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Full text of "Das silur und Cambrium des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna"

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Beiträge 

zur 



Geologie und Palaeontologie 


von 

Südamerika. 


Unter Mitwirkung von Fachgenossen 

herausgegeben von 

Dr. Gustav Steinmann, 

Professor der Geologie und Paläontologie a. d. Universität Bonn. 


XVIII. 

Das Silur und Cambrium des Hochlandes von Bolivia 
und ihre Fauna. 

Von G. Steinmann und H. Hoek 

Mit Tafel VII— XIV und 6 Textfiguren. 


Separat-Abdruck aus dem Neuen Jahrbuch für Mineralogie etc. Beilageband XXXIV. 


Stuttgart. 

E. Sch weizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser. 

1912. 




176 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 




Beiträge zur Geologie und Paläontologie 
von Südamerika. 

Unter Mitwirkung von Fachgenossen herausgegeben 
von Dr. G. Steinmann. 

XVIII. 

Das Silur und Cambrium des Hochlandes von Bolivia 
und ihre Fauna. 

Von 

G. Steinmaim und H. Hoek. 

Mit Taf. VII — XIV und 6 Textfiguren. 


i' f Inhaltsübersicht. Seite 

Vorwort 177 

I. Gliederung des Silurs und Cambriums in Bolivia 
nebst einem Anhänge über das Devon (G. Steinmann) 178 

A. Verbreitung von Silur und Cambrium in Süd- 
amerika 178 

B. Cambrium in Bolivia 184 

C. Silur in Bolivia 186 

1. Tarija — Bio S. Juan 186 

2. Tambillos — Ollacasa 190 

3. Tarabuco— Yamparaez 192 

4. Sucre — Cochabamba 192 

Umgebung von Cochabamba 192 

5. Das Tunari-Gebirge 192 

6. Cuesta de Tapacari 193 

7. Profil bei Capinota 195 

8. Profil Caraza — Cochabamba 196 

D. Überblick über die Gliederung des Silurs. . . 197 

E. Eruptivgesteine und Erzgänge im Silur. . . . 201 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


177 


Seite 

F. Anhang: Devonische Gesteine und Fossilien 


aus der Kordillere von Araca 203 

Beschreibung der devonischen Fossilreste 205 

G. Wichtigste Literatur über Silur und Cambrium 

der Kordillere in Südamerika 208 

II. Versteinerungen des Cambriums und Silurs (H. Hoek) 

A. Cambrium 209 

1. Cuesta de Escayache zwischen Tarija und Rio San Juan 209 

2. Pampa de Tacsarä zwischen Tojo und Tarija .... 210 

3. Tambo Guanacuno zwischen Tarija und Rio San Juan 210 

4. Alter der Cambrischen Fauna 212 

B. Obercambrium oder tiefstes Untersilur (Salitre) . . . 212 

C. Unter silur 219 

1. Aguas Calientes, W. Jujuy 219 

2. Angostura de Queta 220 

3. Abra de Chorcoya 220 

4. Escayache-Kette 222 

5. Cuesta de Erquis 223 

6. Cuesta de Escayache bei San Lorenzo 226 

7. Quechisla, W. Cotagaita 229 

8. Tambo Sivingomayo 230 

9. San Lucas, N. Camargo 233 

10. Otavi, SO. Potosi 233 

11. Pampa de Otavi zwischen San Bartolo und Mataca . . 233 

12. Escaleraspaß zwischen Mataca und Tambillos .... 235 

13. Sucre; 236 

14. Cerro Pocotaica bei Capinota 236 

15. Cochabamba 240 

16. Fauna der Lingula-Schieier in Nordostbolivia .... 241 

Nachtrag 250 

Tafel-Erklärungen 250 


Vorwort. 

Dieser Beitrag enthält den Versuch einer Gliederung des 
Silurs und Cambriums im bolivianischen Hochlande und eine 
Darstellung seiner spärlichen Fauna. Der ältere der beiden Ver- 
fasser hat das bolivianische Hochland zum ersten Male im Jahre 
1884 bereist, aber da die meisten der gesammelten Silurfossilien 
und ein Teil der geologischen Aufzeichnungen über Silur und 
Cambrium verloren gingen, konnten nur einige wenige Formen 
von Ulrich (19) beschrieben werden. Eine zweite Bereisung 
in Gemeinschaft mit dem jüngeren Verfasser und dem leider bald 
darauf verstorbenen Alexander v. Bistram zeitigte bessere Re- 
ff. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XXXIV. 12 


231961 


178 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


sultate (18), und zwar um so leichter, als manche Erfahrungen 
der ersten Reise dabei verwertet werden konnten. 

Der erste Teil der vorliegenden Arbeit ist von Steinmann verfaßt, 
die Bearbeitung der cambrischen und silurischen Fossilien rührt von 
Hoek her. Die Belegstücke zu allen Fossilien befinden sich im 
geologisch-paläontologischen Institute der Universität Freiburg i. B. 

I. Gliederung des Silurs und Cambriums in Bolivia, nebst 
einem Anhänge über das Devon. 

Von G. Steinmann (Bonn). 

A. Verbreitung von Silur und Cambrium in Südamerika. 

Trotz der beträchtlichen Verbreitung, die Cambrium und in 
höherem Maße Silur in Südamerika besitzen, liegen doch über die 
Ausbildungsweise und Gliederung dieser Formationen bisher nur 
dürftige Daten vor. Das beruht hauptsächlich auf der Fossilarmut 
ihrer Gesteine, die weniger auf nachträgliche Umwandlung als viel- 
mehr auf ein ursprüngliches Verhalten zurückzuführen ist. Sand- 
steine, Quarzite und Tonschiefer dieser Zeiten, in ermüdender Ein- 
förmigkeit gesellt, setzen einen erheblichen Teil des bolivianischen 
Hochlandes zusammen. Sie lassen sich innerhalb der Kordillere 
nach Süden bis zum mittleren Argentinien (17), nach Norden bis 
ins nördliche Peru (13) verfolgen; sie nehmen offenbar auch weite 
Distrikte im Tieflande Perus und Boliviens (3) ein und tauchen 
auch in Nordostbrasilien (Para) (7) wieder auf. Wahrscheinlich 
gehören auch manche Quarzite, Schiefer und Kalke (Dolomite) 
dazu, die im N. und S. vom Unterlauf des La Plata-Stromes ver- 
breitet sind (5). Allein zu dieser weiten Verbreitung steht die 
Fossilführung in einem recht ungünstigen Verhältnisse. Man kann 
tagelang durch das tiefzerschluchtete Schiefergebiet Boliviens reisen, 
lange in einem Aufschlüsse oder in den Geröllen eines Flußbettes 
suchen, ohne die Spur eines Fossils zu Gesicht zu bekommen. 
Diese finden sich offenbar nur in einigen wenigen Lagen, hier 
gelegentlich wohl massenhaft, wie Graptolithen, Trilo- 
biten oder Brachiopoden; zwischen diese schalten sich 
dann aber immer Hunderte von Metern mächtige, anscheinend 
fossilfreie Gesteinskomplexe ein. 

Ein bemerkenswertes Kennzeichen der cambrischen und silu- 
rischen Sedimente ist ihre Kalkarmut, besonders im Bereiche 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


179 


der bolivianisch-peruanischen Kordillere. In den Schiefern finden 
sich wohl gelegentlich carbonatreiche Knollen, aber kalkige Ge- 
steins komplexe sind örtlich sehr beschränkt und meines 
Wissens bisher nur in der Gegend von S a 1 1 a in Nordargentinien (8), 
vielleicht auch im unteren La Plata-Gebiete (5), sowie im Ama- 
zonas-Gebiete (7) angetroffen. Wo die Kalke erscheinen, wird 
auch stellenweise die Fauna mannigfaltiger. Denn es darf von 
vornherein bemerkt werden, daß sie sonst auf weite Strecken hin 
sehr armselig und einförmig ist, und daß neben T r i 1 o b i t e n , 
hornschaligen Brachiopoden und Graptolithen nur 
ganz ausnahmsweise Organismen mit kalkreicher Schale 
auftreten, wie Cephalopoden,Lamellibranchiaten, 
kalkschalige Brachiopoden und Crinoiden; Korallen 
und Bryozoen scheinen so gut wie ganz zu fehlen. 

Das Hochplateau Boliviens und seine Fortsetzung nach Norden 
und Süden baut sich wesentlich aus paläozoischen Gesteinen auf. 
Am Ostabfalle des argentinischen Anteils des Gebirges allein treten 
ältere (algonkische und archäische) Sedimente und altkristalline 
Gesteine darunter zutage. Von hier an nördlich bis 
zum Titicacasee ist aber eine vorcambrische 
Unterlage noch nicht beobachtet worden; wohl 
aber sieht man wieder im mittleren Peru als Liegendes des dortigen 
Silurs grüne Phyllite von jedenfalls vorcambrischem Alter und 
unter diesen altkristalline Gesteine hervortreten. Während nun 
im westlichen Teil der Kordillere Boliviens auf der abflußlosen, 
interandinen Hochfläche quartäre Gesteine auf weite Strecken hin 
den Felsenuntergrund überdecken und die paläozoischen Gesteine 
vielfach nur inselartig an die Oberfläche treten lassen, schließen 
die tiefeingeschnittenen Täler der Osthälfte des Gebirges den 
Felsuntergrund bis zu erheblichen Tiefen (2000 — 3000 m) auf. 
Hier herrschen allgemein cambrische, silurische und devonische 
Sedimente; nur streifenweise verschwinden sie unter den jüngeren 
roten Sandsteinen der Kreide, mit denen sie verfaltet sind. Am 
Ostfuße des Gebirges aber tauchen sie dann unter dieses, hier 
meist flach nach O. abfallende Gestein, um erst in geringerer 
oder größerer Entfernung draußen im Tieflande wieder darunter 
hervorzutreten. 

Gegenüber dem herrschenden Silur beteiligt sich das Cam- 
b r i u m nur sehr untergeordnet an dem Aufbau der Kordillere. 

12 * 


180 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Es tritt naturgemäß nur dort unter dem Silur hervor, wo die 
Sedimente sehr hoch aufgefaltet sind und wo dann infolge der ver- 
hältnismäßig geringen Mächtigkeit des Cambriums auch vor- 
cambrische Gesteine in nicht allzugroßer Entfernung an der Ober- 
fläche erscheinen. Dieses trifft für den größten Teil des bolivischen 
Hochlandes nirgends zu; nur in seiner SO.-Ecke heben sich durch 
Fossilreste als cambrisch beglaubigte Sedimente unter dem Silur 
und unter diesem weiter gegen S. vorcambrische Gesteine heraus. 
Es ist ein Streifen von nur geringer Breite, auf dem alle bisherigen 
Funde cambrisch er Fossilien gemacht sind. Er beginnt im nörd- 
lichen Teile der Antikordilleren Argentiniens (8) bei Salta (2450 m), 
läuft von hier in ziemlich genau nördlicher Richtung über den 
Nevado de Castillo, W. Jujuy, und Humahuaca 
(0 j o de A g u a , I r u y a) bis zur bolivianischen Grenze (T i 1 - 
cuya und ? Salitre, NNO. Yavi, [ca. 22°] (9), schwenkt hier 
in NO.-Richtung ein und ist von uns über T a c s a r ä bis zur 
Cuesta de Escayache (zwischen Tarija und S. Juan — 
21° 30') verfolgt worden. Er dürfte in dieser Richtung wohl noch 
etwas weiter fortsetzen, da die Kette von Escayache 
orographisch noch fortläuft, aber kein Punkt ist nördlich davon 
mit Sicherheit festgestellt worden bis in das Caupolican,. 
acht Breitengrade weiter im N., wo Evans (3) in hell violetten 
Schiefern eine obercambrische Peltura fand. Da die glimmer- 
reichen, z. T. etwas kalkigen Sandsteine, in denen sonst überall 
die cambrischen Fossilien gefunden worden sind, sich ziemlich 
t auffällig von den hangenden Quarziten und Schiefern des Silurs 
unterscheiden und da sie, wo man sie beobachtet, auch immer 
recht reichlich die bezeichnenden Trilobiten enthalten, so 
würden sie uns und anderen jedenfalls auf unseren Reisen in 
Bolivien aufgefallen sein, wenn wir sonst irgendwo auf sie gestoßen 
wären. Wir dürfen daher bis auf weiteres annehmen, daß ihr 
Verbreitungsgebiet den geschilderten schmalen Streifen nicht 
wesentlich überschreitet (abgesehen vom Caupolican). 

Ungleich ausgedehnter ist das V erbreitungsgebiet 
des Silurs in Südamerika. Freilich hat sich die Angabe vom 
Vorkommen silurischer Versteinerungen in Venezuela (2) nicht 
bestätigt (15). Vielmehr dürfte der nördlichste Punkt, von dem 
diese Formation bis jetzt mit Sicherheit bekannt geworden ist, 
die Gegend des oberen Huallaga bei H u a c a r, W. Ambo, Prov. 


des Hochlandes von ßolivia und ihre Fauna. 


181 


Huänuco im N. Peru (ca. 10°) sein. Dort fand Ochoa (13) 
Graptolithen, und ich habe auf meiner letzten Reise mit Dr. Schlag- 
intweit (1908) in jener Gegend eine recht reiche untersilurische 
Graptolithen - Fauna ausgebeutet. Weiter südlich kenne 
ich es noch aus der nächsten Umgebung von Tarma (11° 20'), 
wo graue und rötliche Quarzite, übereinstimmend mit denen des 
bolivianischen Hochlandes, aber fossilleer, zwischen vorcambrischen 
grünen Phylliten und carbonischen Sedimenten in stark gestörter 
Lagerung anstehen. Dann folgt bis zum Titicacasee ein 
noch fast völlig unerforschter Teil der Kordillere, in dem wahr- 
scheinlich das Silur einen immer mächtigeren Anteil an dem Aufbau 
des östlichen Teils des Gebirges nimmt, je weiter wir nach S. vor- 
schreiten. Denn in der Kordillere von C a r a b a y a im N. des 
Titicacasees ist das Silur durch Graptolithenfunde 
gut beglaubigt 1 und in der Cordillera Real im 0. des Titicacasees 
sind silurische Schichten verbreitet. Mit der Breite des Titicaca- 
sees haben wir, von N. kommend, das Hauptverbreitungsgebiet des 
Silurs betreten. Das ganze Gebiet im 0. der Westkordillere vom 
Titicacasee etwa 500 km gegen S. und in einer durchschnittlichen 
Breite von ebenfalls etwa 500 km, wird von Silurschichten gebildet 
oder doch unterlagert. Auf der interandinen Hochfläche treten 
diese Gesteine nur streifenweise an die Oberfläche, teils weil sie 
in den Mulden von devonischen oder jüngeren Sedimenten über- 
deckt werden, teils weil diluviale Absätze weite Gebiete des Unter- 
grundes überhaupt verhüllen. Aber die normal entwässerte Ost- 
hälfte der Kordillere Bolivias zeigt das Silur in breiten zusammen- 
hängenden Faltenzügen, die im N. eine NW. — SO.-Richtung, 
im S. eine N. — S.- und im SO. einen SW. — NO. -Richtung be- 
sitzen. 

In diesem weiten Gebiete, das ich zweimal kreuz und quer 
durchreist habe, sind untersilurische Fossilien überall zerstreut vor- 
handen, in Schiefern wie in Sandsteinen, aber wie schon betont, 
im allgemeinen spärlich, wenn auch einzelne Lagen mit zahlreichen 
Individuen einzelner Arten erfüllt sind. Im paläontologischen Teile 
werden die Funde einzeln beschrieben werden. Die gewaltigen 
Aufschlüsse und die einzelnen Fossilhorizonte haben mir trotz der 
natürlichen Schwierigkeiten des Terrains und trotz des erschweren- 

1 Newton, Note on Graptolites from Peru. Geol. Mag. 38. 1901. 
p. 195-197. 


182 


G. Steinraann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


den Fazieswechsels doch eine angenäherte Gliederung ermöglicht. 
Das ist zwar noch kein in allen Teilen endgültiges Ergebnis, 
aber doch eine Grundlage, auf der andere Forscher weiter bauen 
können. 

Wo sich an der Grenze von Bolivia und Argentinien die Kor- 
dillere zu verschmälern und zu zerteilen beginnt, herrschen wesent- 
lich noch die gleichen Verhältnisse (10). Jüngere Formationen 
erscheinen in diesem stark gefalteten Gebiete nur in verhältnis- 
mäßig schmalen, oft nur eingeklemmten Streifen, und Silur 
und Cambrium (sowie darunter hervortauchend vorcambrische 
Sedimente) setzen das Gebirge zum überwiegenden Teile zu- 
sammen. 

Hier im nördlichen Teile Argentiniens, in den 
Provinzen Salta und J u j u y , sind Fossilien an verschiedenen 
Punkten gefunden; von Stelzner, Brackebusch, von uns und 
von Keidel. Der südlichste Punkt, bis zu welchem man fossil- 
führendes Untersilur in den Vorkordilleren beobachtet hat, ist 
Cerro Pelado, aber nach Stappenbeck (17) dürften auch noch 
weiter südlich auftretende Gesteine dazu zu rechnen sein. 

Auf der Westseite der Kordillere hat man zwar 
bisher noch keine sicheren Silurgesteine nachgewiesen. Allein un- 
wahrscheinlich ist ihr Vorhandensein nicht. So querte ich im Jahre 
1883 zwischen Chanaral und PandeAzucaran der Küste 
des Stillen Ozeans in einer Breite von etwa 26° 15' ein Schiefer- 
gebiet, dessen Gesteine den Silurgesteinen Boliviens außerordentlich 
ähnlich sind. Sie werden dort von Graniten durchbrochen und 
sind vielfach verändert, was wohl mit der Grund dafür sein mag, 
daß ich keine Fossilien fand. 

Ebenso darf man mit einem gewissen Grade von Wahrschein- 
lichkeit die Konglomerate, Quarzite, Sandsteine, Tonschiefer, 
Kalke und Dolomite, die große Teile der atlantischen Ketten in 
der Provinz Buenos Aires aufbauen (5), dem älteren 
Paläozoicum und einen großen Teil davon, z. B. die Karbonat- 
gesteine, dem Untersilur zurechnen. Der von Hauthal aus dem 
Quarzit beschriebene Arthrophycus Harlani. wüirde vielleicht den 
obersten Lagen des Untersilurs zuzurechnen sein. Der hangende 
Kalkstein wäre dann möglicherweise schon Obersilur. 

Während es nun noch ganz und gar ungewiß bleibt, ob in den 
marmorisierten Kalken und in den Phylliten der Banda Orien- 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


183 


tal und der brasilianischen Küstenketten das Silur 
mit vertreten ist, und ob und inwieweit diese Formation im Ge- 
biete des oberen Paraguay, in Chiquitos und in 
Matto Grosso in den weit verbreiteten Schiefern, Sandsteinen 
und Kalksteinen versteckt liegt, ist sie im Caulopican wieder 
sicher nachgewiesen (3). Evans’ Funde von Graptolithen (20) und 
Trilobiten (12) in den Flußgebieten des B e n i und M a d r e de 
D i o s weisen auf Untersilur in vorwiegend schieferiger Ausbildungs- 
weise, wie es in der benachbarten Kordillere in Cara- 
ba y a und auf der Hochfläche Boliviens verbreitet ist. Eben- 
falls durch J. W. Evans (3) ermittelt ist das Vorkommen wahr- 
scheinlich sibirischer Gesteine in der Form von Hexactinei- 
liden-Spongit im Tieflande an den Espe ranz a - Fäl- 
len des Rio Beni (ca. 10° 45' Br., 65° 30' L.). Dieses Vor- 
kommnis scheint schon hinüberzuführen zu der Amazonas-Fazies 
des Silur, aus der solche Spongite ebenfalls [durch Katzer (7)] 
bekannt geworden sind. 

Die Silurbildungen im unteren Amazonasgebiete 
weichen durch ihre Fauna nicht unerheblich von denen der Kor- 
dillere ab. Sie werden an die Grenze von Unter- und Obersilur 
gestellt, oder letzterem direkt zugewiesen. Wenn man aber, wie 
Schuchert (16) es befürwortet hat, die Grenze zwischen beiden 
Abteilungen in Nordamerika erst über den Medinasandstein und 
unter die Clinton-Gruppe legt, so muß das Amazonas-Silur noch 
der unteren Abteilung zufallen. Damit wird denn aber auch 
zugleich ausgesprochen, daß alle bis jetzt bekannten 
Silurvorkommnisse Südamerikas dem Unter- 
silur angehören, soweit sie durch Fossilfunde 
bezeichnet sind. Ein zweifellos dem Obersilur in diesem 
Sinne zugehöriges Fossil ist bis jetzt in Südamerika überhaupt 
noch nicht gefunden worden. Die ungeheure Ausdehnung des 
Silurmeeres, die sich aus dieser Zusammenstellung ergibt und die 
in Wirklichkeit wohl noch viel größer ist als sie jetzt scheint, be- 
sonders in dem außerandinen Gebiete (Brasilien — Argentinien), fällt, 
soweit sich das zurzeit übersehen läßt, ausschließlich 
der Untersilurzeit zu. Zu dieser Auffassung führt uns 
auch die Betrachtung des ausgedehntesten und bestbekannten 
Silurgebiets, des bolivianischen, zu dessen Schilderung ich jetzt 
übergehe. 


184 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


B. Cambrium in Bolivia. (Fig. 1 und 2.) 

Unsere Beobachtungen über das Cambrium beschränken sich 
auf den oben geschilderten Streifen im SO. Bolivias, im besonderen 
auf die Gegend zwischen der Grenze Bolivia — Argentina bei S a 1 i t r e 


(N. Yavi) bis zur Cuesta de 
E s c a y a c h e im W. von Tarija \ 



In dieser Gegend treten zwei 
Antiklinalen in den cambro-silu- 
rischen Schichten zutage, die sich 
auch orographisch gut abheben 
(Fig. 1). Die östliche Antiklinale 
streicht von der Cordillera de 
Sta. Victoria im 0. von Yavi in 
NNO. -Bich tung zur Cuesta 
de Escayache,W. Tarija; in 
sie fällt der 5050 m hohe Cerr o 
Campanario. Diewestliche 
Kette verläuft ungefähr 15 bis 
20 km westlich und ziemlich paral- 
lel mit ihr vom Cerro Yun- 
charä (0. Tojo) gegen NNO. 
und setzt westlich Guanacuno 
zwischen Escayache und 
0 b i s p o durch. Zwischen sich 
schließen sie einen fast 50 km 
langen Bolson, die abflußlose Auf- 
schüttungshochebene von Tac- 
s a r ä , ein, die im S. durch die 
Zuflüsse der Quebrada Honda, 
im N. durch den Escayache- 
fluß angerissen wird (Fig 2). 
Das Streichen dieser Antiklinalen 
bedingt den NNO. gerichteten 


1 Vergl. für diese und die 
folgenden Ortsangaben die Karten 
auf Tafel I und II in Hoek und 
Steinmann, Erläuterung zur Routen- 
karte usw. Pet. Mitt. 1906. Heft 1. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


185 


Verlauf des Rio San Juan von To jo bis San Juan, sowie die 
damit parallele Längserstreckung der Pampa de Tacsarä. 

Die Schichtfolge der tiefsten Sedimente, die in diesen Anti- 
klinalen sichtbar werden, ist folgende: 


Cerro de Yuncharä. 

2 . Fossilreiche glimmerige Sand- 
steine. 

1) Graublaue und rotgraue Quarzite, 
z. T. mit Wellenfurchen. 


Cerro Campanario. 

2. Fossilreiche glimmerige Sand- 
steine. 

1) Graue Quarzite, fossilleer ; Eisen- 
glanz auf Klüften. 


Die glimmerreichen Sandsteine sind offenbar dieselben, die 
im N. der argentinischen Republik zwischen J u j u y und der boli- 
vianischen Grenze von verschiedenen Forschern gefunden wurden 
und deren Reste Kayser (8) beschrieben hat. Schlecht erhaltene 
Fossilien fanden wir am Westabhange des Cerro de Yuncharä, 
in der Umgebung der Paßhöhe von Chorcoya zwischen P a - 
tancas und Tambo Sama. An bestimmbaren Resten fanden 
sich in dem Zuge, der am Westabhange des Cerro Campa- 
nario vorbeizieht, zwischen Patancas und V i c u n a g a 
Arionellus sp. Ferner am Westabhang des Escayache- 
Passes, etwa Stunde unterhalb der Höhe in ca. 3600 m Meeres- 
höhe, Olenus cf. argentinus Kays. Schließlich im Bachriß un- 
mittelbar südlich des Tambo Guanacuno im W. von 
Escayache Conocephalites cf. striatus Emmr. sp., Liostracus sp., 
Arionellus cf. Hieronymi Kays., Orthis sp. 

Über die Gleichstellung dieser Vorkommnisse mit den ähn- 
lichen Schichten in Nordargentinien ist ein Zweifel kaum möglich. 
Auch das Gestein ist ganz ähnlich, namentlich weist auch die 
vielfach verbreitete, gelbe bis braune Färbung auf einen spär- 
lichen, ursprünglichen Carbonatgehalt hin, wie er von den argen- 
tinischen Vorkommnissen angegeben wird. Unsere Auf Samm- 
lungen setzen sich aus verwitterten Stücken zusammen. Die 
Artenzahl scheint überall gering zu sein, aber die Individuen der 
Trilobiten sind immer sehr zahlreich; oft sind die Schicht- 
flächen ganz damit bedeckt. Unsere Fossilfunde stützen die 
Ansicht Kayser’s von dem mittelcambrischen Alter der 
fossilführenden Schichten. 

Ein von dem eben geschilderten abweichendes Vorkommnis 
trafen wir bei S a 1 i t r e hart an der argentinischen Grenze. Dort 
setzen ungefähr N. — S. streichende Tonschiefer auf, denen quar- 


186 


G. Steinmaun und H. Hoek. Das Silur und Cambrium 


zitische Bänke eingelagert sind; sie scheinen das Hangende der 
harten braunen Quarzite zu bilden, die den östlich daran stoßenden 
Höhenzug zusammensetzen. In diesen Schiefern fanden wir un- 
mittelbar südlich des bolivianischen Grenzhauses am Bachriß 
Agnostus bolivianus Hoek und Parabolinella andina Hoek. 
Diese Fossilien könnten ebensogut dem obersten Cam- 
brium wie dem untersten Silur (Ceratopyge- 
Kalk) angehören. Auch die etwa 1 km nördlich davon in 

einem Trockentälchen aus gleichbeschaffenen Schiefern ge- 
sammelte Lingulellci cf. Davisii Salt, verschafft keine voll- 
ständige Gewißheit über das Alter dieses Schieferkomplexes. 
Doch empfiehlt es sich wohl, ihn bis auf weiteres als Cambrium 
anzusprechen. 

C. Silur in Bolivia. (Fig. 2—6.) 

Da die paläozoischen und mesozoischen Gesteine des boli- 
vianischen Hochlandes und seiner Fortsetzung nach N. und S. 
zumeist sehr stark gefaltet sind, und da die Faltung erst gegen 
den Ostrand des Gebirges zu abschwächt und austönt, so läßt sich 
die Schichtfolge im Silur und in den jüngeren Gesteinen am deut- 
lichsten in den östlichsten Teilen des Gebirges beobachten. Die 
Linie, welche die stärker gestörte westliche Region von der weniger 
stark gestörten östlichen scheidet, verläuft in Bolivien ungefähr 
folgendermaßen: Aus der Gegend von Cochabamba in SO.- 
Richtung und in nach 0. konvexem Bogen auf Tarabuco 
(0. Sucre) zu; von hier in nahezu N. — S.-Richtung über Camargo 
gegen die argentinische Grenze. Es treten zwar auch innerhalb 
der stark gestörten Region einzelne flachere Antiklinalen auf, 
aber sie bilden nicht die Regel. Wir beginnen daher mit der Schilde- 
rung der Profile aus der östlichen Region und schreiten dabei von 
Süden nach Norden fort. 

1. Tarija— Rio S. Juan. (Fig. 2 u.3.) Der Wegvon Tari j a 
nach dem Tale des Rio S. Juan überschreitet eine Kordillere 
von durchschnittlich etwa 4000 m Meereshöhe. Sie besteht aus 
der Fortsetzung der zwei flachen Antiklinalen, die ich schon bei 
der Besprechung des Cambriums erwähnte (p. 184), der Kor- 
dillere von Escayache im 0. und derjenigen von Yun- 
charä im W., die durch eine verhältnismäßig enge Mulde ge- 
schieden werden (Fig. 2). Der cambrische Kern dieser Antiklinalen 


Abra dp Escayache Ouanacuno 

3650 Escavache 3365 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


187 



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G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


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Tambo Soma 


des Hochlandes von Boliviu und ihre Fauna. 


189 


wird von sehr mächtigen Silurschichten ummantelt, in denen sich 
folgende Glieder (von oben nach unten) unterscheiden lassen: 

us 3 Sandige, glimmerreiche Schiefer mit Einschaltung 
dünner Quarzitbänke. Wellenfurchen. Farbe des Gesteins 
grau bis graugrün. Fossilien fehlen darin 1 . 
usy Dunkle Tonschiefer mit Nagelkalkbänken und mit 
Geoden, die häufig von Nagelkalk umschlossen werden. 
Orthoceras, Endoceras (nur auf der Westseite der Kordillere von. 
Yuncharä beobachtet). 

us 2 Schwarze, pyritreiche Schiefer, durch Oxydation oft 
bunt verfärbt (weißlich, grau bis braun). Fossilführende Ein- 
lagerungen : a) schwarze Schiefer mit Didymograptus (Obispo) ; 
b) schwärzliche, grüne, z. T. harte, aber feinkörnige Schiefer mit 
Dictyonema und Trilobiten. 

us, uSj Blaugrüne, verwittert gelbliche Sandsteine, sandige 
Schiefer und helle Quarzite mit Resten von Asaphiden 
und Orthiden. 

Liegendes: Cambrische Sandsteine und Quarzite. 

Als besonders fossilreich erweisen sich von diesen Schichten 
die als us 2 bezeichnten graptolithenführenden Schiefer. Den 
reichsten Fundort trafen wir auf dem Wege von Tambo Sama 
nach T a r i j a. Dort, wo dieser Weg nach dem Orte E r q u i s 
steil zu fallen beginnt, durchquert er folgendes Profil (Fig. 3): 

Profil des Untersilurs an der Cuesta de Erquis. 
Hangendes : 

e) Feinkörnige Sandsteine und sandige Schiefer, graublau bis gelblich. 
Wellenfurchen. Die Schichten vielfach gefältelt. Fossilien nicht 
gefunden. Nach unten übergehend in 
d) Weißliche, feinkörnige kieselige Schiefer mit Brauneisenausschei- 
dungen. Fossilien hier nicht gefunden. (In den untersten Lagen 
bei San Lorenzo Parabolinopsis Mariana Hoek.) 
c) Hellgraugrüne und schwärzliche, kieselige Schiefer mit massenhaften 
Dictyonema Murrayi Hall, und var. Tarijensis Hoek, Dictyonema 
irregularis Hall., Tetragraptus cf. Headi Hall. 
b) Graugrünliche tuffartige Schiefer mit vereinzelten Brachiopoden. 

, a) Gelbliche Schiefer mit einzelnen schwarzen Lagen voll von ver- 
drückten Trilobiten und Brachiopoden. Dictyonema in einer Lage. 
Asaphus cf. nobilis , Cheirurus sp., Pliomera sp. 

Gesamtmächtigkeit von a — d ungefähr 300 m. 


1 Hierher gehören vielleicht auch die sandigen Schiefer und Quarzite 
bei der Kirche San Juan in Tarija, in denen ich Orthoceras, Trilobiten- 
schwänze und Graptolithenreste sammelte. 


190 G-. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 

Dies ist die gleiche Stelle, von der auch Courty (1) Dict vo- 
ll e m e n beschreibt. Dieselben, an Dictyonemen überaus 
reichen Schiefer (x) konnte ich im Hauptprofil Rio San Jua n — 
T a r i j a (Fig. 2) an zwei Punkten feststellen: bei 0 j o de A g u a 
und unterhalb Q u e u n a, am Ostfuße der Kette von Escayache. 

Eine etwas andere x\usbildung dieses Schichtenkomplexes, 
oder wahrscheinlich eine andere Lage innerhalb desselben, findet 
sich auf der Westseite der K o r d i 1 1 e r e von Yuncharä 
bei 0 b i s p o. Hier stehen im Orte 0 b i s p o selbst schwarze 
feinblätterige Pyritschiefer an, die massenhaft schlecht erhaltenen 
Didymograptus nitidus Hall beherbergen \ Darüber folgen 
schwarze Tonschiefer, die zahlreiche brotleibartige Geoden ent- 
halten. Diese sind oft von einer Lage Nagelkalk umrindet und 
enthalten an organischen Einschlüssen 0 r t h o c e r a t e n 1 2 . 

2. Tambillos-Ollacasa. Zwischen Potosi und dem Ge- 
biete des Kreidesandsteins am Pilcomayo im 0. davon dehnt 
sich ein Silurgebiet aus, das durch den Rio Mataca und die 

1 Ebenso beschaffene Schiefer mit den gleichen Didymograpten 

(p. 220) trafen wir auf argentinischem Gebiete inderAngostura deQueta, 
etwa halbwegs zwischen Cochinoca und Rinconada (Fig. 4). Sie 


Angostura de (Xueta . 

Mtn 



Fig. 4. Profil durch die Angostura de Queta zwischen Cochinoea 
und Rinconada, N.-Argentinien. 

gr Granit, s veränderte Schiefer, ss untersilurische Schiefer mit Didymo- 
graptus nitidus Hall. 

erscheinen hier in einer eng eingeklemmten Mulde, sind von Quarzgängen 
durchsetzt und werden beiderseits von kristallinen Schiefern begrenzt, die 
mir als kontaktmetamorphe Produkte des unmittelbar daranstoßenden 
Granits erschienen. 

2 Dieser Geodenschiefer bildet einen sehr auffälligen Horizont in 
dem System dunkler Schiefer ; er wird eine wertvolle Handhabe für deren 
Gliederung abgeben. Dieselben Schiefer sah ich im 0. von Pozuelos, 
fand aber keine Fossilien darin. Die OrtÄocer as-Schiefer von Quechisla 
mit Orth, bolivianum Hoek dürften denselben Horizont darstellen, und 
auch die große Ogygia liquensis Hoek ( S .) vom Tambo Sivingomayo 
entstammt wohl sicher diesem Horizonte. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


191 


kleineren Zuflüsse des P i 1 c o m a y o zerschnitten ist. In seinem 
westlichen Teile, zu beiden Seiten des Mataca tals, herrschen 
dunkle Schiefer von flyschartigem Charakter, sehr arm an Fossilien. 
Sie werden von zahlreichen Diabasgängen und stellenweise auch 
von reichlichen Quarzgängen durchsetzt. Zwischen Mataca 
und T a m b i 1 1 o s hebt sich unter diesen Schiefern ein hoher 
Quarzitrücken heraus, den man am Escalerapaß in einer 
Höhe von 4191 m überschreitet. In diesen Quarziten fanden wir 
reichliche Reste von Asaphus, und zwar A. cf. tyrannus Murch. 
und A. cf. Powisii Murch., sowie ein fragliches Gomphoceras. 
Die Fossilien erinnern zwar an die der Bala-Stufe, erscheinen aber 
ungenügend für einen Vergleich mit den gut studierten Silurfolgen 
anderer Gebiete, denn dieser Quarzit nimmt innerhalb der unter- 
silurischen Schichtfolge Boliviens zweifellos einen ziemlich tiefen 
Horizont ein und kann nicht wohl mit den Bala-Schichten Eng- 
lands, dem oberen Untersilur, in Parallele gestellt werden. Es 
folgen darüber gegen Mataca zu die erwähnten mächtigen 
Schiefer mit Diabasgängen und im 0. des Quarzits zwischen 
T a m b i 1 1 o s und 0 1 1 a c a s a eine Schichtserie, die zweifel- 
los die jüngsten Teile des Untersilurs repräsentiert. Die 
vielfach sehr deutlich aufgeschlossene Schichtfolge des oberen 
Untersilurs lernten wir hier zum ' ersten Male in Nordbolivien 
kennen. Sie besteht aus folgenden Gliedern (von unten nach oben): 

1. Graugrüne, bröckelige Schiefer mit dünnen Sandsteinbänken ; 
keine Fossilien gefunden, ca. 300 m. 

2. Graugrüne bis gelblichgrüne, feinkörnige Sand- 
steine mit Cruziana und Lingulepis. ca. 500 m. 

3. Ähnliche, aber mehr tonig-schieferige Gesteine wie 
2., Lingula. ca. 200 m. 

4. Weiße, harte Quarzite, fossilfrei. ca. 80m. 

5. Schwarze Dachschiefer mit Geoden, fossilfrei \ \ 

6. Graue, sandige Schiefer und plattige Sandsteine, > ca. 200 m. 

fossilfrei *. J 

Hangendes: Heller, dickbankiger, glimmerreicher Sandstein 
— Basis des Devon. Enthält einen etwa 800 m breiten, im 
Umriß annähernd kreisförmigen Durchbruch von Diabasporphyrit- 
Schlotbreccie und kompaktem Diabasporphyrit. Außerdem in seinen 
oberen Lagen reichlich Scaphiocoelia boliviensis und andere Fossilien. 


1 Es ist übrigens keineswegs ausgeschlossen, daß die Schichten 5. 
und 6. schon dem Devon angehörten. Ich habe sie sonst nirgends in 
Bolivia beobachtet. 


192 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Weiter im N., jenseits des P i 1 c o m a y o konnte ich ein 
gleiches, aber weniger vollständiges Profil beobachten auf dem 
Wege von Tarabuco nach Sucre. 

3. Tarabuco— Yamparaez. Die fossilreiche devonische 
Schichtfolge von Icla-Tarabuco hebt sich gegen W. unter 
immer steiler werdenden Aufrichtung heraus und wird beim Abr» 
stieg nach C o m b a t e und C h i c 1 a von Silur unterlagert. Hier 
ist folgendes Profil sichtbar (von oben nach unten): 

Hangendes: Sandstein des Unterdevons. 

Helle Quarzite, fossilfrei. ca. 50 m. 

Graugrüne schieferige Sandsteine mit Linguliden. ca. 300 m 
Graugrüner Sandstein, z. T. quarzitisch mit Cruziana. ca. 200 nu 

Das ist dieselbe Schichtfolge unter dem Devon wie bei Tam- 
b i 1 1 o s , nur fehlen hier zwischen den schieferigen Linguliden- 
Schichten und dem tiefsten Devon die dort beobachteten Schichten 
(5 und 6). 

4. Sucre-Cochabamba. Auf dieser Strecke besteht das Silur, 
wo es unter dem weit verbreiteten Devon oder unter jüngeren 
Bildungen zutage tritt, überall aus den eben geschilderten jüngsten 
Gliedern, nämlich (von oben nach unten): 

1. Weiße Quarzite; außer S'coüY/ms-Röhren fossilfrei. Das Gestein 
ist oft sehr gleichkörnig und hart und wird bei M o 1 i n o , SO. Arani, 
zu Mühlsteinen verarbeitet — „ Mühlsteinquarzit“. Bis 100 m mächtig. 

2. Graugrüne, gelbliche, oft konzentrisch-schalig ver- 
witternde, sehr feinkörnige Sandsteine und sandige 
Schiefer. Vielfach sehr reich an Fossilien: Homalonotus Bistrami 
Hoek, Area gracilis Hoek, Orthis cf. Edgelliana Salt., 0. cf. 
emacerata Hall, Bistramia elegans Hoek, Pizarroa quichuana 
Hoek, Lingula Muensteri d’Orb. „L i n g u 1 a- S an d s t e i n e“. 
ca. 200 — 300 m. 

3. Graugrüne kompakte Sandsteine mit Cruziana — Bilo- 
bitensan dstein. 

Das Liegende wird auch hier von' Schiefern gebildet, die aber 
nur unvollkommen sichtbar sind. 

Umgebung von Oochabamba. 

5. Das Tunari-Gebirge. Das Tunarigebirge bildet einen 
der östlichen Züge der NW. — SO. streichenden Kordillere, die 
die Osthälfte des bolivianischen Gebirgslandes gegen N. vom 
Tieflande abgrenzt. Der 5200 m hohe Sporn des T u n a r i er- 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


193 


hebt sich etwa 2500 m über die Beckenausfüllung von C o c h a - 
b a m b a (ca. 2500 m). Tiefe, vom Eis auffällig bearbeitete Täler 
durchfurchen das Gebirge und erschließen seine Zusammensetzung 
und seinen Bau in großartiger Weise. Außerordentlich scharf 
heben sich namentlich die landschaftlichen Gegensätze zwischen 
den weichen Schiefern mit ihren flach gewellten Formen und den 
harten Sandsteinen und Quarziten mit ihren schroffen, oft senk- 
rechten Abstürzen heraus. 

Wo die Antiklinalen des Gebietes durch die tiefen Täler auf- 
geschnitten sind, erscheint als Tiefstes ein heller Quarzitsandstein 
von mäßiger Mächtigkeit. Darüber folgt ein mächtiger Komplex 
weicher, vielfach flvschartiger Schiefer mit Nagelkalkgeoden und 
lokal mit zahlreichen Diabasgängen. Nach oben zu werden die 
Schiefer hart und gehen in bilobitenreiche Sandsteine über; diese 
werden überlagert von graugrünen Schiefern und Sandsteinen — 
Lingula-Sandstein. Als Hangendes erscheint weithin leuchtend 
roter Kreidesandstein; doch konnte die Grenze gegen diesen nur 
aus der Ferne beobachtet werden, so daß es unsicher bleibt, ob 
sich noch etwa höhere Lagen des Silurs oder Devons oder Carbons 
dazwischen schalten. 

Die beobachtete Schichtfolge gestaltet sich von oben nach 
unten folgendermaßen (wobei die Mächtigkeiten wahrscheinlich zu 
gering geschätzt wurden): 

Lingula - Schiefer und Sandsteine, ca. 300 m. 

Bilobiten - Sandsteine, ca. 500 — 600 m. 

Schwarze, harte Schiefer, fossilfrei, ca, 200 m. 

Weiche, flyschartige Schiefer mit Nagelkalkgeoden und 
Diabasgängen, ca. 400 m. 

In den Lingula-Schieiem (z. T. auch wohl in dem darunter 
liegenden Bilobiten-Sandstein) sammelten wir an der Palca del 
Tunari: 

Homalonotus sp., Ortliis sp., Lingula Muensteri d’Orb., 
cf. Rouaulti Salt., Siphonotreta sp., Tunaria cochabamUna Hoek, 
Pizarroa quichuana Hoek., Cmziana cf. für cif er a d’Orb. (letztere 
ist in dem Bilobitensandstein wie auch sonst in diesem Niveau 
recht häufig). 

6. Cuesta de Tapacarf. (Fig. 5.) Der Weg von Oruro 
nach Cochabamba quert die Ostkordillere nahezu senkrecht 
zum Streichen, im besonderen verläuft er zwischen Tapacarf 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XXXIV. 13 


1 schwarze pyritreiche Schiefer mit Didymograptus nitidus. 2 Quarzite. .9 milde Schiefer, 4 a quarzitische Sandsteine (Bilobiten- 
Sandsteine). 4 graugrüne Schiefer mit Lingula. 5 Devonsandstein. 6 Pukasandstein (untere Kreide). 


194 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 



& 


§• 



und Cordorchinoca 
durchgängig in SW. — NO.- 
Richtung und durchschneidet 
mehrere tief eingesenkte Täler, 
deren Sohle über 1000 m 
unter den Paßhöhen und etwa 
1500 m unter der durch- 
schnittlichen Kammhöhebleibt. 

Die Gebirgsfaltung hat 
an manchen Stellen sehr in- 
tensiv gewirkt, so daß eine 
genaue Feststellung der Mäch- 
tigkeiten und der Einzelheiten 
der Schichtfolge erschwert ist. 
Aber zwischen den stark ge- 
stauchten Zonen dehnen sich 
breite Streifen schwächer zu- 
sammengefalteten Gebirges aus, 
die eine leichtere Verfolgung 
der Einzelheiten gestatten. 
Das trifft vor allem für den 
östlichen Hauptzug dieses Ge- 
bietes zu, den der Weg auf 
der sogen. Cuestade Tapa- 
c a r i in 4270 m Höhe über- 
schreitet (Fig. 5). Hier treffen 
wir auf eine breite Anti- 
klinale des Silurs, in 
der auch wieder die tieferen 
Lagen des Silurs zutage treten 
(Fig. 5). Diese Antiklinale ist 
gegen NO. auf eine zusammen- 
gedrückte und gestauchte Anti- 
klinale aufgeschoben, während 
sich ihr gegen SW. bis gegen 
C h a 1 1 a hin eine flache Syn- 
klinale angliedert. In diesem Ge- 
biete konnte ich nachstehende 
Schichtfolge erkennen: 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


195 


6. Pukasandstein (Kreide). Mehrere hundert Meter mächtig. 


5. Devonsandstein, grau bis gelblich, am NO. -Abhange der Abra 
de Tapacari mit Tentaculitcs, Leptocoelia und Homalonotus. Einige 
hundert Meter mächtig. 


4. Graugrüne, quarzitische Schiefer, anscheinend bis 
2 km mächtig. An der Basis lokal in der Form fester, gut- 
gebankter Sandsteine und Quarzite (= Bilobitensandstein) 
ausgebildet (4a). Bei Tapacari Lingula - Reste in den 
Schiefern. 

3. Milde dunkle, selten etwas sandige Schiefer, 
zuweilen entfärbt. Keine Fossilien gefunden. Die scheinbare 
Mächtigkeit stellenweise (wohl durch Verfaltung) sehr er- 
heblich. Die normale Mächtigkeit dürfte etwa 700 m sein. 

2. Kompakter grauer und rötlicher Quarzit, fossil- 
frei, ca. 300 m. 

1. Dunkelschwarze, pyritreiche, oft rostig ver- 
färbte Tonschiefer, ca. 500 m mächtig. Dicht unter- 
halb Media Cuesta fanden sich in den tieferen härteren 
Bänken kleine undeutliche Linguliden, in den höheren 
weicheren zahlreiche Exemplare der Gattung Didymograptus(?) 
(= Graptolithenschiefer). 


Wir können hier somit innerhalb der mittleren und oberen 
Teile des Untersilurs zwei größere Komplexe ausscheiden. Ein 
tieferer besteht vorwiegend aus mehr oder weniger weichen, 
dunklen Tonschiefern (1 und 3), in deren Mitte sich eine Quarzit- 
masse (2) heraushebt, ein höherer setzt sich dagegen vorwiegend 
aus grau grüngefärbten , im allgemeinen harten , sandreichen 
Schiefern, Sandsteinen und Quarziten (4) zusammen. 

7. Profil bei Capinota. (Fig. 6.) Bei Capinota (etwa 30km 
S. Cochabamba) vereinigt sich der Rio A r q u e , von SW. kom- 
mend, mit dem Rio U c u c h i , von NW. kommend, zum R i o 
Grande in einer Talweitung, die eine weit gespannte Anti- 
klinale erschließt. Den Kern dieser NW. — SO. streichenden Anti- 
klinale bilden die mittleren und höheren Teile des Untersilurs, 
die von Devonsandsteinen ummantelt werden. 

Bei Capinota selbst erhebt sich, ca. 130 m über der frucht- 
baren Ebene steil aufragend, ein steriler Hügel, der CerroPoco- 
t a i c a. Er läßt die tiefsten hier sichtbaren Schichten in fast 
flacher Lagerung erkennen (Fig. 6): schwarze, blätterige 

13* 


196 


G. Steinraaim und H. Hoek, Das Silur und Cambriura 


Tonschiefer, die von treppenförmig übereinander geschal- 
teten Lagergängen eines dichten Diabas durchsetzt werden. Im 
oberen Drittel des Berges treten zwei etwas härtere Lager zutage, 
in denen relativ gut erhaltene Reste liegen, nämlich: 

Trinucleus Kruegeri Hoek, Calymene(?) diademata Barr., 
Megalaspis americana Hoek, Chasmops cf. lucculenta Sjögren, 
Asaphus sp., Bellerophon sp., unbestimmbare Zweischaler, Ortho- 
thetes sp. 

Pocotaica 

130m 



Fig. 6. Profil durch den Cerro Pocotaica bei Capinota, S. Cocha- 

b am b a. 

Dieselben Schiefer traf ich westlich davon am Aufstieg nach 
Huacaplaza, ebenfalls mit Trinucleus und mit Nagelkalk- 
bänken. Darüber folgen mächtige härtere Schiefer, z. T. sandig, 
ferner Sandsteine mit Lingula- Resten und als Liegendes des Devons 
feingeschichtete, graurote Quarzite, off enbar dieselben Grenzquarzite, 
die, auch sonst in Nordbolivia, zumeist als die jüngsten Schichten 
des Untersilurs beobachtet werden. Sie sind besonders gut im 
S. von Cochabamba aufgeschlossen. 

8. Profil Caraza— Cochabamba. Der Weg von diesem Orte 
nach Caraza führt über ein niedriges Bergland mit flachgewölbter 
Schichtenlage. Erst am Abstieg nach dem Becken von Caraza 
nehmen die Schichten eine steilere Stellung an und bilden am Nord- 
rande des Beckens (Sierra Catachili) eine steile Anti- 
klinale, aus deren Kerne die Vichy-ähnliche Therme von Caya- 
c a y a n i mit ca. 35° C heraustritt. Die tiefsten hier aufgeschlosse- 
nen Schichten sind die Lingula- Schiefer, graugrüne, häufig fein- 
sandige Schiefer, auch glimmerreiche feinkörnige Sandsteine von 
gleicher Farbe. Fossilien fand ich nicht darin, aber an ihrer Identität 
mit den sonst fossilreichen Lingula- Schiefern kann w r egen ihrer 
bezeichnenden Gesteinsbeschaffenheit kein Zweifel bestehen. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


197 


Besonders deutlich zu sehen und vielfach gut aufgeschlossen 
sind in diesem Profile die hangenden Schichten des Untersilurs, 
über denen ich stets nur devonische oder jüngere Gesteine als 
Hangendes gefunden habe, der Hauptquarzit-Horizont 
Boliviens. Es sind das weißliche, gelbliche, grau bis röthche 
Quarzite von mehreren hundert Meter Mächtigkeit. Ihre Ver- 
witterungsrinde ist meist braun. Scolithus - Böhren und Tongallen 
erscheinen weit verbreitet darin. Fossilien fand ich nur an einer 
Stelle, und zwar zahlreiche Exemplare einer Nucula , die leider 
nur in Steinkernen vorliegt und einen genaueren Vergleich nicht 
gestattet (Taf. XI Fig. 5). Ein ganz gleich gearteter Quarzit schließt 
auch bei Capin ota das Untersilur ab (p. 196) und bildet zugleich 
das Liegende des Devons. 

D. Überblick über die Gliederung des Silurs. 

Die tiefen Taleinschnitte des Ostabfalls des interandinen Hoch- 
landes und die hoch aufgefalteten Bergmassen, die es in der Kor- 
dillere von Cochabamba gegen NO. begrenzen, gestatten zwar 
vielfach die Feststellung von mächtigen, zusammenhängenden 
Schichtfolgen innerhalb des Silurs nach rein lithologischen Merk- 
malen, aber mehrere Umstände stehen dem Versuche zu einer 
Gesamtgliederung hinderlich entgegen, namentlich bei den immer- 
hin nur flüchtigen Beobachtungen, wie sie auf einer Reise in meist 
spärlich bewohnten und vielfach unwirtlichen Hochgebirgen in 
kurzer Zeit allein ausführbar sind. 

Im südöstlichen und mittleren Bolivien sind zwar die ältesten 
Schichtglieder des Silurs als Hangendes des sichtbaren Cambriums 
gut aufgeschlossen, aber die höheren Glieder sind hier vielfach 
offenbar nur unvollkommen vorhanden oder fehlen ganz. Das 
geht schon aus der Tatsache hervor, daß hier vielerorts sibirische 
Tonschiefer, die dem mittleren Teile des Untersilurs angehören, 
unmittelbar von den roten Sandsteinen der Kreideformation über- 
lagert werden, während sich am Ostabfalle des Hochlandes und 
im N. gewöhnlich Devon und mancherorts auch Carbon dazwischen 
einschalten und dann auch die höheren Schichten des Untersilurs 
eine größere Mannigfaltigkeit und Mächtigkeit erreichen. Das 
deutet auf eine Abtragung hin, die nach Absatz des marinen Ober- 
carbons und vor der Transgression der Unterkreide in manchen 
Teilen Boliviens Platz gegriffen und die jüngeren Anteile der 


198 G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 

paläozoischen Formationen sowie die höheren Teile des Unter- 
silurs entfernt hat. Das Gebiet, in welchem nach unseren bisherigen 
Erfahrungen diese Abtragung ziemlich allgemein und deutlich zu- 
tage tritt, wird angenähert umgrenzt durch die Orte 0 r u r o — 
Sucr e — C amarg o — J u j u y im 0. und erstrekt sich gegen 
W. wohl bis zur Hauptkordillere, während die nördliche und südliche 
Begrenzung noch unsicher bleibt. Aus diesem Kerngebiete des 
bolivianischen Hochlandes kennt man denn auch Gesteine car- 
bonischen Alters bis jetzt gar nicht, solche devonischen Alters 
nur von wenigen Stellen und dabei noch großenteils nur nach 
unsicheren Angaben. Einfaltungen von Kreidesandstein sind aber 
über das ganze Gebiet verbreitet und ihr Liegendes wird bald 
von diesem, bald von jenem Gliede des Untersilurs gebildet. 

Im nordöstlichen Teil der Kordillere Boliviens (Kordil- 
le r e von Cochabamba) erreichen die jüngeren Horizonte 
•des Untersilurs sehr große Mächtigkeiten, aber hier sind die tiefsten 
unsichtbar und, wie schon früher bemerkt, auch die cambrische 
Unterlage. Ich kenne daher auch von hier kein einziges zusammen- 
hängendes Profil durch das ganze Untersilur. Doch dürften solche 
am SO. -Abfalle des Gebirges, besonders in der Gegend vonTari ja, 
zu finden sein. 

Weiterhin wird aber eine genaue Feststellung der gesamten 
Schichtfolge durch die Spärlichkeit und durch den vielfach recht 
mangelhaften Erhaltungszustand der Fossilien erschwert. Es 
scheinen zwar gewisse Horizonte über das ganze Gebiet durch leicht 
kenntliche Fossilien bezeichnet zu werden, wie die rostfarben ver- 
witterten Graptolithen - Schiefer mit Didymograptus. 
Aber da diese Fossilien nicht auffällig und dazu auf bestimmte 
Lagen begrenzt sind, so findet man sie häufig dort nicht ohne 
weiteres, wo man sie zur sicheren Erkennung des Tonschiefer- 
komplexes gerade nötig hätte. 

Schließlich ist zu bemerken, daß namentlich im westlichen 
Zuge der Ostkordillere die enge und starke Faltung aller vortertiären 
Gesteine die Feststellung der Schichtfolge vielfach erschwert. 

Aus allen diesen Gründen gebe ich die folgende Zusammen- 
stellung der gesamten Schichtfolge nur mit dem Vorbehalt, daß 
eingehendere Forschung und besonders die Auffindung von leitenden 
Fossilien in den mehrfach sich wiederholenden Schiefer- und Quarzit- 
komplexen noch zu Verschiebungen im einzelnen führen kann. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


199 


Am sichersten dürfte die Gliederung der höheren Horizonte sein, 
da diese auch lithologisch relativ leicht erkennbar bleiben. Fraglich 
bleibt es dagegen, ob und welche Äquivalente im Kerngebiete 
des Hochlandes dafür vorhanden sind. 

Übersicht über die Gliederung des Untersilurs in Bolivia. 

Hangendes: Sandstein des Unterdevons. 

Schwache Diskordanz. 

[Grauer, sandiger Schiefer und plattige Sand- i 

steine, fossilfrei. ca. 200 m. 

Schwarze Dachschiefer mit Geoden, fossilfrei. I 

Nur im Profile Tambillos-Ollacasa beobachtet. Gehören 
möglicherweise ins Devon.] 

Oberer Quarzit. Weißliche, hellgraue oder rötliche Quarzite, grob- 
gebankt, selten fein schichtig. Zuweilen mit Tongallen. „Mühl- 
steinquarzit.“ ca. 100 m. 

Fossilien: Scolithus - Böhren häufig, andere Fossilien sehr 
selten ( Nucula sp. bei Cochabamba). 

Vorkommen: Tambillos-Ollacasa (0. Potosi), Cerro 
Lamarami b. Capinota (S. Cochabamba), Molino b. Arani 
(OSO. Cochabamba), Cochabamba-Caraza. 

Lingula- Sandstein. Graugrüne, feinkörnige, glimmerreiche, oft tonige, 
aber meist dickbankige Sandsteine ; häufig konzentrisch-schalig ver- 
witternd. Mindestens 300 m mächtig (wahrscheinlich mancherorts 
erheblich mehr). Vom liegenden Bilobiten-Sandstein meist nicht 
scharf getrennt. 

Fossilien: Homalonotus Bistrami Hoek, Area gracüis Hoek, 
Lingula Muensteri d’Orb , Uneata Hoek, inornata Hoek, Tunaria 
cochabambina Hoek, Pisarroa quichuana Hoek, Bistramia elegans 
Hoek usw. 

Vorkommen : In dem Bereich zwischen Calapaya (SO. Potosi) — 
Sucre — Cochabamba weit verbreitet als Liegendes des oberen 
Quarzits und als Hangendes des 

Bilobiten-Sandstein. Quarzitische , z. T. tonige Sandsteine von grau- 
grüner Farbe ; meist gut geschichtet. Gegen 500 m mächtig. 

Fossilien: Außer Spuren von Linguliden nur Cruziana (Bilo- 
bites) furcifera d’Orb. häufig. 

Vorkommen: Fast überall als Liegendes des Lingula- Sand- 
steins und von diesem meist nicht scharf geschieden l . 

1 Als die zeitlichen Äquivalente des Lingula - und Bilobiten-Sand- 
steins dürften im südlichen Bolivia, wo beide Glieder unbekannt 
sind, anzusehen sein: graugrüne Sandschiefer und Quarzite, 
(oft mit Wellenfurchen), die dort mancherorts ein hohes Niveau im Unter- 
silur einnehmen und die ebenfalls eine Mächtigkeit von mehreren Hunderten 
von Metern zu erreichen scheinen. Fossilien sind darin im allgemeinen selten. 


200 G. Steinmänu und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 

• 

Geodenschiefer. Dunkle, meist schwarze, weiche oder auch härtere, 
flyschartige Tonschiefer mit meist flachen Geoden; Nagelkalke in 
dünnen Bänken oder als Umkleidung der Geoden. Mächtigkeit 
300 — 500 m. 

Fossilien (meist spärlich oder wenigstens auf dünne Lagen 
beschränkt) : Ogygia liquensis Hoek, Trinucleus Kruegeri Hoek, 
Calymene diademata (?) Barr., Megalaspis americana Hoek, Chas- 
mops cf. bucculenta Sjögren, Orthoceras bölivianum Hoek. Endo- 
ceras (wahrscheinlich in diesem Horizont). ' 

Vorkommen: Obispo (zwischen Tarija und Rio San Juan), 
Quechisla am Chorolque, Cerro Lique (S. San Lucas), 
Cerro Pocotaica b. Capinota. 

Mittlerer Quarzit. Kompakte, graue und rötliche Quarzite. Etwa 
200—800 m. 

Mit Sicherheit nur an der Cuesta de Tapacarl in diesem 
Niveau beobachtet. Fossilien fehlen. 

Grap tolithenschiefer . 

A. Schwarze, rostfarben verwitternde, feinblätterige Tonschiefer (Alaun- 
schiefer z. T.). Etwa 500 m mächtig. 

Fossilien: Didymograptus nitidus Hall; kleine, hornschalige 
dünnschalige Brachiopoden ( Linguln cf. attenuata Sow.). 

Vorkommen: Angostura de Queta (zwischen Cochinoca 
und Rinconada, N.-Argentinien), Obispo (zwischen Tarija und 
Rio San Juan), Media Cuesta de Tapacarl (zwischen Cocha- 
bamba und Oruro). 

B. Schwarze, aber häufig entfärbte, kieselige Schiefer, oft dickbankig; 
mit harten normalen Tonschiefern vergesellschaftet. Etwa 200 m 
mächtig. 

Fossilien: Asaphus nobilis Barr., Chirurus sp., Pliomera ? sp., 
Dictyonema Murrayi Hall var. tarijense Hoek, I). irreguläre Hoek, 
? Tetragraptus cf. Headi Hall. 

Vorkommen: Cuesta de Erquis (W. Tarija). 

Es muß vorderhand unentschieden bleiben, ob B einen tieferen 
Horizont einnimmt als A (was mir wahrscheinlicher ist), oder ob 
beide ungefähr altersgleich sind. Beide sind bisher noch nicht in 
ein und demselben Profile beobachtet. 


Doch fanden wir bei Ot a vi, SO. Potosi, darin: Megalaspis (?) sp. und Diplo- 
graptus Whitefieldi Hall. Aber an anderen Orten, wo solche Gesteine als 
Hangendes der Geodenschiefer auftreten, wie z. B. Obispo zwischen 
Tarija und dem Rio San Juan fanden wir keine Fossilien darin. 
Bei Escaleras in der Sierra de Zapla im 0. von Jujuy fand ich als 
einzigstes fossilführendes Geröll einen Sandstein mit Lingula lineata Hoek 
und L. inornata Hoek, von denen die erstere im Lm^MZa-Sandstein des 
Nordens vorkommt. Hiernach dürften die Sandsteine der Sierra de Zapla 
wahrscheinlich auch dem oberen Untersilur angehören. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


201 


Untere Quarzite und Schiefer. 

Die tiefsten Lagen des Untersilurs treten fast nur im SO. des 
Landes, vereinzelt auch noch im Bereiche der Ostkordillere bis zum 
Pilcomayo hin (SO. Sucre) zutage. Wir haben sie deshalb nur 
verhältnismäßig selten in guten Profilen beobachtet. Eine genauere 
Gliederung dieser Abteilung wage, ich nicht zu geben, bin sogar 
nicht einmal sicher, ob alle hierher gerechneten Vorkommnisse 
dieser Abteilung angehören. 

Graue, gelbliche oder rötliche Sandsteine und Quarzite, 
sowie meist sandige Schiefer, mehrfach in Wechsel- 
lagerung. Mächtigkeit 3 — 400 m. 

Fossilien: Megalaspis americana Hokk, 31. cf. planilimbata 
Ang., 31. matacensis Hoek, Orthis Saltensis Kays., 0. cf. Carousii 
Salt. Hornschalige Brachiopoden. 5coZ^/ms-Röhren. 

? Parabolinella andina Hoek, Agnostus bolivianus Hoek, Lingu- 
lella Bavisii Salt. (Ob. cambrium?). 

? Äsaphus cf. tyrannus Murch., A. cf. Powisii Murch. (Ob. 
Untersilur?). 

Vorkommen: Aguas Calientes (Quebrada de Heyes, 
W. Jujuy), Abra de Chorcoya (zwischen Tacsarä und Escayache, 
SW. Tarija) und andere Orte des Südostens. 

E. Eruptivgesteine und Erzgänge im Silur. 

In den sibirischen Gesteinen Boliviens trifft man häufig auf 
eruptive Gesteine, teils in der Form von Gängen, teils als Lakko- 
lithe oder Stöcke. Aber alle diese Gesteine sind jüngeren 
Datums als der Absatz der silurischen Sedimente. Bei den Gra- 
niten, die in der hohen Ostkordillere des Illimani auf treten, 
läßt sich das jüngere Alter ohne weiteres an den kontaktmeta- 
morphen Erscheinungen erkennen, die sibirische wie auch devo- 
nische Gesteine in ihrer Nähe aufweisen. So sind im Tal von 
Viloco bei Araca (SO. von Illimani) die an den Granit an- 
grenzenden Sandsteine und Quarzite des Silurs in Hornfelse ver- 
wandelt. Fleckschiefer wurde an mehreren Stellen beobachtet, 
und auch die von der Granitgrenze schon ziemlich weit abliegen- 
den fossilführenden Devonschiefer (vergl. Anhang p. 203 ff.) sind 
gegenüber den normalen Devonschiefern so stark verändert und 
gehärtet, daß an ihrer Beeinflussung durch den Granit nicht wohl 
gezweifelt werden kann. 

In weiter Verbreitung treten im Silur Gänge von dunkel- 
grünen bis schwärzlichen Eruptivgesteinen 
auf. Auch dort, wo weder Granite noch die Andesite und Dacite 


202 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Vorkommen, durchschwärmen sie oft die Silurschiefer in großer 
Zahl. Aber ihre Mächtigkeit ist meist gering (bis zu 1 m) und 
nur gelegentlich sieht man sie lagergangförmig auf treten (Fig. 6). 
Ihrer Natur nach sind es feinkörnige Diabase, Diabas- 
porphyrite und Porphvrite. Wenn man sie in den 
weichen Schiefern des mittleren Untersilurs • besonders häufig, in 
den Sandsteinen und Quarziten dagegen nur selten erscheinen sieht, 
so hat das seinen Grund wohl nur in der weichen Beschaffenheit 
der Schiefer, die es mit sich bringt, daß die härteren Gesteinsgänge 
an den Gehängen rippenartig herauspräpariert und leicht sichtbar 
werden, während sie in den härteren Sandsteinen sich höchstens 
durch ihre Farbe abheben, aber bei ihrer geringeren Mächtigkeit 
nicht leicht bemerkt werden. Auch diese Gesteine sind jünger 
als Silur und Devon. Ihre Entstehung fällt in die Kreide. 
Daher gibt es denn auch in der ganzen Schichtfolge vom Cam- 
brium bis zum Carbon (einschließlich) keinerlei tuffogenes Material 
in den Sedimenten, nicht einmal Arkosen. Von manchen dieser 
Gänge darf man annehmen, daß sie Ausfüllungen der Zufuhr- 
kanäle darstellen, aus denen die Eruptionen der diabasischen und 
porphyritischen Ergüsse erfolgten, die wir in den tieferen Lagen 
des untercretaceischen Pukasandsteins als Decken 
und Tuffe in weiter Verbreitung antreffen. Aber ich kann nicht 
wohl alle die zahlreichen Gänge, die man oft auf engem Raum 
vereinigt findet, in diesem Sinne deuten, vielmehr muß ich die 
Mehrzahl wohl für Spaltenausfüllungen halten, die die Oberfläche 
nie erreicht haben. Als zu Beginn der Kreidezeit das alte Festland 
der mesozoischen Zeit im 0. der Westkordillere sich unter den 
Meeresspiegel senkte, scheinen in großer Anzahl Spalten entstanden 
zu sein, in die das diabasische Magma eindrang, ohne bis zur Ober- 
fläche gelangen zu können. 

Die tertiären Trachyte, Andesite und D a c i t e 
durchbrechen die Silurgesteine, wie alle jüngeren Formationen 
bis zum Tertiär, teils in der Form von Gängen, teils als Stöcke 
oder Lakkolithe. Aber nirgends habe ich diese Gesteine in so 
massenhaften Gängen auftreten gesehen, wie die altcretaceischen 
Diabase. Die Silberzinnerzgänge, sowie die selteneren Kupfergänge 
des bolivianischen Hochlandes, die mit den Andesiten und Da- 
citen in Verbindung stehen, durchsetzen zumeist das Silur, da 
dieses ja den größten Anteil des Felsuntergrundes ausmacht. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


203 


Eine Sonderstellung nehmen aber die goldführenden 
Quarzgänge im SO. des Gebietes ein. Während sie sich in 
der Kordillere des Illimani im allgemeinen an die Nähe 
der Granitstöcke halten und sich nur ausnahmsweise weit von ihnen 
entfernen, findet sich im SO., z. B. im Bereiche des Rio Cam- 
blaya (zwischen Tarija und Camargo), wo man die Goldaus- 
beute im großen (freilich ohne den gewünschten Erfolg) versucht 
hat, kein Massengestein, auf das man diese Gänge beziehen könnte, 
vor allem kein Granit. Hier scheinen die Gänge ungebun- 
deneren Charakters zu sein, was natürlich das Vorkommen von 
Graniten in geringer Tiefe unter der Oberfläche nicht ausschließt. 

Sterile Quarzgänge sah ich in größerer Zahl in den sibirischen 
Schiefern im 0. von Mataca, am Fuße der Abra Escaleras 
aufsetzen. Auch hier war nirgends ein Eruptivgestein sichtbar, 
von dem sie stammen könnten. 

F. Anhang: Devonische Gesteine und Fossilien aus 
der Kordillere von Araca. 

Die devonischen Gesteine des bolivianischen Hochlandes sind 
im allgemeinen von den silurischen ziemlich auffallend verschieden. 
Meist sind es mürbe, glimmerreiche Sandsteine und weiche Schiefer- 
tone, die keine starke Pressung erfahren haben und in denen die 
Fossilien auch zumeist sehr gut erhalten, selten stark verdrückt 
sind. Die silurischen Gesteine dagegen sind einer stärkeren Schiefe- 
rung und Verhärtung unterlegen und werden daher vorwiegend 
durch mehr oder weniger harte Schiefer und Quarzite vertreten, 
deren Fossileinflüsse gewöhnlich deformiert sind, wenn auch manch- 
mal nur in geringerem Grade. Diese habituellen Unterschiede gelten, 
soweit ich feststellen konnte, für den größten Teil des Hochlandes 
wohl ausnahmslos, und diesem Umstande ist es zuzuschreiben, 
daß wir im Bereiche der Kordillere von Araca bei unseren 
Beobachtungen im Felde gewisse harte Schiefer mit reichlichen, 
aber stets stark deformierten Fossilien für sibirisch angesehen 
haben, die sich später durch ihre Fauna als devonisch entpuppt 
haben. Freilich war diese Verwechslung auch nur dadurch mög- 
lich, daß die fraglichen Schiefer eine Anzahl auffälliger Fossilien 
einschließen, die bisher aus dem Devon des bolivianischen Hoch- 
landes und auch aus Argentinien gänzlich unbekannt waren, näm- 
lich von Trilobiten die Gattung Acidaspis, von Cephalopoden 


204 


G. Steinmaim und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Trochoceras, eine 0 p h i u r e und recht zahlreich spiral eingerollte 
Crinoiden stiele. Diesen unerwarteten Funden waren aber 
eine Anzahl echt devonischer Formen beigesellt, wie Dalmanites 
Maecurua Clarke, Leptocoelia flabellites Conr., Conularia undulata 
Conr., Chonetes falklandicus Mor. et Sh. Hierdurch ist das unter- 
devonische Alter dieser Schiefer und ihre Übereinstimmung mit den 
Conularienschiefern des Hochplateaus sicher erwiesen. Ihre Be- 
sonderheiten erwecken aber nach zweifacher Richtung Interesse. 

Wir lernten diese Schiefer in den Aracabergen. mit 
andern Worten in der südöstlichen Fortsetzung der Illimani- 
Kette kennen. Dort werden die paläozoischen Sedimente be- 
kanntlich von perlschnurartig an der Oberfläche erscheinenden 
Granitstöcken durchsetzt, in deren Nähe die Gesteine hochgradig 
kontaktmetamorph verändert sind. Andalusithornfelse begleiten 
den Rand des Granits, der im Hintergründe des Aracatals 
sichtbar wird. Aber bis auf eine beträchtliche Entfernung von 
der Granitgrenze sind die Schiefer gehärtet, zunächst unter Flecken- 
bildung, in weiterer Entfernung ohne solche. In dieser äußeren 
Kontaktzone liegen nun die scheinbaren Devonschiefer am Aufstieg 
vom alten In gen io Viloco zur Mine gleichen Namens, kurz 
bevor man diese erreicht. Dicht unterhalb der eigentlichen Mine, 
bei einem kleinen Glacialsee liegt der Fossilfundpunkt. Die 
Fossilien sind zum kleineren Teile von uns selbst gesammelt worden 
— zum größeren verdanken wir sie Herrn Reme, dem deutschen 
Administrator der Mine Viloco, der sie von Indianern hat 
sammeln lassen. Das Gestein, dem die Fossilien entstammen, 
ist ein dunkel graublauer, harter, klingender Tonschiefer. Die 
Schieferung ist glücklicherweise nicht stark ausgesprochen. Da- 
gegen sind die Schichten aber ziemlich gequält und oft gefältelt, 
was dem Erhaltungszustand der Fossilien nicht gerade günstig 
gewesen ist. 

Zum Teil sind die Fossilien als Steinkerne erhalten von großer 
Feinheit, z. T. nur als Hohlformen, von denen sich aber vorzüglich 
Wachsdrücke herstellen ließen. t 

Durch den Nachweis, daß diese silurähnlichen, in Wirklichkeit 
aber unterdevonischen Schiefer durch den Granit kontaktmetamorph 
verändert sind, können wir das Alter des Granits in der Ostkordillere 
Bolivias schärfer bestimmen, als es bis jetzt möglich war. Da 
sicher als solche bestimmbare mesozoische Gesteine bisher nicht 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


205 


in kontaktmetamorpher Stellung zu diesen Graniten bekannt sind, 
so war es einigermaßen wahrscheinlich, daß sie den älteren Graniten 
zugehören, deren Alter in Nordargentinien als silurisch bestimmt 
werden konnte. Freilich habe ich stets begründete Zweifel an 
dem hohen Alter der Granitintrusionen in der Ostkordillere gehegt, 
weil der Granit gar keine Spuren von Gebirgsdruck erkennen läßt, 
obgleich er in sehr stark gefalteten Sedimenten steckt, und weil 
die untercretaceischen Sandsteine, die in nicht allzugroßer Ent- 
fernung W. vom 1 1 1 i m a n i bei C o n i auftreten, von Gängen 
eines Quarzporphyrs durchsetzt werden, der im Granitgebirge 
ebenfalls mehrfach auf tritt und nicht gut anders als dem Granit 
genetisch zugehörend betrachtet werden kann. Da nun aber gemäß 
dem kontaktmetamorphen Zustande des Devons der Granit nicht 
silurisch, sondern zum mindesten jünger als Unterdevon sein muß, 
so gewinnt sein jugendliches Alter noch mehr an Wahrscheinlich- 
keit. Wie er habituell den alttertiären Graniten der peruanischen 
Kordillere entspricht, so darf man ihn jetzt diesen auch un- 
bedenklich zeitlich gleichsetzen. 

Bemerkenswert ist auch die Änderung, die das Devon der 
Ostkordillere infaunistischer Beziehung aufweist. Die 
ursprüngliche Gesteinsbeschaffenheit der Schiefer scheint zwar 
nicht wesentlich von derjenigen des gleichen Horizontes auf dem 
Hochplateau verschieden gewesen zu sein, denn wir finden in den 
Schiefern dieselben graublauen Knollen (oft mit Fossileinschlüssen) 
wie dort; aber die Fossilführung ist doch recht verschieden, da 
gerade die häufigsten Formen der Schiefer im normalen Devon- 
gebiet des Hochplateaus noch nie gefunden sind, wie Acidaspis, 
Trochoceras, die eingerollten Crinoidenstiele, oder doch 
nur selten auftreten, wie Dalmanites Maecuma Cl. Andererseits 
scheinen die in den normalen Conularienschichten so überaus 
häufigen Conularien und Brachiopodenin den Schiefern 
der Ostkordillere nur relativ selten vorzukommen. 

Beschreibung der devonischen Fossilreste. 

Dalmanites Maecurua Cl. (Taf. IX Fig. 1 — 3). Vergl. Knod: 
Devonische Faunen Boliviens (Beitr. z. G. u. P. v. S. Am. 14 . 1908. 
p. 500). Es liegen eine Anzahl Pygidien, ferner ein Rumpfstück 
(fraglich ob dazu gehörig) und ein ziemlich vollständig erhaltenes 
Exemplar (Fig. 1) dieser Art vor. Sie sind sämtlich verdrückt, 


206 


G. Steininann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


lassen aber alle die bezeichnenden Merkmale dieser Art deutlich 
erkennen. 

Bekannt aus dem Unterdevon von Bolivien und des Amazonas- 
gebiets. 

Acidaspis aracana n. sp. (Taf. XI Fig. 1, 2). Ein in den 
Aracabergen recht häufiger Trilobit gehört zu Acidaspis, 
und zwar zu derjenigen Gruppe, die durch 2, 1, 1, Stacheln am 
Schwanzschilde, wovon der des mittleren Segments der längste, 
ausgezeichnet ist. 

Diese Gruppe ist bekannt aus dem Obersilur Böhmens, aus 
dem Unterdevon Nordamerikas und aus dein Mitteldevon Böhmens 
und der Eifel. 

Die vorliegende Art zeichnet sich durch folgende Kombination 
von Merkmalen aus. Die Wangenstacheln sind nicht mit Dornen 
besetzt; dadurch unterscheiden sie sich von A. tuberculosa Conr. 
und derelida Barr. Die Achse ist durchschnittlich mit 8 Warzen 
verziert; dadurch unterscheidet sie sich von allen anderen Arten, 
die meist nur 2, selten wenig mehr besitzen. Die Pleuren zeigen 
eine Warze, wie bei A. derelida Barr., Dormitzi Barr., Roemeri 
Barr, und propinqua Barr, aus dem Obersilur, während A. Geinitzi 
Barr, aus Obersilur und A. armata Gf. aus Mitteldevon deren 
2 besitzen. Der vordere Teil der Pleuren ist mit einer Reihe feiner 
Körner versehen, die bei allen verwandten Arten fehlen; nur 
bei armata Gf. sind sie schwach angedeutet. Diese Verzierung 
der Pleuren findet sich meines Wissens sonst nur bei A. tremenda 
Barr, aus dem Untersilur wieder, aber diese Art weicht durch 
die paarigen Achsenstacheln des Rumpfes und durch das ganz 
verschiedene Schwanzschild wesentlich ab. Wenn somit unsere 
Form sich auch den Vertretern dieser Gruppe in Nordamerika 
und Europa enge anreiht, so ist sie doch durch verschiedene Merk- 
male hinreichend getrennt, um besonders benannt zu werden. 

Conularia undulata Conr. Ein einziges Exemplar. 

Trochoceras bolivianum n. sp. (Taf. XI Fig. 3). Mehrere 
Stücke, von denen das vollständigste in Fig. 3 abgebildet ist. 
Wir haben es mit einer Form aus der Gruppe des Tr. trochoides 
Barr. (Syst. sil. Boh. 2. 1867. 116. Taf. 39 Fig. 6 — 26) zu tun. 
Die Art der Einrollung und der Querschnitt der Umgänge lassen 
sich infolge der Verdrückung zwar nicht genau feststellen, aber 
die Schalenskulptur ist so wohlerhalten, daß ein Zweifel an der 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


207 


Zugehörigkeit zu dieser Gruppe nicht wohl aufkommen kann. Die 
stark rückwärts geschwungenen Rippen und die starke und regel- 
mäßige Gitterskulptur, die durch Kreuzung der stärkeren und 
entfernteren Spiralstreifen mit den feineren und dichter gestellten, 
scharfen Zuwachslinien zustande kommt, ist in keiner Weise von 
der der obersilurischen Art verschieden; sie bildet nach Barrande 
das unterscheidende Merkmal dieser Art. Man zählt an unseren 
Stücken durchschnittlich 16 Zuwachsstreifen von Rippe zu Rippe, 
aber auf der Wohnkammer steigt die Zahl bis zu 24. 

Bei den ebenfalls sehr ähnlichen Vertretern aus dem älteren 
Devon Nordamerikas, wie Tr. Clio Hall (Pal. New York. V. 2. 392) 
aus dem Schoharie grit, sind die Rippen durchgängig weniger 
stark zurückgebogen bei sonst übereinstimmender Skulptur. Bei 
diesen Formen liegt der Sipho stets nahezu zentral, während er 
bei den obersilurischen Vertretern aus Böhmen immer der Konvex- 
seite stark genähert erscheint. Bei der bolivianischen Form liegt 
er ebenfalls fast zentral, und dieses Merkmal nötigt dazu, sie durch 
besondere Namen von beiden abzutrennen. 

Loxonema gregaria Knod (1. c. 508. Taf. 23 Fig. 3). 

Ein einziges Exemplar dieser Art, die bei Icla in den Conularien- 
schichten lokal massenhaft auftritt. 

Nuculites cf. nyssa Hall var. major Clarke (Palaeoz. Fauna 
of Para. Arch. d. Mus. Nac. Rio d. Janeiro 10 . 1899. 72. Taf. 8 Fig. 9). 

Ein einziges Stück dürfte mit dieser im Amazonasgebiete 
überaus häufigen Art übereinstimmen. 

cf. Paracyclas rugosa Gf. Zwei Exemplare, von denen das 
eine stark verdrückt, lassen sich am besten mit dieser im rheinischen 
Unterdevon häufigen Art vergleichen. 

Leptocoelia flabellites Conr. Einige verdrückte, aber deutlich 
als solche erkennbare Stücke. 

Chonetes falUandicus Morr. & Sh. desgleichen. 

Crinoidenstengel (Taf. IV Fig. 5, 6). Recht zahlreich 
kommen dünne und stets spiral eingerollte Crinoidenstiele vor, 
die erst durch Auffindung des dazugehörigen Kelches genauer 
bestimmt werden können. Die einzelnen Glieder besitzen eine 
schwach tonnenförmige, gewölbte Gestalt, sind meist niedriger als 
hoch, seltener so breit wie hoch, und gänzlich unverziert. Sie sind 
nur dadurch bemerkenswert, daß derartige Reste in der normalen 
Fazies der Conularienschichten bisher nicht gefunden wurden. 


208 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Außerdem liegen noch einige schlecht erhaltene Reste von 
Orthoceras, von zwei verschiedenen Zweischaler n, von 
Brachiopoden und von einer 0 p h i u r e vor, die eine 
sichere Erkennung nicht gestatten. 

Aus der Umgegend der Mina Huayna Potosi am 
Berge Caca-Acabei La Paz erhielten wir einige Stücke in einem 
ganz ähnlichen, aber weniger dünnschieferigen und weniger stark 
gepreßten Gestein, das im übrigen dem Viloco-Vorkommen gleicht. 
Schlechte Abdrücke von Trilobiten, Con ularien und 
Brachiopoden sind darin enthalten. 

Wichtigste Literatur über Silur und Cambrium. 

1. 1907. Court y, G. : Explorations g6ologiques dans l’Amerique du Sud etc. 

Paris. 

2. 1904. Drevermann, F. : Über Untersilur in Venezuela. (Dies. Jahrb. 

1904. I. p. 91—93. Taf. X.) Vergl. dazu Salomon No. 15. 

3. 1903. Evans, J. W. : Expedition to Caupolican, Bolivia. (Geogr. Journ. 

22. 601.) 

4. 1860. Forbes, D. : Report on the Geology of South America. (Quart 

Journ. Geol. Soc. 17. 7 — 62.) 

5. 1911. Hauthal, R. : Beiträge zur Geologie der argentinischen Provinz 

Buenos Aires. (Peterm. Mitt. 1904, Heft 4.) 

6. 1906. Hoek, H. und Steinmann, G. : Erläuterung zur Routenkarte der 

Expedition Steinmann, Hoek, v. Bistram in den Anden 
von Bolivia 1903 — 04. (Peterm. Mitt. 1906. Heft 1.) 

7. 1903. Katzer, Fr. : Geologie des unteren Amazonasgebiets. Leipzig. 

p. 216—224. 

8. 1878. Kayser, E. : Über primordiale und untersilurische Fossilien aus 

der Argentinischen Republik. (Palaeontogr. Suppl. III. 
1—33. Taf. 1—5.) 

9. 1897. — Beiträge zur Kenntnis einiger paläozoischer Faunen Süd- 

amerikas. (Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 49. 275, 281— 
284, 305—308.) 

10. 1898. — Weitere Beiträge zur Kenntnis der älteren paläozoischen 

Faunen Südamerikas. (Zeitschr. deutsch, geol. Ges. 50. 
423—429.) 

11. 1907. Keidel, H. : Über den Bau der argentinischen Anden. (Sitzungs- 

ber. k. Ak. Wien. 116. 654 — 655.) 

12. 1906. Lake, P. : Trilobites from Bolivia collected by Dr. J. W. Evans 

in 1901/2. (Quart. Journ. Geol. Soc. 62. 425—430. Taf. 40.) 

13. 1904. Ochoa, N. G. : Recursos minerales de la Provincia de Huänuco. 

(Bol. C. Ing. Min. Peru. 9. 18.) 

14. 1842—46. d’Orbigny, A. : Voyage dans l’Amerique m6ridionale etc. 

III. Paleontologie. VIII. Geologie. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


209 


15. 1909. Salomon,W. : Über angebliches Untersilur in Venezuela. (Zeitschr. 

deutsch, geol. Ges. 61. Monatsber. p. 193.) 

16. 1906. Schuchert, Ch. : Geology of Lower Amazonas Region. (Journ. 

of Geol. 14. p. 722—746.) 

17. 1910. Stappenbeck, R. : La Precordillera de San Juan y Mendoza. 

(Ann. Minist. Agricult. Buenos Aires. 4. No. 3. p. 16 —23. 
184.) 

18. 1904. Steinmann, G., Hoek, H. und v. Bistram, A. : Zur Geologie des 

südöstlichen Boliviens. (Centralbl. f. Min. etc. p. 1 — 4.) 

19. 1892. Ulrich, A. : Palaeozoische Versteinerungen aus Bolivia. Beitr. 

z. Geol. u. Pal. v. Südamerika, herausgeg. v. G. Stein- 
mann. (Dies. Jahrb. f. Min. Beil.-Bd. VIII. p. 6—9.) 

20. 1906. Wood, E. M. R. : On Graptolites from Bolivia, collected by 

Dr. J. W. Evans in 1901/2. (Quart. Journ. Geol. Soc. 
62. 431—432.) 

II. Versteinerungen des Cambriums und Silurs. 

Von H. Hoek (Freiburg i. B.) 

A. Cambrium. 

1. Cuesta de Escayache zwischen Tarija u. Rio San Juan. 

Olenus cf. argentinus Kayser. 

Taf. VII Fig. 10. 

Fundort: Westabhang des Escayache-Passes in ca. 3600 m 
Höhe, am südlichen der beiden Paßwege, etwa li Stunden unter- 
halb der Paßhöhe. 

Die Fossilreste stecken — als Steinkerne — in einem mürben, 
schmutzig graugelben Sandstein, der sonst keine erkenn- 
baren Fossilien enthält. 

Erhalten sind mehrere Kopfschilde ohne die beweg- 
lichen Wangen und einige isolierte Wangen, die offenbar zu den 
Kopfschildern gehören. 

Unsere Form ist wahrscheinlich identisch mit dem Olenus 
argentinus Kayser’ s (8), jedenfalls stimmt Kayser’ s Beschreibung 
sehr gut und auch die Abbildungen seiner — sehr schlechten — 
Stücke läßt keine Unterschiede erkennen. Unsere Stücke sind 
nur etwas größer und der Occipitalring ist vielleicht etwas stärker. 

Die beweglichen Wangen seiner Form lagen Kayser 
nicht vor. Sie besitzen einen relativ breiten, nur flach gewölbten 
Randsaum, der durch eine sehr kräftige Furche abgetrennt ist. 
Die Wangenfläche selbst ist flach gewölbt und glatt. Die Wangen- 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XXXIV. 14 


210 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


stacheln sind kräftig, verjüngen sich aber rasch und sind höchstens 
von der Länge der Wange selbst. 

Kayser (9) möchte jetzt diese Form zu Crepicephalus Hall 
und Wülf. stellen, wodurch dann das obercambrische Alter der 
betreffenden Schichten nicht mehr gestützt würde. Unser Material 
scheint zugunsten dieser Auffassung zu sprechen (vergl. unter 
Conocephalites p. 211). 

2. Pampa de Tacsara zwischen Tojo und Tarija. 

Ar io n ellu s sp. 

Taf. VII Fig. 5. 

Fundort: Nordwestlich des Cerro Campanario, am Fuße 
dieses Berges, der sich östlich der Pampa de Tacsara erhebt; nicht 
weit von den Indianergehöften. 

Die Fossilien stammen aus einem braungelben, schmutzigen 
Sandstein, der außerordentlich kompakt und hart und der Prä- 
paration schwer zugänglich ist. 

Die Beste sind ungemein zahlreich, aber fast ausschließlich 
schlecht erhaltene Kopfschildstücke. 

Die Glabella ist langgestreckt, von fast zylindrischer Gestalt, 
vorne gerundet. Auf wenigen Stücken sind ein Paar schräger 
Seitenfurchen gerade noch erkennbar. Der Occipitalring ist kräftig 
und deutlich abgegliedert. 

Feste Wangen umgeben die Glabella als überall fast 
gleichbreite Area, die mit der Glabella fast parallele Ränder 
besitzt. 

Die Glabella ist stark gewölbt, fast könnte man sagen ge- 
kielt, doch ist eine genauere Formbestimmung bei der schlechten 
Erhaltung in dem groben Sandstein nicht gut möglich. 

Zwei Arten von Arionellus sind auch aus Argentinien bekannt. 

3. Tambo Guanacuno auf der Cuesta de Escayache 
zwischen Tarija und Rio San Juan. 

Liostracus sp. und Arionellus sp. 

Fundort: Unmittelbar bei dem Tambo Guanacuno. 

Gestein: Weinrot bis gelblicher , harter , etwas toniger 
Sandstein, die Fossilien nur als Abdrücke oder Steinkerne auf 
den Schichtflächen. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


211 


Mehrere einzelne Wangen mit langen Stacheln werden am 
besten mit Liostracus-Aiten verglichen. Einige Schwanzschilde, 
die im selben Gestein erkennbar sind, gehören wahrscheinlich 
derselben Art an. Sie sind breiter als lang, hinten manchmal ein 
wenig eingebuchtet und besitzen deutlich erkennbaren Rand- 
saum. Die Achse nimmt etwa J der Gesamtbreite ein, ist stark 
gewölbt, über den Seitenlappen erhoben und zeigt gewöhnlich 
fünf Ringe. Die Seitenlappen besitzen schwächer ausgeprägte, 
etwas gebogene Rippen. 

Im selben Gestein stecken in großer Anzahl noch andere 
Trilobitenreste. Es sind Kopfschilde von fast halbkreisförmiger 
Gestalt mit gedrungenen, breitzylindrischen Glabellen, die keine 
Furchen erkennen lassen. Diese Reste lassen sich ungezwungen 
mit Arionellus-Aiten (z. B. Hieronymi Kayser) vergleichen. 
Abb. 47. 

Orthis sp. Außerdem steckt in diesem Sandstein noch vereinzelt 
der Steinkern einer kleinen, unbestimmbaren Orthis. 

C o n o c e ph al it e s cf. striatus Emm. 

Taf. VII Fig. 4. 

Fundort: Bachriß unmittelbar südlich des Tambos (Über- 
nachtungshauses) Guanacuo, zwischen Tarija und Rio San Juan, 
westliche Talseite des Escayacheflusses. 

Gestein: Ein schmutziggelber, sehr harter Sandstein, fein- 
körnig und kompakt. Die Reste der Trilobiten stellen sich dar 
als Steinkerne und Hohldrucke. 

Erhalten sind eine Anzahl Pygidien von sehr verschiedener 
Größe, einige Kopfschildbruchstücke mit vollständiger Glabella, 
einige bewegliche, isolierte Wangen, sowie ein isoliertes Rumpf- 
segment. Ich zweifle nicht daran, daß alle diese Teile ein und 
derselben Art zugehören. 

Das vorliegende Material läßt sich am besten vergleichen mit 
Conocephalites striatus Emm. Sowohl Pygidium wie Glabella und 
Wangen als auch das einzelne Segment stimmen sehr gut mit der 
Beschreibung und ebensogut mit den Abbildungen Barrande’s, 
Taf. 14 Fig. 1—12 und Taf. 29 Fig. 39. 

Eine sichere Bestimmung ist aber ausgeschlossen, da die 
Steinkerne und Hohldrucke nicht besonders scharf sind und auch 
z. T. Verzerrungen erfahren haben. 


14 * 


212 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Maße des größten (vollständigen) Pygidiums: 


Breite 28 mm Spindelbreite (oben) . . 7\ mm 

Länge 14 „ Spindellänge 13 „ 


Das Vorkommen dieses Trilobiten spricht sehr zugunsten des 
mittelcambrischen Alters der Schichten. 

4. Alter der Cambrischen Fauna. 

Da alle unsere Funde in einem wesentlich gleichen Gestein 
stecken und innerhalb derselben Faltungszone auftreten, so ist 
es sehr wahrscheinlich, daß es sich bei allen auch um wesentlich 
den gleichen Horizont handelt. 

Dieser ist aber zweifellos der gleiche, der in Nordargentinien 
als einzigster Fossilhorizont des Cambriums bekannt ist. Denn 
von den in Bolivia gesammelten Formen: 

Olenus cf. argentinus Kays. Conocephalites cf. striatus Emme. 

Arionellus sp. Orthis sp. 

Liostracus sp. 

kommen alle mit Ausnahme von Conocephalites cf. striatus auch 
in Argentinien vor. Diese Form wird aber andererseits insofern 
von Bedeutung, als sie ein Glied der Fauna der Paradoxidenzone 
ist und damit die Vermutung Kayser’s bestätigt, daß der in Bede 
stehende Fossilhorizont nicht dem Obercambrium, 
wie man früher annahm, sondern dem Mittelcambrium 
angehört. 

B. Versteinerungen des Obercatnbriums oder des tiefsten 
Untersilurs. 

Salitre. 

Agnostus b oliv ianus n. sp. 

Taf. VII Fig. 6. 

Fundort: Salitre. Argentinisch-bolivianische Grenze. Bach- 
anschnitt unmittelbar südlich des Zollhauses. 

Stammt aus schwarzblauen, ziemlich grobblätterigen, glanz- 
losen Tonschiefern, die steil gestellt, aber nicht verknittert sind. 

Zwei vollständige Exemplare liegen im Steinkern vor. Kopf 
und Schwanzschild hängen noch zusammen und bei dem besser 
erhaltenen sind sogar die beiden Rumpfsegmente gut und deut- 
lich erkennbar. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


213 


Am besten stimmt die Beschreibung, die Kayser von Agno- 
stus iruyensis ([8.] 279. Taf. 7 Fig. 5) gibt, mit den vorliegenden 
Exemplaren überein, jedoch sind noch eine ganze Reihe von Unter- 
schieden vorhanden. 

Beschreibung: 

Kopfschild stark gewölbt — oben so lang wie breit, 
ganz glatt, ohne jede Spur einer Zeichnung. Besitzt sehr stark 
gerundete Hinterecken, die es fast rund erscheinen lassen. Das 
ganze Kopfschild ist umgeben von einem schmalen Randsaum. 

Schwanzschild: ebenfalls stark gewölbt. Eher etwas 
breiter als lang. 

Das P y g i d i u m besitzt gleichfalls sehr stark gerundete 
Ecken und ist auch von einem schmalen Randsaum umgeben. 
Auch das Pygidium läßt keine Zeichnung erkennen außer einer 
schwachen Trilobation, die schlecht sichtbar. Irgendwelche Spitzen 
scheinen vollständig zu fehlen. 

Segmente: schwach und zart. 

Verwandte Formen: 

1. A. iruyensis Kayser. Doch besitzt iruyensis ausgesprochene 
Ecken am Pygidium, das in der Mitte mit einem deutlichen Tuberkel 
verziert ist. Das Kopf schild von iruyensis kann zum Vergleich 
nicht herangezogen werden, da es nicht bekannt ist. 

2. A. bilobatus Barr. Doch ist diese Form länger im Ver- 
hältnis zur Breite, die Ecken des Schwanz- und Kopfschildes 
sind viel weniger gerundet. Es ist eine wenn auch schwache, 
so doch deutliche Teilung der Schilder in drei Regionen vorhanden, 
der Randsaum des Kopf Schildes ist schmäler, die Wölbung beider 
Schilder ist geringer. 

3. A. nudus Beyr. Doch besitzt nudus keinen Randsaum 
des Kopfschildes, dafür ist der Saum des Pygidiums viel breiter 
und die Segmente sind kräftiger. 

Jedenfalls haben wir es aber mit einem Agnostus zu tun, der 
der Formenreihe bilobatus-nudus sehr nahe steht — also zu den 
Agnostiden gehört, die Tullberg als Laevigati bezeichnet. 

Maße von Agnostus bolivianus: 


Ganze Länge 

Kopfschild-Länge .... 

„ Breite . . . . 
Pygidium-Länge . . . . 
,, Breite . . . . 



6 mm 


3 


214 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


P ar ab ol in eil a an di n a n. sp. 

Taf. VII Fig. 7—9. 

Fundort: Derselbe wie von Agnostus bolivianus. Während 
der Schiefer von Salitre an Agnostus ziemlich arm zu sein scheint, 
liegt ein großes Material dieser Parabolinella vor, zum Teil in 
prachtvoller Erhaltung. Das Material zur Beschreibung um- 
faßt ein vollständiges, bis ins kleinste Detail erhaltenes Exemplar, 
dem nur das Pygidium fehlt, und ein zweites komplettes Exemplar 
mit etwas verdrücktem Kopfschild. Außerdem sammelten wir 
mehrere ganze Körper teils mit, teils ohne Pygidium und Glabella, 
sowie zahlreiche kleinere Bruchstücke. 

Es ist vielleicht bemerkenswert, daß die Fundstelle bei Salitre 
außer Agnostus und Parabolinella keine Fossilien geliefert hat. 

Für die Definition des Subgenus Parabolinella verweise ich 
auf: Brögger: Silurische Etagen 2 und 3 „subgenus Parabolinella “ 
p. 102, Taf. III. 

Die Beschreibung Reed's 1 von den ihm vorgelegenen, ziemlich 
schlecht erhaltenen Bruchstücken der Parabolinella Planti Salter 
aus dem Woodwardian Museum stimmt, namentlich für Kopf und 
Pygidium, fast bis ins kleinste Detail, doch sind auch Unterschiede 
vorhanden und der Körper ist ganz anders verziert mit Stacheln, 
so daß es wohl keinem Zweifel unterhegt, daß wir es hier nicht 
mit Planti zu tun haben, wenn unsere Form der englischen auch 
offenbar nahe verwandt ist. 

Beschreibung: 

Kopfschild: Roh halbmondförmig, mit geradem Innen- 
rand und vorne in der Mitte ein wenig eingedrückter Kurve; es 
ist ungefähr 2|mal so breit als lang ( Planti 2mal so breit!). Die 
Genal-Ecken mit Stacheln versehen (siehe unten!). 

Die G 1 a b e 1 1 a ist sub quadratisch, vorne gerundet, ein klein 
wenig kürzer als sie an der Basis breit ist (Planti ein wenig länger 
als breit!). 

Sie ist flach konvex und steht höher als die Wangen, von denen 
sie durch wohlausgebildete Axialfurchen getrennt ist. Diese 
Furchen krümmen sich an dem vorderen Ende der Glabella und 
umfassen sie ganz, so daß die Glabella deutlich getrennt ist von 

1 F. R. Cowper-Reed, Woodwardian Museum Notes: Salter’s unde- 
scribed species. Geol. Mag. Dec. IV. 7. 1900. p. 303. PI. XII Fig. 1. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


215 


demflachen, eher ein wenig eingedrückten präglabellaren Teil der festen 
Wangen, der ebenso wie diese Wangen selbst vollständig unverziert ist. 

Die Oberfläche der Glabella ist glatt, ungekörnt und unverziert, 
nur versehen mit zwei Paar Querfurchen, die unter sich verschieden. 
Ein drittes noch weiter vorne gelegenes Paar ist auf einem der 
vorliegenden Exemplare vielleicht andeutungsweise verbunden, doch 
möchte ich das nicht bestimmt behaupten. 

Das hintere der beiden erwähnten Furchenpaare läuft zunächst 
rückwärts und bildet mit den Axialfurchen einen Winkel von 
+ 45°. Es bildet eine unregelmäßige Kurve, die sich in der Mitte 
der Glabella breit U-förmig erweitert. Die Entfernung der Mitte 
dieser Furche von der Nackenfurche ist ungefähr gleich der Breite 
des Occipitalringes. 

Das vordere Furchenpaar stößt gegen die Axialfurchen mit 
einem Winkel von + 70° ab. Es bildet in der Mitte eine flach 
V-förmige Linie. Der Abstand von dem hinteren Furchenpaare 
ist wieder gleich der Breite des Occipitalringes. 

Beide Furchenpaare krümmen sich unmittelbar vor den Axial- 
furchen ein klein wenig rückwärts und werden dabei auffallend 
schwächer. 

Die Frontallobe ist angenähert dreieckig, unverziert und 
nimmt etwa die Hälfte der Länge der Gesamtglabella ein. 

Die Nackenfurche ist fast gerade und trennt einen 
ziemlich breiten, starken Occipitalring ab, der mit einem kleinen 
undeutlichen Tuberkel in der Mitte verziert ist. 

Der Occipitalring ist — ganz ähnlich wie sämtliche 
Segmentalringe — deutlich in drei Felder geteilt, indem eine 
schmale schwache Furche von regelmäßig bogiger Gestalt in den 
unteren Ecken entspringt und mit ihrer höchsten Krümmung gerade 
die Nackenfurche in der Mitte berührt. Der schon erwähnte Tu- 
berkel liegt in dem mittleren Feld, gerade unter der höchsten 
Krümmung des Bogens der Furche. 

Die Augen sind eher klein als groß, halbmondförmig, ziemlich 
erhaben. Ihre Länge entspricht genau der Breite der mittleren 
Glabellenlobe. Sie sind ein ganz klein wenig höher als diese Lobe 
gelegen. Ihr Abstand von der Glabella ist genau gleich ihrer Länge. 

Eine deutliche Augenlinie verbindet das obere Ende des 
Auges mit der Mitte der Länge der Frontallobe. Eine zweite scheint 
das untere Ende des Auges mit der Mitte der untersten Lobe zu 


216 G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 

verbinden, doch ist die snur auf einer Gesichtshälfte sichtbar, und 
diese Linie könnte auch eine Bruchlinie sein. 

Die Gesichtsnaht schneidet den Yorderrand des Kopf- 
schildes in einem Winkel von + 70°. Dieser Schnittpunkt liegt 
vor der Mitte etwa um f der Breite der Glabella entfernt. (Bei 
P. Planti l|mal ?) 

Die Suturen biegen bald einwärts und führen in gerader Linie 
zum Auge, laufen in stark ausladendem Bogen um dasselbe herum 
und verlaufen fernerhin in schwach eingebogener Kurve zum 
Hinterrande des Kopfschildes, das sie in einem Winkel von + 20° 
treffen (bei P. Planti + 45°) ungefähr in | Abstand der Gesamt- 
länge zwischen Genal-Ecken und Glabellamitte. 

Ein starker Saum, von der Breite der Wangenstacheln, 
läuft vorne um den ganzen Kopf und ist durch eine tiefe deut- 
liche Furche von ihm getrennt. 

Der N a c k e n r i n g ist auch sehr deutlich, ungefähr so breit 
wie der Kopfsaum und von ca. halber Breite des Occipitalringes. 

Die Wangen sind beweglich, annähernd dreieckig. Zwei 
erhabene Linien laufen auf der linken Wange des gut erhaltenen 
Exemplares von der Mitte des Auges einmal in die Ecke und einmal 
etwa gegen die Mitte zwischen Ecke und Suturansatz. Es ist 
aber zweifelhaft, ob dies Verzierungen oder Sprünge im Gesteine 
sind. Sonst sind auch die beweglichen Wangen ganz glatt. 

Die Wangen sind ausgezogen in lange Stacheln (bei Planti 
kurz!) von 2 \ bis 3facher Länge des Kopf Schildes. Diese bilden 
einen flach nach außen gewölbten Bogen; ihr spitzes Ende liegt 
einmal in der Längslinie der Kopfschildecken, andererseits etwa 
neben dem unteren Ende des Pygidiums. 

Der Körper besteht aus 12 Segmenten (Reed gibt der 
P. Planti 15 Segmente, wovon er allerdings bloß 10 gesehen hat 
und die restlichen aus dem fehlenden Zwischenraum zwischen 
den beiden Stücken erschließt). 

Die Thoraxspindel verjüngt sich allmählich nach hinten, 
entsprechend tun das die Pleuren, die jeweils von der l^fachen 
Breite des Spindelringes sind. 

Jedes Segment der Spindel ist ähnlich gezeichnet, wie dies 
schon vom Occipitalring beschrieben wurde; die Segmente sind 
verziert mit einer kleinen Tuberkel in der Mitte und werden durch 
eine von den unteren Ecken aufsteigende Bogenlinie in drei Felder 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


217 


zerlegt. Eine Ausnahme hiervon macht nur das letzte Körper- 
segment; dieses besitzt an Stelle der Tuberkel einen langen dolch- 
artigen Stachel, der sich über das Pygidium legt und sich nach 
hinten allmählich verjüngt. Dieser Stachel hat beiläufig die Länge 
von dem ganzen Trilobiten ohne Kopfschild. 

(Bei P. Planti werden keine Tuberkeln der Segmente angegeben, 
vor allem aber auch kein Schwanzstachel.) Im übrigen ist die 
flach konvexe Spindel unverziert. 

Die Pleuren sind deutlich und charakteristisch gefurcht. 
Zwei Linien zerlegen sie der Längserstreckung nach in drei lang- 
dreieckige Felder, das mittlere Feld mit der Basis nach außen 
liegt den anderen beiden gegenüber versenkt. 

Im übrigen sind die Pleuren, wie schon erwähnt, von 1\ bis 
l^facher Breite des zugehörigen Spindelsegmentes, zeigen aber 
— genau wie P. Planti — nach hinten eine schwache Zunahme 
relativer Breite. 

Sie verlaufen bis zum Fulerum gerade und biegen dann 
plötzlich im fast rechten Winkel nach unten um. Die oberen 
sechs endigen mit einer kurzen, abwärts gebogenen, dolchförmigen 
Spitze von etwa i Pleurenlänge. 

Die unteren sechs endigen in langen Stacheln, von demselben 
Umbiegungswinkel wie die kurzen Spitzen. 

Der Pleurenstachel von Pleure 8 ist der längste, er 
erreicht ca. die 2^fache Länge der sechs hinteren Pleuren + Pygi- 
dium. Die Stacheln der Pleuren 9—12 werden wieder sukzessive 
kleiner, der der letzten ist ungefähr von der normalen Größe einer 
Spitze einer der sechs ersten Pleuren. Stachel von Pleure 9 
= Stachel von Pleure 7 ! 

Das Pygidium ist halbkreisförmig, ungefähr doppelt so 
breit als lang. Es hat einen glatten ungekerbten Rand ohne Ein- 
buchtungen oder Ähnliches und besitzt einen schmalen, aber deut- 
lich ausgebildeten Randsaum. Die Länge des Pygidiums ist un- 
gefähr die doppelte des Occipitalringes. 

Die Seitenlappen des Pygidiums lassen sein Verwachsen 
aus vier Pleurenpaaren erkennen, die durch Diagonalfurchen ge- 
trennt sind, von denen allerdings die Furchen zwischen den zwei 
vordersten Paaren bei weitem die deutlichsten sind. 

Der Verlauf der Spindel ist bei den meisten Exemplaren nicht 
zu erkennen, da der große Stachel des letzten Körpersegmentes 


218 G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 

darübergelegt ist — und die Spindel zudeckt. Nur bei einem 
einzigen Pygidium ist dieser Stachel sehr glücklich abgesprungen 
und läßt so erkennen, daß die Spindel durch vier Querfurchen 
in fünf Teile zerlegt ist. 

Als nächste verwandte Formen kommen in Betracht: 

1. Parabolinella Planti (Salter). Ähnlichkeiten oder Ab- 
weichungen im Kopf wurden schon hervorgehoben. Hauptunter- 
schied: Die langen Wangenstacheln, der lange Schwanzstachel des 
letzten Segmentes, die langen Stachelpaare der sechs letzten Segmente. 
Ein Unterschied in der Segmentzahl ist nicht ganz einwandfrei. 

2. Parabolinella rugosa Brögger. Unterschied: Glabella von 
rugosa hat drei Furchenpaare und ist in der Mitte gekielt. Die 
Furchen der Glabella sind nicht einfach, sondern teilen sich gabelig. 

3. Parabolinella limitis Brögger. Unterschied: Glabella ist 
vorne abgestutzt, drei Furchenpaare, Augen sind kleiner und 
liegen bedeutend weiter nach vorne als bei unserer Art. 

4. Parabolina spinulosa Wahlenb. Unterschiede: Glabella 
stößt beinahe an den Rand des Kopfes, die Augen hegen weit 
vorne. Der Zwischenraum zwischen Augen und Randsaum ist 
mit Linien verziert. Pygidium ist in vier Stachelpaare ausgezogen. 


Maße: 

I 

II 

III 

Trilobit ohne Schwanzstachel 

18 mm 

18fmm 

— 

» mit » 

29 „ 

mindest. 29 „ 

— 

Schwanzstachel 

14 , 

v 14 » 

— 

Länge des Kopfschildes 

5 , 

5 7) 

— 

Breite des Kopfschildes bei den Hinterecken 

14 » 

15 „ 

— 

Glabellabreite an der Basis 

5 , 

H » 

— 

Feste Wangen an der Basis 

34, 

— 

— 

Länge der Glabella 

4 , 

4 » 

— 

„ der Wangenstacheln 

15 , 

mindest. 16| „ 

— 

Länge der Stacheln des 7. Segmentes . . 

8 , 

. 11 - 

— 

Länge des Pygidium 

— 

3 , 

4 mm 

Breite „ „ 

— 

6 , 

8 , 

„ des 6. Segmentes 

4 , 

— 

— 

Abstand der Spitzen der Wangenst&cheln . 

18 „ 

— 

— 

„ der Spitzen der Stacheln des 7. Segments 

11 , 

— 

— 


Vorstehende Beschreibung der Parabolinella andina ist gemacht 
auf ein Exemplar, das als Fig. 7 auf Taf. VII abgebildet ist. Es ist 
das Exemplar 1 der Maßtabelle. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


219 


Das als No. 8 abgebildete Exemplar zeigt einige, allerdings 
recht unbedeutend abweichende Merkmale. So sind die Stacheln 
des siebten Segmentes relativ länger. Der Ansatz der Genal- 
stacheln ist ohne Knick. Die Gesamtkörperform ist etwas schlanker. 
Da aber leider Kopf und Glabella nicht genügend gut erhalten 
sind, so habe ich mich nicht für berechtigt gehalten auf diese 
kleinen Differenzen hin eine neue Art aufzustellen, und habe dieses 
Exemplar einstweilen zu Parabolinella andina gestellt. 

Es wäre ja auch möglich, bei diesen beiden so sehr ähnlichen 
Stücken an eine männliche und eine weibliche Form zu denken. 

Ling ul eil a D avisii Salter. 

Drei Exemplare aus mürbem Schiefer etwas nördlich Salitre; 
das Gestein wahrscheinlich dasselbe, aus dem Agnostus und Para - 
bolinella von Salitre stammen. 

Zwei von den drei Stücken nur als Umriß erkennbar (Länge 
ca. 7 mm, Breite ca. 6 mm), zeigen aber noch ganz gut den stumpfen 
Wirbel. 

Das dritte, bedeutend kleinere Exemplar läßt auch noch die 
zahlreichen, enggestellten Zuwachsstreifen erkennen. 

Vergl. auch Kayser’s [(9) 280, Taf. VII Fig. 6] Zeichnung: 
Beschreibung einer Lingulella cf. Davisii von Junga in Nord- 
argentinien. 

Auf eine schlecht erhaltene Lingulella sowie auf einen mäßig 
erhaltenen Agnostus kann natürlich keine Altersbestimmung der 
Schiefer von Salitre gegründet werden. 

Und auch eine neue Parabolinella- Art ist durchaus kein ein- 
wandfreies Kriterium. Immerhin scheint Parabolinella darauf hin- 
zuweisen, daß wir es mit Schichten zu tun haben, die entweder 
in das jüngste Cambrium oder in das tiefste Silur zu stellen sind. 

[C. Versteinerungen des Untersilurs. 

(Nach Fundorten in der Richtung yon S. nach N. geordnet.) 

1. Aguas Calientes (Quebrada de Reyes) W. Jujuy. 

Orthis s alt en s i s. 

Grauviolette bis grünlichweiße, quarzitische Sandsteine sind 
z. T. ganz erfüllt mit Steinkernen und Abdrücken von nahezu 
kreisförmigem Umriß. Es sind Brachiopoden, die vollkommen 


220 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


der von Kayser beschriebenen Ortliis saltensis entsprechen. Seine 
Stücke stammen aus der Provinz Salta und füllen dort ganze Bänke 
eines ähnlichen Sandsteines. Die Erhaltung ist insofern ganz 
ähnlich, als auch bei unseren Stücken gelegentlich noch „weiße, 
sich faserig ablösende“ Schalenteile beobachtet werden können. 

Megalaspis cf. pl anili mb at a Angelin. 

Außerdem ist das Gestein gespickt mit Resten eines großen 
Trilobiten. Erkennbar sind aber nur einige besonders gut erhaltene 
Pygidien. Bestimmbar sind diese nicht. Offenbar gehören sie 
dem Genus Megalaspis an und vielleicht lassen sie sich mit plani- 
limbata Ang. vergleichen. 

2. Angostura de Queta (zwischen Cochinoca und 
Rinconada in Nordargentinien). 

D i dy mo g r aptus nitidus Hall. 

Taf. XIII Fig. 8 u. 9. 

Ein schwarzblauer, sehr feinblätteriger, mürber Tonschiefer 
der eben genannten Lokalität zeigt sich auf manchen Schicht- 
flächen ganz bedeckt mit Graptolithen; doch sind diese immer nur 
als Eisenoxydüberzüge erhalten. Manche lassen aber trotzdem 
alle Einzelheiten noch recht gut erkennen. 

Diese Graptolithen weichen gar nicht ab von der HALL’schen Art. 

3. Abra de Chorcoya. 

Megalaspis ameri'cana n. sp. 

Taf. X Fig. 2—6. 

Fundort: Abra de Chorcoya, Paßübergang zwischen der 
Pampa von Tacsarä und dem Tale des Rio Escayache. 

Gestein: Ein hellgelber, verkieselter, harter, ziemlich grober 
Sandstein. 

Die Gesteinstücke sind fast ganz erfüllt mit Trilobitenbruch- 
stücken, die aber mit wenigen Ausnahmen sehr schlecht erhalten 
sind. Auch spärliche Reste von Brachiopoden sind gerade noch 
als solche erkennbar ( Orthis ?). 

Am besten konserviert sind einige Pygidien, die, obwohl ver- 
schiedener Größe, doch einer einzigen Form anzugehören scheinen. 


des Hochlandes von Boliyia und ihre Fauna. 


221 


Die Beschreibung, die Kayser [(9) 281] von einigen nicht näher 
bestimmbaren M egalaspis-Vy gidien aus dem Untersilur von Mudana 
in Nordargentinien gibt, stimmt recht gut auf unsere Stücke. 

Es sind halbelliptische Schwänze, bedeutend breiter als lang, 
mit breitem, flachem, unverziertem ganzrandigen Saum, der sich 
nach außen ein klein wenig aufbiegt. Sie besitzen eine relativ 
schmale Achse, die mit einem gerundeten, stumpfen, fast knauf- 
förmigen Ende aufhört. 

Starke Furchen trennen Achse und Seitenlappen. Sie haben 
einen ganz charakteristischen Verlauf, indem sie im unteren Ende 
der Achse nahezu parallel laufen und dann, in der Mitte etwa, 
plötzlich V-förmig nach oben divergieren. 

Die Achsenringe und Segmentalfurchen der Seitenlappen sind 
zahlreich und w r erden nach hinten allmählich schwächer. 

Besonders deutlich sind die obersten Segmentalfurchen der 
Lappen. 

Maße der Pygidien (des größten Exemplares): 


Länge des Pygidiums . 
Breite „ 

Länge der Achse . . . 
Breite „ „ oben . 


. . 20 mm 

• • 38 „ 

• • 14 „ 

• • 8 , 


Außerdem liegt noch ein Bruchstück von einem einzigen Kopf- 
schilde mit Glabella und drei Teilen der festen Wangen vor. 

Die Glabella ist stark gewölbt und vorne halbkreisförmig ge- 
rundet. Der Abstand ihres vorderen Endes von dem Rande des 
Kopfschildes ist ungefähr \ der gesamten Gabellalänge. Die Seiten- 
furchen gegen die Wangen sind nicht sehr ausgesprochen. 

Feste Wangen: Der Vorderteil ist auffallend groß im Verhältnis 
zum Hinterteil. Die Wangen laden vorne in einem halbkreis- 
förmigen Bogen stark aus, krümmen sich in einem kleinen Bogen 
zurück und springen wiederum gewölbt vor, so daß die Sutur 
eine sigmoidale Kurve beschreibt. 

Maße: 


Länge des Kopfschildes 20 mm 

Länge der Glabella 15 „ 

Breite „ „ (Mitte) 12 „ 


Halbe Glabella -f- Basis der rechten feste Backe . . 16 „ 


Nur ein 
einziges 
Exemplar ! 


Ganz ähnliche Pygidien sammelten wir aus einem rötlich- 
grauen, sehr harten Kieselsandstein von der Lokalität Aguas 


222 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Calientes in der Quebrada de los Keyes, etwa 25 km westlich von 
Jujuy in Nordargentinien. 

Diese Pygidien sind z. T. etwas größer, sie sind auch ein wenig 
besser erhalten, namentlich tritt das stumpfe, fast knaufähnliche 
Ende der Achse etwas besser hervor. 

Sowohl dieser Sandstein wie das Gestein von der Abra Chor- 
coya enthält auch spärliche Bruchstücke großer, starker Wangen- 
stacheln, die höchst wahrscheinlich demselben Trilobiten angehört 
haben. 

Kayser vergleicht das Pygidium seiner Megalaspis sp. 
mit M. planüimbata Ang. Die Pygidien sehen sich auch über- 
raschend ähnlich. Leider stimmt aber das Kopfschild unserer 
Megalaspis nicht mit planüimbata. Die Basis der Backen 
ist viel breiter als bei der ANGELiN’schen Spezies planüimbata , 
bei welcher die Basis der festen Backen nicht die Breite 
der oberen Partien erlangt, während sie bei unserer Art weit 
breiter ist. 

Trotzdem bleibt M. planüimbata die nächste Form, mit der 
sich unsere Megalaspis zusammenstellen läßt. 

4. Escayache-Kette. 

Orthis C ar aus ii Salter. 

Fundorte: 

1. CuestadeSama, etwa 1 Stunde unterhalb der Paß- 
höhe an der Ost- (Tarija-) Seite. 

2. Cuesta de Escayache, etwa 1| Stunden unterhalb 
der Paßhöhe an der West- (Guanacuno-) Seite. 

Gestein: Harter, grober, weißgrauer bis bräunlicher Sand- 
stein. Manche Bänke sind vollständig erfüllt mit den Steinkernen 
einer mittelgroßen bis großen Orthis. 

Es sind ausnahmslos Steinkerne, die uns erhalten sind und in- 
folge des grobkörnigen Materials sind auch sie nicht besonders fein 
skulptiert. 

Die Bestimmung als Orthis läßt sich mit aller Sicherheit durch- 
führen. Im übrigen gleicht unsere Brachiopode der Form, die 
Davidson (III., Taf. XXXIII, Fig. 1 — 7) als Orthis Carausii 
abbildet. Jedoch scheint die Schalenskulptur unserer Form nicht 
ganz so regelmäßig gewesen zu sein. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


223 


5. Cuesta de Erquis. 

Diese Lokalität liegt westlich von Tarija. Die „Cuesta“ — Ab- 
hang — ist der Abkürzungsweg, der die ersten großen Schleifen 
der Straße abschneidet, die von Tarija über die Abra de Sama 
nach W. führt. Der Abkürzungsweg führt durch ein ausge- 
zeichnet aufgeschlossenes Profil ziemlich steil nach 0. einfallender 
Schichten. 

Im Westen — also unten — orographisch oben — hegen 
weiße, kalkige Mergel mit einer überaus individuenreichen und aus- 
gezeichnet erhaltenen Dictyonemen-Fauna. Getrennt durch 
Schichten, aus denen wir keine Fossilien haben, folgen dann 
mächtige gelbe, graue, blaugraue weiche sandige Schiefer. Auf 
einzelnen Schichtflächen sind diese Schiefer ganz bedeckt mit 
Fossilresten. Doch ist leider alles so schlecht erhalten, haupt- 
sächlich in Gestalt verzerrter Steinkerne, daß eine Bestimmung 
gewöhnlich nur generisch möglich ist. 

As aphus cf. nob ilis Barr. 

Sehr häufig sind die Reste großer, ziemlich flacher Pygidien 
mit deutlich abgesetzter Spindel. Von einem ganzen Pygidium 
ist der Hohldruck vorhanden, leider aber so verzerrt, daß eine 
spezifische Bestimmung ausgeschlossen erscheint. Soweit die 
Erhaltung das zuläßt, ließe sich die Form am besten mit Asaphus 
nobilis vergleichen. 

Clu ei r ur us sp. 

Taf. XI Fig. 8. 

Ein weiterer Pygidium-Hohldruck — leider nur in einem 
Exemplar vorhanden — gehört einem Vertreter des Genus Cheirurus 
an. Doch ist auch hier eine spezifische Bestimmung ausgeschlossen. 

Pliomera sp. (?). 

Taf. XI Fig. 9. 

Dann lieferte diese Lokalität noch ein sehr kleines, gut er- 
haltenes Pygidium von stumpf dreieckiger Gestalt mit weiter 
Spindel, die bis an den Hinterrand reicht. Sie ist stark gewölbt 
und deutlich gegen die Seitenlappen abgesetzt und besteht aus 
6 Ringen. Der Rand der Seitenlappen ist mit unter sich gleich 


224 


G. Steinmami und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


langen, dünnen Stacheln von j Pygidiumlänge verziert. (Sichtbar 
sind deren nur 9, doch waren es wahrscheinlich 2 x 6.) 

Das einzige, womit sich dieses Pygidium vergleichen läßt, 
ist die Abbildung, die Wimann (Studien über das nordbaltische 
Silurgebiet II) gibt von Pliomera actinusa (Taf. VII Fig. 9—12). 

Dictyonema M urr ay i Hall var. t ar i j en s e 
= Dictyonema retif ormis (Hall) Courty (1) Taf. 8 Fig. 7. 

Taf. XII Fig. 1 u. 2. 

Geradezu massenhaft kommen Dictyonemen vor westlich 
von Tarija an der Cuesta de Erquis (Abkürzung des großen Weges 
auf die Abra de Sama). 

In einem weißen, harten Schiefer sind die Schichtflächen 
über und über bedeckt mit braunen Ästen ganzer Graptolithen- 
Stöcke; es sind Hohlräume, ausgefüllt mit Brauneisenstein. 

Es sind zwei Arten. Die größere stimmt in allen Merkmalen 
gut überein mit Dictyonema Murrayi Hall, sowohl mit Zeichnung 
als mit Beschreibung, nur ist unsere Art kleiner. 

Es sind große Stöcke, die in der Form eines Besens allmählich 
sich ausbreiten. Die einzelnen Äste sind stark, überall gleich 
breit, ziemlich geradlinig und verzweigen sich nur selten. Nach 
der Teilung divergieren sie nur wenig. Die Zwischenräume sind 
doppelt so breit als die Äste. Die Querbälkchen sind sehr zart 
und stehen in unregelmäßigen Zwischenräumen. Es überwiegen 
die länglich rechteckigen Fensterchen. Die Querbälkchen sind 
etwa { so dick als die Äste an den Ansatzstellen. In der Mitte 
sind sie ein wenig dünner als an den Ansatzstellen. Die Oberfläche 
scheint nicht glatt gewesen zu sein, sondern mit gewellten Wülsten 
bedeckt. 

Nur eines unserer Exemplare zeigt die Basis. 

Maße : 

Dicke der Äste -f mm 

Breite der Fenster .... 1 — 1-^ „ 

Dicke der Querbälkchen . . T v — T 2 ^ „ 

Die obere Breite eines Stockes von 7 cm Höhe beträgt 8 cm. 
Ähnliche Form: D. Murrayi Hall (Quebeck-Gruppe). 

Unterschied: 1. Alle Maße sind etwa i der HALL’schen Art. 
2. Die Zwischenräume sind relativ doppelt so breit 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


225 


Die Unterschiede sind so gering, daß man unsere Art höchstens 
als Varietät auffassen kann. 

Genau dasselbe Fossil, auch aus der Nähe Tarijas (vielleicht 
von derselben Lokalität? Denn jeder Reisende nach Tarija 
muß die Cuesta de Erquis hinab!), bildet G. Courty ab (Ex- 
plorations Geologiques dans TAmerique du Sud. Paris 1907. 
Tai. VIII Fig. 7). 

Er bestimmt sein Dictyonema als : Dictyonema retiformis Hall. 
Ein genauer Vergleich mit den HALL’schen Figuren ergibt aber 
viel größere Abweichungen von dieser Form als von D. Murray i. 
Namentlich sind die Fensterchen bei retiformis viel unregelmäßiger 
und viel mehr in die Länge gezogen als bei Murrayi und bei der 
Varietät tarijense. 

An manchen von unseren Stücken sehen die Fensterchen 
ja auch ziemlich lang aus. Man merkt aber sofort, daß es sich dann 
stets um zusammengedrückte Exemplare handelt. Vielleicht hat 
sich Courty dadurch täuschen lassen. Auf dem von ihm photo- 
graphisch reproduzierten Gesteinsstück ist das eine Dictyonema 
zweifellos auch zusammengedrückt und täuscht die länglichen 
retiformis-% hnlichen Fensterchen vor. 

Dictyonema irreg ul are Hall. 

Taf. XII Fig. 3, 4, 5. 

Zusammen mit Dictyonema tarijense kommt, ebenfalls sehr 
häufig, eine viel kleinere Art vor. 

Es sind trichterförmig auseinandergehende Stöcke mit nicht 
sehr geraden, ziemlich stark divergierenden Ästen, die sich häufig 
gabeln. 

Die Zwischenräume sind etwa 4mal so breit, als die Äste 
breit sind. Die Querbälkchen sind sehr zart und unregelmäßig 
verteilt. 

Die Fensterchen sind sehr unregelmäßig in der Form. 

Maße: 

Breite der Äste i — | mm 

Breite der Fenster 1| — 2 „ 

Dicke der Querbälkchen unter T \ „ 

I. II. III. 

Obere Breite .... 1,5 cm 2 cm 2 cm 

Höhe 1 1,2 „ 1,4 „ 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XXXIV. 15 


226 G. Steinmaim und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 

Vielleicht ließe sich zwischen unseren Exemplaren und dem 
D. irreguläre Hall ein Unterschied insofern erkennen, als die 
Querbälkchen bei unseren Exemplaren weniger zahlreich sind. 
Doch ist es auch sehr möglich, daß diese ungemein zarten Stäbchen 
in dem nicht sehr feinen Gestein nur nicht so gut erhalten sind, 
wie die festeren und dickeren Äste. 

T etr agr aptus cf. H eadi Hall (?) = D en dr o g r aptu s 
H all i an us (Prout) Court y, Taf. 8 Fig. 5 (?) 

Taf. XII Fig. 6. 

In denselben Mergelkalken, in denen die Dictyonemen stecken, 
und zusammen mit ihnen sowie in gleicher Erhaltung kommt ein 
Tetragraptus vor. 

Die Arme sind schmal und lang, die Hydrotheken sehr klein. 
Die Arme verzweigen sich noch innerhalb der Zentralplatte. 

Da aber die Zentralplatte selbst an keinem Exemplar mehr 
sichtbar ist, und da andererseits die spezifischen Merkmale der 
Unterscheidung innerhalb der Gruppe in der Zentralplatte zu 
suchen sind, so läßt sich nur die Zugehörigkeit zur „Gruppe des 
T. Headi“ aussprechen. 

Auffallend ist, daß bei sämtlichen fünf vorliegenden Exemplaren 
ein fünfstrahliger Bau auftritt an Stelle des normalen vierstrahligen. 

Die obige Bestimmung unserer Stücke (die nicht übermäßig 
gut erhalten sind) ist nicht durchaus sicher. 

Vielleicht haben wir es auch zu tun mit Pleurograptus linearis 
Carr. (Elles and Wood, Pal. Soc. Graptolites, Taf. 16 Fig. 7) oder 
Amphigraptus divergens Hall. 

6. Cuesta de Escayache bei San Lorenzo. 

P ar ab olinop sis mariana n. g. n. sp. 

Taf. VII Fig. 1—3. 

Fun dort: Cuesta de Escayache (Paß zwischen Tarija und 
Escayache-Tal), etwa f Stunden nach Beginn des eigentlichen 
Anstieges westlich des Ortes San Lorenzo, Ostabfall der nörd- 
lichsten Ausläufer der Viktoriakette. 

Gest ein: Mürber, weißgelber, kalkreicher, sehr feiner, ein 
wenig sandiger, weicher, grobblätteriger Schiefer, der Lage nach 
zweifellos untersilurischen Alters, 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


227 


Nur ein einziges Gesteinsstück aus dem Anstehenden ist in 
unserem Besitz; dieses enthält mehrere Trilobiten teils in Stein- 
kernen, teils im Hohldruck. Es sind offenbar alle die gleichen 
Spezies, nur in verschiedenem Alter und von verschiedener Größe 
(6—18 mm). 

Es sind zweifellos Vertreter der Familie der Oleniden, die 
ja ins Untersilur hinaufgeht — doch ist mit keinem einzigen Genus 
dieser reichen Familie eine genaue Übereinstimmung vorhanden. 

Die ähnlichsten Formen finden sich unter den Vertretern der 
neuen Gattung Hicksia (Delgado) und vor allem der Gattung 
Parabolina. Doch sind gegen beide auch wieder ganz wesentliche 
Unterschiede vorhanden. 

Von Hicksia unterscheidet sich unsere Gattung durch Form 
und Ausgestaltung der Glabella, durch den Besitz von Genal- 
stacheln, durch die Zuspitzung der Pleurenenden. 

Von Parabolinella unterscheidet sich das neue Genus durch 
die Glabella, die ohne eine Spur von Lobation ist, durch die ge- 
rundeten inneren Eckfelder der beweglichen Wangen, durch die 
gerundeten Pleurenenden, durch das Fehlen von langen Pleuren- 
stacheln, durch die größere Segmentzahl des Thorax, durch den 
vollständig geraden, ungebrochenen Verlauf der Pleuren und andere 
kleinere Merkmale. 

Um die nahe Verwandtschaft zu Parabolina , die namentlich 
im allgemeinen Habitus, in der Kopfform, Verlauf der Suturen etc. 
zum Ausdruck kommt, zu kennzeichnen, habe ich die neue Gat- 
tung Parabolinopsis genannt. 

Drei mehr oder weniger gut erhaltene Exemplare und un- 
bedeutendere Bruchstücke stehen zur Beschreibung zur Verfügung. 
Alle diese Beste, in ein und demselben kleinen Gesteinsstück, 
gehören offenkundig derselben Spezies an, die ich nach meiner 
Frau Mariana nenne. 

Beschreibung: Gesamtform der Trilobiten ist stumpf eiförmig, 
Trilobation ist deutlich. Genalstacheln sind vorhanden, breit, 
aber relativ klein und zart und ziemlich abstehend vom Körper. 

Das Kopfschild umfaßt etwa \ der Gesamtlänge des 
Tieres; es ist doppelt so breit als lang. 

Es ist halbkreisförmig mit in der Mitte ein wenig eingebogener 
Kurve. Diese Einbiegung zeigen zwei Exemplare sehr deutlich, 
sie scheint also nicht bloß eine Druckerscheinung zu sein. 

15 * 


228 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Der Randsaum ist schmal, aber scharf markiert, überall 
gleich breit, außer an den Genalecken, wo er ein wenig anschwillt. 
Er umgibt den ganzen Kopf. 

Die G 1 a b e 1 1 a besitzt etwa \ der gesamten Kopfbreite, 
sie ist vorne halbkreisförmig gerundet, dann von beinahe parallelen, 
sehr tiefen Axialfurchen begrenzt und ist genau von der Breite 
des ersten Rumpf Segmentes. Sie reicht nicht ganz bis zum Vorder- 
rande des Kopfes, sondern läßt ein schmales Band frei, etwa von 
der Breite des Randsaumes. Sie ist stark und regelmäßig gewölbt, 
von Lobierung zeigt sich keine Spur. Auch sonst ist die Glabella 
ohne jede Skulptur und Verzierung. Eine tiefe deutliche Furche 
trennt sie vom Occipitalring. 

Die S u t u r e n beginnen genau in den Verlängerungen der 
Axialfurchen am Kopfrande und entspringen in einem Winkel 
von +• 45°. Sie laufen in nur schwach gebogener Linie zu den 
Augen und von diesen in fast ganz gerader Linie zum Unterrand, 
den sie auf etwa f Entfernung von der Mitte der Glabella in einem 
Winkel von etwa 35° treffen. 

Die Augen sind sehr klein. Sie liegen etwa um i Kopf- 
länge unterhalb des Randsaumes; ihr Abstand von der Glabella 
ist ca. Randsaumbreite. Sie liegen genau auf derselben Höhe, 
auf der die vordere Krümmung der Glabella beginnt. 

Die festen Wangen sind klein, glatt und unverziert, 
ebenso wie das Feld zwischen Glabella und Randsaum. 

Die beweglichen Wangen sind groß und kräftige 
glatt und unverziert, nur schwach gewölbt, mit gerundeten Eck- 
feldern. Sie tragen kurze, bis zum dritten Körpersegmente reichende 
schmale und zierliche Stacheln. Die Außenlinie dieser Stacheln 
bildet mit der Außenlinie der beweglichen Backen einen sehr 
stumpfen, aber deutlich ausgeprägten Winkel.' 

Der Occipitalring ist kräftig und groß, er ist stark 
gewölbt, und in der Längsrichtung ein wenig breiter als das erste 
Körpersegment. Andeutungen eines schwachen Tuberkel glaube 
ich erkennen zu können. 

Die Spindel ist stark gewölbt und durch sehr kräftige 
Furchen von den Pleuren getrennt. 

Die Segmente sind glatte, gleich breite, nach unten nur 
kleiner werdende Ringe ohne erkennbare Verzierung, außer daß 
sie eine kleine Tuberkel getragen zu haben scheinen. 13 Segmente 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


229 


sind deutlich zu zählen, mindestens zwei weitere sind andeutungs- 
weise erkennbar. 

Die Pleuren sind jeweils von der Breite des zugehörigen 
Segmentes. Sie tragen eine am Segmente beginnende kleine, 
tiefe, deutliche dreieckige Furche. Die Furche endet nach un- 
gefähr J der Gesamterstreckung der Pleure. Eine zweite, weniger 
tiefe, lineare Furche trennt den äußeren Teil der Pleure in zwei 
ganz gleiche, jeweils stumpf gerundet endigende Lappen. 

In ihrer Gesamtheit ist die Pleure vollständig gerade, ohne 
jede Andeutung einer Knickung und ohne jegliche Verzierung 
oder sonstige Zeichnung. 

Das P y g i d i u m ist leider an keinem Exemplar erhalten. 
Es läßt sich aber mit Bestimmtheit sagen, daß es außergewöhnlich 
klein gewesen sein muß, da bereits das letzte sichtbare Segment 
des Körpers kaum die Breite der Glabella besitzt. 

7. Quechisla W. Cotagaita. 

Alle unten beschriebenen Stücke von Orthoceras bolivianum n. sp. 
entstammen einem Gesteinsstück, das Herr Ingenieur Bock ge- 
sammelt und das mir das Hamburger Museum überlassen hat. 

Orthoceras bolivianum n. sp. 

Die vorliegenden Stücke gehören einer typisch longicostaten 
Orthoceras - Form an. 

Der Schalenwinkel ist ca. 8°. 

Die Länge läßt sich nicht genau angeben, da kein einziges 
vollständiges Exemplar vorliegt. Zum allermindesten beträgt sie 
13 cm, wozu dann noch wenigstens die Wohnkammer käme. 

Die Schale ist anscheinend glatt und unverziert. Der Sipho 
hegt genau zentral und sein Querschnitt ist etwa 4 des Gesamt- 
querschnittes. Er ist schwach rosenkranzförmig aufgetrieben. Die 
Kammern stehen sehr eng gedrängt. Auf einem Stück von 50 mm 
kommen 15 Kammern, auf einem anderen von 52 mm 16 Kammern. 
Die Form der Kammerscheidewände ist ein Kreissegment von 
ca. | Höhe der oberen abschließenden Secante. Über Siphonal- 
düten läßt sich nichts beobachten. 

Gestein: Ein gelbbrauner, schmutziger, toniger, schwach 
eisenschüssiger Sandstein, der ziemlich gequält und zerdrückt ist. 


230 G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 

Erhaltungszustand: Die Hohlräume sind gewöhn- 
lich mit kristallinem Quarz erfüllt, die Schale ist Helfach durch 
Eisenoxyd ersetzt. 

Unsere Form zeigt die größte Ähnlichkeit mit Orthoceras 
emeritum Barr, sowie mit 0. nudum Barr, (beide aus dem Ober- 
silur). Doch sind immerhin noch wesentliche Unterschiede gegen 
beide vorhanden. 


8. Tambo Sivingomayo. 

0 gy gia l i qu en s i s n. sp. 

Taf. XIV. 

Von diesem schönen, großen Trilobiten besitzen wir nur ein Exem- 
plar aus einer harten, grauschwarzen Knolle, wie sie im Untersilur 
zwischen Cinti und Otavi nicht selten sind in manchen Horizonten. 

Die Knolle, der die Ogygia entstammt, wurde als Geröll in dem 
Sivingomayo (Sivingofluß) gefunden unmittelbar bei dem gleich- 
namigen Tambo. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Stück 
vom NO. -Abfall der Cordillera de Liqui stammt. Ich nenne sie 
deshalb liquensis. 

Der Trilobit selbst ist eine große Form, von der leider nur das 
Kopfschild und die Rumpfsegmente erhalten sind. Das Pygidium 
fehlt, ebenso ein Stück des Kopfschildes, doch ist genug erhalten, 
um die vollständige Form des letzteren rekonstruieren zu können. 

Beschreibung: 

Das Kopfschild ist von parabolischer Gestalt; es ist 
etwa 2|mal so breit als lang; die Genalstacheln sind kräftig und 
reichen etwa bis zum sechsten oder siebten Körpersegment, sie 
stehen nicht sehr vom Körper ab. Über ihr Ende läßt sich nichts 
sagen, da dieses bei beiden Stacheln fehlt. 

Die Glabella ist vorne gerundet, in der Höhe der Augen ein 
wenig zusammengeschnürt, um sich gegen die Basis zu wiederum 
zu erweitern. Die Breite der Glabella an der Basis ist i der Breite 
des Kopfschildes. Die Axialfurchen der Glabella entlang sind nur 
sehr wenig ausgesprochen; eine sehr flache, seichte Depression, keine 
eigentliche Furche, trennt Glabella und feste Wangen. 

Ob die Glabella bis zum Vorderrande des Kopfschildes reichte, 
ist nicht zu sehen, es scheint dies aber nicht der Fall zu sein. Die 
Glabella ist unverziert. Eine Lobation ist nicht nachweisbar. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


231 


Ein Nackenring ist sichtbar, aber nur sehr undeutlich von 
der Glabella abgesetzt. 

Die Gesichtsnähte beginnen genau oberhalb der unteren 
Ecken der Glabella am Kopfrande, sie laden ungemein stark aus 
und springen auch wieder sehr stark zurück zu den Augen, von 
wo sie wieder stark vorspringend in konvex gebogener Linie zum 
Hinterrande des Kopfschildes verlaufen. In einem Winkel von 
+ 90° stoßen sie auf den Hinterrand, etwa im mittleren Abstand 
zwischen Glabella und Genalecken. 

Auch die festen Wangen sind vollständig unverziert 
und besitzen nur am Hinterrande eine ziemlich kräftige lineare 
Depression, die scharf mit der Sutur auf hört und sich auf den 
beweglichen Backen nicht im mindesten mehr bemerkbar macht. 

Die Augen liegen etwa in mittlerer Höhe des Kopfschildes 
um Augenbreite von der Glabella entfernt und sind eher klein als 
groß ( 7 — | der Kopflänge!). Sie sind halbmondförmig, stark er- 
haben und setzen sich aus ungezählten Facetten zusammen. 

Die beweglichen Wangen mit kräftigen Wangen- 
stacheln sind groß und glatt und scheinen nur sehr wenig gewölbt 
gewesen zu sein. 

Der Körper besteht aus 8 Segmenten und ist ungefähr 
so lang wie der Kopf. 

Die Achse ist ziemlich schmal, etwa i der ganzen Breite; 
sie ist flach konvex und von angenähert parallelen Seitenfurchen 
begrenzt. 

Die Pleuren sind beinahe gerade, am Fulerum schwach 
abwärts gebogen. Das Fulerum liegt ungefähr auf halber Breite 
der Pleure. Die Pleuren sind mit einer Furche versehen, die vom 
inneren oberen Rande abwärts zur Mitte gerichtet ist. Der Teil 
der Pleure, der vom Fulerum einwärts liegt, ist glatt und unver- 
ziert — abgesehen von der Furche! — , der äußere Teil, der 
stumpf gerundet endigt, ist mit zahlreichen feinen Längsstrichen 
verziert. 

Die einzelnen Segmente der Spindel sind alle gleich ge- 
zeichnet. Eine schwach gebogene Linie verbindet die beiden 
oberen Ecken, eine entsprechend nach oben gebogene die beiden 
unteren. So entstehen 3 Felder, von denen das mittlere bikonkav 
ist. Alle Segmente sind gleich lang. 

Pygidi-uiri: unbekannt. 


232 


G. Steinmann und H. Boek, Das Silur und Cambrium 


Maße : 


Breite des Kopfschildes an der Basis . . . 185 mm 


Breite der Glabella an der Basis 


45 


Breite der festen Backen an der Basis . . 110 


Länge des Auges .... 
Breite „ „ .... 

Länge des Kopfschildes . 
Breite der Körpersegmente 
Länge „ , 

Breite der Pleuren . . . 
Länge des Thorax . . . 


±60 „ 




Als verwandte Formen kämen in Betracht: 


1. Ogygia marginata Crossfield. Quart. Journ. Geol. Soc. 2. 


2 .Ogygia Selwynii Salter, Trilobites frorn silurian and 
devonian formations. Taf. XVII. 

3. Ogygia desiderata Barrande, Systeme Silurien de Bo- 
heme. 1. Suppl. Taf. 4. 

Unterschiede: 

1. Gegen 0. marginata Crossfield: 0. liquensis ist größer, 
mindestens doppelt so groß; die Augen sehen weiter gegen den 
Vorderrand, die Glabella ist weniger deutlich abgegrenzt als bei 
marginata. Die Genalstacheln sind relativ kräftiger und auch 
länger. Die festen Backen sind an ihrer Basis relativ breiter als 
bei marginata. 

2. Gegen 0. Selwynii Salt.: 0. liquensis ist größer, der 
Kopf ^t breiter und kürzer, die Genalstacheln sind änger, die 
Glabella ist oben mehr ausladend, die Augen sind kleiner und 
liegen höher, die Glabella ist weniger abgegrenzt gegen die festen 
Backen; die Spindelsegmente sind breiter und die beweglichen 
Backen sind bei unserer Form mehr nach außen gerichtet als bei 
Selwynii; bei welcher die Achse ihrer längsten Ausdehnung viel 
steiler steht. 

3. Gegen 0. desiderata Barr.: Diese Form steht der 0. liquensis 
offenbar am nächsten. Kur sind bei liquensis die Augen kleiner 
und das Kopf schild ist flacher und breiter. Die Suturen der festen 
Wangen oberhalb der Augen sind viel stärker nach außen vor- 
springend als bei desiderata. Die Augen stehen relativ weiter 
vom Bande der Glabella w*eg und die Genalstacheln sind länger 
und stehen etw^as weiter vom Körper ab. 


1906. p. 538. Taf. XXVI. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


233 


9. San Lucas, N. Camargo. 

Endoceras sp. 

Taf. XIII Fig. 1. 

Eine spezifisch nicht bestimmbarer Rest. 

10. Otavi, SO. Potosi. 

Diplograptus Whitefieldi Hall. 

Taf. XIII Fig. 2, 3. 

Unsere Stücke stammen aus losen Quarzschiefergeröllen von 
dem Orte Otavi (westlich der Kordillere de Liqui, östlich der Cor- 
dillera de Potosi). 

Die meisten Exemplare sind nur als schwarze, zusammen- 
gedrückte Überzüge vorhanden. Einige zeigen aber eine pracht- 
volle plastische Erhaltung. 

Bei den Exemplaren, die als hornige Überzüge erhalten sind, 
tritt uns das gewohnte Bild entgegen, wie es von Hall, Nicholson, 
Frech etc. von dieser Art entworfen wird: Eine deutliche Virgula 
und mehr oder minder alternierende Hydrotheken, deren unterer 
Rand zu einem verhältnismäßig langen Stachel ausgezogen ist. 

Die plastisch erhaltenen Exemplare lassen deutlich erkennen, 
daß die Hydrotheken paarig und nicht alternierend angeordnet 
sind. Die zusammengedrückt als Stachelvorsätze erscheinenden 
Gebilde waren schlauchartige Verlängerungen der Hydrothekspitze. 
Die Schläuche tragen an ihrem äußeren Ende runde kleine 
Bläschen (vergl. Fig. 2). Zusammen mit diesem Diplograptus 
finden sich massenhafte Bruchstücke eines großen^ Trilobiten ; sie 
scheinen einer Megalaspis- Art zuzugehören. 

11. Pampa de Otavi zwischen San Bartolo und Mataca. 

Megalaspis matacensis n. sp. 

Taf. XII Fig. 6, 7. 

Fundort: Nördliche Fortsetzung der Pampa de Otavi, 
kleiner Hügelzug zwischen dem Sandsteinzuge von St. Bartolo 
und dem Tale des Ornomayo — etvra halbwegs St. Bartolo-Mataca. 

Gestein: 1. Harter quarziger Sandstein, durch Eisen- 
oxyd rot gefärbt. Das Gestein ganz durchspickt mit Trilobiten- 


234 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


resten, die regellos darin verteilt sind. Und zwar scheint nur 
Megalaspis darin zu sein. 

Pygidien und Glabellen gewöhnlich ganz leidlich erhalten als 
Steinkerne, die dick mit rotem Eisenoxydstaub bedeckt sind und 
sich beim frischen Bruch leuchtend von dem grauroten Unter- 
gründe abheben. 

2. Grauer, etwas glimmeriger, ungemein harter Sandstein. 
Die Reste darin spärlicher als in dem roten Sandstein, aber auch 
regellos als Bruchstücke darin verteilt. (Enthält auch noch 
Brachiopoden!) 

Beschreibung: Es liegen eine Menge Kopfschildbruch- 
stücke vor, darunter auch ganze Glabellen mit Augen und festen 
Wangen, aber leider kein einziger ganzer Kopf. Die Glabella ist 
fast zylindrisch, stark gewölbt und vorne halbkreisförmig. Der 
Abstand ihres vorderen Endes von dem Rande des Kopfschildes 
muß ziemlich groß sein, ist aber an keinem Exemplar genau zu 
sehen. Die Seitenfurchen gegen die Wangen sind nicht übermäßig 
tief, immerhin gut erkennbar. Eine flache Lobation ist an allen 
Glabellen sichtbar. Die Nackenfurche ist ziemlich deutlich, der 
Näckenring ist relativ schmal, wenig gewölbt. 

Die halbkreisförmigen Augen liegen der Axialfurche sehr 
genähert am Ende der oberen Drittel und der Glabella. Sie sind 
relativ Mein. Die festen Wangen sind auffallend Mein. Ihr unter 
den Augen gelegener Teil ist fast dreieckförmig. Die Gesichtsnaht 
läuft von dem unteren Augenwinkel als fast gerade Linie gegen 
den unteren Rand des Kopfes und trifft ihn im Winkel von ca. 45°, 
etwa um \ Glabellabreite von der Axialfurche entfernt. 

Die beweglichen Wangen sind flach gewölbt, ohne Verzierung. 
Der Saum an ihnen ist deutlich und relativ breit. Der Unterrand 
bis zu den Genalecken ist ungefähr von der Breite des Unter- 
randes der festen Backen, so daß die gesamte Kopfbreite = 3 Gla- 
bellenbreiten sein würde. Die Genalecken sind in Stacheln aus- 
gezogen, die ungefähr dieselbe Länge haben wie eine Linie vom 
Auge bis in die Genalecke. Die Genalstacheln bilden mit dem 
Kopfaußenrande keinen Winkel, sind relativ schwach und ver- 
jüngen sich allmählich. 

Das Pygidium ist angenähert halbkreisförmig. Die Spindel 
ist am oberen Rande von ca. \ Pygidiumbreite, sie verjüngt sich 
allmählich gegen unten und endet stumpf gerundet.. Ein breiter 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


235 


flacher Saum von überall gleicher Breite umgibt das ganze Pygi- 
dium und umfaßt auch das Ende der Spindel. Die Spindel besteht 
aus mindestens 16 kräftigen Ringen, sie ist kräftig gewölbt und 
gut von den Seitenlappen abgesetzt. Die letzteren sind auch 
deutlich gewölbt. Eine Segmentierung ist an ihnen nur andeutungs- 
weise wahrnehmbar. 

In der Mitte, unterhalb der Spindel, zeigt der sonst genau 
kreisbogenförmige Verlauf des Saumes eine schwache Einstülpung 
nach innen. 



Maße : 




Köpfe: 

1. 

2. 

3. 

4. 

Glabellalänge 

. 17 

18 

24 

— 

Glabellaweite 

. 14,5 

131 

17 

— 

Basis der festen Backen . 

. 8 

8 

— 

— 

Augenlänge 

. 3 

— 

— 

— 

Nackenringbreite . . 
Bewegliche Wange 

. 2 



- 

Aucre-Genalecke . . . 

. — 

— 

— 

14 

Stachel 

. — 

— 

• — 

13 

Randsaumbreite . . . 

• — 

— 

— 

3 

Pygidien: 

1. 

2. 

3. 

4. 

Breite 

. 57 

— 

— • 

— 

Länge 

. 20 

22 

18 

12 

Spindelbreite (oben) . . . 

. 11 

lli 

9i 

6 ¥ 

Spindellänge 

. 16i 

181 

14i 


Breite des Saumes . . . 

3* 

31 

3| 

3 


12. Escaleraspass zwischen Mataca und Tambillos. 

As aphus cf. tyrannus Murchison. 

Taf. X Fig. 1. 

Fundort: Eine Lokalität im Quellgebiet des Pilcomayo 
zwischen Mataca und Tambillos; die Fundstelle liegt direkt unter- 
halb und südlich des Passes „Escaleras“. 

* Gestein: Grüngelber, kalkiger Sandstein mit einigen 

Tonblättern. In einer solchen Toneinschaltung liegt der Steinkern 
eines großen Asaphiden-Pygidiums. Auch sonst Trilobitenreste 
und Gomphoceras ? 

Die obere Breite beträgt mindestens 9 cm, die Länge 
mindestens 7 cm (wahrscheinlich sind beide Maße zu klein). 

Dieses Pygidium läßt sich recht gut mit Asaplnus tyrannus 
Murch. vergleichen. Ein Unterschied läge vielleicht nur in der 


236 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Stellung der Rippen auf den Seitenlappen, die bei A. tyrannus 
einen stumpferen Winkel mit der Spindel zu bilden scheinen, als 
bei unserem Exemplar. 

A. tyrannus liegt in England im Llandeilo. 

As aplius Powisii Murchison. 

Von derselben Lokalität und aus demselben Gestein, wie das 
Pygidium, das ich mit Asaphus tyrannus vergleiche, stammt der 
Hohldruck eines zweiten großen Pygidiums. 

Die Breite dieses Pygidiums ist 8,7 cm, die Länge 5 cm, doch 
scheint das Stück zusammengedrückt zu sein. 

Der Erhaltungszustand läßt viel zu wünschen übrig. Vielleicht 
läßt sich unser Stück passend mit A. Powisii Murch. vergleichen. 
Auch ein kleines Pygidium, das in demselben Gesteinsstück steckt, 
läßt sich ganz gut mit der Jugendform von A. Powisii vergleichen, 
wie sie Salter auf der gleichen Tafel (23) mit dem erwachsenen 
Exemplar abbildet. 

A. Powisii liegt in England in den Bala-Schichten. 

13. Sucre, einige Meilen O. der Stadt. 

Endo cer as sp. 

M eg alaspis ( matacensis n. sp. ?). 

Drei spezifisch unbestimmbare Fossilien aus der Nähe Sucres 
lassen sich generisch wenigstens zweifellos als Endoceras bestimmen. 
Ein viertes Stück (von St. Lucas) gehört wahrscheinlich derselben 
Form an. 

Es ist eine longicostate, große Form mit deutlich randlich 
gelegenem, großem Sipho (vergl. Taf. XIII Fig. 1). In einem 
Sipho ist der Spieß noch gut erkennbar. 

Ges tein : Ein toniger, eisenschüssiger Sandstein, der oft ganz er- 
füllt ist mit Trilobitenresten, unter denen nur Megalaspis sicher er- 
kennbarist. Wahrscheinlich Megalaspis matacensis n. sp. (vergl. p. 233). 

14. Cerro Pocotaica bei Capinota (S. Cochabamba). 

Tr inucle us Kr u e g er i n. sp. 

Taf. X Fig. 7, 8. 

Fundort: Cerro Pocotaica, nahe dem Orte Capinota im 
Flußgebiete des Rio Arque. 


des Hochlandes von Bolivia. und ihre Fauna. 


237 


Gestein : Ein mürber, etwas schieferiger, trübroter, feinkörniger 
Sandstein. Das Gestein ist lagenweise ganz erfüllt von Fossilresten. 

Köpfe, auch ein Pygidium von Trinucleus,. ferner Zweischaler, 
Homalonotus und Asaplius. Besonders häufig sind Hohldrücke 
von Trinucleus-Köpien. 

Beschreibung. Zur Beschreibung stehen zur Verfügung 
nur eine größere Anzahl von Köpfen, von denen leider kein einziger 
tadellos erhalten ist, die sich aber gegenseitig recht gut ergänzen. 
Körpersegmente oder ganze Körper leider gar nicht. Ein einziges 
Pygidium, das wohl höchst wahrscheinlich derselben Art angehört, 
wie die vielen Köpfe. 

Die äußere Begrenzung des Kopfschildes ist halbkreisförmig, 
ein wenig in die Breite gedrückt. Diese Linie reicht von Genaleck 
bis Genaleck, macht an den Ecken einen stumpfen Winkel von 
ca. 160°, so daß die Genalstacheln scharf vom Kopfschild abgesetzt 
erscheinen, so daß eine deutliche Trennung zwischen Limbus und 
Genalstacheln vorhanden ist. 

Die Wangennaht ist deutlich, ebenso sind die Wangen und 
die Glabella von dem Occipitalring durch eine ziemlich tiefe 
Furche gut getrennt. Der Occipitalring ist nicht breit, eher 
schmal und ziemlich schwach. 

Die Glabella; sie ist durch tiefe Furchen von den beiden 
Wangen getrennt und überragt dieselben ganz wesentlich. Ihre 
Erhöhung über die Wangen ist fast gleich ihrer maximalen Breite. 
Die Breite ist im Maximum ca. der größten Breite des Kopf- 
schildes. Die Glabella ist eiförmig, derart, daß das stumpfe Ende 
nach vorne gerichtet ist und so die Furchen gegen die Backen nach 
hinten etwas konvergieren. 

Der Kulminationspunkt liegt im vorderen Drittel. 

Die Begrenzung der Glabella gegen die Wangen sind un- 
gebrochene, fast gerade, wenig gebogene Linien. Die Glabella 
selbst dacht sich nach hinten allmählich ab und zeigt keine Spur 
einer Lobation. Die Backen sind fächerförmige Flächen, mit der 
Spitze gegen das untere Ende der Glabella gerichtet. Ihre Ober- 
fläche ist für jede etwa die lj fache der Glabella. Die Wangen 
sind mäßig aufgewölbt, haben ihre höchste Wölbung unmittelbar 
neben der Axialfurche, senken sich dann allmählich und biegen sich 
gegen die Gesichtsnähte wieder etwas in die Höhe. Sowohl Glabella 
wie Wangen sind mit zahlreichen minutiösen Pünktchen verziert. 


238 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Der Limbus ist nicht breit. An seiner breitesten Stelle direkt 
oberhalb der Glabella ist die Breite des Limbus ungefähr gleich 
der Glabellarbreite. Von da verengert er sich beiderseitig gegen 
die Genalecken, wo das perforierte Feld des Limbus aufhört. 

Der Limbus von sämtlichen der Untersuchung zur Verfügung 
stehenden Exemplaren zeigt ausnahmslos nur zwei Reihen von 
ziemlich groben Perforationen. Die Löcher liegen radial direkt 
untereinander und ihr Zwischenraum nimmt gegen die Genalecken 
hin allmählich ab. 

Der überall gleich breite, etwas aufgebogene, kräftige Rand- 
saum des Limbus verschmilzt an dem Genaleck mit dem hinteren 
Randsaum des Kopfschildes zu einem kleinen dreieckigen Felde, 
das sich in die Genalstacheln verlängert. Die Genalstacheln sind 
an der Ansatzstelle von ungefähr halber Glabellarbreite. Die 
Stacheln verjüngen sich ziemlich rasch und scheinen nicht sehr 
lang gewesen zu sein, doch ist keine einzige intakt erhalten. 

Rumpf: Unbekannt. 

Pygidium: Kur ein einziges Exemplar. Es ist 3jmal 
so lang wie breit, besitzt eine kräftige Spindel, die bis zum Ende 
durchgeht, aber nicht in einen Stachel ausläuft. Die Spindel ist 
etwa von i Pygidienbreite, sie besteht aus mindestens 8 Segmenten 
— die letzten sind undeutlich — und ist durch kräftige Furchen 
von den Seitenlappen abgesetzt. 

Die Gesafntgestalt des Pygidiums ist stumpf dreieckig; der 
obere Rand ist eine gerade Linie. Von dem obersten Spindelringe 
laufen gekrümmte Linien gegen den Außenrand der Lappen und 
treffen diesen in ca. | Abstand von der unteren Spitze; dadurch 
entstehen unter dem oberen Rande auf jedem Lappen eine fast 
dreieckige Fläche. Von den folgenden Spindelringen gehen ent- 
sprechende, aber nach unten zu allmählich schwächer werdende 
Segmentierungslinien über die Pygidienlappen. Deutlicher, schma- 
ler, aufgewölbter Randsaum. 


Maße. 

I. II. III. IV. V. VI. 

Kopfschildbreite 11 20 14 11 11 9 mm 

Länge 5 ? 7 6 T 

Glabellabreite 2^ 3| 3 3 2\ 2} r 

Länge 3£ 6 3| 3f 3| r 

Entfernung der Wangenenden an 

der Basis 9 ? 12 ? 9 7,, 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


239 


Pygidiumbreite 1 \ mm 

Pygidiumlänge 2f „ 

Spindelbreite (oben) ... 2 „ 

Spindellänge 2f „ 

Ähnliche Formen: 

1. Trinucleus ornatus Stern b. 

Unterschiede: Der Limbus von Tr. ornatus zeigt beim 
erwachenen Individuum eine große Anzahl von Perforationsreihen, 
bei „Kruegeri“ nur zwei. Die größte Breite des Limbus liegt bei 
„ ornatus “ in der Verlängerung der Wangenbasis — bei „Kruegeri“ 
in der Glabellaachse. Die Perforationen des Limbus reichen bei 
„ornatus“ bis unmittelbar an den Rand, bei „Kruegeri“ ist ein 
deutlicher Saum vorhanden. Überhaupt Limbus viel breiter bei 
ornatus als bei unseren Formen. 

2. Trinucleus Bureani Oehlert, Bull. Soc. Geol. de France. 
3. Serie 23. Taf. I Fig. 1—15, Taf. II Fig. 16-24. 

Unterschiede: Tr. Bureani besitzt einen Limbus mit 
zahlreichen Perforationsreihen. Die größte Breite des Limbus auf 
der halben Entfernung zwischen Mitte und Genalecken. Limbus 
viel breiter als bei „Kruegeri“. Limbus an den Genalecken in die 
Stacheln ein wenig mit Perforationen fortsetzend. Glabella im 
Verhältnis zu den Wangen größer als bei „Kruegeri“. 

Die Furchen zwischen Glabella und Wangen weniger aus- 
geprägt als bei Kruegeri. Saum des Limbus verhältnismäßig- 
schmäler als bei Kruegeri. 

Sowohl gegen Tr. ornatus wie Bureani sind eine Reihe 
durchgreifender Unterschiede vorhanden , die das Auftreten 
einer neuen Spezies vollkommen rechtfertigen. Immerhin steht 
Tr. Kruegeri dem Tr. ornatus bedeutend näher als der franzö- 
sischen Form. 


Calymene diademata Barr. 

Taf. XIII Fig. 4—7. 

Die Überreste, die ich mit Calymene diademata vergleiche, 
stammen von derselben Lokalität wie Trinucleus Kruegeri ; der- 
selbe tonige schieferige Sandstein enthält in bunter Mischung die 
Reste der beiden Trilobitenarten. 

Von Calymene haben wir leider nur eine Anzahl Pygidien 
und diese auch ausschließlich nur als Hohlform. Nur ein einziges 


240 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


kleines Exemplar ist positiv erhalten. Zwei Glabella-Hohldrucke 
aus demselben Gestein, die sich auch am besten mit C. diademata 
vergleichen lassen, gehören vielleicht derselben Art an. 

Bei der höchst mangelhaften Erhaltung lohnt es sich nicht, 
eine genaue Beschreibung des dürftigen Materials zu geben. Die 
Zeichnungen sind nach Wachsabdrücken hergestellt. 

Hinweisen muß ich nur darauf, daß die Pygidien eine 
einzige kleine Abweichung zeigen gegen „ diademata das ist 
eine etwas gestrecktere Gesamtform; dieses kann aber auch 
eine Täuschung sein, da die Pygidien offenbar ziemlich zusammen- 
gedrückt sind. 

Chasmops cf. bucculenta Sjögren. 

Ein zur Hälfte erhaltenes Pygidium. Die starke Wölbung 
und die ausgesprochenen Ringe der Achse sind gut erkennbar. 
Ebenso die für Chasmops charakteristische Gesamtgestalt des 
Schwanzschildes sowie das eigentümliche knickartige Umbiegen 
der obersten Furchen der Seitenlappen, die die unteren beinahe 
einschließen. 

A s aphu s sp. (?) 

Einige Bruchstücke von großen mit Stacheln versehenen 
Wangen, die wahrscheinlich zu Asaphus gehören. 

0 r th o th et e s sp. 

Zahlreiche Bruchstücke und der Abdruck einer gut erhaltenen 
Ventralschale. Das Schloß ist so gut sichtbar, daß die Bestim- 
mung des Stückes als Orthothetes ganz sichersteht. 

B eil er o p hon sp. (?) 

Ein einziger kleiner Steinkern. 

15. Cochabamba. 

Fundort: Etwa 3 km südlich der Stadt an der Straße 
nach Arani. 

Gestein: Rötlich bis gelblich gefärbter, außerordentlich 
harter, sehr feinkörniger Quarzit. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


241 


N u cula sp. 

Taf. XI Fig. 5. 

Das Gestein ist stellenweise ganz durchsetzt von den Hohl- 
räumen der verschwundenen Schalen. Auf manchen Spaltflächen 
flächen treten die Hohlgüsse der Muschel sehr schön mit allen 
Einzelheiten zutage. Es ist eine im Gesamthabitus ovaloide 
Nucula- Form mittlerer Größe. Der winkelige Schloßrand mit den 
divergierenden Kerbzähnchen ist oft gut erkennbar, ebenso die 
beiden symmetrisch gelegenen einfachen Muskeleindrücke. 

16. Fauna der IAny u la - Schiefer in Nordostbolivia. 

Der Horizont der Lingula-Schieier, der dem oberen Unter- 
silur angehört, hat fast überall, wo er angetroffen und durchsucht 
wurde, Fossilien geliefert. Hinter den herrschenden hornschaligen 
Brachiopoden treten andere Reste freilich sehr zurück: Homalono- 
tus, Orthis und Area. Cruziana jurcifera d’Orb. ist hauptsächlich 
dem liegenden Bilobitensandstein eigen, kommt aber auch gelegent- 
lich mit Brachiopoden zusammen vor. In diesen Fällen handelt 
es sich wahrscheinlich um die Grenzlagen zwischen den beiden Ab- 
teilungen, die lithologisch nicht scharf geschieden werden können. 
Scolithus- Röhren sind im Lingula-Schieier weit verbreitet, aber 
meist sehr undeutlich erhalten. 

Die Fossilien fanden sich an folgenden Punkten: 

Palca del Tunari bei Cochabamba. 


1. Homalonotus sp. 

2. Lingula Muensteri d’Orb. 

3. Cruizana cf. für cif er a d’Orb. 

4. Orthis sp. 

5. Lingula cf. Rouaulti S alter 


6. Siphonotreta sp. 

7. Tunaria cochaibambina n. g. 

n. sp. 

8. Pizarroa quichuana u. g. n. sp. 


M ö 1 i n o , 0. Cochabamba, 

1. Lingula Muensteri d’Orb. 

2. Lingula boliviana n. sp. 

jj'yDi.i'.' i 1 1 iO 

C- ö m b a t e bei Tarabuco, SO. Sucre. 

»lohe ■ . <>;• i ' 

1. Lingula Muensteri d’Orb. 

2. Lingula lineata n. sp. 

3. Lingula ellipsiformis n. sp. 

N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beilageband XXXIV. 


16 


242 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Totora pampa, Kkurikette zwischen Mizque und Cocha- 
bamba. 

1. Lingula Muensteri d’Oeb. 5. Orthis cf. emacerata Hall? 

2. Homalonotus Bistrami n. sp. 6. Bistramia elegans n. g. n. sp. 

3. Area gracilis n. sp. 7. Bizarr oa guichuana n.g. n. sp. 

4. Orthis cf. Edgelliana Salter 

Iscaipata bei Cochabamba, 

1. Homalonotus Bistrami n. sp. 

T a q u i n a. 

1. Lingula ellipsiformis n. sp. 

Mazocruz. 

1. Tunaria codiabambina n. g. n. sp. 

Tambillos, Oberlauf des Pilcomayo, SO. Sucre. 

1. Lingulepsis sp. (?) 

2. Crusiana furcifera d’Orb. 

Escaleras bei Jujuy, Sierra de Zaplas. 

1. Lingula lineata n. sp. 

2. Lingula inornata n. sp. 

Genus : Siphonotreta. 

Taf. VIII Fig. 11. 

Ein spezifisch unbestimmbares Exemplar aus hartem, dunklem 
Schiefer (Lingulla- Schiefer) von der Palca di Tunari. 

Eine ähnliche Form, Adelleicht mit unserer ident, hat schon 
Ulrich [(19) 6] aus diesem Horizont von Pocona zwischen Cocha- 
bamba und Sta. Cruz beschrieben. 

Genus : Lingula. 

Von verschiedenen Fundorten haben wir eine Reihe von 
Lingulen. Es sind gut erhaltene, außerordentlich schlanke, z. T. 
reich verzierte Formen. In der reichhaltigen Bibliothek des geo- 
logischen Institutes in Freiburg habe ich diese Formen nicht finden 
können und mache daher neue Spezies daraus. Es muß aber 
darauf hingewiesen werden, daß vielleicht die eine oder andere 
Form schon in einer der schwer zugänglichen amerikanischen 
oder australischen Zeitschriften beschrieben ist. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


243 


Lingula M neuster i d’Orb. 

Taf. VIII Fig. 6, 7, 8. 

d’Orbigny (14), p 28. Taf. 2 Fig. 5. 

Ulrich (19), p. 7. 

Fundorte: 

1. Zwei Exemplare von der P a 1 c a westlich vom Haupt- 
gipfel des T u n a r i bei Cochabamba, in einem blaugra.uen, harten, 
schaligcn Schiefer; die chitinöse Schale ist gut erhalten; Wirbel 
nicht sichtbar. Zusammen vorkommend mit sehr schön erhaltenen 
Bilobiten , spezifisch unbestimmbaren Zweischalern und einem 
Homalonotus. 

2. Zwei Exemplare von Molino, Cochabamba; in einem 
gelblichbraunen, bröckeligen, tonigen Schiefer; die chitinöse Schale 
gut erhalten. Bei einem ist ein Stück Wirbel sichtbar. 

3. Ein Exemplar (mit der Innenseite freiliegende Dorsal(?)- 
klappc) von Totoropampa (W. Cochaßamba). Gestein wie 
das von Molino. 

d’Orbigny traf sie bei Tacopaya, Palta-Cueva (Cochabamba) 
und Yucaracs. Steinmann sammelte sie 1884 zwischen Vacas 
und Potora. 

Beschreibung: Schale bei ausgewachsenem Exemplar 
etwa 4-2 cm lang und cm breit. (Verhältnis 3 : 1.) Junge 
Exemplare sind verhältnismäßig breiter. Der allgemeine Umriß 
ist gestreckt keilförmig. Der Stirnrand ist gerade mit stark ge- 
rundeten Ecken. Die Seitenränder verlaufen in den unteren 
|- nahezu parallel. Die blaugraue Oberfläche ist bedeckt von 
zahllosen sehr feinen, aber deutlich sichtbaren Zuwachsstreifen. 
Die kräftigen Furchen laufen vom Wirbel bis zum Stirnrand. 
Die linke und rechte tiefer und breiter als die mittlere. 

Ihre Breite ist am Stirnrand etwa \ — J der Sehalenbreite. 

Die beiden seitlich liegenden Schalenteile sind noch einmal 

durch eine schwache Depression des äußeren Teiles in zwei Felder 
geteilt. 

Die feine Streifung, die d’Orbigny für Lingula Muensteri 
angibt, scheint an meinen Stücken zu fehlen. Dies dürfte aber 
wohl nur im Erhaltungszustände begründet sein. 

Bei zunehmendem Alter und Größe tritt diese Skulptur deut- 
licher in Erscheinung. 


244 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Lingula l ine ata n. sp. 

Taf. VIII Fig. 1. 

Fundorte: Zwei Exemplare von Com bäte, in einem 
etwas tonigen Sandstein. Bei beiden Exemplaren fehlt leider 
der Stirnrand. 

Ein Exemplar aus der Sierra de Z a p 1 a s bei Jujuy, in 
einem ganz ähnlichen, nur noch tonreicheren Sandstein; bei diesem 
Exemplar fehlt der Wirbel. 

Beschreibung: Schale des größten Exemplares etwa 
3| mal lj cm. Der allgemeine Umriß ist langgestreckt eiförmig. 
Der Stirnrand ist gerundet, die Seitenränder laufen in para- 
bolischem Bogen zum Wirbel. Zuwachsstreifen sind nicht erkenn- 
bar. Dagegen ist die Schale verziert mit zahlreichen feinen 
Längsstreifen. In der Mitte verlaufen drei gleich tiefe, fast linear- 
schmale Furchen, die im ganzen ein Feld von f der Schalenbreite 
einschließen. Dieses Feld ist frei von den Längsstreifen. 

Lingula in o r n at a n. sp. 

Taf. VIII Fig. 2. 

Fundort: Zusammen mit Lingula lineata in der Cor - 
dillera de Zaplas (Jujuy). Ein einziges Exemplar. 

Beschreibung: Schale sehr lang gestreckt, mit geradem 
Stirnrand, dessen Ecken abgerundet sind. Sehr spitz zulaufender 
Wirbel. Schwach parabolisch gekrümmte Seitenränder. Keine 
Zuwachsstreifen sichtbar. Keine Furchen auf der Schale, wohl 
aber sehr feine Längsstreifen über die ganze Schale weg. 

Maße: Länge 3 cm, Breite 1 cm 

Lingulabolivianan. sp. 

Taf. VIII Fig. 3. 

Fundort: Molino (östlich Cochabamba). 

Gestein: Ein schmutzig graubrauner, toniger Schiefer, 
der ziemlich verdrückt ist. Außer unserem gut erhaltenen Fossil 
finden sich in dem Gestein noch viele Schalenfragmente von anderen 
Brachiopoden und von unbestimmbaren Z weischalern. 

Beschreibung: Die Schalenform ist die eines Finger- 
nagels, bloß daß der Wirbel spitzer ist als die Nagelwurzel. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


245 


Der Stirnrand ist gleichmäßig gerundet. Die Seitenränder sind 
kontinuierlich gebogen. Die Schale zeigt eine doppelte Skulptur: 
einmal deutlich hervortretende konzentrische Zuwachsstreifen von 
ungleichmäßiger Dicke, zweitens eine ganz feine Radialverzierung 
in Form von ganz zarten geraden Linien, die, vom Wirbel aus- 
strahlend, schwach divergierend bis zum Stirnrand verlaufen. 

Maße des einzigen Exemplars: Länge 19 mm, Breite 9,5 mm. 

Lingula ellipsif ormis n. sp. 

Taf. VIII Fig. 4. 

Fundorte: 

1. C o m b a t e , in einem glimmerig-tonigen, gelblichen Sand- 
stein, zusammen mit unbestimmbaren Zweischalern. 1 Exemplar. 

2. Taquina, in einem harten, etwas sandigen, dunkel 
graublauen Schiefer, zusammen mit zahlreichen Fragmenten von 
unbestimmbaren Brachiopoden und Zweischalern. 

Beschreibung: Schalenform ist eine etwas gestreckte 
fast rein ausgebildete Ellipse. Beide vorliegenden (Dorsal?) Schalen 
sind stark gewölbt, mit einer kräftigen, etwa um J der Schalen- 
länge unterhalb des Wirbels beginnenden Furche versehen. Längs- 
streifen sind nicht erkennbar. 

Zuwachsstreifen sind nur an den Seitenrändern und dem 
Stirnrand sichtbar, treten da aber fast wulstartig verdickt hervor. 

Maße: Länge 2,3 und 1,7, Breite 1,15 und 0,85 mm. 

Lingula cf. R o u auflt i Salter. 

Taf. VIII Fig. 10. 

Fundort: 1 Exemplar von der Palca del Tunari. 
Erhalten ist die Dorsalschale, die ihrer ganzen Form nach sich 
recht gut mit Rouaulti Salter vergleichen läßt. 

Lingulepis sp. 

Taf. VIII Fig. 5. 

Fundstelle: Tambillos im Quellgebiet des Pilco- 
mayo. 

In etwas schieferigen Lagen eines harten, rötlichgelben, quar- 
zitischen Sandsteines finden sich zahlreiche Brachiopoden und 
Trilobiten-Fragmente. Das einzige, einigermaßen erkennbare Fossil 


246 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


ist eine Lingulepis sp., die in der Gestalt etwa an Lingulepis pinni- 
formis Owen erinnert. Der Sandstein ist im übrigen außerordent- 
lich reich an Trilobiten. 

Unsymmetrische Lingulacea. 

An mehreren Orten haben wir in den Lingula- Schiefern Reste 
von hornschaligen Brachiopoden gefunden, die durch unsym- 
metrische Gestalt der Schale ausgezeichnet sind. Beim ersten 
Anblick möchte man sie für Zweischaler halten und mit Gattungen 
wie Mytilus (Taf. VIII Fig. 14, 15) oder mit Unio oder Antliracosia 
(Taf. VIII Fig. 9) vergleichen. Die Schalenstruktur ist aber sehr 
gut erkennbar und diese weist die bezeichnenden Merkmale der 
hornschaligen Brachiopoden auf. Man erkennt die firnisglänzende 
Oberschicht und, wo diese weggebrochen ist, treten die Faser- 
struktur der Schale und in dieser die dicht gedrängten Kanäle 
hervor (Taf. VIII Fig. 13), wie wir sie bei vielen Linguliden kennen. 
Leider ist die Innenseite der Klappen nicht sichtbar und auch 
die Art des Stielaustritts läßt sich nicht erkennen. So bleibt die 
Definition der Gattungen, die ich unterschieden habe, unvoll- 
kommen, bis besser erhaltenes Material gefunden wird. 

P i z ar r o a qui chu an a nov. gen. et sp. 

Taf. VIII Fig. 14, 15. 

Fundorte: Tot ora pampa und Pal ca del Tunari. 

Gestein: Das Palcagestein ist ein harter, blaugrauer 
Schiefer (Lingula-SeMeier). 

Das Gestein von Totorapampa ist ein kalkiger, mergeliger, 
gelbbrauner Schiefer. 

Beschreibung. Ein gut erhaltenes Exemplar von der 
Palca. Ein gut und ein schlecht erhaltenes von Totorapampa 

Die Schale ist am Wirbel stark gewölbt; sie flacht sich nach 
unten zu allmählich ab. Sie ist ausgesprochen asymmetrisch. 
Sie erreicht ihre größte Breite im oberen Drittel und behält diese 
Breite ein Drittel der Schalenhöhe bei und bildet im unteren Drittel 
einen halbkreisförmigen Bogen. 

Feine, konzentrische Zuwachsstreifen bedecken die ganze 
Schale. Daneben finden sich konzentrische, wulstige Schalen- 
verdickungen auf den unteren zwei Dritteln der Schale. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


247 


Die Brachiopodenstruktur der Schale ist gut erkennbar. 

Maße : 

Exemplar von der Palca: 

Größte Breite mm 

Höhe 15 „ 

Gutes Exemplar von Totorapampa : 

Größte Breite 14 mm 

Höhe 23 „ 

Dem Habitus nach würde man diese Form zu Modiola oder 
Mytilus stellen. 

T unaria cochabambina n. gen. et sp. 

Taf. VIII Fig. 9. 

Fundorte: Mazocruz und Palca del Tunari. 
Gestein : Der harte, blaugraue IÄngula-Schieier. 
Beschreibung. Zwei ungefähr gleich große Exemplare. 
Das von der Palca ist stark zerdrückt. 

Mäßig gewölbte, stark asymmetrische Schale, deren längste 
Seite eine deutliche Zurückbiegung zeigt. Die größte Breite liegt 
in der Mitte der Schale. 

Ziemlich grobe, etwas unregelmäßige Zuwachsstreifen be- 
decken die ganze Schale. 

Die Zuwachslinien zeigen einen ganz leicht wellenförmigen 
Verlauf. 

Die Brachiopodenstruktur der Schale ist gut erkennbar. 

Maße: 

Größte Breite 23 mm 

„ Höhe ca. 18 „ 

Dem Habitus nach würde inan diese Form zu Pleuromya oder 
Anthracosia stellen. Name nach dem Timarigebirge bei Cocha- 

bamba. 

Bistr amia eie g ans n. gen. et sp. 

Taf. VIII Fig. 12, 13. 

Fundort: Totorapampa. 

Gestein: Kalkiger, mergeliger, gelbbrauner Schiefer. 
Beschreibung: Ein Exemplar. Mäßig stark gewölbte, 
asymmetrische Schale. Größte Wölbung im oberen Drittel. Größte 


248 


G .Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Breite im unteren Drittel. Feine Zuwachsstreifen gut erkennbar 
Daneben konzentrische, wulstige Schalenverdickungen an der 
äußeren Schalenhälfte. 

Brachiopodenstruktur der Schale bei dreifacher Vergrößerung 
schon gut erkennbar. 

Maße: 

Größte Breite 23| mm 

» Höhe 19| 

Es besteht eine gewisse habituelle Ähnlichkeit mit Lingula 
cf. Rouaulti- Salt. (Taf. VIII Fig. 10). 

Der Name ist gewählt nach unserem verstorbenen Reise- 
begleiter Dr. A. Freiherr v. Bistram. 


0 rthis cf. E d g elli an a Salter. 

Taf. VIII Fig. 18. 

Fundort: Totoropampa. 

Gestein: Mergelig schieferiger, gelbbrauner Kalkstein. 
Beschreibung: Das einzige, recht gut erhaltene Exem- 
plar entspricht ganz der Zeichnung Davidson’s (3. Taf. 32 Fig. 1} 
sowie seiner Beschreibung. 

Maße: 

Größte Schalenbreite . . 23 mm 
Schalenhöhe ...... 15 „ 

0 rthis cf. em a c er at a Hall? 

Gestein und Lokalität wie bei Orthis Edgelliana Hall. 
Erhalten ist ein nicht ganz intakter Abdruck der oberen Schale. 
Sie läßt sich ungezwungen mit 0. emacerata Hall vergleichen 
(Geol. Survey Ohio. Taf. 8). 

Maße: 

Schalenbreite . . . . ca. 11 mm 
Höhe »11 » 

Area gracilis n. sp. 

Taf. VIII Fig. 17. 

Fundort: Totoropampa. 

Gestein: Ein ungemein feiner, weicher, weißgelber Schiefer. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


249 


Beschreibung: Die Schale ist deutlich gekielt und ein 
wenig verlängert. 

Außer den sehr zarten Zuwachsstreifen und ganz freien Radial- 
streifen zeigt die Schale noch eine Skulptur in der Form konzen- 
trischer breiterer Streifen, die mit den Zuwachslinien parallel ver- 
laufen. Diese Verzierung hört auf in einem schwach eingebuchteten 
Feld in der Schalenmitte und verläuft unmerklich gegen die Ränder. 

Der Schloßrand ist schwach gebogen, die Kerbzähnchen sind 
an einem Exemplar gut sichtbar. 

Diese Form steckt zwar in einem ganz anderen Gestein, als 
die vielen Linguliden, doch ist der Horizont offenbar nicht sehr 
verschieden. Denn in demselben Mergelstück stecken noch Bruch- 
stücke von Lingula striata n. sp., und außerdem noch eine un- 
bestimmbare Nucula. 

Homalonotus Bistrami n. sp. 

Taf. VIII Fig. 19, 20. 

Fundorte: Iscaipata (NW. von Cochabamba, am 
Fuß des Tunarigebirges und Totoropampa). 

Gestein: Schmutzig gelbbrauner, sandiger Schiefer mit 
zahlreichen Lm^idu-Schalenfragmenten (Lingula-Schieier). 

Zwei lose Pygidien liegen vor. 

Beschreibung: Über die Bestimmung als Homalonotus 
kann kein Zweifel bestehen. Die stumpfdreieckige Gestalt des 
Pygidiums mit der in fast ungebrochener Kurve verlaufenden 
oberen Begrenzung ist außerordentlich charakteristisch. 

Die Spindel ist stark gewölbt, deutlich gegen die Seitenlappen 
abgesetzt und verjüngt sich konisch. Sie läßt einen schmalen 
Randsaum frei. 12 oder 13 Ringe sind auf der Spindel erkennbar. 

Auf den gewölbten Seitenlappen sind nur drei mit Segmenten 
verziert, die nur etwa bis f der Breite reichen und einen aus- 
gesprochenen Randsaum freilassen. 

Maße: 

Gesamtbreite 21 7,5 mm 

Länge 16 6 „ 

Spindel, größte Breite ... 11 4 „ 

„ Länge 14,5 5 „ 

(Es ist zu bemerken, daß die „Gesamtbreite“ die wirkliche 
größte B r e i t e ist und nicht das Ausmaß des oberen (gekrümmten) 

16* 


250 


G. Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium 


Eandes. Die Breite des Pygidiums ist auf einer weiter oben ge- 
legenen Linie (am Bande) gemessen und daher unverhältnismäßig 
groß. Das Verhältnis der Spindel zum ganzen Pygidium ist etwa 
1 : 3 .) 

Nachtrag. 

Nach Abschluß der Arbeit erschien das Buch von Hauthal: 
B eisen in Bolivien und Peru. Leipzig 1911. Darin 
findet sich zwar keine neue Beobachtung über Silur und Cambrium, 
auch hat der Verf. keine Fossilien in diesen Formationen gefunden, 
aber die von ihm gesammelte und von Salfeld beschriebene 
Devonfauna von Chacaltaya deckt sich in den wichtigsten und am 
meisten bezeichnenden Arten mit derjenigen, die hier von V i 1 o c o 
beschrieben ist. Es geht daraus hervor, daß die eigenartige Schiefer- 
fazies des bolivianischen Unterdevons in der Kordillere des Illimani 
auf eine lange Strecke im Streichen verfolgbar ist. Die Bestim- 
mungen der dort gefundenen Arten weichen jedoch von den 
unserigen mehrfach ab (vergl. p. 208). 


Tafel-Erklärungen. 

Tafel VII. 

Fig. 1—3. Parabolinopsis Mariana Hoek. Untersilur. Cuesta de 
Escayache oberhalb Calama bei Tarija, Bolivia. 

„ 4. Conocephalites cf. striatus Emmr. Oberes Cambrium. Bei 

Tambo Guanacuno zwischen Tarija und Rio San Juan, Bolivia. 

^ 5. Arionellus sp. Oberes Cambrium. NW.-Fuß des Cerro Cam- 

panario bei Tacsarä, zwischen Yavi und Tarija, Bolivia. 

^ 6. Agnostus bolivianus Hoek. Oberes Cambrium? Unterstes 

Silur? Salitre an der argentinisch-bolivianischen Grenze, N. Yavi. 

„ 7 — 9. Parabolinella andina Hoek. Ebendaher. 

„ 10. Olenus cf. argentinus Kays. Oberes Cambrium. Südlicher 
Paßweg der Cuesta de Escayache, ca. 1 /2 Stunde W. der Paßhöhe 
zwischen Tarija und Rio San Juan, Bolivia. 

Tafel VIII. 

Fig. 1. Lingula lineata Hoek. Oberes Untersilur: Lingula- Sand- 
stein. Combate zwischen Tarabuco und Yamparaez, SO. Sucre, 
Bolivia. 

^ 2. Lingula inornata Hoek? Oberes Untersilur. Escaleras, 

Sierra de Zapla, 0. Jujuy, N.-Argentinien. 


des Hochlandes von Bolivia und ihre Fauna. 


251 


Fig. 3. Lingula boliviana Hoek. Oberes Untersilur: Lingula-S&nd- 
stein. Molino, 0. Cochabamba, Bolivia. 

„ 4. Lingula ellipsiformis Hoek. Oberes Untersilur: Lingula- 

Sandstein. Combate zwischen Tarabuco und Yamparaez, SO. 
Sucre, Bolivia. 

5. Lingulepis sp. Oberes Unter silur : Zrm^M/a-Sandstein. Tam- 
billos 0. Potosi, Bolivia. 

6 — 8. Lingula Muensteri d’ Orb. Oberes Untersilur: Lingula- 
Sandstein. Molino, 0. Cochabamba, Bolivia. 

t, 9. Tunaria cochabambina Hoek. Oberes Untersilur: Lmgula- 
Sandstein. Palca del Tunari bei Cochabamba, Bolivia. 

„ 10. Lingula cf. Rouaulti Salt. Ebendaher. 

„ 11. Siphonotreta sp. Ebendaher. 

„ 12, 13. Bistramia elegans Hoek. Oberes Untersilur: Lingula- 
Sandstein. Totorapampa, Kkurikette zwischen Misque und Arani, 
Bolivia. 

-a 14, 15. Pizarroa quichuana Hoek. Ebendaher. 

„ 16. Orthis cf. emacerata Hall. Ebendaher. 

17. Area gracilis Hoek. Ebendaher. 

„ 18. Orthis cf. Edgelliana Salt. Ebendaher. 

„ 19, 20. Homalonotus Bistrami Hoek. Oberes Untersilur: Lin- 
#wZa-Sandstein. Iscaipata am Tunari bei Cochabamba, Bolivia. 

Tafel IX. 

Fig. 1 — 3. Dalmanites Maecurua Clarke. Unterdevon. Aufstieg zur 
Mina Viloco bei Araca, 0. La Paz, Bolivia. (Fig. 3 gehört nur 
fraglich dazu.) 

„ 4. Cruziana cf. furcifera d’Orb. 

s 5, 6. Crinoidenstiel. Unterdevon. Aufstieg zur Mina Viloco bei 
Araca, 0. La Paz, Bolivia. 

Tafel X. 

Fig. 1. Asaphus tyrannus Mürch. Untersilur. Abra Escaleras zwi- 
schen Mataca und Tambillos, 0. Potosi, Bolivia. 

„ 2 — 6. Megalaspis americana Hoek. Untersilur. Abra de Chor- 

coya, zwischen Tacsarä und Escayache, SW. Tarija, Bolivia. 

„ 7, 8. Trinucleus Kruegeri Hoek. Unteres Untersilur: Geoden- 

schiefer. Cerro Pocotaica bei Capinota, S. Cochabamba, Bolivia. 

Tafel XI. 

Fig. 1, 2. Acidaspis aracana Steinm. Unterdevon. Aufstieg zur Mina 
Viloco bei Araca, SO. La Paz, Bolivia. 

„ 3, 4. Trochoceras bolivianum Stein. Ebendaher. 

3 5. Nucula sp. Oberes Untersilur: oberer Quarzit, ca. 3 km 

S. Cochabamba an der Straße nach Caraza, Bolivia. 


252 GK Steinmann und H. Hoek, Das Silur und Cambrium etc. 


Fig. 6, 7. Megalaspis matacensis Hoek. Unter silur. Pampa de Otavi 
zwischen San Bartolo und Mataca, 0. Potosl, Bolivia. 

„ 8. Gheirurus sp. Unteres Untersilur. Cuesta de Erquis, 

W. Tarija, Bolivia. 

„ 9. Pliomera sp. Ebendaher. 

Tafel XII. 

Fig. 1. 2. Dictyonema Murray i Hall var. tarijense Hoek. Unteres. 
Unter silur. Cuesta de Erquis, W. Tarija, Bolivia. 

„ 3 — 5. Dictyonema irreguläre Hall. Ebendaher. 

* 6. (?) Tetragraptus Headi Hall. Ebendaher. 

Tafel XIII. 

Fig. 1. Endoceras sp. Unter silur. San Lucas, N. Camargo, Bolivia 
Querschnitt mit Sipho. 

„ 2,3. Diplograptus Whitefieldi Hall. Oberes Unter silur. Otavi, 

SO. Potosi, Bolivia. 

„ 4 — 7. Calymene (?) diademata Barr Unteres Untersilur: 

Geodenschiefer. Cerro Pocotaica bei Capinota, S. Cochabamba. 
Bolivia. 

„ 8,9. Didymograptus nitidus Hall. UnteresUntersilur. Ango- 

stura de Queta, zwischen Cochinoca und Binconada, N.-Argentinien. 

Tafel XIV. 

Ogygia liquensis Hoek. Unteres Untersilur: Geodenschiefer. Fluß- 
gerölle bei Tambo Sivingamayo, zwischen Camargo und Potosi,. 
Bolivia. 



N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beil.-Bd. XXXIV. 


Taf. VII. 


Lichtdruck der Hofkunstanstalt von Martin Rommel & Co., Stuttgart 


Fig. 1 — 3 Parabolinopsis MarianaHoek. Fig. 4 Conocephalites cf. striatus Emmr. 
Fig. 5 Arionellus sp. Fig. 6 Agnostus bolivianus Hoek. Fig. 7—9 Parabolinella 
andina Hoek. Fig. 10 Olenus cf. argentinus Kays. 



N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. 



18. 

Fig. 1 Lingula lineata Hoek. Fig. 2 Lingula inornata Hoek. Fig. 8 Lingula boliviana Hoek. 
Fig. 4 Lingula ellipsiformis Hoek. Fig. 5 Lingulepis sp. Fig. 6 — 8 Lingula Muensteri 
d’Orb. Fig. 9 Tunaria cochabambina Hoek. Fig. 10 Lingula cf. Rouaulti Salt. Fig. 11 
Siphonotreta sp. Fig. 12, 13 Bistramia elegans Hoek. Fig. 14, 15 Pizarroa Quichuana Hoek. 
Fig. 16 Orthis cf. emacerata Hall. Fig. 17 Area gracilis Hoek. Fig. 18 Orthis cf. Edgelliana 
Salt. Fig. 19, 20 Homalonotus Bistrami Hoek. 


Taf. VIII. 




UNIVERSITY OF ILLINOIS 





N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beil.-Bd. XXXIV. 


Taf. IX. 



Lichtdruck der Hofkunstanstalt von Martin Rommel & Co., Stuttgart. 

-3 Dalmanites Maecurua CI. Fig\ 4 Cruziana cf. furcifera cTOrb. 
Fig. 5, 6 Crinoidenstiel. 





8 . 

Lichtdruck der Hofkunstanstalt von Martin Rommel & Co., Stuttgart. 


Taf. X. 


N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beil.-Bd. XXXIV 


Fig. 1 Asaphus cf. tyrannus Murch. Fig. 2—6 Megalaspis americana Hoek. 
Fig. 7, 8 Trinucleus Krügeri Hoek. 
























. 



































N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. 


Beil.-Bd. XXXIV. 


Taf. XI. 




8 - 7 9. 

Fig. 1, 2 Acidaspis aracana Stnmn. Fig. 3, 4 Trochoceras bolivianum Stnmn. 
Fig. 5 Nucula sp. Fig. 6, 7 Megaiaspis matacaensis Hoek. Fig. 8 Cheirurus sp. 

Fig. 9 Pliomera sp. 


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4. 7 



N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beil.-Bd. XXXIV. 


Taf. XII. 



Fig. 1, 2 Dictyonema Murray i Hall var. tarijense Hoek. Fig, 3—5 Dictyonema 
irreguläre Hall. Fig. 6 Tetragraptus Headi Hall. 




























N. Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beil.-Bd. XXXIV. 


Taf. XIII. 




9. 

Lichtdruck der Hofkunstanstalt von Martin Rommel & Co., Stuttgart. 


Fig. 1 Endoceras sp. Fig. 2, 3 Diplograptus Whitefieldi Hall. 

Fig. 4 — 7 Calymene diademata Barr. Fig. 8, 9 Didyraograptus nitidus Hall. 


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Jahrbuch f. Mineralogie etc. Beil.-Bd. XXXIV. 


Taf. XIV. 



Lichtdruck der Hofkunstanstalt von Martin Rommel & Co., Stuttgart 


Ogygia Liquensis Hoek, 



















































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Beiträge 

zur 

Geologie und Palaeontologie 

von 

Südamerika. 


Unter Mitwirkung von Fachgenossen 

herausgegeben von 

Dr. Gustav Steinmann, 

Professor der Geologie und Paläontologie a. d. Universität Bonn. 


XVIII. 

Das Silur und Cambrium des Hochlandes von Bolivia 
und ihre Fauna. 

Von G. Steinmann und H. Hoek. 

Mit Tafel VII— XIV und C Textfiguren. 


Separat-Abdruck aus dem Neuen Jahrbuch für Mineralogie etc. Beilageband XXXIV. 


Stuttgart. 

E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser. 

1912 .