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Full text of "Von der commission festgestellte grundsätze für die ausarbeitung der wortartikel. .."

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yOH DIR CCHMISSIOH TBTGISTEIiLTl 
aHDKDSAHZZ iOR Dil 
IDSABBUTOTG der VOBTJÄTIESI* 
1906 








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1 


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SITZUNGSBERICHTE 

' DER 

KÖNIGUCH PREUSSISCHEN 

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 


25. Januar. Öffentliclie Sitzung zur Feier des Geburtsfestes Sr. Majestät 
des KaLsers und Kfinigs und de.s Jahrestages König Friedkich’s II. 


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3 


i 


Von der Commission festgestellte Grundsätze für 
die Ansarbeitnng der Wortartikel. 

Abgedruckt aus dem Jahreebericht der HEBMANif und Euse geb. Hccemakn 
Wkwtzkl- Stiftung fSr 1905. 






BK 2004 


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[ 114 , 115 ] 1 


Von der Commission festgestellte Grundsätze für 
die Ausarbeitung der Wortartikel. 


Die Reihenfolge der Wortartikel ist streng alphabetisch; die offizielle neuhoch- 
deutsche Orthographie soll dabei maßgebend sein und demgemäß aucli f 
und V im Anlaut auseinaudergehalten werden. Dagegen wird bei Verteilung 
der Artikel unter die Bearbeiter das entscheidende Gewicht auf den Wort- 
stanini gelegt (Schmellersches System). 

.\ls Stichwort, unter dem das einzelne Ree.htswort nachzuschlagen ist, 
kommt nur dessen neuhochdcutsclle Form, falls vorhanden, in Betraclit. 
Eine solche neuhochdeutsche Form wird für das Stichwort konstruiert, wo 
der aus der älteren Sprache entlehnte Rechtsausdruck in neuliochdeutsehe 
I.autform umgesetzt verständlich bleibt (z. B. Wal raub, nicht aber Weiße 
= wize). Ist die neuhochdeutsche Lautform nicht anwendbar, so wird eine 
möglichst junge und dem Neuhochdeutschen möglichst nahestehende Form 
gewählt (also wize, nicht wite oder gar witi; lieber mhd. als mnd., lieber 
mnd. als ae.; lieber mhd. als ahd.). Soweit cs zur Erleichterung des Auf- 
findens dient, werden auch abweichende Wortformen an der ihnen alpha- 
betisch zukommenden Stelle des W' örterbuchs als Stichworte aufgenommen, 
aber nur mit einem Hinweis auf den Artikel, der sie behandelt, versehen. 

Als Type wird die gerade Antiqua zugrunde gelegt, in ihr werden die 
Quellentextstellen gedruckt, weil sie in dem Werke den breitesten Raum 
einnehnien, ebenso das an der Spitze jedes Artikels stehende, dort fett zu 
druckende Stichwort. Auch für Zahlen und Petitdruck dient die gerade 
Antiqua. Die Kursive wird verwendet für die eigenen Ausführungen des 
Verfa-ssers, einschließlich der Bezeichnung der Quellen. 

ln den Zitaten tritt die Angabe der Quelle (Titel, Buch-, Paragraphen-, 
Seiten-, Zeilenzahl) hinter deren wiedergegebenen Wortlaut, sofern nicht im 
flinzelfall die Stilisierung ein anderes;^ erheischt. Text und Quellenangabe 
folgen sich ohne Interpunktionszeichen; nur wo die letztere voransteht, 
trennt das Kolon. Heimat und Alter einer Quelle, die. nicht ganz allgemein 
bekannt ist, sind jedesmal anzugebeu, zumal bei Urkunden und Weistümern. 
Zur Bezeichnung wiederholter Auflagen von Büchern dient der Exponent. 
Hierbei sowie bei Zitaten von Bänden der Zeit- und sonstigen fortlaufend 
ersrdieinenden Schriften werden and)ische Zillern gebraucht, desgleichen bei 
Anführung der Seitenzahl.' Römische ZilFern werden verwendet beim Zitieren 
von Bänden eines in sich geschlossenen Werkes, auch wenn dasselbe noch 
unvollendet ist. Zwischen die Band- und Seitenzahl tritt, falls die erstere 
arabisch ist, ein Komma, sonst nichts. Mehrere unmittelbar nebeneinander 
angeführte Quellenstellen gleicher Bedeutung werden durch .Semikolon, bloße 
Seitenzahlen durch Punkt getrennt. Zur Seitenzahl kommt bei Urkunden- 
büchern noch die Nummer der Urkunde. Solche Fundstellen, deren Text 
nicht angeführt wird, sind an der einschlägigen Stelle des Wortartikels 
hinter den Textzitaten zu verzeichnen. 

* Bei Einleitungen mit römischen Seitoizahlen sind rümische Ziffern zu verwenden. 


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[115, 116] 


2 Öffentliche Sitzung vom 25. Januar 1906. 

Die Abkürzungen der liüeliertitel und Quellenangaben, dergrammatiselien 
Termini, der geographiselien Namen sind genau naeh einem einlieitlieli aus- 
gearbeiteten Verzeiehnis der Abkür/.ungen vorzunelimen , da.s jedem Mit- 
arbeiter zugehen wird. 

Für die. Disposition innerhaib des einzelnen Artikeis gelten lolgeude 
Regeln : 

1. Der .Vrlikel beginnt mit dem Stie.iiwort und verzeichnet zunäe,hst die 
verschiedenen Wertformen, unter Ausscheidung rein graphischer Varianten. 
Das Sprachgebiet, die Wortart, bei Sub.stantiven das Geschlecht, und hier 
sowie bei Verben die Beugungsari wertlen diircli Sigel bezeichnet*; doch 
dürfen die .Vngaben über Wortart, Geschlecht und Flexion bei den einzelnen 
Wortformen fortfalleii , wenn diese sämtlich dieselbe Wortart, dasselbe Ge- 
schlecht und dieselbe Flexion haben wie das .Stichwort, also; Pflege stf., 
ags. l»lega, mhd. phlege, mnd. jilege; aber wize stf., ahd. wizi stn., as. witi 
stn., mnd. wite stf. Da.s Stichwort wird nur am .Vnfaug des .Vrtikels und 
.auch da nur dann mit einem großen Anfangsbuchstaben geschrieben, wenn 
cs als neuhochdeutsches Hauptwort behandelt ist. Vokabpialitäten werden 
nicht bezeichnet. Dagegen wird das etymologische Längenzeichen (Zirkumflex) 
bei Angabe der vcrschieilenen Wortfonnen und bei einzeln angeführten alt- 
deutschen Wörtern (also auch beim Stichwort, wenn es nicht nhd. Lautforin 
trägt) gebraucht, nicht aber in den Quellenstellen. Lateinische Bezeichnungen 
für die Wörter werden grundsätzlich nur, wenn sie quellenmäßig sind, 
gegeben (also in gerader Antiejua). 

2. Ks folgen kurze .\ngaben über die Horkunft des Wortes, insoweit 
sie zum Verständnis der Grundbedeutung wünschenswert sind. 

3. Die älteste Wortbedeutung wird mitgeteilt, und kurz ansgeführt wie 
sich die Bedeutting im gemeinen Sprachgebrauch weiter entwickelte, während 
im übrigen nur die in der Kechtssprache vorkomtneuden Bedeutungen berück- 
sichtigt werden. 

4. Gebrauch und Bedeutung des Wortes als Rechtswort wird im 
einzelnen dargestellt. Dies geschieht in möglichst knapper Fas.sung, bei 
welcher vollständige Sätze nicht erforderlich, längere abgerundete Perioden 
zu vermeiden sind. Polemik ist unzulässig, unbeschadet der Erwähnung 
abweichender Ansichten. Bei nicht ganz kurzen .Artikeln findet eine Glie- 
deruhg in Unterabteilungen statt (Schema; I. 1. a. a. a). Sowohl für das 
Wort wie für seine verschiedenen Bedeutungen ist die zeitliche und örtliche 
Verbreitung möglichst anschaulich zu machen. Die Hauptbedeutung jeder 
Unterabteilung und das Wort selbst in jeder Belegstelle ist durch .Sperrdruck 
auszuzeichneu. Die Texte werden von den Bearbeitern in der Schreibweise 
der Quelle wiedergegeben; erst bei der Schlußredaktion soll von einer 
Hand die Orthographie insoweit vereinfacht werden, als unter ihren Aus- 
wüchsen die Verständlichkeit leiden würde. 

5. Die Zusammensotzungen des .Stichworts, in denen dieses nicht an 
erster Stelle steht, werden am Schluß des Artikels in alphabetischer Reihen- 
folge aufgezählt. Ebenso ist dort und am Schlüsse der einzelnen Unter- 
abteilungen auf bedeutuugsverwandte Worte zu verweisen. 

' Als Sigel dienen a., m., n. fUr alt-, mittel-, neu-; got., n., nd., Iid., fr., s., ags., e., für 
gotisch, nordisch, niederdeiitscli, hochdeutsch, friesisch, säclisiscti, angelsächsisch, englisch, .Also 
an. = atuiordiscti. 


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H 




[116, 117] Jaliresberichtc der Stiftungen und Institute. H 

6. Allgellängt werden Literaturhinweise (in Petit .Vntiqua), wobei aber 
<lie landlüiifigen Wörterbücher nur angeführt werden, wenn sic dem Wort 
eine besondere Beriicksiclitigung widmen. 

Probeartikel. 


Die folgenden Probeartikel wollen ein Bild davon geben, welche Einrichtung die Artikel 
des Uechtsworterbuch.s haben sollen ; dagegen Insanapruchen sie in keiner W'eise , das Material zu 
erschö|ifen. 


I. 

.^lakier (.l/f/AYer) at/n., gewerbmtlßi^er 
Vermittler von Ihndelsyesvliiiften. 

1. Verbreitung. Das UWt ist aus 
dem Miederdeiitsclini ins Hochdeutsche seit 
dem 17. .lahrh. eingedmngen. Ilaltaus 
Glossar (1758) kennt es nicht; Adelung 
111 (1777) 8'. 329 bezeichnet es als in 
einigen 1 landelsstädten besonders NieJer- 
saehsens übt'mh. Doch gebraucht es schon 
die Lei/iziger Wchsetordng. r. 1682: eine 
< trdnung von Frankfurt a. .1/. 1 685 (Sie- 
gel t’orp. jur. camb. 1 1; Ihl, Forts, e. 
Siegel I 90), in Frankfurt und Nürnberg 
noch zusammengestellt mit Lnterkilufir 
( lioth, (iesch. des Nümh. Handels IV 332). 
l nterkilufer (f. d Wort), die ältere lie- 
zeichnung für denselben Begriff, für Köln 
im 12..JtJirh. bezeugt, in Süd- und 11 ea'/- 
deutschland herrschend , auch nach Mittel- 
und Sorddeutscldand (Brnun.'ichveig, Han- 
nocer, Hildesheim) rorgedrtmgen , wird in 
Norddeutschland schon im .\littelalter, im 
übrigen Deutschbind seit dem 18. und 111. 
.lahrh. durch Makler aus dem Gebrauch 
rerdriingt. ln der Schweiz ist Makler noch 
heute unbekannt. Am frühesten bezeugt ist 
M. in den Niederlanden'. 1252 ordinand- 
che van den lone van den inakelaers 
(Han.s. I H. I n. 130 N. 157), eine IVc- 
ordnung der Grä/in Margarethe v. Flan- 
dern für die deutschen Kaufleule. 1291 
Dordreehter höre für alle, die make- 
la re te wesene beab.dchtigen {das.n. 1090 

376). Von c. 1300 üb .M. in Lübeck, 
Hermen. Hamburg, Wismar, Itoslock, Dan- 
zig. I m 1330 in Brauiischu eig ein Statut 
van den nnderkojieren . in dem einmal 
der .iu.ulriKk m e k e 1 1 e r e neben dem .mnst 
ständig gebrnuehten iitiderkoiier rorkornrnt 
(/ /f. 11 n. 876 >51(1): nachher in den 
tzlataten und Fchtdingen Braunschweigs 
nur niekeler. Dnse Form bl die regel- 
inetMg in den niedenlentsehen Sbidten eor- 
kommende, während in den niederländi- 


schen makelaar vorherrscht; mekeler in 
den Brügger Statuten r. 1348 (Hans. L B. 
III n. 573). Die Verbreitung des Horti- 
ist offenbar durch den hansi.schen Handel 
von den Niederlanden aus über das nörd- 
liche Deutschland erfolgt, weshalb man es 
in Sasdisen im 17. Jahrh. als ein .spezi/isch 
hansisclws Wort ansah (Grimm DWß.Xl 
1489). .li*s dem Deutschen ging es in das 
Dänische maegler und in das Schwedische 
mäklare über. In e. schwed. I fk. r. 1407 
iiiaukla oe nnskilia, mäkeln und ent- 
scheiden (Silfcerstolpe, Svenskt Diplomat. 
I [1875] n. 801). Im Hochdeutschen fin- 
den .dch nur vereinzelte Sjmren : mecheler 
(s. «.) und macher (s. «.). latinisiert be- 
gegnet es als macalarius: prosenetha 
(proxeneta) seu itiakalarius 1360 
flandr. Priv. für d. deutschen Kaufleute 
(Hans, i B. III 8’. 247 § 19). Im Fran- 
zösischen maquignon de chevaux Roß- 
täuscher, mai[uereiiu Kuppbr. 

II. Herkunft. .\l. ist von dem Ver- 
bum mäkeln swv. gebildet, das sich selbst 
zu rnaken stellt wie lächeln zu lachen, 
streicheln zu streichen, fächeln zu 
fachen, .schmeicheln zu schmeichelt 
(über Verbal - Diminutice vgl. Grimm, 
Gramm. 111 [1890] 8.662). Da inaken 
wie das hiwlideutsche inachcti vennndet 
wird für; ausinachen, zustande bringen, 
unterhandeln, vermitteln — (Archenholz, 
kl. histor. Schriften i [1791] 8. 10, von 
K. Friedrich Wilhelm l. und seinen großen 
Grcnadbren sprechend: er nahm sich 
aller ihrer .Vngelegenheiten an. führte 
ihre Prozesse, machte ihre Heiraten 
. . .) — so bedeutet mäkeln (mäkeln) das 
geschäftige sich Hin- und Herbewegen, aiwh 
wold das kleinliche Rem üben einer Person, 
zwei Parteien handelseins zu machen, durch 
l berbringen von .Anträgen und Gegenan- 
trägen zu einer Einigung über Höre Und 
Ib-eis zu bewegen, inaeckeln = coneiliare, 
Iransigcre Kilian, Ktgmologicum Tcuto- 
nicue tinguae (\b‘.)\h: den Inmdlern und 


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4 


öffentliche Sitzung vom 2.'). Jaimnr 1900. 


[117, 1181 


maclier discr sadi liainl wir geben 
l rbnr des 1Ö. Jnhrh. von St. l 'rltan he! 
Hern, Fontes rer. Bern. II S. 53. .Mack- 
len und Unterliaiideln Frankf. Ordng. | 
der Wechselmnkler e. 1 7Ü9 als Hezeich- \ 
nuny der Tdtiykeit des M. Da zur Tä- 
tigkeit des .17. das 1‘rllJ'en der za verkan- 
fenden irftre gehörte und er gehyentlich 
deren wahre oder angebliche. Mängel rügte, 
tim einen desto u ohlfeiliTn lh-el.s bedingen 
zu können, so icn^' man das ltor< mit 
mäkeln zttsammen, das, von dem hä. ma- 
cula abgeleUet, nichts mit unserm 11 . zu 
tun hat. So das Bremische Wörterb. Hl 
(1708) <S. 115: mäkeln sollte wohl 
eigentlich lieiLlen: Mäklerey treiben, 
wir brauchen es aber nur für; tadeln. 
Fehler finden. 

III. Gebrauch. Der .1/. ist over den 
cope, over ind ane den cop: erbringt 
de koplude van beiden ziiden to hope 
Hans. 77?. VI II H. 119 8'. 92 (Nowgoro- 
der MO. 1452), er hilft kaufen und ver- 
kaufen, aiwh schlechthin; kauft und ver- 
kauft. Am schärfsten drückt seine Tätig- 
keit die beliebte Wendung aus: den kop 
maken d.h. das Handelsgeschäft zustande 
bringen. Nett mekeler enschal kop 
tnakeu, he en bringe miiud tcgen mund 
lAlb. l B. VI n. 784 S. 705 (15. .lahrh. i 
inii.): de mek eiere, de den koop ma- 
keden, bekunden den Preis, den eine 
Ware zu einer bestimmten Zeit htäte, Hans. 
UB. IV n.833 S. 350 (1385 Braunschwg. 
Ralsurk.)', Greifsw. Zmfturk. II [1901] ■ 
8'. 121 (ffrei/Vm. 4/0. e. 1443). Zu dieser I 
Hilfeleistung beim Handel sind die M. ■ 
obrigkeitlich bestellt und werden beim -4n- 
Iritt ihres Amts mit einem Kide belegt; i 
deshalb auch ge,schworene .1/. ln Brügge 
und Dordrecht schwören sie: recht ma- 
k el a re te wesene ende ghe.rechticbeide 
dcrin te aecghene ieghen den copere 
ende den vercopere Hans. L'B. 11 n. 154 
§ 13 8. 67 (13(19). 8ie sollen demnach 
unparteiisch und deine armen alse dem 
riken d.h. jedermann zugänglich .sein Zs. 
des histor. F. für NS. 1870 8. 29 (Han- 
nor. Stat. von c. 1360). Vermöge seiner 
Anwesenheit bei dem Kaufgeschäfte kann 
der M. zugleich a/s Zeuge fungieren. 
Dvh T auch die Zusnmmen.äellung me- 
clicler und winkaufsliide /.ej/r I 2068 
(1470): overlugen met twen guden 
copluden oder met mckelera, de 


darover ghewest badden Hans. l.B. III 
n . 573 ( 1 348). ln friesischen liechtsguelten 
ein meke.re als Zeufie in Streitigkeiten 
über die .iu.s.sti'uer (Itichthofen WB. Sp. 
918). 

Die .1/. werilen für einzelne Uhmi- 
zweige angeslellt und funghren hinsichtlich 
dieser ids Sachverständige. Zu Au.i- 
gang des Mittelalters werden sic auch ron 
den städti.when Obrigkeiten als polizei- 
liche Organe verwandt, namentlich zu dem 
Zweck die städtische Aufsicht über Ord- 
nung, smäßigen Verkehr wuhrzuuehmen und 
eine Kontrolle im fiskidischen Sinne zu 
ühen. 

Orinim, DWB.VI 1*190. — Sciiiller u. Lflbben, 
Mittehiiederd.WTl. III (»0. — Venvijs eii Verdani, 
Mittelniederl.WB.lv (IS99)S. 1030. — F. Frens- 
dorff. Der Makler iin Ilaneagebiet (Festgabe 
der Gütliiig Junsteiifak. f. Regcisberger 1901) 
S. 2ä(i ff. : liier auch die Belege für die im Vor- 
stehenden nnbelegt gehliobeneu Stellen. — K. 
Lehmann in /. f. II.indeI.sr. 5(> (1905) S. 200. 

F. Frensdorff. 

II. 

Pt'lege stf, ags. plega, an. plag, 
mhd. phlege, nd. plege, fr. [iliga, plega. 
Nebenformen: mhd. [ihlägc, nd. plage. 
Zu pliegen. Daher im allgemeinen Hebe- 
rolle Fürsorge; insbesondere Obhut und 
l nterhaltsgewährung ; aber auch Pßieht, 
pßiehtmäßige I^eistung; ferner andauernde 
Beschäftigung mit etwas, Gewohnheit. 

I. Hecht und Pflicht der Für- 
sorge. 

1. Fürsorge für eine Person. 

a) .\llseitige F'ürsorge für Ge- 
brechliche; Obhtü und Verjßegung in 
Vminndung mit Vormundsdmft. So wohl 
die den Firhen nuferlegte F'ürsorge für den 
wegen Gebrechen Firbunfähigen in Ssp. I 4 ; 
tippe altvile unde u[ipedvorge ne irstirft 
weder len noch erve, noch tippe kro- 
pelkint; sve denne de erven sint und 
ire nesten mage, de soleii sc balden 
in irer plage. Ferner die Für.mrge für 
den nur ron der Vcrtraltung seines Eirbes 
ausgeschlossenen Gebrechlichen in Hb. n. 
Did. 1 5. 10 Z. 141 —152 Ortloff 24: 
misselsuclitige lute, stummen unde 
blinden, l’iissclose adder bantlnse lüde 
. . . der sal sich tinterwinden or nester 
vatermag und sal si mit oieme erbe 
in rechter phlage habe, also verne 


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Jahresberichte der Stiftungen und Institute. 


5 


[118, 119] 

(laz gud daz getragen mag . . Wulde | 
sieh nu einer der iieston nicht under- 
winde . . . welch dennc der neste ist, 
der sal sich p hl ege. underwinden mit 
orme gude. I 

h) Vormundseh aft. Jedoch, wäh- 
rend schon im Deutschensp. und Schwa- 
hensp. sowie in anderen süddent. Quellen 
des M.A. der Vormund technisch l’lleger 
heißt, cerhältnismäßig selten und spät'. 
swann der edel man Heinrich der 
Keuße . . . von unsers lieben suns und 
fi'irsten Fridrichs Marggrafen ze Mys- 
sen pflege varen will, daz er daz 
dann wol getun mag, swann er will 
Urk. Ludwigs IV. a. 1338 hei lieckler 
Stemma Ruthen, p. 57; .loh. Meyer . . 
hat vor uns geöffnet, daz er dem 
Hünslin Keller siner müter und sinen 
fründen von der vorgeseiten pfleg 
wegen rechnung mein ze gehen Zü- 
rich. Stadth. 0.1399 Zeller I 337 nr. 167; , 
haben wir die . . fürsten . . . vermoeht 
. . . sich . . unserer . . . söhne Vormund- 
schaft und pflege zu unternehmen 
Irk. o. 1573 Sachse MecMenh. l'rk. 291; 
das übrige gut soll den gehorsamen 
und ihren kindern under vögtlicher 
pla^ belyben Wiedertäufermandai a. 
158o Berner Mand. 17, 14; welche er- 
wählten vögt . . . zu annemung sol- 
cher pfläg gezwungen werden mö- 
gend Berner Stadt- Ger.- Satz. ».1615 

р. 16. 

Siehe Pfleger, Pflegnis, Pflegschaft, 
Pflegkind nsw.. Verpflegen. 

c) Verpflegung, Gewährung ron Kost 
und l'nterhalt. So unter ausdrücklicher 
I nterscheidung ron der Vormundschaft 
die Verpflegung ron Kindern durch die 
das Beisitzrecht ausültende Mutter und 
den Stief enter in Krfurter Stadtr. a. 1306 

с. 10 \Valch 1.100 fl’.; phlage ... an 
kost an cleidern und an redelicher 
notdurft (m. ö.). Auch in Mngdeh. Fr. 1 
7, 9: eyn kint . . . das war stum umle 
horte ouch nicht, das selbe kint hilt 
inyn wip in hüte und in pflegin 
XVI jar bis au synen tod. 

Siehe Pflegen. 

2. Fürsorge für eine Sache, Be- ' 
Wahrung und Vertcaltung eines Ifauws, 
eines tiutes. eines Vermägens , einer .1«- 
stalt'. do het er gar in siner pflege 
daz hus . . . und was diu mure umbe 


vie IPirnt Wigaltns v. 8376; auch hiete 
ez in siner jiflege Sin4i den berc alle 
Wege Dad. lleldenli. I 238 ll'o/Ä. 35 ; der 
zuo der zit von des bischofles wegen 
daz hus het in siner phiegen Oest. 
Rehr. 95994 : die mit solcher sache 
mit gut gewidmet is un ez in ph le- 
gen hat Kl. Kaiserr. 11 52 (ic. die Frati, 
die ein Gut als widemen empfangen hat 
und von der es eM. c. 51 heißt', daz wib 
sal auch des gutes ein phlegerin sin); 
ich bin gewesen ein Icutgeb und het 
die staet in meiner phleg Ar/. Spiele 
4, 202: dariimb so haben wir ... 
Grave Hermann von Henneberg . . zu 
einem sulchen Pfleger erwelt u. ge- 
macht, daz zu Latein Coa<ljutor ge- 
nant ist, und haben in nach uswisung 
geystlicher recht in dieselbe phlcge 
gesetzt Schreiben des Bisch. .Itbert r. 
Bamberg a. 141.3 Schaunat, Saml. alter 
üoeum. 1 117; item von der heiligen 
erütz pfleg, das ainem yeden pfleger 
geben werde 15 sh. Tür sein müg u. 
arbeit Stadtr. v. Roltweil 307. 

iSie/iePflegen, Pfleger, Pfleglich, Pfl eg- 
los, Pflegschaft, Heiligenpflege, Pfarr 
pflege, Spitalpflege, Ijnpflege, Verpfle- 
gen. 

3. Fürsorge für Land und 
Leute, rogteilicher Schutz, Rechtspflege 
und Verwaltung. 

»1 .4«»/. Richteramt', ein iglich rich- 
ter hat . . . alles daz zu rechtfertigen, 
daz unter siner phlege ist (Var.-, dat 
is dat in sinem gerichte geschiet) Kl. 
Kaiserr. 1 7. Seit dem 14. Jahrh. insbe- 
sondere die einem königlichen oder Inn- 
desfürstlichen Ijond- oder Stadtcogt, der 
seitdem auch Pfleger heißt, ancertraute 
Amtsgewalt: und haben in ze schirme 
und ze pflege geben den vesten 
manne Eugelhart von Hirshorn Mos- 
hacher Stadtr. a. 1345 0. St. R. 1, 550: 
in verstießen von der pfleg Irk. n. 
1349 I). Zellweger .\ppenz. I 'rkh. nr. 83: 
von der pleg und landvogtey der 
Stallt Nürnberg und Rothenburg nim- 
mermehr versetzt . . . werden sollen 
Dipl. Caroli /l’o. 1360 Falckenstein l'od. 
dipl. antig. Nordg. 193: unserin lant- 
vogte, under des phleg Jedermann 
gesessen ist I rk. a. 1370 Basler I rkdb. 
4, 336: der fleige halber in rach- 
tungc Mainztr Chronik aus 15. Jahrh. ■ 


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OfToiitlicIie SUr.iinK vom 25. Januar 1906. 120) 


StihUertn'nn, 17,2.17: litTtc/tt ilhrv Kttt- 
srrliciie ViTpfändmig der plejrc an die 
iSltnll ehd. 372; wem mau bevilelit . . 
pllea iinil "erielit O. r. Wolkemtein ed. 
fie/ialz rXVIll 294: also beeheii ieli 
. . . (las ich solicli von eewalt wegen 
getan liab und nit von gerechtigkait 
des ainbtcs, der pfleg mul gerichts 
(rk. n. 1410 IndersdJ, Ifi/doiimtiiriiim 
732: erstlich ist wol nit alweg ein 
lilaine pnrd, neben den pflegen auch 
gerichtlich Verwaltung haben Laysche 
Aiizaigiiny foL 35: gebiettcn unil be- 
fehlen doranf allen unsern heigkhof- 
nieistern richtern annitlentcn pllegern. 
den iezigeti und zukotiftigcn , was 
atnpt und pflege die von uns und 
unsern nochkomen haben und halden 
werdtm \S iUhe Hehles. Bergh. nr. 293 
.S. 140 («. 1502); Vogtey ... in weit- 
schichtigerem verstand . . . bedeutet . . 
ein jedwederes amt, pflege, wie auch 
. . . seliiringerechtigkeit F. Greneck 
Thealrum fiirisdictionis Amtriacae, Wien 
1752, 97 § 90. — Allgemein intrden 

in Bayern landes/ürstlkhe Pßeger den 
eineelnen iMiidgerieldsl/eeirken als ler- 
iraJlnngsheamte über den Landrichtern 
oder zngteich als iMndrichter rorgesetzt, 
.«o daß hur unter Pflege (oder Pflegamt) 
lndd nur ein Veneallungsamt , bald auch 
das Biehleramt (Pfleggericht. Pflegland- 
geriehl) rerslanden u'iirde. ln den batjr. 
Freiheit.tbriefen S. 104 a. 1453 eers/tricht 
der letndeslierr : auch sollen . . wir mit 
kainem gast unsern rat, pfleg noch 
ambt besetzen; wo wir aber die ha- 
ben. tirlaubeti. Rosenthal, Geschichte des 
(lerichl.are.sens und der \ enraltungsorga- 
nisntion Baierns 1 322/.; Riezter, Ge- 
sehiehte Bayerns II 175 /f., 178 /., 529; 
111 083 fi Hehrüder, R. G.' 5.58. 500, 
572. 009. 

Hielte Pflegamt. Pflegen, Pfleger, 
Plleggerieht. Pflegnis, Pflegweise, 
Landpflege. .Stadlpflege, Vogtpilege. 

b) Am tsbezirk. II le das W ort Amt, 
wurde auch das Wort Pflege auf den Ge- 
richts- oder l 'erwaltungs.sjtreiiget eines Pfle- 
gers iViertragen : keumjit der bischofl’ zu 
Herncaslel oder in die pflege ll'eiV/. r. 
Semnagen an dtr .Mosel a. 1315 Grimm, 
11. I,il25: mit der pflege Datfenried 
I rk. a. 1300 Ba.ster Frkdb. i. MT : allen 
unbeslosten mannen und anderen in 


1 diner (tflege Hchreiben des Kurf. Fried- 
richs 11. an einen Stadtrogt a. 1453 Ctul. 

I dijjl. Stur. Reg. 2, 12 nr. 291 8. 202; in 
i der pflege ebd. a. 1408 nr. 375 H. 258; 

! wir manschaft der Doninschen pflege 
sinl rechtis gefröget Oberhof entsch. aus 
j 15. .lahrh. b. W'tisser.srhleben 1, 400 c. 44. 

1 am-h 232 c. 77, 202 c. 125 m. ö.; das 
I die beyde pflege ti. u. 11. inn der 
j gemarck zu Keicbenbach ligen Weist, 
a. 1.514 Grimm. II. 1,475: I'ischbacher 
p flege ebd. 1. 775 (HO<.7i/ifflpflegebrzirk j. 
zXllgemein heißt in Bayern der Bezirk 
des Pflegers oder Landrichters Pflege: in 
sves pflege daz geschaech Mon. 117/- 
telsb. 2 nr. 188 .S. 0 a. 1293: Salzburg. 
Taid. 1 27, 1 7. 1 1 3, 27 «. 6. : Tirohr HVist. 
1, 42, 17. 3. 318 u. ö. — Amtsbezirk eines 
I Försters: ieklicher fürster in seiner 
j plegen IPm/. a. 1497 Grimm, U. 2, 

I 07. 

! Siehe Pflegamt, Pflegde. 

c) .\mtshaus: zur pfleg die nach- 
; zettleu der fremdt einlogierten göst zu 
liefern Steir. u. Körnth. Takt. 457, 35 
(17. .lahrh.). 

Siehe Pfleghaus. 

11. Geschuldete Leistung. Seben- 
f'oriH ron |>flicht. Besonders gebriliuhlirh 
für Abgaben , die auf Grundstücken lasten. 
Dem Anschein muh rnrzug.stcei.se , aber 
nicht ausschließlich für .ibgabrtt öffentTwh- 
rechtlichrr Herkunft, ltn Sachsensyt. .dets 
, in Vrrbindttng mit tins, ztceife/haft , ob 
pleottasfiich (Ilomei/er Reg.) oder dacon 
rerschieden (Heck Der Setchsenspiegel und 
die Stände der Freien 419): ins. Bartho- 
lomeiis (läge is allerhande tins unde 
plege verdenet Hsp. 11 58 ^1: unde 
, tins oder plege sal he dar av geven 
j jenen. up|)e den il gut irstirft eM. III 
1 70 §3: (liege noch lins ebd. ^4: lin- 
i ses oder (»lege ebd. § 5: dut en man 
' sin laut beseiet ut to linse oder to 
(liege to besc(‘i(lenen jaren eUL 77 
I § 1 : tins oder (liege ebd. 4 2. Fben.m 
' )'i/i Rb. n. Di.d. \ 23, 2 Ortlofföb 7.. 25 — 
28: zins adder (ihlege ... zinses ad- 
der (ihlege ... ane sotane zinse, ane 
aller (ihlege. Offeidtar für Zins in 
Richtst. Lehnr. 9 S; <i: so vrage de hcre. 
oft he ieht [landen mote van des nian- 
nes tinslüden; so vindme. deste se dat 
noch iiine heliben van ores herreii 
(liege unde anders nicht, .\nderstco 


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Jahresberichte der Stiftungen und Institute. 


[ 120 , 121 ] 


»eiten Schoß: vortnicr scoleii \vy cii 
g;el(U'ii ere redelicke schulde . . . dar- 
vor scoleii sc ere scot oder ere plege ; 
imie heludden von jalire to jahre, bet 
<li«' schult vergiddeii si Meck/. I rkäli. : 
ü nr. 4213 d. a. 1320. N<beu Bede: iiut I 
aller bede uiide plege Meckl. Mirh. 
27. 54. Xc/ten Geld: vortiner so liebbe 
wy em desse . . . hoven . . leut . . iiiyt 
allcmc inghelde imde pleghe linde, 
afrysinghe, de daral' koinen unde val- 
len mach Meckl. irkdli. 7 tir. 4(112 a. 
1325; to rechter plege unde gelt l'rk. 

n. 1 305 Cod. Brnndenh. 3, 1 ö'. 22. Xehen 
/ßichl: vry van aller plielit unde plege 
I rk. (I. 1384 It. Hahn 11 7, 5. Aber auch 
(dleinstehend für bäuerliche Abgabe: hure 
die plege geven Fidkün 2, 133; .schal 
dat gut verkopen, elFt hie kan, und 
einen redlichen beveuinann darup brin- 
gen, die sync plege geven iiiach Heist. 

o. 1383 b. W'ohlbrilck , Ge.tch. des ehemal. 
Bist. Lebm 1 324 Note, ln den Städten 
abwechselnd mit plicht oder stadpliclit 
Jür die Gesamtheit der städtischen Leuten: 
der Graf r. Weruigirode befreit mit Zu- 
stimmung eon Hat und Bürgern einen 
einer Kapelle gewidmeten Huf von seote, 
von wachte, von der höde, von gra- 
venpenningen unde von aller pleghe ■ 
und densle, des men uns unde den 
borgeren na wicbeldes rechte eder 
wonheyt daral’ plichlig werc. auch Hat j 
tinil Bürger geben den Hof frei aller ' 
pleghe und denste l'rk. a. 1328 / rkdb. '■ 
r. W rrniijerode nr. 80; derselben Kapelle j 
werden Hufen zugewendet frei ron denste 
unde von aller plege Vrk. a. 1330 ebd. 
nr. 70; der Erbrogt mag, wenn er Bür- 
ger ist, bürgerliche Nahrung treiben ab 
er recht unde plege do von thut, also 
do recht is unde gewöhnlich .Uagdeb. 
Fr. 1 2, 7 : was inan in goezhusere ey- ' 
gens wil bringen mit volbort der ge- I 
meine, das sclnd man also tun. das ! 
man volkuinliidi hin czn der atat der. ' 
eigeiu schicke, da man sich der pflege ' 
an erholen mac Hb. n. Hist. II ti, 2 Ort- ^ 
lojf VH: linde datinc de plege des [ 
gudes Up den verkoper nicht mer vor- 
dere Hamb. Stat. a. l407 gl. (i 2 l-ap/ien- 
berg 23t); Bezeugung , daß Jemand Bür- 
ger ist und deyt all unser stad pleghe 
unde nnipldege lyk uusen anderen bür- 
gern Reisejtaß des 15. Jahrh. in Z. f. ^ 


Lüb. Gesell. 1, 205; ein iglich inkom- 
nien man mag wol in witpilde erbe 
und eigin enphain . . . akso, daß er 
rechter phlege dovone tu Eisenach. 
Hb.X.m OrtlofMHi. Purgolds Hb.c. 1 13; 
siehe auch e/nl. c. (51,(13. 112. ,1 «<;ä für 
die städtische Heichssteuer : dar umb er 
ihn versazt hat die jährliche pflege 
ze Lübeck Vrk. Kaiser Ludwigs a. 1344 
I rkbd. der Stadt Lübeck 2 nr. 790 8'. 738. 
Für eine Abgabe an den Wtddmeister: wer 
ein sneiße zeu wähle macht und do 
dem waltnieister gewonliche phlege 
darvone tue, dem sal nymant uf scha- 
din in sine vogel gehin Eisenach. Hb. 
3. 111 Ortloff 750. E. Maijir Krit.V 
Sehr. 31, 1(57; Schröder H. G.' 450/., 
(510 /.: Heck a. a. O. 419/., 455 /. 

Siehe Pflegen, Pdeghaft, Pllegegeld, 
Erbpllegc, Unpllege, Verpllegen, 
Pilicht. 

III. Gewohnheit. Technisch für Ge- 
wohnheitsrecht in friesischen Hechtsipiellen: 
ney rioidila keysers riocht ende land- 
riocht ende ney sid ende plyga der 
fyf delena ! rt.o. 1374 Hichthofea Fries. 
Hgu. 5Ü0, 10; Koninges setma ende 
lyoda pliga ... Taulic pliga fan 
langher weunichede is alsoe gued so 
scriven i’iucht . . . I'len godlic pliga 
deer m;i to riucht haut . . . wenlieed 
jafta pliga . . ald jiliga fan nctlyker 
wenheed Allg. Ges. desH'esterlauw. FriesL 
ebd. 435 («. «.); claghen . . na rechte 
linde woenheyt und pleghe des lan- 
des Friede der Friesen mit Hz. W ilhelm 
a. 1406 Schtcarlzcnberg 1, 355; r. Hicht- 
hofen, Fries. HW'B. 979; ten Doorn- 
kaat Koolmann Ostfries. W B. II 727. 

Siehe Pflegen, Pfleglich, Geptlogen- 
heit. 

Haitaus 14S1 f. — Oriiiim DWB. VII 1734 f. 
— Lexer II 231. — 3fiÜler u. Zariickc II 1, 
302. — Scliillcr u. Lfibbeii III 341 f. — Sclimel- 
ler * I 3, 44s f. — Staub -Tobler Schweiz. Id. V 
1221 f. 

Pflege adj., ;«/. plege, plegen, ple- 
gende; ptUchtig, schuldig: wes de ant- 
werder daran nicht holden lieft, des 
is he noch plege to holdende Magdeb. 
Schöffenspr. a. 1578 e.233 W'asserschleben, 
Hqn. 7ti; weine der kinder winstc bc- 
horen, unde u at de elderen van wegen 
ercr afl'gcsunderten kynder edder un- 
affgesiinderteu syn jilegende, be- 


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8 


OfTentliclie Sitzung vom 25. Januar 1906. [121, 122] 


schellet clarer de biirsprahe Ilamh. \ 
Slat. n. 1497 gl. E 7 [jtppenhtTg 218; | 
ilat ider burscliop uinb dat aiiderde ' 
jair dem gogreven plegende syn eyn 
imidde bauern, und ein ider kotier in | 
dem gogerichte gesetten des jairs eyn . 
boen lAtndqodinn zu Wiedeubrilqqe o. 1 544 ' 
Grimm, VF. 3, 110. 

Schiller u. LObben 111 341. 

0. Gierke. 


III. 


Walrauii, ahd. walaraupa (Hur. con 
stin. oder stf.'l), m/ii/. walroup stni., ngs. 
wjelreaf sin., im. valrof ibi. Zufammen- 
grsetzt aus wal (walu) die im Kampf 
Ge/aUeuim (rgl. Walball, Walstatt, 
Walvater, Walküre; ludogerm. Forsch. 
9, 360) und ranb rapina. 

I l-'rsprünglkh wohl die Ausplünderung 
eines im Kampf Gefallenen, Wegnalun- 
dessen, was er an und bei sich hat, ins- 
hesondere seines Gewandes und seiner ,4ms- 
rüstung; dann allgemein die Ausplünde- 
rung eines Toten. Koch westuordischem 
Hechte als Missetat ein Keidingswerk : jjat 
er ok nidingsverc ef maitr gerer val- 
rof GulopingsL I66c.l78. z\uf nordischem 
Einfluß beruht das ags. Fragment des Co- 
dex Hojfensvi (con c.910 bis c. 1060), l,ie- 
berm. Ges. d. Ags. '.\92 : walreaf is ni- 
dinges dicde. I laraits Quadripartitus 393; 
wcal reaf i.e.mortuum relare est opus 
nidingi. Den liegriß bestimmen Deges 
Ile/trici primi c. 83, 4* S. 600; Weil- 
ref diciraus, si quis mortuum rel'abit 
armis aut vestibns aut prorsus aliqui- 
bus aut tumulatuni aut tumulandum. 

Übertragen auf die gewaltsame Vl’ejr- 
nahme des KaclUasses eines Getöteten im 
'Buch der Könige alter Ehe’, wo von 
Achab, weil er der Witwe Naboths urul 
deren Kindern den Weingarten und all 
ihr Gut weggenommen hatte, gesagt icird: 
er begie den walraub an dem weibc 
und an cbinden Dsp. S. 24 = Land- 
rechtsbuch bei V. Daniels, Itechtsdenk- 
mäler I p. LIII. 

I mgedeutet waltraub, Gewaltraub 
beiOberlin 1931. So auch in dän. vald- 
roff Schlgter IX 281 Var. 75 und in 
schwed. waldroi'f ebd. 11 53 Vor. 9. 

II Die dem Gefallenen abgenummene 
Kampfbeute. So w*lreaf ßeoic. 1207; 


1 


Wales rauba trophaeum Ahd. Gll. IV 
22. 29 u. ö. Das dem Toten abgermdife Gut; 
De vestitu utrorumque (liberi et servi), 
quod walaranpa dicimus, si ipae abs- 
tulerit, qui bos intcrfecit, dupli- 
citer conpon.it Lex Bniuw. 19, 4; wat 
einer rouet edder wecb uimpt van 
einem dodeu manne, idt sy kleder, 
wapen, sülvcr, goldt, geldt (effte be 
dat by sick heikle), dat is valroff 
Niederdeutscher Text des Jgdske Lov 111 
24 (Thorsen S. 233). 

Siehe Raub, Blutraub, Reraub. 

Grbiim. RA II 192. — Graff I «01. II 35«. 
— Lexer III 657. — Kritzner UI 487. — Hertz- 
berg, Glossar zu NGl, V 684, — Sdilyter XIU 
686. — S. Bugge, Kuneimiskr. pi Rökstenen 
21 f. — Steeizstrup, Nomiamienie, Uancl. 25«. 
346. — Wilda, Strafe. 975 f. — - II. Brunner, 
DRG II 683. 

H. Brunner. 


IV. 

wize germ. ahd. wizi stn., mhd. wize 
stf., as. witi stn., mnd. wite stf, mul. 
wite stf, fries. wite .stn., ags. wite .stn. 
(sehr selten stf, aber latinisiert wita fern.), 
an. viti stn. (rgl. got. fraweitan ixdouiv, 
fraweit Exdofijirg, Rache): supplicium, 
poena, torinentum. Wahrscheinlich ver- 
wandt mit lat. videre (zum Bedeutungs- 
wechsel rgl. animadvertero tbeachten^ 
und ‘Strafen"). 

wize ist die germanische Bezeichnung 
der peinlichen Strafe, ursprünglich 
wol sacralen ürsprungs; daher litera- 
risch Iwsonders für göttliche ikrafen ( IVr- 
treibung aus dem Paradies, Sündflut), zu- 
mal für Hölle (ahd. bellawizi, as. bclli- 
witi, ags. helletvnte, an. belviti) und 
Fegefeuer (Schmeller II 1029. 1059). 
Seltner für weltliche Strafe: ernc vorbte 
nebaiu werltlich wize Kaiserchr. 1810; 
vgl. auch III 1. ,4us derhd. SchrifUprache 
ist wize seit dem Mö.Jhdt. verschwunden, 
bbt aber in einigen hd. Mundarten fort 
und ist in der Bedeutung "Strafe" (111 1) 
nisl., in dem cdrgeschwäcltten Sinne ■ Ta- 
del" (III 4) nnd., ne., nschwed. 

1. Peinliches Verfahren, besonders 
auf hd. Gebiet: dabei tritt 

1. die Bedeutung Strafvollzug und 
Strafinstrument in den Vordergrund. 
Ahd . : leittun sie scacbara zuene zi 
tbemo wize (.rur Kreuzigung) Otfr. 


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Jahresberichte der Stiftungen und Institute« 


1122, 12:1] 

IV 27, 4; er (Chrisluf) tlmltn thaz 
wizi fit/. II 9, 79; {die l^instir) setilfim 
nan in llize in tliemo selben wize 
{/tist ~ an dem Kreuz) ebd. IV 30, 20; 
der werde mit wize anabraht, daz 
er sin verlougene (puniatur, donec se 
negct esse Cbristianum) Kolk. Ps. 90, 6. 
So noch in der spätem nherdeuischen 
Hcclilssprache: swer einen tnan riiegct, 
er si ein ketzer . . inac er den des 
nibt überziugen als relit ist, er muoz 
di wize liden, di dirre selber solte 
ban erbten Schu'id)tnsi>. Wnck. 2i>8, 29. 

2. Folter (spiion^m mit marter), 
Folterinstrument. Ags. wita e.yn 
(■„-itastanitn (= equuleus, career fer- 
reus et strietus aculeis replettis) 

W right -Walker Tor. 372, 31. 509. 19. 
Ahd. wizi torinentum, extensio draff 
I 1118: eeitlens stintric wizi litt. II 
200, 32; tortiones wizitt (Hl. 1 623, 
11. .1//«/. der künie biez duo mit llize 
gerillten maniger slabte wize {Folter- 
werkzeuge), also tnan in marteren wolte 
KaFerchr. 4995; von diu ist vil pilliob, 
daz im (C'Arz>/o) sine boldeti mit marter 
naeb volgen, mit wize und mit ge- 
twange ehd. 10877; ob die zwen also 
biderbe liute sint. daz tnan in geloti- 
beii sol, so sol man in die wize 
(Folter) an legen, und sint si nibt ge- 
loupbal'te liute. so sol man in nebeine 
wize an legen Srhuohensp. Work. 337. 

7. 8; der künie biez manic wize an- 
legen, er künde iti (den christlichen Her- 
zog) nie von gute bringen; do biez er . 
imc daz boubet abslaben Huch der Kfe- I 
nige alter A/ieCXl.Vll 43. I 

Siehe wizegen, wizegiTtre, wizetnere. 

II. Fiskalische (i eidstraf e\ 

1. So namentlich im Ags., wo wite 
das dem (Jtrichtsherrn zustehende Straf- 
geld, die Hriiehe, forisfactura, bedeutet 
imtiegensatz zu wer, böt (,'if/i«IluUe) und 
bealsfang fliehe Ilalsfang), auch zu dem 
verwandten, aber nicht identbichen anglo- 
dän. lahslit, dem Fredus im engeren 
Sinne: gif bitte mou on jiam berste 
geyllige (wenn man den ins Kloslerasgl 
OeßOehteten in der ihm gewährten Frist 
schädigt) mid siege odde itiid bende 
odde |)urb wumle, bete b-Ta tegbwele 
mid rybte bt'OJIt'ip'ri K® '“'tl u ere ge 
mid wite, anil jiam biwuin (dem Klo- 
sterkonrent) bundtwelftig seill. cirielVi- 


!) 

des to bote Alfr.2, 1 S. 48; gif preost 
I to ribtandagan crisman ne fecee (wenn 
' ein Priester das Chrisma zum rechten Ter- 
min nicht holt) ..., gylde wite mid 
Englum and mid Deiium labslit, [lüt 
is twelf oran Kadw.3, 2 S. 1.30 (ähnl. 
ebd. 6. 6 , 1. 7 m. ö.); gif bwa Cristen- 
doin wyrtle (das Christentum verletzt) 
.... gylde swa wer swa wite swa 
labslitte, be [>am |)e syo dtede sy ebd. 
2 S. 130; gif liwa sibleger(/4/Kfee/ian</f) 
gewynie, gebete |>kt bo sibbe nitede 
(nach dem Grade der Verwandtschaft), 
swa be were swa be wite swa be 
ealre teilte Cnut 11 51 S. 346: gif for 
godbotati feobbot ari.sed (wenn filr Kir- 
chenbußen Geldstrafe einkommt), . . . [lät 
gebyred ribtlice . . . to godctttidan neo- 
dan (so soll sie filr geistliche Hedarfnisse 
rerwendet werden), bwibim be, wite, 
bwilum be wergylile, bwilnm be bais- 
fange, bwilutn be labsjite, bwibim be 
are, bwilum be teilte d/Ae/r 51 .S. 258; 
were vel wite vel labslite noch Leges 
llenr. jrriini 34, le S. 565; besonders oft 
die Verbiiulung swa wer swa wite u, ä. 
Älfr. 7, 1 Ä.54. 19 S.60. 29 S. 64. U- 
ges llenr. primi 27, 1 S. 562. Hn.s wite 
umfaßt muh die com Verklagten an den 
blaford zu znhbmde wer Cnut 11 30, 3 b 
.8. 332 (rgl. Ine 76, 2 8. 123 und Manti- 
biiUe). Für unbealmichtigle Verletzung 
zahlt man wer Imtan wite Alfr. 36 
S. 68. Das wite beträgt ursprtlnglich 
dO Schillinge: Ine 2, 3 8. 90. 6 8. 92. 
Älfr. 12 8. ;')6. 38,2 8.78 (=12 Ör 
Korth. 56 8. 383) ; 36 Schillinge Ine 25, 
1 8.100: 6 Ör Aor/A. 10 8. 380. .Steige- 
rungen: 60 Schillinge: gif bwa on eal- 
dormonnes btise gefeobte odde on 
odres getbnngenes witan (= sagiba- 
ronis), bX scill. gebete be and oder 
I.X geselle to .wite Ine 6. 2 8. 92; 
namen llich .seit Alfred: 9, 1 8. 55. 25 
8.64 (rgl. fiilwite). 120 Schillinge: Ine 
6 .3 8.92. zl//r. 9, 1 8.55. 37,1 8.70. 
Atheist. 1, 5 8. 15(); diese Summe heißt 
cyninges wite Athelr. 5. 1 8. 264. 

Cnut i 3, 2 8. 283. Dies wite fällt zu 
dem König odde [lam (le bis wites 
wurde sig (ijui habet saee et soene) 
Cnut 11 30, 6 8. 334 (dem blaford 
30. 3 b 8. 332. Duns. 6. 3 8. 379); 
agife man bät wite |>am |>e bit 
age Cnut 11 §4, 1 8. 326. Das halbe 


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10 ütli'iitliclie Sitziin" 

witp erhnli der Angeber •. Wihtr. 11 

«s. i:i. 

Siehe ferner blöclwitp, filitwite, fiil- 
wite, l'yrdwitc, hengwitc, K-gerwite, 
weai'dwitp, weoroldwitc, wuiidwifi*. 

In ähnlkhem Sinne, aber viel selhmtr 
sieht an. viti neben friitkaup (Krihs Säl- 
landske Imv 121); siehe hlödwite. Vgl. 
aiieh bnrgund. « ittiscal(;us. 

2. Unbestimmter fries. = Kirchen- 
strafe-. niMie lioda utor wita to letane, 
cer die klagher sin moet hat Fries. 
Itechlsq. 460b, 2!) (Leenw. Senirecht); 
iefter een minsclia in der dekkens wita 
storwe, neu iiiara breke to niinane, 
so bi britzen bat bi sin liwe eM. 460b, 
32. 

3. Insbesondere Strafgeld für 
Unterlassung. So fries.: ik monie 
io ..., dat y dae wird sidze, bwae 
dat wanwirek wirtsa sebel iefta dae 
wita beta [Strafe für sehbebte Wege, 
re/jaraltir) Fries. Reehisq. 415a, 30. I He.eer 
Sinn ist aber namentlich entu'iekelt im 
Altnordischen. So cahlt nach (frag. 147 
derjenige VI marka viti, der bei einer 
Ehe in rerbntenem Grade die geseiclich 
cargeschriebene Zahlung rersämni hat. 
Ebenso wird das viti fitUig, wenn der 
Reinigungseid unterbleibt oder mißlingt: 
ef [jeiin lellr sa eidr, {la fcllr til XV 
niarea vitis livaroiii jieirra Gulath. 1 
73 c. 214. 68 c. 187. Zumal trifft das 
viti diejenigen, die das Ding versäu- 
men ({dngviti Gulath. 1 56 c. 131), die 
die Einladung durch das Kreuz nicht be- 
fördern und befolgen (krossviti Gidalh. 
111 e. 19; Froslath. 1 225 c. 33; 
Eidsiralh. I 378. 1 c. 1 1 ). die Krieg.-^- und 
Wachdienst vernachlässigen, nicht die 
jijlichtlgen .Mannschaften stellen (leidangrs- 
viti Guiat. I 98 c. 298, leiilarviti; 
väpnaviti ligloc 11 207 r. 13; vardviti 
Landslov 11 36 c. 4), die den svhuleligen 
Tribut nicht entrichten ( Westmannnl. V 
180; vgl. Schigier 111 97), die ihre. Zäune 
nicht vorschriftsmäßig erhalten (['ardaviti 

Westgi'ßlal. 1 214; Skiinel. IX 170). 
Die Höhe des viti schuankt bedeutend, 
je nach der \ eranlassung zwi-chen 1 Or 
[der kleinsten Dings'rafe handslov II 140 
c. 56; 6 Or Tt [diigvitit iniela Gulath. 
1 63 c. 161) und 15 .Mark. Das viti 
wird in gemessenem , nicht gewogenem 
Silber entrichtet (|iau [jingviti ero öll 


vom 2.'>. Jammr 1906. [123, 124] 

silfrinetin Frost. I 200 c. 8) und kann 
eher erla.isen oder herabgesetzt u-erden als 
das friitkaup. 

4. .Mnd. Strafgeld fär Versäum- 
nis oder Verspätung in Versamm- 
lungen: wirt de stevene gekundiget 
bi der hogesten wite, we de vor- 
sninct, de betere X kiinen Lirländ. 
Urkundenb. AV. 2730, 5 (Skra von Xow- 
gorod, um 1250); we des utbe blivet, 
briekt II zwaren, id en sy dat men 
vorbadet sy by duppelder wite Bi-em. 
Wörterb. V 27!) (1 106). 

5. vbts dieser mnd. Bedeutung ent- 

I wickelt sich der Xebensinn: l’räsenz- 

I geld, Versammlung , bei der Prä- 
I senzgeld gezahlt wird: wanner de 

borghermester, dem de w i t e bord 
to leggende, ene withe mit sinen 
bereu .. vorramet unde leebt, .. so 
■ selial de wil liebere enen isliken per- 
sonell, de .. iip dem radlmse is, alze 
men de eloeken lud . . . , gbevcii enen 
witten Bremer Stadtb. (Oelr'uhs) S. 11 

Siehe wizeberre, wizebübse, wize- 

I 6. Atwh Strafgelder einer Gilde 
I oder sonstigenGenossenschaft heißen 
so, namentlirh an.: vi t ii m ollum gegna 
gester iaiiiwell sein gildbra‘|ir Skraa 
der Olafsgilde c. 24 (KGL X 9: vgl. 10 
c. 42. 43): rtjL auch III 2. — Uber wite 
' der Brciner Kramergilde siehe wizeberre. 

7. Ubir ags. wite = Beköstigungs- 
beitrag für den König Cnut II 69, 2 
iS. 356, siehe feormlultuin. 

III. Abgeschwächte und verall- 
gemeinerte Bedimtungen: 

1. Ags. (dlgemein = Strafe: for {>»re 
mildbeortiiesse be [der gerechte und 
barmherzige Richter) gemetegad (eriml- 
ßigt) Jitere seylde wite -Iudex 1 S.474; 
so besonders in den l’hrasen buton wite 
(ineiilpabiles) Eadg. S. 1 8.210 und be 
|>am witam Endw.b, 1 S. 130. 

iSo auch an. in taka viti, skapa 
viti M. <7. Koch allgemeiner an. = Scha- 
den: gott es aiinars viti liafa at var- 
iiadi Solarl. 19; rgl. Ilaram. 6, 6. 

2. In altwestnord. Prosa nimmt viti 
[ausgehend von 11 6?) die technische Be- 
deutung Bierstrafe, Co mment straf e 
an. Nach .Morkinskinna S. 47 werden zu 
Weihnachten im llofgefolge des norweg. 


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.lahi-esberichte der Stiitiiii«;en und Insiimte. 


11 


(1241 


Königs (c. 1050) viti U[ip syjid, und 
die atioffnlligen mußten die Strafrationen 
trinken (skyldu (Irckka vitin); ja viti 
liekoinint den konkreten Sinn des Strnf- 
horns (vilisliorn). — borilaviti heißen 
Flatexjjarh. 1 507 die Strafen einer Tiseh- 
gesellschnft. 

3. Mnd. erhalt wite, namentlich in 
den Verhindungen änc. sunder wite we- 
sen, den allgemeinen Sinn; Schädigung, 
lielästigung, Anklage: se und aide 
ore schullen des ane wite bliven und 
ane sidiaden und in neue nod komen 
uniine dat veidife Sudendorf 11 Ar. 11 
(1342); uirnne der teyn mark utphirt 
... ieiij^lie wit eiler ansjjrake liden 
ehd. II Ar. 179 (1340): we darto (hei 
einem Xwist) lo[ie alsc ein seheidemau 
.... de seolde des wol geneiten, also 
<lat he des ane wite iinde aiiededinge 
bliven seolde unde neinc nod danminie 
liden l rkundenh. d. Stiult llalherstadt 1 
575 (1370 — 1400); ell't se edcr ok je- 
inend van orer wegen darumme <le 
wisen man . . to Ilonovere iciites to 
schuldegende eder in jeniger wite dar 
vmme heddcn Sudendoif VUl Ar. 92 


(1396); de wolde darumme ein wän- 
de! don, utgesproken unse borghere 
unde borghersclien to Hruuswik schol- 
den darmcde unbelestet unde ane wite 
bliven Städtechron. XVI 75 (1414); so 
en wohle wy \uiseti borgermester dar 
umme in neyner wyte hebben Uan- 
nöc. Stadtrechl (Grote) S.426; noch heute: 
gen wit fon hebben Doornk.- Koolm. 
111 365. 

Siehe näehwize. ( 

4. Aoe/i schwächer; Tadel. Mnd. sC 
wolden ere wit (Var. vorwit) nicht 
lenger liden Chron. d. uordelb. Sassen 
1 03. Khenso friesisch : so sey t dat riucht : 
den .schuda, (leer een inenscha to compt 
bij syner ayner sehyeld, (leer mev hij 
een orem ri(;en wita om jaen Juris- 
prud. Fris. II 216. 

Siehe wizen, Verweis, verweisen, ile- 
wiz, an. äviti. 

Orinini UA II“ 22,i. 255. — Wilda, Straf- 
resdil I -149 IF. — Hl.s, Sirafrerlit der Fric-sen 
172. — Licbeniiamis Wörterbuch zu den Ge- 
aetzoii der .Angelsachsen. — Hertzberg, Glossar 
zu NGl. V 722. 

G. Itoethe. 


.Atisgegelien am 1. Februar. 


Hrrlin. geJrorkt in d«r Keicltidniek«rvt. 


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