben ballt, trollirn et unb «arl, ebne Äleru« 
unb SBclf ju fragen, brn Schotten einen neuen fanonifeben 
Kobrr unb Gultu« auforängen unb bie neue Sirurgie 
foOte mit einem geiftlicben ©eftjbutfce 1637 in Sdjottlanb 
eingefübrl werben. Uber in bei Aatbcbrale von @bin« 
fcurgb lam ctf hierbei am 23. 3uli )u furchtbaren Srencn 
unb mit bem geiftlicben waif bie ^auptfiabt auch ben 
weltlichen ©tborfam bei Seite. Der Süiberftanb organifirle 
jicb regelrecht, bie ßinfübrung ber fircblicben Neuerungen 
mnfite aufgefegt werben, bie angefebenften SWänner Schott« 
lonb« führten bie Oppofitton ßfflfrl j?arl'6 Slbjicbten, unb 
bie Sache Schottlanb« mar jugleid) bie ber $re«b»lerianer 
in (SnglanD unb 3rlanb; man modle bie bi[d>öfiicbe 
Stacht vernichten unb ben 'jJreäbBierianiftmuft wirber gut 
©lütt bringen. Äu« ber ÜRaffc ber Opponenten gegen 
bie töniglidje SEBiOfüt in Staat unb ftirebe bilbete fid) 
in Sbinburgb ein lu'lirr Nalb jur Abwehr ber Schritte 
ber Staat«omnipotenj. «ail aber beftanb auf ber an« 
nahmt be« ihm butebau« fompatbifeben liturgifcben Such« 
unb »erbot jebe weitere Bufammenfunft bagegen bei Strafe 
bte) Aocbvtrratb«. hierauf antworteten Die Schotten mit 
ber ifntrrjeichnung eine« neuen Govenant ,mt ©cfcfcü&ung 
btr reinen Neligion gegen papiftifche 3nlehren am 28. gebr. 
1638; auf« cngftt »cblofftn fic fidj aneinanbrr, verwürfen 
bie neuen £ebrja(c unb bie Liturgie unb febmoren, ben 
MiTiüt'ci , bie Religion, ©efefce unb grribriten gegen 
tebe ©tfabr ju vcrtbtibigtn. 9? ad) weniger al« fed)6 
ffiodjen war gang Schottlanb unter bem ©tftfte be« 
dovenaut vereinigt, btT Scepter unb SRitra auf ewig 
trennen woOte unb bem ffönige mit formulirtcn Sorbe« 
rungtn gegenfibertrat. Äarl hätte am liebfien ©ewalt 
angewtnbct, mufle aber, ba nicht« in fJcreitfcbaft war, 
in Unterhanblungen 3eis ju gewinnen fud>en. (Die vom 
SRarqui« von Hamilton mitgebrachten SßewiUigungen er« 
febitneu ben Spotten trügerifd) unb ein bem govenant 
entgegengehaltener foniglid)er Govenant würbe böburno 
juriicfgcwirfen. ^löblich erhielt Hamilton ben Auftrag, 
alle gorbtrungen ber Govenantrrö >,u bewilligen, lic 
Schotten btraerften biet« voll 9Ri6traurn, btnn ftr fühlten, 
Jtarl wolle ihnen jeben IBotwanb jur längeren 3>autr 
be« (Sovtnant nehmen. 2>ic am 21. SRev. 1638 in ®Ia«« 
gor» trdffnett allgemeine Sönobe trug btn gbarafter be« 
&evtnant, unb ai« ite flnjtalten machte, bie Sifd)6fe an' 
iuflacjcn, Wftt Hamilton (te frfjon am 28. 9tov. auf-, troft 
rintr Töniglid>en q3rodamaticn vom 29. b. 3Jf. weigerte 



|tf int au«rinanberjugehen, verbammte aQe Neuerungen 
Jfarl'«, hielt btn Sovenant aufrecht unb febaffte ba« 
«piflfopat ab. SBährenb bie Äunbe erfchoD, Äarl rü^e 
jutn Äriegt unb ein burd) ffltntwortb in 3rlanb au«ge^ 
hobene« .fceer wolle fid> noch Scbottlanb tinfcblffen, trat 
btr ®raf von 8rg»lr auf bit Seite ber dovenanttr«, ber 
Sovtnant wuTbt ben auf bem kontinente birnenbrn 
Irupptn jugefanbt unb in unmföhnlicher grinPfeligfeit 
traten bie Schotten ihrem Könige gegenüber, heimlich 
von 9ii(beltfu mit @e(b untrrftüt)t. 3m Namen be« 
febottifeben 2?olf« erging eine (Srflärung an ba« eng« 
lifdje, um ihm feine gerechten SJefcbwerben mitjuthfilen 
unb bie Strlcumbungen ber gemeinfamen geinbe jurüd« 
iuwrifen, unb Jtarl irrte ftcb, wenn er hoffte, ber alte 
Aafi ber Snglänber gegen bie Sdjotten weTbe e« gu feinem 
Viuvanebmen beibrr gegen ihn fommen (äffen; rafd) 
fanbrn fidj bie btiberftitigen Vfitvtrgnügtrn im @nt< 
fd)!ufte feften Sßibet^anb«. Äarl wollte ber fdjottifcfcen 
Bewegung ben ©arau« machen; £aub, Slrafforb (2Bent» 
wotth) u»b Hamilton befrimmten ihn jum Kriege. (Belang 
Sari berfrlbe, fo war bamit auch ein enbgültigeT Sieg 
bn $rdrogativt feiner JTrone in (Snglanb erfochten. Die 
trfifn JHeriftr Snglanb«, voran bit *ifd)öft, unterfiübten 
feine SRüfhmgen mit reicten Seiträgen, ebenfo manche 
©lieber be« ^ochabel«; viel $olf melbete ftd) ju fiei< 
wiüigtm Dienfte, übcToO trat bie SBilij unter bie SHJaffen 
unb im Stpril 1639 war ein von etrea 20,000 
Wann vtrfammelt. 9uf Hamilton'« 9tath tollten bie 
(Fovrnanter« baburd) -ur Unterwerfung gebracht werben, 
baß ihrem Atme, ben ftdbtifd)tn Scvolfcrungen, btr 
SBerftbr mit ^tollanb abgefchnitttn würbe, unb wäbrenb 
^amilton fcedbalc* nad) bem gritb von Qbinburgh mit 
einem emjlifdjrn ©efd)Wabtr abging, follte bie Jantmacbt 
bie ©renjen gegen einen fchottifdjen GinfaD ftdjern. Die 
tf ovenanter« waren in ihren erften JtrirgSaclionen glütf* 
lieb; nun rrfchien Hamilton im grilb, ba« ijm unttr 
©raf «runbtl an btr ©renjr unb leetcrem jog ba* #etr 
ber Sdjotten unter «leranber St|(e» im 5Rai 1639 tnt« 
gegen. 3m ^eert btr Sovenanter« brrrfebte puritanifchc 
©laubenflftärfe , im föniglichen Ti^nolinlojtgfeit unb 
Langel an ©eftnnung. ungewöhnlichem ^.lompe 
erfebien Äarl in g)orf, übtr feine erftbütterte «utorität 
felbfi verblenbtt. 93on beiben Seiten würbe früh ber 
SBunfd) laut, e« nidjt jum «eufjerflen fommen ju laffen ; 
e« begannen griebtn«verhanb(ungen, ju btnen bie Ho- 
venanter« juetft bie £anb boten, ftarl brhirlt bit boffärtige 
SRiene bei, unb am 17. 3«ni 1639 fam bfe Ratification 
von Berwicf M' Stanbc: ba« fchotrifche .^cer fodte auf; 
gtlöfr, bie englifche glotte au« bem gritb ubgrführt, bem 
Könige feine £aftelle mit ihrer Munition unb btn 
Schotten ihre gabrieuge jurücfgrgeben werben; Äarl ver« 
fprach für Hugufl tint freie ©eneralfonobe unb für halb 
barauf rfn Parlament, bie fortan rrgclmdfsig wiebtr« 
febrtn foülen. TOit bitfem «bfommen war jeboth btr 
«rieg nur verfeboben. Die Svnobe unb ba« »Parlament 
in öbinburgh erhoben ju ben alten «nfprücben noch 
ferfert ; bit alten «efcbh'iffe von ®(a*gow (f. oben) blieben 
ihr Mcd)t«beben, mährenb man im Nathe StaxV« von 



KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) — 110 — KARL I. (KÖN. V. ENGLAND U.S. W.) 



Sttentaten auf Trine Souuerdneldt fpradj. Um brfinirive 
Pefdjlüffe ttt Parlament* gegen blefe ju verhüten, Per« 
taffit 6er föniglidje (»emmiftdr, @raf Iraguair, nad) 
wirberboltrr Untrrbrtdmng bat Parlament im Sorem brr 
auf 3uni 1640; et ging auteinanber, abrr rin Äut« 
fd>u& banbdte öffrntlia) alt frinr Pertretung. Peibe 
2 heile überhäufte« fid> mit bem Pormurfr bet Herrath« ; 
bic Schotten ibrntificirtru ihre (Frbebung für bir «uto= 
nomle mit b« Sadje bet Proteftantitmut unb mit bnn 
eontiurntalen Äampfe gegen DrftrrrrideSpantrn, Äari 
bielt an err ?egitimitdt irinrr föniglimrn «Umadit r'eft. 
granfrridj fc^ürir bir ßwietradit, um Sari für bat Än* 
jthfn bet fpanifdjen (Siufluffrt an frinrm JqoU }u ßrafrn, 
unterftüfetr bir Govenantert unb furfcte bir fdjcitifdK von 
brr englifrbrn politif bauemb ju löfen; fedjt brr vor» 
nchmftert ßovenantert batrn in rinrm Schreiben tue» 
wig XIII. um Edjufc unb beglaubigten bei ihm einen 
Sgrnirn ; bat Sdjrrtbru fiel Äarl't JRegirrung in bir 
o.viv.h unb Äarl iah in biefem Porbaben bei todjotten 
•fcochverrath; ber Ärirg gram fte rrfebien ihm redjtmdütger 
alt jr. Strafforb rietb Äarl immrr ju, ben in 3rianb 
möglichen Detpotitmut aud) auf (Snglanb unb Sdwtt> 
Ianb autjubetjnen. Um bir erforberlicben ©rlDmittel ju 
erlangen, fprad) frlbft ber Ofbeime 9tatb bei Jfarl für 
bie Berufung bet engltfdjen parlamentt na* rinrr 
Pacan* von elf 3abren unb Jtarl entfrblofi tief) baju. 
Dir Stahlen rrgabrn ein jur Abhülfe brr Pefdjwrrben 
«ntfcbloffrnrt Unterbaut. Strafforb rrtangtr in 3rlanb 
vier Subficien für brn Ärieg grgrn bie fd>ottifd>ett 
(Jovenanlert, machte rin £rrr friegtbrrrit unb febrte ju 
Äarl jurüd. «m 23. «pril 1640 trat bat „Äurje Parla- 
ment" jufammen; Äarl beantragte autreidwnbe Subfibien 
gegen bir hecbwrdtbenfdirn Spotten; bat Unterhaut 
war entfcbloffen, vor birfrr grage bie Peftfcwerben ab* 
juftcllrn (Sine beharrliche OppolUion, an ihrer Spifte 
Ppm, $ampbrn unb Ist. 3obn, trat Sari entgegen; 
Pefcbwerben über Jaub't fatbolifirmbe Äirdjeiipolitif, 
über bat Sctifftgelb u. f. w. folgten tut ununterbrochen, 
unb jum Pertrrben ber föniglidjen Sadje lieg ftd) ffarl 
baju hinreißen, fiten am 15. SRai bat Parlament auf' 
julöfen. Äarl verlief abermalt bie parlauientarifdje Pabn, 
um unverftdnbig jum Detpotitmut jurürfjufrbrcn. Schott* 
(aub foiltr jeftt von (Snglanb unb 3rlanb aut jugleid) 
ju See unb ju 8anb angegriffen unb eine ablolute 
OTouardiie ben Drei Seidjrn ju Jfjeil werben, greimiflige 
Seiträgr, grö^tentbeittf von ben $apiftrn, ftrömtrn in 
bie Sdiajfammrr, 3mangdanlribrn, £d>iffögelb, 'Monopol 
u. f. iv. würben autgebeutet. 

Da fam bie ftunbe rom (Einfalle ber Sdiotten in 
(Snglanb. Unaugefodjtrn rütftrn (rotere in %ortbumber< 
Ianb vor, am Ufrr brd 3 vnc (am et ju einem unmefent» 
liefen Sufammenftofie mit brn @ngldubern unb biefe 
}ogen hX: am 28. Äug. jurücf ; 6trafforb fübjrte fte bit 
SOorf, bie 6d)ottrn nabmrn 3ien»(aftie, von ben englifdjen 
Puritanern jubrlno begrüßt. Perb,arrtr Strafforb bei 
feinen energifdjen Äatufdjtägrn, fj bemddjtigte fttt> Äarl'« 
aWntblofigfeit; feine Iruppen befertirtrn, frin Polt rebeUirte, 
um ibn fd>ti<b, ber Prrratlj; bie Sdjotten hatten Se« 



jicbuMgen bit in feine närf)Re Umgebung. 3*völf bei erfien 
Peert petitionirten bei ihm um ein Parlament, 10,000 
Sonbener rutirtfn bat gleidre Snfutben an ibn. (St aber 
wollte von einem Parlamente nidjte beten unb grif, 
abfolut verbtenbrt, jur (Srnruerung einer feit vier 3abr> 
bunbertrn rubrnbrn 3»fHtutipn: <t berief am 7. Sept. bat 
Magnum coDsilium, bie Peetfl, nad) fflorf. ifllt fte am 
24. €e»t. jnfammentraten, war Rarl't PJibrrftanb gr« 
brodien ; er entfdjieb fidj für bie »erufung einet Parlament 
unb forbrrte bir Peert nur auf, Statbfdjldgt für bie Per« 
banolung mit ben Stbotten ;u ertbeilen unb ihm Littel 
für bie (Irbaltung feinet ^reret anjuweifrn. £ed))ebn 
ber PoKtpartei geneigte peert begannen bie Unter- 
l>anblungen mit ben Sdwtten, Bonbon lief) 200,000 
Pfunb Strriittg unb bie peert verpfdnbrten für bir Per- 
wenbung berfrlben ihr fSort nnb bat ftarft. Peire 
^»ene blieben unter ben SBaffen unb wurbrn von ftart 
befolbet. fitut Unterjeidinung ber Prdliminarartifel in 
fRipon verlrgte er bie Serbanblungen nad) Bonbon. X>at 
bierard)ifd».ropaliftifd)e epßem Äarl't war trop ?au6 
unb Srrafforb unterlegen. Pei ben ffiablen jum Paila« 
mente betbeilfgte fieb bat Polt (fnglanbt voO (Sifer, 
bie lebbafteften (Begner Jtarl't waren ber Pkb( am 
fiaVrften, von brn Ptitglirbrrn bet lebten Pariamentt 
würben s /» wiebrrgewdb.lt unb aud) bie Neuwahlen trafrn 
meiflent volfttbümlid) 1-enfenbe. Perbüftert wie ein 9e< 
ftegter eröffnete Aar! am 3. 9tov. ohne Pomp bat „Sange 
Parlament"; baffelbe war für ibn eine 9?otbwenDlgfeit, 
follte ihm aber rafd) über ben Äopf wadifen. Jtarl for« 
brrie bie Pertreibuna ber fdjottifdjen „ÄebeUen" aut 
(Snglanb unb verf)tei «biieflung ber Pefdjwerbrn. «n 
Perföbnung fdjirn man nid)t mrbr ju benfen, bat ^>aut 
wollte feine ganje entfalten unb bie Plitbrdudjr 

autrotten. Der ®ouverdnetdt brr itrone ftedtrn bie ®e< 
meinen bie Ueberteuaung eigener Souveränctdt entgegen. 
Out allen Qkaffdiaften unb StdMen liefen Pefd)werbe> 
fdtriften ein, Ptdnnrr wir $ampben unD Ppm warm 
bie gabnentrdger bet Sibrrfianbt gegen bie Pebrüdungcn 
ber Jtronc unb bet (Spiffopatt unb im ^»intergrunbe er< 
hoben ftd) religiot unb fanatifd) angrlegte Valuten; 
mancher Dachte |d>on an bie Kepublif alt 6tdtte voller 
politifdier grribrit. Die Dppofttion woOte nid)t nur bie 
Pefdjwerben befeitigt, fonbern aud) ihre Urheber bejtraft 
wiffen, bat Unterhaut follte jur Unterfudjunatfammer 
bet Steicbt werbrn. «m 11. 9Iot>. (lagte bat Unterbaut 
auf Pvm't Antrag Sirafforb bet £odwrrratbt an. ttudi 
bat Oberhaut lief ihn fallen , er fam in ben Xower, 
wohin 8aub ihm altbalb folgte, (finige verhaßte Winißer 
bemütbigten ftd) vor brn wrmrinen. Denen Sieg auf 
Sieg jufiel, anbere entflohen. Dat Unterbaut war jum 
PHitregenien gemorben, unb erfldrte bat Sdjtfftgelb be* 
finitio für Den ®efe»en bet iUeidjt, Dem (Sigentljumt' 
rechte ber Untertban« unb früheren Statuten juwiber, 
nahm in ber tSitp «nleiben auf unb bat fd»tri|d>e unb 
engliid>e ^eer würben nad) wie vor befolget. Plöftlidje 
9luflöfungen ber Parlamente follten fünflig unmöglid) 
fein wie in Stbettlanb wurbr für Qnglanb verlangt, Da« 
bat Parlament alle brei 3ahre ju|ammentrete. Äail 



Digitized by Google 



KARL L (KÖN. V.ENGLAND ü. S.W.) - 111 - KARL I. (KÖN. V. ENGLAND U.S. W.) 



weigerte tieft langt einjuwilligen, bann ttat fr cfl mit 
febwerem «fcerjen; Sic Regierung bünftr ibn au« ben 
Angeln gehoben. SBiele »erlangten bie ©efeitigung brr 
PIHn SBilrbf, in biefem fünfte berrfebte größte 
3Jteinung«perfd>iebenheit. »cllgiöfe Spaltungen trennten 
Sorb* unb ©rmeiue; Prr«bPleriancr, 3nbepenbcnten, 
4M Uli öfli rf: c ftanben fid) ftferort entgegen. Einige fluge 
ftäthe füllten f<J Äarl al« pclitifd) rcr, bie «Reformer« 
auf flaatticrjrm ©ebiete au« bem ©unbe mit benen auf 
fircblicbem gelbe ju löfen unb fid) ben erfleren in bie 
Atme ju werfen, unb Äarl begann Unterbanblungrn, 
um Ppm, ^ampben, St. 3obn, #ollefl, Sßebforb in bobe 
Aemter *u bringen. Söeit beffer aber gefiel ibm ber Plan 
einer fßerfebwörung ber englifdjeu Armee; un}ufriebrne 
Cffijiere waren mit feinn ©rmahlin in SBetbinbung ge» 
treten. Dnrd) unwfitbtige SKcben erfuhren Ppm u. a. 
bapon; enger al« je fcbloffen fid) bie SBiberfacber be« 
föniglicben Dc«pott«rau« jufauimen, Sirafforb'« Proceji 
begann, Rar! fab fieb felbft stelfad) bebrobt unb gab in 
grigbeü Strafforb, brr aBe« für ibn gewagt, prei«. 8m 
11. 9Nai 1641 rourbe Srrafforb enthauptet. 

Äarl genebmigte bie ©ill, welche bie Auflöfuna be« 
Parlament« an bie (Einwilligung beiber £dufer banb, 
Stücf für Stücf würbe von ber föniglicben prdrogatipr 
abgeriffen, ba« Parlament würbe jur erfitn 9Jtaa)t im 
Reiche. Äuil mufitc in bie Abfcbaffung ber perba(jten 
Sternfamnicr, be« norbifeben @trid)iflbc>a, be« gelftltcbcu 
Obergericbl« unb aller wiOfürlidjcn 3uriöbiclion willigen, 
unb ba« brn Pretbpteriancrn ergebene ÜJolf wanbte firb 
immer offener gegeu bie Jtircbe; Der äJfulb brr Seftirer 
flieg unb bie preflbpterianifcbe Partei gewann bcrpor« 
ragenbe (Sinwirfung auf bie politifcben Reformer. Äarl 
war nicht gewiUl, weitere (Eonceffionen ju machen unb 
boffte, wenn er mit Scbe-tilanb fertig würbe, e* aud) 
mit (Englanb |u wfrben. STOil fnapper 9ictt> fanb Äarl 
Wittel, ba« englifebe unb i<bellif(bc $>ccx au«julöbncn, 
entließ beibe, befielllc ben ©rafen (Effcf «um Cbergeneral 
im Sfiben tte Jrent unb traf im Auguft lt>41 in (Jbin* 
burgb ein, um bie Rirbcrlage be« früber pon ibm per« 
fod)tenen hierard)ifd)«repuliftifd)en Softem« ju unter* 
frbreiben. (Er bewilligte bem febottifdjen Parlamente unb 
bei febottifeben Äirrbc, wa« fit perlangten, um bie Sache 
Sebottlanb« pon ber (inglanbö ju trennen, überbdufte 
bie $äupter be« Sopenant mit Gbrrn unb wobnte mit 
großem (Ernjie ben Prebigten ber pre*bpterianer bei. (Ein 
Au«fd)ufc bei englifd»en Unterbaufe« unter £arupben 
begleitete Start in Schottlanb, ein anberer unter Ppm 
blieb in Bonbon in 3hdtigfcit. 

Hamilton, ber fid) pon Äarl getrennt hatte, fein 
Sruber unb Atgple perlicfjcn plöftlicb (Sbinburgb, al« 
fei in Jtarl'tf 9tdbe ibr Seben gefdbrbet. ÄatI forbrrte 
im Parlamente £ainilion'6 Sutflofiung, mu(te aber ba« 
pon abfteben, unb bic glüdjtlfnge nahmen balb wieber 
ihren £is im Parlamente ein. dt würbe Har, baf 
Äarl, wäbrenb er 3ugeftdnbniffe madite, in (Engtanb unb 
echottlanb auf ben Untergang feiner geinbe fann; et 
woBtt ben 93riefwed)fel auffpüren, ben bie ^dupter be« 
engliftben Unterbaufe« mit ben (Fopfnantn« geführt hatten 



unb beffen geige ber (Einfall beT Sdjoften gewefen, ihn 
ben ©rriebten in dnglanb unb £<bort(anb porlegen unb 
jenen SRännrrn ben procef auf ^odjperrath anhängen. 

Die Leiter brr Sewegung in beiben 5»cid»en «fannten 
bie«, unb waren bereit, fid) jeber SBaffe ju bebienen. Da 
rraf bie 9<ad)ri<fct pon ber furchtbaren Äepolution in 3rlanb 
ein unb ba fir fid) bauptfdcfclicb gegen bie SRadjfftellung 
be« Puritanertbum« in (Englanb riditrtr, befrbulbigte 
man ohne iebe Srgrünbuna Aarl a(« ihren Urheber; 
ebrnfo unfebulbig war bie jcönigin, bie al« Jtatboliftn 
boppelt perbdebtig rrfebfen. 40 — fX),000 Prctcftantrn 
fielen in 3rlanb bem #affe ber ftatbolifen ium Cpfer; 
gait} (Englanb frbrie Poll lEBiith auf. Aarl (heilte bie 
©otfebaft fofert bem febottifeben Parlamente mit, forberte 
$ülfe, ba 3rlanb ohne fönigliibe Uruppen war, aber 
bie Schotten jauberten uu« Siürffiditen auf dnglnnb. 
Äarl fd)idte au« eigenen SRitteln 1500 «Kann nad) 3r* 
lanb unb rettete bamit einige fefie Pldbe por ber lieber' 
gäbe. Da« engliftbe Parlament (bat febr wenig für bie 
Unterbnidung ber Sicpolution 3t(anb«, feine rrlle 8(uf' 
merffamfeit fcffelte (Englanb. ©iclfad) würben im Keife 
unb in ber Seamtung Spmpatbien für bie Sache be« 
Jtönig«, bic aUju febr bebrobt fd)ien, laut. Da fte eine 
Sieaction im Sinne ber fSidfiigung ffirdjtelcn, bratbten 
ppm unb bie Seinen bie grofir fKeinonftranj, weicht alle 
©efebwerben unter Jlarf« «Regierung jufammenfleUte, an 
ba« Unterbau« unb forberten barin bie Aufhebung ber 
dpiffepalperfaffung unb bie Unterorbnung ber (Ernennung 
lieber Beamten unter bie Approbation be« Parlament«; 
aud) richteten fte fid) gegen bie 9teigung ber Jfrone m 
Spanien unb perrraten ba« Sünbnifi mit granfreid). 
Sefonber« Ppm unb ^tampben pertbeibigten bie 9{emon> 
frran) bei ben Debatten im Unterbaufe unb e« gelang 
ihnen, fte am 22. ?Äop. 1641 mit elf Stimmen 9Mr= 
heil jur Annahme ju bringen. Iroh feiner legten lieber« 
lagen jeigte Äarl eine flolje Haltung, al« er am 25. ?Äop. 
ffibitebcill n?iecer bejoa; er wiegte fid) im 2Babnc, nod> 
immer ber allgeliebte Wonard) ju fein. Am 1. Dec. über« 
reichte ihm eine Deputation be« Uittcrbaufe« im Jpamp» 
tonrourt bie gro^e fHemonfrranj unb wieberholte in einer 
Petition bie gorberungen, er fotle bie wellliche Autorität 
ber SMfcböfc aufheben unb ihre griftlicbc mdfitgen, bie 
'Kaltgnanen au« feinem SRatbe entfernen, bie pon ben 
Sebellen in Englanb perwirften ®üter nicht wieber »«• 
geben, fonbent bem effcntlid)en Dienfie vorbehalten. Äarl 
hörte gebulbig ju, wünfehte, bie »emonjtranj foQe ohne 
feine (Einwilligung nicht publicirt werben, war aber ent« 
fcbloffrn, au« allen Jträftcn anjufämpfrn, unb nntrrfagtr 
am 2. Der. jebe Abweichung rem (Sotnmcn PrapeT'$oof ; 
8orb Digbp, ber Stopalif) unb greuub Spanien«, würbe 
bie Seele feine« Gabinet« unb ftarl befehle bie höd)f)en 
Stellen mit Antiparlamentarirrn; bie Sönigin beftdrftr 
ihn im ffiahne, feine Partei in Parlament unb Saub 
fönne bie ©egner gu Paaren treiben. Die SButh gegen 
bie «ifeböfe flieg; bie Vi L tan« ber Siftböfe unb Papiflen 
warb al« entfefclid'fle« Unheil gefebiibert; trop be« Per' 
böte« erfebien bie 9cemonfrranj im Drucfe unb bie ©earn« 
fa> iwifdjen bem ohnmächtigen »önige unb ben ficg- 



KARL I. (KÖN. V. ENGLAND ü. S. W.) - 112 - KARL I. (KÖN. V. ENGLAND U. S.W.) 



retctjcn £duptern ber Pattamenl«oppofition verfcbärften 
fid). Äarl mufjtt ben Auflfdjlufj ber 5Bifd)öfr au« bem 
Cbertjaufe im 3artuar 1642 burdjbringen (eben; bic 
par(amentarifd)>puritanifd)' Partei bc« Unterlaufe« be« 
fa# je&t fall unbebingte Autorität; fit erhob Anflöge 
gegen Digbv unb feinen Safer, Sorb Sriftcl, unb e« 
würben ®rrüd)le von irifd)en Somploten, von Attentaten 
flegen Pbm u. f. ro. auögeftreut. Die Parteinamen SRounb« 
heab« unb Qavatier« (amen auf. Siele Bome bmr eilten 
herbei, um ben König ju fd)ü$en, ba« Parlament for* 
berte .5 Li feinem Sdmbe gegen biefe Äovalfften eine ®arbe, 
unb ba Karl fie verweigerte, nahm fid) jebe« äRitglieb 
bie greibeit, einen bewaffneten Dienet mitjubrtngen. 
gortwdbrrnb (am e« ju (Sreeffen; ba« Parlament fürchtete 
einen £anbf»rei<h, liefj ©äffen in feinen Sipung«faal 
febaffen unb gebot ben lonboner Sebörben, bie Wilijen 
gerüftet ju ballen. Uodj berot ber ©ürgerlrieaauebrad), 
geigte ftd) ber Krieg jroifcben König unb Parlament 
a(« unheilbar; e« war ber Kampf um Die Suprematie 
in (£nglanb, in bem ba« Unterhau«, um felbft )u berr« 
fdjen, bie von ben Xubor« auf bie Stuart« vererbte 
fönlglidje ©emalt jerftören wollte. AI« ba« Unterbau« 
Werbungen gegen 3rlanb befdjlofj, entfebieb e«, Karl'« 
ßrmädmaung baju fei unnölbig; aud) wollte e« felbft 
bie Cberfrlbberren ju ?anb unb jur See gegen 3rlanb 
ernennen. Karl war gefonnen, gegen bie Uebermad)! 
feiner geinbe austreten. Am 3. 3an. 1642 (tagte 
in feinem Auftrage ber ®eneralftaatflprocurator Sir (£. 
$erbert im Oberläufe ?orb ftimbolton unb bie Unter« 
bau«mitglieber $ampben, ^(m, $oDe«, Strobe unb 
jöaölerigb be« {»odwerratb« an. Königliche Beamte ver> 
ftegelteu alle« in ben SBohnungen ber fünf ®emeincn; 
ba« Unterbau« rief ba« Obernau« m gemeinfamem 
«ffiiberftanbe gegen foldje ffiillfür auf. Sil« ein 2Sappen< 
berotb bei ben ®emetnen bie Au«lieferung ber günf for» 
berte, wie« ibn ber Sprecher hinau«, unb auf Anorbnung 
beibet Käufer würben bie Siegel bei ben günf entfernt. 
Karl verfiel nun auf ben unglürflidjen ®ebanfen, perfön' 
Ud) ihre Auflieferung ju forbern; am 4. 3an. erfdjfen 
er im Parlamente, au« bem fid) bie günf eben entfernt 
hotten r aber niemanb war willen«, fie ausliefern, unb 
mit ber Drohung, er werbe fie ju greifen wiffen, verlief 
Karl ben Saal; ihm folgte ba« erbitterte fflefebrei über 
Serlefcung be« Privileg«, unb feine ®arben erhoben ihre 
Ptftolen. Aud> bie ßitv lieferte bie günf, bie ftd) ju il»t 
geflüchtet, am 5. 3an. nicht au«, obwol Karl e« in Per« 
fon in ®ui(bball fieberte; er erlebte eine neue 9lieber< 
läge. Da« Unterbau« vertagte feine Sitzungen, ba feine 
Privilegien gebrochen feien; ein Au«fcbufj befielben er« 
f lärte bie Anflüge ber günf für illegal unb einen SBrucb 
ber Parlamentflprivilegien unb Rempelte jeben, ber bie 
abermaligen Berbaflflbefrble Karl'« aufführen mürbe, tum 
öffentlichen geinbe; innig fdjloffen ftdj Au«fd)ufi unb (Sin) 
aneinanber. Ohne «Rürfftdjt auf «arl'fl (Srlaffe befd>lo& 
ber au«fd)uü, bie günf wieber ju feinen Seratbungen 
)it berufen; am 10. 3an. nabmen fte wieber an ben 
Sibungen tbell unb ^>ampben'« «netbieten, 4000 feiner 
2Bäf)(er au« «udingb,amfbire nad) Sonbon jum Sdjupe 



be« Untetb.aufe« berbrijujieben, würbe gutgetKi§en. Die 
Königin jumal fanb ben Aufenthalt in ber mit dtarC« 
©egnnn complotirenbrn .ftauptftabt unertrdglid) unb Äart 
verTirfi mit ihr unb ben ftinbern am 10. 3an. Sbitebafl, 
um nad) Aamptoncouit unb am 12. b. 9». nad) fflinb» 
for ;u lieben. Am 11. begann ba« Unter hau 4 feine 
Sf&ungen wieber, im 2riumpb<uge würben bie günf unb 
?orb «imbolton jurüdgefübrt. «Rafd) wid» bie ©erlegen« 
beit barüber, bag ftd) ber ftonig entfernt habe, ba« Unter« 
bau« betrachtete fi<t) alt rntfd)eibenbe Autorität im $eid)e; 
e« verfügte, fortan fei nur ben mit Seiftimmung beiber 
Raufet erlaffenen Befehlen Äarl'« ju gehorchen, unb ver» 
bot ben dommanbanten ber miehtigflen place, ohne eine 
unter ihrer Einwilligung au«geftellte föniglich« Crbre 
9Ser("tdr(unaen ihrer ©amifonen aufjunehmen. Die ®e« 
meinen bcfdjloffen, fein SJMtglieb bürfe je ohne ihre 3"« 
ftimmung verhaftet werben, unb im 9tothfaQe fönne jtd> 
ba« Parlament nad) jebem Crte verlegen. Ohne bai 
bie ?orb« ber @rOdrung jufrimmtrn, befd)leffen bfe ©e> 
meinen ferner, ba« 9teid) fofort in Sertbribigung«}ußanb 
tu fepcu, unb rüfieten ftd) emfig mr Behauptung tbrer 
SRadjtfiellung; Äarl fann ebenfall« auf Jtrirg; in 9Stnb> 
for fühlte er fid), von feinen Anhängern umringt, ebenfo 
ftarf wie in ©hitehaO ohnmächtig ; bie .Königin follte 
mit ben Äronjuwelen nad) ^jollanb reifen, ©äffen unb 
Munition faufen unb bie gürfien bee Sontinent« um 
£ülfe angehen. 3mmer fdjlimmer würben ftarl'« Au«« 
flauten; auch im Obetbaufe brangen bie Anhänger ber 
parlamentarifchen ®ewalt burd», unb am 5. gebr. willigten 
bie 9orb« in bie $id wegen be« Au«|d>luffe« ber tBiftböfe 
au« bem Parlamente. Unterzeichnete Staxl bie 58 tll ttlaji. 
fo tieften bie Kammern bie Königin, bereu (Stnflufi auf 
ihn immer mehr gewaebfen war, nicht au« bem Sanoe; 
fie felbft bat ihn naehjugeben unb er fügte ftd), in ber 
offnung auf balbige SBanblung ber Dinge. Um ba« 
afein ber 93ifd)öfe af« geblieben Jnüüm« )u retten, 
opferte er ihre weltliche uftacbiftellung. Dann reifte er 
nad) Dover unb führte bie Königin <u Scfjiff ; fie fegeltc 
nad) JScllanl- ab. Da« Parlament legte Äarl fein 9e« 
gehren vor, auf einige $nt möge er ba« ^>eer unb bie 
geftungen )u feiner Serfügung «eilen, ftimmermebr 
wollte ftarl auf bie militärifche ®ewalt für ervig ver> 
jidjten ; nicht auf eine Stunbe wollte er bo« Wed)t ber 
5Betfügung über ba« ÄriegÄheer bem Parlamente über« 
laffen, benn nod» nie fei etwa« berart von einem Äönige 
begehrt worden. Karl (onnte bie« iu ber 3 hat nicht, 
ohne feine Krone ju verlieren, unb ba« Parlament fah 
fieb in ber Sage, entweber aQe 9iegierung«red;te ju be« 
fiften ober unterzugehen, nadjbem eö „bie 9ieich«verfaffung, 
bie e« retten wollte, in ber Umarmung erbrüeft hatte . 
^vbe unb galffanb jeigten je$t in Schriften, ba§ ba« 
Parlament bie donfiitution in hohem ®rabe verlese; bic 
(önigliche Partei mehrte ftd), ^ohn ergofi ftd) über „Äönig 
Pom". AUmdhlidj erfchienen bei Äotl 32 8oro« unb 
über 60 ®emeine unb er nahm feine Sefibenj in ®orf, 
welche« ba« Sentrum f'iner bewaffneten 3Hod)t würbe, 
wo aber 97ange( an allem war. Dein Parlamente floffen 
Silbergerdthe, bie Irauringe ber grauen u. f. w. ju. 



zed by Google 



KARL I. (KÖN. V. ENGLAND TJ. S. W.) - 



113 



KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



Ueberau" im ganjen 8anbe war bie Revolution, gotberte 
Staxl für bi« gunbamrntafgefe«« be« 9?eicb« ®eborfam, 
fo tTaf ba« Parlament l)in«fflcn blc weitejrreid)enben 
Untfdjei Olingen über feint ffiadjibefugniffe: b«r Befehl 
übet bie Will« feilte bem Ädnige nicht gebühren, er tonnte 
ben vom SBolf« vtrlangttn ®rfe$entwürfcn feine Sannion 
lu'cbl vertagen, bie Stammern hätten ebne feine SRit« 
»irfung ba« S«d)t, in erfldrrn, wa« ®efeb fei, unb t$ 
itäre erlaubt, bureb Petitionen bie ttbdnberung belieben» 
ber ®ebrdud>e ober Statuten ju erbitten, inbeffen jebe 
fMttfcbrift für ihre Vufrtd)trrbaltung alö lwedlo« jurä(f< 
juweifen mdre. !Di«fl flanb in offenem 2Biberfprud>« mit 
ber driften) ber 2Ronard)ie; mit großer Wunft" würben 
bie rovaliftifdun Pamphlete im Sanbe aufgenommen, 
rcdbrenb ba« Parlament im geberfriege ben ftir«ern 
wg; fortwdhtenb »erliefen Parlament«mitglirber Sonbon, 
meiften« um ju «arf ju ftojjen. (Diefer forberte am 
23. April ben ®ouvrrneur wn $ull jur Uebergabe be« 
Wa&e« auf, bie berfelbe verweigerte. Äarl rief bie ®rafen 
Gffcr unb {wllanb ju fidj nad) g)orf unb entjog ibnen, 
al# fte fieb ju fommen weigerten, ihre $ofßeUen; ber 
Äanjler übrrfanbte nad) längerem Sdjwanfen ftart ba« 
§taat«firgei, an ba« bie refbtmdjfige Regierung getnüpft 
ftfcirn, unb entfloh; ba« Parlament forberte bie abmefen» 
ben ©titglieber jur rKürffchr auf unb begann gerichtliche 
Verfolgungen gegen bie nid)t fommenben; auf feinen 
Befehl bilbeten ftd) rafd) SRilfarn in ben ®raffcbafien, 
wetbrenb an alle ©ärger ba« 3krbot «ging, auf Jöefebl be« 
Äönig« ju ben SBaffen )u greifen. <D(od)ie Jtarl ftd) auch 
frrdubrn, fo fehte fid) eine »njabl Parlament«commiffäre 
in g)orf neben ibn unb berichtete über allr« an bat 
Parlament. Selbfl in bem Jlarl fo jugetfyanen 2)orf« 
ffjire regte ftd> immer offener ber SBtberftanb. Da« Paria« 
ment gab, um ben 6a)etn ju retten, einem Huefajuffe 
ben Auftrag, einen Äuaföbnung«vorfdjlag in neun|ebn 
Artifeln ju entroerfen. 8efterer rourbe Jtarl jugefenbet, 
aber babei ununterbrochen junt Kriege gerüfiet. (Da« 
Ultimatum be« Parlaments vom 17. 3uni ging au« auf 
bie gänjüd}e Abfcbaffung ber altföniglidjen Prärogative; 
nidjt nur alle mi(ildrffd)en, bürgerlichen unb ftrcblid)en 
Angelegenheiten, fonbern aud? bie (Ernennung neuer Peer«, 
bie (Sin« unb Abfreung aDer ('oberen Staat«biener, bie 
Gqicbung unb Bermdqlung ber fön(glid>cn .Rturer foQte 
fortan oen ber SufHmniung be« Parlament« abbänden. 
Jtarl fprad) entrüftet gegen biefe 3umutbungen, bie ihm 
nur ben Schein eine« Jtönig« liefen ; bie Unterbanblung 
bradj ab. Da« Parlament bemächtigte ftcb aller Staat«« 
einfünftr, bie ©roffdjafitn erhielten Orbre, ii* mit 
5Baffen unb Puber )u eerfebrn, ein $Iu«fdjuf ber öffent« 
liefen Sicberbeit (5 Peer«, 10 Unterb,au«mitgliebcr) über« 
fam bie Sorge für bie friegerifdjen SRafregrln unb bi« 
lluöfübrutig ber Parlamentdbefeblc. Sa« Parlament«« 
beer befianb au« 20 Infanterieregimenten! unb au« 
75 Stbmabronen ; ®raf (Sffef mürbe Dberbefebt«baber. 
%xo$ aller Selber, bie burdj bie Rönigin einliefen, brachte 
Jtarl nur 12,000, aber meifi frieg«geübte 8eute jufam« 
men, über bie Prinj Süupredjt »on ber pfalj ben Obet» 
befctl antrat. 3unt Seibmefen JtarC« mürbe bie glotte 
m. ««f?n. » jb. «. *. a»ciit ««tu«. XXXIII. 



obne Sfberftanb bem pre«boterianifd)en unb pariamrntari« 
feben 3ntrreffe bienjibar; ba« Parlament erijob ben ®rafen 
SBanoirf pm (Srofabmiral, einen 3Rann be« ftrengften 
Pre«bvteriani«mu«. (Ein neuer Perlud} Jtarf«, ^uU ju 
nebmen, fa>eiterte an bem ®ouoerneur unb an fflar« 
reief, mdbrcnb festerer port«moutb bem Jtonig« wegnahm . 

Seit J?ari am 23. «ug. ju 9Ioitingbam bie Jtönig«« 
fabne aufgepflanjt, batte ber ©ürgerfrieg begonnen; iu 
feinem Sd»retfen folgte ba« 8anb feinem Aufgebote nidjt. 
Sil« er gegen Bonbon marfd)lrrn wollte, um ben Jtr(eg 
mit Einern Sd)(age \u beenbeu, ergriff ba« Parlament 
©ertbribigung«mafrege(n. (Dem Äönige boten grofe Unter« 
ftö(ung bie in dhefter gegen 3rianb aufgebäuften Jtrieg«' 
vorrdtbe, unb einige gübrer von militdrifa>er £üd)tigifeit 
ftiefjcn ju ibm. 2>em Prinjen Suptedjt von ber pfal§, 
ber feine Savalerie führte, gelang e« bei SBortefler, bie 
pariatnentarifdjen Sd)wabrontn jurürfjuwerfen. 93ei db« 
gebiü trafen bie $rere be« Jtönig« unb bre Parlament« 
am 23. Drt. aufeinanber; bie Sd>lad>t, in ber Statt grofen 
IViub befunbete, blieb unentfdjieben. (Iffer jog ftd) auf 
Bonbon jurütf, Jtari mürbe mit 3ube( in Offorb auf« 
genommen, meldte Stabt bie ibm ergrbenfie unter aQen 
größeren mar. Salb firrbte jtarl von neuem, feinen 
<$atibftreid) auf Bonbon auszuführen, unb rürfte nad} 
Vrrntforb vor. (Da« Parlament leitete Unterbanblungen 
ein, Äarl empfing feine Sbgefanbten freunblid) in Hole« 
broofe; bann aber überfiel prinj 5Rupred»t mit beu roija* 
(iftifebrn 'Selfbmen bfe lonboner Regimenter am 12. Stoo. 
in ©rentforb unb brachte ibnen blutige fBerlufie bei. 
(Diefe „Xrrulofigfeit" be« Aönig« gab feinen @egnern 
boppelten Xroh; @ifer Fonnte über 24,00U Wann Acer» 
fdjau halten, ivührenb Jtarl froh Uljr . mit feiner ^anb 
voll Sruppen ohne ^inberniti nad) £>|forb 'urüdjugt' 
langen. Cbgleid) ba« Parlament bei weitem in ber 
Dberbanb war, fonnte e« ftd) ber tffiieberaufnabme von 
UntrrUnblungtn mit bem Äönige nidjt entjieheu; im 
gebruar 1643 begannen biefelben, blieben aber refuftat« 
lo«, ba eine ernjtlid>e «nndherung ber üobfeinbe nicht 
benfbar war. irarl fafte neuen (Rutb, feine ®emahlin 
bracht' im gebruar Gruppen unb Wunition nad) (Eng« 
lanb, mdbrenb bie Slooaliften In (Snglanb unb Schott« 
(anb hob« nw auf ba« beftür)te Parlament Iahen. (SiTejr 
begnügte fid) mit ber Belagerung ?KeaMn.(S, ba« nad) 
jebn (tagen fiel. (Die jnMeua.tu ber politifdien Polf«« 
partei unb Öffef'O madjte fid» in ihren SBirtungen fühl» 
bar; fein ^eer befanb ftd) balb in fchlechtem jjuftanbe. 
3)a bie fdniglidje «avalerie bie gefürdjtetfte «egnerin 
ber parlamentarifd)en Truppen war, bilbete Oliver erom« 
well eine (Savalerie in ei ferner 'Ditfciptin au«; bie« 
9ieitenegiment ber 3ronftbe« war im Äampfe unwiber» 
ftrt)lid) unb balb ber Scbretfen ber jtdniglidjen. Am 
31. s lRai erfuhren Parlament unb Polf von einem großen 
Somplot: e« galt Per Sematfnung ber Scovalifien, ber 
(Sinnabme be« Xower, ber iXagajine unb hauptidj)ltd)f)en 
Porten, ber Prrbaitung ber apäupter beiber {»dufer unb 
bem (tlnlaffe ber fdniglichen iruppen in Sonbon; ber 
(Dichter Gomunb 2BaUer, fein Smwager lomfvn«, (Shal» 
loner u. a. waren bie -fcdupter be« (Sompiot« unb ge« 

15 



KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. 8. W.) ~ 114 - KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



ftanbcn al«ba(b na* trjtcr Verhärtung, lomfvn« unb 
fiballoner würben bingerid)lct, Salier trtiftc fid; Durd: 
weltgfbenbe (Enthüllungen. Toö Parlament traf infolge 
tfC Gomplol« r.fuc Porte brungen | „um bie (Hutns uod) 
enget )u vereinigen", wutbe von beiben Käufern ein 
(Sinigung«eib für bie Sache von Parlament unb ^Religion 
gegenüber Äonig unb Papi«mu« verfügt. §auptfäd)lid) 
Durd) Pfaljgraf Suprrd)t gewann Äarl eine 9{eibe Er- 
folge über feine geinbe, benen ber Sob $ampben*« am 
24. 3uni find brr rceribvcllften ©lieber unb bit le^te 
Hoffnung auf eine gütliche 8u«gleid>ung entrif. Snüer 
unb £a«(rrigb innren wieberboit gefcblagen, bic rcnja- 
liftifdie Partei erftarfte aud) in ben mitilrrrn fflraffctoaftcn, 
bit Königin führte Äarl nnd? <£bgebill Ptannfdjaft unb 
@cfctü(r ju, unb am 26. 3u(i ff rl Ptifiol; täglich ver» 
itotjm ba« Parlament von Unfällen. I er Sorbeffieneral 
©raf (5fier fdjlug vor, Statl follc ftd) eine Seile ent- 
fernen, bann wollten bic beiben £eere ben Streit gleidj 
einem ©olte«urlbcile an (finem läge ju 8nbe bringen. 
Die 8crb« traten feinem Sunfcfce nad) grieben bri, bie 
©emetnen aber liefen ein neues Staat«ftegel mit ben 
Sappen von (Jnglanb unb 3r(anb unb eina Darftellung 
be« Unterbaute« anfertigen. 3« unbebaebtrm Uebermutbe 
erflärtr Äarl offuirfl, er erfenne bie iu Seftminfter ver« 
fammrltcn 3nbivibuen mdu al« Parlament an unb ver» 
biete feinen Untrrtbancn, biefm £ocbvmälrKrn }u ge» 
boreben. Tut fübrte beibe djäufer trieber jufammrn unb 
fie befdjlcffen am 5. 3uli, gemeinfd)aft(id) an bie Schotten 
Gommiffäre um Jpülfc gegen ben Papi«mu« jii entfenben. 
911« jebod) Äarl einen milbeten Jen anfehlug, febnten 
ftd> bie mriften ?orb« wleber ju ibm hinüber unb am 
4. 9lug. ging bei ibnen ein Entwurf burd), wonach bie 
Jpeere fcpjcunig aufgrlöft, bic wegen itjre« 9nfd)lnffe« an 
Xart au« bem Parlamente vertriebenen IKitglieber in 
bafielbe jurürfgerufen unb bie 9nlfd)cibung ber großen 
gragen übrr ftclfgion unb Pitlij von Parlament unb 
Srjnobc getroffen werben follte; bei ben ©eineinen unter- 
lag er aber am 7. Äug. Hie 8orb« füblteu fid> gefränft 
unb tebroht; eine Slefbe von ibnen verlief (onbon, um 
}U Jtarl Kit geben, anbere fugten gffci ju bewegen, ba£ 
er fid) Bonbon nähere unb bie grribeit ber Parlamentär 
rifdjtn Prrathungru vor bem Drude M Pe((«wi(Ien« 
icbüee, unb Gffci neigte fid) auf ibre (Seite, bi« bie 
PolMparlri unter Pmn irjn wieber für fid) gewann. 
Salier unb Püandjcfter bilbeten SRefcrvehe««, (tffef jog 
am 24. Äug. mit 14,000 Wann in (Jilmdrfcben nad) 
©lourefter ab. 9?acbbcm Äarl ungern auf einen neuen 
$crfua> gegen üenbon ver|ia>let hatte, rvanble er fid) 
gegen ©Toucefter, ale< aber tfffer beranfam, gab er 
bie Selagaung auf. Um eine Bereinigung be6 ©rafen 
mit SaOer in verbitten, rvarf fid) Äarl fclbft auf ben 
Salb brt l'faljgrafen «Rupredjt (Jffer bei »etvburp in 
ben Seg, aber in blutigem ftingen fdjlug Sffer am 
20. €ept. ben üngriff ab, unb fegte unangefodjten feinen 
-}Sa<a- auf ?onbon fort, »o er für ben grieben rebetr. 
Da« Parlament trat von neuem mit ben €djottcn in 
Unterbanblung : beibe Stationen wollten bie „papijtifdK 
unb prdlattf^e gaction" nieberrverfen, bie Privilegien br* 



Parlament« »nb bie grei^eiten beiter Seldje mit 9kr 
behalt ber red)tmdiigen iluloritdt be« Jtönig« mtb/Cibigen; 
bie @eneralvrifammlung ber Äirdje von €d>tt(anb unt 
bie (Convention nahmen in (Sbinburgb am 17. Bug. „bie 
feierlid)e Sigua unb (Sovenant" an; eine Perfamntlung 
@otte0ge(ebrter in Seftminficr billigte biefen Ifoveaant, 
bad engiifdie Parlament trat ihm bei unb bcfdjrver ibn 
feierlid) am 25. Sept. in Sefiminfler; e« war bee erite 
«et, in bem fid» bie befonber« von ppm beförberle Pet- 
einigung Cdjottlanb* unb Unglaube vollwg. Der <2o< 
venant vertiieji bie Sleform ber äirär uns bie foforiijt 
$ü(fc von 21,000 6d>otten für tat Parlament. Sita 
aud) für Äarl befferte fid) bie Sage) er näberte fid) ben 
3ren, fat) vertrauenlvoll auf bie in granfreid) ein» 
trrtenbe 9tegentfd)aft 9nna'0 von Ceflerrrid) unb bante auf 
bduifdjc @ubfibien. Säbrenb bie Preöbpterianer tri 
6irgc6 getvip ju fein glaubten unb eine barle religiefe 
Iprannei ausübten, fianben fie bereit« am Slbarunlie-, 
bie 3ntepenbenten begannen ihnen über ben Äopf 
wadjfen. 9?ad) Unabbängigfeil verlangenb, wollten lte 
©ewiffeiiefreibeil unb ftanben voll ©roll ben Prrtboic 
unna ii gegenüber; befonber« im £rere mäditig, nabmen 
fie weit weniger SRüdftdjt auf ba« Äönigtbum ; jlnbdiu,n 
ber 9ted)t«gleid)beit, ber gered>lcn Pertbeiluug ber forialrn 
©üter unb ber Pernicbtung aller 9Hi«bräudjc, gelangten 
fie allmäHicl, iu bem 3beale abfoluler Xemofratie. €c' 
balb Äarl erfubr, bag €d)ottlanb fid) jum Äriege gegen 
ibn rufte, fud}te er bie 6d)otten umjufiimmen, fdiei' 
terte aber mit feinem Porbaben, burd) Ptcntrofc cm 
«orp« irifdjer Äaibolifen nad) (gdjolllanb ju l'djaffen 
unb bie Pergbewobner be« Horben« ju iniurgiren. €<tt 
längerer 3eit flanb Äarl, beffen Doppeltüngigfeil mit 
feinen ©efafcren wud)«, iu gebeimer Perbinbung mit ben 
rcbeliifd>en 3ren; er bradjte in 3rlanb bie aan^e @ivi(' 
unb Piititdrgrwalt au fid) unb bie Äatbolitcu faben in 
il>m ben Souverän, beffen Prärogative fie gegen jebrr- 
maun verlbeibigen wollten. Äarl fd)lo(j barum am 5. Sept. 
1643 mit ben 3rcu einen einjährigen Saffenftillüant, 
berief bie englifa>en Gruppen beim unb bie Äaibolifen 
bewilligten ibm 30,000 pfunb Subftticn; 10 92egi 
menl« würben ibm verfproeben. Dfefer Pertrag erregte in 
Gnglanb ben bodjfta» Unwillen. Äarl fonnte fid) feinem 
prrirftantifd)cn Polfe gegenüber nidjt mit ben irifd>ru 
ÜSebellen vereinigen unb Duriie itirem leilenben Satbe 
beT Pierunbjwanjig fein . ;na,efränbnit) voOer 9teligion< 
freibeit madjen; bie ibm au« 3rlanb ju Jpülfe eilentrn 9te- 
gimenter waren protrftantifd)e. Piontroje würbe ©eneral« 
lieutenant aller föniglid)en Stieitfräfle in Sdjottlant. 
Äarl war auger fid) über bie fede Haltung be« Parlii< 
ment« in Seflminfter unb wollte e« burd) eine pro(Ia< 
mation au«einanberrreiben , fknb aber auf ben ein« 
mütbigen CHnfprucb feiner Ptinificr bavon ab. So febr 
aud) Äarl anfana« wiberfrrtble, erflärtc er fd)!ic§lid> tu 
Parlament in Seflminfier für nidjt mebr frei, berief 
22. Dec. aDe au« bemfelben Perfagten ober ©rflüdiieten 
nad) Orfcro, unb balb verfammrlten fid) bier 45 »JcrW 
unb 118 gommoner«, wdbrenb ba« Parlament ju 9B(fi 
minfter in Pvm feinen gröpten Porfdmpfet ju ©rabe 



Digitized by Google 



KARL L (KÖN. V. ENGLAND ü. S. W.) — 



115 



KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



trag. «m 22. 3an. 1644 eröffnete Start bie Sibungen 
te« ejrforber Parlament«. XXtffrCb« batte von Beginn 
feinen (Slauhrn an fid) unt» fanb feinen im Äridj* ; ba« 
|U Sffieftmfnfter hingegen mit fdnrn 22 l'crc«, 280 an« 
wdmben unb 100 in SWiffien befinbtidjen Qommoner« 
brtraajtete tut -int wir vor al« ba« aüdngültige ^arla* 
rofnt unb wie« bie vom offerber angrbabntrn Unter» 
banblungen aurürf. Äarl fanb ba« eflorber i^at lammt 
ruf* nuftlo« unb oerta gte e? fa)on am 16. flpril; er 
begtüdwünfd>te ftd) felbft, ba« „3wltterparlamrnt" log 
}u fdn. SfBdbrrnb beibe jpauptbeere untbdttg waren, er- 
fochten parfautentarifcbe Raufen in verfdjiebenen Xbdlen 
(5: folge über bie Äöniglidien. t'U« 8u«fd)ufi beiDer Stritte 
befap dn Statt: au« lieben 8orb«, ninjebn ©rmdnen 
unb vier fd)ottifa>en Sommiffdren faft unumfdjrdnftr 
TOad)t über ben Ärieg, übet bie Begebungen ber ftng< 
Idnber unb Sd)otten, über bie ßorrei'ponbenj mit bem 
«uöfanbe n. f. n>. Bon ben fünf £eeren be« gangen 
Parlament«, bie über 50,000 Wann ftarf waren, würben 
ba« fa>ottifd>e unb bie von gaitfaj unb (fifej auf Äoften 
peff Slaat«fd)a&e«, bie von SBalJer unb Wandjeftet bura) 
wöd>entlid)e Steuern in einjelnen Ärafidjaften unterhalb 
len. 3n Offorb berrfa)te grofie Unruhe, befenbrr« al« 
ftd) ba« ®rrücbt von rem «niugc ber Jpeere liffff'« 
unb SBaQer'« »erbreitete. Die einer (Sntbinbung nabe 
.Königin eilte «pril 1644 nad) (Spetrr unb faf) ibren 
®einabl nie »tet>er. 

Der «u«fdiu& beibet SReidie befcblofi, Offorb, Dorf 
unb bie bortigen $errr unter Äarl unb 8orb Stewcaftle 
anzugreifen; iynbe SWai mar Offorb faft eingefd)loffen. 
3m ganjrn fonnte Äarl (Sjfat uub Salier faum 10.000 
Wann im Selbe entgegenftellen. 3m üaube bieö e«, Staxi 
fd gefangen; felbft feine Umgebung nahm bie« al« un< 
rermeiblia>en 9u«gang an unb mtb ibm, ftd) lieber mit 
(Jffef ,ui dnigen; Äarl »erftdjerte aber, Gffrf werbe ibn 
Ttldjt lebenb gefangennehmen. 6r liefj ben -Öerjog von 
?)orf mit bem £ofe jurütf unb jog mit bem ^rinjen von 
SBale« unb bem yrifttn Jbrile feine« £>eer« jwiftben 
briben feinblid)en {teeren am 3. Juni Ijinburd); nur 
reinig verfolgt, fam er am 6. 3»"l IlJ * Sortelter. Die 
Belagerung Offorb« war nun jrcerflo«, Qrffef rüdte nad) 
ben roeftlidjfn ®raffd)aftrn vor, unb Äarl (ehrte wieber 
nad) Opforb um; er bad)te an dnen ^anbftreid) auf 
Sonbon, wo genug rovaliftifd>e Svmpatbten feien, fa)lug 
SÖaller am 29. 3uni bd (Sroprabo, bod> fonnie er feinen 
2ßrg nad) ?onbon nid)t fortfrurn, fonbern ging nad) 
(5ve«bam. (gffej batte bie »Jlopaliften aur »ufbebuug ber 
Belagerung von ?vme uub ^l^mout^ gen6ib,igt, aber 
in Sornroalli« au«gefprod)enften Sitbcrftatib gefunben. 
Äarl befdjlofj, ibm auf ben 8eib tu rüden. SJerftdrft 
burd) ^Ofaljgraf Wori( unb ^orb h pton, erfd)ien er mit 
anfebn(id)eT Uebermad)t in @ffr; « Stücfen. Die iV- 
völferung erbob ftd) allerorten gegen ben trafen, e« ge< 
braa> ib'm an 8eben«milteln uub ®e(b, ba« Parlament 
lie# ibn ofjne ^ülfe. Sr jog fid) t>or Äarl nad> ?eft« 
witf)id »urütf, Äarl lieg ibm im Gmperftdnbniffe mit 
feinen Offisieren «nerbietunaen |u einer ^erfldnbigung 
niadjen, (tffej wie« fte neu fia>, rielf) Äarl jur »Äüdfefjr 



jum Parlament, wollte aber feine offene gelbftf)tad)t 
wagen unb entwid), in %ov blofirt, mit feinen rornebmften 
Begleitern im Sluauft auf einem Soete nao> $(Qmoutb.; 
feine Reiterei brad) ftd) burd) bie f6niglid)en Xruppen 
Babn, fdn gu^oolf capitulirie, ©e'diüp unb Soffen 
fielen in Äarl'« ©ewalt, 1. Sept. ®anj anber« war 
ber «erlauf be« gdbjug« im »orben. (Snbe gebruar 1644 
überfdjritten bie 6d?otten unter ®raf geben bie Ipne, 
unb vereinigten fid) erft, al« 8orb Wewcaftle infolge ber 
Wtrberiagc eine« föniglfd)en $etri)aufen« in 6db» «um 
Vlbjugr nad) $)orf gejwungen worben, am 20. Vfprü bei 
Zobeefter mit ben $arlament«truppen unter gairfa; Sater 
unb Sot)n; unter bem Befehle Sorb Wandiefter'« er« 
fdtien dn britte« ^damenttfbeer unb alle brd Armeen 
begannen am 16. 3uni mit bem Sturm auf Dorf, von 
befien (frbaltung Äarl'« Sadje im Horben abging. Äarl 
rief feinen Weffen JRupred)t jum dntfabe von 2)orf ber» 
bei, 3iupred)t fam mit faft 20,000 Wann au« gaiiraff)ire 
unb Jon ohne Äampf in 3)orf al« Befreier ein. Knftatt 
nun einen entfdxibenben Äampf ju vermdben, hu-:: fidb 
ber bifcigr 9iupred)t für ftarf genug, ihn ju wagen, unb 
erlitt burd) Qromwetl'« Sd)wabronrn bie blutige 9tieber« 
läge von Warfton * Woor am 2. Juli. 9tewcajtle fd)iffte 
fid) nad) Hamburg ein, dtupreebt führte bie Stefte bc« 
gefdjlagenen {>eere« nad) Sancafbire, am 16. 3uli capi* 
tulirte Dorf unb 9)orbrng(anb war für bie ro»alijrifd)e 
Sad>e verloren. Da fid) ba« ^ariament ftarf jdgte, 
fanbte Äarl wieber eine griebfn«botfd)aft; vergeben« fud)te 
er ^'bntbutb, fivme unb $ort«moutl) jur Uebergabe ju 
bringen, erfuhr hingegen, ba§ Wonrrofe in Scbottlanb 
Steg um Sieg erdnge. Äarl }og wieber gegen Sonbon, 
forberte in einer ^rorlamation ben Sübcn unb Often jum 
ftnfcfrluffe an feine Sadje auf, frtrfi aber am 27. Ort. 
bd SVewburp auf Wandbefier, mu^te nad) btyigem Äampfe 
bem Itlane auf ?onbon entfagen, entfepte Donnington 
unb bejog am 30. Ott. in Oxforb Winterquartier. Sr 
unb bie Seinen hatten ben Wutb nid)t verloren unb 
mit ^od)gefüt)l faben fte auf bie immer wacfjfenbe Späh 
tung jwifdjen ben $re«b»tcrianern unb 3nbepenbenten. 
Die Sdjotten gewannen in (Snglanb unbegrenzten @in« 
f!:iH, ihre Stimme entfd)ieb im flu«fd)uffe beiber 9ieidjr. 
Seit nad)brütf(ia>er al« bie $re«bvtrrianer bidten bie 
3nbepenbenten bie Autonomie rdigiöfer Bereinigung unb 
ihrr Unubl)dngigfeit vom Staate feft; fte wollten um 
jeben *|Jrei« bie Bernidjtung be« bifd)6flid)en Svftem«. 
$11« fein ^auptvertreter batte immer ber L f rjbifdjof 8aub 
gegolten. Seit vier 3abren im Äerfer, alt unb franf, 
follte eT jebt al« Opfer faden, ffiie Strafforb würbe er 
burd) eine Bill of atuinder be« Unlerbaufe« am 11. 9fov. 
verurtt)d(t, nur fteben Vorb« genehmigten ba« Urtbdl, 
Äarl würbe gar nirbt befragt unb am 10. 3att- 1645 
fiel Saub'« .jpaupt; vier IHnbdnger be« Ä6nia« traf ba« 
gleid)e ?o*. Sdjon am 3. 3an. würbe bie «iturgie ber 
Wngltfanifdjrn Äird)e abgefd>afft. 3nbeffen bie ©efanbten 
granfreid)« unb ^ollanb« jmffd)en Cfforb unb gonbon 
bin unb her rdfirn, um für eine Bermittelung }u wirfen, 
regte ftd) in (Snglanb grofje gdeben«feb,nfud)t unb ein 
«u«fdtu0 arbeitete 9Jorfd)ldge jum grieben au«, «adjbem 

16« 



KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 116 — KARL L (KÖN. V. ENGLAND ü. S. W.) 



ff» vom tyaxlammlt angenommtn worben, reifien (fom< 
miffdre bamit am 20. «Rov. }u Sari. 9?od> faenger alt 
früher forterlen bie 9Borfd)ldge bif Einführung be« pxtt> 
bptrrianifcben Sirtbrnfpftem« unter Annahme Pt« (jovt* 
naat, ba« IHti't btr Wiliria, bif Uebcmagung Pf« ©f 
ffi)l« übte tu 8anb» unb geemadjt an« varlamrnt nnb 
tu- Erneuerung be« Sriegfl mit brn Jm: 9?abm Sari 
biefe Anträgt an, fo tcttt fr auf, Sönig ju fein, aber 
er Ucp üi verlogen auf Unlerbanblungen (in, um ben 
SBorwurf, fr welle fdneu grieben, von üdi ju fdiieben 
unb tri btr Di«cuffton ber Artiftl ibrt Unau«fübrbarfrit 
grell mi bcltuefittn. Um 2. 9?ov. empfing tr in Crferb 
bit (Sommifidrr , wir« ibrt Sittt, na* Sonbon «um 
^Parlamente itirürf'ufebren , ab unb «ntlic# fic. Durd) 
bm £erjog von 9iid)monb unb brn ©raftn von cout-- 
bampton trug rr bingrgrn bei rem ^arlamrntr in Von 
ton auf Trennung vrn (Jonfrrrnjen an; ba« Parlament 
nabm tit grage in frinr Jnioub unb befummle Urbribgt 
»um Sonferenjcrte. gnirfar wurbt um bifff 3«t com* 
manbirenber ©tntral bfr ju finem $crtf vereinigt™ 
$arlament«fruppen unb ßromwell balb bit Stele feiner 
Operationen. 

Am 29. 3an. 1645 traffn bif beiberfefriaen «otn» 
miffärt in Urbribge tin, balb fu-u te fid> bit Ünmöglid)» 
ftit tintt Vereinbarung beraub ba« $ar(ament woUte 
auf immrr Sird)t unb Staat feiner Autorität unter» 
rotrftn, Sari aber fid) bureb momrntant Goncrffienen bit 
SRögliefcfett vrrfdjafftn, bit alte ©ewalt btr Sront fpätcr 
wieber ui erneuern; ba« 9Ri«trauen gtgrn Sari, trn 
grtunb btr 3ren, rrgtt ftd> mdd)tig, er aber fpann nrur 
3nirigutn gtgtn ff int SBiberfadjer, unb al« Wcmtrofr 
ibm ftintn grofjtn Sitg übtr bit Sd)otttn unter Argplr 
bei 3nverled>» mtlbftt, nabm fr fbtn gtmad)te tjonteffto« 
nnt jurücf. Cbne jebe« (Srgcbnift fnbtltn am 22. gebr. 
bif Gonfttfnjtn von Urbribgt. 

Sari glaubte iv tcoer in btn »Uellbrfi& ber ©ewalt ju 
fommtn, wollte bann alle Strafgcfebe gegen bie Satbf 
lifen aufheben, bit Sifdjöft treu lief) hegen unb fid) von 
btm rerbaftten Parlamente befreien ; aud> boffte tr im 
gtlbt neue Siege ju erringen, um fo nicbr, al« er Rein« 
reu gegenüber, an btnen Strafforb'« unb 8aub"« Blut 
flfbtt, feine Sacbe für eine von ®ott begiinftigte bielt. 
Drn 3«n madjtt tr tinftwtiligt 3ngefiinbniffe unb teaV 
nttt auf ibrt #ülft, inbtfftn TOontroft übrr bit ttovtnan» 
irr« in Stbottlanb Sieg auf Sieg erfoebt unb ibm .fpülfe 
nad) «inglanb ju bringen vtrfprad). Auf Bitten btr roeft« 
licbtn Wraffdjaflen (iornwalli«, Devonfbire, Somtrftt 
unb Dorfrt fanbtt er btn noeb niebt funfitbnjäbrigcn 
prinjrn von 9Ba(e« al« ©cneraliffimu« , um unter ber 
Leitung tinigrr @»ebeimrätbe bif OJrferräfte ju führen unP 
ein <^)ttr ju fammtln; am 4. SÄärj 164Ö fetteten Sater 
unb Sobn auf ttotg vontinanbrr. Ter ^Krjog von 
:.'!eif blitb in Dxfotb; Sari frlbft tvodtt in btn mitt* 
leren ©raffdjaften SttUung ntbmtn unb von ba nad} 
Worbtn obtr Ofitn vorbringtn. «m 7. 5Rai verlitfi Sari 
Oiforb, vtrbanb fieb mit btm ^faljgraftn »upttebt unb 
eilte nad) SorPtu. gairfar rotirbf mit (SronuvtlZ jur 
iBflagtrung Crforb« tntfanbt. Sarf rüfftt, von grfoig 



bfgifittt, vor, entfejtt (Ibffltr, «jfnbttt fid) nad) bto 
vrrbünbfttn <8raffd)aften be« Cftrn«, btm eigentlicfcen 
Stü^punftt bt« $arlamtnt«, erftüimte ba« rtid>t ?eicefin 
unb fd)(op Zaunton ein. Qat Parlament traf 9n< 
ftalten jur Srrßdrhtag, gairfar mufte bit Stlagtrung 
Crforb« aufbtbrn unb btm Jtönigr in« offrnt grlP tnt> 
gtgtnrüdrn. Der ^of in Crforb fltbtt Sari um ^ülft 
an, rr gab ftinrn 3 u g liadl Horben unb Cfien auf, 
rüdftc langfam Crforp <u, fab fid) gejnuugen, Ptm übn' 
(egentn »«"bt »nttt gairfaf unb ßromtwü entgegen« 
jutreten unb bit Scfclacbt bei 9taftbv ging am 14. 3um 
für Sari vtrlortn; Sari jtiglt in biefer feiner It^trn 
Sd)lad)t bit grdfitt Unerfd)rodrnbtit, mii^tt aber mit 
btm v Xc'ir feint« .yeeu? einen flud)täbnlid)en ';>tfuf*a : 
nad) ^eicefier antreten. Unter ber ®rutr, bit oem $ar> 
lamtnt<*beere jufiel, befanb fid) au$rr ber eigenen Stanb< 
artr Sari'« tin ibril feiner üßapierr. Ü>a« {tauptberr 
Sari'« mar vernidiiet, tr aber gab ftint Sad)t nidii De: 
lorrn, tvrnbrtt fid) uad) Srften, boffte auf bie Silbung 
tiner «rmet in Salt« unb lieft ftd? auf Sdjloft !RagIanb 
vom üKarquifl von ffiorrefteT, bem rricbften @ropen fing* 
lanb«, ftiern; al« ^paupt btr fatbolifdjtn *partri mar er 
Sari für feint 3ntrigutn »iebtig. «ber ba« trefflid) bi«- 
ciplinirte $ttr gairfar*« fam im 3uli nad) btm SBcften 
unb feblug ben toniglicten (Zentral @oring bti £angpon 
vtrnicbttnP; anbtrt Xrupptn Sari'« unter ©rttnville 
rourben rafd) jerfprrngt, eine geftung nad) btr anbern 
fiel unP ba« Qhtißtben einer neuen fönigliaVn Sirmet in 
Sübwalt« rourbr jtitig gehemmt. Sari verlieft nuu 2äaU« 
unb eilte nad) S)orffbirr, moOtt ju Wontreft ftoften, 
log ftatl reuen unbebtlligt bura> fem 9ttid>, u>arf einige 
feinb(td)e Abtbeilungen unb fam mit 1500 Leitern am 
29. Aug. in Crforb an. 

2>tt bei «afebp erbtuteten föniglidjen «ßapitre waren 
von gairfar unrröffnet an ba« Unterbau« rmgefdjicft 
roorben unb bie« forbtrtr allt Sürgtr auf, in (Builbball 
ju erfd)tintn ; jtber fonntt fid) übtr bit ©tftnnungtn be« 
Sönig« belehren, tit $apitTf zeigten evibent, Paft Sari 
in feiner Hauptfrage nacbjugeben grfonnrn, in feintn 
Augtn fein 3»gefidnbnift vtrbinclid) fri, obglrid) er 
lauienbmal ba« @)egentbtil bttbtutrt hatte; e« lag fcbmari 
auf weift vor Augen, baft btr groftt 3ntriguant aflt 
gürjltn bt« Gontintnt« um SritgSbülft gegen feine 
Uniertbanen angtruftn \)abt; aud) trfab mau, baft Sari, 
btr btibtn ^dufem bei ben ©erbanblungen ju Uxbribge 
btn 9iamtn „^arlamtnl" jugtftanben batte, einen förm< 
licbtn <Urotrft gegen biefe Qionceffion in bie -Hegiftcr be« 
®taat«ratb« ju Orforb eingerüeft batte; btutlid) erbrUte, 
baft er ben Satbolifrn ndbtr treten unb brn morb« 
beftetften 3ren 3nbtmnitdt jugtftebtn wollt. Da« $ar< 
lamtnt gab bit Sritft al« „Die geöffnete $rieftafd)e pr« 
Sönig« im Drucf brrau«. Der fönig(id)t 9tuf nlitt 
tint unbtilbare Siiebcrtagt; bit gritbtndfrtunbe muftten 
vtrftummtn, Penn Sari ftanb al« entlarvter ¥ügntr ba. 
Der ȟrgtrfritg nabm tintn fdjrofffrtn Cbarafttr an; 
bit 3!ruppcnau«bcbungen gingen rafd) voran; ohne »ücf 
ftd)t auf ba« Stbitffal ber gamilien wurcen bie ®üter 
ber „6taatflperbrra)tr" conft«rirt unb verfauft; ben 3ren 



Digitized by Google 



KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. 8. W.) - 117 - KARL 1. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



im föniglicben $eete burfte fein garten mehr gegeben 
werten, ju $unbetlen würben fir, Süden an Süden 
gebunben, rrfc^offen ober ertrdnft. SBie bie fem Prinjen 
von 5ßa(eö beigrgebenen («cbumräibt unb frieblid) ge« 
nnuten Parlament«mitgliebet trofcbem an eine Permitte« 
lung baebten, fo traten bie Singefeffcnen ber ©raffebaftrn, 
bie Glubmcn, jufammen, um ©ewalttbaten ber .König- 
lieben unb ber parlamcmfltruppcn }U begegnen, unb for« 
betten SBirbetbeginn von grieben«cinlrftungen. 3bre ©e» 
finnung wat gemäßigt rooaliftifü) , Prinj Suprrtbt von 
Per Pfalj trat in Eerbinbung mit ihnen; von Jtarl nad) 
SBrifiol entfanbt, rirlt) er feinem Obfim, lieber einige« 
jti retten al« alle« ju verlieren. Jtarl fannte am bellen 
bat Perjmeifelte fetner Sage, febon im «ugufl fpracb er 
von ber gludjt be« Printen von SBale« nad) granf reich 
al« SKöglicbfeit, vrrboppelte aber feine (Energie unb war 
fefl entfcploffen, feinen Schritt von feiner Jtönig«ebre ju 
weichen, feine Jtircbc, feine ererbte Jtroue unb feine 
greunbe ju oerlt^iDigen ; „alfl ©brift" wie« et Suprecbt'« 
Satbfcbläge lurtid, benn ©otl fönne nidjt ben Sieg ber 
ungerechten Sache woüen, freilich fei anjunebmen, bafj 
er ftlbft mit feinen »nbdngcrn bafür fterben müffe, aber 
©Ott werbe iijr Sdcbet fein. Seue Siege 9J?ontrolYfl 
in Sdwttlanb fcbwrllten Jtarl'« Jj>rrj; er verlieft im 
September Oxforb, um bem fajottifmen £eere ju begeg* 
nen, erfuhr aber auf Scblof) Saglanb ju feinem drnt« 
fefcen, bafi Suprecbt tto& feine« SBort« Kriftel faft ohne 
SBibtrfianb überliefert b,atte. $ic« bebeutete ben Unter« 

Sang von Jtarl'« Sache im ©eften. Jtarl war aufier 
d> ( ba§ fein Scffe jum Perrdtber an ihm gewotben, 
entfleibete ihn feiner Meintet unb befahl ihm, nach bem 
eminent jurüdjufebren ; Unglüd auf Unglücf traf 
ben Jtönig, et wufte nicht, roa« beginnen. (Jnblicb be- 
fchlvi et, ftd) ju Pcontrofe nad} feine« Jjaufe« ffiiege 
iu wenben; et jog Outd) bie ©ebitge von Kaie«, etwa 
5000 Wann waren bei ihm. Jtonnte er bie (Eroberung 
6 heftet« vethü^n, fo etlaaen hingegen feine Xrupprn im 
offenen gelbe benen be« Parlament« unb er mufile nach 
S3ale« fliehen; Pcontrofe erlitt am 13. Sept. burd) Sefj« 
lt\) bie Sieberlage von Philip* $augb unb itrte geächtet 
von Crt }u Ott. Obgleich ihm feine Umgebung rirlt», 
nach ©orcefter tu gehen, entfdjieb ftd) Jtarl auf £igbe'« 
9tait> für Sewarf. Eigbp fcfrte feinen 3ug fort, würbe 
bei Sberburne jerfprengt. Jtarl'« gange« #eer be« 
ftanb in Sewarf au« 300— 400 »eitern, Suprecbt 
erfebien l:tcr trofc oder (Gegenbefehle vor ihm, rechtfertigte 
ftch unb machte ihm bie wibrigfien Auftritte. Xa Par« 
lament«trupprn ihn einjufcblieBen brohten, .muftle Jtarl 
Sewarf in ber Sacht be« 3. Sov. vtrlaffen unb mit 
400— 500 Seitern nach Oxforb junidfebren. 8u« ben 
in Saglanb-gafile eifrig betriebenen 33erhantilungen Jtarl'« 
mit bem Sohne be« SRarquf« von SBorteftrr, Orafen 
von @(amorgan, war ohne Sßifjfn ber föniglichen Sctthe 
unb be« Statthalter« in 3t(anb, TOarqui« von Ormonb, 
ein eigrnthümlicber $act hetvorgeaangen ; burch ®(amor' 
aan'« J^änbe ging auch ber Sriefwechfel Jtarl'0 mit bem 
iüngft m 3r(anb angefommenen Suntiu« Sinuccini unb 
bem ?}apft 3nnecenj X. Durch einen nur von Jtarl unb 



Qlamorgan gefannten unb von Jtarl am 20. Hua. eigen« 
hctnblg unterjeiebneten Sertrag war bem (Srafen von 
Jtarl SBoUmacbt ettheill worbrn, ben 3ren aQt« ju be« 
willigen, wa« et nöthig erachte, um ihre bewaffnete 
Unter|iü$ung ju erlangen, unb Jtarl hatte fich verbinb« 
lid) gemacht, alle wenn auch gefeewibrigen ffonceffionen 
tu beftdtigen; nur follte bet ganje Settrag bi« }U bem 
3eitpunfte, ba er alle« offenbaren fdnne, ©eheimni» 
bleiben, tiefem $ünbniffe mit ben 3ten jufolge fotlten 
10,000 TOonn untrt ©lamorgan injShefier ianben, alle 
peinlichen ®efe$e gegen bie Jtathelifen abgefchafft, ibrem 
«ultu« greiheit gewahrt unb ibr Stecht auf bie von ihnen 
weggenommenen Jtirajen unb Sänberrien anerfannt wer« 
ben; ©lamorgan brang unabläfftg auf ben Solliitg be« 
ffiertrag«. 

Tic parlameniarifcfce ürmee errang Sieg auf Sieg, 
nahm iu fünf SRr-naten fünfzehn wichtige ^iä(>e, unter> 
brüdte bie Slubmrn unb nur in Devonfhire unb (Jörn« 
walli« hielten ftd) noch föniglicbe ©enerale; biefe aber, 
befonber« ©oring unb ©teenville, lagen in fietem 3wifte 
mit ben ©eheimrdthen be« ^rinien von SBale«. Sur 8orb 
Jjopton führte bie Iruppen im Sinverftdnbniffe mu ben 
Sdthen be« $rin)rn, aber gairfax fdjlug ihn am 16. gebt. 
1646 bei Zorrington, wotauf er in Somwadi« ein« 
räche; bie noch um $opton verfammrlten Srigaben 
ftredten vor gairfax am 14. BRdrg bie Staffen unb 3000 
SSann unter Sorb $ift(ev würben bei Stow jerfprengt; 
bie legten von So^aliften gehaltenen Schlöffet tapitu« 
litten unb bie parlamentarifche «rmee wanbte ftch gegen 
Oxforb, um Jtarl gefangen ju nehmen. 3n bem Bürger» 
friege war Jtarl voüftdnbig untetlegen. Jtarl fah bie 
üinge mit ben trübften «ugen an unb bevollmdchtigle 
(Snbe 1645 feinen 2b«>nerbrn jum *üermittler jmifd)en 
ihm unb bem Parlamente; leetere« bezeigte feine griebeu«» 
neigung, unb al« ber $rinj erflärte, ber Jtönig woOe 
felbfl in Üonbon Unterhanblungen beginnen, tvürbigtt e« 
ihn feinet »ntnott. S« war um fo empörter gegen 
Jtarl, al« ihm eine abfdjrift be« Sertrag« ©lamorgan'« 
mit ben 3ten (f. oben) in bie $dnbe gefallen war. Jtarl 
war in hoben» ©tabe befiürjt, bie Sation würbe neuer» 
bing« an ihm irre. Obgleich ber Statthalter von 3t(anb 
©lamorgan verhaften ttefj unb Jtarl ihn in offttirDeR 
©riefen für unbefugt erfldrte, heu fid) niemanb tdufa>en, 
Jtarl'« Setlogeuheit tvar ju befannt. 

Jtarl trat je^t mit ben in ber %rmee übcrwfegenben 
unb im Parlamente fiarf vertretenen 3nbepenbenten tro$ 
ihre« unbefiriltenen ISntirovalidmu« in geheime Sejie« 
bungen; fein Staat«fecretdr mu^te an JSenrv Sane im 
SRdrj 1646 fchrriben, er folle e« ermöglichen, ba£ Jtarl 
perfönlich in Bonbon mit bem Parlamente unterhanbeln 
fönne, unb qleichjeilig verfprechen, fall« ba« Parlament 
bie £errfd)aft bet pte«bptnianifchen Jtitche vetlange, 
wütben fid) bie Sopalifien mit ben 3nbepenbenten vet« 
einigen, um fte au« bem Seiche ju verbannen; balb 
batauf fchrirb Jtatl felbft an Pane. fluch erbot er fich 
in einet ®otfd)aft an ba« Parlament, feine Xruppen ju 
entlaffen, ben SJefebl übet bie Jtrieg«mad)t unb bie 
Ernennung ju ben höchjten Staat«dmtern bem Paria 



U.S.W.) 



t ;im»ia m tbe «piü erMuftc, 
in dir* ]m isiqn tat 
m i'iu. 'Süfe ibcr ttHo^ ict 

• wfttff j^^lS 1l?l?f U, 

■■t Yttbro •üitttt. £j* 



♦ 



.rrtft 'V^t U. 1 ttUtfX -tt0C" ?BfiR ! 

^ frwt cmftr mfier * 

*e .c* -,-.t -«o "teraafc n 

>.. . -w :itfias* 'iitnt, *oiws. - 

n. "i Canw a» :m -w 
-wih- 1 '» ^ tttoracnnts •ac 





ized by Google 



KARL L (KON. V. ENGLAND U. S. W.) — 



119 - KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. 8. W.) 



rein Parlamente belieb« ; tiefe gorbnrungen tiefen jrber 
UJonard, if (djnurfitacf ß entgegen, pendelte SKari« warnt« 
ihren ©emabj cor ber geforbrrteu ttnnabme be« Com« 
nant unb legi« bat ijauctgewi*! auf bie ©ebauptung 
brr £ea««geroali. Der alte Serrrautc Jtad'«, fyamiU 
um, ber na* langem Jjaber wieDerfatn, beftanb auf 
5Ra*giebigf«it in ber 9teligion«frage, aber Jtad war 
bierin am fefieften, natym bie «2oif*läge an, wel*e bie 
Seprefjion Per Papifleu betrafen, woüle in 9iürfft*t auf 
Jtrieg unb Religion in 3danb bem Parlamente ©enug» 
tbuung geben, rerfprad) bei Der eoentuetlm 93ef*ränfung 
tri allgemeinen fttnneftte fo weit ju geben, als ibm (Jbr« 
unb ®cre*tigf«it erlaubten, erbet fi*, ba« 9te*t ber 
JRilitia ju 8anb unb See auf ;clm Jahr*- in ben 
ben b«« Parlament« tu laffen unb bat pr««bpt<rianif*« 
Jtir*enregiment mit allen gormen unb brr bef*loffenen 
Orbnung be« Jtir*«nbl«nfle« auf brei 3abre ju bejtäli« 
gen. ©eine ©emablin ma*te ibm berbe SSormürfe, bafj 
er ruß IRecbt ber SWilitia iu gering angefangen babe 
unb ni*t lieber auf bem rrügiöfen Irrrain nadmiebiger 
gewefen fei; er aber mied ibr na*, bafi fein Unglürf 
Die 3ücbtigung für bie bei Strafforb'« Jjinri*tuug unb 
Dem <lu«f*lutfe ber «8if*öfe au« bem Oberbaufe bewie« 
fene S*wä*e fei. Seinen Plan, ju ©unjien feine« 
ßrflgeborentn abjubanfen, ber ja r>iedd*t »on feinem 
Kewifien niebt gebinberl mürbe, ben Stielten gröprrc 
Coneefftoncn m ma*«n, mißbilligten biefer felbft, Di« Jfö» 
nigin unb SRajarin, jumal fie befür*trlen, bie Kepublif 
werbe, fobalb Jtarl abbidre, in (Snglanb, S*ottlanD unb 
3do.nr rrflätt »erben. SRontrreuil ging nun na 4- S*ett» 
laab, fteüt« offene Partrinabm« granfret*« für Jtarl in 
ilu«f<*t, verbiejj grefe «Belohnung für alle an feiner 
Äeftituirung üb<tlnebm«nD«n, unb jjamilton'6 Partei 
erflärte fi* bereit, für Jtarl ju fämpfen, »erft*me aber, 
ebne Untrrf*rift be« Govenant feinerfrit« fei ni*t« au«» 
juri*trn; ebenfo äußerte ji* bie SRittelparlri in S*ott» 
lanb. Daß f*oiti|'*« «Parlament bcf*lep, auf Jtarl'ß 
(Einwilligung in allen Proportionen ]u bebarren, unb 
falle er fie vermeigere, bie «Jiegierung ol::u- ibn ju orb< 
nen, unb bie ©«nfrawerfammlung beß preßbpterianif*rn 
Jtleru« ipra* in gleifym ®eifte. : 3 o f*lug au* biefe 
Unterbanblung fem unb ein Perfu* SeBierre'ß, Jtarl 
Cie glu*t na* 3danb ober bem f*ottif*rn Jjo*lanb« 
ju trmögli*«n, führte ju ni*t«. ©Rotten unb ßnglanber 
näherten ft* einunber, unb erftcre geftanben ju, bap 
Jtail funftig in «nglif*em ®e»abdam gebalten »erben 
l'ofle. Um bie Differenzen j»ifd)en (fnglanb unb ©djott' 
lanb aue brr Seit ju fajaffen, midigten bie (Sngldnbrr 
e», ben €<botten 400,000 «Pf. Steil, ju jahlen, bie 
Schotten aber ISnglanb im 3anuar 1647 ju «edaffen. 
In Jtöntg feile na* J^olmbp, einem 6*(of in 9tortbamp> 
tonfbire, gefübrt »erben unb biei bleiben, biß er bie 
'Prcpriliiimen annehme, aber bie 'Uerfaffung Eeß £Rei*ß 
foOe mit geinbert unb bie grbfolge ni*t beeintrd*tigt 
werben. 3« »ib«rw4rtiger SQJeife waren baß ®elbgef*äfl 
unb bie «ußlieferung be« 9Honar*en »ereinigt, Jtarl 
würbe »on 6*ottlanb an (fnglanb »erlauft. «m21. 3an. 
1647 rrf)ielten bie 6*otten il)« «rft« 3aWung unb 



wenig« Sagt fpdt«r langten brri Serbe unb f«*e @«' 
meine im Kamen teß «nglif*en Parlamente in Kewraftle 
an, um Jtarl ebmbietig in Smpfang ju n«bm«n. Jtad 
lebnte baß Slnrrbidtn trr 5*otten, wenn «r ben Sotx« 
nant untrrjri*n«, fode tr ben @ng(iinbnn nia)t auege 
liefert, fonbrrn na* tBrrwief gebra*t nxrben, runbwrg 
ab. 3la*bem bae f*ottif*e «Parlament fein« offtdeüe 
Buftimmung jur «ußlieferung gegeben, (dften englif*« 
Jruppeu am 30. 3an. bir f*otti|*rn in Kewrafil« ab. 
81m 3. gebr. jog er unter Sebtdung etneß Keiterregimente 
von 9t«wcaftlr w«g unb fam nur langfam pormärt6; bi« 
9Ronar*it hatte ihren 3auber ne* ni*l ganj eingebüßt; 
von jt.m Seilen Drängte fi* bae fBolf ju feiner gebei« 
(igten perfon unb Jlrepffranf« baten um Auflegung 
feiner fiaiib. Slle gairfax bei 9totlingbam Jtarl entgegen« 
fam, ftfeg « ab, filfte Jtarfe Jjanb unb ritt bann in 
ebrfur*ter>oll«m @efprä*e ueben ibm. «m 16. g«br. 
f*loffen fi* bit Ibore »on J^olmbc binter Jtarl; all« 
«Srief« gingen bur* bi« $anb ber Sommiffäre. (Sr fanb, 
er babc nur brn Ort, ni*t Di« ^ag« vrränb«rt. Die 
«Preßbptedaner jubtlten barüber, Jtarl in ibrrn Jpänben 
ju hären, unb troll um j«(t bi« 3nb«penb«nten bffcitigrn; 
üe nie in im, wenn bae eng(if*e Jpeer aufgelöjt würbe, 
erlitt« bamit bi« inbrpenbentii'*e «partd ben Jcbeöftoy; 
in glei*rm @eif)e ba*te bie Qitp, ale fie in aOer S*nr(l« 
bie Ünleibe {ei*nete, um bae f*ottif*< Jpeer abutlctjuen. 
Hu* fatnen auß aUen Ibdlen befl ganbee Petitionen 
gegen längern Drud bur* ein ftebenbeß Jj>eer ein, unb 
Die «Parlameutßbcl*(üffe atbmetrn benfeltxn @cif). Die 
@emä§igten im «Parlamente ba*t«n, um Unterfhl(ung 
ju ftnbtn, an b«n gefangenen Jtönig, ben man gejwungen 
hatte, preebptedanlf*« @«if)(i*« um n* ju bufbtn, aber 
ni*t jwingen tonnte, ihrcut @ottrßbienjt« an^uwobufn. 
5Bom Jtönig« t)efften fie für ibr« S*dtte bi« Sanrtion 
bee fönigli*en Ramend ju erlangen, au* ? ählten fie auf 
bie 6itp, wo n«b«n oi«l ropali|"tt|*en Elementen ba« 
«Preebpterianertbum bi« Obtrbanb bffaf unb «in«m ?}«r» 
fidnbnfffr mit Jtad geneigt mar; granfrei* unb Jtarl'« 
©ewablin arbeiteten ebentalle hierauf bin. Kur ungtrn 
lies Jtarl ft* auf Unterbanblunaen ein; er wollte «rft 
frei werben unb bann feinem ^Parlamente bewilligen, 
wae er mit (ihre unb ©emiffen ihm fönne, aber er 
wufite au*, ratj bie «Preßbptedaner ibn nur f*wä*en 
wollten. Dae Oberbaue bef*lop, Jtarl fodr na* S*(o§ 
Datlanbe fomnun, bae Unterbau« lief b«nf«lben 9Qunf* 
bur*bliden unb trat mit ben @ommiffärrn, bie Staxl be< 
wa*t«n, in gebeime eorr«fponb«nj. «ber baß Jpeer litt 
ben Jtönig ni*t länger in b«n J^änbtn be« «Parlament«, 
er feilte unt«r feine 3otmä§igfeit geratben. (iin paar 
S*wabronen (SromweD'f*er «Jteiterd famen in ber 9{a*t 
beß 2. 3uni in J^olmbp an, ibr Rührer, ber Kernet 
3opce, erfu*te Staxl, J^olmbp mit ibm ju vrrlaffen, um 
einen neuen «Sürgerfrtrg ,iu oermeiben. Um 3. 3uni ent« 
führt« 3ope« ben Jtönig na* 9tewmarfet unb melbctt 
SromweO, alle« fei gdungtn. gairfar war ungehalten 
über brn $anbftr«i*, von bem er ni*t« gewuft hatte, 
f*idt« Jtad 'I nippe n entgegen, um ibn jurüef na* 
J>lmb» uj bringen, aber Jtarl war ftcfj, bem Drude ber 



KARL I. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) - 120 - KARL L (KÖN. V. ENGLAND Ü.8. W.) 



Pre«böterianer entronnen ju fein unb ging verbdltnifj» 
mdpig gern ju ten 3"? tpenbenten. 3 U Gbiibertlev. be» 
gegnete ibm gairfaj mit feinem (Beneralfiabe, alle auprr 
(5rpmrarti unb 3reton fügten Aarl bie £anb. Aar! war 
In ber ©troatt be« q>ere«. AI« bie Armee vortücfte, 
»agtt bit SRajoritd» im Parlamente fein energifcbe« «in» 
fdjreiten, würbe nachgiebig. Webt fo jahm mar bie 
ditv, mit voller Stdrfe regten fid) bie rotjaliftifcben 'Im- 
beulen; Bürger, üebrlinge, STOilij, Seeleute unP verab* 
fdjiebete Offtjiere verpflichteten fid), .Sari'« !flüa*(rhr nadj 
ttonbon ju forbern, um perfönlid) hier grtePen ju 
((blieben, roeldje Perpfliibrung bie 3nbepenbenten al« 
f>ed)vrrratb bezeichneten, ftarl mürbe unterbefftn vom 
.peere von einer Stobt jur anbem gefdjleppt, ftet* forg« 
fumft bewacht, aber ebrerbietig bebanPett; feine ftaplane 
burften bei ibm functioniren, wa« bie prrebpterianer nie 
aeflattet batien, wieberbott empfing er Pefucbe, er burfte 
Mbit einige Gavaliere unb feine brei jüngeren ftinber 
feben unP litt raeniger unter (leinlicben (Sbieanen. OTit 
einer gemiffen 3 uorr f' t bl mürbe Damaf« behauptet, bie 
3nbepenoentrn mürben Sari unb bie (Splffopafverfaffung 
roicDerberftellen unb eine allgemeine Veteran) einführen, 
unP ftarl bebauptete, er habt pa« SBort Per vornebmfirn 
Offijiere, ba§ man ibm feine ftrone nicht antafie. Da 
man ba« Ahfomnicn mit Pen Schotten nicht brechen wellte, 
ging im Parlamente troj ber inPrpenbentiicbrn Strö» 
mung Per $rfd>lup burd), nocbmal« Die propofttionrn 
von 'HemcaftU ftarl vorzulegen unb ibn ju ibrer An» 
rühme duf)uforPrrn. Xu- 3nbrpent>enten aber fianPen 
mit ftarl in gatu anberfl gefärbten Untrrbanblungen, 
fetbft (froimveU begann fid> ibm ja nflbern, ba er eine 
33erftdnDigung mit Pen eifrigen pre«bvterianern für un» 
ausführbar anfab. Vout Piefen Untrrbanblungen fodte fad 
Parlament nad) OfforP verlegt unb binnen einem Q}lerlrl< 
jähre aufgelöfi merDen, Pie Iruppen ftd) au») Senbon ju» 
rüeftieben unp tfcjre poften Per Stabtmilij überlaffen, 6a« 
«Bie-tbum foüte in feine alten legalen üKecbtc uirütf lehren, 
babei aber vi/Ue <9emiffen«frribeit berrfebrn. ftari wufite, 
Pag er Pie Anträge in Pirfem Umfange unD (Seifte nicht 
anuebmen fönne, aber fie roarrn ibm congenialer als Pie 
ber pre«bvt«.rianer. 3)ei putnrv fpracbrn Grommrll unb 
3reion mit ihm; Qromtvrll forbrrte ibn auf, Vertrauen 
ju begen ; er hielt e« für Pa« Angemeffenfte, bureh einen 
Vertrag mit Sari unP Prm Parlamente Pie eigene 3u* 
fünft iu fiebern; felbft Pen fatbollfcbm »opaliften mie 
Pem papfle gefielen Piefe »BerbanClungen ftarl'e) mit ben 
gübrrrn ber 3nbepenPenten. SBäbreup aber (JromweQ 
au«iief, (vjoti möge feine ©nape ge,ien ibn nad> per Auf« 
ridjtigfrit feine« $rrjend für Pen ftönig brmrffen, unb 
ibn fogar ben betten iRenfmm in ben Prei 9ieid)en 
nannte, neigte fid) Per Popprljüngige Wonard} freunPlid} 
unP friebliebenP, fpann jeood) beimlid) :Ratife , um fid} 
Per Wadjt ber 3npepenPenten tu enmeben. (Fr hoffte 
auf Pie ffiii». ^>ier rüfteie man iuuneriu, bie «rregung 
»urpe ».ur Seibenidiaft. «uf Pie ftunbe hiervon rürfte 
gairfcf*« ^eer am 23. 3uli auf Spnbon Ic«. Unter pem 
SJeiftanDe lumultuirenPer «äffen verlangte Per ©emeinbe» 
raib am 20. 3uli von beipen ^dufern Pee) »Parlament« 



bie 3Btü(fgabe br« Sefept« ber 9}((ij an ben prt«b«r- 
rianifd}rn ÄuSldjug unb bie 3urü(fnabmr br« 5M'd>luffe«, 
monad} bie 9rrpflid)tung ber ditp (f. oben) ^ocb.vrrrarb 
fein Wie; beibc ^dufer famen Bern 9egebren nad) unb 
bie 3uf«<*bfrufung ftarf« würbe befdjloffen. 3m £*ru 

Sdrte e« beftlg, e« flagte «arl ber ^erftbie an, 3reton 
»racb empört mit Ibm; ftarl aber mit« bie flnerbic 
tungen be« a^eere« boffdrtig jurürf. <Sr hoffte aberma« 
auf tie $re«böterianer. 3ejt erlitten biefe eine geroal» 
Hge Schlappe; über frd>iig ftitglieber beider a^dufn, 
barunter fogar einige Pretbpterianrr, unb beibe Spred>rr 
entflohen ber 9$o(f«routb, unp fudyten im Hauptquartiere 
be« ^eere« Sitberheit; GrommeQ unb Rairfaj nahmen 
fid} ibrer an, inbeffen Sonbon jur SBertbeiblgung rüftete 
unb ftarl förmlich einlub; ber treulofe ftönig tnadju; am 
4. «ug. von neuem mit bem $r«re ein 9iünbni$, ta« 
aber feinen SBerth mehr befaf , ba fein «Inerbieten naa) 
bem Siege ber Armee über bie @irp eintraf. 3Rtt errna 
rinbunbertunbvierjehn geflüchteten $ar(ament«mitgfiebern 
rücfte ba« ^eer unter gjiriar vor, bie @emrinbebehörben 
fdjloffen am 3. Aua. eine frteplicbe Abmachung, unb am 
6. Aug. jog Pa« jtegreiche 4peei in Sonbon ein. Der 
Triumph ber inPepenPentifcbcn Armee mar vodfidnbig; 
ftönig, Parlament unP Gito waren in ihrer @rwalt. 
Am 24. Aug. bejog ftarl ba« Schloß ^amptoncourt, 
wo ihn ein gldnjenber 4)ofbalt umgab; vier SRinifter: 
Kichmonb, {>erlforP, Sape lunb Soutf>ampton, trafen bei 
ihm ein, al« fei er von neuem fouverdner ftönig ; unge 
hinbert brfuebte ihn felbfi CrmonP, ber roicfjtigfie gübrer 
ber irifchen $onaliftrn, unb ftarl'« Vertraute gingen ohne 
Unterlaß vom ^ßofe in« Hauptquartier. Jrcton unb 
ffromroell »erfebrten perfonlid; unb burd) «itteWperfonen 
mit ftarl, ber ihre grauen mit auffadenben (ihrenbejeigun' 
gen bei (ich empfing, um SRietrauen im inbepenbenti|a)en 
?ager »achjurufen. 3n ber Armee traten bie extremen 
SiiJuungen immer fdjroffer hervor, bie gemeinen Soibaten 
febufen in ben Agitatoren ein tumultuarifcb'militärifcbt« 
Sonbnparlamrnt unP mdbrenb drommeD'« Stimme im 
ftrieg«ralbe übermog, warf ihm birfer 9iath ber Armee vor, 
er vergeffe bie Sache von $eer unb 9)oif, halte ju ftarl 
unP wolle für feine guten 2)ienfie ®raf ISffej werben, ftarl 
fchien in ber 3 hat nachgiebig; er bot GromwrQ, wenn er 
fein SRann wabe, ben Oberbefehl über $eer unb ©arbe, 
ben ©rafentitel von (Sffef unb ba« qjof'rtbanb , feinem 
Schmiegerfobne 3reton bie Statlt)olterei von 3rlanb, 
ibren greunben groge Portheile an, machte mehr perfön' 
liebe doncefftonen al« an bie Partei unb fuebte fo bie 
gübrer von ihr m (öfen. Die beiben (generale trauten 
ibm babei fo wenig wie er ihnen uub fiepen ihn auf« 
forgfauifie au«fpioniren. 3b" Stellung bem {xere gegen« 
über würbe frbr mi«lich, ber fRatb ber Armee verwarf 
fuqweg eine Uebrreinfunft mit ftarl , bie Agitatoren er- 
liefen Schriften im ©eifte ber IBolf«fouverdnetdt. Dem 
ftönige würbe ein folbatifdje« Pampbiet vorgelegt, 
worin ihm al« bem Urt)eber vielen Plutvrrafefirn« perfön' 
liehe Strafe angeptobt war. Unb je^t plante er wieber 
ein 33ün6ni§ mit Pen Sdjotten, beren Iruppen fich b« 
©renje ndb,erten; gleichjeltig bereiteten englifdje Caviliere 



i^ieu uy vj 



oogle 



KARL L (KÖN. V. ENGLAND ü. S. W.) 



— 121 



— KARL L (KÖN. V. ENGLAND ü. S. W.) 



eine (Erhebung vor. 3nmittrn be« .Kampfe«, bm Crom' 
reell in ftch burcbfocbt, ob er mit ober ohne JYönig fein 
3iel am beften erreichen würbe, melbete ihm rinrr inner 
Spione, in einen Sattel einuendht werbe iu einer be» 
{hnimten Stunbf burd) einen Soten ein ©rief be« .König« 
an feine ®emat)lin weggetragen, um in Dover über 
9Reer ju gehen; ber «rief verrathe Start* wat)te Ab« 
ftd>ten. (Fromwrd unb 3reton vetflelbeten fid) unb nahmen 
ben »rief. ©ntrüftrt lafen ftr, wie Jtarf ftdj rühmte, fte 

51 bupireu, wie er behauptete, ihn umbuf)lten iet*t beibe 
arteien, unb er habe größere 8u|t, r« mit ben fdjottifcben 
prc«bvtrr(anern iu oerfuehen al« mit bem $rcre; über 
feine 3ua,rfidnbniffe bat Äarl feine ©cmahlin fidj nicht 
,;u alten reu, benn fobalb er bie UV acht habe, werbe er 
bie Äerle nicht mit bem £ofenbanbe, fonbern mit einem 
hdnfenen Strirfe aieren. Gromrord unb 3reten waren ent« 
fcbloffen, ben 2Boribrüd)igrn fallen )ti laffen, unb wanbten 
fieb in offener geinbfdjaft von Jtarl ab. .Karl'« (Befangen« 
idjaft wuibe verfdjdrft, feine vertrauteren SRdthe unb 
Agenten mußten abreifen; er fab fid) von ber ®efabr 
bebrobt, von ben Agitatoren fortgefditeppt in werben, 
badjte an bie gl uet t naa) Bonbon, (Sbfnburgh ober öerwid 
unb erfdjraf vor jebem 3«faQe al« einem böfen Omen. 
Den ©ebjnfen, naa) Sd)ottlanb ju fliegen, bae ihn an @ng« 
lanb ausgeliefert hatte unb wo ihm ber (Jovenant aufge» 
brangen werben foüte, verwarf er al«balb, ebenfo ben Plan, 
naa) ber 3nfel 3rrfep ju flüchten; er glaubte, verWItniß« 
mdßig am betten mit ben Offtjirren ber Armee ju gehen, 
unb hoffte, fie würben ihre alten $rrfpred)ungm an ihn 
>vabrmaa)cn. So entfloh er in ftürmffdjrr 9iaa)t am 
ll.Wrw., abftdjtlid) unverfelgt, naa) fcrr 3"fel P3igbt, beren 
Gouverneur ihn a!6 (Sbrrnmann ju behanbeln verfpraa). 
6t mürbe auf Schloß Gari«broofc cbrfura)t«ood behanbett, 
genoß ziemliche Freiheit, greunbe unb Diener befuchten 
ibn. SJod) immer red>nete er auf Unteritüjung burd) bie 
Oberoffijiere unb wollte perfönlid) in Sonbon unterhanbeln. 
Gromrord hingegen hielt e« für feine Äutoritdt geboten, 
fid> mit ben Agitatoren ju verföhnen, unb ber Prei« be« 
•?unre« fonnte nur Aar!'« Untergang fein. Der an ben 
Äath ber Offnere in SBinbfor abgrfanbte SJote Jfarl'«, 
ber fie an ihre $erfprea)ungen erinnern foüte, ©erfelev, 
fanb ben fdltcftcn (Smpfang, würbe an« Parlament ge» 
wiefen, unb erft im Dunfel ber Saa)t entbedte ihm ein 
Cberoffijier, ber jrönig fei nicht ui halten. Auf Aar! 1 * 
«otfdjläge nahmen Parlament unb 6eet, eng alliirt, 
feinerlei SKücfRcht, unb Perfelev rieth Aarl JU fliehen, ju* 
mal feit einigen lagen ein von ber Äönigin gefanbte« 
6a)iff in ber SRdhe von SBigbt rreuje. Den Agitatoren 
gelang et, jeben Jteim eine« Au0gleia)« mit Jfarl ju er« 
niden; al« SBanifcft ber Pereinigung ber Parlament«' 
fuhrer, ber Generale unb ber Agitatoren erlief bat par» 
lament im December vier Artifel in Qeftalt von Sil!« 
unb erfldrte, wenn Aarl fie annehme, fo foQe fein wieber' 
holt grdufierlefl «erlangen nad? perfonlidjer Unterhanb' 
lung mit bem Parlamente bewilligt werben. Der 3nhalt 
ber *iUfl war: 1) bie volle 3tti(itdrautorität unb ber 
Oberbefehl über 8anb< unb Seemadjt feile auf jwanjig 
3ahre an ba0 Parlament überlaffen werben; naa) beren 

«. «lotfl. ». SB. ». Ä. jmtlcCittiai. XXXIII. 



Ablauf riefe 2Rad)rvoDfommenheit nur mit Bewilligung 
be? ^arlamentft von ber Stxont rvieber aufgrübt werben, 
wohl aber vom Parlamente ohne Seiftimmuttg ber jtronr, 
wenn e< bie Sicherheit bed 9tei(h< erheifche; feber von 
beiben ^dufern gefaßte ©efdjluß fei anjufeben, al« habe 
et bie föniglicheSanrtion; 2) ade fönig!ia)en (frfldrungen, 
*Broelamattonen unb Acte, welche beibe £dufer ber Un« 
gefeplidjfeit unb be« Aufruhr« befdjulbigten , müßten 
wiberrufen unb ben Stichlern auf ade 3 ( " f " verboten 
werben, irgenb jemanb wegen feiner $anb(ungen al« 
Parlauient«mitgiieb ju beldftigen; 3) ohne SJeiftimmung 
beiber ^dufer feilte ber Jt6nig feine neuen peer« er« 
nennen unb bie feit feiner Abreife von Bonbon von ihm 
vollzogenen $eer«emennungen foBten null unb nichtig 
erfldrt werben; 4) beibe £dufcr foDteti befugt fein, 
wohin fit, wollten ihren ®ifc ju wrlegen unb wann e« 
ihnen behage, fleh ju vertagen. Diefe maßlofen Stil« 
rooOten bie Unabhängigkeit ber SDtilitdrgeroalt von ber 
Aronr verewigen, ba« Parlament von ber Jtrone utiab' 
hdngig machen unb ben gewaltfamen 3»ftanb mit bem 
Stempel ber @cfrp(icbfcit fanrtioniren; bie ganje Per« 
faffung be« 9leia>« fodte abgednbert unb ba« Parlament 
$errfcher werben. 9?ahm Äarl biefe entehrenben Pro« 
pofitionen an, fo jerriß et mit eigener £anb feinen Jtönig«' 
mar.tel; ber ftolje SKann fühlte bie« beffer al« einer. 
@r Dachte tvieber an bie Schotten, bie natürlich gegen 
bie Uebermacht ber englifdjen Armee unb be« Parlament« 
waren; fte munterten ihn auf, mit ihnen unter weit 
günftigeren ©ebingungen ju cerljanbeln. Aarl fdjloß in 
(lari«broofe mit ben (chottifchen dommiffdren einen Per< 
trag, wonach ihn eine fdjotiifclje Armee reftaurtren folite, 
er aber ba« pre«bvterfanifa>e jtird>enrrgiment in Gnglanb 
auf brei 3at)re beftdtigte, ohne felbft mit feiner Samilie 
bemfelben unterworfen )u fein, unb nach Ablauf ber brei 
3abre unter bem eingeholten (Gutachten ber $h<olcgenr 
verfammlung im Vereine mit bem Parlamente ber Äirdje 
eine befrimmle Perfaffung ju geben verfprad) ; jur Unter* 
Dünung ber fchottifa)rn Armee foQtm alle Kavaliere fing» 
lanb« ben ©äffen greifen, Ormonb ba« Obercommanbo 
über bie rovaliftifd^r Armee in 3e(anb erhalten unb Jlatl 
fofort nad) Perwerfung ber vier 9iQ« bie 3nfe( PJight 
verlaffen, um nad) Perwid ober einem anbern Sdwtt' 
lanb nahen Crte jtt gehen. Aarl verwarf bie vier 3MU« 
unbebingt unb forberte perfönlid>e Unterhanblung. Jfarl 
bad)te an bie glucht; nod) freujte ba« Sdjiff ber Äönigin, 
aber am Abenbe be« 27. Dec. würben alle Ihore be« 
Schlöffe« (Sari«broofc verriegelt, bie 9Bad>en verboppclt 
unb Aarl'« fdmmt(id)r Diener von ber 3nfel entfernt. 
Da« Parlament gab ftd) bie SRienc, al« habe Jt.tr! mit 
ber 3>irüdweifung ber impertinenten vier 9i(l« ba« größte 
«erbrechen begangen ; man fprad) von ÄavI'ö @inf>!'eßung 
in ein englifche« Schloß unb von feinem Procent. Um 
3. 3an. 1648 befdjloß ba« Unterhau«, feine Abreffen xn 
ben Jtenig ju erlaffen, feine ©otfdjaften ober ©riefe J on 
ihm annehmen, unb efl fei £othverrath, ohne Stiaub' 
niß be« Parlament« Schreiben an ihn jt,u richten ob:r 
von ihm ju empfangen. Die Sorb« fchwanften, ob fte 
bem Pcfetjluffe, ber ba« Parlament jum Gebieter machte 

16 



KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) ~ 122 _ KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S.W.) 



unb Jtarl au« feinem Staate nie?, beitreten foDieil, aber 
bie geiflbril überwanb ibr 3<nibcrn unb außer bfn corb« 
SSarwid unb SRandjtfltr pflichteten fte am 15. 3an. bar 
SMQ bei. Hrmre unb Parlament pperirtrn gemeinfam 
gegen ben SRonarcben. 91m 3. 3 a n würbe ba« bisherige 
(lomite beiber Seiche umgeflaltct unb bit fd)cttiid)cn 
«Ritgliebet fielen weg: mit bet börtften Sluteriidt befiel* 
bei , leitete ein Somitf - von 21 „Otanbee«" Staat unb 
^eet. SBalb at>et machte fia? im {Reiche allgemeine Un« 
juftiebenbeit gegen tie beabjid)iigte «eußettaltung be« 
Staat« gellenp, überall bette man von Sierfcbwönmgen 
für Jtarl- Sic ©ranbre« hanbbabten unter bem Por» 
wanbc bet greibeit bie fclbftfücbiigftc 3 rjrannei ; bierburd) 
gewann ber miendjtete föniglitbe 9?ame wieber Poben 
in bet Station, unb in feiner ©raffd'aft fehlte e« an 
Pcrbinbungrn „jur Befreiung be« Jtönig« unb be« 
Parlament«". Pefonber« fanben bie Prrdbgtcrianer bie 
£crrfcbaft bet 3nbrpenbcnten unerträglich, bie £ dielten 
fnitfifcten not Sßulb übet bie Wcfccrlage; Idngft beflagten 
fte, Jtarl jüngft an Gnglanb «erlauft ju baben. Korb 
ÖoOanb erhielt unter bem «Rainen be« Prinjen ton 
äßale« eine PcjtaQung als ©cneral einer Slrmec, bie 
Jtarl au« dem ©rfdngniffe befreien follte; unb ber Prinj 
gab einigen in (Snglanb ferjr angefebenen Ciftjieren große 
föniglidjc Sliifirdgr. Der SiorjalWmu« fd>ien plöfclidj 
allerorten buta)jubttdjrn, Süt-wale« fiel ben 5Roipaliften 
ju, in 3tlanb gewannen fre Srrrain. 3ro& bei covenan« 
tiflifArn Abneigung bet fdjottifdien Jtircbencommiffion 
nabm fid) Scbottlanb toatm Jtarl'« an; Mamillen ge< 
wann bie Cbrrbanb übet «rgvlr, ba« fdwttifcbe Paria* 
ment votirtc am 3. 3R firj bit ©Übung eine« mit ber 5rc> 
cutire bettauten ©efabrau«fcbiitTe<t unb bie Auffüllung 
von 40,000 cc Iba teil, um (Jovenant unb Jtonigtbum 
$u verfechten. Um ben Schotten ba« dinnitfen ju et' 
(eiettetn, übrtrumpelten cangbale unb 3Ru«grave Serwid 
unb (M-.liele; 3Beftmcrclanb unb (Fumberlanb erfüllte 
Ätiegöldrm; Pvron nabm «nglefev unb infurgirte Gbefler 
unb Sorbwale«, in Gernwalli« firömten an 4000 
Solbaten füt Jtatl'« Sache jufammen. Sit glotte trat 
cbenfaQ« für ibn ein, forbeTte Ülncrfcuiiung ber alten 
?anbc6gcfc$c unb Auflefung ber inbepenbentiidien Sltmee, 
empörte ftd) auf ben Tüncn, unb viele <£djiffe fuhren 
nad) JjwUanb ab, bie 3Mattofen baten ben jungtn J^ctjeg 
von SJotf, ibr Sfbmital ju fein, balb aber übernahm ber 
Prinj von 2Balr« felbft ben Cberbefebl. gaft allgemein 
rief (Snglanb na* ber Jjerftclluiig ber alten ©efefce unb 
nach bem SRedjte für ben Äönig, in eigener ^erfon frei 
unterbatibeln j U bürfen; <Bolf unb Aönig begannen im 
Parlamente unb in ben ®ranbee« ibre gemeinfamtn 
Sebrürfer >.n vetabfebeueu. • Die 3nbepenbenlen vetan< 
laften ba0 Untetbaud ttofc einer ftarfen SRinoritdt jur 
VI ?. nähme einer audfüf)tlicben Xatlegung aller Setgebni 
brt Aönigtf unb bet (StFIdtung, ebne weitere 3tüefjid}t 
auf ibn wetbe bai Parlament tegirten; aber bie 9Jlcl)r' 
beit ber Urtbeiltffäbigni faf> bierin reine Ufurparioit unb 
im tarnen Äarl'0 erid»einenbe Gfrlldtungm würben aBer» 
orten gelefen. Parlament, in ba« bie entwichenen 
«emdjiigten iunldgtfeb.rt waren, würbe nachgiebig unb 



btWof mit großer 9Rajoritdt am 28. «pril: e« birft 
>te fBrrfaffung von Gnglanb unb feine SKegirrong tutt 
Äönif), £orbd unb (Gemeine nid)t abgednbert werben, bie 
$efd)lüffe vom 3. 3au. 1648 feien ivi Perrufen, bie lern 
Aönige in ^amptoneourt gcniarbtrn Sßerfcbläge fcOen 
wieberbolt unb barüber mit ihm unterbunbeli ivetbea. 
lu- Stabt forbertc wie bie in €cbottlanb bari'cbcntt 
$attei, Jlarl wöge in $ttfon mit bem Parlamente uoler' 
banbeln unb ba* Aeer fotle aufgdöft werben. 3weimal 
wutbe verfud)t, Jfatl von 6ari«brcofe ju entfübten, 
aber im lebten Momente fa>iterten bie ^anMtrei*f. 
VlUenrärtö flammte bet Suffianb auf unb unaufbötlid) 
gellte ber fjtuf: „güt fflcit unb Jtönig Jtatl!" btm 
Parlamente entgegen. DaA Parlament befd;loß im fRai 
abermalige Untetbanblung mit Jtarl, unb wanbte ftd) 
im ptttbptetianifeben @tifie gegen Savaliete, papiften 
unb SNalignanten. gelana gaitfar naa> bem blutiges 
Siege von SRaibftont, bie 9tot>aliften in Jlent ju jet- 
fprengen, Ö3oring'0 erbaten löften fid) vot Sonbon auf, 
bei Äingfion upon Ibame« etlagen bie Äeiterbauftn 
Sudingbam^, J^oQanb't unb Pillier«', gairfar btlaanie 
in (Solcbtfiet bie »Hefte ber ÜRebellion unb fd}loß fte engfteu« 
ein; Lambert behauptete fid) im Horben gegen bie @avaliac 
Sangbale'<>, Strmwell unterwatf Sübwale^ unb u.-nv.i 
am 11.3uli Die (Sapilulation von PembroFe. 3eft über» 
fdjritt Hamilton am 8. 3uli bie ©rtnjr, Vau; her: wid; 
vor ihm juriuf, aber @rcmwell ftieß ju Eambett; in 
ben 8d)lnd)ten von Prefio:i, SBigan unb SBarringten 
fcblugen fie bie €d)otten, aromwcU übetlieü Hamilton« 
IBerfolgung cambert unb Hamilton tapitulirte am 2b. «lug. 
$ietmit war ric @inwirfung ber gdjotten auf bie &:..) 
Idnber beteiligt. Jtarl fab in Hamilton s 9lieterlage fetu 
fcfctverftc« Unhnl. (JromweU jog am 4. Ort. feietlicb in 
Qbinbutgb ein unb <eebottlanb0 Selbftdnbigfrit war be« 
brobt- £er gemäßigte prrObtyterianiämud war in (jr.q 
lanb unb iccbottlanb unterlegen; ber bem Jtönigtbume 
tobfeinbtid)e 3nbepenbenii0mu6 ebnete gromwell ben 9Beg 
iur «Wilitdrberrfcbaft. Jtarl'« £aft in (5ariflbroofe war 
hart, aber Jtarl erging fia) nad) wie vor in 3ntrigHen 
ju feiner 9trftauratien. 6r lad viel ; fein Jpauptburb war 
bie Pibel, Paneben fhibirte er bafl fird)enpolitifd)e SDerf 
von 4j>eofer; (Sbafefpearc'rS biftorifa^e Stüde unb luvet 
©offrebo bienten ihm ntr @rbo(ung ; er frbrieb eine 9teibe 
@ebete unb Selbjlbetraebtungeu nieber, bie SMfcbof ©auben 
von <5jettt fpäter orbnete unb bie 1649 in englifdtr 
•epradu in conbon unter bemZitel: „Elxt&v ßaoüuxi,'' 
(Jtönigöbilb) erfd)ienen; anfang« würbe bafl S?ud) 
Suspiria regali» (Sturer eine« Jfönig«) genannt. Un 
birfen Serradjlungcn jeigt ftrb Jtarl als Jtonig, bem an 
(Sbre unb (Religion gelegen ift unb ber burdj feinen 
SBiberftanb gegen unwürbige 3umutbungen in ben «Iiigcn 
feine6 ißolld mebr ju geivinnen bentt alA burd) Ein- 
willigung unb ©efügigfeit. SBar er aud) von Jtummer 
ergraut, fo lebte in ihm boeb noa) bie J^offnung auf 
eine beffere SEBenbung feine« ©efdjid*. SroB alle« Poltern« 
ber 3nbepenbenten reiften gtitbenöcommiffdte am 13. €epi. 
nad) bet 3nffl ffligbt ab. 3)ie Serbanblungen foOten 
vierjig läge bautrn unb Jtarl verpflichtete ftd), wdbrenb 



KARL I. (KÖR V.ENGLAND U. 8. W.) — 123 — KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S. W,) 



fedjjig Taaen feinen gludjWerfiirt; |ti matten; auf ff int n 
3?orfd)Iag würbe ba« titint Rewpurt jum Konferenjorte 
beftimmt. Stint Aaplane unb ein Zijdl ff in« Rdtfje 
febrtrn ju Aarl jurüd. «Äit birfen nerf ebrten btc (hm-- 
miffdre vertraulfd) unb baten, Aarl »ur unbebingten *n* 
nabme ber Parlameiit«vorfd>ldge ju befiimmen, bamit 
n vor dromweH unb bem £eere nad) 8enbon jurüdfebwn 
fönne, wibrigenfaQ« dlJrö verleren fei. Aar! ließ Tic 
alten Äünfte fpielen, badjte trot feine« Berfprrdjen* an 
ftludn unb hoffte, Ormonb werbe in 3rla«b einen Arirg 
gegen ba« Parlament beginnen. Die domtniffdre n(5t>ert 4 en 
fia) in mandjen 'Berfa? lägen bem Aönige, tonnten aber 
bei feiner Ireulofigfeit auf feinen (Srfolg redjnen; gab 
et eben etwa« ju, fo nahm er es alöbalb wieber jurüd, 
unerfdjöpflid) in geiftigen Porbet)alten unb jefuiiifd>en 
Denrrlungen. Gegenüber ber warbfenben ®efal)r burd) 
bie 3nbepenbenten gab Aarl frtlirßli6 in ben meifien 
gdQen nad): er {teerte bem Parlamente für alle« Per* 
gangene Slinneftie ju, überlief ibm auf jmanjlg 3ubre 
bie 3R((itärgewaft, ber er aud) 3rtanb unb bie 3nfeln 
be* Aanal« tinterflellte, foroie bie (irnennung ju ben 
großen tlemtern, erfannte bie vom Parlamente unter 
bem großen 6iegeC oerfügten PefHmmuugen an unb gab 
bie eigenen prri«, erlaubte, tap bie jur Pefriebtgung ber 
6taateglaubiger uölbigen (Selber im Rotbfatle obne feine 
'Wirwirfung ert)oben würben, überließ ber (Ein) bie (fr* 
nennung be« ©efeblebabere be« Joroer, leiftete bejinitit» 
auf bie in bem Court of Wards rrprdfeutlrten Seben«* 
redete Perjid)t unb willigte in einzeiligen , aber auf 
legalem fflege jurüefnebmbaren Perfauf ber Airebengüter, 
in bie SuSpenfion ber Pifd)öfe, in Dreijährige (Einfübrung 
be« Prr«bt)terianl«mu«, nahm aber unter feinen Um - 
fidnben ben (lovenant an. Die fRebrb,eit be« Parlamente 
war für bae »bfommen, unb Sonbon »erlangte febnlidjft, 
Aar! in feinen "Kauern ju feben, um bie SBerbanDlimgen 
ju (Snbe ju fäbren. 3m fierre aber trat ber ultrarellgiöfe 
unb anrimenard»ifd>e (Meift bervor, unb (Fromwetl ver» 
antaßte bie große rtinuonftranj bee ®enera(ratbe« bee 
^eeree, worin jebe Sfbfunft mit Aarl verwerfen unb ba« 
Parlament anfgeforbert würbe, bie Pefd>lüffe vom 3. 3<w- 
|u rmeuern. Da« Parlament nabm hierauf feine Süd« 
•t*t unb fe^te bie Perbanblungen mit Aarl fort*, gafrfaj 
aber mußte ben ©eneralratf» ber »rmee wieberbrrflellen 
unb biefer forberte am 20. Rov. ba« Unterbaue auf, 
Aarl wegen feiner 6ünben feierlid) vor ®erid>t jn jiefcen, 
bie Polfefonveränetdt ju verfünben, ju beeretiren, baß 
in 3ufnnfl ber Aönig burd) bie Repräfentanten bee 
^ßolfe erwählt werbe, bie Parlamrnt«ficungen ju fdjließeu 
nnb juvor eine Reib/ n6tf)lger «Reformen für bae Polf«* 
»of)l ju treffen. 

«Kit Aarl'« beftnirfven Hnerbletungen febrten bie 
tteatmiffdre bee Parlamente nad) Sonbon jurürf. Unter 
bem «orwanbe, bie «nejablung ihrer RüdMnbe fidjern 
ju weUrn, rüdtrn aber bie Sruppen von gairfaj in Sonbon 
ein nnb befeßten bie wid)ligften Punfte in ben Perftdbten. 
Unb um jebe Perbinbung jwifdKn ibm unb bem Paria» 
mtntt ebne Einwilligung ber üxmtt unmöglfd) )u madjen, 
wnrbe Aarl am 29. 9lov. in ba« 6be ©ajloß ^»urfl an 



ber Aüfie gegenüber SBigbt entführt. 3n ^urf) war 
Aarl von aOer Prrbinbung mit ber Sußenmett abgc 
fdjloffen, im fidKrften ®emabrfam feiner genfer. 

eile bie preebQtertanrr von Aarl'e dntfübrung (jör» 
ten, brannten fte ba« befeibigte Parlament am 4. 2)ec. 
ju bem ©ntfdjluffe, fid> gegen bie SBegfiifcrung Aarl'« 
auei|ufpred>en. 3m Unterbaufe entfdjieben am 5. 3>ee. 
140 gegen 104 Stimmen baty'n, bie «ntmorten Aarl*« 
feien )ur ®runblaae b<« grieben« geeignet, bie Per' 
banblung foDe peTwnlid) gefübrt werben unb Safrfa; 
Aarl nad) Bonbon bringen. Dir« bebeutete eine volle 
Weberlagc ber 3nbepenbenten, fie füllten e« nnb be* 
fd}loffen, mit ber @ewa(t be« 6d)wertr« bie alte 9}ed)t«' 
orbnung TÜcfftd)t«[o« ju burdjbredyen. Die jum Sdjufte 
be« Parlament« bcorberten ftdbtifd)en SRilijen würben 
entfernt unb bunt bie Regimenter ber Oberften Pribe 
unb SRid) erfent, bie alle 3ugäng< jnm Unterbaufe be- 
festen. 96 «JWitglieber würben au«gefd)loffen, 47 fer* 
baftet unb nad) biefer Purganj pribe'«" (6. — 7. Der.) 
blieb nur ein „Rumpfparlament" übrig, weldje« ganj 
bem .»Sr-rrr unb bem 3<>bepenbentiemu« biente. Der 
@ntbufia«mu« ber inbcpenbentifd)en ganatifer ftanb auf 
ber $öbe, ßromwed nabm in ben Aönig«gemdd)ern ju 
9Bbi«ball SBobnung. Ob,ne ba« Oberbau« ;u befragen, 
miberrief bc« Unterbaue ade in lefcter ;',cit ju ©unften 
be« grieben« erfolgten abftimmungen unb «ete unb fe^te 
bie Pefdjlüffe vom 3. 3an. wieber «n Araft. «m 19. Der. 
rüdten neue Regimenter in üonbon ein unb Pittfcbriftrn 
forbertrn, Aarl müffe a(« ber große ©d)u(bige proceffualifd) 
belangt werten. Die 3nbepenbenten fühlten fr>r Seben 
nidjt lieber, fo lange er lebte; e« galt iim ober fie! 

Pon ^purft, wo er 9Neud)e(morb befürchtete, ju ent' 
fiteben, war Aarl unmöglid). 9tit greube rrfubr er, man 
wolle ibn nad) SGBinbfor, feinem 8iebling«fd>(offe, bringen, 
unb ging gern mit Oberft ^arrifon. Unterweg« be» 
grüßten ifjn Sbelleute unb Bürger voB (Stjrerbiclung, er 
bad>te in Pagfbot an gludjt, unterließ fie aber unb be* 
jog am 23. Der. SPinbfor. 

Hm 23. Der. befd)loß ba« purgirte Unterbau«, aber 
itidjt obne ®egenftimmen, Aarl vor ©erid)t ju fieQen, 
unb beauftragte einen äu«fd)iiß mit ber Porbereitung 
ber änflageacte. „Aarl Stuart, gegenwärtig Aönig von 
(Jnglanb" würbe be* Peibredjen« etrafforb'« befdjulbfgt, 
er habe verfudjt, bie alten greifjeiten ber Ration unb 
ibre gunbamentalgefe^e umjuftürjen, ein tvrannifa>e« 
9Biüfürregimcnt einjutüb.ren , babe Süraerfrieg erregt, 
ba« Sanb mit SBrrbrerung unb Plut überfd)Wemmt. In 
i- oan. 1649 nabm ba« Unterbau« biefen Stnflageent* 
wurf an, am 2. 3 an. ging er an bie Üorb«; jwötf waren 
anwefenb unb oerwarfen ibn rinfiimuiig, ebenfo ben Un* 
trag auf ©rrid>tung eine« ®erid)t«b,of« über ben Aönig. 
Da» Unterbau« ergriff nun bie 3bec ber Rational' 
fouveräneidt unb erfldrte am 4. 3an. aDe« jum ©efeje, 
wa« aud) o^ne PeifWmmung von Aönig unb Sorb« von 
ben ffommon« für @efei) erfldrt Worten, benn fie feien 
bie vom Potfe, in bem ber Urfprung aller ®rwa(t nad) 
©ott liege, modelten Polf«rrprdfrntanten uub 3ni)aber 
ber f)öd)flen ©ewall. Der im Ramen ber ®em einen 

16* 



KARL I. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) — 124 ~ KARL L (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



allein mietete Cbergerid)t«bcf mürbe von 150 auf 135 
aRltglieber venninbm, rc.fc famentro|> aDrr fcnflrengungen 
mol nie raebr ai« 70 jufammen unb von biefen blieben 
manebe, wie gairfai unb »Igernon Sibne», au* balb 
weg; ©rabfbam, ein nitbtiger Hbvocat unb Liener drom» 
meü"«, rourbe ^räfibent be« @erid)t«bof« , beffen mrifle 
SDlitglieber Cberoffijiere, $atlament«mitg(ieber, Hl pennen 
u. j. w. bilbeten. ffatl boffte nod) auf eine günftige 
SBenbuna unb fe&te auf 3r(anb fübne (frtvartungen. 
{Dann beforgte er, man mefle if>n ber ^Regierung berauben, 
btn Sbrcn brm $dnjcn ven SBale« abtreten unb ibn 
rinfprrren; eö bedngfiigte ibn, Pap ibm ber ©ed>er n(d)t 
mebr fnienb gereidjt, bit Smüffeln niebt mebr unter 
Geremonfen vorgefejt unb ber Sbronbiminel entfernt murbr. 
3>a fünbigte man ibm an, « foDt nad) gotibon gebrad>t 
werben, unb er antwortete, ©ott mit feiner ©üte f ei über* 
all. äm 19. 3an- Jpg er im ©alafte von 6t.'3amr« 
ein, nur ein I teuer blieb ibm, bic gormrn ber (itifetle 
fielen weg. 0m 20. 3an. mürbe brr OTenatdj vor ben 
£>brrgerid)t«bof gefübrt, brr in Sßrflinfnfter tagte. Äarl 
rrfannte ebenfo wenig biefe Sdjar geinbe al6 feine 
Siebter an wie fte ibn al« tbren Äönig; er proteftirte 
gegen ben ©eridjlöbof, feine (Bemalt nimt anerFennenb, 
fädtelte über tic Äu«brüdc „Äarl Stuart, Jvrann, $og> 
verrdtber unb OTdrber" unb benabm fiel) »oll Stürbe, 
rcäbrenb ©rabfbaw, je mebr er bie matbfenbe Ibtilnabme 
be« ©olf« für Jfail gemabrtr, brutal auftrat. JroJ oder 
Drehungen be« ©erid)t«bef« unb ber Cffijiere rief ratf 
©olf bei jeber Sifcung ftarl ©lüd» unb Segenflwünftbe 
ju unb er „erinnerte ba« ©olf „baran, baf fein Äönig 
verurtbeilt teerte, oltne ba|j man ibm geftatte, feine ©rünbe 
für bie AH'iljeit tetf ^Bolfd anzugeben". Seine Unfebulb 
ju beleutbten, fiel Äarl tii*t ein, ba er bamit bie @om» 

Stenj be« @erid)t« anerfannt bdtte. Sluf Sitten be« 
rinjen von 2Balr« febirften bie ©eneralßaaten eine 
aujjerorbentlicbe ©efanbtfdjaft an« Unterbau«, um für 
be« Äenig« geben »u bitten, fie fanb fein ©ebör; ver- 
geben« fdjrieb Oer ©rinj an gairfar unb ben «Halb ber 
Cffijicre, um bie Untertbanentreue wfeber ju rrroetfen; 
bie .Königin bat ba« Unterbau«, ju ibrem ©emable 
jurüdfebrer, ju bürfen, aber ibr ©rief mürbe uneroffnrt 
gelaffen unb ber franjöftfd>c ©efanole magte nid>t, fieb 
bafür ju verwrnben; vergeben« proteftirte ba« fmoltifdje 
Parlament officieQ gegen ba« ganje ©rocefverfabrrn; 
vergeben« erildtten vier frübere Winifter Jcarl'«, SRta> 
menb, £ertferb, Jinbfav unb Soutbampton, vor ©e» 
ridjt, einem alten ©runbfa&e nad) fei bie Reifen be« 
Äönig« unantaftbar unb nur feine STOinifter feien ver« 
antmortltcb, batum fotlr man ibre Häupter fiatt feine« 
nebmen. Kadjbem ber ®eria)t«bof 32 $t ugen vernommen, 
beftblej? er am 26, 3an. obne Xitfeuffton bie IBerurtbeilung 
be« Aönig« lum 2obc al« J»y.-.;nn, {»oebverrdtber, i'i'etfer 
unb 9anbe«feinb', 46 3Jcitglieber muren anmefenb. Um 
27. 3an. mürbe ibm ba« Urtbeil vor bem @erid;t«bofe 
verlefen, er forberte beftig, noCb einen Sorfdilag maaSen 
ju bürfen (viele glaubten, er babe an feinen dltefien 
Sobn abbanfen moüen), abeT ba« Jribunal fd>lug fein 
©efu(b ab. 3n ber robeften «Beife mürbe Äarl au« bem 



6aale gefdjteppt, man bruebte ibn nad) äBbitebjU. Sifmof 
3ujon von Bonbon reichte ibm ba« Saframent unb be 
rettete ibn ;um lebe vor; au« €ion ^poufe, mo fte unter 
«Uarlamenl*aufftd)t lebten, burften feine jüngften «inoer, 
4 4}rin|effin (Slifabetb unb ber ^erjog von ©loutefter, ju 
ibm fommen. Seinen Jtinbnn gab er in rrgreifrncrr 
SBeife a)rifilia)e unb fürfilidje (frmabttungeu, vergab allen 
grinben. @r betramtelc fi* al« SRdrtvrer. )flu« bem 
großen €aal von ÜBbiteball flieg ber Aönig am 30. 3an. 
auf« Sdjaffct, feine Haltung mar feft unb föniglid). (Er 
tonnte ba« fBol( nufct anreben, mie er tvollte, bielt eine 
fürje Siebe an bie neben ibm Siebenben, in ber er be* 
bauptete, bie 9Jerad)tung ber fRedjte be« Souverdn« fei 
ber mabre ©ntnb be« Ur.glüd« be« «üolf«, bie Sdjulb 
an allem Uebel liege bei feinen $enfern, ba« von ibm 
jugelaffene Iobe«uttbeil Strafforb'« tverle jejt an ibm 
getädH, b^lte er ju(e(t ber 93illfür unb ber Umgeflaltung 
ber ©rfe(e burd} ba« Stbmert 9taum gegeben, fo fei er 
je&t ntdjt bem 5obe grrretbt ; fo aber gebe er al« Wir- 
tvrer be« Solf« au« einem vergdnglimen in ein unver» 
gdnglidte« Jtönigrricb. 6r erneuerte feine Serfidierung, 
ba§ er im 93efenntniffe ber iJitdjc von (Snglanb fterbe, 
gab ba« 3'idien jum $obe«frreia>e unb al« fein {[aupt 
auf ben erften Streid» fiel, ftte& bie unabfebbare «Wenge 
einen fdjrillen Seufjer au«. SWit bem 8u«rufe: ,,Iie« 
ift ber Äopf eine« «Bcrrdttjerfl ! " hob ber Sdjarfricbter 
J?arl'ö ^>aupt empor. 311« bie Settbe f*on im Sarge 
lag, flieg (SrommeÜ auf« Sdjaffot, nabm ben Jtopf in 
bie ^dnbe, belradjtcte ten Xobten aufmerffam unb fagte: 
„Da« mar ein .Körper von guter ßonjitiutioii, ber ein 
lange« geben verfpracb." Xie 9eia)e mürbe am 6. gebr. 
nad) ber St. «©eorgft« Capelle ju 9Biubfor übergeführt, 
ba« Unterbau« beftritt bie Soften ber SBeftattung. 

Äarffl Sdjriflengab Sromne lüöl im{)aag berau«. 

5Bal. ©robte, Utstory of tbe British Empire 
from tne accession of Charles I. to tbe restauration 
(4 93be., ©binburgb 1827); Slarenboit, Iiistory of 
the RcbeUion and Civil Wars in England, le&te 
«uögabe in 7 Sdnben (Crfotb 1849); 3M«raeli, 
Commentaries on the life and reign of Cbarle» 1. 
(5 ©be., Gbinburgb 1828 — 31), neu reviDirt in 2 
Sdnben von Senjamin I;i«rarli 1850; luf-iin.irti, ©e- 
f*id)te ber engliftben SKevoluiion (6. 9uf{., Seiptig 
1853); ©uijot, HUtoire de la revolution dAngle- 
terre depuis l'avvnement de Charles I. jusqu'ä 
la restauration de Charles H (2 ©be., 4. Huf!., 
^Jarl« 1845); von «ante, (Sngltfrbc ®efd)id)tc vor- 
iiebmliai im fed)«jebnten unb ftebjebnten 3abrbunbert 
(©b. II. unb III., ©erlin 1861); <5ba«le«, Äarl t, 
fein £of, ©olf unb Parlament, in« DeutfaV überfeftJ 
(©rimma 1851); gerfier, Arrest of the Fivc Membcrs 
by Charles I. (Jonbon 1860); ©arbintr, Prince 
Charles and the Spanish Marriagc, 1617 — 1623 
(2©be., gonbon 1869); Derfelbe, A history of England 
under the Duke of Buckingham and Charles L, 
1624-1628 (2 ©be., ?onbon 1875); Detfelbe, Tbe 
personal government of Charles L, 1C28 — 1637, 
Ä mri ©dnbe, «onbon 1877; Derfelbe, The fall of the 



Digilized by Google 



KARL II. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 125 - KARL II. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



monarchy of Charta l (1637-1649, ©b. L unb 
II., 1637—1642, Jonbon 1882); «. etfrn, ®efd)icbte 
rtr Revolution in Snglanb (©edin 1881). 

{Artkur KJeinschmuJt.) 
b) KARL II., Äönig von (Inglanb, Scfectllanb unb 
3r(anb. fll* dürftet Sohn befl ©origcti von Henriette 
©?aria am 29. 9J?oi 1630 in 9onCon geboren, wurt>e 
Stati am 27. 3uni von $aub getauft, uim „©rinjeit von 
SSßalf« unb ©rafen von Gbefler" rrnannt unb erhielt 
1638 ben £ofenbanborben. Gr brfai bebeutettbe ©eifie«' 
gaben, überfeine GruebeT, roefenlofe Höflinge, vernarb- 
Idffigten itjre Sludbilbung unb bie grofjc tfrcibcil roirfte 
frbr ungünfiig auf feinen Gbarafter. 3m 3. 1642 faben 
Äarl unb fein Stuber 3ofob brr Edjladjt von Gbgcbid 
ju unb Staxi ging mit bem ©ater nad) Crforb, von roo 
er im 3uni 1644 mit ihm abjog. ©Sieber babin airürf« 
gefebrt, erhielt er 1645 brn ©efebl, von einigen ©lit» 
gliebrro br8 geheimen Ratbd begleitet — eö waren $pbe 
(f. Glarenten, fflraD, 2orb Gapcl unb 8orb Golcpepper — , 
alt ©eneralifftmu« in bie roeftlicfcen ©raffdjaftrn ju 
geben, um ha militarifcbe Operationen einjuleiten. 8m 
4. ©edrj 1645 nabm er auf eroig »bfdjieb vom ©ater. 
(5t ftblofi launton ein, aber bie ©atlamentdtruppen 
unter gairfar (f. b.) unb feinen Gotlegen vernichteten bie 
föniglidjen Stteitfrdfte im heften, rodbrenb groifeben 
Jtarl'A Rdiben unb ©entralcn £aber berrfebte. Sil* brr 
.König baran bacbie, an Äatl ab{ubanfcu, roie* er ba6 
Slnünncn jurüd, unb alt er fid) jum ©emittier jroifdjcn 
res; ©ater unb bem ©olfe anbot, trürbigte ibn 1646 
tat Parlament feiner Slnlroort. ©or ben Siegen bc« 
Parlament« jog ftd) Äatl nacb ber Scilh)»3ufel lurücf, 
bann nad) 3erfev unb fticfj in ©arid ju feiner ©iuttcT. 
©alt ging er naeb bem #aag, unb übernabm ben Ober* 
brfebl ber rovalifiifcb geftnnten glotte, mufilc aber nacb 
Gtomroell** Sieg bei ©refton Die Dünen vertaffen. Huf 
feine briugenben ©itten venvanbtrn ftcb bie ©eneral* 
floaten 1649 für bad ?cben feinrd unglütflieben ©atrTd 
bei bem Parlamente, jeboeb vergebend. 2>ad qpaupt bed 
©aterd fiel am 30. 3an. 1649 unb gleichzeitig erfebien 
eine ©erotbnung bed ^aufefl ber ©emeinen, wonach 
jebtr jum $od)verTätber eiflärt rourbe, ber „Äarl Stuart, 
gewöhnlich ©rinj von ©Jalee? genannt, ober irgenb eine 
anbere©erfon" ju feinem Radifolger aufriefe; bad Äönig» 
tbum routbe abgefchafft. .Sari lebte bei feinem Schwager 
©Jilbelm IL von Cranien, an brffen Scbroeftcr ibn feine 
©cutter ju verbeiralben rcünfcbte, wdbrenb vielfacb feine 
©etbinbuna mit Sophie von ber ©falj, ber fpdleten 
„©rofien Äurfürfiin" von Hannover, angeregt rourbe. 
1k über ben ©rocefj empörten Schotten proclamirten 
Jfarl II. am 5. gebr. 1649 alt „Jtönig von Schott« 
(anb, Gnglanb, granfreid) unb 3rlanb" ; ebenfo rief man 
ibn in Srlanb aud, roo Äatbolifeu unb ©toteftanten 
grieben fcbloffcn; ber gewefene Stattbalter, ©raf Crmcnb, 
meinte, ganj 3rlanb roetbe ficb rafd) an Äarl anftblie^en, 
roenn er bort nfebeine: viele ISngWnber eilten ju Äarl'ö 
gabne, al« Crraonb fte entrollte, uttb rodbrenb Dublin 
roiberflanb, errang Cnnonb eine Reibe bebeutenber ©ot> 
tbeile; neun 3ebntel 3iiant« gtborebten Ibm. 25a erfebien 



jeboa? Cromroetl in 3rlanb, eilte von Sieg ju Sieg, jog 
bie englifebe unb proteftontifebe ©evölferung jur SRe« 
publif binüber unb unterbrüefte bie brobenbe Xeaction. 
Sie Schotten febieften an Mart ©efanbte unb luben ibn 
nacb Scbottlanb ein, festen aber jugleid) frf), er foQe 
ftcb befennen auf ben urfprünglicben febottifeben Sove/ 
nant, auf ben fcbotlifcb 'englifa>en Govenanl unb auf bie 
geftfepungen ber Slffemblo von SBcftminfter über jebrt 
unb (Sultue. «uf «ntrieb feiner ©Jutter unb Cranien'6 
lie$ Äarl ftcb in ©reba beftimmen, auf bie gotberungen 
ber Sdjotlen einjugeben, fo febr ibm au* biefe ©re«bv' 
teitaner jum &tl waren, fam mit oranifdjen gabrjeugen 
an, befebwor $fgua unb Govenant unb langete am 
4. 3uli 1650 an ber febottifeben Jtüfte. ©?an jroang 
ibn, allen 3ufatnmenbang mit bem ÜRarquid von ©lon- 
trofe abjuteugnen unb roar rob genug, feinem <£>aufe 
gegenüber benen 4}>onb anzunageln. Jtarl fübltc fia) 
rafcb von feiner Rode angccfelt; er biep Jtfinig unb roar 
©rfangener brr ©redbvterianrr, folltr in aOen roeltlicben 
Soeben bem SSillen Ut ©arlamentd, in allen hrcblicben 
bem ber Sffemblv folgen, in Uigua unb (Fovenant fein 
Gvangelium verebren, tdglieb fecb« enblod langroeilige 
©rebigten erbulben unb ftiUfcbroeiaenb mit anbören, roie 
fein ©ater Per Ivrannei, feine ©Jutter ber fflöjenanbe« 
tun^ befcbulbigt würbe; feine $eicbt(cbigfcit auferbnn 
verfiel ber IxttTtm Rüge. 9Bie fein ©ater verlogen unb 
cvnifcber noeb ald birfer, beugte er ftcb bem 3wange brr 
Umflänbe unb unterfebrirb nacb einigem Sträuben, ate) 
dromweU feine Auslieferung forberte, eine (Mlämng, 
worin er bie Slnftcbten feinet? ©aterr> unb feiner ©?utter 
verbammte unb ficb febeinbar ben ertremften 3bealen bei 
Jtircbe bingab; tro$bem betbeuerte er nebenher in einem 
©riefe feine Ireue an bfe bifrböfliebe Äirdjc von üng» 
lanb. (Sine firejtg religiöfe «rmee jog für ibn ju gelbe 
unb belauerte ibn unabldfftg, man traute ibm niebt; er 
aber fpottete bdmlieb mit feinem ertravaganten ©ufcn< 
freunbe, bem J&erjoge von ©uch'ngbam, über bie Jlopf» 
bdnger. tflnfangd waren bie Scbotten gegen SromweQ 
im ©ortbeile, bann aber unterlagen fte bureb bie ©eifi< 
(iebfeit; bei J)unbar befiegt, muften fte felbfi @binburgb 
fallen feben, bie fogenannten Remonfiranten traten mit 
ben 3nbepenbenten in (Sontact. StaxVt Jage warb naa) 
einem glucbtverfucbe eine beffere, er burfle fe^t an ben 
©etatbungen über bie Staaldgefcbdfte unb ben ©arla« 
menterttunaen tbeilnebmen unb bielt feine erfie Übron« 
rebe; bie iKovaliften — biftber von ber Äird?e audge' 
febieben — frieden roieber jur Slrmee. Radj ber ©e» 
febwirtu;.] ber prrAbptafanifcbcn Sa^ungrn burd) Jtarl 
unb mehreren preftbotneianifeben gormalitdtrn frönte ber 
©Jarquei von ürgvle, ein uniuverldffigrr Ünb^nger, 
ftarl II. am 1. 3an. 1651 ju Scone jum Scbottenfönig, 
unb im grübling 1651 vereinigte fid) unter StaxVt gäb? 
rung eine flattlicbe ürmee bei Stirling. (SromweH'e? 
Ätanfbeit begünftigte Äarl'd ©orgeben; er befdjlof, rref 

S wagen, unb rürfle mit 11,0«) Schotten unb (hup 
nbern am 7. Hug. bei (Jarliflle über bie englifd)e ©renje, 
roo ihn ein englifeber Sappenfönig ald Äönlg von ßng- 
lanb proclamirle; gelang fein Unternehmen, fo roar Äarl 



Digitized by Google 



KARL n. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) - 126 — KARL II. (KÖN. V. ENGLAND U.S.W.) 



be« unrrtraglicbrn T:rud« ber Preflbpterianet lebig. Huf 
grojjen Zulauf D ** "bei« recbnenb, erließ et eine @encral» 
amuefhe, von ber er nur ßromwell, Brabfbaw unb Soft 
au«fcblo&; in SÜorcrfter fanD er frrunblicbe »ufnabme, 
ob« bie Hieberlage bei füorceftfr burd) (Sromweu*, am 
3. Sept., vernichtete frtne Hoffnungen, wnb er mufte 
vom ©djladjtfflDf ftücijten. Hber ba« Ädnigtbum hatte 
feinrn Muln nicht verloren, Äarl'« L Hinrichtung fein 
Hnfehen nur geftrigerl, unti obgleich ba« Parlament tau« 
frnb Pfunb auf beu Äopf be« flüchtigen t'rdtenbenten 
fefcle, fo verbiente ftdj ntemanb ben Berrätherlobn; nach* 
bem rr fich anbertbalb SRonate untrr Sbenteuern aller 
8rt in (ingfanb herumgetrieben, entfam Äarl auf einer 
'Bult am 17. Ort. nach gecamp in ber ttormanbir, von 
reo er nad) Pari* eilte. Äümmrrlicb (ebte er bin von 
einer «ßenfton be« Äönigfl von granfrrfcb; im grieben 
be« 8orb«Proteclor« Oliver mit ben ®cneralftaalrn am 
5. «äpril 1654 mürben nid)t nur bie Oranier, bie grrunbe 
ber Stuart, von beT Stattbalterfcbaft auögcfcbloffen, fon' 
r a n auch ben Stuarts ba« Äfvl in <§oilunb gefunbigt. 
Äarl lebte eine $c.i lang in Svaa bei feiner Scbwcfler, 
ber Prinjrfiin von Oranien, bann in Hachen, feit Sep' 
tember 1654 in Äöln in feljr fieinrn BerbcUlniffrn. 9n< 
ftati emfter Sorge befdjäfiigten ibn Liebeleien ohne 3 M - 
3m «Rovembtr 1655 ictjlofj Oliver mit granfreieb grieben 
unb SRajarin mufite Äarl unb nrunjehn feiner «Anhänger 
au« granfreid) venveifen, beltcfj ibm aber bie Benfton. 
3m 3. 1656 fiebelte Äarl nad) Brügge über, wo feine 
«uefrbiveifungen viel aergernft erregten; er näherte ftdj 
Spanien, um e« für feine Scflaiiration tu intereffiren, 
rr befpracb fich mit bem Äurfürften Johann Philipp 
von SRatnj unb feinem <S»iniftcr Boineburg wegen ber 
Sebrobung Spanien«, polen« unb Cefterreichfl burd) 
(FromtveU unb Äarl X. dmftov von Sd)tveben. ?Rit 
Spanien fcblof Karl einen Vertrag, worin ibm 6000 
Scann jugefagt würben, wenn er in einem englifrhen 
Hofen «Aufnahme finbe; man Ted)nete auf bie alten SRova» 
Iiften unb auf bie «nabaptiften in (Snglanb, bie bagegen 
Spanien einen Seeplap überliefern würben unb von 
aefepmäglg« Aufhebung jebe« SReligionajwange« fprad>en. 
SBollte Äarl nicht ber H ftt orr Wftte, fonbern nur ibr 
Berwalter fein, meinten bie «Anabapiiftcn , fo würbe ein 
von ibnen berufene« freie« Parlament OrommeB ftürjen 
unb Äarl reftauriren. Äarl fagte aOen '£ nippen, bie ju 
ibm übergeben wollten, Brrjeibung, 3<>i)lung ihrer Süd» 
jränbe unb felbfi Belohnung ju. Die fRovalificn hatten 
burd) (Snglanb bin eine geheime Berbinbung unb ge< 
borgten bem in Bonbon fifeenben dornig. Da Oliver 
bie Änabaptifien von ftd) ftief, baten fie Äarl um 3"* 
fieberung ber iReligionflfrribrft , unb er wie» fie nid>t 
jurüi. Äarl war mit bem $lane, Oltver'e Uocbtrr 
grance« )u beiratin-.-. , gefebeitert, ebeufo mit bem, bie 
fd)onc 9tid)te SRaiarfn'e, Aorlrnfia fffanrini, heim.ut 
führen, unb al« Stajarin ihm (entere nad) ber Keftau' 
ration geben wollte , wief er fit von fid); aud) $ro« 
jede Äarl'e auf bie Herein von SRonlpcnfter, bie be< 
rühmte „3Rabemoifelle", y>enri<tt< von Oranien unb 
eine lotbringlfdje $rlnjefftn ffbeiteTten. Seine preräre 



Sage unb feine maflofen S(u«fd)weifungen waren fdjledjte 
Heirathövermirtler. Die erbärmlfdie Regierung b(0 $ro> 
tectort 9Iid)arb »ar für bie Serbreitung rovaltfrifdjfr 
Neigungen du^erft firberlid). Äarl hoffte auf ©egün» 
frigung feiner Äeftauration bnrd) Spanien unb granf« 
reich unb machte ftd) von ©rüffel auf ben SBeg nad) 
Galaf», aber burd) ®eneral gamben'« Ibatfraft btad» 
bie ganje rovaltftifcbe Bewegung im fluguff 1659 in 
Qnglanb jufammen. Äarl blieb auf bem Gonfinenrr, 
muite aber bemerfrn, baf bie 9tepublif in ^Britannien 
feinen Soben im Solle hatte, wenn aud) fein <Erfd)einrn 
auf bem Songreffe an ber Sibaffoa wrbrr Spanien nod> 
granfreid; veranlagte, mit ber 9iepublif ju brechen; ber 
?Parlament6befcblu£ vom 3. Sept. 1659, wonach jebet' 
mann ber ganzen 9tad)fommenfcbaft 3afob'« I. von 
©rogbritannien abfagen mu§te, woDte gegenüber ber 
Annäherung, bie ©eneral ?ambert an Äarl fuebte, nidjt 
viel bebeuten. Durch feinen Vertrauten Jorb Worbaunt 
lief Äarl bie lonboner Silbermen über Jonbon« 3«f»"f' 
unter ber SReffaurarion beruhigen unb Sonbon trat im 
gebruar 1660 bem Parlamente entgegen. @eneraf fKonf 
warf bie Stabt nieber, machte bann aber grmeinfame 
Sache mit ihr unb würbe Weißer ber Sage. Äarl wanbte 
ftd) an äWonf, von beffen Sbftchten er fein flare« ®üb 
gewann. ÜRonf leugnete feierlid), etwa« für bie Smart« 
unternehmen ju wollen, beobachtete aber bie Hinneigung 
ber öffentlichen SReinung ju ihnen, wäbwttb ba« Sange 
Parlament vor feiner «uflöfung im »Järj 1660 bie ®nr- 
eibiguttg auf bie Xepublif obne ein H au ^ ber Sorb« nnb 
ohne eine $erfon an Per Spibe förmlid) aufbob. Hn 
vielen Orten rief man nad) Ä6nig Äarl, von ben Äart' 
^eln würbe vielfach für ihn gebetet, er galt für ben 
natürlichen H crt v° n Sicherheit unb grteben, unb über 
bie Sebingungen, bie er eingeben muffe, berirtben "Wo* 
bilitp unb preflbpterianer , inbeffen bie Sitp ibm rolle 
Äönig«mad)t ohne geffeln gegeben wiffen wollte. 3m 
tieffien (Sebeimniffe entfanbte SWonf, ohne etwa« Schrift« 
liehe« mitjttgeben, ben (Savaliet 3obn rjtreenvide nad) 
©rüffel an Äarl, ließ ihn aufforbern, Slmneftie unb 2o» 
leran) ns bewilligen, ben Serfauf ber eingejogenen ®üter 
ju betätigen , ben rüdjrdnbigen Selb an« Heer au«su« 
jablen unb ftd) unverzüglich au« bem fpanifdjen Belgien 
nad) HoQanb ju begeben, jumal immer wieber ba« <«e- 
rüd)t laut würbe, Äarl fei Äatbolif; rr lief Äarl ver» 
fiebern, ewig fei er für ihn gewefen unb fegt rrft fönne 
rr e« beweifen, unb ftellte ibm feine cinjige ber J*e- 
bingungen, bie fo viele an Äarl'« Sceffauratfon gefnüpft 
wünfehten, um feine 9ieaclion naa> ber «Revolution et» 
leben }u muffen. Die glotte war ganj für Äarl unb 
auf gairfax'« Beitritt würbe gerechnet. H»be, be« jungen 
gürften erffer JRatbgeber unb @egner ber Äönigin >fBitwe, 
bie auf eine SReftauration im rein rovaliftifdjen ©etffe 
fpeculirte, beffimmle Äarl bie Borfcbläge aniunrbmm. 
3m Äprtl ging Äarl naa) Breba unb erlieg bier bie von 
Hbbe birtirte Dccfaration. ®ewilit bie in Geltung ge« 
bliebenen blutigen Strafgefe^e ^lifaberh'« gegen bie Äa« 
tholifen abjufchaffen, verbiet er aOen, bie binnen vierzig 
Zagen ju Ireue unb ©ehorfum jurüdfehtten, mit Bor» 



Digitized by Google 



KARL IL (KÖN. V. ENGLAND U. S.W.) - 127 - KARL II. (KON. V. ENGLAND U. S. W.) 



bebalt ber vom Parlamente geforberten tJu«nabmen, volle 
SlmnefUe an iJctb, Sieben, &reibeit, ©ütern unb Strebten, 
»erfptad) ®ewiffen«freibrit für jebermann, ©ültigfeit ba 
SBerdujje i ung ber Staat«güter, forveit fte bat Parlament 
genehmige, mit GinwiUigung tcö (enteren Jjhlunu ber 
toolbrüefftdnbc an« £eer, unb Uebemabmr in btn fönig» 
lieben Eienft mit Peibeballung be« bidbtrigrtt ©rab« für 
alleDienftfud)enben. ©rrrnville übertraebsr Die Dnlaration 
t»on S3reba bf iben .päufern be« Parlament«. Da« ntuc 
«Parlament war ber SWebrbrit naa) rovalijtifd) unb tevot 
flegen bie Dpnaftie, e« badjte nid)t baran, einen binben» 
brn Paft mit Karl abjufcbliejien unb ©arantien für bie 
Steebte ju forbern, berentrorgen bie Revolution auöge« 
brodjen war. Seite $dufer brfcbloffen, ba nad) ben 
alten ©runbgefeßen bie Sirgierung bei König, ?orb« unb 
(gemeinen fei, ben £anbr«berrn junt Empfange feiner 
Krone einjulaben. iOJonf wiberfeate fid) enifa>iet>en bem 
Antrage einer Kapitulation unb fagte, nenn 99e|cbrän» 
fungen nölbig feien, fo fönnr man ftr nad) brr Siüef» 
febr eintreten laffen. Um Karl bie Steife ju ermöglichen, 
fanbte ibm ba« »Parlament 50,000 piunb unb warf aud> 
feinen SBrübern fj)orf unb ©lourefier ®elber au«. Da« 
föniglidje SBappen mürbe reflaurirt, be« König« Stame 
in« Kircbrngebet aufgenommen, unb feine Siegiening vom 
lobeötagi be« tUateT« an batirt; er regirrte bem nad? 
fdjon im 12. 3atjrt. 9m 8. *JWai würbe Karl II. al« 
König von@ng(anb,Sd>otl(anb, Sranfreidj uno 
3tlanb proclamirt. (Sr forool wie SNonf beeilten ri< 
-Kern: nad» gnglanb. 3m 4j>aag lub tbn eine Deputation 
t>on jwölf ?ort>« unb fcd)fl ©emeinen uir Siüdfebr |tt 
feinem Parlamente unb jur SBieberaudübung feinr« Sc« 
nigSamtc« ein ; Karl brfid>rigte in Sdjeveningen bie vom 
Slbmiral Womagu befebligte glotte, brfiirg ba« au« 
„Siafebv" in „Sioval Gljarle«" umgetaufte Sd)iff, ernannte 
feinen 93ruber ?)oif jum ?orb«@rofjabmital unb betrat, 
von Moni au brr Spifce be« Slbel« empfangen, am 
25. SJiai bei Dover brn ©oben Snglanb«. Sin wabret 
Jtiumpbjug führte Kart nad) SonOon, ganj ßnglanb 
jubelte ihm .tu; mit Stolj fab er auf bie Iruppen bei 
Sladfaeatb. Den prr«boierianifdien Prebigrrn vrrfteberte 
er, bie ©ibrl foCe bie 9iid)tjcbnur feine« 5rben« fein. 
Sin feinem 30. ®eburt«tage, ben 29. SWai 1660, bejeg 
er ä&Jbiieban. «uf bie gorberung be« Parlament«, 
wcldje« fofort bie alten Oatbs of allegiance and of 
supremaey erneuert batte, er möge bie Magna Charta, 
bie Petition of rigbt, ba« Statut über Die Steuer« 
bewilligung be« Parlament« unb bie anbrm parlameu« 
tarifeben Privilegien befidtigen, antwortete Karl, er ge< 
rräbte gern alle« für @efe( unb Religion, benn er molle 
fein 33olf fo glüdlid) madjen wie er fei. Da jebermann 
ib,m veTfid)rrtr, er babr aOc« für feine Sieftauration ge< 
tban, erwiberte Karl mit feinem <£potte: e« müffe feine 
€d)ulb gewefen fein, bafj er nid;t frnber gefommen fei. 
Durd) uno burd) unwürbig, verbrad)te Karl bie erfte 
9tad)t in 8onbon mit »arbara «BiOier«, ber Oattin eine« 
5Wr. 3)almn, bit 3ab,re lang ben größten Qinffufi auf 
i tri i t befafj, lim in bie todfte 9krfd)roenbung binefnri^ 
unb feine förtiglicte SBürbr rrcO ber uugebeuem $cpu« 



Iaritdt erniebrigte. Dir 6d)ufe fdjweren Unglfttf« unb 
bitterer Sntbebrung batte Karl fittlid) nid)t grldutert, er 
batte feine nidjt unbcPeutrnben @riße«gaben nidit ver» 
wertben gelernt unb feine guten 3üge gingen im 2d;lamnie 
feine« unjäd)tigen Seben« unter; trrn taufenb groben ber 
Slufopferung, bie ibm feine Slnbdnger gegeben batten, 
glaubte er an feinen Gbelftnn, an feine Sbrlicbfeit unb 
Unrigennü^igfeil; er hidi jebermann für fduflid) unb 
meinte, man müffe nur ben redjten Prei« ju Labien 
wiffen. (5r verachtete bie SDienfcben, e« lag ibm nldji« au 
ihrer 9Rrinur.g unb Parum war er aud) ihren 6d)tneid)e' 
leien unjugditglid); er blirb unempfinblid) für eigene @bre 
unb wollte nur al« König brn Sedier frivolßen ©enuffe« 
auf bie Steige leeren-, Arbeit unb Wnftrengung waren ibm 
jutviber, ber ©ebanfe an ^)errfd)erpflid)ten fam ibm nie, 
er fannte nur $errfd}erred)te unb war grfonnrn, fie un' 
umfd)ränft walten ju laffen. (Sunftbejeigungen würben 
an bie Unroürbigften vrrfd)Ieubert; er vrr^anb nia>t, bie 
ftredjen ab^uwebren, unb bie SJefcbeibenen fuebte er nidjt. 
Der begeiftertftc 93erebrer ber von brn Puritanern ver« 
fluebten 3erfrreuungen , be« Spiel«, be« Ibraler«, be« 
6d)lemmen«, ber SBeiberfuft , febwanfte Karl unbefidn« 
big jwifd>eit Unglauben unb Papitfmu«, blieb inbif' 
ferrnt in !ReIigion«frngen , böbnte bie fiarren Puntanet 
unb ftrebte nad) ihrer Demütbignng. 2i»a« am Puri* 
tanrrtbum gut unb ebel war, würbe in ben Strubel be« 
^>affe« mit bineingeriffrn, e« follte mit ben @xtTavagan< 
jen gleiebjritig untergeben; bie {Religion ber Puritaner, 
au«grartet in 2prannei auf politifebem unb forialem 
93oben, würbe jum Untergänge verurtbeilt; ftrommigfeit 
biente jum Stiebblatte br« £cf)n«. «uf bie läge be« 
falten unb nüdjternen Puritani«mu« folgte bie Sieartion 
mit ibrer ^rllluft, ibrer Sdjamloftgfeit; ffiiUfür trat an 
bie Stelle ber Kafitiung, Ueppigfeil erfejte bie Selbft* 
ertöbtung. 

3m allgemeinen fiellte Karl feinen Staat«ratb nad) 
SRonf« Siatbfdjlägen ^ufammen; er nabm bie Sübrer 
ber Kavaliere, pre«bvterianifd)e ?orb«, Kromwellianer, 
Parteigänger feiner SJiutter u. f. w. tjinein; bei ber Apa- 
thie Karl'« für bie Staat«gefdjdfte fam beren Leitung an 
einige ältere Sidtbe unb lief eigentlid) in Der £anb IIb' 
warb ^>»be'fl, be« ©rafen (Slarenbon, jufammen; (Sla> 
renbon bilbete mit biefen «ueerwäljlten eine 91rt (Jabinet 
über bem Staat«ratbe, ba« Kouneil Soaro, wela>e« fid) 
auf bie SJIitwirfung be« Parlament« in allem angemiefen 
fab. ßlarenbou wollte, unbefümmert um bie Abneigung 
ber Preflbvterianer, ber Katbolifcn, ber Königin «SRutter, 
SJtonf« unb mandjer ©rofjen, al« VcrbfanUer bie Prä' 
rogatioe ber Krone mit ben Sied>teu be« Parlament« in 
Qiuffang bringen, bie religiöfen girren beilegen unb ben 
pte«bbterianifd)en Ktnflufs befeitigen. Seine Ureue unb 
SBeiöbeit, fein eminenter Hrbrit«f]eifs mad)trn Ibn Äarl 
unentbebrlitb. unb wiaig Ife# er fid) von ibm leiten ; ba$ 
glarenbon, in ein burd) »ietjebnjäbrigt öntfernung ibm 
fremb geworbene« Sanb unb in frembe SJerbältnijfe jurüd» 
aefebrt, eine Sieibe 5Bi«gritfe that, fümmerte ben forglofen 
SJionard)en nicht. Qlarenbon veranlagte Karl, bie Pill 
be« «JSergeffen« unb ber 3nbemnitdt ju untetjeidjnen. 



Digitized by Google 



KARL II. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) — 128 — KARL II. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



erlangte für ii>n von Dem legalen Parlamente eint (Sivtl* 
lifie von 1,200,000 Pfunb, au&erbem au|jerorDrntliche 
Bewilligungen für Den Abtrag brr SolDrürfftänDe unb 
bewirfte Die (Entlaffung De« ftebrnben Qtttei in Eng« 
lanb, Scbottlanb unb 3rlanb; nur jwri Megimenter 
blieben ald ©arten; 5000 Wann btlrefen bie ganje be» 
waffnete 8anbmacl)t, rrä ürenb Damals" auf bem (Sonti« 
nentf bie Errichtung großer Armeen im Sange war; 
nebenher blieb bie canbmilij begeben. dlarenbon lieb] 
feine £anb ju ben SRacbeacten an den ftönigAmörbern, 
beten viele hingerichtet würben, unb frlbft bie Veicben 
Dlivcr SromroeU'0 unD mebrerer ©enoffrn würben febmä» 
lieb gefcbänDrt. Die Gavalierc lrd>jten nad> Vergeltung 
unb ElarenDon ntu&te feinen vollen Glnflufj gegen fic 
einfe&en. 910 treuer Sohn ber fjpiffi'palftrctic arbeitete 
er an ibrer vollen SEBieberfierftrllung, vom llntrrbaufe 
unterftü&t; ben Satbolifen war er ungnäbig unb meinte, 
Äarl foUc von feinem Di$pcnfation«rcd)tr von Den ©c» 
fefeen tvrber ui ©unften ber Aaiboltfcn neefc ber 9?on« 
lonformiflen ©ebrauch marben, ba er fürduete, ftari 
werbe Die« Stecht mißbrauchen. (Slarenbon'0 Tochter batte 
fiurl'9 BniDcr §)orf gcbelraibct, bie gcinDe De* ftanjler« 
fachten unter ber Aegtbe ber Aönigin<3Jtuttrr bie* ju 
feinem Sturjc ju betrugen, Sfarl aber hielt an ibm feft, 
wie er manchmal ba* Sichtige traf, obgleich tt von ibm 
heißt, er habe nie ein bummee> Start gefproebrn unb nie 
etwa* Alugc* grtban. Ohne ©efübl für bie Ehre ©rojj« 
britannirnO, fann Äarl bei feiner Scbulbenlaft unb feiner 
Bcrfdjwenbung nur barauf, (Selber ju erhalten, mochten 
fte £o(Ianb, Spanien, granfrrid) ober wer feint ihm 
bieten. 

In 29. Dec. 16G0 fcblojj Da6 ßonvcntioneparla« 
ment, welche* bafl neuere (Snglanb grgrünbet batte unb 
fcblicfihd? ben ®ünfd)rn Aarl't unb feiner Beute nicht 
genug thun wollte; ScbilDerbebungen ber Segner ber 
tKeftauralion, ber SRepublifaner , URänner ber fünften 
Monarchie u. f. w., würben rafdj niebergeworfen unb 
ftarl'9 Arone beteiligte ftd). 3n Scbottlanb ftellte ba« 
Parlament ben (Brunofafi auf, ta* Bolf*glücf hänge ab 
von ber Beobachtung ber (dniglichen ^rdrogaiive, er« 
flirte ?eague uno Govcnant mit all ihren folgen für 
unverbinblia) unb hob alled auf, wa* feit 1633 im 
Parlamente feftgeftetlt worbru war. Prebigt nub prrffe 
brgünftigten ben Umfdjmung in Snglanb unb Schott' 
lanb; mit bem SBteberauflcben bc* ftönigtbum* ging bie 
Aufrrftcbung be* Bi*tbum* $anb in £anb. Die Ang> 
lifanifd}e Airthc wurte wieDerbergeftcUt, erhielt alle SRecbte 
unb Pfrünben jurücf, in Büchern burften ihre ©runb« 
fdfce nid)l angegriffen werben. 

iDiit gröptem Pompe würbe Äarl am 22. flpril 1661 
gefrönt. Da* neue Parlament vom 8. Wai b. 3. über< 
bot (ich an covaliiät unb Oribobofie; ber genfer mu|»te 
bie Acte über Errichtung bc* ©ctidjtöbofö über Sari L, 
über bie (^rflJrung bed SReicbO jur iKepuMif, über bie 
Slbfage an ftarl Stuart uno über bie ctcberfteliung Cli> 
ver't) verbrennen, enblid) würbe ihm auch ber Soveuant 
jum feiten $\v<dt auegelicfrrt. Q< würbe für ^)i<cb> 
verrath erflärt, ren Jlönig mit Jtrieg ju überjtebrn, ihn 




gefangen nehmen, abfegen ju WoQrrt ober gar ju tobten; 
al0 firafwürbigeO Verbrechen galt, ihm nacbjufageit , er 
wolle Saft papfttbum im 8anbe einführen, benn all 
^aupt ber ftirrtje unb Brrtheibiger bed Stauben« fönne 
er nur bie redngUubige anglifanifcbc Doctrin brfennen. 
Die Schee bei legten 3dt, betten ^duferu befi Paria* 
menrt) wohne and) ohne ben Jfönig eine legitllative 
Autorität inne, würbe verpönt. Die milftdrifrhe Sewalt 
wuroe au0id>lie8lid) ber jtrone tugefprotben unb unter 
feinen Umftdnben foOten beibe ^dufer bat 9ted)t haben, 
ihr ®ewalt entgegenjufe^en. 3ebe« Witglieb einer Aör- 
prrfebaft mußte febwörrn, cap" ihm SBiberfranb gegen t<* 
Jtönig<3 Autoritdt unter allen llmftdnben ungeieplil 
fchrine. Die Bill über brrijdhrige Parlamente würfe in 
ihren SBirfungen lahm gelegt. Die Sifcböfe erhielten 
wteb er 6iQ unb Stimme im C ber baute; )um erfien mal 
würbe btfd)öfli<he Orbination |ur unentbehrlichen Befä- 
higung für Beförberung in ber JttrdK, unb an 2000 
Seiftlidie, bie ihr Srwiffcn baren abhielt ftch iu beque 
mett, würben an einem läge weggejagt, wer febüftte fte 
vor bem ^ungertoDe? Den beantragten bamn Ber< 
fügungen gegen bie Wonconformijten burfte Aarl feine 
3uftimmiitifl nicht geben; ihm waren bie Puritaner jum 
tffel, er war jebodj ju inbolmt, um fie fanatifch au ver» 
folgen, aber vergeben* fuchte er ben 8<niari*mu«J beO 
Unterbaufc« ab^uf üblen. Urberwdltigt bavon, lup n 
gebdfüge Verfügungen gegen bie wonennfot mitten er^ 
gehen unb bie Unglücflicben über See bepertiren. Die 
Jpodtfirdie vergalt Aar! banfbar bie Bevor)uguug, erwietf 
ftd; alt treue Stü^e ber Wonarajie, gemeinfame Seiben 
m:b 3ntereifen verflochten ür mit ben Stuart«. Die 
BiQ IM" Sleidtförmigfeit in öffentlichen Scbeten unt> im 
Scbrauche ber Saframrnte ging am 9. 3u(i I6*il Purch 
uno bafl Common Prayer-Book wurDe von flnglifa' 
nem reoibirt. Äarl erfldrte, er müntchr eifrigfl bie Uni- 
formitdl ber ftircue, bearünbet auf bem neuen Common 
Praycr-Book; bat Parlament lobnic ihm bierfür mit 
ber Erneuerung brO alten 8uage ber normannifeben Aö» 
nige, einer befottber* ben Armen brütfenben Abgabe, unb 
half feinen Selbnötben ab; am 19. Wai lt>62 würbe 
bie llniformildtdbill mit ihren (ilaufeln SanDedgefeQ unb 
feitbein firengften« gebanbbabt, mat im fteiebe viel l 1 ! i* 
vergnügen erzeugte; alle Sirafgrfe^e au« ber 3eit Elifa' 
betb'0 traten gegen bie Aidmbeilnabmr am SotteObienire 
Der $od)firtbe uno gegen iroe Abweichung von berrn 
feflnorniinen Sämlingen iteuerDingd in Araft; wo blieben 
Die Selöbniffe von BrePa? Auch SdwltlanD vetfor feine 
freie Aircbenverfaffung au ©unften her Bifcböfe, 3rlanb 
fonnte ntdjt« hoffen. Die ftrone, fowie Abel, Äleru« u. f. w. 
realen wieber in ben Beüti Orr unter ber Revolution 
confidrtrten Süier, wobei ftd) bie anglifanifcbe Seiftlid," 
feil weit idjrcrfet zeigte ale bie Arone; bie (Savaliere 
aber waren Damit nicht aufrieben unb murrten über bie 
Bill ot' indemnity. 

Dtie berri'ebte Derart 3inmoralitdt unb Unzucht wie 
am $ofc Aarl'O unD von hier ging fte auf bac Sanb 
über; nie waren Die öffentlicben (ibaratlere flecfenreidjcT 
unb unwürbiger alt um Aarl'0 üh">n. 



Digitized by Google 



KARL IL (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) — 



129 — KARL IL (KÖN. V. ENGLAND ü. S.W.) 



Huf ben Sd>u$ Subwig'« XIV. bauenb, bewarb 
Mf Äarl, obgleich ihm baburcb cm ftrfrg mit Spanien 
brobte, um «int porrugiefifcbc 3nfantin; Vortugal bot 
elf SWitgtft langer nnb r>iel @clb, bem englifcben -franc-el 
[cOtm große Vorteile in 3"bien unb im SRittclmecrc 
Ulfrrömrn. ftarl betrachtete tt, immer von s 2?crfaillr* 
au« geleitet, al« ebrenfacbe, Portugal gegen Spanien 
jn febüpen, fdjidte Iruppcn bin unb nahm bafür Oelber 
an, um von ben @rlbbcmi(ligungcn feine« Varianten!« 
unabhängig ju ivrrbtn. Äarl unb Siarenbon waren 
nnnrürbiß genug, ' m 9to»fmber 16t52 ba« hochwichtige 
XünFtrcben an Snbwig XIV. für 5 «tiflionen gr*. *u 
vrrFaufen; bie« erjeugte allgemeine Vcfebiüigung j 'lan- 
ger« eroer» (onntr fte nidjt ftllleu. Hm 21. Vfal 1662 
tnratbete Jtarl bie in firdiid-er Devotion erjogene, ibm 
fwipatbifcbe 3nfantin Katharina, Schweflet Äönig 81» 
fon«' VI. von Vrrtugal (geb. 1638), in Vort«moulb «od; 
anglifanifdjem 9iitu«, würbe abrr rafd) «in fdjiecfctct 
ü&emann, behielt bie Vfaitreffe Dalmer am £ofc, jwang 
fte feiner ®emablin al» @f)rrnbame auf, erhob fte iur 
Gräfin von Gafilemaine unb fepie bie Jlönlgin, junta! 
fie finberlo« blieb, rürfft<bt«lo« jurücf. 

Unter Rar! murre brr V'™ erfonnen, bie englifdjc 
Jfirdje roieber 9?om anjufdjtießen, wäbrenb über bie Sef< 
tirer Verfolgungen oder Ärl ergingen; Jfarl fianb 9tom 
viel näber al« ©roßvatcr unb Vater, obgleich er gern 
über Fatbolifcbe Vrdudje unb rlnftd)(en fpottetc. Ohne 
ungläubig ju fein unb ein 3enfcit« ju bejmeifeln, kam 
rr feine eigenen VorfteÜungen von ©Ott unb ©öttlicbfdt 
unb förberte bie Slatutwtjjenfcbaften fonberiid) gern, »eil 
fie bie auöfcbließüdie ^errfdjafl ber ibeologifaVfircbllcben 
lenbenjen mit Untergang bebrobten; er fdjmanlte jwi« 
fdjen SefenntnißfoftgFcit unb ftüibolici«mn«. Maxi bacHe 
an eine angliFanifcb'fatbolfidK Jttrdje, nicht an volle 
2BlcberbCTftellung ber pdpftlid)rn fluloril&t, fonbern an 
eine Hebung ff* Sd>i«ma mit Vcibebaltuna mögtiebfier 
Sclbfiänbigfcit brr VngliFanffcbcn Ätrcfce. 9iacb Staren' 
bon'« Anficht ftanb bem Aönig bat 9?edjt tu, von ber 
Ausführung ber &rfcge )u bi«penftrrn ; er fdjien befugt, 
rine Deriaration ju erlaffen, bie allen Parteien auf 
©runb feine« Di«penfation«Ted)t« eine erträglidje el- 
ften} neben ber Hnglifanifdjen Äira>e fieberte, unb fo 
erging im Derember 1662 bie 3nbulgrnjbiU; al« fie 
aber 1663 in« Varianten! fam, beroirfte (Marenbon, baß 
fte gar nicht jur Sbftimmung gelangte nnb fptad) au«» 
brücflid) gegen bie bi«penftrrnbe ©ewalt be« ^Monarchen, 
für bie er früher eingetreten mar. Äarl verübelte ibm 
bie« febt, feine ffiravitdt würbe ibm läftig, er sog ibm 
Vucfingbam, rlriington unb flfblev Sooper vor, unb aue) 
ber jabllofen Sdjar von «eibern, bie fflarenbon bei 4>ofe 
jäblte unb bie ßdj um bie ttaftlemaine jufammenfan»en, 
madjte ©raf Vrifloi 1663 im Oberbaufe einen Sturm 
auf ihn, bod) ging Ctarrnbon tarau« alt Üriumpliator 
bervor. Vlieb ber große Vegntnber betf firdilid) « politi' 
fd>en €vftem0 ber Verfaffung am 9iubrr, fo erlangte er 
bod) nie mehr bie grrunbfcban bre) Wonardien. ßtvifeben 
englanb nnb ^ollanb lebte bie alte 9lationaleiferfud)t, 
bie ^anbeldrivalität fdjroff unb fdmribcnb »iecer anf 
i.a««n.».CB...ff. 3»«iu««tu. X Will. 



unb bieriu fam, baß Jtarl alt 9titvormunb feine« Steffen, 
ffiilbelnf« QJL) von Dt unten , biefem bie 6lattbalter» 
febaft ju verfdjaffen »ünfd^te. Sie Äarl mit ben Ora« 
niern, fo ftanbrn bie Siepnblifaner in ^ollanb mit tert 
«nglifdjen 9Ki«vrrgnügten in Vnbinbung. 3m Äprit 
1664 bat fein Parlament Jfarl um Sbbülfe gegen bie 
eingriffe in ben eng(ifd)en Aanbel, unb broiDigte ibm, 
naebbetn bereit« mit ber ^olIänbifd}>roef}inbifd)en Som« 
pagnie ber Ärieg begonnen hatte, enorme Summen gegen 
{lotlanb; trof> eiarenbon'« einreben ernannte ba« Var< 
lammt ((ommiffdre )ur Vrüfung unb Ueberoad)ung ber 
«uflgaben. g)orf führte ben Oberbefehl ber glotte, bie ber 
feinblidjen etwa gleid) an Stärfe mar, unb ergriff bie 
Offrnfivr. Die Sieberlage bei $aroid), 13.3uni 1665, 
entmutbigte bie ^oddnber nid)t, be SBitt unb be Stuvter 
rüfteten unabläffig unb 6anbroid), 9orf« 9?adj folger, 
mar ihnen für bie Dauer nicht geroad)fen. 3u ^»nbe 
eroedte ftarl ben ^oUdnbrrn einen neuen geinb, ben 
flreitluftigen gürftbifdjof von VJtünfirr, ehriftopb Sern« 
harb von Walen, ber in ihr £anb einfiel; granfreid) hin> 
gegen erflärte «arl, efl muffe $otlanb vertraa«gemäß 
beifpringen, unb »oDte ben fRebiator roiftben ©nglanb 
unb .fcollunb fpielen. Da« roegen ber Veft nad) Orforb 
verlegte Parlament wollte nicht« von ber Vrei«gebnng ber 
maritimen Stellung @ng(anb« miffen, bemilltgte °ar( 
neue ©elber, brad) mit grantrrid), unb englanb tvar 
ganj ifolirt, al« 1666 ber Ärieg von neuem begann; 
felbft @a(en rourbe von üubroig XIV. (ahm gelegt. 
Die €eefch(ao)t vom 11. bi« 14. 3uni 1666 mar für 
bie engldnber unglüeflich, SRonf unb Vfaligraf 9tupred)t 
mußten nad) ber Jhemfe jurürfgrben. Die engldnber 
erfepten ihre Verlufte, ftegten am 4. Hug. über bie $ol« 
länber, unterließen aber, feit bie franjoftf*« glotte im 
Jtanal erfdjien, ben offenen JTampf unb ftarl machte 
^>cllanb grieben«vorfd)ldge, roäbrenb Uubmig XIV. ibm 
in englane, Scbottlanb unb 3e(anb grinbe ju crorefen 
fudjtr. Da verjd/u'c bie furchtbare geuer«brunfi vom 
September 1666 jtrei Dritt*! Bonbon« nnb bie betborte 
Wenge nannte al« VianbnV'. balb bie rlnabaptifirn, 
balb bie JtatboliFen, balb bie ^o.idnber unb granjofen, 
aber tro$ ber großen Einbußen, bie bfefer Vranb bem 
Sationalmoblftanbe jufügte, würbe vom Varlomente 
neue« @elb für ben jtrfeg verwiOigt. Jfarl fliehte burd) 
granfreid) um grieben ju Fommen, feine 9)?utler leitete 
bie Unterbanblungen mit Subwig unb im 9Rai 1667 
würbe ber grieben «congreß in Vreba eröffnet, auf bem 
ftarl feinen !rl bfidjt-.it >w ©unften ber Dränier entfagen 
mußte. Die {»olläiiber fuhren, worauf englanb Feine«« 
weg« gerupft war, in bie Übcmfc ein, nahmen Sbeemeß, 
verbrannten bie ftriegflfdiiffe in ebatbam, fegelten bi« 
Upnor unb f ehrten triumpbfrenb jutüd, jum erften mal 
hatte man auf ber lenboner VrücFe ben Donner fein»* 
(icher ©rfcbüpr gehört, ade« verjagte. &ar( fchlemmte 
mit feinen Dirnen, ohne bie nationale Scbmad) mitju« 
fühlen , unb £>unbcrttaufcnbe mochten eromwell >y.tM-- 
frhnen! 3n Vreba wuroe am 31. 3u(i 1667 griebe 
jwifdjen ^ollanb unb englanb gefdjloffen; beibe Iheile 
behielten ihre eroberungen au« bem Äriege, bie «aviga» 

17 



KARL II. (KÖN. V. ENQLAND ü. 8. W.) ,~ 130 ^ KARL U. (KÖN. V. ENGLAND U. S.W.) 



rioneacte würbe gu ©unflen ber $ondnbrr mobiftrirt, 
Qngtanb berieft 9Jeu«9lirbertanb, wae brm norbamrrifa« 
nifdjrn (Eoloniafgettrle bir jur Sntwitfelung nötbige gon» 
tinuitft gab, unb verlor Polrren. 2>ae englifa>e Poll 
»ar außer fid) fiber bie SDiieverwaltung unb ben Weber* 
gang bee Staate ; ee warf bie Sdjutb an allem Unbeile 
brr lebten 3rlt auf Starenbon, infultirle ilm, unb Äart 
IUI:- ibjn feint Stufte, lacbte über bie Poffrnrrißrrrirn 
SBudingbam'e auf Soften (Slarrnbcn'e unb fanf immer 
tiefer. 9116 fiarrer Prrfedjter ber ^>rd)firdje hatte €la» 
renbon im Uiai 1664 bie „(Eonventtfel « tBcte" unb 1665 
bie „günf'9J?eüen»8lcte" burdjge bracht , bie mit Sari'« 
Solrranjpolitif im SBiberfprudje fianben unb ifm barum 
vertrftten. 3>a (Slarenbon fab, wie Wievergnügte im 
Cbertjaufe mit ben gütjrera bei Dppcfitien im Unter« 
rjaufr in Prrbinbtmg traten, rietb er «ort jur Huflöfung 
be« Parlament«, baue aber bie Plfcfcdfe, troftbrm er fie 
fiele begünfiigt, hierbei gegen fidi unb fiarl verweigerte 
ibm 1667 bie Huflöfung; er fal) in beu Prcöboterianrrn, 
bie bei ben 9teutrat)(cn ftdjrrlid} in flarfrr ßabl ine 
.'naus gefommen wären, halte 9tepublifaner. $atte Marl 
auf Ctarcnbon'« 3catr> ba« Parlament bie October 1667 
vertagt, fo bereute er ee unb berief bie ^dtifer auf all« 
gemeinen SBunfdj fetjon jum 3uü rin. Stile SBett forberte 
ton fiarl Buflöfung ber Sanbarmee, benn man fürchtete, 
et wolle, auf fie geftüht, seepotifa> regieren; fiarl leugnete 
biee Porbaben, forberte jebcd) ßefeblidje Haltung, um 
it>n nidjt jur Strenge ju treiben. Glarenbon meid/te 
bie alebalbige dntlaffung bee «Parlamente, wae neuen 
©rimm erweefte ; vergebene fudjte Rart ibn ,u frei* 
willigem SRüdtritte |u bewegen, um bae Parlament ju 
beidnftigen; Plannten meinte, arl fei brr §err bee 
Parlamente. Ulm 9. Sept. 1667 aber mußte er bae 
grofj e Siegel abgeben, benn fiarl febnie fid) banadi, feinen 
langen Woralprrbigtrn ju entrinnen. Wit 3ubrl br» 
grüßte bae vrrblrnbete Poll feinen gall, ber jugleicb bem 
franjöfifcrjen 3nrereffe in (higlanb einen febweren Sdjlag 
vrrfretr; fiarl gab ber Kadrfudjt bee Parlamente fo 
weit nad), Sem Winifirr einen fiodwrrraibeproceß an< 
bängen ju laffen, bann aber, ale bie ©eröffentlidjung 
von Glarenbon'e Gorrefponbtnj mit granfreid; brobte, 
bie fiarl vor allen comprornirtirte, veranlagte er feinen 
Bruber §)ort, lllarenbon am 9. 9lor>. jur gludjt nad) 
granfreid) ju beftimmen; feine SReditfertignngefdmft ver* 
brannte ber genfer unb am 19. Der. 1667 fanctionlrte 
fiarl bie Sit! feiner tcbeneiänglidjen Perbannung; er 
Ikd iid bae SRcdjt ber Pegnabigung bee großen dienere 
entliehen unb fcbjug fpdter fein ©efud), brimfrbjrn ju 
bürfen, ab. Wit bem gattr Glarrnben'e mud)e aber 
niifct ftarl'e SBoUgewolt, fonbern bie SWadii bee Rrg« 
rrid>en Parlamente, granfreirte 3SBacbetb,um gegenüber 
lag ein ©unb ber Seemädjte in ber $atur ber Sacbe 
unb ber rnglifdje «Refibrnt in Präffel, Sfr ffiitliam 
Remple, machte ee feiner Sebeneaufgabe , ibn jum 
Schule ber fpanifctjtn 9iieberlanbc ,ui |d)lir^rn; bie 3><< 
lereffen (fnglanbe unb J^odanbe fOyienen ibm biefelben 
unb er fanb San be xuitt gleichet IReinung. Stift 
gegen feine Neigung, bie fiarl ganj ju fubwtg binjog, 



fab, rr ftd) von brr dffentlicben Pteinung jum Sunoe 
mit $oHanb gebrdngt; wdb,renb fiarl eben ben $ran< 
jofrn eine C>ffenfivaUian) gegen £ollanb unb Spanien 
unb ben Spanlern eine ju ^cDanbe Watbtfjeil gegen 
granfreid» anbot, immer ®elb uub Sldjerung bee eng« 
liftben fficltljanbete forbernb, gewann lemplt au* Sd>rcc 
ben für feine Pldne unb am 23/24. 3an. 1668 fam im 
£aag bie $riplr»8aianj @ng(anbe, ^ollanbe unb 
Sdjwebene ju Stanbe, bie Subwig'e eb,rfüd}tigen 3> f!f " 
Pmhaii gebot, „ein (euditenbee Pteteor an biefrm 9Jait- 
bimmet brr ©emeinb/dt" von fiarl'e 9{rgirrung. Ia? 
^auptgewiebt tag barin, bajj fta> Snglanb unb {»otlanb 
jur £»erfiellung bee griebene jwifdien granfreid) unb 
Spanien verpfjiditeten ; 8ubwig wi* biefer Dppofition 
ber SNdcbte gegenüber unb \<t)H im Wal 1668 ben 
aadjener grieben. fiarl lag fe()r wenig an bem atlge« 
mrinrn PrifaD, ben bie Iriple«8llianj erwtdle; wae 
flimmerte ben erjrlefrn ©efeden Phre unb ftufjm feina 
»allein V 3bn verbrofj vielmehr bie Ptaebffiellung feine« 
Parlamente, bae feinen ewigen (fklbnötben gegenüber 
fdjwlerig ju werben begann unb bae ftd; von ben SD?i« 
niftern s9udtngbam unb @rnoffen nid)t ignoriren lief. 
3)ie fogenannte „Sanbpartei", puritanifa> unb republifar 
nlfd) gefinnt unb abgeflogen bureb bie gurebt vor papie 
mu6 unb ver granfretdj, würbe im Parlamente mda> 
tig, fiarl'e 9Jerfa)wenbung bee Staategute fanb berbe 
firitifer, bae geuerwrrf bee »efiaurationejubete roar ver- 
pufft, fiarl mußte vor Slufrttbr rittem. ^ingegrn brrrat 
fiarl mit Sudingbam neuerblnge bie Pab^n religiöfer 
Xoteranj, bie Preeboterianer fonnten ftd; freier bewegen, 
aber im ©eifie Qlarenbon'e wie« bae Parlament 1668 
bie 3been ber Zoleran) von ftd> unb besame auf ber 
von ibm begrünbeten anglifanifdjen Crganifation. 

3)a6 Parlament dufiertr fiel; offen gegen bie fRdlbe 
bee fiönige unb fprad) bavon, aud) er muffe ben ©e» 
fe&en bienen. 3n brr auewärh'gen Politif gludte ee 
fiarl, bie ©manripation Portugal« von Spanien, im 
©egenfafe mit granfreid), burd?jufiit)ren, unb ©obolpbin, 
ber engtifd>e ©efanbte in Wabrib, bradjte Spanien ba« 
hin, feine «nfprücbe auf alle S9efi&ungen dnglanbe in 
Sßeftinbien unb »merifa aufjugeben. 

.Uai : war voll Abneigung gegen apollanb, gab trefe 
ber !triple<7lllian| bie grrnnbfa^aft mit Subwig XIV. 
nie auf, obglrid) er oft übrrvortbeilt würbe, unb begann 
mit Üubwig wegen einee Pünbniffre grgrn f>oDanb ju 
untab,anbrin, unbrfümmert um bie gegenteiligen 3n' 
tereffen feine« Polfe unb um bie Sa>aube, brr Sölbling 
gTanfuidje ju werben, fiart nat)m feine fatbotifirenbrn 
3been wieber auf, fein fatbolifeöer pruber ?)orf befMrfte 
ibn ; mußte er infolge berfetbrn 3nfurrertioneu erwarten, 
fo foüte ^ubwig iljm gegen feine Untertanen ©elb für 
Gruppen geben. Seit 3anuar 1669 war fiart tjirrju 
rnifabloffen unb berietb, mit Cubwig; er bacb.tr an bir 
@rfldrung brr fiatDoticftdtj großen Vlnttril an ben Unter« 
banblungrn v.nh-n fiarl'e Scbwefier, bir Jpcrjogfn von 
Crteane, beren bö*flrt SJunfdj innigr greunbfrbaft jroi» 
fdjrn ?ubwig unb fiarl war unb bie begriflert für ben 
fiatbotltiemue fpraa>. TOit irjrrr $ülfr lamm in tovtx 



Digitized by Google 



KARL IL (KÖN. V.ENGLAND U.S.W.) - 131 - KARL IL (KÖN. V. ENGLAND U.S.W.) 



am 1. 3»ni 1670 befbe Äönige äbenin: Jtarl foll ft* 
jur fatboltfcbfn Ätrdjf brfennen, fobalb e« ihm bir Sage 
geftatte; er verbündet fia) mit Subwig jur Sernichrang 
»I ftirberfanPe unb fejt oie Sand* unb Seemacht <Sng* 
Ianb* jur Behauptung der bourbonifeben ffnrrc^tf auf 
tif fpanifehe «Monarchie ein; Subwig jablt ihm in meb« 
terra Säten 2 Millionen gr«. uno fenbtt ibm im galle 
cm tr 3nfurrecfion in Snglanb 60U0 Wann; jur Unter- 
werfung ttr 9tieber(anbr, bie ?ubwig am näcpfirn in« 
ttrrfftrte, jablt er Jtarl jjhrlidj 3 TOiUtoneit gr«. unb 
bfi ber ipeilung ihre« ©eMetö begnügt ftd) Sari mit 
SBalcbeien unb anbem gegen. Der Jtönig belog feine 
eigenen 'Winifter, benn nur QHifforb nnb ttrlington er« 
fuhren oon bem ea)ten Doorr«Pertrage, bet bie Ännabme 
de« Jtatbolici«mu« verfpraeb; 3)uctingbam, Sfblev Sooper 
unb Sauberdale nnterjeidjneten am 31. Der. 1670 einen 
fimulirten, worin diefer Paffutf feblte. Sine böchft ge» 
fcbicfie $unde«genoffin unb Helferin Sudwig'« loefte Jtart 
nun völlig in beffen @arn, Seuife be Oufrouaille, bie 
Jtarl ba(b ganj beberrfd)te, $erjogta oon Portömoutb, 
fDluttrr mehrerer Jtinrcr unb Inhaberin enormer Steicb« 
ti'ümrr mürbe. Jtarl hatte fi(h mit ben gübrern ber 
Oppofition im Parlamente in Unterhandlungen ringe* 
(äffen, um feine Schulden lo« ;u werben unb feine an- 
gegriffenen Winifter ju retten, rrlirfj eine Proclautation 
gegen bie 9tonconformif)rii, erlangte aber rrofebem vom 
Parlamente nie Unterftüfcung uia)t, bie er erwartete. 
Da« Parlament erfuhr nicht« vom Dover »©ertrage unb 
von ber ffianolung Oer Pelitif Jtarl'«, glaubte an ba« 
SJrfteben ber Sriple-SJUianj, jeigte feinen SBiberwillen 
gegen granfrrieb unb Den Jtatbo(tci«mu« ohne 3 a O en » 
bie leifefte Ahnung «on Jtarl'« futbolifcbrn Wdüite» 
bdtte ihm fdjon 1670 ben Ihren gefoftet. Seit 1670 
bildeten ßlifford, Ülrlington, Surfingbam, Slfblev (Eooper 
unb SauPrrPale eine üommifjion tut bie auswärtigen 
Angelegenheiten, oon ber Bie 'Mitglieder be« (Srbeimen 
Math« au«gefcbleffen blieben unb bie a(« (Sabinet«ratb 
bie au«wdrtigen Angelegenheiten bebandelte, bevor fte an 
ben (Sebrimeu 3?atb famen; bald nannte man fie naa) 
ben «nfang«bua)fiaben ber günf ba« Sabal »OTinifterium; 
wenig ehrenhaft waren alle- günf, babei aber grunbver- 
{(hieben; ber fdhigite war Slfblev Sooper. Die günf 
begten gleicbmd(iig bie Abliebt, duret) Diiloerung ber 
Uniformitätdgefepe , unter Ptitroirfung Jtudwig'« XIV. 
unb getragen von einem auswärtigen Jtriege, ba« Sti* 
nigtbum mögllcbjt unabhängig ju machen; Ärlington unb 
ffllfford woDten übrrdirt in (xngland ben Jtatbolici«mu« 
trieberberftrUen : fflffforb fah ba« {»eil nur in ber 8er» 
bindung religiöfer greiheit mit föniglidjer SRacbtfüDr unb 
ihm fehlen e« Jtönigöpflicbt, ben oetfdjiebenen Pefennt« 
uiffen volle greiheit ju gewähren; innig mit ?)orf vrr« 
bunbrn, woUte er gleid» ihm Ärieg gegen bie verbapten 
9ÜeMr(dnbrr, unb Krlington meinte, vor bemfriben föntie 
Xrori nid)t wagen, mit ber Aatho(iritdt«er(ldrung auf- 
zutreten. 

3n bie la'dien ber „Sabale" ftei' franjöilfdje« 
@c(b) fte rielb Jtarl, unbefümmert um feine« Sater« 
<5nbe, ^ aUen fcblecbten 6a>ritten, bad>te an bie 5BtT* 



nid)tung be« Parlament« unb futbte feine Stitglieber ju 
verführen. 3>er Qntwiifelung be« vom proteftantiAmu« 
burajtrdntten englifchen 6taat« lief ber Qebante, fid) 
ber fatholifd)en SBelt unb Den printipien abfoluter Kon' 
ardjie aniufd)lie#en, fehnurftraef« entgegen; anfiatt bet 
von Submifl geplanten Unloerfalmonarthie bie SBege ju 
verfpenen, ebnete fit ihm bie „Cabale" unb half ihm 
guui Umfrut) ber Weberlanbt. Um ®elb für ben nttber» 
ldnbifd>rn Sttn- ju erb/alten, belogen Jtarl unb bie da« 
bale ba« Parlament: fte (teilten fnh, a(« feien fte Die 
eifrigfreit Anhänger ber Xriple-'HQian) unb hielten granf- 
reid) gegenüber eine Permehrung Oer gleite geboten; ba« 
Unterhau« lief) fta) bupirrn uno bewilligte 800,000 Pf unb 
Subfibien, hierauf würbe ba« Parlament vertagt unb 
ber £of rüjlete g^egen bie 9?ieberlanbe. Woaj vor ber 
JcTirg«erfldrung (teff Itatl wie ein ©eerduber eine au« 
Smvrna fornmenoe auf 1'/» WiHionen Pfunb gefa>d&tc 
boUdnbifche $anbe(9flotte im Wärj (672 bei ber 3nfel 
SBight überfallen, bod) entrann fie ihm grägtentbeit«; 
am 28. fRärj erdärte er bann ben ftrieg mm Sntfenen 
ber proteftantifaVn SSelt. flm 25. p. 3X. war bie neue 
3nbulgen)rrtlärung ftarl'« rrfd)ienen, oon ben Mjtholifen 
jubelnb, von ben proteftantijcben Diffenter« mit Sepenfen 
aufgenommen. 3 ur Srbaltung von glotte unp äpeer 
fonnten bie 800,000 pfunb nicht au«rrichen, bie ginant,en 
waren in entfeßliebem 3uftanbc unb barum lieg iieb Start 
von «fblep Cooper unp Glifforb jum fcbnöPeften 35ru<be 
Pe« öffentlichen Vertrauen« bewegen. 3>ie lonboner 
25anfier« pflegten ber Äroue gro^e SJorfcbüffe ju machen, 

' bie ~ 



wofür fte Slnroeifungen auf bie ®«aat«einnabmen et» 
hielten; jegt erdärte Pie Scbafcfammer, pie {(nweifungen 
für bie 9iucfjab(ung foleber SorfwürTe auf bie Sinfunfte 
von 1672 würden wdhrenb biefe« 3ahre« nicht bonorirt 
unp nur 6 Prot, ^me» gegeben werben. Die« erfüllte 
bie Qörfe unb bie Prioatfrrt|e mit Sommer, grope {tdufet 
fielen unb bie (Srbitterung wuefaö bebenflieb. Wie fr an: 
eine {Regierung in febrofferem 3wlefpalte mit bem Polf« 
al« bie Äarl'« bei Pem Jtriege von 1672. Der Jlrieg 
foflete gnglanb enorme Opfer unP 9$erlufle, Pie WiePer« 
lanbe behaupteten fia) jur See , erlagen aber SuDwig tu 
Sanbe. Die ariftofratifdje Partei würbe geftürit, 9Bil' 
beim 11L von Oranien fam empor. SlifferD beftanp auf 
ber gortfeßung be« Jtrteg« bi« |ur Pernicbtung Per 
9tieber(anbe unb jum $ebufe ber ^Bewilligung neuer 
Oelber trat ba« Parlament am 14. gebr. 1673 jufammen. 
Jtarf« boffärtige Haltung imponirte nicht, ba« Parla- 
ment griff fofort bie ffabale an. Obgleich ber ftrieg 
nicht populär war, bewilligte e« Jtarl eine <5ubfioie von 
1,260,000 Pfunb, wanbte jtcb bann gegen bie 3nbulgenj» 
erfldrung vom 25. «Wdrj 1672 unb betonte, €trafgefeee 
(n fira>lichen Sachen fönnten nur laut Parlament«' 
befd)lufj fu«penbirt werben. Jtarl wollte nicht nadjgeben; 
Subwig aber rieth ihm, et möge fieb einflweilen beu gof 
betungen fügen, bi« er ihn tpäter mit feinen Iruppen 
gegen ba« Parlament unterftüprn (önne. Obgleich bie 
(labale au^rr Hrlington für ba« geftbulten an ber $n» 
bulgen}er(lärung war unb Jtarl jur fluflöfung be« Par' 
lament« ritty, vernicblete et feierheb bie 3n0ulgenj« 

17» 



Digitized by Google 



KARL II. (KÖN. V. ENGLAND ü. 8. W.) - 132 - KARL II. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W-) 



erfldrung, »o« Jollra 3«W im Polte hervorrief ; freilich 
behielt er fid) ftillfcbroefgenb vor, bei ©elegeubeit fein 
fird>ltcbe« 3tutoritdl«red)t reübrr ferrverjubrien. -£em 
Parlamente genügte biefer Sriumpb nidjt; um bie SIngl i- 
fanifebe ftirebe ftai f unb ft$rr ju gellen, enirang e« Jtarl 
bie ©enrbmigung )U bei bi* auf @eor^ IV. in ftraft ge« 
Huberten Seft'Krte vom 29. SRärj 1673: ©er in Cug- 
lanb ein öffentliche« 8lml befleibete, mugte aufier bem 
Supremateibe erflärrn, bafi er ba* Dogma ber 2ran«» 
fubftantiation abfdjroöre, unb öffentlich bu« Hbenbmabl 
na* anglifanifdjem Wim« nehmen. So erliu ber nad) 
«bfolutiömu« lüfterne Jlönig bie jcfcwerftr 9?ieberlage 
von feinen ©emeinen. 2)orf fonnie nld>i febwören, legte 
feine Hemtrr nieber, Glifforb trat ob. gort'« ^eiratt» 
mit einer fatbolifeben prinjefftn unb bie gortfefcung 
be« Jtrieg« bereiteten Jtarl neue Scbroierlafeiten. ©raf 
Sbaftr«but» OÄfblev (fooper) fnüpftr, um feine eigene 
(Stellung ju fi*tr«, mit ber Cppefitten an, Pudingbam 
machte ebenfatl« mit ibr Brieten unb Jtarl liefi im De 
tober 1673 ba« Parlament jufaramentreten. Da« Unter« 
hau* befdjrperte fid) über bie franiöfifebe Slllian} unb 
bie fd)led)ten JRatbgeber, befonber« über Sauberbale, griff 
Dorf« $eiralb an unb mürbe vertagt. Da Shafte*buro 
fid; )u offen ber Oppoftlion anfdjlofi, entließ ihn .«rar! im 
November 1673 unb ber SBinifier befämpfte von nun 
an Papfttbum unb 8bfo(uti«mu«, ja bei bem 9Birber» 
jufammentritt brteog er im 3anuar 1674 ba« Paria» 
ment, von* Jtarl bie 8u«fd)tefbung eine« Pettag« gegen 
bie ©efabren be« papi«mu« unb bie Perrilbaltung Der 
Uruppen in Sonbon unb SBeftminfler gegen einen vapi« 
flifaVn «uffianb ju forbern — unb ber elenbe Jtönig 
rciUigte ein. Die vom Parlamente über Jauberbale, 
Sudingbam unb «rlington verengte «nflage veranlagte 
ben Küdlritt ber erfteren au« bem UKmiftrrium, «rlington 
ging in brn föniglicben jS.Mttult über. 6o enbete ba« 
verbaute <Sabal»($abinet, birgotberung nad) 9ted>enfd)aft0< 
ablegung über ben Jtrirg ftürjte ed. Da« linterhau* 
jwang Äarl tum grieben mit ben Xieberlanben ; jtarl 
mujjtc allen planen ber ftalhoiiftrung pnglanb« unb ber 
Sieftauration abfoluter Jtrongewalt enrfagen; febeinbar 
lehrte er jur TriplcHUianj jurücf, inbem er Remple mit 
bem grieben«fd)luffe beauftragte: am 19. gebr. 1674 fam 
ju SBertminfler ber griebe Unglaube mit ben ftieberlan« 
ben juSlanbe; ber englifdjen glagge würben 3ugcftänb« 
niffe gemalt, bie £oflänber jagten ©elD unb bie (Srobe» 
rungen beiber Steile außerhalb Purepa* würben her« 
ausgegeben; in einem geheimen Strtifel ttmptc Jtarl fta) 
verpflichten , bie geinte ^»ollanb* nid;t mebr ju unter' 
ftü(en, ma« bie HUiani. mit granfreid) töbtete. Die 
Tfaitt feinet Parlament« mar febr bebeutenb gewad)fen. 
Aar! hatte feine £ufi, fid) von Jtatbarina ju fdjeibeu 
unb eine protrflantifcbe *Prtnjeffin ju betreiben, wie man 
vielfad) wünfd)te; ihm genügte bie Aeqogin von $oit*' 
moutb, neben ber er freilief) halt biefe balb jene €d)öne 
Itebfofte, unb fte Dielt ib,n bei granfreid) feft, ?ub»ig blieb 
fein ftiüer ®elblieferant. J?arl'« Vertrauen befa§ je&t ®raf 
Donbv, fein ©rogfdjaftmeifter, ber einfab, bog ber Staat 
«b,ne ISinverpdnbnig be« SWonardjen mit bem Unterlaufe 



nidjt jn leiten fei; ftarl gab barum im April 1675 bem 
Parlamente SSerfidjerungen im Sinne ber Uniformität ber 
Religion, Danbv modle im @eifie (Slarrnbon'6 brn 2>ei- 
fud) madjen, bie Prärogative aufrettt ju erhalten unb 
jugleid) ta* anglifanifd)e 3ntereffe \u wahren ; felbft be 
flcd)(id>, beftad) er gern anberc unb taufte Parlament^' 
mitglieber, aber nie tarn ihm in ben Sinn, (Snglanb ]um 
Scblepptrdger granfreid)« ju brgrabiren. Pr modle ber 
Gavalierpartci ben auflfajIieBliajen 93eftt ber fferutiven 
unb legidlativen @ewalt terftdjetn unb bradile barum 
bei ben Horb« eine ©ib* eiu, wonad) niemanb ein Amt 
ober einen «Sifc im parlammte nhalten follte, ohne etb* 
lid) ju erfldren, baö er brn SBiberftanb gegen bie tonig' 
lidje ©ewalt in allen gdlleu für ungefe(lid) tradjte; 
bie« bebeutete bie iSerrfdiaft te* SluglTfanertbum« unb 
ber Jfrone, blinbrr ®eborfam follte alle Beamten an bie 
Arone fnüpfen. Die »ill eräugte ungeheuere Srregung 
unb brang nid)t bureb. 

Die Streitfrage, ob bad Oberbau« al« oberftridjtrr' 
liehe Gehörte befugt fei, SDtitglieber be« Unterhaufe« vor 
tulaben, wenn «ca>t«ftreili?ffiten e« erforberlrn, erbiete 
beibe ^dufer berart gegeneinanber, baf Äarl am 9. 3uni 
1675 ba« Parlament vertagte. Subwig gab ftdj alle 
VRüht, ftarl bei fid) feftjuhalten ; uod) biente unter ihm 
Jtarl'« Saftarb, ber ^erjog von 3Ronmoulh, mit einigen 
taufenb 3Rann gegen £o(lanb, unb nun befd)lo9 er, bie 
englifthe -iif ad:t ju neutraliftren, inbem er jtarl jährlich 
500,000 (oui«bor vrrfprach; Jtarl fanb bietrin nid>t« 
dntrhrenbe«. 3m Cctobcr 1G75 wuiben im Parlamente 
9i(I« eingebracht jur (Snifernung aller Papißen au« bem 
Parlamente unb jur Aneignung be« ©efammtertrag« ber 
3ö(ir für bie Seemacht, inbeffen Jtarl Unterfiü^ung jur 
Derfitng ber auf bem (Sinfcmmen laftenben antiripalionen 
unb jurJJ)erftrllung ber Seemacht forberte, aber mit erfterrm 
Slnfuchen burd)fiel. Jtarl fühlte fid) hierbei böcbfi mibe« 
haglid) unb vertagte ba« Parlament am 22. 58ov. 1675 
unerhorterweife auf vierzehn Ptonate; ^ubwig jahlte 
nun vierteljährlich ba« au«bebungene @elb, Danbv war 
frtbfi au« 9toth ber Hbfunft beigetreten. Jtarl fr^te fein 
Schlemmen luftig fort, er war 9toue unb fragte nicht« 
nad) Der 3Ri«ftiminung feine« IBoIf«, ba« er bureb Seut' 
feligfeit leicht ju beftedjen hoffte. SBie Jtarl einen ©ertrag 
granfreid)« mit ben 9(iebn(anben ]u Snglanb« Schaben 
al« größte« Unheil befürdjtele, fo bangte Subwig vor 
feiner ©erßdnbt^ung mit ben Kieberlanben. Jtarl he« 
obad)tetr über feinen Perlrag mit granfreid) De« tieffte 
©eheimnig, eopirte ihn felbft unb unterjeiebnete ihn vor 
bem franjöftfd)en ©efanbten im gebruar 1676; felbft 
£auberba(e unb Danbv hallen ihre Unterftbnft verweigert : 
Jtarl verpflichtete fid) gegen neue ©elber, Üubmig ven 
allen Qerathfrhlagungen unb Unterhanblungen ju unter/ 
rid)ten. würbe gerabrju fein PafaD. Der jAanbelbtraetat 
vom November 1676 mit graufreid) frllle bte ftnlipaibien 
gegen bie fran)öjil'd)rn Jtaper befd) wichtigen hflfrn ; Danbv 
trat bamit vor ba« Parlament, welche« unpopulär gewor' 
ben war. 3« gebruar 1677 begannen beffen Sifcungen 
wiebet, Danbl) febaffte bie gübrer ber Cppofition im Ober' 
baufe in ben Homer unb im Unterbaufe würben bie Hn« 



Digitized by Google 



KARL IL (KÖS. V. ENGLAND U. S. W.) - 133 - KARL II. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



fcrbfnixäfB btr Sfflkrung trog ber Oppofition genehmigt, 
iJOO.000 Ifuni fit iBtrmtbrung ber 6re mad>t verwfüigt. 
'Stil ftiwiBigung ?)trr* fam (int 93111 jut Sidxrung brr 
prolrftintitdim Ktliflltn für ben gau" rin, tafs ein Äa« 
tWif JSönig vitN; fit brang burd), aber tote 99eforg» 
m'j cor Nu JBtmrnlt, ba J)ctf Jtouig werbt, lieft fut: 
nia)l baun. Hit fdn Parlament in ihn brang, er foUc 
SrrtinHajn utr (hbaltung ber fpanifcben 9ttebcrlanbc 
Wim mt Nr Ucbrrmadjt granfrricfc« begegnen, wie« 
Jtarl tt \ä)MM jutürf , vertagte e« übermal« unb 
; n: dm rrrNprlKjcra 5obu fein 3abrgebalt von 100,000 
Iflfuitb. Jrcjbfm ralfdjlojt fid) Statt, eigene gamilien' 
pclitif ju matten; auf ben 9i.ath Danbv'« uno Irmple'« 
i-rrijiifcilf rr |)erF< altefte loditer SRaria mit bem Sob« 
feinbr junfrddi«, ÜBilhtlm III. von Cranien, verab* 
rebelt mit Irttenm fritbendbebingungen , bie er eubmig 
wltatr, erfuhr aber bei Eubwig eine Sbwcifung. 5ng« 
Jjnb un» bie flitotrlaube vereinbarten nun am 10. 3an. 
1678 einen ailiaiusertrag, ju bem fte nölhigcnfall« Hub* 
irifl 'rpmgtn tvaQltn, unb Jtarl berief auf 2Buitfa> bc« 
'ftrlaacai« bit in ftanjiöfifdpen Dienften ftebtenben 
'>n ? |l jnter (eint; Snglanb fdjien ein Jttieg mit granf« 
reich ju broben. Jtarl freute ftd>, vom ^Parlamente 
Wirret für flufftcDung eine« beeret ju erhalten, bat rr 
ur (Jvböbung feiner Autorität in dnglanb unb in (Suropa 
tbrauaVn wollte. £a? Parlament, bem e« um bie 
'irberbaltinig ber franjöfifcr)en Uebermadjl ju tbun voar, 
ib ihm neue 6ubpbien, 1 TOiUion 53funb , führte eine 
'gemeine Jtopfßeutr ein, verbot franjöfifdjc fflaareu 
b JTarf fattbte feine erprobteren Jtrirger nad) ben 
nifdjrn 9?ieberlanben. £ubwig rächte iid> nicht mit 
SBaffen, fonbern fjielt bie für Jtarl fällige Uenfion 
nOflOO $funb ein unb trat mit ber parlainrnlarifcben 
fofitien tu Snglanb gegen ihn in SJrrbinbung; genug 
;be flrcrftrn fid) feinem Selbe entgegen; fein ©efanbta 
mn Kiit't 6baftc6burv, 93udingbam u. a. fcubrcig 
bie „8anbpartri" befeefie gleidjmd|»ig frop ihrer 93er» 
rnbrtt ba« 2Hi«trauen vor Jtarl'« Unrbrlid)feit ; beiben 
r« barum iu tbun, ihn in SSetlegentjeit ju galten. 
SBiüiam KuffeD, ber güfjrer ber ranbpartei, »er» 
ute granf reich« Uebermadjl, ivoOle aber Äarl in 
iib foHbt SBfrren bereitet wiffen, bafi er nochmalö 
tivig bingetrieben mürbe, unb biefer feilte bann 
rrrofrnidjung feiner 3'clt ade SRadji anfepen; 
ti (Jen offen reichen aud) vor @e(bern, bie ihnen 
id) bot, nidjt jurud, felbft ber gefeierte Sil fernen 
nabrn foldjc an; bitfe 3Kdnner wollten «uflöfung 
tifanifätn Unlerbauft«, SBernidjtting be« fatbolW 
rmenl« int Oberijaufe, woUten ?)orf befämpfen 
IM? fiürjen. SBri ber ÜRi«fiimmung ber Kation 
ngegen Start ebenfalls bie llnttrftü&ung fubroig'* 
f t>rei 3ul)re lief er fed?« Millionen »rfl. 3ar>r« 
ern, offne ju abnrn, bat) £ubwig bie Cppofttion 
rem greife erfaufte; Subwig gab fie nid)t, obne 
■werlidic 99rt>ingungen aufjubürben: ftarl nabm 
lf<S>cn &rleben«vorfa;Ii5ge in 9ltjmwegen an, »er* 
Tanten t unb ^>rer aufiulöfen. Tann uter gewan' 
^anfrrirfj entflegenjlerjtnben 3nltteffen nodjmal« 



bie Ofcerbanb, Zrmple rrwirfte am 26. 3u(i 1678 einen 
neuen 93ertrag mit ben Kieberianbrn unb wieber brobtt ein 
fran.}ö|lfa>er ftrieg. Jtarl |d)idte feinen Sehn SKonmoutr) 
unb Gruppen )u Dranien, um ftd> mit ihm ju vereinigen, 
laiifidrtr bad Irtjte «bfonimen mit 8ubmig nid>t unb 
vertagte bad Parlament. X>ie engiifdie Cpponiiott bewog 
üubwig jur Sadjgiebigfett, Jtarl wirFte auf 6d)weben, 
beobachtete bie bopptljfingigfte ^dilif, rebele für ben 
ßrieben unb verfprad) Oranien gegen Subwig ioöjufd)iagen, 
aber 8ubwig jaftörte feine 3ntnguen unb am 19. 6ept. 
ratificirten bie (Seneraiflaaten ben grieben mit granrrelcb. 
Wu brr tnglifrbcn Cppofttion blieb eubwig in engen 
Begebungen, wdbrrnb ftari unb Z>anb» ba( {>rer w 
fammen behielten, um gegen innere unb dunere geinbe 
gerüftet ju fein. 1678 Qerrfrbte im 9teid>r enifeplidje «nf 
regung rmgen einer angcblid) verratbenen papiftifd>en 
9Ber(d)Wöruiig; um wieber an« ®taai6ruber n gelangen, 
hatte fie ber niebt«würbigt Sbafteflbur? erfonnen unb 
falfcbe 3eugen gebungen: bie 3tfuilen follten ben $Ian 
gefebmiebet haben, Jfarl |u ermorben, ben ^roteftcinti*. 
mu« )U unterbrüden u. f. w., Söorf unD feibfl Äarl'« 
Gemahlin würben in bat Sompiot verwidelt. Stati be< 
tradjtete biefe Hngetegenbeit wegwerfenb unb bdtte fie 
gern unterbrüdt, aber ©hafte* burp (iefi bie0 nidjt ge» 
fibeben. Bonbon gltd) einer <Stabt im Belagerungdjuflanbr, 
$apiften füllten ade Jterfer; auf Drängen bre Parlament« 
würben alle Xatbolifen au<J SBefrminRer unb Conbon 
venviefen, auflaenemmen bie »ngefeffenen unb gamillen' 
vdter, bie ben (Sit ber Irene unb oe6 Supremat« leifieten; 
bie an ftatbolifen gegebenen Ktilitärpatente mußten jurüd« 
genommen werben; Jtarl follte niemanb unter feiner 
@arbe buiben, ber ben £eft'@fb nidjt geleiflet habe. 2»i« 
Untrrfucbung be« „papifiifcben Soir.piot«" würbe einem 
8u«fd)uffe unter ©bafte*bttr» anvertraut, bie 93er» 
baftungen nahmen fein @nbe, an 2000 Serbädjtige 
würben fefigenommen, unter ihnen fünf fatbolifdie 8orb«, 
bie unfdjulcige Jtönigin litt unter ftrtngen iltafrrgeln- 
8m 30. 9?ov. würben alle Äatbolifen vom «Parlamente 
auflgefebieffen; ein neuer $rüfung«eib follte von jtbtm 
$arTamenl«mitg(iebe geleitet werben, in ihm war ber 
Jtatboliri«mu« al« Abgötterei btjeidjnet; bingegen pro« 
trflirten einige fatbolifcbe coro« unb $orf. Qh'nr lange 
Steide von i^iuriaStunftrn trat ein, Jtarl flimmerte e« 
nid<t, raff bie Dpfer fd)ulb(o« waren; nie gebraucht? er 
fein Begnabigung«red)l unb babei ftanb er bem Jtatbolid«< 
mit«, für ben fie bluteten, felbft fo nahe unb fannte ge» 
»ou bie feilen ffleranflallcr ber ganje» rugfomöbie. Die 
Cppofttion unter €bafte«bur^ machte heftige eingriffe 
gegen 2)orf unb ruhte nid)!, bi« er ftd) au« bem ©ebeimen 
»äthe jurüdwg, aber bie« genügte nitbl; fie wollte ihn 
vom Ztftont au«fd)lie9en, inbem fte Jtarl jur 6d>eibung 
unb gu einer neuen <ir?v vermochte, barum erfldrte fie 
bie Jtönigin für bie 3RitfcbuIbigc ber >'ui:rn, boeb gelang 
Sboflrtbunj Die« SBubenfiüd nid)!. Danbo wiberfepte 
fta> nad) wie vor ber «uflöfung be« £eer0, ba« Unter« 
bau« hingegen ging in feiner Cppofttion fo weit, Jtarl 
bu« Sommanbo ber SDtilt) entwinben tu wollen, wa« 
Jtarl aber vereitelte; mit ben £dupiern ber Cppofition 



f 

KARL II. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) - 134 - KARL II. (KÖN. V. ENGLAND U. S. W.) 



vrrbünbet, unterwühlte ber franjdfiftbr ©efanbte Danbv'« 
SteQung. @iniße ©riefe Danbt/«, bie ben ©etvei« von®elb» 
abmarbungen twifdjen brn Sabineten von «ffilmehaU unb 
«BerfaÜUfl lieferten, würben auf franiöTifdje ©rranlaffung 
bem Unterbaufe vorgelegt unb erregten einen ©türm ber 
gntrüfiung, ; alUd forberte bie ündogt Danbv'fl auf {»od»' 
wrratb, Äarl fitste ibn unb brn mit «nftag« abermal« 
bebtobten Dorf «u retten, inbeni er bat Parlament, 
welcrjcö feit 1661 tagte, ba« Idngfte ber englifd)en ffle« 
fcbtdjte, am 24. 3an. 1679 auflöfte; wie triebt tonnte 
Danbv'« «Procrfj Äarl'« fdjmdblicbe f>diit>el mit eubmig 
an ben lag bringen! Die «JieuroabTen gingen frf>r er' 
regt vor fid) unb ergaben ein Atari burebau« abbolbe« 
Parlament, wdbrenb Äarl leinen ©ruber babureb aufjer 
Tragweite ju bringen fud)te, bafs et ibn *ur Ueberfiebelung 
na* Druffel vermochte. Da 6 Parlament war voll geinb« 
feltgfett gegen Dorf unb Danbv. unb füblte fid) gereijt, 
baf Äarl, al« er in bie gntlaffung be« »Jtnifter« wiUigte, 
ihm einen umfaffrnben Gkneralparbon au«ftellte; man 
fprad) bavon, ff muffe ein ©rfej erlaffen werben, >nela)e« 
ber Ärone ba« ©egnablgung«red)t für ben Sali abfdjneioe, 
wenn ba« Unterbaut bie «nftage ftelle. Die 8orb« traten 
am 14. Äpril 1(579 ber Bill of attaindc: gegen Danbv 
bei, er fam in ben Jomrr unb blieb bier fünf 3abre. 
Äarl berief abermal« lemple, feinen Reifer in Wölben, 
unb riebtete mit ibm bie ©erwaltung neu ein. Um ben 
3ufammenflo§ jwifdkn Äönig unb Parlament aufnt* 
halten, fd)tif lemple ben ©ebeimen «Ratb von brcifHg 
55erfonen, bem aud) bie SJlinifier angehörten, aber ber» 
felbe entfprad» ben (trwartungen niebr. Äarl berief in 
ibn bie vornebntften Opponenten be« Unterbaufed unb 
glaubte, ein SRfificrflücf ju -liefern, inbem er rljafte«* 
buxx) jum «Bräftbtnten ernannte. Den eigentlichen ©e» 
fib ber IWadji behielt ein befonbtre« Gommittee, befiebenb 
aud brn ©tafen tifTer unb Sunberlanb, ©i«count $ali' 
far unb lemple, für bie ba« SBort Äarl'« maftgebenb 
blieb. Jtart batie wenig polirifebe ©runbfd$e, unter ihnen 
aber ben unumflöfilieben, bafj er feine Ärone bem C^rb 
rechte verbanfe, niemal« eine flbdnberung ber Ihron« 
folge grftalte unb 2)orf bie Ärone nad) ibm tragen muffe; 
barum ftanb er in bem grefjen Streite jwh'cben ber Religion 
feine« ®clffl unb bem ISrbreebte feine« ©ruber« garq 
auf Seite S)orf«; er brftrebtr fid), ber protettanliuben 
Religion volUte ©arantie unter feinem Nachfolger ju 
wfdiaffen (30. flpril), aber ®bafte«burv lettelte neue 
3ntrigurn an unb baebte un «Dronmoutb al« Thronfolger. 
SJäbienb bie ©cmrinrn fidi mit ber Äuöfchlieijung §)orf« 
befdjdftigten, vertagte Sari, ohne ben ©ebeimen SKatb ta< 
von in Jcrnnimp gtic&t ju baben, am 27. s J?ai bafl 
Parlament; an biefem läge willigte er in bie berühmte 
Habeas- Corpus- Acte, €baflr«burv'« ©erf in erfter 
?inie, ba« bodjwidjtige ©efej jum Sdjuee ber perfön» 
lidxn greibeit gegen ffliüfür. 93alb löfle Äarl ba« 
Parlament auf unb orbnrte 9)euwab(en an. Stod) immer 
bauerte ber Slurm gegen bie ^apiften uub bie ©erid)te 
übten fannibaliftbe 3ufti4 gegen Sdjulblofe. Set ben Neu- 
wahlen jeigte ftcb baffelbe inefultat wie ba« (e(te mal; 
bie «Regierung jdbltr wenig Vnbdnger unb bie unreriohn- 



(idjfien ©egner br« $api«mu0, bie fjhetfbvteriauer, warnt 
fiarf vertreten. 3n 6d)ottlanb erbobrn fid) wüb bie (So» 
venanteT«, aber SRonmoutb. trieb fr e ju tPaatrn unb biet* 
burd) flieg fein Vnfeben im «Jteiebe, wo er obnebin po* 
puldr war, bebeutenb; ba« ©etüdit, er fei in beimlidxr 
(Sbe von JTarl ertrugt, wud}« unb al« Aarl im äugufi 
1679 gefdbtlid) erfranfre, fpratfeen Saufenbe von feiner 
9tad)folge; mit ber £rrjegin von $ort«moutb einver« 
ftanten, veranlagten Sunberlanb unb $alifaf 3tax\, 
Dorf jur 'Kurf fr V eüi|u(aben: et fam nad) Bonbon, be* 
wirfte bie (Entfernung von Wonmouth, ber ben Ober« 
befebi b<« {teer« verlor, unb ging nad) Aarl'ö ©enefnng 
nad) Scbottlaub, wo er an bie ©pipe ber Serwattuna 
trat. Die «Jtegierung, voll «ffliberwillen gegen «Wonmeutb 
unb feinen Reifet Sbaftrtburv, tubte nidjt, bi* lejterer 
abtrat unb bie üppofttion lHbtnfd)aftlid)tr al« it leitete. 
Äarl wutbe mit antipapifhfdjen «breffen unb «Uetttionen 
überflutet. lemple'« «egferung«p(an brad) iufammen. 
Üemple, dffe; unb mebrete ©ebeimrdtbe traten ab, 
um ibre Popularität nid)t bauenib eiujubüfien, ^alifaz 
blfeb, unb mit ©unberlanb bilbeten ©obolpbin unb 
{»pbt ein bie Regierung fübrenbe« Xriumvfrat. ftatl 
vertagte bie (Sröffnung be« Parlament«, willen«, vorher 
mit eubwig einen neuen $anbe( abjufa;(ie$en, wdbrenb 
er juglrid) eng an ber nirberldnbifdjen flüfanj feftbirlt, 
um fte gegen Subwig au«)unü(|en, unb Subwig nid)t 
verbeblte, bafj er feine Sfeuniontflammern miebillige. 
Jlarl bielt eine «u«föbnung von g)orr« drbrrrbt mit 
ben 3ntereffen ber «nglifanifdjen Äirebe unb be« «Carla« 
mentd für möglid); Subwig b>ngegcn fd)ien bie potitifdK 
unb fird)lid)e Cppcftticn In (Snglanb fo gewaltig, bafi 
e« nid)t ber IRübe Uhu, an ben obnmddjtigen Jlarl 
nod) ©etber ju wenben; viel beffer, meinte er, feien bei 
ber „Vanbpartei" ©efdjenfe angebrad)t unb (eiebtet liefe 
ftd) bier ba« 3>fi erreichen, (Snglanb butd) innere «Sirren 
gu fd)wdd)en; l'ubwig fprad) mit mafilofer Verachtung von 
Äarl. Üll« $orf nad) conbon utrürffam, leitete Sbaftes- 
burv 1680 eine flnflage auf ißapiOmu« ein unb Äarl 
fab fid) gejwungen, ben ©ruber wiebtr ju tntfernen. 
Hm 21. Ott. 1680 eröffnete er ba« Parlament unb al«. 
balb febrien bie fflbifl« nad) ber «u«fd)ltefjung ^erf* 
von ber «irbfolge, wdbrenb ba« 93olf von papifH|d>en 
ßomploten ftüfterte. Äarl bemerfte tdglid) mehr, tat; bie 
au«wdrtigen ©eiiebunaen, auf bie er ben meiften SBertt) 
legte, vor ben inneren «ißirrtn jurüdtraten unb ba« U'atla« 
ment ibm unanaenebme ©efd)lüffe fafite; febtere betrafen 
befonber« eine 8iK, wonach Dorf unfdblg erfldrt werben 
foHte, bie Ärone ju tragen, ben Slbfd)lufj einer trtfforiation 
jur ©idjerung von Äönig unb «J3roteftanti«mu« unb ba« 
Äarl ju gebenbe Sed)t, felbfl einen 9?ad)folger ju er« 
nennen, wobei man auf SRonmoulb reebnete. SXe «u«' 
fd)liefjung«bia paffirte in ber von «JRonmoutb'« «nbang 
getroffenen gaffung am 21. 9Jot. bie britte 8efung bei 
ben ©emeinen; wollte Äarl ibt iiiftimmtn, fo folltrn 
ibm rrid)e ©eibmittef jutheil werten, unb er ftbien 
wirflid) ju fdjwanfen, fragte nad) bem «Brei« unb leitete 
©erfidnbigung mit ben gubrern ber 28big« ein. Aber 
fie ml«rrauten fbm ebtnfo febr wie er ibnen. 3« Ober* 



Digitized by Google 



KASL IL (KÖN. V.ENGLAND U.S.W.) — 136 - KARL II. (KÖN. V. ENGLAND U. S.W.) 



'jyiV.?orci oandie für bie !rlu«fd)Iief»ing, aud) Sunt er« 
Int unC Me ^rjegln von Port«mcutb ; Start aber vrr* 
mf|b ttiiH »obitf 6« jtüTmifdjen Si&ungbe« Ober* 
tuftf bti, in ber burd) bie rounberbare »errbfamfeit 
m ^Ufa| om 25. »ev. bie »in mit 63 gegen 30 
Gm» Burtbfiel. Dann aber traf ba« Oberbau« dne 
Sfifce Mtrinfriito ©efiimmungen für btn gall, bafj 
#er? Jfinig torrOe. Die Oppofttien im Unterbaufe griff 
mirißct ßalifat an, brr Äarl'« volle« Verträum ge< 
mm, Sbafteleiiiv erljob bie bitterftrn Snf lagen argen 
Jtari unb f)nt 3*fct bot $ubwig Statt obermal« llntei - 
tü^ina grgrn fein Parlament an, ba baffelbc frgr anti' 
fmpm auftrat; e« fdjien ibm geratben, e« burd) bie 
Ärene ju beengen, nnb Äarl erfab au« ben neuen Unter» 
fidnbfuHgen, baf er an Subrcig einen SRüdtyilt baben 
Witt, nenn er fi.b vom Parlamente befreie. Porerjt 
warft ti ti am 20. 3an. 1681 ; al« aber brr (onboner 
®emeinbetatfj fia> für bie SBiebereroffnung verwanblr, 
li'üf er ti am 29. 3an. auf unb ftbrieb 9ceuwab(en be» 
rril« für 31. 9J?är; au«. X w i neue Parlament trat, um 
ter Stimmung 8«ibon« endogen ju »verben, in Cjforb 
«Hammen, lie ©emütb« erbieten fid), nur Äarl fdjien 
auier ?aunr. ffidbrenb bie allgemeine Meinung fcafür 
mar, Statt uid)i« \u verwiegen, wenn er nidjt 2)orf 
icO'ajIiefe, bot ibm 8ubwig, fall« er fid> mit bem «Carla» 
itnit nid)t verftdnbigen fdnnte, im riefften fflebeimnijfc 
- nur ber franjöfifaje ®efanbte ©arillon unb ^jpbe 
upten bantm — eine jdbriidse UnterftüQting von jrcci 
ifQionen grfl. an; bevor er ftd) Subwig ganj in bie 
mr warf, verfügte Äarl nodjmal«, ob er mit bem 
rrfamente nid>t tu 6tanbe fommc. 3n Offorb rourbe 
rl vorgefdjlagrn, nad> feinem lobe folle Dorf nur ben 
nitftittl erbälten, bie iRegentfdjaft aber beffen diteret 
bter STOaria von Oranien unb im galle tyrefl Hobe« 
r £d>mefkr Hnna jufau*en; alle Äatbolifen von Be» 
ung foHren wie S)oif verbannt, jebe SSerbeimlidjung 
1 vermögend aufgefpürt unb ibre Äinber protrfianiifd) 
L en »»erben. Oone Ulbftimmung würben bie ge» 
iten 93orfd)iäge, bie ben SBürgrrfrirg nad) fid) ge* 
r)rfrren, verworfen, ba« «Parlament febrte jur gor* 
g ber »u«fd)liefjung Dorf« iuxü&, Statt lofte ti 
. Stpril 1681 auf unb verlief Crf orb ; er berief fein 
ment meljr. ?ubwig aber verwerte ibm jefct fünf 
nrn gr«. binnen ber nddjjlen brei 3ab«; felbft 
Tjogin von $ort6moutlj erfubi nidjtd bavon, nur 
tvt granfreid) geloben mu^te, Jtarl wnoe ad» 
> von ber SIQiang mit Spanien jurüdtreten unb 
feiner geincfeligfrit gegen granfreid) binrei^en 
Jtavl »rar fomit granrreid» gegenüber la(>m ge« 
$tff)efm von Oranien fam nad) (onbon, um Äarl 
e<t)tt)altut\Q be« politifdjtn ©leidjgewicbte in Surova 
ögen unb mit feinem Parlamente au^uföbnen, 
t SBege gingen au«einanber. 
@ng(anb war ein Umfdjwung eingetreten; ber 
•r über bem »aviftifdjen ßomptot lag, fdjwanb 
*> unb man erfanntr, weld^r @ruerl ani ganatift* 
mgen »orben waren, wie viel wiflfürfidje Sßer» 



bafrungen ba« Parlament trofc ber Habeae - CorpuB- 
Actc verfügt batte. Die« fd}wdd>te in bem «Dla^e bie 
Stutoritdt ber Parlamente, wie e« ber Ärone neue Äraft 
jufübrtr; man begann, bie I0u0fd)lie6ung Dorf« at« un» 
ger<d)te gorberung ju betradjten, unb von aflen Jtan}etn 
ertönte eine fdniglidje Declarotion, worin ba« Serfabren 
ber legten Parlamente bitter gefabelt würbe unb Äarl 
gelobre, bie @efet>e )u beobad)ten, ba« Parlament bäung 
ju berufen unb ben Papt«mu« au«)urotten. £ie Univer» 
fudt (iambribge fprad) fid) ju Äarl'« ®unfien au«, bie 
£>big« faben ftd) aDerorten gefdjlagen, bie Xorie« 
rriumpbfrten, $ooa(itdt«abreffen ergingen an Äarl. 3n 
bem burd) ben rafd) aufblübrnben ^anbel rridj gewor» 
benen 3J(itte(ftanbe fanb Äarl, ba berfelbe »übe um jeben 
Prri« wünfdjte, eine frdftige Siüer. 3« €d>ttlanb 
fatjte ba« Parlament im AuguR 1681 ben Sefd)(ut1, r« 
jolle eine Serdnberang in ber Erbfolge, unb fei c« aud) 
wrgrn be« »riigionännterfebieb«, al« ^od)Verratt) gelten. 
Die günfHge Stimmung würbe von Äarl brnu$t, um 
ben gübrer ber Oppofftion, 6bafte«burv, wegen 8ln» 
fd)lag« auf feine grribeit unb auf (Sinfübrung bn 9ie< 
publtf anjuflagen unb in ben lower iu fpmen. 3>ie 
3ur» von ÜRibbleficr wie« bie »nflage a(« unbegrünbet 
ab; bie Ärone beftblof barum, ben SBiberfranb ber ®e» 
rid)te gegen fie an ber SBurjel anzugreifen, inbem fte fia> 
einen mittelbaren <5infiufi auf bie ©eflellung ber ®e« 
fd<worenen rerfdjaffte. Huf ben ißorfd)(ag be« @eb.eimen 
Katbe« forbrrte Äarl von ber (Site bie (Sinreimung ibre« 
greibeit«brief«, um ju ff ben, ob fte ftd) ftet« bemfelben 
grmdjj vergalten habe, fanb gebler, erfldrtr bie greibeileu 
für verwirft unb milberte nad) einigen Sabjen fein bortet 
llrtbril babin, bafj fünftig bie tSrnennungen be* Sorb« 
Wovor unb ber Sberiff« ber föniglicben »efidtigung unter« 
worfen würben unb ber Äönig, wenn er bie äBaf)( jwei» 
mal verworfen babe, bie Stellen felbft bcfe§en fönnle. 
3m ganjen 9ieid)e würbe ba« an üonben probirte @x» 
periment nadtgeabmt, bie wid)tigfien Remter in allen 
®emeinben würben von ber Skjtdtigung be« Äönig« ab» 
bdngig unb ba« erfte mal felbft von ihm befeftt. So 
ging bie Ärone immer mebr bem %bfo(uti«mu« entgegen. 
Dorf fam an ben £of jurücf. Der ^iof unb bie SSe* 
gierung (teilten ftd) ben ÜBbige gegenüber unb tiefe 
griffen, bem lortjtfjum ju begegnen] ju donfpirationen; 
bie bebeutenbfte war ba« 9iyboufe<(£omplol vom SWdrj 
1683, wobei Äarl unb D"Tf umgebrad)t werben feilten. 
Die Perfd)Worenen waren lljeilö beruntergefommene Cffi< 
jierr ber SromwrO'fd)en Kepublif, tbetl« ®efeden Sb.afte«' 
burv'«, aber bie Hnflage be« jeirig rnlberften ütlental« 
riditete ftd) aud) gegen angefebene, bem ^ofe mi«liebige 
■aKänner, al« feien pe geheime 3)?itwiffer. Sb,afte«burv, 
®reu unb SRonmoulf) entfamen; 9tuffeQ, ^ampben, Sib» 
nrv, ^owarb unb Sffrr würben verbaftet unb, obwol 
bie ©eweife gegen fie fet>r ungenügenb waren, Suffeli 
unb Sibnev hingerietet, «n KuffeU'« 2obe«tage, am 
31. 3uli 1683, erlief bie llniverfttdt Ojrforb ein Derret, 
wetdje« ju &.nn ber Dreieinigfeit ewige Berbammni^ 
über bie $ebjen au«fprad>, bafj bie burgerlid)e ®e- 



KARL II. (KÖN. V. ENGLAND U. S.W.) - 136 — 



KARL m. (V. FRANKREICH) 



watt vom Seife au«gel}e, baß ein ©ertrag im Staate ob« 
walte, btira) beffen elnfritiae ©erleftung aud) bie anbei» 
feitfge ©etblnblid)ftit erlö|d)e, unb baß ein nicht ben 

Söttlicben unb menfdjlithen (Mfpcn gemdß tegferenber 
Urft fein »echt auf bie Regierung vrrwirfe. «ffer ent« 
ging ber Einrichtung tut* Selbftmorb, £ampten tarn 
mit fdweter ©rlbbuße bavon. 2)orf befunber« rietb, Jlarl 
jur Strenge, um feine .perrfdjaft ju befefrigen. füton« 
mcuff) verlohn te fid) mit 2)orf unb mit bem ©atet, bod) 
brachen balb bie alten 3 ro 'f' f auö »»b 3Ronmouth ver« 
ließ oa« Weil? ©orf blieb in Bonbon unb faß mietet 
im föntijlidjtn Statte j er gewann immer mehr Einfluß 
auf JfarL ©on einer ©rrufung be« Parlament« mar 
feine Siebe mehr, hingegen begünfiigte bie Jtrone unter 
bem SJedmantel ber loleranj »JJapiften unb 3efuiten. 
Die fatbflifdjett l'orb« unb l)anbv mürben freigetaffen. 
3mifd)en bem dinffuffe von 2)orf unb £>alifar, bie ein' 
nnber haßten, bieit Jtarf ein gewiffr« ®leid)geivid)t ; 
janfte er mit Suotvig XIV., fo vergab er ihm immer, 
wenn er feine (Selber pünftlid) erhielt, unb bie £erjogin 
von ©ort«ntoutb legte fid) als ftille ©erbünbele ein fd)öne« 
©ermögrn jurüd. «in 12. gebr. 1685 rührte Jlarl ber 
Schlag unb ©orf, ber bie Sage al« verjroeifelt erfunnte, 
ließ ade #äfen fa)ließen, bamit ©tonmoutb nicht lanbe. 
Jtarl fam ju fidj, wie« alle proteftanttfchrn ©eifilidjen 
|urü(f, bat ©orf, ihm ben fatbolifd)en ^riefter £ubblrfion 
jujuführen, ber ihm nad) ber Schlacht bei SSorrefier einft 
lur glucht verholfen hatte, erflehte tcm ©riefler, er vr»ünfd)e 
verlohnt mit ber fatbolifd)en Jfinfce ju fterben, beichtete 
unb empfing nach fatbolifebeut Ritufl «bfolution, legte 
Oelunj unb @ud)ariftic. Sein Seit umjranben feine 
©aflarbe, er hatte neun anerfannt, nur SRonmoutb 
fehlte. Äarl entfchulbigte [ich , baß er mit feinem lobe 
feinen greunben Ungelegenheit bereite unb ftarb in SBbite« 
hall am 16. gebr. 1685, ber trftte Stuart- Jtjnlg, bet 
in ber -Örimat verfebieb. 3)a« ©olf beweinte ben „fröb* 
liehen SRonardien" unb fpradj von Vergiftung. 

©gl. Memoirs of Samuel Pepyu, berau«gegeben 
von ?orb ©ravbroofe (2 ©be., Sonbon 1825); (Sattel, 
Histoire de la contrerevolution en Angleterre sous 
Charles II. et Jacques II. (©ari« 1827); Romnev, 
Diary of the timeB of Charles II., herausgegeben von 
©lencome (2 ©be., Sonbon 1843); Dahlmann, ©e< 
febiebte ber enalifdjen Revolution (4. «uff., Seipjig 
1846); 3effe Memoirs of the Court of England du- 
ring the reign of the Stuart«, includiug the Pro- 
tectorate (©anb II, Vonbon 1855); ©tataulav, The 
bistory of England from the accession of James 
the Second (©anb I, 5. «uff., Bonbon 1849); Ranfr, 
(Snglifdje ©efdjicbte vornehmlich int fech «lehnten unb 
ftebjehnten 3abrh. (©dnbe III, IV unb V, ©«lin 
1861—65); OnnoJIlopp, 3>er gaU be« Jj>aufe« Stuart 
unb bie Sueceffion be« Jiaufe« Hannover in ©roß» 
Britannien unb 3rianb (©änbe I unb II, fflien 1875). 

(Arthur Kleimchmidt.) 
Karl Eduard Stuart, ber ©räirnbent von ©roß» 
hritannien unb 3tlanb, f. Eduard (Karl). 



IV. Jtarl: Jtönige von granfrrid). 

a) Karl 1 , f. Karl der Grone. 

b) Karl II., f. Karl der Kahle. 

c) KARL HI. (der Einfältige, feit bem ll.&brb, 
Karl Sot id est stolidus, Simplex), Äönig von Brft' 
francieu, 898—923, au« farelingifdjem ©efdjledjte, je» 
boren am 17. Sept. 879 al6 nathgeborrnet Sohn brt 
Jtonig« üubmig II., M Stammler«, au6 beffen jioeitn 
(5 he mit Ubelheib, mar in feiner jtinbtjrit nur treten- 
bent auf ba« meftfrdnfifdje 9ieid}; benn nad) bem lobt 
ber ©ruber Jtarl 1 «, bet äönige Vubmfg III. (geß. 5. tag. 
882) unb Jtatlmann (geft. 12. Tee. 884), ging r« ju> 
nädjft auf ben tüngften Sohn Jubwlg'« be« Deutfd>n, 
Jtaifet ftatl III., über unb nad) beffen (fnttbreaung 
(November 887) würbe bet Siobertlncr Obo Jlönig, qt< 
frönt am 29. gebr. 888. Urft in ben 5P<trtfifdmptrn 
unter unb gegen Obo fam Jtatl empor ; am 28. 3an. 
893 routbe et von jahtreidjen SBiberfadjern be« 9??ber 
tfnerfl, an ber Spige (Sr)bifd)of gulfo von fltein?. 
auf ben ühton erhoben unb mar fahrefang eben nar 
«Barteibflupt, bi« ber Hob Obo'« (1. 3an. 898) ihm jut 
«Oeinhenfchaft verhalf. 9lun trifteten ihm aua) bie 
mddjtigiten ©lieber be« roeltlid>en «bei« Jpulbiguna an» 
vornehmlid) mit bem fRarfgrafen «Robert von «njon, 
©rubet unb (Srbrn feine« ©orgdnger« Obo, gin« ber 
ftönig eine engere ©erbinbung ein, welche, für teire.ihfili 
vortbeilhaft, befonbrr« ba;u biente, ba« «nfehen be« 
Jtonig« nach außen ju heben, ©täbrenb Stöbert im 9Ror« 
ben br« 9tetch« mit ben Normannen, ben beibnifchrn 
@rbfeinben aller granfen, erfolgreid) fdmpfte unb wefent< 
lid) baju beitrug, baß bie von 5RoBo (J^rolf) geführten 
Sdjaten au« bem eigentlichen gtancien jurüdwichen, 
überfdjritt ber Äinig bie Oftarenje, um fid) unmittelbar 
nad; bem Sobe feine« oftfränfifdjen Stamme«vetter«, be« 
Aonia« Subwig (gefi. «uguft ober Srptembrt 911), ber 
Jjerrichaft über Lothringen ]U bemdehtigen ; er befrachtete 
biefe« ?anb a(« fein (Irbtheil unb behauptete e«, wdh* 
tenb in Oftftanfen Jfönlg Äonrab I. regierte (911 — 918), 
ununterbrochen; auch int Glfaß wat bet treiiftänfifche 
Jtönig txtmal« einftußreich. Unterbeffen hatte e« ftd) als 
unmöglich fjeTaii«geftetlt, 9)ollo unb feine Normannen 
au« ben erflen Sijen ihrer SWaa>t, ben (Eroberungen an 
ber untern Seine, ju vertreiben, abet inbem Äöntg Äarl 
912 ben berühmten ©ertrag mit ihnen ftfctoß, ber ß( 
gegen bie ©erpflichtung, ba« (Sbriftenlbum anjunehmen, 
tu Vetren jene« Lanbe« nnb ju ©en offen be« Seid'* 
machte, gewann et an Rollo (Stöbert L), bem erflen 
gürfien ber ftattjöfifchen Rormannen, einen ©afailen von 
ungewöhnlid) (ovaler Jjaltung. 'Sie (Srgehenheit ber 
übrigen ©roßen gegen ben Äönig nahm in bemfelben 
Waße ab, n>fe ber (linffuß eine« ©ünfilingfl minber vor« 
nehmet £ttfunft, befl lothringifdjen ©rafen £agane, 
auf ihn junahm, unb namentllo) wat e« Robert von 
«njou, bet batan «nfieß nahm, baß er (ich in bie Lei« 
rang be« nur allju >eftimmbaren unb wanfelmüihigen, 
balb feef unternehmenben, balb inbolenten JTdnlg« mit 



gitized by Google 



KARL OL (KÖNIG V. FRANKREICH) — 137 — KARL IV. (KÖNIG V. FRANKREICH) 



einem IJmporfömmling wie £agano tbeilen feilte. (Eint« 
Sufrubr«, ben ®i«lebert, ©obn unb RaAfolger be« $er» 
jpg« Seginar von gotbringrn, angreiftet batte, würbe 
Ädnig xatl im 3. 919 nod) £ett; audj in brn balb 
folgenben 3trungrn mit brm beurfd>en JTdnige $ein» 
ridj I. (920) erlitt er wenigen« iunddjft reine Ginbufe 
an Starbt; in bera grieben«verrrage von Sonn (7.9(0». 
921) Wieb feine $errfd)aft über Sotbringen unangetaftet 
«ber um fein Ronigtbunt in ffieflfronclen ftanb e« ba» 
mal« fdjon übel. «1« er 919 ein «nfgebot erlief um 
einen Raubanfad ber Ungarn juriirfjumeifen, leifiete ibm 
nur efn einziger Srdlat, Örrjbifdjof $criveu« von Rbrim«, 
3uiug; bie meinen anbern ©rofren manbten ftd> 920 
auf einer Serfamnilung ui ©oiffon« feinblid) von ibm 
ab. Da er von $agano nidjt (äffen wottte, fünblgtrn 
Üe ibm ben ©eborfam auf unb nur mit 9Hübe waren 
jie ju einer *u«föbnung )u bewegen. 2)iefe bauette 
und? nur furj , fd)on 922 war bie Öntjweiung }wifd)en 
Äönig unb mebrern großen «riftofraten be« Reid)« b«f' 
tiger al« je. «Robert von «njou, im Sunbe vor ädern 
mit feinem ©bam, brm £erjoge Rubolf von Surgunb 
(Sourgogne), trat al« ©egenfonig auf (22. 3uni 922 
Jtronung ju Rbeim«) unb wenn er in bem erften unb 
einzigen 3ufammenf)o§ mit ber f<iroling(fd>en Partei in 
ber ©djtadjt bei ©oiffon« am 15. 3uni 923 ba« 8eben 
verlor, fo geborte ber Sieg bennod) ben ©einigen ; ffönig 
Äari würbe au« bem gelbe gefölagen unb jwat enb* 
gültig. 9BJbrenb bie Ärone burd] 2Qabl ber ©refen 
auf Rubolf von Surgunb überging (13. 3u(i 923 in 
©oiffon*), gerietb jener in bie ©efangenfdjaft: ©raf £e» 
ribert von Sermanboi«, ein ©eitenvetwanbter be« fare» 
lingifdjrn $aufe«, ber ebenfo Idnbergierig wie binterliftig 
nur bau ad; tradjtete, feinen SWad)tb«reid) auf Jtoften ber 
Jfrone um jeben Srei« ja erweitern, bemddttigte fid) 
Äarl'« unb benuQte it)n gelegentlid) a(« Nüttel bei (Er» 
urc 'Hing. ?In!ay!id) eine« Jcnvi'irfniffe« jivifdjen Heribert 
unb 9iubo(f würbe jener fa>einbar wieber in grribeit ge« 
fept, a(« legitimer $errfd)er bem Ufurpator entgegen» 
geftent unb fegar von Rom au« brgünftigt; inbrffen aud) 
fo war unb blieb er ein ungefdbrlirber Rivale. Rad) 
feinem grieben*fd)[uffe mit Rubolf ließ Heribert il)n 
wieber faden, unb wdbrenb jener bem entthronten £err' 
fdjet ben (eben«(äng(id)en ©enut) eine« größeren xren« 
gute« (Sltignv) bewidigte, wiberfrßte ber ©taf von Set' 
manboi« fid) ber wirflid)tn greilaffung. 3(1« befangener 
tiefe« eigennüfyigen geubalberrn ift .Karl III. am 7. Ort. 
929 ju Seronnc geworben. (Er war jweimal vermdblt, 
juerft (907) mit gTebtruna, SRutter von fed)« lödjtern, 
unb in jweiter <5be (918) mit Üetbgiva, einer anacl* 
fdcbfifdjen jtonty«tod)ter, weldse ibm um 920 einen ©obn, 
ben fpdteren Äenig üubwig IV., gebar unb in ber Äa» 
tafirepbt be« 3. «23 nad) (Englanb jurürffebtte, am 

tofe ibte« »ruber« «etbeljtan Sufludjt fanb. Hnbere 
ebne be« Äönig«, wie Rorifo, Sffdwf von iaon, 
flammten au« einer iQegitimen $Uerbinbung. Sgl. 3- g. 
Böhmer, Regesta Karolomm (1833) p. 178 etc.; 

Qorguet, Etüde sur le regne de Charles -Le- 
Simple (Academie Royale de Bruxelles. Extrait 
«. 8«r»n. ». m. ». ». 3iwitc Cntitiu XXXIII. 



du T. XVH. des Memoires); (f. von Äaldüein, @r< 
fdjiditt be« franiöftfajen itöniatbum« unter ben erftrn 
ffavetingeni (1. ©b^ ?ripjig 1877). (E. Steindorf.) 

d) KARL IV. (der Schöne), ber »ritte Sobn 
$bHfpp'« IV. be« 6d)önen unb ber 3obanna von 9ca* 
Dana, war geboren im 3. 1293 ober 1294. 3m adge« 
meinen ift wenig über ibn befannt. 6r führte at« $nn| 
ben Xitel eine« ©rufen von bet Ward)«. Durd) ben 
früben lob feiner briben Alteren »rüber erbte er im 
3anuar 1322 bie Ibjone von granfrrla) unb SRavana. 
(Sr batte wie bie 6d)önbeit fo aua> bie $abfucbt unb 
Unbebenfitdifcit feine« Safer« überfommen. £od> bielt 
er aud) wie tiefer Orbnung unb ®ered}ligfeit in feinem 
Saure aufred)t. (Sin $aron 3ourbain be ciDe von febr 
vornrt)mer elbflammung, ber feibft eine 9lidpte be« Sapfte« 
3obann XXII. gebeiratbet b~tte, mad)te bie touloufer 
@egenb burd) $lünberungen , Sldubereien unb SWorb» 
tbaten unftdjer; ber Jtonig liefi ibn tro( feiner beben 
Serbinbungen gefangen nebmen, vor ba« «Parlament 
fieden unb nad) beffen Urtbt» «on Sferben fdjlrifen, fo« 
wie enblid) an ben ®a(gen b&ngen, unb iwar in einer 
JNeibung, bie berfelbe vom Sapfte jum ©efdjenf erballen 
batte. Sbenfo fud)te Stad IV. ber faft repub(ifauifd)en 
greibeit ber (Eommunrn ein Qnbe ju niadjen. grrilia) 
waren btefelben in granfreid) fdjon im Setfad begriffen 
unb ber ^rrrfa)aft einer rleinen Slnjabl oligardjifdjer 
gamilien anheimgefaden. 2)aiu bingen bie 3nriften be« 
Äöntg« nad) Wöglidjfeit ben ttommunen foftfpielige S"« 
reffe an. ©o gaben «aon, Soiffon« unb viele anbere 
Reinere Orte ibre communalen grribeiten auf. dagegen 
begünftigte Äarl bie ber Ärone unmittelbar untergebenen 
©tdbte unb vermehrte ibre ©eredjtfame. ©eine ®egner» 
fdjaft wiber fidbtifd)e Unabbdngfgfett«gelüfle jrigte er 
aud) in bem ©treite, bet im 3- 1324 jwifdjrn Dem ©rafen 
von gianbern, ?nbwtg vou 9cever«, unb brffrn Qommu« 
neu au«gebrod)en war. Tie Sewobner von SrAgge nab' 
men ben ®rafrn gar gefangen unb r(d)trten feine dtdtbe 
unb ©ünftlinge bin. Rur ©ent blieb, au« @iferfu<f)t 
auf Srügge, bem ®rafen treu unb erbat bie Dajroifdjen» 
fünft be« Äonig« Äarl. Rad) langen Serbanblungen 
jeigte fia) beffen Sermittelung mirffam; Subwig tourbe 
eine SBürbe jurürfgegeben, bea) fd>wor er, bie grribeiten 
ber dommunrn ju beobadtten unb ibnen eine Sinwirfung 
auf bie ©taat«rrgierung (ujugeftebtn (1326). J n r ; y faum 
war ©raf Subwig frei, al« auf feine Seranlaffuug ba« pa* 
rifer Sartament ben eben gefcfcloffenen Serrrag für nid)tlg 
erfldrte. Son einer fran»ö|ifd)en Armee unb juglrid) burd) 
bie ®entcr unb ben flanbrifdjen Abel bebrobt, brmütbig* 
ten bie Kommunen fid) unb erfatiften ben gortbefiunb 
ibrer grribeiten burd» 100,000 8ivre«, bie fie bem ©rafen 
üubwig, unb 200,000, bie fte bem Jlönige «arl IV. be- 
jablten. 

Rod) vor Secnbigung be« flanbrifd>en 3n>tfie« fanb 
Äari IV. SRufie, fid) in tie «ngelegenbeittn be« Deut» 
fiten Reid)e« ju mifeben. Xev übronfrreit, ber bort jmi' 
f dien Subwig bem Saier unb griebrid) bem ©d)önen von 
Oefterreld) wütbete, batte im ©eptember 1322 ju ber 
©djladjt bei Wüblborf gefübrt, in bet griebrid) al« ®e- 

18 



Digitized by Google 



KARL IV. (KÖNIG V. FRANKREICH) - 



138 - 



KARL V. (KÖNIG V. FRANKREICH) 



fangen« in tele $dnbe feine« ®rgnu« gefallen wat. 
9iad) biefem (Holge aber verlir§ ba« bi«ber nit Subroig 
verbünbete JE)«»* eujemburg , teffen Aaupt Äönig 3o* 
bann von Söhnten war, bie aOju mdditige Sartei be< 
Sieger«, unb Aar! IV., brr Sd>mager 3obann «, machte 
biefe Scbwenfunj mii. Huf Äarl'« Anbringen erflärte 
$opf) 3ob.ann XXII. ben beurfebrn Äönig für rrcem» 
munlffrt. Äarl hegte fabf* 3dl lang Hoffnung, 
mit $ülfe be« Söbrnenfönig« unb al« ®etnabl btt 
lodjter Äaifrr ^einrieb'« Vir. bir beutfdje Ärone tu 
erlangen. 9t lub bie brutfdjen gürften im 3uli 1324 
ju rinn Sefpredjung nad? Sar»fur«Slube ein, jebod) fanb 
er nur bei bem <$er)og Seopoib von Oefierreid), beut 
grfebworenen geinbe be« Äönig« $ubwig, Bnflang. Unb 
aud) biefrr benufctr bat franjöfifdje ®e(b, ba« ibm reid)* 
(id) juflofj, Iftißlidj für feine eigenen j$xotdt. (Sine ©e« 
fanbtfd)aft, burd) welche ber ftanjöfifcbr £errfd)er ben 
Sairrn aufforbetle (September 1325), berfelbe foQe ibm 
Ärone unb Kamen be« beutfdjen Äonigreieb« abtreten, 
bagegen lrfcen«Idnglid) beffen ßinfünfte genieß, hatte 
feibftverfldnblid) feinen Grfofa.*) «Kit ^eopolb'« lobe 
(grbruar 1326) gab Äarl IV. felb(r alle feine Stmü' 
rjungen um bie $errfd)aft in Trurictlaitb auf. 

SBirffamer mtf(f>tr Äail IV. tut in bie englifeben 9? er» 
bdltniffe ein. Junactfr btnufcte er bir fldgticbe Scbmdcbc 
be* englifeben Äönig« Gtuatb II., um feine oberberr» 
liiert ®ered)tfame in ber bem lebtern al« {»erjeg von 
Aquitanien gebörenben $ro»inj ®uvenne ungefebeut au«* 
«ul-bnen. Me ÄJagen (Sbuarb'6 über biefe btjtänblgen 
Serie Bungen feiner Äed)te fruchteten nfdjtfl. Dann nabm 
er ben Streit einiger englifdjer Sramten mit franjoft« 
(eben in ber ©uvenne wahr, um Äriegmit (Ebuatb ju 
beginnen. Sergeben« rief berfelbe bie Serntittrlung be« 
'JJapfrefl an; im 3uli 1324 erfebirn eine franjftfifcfce 
jfrmre in brr ©uuenne, bie fie, bei bem Waugel jeb» 
rveber genügenben Sorfebrung von feiten ber üng« 
Idnber, jum großen Sbril eroberte, Dagegen würbe ein 
.£>eer, ba6 von Äarl'« IV. weitem Äönigrricbe 9eavatra 
au« bae mit brn (Sngldnbrrn »erbünbele Gaftilien an« 
griff, von ben Sewobnern ©uipujcoa« in ben »rbirgfl« 
tbdlem biefe« Sanbr« fafl völlig vernichtet (1325). 9iur 
nach vielfachen Druiütbfgungen erhielt brr eng((fd)e Äönig 
icine frangöfifeben Senkungen jurütf. Salb jrboeb eTgab 
fieb ein neuer ®runb be« Streit« jtvifeben ibm unb 
Aar! IV. 3fabeHa, bie ®emabtin €buarb'« IL, würbe 
von ibrem ®atten veruaibldffigt unb begab fia> betbalb 
ju ibrem SJruber, bem franjöfifcben 9Kcnarcben, um 
bureb ibn ©enuatbuung ,m erhalten. Äarl IV. naf>m 
fta) ibt« mit gffet an. 3und4(l confi«cirte er bie $abe 
aDer rooblbabtnben ßngtdnber, bie fid) in granfrefcb auf- 
bieten: „über melcbe Übatfaa)e ade tsaefern Peute be« 
Aönigreicb« erjflrnt, verjiört unb aufgebraßt vearen", 
wie ber (Hjronifl von €t.'3>rni« bemerfl. 2>ann rücfte 
ein franjöfifcljee $eer abermal« in bie ®ul?enne ein, 
rvdbrenb 3fabella mit franiöfifcben unb flanbrifeben Irup« 
J>en in Gngianb erfebien (September 1326). (Sbuarb EL 



•) C. «irilir, <llWI«JII VaUtU II, 363 f 9 . 



aerietb iu bie «eroalt feiner ©emablin, bie ibn ulcr 
fcbdnblicben Wärtern tobten lieg (September 1327). 
Unter bem 9tamen ibre« jüngeren Sobne« (Souarb III. 
fonnte nun 3fabe0a mit ibrem ®elieblen, SRcaer 92ot> 
timer, bie Stegierung Sngtanb« führe n. Aarl IV. aber 
erhielt mm lauf für bie ttinbei geleitete Untaftütung 
ben Dijtrict ton 8gen unb 50,000 Warf Sterling. 

ttirfrr (Srfoig roar Der lebte, b*n Äarl IV. erlangte. 
Sie feine »rüber, fiarb er nod) jung, ebne einen mdnn« 
lieben Srben U ÜRKrfaffm (31. 3an. 1328). Sr tvar 
ber Übte ^enta>er au« bem gnaben 5Ranne«ftamme ber 
dapetinger. Jtarl IV. hatte jurrft Slanra von Surgunb 
aebeiratbet, aber 1322 unter bem 93orroanbe geifiiidicr 
sBemanbtfcbaft — »eil ibre SRutter feine Harbin gewefen 
roar — vom 5?apfle biefe t^ic für ungültig erfldren la ff rn. 
Seine jiveite ®emablin, Waria von gufemburg, locbter 
Jtaifer {,einrid)'« VII., ftarb fd)on 1324. Seine britte 
®attin, 3obanna von (Svreuf (feine Safe), gebar Iba 
brei £öd)ter: ber 9tame ber dltepen ift unbefannt, bie 
»roeite (iri Waria, beibe «Jota febr jung; enblicb bie 
britte, Slanca, fam erfi nad) be« Sater« 3obe jur 
Seit Aarl IV. hatte ju ®unften Jubivig'«, (Brafen 
von (Slmnont, dnfel« Subroig'« be« {»eiligen, bie &en> 
febaft Sourbon jum {>erjogtbum erhoben (1327). Seit' 
bem nannte fid) biefe Seitenlinie be« föniglicfcen $auj>6 
nad) bem ^erjogibum Sourbon. 

Literatur: Si«monbi, HUtoire des Franzi» 
t. IX. — £enri Wartin, HUtoire de France t. 
V. — Jterrvn be Seltenhove, Iliatoire de Flandre 
t. III. — Lea grandes Chroniques de St.-Denis ed. 
P. Paris t. V (^ari« 1874). — Istorie fiorentine di 
Giov. Villani, Sud) IX unb X. — gortfrfter be« Guil- 
laurne de Nangia. (Af. PhHippton.) 

e) KARL V. (der Weise), Sohn Jtonig 3o- 
bann'« von granfrrid) unb feiner erften ®emablin, Scna 
von 8ufemburg. (Sr aar geboren am 21. 3an. 1337. 
3bm übertrug Gumbert EL, Dauphin von Sienne, 2itd 
unb JJanb; er mar ber erfte franiöfifthe Jhwnfolgrr, 
ber Dauphin genannt »ourbc. — «I« Äenig 3obann 
(f. b.) in ber Sd)lad)t bei Boitin« 1356 in bie ©efangen- 
febaft ber (fnglänbrr geratben roar, übernahm ber Ich» 
phin Äarl bie SRegierung. 3nbeg jeigte er fid) berfeibrn 
wenig gewad}fen, jumal er bamal« bem Seid)tftnn unb 
beu Vu«fd)Weifungen bulbfgte, bie am £ofe feine« Sater« 
geherrfwt hatten. Cr fab ftd> genötbigt, an btt ©eneral» 
fldnbe be« 9)eia>« ju appeOircn, bie am 17. Ort. 1356 
in 5ßari« jufammentraten. Sie warrn au« 800 ^erfonen 
tufammenflefeßt, barunter bie Adlfte au« htm »er«' 
«tat. — Die Wi«f)immung ber Sürger gegen bie feubaie 
9iegirrung«wdfe ber Saloi« war unter 3obann auper» 
orbrntlid) gewatbfen. Die Sürger ber großen Sldbte, 
mit ben flanbrifd)rn (Kommunen unb ben ^»anfeftdbten 
in Serbinbung unb burd) bereu Seifplel ernuthigt, be« 
frbtofjen ba« Äönigthum ben populären ttnfcbauungrn 
iu unterwerfen. 3undd)fi febteu ihre Sbgeorbneten bie 
gemeinfd>afilid)e Serathung aDer brei Stdnbe burd); feit' 
bem madjten ba« ®ewid)t ihrer 3abl unb ihr planvcOrr 
«fer flr ^ bem leitenben Glemente ber Serfammlung. 



Digitized by Google 



KARL V. (KÖNIG V. FRANKREICH) — 



139 



— KARL V. (KÖNIG V. FRANKREICH) 



Die @fntia(|Jänt>f wählten rin Unterfuä)ung«fomltc', auf 
beffen Boddjlag man von Jtarl ble Äbfebung unb *örr- 
bafrung ber fteben fyauvtfd^Hcbfirti Wnigltcben «Jtätbe, 
bann bie Befreiung ÄarT« be« Befm von «Äavarra 
(f. b.) anb enblid) btr Uebergabe bei 9leicb«gefcbäfte an 
eine dommiffion von jwölf Stdnbemitgliebern forbertt, 
b. f>. eine einigt «Revolution. Die vornebmften Befot» 
beret Wefet Befdjlüffe waren Stephan «JRarcrl, «Brivit 
tfä *NaraSante (Bürgermriftrr) von «Pari« unb Stöbert 
Secoq, Bifdwf von Slaon. Dei Dauphin antwortete mit 
ber «uflJfung ber Sldnbe: ebe er folebf Bebingungen 
«inging, verjia)tete ft lieber auf neue Steuern, fo nötbig 
fie ihm and) jur gortfübrung teö Jtrirg« waren. 

Jtatl fanb e« für beffer, naa) bem Beifpfel feiner 
Borgänger tint «JWünjfdifcbung in großartigem Umfange 
vonunebmrn. 3nbeß bie parifer Bevölfening verweigerte 
entfcbloffen bie «Annahme biefe« minbermertbigen (Selbe«. 

tugleid) famen üble 9?aa)rid)ten au« ben ©rovinjen. 
»et Siegent f>attc geglaubt, von ben «Provinjialftänben 
mehr erreichen ju tonnen alö von ben @eneralj)änben. 
8Drin jene batteti überall nur mäßige 6ubfibien bt- 
roilligt unb bie von ben ©eneTalflänben erhobenen klagen 
miebeibelt; ja bie Bevölferungrn weigerten fia). felbft 
bie geringen von ben ^Provinjialftänben ootirten (Steuern 
ju entrichten, qpierburd) ftbon entmutigt, rourbe Starl 
tureb eine bewaffnete Jtunbgrbung ber parifer (Silben, 
bie Starrel am 19. 3an. 1357 veranfialteie, berart et' 
febreeft, baf» er in allem nachgab. Die fteben angcflagten 
«Rätbe würben abgefegt — Jrarl balle biefelben »erb« 
entfliehen (äffen — bie ®eneralftdnbe wlebet einberufen. 

Die Sage gianfreicb« war furebtbar. Die armen 
Bauern mufften unerfcbwinglfcbe« Söfegelb aufbringen, 
um 1b« £rrren wieber ju befreien, bie fttb bei «JPoilter« 
feige bem geinte ergeben batten; 3acque« Bonbomme, 
nie ber Bauet fpottweife genannt wutbe, fab fia) fdner 
(Smtr, feine« Bieli«, feiner ©erätbe von qperren beraubt, 
bie niebt verfianben batten, <bn wiber bie grinbe )u 
vertb/dbigen. Daju famen "Bauten entlaffener Seltner, 
welche ring« bat platte 8anb plünbertrn unb bie Stätte 
unb grftungen jwangen, ifjr« Jbore wie bei einer Be» 
lagerung verfd)loffrn ju ballen, «n ben ®renjen tobte 
ber wilbe Ärieg mit ben (Sngldnbern; dlenb unb 3am» 
mer waren überall. Unter biefen Umftdnben traten bie 
®eneralfiänbe wlebet jufammen (5. gebr. 1367), ent< 
fa>(offen, bie ?age be« SJeidjd von ®runb au« ju refor» 
miren. «JRan verwanbrlle bat monard)ifcbe «Regierung«* 
fvftem in ein ftdnbifcbe«. 3n ber „®roßen Orbonnanj" 
würben bie Befdjlüffe ber Stdnbe ju ®efe^en erfldrr, dne 
regdmä^iAe Sieberfebr von beren ©erfammlungen ange« 
otbnet 2>rm Daupbin Äarl würbe eine Sommiffion 
von 36 ©Idnbemitgliebern neben» ober vielmebr über« 
georbnet, bie dne wabre Dietatur ausübte; bie gefammte 
Steurrvetwaltung würbe ben ©idnben übertragen. 3>a» 
für ^cDtrn biefelben eine betrdcbtlirtje Armee auf, welcbe 
bie Ifngldnbet bemog, einen jweijdbdgtn SSaffenftillfjanb 
abjufcblie&en. 

«Bein aetabe bierturdj erlieft ber Daubbto freiere 
^anb. 3ugleicb begannen «bei unb Äleru« an bem 



revolutionären Xreiben ber 6tdnbe unb juma( ber 36 
feinen (Befallen mebr ju flnben unb jogen firb immet« 
mebr von tenfelben jurütf. Äad glaubte biefe Umftdnbe 
benuben ju bürf'n. Die abgefejten Seamten führte er 
dnen nacb bem antern wiebet In ibrr Stellen ein, unb Im 
Vlunuft 1357 erRdrte er ben 36, er woOe von nun an bie 
fRegirrung felbft fübren, unb verbot ibnen febe Xbdifgfdt. 
Die golfle war, bafi ber funge fRegent fid) balb ebne 
©r(b unb obne 6olbaten fab. Unb fo würbe er |u 
feiner Sefcbdmung grjwungen, Rcb abermals an bie <ßa> 
rifer unb bie ©eneralfidnbe ju wenben. 

Wartel unb 8ecoq b<dten nunmebr aOe« für gewönne«. 
Sie nötbigten ben Dauphin, Äarl von ftavarra wirflid) 
in f/tdbdt )u fejen, ber barauf in ben tfhovinjen um» 
berjog, überall «nbdnger für Rcb merbenb. Die Sage 
würbe immer bebroblicbrr. 3n ber Bretagne befdmvften 
fid) bie fernblieben gamtlien ber D? cntiVrt unb ber SloiS. 
Die @dlbnerbanben bet SngldnberS Jtnoüet plünberten 
bie untern Sdnrgegenben, bie M Sran^ofen Srnolb vou 
(Servolc0 Provence unb Sangueboe, enbltdj bie be« 9Baf» 
lifer« fflriffitb ba* 8anb jwifa)en Crlcan« unb «Pari«. 
Der »egent ffbloß fid) mit beregneter Xrdgbdt in ta» 
?ouvre rin, fümmerte fta) um nirbt« unb verßdrfte fort« 
wdb«nb ba# (Sorp« von 2000 Sbelleuten, ba« er um 
ftd) grfammdt hatte. 3Rarcd batte bie Aauptfiabt gegen 
biefen innern wie gegen ben dufsern getnb ju veribeibi» 
gen. (*r befefii^te $ari« trrfflid) unb organiftrie bie 
Bürgerfibaft militärifcb. Da« Äbjfidjen feiner Mnbdnget 
würbe ein £ut au« blauem unb rotbem Sud), ben 
färben ber Stuti. Jtarl fua)te bie «ßarifer bureb per» 
fönlidjc 9nrebeu für fia) unb gegen SWarret ju gewinnen; 
aber biefe ©emübungen mi«glücfien, bie Stimmung gegen 
Ibn würbe vielmebr immer gereijter. «m 22. gebr. 1358 
brangen TOarre! unb frine «nbdnger in großer Sinjabl 
in ba« 8ouvre unb ed<b(ugen einige ber ndcbften greunbe 
unb Sratbgeber be« Stegenten. Diefer fribfl rettete ftd) 
nur, intern er ben blaurolbrn £ut SJrarcel'« auffebte- 
Sritbem übernahm in ©aijrbdt bei parifrr Stabtratb 
bie «Regierung be« Sleidj«. Die ®eneral(tdnbe waren 
nur nod) au« einer Slniabt flüblifeber Deputirten unb 
wenigen «ßrdlaten {nfammengefeft; bei weitem bie mri» 
ften SJlitglieber, fafi fdmmtlidje »belige batten (ie ver« 
laffen. 9lur wenige große, Inbejj an fecbjig fldnere ©tdbte 
blieben mit ben ©rneralfldnbrn in ©rrbinbung. 

Diefe begingen nun große gebler. Sie föbnten Jfarl 
von 9<avarra mit bem «Jtegenten au«. Sie gefiatteten bem 
lebtem, «fjari« ju verlaffen unb ftd) ju ben $rov(n}ia(» 
ftdnben ber rova(ifHfa) gefjnnten (ibampagne ju begeben. 
Jtaum war ber Dauphin beren Unterftü|jung Rd)er, a(« 
er bie Wa«fe abwarf, fid) offen gegen «Pari« erfldrte 
unb baffelbe ju blefiren begann. Äatier Äarl IV. fanbte 
in ®emdfbdt dne« am 28. Der. 1357 ju Wen mit bem 
Regenten abgefd)loffenen ©ertrag« ihm jablrritbe «Ritter 
unb Sötbner jur ^>ülfe. 

SBdbrenb alfo t)ter ber ©ürgerfrieg au«bracb, et' 
hoben fid) ((§nbe 1358) bie von ihren sperren, ben 
grinben unb ben Sölbnetbanben gleid) gequälten Bauern 
in 3«le«be«grance, um ihre nda)ften unb bldbtr.ben 

18* 



KARL V. (KÖNIG V. FRANKREICH) ^ 140 - KARL V. (KÖNIG V. FRANKREICH) 



Tifinißti, cie flbeligen, ju vertilgen. 83en hier verbreitete 
ber Huffeanb her ,,3arque«" fid) über bie fBirarbie, bie 
Champagne unb ba« Crleanai«. Die Schlöffet mürben 
geflürmt, ihre 51 rtr ebner bit auf ten le^len graufam 

ermorbrt. 93iele 6tdbte fvmpatbiftrten mit ben3atflue«; 
allein Warte! beging brn gebler, fie jwar ju unterftüf|en 
unb lieb mit ihnen offen ju verbünben, batxi aber feine 
$ülfe viel ju fnapp ju bemeffen. Der «bei boaegen, bet 
englifcb wie bet fTonjcfifcb gefinnte, fettinte ftd> in bet 
gemeinfamen ®efabt. Serübmle «Rittet beibet Matteten, 
»ie ©raf («»iftrn von goif unb bet Aaptal von Sud), 
ttaten an feine ipipe. Salb mürben bie fd)fed)t be« 
vr offnen:', unb gendbnen Sauern überall von Den fiarffn 
eifengepanjeiten {Rittern unb Seifigen geworfen unb et« 
barmung«lo« gefcblacbtet. Der «Regent fdjlof» ffd) bet 
3agb auf bie 3acque« an. 

Da« (Srgebniji bet „3acquerie" war (Sntvölferung 
aanjet Idnblidjer Diftricte, erbebt« 3uverfid)t bt6 «bei«. 
Die ganje bemofratifd>e Sewegung batte einen unbdl« 
baren Stcfj erhalten. 

Der einmal vtrfammelte 8lbel balf bem Regenten, 
5Jari« ju belagern, 3}on allen anbern «Stählen in ©tid> 
gelaffen, erbeben bie ?Barifer, um fiaj botb einen SBunbe«' 
genoffen iu fiebern, Äarl von Savarra )u ibtem £aupt 
mann. Snbeji biefet begann balb 8nfd)ldge gegen bie 
greibeit bet 6tabt. 3» berfelben madjfe bet junget fid) 
geltenb unb juglelcb 3Ri«trauen bet} IBolf« gegen feine 
gübrrr, ben Jtönig von Kaoarra unb ben UJrevöt be« 
SWarcbanb« felbft. ^üinal wollte bie rrid>e ©üigerfcfaaft 
ben brftdnbfgen Unruben ein 3itl gefefct fefcen. Unter 
ber gübruna be« «Bierttlömeifterfl 3obann SRaiOart fiel fie 
über 9Rarcel her unb töbtete ibn mit feinen vertrauteften 
greunben unb flnbdngetn (31. 3uli 1358). 

Die Uneinigfeit unb Unentfdjloffenhttt ber froniöfi- 
fd>en Sürgerfcfcaften halten bie völlige Sieberlage ber 
bemofratifeben Sefrrebungen herbeigeführt. Die Sraction 
erfolgte nun naturgemäß. Der Siegent jog in bie $aupt« 
ftabt ein unb lieft lag für Zag einige ber Anführer bei 
Bewegung binritbten. 3«gl«4 würbe bie SWünje fo 
grünblid) verfd)led)trrt wie nie juvor. 

Doch geigte ber Dauphin mehr patriotifebe (.Hoir.* 
nung al« fein SJater. Um feine greibeit wieber }u er» 
langen, trat Äönig 3obann ben Gngldnbern bie ganje 
Tvrftltdx $dlfte granfreid}« in voller eouveränetät ab 
unb vetfprad) ibnen nod) überbie« vier SRiflionen ©olb» 
tbaler. Der 9iegent tvar einftebtig unb ajarafteivofl 
genug, einen fold>en Vertrag nicht ju billigen. 91 ad) 
feinen legten (Erfolgen ber ©eneralftänbe ftdjer, berief er 
fie rin, unb in patriotifdjer (Snrrüftung verwarfen fie ben 
fdjmatbvollen (Beitrag (OTai 1359). Um granftrid) hier» 
für ju {trafen, begann Gbuarb III. von Snglanb mit 
einem fehr berräd)tlid»en $eere bie bi«ber vou bem 
Jtriege nod) verfebonten $rovinjen ju verwüfien. 5Dirf- 
Iid> fdjloffen ber £erjog von «urgunb unb gang Wittel' 
franfreld) £eparatfrieben mit bem eng(ifd>en ^enfdjet. 

franhrid) febien fid) auftulöfen, in bat dbact ber 
riten ter legten Jtarolinger jurütfiufaden. (Sbuarb'ei 
laut verfünbeter $lan war, eine Sprovfnj granfrelcW 



nach ber anbern burd) feine Verheerungen jut Unter' 
werfung ju zwingen. Da« burftr bet ?Kegent nicht }u> 
geben, vt Inüpfte Unterbanblungen an, bie am 8. SKai 
1360 lum grieben von Sretignp führten. Qbuarb batte 
wol nie batan gelacht, feine elnfprüd)« auf bie |ratuö< 
üfche JTrone wirflid) burcbjufübren ; er gab fie auf für 
ben ?Btei* ber PöUigen «btretung ber ©afleogne nebft 
ben wefiliebrn Übeiien bee) Janguebct, ber ©upenne unb 
bet? $oitou mit aflen ihren Depenbenjen fowie ber norb« 
weftlicfeen Oebiete von «ßontbieu, Qalaii unb ©uinetJ. 
Sluier bet volltn Souvctdnetdt übet bitfe ^rovinjen 
erbielt ber englifdte Adnig für bie greibeit 3°bann'0 brei 
WiOionen ©olbtbalet. 

Ohwol nun ba Ä6nig bem Kamen nad> bie ?üf 
gierung wiebet übemabm, fo fianb berfrlbe bod} ihat 
|ad)lid) unter bei Seitung feine« 6obnee Jtatl. Die 
(gtfabrungen bet legten 3abte batttn auf beffen Cbatafter 
unb <5inftd)l gleicb «ünftig eingewirft. «ber tro^ feiner 
wohlgemeinten Bemühungen fonnte ba« erfd)dpfte granf» 
teid) bet 5Rube nod) nidjt geniefen, ba e« einerfeit« von 
ben entladenen S61bnerhanben, ben „Btoutier«", geplagt, 
anbererfeit« von ber fd)waTjen $rf) furtbtbar betmgeiueht 
würbe. Die Secölferung war in ben legten 3<>bten auf 
mehr al« bie ^»dlfte berahgrfunfen, baju moralifd) unb 
materiell gleich fefcr jrrrüttrl. Die Stoutier« waren fo 
unverfcbdmt, bai fie bem Äenig 3obann, al« er von 
(Snglanb jurüdtebrte, nur gegen drlrgung eine« grofien 
Söfegelb« ben fBeg na* $ari« freigaben unb bie „©roie 
(Sompagni«", bie gefäbrlicbfie biefer sBanben, fd)!ug bei 
©rignai« ein föniglitbe« $ter unttt 3 af<>p voa ©ourbon 
in bie gludjt. 8« waren neue «Siege be« bewaffneten 
3)olf« über bett feubalen ^eetbann! 

Dtt Üob 3obann'« am 8. Slpril 1364 braebte )u> 
nädift feinen febr bemerfbaren SEBedtfel in ber Regierung 
bervor; ber bi«beriae Siegent itarl von ber Daupbinc 
führte fie al« Aarl V. weiter, ftarl, jtljt 2? 3abte alt, 
war von fd)wdd)lid)em Jtörper unb friegerifiben Urbungrn 
abgeneigt, «dein et war gut untettid)tet, aufgefldrt, ein 
Segünfliger ber ffiiffenfchaften; unb wa« widriger war, 
ein einfidjtiger ffuger ©eift, bebdtbtig, aber feiner 3iele 
woblbewufjt, freilid) nid)t ohne ^interlift unb Weiaung 
jur Jdufdjung. So wbiente er in mand)tr SSejierJung 
ben »einarnen ber „®eife", ben man ihm gegeben. 
Sichtiger aüerbing« würbe bie ©ejeidjnung ber „Äluge, 
€d)laue" fein. 

Jtarf begann feine Siegierung mit frdftiger Aufnahme 
be« JTrieg« mit Aarl bem ©ö(en von Stavarra. 9Rit 
ber gübrung beffelben beauftragte er ben TOarfctall Souci< 
tault unb ben btetonifd)en Sitter Serrranb bu ©ue«elin, 
ben gelben, welcher biefe ganje Siegiening r erben licht 
bat. Der Äampf nabm balb größere Dimenftoiien an, 
al« In ber »retagne ber Äritg imifcben ben beiben Ru- 
fern wleber au«brad), weldje Ttd) ben ©eft& biefe« ^erjog' 
tbum« ftrritig machten, nämlich ben von Snglanb unter' 
ftüpten Wontfort unb ben ©loi«, benen bu ©ue«t(in mit 
1000 fraiijöfifcbrn ?anjen ju ^ülfe fam. $ier aber ntirbe 
ber bretonifd)e Aelb gefd)lagen, inbem ber nichtige eng« 
lifdje ©eneral «banbe« bei «urai (28. €ep». 1864D einen 



Digitized by Google 



KARL V. (KÖNIG V. FRANKREICH) - 



141 



- KARL V. (KÖNIG V. FRANKREICH) 



Idnjenben Sieg über ihn davontrug. Aarl von Sloi« 
f( frlbß in bief« Sdjlacbt. Sun gab Jfarl V. ba« 
(Srbrf djt tiefe« $aufe« auf unb erlannte bra jungen 3o< 
bann von Wontfort a(« -öeriog ber Sretaant an; ble 
Sloi« mußten fid) mit bn ®raffd)aft ?J}mtbievrr unb ber 
Sicegraffd)aft üimoge« (le$trree unter englifd)er Cbcrbetr-- 
fdjaft begnügen; Hpril 1365). Um birfelbe Bett macbte 
bet Aönig aud) bem navarrifd)rn Streit ein <*nbe. gür 
«inen Jbeil feiner normannifd>en Seft&ungen, bie er ab« 
trat, erhielt Äarl ber Söfe bie $errfd>aft TOontveUter, 
wo er weniger gefdbriid) war a(« jebn Weilen ton 
$ari«. 

Salb fanb Aarl V. aud) ®r(egenbeit, granfreid) 
von bem größten Ibefle ber Soutier« ui befreien. (5r 
nabm fid) jpeinrid)'« von Iraflamare gegen reffen ©tief* 
bruber, $eter ben ®raufamrn von ttaftilien (f. b.), cn} 
et batte baju um fo größere Seranlaffung, al« $eter 
feine ®emablin Slanca von Sourbon, eine Sibwefier 
bei Aönlgin von granfreid) unb SlutSverwanbte Aarl'«, 
vergiftet balle. Aarl gab ifent alfo bu ®ue«clin al« ®e« 
neral unb ®elb, um bie Sölbnercompagnien anjuwerben. 
Cbmel $rinj (Sbuarb von "BaM, ber „edwow iPrinj", 
eine Seit lang gartet für Uleter nabm, enbigie bod> ber 
Aampf mit bei Sieberlage unb bem lobe btefe« $eTT< 
\<bcxi, mit bet Zbeonbefteiguug {»einrid)'« von Irafla« 
mart iu (Saftilien (136 ( J). Seilbem war bie Sunbe*« 
genoffenfd)afl tirfee* mdd)tigfien ber fpanifdjen 9teid)e ben 
granjofrn geftd)Rt. 

Dirfet Streit mar nur ba« Sorfpiel für einen grofe« 
ren Ärieg, ben Aarl V. ftet« im «uge b«Me, Denjenigen 
gegen bie dngldnber, um ibnen bie (frwerbungen be« 
grieben« von Sretifinv wieber iu entreißen. 3n ber 5 hat 
batte bie bintetliftige Sri, in weiter ber $rinj von 
SBale«, al« 6tatlbalter bet englifd)en Stftfcungen auf 
bem geftlanbe, bie Sölbnercompagnien ftetd argen bie 
fraujöjiidien ^rovinjen gebebt, in ganj granfreid) ben 
(ebbafteften Unwillen erregt unb bat) entfd>lummerte Sa» 
tionalgefübl wiebet geweift unb belebt. Aber feibfi in 
ibrtn eigenen Sefiftungen auf franjöftfibem Sobrn waren 
bie (Sngldnber niebt beliebt. 3br falte« raube« ffiefen 
fiiej» bie feinen beweglichen Süblänber ab, unb ber Sor« 
»ug, weldjen bet „Sdjwarje $rinj" überall ben Sational« 
Engländern jutbeil woben lieg, erbitterte fte v«Henb«. 
I tc Kuflage einer neuen Steuer brad)te bie ga«cogni* 
fd>en (Sbelleule |u b'Qem Jlufftanbe. 

Aarl V. verfprad) benfelben um fo mehr feinen Sei' 
nunc- , alt fid) alle Serbältniffe iu feinen (fünften ge< 
Palleten. Jtdeiig (Jbuarb ITT verfiel vorzeitig greifen« 
bafler Sd)wdd)e, unb ber $rinj von SBalc« litt tdglid) 
fur<btbai unter einer Aranfbeit, berrn Aeftue er au« Spa« 
nien mitgebrad)! batte. dagegen warb bem franjöfifcbm 
#errfd)er ein großer politifdjer Sieg jutbeil. Die (hbin 
von glanbern, Wargaretbe, mit einem Sobne (Sbuarb'6 HI. 
verlobt, t>etrat^ete im 3. 1369 vielmebr £etjog «Philipp 
von Surgunb, ben iüngjlen Sruber Äarl'« V. Xie 
reid>e Srbfcbaft war ben Saloi« gewl^, unb für ben 
Sugenbliä bit Sunbe«genoffenf(baft glanbern«. SQun« 
mebr erfWrte Jtatl ben Cfnglanbern ben Ärieg, ob« 



einen anbem @runb a(« bie Sad)e bn nationalen Sin« 
beit gTanlreid]«. 

3n einer ffiodie würbe ben oitlig übenafebten Qng« 
(dnbern bie Sraffd^aft ^ontbieu entrinen. Die General' 
ftdnbe be« Kelcb« billigten ben Ärieg voDftdnbig; ba« 
Parlament von $ari« erfldrtr ba« ^erjogtbum Slquita» 
nien ber Atone für verfallen, obrool man baffelbt im 
grieben von ©retignv bem englifdjen Äönige in voller 
Souverdnetdt abgetreten t)nitt. Da« Oiierob, «genoi«, 
üimouftn empörten fid? unb vertrieben bie englifdjen Se» 
fafiimgen. UeberaO brad) ber Ärieg auf ba« befligfte 
au«; bei ber gegenfei ligen Erbitterung würbe et mit ber 
größten (Mraufamfcit geführt. 

9?od> einmal erwirfen bie (Snaldnber ifjre militdrifd)r 
Ueberlegenbeit. Der S<bwarje iprin) erfjürmte ^imoge« 
nnb liei alle feine (Sinwobner töbten. Der rnglffcbe 
Hauptmann AnoQe« verbeette ben ganjen Sorbrorflen 
granhrid)« bi« vor bie Ibore von Ißari«. Die erfdjrecften 
Sinwobner flüchteten ftd) in bie 3Udiber, auf bie Witte 
ber Ströme, befonbtr« aud) in bie £öblen, bie fie fid) 
ju biefem Sebufe gegraben, aber ba« ffiemepel von Ü' 
möge« war be« Srbwarjen ^rinjen le^ter Sieg; von 
ÄtanfMeit gebeugt, febtte et nad) dnglanb jurüif, um 
hier rnbmlo« feine läge ju enben. Sd)on vorber war 3o> 
bann Sbanbo«, ber brße feiner Unterfelbberrrn, geworben. 
Unb wdbrenb bie @ngldnber ibre vorgüglidrfen Generale 
verloren, traten an bie Spi$e ber gTanjofen fWdnner 
wie bu ®ue«riin unb fein bretonifebet Sanb«mann Ott* 
vet von (Sliffon. Sie befiegten AnoOe« unb jerfprrngten 
beffen Raufen. Selbft a(« bie fianbriftben eommunen 
unb ^erjog 3obann IV. von ber Sretagne ffd) ben ©ng« 
Idnbern anfdjloffen, vermodjten jie ben ®ang be« Ärieg« 
nidjt ju dnbern. Der Wangel einer eigenen glotle 
würbe ben granjofen burd) ba« verbünbele dafrifien er« 
feftt (Sin eafrilifdie« ®efd>waber verniebtete ba« eng> 
lifd)e be« ®rafrn ^embrofe im Ängeftdjte von 2a«9tod}elle 
(3uni 1372). Det englifd)e Cbafelbberr, bei Äaptal 
von Sud), würbe burd) caftilifd)e Sd)iff«mannf(baften 
aufgeboten unb gefangen genommen; aud) bie Sßaffen 
bu ®ueflc(in*fl, ber jum (Sonne"tabIe von granfreid) er« 
boben worben, holten guten gorigang. Vtan fann nid)t 
fagen, ba^ er ein großer Stratege ober gar ein grefer 
ßrganifator gewefen fei, aber er batte ba« Serbienft, 
bie »rt, in ber man bie (Fnaldnber befdmpfen mugte, wobl 
ju verfieben. (St fegte ibnen ibre eigene Xafrif ent« 
gegen, unb begabt mit uneff<bütterlid)er @ntfd)loffenbeit, 
mit nid)t ju bdnbigenber übatfraft, befjegte er fie. Kud) 
$oitier« nabm er burd) dinverfidnfini^ brr (ünroobner- 
3m 3- 1373 würben ganj $oitou unb ber 9lorbrn ber 
®upenne unterworfen. Die (Sngldnber wagten niebt mebr, 
fid) im freien gelbe )u geigen. Hl« bann bu ®ue«rlin 
unb Uliffon in ibr ^»eiraatlanb Sretagne einfielen, erfldrte 
ftd) ber gefammte Abel für fit unb für bie franjöfjfaV 
Sad)e. ^erjog 3obann mufitr naa) Unslanb Iiieben, um 
bie $ülfe (Sbuarb'« IH. anjurufen. 

SBirflfd) lanbett 1374 ein eng(ifd)e« $eer unter bem 
Aerjog von $ancaf)er in granfreid). d« begann bie alte 
laftif von neuem. Serwüfienb jog e« bura) Kerbfranf« 



Digitized by Google 



KARL V. (KÖNIG V. FRANKREICH) - 142 — KARL V. (KÖNIG V. FRANKREICH) 



nid), burd) Pie (Kampagne unb Burgunb narfj ber 
Auvergne. Uber bie (Engldnber fanben jegt fröfti^rren 
Sßtccrftanb al* jwanjig 3abrt früher. .fteine rinjigt 
Stabt tonnten fie nehmen. Xir franjöfifd)en 'Seiter be« 
gleiteten fie red>t6 unb linf«, griffen fie bann unt> mann 
an, beraubten fie feber 3uf ubr. Sfangrl, Anjhengung 
unb qerbftliaje Ädlte Ratten ba* feböne $rer fafi vet< 
nid)tet, al« e« au« ber Auvergne wieber in Borbeauf 
anfaui. 3m ndchfttn grübüng machte bann ein Soffen« 
fHUttanP, ber bi« 1377 bäume, bera Äampfe einftweilen 
ein (fnbe. 

> ff di« 3abren hatte Jtönig äarl fafi ade Brrlufte 
feine« Bater« wiener auflgeglidien. Kit BewunDetang 
fat) man jum er um mal einen Jtönig, ber, ruhig in feinem 
palaftr eingefd)Ioffeit, grofie £eere organiftrtr unb in« 
gelr fdjidte unb Purd) fie Jtrieger fd)lug, bie bi« Dabin 
für bit beften (Suropa« gegolten Ratten, aud) von tuet' 
tinen gclbberren befebüflt mürben, greilich. fo bod> man 
bie Älugbeit unb ©efdjicflicbfeit Äarl'« V. fteUen maa., 
feine Siege verband er Pod) bauptfdcbllcb t, re j anberwri« 
tigen Umftdnben: bem Purcb Pen englifdjeri Urbermutb 
energifd) aufgeftadjelten fvanjöüfcben Nationalelf ift, Per 
großen materiellen Ueberlegenheit granrreid)« über (Eng« 
fanb unb Pem Weere, welche* Pie (SngldnPer von ibrrn 
frftldntitfcben Beugungen trennte, jn Per Hut n>ar Pie 
Partie «ictjt gleich jtt>ifdjcn (tnglänPern unP granjofrn. 
3)iefe »arm minbrften« fünffach jablreiaVr a(« jene; 
unP wie oft hat überPic« Pa« f?eer Pie (Engldnber an 
redjijeitiger SanPung ihrer Irupprn verbinPert! 3mmer« 
bm batte ftd) ein gewaltiger Umfcbwung völligen, granf« 
reid), ba« bei bem loPe 3obann'< vereinjett unti ver- 
achtet PogeflanPrn, batte binnen eine« Sabrjebnt« fieb 
an Pie SpiBe (Suropa« gefirUt. 3n (Saftilten herrichte 
burd) ^einrtd) von Iraftamare unbebingt fein tiinftufj. 
3n Steapri batte bie franiöfifcbe gürftin Johanna brn 
ungarlfcpen ZbronprdtenPenten gdnilicb au« Prm grloe gc 
fcplagen. 3obanna Ubnte (ich in ibret %\o\n\t vollftänoig 
an Pa« vermanbie ^errfdjerbau« Per Baloi«. granf- 
reich war roieber ber leitenbe Staat be« SlbenDlanDe« ge- 
Worten. 

•Äarl V. ift e« ju bauten, wenn in biefer 3f<t ba« 
grejje Sd>i«ma au«bradj, welche« bie reiiqiöfen 3uftdnDe 
(Suropa« tief erfdjütterte unb ba« lebhafte BePürintfc 
einer allgemeinen rNeform ber Jtircbr unter aOen Böllern 
be« AbrnDlatiPe« verbreitete. Xu- Entfernung be« Hupft* 
thumtf au« fHom uad) Avlgnon batte in Pem Streben« 
ftaate Anla§ ju »ablrr idjr n (Empörungen gegen bie well« 
liebe .frmfcbafl Per •#bsftt gegeben. Orrgor XL, in per 
Beforgntfj, fenen ganj |u verlieren, trotte Pem SiDer» 
■ fprudje atarl'* V. unb begab ftdj nad) 'Jrom (September 
1376), wo er inPrft wenig au«rid)trte. Ha<b feinem 7oPe, 
im iVdrj 1378, jwang Pie allgemeine Stimme pe« römi' 
fdjen SJolf« Pa« in ftd) gefpaliene <Jarpinal«toü>glum <ur 
3Babl eine« italienifiben $dpfte«, Urban'« VI., Per feinen 
Sie in 9iom felbß aufld>lug. Allein feine $drte unP 
(eibenfd>aftlid}e Strenge liefkn bie metften (faroindle von 
i^rn abfaOen, welaje |id) nad} Prm Äönigreidje Travel 
begaben unb bort einen granjofen al« Sternen« VH. 



rrboben (20. Sept. 1378). Sie Jtarf V. b<uiptfdd)tid} 
biefen unerbdrten Sajritt veranlagt nnb untrrftüft batte, 
fo nabm fr fid) nun aud? mit großem (Eifer Siemen«' VH. 
an, ber fid) (Juli 1379) unter feinen Scbufc nad) ttvignon 
jurAdiog. Ter römifd>e ftönig ffieniei jebod), fowie Mft 
gan) dbeutfd)lanb unv Jiaiien, ferner Ungarn unb (Snglanb 
hielten an Urban feft; ba« gro^e Sd)i«ma be« aben»< 
lanpe« begann, »fldje« mebr a(« fePer anbere Umftanb 
bie bl«ber fo (tegreidje ^KrrfaVtft ber fatpolifd)« Äirdje 
erfdjütterte. 

Sdbrenb biefer 3eit batte Äarl V. bttrd) weife, wobl' 
brred>nete Drbonnan|rn 9tuf)e unP (Seborfam in feinem 
9ieid)e truberbergefteüt. (Er war fo einftd)tig, jumrift 
vcrPiente unb tüd)tige Sürger in feinen Statb tu berufen 
Slua) belohnte er bie Stdbte, bie fid) befonber« im 2Biper< 
fianPe gegen bie (Engldnbrr au«grjrid)net halten, burd) 
Privilegien aOer 9rt, befonber« burd) UrbertTagung be« 
«oel« an ihre TOagiftrate. Sw Bürgern von $ari« 
wurPen fogar fdmmtlid) Pie Porred>te Pe« «Pel« «er« 
lieben. $abei |eigte er (td> al« eifriger gdrPerer Per 
©elebrfamfrit. (Sr war felbft in ben ffiiffenfcbaften, im 
(atein, in Ideologie, Hbilofcpbie unP Hfrrologie tvobl' 
erfahren. So lief er alte Arten von ®ü(bern faramrin 
unP ropiren unP brachte an neunbunbert 9dnbr jufam« 
men, Pie er In Prei febönen 3><nmern be« ?ouvre jur 
öffentlichen 9enu(uug für @r(ebrte unb (Eopiften auf' 
fieQte: ber QrunDflorf Per großen parifer 9cationalbiblio< 
Ihef. St ermunterte bie (gelehrten, mit Denen er fid) 
perfönlid) ju umgeben liebte, führte fie befonber« tum 
Stublum ber »mite jururf unb veranlagte ße anbererfeit« 
ju wichtigen ftaat«roiffenfd>aftllchen «rbeiten. Sifolau« 
Ore«me« fdjrieb neben Per Ueberfepung einiger ®erfe Pe« 
Sriftotele« eine Vbbanblung gegen Pie 9tünwerdnPerun< 
gen; {»onore' Bon nur verfafie Pen „Baum Per Schlad)' 
ten", Pa« e:fte fBerf über Pa« Stettt Pe« Jtrieg« unP be« 
griePrn« ; Bbilipp von Vfatjicre«, Per Qrrjieber Pe« T j u- 
pbin, gab im „Iraum Pe« alten Pilger«" einen SoPer 
unabhängiger 9Rora(. Da« widitigfte febod) von allen 
unter (linivtrrimg Haxfi V. abgefallen ffierfen tft ohne 
3weif<I Sritotf von Preflle'ö „Iraum Pe« gruduhoin«", 
eine an«gejeid>nete StTeitfdjrift »(Per bie »elilid)en «n« 
ma fingen Der Äirdje. 

3nDef Pie PunUe Seite von AarC« Berwaltung 
finP He fdtwerrn Abgaben, Pie er feinem Bolfe auferlegte, 
unD Die um fo bdrter brütften , al« fte nur ben Horben 
unb Pie Witte granfreid)« trafen; Pen SüPen fdwntr 
mau, um ibn md)t wirrer in bie Arme Per (BngldnPer 
ju treiben. Dit Saljfteuer rourPe erhöht unP auf eine 
für Die Untertbanen frbr PrdtfenPe Seife erhoben. 2>rn 
Parlament«mitgliePern wurpe jePe BefoiPung genommen, 
fcDafr Tie nur auf Pie Sporlein unb StrafgelPer Der 
Parteien angewiefen waren, eine AnorPnung, Peren üble 
golgen für eine gereiffenbafte unb eifrige <Red)tflpfieae in 
bie« ugen fprinaen. Die Segiernng felbft mar rütfjtd>t*< 
lo« unP Pe«potifdj. Die fcblimmen (Erfahrungen, bie ber 
Jtonig al« dirgent mit Pen QkneralftdnPen gemacht harte, 
hielten ihn Pavon ab, piefelben nad) bem 3- 1369 wiePer 
einju berufen. Äarl V. legte Pen Ontnb jut BafUDe, 



Digitized by Google 



ÜARL V. (KÖNIG V. FRANKREICH) - 1 

X weniger benimmt war, ben dufrrn geint ab|umfr)ren, 
'? rlmtbj tit $arifer im j aumt ju halten. Kur ba« 
•" man gewonnen, x>av bie Münjfdlfcbungen gdnjlia) 
-"rftHlt, bie fetantröLinff rfdjifCr weniger (djroff betont 
■irNn al« un«r ben vorbrrgebenben Kegirrungen. 
«10 mit Dort gtübiabr 1377 btr enalifd}«franjöfitd)f 
"rnrtillftanb ablief, befanb Snglant fidj in btr benf» 
uiiaünfiigften Sagt jur SBitberaufnabme be« Jtampfe«. 
.»j libuarb von SBalt« war fa>n ein 3abr vorbtr 
wibCBi unb fein ffiater, .König Gbuarb III., folgte 
am 21. 3 nn i 1377. Sin rlfjdbrigrr Änabe, ber 
(4 £J?roarjm SJrinjen, Kimare II., bc flieg ben 
.;4jeu 2bron. 
Ueberau* trugen bie verbünbrten granjofen unb 
(in ttn Äampf in ba« ©ebiet ber ©tgner. 3brt 
crfcfcic ba« Meer unb brannte K^e, einen ber 
n Afinf'^fen, nieber. Kotb unglüdlicbtr geftaltete 
(Sngldnberber JJanbfricg. SirSboma« gelton, 
...r*e generali von Borbcaux, warb gefdjlaatn 
.'anatti genommen, ben (fngidnbern aDe ibrt S3e» 
> im |ttblia)en granfreieb mit 8u«nabme von 
. , ^apennt unb einigen fleinen gefitn tntriffen. 
iiptn 3abte, 1378, (ab, fitfc ibr SJerbünbeter, 
i'eit von Kavarra, von ben ftegreieben gran* 
,i»tiffen. SWonipetlicr auf ber einen, alle feine 
ii in ber Kormantie auf btr anbtrn Seite mit 
ron 6b«bourg würben binnen brei SRonaten 
bourg trat er an bie Sngldiibtr ab, bie 
hülfen, bie tfafrilitr, welebe in Kavarra ritt« 
ircn unb bereite* "Jkmpelona belagerten, mieber 

. .iqreicfjc r>inau«iutrciben. 
V. triumpbirte auf aOen fünften. Die eng» 
haft in gtanfrtiaj faß vrrniebtet, ber navarrifebe 
uanfreiew Vertrieben, ber •Öergog von Ber 
m gtümtlina, ba« flantrifdpe wrbe in iicbtrtr 
aii'rr Äarllv. haue ihn \um Keia)«vicar in 
trnannt unb bamit bie (Snverbung biefet 
tcblanb gebörigen üanbfdjaft gebilligt unb 
ttm .Röntge bieber alle« gelungen mar, 
i^lit^lid) boa> an eben btm (tlemente, ba« 
i m Siege geführt batte, an bem cnetgtfdjen 
inabbängig gtjtnnlen 93olft«. 

im batten ibren $erjoa, vertrieben, weil 
nbeter btr (tngldnber gemefen war. Die 
ber granjofen in ibrtm .Kampfe gegen bie 
uen SÜrelonen. So hielt Aar! V., von ber 
f:djtung feine« .fcoufe«, bie ©elegenbtit 
•rbt nur bem &erjoge Johann fein Sanb 
nbtrn et) für immer mit ber Jtrone )u ver* 
1 378). Äbtr ba« erregte in bem $erii'g' 
(»drung. Die *Bietonen, fctrrn 6onber< 
ich (freiguiffe nur vrrftdrtt warb, 
unter bem SmuOe granfreia)« flehen 
(\ granfieid; vrrtbribigen , allein fit 
ein freie« unb felbftdnbige« ©elf ju 
•>ig« Serfabren bitlten fie für eitel Un« 
ptn faejen fie ba« be«potifd)e unb fie»- 
btr SSaloi« über ftd> iKreinbrecbtn. 



} - KARL V. (KÖNIG V. PRANKREICH) 

Sirrjig Oarone unb bie ^auptfidbte Stennetl unb Kante« 
verbanben fich jur ftufrtcfctbaltung ber bretonifebrn Un- 
abbdngigftit («pul 1379). 3)it »ufftänriitfcen, von aBcn 
6fittn ver^drift, riefen balb Johann von Wontfort jn» 
räd, unb biefet fab ft<b t>on Sbel unb Qolf unterftu^t, 
l'tlbft von benjtnigtn, bie bi«ber feine mtfcDiebenen 
ffiittrfadjtr gttvefen. Du ®ur»tlin unb (Fliffon, bie 
verfuajt batfn bie Semegung aufjnbalttn, mürben von 
ibren £anb«(euten in €tia> gelaffen unb ju einem 
SBaffenftillftanb« ge^mungen (Ottobtr 1379). 

Unb bamit ni*t genug. Die volf«tbüm!icbe ®e« 
megung gtgtn bie übermdfig central! firenben unb nf- 
talifmen veftrebungrn btr i!alct6 tetjntr fitt injmifd^rn 
gleiajmdüg auf ben (süben unb Korben be« Stirbt« 
au«. Der ^jeTjog von Slnjou, ber jmtite Sruber be« 
Jlönig«, vtrmalttte al« Stattbaiter ba« Sangueboc mit 
aroftr ^>drtt unb $abgitr. ©ebon 1378 batte «tme« 
jld) gtgen ibn erhoben, mar aber »feber unterworfen 
morben. ?nbt»3 im ^erbft 1379 mawten neue uner* 
fd)wing(ia>c Steurrforberungen ben ttufftanb allgrmein 
in ber Ißrovinj. 3">ar nabm Hnjou an ben Slufftdnbi» 
fajen blutige unb jumal für biefelben fet)r foDfpirfige 
9iad)e; allein Jtarl V., bura) ba« Seifpitl ber Bretagne 
belehti, gab bin na*. Slu« gura^t, tat! Sangueboc bie 
(Snglänber berbtirufen werbe, nabm er feintm Sruber 
bie 6tattbaUerfa>aft unb fa>itfte au fein« Stelle einen 
milberen ®ouverneur. — Um bieftlbe 3eit brarb bie €m< 
pörung im Korben au«, in gianbem, jundebft gegen ben 
(trafen Subwig HI., mittelbar abtr aueb gtgtn bie franse - 
nute Cbcibt tri cbaft. gi«califa>e Sebrürfunatn »artn aua> 
bier Urfaaje, ba$ )unda)ft ©ent, bann «uaj 5)pf rn, Srflgge, 
Sourtrai unb viele anbere Drte firf) empörten (1379). 

3n Sangueboc batte Jtarl namgegebrn, aber in btr 
Bretagne bitlt er, naebbem btr Ärieg einmal au«ge- 
bro<btn, ein folifce« Serfabren feiner SBürbe niebt für 
angemeffen. So würben bie ©retonen wiber ibre ur* 
fprünglidje «Ibfiajt gendtbigt, fia> mit otn dngldnbem 
ju vtrbünbtn. 3 u 8 l f'<b »nlor Äarl V. feinen bei weitem 
befien gelbbenn, bu @ue«ttin, beffen (Snbe — er war 
rrfl fca>jig 3abre alt — Mit* ben Xummrr befajltunigt 
tvurbe, feine £anb«leute gegen ftd) in Waffen ju feben 
( Juli 1380). Dura) bie inneren Unrubrn in granfreia) 
ermutbigt, gingen nun aua> bie (fngldnber jum Angriffe 
übet. Der ©raf von ©udingbam lanbete mit 7000 
«Kann in <5alai«. SBie gewöbnlia) orangen bie gng< 
(dnber verwüftenb in Korbfranfitid) ein; wit gtwöbnlid) 
vermieben bie grantofen jttt €a>lad)t, blelttn ibrt gefmu.- 
gen verfcbloffen unb begnügten fieb, bie Gtngldnber ju 
beunrubigen. So rennten bitfe, obwol von weitübttltaeneu 
Streitfrdften umgeben, obne ntnneji«wertben SBerluft von 
«beim« au« bureb Wittelfranrreid) nad> ber SSretagne 
jnrütffebren. 

Kl« fit bort einrüeften, lebte Äarl V. nia)t mebr. 
(Sr war, erft 43 3abre alt, am 16. Sept. 1380 geworben. 
95on feiner ©emaljtin 3obanna von Courbon batte tr 
jwti Söbn», bm Daupbin Äarl unb ben ^trjog 8ub»ig 
von 3xuraine (fpdter von Orlean«), fowie eiw üodjter, 
Äatbatint. Der erflere jdblte (aum 12 3abrr. 



KAJtL. VI. (KÖNIG V. FRANKREICH) — 144 — KARL VL (KÖNIG V. FRANKREICH) 



Literatur: Si«monbi, Hiatoire de« Francaia, 
t, IX. — £. ©tarlln, Hiatoire de France, t. Vi — 
Recueil des Ordonnance«, t. V. — Istorie fioren- 
tine di Matteo e Filippo Villani (©u(b 8—11;. — 
Chronique« de Froieaart (l«u«gabe «Ott S. State, 
©ari« 1869—74). — «briftin« be ©i|an, Le livre 
de« fsifl et bonnc« moenr« da sage roy Charles 
(Michaud et Poujoulat I, i. u). — Le« Grande« 
Chronique« de St-Denia ed. P. Pari« ©D. VI., ©a» 
ri« 1838). — 8eop. Deilflle, MandemenU et acte« 
diver« de Cbarle« V. (Collection de documenta in- 
edit«, ©ari« 1874). — (8. Ko», Hiatoire de Cbar- 
le« V. (Tour« 1849). — ©artbelemv öe ©eaure. 
fl aro. Hiatoire de Charles V. (©ari« 1843). — g. 2. 
©errend, La demoeratie en France an moyen-äge 
(2 ©be., VOrU 1873). — S. ?uce, Hiatoire de la 
Jacquerie (©ari« 1859). — S. ¥uce, Hiatoire de 
Rertr du Guesclin et de son £poque (Tbl. I, lijri« 
1876). — 8. Sournitr, Les invaaiona anglaiae« en 
Aniou («Inger« 1872). (4/ PÜlipp$cn.) 

Q KARL VI., geboren 3. Dte. 1368 ju ©ari«, 
ber dürfte Sobn be« ©orbergeber.Den, bejtteg untrr fehr 
fd>irierigen Umjidnten ben Tt-ron. Dir ®ärung in ben 
unteren ©olfeflaffen, Dir fa>n fett einigen 3abriebnten 
beraerfbar mar, mud)* immer bebrobltmrr an. Irr flu«' 
brud) be« Äompfe« jn-if<brn bfn flanDriftbm ßommunrn 
unb ihrem (Brufen »Ufte aufrtljrnb u»b ermuibigrnb 
aud) auf bic nieDeren Stdnbe b<r frünjöftfdjen Sldbte. 
Di« jttrebe mar burd) ba* Sd)i«ma uno Dm rücffidjt«< 
lofen Streit ber (Brgrnpdpfte um reu größten Ibeil ihre« 
»nfeben« unb Ginflutte« gebrad)!. «Del unb .JHeru«, 
anfiatt feie ©erubigung ber aufgrrcgtrn ©emütbrr ju 
»rrfud)rn, lebten in lleppigfeil unb «u«id)weifung weiter, 
ba« ©olf bebrürfenD unb pUinDernb. 

Da .Hai: VI. bei brm Tot* feine« ©uter« aft <m 

Swlften 3abre flaut, balte (ibiem ju Kegenten frinen 
tubrr ©bilipp von ©urgunfe unb feinen Schwager 8ub« 
mig von ©ourbon eingefrst; feine beioen anDern ©rüfeer, 
SuDrvig von *flnjou unD 3°bann von ©err», balle er 
jete« Sinjluffe« auf bir Regierung berauben mollen, ba 
er Änjou megen feine« fd)litnmen Sbarader« haßte unb 
©errv ein ©erfdjroenfeer war. Da nun aber «Jnjou ni<f>r«- 
beftomeniger einen flntbeü an Der ©tad)t verlangte, 
einigte man fid) nad) bilierm Streite babin, bafi ber 
j?öuig fogUid) münoig erfldrt unb gefrönt merben folle, 
um bamil überbaupt jft>e Kegentiebaft m veruieiDen. Äm 
4. Kov. 1380 fano Die feierliche Jlrönung JJart'« VI. flatt. 

Die Uneinigfeit ber ©rtnirn von @rblüt unb feie 
3ugenD be« .jjenfaVra eimnibigien ba« ©olf )uc Em- 
pörung, juerft m (Sompiegne unfe anbrrn 6tdfeten ter 
©karDie, enblid» in ©arte frlbß. <*« warer. roeniger feie 
burd) We (Sreigniffc von 1358 nod) gefdjirddjten Bürger« 
fdjafien, al« vielmehr Die unterfieti klaffen, feie aber nur 
ferfto leifeeniibaflliiber unD getvaltlamer auftraten, ffiirf' 
(id) faben fufc Die leimen, feie felbflvetftdnbliel) feie ivabren 
IHaditbaber blieben, tur «bfdiaffiing aller feil Philipp 
bem edjönen neu eingeführten Steuern genötbigt. «ud> 
mit bem «angueDoc, Deffen »eroobner ben $erjeg 



feen Qetrp 1381 bei Kevd in offener €a>!a*t beftegten, 
m utile man ein «blemmen treffen. Wit Öerjofl 3obann TV. 
von ber Srrtagne föbnten udi bie ilrinjen gleidjfaO« 
au«, foba# er bem juncen «önig von granfreia> bttlbigte; 
bo4 behielten bie Sngidnber ©reit befe^t. 

3nbef tre & biefer (SoneefRonen gerietb ba« @taat«' 
»efen in immer größeren ©erfaQ. Obne bie feit Philipp 
bem €mönen eingeführten Steuern lie$ ftd) in ber Tbat 
nidit mehr reginen. Aber vergeben« madjte flnjou ben 
©erfud), fein ben $arifern gegebene« ©erfpretfeen ivieber 

turüif}unebmen (^erbfl 1381). 9tiemanb bejablle; St nie u 
ah ftd) genötbigt, bie Äira>en «u plünbern. Darüber eni» 
flanb ein lebhafter Streit mit ber Univerfitdt. «I« »njou 
»vieber biefe ©etvalt gebraud?te, flohen bie ©Tofefforen 
an« $ari«, nnb bie Univerfitdt [öfter fia> jeitmeilig 
gani anf. 

3n ©ari«, in Konen 1 ep.tr man ndj mit ben auf- 
rührerifdjen (Hentern in ©erbinbung. greilicb tvurbe 
Kouen von bem jungen Jtönige balb tvieber unterworfen 
unb graufam betraft. Aber in ©ari« erhob man ftd> 
um fo troftiga gegen bie tHu«fcbreib«ug neun Sbgaben 
(*Kdrj 1382) unb erfehjug bie Steuereinnehmer mit Streit« 
bdmmern (maüleU), bie man au« bem Stabthaufe ge> 
raubt haue; banad) biegen bie flufrühm maUlotuu. 
Hütt) in «rnien« unb anbern Crten be« Korben« erhob 
fid) ba« niebere Solf gegen bie föniglitbe @emalt. *) Die 
Kegenten mußten ftd) mit ber Stab! ©ari« vertragen, 
bie bunberttattfenb ?ivre« bejablte nnb bafdr von weiteren 
Steuern frei bleiben foOle. Sicht fügfamer jetgten fid: 
bie ©eneralfxdnbe, bie bura>au« bie ©lebereinfubnii-g ferr 
alten abgaben verweigerten. 

Damal« verließ ber habgierige unb allgemein ver< 
baß te «njou ba* Keid». 3n «eapel hatte ndmlid) ©rinj 
Äati von Ungarn bie verbred)ertfd)c Königin 3ohanna L 
beftegt unb gelobtet. Damit wat bort bie ©artei ber 
gramofrn unb be« avignoner ©apße« untalegen. Um 
fo eifriger war 8ubwig von Knjou, ben 3or?annu tum 
drben eingeferjt hatte, jene« jfönigreid) ju erobern, ©om 
©apf) dienten« VII. von flvfgnon unterftüpt, gewann 
er junddjft bie jum neapolitanifdjen (frbe gehörige ©ro< 
venre unb }og bann über bie Vlpen naq Sübitalien 
(1382). 3nbeß nad) jmeijdhdgen, immer ungünfHger ftd» 
gefialtenben Admpfen erlag er hier ben (Sinmirtungrn 
be« JNima« (1384). 

3nimif(ben hatte bie bemofratiftbe ©ewegung in 
glanbern ben ©raten gubmig IH. bei ©r»erbolt beftegt 
(3. ©iai 1382) unb felbft ba« S-ifft^öihum SütHch er' 
griffen. Jn ganj 9torb< unb ©cfttrlfranfreid) gdrte e« 
unter Dem ©olfe, ba« fid) bewaffnete unb in nd<$tlid>en 3w 
fammenfünfttn fid) verabrebete, ba« ©eifpiel ber glanberer 
natbjuahmen. Der franjöfifdje «bei aber erfannte febr 
wobl bie Qefabt. weldje biefe populdren tfrfolge ihm 
frlbß bereiteten. Die -berjogc von ©errfe, ©urgunb unb 
©ourbon boten ba« $ehn«beer auf, unb ber junge Äönig 
Äarl VL, gani von ben ritterlidjen Keigungen feine« 



*) A. de CatMtM, Ls *rit Banicip«lr an XV. 
nord de la Fruiee (>n«rii 1880) 6. 4 



i^ieu uy vj 



oogle 



KARL VI. (KÖNIG V. FRANKREICH) - 



146 



— KARL VL (KÖNIG V. FRANKREICH) 



Urgroßvater« unb «roSvater« erfüllt, Hellte ft* frfbfl 
an beffrn Spifcr. Der flott mar entfdjloffrn, bk popu« 
Idre ©ewegung ju erftitfen, ehe fit abermal« tas? rigent« 
liebe SronfrtKt} gewinne. SBirrtlcb wartete bin bie 
mofratir auf r inert entfebeibenben Sieg fbrrr flautnfcfjfn 
Serbünbeten, um ftcfj bann ju erbeten. 3nbr$ ba« 
©egentbeil trat ein, unb bie franj6ftfd)e rebn«armee be* 
teitete bfn glanbrem bei Roofrbefr rine vSUige Rieber* 
lagt (27. Rcv. 1382); 25,000 Bürger lagen auf bem 
Sdjladjifflb*. 

SB« nn auch ®rnt hdb'nnuitrjig brn ffilberfianb fort» 
ffßfc, fo hatte Co* bie voIWtbümlicfee Sache einen furcht* 
baren Schlag erlitten. Zriumpbtrenb jog Äarl VL an 
ber fcpi&c feine« Abele in $ari« ein, da« nun für feine 
bi«r>rrigf ffii&rrfpenfiigfrit bart beftraft würbe. Die Xbore 
würben eingeriffen, bit ©äffen ronfi«cirf, ^unberte von 
bürgern hingerichtet. Die übrigen mu&ten ftd) bureb 
borj« Summen freifaufen. Dann mürben bie alten Steuern 
»ieber eingeführt unb noch erhöbt. Die Rearrion be« 
Süel« unb be« Jtonlgtbum« traf nicht ntinber febreeflieb 
bie anbern grojkn StciBte be« Reiche«: Rouen, Rheim«, 
Gbdlon«, Xrove«, Crlean«, Sen«, «mien«. Ueberau 
fab man Einrichtungen in großer 3<ib(, überall mürben 
fernere ©elbftrafrn auferlegt, welche bie grofien Jerxen 
untereinanber thritten. Daffelbe Scbidfal erlitt jrbt San» 
gueboc; nur in bem unmegfamen Gebirge ber (Sevrunen 
führten biet fübne «benteurrr, 2ud>in« genannt, ben 
98olf«frleg weiter. Uber fenft meinte ber «Del alle« ge» 
nonnen ju haben. 

3m 3anuar 1384 ftarb ®raf 8ubwig »on glanberu. 
Seine meiten SJefihungen: bie ©raffdjaffen glanbern, 
Ärtoi«, Krufts, ttrthrl, fomie bie burgunbtfd» greigraf* 
fdjaft (gronebe* dornte) fielen an feinen Sdjroiegerfobn, 
<§erj|og Philipp ben .Rührten von Surgunb, ber t>ot>ardj 
ber bei treuem mdcbtigftr unter ben grofien frantöftfthen 
&bn«trdgern mürbe. Die übermächtigen SafaUitdten, 
welche frub«e Äönige mit Wühe jerfidrt hatten, lebten 
fo infoige ber furjftcbrigen »Politif ber 9?aloi« in ben 
Apanagen ber föniglicben Urinjen frlbft witber auf. 
Roch im gebruar 13^4 fcbloffrn bie mächtigen <§rr]oge 
ton ©errv, $)urgunb unb Bretagne ein enge« S9ünb« 
nifi. Jtarl VL frlbft vermählte fi<b 1385 mit 3fabeQe 
(3fabeau), ber joebter be6 äjerjog« Stephan IU. von 
Saiern. Der junge Ädnlg, phantafHfa> wie fein ©rofj« 
vater 3ebann, ben «u«f<bmeifungrn überraäfitg ergeben, 
glaubte mit feinem Siege über bie Stdbte «eroaliige« 
vollbracht ju haben; feine Selbftüberfdjdjung fannte 
feine ©renjen. Racbbem man Steuern unb Straffummrn 
vrrgeubet, bebrüefte man ba« ungtücflfcbe 93vlf bureb 
fflirbereinführung ber SRünifdlfcbungen. Unb boch mürben 
bie eigentlich nationalen Unternehmungen nach aufien 
hin fdjlecht geleitet. SJtan unterftA^te 3obaun von 
äaftilien in |einrm Unterwerfungtfrtrge gegen bie mit 
brn dngldnbern »erbünbeten ^3ortugiefen ; aber bei M< 
iubaaota (14. «ug. 1385) mürben bie (iaftilier gefdjlagen, 
ba« franiöftfche ^ülfflcorp« pöOig oerniebtet. Portugal 
nrar bamit bem euglifcfcrn ISinfluffe bauernb gewonnen. 
3n 9ceasel unterlag, mie fa)on erwähnt, bie franidfifche 

l_ j,;^c, t. B. t. j»citc e<ält». XXXlll. 



Partei aberma« burm brn leb be« £erjog6 pon »njou. 
QKn Angriff auf Ünglanb von Schottlanb au« unb mit 
beffen Unterfiü(ung fd>lug gdntticb fehl. 9lan plünbrrte 
von neuem ta6 franjoftidje Solf, am rine grofie glotte 
tmammeniubringen, bie dngtanb erobern foOte (1386); 
inbe| bie (Engldnber verbrannten fir im ^afen Slu^i. 
Die ^errfchaft ber hohen ttriftofratir errole« fta) al« 
villig unfähig. Dabei würbe ber niebrre 8be( von ben 

S\rofim Herren faum mlnber unterbrüeft al# ba« ffiolf 
rlbfi. Da ^eriog von ber Bretagne vergriff ftcb felbft 
an bed Rönig« getreuem <£onnetab(e, Sliffon, ohne bafi 
berfelbe ©errchtigfeit be«halb erlangen fonnte. 

Schlimmer fonnte e6 nicht werben, unb fo begrüßte 
man e« allgemein mit greube, al« Äintg Jtarl VL, 
je(t {wanjig 3ahre alt, im Rovember 1388 felbft bie 
♦Regierung übernahm. SBtrflich fing bie neue Bermalrung 
verheifung«voQ an. Jtari war nicht bö«artig, guten 
Regungen leicht jugdnalfcb; freunblio unb herablaffenb, 
»erfrbrie er mit atten Stdnben; feine perfönliche lapfer' 
feit fonnte nicht bezweifelt werben. 9Iur liefen feine fort» 
wdbrettbe nervöfe Aufregung, fein phantafiifcher unb 
unruhiger Sinn Schlimme« befürchten. Äar! entfernte feine 
Ohrime von Surgunb unb Serrv von ber Regierung 
unb rrfrhte üe burd> ben allgemein geachteten $erjog 
von Sourboa; bie alten 9?dthe feine« Sater« würben 
wleber in ihre Stellen jurüefaeführt. 9Stt dnglanb fchlofj 
man einen breiidhrigen fflaffenftinftaub auf Orunb be« 
statua quo (1389). Cbenfo würbe mit Deutfchlanb ein 
gute« (Sinvernebmen berge fr: 11t, mit Saftilien ba« 6ünb' 
nig erneuert. So fehlen für va« erfeböpfte unb entvölferte 
«eieb eine glürflichere 3eit be« duneren unb inneren 
^rieben« ju beginnen. 

3nbefj halb würbe bem Jtönig bie regelmäßige nr< 
beit ber Staat«gefchdfte ju mühfam unb einförmig. (*t 
warf ftcb mit bem ganjen Sifer feine« leb haften, nach 
fteter abwedj«lang begehrenben Naturell« in gefte unb 
Vergnügungen aBer «rt. Da« ©elb be« Staate« würbe 
verfebwenoet, bie Jtrdfte be« ^errfcher« in «lu«fthweifungen 
vergeubet; Sudjtlofigfeit unb tolle« Xrriben verbreitete 
fid) vnm ^efe au« unter 9bet unb iBelf. Aar! vergafj 
bei biefen gefHichfeiten aOe Snrbr. (Sr rieibete \i± in 
Gumpen unb lachte über bic 6tö$e unb ^»iebc, bie er 
bei folchen Gelegenheiten von ben waihebaltenbcn Solbaten 
erhirit. Dajwttcben machte er miroer eine Steife nach 
bem Süfen, wo er iti verftdnblgfter Seife ben ©e^ 
brüefungen, bie per $erjog von ©err» im Sangueboc 
ausgrübt hatte, ein Qnbe bereitete. 

Die Obrlme be« Jfönig« faben mit fteigenbem 
©ritnme bie $en1<baft ber ,,3«armoufet«" — ber Ofen* 
hoefer, wie fit bie 3urifzen unb 'Beamten nannten — 
über ben ftinig ftcb brfeftigen. Sie fudjten alle« hervor, 
um wirber jur Wacht ju gelangen. Riebt nnr bebienten 
fie ftd} tobet be« Qinftufie« be« $er)og« von ber Qre< 
tagne, fonbern fchretften auch vor Oift nicht jurfief; bie 
beiben »ifeböfe von ?aon unb Rheim« fielen bem von 
bem 6fTjoge von ©errv gemifebten üranfe )um Opfer. 
Der Aönig wu^te ßd) von SJcrrdtbrrn umgeben. Sein 
ungeerbneter 8eben«manbe( jog ihm ein Rervenfieba ju, 

19 



KARL VI. (KÖNIG V. FRANKREICH) 



*t& MB ss KARL VI. (KÖNIG V. FRANKREICH) 



von bem er nur unvoOfommen wirber acfxiü würbe. 
3n blefa fntifetc n Jage wart in Sari« auf fernen treuen 
(Eonnetable (Eliffon im Auftrage fett £rrog« ba ©re* 
tagne burd) ©eta cor (Jraon ein 9NorbanfaIl begangen, 
ror1ct.fr ben Jtönig in bie Ii ü elfte Slufregung verfemte 
(1392). (Er wollte fofort gegen ben 6aaog fjtebcn unb 
ilbaroanb ben Bibaftanb wn beffen ©abünbeten ©errn 
unb ©urgunb. Aufgeregt, fränfrlnb, fieberhaft geftimmt, 
ritt er in glübenba Sonnenbi&e fttmer bewaffnet burd) 
ben BJalb von ?e SNanfl, al« plöflieb ein balbnadta 
"äKniidj jwifdjen ben Säumen bervorfprang, bie 3ügel 
feine« ©fabe« ergriff unb au«rief: „Jtönig, nid)! weiter} 
jurüd, bu biß vmathen!" Tiefen Stuf wiederholte eT, 
bifl man ihn vajagte, Äein 3»rifcl, baf biefer ÜRenfd) 
von ben {>erjc<gen von ©errv unb ©urgunb angeftiftet 
»erben mar, um be« Äönig« Warfd) nad) ba ©retagnt 
aufzuhalten. «ba bie (Srfcbeinung machte auf ben tranf* 
baft erregten @eift be« unglüdlicben ©ionareben einen 
Wichen (Sinbnid, bafj er in Tobfudjt verfiel, feine Um« 
gebung al« ©endtba angriff, vier bavon niebafd)lug 
(5. «ug. 1392). Tie Oheime Jtarf« unb fein ©ruber, 
jprTjog ?ubwig oon Orleans, benufetrn fofort bie Jtranf« 
brit, welcher Der Jtönig nun auf ein halbe« 3abr »er* 
fiel, um fid) ber ®ewalt vöOia ju bemddjtigen unb eine 
fernere ©crfolgung über bie 3urif»en in ber Stegierung 
ju verhangen. »ud) ber fionnetable Gliffon far> ftd> jur 
©erbannung fowie iu einer ©clbfrrafc von 100,000 
3Rorf tilbers von ben greunben brrjenigen rerurtbrilt, 
bie ihn faf) ermorbet hatten. 

3nbei ber Jtönig begann fid) ju erholen. (Sr fuchte 
für feinen Tiefftnn tbörid)trrwrife 3aftreuung in raufdjen* 
ben geftlidjfriten. ©ei einer .jpo<hjeit«frier ma«firte er 
ftd> mit nod) fünf jungen Seuten al« Saturn ; ihre ©er' 
Reibung, mit ^ar» bebedt, fing geuer; bie fünf anbern 
verbrannten, nur Jtarf würbe gerettet, inbem man Jtleiber 
über ihn warf (29. San. 1393). Tiefa neue Stofj war 
für ba« fd)wad)e Gehirn be« Jtönig« ju viel. 9x würbe 
abcrmal« von ffiabnftun ergriffen, von bem er ftd) nicht 
mehr bauernb erholte. SD?an wagte r« juerft nicht, eine 
9icgentfd)aft einjufeften, ba ber Jtönig von 3rit ju 3'it 
wochenlang vernünftig war unb bann einen löblichen 
gifer für bie Seicbflgcfchäfre jeiate. Sonft führte ftalt 
feiner fein Oheim Philipp von ©urgunb bie Regierung. 
Derfeibe vabanb fid; auf tat engfte mit ber gemdfjfgten 
fird)lid)en Keformpartci, beren Leiterin bie paiifer Uni« 
verfitdt war. Tiefelbe (hebte eine ©efferung ba gdnj« 
Iid) verfallenen Jcirchenjucbt, eine größere Unabhdngigfeit 
ber Stationalf hchen, vor allem aber bie 9lu«glricbung be« 
£cbf6ma«, bie SSieberbaftellung t<6 grirben« innerhalb 
ber Stirbt an. 91(6 ©Jiitcl bierju betrachtete man bie 
flbbanfung ber beiben ©dpfir und bie Einberufung einet 
allgemeinen Qjonril«. 9t eformtenbenjen unb ©olitif verban« 
nen fid» auf ba« engfte; biefe franjöTtfdjen Sreformer waren 



feine vagen Äo«mopollten, fonbern begeifterte 
ihre« ©aterlanbe« unb feine« «inpuffe«. Hu« Heraer übet 
bie Unterftü(ung, welche oer ©urgunber ber parifer Uni* 
verfitdt angebeiben liefj, ftarb «lernen« VII. (September 
1394). «ber bie «arblndte von flvignon fteOten ihr 3n< 



tereffe unb ihren 6to(j übet bie Treue, bie fte ber Hinte 
fdmlbeten. Um ftd) nicht bem ©apfte von 9Um - 
©onifaj IX. — unterwerfen. )u müffrn, wählten fte c<c 
Slraacnier $etet von 8una a(6 ©enebict XIII. utm 
Zapfte. 9t fanb in granheid) Unterfiü^ung bei ben ei*> 
Ausreichen ©ettelorben, ben @eanrrn ber Sorbonne, fe* 
wie bei ba Univeriitdt üouloufe. ©ergeben« reiffm nie 
^ajoge von ©urgunb unb ©eav felbft ju ©eneeiet XIIL, 
um ihn »ur «bbanfung in bewegen; er weigerte H 
beffen entfehieben (1395). 

(fTfreulicha fchitnen fid) Aundchft bie polittfeben Sn< 
hdltniffe }u geflaltcn. Ter junge 9rid)arb II. von <5ng' 
lanb wünfd)te in feinem Santx eine unumfehrdnfte Se* 
gicrung hrnuftellen , unb ba er bei feinen Untertbanro 
vielfachen ©Jibaflonb fanb, fo fud)te a mit granfreitt« 
fiülfe ju feinem 3iele m gelangen, ©r fdjidte bortbi« 
©efanbte, bie für ihn bie §anb ba erf» fiebenjibrigen 
3fabeUe, ba Iod)ta Äarl'« VI., erbaten. €ie begnügt« 
fid) mit 800,000 Sivre« üRitgift; unb füt ba« von htt 
fran)ofif<hen Regierung gegebene ©afpred>en, ihn in feinet 
Unternehmungen gegen 8orb« unb ©arlament w antre 
'tüRcn, fchlofi SUdjarb am 9. nUdrj 1396 einen odjtunt« 
iwanjigjdhrigen S3affenftiQftanb ab, in bem a ©rrj) unb 
ßh/rbourg, biefe wichtigen geftuugen Snglanb« in ber 
©relagne unb ba Sormanble, jurürfgab. Sidjarb ging 
fogar mit bem fltatt um, bem franjöfifcben Äöniae 
3talien aobern m helfen. Snglanb war ob biefe* (*>««' 
liehen unb va(ufrreid>en grirben« h&tlfdjfi entrüfiel. D«* 
franjöfifdie ©olf bagrgen war mit benfelben febr ein- 
verftanben, ba e« eine« Theile« ba iijm auferlegt« 
Saften entlebigte- Der franjöfifdie «rel aba tonnte bie 
Anfiel; i (dngaer {Ruhe nicht vatragen. *D?rt>r alt tunfenb 
(ibelleute entfchloffen fid), ben Türfenfultan ©ajafeb 31' 
berim n; befdmpfen; ®raf 3ohann von 9lever«, wr 
dlteftc €ohn q3hilipp'« von ©urgunb, führte fte. »uf 
bem Schlacbtfflbe von «ifopoli (€epton ber 1396) griff« 
fte toUfüfm an, veriheibigten ftd) aber fd)led)t un6 rourtm 
fämmtlich getdbtet, mit $(u«nahme ba ©riajen unb 
(Srofjen, bie von ben 2 rufen gefangen genommen unt 1 
gegen ein b,oM £öfrge(b wieba freigegeben wart«. 
wdjt beffa ging e« ben franjöftfchen 3ntaeffen in Qny 
lanb. Kicharb IL, ba ftd) allgemein in ünglanb w 
bafjt gemacht, würbe burd) feinen ffletter ^yeinridi von 
fiaeforb entthront (1399) unb ermorbet (gebrnor 1400). 
Ter neue Jfönig ^einrieb, IV. unb beffen Tvnaftie, 
bie 8ancafter, jeigten ftd) ben gran|ofen burchan« ab« 

^benfo wenig famen bie rechlichen Hngelegenbeiten 
)U erfreulichem ünbr. {»eqog ©hiÜPP Mn ©urgunb bf 
trieb mit grofiem (Jifer bie AafteÜung be« firehlidH« 
grirben«. (Sr bemog beu römifeben Äönig ®enjel, fid) 
ju eina ©efprechung mit bem franjdftfchen Jtoniae nnD 
beffen Oheimen im TOdrj 1398 in Kbeim« ein^ufinbea. 
^>ia verftdnbigte «Benjel fid) «umal mit bem $ei|(W 
von ©urgunb. ©onifai IX., in beim Kamen um 8b< 
bantung angegangen, (hat ben Flügen Schritt, fte tu be< 
willigen, aber nur unta ba ©ebingung, bafj fein ©egna 
gleichfaU« jurüdtrete. «uf biefe tfadjridjt hin würbet« 



KARL VI. (KÖNIG V. FRANKREICH) - 147 — KARL VL (K< 



franjöjifcbe J?lfru8 ju cinft ©eneratverfainmlung einbe- 
rufen, unb in UebereinfHmmiing mit 6er JRtgterung et« 
flaue fr ftd) unb ganj franfrei^ aufirrbalb bei Obebien] 
Stotebict'« XIII. Die Äönlge von Wararra, Qaftllien unb 
©rbottfanb folglm brm Stofpiele granfreirb«. 3nbefl 
SBenebicl XIII. oerroeigerle entfrbieben feine Äbbanfung. 
9tnr fünf ffarbindle blieben ihm treu. SRit biefen unb 
einigen ©olbateu, bie ihm bet JMnfg von Bragon ge* 
fdjicft, jog fid) bet bartndtfige ®rei« in bat überau« 
fefle ©d)lo| von «oignon jurütf, wo ibn eine franjöfifdje 
«raee unter bem Warfdjau" r.on ©outitault belagerte. 
Die ©tanbbaftigfeit ©enebfet*« foUte belobnt »erben. Die 
flu«fübrung ber rbeimfer ©eja)lüf[e ftiefj auf viele ©djwie* 
rfgfriien. Söenjcl fiel in feine gewöbnlidte Jhatrnloflgfril 
lurürf unb unternahm ebenfo wenig wie bie italienifajen 
durften ba« minbefte, um ©onifaj IX. ju mirfliebem 
Veröle |u jwfngen. 60 würbe au* bie Regierung 
ÄarT« VI. t« mübe, allein bie Saft fceS Streite« ju tragen, 
©cnebirt XDL würbe jwar nid)t au« feinem ©djleffe 
berau«gclaffen, aber fonjl weiter nld)t brldfHgt, ja mit 
©peife unb Brennmaterial verfeben. Unb bie Steaetion 
gegen bie rbeimfer Bcfcblüffe blieb bierbei nietjt fielen. 
Die vier rbeinifd>rn Jturfürfren, Idngfl ber verfebjtm Sie» 
gierung fBenjel'« überbrüjjig, erfldrten jene Bbmad)ungcn 
für fird>enfeinblid) unb wdbiten an SBenief« Statt ben 
^faljgrafrn ÜRuprrdjt juni Aönig, ber faft im ganjen 
9lria>e Bnerfetinung fanb, aber fd>on infoige ber Um* 
fldnbe feiner Erhebung ein geinb ber franjöfifd)en Se» 



lar (auflufi 1400). 
Dur* ade biefe Umfldnbe begann in granfreid) 
felbfi ein Umfrblag in ber öffentlichen Weinung einiu* 
treten. Da bie Äuflldnber ©onifa» niebt verliefen, wollte 
man aud> ©euebirt mdit aufgeben. Diefe {Revolution 
ber ©olf«anfdjauung benutze Aug <^er)og ?ubwig von 
Orlean«, ber ©ruber be« Äönig«. gubwig, bamal« 
breifn'a %*%u alt, mar von ber Statur mit ben beftedsenb« 
ften ©aben be« Körper« unb be« ©eifle« au« 



f<bön, gewanbt, wielg, gebilbet, aber jitgtrid) von ent» 

berlidjfeii. 



ieelicber ©ittenlofigfeft unD cvnifcber Siebe 
Idngfl ertrug er mit Unwillen bie Stegierung feiner 
Obeime, bie vielmehr ibm, bem Stoiber be« JTönig», JU» 
fommc. 3e(t 10g er fcblau au« allen 9Ri«erfo(gcn ber 
burgunbiid)eu Verwaltung -Berthe;!. Qt behauptete, man 
bürfe weber ber Ufurparfoii in (Fnglanb noä) ber in 
De utidjijnb fo rubig juieben, vor allem müffe man ba« 
gotllofe ©erfahren gegen Den rerhtmäfjigen $apjl ©ene« 
biet XIII. einfielen. Gr fammelte feine Vafallen unb 
feine «nbünger au« gan< granfreid) um fia) unb rürftc 
in $ar<0 ein (1401). 3mur ndtbigten ibn bie @egen' 
rüfrnngrn $bilipp'6 )u einem SJerglria) (Januar 1402), 
aber bie &Üeinberrfrbaft Surgunb'« mar gebroeben, von 
@eroaltmafjregeln gegen S5enebfrt nio>t »eher bie Siebe. 
Unb im tlpril 1402 benuete 9ubmig eine flbroefenbeit 
9urgunb'0 von tytti«, um ft<b burd) ben mabnfinni« 
gen Jtönig )u feinem 6leaverireter erfldren ju (äffen. 
J>fT erfte ©ebraurn, ben er von feiner ®r»alt madjte, 
r, eine fdjmere ©teuer auf ba« SJolf )u legen. 
*b«<PP von »urgunb proteftirte laut gegen biefe 



B be* Seife«, unb mit einem ©rblage wanbte 
bie offen tlidje ©unfi udj ibm wieber ju. Der Jtönig, in 
einem (fa>fcn 9ugenb(i<fe, (ie# flcb von ber allgemeinen 
Stimme beeinfluffen unb übertrug feine« Sruber« Wc 
malt auf ben Surgunber. 8ber audj biefer fonnte uicfcc 
verbinbern, baft ein galliranifebe« S?ationa(ronril ftd) im 
% 1403 mieber 9enebict XIII unterwarf. Die Einigung 
ber Äirdje war fo auflfld>i«lo« roie je juvor. Ära 27. npr«! 
1404 ftarb bann ^r>i(ipp von SJurgunb, einer ber untere 
nebmenbflen, berebteften unb prad}tliebenbften Jürften 
feiner Otlean* rif nun vöBfa bie JRegierung an 
fid», überlieferte bie franjöfifcbe ®ei(tlid>feit ber Habgier 
Stoiebirf« XIII. unb begann, trog be« acbtunbjwanjig« 
jdbrigen SrBaffenßillftanbe« von 1396, Seinbfeligfeiten 
gegen bie (Fngldnber. 3nbep ba rid)tete er wenig au«. 
Ueppfgfeit unb ©fttenloftafeit b«rfd)teti un6cfrbrdnft am 
franjöftfdjen ^ofe. Die SJerwalrung be« JRefdje« verfiel 
voQftdnbig; bie ©teuern n ahmen ju, unb bod) würbe 
fein ©eamter, fein ©ötbner bejabll; bie ©tragen be* 
beerten fid) mit SUdubern. Der unglürflid)c Äönig ver« 
fam in SRangel unb ©tbmu|, feiner unb be« Daupbin« 
Sebienung mangelte e« an ©peife unb Jfteibung, mdb' 
renb feine ©emabliu 3fabeHe, beren Viebljaber tbr ©rbwaarr 
Orlean« war, mit biefem von grft ju geft flog. Die litt' 
lufrirbenbeit be« Stalfe« nahm fo überbanb, bai bie 
*ßreOiger ber Königin unb bem ^erioge in« ®eficbt ihre 
Vergebungen vorbielten. Diefer populdren lenbenjen 
bemdebtigte fid> ber neue ßerjog von Surgunb, 3obann 
ber llnerfdjrocfene, ein fäbner, energifdjer, ja beftiger 
giirfi, übrigen«, wenn ibn feine unbejwinglidje Reiben« 
fcbaft(id>frit nid)t fortrift, von woblmollenben abftd)ten 
erfüllt. <Sr warf n4> fofort jum IBertbeibiger be« S)o(fe« 
gegen eine neue e|orbitante ©teuer unb eine beabfid)tigte 
9Rünjverfdlfd)ung auf. Der Äönia felbfi rief ibn nad) 
$ari«, wo er an ber ©pln« von 7000 Äriegern erfdjien. 
Subwig unb Jfönigin SfobeOe warteten feine flnfunft 
nid)t ab, fte entflohen au« ber -pauptfiabt, bie ibn wie 
einen ©efreier aufnabm. dt ridjtete bie Ibore von qjari« 
wieber auf unb gab ben Sürgern bie ibnen vor jwanjig 
3ahren abgenommenen ©äffen gurür! (Slugufl 1405). 
fcud> bemdebtigte er fid) ber *ßerfon be« Daupbin«, ben 
bie .Königin ju fid) fommen (äffen woOte. 9(0 Orlean« 
eine Serföbnung, ju ber fict> 3obann bereit jeigte, nur 
benu$te, um von neuem gegen ben (efetero ,ur intriguiren, 
lief» jobann ibn am 23. Sioo. 1407 auf ofener ©trafje 
ermorben. Um ber ©träfe für biefe« $3erbred>en ju ent' 
geben, entfleb er auf feine fjanbrifdjen Sejt^ungen. «ber 
er bitte biefer SJorjtcbt faum btburft: ba« SJolf, bie 
UniverRtdt, ein betrdrbtlicber I heil ber ©eiftlidjftit {rigten 
eine folge Sreube über ben Sob Orlean'*, baft niemanb 
fid) gegen Den ÜRörber ga erbeben wagte, ©ergeben« 
eilte eubwig'« eble ®emab(in, Valentine 93i«conli, nad) 
$ari« unb flehte ben .König an, feinen einigen ©ruber 
ju rddjtn. Der unglürftid}e Karl VI. borte wol ben 
SßiHen, niä)t aber bie SRadjt, ibt jum Siedjte ju ver» 
belfen. ©ie mußte bie Vergeltung auf gelegenere 3rit 
auffparen; eillgft begab fie ftd) nad> ber ben Orfean« 
gebörenben ©tobt »loi« unb befragte biefelbe. ^erjog 

19* 



KARL VI. (KÖNIG V. FRANKREICH) . 1 

3ofcann aber lehrte rriumpWrrub, Mm Selfr laut brgtufr, 
nad) ttr £auptftabl jutütf. Sin Dominifancr, 3cbann 
Srtit. pries feine Ibut in dffrntftdjrr Srrbigt vor $of 
unb Solf al« burdjau« geretfet, ja wbicnitlid) ; brr Äönig 
mufile ibm für aOe gdflr rinnt fflnaFrnbriet au«f)cOrn. 
Gr übernahm nun au«fd)lfrf>lfd) bic {Regierung unb be* 
frpit alle «emter mit frinrn @rfd>öpfen. Bud) in brr 
fircbltd)cn «ngelrgenhei: mad)te 3«bann brn burgunbiffben 
Stanbpunft fofort mirbrr grltrnb: burd) Orbonnanj vom 
26. SWai 1408 mürbe ba« 9teid) nrutro! jmifdjrn brn 
bribrn Säpflen erfldrt, alfo abrrmal« brr Obrbimj »rnr« 
bin'* XIII. rntjogen. 

3nbcfi faum ^attr 3obann fid) jeitmrilig wn Sari« 
fortbegeben, um brm $ifd)of von Küttid) grgrn brffrn 
aufriibmlfdjr Untrrtbanrn beljuftebrn, al« bir übrigen 
Srinjrn unb bir Äönigin, Idngft auf frinr <JKud)t eifer« 
füdjtig, mit 3000 iRriftgen in 5ßari« rtnrütften unb bir 
©emall an üd: nabmen. Dir vertvfhvrlr $erjogin von 
Crlean« erfdjien von neuem in «Pari* unb fefctr c* burd), 
baf ba« Sarlamml brn §rrjeg von SSurguub vorforbrrlr, 
um fid) wrgrn brr Slnflagr auf ßrniorbung ?ubrcig'« 
von Crlean« «u rrdjtfrrtigrn. Xa mar e« jugleid) eine 
bette Wcberlagr für bfr Orlean«, ruf 3<>bann rer Uli' 
erfrbrodene bri $a«bain (23. Sept. 1408) bir £ütttcbcr 

Sänjlid) beilegte unb bali» jur Untrnverfung nötigte. 
)ic Srin^m mufiten ibrr Wrifigrn enrtaffrn, Salenllne 
$i«ronti fid) abrrmal« nad) SPIoi« juriitfjieben, mo fir 
balb barauf — 4. Der. 1408 — ibrrm tfummer unb 
ibtrt jornigen Aufregung rrlag. 3obann erfdjirn ton 
nrurm in Sari«. Dir efficirllr Scrföbnung mit brn 
Söhnen be« rrmerbrtrn Crlean«, ju rwldjrr Äarl VI. 
beite Parteien nclbigte, unb bir in brr £ird)e von 
8 barttr« ftattfanb (9. SRärj 1409), mar dnr Äomöbie, 
bir nirrnanb ernft nabm. Sirlmebr fudjte 3cbor.it fid} 
frinrn grinbrn grgrnübrr mehr unb mr bv auf ba« niebere 
Solf tu ftütyrn, roäbrenb er bir moblbabrnberrn Sürgcr 
von frinrm SRatbe au«f<b(ofi. Dir föniglicbrn f\maiij» 
beamten, bir bri brm Seife verhaßt waren, mürben tbeil« 
hingerichtet, tbeil« in ben Äerfer geworfen, ibrr ®ütet 
jum grofrn Ibeil miebrr ringrjogrn. Dabei mufitc 3o« 
bann bir Königin 3fabe0e von brr Sarlri brr Crlran« 
ab unb auf frinr €rite ju jirbrn. gerner vnnieprlr rr 
bir 3Rad>t frinr« ^aufe«, inbrm rr frinrm Urubrr »n» 
ton, brr burdi frinr rrfir 6br 6rr)og von Srabant unb 
{(mbuig mar, in jmeitrr bir (frbin von (uremburg jur 
@emab.fin gab. — Uebrigend brausten bir (Brnurfrn, 
bir fril 1396 llntertbanen granfreid?« marrn, bir inneren 
€tiritigfritrn in biefem Staate, um fid) im September 
1409 miebrr von brffrn Cbrr^mfdjaft ju befrrirn. Audi 
bir fiutlicfcen ängelegenbriten liefen abrnnal* ungünfrig 
für bir burgunbifdie *45olitif au«. Srnrbirt XIIL battr 
fid) rinrr nrurn Belagerung feiten« be« TOarfdjaD« ©ou* 
rirault burd) bir g(ud)t nad) $rrpignan rntjogrn, ba« 
bamai« |u feinem 33ateTianbe Kragon grbörtr. 3njmifd)rn 
ba:tm bir bribrn Sarbina(«roOrgim von Som unb $oigncn 
fid) pereinigt unb brm SSunidSr brr gnttjen dbriftenbrit 
burd) Einberufung eine« allgemeinen Sonril« nad) $ifa 
«enfige grtb^an. Da« Cond! (Wärj 1409) fr^tr bie 



} - KARL VI. (KÖNIG V. FRANKREICH) 

bribrn $a>fie — Qrrgor XII. unb Smrbirt XIIL - 
a(« itr^rt ab unb einen nrurn $avft, «leyanrcr V., 
ein, brr aud) fofort ein KrforaroncH auf fa« 3abr 
1412 berief. Xbrt tvrbrr Slrranbrr V., nod), ba rr (eben 
im 2Rat 1410 ftarb, frinrm -Hacbfolger 3cbann XXII 
mar r« mit birfrn Srihebungru Ernfi ; unb babri hielten 
üragon, SafHiirn unb edjottlanb an ©rnrbict XUI., 
Suprrdjt ton Drulfdjlanb unb ?ati«lau« von Sirupe! 
an Gregor XII. frfi. Wan battr alfo rinflmrilrn brri 
Zapfte anftatt jrrei! 

Aud) im 3nnrrn granfrrid)« pattr 3oUnn'« gc< 
mallfamc« unb brmagogifd)r« -Regiment eine Sirartion 
brrvorgerufrn. Die ^rr^ogr von Srnv unb Sourbcn 
brgabrn ftd) nad) @irn, wo brr junge Aarl von Crlran« 
rinrn gro^rn Jtrei« vornrbmrr Unjufriebenrr um fid) ge' 
fammrlt battr. Vm 15. Vpril 1410 fd;(offrn bir V::n.-. 
unb @rofrn, bir fid) in @irn vrrfammrlt ballen, rin 
Sünbnig grgrn aUr, brn Jtönig au«grnommen. 3ug(eid> 
verftdrftr Äari von Orlran« frinr Partei brtrddjtlid), 
inbrm rr fid) mit brr Xcdjlrr be« Grafen »rrnbarb von 
flraagnar omndl)(tr, riur« ebrgri)igrn, tbatfrdftigrn, 
mrbrr vor (üefabr nod) Serbrrdien )uriidfd)rrtfrnbeii 
Wanne«, ©r murbr fo frbr bir 6re(e brr anti'burgunbi^ 
fdjen Partei, baf man biefer ben 5}amrn brr „Slrmagnar«" 
gab; tbr 8bjeid)en mar rinr tvrifir Srmbinbr, ba« brr 
Surgunbrr rin blaurr Jim mit brm 8nbrea«frru}, ba« 
in brr Witte bir fönlglidjr Silir jeigte. Sergeben« fud?te 
rinr aRittripartei burd) bm Vertrag von «ire'tre (2. Stov. 
1410) bribr gartionm von brr «Regierung au«)ufd)lir$en, 
bir von brm föniglidjrn Äatb< grfubrt »erben foflre. Die 
grgrnfritigr (frbittrrung mar fo arof», ba§ brr Äampf 
balb »irbrr aOrrortrn au«brad). Uebrigen« mar ber prr> 
fönlid)r dkgenfafe jmifdjen 3)urgunbrrn unb Iflrmaynar« 
juglrid) aud) rin politifd>rr. 3c.it vrrtraten bir j itereffen 
ber mittlrrrn unb unterrn (Stänbe , biefe ben iHbel unb 
bir rriibrn Sürgrr, meldje bir focia(iftifd)rn Sertrebungen 
be* Seife« fürchteten. Dir flrmagnar« erfd)ienrn ver< 
reüfienb vor Sari«, brffrn burgunbifd)rt ©ouvrrneur 
@raf Sialram von €t.'$ol mit jpfilfr b<« von rinigrn 
robrn gleifd>ern geführten Söbelfl rinr milbr 6d)rrdrn«^ 
bmfdjaft bort rfngefübrt ^atrr. Die UnWngcr bn «r» 
magnac« in brr £auptfiabt rourbrn getöbtrt, ibrr ^>dufer 
niebergrriffrn (1411). «ua> bic Univerfttdt unb brr ra 
rifrr xleru« fd)loffen ftd) bera Surgunber unb frinrn 
bemorratifd)cn grrunbrn an. @an} vfiltelfranfreid) mar 
ooO 3Roxb unb Senvüßung. @nblid) fd)lug ^njog 3c 
bann mit £ülfe brr Sngldnber unb brr parifrr Sürgrr 
bie Srmagnac«, meiere bie SBrlagerung brr £aupiftat[ 
aufbrbrn unb nad) brm Süden abgehen mußten. Kad) 
Meiern (Srfoigr nabm 3obann miebrr vöQig bir Krgirruug 
an ftd», graufam mibrr aflr frinr ®rgner roütbrnb. 

3rbr moralifdjr unb patriotifdK ȟdftdjt mar von 
brn Sörteien grmidjrn, bic fid) mrtteifrrnb um bir grrunb' 
fd)aft be« drbfeinbe«, Snglanb«, bewarben. <Snb«d), in 
einem Mugrnblidr brr Scrnunft, trat brr jfönig ba^mifeben 
unb nötbfgtr bie Grgnrr im äuguft 1412 inm grirben 
von Sutern. Dir Qrneralfidnbc mürben 1413 jufammen- 
berufen, inbr^ fic verwrigerten frbc StcurrbrmiDigung 



Digitized by Google 



KARL VI. (KÖNIG V. FRANKREICH) 



149 



- KARL VI. (KÖNIG V. FRANKREICH) 



unb forberten nm grünblfoV {Reformen, Do* war aber 
letojler gefagt al« tetwitfliebt, beun balb brad), jumot 
ba Äarl VI in frinen Viabufinn jurüdfiel, ber Bürger» 
frie^ lebhafter aus al« Je. Der Daupbin Subwig, ein 
au«|d)w<ifenber Junger Wenfd), be« Uebergewid)te« be« 
ernfirn $er)og« von Vurgunb überbrüfjig, trat ju ben 
Orleans* über unb berief bie von 3°bann abgefegten ^Bc • 
amten jurüd. Da« war bae Signa! jii einem wütbenben 
«ufftanb« be« nieberen Volfe« — brr ffabotbien«, wie 
man e* nad> feinem gübrer, bem gleifdjer 6a borte nannte; 
neben biefem war befonber* ber ffiunbarjt 3of)ann von 
Irove« tbatig. 9Ran töbtete bie weiften ber jurfidge- 
feprten »4tbe. Der »eifk $Ht, ber ein|i ber amter 
Demofratle jum tlbjeidieit gebient butie, mürbe al« foldjeÄ 
von ben Varifern aboptirt. Der Jtönig, ber X ausbin, 
alle Vrin|rn mußten ibn tragen. Die Ueberlicbften unter 
brn £etrcn unb Tarnen bed £>ofe« würben in Verbaft 
genommen. Xer Jtöuig fab n* gezwungen, ein au*« 
fübrlidje« Stjftem von Sieformen ale ©tunbgrfep be« 
Striche« ju verfünbrn. Selber artete bie Volf«bcrrfd)aft 
balb in untrtTÜglidje Vöbelberrfdjaft au*. «Üe hervor« 
ragenben Wänner, bie niebt unbebingt }u Vurgunb ge« 
l'd)Woren, würben hingerichtet ober bod> mit bem Xobe 
bebrebt. SBiUfürltrbe Steuern würben burd) bie da« 
bod>ien« in rommuniftifdjer Skffr aUro SBoblfjabenten 
auferlegt. $anbel unb &anbwerf flodten, unb atlmiSrjiid) 
mürbe aud) bie Aleinbütarrfcbaft Ire Uebergemid)tee ber 
Veftpiofcn überbrüßig. 3n bem fogenannten trieben 
von Vontoife bot bie Statt bem Dauphin ifcrc Dienfte 
gegen bic Unrubrftifter an. (Sin bewaffneter ffiibrrftanb 
b«t gabodjien« würbe beftegt. B?ie gewöbnlid) jeigte fid) 
bie Sleaction nicht minber gewaltfam al« bie Sievolution. 
Die Sieformen in ®efe6gebung unb Verwaltung würben 
wlberrufrn. <&ergog Johann verlieg $ariv, wo er nidjt 
mebi futer war (Sluguft 1413). Viele feiner Hnbanger 
unter (fbdleuten unb Vurgern würben verhaftet ober 
vertrieben, bie bürgerliche greibfil unterbind!. Durch fo 
viele UnglädofdUe niebergebeugt, hatte bie Demofratir 
aufgebort ju effftiren. 

JTarl VI., jebt mit ber weisen Vlnbe ber «rnia* 
gnac« gcfdimüdi, würbe veranlaßt, alle Vafallen aufju« 
bieten, bie, 80,000 Kann (Jarf, gegen Vurgunb in ba« 
.gelb jogen. ©oiffon«, ba*ju ibm bielt, würbe erftürmt, 
acplünbert, bie £älfte feiner (Einwohner erfd?lagen. Die 
fycarbie unb glanbern unterwarfen fid) voll Sdjrrden 
bem Jtönige. über «rra*, mit ßarfer Artillerie oerfeben, 
vertbdbtgte fid) tapfer, bie ber verweichlichte Xaupbin 
Subwig ber friegerifd)en Sdiftrengungen übrrbrüfjig würbe 
unb mit .fieijog 3obann ju 8rra6 grieben feblofj (4. ©ept. 
1414). ©o ging bie befie «elegenbeit uorüber, bie be» 
broblidje TJadjt Suigunb« ju vrrnid)teu. Sreiltd) mufite 
Johann verfpred)<n, alle {»auptleute, weldje ber £önig 
fd)iden würbe, in feine ©tdbte unb geften aufjunebmen, 
aOe $rrfonrn, bie bem Aönige ober bem Daupfyin mie ■ 
fielen — b. b. feine eigenen auf Varit nnb anbern 
Orten rertriebenen Hnb,dnger — ju entfernen. Unb tbenfo 
un)ufrieben wie ber ^erjog war bae Volf, bae man