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Full text of "Der Beginn des musikalischen Barock und die Anfänge der Oper in Wien"

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J1723 

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Vater ^nb Kultur 




H. BARON 

Uusic and Book*. 

156 CMÄTSWORTH ROAD, 

LONDON, NW 2 ENGLAND 



Xfyectter unb Kultur 

herausgegeben unter 9Ititnrirkung üou 
^ermann 93af)r unb §ugo §ofmannstrjal 

Don 

9Kct£ ^trker 



33anb 6 

(Sgon 333eIIesä 

Ser 93eginn bes muftkalifcfyen 

©arock unb bie Anfänge ber 

Oper in 2Bien 



1922 
223ierter fiüerarifdje Slnftalt 

©efcUfdjaft m. b. %. 

233ien Setpsig 




3HIe 3led)te, befonbers bas 
ber Überfegung oorbefyalten 

Gopnrigfjt 1922 bi) 
233iener Siterariftfje 3Inftalt, 

©efeUfdjaft m. b. £. 
in 23ienna 33erlags*91r. 119 



ML. 



3/ 



Sruch oon 3H. Salaer in 2Dien. 



Sem ^ntenbanten ber Oper in Frankfurt 

Dr. (grnft fiert 

gur (Erinnerung an gemein] ante Arbeit 



freunbfdjaftlid) augeeignet 



33orn>ort 

£em funbigen Q3eobad)ter, ber bie (£ntwid(ung 
ber Cper in ber gegenwärtigen dpodje cerfolgt, 
fann es nid)t verborgen fein, ba£ fte in ein !riti= 
fdjeS ©tabium getreten ift. 2Bemi and) einzelne 6e^ 
bentenbe 3d)öpfungen ben Sttfdjettt eines günftigen 
3uftanbes ber ^robuftion twrtäuf d) en" "ift" "es bod] 
nidjt §u überleben, baB bie ©efamttenbens feine glücf* 
üd)e ift, nnb baB ficf) in tr)r ein unfttfjeres Sudjen 
nad) innerer Q3eftätigung ausbrücft, ofnte ba£ es ber 
Cper gelingen wollte, im geiftigen Seben ber ©egen= 
wart ben Sßlatj einzunehmen, ber i^r, gemäJ3 ber $3e= 
beutung ber ©attung in früheren (£pod)en, aud) t)eute 
$ufommen müjjte. 

Xie @nttäufd)ung über bie (Sinbufte an ^ßofttion, 
bie frampf^aft gefteigerte 5(nftrengungen ber ®om= 
poniften einerfeit^, überfpannte gorberungen ber 3 U; 
rjörer anbererfeits auslöft, ift um fo größer, als bas 
$unftmerf ^Ric^arb 2Bagners bießoffnung erwecft hatte, 
bie ^ier ausgebilbete gorm bes SJlufübramas werbe 
bie ©runblage für bie Cper ber 3 u funft abgeben. 



3ftan fucf)te ben uon äBagner geroiefenen 3Öeg roeiter= 
§ugel)en, in ber ©rmartung, §u feuern gelangen jn 
fönnen, fanb fid) aber immer tiefer in eine $lbl)än= 
gigfeit oerftricft, bie nid)t §u überroinben mar, unb 
auf jeber (Schöpfung taftete ber ©Ratten feiner großen 
v }>eriönlicrjfeit. £)enn ber grofte Xrugfcfytufj, bem 
(Generationen junger, befähigter SJlufifer jum Dpfer 
fielen, beftanb in ber oon 2öagner felbft burd) feine 
tl)eoretifd)en ©Triften geförberten $lnnarjme, man 
fteiie am Anfang einer (£ntraicflung, roäfyrenb fein 
2Öerf, mte mir jet^t rücffcrjauenb gu erfennen oermögen, 
in ben 5Ibfd)lu§ einer ^eriobe ber SJlufif fällt, in ber 
bie Cper nur eine Xeilerfctjetnung bilbet. 

£)iefe (SrfenntniS, bie früher als bei un§ in jenen 
Säubern §u bämmern begann, bie nicfjt unter bem 
bireften (Sinflufj SBagners ftanben, füljrt Ijeute §u einem 
3fepti$istnu§ an ber Sebensfäfyigfeit unb Berechtigung 
ber Oper. 

516er biefer 3roeifel tft nirfjt neu. ©crjon mehrmals 
feit bem mel)r at3 breiljunbertjä^rigen Befielen ber 
Dpet ift bie Srage aufgemorfen morben, ob fie 93ered)= 
tigung unb Qufunft rjabe, unb immer l)at biefes 
©id)=Q3efinnen bie probuftbe Sßirfung ausgeübt, 
bas ©tarre unb Überlebte aus^ufdjeiben, unb ber Dper 
neue Gräfte $u§ufüf)ren. £)ie Cper ber legten ^afyxi 
^etjintc l)at fid) bie Aufgabe geftellt, bem gefprod)enen 
3)rama ben 9fang abzulaufen, eine gorm ju fdjaffen, 

8 



bei ber ber 9Jtufifer bie Söirftmg einer felbftänbigen 
£ertf)id)tung burd) bie Mittet einer illuftratit) bra= 
mattfdjen SUiufif §u fteigern fud)t. 

2>iefe 9tid)tung fyat bereits bie ©renken ifjrer 9Jcögtid); 
feiten gegeigt, Sas gejnngene Söort erforbert anbere 
gügungen nnb 23inbungen jur ^öfjeren Crbnnng r»on 
^eriobe unb 8a^ als ba§ gefprod)ene. 3m gesprochenen 
^rama ift eine 2In(e^nnng an bie Realität be3 £e= 
bens benfbar, im gelungenen verbietet fie fitf), ba bie 
Sftufif eine ftilifierenbe Sßtrfung ausübt. 2lus bicfet 
Xatfacfye, meldje in ber nad)romantifd)en, oeriftifdjen 
Cper bemüht auger ad)t gelaffen mürbe, mu£ bie Cper 
in 3ufunft bie ^onjequenjen sieben, unb einen 2£eg 
gefeit, ber innerhalb ber ©renken tf)rer eigenen ®e= 
fe^mäBigfeit liegt. ^a§u gehört ein Verjidjt auf jeben 
Naturalismus in ber Sertbebanblung unb — als 
beffen golge — in ber ^nftrumentation, bie Dtücffebr 
§u größeren gefd)loffenen gormen, bie an fid) muffe 
falifd) (Geltung fjaben. 

©o ergibt fid) bas £unaufrücfen bes ©efamtfom* 
plejes ber Dper in bie «Sphäre einer böseren ©tili* 
fierung. 2)ie ermadjenbe Hinneigung gum Ballett ift 
geeignet biefen $rojef$ einzuleiten: benn im Ballett 
unb in ber Pantomime finb alle Verlobungen jum 
Naturalismus, $u einer bie 51rd)iteftur jerftörenben 
^eüor^ugung bes Details burd) ba$ geilen bes SBortes 
ausgefdjaltet. ©ier gerooljnt fid) ber SJcufifer roteber 

9 



baran, §u ben fjenifcfjen Vorgängen eine einheitliche 
^Jtufif §u fdjreiben, bei ber bie Vertorfungen fehlen, 
ben gtuJ3 be£ ®an§en gugunften ber §eroorf)ebung 
eine£ Details, wie e3 im gelungenen 2)rama fo fyäufig 
gefd)ief)t, ju unterbrechen. 

5ln ©teile ber unenbticfjen SJlelobie mufj bie enb= 
licrje lieber treten, an (Btette ber aufgelöften amorphen 
©ebitbe, flare, beutlid) umriffene formen. 

£)ie Oper ber 3ufunft mufs an bie Xrabitionen 
ber ^öarocfoper anlnüpfen. £)ie§ ift bk natürliche, bem 
innerften 2öefen ber Cper entfprecrjenbe gorm, bie nur 
aümä^tid) burefj ba§ Übergetoicfjt ber $rie im ®efamtbau 
be£ ^ramatifcfjen entartete, ^m ®runbe aber ift in 
bem baroefen ©efamtfunftmerf bas $erl)ältni3 t>on 
^ic^tung, SJlufif unb <S§ene reft(o£ getöft unb ber 
SnpuS ber SSarocfoper geeignet, ber neuen Oper jum 
Vorbilb §u bienen. 

2)er öfterreidjiftfje 9Jtufifer fyat nie oölüg ben $80= 
ben ber baroefen Xrabition oerloren; barum ftanb 
ib,m aud) bie Oper ftet3 im SJlittelpunft bes mufifa* 
liidjen 3>ntereffe3 unb lonnte r)ier eine Pflege finben, 
bie fjeute für bie gange Kultur ÖfterreidjS bebeutfam 
geroorben ift. 

3n ben nacfjftefyenben jroei (Btubien über ben be- 
ginn be§ 93arocf in ber ÜJftufif unb bie Anfänge ber 
Cper in 2Bien meine id) bemnatf) nidjt oon einem 

10 



toten 5hmftibeal unb einer entfcfynmnbenen $nnft gu 
reben, fonbern r>on fingen, mit benen bie ®egentr>art 
enger nerfnüpft ift, a[§ fte, §n fe^r notf) in ber näd)= 
jten Vergangenheit befangen, felbft p afynen vermag. 
S)ie beiben ©tnbien, r>on benen bie erfte bereits 
oor einigen Qabren entftanben ift, bie jraeite für 
biefen 5ln(afj als 3 u 1 ammen f a ff un 9 nerfd)iebener 9lr* 
beiten über bie SBarocfoper in SQSien geschrieben würbe, 
ergänzen einanber, nrie immer ba$ 93efonbere geeignet 
ift, ba£ allgemeine finnfällig §u machen nnb §n r>er= 
lebenbigen. 



11 



©er ^Beginn bes 93arock 
in ber 9Ituftk 



Jebe 2Ibgrenpng einer föunftperiobe burd) 3afyres= 
jaulen rjat etwas äOBittfürlidjes. ©ic bebeutet ein 
Qnnel^alten, einen Dtufjepunft bort, rco alles ftänbig 
in %Ivl% ftänbig in 53emegung ift. Unb bennod) be- 
nötigt man ©renken, um fid) innerhalb ber unüber= 
lesbaren DJtannigfaltigfeit ber ©rftfjeinungen in ber 
©efdjidjte ber fünfte $u orientieren, unb ertjält ba= 
burd) seitlid) getrennte 2lbfd)nitte, @pod)en ber £unft= 
gefd)id)te. Um fid) nun über bie einzelnen ©podjen ben 
Überblicf §u erleichtern, f)at man fid) baran gemannt, 
fie mit tarnen §u begeicfjnen, rae(d)e fie in prägnanter 
2ßeife djarafterifieren unb umgrenzen follen. 

£)iefe tarnen fyai man bie tängfte 3«t f)inburd} 
fritiflos Eingenommen, obroof)! fie feinesmegs geeignet 
maren, ben beabfid)tigten 3^ecf ju erfüllen, Senn fie 
finb nid)t Dtefultate einer fritifd)en Überlegung, fonbern 
famen jufattsroetfe auf unb erhärteten bann §u einem 
©ombol. ©ie finb entrceber gänjlid) oerferjtt, roie ber 
9tame $otif — im ©inne oon barbarifdjer $unft — , 
ober bejie^en fid) auf eine ©in^elbemegung — auf 
ba3 9tinafcimento ber 5lnti!e — innerhalb einer 
9Jcef)rf)eit oon Hutturbeftrebungen, mie ber 9came 
9tenaiffance, ober bilben ein abfpred)enbes Urteil, mie 
ber 3<came s $arocf. 3DD§ fnftematifdje Sermini, mit 
benen fid) aber jug(eid) ein Werturteil oerbanb, 
mürben biefe begriffe guerft in ber 9tomantif oer= 

15 



menbet. SSBifl man in ber mobernen goridjung mit 
ihnen operieren, fo barf man fid) ihrer nid)t gut 
©rflärung, fonbem bloß als fonoentioneller giftionen 
>um 3 rce rf e oer Berftänbigung bebienen. 

Ta biefe Bezeichnungen $u einer 3eit gegeben 
mürben, rco bie niftoriftfje gorfdjung nod) oorjügttd) 
ber Sltfoeidpuifig bes reinen ©efdjefjens sugeroanbt 
mar, fonnten fie einer 3^ nid)t mehr genügen, bie 
in bie biftorifd)e Betrachtung ben ©ebanfen einer 
üeten Grntmitflung bes fulturellen ©efchebens ein= 
geführt hatte. 

3e£t erü, nachbem man nicht mehr bas einzelne 
&unftmerf ifoliert betrachtete, fonbem feine Stellung 
su ben umgebenben SBerfen unterfudjte, feinen 3Sor= 
gangem nacbfpürte, unb bie oerbinbenben gäben fo 
meit oerfolgte, bis ade 3 u f amm ^nhänge klargelegt 
maren, mürbe es möglid), SBerfe oergangener 3 e ^ en 
in richtiger SBctfc ju beurteilen, 2abei ftellte fid) bie 
Ocotmenbigfeit heraus, bie mit ben 9t amen ©otif, 
rHenatffance, Barod unb Dtofofo oerhunbenen Öot* 
ftellungen einer SRernfion §u unterbieten, "Oa bie jeit* 
lidje ülbgrensung ber mit biefen tarnen oerhunbenen 
(£pod)en eine Berfcbiebung erfahren hatte. 

Beionbers flar tritt biefe ÜJlobinfatton bei ben 
Begriffen Ütenaiffance unb Barorf heroor. gür bas, 
mas mir ^eute ftunft ber SRenaiffance nennen, mu^te 
oor Burtfharbt $um 2eil aud) bie ®otif ben tarnen 
hergeben, unb es in *um großen £eü fein Berbienft, 
bie Anfänge roeiter 5urürfgelegt ju haben. Burcft)arbt 
ging aber in feinen Folgerungen unb ber ©ürbigung 
Der SRenatffance su meit, unb gelangte bamit ju einer 

16 



einfettigen ftberfdjä&ung biefer (spocfye, unter bei bie 
Beurteilung bei ran-angegangenen ©otif unb De? narf)= 
folgenben äSarocf jn leiben hatte. 

(rrft in ber jüngften Qeä mürbe burdj eine gletcrj; 
mäßige Surcbfcrfdnutg ber ©otif unb De? Satöd Da? 
frühere, allgemein verbreitete Urteil berichtigt 8Jton 
fing mieber an, bie lUenaiffance neu 511 eutbeefen, 
nadibem ba? feit Burcfharbt berndienbe Urteil über 
fie, als eine in fidi abgefdiloffene £ohenperiobe, über* 
munben mar. Bie ift insofern ein ,\?öbepunft, al's fie 
alle Probleme Der trüberen 3*ü r-oüenbet unb ibnen 
ourdi bas Oteuorientieren nach ber ÜIntife neue gm* 
pulfe verleibt. Jhrer Sftedjattif nadj ift aber bie 
SRenatffance eine Übergangszeit, inbem fie pnifdjen 
Der noch Dem SHittelaltet uigehörenben ©otif unb 
Dem bereu? Der Üceiueit sugehbrenben ©aroef ocr= 
mittel! 5n ihr beginnen fidi bereit? Die Seime einer 
neuen ftunft ^u regen, Die in jeber (Sattung ju völlig 
neuen Problemen führen. (rs finD Die? v ©.: in Der 
Malerei Da? Problem Der Q3ebanblung De? ^tdues 
unb Der £uft, in Der ?lrdiiteftur Da? Problem Der 
einheitlichen Oraumgeftaltung unb bie ÜInmenbung neu 
ßidjt unb Schatten $um Qroe&t einer oiutidien 333irfung, 
Da? Einbringen De? äRalerifdjen in bie i^laftif. 3n 
Der SJhlftf ift es Die ÜberminDung De? Cantus Firmus. 
unb, Damit rerbunben, bas Üluffcmmen ber oberften 
Stimme als Präger Der SJtelobie, Die ÜCnmenDung oon 
.^armoniefolgen, melche einer immanenten Bogt! unter« 
morfen finb, rcoburch erft Da? (rntüehen neuer gönnen 
ermöglicht mürbe, bie Turchfetjung Der meloDifdien 
ßinie mit Ornamenten, Da? 2hrffommen einer eigenen 

•ü? eilest ?eT 3?eghm öes ntuftkalifcfaen -25arocfc ui'rr. 2 

17 



odjreibmeife für bie Jsnftrumente unb bcimtt ber $e= 
ginn bes Crd)efterf'oIorits. gaffen mir alle biefe ©r* 
fdjeinungen pfammen, fo bebeuten fte ntcrjt^ anberes 
al§ bas 2Iuffommen bes ©ubjef'tioismus in ber Sftufif. 

lief eingreifenbe ©reigniffe auf politifd)em, reli= 
giöfem unb nürtfdjaftücrjem (Gebiete fem^eicfjnen ben 
beginn ber neuen (£pod)e, bie ben Dkmen „93arocf" 
trägt, unb bie bis auf unfere Qtit herauf formbilbenb, 
geftaltenb unb in f)öd)ftem 9Jlaf3e fd)öpferifd) geroirft 
fjat. 5I(s beginn be£ neuen, barocfen £unftempftnbens 
fann man bie groansigerjarjre oeg 16- Safyrtyunberts 
annehmen, ai§ infolge ber üorfjergegangenen &x\U 
bedungen unb ©rfinbungen unb ben bamit §ufammen= 
bängenben tr>irtfd)aft(id)en ©rrungenfdjaften eine grofje 
3at)( neuer pfnd)ifd)er Serie entftanben roaren, toetd)e 
in ber Shmft $u neuen gönnen unb Problemen führten. 

Jrjre §eimat ift ber SJlittelpnnft ber bamaligen futtu 
oierten 2öelt, SKom, unb bie ©täbte 9ttitteiitatiens\ 

2)iefc ftunft, in einer geraaftigen, ereignisreichen 
3eit geboren, nafjtn fid) ba§ ®oloffale, £eibenfd)aftlid)e, 
titanenhafte, bas eroig s 33emegte, über feine eigenen 
©renken binaus Strebenbe §um Vorwurf, unb fn'elt 
an biefem $efta(tunggprin$ip burd) faft jraei ^av)X; 
bunberte feft. Mmärjlid) nur, ben pfnd)ifd)en 2Banb= 
(ungen ber ©efeüfdjaft in ifyren Söeftrebungen §u einer 
^Rücffetjr jur 9ktur fotgenb, oeränberte fid) bie äußere 
©eftatt biefes Etiles, unb an Stelle bes ©ranbiofen 
unb ^hujenben bes Q3arocf trat bas unmutige unb 
jart s 23emegte bes Dtototo. <£)iefe3 bebeutet feinen 2kud) 
mit ben ©eitahungsprin^ipien ber oorangegangenen 
(Spocrje, fonbern nur eine pfnd)ifd)e 9ttobifiration. 

18 



Üleuerbings ifl es üblid) gemorben, ben tarnen 
©otif, SKenaiffance, 33arod, Diofofo unb Klafft! eine 
über bie bisher mit irjnen oerbunbene Sßorftellung 
binausgerjenbe, tr)pifdjc Sebeutung jujuerfennen. 29t an 
fpridjt oon einem Dtofofo, einem 23arod in ber 2lntit'e, 
oon einer Dtenaiffance ber Karolinger ufm. (gl fdjetnt 
mir eine gemiffe ©efaljr barin 31t liegen, baß Q3e= 
Zeichnungen mie ©otif, 9tenaiffance unb SSarocf, bie 
mir, mie anfangs bargetegt mürbe, nur notgebrungen 
unb in beutlidjem SBettmfjtfein irjrer Unjulänglidifeit 
uermenben, nun aud) §u metl)obotogifd)en ober fünft; 
pf)ilofopl)ifd)en §i Inbegriffen erboben merben follen. 
$ielteid)t lägt fid) für ben ©egenfatj Dtenaiffance^ 
33arocf fotgenbermafsen eine tiefergreifenbe gormiu 
(ierung finben. 

Seit ber 2lntife "laffen fid) §met Strömungen ütt- 

folgen, bie oftne Unterbrechung befteben: eine tnbi= 

oibualifterenbe unb eine trjpifierenbe. ^ie inbiotbualU 

fierenbe 9tid)tung, bei melier ber (Sin^elrcille bo= 

miniert, ift fubjeftioiftifd), bie trjpifierenbe, bei meldier 

bie allgemeine (Smpftnbung in ben 53orbergrunb tritt, 

ift objeftiüifttfcrj. Q3ei ber inbioibualifierenben 9tid)tung 

berrfdjt ber ^urjalt über bie 5^ rm / bei ber nun-- 

fierenben bie gorm über ben 3mf)alt. 3n ber erfteren 

ift alles Serben unb 53emegung, in ber teueren alles 

fHur)e unb Q3eb,arren. 3u ber inbioibualifierenben 

9tid)tung fprengt ber ^nl)att alte formen unb fcfjafft 

neue, in ber tnpifierenben erbärten bie gönnen unb 

Strängen ben 3ul)ali, fid) ibjnen an^upaffen. £)ie inbU 

oibuatifierenbe 9tid)tung mirft bie SDIittet oerfcrjiebener 

fünfte burcbjeinanber, bie tnpifierenbe bält auf Kfarbeit 

2* 

19 



unb (£inf)eitlid)feii. %ie ftete $oerjften§ biefer beiben, 
einanbev fdjeinbar nur jeitltd) aufeinanberfolgenben 
Strömungen fann leidjt überfein werben, wenn man 
ben 23litf nur ben §auptmomenten ber ®unft irgend 
einer ©podje jugeroanbt rjat. Q3ei einer genauen Untere 
jucrjung ber gefamten ^unfterfrfjeinungen täfjt ftcf) aber 
überall bort, u>o bie eine (Strömung in einem $ultur= 
Zeitalter a(3§auptrid)tung auftritt bie anbere al£9ceben= 
ftrömung nadjmeifen. ^n Übergangszeiten laufen beibe 
entmeber g,leid)bered)tigt nebeneinanber ober fommen 
in rafd) aufeinanberfolgenben Qeiträumen an bie Cber= 
flädje, gtetcfjfam in gebrängter gorm längere Venoben 
nadjbilbenb. diejenige £unftrid)tung, meldje in ber 
einen (£pod)e oorrjerrfdjenb mar, mirb in ber fie ab- 
löfenben (£pod)e efleftifd), al§ fefunbäre Strömung, 
meitergefürjrt, b\§ fie irjrerfeits in neuerbings oer= 
änberter gorm bie gürjrung mieber übernimmt. 

II. 

Sßollen mir bie burcfj bas $luffommen bes barocfen 
Slunftempfinbens oeränberte ^roblemftetlung im muft= 
faüfdjen Schaffen !ennen lernen, fo muffen mir 
unS norerft barüber flar merben, mie ber Verlauf 
ber mufifalifcrjen (£ntroicflung bi§ §um $8arocf be= 
idjaffen mar. 

^5)ae SJiufifempfinben beS Crients ift oon bem bes 
2lbenblanbes burd) eine ftluft gefcrjieben, über bie ber 
gregorianifd)e &ird)engefang eine $3rücfe barftellt. £>er 
Crtent fannte unb fennt aud) rj eute nur öen e * n: 
ftimmigen ®efang, ber fid) auf Sfalen unb Xcn= 
formetn aufbaut, bereu $Reid)tum unb Mannigfaltig^ 

20 



feit unterer ÜUluftf unbefannt in. 3)afüt feblt ibm ba€ 
barmonifd)e Gmpfinben oölltg, bas unferen (befangen 
bie Struftur gibt, £ie fird)(id)en ©eiänge empfing 
bas 2lbenblanb aus bem Orient unb paßte fie feinen 
SBebürfniffen an. Sie blieben aud) roeiterbin ein= 
ftimmig, bod) verteilte man fie — im antipbonalen 
(Mang — auf ^roei Gborpartien, von benen bie 
§meite in ber tieferen Cftaue 2Intn?ort gab. liefet 
aus Snrien ftammenbe Shraudj tjatte im Ülbenblanbe 
über Dtaoenna^tailanb Gingang gefunben. 

3m 9.— 10. 5aljr!nmbert fdieint nun bie Bitte auf, 
gefommen ui fein, biefe $roeite Stimme nid)t Mob in 
Cftaoen, fonbern in Quarten unb Quinten mit ber 
erften Stimme $u führen, ober aud) a(s rubenbe 
Stimme biefer beizugeben. 3m 12.— 13. Jsabrbunbert 
beginnt biefe ^roeite Stimme einige Setbftänbigfeit 
anumebmen. Sie tritt $u ber erften in einen @egen= 
fa§, in eine ©egenberaegung. 5)amit ift in bie äftuft! 
etroas bis babin gän^idi üceuee, Unbefanntes einge= 
orungen: bas fimultane Schaffen unb sparen sroeier 
fontraftierenber Stimmen. SQBat biebjer bie melobifcbe 
(Srfinbung burd) bas 2£ort benimmt, ober in ben ^ubi(a= 
tionen burd) bie efftatifd)e$bantafie, fo ergab fidi jetu bie 
^cotmenbigfei^baB eine Stimme auf bie anbere lRüdfid)t 
nebmen mußte. Xies führte ba^u, iecrjnifcrje SQcittel 511 
erfinnen, Regeln aunuftetlen, bie bas 2>erbä(tnis oon 
$tt>ei ober brei Stimmen jueinanbet oroneten. SBaren 
ba§ gan^e Altertum uno frübe Mittelalter binburdi 
bie Sraftate über bie 9ftuftf r>on matbematÜdjen 
Unterfudjungen über bas $errjä(tnis ber £öne ju= 
einanber erfüllt, fo ftnb oon je^t an bie -Iraftate 

21 



bauptfädjlid) 2lnmeifungen, wie man mehrere (Stimmen 
in ein richtiges $erl)äitni§ bringen fönne. 

$$ie bei bem ^luffommen jeber nenen ^unftterfjni! 
in ber allgemeinen ©ntroirflung,, in bem, mas man aU 
„gortfdjrttt" ju beseidjnen pflegt, fdjeinbar ein ©tül* 
ftanb eintritt, b\§ bas ^rembartige ber nenen Xed)ni! 
bcrart verarbeitet raorben ift, ba£$ feine rjanbroerflid)e 
^ermenbung feine <5d)mierigfeiten meljr mad)t, fo 
mußte mit beginn ber 9Jlel)rftimmigfeit etmas 93 e= 
beutfames aufgegeben merben: bie ungerjinberte, freie 
Entfaltung, ja fogar bie freie (Srfinbung ber Sflelobie. 
2ftan nabm einen 2lusfd)nitt aus einer ber gregoria-- 
niicben SJielobien, unb rtdjtete ir)n §ur $ermenbung 
in einer mel)rftimmigen s 33erjanblung baburd) bjer, bafj 
man ifyn in beftimmte metrifdje Söerte preßte, £ann 
erfanb man §u biefer, bem merjrftimmigen ®ebraud)e 
abaptierten SMobie eine §meite ©timme, bie fid) in 
ibrer 33eraegung nad) ber erften §u richten r)attc. 3n 
biefem ^ßrogeffe fönnen mir ben erften ®eim einer 
mufifalifdjen 2Ird)itef:tur in unferem ©inne erbtid'en. 

Hub menn mir genau sufe^en, fo finb bie bei uns 
beute gebräud)tid)en, erften fontrapunftifcrjen Übungen, 
ju einem gegebenen Cantus Fixums eine §meite ©timme 
Mi ie^en, r>on ba aus §u immer fd)mierigeren Aufgaben 
fortjufdjreiten, nid}ts anberes, als bie 5lbrcicflung ber 
Probleme eines jatyrlrnnbertelangen ßmtmicflungsmeges 
innerhalb ber furzen Seljr^eit eines jeben jungen 
Gunters. 2er fd)öpferifd)e ®eift eines jeben ®ompo= 
itiften bebarf anfd)einenb als Anregung unb gunba-- 
ment einer furzen 9Mapitutation bes ganzen 3Beges, 
oeu feine Vorläufer uor ifjm §urücfgelegt rmben, um 

22 



bie innere greibeit ju erlangen, unb felbft etroas 
Oteues fd) äffen $u fönneu. 

£)ie gormen biefer erften mefjrftimmigen $ompo= 
fitionen finb im Umfang aufjerß fnapp gebalten, nur 
ganj atlmal)lid) mirb bie gorm etmaS gebelmt unb 
erweitert. 9Jlan bebient fid) babei eines terf)nifdien 
Hilfsmittels, bas nur ein geringes hinausgehen über 
bie bisherige Xedjnif bebeutet, unb bod) geftattet, bie 
gorm über bie Sänge bes s 3)celobieabfd)nittes $u er* 
meitem. (£s ift bas imitatorifcfje (Sinfe^en ber $meiten 
Stimme, einige %aht nad) beginn ber erften. ^iefe 
Xedjni! fübrt über Ranon, Gaccia, Dxicercar \px guge; 
in all biefen formen jeigt fid) ba* 33eftreben, mit einem 
gegebenen — eigenen ober übernommenen — Xbemem 
material ein Sflufifmerf aufzubauen. 2Bo es fid) um 
bie Ronftruftion größerer Sär^e fjanbelt, mie im ber 
s 3Jleffeufompofition, mirb ebenfalls ein Siebausidmitt 
ju £>tlfe genommen unb bient bem Aufbau bes Saües 
gteicrjfam als fonftruftioe Stütze. Um öiefe @runb= 
metobie, ben Cantus Firmus, raufen fid) bie anberen 
Stimmen: bort, mo fie ju breiterer (Entfaltung brängen, 
mirb er geber)nt ober burd) Raufen auseinanbergeriffen, 
an anberen Stellen merben mieber bie 9cotenmevte 
oerfür^t, in ein anberes 2)cetrum gebracht ufm. 

£>ie Schaffung großer formen ift bemnad) in ber 
s JJtufif bi§ §umQ3arocf an bas 33orl)anbenfein fonftruf= 
tioer Hilfsmittel gebunben. ©rft uon bem 2Iugenblicfe 
an, mo bie füljrenbe Stimme pgleid) Cberftimme, 
^celobie in unferem Sinne, mirb, bereitet fid) bie grofje 
ilmmätpng in ber s Dcufif oor. £)ie Metobie mirb jum 
Präger ber ©mpfinbung mit giguren unb Koloraturen 

23 



au^gefdjmücft, unb geminnt berma^en an Bebeutung, 
baj3 alle anbeten (Stimmen hinter il)r jurücftreten 
muffen. 3(us biefem ($runbe entfällt t>on felbft bie 
9lotmenbigfeit, biefe Begleitftimmen metter mit berfelben 
(Sorgfalt auszuarbeiten mie früher; man legt nid)t 
mel)r SGöert auf bie Stimmführung, fonbern auf ben 
ßufammenflang ber Begleitung mit ber SJMobie. 3)as 
l)armonifd)e Element, burd) ba§ Einbringen ber Bor- 
Zeichnungen ber Bielgeftaltigfeit ber föirdjentöne ent= 
mad)fen, unb immer mel)r $u ben prägnanten Slontraften 
oon £)ur unb 9ttoll brängenb, tritt in ben Borbergrunb. 
3)ie ^Iftorbe merben forgfältig gemäfytt unb miteinanber 
oerbunben. <2)ie Siffonan^ mirb ein (Steigerungsmittel 
be£ l)armonifcf)en $lusbrucfs. Qe^t erft ift bie %otm* 
gebung ber 9ftufif innerlid) nötlig frei gemorben; fte 
f)at ti)x erftes (Stabium in ber Entmicftung ber 9)lebr= 
ftimmigfeit übernmnben, unb muj3 nunmehr gteid)fam 
oon neuem anfangen. 2lud) ba£, ma£ §u Beginn bes 
16. Jal)rl)unbert0 an Snftrumentatfompofition ge= 
fdjaffen mirb, mad)t gegenüber ben Söerf'en im alten 
(Stile einen primitioen, ecfigen (Einbrucf. £)a§ 9leue 
ift aber ber Beginn einer (Sdjreibmeife aus bem 
©fyarafter ber ^nftrumente fyeraus, ber Beginn einer 
inftrumentalen gormbitbung unb Xljematif, bie r>on 
ber gefänglichen unterfcfyieben ift. Betracf)ten mir 5. B. 
bie £autenfompofitionen, fo fällt bie Brüd)igfeit ber 
(Stimmführung auf, l)ören mir aber biefe föompofitionen, 
fo erfennen mir, ba§ fid) bie (Sdjreibroeife nad) ben 
tedjnifdjen unb !langlid)en 9Jtöglid)feiten unb 2Bir* 
hingen bes Qnftruments gebitbet fyat. 
3Bte man fielet, ift ber gortfdjritt ober, beffer ge* 

24 



jagt, bie 28eiterentmicflung ber Sftufif teuer erfauft, 
benn unter bem (Sinfluffe biefer neuen 3ti(entmicflung 
ging im Saufe bes 16. Jsabrfyunberts ber berrtid] 
blübenbe 2k(£apetla=@efang jutüd unb üerfcrjraanb 
altmäbüd) im Saufe bes 17. Ja Wunberts. SBit !ön= 
neu einen äfm ticken ^ro$eß im 18. Jsalivhunbert be= 
obadjten: f)ier ift es bie bod)entmicfe(te fontrapunftijdje 
Schreibart, bie gugunften ber auffommenben §errfd)aft 
ber iinfomidjen 3d)reibmeije aufgeopfert nürb. Unb 
in unferen Sagen tonnen mir fetbft oerfotgen, wie 
mieberum btefe, oon ben Crdjeiterfomponiften be? 
19. ^abrbunberts auf eine bebeutenbe §örje gebradite 
3d)reibmeife im begriff in, oon einer neuen bisher 
nur in Umriffen erfennbaren Ütidjtung abgetöft $u 
merben, bie in äbnlicrjer ^Betie auf bie botje 93(üte 
oes Crd)efterfti(s ^ugunften einer neuen, primitioen 
2Iusbrucfsmeife r>er$id)tet, mie bie s Dconobie auf bie 
Oteife bes Ü(;Gape(Ia=3rils. 

3n ben mufifgeidnduüdien ^aritettungen ift bte 
Oteoolutionierung bes ganzen iDcuftfempfinbens, meiere 
in ber 2tb(öiung bes meljrfttmmigen Gborgefanges 
burd) ben einftimmigen — monobifd)en — ©efang 
§utage tritt, bis in bie te^te 3 e ^ nicfjt ridjtig bewertet 
roorben. ©ine ^unftauffaffung, bie in ben fogenannten 
„Haffifdjen" 3d)önbeitsibealen befangen mar, ftanb 
biefem ßunftmollen — um mid) bes Otiegelidjen 2lus= 
bruefs §u bebienen — fremb gegenüber. 3o fam es, 
baf3 man ben tatfäd)(id)en beginn bes mufifatiferjen 
Q3arocf überfab, unb als ben entfdjeibenben ©enbe^ 
punft in ber ©ntmieflung bas (Sntftefyen bes 9)cufif= 
bramas anfaf). Grft ®olbfd)mibt, in ber „Öebre oon 

25 



ber oofalen Crnatnentif", £eid)tentritt in ber 9teu= 
bearbeitung bes IV. i8cmbe§ ber „(#efd)id)te ber Sftufif" 
oon 2fatbro§, föemaiin im „."panbbutfj ber üBfcuftfge* 

Kbid)te" II, 2 nnb 3lblcr im „<5ttl ber SJtufif" fjaben 
eine biftorifd) objeftioe Beurteilung be3 monobifd)en 
Stiles gegeben. (Sine umfaffenbe £)arftellung biefer 
C*potf)e fterjt aber nod) aus. ©ie bürfte fid) nid)t auf 
ba§ 9ftufifatifd)e allein befcrjränfen, fonbern alle %ab 
toren mit einbeziehen, roelcfje bieje rabifale Um= 
mäljung in äftfjetiftfjer 53e§iet)ung bercirft bjaben, 
müßte alfo auf breiter futturf)tftorifcf)er BafiS aufge- 
baut fein. 

2J&et ielbft bie mufifgefd)id)tlid)e gorfdjung l)at bie 
tbr primär jut Verfügung fterjenben ^auptquellen unb 
Hilfsmittel nur unoollfommen oerroertet. 3)enn neben 
ben mufifalifdjen 3>enfmä(ern, b. b. ben in 3)rucf ober 
.N>anbfd)rift überlieferten ^omoofitionen, fomtnen bie 
üßorreben ber ftünftler §u ifjren Werfen unb bie 
Ivaftate ber 9)lufiffd)riftfteller in 33etrad)t, bie in jener 
3cit ben früberen, merjr tfjeoretifdjen (Xbaraffer ^ltm 
großen Seile aufgegeben fjaben, unb funftorjilofoprjifcrjer 
■Jlaiur finb. (Ss märe nunmebr notmenbig, bie Duellen 
fnftematifd) burd^ugerjen, um ein oo(lftänbige§ 53ilb 
biefer ungemein mid)tigen ^eriobe 51t erlangen. 

III. 

Saft bas ganje 16. ^sabrbunbert f)inburd) mäbrt 
ba3 fdjroere fingen §ur 2urd)fetjung beS neuen &unft= 
empfinbens. s Jcid)t nur bie neuen formen finb oon 
oteiem (Seifte erfüllt, aud) bie alten werben oon bem 
T ränge nad) gefteigertem ^lusbrude erfaßt. 2iucr; in 

26 



ber 9ftet)rftimmigfeit mirb bie freie Crnamentierung 
ber einzelnen ^ßattc (Bitte, unb für)rt baju, bafy jeher 
Sänger ben anberen an Steigerung ber Sftittel über- 
bieten Tötü unb au3 bent morjtgeorbneten Singen bäufig 
ein tüilbe^ 3)urd)einanber ber Stimmen mirb. SHefcS 
Verjagen bes (£l)orgefanges bei ber s 2tnmenbung ber 
neuen Glittet fdjabet aber nicfjt etroa ber neuen 9ticf)^ 
tung, jonbern mirb als $3emei3grunb gegen bie Unoo(l= 
fomment)eit bes Bingens in ber alten fontrapunftifd)en 
Spanier ausgelegt. 3>n einer pft)ct)oIogifcf) intereffanten 
unb fonfequent burdjgefübrten 2£eife üotl^ieljt fid) bie 
©ntmicftung be§ monobifcfjen (Sefanges. 

£)er Anfang ber ?Jtonobie beftebt barin, ba% bei 
einer mefjrftimmtgen ®efangsfompofition bie Cber^ 
ftimme — unb nur bie Cberftimme — burcb 2ln&titu 
gung r>on Verzierungen ausgefcrjmüdt, ornamentiert 
miro. Taburd) unterjd)eibet Jte fid) tedjnifd) unb 
äftbetifd) non ben übrigen Stimmen, bie an ^öebeutung 
oerlieren unb nid)t mebr burd) Sänger, fonbern non 
Jnftrumenten oorgetragen merben. Unb jmar gibt es 
hier ^meiertei gravis: (Sntmeber übernebmen einzelne 
3nftrumente jebe Stimme, ober es merben alle insgefamt 
nad) 2trt eine3 ^laxnerausjuges auf Crget, (Xlaoicrjorb 
ober Saute miebergegeben. Q3efonbers bas Sauten- 
arrangement mar bei ben ßeitgenoffen anwerft beliebt, 
e£ gab ben SQlufi^ierenben bie 9Jlög(id)!eit, 2$erfe, ju 
beren 5ütffüt)rung man bisber einer Qafyl oon nier 
bis fünf 9)tufifern beburft batte, altein unb unge= 
jmungen aufzuführen. (Ss entfiel bamit aud) bas §in- 
bernis\ baf} alle Sänger gleichzeitig zur Stelle fein 
unb bie ^ompofition burdjgeprobt baben mußten. 

27 



s Jcad)bem man eine 3dtlcmg SBerfe in biejer SBßeifc 
bearbeitet ^atte, begann man biefe ©djreibroeife \u 
pflegen, ofyne ben llmiueg über ba§ Arrangement ju 
nebmen. 33ei biefen ^ompofitionen tritt immer met)r 
bie (Belbftänbigfeit ber Begteitfttmmen jnrücf; alle 
Aufmerffamfeit ift auf bie freie (Entfaltung ber einen 
(Befangsftimme gerichtet. £>a3 nüdjtigfte DJlittel juv 
Ausgeftaltung ber Sftonobie bot in tedjnifdjer §infid)t 
ba£ Auffommen be£ ©eneralbaffes, bes Basso generale 
ober Basso continuo. SJlan fetzte früher feine angeb= 
tict)e ©rfinbung burd) Subooico ©rofft ba $iabana 
nad) 1600 an, ift aber (ängft oon biefer Annabme 
abgefommen, ba fid) gegen (Snbe bes 16. Jafjrbunberts 
bereits eine 9reu)e non ^ompofitionen mit Basso 
continuo nad)meifen (äffen, ©s fyanbelt fid) babet 
um folgenbe notationsted)nifd)e Dceuerung, bie fpäter- 
i)'u\ auf bie innere Strttftut bet ^ompofitionen großen 
(vinf(u§ genommen rmt. 

2)a bie Begleitftimmen ber fübrenben ©efangsftimme 
berart am eigenen Seben oerloren Ratten, ba£ man 
nid)t mefjr oon Stimmen, fonbem nur meb,r oon 
Q3eg(eitaftorben fnred)en !ann, oereinfad)ten bie ^om^ 
ooniften bie partiturmäflige Aufzeichnung bal)in, baf; 
fie nur bie ©ingftimme unb ben basugerjörenben 3n= 
ftrumentalbaft austrieben, unb bie Ausführung ber 
barmoniefüllenben Sftittelftimmen bem 3uftrumenta(iften 
überliefen, ber aber burd) eine Bezifferung unterhalb 
ber 33afjftimme über bie Abftdjten bes $omnoniften 
unterrichtet mar. 

tiefer monobifdje ©efangsftil gegen (Enbe bes 
17. Qabrlmnberts mar alfo infolge feiner ausbrucf$= 

28 



oollen Gelobt! fäf)ig r teibenfd)aftlid)e ©efüfyle gu oer= 
förpem, unb mar barem, fid) mit einer neuen 2trt 
üon Snrif §u üerbinben, mie e§ fpäter tatfäd)lid) in 
ber Kantate gefdjat), als ba£ 2luffommen be3 9)cufif= 
brama§ il)n in eine anbete §auptrid)tung abteufte. 

Vorbereitet mar ba£ £)rama ber üDhtfif burd) bie 
3ntermebien unb bie geiftlidjen ©piele, au^gelöft 
mürbe es burrf) bie atdjaifietenben Q3efttebungen eine£ 
®teife3 gelehrter Scanner, bie antue Stagöbie mit 
©efang unb ©piet §u erneuern. 

2113 ätteftes Söeifpiel mufifalifdjet Einlagen in einem 
gef pro ebenen 3)rama laffen fid) 9ttufifftüd:e im „Drfeo" 
be§ $oli§iano au§ bem 3>al)re 1471 nacfyraeifen, unb 
§mar maren e3 ©teilen, bie eine erf)öf)te btamatifdje 
93ebeutung Ratten. (£3 ift nid)t unintereffant p et= 
mahnen, ba$ aud) p einer Qt'xi, wo ba§ burdjfonu 
ponierte Dramma per musica beftanb, Xfyeoretifer 
mie £)oni, e§ für beffer bieften, nur bk bramatifdjen 
£>öl)epunfte §u fomponieren unb nid)t bie ganje 
.soanbtung. 

Seit bem .Qafyre 1480, mo in 9tom eine Conver- 
sione di S. Paolo §ur 2Iuffüf)rung gelangte, mürbe 
e£ allgemein (Bitte, ba§ auftreten einzelner mistiger 
s $erfonen mit SJluftr 5 §u begleiten. 2Bir tonnen uns 
beute einen ^Begriff non biefem (£inroirfen ber Sflufif 
machen, menn mit an bie melobramattfd)en 2ßitfungen 
in ben 3 auDer ftüden cine§ Dtaimunb benfen, mo jebeS 
auftreten t»on geen unb (Seiftern burd) eine jatte 
93egteitmufif eingeleitet ift. 93ebeutung erlangen aber 
biefe mufüatifdjen ©intagen erft, als fie an ba§ (Snbe 
ber 9Wte oertegt mürben. 

29 



©iefe mufitalifdjen SwtWcnipielc, Qntermebien ge* 
nannt, mürben anfangt rein inftrumentat ausgeführt. 
S)ie 9Jlufif 51t irrten ift großenteils r>er(oren gegangen: 
roxt freien nur Angaben in ben £ertf)üd)ern, bie uns 
l)tnläng(id) über bie Stellung ber SJluft! jum 3)rama 
orientieren. 

Mmäljlid) aber nahmen bie ^Ktermebien einen 
berartigen Umfang an, ba$ Antonio grance^co ©raj= 
jini 1582 fcfjreiben fonnte: „(jemals pflegte man 
^ntermebien bem Suftfptel anhängen, beute l)ängt 
man bas ßuftfpiel ben Qntermebien an." 

Dieben ben rein inftrumentalen Partien finben nun 
aud) ©efänge in SDtabrigalform ©ingang, bie mitein= 
anber fo oerbunben merben, baß man oon mabriga- 
teufen Dramen fpredjen fann. $!)ren £öl)epunft ftellte 
ber „2lmfip am äff 0" r>on Drajio SBecdn' bar, oon bem 
aus pfud)otogifd) nur meljr ein ©djritt §um monobifdjen 
^rarna mar, menn man fid) oorftellt, baß bem orange 
nad) größtmöglicher Snbioibualifierung e3 nid)t mel)r 
genügen fonnte, menn ©mpfinbungen eines (Sinjelnen 
burd) eine (Xfyormaffe miebergegeben mürben. 

£ie §meite Ouelle, ba3 liturgifd)e £)rama mit SJhifif, 
füljrt ins Mittelalter ju 501arienflagen unb ^affionen 
jurücf, bie fpäter ben itatienifdjen Sftapprefentationen 
bes 16. 3al)rl)unbert§ in glorenj unb anberen mittel 
italienijd)en (Stäbten ^3lat$ machten. 

3)et eigentliche llrfprung ber geiftlidjen Ijalbbrama^ 
tijd)en gorm bes CratoriumS um 1600 liegt in 
ben Saubengefängen, bie bereits bialogifierenbe (£le= 
mente enthalten. £)urd) fie ergab fid) bie 9Jlöglid)feit 
einer außerhalb ber offiziellen ßiturgie fteljenben reti- 

30 



giöfen föunft, beren nädjfte Gsntmicftung $um Dta= 
torium führte, liefen attmäl)lid)en (Entraicflungsgang 
ber 3Jhiftf für^te ein intelleftuetles Moment ab unb gab 
ifym fefte gorm. (Es war bies bas früber ermähnte 
23eftreben einer 9teirje oon gebildeten ßunftfreunben, 
bie antife Sragöbie $u erneuern. 

©egen @nbe bes 16. 3<* Wunberts finbet fid) am 
§ofe gerbinanb§ oon Sftebici in Slorenj ein $reis 
oon ©bedeuten unb ÜDhififern, bie im §aufe bes 
©rafen Söarbi jufammenfamen unb ©efpräcfye über 
bie 9Jcöglid)feit einer (Erneuerung ber antuen £unft 
fübrten. 

$Bie auf alten anberen Gebieten bilbeten aud) rjier 
bie SBorfdjriften ber grierf)ifd)en unb römifd)en 3d)rift= 
fteUer ben Ausgangspunkt aller £unftbetrad)tung unb 
bie (Entfdjeibungen, bie fid) bei ^lato unb Ariftoteles 
finben, finb für bie Florentiner (Eamerata oon a&fo= 
tuter Autorität. 

$on ber (Erkenntnis ausgerjenb, baj$ bie antuen i£rtU 
göbien nid)t gefprod)en, fonbern gelungen mürben, 
fud)en ©raf iöarbi unb feine greunbe biefen oertoren 
gegangenen bramatifdjen 'Stil mieber ins Seben }u 
rufen. (Es mar, mie ermähnt, ber $3oben ba$u oöttig 
oorbereitet, unb bie hochbegabten SJlufifer (Eaccini unb 
^Peri empfingen burd) biefe ®efpräd)e, beren Q3ebeu= 
tung fie in ooltem Sftafje anerlannten, Anregungen 
ju einer Stitmanblung ober, beffer gejagt, §ur fom 
fequenten Anmenbung eines Stiles, ber bereits im 
Meinte norrjanben mar. 

£>a£ eigentliche 9)canifeft gegen ben früheren Stil, 
bie „ßriegserftärung gegen ben ^ontrapunft", mie 

31 



}(mbros fid) ausbrücft, ging bemgemäjs aud) nom 
geiftigen Urheber ber ganzen 53emegung, bem (trafen 
s £arbi, aus\ @r fcrjreibt über bie antue SJlufi! nnb bie 
$unft bes fdjönen «Singend einen längeren, an ßaccini 
gerichteten Straftat. 3(13 3eid)en ber Sßßirfung ber alten 
$ftufif auf bie ßutjörer für)rt er eine Sftetfje ber be= 
rannten s Jftr)tt)en nnb 3Ine!boten an, roorin t>on 2Bun= 
bern ber 9ftufif berichtet mirb, bie er, ber aufgeftärte 
(Mefyrte, fonberbarermeife at3 unumftö§Ud)e £atfad)en 
nmftettt. 

„§eute aber," fagte er, „fdjeibet fid) bie SJlufif in 
§mei gro^e Steile: £)ie eine gehört bem ^ontrapunft 
an, bie anbere fottte .arte di ben cantare' r)ei^en." 
@r üernnrft bie fünftticfje Q3i(bung eines 9Jtabrigats, 
tabelt, ba$ 5. 93. ber 33aJ3 fid) in langen 9lotenmerten 
bewegt, mär)renb bie Cberftimmen eine fcrjnetfere Q3e= 
megung ausführen. „Unfere ^omponiften", meint er, 
„mürben es für eine £obfünbe galten, menn fie bie 
Btimmen gleid^eitig auf benfetben Sertfüben unb in 
benfetben s Dlotenge(tungen §u r)ören befämen, fie galten 
fid) üielmerjr um befto gefd)icfter, je mer)r fie bie 
Stimmen in Q3emegung bringen . . . ilnb ba mir un£ 
nun in fo tiefer ginfterniS befinben, fo moüen mir 
menigftenS trauten, ber armen SJlufif ein rcenig £id)t * 
$U üerfd)affen, ba fie feit itjrem Verfall bis je^t in 
fo nieten ^atjrfyunberten feinen S^ünftler gefunben, ber 
über ir)rc SBebürfniffe nad)bad)te, ber fie nidjt tnet-- 
metjr auf bie 93at)nen be§ $outrapunftes\ irjres £ob= 
feinbes, brängte." 

Ta§ SBid)tigftc, um bie 9Jtufif rcieber emporju* 
bringen, fei, ben $8ersrr)rjtr)mus §u beachten unb ntcfjt 

32 



bie SRuftfer. ber ©egemtmrt nachzuahmen, metcfje ir)ren 
(Empfinbungen jutieb ben SSerl zugrunbe richten unb 
in ©tücfe retten. Q3arbi forbert alfo bas, roa? 
Wagner bie Gmtfterjung bes Sttelos aus bem 3pratf)= 
t»ers nennt. 

3>et crftc SBerfud) im r cjttatiütf d) en 3tU ging non 
$icen§o ©alilet, bem Sßater bes berühmten Slftro- 
nomen, aus. (Er rjatte in ber beliebten £ia(ogform in 
birefter 2lnlermung an ben 3til SßlatoS eine 2(bbanb= 
tung* über alte unb neue Sötufif üerfafet. ÜIuBerbem 
tjatte er bie attgried)ifd)e £)rjmne bei Sftefomebes tat* 
becft, beren (Entzifferung erft im 19. Safjrfyunbert er* 
folgte. (Er mag aber burd) biefen gunb einen ftarfen 
pfndüfcfjen Jwpull befommen rjaben, biefe uerloren 
gegangene $unft neu §u beleben unb, menn es nidu 
burd) . (Entzifferung bes £)otumente3 gelang, fie burd) 
abäquate neue £ompofition ju erfetjen. 3o fdjrieb er 
Zu ben SBorten bes (trafen llgolino in Nantes 
„Divrna Commedia" bie SJluftf. (Er trug biefen ®e= 
fang fetbft nor unb mürbe non mehreren Violen be^ 
gleitet. £)as ift nod) bie alte %otm bei mabrigalesfen 
©efanges, r>on ber eingangs gefprodjen mürbe, bei 
melcrjer eine merjrftimmige föompofition berart r>or^ 
getragen mürbe, baf; man btofj bie Cberftimme fang. 
£as Dleue barin mar anfd)einenb ber bramatifd); 
beraegte Grjarafter ber rejitierenben 3ingftimme. 

^ie eigentüdje 2Benbung zum £rama trat aber 
erft ein, als s 33arbi frfjon tftorenz üerlaffen tjatte, 
com s ^apft (Etemens XIII. nad) 9tom berufen. 9lun= 
merjr r>erfamme(te fttf) ber $rei£ im §aufe oee 
^acopo (Eorfi. 

•2B eile ss, Ser 33egmn bes mufikalifcfjen Q3arocfc ufro. 3 

33 



§ier nabm *ßeri bie füljrenbe Diode ein. (£r war 
3dniler oon ©riftofano 3Jla(oejji unb Ijatte eine ge= 
biegenere Slusbtlbung als fein Dtioale (Xacctnt erfahren. 
gut bie £ed)nü feiner Kompositionen mar feine be= 
fonbere SSittuofttat als Crgelfpieler unb aud) auf ben 
anberen Xaftinftrumenten bebeutungsooll. @r befa§ 
außerbem eine fd)öne Sopranftimme, bie il)m (Eingang 
in ade ariftofratifdjen ©aton§ oon gloren§ oerfd)affte. 
Ter §ei*3og l)atte if)n aud) &unt ©enera(mufifbire!tor 
eingelegt unb infolge biefer Stellung füllte er fid) 
allen s Ucufifern übergeorbnet. 

^ceben ^eri ift Dtinuccini, ber Xertbttfjter, als trei= 
benbes Clement gu nennen. (£r mar ber Sidjter ber 
meiften Dpetntejrte unb fyat mit iljnen ftilbilbenb für ein 
ganjcS Ja^rljunbert gerairft. 3lud) er mar oon bem 
©ebanfen ber Llnübertrefflidjfeit ber gried)ifd)en. %ta* 
gübte burd)brungen, fudjte biefem ^beal nad^uftreben 
unb oerftanb es, burd) !lar aufgebaute §anbtung, 
oornefyme ©pratfje unb Knappheit be§ 3(usbrucfe§ 
eine oorjüglidje ©runblage für bie mufifalifdje 51us= 
geftaltung §u bieten. 

©0 maren alfo bie Sßorbebtngungen gefd)affen, aus 
benen fid) bie neue ftunftform bes Dramma per 
musica entroidetn fonnte. 



IV. 

$tu§ bem öefagten ift fdjon f'lar Ijeroorgegangen, bafj 
bie 3 e itgenoffen ba§ ©efüfyl bafür Ratten, einer mufi- 
falifrfjen öoolution gegenüberstehen unb nidjt einem 
plötzlichen $3rud)e mit ber Vergangenheit, rcie man bie£ 

34 



in ben Anfängen mufifgefdjidjtlidjer gorfcfjung annahm, 
raenn aud) ©tnjelne tyten Anteil an bem Umfdjnmnge 
ntd)t gering anfdjlugen. Dies Beroetfen bie §af)lreid)en 
Sraftate unb 33orreben ju ben Dpero, bie bas ^re= 
gramm ber neuen 9tid)tung enthalten. SJlerftüürbig ift 
in ben nteiften biefer «Sdjriften bae iöeftrcben ber 
2ftuftfer, f)iftorifd) roeit au^uliolen, ba§ 2llte mit bem 
bleuen §u Dergleichen unb je nacf) ber ^arteiftellung 
ba§ eine ober ba3 anbere Ijeroorju^eBen. 3n ber läfteljrs 
gaftl Hingen atterbings bieie xraftate in ein Sob ber 
neuen Shmft au3. 

5£em ber Vorrang in ber 2Iu§bilbung beS monobtjtfjen 
§um eigentüd) re^itatinen Stile gebührt, ift nidjt gang 
flar. ©3 fontmen brei Scanner in Setradjt, bie in ben 
oerfdjiebenen Straftaten all ..Inventori" angeführt 
raerben: ©iulio ßacchtt, Jutcopo *ßeri unb 3Jlarco ba 
(Sagliano. Übereinftimmenb rotrb nur oon allen als 
ber eigentliche ^fabftnber ber mobernen ^Bewegung 
ber geniale S)on (£arlo ©efualbo, principe bi sßenofa 
genannt, beffen ©efangSftü in ben üDcabrigalen ben 
9cad)folgern ben 2öeg gezeigt fyal ©s ift aud) eine 
fer)r bemerfensraerte ©rfdjeinung, ba£ feine Sftabrtgate 
mehrere ^artiturauflagen erlebten; ein ungeroöfm fidler 
gaU unb ein Qt\d)zn, baf$ fte (Begenftanb eifrigen 
Stubiums für bie SJhtftfer raaren. 

3n bem Xraftate „Discorsi e Regole soyra la 
nmsiea" bes 3eüero Q3onini fpridjt biefer ba3 Soor* 
red)t ber ©rftnbung be3 neuen Stiles allein bem @iulto 
Gaccini betto Dtomano p, unb nennt erft in jmeiter 
Sinie ^acopo ^eri unb Sftarco ba (Sagtiano. 9Werbtng§ 
itütjt er fid) in feinen Darlegungen l)auptfäd)lid) auf 

3* 

35 



bie Sßorrebe oon Qaccini felbft 511 ben 91uooe ÜJflufirfje, 
oon ber gleid) bie 9?ebe fein fott. 

9Jlarco ha ©agliano hingegen fd)ilbeit in ber Soor* 
rebe p feiner Cper „^afne" ben Vorgang anbers 
unb ftellt Jacopo Sßeri als. ben (Srfinber bes neuen 
SitleS lu'n. „80 fanb §err Qacooo s }>eri jene funft= 
oolle 2lrt be§ 3r>red)gefanges, bie gan^ Italien beiüun- 
bert. 3d) merbe nidjt mübe raerben fie p loben, roeil 
jedermann fie unauffyörlid) (oben mu§ unb jeber Sieb- 
baber ber SJhiftf beftänbig bie ©efänge aus bem 
Drfeo nor fid) l)at. Qd) mufj aud) fagen, bajs niemanb 
bie öieblidjfeit unb Stärfe feiner ©efängc oo(I oerfteljen 
fann, ber fie nid)t oon il)m felbft gehört l)at." 

(Eaccini, ein $ünftfer oon großer ©elbftgefälligfeit, 
fpridjt in ber (Einleitung p ben s Jhtooe SJlufidje, bie 
33onini als l)aur>tfäd)lid)fte Cuelle gebient l)aben, oor-- 
nel)mlid) oon feinen eigenen Verbienften. ©eroiffe 
28enbungen biefer Vorrebe finb p großer Q3erül)mt= 
beit gelangt unb bilben ben $ern ber meiften ^ar^ 
ftellungen bes (Entfteljens ber SOknobtc; es ift baber 
nötig, barauf fjinptoeijen, baJ3 bie barin entbaltenen 
eingaben bes 2Iutor3 mit einer geroiffen Vorftdjt auf* 
pnebmen finb. ©leid) ber Anfang ber Vorrebe §eigt, 
rceld)e Meinung (Xaccini oon fid) befafc. 

„3Benn id) meine SDhififftubien in ber ftunft bes 
©efanges, bie id) bei bem berühmten ©cipio bei tyaila, 
meinem 2el)rer, gemacht l)abe, unb meine ^ompofitionen, 
meine 93labrigale unb 5lrien aus oerfd)iebenen Sabren 
bisher nod) nid)t oeröffentlid)t fyabe, fo ift bies ge^ 
fdjeljen, meil id) fie ber Veröffentlichung nid)t raert 
erachtete unb glaubte, es fei ifynen (Sbre genug miber^ 

36 



fahren unb fogar ü6er ifjr Verbienft, ha irf) meine 
üJiuftf oon ben berürjmteften oängem unb Sängerinnen 
3tatten§ unb ben oornebmften Dilettanten ber Runft 
beftänbig aufgeführt tr»ei§." 

Die anfängliche Q3efd)eibenbeit (£accinis ift, roie man 
fiebt, nur ein rtjetorifcrjer ©ffeft, um bie allgemeine 
Verbreitung feiner s 33cufi! in befto ftärferem fömtrafte 
erf feinen 31t (äffen. 

2öid)tig ift aber bas nacf)brücflid)e betonen einer 
geroiffen eblen Unterorbnung bes ©efangeä (ima certa 
nobile sprezzatura del canto); benn bie DJluftf „fei 
in erfter Sinie Spraye unb 9tl)tjtl)mus, erft in ^raeitet 
Don unb nid)t umgefefyrt". Dies ift ber ^ernpunft 
feiner Setjre unb becft j\d) mit bem 2lusfprutf)e r»on 
®lucf, ba§ er, roenn er 511 komponieren beginne, §u 
nergeffen fucrje, ba$ er ein 9Jlufifer fei. 

Gaccini forbert 00m ©änger, batj er ben 3tnn unb 
ben ®efüf)lsinf)alt beffen, roas er fingt, ootlfom= 
men oerftelje. ©3 genüge nirf)t atiein, über eine lange 
^3rari3 im ®efange §u oerfügen, man muffe autf) 
traft feiner 3tttelligen$ ben ganzen 3toff meiftern 
tonnen. „Diefe ßraft," fagt er, „oerträgt feine 9Jtittel= 
mät^igfeit unb je mer^r glänjenbe (Sigenfcbjaften i&r 
innen) ofynen, mit um fo größerer 3Inftrengung unb 
33emül)ung muffen bie Sefjrer biefetbe fleißig unb liebe; 
coli entfalten/' 

2Bie bereite erroärmt, ftefyt im SJlittetpunfte biefer 
Q3emegung ber Hampf gegen ben föontrapunft. Diefer 
rcirb ai§ bas ®runbübet angeferjen, meit er ba§u geführt 
fyat, batj eine finnmibrige SBieberrjotung unb Qerbe^ 
nung be§ Dertes um fid) gegriffen r)at. $lan roenbet 

37 



f i cli gegen bas „Laceramento della Poesia" unb 
betampft, ba£ bei Mabrigalen in ben nerfd)t ebenen 
Stimmen §u gleicher 3«t nerfdjiebene 2öorte gefungen 
merben. 2>iefe 2luftel)nung gegen bie f)errfd)enbe $ftid)= 
tung ift als eine SReaftion ber Italiener gegenüber 
oem non ben 91teb erlaub ern in 33enebig geübten fom= 
pikierten fontrapunftlidjen Stil auf$ufaffen. Man 
fyatte im 16. Jabrljunbert bie berühmten Reiftet aus 
bem Sorben als 2ef)rer fommen (äffen. 3^'e Hunft 
mürbe aber anidjeinenb niemals roabrbaft populär: 
fie mar empfinbungsgemäB unb ted)nifd) bem itatie= 
midien SBefeit 5U fremb, a(3 baß fie ifym mefyr f)ätte 
bebeuten fönnen, als ein §eitroeifes £)ineintaud)en in 
eine frembe 2£e(t. £en gegen ben ^ontrapunft gerid); 
teten Q3eftrebungen fam nun eine über oübitalien im= 
mer mef)r fid) burcfyfe^enbe, au£ Spanien ftammenbe 
Sdjreibmeife ju £)ilfe, bie mit ifyrer 6armonifd)en, 
üax geglieberten, einfachen Set^toeife rafd) eine ftarfe 
ÜIn()ängerfd)aft geroann. 3)a§ es fid) um einen fpa* 
nifd)en (Einfluß Ijanbeft, mürbe bis in bie jüngfte 3eit 
non ber gorfdjung nid)t erfannt. (Erft feitbem man 
ber fpanifd)en Sßofalmufif crr)ör;tes ^ntereffe juroenbet, 
geminnen Probleme, bie bisher unflar unb untöstid) 
idjienen, ein oeränberte£ $tusfef)en. Über Spanien unb 
über Sizilien fud)t jutn legten Male ber Crient feinen 
(Einfluß über ba§ 3(benblanb auszuüben. Unb menn 
and) feine fd)enfenbe ftraft nid)t met)r bie gülle jener 
Reiten befaß, ba ein ununterbrochener Strom non 
.^araroanen aus ben blübenben Metropolen 2(fiens 
gegen bie ftüfte bes Mittelmeeres §og, um @aben unb 
Sdjätje nad) bem SBeften §u fd)affen, als Möndje, 

38 



Slünftler unb 2Berf(eute aus Werften, Armenien unb 
(Sorten ü)re fjeimifcrje Kultur narf) ben §afenpiä§en 
3talien§ unb granfreidfys brachten, unb Bauleute unb 
3Jhijxler bi£ an ben 9tf)ein oorbrangen, fo muf bod) 
and) biefen testen 2(nftrengungen einer cor bem im* 
tner mächtiger merbenben 5I6enb(anbe jurücnr-eicrjenben 
£u(turroe(t §of)e Bebeutung ^ugemeffen raerben. Gs in 
bie letzte Sßefte int großen öin= unb öerraogen, bas 
bie ganzen Bedienungen ber (Briefen unb Werfer er= 
füllt, unb mit bem norübergetjenben Siege bes ($>rierf)en= 
tum3 im Hellenismus enbet, gegen ben bann eine um 
fo ftärfere 9tea!tion aus bem Cften einfette. 

£)ie Spanier oermenben bie bei ben Arabern in 
ftarler Bermenbung ftebenbe Saute, unb es entftebt 
eine grofje Stteratur für ©efang mit Begleitung biefes 
Jsnftruments. 3)er afforblitfje Sfjarafter bes Sfafttu* 
ments fd)ärft bas Dfyc ber opanier für bas £mrmo= 
nifdje. 

2lu£ ben roenigen £enfmälew, bie uns oorliegen, 
fann man bereite ein eminentes ©efüöl für fjarmomfdje 
gortfdjreitungen fonftatieren, unb ein Ber>or$ugen ber 
Cberftimme ju einer $dt, rco in Italien ber (Lantus 
nocf) in ben SDcittelftimmen lag. 

Sd)on ein 3)ofument jeigt beuttief), ba{3 bie 2Bid)= 
tigfeit ber oberften Stimme errannt mürbe: S)as Ver- 
bot in bem „Libro primo de la declaration de in- 
strumentos musicales 1549" be£ Quan Bermubo, 
beim Spielen melobifcrje Berjierungen anzubringen, 
iüo fte nierjt ausbrücf(id) r»om ^omponiften nerlangt 
ftnb. tiefes Verbot, bie melobifcrjen Konturen $u oer^ 
mifdjen, beutet auf ein intenfbes @efürj( für eine 

39 



ausgebilbete ^antilene l)in, bie in fid) gefd)loffen ift 
unb' feiner 23 erster im gen bebarf. 

2)em entfpric^t als (Segenftücf bie Auflage (£accinis 
gegen bie (Bänger, bie feine Vorfcfyriften uerfennen unb 
■äflifjbraucf) mit ben Verzierungen treiben. Unb betrachten 
nur bie tf)eoretifdr)en italienifdjen SBerfe über ©efangs* 
fünft, fo fällt un§ in ber gleiten ©älfte be3 16. Safjr* 
bunbert£ bie überaus reiche fömft ber Verzierungen auf. 

<£)ie Florentiner Reformatoren räumten aber nicfjt, 
mie man es immer barftellt, mit ben Verzierungen 
auf, fonbern fuftematifierten fie. Sie fdt)rieben felbft 
bie mid)tigften Verzierungen aus; anbererfeit§ fonnten 
biefe in ber neuen Sat^meife für eine Soloftimme mit 
Begleitung be3 Basso continuo feine foldje Verwirrung 
mel)r anrichten. 

(Saccini nimmt unter ben Xljeoretifern roieber ben 
rabifalften Stanbpunft ein. @r finbet, ba$ bie s $affeg= 
gien nur bie ©rfinbung berjenigen Seute finb, bie nidjt 
mit magrer Seibenfdmft oorzutragen miffen. 2Benn man 
bieg etnfälje, meint er, fo mürben bie ^affeggien 
^roeifelloS nermorfen, meil nid)t§ im größeren 2Biber= 
fpruef) zur SGöafjrrjeit ftefye, al3 fie. (£r felbft menbet 
biefe ^ßaffeggien nur bort an, mo bie Sftufif fid) in 
rubigen Valjnen bemegt unb bei ©d)lu^fabenzen. (£s 
banbelt fid) alfo, unb bies mu)3 ausbrücflid) betont 
raerben, bei biefem neuen Stile nid)t um einen rezita= 
ttoiid)en ®efang in bem Sinne, mie il)n SJlonteoerbi 
in feinen Spätopern ausgebitbet l)at, fonbern um 
einen ausbrucfsootlen 3otogefang. ^)a§ Reue mar 
bie nöllige Cberberrfd)aft einer oberften Stimme, unb 
um biejes Prinzip burd)zufüf)ren, muffte bie ganze 

40 



Shmft unb Kultur bei mef)rftimmigen ©efangel ge= 
opfert roerben. 2£enn im 17. 3cif)i^unbert noct) eine 
v 3cad)b(üte bei 9)cabriga(l entftanb, fo mar biefe neue 
9tid)tung mebjr burcf) tyarmonifcrje Qeinbeiten epod)e= 
macrjenb, all burd) eine funftootte ^olnprjonte. 

2>a§ SJitttel, moburd) ber nene (Stil fid) berart fon* 
fequent burtfjfüfyren liefj, mar, mie erroärmt, bie ©infüb* 
rnng bes ©eneralbaffel. @l ift ftar, ba£ burd) biefel SSer= 
fahren bie 5lufmerffamfeit bei (Spielers mebjr auf 
richtige, unb fpäter auf intereffante Harmonien gelenft 
rourbe, all auf eine fd)öne unb glatte (Stimmfürjrung : 
aber el entroicfelte fid) audj) ber Sinn für rjarmonifd)e 
folgen, für 2lftorbr>erbinbungen, für ba§> (Steigernbe 
unb 5Ibfd)rr)äd)enbe in ber §armonie, für bal 2lul= 
roeiten ber Habenden. 9ftan fudjte biefe immer raeiter 
rjinaul^urücfen, einen immer größeren s I>telobiebogen 
§u fpannen unb innerhalb biefel Q3ogen! bie 2lfforbe 
roirfunglDotl ju gruppieren. 

3mei weitere f)armonifd)e ^rojeffe fenn$eid)nen bie 
Anfänge ber 9Jconobie: Qas 5lufrjören ber Sftromati! 
unb bie ©infüfyrung frei eintretenber < 2)iffonan5en. 

£)ie ©rjromatü batte in ben legten 3>arjren \>e5 16. 
3 at) rfmnb er tl 5U einer ungeheueren Verfeinerung ge= 
füfyrt. -UJtit bem 2lufrjören ber mebrftimmigen VßotaU 
mufif mu^te fid) aber bie ©rjromatif fjauptfädjlid) auf 
bie Cberftimmen befdjränfen unb einel ber midjtigften 
fompofition!ted)nifd)en Mittel, bie G^romattf in ben 
^Jtittelftimmen, fjörte megen ber Unficfjerfjeit ber 2luf= 
§eid)nung allmärjlid) auf. 2lber aud) aul ben 3(u^en= 
ftimmen nerfdjmanb fie im Saufe b^5 17. ^afyrbjunbert! 
immer mef)r unb bielt fid) nur in wenigen gätlen. 

41 



<2)ie rcidjtigfte Sftolle fpielt nod) bie Gfyromatif: in 
einigen txipifdjen Cftinatobäffen bi3 tief in ba§ 18. 
Csa^rf)unbert. 

3)er s $ro§eJ3 ber SDiffonanjbefreiung begann mit ber 
©infübrung be«§ unvorbereiteten SDominant^eptafforbs. 
tiefer mar es, ber unfere moberne Habens ausbitben rjalf. 
SDa§ Q3eftreben narf) ber ^ominantbitbung ift älter als 
man meinte. 2lud) §ur $eit ber t>otlen 93 tüte ber Eird)en= 
töne mirb mit bem TOorb ber fünften (Stufe auf eine 
berartige SBtrfung Eingearbeitet. 91eu ift feit bem 
17. Jsalirlnmbert bie frjftematifdje ©rftarrung ber 
ßabenjen burrf) ben "^ominantfeptafforb unb bas~ 3 Us 
rücftreten ber Q3ebeutung aller übrigen stufen nor 
ber fünften. $)ie Befreiung ber £)iffonan§ non ben 
Regeln bes ®ontrapunfte£, il)re imputfbe $ermenbung, 
ift raieberum ein 3^<^)^ bes ermad)enben <5ub; 
jefthnsmus. 

9)lonter>erbi rcagte es, in einem Sftabrigal eine freU 
eintretenbe 9lone §u bringen, bie in eine ebenfalls 
unnorbereitete (Septime überfprang, unb fid) bann erft 
auflöfte. £)as mar eine, für bie bamatige Qe\t, un= 
erhörte föüljnfjeit unb rief 2öiberfprud) Ijeroor. ©in 
Ibeorettfer, ber föanonifus ©too. -Dlaria 2trtufi aus 
Bologna, nalnn gegen beriet l)armonifd)e greitjeiten 
Stellung in einer 1600 erfdjienenen <Sd)rift: L'Artusi, 
overo delle imperfezione della moderna musica. 
(£r fanb, biefe Sttabrigate feien $erirrungen unb führten 
jur Barbarei, Sie ÜJftiftgriffe gegen bie Regeln molle 
man als neuen (Stil entfd)ulbigen, e3 ginge aber nicrjt 
an, bie r>on ben Xfyeorettfern feftgeftellten (Sefetje ber 
SJhtftf umjuftogen. „Sie neuen ftomponiften roünfcrjen 

42 



nur bas Dfyc pfricbensuftcüen unb es burd) bie 
(Scrmelligfeit ber Bewegung §u täufrfjen. 3)aß aber 
bie Kantitenen aud) oerftanbesmäßtg beurteilt werben 
muffen, oergeffen fie. (£s finb Ignoranten, bie nur 
ein ©eräufd) machen motten unb nidjt miffen, mas 
man fdfjrciben barf, roas nid)t." 

Sftan erfennt fjier bie fd)otaftifd)e Senfmeife 2trtufis: 
^a Sflonteoerbi mdjt nad) ben Regeln ber antuen 
X^coretifer fd)reibt, ift feine SJcufif, obmol)l fie gut 
Hingt, oermerflid). SJconteoerbi mefjrt fid) aud) gegen 
bief eingriffe, inbem er2(rtufi oormirft, bloß bieDcoten 
beurteilt §u Ijaben, obne ben %ext, ber erft ben 3 hm 
ber Sßenbungen erfd)ließe. £)ier finbet man alfo 
ebenfalls bie ©accinifdje gorberung mieber, ba% bie 
DJlufif fid) bem (Sinn ber 2öorte fügen muffe. 

S)er (Streit, ob bie StRuftf ober bie Sprache föerrin 
fei, fjat non biefer Qdt an nidjjt mefyr aufgebort unb 
in 3^ten bes Übermudjerns ber ÜDtufif über bas 2Bort 
p ben großen Deformationen gefübrt, bie fid) an bie 
Flamen ©lud unb SBagner fnüpfen. 

V. 

gaffen mir ade bie ©rf Meinungen jufatmnen, rae(d)e 
fid) als Sfterfmale bes gegenüber ber früheren 9ftufif 
ueränberten 2Iusbruds ergeben — §errfd)aft einer 
oberften (Stimme mit tonma(erifd)en Koloraturen, unb 
finngemäßer Seüamation, 3urücf treten aller übrigen 
(Stimmen pgunften ber oberften, meldje in gleidjfam 
fomprimierter Sßeife ben 3nbatt aller (Stimmen in fid) 
§u oereinen unb miebergugeben fud)t; beginn einer 
l)armonifd)en Sogif, eines 2Ibroägens ber afforblicfjen 

43 



SBirfuttgeit unb in 93erbinbung bamit, einer atlmäf)* 
iicrjen SBerfelbftänbigung ber 'Diffonanj: beginn einer 
eigenen inftrumentalen Sdjreibmeife mit 5lusnü^ung 
ber folortftifdjen Qualitäten ber Qnftrumentc ($(ang= 
färbe), um bie Gelobte an fid) ju beleben, (Entftefyen 
neuer formen, beren ©niroicflung bis in bie ®egen= 
mart anbauert unb a\§ beren meientlid)fte3 9Jlerfmat 
ber tr)ematif(f)e Aufbau mit ber motioifd)en Steigerung 
angefeben merben fann — fo 5eigt fid) in attebem 
ber Söiüe ju einer perfönlid)en 2(usfprad)e, $u einem 
©eftalten in vergrößerten Proportionen, ein gefteU 
gertes ©mpfinbungsoermögen unb ba§ 33ebürfnis, 
ieber 3ltt oon Gmpfinbungen ®efta(t $u geben, ad 
oies (£rfd)einungen, bie ir)re parallele in ben anberen 
fünften fyaben. gurren mir §. 93. ben $ergleid) mit 
ber 2Ird)ite?tur anbeutungsmeife aus, fo jeigt es fid), 
ba§ bem Q3eftreben ber barocfen 33aufünftler, atte 
Zeile in eine gefd)loffene (£inr)ett ^ufammen^uf äffen, 
um einen (Mamteinbrucf ^u erjieten, ba§ ®efta(ten 
eineS ftets tubner merbenben s I>taobiebogem§ entfpridit. 
3Bie nun, um biefes 3iet optifd) ju erreid)en, bei ber 
gaffabe bie 2Iu§brucfsmitte( gegen bie 9flitte ju ge= 
fteigert merben, rcie f)ier and) einjelne s Iftauertei(e au§ 
ber glädje fjeroortreten, mäfjrenb bie Seitenteile jurücf= 
gefd)oben meiben, fo mirb aud) in ber 9Jlufi! burd) 
einen, gegen bie §öfyepunfte $u gefteigerten fyarmo= 
nifcben Aufbau bas 3\ti einer ^onjentrierung auf 
einige ^auptmomente angeftrebt. 2£ie biejenigen Zeile 
ber gaffabe, metdje man in ben ^rennpunft ftellen 
mill, burd) Züren mit einer reichen ^ortaibübung, 
burd) Saiden, genfter mit gefdmiücften ©iebelfelbern 

44 



beroorgerjoben werben, fo werben biejenigen £eile ber 
Kompofition, roeldje bjeroorgerjoben werben fotlen, 
burd) inftrumcntale §ilf3mittel unterftütjt. 3n ber 
*8aufunft äußert per) ein beraubtes ^erwenben 
optifdjcr SÖirfungen, bewirft burd) Steigerung bes 
Sd)atten3. S)ie SJcufi! bes Q3arocf entwickelt bement= 
fprecrjenb in wadjfenbem 9Jca^e ben Kontraft oon 
piano unb forte, unb oon (Solo unb SEutti. £)ae 
SBarocf beoorpgt Säulen, bie in eine gläcrje gepellt 
finb unb ben ©inbrucf be§ £ragen£ erwecfen follen, 
wärjrenb fte berart eingebaut finb, baft fie biefen 3roecf 
nicr)t erfüllen rönnen, unb in 28irflicf)feit nur basu 
bienen, bie gläcrje p gliebern. 3n ber äftuftf beginnt 
man 9Jlittelftimmen ju fcfjreiben, bie eine fontra= 
punftifcfje Bewegung oortäufcrjen fotlen, wärjrenb fie 
in 2Öirflid)feit eine bepimmte rr)r)tt)mifct)e gunttion 
erfüllen. 2$ie bie barocfe 2lrd)iteftur bie gefdjtoffene 
Sinie p burdjbredjen ober aufptöfen fudjt — man 
benfe an bie Sprengung ber (hiebet, an bie Unter; 
brecrjung ber ®efimfe burd) oorquellenbe $erfröpfungen, 
$or= unb Dtücffprünge, bie Sdjatten werfen, £urd> 
fetjung ber äußeren Konturierung mit Crnamenten — , 
fo ift aud) in ber SDlufif bas beuttid)e Streben er* 
pcfjttid), bie melobifdje Sinie möglid)p bewegt ju galten, 
längere ^cotenwerte auskurieren unb an wichtigen 
Stellen Koloraturen anzubringen. "£)em (Stande ber 
fpäteren 93arocffaffaben, bem golbftrotjenben inneren 
ber Kircrjen entfpricfjt in ber SJiufil bas 2Iuffommen 
be3 Crcrjeperfotorits, bie bewußte ^ßerwenbung oon 
einzelnen Snftrumenten unb Qnftrumentengruppen, um 
burd) ben ?tanglid)en 9?ei§ ben §örer p feffetn. 28ie 

45 



ber Qnnenraum mancher $ird)en nid)t burd) eine fefte 
£)ecfe abgefdjloffen §u fein fdjehtt, fonbern burd) eine 
maferifdje Fortführung ber 2lrd)ite!tur in ben freien, 
r>on ©ngetfdjaren auf Sßolfen burd)5ogenen ^immels^ 
räum übergellt, fo wirb aud) in ber SO^ufi! ein ber- 
artiges, auf 3 Unenblidje gerichtetem ©efüf)l erzeugt, 
rocnti bei ber 9Jleffe mehrere, auf uerfdn'ebene §öfye 
oerteilte ©änger= unb 3nftrumentend)öre aus mnftifdjer 
Ferne §u ertönen fd)einen. 3n ber SJlufif bitbet fid) 
bas ©efitf)l für bie SSerbinbung beftimmter $or= 
ftellungen mit ba^ugeljörenben klängen beimaßen aus, 
bafc man aus ber Sßerroenbung ber Qnftrumente bereite 
auf ben <Stimmungsinf)att ber Sftufif fd)(iefjen fann; 
Co entftefyen ^(angfumbole, meldje bie ©runblage ber 
neueren Jsnftrnmentationsfunft bilben. 

<2)ie erfte (£pod)e bes mufifalifdjen $arocf, bie 3^t 
bes Bingens unb bes erften $efta(tens bauert big &ur 
SJUtte bes 17. Qafyrfmnberts; bis §u ber Qtit, too bie 
anfangs bemegticfyen ard)iteftonifd)en gormen ber Cper, 
bes Oratoriums unb ber Kantate 5U feften gormein 
erftarren. 2)ie Seibenfdjaft roirb je^t fonoentioneü, ber 
fvifdje bramattfdje 3 U 9 tocid)t einem fentimentaten 
Srjrismus. 

3)as 9Jcufifbrama f)at feine ^ugenbjeit erlebt, unb 
ift in bas ©tabium ber Steife eingetreten. $on nun 
an bort bas ©benmag ber 2)ramati! in SQBort unb 
Ion auf. (£s beginnt bie §errfd)aft ber 2lrie; nom 
muftfalifdjen ©tanbpunft aus ein (Ereignis r>on größter 
SBidjttgfeit, meil faft alle formalen Probleme inner; 
b,alb ber breiteiligen $orm ber Sitte gelöft raerben, 
00m bid)terifd)en ©tanbpunfte aus betrachtet aber bas 

46 



Gnbe einer raabren bramatifcbjen Slftton. 3)emt um 
ber lurifd)en Entfaltung bei* Stric mitten wirb bie 
ganje §anb(ung ine Secco=3te§itatiu gepreßt, ba? 
mufifalifdi immer bebeutungstofer rairb. Unb btefet 
3uftanb enbet erft, aU eine Oreformberaegung ehmnu, 
mit ähnlichen ^rinjipien unb antififierenben £enben$en, 
rate bie ber gtorentiner, unb burd} öfucf (Mtalt unb 
3ül£btuct finbet. 

daneben aber bat jtdfj fdjon früher bie Jsnftrumens 
talmufi! in immer reiferer 2ßeife entfaltet, unb rairb 
oottenbs feit bem Augenblicke ein bebeutfamer gaftor, 
a(3 bie ©infönia ber Cper aud) abgeionbert oom 
üUhtftfbrama im £on$ertfaa(e aufgeführt nrirö, unb 
eigene Sinfonien aud) ohne 3ufammenbang mit einer 
Cper komponiert raerben. S)icfe fämjertfhtfonie rairb 
haitptiiidjlid) in Cfterreid) vmb Süooeutidilano ge= 
pflegt unb ift ba§ erfte 3^^) en einer Emanzipation 
oom itatienifdien ©efdjmacfe. 3ie nimmt §u ben 
üblidjen brei Sätzen einen inerten, ba§ Menuett, htn^it, 
unb fjat bantit jene gönn erreicht, in roe(d)er ftanbn, 
Wlo%axt unb Q3eethooen Ufte tiefften ®efüf)le unb 
©ebanfen ausfpracbjen, unb bie bie jut ©egenraart, 
raeun aud) raefent(id) oeränbert unb erraeitert, bie be= 
beutenbfte gorm bes mufifaliidien ^(uebrucfe ge^ 
blieben ift. 



47 



II. 



S)ie Anfänge ber Oper 
in 2Btert 



Celles 5, Ter -Beginn fces muftkalifdien barock ufro. 



3o grojs bas ^ntereffe war, bas ber Wiener Öof 
an bem in Italien $u beginn bes 17. :Jal)rl)unberts 
aufblülienben ÜUlufifbrama naljm, Einbetten bie an^ 
bauernben friegerijdjen SBerwicflungen bas 5lbf)alten 
ftänbiger Cpernauffül)rungen bis §um 9tegierungs= 
antritt Seopolb I. im Jafjre 1658. (£s ift aber be= 
merfenSwert, wie fd)on bnrrf) ^^^^anb III., ber 
felbft ein tetbenfdjaftlirfjer SJcufifer war unb eine er^ 
ftaunlttfje gütte con Hompofitionen getrieben fjat, 
Q3erfud)e gemalt würben, bie nene ßunftform in 
feinem Dtetrfje einzubürgern. 

anfangs waren e£ nur ftetne Hantaten unb fja(&= 
bramatiftfje ©jenen in ber gorm ber beliebten (Ein-- 
(eitungen p Balletten, bie r>on ber Ijöfifdjen ©cfeüfdfjaft 
bei heften getankt §u werben pflegten: ein SOcelobram 
..Allegrezze del mondo" pr Sßermä^lung %etbu 
nanb III. mit ber 3nfantin SRarie Slnna r»on Spanien 
1631 unb bei bem gleiten %z)t eine Hanjone „Orfeo" 
als Einleitung §u einem Ballett, in bem bie ®r^er= 
jogin Slaubia als 9)conb unb bie ^ofbamen als ^la- 
neten auftraten: bei ber Krönung gerbinanbS am 
30. £)e§ember 1636 ein Ballett, bem ein £ulbigungs= 
gebiet „Vaticinio di Silvano" in paftoraler 5lrt r>on 
^aleriano 93onr>icino, noranging. S)ie ©rblanbe er= 
fcfyeinen auf einem Triumphwagen unb fingen einen 
(£f)or, beffen 3nl)alt ber SBerf>errIidf)ung bes geftes gilt. 
$ann fteigen fie r>om Sßagen fyerab unb bringen ju= 

4* 

51 



erft jufammen, bann einsein if)re ^ulbigungen bar. 
9Jlan rann bie 23orbitber biefer atlegorifdjen ©jene 
roeit 5urücf verfolgen, derartige ^mlbigungen bilben 
ben Qnfjalt ber meiften Qntermebien be£ 16. Satyr* 
tyunbert§. 5lber and) fpäterfitn waren biefe atie= 
gorifctyen ©jenen fetyr beliebt. (£s fei mit entmint, 
ba£ in ber berühmten geftoper r>on (£eftt „II pomo 
d'oro" ba$ auftreten ber Csrblanbe bireft in bie bra= 
matifctye §anblung t>erfIorf)tcn ift. 

3lber fctyon einige 3^re fpäter, am (Geburtstage 
ber föaiferin 9Jcaria 9Inna, rourbe ein roirf(id)e§ 
Dramma per inusica aufgeführt: „Ariadna abban- 
donata da Theseo e sposata dal Dio Baccho, nell' 
giorno felicissiino della nascitä Dell' Augustissima 
Imperatrice Maria Infanta di Spagna etc. Rap- 
presentata da Musici Cesarei, Composta dal Conte 
Francesco Bonacossi, Coppiero di Sua Maestä 
Cesarea." ßeiber ift uon biefem 2£erf nur ber %ext, 
nictyt bie 9Jtufi£ ermatten. 

3) er työfifetye 2ln(af$ ift nur (ofe mit ber eigentlichen 
.panblung ber Cper nerflodjten. 3m Prolog tritt 
s ^(frica auf unb berictytet, fie fei gekommen, um an 
biefem gefttage bie ^aiferin ju begrüben, bann er= 
flärt fie bem ^3ublifum bie Jpanblung ber Cper, bie 
fid) im roefentlictyen an bie überlieferte ©age tyält. 
Ter Xert ift mit ($efd)icf unb nie! $efd)macf gearbeitet. 
Grfreulid) ift bie ftarfe Sßerroenbung Weiterer unb 
fomifctyer Momente. $or allem finb e3 bie ber neue- 
tianifdjen Cpev entnommenen burlesken giguren, rote 
bie ber ^avafiten unb ber ^ebanten, meldje bie £anb= 
(ung beleben. 

52 



Ter sßarajtt, genannt Zan Tripu. führt fid) mit 
einem gre^lieb ein: 

Satiar le brame 

Della mia tarne 

Gia mai non spero 

Ancor che im Bue io mi mangiassi intiero. 

Ogni grau pesce 

Che nel mar cresce 

Xon piu in palato 

Satisfar tanto. che io 11011 sia affamato. 

Un grosso Armento 

Cent'ova e cento 

Pan sperarei 

Di poter divorar co denti miei. 

che gran rabbia 

II cor 1 arrabia 

Ben in un di 

Mangiare chi mi fe, chi mi nutri. 

ajlcint man m'djt, ben ^arafiten (Srgafilus au§ ben 
..Captivi" bei SßlautuS ju t-ernebmen, ber $ßt IV, 
3v 3) bereit in, in ber 3peiiefammer eine ü8er= 
müftung angartd^tcti? äftaii nrirb biefet ©eftalt im 
£aufe ber näcbften Jahre in ben Terten ber Wiener 
Dpct noch unzählige 9Rale begegnen. 

Sk tritt ber gebaut auf unb hält bem Sßaraftten 
eine Dtebe, bie biefer megen ber nieten Sattnismen, 
beren fid) ber gebaut bebient, nid)t üerfterjt. Ter 
gebaut raitf tf)n hüben: ber ^ßarafit fud)t feine $$\U 
bung aber nur in ber ftüd)e. Tod) bie ©träfe un- 
feine (^efräftigfeit fotl nid)t ausbleiben. 

53 



Jm 2. Ift macf)t er fiel) über eine ©peife l)er, bie 
plöttfid) §u tnadjjen beginnt unb immer größer mirb. 
ÜlngftooK fielet er bann ein s 23lenbtt>erf ber §ölle 
nnb ruft 

O che miro? perche cresce, 

E s'inalza le vivanda! ohime; 

Zan Tripü che sara? 

Ahi chi aiuto mi da? 

Soccorso ohime, soccorso ä un sfortunato, 

Che il Diavolo nel piatto ha ritrovato. 

unb läuft baüon. 

täbnlidje SBuffojjenen finben firf) and) im £ertbud)e 
ber Cper „Armida e Kinaldo", meldte ebenfalls 1641 
aufgeführt raurbe unb auf paftoraler ©runblage bie 
v JIrmibafabe( befyanbelt; b. f). bie eigentliche §anblung 
ift mebr ber 23ont>anb für ba§ §ineinfpielen non 
Sirenen unb ©atgren, bie ba3 fettere, lebensfrohe 
(Clement nerförpern fotten. 

©o fingt ein (satnr fein s 3efenntnis einer ana!reon= 
tilgen SDBeltauff affung : 

Io non sprezzo il buon licore 
Del gran Baccho, ma il Dio Amore 
E il mio ben, e la mia gioia, 
Ma perö quel non m' annoia; 
Sempre mai il tuo gran Dio 
Rispettai ma non tu il mio. 

$on ber gleichen leisten, finnenfrocjen Sebensfreube 
iprid)t and) ber nerfüljrerifdje (Sefang jraeier (£bel= 
fräulein, meiere bie bittet llbalbo unb (£arlo anlocfen 
rcollen: 

54 



Deh fermate o Cavallieri 
Vostro pie troppo fugace. 
Questo e il regno de'i piaceri. 
Qui si gode eterna pace. 
Cio che alli avidi Tolessi. 
Piu diletta. e che piu piace 
Qui vedrete. e senza noie 
Bearete immense gioie. 

§ier tüte in bett üorertüäbnten SBetfen mar bem 
Gbor eine bebeutiame 9tolle perfamu. Jeftlidje 3faif* 
jüge unb Gan^onetten, tüte fte bei Kadetten gefangen 
ju roerben pflegten, nabmen einen großen Draum ein. 
3toei Csabre fpäter, 1643, mürbe aber eine Cper anf* 
geführt, bie gan^ reooluttomerenb gerairft baben mußte, 
bet „Egisto u üon Ganalli. 

Francesco Saoadi ift eine bei* größten Gr-- 
icb,einungen ber Cperngeid)icf)te. (£t batte bas ©lud, 
am beginn einer Gpocbe ju neben, nacftbent ibm oon 
9Jlontet)ebi bie v $fabe getüieien waren, unb ber in ficb 
ielbft bie Steife einer Gpocfye erreicht, Gr nodenbet 
gleichzeitig mit Gern bie ©(an^ett ber üenetianiicben 
Cper. (Ss ift fein Surall, oa £ ^ erftc mirf(icf) be= 
beutenbe 9Jhififbrama, ba* uns in ber (Sefrfjtrfjte ber 
Siener Cper begegnet, uon einem 3knetianer flammt. 
3iüifd)en ber Kultur ber beiben 3täbte beftanb eine 
Sefen5üerroanbticr)aft. §iet toie bort ftnbet ficb) bie 
gleiche s 3Jcifd)ung üou pathetifrfiem Graft unb liebend 
tüürbiger ^peiterfett, bie fte üon ber (eichten neapofitanv 
frfjen unb ber graüitätifd)en fran^bfiidien abbebt, ob= 
mob( fomorjl bie üenetianiftfje tüie bie Siener fötnft 
non 3^^ 5 U 3 e ^ ß ^ en kräftigen (rinfcr)lag üou granf= 

55 



reid) erfährt, bev aber nid)t als frembes (Clement 
befielen bleibt, fonbern fogleid) verarbeitet unb §u 
eigen gemad)t mirb. 

ßauatli ift ber SBagnev bes 17. Jarjrbunberts. ©r 
beginnt mit (£l)oropem, bereu Serte non einem großen 
Tvamatifer, gtanceSco SBujenello, gebietet ftnb, 
unb gel)t bann jut gorm ber Solooper über, als 
beren erfte er „L'Egisto, Re di Cipro" jd)rieb. 

®ie gorm ber Solooper, bie aus einer ®elegeu= 
rjeitsfunft — im rjöd)(ten Sinne — etwas Allgemein^ 
9Jlenfd)lid)es fd)uf, oerbanft irjre ©ntftefjung ben 
Xf)eateruerbä(tniffen ^ßenebigs. £)ier mar ein reidjes 
Bürgertum gur 9)cad)t gefommen. Seidjter $elberroerb, 
eine 5o(ge ber eigenartigen Stellung, bie SSenebig im 
28eltrjanbel einnahm, begünftigte bas 2(ufblül)en ber 
fünfte. £)ie bunte Söeuötferung uon 5lbeligen, 23ür= 
gern unb fremben Dxeijenben, uon Seefahrern unb 
Abenteurern lebte, nad)bem bie büfteren 3^ten ber 
33ermattungstr)rannei norüber waren, in einem fteten 
geftestaumel. Unb ba mar es not allem bie neue 
gorm bes 9)lufifbramas, bie in ben 3)cittelpunft bes 
fünftlertfdjen 3>ntereffes" rücfte. Sd)on 1640 gab es 
brei Cperntfyeater: San Cassiano, SS. Giovanni e 
Paolo unb S. Moise; jpäter !am bas Teatro novis- 
simo rjin$u, bas 1647 mieber abgebrodjeu mürbe, 
unb an beffen Stelle bas Teatro SS. Apostoli trat, 
fo baj3 oon 1650 an bereits uier ftänbige s 33ürjnen 
beftanben. Unb märjrenb bisher bie Cper rjauptfädjlid) 
baju biente, bei geft(id)feiten an gürftenrjöfen einen r>or= 
nehmen prjantaftijcfjen ßintergrunb abzugeben, mürbe 
fie burd) iljre Pflege unb 3tusbilbung in 33enebig erft 

56 



populär unb entraitfette fid) $u bem mid)tigen £uttur= 
faftor, bev jte bis rjeute geblieben ift. 

s 3)con teoerbi, beffen „Orfeo", fo bebeutenb er ift, 
irrtgcrtüeife immer als Ausgang einer neuen ©tilrid)* 
tung be^eidjnet mirb, r)atte in feinem granbiofen 3d)(uB= 
roerf, ber „Incoronazione di Poppea", eine neue böcrjft 
fubjeftioierte Slusbrucfsform gefdjaffen. 23 om muftf* 
bvamatifd)en Stanbpunft mar es r>on böd)fter Q3ebeu= 
tung, ba$ r)ier ber Gbor bereits ganj in ben hinter* 
grunb gebrängt mar: fo ba$ es für Gaoalii nur einen 
Schritt meiter bebeutete, ir)n — bis auf ganj ü)pifd)e 
Dtufe, bie r>on ben ©omparfen ofmemehers gefungen 
merben fonnten — $u eliminieren. 

Tenn bie Sweater in 33enebig maren ^ac^tunter^ 
neljmungen. (Sie fonnten fid) ben Surus einer reidjen 
5Iusftattung, eines großen Crdjefters unb eines (Stores 
nid)t geftatten. £aber trat ba$ äußere Moment ganj 
in ben §intergrunb unb ba$ föauptintereffe bes 9Jcufi= 
fers fon^entrierte fid) auf bie £>urd)bilbung eines 
intenfb bramatifdjen 2lusbrucf*. 

9Jlan fann unf d)m er evmeffen, mie bebeutungsooü 
bie 2luffül)rung bes ©gifte für 28ien gemefen fein 
mag, mie neuartig ber fnappe, leibenfd)aftlid)e Dialog 
gewirrt Ijaben muß- hätten nid)t bie po(itifd) erregten 
Reiten eine Dteibje oon Jsarjren rjinburdj jebe Cpern= 
tätigfeit oerrjinbert, fo ift faum $u ermeffen, mie fid) 
bies 9)lufifbrama in 2Bien entmicfelt bätte. 

©o aber gab es nur einige f (eine $elegenf)eitsf antaten, 
unb 1648 §ur SBermäf)hmg gerbinanbs III. mit ber 
(h'^ersogin Sttaria ^eopolbina oon Qnnsbrucf in s $reJ3= 
bürg ein Dramma imp erfett a ,.I Trionfi d' Amore". 

57 



3m ^rolog treten 23enu3 unb 2lmor auf. $enu3 
verlangt, ba£ er ber SBelt feine 9Jlad)t jeige, um r>or 
2>iana unb $atla§ als ber 9Jiäd)tigere bajufterjen. 
$>esf)alb begibt fid) 2lmor ju 23ulfan, um neue ®e= 
fdjoffc für feinen $öd)er $u fyolen unb fein «Spiel 
mit ben Sttenfcrjen $u beginnen. ®an§ unfonoentionetl 
ift bie ©eftalt be£ $ulfan ge^eidjnet, beffen ©efang 
ÜDHtleib mit ben 9Jlenfd)en befennt, bie ben ©Ottern 
nur als Sßerfjeug il)rer Saunen bienen. 

II misero mortal e fatto in terra 
Gioco e sclierzo de Dei 
Ed ä ludibrio suo convien che soffre 
Rappresentar qua giu varie sembianze. 

Unb nun beginnt mit bem §meiten 2Ift bie eigene 
lidje §anblung, meiere bie $efd)id)te be3 ObuffeuS 
auf ber Snfel ber (£irce fd)ilbert. ©ie ift mieberum mit 
einer paftoralen |)anblung, bie (Gelegenheit ju 8agb= 
d)ören bietet, uerquieft. 2lmor nerfe^t burd) feine Pfeile 
alle ^anbelnben in Siebesglut; felbft bie alte Negerin 
©osmea fann fid) t»or it)m nidjt fernen unb nertiebt fid) 
in Cbrjffeus, bem fie bie befonberen 9iei$e ifyrer bunflen 
Aarbe flarpmacrjen bemüht ift. SIber er gibt ü)r ju 
uerftefyen, ba£ er il)re ®d)önr)eit §mar anerfenne, aber 
für ©dnuarje nicfyt fd)raärme. (£r menbet fid) ßirce 
$u, ber er feine Siebe erflärt. Vereint, fingen beibe 
ein meland)olifd)es Siebesbuett, bas\ mie uieles in 
biefem eigenartigen 2)rama, ftd) über ben Xon ber 
üblichen öofbid)tungen ergebt. 

Godiamo, che il tempo e breve 
Ne mancano i malori 
Cade e fiocca la neve 
Dove risero i fiori 

58 



Ülber aurf) Gosmea finbct in SIrcigalante ben ü)t 
paffenben Öiebfyaber. 3m 5. 5Ift brängt mieber bie 
paftorale öanblung oor unb enbet mit bem ©inge* 
ftänbnis ber 9Jlad)t Slmorl, bet in bei Licenza mit 
SSenus erfdjeint unb bem Haiferpaare ljulbigt. 

91 ad) bem 2(bfd)(uf3 bes meftpbä(ifd)en griebens 
fe^en mir ein langfames 3uner;men ber mufifbrama= 
ttfdjen £ätigfeit am Wiener §ofe. 

Haifer gerbinanb III. komponiert felbft ein 
„Drama musieuxn"; eine jmeite Cper oon (£aoa(ti, 
ber berühmte .,Giasone", fomtnt aud) rjier gur 5Xuf- 
fürjrung. ßnr SBermä^tung ^ilipp IV. mit ©r^ergogin 
Marianne in Trüffel fomponiert (Biufeppe 3 am? 
boni mieber einen „Ulisse errante nell' isola di 
Circe", beffen Partitur mit prächtigen aquarellierten 
©jenenbitbern gefdjmüd't ift. 

2luf bem 9teid)stag oon Ütegensburg 1653 naf)m 
ber Satfer 60 SJtufifer mit, lieft oon Q3urnacini 
mit einem großen Höften aufm anb ein eigenes Xfjeater 
errichten unb bie Cper feines Hapettmeifters Antonio 
33aftali „L' inganno d' aniore" aufführen. 

Unter föaifer Seopolb I. rotrb 2Bien ein 9Jlittel= 
punft jeitgenöffifdjer Cpernfunft. ©d)on fnapp nad) 
feinem ^Regierungsantritt fann man ein 2Inraad)fen 
ber Qafyl ber aufgeführten Cpern beobachten, bas fief) 
oon 3>ab,r §u 3>af)r fieigert. Seopolb mar urfprüngtid) 
für ben geteerten unb geiftlidjen 33eruf beftimmt ge= 
mefen unb bjat (nad) ben gorfdjungen ®uibo SIbters) 
in Sßolfgang (Sbner einen oortreff tiefen Sefjrer in 
ber SJcufif befeffen. ©einer eigenen Anlage entfprad), 
nad) bem ßeugnis be§ ÜUkrfdjatfs (Srammont, ber 

59 



tfyn 1658 bei fetner Krönung in grcmffurt jaf), bie 
^ompofition trauriger SJMobien. £)od) liegt eine 
Übertreibung barin, wenn ber SJtarfdjatt berichtet, bes 
£aifer£ ein§ige3 Vergnügen beftefye barin, traurige 
SUlelobien §u fomponieren; benn er liebte jebe $Irt 
ber ÜDlufif unb fdjreibt gan§ un^eremonieü (1656) bem 
©rafen ^ßoettig: „liefen gafcrjing f)ätte id) §iemtid) 
ftitl femi fotlen wegen ber plagen', bod) fyaben mir 
etliche geftl in Camera gehabt, bann e3 fyitft ben 
lobten bod) nit man man traurig ift." 

Seopolb fyatte eine bejonbere Vorliebe für bie italie- 
nifdje SJtufif unb ®efangsfunft. 2>od) feiner ©emafytin 
9Jcargareta Sfyerefia guliebe pflegte er aud) bie fpani= 
fd)c Sprache, fetzte felbft Sftufif ^u fpanifdjen (£ntre= 
mefes unb beauftragte feinen ©efanbten, ben (trafen 
^oettig, ifym $ompofitionen aus Spanien §u fenben, 
ba feine (Gattin nad) ber SJlufif ifyrer §eimat r>er= 
lange. (Sr nerftanb ei, bebeutenbe oänger unb 3>n= 
ftrumentatiften an feinen §of $u gierjen: er nafjm bie 
9Jluftfer auf feinen Reifen mit; er mar es, ber 2£ien 
§u einem SJlittelpunft mufifaüfdjer Kultur machte. 

(5o entrcidelte fid) in biefer S^ ein gan§ eigem 
artiger Xrjpus ber itaüentfdjen Cper, ber 2öer?e oon 
ftarfer ^ufiognomie tror^ ber ©ebunben^eit an ein fyöfU 
fd)es ßeremonietl entfielen lie|3, roie etroa bie „Orontea" 
be3 ©opraniften $ismarri, bie 1660 jut 2luffübruna, 
fam. £iefe Cper ift non einem bramatifdjen geuer, einer 
s $rägnan§ bes me(obifd)en 5tusbrucfs, bie an Gaoatfi 
gemannt unb bie rjöcfyfte Q3emunberung nerbient. 

2)ie tonieroatioe 9tid)tung unter ben föomponiften 
oertreten geüce ©ances unb Antonio 93 er t alt. 

60 



Oleben Urnen toirft bauptfäd)lid) *ßietro ^Inbrect 
3 i a n i. s iütd) 3) t a gl) t, ber probuf ttofte ÜUtufif er unter 
Seopolb L, beginnt feine Sätigfeit, oorerft als Xer> 
bicrjter, fpäter betätigt er fidj nur mebr als &ompo= 
nift. &ie bebeutenbfte (£rfd)einung ift aber SJcarc 
Antonio (Xefti, ber nad) bem Grfotg feiner ..Dori u 
(1664) nad) 2£ien berufen mürbe, unb bem bie 5tuf= 
C(a^ junel, bie geftoper $ur $ermäbtungsfeier £eo= 
polb I. mit SJcargareta ^berefia ju fcbjreiben. tiefes 
$8erf fotlte im Dtafymen einer ganzen Dteifte oon $er= 
anftattungen §u (Sbren ber 5tnfunft ber faiferlicrjen 
Q3raut aus Spanien gegeben merben — tatfäcrjüd) 
fanb bie 2luffüf)rung infolge mannigfacher ^erjögerun* 
gen erft fpäter ftatt — unb bietet raof)( ben ootlfonu 
menften £ppus einer frübbarocfen ^eftoper. 

„diesmal rjätte id) bid)", fo fd)reibt ber öibrettift 
<yrance3co Sbarra in feiner $orrebe, „lieber als Qu* 
flauer gemünid)t, benn als Sefer bes $£erfes, meldjes 
idi 3)it oorlege." @s fei unmöglid), burd) 2Borte eine 
^orftellung oon ber 2(usertefenf)eit ber Üffhiftf, ber 
§err(id)feit bes Sdjaupta^es, ber ^ornebmbeit ber 
Sjenerie, bem 9teid)tum ber $oftüme, ber 2lbmed)s= 
hing ber Sän^e, ber Sübnbeit ber ©efedjte, ber mititä* 
rifdjen ©raftfteit bei ber Belagerung unb ^erteibigung 
ber feften v 2£erfe, oereint mit anbern Kimbern ber 
Snnft $u geben. 9Jcan bürfe aber überzeugt fein, ba% 
biefes Bürjnenfeftfpiel jebe§ anbere bisber geferjene an 
^rad)t unb £errlid)feit übertroffen ha^. 



61 



(5d)on nor ber 5(nfunft ber faif erliefen $raut würbe, 
um biefe£ (£reigni§ §u feiern, ein Ballett in ©jene 
gefegt, ju bem ber 53attettfomponift am Sßiener §ofe, 
3ofycmn ^einrid) ©crjtneljer, bie SAuft! fcfyrieb. (£§ 
mar bie£ „Concorso dell' allegrezza universale". 
£)er SEejt baju mar in italienifcrjer, beutfct;er unb 
franjöftfd)cr ©pradje nerfa^t. 

3)a§ Ballett mirb mit einem (£l)or uon (Sängern 
eröffnet, bie eine (£an§onetta fingen, ^ann treten 
uier $ar>aliere auf, bie uon allen Xeilen (£uropa3 ge= 
fommen finb, nom SftanjanareS, nom S£iber, tum ber 
©eine unb r»om Steine, um tJjre £mlbigungen barju= 
bringen. 3l)nen gefeuert fid) im gmeiten £an$ 5lbge= 
fanbte au3 5lfri!a, 5lfien unb ber 9ceuen SBelt ju. 

©in Weiteres Qnterme^o, ba§ bie feierlichen giguren 
unterbricht, bilbet ber auftritt oon gmei (Gärtnern, bie 
Siegel aufftellen. 

Söotfan %fyx ©ärbtner, fröüg !f)umbt, 
Ghr>re ftegel f)ter $u fe^en, 
©in ©pxtle fd)Ied)t ben ^ßrenft beffyumbt. 
2öann§ nur ber f)of)e §off ttjut fdjä^en. 

(£benfo finb bie näd)ften Xän^e, nadjbem bie „®önig= 
reict) unb $at)ferlid)en öä'nber" r»om £immet einen 
Ifironerben erfleht Ijaben, Weiterer Dlatur. 3)rei 6atn= 
reu geigen ir)re Mnfte, SDtefur tritt auf, brei 9Imo= 
retten tanken einen Zeigen, ein franjöfifdjer Hanauer 
erfdjeint mit feiner £)ame. ©elbft ein §öllengefanbter 
unb jmei alte Söeiber motten nicfjt festen. 2Iud) nidjt 
„3caramuccia, ber ^ur^meiller". 

62 



3<f) bin bei ©öfftigen öebeni ein äftetjter fyodjberümbt, 
3RÜ tadjenbten ©eütf)t r>on mir man 8efyrn nimbt, 
Scaramuccia ift mein S)}abm ' gteicrjroot bisroeiten gefcrjatbt, 
Gin fcfjarf finniger Gomebianb )« feiten übe icb roeit. 
(Sine fyrembe ofyne mir ift gemiB oot nichts %u achten 
Tas Spiel f)at gan$ fein 3atn tljut es nur redjt betrachten. 

9cun tritt ein fpanifcfyer Haoalier mit feiner Tarne 
auf: bann vereinigen fid) ade ^u einem 3d)luBbadett, 
bas ber (£bor ber 3änger mit einer daiuonetta be= 
gleitet, bie in eine erneute ®torifi$ierung bes §od)= 
jeitspaares ausflingt. 

Tiefes Kadett fann als Sluftaft ber geftlidjfeiten 
angefeben roerben. Unfdjmer mirb man bie Vorläufer 
biefer Slti in ben üblichen italienifcfjen £>ofbadetten 
erfennen, in Kadetten, bie in s 2£ien gegeben mürben 
unb feine Spuren bis ins arfjt^ermte Jsabrbunbert oct« 
folgen fönnen. 

Ungteid) bebeutfamer mar aber bas Balletto a 
cavallo, bas ben 9Jcittelpunft ber geft(id)feiten 
bitbete, bie Raifer 2eopolb für feine ©taut vorbereitet 
rjatte. SOcan batte angenommen, baß bie ÜInfunft ber 
Jufantin im £odifommer erfolgen roerbe, unb benu 
entfpred}enb ade Vorbereitungen getroffen, 2tber fnapo 
oor bem antritt ibjrer Greife mar fie oon einem gicBcv 
befaden morben, unb es mußten booten an ben $aifer 
gefanbt roerben, um ib,m bies ju metben. $la§ irjrer 
©enefung bradjte fie ein prunfood ausgerüftetes Sd)iff 
„La Reale di Spagna", begleitet oon einer fpanifdjen 
^lottide nad) g-inale, roo fie ber faiferlidje öeerfübrer 
®raf Dftontecuccoti ermartete. Von bjier aus bauerte 
bie fRetfe bis nad) 2£ien nod) brei Neonate. Ter 

63 



^ctifer, bem \>a§ 3eremoniel( oerfagte, fetbft bie SBvaut 
§u begleiten, fanbte ifyr booten auf $8oten entgegen. 
3>n Orient begrüßte fie ber $arbinal Graf £arrad), 
in Sötllad) Graf 2Beif3enmo{f, in ©tetermarf Graf 
SBolfenftein, an ber öfterreid)ifd)en Grenze ber DberfU 
bofmarfdjatt Graf ©tarfyemberg. 23ei ber $)urdjretfe 
burd) Graj begrüßte fie ein „Ossequioso applauso" 
oon Sftarco Antonio #t off int, ßanonifuS in 
93rünn. 9kd) ©djottmien tarn üjr ber ®aifer entgegen, 
ungebulbig, bie 93raut ju fefjen, bie er nur r>on SBtl* 
bern unb aus Beitreibungen feiner §öf(inge fannte. 
$lad) einer furzen Begegnung reifte er ifyr ooran nad) 
2Öten, um ben offiziellen (Empfang üorjubereiten. Xrot^ 
ber minterlidjen ^afjres^ett mar ber *ßtan, bas ,,^Ro§ 
Q3aftett"tm freien aufzuführen, nid)t aufgegeben morben. 

2luf bem SBurgpIatje rcurbe ein „turmfyofyes" Ge= 
bäube aus §o(§ erridjtet, unb an 60.000 ^Reid)stf)aler 
für bie 9(usftattung bes $3allett§ oerausgabt. 3>ie 
groben begannen am 30. 2luguft 1666. $on ba an 
mürbe burd) fünf Sftonate möd)ent(id) grceimat an 
ben fomptizierten giguren ber fpanifd)en ©djule ge= 
probt. 2fot 20., 23. Dezember unb 3. Sännet 1667 
fanben bie „£>aupt= unb Generalproben" ftatt unb am 
24. Jänner bie „mirflidje ootlfommlidje ^Ibfjaltung 
bes SRofjballetts", ,bie oon 1 Ul)r bi£ 5 llfjr bauerte; 
eine Sßieberfyolung erfolgte am 31. Jänner. 

<2)ie &anbtung bes Balletts „La Contesa dell' Aria 
e dell' Acqua" ftammt oon grancesco ©barra. £)te 
(Elemente geraten in Streit, unb bie Götter nehmen 
teils für bas Gaffer, teils für bie 2uft Partei. Smmer 
heftiger mirb ber 2Bortmed)fet, bis unter ben ^Rufen 

64 



3mt Saften 5 um Streit 

6rf dieinet 

Vereinet 

2Äit friegbarer öanbe 

SBefdptyet ben Stanbe, 

S)en 3iege bereit. 

3un Saften 5 um Streit 

bct Sampf ausbricht, unb bamit bie £muptbanb(ung 
beginnt. Sin Schiff mit ber gama an -33orb nmrbe 
auf bie fünftlidjfte 36rt in Bewegung gefegt „als menn 
z§ im Sfteer oon SSStnbeti getrieben mürbe". ©0» ^ecf 
berab feuerten bie 3tf)iffer bie üreitenben bittet an. 

SStontpetten (Harnten £eer= fanden unb Stuntmen 

£ait fallen erfcfjaüen bie ßüfte burcfjbrummen. 

3un Saffen 511m ©eruefjre 

3ur fiegienben (Jbre, 

30tti tapfferem Streiten unb leiten }ufant 

behebet, gelben, unfterblicrjen ÜRant. 

"len Sieg J« uerf durften 

3un Saften $un Saften. 

Ohm begannen bie eigentlichen Oteiterfunftüücfe unb 
bie nerfcf)iebenen friegerifd)en 5^9 ure ^ °^* beiben 
gegeneinanber fämpfenben Parteien, bis burd] eine 
tunftüoÜe äRafdpnette bie Grcigfeit in einem präer)* 
tigen Xempet „umgeben mit einem bicfen ©eroölcfe 
fid) oon oben herab auff bie (Srbe unb guten ^beils 
mitten gegen ben ^ampff=^(a^ getaffen hatte, be= 
fteibet mit ein meines 3il6eruücf notier Sternen Die 
non ben föftlicfjuen (vbelftetnen jufammen gefegt untren" 
unb in einem feierlichen ®efang bie fämpfenben be= 
rubigte. 

•23 eile s 5, ?er beginn öes muükalifcf)en 33arock ufro. 5 

65 



©alt' hm ber Saffen £t£! £alf inn ber ^ferbe Sauff! 
£er ©tementen Streit baZ t)bd)fte ®efd)ic? enthebet/ 
^Bereiniget / nunmehr be§ 3orne§ eud) begebet/ 
8ttfo legt ©immeUab bie (Sroigfeit end) auff. 

91un erft erfd)ien ber Genfer in prädjtigfter Reibung, 
bie in ber Söefcrjretbung be§ Diarium Europaeum 
jeitenlang gefdjtlbert rotrb, gefolgt oon einer Suite 
non laudieren, unb führte eine Sfairje oon hängen 
§ur Sftufif oon ©er) meiner anf. £>en s #bfd)luf3 bilbete 
eine Follia, 5U beren klängen ber $aifer fein ^ßferb 
nor ber Tribüne ber Slaiferin furbettieren lk$. 

$om fünftlerifcfjen Stanbpunfte roeit bebeutfamer 
aber als biefes ^runfturnier roar bie geftoper non 
(£efti „II pomo d' oro", beren Xejt ebenfalls oon 
Sbarra flammt. s Jceben bem S)icr)ter nnb ^ompomften 
fiel aber ein §auptteil ber Arbeit and) bem genialen 
Q3übnenarcl)ite!ten Subooico SBurnacini §u, ber bie 
3)eforattonen nnb 9Jcafcf)inerien &u entroerfen r)atte. 
2)ie fünfunb^roan^g Shipferfticrje bes £e£tbucf)es, bie 
aurf) bem s Jceubrucfe ber Cper in ber buref) ®. Slbler 
in ben „2>enfrnälern ber Sonfttnft in Dfterreitf)" be= 
forgten Ausgabe beigegeben finb, geben Zeugnis oon 
einer erftaunlid) reichen ^rjantafie, bie bie ftf)roierig= 
ften fjenifcfjen Probleme mit fpielerifdjer Seicrjtigfeit 
(oft OTerbingS fianben bem ^ünftler Summen jur 
Verfügung, bie felbft in jener prunfgeroolmten Q^xt 
Staunen erregten; benn bie Qnf§ene allein f oll 100.000 
$fteicf)5taler gefoftet rjaben. 

^ag bei einem ^neinanberroirfen ber oerfcrjiebenften 
fünfte ju einem ©ejamtfunftroerf, als roelcfje bie Cper 
ju jener 3ett anjufeljen ift, ber SJiufif feine bominie^ 

66 



renbe (Stellung zufallen fonnte, ift ftar. Sennod) ftanb 
bie Arbeit bes SDcufifers im Sflittelpunft bes 3nter= 
effes, unb roäfjrenb £id)tung unb 3(rtf)tteftur feine 
roefentlidje (Snttoicftung burd)mad)ten, trachteten bie 
SJcufifer immer Neues §u bieten unb oerroenbeten 
felbft auf praftifd) unbanfbare Partien, xvk bie etiu 
leitenben (Sinfonien, tedjnifd) bie größte Sorgfalt. 
OTerbings ging biefe minutiöfe Arbeit nid)t ttn'e in 
Stalten in bem Samten ber fid) laut unterljaltenben 
3uf)örer unter, ba bie ©egentpart bes §ofes unb bas 
Zeremoniell jebe Unrube oerboten, fo baft bie Dut)er= 
türen ber Wiener Cpern gan^ feine unb intime 2£ir= 
fungen bringen fonnten, unb nid)!, mie in Stauen, 
btof$ ein lautet (Signal cor Aufgang be§ ^orrjanges 
fein mußten. 

£ie im (Sinne ber frürjbarocfen Cper überaus oer= 
roicfelte §anblung täfjt fid), toenn man oon ben tut* 
§äbligen Intrigen, (Spifoben unb Nebenfiguren abfiefjt, 
auf eine gan$ einfache ©runblage jurücffürjren. ?Die 
&onflifte fteigern nid)t bie § a ttbtung, es gibt feinen 
eigentlichen §öbepunft, obmo^l ein fold)er com Tidjter 
angenommen ift fonbern alle 3 rc if4enfälle ereignen 
fid) toie im (£pos als Unterbrechungen, um ben gelben 
jeweils in anberer Umgebung, in anberer (Situation 
§u geigen. 3™ „Porno d' oro" ift ber §elb ^aris, 
unb ber Untergrunb ber gäbet bie (Sage uom 5Tpfel 
ber 3tr>ietrad)t, ben biefe unter bie (Sötter rairft, 
bamit er ber (Sd)önften gehöre, Sie brei (Göttinnen 
Suno, Dallas unb SSenus forbem ^aris auf, ju ent= 
fdjeiben, unb ber (Sage folgenb, täfjt ber £id)ter 23enus 
ben Gipfel verteilen, bie als Sofyn bafür s ^aris bie 

5* 

67 



Königin £e(enct al§ ©emafjlin r>erfprid)t. $)arau§ ent^ 
micfelt fid) ein ©treit ber ®ötter unb 9Jtenfd)en, bcr 
immer heftiger mirb, bi3 Jupiter eingreift, ©r lägt 
burd) feinen 2lb(er ben Gipfel entführen unb nimmt 
irjn §u fid), um ifyn „cor ben nerfammelten ©Ottern 
ber f)öd)ften (Göttin fo jemaln bie 2Mt gefefjn", ber 
ßaiferin, bar^ureidjen. 

5Iuf biefe in ber rjöfifcfjen Cper beliebte ©d)tu|3= 
menbung, bie meiften£ in einer eigenen 2ijen§a ftatt= 
fanb, beutete bereite ber Prolog fyn, in bem anwer- 
ben geraofjnten giguren be§ 2Imor unb §i)men aud) 
bie ^erfonififationen ber Sänbcr unb Dteidje, bie unter 
ber 9Jcad)t be§ ®aifer§ unb ber ^aiferin ftanben, a(§ 
©bor eingeführt mürben. (£3 ift ein £m(bigungsgefang, 
ber r>erf)eif3ung$Dol( mit geftflängen bie Cper eröffnet: 

Di feste, di giubili 
Sia tutto ripieno 
Spariscano i nubili 
Dal Regio tuo seno. 
E in cielo sereno. 
Piu chiara che mai 
Diffondi Austriaca Gloria 
I dolci rai. 

£)as ©jenenbitb jum ^rolog uerfinnbilb(id)t biefe 
3Borte. 9ftan fiefyt eine mit friegerifd)en (Emblemen 
reid) servierte fpätbarocfe ©äutenfjatle. 9ted)t§ unb 
linfS fter)en in 9cifd)en bie 9teiterftanbbilber ber früfye* 
ren öfterreidjifdjen §errfd)er. 3n ber 9ftitte ragt auf 
einem au£ erbeuteten ^Baffen errichteten §üge( ba§ 
"Kettcrftanbbilb fieopolb I. (geflügelte Sßutten galten 
über if)n einen SRufymesfranä. on ben Süften fdjrcebt 

68 



oer$iebenbes (Detroit aus bem in litfjtem Schein ber 
öfterreid)ifcrje 9ftif)tn auf einem glügelroffe nieber* 
fdjmebt, umgeben oon 2lmor mit *ßfeÜ unb -33ogen 
unb §i)men mit ber 5 ac ^- 3 m SSorbergrunb rechts 
unb linfs fter)en pfiantaftifcfj gefieibet bie Sänger, 
melcrje bie öfterreicfjifdjen Sänoer perfontfigtercn. 

2)er erfte SCft fürjrt in bas Sfteid) ^lutos. Tc^ 
Sjenenbilb, ba§ bem Serie beigegeben ift, läfji er* 
fennen, mie Q3urnacini mit Q3enü^ung ber 2lrd)iie?tur 
bee Prologes bie ilmmanblung ber Sjenerie bemerk 
ftelligt bat. Sie Säulenhalle ift bie gleite geblieben, 
nur mit anberen Crnamenten ausgefluttet. 2ln Stelle 
ber lieblichen ^utten allerlei Xiergeftalten, an Stelle 
ber .s>errfd)erftaiuen grauenhafte giguren. Jsn ben 
SBotfen an Stelle bes ^egafu§ ber feuerfpeienbe 
Sradje mit ber 3 rtne trad)i. Unb burd) bie raeiten 
Säulengänge b lieft man ftatt in liebliche ©efitbe in 
bie liefen ber £ölle. 3m Sßorbergrunb firmen auf 
reid)gefd)mücftem Xrjrone s ^luto unb ^roferpina. 2)ie 
3§ene beginnt mit einer ÜCrte ber ^ßroferpina, beren 
©efang oon ^mei Kornetten, brei ^ofaunen, Qagott 
unb Crget begleitet toirb. (£efti fer)nt fid) bier offen* 
bar an ba§ SBorbilb Sftonteoerbis unb ©aoallis an, 
bie Untermett5f5enen mit bem büfteren SHang ber $o^ 
faunen $u begleiten; ein Jnftrumentafeffeft, ber über 
Starts „£)on ©iooanni" hinaus Eingang in bie 
beutfdje romantifcfje Cper gefunben l)at unb bier itodj 
intenfioer auSgebilbet mürbe. 

SDtefc 2Irie ber ^roferpina, in ber fie i&r ßoS 
befragt, an bem Ort bes 3d)recfens unb ber Etagen, 
fern oom £id)t ber Sonne meilen §u muffen, ift oon 

69 



munberbarer <5cf)önl)eit, eine ber großen mufifaliftfjen 
Konzeptionen, bie über bie 3al)rl)unberte l)inau§ nid)t$ 
oon ber Qntenfität bes 9lusbrucf3 oerloren Ijaben. Qu 
ben ^perrfdjern ber Unterwelt fommt bie 3rcietrad)t 
unb berät mit ifynen, 3roift unter bie (Götter ju britu 
gen. <5ie wätjtt ba§u ba§ geftmaljl, ba§ in ber SBurg 
3upiter3 abgehalten wirb. 3ltle3 ift bort in fröl)lirf)fter 
tarnte; e§ wirb gegeffen unb getrunf en ; %Rax§ befonber§ 
ftfjeint unerfättlicf), benn -üJlomo ruft mit (Erftaunen 

au£: 

Questo Marte hora, ch' e a Cena, 
Come mena ben le mani? 
Ha spolpati due Capponi 
Sei Pipioni, e tre Fagiani! 

Dfabe unb ©egenrebe folgen bei biefer ©aftmal)l3= 
fjenc mit einer Votlenbung, bie bisher nod) nirgenb^ 
$u finben mar. £)iefe§ 2öecr)fetgefpräcr) ift ben ©tid)o= 
mutzen be£ antuen £)rama£ nacfygebilbet, mo es ben 
3wecf r)at, eine Steigerung be3 £empos> ber §anb(ung 
berbeijufüfjren. 

§ier fotl burrf) bie Verteilung furjer ©ä^e unb 
Anrufe unter bie einjelnen Götter bie 9lrt einer 
„Konoerfation" reatiftifrf) nadjgebilbet werben, eine 
Belebung ber SJlaffe oon $3ül)nenfiguren burd) ein 
objeftioe£ ©efpräd). 33emerfenswert ift and), ba§ (Xefti 
ben feierlichen 9^e§itationlton aufgibt unb ein flüffigeg 
N }>arlanbo einführt, bas meniger für (Götter al£ für 
^erfonen einer oenetianiftf)en Komöbie am $lat$e $u 
fein fdjeint. 

Xa erfrfjetnt bie 3mietrad)t unb wirft ben 5lpfel 
unter bie (Götter. Jupiter bemerft bie Qnfdjrift unb 

70 



lieft fte : „Alla piu bella". Denn erbebt firf) ein ©treit, 
ben Jupiter baburd) frf)tirf)tet, ba£ er *ßaris entfrfjeiben 
laffen null, toem ber s $rei3 pjuerfennen fei. 

Wolfen finfen berab unb uerl)ü(len bie ©ötteroer= 
fammtung, nur ÜUlomo ber ©pötter, ber im SBorber* 
grunb ftebt, bleibt ficfjtbar unb fingt ein berbfomifrfje* 
Sieb auf bie Dtotle, bie ^aris nun fpielen merbe. iln= 
millturlirf) brängt firf) ber s £ergleirf) mit ber analogen 
©teile im ^rolog be£ „gauft" auf, ha 9ftepf)ifto atiein 
3urücfbteibt, ober mit bem 3rf)luB bes ^Rbeingolb, ba 
Soge bie nad) 38alfiall einjieljenben ©ötter oertarf)t. 

Die närf)fte ©jene §eigt (Snnone, bie (Miebte be§ 
^ari^, auf bem Q3erge ^a allein, in feiiger ©thn* 
mung. ^axi§ fommt binju, unb nun entmicfelt firf) 
eine jener tppifrfjen Siebesfjenen ber oenetianifrf)en 
Cper, bie mit einem ariofen Duett beginnen unb §u 
einem in ^Irienform gehaltenen Duett übergeben, tnpifrf) 
in ber gorm, tnpifrf) in ben Porten, mit benen bie 
Siebenben einanber ibrer @efüble oerfirfjern. 

Da erfrf)eint SJcerfur in ben Süften; Qhtnone abnt 
33öfes unb erfrfjrirft norf) mebr, ai§ fie fjört, roelrfjes 
2lmt ^aris §ugebarf)t ift, benn toie tonne fie, bie 
arme £)irtin, in ^arts' §erjen befielen, toenn er bie 
(Göttinnen erblicft habe. 

3n ber ©^ene ber brei (Göttinnen oor $aris folgt 
ber Dichter nirf)t ber antifen Srabition, fonbern über- 
trägt fte ganj in bie Söorftellungsroelt bes Q3arocf\ 
Die §anblung ift in ben *ßataftf)of be£ $aris oerlegt. 
$om öimmel fen!t firf) in einer munberooll reirf) ge= 
irfjmücften 2lrrf)iteftur, eine golbene ©alerte barftellenb, 
3uno in föniglirfjem *ßrunf l)erab. lim ba3 geierlirfje 

71 



ber ©rfdieinung muftfaüfdj auS§ubrüden, bebient fid) 
Gefti eines Büttels, bas aud) fyeute meift Q3ermenbung 
finbet, irenn befonbers würbige (Sreigniffe mufifalifd) 
djarafterifiert werben foÜen: (Sefti arrfjatfiert ; er Ssu 
bert ben ©ttt be§ 2ßerfes bei ben Porten ber Suno, 
um burd) bie Slffojiation, bie bei biefen hängen f)eroor= 
gerufen wirb, bie 3mpreffion $u geben, bie man bei 
ben ebenfalls ardiaifierenb gehaltenen religiöfen 3Ber- 
fen empfinbet. 

©benfo bebeutenb im 2(usbrud ift bie ©rfdjetnung 
ber ^3atta§, bie in prächtiger Lüftung in einem XriumptV 
bogen ftd) fjer ab jenft. £od) ift ber otil ber SKnrebe 
weniger feierlid) unb barjer aud) weniger ardiaifierenb, 
a(s oon frifdjer ßraft unb Energie erfüllt. Söäfyrenb 
^suno als Sofyn für bie 3uerfennung be§ greife? 
^aris irbifdjen ®(an§ oerfyeit^t, r»erfpricr)t ifym *fia\la§ 
friegerifdjen Dturjtn. 5Iber ^art§ ift baoon nid)t fefyr 
entjüdt, fein ©inn ift nid)t bem s 2öaffenfyanbwerr? 
jugewanbt unb 9ftomo beftärft üjtt barin mit einem 
Gouplet, in bem bie Reiben bes oolbatenftanbes ge= 
fd)ilbert werben. 

Sventurato 

II soldato 

Credei sempre 

A dire il vero. 

derartige lieber, man benfe an ^9°^ »S)ort 
nergifj leifes §leI)V, in benen fomifd)e ^ßerfonen 
fentenjenrjafte, objeftioierenbe ®ebanfen, bie im ooram 
gegangenen Dialoge oorübergefyenb geftreift werben, 
weiter ausführen, finb bie Vorläufer ber trjpifdjen 
(Couplets ber Opera Comica unb bes fpäteren (5ing= 

72 



fpiels; oon biefem finb ftc auf bie Cperette über« 
gegangen. <Sie bieten bem Komponiften ®elegenl)eii, 
an jeber beliebigen ©teile ben Dialog p unterbrechen 
unb aud) bort, wo e§ bie ^ramati! nierjt erforbert, 
bei* Sftufif einen breiten 9taum $u gemäl)ren. S)icfe 
Sieber rjaben fcrjliejslid) über bie Sltic ben (Bieg bar-on^ 
getragen unb gelangten im ©ingfpiel unb in ber ^ßoffe 
ju größter Söebeutung. 2lud) bie extemporierten Sieber 
ber Wiener „^ansmürfte" roaren nichts anbere£ als 
berartige fentenjrjafte (£ouplet£, bie ©ebanfen bes 
Dialogs aufgriffen unb mit aftuellen Q3ejiel)ungen 
r-erarbeiteten. 

3n gan§ befonberer SBetfe rcirb bie Gcrfdjeinung 
ber ^enus norbereitet; bie 9Jcafd)tnen in ben Süften 
genügen nidjt mebr, um bas Sßhmber ber 3d)önf)eit 
in malen; bie gan^e 3§ene änbert fid) in ben (Sorten 
ber greube. $enus betritt bie 3§ene, begleitet r»on einem 
Gbor anmutiger ©eftatten unb Amoretten: gontänen 
raufdjen auf, (Gruppen mit Siebesfjenen merben 
fid)tbar. SBenus fingt, bas f)öd)fte mufifalifdje ^beai 
ber baroefen SBofalfunft in blenbenben Koloraturen 
entfaltenb, r»on §etenae 8d)ünl)eit unb erringt ben 
$reis. £)ie Anlage biefer 3}ene ift böd)ft bemunberns- 
mert. 2Bie richtig ift oom trjeatralifdjen 3tanbpunft, 
ba$ nierjt alle brei Göttinnen pfammen, fonbern jebe 
gefonbert auftritt, roie gefdjicft bie Steigerung r>on 
ruhigem ^atl)os in bem ©efang ber Juno über leb= 
r)afte (Energie im ©efang ber Dallas §u (rjrifd)er 
3d)önbeit in bem ©efang ber $enus. 2£ie richtig ift 
es aud) ted)nifd) angelegt, ba$ bie SBirfung jeber 
einzelnen ber (Göttinnen nid)t ber 3 u f a ^erfd)einung 

73 



unb bem @ptet ber biefe SHoÜe barftettenben Sängerin 
überlaffen ift, fonbern burd) bie ^ürjnenarcrjiteftur ein 
^afjmen gefdjaffen mtrb, ber ben Gtfjarafter ber (£r= 
fdieinung feftlegt nnb ben 3ufd)auer in bte t>om 9lutor 
beabfidjtigte $orftethmgsmett jmingt. 

$)ie etma£ eingebjenbere 23efpred)ung biefe£ 2tfte3 
aus bem „Porno d'oro" bürfte roorjl fd)on eine $or= 
fteftung geben uon ber 2lrt, roie bie gro^e 93arocfoper 
in ber SD^itte be§ 17. 3>aW)unbert§ angelegt war, 
über meldje Sflöglicrjfeiten ber trjeatralen 2Birfung 
fte o erfügte. 

Ter 5lufri§ ber 33arocfoper mar mit bem „Porno 
d' oro" für mefyr al§ ein bjalbeS Qarjrrjunbert in Söien 
gegeben. 2)ie meitere (£ntroicf(ung fonnte nid)t in 
ertenfioer Söeife oor fid) gerjen, fonbern in intenfber; 
bie gormen ber 3nftrumenta(ftücfe nnb ber^Irie mürben 
errceitert nnb ausgebübei, immer größere ^öebeutnng 
ber funftuotfen gürjrung einer reid) au§gefd)mücften 
Bingftimme juerfannt. 3)iefe Gmtmicfhmg bebentet 
bas aufgeben berjenigen ^ßrinjipien, um berentmiüen 
bas Dramma per musica in£ Seben gerufen mar, unb 
bie SInpaffung ber bramatifd)en -Jftufif an bie 93e= 
bürfniffe bes (Staates in ber Cper, unb ber ®ird)e 
im Cratorium ; bemgemä^ einen Ummanbtung^pro^e^, 
ber oor allem fo^iotogifd) erfaßt merben mu§. 3)ie 
bramatifdje SJiuftf, bie in Qtaüen immer merjr für 
bie Greife bes aufbiüfyenben Q3ürgertum§ gefdjrieben 
mürbe, ift in 2öien eine böfifcfje ftunft, bafyer fonfer- 
oatioer in ber §a(tung, breiter unb maffiger in ber 
Aaftuv. Sftan muftte genau, voa§ in Italien mufifalifd) 
mobern mar, fyielt aber bennod) an ben älteren formen 



feft. ©etbft al§ ber neapolitanifdje letcfjte Stil, aller» 
bingS auf bem Ummeg über SSenebig, nad) 1700 in 
QBien (Eingang gefunben fjatte, f)ielt man l)ier an ber 
geftoper großen ©ttle§ feft, bie eine jmeite 93 tute 
burd) Sodann 3>ofef gu£, befonbers in ber £rönungs= 
oper be» ^atyreS 1723 „Costanza e Fortezza" für 
£art VI. §um $önig oom $8öl)men erlebte. 

S)ic 2Iuffü!)rung fanb am 28. 2luguft, am ®eburts= 
tage ber S!aiferin auf bem §rabfd)in in ^3rag ftatt. 
5lud) bei biefer (Gelegenheit bilbete bie Cpernauf= 
fü^rung nur einen Seit ber Seftlicfjfeiten. S)en Quli 
unb Sluguft rnnburd) fanben groben ftatt unb einer 
ber legten, am 23. Sluguft mormte bie Äatferin bei. 
$iete grembe ftrömten f)ingu, teils um ben £rönung3= 
feftlicfjfeiten bei§umol)nen, teils um bie Cper §u fernen, 
unter irjnen aud) 3- 3. Cuant), ber berühmte gtötift 
unb Seljrer griebrid) beS (Großen, ber einen anfd)au= 
Hd)en 93erid)t oon ber Cper entworfen bat 100 
(Sänger unb 200 3nftrwnentaliften rcirften mit; bie 
Soften ber 5luffüf)vung betrugen, ba ein eigenes Sweater 
§u biefem 3mecfe erbaut mürbe, nad) einem $8ericr)t 
oon Slpoftolo 3eno 50.000 ©utben. „£üe (£ompofition\ 
fo beridjtet Cuant^, „mar r>on bem föanferl. Ober* 
capetlmeifter, bem alten berühmten gur. ©te mar 
me^r fir ebenmäßig als tfyeatratifdj) eingerichtet; baben 
aber fefjr prädjtig. £>as ©oncertiren unb SSinben ber 
Violinen gegen einanber, meldjes in ben Otitornelfen 
r»or!am, ob es gleid) größtenteils auS ©ät^en beftanb, 
bie auf bem Rapiere öftern fteif unb trocfen genug 
ausfegen mochten, tljat bennod) l)ier im (Großen, unb 
bei) fo §af)lreid)er $8efe$ung, eine fel)r gute, ja oiel 

75 



beffeve Sßirtung, als ein galanter, nnb mit oielen 
flehten flöten gezierter (Sefang in biefem gatle ge= 
t()an fyaben würbe. £)ie Dielen ßfyöre in ber ^rager 
Cper bieneten, nad) franjöftfdjer 2lrt, jngleid) §u 
Balletten. £>ie ©jenen waren ade burcrjfdjeinenb er= 
leudjtet. 2Begen ber Stenge ber 2lusfüf)rer gab ber 
&aoferlid)e ©apetlmeifter ©albara ben £aft. 3)er a(te 
guy felbft aber, toeldjen, toeil er mit bent ^3obagra 
befdjmeret mar, ber Käufer in einer (Sänfte oon 
2öien nad) ^rag tjatte tragen laffen, r)atte \)a$ 3Scr^ 
gnügen, biefe fo ungern öljntid) prächtige $luffül)rung 
feiner Arbeit, ofjnmeit be§ $aifers fi^enb, an§ul)ören." 

£>a3 eigene für biefe ^luffürjrung erbaute Sweater 
ftammt t»on ®iufeppe ©alli^ibbiena, ber 
fur§ oorljer an ©teile feinet faft erblinbeten Katers 
jum erften £l)eaterard)iteften ernannt morben mar. 
tiefer, au§ ber ©djute 9llbanis ftammenb, bilbete in 
ber 2Ird)iteftur einen finnenfreubigen, farbenfrohen 
©ttf aus, ber in einem gerciffen ©egenfa^ §u ber 
ftrengen (Sh'öfje ehte3 3ifrf)er oon (£rlad) ftel)t. (£3 ift 
jener ©til, ber un£ nod) in einer Dteifye oon ^aläften 
unb $ird)enbauten jener 3eh entgegentritt, ©ein 3iel 
ift bas oöllige 3)urd)bringen bes s ^(aftifd)en mit ma* 
lerifdjen ^Berten, bie $luflöfung oon gläd)e unb £inie 
in garbe unb £id)t £)ie bemalten 2Bänbe täufdjen 
Xiefenbimenfionen oor; bie bemalte £)ecfe ermecft bie 
3 Huf ton einer gortfet^tng bes 9toume3 in§ Unenblidje. 

©iufeppe ©alli^ibbiena, ber juerft in Sttailanb, 
bann in Barcelona tätig gemefen mar, (jatte fd)on 
1716 feine &unft bei ber ^nf^enierung ber „Angelica'' 
oon gur bemeifen fönnen, über bereu Shtffüfyrung mir 

76 



einen f)öd)ft bemerkenswerten ^örief ber Sabt) 9Jcon* 
tague ait ben £id)ter ^ope befi^en. Jn ben 3)efo* 
rationen §u „Costanza e Fortezza" bot er bie 
blenbenbftc Seiftung feiner ftunft, ein Aufbau ber 
fompli^ierteften Szenerien, in ber 93ermenbung oon 
^Dcafdjtnen, auf benen (ebenbe Silber bargeftetft werben 
tonnten unb- oon Koftümen, bie in ber foftbarften 
Seife mit Juwelen gefcrjmüdt waren. 

S)ie 9ftuftf oon gur ift in ben Strien unb 9te$itatioen 
oielfad) fonoentionett unb r>on einer, für ba$ gegen= 
wörtige (Smpfinben ermübenben Sänge, wie alle anberen 
Opern biefer (£pod)e, bie beutücfje Qeid)en eines Über« 
gangsjeitatters an fid) tragen: baneben aber finben 
fid) Momente oon wirflicfjer (Genialität unb ©röjje, 
bie über bas 3 e ^9^^trbene hinausragen. Unb an 
folcrjen Momenten fefjtt es aud) nid)t in bm übrigen 
Cpern oon %ux ober benen feiner 3*ttgenoffen Konti 
unb (Xalbara, bie einen (Sinbrud oon bem Iwrjen 
Otiueau aud) ber fpäten 33arodoper geben, oon bem 
gortroirfen ber gfänjenben £rabition, als bereu erften 
.pörjepunft man ben „Pomo d'orcr §u würbigen f)at. 

3elbft ©lud ftebt nod) im £ienfte biefer xrabition, 
ba er 1751 für ein geft, bas ber gelbmarf djatf $ßrin$ 
vsofepf) griebrid) oon 3ad)ien=£t(bburgf)aufen ber 
ftatierin üftaria ^Iberefta auf 3cfjio-ßbof gab, „L'Eroe 
Cinese" oon Sttetaftaf io fomponierte, wenn aud) 
biefes fleine 2ßerf nid)t ben granbiofen fjenifdjen 
Konzeptionen ber großen Sarodoper an bie Seite 
geftettt werben fann. Rubere 3^iten waren gefommen. 
grembe ^been begannen ^u gären: eine neue (£pod)e 
bereitete fid) oor. 

77 



2)ct§ SJtufifbrama fucbte ftd) roieber ben Qbeaten 
ju nähern, bcnen e§ feine Gsntftefyung t-erbanfte; tron 
neuem fudjte er fein S5orbilb in ber antuen <£ragöbie. 
Unb bamit begann für bie Dper eine ^afe ber 2lb; 
tefyx non ber barocken ©tilifterung unb ber $erfud) 
eine3 Naturalismus ber, non ©lud feinen 2Iu£gang 
nefjmenb, über bie romantif d)e Dper §u 9iid)arb Söagner 
führte. 

2)od) fyat ba3 $arod feine beutlid)en ©puren aud) 
in ber Sfteformoper fjinterlaffen. £)ie Xatfadje einer 
fjunbertjäfyrigen Srabition lonnte burd) bie neue geiftige 
Crientierung nid)t gän§tid) in SBergeffenfyeit geraten. 
Unb immer roieber fann man e£ beobachten, roie 
barode Elemente in ben $orbergrunb treten, bann 
roieber oerfdiroinben, hi§ eine neue (Strömung ju er* 
neuter ©tilifierung füfjrt unb bamit roieber eine $f)afe 
baroden ©mpfinbenS in ber bramatifd)en Sflufif 
anhebt. 



78 



Ser erfte Seit bicfer Unterfucfjungen, bei* beginn bes 
SSarotf in ber 3Jhtftl, ift juerft in ber 3eitftf)rtfr für IfcfUjetil 

unb fömtftnnffenfdjaft erfd)iencn. ®et ^roeite £etf über bie 
Anfänge ber Duer in 28ien beruht auf einer mefyr als pD&lf« 
jährigen JBefcrjäftigung mit ben Werfen bicfer Gpod)e, über 
bie irf) eine ^Hett)e r»on arbeiten ueröffentütfjt fyaht, bereit 
Ütefultate t)ter nenuertet ünb. SSon ber fyeftoper „II pomo 
d' oro" f)at ©uibo $(bter, ber bereits früher eine auSge^eicf); 
nete Stubie ü6er bie ^ebeutung ber „ßaifer y-erbinanb III., 
Seopolb L, Sofef I. unb &art VI. als 2onfe§er unb ftörberer 
ber 9Jcuftf" ( ißierteljafjresf cfjrift für 9)cufitnüffenfd)aft Villi 
gef daneben §atte, eine Ausgabe in ben „Senf malern ber 
2onfunft in Dfterreitf)" oeranftaltet, unb in ber ©inteitung 
311 biefer ^uMifation njertuoü'es äftarertal gut €pemgeftf)id)te 
be§ 17. Safyrrjunberts r>eröfientlicrjt. 



79 



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333 e Hess, S'er 33egtrm öes muftbalifdjen Q?arock ufro. 6 

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jur 3ftttfte»tfjenfdjaft «b. I. Sien 1912. 

— ©in ^üfjnenfeflfpiet au§ bem 17. $af)rf)unbert. Sie 

amifti xni. 1914. 

— Sie «aUett^Suiten non %. £• "«*> 21- %-. Sdjmeljer. 
Hifcungsber. ber 5Ifabemie ber SBiffenfd). 2Bien 1914. 

-Sie Opern unb Oratorien in 2öien uon 1660-1708. 
2tubie $ut anuftfn3iffenfcf)aft. 33b. VI. 2Bien 1919, 
Wiel Taddeo. I Codici musicali Contariniani. Venedig 
1888. 

— I Teatri musicali del Settecento. Venedig 1897. 



82 



2Irtäeigen 



Realer* unb mufikgefd)td)tlic^e 933erke ber „SBila". 

3n ber (Sammlung ^ t) eater unb Kultur finb 
bistjer erfdjienen: 

33anb 1, ^ermann 33al)r: Vurgtfyeater. 

„ 2, 5 er °t nono $taimunbs £ebensbokumente, gefönt* 
melt Don ^Ktd)arb Smekal, eingeleitet oon £ugo o. 
£ofmannstf)al. 
3, 9Har Wirker: 9lunb um bie $aubex\löU. 
„ 4, (Erroin Sieger: £>ffenbacf) unb feine 2Biener Sd)ule. 

5, (Erroin Sieger: «JSfjantafie über S)on 3 uan - 
„ 6, (Egon SBellesg: S)er beginn bes mufikalifcfyen 
barock unb bie Anfänge ber £)per in 2Bien. 

3n Vorbereitung: 
33anb 7, gelir Trojan: $as Xb,eater an ber 223ien. 
„ 8, ^arl Äobalb: 233iens tljeatralif d)e Senbung. 
$ie Sammlung roirb fortgefefct. 



Sie 2Biebergabe 

233iener ©egenroart unb itjr 33eftg. 
herausgegeben oon Dr. ^aul Stefan. 

1. iHettje. 

23anb 1, 3°f e Pf) Tregor: $as SBiener 33arocktf)eater. 
„ 2, «mar. 9HeU: «Hlfreb «Roller. 
„ 3, (Erwarb 33ufd)beck: $te SHebelskn. 
, 4, 5Ud)arb Specfjt: 2Dill)elm gurtroängler. 
„ 5, ^arl «JHarilaun: ^Ibolf £oos. 
% 6, «£aul Stefan: QInna 33af)r*9Hilbenburg. 
„ 7, Slrtur «Runbt: SHaria «maner-£arl (Etlinger. 
„ 8, £ubroig Ullmann: S)ie «üolanb. 
„ 9, (Erroin Sieger: 5)ie gute alte 3^it ber 2Diener 

Operette. 
„ 10, 2Bilb,elm 2Bnmetal: «Elarie 3erifca. 

2. «Heilte. 

33anb 1, gelir Saiten: $as Vurgtljeater. «Jiaturgefd)id)te eines 
alten Kaufes. 
„ 2, <}3aul Stefan: S)ie Staats oper. 



Sweater* unb mufikgefdjtdjtlidje 2Cerke ber „2Büa". 
^elij Saiten 

Schauen unb Spielen 

ctubien jur Antik bes mobernen Sweaters; 2 23änbe 

Saiten benkt mit ben Sinnen, geleg entlief) aud) mit bem 
^ergen; besroegen ftnb feine Urteile über 33üc}nenerfd)emungen 
immer fdjärfer unb klarer als bie trockenen $lbjtraktionen jener 
Kritiker, bie mit ben gußeifernen QJtaßftäben einer eingelernten 
$tjtl)etik an jebes £f)eaterffück herantreten, manchmal aud) 3utref= 
fenber, tiefer unb fernficrjtiger, roeil 3 ntu ^on ber 3tbftraktion fo 
roeit uorausläuft, roie bas 2Iuge allen anberen Sinnen. 

„Oleue #reie treffe", 2J3ien. 

(Ebmunb §ellmer. 

£ugo SEBolf 

(Erlebtes unb ßhrtaufefites 

Das 33ud) enthält eine gülte uon (Eitelkeiten aus £)ugo 
233olfs Seben. (Es ift eine ®abe oon bebeutenbem 2Bert für 
jeben 3Hufik* unb ^unftfreunb. 

„£iterarifa>9Tiufikalifd)e Jtunbfdjau." 

Das Sud) muß jeber lefen, ber 2Botf liebt, unb jebem roirb 
es ein fcfjönes, unDergeßlicfyes (Erlebnis j'ein. Solche 33üd)er tun 
uns not. „Dresbner Steuefte 91ad)rid)ten." 



2lnna Sa^r'3Hilbenburg 

(Erinnerungen 

(Ein Sud) coli ^Keig unb $tnmut, bas roeit mef)r als bit pf)oto* 
grapf)ifd)e ©enauigkeit ber (Ef)ronik gibt: bas 2Befentlid)e unb 
Sleibenbe biefes Gebens, ein getreues $lbbilb ber künftlerifdjen 
unb menfd)lid)en (Eigenart biefer fjernorragenben ftxau. 

(Eugen ^ilian in „Der Sammler". 



^elir 233eingartner 

Sebenserinnerungen 

3Htt einem Q3itbnis bes 33erfaffers oon <5ans Stauer — 2Bten 

3Ius bem 3 n ^ a ^ t: 
$rüf)efte ^inbfyeit / dlad) bem £obe bes 33aters / (Erfte Sdjul* 
Seit / 33is sur 3Hatura / £eipgig Saureutb, 3™eiter Slufentfjalt 
in Setpäig / 3nrifd)en £eip3ig unb SBeimar ; SBeimar / Anfang 
ber Dirigentenlaufbaljn / SBeitere (Entroicklung ber Dirigenten* 
laufbafm / Sie groeite Oper / Das neue Sanreutf) , (Ein Über* 
gangsiafjr / Hamburg / 2Bieberaufnaf)me ber kompofitorifdjen 
Tätigkeit / 9Iod)mals Hamburg / 5 ran kf ur * un0 2?Tannf)eim 
Reifen nad) Italien, 53erlin / 



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Wellesz, ^gon 

rj e ^ Beginn des rausika! 
eben Barock und die Anfänge 
der »in Wien 



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