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.etzten Tage 




Inhalt 



2 Bericht von der 160. Herbst-Generalkonferenz der 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Versammlung am Samstagvormittag 

3 „Dieses Werk wird voranschreiten." Gordon B. Hinckley 

4 Erlösung - Frucht der Liebe. Richard G. Scott 
6 Tausendmal. Glenn L. Face 

9 Das Wort der Weisheit. Eduardo Ayala 

11 Jeder ist seines Glückes Schmied. LeGrand R. Curtis 

13 Den natürlichen Menschen ablegen. Neal A. Maxwell 

15 Kommt alle zu mir. Howard W. Hunter 

Versammlung am Samstagnachmittag 

17 Die Beamtenbestätigung. Gordon B. Hinckley 

18 In allem ein Muster. Marvin J. Ashton 

21 Die Stunde der Bekehrung. Robert K. Dellenbach 

23 „Nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht." Harold G. Hillam 

24 Der Wert des Zeugnisses. Helvecio Martins 
26 Was ist Wahrheit? Lynn A. Mickelsen 

28 Zeugen Christi. Dallin H. Oaks 

31 Die größte Herausforderung. James E. Faust 

Priestertumsversammlung 

34 Nur wer rein ist, ist auch stark. M. Russell Ballard 

37 Kanalhüpfen. Marion D. Hanks 

39 Dem Propheten folgen. / Ballard Washburn 

41 Ein Schlüssel für die Ewigkeit. Durrell A. Woolsey 

43 Daß wir den Himmel berühren mögen. Thomas S. Monson 

46 „Rettung ist dort, wo . . . Ratgeber sind." 
Gordon B. Hinckley 

Versammlung am Sonntagvormittag 

53 Mormone sollte „besser" heißen. Gordon B. Hinckley 

56 Tempel und Tempelarbeit. David B. Haight 

58 Die vielen Zeugen für Jesus Christus und für sein Werk. 

James M. Paramore 
60 Der enge und schmale Weg. Joseph B. Wirthlin 
63 Unvergeßliche Tage. Thomas S. Monson 

Versammlung am Sonntagnachmittag 



66 „Wir wollen Gott so dienen, wie es ihm gefällt, 

in ehrfürchtiger Scheu." L. Tom Perry 
68 Entscheidungen. Russell M. Nelson 
71 Die Auferstehung. Hartman Rectorjun. 



73 Kraft aus dem Buch Mormon. Ruth B. Wright 

74 Dankt für alles. Hello R. Camargo 

76 Auf den Propheten hören. Waldo P. Call 
78 Bündnisse. BoydK. Packer 
81 „Gott sei mit euch bis aufs Wiedersehn." 
Thomas S. Monson 

Frauenkonferenz 

83 Darum ist uns dies klar kundgetan worden. Elaine Jack 

86 Güte - ein Teil von Gottes Plan. Betty Jo Jepsen 

88 Durch wahre geistige Gesinnung können wir mit den 

„Heuschrecken" fertig werden. Ardeth G. Kapp 
90 Der Leuchtturm des Herrn. Thomas S. Monson 

48 Generalautoritäten der Kirche Jesu Christi 
der Heiligen der Letzten Tage 

Bericht für Kinder von der 
Herbst-Generalkonferenz 1990 

95 Sie haben zu uns gesprochen 

96 Stichwortverzeichnis für 1990 



UMSCHLAG: „CHRISTUS BERUFT 
PETRUS UND ANDREAS", EIN GEMÄLDE 
VON JAMES TAYLOR HARWOOD. 




Fotos in dieser Ausgabe: Church Audiovisual Planning and Development, 
Photo Section: Jed A. Clark (Supervisor), Weiden Andersen, Phil Shurtleff, 
Craig Dimond, John Luke und Peggy Jellinghausen. 



Bericht von der 160. Herbst-Generalkonferenz 

der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 



Die Sprecher der Konferenz in alphabetischer Reihenfolge 



Ashton, Marvin J., 18 
Ayala, Eduardo, 9 
Ballard, M. Russell, 34 
Call, Waldo R, 76 
Camargo, Helio R., 74 
Curtis, LeGrand R., 11 
Dellenbach, Robert K., 21 
Faust, James E., 31 
Haight, David B., 56 
Hanks, Marion D., 37 
Hillam, Harold G., 23 
Hinckley, Gordon B., 

3, 17, 46, 53 
Hunter, Howard W., 15 
Jack, Elaine L., 83 
Jepsen, Betty JoN., 86 
Kapp, Ardeth G., 88 



Martins, Helvecio, 24 
Maxwell, NealA., 13 
Mickelsen, Lynn A., 26 
Monson, Thomas S., 

43, 63, 81, 90 
Nelson, Russell M., 68 
Oaks, Daliin H., 28 
Pace, Glenn L., 6 
Packer, Boyd K., 78 
Paramore, James M., 58 
Perry, L. Tom, 66 
Rector jun., Hartman, 71 
Scott, Richard G., 4 
Washburn, J Ballard, 39 
Wirthlin, Joseph B., 60 
Woolsey, Durrel A., 41 
Wright, Ruth B., 73 



Weitere Mitwirkende: Für die Musik auf der Konferenz sorgte in der Versammlung 
am Samstagvormittag der Mormon Youth Chorus unter der Leitung von Robert 
C. Bowden mit Clay Christiansen an der Orgel; in der Versammlung am Samstag- 
nachmittag der Chor der Jungen Damen aus den Regionen Bountiful und Val Verda, 
Utah, unter der Leitung von Julie Hayes Hewlett mit Clay Christiansen an der Orgel; 
in der Priestertumsversammlung ein aus dem Mormon Youth Chorus und dem 
Tabernakelchor zusammengestellter Männerchor unter der Leitung von Jerold Ottley 
und Robert C. Bowden mit John Longhurst an der Orgel; in den Versammlungen am 
Sonntag der Tabernakelchor unter der Leitung von Jerold Ottley und Donald 
Ripplinger mit Robert Cundick und John Longhurst an der Orgel. 




DER STERN 

Januar 1991 117. Jahrgang Nummer 1 

Offizielle deutschsprachige Veröffent- 
lichung der Kirche Jesu Christi 
der Heiligen der Letzten Tage. 



Die Erste Präsidentschaft: 

Ezra Taft Benson 
Gordon B. Hinckley 
Thomas S. Monson 

Das Kollegium der Zwölf: 

Howard W. Hunter, Boyd K. Packer, 
Marvin J. Ashton, L. Tom Perry, 
David B. Haight, James E. Faust, 
Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson, 
Dallin H. Oaks, M. Russell Ballard, 
Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott 

Redaktionsleitung: Rex D. Pinegar, 
Gene R. Cook, William R. Bradford, 
Francis M. Gibbons, Jeffrey R. Holland 

Chefredakteur: Rex D. Pinegar 

Geschäftsführender Direktor der 
Abteilung Lehrplan: Ronald L. Knighton 

Zeitschriftendirektor der Kirche: 

Thomas L. Peterson 



International Magazines 

Geschäftsßhrender Redakteur: 

Brian K. Kelly 

Stellvertreter: David Mitchell 

Ressortleiter: Ann Laemmlen 

Ressortleiter Kinderstern: DeAnne Walker 

Künstlerische Gestaltung: 

M. M. Kawasaki 

Art Direktor: Scott D Van Kampen 

Layout: Sharri Cook 



Verantwortlich für Übersetzung 
Johannes Gutjahr, 
Dieselstraße 1, D-6367 Karben 1 
Telefon: 06039/5001 

Herausgeber: 

Kirche Jesu Christi der Heiligen 
der Letzten Tage, Industriestraße 21, 
Postfach 1549, D-6382 Friedrichsdorf 1, 
Telefon: 06172/710334 

© 1991 by Corporation of the 
President of The Church of Jesus Christ 
of Latter-day Saints 

All rights reserved 

Die internationale Zeitschrift der Kirche, 
deutsch „DER STERN", erscheint monat- 
lich auf chinesisch, dänisch, deutsch, 



englisch, finnisch, französisch, hollän- 
disch, italienisch, japanisch, koreanisch, 
norwegisch, portugiesisch, samoanisch, 
schwedisch, spanisch und in der Tonga- 
sprache; zweimonatlich wird sie auf indo- 
nesisch, tahitisch und thailändisch ver- 
öffentlicht, vierteljährlich auf isländisch. 

DER STERN (ISBN 1044-338X) is 
published monthly by The Church of 
Jesus Christ of Latter-day Saints, 
50 East North Temple, Salt Lake City, 
UT 84150. Second-class postage paid at 
Salt Lake City, Utah. Subscription price 
$10.00 a year. $1.00 per Single copy. 
Thirty days notice required for change of 
address. When ordering a change, 
include address label from a recent issue; 
changes cannot be made unless both the 
old address and the new are included. 
Send USA and Canadian subscriptions 
and queries to Church Magazines, 
50 East North Temple Street, 
Salt Lake City, Utah 84150, United States 
of America. Subscription Information 
telephone number 801-240-2947. 

POSTMASTER: Send address changes to 
DER STERN at 50 East North Temple 
Street, Salt Lake City, Utah 84150, 
United States of America. 



Jahresabonnement: 

DM 28,- durch Einzugsverfahren (bei 

Bestellung durch Zweig oder Gemeinde). 

Bei Direktbestellung an Kirche Jesu 

Christi der Heiligen der Letzten Tage, 

Frankfurter Sparkasse, 

Konto-Nr. 88666, BLZ 50050102. 

sFr. 22,00 an Citibank, N. A. Zürich, 

Konto-Nr. 0/110501/005, 

Kirche Jesu Christi der Heiligen 

der Letzten Tage in der Schweiz. 

öS 182,- an Erste Österreichische 

Spar-Casse-Bank, 

Konto-Nr. 004-52602, 

Kirche Jesu Christi der Heiligen 

der Letzten Tage. 

USA und Kanada (nicht mit Luftpost): 

US$10.00 

Erscheint zwölfmal im Jahr 

Printed by 

Friedrichsdorf Printing Center, 

Germany 



PBMA9101GE 



91981 150 
German 



DER STERN 



Bericht von der 

160. Herbst-Generalkonferenz 

der Kirche Jesu Christi 

der Heiligen der Letzten Tage 



Ansprachen vom 6, und 7. Oktober 1990 

aus dem Tabernakel am Tempelplatz in Salt Lake City, Utah 



Präsident Benson hat mich gebeten, 
ihn zu vertreten", sagte Präsident 
Gordon B. Hinckley, Erster Ratgeber 
in der Ersten Präsidentschaft, zu Beginn der 
160. Herbst-Generalkonferenz der Kirche. 

„Ich werde ihn allerdings zitieren. 

,Wenn ihr den Aufforderungen des Herrn 
nachkommt und den Rat seiner erwählten 
Diener, nämlich der Propheten, Seher und 
Offenbarer befolgt, dann verheiße ich euch, 
die Liebe in der Familie und der Gehorsam 
gegenüber den Eltern wird zunehmen, der 
Glaube wird im Herzen der Jugend Israels 
heranreifen, und sie werden Macht und 
Stärke erhalten, um den bösen Einflüssen 
und Versuchungen zu widerstehen, die sie 
umgeben. Jede Familie kann wirklich ein 
kleiner Himmel auf Erden sein.' 

,Mit ganzer Seele bezeuge ich, dieses 
Werk wird voranschreiten, bis jedes Land 
und jedes Volk die Gelegenheit erhalten hat, 
unsere Botschaft anzunehmen. Grenzen 
werden fallen, damit wir die Mission erfül- 
len können, und einige von uns werden das 
erleben. Der Vater im Himmel wird dafür 
sorgen, daß sich die Lage in der Welt verän- 
dert, damit sein Evangelium jede Grenze 
überwindet.'" 

Präsident Benson, der wenige Tage vor 
der Konferenz operiert worden war und 
noch im Krankenhaus lag, verfolgte die 
Konferenz im Fernsehen. 

Die Leitung hatten Präsident Hinckley 
und Präsident Thomas S. Monson, Zweiter 
Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft. 

Präsident Monson sprach in der Schluß- 
versammlung ebenfalls von Präsident Ben- 
son: „Der leere Stuhl zwischen Präsident 
Hinckley und mir strahlt eine Einsamkeit 
aus, die wir auch im Herzen spüren. Ich 
wünschte, Sie könnten Präsident Hinckley 
und mich begleiten, wenn wir Präsident 
Benson in seinem Zimmer im Krankenhaus 
besuchen, wie wir es vor ein paar Tagen ge- 



tan haben. Ich glaube, es wäre für alle Mit- 
glieder der Kirche von Vorteil, wenn sie das 
friedliche und liebevolle Bild sehen könn- 
ten, das sich uns bot. Präsident Benson lag 
auf dem Bett. Ein edler Sohn hielt ihm die 
linke Hand, und eine wunderschöne Toch- 
ter hielt ihm die rechte Hand, während sie 
ihm aus dem Buch Mormon vorlas. Im Hin- 
tergrund hörte man leise Musik, eine Auf- 
nahme des Tabernakelchors. Es war wie ein 
kleines Stück Himmel." 

In der Versammlung am Samstagnachmit- 
tag wurde Geschäftliches erledigt. Eider 



Waldo P. Call aus Mexiko und Eider Helio R. 
Camargo aus Brasilien, beides Mitglieder 
des Zweiten Siebzigerkollegiums, wurden 
nach fünfeinhalb Jahren treuen Dienens ent- 
lassen. Veränderungen gab es auch bei den 
Siebzigern in der Präsidentschaft der Jun- 
gen Männer und in der Sonntagsschule. 

Die Konferenz wurde auf englisch und in 
fünfzehn weiteren Sprachen in die nörd- 
liche Hemisphäre übertragen. In Gebieten, 
in denen Übertragungen nicht möglich sind, 
werden den Einheiten der Kirche Video- 
Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt. 




JANUAR 1991 

2 



6. Oktober 1990 

Versammlung am Samstagvormittag 



// 



Dieses Werk wird voranschreiten 



// 



Präsident Gordon B. Hinckley 

Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 



„ ,Wir müssen jeden Tag unseres Lebens beweisen, daß wir bereit sind, 
den Willen des Herrn zu tun. ' " 




Liebe Brüder und Schwestern, es ist 
üblich, daß zu Beginn der Konferenz 
der Präsident der Kirche spricht. Prä- 
sident Benson hat mich gebeten, ihn zu ver- 
treten. Ich werde ihn allerdings zitieren. 

Er hat gesagt: „Ich liebe dieses großartige 
Werk, das größte Werk auf Erden. Ich liebe 
meine Brüder und Schwestern, wo immer 
sie auch leben mögen; und ich flehe die Seg- 
nungen des Herrn auf sie herab. 

Wenn ihr den Aufforderungen des Herrn 
nachkommt und den Rat seiner erwählten 
Diener, nämlich der Propheten, Seher und 
Offenbarer befolgt, dann verheiße ich euch, 
die Liebe in der Familie und der Gehorsam 
gegenüber den Eltern wird zunehmen, der 
Glaube wird im Herzen der Jugend Israels 
heranreifen, und sie werden Macht und 
Stärke erhalten, um den bösen Einflüssen 
und Versuchungen zu widerstehen, die sie 
umgeben. Jede Familie kann wirklich ein 
kleiner Himmel auf Erden sein." (Children's 
Friend, April 1957, Seite 26.) 

„Mit ganzer Seele bezeuge ich, dieses 
Werk wird voranschreiten, bis jedes Land 
und jedes Volk die Gelegenheit erhalten hat, 
unsere Botschaft anzunehmen. Grenzen 
werden fallen, damit wir die Mission erfül- 
len können, und einige von uns werden das 
erleben. Der Vater im Himmel wird dafür 
sorgen, daß sich die Lage in der Welt verän- 



dert, damit sein Evangelium jede Grenze 
überwindet." (The Teachings ofEzra Taft Ben- 
son, Seite 174.) 

„Wenn wir gemäß Gottes Geboten leben, 
können wir voller Freude auf das Zweite 
Kommen des Herrn Jesus Christus schauen 
und wissen, daß wir aufgrund unserer An- 
strengungen würdig sind, mit unseren Lie- 
ben in alle Ewigkeit in seiner Gegenwart 
zu leben. Gewiß ist nichts zu schwer, um 
dieses große Ziel zu erreichen. Wir dür- 
fen es einfach nicht einen Augenblick lang 
aus den Augen verlieren. Wir müssen jeden 
Tag unseres Lebens beweisen, daß wir 
bereit sind, den Willen des Herrn zu tun, 
nämlich das wiederhergestellte Evangelium 
zu verkündigen, der Welt Zeugnis zu ge- 
ben und andere am Evangelium teilhaben 
zu lassen." (Gebietskonferenz in Tokio, 
10. August 1975.) 

„Gott segne Sie, meine geliebten Brüder 
und Schwestern, darum bete ich im Namen 
Jesu Christi. Amen." 

Soweit unser geliebter Führer Ezra Taft 
Benson. Ich bin sicher, daß ich für einen je- 
den von uns, der mich hört, spreche, wenn 
ich ihm sage: „Geliebter Freund und Füh- 
rer, geliebter Präsident und Prophet, wir lie- 
ben Sie. Mögen die Segnungen des Herrn 
auf Ihnen ruhen, damit Sie gemäß Ihren Be- 
dürfnissen gestärkt werden. " D 




DER STERN 



Erlösung - Frucht der Liebe 



Eider Richard G. Scott 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



„Vielleicht hat Ihnen der Geist schon eingegeben, daß Sie nach 
Ihren Vorfahren suchen sollen, aber Sie meinen, Sie seien kein 
Genealoge. Das ist jetzt auch gar nicht mehr nötig. " 



In einem Brief vor hundertfünfzig Jahren 
schrieb Joseph Smith: 

„Die Heiligen dürfen sich für ihre ver- 
storbenen Anverwandten taufen lassen, . . . 
die das Evangelium empfangen haben, . . . 
vermittels derjenigen, die den Auftrag ha- 
ben, ihnen zu predigen. Wenn einige Hei- 
lige sie zuungunsten ihrer verstorbenen 
Verwandten außer acht lassen, so tun sie 
das auf die Gefahr hin, selbst nicht erret- 
tet zu werden." (History of the Church, 4: 
231, 421.) 

Der Prophet Elija übergab Joseph Smith 
im Tempel von Kirtland die Schlüssel für die 
stellvertretende Arbeit (siehe LuB 
110:13-16), um die Verheißung des Herrn zu 
erfüllen: „Er wird die Verheißungen, die 
den Vätern gemacht worden sind, den Kin- 
dern ins Herz pflanzen, und das Herz der 
Kinder wird sich ihren Vätern zuwenden." 
(LuB 2:2.) 

Durch weitere Offenbarungen an Joseph 
Smith und die Propheten nach ihm haben 
wir einen Einblick in Tempelarbeit und Ge- 
nealogie erhalten. Seit Joseph Smith hat je- 
der Prophet betont, daß es ein Muß ist, daß 
wir für uns und unsere Verstorbenen alle 
heiligen Handlungen empfangen. 

Dieser inspirierte Rat läßt sich einfach zu- 
sammenfassen: 

Wir müssen 

- das Herz der Väter den Kindern und das 
der Kinder den Vätern zuwenden 

- dafür sorgen, daß die heiligen Handlun- 
gen für uns und unsere Vorfahren vollzogen 
werden 

- die einzelnen zu ewigen Familien sie- 
geln. 

Viele Mitglieder sehen, wie wichtig diese 
Gebote sind, meinen aber, daß die Aufgabe, 
nach Vorfahren zu forschen, zu groß sei. Um 
dem abzuhelfen, hat die Kirche die Ahnen- 
forschung und die Freigabe von Namen für 
die Tempelarbeit wesentlich vereinfacht. 

Wir haben nun Angaben für etwa zwei 
Milliarden der geschätzten sieben Milliar- 
den Menschen, für die Aufzeichnungen be- 
stehen. Diese Quelle wächst jedes Jahr um 
viele Millionen. 




Diese Woche vor hundertfünfzig Jah- 
ren offenbarte der Herr seinem Pro- 
pheten, Joseph Smith, die erhabene 
Lehre von der Taufe für die Toten. Damals 
lehrten die anderen christlichen Kirchen, 
daß der Tod unwiderruflich das Los der See- 
le für alle Ewigkeit festlegte. Die Getauften 
empfingen endlose Freude als Lohn, alle an- 
deren gingen ohne jegliche Hoffnung auf 
Erlösung ewigen Qualen entgegen. Die Of- 
fenbarung, laut der die Taufe mit der richti- 
gen Priestertumsvollmacht stellvertretend 
für die Toten vollzogen werden kann, bestä- 
tigte die Wahrhaftigkeit der Worte: „Wenn 
jemand nicht von neuem geboren wird, 
kann er das Reich Gottes nicht sehen." 
(Johannes 3:5.) 

Die stellvertretende Taufe macht diese 
heilige Handlung allen würdigen Verstorbe- 
nen zugänglich, die sie nicht durch die rich- 
tige Priestertumsvollmacht empfangen 
konnten. 

Diese herrliche Lehre ist ein weiteres 
Zeugnis dafür, daß das Sühnopfer Jesu 
Christi alle einschließt. Durch sein stellver- 
tretendes Sühnopfer hat er den Tod besiegt. 
Er ermöglicht es den würdigen Verstorbe- 
nen, alle Verordnungen der Errettung stell- 
vertretend zu empfangen. 



Auf der ganzen Welt sind 1500 Genealo- 
gie-Archive in Betrieb, die Zugang zu unse- 
rer immensen Datei gewähren. Dort arbei- 
ten ehrenamtlich verständnisvolle und hilfs- 
bereite Mitarbeiter. Mit Hilfe von For- 
schungsanleitungen, Telefax und Korre- 
spondenz können diese Archive auf das 
Zentralarchiv in Salt Lake City zurück- 
greifen. 

Die moderne Technik hat die früher um- 
fangreichen Regelungen und Vorschriften 
für diese Arbeit in großem Maße verein- 
facht. Diese vereinfachten Schritte werden 
in der Veröffentlichung „Kommt zu Chri- 
stus - mit Hilfe der heiligen Handlungen 
und Bündnisse im Tempel" erklärt. Sie kön- 
nen sie in den wichtigsten Sprachen der 
Welt von Ihren Priestertumsführern bekom- 
men. Sie faßt die theologische Grundlage 
für Genealogie und Tempelarbeit zusam- 
men. Wo ein Fachberater für Genealogie be- 
rufen ist, kann er Ihnen zur Seite stehen. 

Viele intelligente und interessierte Men- 
schen haben die Möglichkeiten, die der 
Computer bietet, genutzt, um die Arbeit zu 
vereinfachen. Ein leistungsfähiges Pro- 
gramm namens „Family Search"™ ist jetzt 
in den Genealogie-Archiven in den Ver- 
einigten Staaten und Kanada erhältich. (Fra- 
gen Sie danach, wenn es nicht vorhanden 
ist. Es steht auf dem Programm.) Und in ab- 
sehbarer Zeit steht es auch in anderen Län- 
dern zur Verfügung. 

„Family Search" verschafft den Mitglie- 
dern leichten Zugang zur zentralen Genea- 
logiedatei der Kirche. Es vereinfacht die Su- 
che wesentlich und erlaubt es den Mitglie- 
dern, die Informationen auf den zahlreichen 
Mikrofilmen der Kirche schneller zu finden. 
Der Computer ermöglicht direkt und schnell 
Zugriff auf eine große Sammlung kostbarer 
Informationen auf CD, ohne Zeitverlust und 
Fehlerquellen, wie das bei der Durchfor- 
stung von Filmen der Fall ist. „ Family - 
Search" ist so einfach anzuwenden wie das 
Telefon und bietet folgende Hilfe: 

Die „Ancestral File"™ (Ahnenkartei) ist 
eine Computerdatei von sieben Millionen 
Namen, die zu Familienverbänden verbun- 
den sind. Diese Datei ist das Kernstück un- 
serer Bemühung, den Stammbaum der 
Menschen zu sammeln und diese Angaben 
anderen zur Verfügung zu stellen und ihnen 
somit die Forschung zu erleichtern und das 
Verwandtschaftsverhältnis für unsere 
wachsende Nachkommenschaft zu be- 
wahren. 

Die „Ancestral File" enthält Unterlagen, 
die im Rahmen des Vier-Generationen-Pro- 
gramms von Mitgliedern und Freunden ein- 
gereicht wurden. Diese Angaben sind sorg- 
fältig kombiniert worden und stellen jetzt ei- 
ne reiche Quelle von familienbezogenen 
Angaben dar, die die Forschung erleichtern 
und der Verdopplung vorbeugen. Sie ent- 



JANUAR 1991 



hält Namen und Adressen und ermöglicht 
somit die Koordinierung mit anderen Einrei- 
chern. Wir haben heute die Mittel, daß Sie 
oder Ihre Familienorganisation alle fami- 
lienbezogenen Informationen für die ständi- 
ge Archivierung und Nutzung durch andere 
eingeben können. 

Vor kurzem sagte ein Freund der Kirche, 
der einen etwa 13 cm hohen Stapel mit An- 
gaben in der Hand hielt, mit offensichtlicher 
Dankbarkeit: „Die Kirche hat mein Lebens- 
werk in einen Computer eingegeben, wo es 
ständig gespeichert sein und anderen zur 
Verfügung stehen wird." Diese Einstellung 
breitet sich in der ganzen Welt aus, wo 
Freunde, die ihre Dankbarkeit dafür zeigen 
wollen, daß sie die Mittel der Kirche nutzen 
durften, ihre mühsam gesammelten Anga- 
ben großzügig der Kirche geben, um sie an- 
deren zugänglich zu machen. 

Ein weiteres Hilfsmittel ist der automati- 
sierte Katalog des Genealogie-Archivs. Er 
führt praktisch jede genealogische Auf- 
zeichnung der Kirche auf. Mit seiner Hilfe 
lassen sich Namen und Ortsangaben schnell 
und genau finden. 

Der automatisierte „Internationale Gene- 
alogie-Index" ersetzt 10000 Mikrofiches. Sie 
können damit die Angaben zu 147 Millionen 
Verstorbenen suchen und das Verwandt- 
schaftsverhältnis erstellen. 

In den nächsten paar Monaten kommt das 
automatisierte U.S. Social Security Death 
Register mit 39 Millionen Namen heraus. 

Weitere Hilfsmittel, die sich noch in Ent- 
wicklung befinden, werden uns in den 
nächsten zwei, drei Jahren die geordneten 
Angaben von Hunderten von Millionen Ver- 
storbenen zugänglich machen. Aus Daten- 
schutzgründen geben wir keine Computer- 
daten über Lebende weiter. 

Eine große Gruppe von Mitgliedern gibt 
die 50 Millionen Namen der Volkszählung 
der USA von 1880 ein. 5000 Nichtmitglieder 
und 77 Missionare geben die 27 Millionen 
Namen der Volkszählung von 1881 in Eng- 
land ein. Eine Datei mit 5 Millionen Namen 
aus den Geburts-, Heirats- und Sterbebü- 
chern Australiens von 1788 bis 1888 steht vor 
ihrer Vollendung. Wenn sie einmal zur Ver- 
fügung steht, können Sie einen Vorfahren 
ohne genaue Ortsangabe landesweit su- 
chen. 

Die „Personal Ancestral File" ist ein lei- 
stungsfähiges, preisgünstiges und benut- 
zerfreundliches Programm für den Hausge- 
brauch. Sie können damit Angaben organi- 
sieren, analysieren und ausdrucken. Es 
zeigt Ihnen, welche heiligen Handlungen 
noch ausstehen, und ermöglicht elektroni- 
schen Datenaustausch. 

Die jüngsten Änderungen beschleunigen 
das Genehmigungsverfahren für den Voll- 
zug heiliger Handlungen für Verstorbene; 
das begeistert mich am meisten. Ab näch- 



sten Herbst können Sie [das heißt, die Mit- 
glieder in den Vereinigten Staaten und Ka- 
nada] die heiligen Handlungen für Ihre Vor- 
fahren in Ihrem Versammlungshaus geneh- 
migt bekommen, ohne daß Sie sich dafür an 
Salt Lake City wenden müssen. Wenn Sie 
anhand der Quellen feststellen, daß die hei- 
ligen Handlungen noch nicht vollzogen 
sind, können Sie sofort zum Tempel gehen 
und sie vollziehen. 

Ja, der Herr beschleunigt sein Werk. 

Es war schwer, sich für die Genealogie zu 
begeistern, weil es so viele Bestimmungen 
und die Vorschriften in bezug auf Komma, 



Zeugnis und betete mächtig darum, wieder 
soviel sehen zu können, um ihre Arbeit ab- 
zuschließen. Durch ein Wunder konnte sie 
wieder besser sehen. 

So ziemlich die besten Angaben über mei- 
ne Vorfahren hat eine bemerkenswerte Frau 
1888 zusammengestellt. Sie tat es ohne jegli- 
chen theologischen Einblick und ohne unse- 
re heutigen Hilfsmittel. Sie folgte den Einge- 
bungen ihres Herzens und stellte mit viel 
Ausdauer und Schriftverkehr 16000 Namen 
der Familie Talbot zusammen. Eine Nach- 
fahrin, Cathy Frost, Mutter von zwei Kin- 
dern im Vorschulalter und in anderen Um- 




Elder Richard G. Scott vom Kollegium der Zwölf unterhält sich mit Schwester Ruth B. Wright, 
der Zweiten Ratgeberin in der PV-Präsidentschaft, 



Punkt und Großschreibung gab . Das ist jetzt 
anders. Bei der Genealogie geht es jetzt dar- 
um, daß wir unsere Vorfahren jenseits des 
Schleiers liebhaben und ihre Nähe fühlen. 

Richard Talbot, John Dunkerson und Ab- 
raham Salee sind nicht mehr nur Namen auf 
einem Stück Papier, für die die Tempelarbeit 
getan werden muß, sondern Vorfahren, die 
ich durch die Tempelarbeit habe lieben ler- 
nen. Sie haben mein Leben geprägt. Ich fin- 
de Wesenszüge aus ihrem Leben in meinem 
Charakter wieder. Machen Sie sich an die 
Arbeit, und Sie werden erkennen, warum 
der Herr gesagt hat: „Das Herz der Kinder 
wird sich ihren Vätern zuwenden." (LuB 
2:2.) Erfahren Sie, warum diese Lehre wie- 
derhergestellt wurde. 

Ich habe einmal eine demütige, fast blinde 
Schwester von einem geistigen Erlebnis 
Zeugnis geben hören, das sie mit ihrem 
Mann beim Forschen nach Vorfahren für die 
Tempelarbeit hatte. Sie erklärte, daß sie 
durch eine innere Blutung den Rest ihres 
Augenlichts verloren hatte. Sie hatte ein 



ständen, ist dabei, all diese Namen in einen 
Computer einzugeben. Meine Frau Jeanene 
und ich werden sie jetzt mit den vereinfach- 
ten Mitteln selbst für die Tempelarbeit frei- 
geben, und unsere Familie wird für diese 
Vorfahren in den Tempel gehen. 

Vielleicht können Sie jetzt nicht so leicht 
selbst zum Tempel gehen, doch Sie können 
die Namen Ihrer Vorfahren für die Tempel- 
arbeit einreichen. Vielleicht leben Sie in ei- 
nem Gebiet, wo Sie nur begrenzte Hilfsmit- 
tel haben. Fangen Sie mit den Vorfahren an, 
die Ihnen am nächsten sind. Suchen Sie bei 
den Familiennamen all Ihrer Vorfahren. Be- 
folgen Sie die relativ einfachen Richtlinien, 
wenn Sie die Tempelarbeit beantragen. 
Nehmen Sie sich vor, denen zum Segen zu 
gereichen, die von Ihnen abhängig sind. 
Auf diese Weise gereichen Sie sich selbst 
zum Segen. 

Ich brauche nicht auf alle Einzelheiten ein- 
zugehen. Wenn Sie zum Erfolg entschlossen 
sind, finden Sie den Weg. Sie werden fest- 
stellen, wer Ihnen helfen kann. Ich verheiße 



DER STERN 



Ihnen: Der Herr wird Ihnen bei Ihren Bemü- 
hungen, Ihren Vorfahren die heiligen Hand- 
lungen und Bündnisse zu bringen, helfen 
und Sie führen. 

Ich habe von der Frucht dieses Werks ge- 
nossen und weiß daher, daß die Schlüssel, 
die Elija Joseph Smith wiedergebracht hat, 
dazu dienen, unser Herz den Vorfahren zu- 
zuwenden, die auf unsere Hilfe warten. 
Durch unsere Arbeit im Tempel, die wir mit 
der Vollmacht des Erretters vollziehen, 
empfangen unsere Vorfahren die erretten- 
den Verordnungen, die sie zu ewigem 
Glücklichsein führen. 

In der Vergangenheit haben Menschen, 
die davon überzeugt waren, daß dieses 
Werk heilig ist, allein vor dieser Aufgabe ge- 
standen, die viele erfordert hätte. Heute ha- 
ben wir viele Hilfsmittel. Gemeinsam wer- 
den wir die Arbeit vollbringen. 

In dieser Woche jährt sich zum hundert- 
fünfzigsten Mal die Verkündigung der Leh- 
re vom stellvertretenden Werk für die Toten. 
Es ist angebracht, daß die führenden Brüder 
gerade jetzt bekanntgegeben haben, daß es 
nun vereinfachte Hilfsmittel für die Ahnen- 
forschung gibt und daß auch die Freigabe 
für den Vollzug der heiligen Handlungen er- 
leichtert wird. 

Ich bezeuge, daß der Geist des Elija vielen 
Kindern des Vaters im Himmel das Herz be- 
rührt hat und das Werk für die Toten in ei- 
nem noch nie dagewesenen Tempo be- 
schleunigt. 

Wie sieht es mit Ihnen aus? Haben Sie 
über die Arbeit für Ihre Vorfahren gebetet? 
Legen Sie beiseite, was nicht wirklich zählt. 
Entscheiden Sie sich für etwas, was sich auf 
die Ewigkeit auswirkt. Vielleicht hat Ihnen 
der Geist schon eingegeben, daß Sie nach 
Ihren Vorfahren suchen sollen, aber Sie mei- 
nen, Sie seien kein Genealoge. Das ist jetzt 
auch gar nicht mehr nötig. 

Die Arbeit ist geistig - eine gewaltige Zu- 
sammenarbeit auf beiden Seiten des Schlei- 
ers. Es beginnt mit Liebe. Überall auf der 
Welt können Sie mit Beten, Entschlußkraft, 
Eifer und einigem Opfer einen großen Bei- 
trag leisten. Der Herr wird Ihnen den Weg 
zeigen. Und Sie werden dabei ein gutes Ge- 
fühl haben. Im Namen Jesu Christi. Amen. 
D 




Tausendmal 



Bischof Glenn L. Pace 

Zweiter Ratgeber in der Präsidierenden Bischofschaft 



„Wir müssen alles tun, um dem Unheil vorzubeugen, und dann alles 
nur Erdenkliche tun, um den Opfern der Katastrophen, die sich 
unweigerlich ereignen werden, zur Seite zu stehen und sie zu trösten. 



Zeugnis von Erdbeben, das die Erde in ih- 
rem Innern stöhnen lassen wird . . . 

Und es kommt auch das Zeugnis durch die 
Stimme von Donnerschlägen, . . . Blitzen, 
. . . von Unwettern und . . . von Meereswo- 
gen, die sich über ihre Grenzen hinaus er- 
gießen werden." (LuB 88:89,90.) 

„Und an diesem Tag wird man von Krie- 
gen und Kriegsgerücht hören. 

Und die Menschenliebe wird erkalten, 
und das Übeltun wird überhandnehmen." 
(LuB 45:26,27.) 

„Und Plagen werden hereinbrechen." 
(LuB 84:97.) 

„ . . . und die ganze Erde wird in Aufruhr 
sein" (LuB 45:26.) 

Es wäre eine Untertreibung, zu sagen, die 
Warnungen des Herrn hätten gerade erst be- 
gonnen. Wie reagieren wir auf die Hilferufe 
der Kinder Gottes? Sagen wir: „Warum 
kannst du nicht besser aufpassen? Warum 
hast du nicht auf den Herrn gehört?" oder 
„Unsere Missionare und die Führer der Kir- 
che haben dir tausendmal gesagt, du sollst 
dich ändern." 

Bevor ich auf das eingehe, was wir tun 
könnten, möchte ich im heutigen Sprachge- 
brauch zwei Verhaltensänderungen vor- 
schlagen. Erstens: Wir müssen aufhören zu 
resignieren. Wir kennen die Prophezeiun- 
gen. Wir wissen, was kommen wird. Wir 
wissen, daß die Welt als ganzes nicht um- 
kehren wird. Wir wissen, daß die Letzten 
Tage voller Schmerz und Leid sein werden. 
Wir könnten also die Arme hängen lassen 
und nichts tun, als darum zu beten, daß das 
Ende kommt, damit das Millennium begin- 
nen kann. Wenn wir das tun, verwirken wir 
unser Recht, am großen Ereignis teilzuha- 
ben, auf das wir alle warten. Wir müssen an 
den letzten Ereignissen alle als Spieler teil- 
nehmen, nicht als Zuschauer. Wir müssen 
alles tun, um dem Unheil vorzubeugen, und 
dann alles nur Erdenkliche tun, um den Op- 
fern der Katastrophen, die sich unweiger- 
lich ereignen werden, zur Seite zu stehen 
und sie zu trösten. 

Lehi hat uns dadurch, wie er mit seinem 
Wissen von der Zukunft Lamans und Le- 
muels fertig wurde, ein hervorragendes Bei- 




TT A "Ter von Ihnen, den Eltern, hat 
\/\l schon einmal so etwas erlebt? 

w Y Nach einem langen Tag genießen 
Sie den ersten ruhigen Augenblick. Plötz- 
lich zerreißt der durchdringende Schrei ei- 
nes Ihrer Kinder die Stille und Ruhe des 
Augenblicks. Sie schießen aus Ihrem be- 
quemen Sessel hoch und sehen Ihr Kind, 
das schreiend auf Sie zuläuft. Ganz klar: 
die Wunde muß genäht werden. Im Bruch- 
teil einer Sekunde bilden Sie sich eine Mei- 
nung über das, was geschehen ist. Folglich 
sind Ihre ersten Worte kein Ausdruck des 
Trostes oder des Mitgefühls, sondern: 
„Warum hast du nicht besser aufgepaßt? 
Warum hast du nicht auf mich gehört? Ich 
hab' dir tausendmal gesagt, du sollst nicht 
auf dem Garagendach spielen!" Unsere 
Kinder können bezeugen, daß wir nie be- 
haupten, wir hätten ihnen etwas zwei, drei, 
neun oder fünfzehn Mal gesagt. Wir be- 
haupten immer, wir hätten es ihnen tau- 
sendmal gesagt. 

So, wie wir als Eltern warnen, warnt der 
Herr seine Kinder: „Und die Stimme der 
Warnung wird an alles Volk ergehen, näm- 
lich durch den Mund meiner Jünger, die ich 
mir in diesen letzten Tagen erwählt habe." 
(LuB 1:4.) 

Und nach ihrem Zeugnis „kommt das 



JANUAR 1991 



spiel gegeben. Als beide noch jung waren, 
erfuhr Lehi in einer Vision, daß Laman und 
Lemuel nicht von der Frucht vom Baum des 
Lebens nehmen würden. Doch gleich nach 
der Vision „ermahnte er sie mit allem Ge- 
fühl eines liebevollen Vaters, auf seine Wor- 
te zu hören, damit der Herr doch zu ihnen 
barmherzig sei" (1 Nephi 8:37). Während 
seines verbleibenden Lebens gaben die Ta- 
ten Lamans und Lemuels ihm nur wenig 
Hoffnung, daß sie umkehren würden. Den- 
noch gab er nie auf, sondern belehrte und 
liebte sie sogar noch an der Schwelle zum 
Tode (2 Nephi 1:21). 

Auch der große Prophet Mormon hat uns 
ein nachahmenswertes Beispiel gegeben. Er 
lebte zu einer hoffnungslosen Zeit. Stellen 
Sie sich vor: „Es gab keine Gaben mehr vom 
Herrn, und wegen ihrer Schlechtigkeit und 
ihres Unglaubens kam der Heilige Geist 
über niemanden mehr." (Mormon 1:14.) 

Trotz dieser hoffnungslosen Situation 
führte Mormon ihre Armee, denn, wie er 
sagt, „ungeachtet ihrer Schlechtigkeit hatte 
ich sie . . . geliebt gemäß der Gottesliebe, die 
in mir war - mit meinem ganzen Herzen; 
und meine Seele hatte sich den ganzen Tag 
lang vor Gott im Gebet für sie ergossen" 
(Mormon 3:12). 

Dieser Prophet hatte christliche Liebe für 
ein gefallenes Volk. Können wir uns damit 
zufriedengeben, weniger zu lieben? Wir 
müssen mit der reinen Christusliebe voran- 
gehen, um die frohe Botschaft des Evangeli- 
ums zu verbreiten. Auch wenn wir das tun 
und den Kampf des Guten gegen das Böse, 
des Lichts gegen die Finsternis, der Wahr- 
heit gegen die Falschheit führen, dürfen wir 
dennoch nicht unsere Pflicht vernachlässi- 
gen, die Wunden derer, die in der Schlacht 
gefallen sind, zu versorgen. Wir dürfen ein- 
fach nicht resignieren. 

Die zweite Verhaltensänderung ist, daß 
wir uns nicht über das Unglück der Letzen 
Tage freuen dürfen. Manchmal neigen wir 
zur Schadenfreude, wenn wir die natürli- 
chen Folgen kommen sehen. Wir fühlen uns 
dafür gerechtfertigt, daß wir von der Mehr- 
heit der Welt ignoriert und verfolgt und von 
anderen gescholten werden. Wenn wir Erd- 
beben, Kriege, Hungersnöte, Krankheit, Ar- 
mut und Leid sehen, sind wir vielleicht ver- 
sucht, mit einem Achselzucken zu sagen: 
„Wir haben sie ja gewarnt" oder „Wir haben 
ihnen tausendmal gesagt, sie sollen das 
nicht tun." 

Nehmen wir uns doch diese Sprichwörter 
zu Herzen: 

„Wer sich über ein Unglück freut, bleibt 
nicht ungestraft." (Sprichwörter 17:5.) 

„Freu dich nicht über den Sturz deines 
Feindes, dein Herz juble nicht, wenn er 
strauchelt." (Sprichwörter 24:17.) 

Zu diesem Thema sagte Ijob: „Denn Gott 
da droben hätte ich verleugnet. 




Von links nach rechts: Eider John K, Carmack und Eider George R. Hill III von den Siebzigern und die 
Präsidierende Bischof schuft, Henry B. Eyring, Erster Ratgeber, Bischof Robert D. Haies und Glenn L. 
Face, Zweiter Ratgeber singen gemeinsam mit den Versammelten. 



Wenn ich am Unglück meines Feindes 
mich freute und triumphierte, daß Unheil 
ihn traf. "(Ijob 31:28,29.) 

König Benjamin hat klar gemacht, daß es 
Sünde ist, über jemand in Not zu urteilen: 



„Vielleicht mag einer sagen: Der Mensch hat 
sein Elend selbst über sich gebracht; darum 
will ich meine Hand zurückhalten und ihm 
nicht von meiner Nahrung geben, ihm auch 
nicht von meinen Mitteln zuteilen, daß er 



DER STERN 



7 



nicht leide, denn seine Strafe ist gerecht - 

aber ich sage euch: O Mensch, wer dies 
tut, der hat viel Grund zur Umkehr." (Mosia 
4:17,18.) 

Wir wissen: Viele Wunden fügt man sich 
selbst zu, und sie wären vermeidbar gewe- 
sen, wenn man nur die Grundsätze des 
Evangeliums befolgt hätte. Sie jedoch als 
„ihr Problem" abzutun, ist in den Augen 
des Herrn nicht annehmbar. Er hat gesagt: 
„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und 
schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde 
euch Ruhe verschaffen." (Matthäus 11:28.) 
Auch wenn er Sünde nicht gutheißt, so 
streckt er doch dem umkehrwilligen Sünder 
seine Arme entgegen. In unserer Zeit hat der 
Herr uns aufgefordert, einen Schritt weiter 
zu gehen. „Ich, der Herr, vergebe, wem ich 
vergeben will, aber von euch wird verlangt, 
daß ihr allen Menschen vergebt." (LuB 
64:10.) 

Unsere Vergebung muß sich dadurch zei- 
gen, daß wir die Hand ausstrecken und 
Wunden heilen helfen, auch wenn sie die 
Folge von Übertretung sind. Wenn wir auf 
irgendeine andere Weise handeln, wäre es 
so, als richteten wir eine Klinik für die Be- 
handlung von Lungenkrebs ein - aber nur 
für Nichtraucher. Wenn jemand Schmerzen 
hat, ist es irrelevant, ob er sie selbst verur- 
sacht hat oder nicht. Wenn jemand von ei- 
nem Lastwagen angefahren wird, verwei- 
gern wir ihm unsere Hilfe nicht, auch wenn 
es offensichtlich ist, daß er nicht auf dem 
Bürgersteig geblieben ist. 

Während sich das Leid in der Welt zum 




Teil darauf zurückführen läßt, daß jemand 
ungehorsam war oder es an Urteilskraft hat 
fehlen lassen, gibt es ein Leid, das nicht auf 
die Fehler des betreffenden zurückzuführen 
ist. Millionen von Menschen auf der ganzen 
Welt gehen hungrig zu Bett. Tagsüber leiden 
sie unter Krankheit und sonstigen Bedräng- 
nissen. Die Ursachen sind zahlreich und 
komplex. Ebenso brechen Naturkatastro- 
phen sowohl über den Rechtschaffenen wie 
über den Schlechten herein. 

Jetzt, wo wir die Veränderung in unserem 
Verhalten in bezug auf Resignation und 
Schadenfreude erörtert haben, stellt sich die 
Frage: Was müssen wir tun? Was müssen 
wir als Kirche und als Einzelpersonen tun, 
um auf die immensen Bedürfnisse der Welt 
einzugehen? 

Wir sind nicht zahlreich. Auf jedes Mit- 
glied der Kirche auf der Welt kommen unge- 
fähr tausend, die nicht der Kirche angehö- 
ren. Unsere Mittel sind begrenzt, und die 
Not in der Welt ist unermeßlich. Wir können 
nicht alles tun, aber wir müssen alles tun, 
was wir können. 

Die führenden Brüder beobachten die vie- 
len Krisen auf der ganzen Welt sehr genau 
und leisten vielen Ländern Hilfe. Die Hilfe 
wird dort eingesetzt, wo die Not am größten 
ist - ungeachtet der politischen oder religiö- 
sen Auffassungen im betreffenden Land. 

Zu diesem Thema hat Joseph Smith auf 
die Frage „Was wird von einem guten Mit- 
glied der Kirche erwartet?" geantwortet: 
„Unter anderem muß es die Hungrigen 
speisen, die Nackten kleiden, für die Wit- 
wen sorgen, die Tränen der Waisen trock- 
nen, seien sie nun in dieser Kirche oder in ei- 
ner anderen oder in überhaupt keiner, wo 
auch immer es sie findet." (Times and Sea- 
sons, 15. März 1842, Seite 732.) 

Vor gar nicht langer Zeit sagte Präsident 
Hinckley: „Dort, wo es großen Hunger gibt, 
werde ich nicht zulassen, daß, ungeachtet 
der Ursache, politische Erwägungen mei- 
nen Sinn für Barmherzigkeit trüben und 
sich der Verantwortung in den Weg stellen, 
die ich für die Söhne und Töchter Gottes tra- 
ge, gleichgültig, wo sie sich befinden und 
wie die Umstände sind." (Generalkonfe- 
renz, April 1985.) 

Wenn Mitglieder in Zeitungsberichten 
oder auf Bildern mit menschlichem Leid 
konfrontiert werden, fragen sie sich: „Was 
können wir tun?" Meist sind wir nicht in der 
Lage, den Menschen direkt zu helfen, vor al- 
lem, wenn sie viele Meilen entfernt leben. 
Jedoch kann jedes Mitglied um Frieden auf 
der ganzen Welt beten und um das Wohler- 
gehen all ihrer Bewohner. Die Mitglieder 
können auch fasten und, wenn sie dazu in 
der Lage sind, mehr Fastopfer zahlen und 
damit der Kirche ermöglichen, mehr zu tun. 

Was die Hilfe von Mensch zu Mensch an- 
geht, so werden wir, wo auch immer wir le- 



ben, dem Nächsten in der Nachbarschaft 
und im Gemeinwesen am besten dienen. 
Um uns gibt es Schmerz und Leid. Wir müs- 
sen selbst die Initiative ergreifen und ent- 
scheiden, wie wir am besten dienen 
können. 

Daß eine bestimmte Hilfsmaßnahme von 
der Kirche nicht gefördert wird, heißt nicht, 
daß wir uns als Mitglieder dabei nicht enga- 
gieren dürfen. Wir müssen uns selbst über 
die bestehenden Möglichkeiten informie- 
ren. Ich fürchte, so manches Mitglied leidet 
an einer Handlungslähmung und wartet 
darauf, daß die Kirche der einen oder ande- 
ren Organisation ihre Zustimmung gibt. Die 
Kirche lehrt Grundsätze. Stützen Sie sich 
auf diese Grundsätze und auf den Geist, um 
zu bestimmen, welcher Organisation Sie 
helfen sollen. 

Der Herr hat gesagt: „Wahrlich, ich sage: 
Die Menschen sollen sich voll Eifer einer gu- 
ten Sache widmen und vieles aus freien 
Stücken tun und viel Rechtschaffenheit be- 
wirken." (LuB 58:27.) Gutes kann durch die 
Kirche, durch das Gemeinwesen und sehr 
oft auch außerhalb jeglicher Organisation 
Zustandekommen. 

Wir müssen außerhalb der Kirche Hilfe 
leisten. Im karitativen Werk sowie in ande- 
ren Bereichen des Evangeliums können wir 
nicht zum Salz der Erde werden, wenn wir 
in einem Klumpen im Kultursaal unserer 
schönen Gemeindehäuser bleiben. Wir 
brauchen keine Berufung dazu, auch dürfen 
wir nicht auf einen kirchlichen Auftrag war- 
ten, um uns an Aktionen zu beteiligen, die 
man am besten im Rahmen des Gemeinwe- 
sens oder auf individueller Basis durch- 
führt. 

Wenn wir jemand in Not helfen und dabei 
seelisch und geistig Anteil nehmen, empfin- 
den wir Mitgefühl. Das tut weh, aber da- 
durch teilen wir mit ihm den Schmerz. Diese 
Erfahrung vermittelt uns ansatzweise einen 
Einblick darein, wie der Erretter litt, als er 
das unendliche Sühnopfer brachte. Durch 
die Macht des Heiligen Geistes wird unsere 
Seele geheiligt, und wir werden dem Erret- 
ter ähnlicher. Wir verstehen besser, was der 
Erretter meinte, als er sagte: „Was ihr für ei- 
nen meiner geringsten Brüder getan habt, 
das habt ihr mir getan." (Matthäus 25:40.) 

In dem Maß, wie die Letzten Tage sich nä- 
hern, werden wir sehen, daß alle Prophezei- 
ungen sich erfüllen. Wir werden sehen, daß 
die heutigen Probleme sich noch intensivie- 
ren, und wir werden uns Anfechtungen ge- 
genübersehen, die wir uns heute kaum vor- 
stellen können. Wir müssen unsere Hand 
denen ausstrecken, die unter diesen Ereig- 
nissen leiden. Wir dürfen weder resignieren 
noch urteilen - auch wenn wir den Men- 
schen etwas tausendmal sagen und sie nicht 
auf uns hören. Im Namen Jesu Christi. 
Amen. D 



JANUAR 1991 



8 



Das Wort der Weisheit 




Eider Eduardo Ayala 

von den Siebzigern 



„Wie sehr wünsche ich doch, daß jeder ein festes Zeugnis vom 
Wort der Weisheit hätte und daß wir die anderen an den Folgen der 
göttlichen Verheißung teilhaben lassen können. " 



chirurg zu werden. Daß seine Tochter eine 
Gehirnerkrankung erlitt und daran starb, 
weckte in ihm den Wunsch, Neurochirurgie 
zu studieren, eine Laufbahn, die langwierig 
und schwierig ist. 

Die Neurochirurgie erfordert unter ande- 
rem große Körperbeherrschung und Ge- 
schicklichkeit. Damals, während seines Stu- 
diums entdeckte er die Segnungen, die der 
Gehorsam zum Wort der Weisheit mit sich 
bringt . Er bat den Herrn voll Demut und Lie- 
be, daß ihm die Segnungen in Abschnitt 89 
von , Lehre und Bündnisse' zuteil würden, 
damit er denen, die von seinen Fähigkeiten 
abhingen, helfen konnte. 

Während dieser schwierigen Lehrjahre 
strengte er sich unermüdlich an, der Beste in 
seinem Fach zu werden. Mit den Jahren er- 
warb er sich große Geschicklichkeit und 
beherrschte die Kunst und die Fähigkeit, die 
man braucht, um Gehirnoperationen durch- 
zuführen. Wie wir uns vorstellen können, 
kann der kleinste Ausrutscher oder die ge- 
ringste Unsicherheit seinen Patienten Scha- 
den zufügen, vielleicht sogar für das ganze 
Leben. 

Beim Studium des Abschnitts 89 der ^eh- 
re und Bündnisse' bekam er ein festes Zeug- 
nis davon, daß wir mit Intelligenz und ei- 
nem kräftigen Körper gesegnet werden, 
wenn wir keine schädlichen Substanzen in 
unseren Körper aufnehmen. Als Arzt wußte 
er, daß diese Verheißungen erreichbar wa- 
ren, und er hatte für sich danach getrachtet. 

Als die Examenszeit, die letzte Prüfung 
für sein Fach, herannahte, bereitete er sich 
sorgfältig vor, um das Beste zu geben und 
den Prüfern zu beweisen, welche Fähigkei- 
ten er sich erarbeitet hatte. Am Tag vor dem 
Examen stellte er fest, daß seine sonst so ru- 
higen Hände stark zitterten. Voll Demut 
wandte er sich an den Herrn und bat ihn, 
seine Hände so ruhig und sicher zu machen, 
wie sie es immer waren. Am folgenden Tag 
stellte er voller Beunruhigung fest, daß die 
Bewegung seiner Hände unsicher war. Er 
ging an einen abgeschiedenen Platz und 
überlegte, welche Sünde er begangen haben 
konnte, die ihm diese Schwierigkeiten be- 
reitete. Bei seinem Suchen fand er jedoch 



Liebe Brüder und Schwestern, mein 
ganzes Leben habe ich Männer und 
Frauen gekannt, die die Gebote Got- 
tes mit Eifer und Freude gehalten haben und 
die durch ihr Beispiel ihren Mitmenschen 
ein Segen waren. Einige von ihnen haben ei- 
ne hohe, herausfordernde Stellung im Beruf 
inne. Bei all ihrem Erfolg haben sie keine 
Angst einzugestehen, daß sie da sind, wo 
sie sind, weil der Herr sie gesegnet hat. 

Ich möchte Ihnen von einem treuen Bru- 
der erzählen, der zu den bekanntesten Neu- 
rochirurgen der Welt gehört. Laut seinem 
Zeugnis hat er das mit der Hilfe des Herrn 
und durch seinen Gehorsam zum Wort der 
Weisheit erreicht. Er hat sich schon früh der 
Kirche angeschlossen und sich gelobt, die 
Gebote treu zu halten. Mit den Jahren konn- 
te er zwei seiner großen Ziele verwirklichen: 
ein Universitätsstudium abzuschließen und 
die Frau seiner Träume zu heiraten. 

Damals geschah etwas, das den Verlauf 
seines Lebens völlig änderte. Eine seiner 
Töchter bekam eine Gehirnerkrankung, an 
der sie schließlich starb. Alle Bemühungen, 
ihr das Leben zu erhalten, waren fruchtlos. 
Während dieser enttäuschenden und 
schmerzlichen Erfahrung, die sich während 
seines Medizinstudiums zutrug, setzte er 
sich ein neues, hohes Ziel, nämlich Neuro- 



nichts, womit er das Wort der Weisheit ver- 
letzt hätte. Dann dachte er „Ich brauche die- 
se Verheißungen jetzt", und betete von gan- 
zem Herzen zum Vater im Himmel um Füh- 
rung und um Schutz. 

Die Zeit der Gehirnoperation war nun ge- 
kommen, und als er seine Hände durch das 
Mikroskop betrachtete, stellte er bewegt 
fest, daß sein Gebet erhört worden war und 
daß seine Hände ruhiger waren als je zuvor. 

Er verspürte große Dankbarkeit, und mit 
sicheren und geschickten Bewegungen ope- 
rierte er das verletzte Gehirn seines Patien- 
ten. Die Segnungen und Verheißungen des 
Wortes der Weisheit waren ihm zuteil ge- 
worden, und er konnte die schwierige Ope- 
ration eine Stunde schneller durchführen 
als erwartet. Sie war ein voller Erfolg. Die 
Prüfer gratulierten ihm, und er nahm demü- 
tig zur Kenntnis, daß er von nun an ein be- 
kannter Neurochirurg sein würde. Mit 
dankbarem Herzen für den Erfolg, den er er- 
reicht hatte, kehrte er nach Hause zurück 
und besprach mit seiner Familie die Verhei- 
ßung des Herrn: „Alle Heiligen, die darauf 
bedacht sind, diese Worte zu befolgen und 
zu tun und die in ihrem Wandel den Gebo- 
ten gehorchen - Gesundheit werden sie 
empfangen in ihrem Nabel und Mark für ihr 
Gebein. Weisheit und große Schätze der Er- 
kenntnis werden sie finden, ja, verborgene 
Schätze, laufen werden sie und nicht müde 
sein, gehen werden sie und nicht ermat- 
ten." (LuB 89:18-20.) 

Wenn er heute einige der berühmten Kli- 
niken besucht und zu den Kollegen spricht, 
sagt er ihnen und den Vertretern der Presse: 
„Ich bin in erster Linie Mitglied der Kirche 
Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 
und dann Neurochirurg." Nicht alle be- 
rühmten Männer bringen so wie er die De- 
mut auf, einzugestehen, daß der Herr sie ge- 
segnet hat, weil sie den Geboten gehorsam 
gewesen sind. 

Das Wort der Weisheit ist zweifellos eines 
der Gebote, die wir in unserer Zeit beson- 
ders halten müssen, da heute große Mengen 
von Stimulantien und Drogen viele Men- 
schen schwächen, die die wunderbaren Ver- 
heißungen ignorieren, die der Herr den 
Menschen gemacht hat - falls sie diese 
schädlichen Stoffe meiden. 

Dieses Gebot ist heute sehr wichtig. Als 
Beispiel für die Macht des Wortes der Weis- 
heit zitiere ich noch einen Vers aus , Lehre 
und Bündnisse', Abschnitt 89. Der Herr 
sagt: „Und weiter: Tabak ist nicht für den 
Körper, auch nicht für den Bauch, und ist 
nicht gut für den Menschen." (LuB 89:8.) 
Der Prophet Joseph Smith hat diese Offen- 
barung im Februar 1833 empfangen, und sie 
hat Anlaß zu vielen Kontroversen gegeben. 
Damals hatte sie vielleicht nur für die treuen 
Mitglieder eine Bedeutung, aber inzwischen 
haben die Ärzte erkannt, daß Tabak nicht 



DER STERN 



9 




Blick auf den Tempelplatz und einige Eingänge in das Tabernakel. 



nur süchtig macht, sondern die, die ihn zu 
sich nehmen, auch umbringt. Tabak hat un- 
ter den Menschen so viel Schaden angerich- 
tet, daß sich Kampagnen gegen den Tabak- 
konsum nicht vermeiden lassen. 

Wie sehr wünsche ich doch, daß jeder ein 
festes Zeugnis vom Wort der Weisheit hätte 
und daß wir die anderen an den Folgen der 
göttlichen Verheißung teilhaben lassen kön- 
nen, so daß unsere kommenden Generatio- 
nen gesund und intelligent und daß unsere 
Familie und unser Land kräftig sein können. 
So können wir der Schlußverheißung des 
Herrn im Wort der Weisheit würdig werden: 



„Und ich, der Herr, gebe ihnen die Verhei- 
ßung, daß der zerstörende Engel an ihnen 
vorübergehen wird wie an den Kindern Is- 
rael und sie nicht töten wird." (LuB 89:21.) 
Wenn wir den Rat des Herrn voll Demut an- 
erkennen und uneingeschränkt annehmen, 
wird nichts die Intelligenz des Menschen 
einschränken können. 

Die lebenden Propheten belehren uns 
ständig über diese heiligen Grundsätze, 
aber die Menschen scheinen darüber zu 
spotten, während sie sich dabei von diesen 
schädlichen Stoffen, die nicht nur den Kör- 
per und den Verstand, sondern auch den 



Geist angreifen, schwächen und zerstören 
lassen. Unsere Krankenhäuser sind voll von 
diesen Menschen, und doch widersetzen sie 
sich dem Wort des Herrn und weigern sich, 
die Weisheit darin anzuerkennen. 

Ich bete für diejenigen, für die es noch eine 
Rettung gibt, und für diejenigen, die den Rat 
des Herrn angenommen und sich von dem 
getrennt haben, was ihre Vernichtung be- 
wirken könnte. 

Ich habe den aufrichtigen Wunsch, daß 
wir das Wort der Weisheit als Wort der War- 
nung annehmen. Im heiligen Namen Jesu 
Christi. Amen. □ 



JANUAR 1991 



10 



Jeder ist seines Glückes 
Schmied 



Eider LeGrand R. Curtis 

von den Siebzigern 



„Gute Erinnerungen kommen durch gutes Planen zustande, 
und die Eltern müssen besondere geistige Erlebnisse planen, 
um zu Hause geistige Erinnerungen zu schaffen. " 



490.) Wir hoffen, unsere Kinder erfahren zu 
Hause einiges von dem, was folgt. 

Eltern können ihren Kindern vielleicht 
nichts Besseres schenken, als daß sie einan- 
der lieben, gern beisammen sind, ja, sogar 
einander bei der Hand nehmen und ihre Lie- 
be dadurch zeigen, wie sie miteinander 
sprechen. 

Eine Familie soll glücklich sein, weil alle 
sich darum bemühen. Es heißt, jeder sei sei- 
nes Glückes Schmied, und wir müssen uns 
bemühen, daß wir und unsere Kinder zu 
Hause glücklich sind und uns wohl fühlen. 
In einer glücklichen Familie dreht sich alles 
um die Lehren des Evangeliums. Darum 
müssen sich alle Beteiligten ständig be- 
mühen. 

In einem idealen Zuhause kann jedes 
Kind seine Perönlichkeit ohne Druck ent- 
wickeln. Disziplin ist organisierte Liebe, 
und die Kinder entwickeln sich am besten in 
einer liebevollen Atmosphäre, mit angemes- 
senen Richtlinien, die ihr Leben und ihre 
Gewohnheiten prägen. Mehr Kinder wer- 
den bestraft, weil sie das tun, was ihre Eltern 
tun, und weniger weil sie ihnen ungehor- 
sam sind. Wir müssen so sein, wie wir sie se- 
hen wollen. 

In , Lehre und Bündnisse' 88:119 lesen 
wir, was für ein Zuhause wir anstreben sol- 
len: „Organisiert euch; bereitet alles vor, 
was nötig ist; und errichtet ein Haus, näm- 
lich ein Haus des Betens, ein Haus des Fa- 
stens, ein Haus des Glaubens, ein Haus des 
Lernens, ein Haus der Herrlichkeit, ein 
Haus der Ordnung, ein Haus Gottes." 

Wir wissen, daß die Welt mit Büchern und 
Zeitschriften überflutet ist, die uns und un- 
sere Kinder negativ beeinflussen. Die Bü- 
cher bei uns zu Hause sind zum Lesen da, 
und es darf keine Bücher geben, die wegen 
ihres zweifelhaften Inhalts unter Verschluß 
sein müssen. 

Zu Hause muß absolute Wahrheit herr- 
schen, und wir müssen ernsthaft bemüht 
sein, jede Frage ehrlich zu beantworten. 
Ehrlichkeit ist die Gefährtin der Wahrheit 




Vy or einem Monat hat es in unserem 
Leben ein bedeutendes Ereignis ge- 
geben. Unser ältestes Enkelkind hat 
im Salt-Lake-Tempel für Zeit und Ewigkeit 
geheiratet. Als das hübsche Mädchen mit 
dem feinen jungen Mann im Tempel kniete, 
waren viele Hoffnungen und Segnungen 
wahr geworden - für das junge Paar die Ver- 
wirklichung der großen Segnung der heili- 
gen Handlung im Tempel, für ihre Eltern die 
Erfüllung von Jahren der Belehrung und der 
Liebe. Meine Frau Patricia und ich fühlten 
viele Segnungen, als die Gruppe zusam- 
menkam, zu der unsere acht Kinder und ih- 
re Ehepartner gehörten. 

Seit damals denken wir an viele Belehrun- 
gen zurück und an das, was wir als das idea- 
le Zuhause und die ideale Familie betrach- 
ten, die hinsichtlich des Wohnortes, der 
Größe und der Merkmale so unterschiedlich 
sind wie unsere Mitglieder. Diese Faktoren 
mindern aber nicht unser aller Wunsch, die- 
ses Ideal zu erreichen. Präsident David O. 
McKay hat gesagt: „Man kann die Familie 
zu einem Stück Himmel machen. Ja, ich stel- 
le mir den Himmel als Fortsetzung des idea- 
len Familienlebens vor." (Gospel Ideals, Seite 



und Unehrlichkeit der Falschheit. Wir müs- 
sen bei unseren Kindern wie auch bei uns El- 
tern völlige Ehrlichkeit voraussetzen. 

Wir sollen gastfreundlich sein, und Freun- 
de sollen sich willkommen fühlen. Uns war 
es immer lieber, daß unsere Kinder den 
Kühlschrank und die Küche aufsuchten als 
die vielen dunklen Plätze in der Welt. Es ist 
besser, die Kinder bringen ihre Freunde mit 
nach Hause, als daß sie sonstwohin gehen. 

In der idealen Familie ist der Sonntag der 
fröhlichste Tag der Woche. Wir freuen uns 
darauf, weil wir an diesem Tag gemeinsam 
zur Kirche gehen und dann nach Hause zu- 
rückkehren und über das sprechen, was wir 
in den Versammlungen gelernt haben. Beim 
Essen bietet sich den Eltern und den Kin- 
dern die Gelegenheit, über das zu sprechen, 
was sie in der Sonntagsschule und in den 
anderen Versammlungen gelernt haben. 
Wie wir den Sonntag heilig halten, zeigt, 
wie wir zum Vater im Himmel stehen. 

Auch wenn die Eltern viel arbeiten, sollen 
sie sich die Zeit nehmen, sich über aktuelle 
Ereignisse zu informieren und gute Bücher 
zu lesen sowie mitander und mit den Kin- 
dern die Zeitschriften der Kirche zu bespre- 
chen. Diese Zeitschriften können unserem 
Leben eine neue Dimension geben, wenn 
wir sie lesen und mit den Kindern bespre- 
chen. Darum müssen wir uns ständig bemü- 
hen; das ist es aber wert. 

Die Familie soll täglich zum Familiengebet 
niederknien. In Alma 58:10 heißt es: „Dar- 
um schütteten wir unsere Seele im Gebet 
vor Gott aus, er möge uns stärken und uns 
aus den Händen unserer Feinde befreien, ja, 
und uns auch Kraft geben, unsere Städte 
und unsere Ländereien und unsere Besit- 
zungen für den Unterhalt unseres Volkes zu 
behalten." Als Familie haben wir immer 
Stärkung gebraucht - und brauchen sie 
noch immer -, und wenn man im Gebet nie- 
derkniet, hilft das gewiß. Die Kinder müs- 
sen ständig darüber belehrt werden, wie sie 
handeln müssen, wenn sie erwachsen wer- 
den und eine eigene Familie haben. 

Mütter und Töchter müssen in jeder Hin- 
sicht gutes Benehmen und Anstand haben. 
Sie sollen in der FHV, bei den Jungen Da- 
men oder in der PV aktiv sein. Meine Frau 
und ich denken oft daran, wie wir als Kinder 
an der Seite unserer Mutter zur FHV gingen. 

Väter und Söhne müssen sich ritterlich 
und wohlwollend verhalten. Sie müssen 
das Priestertum in Ehren halten, auf Mission 
gehen und dem Herrn dienen. 

Die Familie muß das Wort der Weisheit in 
jeder Hinsicht halten und darf bei diesem 
heiligen Gebot keinerlei Kompromisse ein- 
gehen. 

Sowohl die Eltern als auch die Kinder 
müssen Zeugnis geben und ihre Liebe zum 
himmlischen Vater und zu Jesus Christus 
zum Ausdruck bringen. Das Zeugnisgeben 



DER STERN 



11 




Eider Marlin K. Jensen und Eider LeGrand R. Curtis von den Siebzigern mit einer jungen 
Konferenzbesucherin . 



beschränkt sich nicht auf das Versamm- 
lungshaus. Das Zuhause kann den besten 
Rahmen für geistige Erlebnisse bieten. Gute 
Erinnerungen kommen durch gutes Planen 
zustande, und die Eltern müssen besondere 
geistige Erlebnisse planen, um zu Hause 
geistige Erinnerungen zu schaffen. 

Die Eltern müssen genügend Interesse ha- 
ben, um aufzubleiben und auf die Kinder zu 
warten, wenn sie von einer Verabredung zu- 
rückkehren, oder sie zu suchen, wenn sie zu 
lange ausbleiben. Ich weiß noch, daß ich viel 
in der Schrift gelesen habe, während ich am 
Küchentisch auf die Rückkehr unserer Kin- 
der wartete. 

Beim Essen kann viel Wertvolles vermit- 
telt und Positives gesagt werden. Wir sollen 
nicht nur gutes Essen zu uns nehmen, son- 
dern auch Liebe und Freundschaft. Am Eß- 
tisch können wir in der Schrift lesen, und die 
Eltern können die Lehren der Propheten er- 
klären. Nephi sagt: „Meine Seele erfreut 
sich an den Schriften, und mein Herz sinnt 
darüber nach und schreibt sie nieder zur Be- 
lehrung und zum Nutzen meiner Kinder." 
(2 Nephi 4: 15.) Wenn wir an die Zeit zurück- 
denken, in der wir unsere Kinder aufzogen, 
können wir erkennen, wie wir und unsere 
Kinder immer die Schriften gebraucht ha- 
ben. Können wir mit unseren Kindern etwas 
Besseres erörtern als die Schrift und unsere 
Liebe für sie? 

Die Kinder müssen wissen, daß die Eltern 
sie so sehr lieben, daß sie sie das Evangelium 



lehren. Der Montagabend kann etwas Be- 
sonderes werden durch den Familienabend, 
die Liebe, sowie durch Musik, Spiel und 



wertvolle Lernerlebnisse. Wir haben festge- 
stellt, daß ein kleines Kind, das beim Fami- 
lienabend am Boden umherrollt, genauer 
zuhört und mehr lernt, als wir für möglich 
halten. 

Als Eltern beobachten meine Frau und ich 
nun unsere Kinder und deren Familie. Es 
macht uns nachdenklich, wenn wir sehen, 
wie sie ihre Kinder - unsere Enkel - die 
Evangeliumsprinzipien lehren. Wir wissen, 
es ist nicht leicht, aber wir wissen auch, daß 
wir es alle versuchen müssen. 

Ich habe heute über einige Ideale gespro- 
chen, auf die wir hinarbeiten können. Sehr 
wenige von uns haben sie schon erreicht, 
aber Präsident McKay hat gesagt, es sei 
möglich; und wenn man das weiß, ist es die 
Mühe wert, es zu versuchen. 

Ich bezeuge, ich weiß, daß das Evangeli- 
um Jesu Christi und alles, was es uns bringt, 
uns und diejenigen, die wir lieben, glücklich 
machen soll. Jesus Christus ist der Mittel- 
punkt unseres Lebens. Ich weiß, daß er sei- 
nen Dienern auf Erden heute sehr nahe- 
steht. Er liebt jeden einzelnen von uns, und 
wir können aufrichtig singen und verkün- 
den „Ich bin ein Kind des Herrn" und es 
auch meinen. 

Ich bezeuge: Jesus ist der Messias. Ich lie- 
be ihn, meine Frau liebt ihn, und wir haben 
den brennenden Wunsch, daß unsere Kin- 
der und unsere Enkelkinder unseren Herrn 
und Erretter lieben und ihm gehorchen. Im 
Namen Jesu Christi. Amen. D 




Die Präsidierende Bischofschaft: Henry B. Eyring, Erster Ratgeber, Bischof Robert D. Haies und 
Glenn L. Pace, Zweiter Ratgeber. 



JANUAR 1991 



12 



Den natürlichen Menschen 
ablegen 



Eider Neal A. Maxwell 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



„Egoismus ist mehr als ein gewöhnliches Problem, weil er zu allen 
schweren Sünden führt. " 




Immer wieder haben die Propheten vor 
der Gefahr des Egoismus gewarnt, - vor 
der zügellosen und übermäßigen Sorge 
um sich selbst. Sich selbst zu gefallen 
kommt der Selbstverehrung näher, als wir 
denken. Widerspenstiger Egoismus ist 
nichts anderes als Auflehnung gegen Gott. 
Der Prophet Samuel warnt uns: „Wider- 
spenstigkeit ist ebenso wie . . . Götzen- 
dienst." (1 Samuel 15:23.) 

Egoismus ist mehr als ein gewöhnliches 
Problem, weil er zu allen schweren Sünden 
führt. Er führt zum Ungehorsam gegen die 
Zehn Gebote. 

Wenn wir uns auf uns selbst konzentrie- 
ren, ist es natürlich einfacher, falsch auszu- 
sagen, wenn es unseren Absichten dient. Es 
ist einfacher, die Eltern zu ignorieren, als sie 
zu ehren. Es ist einfacher zu stehlen, weil 
das Verlangen im Vordergrund steht. Es ist 
einfacher zu verlangen, weil der Egoist 
meint, ihm dürfe nichts versagt bleiben. 

Es ist einfacher, sexuelle Sünden zu bege- 
hen, weil für die eigene Lust andere oft auf 
grausame Weise gebraucht werden. Der 
Sonntag wird leicht mißachtet, weil der eine 
Tag ja bald wie der andere wird. Dem Ego- 



isten fällt es leichter, zu lügen und die Wahr- 
heit zu unterdrücken. 

Der Egoist will nicht Gott gefallen, son- 
dern sich selbst. Er bricht sogar ein Bündnis, 
um einer Begierde nachzugeben. 

Der Egoismus hat keine Zeit, sich ernst- 
haft der Leiden anderer anzunehmen, daher 
erkaltet die Liebe bei vielen. (Siehe Mose 
6:27; Matthäus 24:12; LuB 45:27.) 

Die Letzten Tage werden voll von schwe- 
ren Sünden sein „wie in den Tagen 
Noachs". Zu seiner Zeit war die Gesell- 
schaft, wie die Schrift berichtet, „in Gottes 
Augen verdorben" und „voller Gewalttat" 
(Siehe Genesis 6:11,12; Mose 8:28). Klingt 
das nicht irgendwie bekannt? Verderbtheit 
und Gewalt nehmen gewaltig zu, weil der 
Egoismus immer mehr um sich greift. Wenn 
die Menschen davon überwältigt werden, 
ist es kein Wunder, daß ihnen in der heuti- 
gen Zeit vor Furcht das Herz aussetzt. (Siehe 
Lukas 21:26; LuB 45:26.) Sogar die Treuen 
müssen sich auf ein gewisses Herzflattern 
gefaßt machen. 

Auch gute Menschen sind in gewissem 
Maß egoistisch. Jane Austens Romanfigur 
Elizabeth sagt: „Ich bin mein ganzes Leben 
selbstsüchtig gewesen - in meinem Han- 
deln, nicht in meinen Grundsätzen." (Jane 
Austen, Stolz und Vorurteil, Seite 58.) Der 
Egoist hat eine Vorliebe für das Ich. Jedoch 
hat das Ich nicht genügend Demut, um auf 
die Knie zu gehen, wie das Wir. 

Der Egoist beschäftigt sich nur mit sich 
und enthält den anderen verdiente, benötig- 
te Anerkennung vor und setzt eisiges 
Schweigen an die Stelle von Lob. 

Bei uns selbst stellen wir weitere Formen 
von Egoismus fest: wir nehmen unverdient 
Anerkennung entgegen oder beanspruchen 
sie, wir prahlen mit unseren Leistungen, wir 
sind schadenfroh, neiden anderen den ver- 
dienten Erfolg, wir ziehen öffentliche Recht- 
fertigung der vertraulichen Aussöhnung 
vor und übervorteilen jemand wegen seiner 
Worte (siehe 2 Nephi 28:8). Wir beurteilen 
alles nur mit Hinblick darauf, wie es sich auf 



uns auswirkt - so wie das Hindernis auf der 
Straße, das den Verkehr beeinträchtigte. 
Kein Autofahrer hielt an, um es zu entfer- 
nen, weil er ja nichts davon hatte. 

Der Prophet Joseph Smith hat erklärt: 
„Die Menschen sind von Natur aus selbst- 
süchtig und ehrgeizig und versuchen, ein- 
ander auszustechen." (The Words of Joseph 
Smith, Seite 201.) 

Saul, der vor Egoismus aufgebläht war, 
mußte an frühere Zeiten erinnert werden, in 
denen er sich selbst gering vorgekommen 
war. (Siehe 1 Samuel 15:17.) 

Egoismus kommt oft durch Widerspen- 
stigkeit zum Ausdruck. Auch die Intelligen- 
testen, die auch die besten sein könnten, 
sind davon betroffen, daß der Geist hoch- 
mütig wird (siehe Daniel 5:20). Eines fehlt 
ihnen: Sanfmut! Statt einem willigen Sinn, 
der danach trachtet, dem Geist des Herrn zu 
folgen, haben sie einen hochmütigen Geist, 
der sich gutem Rat verschließt und oft nach 
Überlegenheit trachtet. (Siehe 1 Chronik 
28:9; 1 Korinther 2:16; LuB 64:34.) Wie un- 
gleich sanftmütiger war Jesus, der intelli- 
genter ist als alle. (Siehe Abraham 3:19.) 

Jesus hat alles geopfert, ohne vor sich her- 
zuposaunen oder zu feilschen. Sowohl vor 
als auch nach seinem erstaunlichen Sühn- 
opfer erklärte er: „Ehre sei dem Vater." 
(Mose 4:2; LuB 19:19.) Trotz seiner über- 
wältigenden Begabung ließ er zu, daß „sein 
Wille im Willen des Vaters verschlungen" 
wurde. (Siehe Mosia 15:7; Johannes 6:38.) 

Der Egoismus bringt Menschen, die im 
Grunde genommen gut sind, dazu, um Her- 
den, Wüstenstreifen und um Sahne zu strei- 
ten, und zwar weil man, wie der Herr sagt, 
nach dem begierig ist, „was nur ein Tropfen 
ist, und dabei das Wichtigste vernachläs- 
sigt" (LuB 117:8). Kurzsichtige Selbstsucht 
läßt eine Suppe wichtiger erscheinen als das 
Geburtsrecht und dreißig Silberstücke wie 
einen Schatz. Unser heftiger Erwerbstrieb 
läßt uns ihn vergessen, der einmal gefragt 
hat: „Was bedeutet mir schon Eigentum?" 
(LuB 117:4.) 

Das alles bedeutet, den natürlichen 
Menschen abzulegen, der von Natur aus 
selbstsüchtig ist. (Siehe Mosia 3:19.) Unsere 
Ermüdung kommt zum Großteil daher, daß 
wir diese unnütze Last mit uns herum- 
tragen. Diese Schwere hält uns davon ab, 
unsere christlichen Pflichten zu erfüllen. 
Wir sind auch zu aufgebläht vor Selbst- 
sucht, als daß wir durch das Nadelöhr gehen 
könnten. 

Anne Morrow Lindbergh schrieb: „Ich 
muß meine Ängste, wie Martha sie hatte, . . . 
den Stolz, . . . die Heuchelei in den zwi- 
schenmenschlichen Beziehungen ablegen. 
Welche Ruhe das sein wird! Ich habe festge- 
stellt, was mich am meisten erschöpft, ist 
Unaufrichtigkeit. Darum ist das Gesell- 
schaftsleben meist so erschöpfend." (Anne 



DER STERN 



13 



Morrow Lindbergh, Gift from the Sea, New 
York, 1078, Seite 32.) 

Ungezügelter Egoismus hindert uns wi- 
derspenstig daran, alle göttlichen Eigen- 
schaften zu entwickeln: Liebe, Barmherzig- 
keit, Geduld, Langmut, Wohlwollen, Güte 
und Sanftmut. Diese zarten Triebe werden 
von scharfer Selbstsucht abgeschnitten. An- 
dererseits kenne ich kein einziges Bündnis 
im Evangelium, das nicht den Egoismus von 
uns abtrennt. 

Aber welchen Kampf manche doch kämp- 
fen müssen! Wir sind alle mehr oder weni- 
ger bedrängt. Die Frage lautet: „Wie steht 
der Kampf?" Legen wir unseren Egoismus 
ab - wenn auch nur schrittweise? Oder ist 
der natürliche Mensch Stammgast? Gott be- 
lehrt uns vor allem, damit wir unsere Selbst- 
sucht ablegen können. „Denn wo ist ein 
Sohn (oder eine Tochter), den (oder die) der 
Vater nicht züchtigt?" (Siehe Hebräer 12:7.) 

Die neuzeitliche Schrift sagt uns, wie wir 
durch das Sühnopfer Christi, wodurch das 
Erbarmen schließlich die Gerechtigkeit 
überwältigt (siehe Alma 34:15), Vergebung 
erlangen können. Wir können echte und be- 
rechtigte Hoffnung auf die Zukunft haben - 
genug Hoffnung, daß wir den nötigen Glau- 
ben haben, den natürlichen Menschen ab- 
zulegen und danach zu trachten, wie Heili- 
ge zu sein. 

Da das Sühnopfer noch immer gültig ist, 
können wir ferner wissen, daß alles Weitere 
im Plan Gottes schließlich zustande kom- 
men wird. Gott ist in der Lage, sein Werk 
selbst zu tun! (2 Nephi 27:20,21.) Gott hat in 
seinen Plänen für die Menschheit vor lan- 
gem ausreichend Vorkehrungen für irdische 
Fehler getroffen. 

Seine Absichten werden triumphieren, 
ohne dem Menschen die sittliche Freiheit zu 
nehmen. Ferner werden all seine Absichten 
zu ihrer Zeit verwirklicht. (Siehe LuB 64:32.) 

Wir würden uns jedoch ganz anders ver- 
halten, wenn wir diese geistige Perspektive 
nicht hätten. Schauen Sie doch einmal, wie 
- ohne diesen göttlichen Plan - der Egoist ei- 
ligst die von Menschen geschaffenen politi- 
schen und Wirtschaftssysteme umgestaltet, 
um das Leben von Schmerzen zu befreien 
und mit Vergnügen zu füllen, so wie viele ir- 
regeführte Menschen leben wollen, auch 
wenn sie es sich nicht leisten können und es 
auf Kosten ihrer Kinder tun. 

Schauen Sie doch, wie die Achtung vor 
dem Eigentum des Nächsten abnimmt, 
wenn wir das Göttliche in ihm nicht mehr 
sehen. 

Schauen Sie doch, wie die Toleranz in Per- 
missivität umschlägt, wenn uns die grund- 
legenden sittlichen Normen fehlen. 

Schauen Sie doch, wie schnell die Bürger 
ihre Städte vernachlässigen, wenn das Ge- 
fühl, einer Familie oder einem Gemeinwe- 
sen anzugehören, abhanden kommt. 



Schauen Sie doch auf den Sexkult von 
heute, eine säkulare Religion mit ihrer Litur- 
gie der Lust und der dazugehörigen Musik, 
wenn die Achtung vor dem siebten Gebot 
verlorengeht. Ihre Theologie konzentriert 
sich auf das „Ich". Ihr Jenseits findet jetzt 
statt. Ihr Hauptritual sind die Sinne, obwohl 
sie ironischerweise die Sinne ihrer besesse- 
nenjünger abstumpft, die kein Gefühl mehr 
haben. (Siehe Epheser 4:19; Moroni 9:20.) 

In all ihren Ausdrucksformen ist Selbst- 
sucht in Wirklichkeit nur Selbstzerstörung 
in Zeitlupe. 

Jeder Anfall von Selbstsucht schränkt un- 
ser Universum ein, so daß wir der anderen 
weniger gewahr werden und immer einsa- 
mer werden. Dann sucht man seine Sinne 
zu befriedigen, um zu sehen, ob man wirk- 
lich besteht. Oder man ist von Selbstmitleid 
erfüllt, weil man keine Liebe mehr findet, 
und endet in Übertretung. 

Die wachsende Selbstsucht zeigt uns auf 
ernüchternde Weise, wie der natürliche 
Mensch seine Wünsche zu erfüllen sucht. 
Viele machen ihre Bedürfnisse geltend - 
aber wo sind diejenigen, die diesen Bedürf- 
nissen gerecht werden? So viele fordern 
nur, wo sind aber die, die geben? Es gibt viel 
mehr Leute, die etwas zu sagen haben, als 
Zuhörer. Da sind viel mehr vernachlässigte 
alte Eltern als aufmerksame Söhne und 
Töchter - obwohl es zahlenmäßig nicht so 
sein dürfte! 

So wie sich manche Dämonen - wie Jesus 
sagt - nur durch Fasten und Beten austrei- 
ben lassen, so läßt sich der natürliche 
Mensch auch nicht ohne Schwierigkeiten 
ablegen. (Siehe Matthäus 17:21.) 

Von diesem Kampf spricht der Herr, wenn 
er uns auffordert, so zu leben, daß wir „als 
Sieger hervorgehen" (LuB 10:5). Wir kön- 
nen aber nur als Sieger hervorgehen, wenn 
wir zuerst den selbstsüchtigen, natürlichen 
Menschen abgelegt haben! 

Der natürliche Mensch ist wahrlich ein 
Feind Gottes, weil er die kostbaren Kinder 
Gottes von wahrem, immerwährendem 
Glücklichsein fernhält. Zu unserem völligen 
Glücklichsein gehört, daß wir Christenmen- 
schen werden. 

Die sanftmütigen Christenmenschen lo- 
ben schnell, doch müssen sie sich auch zu- 
rückhalten. Sie wissen, gelegentlich ist es 
ebenso wichtig, sich auf die Zunge zu bei- 
ßen, wie die Gabe der Zungen zu haben. 

Der Egoist läßt sich nicht „durch Bitten 
leicht erweichen", so wie der Christen- 
mensch. Christus hat die Bedürftigen nie 
zur Seite geschoben, weil er Wichtigeres 
vorgehabt hätte! Der Christenmensch ist 
ferner beständig - allein ebenso wie in der 
Öffentlichkeit. Wir können nicht zweierlei 
Grundsätze haben, wenn der Himmel nur 
einen kennt. 

Der Christenmensch macht seine Beru- 



fung groß, ohne selbst groß dastehen zu 
müssen. Während der natürliche Mensch 
sagt „Bete mich an!" und „Gib mir deine 
Macht!", trachtet der Christenmensch da- 
nach, Macht mit Langmut und mit ungeheu- 
chelter Liebe auszuüben. (Siehe Mose 1:12; 
4:3; LuB 121:41.) 

Während der natürliche Mensch seinem 
Zorn Luft macht, läßt sich der Christen- 
mensch „nicht zum Zorn reizen" (1 Korin- 
ther 13:5). Während der natürliche Mensch 
von Habsucht erfüllt ist, sucht der Christen- 
mensch „nicht seinen Vorteil" (1 Korinther 
13:5). Während der natürliche Mensch sich 
kein weltliches Vergnügen versagt, bemüht 
sich der Christenmensch, seine Leiden- 
schaften zu zügeln (siehe Alma 38:12). 

Während der natürliche Mensch nach Lob 
und Reichtum verlangt, weiß der Christen- 
mensch, daß das nur der „Tropfen" ist (LuB 
117:8). Die Ironie der Geschichte der 
Menschheit wird darin bestehen, daß dem, 
der sich selbst verleugnet, der den Bündnis- 
sen treu und selbstlos ist, letzten Endes „al- 
les gegeben wird, was der Vater hat" (LuB 
84:38)! 

Eine der letzten, subtilen Bastionen der 
Selbstsucht ist das natürliche Gefühl, daß 
wir uns gehören. Sicher haben wir Entschei- 
dungsfreiheit und sind selbst verantwort- 
lich. Ja, wir haben unsere Persönlichkeit. 
Wer sich aber entschieden hat, zu Christus 
zu kommen, erkennt bald, daß er sich nicht 
gehört. Er gehört vielmehr dem Herrn. Wir 
müssen uns mit unseren Gaben, mit den 
uns bestimmten Tagen und mit unserem Ich 
weihen. Darum ist es etwas ganz anderes, 
ob wir uns widerspenstig selbst gehören 
oder ob wir fügsam dem Herrn gehören. 
Wenn wir uns an das alte Ich hängen, zeugt 
das nicht von Selbständigkeit, sondern von 
Schwäche! 

Joseph Smith hat uns verheißen, wenn 
der Egoismus ausgerottet sei, „könnten wir 
alles verstehen - Gegenwärtiges, Vergange- 
nes und Zukünftiges" (The Personal Writings 
of Joseph Smith, Seite 485). Auch jetzt, mit 
dem, was das Evangelium uns erkennen 
läßt, können wir „etwas (sehen), wie es 
wirklich ist" (Jakob 4:13). 

Ja, das Evangelium läßt uns unsere Mög- 
lichkeiten klar erkennen, wenn wir unseren 
Egoismus ablegen und wenn uns dadurch 
die Schuppen von den Augen fallen. In dem 
Licht können wir dann unsere wahre Identi- 
tät sehen: 

„Steh auf und blick um dich, am hellen Tag 

im hellen Schein siehst du dein wahres Ich. 

Was dich dabei noch überraschen mag: 

dein Glanz strahlt heller als der Sterne Licht. 

Am hellen Tag . . . 

blickst du in ew'ge Ferne. " 

(Alan Jay Lerner, „On a Clear Day".) 

Im Namen Jesu Christi. Amen. D 



JANUAR 1991 

14 



Kommt alle zu mir 

Präsident Howard W. Hunter 

Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel 



„Auch wir müssen glauben, daß Jesus Christus die Macht hat, 
unsere Last leichter zu machen. " 




Im geliebten Galiläa, seiner vertrauten 
Heimat, vollbrachte der Sohn Gottes 
nicht nur das erste Wunder, von dem die 
Schrift berichtet, sondern er vollbrachte dort 
viele große Wunder, die das Volk in Galiläa, 
das ihn sah, in Staunen und Verwunderung 
versetzte. Er heilte einen Aussätzigen, heilte 
den Diener eines Hauptmanns, gebot dem 
Sturm, trieb Teufel aus, heilte einen Ge- 
lähmten, schenkte den Blinden das Augen- 
licht und erweckte ein Mädchen, das gestor- 
ben war, wieder zum Leben. 

Die meisten Menschen seiner Heimat 
wollten ihm einfach nicht glauben. „Ist das 
nicht der Sohn Josefs?" fragten sie und wei- 
gerten sich, ihn als den Sohn Gottes anzuer- 
kennen. Jesus weinte wegen dieser Men- 
schen, die es besser hätten wissen müssen. 
Wegen ihrer Skepsis, ihres Unglaubens und 
ihrer Weigerung umzukehren, machte er 
den Städten, in denen er die größten Wun- 
der vollbracht hatte, Vorwürfe. Er schalt 
und tadelte die Städte Chorazin, Betsaida 
und Kafarnaum wegen ihrer Schlechtigkeit 
und sagte: 

„Wenn in Sodom die Wunder geschehen 
wären, die bei dir geschehen sind, dann 
stünde es noch heute. 

Ja, das sage ich euch: dem Gebiet von So- 
dom wird es am Tag des Gerichts nicht so 



schlimm ergehen wie dir." (Matthäus 
11:23,24.) 

Während er wegen der Schlechtigkeit und 
der Kleingläubigkeit vieler in seiner Heimat 
litt, dankte der Erretter im Gebet für die de- 
mütigen und einfachen Menschen, die seine 
Lehren hörten und glaubten. Diese demüti- 
gen Menschen brauchten ihn und seine Bot- 
schaft. Sie bewiesen, daß die Demütigen, 
die Bedürftigen und die Trauernden das 
Wort Gottes hören und schätzen. Als Aus- 
druck der Versicherung gegenüber denen, 
die ihm glaubten, und der Sorge um die, die 
ihm nicht folgen wollten, sprach Christus ei- 
ne Einladung aus, die Eider James E. Talma- 
ge „eine der erhabensten Ergüsse geistiger 
Regung, die wir kennen", nannte (Jesus der 
Christus, Seite 213). Und so hat der Meister 
seine Einladung formuliert: 

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt 
und schwere Lasten zu tragen habt. Ich wer- 
de euch Ruhe verschaffen. 

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von 
mir; denn ich bin gütig und von Herzen de- 
mütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure 
Seele. 

Denn mein Joch drückt nicht, und meine 
Last ist leicht!" (Matthäus 11:28-30.) 

Diese Einladung und Verheißung ist eine 
der am häufigsten zitierten Schriftstellen 
und hat schon Millionen von Menschen 
Trost und Gewißheit gespendet. Und doch 
gab es unter den Zuhörern Menschen mit so 
beschränktem Einblick, daß sie nur den 
Sohn des Zimmermanns über ein Holzjoch 
reden hörten. Ein Joch, wie er es zweifellos 
gelegentlich behauen und aus schweren 
Stämmen für eben die Männer geformt hat- 
te, die ihm nun zuhörten. 

Eider Talmage sagt weiter: 

„Er lud sie von Plackerei zu angenehmem 
Dienst; von der nahezu untragbaren Last 
der kirchlichen Forderungen und überliefer- 
ten Förmlichkeiten zur Selbstverantwor- 
tung des wahrhaft geistigen Gottesdienstes; 
von der Sklaverei zur Freiheit - aber sie woll- 
ten nicht." (Jesus der Christus, Seite 213.) 

Er sprach dem beunruhigten Volk, dem ei- 
ne große Gefahr bevorstand, eine propheti- 
sche Einladung und eine großzügige Verhei- 



ßung aus, aber sie konnten sie nicht verste- 
hen. Er wußte, was ihnen bevorstand, auch 
wenn sie es nicht wußten, und er lud sie ein, 
zu ihm zu kommen, um Ruhe und Sicher- 
heit für ihre beunruhigte Seele zu finden. 
Hatte er ihnen nicht schon gezeigt, daß er 
denen, die die Last schwerer Krankheit und 
Behinderung zu tragen hatten, Ruhe schen- 
ken konnte? Hatte er nicht denen, die mit 
den Sünden und den Sorgen der Welt 
schwer beladen waren, die Last abgenom- 
men? Hatte er nicht schon jemand vom Tod 
erweckt und damit bewiesen, daß er die 
göttliche Macht hatte, sogar diese größte al- 
ler Lasten leicht zu machen? Dennoch woll- 
ten die meisten noch immer nicht zu ihm 
kommen. 

Leider stellen wir heute noch fest, daß die 
Menschen sich seinen Wundern und seiner 
Einladung verschließen. Diese wunderbare 
Hilfe, die der Sohn Gottes selbst uns anbie- 
tet, beschränkte sich nicht nur auf die Galilä- 
er seiner Zeit. Seine Einladung, sein Joch, 
das nicht drückt, und seine leichte Last auf 
uns zu nehmen, galt nicht nur vergangenen 
Generationen. Sie war und ist an alle Men- 
schen gerichtet, an alle Städte und Länder, 
an jeden Mann, jede Frau und jedes Kind 
auf der ganzen Welt. 

In unserer Zeit der Not dürfen wir diese 
unfehlbare Antwort auf die Sorgen und 
Nöte der Welt nicht außer acht lassen. 
Darin liegt die Verheißung persönlichen 
Friedens und Schutzes. Darin liegt die 
Macht, zu jeder Zeit Sünden zu vergeben. 
Auch wir müssen glauben, daß Jesus 
Christus die Macht hat, unsere Last leichter 
zu machen. Auch wir müssen zu ihm kom- 
men und von ihm die Ruhe von unserer Last 
erlangen. 

Natürlich gehen mit solchen Verheißun- 
gen auch Verpflichtungen einher. „Nehmt 
mein Joch auf euch" , fleht er uns an . In bibli- 
schen Zeiten war das Joch ein Gerät, das 
dem Ackermann auf dem Feld eine große 
Hilfe war. Das Joch machte es möglich, die 
Kraft von zwei Tieren zu kombinieren; auf 
diese Weise wurde die schwere Last des 
Pfluges oder des Wagens verteilt und verrin- 
gert. Eine Last, die zu schwer oder vielleicht 
unmöglich zu ziehen war, konnte so gleich- 
mäßig und leichter von zweien gezogen 
werden, die an einem gemeinsamen Joch 
hingen. Sein Joch erfordert intensive und 
ernsthafte Bemühung, aber für den, der 
wirklich bekehrt ist, hört das Joch auf zu 
drücken und wird die Last leicht. 

Warum wollt ihr euch die Last des Lebens 
allein aufbürden, fragt Christus, oder sie mit 
vergänglichen Mitteln tragen, die bald nach- 
geben werden? Dem, der schwere Lasten zu 
tragen hat, gibt das Joch Christi - nämlich 
die Macht und der Friede, die man verspürt, 
wenn man Seite an Seite mit Gott steht - die 
Stütze, das Gleichgewicht und die Kraft, 



DER STERN 



15 




Der Tempelplatz in Salt Lake City. Von links nach rechts: Das Denkmal der Handkarrenpioniere, die Assembly Hall, das Seemöwendenkmal und das Tabernakel. 



seinen Herausforderungen zu begegnen 
und in seinen Aufgaben in der Sterblichkeit 
auszuharren. 

Natürlich sind die Lasten von Mensch 
zu Mensch verschieden. Ferner ist jede 
Prüfung im Leben auf die Fähigkeiten und 
Bedürfnisse zugeschnitten, die der liebevol- 
le Vater im Himmel kennt. Natürlich wer- 
den manche Sorgen aufgrund der Sünden 
der Welt verursacht, die dem Rat des Vaters 
im Himmel nicht folgt. Was auch immer 
der Grund sein mag, keiner ist völlig frei 
von den Anfechtungen des Lebens. 
Christus hat es allen Menschen gesagt: 
Solange ihr irgendeine Last tragen und 
irgendein Joch auf euch nehmen müßt, 
nehmt doch meines. Ich verspreche euch: 
Mein Joch drückt nicht, und meine Last ist 
leicht. 



„Lernt von mir", sagt er weiter, „denn ich 
bin gütig und von Herzen demütig." Was 
wir aus der Geschichte lernen müssen, ist, 
daß Stolz, Überheblichkeit, Eigenlob, 
Selbstgefälligkeit und Eitelkeit den Samen 
der Selbstzerstörung von einzelnen Men- 
schen, Städten und Völkern in sich tragen. 
Die Asche und der Schutt von Chorazin, 
Betsaida und Kafarnaum sind stille Zeugen 
dafür, daß die Menschen der Warnung des 
Erretters keine Beachtung schenkten. Die 
herrlichen und mächtigen Städte stehen 
nicht mehr. Wollen wir unseren Namen 
oder den unserer Familie einer solchen Liste 
hinzufügen? Nein, sicher nicht, aber wenn 
wir das nicht wollen, müssen wir wirklich 
gütig und demütig sein. Indem wir das Joch 
Jesu auf uns nehmen und fühlen, was er we- 
gen der Sünden der Welt gefühlt hat, lernen 



wir besser von ihm, und wir lernen vor al- 
lem, wie er zu sein. 

Präsident Benson hat gesagt: 

„Am größten, am meisten gesegnet und 
am glücklichsten ist der Mensch, dessen Le- 
ben dem Beispiel Christi am nächsten 
kommt. Das hat nichts mit irdischem Wohl- 
stand, mit irdischer Macht oder irdischem 
Ansehen zu tun. Das einzig wahre Kriteri- 
um der Größe, der Heiligkeit oder des 
Glücks besteht darin, wie nah man dem 
Herrn Jesus Christus kommen kann. Er ist 
der rechte Weg, die volle Wahrheit und das 
Leben in Fülle." (Ensign, Dezember 1988, 
Seite 2.) 

Die Einladung, zu ihm zu kommen, ist im- 
mer wieder ausgesprochen worden und 
wird in unserer Zeit erneuert. In der neu- 
zeitlichen Schrift wird diese Einladung im- 



JANUAR 1991 

16 




6. Oktober 1990 

Versammlung am Samstagnachmittag 



mer wieder ausgesprochen - ein eindringli- 
cher Ruf an jeden. Ja, der ruhige, aber ein- 
dringliche Aufruf kommt vom Sohn Gottes 
selbst. Er ist in der Tat der Gesalbte, der den 
am meisten Bedrückten die Last abnehmen 
wird. Die Bedingungen für diese Hilfe sind 
noch immer gleich. Wir müssen zu ihm 
kommen und sein Joch auf uns nehmen. In 
Güte und Demut müssen wir von ihm ler- 
nen, um ewiges Leben und Erhöhung zu 
haben. 

Mögen wir das mit Dankbarkeit für seine 
Liebesgabe, nämlich ewige Freude, tun, die 
er uns anbietet, darum bete ich, und lasse Ih- 
nen mein Zeugnis, daß Gott, der himmli- 
sche Vater, lebt und daß Jesus der Messias 
ist, der gelitten und sein Leben gegeben hat, 
auf daß wir ewiges Leben haben können. In 
seinem heiligen Namen. Amen. D 



Die Beamtenbestätigung 



Präsident Gordon B. Hinckley 

Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 




Liebe Brüder und Schwestern, ich lege 
Ihnen nun die Namen der General- 
autoritäten und der leitenden Beam- 
ten der Kirche zur Bestätigung vor. 

Es wird vorgeschlagen, daß wir Ezra Taft 
Benson als Propheten, Seher und Offenba- 
rer sowie als Präsidenten der Kirche Jesu 
Christi der Heiligen der Letzten Tage bestä- 
tigen; Gordon B. Hinckley als Ersten Ratge- 
ber in der Ersten Präsidentschaft und Tho- 
mas S. Monson als Zweiten Ratgeber in der 
Ersten Präsidentschaft. 

Wer dem zustimmt, zeige es. 

Wer dagegen ist, zeige es. 

Es wird vorgeschlagen, daß wir Howard 
W. Hunter als Präsidenten des Rates der 
Zwölf Apostel und die folgenden als Mit- 
glieder dieses Rates bestätigen: Howard W. 
Hunter, Boyd K. Packer, Marvin J. Ashton, 
L. Tom Perry, David B. Haight, James E. 
Faust, Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson, 
Dallin H. Oaks, M. Russell Ballard, Joseph 
B. Wirthlin und Richard G. Scott. 

Wer dem zustimmt, zeige es. 

Ist jemand dagegen? 

Es wird vorgeschlagen, daß wir die Ratge- 
ber in der Ersten Präsidentschaft und die 
Zwölf Apostel als Propheten, Seher und Of- 
fenbarer bestätigen. 



Wer dem zustimmt, zeige es. 

Ist jemand dagegen? 

Es wird vorgeschlagen, daß wir mit Dank 
für ihren fünfeinhalbjährigen Dienst als Ge- 
neralautorität Eider Waldo P. Call und Eider 
Helio R. Camargo als Mitglieder des Zwei- 
ten Siebzigerkollegiums entlassen. Wer sich 
dem Dank anschließt, kann dies durch Erhe- 
ben der Hand zeigen. 

Wie bereits verlautbart worden ist, wer- 
den beide als Tempelpräsident dienen, und 
zwar in Mexiko City beziehungsweise in Säo 
Paulo. 

Es wird vorgeschlagen, daß wir mit Dank 
Eider Vaughn J. Featherstone, Eider Jeffrey 
R. Holland und Eider Monte J. Brough als 
Präsidentschaft der Jungen Männer und Ei- 
der Ted E. Brewerton als Ratgeber in der Prä- 
sidentschaft der Sonntagsschule entlassen. 

Ich möchte darauf hinweisen, daß diese 
Entlassungen aufgrund anderer Aufgaben 
notwendig sind. 

Wer sich dem Dank anschließt, kann dies 
zeigen. 

Es wird vorgeschlagen, daß wir Eider Jack 
H. Goaslind, Eider LeGrand R. Curtis und 
Eider Robert K. Dellenbach als Präsident- 
schaft der Jungen Männer und Eider H. Ver- 
lan Andersen als Zweiten Ratgeber in der 
Präsidentschaft der Sonntagsschule bestä- 
tigen. 

Wer dem zustimmt, zeige es. 

Ist jemand dagegen? 

Es wird vorgeschlagen, daß wir die übri- 
gen Generalautoritäten und leitenden Be- 
amten bestätigen, wie sie zur Zeit im Amt 
sind. 

Wer dem zustimmt, zeige es. 

Ist jemand dagegen? 

Soweit ich feststellen konnte, ist die Zu- 
stimmung einstimmig erfolgt. Wir danken 
Ihnen, liebe Brüder und Schwestern, für Ihr 
Vertrauen und Ihre Liebe. D 



DER STERN 



17 



In allem ein Muster 



Eider Marvin J. Ashton 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



„Wenn wir den offenbarten Verhaltensweisen folgen, hilft uns das, 
unsere Schwächen zu erkennen, positiv auf sie einzuwirken, sie zu 
überwinden und zu christusähnlicher Höhe zu gelangen. " 



kommt, wenn ich mich an kein Muster hal- 
ten könnte?" 

Wie unser Leben gestaltet wird, bleibt ein 
reines Ratespiel, wenn wir uns nicht an das 
richtige Muster halten. 

Wie glücklich sind wir, wie sehr sind wir 
gestärkt, daß wir heute auf die Verheißung 
des Herrn bauen können: „Ich will euch in 
allem ein Muster geben, damit ihr nicht ge- 
täuscht werdet; denn der Satan geht im 
Land umher und täuscht. " (LuB 52:14.) Aus 
dieser mächtigen Schriftstelle habe ich im- 
mer schon Mut, Trost und Richtungswei- 
sung gewonnen. 

Ein Muster ist eine Anleitung, der man fol- 
gen soll, ein Plan, ein Diagramm, ein Mo- 
dell, wenn man etwas herstellen will, es ist 
auch die Zusammensetzung von Eigenhei- 
ten, die für einen Menschen und sein Ver- 
halten charakteristisch sind. 

Das Evangelium Jesu Christi ist Gottes 
Muster für rechtschaffenes Leben und ewi- 
ges Leben. Es ermöglicht, daß man sich Zie- 
le und erhabene Prioritäten setzt. Der Satan 
und seine Helfer wollen uns unablässig 
täuschen und dazu bringen, daß wir ihrem 
Muster folgen. Wenn wir Sicherheit erlan- 
genwollen, Erhöhung und ewiges Glück, so 
müssen wir das Licht und die Wahrheit im 
Plan des Erretters in unserem Leben wirk- 
sam werden lassen. Die ganze Errettung 
dreht sich um ihn. 

Als ich vor kurzem mit einer Drogenab- 
hängigen über Prioritäten, Vorbilder, Hoff- 
nungen, Ziele und den Zweck des Lebens 
sprach, machte es mich sehr traurig, als die- 
se nette junge Dame sagte: „Gott ist gütig, 
Gott, mein Hort. Laß mich in Ruh', und 
scher dich fort!" Die Ungeratenen und Un- 
gehorsamen werden nie glücklich sein, so- 
lange sie sich vom Satan einreden lassen, 
ständiges Tun bringe Beständigkeit zuwege. 
Die Gottesgabe der freien Entscheidung - 
die für uns verpflichtend ist - bedeutet nie- 
mals, daß Sünde geduldet wird. 

Gott ist wirklich gütig und unser Hort. 
Sein Verhaltensmuster soll uns helfen, die 
Entscheidungsfreiheit zu gebrauchen, aber 
Duldung von Sünde ist darin nicht enthal- 




Im Lauf der Jahre habe ich auf meinen 
Reisen im Flugzeug manch unangeneh- 
me Zeiten erlebt, wenn es Turbulenzen 
gab. Oftmals haben widrige Winde, Stürme, 
Wolkenballungen, Abwinde usw. für holpe- 
rige und ängstliche Augenblicke gesorgt, 
besonders bei der Landung. Nach einem 
solchen Erlebnis brachte mir einmal ein er- 
fahrener Pilot Erleichterung, als er über das 
beim Landen einzuhaltende Muster sprach 
- die vorgeschriebene Strecke, die für den 
Piloten vorgeschrieben ist. Präzise Instru- 
mente, Erfahrung und Vertrauen leiten das 
Flugzeug während des Flugs, während der 
Landung und beim Start. „Wir haben keine 
Gewalt über das Wetter und die Elemente, 
aber wir können innerhalb des Musters der 
Sicherheit bleiben", sagte er mit Nach- 
druck. 

Eines Tages bewunderte ich eine schöne 
handgearbeitete Steppdecke, die eine ge- 
schickte Näherin angefertigt hatte. Wir un- 
terhielten uns, und ich erfuhr, daß sie im 
Lauf der Jahre schon viele Decken gemacht 
hatte und wegen ihrer besonderen Fertig- 
keit wohlbekannt war. Auf meine Frage: 
„Machen Sie jemals eine solche Decke ohne 
ein vorgegebenes Muster?" sagte sie: „Wie 
sollte ich denn wissen, was dabei heraus- 



ten. Wenn wir die uns gewährte Selbstän- 
digkeit mißbrauchen und uns für eine Le- 
bensweise entscheiden, die dem offenbar- 
ten Muster zuwiderläuft, müssen wir mit 
den Folgen leben. Wenn wir nicht bereit 
sind, dem wahren und erprobten Muster zu 
folgen, das unserem Glücklichsein dient, 
werden wir selbst und unsere Familie und 
unsere Freunde Herzeleid erfahren und 
schließlich vollends unglücklich sein. Daß 
wir die Freiheit haben, unser Verhalten 
selbst zu bestimmen, bedeutet nicht, daß 
wir den Folgen unseres Tuns entgehen kön- 
nen. Die Liebe Gottes ist beständig und ver- 
mindert sich nicht, aber er kann uns nicht 
vor den schmerzlichen Resultaten der fal- 
schen Entscheidungen bewahren. 

Es ist kein Geheimnis, daß der Satan offen 
gegen die Wahrheit und alle, die ein recht- 
schaffenes Leben führen, zu Felde zieht. Mit 
Geschick und Erfolg führt er sogar seine ei- 
genen Anhänger hinters Licht. Wenn es 
Rückschläge gibt, will er uns dazu bringen, 
daß wir aufgeben, nicht mehr weiterma- 
chen, uns auflehnen. Wenn wir uns für das 
richtige Muster entschieden haben und uns 
daran halten, erleben wir manchmal starkes 
Holpern und angstvolle Stunden. Oft sind 
die Gewinner im Leben diejenigen, die ver- 
letzt und enttäuscht worden sind, sich aber 
über diese Anfechtungen erhoben haben. 
Viele Male gibt Gott uns Schwierigkeiten, 
damit das Beste in uns hervorkommt. Es ist 
wirklich so: Nicht das Leben bestimmt die 
Gewinner, sondern der Gewinner bestimmt 
das Leben. 

Das Motto der Olympischen Spiele be- 
sagt, das Wesentliche und Wertvolle sei 
nicht der Sieg, sondern die Teilnahme - mit 
vollem Einsatz. Grantland Rice hat einmal 
geschrieben: „Wenn einst nach deinem Le- 
benskampf der Schiedsrichter die Punkte 
faßt, dann gilt nicht Niederlage oder Sieg, 
sondern wie du dich verhalten hast." 

Der Satan weiß sehr wohl, wie man ver- 
lockende Ablenkungen mit Bändern, Schlei- 
fen und reizvollem Geschenkpapier ver- 
packt. Drinnen aber sind Unmoral, Selbst- 
vernichtung und subkulturelle Versuchun- 
gen. Sein festgefügtes Muster besteht darin, 
zu täuschen - um jeden Preis. Seine Werbe- 
sprüche, nämlich: „Einmal ist keinmal", 
„Genuß ohne Reue", „Du lebst nur einmal, 
und zwar jetzt", „Was willst du denn noch 
alles versäumen?", „Laß dir doch nichts 
vorschreiben!" sowie der von der Gruppe 
der Gleichaltrigen ausgeübte Druck - das ist 
einiges von dem, womit er die Empfängli- 
chen in den kommenden Tagen und Stun- 
den verleitet. Listig verwendet er trügeri- 
sche Täuschung in ihrer tückischsten Form. 
Er möchte uns vergessen machen, daß das 
Wesentliche im Leben nicht der Sieg ist, son- 
dern daß man beständig einem rechtschaffe- 
nen Muster folgt. 



JANUAR 1991 



18 




Generalautoritäten, wie sie in der Versammlung am Samstagnachmittag gemeinsam mit dem Chor der Jungen Damen und den versammelten Mitgliedern singen. 



Der Satan ist der Urheber aller Program- 
me, die das Böse und Falsche schön heraus- 
putzen, um unseren Appetit anzuregen. 
Versuchungen nachzugeben, die zu unsittli- 
chem Verhalten führen, das macht niemals 
glücklich. Wenn wir dann erledigt sind und 
uns aus seiner Umklammerung losmachen 
wollen, redet er uns immer noch Verhaltens- 
weisen ein, die letzten Endes unsere Selbst- 
achtung zerstören. 

Warum läßt ein liebender Gott zu, daß sei- 
ne vielgeliebten Kinder vom Satan und sei- 
nen Methoden verleitet werden? Die Ant- 
wort auf diese Frage gibt uns ein großer Pro- 
phet und Lehrer: 

„Darum hat der Herr Gott es dem Men- 
schen gewährt, selbständig zu handeln. Der 
Mensch könnte aber sein Handeln nicht 
selbst bestimmen, wenn er nicht von dem 
einen oder dem andern angezogen würde." 
(2 Nephi 2:16.) 

Verlassen Sie das satanische Territorium 
der Täuschung! Dort werden Sie nie Ihr 
Glück finden. Ganz im Gegenteil: Es gibt 
keine erfolgreichen Sünder. Wir alle müssen 
eines Tages vor Gott stehen und nach dem 
gerichtet werden, was wir während des Er- 
dendaseins getan haben. Die Bürde des 
Sünders wird nie leichter sein als die des 



Heiligen. Lassen Sie sich nicht vom Satan 
ködern! Gott steht am Steuer und ist sehr 
betrübt, wenn wir, seine Kinder, von den er- 
probten Wegen dauerhaften Glücks und be- 
ständiger Rechtschaffenheit abweichen. Er 
möchte vielmehr, daß wir uns mit völliger 
Hingabe und aller Kraft an der eisernen 
Stange festhalten. 

Einer der wirksamsten Fallstricke, die der 
Satan heute unter den Kindern Gottes aus- 
legt, ist wohl die Neigung, die Übernahme 
gereifter Lebensverantwortung aufzuschie- 
ben - zum Beispiel, daß man keine Ehe ein- 
geht, weil ja doch Scheidung im Bereich des 
Möglichen liegt, oder daß man sich der Dro- 
genszene anschließt, weil das Leben ja so 
ungewiß ist. Teile unserer Bevölkerung mar- 
schieren und protestieren und fordern staat- 
liche Beihilfen und Therapien, statt den von 
Gott vorgesehenen Regeln der Vorbeugung 
und Selbstdisziplin zu folgen. Wenn wir den 
offenbarten Verhaltensweisen folgen, hilft 
uns das, unsere Schwächen zu erkennen, 
positiv auf sie einzuwirken, sie zu überwin- 
den und zu christusähnlicher Höhe zu ge- 
langen. 

Wenn wir glücklich sein wollen, müssen 
wir dem geraden, vorgeschriebenen Weg 
folgen. „Ich will euch in allem ein Muster ge- 



ben", das ist eine der größten Gaben und 
Verheißungen des Herrn. Gerade in unserer 
Zeit empfangen wir dies von ihm und seinen 
Propheten. Man muß sich mit konstrukti- 
ven, nützlichen Gedanken befassen, dann 
hat der Satan nicht den Erfolg, den er bei ei- 
nem müßigen Sinn und Gemüt sonst hätte. 
Gute Musik, Kunst, Literatur und Freizeit- 
gestaltung tragen dazu bei, daß man in sich 
die richtige Verhaltensweise pflegt. Glück- 
lichsein ist das Nebenprodukt rechtschaffe- 
nen Lebens und Teilens im Rahmen erhabe- 
ner Verhaltensweisen. Was man tut, kann 
momentan Spaß machen, wahres Glück 
hängt aber davon ab, wie man sich anschlie- 
ßend fühlt. 

Außer einem Muster für das Beten haben 
wir auch Weisung für das Nachsinnen, für 
die Durchführung, für Geduld, für das Han- 
deln und für Redlichkeit. Für alles Wertbe- 
ständige gibt es Muster, wir müssen nur da- 
nach suchen. „Und siehe, es muß gemäß 
dem Muster geschehen, das ich euch gege- 
ben habe." (LuB 94:2.) Es gibt keinen ande- 
ren erprobten Weg. 

„Und weiter: Wer überwunden wird und 
keine Frucht hervorbringt, nicht einmal ge- 
mäß diesem Muster, der ist nicht von mir. 

Darum sollt ihr nach diesem Muster in al- 



DER STERN 



19 




Saolotoga Alofipo von der Übersetzungsabteilung der Kirche war einer von vielen, die auf der Konferenz 
dolmetschten. Die Konferenz wurde in zweiunddreißig Sprachen gedolmetscht. Die Dolmetscher sind im 
Untergeschoß des Tabernakels untergebracht, von wo aus die Konferenz übertragen wird. Die Konferenz- 
besucher, die in verschiedenen Kirchengebäuden untergebracht sind, werden mit besonderen Kopfhörern 
ausgestattet. 



len Fällen unter dem ganzen Himmel die 
Geister erkennen." (LuB 52:18,19.) 

In allen Lebensbereichen ist es ratsam, 
dem richtigen Muster zu folgen. 

Eine meiner Lieblingsgeschichten aus 
dem Sportwesen handelt von Roger Banni- 
ster, der vor vielen Jahren an den Olympi- 
schen Spielen teilnahm, der Favorit über ei- 
ne Meile war. Man dachte, er würde gewin- 
nen, aber er wurde nur Vierter. Entmutigt, 
ernüchtert und ziemlich verlegen fuhr er 
von der Olympiade wieder nach Hause. 

Er war entschlossen, das Laufen aufzuge- 
ben. Er war Medizinstudent, und sein Stu- 
dium verlangte ihm viel ab. Er nahm sich 
vor, sich in sein vorgesehenes Leben einzu- 
fügen und seine ganze Zeit dem Studium 
und dem Beruf zu widmen und nicht der 
Hoffnung nachzuhängen, er könne einmal 
Weltrekordler werden und die Meile in we- 
niger als vier Minuten laufen. Er ging zu sei- 
nem Trainer und sagte: „Ich steige aus. Ich 
werde nur noch studieren. " Der Trainer sag- 
te: „Roger, ich denke, du bist der Mann, der 
die Meile in weniger als vier Minuten 
schafft. Ich möchte, daß du noch einen letz- 
ten Versuch machst, bevor du aufgibst." 

Roger gab darauf keine Antwort. Er ging 
nach Hause und wußte nicht, was er sagen 
oder tun sollte. Aber noch vor Tagesanbruch 
war er entschlossen, sich einen eisernen 
Willen zuzulegen, bevor er das Laufen auf- 
gab. Er wollte die Meile in weniger als vier 
Minuten schaffen. 

Er wußte, was das bedeutete. Er mußte 
ein Muster setzen und demgemäß leben. 
Ihm war klar, daß er täglich sieben, acht, ja 



sogar neun Stunden studieren mußte, wenn 
er den Abschluß schaffen wollte. Er mußte 
aber auch mindestens vier Stunden pro Tag 
trainieren. 

Er mußte auch ständig laufen, um seinen 
Körper in Topform zu bringen. Er wußte, 
daß er nur die beste Nahrung zu sich neh- 
men durfte. Er wußte, daß er jeden Abend 
zeitig zu Bett gehen und neun bis zehn Stun- 
den schlafen mußte, damit sich sein Körper 
erholen und für den großen Tag vorbereiten 
konnte. Er beschloß, dem Muster zu folgen, 
das er und sein Trainer für das richtige hiel- 
ten und das die Grundlage der Leistung und 
des Sieges war. 

Am 6. Mai 1954 wurden die vier Minuten 
für die Meile unterboten - von Roger Banni- 
ster, einem langen, etwas vornübergebeug- 
ten, grobknochigen Engländer mit kantigem 
Gesicht und gesunder Hautfarbe, einem 
Mann, der sich einem siegesgewissen Mu- 
ster verschrieben hatte, das ihm weltweite 
Anerkennung einbrachte. 

An einem grauen, kalten, nassen und 
windigen Tag begab er sich auf die Renn- 
bahn der Universität Oxford und stellte sei- 
ne Theorien und sein Können auf die Probe. 
Seine Eltern und ein paar hundert Zuschau- 
er waren anwesend. Der Rest ist Geschich- 
te. Indem er sich genau an seine Tabellen 
und Methoden hielt, lief er die Traummeile 
in 3:59,4. Er war der erste, der diese Strecke 
in weniger als vier Minuten zurücklegte. Er 
brachte den Beweis, daß ein Mensch schnel- 
ler laufen kann, als man es für möglich ge- 
halten hatte. Er zahlte den Preis und trug 
den Lohn dafür nach Hause, daß er sich an 



das richtige Muster gehalten hatte. Heute 
arbeitet er in England als selbständiger Arzt. 
Zur Zeit seines Triumphs mit der Traummei- 
le war er der internationale Held in allen Re- 
kordbüchern. Heute werden die vier Minu- 
ten für die Meile ständig unterschritten, 
aber Roger Bannister hat vor vielen Jahren 
das Muster gesetzt und es mit totaler Selbst- 
verpflichtung befolgt, mit Selbstdisziplin 
und eisernem Willen. 

Muster werden vom Herrn gegeben, da- 
mit wir sie annehmen und befolgen und in 
Rechtschaffenheit ausharren. In der Kirche 
haben wir ein Muster dafür, wie man Offen- 
barung und Weisung empfängt. Denken wir 
immer daran, daß jemand, der behauptet, er 
empfange Weisung oder Offenbarung für ei- 
nen anderen, als verdächtig anzusehen ist. 
Das gilt besonders dann, wenn sich deren 
Inhalt auf ein Gebiet, eine Region, einen 
Pfahl oder eine Gemeinde der Kirche bezie- 
hen soll, für die der Betreffende keine Ver- 
antwortung trägt. Seit jeher hat Gott seinen 
Willen durch die Propheten kundgetan, und 
so wird es auch in alle Zukunft sein. 

Unser Erretter, Jesus Christus, hat das 
Verhaltensmuster für alle Menschen festge- 
setzt. Er sagt: „Wenn ihr mich liebt, dann 
weidet meine Schafe!" (Siehe Johannes 
21:17.) Die Liebe geht über das Wer, Wo, 
Wie und Wann hinaus. Sie muß bedin- 
gungslos und beständig sein. 

Wenn wir Erhöhung und einen glückli- 
chen Alltag erlangen wollen, müssen wir 
dem Muster der Rechtschaffenheit folgen. 
Selbstachtung und Erfolg lassen sich am be- 
sten daran messen, wie wir eine Lebenswei- 
se befolgen, die Täuschung, Hochmut, Stolz 
und Pessimismus gar nicht erst aufkommen 
läßt. 

Zu stabilem, ständigem Fortschritt in den 
kommenden Tagen kann es nur kommen, 
wenn Täuschung vermieden wird, ganz 
gleich, wie vorteilhaft ein Nachgeben oder 
die Verletzung der grundlegenden Verhal- 
tensweisen auch erscheinen mag. 

Laßt euch nicht täuschen! Gott läßt keinen 
Spott mit sich treiben. Er weiß, was am be- 
sten ist für seine Kinder und alle, die ihn lie- 
ben und sich die Charaktereigenschaften 
aneignen wollen, die sein einziggezeugter 
Sohn, Jesus Christus, hat erkennen lassen. 

„Denn siehe, es ist nicht recht, daß ich in 
allem gebieten muß; denn wer in allem ge- 
nötigt werden muß, der ist ein träger, nicht 
aber weiser Knecht, und darum empfängt er 
keinen Lohn." (LuB 58:26.) 

Anstatt daß uns in allem geboten werden 
muß, haben wir in allem ein Muster bekom- 
men. Es liegt an uns, ob wir diesen sicheren 
Weg gehen wollen. Gott helfe uns, daß wir 
seine Muster befolgen und den Lohn erlan- 
gen, den er für die Gehorsamen bereithält. 
Das erbitte ich im Namen Jesu Christi. 
Amen. D 



JANUAR 1991 



20 



Die Stunde der Bekehrung 



Eider Robert K. Dellenbach 

von den Siebzigern 



Es gibt vier Schritte, die Sie zur Bekehrung hinführen. 




Ich möchte Ihnen von meiner Bekehrung 
zu Jesus Christus und zum wiederher- 
gestellten Evangelium erzählen. Damit 
will ich all denen helfen, die sich eine engere 
Beziehung zum Vater im Himmel und ein fe- 
steres Zeugnis davon wünschen, daß die 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten 
Tage wahr ist. 

Als ich vor Jahren mit dem Schiff von New 
York nach Bremerhaven in mein Missions- 
gebiet nach Deutschland reiste, warf der 
Novembersturm das Schiff auf den Wogen 
hin und her. Wir waren alle seekrank und 
konnten nur Kekse und Zwieback essen. Ich 
hatte fast schon Angst, ich würde nicht 
sterben. 

Allmählich wurde mir klar, daß ich tat- 
sächlich auf dem Weg ins Missionsgebiet 
war. Aber hatte ich wirklich ein Zeugnis? 
War ich bereit, „allzeit und in allem ... als 
Zeuge Gottes aufzutreten" (Mosia 18:9)? 

Ich war der Meinung, ich hätte ein Zeug- 
nis. Nun kam aber die wahre Prüfung mei- 
nes Glaubens. Ich war unterwegs nach 
Deutschland, konnte aber auf Deutsch gera- 
de „Volkswagen" und „auf Wiedersehen" 
sagen. 

Auf der Überfahrt erkannte ich, daß mein 
Zeugnis keine lodernde geistige Flamme 
war - vor allem nicht, was das Buch Mor- 
mon anging. Ich kniete auf dem kalten 
Eisenboden des hin und herschwankenden 



Schiffes nieder und betete mit Tränen in den 
Augen: „Lieber Vater, ich muß wissen, ob 
das Buch Mormon wahr ist. Ich habe es gele- 
sen. Ich glaube, daß ich es verstehe, bitte gib 
mir das Feuer, durch das ein Mensch erfah- 
ren kann, daß das Buch Mormon dein Wort 
ist. Vater, bitte hilf mir." 

Mitten auf dem einsamen, stürmischen 
Atlantik spürte ich den guten Geist und den 
„Frieden Gottes, der alles Verstehen über- 
steigt" (Philipper 4:7). Ich empfing das 
Zeugnis, daß das Buch Mormon das Wort 
Gottes ist - ein wunderbares Erlebnis, mei- 
ne Stunde der Bekehrung. 

Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie ein 
Zeugnis vom Buch Mormon haben, lesen 
Sie es doch, und beten Sie darüber. Warum 
gerade das Buch Mormon? Weil diese heilige 
Schrift Zeugnis gibt und einen bekehren 
kann. Joseph Smith hat gesagt, das Buch 
Mormon sei . . . der Schlußstein unserer Re- 
ligion, und wenn man sich an dessen Wei- 



sungen hielte, würde man dadurch näher zu 
Gott kommen als durch jedes andere Buch 
(Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 198). 

Wenn Sie erfahren haben, daß dieses 
Zeugnis von Christus wahr ist, wissen Sie 
auch, daß Joseph Smith der Prophet der 
Wiederherstellung und Präsident Benson 
heute der Prophet des Herrn ist. Das Buch 
Mormon wurde für unsere Zeit geschrieben, 
um uns zu überzeugen, daß „Jesus der Chri- 
stus ist" (Titelseite des Buches Mormon). 

Wenn Sie von Herzen nach einem tiefer- 
gehenden Zeugnis von Jesus Christus und 
seinem wiederhergestellten Evangelium 
verlangen, dann möchte ich Ihnen außer der 
Beschäftigung mit dem Buch Mormon vier 
Schritte vorschlagen, die Sie zur Bekehrung 
hinführen können, nämlich: 

1. Verlangen, 2. Werke, 3. Beten und 
4. Gottvertrauen. Ich möchte auch kurz dar- 
auf eingehen. 

Erstens das Verlangen: Oliver Cowdery 
wünschte sich ein festeres Zeugnis von den 
Platten, die das Buch Mormon enthielten. 
Der Herr sagte zu ihm: „Wenn du ein weite- 
res Zeugnis begehrst, dann denke an die 
Nacht zurück, da du im Herzen zu mir ge- 
schrien hast, du möchtest wissen, ob dieses 
hier wahr sei. Habe ich dir nicht in dieser 
Angelegenheit Frieden zugesprochen?" 
(LuB 6:22,23) Der Herr sagte ihm auch, daß 
ein Mensch zuerst das Verlangen oder den 
Wunsch haben muß. 

Alma sagt: „Wenn ihr nicht mehr tun 
könnt, als daß ihr den Wunsch habt zu glau- 




Elder F. Enzio Busche, von den Siebzigern und Präsident des Gebietes Nordamerika Nordost, rechts, 
mit seinem Zweiten Ratgeber Robert K. Dellenbach. 



DER STERN 



21 



ben, dann laßt diesen Wunsch in euch wir- 
ken." (Alma 32:27.) 

Zweitens die Werke: Oliver Cowdery tat et- 
was und beließ es nicht beim Denken. Auf 
meiner Überfahrt hatte ich das Buch Mor- 
mon eingehender studiert und darüber 
nachgedacht. Joseph Smith hatte über die 
Bibel nachgedacht und ging dann zum Be- 
ten in den Wald. Mose stieg auf den Berg Si- 
nai. Meine Urgroßmutter Nelson schiffte 
sich mit ihren Kindern in Dänemark ein, um 
bei den Mitgliedern in Utah zu sein. Gute 
Werke bringen eine göttliche Ernte. Der 
Herr sagt: „Lernt, daß derjenige, der die 
Werke der Rechtschaffenheit tut, seinen 
Lohn empfangen wird, nämlich Frieden in 
dieser Welt und ewiges Leben in der zukünf- 
tigen Welt." (LuB 59:23.) 

Drittens das Beten: „Der Seele Wunsch ist 
das Gebet." (Gesangbuch, Nr. 109.) 

Wenn wir aufrichtig zum Herrn beten und 
auf ihn vertrauen, werden wir seine sanfte 
Stimme hören. (Siehe Helaman 5:30.) Wir 
werden, wie Oliver Cowdery, Frieden ver- 
spüren und wissen, daß Gott unser Beten 
erhört hat. Diese Gewißheit kann zu einem 
lodernden Zeugnis werden. (Siehe Hela- 
man 5:45.) 

Als Alma die vier Söhne Mosias nach ihrer 



vierzehnjährigen Mission traf, freute er sich 
über ihre Erkenntnis von der Wahrheit. Er 
sagt: „Sie . . . hatten eifrig in der Schrift ge- 
forscht, ... sie hatten sich vielem Fasten und 
Beten hingegeben, . . . und ... so lehrten sie 
mit Gottes Kraft und Vollmacht." (Alma 
17:2,3.) 

„Fragt Gott, den ewigen Vater, im Namen 
Christi, ob es wahr ist", sagt Moroni, „und 
wenn ihr mit aufrichtigem . . . Herzen fragt, 
. . . wird er euch durch die Macht des Hei- 
ligen Geistes kundtun, daß es wahr ist." 
(Moroni 10:4.) Der Herr würde uns nicht 
auffordern, zu beten, wenn er nicht die Ab- 
sicht hätte, unser Beten zu erhören. Er gibt 
denen, die ihn suchen, ihren Lohn. (Siehe 
Hebräer 11:6.) 

Viertens „Mit ganzem Herzen vertrau auf 
den Herrn, bau nicht auf eigene Klugheit. " 
(Sprichwörter 3:5.) Wir können dem Herrn 
vertrauen. Er ist unser treuester Freund und 
hält immer sein Wort. „Darum zweifelt 
nicht, weil ihr nicht seht, denn ein Zeugnis 
empfangt ihr erst dann, wenn euer Glaube 
geprüft ist", ermahnt uns Moroni (Ether 
12:6). 

Ich bitte Sie: Vertrauen Sie dem Herrn! Bit- 
te lesen Sie das Buch Mormon, und stellen 
Sie sich dabei die Frage: „Hätte ein Mensch 



das schreiben können?" Fragen Sie dann 
den Herrn: „Ist das dein Wort?" 

Der Satan will Sie davon abhalten. Er wird 
versuchen, Sie zu täuschen und Sie in Ihrer 
Entschlossenheit zu schwächen. Fürchten 
Sie sich nicht. Wir haben den Satan schon 
einmal überwunden. Im vorirdischen 
Kampf haben wir ihn durch das Blut des 
Lammes und durch unser Wort und Zeugnis 
besiegt (siehe Offenbarung 12:11). Damals 
hatten wir ein festes Zeugnis, und heute 
können wir dem Satan widerstehen und es 
wieder erwecken. 

Das Buch Mormon ist der Richtungs- 
weiser unseres Zeugnisses. (Siehe Alma 
37:45.) Die Stimme aus dem Staube läßt uns 
wissen, daß Gott lebt, daß Jesus der Chri- 
stus ist und daß seine Kirche wiederherge- 
stellt ist. 

Wenn Sie auch nur im geringsten nach ei- 
nem festeren Zeugnis verlangen, dann voll- 
bringen Sie rechtschaffene Werke, vertrau- 
en Sie dem Herrn, beten Sie, und studieren 
Sie ernsthaft das Buch Mormon. Ich bezeu- 
ge: Es ist das Wort Gottes. Die eiserne Stan- 
ge markiert den Weg zu Ihrer Stunde der 
Bekehrung. Ich freue mich schon jetzt mit 
Ihnen auf dieses wunderbare Ereignis. Im 
Namen Jesu Christi. Amen. D 




JANUAR 1991 

22 



„Nicht mehr Fremde ohne 
Bürgerrecht 



.// 



Eider Harold G. Hillam 

von den Siebzigern 



„Was ist es doch für ein Segen, wenn man dazugehört und erwünscht 
ist und gebraucht wird! Das wird ganz besonders in den traurigen 
Stunden des Lebens deutlich. " 



zur Verfügung gestellten - schmucken La- 
ternenpfahl, an den man sich während der 
Arbeit lehnen konnte. 

Sorgfältig trug er zwei Schichten Schuh- 
creme auf und bürstete eine jede sofort nach 
dem Auftragen. Zum Schluß wandte er 
dann noch ein Spezialprodukt an, das den 
außerordentlichen Glanz bewirkte. Mit ei- 
nem letzten schnellen Wisch stand er auf, 
nahm die kleine portugiesische Kappe ab, 
verbeugte sich tief und sagte: „Pronto, Seus 
sapatos forum engrashados pelo o melhor engra- 
xate do mundo. " „Also, Ihre Schuhe sind vom 
besten Schuhputzer der Welt geputzt wor- 
den." Ich war durchaus davon überzeugt. 

Ein paar Monate nachdem ich meine Mis- 
sion beendet hatte, war ich als Regionalre- 
präsentant für Portugal berufen worden 
und konnte wieder einige Male nach Lissa- 
bon reisen. Wenn es sich so ergab, nahm ich 
die Dienste „des besten Schuhputzers der 
Welt" in Anspruch. 

Die letzten paar Male traf ich ihn aller- 
dings nicht mehr an seinem gewohnten 
Standplatz an. Schließlich fragte ich in den 
feinen Geschäften nach, die den Platz säum- 
ten. Die Antwort war immer die gleiche: 
„Wir wissen nicht, was mit ihm geschehen 
ist. Ich glaube, wir haben gehört, daß er ge- 
storben ist." Ich weiß noch, wie ich mir 
dachte: Kann denn der beste Schuhputzer 
der Welt sterben, und niemand weiß es oder 
schert sich einen Deut darum? War jemand 
bei ihm gewesen, oder war er einsam und al- 
lein aus dem Leben geschieden? 

Ich will diese Szene Bruder und Schwester 
Joaquim Aires gegenüberstellen, einem be- 
wundernswerten Ehepaar, das nach der 
1974er Revolution in den protugiesischen 
Kolonien Angola und Mosambik nach Portu- 
gal zurückgekehrt war - unbekannt und mit 
sehr wenig eigener Habe. Da kam in ihr Le- 
ben ein großer Segen. Sie öffneten zwei jun- 
gen Missionaren ihre Tür, und diese belehr- 
ten sie über die Wiederherstellung der Kirche 
Christi. Sie hörten den Missionaren zu, nah- 
men die Botschaft an und ließen sich taufen. 




Vf or einigen Jahren - ich war damals 
Missionspräsident in Portugal - 
machten mich einige Missionare mit 
ihrem Schuhputzer bekannt. Ihre Schuhe 
sahen gut aus, und so wollte ich gern den 
Mann kennenlernen, der auf Missionars- 
schuhe einen solchen Glanz zaubern konn- 
te. Es war ihm nichts daran gelegen, sich die 
Botschaft der Missionare anzuhören, aber 
ich betrachtete ihn doch als Freund, und wir 
unterhielten uns, während er sich meiner 
Schuhe annahm. Er erzählte mir, daß seine 
Frau gestorben war, daß er keine Kinder hat- 
te; seine einzige Freude im Leben bestand 
anscheinend nur noch darin, zu sehen, wie 
die Menschen, denen er die Schuhe geputzt 
hatte, zufrieden weggingen. 

Seinen Standplatz hatte er am Rande des 
Gehsteigs eines kleinen Platzes im Ge- 
schäftsviertel von Lissabon. Alle notwendi- 
gen Utensilien hatte er bei sich, nämlich den 
niedrigen dreibeinigen Hocker, auf dem er 
saß, und den fleckigen, abgenutzten Schuh- 
putzkasten, auf den man die Schuhe stellen 
mußte und worin er seine Cremes und Bür- 
sten aufbewahrte. Dann gab es da noch ei- 
nen - wohl von der Stadtverwaltung gütigst 



Wie jeder andere würdige Mann in der 
Kirche empfing auch er das Priestertum - 
die Vollmacht, im Namen des Vaters im 
Himmel zu amtieren - und bekam eine Füh- 
rungsaufgabe in der Kirche. Aus dem Bru- 
der Aires wurde der Präsident Aires, denn 
er präsidierte über einen Distrikt in der Mis- 
sion. 

Eines Tages erhielt ich einen Anruf. Präsi- 
dent Aires war ins Krankenhaus in Coimbra 
gebracht worden, ein paar Fahrstunden ent- 
fernt. Er hatte eine sehr ernste Gehirnblu- 
tung erlitten, und sein Zustand war kritisch. 
Ich machte mich mit einem zweiten Priester- 
tumsträger sofort auf den Weg. Als wir leise 
ins Krankenzimmer kamen, schlief er. Zu- 
erst wollte ich ihn nicht wecken, aber dann 
dachte ich mir, er werde wissen wollen, daß 
wir gekommen waren. So berührte ich ihn 
sachte an der Hand. Langsam öffnete er die 
Augen und sah mich einen Moment lang an . 
Tränen stiegen uns in die Augen. Er sagte 
mit schwacher Stimme: „Ich wußte, daß Sie 
kommen. Ich wußte, daß Sie kommen. Bitte 
geben Sie mir einen Segen." In seinem er- 
greifenden Glauben bat er um einen Prie- 
stertumssegen, wie er in der Bibel erwähnt 
ist. Wir lesen in Jakobus 5:14,15: „Ist einer 
von euch krank? Dann rufe er die Ältesten 
der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete 
über ihn sprechen und ihn im Namen des 
Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet 
wird den Kranken retten, und der Herr wird 
ihn aufrichten." 

Als Träger des Priestertums durften wir 
mit der Kraft und Vollmacht unseres himm- 
lischen Vaters einen Segen über ihn aus- 
sprechen. 

Wenn ich dann an den verschiedenen Or- 
ten Portugals mit den Mitgliedern zusam- 
menkam, war die ständige Frage: „Wie geht 
es Bruder Aires? Richten Sie ihm doch bitte 
aus, daß wir ihn lieben und für ihn beten." 

Dieser gute Mann und seine Frau, die als 
Unbekannte nach Portugal zurückgekehrt 
waren, hatten nun aufgrund ihrer Zugehö- 
rigkeit zur Kirche buchstäblich Tausende, 
die sie liebten und sich um sie sorgten und 
für sie beteten. 

Und diese gläubigen Gebete wurden er- 
hört. Er wurde wieder ganz gesund, und er 
ging dann mit seiner Frau auf Vollzeitmis- 
sion. 

Oft habe ich über den Gegensatz zwi- 
schen den beiden nachgedacht - zwischen 
meinem kleinen Schuhputzer einerseits, 
der wie so viele unbekannte Wanderer von 
hinnen gegangen war, ohne den Zweck des 
Lebens begriffen zu haben, und anderer- 
seits Bruder Aires, der nicht nur den eigent- 
lichen Sinn des Lebens erfahren konnte, 
sondern auch einer großen Gruppe ange- 
hörte, die ihm ihre Liebe und Wertschät- 
zung zu erkennen gab. 

Der Apostel Paulus schrieb an die Mitglie- 



DER STERN 



23 



der der Kirche - damals wie heute wurden 
sie Heilige genannt - und erinnerte die Neu- 
getauften daran, was für ein Segen es sei, 
der Kirche anzugehören; er sagte: „Ihr seid 
also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürger- 
recht, sondern Mitbürger der Heiligen und 
Hausgenossen Gottes. " (Epheser 2: 19.) Was 
ist es doch für ein Segen, wenn man dazuge- 
hört und erwünscht ist und gebraucht wird! 
Das wird ganz besonders in den traurigen 
Stunden des Lebens deutlich. 

Sie alle, die Sie noch keine Hausgenossen 
Gottes und keine Mitbürger der Heiligen 
sind, nehmen Sie doch die Einladung an, zu 
Christus zu kommen! Denn dann können 
wir alle, wie Alma es ausdrückt, „einer des 
anderen Last tragen" (siehe Mosia 18:8). 
Schließen Sie sich den Heiligen an, damit 
Sie nicht länger Fremde sind, allein und ein- 
sam in der Welt, sondern daß sich jemand 
Ihrer annimmt, daß man Sie liebt und 
schätzt. 

Und Sie alle, die Sie der Kirche angehö- 
ren, darf ich kurz mit Ihnen zu Rate gehen? 
Gibt es in Ihrem Bekanntenkreis irgend je- 
manden wie unseren kleinen Schuhputzer, 
der einsam ist, allein in dieser riesigen Men- 
schenmenge, der ihre besondere Liebe und 
Sorge und Betreuung braucht? Können Sie 
sich die Zeit nehmen und so jemanden wis- 
sen lassen, wie sehr Sie ihn lieben? 

Mögen wir als Mitglieder der Kirche wirk- 
lich unser Teil dazu beitragen, daß die Kir- 
che zu einer willkommenen Zuflucht für alle 
Kinder unseres himmlischen Vaters wird. 
Darum bete ich im Namen des Herrn und Er- 
retters, Jesus Christus. Amen. D 




Der Wert des Zeugnisses 




Eider Helvecio Martins 

von den Siebzigern 



„Ein Zeugnis ist nicht wie eine Arbeit, die man ausführt 

und abschließt. In Wirklichkeit ist es ein ständiger Vorgang der 

Entfaltung. " 



unserer weltlichen Gewohnheiten zuwege. 

Achtungsvoll und andächtig besuchten 
wir die Versammlungen und Aktivitäten, 
aber wir schoben die Taufe hinaus, weil wir 
die negative Reaktion unserer weitläufigen 
Familie fürchteten. 

Der weitere Verlauf der Dinge zeigte, wie 
sehr es uns an Weisheit mangelte, und wir 
kehrten um. Der Distrikt Rio de Janeiro kam 
im Gemeindehaus von Tijuca zu seiner 
vierteljährlichen Konferenz zusammen. 
Von den ersten Akkorden des Orgelvor- 
spiels an war der Saal von einem starken 
Geist erfüllt. 

Die inspirierten Worte vom Sprecherpult 
machten uns das Herz für ein unvergeßli- 
ches Erlebnis bereit. Präsident George A. 
Oakes von der Mission Brasilien-Nord, der 
in der Versammlung den Vorsitz hatte, stell- 
te Bruder Val Carter, seinen Ratgeber, vor. 

Nachdem Präsident Carter einige ausge- 
wählte Schriftstellen zitiert hatte, forderte er 
die Männer auf, aufzustehen und „Ich 
brauch' dich allezeit" zu singen. Dann legte 
er Zeugnis von der Mission unseres Herrn 
Jesus Christus ab und erklärte, daß er, was 
seine Errettung und Erhöhung betraf, völlig 
auf Christus angewiesen sei. 

Dieses Erlebnis berührte mich zutiefst im 
Herzen und in meinem ganzen Wesen. Ich 
konnte meine Gefühle nicht länger beherr- 
schen. Nie hatte ich gedacht, daß ich weinen 
könnte, aber die Tränen waren etwas sehr 
Wirkliches. In dem Augenblick bestätigte 
der Geist, daß das, was wir schon wußten, 
tatsächlich wahr sei: Die Kirche Jesu Christi 
der Heiligen der Letzten Tage ist das Reich 
des Herrn auf der Erde, der Weg zurück in 
die celestiale Wohnung unseres ewigen Va- 
ters. 

In dem Moment geschah ein Wunder, 
und unsere Befürchtungen wegen der Taufe 
schwanden. Am 2. Juli 1972 kamen meine 
Frau und ich und unser ältester Sohn, 
Marcus, durch das Tor der Taufe zur 
Herde. 

Weil wir den Gesetzen des Evangeliums 
gehorchten und fasteten und dienten, seg- 
nete der himmlische Vater uns mit der Kraft, 
die Ängste zu überwinden und die Heraus- 



B rüder und Schwestern, alles hat damit 
angefangen, daß eines schönen 
Abends im April 1972 die Missionare 
Thomas Mclntire und Steve Richards an 
meine Tür klopften. Ich suchte damals die 
Antwort auf viele Fragen, die mich verwirr- 
ten und beunruhigten. Die Prinzipien, die 
ich an jenem Abend lernte, enthielten die 
Antworten, nach der meine Frau und ich so 
begierig gesucht hatten. 

Die Botschaft von der Wiederherstel- 
lung des Evangeliums erfreute uns das 
Herz. Aber etwas machte auf uns einen ganz 
besonderen Eindruck: wie mächtig das 
Zeugnis der beiden Vertreter des Herrn 
war. Wir wurden von einem wunderbaren 
Gefühl durchdrungen, das wir nie zuvor 
verspürt hatten. Es bestätigte uns die Wahr- 
heit der Botschaft. Bei unserem ersten 
Besuch in der Kirche machten wir eine sehr 
erbauliche Erfahrung, weil der Geist des 
Herrn anwesend war und weil uns die 
Versammelten soviel Liebe entgegenbrach- 
ten. Der Geist der Ansprachen und Zeug- 
nisse bestätigte uns deutlich, daß wir die 
wahre Kirche gefunden hatten. Die Hilfe, 
die uns die Missionare gaben, die erfolgrei- 
chen Bemühungen der Mitglieder um unse- 
re Eingliederung und unser gemeinsames 
Beten und Fasten brachten eine Änderung 



JANUAR 1991 



24: 




Eider Helvecio Martins, von den Siebzigern und 
Mitglied der Gebietspräsidentschaft Brasilien, mit 
seiner Frau und Konferenzbesuchern. 

forderungen und gelegentlichen Widerwär- 
tigkeiten zu bestehen. 

Aus meiner ausgedehnten Familie hat nur 
eine meiner Schwestern, nämlich Yvette, 
das wiederhergestellte Evangelium ange- 
nommen und sich taufen lassen. Dennoch 
zollt auch die übrige Familie der Kirche hohe 
Achtung. Dasselbe Wunder ereignete sich 
auch in unserem gesellschaftlichen und be- 
ruflichen Bereich - Vorurteil und Mißver- 
ständnis flauten schließlich ab, und einige 
unserer besten Freunde nahmen die Taufe 
an. 

Welchem Umstand müssen wir solche 
Wunder zuschreiben? Der Kraft und Macht 
des Zeugnisses der getreuen Heiligen, auf 
die ich damals angewiesen war. Dieser Ein- 
fluß weckte meinen Verstand und meinen 
Geist und bereitete mich im Kopf und im 
Herzen darauf vor, vom Heiligen Geist eine 
völlige Bestätigung zu erhalten. 

Aber ein Zeugnis ist nicht wie eine Arbeit, 
die man ausführt und abschließt. In Wirk- 
lichkeit ist es ein ständiger Vorgang der Ent- 
faltung. Will man geistig überleben, so 
kommt es darauf an, daß man sein Zeugnis 
nährt und festigt. 

John Taylor, damals ein neuberufener 
Ältester der Kirche, kam nach Kirtland, als 
dort die heftigen Stürme des Abfalls tobten. 
Parley P. Pratt meldete ihm die Gerüchte, 
die gegen Joseph Smith ausgestreut wur- 
den. John Taylor antwortete: 

„Die Prinzipien, die du mich gelehrt hast, 
haben mich zu [Joseph] geführt, und nun 
habe ich das gleiche Zeugnis, das du damals 
auch hattest. Wenn das Werk vor sechs 
Monaten wahr war, dann ist es auch heute 
wahr; wenn Joseph Smith damals ein Pro- 
phet war, so ist er auch heute ein Prophet." 



(B.H. Roberts, The Life of John Taylor, Seite 
39f.) 

Auf dieselbe Weise waren Ammon und 
seine Brüder „in der Erkenntnis der Wahr- 
heit stark geworden, denn sie waren Män- 
ner mit gesundem Verständnis und hatten 
eifrig in der Schrift geforscht, um das Wort 
Gottes zu kennen. 

Aber das war nicht alles; sie hatten sich 
vielem Fasten und Beten hingegeben." 
(Alma 17:2,3.) 

Ein Zeugnis darf nicht verborgen bleiben; 
man muß es mitteilen. (Siehe LuB 62:3; 
84:61.) 

In einer bemerkenswerten Ansprache auf 
der Aprilkonferenz 1973 sagte Präsident 
Lee: 

„Denn die Kraft der Kirche liegt weder in 
der Anzahl der Mitglieder noch in der Men- 
ge des Zehnten und der Spenden, die die 
treuen Mitglieder entrichten, auch nicht in 
der Größe der Gemeindehäuser und Tem- 
pel, sondern darin, daß im Herzen der treu- 
en Mitglieder die Überzeugung vorhanden 
ist, daß dies wirklich die Kirche und das 
Reich Gottes auf der Erde ist." 

Brüder und Schwestern, sicherlich haben 
Sie eine Vorstellung davon, wie lange meine 
Reise nach hier gedauert hat. Wissen Sie 



aber auch, was mich hierhergeführt hat? Ich 
will Ihnen rasch die Antwort geben: mein 
Zeugnis! 

Das ist eine besondere Gabe, die der 
himmlische Vater durch den Heiligen Geist 
all denen zukommen läßt, die nach der 
Wahrheit suchen. (Siehe Moroni 10:4,5.) Es 
ist ein weiser Schritt, ein Zeugnis von der 
Wahrheit zu erlangen und zu festigen, denn 
es hilft uns nicht nur, die Herausforderun- 
gen des Tages zu bewältigen, sondern es öff- 
net uns auch die Augen, den Verstand und 
das Herz für all das Große und Wunderbare, 
das unser himmlischer Vater geschaffen hat, 
damit wir wachsen und ewiges Glück erlan- 
gen können. 

Ich weiß, daß Gott lebt. Auch Jesus Chri- 
stus, unser Erretter und Erlöser, lebt, und 
wir sind, was unsere Errettung und Erhö- 
hung betrifft, auf ihn angewiesen. 

Joseph Smith war tatsächlich der entschei- 
dende Prophet für die Wiederherstellung in 
unserer Evangeliumszeit. Der Herr spricht 
auch heute durch unseren Propheten, Präsi- 
dent Ezra Taft Benson, den wir lieben und 
dem wir folgen. Das Buch Mormon enthält 
die Fülle des Evangeliums. 

Dieses Zeugnis gebe ich Ihnen von ganzem 
Herzen im Namen Jesu Christi. Amen. D 




Eider Joe J. Christensen, rechts, Präsident des Gebietes Brasilien, und sein Erster Ratgeber, 
Eider Hamid G. Hillam. 



DER STERN 

25 



Was ist Wahrheit? 



Eider Lynn A. Mickelsen 

von den Siebzigern 



„Wir müssen die Wahrheit wissen wollen; und dieses Verlangen 
zeigen wir dadurch, daß wir bitten, suchen und anklopfen. Er hat uns 
ausdrücklich verheißen, daß er uns hilft, die Wahrheit zu finden. " 



empfängt - empfängt er sie durch den Geist 
der Wahrheit oder auf eine andere Weise? 

Wenn es auf eine andere Weise geschieht, 
ist es nicht von Gott." (LuB 50:19,20.) 

Wenn wir die Wahrheit nicht durch seinen 
Geist empfangen, so ist es nicht sein Wort. 
In einer Offenbarung aus unserer Zeit 
spricht er harte Worte gegen diejenigen, die 
sich auf die falsche Seite stellen: 

„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Der Sa- 
tan hat große Gewalt über ihr Herz; er sta- 
chelt sie zum Übeltun auf gegen das, was 
gut ist. . . . 

Sie lieben die Finsternis, nicht aber das 
Licht; . . . darum wollen sie mich nicht bit- 
ten." (LuB 10:20,21.) 

Vor einigen Monaten kam ein Freund zu 
mir und gab vor, er habe ein paar Fragen 
über die Kirche und brauche Hilfe für die 
Antwort. Er sagte, er habe herausgefunden, 
daß das Buch Mormon nicht das Wort Got- 
tes sei und daß Joseph Smith kein Prophet 
Gottes gewesen sei. Dann ging er dazu über, 
aus Artikeln und Büchern zu zitieren, die 
von Feinden der Kirche geschrieben worden 
waren. Als er die Quellen aufzählte, sagte 
ich, daß auch ich sie und noch andere gele- 
sen hätte und sie hätten dazu beigetragen, 
daß ich nur noch fester an das Buch Mormon 
und den Propheten Joseph Smith glaubte. 
Er war überrascht, daß ich dasselbe wie er 
gelesen hatte und doch nicht dasselbe 
glaubte wie er. Ich schlug vor, er solle sich 
wenigstens ebenso lang mit der richtigen 
Seite der Streitfrage befassen, aber er war ja 
mit einer Aussage gekommen, nicht mit ei- 
ner Frage. Sein Entschluß stand fest. Er 
wollte es gar nicht wissen. Er hatte sein Herz 
verschlossen. Ich dachte an die Israeliten 
und wie sie sich dem Herrn gegenüber ver- 
hielten, nachdem er sie aus der Knecht- 
schaft geführt hatte: „Und obwohl sie ge- 
führt wurden - denn der Herr, ihr Gott, ihr 
Erlöser, ging vor ihnen her und führte sie 
des Tags und gab ihnen Licht des Nachts 
und tat für sie alles, was ratsam ist, daß die 
Menschen es empfangen -, verhärteten sie 
ihr Herz und verblendeten ihren Sinn, so 
daß sie Mose und den wahren, lebendigen 
Gott schmähten." (1 Nephi 17:30.) 




W r as ist Wahrheit? Diese tiefschür- 
fende Frage stellte der römische 
Statthalter Pilatus, als der ange- 
klagte Erretter vor ihn geführt wurde und zu 
ihm sagte: „Ich bin . . . dazu in die Welt ge- 
kommen, daß ich für die Wahrheit Zeugnis 
ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört 
auf meine Stimme. " (Johannes 18:37.) In der 
neuzeitlichen Offenbarung erklärte er: 
„Wahrheit ist die Kenntnis von etwas, wie es 
ist und wie es war und wie es künftig sein 
wird; und was auch immer mehr oder weni- 
ger ist als dies, ist der Geist jenes Schlech- 
ten, der ein Lügner ist von Anfang an. " (LuB 
93:24,25.) 

Wie können wir die Wahrheit wissen? Die 
ersten Mitglieder der Kirche brachten viele 
Sitten und Bräuche und Überlieferungen 
aus ihrem vorigen Glauben mit. Nicht alle 
diese Bräuche entsprachen dem Willen des 
Herrn. In einer Offenbarung im Mai 1831 er- 
läuterte er den Ältesten der Kirche, wie sie 
erkennen und entscheiden konnten, welche 
von den Bräuchen annehmbar seien. Er be- 
leuchtete beide Seiten dieser Kernfrage: das 
Lehren und ebenso das Empfangen. Wir 
müssen nicht nur durch den Geist lehren, 
wir müssen auch durch den Geist emp- 
fangen. 

„Und weiter: Wenn jemand die Wahrheit 



Des Herrn Verheißung in bezug auf sein 
Wort und sein Werk ist ganz klar: „Wer be- 
reit ist, den Willen Gottes zu tun, wird er- 
kennen, ob diese Lehre von Gott stammt." 
(Johannes 7:17.) Das war seine ständige Ent- 
gegnung, wenn jemand ihn ablehnte. 

Zu den Pharisäern und Sadduzäern sagte 
er, sie suchten zwar an der richtigen Stelle, 
aber mit der falschen Absicht: „Ihr erforscht 
die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das 
ewige Leben zu haben; gerade sie legen 
Zeugnis über mich ab. Und doch wollt ihr 
nicht zu mir kommen, um das Leben zu ha- 
ben." (Johannes 5:39,40.) Sie hatten offen- 
sichtlich das Wort, das von ihm Zeugnis gab, 
sehr sorgfältig durchgearbeitet, ihn aber 
doch nicht gefunden. Ihre Voreingenom- 
menheit ließ nicht zu, daß der Geist sie 
führte. 

Heute ist es genauso: wir müssen die rich- 
tigen Fragen stellen, an der richtigen Stelle 
suchen und an der richtigen Tür anklopfen. 
Das ist manchmal schwierig. Nikodemus 
mußte bei Nacht zum Erretter kommen, weil 
seine Stellung im Gemeinwesen und in sei- 
ner Glaubensgemeinschaft arg gefährdet 
gewesen wäre, wenn seine Zeitgenossen ge- 
wußt hätten, daß er an der richtigen Stelle 
suchte. (Siehe Johannes 3:1-21.) 

König Lamoni stellte Ammon die richti- 
gen Fragen: „Wer bist du? Wie weißt du das 
alles? Wo ist Gott? Bist du von ihm ge- 
sandt?" Darauf legte Ammon ihm den Plan 
der Errettung dar, und so konnte er Erkennt- 
nis gewinnen, weil er seinen Sinn für das 
Verstehen und sein Herz für den Geist öff- 
nete. (Siehe Alma 18:18-40.) 

In seiner großen Rede an die Zoramiten 
sagte der Prophet Alma: „Aber siehe, wenn 
ihr eure Geisteskraft weckt und aufrüttelt, 
nämlich um mit meinen Worten einen Ver- 
such zu machen, und zu einem kleinen Teil 
Glauben ausübt, ja, wenn ihr nicht mehr tun 
könnt, als daß ihr den Wunsch habt zu glau- 
ben, dann laßt diesen Wunsch in euch wir- 
ken, ja, bis ihr auf eine Weise glaubt, daß ihr 
einem Teil meiner Worte Raum geben 
könnt." (Alma 32:27.) Er erklärte ihnen, daß 
man dem Geist die Tür öffnet, indem man 
einfach den Wunsch hat, zu glauben. 
Wir müssen die Wahrheit wissen wollen; 
und dieses Verlangen zeigen wir dadurch, 
daß wir bitten, suchen und anklopfen. Er 
hat uns ausdrücklich verheißen, daß er ant- 
wortet, öffnet und uns hilft, die Wahrheit zu 
finden. 

Wir müssen Herz und Sinn mit dem auf- 
richtigen Wunsch bereitmachen, die Wahr- 
heit zu erkennen. König Benjamin hat ge- 
lehrt: „Meine Brüder, ihr alle, die ihr euch 
versammelt habt, um meine Worte zu ver- 
nehmen, die ich heute zu euch sprechen will 
- denn ich habe euch nicht geboten, hier her- 
aufzukommen, um mit den Worten, die ich 
sprechen werde, leichtfertig umzugehen, 



JANUAR 1991 



26 



sondern daß ihr auf mich hört und eure Oh- 
ren öffnet, damit ihr hört, und euer Herz, 
damit ihr versteht, und euren Sinn, damit 
sich die Geheimnisse Gottes vor eurem Blick 
entfalten." (Mosia 2:9; Hervorhebung hin- 
zugefügt.) 

Am Pfingsttag, als Petrus und Johannes 
offenbar mit großer Macht und durch den 
Geist redeten, traf es die Menschen mitten 
ins Herz, und sie fragten: „Was sollen wir 
tun, Brüder?" (Apostelgeschichte 2:37.) 
Wenn wir die Wahrheit erlangen wollen, 
müssen wir dasselbe tun. Das ist unsere 
Aufgabe - zu bitten und zu suchen. 

Bei der Suche nach der Wahrheit müssen 
wir uns immer Mormons Aussage vor Au- 
gen halten: „Darum kommt alles, was gut 
ist, von Gott; und das, was böse ist, kommt 
vom Teufel . " (Moroni 7: 12. ) Dann rät er uns, 
bei der Entscheidung sehr sorgfältig vorzu- 
gehen, und er zeigt uns eine gute Methode 
dafür: 

„Denn siehe, meine Brüder, es ist euch ge- 
geben zu urteilen, damit ihr Gut von Böse 
unterscheiden könnt; und wie man urteilen 
soll - so daß man mit vollkommenem Wis- 
sen wissen kann -, das ist so klar wie das Ta- 
geslicht gegenüber der finsteren Nacht. 

Denn siehe, jedem Menschen ist der Geist 
Christi gegeben, damit er Gut und Böse un- 
terscheiden könne; darum zeige ich euch, 
wie ihr urteilen sollt; denn alles, was ein- 
lädt, Gutes zu tun, und dazu bewegt, daß 
man an Christus glaubt, geht von der Macht 
und Gabe Christi aus; darum könnt ihr mit 
vollkommenem Wissen wissen, daß es von 
Gott ist." (Moroni 7:15,16.) 

Welch ein Segen ist es doch, daß der Pro- 
phetjoseph Smith die richtigen Fragen stell- 
te - am rechten Ort und mit der rechten Ab- 
sicht. Als er und Sidney Rigdon über den 
Zustand des Menschen nach dem Erdenle- 
ben nachdachten, berührte der Herr die Au- 
gen ihres Verständnisses, und es eröffnete 
sich ihnen eine Vision vom Reich Gottes. In 
der Aufzeichnung über diese Vision schreibt 
Joseph Smith: 

„Und nun, nach den vielen Zeugnissen, 
die von ihm gegeben worden sind, ist dies, 
als letztes von allen, das Zeugnis, das wir ge- 
ben, nämlich: Er lebt! 

Denn wir haben ihn gesehen, ja, zur rech- 
ten Hand Gottes; und wir haben die Stimme 
Zeugnis geben hören, daß er der Einzigge- 
zeugte des Vaters ist, 

daß von ihm und durch ihn und aus ihm 
die Welten sind und erschaffen worden sind 
und daß ihre Bewohner für Gott gezeugte 
Söhne und Töchter sind." (LuB 76:22-24.) 

Ja, für mich ist das so klar wie der Tag ge- 
genüber der Nacht. Dieses Zeugnis über 
den Erretter ist wahr. Ich habe seine Stimme 
gehört, als ich sein Wort in den heiligen 
Schriften der Propheten im Buch Mormon 
gelesen und mich über das zusätzliche Licht 




Der Salt-Lake-Tempel und das Bürogebäude der Kirche. 

und die größere Erkenntnis gefreut habe, 
die den Propheten unserer Zeit gewährt 
worden ist. Ich füge mein Zeugnis dem ih- 
ren an: Er lebt. Ich weiß, daß er lebt. Dies ist 
seine Kirche. Mögen wir alle an der richtigen 



Stelle suchen und die richtigen Fragen stel- 
len und auf diese Weise durch den Geist zur 
Erkenntnis der Wahrheit geführt werden - 
das erbitte ich im Namen Jesu Christi. 
Amen. D 



DER STERN 



27 



Zeugen Christi 

Eider Daliin H. Oaks 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 




„Denen, die dem Herrn Jesus Christus ergeben sind, sage ich: 
Noch nie war es so notwendig, daß wir unseren Glauben bekennen 
privat und in der Öffentlichkeit. " 



ben dann ihrer Umgebung Zeugnis vom Va- 
ter und vom Sohn. 

Der Prophet Nephi bezeichnet die Verord- 
nung der Taufe als Gelegenheit, dem Vater 
zu bezeugen, daß man willens ist, den Na- 
men Christi auf sich zu nehmen (siehe 2 Ne- 
phi 31:13). Gleichermaßen sagt auch der 
Herr ausdrücklich, diejenigen, die in unse- 
rer Evangeliumszeit getauft zu werden 
wünschen, sollten „mit reuigem Herzen 
und zerknirschtem Geist vortreten und vor 
der Kirche bezeugen, daß sie ... willens 
sind, den Namen Jesu Christi auf sich zu 
nehmen" (LuB 20:37; siehe auch Moroni 
6:3). Wir erneuern dieses Versprechen, 
wenn wir das Abendmahl nehmen (siehe 
LuB 20:77; Moroni 4:3). 

Außerdem geben wir Zeugnis von Chri- 
stus, weil wir Mitglieder der Kirche sind, die 
seinen Namen trägt (siehe 3 Nephi 27 : 7; LuB 
115:4). 

Es ist uns geboten, zum Vater zu beten, 
und zwar im Namen seines Sohnes, Jesus 
Christus (siehe 3 Nephi 18:19,21,23; Mose 
5:8), und „alles ... im Namen Christi" zu 
tun (LuB 46:31). 

Wenn wir diese Gebote befolgen, sind wir 
aufgrund der Taufe, der Mitgliedschaft in 
der Kirche, der Teilnahme am Abendmahl, 
unserer Gebete und anderer Handlungen in 
seinem Namen Zeugen Jesu Christi. 

Unsere Verpflichtung, Zeugen Jesu Chri- 
sti zu sein, erfordert aber noch mehr, und 
ich fürchte, einige von uns lassen es daran 
fehlen. Als Heilige der Letzten Tage können 
wir so sehr von unseren eigenen Belangen in 
Anspruch genommen sein, daß wir verges- 
sen, von Christus Zeugnis zu geben. 

Ich zitiere aus einem Brief, den ich von ei- 
nem Mitglied in den Vereinigten Staaten er- 
halten habe. Er schildert, was er in seiner 
Fast- und Zeugnisversammlung erlebt hat: 

„Ich saß da und hörte siebzehn Zeugnis- 
se, aber nicht einmal wurde Jesus erwähnt 
oder wurde sonstwie Bezug auf ihn genom- 
men. Ich hatte schon das Gefühl, ich sei in 
[einer anderen Glaubensgemeinschaft], 
aber das denn dann doch nicht, weil ja auch 
Gott unerwähnt blieb. . . . 



VT or ein paar Monaten erhielt ich einen 
Brief, worin ein Mitglied eine unge- 
wöhnliche Frage stellte: „Habe ich das 
Recht, vom Erretter Zeugnis zu geben? Oder 
steht das allein den Zwölf Aposteln zu?" Als 
Antwort will ich Ihnen ein paar Gedanken 
mitteilen, warum ein jedes Mitglied dieser 
Kirche von Jesus Christus Zeugnis ablegen 
soll. 

Am Anfang hat Gott Adam geboten: 
„Darum sollst du alles, was du tust, im Na- 
men des Sohnes tun, und du sollst Umkehr 
üben und Gott im Namen des Sohnes anru- 
fen immerdar." (Mose 5:8.) Dann fiel „der 
Heilige Geist, der Zeugnis gibt vom Vater 
und vom Sohn, " auf Adam und Eva, und sie 
„priesen den Namen Gottes und taten ihren 
Söhnen und Töchtern alles kund" (Mose 
5:9,12). 

Später schildert Henoch, wie Gott Adam 
belehrte, nämlich daß er umkehren und sich 
im Namen Jesu Christi taufen lassen müsse, 
dessen Sühnopfer die Vergebung der Sün- 
den ermögliche, und daß er darüber auch 
seine Kinder unterweisen müsse (siehe 
Mose 6:52-59). 

Und so gaben unsere ersten Eltern uns das 
Beispiel, dem wir folgen sollen: sie empfin- 
gen vom Heiligen Geist das Zeugnis und ga- 



Am darauffolgenden Sonntag war ich 
wieder in der Kirche. Ich saß im Priester- 
tumsunterricht, in der Evangeliumslehre- 
klasse, hörte sieben Sprechern in der 
Abendmahlsversammlung zu - und hörte 
nicht einmal den Namen Jesu oder daß er 
irgendwie erwähnt wurde." 

Vielleicht übertreibt diese Schilderung, si- 
cher ist sie außergewöhnlich. Ich zitiere sie, 
weil sie uns alle so lebhaft an etwas erinnert. 

Auf die Frage: „Was sind die wesentlichen 
Grundsätze Ihrer Religion?" antwortete der 
Prophet Joseph Smith: „Die wesentlichen 
Grundsätze unserer Religion sind das Zeug- 
nis der Apostel und Propheten über Jesus 
Christus, daß er gestorben ist, begraben 
wurde und am dritten Tage wieder aufer- 
standen und dann in den Himmel aufgefah- 
ren ist; und alles andere, was mit unserer 
Religion zu tun hat, ist nur eine Zugabe da- 
zu." {Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 
124.) 

Als Alma an den Wassern Mormon zu ei- 
ner Gruppe zukünftiger Mitglieder sprach, 
unterwies er sie in den Obliegenheiten de- 
rer, die den Wunsch haben, „in die Herde 
Gottes zu kommen und sein Volk genannt 
zu werden" (Mosia 18:8). Eines, was ihnen 
oblag, war, allzeit und in allem und überall, 
wo auch immer, als Zeugen Gottes aufzutre- 
ten, ja, selbst bis in den Tod (siehe Mosia 
18:9). 

Wie aber wird man als Mitglied ein Zeuge? 
Die ursprünglichen Apostel waren Augen- 
zeugen des Wirkens und der Auferstehung 
des Erretters (siehe Apostelgeschichte 
10:39-41). Er sagte zu ihnen: „Ihr werdet 
meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz 
Judäa und Samarien und bis an die Grenzen 
der Erde." (Apostelgeschichte 1:8; siehe 
auch 10:42,43.) Sie sollten sich aber vorse- 
hen, denn sie sollten erst Zeugen sein, nach- 
dem sie den Heiligen Geist empfangen hät- 
ten. (Siehe Apostelgeschichte 1:8 und Lukas 
24:49.) 

Augenzeuge zu sein war nicht genug. 
Selbst das Zeugnis der ursprünglichen 
Apostel mußte im Zeugnis des Heiligen Gei- 
stes wurzeln. Ein Prophet sagt uns, daß das 
Zeugnis des Heiligen Geistes bedeutsamer 
ist als „das Erscheinen eines Engels" 
(Joseph Fielding Smith, Lehren der Erlösung, 
1:52). Aus der Bibel erfahren wir folgendes: 
Wenn wir aufgrund eines solchen Zeugnis- 
ses etwas bezeugen, dann trägt es der Hei- 
lige Geist den Zuhörern ins Herz. (Siehe 
Apostelgeschichte 2 und 10:44-47.) 

Als Petrus und die anderen Apostel der 
Behörde vorgeführt wurden, bezeugte er Je- 
sus Christus „als Herrscher und Retter, . . . 
um Israel die Umkehr und Vergebung der 
Sünden zu schenken" (Apostelgeschichte 
5:31). Dann fügte Petrus noch hinzu: „Zeu- 
gen dieser Ereignisse sind wir und der Heili- 
ge Geist, den Gott allen verliehen hat, die 



JANUAR 1991 



28 



ihm gehorchen." (Vers 32.) Der Heilige 
Geist hat die Aufgabe, vom Vater und vom 
Sohn Zeugnis zu geben (siehe 2 Nephi 
31:18; 3 Nephi 28:11; LuB 20:27). Infolgedes- 
sen ist jeder, der das Zeugnis des Heiligen 
Geistes empfangen hat, verpflichtet, ande- 
ren dieses Zeugnis mitzuteilen. 

Die Apostel sind dazu berufen und ordi- 
niert, besondere Zeugen des Namens Chri- 
sti in aller Welt zu sein (siehe LuB 107:23), 
aber die Verpflichtung, allzeit und überall 
von Jesus Christus Zeugnis abzulegen, gilt 
für jedes Mitglied der Kirche, das das Zeug- 
nis des Heiligen Geistes erhalten hat. 

Bei Lukas finden sich dafür zwei Beispiele . 
In Befolgung des mosaischen Gesetzes 
brachten Josef und Maria das Jesuskind an 
seinem vierzigsten Lebenstag nach Jerusa- 
lem zum Tempel, um es dem Herrn zu wei- 
hen. Dort empfingen zwei betagte Tempel- 
arbeiter ein Zeugnis seiner Identität und ga- 
ben davon Zeugnis. Simeon, dem vom Hei- 
ligen Geist offenbart worden war, er werde 
den Tod nicht schauen, ehe er den Messias 
gesehen habe, nahm das Kind in seine Arme 
und gab von dessen göttlicher Mission 
Zeugnis (siehe Lukas 2:25-35). Hanna, die in 
der Schrift eine „Prophetin" genannt wird 
(Lukas 2:36), erkannte den Messias und 
„sprach über das Kind zu allen, die auf die 
Erlösung Jerusalems warteten" (Lukas 
2:38). 

Hanna und Simeon waren Augenzeugen 
des Kindes, aber - wie es auch bei den Apo- 
steln der Fall ist - ihre Erkenntnis von seiner 
göttlichen Mission wurde ihnen durch den 
Heiligen Geist bezeugt. „Das Zeugnis Jesu 
ist der G eist prophetischer Rede . " (Offenba- 
rung 19:10.) Deshalb können wir mit Recht 
sagen: Nachdem die beiden dieses Zeugnis 
empfangen hatten, war Simeon ein Prophet 
und Hanna eine Prophetin. Sie beide kamen 
dann ihrer Verpflichtung nach, den Um- 
stehenden Zeugnis zu geben. Wie Petrus es 
ausdrückt: „Von [Christus] bezeugen alle 
Propheten." (Apostelgeschichte 10:43.) Das 
war es, was Mose meinte, als er den Wunsch 
äußerte: „Wenn nur das ganze Volk des 
Herrn zu Propheten würde, wenn nur der 
Herr seinen Geist auf sie alle legte!" 
(Numeri 11:29.) 

In der Schrift werden weitere Anlässe be- 
schrieben, wo gewöhnliche Mitglieder - 
Männer und Frauen - von Christus Zeugnis 
gaben. Das Buch Mormon erzählt von König 
Lamoni und seiner Königin, die ihren Erret- 
ter bezeugten (siehe Alma 19). Die Bibel 
schildert, wie das Zeugnis des Heiligen Gei- 
stes auf die Verwandten und Freunde des 
Kornelius fiel, die man nachher „Gott prei- 
sen" hörte (siehe Apostelgeschichte 
10:24,46). 

Unsere aus der Schrift abgeleitete Ver- 
pflichtung, den Erretter zu bezeugen und 
Zeugnis zu geben, daß er Gottes Sohn ist, 




Zwei ehemalige Präsidenten der Brigham-Young-Universität, Eider Dallin H. Oaks vom Kollegium 
der Zwölf, links, und Eider Jeffrey R. Holland von den Siebzigern, rechts, zusammen mit Rex E. Lee, 
dem amtierenden Präsidenten der Brigham-Young-Universität. 



wird von den Propheten unserer Zeit bestä- 
tigt. Wir hören, daß die Gebote gegeben 
werden und das Evangelium verkündigt 
wird, „auf daß jedermann im Namen Got- 
tes, des Herrn, ja, des Erretters der Welt, 
sprechen könne" (LuB 1:20). 

Geistige Gaben kommen durch die Macht 
des Heiligen Geistes, damit alle Getreuen 
davon Nutzen hätten. Eine dieser Gaben be- 
steht darin, „zu wissen, daß Jesus Christus 
der Sohn Gottes ist und daß er für die Sün- 
den der Welt gekreuzigt worden ist" (LuB 
46:13). Wer diese Gabe empfängt, ist ver- 
pflichtet, davon Zeugnis zu geben. Uns ist 
das klar, denn unmittelbar nach der Be- 
schreibung der Gabe - nämlich des Wis- 
sens, daß Jesus Christus der Sohn Gottes ist 
- sagt der Herr: „Anderen ist es gegeben, 
daß sie ihren Worten glauben, damit auch 
sie ewiges Leben haben können, wenn sie 
glaubenstreu bleiben." (LuB 46:14; siehe 
auch 3 Nephi 19:28.) Wer die Gabe des Wis- 
sens hat, muß denen, die die Gabe des Glau- 
bens haben, Zeugnis geben, damit auch sie 
davon Nutzen haben. 

Zu einigen der ersten Missionare in unse- 
rer Evangeliumszeit hat der Herr gesagt: 
„Aber an einigen habe ich kein Wohlgefal- 
len; denn sie wollen den Mund nicht auf tun; 
sondern aus Menschenfurcht verbergen sie 
das Talent, das ich ihnen gegeben habe. Weh 
ihnen, denn mein Zorn ist gegen sie ent- 
flammt." (LuB 60:2.) 



Im Gegensatz dazu gibt der Herr all de- 
nen, die tapfer Zeugnis geben, die herrliche 
Verheißung: „Ich will euch eure Sünden mit 
diesem Gebot vergeben: daß ihr in eurem 
Sinn standhaft bleibt . . ., indem ihr aller 
Welt Zeugnis gebt von dem, was euch mit- 
geteilt wird." (LuB 84:61.) Diese Warnung 
und diese Verheißung wurden besonders an 
die Missionare gerichtet, aber aus anderen 
Schriftstellen geht hervor, daß sie ebenso 
für die übrigen Mitglieder gelten. 

In seiner Vision von den Geistern der To- 
ten schildert Präsident Joseph F. Smith „die 
Geister der Gerechten" als diejenigen, „die 
dem Zeugnis von Jesus treu gewesen wa- 
ren, solange sie in der Sterblichkeit gelebt 
hatten" (LuB 138:12). 

Im Gegensatz dazu bezeichnet der Pro- 
phet Joseph Smith in seiner Vision von den 
drei Graden der Herrlichkeit diejenigen, die 
dem terrestrialen Reich zugewiesen wer- 
den, als „ehrenhafte Menschen auf Erden", 
die aber „im Zeugnis von Jesus nicht tapfer 
gewesen sind" (LuB 76:75,79). 

Was heißt, „im Zeugnis von Jesus tapfer" 
sein? Gewiß gehört dazu, daß man seine 
Gebote hält und ihm dient. Sollte aber nicht 
auch dazugehören, daß man von Jesus Chri- 
stus, unserem Erretter und Erlöser, Zeugnis 
gibt, und zwar gleichermaßen denen, die 
glauben, und denen, die nicht glauben? Wie 
der Apostel Petrus zu den Heiligen seiner 
Tage sagte, so müssen auch wir Christus, 



DER STERN 



29 




Die Generalautoritäten singen gemeinsam mit den versammelten Mitgliedern und dem Chor der Jungen 
Damen in der Versammlung am Samstagnachmittag. 



den Herrn, in unserem Herzen heilighalten 
und stets bereit sein, „jedem Rede und Ant- 
wort zu stehen, der nach der Hoffnung 
fragt, die [uns] erfüllt" (1 Petrus 3:15). 

Wir alle müssen im Zeugnis von Jesus tap- 
fer sein. Da wir an Christus glauben, bestäti- 
gen wir, daß das Zeugnis, das Petrus im Na- 
men Jesu Christi von Nazaret gegeben hat, 
wahr ist: „Es ist uns Menschen kein anderer 
Name unter dem Himmel gegeben, durch 
den wir gerettet werden sollen." (Apostel- 
geschichte 4:12; siehe auch LuB 109:4.) Wir 
wissen aus der neuzeitlichen Offenbarung, 
daß wir nur in seinem Namen zum Vater 
kommen können (siehe LuB 93:19). Nach 
den Lehren des Buches Mormon geschieht 
die Errettung „im sühnenden Blut Christi, 
des Herrn, des Allmächtigen, und durch 
dasselbe" (Mosia 3:18; siehe auch Mose 
6:52,59). 

Denen, die dem Herrn Jesus Christus er- 
geben sind, sage ich: Noch nie war es so not- 
wendig, daß wir unseren Glauben beken- 
nen - privat und in der Öffentlichkeit. 

Als das Evangelium wiederhergestellt 
wurde, loderte auf den Kanzeln in diesem 
Land das Zeugnis von Jesus, dem Sohn Got- 
tes und Erretter der Welt. Es ist richtig, die 
Fülle seiner Lehre und die Macht seines 
Priestertums waren auf der Erde verlorenge- 
gangen, aber es gab viele gute und ehrenhaf- 
te Männer und Frauen, die in ihrem Zeugnis 
von Jesus tapfer waren. Unsere ersten Mis- 
sionare konzentrierten ihre Botschaft auf die 
Wiederherstellung - auf die Berufung des 
Propheten Joseph Smith und die Wieder- 
herstellung der Vollmacht des Priester- 
tums -, denn sie konnten voraussetzen, daß 



die meisten ihrer Zuhörer grundsätzlich an 
Jesus Christus als den Erretter glaubten. 

Heuzutage können unsere Missionare das 
nicht voraussetzen. Es gibt noch immer viele 
gottesfürchtige Menschen, die von der Gött- 
lichkeit Jesu Christi Zeugnis geben. Aber es 
gibt viel mehr Leute - selbst in den offiziel- 
len Reihen der Christen -, die seine Existenz 
bezweifeln oder seine Göttlichkeit in Abre- 
de stellen. Wenn ich den Glaubensverfall 
betrachte, der während meiner Lebenszeit 
stattgefunden hat, so bin ich davon über- 
zeugt, daß wir, die wir Mitglieder seiner Kir- 
che sind, in zunehmendem Maß tapfer sein 
müssen im Zeugnis von Jesus. 

Vor beinah zwanzig Jahren hat Präsident 
Lee gesagt: „Vor fünfzig oder mehr Jahren, 
als ich Missionar war, mußten wir - als 
höchste Aufgabe - besonders für die Wahr- 
heit eintreten, daß der Prophet Joseph 
Smith von Gott berufen und inspiriert wor- 
den war und daß das Buch Mormon wirklich 
das Wort Gottes ist. Aber selbst damals gab 
es in der religiösen Welt unverkennbare An- 
zeichen dafür, daß man die Bibel und die 
göttliche Mission des Meisters in Frage zu 
stellen begann. Heute, fünfzig Jahre später, 
ist es unsere größte Aufgabe und Sorge, für 
die göttliche Mission unseres Herrn und 
Meisters, Jesus Christus, einzutreten, denn 
rings um uns, selbst unter denen, die sich als 
Bekenner des christlichen Glaubens ausge- 
ben, gibt es welche, die nicht bereit sind, 
sich wacker für die große Wahrheit einzuset- 
zen, daß unser Herr und Meister, Jesus 
Christus, wirklich der Sohn Gottes ist." 
(Ansprache vor der HLT-Studentenvereini- 
gung am 10. Oktober 1971.) 



Jedes Jahr wird jetzt unser Wissen um die 
tatsächliche Göttlichkeit, die Auferstehung 
und das Sühnopfer Jesu Christi sicherer und 
deutlicher. Das ist einer der Gründe, warum 
der Herr unseren Propheten, Ezra Taft Ben- 
son, inspiriert hat, uns das Studium und 
Zeugnis des Buches Mormon erneut und in 
verstärktem Maße aufnehmen zu lassen, 
denn es hat die Aufgabe, „daß die Juden 
und die Andern davon überzeugt werden, 
daß Jesus der Christus ist, der ewige Gott" 
(Titelseite des Buches Mormon). 

Wir leben in einer Zeit, in der viele vorgeb- 
liche Christen sich einer Sache verschrei- 
ben, die ihnen wichtiger ist als Christus. 
Zum Beispiel hat ein überregionales Maga- 
zin unlängst von einer Neuerung berichtet, 
die ein neuer Bischof einer großen christli- 
chen Kirche eingeführt hat. Deren Geistli- 
che hatten zuvor immer die Sinnbilder des 
Fleisches und Blutes Jesu Christi „im Na- 
men des Vaters, des Sohnes und des Heili- 
gen Geistes" konsekriert. Im Bemühen 
aber, keine „geschlechtsbezogenen Be- 
zeichnungen" mehr zu gebrauchen, hat die- 
ser neue Bischof bei der Eucharistie die Aus- 
drücke „Schöpfer, Erlöser und Beistand" 
eingeführt. (Insight, 24. April 1989.) Solch 
tendenziöse Verfälschung des christlichen 
Glaubens zeigt deutlich, wie sehr einige 
Leute nicht mehr willens sind, von Jesus 
Christus, dem Sohn Gottes, Zeugnis zu 
geben. 

Es ist nicht anzunehmen, daß die Heiligen 
der Letzten Tage solche vorsätzlichen Ab- 
weichungen vornehmen. Wir müssen uns 
aber dennoch davor hüten, in unseren 
Zeugnissen, in unserem offiziellen Unter- 
richt sowie bei Gottesdiensten und Begräb- 
nissen aus Unbedacht etwas wegzulassen 
oder zu übersehen. 

Außerdem hat jeder von uns viel Gelegen- 
heit, Freunden und Nachbarn, Arbeitskolle- 
gen und Bekannten unsere Glaubensansich- 
ten vorzutragen. Ich hoffe, wir nehmen sol- 
che Gelegenheiten wahr und bringen zum 
Ausdruck, daß wir den Erretter lieben, seine 
göttliche Mission bezeugen und entschlos- 
sen sind, ihm zu dienen. 

Wenn wir das tun, können wir mit dem 
Apostel Paulus sagen: „Ich schäme mich des 
Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes, 
die jeden rettet, der glaubt." (Römer 1:16.) 

Und mit dem Propheten Nephi können 
wir sagen: „Wir reden von Christus, wir 
freuen uns über Christus, wir predigen 
Christus, wir prophezeien von Christus . . ., 
damit unsere Kinder wissen mögen, von 
welcher Quelle sie Vergebung ihrer Sünden 
erhoffen können." (2 Nephi 25:26.) 

Ich gebe Zeugnis von Jesus Christus, dem 
Herrn und Gott Israels, dem Licht und Le- 
ben der Welt, und ebenso bekräftige ich, daß 
sein Evangelium wahr ist, im Namen Jesu 
Christi. Amen. D 



JANUAR 1991 



30 



Die größte Herausforderung 




Eider James E. Faust 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



„ Kinder zu belehren, zu erziehen und zu schulen erfordert 

mehr . . . harte Arbeit als jede andere Herausforderung, die im Leben 

an uns ergehen mag. " 



große Herausforderung, es ist eine göttliche 
Berufung, eine Anstrengung, die heilige 
Hingabe verlangt. Präsident McKay hat es 
so ausgedrückt: „Eltern zu sein ist die höch- 
ste Verpflichtung, die den Menschen anver- 
traut ist." 

Gewiß ist die Aufgabe, gute Eltern zu 
sein, eine der schwierigsten, der sich die 
Menschen gegenübersehen, aber anderer- 
seits liegt darin auch eine der größten Quel- 
len der Freude. Sicherlich gibt es in dieser 
Welt keine wichtigere Arbeit, als die Kinder 
zu gottesfürchtigen, glücklichen, ehrenhaf- 
ten und leistungsfähigen Menschen zu er- 
ziehen. Die Eltern können gar kein größeres 
Glück erfahren, als daß ihre Kinder sie und 
ihre Belehrungen ehren. Das ist die Herr- 
lichkeit der Elternschaft. Johannes hat be- 
zeugt: „Ich habe keine größere Freude, als 
zu hören, daß meine Kinder in der Wahrheit 
leben." (3 Johannes 1:4.) Ich denke, Kinder 
zu belehren, zu erziehen und zu schulen, er- 
fordert mehr Intelligenz, intuitives Ver- 
ständnis, Demut, Kraft, Weisheit, Geistig- 
keit, Beharrlichkeit und harte Arbeit als jede 
andere Herausforderung, die im Leben an 
uns ergehen mag. Das gilt ganz besonders, 
wenn rings um uns das sittliche Fundament 
von Ehre und Anstand abzubröckeln be- 
ginnt. Wenn die Familienerziehung erfolg- 
reich sein soll, müssen Wertvorstellungen 
vermittelt werden, muß es Regeln und 
Grundsätze geben, einige davon absolut un- 
verrückbar. In vielen Gesellschaften genie- 
ßen die Eltern nur wenig Unterstützung bei 
der Vermittlung und Beachtung sittlicher 
Werte. In manchen Kreisen finden sich im- 
mer weniger wesentliche Werte, und viele 
junge Leute in diesen Kreisen haben für Sitt- 
lichkeit nur noch Zynismus übrig. 

In einer Zeit, da die Gesellschaft als gan- 
zes verrottet und ihre sittliche Identität ver- 
liert und viele Familien zerbrechen, besteht 
die größte Hoffnung darin, daß man der Be- 
lehrung der nächsten Generation - unserer 
Kinder - mehr Aufmerksamkeit und Bemü- 
hung zuwendet. Zu diesem Zweck müssen 
wir aber zunächst die ersten Lehrer der Kin- 
der stärken, und die wesentlichsten davon 
sind die Eltern und andere Angehörige, und 



Meine sehr lieben Brüder und 
Schwestern und Freunde, bitte 
unterstützen Sie mich mit Ihrem 
Glauben und Ihren Gebeten, wenn ich mich 
gedrängt fühle, an diesem Nachmittag über 
ein Thema zu sprechen, das ich als die größ- 
te Herausforderung in der Welt bezeichnen 
möchte . Es hat mit dem Vorzug und der Auf- 
gabe guter Elternschaft zu tun. Zu diesem 
Thema gibt es so viele Meinungen, wie es El- 
tern gibt, aber es sind nur wenige, die vorge- 
ben, sie wüßten alle Antworten. Ich gehöre 
bestimmt nicht dazu. 

Meiner Meinung nach gibt es gegenwärtig 
mehr hervorragende junge Menschen in der 
Kirche als jemals zuvor in meinem Leben. 
Das ist darauf zurückzuführen, daß die mei- 
sten dieser großartigen jungen Leute aus gu- 
ten Familien kommen und verantwortungs- 
bewußte, tüchtige Eltern haben. Die mei- 
sten gewissenhaften Eltern haben aber doch 
das Gefühl, etliche Fehler gemacht zu ha- 
ben. Als ich einmal etwas Unbedachtes an- 
gestellt hatte, rief meine Mutter: „Was habe 
ich denn falsch gemacht?" 

Der Herr hat uns angewiesen, unsere Kin- 
der in Licht und Wahrheit aufzuziehen (sie- 
he LuB 93:40). Was mich anlangt, gibt es kei- 
ne wichtigere menschliche Bemühung. 

Vater oder Mutter zu sein ist nicht nur eine 



der beste Unterrichtsraum muß das eigene 
Zuhause sein. Irgendwie, auf irgendeine 
Weise müssen wir mehr darauf bedacht 
sein, unser Zuhause zu festigen, so daß in- 
mitten all der verderblichen Trockenfäule 
ringsum eine heilige Schutzburg vorhanden 
ist. Wenn es in der Familie Einklang, Glück- 
lichkeit, Frieden und Liebe gibt, werden die 
Kinder die erforderliche innere Stärke ha- 
ben, um mit den Herausforderungen des 
Lebens fertig zu werden. Barbara Bush, die 
Frau von Präsident George Bush, hat vor ein 
paar Monaten zu den Absolventen des Wel- 
lesley College gesagt: 

„Welche Epoche, welche Zeiten auch im- 
mer, eines wird sich nie ändern: Väter und 
Mütter, wenn Sie Kinder haben - die müs- 
sen an erster Stelle stehen. Sie müssen Ihren 
Kindern vorlesen, Sie müssen Ihre Kinder in 
den Arm nehmen, und Sie müssen Ihre Kin- 
der lieben. Ihr Erfolg als Familie und unser 
Erfolg als Gesellschaft hängt nicht davon ab, 
was im Weißen Haus geschieht, sondern da- 
von, was in Ihrem Haus geschieht." 
(Washington Post, 2. Juni 1990.) 

Ein guter Vater, eine gute Mutter zu sein 
erfordert, daß man viele eigene Bedürfnisse 
und Wünsche zugunsten der Kinder zu- 
rückstellt. Aufgrund dieser Hingabe ent- 
wickeln gewissenhafte Eltern einen edlen 
Charakter und lernen die selbstlosen Wahr- 
heiten, die der Erretter lehrte, in die Tat um- 
zusetzen. 

Ich habe die größte Achtung vor alleiner- 
ziehenden Müttern und Vätern, die sich ab- 
mühen und Opfer bringen und fast über- 
menschliche Kraft aufwenden müssen, um 
die Familie zusammenzuhalten. Man muß 
sie ehren und sie in ihren heldenhaften Be- 
mühungen stützen. Die Aufgaben des Va- 
ters und der Mutter sind freilich viel leichter, 
wenn es zwei funktionierende Elternteile 
gibt. Kinder stellen oft an die Kraft und 
Weisheit beider Eltern größte Anforde- 
rungen. 

Vor einigen Jahren wurde Bischof Stanley 
Smoot von Präsident Kimball interviewt 
und dabei gefragt: „Wie oft halten Sie Fami- 
liengebet?" 

Bischof Smoot antwortete: „Wir bemühen 
uns, es zweimal am Tag zu haben, aber im 
Durchschnitt ist es wohl einmal." 

Präsident Kimball entgegnete ihm: „In 
der Vergangenheit war es vielleicht richtig, 
einmal am Tag Familiengebet zu haben. 
Aber in Zukunft wird das nicht genug sein, 
wenn wir unsere Familie retten wollen." 

Ich frage mich, ob es in Zukunft genug 
sein wird, nur hin und wieder den Familien- 
abend abzuhalten, wenn wir unsere Kinder 
ausreichend mit sittlicher Kraft ausrüsten 
wollen. In Zukunft wird ein nur gelegent- 
liches Schriftenstudium vielleicht nicht 
genügen, um unseren Kindern die notwen- 
dige Tugend zu vermitteln, so daß sie dem 



DER STERN 



31 



Sittenverfall in ihrer zukünftigen Umge- 
bung widerstehen können. Wo sollen sie 
denn Keuschheit, Redlichkeit, Ehrlichkeit 
und einfachen menschlichen Anstand ler- 
nen, wenn nicht zu Hause? Diese Werte 
werden natürlich in der Kirche untermau- 
ert, aber die elterliche Belehrung ist bestän- 
diger. 

Wenn die Eltern ihren Kindern beibringen 
wollen, wie man Gefahren meidet, so führt 
es zu nichts, wenn sie sagen: „Wir sind er- 
fahren und wissen, wie es in der Welt zu- 
geht, und deshalb können wir uns näher an 
den Rand der Klippe heranwagen als ihr." 
Elterliche Heuchelei läßt die Kinder leicht 
zynisch werden, und sie glauben nicht mehr 
an das, was ihnen zu Hause gesagt worden 
ist. Wenn die Eltern zum Beispiel einen Film 
ansehen, den sie den Kindern verbieten, so 
leidet die Glaubwürdigkeit der Eltern. 
Wenn man von den Kindern erwartet, daß 
sie ehrlich sind, müssen die Eltern ehrlich 
sein. Wenn die Kinder tugendhaft sein sol- 
len, müssen die Eltern tugendhaft sein, und 
wenn Sie wollen, daß Ihre Kinder ehrenhaft 
sind, dann müssen Sie selbst ehrenhaft sein. 

Neben anderen Werten muß den Kindern 
auch Achtung vor den Mitmenschen beige- 
bracht werden - das beginnt bei den Eltern 
und Geschwistern; Achtung vor den Sym- 
bolen des Glaubens und vor der Vaterlands- 
liebe anderer; Achtung vor Gesetz und Ord- 
nung; Achtung vor dem Eigentum des ande- 
ren; Achtung vor Autorität. Paulus erinnert 
uns daran, daß die Kinder lernen sollen, 
„zuerst selbst ihren Angehörigen Ehrfurcht 
zu erweisen" (1 Timotheus 5:4). 

Eine der schwierigsten elterlichen Aufga- 
ben liegt darin, die Kinder in angemessener 
Weise zu disziplinieren. Kindererziehung 
ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Je- 
des Kind ist anders und einzigartig. Was bei 
dem einen wirkt, hat vielleicht bei dem an- 
deren keinen Erfolg. Ich kenne keinen, der 
so weise ist, daß er sagen könnte, welche 
Maßnahme zu streng oder zu nachsichtig 
ist, außer die Eltern selbst, die die Kinder am 
meisten lieben. Das ist etwas, was die Eltern 
gebeterfüllt selbst erkennen müssen. Das 
Um und Auf bei diesem Prinzip ist zweifel- 
los dies: die Disziplinierung der Kinder muß 
mehr auf Liebe beruhen als auf Bestrafung. 
Brigham Young hat gesagt: „Wenn Sie je- 
mals wen züchtigen sollen, so tun Sie es nur 
so weit, daß Sie noch genügend Linderung 
für seine Schmerzen haben." {Journal of Dis- 
courses, 9:124f.) Weisung und Disziplinie- 
rung sind aber sicherlich ein unentbehrli- 
cher Teil der Kindererziehung. Wenn die El- 
tern die Kinder nicht an Disziplin gewöh- 
nen, dann wird es die Öffentlichkeit tun, 
und zwar auf eine Weise, die den Eltern 
nicht gefallen wird. Ohne Disziplin aber re- 
spektieren die Kinder weder die Regeln in 
der Familie noch in der Gesellschaft. 




Eider James E. Faust vom Kollegium der Zwölf mit einem jungen Konferenzbesucher. 



JANUAR 1991 

32 



Disziplin hat in erster Linie den Zweck, 
Gehorsam zu lehren. Präsident McKay hat 
gesagt: „Wenn die Eltern es versäumen, ih- 
ren Kindern Gehorsam beizubringen, wenn 
das Elternhaus keinen Gehorsam schaffen 
kann, dann wird die Gesellschaft ihn for- 
dern und bekommen. Es ist deshalb besser, 
wenn das Elternhaus mit seiner Güte, mit 
Mitgefühl und Verständnis das Kind zum 
Gehorsam erzieht, als es voll Gleichgültig- 
keit der brutalen und mitleidlosen Diszipli- 
nierung durch die Gesellschaft zu überlas- 
sen; denn das wird geschehen, wenn das El- 
ternhaus seine Verpflichtung nicht erfüllt." 

Bei der Erziehung der Kinder zu Disziplin 
und Verantwortlichkeit kommt es sehr dar- 
auf an, daß sie arbeiten lernen. Während der 
Entwicklungsjahre sagt mancher: „Ich mag 
die Arbeit, sie fasziniert mich. Stundenlang 
kann ich dasitzen und zusehen. " (Jerome K. 
Jerome.) Wiederum sind es die Eltern, die 
den Kindern das Arbeiten am besten bei- 
bringen können. Mir machte das Arbeiten 
Freude, als ich zuerst zusammen mit mei- 
nem Vater und Großvater, mit meinen On- 
keln und Brüdern arbeitete. Gewiß war ich 
manchmal eher eine Belastung als eine Hil- 
fe, aber die Erinnerung ist schön, und ich ha- 
be viel Wertvolles gelernt. Kinder müssen 
Verantwortung und Selbständigkeit lernen. 
Nehmen sich die Eltern wirklich die Zeit, 
um den Kindern vorzuführen und zu erklä- 
ren, daß sie, wie Lehi es ausdrückte, ihr 
Handeln selbst bestimmen und daß nicht 
über sie bestimmt wird? (Siehe 2 Nephi 
2:26.) 

Luther Burbank, einer der bedeutendsten 
Pflanzenzüchter der Welt, sagte einmal: 
„Wenn wir unseren Pflanzen nur ebensoviel 
Aufmerksamkeit zuwendeten wie unseren 
Kindern, würden wir jetzt in einem Dschun- 
gel aus Unkraut leben." 

Auch Kinder sind die Nutznießer der sitt- 
lichen Handlungsfreiheit, die es uns allen 
ermöglicht, Fortschritt zu machen, zu wach- 
sen und uns zu entwickeln. Diese Freiheit 
gestattet den Kindern aber auch den ande- 
ren Weg, nämlich Selbstsucht, Verschwen- 
dung, Hemmungslosigkeit und Selbstzer- 
störung. Die Kinder machen von dieser Frei- 
heit oft Gebrauch, wenn sie noch sehr klein 
sind. 

Eltern, die ihre Aufgabe gewissenhaft und 
liebevoll ausgeführt und nach besten Kräf- 
ten rechtschaffen gelebt haben, dürfen sich 
mit der Gewißheit trösten, daß sie gute El- 
tern sind, auch wenn das eine oder andere 
ihrer Kinder nicht richtig handelt. Den Kin- 
dern fällt die Aufgabe zu, zu hören, zu ge- 
horchen und, nachdem sie belehrt worden 
sind, zu lernen. Die Eltern brauchen nicht 
immer für jede Fehlhandlung der Kinder ge- 
radezustehen, denn sie können deren Wohl- 
verhalten ja nicht gewährleisten. Das eine 
oder andere Kind könnte sogar Salomos 



Weisheit und Ijobs Geduld überfordern. 
Wohlhabende und übermäßig nachsichtige 
Eltern sehen sich oft einer besonderen Her- 
ausforderung gegenüber. Ihre Kinder er- 
pressen gewissermaßen die Eltern, indem 
sie die elterlichen Regeln nur dann anerken- 
nen, wenn die Forderungen der Kinder er- 
füllt werden. Eider Neal A. Maxwell hat ge- 
sagt: „Wer/Ür seine Kinder zuviel tut, wird 
bald herausfinden, daß er mit seinen Kin- 
dern nichts mehr tun kann. Manche Kinder 
werden so sehr auf Händen getragen, daß 
sie nicht mehr auf eigenen Füßen stehen 
können." (Generalkonferenz, April 1975.) 
Es liegt wohl in der Natur des Menschen, 
daß man materielle Güter, die man nicht 
selbst erarbeitet hat, nicht voll zu schätzen 
weiß. 

Es ist schon irgendwie eine Ironie, wenn 
manche Eltern so sehr darauf aus sind, daß 
ihre Kinder von den Gleichaltrigen nur ja 
akzeptiert werden und beliebt sind, und 
wenn diese selben Eltern dann Angst ha- 
ben, ihre Kinder könnten das gleiche tun 
wie ihre Altersgenossen. 

Im allgemeinen haben Kinder, die ent- 
schlossen sind, sich von Drogen, Alkohol 
und unzulässiger Geschlechtsbeziehung 
fernzuhalten, die festen Werte ihres Eltern- 
hauses, die auch vom Vater und von der 
Mutter praktiziert wurden, angenommen 
und in sich aufgenommen. Bei schwierigen 
Entscheidungen halten sie sich höchstwahr- 
scheinlich an die Lehren der Eltern und 
nicht an das Beispiel ihrer Altersgruppe 
oder die Verdrehungen seitens der Medien, 
wo Alkoholgenuß, unerlaubter Sex, Un- 
treue, Unehrlichkeit und andere Laster 
verherrlicht werden. Sie gleichen Helamans 
zweitausend jungen Männern, deren Müt- 
ter sie gelehrt hatten, „daß Gott sie (aus To- 
desgefahr) befreien werde, wenn sie nicht 
zweifelten. Und sie wiederholten . . . die 
Worte ihrer Mütter, nämlich: Wir zweifeln 
nicht - unsere Mütter haben es gewußt." 
(Alma 56:47,58.) 

Etwas, was die elterlichen Lehren und 
Werte im Leben der Kinder anscheinend fest 
zu verankern mag, ist ein unbeirrbarer Got- 
tesglaube. Wenn sie diesen Glauben verin- 
nerlichen, bekommen sie seelische Kraft. 
Was also von all dem Wichtigen sollen die El- 
tern lehren? In der Schrift heißt es, die Eltern 
sollten ihre Kinder lehren, „die Lehre vom 
Glauben an den Herrn Jesus Christus, den 
Sohn des lebendigen Gottes, und von der 
Taufe und der Gabe des Heiligen Geistes" zu 
verstehen, ebenso die „Lehre von der Um- 
kehr" (LuB 68:25). Diese Wahrheiten müs- 
sen im Elternhaus gelehrt werden, denn das 
kann nicht in den öffentlichen Schulen ge- 
schehen, und Staat und Gesellschaft tun 
auch nichts dazu. Natürlich sind die Pro- 
gramme der Kirche hilfreich, aber das wirk- 
samste Lehren geschieht in der Familie. 



Die Belehrung durch die Eltern braucht 
nicht großartig oder mächtig oder drama- 
tisch zu sein. Das lernen wir vom bedeu- 
tendsten aller Lehrer. Charles Henry Park- 
hurst hat gesagt: 

„Die ganze Schönheit des Lebens Christi 
ist nur die gesammelte Schönheit vieler un- 
merklicher schöner Taten - daß er mit der 
Frau am Brunnen gesprochen hat; daß er 
dem reichen Jüngling den heimlichen Ehr- 
geiz bewußt machte, den dieser im Herzen 
barg und der ihn vom Himmelreich fern- 
hielt; . . . daß er einer kleinen Gruppe von 
Anhängern zeigte, wie sie beten sollten; daß 
er ein Feuer machte und Fische briet, damit 
seine Jünger ein Frühstück hatten; daß er 
auf sie wartete, als sie nach einer Nacht des 
Fischfangs an Land kamen - fröstelnd, mü- 
de und mutlos. Das alles läßt uns so mühe- 
los die wirkliche Art und Weise der Anteil- 
nahme Christi erkennen: so zielgerichtet, so 
ohne Umschweife, so engagiert in das Ge- 
ringfügige, so vertieft in Unbedeutendes." 

Und so ist es auch mit den Eltern. Die Klei- 
nigkeiten sind das Große, das mit tausend 
Pinselstrichen der Liebe, des Glaubens, der 
Disziplin, des Opfers, der Geduld und der 
Arbeit das Gesamtbild der Familie aus- 
macht. 

Es gibt große geistige Verheißungen für 
die treuen Eltern in der Kirche. Im ewigen 
Bund gesiegelte Kinder ziehen die göttli- 
chen Verheißungen auf sich, die ihren tapfe- 
ren Vorfahren gemacht wurden, die ihren 
Bündnissen treu geblieben sind. Der Bünd- 
nisse, deren die Eltern gedenken, gedenkt 
auch Gott. Auf diese Weise können die Kin- 
der Nutznießer und Erben dieser großen 
Bündnisse und Verheißungen werden, und 
das alles, weil sie Kinder des Bundes sind. 

Gott segne die sich abmühenden, hinge- 
bungsvollen, ehrenhaften Eltern auf der 
Welt. Möge er besonders die Bündnisse ein- 
lösen, die von den getreuen Eltern in unse- 
rem Volk eingehalten werden, und über die- 
se Kinder des Bundes wachen. Daß dies so 
sein möge, darum bete ich im heiligen Na- 
men Jesu Christi. Amen. D 




DER STERN 



33 



6. Oktober 1990 
Priestertumsversammlung 



Nur wer rein ist, 
ist auch stark 



Eider M. Russell Ballard 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



„Ihr braucht euch nicht in der Falle der Unkeuschheit fangen 
zu lassen - nicht ein einziger von euch, niemals. " 




Ich wende mich in erster Linie an euch 
junge Männer im Aaronischen Priester- 
tum. Ich möchte über die sittliche Rein- 
heit unserer Jugendlichen sprechen. Ihr 
liegt den Führern der Kirche so sehr am Her- 
zen, daß ich mich sehr gedrängt fühle, euch 
aufs neue vor den Folgen sittlichen Fehlver- 
haltens zu warnen. Gleichzeitig möchte ich 
euch eindringlich die großen Verheißungen 
vor Augen halten, die denen gelten, die sitt- 
lich rein bleiben. 

Wir wissen, daß die Jugendlichen der Kir- 
che in einer Welt aufwachsen, in der die jun- 
gen Leuten zum größten Teil nicht sittlich 
rein leben. Wir wissen auch, daß die sexuel- 
le Sünde in den letzten zwanzig Jahren ent- 
setzlich zugenommen hat. Viel zu viele Ju- 
gendliche, vor allem amerikanische Jugend- 
liche, haben bereits das Gesetz der Keusch- 
heit verletzt, ehe sie neunzehn Jahre alt 
sind. Leider sind auch die Jugendlichen der 
Kirche dagegen nicht immun. Deshalb 
möchte ich euch jungen Männern versi- 
chern, daß eure Führer wissen, welche 



Schwierigkeiten ihr in der heutigen Gesell- 
schaft zu bewältigen habt. Wir vertrauen al- 
lerdings darauf, daß ihr soviel Stärke und 
Lauterkeit entwickelt, daß ihr diese Schwie- 
rigkeiten überwinden könnt und so lebt, 
daß ihr die Segnungen erlangt, die denen 
verheißen sind, die sittlich rein bleiben. 

Ich sage nachdrücklich: Ihr braucht euch 
nicht in der Falle der Unkeuschheit fangen 
zu lassen - nicht ein einziger von euch, nie- 
mals. Jeder von euch muß in die Zukunft 
schauen, um zu wissen, welche Folgen euer 
Verhalten nach sich zieht - ob gut oder 
schlecht. Ziggy, die Cartoonfigur, sagt es 
folgendermaßen: „Unsere Zukunft wird 
durch unsere Vergangenheit geformt . . . 
paßt also auf, was ihr mit eurer Vergangen- 
heit anstellt!" 

Ich möchte etwas erzählen, was ich selbst 
erlebt habe, um aufzuzeigen, wie wichtig es 
ist, daß ihr eure Zukunft immer vor Augen 
habt. Als ich im Aaronischen Priestertum 
war, habe ich mit einem Freund hier im Ta- 
bernakel die Priestertumsversammlung der 
Generalkonferenz besucht. Wir standen auf 
einmal hier an der Treppe, wo wir nicht hin- 
gehörten, und Präsident George Albert 
Smith, der unsere mißliche Lage sah, bot 
uns auf seine gütige Art an, wir könnten uns 
auf die Treppe setzen. Als wir so dort saßen 
und der Versammlung zusahen, hätte ich 
mir nicht vorstellen können, daß ich dieser 
Kanzel jemals wieder so nahe sein würde. 
Ich weiß noch, wie ich beim Verlassen des 
Tabernakels zu meinem Freund gesagt ha- 
be: „Als Generalautorität hat man es gut; 
dann kann man auf einem der schönen 
Stühle auf dem Podium sitzen." 

Brüder, ich weiß jetzt aus eigener Erfah- 
rung, daß die Bänke, auf denen Sie sitzen, 
viel bequemer sind als die Stühle hier auf 
dem Podium. Was ich aber sagen wollte: Als 
Träger des Aaronischen Priestertums hatte 
ich keine Ahnung, daß ich einmal als Bi- 



schof, als Missionspräsident, als Siebziger 
und jetzt als Apostel dienen würde. Wir 
können nicht vorhersehen, was der Herr mit 
uns vorhat. Wir können uns nur vorbereiten 
und würdig sein für alles, was er von uns 
verlangt. Wir müssen jeden Tag bei allem, 
was wir tun, unsere Zukunft im Sinn be- 
halten. 

Eine der schlauen Taktiken des Satans be- 
steht darin, daß er uns verleiten will, daß 
wir uns nur auf die Gegenwart konzentrie- 
ren und die Zukunft nicht beachten. Der 
Herr hat Joseph Smith gewarnt: „Sonst 
trachtet der Satan, ihnen das Herz von der 
Wahrheit abzuwenden, so daß sie verblen- 
det werden und das, was für sie bereitet ist, 
nicht verstehen." (LuB 78:10.) „Das, was für 
sie bereitet ist", ist der verheißene Lohn, 
nämlich ewiges Leben, das auf Gehorsam 
folgt. Der Teufel versucht, uns blind zu ma- 
chen für diesen Lohn. Präsident Heber J. 
Grant hat gesagt: „Wenn wir die Gebote 
Gottes treu halten, gehen seine Verheißun- 
gen buchstäblich in Erfüllung. . . . Das Pro- 
blem ist, daß der Widersacher den Men- 
schen den Sinn verblendet. Er streut ihnen 
sozusagen Sand in die Augen, so daß sie 
sich von den Dingen dieser Welt verblenden 
lassen." (Gospel Standards, Seite 44f.) Er ver- 
sucht uns mit den vergänglichen Vergnü- 
gungen der Welt, damit wir unseren Sinn 
und unsere Anstrengungen nicht auf das 
konzentrieren, was in Ewigkeit Freude 
schenkt. Der Teufel kämpft mit schmutzigen 
Tricks, und wir müssen uns vor seinen Takti- 
ken hüten. 

Ich habe mich in letzter Zeit mit mehreren 
Jugendlichengruppen in Utah und in Idaho 
unterhalten. Sie haben mir erzählt, einige 
unserer Jugendlichen meinten, sie könnten 
in dieser Zeit unkeusch sein und dann um- 
kehren, wenn sie beschlössen, auf Mission 
zu gehen oder im Tempel zu heiraten. Man- 
che Jungen sprechen von der Mission als ei- 
ner Zeit, in der ihnen die Sünden der Ver- 
gangenheit vergeben werden. Sie bilden 
sich ein, ein paar Übertretungen machten 
nicht soviel aus, weil sie ja doch schnell um- 
kehren, auf Mission gehen und dann bis an 
ihr Lebensende glücklich sein könnten. 

Junge Männer, glaubt mir bitte, wenn ich 
euch sage, daß diese Vorstellungen eine 
Täuschung sind und vom Satan stammen; 
es sind Märchen. Sünde führt immer, immer 
zu Leid. Manchmal kommt es früher, 
manchmal später, aber es kommt auf jeden 
Fall. In der Schrift steht, „daß ihr in Schande 
und mit furchtbarer Schuld vor dem Gericht 
Gottes" stehen werdet (Jakob 6:9) und daß 
euch das lebendige Bewußtsein eurer 
Schuld die Brust mit Schuld und Schmerz 
und Pein füllen wird (siehe Mosia 2:38). 

Genauso falsch ist die Vorstellung, die 
Umkehr sei leicht. Präsident Kimball hat ge- 
sagt: „Man hat erst dann begonnen umzu- 



JANUAR 1991 



34 



kehren, wenn man für seine Sünden heftig 
gelitten hat. . . . Wer nicht gelitten hat, ist 
auch nicht umgekehrt." (The Teachings of 
Spencer W. Kimball, Seite 88, 99.) Ihr braucht 
nur mit jemandem zu reden, der wahrhaftig 
von einer schweren Sünde umgekehrt ist, 
um zu begreifen, daß das momentane Ver- 
gnügen an einer unkeuschen Handlung die 
darauffolgenden Schmerzen einfach nicht 
wert ist. 

Die Jugendlichen haben mir erzählt, sie 
seien versucht, unkeusch zu sein, weil sie 
von ihren Altersgenossen akzeptiert wer- 
den wollen. Für die jungen Männer bedeu- 
tet das vielleicht, daß sie als eine Art Macho 
anerkannt sein wollen. Die Mädchen haben 
vielleicht das Gefühl, sie würden eher ak- 
zeptiert, wenn sie einen Freund hätten. Die 
Anerkennung eurer Altersgenossen dürft 
ihr euch aber nicht um den Preis eurer Tu- 
gend und Selbstachtung erkaufen. König 
Benjamin sagt, wer der Sünde schuldig sei, 
schrecke vor der Gegenwart des Herrn zu- 
rück (siehe Mosia 2:38). Auf ganz reale Wei- 
se schreckt jemand, der unkeusch gehandelt 
hat, vor der Gegenwart anderer - seiner 
Freunde, seiner Eltern und der übrigen Mit- 
glieder seiner Familie und der Führer der 
Kirche - zurück. 

Wir wollen aber auch die großen Segnun- 
gen betrachten, die der Herr denen verhei- 
ßen hat, die nach dem Gebot leben, daß wir 
sittlich rein sein sollen. Von einer Sünde, die 
ihr nicht begangen habt, braucht ihr niemals 
umzukehren. Das ist zwar offensichtlich, 
aber ich möchte es doch betonen. Umkehr 
ist ein großer Segen, aber ihr dürft euch nie- 
mals krank machen, nur um das Heilmittel 
ausprobieren zu können. Es ist unendlich 
besser, wenn ihr euch die geistige Gesund- 
heit bewahrt, indem ihr sittlich rein bleibt. 
Wenn ihr euch in der Gegenwart eurer El- 
tern, Altersgenossen und Priestertumsfüh- 
rer wohlfühlt, könnt ihr spüren, was für ein 
Gefühl es ist, wenn der Herr euch vertraut 
und euch akzeptiert. 

Könnt ihr euch für die Zukunft eine schö- 
nere Verheißung vorstellen als die folgende 
von König Benjamin: „Und weiter wünsch- 
te ich, ihr würdet den gesegneten und glück- 
lichen Zustand derjenigen betrachten, die 
die Gebote Gottes halten. Denn siehe, sie 
sind gesegnet in allem, zeitlich sowohl als 
auch geistig, und wenn sie bis ans Ende ge- 
treulich aushalten, werden sie in den Him- 
mel aufgenommen, so daß sie dann mit Gott 
in einem Zustand nie endenden Glücks wei- 
len." (Mosia 2:41.) 

Die Jugendlichen haben mir erzählt, ein 
reines Gewissen stärke ihre Selbstachtung. 
Die Beziehungen zu ihren Mitmenschen 
sind besser, und sie werden wirklich akzep- 
tiert. Manche von ihnen haben sogar gesagt, 
sie hätten wegen ihrer hohen Grundsätze 
viel mehr Spaß. Sie müssen sich niemals vor 




Eider Kenneth Johnson, Eider Jeffrey R. Holland und Eider Spencer]. Condie mit einem Konferenzbesucher. 
Eider Holland ist Präsident des Gebietes England/Irland. Eider Condie ist ein Mitglied der Gebiets- 
präsidentschaft Europa. 



den schrecklichen Krankheiten fürchten, 
die oft die Folge sind, wenn man das Gesetz 
der Keuschheit übertritt. 

Ich möchte euch ein paar Ratschläge ge- 
ben, die euch helfen werden, sittlich rein zu 
bleiben. 

Erstens: Ihr müßt wissen, was es heißt, 
sittlich rein zu sein. Der Herr hat bezüglich 
seiner Gebote gesagt: „Ich gebe euch Wei- 
sung, wie ihr vor mir handeln sollt, damit es 
euch zu eurer Errettung gereiche." (LuB 
82:9.) Mit anderen Worten: die Gebote füh- 
ren zu einem glücklichen Leben. 

Unsere Jugendlichen wissen manchmal 
nicht genau, was unter sittlicher Reinheit zu 
verstehen ist. Manche Jungen und Mädchen 
nehmen sich eine bestimmte Definition vor 
und gehen bis an die Grenze, um zu sehen, 
wie weit sie sich vorwagen können, ohne 
unkeusch zu sein. Ich rate euch aber zu ei- 
nem anderen Verhalten. 

Vor mehreren Jahren hat Eider Hartman 
Rector, der sechsundzwanzig Jahre Marine- 
pilot war, einen interessanten Vergleich an- 
gestellt. In der Marine gab es eine Regel, die 
besagte: „Du darfst dein Flugzeug nicht in 
die Bäume fliegen." Das ist durchaus sinn- 
voll. Aber um sicherzugehen, daß er diese 
Regel auch befolgte, machte er sich folgen- 
des zur Regel: „Du sollst mit deinem Flug- 
zeug nicht näher als bis auf 5000 Fuß an die 
Bäume herankommen." Und er hat gesagt: 
„Dadurch wurde es leicht, das Gebot der 
Marine, nicht in die Bäume zu fliegen, zu 
halten." (Generalkonferenz, Oktober 1972.) 



Von manchen Grundsätzen darf man ein- 
fach nicht abrücken. Wenn ihr nicht sicher 
seid, wie die Grundsätze der Kirche in be- 
zug auf Keuschheit lauten, dann sprecht mit 
euren Eltern oder Priestertumsführern. 
Auch indem ihr den Eingebungen des Gei- 
stes folgt, könnt ihr wissen, wie ihr euch sitt- 
lich richtig verhalten müßt . Diese Eingebun- 
gen verleiten euch nie zu etwas, wodurch 
ihr euch unbehaglich oder unrein fühlt und 
dessen ihr euch schämen müßt. Ihr müßt ein 
Gefühl für diese Eingebungen haben, weil 
sie von der Begierde überlagert werden kön- 
nen, wenn ihr nicht achtgebt. 

Zweitens: Ihr müßt, wenn ihr die Grund- 
sätze kennt, euch entschließen, danach zu 
leben. Solche Selbstverpflichtung spielt im 
Evangelium eine wesentliche Rolle. Die 
Schrift lehrt: „Es gibt nichts, was der Herr, 
dein Gott, sich im Herzen zu tun vornimmt, 
was er dann nicht auch tut." (Abraham 
3:17.) Ihr müßt genauso sein. Ihr müßt wie 
Josef sein, der lieber vor Potifars Frau floh, 
als gegen Gott zu sündigen (siehe Genesis 
39:7-12). Ihr müßt der Unkeuschheit aus 
dem Weg gehen, indem ihr den festen Ent- 
schluß faßt, gefährliche Situationen zu mei- 
den und unbeirrbar für das einzustehen, 
was recht ist. Ihr müßt Selbstbeherrschung 
und hohe Ziele haben. Ich bitte euch heute 
abend alle inständig: nehmt euch fest vor - 
wenn ihr es nicht schon getan habt -, sittlich 
rein zu sein. 

Drittens: Ihr müßt zwar eure Entschei- 
dungsfreiheit gebrauchen und die Verant- 



DER STERN 



35 



wortung für eure Entscheidungen überneh- 
men, aber ihr braucht euch der Versuchung 
nicht allein zu stellen. Vor zwei Wochen hat 
Eider Charles „Tiny" Grant, einer unserer 
großartigen Regionalrepräsentanten, auf ei- 
ner Pfahlkonferenz etwas erzählt, was er 
einmal erlebt hat. Als er vor einigen Jahren 
am Ricks College Footballtrainer war, lernte 
er einen Mann namens Hai Barton kennen, 
der wegen seiner Vorliebe für das Angeln 
bekannt war. Man warnte ihn allerdings: 
„Hai weiß zwar, wo die großen Fische zu 
finden sind, aber er geht dazu oft ins tiefe 
Wasser." 

Im Februar, als das Eis zu schmelzen be- 
gann, gingen sie zum ersten Mal miteinan- 
der angeln. Sie wanderten gemeinsam am 
Fluß entlang, und Hai wies auf eine Insel in 
etwa fünfzig Meter Entfernung und sagte: 
„Trainer, da finden wir die großen Fische." 
Es war ein kalter Tag, und jetzt mußten sie 
den gefährlichen Flußabschnitt überqueren. 
Der Trainer stellte bald fest, daß die Steine 
rund und glatt waren und daß das Wasser 
fast bis an den oberen Rand seiner Stiefel 
reichte. Da er über einen Meter neunzig 
groß ist, war das Wasser wohl wirklich sehr 
tief. Er wollte Hai schon sagen, er könne 
nicht weiter, aber ihm war klar, daß ein 
Footballtrainer nicht zugeben kann, daß er 
Angst hat. 

In dem Augenblick sagte Hai: „Trainer, 
wir gehen jetzt so durch das Wasser. Du 
gehst einen Schritt und sorgst dafür, daß du 
auf festem Grund stehst, während ich dich 
an der Hand und am Arm festhalte. Dann 
gehe ich einen Schritt, und du stützt mich 
solange. So kommen wir durch die starke 
Strömung und über die glitschigen Felsen." 
Indem sie sich gegenseitig stützten, konn- 
ten sie den Fluß sicher überqueren und fin- 
gen wirklich große Fische. 

Das ist ein ausgezeichneter Vergleich da- 
zu, wie ihr nach den sittlichen Grundsätzen 
des Herrn leben könnt. Es sind euch einige 
vorausgegangen, die jetzt festen Grund un- 
ter den Füßen haben, weil sie nach den sittli- 
chen Grundsätzen leben und erfahren ha- 
ben, wie sehr man dafür gesegnet wird. 
Wenn ihr dann ins tiefere Wasser des Lebens 
gelangt, halten sie euch fest. Und wenn ihr 
dann in Rechtschaffenheit festen Grund un- 
ter den Füßen habt, könnt ihr denen helfen, 
die nach euch kommen. 

Im allgemeinen sind eure Eltern eure 
wichtigste Stütze. Was sie euch lehren, muß 
eure Entscheidung, rein zu bleiben, nach- 
haltig beeinflussen. Ich weiß allerdings, daß 
es nicht so leicht ist, über das Thema 
Keuschheit zu sprechen. Ich bitte euch jun- 
ge Männer inständig, unterhaltet euch mit 
euren Eltern über ihre sittlichen Wertvor- 
stellungen. Bittet sie, euch zu helfen, die 
Grundsätze festzulegen, die euch sittlich 
rein halten sollen. 



Laßt euch auch von euren Priestertums- 
führern, vor allem vom Bischof beraten. Er 
kennt die Grundsätze und weiß, was er 
euch lehren soll. Bemüht euch, mit ihm zu- 
sammenzukommen. Ihr könnt erwarten, 
daß er direkte, forschende Fragen stellt. Ver- 
traut ihm. Vertraut euch ihm an. Bittet ihn, 
euch deutlich zu sagen, was der Herr von 
euch erwartet. Nehmt euch fest vor, nach 
den sittlichen Grundsätzen der Kirche zu le- 
ben. Die gute Beziehung zu einem erwach- 
senen Führer hilft euch ganz wesentlich, 
sittlich rein und würdig zu bleiben. Eure AP- 
Berater unterrichten euch und geben euch 
die Unterstützung und Anleitung, die ihr 
braucht. Bittet sie um Führung. Sie wissen, 
wie sie euch helfen können. 

Viertens: Sucht euch Freunde, die die glei- 
chen Grundsätze haben wie ihr, und zwar 
sowohl innerhalb als auch außerhalb der 
Kirche. Solche Freunde üben keinen negati- 
ven Druck auf euch aus. Die Jugendlichen, 
mit denen ich mich unterhalten habe, waren 
der Meinung, der Einfluß der Altersgenos- 
sen könne sich sowohl in negativer als auch 
in positiver Hinsicht gewaltig bemerkbar 
machen. Wenn eure Freunde hohe sittliche 
Grundsätze haben, ist es wahrscheinlicher, 
daß auch ihr euch daran haltet. Wenn eure 
Freundschaft dann wirklich fest ist, könnt 
ihr euch derer annehmen, die sich noch 
nicht für feste sittliche Grundsätze entschie- 
den haben. Macht ihnen klar, daß an Un- 
keuschheit nichts Großartiges ist. 

Fünftens: Ihr jungen Männer müßt euch 
den Frauen jeden Alters gegenüber rück- 
sichtsvoll benehmen. Die Mädchen haben 
mir aufgetragen, euch zu sagen, daß sie sich 
wünschen, ihr würdet sie achten und ihnen 
gegenüber aufrichtig höflich sein. Zögert 
nicht, euer gutes Benehmen zu zeigen, in- 
dem ihr ihnen die Tür aufmacht, die Initiati- 
ve ergreift und sie um eine Verabredung bit- 
tet, und aufsteht, wenn sie ins Zimmer kom- 
men. Ob ihr es glaubt oder nicht, auch in un- 
serer Zeit der Gleichberechtigung wün- 
schen sich die Mädchen diese einfachen 
Zeichen der Höflichkeit. 




Zu guter Letzt: Bemüht euch um die Hilfe 
des Herrn, der die Quelle geistiger Kraft ist. 
Wenn ihr seinen heiligen Namen anruft und 
ständig wacht und betet, werdet ihr nicht 
über das hinaus versucht, was ihr ertragen 
könnt (siehe Alma 13:28). Ihr müßt in euren 
täglichen Gebeten von ganzem Herzen dar- 
um bitten, daß Gott euch hilft, eurer Ver- 
pflichtung zur sittlichen Reinheit treu zu 
bleiben. Wenn ihr das tut, segnet er euch mit 
der Kraft, sittlich rein zu bleiben. 

Denkt daran, junge Männer: nur wer rein 
ist, ist stark. Der Herr hat gesagt: „Macht vor 
mir euer Herz rein; und dann geht hinaus in 
alle Welt, und predigt mein Evangelium 
jedem Geschöpf, das es noch nicht emp- 
fangen hat." (LuB 112:28.) Ein Missionar 
macht diese Erfahrung schon zu Beginn sei- 
ner Mission und bemüht sich sehr darum, 
würdig zu sein, damit er mit Kraft dienen 
kann. 

Nun ein Wort an diejenigen von euch, die 
das Sittengesetz bereits verletzt haben. Es 
besteht durchaus noch Hoffnung auf Um- 
kehr. Das Sühnopfer des Erretters ver- 
schafft euch Vergebung, wenn ihr voll und 
ganz umgekehrt seid. Ihr müßt wegen der 
Sünde leiden, aber ihr könnt auch die Freu- 
de völliger Vergebung erfahren. Euer Bi- 
schof kann euch auf dem Weg der Umkehr 
zur Seite stehen, sprecht deshalb so bald wie 
möglich mit ihm. Ihr müßt euch auch durch 
Beten um göttliche Vergebung bemühen. 
Alma hat gesagt: „Erst als ich den Herrn 
Jesus Christus um Barmherzigkeit anrief, 
habe ich Vergebung für meine Sünden emp- 
fangen. Aber siehe, ich rief ihn an und fand 
Frieden für meine Seele." (Alma 38:8.) 
Wenn ihr einmal von euren Sünden gelas- 
senhabt, dann kehrt nie dahin zurück, denn 
„zu der Seele, die sündigt, werden die frü- 
heren Sünden zurückkehren" (LuB 82:7). 

Ich wiederhole heute abend das Gebet, 
das Präsident Hugh B. Brown vor über 
zwanzig Jahren in einer Versammlung wie 
dieser gesprochen hat, als sittliches Fehlver- 
halten bei den Jugendlichen noch nicht so 
weit verbreitet war wie heute. Er betete da- 
mals: „Vater, hilf den jungen Männern, die 
heute abend hier zuhören, wenn sie nach 
Hause kommen und niederknien und sich 
dir verpflichten, daß sie wissen werden, 
und ich verheiße ihnen in deinem Namen, 
daß sie es wissen mögen, nämlich daß sie die 
Zukunft mit deiner Hilfe nicht zu fürchten 
brauchen." (Generalkonferenz, Oktober 
1967.) 

Brüder, wir brauchen die Zukunft nicht zu 
fürchten, wenn wir die Gebote des Herrn 
halten und als seine würdigen Diener leben. 
Ihr könnt sittlich rein bleiben und euch jetzt 
auf eine glückliche Zukunft vorbereiten. 
Möge der Herr jeden von euch segnen, daß 
ihr so lebt; darum bete ich von Herzen. Im 
Namen Jesu Christi. Amen. □ 



JANUAR 1991 

36 



Kanalhüpfen 

Eider Marion D. Hanks 

von der Präsidentschaft der Siebziger 



„Wir sind auf dieser Erde, um gemäß dem Beispiel des Vaters und des 
Sohnes, zu lernen, so sehr zu lieben, daß wir geben, daß wir unsere 
Entscheidungsfreiheit selbstlos gebrauchen. " 




VT or einigen Tagen habe ich vor einer 
großen Gruppe von Jugendlichen 
eine Ansprache gehalten. Kurz da- 
nach erhielt ich den Brief einer Mutter, die 
mit ihrem Mann, einem Bischof, ihren vier- 
zehnjährigen Sohn und einige seiner Freun- 
de zur Versammlung begleitet hatten. Dies 
ist der Schluß ihres Briefes: 

„Ich danke Ihnen von ganzem Herzen . . . 
Sie haben einmal ernsthaft zu unseren Ju- 
gendlichen gesprochen, die sonst nur im- 
mer hören, wie gut sie sind. Sie sind gut, 
aber manchmal müssen sie sich auch 
ernsthaft Gedanken machen. Sie haben 
ihnen geholfen, dies zu tun. Vielen Dank." 

Ich freute mich darüber, daß meine Worte 
in jener Versammlung wenigstens einige 
zum ernsthaften Denken angeregt hatten. 
An dem Abend sprach ich von der Ange- 
wohnheit des Kanalhüpfens, die manche 
Leute befällt, wenn sie vor dem Fernseher 
oder Radio sitzen; auch, daß ich in der Vor- 
bereitung etwas Ähnliches getan hatte, in- 
dem ich durch meine Erinnerungen und 
Aufzeichnungen gehüpft war. Ich hatte aus 
meinen vielen Erlebnissen und Gedanken 
einige herausgesucht, die in denen, die mir 
ernsthaft zuhören und später darüber nach- 
denken würden, eine Änderung bewirken 



würden. Heute abend möchte ich mit Ihnen 
das gleiche unternehmen. 

Ich sehe auf meinem Bildschirm einen Va- 
ter auf einer kurzen Geschäftsreise. Er hat 
seinen fünfjährigen Sohn mitgenommen 
und wünscht sich fast, daß er nicht da wäre, 
denn der Flug ist ziemlich stürmisch. Es gibt 
Luftlöcher und Aufwinde, Gegenwinde 
und Rückenwinde lösen einander ab. Und 
einigen Passagieren wird es schlecht. Be- 
sorgt schaut der Vater seinen Sohn an und 
stellt fest, daß er über das ganze Gesicht 
grinst. „Vati", sagt er, „tun sie das nur, da- 
mit wir Kinder Spaß haben?" 

Gute Eltern, Familien, Führer und Freun- 
de bemühen sich, den Kindern Freude zu 
bereiten, aber sie denken dabei an zuträgli- 
che Freude, die niemandem schadet, die 
den Geist erhebt und an die man sich gerne 
erinnert, morgen, ein Leben lang und auf 
ewig. Sie vermindert nicht die wahre, dau- 
ernde Freude, die wir in diesem Leben er- 
fahren sollten. 

Der nächste Bildschirm zeigt das ganz 
deutlich - ein edler, lebender Vater gibt sei- 
nen Kindern kurz vor seinem Tod noch 
Zeugnis. Lehi sagt: 

„Diese wenigen Worte spreche ich zu 
euch allen ... in den letzten Tagen meiner 
Bewährung; und ich habe - gemäß den Wor- 
ten des Propheten - das gute Teil erwählt. 
Und es kommt mir allein auf das immer- 
währende Wohlergehen eurer Seele an." 
(2 Nephi 2:30.) 

Das ist auch das Ziel eines jeden guten Va- 
ters, jeder guten Mutter, aller Großeltern, 
Lehrer, Priestertumsführer und Freunde. 

Wenn wir heute abend schnell von einem 
Bild zum andern umschalten, dann achten 
Sie darauf, wie die Prinzipien der Liebe und 
der Entscheidungsfreiheit Denken und 
Handeln durchdringen. Es sind wesentliche 
Prinzipien des Evangeliums, an denen das 
ganze Gesetz und die Propheten hängen. 
Dies sagte Jesus von dem Gebot, Gott und 
unseren Nächsten zu lieben. Sie heben auch 
unsere Verantwortung hervor, was unsere 
Entscheidungen bezüglich der übrigen Tu- 
genden und Wertvorstellungen betrifft. 



Die Bibel lehrt uns, daß Gott die Welt so 
sehr liebte, daß er seinen einzigen Sohn hin- 
gab; im Buch , Lehre und Bündnisse' lesen 
wir, daß Jesus Christus, der Erlöser, die Welt 
so sehr geliebt hat, daß er sein Leben hinge- 
geben hat. 

Gott liebte so sehr, daß er gab. 

Christus liebte so sehr, daß er gab. 

Wir sind auf dieser Erde, um gemäß dem 
Beispiel des Vaters und des Sohnes zu ler- 
nen, so sehr zu lieben, daß wir geben, daß 
wir unsere Entscheidungsfreiheit selbstlos 
gebrauchen. Wir sind hier, um zu lernen, 
den Willen des Vaters zu tun. 

Die Liebe, von der wir sprechen, ist nicht 
nur ein Wort oder ein Gefühl oder eine Emp- 
findung. Johannes schrieb: „Meine Kinder, 
wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, 
sondern in Tat und Wahrheit." (1 Johannes 
3:18.) 

Wir betrachten das Teilen und Geben, das 
Wohlwollen, und die Güte nicht als beliebi- 
ge Elemente des Evangeliums sondern als 
dessen Wesenskern. Anstand, Ehre und 
Selbstlosigkeit werden von uns erwartet. 
Zuletzt kommt es darauf an, wie wir wirk- 
lich sind, und daß wir uns täglich und 
stündlich beweisen. Jesus sagte: „Siehe, ich 
bin das Licht, das ihr hochhalten sollt - das, 
was ihr mich habt tun sehen." (3 Nephi 
18:24.) 

Eine rührende und traurige Szene kommt 
auf den Bildschirm, wenn wir den Kanal än- 
dern. Ein trauernder Vater sitzt mit seinen 
beiden Kindern nach einer provisorischen 
Mahlzeit vor dem Fernseher. Die Kinder wa- 
ren bei der Großmutter, während die Mut- 
ter, die an einer schweren Krankheit litt, im 
Sterben lag. Nach der Beerdigung sind sie 
nun wieder zu Hause. Das kleine Mädchen 
schläft ein und wird zu Bett gebracht. Der 
kleine Junge kämpft gegen den Schlaf, bis er 
endlich seinen Vater fragt, ob er nur heute 
abend mit in seinem Bett schlafen kann. Als 
sie endlich still in der Dunkelheit nebenein- 
ander liegen, fragt der Kleine: „Vati, schaust 
du mich an?" „Ja, mein Sohn, ich schaue 
dich an." 

Danach schläft der Junge erschöpft ein. 
Der Vater wartet eine Weile und ruft dann 
weinend: „Gott, schaust Du mich an? Wenn 
ja, dann kann ich es wohl schaffen. Ohne 
dich schaffe ich es nie." 

Der Vater im Himmel schaut uns wirklich 
an. Er liebt uns und möchte, daß wir den 
Weg wählen, der uns zu Glücklichsein und 
ewigem Leben führt. In seinem Plan bevoll- 
mächtigt er uns, für ihn zu handeln, damit 
wir uns um unsere Kinder kümmern, die 
auch seine Kinder sind. Aber er zwingt uns 
nicht, Entscheidungen zu treffen, die uns 
glücklich machen. Aber er hat einem jeden 
von uns das Recht und die Verantwortung 
übertragen, uns selbst zu entscheiden, und 
wir müssen dafür Rechenschaft ablegen. Er 



DER STERN 



37 




Eider Adney Y. Komatsu und Eider Yoshihiko Kikuchi von den Siebzigern. 



wirkt nicht nur in unserem Leben. Er wird 
auch davon beeinflußt. Manchmal weint er 
über uns. 

Derselbe Prophet Nephi, von dem wir 
eben sprachen, belehrte seine Kinder: 

„Weil sie . . . erlöst sind, so sind sie für im- 
mer frei geworden, denn sie können Gut 
von Böse unterscheiden; sie bestimmen ihr 
Handeln selbst, und es wird nicht über sie 
bestimmt . . . Und es ist ihnen gewährt . . . 
Freiheit und ewiges Leben zu wählen - oder 
aber Gefangenschaft und Tod." (2 Nephi 
2:26,27.) 

Andern Sie den Kanal mit mir zu einer 
Szene am Samstagabend in einer Küche auf 
einer Ranch. Ein Junge, der gerade telefo- 
niert, fragt seine Mutter: „Mutti, Robert ist 
am Telefon. Er und sein Vater und Tom und 
sein Vater fahren morgen mit dem Motor- 
schlitten auf Jagd, und sie möchten, daß ich 
mitkomme." 

Die Mutter ist über die Frage überrascht 
und unsicher in ihrer Antwort. (Später er- 
klärt sie, daß sie versucht war, eine scharfe 
Antwort zu geben, ihn daran zu erinnern, 
daß er sonntags Pflichten hat und daß sie 
sonntags mit der ganzen Familie zur Kirche 
gehen. Daß Vater dies nie zulassen würde.) 
Statt dessen sagte sie: „Richard, du bist 
12 Jahre alt. Du trägst das Priestertum. Du 
bist Kollegiumspräsident der Diakone. Ich 



bin sicher, daß Vati möchte, daß du dich 
selbst entscheidest und Robert selbst ant- 
wortest." 

Der Junge geht wieder ans Telefon, und 
die Mutter betet in ihrem Zimmer, daß ihr 
Sohn die richtige Antwort geben wird. Sie 
sprechen nicht mehr darüber. Der Junge 
und seine Eltern gehen am nächsten Mor- 
gen in die Stadt zur Kirche. Sie parken auf 
der anderen Straßenseite, und als sie Arm in 
Arm über die Straße gehen, fährt ein Last- 
wagen vorbei. Auf der Ladefläche stehen 
die Motorschlitten, am hinteren Fenster 
hängen die Gewehre. Die Jungen winken 
Richard zu, als sie vorbeifahren. Er wartet 
einen Augenblick und sagt dann: „Ich 
wünschte . . . (seine Mutter hält den Atem 
an) ich wünschte, ich hätte Bob und Tom da- 
zu bringen können, mit zur Priestertums- 
versammlung zu kommen." 

Die Mutter, die uns die Geschichte er- 
zählt, dankt dem Herrn für die Entschei- 
dung, die dieser gute Junge getroffen hat. 
Sie weint, als sie erklärt, wie wichtig diese 
Entscheidung für sie alle war. Ihr Sohn kam 
nämlich dieselbe Woche bei einem Unfall 
ums Leben. 

Wieder wechseln wir den Kanal und lesen 
den klassischen Ausspruch eines großen 
Mannes: „O meine Seele, beachte den Weg, 
den du betrittst. Wer das eine Ende des 



Stocks aufhebt, hält auch das andere Ende. 
Wer den Anfang eines Weges betritt ent- 
scheidet sich auch für das Ende." (Harry 
Emerson Fosdick.) 

Ich möchte euch jungen Männern heute 
abend ein trauriges Erlebnis erzählen. Es be- 
trifft einen vielversprechenden jungen 
Mann während des Krieges auf einem 
Schiff, der einen Weg wählte, der ihn dort- 
hin führte, wohin er nie im Leben wollte. 
Man kann seinen Fehler im Anfang verste- 
hen. Er war jung und weit von zu Hause, 
seinen Freunden und den vertrauten 
Grundsätzen, und er wollte unabhängig 
sein. Seine Absicht war nicht böse, aber er 
war ein wenig anmaßend und stolz. Er lehn- 
te guten Rat ab. Er ließ sich von solchen ver- 
leiten, die schon vor tausend Jahren im Buch 
Mormon beschrieben worden sind, in ihrer 
sündhaften Überredungskraft. Über sie 
steht geschrieben:,, Sie tun dies als Zeichen 
des Mutes." (Moroni 9:10.) 

Falsche Männer nachzuahmen, deren 
„Macho" -Ausblick im Leben traurig klein- 
mütig ist, kann nur ins Unglück führen. 

Es gibt Gut und Böse, und wir können den 
Unterschied herausfinden: 

„Darum kommt alles, was gut ist, von 
Gott; und das, was böse ist, kommt vom 
Teufel. . . . 

Meine Brüder, es ist euch gegeben zu ur- 
teilen, damit ihr Gut von Böse unterschei- 
den könnt; und wie man urteilen soll - so 
daß man mit vollkommenem Wissen wissen 
kann -, das ist so klar wie das Tageslicht ge- 
genüber der finsteren Nacht. 

Denn siehe, jedem Menschen ist der Geist 
Christi gegeben, damit er Gut von Böse un- 
terscheiden könne." (Moroni 7:12,15,16.) 

Ein neues Bild erscheint und verlangt Auf- 
merksamkeit. Ein kräftiger junger Football- 
spieler antwortet auf Fragen der Berichter- 
statter danach, wie er sich von seiner frühe- 
ren enttäuschenden Karriere so gut ent- 
wickelt habe. 

Was brachte die Änderung mit sich? 

„Wissen Sie," sagte er, „in der High 
School kann man seine eigene Welt zusam- 
menbauen und ist dann ihr König. In der 
wirklichen Welt ist man mit allen anderen 
zusammen und ist nur ein Teil davon." 

Es scheint, als ob er seine Entscheidungs- 
freiheit nun etwas klüger anwendet. Er hat- 
te einen Weg beschritten, der dorthin führ- 
te, wohin er nicht wollte, und er war er- 
wachsen genug gewesen, umzukehren und 
einen besseren Weg zu wählen. 

Ja, wir haben beim Kanalhüpfen durch 
unsere Beobachtungen und Erinnerungen 
bemerkenswerte Ereignisse gesehen. Eines 
der rührendsten betraf ein junges Mädchen, 
das von einer Studienkollegin zum Fami- 
lienabend eingeladen worden war und dort 
einen Geist und ein Mitgefühl erfahren hat- 
te, wie es sie nie zuvor kennengelernt hatte. 



JANUAR 19 91 



38 



Sie sagte, zu Hause habe sich seit ihrer Be- 
kehrung nichts wesentlich geändert; es gebe 
immer noch Zank und Alkohol und Flu- 
chen. „Aber", sagte sie, „es gibt ein Zimmer 
bei uns zu Hause, wo ich mich einschließen 
kann, wo ich die Heiligen Schriften lesen, 
gute Musik hören und wo ich beten kann, 
um den Geist des Herrn zu spüren. Eines Ta- 
ges, wenn der Herr mir hilft, werde ich ei- 
nen Mann heiraten und mit ihm eine Familie 
gründen, wo der Geist des Herrn immer 
sein kann." 

Da ist noch eine Szene, die ich aus meinem 
Tagebuch für sie heranholen möchte. Die er- 
nüchternde Wirklichkeit unseres derzeiti- 
gen Engagements im Nahen Osten, wo viele 
unserer Leute sich in einer bedrohlichen Ge- 
fahr befinden, macht mir diese Erinnerung 
besonders kostbar. Ich habe es im Mai 1967 
in Nha Trang, Vietnam geschrieben: 

„Wir hatten heute morgen eine denkwür- 
dige Versammlung, in der uns der Geistli- 
che einer anderen Kirche mit den Worten be- 
grüßte: , Meine Brüder in Christus.' Ich war 
tief gerührt, und die Versammlung verlief in 
dem gleichen Geist, in dem sie begonnen 
hatte. Es war eine besonders beeindrucken- 
de Versammlung; der Geist war stark zu 
spüren. 

In dem Raum, in dem wir uns versammel- 
ten, war es ungemütlich warm. Die beiden 
alten Klimageräte schafften es nicht. Als wir 
endlich die Tür öffneten, stellten wir fest, 
das es draußen kühler war als drinnen. 
Trotzdem fühlten wir einen guten Geist. 

Nach der Versammlung ging ich den Kor- 
ridor entlang, der parallel zum Versamm- 
lungsraum verlief. Als ich an der hinteren 
Tür vorbeikam, sah ich, daß einige Männer 
einen Sichtschirm gebildet hatten, der die 
jungen Männer im großen Saal von einer 
kleinen Gruppe trennte. Drei Männer hat- 
ten dem vierten, der auf einem Stuhl saß, 
die Hände aufgelegt. Alle hatten Kampfuni- 
formen an; zwei waren gerade noch vor der 
Versammlung von Fliegerangriffen im Nor- 
den zurückgekommen, einer mußte bald ge- 
hen. Die drei Mitglieder der Distriktspräsi- 
dentschaft gaben einem höheren Offizier ei- 
nen Segen und setzten ihn als Distriktsmis- 
sionar ein." 

Aus irgendeinem Grund traf mich diese 
Szene tiefer als irgendeine Priestertumsre- 
de, die ich gehört habe. Diesen Männern be- 
deutete das Priestertum das Recht und die 
Kraft zu dienen, im Namen und als Vertreter 
des Herrn für ihre Mitmenschen zu amtie- 
ren. Diese Szene werde ich hoffentlich nie 
vergessen. 

Die Schrift lehrt: „Meine Söhne, seid jetzt 
nicht nachlässig! Euch hat ja der Herr dazu 
erwählt, daß ihr vor ihm steht und ihm 
dient." (2 Chronik 29:11.) 

Daß wir das glaubenstreu tun, darum bete 
ich im Namen Jesu Christi. Amen. D 



Dem Propheten folgen 



Eider J Ballard Washburn 

von den Siebzigern 



„Ezra Taft Benson ist auf die Welt gekommen, um Prophet zu werden; 
er hat so gelebt, daß er es werden konnte, und Gott hat ihn berufen, in 
unserer Zeit Prophet zu sein. Er lebt uns beispielhaft vor, was Dienen 
und Ausdauern bedeuten und wir tun gut daran, ihm nachzufolgen. " 



ich glaube, die Mutter können wir retten.' 
Während Dr. Cutler fieberhaft um Sarah 
Benson bemüht war, eilten die Großmütter 
in die Küche. Sie beteten still bei ihrem Tun 
und kehrten kurz darauf mit zwei Töpfen 
zurück - in einem war kaltes, im anderen 
warmes Wasser. Sie tauchten das Baby ab- 
wechselnd in das kalte und in das warme 
Wasser, bis sie endlich einen Schrei hörten. 
Der elf Pfund schwere Junge lebte! Später 
bezeugten beide Großmütter, der Herr habe 
dem Kind das Leben gewährt. George und 
Sarah Benson gaben ihm den Namen Ezra 
Taft." (Sheri L. Dew, Ezra Taft Benson: A Bio- 
graphy, Seite 13f.) 

Als Ezra Taft Benson zwölf Jahre alt war, 
wurde sein Vater auf Mission berufen, und 
weil Ezra der Älteste war, mußte er sich sei- 
ner Mutter, die wieder ein Kind erwartete, 
und seiner sechs Geschwister annehmen. 
Sie erkrankten alle an den Pocken, und die 
Mutter war fast dem Tod nahe, aber sie wei- 
gerten sich, den Vater heimzurufen, wie der 
Arzt es heftig verlangte. Und der Herr seg- 
nete sie, und sie meisterten diese und ande- 
re schwierige Situationen, während der Va- 
ter auf Mission war. 

„Zu Beginn des Frühjahrs 1920 verbrachte 
Ezra Taft Benson ein Wochenende in Logan, 
um sich für das Wintersemester am College 
einzuschreiben. Er und ein Vetter standen 
an der Main Street, als eine attraktive junge 
Frau in einem Ford-Cabrio vorbeifuhr und 
einer Freundin zuwinkte. Ein paar Minuten 
später fuhr sie wieder vorbei und winkte 
wieder. ,Wer ist das?' fragte Ezra. , Flora 
Amussen', antwortete der Vetter. Etwas an 
der jungen Frau beeindruckte Ezra, und er 
sagte begeistert: ,Wenn ich im Winter her- 
komme, werde ich mit ihr ausgehen.' ,Das 
kannst du dir aus dem Kopf schlagen', 
meinte sein Vetter. ,Für einen Burschen vom 
Lande wie dich hat sie gar keine Augen.' 
,Das macht es um so interessanter', entgeg- 
nete Ezra. Er hatte ganz deutlich das Gefühl, 
er werde sie einmal heiraten." (Dew, Seite 
46f.) 

Im Sommer 1921, mit einundzwanzig Jah- 
ren, erhielt Ezra Taft Benson einen Brief von 




Brüder, es ist eine Ehre, mit Ihnen zu- 
sammenzusein. Ich bete von Herzen, 
der Geist möge mich leiten. Ich möch- 
te über Augenblicke aus dem Leben unseres 
Propheten sprechen, damit wir uns vorneh- 
men, uns mehr darum zu bemühen, ihm 
ähnlich zu sein - wahre Jünger Jesu Christi 
zu sein. 

Eider Kimball hat einmal F. M. Bareham zi- 
tiert, der folgendes gesagt hat: „Wenn es ein 
Unrecht zurechtzurücken, eine Wahrheit zu 
verkünden oder einen Kontinent zu ent- 
decken gilt, [und, so können wir hinzufü- 
gen, wenn Gott will, daß wir das Buch Mor- 
mon lesen], dann sendet Gott dazu ein klei- 
nes Kind in die Welt." (Generalkonferenz, 
Aprü 1960.) 

Und so war es auch am 4. August 1899 in 
Whitney, Idaho. Bei Sarah Benson began- 
nen die Geburtswehen. Ihr Mann George 
gab ihr einen Segen. „Dr. Allan Cutler stand 
ihr im Schlafzimmer ihres Farmhauses bei, 
und auch beide Großmütter, Louisa Benson 
und Margaret Dunkley, waren da. Die Ge- 
burt zog sich lange hin. Als das Baby, ein 
recht großer Junge, geboren war, konnte der 
Arzt es nicht dazu bringen, zu atmen, und 
so legte er es rasch auf das Bett und sagte: 
,Für das Kind besteht keine Hoffnung, aber 



DER STERN 



39 





Die Statue des Engels Moroni auf dem Dach des Salt-Lake-Tempels. 



Präsident Heber J. Grant, der ihn nach 
Großbritannien auf Mission berief. Am 14. 
Juli 1921 ging er mit seinen Eltern in den Lo- 
gan-Tempel, und zwei Tage darauf verab- 
schiedete er sich von seinen Eltern und sei- 
ner Freundin und reiste nach England ab. 
Eider Benson studierte viel und arbeitete 
viel, aber er hatte das Gefühl, er sei nicht gut 
genug, und schrieb in sein Tagebuch, seine 
unbeholfenen Versuche, in der Öffentlich- 
keit zu sprechen, widerten ihn an. Aber er 
erlangte größere geistige Reife, und einmal 
wurde er gebeten, im Zweig South Shields 
eine Ansprache zu halten. Er hatte den Auf- 
trag, über den Abfall vom Glauben zu spre- 
chen, aber statt dessen hielt er „,eine ein- 
dringliche, beeindruckende Ansprache dar- 
über, daß das Buch Mormon wahr ist'" . 
Später sagte er: „ ,Ich sprach mit einer Leich- 
tigkeit, die ich noch nie erlebt hatte. An- 
schließend konnte ich mich nicht mehr dar- 



an erinnern, was ich gesagt hatte, aber meh- 
rere Nichtmitglieder kamen zu mir und sag- 
ten: „Wir haben heute abend das Zeugnis 
erhalten, daß Joseph Smith ein Prophet Got- 
tes war, und wollen uns taufen lassen." Es 
war ein überaus denkwürdiges Erlebnis. . . . 
Es war das erste Mal, daß ich auf solche Wei- 
se erfahren habe, daß der Herr mit mir 
war.'"(Dew, Seite 55.) 

Am 10. September 1926 heiratete Ezra Taft 
Benson im Salt-Lake-Tempel seine Freun- 
din, nachdem sie beide auf Mission gewesen 
waren. Er sagte, seine Frau habe mehr an 
ihn geglaubt als er selbst. Nach vierund- 
sechzigj ähriger Ehe sind sie uns allen ein 
Vorbild an Liebe und Hingabe. 

Jeder von euch jungen Männern kann wis- 
sen, daß der Herr mit ihm ist und daß er je- 
den von euch liebt. Ihr könnt diesem großen 
Propheten folgen und eine Mission erfüllen 
und im Tempel heiraten. Wie er könnt ihr 



euer Leben lang dienen und ein Jünger Jesu 
sein. 

Als Präsident Kimball starb, wohnten wir 
in Arizona. Präsident Kimball war bei uns zu 
Hause gewesen. Wir waren gemeinsam mit 
ihm zum Familiengebet niedergekniet, und 
er hatte mit uns Brot gegessen und Milch ge- 
trunken. Wir wußten, daß er ein Prophet 
Gottes war. 

Ich habe mir vom Geist das Zeugnis ge- 
wünscht, daß Präsident Benson der erwähl- 
te Prophet Gottes ist. Ich wollte mehr wis- 
sen, als bloß daß er ein guter Mensch ist und 
in der Amtsnachfolge nach Präsident Kim- 
ball kam. Der Herr war gütig zu mir, und 
nach Fasten und Beten habe ich durch den 
Geist das Zeugnis empfangen, daß Präsi- 
dent Benson wirklich der erwählte Prophet 
Gottes für unsere Zeit ist - mit einer beson- 
deren Berufung und Botschaft für unsere 
Zeit. 

Es gibt heute Tausende, die ein geistiges 
Erwachen erfahren haben, weil sie das Buch 
Mormon studieren und danach leben, so 
wie Präsident Benson uns ermahnt hat. Es 
gibt Tausende, die das Gefühl haben, daß 
der Prophet zu ihnen persönlich gesprochen 
hat, wenn er sich an die jungen Männer der 
Kirche, die Jungen Damen der Kirche, die 
Kinder, die Älteren, die Eltern gewandt hat. 
Es gibt Tausende, die heute bessere Men- 
schen sind, weil sie sich vom Stolz befreit 
haben, wie er uns geraten hat. 

Ja, wir danken dir, Gott, für den Prophe- 
ten, der jetzt in der Endzeit uns führt. 

Ich bezeuge, Ezra Taft Benson ist auf die 
Welt gekommen, um Prophet zu werden; er 
hat so gelebt, daß er es werden konnte, und 
Gott hat ihn berufen, in unserer Zeit Pro- 
phet zu sein. Er lebt uns beispielhaft vor, 
was Dienen und Ausharren bedeuten, und 
wir tun gut daran, ihm nachzufolgen. 

Zum Schluß möchte ich den Text eines 
Liedes vorlesen, das der Chor der Jungen 
Damen heute gesungen hat und in dem zum 
Ausdruck kommt, was wir für unseren Pro- 
pheten empfinden: 

Wir beten stets für dich, unser Prophet; 
daß der Herr gnädiglich stets bei dir steht. 
Dir leuchte Gottes Licht auf jedem Steg, 
daß dir sein heller Schein zeige den Weg! 
Wir beten stets für dich, mit Herz und Sinn! 
Gott führ dich Tag um Tag näher zu ihm. 
Dann führe du auch uns alle zugleich 
an deiner starken Hand in Gottes Reich! 
Wir beten stets für dich in Liebe treu! 
Gott, der Herr, segne dich immer aufs neu. 
Du dienst in Liebe uns gütig und wahr: 
Gott, der Herr, sei mit dir auf immerdar! 
(Gesangbuch, Nr. 190.) 

Möge Gott seinen Propheten segnen und 
erhalten, und mögen wir ihm nachfolgen. 
Darum bete ich im Namen Jesu Christi. 
Amen. D 



JANUAR 1991 



40 



Ein Schlüssel 
für die Ewigkeit 

Eider Durrell A. Woolsey 

von den Siebzigern 



„Alles Geld in der Welt, auch hervorragende weltliche 
Leistungen . . . können Sie und Ihre Familie nicht intakt zum 
himmlischen Vater zurückführen. " 



Tages den Motten und dem Rost zum Opfer 
fallen. Die Priestertumsschlüssel, die zum 
Führen und Präsidieren ermächtigen, sind 
zwar wesentlich, aber auch sie sind eigent- 
lich vergänglich. Nachdem man treu ge- 
dient hat, gibt man diese Schlüssel doch ein- 
mal an einen anderen weiter. 

Unseren patriarchalischen Schlüssel dür- 
fen wir allerdings behalten. Väter, ihr habt 
den Schlüssel in der Hand, mit dem ihr das 
Werk verrichten könnt, das die Propheten 
als wesentlich bezeichnen. Präsident Ha- 
rald B. Lee hat gesagt: „Die wichtigste Ar- 
beit für den Herrn, die Sie jemals tun wer- 
den, ist das, was Sie in Ihren vier Wänden 
tun." Und Präsident McKay hat uns er- 
mahnt: „Ein Versagen in der Familie läßt 
sich durch keinen sonstigen Erfolg wettma- 
chen." 

Viele Menschen in der Welt sind bestürzt, 
und das mit Recht, weil die Familie ausein- 
anderbricht. Die größte Kraft, die wir die- 
sem Zerfall entgegensetzen können, ist ein 
redlicher, treuer Vater, der seine Familie in 
Rechtschaffenheit führt. Es geht darum, voll 
Freude alles zu tun, was nötig ist, damit Sie 
und Ihre Familie gemeinsam zum himmli- 
schen Vater zurückkehren können. 

Es wird wahrscheinlich nicht von uns ver- 
langt, daß wir so große Mühsal auf uns neh- 
men müssen wie die Pioniere der Kirche. 
Die Herausforderung, vor der wir stehen, ist 
viel finsterer und zermürbender. Sie tritt oft 
unter einer verwirrenden Maske auf, zum 
Beispiel als mißverstandene Rechte und 
Entscheidungsfreiheit oder als die Ver- 
lockungen der irregeführten Welt. Jeden Tag 
sehen wir, wie in der Welt alles nach Ver- 
gnügen und Spannung lechzt und jeder nur 
auf seinen Vorteil bedacht ist. 

Der Christusgegner Korihor, der im Buch 
Mormon auftritt, verbreitete eine ähnlich 
schädliche Lehre, nämlich: „Er sagte ihnen, 
daß keine Sühne für die Sünden vollbracht 
werden könne, sondern daß es jedermann 
in diesem Leben so ergehe, wie es der Fähig- 
keit des einzelnen Geschöpfes entspreche; 




Meine lieben Brüder im Priestertum, 
der Herr Jesus Christus hat gesagt : 
„Was nützt es einem Menschen, 
wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber 
sein Leben einbüßt?" (Markus 8:36.) Wir 
könnten auch sagen: „. . . sein Leben und 
seine Familie einbüßt?" 

Als ich von Kalifornien nach Salt Lake City 
fuhr, um dort geschult und für meine Mis- 
sion in Arizona eingesetzt zu werden, be- 
kam ich plötzlich einen großen Schrecken. 
Ich hatte alle meine Schlüssel verloren. Ich 
hatte die Schlüssel zu den Autos, zum Haus, 
zur Firma und zu meiner Berufung in der 
Kirche zu Hause gelassen. Jetzt hatte ich das 
deprimierende Gefühl, ich hätte überhaupt 
keine Schlüssel mehr, und meine Taschen 
kamen mir richtig leer vor. 

Da kam mir der freudige Gedanke, daß ich 
den wichtigsten aller Schlüssel, einen 
Schlüssel, den ich in Ewigkeit behalten 
kann, wenn ich würdig bleibe, ja noch hatte . 
Dieser Schlüssel ist natürlich der patriarcha- 
lische Schlüssel in bezug auf meine Familie. 

Mir wurde bewußt, wie vergänglich die 
meisten Schlüssel sind, vor allem die 
Schlüssel zu materiellen Dingen, die eines 



darum gehe es jedem Menschen so gut, wie 
es seiner Begabung entspreche, und jeder 
Mensch behaupte sich, wie es seiner Kraft 
entspreche; und was auch immer jemand 
tue, das sei kein Verbrechen. " (Alma 30:17.) 
Das paßt sehr gut zu manchem, was heute in 
der Welt verkündet wird. 

Wo gibt es dann noch Sicherheit? Wie 
schafft ein Vater es, seinen kostbarsten Be- 
sitz sicher über die Riffe und Untiefen zu ge- 
leiten? 

Vater, Sie müssen für Ihre Kinder ein Held 
sein. Sie brauchen einen Helden. Ihre Al- 
tersgenossen üben starken Druck auf sie 
aus, und sie sind sehr versucht, die soge- 
nannten Helden von heute zu verehren, die 
der Beachtung und vor allem der Nachah- 
mung gewiß nicht würdig sind. Die Helden 
und Superstars in Sport und Unterhaltung, 
deren es viele gibt, sind häufig ein Beispiel 
für Unehrlichkeit, Wankelmut und Untreue. 
Wie Korihor sagt, stellen sie ihre Charakter- 
schwäche und Unmoral zur Schau, „wie es 
der Fähigkeit des einzelnen Geschöpfes 
[entspricht]" (Vers 17), und die Welt him- 
melt sie an. 

Kann und muß der Vater nicht der Held 
seiner Kinder sein? Ein Vater, der der Auf- 
merksamkeit und Nachahmung würdig ist? 
Ganz gewiß, aber wie? 

Zunächst einmal müssen Sie Ihre Zeit 
großzügig zur Verfügung stellen. Nicht hier 
und da einen oberflächlichen Augenblick, 
nicht den müden, abgegriffenen Satz: „Dar- 
über reden wir später", sondern kontinuier- 
lich und großzügig einen Teil Ihres Tages, 
auch wenn Sie dafür auf Geselligkeit, Unter- 
haltung und sogar Einkommen verzichten. 
Alles Geld in der Welt, auch hervorragende 
weltliche Leistungen, zu denen auch die 
oberen Sprossen der Erfolgsleiter oder die 
Freude an sportlicher Betätigung gehören, 
können Sie und Ihre Familie nicht intakt 
zum himmlischen Vater zurückführen. 

Präsident Joseph F. Smith hat einmal die 
folgende Aussage des Herrn zitiert: „Was 
nützt es einem Menschen, wenn er die gan- 
ze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben ein- 
büßt?" (Markus 8:36.) Und er hat dazu ge- 
sagt: „Was würde es mir nützen, wenn ich in 
die Welt hinausginge und Fremde für die 
Herde Gottes gewänne und darüber meine 
Kinder verlöre? Ach, Gott, laß mich nicht 
meine Kinder verlieren! Ich kann es mir 
nicht leisten, meine Kinder zu verlieren, die 
Gott mir geschenkt hat und für die ich vor 
dem Herrn verantwortlich bin und die mei- 
ne Führung und Weisung, meinen Einfluß 
brauchen." (Gospel Doctrine, Seite 462.) 

Die Errettung unserer Familie verlangt 
uns alles ab, was wir haben, damit wir alles 
erretten, was wir haben. Sie setzen also Ihre 
Zeit ein. Großartig! Das wird sich fast un- 
mittelbar auf Sie und Ihre Familie positiv 
auswirken. 



DER STERN 



41 



Was kommt als nächstes? Ich habe die 
Treue erwähnt. Es ist ganz wesentlich, daß 
Sie Ihrer Frau unerschütterlich treu sind; Sie 
haben es ihr fest versprochen. Das Beispiel 
eurer großen Liebe und Achtung, euer Eins- 
sein dient als Leitbild, dem eure Kinder gern 
folgen werden. Eure Stimmen und euer 
Handeln stellen eine geschlossene Front 
dar, und so führen Sie Ihre kleine Familie 
mit dem Posaunenton der Stärke und Einig- 
keit zur Sicherheit. Zur Treue gehören Erge- 
benheit und Hingabe. Sie bestärken Sie in 
der Treue. 

„Du sollst deine Frau von ganzem Herzen 
lieben und sollst an ihr festhalten und an kei- 
ner anderen." (LuB 42:22.) 

Vater, die heiligen Schriften sind Ihnen ei- 
ne große Hilfe. Ehe Sie in eine komplizierte 
Maschine investieren und sie in Betrieb set- 
zen würden, würden Sie doch sicher erst die 
Betriebsanleitung genau studieren. Und Sie 
würden sie auch immer wieder zu Rate zie- 
hen. Die Betriebsanleitung für Ihre kompli- 



zierte, recht beträchtliche Investition, Fami- 
lie genannt, ist gewiß das Original, nämlich 
die Schrift, die wir so sehr lieben. Dort fin- 
den Sie Anweisungen und Beispiele. Oft 
finden Sie die Antwort schon, ehe sich die 
Frage überhaupt gestellt hat. Sie müssen 
täglich darin forschen. Unerläßlich ist es 
auch, daß Sie durch tägliches Beten allein 
und mit der Familie die Verbindung zur 
Quelle aller Weisheit und Wahrheit auf- 
rechterhalten. 

Und zu guter Letzt, woher könnten wir 
bessere Weisung erhalten als von unserem 
Propheten? Indem Sie den Führern der Kir- 
che folgen, hüllen Sie sich und Ihre Familie 
in ein großes Sicherheitsnetz. Vater, es ist 
ein Segen für Sie, daß Sie den Sprecher Got- 
tes haben, der Ihnen sagt, wie Sie Ihre Fami- 
lie durch die Schwierigkeiten der heutigen 
Zeit hindurchgeleiten können. Wer die Füh- 
rer der Kirche nicht hört oder sie ignoriert, 
wer ihre Weisungen mißachtet, verhält sich 
wie jemand, der sich in einem kleinen Boot 



ohne Kompaß anschickt, den Ozean zu 
überqueren. 

So sieht es also aus, Vater. Sie müssen der 
Held Ihrer Kinder sein und nicht nur ihre 
Beachtung, sondern auch ihre Nachahmung 
verdienen. Dazu müssen Sie ständig genug 
Zeit aufbringen, Sie müssen Ihrer Frau be- 
dingungslos treu und mit ihr in der Zielset- 
zung völlig eins sein. Dazu ist es erforder- 
lich, daß Sie sich ganz und gar auf den Herrn 
verlassen, das heißt, die Schriften studieren 
und beten. Dazu gehört auch, daß Sie in je- 
der Hinsicht den Führern der Kirche folgen 
- daß Sie hinhören und danach handeln. 
Diese einfache Formel wird Ihre geliebte Fa- 
milie einigen und stärken und Ihnen unge- 
zählte Segnungen vom himmlischen Vater 
eintragen. 

Möge Gott alle Väter in der Kirche segnen, 
daß sie den patriarchalischen Schlüssel zum 
Segen ihrer Familie auf rechtschaffene Wei- 
se erlangen und bewahren. Im Namen Jesu 
Christi. Amen. D 




Der Tempelplatz aus südlicher Richtung. Das Gebäude mit den Türmen, links vorn, ist die Assembly Hall. Dahinter ist das Kuppeldach des Tabernakels zu 
sehen. Rechts ist der Salt-Lake-Tempel und das zum Teil sichtbare Bürogebäude der Kirche zu sehen. Ganz rechts steht das frühere Hotel Utah, das jetzt für 
die Verwaltung der Kirche umgearbeitet wird. Das mit einer Kuppel ausgestattete Gebäude im Hintergrund ist das Kapitol, Sitz der Regierung von Utah. 



JANUAR 1991 



42 



Daß wir den Himmel 
berühren mögen 

Präsident Thomas S. Monson 

Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 



,,lhr werdet froh und glücklich, wenn ihr so lebt, wie der Herr es 
möchte, und wenn ihr Gott und euren Mitmenschen dient. " 




Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie 
ich als neuordinierter Diakon in der Prie- 
stertumsversammlung das Eröffnungs- 
lied gesungen habe: „Ihr Söhne Gottes, die 
zum Priestertum erwählet." Heute abend 
möchte ich euch allen, die ihr im Tabernakel 
und in den Kirchengebäuden weltweit ver- 
sammelt seid, zurufen: Ihr Söhne Gottes, 
die zum Priestertum erwählet, laßt uns an 
unsere Berufung denken und uns unserer 
Verantwortung bewußt werden, laßt uns 
unsere Pflichten lernen und unserem Herrn 
Jesus Christus nachfolgen. 

In Alter, Bräuchen und Nationalität mö- 
gen wir verschieden sein, aber wir gehören 
zu derselben Kirche und sind durch unsere 
Priestertumsberufung vereint. 

Vor zwei Wochen habe ich eine Abend- 
mahlsversammlung besucht, in der die Kin- 
der das Thema behandelten: Ich gehöre zur 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten 
Tage. Diese Jungen und Mädchen zeigten, 
daß sie sich auf den Dienst für den Herrn 
und ihre Nächsten vorbereiten. Der Gesang 
war schön, die Vorträge gut, und es herr- 
schte ein himmlischer Geist. Mein elfjähri- 
ger Enkel sprach in seinem Teil im Pro- 



gramm von der ersten Vision. Nachdem er 
sich dann zu uns gesetzt hatte, sagte ich zu 
ihm: „Tommy, ich denke du bist bald bereit, 
ein Missionar zu sein." 

Er antwortete mir: „Noch nicht, ich muß 
noch viel lernen." 

Um ihm und allen Jugendlichen zu hel- 
fen, sich auf ihren Dienst vorzubereiten, ist 
auf Weisung der Ersten Präsidentschaft und 
des Kollegiums der Zwölf eine Broschüre 
herausgekommen, die den Titel trägt „Für 
eine starke Jugend". Diese Broschüre ent- 
hält Grundsätzliches aus den Äußerun- 
gen der Führer der Kirche und aus den Hei- 
ligen Schriften, und wenn man sich daran 
hält, wird man vom himmlischen Vater 
gesegnet und läßt sich von seinem Sohn 
führen. 

Ich möchte euch Teile der Einleitung zu 
der Broschüre vorlesen, wie ich es auch mit 
den Schwestern in ihrer Versammlung letz- 
te Woche getan habe. Dieser Leitfaden für 
die irdische Reise ist eine Straßenkarte, die 
hilft, einen unabweichbaren Kurs aufs ewi- 
ge Leben zu planen. Die Erklärung der Er- 
sten Präsidentschaft beginnt: 

„Liebe Junge Männer, liebe Junge Damen, 

wir möchten, daß ihr wißt, daß wir euch 
liebhaben. Wir setzen großes Vertrauen in 
euch. . . . 

Wir wünschen euch alles Rechte und Gute 
auf der Welt. . . . Ihr seid erwählte Geister; 
ihr wurdet zurückbehalten, um zu dieser 
Zeit hervorzukommen, wo die Versuchun- 
gen, die Aufgaben und die Möglichkeiten 
am größten sind. Ihr befindet euch in einer 
schwierigen Phase des Lebens. . . . 

Wir raten euch: Entscheidet euch dafür, 
ein sittlich reines Leben zu führen. . . . 

Man kann nicht schlecht handeln und sich 
gut fühlen. Das ist unmöglich! Wenn ihr den 
momentanen Wunsch nach Vergnügen be- 
friedigt, können viele glückliche Jahre verlo- 
rengehen. . . . 

Ihr vermeidet die Last der Schuld und der 
Sünde und alles damit einhergehende Her- 
zeleid, . . . wenn ihr euch an die Grundsätze 



haltet, die in der heiligen Schrift und in die- 
ser Broschüre beschrieben sind. . . . 

Wir beten darum, daß ihr - die junge, her- 
anwachsende Generation - Körper und 
Geist rein und von der Verschmutzung 
durch die Welt frei haltet, damit ihr geeigne- 
te und reine Gefäße seid und Aufgaben im 
Reich Gottes übernehmt, um das Zweite 
Kommen des Erretters vorzubereiten." 
(Einleitung zu der Broschüre Für eine starke 
Jugend.) 

Ich möchte mit euch, den jungen Män- 
nern der Kirche, die Grundsätze durchge- 
hen, die in dieser Einleitung erwähnt wur- 
den. Es handelt sich um zwölf Punkte, an 
die sich eine Zusammenfassung anschließt. 
Ich will auf jeden Grundsatz kurz eingehen. 

1. Mit einem Jungen bzw. Mädchen 
ausgehen 

Fangt an, euch auf die Tempelehe vorzu- 
bereiten. Angemessene Freundschaften ge- 
hören zur Vorbereitung auf die Tempelehe. 
Falls ihr in einem Kulturkreis lebt, in dem es 
üblich ist, daß Jungen und Mädchen mitein- 
ander ausgehen, so wartet damit, bis ihr we- 
nigstens sechzehn Jahre alt seid. Man muß 
als Jugendlicher nicht unbedingt einen fe- 
sten Freund bzw. eine Freundin haben, und 
manche wollen es auch gar nicht. Sorgt da- 
für, daß eure Eltern den Jungen bzw. das 
Mädchen kennenlernen, mit dem ihr ausge- 
hen wollt. Geht nur mit jemandem aus, der 
hohe Grundsätze hat, eure Grundsätze re- 
spektiert und euch hilft, die Grundsätze des 
Evangeliums Jesu Christi zu befolgen. 
Schließlich gehört dies mit zur Vorbereitung 
auf die Ehe. 

Legt Wert darauf, daß ihr euch in guter 
Umgebung aufhaltet, wo ihr nicht mit Ver- 
suchungen konfrontiert werdet. 

Ein weiser Vater hat einmal zu seinem 
Sohn gesagt: „Wenn du jemals siehst, daß 
du irgendwo bist, wo du nicht sein solltest, 
dann geh von dort weg!" Das ist für uns alle 
ein guter Rat. 

2. Kleidung und äußere Erscheinung 

Die Diener Gottes haben seinen Kindern 
schon immer geraten, sich anständig zu klei- 
den und so ihm und sich selbst Achtung zu 
erweisen. Wie ihr euch kleidet, sagt etwas 
über euch aus und hat oft Einfluß darauf, 
wie ihr selbst handelt oder wie andere han- 
deln. Kleidet euch darum so, daß es euch 
und eurer Umgebung zum Besten gereicht. 
Verfallt bei Kleidung und äußerer Erschei- 
nung nicht in ein Extrem. 

3. Freundschaften 

Jeder braucht gute Freunde. Euer Freun- 
deskreis hat großen Einfluß auf euer Den- 
ken und Verhalten, ebenso wie ihr das Den- 
ken und Verhalten eurer Freunde beein- 
flußt. Wenn ihr gemeinsame Wertvorstel- 



DER STERN 



43 



lungert habt, könnt ihr einander sehr stär- 
ken und ermutigen. Behandelt jeden Men- 
schen freundlich und mit Würde. Viele 
Nichtmitglieder haben sich deshalb der Kir- 
che angeschlossen, weil sie Freunde hatten, 
die sie in Veranstaltungen der Kirche einbe- 
zogen haben. 

4. Ehrlichkeit 

„Ehrlich währt am längsten." Das Sprich- 
wort ist euch heute noch gültig. Ein junger 
Heiliger der Letzten Tage lebt, wie er lehrt 
und wie er glaubt. Er ist seinen Mitmen- 
schen gegenüber ehrlich. Er ist sich selbst 
gegenüber ehrlich. Er ist Gott gegenüber 
ehrlich. Er ist aus Gewohnheit immer ehr- 
lich. Wenn es eine schwierige Entscheidung 
zu treffen gilt, fragt er sich nie: „Was wohl 
die anderen davon halten?", sondern viel- 
mehr: „Was werde ich von mir selbst 
halten?" 

Manchmal ist man versucht, unehrlich zu 
sein. In meinem Kurs für Wirtschaftsrecht 
an der Universität hatte ich einen Kommili- 
tonen, der sich nie vorbereitete. Ich konnte 
mir nicht vorstellen, wie er die Abschluß- 
klausur schaffen wollte. 

Was er vorhatte, sah ich, als er zur Klau- 
sur, die an einem Wintertag stattfand, mit 
bloßen Füßen und Sandalen in den Hörsaal 
kam. Ich war überrascht und beobachtete 
ihn, als die Klausur begann. Er hatte sich alle 
Bücher auf die Erde gelegt und die Sandalen 
ausgezogen. Die guttrainierten Zehen hatte 
er sich mit Glyzerin eingeschmiert, und jetzt 
blätterte er damit die Seiten in den Büchern 
um und fand so die Antworten auf die Prü- 
fungsfragen. 

In jenem Kurs über Wirtschaftsrecht er- 
hielt er eine der besten Noten. Aber der Tag 



der Abrechnung kam doch noch. Als die 
Studienabschlußprüfung kam, sagte der 
Professor zum ersten Mal: „Dieses Jahr wei- 
chen wir einmal von der Tradition ab und 
führen statt der schriftlichen eine mündliche 
Prüfung durch." Da wußte der Experte mit 
den durchtrainierten Zehen sich nicht mehr 
zu helfen und fiel durch. 

5. Sprache 

Wie ihr sprecht und welche Worte ihr 
wählt, sagt viel darüber aus, wie ihr von an- 
deren gesehen werden wollt. Wählt eure 
Sprache so, daß die Menschen in eurer Um- 
gebung erbaut und erhoben werden. Flu- 
chen, vulgäre oder grobe Redeweise und 
unpassende oder zweideutige Witze belei- 
digen den Herrn. Mißbraucht nie den 
Namen Gottes oder Jesu Christi. Der Herr 
hat gesagt: „Du sollst den Namen des 
Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen." 
(Exodus 20:7.) 

6. Medien: Kino, Fernsehen, Radio, 
Videokassetten, Bücher und Zeitschriften 

Der himmlische Vater hat uns geraten, 
nach allem zu trachten, was tugendhaft oder 
liebenswert ist, was guten Klang hat oder lo- 
benswert ist (siehe den 13. Glaubensartikel). 
Was immer ihr lest, anhört oder anschaut, 
hinterläßt einen Eindruck bei euch. 

Pornographie ist besonders gefährlich 
und suchterregend. Neugieriges Anschau- 
en von Pornographie kann zur Gewohnheit 
werden, die zu härterem Material und zu 
sexueller Übertretung führt. 

Falls etwas sich nicht mit den Grundsät- 
zen des himmlischen Vaters verträgt, so 
habt keine Angst, das Kino zu verlassen, das 
Gerät abzuschalten oder den Sender zu 




„Der leere Stuhl zwischen Präsident Hinckley und mir strahlt Einsamkeit aus", sagte Präsident Thomas 
S. Monson, rechts, als er vom Stuhl sprach, auf dem normalerweise während der Konferenz Präsident 
Ezra Taft Benson sitzt. Präsident Benson lag nach einer Operation noch im Krankenhaus. 



wechseln. Kurz gesagt, wenn ihr nicht si- 
cher seid, ob ein bestimmter Film, ein Buch 
oder eine andere Form der Unterhaltung 
schicklich ist, dann schaut nicht hin, lest es 
nicht, nehmt nicht daran teil. 

Vor kurzem ist in der Zeitung ein Kom- 
mentar erschienen, in dem sich der Komiker 
Steve Allen zu einem der größeren Proble- 
me unserer Zeit äußert: 

„Steve Allen findet den Trend im Fernse- 
hen hin zu derberer Sprache und erwachse- 
nenbezogenen Themen überhaupt nicht lu- 
stig. Der altgediente Komiker hat sich in ei- 
nem Artikel in der Los Angeles Times heftig 
gegen die gegenwärtigen Trends im Fernse- 
hen ausgesprochen. 

, Diese Strömung schwemmt uns alle di- 
rekt in die Gosse', schreibt er. , Solche Spra- 
che, wie Eltern sie ihren Kindern verbieten, 
wird jetzt nicht nur von den Kabelstationen 
gefördert, bei denen sowieso alles geht, son- 
dern auch von den Sendern, die sonst eher 
anspruchsvoll waren', sagt Allen. Sendun- 
gen, in denen Kinder und Erwachsene vul- 
gäre Ausdrücke gebrauchten, wiesen nur 
auf den Zusammenbruch der amerikani- 
schen Familie hin, wie er meinte." 

Vielleicht bezog sich Steve Allen da auf ei- 
nen Artikel, der vor kurzem in der Zeit- 
schrift Newsweek erschienen ist und in dem 
es heißt, daß die großen Sender, um kon- 
kurrenzfähig zu bleiben, auf vulgär und un- 
moralisch geschaltet haben. 

7. Geistige und körperliche Gesundheit 

Der Apostel Paulus hat gesagt: „Wißt ihr 
nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der 
Geist Gottes in euch wohnt? . . . Gottes Tem- 
pel ist heilig, und der seid ihr." (1 Korinther 
3:16,17.) Nahrhafte Mahlzeiten, regelmäßi- 
ge körperliche Betätigung und genug Schlaf 
sind für einen gesunden Körper ebenso nö- 
tig, wie ständiges Studium der heiligen 
Schrift und Beten Verstand und Geist 
stärken. 

Harte Drogen, Mißbrauch von rezept- 
pflichtigen Medikamenten, Alkohol, Kaf- 
fee, Tee und Tabakprodukten untergraben 
das Wohlbefinden von Körper, Verstand 
und Geist. Tabak kann euch versklaven, eu- 
re Lunge schwächen und euer Leben ver- 
kürzen. 

8. Musik und Tanz 

Musik kann euch helfen, euch dem himm- 
lischen Vater zu nahen. Sie kann bilden, er- 
bauen, anregen und einigen. Musik kann 
aber auch durch Tempo, Lautstärke und 
Text eure geistige Empfindsamkeit trüben. 
Ihr könnt es euch nicht leisten, euren Sinn 
mit schlechter Musik vollzustopfen. Tanzen 
kann Spaß machen und eine Gelegenheit 
schaffen, neue Leute kennenzulernen und 
Freundschaften zu vertiefen. Plant Tanz- 
veranstaltungen und nehmt an solchen Ver- 



JANUAR 1991 



44 



anstaltungen teil, wo Kleidung, äußere Er- 
scheinung, Beleuchtung, Tänze, Texte und 
Musik zu einer Atmosphäre beitragen, in 
der der Geist des Herrn zugegen sein kann. 

9. Sexuelle Reinheit 

Weil die Sexualität so heilig ist, verlangt 
der Herr Selbstbeherrschung und Reinheit 
vor der Ehe und völlige Treue in der Ehe. 
Wenn ihr mit jemandem ausgeht, behandelt 
ihn bzw. sie mit Respekt, und verlangt auch 
von ihm bzw. ihr, euch mit Respekt zu be- 
handeln. Auf Übertretung folgen unweiger- 
lich Tränen. Ein Mann darf eine Frau nie- 
mals zum Weinen bringen, denn Gott zählt 
ihre Tränen. 

Präsident David O. McKay hat gesagt: 
„Ich bitte euch inständig, haltet eure Gedan- 
ken rein. " Dazu hat er dann folgendes Wich- 
tige gesagt: „Jeder Tat geht der Gedanke 
voraus. Wenn wir unser Tun im Griff haben 
wollen, müssen wir unsere Gedanken im 
Griff haben." Brüder, hegen Sie gute Ge- 
danken, dann handeln Sie auch richtig. 
Möge jeder von Ihnen wie der Ritter Gala- 
had sagen können: „Ich bin so stark wie 
zehn, weil mein Herz rein ist." 

Mir fällt ein Beispiel aus alter Zeit ein, wor- 
in das zum Ausdruck kommt. Darius war als 
rechtmäßiger König von Ägypten aner- 
kannt worden. Sein Rivale Alexander war 
zum legitimen Sohn des Ammon erklärt 
worden; auch er war Pharao. Alexander traf 
den besiegten Darius auf der Schwelle des 
Todes an und legte ihm die Hände auf, um 
ihn zu heilen. Er gebot ihm, sich zu erheben 
und seine Königsmacht wieder wahrzuneh- 
men, und sagte: „Ich schwöre dir bei allen 
Göttern, Darius, daß ich dies aufrichtig und 
ohne Falsch tue", worauf Darius mit sanf- 
tem Tadel erwiderte: „Alexander, mein Jun- 
ge, .. . glaubst du wirklich, du könntest mit 
diesen deinen Händen den Himmel be- 
rühren?" 

Brüder, sind wir bereit, im Rahmen unse- 
rer Priestertumsberufung den Himmel zu 
berühren? 

Vor kurzem hat der Autor einer Unter- 
suchung über die Sexualität von Jugend- 
lichen gesagt, er könne sich nicht vorstel- 
len, daß die sexuelle Aktivität der Jugend- 
lichen abnehmen werde, und zwar unter 
anderem deshalb, weil die Gesellschaft 
ihnen keine eindeutigen Richtlinien mitge- 
be: in der Werbung und in den Massenme- 
dien werde nachdrücklich gesagt, sexuelle 
Betätigung sei akzeptabel und werde auch 
erwartet, womit die Warnungen der Exper- 
ten und das Flehen der Eltern völlig unter- 
wandert würden. Dem, was die Medien zu 
sagen haben, stehen allerdings die deutli- 
chen Worte des Herrn entgegen, nämlich: 
„Seid rein." (3 Nephi 20:41.) 

Wenn die Versuchung lockt, dann denkt 
an die folgenden weisen Worte des Apostels 



Paulus: „Noch ist keine Versuchung über 
euch gekommen, die den Menschen über- 
fordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, 
daß ihr über eure Kraft hinaus versucht wer- 
det. Er wird euch in der Versuchung einen 
Ausweg schaffen, so daß ihr sie bestehen 
könnt." (1 Korinther 10:13.) 

10. Verhalten am Sonntag 

Der Herr hat den Sabbat zu eurem Nutzen 
gegeben und euch geboten, ihn heiligzuhal- 
ten. Viele Aktivitäten sind am Sonntag an- 
gebracht; er ist jedoch kein Feiertag, son- 
dern ein heiliger Tag. 

11. Geistige Hilfe 

Als ihr als Mitglied der Kirche bestätigt 
wurdet, habt ihr das Recht empfangen, daß 
der Heilige Geist euch begleitet. Er kann 
euch helfen, die richtigen Entscheidungen 
zu treffen. Wenn ihr in Bedrängnis oder in 
Versuchung seid, braucht ihr euch nicht al- 
lein zu fühlen. Denkt daran, daß Beten gei- 
stige Kraft mit sich bringt. 

12. Umkehr 

Wenn jemand vom Weg abgekommen ist, 
kann er doch zurückfinden, indem er um- 
kehrt. Der Herr ist gestorben, um uns diese 
Segnung zu ermöglichen. Der Weg ist zwar 
schwer, aber uns gilt die Verheißung: „Wä- 
ren eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie 
sollen weiß werden wie Schnee." (Jesaja 
1:18.) 

Setzt das ewige Leben nicht aufs Spiel. 
Haltet die Gebote Gottes. Und falls ihr ge- 
sündigt habt : j e eher ihr umkehrt, desto eher 
findet ihr den innigen Frieden, der mit dem 
Wunder Vergebung einhergeht. 

Dies sind also die Grundsätze aus der Bro- 
schüre Tür eine starke Jugend. Ihr werdet froh 
und glücklich, wenn ihr so lebt, wie der Herr 
es möchte, und wenn ihr Gott und euren 
Mitmenschen dient. 

Unser geliebter Präsident Ezra Taft Ben- 
son läßt euch seine Liebe übermitteln. Er hat 
euch lieb. Er vertraut euch. Wie könnt ihr 
ihm diese Liebe und dieses Vertrauen wie- 
dergeben? 

Ihr habt ein Erbe: Ehrt es. 

Ihr werdet mit Sünde konfrontiert: 

Meidet sie. 

Ihr habt die Wahrheit: Lebt danach. 

Ihr habt ein Zeugnis: Teilt es mit. 

Geistige Kraft ergibt sich oft aus selbstlo- 
sem Dienen. Vor einigen Jahren besuchte 
ich die Mission Kalifornien, in der ich einen 
jungen Missionar aus Georgia interviewte. 
Ich entsinne mich, ihn gefragt zu haben: 
„Schreiben Sie jede Woche an Ihre Eltern?" 

Er antwortete: „Jawohl, Bruder Monson." 

Dann fragte ich ihn: „Machen Ihnen die 
Briefe von zu Hause Freude?" 

Er antwortete nicht. Ich wartete einen Au- 
genblick und fragte dann: „Wann haben Sie 



das letzte Mal einen Brief von zu Hause be- 
kommen?" Er stammelte: „Ich habe noch 
nie einen Brief von zu Hause bekommen. 
Vater ist bloß Diakon, und Mutter ist kein 
Mitglied. Sie baten mich, nicht zu gehen. Sie 
sagten, wenn ich auf Mission ginge, würden 
sie nicht schreiben. Was soll ich tun?" 

Ich sandte ein stilles Gebet zum Vater im 
Himmel: „Was soll ich diesem, deinem jun- 
gen Diener, sagen, der alles geopfert hat, 
um dir zu dienen?" Die Inspiration kam. Ich 
sagte: „Eider, schicken Sie jede Woche, so 
lange Sie auf Mission sind, einen Brief an Ih- 
re Eltern, erzählen Sie Ihnen, was Sie tun. 
Sagen Sie ihnen, wie sehr Sie sie lieben, und 
geben Sie ihnen Zeugnis." 

Er fragte: „Werden sie mir dann 
schreiben?" 

Ich erwiderte: „Dann werden sie Ihnen 
schreiben." 

Ich setzte meinen Weg fort. Nach einigen 
Monaten, auf einer Pfahlkonferenz in Süd- 
kalifornien kam ein junger Mann zu mir und 
fragte: „Bruder Monson, erinnern Sie sich 
noch an mich. Ich bin der Missionar, der in 
den ersten neun Monaten seiner Mission 
keine Post von seinen Eltern bekommen hat- 
te. Sie sagten mir damals: , Eider schicken 
Sie Ihren Eltern jede Woche einen Brief, und 
Ihre Eltern werden Ihnen zurückschrei- 
ben.'" Dann fragte er: „Erinnern Sie sich 
noch an diese Verheißung, Eider Monson?" 

Ich erinnerte mich. „Haben Sie von ihnen 
gehört?" fragte ich. 

Er griff in seine Tasche und holte ein Bün- 
del Briefe hervor, nahm den obersten und 
sagte: „Ob ich von meinen Eltern gehört ha- 
be? Hören Sie sich diesen Brief meiner Mut- 
ter an: ,Mein Sohn, wir freuen uns über Dei- 
ne Briefe. Wir sind stolz auf Dich, unseren 
Missionar. Denke Dir, Vater ist zum Priester 
ordiniert worden. Er bereitet sich darauf 
vor, mich zu taufen. Die Missionare beleh- 
ren mich, und in einem Jahr, wenn Du Deine 
Mission erfüllt hast, möchten wir nach Kali- 
fornien kommen, um mit Dir zum Tempel 
des Herrn zu gehen, um eine ewige Familie 
zu werden.'" Dann legte der junge Mann 
seine Hand in meine und fragte: „Bruder 
Monson, erhört der himmlische Vater alle 
Gebete, und erfüllt er die Versprechen der 
Apostel?" 

Ich antwortete: „Wenn jemand den Glau- 
ben hat, den Sie bewiesen haben, dann hört 
der himmlische Vater solche Gebete, und 
zwar auf seine Art." 

Reine Hände, ein lauteres Herz und inne- 
re Bereitschaft hatten den Himmel berührt. 
Eine Segnung vom Himmel erfüllte das in- 
brünstige Gebet eines demütigen Missio- 
nars. 

Brüder, es ist mein Gebet, daß wir so le- 
ben, daß auch wir den Himmel berühren 
können und ähnlich gesegnet werden kön- 
nen. Im Namen Jesu Christi. Amen. D 



DER STERN 



45 



Rettung ist dort, 

wo . . . Ratgeber sind" 



Präsident Gordon B. Hinckley 

Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 



„Zwei Ratgeber ; die mit einem Präsidenten zusammenarbeiten, sorgen 
für ein sehr gutes System von Kontrolle und Ausgewogenheit. " 




Zunächst möchte ich Sie wissen las- 
sen, daß ich für alles, was in dieser 
Versammlung gesagt worden ist, 
sehr dankbar bin. Zu den jungen Männern 
ist viel gesprochen worden. Ich pflichte dem 
allem bei. Hoffentlich habt ihr euch die Rat- 
schläge, die ihr gehört habt, gut eingeprägt. 
Wenn ihr euch daran haltet, wird es euch 
zum Segen gereichen, jetzt und in den kom- 
menden Jahren. 

Wir nähern uns dem Ende dieser Ver- 
sammlung, und ich möchte über ein be- 
stimmtes Thema sprechen. 

In einer anderen Priestertumsversamm- 
lung habe ich einmal über die Aufgabe des 
Bischofs gesprochen. Ich habe die gesamte 
Verantwortung des Bischofs besprochen. 
Vermutlich wird sich niemand von Ihnen 
daran erinnern, aber ich weiß, daß ich es ge- 
tan habe. 

Heute abend möchte ich über Ratgeber 
sprechen. Es gibt doppelt so viele Ratgeber 
wie Bischöfe oder Präsidenten, und sie sind 
wichtig. 

In seiner unendlichen Weisheit hat der 
Herr in der Kirche sogenannte Präsident- 
schaften eingesetzt. Im wesentlichen präsi- 



diert über jedes Kollegium und jede Organi- 
sation eine Präsidentschaft, ausgenommen 
der Rat der Zwölf Apostel, wo es nur einen 
Präsidenten des Kollegiums gibt, und das 
Siebzigerkollegium, wo es sieben Präsiden- 
ten gibt. Ich verstehe wohl, warum es bei 
den Zwölf Aposteln keine Präsidentschaft 
gibt. Der Rat der Zwölf besteht aus zwölf ge- 
reiften Männern, und alle haben vergleich- 
bare Führungsaufgaben übertragen bekom- 
men. Es sind nur relativ wenige. Darüber 
hinaus ist der Rat der Zwölf eine enge Ge- 
meinschaft, in der jeder in jeder Angelegen- 
heit, die vor das Kollegium gebracht wird, 
seine Gedanken äußern kann. Offensicht- 
lich ist es nicht notwendig, daß eine aus drei 
Brüdern bestehende Präsidentschaft über 
die übrigen neun präsidiert. Sie alle besitzen 
viel Erfahrung. Es sind Männer, denen eine 
besondere Berufung übertragen worden ist. 

Was nun die Siebziger angeht, so ist ihre 
Anzahl groß und kann in bezug auf die An- 
zahl der Kollegien, die organisiert werden 
können, schwanken. Jeder der Präsidenten 
- diese werden aus dem Siebzigerkollegium 
berufen -, ist den anderen gleichgestellt, 
wobei einer der sieben Präsidenten als der 
Erste Präsident des Ersten Siebzigerkollegi- 
ums bezeichnet wird. 

Handelt es sich um ein Priesterkollegium, 
so ist der Bischof Präsident des Kollegiums. 
Doch in allen anderen Präsidentschaften, ob 
es sich um eine Bischofschaft handelt oder 
um eine Pfahlpräsidentschaft, um eine Kol- 
legiumspräsidentschaft im Aaronischen 
oder imMelchisedekischen Priestertum, um 
eine Missionspräsidentschaft, Tempelpräsi- 
dentschaft oder die Präsidentschaft einer 
Hilfsorganisation, um eine Gebietspräsi- 
dentschaft oder die Erste Präsidentschaft 
der Kirche, gibt es immer einen Präsidenten 
mit zwei Ratgebern. 

Ich glaube, ich weiß aus eigener Erfahrung 
ganz gut, was es heißt, als Ratgeber zu die- 
nen. Ich glaube, ich weiß einiges über des- 
sen Platz und Aufgabenbereich. 

In der großen Gemeinde, in der ich auf- 



wuchs, gab es fünf Diakonskollegien. Über 
jedes Kollegium präsidierte eine Präsident- 
schaft von drei Jungen. Meine erste Aufgabe 
in der Kirche, das erste Amt, das ich je trug, 
war, Ratgeber des Jungen zu sein, der über 
unser Diakonskollegium präsidierte. Unser 
guter Bischof rief mich in sein Büro und 
sprach mit mir über diese Berufung. Ich war 
zutiefst beeindruckt. Ich war besorgt und 
ängstlich. Ich war von Natur aus, ob Sie es 
glauben oder nicht, ein eher schüchterner 
und zurückhaltender Junge, und ich denke, 
daß mich diese Berufung, nämlich als Ratge- 
ber im Diakonskollegium zu dienen, im Hin- 
blick auf mein damaliges Alter und meine 
Erfahrung mit ebensolcher Sorge erfüllt hat, 
wie es meine gegenwärtige Aufgabe im Hin- 
blick auf mein jetziges Alter und meine Er- 
fahrung tut. 

Später diente ich in anderen Präsident- 
schaften von Priestertumskollegien. Ich 
diente als Ratgeber in der Pfahl-Sonntags- 
schulleitung, ehe ich dann selbst Pfahl- 
Sonntagsschulleiter wurde. Ich diente als 
Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft, ehe 
ich als Pfahlpräsident berufen wurde. 
Schließlich habe ich, wie Sie alle wissen, un- 
ter zwei Präsidenten der Kirche, zwei wun- 
derbaren, engagierten und inspirierenden 
Führern, als Ratgeber gedient. 

In bezug auf Ratgeber gibt es einige 
Grundprinzipien. Zunächst einmal wählt 
sich der präsidierende Beamte seine Ratge- 
ber selbst. Sie werden nicht von anderen 
ausgewählt und ihm aufgezwungen. Es ist 
jedoch in den meisten Fällen notwendig, 
daß seine Wahl von einer höheren Autorität 
gutgeheißen wird. Wenn beispielsweise ein 
Pfahl neu organisiert wird, was unter der 
Leitung einer Generalautorität geschieht, 
wird der Pfahlpräsident sorgfältig und 
gebeterfüllt ausgewählt. Dann wird er gebe- 
ten, zwei Männer als seine Ratgeber zu be- 
stimmen. Es wird aber erwartet, daß die 
Generalautorität seine Wahl billigt, ehe 
diese Männer zu einer Unterredung gebeten 
werden. 

Es ist unumgänglich, daß der Präsident 
seine Ratgeber selbst wählt, denn sie müs- 
sen gut miteinander auskommen. Er muß 
absolutes Vertrauen zu ihnen haben. Sie 
müssen Vertrauen zu ihm haben. Sie müs- 
sen in gegenseitiger Achtung zusammenar- 
beiten. Die Ratgeber sind nicht der Präsi- 
dent. Unter gewissen Umständen können 
sie an seiner Stelle handeln, aber das ist nur 
eine delegierte Vollmacht. Was also sind die 
Aufgaben des Ratgebers? 

Er ist ein Assistent seines Präsidenten. Der 
Präsident hat - ganz gleich, in welcher Or- 
ganisation - eine schwere und verantwor- 
tungsvolle Aufgabe. Selbst der Präsident 
des Diakonskollegiums hat, wenn er seine 
Sache gut macht, viel Verantwortung, denn 
er ist für die Aktivität und das Wohlergehen 



JANUAR 1991 



46 




DER STERN 

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JANUAR 1991 

50 



der Jungen in seinem Kollegium ver- 
antwortlich. 

Der Ratgeber ist ein Assistent, er ist nicht 
der Präsident. Er übernimmt keine Ver- 
antwortung, die über seinen Bereich hinaus- 
geht, und übergeht nie den Präsidenten. 

Wenn die Präsidentschaft zusammen- 
kommt, kann sich jeder Ratgeber zu allen 
Besprechungspunkten frei äußern. Es ist je- 
doch dem Präsidenten vorbehalten, die Ent- 
scheidung zu treffen, und die Ratgeber sind 
verpflichtet, ihn in dieser Entscheidung voll 
zu unterstützen. Dann wird seine Entschei- 
dung zu ihrer Entscheidung, ganz gleich, 
was für Gedanken sie zuvor hatten. 

Der Präsident überträgt, wenn er klug ist, 
seinen gewählten Assistenten bestimmte 
Aufgaben, die sie auf ihre Art erfüllen kön- 
nen, und läßt sie dann Rechenschaft dar- 
über ablegen. 

Ein Ratgeber ist ein Partner. Die drei Brüder 
einer Präsidentschaft können eine wunder- 
bare Gemeinschaft, eine Freundschaft ent- 
wickeln, so daß sie in einer engen und zu- 
friedenstellenden Beziehung zusammenar- 
beiten. Wenn bestimmte Aufgaben delegiert 
werden, arbeiten sie nur bis zu einem gewis- 
sen Grad unabhängig voneinander. Alle 
drei gemeinsam tragen Verantwortung für 
die Arbeit der Gemeinde, des Kollegiums, 
des Pfahles oder der Hilfsorganisation. 

Eine solche Partnerschaft ist wie ein Si- 
cherheitsventil. Der kluge Verfasser der 
Sprichwörter erklärt: „Rettung ist dort, wo 
. . . Ratgeber sind." (Sprichwörter 11:14.) 
Wenn Probleme auftreten, wenn wir vor 
schwierige Entscheidungen gestellt wer- 
den, dann ist es wunderbar, jemanden zu 
haben, mit dem wir uns vertrauensvoll bera- 
ten können. 

Ich kann mich noch daran erinnern, wie 
wir als Diakone unsere Präsidentschaftssit- 
zung hatten. Unser Präsident teilte uns mit, 
was zu tun war. Wir sprachen darüber. Und 
dann, nachdem wir darüber geredet hatten, 
machten wir uns an die Arbeit, um das ge- 
wünschte Ergebnis zu erzielen. 

Kein Präsident in irgendeiner Organisa- 
tion der Kirche wird wohl etwas unterneh- 
men, ohne sicher zu sein, daß seine Ratge- 
ber das vorgeschlagene Programm guthei- 
ßen. Wenn einer allein nachdenkt, allein ar- 
beitet und allein einen Beschluß faßt, setzt er 
vielleicht etwas in Gang, was sich dann als 
falsch herausstellt. Wenn jedoch drei zum 
Beten niederknien, jeden Aspekt des Pro- 
blems erörtern und unter dem Einfluß des 
Geistes zu einer einmütigen Entscheidung 
gelangen, dann können wir sicher sein, daß 
die Entscheidung im Einklang mit dem Wil- 
len des Herrn getroffen worden ist. 

Ich kann allen Mitgliedern der Kirche ver- 
sichern, daß wir in der Ersten Präsident- 
schaft auf diese Weise vorgehen. Selbst der 
Präsident der Kirche, der Prophet, Seher 




Präsident Gordon B. Hinckley, Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, und Mitgiieder des 
Tabernakel-Chores im Hintergrund. 



und Offenbarer ist und der das Recht und 
die Aufgabe hat, zu urteilen und die Kirche 
zu führen, berät sich ständig mit seinen Rat- 
gebern, um festzustellen, was sie denken. 
Falls es nicht zur Einigung kommt, wird 
auch nichts unternommen. Zwei Ratgeber, 
die mit einem Präsidenten zusammenarbei- 
ten, sorgen für ein sehr gutes System von 
Kontrolle und Ausgewogenheit. Miteinan- 
der irren sie sich selten, wenn überhaupt, 
und sie bilden eine starke Führung. 

Ein Ratgeher ist ein Freund. Präsidentschaf- 
ten sollen mehr tun, als sich nur miteinan- 
der beraten. Gelegentlich, doch nicht im 
Übermaß, sollen sie und ihre Ehepartner ge- 
meinsam etwas unternehmen. Sie sollen gu- 
te Freunde sein, im wahrsten Sinne verläßli- 
che Freunde. Die Ratgeber sollen um die Ge- 
sundheit und das Wohlergehen ihres Präsi- 
denten besorgt sein. Er soll seine persönli- 
chen Probleme offen mit ihnen besprechen 
können, falls er welche hat, und zwar mit 
der Gewißheit, daß sie alles, was ihnen ge- 
sagt wird, streng vertraulich behandeln 
werden. 

Ein Ratgeber ist ein Richter. Er ist ein gerin- 
gerer Richter als der Präsident, aber er ist 
dennoch ein Richter. 

Falls ein Disziplinarverfahren notwendig 
ist, kommen die drei Brüder der Bischof- 
schaft oder die drei Brüder der Pfahlpräsi- 
dentschaft oder die drei Brüder der Ersten 
Präsidentschaft der Kirche zusammen, be- 
sprechen die Angelegenheit und beten zu- 
sammen, um zu einer Entscheidung zu ge- 
langen. Ich möchte Ihnen versichern, Brü- 
der, daß meiner Meinung nach nie ein Urteil 
gesprochen wird, ohne daß vorher gebetet 



wird. Maßnahmen gegen ein Mitglied sind 
etwas so Schwerwiegendes, daß Menschen 
allein kein Urteil fällen können, und schon 
gar nicht ein Mann allein. Die Führung des 
Geistes ist notwendig. Man muß ernsthaft 
danach trachten und sich dann daran hal- 
ten, wenn es Gerechtigkeit geben soll. 

Unter manchen Umständen kann ein Rat- 
geber anstelle seines Präsidenten amtieren. Die 
Vollmacht dazu muß ihm aber vom Präsi- 
denten verliehen worden sein und darf vom 
Ratgeber nie mißbraucht werden. Das Werk 
muß vorangehen, auch wenn der Präsident 
wegen einer Krankheit oder wegen seiner 
Berufstätigkeit oder aus einem anderen 
Grund, auf den er keinen Einfluß hat, nicht 
anwesend sein kann. Unter diesen Umstän- 
den soll der Präsident im Interesse des Wer- 
kes seinen Ratgebern die Vollmacht geben, 
an seiner Stelle zu handeln, da er sie ja in der 
Zeit, in der sie zusammen als Bischofschaft 
oder Pfahlpräsidentschaft gearbeitet haben, 
geschult hat. 

Es mag nicht einfach sein, Ratgeber zu 
sein. Präsident J. Reuben Clark jun., der als 
Ratgeber die Verantwortung für die Kirche 
trug, als Präsident Heber J. Grant krank war, 
sagte einmal zu mir: „Es ist schwer, die Ver- 
antwortung zu tragen, ohne die Vollmacht 
zu besitzen." 

Damit brachte er zum Ausdruck, daß er 
weiterhin die Aufgaben wahrnehmen muß- 
te, die gewöhnlich dem Präsidenten oblie- 
gen, dabei jedoch nicht die Vollmacht des 
Präsidenten besaß. 

Ich habe seine Lage verstehen gelernt. Ich 
möchte Ihnen gern einige persönliche Erfah- 
rungen dazu mitteilen. Als Präsident Kim- 



DER STERN 



51 




Eider Richard P. Lindsay, Präsident des neuen Gebietes Afrika, rechts, mit seinem Zweiten Ratgeber, 
Eider J Ballard Washburn. 



ball krank war, wurde auch Präsident Tan- 
ner krank und starb. Präsident Romney 
wurde von Präsident Kimball als Erster Rat- 
geber berufen und ich als Zweiter Ratgeber. 
Dann wurde Präsident Romney krank und 
ließ mich mit einer nahezu überwältigenden 
Last der Verantwortung zurück. Ich beriet 
mich häufig mit meinen Brüdern vom Rat 
der Zwölf, und ich kann ihnen nicht genug 
danken für ihr Verständnis und ihre Weis- 
heit in der Beurteilung. Wenn es sich um 
eine Angelegenheit handelte, für die es eine 
feste Richtlinie gab, unternahmen wir die 
notwendigen Schritte. Doch es wurde keine 
neue Richtlinie bekanntgegeben oder einge- 
führt und keine wichtige Gepflogenheit ge- 
ändert, ohne daß ich Präsident Kimball die 
Angelegenheit unterbreitete und seine volle 
Zustimmung und Billigung erhielt. 

Wenn ich ihn an solchen Anlässen besuch- 
te, nahm ich immer einen Sekretär mit, der 
die Einzelheiten des Gesprächs festhielt. Ich 
kann Ihnen versichern, meine geliebten 
Brüder, daß ich meinen Priestertumsführer 
nie übergangen habe und auch nie den 
Wunsch hatte, ihn im Hinblick auf irgend- 
eine Richtlinie oder Unterweisung zu über- 



gehen. Ich wußte, daß er zu dieser Zeit der 
erwählte Prophet des Herrn war. Obgleich 
auch ich als Prophet, Seher und Offenbarer 
bestätigt worden war, wie auch meine Brü- 
der im Rat der Zwölf, wußte ich doch, daß 
keiner von uns der Präsident der Kirche 
war. Ich wußte, daß der Herr das Leben von 
Präsident Kimball aus Gründen verlänger- 
te, die ihm bekannt waren. Ich hatte voll- 
kommenen Glauben, daß sein Leben in der 
Weisheit dessen, der größere Weisheit be- 
sitzt als alle Menschen, verlängert wurde. 

Im November 1985 starb Präsident 
Kimball, und Präsident Ezra Taft Benson, 
damals Präsident des Kollegiums der Zwölf, 
wurde einmütig als Präsident der Kirche 
und als Prophet, Seher und Offenbarer be- 
stätigt. Er wählte sich seine Ratgeber, und 
ich kann Ihnen versichern, daß wir harmo- 
nisch und gut zusammenarbeiten. Für mich 
ist es eine großartige und wahrhaft lohnen- 
de Erfahrung. 

Präsident Benson ist nun einundneunzig 
Jahre alt und hat nicht mehr die Kraft, die er 
einmal in so reichem Maß besessen hat. Bru- 
der Monson und ich, als seine Ratgeber tun, 
was auch bisher getan wurde, nämlich das 



Werk der Kirche voranzubringen, wobei wir 
sorgsam darauf achten, daß wir den Präsi- 
denten nicht übergehen und von keiner lang 
bewährten Richtlinie ohne seine Kenntnis 
und Zustimmung abgehen. 

Ich bin dankbar für Präsident Monson. 
Wir kennen uns schon seit langem und ha- 
ben in vielen Aufgaben zusammengearbei- 
tet. Wir beraten uns. Wir wägen alles sorg- 
fältig ab. Wir beten zusammen. Wenn wir 
uns nicht ganz sicher sind, ob wir das Richti- 
ge tun, unternehmen wir nichts, bis wir den 
Segen unseres Präsidenten und die Gewiß- 
heit haben, die der Geist des Herrn gibt. 

Wir beten für unseren Präsidenten. Wir 
beten oft und ernsthaft. Wir lieben ihn und 
kennen unsere richtige Beziehung zu ihm, 
wie auch unsere Verantwortung gegenüber 
der ganzen Kirche. Wir beraten uns mit den 
Zwölf Aposteln und nehmen ihr Urteilsver- 
mögen in Anspruch. Ich kann kaum be- 
schreiben, welch große Stütze sie uns sind. 

Haben Sie keine Furcht, Brüder: Es gibt 
eine Präsidentschaft, die über die Kirche 
präsidiert. Ich hoffe, es klingt nicht überheb- 
lich, wenn ich sage, daß sie vom Herrn ein- 
gesetzt worden ist. Wir haben diesen Platz 
nicht selbst gewählt. Wir sind dankbar für 
Ihre Unterstützung. Wir wissen, daß Sie für 
uns beten. Sie sollen wissen, daß auch wir 
für Sie beten. Wir hoffen, daß wir den Wil- 
len des Herrn tun. Wir glauben ernsthaft, 
daß wir es tun. Hoffentlich glauben auch 
Sie, daß wir es tun. Wir haben keinen ande- 
ren Wunsch als den, in bezug auf sein Reich 
und sein Volk seinen Willen zu tun. 

Wir dienen mit seinem Einverständnis, 
und wissen, daß er uns, wenn er es 
wünscht, jederzeit von unserem Platz ent- 
fernen kann. Wir sind ihm in diesem Leben 
verantwortlich und werden Rechenschaft 
ablegen müssen, wenn wir vor ihn gerufen 
werden, um Bericht zu erstatten. Ich hoffe, 
daß man uns dann nichts vorwerfen kann. 
Ich hoffe, daß ich, wenn die Zeit kommt, vor 
meinem geliebten Erretter stehen und ihm 
Rechenschaft über meine Treuhandschaft 
ablegen kann, ohne in Verlegenheit zu kom- 
men oder mich entschuldigen zu müssen. 
Ich habe mich bemüht, mein Leben auf sol- 
che Weise zu führen. Ich weiß, daß ich nicht 
vollkommen bin und viele Schwächen habe . 
Aber ich kann sagen, daß ich mich bemüht 
habe, das zu tun, was der Herr von mir er- 
wartet - als sein Knecht und als Diener eines 
jeden Mitglieds der Kirche auf der ganzen 
Welt und vor allem als Diener meines gelieb- 
ten Präsidenten, unseres Propheten, Sehers 
und Offenbarers. 

Wie auch viele von Ihnen, die heute abend 
hier sind, diene ich als Ratgeber - Sie in Ihrer 
Aufgabe und ich in meiner. Ich bete darum, 
meine geliebten Brüder, daß wir in dieser 
heiligen Berufung treu sind. Im Namen Jesu 
Christi. Amen. D 



JANUAR 1991 



52 



7. Oktober 1990 

Versammlung am Sonntagvormittag 



// 



// 



Mormone sollte „besser 
heißen 



Präsident Gordon B. Hinckley 

Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 



„Auch wenn ich manchmal bedauere, daß die Menschen die Kirche 
nicht bei ihrem richtigen Namen nennen, so freue ich mich doch, daß 
der Spitzname ehrenvoll ist, weil er der Name eines Mannes und eines 
Buches ist, das ein Zeugnis ohnegleichen vom Erretter der Welt gibt. " 



sammen. Wir kommen als Mitglieder der 
Kirche zusammen, die seinen Namen trägt. 

Viele unserer Mitglieder stoßen sich dar- 
an, daß die Medien und viele andere den 
wirklichen Namen der Kirche ignorieren 
und uns „Mormonenkirche" nennen. 

Vor sechs Monaten hat Eider Russell M. 
Nelson eine hervorragende Ansprache über 
den richtigen Namen der Kirche gehalten. 
Er hat darin die Worte des Herrn zitiert: 

„So soll meine Kirche in den letzten Tagen 
genannt werden, nämlich: Kirche Jesu 
Christi der Heiligen der Letzten Tage. " (LuB 
115:4.) 

Dann ist er ausführlich auf die Bestand- 
teile dieses Namens eingegangen. Ich emp- 
fehle Ihnen, seine Ansprache nochmals zu 
lesen. 

„Mormonenkirche" ist natürlich ein 
Spitzname. Und Spitznamen entstehen ein- 
fach. Mir fällt ein Vers von Eugene Field ein: 

Vater nennt mich William, 
Die Schwester nennt mich Will, 
Mutter nennt mich Willie, 
Die Freunde sagen Bill. 

Trotz all unserer Bemühungen werden wir 
die Welt wohl nie dazu bringen können, den 
vollen und richtigen Namen der Kirche zu 
gebrauchen. Wegen der Kürze und der 
Leichtigkeit, mit der man das Wort „Mormo- 
nen" ausspricht, werden sie uns weiter 
Mormonen und Mormonenkirche nennen. 

Es gibt Schlimmeres. Vor über 50 Jahren 
sagte ich als Missionar in England zu einem 
meiner Mitarbeiter: „Wie können wir die 
Leute und auch unsere Mitglieder dazu 
bringen, die Kirche bei ihrem richtigen Na- 
men zu nennen?" 

Er erwiderte: „Das ist unmöglich. Das 
Wort , Mormone' ist zu tief verwurzelt und 
zu leicht auszusprechen. Ich versuche es gar 




Zuerst möchte ich sagen, daß wir mit 
der Familie des früheren Gouver- 
neurs von Utah, Scott Matheson, der 
heute früh verstorben ist und den viele von 
uns gekannt und sehr geschätzt haben, trau- 
ern. Wir beten, der Geist des Herrn möge 
die Trauernden trösten. Meine Brüder und 
Schwestern, ich grüße Sie mit meiner gan- 
zen Liebe an diesem schönen Sonntagmor- 
gen im Tabernakel am Tempelplatz und Sie 
in den Versammlungshäusern auf der gan- 
zen Welt sowie Sie zu Hause. Es ist ein schö- 
ner Morgen hier im Tal der Berge, wo unsere 
Ahnen, die Pioniere, vor fast 150 Jahren ei- 
nen Ort gefunden haben, wo sie Gott gemäß 
ihrem Gewissen verehren konnten. Wir 
sind dankbar für den Frieden, den wir ha- 
ben. Es bedeutet uns so viel, daß wir den 
ewigen Vater verehren können, wie wir es 
wollen, und wir achten die anderen, die 
Gott verehren, wie sie es wollen. 

Wir kommen im Namen des Herrn Jesus 
Christus, des Erretters der Menschheit, zu- 



nicht mehr. Auch wenn ich dankbar dafür 
bin, daß ich Jesus Christus nachfolgen und 
der Kirche, die seinen Namen trägt, angehö- 
ren kann, schäme ich mich nicht wegen des 
Spitznamens , Mormone'." 

Er fuhr fort: „Wenn es überhaupt einen 
Namen gibt, der in seiner Ableitung völlig 
ehrenhaft ist, dann ist es der Name Hor- 
mon'. Wenn mich also jemand fragt, was er 
bedeutet, dann sage ich einfach: , Mormone' 
heißt , besser'." (Als erster hat der Prophet 
Joseph Smith das 1843 gesagt; siehe Lehren 
des Propheten Joseph Smith, Seite 305.) 

Seine Worte haben mir zu denken gege- 
ben. „Mormon" heißt „besser". Ich weiß 
natürlich, daß „besser" sich nicht vom Wort 
„Mormon" ableiten läßt. Ich hatte Latein 
und Griechisch gelernt und wußte, daß sich 
das Englisch zum Teil von diesen beiden 
Sprachen ableitet und daß das Wort „bes- 
ser" nicht vom Wort „Mormon" stammt. 
Aber seine positive Einstellung entsprang 
einer interessanten Denkweise. Wie wir alle 
wissen, wird unser Leben in einem großen 
Maß von unserer Denkweise geprägt. Seit 
damals fallen mir, wenn ich das Wort Mor- 
mone in den Medien - in einer Zeitung, ei- 
ner Zeitschrift oder einem Buch - sehe, seine 
Worte ein, die zu meiner Devise geworden 
sind: „, Mormone' heißt ,besser'." 

Wir mögen nicht in der Lage sein, diesen 
Spitznamen zu ändern, aber wir können 
ihm mehr Glanz verleihen. 

Schließlich ist es der Name eines Mannes, 
der ein großer Prophet war und der sich be- 
mühte, sein Volk zu retten. Außerdem ist es 
der Name eines Buches, das ein machtvolles 
Zeugnis für die ewige Wahrheit und wahr- 
lich ein Zeuge für den Herrn, Jesus Christus, 
ist. 

Ich möchte Sie an die Größe und Güte 
Mormons erinnern. Er lebte im vierten Jahr- 
hundert nach Christi Geburt auf dem ameri- 
kanischen Kontinent. Als Junge von zehn 
Jahren wurde er von Ammaron, dem Ge- 
schichtsschreiber des Volkes, als „ernsthaf- 
tes Kind und geschickt im Beobachten" 
(Mormon 1:2) geschildert. Ammaron gab 
ihm den Auftrag, die Berichte über die Ge- 
nerationen, die ihm vorangegangen waren, 
in Obhut zu nehmen, wenn er 24 Jahre alt 
sei. 

Als Jugendlicher erlebte Mormon unter 
seinem Volk schreckliches Blutvergießen, 
das die Folge eines langen und grimmigen 
Krieges zwischen den Nephiten und den La- 
maniten war. 

Mormon wurde später der Anführer der 
nephitischen Heere und war Zeuge des 
Blutbades unter seinem Volk. Er machte ih- 
nen klar, daß sie immer wieder geschlagen 
wurden, weil sie den Herrn verlassen hatten 
und er sich infolgedessen von ihnen abge- 
wandt hatte. Hunderttausende wurden er- 
schlagen - sein Volk war vernichtet. Er war 



DER STERN 



53 



einer von nur vierundzwanzig Überleben- 
den. Als er seinen Blick über die verwesen- 
den Reste seiner Heere gleiten ließ, rief er: 
„O ihr Schönen, wie konntet ihr von den 
Wegen des Herrn abweichen! O ihr Schö- 
nen, wie konntet ihr diesen Jesus verwer- 
fen, der mit offenen Armen dastand, euch 
zu empfangen!" (Mormon 6:17.) 

Er wandte sich mit warnenden und fle- 
henden Worten an unsere Generation und 
gab beredt Zeugnis vom auferstandenen 
Christus. Er warnte uns, daß uns Unheil wi- 
derfahren werde, wenn wir - gleich seinem 
Volk - die Wege des Herrn verlassen sollten. 

Da er wußte, daß er selbst bald sterben 
mußte, weil seine Feinde nach den Überle- 
benden suchten, flehte er unsere Genera- 
tion an, voll Glauben, Hoffnung und Näch- 
stenliebe zu sein, und sagte: „Die Nächsten- 
liebe ist die reine Christusliebe, und sie dau- 
ert für immer fort, und bei wem am letzten 
Tag gefunden wird, daß er sie besitzt, mit 
dem wird es wohl sein." (Moroni 7:47.) 

Daraus sprechen die Güte, die Kraft, die 
Macht, der Glaube, das prophetische Herz 
des Propheten und Führers Mormon. 

Das Buch, das seinen Namen trägt und 
das in dieser Zeit hervorgekommen ist als 
eine Stimme, die aus dem Staube spricht, 
um Zeugnis vom Herrn Jesus Christus zu 
geben, hat vor allem er bearbeitet. 

Es hat vielen Millionen Menschen, die es 
gebeterfüllt gelesen und über seine Bot- 
schaft nachgedacht haben, das Leben zum 
Besseren gewandt. Ich möchte Ihnen von so 
jemandem erzählen, dem ich vor kurzem in 
Europa begegnet bin. 

Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. 
Auf seinen Reisen lernte er zwei unserer 
Missionare kennen. Sie versuchten, mit ihm 
einen Termin für die Lektionen zu vereinba- 
ren. Er lehnte ab, war aber schließlich doch 
bereit, sie anzuhören. Er akzeptierte beiläu- 
fig, was sie zu sagen hatten. Sein Verstand 
sagte ihm, daß sie die Wahrheit sprachen, 
doch sein Herz blieb ungerührt. 

Da beschloß er, das Buch Mormon zu le- 
sen. Er bezeichnet sich als Mann von Welt, 
der nicht zum Weinen neigt. Doch beim Le- 
sen liefen ihm die Tränen die Wangen hin- 
unter. Es hat etwas in ihm bewirkt. Er las es 
wieder und verspürte dasselbe. Nach dem 
Verstand bekehrte sich auch das Herz. 

Seine Lebensweise und seine Einstellung 
änderten sich. Er engagierte sich im Werk 
des Herrn und hat heute eine hohe und hei- 
lige Berufung im Werk, das er liebt. 

Auch wenn ich manchmal bedauere, daß 
die Menschen die Kirche nicht bei ihrem 
richtigen Namen nennen, so freue ich mich 
doch, daß der Spitzname ehrenvoll ist, weil 
er der Name eines Mannes und eines Buches 
ist, das ein Zeugnis ohnegleichen vom Erret- 
ter der Welt gibt. 

Wer den Mann namens Mormon kennt, 



weil er seine Worte gelesen und darüber 
nachgedacht hat, wer diesen kostbaren 
Schatz der Geschichte liest, die in erster Li- 
nie er zusammenstellte und bewahrte, der 
wird erfahren, daß „Mormone" keinen 
schlechten Klang hat, sondern das wider- 
gibt, was wirklich gut ist, das, was von Gott 
kommt. Der Übersetzer dieses alten Berichts 
hat gesagt, wenn jemand es lese, werde er 
dadurch näher zu Gott kommen als durch 
jedes andere Buch. 

All das überträgt uns heute in der Kirche 
eine große Verantwortung: wir müssen 
nämlich erkennen, daß wir, wenn man uns 
Mormonen nennt, so leben müssen, daß un- 
ser Beispiel dazu führt, daß Mormone wirk- 
lich „besser" bedeuten kann. 

Sie fragen, wie? Es gibt viele Möglichkei- 
ten, aber ich habe nur die Zeit, drei, vier auf- 
zuzählen. Wenn ich an etwas Offensichtli- 
ches denke, fällt mir das Wort der Weisheit 
ein. Das ist ein göttliches Gesundheitsge- 
setz, das 1833 - vor 157 Jahren - offenbart 
wurde. Es verbietet den Genuß von Alkohol 
und Tabak, Tee und Kaffee und empfiehlt 
den Verzehr von Obst und Getreide. Dieses 
Wort der Weisheit kommt vom Vater aller, 
vom Gott des Himmels, um all denen, die es 
befolgen, zum Segen zu gereichen. 

Es betrübt mich, daß wir Mitglieder es 
nicht treuer befolgen. Aber wir werden in 
dem Maße, wie wir es befolgen, reichlich ge- 
segnet werden. Vor kurzem ist in amerikani- 
schen Zeitungen ein Bericht über eine Stu- 
die von Dr. James Enstrom von der Medizi- 
nischen Fakultät der UCLA in Kalifornien 
erschienen. Darin sind unter anderem akti- 
ve Mitglieder der Kirche untersucht worden 
- 5231 Hohe Priester und 4612 ihrer Frauen. 
Ich zitiere aus der Zeitung: 

„Die Studie stellte fest, daß im Vergleich 
zu den anderen Gruppen bei den Mormo- 
nen im Schnitt 53 Prozent weniger bösartige 
Krebsarten auftreten ... 48 Prozent weniger 
Todesfälle aufgrund von Herzerkrankun- 
gen und 53 Prozent weniger tödliche Krank- 
heiten jeder Art." (Salt Lake Tribüne, 12. Sep- 
tember 1990.) 

Dr. Enstrom spricht von einem Beobach- 
tungszeitraum von acht Jahren und sagt: 

„Es läßt sich voraussagen, daß ein sehr ak- 
tiver und gesundheitsbewußter fünfund- 
zwanzigjähriger Mormone elf Jahre länger 
leben wird als der Durschnittsamerikaner 
im selben Alter." 

Besteht da noch ein Zweifel daran, daß 
das Wort Mormone in diesem Zusammhang 
„besser" bedeutet? Es bedeutet in der Regel 
ein längeres Leben. Es bedeutet in der Regel 
ein Leben, das wesentlich weniger Schmerz 
und Elend kennt. Es bedeutet mehr Glück- 
lichsein. Es bedeutet „besser". 

Natürlich leiden auch Mitglieder der Kir- 
che an Krankheiten, die andere bedrängen. 
Einige von ihnen sterben früh. Hier haben 



wir aber wissenschaftliche Angaben aus ei- 
ner unabhängigen Studie, die über acht Jah- 
re von einem Forscher einer der großen Uni- 
versitäten Amerikas gemacht wurde, von ei- 
nem Fachmann, der weiß, wovon er spricht. 

Wie in medizinischer Hinsicht, so soll 
„Mormone" auch im Familienleben „bes- 
ser" bedeuten. 

Vor kurzem habe ich einen aufschlußrei- 
chen Artikel über den Niedergang der Fami- 
lie in New York gelesen, der als Hauptgrund 
für die großen Probleme New Yorks und fast 
jeder anderen Großstadt auf der Welt ange- 
führt wird. 

Die Kraft jedes Gemeinwesens liegt in der 
Kraft seiner Familien. Die Kraft jeder Nation 
liegt in der Kraft ihrer Familien. Ein gutes Fa- 
milienleben entspringt der ausgeprägten re- 
ligiösen Erkenntnis davon, wer wir sind, 
warum wir hier sind und was wir in Ewig- 
keit werden können. Ein gutes Familienle- 
ben entspringt der Erkenntnis, daß jeder 
von uns ein Kind Gottes ist und mit göttli- 
chem Geburtsrecht und einem großen Po- 
tential zur Welt gekommen ist. Ein gutes Fa- 
milienleben kommt durch Eltern zustande, 
die einander lieben und achten und die ihre 
Kinder achten und in den Wegen des Herrn 
erziehen. Diese Prinzipien liegen den Leh- 
ren der Kirche zugrunde. In dem Maße, wie 
wir diese Lehren befolgen, schaffen wir star- 
ke Familien, deren Nachkommen das Land 
stärken werden. 

In solchen Familien wird im täglichen Ge- 
bet Gott als ewiger Vater anerkannt, und 
man weiß dort, daß wir ihm Rechenschaft 
schulden für das, was wir aus unserem Le- 
ben machen. 

In solchen Familien beraten sich Eltern 
und Kinder miteinander, wird die Bildung 
gefördert und bauen die Kinder auf der 
Kraft der Angehörigen auf. 

Wir sind noch weit von der Vollkommen- 
heit entfernt, aber, und ich spreche für uns 
alle, wir bemühen uns, und wir erreichen ei- 
nen gewissen Erfolg. 

In dem Maße, wie wir diese von der Kirche 
geförderten Ziele erreichen, bedeutet Mor- 
mone „besser". 

Es bedeutet auch mehr Toleranz und ge- 
genseitige Achtung und Hilfsbereitschaft. 
Der Prophet sagte 1843 in Nauvoo: 

„Die Heiligen können ja bezeugen, ob ich 
bereit bin, mein Leben für meine Freunde 
hinzugeben. Wenn es sich gezeigt hat, daß 
ich bereit war, für einen Mormonen zu ster- 
ben, so erkläre ich angesichts des Himmels 
ohne Scheu, daß ich gleichermaßen bereit 
bin, zur Wahrung der Rechte eines Presbyte- 
rianers, eines Baptisten oder sonst eines gu- 
ten Mannes irgendeiner anderen Glaubens- 
gemeinschaft zu sterben. Denn das gleiche 
Prinzip, das die Rechte eines Heiligen der 
Letzten Tage mit Füßen tritt, das tritt auch 
die Rechte eines Römisch-Katholischen oder 



JANUAR 1991 



54 




Die Spitze des Denkmals auf dem Tempelplatz, das an das „Wunder" der Seemöwen erinnert. Im Jahre 
1848 wurde das erste von den Heiligen im Salzseetal gesäte Getreide von Heuschreckenschwärmen 
gefressen. Über mehrere Wochen hinweg fielen riesige Seemöwenschwärme über die Heuschrecken her 
und bewahrten somit den Pionieren genügend Getreide für die Ernte. 



jedes anderen Glaubensbekenners mit Fü- 
ßen, der sich unbeliebt gemacht hat und zu 
schwach ist, sich selbst zu verteidigen." 
(Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 319.) 

Am vergangenen Sonntag war ich in der 
Abendmahlsversammlung einer unserer 
Universitätsgemeinden, wo es nur Jungver- 
heiratete Studenten gibt, die mit ihrem Stu- 
dium und mit der Last des Familienlebens 
zu kämpfen haben. Zwei Neugeborene wur- 
den von ihrem Vater gesegnet und erhielten 
den Namen, mit dem sie in der Kirche ge- 
führt werden sollten. 

Mich hat das Gebet der beiden jungen Vä- 
ter bewegt. Der eine, segnete seinen neuge- 
borenen Jungen, daß er sein ganzes Leben 
alle Menschen lieben sollte, ungeachtet der 
Umstände. Er segnete ihn, daß er andere 
achten sollte, ungeachtet der Rasse, Glau- 
bensgemeinschaft oder sonstiger Unter- 
schiede. Ich weiß, daß dieser junge Vater, 
ein Medizinstudent, als treues Mitglied Lie- 
be, Wertschätzung und Achtung für andere 
empfindet. 



Wie großartig ist doch die Nächstenliebe, 
ob sie nun dadurch zum Ausdruck kommt, 
daß wir von unserer Habe zuteilen, mit un- 
serer Kraft anderen die Last leichter machen 
oder Güte und Wertschätzung zum Aus- 
druck bringen. 

Die Menschen in dieser Kirche, der soge- 
nannten Mormonenkirche, geben großzü- 
gig den Bedürftigen. Ich denke an den Sonn- 
tag vor zwei Jahren, als die Erste Präsident- 
schaft die Mitglieder gebeten hatte, zwei 
Mahlzeiten auszulassen und den Gegen- 
wert und noch mehr für die Hungrigen in 
Afrika zu spenden, wo wir keine Mitglieder 
haben, wo es aber so viel Hunger und Leid 
gibt. 

Ab Montagmorgen traf das Geld langsam 
ein. Es waren Hunderte von Dollar, dann 
Tausende von Dollar, dann Hunderttausen- 
de von Dollar und schließlich Millionen von 
Dollar. Diese geweihten Gelder haben viele 
gerettet, die sonst verhungert wären. 

Wir prahlen nicht damit. Ich erwähne das 
einfach, um zu belegen, daß „Mormone" 



„besser" bedeuten kann und es vielen auch 
bedeutet. 

Die Frauenhilfsvereinigung der Kirche, 
die Mormonen-Frauenhilf svereinigung, der 
über zwei Millionen Frauen in über hundert 
Ländern angehören, hat als Motto: „Die Lie- 
be hört niemals auf" . 

Diese wunderbaren und selbstlosen Frau- 
en haben zahllose Male den Leidenden zur 
Seite gestanden, den Verletzten die Wun- 
den versorgt, den Betrübten Zuspruch und 
Trost gespendet, die Hungrigen gespeist, 
die Nackten gekleidet, diejenigen, die ge- 
stürzt sind, aufgerichtet und ihnen die 
Kraft, den Mut und den Willen gegeben, 
weiterzumachen . 

Der bemerkenswerte Chor hinter mir ist 
auf der ganzen Welt als der Mormonen- 
Tabernakelchor bekannt. Dort, wo man ihn 
gehört hat - und das ist fast überall - hat er 
ein Lied des Friedens, der Liebe, der Ehr- 
furcht und der Menschlichkeit angestimmt 
als Lobpreis für den Allmächtigen und sei- 
nen geliebten Sohn. 

Die Mitglieder dieses Chores sind ein Teil 
dieser bemerkenswerten Erscheinung, die 
die Welt „Mormonismus" nennt und die wir 
das wiederhergestellte Evangelium Jesu 
Christi nennen. 

So lasse ich den einfachen, aber inhalts- 
schweren Gedanken bei Ihnen: ^Mormo- 
ne' bedeutet ,besser'." 

In ihrer neuesten Ausgabe hat die angese- 
hene Wirtschaftszeitschrift „Fortune" einen 
Artikel veröffentlicht, in dem Salt Lake City 
als die bei den Wirtschaftsunternehmen be- 
liebteste Stadt in Amerika bezeichnet wird. 
Das ist ein großes Kompliment. Einige sind 
der Meinung, das könne viele neue Unter- 
nehmen in die Stadt bringen. Für uns als 
Kirche ist es eine wunderbare Gelegenheit, 
durch unsere Einstellung, unsere Recht- 
schaffenheit, unseren Eifer und unser gut- 
nachbarliches Verhalten zu zeigen, daß wo- 
zu der Art Menschen gehören, die von ande- 
ren geschätzt wird. 

Möge Gott uns die Kraft und die Disziplin 
geben, so zu leben, daß wir dem Beispiel des 
Erlösers besser folgen, von dem gesagt wur- 
de, daß er Gutes tat (siehe Apostelgeschich- 
te 10:38). 

Ich bezeuge, daß er wirklich lebt. Ich be- 
zeuge, daß Gott, unser ewiger Vater, wirk- 
lich lebt. Ich bezeuge, daß das Evangelium 
Jesu Christi in dieser Evangeliumszeit der 
Fülle wiederhergestellt worden ist. Ich be- 
zeuge, daß das Buch Mormon das Wort Got- 
tes ist; und wenn die Leute uns den Namen 
des Buches gegeben haben, so machen sie 
uns ein Kompliment, wenn wir dieses Na- 
mens würdig leben, und sie werden daran 
denken, daß der Mormonismus wirklich das 
Bessere darstellt, das der Herr Jesus 
Christus beispielhaft vorgelebt hat. Ich bete 
darum im Namen Jesu Christi. Amen. D 



DER STERN 



55 



Tempel und Tempelarbeit 




Eider David B. Haight 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



„Ohne sie (die Toten) können wir nicht vollkommen gemacht werden, 
und auch sie können nicht ohne uns vollkommen gemacht werden. " 



. . . damit . . . Verordnungen, die . . . ver- 
borgen wurden, offenbart werden konn- 
ten." (Siehe LuB 124:37,38.) 

Die Heiligen der Letzten Tage müssen 
ewig dankbar sein für das offenbarte Wis- 
sen, das in alter Zeit gegeben, aber in unse- 
rer Evangeliumszeit mit noch größerer Klar- 
heit offenbart wurde und das der Apostel 
Petrus kannte, als er prophezeite, vor dem 
Zweiten Kommen Christi werde es „eine 
Wiederherstellung von allem" geben, was 
Gott verkündet hat. (Siehe Apostelge- 
schichte 3:21; LuB 121:26-32.) Durch eine 
dieser wiederhergestellten Lehren, nämlich 
vom vorirdischen Dasein oder der Präexi- 
stenz, sollten wir uns und die uns aufgetra- 
gene Aufgabe besser verstehen, denn jeder 
von uns hat als Geist bestanden, bevor wir 
auf diese Welt geboren wurden. 

Die meisten von uns wüßten gern, was in 
der vorirdischen Welt geschehen ist und wie 
es sich auf unser Leben hier auswirkt. Die 
Wahrheit ist, daß das Wissen vom vorirdi- 
schen Leben wiederhergestellt wurde, da- 
mit wir unsere Aufgabe als Kinder Gottes er- 
füllen können. 

Der Herr hat offenbart, daß in der vorirdi- 
schen Welt eine große Ratsversammlung ab- 
gehalten wurde, wo wir uns hinsichtlich der 
vorgeschlagenen Pläne frei entscheiden 
konnten. Der Grundgedanke im angenom- 
menen Erlösungsplan war, daß sich jeder 
auf Erden seine ewige Errettung erarbeiten 
konnte. 

Was John A. Widtsoe einmal über die irdi- 
schen Verpflichtungen, die wir in der Prä- 
existenz eingegangen sind, gesagt hat, ist 
von großer Bedeutung. Er spricht von einer 
Vereinbarung, die wir in bezug auf das ewi- 
ge Wohlergehen aller Söhne und Töchter 
des ewigen Vaters gemacht haben. Ich zi- 
tiere: 

„In unserem vorirdischen Zustand, am 
Tag der großen Ratsversammlung, . . . tra- 
fen wir eine Vereinbarung mit dem Allmäch- 
tigen. Der Herr legte einen Plan vor . . . Wir 
nahmen ihn an. Da der Plan für alle Men- 
schen gültig ist, erklärten wir uns bereit, zur 
Errettung aller, die diesem Plan unterste- 
hen, beizutragen. Wir erklärten uns damals 



Der Tempel ist die heiligste Stätte der 
Gottesverehrung auf Erden, wo hei- 
lige Handlungen vollzogen werden 
- heilige Handlungen für die Errettung und 
Erhöhung im Reich Gottes. Jeder Tempel ist 
buchstäblich ein Haus des Herrn, wo er und 
sein Geist zugegen sein können, wohin er 
kommen oder andere schicken kann, um die 
Segnungen des Priestertums zu übertragen 
und seinem Volk Offenbarung zu geben. 

In jedem Zeitalter sind dem Herrn Tempel 
gebaut worden. Mose errichtete den Israeli- 
ten in der Wildnis ein Heiligtum. Salomo 
baute in Jerusalem einen prächtigen Tem- 
pel. Die Nephiten errichteten heilige Tem- 
pel. Joseph Smith errichtete dem Herrn in 
Kirtland und in Nauvoo ein Haus, und die 
Propheten nach ihm bauten auf der ganzen 
Welt Tempel. Diese wurden alle auf Wei- 
sung Gottes und auf seine Offenbarung hin 
gebaut. 

Ohne Offenbarung können Tempel weder 
gebaut noch richtig genutzt werden. Sie 
sind ein Beweis dafür, daß dies das wahre 
Evangelium des Herrn ist. In unserer Zeit 
hat der Herr gesagt: 

„Wie sollen eure Waschungen für mich 
annehmbar sein, wenn ihr sie nicht in einem 
Haus vollzieht, das ihr in meinem Namen 
gebaut habt? 



bereit, nicht nur uns selbst, sondern die gan- 
ze Menschheit zu erretten. Wir sind Partner 
des Herrn geworden. Die Durchführung 
des Plans ist nicht allein das Werk des Vaters 
und des Erretters, sondern auch unser 
Werk. Der Geringste unter uns, der einfach- 
ste Mensch, ist Partner des Allmächtigen, 
um die Absichten des ewigen Errettungs- 
plans zustande zu bringen." 

Bruder Widtsoe fährt fort: 

„Das überträgt uns eine große Verantwor- 
tung gegenüber den Menschen. Aufgrund 
dieser Lehre und mit dem Herrn an der Spit- 
ze werden wir Befreier auf dem Berg Zion, 
die sich dazu verpflichtet haben, unzähligen 
Geistern den erhabenen Erlösungsplan an- 
zubieten. . . . Das ist die Pflicht, die sich der 
Herr selbst auferlegt hat, dieses Werk ist sei- 
ne höchste Herrlichkeit. Gleichermaßen ist 
es die Pflicht, die sich der Mensch selbst auf- 
erlegt hat, seine Freude, sein Werk und letz- 
ten Endes seine Herrlichkeit. "(„The Worth 
of Souls", The Utah Genealogical and Historical 
Magazine, Oktober 1934, Seite 189.) 

Die Heiligen der Letzten Tage sind ein er- 
wähltes Volk und sind in der Präexistenz da- 
zu ausersehen worden, gemeinsam mit dem 
Herrn die Errettung der Lebenden und der 
Toten zustande zu bringen. Die Erste Präsi- 
dentschaft hat bekanntgegeben, daß eine 
der wichtigsten Aufgaben der Kirche und 
somit auch der Mitglieder darin besteht, die 
Toten zu erlösen. 

Aus einer Offenbarung an Joseph Smith 
erfahren wir: 

„daß es sich hier um Grundsätze hinsicht- 
lich der Toten und der Lebenden handelt, 
die man nicht leichthin übergehen kann, da 
sie ja unsere eigene Errettung betreffen. 
Denn deren Errettung ist für unsere eigene 
Errettung notwendig und wesentlich. . . . 

Denn ohne sie können wir nicht vollkom- 
men gemacht werden, und auch sie können 
nicht ohne uns vollkommen gemacht wer- 
den." (LuB 128:15,18; siehe auch Hebräer 
11:39,40.) 

Es wird wohl kaum möglich sein, eine 
deutlichere Aussage in bezug auf das zu fin- 
den, was für die Erhöhung im celestialen 
Reich erforderlich ist. 

Joseph Smith und Oliver Cowdery hatten 
von Petrus, Jakobus und Johannes das Mel- 
chisedekische Priestertum empfangen; es 
war jedoch erforderlich, daß Elija besondere 
Schlüssel wiederherstellte, damit alle Ver- 
ordnungen in Rechtschaffenheit vollzogen 
werden konnten. (Siehe History of the 
Church, Band 4, Seite 211.) So wurden die 
siegelnden Mächte und Verordnungen, die 
für die Toten wie für die Lebenden notwen- 
dig waren, wiederhergestellt. Das geschah, 
als Elija Joseph Smith und Oliver Cowdery 
am 3. April 1836 im Kirtland-Tempel er- 
schien. 

Seine Mission bestand darin, das Herz der 



JANUAR 1991 



56 



Väter den Söhnen zuzuwenden und das 
Herz der Söhne ihren Vätern (siehe Malea- 
chi 3:24). Dadurch, daß sich das Herz der 
Väter in der Geisterwelt und der Söhne auf 
Erden einander zuwendet, werden die Da- 
ten der Verstorbenen gesammelt, so daß die 
heiligen Handlungen in den Tempeln des 
Herrn vollzogen werden können. Daß das 
Herz der Lebenden den Vätern zugewandt 
wird, ist in Übereinstimmung mit der Ver- 
einbarung, die wir vor der Erschaffung der 
Welt getroffen haben. 

Das Erscheinen Elijas im Tempel von Kirt- 
land wird mehrfach bestätigt. 

Erstens: Niemand sonst hat je behauptet, 
daß die Offenbarung in bezug auf das Kom- 
men Elijas in den Letzten Tagen erfüllt sei. 

Zweitens: Das Zeugnis Joseph Smiths 
und Oliver Cowderys ist unanfechtbar - sie 
konnten das Herz der Kinder ohne die 
Macht Gottes nicht den Vätern zuwenden. 

Drittens: Sie hatten auch nicht die Macht, 
Millionen von Menschen dazu zu über- 
reden, sich für ihre Vorfahren zu interes- 
sieren. Bemerkenswert ist vor allem, daß 
alle organisierten Bestrebungen, genealo- 
gische Daten zu sammeln, nach dem Kom- 
men Elijas 1836 einsetzten. In Amerika wur- 
de 1844 die New England Historical and 
Genealogical Society gegründet und 1869 
die New York Genealogical and Biogra- 
phical Society, um genealogisches Material 
zu sammeln. Was als „Geist des Elija" 
bekannt ist, hat sowohl Nichtmitglieder als 
auch Mitglieder in diesem wichtigen Werk 
beeinflußt. Die großangelegte Mikroverfil- 
mung von Tausenden von Aufzeichnungen 
auf der ganzen Welt hält an. (Siehe Joseph 
Fielding Smith, Lehren der Erlösung, Band II, 
Seite 124.) 

Das jüdische Volk wartet auf Elijas Rück- 
kehr auf die Erde, wie sie von Maleachi pro- 
phezeit wurde. Jedes Jahr wird im Frühling 
von vielen Juden das Pessachfest gefeiert, 
wobei die Tür geöffnet wird, damit Elija ein- 
treten und am Fest teilnehmen kann. 

„Am dritten Tag im April des Jahres 1836", 
sagte Präsident Joseph Fielding Smith, „öff- 
nete das jüdische Volk an Pessach zu Hause 
die Tür, damit Elija eintreten konnte. An 
diesem Tag erschien Elija - jedoch nicht bei 
den Juden zu Hause, sondern im Haus des 
Herrn ... in Kirtland und überbrachte seine 
Schlüsselgewalt. " (Generalkonferenz, 

April 1936.) 

Der Prophet Joseph Smith sagte: „Der 
Zweck bei der Sammlung der Juden oder 
des Gottesvolkes zu irgendeiner Zeit war 
der, daß dem Herrn ein Haus gebaut wer- 
den sollte, worin er seinem Volk die Verord- 
nungen seines Hauses und die Herrlichkeit 
seines Reiches offenbaren und den Men- 
schen die Errettung darlegen konnte." (Leh- 
ren des Propheten Joseph Smith, Seite 313.) 

Die Prophezeiungen in der Bibel weisen 



darauf hin, daß in der letzten Evangeliums- 
zeit alle Grundsätze und heiligen Handlun- 
gen früherer Evangeliumszeiten wiederher- 
gestellt werden sollten, wozu auch das Bau- 
en von Tempeln und das Vollziehen von hei- 
ligen Handlungen darin gehört. (Siehe Jesa- 
ja 2:2,3; Micha 4:1,2; Apostelgeschichte 
3:19-21; Epheser 1:9,10.) 

Ein Apostel der Neuzeit hat geschrieben: 
„Die Geschichte der Tempel lehrt uns, daß 
das Volk des Herrn stark oder schwach ist, je 
nachdem, wie treu es den Tempel besucht." 
(Hyrum M. Smith & Janne M. Sjodahl, Doc- 
trineand Covenants Commentary, Seite 612.) 

Wir täten gut daran, dem Beispiel unseres 
geliebten Propheten, Präsident Ezra Taft 
Benson, zu folgen. Er und seine Frau halten 
sich jeden Freitag frei, um ins Haus des 
Herrn zu gehen, und sie würden mit mir er- 
klären, daß die Mitglieder, die nicht zum 
Tempel gehen, wo es möglich wäre, sich 
selbst großer Segnungen berauben. 

„Es gibt ein Gesetz, das im Himmel - vor 
den Grundlegungen dieser Welt - unwider- 
ruflich angeordnet wurde und auf dem alle 
Segnungen beruhen: 

Wenn wir irgendeine Segnung von Gott 
erlangen, dann nur, indem wir das Gesetz 
befolgen, auf dem sie beruht." (LuB 
130:20,21.) 

„Jeglicher Grundzug der Intelligenz, den 
wir uns in diesem Leben zu eigen machen, 
wird mit uns in der Auferstehung hervor- 
kommen. 

Und wenn jemand in diesem Leben durch 
seinen Eifer und Gehorsam mehr Wissen 
und Intelligenz erlangt als ein anderer, so 
wird er in der künftigen Welt um so viel im 
Vorteil sein." (LuB 130:18,19.) 

Mit diesen beiden Schriftstellen vor Au- 
gen bitte ich um erneutes Engagement, das 
den Mitgliedern helfen wird, ihren Glauben 
zu stärken und auf die Erhöhung im celestia- 
len Reich hinzuarbeiten, - 

1. indem wir unsere Pflicht gegenüber den To- 
ten erfüllen 

Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: 
„Die größte Pflicht auf dieser Welt, die Gott 
uns auferlegt hat, besteht darin, daß wir 
nach unseren Toten forschen." (Times and 
Seasons, V:616.) 

Ich bin meinen Vorfahren Dank schuldig 
dafür, daß sie es mir ermöglicht haben, in 
dieser Evangeliumszeit zu leben und den 
Vorzug zu genießen, ein Mitglied der einzi- 
gen wahren und lebendigen Kirche auf dem 
ganzen Erdboden zu sein (siehe LuB 1:30). 

Wir haben zwei Möglichkeiten: genealogi- 
sche Forschung zu treiben und Tempelarbeit 
zu verrichten. Manchmal haben wir viel- 
leicht keine Zeit, die erforderliche For- 
schung zu verrichten, aber das darf uns 
nicht davon abhalten, die Segnungen des 
Tempelbesuchs zu empfangen. Angesichts 
der vierundvierzig Tempel, die in der gan- 



zen Welt in Betrieb sind, können immer 
mehr Menschen in den Tempel gehen. Soll- 
ten wir eine dieser Pflichten vernachläs- 
sigen? 

2. indem wir mit Macht aus der Höhe ausgerü- 
stet werden (siehe LuB 38:32) 

Die Umgebung im Tempel soll den würdi- 
gen Mitgliedern die Macht der Erleuchtung, 
des Zeugnisses und des Verständnisses zu- 
gänglich machen. Das Endowment vermit- 
telt eine Erkenntnis, die, wenn man sich da- 
nach richtet, Kraft und Überzeugung von 
der Wahrheit spendet. 

3. indem wir einen Ort der Zuflucht und des 
Friedens finden (LuB 124:36) 

Sobald wir das Haus des Herrn betreten, 
verlassen wir das Weltliche und betreten das 
Himmlische, wo wir uns vom Alltäglichen 
erholen und inneren Frieden finden kön- 
nen. Er ist ein Zufluchtsort vor den Unbil- 
den des Lebens und ein Schutz vor den Ver- 
suchungen, die sich unserem geistigen 
Wohlergehen entgegenstellen. Uns ist ge- 
sagt worden, „daß derjenige, der die Werke 
der Rechtschaffenheit tut, seinen Lohn 
empfangen wird, nämlich Frieden in dieser 
Welt und ewiges Leben in der zukünftigen 
Welt" (LuB 59:23). 

4. indem wir Offenbarung empfangen 
John A. Widtsoe hat geschrieben: 

„Ich glaube, daß der beschäftigte Arbeiter 
auf der Farm, im Büro oder im Haushalt mit 
seinen Sorgen und Mühen seine Probleme 
im Haus des Herrn besser und schneller lö- 
sen kann als anderswo. Wenn er die Tempel- 
arbeit für sich und seine Verstorbenen tut, 




Eider Rex D. Pinegar und Eider Carlos E. Asay 
von der Präsidentschaft der Siebziger. 



DER STERN 



57 



wird er einen großen Segen für die bewir- 
ken, die schon dahingeschieden sind, . . . 
und auch ihm wird ein Segen zuteil, denn 
dann, wenn er es am wenigsten erwartet - 
sei es nun innerhalb oder außerhalb des 
Tempels wird ihm wie eine Offenbarung die 
Lösung für die Probleme zuteil, die ihm das 
Leben schwermachen." (Temple Worship, 
Seite 9.) 

Wir empfangen Offenbarung auch, indem 
wir einen tieferen Einblick vom Endowment 
erlangen, wenn wir danach trachten, seine 
Bedeutung zu erfassen. 

5. indem wir in der Genealogie und im Tempel 
dienen 

Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: 
„Die Heiligen, die die Tempelarbeit für ihre 
verstorbenen Angehörigen vernachlässi- 
gen, tun das auf Kosten ihrer eigenen Erret- 
tung." (History of the Church, Band 4, Seite 
426.) 

6. indem wir Befreier auf dem Berg Zion 
werden 

„Aber wie können sie Befreier auf dem 
Berg Zion werden? Indem sie Tempel bauen 
. . . und für sich selbst und für ihre verstor- 
benen Vorfahren sämtliche Verordnungen, 
Taufe, Konfirmation, Waschung, Salbung, 
Ordinierung und siegelnde Kraft . . . emp- 
fangen, so daß sie erlöst werden und in der 
ersten Auferstehung hervorkommen und 
mit ihnen zu herrlichen Thronen erhöht 
werden. Hierin liegt die Kette, die das Herz 
der Väter an die Söhne und die Söhne an die 
Väter bindet: damit ist der Auftrag Elijas er- 
füllt." (Lehren des Propheten Joseph Smith, 
Seite 337t.) 

7. indem wir uns würdig machen, Gott im 
Haus des Herrn zu sehen und zu verstehen 

Der Herr offenbarte Joseph Smith in Kirt- 
land folgendes: 

„Und wenn mir mein Volk im Namen des 
Herrn ein Haus baut und nicht zuläßt, daß 
etwas Unreines hineingelangt, damit es 
nicht entweiht werde, wird meine Herr- 
lichkeit darauf ruhen; 

. . . und meine Gegenwart wird da sein, 
denn ich werde dorthin kommen; und alle, 
die im Herzen rein sind und dorthin kom- 
men, werden Gott sehen." (LuB 97:15,16.) 

Es stimmt: Einige haben tatsächlich den 
Erretter gesehen; wenn man aber das Wör- 
terbuch zu Rate zieht, erfährt man, daß das 
Wort „sehen" viele Bedeutungen hat wie: 
kennenlernen, ihn und sein Werk erkennen, 
seine Bedeutung wahrnehmen oder ihn ver- 
stehen lernen. 

Solch göttliche Erleuchtung und diese 
Segnungen stehen uns allen offen. 

Gott, unser Vater, lebt, wie sein Sohn, 
Jesus Christus, unser Erretter und Erlöser 
auch. Ich bin dankbar, daß ich seine heilen- 
de Macht und Liebe empfangen habe. Dies 
ist sein Werk. Das bezeuge ich im Namen 
Jesu Christi. Amen. D 



Die vielen Zeugen für Jesus 
Christus und für sein Werk 



Eider James M. Paramore 

von der Präsidentschaft der Siebziger 



„ Dank sei dem Vater im Himmel, daß es zu jeder Zeit viele Zeugnisse 
für ihn gegeben hat, auf die wir zurückgreifen können und durch die 
wir ohne einen Zweifel ihn und seine Wege kennenlernen können. " 



großer Begeisterung „Freu dich, o Welt, der 
Herr erschien! Des Königs Lied erklingt. O 
laßt uns ihn empfangen und seine Lieb er- 
langen, bis Erd und Himmel singt. " (Gesang- 
buch, Nr. 144.) Diese unsterblichen, fast hei- 
ligen Worte sagen uns, daß er gekommen 
ist. Er ist gekommen! Ich möchte Ihnen heu- 
te über sein - häufiges - Kommen und über 
die Zeugnisse dafür schreiben. 

Gott, unser Vater, hat für diese Erde und 
für uns alle einen Plan geschaffen. Jesus 
Christus war der Mittelpunkt dieses Plans. 
Er sollte zur Erde kommen, sich selbst jeden 
Tag den Menschen geben, die Welt überwin- 
den, den Weg zeigen, dem andere folgen 
konnten, in Getsemani die Sünden der Welt 
auf sich nehmen und dann aus dem Grab er- 
hoben werden, um wieder zu leben und uns 
zu sagen, daß auch wir wieder leben wer- 
den. Er sollte der Welt Hoffnung und ewige 
Perspektive schenken. Er sollte den Weg, 
die Wahrheit und das Licht bringen, wo- 
durch das möglich wird. Seine Botschaft 
sollte dem Streben, dem Hoffen und dem 
Wünschen der Menschen den Weg zeigen. 

Wir brauchen nicht mehr zu rufen: „Wenn 
ich nur wüßte, wer ich bin, was meine Be- 
stimmung ist, wer Gott ist und warum ich 
hier bin." Oft hat er uns in seinem Leben, 
seinen Lehren und in dem, was über ihn ge- 
schrieben wird, die Antwort gegeben. Dank 
sei dem Vater im Himmel, daß es zu jeder 
Zeit viele Zeugnisse für ihn gegeben hat, auf 
die wir zurückgreifen können und durch die 
wir ohne einen Zweifel ihn und seine Wege 
kennenlernen können. Alle diese Zeugen 
bestätigen ihn, das, was er gelehrt hat, und 
die Richtlinien oder Grundsätze, ja, Gebote, 
die er den Menschen gegeben hat, damit sie 
in diesem Leben Freude, Glück und ewige 
Segnungen haben können. 

Wenn wir die Geschichte der Erde be- 
trachten, stellen wir fest, daß der Vater im 
Himmel den Propheten im Alten Testament 
offenbarte, daß ein Erretter, sein einzigge- 
zeugter Sohn, auf die Erde kommen sollte. 
Der Prophet Jesaja sagte: „Die Jungfrau 




Brüder und Schwestern, ich habe Sie 
sehr lieb, und ich hoffe, während ich 
zu Ihnen spreche, auf Ihren Glauben 
und Ihre Gebete. Vor einigen Wochen lernte 
ich auf einem Flug nach Texas einen wun- 
derbaren Mann kennen. Ich möchte Sie heu- 
te Anteil haben lassen an einem Brief, den 
ich ihm geschrieben habe. 

Lieber Ken, nach unserem langen Ge- 
spräch im Flugzeug drängt es mich, Ihnen 
zu schreiben. Ich hoffe, Sie haben meine 
Briefe und die Unterlagen über die Kirche 
erhalten. Ich habe oft an Sie gedacht und wie 
begierig Sie waren, alles über das Evangeli- 
um Jesu Christi zu erfahren, was Sie nur 
konnten. 

Ich möchte Ihnen heute etwas über die 
vielen Zeugnisse für den Herrn, Jesus 
Christus, und seinen Auftrag schreiben, 
allen Menschen ein Segen zu sein. Da er der 
Mittelpunkt des Lebens auf dieser Erde ist, 
müssen wir alles nur Erdenkliche tun, um 
ihn und seine Absichten und die Zeugnisse, 
die uns zu ihm bringen können, zu verste- 
hen. Ich glaube, es gibt nichts Wichtigeres 
für die Welt und für uns, als das zu wissen. 

Wir singen zu Weihnachten immer mit 



JANUAR 1991 



58 



wird ein Kind empfangen, sie wird einen 
Sohn gebären" (Jesaja 7:14), und „die Herr- 
schaft liegt auf seiner Schulter" (Jesaja 9:5); 
er sagte auch: „Er . . ., der über dem Erden- 
rund thront, ... ist der Heilige Israels", ja, 
der „Herr, der alles bewirkt" (siehe Jesaja 
40-45). Jeremia, Sacharja, Ijob, Mose und 
anderen Propheten wurde der Messias of- 
fenbart und daß er kommen sollte, um uns 
den Weg zurück zum Vater im Himmel zu 
zeigen. Diese Propheten haben uns ihr 
Zeugnis hinterlassen, damit wir es studie- 
ren, darüber beten und selbst ein Zeugnis 
vom ersehnten Erretter des Alten Testa- 
ments empfangen. 

Mein Freund, die Welt wartete auf den Er- 
retter und wußte nicht, was er tun würde. 
Dann kam der langersehnte Tag, an dem er 
als Kind in Betlehem zur Erde kam. Der 
Himmel bestätigte, daß er tatsächlich der 
einzig gezeugte Sohn Gottes war, der auf 
die Erde kam, um alle Menschen vom Tod zu 
erlösen. 

In der kurzen Zeit auf Erden erfüllte er sei- 
nen geistlichen Dienst, indem er sagte: „Ich 
bin der Weg, die Wahrheit und das Licht", 
indem er bestätigte, daß er gesandt war, das 
Werk des Vaters im Himmel zu tun, und in- 
dem er die Gerechtigkeit ganz erfüllte. Er 
ließ sich von jemand taufen, den er als Pro- 
pheten anerkannte, nämlich von Johannes 
dem Täufer. Er verlieh eine besondere 
Macht, die Gabe des Heiligen Geistes, von 
dem er sagte, er sei ein Beistand, der zu aller 
Wahrheit führen, alles lehren, an alles erin- 
nern, uns das Kommende zeigen und von 
ihm Zeugnis geben sollte (siehe Johannes 
14-16). 



Er berief auch Apostel und Propheten und 
gab ihnen die Vollmacht, in seinem Namen 
zu handeln. Er errichtete seine Kirche, da- 
mit sie eine Zuflucht vor der Welt sei, wo die 
Heiligen ihn, seine Wahrheiten und seine 
Wege kennenlernen und lernen konnten, 
einander zu lieben und zu dienen. 

Man ist voller Verwunderung, wenn man 
liest, wie sich sein Leben und Lehren aus- 
gewirkt hat. Er erweckte Tote und gab 
den Blinden das Augenlicht. Er speiste 
mehrmals Tausende mit ein paar Laiben 
Brot und etwas Fisch. Er vergab dem um- 
kehrwilligen Sünder, spendete Hoffnung 
und Mut und diente den anderen sein gan- 
zes Leben. Dann gab er sich selbst im größ- 
ten Leiden, das die Menschheit je gekannt 
hat, auf dem Kreuz als endgültiges Zeugnis 
seiner Liebe für Sie und mich und nahm un- 
sere Sünden auf sich, er, der reine Sohn 
Gottes ohne Sünde, daß wir ewiges Leben 
haben mögen. 

Er tat für uns, was wir für uns selbst nicht 
hätten tun können. Denken Sie doch an den 
großen Segen ein paar Tage später, als das 
Grab offen war und er als der lebende, aufer- 
standene, unsterbliche Christus hervortrat 
und uns zeigte, daß er lebt und daß auch wir 
leben werden. 

Da gab es wieder Zeugen. Der Bericht im 
Neuen Testament offenbart sein Leben und 
die Zeugnisse dafür. Er gibt uns wieder die 
Gebote, Richtlinien oder Grundsätze und 
die Verordnungen, durch die die Mensch- 
heit ewig gesegnet werden sollte. 

Als Jesus in Palästina lebte, sagte er: „Ich 
habe noch andere Schafe, die nicht aus die- 
sem Stall sind; auch sie muß ich führen, und 




Präsident Thomas S. Monson, Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaß, rechts, begrüßt drei 
Mitglieder des Kollegiums der Zwölf, von links nach rechts: Eider James E. Faust, Eider Neal A. Maxwell 
und Eider Russell M. Nelson. 



sie werden auf meine Stimme hören; dann 
wird es nur eine Herde geben und einen Hir- 
ten." (Johannes 10:16.) Nach seiner Aufer- 
stehung besuchte er einige dieser anderen 
Schafe auf dem amerikanischen Kontinent 
und hinterließ Zeugnisse, wie er es in Palä- 
stina getan hatte. 

Als er ihnen erschien, sagte er: „Siehe, ich 
bin das Licht und das Leben der Welt." 
(3 Nephi 11:11.) „Siehe, ich bin Jesus 
Christus, von dem die Propheten (auch die 
auf dem amerikanischen Kontinent) be- 
zeugt haben, er werde in die Welt kom- 
men." (3 Nephi 11:10.) 

Er errichtete bei ihnen seine Kirche . Er gab 
denen, die ihm folgen wollten, das Priester- 
tum, die Taufe und die Gabe des Heiligen 
Geistes. Er gab ihnen Propheten und Jün- 
ger, die seine Kirche und sein Volk führen 
sollten. Er segnete das Volk, und viele Wun- 
der entsprangen aus seinem Werk. 

Ken, über die kurze Zeit bei diesem Volk 
berichtet das Buch Mormon, das uns hilft, 
ein Zeugnis zu bekommen. Die Menschen 
im alten Amerika ließen sich von seinen 
Lehren und seiner Macht so berühren, daß 
sie sich änderten und über zweihundert Jah- 
re seinen Lehren gemäß lebten. Das ist ein 
immerwährendes Zeugnis dafür, daß der 
Erretter die Macht hat, die Menschen so zu 
ändern, daß sie in Frieden und Einigkeit le- 
ben und seine Segnungen empfangen. Hö- 
ren Sie, was ein besonderer Zeuge im Buch 
Mormon sagt: 

„Und es begab sich: . . . alles Volk wurde 
zum Herrn bekehrt, überall im ganzen 
Land, . . . und es gab keine Streitigkeiten 
und Auseinandersetzungen unter ihnen, 
und jedermann handelte gerecht, einer mit 
dem anderen. 

... sie wandelten nach den Geboten, die 
sie von ihrem Herrn und Gott empfangen 
hatten . . . 

. . . und gewiß konnte es kein glückliche- 
res Volk unter allem Volk geben, das von der 
Hand Gottes erschaffen worden war. 

Wegen der Gottesliebe, die dem Volk im 
Herzen wohnte, gab es im Land keinen 
Streit." (4 Nephi 1:2,12,16,15). 

Mein Freund, welch mächtige Zeugnisse 
Jesus doch in den wenigen Jahren auf Erden 
gegeben hat! Leider haben die Menschen 
aber seine Wahrheiten und seine Kirche ab- 
geändert und seine Verheißungen aus den 
Augen verloren. Darum durchschritt Jesus 
1820 wieder den Schleier, der das Diesseits 
und das Jenseits voneinander trennt, um 
das inbrünstige Gebet eines jungen Man- 
nes, Joseph Smith, zu erhören und wieder 
Zeugnis zu geben. 

Joseph Smith hatte im Neuen Testament 
gelesen: „Fehlt es aber einem von euch an 
Weisheit, so erbitte er sie von Gott, der allen 
gerne gibt und keine Vorwürfe macht; dann 
wird sie ihm gegeben werden." (Jakobus 



DER STERN 



59 



1:5.) Mit unerschütterlichem Vertrauen in 
die Verheißung des Herrn ging er dann hin- 
aus und trug Gott seinen Herzenswunsch 
vor. Der Himmel öffnete sich, und zwei 
himmlische Wesen stiegen nieder und stan- 
den über ihm in der Luft. 

Er berichtet: „Ich sah zwei Gestalten von 
unbeschreiblicher Helle und Herrlichkeit 
über mir in der Luft stehen. Eine von ihnen 
redete mich an, nannte mich beim Namen 
und sagte, dabei auf die andere deutend: 
Dies ist mein geliebter Sohn. Ihn höre!" 
(Joseph Smith - Lebensgeschichte 1:17.) So 
sprach der Herr, Jesus Christus, zu dem jun- 
gen Mann und brachte das Zeugnis, das uns 
das Wissen wiederbrachte. 

Ken, der Himmel war offen - nicht nur für 
Joseph Smith, sondern für die ganze Welt. 
Das sollte uns das wiederbringen, was er da- 
mals auf Erden errichtet hatte. 

Wieder ist, wie zur Zeit des Alten Testa- 
ments und während des irdischen Wirkens 
des Erretters in Palästina sowie nach seiner 
Auferstehung auf dem amerikanischen 
Kontinent, Zeugnis gegeben worden. Er 
gibt immer Zeugnis von der Wahrheit und 
den Segnungen, die er bringt. Wir haben 
heute wie früher das Zeugnis der Mitglie- 
der, die diesen Wahrheiten folgen, sie ken- 
nen und durch die Macht des Heiligen Gei- 
stes diese ewigen Wahrheiten bezeugen. 

Ken, vor vielen Jahren, etwa um die Jahr- 
hundertwende wurde einem Zeitungsre- 
porter eine wichtige Frage gestellt: „Was wä- 
re die wichtigste Nachricht, die die Welt 
empfangen könnte? " Er sann über diese Fra- 
ge nach, sprach mit vielen Menschen und las 
alles, was er konnte, um für sich darauf eine 
Antwort zu finden. Schließlich schrieb er 
folgendes: „Zu wissen, daß Jesus Christus 
heute lebt, wäre die wichtigste Nachricht, 
die die Welt heute erhalten könnte. Ja, wenn 
er heute lebt, dann werden auch wir ewig le- 
ben, wie er gesagt hat." 

Nein, Gott hat seine Kinder nicht verges- 
sen, auch wenn sie ihn eine Zeitlang verlas- 
sen und zur Erde kommen. Wir sind alle auf 
der Erde, um geprüft zu werden, den Erret- 
ter und die Zeugnisse, von denen wir heute 
gesprochen haben, zu finden und sie von 
ganzem Herzen anzunehmen. Das bringt 
uns Frieden und Sicherheit in dieser Welt 
voller immer beängstigenderen Herausfor- 
derungen, macht uns schließlich selbst zu 
Zeugen für ihn und sein Werk und führt uns 
eines Tages, mit Herrlichkeit und ewigem 
Leben gekrönt, zum Vater im Himmel zu- 
rück. Möchten Sie diesen Weg nicht gehen? 
Ich bezeuge Ihnen feierlich, daß das wahr 
ist. Es gibt Zeugnisse - das Alte und das 
Neue Testament, das Buch Mormon, das 
Buch , Lehre und Bündnisse' aus unserer 
Zeit und die Apostel und Propheten auf Er- 
den, die uns zum Erretter bringen. Das be- 
zeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen. D 



Der enge und schmale Weg 



Eider Joseph B. Wirthlin 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



„ Sünde kann sich aus etwas ergeben, was unschuldig begonnen 
wird oder, in Maßen getan, völlig zulässig ist, was uns aber, wenn es 
im Übermaß getan wird, aus dem engen und schmalen Weg zur 
Vernichtung führt. " 



und nur wenige finden ihn." (Matthäus 
7:13,14.) 

In neuzeitlicher Offenbarung sagt er: 
„Denn eng ist die Pforte und schmal der 
Weg, der zur Erhöhung und zum Weiterbe- 
stand der Leben führt, und wenige sind es, 
die ihn finden." (LuB 132:22.) 

König Joschija war ein rechtschaffener Kö- 
nig Judas. Mit nur acht Jahren folgte er sei- 
nem Vater auf den Thron. Die Schrift sagt 
uns, er habe, obwohl er nur ein Junge war, 
getan, „was dem Herrn gefiel, . . . ohne 
nach rechts oder links abzuweichen" (2 Kö- 
nige 22:2). 

Der Herr offenbarte dem Propheten 
Joseph Smith : „ Denn Gott wandelt nicht auf 
krummen Wegen, und er wendet sich weder 
nach rechts noch nach links, auch weicht er 
nicht von dem ab, was er gesagt hat; darum 
sind seine Pfade gerade, und seine Bahn ist 
dieselbe ewige Runde." (LuB 3:2.) 

Auch wenn diese Lehren des Erretters klar 
und deutlich sind, laufen wir immer Gefahr, 
vom Weg abzukommen. Manche Leute wol- 
len den Lehren Gottes und seines lebenden 
Propheten nur dann folgen, wenn es leicht 
geht, verwerfen sie aber, wenn sie Opfer 
bringen oder Verpflichtungen eingehen 
müssen. Manche folgen nicht, weil seine 
Lehren nicht mit ihren vorgefaßten Ansich- 
ten übereinstimmen. 

Wir kommen vom Weg ab, wenn wir den 
Versuchungen nachgeben, die uns über die 
sicheren Grenzen hinausführen. Der Satan 
kennt unsere Schwächen und stellt verfüh- 
rerische Fallen gerade dann auf unserem 
Weg auf, wenn wir am anfälligsten sind. Er 
will uns von dem Weg abbringen, der zum 
Vater im Himmel führt. Sünde kann sich aus 
etwas ergeben, was unschuldig begonnen 
wird oder, in Maßen getan, völlig zulässig 
ist, was uns aber, wenn es im Übermaß ge- 
tan wird, aus dem engen und schmalen Weg 
zur Vernichtung führt. 

Ein Beispiel ist der Sport. Viele spielen 
gern Fußball oder sehen sich gern ein Spiel 
an. Ich gehöre auch dazu. Ich sehe gern ein 
gutes Spiel. Wenn wir aber zu viel Zeit damit 




A ls ich eines Abends mit meiner Frau 
ZA auf einer Bergstraße durch ein hefti- 
jL A.ges Gewitter fuhr, konnten wir 
kaum die Straße sehen - weder vor uns noch 
rechts oder links. Ich beachtete die weißen 
Linien auf der Straße aufmerksamer denn 
je. Zwischen den Linien zu fahren bewahrte 
uns davor, den Seitenstreifen zu überfahren 
und in die tiefe Schlucht zu fallen, sowie vor 
einem Frontalzusammenstoß. Es wäre ge- 
fährlich gewesen, die eine oder andere Linie 
zu überfahren. Da dachte ich: „Würde ein 
vernünftiger Mensch auf der Fahrbahn 
rechts oder links die Linie überfahren, wenn 
er wüßte, daß das fatale Folgen hätte? Wenn 
ihm sein irdisches Leben lieb wäre, würde er 
sicher zwischen den Linien bleiben." 

Diese Fahrt auf der Bergstraße ist dem Le- 
ben so ähnlich. Wenn wir zwischen den Li- 
nien bleiben, die der Herr vorgegeben hat, 
beschützt er uns, und wir können sicher un- 
sere Bestimmung erreichen. 

Der Erretter hat uns das mit folgenden 
Worten gesagt: „Geht durch das enge Tor! 
Denn das Tor ist weit, das ins Verderben 
führt, und der Weg dahin ist breit, und viele 
gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben 
führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, 



JANUAR 1991 



60 



zubringen, vernachlässigen wir vielleicht, 
was viel wichtiger ist. 

Gute körperliche und geistige Gesundheit 
kann uns helfen, auf dem engen und schma- 
len Weg zu bleiben. Der Herr hat uns mit 
dem Wort der Weisheit sein Gesundheitsge- 
setz gegeben, einen Grundsatz mit Verhei- 
ßung, den die moderne Medizin immer wie- 
der bestätigt. Alle Gebote Gottes, ein- 
schließlich des Wortes der Weisheit, sind 
geistig (siehe LuB 29:34,35). Wir müssen uns 
geistig sogar mehr nähren als körperlich. Le- 
gen wir angemessenen Wert auf unsere gei- 
stige Gesundheit? 

Was uns noch vom rechten Weg abbringen 
kann, ist übermäßiges Fernsehen oder 
wenn wir die falschen Filme ansehen. Auch 
wenn gute Fernsehfilme erbauend und un- 
terhaltend sind, so müssen wir sehr klug 
auswählen, was wir uns ansehen und wie- 
viel Zeit wir dafür aufwenden wollen. Wir 
dürfen unsere kostbare Zeit nicht damit zu- 
bringen, vulgäre Sprache, unsittliches Ver- 
halten, Pornographie und Gewalt in uns 
aufzunehmen. 

Eine weitere Versuchung, die uns auf den 
falschen Weg bringen kann, ist der über- 
mäßige Drang nach materiellem Besitz. Wir 
bauen uns zum Beispiel ein Haus, das weit- 
aus größer ist, als wir es brauchen. Wir ge- 
ben vielleicht viel zu viel aus, um es auszu- 
statten und einzurichten. Auch wenn wir so 
reichlich gesegnet sind, daß wir uns diesen 
Luxus leisten können, geben wir unsere 
Mittel falsch aus, die wir besser dazu ver- 
wenden können, das Reich Gottes aufzu- 
bauen oder unsere Brüder und Schwestern 
in Not zu speisen und zu kleiden. 

Der Prophet Jakob warnt uns: „Gebt nicht 
Geld hin für das, was ohne Wert ist, noch 
eure Arbeit für das, was nicht satt macht." 
(2Nephi 9:51.) Dann sagt er noch deutlicher: 

„Weil einige von euch reichlicher erlangt 
haben als eure Brüder, so seid ihr in eurem 
Herzensstolz überheblich und tragt einen 
starren Hals und das Haupt erhoben wegen 
der Kostbarkeit eurer Gewänder, und ihr 
verfolgt eure Brüder, weil ihr meint, ihr seiet 
besser als sie. 

Und nun, meine Brüder, denkt ihr, daß 
Gott euch darin rechtfertigt? Siehe, ich sage 
euch: Nein, sondern er spricht euch schul- 
dig, . . . 

Meint ihr nicht, daß das für ihn, der alles 
Fleisch erschaffen hat, ein Greuel ist? Das ei- 
ne Geschöpf ist in seinen Augen ebenso 
kostbar wie das andere." (Jakob 2:13,14,21.) 

Stolz und Eitelkeit, das Gegenteil von De- 
mut, können die Gesundheit des Geistes 
ebenso zugrunderichten wie eine Krankheit 
die des Körpers. 

Der Erretter hat ganz klar gelehrt, welchen 
Wert wir irdischen Gütern beimessen sol- 
len, als der reiche junge Mann fragte, was er 
tun müsse, um ewiges Leben zu haben; er 



hatte von Jugend an alle Gebote gehalten 
und fragte den Meister, was er noch brauch- 
te. Jesus sagte ihm, er solle alles, was er ha- 
be, verkaufen, es den Armen geben und ihm 
nachfolgen. Der Mann wandte sich traurig 
ab, denn er liebte seinen Besitz (siehe Mat- 
thäus 19:16-22). Wer von uns würde diese 
Prüfung bestehen? 

Viele von uns haben feierlich gelobt, nach 
dem Gesetz des Opferns und der Weihung 
zu leben. Aber wenn der Herr uns mit Reich- 
tum und Wohlstand segnet, machen wir uns 
kaum Gedanken darüber, wie wir diese Seg- 
nungen zum Aufbau Zions verwenden 
sollten. 

Die Schrift warnt uns vor weltlicher Ge- 
sinnung und Stolz, weil auch sie uns vom 
Weg abbringen können. Der Herr erklärte 
dem Propheten Joseph Smith, daß viele 
Menschen vom rechten Weg abkommen, 
„weil sie ihr Herz so sehr auf die Dinge die- 
ser Welt gesetzt haben" (LuB 121:35). 

Meine Brüder und Schwestern, ich bitte 
Sie, übertreten Sie nicht die Sicherheits- 
linien, wodurch Sie auf den Weg der Unsitt- 
lichkeit geraten. Unser Prophet, Präsident 
Benson, hat von diesem Pult aus gesagt: 
„Die Sünde, die unsere Generation plagt, 
ist sexuelle Unmoral. . . . Unsere Gesell- 
schaft ist davon durchsetzt." (Generalkon- 
ferenz, April 1986.) Die gebrochenen Her- 
zen und zerbrochenen Ehen, die ich vor Au- 
gen habe, zeigen auch, daß Unmoral in der 
Tat ein schwerwiegendes Problem in der 
Welt und sogar unter den Mitgliedern ist. 
Bedenken Sie: „Schlecht zu sein hat noch 
nie glücklich gemacht" (Alma 41:10), und 
„ man kann nicht das Falsche tun und ein gu- 
tes Gefühl dabei haben" (Ezra Taft Benson, 
New Em, Juni 1986, Seite 6.) 

Die ersten Schritte hin zum moralischen 
Verfall eines Menschen lassen sich mit dem 
Funken vergleichen, der einen verheeren- 
den Waldbrand auslöst. An einem heißen, 
windigen Sommertag fachte der Wind die 
Glutasche von einem kleinem Lagerfeuer in 
Midway in Utah zu einem Waldbrand an, 
der sich bald über einen ganzen Hang aus- 
breitete. Ehe die Flammen unter Kontrolle 
waren, verloren zwei hervorragende Mit- 
glieder das Leben. Der Brand hatte das schö- 
ne Herbstlaub und achtzehn Häuser ver- 
nichtet. 

Wir riskieren die Vernichtung unserer mo- 
ralischen Sicherheit, wenn wir auch nur ei- 
nen Augenblick in unserer Wachsamkeit 
nachlassen. Der Funke eines bösen Gedan- 
ken kann uns in den Sinn dringen und die 
sittliche Kraft unserer Seele entzünden und 
vernichten. 

Wie können wir auf dem engen und 
schmalen Weg bleiben? Der Herr hat uns im- 
mer wieder darauf Antwort gegeben. Wir 
müssen das Wort Gottes lernen, indem wir 
die Schrift studieren, und sein Wort anwen- 



den, indem wir täglich zum Herrn beten 
und unseren Nächsten dienen. 

Im Buch Mormon wird das Wort Gottes als 
eiserne Stange bezeichnet. Als Nephi den 
Traum seines Vaters auslegte, schrieb er: 

„Und sie sprachen zu mir: Was bedeutet 
die eiserne Stange, die unser Vater gesehen 
hat und die zu dem Baum führt? 

Und ich sagte ihnen, das sei das Wort Got- 
tes; und wer auf das Wort Gottes höre und 
daran festhalte, werde niemals zugrunde 
gehen; auch die Versuchungen und die feu- 
rigen Pfeile des Widersachers könnten ihn 
nicht mit Verblendung schlagen und ins 
Verderben führen." (1 Nephi 15:23,24.) 

Mit anderen Worten, Nephi hat gesagt, 
wenn wir am Wort Gottes wie an einem Ge- 
länder festhielten, könnten wir Versuchun- 
gen vermeiden und in der Finsternis nicht 
vom Pfad abirren. Wir blieben also auf dem 
schmalen Weg. 

Der Psalmist verwendet ein anderes Sym- 
bol: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuch- 
te, ein Licht für meine Pfade." (Psalm 
119:105.) 

Das Wort Gottes ist also ein Licht für unse- 
re Pfade, die eiserne Stange, das Geländer, 
woran wir uns festhalten können. Es zeigt 
die Linien an, die wir nicht überschreiten 
dürfen, wenn wir unsere Bestimmung errei- 
chen wollen. 

Durch tägliches Schriftstudium und die 
Worte der neuzeitlichen Propheten können 
wir unsere Ideale mit dem Willen des himm- 
lischen Vaters in Einklang halten. Die Schrift 
führt uns „zu der Quelle lebendigen Was- 
sers oder zum Baum des Lebens. Dieses 
Wasser aber ist eine Darstellung der Liebe 
Gottes" (1 Nephi 11:25). 

Tägliches Beten kann uns helfen, auf dem 
Weg zum ewigen Leben zu bleiben. In den 
Sprichwörtern lesen wir: „Such ihn zu er- 
kennen auf all deinen Wegen, dann ebnet er 
selbst deine Pfade." (Sprichwörter 3:6.) Das 
tägliche Gebet - allein und als Familie - hilft 
uns, dem Vater im Himmel nahe zu bleiben 
und zu wissen, was für uns und ihn wichtig 
ist. Wir gehen nicht so leicht in die Irre, 
wenn wir wenigstens jeden Morgen und je- 
den Abend demütig und ernsthaft beten 
und dabei danken und um göttliche Füh- 
rung bitten. 

Der Erretter hat im Gleichnis von den 
Schafen und den Böcken gelehrt, wie wich- 
tig es ist, unseren Mitmenschen zu dienen, 
und zu den Rechtschaffenen gesagt: 

„Kommt her, ihr, die ihr von meinem Va- 
ter gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, 
das seit der Erschaffung der Welt für euch 
bestimmt ist. 

Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu 
essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt 
mir zu trinken gegeben; ich war fremd und 
obdachlos, und ihr habt mich aufge- 
nommen; 



DER STERN 



61 




Eider Hartman Rectorjun., von den Siebzigern und Mitglied in der Gebietspräsidentschaft Südamerika 
Nord, Mitte, unterhält sich mit Konferenzbesuchern. 



ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung 
gegeben; ich war krank, und ihr habt mich 
besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid 
zu mir gekommen. 

Dann werden ihm die Gerechten antwor- 
ten: Herr, wann haben wir dich hungrig ge- 
sehen und dir zu essen gegeben, oder dur- 
stig und dir zu trinken gegeben? 

Und wann haben wir dich fremd und ob- 
dachlos gesehen und dich aufgenommen, 
oder nackt und dir Kleidung gegeben? 

Und wann haben wir dich krank oder im 
Gefängnis gesehen und sind zu dir ge- 
kommen? 

Darauf wird der König ihnen antworten: 
Amen, ich sage euch: Was ihr für einen mei- 
ner geringsten Brüder getan habt, das habt 
ihr mir getan." (Matthäus 25:34-40.) 

König Benjamin hat denselben Grundsatz 
gelehrt: „Wenn ihr euren Mitmenschen 
dient, allein dann dient ihr eurem Gott." 
(Mosia2:17). 

Ziehen Sie doch beim Beten gelegentlich 
Bilanz, und fragen Sie sich, wie rechtschaf- 
fen Sie wirklich sind und ob Sie die Prinzi- 
pien des Evangeliums Jesu Christi wirklich 
befolgen. Wir können selbst wissen, wie der 
Herr weiß, wo wir uns verbessern müssen. 
Wir müssen die Grundsätze einhalten. 
Wenn es uns in materieller, äußerlicher Hin- 
sicht gut geht, wie sieht es mit unserem In- 
neren aus? Ist unser Leben für den Herrn an- 
nehmbar? Sind wir willens, unsere Sünden 
zuzugeben und die Anstrengung zu unter- 
nehmen, daß wir sie aufgeben, umkehren 
und die Kurskorrektur vornehmen, die uns 
auf den engen und schmalen Weg zurück- 
bringt? 



Ich weiß, wir haben alle viel zu tun. 
Manchmal fühlen wir uns von unseren Auf- 
gaben überwältigt. Wenn wir aber die richti- 
gen Prioritäten haben, können wir alles voll- 
bringen, was uns obliegt. Wir können bis 
ans Ende ausharren ungeachtet der Versu- 
chungen, Probleme und Herausforderun- 
gen. Wer treu bleibt, wird die größte Seg- 
nung Gottes empfangen, nämlich ewiges 
Leben und den Vorzug, beim himmlischen 
Vater und Jesus Christus im celestialen 
Reich zu leben. 



Eider Marion G. Romney hat gesagt: 
„Wenn das Erdenleben vorbei ist und alles 
in seinem wahren Licht erscheint, werden 
wir deutlicher sehen, daß die Früchte des 
Evangeliums das einzige Ziel sind, das es 
verdient, daß wir uns ein Leben lang darum 
bemühen." 

Mit dem Propheten Jakob aus dem Buch 
Mormon sage ich: „Nun denn, meine ge- 
liebten Brüder, kommt zum Herrn, zum 
Heiligen. Denkt daran: Seine Pfade sind 
rechtschaffen. Siehe, der Weg für den Men- 
schen ist schmal, aber er liegt geradlinig vor 
ihm, und der Hüter des Tores ist der Heilige 
Israels; und er hat dort keinen Knecht." 
(2Nephi9:41.) 

Ich bete, daß wir alle die Früchte des Evan- 
geliums genießen können. Achten wir alle 
auf den engen und schmalen Weg, und tun 
wir alles, um inmitten der Stürme und Ver- 
suchungen des Lebens zwischen den Linien 
zu bleiben. Studieren wir die Schrift, halten 
wir an der Stange des Wortes Gottes fest, be- 
ten wir bei allem, was wir tun, und leisten 
wir christlichen Dienst. 

Seien wir erfüllt von Nächstenliebe, der 
reinen Christusliebe, und möge sie sich in 
unserem Handeln widerspiegeln. Dann 
beachten wir das Wichtigste im Gesetz 
Gottes und lassen den Rest dennoch nicht 
ungetan. 

Ich bezeuge feierlich, daß Jesus der Heili- 
ge Israels, unser Herr und Erlöser, ist. Dies 
ist seine Kirche. Er ist der Sohn Gottes, des 
himmlischen Vaters. Joseph Smith hat die 
Kirche in den Letzten Tagen wiederherge- 
stellt, und Präsident Benson ist heute der 
Prophet. Das bezeuge ich im heiligen Na- 
men Jesu Christi. Amen. □ 




PV-Präsidentin Michaelene P. Grassli unterhält sich mit Konferenzbesucherinnen. 



JANUAR 1991 



62 



Unvergeßliche Tage 

Präsident Thomas S. Monson 

Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 



„Wenn wir die Geschichte der Kirche im Osten Kanadas betrachten, 
verstehen wir die Freude der Mitglieder über den Tempel in ihrer 
Mitte. " 



Absichten des Herrn tun sich uns auch wei- 
terhin kund, wenn wir Augen haben, die 
wirklich sehen, und ein Herz, das weiß und 
fühlt. 

Ein weiteres außerordentliches Ereignis 
fand am letzten Augustwochenende statt, 
als in Toronto dem Herrn ein prächtiger 
Tempel geweiht wurde. Mit seiner strahlen- 
den Herrlichkeit scheint der Tempel jedem, 
der ihn sieht, zuzurufen: „Kommt, kommt 
zum Haus des Herrn. Hier findet sich Ruhe 
für den Ermatteten und Friede für die 
Seele." 

Und die Menschen kamen! Zuerst ström- 
ten sie zu den Tagen der offenen Tür, wo sie 
ehrfürchtig und still das Innere des Tempels 
betrachteten und erfuhren, wozu der Tem- 
pel dient und welche Segnungen er schen- 
ken kann. Eine Besucherin beschrieb die 
Schönheit des Tempels mit den Worten: 
„Dies ist ein Zentrum des Friedens." 

Beim Verlassen des Tempels sagte ein klei- 
nes Mädchen: „Mutti, es ist so schön hier. 
Ich will nicht weg. " 

Eine Frau überraschte einen Ordner mit 
der Frage: „Was ich gesehen habe, hat mich 
so beeindruckt. Wie kann ich mich Ihrer Kir- 
che anschließen?" 

Dann kamen die treuen Mitglieder zu den 
Weihungssessionen. Sie kamen aus Ontario 
und aus Quebec. Andere kamen aus den 
Teilen der Vereinigten Staaten, die zum 
Tempelbezirk gehören. Wieder andere ka- 
men aus den fernen Küstenprovinzen Kana- 
das. Niemand kehrte enttäuscht nach Hause 
zurück. 

Ein kleiner Junge der die Ecksteinlegung 
beobachtete, wurde durch den Geist der In- 
spiration eingeladen, die Kelle in die Hand 
zu nehmen und bei der Plazierung des Eck- 
steins zu helfen. 

Dora Valencia, die vier Jahre lang im Kran- 
kenhaus in Ajax in Ontario gelegen hatte, 
nahm all ihren Mut zusammen und erfüllte 
sich den Wunsch, dabei zu sein. Von ihrem 
Krankenhausbett aus, das in den celestialen 
Raum gerollt wurde, konnte sie nicht nur 
den Geist verspüren, der dort herrschte, 
sondern auch dazu beitragen. Als ich an ihr 
vorüberging und den Ausdruck tiefster 




W Während das Jahr 1990 unweiger- 
lich seinem Ende zugeht, können 
die Mitglieder der Kirche Jesu 
Christi der Heiligen der Letzten Tage inne- 
halten und über die folgenschweren Ereig- 
nisse nachdenken, die sich in dieser Zeit 
und in unserem Leben ereignet haben. 

Im Mai waren meine Frau und ich in Ber- 
lin. Wir bestiegen ein Taxi und baten den 
Fahrer, uns zur Mauer zu fahren. Der Fahrer 
reagierte nicht, und so wiederholten wir das 
gewünschte Fahrziel. Noch immer keine Re- 
aktion. Dann wandte er sich um und sagte in 
stockendem Englisch: „The wall ist kaputt - 
weg!" Wir fuhren zum Brandenburger Tor 
und besichtigten die Restaurierungsarbei- 
ten. Wir schauten von Westberlin nach Ost- 
berlin, die jetzt eine Stadt sind, und dachten 
über die Ereignisse nach dem Fall der Mauer 
nach. Eine neue Mission der Kirche wurde 
in Polen gegründet, eine weitere in Ungarn 
und noch eine in Griechenland. Die Mission 
in der Tschechoslowakei wurde wiederer- 
öffnet. Und nun ist der Zweig Leningrad of- 
fiziell anerkannt. Wer hätte diese histori- 
schen Ereignisse voraussehen können, 
wenn nicht der Herr? Er hat gesagt: „Aber 
dieses Evangelium vom Reich wird auf der 
ganzen Welt verkündet werden, damit alle 
Völker es hören." (Matthäus 24:14.) Ja, die 



Dankbarkeit in ihrem Blick sah, beugte ich 
mich über sie und nahm ihre Hand. Der 
Himmel war sehr nah. 

Engelchöre erhoben den Geist himmel- 
wärts, als sie den schönen Hosannaruf san- 
gen. Als die Versammelten mit dem Chor 
einstimmten, blieb keiner ungerührt. 

Die Sprecher berichteten aus der Ge- 
schichte der Kirche im Gebiet von Toronto, 
und das schöne Weihungsgebet schenkte in 
jeder Session Frieden. Die Worte Oliver 
Cowderys, die aus einer anderen Zeit stam- 
men, schienen den Geist der Weihung zu- 
sammenzufassen: „Das waren unvergeßli- 
che Tage. " (Joseph Smith - Lebensgeschich- 
te, Anmerkung.) 

Wenn wir die Geschichte der Kirche im 
Osten Kanadas betrachten, verstehen wir 
die Freude der Mitglieder über den Tempel 
in ihrer Mitte. 

Schon im April 1830 erhielt Phineas Young 
von Samuel Smith, einem Bruder des Pro- 
pheten, ein Buch Mormon und reiste einige 
Monate später in den Norden Kanadas. In 
Kingston gab er das erste bekanntgeworde- 
ne Zeugnis von der wiederhergestellten Kir- 
che außerhalb der Grenzen der Vereinigten 
Staaten. 

Der Prophet Joseph Smith war mit Sidney 
Rigdon und Freeman Nickerson 1833 in 
Brantford und Mount Pleasant in Ontario. 
Joseph Smith und Sidney Rigdon waren 
schon lange von ihrer Familie weggewesen 
und machten sich Sorgen um sie. In der Of- 
fenbarung, die jetzt als Abschnitt 100 der 
, Lehre und Bündnisse' bekannt ist, sagte 
der Herr: „Wahrlich, so spricht der Herr zu 
euch, meine Freunde Sidney und Joseph: 
Eurer Familie geht es gut; sie befinden sich 
in meiner Hand . . . Darum folgt mir nach, 
und hört dem Rat zu, den ich euch geben 
will. Siehe, ich habe viel Volk an diesem Ort, 
in der Gegend ringsum; und ... in diesem 
Land im Osten wird sich eine Tür zum Erfolg 
öffnen." 

Gegenüber den Menschen verspürte der 
Prophet die gleichen guten Gefühle, wie der 
Herr sie ihm und Sidney Rigdon entgegen- 
gebracht hatte. Darüber schreibt er in sei- 
nem Tagebuch: „Die Menschen waren sehr 
liebevoll und wißbegierig", und weiter: „O 
Gott, versiegle unser Zeugnis in ihrem 
Herzen." 

1826 reiste Parley P. Pratt nach Kanada, 
und zwar auf eine Prophezeiung hin, in der 
er von Heber C. Kimball angewiesen wor- 
den war, nach Toronto zu reisen. Ihm war 
gesagt worden, auf ihn warteten Menschen, 
die das Evangelium annehmen würden, 
und von dort aus werde sich das Evange- 
lium nach England ausbreiten, wo ein gro- 
ßes Werk verrichtet werden sollte. In Toron- 
to begegnete er John Taylor, der Familie 
Fielding und vielen anderen. 

Im August 1837 besuchte der Prophet 



DER STERN 



63 



Joseph Smith gemeinsam mit Sidney Rig- 
don und Thomas B. Marsh, der damals Prä- 
sident der Zwölf Apostel war, Toronto. Sie 
fuhren im Wagen und hielten in den Kirchen 
Versammlungen bei Kerzenlicht. Eider 
Taylor begleitete sie. Er sagte: „Das war das 
Schönste, was ich je erlebt hatte. Ich konnte 
mich jeden Tag mit ihnen unterhalten, ihren 
Anweisungen lauschen und von der großen 
Intelligenz des Propheten Joseph Smith 
lernen." 

Wenn ich diese Geschichte erzähle, fällt 
mir ein, wie John E. Page vom Propheten 
Joseph Smith auf eine Mission nach Kanada 
berufen wurde: „Aber ich kann nicht nach 
Kanada auf Mission gehen, Bruder Joseph", 
protestierte er. „Ich habe nicht einmal einen 
Mantel." 

„Hier", erwiderte Joseph Smith und zog 
sich den Mantel aus. „Nimm den, und der 
Herr wird dich segnen." 

John E. Page verließ Kirtland am 31. Mai 
1836 zu seiner ersten Mission als Ältester der 
Kirche. Er arbeitete zwei Jahre lang in Kana- 
da. In dieser Zeit reiste er über 5000 Meilen, 
meist zu Fuß, und taufte etwa 600 Men- 
schen. 

Zu den Familien, die sich in Kanada der 
Kirche anschlössen, gehörte die von Archi- 
bald Gardner. Aus seinem Tagebuch erfah- 
ren wir, was die Familie Gardner 1843 er- 
lebte. 

Robert Gardner beschreibt den Tag ihrer 
Taufe: „Wir gingen etwa anderthalb Meilen 
in den Wald, um einen geeigneten Fluß zu 
finden. Wir brachen ein Loch in das 18 Zoll 
dicke Eis. Mein Bruder William taufte mich. 
Ich setzte mich auf einen Baumstamm am 
Fluß und wurde konfirmiert. . . . 

Ich kann nicht in Worte kleiden, was ich 
damals und lange Zeit danach empfand. Ich 
fühlte mich wie ein kleines Kind und über- 
legte mir gut, was ich dachte, sagte oder tat, 
damit ich den Vater im Himmel nicht ver- 
letzte. Meine freie Zeit brachte ich damit zu, 
in der Schrift zu lesen und im Stillen zu be- 
ten. Ich hatte ständig eine Taschenbibel bei 
mir. Wenn ich darin etwas las, was den Mor- 
monismus bestätigte, knickte ich die Ecke 
um. Bald konnte ich kaum noch eine ge- 
wünschte Stelle finden, weil ich fast alle 
Ecken umgeknickt hatte. Es fiel mir nicht 
schwer, an das Buch Mormon zu glauben. 
Jedes Mal, wenn ich darin las, hatte ich in 
der Brust das brennende Zeugnis, daß es 
wahr ist." 

Archibald Gardner sagte: „Meine Mutter 
nahm das Evangelium sofort und von gan- 
zem Herzen an, als sie es hörte. Kurz nach- 
dem sie den neuen Glauben angenommen 
hatte, wurde sie schwer krank - so schwer, 
daß man befürchtete, sie müsse sterben. Sie 
bestand darauf, sich taufen zu lassen. Die 
Nachbarn drohten, wenn wir sie ins Wasser 
führten, würden sie uns des Mordes ankla- 



gen, da sie sicher sterben würde. Dennoch 
fuhren wir sie, warm verpackt, im Schlitten 
zwei Meilen zum festgelegten Platz. Dort 
wurde ein Loch ins Eis gebrochen, und sie 
wurde vor den Augen der Zweifler getauft, 
die gekommen waren, um ihren Tod mitzu- 
erleben. Wir brachten sie nach Hause und 
wollten sie ins Bett legen. Doch sie sagte: 
,Nein, ich gehe nicht zu Bett. Ich bin ganz 
gesund.' Und so war es auch." 

Dieser Glaube und das Vertrauen zum 
Herrn haben im Laufe der Jahre nicht abge- 
nommen. Von 1959 bis 1962 habe ich als Mis- 
sionspräsident mit meiner Familie in Toron- 
to gewohnt. Wir haben gesehen, wie sehr 
der Herr die Heiligen dort liebt. Ich möchte 
Ihnen einige unvergeßliche Ereignisse er- 
zählen. 

Eines handelt von der Familie Donald Ma- 
bey. Bruder Mabey war von Salt Lake City 
nach North Bay in Ontario umgezogen, weil 
seine Firma ihn dorthin versetzt hatte. Er 
war Ältester, war aber in seiner Priester- 
tumsberufung nicht sehr aktiv gewesen. Er 
war ungefähr 35 Jahre alt und hatte eine lie- 
be Familie. Der Zweig North Bay brauchte 
damals dringendst Priestertumsführer. Als 
ich den Zweig besuchte und dies erkannte, 
führte ich ein Interview mit Bruder Mabey 
und sagte zu ihm: „Bruder Mabey, ich beru- 
fe Sie in die Präsidentschaft des Zweiges 
North Bay." 

Er erwiderte: „Das kann ich nicht an- 
nehmen." 

Ich fragte: „Warum?" 

Er antwortete: „Ich habe das noch nie ge- 
macht." 

„Das ist kein Hindernis", erwiderte ich. 
Ich schöpfte Hoffnung aus seinem Namen 
„Mabey", der so klingt wie das englische 
Wort für „vielleicht", und dachte an das 
Lied, in dem es heißt: „Sag nicht nein, sag 
vielleicht." 

Bruder Mabey sagte ja. Heute ist er Hoher 
Priester und lebt hier im Westen. Seine gan- 
ze Familie ist im Tempel gewesen und hat 
die Segnungen des Tempels empfangen. 

Einen weiteren Beweis des Glaubens habe 
ich gesehen, als ich zum ersten Mal den 
Zweig St. Thomas, ungefähr 200 Kilometer 
von Toronto, besuchte. Meine Frau und ich 
waren gebeten worden, in der Abendmahls- 
versammlung zu den Mitgliedern zu spre- 
chen. Wir fuhren eine elegante Straße ent- 
lang und sahen viele Kirchen und fragten 
uns, welche die unsere war. Keine. Wir fan- 
den die Adresse und stellten fest, daß es ein 
heruntergekommenes Gebäude war. Die 
Mitglieder versammelten sich im Keller des 
Gebäudes; von den etwa fünfundzwanzig 
Mitgliedern waren zwölf anwesend. Es wa- 
ren dieselben Mitglieder, die die Versamm- 
lung leiteten, das Abendmahl segneten und 
austeilten, die beteten und sangen. 

Nach der Versammlung fragte mich der 



Zweigpräsident Irving Wilson, ob er mit mir 
sprechen könne. Im Gespräch reichte er mir 
die Improvement Em, die damalige Kirchen- 
zeitschrift, und zeigte auf das Bild eines un- 
serer neuen Gemeindehäuser in Australien 
und erklärte: „So ein Gebäude brauchen wir 
hier in St. Thomas." 

Ich lächelte und antwortete: „Wenn wir 
genügend Mitglieder haben, um so ein Ge- 
bäude zu rechtfertigen und zu bezahlen, 
werden wir sicher eines bekommen." Da- 
mals mußten die Mitglieder außer dem 
Zehnten und den sonstigen Spenden drei- 
ßig Prozent der Kosten für Grund und Ge- 
bäude aufbringen. 

Er erwiderte: „Unsere Kinder sind bald 
groß. Wir brauchen das Gebäude, und zwar 
jetzt!" 

Ich ermutigte sie, daß sie durch ihr per- 
sönliches Engagement bei der Missionsar- 
beit an Zahl wachsen sollten. Das Ergebnis 
ist ein klassisches Beispiel für das Zusam- 
menwirken von Glauben, Anstrengung und 
Zeugnis. 

Präsident Wilson bat um sechs weitere 
Missionare für St . Thomas . Als sie da waren, 
rief er die Missionare zu einer Besprechung 
im Hinterzimmer seines kleinen Juwelierge- 
schäfts zusammen, wo sie zum Gebet nie- 
derknieten. Er bat einen Missionar, ihm das 
Branchenverzeichnis auf dem Tisch zu rei- 
chen. Präsident Wilson nahm das Buch in 
die Hand und bemerkte: „Wenn wir in St. 
Thomas je unser Traumgebäude haben wol- 
len, muß es von einem Mitglied entworfen 
werden. Da wir keinen Architekten in der 
Gemeinde haben, müssen wir eben einen 
bekehren." Damit ließ er seine Finger über 
die Liste der Architekten gleiten und sagte: 
„Den hier laden wir zu mir nach Hause ein, 
damit er sich die Botschaft von der Wieder- 
herstellung anhört." 

Dasselbe tat er mit den Klempnern, Elek- 
trikern und allen sonstigen Handwerkern. 
Er vernachlässigte auch sonst keinen Berufs- 
stand, wollte er doch eine ausgewogene Ge- 
meinde haben. Die Leute wurden eingela- 
den, bei ihm zu Hause mit den Missionaren 
zusammenzukommen. Dort wurde die 
Wahrheit gelehrt, wurde Zeugnis gegeben, 
und es kam zu Bekehrungen. Die Neuge- 
tauften taten dann das gleiche und luden an- 
dere ein - Woche für Woche, Monat für 
Monat. 

Der Zweig St. Thomas erlebte ein bemer- 
kenswertes Wachstum. Innerhalb von zwei- 
einhalb Jahren wurde ein Grundstück er- 
worben, ein schönes Haus gebaut, und ein 
Traum wurde Wirklichkeit. Der Zweig ist 
heute eine dynamische Gemeinde in einem 
Zionspfahl. 

Wenn ich an St. Thomas denke, denke ich 
nicht an die Hunderte von Mitgliedern und 
Dutzende von Familien der Gemeinde, son- 
dern ich kehre zu dieser spärlichbesuchten 



JANUAR 1991 



64 




Abendmahlsversammlung im Keller zurück 
und denke an die Verheißung des Herrn: 
„Wo zwei oder drei in meinem Namen ver- 
sammelt sind, da bin ich mitten unter ih- 
nen." (Matthäus 18:20.) 

Tempel wie der in Toronto bestehen aus 
Stein, Glas, Holz und Metall. Sie sind aber 
auch das Produkt des Glaubens und ein 
Symbol der Opferbereitschaft. Das Geld für 
den Tempelbau stammt von allen Zehnten- 
zahlern; es setzt sich zusammen aus der 
Münze der Witwe, dem Groschen des Kin- 
des und dem Geld des Arbeiters, die alle 
durch den Glauben geheiligt sind. 

Immer wenn ich an einer Tempelweihung 
teilnehme, denke ich an Bruder und Schwe- 
ster Gustav und Margarete Wacker aus 
Kingston in Ontario. Er war einmal der 
Zweigpräsident von Kingston und stammte 
aus Europa. Er sprach Englisch mit einem 
starken Akzent und fuhr nie einen Wagen. 
Er war Friseur und hatte einen Laden neben 
einer Kaserne in Kingston und fristete damit 



eher schlecht als recht sein Leben. Er liebte 
die Missionare. Ihm war es immer eine Freu- 
de, wenn er einem Missionar die Haare 
schneiden durfte. Nie wollte er dafür Geld 
annehmen. Wenn sie zaghaft zahlen woll- 
ten, sagte er: „O nein, es ist mir eine Freude, 
einem Diener des Herrn die Haare zu 
schneiden", und griff statt dessen in die Ta- 
sche, um den Missionaren sein Trinkgeld 
des ganzen Tages zu geben. Wenn es wie so 
oft in Kingston regnete, rief Präsident 
Wacker den Missionaren ein Taxi und ließ 
sie nach Hause fahren, während er am Ende 
des Tages den kleinen Laden abschloß und 
nach Hause lief - allein im strömenden 
Regen. 

Ich lernte Gustav Wacker kennen, als ich 
sah, daß sein Zehnter weit höher war, als 
man bei seinem Einkommen erwarten konn- 
te. Meine Erklärung, daß der Herr nicht 
mehr als ein Zehntel erwarte, stießen zwar 
auf aufmerksame Ohren, konnten ihn aber 
nicht überzeugen. Er erwiderte ganz ein- 



fach, daß er dem Herrn gern alles zahlte, 
was er konnte. Das entsprach etwa dem 
Drittel seines Einkommens, und seine Frau 
dachte so wie er. Ihre einzigartige Art, den 
Zehnten zu zahlen, hielt an. 

Gustav und Margarete Wacker schufen 
ein Zuhause, das ein Himmel war. Sie 
hatten keine Kinder, nahmen sich aber aller 
Besucher der Kirche an. Ein sehr weltmän- 
nischer und gebildeter Führer der Kirche 
in Ottawa sagte zu mir: „Ich besuche so 
gerne Bruder und Schwester Wacker. Dort 
werde ich geistig aufgebaut und in dem Ent- 
schluß bestärkt, dem Herrn immer nahe zu 
sein." 

Hat der himmlische Vater diesen Glauben 
belohnt? Der Zweig wuchs. Die Mitglieder 
fanden im Versammlungsraum keinen Platz 
mehr und zogen in ein modernes Versamm- 
lungshaus, zu dem die Mitglieder mehr als 
ihr Teil beigetragen hatten, damit es ein 
Schmuck für Kingston werde. Das Gebet 
von Bruder und Schwester Wacker wurde 
erhört, und sie gingen auf Mission in ihre 
Heimat Deutschland und später auf eine 
Tempelmission nach Washington. 1983 war 
die Erdenmission von Gustav Wacker dann 
zu Ende, und er verschied, weißgekleidet, 
in den Armen seiner Frau im Washington- 
Tempel. 

All das und noch viel mehr beschäftigte 
mich während der Weihungssessionen in 
Toronto. Ich dachte an die vielen Nationali- 
täten unter den Mitgliedern dort. Englän- 
der, Schotten, Deutsche, Franzosen und Ita- 
liener waren da, aber auch Mitglieder aus 
Griechenland, Ungarn, Finnland, Holland, 
Estland und Polen. Ja, Toronto ist ein Bei- 
spiel für die Verheißung des Herrn in Jere- 
mia: „Ich hole euch, einen aus jeder Stadt, 
zwei aus jeder Sippe, und bringe euch nach 
Zion." (Jeremia 3:14,) Das hat er getan, und 
aus diesem Zion, mit dem Namen Toronto, 
geht das Wort in der Muttersprache aus in 
die Heimat derer, die er gesammelt hat. 

Als ich mich nach der letzten Weihungs- 
session anschickte, Toronto zu verlassen, 
blickte ich auf zum Himmel, um dem Herrn 
ein leises Dankgebet zu sagen, weil er über 
uns gewacht und uns so reichlich gesegnet 
hatte, sowie für die unvergeßlichen Tage. 
Hoch über dem strahlend weißen Tempel er- 
hebt sich die vergoldete Statue des Engels 
Moroni. Mir fiel ein, daß man mir gesagt hat- 
te, von da oben - fünfunddreißig Meter 
hoch - könne man den Hügel Cumorah se- 
hen. Ich sah die vertraute Posaune in Moro- 
nis Hand. Er blickte nach Hause - nach Cu- 
morah . Der schöne Tempel in Toronto macht 
alle bereit, die nach Hause zurückkehren, 
nach Hause zum Himmel, nach Hause zur 
Familie, nach Hause zu Gott. 

Daß wir alle sicher zu unserem ewigen Zu- 
hause zurückkehren, ist mein demütiges 
Gebet. Im Namen Jesu Christi. Amen. D 



DER STERN 



65 



7. Oktober 1990 

Versammlung am Sonntagnachmittag 



Wir wollen Gott so dienen, 
wie es ihm gefällt, in 
ehrfürchtiger Scheu" 



Eider L. Tom Perry 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



,,Wer wahrhaft ehrfürchtig ist, der hat den Preis dafür gezahlt, 
daß er die Herrlichkeit des Vaters und seines Sohnes erkennt. " 



ehrfürchtiges Verhalten. Zuerst müssen wir 
jedoch bei unseren Mitgliedern eine ehr- 
fürchtige Einstellung entwickeln. Ehrfürch- 
tiges Verhalten ohne die entsprechende Ein- 
stellung ist bedeutungslos, denn es dient 
nur dem Zweck, Ansehen bei den Men- 
schen zu erlangen und nicht bei Gott. 

Die heilige Schrift erinnert uns ständig 
daran, daß das Gute dem Herzen ent- 
springt. Wer einem anderen etwas vor- 
macht, um Ehre bei den Menschen zu erlan- 
gen, jedoch ein unreines Herz hat, wird 
Heuchler genannt. Es genügt nicht, sich 
ehrfürchtig zu verhalten. Wir müssen in 
unserem Herzen Ehrfurcht vor dem himm- 
lischen Vater und unserem Herrn, Jesus 
Christus, empfinden. Wer wahrhaft ehr- 
fürchtig ist, der hat den Preis dafür gezahlt, 
daß er die Herrlichkeit des Vaters und seines 
Sohnes erkennt. Paulus schreibt im Brief an 
die Hebräer: „Wir . . . wollen Gott so dienen, 
wie es ihm gefällt, in ehrfürchtiger Scheu." 
(Hebräer 12:28.) 

Die Geschichte von Alma dem Jüngeren 
veranschaulicht auf wunderbare Weise, was 
für eine Ehrfurcht wir im Herzen verspüren, 
wenn wir Gott erkennen. Als junger Mann 
hatte er sich dafür entschieden, sündhaft 
und weltlich gesinnt zu sein. Als ihm ein En- 
gel erschien und ihn zur Umkehr aufforder- 
te, war Alma so bestürzt, daß er stumm wur- 
de und so schwach, daß er sich nicht mehr 
bewegen konnte. Nach zwei Tagen und 
zwei Nächten, als seine Glieder wieder ihre 
Kraft empfingen, stand er auf und fing an, 
zu den Leuten darüber zu sprechen, wie der 
Herr ihn erlöst hatte. Alma war von neuem 
geboren. Er war ein neues Geschöpf. Sein 
Herz hatte sich gewandelt. 

Im 29. Vers des 27. Kapitels im Buch Mosia 
beschreibt Alma diese herrliche Wandlung. 
Er erklärt: „Meine Seele ist von der Galle der 




Und wenn mir mein Volk im Namen 
des Herrn ein Haus baut und nicht 
zuläßt, daß etwas Unreines hinein- 
gelangt, damit es nicht entweiht werde, 
wird meine Herrlichkeit darauf ruhen; 

ja, und meine Gegenwart wird da sein, 
denn ich werde dorthin kommen; und alle, 
die im Herzen rein sind und dorthin kom- 
men, werden Gott sehen. 

Aber wenn es entweiht wird, werde ich 
nicht dorthin kommen, und meine Herr- 
lichkeit wird nicht da sein; denn ich komme 
nicht in unheilige Tempel." (LuB 97:15-17.) 

Ich möchte heute mit Ihnen über Ehr- 
furcht sprechen. Obwohl ich meine, daß 
Ehrfurcht oft durch ehrfürchtiges Verhalten 
zum Ausdruck kommt, geht es mir heute 
nicht um Verhaltensweisen. Ich möchte 
über Ehrfurcht als eine innere Einstellung 
sprechen - als tief empfundene Verehrung 
und Achtung vor der Gottheit. Natürlich 
folgt einer ehrfürchtigen Einstellung auch 



Bitternis und den Banden des Übeltuns er- 
löst worden. Ich war im finsteren Abgrund; 
aber nun sehe ich das wunderbare Licht 
Gottes. Meine Seele war von ewiger Qual 
gepeinigt; aber ich bin entrissen, und meine 
Seele leidet keinen Schmerz mehr." 

Im 31. Vers können wir dann sehen, welch 
tiefe Ehrfurcht Alma vor Gott empfand: „Ja, 
vor ihm wird jedes Knie sich beugen und je- 
de Zunge bekennen. Ja, nämlich am letzten 
Tag, wenn alle Menschen dastehen, um von 
ihm gerichtet zu werden, da werden sie be- 
kennen, daß er Gott ist; dann werden dieje- 
nigen, die ohne Gott in der Welt leben, be- 
kennen, daß der Richterspruch einer im- 
merwährenden Strafe über sie gerecht ist; 
und sie werden beben und zittern und zu- 
rückschrecken unter dem Blick seines alles 
durchdringenden Auges." 

Was Alma hier erlebte, befähigte ihn, die 
Herrlichkeit Gottes zu erkennen; er begriff, 
was „ehrfürchtige Scheu" ist. Er empfand 
tiefste Verehrung und Achtung vor Gott, 
weil er ihn in all seiner Majestät und Macht 
auf dem himmlischen Thron gesehen hatte. 

Vor einigen Jahren durfte ich mit dem Prä- 
sidenten der Kirche eine Reihe von Gebiets- 
konferenzen besuchen. Ich werde nie ver- 
gessen, wie deutlich sich zwei dieser Konfe- 
renzen, die im Abstand von nur wenigen Ta- 
gen abgehalten wurden, voneinander un- 
terschieden. Die erste Gebietskonferenz 
wurde in einer großen Sporthalle abgehal- 
ten. Während wir auf dem Podium saßen, 
bemerkten wir eine große Unruhe unter den 
Leuten. Viele lehnten sich zu ihrem Sitz- 
nachbarn hinüber und flüsterte ihm etwas 
ins Ohr. Da wir uns jedoch im Zweifelsfalle 
zugunsten der Mitglieder entscheiden woll- 
ten, schrieben wir den Mangel an Ehrfurcht 
der äußeren Umgebung zu. 

Ein paar Tage später besuchten wir eine 
Gebietskonferenz in einem anderen Land, 
die in einer ganz ähnlichen Halle abgehalten 
wurde. Als wir jedoch hereinkamen, ver- 
stummten die Anwesenden sofort. Wäh- 
rend der zweistündigen Hauptversamm- 
lung rührte sich kaum jemand. Jeder lausch- 
te aufmerksam. Jedem Sprecher wurde gro- 
ße Aufmerksamkeit und Achtung entgegen- 
gebracht, und als der Prophet sprach, 
konnte man eine Nadel fallen hören. 

Nach der Versammlung fragte ich die Prie- 
stertumsführer, was sie getan hatten, um 
die Mitglieder auf die Konferenz vorzuberei- 
ten. Sie sagten mir, es sei ganz einfach gewe- 
sen. Sie hatten die Priestertumsträger aufge- 
fordert, ihrer Familie und ebenso den Fami- 
lien, die ihnen als Heimlehrer anvertraut 
waren, zu erklären, daß sie auf der Gebiets- 
konferenz den Vorzug hätten, die Worte des 
Propheten und der Apostel zu hören. Die 
Prie stertumsführer erklärten, daß das ehr- 
fürchtige Verhalten der Mitglieder während 
der Konferenz auf der Ehrfurcht beruhte, 



JANUAR 1991 



66 



die sie vor Gott und seinen Knechten emp- 
fanden. 

Ich erinnere mich noch gut an eine wert- 
volle Unterweisung, die ich von meinem 
Bischof bekommen habe, als ich noch ein 
kleines Kind war. Präsident Heber J. Grant 
war in unserer Stadt zu Besuch gewesen, 
um unser neues Gemeindehaus zu weihen. 
Unser Bischof war von dem Weihungsgebet 
so beeindruckt, daß er uns am darauffolgen- 
den Dienstag in der Primarvereinigung be- 
suchte. Er wollte uns lehren, Achtung vor 
dem Gebäude zu haben, das gerade als Ort 
der Anbetung geweiht worden war. 

Der Bischof führte uns durch das neue Ge- 
meindehaus, um uns einzuprägen, daß dies 
nun ein Haus war, das dem Herrn geweiht 
war. Als erstes zeigte er auf die Rückwand 
der Halle, wo über den Ausgängen das Bie- 
nenkorb-Emblem an die Wand gemalt war. 
Er erklärte, daß der Bienenkorb ein Symbol 
für den Fleiß der Pioniere war. „Die Bienen 
sind immer eifrig damit beschäftigt, Honig 
und Süße in den Bienenkorb zu tragen", 
sagte er. Der Bienenkorb, der auf die Rück- 
wand gemalt worden war, sollte uns daran 
erinnern, wie wichtig es ist, jeden Tag fleißig 
zu sein und das Gute der Welt zu sammeln, 
um es dann mitzubringen und mit den ande- 
ren zu teilen, wenn wir am Sonntag zum 
Gottesdienst zusammenkamen. 

Dann zeigte er auf das große Gemälde 
vorn in der Halle, auf dem zu sehen war, wie 
die Pioniere im Salzseetal ankamen. Er er- 
zählte uns von den Opfern, die die Pioniere 
für uns gebracht hatten, indem sie hierher- 
gekommen waren und Städte und die ersten 
Gotteshäuser errichtet hatten, so daß wir am 
Geist des Herrn teilhaben und in seinen We- 
gen unterwiesen werden konnten. 

Der Bischof lenkte unsere Aufmerksam- 
keit auch noch auf zwei weitere Gemälde, 
die rechts und links von dem großen Gemäl- 
de hingen. Rechts war der Prophet Joseph 
Smith abgebildet und links der Prophet 
Brigham Young. Er nahm sich Zeit, mit uns 
darüber zu sprechen, daß wir vor den Pro- 
pheten Ehrfurcht haben und ihrem Rat Be- 
achtung schenken sollten. Dann erinnerte er 
uns daran, daß Präsident Grant zu uns ge- 
kommen war. Er schilderte, was er für Opfer 
gebracht hatte, um hierherzukommen und 
das Gebäude zu weihen und dem Herrn zu 
übergeben. 

Danach erläuterte der Bischof die Zierlei- 
ste, die um die gesamte Kapelle lief und auf 
der abwechselnd ein Ei und ein Pfeil zu se- 
hen waren. Er erklärte uns, warum dieses 
Symbol gewählt worden war - das Ei sym- 
bolisierte neues Leben und der Pfeil das En- 
de des Lebens. Das Ei sollte uns an unsere ir- 
dische Geburt erinnern, an die Zeit, die uns 
gegeben ist, um in den Wegen des Herrn be- 
lehrt und geschult zu werden, um seinem 
Willen gehorchen und an den heiligen 



Handlungen teilzuhaben, die uns bereitma- 
chen, in seine Gegenwart zurückzukehren. 
Der Pfeil stellte den Übergang von der Sterb- 
lichkeit zur Unsterblichkeit dar. Er erinnerte 
uns, daß wir, wenn wir uns als würdig er- 
weisen, mit der größten Gabe Gottes geseg- 
net werden, nämlich mit der Gabe des ewi- 
gen Lebens. 

Schließlich lenkte der Bischof unsere Auf- 
merksamkeit im besonderen auf den 
Abendmahlstisch. Er lehrte uns, daß das 
Abendmahl dem Zweck dient, unser Tauf- 
bündnis zu erneuern und uns an das Sühn- 
opfer unseres Herrn und Erretters zu erin- 
nern. Zum Schluß forderte er jeden von uns 
auf, in diesem Haus, das dem Herrn geweiht 
worden war, immer andächtig zu sein. 

Die Weihung unseres Gemeindehauses 
durch einen Propheten Gottes und die Be- 
lehrungen meines Bischofs, der uns durch 
das Haus führte, beeindruckten mich tief. 
Ich erkannte, daß ich jedesmal, wenn ich 
das Gemeindehaus betrat, einen heiligen 
Ort betrat. Es fiel mir nicht schwer, in der 
Kirche andächtig zu sein, denn alles um 
mich herum erinnerte mich an den Herrn, 
seine Knechte und seinen ewigen Plan für 
mich. Die Bilder und Symbole verstärkten 
die Ehrfurcht, die ich empfand, so daß ehr- 
fürchtiges Verhalten folgte. 

Natürlich sind nicht alle Gemeindehäuser 
mit denselben Symbolen ausgestattet. Doch 
jedes Gemeindehaus stellt die Mission des 
Erretters in den Mittelpunkt. Es ist ein Ge- 
bäude, das zu dem Zweck geweiht wurde, 
ihn anzubeten. Heute ist es dem Bischof 
vielleicht nicht möglich, die PV-Kinder so zu 
unterweisen, wie mein Bischof es getan hat, 
weil das Gemeindehaus heutzutage in der 
Zeit, in der die PV stattfindet, ja benutzt 
wird. Vielleicht können aber die Eltern in 
der Kirche mehr Ehrfurcht in ihren Kindern 
wecken, wenn sie sich Zeit nehmen, mit ih- 
nen im Gemeindehaus allein zu sein und ih- 
nen zu erklären, daß es ein besonderer Ort 
ist, dem Herrn geweiht, und wo er nur an 
Ehrfurcht und andächtigem Verhalten Ge- 
fallen hat. 

Wenn Ehrfurcht eine innere Einstellung 
gegenüber der Gottheit ist, dann handelt es 




sich um ein ganz persönliches Gefühl, et- 
was, was wir im Herzen empfinden, egal, 
was um uns herum geschieht. Wir selbst 
sind dafür verantwortlich. Wir können nicht 
andere beschuldigen, daß wir uns in unse- 
rer ehrfürchtigen Einstellung haben stören 
lassen. 

Wo fängt die Entwicklung einer ehrfürch- 
tigen Einstellung also an? Das Zuhause ist 
der Schlüssel dazu, wie auch bei jeder ande- 
ren göttlichen Tugend. Beim persönlichen 
Gebet und beim Familiengebet lernen die 
Kleinen, den Kopf zu neigen, die Arme zu 
verschränken und die Augen zu schließen, 
wenn man mit dem himmlischen Vater 
spricht. Es beginnt damit, daß sich die Mut- 
ter Zeit nimmt, dafür zu sorgen, daß es je- 
den Tag eine ruhige Zeit gibt, in der das all- 
tägliche Gehetze aufhört, in der die Eltern 
und Kinder allein und in aller Ruhe Zeit zum 
Nachdenken und zur Belehrung haben, da- 
mit die Kinder zu Hause lernen, was An- 
dacht bedeutet. 

Während des Familienabends, der ja ein 
Teil unseres Familienlebens ist, werden die 
Kinder darüber belehrt, daß es besondere 
Zeiten gibt, nicht nur in der Kirche, sondern 
auch zu Hause, wo wir etwas über den 
himmlischen Vater lernen und uns von un- 
serer besten Seite zeigen müssen. Das Ver- 
halten, das zu Hause gelernt wird, bestimmt 
das Verhalten in den Kirchenversammlun- 
gen. Ein Kind, das zu Hause beten gelernt 
hat, weiß, daß es während des Betens im 
Gottesdienst ruhig sein und stillsitzen muß. 

An einem Sonntag saß meine Enkelin Dia- 
na, die vier Jahre alt ist, in der Kirche neben 
ihrem Vater. Diana war ganz andächtig und 
freute sich, daß ihr Vater den Arm um sie ge- 
legt hatte. Als jedoch der Bischof aufstand 
und das Abendmahlslied ankündigte, hob 
Diana sanft den Arm ihres Vaters von ihrer 
Schulter und legte ihn auf seinen Schoß. 
Dann setzte sie sich aufrecht hin und ver- 
schränkte die Arme. Sie sah ihren Vater an 
und ermunterte ihn, dasselbe zu tun. 

Dianas Botschaft an ihren Vater war deut- 
lich. Sie sagte ihm, er solle nun seine ganze 
Aufmerksamkeit dem Erretter widmen. Das 
ist die Botschaft, die durch eine ehrfürchtige 
Einstellung immer vermittelt wird. Wenn je- 
mand Ehrfurcht empfindet, dann verhält er 
sich auch ehrfürchtig. Ich bete darum, daß 
wir wie Diana danach streben, eine ehr- 
fürchtige Einstellung zu entwickeln, damit 
wir Gott in ehrfürchtiger Scheu dienen kön- 
nen (siehe Hebräer 12:28). 

Laßt uns nicht unterschätzen, wie wert- 
voll unser eigenes Beispiel ist, wenn wir ein 
lebendiger Zeuge für die Liebe und Achtung 
sind, die wir für ihn empfinden, den wir 
„Wunderbar, Ratgeber, Mächtiger Gott, Im- 
merwährender Vater, Friedensfürst" nen- 
nen (2 Nephi 19:6). Darum bete ich demütig 
im Namen Jesu Christi. Amen. D 



DER STERN 



67 



Entscheidungen 

Eider Russell M. Nelson 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



„Entscheidungen, die man zunächst für rein persönliche 
Entscheidungen gehalten hat, beeinflussen fast immer das Leben 
anderer. " 



sen das Recht auf Leben und eigene Ent- 
scheidung. 

Ich erinnerte sie daran, daß Fragen, die 
den Körper betreffen, nur einen wichtigen 
Teil der schwierigsten Entscheidungen des 
Lebens darstellen. Andere sind: „Wo soll ich 
leben?" „Was soll ich mit meinem Leben an- 
fangen?" „Welcher Sache soll ich meine An- 
strengungen und meinen guten Namen 
widmen?" Das sind nur einige wenige der 
vielen Entscheidungen, die wir jeden Tag 
treffen müssen. 

Ich möchte den Namen der Schwester 
nicht nennen und auch nicht sagen, was für 
eine Operation sie in Erwägung zog. Das 
würde nämlich unsere Aufmerksamkeit auf 
ein bestimmtes Thema lenken anstatt auf die 
grundlegenden Prinzipien, die für jede 
wichtige Entscheidung gelten. 

Da wir alle von Zeit zu Zeit vor schwierige 
Entscheidungen gestellt sind, lade ich Sie 
ein, dem Gespräch zwischen mir und der 
jungen Mutter beizuwohnen. 

Ich schlage vor, daß Sie sich drei Fragen 
stellen, wenn Sie über die verschiedenen 
Möglichkeiten nachdenken, ganz gleich, ob 
es eine Entscheidung ist, die man nur ein- 
mal im Leben trifft, oder ob es sich um alltäg- 
liche, routinemäßige Entscheidungen han- 
delt - wenn Sie ernsthaft über diese drei Fra- 
gen nachdenken, werden Sie klarer sehen. 

Vielleicht wollen Sie zunächst selbst über 
diese Fragen nachdenken und dann ge- 
meinsam mit Ihrem Mann. Die Fragen 
lauten: 

1. „Wer bin ich?" 

2. „Warum bin ich hier?" 

3. „Wohin gehe ich?" 

Wenn Sie diese drei Fragen aufrichtig be- 
antworten, so werden Sie sich an wichtige 
Grundlagen und unabänderliche Prinzipien 
erinnern. 

Wenn Sie über diese grundlegenden Fra- 
gen nachdenken, wird Ihnen eines klar: daß 
Entscheidungen, die man zunächst für rein 
persönliche Entscheidungen gehalten hat, 
fast immer das Leben anderer beeinflussen. 
Bei der Beantwortung der Fragen müssen 
Sie also auch Ihre Familie und Ihre Freunde 




Vror nicht allzu langer Zeit bat mich 
eine wunderschöne junge Mutter um 
Rat bei einer sehr schwierigen Ent- 
scheidung, die sie treffen mußte. Es ging um 
eine wichtige Operation. Die Folgen ihrer 
Entscheidung würden sich auch auf ihren 
Mann und ihre Kinder auswirken. Sie sagte: 
„Es fällt mir wirklich schwer, Entscheidun- 
gen zu treffen. Ich kann mich nicht einmal 
morgens entscheiden, was ich anziehen 
soll." 

„Da geht es Ihnen nicht anders als den 
meisten", antwortete ich. „Jeder von uns 
muß Entscheidungen treffen. Das gehört zu 
den großen Vorzügen des Lebens." 

Ich sagte dieser liebenswerten Mutter, 
daß meinen Kollegen oft Fragen in bezug auf 
den Körper gestellt werden. Manche Fragen 
beziehen sich auf einen chirurgischen Ein- 
griff, der notwendig ist, um jemandem das 
Leben oder einen Körperteil zu retten. An- 
dere Fragen beziehen sich auf freiwillig ge- 
wählte Behandlungen, die den Aufbau oder 
die Funktion des Körpers ändern sollen. In 
den letzten Jahren beziehen sich viele Fra- 
gen auch auf die „Entscheidung", ein gera- 
de entstandenes menschliches Wesen abzu- 
treiben. Paradoxerweise nimmt gerade die- 
se „Entscheidung" dem entstehenden We- 



in Betracht ziehen, die von den Folgen Ihrer 
Entscheidung betroffen sein werden. Diese 
Selbstbeurteilung ist eine stille Prüfung. 
Niemand hört Ihre Antworten. Obwohl ich 
einige Antworten anführen will, müssen Sie 
letztendlich selbst eine Antwort finden. 

„Wer bin ich?" 

Vergessen Sie nicht, daß Sie eine Tochter 
Gottes sind, so wie Ihr Mann ein Sohn Got- 
tes ist. Der himmlische Vater liebt Sie. Er hat 
Sie erschaffen, damit Sie erfolgreich sein 
und Freude haben können. 

„Er [hat] den Menschen erschaffen, 
männlich und weiblich, als sein eigenes Ab- 
bild, ihm selbst ähnlich." (LuB 20:18; siehe 
auch Genesis 1:26,27; Mosia 7:27; Alma 
18:34; 22:12; Ether 3:15; Mose 2:27.) 

Dieser Körper, der als Abbild Gottes er- 
schaffen wurde, muß bewahrt, beschützt 
und gepflegt werden. Ich empfinde wie der 
Apostel Paulus, der den Körper mit einem 
Tempel verglichen hat: 

„Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel 
seid und der Geist Gottes in euch wohnt? 

Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird 
Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist hei- 
lig, und der seid ihr." (1 Korinther 3:16,17.) 

Sie sind einer von Gottes edlen und gro- 
ßen Geistern, die zurückbehalten worden 
sind, um zu dieser Zeit auf die Erde zu kom- 
men. (Siehe LuB 86:8-11.) In Ihrem vorirdi- 
schen Dasein wurden Sie dazu bestimmt, 
mitzuhelfen, die Welt auf die große Samm- 
lung der Seelen vorzubereiten, die dem 
Zweiten Kommen des Herrn vorausgeht. 
Sie gehören zu einem Bundesvolk. Sie sind 
Erbin der Verheißung, daß die ganze Erde in 
den Nachkommen Abrahams gesegnet sein 
wird und daß Gottes Bund mit Abraham in 
diesen Letzten Tagen durch seine Nachkom- 
men erfüllt werden wird. (Siehe 1 Nephi 
15:18; 3 Nephi 20:25.) 

Als Mitglied der Kirche haben Sie heilige 
Bündnisse mit dem Herrn geschlossen. Sie 
haben den Namen Christi auf sich genom- 
men. (Siehe LuB 18:28; 20:29,37.) Sie haben 
versprochen, immer an ihn zu denken und 
seine Gebote zu halten. Dafür hat er Ihnen 
zugesagt, daß sein Geist mit Ihnen sein 
wird. (Siehe Moroni 4:3; 5:2; LuB 20:77.) 

Da wir nun ganz kurz einige Antworten 
auf die erste Frage betrachtet haben, wollen 
wir uns jetzt der zweiten Frage zuwenden. 

„Warum bin ich hier?" 

Das ist eine Frage, die ich mir oft gestellt 
habe. Ich erinnere mich noch gut daran, wie 
ich sie mir vor vielen Jahren gestellt habe, als 
ich beim Militär war, getrennt von Familie 
und Freunden, umgeben von der fürchterli- 
chen Verwüstung des Krieges. Ein anderes 
unvergeßliches Erlebnis war, als ich mich 



JANUAR 1991 



68 



einmal in einer kalten, abgelegenen Gegend 
wiederfand, fern von jeglicher Transport- 
möglichkeit, von Nahrung und Obdach. Si- 
cher haben Sie ähnliche angsterfüllte Mo- 
mente erlebt. Doch diese Erlebnisse sind die 
Ausnahme. Ich möchte die größere Frage 
besprechen. 

Warum sind Sie hier auf dem Planeten 
Erde? 

Einer der wichtigsten Gründe ist, daß Sie 
einen sterblichen Körper erhalten mußten. 
Ein weiterer Grund ist, Sie zu prüfen, damit 
sich herausstellt, was Sie aus den Heraus- 
forderungen und Möglichkeiten des Lebens 
machen. Diese Möglichkeiten erfordern, 
daß Sie Entscheidungen treffen, und das 
können Sie nur, wenn Sie Entscheidungs- 
freiheit haben. Ein wichtiger Grund für Ihr 
irdisches Dasein ist also, daß geprüft wird, 
wie Sie Ihre Entscheidungsfreiheit gebrau- 
chen. (Siehe 2 Nephi 2:15,25.) 

Entscheidungsfreiheit ist eine Gabe, die 
Sie von Gott erhalten haben. Sie können frei 
entscheiden, was Sie sein und was Sie tun 
wollen. Dabei sind Sie nicht sich selbst über- 
lassen. Sie können in jedem Lebensalter Ih- 
re Eltern um Rat fragen. Durch Beten kön- 
nen Sie mit dem himmlischen Vater Verbin- 
dung aufnehmen und ihn um persönliche 
Offenbarung bitten. Unter gewissen Um- 
ständen kann es auch sehr ratsam sein, 
wenn Sie einen professionellen Berater oder 
die örtlichen Führer der Kirche hinzuzie- 
hen, vor allem wenn es sich um eine sehr 
schwierige Entscheidung handelt. 

Das ist genau das, was Präsident Spencer 
W. Kimball getan hat. 1972 wußte er, damals 
Mitglied des Rates der Zwölf, daß sein Le- 
ben aufgrund einer Herzkrankheit in Gefahr 
war. Er ließ sich von einem kompetenten 
Arzt beraten und wandte sich gebeterfüllt 
an den Herrn und an die für ihn zuständigen 
Führer in der Kirche. Eider und Schwester 
Kimball und die Erste Präsidentschaft wäg- 
ten alle Alternativen sorgfältig ab. Dann gab 
Präsident Harold B. Lee, der für die Erste 
Präsidentschaft sprach, Eider Kimball einen 
Rat. Er sagte voll Überzeugung: „Spencer, 
du bist berufen worden! Du sollst nicht ster- 
ben! Du mußt alles Notwendige tun, um für 
dich zu sorgen und weiterzuleben." 

Präsident Kimball entschloß sich zu einer 
Herzoperation, von der bekannt war, daß 
sie ein hohes Risiko darstellte. Die Opera- 
tion verlief erfolgreich. Er lebte noch drei- 
zehn Jahre und war schließlich nach Präsi- 
dent Lee der nächste Präsident der Kirche. 

Das kostbare Recht, sich entscheiden zu 
können - die Entscheidungsfreiheit des 
Menschen -, wurde bereits vor Erschaffung 
der Welt festgelegt. (Siehe LuB 93:29-31.) Es 
handelt sich dabei um die Möglichkeit, selb- 
ständig zu handeln, um eine sittliche Selb- 
ständigkeit. (Siehe LuB 101:78.) Darum 
wandte sich auch der Satan dagegen (siehe 




Mitglieder der Siebziger: Eider Marion D. Hanks, Eider L. Lionel Kendrick und Eider Angel Abrea. 
Eider Kendrick ist der neu berufene Präsident des Gebietes Philippinen/Mikronesien. 



Mose 4:3), doch der Herr setzte sich dafür 
ein (siehe Mose 4:2) und die Propheten in al- 
ter und heutiger Zeit haben diesen Grund- 
satz bekräftigt. (Siehe LuB 58:26-28; Mose 
6:56; 7:32.) 

Wenn wir diese sittliche Selbständigkeit in 
der rechten Weise gebrauchen wollen, müs- 
sen wir Glauben haben. Der Glaube an den 
Herrn Jesus Christus ist der erste Grundsatz 
des Evangeliums (siehe 4. Glaubensartikel). 
Ihm verdanken wir die Möglichkeit, selb- 
ständig zu handeln. Er selbst muß die 
Grundlage Ihres Glaubens sein. Daß dieser 
Glaube geprüft werden soll, ist ein wichtiger 
Grund dafür, daß Sie Entscheidungsfreiheit 
erhalten haben. 

Sie haben die Möglichkeit, Glauben an 
Gott und an seinen Sohn zu entwickeln und 
auszuüben, ebenso Glauben an sein Wort, 
an seine Kirche, an seine Knechte und an 
seine Gebote. 

Schwierige Entscheidungen treffen zu 
müssen ist weder neu noch einmalig. Bereits 
vor Jahrhunderten sprach Josua von einer 
Entscheidung, die seine Familie treffen 
mußte. Er erklärte: 

„Entscheidet euch heute, wem ihr dienen 
wollt. . . . Ich aber und mein Haus, wir wol- 
len dem Herrn dienen." (Josua 24:15; siehe 
auch Mose 6:33.) 

Wenn Sie solchen Glauben entwickeln, 



können Sie den Heiligen Geist als Begleiter 
haben, der Ihnen helfen wird, kluge Ent- 
scheidungen zu treffen (siehe 2 Nephi 
2:27,28; LuB 14:8). 

Viele behaupten vielleicht, in gewisser 
Weise an Gott zu glauben, doch ohne auf- 
richtige Umkehr kann der Glaube nicht voll- 
ständig zur Wirkung kommen. Das war 
auch den Nephiten bekannt: 

„Wer unter ihnen zur Erkenntnis der 
Wahrheit gebracht wird . . . und dazu ge- 
bracht wurde, daß er an die heilige Schrift 
glaubt, . . . wodurch sie zum Glauben an 
den Herrn und zur Umkehr gebracht wer- 
den, welcher Glaube und welche Umkehr 
ihnen eine Änderung des Herzens bringen, 
. . . [der ist] fest und beständig im Glauben." 
(Helaman 15:7.) 

Glaube, Umkehr und Gehorsam befähi- 
gen Sie, zwei großartige Gaben zu empfan- 
gen, nämlich Gerechtigkeit und Barmher- 
zigkeit, die denen zuteil werden, die sich 
der Segnungen des Sühnopfers würdig er- 
weisen (siehe Alma 34:16,17). 

Ja, jede Prüfung, jede Schwierigkeit und 
jede Bedrängnis, die Sie überwinden, ist für 
Sie eine Möglichkeit, Ihren Glauben weiter- 
zuentwickeln. (Siehe LuB 63:11; 101:4.) 

Der Glaube kann durch Beten gestärkt 
werden. Das Gebet ist der machtvolle 
Schlüssel dazu, Entscheidungen zu treffen, 



DER STERN 



69 




Mitglieder der Siebziger: Eider George I. Cannon, Eider L. Aldin Porter und Eider Malcolm S. Jeppsen. 



nicht nur in bezug auf unseren Körper, son- 
dern auch in bezug auf alle anderen wichti- 
gen Aspekte unseres Lebens. Suchen Sie 
den Herrn demütig und mit aufrichtigem 
Herzen und wirklichem Vorsatz im Gebet, 
dann wird er Ihnen helfen (siehe Alma 
33:23; Moroni 7:9; 10:4; LuB 9:7-9). 

Vergessen Sie nicht, daß Glauben und Ge- 
bet allein meist nicht ausreichen. Wir müs- 
sen uns auch selbst darum bemühen, unse- 
ren Herzenswunsch zu verwirklichen. „So 
ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn 
er nicht Werke vorzuweisen hat." (Jakobus 
2:17; siehe auch Vers 18,20,26; Alma 26:22.) 

Die Antworten auf die zweite Frage stellen 
klar, daß Sie hier sind, um Glauben zu ent- 
wickeln, zu beten und hart zu arbeiten. 

Jetzt wollen wir uns der dritten Frage zu- 
wenden. 

„Wohin gehe ich?" 

Diese Frage erinnert uns daran, daß Sie 
(und ich) einmal sterben, auferstehen und 
gerichtet werden und dann einen Platz in ei- 
nem ewigen Reich erhalten (siehe 1 Korin- 
ther 15:22; Alma 12:24; 21:9; Helaman 
14:16,17; LuB 138:19). Jeder Sonnenunter- 
gang bringt Sie diesem unvermeidlichen 
Tag des Gerichts näher. Dann werden Sie 
Rechenschaft, über Ihren Glauben, Ihre 
Hoffnungen und Ihre Werke abzulegen 
haben. Der Herr hat gesagt: 

„So daß jedermann in der Lehre und dem 
Grundsätzlichen . . . gemäß der sittlichen 
Selbständigkeit handeln kann, die ich ihm 
gegeben habe, damit jedermann am Tag des 
Gerichts für seine Sünden selbst verant- 
wortlich sei. " (LuB 101:78; siehe auch Mosia 
3:24.) 



Da alle auferstehen werden, wird Ihr Kör- 
per zu seiner rechten und vollkommenen 
Gestalt wiederhergestellt werden (siehe 
Alma 11:43; 40:23). 

Der Tag Ihrer Auferstehung wird ein Tag 
des Gerichts sein, an dem sich entscheidet, 
was für ein Leben Sie im Jenseits führen 
werden. 

Dabei werden nicht nur Ihre Taten berück- 
sichtigt, sondern auch Ihre innersten Her- 
zenswünsche. 

Ihre alltäglichen Gedanken werden nicht 
verloren sein. Die heilige Schrift spricht von 
einer „klaren Erinnerung" (Alma 11:43) und 
von einer „vollkommenen Erinnerung" 
(Alma 5:18), die uns an diesem Tag erfüllen 
wird. 

Der Herr kennt unsere Herzenswünsche. 
Am Tag des Gerichts wird er gewiß in mit- 
fühlender Weise auf die besonderen Sehn- 
süchte von beispielsweise alleinstehenden 
Schwestern oder kinderlosen Ehepaaren 
Rücksicht nehmen. Schließlich hat er ge- 
sagt: 

„Ich, der Herr, werde alle Menschen ge- 
mäß ihren Werken richten, gemäß den 
Wünschen ihres Herzens." (LuB 137:9; sie- 
he auch Hebräer 4:12; Alma 18:32; LuB 6:16; 
33:1; 88:109.) 

Er kennt auch Ihre Sehnsüchte als Frau 
und Mutter, die sich eifrig bemüht hat, ihrer 
Familie und der Gesellschaft in der richtigen 
Weise zu dienen. 

Wenn ich denen zuhöre, die für etwas 
kämpfen, was im Gegensatz zu den Gebo- 
ten Gottes steht, und Menschen beobachte, 
die sich an den Vergnügungen der Welt er- 
götzen, ohne an ein endgültiges Gericht zu 
denken, fällt mir ein, wie Gott ihre Torheit 
beschrieben hat: 



„Sie wiesen meine Rechtsvorschriften zu- 
rück, sie lebten nicht nach meinen Geset- 
zen, . . . weil ihr Herz hinter den Götzen her 
war." (Ezechiel 20:16.) 

Unterredungen mit dem Bischof oder ei- 
nem Mitglied der Pfahlpräsidentschaft, et- 
wa wegen des Tempelscheins, sind wertvol- 
le Erfahrungen. In gewisser Hinsicht könnte 
man sie als eine wichtige „Generalprobe" 
für den bedeutenden Tag betrachten, an 
dem wir einst vor dem großen Richter ste- 
hen werden. 

Nach der Auferstehung und dem Gericht 
werden Sie Ihrer neuen immerwährenden 
Heimat zugewiesen. In den Offenbarungen 
wird die Herrlichkeit dieser Reiche mit dem 
unterschiedlichen Glanz der Himmelskör- 
per verglichen. Paulus hat gesagt: 

„Der Glanz der Sonne ist anders als der 
Glanz des Mondes, anders als der Glanz der 
Sterne." (1 Korinther 15:41.) 

Der Herr offenbarte dem Propheten 
Joseph Smith noch mehr, so daß dieser von 
der telestialen Herrlichkeit sprach, wo 
schließlich diejenigen leben werden, die in 
diesem Leben „das Evangelium von 
Christus nicht empfangen haben, auch nicht 
das Zeugnis von Jesus" (LuB 76:82). 

Der Prophet lehrte, daß die terrestriale 
Herrlichkeit der Wohnort derer sein wird, 
„die als ehrenhafte Menschen auf Erden 
durch die Verschlagenheit von Menschen 
verblendet worden sind" und das Evangeli- 
um während ihres Erdenlebens, abgelehnt 
haben (LuB 76:75). 

Und dann schrieb er über die celestiale 
Herrlichkeit, „deren Herrlichkeit die der 
Sonne ist, ja, die Herrlichkeit Gottes, des 
höchsten von allen" (LuB 76:70). Dort wer- 
den die Glaubenstreuen zusammen mit ih- 
rer Familie leben und sich der Erhöhung mit 
unserem himmlischen Vater und seinem ge- 
liebten Sohn erfreuen. Bei ihnen werden 
sich diejenigen befinden, die treu an den 
Verordnungen und Bündnissen festgehal- 
ten haben, die im Tempel geschlossen wur- 
den, wo sie an ihre Vorfahren und ihre 
Nachkommen gesiegelt wurden. 

Wenn Sie vor die vielen schwierigen Ent- 
scheidungen des Lebens gestellt werden, 
dann denken Sie daran, daß es für Sie ein 
wirklicher Schutz ist, wenn Sie wissen, 
wer Sie sind, warum Sie hier sind und 
wohin Sie gehen. Ihre Einzigartigkeit soll 
jede Entscheidung beeinflussen, die Sie auf 
dem Weg zu Ihrer ewigen Bestimmung 
treffen. 

Wenn Sie sich bereits jetzt im Hinblick auf 
Ihre Entscheidungen zur Rechenschaft zie- 
hen, wird sich das auf alles, was vor Ihnen 
liegt, auswirken. 

Mögen wir mit Weisheit und voll Glauben 
an ihn, der uns erschaffen hat, unsere Ent- 
scheidungen treffen. Darum bete ich im Na- 
men Jesu Christi. Amen. D 



JANUAR 1991 



70 



Die Auferstehung 



Eider Hartman Rector jun. 

von den Siebzigern 



„ Umkehr ist wohl das Wichtigste, was wir hier auf der Erde tun 
können, um uns auf die Auferstehung vorzubereiten. " 



Jakob läßt uns erahnen, wie die Aufer- 
stehung aussehen wird: 

„O wie groß ist der Plan unseres Gottes! 
Denn andererseits muß das Paradies Gottes 
die Geister der Rechtschaffenen freigeben, 
und das Grab muß die Leiber der Recht- 
schaffenen freigeben; und Geist und Leib 
werden wiederhergestellt, und alle Men- 
schen werden unverweslich und unsterb- 
lich; und sie sind lebendige Seelen, und sie 
haben vollkommene Kenntnis gleichwie wir 
im Fleische, außer daß unsere Kenntnis voll- 
kommen sein wird. 

Darum werden wir eine vollkommene 
Kenntnis all unserer Schuld und unserer 
Unreinheit und unserer Nacktheit haben, 
und die Rechtschaffenen werden eine voll- 
kommene Kenntnis ihrer Freude und ihrer 
Rechtschaffenheit haben, denn sie sind mit 
Reinheit bekleidet, ja, mit dem Mantel der 
Rechtschaffenheit. . . . 

Und gewiß - so wahr der Herr lebt, denn 
der Herr Gott hat es gesagt, und es ist sein 
ewiges Wort, das nicht vergehen kann - 
werden diejenigen, die rechtschaffen sind, 
auch dann rechtschaffen sein, und diejeni- 
gen, die schmutzig sind, werden auch dann 
schmutzig sein." (2 Nephi 9:13,14,16.) 

Anscheinend gibt es in bezug auf die Auf- 
erstehung sowohl eine gute wie schlechte 
Nachricht. Die gute Nachricht besteht darin, 
daß jeder auferstehen wird. Alle werden 
wieder leben! Und diejenigen, die recht- 
schaffen gewesen sind (und Umkehr geübt 
haben), werden auch dann rechtschaffen 
sein. Die schlechte Nachricht besteht darin, 
daß jeder, der schmutzig ist (also nicht Um- 
kehr geübt hat), auch dann schmutzig ist 
und daher eine geringere Herrlichkeit erhal- 
ten wird, denn er ist von seinen hier auf der 
Erde getanen Taten nicht umgekehrt. Des- 
halb werden die Menschen bei der Auferste- 
hung gerichtet werden. Das Gericht be- 
stimmt, wie gut wir hier auf der Erde die Ge- 
bote gehalten haben (siehe Alma 5:15). 

Daher lautet das wohl wichtigste Gebot im 
Zusammenhang mit dem Zustand, in dem 
wir uns nach der Auferstehung befinden 
werden: „Kehrt um, kehrt um, und laßt 
euch im Namen meines geliebten Sohnes 




Liebe Brüder und Schwestern, ich 
möchte heute nachmittag über die 
Auferstehung sprechen und darüber, 
wie wichtig es ist, daß wir rein sind, wenn 
wir zum himmlischen Vater zurückkehren. 
Allerdings wissen wir Lebenden nicht viel 
über die Auferstehung, weil weder die Pro- 
pheten noch auferstandene Wesen sie uns 
erklärt haben. Eines aber ist gewiß: Das 
Sühnopfer Jesu Christi hat „die Auferste- 
hung der Toten zuwege" gebracht (siehe 
Alma 42:23); der Tod ist die Trennung des 
Geistes vom Körper. 

Die Auferstehung besteht darin, daß der 
Geist dem Körper und der Körper dem Geist 
zurückgegeben wird. Um es mit Alma zu sa- 
gen: „Ja, und jedes Glied und Gelenk wird 
seinem Leib wiederhergestellt werden; ja, 
auch nicht ein Haar des Kopfes wird verlo- 
ren sein, sondern alles wird zu seiner rech- 
ten und vollkommenen Gestalt wiederher- 
gestellt werden." (Alma 40:23.) Und warum 
geschieht das? Alma erklärt das folgender- 
maßen: „Die Auferstehung der Toten bringt 
die Menschen in die Gegenwart Gottes zu- 
rück; und so werden sie wieder in seine Ge- 
genwart zuurückgeholt, um gemäß ihren 
Werken gerichtet zu werden, gemäß dem 
Gesetz und der Gerechtigkeit." (Alma 
42:23.) 



taufen ! " (2 Nephi 31:11; siehe auch Vers 15 . ) 
Der Vater selbst hat das gesagt. 

Auch Jesus hat erklärt, daß wir zu dieser 
Generation nichts als Umkehr sprechen sol- 
len (siehe LuB 6:9; 11:9; 14:8; 19:21.) Um- 
kehr ist wohl das Wichtigste, was wir hier 
auf der Erde tun können, um uns auf die 
Auferstehung vorzubereiten, denn es „wird 
niemand als nur der wahrhaft Bußfertige er- 
rettet" (Alma 42:24). 

Daher lautet die allerwichtigste Frage: 
Was bringt einen Menschen dazu, Umkehr 
zu üben? Meiner Meinung nach geschieht 
das dann, wenn jemand ausreichenden 
Glauben an den Herrn Jesus Christus besitzt 
und daran glaubt, daß Christus für seine 
Sünden gezahlt hat. Dann kehrt der Betref- 
fende auch um. Aber jemand, der nicht an 
diese Wahrheit glaubt, wird kaum jemals 
Umkehr üben. Daher ist es wichtig, daß wir 
die Wahrheit über Jesus Christus lehren, 
nämlich daß er der buchstäbliche Sohn Got- 
tes und unser Herr, unser Erretter und Erlö- 
ser ist, der Seelen zur Umkehr führen kann. 
Der Glaube an Jesus Christus, der Umkehr 
bewirkt, ist die Kraft des Evangeliums zur 
Errettung. 

Wenn wir Umkehr geübt haben, dürfen 
wir uns taufen lassen und dabei einen heili- 
gen Bund mit Gott schließen. Die Taufe ist 
zur Sündenvergebung bestimmt (siehe LuB 
13:1; 68:27), aber indem wir uns taufen las- 
sen, bezeugen wir Gott Vater auch, daß wir 
ihm hinfort gehorsam sein und seine Gebote 
halten wollen (siehe 2 Nephi 31:6,7). 

Nach der Taufe empfängt man den Heili- 
gen Geist, der eine ganz besondere Gabe 
Gottes ist und dessen Wert sich nicht in Wor- 
te fassen läßt. Der Heilige Geist gibt Zeugnis 
vom Vater und vom Sohn, führt uns in alle 
Wahrheit, steht uns bei und schenkt uns das 
ganze Leben hindurch inneren Frieden. Den 
Heiligen Geist empfängt man dadurch, daß 
einem ein Ältester der Kirche Jesu Christi 
der Heiligen der Letzten Tage die Hände 
auflegt. Gleichzeitig damit wird man in die 
Kirche aufgenommen und von neuem gebo- 
ren - man wird ein Sohn oder eine Tochter 
Jesu Christi (siehe Johannes 1:12; Ether 3 : 14; 
Alma 5:49). 

Nach den Worten des Vaters müssen wir 
nach der Taufe bis ans Ende ausharren 
(siehe 2 Nephi 31: 15), und das bedeutet, daß 
wir - 

1. weiterhin Umkehr üben müssen (siehe 
Mose 5:8); 

2. unser ganzes Leben lang weiterhin an- 
deren Menschen vergeben müssen (siehe 
LuB 64:9,19). 

Aber wir müssen auch noch etwas ande- 
res tun: 

3. Wir müssen lieb sein! 

Ich glaube nicht, daß es im celestialen 
Reich jemanden geben wird, der nicht lieb 
ist (siehe LuB 31:9; 52:40). 



DER STERN 



71 



Lieb zu sein bedeutet viel mehr als nur ein 
guter Mensch zu sein. Ein Beispiel: Eltern 
können wohl nichts Lieberes für ihre Kinder 
tun, als ihnen die Geburt im Bund zu ermög- 
lichen oder sie später an sich siegeln zu las- 
sen. Es gibt wohl nichts Kostbareres. Und 
warum ist das so wichtig? Weil es den Kin- 
dern das ewige Leben garantiert, vorausge- 
setzt allerdings, sie bleiben dem Glauben 
treu. Und das gleiche gilt umgekehrt auch 
für die Eltern. 

Die Kinder wiederum können wohl nichts 
Lieberes für ihre Eltern tun, als ihnen zu ge- 
horchen (siehe Kolosser 3:20). Ein Vater 
kann für seine Kinder wohl nichts Lieberes 
tun, als daß er ihre Mutter liebt und ihr treu 
ist. Umgekehrt kann die Mutter für ihre Kin- 
der nichts Lieberes tun, als daß sie deren Va- 
ter liebt und ihm treu ist. Warum ist diese 
Gabe so kostbar? Weil sie den Kindern die 
Gewißheit schenkt, daß sie sich niemals 
zwischen Vater und Mutter entscheiden 
müssen. 

Man kann einem Freund, der nicht der 
Kirche angehört, oder einem Bekannten 
nichts Schöneres schenken, als daß man ihn 
mit dem Evangelium bekanntmacht. Am 
einfachsten geschieht das, indem man den 
Missionaren aufträgt, dem Betreffenden ein 
Buch Mormon zu bringen. Warum gerade 
das Buch Mormon? Weil das Buch Mormon 
laut dem Propheten Joseph Smith das rich- 
tigste aller Bücher auf Erden ist (siehe Lehren 
des Propheten Joseph Smith, Seite 198). Warum 
ist das Buch Mormon so wichtig? Wohl des- 
halb, weil die klaren und kostbaren Wahr- 
heiten, die aus der Bibel verlorengegangen 
oder entfernt worden sind, im Buch Mor- 
mon enthalten und durch das Buch Mormon 
wiederhergestellt worden sind (siehe 1 Ne- 
phi 13:40). Meiner Meinung nach kann man 
durch das Lesen im Buch Mormon mehr 
über Jesus Christus lernen als durch jedes 
andere Buch. 

Wir können für ein weniger aktives Mit- 
glied nichts Lieberes tun, als ihm mit liebe- 
voller Zuneigung und Güte zu begegnen, 
um es zur Aktivität zurückzuführen, so daß 
es in den Tempel gehen und sich für die 
herrliche Auferstehung bereitmachen kann. 

Wir können für die Armen nichts Lieberes 
tun, als, wie König Benjamin es sagt, unsere 
Habe mit ihnen zu teilen, „ein jeder gemäß 
dem, was er hat, nämlich die Hungrigen zu 
speisen, die Nackten zu kleiden, die Kran- 
ken zu besuchen und sich ihrer anzuneh- 
men, geistig ebenso wie zeitlich, gemäß ih- 
ren Bedürfnissen" (Mosia 4:26). 

Mit der Aufforderung, zu ihm umzukeh- 
ren (siehe Maleachi 3:7), meint der Herr 
nichts anderes, als daß wir Umkehr üben 
und seine Gebote halten sollen, denn diese 
sind dazu vorgesehen, daß sie uns glücklich 
machen und auf die Auferstehung vorberei- 
ten sollen. 



Welche Gebote müssen wir nun aber be- 
folgen? Fangen wir nach der Taufe mit den 
Zehn Geboten an, und nehmen wir dann 
das Wort der Weisheit und das Gesetz des 
Zehnten dazu. 

Was ist denn nun am Wort der Weisheit so 
wichtig? Wenn wir das Wort der Weisheit 
nicht befolgen, setzen wir uns der Gefahr 
der Selbsttötung aus. Und das steht im Ge- 
gensatz zum sechsten Gebot. Auf jedem 
Päckchen mit den beliebtesten Zigaretten in 
Amerika ist die folgende Warnung zu lesen: 
„Der Gesundheitsminister warnt: Rauchen 
kann zu Lungenkrebs, Herzkrankheiten 
und Tumoren führen und eine Schwanger- 
schaft gefährden." Das hört sich ganz schön 
gefährlich an, nicht wahr? 

Warum ist der Zehnte so wichtig? Wenn 
wir den Zehnten nicht zahlen, betrügen wir 
den Herrn (siehe Maleachi 3:8), und das 
steht im Gegensatz zum achten Gebot. 
Noch nie hat jemand, der den Herrn be- 
trügt, es zu Wohlergehen gebracht. Wenn 
wir aber den Zehnten und die anderen 
Spenden zahlen, gibt der Herr uns alles zu- 
rück, und zwar „in reichem, vollem, gehäuf- 
tem, überfließendem Maß" (Lukas 6:38). 
Das ist doch wohl eine Verheißung! 

Die Zehn Gebote sind ewige Gebote; sie 
haben sich nicht verändert, seit der Herr sie 
am Sinai gegeben hat. Sie sind zeitlos, denn 
ewige Gesetze ändern sich nie. 

Wenn wir nach der Taufe die Zehn Gebote 
halten, den Zehnten zahlen und das Wort 
der Weisheit befolgen, haben wir damit ei- 
nen Maßstab an der Hand, der uns zur Um- 
kehr führt oder es uns laut Nephi ermög- 
licht, uns an den Worten von Christus zu 
weiden (siehe 2 Nephi 32:3). Falls Sie den 
Zehnten nicht zahlen, dann üben Sie Um- 
kehr, und fangen Sie an, ihn zu zahlen! Falls 
Sie das Wort der Weisheit nicht befolgen, 
dann üben Sie Umkehr, und fangen Sie an, 
danach zu leben! Falls Sie sittlich unrein 
sind, dann üben Sie Umkehr, und werden 
Sie rein! 

Umkehr üben bedeutet, daß man seine 
Sünden bekennt und davon läßt (siehe LuB 
58:43) und das Abendmahl nimmt, denn 
beim Abendmahl erneuert man sein Tauf- 
bündnis. Dann ist man rein, denn der Erret- 
ter hat für unsere Sünden gezahlt, aller- 




dings nur unter der Voraussetzung, daß wir 
umkehren (siehe LuB 18:12). 

Falls Sie den Sabbat nicht heilighalten, 
dann üben Sie Umkehr, und fangen Sie da- 
mit an! Falls Sie nicht immer die Wahrheit 
sagen, dann üben Sie Umkehr, und begin- 
nen Sie, die Wahrheit zu sagen. Falls Sie Ihre 
Eltern nicht ehren, dann üben Sie Umkehr, 
und fangen Sie an, Ihre Eltern zu ehren. 
Falls Sie Götzen anbeten - beispielsweise 
Fußball, Baseball, Golf, Tennis, Geld, Tech- 
nik, Auto, Haus, Gold oder Silber (daran, 
was ein Mensch am Sonntag tut, kann man 
erkennen, was er anbetet) -, dann kehren 
Sie um, und fangen Sie an, den wahren und 
lebendigen Gott anzubeten, den Schöpfer 
des Himmels und der Erde und all dessen, 
was darin ist. 

Liebe Brüder und Schwestern, es ist nicht 
schwer, nach dem Evangelium zu leben. 
Man muß nur für immer daran festhalten. 

Wir sind auf der Erde, weil wir lernen sol- 
len, wie wir in Ewigkeit glücklich sein und 
uns auf die herrliche Auferstehung vorbe- 
reiten können, denn Menschen sind ja, da- 
mit sie Freude haben können (siehe 2 Nephi 
2:25). Und wir erhalten unseren Lohn von 
dem, dem zu gehorchen es uns gelüstet hat 
(siehe Alma 3:27; LuB 29:45). 

Ist es daher nicht einfach vernünftig, 
wenn man dem Herrn gehorcht? Es gibt 
auch keine andere Möglichkeit, denn der 
Herr Gott hat es gesagt, und er weicht nie- 
mals von dem ab, was er gesprochen hat 
(siehe Mosia 2:22). 

Meine Brüder und Schwestern, ich bezeu- 
ge vor Gott, daß er lebt und unsere Gebete 
erhört. Ich gebe Zeugnis, daß er seinen 
Sohn Jesus Christus gesandt hat, damit die- 
ser für unsere Sünden zahlt und die Fesseln 
des Todes sprengt, was er auch getan hat. 
Ich weiß, daß wir nur durch ihn leben, uns 
bewegen und überhaupt ein lebendes We- 
sen sind. Sein Name ist der einzige Name 
unter dem Himmel, wodurch wir errettet 
beziehungsweise rein gemacht werden 
müssen (siehe 2 Nephi 31:21; Mosia 3:17; 
Apostelgeschichte 4: 12). Ich weiß, daß diese 
Kirche, nämlich die Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage, die einzige wahre 
Kirche auf der Erde ist, an der der Herr 
Wohlgefallen hat, wobei die Kirche insge- 
samt gemeint ist und nicht die einzelnen 
Mitglieder. All das glaube ich nicht nur, son- 
dern ich weiß es . Ich bezeuge auch, daß Ezra 
Taft Benson der lebende Prophet Gottes ist. 

Wenn ich irgend etwas getan oder gesagt 
habe, wodurch sich ein Zuhörer gekränkt 
fühlt, so tut mir das aufrichtig leid, und ich 
bitte demütig um Verzeihung, denn die 
wichtigste Wahrheit des Evangeliums lautet 
ja: „So wird niemand als nur der wahrhaft 
Bußfertige errettet." (Alma 42:24.) Davon 
gebe ich Zeugnis und versichere Sie meiner 
Liebe im Namen Jesu Christi. Amen. D 



JANUAR 1991 



72 



Kraft aus dem Buch 
Mormon 



Ruth B. Wright 

Zweite Ratgeberin in der PV-Präsidentschaft 



,,Die heilige Schrift hat uns in jeder Lebenssituation etwas zu sagen. " 



ihn Tag um Tag führen werde, und deshalb 
gab er sein Haus in Jerusalem und die damit 
verbundene Sicherheit und Bequemlichkeit 
auf und trat die Reise in die Wildnis und da- 
mit in eine ungewisse Zukunft an. 

Wenn mich das Unbekannte, das vor mir 
liegt, ängstigt, dann schöpfe ich Kraft, in- 
dem ich an Lehi denke und daran glaube, 
daß der Herr mich führen wird. 

Wenn ich mir das Bild ansehe, das zeigt, 
wie Nephi ein Schiff baut, kann ich mir un- 
gefähr vorstellen, welche Gedanken ihn be- 
wegt haben: „Wie soll ich das schaffen? Ich 
weiß nichts darüber, wie man ein Schiff 
baut. Das habe ich doch überhaupt nicht ge- 
lernt." Aber Nephi ging voller Mut an seine 
Aufgabe heran. Er sagt: 

„Und wenn Gott mir geboten hätte, was 
auch immer zu tun, so könnte ich es. Wenn 
er mir geböte, ich solle zu diesem Wasser 
sprechen: Sei Erde!, so würde es zu Erde 
werden; und wenn ich es spräche, so würde 
es geschehen. 

Wenn nun der Herr so große Macht hat 
und unter den Menschenkindern so viele 
Wundertaten vollbracht hat - sollte er mich 
dann nicht anweisen können, ein Schiff zu 
bauen?" (1 Nephi 17:50,51.) 

Also baute Nephi ein Schiff. 

Wenn mir eine Aufgabe zu schwierig oder 
gar unlösbar erscheint, dann denke ich an 
Nephi und daran, wie er an der Meeresküste 
mutig an den Bau eines Schiffes herange- 
gangen ist. 

Ich sehe mir auch gern das Bild von König 
Benjamin an, wie er auf dem hohen Turm 
steht und seinem Volk liebevoll die Arme 
entgegenstreckt. König Benjamin, der sein 
ganzes Leben lang den Mitmenschen ge- 
dient hatte und den das Volk innig liebte, be- 
wies große Demut, als er seine Schwächen 
und Unzulänglichkeiten bereitwillig zugab 
und trotzdem voller Überzeugung kundtat, 
daß er wußte: er war von Gott berufen. 

„Ich habe euch nicht geboten, hier herauf- 
zukommen, damit ihr mich fürchtet oder 
etwa denkt, daß ich mehr sei als nur ein 
sterblicher Mensch. 

Vielmehr bin ich euch gleich, bin allerart 
Schwächen an Leib und Geist unterworfen; 




A n den Wänden unseres PV-Büros hän- 
/\ gen Bilder, die von Kindern aus der 
JL \~ ganzen Welt gezeichnet worden 
sind und die wichtige Ereignisse aus dem 
Buch Mormon darstellen. Wenn ich mir die- 
se Bilder ansehe, spüre ich den Geist der ed- 
len Propheten und Führer, die sich ent- 
schlossen hatten, dem Herrn in allen irdi- 
schen Prüfungen gehorsam zu sein. Ihr 
Glaube, ihr Mut, ihre Liebe, ihre Demut, ih- 
re Dienstbereitschaft und ihr Durchhalte- 
vermögen geben mir die Kraft, die auf mich 
zukommenden Schwierigkeiten zu bewäl- 
tigen. 

Damit auch Sie Kraft daraus schöpfen 
können, möchte ich Ihnen ein paar der mit 
klaren, einfachen Strichen gezeichneten Bil- 
der beschreiben und über die wichtigen 
Grundsätze sprechen, die darin deutlich 
werden. Wohl jeder wird die Begebenheiten 
kennen, aber es kann sein, daß man jedes- 
mal, wenn man sie liest, etwas anderes dar- 
aus lernt. Die heilige Schrift hat uns in jeder 
Lebenssituation etwas zu sagen. Es kann 
sein, daß das, was Sie daraus lernen, etwas 
ganz anderes ist als das, was ich daraus ler- 
ne, aber wir können alle Kraft daraus 
schöpfen. 

Das erste Bild stellt Lehis Reise dar. Lehi 
vertraute vollkommen darauf, daß der Herr 



doch . . . die Hand des Herrn hat es zugelas- 
sen, daß ich Herrscher und König über die- 
ses Volk sei; . . . damit ich euch diene mit al- 
ler Macht, ganzem Sinn und aller Kraft, die 
der Herr mir gewährt hat." (Mosia 2:10,11.) 

Wenn ich mich unzulänglich fühle und 
meine Schwächen mich zu überwältigen 
drohen, dann denke ich an König Benjamin 
und versuche es noch einmal. 

Stellen Sie sich vor, wie Alma und Amulek 
nebeneinander im Gefängnis sitzen. Beide 
sind mit Stricken gebunden. Sie waren von 
schlechten Menschen verfolgt und ins Ge- 
fängnis geworfen worden, so daß sie große 
Bedrängnis erleiden mußten, weil sie von 
der Wahrheit Zeugnis gaben. Wir wissen, 
daß Gottes Kinder seit Anbeginn um der 
Rechtschaffenheit willen haben leiden müs- 
sen und auch in Zukunft geprüft werden. 
Wenn ich von Alma und Amulek lese, 
schöpfe ich Kraft für die Prüfungen, die ich 
bestehen muß. 

Heute, wo manche Menschen meinen: 
„Wenn es niemandem schadet, darf man ru- 
hig tun, was man will" oder: „Wenn man 
sich bei etwas gut fühlt, soll man es auch 
tun" oder: „Man ist nur dann ein Betrüger, 
wenn man erwischt wird", denke ich an 
Helamans junge Soldaten. Sie waren von 
ihren Müttern in den richtigen Grundsätzen 
unterwiesen worden und „wegen ihres 
Mutes und auch ihrer Stärke und Regsam- 
keit überaus tapfer; aber siehe, dies war 
nicht alles - es waren Männer, die zu allen 
Zeiten und in allem, was ihnen anvertraut 
war, treu waren" (Alma 53:20). 

Das bedeutet, daß man in Versuchung 
treu bleiben muß, daß man auch dann treu 
bleiben muß, wenn man es eigentlich gar 
nicht möchte oder wenn es bedeutet, daß 
man sich gegen die übrige Welt stellt. Wenn 
ich an diese glaubenstreuen jungen Krieger 
denke, festigt sich mein Entschluß, immer 
standhaft zu sein und die Evangeliums- 
grundsätze zu befolgen. 

Wenn ich mir das Bild ansehe, wo Christus 
den Nephiten erscheint, denke ich an eine 
gute Freundin, die innerhalb kurzer Zeit 
mehrere schreckliche Erlebnisse hatte. Sie 
war körperlich geschwächt, innerlich aufge- 
wühlt und geistig erschöpft. Jeder neue Tag 
machte ihr mehr zu schaffen als der vorher- 
gehende. Sie sehnte sich verzweifelt nach 
Trost. Als sie im Krankenhaus lag und auf 
die erforderliche Operation wartete, der sie 
sich am liebsten entzogen hätte, fühlte sie 
sich schrecklich einsam. Dann dachte sie an 
Joseph Smith und an das, was er im Gefäng- 
nis in Liberty erlitten hatte. Sie bat ihren 
Mann, ihr aus dem 3. Buch Nephi vorzule- 
sen. Die Nephiten hatten sich am Tempel im 
Land Überfluß versammelt und hörten 
zweimal eine Stimme, die sie zwar nicht ver- 
stehen konnten, die aber vom Himmel zu 
kommen schien. 



DER STERN 



73 



„Doch ungeachtet dessen, daß es eine lei- 
se Stimme war, drang sie denen, die sie ver- 
nahmen, bis ins Innerste, so sehr, daß es an 
ihrem Körper keinen Teil gab, den sie nicht 
erbeben ließ; ja, sie drang ihnen bis in die 
Seele und ließ ihnen das Herz brennen. . . . 

Und siehe, beim dritten Mal verstanden 
sie die Stimme. . . . Seht meinen geliebten 
Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, in dem 
ich meinen Namen verherrlicht habe - ihn 
höret! . . . 

Sie sahen einen Mann aus dem Himmel 
herabkommen; und er war in ein weißes Ge- 
wand gekleidet. . . . Siehe, ich bin Jesus 
Christus, von dem die Propheten bezeugt 
haben, er werde in die Welt kommen. 

Und siehe, ich bin das Licht und das Leben 
der Welt; und ich habe aus dem bitteren 
Kelch getrunken, den der Vater mir gegeben 
hat, und habe den Vater verherrlicht, indem 
ich die Sünden der Welt auf mich genom- 
men habe; und darin habe ich den Willen 
des Vaters in allem von Anfang an gelitten." 
(3 Nephi 11:3,6-8,10,11.) 

Als meine Freundin dies gehört hatte, lag 
Friede wie ein Mantel um sie. Zum ersten 
Mal seit vielen Monaten empfand sie Er- 
leichterung. Ihre Angst wurde schwächer, 
und sie fand die Kraft, weiterzumachen. 

Christus diente aber nicht nur der Men- 
schenmenge; er gab auch den Kindern 
Kraft. Im 17. Kapitel des Dritten Nephi lesen 
wir, wie Jesus sagte, man solle die Kinder zu 
ihm bringen und rings um ihn auf den Bo- 
den setzen. 

„Und er nahm ihre kleinen Kinder, eines 
nach dem anderen, und segnete sie und be- 
tete für sie zum Vater. . . . 

Und er redete zur Menge und sprach zu 
ihnen: Seht eure Kleinen! 

Und als sie schauten, um zu sehen, hoben 
sie den Blick zum Himmel, und sie sahen 
den Himmel offen, und sie sahen Engel aus 
dem Himmel herabkommen, gleichsam in- 
mitten von Feuer; und sie kamen herab und 
stellten sich im Kreis um die Kleinen, und sie 
waren von Feuer umschlossen; und die En- 
gel dienten ihnen." (Vers 21,23,24.) 

Wenn ich das lese, spüre ich, wie sehr 
Jesus Christus und der himmlische Vater 
mich und Sie und die ganze Welt lieben. Der 
Herr segnet uns jeden Tag, so wie er damals 
die kleinen Kinder gesegnet hat, und die 
Liebe, die er mir entgegenbringt, schenkt 
mir die Kraft, weiterzumachen, und zwar in 
der Gewißheit, daß er mich führen wird. 

Meine lieben Brüder und Schwestern, ich 
bezeuge, daß jeder die Kraft finden kann, 
die täglich an ihn gestellten Anforderungen 
zu bewältigen, wenn er gebeterfüllt im Buch 
Mormon liest und darüber nachsinnt. Ich 
weiß, daß das Buch Mormon das Wort Got- 
tes ist. Jedesmal, wenn ich darin lese, emp- 
finde ich die Bestätigung, daß es wahr ist. Im 
Namen Jesu Christi. Amen. LI 



Dankt für alles 



Eider Helio R. Camargo 

vormals Mitglied der Siebziger 



„Wir müssen sowohl für die Segnungen dankbar sein, um die wir 
gebeten haben und die wir empfangen haben, als auch für diejenigen, 
die uns zuteil werden, ohne daß wir sie derzeit richtig erfassen 
können. " 



den ist und sogar ganz auszugehen droht, 
bin ich zu der Erkenntnis gelangt, daß dieser 
Unfall in Wirklichkeit eine Segnung war, 
wodurch mein Leben in eine andere Rich- 
tung gelenkt wurde, die mich auf eine höhe- 
re Ebene des Verstehens und der Selbster- 
kenntnis geführt hat. Dafür bin ich ebenfalls 
dankbar. 

Ich bin auch dankbar, wenn ich die ver- 
gangenen Jahre und die damit verbundenen 
Ereignisse an mir vorüberziehen lasse und 
mir überlege, was der Herr mir geschenkt 
hat und daß ich auf eine noch glücklichere 
Zukunft rechnen darf - auf eine Zukunft, 
die durch die Verwandten und Freunde ver- 
schönt wird, die vor mir auf die andere Seite 
des Schleiers gegangen sind. Ich bin dank- 
bar für meine Lieben, die noch bei mir sind, 
vor allem für die außergewöhnliche Frau, 
die Gott mir hier auf der Erde und für die 
ganze Ewigkeit geschenkt hat. Ich bin auch 
dankbar für die Kinder und die Enkelkinder, 
die er in unsere Familie gesandt hat und die 
uns große Freude bereiten. Wenn ich mir all 
das vergegenwärtige, dann empfinde ich in 
erster Linie große Dankbarkeit. 

Wegen dieser und vieler anderer Segnun- 
gen, die ich gar nicht richtig in Worte kleiden 
kann, empfand ich auch als erstes Dankbar- 
keit, als man mich bat, auf dieser Konferenz 
eine Ansprache zu halten. 

Ich möchte denen danken, die die Bibel für 
zukünftige Generationen bewahrt haben, 
von den glaubenstreuen Patriarchen Israels 
an bis hin zu den engagierten Gelehrten, die 
die Lehren der Propheten ins Griechische 
übersetzt haben, das damals die Weltspra- 
che war, und uns so die Septuaginta - eine 
Version des Altes Testaments - überliefert 
haben. Später, nämlich während des Mittel- 
alters, hat es fleißige Männer gegeben, die 
unermüdlich an der Abschrift der Heiligen 
Schrift gearbeitet haben und sie vor den Bar- 
baren geschützt haben, die in Europa ein- 
drangen. Ich möchte auch den mutigen Re- 
formern des 16. Jahrhunderts meinen Dank 
aussprechen, die die Heilige Schrift in die 
Volkssprache übersetzt und es damit allen 
Kindern Gottes ermöglicht haben, sie zu 




Liebe Brüder, Schwestern und Freun- 
de, der Apostel Paulus hat die Mitglie- 
der in Thessalonich aufgefordert: 
„Dankt für alles." (1 Thessalonicher 5:18.) 
Ich möchte heute für einige der herrlichen 
Segnungen danken, die mir zuteil gewor- 
den sind. 

Ich bin sehr dankbar dafür, daß ich in ei- 
ner Christenfamilie geboren und aufge- 
wachsen bin, wo ich schon als Kind mit der 
heiligen Bibel vertraut gemacht worden bin 
und sie schätzen gelernt habe. 

Ich bin dankbar dafür, daß ich gelernt ha- 
be, ehrlich zu sein, fleißig zu arbeiten und 
sparsam zu sein, und zwar mehr durch das 
Vorbild meiner Eltern und Verwandten als 
durch das, was sie gesagt haben. 

In der längst vergangenen Zeit meiner Ju- 
gend habe ich mich entschlossen, Berufssol- 
dat zu werden. Auf der Militärakademie 
wurde ich von meinen Lehrern in Disziplin, 
Gehorsam und Engagement unterwiesen. 
Dafür bin ich ebenfalls sehr dankbar. 

Der unglückselige Unfall, der mir dann - 
ebenfalls noch in jungen Jahren - zustieß 
und meiner Laufbahn beim Militär ein Ende 
setzte, machte es mir unmöglich, mir meine 
Wunschträume zu erfüllen. Heute jedoch, 
wo mein ehemals braunes Haar weiß ge wor- 



JANUAR 1991 



74 



lesen und sich davon erbauen zu lassen. 
Ich danke dem himmlischen Vater für Jo- 
seph Smith, den demütigen und treuen Pro- 
pheten, durch den in unserer Zeit die geisti- 
gen Erlebnisse und kostbaren Lehren der 
Propheten offenbart worden sind, die hier 
in Amerika gelebt und ihr Zeugnis von Jesus 
Christus schriftlich festgehalten haben. Die- 
ses Zeugnis heißt heute das Buch Mormon, 
und es erhellt die unklaren Schriftstellen in 
der Bibel, bestätigt das Wort Gottes und 
nimmt seinen Platz im Erlösungsplan ein, 
den der Vater im Himmel geschaffen hat, da- 
mit seine Kinder glücklich sein können. 

Ich bin auch dankbar für die guten Fami- 
lien - Nachkommen der Pioniere, die diese 
Wüstentäler besiedelt haben -, die reine 
und arbeitswillige Kinder großziehen. Diese 
Kinder sind bereit, die Berufung auf Mission 
anzunehmen und ihre Familie zu verlassen, 
um in die Welt hinauszugehen und unbe- 
kannten, manchmal sogar feindlich gesinn- 
ten Menschen die kostbaren Wahrheiten des 
wiederhergestellten Evangeliums zu brin- 
gen. Vor allem bin ich für die Kinder dank- 
bar, die in meine Heimat Brasilien gesandt 
worden sind, sowie für all das, was sie für 
die Brasilianer im allgemeinen und für mei- 
ne Familie im besonderen getan haben. 

Ich danke dem allmächtigen Gott dafür, 
daß er es uns gewährt hat, in dieser Zeit auf 
die Erde zu kommen, wo es ungeheure Auf- 
gaben zu bewältigen gibt und wo die Hoff- 
nung hell strahlt, wo es großen technischen 
Fortschritt und erstaunliche wissenschaftli- 
che Errungenschaften gibt. Ich bin auch 
dankbar dafür, daß ich in einem freien Land 
geboren wurde, wo das Evangelium ohne 
Einschränkungen verkündet werden kann, 
damit alle, die es annehmen, auf ewig glück- 
lich werden. 

Ich danke auch der Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage, deren Organisa- 
tion vollkommen, deren geistige Kraft un- 
vergleichlich und deren Lehre und Aus- 
übung unanfechtbar sind. Ich bin dankbar, 
daß die Wahrheiten des Universums im wie- 
derhergestellten Evangelium auf eine Weise 
enthalten sind, daß niemand, der das Evan- 
gelium annimmt, eine Wahrheit aufgeben 
muß, die er bereits erkannt hat. Er muß auch 
keine Hoffnung und keinen erhabenen 
Grundsatz aufgeben. Ganz im Gegenteil: 
die Wahrheiten des Evangeliums lassen das 
bereits entzündete Licht nur noch heller 
strahlen - bisheriges Glück und bisherige 
Freude vervielfachen sich, und das bereits 
vorhandene Wissen wird durch inspirierte 
Weisheit ergänzt. Daher kann das wieder- 
hergestellte Evangelium Jesu Christi einen 
Menschen auf die höchste Ebene heben, die 
für den Sinn und das Herz des Menschen 
überhaupt vorstellbar ist. 

Ich bin vor allem für die Wiederherstel- 
lung des Priestertums dankbar, zu dem die- 




selben Schlüssel der Siegelungsgewalt ge- 
hören, die Jesus Christus seinen Aposteln 
verheißen hatte. Diese Schlüssel ermögli- 
chen es uns heute, uns für immer an unsere 
Familie siegeln zu lassen (siehe Matthäus 
16:19). 

Aber nicht nur die Apostel und Propheten 
in alter Zeit haben die Menschen ermahnt, 
sich ihrer Segnungen bewußt zu werden 
und dafür dankbar zu sein, sondern auch 
die Propheten, die heute mit uns im Taber- 
nakel sind, weisen immer wieder darauf 
hin. 

Denken wir noch einmal an die Ermah- 
nung des Apostels Paulus: „Dankt für al- 
les." Wir müssen sowohl für die Segnungen 
dankbar sein, um die wir gebeten haben und 
die wir empfangen haben, als auch für die- 
jenigen, die uns zuteil werden, ohne daß 
wir sie derzeit richtig erfassen können. 



Alles wird uns von Gott geschenkt, der ja 
gerecht, liebevoll und vollkommen ist, und 
daher wird alles zu unserem Besten sein, 
denn „wir wissen, daß Gott bei denen, die 
ihn lieben, alles zum Guten führt" (Römer 
8:28). 

Mögen Stolz und Anmaßung niemals von 
uns Besitz ergreifen und dazu führen, daß 
wir meinen, wenn wir einen Sieg errungen 
oder etwas erreicht haben, so sei das auf un- 
ser eigenes Verdienst zurückzuführen. Mö- 
gen wir uns vielmehr in allem der Hand Got- 
tes bewußt werden, denn in neuzeitlicher 
heiliger Schrift heißt es ja: „Und in nichts 
beleidigt der Mensch Gott, oder gegen nie- 
manden entflammt sein Grimm, ausgenom- 
men diejenigen, die nicht seine Hand in al- 
lem anerkennen und die seinen Geboten 
nicht gehorchen." (LuB 59:21.) Im Namen 
Jesu Christi. Amen. D 



DER STERN 



75 



Auf den Propheten hören 




Eider Waldo P. Call 

vormals Mitglied der Siebziger 



„Präsident Benson, der Prophet Gottes, hat uns viele wichtige 
Ratschläge gegeben. Befolgen wir sie?" 



Doch Naaman wurde zornig. Er ging weg 
und sagte: Ich dachte, er würde herauskom- 
men, vor mich hintreten, den Namen Jah- 
wes, seines Gottes, anrufen, seine Hand 
über die kranke Stelle bewegen und so den 
Aussatz heilen. 

Sind nicht . . . die Flüsse von Damaskus 
besser als alle Gewässer Israels? . . . Voll 
Zorn wandte er sich ab und ging weg . " (Vers 
10-12.) 

Sein Stolz ließ es nicht zu, daß er die Wei- 
sungen des Propheten befolgte. Er ging 
weg, noch immer aussätzig. Lag das mögli- 
cherweise an seinem Stolz? 

Seine Diener jedoch redeten ihm zu, die 
Weisungen des Propheten zu befolgen: 
„Wenn der Prophet etwas Schwereres von 
dir verlangt hätte, würdest du es tun. . . . 

So ging er also zum Jordan hinab und 
tauchte siebenmal unter, wie ihm der Got- 
tesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib 
gesund wie der Leib eines Kindes, und er 
war rein." (Vers 13,14.) 

Naaman war sehr dankbar dafür; er ging 
zum Propheten und nahm das Gold, das Sil- 
ber und die Festkleider mit. Aber der Pro- 
phet Gottes wollte natürlich für Gottes Seg- 
nungen keine Bezahlung annehmen. 

So machten sich Naaman und seine Be- 
gleiter auf den Weg nach Hause. Ein Diener 
Elischas konnte es nicht mit ansehen, wie 
die Reichtümer verschwanden; deshalb lief 
er Naaman nach. Als Naaman ihn kommen 
sah, hielt er an. Der Diener sagte, sein Herr 
habe Besuch bekommen, und bat um ein Ta- 
lent Silber und zwei Festkleider. 

Naaman gab sie ihm sehr gern und schick- 
te sogar zwei seiner Diener mit, die die Ge- 
schenke tragen sollten. Ehe sie aber an Eli- 
schas Haus kamen, nahm der Diener ihnen 
die Geschenke ab und brachte sie selbst in 
das Haus. Dann ging er zum Propheten. 

Elischa fragte ihn: „Woher kommst du?" 

„War nicht mein Geist zugegen . . .? Ist es 
denn Zeit, Geld anzunehmen? . . . 

Der Aussatz Naamans aber soll für immer 
an dir und deinen Nachkommen haften. Ge- 
hasi ging hinaus und war vom Aussatz weiß 
wie Schnee." (Vers 25-27.) 

Präsident Benson, der Prophet Gottes, hat 



Im Alten Testament, im zweiten Buch der 
Könige, wird von einem Mann namens 
Naaman erzählt. Er war „der Feldherr 
des Königs von Aram, . . . aber an Aussatz 
erkrankt" (2 Könige 5:1). 

Eine junge Israelitin, die „in den Dienst 
der Frau Naamans" gekommen war, sagte : 
„Wäre mein Herr doch bei dem Propheten in 
Samaria! Er würde seinen Aussatz heilen." 
(Vers 2,3.) 

Naaman, der nicht der Kirche angehörte, 
nahm das voll Glauben und Hoffnung an. 
Der aramäische König gab ihm einen Brief 
an den König von Israel und als Geschenke 
Gold, Silber und Festkleider mit. 

Dem König von Israel aber, der nur wenig 
Glauben besaß, gefiel die ganze Angelegen- 
heit nicht, denn er wußte, daß er Naaman 
nicht heilen konnte. Deshalb rief er aus: 
„Merkt doch und seht, daß er nur Streit mit 
mir sucht." (Vers 7.) 

Als der Gottesmann Elischa davon hörte, 
ließ er ihm sagen: „Naaman soll zu mir kom- 
men; dann wird er erfahren, daß es in Israel 
einen Propheten gibt." (Vers 8.) 

Naaman ging zum Propheten Elischa. 
„Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus 
und ließ ihm sagen: Geh und wasch dich sie- 
benmal im Jordan! Dann wird dein Leib wie- 
der gesund, und du wirst rein. 



uns viele wichtige Ratschläge gegeben. Be- 
folgen wir sie? Oder sagen wir: 

„O ja, er ist der Prophet des Herrn, aber 
ich möchte trotzdem nicht auf Mission 
gehen." 

„Ich möchte nicht heiraten." 

„Ich habe nicht die Zeit, jeden Tag im 
Buch Mormon zu lesen. Ich habe zu viel Ar- 
beit oder zu viel zu lernen." 

„Wir haben keine Zeit für das Familien- 
gebet und den Familienabend." 

„Nach dieser Veranstaltung muß ich mich 
am Sonntag ausschlafen. Deshalb kann ich 
nicht zur Kirche gehen." 

„Aber wegen meiner Arbeit (oder meines 
Studiums) kann ich nur am Sonntag einkau- 
fen gehen." 

In der Rede König Benjamins heißt es: 
„Denn der natürliche Mensch ist ein Feind 
Gottes und ist es seit dem Fall Adams gewe- 
sen und wird es für immer und immer sein, 
wenn er nicht den Einflüsterungen des Hei- 
ligen Geistes nachgibt, den natürlichen 
Menschen ablegt und durch die Sühne 
Christi, des Herrn, ein Heiliger wird und so 
wird wie ein Kind, fügsam, sanftmütig, 
demütig, geduldig, voll von Liebe und wil- 
lig, sich allem zufügen, was der Herr für richtig 
hält, ihm aufzuerlegen, ja, wie eben ein Kind sich 
seinem Vater fügt. " (Mosia 3:19; Hervor- 
hebung hinzugefügt.) 

Der Prophet Lehi hat zu seinem Sohn 
Nephi gesagt: „Nun aber siehe, deine Brü- 
der murren und sagen, was ich von ihnen 
verlange, sei schwer; aber siehe, nicht ich 
habe es von ihnen verlangt, sondern es ist 
ein Gebot des Herrn. " (1 Nephi 3:5; Hervor- 
hebung hinzugefügt.) 

Können Sie Präsident Benson sagen hö- 
ren: „Aber siehe, nicht ich habe euch aufge- 
fordert, auf Mission zu gehen und im Tem- 
pel zu heiraten, sondern es ist ein Gebot des 
Herrn!"? 

Lehi fährt fort: „Darum gehe hin, mein 
Sohn, und der Herr wird dich begünstigen, 
weil du nicht gemurrt hast. 

Und es begab sich: Ich, Nephi, sprach zu 
meinem Vater: Ich will hingehen und das 
tun, was der Herr geboten hat, denn ich 
weiß, der Herr gibt den Menschenkindern 
keine Gebote, ohne ihnen einen Weg zu be- 
reiten, wie sie das vollbringen können, was 
er ihnen geboten hat." (1 Nephi 3:6,7; Her- 
vorhebung hinzugefügt.) 

Haben wir den gleichen Glauben wie 
Nephi? 

Der Herr hat zu seinen Jüngern hier in 
Amerika gesagt : „ Und es wird sich begeben; 
Wer umkehrt und sich in meinem Namen 
taufen läßt, der wird gesättigt werden; und 
wenn er bis ans Ende ausharrt, siehe, dann will 
ich ihn vor meinem Vater als schuldlos er- 
achten an dem Tag, da ich vortrete, um die 
Welt zu richten." (3 Nephi 27:16; Hervor- 
hebung hinzugefügt.) 



JANUAR 1991 



76 



Meine lieben Brüder und Schwestern, lie- 
be Familie, habe ich deutlich machen kön- 
nen, was wir tun müssen? Wir müssen füg- 
sam sein, dürfen nicht murren und müssen bis 
ans Ende ausharren. Wenn wir das tun, wird 
der Herr uns den Weg zeigen, vorausge- 
setzt, wir hören auf seine Propheten und 
Apostel. 

Stellen Sie deren Weisungen nicht in Fra- 
ge! So einfach ist das. Damit meine ich aller- 
dings nicht, daß wir blind glauben oder 
blind gehorchen müssen. 

Es kann sein, daß man sich einen Beweis 
für eine bestimmte Lehre oder eine be- 
stimmte Aussage des Propheten wünscht. 
Halten Sie die Gebote! Beten Sie,und führen 
Sie ein rechtschaffenes Leben, dann kann 
Ihnen durch den Heiligen Geist die Gewiß- 
heit zuteil werden, daß alles wahr ist. 

Moroni hat gesagt: „Und durch die Macht 
des Heiligen Geistes könnt ihr von allem 
wissen, ob es wahr ist." (Moroni 10:5.) 

Durch den Geist können wir wissen, ob et- 
was richtig ist, wenn wir, wie Nephi, Glau- 
ben haben, gehorsam sind und die Gebote 
halten. 

Was wäre geschehen, wenn Naaman wei- 
ter an seinem Stolz festgehalten hätte? Er 
wäre weiter aussätzig geblieben. 

Kann es sein, daß wir uns ähnlich verhal- 
ten wie Elischas Diener, wenn wir nach 
Reichtümern, weltlichen Dingen und Men- 
schenweisheit suchen, anstatt auf die Pro- 
pheten zu hören? Werden wir und unsere 
Nachkommen infolge von Ungehorsam 
nicht mehr der Kirche angehören und für 
immer unrein bleiben? 

Der Herr hat den Propheten Joseph Smith 
wissen lassen: „Und der Arm des Herrn 
wird sich offenbaren; und der Tag kommt, 
da diejenigen, die die Stimme des Herrn 
nicht vernehmen wollen, auch nicht die 
Stimme seiner Knechte, und die auch den 
Worten der Propheten und Apostel keine 
Beachtung schenken, aus dem Volk ausge- 
tilgt werden sollen." (LuB 1:14.) 

Ich bezeuge, daß Gott, unser himmlischer 
Vater, lebt. Sein Sohn, Jesus Christus, lebt; 
er ist unser Erretter und Erlöser. Dies ist sei- 
ne Kirche, die er durch seine Propheten 
führt. 

Ich gebe Zeugnis, daß Präsident Ezra Taft 
Benson sein Prophet ist; daß Präsident 
Hinckley und Präsident Monson sowie die 
Zwölf Apostel würdige Propheten und 
Knechte Gottes sind. 

Ich liebe den himmlischen Vater und Jesus 
Christus. Ich liebe die Propheten, Apostel, 
Seher und Offenbarer. Ich achte sie, ich un- 
terstütze sie, und ich bete für sie. 

Ich liebe meine Familie, und ich liebe auch 
Sie, meine Brüder und Schwestern. Ich be- 
te, daß wir auf die Propheten und die Apo- 
stel hören und die Gebote Gottes halten. Im 
Namen Jesu Christi. Amen. D 




Die Pfeifen der Tabernakelorgel hinter den Mitgliedern des Chores der Jungen Damen, die in der 
Versammlung am Samstagnachmittag gesungen haben. 



DER STERN 



77 



Bündnisse 



Eider Boyd K. Packer 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



„Immer mehr Leute kämpfen heutzutage darum, geistig gefährliche 
Lebensweisen auf gesetzliche Grundlage zu stellen und sie 
gesellschaftlich akzeptabel zu machen. . . . Jedes dieser wichtigen 
Probleme hat eine sittliche und ebenso eine geistige Seite, und 
das wird allgemein übersehen. " 



oder selbst anzunehmen oder darin zu ver- 
bleiben - und zwar eine Lebensweise, die 
Ihre Bündnisse verletzt und eines Tages Ih- 
nen und denen, die Ihnen zugetan sind, 
Kummer bereiten wird. 

Immer mehr Leute kämpfen heutzutage 
darum, geistig gefährliche Lebensweisen 
auf gesetzliche Grundlage zu stellen und sie 
gesellschaftlich akzeptabel zu machen. Da- 
zu gehören die Abtreibung, die Homose- 
xualität bei Männern und Frauen und die 
Drogenabhängigkeit. Darüber debattiert 
man in manch einem Forum, in Seminaren, 
in Klassen, in Gesprächen, auf Tagungen 
und in Gerichten auf der ganzen Welt. Die 
sozialen und politischen Blickpunkte sind 
jeden Tag in den Zeitungen zu finden. 

Sittlich und geistig 




Es war ein Erlebnis, Präsident Joseph 
Fielding Smith beten zu hören. Selbst 
als er schon über neunzig war, betete 
er darum, er möge imstande sein, seine 
Bündnisse und Verpflichtungen einzuhalten 
und bis ans Ende auszuharren. Ich will heu- 
te über den Begriff Bündnis oder Bund spre- 
chen. 

Der Herr hat zu Noach gesagt: „Mir dir 
aber schließe ich meinen Bund." (Genesis 
6:18.) Zu den Nephiten sagte er: „Ihr [seid] 
Kinder des Bundes." (3 Nephi 20:26.) Und 
er bezeichnete das wiederhergestellte Evan- 
gelium als den „neuen und immerwähren- 
den Bund" (LuB 22:1). Jeder Heilige der 
Letzten Tage ist dem Bund unterstellt. Die 
Taufe ist ein Bund, ebenso das Abendmahl; 
denn dabei erneuern wir das Bündnis der 
Taufe und verpflichten uns, „immer an ihn 
zu denken und seine Gebote ... zu halten" 
(LuB 20:77). 

Drei gefährliche Lebensweisen 

Ich richte meine Worte heute an diejeni- 
gen von Ihnen, die versucht sind, eine be- 
stimmte Lebensweise entweder zu fördern 



Worauf ich hinaus will, ist einfach dies: 
Jedes dieser wichtigen Probleme hat eine 
sittliche und ebenso eine geistige Seite, und 
das wird allgemein übersehen. Die Heiligen 
der Letzten Tage sehen im sittlichen Aspekt 
eine Komponente, die nicht fehlen darf, 
wenn man sich mit diesen Themen befaßt - 
sonst sind heilige Bündnisse in Gefahr! Hal- 
te deine Bündnisse, und du befindest dich 
in Sicherheit; brich sie, und du bist in Ge- 
fahr. 

Die Gebote, die sich in der Schrift finden, 
entweder als positive Ratschläge oder als 
„Du sollst nicht", bilden den Buchstaben des 
Gesetzes. Es gibt aber auch den Geist des 
Gesetzes, und wir sind für beides rechen- 
schaftspflichtig. 

Von uns wird manchmal verlangt, wir sol- 
len aus der Schrift nachweisen, wo genau 
die Abtreibung oder die Homosexualität 
oder der Rauschgiftgebrauch verboten sind. 
„Wenn das unrecht ist", heißt es dann, „wa- 
rum spricht dann die Schrift nicht so klar 
darüber, wie es der Buchstabe des Gesetzes 
erfordert?" Diese Bereiche werden in der 
Schrift aber durchaus nicht außer acht gelas- 
sen (siehe Genesis 19:4-9; Levitikus 



18:22,29; Römer 1:24-27; 1 Korinther 6:9; 
1 Timotheus 1:9,10). In der Schrift werden 
Themen meistens positiv und nicht negativ 
behandelt, und es ist falsch anzunehmen, 
etwas, was im „Buchstaben des Gesetzes" 
nicht audrücklich verboten ist, werde ir- 
gendwie vom Herrn gutheißen. Nicht alles, 
was der Herr gutheißt, ist im einzelnen auf- 
geführt, ebenso nicht alles, was verboten ist. 
Das Wort der Weisheit beispielsweise warnt 
nicht ausdrücklich davor, Arsen zu essen - 
dazu brauchen wir doch sicher keine Offen- 
barung! 

Der Herr sagt: „Es ist nicht recht, daß ich 
in allem gebieten muß; denn wer in allem 
genötigt werden muß, der ist ein träger, 
nicht aber weiser Knecht." (LuB 58:26.) Im 
Buch Mormon sagen uns die Propheten: 
„Die Menschen sind genügend unterwie- 
sen, um Gut von Böse zu unterscheiden." 
(2 Nephi 2:5; siehe auch Helaman 14:31.) 

Das Leben ist als Prüfungszeit gemeint; 
wir sollen zeigen, ob wir die Gebote Gottes 
halten wollen (siehe Abraham3:25). Es steht 
uns frei, den Geist und den Buchstaben des 
Gesetzes entweder zu befolgen oder zu miß- 
achten. Die dem Menschen gewährte Selb- 
ständigkeit stellt ihn allerdings unter eine 
sittliche Verantwortung (siehe LuB 101:78). 
Es steht uns aber nicht frei, Bündnisse zu 
brechen und dann den Folgen zu entgehen. 

Gottes Gesetze sind dazu bestimmt, uns 
glücklich zu machen. Man kann aber nicht 
zugleich unsittlich und glücklich sein; der 
Prophet Alma sagt in ergreifender Schlicht- 
heit: „Schlecht zu sein hat noch nie glück- 
lich gemacht." (Alma 41:10.) 

Entscheidungsfreiheit 

Immer, wenn über diese verderblichen 
Lebensweisen debattiert wird, kommt das 
„Recht auf indivduelle Entscheidung" aufs 
Tapet, als ob das der alles überragende Wert 
sei. Das träfe aber nur dann zu, wenn es nur 
einen einzigen Menschen gäbe, denn die 
Rechte des einzelnen kollidieren immer mit 
den Rechten eines anderen. Die Wahrheit ist 
einfach die, daß wir ohne einander weder 
glücklich sein noch errettet und erhöht wer- 
den können. 

Toleranz 

Auch das Wort Toleranz wird angeführt, als 
hebe es alles andere auf. Toleranz mag eine 
Tugend sein, aber nicht die beherrschende. 
Es gibt einen Unterschied zwischen dem, 
was man ist, und dem, was man tut. Was je- 
mand ist, mag uneingeschränkte Toleranz 
verdienen; was einer tut, aber nur ein be- 
grenztes Maß davon. Eine Tugend, die ins 
Extrem gedrängt wird, kann sich in ein La- 
ster verwandeln. Unvernünftige Hingabe 
an ein Ideal, ohne daß man seine praktische 



JANUAR 1991 



78 



Anwendung ins Auge faßt kann das Ideal 



ruinieren. 



Abtreibung 



Nirgendwo wird das Recht auf Selbstbe- 
stimmung stärker verteidigt als gerade bei 
der Abtreibung. Hat man sich zum Handeln 
entschieden und ist dann eine Schwanger- 
schaft eingetreten, so kann man die Ent- 
scheidung nicht mehr rückgängig machen. 
Es gibt aber noch immer Möglichkeiten, und 
immer ist eine davon die beste. 

Manchmal wird das Ehebündnis gebro- 
chen, häufiger ist es gar nicht eingegangen 
worden. Sei es in der Ehe oder außerhalb - 
Abtreibung ist keine Entscheidung des ein- 
zelnen. Mindestens drei Leben sind darin 
mit einbezogen. 

In der Schrift heißt es: „Du sollst . . . nicht 
töten und auch sonst nichts Derartiges tun." 
(LuB 59:6; Hervorhebung hinzugefügt.) 

Außer wenn es sich um das böse Verbre- 
chen der Vergewaltigung oder Blutschande 
handelt oder falls nach Aussage eines befug- 
ten Arztes das Leben der Mutter auf dem 
Spiel steht oder ein arg geschädigtes Unge- 
borene die Geburt nicht überleben würde, 
ist Abtreibung ein ganz klares „Du sollst 
nicht". Selbst in diesen sehr seltenen Aus- 
nahmefällen braucht es viel ernsthaftes Be- 
ten, wenn die richtige Entscheidung getrof- 
fen werden soll. 

Wir müssen solch ernste Entscheidungen 
treffen, weil wir Kinder Gottes sind. 

Der Mensch ist nicht einfach ein höher- 
entwickeltes Tier 

Wir begreifen kaum, was wir uns aufge- 
bürdet haben, als wir zugelassen haben, daß 
unsere Kinder gelehrt bekamen, der 



Mensch sei einfach ein vom Tier aus weiter- 
entwickeltes Lebewesen. Wir haben diesen 
Fehler noch dadurch zementiert, daß wir 
versäumt haben, sittliche und geistige Werte 
zu lehren. Sittengesetze haben für die Tiere 
keine Geltung, denn diese besitzen keine 
Entscheidungsfreiheit. Wo es diese aber 
gibt, wo man die Wahl hat, müssen die Sit- 
tengesetze gelten. Wir können nicht - und 
ich sage ausdrücklich: können nicht - beides 
haben. 

Wenn unsere jungen Leute lernen, daß sie 
nur Tiere sind, denken sie, es stehe ihnen 
frei, ja, sie seien sogar gezwungen, jedem 
Drang und jeder Regung nachzugeben. Was 
jetzt in der Gesellschaft vor sich geht, darf 
uns nicht rätselhaft erscheinen. Wir haben 
den Wind gesät, und nun ernten wir den 
Sturm. Oder wie es im Sprichwort heißt: der 
Apfel fällt nicht weit vom Stamm. 

Die Homosexuellenbewegung 



In der Kirche gehen jetzt mehrere Veröf- 
fentlichungen herum, in denen homose- 
xuelles Verhalten verteidigt und befürwor- 
tet wird. Sie verdrehen die Schrift, um zu 
beweisen, daß derlei Anwandlungen ange- 
boren seien, nicht überwunden werden 
könnten und man sich nicht dagegen weh- 
ren dürfe; darum habe ein solches Verhalten 
seine eigenen sittlichen Normen. Man zitiert 
die Schrift, um widernatürliche Handlun- 
gen zwischen übereinstimmenden Erwach- 
senen zu rechtfertigen. Aus denselben 
Überlegungen könnte Blutschande gerecht- 
fertigt werden oder der sexuelle Mißbrauch 
von Kindern beiderlei Geschlechts. Weder 
der Buchstabe noch der Geist des Sittenge- 
setzes entschuldigen ein solches Verhalten. 

Ich hoffe, niemand von unseren jungen 
Leuten betrachtet diese Veröffentlichungen 



als maßgeblich dafür, was die heilige Schrift 
aussagt. Als der Apostel Paulus sich zu die- 
sem Thema äußerte, verdammte er die Be- 
treffenden: „Sie vertauschten die Wahrheit 
Gottes mit der Lüge, sie beteten das Ge- 
schöpf an und verehrten es anstelle des 
Schöpfers . " (Römer 1 : 25 . ) Im selben Zusam- 
menhang gebraucht er den Ausdruck 
haltlos. 

Einige entscheiden sich dafür, die Schrift 
kurzerhand abzulehnen und sich von ihren 
Bündnissen abzuwenden. Sie können aber 
nicht die Entscheidung treffen, den Folgen 
zu entgehen. Das können sie nicht entschei- 
den - niemand kann es. 

Wir alle sind Gefühlen und Trieben ausge- 
setzt, und einige davon sind gut, andere da- 
gegen nicht. Einige davon sind natürlich, 
andere nicht. Wir sollen sie beherrschen, 
das heißt, wir sollen sie so lenken, wie es 
dem Sittengesetz entspricht. 

Die rechtmäßige Vereinigung der Ge- 
schlechter ist ein Gesetz Gottes. Die vom 
Mann und von der Frau bei der Ehe einge- 
gangenen heiligen Bündnisse mit Gott bil- 
den den wirksamen Schutz für die Gefühle 
und Triebe, die für die Fortpflanzung des 
Menschengeschlechts und ebenso für ein 
glückliches Familienleben unersetzlich 
sind. Unerlaubtes oder widernatürliches 
Verhalten führt ausnahmslos zu Enttäu- 
schung, Leid und Unglück. 

Die örtlichen Priestertumsführer 

Wir erhalten Briefe, in denen um Hilfe ge- 
beten und die Frage gestellt wird, warum 
manche Menschen von einem Verlangen ge- 
quält werden, das zu Sucht oder Perversion 
führt. Sie suchen verzweifelt nach einer ver- 
nünftigen Erklärung, warum sie fast zwin- 
gend zu etwas hingezogen werden, ja gera- 




DER STERN 



79 



dezu für etwas bestimmt sind, was verderb- 
lich und verboten ist. 

Warum, so fragen sie, geschieht das gera- 
de mir? Das ist nicht gerecht! Sie meinen, es 
sei nicht gerecht, daß andere nicht von den 
gleichen Versuchungen heimgesucht wer- 
den. Sie schreiben, ihr Bischof habe keine 
Antwort auf das Warum, er könne ihnen 
auch ihre Sucht nicht nehmen und die Nei- 
gung nicht beseitigen. 

Manchmal hören wir, die Kirchenführer 
verständen diese Probleme einfach nicht. 
Vielleicht stimmt das. Es gibt manch ein 
Warum, für das wir einfach keine simple 
Antwort haben. Was wir aber gut verstehen, 
ist die Versuchung - jeder von uns, und aus 
persönlicher Erfahrung. Niemand ist frei 
von dieser oder jener Versuchung. Darin be- 
steht die Prüfung des Lebens, und das ist ein 
Teil unserer irdischen Bewährung. Versu- 
chung irgendwelcher Art gehört eben dazu. 

Und was wir auch wissen, ist, wohin diese 
Versuchungen führen. Wir haben beobach- 
ten können, wie sich diese Lebensweisen 
bei vielen Menschen ausgewirkt haben. Wir 
haben gesehen, wohin der Weg führt, dem 
zu folgen Sie versucht sind. Der Bischof 
kann Ihnen wahrscheinlich nicht sagen, wo- 
raus diese Gegebenheiten entstehen oder 
warum gerade Sie damit geplagt sind, und 
er kann auch die Versuchung nicht beseiti- 
gen. Aber er kann Ihnen sagen, was recht ist 
und was nicht. Wenn Sie das Richtige vom 
Falschen unterscheiden können, dann ha- 
ben Sie einen Ausgangspunkt. Und das ist 
der Punkt, an dem die individuelle Entschei- 
dung einsetzt. Das ist der Punkt, wo Um- 
kehr und Vergebung eine große geistige 
Kraft wirksam werden lassen. 

Ich glaube, die meisten Leute gleiten in ein 
Leben der Rauschgiftsucht oder der Wider- 
natürlichkeit oder unterziehen sich einer 
Abtreibung, ohne sich wirklich bewußt zu 
sein, wie gefährlich das sittlich und geistig 
ist. 

Versucher 

Wahrscheinlich das schlimmste von al- 
lem, was wir für uns selbst schaffen können, 
ist, daß wir ein Versucher werden und einen 
Unschuldigen in eine verderbliche Lebens- 
weise führen. Der Versucher verlockt die an- 
deren, sich doch von ihren „Zwängen" los- 
zumachen - die Bündnisse zu brechen, die 
sie mit Gott geschlossen haben. Er ver- 
spricht ihnen Freiheit und ein unbeschwer- 
tes Leben, ohne aber zu sagen, daß so ein 
Weg in geistiger Hinsicht lebensgefährlich 
sein kann. 

Der Versucher behauptet, solche Triebe 
ließen sich nicht ändern und man dürfe sich 
nicht dagegen wehren. Können Sie sich ir- 
gend etwas vorstellen, was uns der Wider- 
sacher noch eifriger einreden möchte? 



Der Herr warnt: „Wer einen von diesen 
Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen 
verführt, für den wäre es besser, wenn er 
mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer 
geworfen würde." (Markus 9:42.) 

Hilfsgruppen 

Es gibt verschiedene Hilfsgruppen, die 
sich bemühen, diejenigen zu stärken, die 
darum ringen, von der Sucht loszukommen 
oder andere Versuchungen zu überwinden. 
Andererseits gibt es aber auch Gruppen, die 
genau das Gegenteil tun: sie rechtfertigen 
unsittliches Verhalten und schnüren die 
Fesseln der Sucht oder der Perversion nur 
um so fester. Schließen Sie sich keiner sol- 
chen Organisation an! Wenn Sie es schon 
getan haben, ziehen Sie sich davon zurück! 

Mitgefühl und Liebe 

Nun wende ich mich voll Mitgefühl und 
Liebe an Sie, die Sie vielleicht gegen Versu- 
chungen ankämpfen, für die es keinen sittli- 
chen Ausdruck gibt. Einige widerstehen der 
Versuchung, können sich aber anscheinend 
nie davon befreien. Lassen Sie nicht nach! 
Pflegen Sie Ihre geistige Widerstandskraft, 
wenn es sein muß, Ihr ganzes Leben lang. 
Einige werden vom Gedanken an ein schon 
gebrochenes Bündnis gepeinigt und denken 
manchmal an Selbsttötung. Das wäre aber 
überhaupt keine Lösung. Sie dürfen daran 
nicht einmal denken! Allein schon die Tatsa- 
che, daß Sie so unruhig sind, läßt Sie als gei- 
stig empfindsamen Menschen erkennen, 
für den große Hoffnung besteht. 




Vielleicht fragen Sie sich, warum Gott 
Ihre Bitten scheinbar nicht erhört und die 
Versuchungen nicht von Ihnen wegnimmt. 
Wenn Sie den Evangeliumsplan richtig 
verstehen, werden Sie einsehen, daß in un- 
serer irdischen Bewährung die Entschei- 
dung uns überlassen bleiben muß. Diese Er- 
probung ist ja der Zweck des Lebens. Auch 
wenn die Sucht Ihr sittliches Gefühl eine 
Zeitlang außer Kraft gesetzt oder den Geist 
in Ihnen verlöscht haben mag - es ist nie zu 
spät. 

Vielleicht sind Sie nicht imstande, sich 
einfach durch eine Entscheidung von den 
unwerten Gefühlen zu befreien. Was Sie 
aber tun können, ist, daß Sie mit der unsittli- 
chen Verwirklichung aufhören. 

Das Leid, das Sie durchmachen, wenn Sie 
eine Lebensweise der Sucht oder der Perver- 
sion nicht beginnen oder aber aufgeben, ist 
nicht der hundertste Teil dessen, was Ihre 
Eltern, Ihr Ehepartner, Ihre Kinder erleiden 
müssen, wenn Sie nicht durchhalten. Deren 
Leid ist unverschuldet, weil sie Sie lieben. 
Einer derartigen Lebensweise zu widerste- 
hen oder zu entsagen ist eine wahrhaft 
selbstlose Tat, ein Opfer auf dem Altar des 
Gehorsams. Es wird ungeahnten geistigen 
Lohn zur Folge haben. 

Denken Sie noch an Ihre Handlungsfrei- 
heit, Ihre Entscheidungsfreiheit, die Sie in 
Anspruch nahmen, als Sie Ihre Bündnisse 
weggeworfen haben? Auf diese selbe Hand- 
lungsfreiheit können Sie nun zurückgrei- 
fen, um die große geistige Kraft der Erlö- 
sung wirksam werden zu lassen. 

Die Liebe, die wir Ihnen anbieten, ist viel- 
leicht eine schwierige Liebe, aber sie ist von 
der reinsten Art. Und wir haben noch mehr 
anzubieten als unsere Liebe . Wir können Sie 
die reinigende Kraft der Umkehr lehren. 
Wenn ein Bündnis gebrochen wird, so kann 
es - wie schwer es auch sein mag - wieder- 
hergestellt werden, und Sie können Verge- 
bung erlangen. Auch für Abtreibung? Ja, 
auch dafür! 

„Kommt her, wir wollen sehen, wer von 
uns recht hat, spricht der Herr. Wären eure 
Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen 
weiß werden wie Schnee. Wären sie rot wie 
Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle." 
(Jesaja 1:18.) 

Gott segne Sie, die Sie darum ringen, die- 
sen schrecklichen Versuchungen, die jetzt 
die Welt überschwemmen, zu widerstehen 
oder sich davon loszumachen; auch in der 
Kirche sind wir davon nicht frei. Er segne al- 
le, die Sie lieben und Sie unterstützen. Im 
Priestertum liegt viel reinigende Kraft. Das 
Evangelium ist eines der Umkehr. Er ist un- 
ser Erlöser. Von ihm gebe ich Zeugnis - von 
Jesus Christus, dem Einziggezeugten des 
Vaters, der sich selbst geopfert hat, damit 
wir rein sein können. Von ihm gebe ich 
Zeugnis im Namen Jesu Christi. Amen. D 



JANUAR 1991 



80 



,Gott sei mit euch bis aufs 
Wiedersehn" 



Präsident Thomas S. Monson 

Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 



„Wer auf den Allmächtigen vertraut und sich ohne zu zögern 
demütigt, indem er im Gebet nach Führung von Gott strebt, der 
braucht sich nicht zu fürchten. " 



gen unseres Herzens wider. Die herrliche 
Musik der verschiedenen Chöre hat die 
Worte des Herrn bestätigt: „Das Lied der 
Rechtschaffenen ist ein Gebet zu mir, und es 
wird ihnen mit einer Segnung auf ihr Haupt 
beantwortet werden." (LuB 25:12.) 

Wir bedauern aufrichtig, daß Präsident 
Ezra Taft Benson nicht hier bei uns im Taber- 
nakel sein konnte. Dennoch haben wir wäh- 
rend der ganzen Konferenz seinen Geist ge- 
spürt. Seine Liebe für den Herrn, für die 
Mitglieder der Kirche und für Gottes Kinder 
überall ist bekannt. Mit seinen vielen guten 
Taten, ist er allen, denen er wo auch immer 
begegnet ist, ein Segen gewesen. 

An einem Freitag nahmen er und Schwe- 
ster Benson wie gewöhnlich an einer Ses- 
sion im Jordan-River-Tempel teil. Dort wur- 
de Präsident Benson von einem jungen 




Mann angesprochen, der ihn voll Freude be- 
grüßte und ihm sagte, er sei auf eine Voll- 
zeitmission berufen worden. Präsident Ben- 
son nahm den eben berufenen Missionar bei 
der Hand und sagte mit einem Lächeln auf 
den Lippen: „Nehmen Sie mich mit! Neh- 
men Sie mich mit!" Dieser Missionar be- 
zeugte, daß er, in gewisser Weise, Präsident 
Benson tatsächlich mit auf Mission nahm, 
da dieser Gruß Präsident Bensons beständi- 
ge Liebe, seine Hingabe an die Missionsar- 
beit und seinen Wunsch widerspiegelte, im- 
mer im Dienst des Herrn zu stehen. 

Jetzt, da sich in Europa vieles in so rasan- 
ter Weise wandelt, erinnern wir uns, welch 
großen Dienst Präsident Benson am Ende 
des Zweiten Weltkrieges den Hungrigen 
und Heimatlosen auf jenem Kontinent er- 
wiesen hat. Heute ist eine Schwester anwe- 
send, der damals auf diese Weise geholfen 
wurde. Vor kurzem schrieb sie Präsident 
Benson: „Dies ist für mich das erste Mal, daß 
ich die Generalkonferenz in Salt Lake City 
besuche. Hoffentlich erinnern Sie sich noch 
an unsere erste Begegnung im Herbst 1946 
in Langen. Sie und ich werden niemals die 
bemerkenswerte Zeit vergessen, die dem 
Zweiten Weltkrieg folgte. Wir werden nie- 
mals vergessen, was Sie in dieser schweren 
Zeit für die Flüchtlinge getan haben. Jetzt 
sind vierundvierzig Jahre vergangen, und 
wir sind beide älter geworden. Ich wünsche 
Ihnen für den Rest Ihres Lebens Glück und 
die Segnungen des Herrn und sende Ihnen 
all meine Liebe." 

Stünde Präsident Benson nun, am Schluß 
der letzten Versammlung dieser großartigen 



Der leere Stuhl zwischen Präsident 
Hinckley und mir strahlt eine Ein- 
samkeit aus, die wir auch im Herzen 
spüren. Ich wünschte, Sie könnten Präsi- 
dent Hinckley und mich begleiten, wenn 
wir Präsident Benson in seinem Zimmer im 
Krankenhaus besuchen, wie wir es vor ein 
paar Tagen getan haben. Ich glaube, es wäre 
für alle Mitglieder der Kirche von Vorteil, 
wenn sie das friedliche und liebevolle Bild 
sehen könnten, das sich uns bot. Präsident 
Benson lag auf dem Bett. Ein edler Sohn 
hielt ihm die linke Hand, und eine wunder- 
schöne Tochter hielt ihm die rechte Hand, 
während sie ihm aus dem Buch Mormon 
vorlas. Im Hintergrund hörte man leise Mu- 
sik, eine Aufnahme des Tabernakelchors. Es 
war wie ein kleines Stück Himmel. 

Wir nähern uns dem Ende dieser Konfe- 
renz. Unser Geist wurde erbaut, unser Sinn 
inspiriert und unsere Seele erfüllt. 

Die Botschaften, die von diesem Pult aus 
an uns ergangen sind, haben uns für unsere 
Reise durch das Erdenleben Rat und Füh- 
rung gegeben. Die Gebete sind voll Demut 
gesprochen worden, und die darin ausge- 
sprochenen Bitten spiegeln die Empfindun- 




Präsident Gordon B. Hinckley, Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, rechts, begrüßt Eider Boyd 
K. Packer, links, und Eider Marvin J. Ashton vom Kollegium der Zwölf. 



DER STERN 



81 



Konferenz, hier an diesem Pult, dann würde 
er Ihnen seine Liebe zum Ausdruck bringen, 
Ermahnungen aussprechen und Ihnen sei- 
nen Segen geben. Ich möchte Ihnen mit Prä- 
sident Bensons eigenen Worten seinen Rat 
erteilen: 

„Mögen wir alle Tage unseres Lebens im 
Zeugnis Jesu tapfer sein. " (Come unto Christ, 
Seite 16.) 

„Sein Wort ist eine der wertvollsten Ga- 
ben, die er uns gegeben hat. Ich ersuche Sie 
dringend: Verpflichten Sie sich von neuem, 
die Schrift zu lesen. Vertiefen Sie sich täglich 
darin, damit Sie . . . die Kraft des Geistes bei 
sich haben. Lesen Sie sie als Familie, und 
lehren Sie Ihre Kinder, sie zu lieben und wie 
einen Schatz zu hüten." (Generalkonfe- 
renz, April 1986.) 

„Es tut gut zu wissen, daß Gott uns kennt 
und uns antwortet, wenn wir auf ihn ver- 
trauen und tun, was richtig ist. Wer auf den 
Allmächtigen vertraut und sich ohne zu zö- 



gern demütigt, indem er im Gebet nach Füh- 
rung von Gott strebt, der braucht sich nicht 
zu fürchten. Auch wenn sich Verfolgung er- 
hebt und Rückschläge kommen, so können 
wir doch im Gebet Zuversicht finden, denn 
Gott wird unserer Seele Zuversicht zuspre- 
chen. Dieser Friede, diese Gelassenheit ist 
die größte Segnung, die uns hier auf der Er- 
de zuteil werden kann." (Der Stern, Juni 
1990, Seite 6.) 

Er fährt fort: „Ich werde älter, und meine 
Kraft nimmt ab. Ich bin so dankbar für Ihre 
Gebete und für die Unterstützung durch 
meine jüngeren Mitarbeiter. Ich danke dem 
Herrn, daß er meinen Körper von Zeit zu 
Zeit erneuert, so daß ich noch immer zum 
Aufbau seines Reiches beitragen kann. . . . 
Wenn Gott es will, werde ich all meine 
verbleibenden Tage mit diesem herrlichen 
Auftrag zubringen." (Generalkonferenz, 
Oktober 1988.) 

Präsident Benson ist ein Mann voller Lie- 



be, und ich soll Ihnen seine Liebe übermit- 
teln. Er hat eine schöne Stimme und hat oft 
das bekannte Lied gesungen: 

Gott sei mit euch bis aufs Wiedersehn, 
mag durch seines Rates Leitung 
er bei seiner Hand euch halten, 
Gott sei mit euch bis aufs Wiedersehn. . . . 
Gott sei mit euch bis aufs Wiedersehn, 
wenn auch Wetterwolken stürmen, 
mög sein ewger Arm euch schirmen, 
Gott sei mit euch bis aufs Wiedersehn. 
(Gesangbuch, Nr. 179.) 

Den Mitgliedern der Kirche und Gottes 
Kindern überall sendet unser Prophet, 
Präsident Ezra Taft Benson, seine innig- 
sten Gefühle, seine Dankbarkeit für ihre 
Gebete und seine beständige Liebe. Gott 
sei mit euch, Brüder und Schwestern, bis 
aufs Wiedersehn. Im Namen Jesu Christi. 
Amen. D 







Dieser große in den Gehweg eingebettete Kompaß gibt an: „Tempelplatz, Salt Lake City. " Das Gebäude auf der rechten Seite ist das Tabernakel, von wo aus die 
Konferenz übertragen wird. Im Hintergrund steht die Assembly Hall, eines der Gebäude, in dem die vielen Konferenzbesucher Platz finden. 



JANUAR 1991 



82 



29. September 1990 
Frauenkonferenz 



Darum ist uns dies klar 
kundgetan worden 



Elaine Jack 

FHV-Präsidentin 



„Vergleichen Sie sich und andere mit dem Erretter, oder versuchen 
Sie, Ihr Leben nach dem eines anderen auszurichten?" 



Wo ist sie? Wer ist sie? Was macht sie, daß 
sie so weit über jeder anderen Frau steht? Ich 
habe sorgfältig recherchiert und diese Frau 
gefunden. Heute möchte ich Sie unserer 
Schwester vorstellen, damit wir sie sehen, 
wie sie ist. 

Der Prophet Jakob hat gesagt: „Der Geist 
spricht die Wahrheit und lügt nicht. Darum 
spricht er von etwas, wie es wirklich ist, und 
von etwas, wie es wirklich sein wird; darum 
ist uns dies klar kundgetan worden zur Er- 
rettung unserer Seele." (Jakob 4:13.) 

Liebe Schwestern, ich möchte von etwas 
sprechen, wie es wirklich ist, und von et- 
was, wie es wirklich sein wird. Dieser Ver- 
gleich mit der praktisch vollkommenen Hei- 
ligen der Letzten Tage ist für viele von uns 
etwas Selbstverständliches. Während sich 
die einen von solchen erdachten oder beste- 




henden Idealen motivieren und ermutigen 
lassen, lassen sich andere vom selben Ideal 
entmutigen - ob das nun mehrere Frauen 
sind oder jemand, von dem wir gelesen ha- 
ben oder den wir kennen. 

Wenn Frauen solche Vergleiche anstellen, 
höre ich Äußerungen wie: „Wenn sie in der 
FHV über die Eigenschaften einer guten 
Mutter sprechen, habe ich ein schlechtes 
Gewissen, weil ich manchmal meine Kinder 
anschreie." „Ich fühle mich in der Kirche 
nicht wohl, weil man Mann nicht aktiv ist." 
„Ich wollte, ich brauchte nicht zu arbeiten, 
aber ich brauche das Geld, um meine Fami- 
lie zu ernähren." 

Ich habe gehört: „Ich bin keine Mutter. Ich 
bin nicht verheiratet, und mir wird das in 
der FHV und in der Abendmahlsversamm- 
lung schmerzlich bewußt. Wenn ich nach 
Hause gehe, habe ich oft das Gefühl, sie wis- 
sen nicht so recht, was sie in der Kirche mit 
mir anfangen sollen." 

Solche und ähnliche Äußerungen rühren 
meiner Meinung nach von unrealistischen 
Vergleichen mit einem Ideal her. Da ich viele 
von Ihnen kenne, weiß ich, daß Sie gut sind, 
und kenne Ihre gottgegebenen Gaben. Ich 
kann sehen, daß diese Vergleiche Sie davon 
abhalten, Ihre innewohnenden Möglichkei- 
ten auszuschöpfen und Beziehungen zu un- 
terhalten, durch die Ihr Leben und das an- 
derer bereichert wird. Manchmal schaffen 
andere Schwestern in der FHV, die FHV 
selbst oder unsere Erwartung hinsichtlich 
unserer Aufgabe im Leben die Vorausset- 
zung für derartige falsche Vergleiche. Was 
auch immer der Grund sein mag, es ist 
falsch, Vergleiche anzustellen, außer man 



Meine lieben Schwestern, es hat 
mich tief bewegt, daß ich in den 
vergangenen sechs Monaten so 
viele Glückwünsche empfangen habe und 
daß ich spüre, daß Sie mich akzeptieren. 
Viele von Ihnen haben mich wissen lassen, 
daß Sie für unsere Präsidentschaft beten. 
Wir fühlen diese geistige Stärke und danken 
dafür - Ihnen und dem Vater im Himmel. 

Ich habe mich sehr darauf gefreut, als 
FHV-Präsidentin zu Ihnen zu sprechen und 
Ihnen die Gedanken mitzuteilen, die Sie mir 
gegenüber geäußert haben, und zwar so- 
wohl persönlich als auch in Ihren Briefen. In 
vielen Briefen kommt ein Gedanke zum 
Ausdruck: Die Schwestern vergleichen sich 
mit anderen. 

Seit dreißig Jahren möchte ich die Frau 
kennenlernen, mit denen sich die Frauen in 
der Kirche mehr vergleichen als mit irgend- 
einer anderen Frau. Sie wird oft als Super- 
frau gesehen. Die einen nennen sie das typi- 
sche FHV-Mitglied, die Frau, die fabelhaft 
Brot backt, wie ein Profi Orgel spielt und für 
ihre tadellos gekleideten Kinder die Kleider 
selbst näht. 




Die FHV -Präsidentschaft: Chieko N. Okazaki, Erste Ratgeberin, Präsidentin Elaine L. Jack und 
Aileen Haies Clyde, Zweite Ratgeberin. 



DER STERN 



83 



vergleicht mit etwas, wie es wirklich ist und 
sein wird. 

Der Prophet Jakob hat gesagt, etwas, wie 
es wirklich ist und wie es wirklich sein wird, 
sei uns klar kundgetan worden zur Erret- 
tung unserer Seele. (Siehe Jakob 4:13.) 

Schwestern, wie wird uns dies kundge- 
tan? Klar, durch die Fülle des Evangeliums 
Jesu Christi, durch das Beispiel des Lebens 
des Erretters. Nur indem wir nach seinem 
Evangelium leben, können wir das finden, 
was echt ist. Wir können unser Leben nie an 
sozialen, wirtschaftlichen, ethnischen Be- 
dingungen, am Alter, am Ehestand oder am 
körperlichen Zustand messen. Fragen Sie 
sich selbst: Vergleichen Sie sich und andere 
mit dem Erretter, oder versuchen Sie, Ihr Le- 
ben nach dem eines anderen auszurichten? 

Manchmal vergleichen wir uns unbewußt 
mit anderen. Wir sitzen in der FHV inmitten 
unserer Nachbarinnen und Freundinnen, 
die allem Anschein nach die bravsten Kin- 
der haben, den tiefgehendsten Unterricht 
halten und die tiefste geistige Gesinnung 
haben. Das kann so entmutigend sein. 

Vielleicht sagen manche von Ihnen: „Ich 
bin nur Durchschnitt. An mir und meinem 
Leben ist nichts besonders . " Dabei zeigt sich 
mir ganz klar, daß Sie außergewöhnlich 
sind, Sie, die Sie Tag für Tag im Einklang mit 
den Gesetzen des Vaters leben. 

Heute lebt in der Welt keine größere Hel- 
din als die Frau, die still ihr Teil tut. Sie lebt, 
ohne dafür Lorbeeren zu bekommen, in Ne- 
braska oder in Puerto Rico, in Ghana oder 
Kanada oder in der Tschechoslowakei. Sie 
zeigen, daß Sie den Herrn lieben, indem Sie 
Ihren Mann unterstützen, die Kinder erzie- 
hen, für die Eltern sorgen, den Nachbarn 
helfen, in der Schule mitarbeiten, im Ge- 
meinwesen aktiv sind und zu Hause und an- 
derswo die Arbeit dieser Welt verrichten. 
Niemand beeindruckt mich mehr als Sie. 

Ich habe Ihnen versprochen, Sie dem typi- 
schen FHV-Mitglied vorzustellen. 

Das Schöne daran ist, daß diese Frau wirk- 
lich existiert. 

Noch schöner daran ist, daß sie wunder- 
bar ist. 

Das Beste daran ist, daß Sie es sind. Sie 
sind es wirklich! 

2,78 Millionen von Ihnen leben in 128 Län- 
dern auf der ganzen Erde von Invercargill 
(Neuseeland) bis nach Edmonton (Kanada), 
von Chicago bis Singapur. 

8000 sind alleinstehende Vollzeitmissio- 
narinnen, 1700 sind mit ihrem Ehemann auf 
Mission. 

Sie haben 1,2 Millionen Kinder, 465000 
Mädchen und 524000 junge Männer im 
Teenager- Alter. 

In den ersten fünf Monaten 1990 sind Sie 
annähernd eine Million Mal besuchslehren 
gegangen. 

Wenn mein Herzenswunsch für Sie in Er- 



füllung ginge, dann wäre es, daß Sie sich Ih- 
res Wertes bewußt werden. Sie müssen zu- 
allererst wissen, daß Sie eine Tochter Gottes 
sind. Die Jungen Damen sagen jede Woche: 
„Wir sind Töchter des himmlischen Vaters, 
der uns liebt und den wir lieben. Wir wollen 
allzeit und in allem als Zeugen Gottes auf- 
treten." Die PV-Kinder singen: „Ich gehöre 
zur Kirche Jesu Christi. Ich weiß, wer ich 
bin, kenn' Gottes Plan. Ich glaube fest an 
ihn. " Wenn meine Enkel und ihre Eltern die- 
ses Lied voll Begeisterung gemeinsam sin- 
gen, treten mir Freudentränen in die Augen. 
Ich weiß, wer ich bin, ich kenne Gottes Plan, 
und diese Erkenntnis verleiht meinem Le- 
ben Sinn. 

Wir Schwestern in der FHV folgen dem 
Motto: „Die Liebe hört niemals auf." Dieses 
Motto bedeutet mir sehr viel. Es bedeutet, 
daß wir den himmlischen Vater lieben, und 
diese Liebe bringen wir am besten durch das 
zum Ausdruck, was wir für andere tun. 

Freuen Sie sich also, daß Sie eine Tochter 
Gottes sind, daß Sie Gottes Plan kennen 
und dem Beispiel des Erretters folgen - das 
ist real. 

Der Erretter sagte zur samaritischen Frau 
am Jakobsbrunnen: 

„Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm 
geben werde, wird niemals mehr Durst ha- 
ben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm 
gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle wer- 
den, deren Wasser ewiges Leben schenkt. 

Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir 
dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr 
habe." (Johannes 4:14,15.) 

Eine Schwester in Ghana ist die Besuchs- 
lehrerin einer Frau, die nach Wahrheit dür- 



stet, aber nicht lesen kann. Damit diese 
Schwester von den Evangeliumswahrhei- 
ten trinken kann, bemüht sich die Besuchs- 
lehrerin, möglichst oft zu ihr zu gehen. Die 
Besuchslehrerin liest ihrer Schwester die 
Schrift vor und erklärt sie ihr in ihrer Mutter- 
sprache. 

Wir haben von einer dynamischen, guten 
sechzigjährigen Frau gehört, die in der 
Tschechoslowakei wohnt. Sie ist in den vier- 
zig Jahren, in denen die Tschechoslowakei 
keine Religionsfreiheit kannte, aktiv geblie- 
ben. Die Schwester gibt das lebendige Was- 
ser des Evangeliums weiter, indem sie mit 
dem dreiundachtzigj ährigen Zweigpräsi- 
denten spazierengeht und für ihn einkaufen 
geht. Er geht an zwei Krücken, und Einkau- 
fen ist in der Tschechoslowakei nicht ein- 
fach. 

Durch ihr tägliches Dienen trinken solche 
Frauen von der Quelle, deren Wasser ewi- 
ges Leben schenkt, und teilen sie mit an- 
deren. 

Eine andere Schwester schrieb: „Ich bin 
gerne Mutter. Ich lehre meine Kinder gern 
das Evangelium. Ich bin in der FHV einmal 
eingesprungen und habe den Unterricht 
über das Schriftstudium mit der Familie ge- 
macht. Das liegt mir am Herzen, ohne das 
kann ich mir das Familienleben nicht vor- 
stellen. Nach dem Unterricht kam eine 
Schwester zu mir und sagte: ,Ich kann kaum 
glauben, was Sie alles tun. Ich habe einfach 
nicht die Geduld dazu.' Aber sie singt und 
nimmt Musikunterricht. Manchmal beneide 
ich die Leute, die gut singen oder ein Instru- 
ment spielen, denn ich liebe Musik. 

Nachdem ich mit ihr gesprochen hatte, 




Die JD-Präsidentschaft: Jayne B. Mahn, Erste Ratgeberin, Präsidentin Ardeth G. Kapp und 
Janette C. Haies, Zweite Ratgeberin. 



JANUAR 1991 

84 



war mir klar, auch wenn ich kein großes Mu- 
siktalent habe, so hat mich der Vater im 
Himmel doch mit der Liebe zur Mutterschaft 
gesegnet, denn für diese Gabe und dieses 
Talent bin ich wirklich dankbar." 

Zeigen diese drei Beispiele nicht, daß die- 
se Schwestern so dienen, wie sie es ange- 
sichts der Bedürfnisse um sie herum kön- 
nen. Und geht es im Leben nicht darum? 

Betrachten Sie doch, was Sie alles tun. Sie 
fertigen Decken für Waisenkinder an, besu- 
chen Frauen im Gefängnis. Sie wechseln 
zahllose Windeln und spenden immer wie- 
der Trost. Sie sammeln Kleidung für Erdbe- 
benopfer. Sie betreuen Kinder mit Schwie- 
rigkeiten in der Schule. In der Kirche leiten, 
lehren und beraten Sie, gehen besuchsleh- 
ren und dienen auf vielerlei Weise. Sie sind 
vielleicht FHV-Leiterin, Bibliothekarin, Leh- 
rerin der Sternenklasse oder der Evange- 
liumslehreklasse. Was Sie tun, gereicht den 
Kindern, den Jugendlichen, den Männern 
und Frauen in jeder Einheit der Kirche zum 
Segen. 

In der FHV konzentrieren wir uns in die- 
sem neuen Jahrzehnt darauf, nach dem zu 
streben, was wirklich ist und der Seele Erret- 
tung verschafft. Wir konzentrieren uns auf 
unsere Liebe und Bewunderung für Sie, un- 
sere Schwestern. Wir möchten, daß Sie ein 
Leben voll geistiger Reife und Erfüllung, frei 
von unrealistischen Vergleichen leben. Wir 
konzentrieren uns in der FHV auf die fol- 
genden fünf Punkte: 

1. Unser Zeugnis stark machen. Das be- 
deutet, daß wir Glauben und Hoffnung ha- 
ben und aufmerksame, gebeterfüllte Jünger 
des Erretters werden. 




Mitglieder der FHV-, JD- und PV-Präsidentschaft begrüßen einander. 



2. Den einzelnen Frauen zum Segen gerei- 
chen. Ich glaube an Sie. Ich freue mich, daß 
jede von Ihnen anders ist und daß wir gern 
rechtschaffen leben. Der Prophet Nephi hat 
gesagt: „Siehe, der Herr achtet alles Fleisch 
gleich; und wer rechtschaffen ist, findet 
Gunst vor Gott." (1 Nephi 17:35.) 




Die PV-Präsidentschaft: Betty ]o N. Jepsen, Erste Ratgeberin, Präsidentin Michalene P. Grassli und 
Ruth B. Wright, Zweite Ratgeberin. 



3. Nächstenliebe üben. Das Motto der 
FHV „Die Liebe hört niemals auf" ist es 
wert, daß man danach lebt. Wir stehen vor 
der Herausforderung, den wirklichen Be- 
dürfnisse der Welt um uns - Einsamkeit, 
Vernachlässigung, Analphabetentum und 
Obdachlosigkeit - besser gerecht zu 
werden. 

4. Die Familien stärken. In den so unter- 
schiedlichen Familien erweisen wir einan- 
der Liebe und Fürsorge, indem wir uns ge- 
meinsam bemühen, bessere Jünger unseres 
Erretters zu werden. Und schließlich: 

5. Als Schwestern einig sein, indem wir 
einander liebevoll am Glauben, an unseren 
Erfahrungen und an unseren Gedanken teil- 
haben lassen. 

Stark machen, zum Segen gereichen, 
üben und einig sein - das sind Worte, die 
uns dazu motivieren, unser Bestes zu 
geben. 

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, daß 
Sie alle Freude am Leben haben. Machen 
Sie Ihr Zeugnis stark, und haben Sie mit mir 
Freude daran, ein typisches FHV-Mitglied 
zu sein. 

Zeugnis, Individualität, Nächstenliebe, 
Familien, Schwesternschaft - das ist real. 
Sie auch. Sie sind überall. Ich zolle Ihnen 
meine Achtung. 

Ich bete, daß der Vater im Himmel, der 
uns liebt, uns überall auf der Welt auch wei- 
terhin segnet. Im Namen Jesu Christi. 
Amen. D 



DER STERN 



85 



Güte - ein Teil 
von Gottes Plan 



Betty Jo Jepsen 

Erste Ratgeberin in der PV-Präsidentschaft 



,, Mir gefällt das Wort , Güte', weil es ein Handeln einschließt. 
Güte ist etwas, was wir tun können. " 




Meine Freundin Marcia war in ihrer 
Kindheit aufgrund der Arbeit ihres 
Vaters mehrere Male umgezogen. 
Sie war nun zehn Jahre alt und sollte wieder 
in eine neue Schule gehen. Ihre Mutter 
konnte ihrer Tochter die Sorge vom Gesicht 
ablesen und setzte sich mit ihr zusammen, 
um zu sehen, was sie bedrückte. Marcia 
sprach darüber, daß es nicht leicht sei, mit- 
ten im Jahr eine neue Klasse zu besuchen 
und sich an den Unterrichtsstoff, die Lehrer 
und die anderen Schüler zu gewöhnen. Die 
Mutter versprach Marcia, ihr dabei zu hel- 
fen. Marcia stiegen die Tränen in die Augen. 
In aller Ehrlichkeit sagte sie ihrer Mutter: 
„Ich kann mit der Schule und den neuen 
Lehrern zurechtkommen. Aber Mutter", 
sagte sie, während ihr die Tränen über die 
sommersprossigen Wangen hinunterliefen, 
„ich mag einfach nicht allein zu Mittag 
essen." 

Marcia brauchte jemand, der ihre Sehn- 
sucht nach einer Freundin erkannte und sie 
einlud, sich zu einer Gruppe zu gesellen 
und andere kennenzulernen. Der Erretter 
hat gesagt: „Seid gütig zueinander, seid 
barmherzig, vergebt einander, weil auch 



Gott euch durch Christus vergeben hat." 
(Epheser 4:32.) 

Güte hat viele Synonyme: Liebe, Dienen, 
Nächstenliebe. Mir gefällt das Wort „Güte", 
weil es ein Handeln einschließt. Güte ist et- 
was, was wir tun können. Güte kann man 
auf sehr unterschiedliche Weise erzeigen. 
Am liebsten sind mir die Beispiele für die 
Güte Jesu. Er hat immer wieder nach den 
Müden, den Kranken, den Armen und den 
Einsamen gesucht, um ihnen Güte zu erwei- 
sen. Das Markusevangelium berichtet, wie 
mitfühlend er einem Mädchen gegenüber 
war. Ihr Vater war der Vorsteher der Syna- 
goge, in der Jesus predigte. Dem Vorsteher 
wurde mitgeteilt: „Deine Tochter ist gestor- 
ben." Jesus tröstete den Vater. „Sei ohne 
Furcht; glaube nur ! " Der Erretter eilte an das 
Bett des Mädchens und sagte: „Mädchen, 
ich sage dir, steh auf!" Sofort stand das 
Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf 
Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor 
Entsetzen. Über dieses Wunder hinaus be- 
wies er seine Anteilnahme, indem er Anwei- 
sung gab, man solle dem Mädchen etwas zu 
essen geben. 

Unser geliebter Prophet hat uns erklärt, 
was es heißt, gütig zu sein. Präsident 
Benson sagt uns: Ein gütiger Mensch ist ein- 
fühlend und rücksichtsvoll gegenüber ande- 
ren. Er nimmt Rücksicht auf ihre Gefühle, ist 
höflich im Umgang und hilfsbereit. Er ver- 
gibt anderen ihre Schwächen und Fehler. 
Und mit Güte begegnet er allen, alt und 
jung, Mensch und Tier, einfachen und 
hochgestellten Menschen. 

Ihr fragt vielleicht: „Was bedeuten das Bei- 
spiel Christi und die Worte des Propheten 
für mich?" Jesus hat uns durch sein Beispiel 
den Plan Gottes gezeigt. Der Prophet an der 
Spitze der Kirche hilft uns, daß wir lernen, 
wie wir dem Plan Gottes folgen und zu Jesus 
und zum himmlischen Vater zurückkehren 
können. Ich weiß, es kommt nicht oft vor, 
daß jemand Zeuge eines solchen von Güte 
getragenen Wunders wird, wie ich es eben 
aus der Schrift zitiert habe. Von uns wird 



nur selten erwartet, daß wir unsere Sicher- 
heit opfern wie Jesus, wenn er von seinen 
Feinden herausgefordert wurde oder wenn 
er erschöpft war. Ich glaube jedoch fest dar- 
an, daß jeder von uns auf seine Weise inner- 
halb der Familie, unter den Freunden, in der 
Schule und im Gemeinwesen Güte erwei- 
sen kann. 

Vor kurzem sprach ich mit einigen Fröhli- 
chen Mädchen über gütige Menschen, die 
sie kennen. Kate und Laura waren eng be- 
freundet. Sie nahmen auch andere in ihren 
Freundeskreis auf, und diese Gruppe von 
Mädchen plante eine Party und lud die ge- 
samte Gruppe ein - außer Kate. Als Laura 
merkte, was geschehen war, sagte sie den 
anderen, daß sie einfach nicht daran teilneh- 
men konnte, wenn Kate nicht eingeladen 
war. Dieser Ausdruck der Güte und Treue 
einer Freundin, die dem Plan Gottes folgte, 
vermied Schmerz und Leid. 

Wir werden gütig, indem wir Güte erwei- 
sen. Der Philosoph Sophokles sagte: „Güte 
bringt immer Güte hervor." Ich erinnere 
mich an einfache Mottos der Güte aus mei- 
ner Kindheit: „Ich will mich immer bemü- 
hen, auf die gütigste Weise Gütiges zu tun 
und zu sagen." Eine liebe Freundin hat mir 
einen Vers zitiert, der ihr geholfen hat, gütig 
zu handeln: „Ich habe manche Nacht über 
die Kurzsichtigkeit geweint, die mich für die 
Not anderer blind gemacht hat. Aber ich ha- 
be noch nie das geringste Bedauern darüber 
verspürt, daß ich zu gütig war." Kein Akt 
der Güte ist je verschwendet. Man kann nie 
zu früh gütig handeln. Güte im Handeln 
kann den Geber und den Empfänger im po- 
sitiven Sinne ändern. 

Derek kam mit schweren körperlichen Be- 
hinderungen zur Welt. In seinen fünf Le- 
bensjahren lernte er die Welt derer, die lau- 
fen, Verstecken spielen, Seilhüpfen oder 
keine Schmerzen haben, kaum kennen. Er 
wußte aber, wie er sich besser fühlen konn- 
te. Wenn es ihm schlecht ging, wenn er 
Schmerzen hatte und seine Mitmenschen 
erschöpft und mutlos waren, streckte er ih- 
nen die Arme entgegen und sagte: „Darf ich 
dich in den Arm nehmen?" In seiner Un- 
schuld wußte er, er konnte die anderen 
emporheben - auch wenn er Schwierigkei- 
ten ertragen mußte. 

Wir müssen Güte lernen, auch wenn wir 
der Meinung sind, wir seien zu schüchtern 
oder zu beschäftigt. Jemand wie der kleine 
Derek brauchte nicht zu planen oder sich 
Gedanken zu machen; andere, die keine na- 
türliche Neigung zur Güte haben, müssen 
größere Anstrengungen unternehmen. 

Die Sommer in meiner Jugend auf der 
Farm haben mir geholfen, die Welt der In- 
sekten und der Tiere zu schätzen. Mich hat 
der Eifer der Honigbiene immer schon faszi- 
niert. Sie ist bestrebt, Nektar zu sammeln. 
Sie ist auf jede Gelegenheit aus, ihre Zunge 



JANUAR 1991 



86 



in die bunten und die weniger farbenpräch- 
tigen Blüten zu senken. Sie läßt sich nicht 
entmutigen, wenn sie in einer Blüte keinen 
Nektar findet, sondern sucht mit Energie die 
nächste. Während sie Nektar sammelt, be- 
stäubt sie ihrerseits die Blüten und trägt da- 
zu bei, daß diese das Maß ihrer Erschaffung 
erfüllen. Schließlich kehrt sie vollbeladen 
heim, und der Nektar wird zu Honig und er- 
nährt nicht nur die Biene selbst, sondern 
auch die nächste Generation von Bienen. 
Wir wissen, daß die Honigbiene den Nektar 
ganz instinktiv sammelt. Sie kann einfach 
nicht anders! Dennoch tut sie auch viel Gu- 
tes dabei. Wir können von der Honigbiene 
lernen. Wir können unsere Art „Güte- 
instinkt" entwickeln, indem wir bewußt da- 
nach trachten, gütig zu handeln. Wäre die 
Welt nicht schön, wenn wir einen natürli- 
chen Instinkt, gütig zu handeln, hätten und 
einfach nicht anders könnten, als gütig zu 
handeln! Wir können anderen durch unsere 
Güte helfen, und unsere Taten können zu 
süßem Honig im Garten des Lebens 
werden. 

Es mag vorkommen, daß wir Entschuldi- 
gungen vorbringen, weil wir uns nicht 
wohlfühlen und nicht in der Stimmung sind 
und daher unfreundlich sind. Es ist einfach, 
zu anderen gütig zu sein, wenn alles gut 
geht. Wie gütig wir sind, zeigt sich aber erst 
dann, wenn wir müde oder enttäuscht sind 
oder leiden, weil uns Böses widerfahren ist. 
Sind wir gütig, wenn nicht alles gut geht? 

Jesus Christus hat uns ein nachahmens- 
wertes Muster vorgegeben, dem wir unser 
ganzes Leben lang folgen können. Niemand 
wird erleben, was dem körperlichen 
Schmerz und der geistigen Pein Christi auf 
dem Kreuz gleichkäme. Und dennoch ging 
er, als er so sehr litt, nicht auf den Verbre- 
cher ein, der neben ihm an Kreuz hing. Der 
andere Verbrecher wies den ersten zurecht 
und bat den Erretter, sich für ihn beim Vater 
zu verwenden. Jesus ignorierte sein eigenes 
Leiden und tröstete den Verbrecher: „Heute 
noch wirst du mit mir im Paradies sein." 
(Lukas 23:43.) Er sagte dem Verbrecher, es 
werde bald vorbei sein und er werde bald 
Linderung finden. „Es war ein Verbrecher, 
der Christus die letzten gütigen Worte sagte; 
Christus akzeptierte die Güte und vergab 
ihm die Tat." (Robert Browning, Familiär 
Quotations, Hg. John Bartlett and Emily 
Morison Beck, Seite 545.) 

Ein bewegendes Beispiel ist die Güte, die 
Christus seinen Aposteln erwies. Gegen En- 
de seines irdischen Wirkens kam Jesus mit 
den Aposteln zusammen, hielt das Abend- 
mahl und gab ihnen die letzten Anweisun- 
gen. Er nahm ein Leinentuch und begann, 
den Aposteln die Füße zu waschen und zu 
trocknen. Petrus sagte: „Niemals sollst du 
mir die Füße waschen!" (Johannes 13:8.) 
Vielleicht weigerte er sich, weil er der Mei- 



nung war, Jesus solle sich nicht erniedrigen 
und so etwas tun. Doch Jesus bestand dar- 
auf und wusch allen Aposteln die Füße, so- 
gar Judas, von dem er wußte, daß er ihn bald 
verraten sollte. Nachdem Jesus ihnen die 
Füße gewaschen hatte, sagte er ihnen: „Be- 
greift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr 
sagt zu mir Meister und Herr . . . Wenn nun 
ich, der Meister und Herr, euch die Füße ge- 
waschen habe, dann müßt auch ihr einan- 
der die Füße waschen. Ich habe euch ein Bei- 
spiel gegeben, damit auch ihr so handelt, 
wie ich an euch gehandelt habe." (Johannes 
13:4-17.) Er hat ein Gebot mit einer Verhei- 
ßung gegeben. 

Der Erretter verheißt uns ewige und be- 
dingungslose Güte. „Denn die Berge wer- 



den weichen, und die Hügel werden wan- 
ken, aber mein Wohlwollen wird nicht von 
dir weichen." (3 Nephi 22:10.) Und: „Mit 
immerwährendem Wohlwollen will ich zu 
dir barmherzig sein, spricht der Herr, dein 
Erlöser." (3 Nephi 22:8). 

Der Wahlspruch der Fröhlichen Mädchen 
lautet: „Ich will so leben, wie es der Plan 
Gottes für mich vorsieht." Der Plan Gottes 
sieht vor, daß wir gütig sind. Ich fordere 
euch auf, nach Gelegenheiten zu trachten, 
gütig zu sein. Ich verspreche euch, daß ihr 
glücklich sein werdet. Ich bete, daß wir alle 
das Verlangen entwickeln, zu uns und ande- 
ren gütig zu sein und immer dementspre- 
chend zu handeln. Im Namen Jesu Christi. 
Amen. D 




DER STERN 



87 



Durch wahre geistige 
Gesinnung können wir 
mit den „Heuschrecken 
fertig werden 



// 



Ardeth G. Kapp 

JD-Präsidentin 



„ So wie der Herr die Möwen sandte, um die Heuschrecken zu 
vernichten, so hat er auch für euch und mich Sicherheit und Schutz 
geschaffen. " 



LuB 38:30). Ihr seid die heutigen Pioniere 
und werdet den Weg in eine Wildnis bah- 
nen, die ungleich größere Forderungen an 
euch stellt, als das bei den Pionieren früher 
der Fall war. Euer Mut muß so groß sein wie 
der von Mary Goble Pay, wenn nicht sogar 
größer. In ihrem Tagebuch lesen wir: 

„Wir erreichten Salt Lake City am 11. De- 
zember 1856 um 9 Uhr abends. Drei von den 
vieren, die noch lebten, hatten Erfrierun- 
gen. Meine Mutter lag tot im Wagen. Früh 
am nächsten Morgen kam Bruder Brigham 
Young. Als er sah, daß unsere Füße erfroren 
waren und unsere Mutter tot war, liefen ihm 
die Tränen die Wangen hinunter. Der Dok- 
tor amputierte mir die Zehen, während die 
Schwestern meine Mutter für das Begräbnis 
ankleideten. Als meine Füße versorgt wa- 
ren, trugen sie uns hinein, damit wir Mutter 
zum letzten Mal sehen konnten. Am Nach- 
mittag wurde sie begraben. Ich habe oft über 
etwas nachgedacht, was meine Mutter ge- 
sagt hatte, ehe wir England verließen: ,Pol- 
ly, ich möchte nach Zion gehen, solange 
meine Kinder noch klein sind, damit sie im 
Evangelium Jesu Christi aufwachsen kön- 
nen, denn ich weiß, dies ist die wahre Kir- 
che.' " (Autobiography ofMary Goble Pay, Ar- 
chiv der Kirche.) 

Sind den Müttern heute das Evangelium 
und ihre Kinder soviel wert? Sicher. Mütter, 
es mag Ihnen einfacher erscheinen, im Wa- 
gen zu sterben, als jeden Tag wachsam zu 
sein und die Grundsätze der Rechtschaffen- 
heit zu vertreten und hochzuhalten. Es mag 
Ihnen einfacher erscheinen, für das Evange- 
lium zu sterben, um die Kinder zu retten, als 
dafür zu leben. Sie müssen aber leben, da- 
mit sie nicht geistig sterben. 

Euch Mädchen mag es einfacher erschei- 
nen, sich die Zehen amputieren zu lassen, 




Meine lieben Mädchen, ich möchte 
heute auf Eure Gefühle eingehen. 
Ich bete, daß ihr euer Herz öffnet 
und daß der Geist euch belehrt, ich möchte 
euch nämlich etwas Wichtiges sagen, das 
heute angesprochen werden muß. Ich habe 
euch lieb. Ich glaube an euch. Präsident Ben- 
son hat gesagt: „Ihr seid zu einem heiligen 
und herrlichen Zweck in unserer Zeit gebo- 
ren worden. . . . Eure Geburt zu dieser be- 
stimmten Zeit wurde vor ewigen Zeiten vor- 
herordiniert." (Ezra Taft Benson, An die 
Jungen Damen der Kirche, PX YW467A GE.) 
Dennoch machen wir uns große Sorgen um 
euer Wohlergehen. 

Es ist herrlich, heute zu leben, jung zu sein 
und einer aufregenden Zukunft entgegen- 
zusehen; es ist aber auch eine bedrohende 
und beängstigende Zeit - vor allem, wenn 
man nicht bereit ist. Wenn ihr bereit seid, 
braucht ihr euch nicht zu fürchten (siehe 



als Pioniere zu sein und vor euren Freundin- 
nen zu stehen und den Mut zu haben, an- 
ders zu sein, wenn das, was sie tun, den Ein- 
gebungen des Heiligen Geistes zuwider- 
läuft. 

Die Schriften warnen uns: „So werden al- 
le, die in der Gemeinschaft mit Christus 
Jesus ein frommes Leben führen wollen, 
verfolgt werden." (2 Timotheus 3:12.) Der 
Druck der Gesellschaft ist eine Form der Ver- 
folgung, eine der größten Prüfungen heute. 

Denkt ihr noch an die frühen Pioniere und 
wie die Heuschrecken von den Bergen aus 
über das Getreide herfielen und es vernich- 
teten? Männer, Frauen und Kinder beteten 
und bekämpften diese gefräßigen Heu- 
schrecken mit dem Mut der Verzweiflung, 
um ihre Ernte zu retten. Der Herr erhörte ihr 
aufrichtiges Beten und schickte Möwen, die 
dann die Heuschrecken fraßen. Das Getrei- 
de war gerettet. „Das war ein Wunder!" sag- 
ten sie. 

Mädchen, ihr seid das zarte Getreide von 
heute, die Hoffnung der Zukunft. Präsident 
Hinckley hat gesagt: Wenn wir ein Mädchen 
retten, dann retten wir ganze Generationen. 
Ihr seid alle so wichtig! 

Sehr, sehr ernst bitte ich euch, die Mäd- 
chen und die Mütter und Führerinnen: Ach- 
ten Sie auf die Heuschrecken von heute, die 
die zarte Frucht vernichten wollen, nicht 
nur unsere Mädchen und unsere jungen 
Männer, sondern auch viele Erwachsene. 
Der Prophet hat uns davor gewarnt, daß die 
Mächte des Bösen unter der Führung Luzi- 
f ers und daß die Mächte des Guten unter der 
Führung Jesu Christi anwachsen werden. 
Die Konfrontation nimmt an Hitze zu. Frü- 
her oder später werden wir alle, im stillen 
oder öffentlich, auf die Probe gestellt. Wir 
müssen bereit sein, unsere Ideale und unse- 
re Grundsätze zu vertreten sowie unsere 
Verpflichtung, „allzeit und in allem als Zeu- 
gen Gottes aufzutreten" (Mosia 18:9). 

Die Heuschrecken heute sind anders als 
die Heuschrecken damals. Sie sind mächti- 
ger, gefährlicher, und sie sind nicht so leicht 
zu erkennen. Ich möchte das erklären. Zu- 
erst mag alles unschuldig aussehen. Gedan- 
ken, Worte und Bilder finden auf subtile und 
raffinierte Weise Eingang in unseren Sinn. 
Zuerst sind die Gedanken da. Dann werden 
sie durch Worte zum Ausdruck gebracht. 
Niemand gebraucht vulgäre, grobe Worte, 
ohne zuerst solche Gedanken gehabt zu ha- 
ben. Könnt ihr sehen, wie schädlich solch 
ein unschuldiger Anfang ist? Wenn wir 
nicht achtgeben, dringt dieser schlechte Ein- 
fluß in unsere sicheren Stätten, in unsere Fa- 
milie, unser Herz und unseren Sinn ein. 
Durch Fernsehen, Radio, Zeitschriften, Fil- 
me, Bücher, Musik und Modeströmungen 
beginnen diese bösen Einflüsse ihr stilles 
Vernichtungswerk und mehren mit der Zeit 
ihre Kraft. 



DER STERN 



88 



Fernsehen und Videofilme stellen unsittli- 
ches Verhalten als einen erregenden und an 
nehmbaren Akt der Liebe dar. Wenn ihr 
euch dieser Täuschung hingebt, werden eu- 
re Sinne abgestumpft, bis das, was auch 
schreckte, euch gleichgültig wird und sogar 
annehmbar erscheint. Wenn die Täuschung 
dann offenbar wird, sind eure Träume zu 
Alpträumen geworden und ist eure Hoff- 
nung zunichte. 

Musik hat einen guten, machtvollen Ein- 
fluß, indem sie Gefühle hervorruft und eine 
Stimmung schafft, die unsere Gedanken 
und Taten erhebt. Gerade weil sie so ein- 
flußreich ist, wird sie vom Widersacher 
schlau eingesetzt, um Gedanken, Gefühle 
und Stimmungen zu schaffen, die euren 
Sinn verschmutzen und vergiften und euch 
zu etwas bewegen, was ihr sonst nicht in Be- 
tracht ziehen würdet. 

Ihr wollt gepflegt und attraktiv sein und 
hübsch aussehen. Ihr müßt aber vor der 
Werbung für unanständige Kleidung auf der 
Hut sein . Es beginnt oft sehr unschuldig und 
früh, daß man solche Kleidung möchte und 
dann auch trägt. Manch eine unkluge Mut- 
ter kleidet ihre kleinen Töchter so, daß da- 
durch ihr Verlangen nach der unanständi- 
gen Kleidung der Welt unbewußt entsteht, 
und wenn sie Teenager sind, ist der Ge- 
schmack gebildet und schwer zu ändern. 

Wenn der Rat unseres Propheten, nämlich 
nicht vor dem sechzehnten Lebensjahr al- 
lein mit einem Jungen auszugehen, in den 
Wind geschlagen wird, ist das gefährlich. 
Das allzu frühe Ausgehen eines Jungen und 
eines Mädchens allein bietet dem Satan eine 
Angriffsfläche und lädt den Widersacher 
ein, euch fern der Sicherheit der Gruppe in 
Versuchung zu bringen. Unsittliches Ver- 
halten, Alkohol, Drogenmißbrauch, die 
süchtigmachenden und erniedrigenden 
Auswirkungen der Pornographie, der Sa- 
tanskult sowie sonstiges sündhaftes Verhal- 
ten in der Gruppe, all das sind Instrumente, 
die der Widersacher mit viel Sorgfalt erdacht 
hat, um euch gefangenzunehmen und letz- 
ten Endes zu vernichten. Der Kampf zwi- 
schen Gut und Böse ist echt. Durch unsere 
Entscheidungen bestimmen wir jeden Tag, 
wo wir stehen, wie unsere Ideale aussehen 
und wem wir nachfolgen wollen. 

Melinda aus Idaho, eine junge Pionierin in 
unserer Zeit, hat geschrieben, wie schwer es 
ihr gefallen war, den Mut aufzubringen, 
sich von ihrem Freundeskreis zu trennen, 
als sie sich einen bekannten Film ansahen, 
der aber gegen ihre Grundsätze verstieß. 
„Einige denken vielleicht: ,Das ist ja nur ein 
Film, was soll's?' Aber die Kleinigkeiten 
werden groß. Es ist nicht leicht, aber der 
Herr hilft uns", betont sie. Als sie das Kino 
verließ, folgten ihr andere nach. Das ist Pio- 
niergeist. 

Eltern und Führerinnen, ich bin über- 



zeugt, die meisten Jugendlichen sind dafür 
empfänglich, wenn sie sehen, daß wir nicht 
schwanken oder schwach werden. Mütter, 
Ihre Lebensweise wirkt sich auf das Leben 
Ihrer Töchter aus. Achten Sie sorgsam auf 
Ihre Grundsätze und Gewohnheiten, weil 
sie Ihnen nachfolgen. Wie sollen unsere Ju- 
gendlichen wissen, wohin sie gehen sollen, 
wenn wir ihnen keine klaren Grundsätze 
vermitteln und vorleben. 

Ich glaube fest daran, daß sich Gewohn- 
heiten und sogar Traditionen, die nicht den 
Evangeliumsprinzipien entsprechen, än- 
dern lassen. Mädchen, ihr könnt euch zu- 
sammentun und als Gruppe positiven Ein- 
fluß ausüben, um fällige Änderungen zu be- 
wirken. Wenn wir einig sind, können wir 
vieles bewirken - in der Familie, in der Ge- 
meinde, im Pfahl, in der Nachbarschaft und 
in der Schule - vor allem wenn unser Ein- 
fluß durch rechtschaffene Grundsätze ge- 
nährt wird. Wenn ihr jedoch inakzeptable 
Aktivitäten durch diese Bemühungen nicht 
beeinflussen könnt, dann entscheidet euch 
dafür, nicht daran teilzunehmen. Ihr könnt 
das. Ich weiß es. 

Der Herr hat den Pioniern Möwen zur Hil- 
fe gesandt. Möwen sind für uns heute je- 
doch keine Lösung. Die geistige Gesinnung 
ist die Lösung. Wir leben in einer Welt, in 
der viele Stimmen und Einflüsse junge und 
erwachsene Menschen täuschen wollen. Ihr 
wollt wirklich wissen: „Wie kann ich Ge- 



wißheit haben? So manches, was so verfüh- 
rerisch ist, scheint anfangs so unschuldig." 

Ihr könnt es wirklich genau wissen. So wie 
der Herr die Möwen sandte, um die Heu- 
schrecken zu vernichten, so hat er auch für 
euch und mich Sicherheit und Schutz ge- 
schaffen. Die geistige Gesinnung ermög- 
licht es uns, den Geist des Herrn mit uns zu 
haben. Dann lassen wir uns nicht täuschen. 
Er verheißt uns : „ Ich will in der Wildnis euer 
Licht sein, . . . wenn ihr meine Gebote hal- 
tet." (1 Nephi 17:13.) Bedenkt immer: als 
ihr euch habt taufen lassen und als Mitglied 
der Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage bestätigt worden seid, habt ihr 
die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. 
Der Heilige Geist hilft euch, Gut und 
Böse, Recht und Unrecht zu erkennen, und 
lehrt und hilft euch, daß ihr euch sogar an 
das erinnern könnt, was ihr vor eurem irdi- 
schen Leben gelernt habt. Er stärkt euch, 
tröstet euch und schenkt euch Frieden. Da- 
bei dürft ihr aber etwas Wichtiges nicht ver- 
gessen. Um den Heiligen Geist mit euch ha- 
ben zu können, müßt ihr rein sein, und um 
rein zu sein, müßt ihr die Gebote Gottes 
halten. 

Ich möchte das etwas anders ausdrücken. 
Wenn wir die Gebote halten, sind wir rein, 
und wenn wir in Gedanken, Worten und Ta- 
ten rein sind, können wir die Eingebungen 
des Heiligen Geistes vernehmen. Als Ant- 
wort auf euer Beten spürt ihr, was richtig ist, 




Präsident Gordon B. Hinckley, Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, Mitte, wird zu 
Beginn einer Versammlung von Eider David B. Haight, Eider James E. Faust, Eider Neal A. Maxwell 
und Eider Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf begrüßt. 



DER STERN 



89 



und könnt zwischen Gut und Böse unter- 
scheiden. 

Jede richtige Entscheidung kann eine Ver- 
suchung überwinden. Wenn wir uns gegen 
die Gesetze und Grundsätze, die Gott uns 
zu unserem Schutz gegeben hat, auflehnen, 
ist es, als ob wir die Möwen töteten, um die 
Heuschrecken zu beschützen. 

Die Grundsätze der Kirche sind uns zu 
unserem Schutz und für unser geistiges 
Wachstum gegeben. Wenn die Pioniere eine 
Tagesreise hinter sich gebracht hatten, über- 
prüften sie jeden Abend ihre Wagen auf fäl- 
lige Reparaturen. Sie beteten gemeinsam 
um Hilfe und Schutz und ermittelten an- 
hand ihrer Instrumente die zurückgelegte 
Entfernung und die eingeschlagene Pach- 
tung, um zu sehen, ob sie noch auf dem 
rechten Weg waren. Wir tun gut daran, heu- 
te das gleiche zu tun. Ein guter Maßstab für 
jede wichtige Entscheidung besteht darin, 
daß ihr euch fragt, ob diese Entscheidung 
euch ermöglicht, heilige Bündnisse einzuge- 
hen und zu halten und euch darauf vorzube- 
reiten, daß ihr die heiligen Handlungen des 
Tempels empfangen und halten könnt. 

Wollt ihr heute abend und in der kommen- 
den Zeit ernsthaft darüber nachdenken, was 
es heißt, heute ein Pionier zu sein? Sprecht 
darüber mit euren Geschwistern und Freun- 
den. Entscheidet euch fest, daß ihr euch 
vom Heiligen Geist dahingehend leiten las- 
sen wollt, was ihr tun und was ihr lassen 
wollt. Besprecht das, was ihr getan habt, 
abends gebeterfüllt mit dem Vater im Him- 
mel und bittet ihn um Kraft, daß ihr recht- 
schaffen leben könnt, um die Eingebungen 
des Heiligen Geistes, der euch führt, zu hö- 
ren und zu fühlen. Betet um Vergebung in 
den Bereichen, in denen ihr versagt habt, 
und bittet um die Kraft, besser zu handeln. 
Wenn ihr das tut, erhört der Vater im Him- 
mel euer Beten, und ihr verspürt vermehrte 
Kraft und könnt viel Gutes bewirken - als 
wahre Pioniere! 

Ich ermuntere euch: Erarbeitet euch die 
Erfahrungen, die im Buch „Mein Fort- 
schritt" genannt sind. Sie sollen euch nicht 
bloß beschäftigen, sondern euch geistig auf- 
bauen. Das sind keine Aufgaben, um eure 
Geduld oder euren Gehorsam auf die Probe 
zu stellen, sondern Erfahrungen, die euch 
helfen, eure geistige Gesinnung zu stärken. 
Betet in euren Versammlungen füreinander 
und miteinander. Das Gebet hat große 
Macht. Mädchen, wir fordern euch auf: 
Macht eure geistige Gesinnung stark, indem 
ihr rechtschaffen lebt. Haltet eure Grundsät- 
ze hoch, damit andere euch folgen können. 
Ihr seid die Hoffnung von morgen, die 
Hoffnung Israels. „Stehe auf, geh mit Gott 
den Lebenslauf. Vorwärts, bis das Licht 
erscheint und wir all mit Gott vereint." 
Gott segne euch! Im Namen Jesu Christi. 
Amen. □ 



Der Leuchtturm des Herrn 



Präsident Thomas S. Monson 

Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 



„Der Leuchtturm des Herrn schickt seine Signale aus, leicht zu 
erkennen und verläßlich. " 



Sie sind alle Schwestern und Töchter des 
himmlischen Vaters. Mit demütigem und 
gebeterfülltem Herzen stehe ich vor Ihnen. 

Mir haben immer die folgenden Worte von 
Präsident David O. McKay gefallen: „Die 
Frau wurde aus dem Mann genommen - 
nicht aus seinen Füßen, daß sie mit Füßen 
getreten werde, sondern aus seiner Seite, 
um ihm gleich zu sein, unter seinem Arm, 
um beschützt zu werden, nahe seinem Her- 
zen, um geliebt zu werden." 

Aber der Gedanke, der mein Herz immer 
rührt, ist der einfache und weise Rat: „Die 
Männer müssen darauf achten, daß sie die 
Frauen nicht zum Weinen bringen, denn 
Gott zählt ihre Tränen." 

Wissen wir, die wir heute hier sind, wer 
wir sind und was Gott von uns erwartet? 
Denken Sie daran: Wenn wir eine Macht an- 
erkennen, die höher ist als unsere, so ernie- 
drigt uns das nicht; es erhöht uns vielmehr. 
Wenn wir nur erkennen, daß wir als Abbild 
Gottes geschaffen wurden, fällt es uns nicht 
schwer, uns ihm zu nahen, denn „Gott 
schuf . . . den Menschen als sein Abbild, als 
Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und 
Frau schuf er sie" (Genesis 1:27). Diese Er- 
kenntnis, die man durch Glauben erwirbt, 
verschafft innere Ruhe und großen Frieden. 

Vor gerade zwanzig Jahren haben viele 
von euch die Reise durch die Sterblichkeit 
noch gar nicht angetreten. Ihr wart im Him- 
mel zu Hause. Wir kennen relativ wenige 
Einzelheiten über unsere Existenz dort - 
nur, daß wir bei denen waren, die uns lieb- 
ten und um unser ewiges Wohlergehen be- 
sorgt waren. Dann kam die Zeit, in der das 
Erdenleben für unseren Fortschritt nötig 
war. Zweifellos wurden wir zum Abschied 
gegrüßt, wurde uns Vertrauen bekundet, 
und die Sterblichkeit begann. 

Welch wunderbarer Empfang uns bereitet 
wurde! Liebevoll hießen uns unsere Eltern 
in unserem irdischen Zuhause willkommen. 
Mit zärtlicher Liebe und Sorgfalt gingen sie 
auf jede unserer Launen ein. Jemand nannte 
ein Neugeborenes „eine zarte junge Blüte 
der Menschheit, die frisch aus Gottes Zu- 
hause auf die Erde gefallen ist". 

Diese ersten Jahre waren wertvolle, be- 
sondere Jahre. Der Satan hatte keine Macht, 




Meine lieben Schwestern, der Geist, 
der in dieser Versammlung in die- 
sem historischen Tabernakel und 
in Hunderten von Versammlungshäusern 
und Pfahlzentren in vielen Teilen der Welt 
herrscht, spiegelt Ihre Kraft, Ihr Engage- 
ment und Ihre Güte wider. Um mit den 
Worten des Herrn zu sprechen: „ Ihr seid das 
Salz der Erde. ... Ihr seid das Licht der 
Welt. ... So soll euer Licht vor den Men- 
schen leuchten, damit sie eure guten Werke 
sehen und euren Vater im Himmel preisen. " 
(Matthäus 5:13,14,16.) 

Einige von euch werden bald die PV ver- 
lassen und die aufregenden und schwieri- 
gen Jahre als Junge Damen der Kirche Jesu 
Christi der Heiligen der Letzten Tage begin- 
nen. Andere hier, von denen viele eure Leh- 
rerinnen sind, sind noch nicht verheiratet. 
Da sind auch Mütter, Großmütter, ja sogar 
Urgroßmütter, die manchmal mit einer ver- 
stohlenen Träne an den Sommer ihrer Ju- 
gend denken und sich die Worte Longfel- 
lows durch den Kopf gehen lassen. 

Wie schön die Jugend ist, wie hell sie scheint, 
Mit Träumen, Wünschen, die man kennt 
Ein Buch mit Anfängen, 
Geschichte ohne Ende. 
Eine Heldin jedes Mädchen, 
und jeder Mann ein Freund. 



JANUAR 1991 



90 



uns zu versuchen. Wir waren noch nicht 
verantwortlich, sondern schuldlos vor Gott. 
Es waren Lehrjahre. 

Bald erreichten wir die Periode, die so 
mancher die „schrecklichen Jahre" genannt 
hat, die ich aber lieber die „ herrlichen Jahre " 
nenne. Eine Zeit voller Gelegenheiten, eine 
Periode des Wachstums, eine Zeit der Ent- 
wicklung, die durch den Erwerb von Wissen 
und die Suche nach Wahrheit gekennzeich- 
net ist. 

Niemand hat diese Jahre je als einfach be- 
zeichnet. Ja, sie werden immer schwieriger. 
Die Welt hat sich anscheinend vom sicheren 
Liegeplatz gelöst und ist aus dem Hafen des 
Friedens getrieben. 

Freizügigkeit, Unsittlichkeit, Pornogra- 
phie und die Macht des gesellschaftlichen 
Drucks stoßen viele auf dem Meer der Sün- 
de hin und her und werfen sie an die schrof- 
fen Riffs der verpaßten Gelegenheiten, der 
verspielten Segnungen und der zerbroche- 
nen Träume. 

Angsterfüllt fragt ihr euch: „Gibt es einen 
Weg zur Sicherheit? Kann mich jemand füh- 
ren? Gibt es einen Ausweg aus der drohen- 
den Zerstörung?" Die Antwort ist ein lautes 
Ja! Ich gebe euch den Rat: Blickt zum Leucht- 
turm des Herrn. Der Nebel kann noch so 
dicht sein, die Nacht noch so finster, der 
Sturm noch so stark, der Seemann noch so 
verirrt, das Licht bringt Rettung. Es durch- 
dringt die Stürme des Lebens. Es ruft: 



„Hier ist der Weg zur Sicherheit, der Weg 
nach Hause." 

Der Leuchtturm des Herrn schickt seine 
Signale aus, leicht zu erkennen und verläß- 
lich. Ich habe heute abend eine Zusammen- 
fassung von Sicherheitssignalen vor euch. 
Diese Worte der Warnung, diese Grundsät- 
ze der Sicherheit sind in einer Broschüre zu- 
sammengefaßt, die bald erhältlich sein wird 
und den Titel trägt „Für eine starke Jugend". 

Ich möchte euch die Einleitung zu der Bro- 
schüre vorlesen, die von der Ersten Präsi- 
dentschaft herausgegeben worden ist: 

„Liebe Junge Männer, liebe Junge Damen, 

wir möchten, daß ihr wißt, daß wir euch 
liebhaben. Wir setzen großes Vertrauen in 
euch. . . . 

Wir wünschen euch alles Rechte und Gute 
auf der Welt. ... Ihr seid erwählte Geister; 
ihr wurdet zurückbehalten, um zu dieser 
Zeit hervorzukommen, wo die Versuchun- 
gen, die Aufgaben und die Möglichkeiten 
am größten sind. 

Ihr befindet euch in einer schwierigen 
Phase des Lebens. Es geht nicht nur dar- 
um, rechtschaffen zu leben, sondern auch 
darum, euren Altersgenossen Vorbild zu 
sein. . . . 

Gott liebt euch. . . . Es ist sein Wunsch, . . . 
daß ihr rein und unbefleckt zu ihm zurück- 
kehrt, nachdem ihr euch einer Ewigkeit der 
Freude in seiner Gegenwart für würdig er- 
wiesen habt. . . . 




Mitglieder der Siebziger, vorn: Eider Francis M. Gibbons und Eider George R. Hill III. 
Dahinter: Eider Jacob de Jager, Präsident des Gebietes Südamerika Süd, mit seinem Zweiten Ratgeber, 
Eider Eduardo Ayala; Eider Kenneth Johnson und Eider Ted E. Brewerton, Präsident der neuen 
Präsidentschaft für das Gebiet Zentralamerika. 



Wir raten euch: Entscheidet euch dafür, 
ein sittlich reines Leben zu führen. . . . 

Man kann nicht schlecht handeln und sich 
gut fühlen. Das ist unmöglich! Wenn ihr den 
momentanen Wunsch nach Vergnügen be- 
friedigt, können viele glückliche Jahre verlo- 
rengehen. . . . 

Ihr vermeidet die Last der Schuld und der 
Sünde und alles damit einhergehende Her- 
zeleid, . . . wenn ihr euch an die Grundsätze 
haltet, die in der heiligen Schrift und in die- 
ser Broschüre beschrieben sind. . . . 

Wir beten darum, daß ihr - die junge, her- 
anwachsende Generation - Körper und 
Geist rein und von der Verschmutzung 
durch die Welt frei haltet, damit ihr geeigne- 
te und reine Gefäße seid und Aufgaben im 
Reich Gottes übernehmt, um das Zweite 
Kommen des Erretters vorzubereiten." 
(Einleitung zu der Broschüre „Für eine starke 
Jugend" .) 

Ich möchte Ihnen, den Frauen der Kirche, 
die Grundsätze vortragen, auf die in der 
Einleitung, die ich gerade vorgelesen habe, 
Bezug genommen wird. Es handelt sich um 
zwölf Punkte, an die sich eine Zusammen- 
fassung anschließt. Ich will auf jeden 
Grundsatz kurz eingehen. 

1. Mit einem Jungen bzw. 
Mädchen ausgehen 

Fangt an, euch auf die Tempelehe vorzu- 
bereiten. Angemessene Freundschaften ge- 
hören zur Vorbereitung auf die Tempelehe. 
Falls ihr in einem Kulturkreis lebt, in dem es 
üblich ist, daß Jungen und Mädchen mitein- 
ander ausgehen, so wartet damit, bis ihr we- 
nigstens sechzehn Jahre alt seid. Man muß 
als Jugendlicher nicht unbedingt einen fe- 
sten Freund bzw. eine Freundin haben, und 
manche wollen es auch gar nicht. Sorgt da- 
für, daß eure Eltern den Jungen bzw. das 
Mädchen kennenlernen, mit dem ihr ausge- 
hen wollt. 

Geht nur mit jemandem aus, der hohe 
Grundsätze hat. Schließlich gehört dies mit 
zur Vorbereitung auf die Ehe. 

2. Kleidung und äußere 
Erscheinung 

Die Diener Gottes haben seinen Kindern 
schon immer geraten, sich anständig zu klei- 
den und so ihm und sich selbst Achtung zu 
erweisen. 

Wie ihr euch kleidet, sagt etwas über euch 
aus und hat oft Einfluß darauf, wie ihr selbst 
handelt oder wie andere handeln. 

Kleidet euch darum so, daß es euch und 
eurer Umgebung zum Besten gereicht. Tragt 
keine eng anliegende Kleidung, und verfallt 
bei Kleidung und äußerer Erscheinung nicht 
in ein Extrem. Wenn ihr versucht seid, etwas 
anzuziehen, was sich nicht schickt, dann 
denkt an die alte Regel: „Im Zweifelsfalle 
nie!" 



DER STERN 



91 



3. Freundschaften 

Jeder braucht gute Freunde. Euer Freun- 
deskreis hat großen Einfluß auf euer Den- 
ken und Verhalten, ebenso wie ihr das Den- 
ken und Verhalten eurer Freunde beein- 
flußt. Behandelt jeden Menschen freundlich 
und mit Würde. Viele Nichtmitglieder ha- 
ben sich deshalb der Kirche angeschlossen, 
weil sie Freunde hatten, die sie in Veranstal- 
tungen der Kirche einbezogen haben. Ich 
möchte gern etwas erzählen, was unserer 
Familie sehr viel bedeutet und was schon 
1959 begonnen hat, als ich berufen war, über 
die Mission Kanada in Toronto zu präsi- 
dieren. 

Unsere Tochter Ann wurde kurz nach un- 
serer Ankunft in Kanada fünf Jahre alt. Sie 
sah die Missionare bei der Arbeit und wollte 
auch Missionarin sein. Meine Frau bewies 
ihr Verständnis dafür, indem sie Ann ein 
paar Exemplare der Kinderzeitschrift der 
Kirche zur Schule mitnehmen ließ. Das 
reichte Ann aber noch nicht. Sie wollte das 
Buch Mormon mitnehmen und erzählte ih- 
rer Lehrerin, Miss Pepper, von der Kirche. 
Vor ein paar Jahren, lange nach unserer 
Rückkehr von Toronto, kamen wir aus dem 
Urlaub nach Hause, und da lag in unserem 
Briefkasten ein Brief von Miss Pepper, in 
dem stand: 

„Liebe Ann, 

denk einmal viele Jahre zurück. Ich war in 
Toronto Deine Lehrerin. Die Kinderzeit- 
schrift, die du zur Schule mitgebracht hast, 
hat mich beeindruckt. Und es hat mich auch 
beeindruckt, wie sehr Dir das Buch mit dem 
Titel ,Das Buch Mormon' am Herzen lag. 

Ich habe mir damals fest vorgenommen, 
nach Salt Lake City zu fahren und mir anzu- 
schauen, warum du so geredet hast und 
warum du so geglaubt hast. Heute habe ich 
euer Informationszentrum auf dem Tempel- 
platz besucht. Dank einem fünfjährigen 
Mädchen, das wußte, woran es glaubte, 
habe ich die Kirche Jesu Christi der Heiligen 
der Letzten Tage jetzt besser kennen- 
gelernt." 

Miss Pepper starb kurz nach dem Besuch. 
Unsere Tochter Ann war sehr glücklich, als 
sie in den Jordan-River-Tempel ging und 
dort für ihre liebe Lehrerin, mit der sie sich 
Jahre zuvor angefreundet hatte, die Tempel- 
arbeit verrichtete. 

4. Ehrlichkeit 

„Ehrlich währt am längsten." Das Sprich- 
wort ist auch heute noch gültig. Eine junge 
Heilige der Letzten Tage lebt, wie sie lehrt 
und wie sie glaubt. Sie ist ihren Mitmen- 
schen gegenüber ehrlich. Sie ist sich selbst 
gegenüber ehrlich. Sie ist Gott gegenüber 
ehrlich. Sie ist aus Gewohnheit immer ehr- 
lich. Wenn es eine schwierige Entscheidung 
zu treffen gilt, fragt sie sich nie: „Was wohl 
die anderen davon halten?", sondern viel- 





1, : : 



Links das frühere Hotel Utah, das jetzt für die Verwaltung der Kirche umgebaut wird, in der Mitte das 
Tabernakel und das Bürogebäude der Kirche, wie sie sich im ruhigen Wasser des Springbrunnens auf dem 
Platz vordem Bürogebäude widerspiegeln. 



mehr: „Was werde ich von mir selbst hal- 
ten?" Habt den Mut, das zu tun, von dem ihr 
wißt, daß es richtig ist. 

5. Sprache 

Wie ihr sprecht und welche Worte ihr 
wählt, sagt viel darüber aus, wie ihr von an- 
deren gesehen werden wollt. Wählt eure 
Sprache so, daß die Menschen in eurer Um- 
gebung erbaut und erhoben werden. Flu- 
chen, vulgäre oder grobe Redeweise und 
unpassende oder zweideutige Witze belei- 
digen den Herrn. Mißbraucht nie den Na- 
men Gottes oder Jesu Christi. Der Herr hat 
gesagt: „Du sollst den Namen des Herrn, 



deines Gottes, nicht mißbrauchen." (Exo- 
dus 20:7.) Gebt in eurem Freundeskreis und 
anderswo ein gutes Beispiel, indem ihr eure 
Gedanken in reiner Sprache zum Ausdruck 
bringt. 

6. Medien: Kino, Fernsehen, Radio, 
Videokassetten, Bücher und Zeitschriften 

Der himmlische Vater hat uns geraten, 
nach allem zu trachten, was tugendhaft oder 
liebenswert ist, was guten Klang hat oder lo- 
benswert ist (siehe den 13. Glaubensartikel). 
Was immer ihr lest, anhört oder anschaut, 
hinterläßt einen Eindruck bei euch. 

Meidet auch nur den Anschein von Porno- 



JANUAR 1991 



92 




graphie. Pornographie ist gefährlich und 
suchterregend. Wenn man fortgesetzt Por- 
nographie anschaut, stumpft der Geist ab, 
und die Stimme des Gewissens wird immer 
leiser. 

Falls etwas sich nicht mit den Grundsät- 
zen des himmlischen Vaters verträgt, so 
habt keine Angst, das Kino zu verlassen, das 
Gerät abzuschalten oder den Sender zu 
wechseln. Kurz gesagt, wenn ihr nicht si- 
cher seid, ob ein bestimmter Film, ein Buch 
oder eine andere Form der Unterhaltung 
schicklich ist, dann schaut nicht hin, lest es 
nicht, nehmt nicht daran teil. 

Vor kurzem ist in der Zeitung ein Kom- 



mentar erschienen, in dem sich der Komiker 
Steve Allen zu einem der größeren Proble- 
me unserer Zeit äußert: 

„Steve Allen findet den Trend im Fernse- 
hen hin zu derberer Sprache und erwachse- 
nenbezogenen Themen überhaupt nicht lu- 
stig. Der altgediente Komiker hat sich in ei- 
nem Artikel in der Los Angeles Times heftig 
gegen die gegenwärtigen Trends im Fernse- 
hen ausgesprochen. 

, Diese Strömung schwemmt uns alle di- 
rekt in die Gosse', schreibt er. , Solche Spra- 
che, wie Eltern sie ihren Kindern verbieten, 
wird jetzt nicht nur von den Kabelstationen 
gefördert, bei denen sowieso alles geht, son- 



dern auch von den Sendern, die sonst eher 
anspruchsvoll waren', sagt Allen. Sendun- 
gen, in denen Kinder und Erwachsene vul- 
gäre Ausdrücke gebrauchten, wiesen nur 
auf den Zusammenbruch der amerikani- 
schen Familie hin, wie er meinte." 

7. Geistige und körperliche Gesundheit 

Der Apostel Paulus hat gesagt: „Wißt ihr 
nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der 
Geist Gottes in euch wohnt? . . . Gottes Tem- 
pel ist heilig, und der seid ihr." (1 Korinther 
3:16,17.) Gewöhnt euch an, vernünftig zu 
essen, und beachtet die oft verlockende 
Werbung, die Schlanksein als höchstes Ziel 
propagiert, nicht. Harte Drogen, Mißbrauch 
von rezeptpflichtigen Medikamenten, Alko- 
hol, Kaffee, Tee und Tabakprodukte unter- 
graben das Wohlbefinden von Körper, Ver- 
stand und Geist. Tabak kann euch verskla- 
ven, eure Lunge schwächen und euer Leben 
verkürzen. 

Ein Beispiel dafür, wie sehr Tabak einen 
Menschen versklaven kann, findet sich in ei- 
nem Brief an Ann Landers, die in einer Zei- 
tung Ratschläge zu allen möglichen Fragen 
des Lebens erteilt: 

„Liebe Ann Landers, 

vor einem Jahr hatte unser Sohn Earl 
Atembeschwerden, und wir sind mit ihm 
zum Arzt gegangen. Dort haben wir erfah- 
ren, daß Earl allergisch ist gegen Zigaretten- 
rauch. Mein Mann meinte, wir müßten bei- 
de ab sofort mit dem Rauchen aufhören. Er 
hat seitdem auch keine Zigarette mehr ange- 
rührt, aber ich habe noch am gleichen 
Abend wieder geraucht. 

Mein Mann weiß nicht, daß ich rauche. 
Ich muß heimlich im Keller rauchen, und 
das macht mich furchtbar nervös. Meinen 
Sie, es wäre in Ordnung, wenn wir Earl von 
einem netten Ehepaar adoptieren ließen, ei- 
nem netten Ehepaar, das nicht raucht? Das 
einzige Problem besteht darin, daß mein 
Mann ganz verrückt ist nach dem Jungen. 
Ich liebe ihn auch, aber ich bin eher prak- 
tisch veranlagt. Was meinen Sie, Ann? 

Gezeichnet Mrs. E. R. M. 

Liebe Mrs. E. R. M., 

ich glaube, viele Leute, die diesen Brief le- 
sen, werden sagen, ich hätte ihn erfunden. 
Es ist unvorstellbar, daß einer Mutter Ziga- 
retten wichtiger sind als ihr Kind. Erzählen 
Sie bloß nicht Ihrem Mann von Ihrer ver- 
rückten Idee. Ich könnte durchaus verste- 
hen, wenn er den kleinen Earl behielte und 
Ihnen den Laufpaß gäbe." 

8. Musik und Tanz 

Musik kann euch helfen, euch dem himm- 
lischen Vater zu nahen. Sie kann bilden, er- 
bauen, anregen und einigen. Musik kann 
aber auch durch Tempo, Lautstärke und 
Text eure geistige Empfindsamkeit trüben. 
Ihr könnt es euch nicht leisten, euren Sinn 



DER STERN 



93 



mit schlechter Musik vollzustopfen. Tanzen 
kann Spaß machen und eine Gelegenheit 
schaffen, neue Leute kennenzulernen und 
Freundschaften zu vertiefen. Plant Tanz- 
veranstaltungen und nehmt an solchen Ver- 
anstaltungen teil, wo Kleidung, äußere Er- 
scheinung, Beleuchtung, Tänze, Texte und 
Musik zu einer Atmosphäre beitragen, in 
der der Geist des Herrn zugegen sein kann. 

9. Sexuelle Reinheit 

Weil die Sexualität so heilig ist, verlangt 
der Herr Selbstbeherrschung und Reinheit 
vor der Ehe und völlige Treue in der Ehe. 
Wenn ihr mit jemandem ausgeht, behandelt 
ihn bzw. sie mit Respekt, und verlangt auch 
von ihm bzw. ihr, euch mit Respekt zu be- 
handeln. 

Präsident David O. McKay hat gesagt: 
„Ich bitte euch inständig, haltet eure Gedan- 
ken rein. " Dazu hat er dann folgendes Wich- 
tige gesagt: „Jeder Tat geht der Gedanke 
voraus. Wenn wir unser Tun im Griff haben 
wollen, müssen wir unsere Gedanken im 
Griff haben." Schwestern, hegen Sie gute 
Gedanken, dann handeln Sie auch richtig. 

Wenn die Versuchung lockt, dann denkt 
an die folgenden weisen Worte des Apostels 
Paulus: „Noch ist keine Versuchung über 
euch gekommen, die den Menschen über- 
fordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, 
daß ihr über eure Kraft hinaus versucht wer- 
det. Er wird euch in der Versuchung einen 
Ausweg schaffen, so daß ihr sie bestehen 
könnt." (1 Korinther 10:13.) 

10. Verhalten am Sonntag 

Der Herr hat den Sabbat zu eurem Nutzen 
gegeben und euch geboten, ihn heiligzuhal- 
ten. Viele Aktivitäten sind am Sonntag an- 
gebracht; er ist jedoch kein Feiertag, son- 
dern ein heiliger Tag. 

11. Geistige Hilfe 

Als ihr als Mitglied der Kirche bestätigt 
wurdet, habt ihr das Recht empfangen, daß 
der Heilige Geist euch begleitet. Er kann 
euch helfen, die richtigen Entscheidungen 
zu treffen. Wenn ihr in Bedrängnis oder in 
Versuchung seid, braucht ihr euch nicht al- 
lein zu fühlen. Der Heilige Geist hilft euch, 
Recht von Unrecht zu unterscheiden. 
„Denn diejenigen, die weise sind . . . [ha- 
ben] sich den Heiligen Geist als Führer ge- 
nommen." (LuB 45:57.) 

Seid euren Idealen treu, denn Ideale sind 
wie Sterne; man kann sie nicht mit den Hän- 
den berühren, sondern erreicht sein Ziel, in- 
dem man ihnen folgt. Denkt daran, daß Be- 
ten geistige Kraft mit sich bringt. 

12. Umkehr 

Wenn jemand vom Weg abgekommen ist, 
kann er doch zurückfinden, indem er um- 
kehrt. Der Herr ist gestorben, um uns diese 



Segnung zu ermöglichen. Der Weg ist zwar 
schwer, aber uns gilt die Verheißung: „Wä- 
ren eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie 
sollen weiß werden wie Schnee." (Jesaja 
1:18.) 

Setzt das ewige Leben nicht aufs Spiel. 
Haltet die Gebote Gottes. Und falls ihr ge- 
sündigt habt: je eher ihr umkehrt, desto eher 
findet ihr den innigen Frieden, der mit dem 
Wunder Vergebung einhergeht. 

Dies sind also die Grundsätze aus der Bro- 
schüre Für eine starke Jugend. Ihr werdet froh 
und glücklich, wenn ihr so lebt, wie der Herr 
es möchte, und wenn ihr Gott und euren 
Mitmenschen dient. 

Unser geliebter Präsident Ezra Taft Ben- 
son läßt euch seine Liebe übermitteln. Er ist 
euer Fürsprecher für alles, was gut, rein und 
gesund ist. Er liebt euch. Er vertraut euch. 
Wie könnt ihr ihm diese Liebe und dieses 
Vertrauen wiedergeben? 

Ihr habt ein Erbe: Ehrt es. 

Ihr werdet mit Sünde konfrontiert: 

Meidet sie. 

Ihr habt die Wahrheit: Lebt danach. 

Ihr habt ein Zeugnis: Teilt es mit. 

Geistige Kraft ergibt sich oft aus selbstlo- 
sem Dienen. Ein wahres Erlebnis einiger 
Mädchen, ihrer Lehrerin und einer Witwe 
macht dies deutlich. 

Zu Beginn der Weihnachtszeit arrangierte 
eine Lehrerin von Lorbeermädchen einen 
Besuch, um einer einsamen Witwe, Jane, 
Freude zu schenken. Die Mädchen bereite- 
ten eifrig leckere Kekse und besondere Erfri- 
schungen vor - sogar einen geschmückten 
Weihnachtsbaum. Sie vergaßen auch nicht 
ein schönes Ansteckbukett, das, wie sie 
wußten, der Frau, die sie besuchen wollten, 
Freude bereiten würde. 

Mit den Päckchen unter dem Arm stiegen 
die Mädchen und ihre Lehrerin die nie en- 
denwollende Treppe zu Janes Wohnung 
hinauf. Es dauerte lang, bis Jane es mit ihren 
alten Beinen zur Tür schaffte. Sie öffnete die 
Tür und begrüßte jedes Mädchen und hieß 
sie in ihrer bescheidenen Wohnung will- 
kommen. Ihr Lächeln spiegelte ihr gütiges 
Herz wieder, als sie den Weihnachtsbaum 
aufstellten und den Schmuck aufhängten, 
den sie so behutsam getragen hatten. Dann 
legten sie die verpackten Geschenke unter 
die Zweige. Ich war dabei. Ich hatte nie ei- 
nen schöneren Baum gesehen, denn kein 
Baum war je mit soviel Liebe, christlicher 
Fürsorge und Anteilnahme geschmückt 
worden. Die Lehrerin huschte in die Küche 
und bereitete mit Hilfe von drei Mädchen 
die Erfrischungen vor. Dann genossen alle 
das kleine Festessen. 

Dann scharte die Witwe ihre Gäste um 
sich und erzählte ihnen aus ihrem Leben. 
Sie erzählte, wie sie als Mädchen im fernen 



Schottland die Missionare empfangen und 
die Wahrheit angenommen hatte, die sie 
lehrten - und sogar Hohn und Spott ertra- 
gen mußte, den die Mitgliedschaft in dem 
damals unbeliebten Glauben hervorrief. 
Sie erzählte, wie sie den ganzen Sonntag 
damit zugebracht hatte, zur Kirche zu gehen 
und die Versammlungen ihres neugefunde- 
nen Glaubens zu besuchen. Unbewußt 
dachten die Mädchen daran, wie leicht es 
für sie war, jeden Sonntag zur Kirche zu 
kommen. 

Als Jane ihnen von der Überfahrt nach 
Amerika erzählte und den tosenden Atlan- 
tik und das warme Gefühl schilderte, das sie 
beim Anblick der Freiheitsstatue verspürt 
hatte, bemerkte ich, daß die Mädchen sicht- 
bar gerührt waren. Tränen standen ihnen in 
den Augen, und im Herzen legten sie ein 
Versprechen ab, nämlich das zu tun, was 
recht ist, ehrenhaft zu sein, dem Glauben 
und den Grundsätzen treu zu bleiben. 

Am Ende des Abends umarmten und küß- 
ten sie einander; die Mädchen verließen lei- 
se die Wohnung und gingen die Treppe zur 
Straße hinunter. Sie ließen eine Mutter zu- 
rück, voll der Güte der Welt, deren Liebe 
wieder entflammt und deren Glaube wieder 
gestärkt war. Ich bin sicher, das war einer 
der glücklichsten Tage in ihrem Leben. An 
dem Abend legte sie das Ansteckbukett zärt- 
lich und sorgfältig in sicheren Gewahrsam. 
Es war ein Symbol geworden für alles, was 
rein und gut ist. 

Draußen schneite es, und die Mädchen 
konnten ihre Schritte auf dem schneebe- 
deckten Bürgersteig knirschen hören. Es fiel 
ihnen nicht leicht zu sprechen, dann fragte 
ein Lorbeermädchen: „Warum fühle ich 
mich heute besser als je zuvor?" Die ande- 
ren nickten zustimmend. Ich antwortete: 
„Denkt an die Worte des Meisters: ,Was ihr 
für einen meiner geringsten Brüder getan 
habt, das habt ihr mir getan.'" (Matthäus 
25:40) Die Worte eines bekannten Weih- 
nachtsliedes schienen angebracht. Da heißt 
es: 

Ganz leise, lieblich, stille gab 

die Gabe wundersam 

der Herr ins fromme Menschenherz, 

dann als das Kindlein kam. 

Erkennt den Herrn auch niemand 

in dieser sündgen Welt, 

dort, wo die Menschen ihn empfangen, 

kommt dann Christ, der Held. 

Christus war wahrhaftig gekommen - in 
ein bescheidenes Zuhause, ins Herz einer 
Witwe, in die Seele der Mädchen, um dort 
immer zu bleiben. Der Leuchtturm des 
Herrn hatte den Weg gezeigt. 

Daß dieser selbe Geist, ja, der Geist 
Christi, immer unser sein mag, darum bete 
ich im Namen Jesu Christi. Amen. D 



JANUAR 1991 



94 



Bericht für Kinder von der Herbst-Generalkonferenz 1990 



Sie haben zu uns gesprochen 



Präsident Gordon B. Hinckley, Erster 
Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft: Ich 

bezeuge, daß (der Erretter) wirklich lebt. Ich 
bezeuge, daß Gott, unser ewiger Vater, 
wirklich lebt. Ich bezeuge, daß das Evange- 
lium Jesu Christi in dieser Evangeliumszeit 
der Fülle wiederhergestellt worden ist. Ich 
bezeuge, daß das Buch Mormon das Wort 
Gottes ist; und wenn die Leute uns den Na- 
men des Buches gegeben haben, so machen 
sie uns ein Kompliment, wenn wir dieses 
Namens würdig leben. 

Präsident Thomas S. Monson, Zweiter 
Ratgeberin der Ersten Präsidentschaft: Wie 
ihr sprecht und welche Worte ihr wählt, sagt 
viel darüber aus, wie ihr von anderen gese- 
hen werden wollt. Wählt eure Sprache so, 
daß die Menschen in eurer Umgebung er- 
baut und erhoben werden. Fluchen, vulgäre 
oder grobe Redeweise und unpassende oder 
zweideutige Witze beleidigen den Herrn. 
Mißbraucht nie den Namen Gottes oder Jesu 
Christi. Der Herr hat gesagt: „Du sollst den 
Namen des Herrn, deines Gottes, nicht miß- 
brauchen." (Exodus 20:7.) 

Eider Boyd K. Packer vom Kollegium der 
Zwölf Apostel: Gottes Gesetze sind dazu 
bestimmt, uns glücklich zu machen. Man 
kann aber nicht zugleich unsittlich und 
glücklich sein; der Prophet Alma sagt in er- 
greifender Schlichtheit: „Schlecht zu sein 
hat noch nie glücklich gemacht." (Alma 
41:10.) 

Eider Marvin J. Ashton vom Kollegium 
der Zwölf Apostel: Die Liebe Gottes ist be- 
ständig und vermindert sich nicht, aber er 
kann uns nicht vor den schmerzlichen Re- 
sultaten der falschen Entscheidungen be- 
wahren. 

Eider L. Tom Perry vom Kollegium der 
Zwölf Apostel: Es genügt nicht, sich ehr- 
fürchtig zu verhalten. Wir müssen in unse- 
rem Herzen Ehrfurcht vor dem himmlischen 
Vater und unserem Herrn, Jesus Christus, 
empfinden. (Es ist) etwas, was wir im Her- 
zen empfinden, egal, was um uns herum ge- 
schieht. Wir selbst sind dafür verantwort- 
lich. Wir können nicht andere beschuldigen, 
daß wir uns in unserer ehrfürchtigen Ein- 
stellung haben stören lassen. 

Eider Joseph B. Wirthlin vom Kollegium 
der Zwölf Apostel: Tägliches Beten kann 
uns helfen, auf dem Weg zum ewigen Leben 
zu bleiben. Wir gehen nicht so leicht in die 



Irre, wenn wir wenigstens jeden Morgen 
und jeden Abend demütig und ernsthaft be- 
ten und dabei danken und um göttliche Füh- 
rung bitten. 

Eider Hartman Rectorjun. von den Sieb- 
zigern: Nach der Taufe empfängt man den 
Heiligen Geist, der eine ganz besondere Ga- 
be Gottes ist und dessen Wert sich nicht in 
Worte fassen läßt. Der Heilige Geist gibt 
Zeugnis vom Vater und vom Sohn, führt 
uns in alle Wahrheit, steht uns bei und 
schenkt uns das ganze Leben hindurch in- 
neren Frieden. 

Eider LeGrand R. Curtis von den Siebzi- 
gern: In der idealen Familie ist der Sonntag 
der fröhlichste Tag der Woche. Wir freuen 
uns darauf, weil wir an diesem Tag gemein- 
sam zur Kirche gehen und dann nach Hause 
zurückkehren und über das sprechen, was 
wir in den Versammlungen gelernt haben. 



Eider Robert K. Dellenbach von den 
Siebzigern: Wenn Sie nicht sicher sind, ob 
Sie ein Zeugnis vom Buch Mormon haben, 
lesen Sie es doch, und beten Sie darüber. 
Warum gerade das Buch Mormon? Weil die- 
se heilige Schrift Zeugnis gibt und einen be- 
kehren kann. 

Eider Helvecio Martins von den Siebzi- 
gern: Das (Zeugnis) ist eine besondere Ga- 
be, die der himmliche Vater durch den Heili- 
gen Geist all denen zukommen läßt, die 
nach der Wahrheit suchen. (Siehe Moroni 
10:4,5.) Es ist ein weiser Schritt, ein Zeugnis 
von der Wahrheit zu erlangen und zu festi- 
gen, denn es hilft uns nicht nur, die Heraus- 
forderungen des Tages zu bewältigen, son- 
dern es öffnet uns auch die Augen, den Ver- 
stand und das Herz für all das Große und 
Wunderbare, das unser himmlischer Vater 
geschaffen hat, damit wir wachsen und ewi- 
ges Glück erlangen können. 

Schwester Ruth B. Wright, Zweite Ratge- 
berin in der P\ -Präsidentschaft: Ich spüre, 
wie sehr Jesus Christus und der himmlische 
Vater mich und Sie und die ganze Welt lie- 
ben. Der Herr segnet uns jeden Tag, so wie 
er damals die kleinen Kinder gesegnet hat, 
und die Liebe, die er mir entgegenbringt, 
schenkt mir die Kraft, weiterzumachen, und 
zwar in der Gewißheit, daß er mich führen 
wird. D 




Schwester Ruth B. Wright, Zweite Ratgeberin in der PV-Präsidentschaft, die in der Versammlung am 
Sonntagnachmittag sprach, begrüßt eine junge Konferenzbesucherin. 



DER STERN 



95 



Stichwortverzeichnis 
für 1990 



Aaronisches Priestertum 

An das Aaronische Priestertum - kehrt 
ehrenvoll zurück. Robert D. Haies, Mai 

Abendmahl 

Das Abendmahl - und das Opfer. 
David B. Haight, Januar 

Auferstehung 

Die Auferstehung. F. Melvin Hammond, 
Juli 

Bekehrung 

Bruderliebe. Don L. Searle, Mai 

Ich habe einen Propheten gefunden. 

Ann Nicodemus Christensen, August 

Ich tat, als ob ich schlief. 

Lilly Swanigan, Juni 

Verfolgung. Darina Reynolds, Februar 

Buch Mormon 

Das Buch in meinem Schrank. 

Clifford E. Coleman, Juni 

Es ist ein Segen für mich. 

Merrill Bradshaw, Februar 

Die Bibliothek des Herrn. 

Boyd K. Packer, Juli 

Danke für das Buch Mormon. 

Randi Spurling, Juni 

Eintausend Exemplare des Buches 

Mormon. Thomas M. Hadley, Juni 

„Wir fügen unser Zeugnis hinzu." 

verschiedene Generalautoritäten, Dezember 

Dankbarkeit 

Dankbarkeit - ein Prinzip, das zur 
Errettung führt. James E. Faust, Juli 
Prahlt nicht mit Glauben und mächti- 
gen Werken. Marvin J. Ashton, Juli 
Gedenken und Dankbarkeit. 
Henry B. Eyring, Januar 

Demut 

Das Auge nur auf die Herrlichkeit Got- 
tes gerichtet. Marlin K. Jensen, Januar 

Drogen 

Bitte, gebt nicht nach! August 

Drogen, eine Geißel. 

Gordon B. Hinckley, Januar 

Wenn ein Jugendlicher Alkohol trinkt 

oder Drogen nimmt. Sue Bergin, August 

Ehe 

Ungerechte Herrschaft in der Ehe. 
H. Burke Peterson, Juni 
Wenn ein Ehepaar einander nicht mehr 
zuhört. Larry K. Langlois, Oktober 

Entscheidungsfreiheit 

Entscheidet euch heute . . . 

Hans B. Ringger, Juli 

Der goldene Faden der Entscheidung. 

Howard W. Hunter, Januar 



Die Menschen im Herzen bereit- 
machen. H. Burke Peterson, Juli 

Kleines und Einfaches. 

M. Russell Ballard, Juli 
Erlösungsplan 

Lehren eines liebenden Vaters. 

HoracioA. Tenorio, Juli 
Erretter 

Jesus Christus ein Freund sein. 

Robert E. Wells, April 

Sei nicht ungläubig. 

Gordon B. Hinckley, April 

Christus in den Mittelpunkt unseres 

Unterrichts stellen. C. Richard Chidester, 

September 

Jesus Christus - unser Eerretter und 

Erlöser. Ezra Taft Benson, Dezember 
Familie 

Selig die Barmherzigen. 

Gordon B. Hinckley, Juli 

Familientraditionen. L. Tom Perry, Juli 

Auf den Erretter blicken. 

Jahn Sonnenberg, Januar 

Wenn wir zusammen sind. Laura Misek, 

Oktober 

Wer ist ein wahrer Freund? 

Malcolm S. Jeppsen, Juli 
Frieden 

Frieden in der Welt. Dallin H. Oaks, Juli 
Führer sein 

Führer sein - was die Schrift dazu sagt. 

Spencer J. Condie, Juli 

Du kannst etwas bewirken. 

Janet Thomas, Februar 
Gebet 

Ich merkte, daß ich sang. 

Betty Jan Murphy, März 

Lernen, die Antwort auf ein Gebet 

wahrzunehmen. Richard G. Scott, 

Januar 

Bitte segne Kathy. Trina Hazlewood, 

September 

Die Macht des Betens. /. Thomas Fyans, 

Februar 

Unsere geistige Uhr aufziehen. 

Dean L. Larsen, Januar 
Genealogie 

Großmutters Lebensgeschichte. 

Douglas T Erekson, März 

Eine Geburtstagsfeier. Janene Hansen, 

Juni 

Ich soll eine Biographie verfassen? 

Jeanette Germain, April 

Tempeltag für unsere Vorfahren - drei- 
mal ein Erfolg. Richard Tice, September 



Dreihundert Pergamentrollen. 

Mariona Washburn, November 
Glaube 

Macht es richtig. Joseph B. Wirthlin, 

November 

Bewahre den Glauben. F. Arthur Kay, 

Januar 

Ein Leben lang lernen. Victor L. Brown, 

Januar 

Mistolar - eine geistige Oase. 

Ted E. Brewerton, September 

Unser Kartoffelgebet. Edward C. John, 

August 

Die Tigerhöhle. Gong Ton Nu Tuong-Vy, 

August 

Darauf können Sie sich verlassen. 

Maren Eccles Hardy, September 

Wir sind sehr gesegnet. Benigno Pantoja, 

Mai 
Heiliger Geist 

Lauterkeit. Joseph B. Wirthlin, Juli 

Eine Stimme im Nebel. Terry J. Moyer, 

Dezember 
Heimlehren 

Bruder Higgins war inspiriert. 

Laverdjohn, Februar 
Jesus Christus 

Jesus Christus - unser Erretter und 

Erlöser. Ezra Taft Benson, Dezember 

Der Lämmer sommer. Jayne B. Malan, 

Januar 
Keuschheit 

Keuschheit - Quelle wahrer Männlich- 
keit. Robert L. Backman, Januar 
Kommunizieren 

Wie man mit Eltern reden kann. 

Chris Crowe, Februar 

Wenn ein Ehepaar einander nicht mehr 

zuhört. Larry K. Langlois, Oktober 
Liebe 

Die größte Freude. Clinton L. Cutler, 

Juli 

Er erwies ihnen seine Liebe bis zur 

Vollendung. Jeffrey R. Holland, Januar 

Ein kleines Kind wird sie führen. 

Thomas S. Monson, Juli 

Liebe. W. Eugene Hansen, Januar 

Der Hüter meines Bruders. 

Thomas S. Monson, Juli 
Missionsarbeit 

Man muß nur fragen. Nestor Coronet, 

August 

Sie war anders. Ricardo Battista, Juni 

Pflicht, Lohn, Gefahr. 

M. Russell Ballard, Januar 



JANUAR 1991 



96 






Für die Völker ein Zeichen. 

Gordon B. Hinckley, Januar 

Die ganze Erde füllen. David B. Haight, 

Juli 

Anfangen. Richard Daniels, Mai 

Wie werde ich auf Mission berufen? Mai 

Ehepaare auf Mission. M. Russell 

Ballard, Mai 

Von größtem Wert. Ezra Taft Benson, 

Februar 
Nächstenliebe 

Ein alter Freund. Richard W. Kartak, 

Oktober 

Fenster. Thomas S. Monson, Januar 
Offenbarung 

Alles, was der Vater hat. 

Thomas S. Monson, Mai 

Fortdauernde Offenbarung. 

James E. Faust, Januar 

Offenbarung in einer Welt des 

Wandels. Boyd K. Packer, Januar 
Primarvereinigung 

Nur ein einziges Kind. 

Karen A. Anderson, Februar 
Priestertum 

Alles, was der Vater hat. 

Thomas S. Monson, Mai 
Sittlichkeit 

Der Kampf gegen die Pornographie. 

R. Gary Shapiro, Juni 

Auf der Suche nach Freiheit und 

Frieden. Gordon B. Hinckley, September 
Tempel 

Den Tempel heilig halten. 

Gordon B. Hinckley, Juli 
Umkehr 

Den Weg zurück finden. 

Richard G. Scott, Juli 

Die dunklen Wolken der Verzweiflung 

auflösen. John B, Fish, März 

Eine mächtige Wandlung im Herzen. 

Ezra Taft Benson, März 
Unglück 

Als erstes die Familie. 

Rex D. Pinegar, Juli 

Mit Unglück fertig werden. 

Carlos H. Amado, Januar 

Friedliche Nachfolger Christi. 

L. Tom Perry, Januar 
Vorsorge für die Familie 

Wie viele Brote habt ihr? 

Jack M. Lyon, November 
Zeugnis 

Die nächsten fünfzehn Minuten. 

Robert L. Simpson, Juni 




Genauso wie Petrus und Andreas 
damals bereitwillig der Berufung 
des Meisters folgten, so können 
auch wir heute der Führung und Leitung 
seiner erwählten Diener folgen. Der Herr 
hat gesagt, was auch immer sie bewegt 
vom Heiligen Geist sagen, „soll das Wort 
des Herrn sein, soll die Stimme des Herrn 
und die Kraft Gottes zur Errettung sein" . 
(LuB 68:4.) 



PBMA9101 GE 

9T981 150 
GERMAN 



S