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Full text of "Deutsche bauzeitung; die Bauzeitung vereinigt mit baukunst und werkform"

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https://archive.org/details/deutschebauzeitu1884verb 


DEUTSCHE 


BAUZEITUNG. 


VEBKÜNDIGUNGSBLATT DES 

VERBANDES DEUTSCHER ARCHITEKTEN- UND INGENIEUR - 

VEREINE. 


REDAKTEURE K. E. O. FRITSCH UND F. W. BÜSIKG. 


ACHTZEHNTER JAHRGANG. 

1884 . 


BERLIN. 

KOMMISSIONS-VERLAG VON ERNST TOECHE. 














(Die mit * bezeiclinete 


Inhalts-Verzeichniss. 

n Artikel sind illustrirt, die mit „(V.-M.)“ bezeichneten Notizen (resp. die eingeklammerten 
Zahlen) sind unter der Rubrik „Vereins-Mittheilungen“ zu suchen.) 




I. Allgemeine Angelegenheiten des Baufaches. 


539 

588 

588 


Baurecht, Bauverwaltungsrecht, Bau- u. Gewerbe-Polizei 

Fürsorge des Staates für die Baudenkmale des Landes . . 7 

Begriff des „Gebäu es“ bezw. des „Bauwerks . • • 544. 58 

Recht auf Luft und Licht . • • • .. r o 9 

Unterirdische Thonrohrleitung als Bauwerk ••••••?"„ 

Prüfung des Arbeitsmaterials durch den Bauunternelnnei . . 

Ersitzung von Mauerrissen und Löchern. 

Bau auf fremdem Boden.. • •. • ■. * \ ' 

Erwerb des Fensterrechts durch 30jährig. Besitz seitens des 
Grimdeigenthümers nach französischem Recht . . • • 

Fensterrecht. — Verbauen der Fenster usw. . . 468. 532. 588 

Unstatthafter Eingriff in das Nachbarrecht durch gewerbliche ^ 

De/behördliche Zwang zur Wiederbebauung von Bausteilen 616 
Dürfen Stadtgemeinden erworbene Rechte auf Zwangsenteig- 

nung an Erwerbsgesellschaften für Forderung ihrer Zwecke ^ 

abtreten? •••••. .p.09 

Bau über die Fluchtlinie hinaus. AOO 


Seite 


Berücksichtigung der Bauplatz-Eigenschaft eines Grundstücks 


468 

539 


Baustellen.436 


241. 322 
109 519 
. . 292 


bei dessen Enteignung 
Zur Beachtung beim Erwerb von 

Wiedereinführung der Stempel-Verpflichtung für Bauverträge 

Verbesserungen im Submissionswesen (A .-AI.) .... 
Beschwerden über das Submissionswesen ... • • 

Konferenz zur Revision der Submissions - Bedingungen^ m ^ 

Prpufsen .*.. 

Ein bemerkenswerter Streitfall, betr. die Auslegung eines ^ 

Entwurf TifNormativ - Bestimmungen für 261 

Techniker und Auftraggeber 200. 218. 230. 2M 

Haftung des Architekten für Ueberschreitung des Baukosten- 
Anschlages 

Zur Handhabung der Baupolizei in Berlin 120. 157. 220. 289 
Baupolizeiliche Bestimmung über Anlage von Geiustcn . 
tiaL Sb,-ar«Pn-Ra.nnolizei-Orduung für Frankfurt a. 


M 


588 

288 

360 

552 

372 

530 

539 

468 

468 

588 


544 

28 

628 

340 


181 


127 


180 


41 


Erlass einer Strafsen-Baupolizei-Ordnung 
Aus dem Baustatut der Stadt Ofen-Pest 
Kamin in einer Scheidemauer .... 

Herstellung von Wänden als Brandmauern (ohne Oeftnungen 
Herstellung von Abtritten ■ • ■ ■ ■ • • 

Ordnungswidriger Zustand einer offenen Halle 
Schadenersatz aus der Belästigung durch Zufuhren von Rauch 
und Dampf in die Fabriksgebäude durch deren Fenster . 
Polizeiliche Erleichterungen bei Aufstellung von Kleinmotoren 
Uebergang der Dampfkessel-Revisionen in Preulsen an beson- 

dere .. 

Neues Gewerbegesetz in Ungarn.. 

Bauverwaltung und Persönliche Verhältnisse der 
Baubeamten und Bautechniker. 

Vorkehrungen zur Sicherstellung fiskalischer Bauten gegen ^ 

hm dem S Reichshaus'haits-Etat für 1885/86 . . . ■ • - 587 

Aus den Verhandlungen des preufs Abgeordnetenhauses 50. 7b. co 
den Verhandlungen des bayr. Landtages über den Eisen- ^ 

Teclm'Attaches bei'diplomat. Vertretungen im Auslande 124. 160 
BeSnSahe der Berichte der technischen Attache’!; bei den ^ 
Gesandtschaften in Washington u. Paris • • 

Zur amtlichen Stellung der Baubeamten m Preufsen . . 61. JA 

7ur Ausbildung der preufsischen Staatsbaubeamten . . . 

Zur Stellung der technischen Hilfsarbeiter he, Regierungen 

hei der ireik 

UeberoahmeAou'Regiernngs-Baumeistern in die preufs. Staats- 

bauverwaltung . .. 


Tagegelder u. Reisekosten der bei der preufs. Staats-Eisen¬ 
bahn - Verwaltg. beschäftigten Reg. - Bmstr. und Leg.- 

Maschinenmeister. ;•••.•• W.,.'... ' 

Zur Frage der Fortgewährung von Diäten an die zu Militai- 
übungen einberufenen diätarisch beschäftigten Hilfsarbeiter 

der preufs. Bauverwaltung. 

Zur Heranziehung von Bauunternehmern zur Anfertigung von 
Bauentwürfen und Kostenanschlägen für die Staatsbau¬ 
verwaltung .‘ ‘ ‘ n L ' 

Ministerial-Erlass gegen unverständige Anbringung von Glas- 
malereien in Kirchen . . • • • • • ■ ' 

Zur Stellung der höheren technischen Beamten in der pieuis. 

Staatseisenbahn-Verwaltung • ■ • • • ■ . • • ’ ‘ ' 

Titulaturen der höheren preufsischen Staatseisenbahn- Be- 

... 56. /o. I/O. Zz-i 

amten. * * 119 l S6 

Titelwesen der Baubeamten m Baden . . • • • ■ iöü 

Neuerungen in der Verwaltung der Oberbau-Materialien der 

preufs. Staatsbahnen. .. 

Neu kreirte Eisenbahn-Behörden . . • • • • • • • * 

Zur Lage der technischen Subaltern-Beamten bei den pieuis. ^ 

Staats-Eisenbahnen.• • • ; ‘WI ' 

Eingabe der etatsmäfs. Eisenbahn-Zeichner der kgl. Eis 

bahn-Direktion zu Frankfurt a./M. 

— Desgl. derjenigen zu Breslau ■ • • • .. 

Zur Stellung der württembergischen Bahnmeister . 

Die Techniker bei den sächsischen Staatsbahnen . 

Zur Stellung der Kommunal-Baubeamten in Sachsen 
Privat-Bauthätigkeit städtischer Baubeamten . . • • • • 

Neubesetzung der Stelle eines Stadtrathes u. Stadtkammerers ^ 

Abän£ng S der r preufs. Vorschriften über die Ausbildung und 

Prüfung für den Staatsdienst im Bau- und Maschinenfach 194 
Ergebnis der preufs. Bmstr.- u. Bauführer - Prüfungen^ ^ 

Prämien-Ertheilung an preufs. Reg.-Bmstr und Bauführer . 348 
Staatsprüfungen und Titel-Verleihung in Württemberg . • 58 

Prüfungen für den Eisenbahndienst in Württemberg 3(4. 420 
Denkschrift des Verbandes: Wie kann der Ueberfullung im ^ 

Denkschrift HTTragT'übTr die im 091 

Ueberfüllung in Bezug auf bayerische Veihaltmsse . • 

Errichtung einer Hilfskasse für Techniker.. • 

Begründung einer Techniker-Hilfskasse •• ••.• • 

Bildung der Berufsgenossenschaften für Unfall-Versicherung^ ^ 

Neuorganisation der Österreich. Staatseisenbahn-Verwaltung . 33o 
Zur Charakteristik der sozialen Stellung der österreichischen ^ 

Architekten . • .464 

Technik und Techniker in Schweden . . • • • • • • 

*Das Bauwesen in den Vereinigten Staaten von Nord-Amen 


83. 172 
. . 314 

. . 302 


Mittheilungen aus Zentral-Amerika 


500 

131 


148 

148 


550* 560. 571.* 577* 

. . 348 

Errichtung eines hydrographischen Instituts in Preufsen . . 

Technisches Unterrichtswesen und technische 
Lehranstalten. 

Das technische Unterrichtswesen Preufsens vor dem Abgeord- ^ 

DieHage der Baugewerkschulen in Preufsen . . • 6. 240. 2/0 

Ein offenes Wort über die Stellung des preufsischen Staates 
zu den niederen techn. Fachschulen 
lieber technisches Unterrichtswesen (V.-M.) • •• . 

Uebergang des techn Untemchtswesens m Prenfsen au 
Ministerium für Handel und Gewerbe . . • ■ • • 

7 nr Aufhebung der Oberrealschulen m Preufsen (V.-M) • 1 

Petition desArcK- u. Ing.-Ver. für Niederrhein 11 Wes falen, 
betr. Aufhebung der Ober-Realschule als Vorbildung^ 

Anstalt für Bautechniker . • ■ • • • , ‘ i rf ' 

Englische Ansichten über die Vorbildun ö f 

technische Studium. 


18 
4. 144 


183 


109 


























































. 8 . 

16. 

220. 


124. 


Eine Stimme für Einf ührung technischen Unterrichts aus dem 

vorigen Jahrhundert. 

Einweihungsfeier der technischen Hochschule zu Charlotten¬ 
burg . 496. 504. 520. 521. 

Meister-Ateliers für Architektur-Unterricht. 

Frequenz der Techn. Hochschule zu München 

„ Berlin . 

n n w )) “ 

„ „ „ Wien 

„ „ „ » „ Darmstadt 

„ ,, „ » » Hannover 

* „ „ » » R J g a • • 

„ „ „ „ „ Zürich . 

„ der Kunstgewerbeschule zu München 

„ „ „ Düsseldorf 

Von der techn. Hochschule in Brünn 
Techn. Staats-Lehranstalten in Chemnitz . 

Herzogi. Baugewerkschule in Gotha . . . 

Kunstgewerbe-Schule zu Frankfurt a. M. . 

Von der Baugewerkschule zu Erfurt . . . 

Baugewerkschule in Breslau ...... 

Baugewerkschule zu Eckernförde .... 

Gewerbliche Fachschule der Stadt Köln 
Technische Fachschulen zu Buxtehude . . 

Frequenz der Bauschule in Sulza .... 

„ „ Fachschule für Maurer und Zimmer 

n „ „ „ Blecharbeiter zu Aue . . . 

Gewerbliche Fachschulen in Verbindung mit der Baugewerk- 

Schule in Nürnberg. 

Baugewerk-, Maschinen- und Mühlenbau-Schule zu Neu- 

sadt i. Mecklenburg. 100. 172. 

Fachschule für Metall-Industrie in Iserlohn. 


191. 


71. 168. 


208. 

184. 


er in Berlin 


Auflösung der Ober-Realschule in Brieg. 

Eisenbahn-Museum in Berlin.. • 

Habilitations - Ordnung für die techn. Hochschule zu Berlin . 
Errichtung einer technologischen Lehranstalt nebst Gewerbe- 


Museum in Wien.. 

Louis-Boissonet-Stiftung.16. 

Eytelwein - Stipendium. 

Rentier Schwarz - Stipendium .. 

Stipendium für angehende Kultur-Techniker. 

Techniker und öffentl. Bibliotheken.171. 


Zur Verwendung des Bauakademie-Gebäudes in Berlin 


Baustatistik. 

Jahresbericht über Hypotheken und Grundbesitz in Berlin . 

Bauthätigkeit in Berlin. 

Baustatistik des preufsischen Arbeits-Ministeriums 175. 185. 
* Bemerkungen zu Fölsch’s Statistik der Theaterbrände 373. 
Mittheilungen über Bauthätigkeit und Baupolizei in Paris . 
Ueber Wohnverhältnisse Wiens. 


Seite 


470 

534 

161 

299 
339 
408 
396 

300 
315 
408 
472 
432 
192 
184 
532 
496 
180 
192 
504 
460 
468 
396 
580 
611 

492 

480 

180 

408 

444 

256 


480 

444 

72 

448 

39 

183 

112 


15 

124 

205 

385 

517 

156 


Stadtpläne und Strafsen-Anlagen. 


* Die Zollanschluss-Bauten Hamburgs. 97.* 457* 

Die Kaiser Wilhelmstrafse in Berlin. 320. 528 

Fortschritte der Kölner Stadterweiterung.387 

Projekte zur Verschönerung Hamburgs.558 

Friedhofs-Anlagen in Amerika ..579 

Ausstellungen. 

* Weltausstellung 1887 in Adelaide.101 

Weltausstellung in New-Orleans.311 

Die Architektur auf der Ausstellung der Akademie der 

bildenden Künste zu Berlin in 1884 511 

Ausstellung von Zeichnungen während der VI. General-Ver- 


Ausstellung von Schülerarbeiten in der Kunstschule zu Berlin 517 
Internationale elektrische Ausstellung in Philadelphia . . . 191 

Internationale Ausstellung von Motoren und Werkzeug-Ma¬ 
schinen für das Kleingewerbe in Wien.88 

Internationale Kunst-, Gewerbe- und Landwirthschafts - Aus¬ 
stellung 1884 in London..24 

Internationale Ausstellung in Nizza.204 

Internationale Ausstellung für Gesundheitswesen in London . 204 
Internationale Ausstellung von Arbeiten aus edlen Metallen 

und Legirungen in Nürnberg 1885 . 240 

Internationale forstwissenschaftliche Ausstellung zu Edinburgh 375 
Internationale Ausstellung 1885 zu Königsberg i. Pr. . . . 604 

Elektrizitäts-Ausstellung in Wien (V.-M.).47 

Finanzielles Ergebniss der Wiener elektr. Ausstellung 1883 . 628 
Hessische Landesausstellung kunstgewerblicher Alterthümer 

zu Kassel.311 

Kunstgewerbe-Ausstellung in Köln im Jahre 1886 .... 610 
Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Görlitz . . . 311. 399 

Schlesische Kunstgewerbe-Ausstellung zu Breslau .... 311 
Japanische Kunst- und Gewerbe-Ausstellung in Berlin. . .311 

Ausstellung für Handwerks-Technik in Dresden . . .311. 456 

Industrie-Ausstellung in Teplitz.375 

Oberösterreichische Landes-Industrie-Ausstellung zu Steyr . 375 

Nationale italienische Ausstellung in Turin.204 

Orientalisch-keramische Ausstellung in Wien.375 

Ausstellungen in 1834/85. 311. 375. 456 


Seite 

Messen und Zeichnen — Vervielfältigungs-Verfahren. 

Aenderungen in der deutschen Maafs- und Gewichts-Ordnung 243 
Festlegung der Pegel - Nullpunkte gegen Normal - Null in 

Preufsen.240 

Ueber gewerblichen Zeichenunterricht (V.-M.).95 

* Konstruktionen von Segmentbögen aus Tangenten . . . 299 

*Schachtlothungs-Verfahren mit fixirten Lothen . . . 284. 328 

*Ueber Architektur-Aufnahmen und ihre autographische Ver¬ 
vielfältigung .597 

*Der Ritter’sche Perspektograph.229 

*Neue Konstruktionen der Perspektive und Photogrammetrie 277 
Fehler und Freiheiten in der Perspektive (V.-M.) .... 207 
*Neuer Entfernungsmesser von Hensler . . 104*. 121*. 299 

Schienen-Kontakt-Apparat (V.-M ).567 

*Merl’s Interpolator.583 

* Mauer schichten-Maafsstab.610 

Schrittmaafse (V.-M.).586 

Einf ührung des metrischen Systems in England . . 492. 539 

Bestimmungen über den Anschluss der Nivellements an das 

Präzisions-Nivellement der kgl. preufs. Landesaufnahme . 182 
Mareograplien und die zur Bestimmung eines mittleren Meeres- 
Niveaus in Europa ausgeführten Präzisions-Nivellements . 22 
Feststellung von Mittelwasserständen der Meere und gegen¬ 
seitige Höhenlage der Meeresspiegel.238 

Ueber einheitliche Zeitrechnung (V.-M.). 286 580 

Triangulation u. Polygonisirung von München-Gladbach (V.-M.) 178 
Einheitliche Bezeichnung mathematisch-technischer Gröfsen 349 

Neuheiten im Lichtpaus-Verfahren.406 

Lichtpausen in positiver Stellung, schwarz auf weifsem Grunde 

520. 575 

Wasserfeste flüssige Ausziehtusche.299 

* Billige Ziehfedern.39 

* Zirkel mit Schreib-, Blei- < der Ziehfeder.136 

Ein neues Reifsbrett. 372. 399. 420 

Patent-Schraffirer von Hasselmann. 264. 396 

Cyclostyle, ein neuer Kopir-Apparat.491 

B aumaterialien. 

Einheitliche Prüfungs-Methoden für Bau- und Konstruktions- 
Materialien . . . 388. 409. 475. 487. 497. 519. 528. 564 
Thätigkeit der kgl. mechan.-techn. Versuchsanstalt und der 
kgl. Prüfungs-Station für Baumaterialien in Berlin . . 443 

Errichtung einer Materialprüfungs-Anstalt am kgl. Polytech¬ 
nikum in Stuttgart._.243 

*Priifung von Betriebs-Material auf den preufsischen Staats- 

Eisenbahnen . 516 

*Verwendung des Granits als Werkstein. 330. 339 

Die Sandsteinbrüche bei Obernkirchen und deren technische 

Betriebs-Einrichtungen.122 

Beitrag zur Frage: Wie ist Sandstein möglichst vor Verwitte¬ 
rung zu schützen. 146 

Ueber das Material zur Beplattung des Fufsbodens im Kölner 

Dom.264. 299. 328. 411 

Marmorarbeiten zum Empfangs-Gebäude des Zentral-Bahn- 

hofs Frankfurt a. M.567 

Die Struktur der Ziegelsteine als Ursache der Verwitterung 

53. 100. 120 

Von der Wirkung des Kalks in der Ziegelerde . 441. 456. 466 

Produktion der Greppiner Werke.. 156 

Eine Mahnung bezgl. des Niedergangs der Thouwaaren-Fabri- 

kate. 23 

Neuere Verfahren zur Herstellung künstlicher Steine ... 60 

Künstliche Steinmassen.478 

Patent. Verfahren zur Fabrikation polirter Gegenstände aus 
Portland-Zement.291 

* Apparat zur Prüfung des Kalkmörtels.409 

* Apparat zur Herstellung der Probekörper für Prüfung hydrau¬ 

lischer Bindemittel. 404 

Abänderung der Normen für die einheitliche Lieferung und 

Prüfung von Portland-Zement.323 

Zumischung minderwerthiger Körper zum Portland - Zement 

(V.-M.).. 146. 150. 363 

Aus- und Einfuhr von Zement in Deutschland . . . 448. 468 

Verfahren, um Zement für stereochromatische Bemalung taug¬ 
lich zu machen.315 

Sand aus Hochofenschlacke.264 

Verwendung des Buchenholzes zu Bauzwecken.587 

Schwellenfabrik und Imprägnir-Anstalt der Kgl. bayer. Staats- 

eiseubahnen zu Kirchseeon.7 

Feuersichere Imprägnirung von Hölzern in Theatern . . .372 

Schutz des Eisens gegen Rost. 76 

Das Bower-Barff’sche Verfahren zum Schutz des Eisens gegen 
Rost.440 

* Frosteinfluss auf eiserne Gitter.39. 72 

Fufsbodenbelag im Dom zu Köln.299 

Keim’sche Mineral - Malerei.76. 312 

Die Technik des Eisengusses (V.-M.).59 

Trägerwellblech.340 

Metall-Dachplatten nach dem patent. System von Klehe in Baden 407 

Verbleite Nägel für Schieferbedachungen.160 

Kuppeldeckungen aus Papier.83 

Verfahren zur Herstellung von Stampf-Asphalt aus Gussasphalt 432 
Verblend- und Isolirplatten für Wandflächen.83 




























































































Seite 


Asbestplatten als Feuerschutzmittel.352 

Lincrusta Walton.388 

Patent - Stabil - Theer.144 

Antiseptisch-metallischer Wachstheer.. 328 

Radig’sche Wandglasur.372 

Ratjens Patentfarbe.432 

Aluminium als Dekorations- Mittel.84 

Balmain’sche Leuchtfarbe.180 

Verfahren bei der Reinigung des Liebig-Denkmals in München 195 

Desinfektions-Mittel für Holzschalungen, Mauern, Estriche etc. 84 

Mittel gegen den Hausschwamm in Fufsböden . . . . .132 


Bauwissenschaftliche Theorie. 

Nach welchem Gesetz wächst die Materialmenge der Haupt- 
träger bei Balkenbrücken bei wachsender Spannweite, 


Belastung oder Trägeranzahl?. 356. 368. 382 

Die Dimensionirung der Eisen-Konstruktionen nach den neuen 

Anschauungen (V.-M.).438 

Sekundärspannung in Brückenträgern.13. 43*. 70 

* Zwei Belastungs-Annahmen für die Berechnung der Stärke 

eiserner Senkkasten. 390* 397* 

Ueber die Bauwürdigkeit geplanter Eisenbahnen.615 


Veranschlagung der Einnahmen projektirter Eisenbahnen . 92 

Ueber Durchtiuss-Profile bei Einbauten in gröfsere Landseen 626 
Berechnung von Hocliwasser-Mengen.82 

Nekrologe und persönliche Notizen. 

Wirkl. Geh. Rth. Oberlandes-Baudirektor a. D. Dr. Hagen f 64. 89 

Geh. Reg.-Rath a. D. Hähner +.. 8 

Ober-Baurath Dir. Gnauth +. 564 


Seite 


Ober-Baudirektor Streicbhan f.328 

Frhr. v. Engerth f. 444. 506 

Ing. Alberto Castigliano f.570 

Prof. Grofsmann f.280 

Prof. Dr. Aronhold f.136 

Prof. Dr. v. Sehoder f.196 

Reg.- u. Baurath Mellin f.136 

Baudirektor K. Lang f.136 

Baurath Illing f.35 

Ober-Baurath Jos. Dom. Schmid f.160 

Baurath a. D. Dieck j .376 

Prof. Eberlein f . 376 

Architekt Le Sueur f.12 

Architekt Chenavard f.35 

Architekt P. Abadie f.396 

Zentral-Inspektor Tilp f.196 

Ober-Ing. Gustav Bridel f.599 

Oberst-Lieutenant Manby f .505 

Bildhauer L. Gedon f.12. 95 

Dr. Henry B. Stroufsberg f ..280 

Kommerzienrath Jul. Pintsch f.47. 52 

Bauunternehmer Feuerloh f.196 

Steinmetzinstr. Herzog f.376 

Die Schüler Schinkels.402 

Zum 100. Geburtstage Leo v. Ivlenze’s . . .97. 119. 137. 150 

Eine französische Würdigung Viollet le Duc’s.462 


Berufung W. v. Lübke’s an die Techn. Hochschule zu Karlsruhe 

544 564 

Ehren Bezeugungen an Techniker 24. 312. 323. 480. 528. 

532. 544. 564 


II. Hochbau. 


Aesthetik. 

Die Wahrheit in der modernen Architektur (V.-M.) . . . 130 
Die natürlichen Grenzen des Backsteinbaues (V.-M.) . . .171 
Die Gestaltung des protestantischen Kirchenbaus der Gegen¬ 


art (V.-M.) 


206 

Englische Architektur. ••••••• 257 

Die deutsche Renaissance als nationaler Stil und die Grenzen 

ihrer Anwendung. 426. 435 

Zur Entstehung des dorischen Stils.450 

Ueber monumentale Malerei (V.-M.). 503. 515 

Kunstgeschichte und Archäologie. — Restauration von 
Baudenkmälern. 

Das Jahr 1000 und die Kunstgeschichte.493 

Ein Quellenwerk für die Kulturgeschichte des Mittelalters . 522 

Scldiemaun’s Ausgrabungen in Tiryns.311. 413 

Ausgrabungen in Griechenland .50/ 

Antike Stuckreliefs aus dem Museo Tiberino zu Rom . . 114 

Ausgrabungen in Rom.• ••••. 28. 592 

Ueber die letzten Ausgrabungen des Hanauer Geschichts¬ 
vereins in Grofs-Krotzenburg und Rückingen .... 109 

Ausgrabungen in Neumagen a. Mosel.472 

Aufdeckung eines Mosaikbodens in Trier . . • • • • 567 

Archäologisches aus Mainz. (Das Römerbad auf dem Stefans- 

berge). 

Die Ruinen von Baalheck und Palmyra.'b 

Die Grottentempel der Inder (V.-M.).285 

Die heil. Geburtskirche in Bethlehem (V.-M.).563 

*Die Stiftskirchen auf dem Georgen- und dem Petersberge 

bei Goslar... • ^1 

*Xachgrabungen bei der Klosterkirche zu Frose . 138*. 228‘ 

*Die Burg Heinrichs des Löwen zu Braunschweig . 66. 90. 102 
Zur Baugeschichte des Linier Münster (V.-M.) ..... 437 
Ein alter Bauriss zum Thurmhelme des Strafsburger Münster 107 
Baugeschichtliche Notizen und Studien von Rud. Redten- 
bacber. (Ueber einige Beziehungen zwischen den Domen 
zu Kämpen an der Zuidersee, Köln und Prag) . . . .488 

Kloster Ettal in Bayern.^ 73 

*Ein deutscher Campanile.342. 354 

*Burg Eltz an der Mosel. 441.* 485* 

Vom Thalhause zu Halle a. S.45 

*Die freigelegte Ostfacade des Rathhauses zu Augsburg 395. 

415* 447 
372 
106 
158 
78 
600 
8 

456 
351 
257 
252 
61 
538 
592 
602 
240 
240 


Aufdeckung einer Renaissance-Kanzel in Dassow . . 

Die Hochrenaissance in England (V.-M.) . . . 

Römische Grabdenkmäler der Renaissance-Zeit (V.-M.) 
Fürsorge des preufs. Staats für seine Baudenkmäler . 
Aufnahme der alten Kunst- und Baudenkmale zu Lübeck 
Inventarisirung der Kunstdenkmäler in Thüringen . 

Erhaltung der Burg Dankwarderode. 

Portal der Primizkirche in Heilsbronn. 

* Entwurf zur Vollendung des Ulmer Münsterthurmes . 
Wiederherstellung des Doms in Worms ..... 
Restauration der St. Katharinenkirche zu Oppenheim . 
Wiederherstellungs-Arbeiten in der Kathedrale von Metz 
Restauration der Schlosskirche in Wittenberg . . . 

Zur Erhaltung der Kloster-Ruine Walkenried (V.-M.) . 
Restauration der Sebalduskirche in Nürnberg .... 

— des Rathhauses in Nürnberg. 


Restauration des Pallazzo Ca Doro in Venedig . . • • • 420 

Abbruch der Dominikanerkirche in Frankfurt a. M. ... 303 

Bauausführungen und Projekte. 

Die Hochbau-Thätigkeit des preufsischen Staates i. J. 1883. 351 
Gröfsenverhältnisse und Kosten von Theatern . . . 296. 304 

Arkaden vor Gebäuden.• • • • • 

Ueber Einrichtung von Pflegstätten im Kriege (V.-M.) . . 32 

*Der Bau des Reichstagshauses (IV.).26J 

Die Grundsteinlegung zum Reichstagshause."79 

Reichstagsgebäude oder Reichshaus.''." 

Berliner Neubauten: 

*Erweitenmgsbau der Börse. 281. 304 

Hotel Alexauderplatz. 

*Wolmhaus E. & 0. March zu Charlottenburg ■ ■ • • 31/ 

* Geschäfts- und Wohnhaus der Firma A. W. Faber . . 473 

*Das Haus der techn. Hochschule zu Charlottenburg 53b'. 54o 
Haus von Rudolph Mosse in Berlin (V.-M.) ... • • 302 
Haus des Banquier Neumann, Potsdamerstr. 10 (V.-M.) - 302 
*Wohn- und Geschäftshaus von H. Bernstein ... 56J 

*Bau eines Geschäftsgebäudes für das preufsische Abgeord- 

netenhaus. 37. , 63 - 25 . 2 ‘ 2 ^ 3 

Bauplätze und Bauprojekte für öffentliche Gebäude in Berlin 79 
Die Ausschmückung des Festsaals im Hause des Beilmei 

Architekten-Vereins.. -95. 3^o 

Markthallen für Berlin." 

Projekt der Umwandlung des Lehrter Personen-Bahnhots in 

Berlin zu einem Ausstellungs-Gebäude . .." 

Vom Bau der Packhofs-Anlage in Berlin (V.-M.) • ■ • • 
Projekt der Errichtung eines Obelisken auf dem Potsdamer 

Platz in Berlin ... ■ • ■ • ' ' 1 

Palais der französischen Botschaft am Pariser Platz zu Benin 

(V.-M.). 370 

Zentral-Kadettenanstalt zu Lichterfelde hei Berlin (V.-M.) . 3/1 
*Die Jägerkaserne zu Dresden ...■••••••• 4 

♦Entwürfe zum Umbau des Zeughauses und zum Neubau 
eines Kunstakademie- und eines Kunstausstellungs-Gebäudes 

zu Dresden. . . . .. -.4. 67. 130. 144. 152*. 157. 299 

♦Realschule II. Ordng. zu Leipzig-Reudnitz .. 

Reichsgerichtshaus und Siegesdenkmal in Leipzig . • ■ • 

♦Das neue Gewandhaus in Leipzig. (jl 3 • 

♦Umbau des Schlosses Klitschdorf in Schles.• • * 

♦Das neue Strafjustizgebäude zu Hamburg . . . • 113 ' 13 ' 

♦Silo-Speicher in Hamburg (V.-M.) . . . .. 

♦Thaulow-Museum in Kiel. 

♦Treibhaus-Anlage in Bremen.• • ' 10 

♦Geschäftshaus der deutschen Lebensversicherungs-Gesell- 

Schaft zu Lübeck..och* hm* 

♦Neubau der Bibliothek zu Wolffenbüttel . . . • 38J\ 401 

♦Post- und Telegraphen-Gebäude zu Lübeck . . . •• •39a 

♦Wiederaufbau der Stärkefabrik in Salzuflen . • • a81 . aua 

♦Die Arbeiter - Kolonien von Krupp in Mülhausen, Stuttgart 

und Leinhausen. rf) q 

Der neue Rathhaussaal zu Wesel.• • • • öJ 

♦Kinder-Krankenhaus der A. v. Oppenheimschen Stiftung zu 

Köln.. 

Bau des Rathhauses in Wiesbaden .••••••• T2 

Neubauten in Frankfurt a M. Zentralbahnhot . . • f-' 






























































































Seite 


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Frankfurter Privatbauten 128. — Schlacht- und Yiehhof 128. 

— Rochusspital. 

*Die Stadthalle am Rheinufer zu Mainz._ 

*Wohn- und Geschäftshaus von Sam. Noether zu Mannheim 
*Kollegienhaus der Kaiser-Wilhelms-Universität zu Strafs¬ 
burg i. .. 

Zentral-Bahnhof in München. 

Ausbau des Akademie-Gebäudes zu München ...... 

Vom Bau des fürstl. Thum- und Taxis’schen Schlosses zu 

Regensburg . 

Der neue Rathhaussaal zu Landshut. 

Neubau des Restaurationsgebäudes im Stadtpark zu Nürnberg 

Kosten des neuen Wiener Rathhauses. 

Vollendung des Wiener Zentral-Viehhofs. 

Bau eines Eden-Theaters in Wien. 

Zum Wiederaufbau des Stadttheaters in Wien . . . 484. 

Neubau der techn. Hochschule zu Graz. 

*Wohnhausbau in Budapest.. 

*Die Bauten der schweizer. Landes-Ausstellung zu Zürich . 
* Amerikanisches Miethhaus. 


128 

449* 

605 

509 

94 

94 

364 

445 

243 

28 

191 

323 

532 

580 

377 

77 

461* 


Denkmäler. 

* Statue der Freiheits - Göttin am Eingang des Hafens von 


New-York.285 

* Washington-Denkmal zu New-York.392 

Luther-Denkmal in Washington.180 

Denkmal Emanuel Geibels auf dem Friedhofe zu Lübeck . 444 
Kolossal-Darstellungen aus alter und neuer Zeit (V.-M.) . . 506 

Kleine Mittheilungen über Denkmalbauten aus Italien . . . 568 


Beleuchtung, Heizung und Ventilation. 

* Beitrag zur Frage der Beleuchtung durch Oberlicht und 
durch Seitenlicht, mit spezieller Rücksichtnahme auf Ober¬ 
lichtsäle und Seitenkabinette in Gemälde-Galerien. 488* 499* 


Einiges über Beleuchtungswesen in Wien.530 

Beleuchtung von Eisenbahnwagen mit Leuchtfarbe . . . .180 

Apparat zur Beseitigung des sogen. Schwitzens von Petroleum- 

Lampen .492 

Leber ausschliefsliche Benutzung der strahlenden Wärme bei 
Regenerativ - Gasöfen, die mit erwärmter Luft betrieben 

werden sollen (V.-M.).470 

*Der „deutsche Normal-Kachelofen“.87 

* Kachelöfen nach System Yogdt.87 

* Luftzirkulir-Oefen nach Patent Hagedorn.492 

* Zentral-Niederdruck-Dampfheizung für das neue Rathhaus 

in Düsseldorf.524 

Zentral-IIeizanlagen in Wiener Schulen und im Wiener Rath¬ 
hause .619 

Zentral-Dampfheizung der Stadt Newyork.531 

*Heiz- und Lüftungs-Einrichtung in dem Laden des Kauf¬ 
hauses von Laer.417 

* Niederdruck-Dampfheizung, System Bachem & Post . . . 145 

* Ileifswasser - Heizapparat mit rauchverzehrender Feuerung 

von Möhrlin & Rödel.191 

Technische Einrichtungen am neuen Prinz-Theater in London 111 

Verbrennungs- und Heizsystem Siemens (V.-M.).609 

Prüfung und Verbesserung der Luft in Wohngebäuden in 
Bezug auf Temperatur, relative Feuchtigkeit und Reinheit 

(V.-M.).446 

Zur Prüfung der Luft auf Kohlensäure-Gehalt.8 

Ueber Schöpfstellen für frische Luft (V.-M.) . . . . .154 

Ventilat.-Einrichtung in einer Kirche.180 

Becker’sche Dampf-Kocliapparate (V.-M).618 

Ableitung der Wasserdämpfe aus Dampf-Kochküchen . . 595 

Ableitung der verdorbenen Zimmerluft in verschiedenen Höhen 323 

Verbesserte Ventilations-Vorkehrung an Fenstern . . . .132 

* Ventilations-Vorrichtungen für Aborte und Senkgruben . . 331 

Luftableitungs-Einrichtuug an Schornsteinen .... 279. 315 

Luftzirkulations-Reinigungsthür für Schornsteine.611 

* Schornstein-Aufsatz von Keidel.443 

*Xeue Schornstein-Abdeckungen . . . .24*. 99*. 122*. 195 

Schornstein-Aufsatz mit beweglichen Flügeln.388 

*Patentirter Rufs-Absperrer.244 


Elektrotechnik. 


Elektrische Kraftübertragung (V.-M.).446 

*Telegraphen-Lcitungen in der Schweiz.469 

Elektrotechn. Versuchsstation in München.484 

Klektr. Eisenbahn Sachsenhausen-Oberrad-Offeubach . . . 289 

Elektr. Stadtbahn in Wien.531 

* I mlege-Kandelaber für Bogenlicht von Schlickert in Nürnberg 26 

Elektr. Beleuchtungs-Anlage in Berlin. 63. 603 

Elektr. Beleuchtung in München.287 

Elektr. Beleuchtung des Hoftheaters in München .... 94 

Elektr. Strafsen-Beleuchtung in Temesvar.619 

Elektr. Lokomotiv-Lampe von Sedlaczek.172 

Klcktro-techn. Anlage auf der Werft in Wilhelmshaven 299. 376 
Elektrische Vorrichtungen für Feuersignale und Feuermel- 
dungen (V.-M.).7 


Zyklus von Vorträgen über elektrische Beleuchtung . . . 144 

Elektr. Beleuchtung der Adelsberger Grotte.287 

Vorbereitungen zur Ausführung elektrischer Beleuchtungs- 
Anlagen in Berlin.63 


Baukonstruktionswesen. 


Ueber Gewölbeformen des Mittelalters (V.-M.).46 

Herstellung des Fugenschliffs bei griechischen Bauten der 
Antike. 228. 481 

* Wohnhausbau in Budapest.601 

* Ueber Einmauerung von Balkenankern.271 

*Der eiserne Bauholz-Schutz. 264. 295* 

* Verblendung an Mauerwerk mit Steinplatten . . . 360. 375 

* Konstruktion von Hohlmauerwerk.375 

Schutzmittel gegen die Verbreitung von Schall durch Decken 

und Wände.•.352 

Normal-Bestimmungen für Lieferung von Eisen-Konstruktionen 

für Brücken- und Hochbau (V.-M.).159 

Zur Frage der Feuersicherheit verschiedener Konstruktions- 

Materialien . 157. 169. 190. 225*. 235 

Verwendung von Granit-Säulen und -Pfeilern zum Wohnhaus¬ 
bau in Berlin.360 

* Schmiedeiserne Säulen aus Quadranteisen und Verkleidung 

eiserner Stützen. 225. 235 

Verbesserung in der Ausmauerung von Fachwerk .... 275 

* Schafställe ohne Bodenraum.177 

Ausführung landwirtschaftlicher Bauten nach dem System 

Tollet (V.-M ).167 

Verwendung von Schlackenwolle zur Isolirung von Eiskellern 412 

* Einiges über bombirte Wellblechdächer.501 

Verhütung der Bildung und des Abtropfens von Schwitzwasser 

in mit Wellblech überdeckten Fabrikräumen.399 

Herstellung von Holzzement-Dächern im Winter . . . 120. 132 

Bleibedachung auf dem Dom zu Köln.431 

* Patentirtes Drehfenster für Dächer.135 

Thonknopfdecken.52 

* Matten aus Holzleisten, Rohr und Draht und ihre Ver¬ 

wendung im Hochbau.481 

Ersatz der Berohrung von Decken.287 

Billige dauerhafte Riemenböden aus deutschem Holz . . . 303 

Aufnehmbarer Fufsboden nach der Konstruktion von Ludolph 

Bethe in Stade.299 

Thurm der St. Johanniskirche in Altona. 292 

Ueber den beabsichtigten Ausbau der Görlitzer Peterskirch- 
thiirme in Zementbeton . 351. 362. 384. 399. 419. 508. 627 

* Glocken-Auflager mit wälze der Bewegung der Axe . . 567 

Drahtgeflechte als Schutzmittel gegen das Abgleiten brennen¬ 
der Strohdächer.315 

Spalier-Bauwerke.168 

Beschädigung von Wandmalereien durch Schwitzwasser . . 148 

Vermeidung von Beschädigungen der Wandtapeten beim Ein¬ 
schlagen von Nägeln. 396. 412 

Das Kosinski’sche Verfahren zur Austrocknung feuchter Wände 374 

* Vorrichtungen zum Oeffüen und Schliefsen von Aufsenläden 

und Thüren vom Innern eines Raumes aus.576 

* Neuer Rollladen-Verschluss.375 

* Schiebeladen mit teleskopartiger Anordnung der einzelnen 

Ladentheile. 275 

Wesselmann’s Patent-Thür-Schloss.412 

* Patentirtes Band für Windfang-Thüren.488 

* Umwerfen eines baufälligen Kirchthurms.507 

* Einsturz eines Gewölbes im Marktschloss zu Halle a. S. 350. 410 
Einsturz des Kirchthurms in Laugen-Lipsdorf bei Jüteibog 172 
Brand des Schlosses Kristiansborg in Kopenhagen .... 491 

— desgl. des Knochenhauer-Amtshauses in Hildesheim . . 384 

— desgl. des Wiener Stadttheaters. 244. 256 

— desgl. des Wiener Carl-Theaters ..628 

Feuersicherheits-Maafsregeln in Theatern.298 

Grofse Fabrikschornsteine . . . 301 

Ein Fabrikschornstein aus Beton. 472. 530 

Festigkeit von Schornsteinen.627 

Winddruck-Beobachtungen.60 

Ueber den Hausschwamm und seine Bekämpfung .... 337 

* Schlüsselkennzeichen.176 

Bezugsquellen für fertige, zum raschen Wiederabbrechen ein- 

gerichtcte Kranken-Baracken.40S. 412. 467 


Kunstgewerbliches. 

* Glasbilder im Restaurations-Lokal des Arch.-Vereinshauses 

zu Berlin.93 

Kunstgewerbliche Weihnachtsmesse im Architektenhause zu 

Berlin. 480. 539. 595. 605 

Das Hochzeitsgeschenk der Rheinlande für den Prinzen Wilhelm 

von Preufsen.547 

Künstler und Kunsthandwerker in Plildeslieim aus dem Mittel- 

alter und der Renaissance-Periode.126 

Kunstgewerbliche Lotterie des Architekten- u. Ingen -Vereins 
zu Hannover.592 

























































































Hl. Ingenieurwesen. 


Seite 

Erd- und Strafsenbau. 

*Eine neue Futtermauer-Konstruktion. 624 

* Projekt zur Herstellung einer inneren Ringsstrafse in Berlin 

(V.-M.).1^3 

Bau der Laudstrafsen in der Provinz Hannover . . . . -214 
Das Walzen der Chausseen mit Pferdewalzen und Dampf¬ 
walzen .. 329. 341 

Ueber Holzpflasterungen.472 

Zur Frage der Haltbarkeit von Holzpflasterungen .... 86 

Einiges über Strafsenwesen in Wien .530 

Vorschlag zu Strafsenpflasterungen aus Stahl . . . . . 208 
Ueber die Sicherheit der Befahrung von Asphalt- und Stein¬ 
pflaster in Berlin.227 

Wasserbau. 

* Vorschläge zur Erhaltung, Vergröfserung und Verstärkung 

der deutschen Nordsee-Inseln und zur Verbindung der¬ 
selben mit dem Festlande.. • • 307 

Wie kann man bei pneumatischen Fundirungen mit hohem 
Luftdrucke die Gefahren für die Gesundheit der Arbeiter 
mindern?. 176. 187. 193 

* Verbreiterung des Suezkanals.369 

Vom Bau des Panama-Kanals. 99. 275. 558 

Das afrikanische Binnenmeer.. • 306 

* Flussregulirung mittels Grundschwellen . . 142. 163*. 495’" 

* Schwierigkeiten hei Rammarbeiten in feinem Triebsand . . 394 

* Herstellung der Parallelwerke längs d. bayer. Rheinuferstrecke 11 

Ueber den projektirten Berliner Südwestkanal (V.-M.) . . 118 

Schleusen- u. d Stauwerks - Anlage in der Spree hei Char¬ 
lottenburg (V.-M.).207 

Eine neue Anordnung der Verschlusskörper für Schützenwehre 515 
Seitenkanal entlang des Rheins von Strafsburg bis Germers¬ 
heim-Mannheim .102 

Das Pretziner Wehr (V.-M.) 575 

Das Wehr im Long Erne (V.-M.).587 

* Ueber Dammanlagen.359 

Ueber „Hellinge“ (V.-M.).527 

Durchschnittliche Profile von Strömen (V.-M.).27 

Anlage von Fischwechseln bei Flusskorrektions-Werken . . 432 

Bagger beim Amsterdamer Kanal und Oakland - Hafen . . 430 

Vollendung des Hafenbaues in Triest.8 

Verunreinigung der Themse bei London durch Einleitung von 

Fäkalstoffen. .371 

Staatsvertrag über die Korrektion des Rheins zwischen Mainz 

und Bingen.135. 180 

Verwilderung der Donau auf der Strecke Pressburg- Gönyö 443 
Regulirung der Donau zwischen Wien und Budapest . . .576 

* Korrektion der Donau oberhalb Ulm.445 

Regulirung des Eisernen Thores.339 

Kronstadt-Petersburger Schiffahrts-Ivanal.552 

Kettenschiflahrt auf der oberen Donau.576 

lOOjähr. Bestehen des Eider-Kanals.519 

Quai, Kai oder Staden?.72. 107 

* Die hydrographische Kommission des Königreichs Böhmen 

535 565*. 589* 

Be- und. Entwässerung. — Meliorationswesen. 

*Welche Maximal-Wassermengen haben städt. Abzugs-Kanäle 
während heftiger Gewitterregen abzuführen? . 90. 128. 268* 

* Hydraulische Betrachtungen am Liernur-System .... 245 
Verhältnis der Regenmenge zur Abflussmenge in städtischen 

Kanälen.1”? 

*Einsturz eines eisernen Hochreservoirs zu Haag in Holland 133 

* Muffenverbindung an Senkröhren für Brunnen u. dergl. . 352 

Bewährung verzinkter Eisenrohre für Wasserleitungen . . 28 

* Wasserversorgung der Stadt Giefsen.80 

Wasserversorgung von Kissingen.318 

Wasserwerk der Stadt Zürich (V.-M.).190 

do. do. Thun (do.) .190 

do. do. Genf (do.) .190 

Wirksamkeit der Filter-Anlagen in Tegel ....... 47 

Wasserversorgung der Dampfmahlmühle zu Wurzen i./S.. . 228 

Projekte zur Erweiterung der Wiener Wasser-Versorgung . 383 

Filter für abessynische Brunnen. • • 407 

Ueber die Entwässerung von Städten nach dem Shone- 

System (V.-M.).. 471 

Klärbecken-Anlage für die Kanalisation von Frankfurt a/M. 189 
*Selbstthätiger Spülapparat für städtische Entwässerungs- 
Kanäle .402 

* Selbstthätiger Spülapparat für Kanäle von F. Cimtz . . .531 

*Shipway’s Ventil-Auslässe für Rieselfelder.375 

Neues Verfahren der Reinigung gewerblicher und städtischer 

Abwasser. 442. 492. 519 

Melioration der rechtsseitigen Elbniederung bei Magdeburg 

und das Pretziner Wehr (V -M.).575 

Benutzung des Windrades zur Bewässerung von Ländereien 340 

Drainage und Wiesen-Bewässerung.155 

Zur Frage, ob die Entwässerungs-Anstalten der Elbmarschen 
den Ansprüchen an einen rationellen landwirthschaftlichen 
Betrieb genügen. 34 


Seite 


Brückenbau. 


* Die neue Brücke über d; n Niagara.293 

* Die Kirchenfeld - Brücke in Bern.65 

* Die Schwarzwasser-Brücke . ..512 

* Ponte Brolla im Kanton Tessin.182 

Die neue Elbbrücke bei Hamburg.525 

* Reparatur eines auf Pfahlrost fundirten Brückenpfeilers . 19 

Norwegische Viadukte mit Pendelpfeilern über das Lyse- 

Haaböl- und Solberg-Thal (V.-M.).242 

Fortschritte beim Bau der Forth-Brücke.327 

* Kämpfergelenk für Bogenträger.606 

Umbau der Kettenbrücke über den Donaukanal in Wien 112. 556 
Brückenbau zur Verbindung des italienischen Festlandes mit 

der Insel Sizilien . 371 

Eisenbahnbau. 

Projekte für Sekundärbahn-Bauten in Preufsen.42 

Bau der Arlbergbahn im Jahre 1883 . 258 

— Eröffnung derselben.. • 466 

* Eisenbahn-Bauwesen in den Vereinigten Staaten von Nord- 

Amerika . 571*. 577 

*Die neue Northern Pacific-Eisenbalm in den Vereinigten 

Staaten von Amerika.44 

Ueber amerikanische Eisenbahnen (V -M.).255 

Von der New-Yorker Hochbahn (V.-M.).166 

*Unterirdische Strafsenbahn in New-York.217" 

Eisenbahn-Bauten und Projekte in Zentral-Amerika . . • 348 

Amerikanische Y-Gleis-Anlage. 474. 516 

Englisches Eisenbahnwesen (V.-M.).14 

*Die erste Eisenbahn in Syrien-Palästina.212 

Eisenbahn von Mctkovic nach Mostar.243 

Eisenbahn-Bauten in Bulgarien.619 

Tehuantepec-Schiffseisenbahn von Eads.558 

Grofse Eisenbahn Bauten in Ostindien.340 

„Reiseglossen“ über Schweizerische Eisenbahnen . . . . 474 
Rutschungen auf den Sizilianischen Eisenbahnen (V.-M.) . . 529 

Umfang der Betriebs-Direktionen der österr. Staatsbahnen . 384 

Erweiterung der Berliner Stadt- und Ringbahn.144 

Haltestelle Zoologischer Garten der Berliner Stadtbahn (V.-M) 41 

Londoner Highgate Hill Kabelhahn.275 

Untergrundbahn für Marseille.135 

Stadtbahn-Projekt Fogerty in Wien . . . 119. 226. 352. 364 

Bau einer Eisenbahn zur Verbindung des oberen mit dem 
unteren Kongo (V.-M.) . . . • • • • • • ■ • • 566 
Partielle Verlegungen d. Eisenbahn Plojesti-Predeal-Kronstadt 411 

Von den sächsischen Eisenbahnen.156 

Neue Sekundärbahn-Bauten in Bayern.2 

Eröffnung neuer Bahnlinien in Bayern.372 

Projekt einer Odenwald-Bahn.• • 387 

* Zahnradbahn von Stuttgart nach Degerloch .... 361. 376 

Zahnradbahn zum Denkmal auf dem Niederwald ..... 39 

Strafsenbahn mit Dampfbetrieb auf dem Kurfürstendamm bei 

Berlin...^07 

*Die Kasseler Pferdeeisenbahn.3 öi 

* Hagener Strafsenbahn.4/2 

Dampf-Strafsenbahn von Salzburg nach Berchtesgaden . . 83 

Breslauer Strafseneisenbahn ....■••••■•• 
Nürnberg-Fürther Pferdeeisenbahn-Aktien-Gesellschaft . . . lJo 

Magdeburger Erd- und Strafsenbahn.544 

Elektrische Stadtbahn in Wien..531 

Die erste elektrische Eisenbahn in Bayern.47 

Elektrische Eisenbahn Sachsenhausen-Oberrad-Offenbach . . 289 

Lange Drahtseilbahnen. 364. o/6 

Anlage von Eisenhahn-Dämmen, welche gleichzeitig als Deiche 

dienen und von Wege-Unterführungen durchbrochen werden 172 

*Spur- und Neigungsmesser, Patent Mehrtens.429 

*Schmiedeiserne Röhren als Telegraphenstangen ..... 46L 

Vorkehrungen, die Gefahren zu verhüten, welche im Betriebe 
brechende Radreifen verursachen können (V.-M.) . . • 529 

Versuche mit dem Heydrich’schen Sicherheitsbuffer (V.-M.) . 254 
Vorrichtung für zentrale und lokale Weichenstellung (V.-M.) 167 
Normalien für die Betriebsmittel der preufs. Staatsbalmen lüi 

Nebenbahnen (V.-M.).• . • • • ^6 

Darstellung der neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete des 
Eisenbahn-Oberbaues und der Hüttentechnik . . . . 4b3 
Beendigung der Untersuchung des Bahnhofs - Unfalles in 
Steglitz.4/ 

Tunnelbau. 

Vom Bau des Mersey-Tunnels ..31 

Tunnel zwischen England und Frankreich.-V 

Tunnelbau der Arlbergbahn.. • • • • 258 

Abteufungs - Arbeiten in gefrorenem Boden auf der Grube 

„Zentrum“ (V.-M.). 482 

Technologie und Maschinenwesen. 

Gewinnung und Transport des Petroleums im Kaukasus 317. 330 
*Die Wasser-Lokomotive, ein neuer Wassermotor .... 344 

Effektberechnung zu Wernigh’s Wasser-Lokomotive . • • 5^3 

* Neuer Hydraulischer Fahrstuhl."35 

Hydraulische Kraftvertheilung in London.391 































































































Seite 


Seite 


Ueber Dampfbagger (V.-M.).574 

Mittheilungen über Taucher-Apparate (V.-M.).6 

Neue Konstruktion submariner Lampen und Respirations- 

Apparate für Taucher.432 

Eis- und Kaltluft-Maschinen (V.-M.). 75. 134. 194 

Fortschritte im Gebiet der Wägeapparate für den Eisenbahn- 

Befördernngsdienst (V.-M.) 123 

Velociped-Draisine (V.-M.) . ..482 

Kondensationswasser-Ableiter „Excelsior“.111 


Maschineller Betrieb von Bühnen-Einrichtungen in Theatern 432 


Ueber die konstruktive Entwickelung der Massen-Kochapparate 


49. 63 

Romberg’s patentirt, Universal-Funkenfänger für Lokomotiven 328 

Dampfkessel-Explosion in Iserlohn.12 

Gips-Brennöfen von Haenschke & Co.443 

Ueber Schmirgel, dessen Gewinnung, Verarbeitung und Ver¬ 
wendung .290 

Zukunftsgedanken über Bergwerks-Technik (V.-M.) . . . 286 

Einrichtungen bei der Berliner Feuerwehr und deren Thätig- 
keit (V.-M.).483 


IV. IVHttheilungen aus Vereinen 


Verschiedene Bekanntmachungen des Verbands deutscher 
Architekten- und Ingenieur-Vereine. 241. 326 

— Einladung und Programm zur XIII. Abgeordneten-Ver¬ 
sammlung in Stuttgart. 324. 334 

— desgl. zur VI. Genei al-Versammlung in Stuttgart . 325. 334 
Protokoll der XIII Abgeordneten-Versammlung zu Stuttgart 413. 421 
VI. General-Versammlung des Verbandes 425. 433. 437. 445. 485 

493 

— Statistische Mittheilungen über die Betheiligung an der¬ 
selben .456 

Arbeitsplan des Verbandes pro 1884/85 . 493 

Architekten-Verein zu Berlin 38. 46. 59. 71. 83. 95. 118. 131. 

155. 171. 179. 207. 215. 219. 227. 290. 327. 334. 370. 

387. 419. 431. 458. 503. 515. 527. 538. 552. 563. 575. 586 

— Schinkelfest des Arcli.-Verein zu Berlin.133 

Vereinigung zur Vertretung baukünstlerischer Interessen zu 

Berlin. 143. 302. 347. 579 

Verein für Eisenbahnkunde zu Berlin 7. 50. 123. 166. 254. 

286. 482. 529. 566 

Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hannover 14. 27. 51. 

58. 62. 82. 88. 116. 131. 154. 167. 178. 190. 216. 242. 

255. 274. 505. 514. 552. 563. 567. 585. 602. 619 

Sächsischer Ing.- und Arch.-Verein 263. 267. 285. 603. 609. 618 

Arcli.- u. Ing-Verein zu Hamburg 23. 35. 62. 75. 95. 110. 

135. 158. 189. 239. 263. 363. 507. 524. 529. 555. 563. 574. 609 

— 25jähriges Stiftungsfest desselben.197 

Wiirttembergischer Verein für Baukunde zu Stuttgart 109. 

129. 154. 227. 338. 351. 591 


Architekten- und Ingenieur-Verein für Niederrhein und West¬ 
falen . 74. 206 

Mittelrhein. Arch.- u. Ing.-Verein.591 

Frankfurter Arch.- und Ing.-Verein.47. 515. 527 

Arch.- und Ing.-Verein zu Breslau.491 

Dresdener Arch.-Verein. 106. 123. 130. 148. 207 

Arch.- u. Ing.-Verein zu Bremen .... 6. 75. 83. 506. 618 

Arch.- u. Ing-Verein zu Posen.216 

Technischer Verein zu Lübeck.15 

Aus dem Leipziger Techniker-Verein.362 

25. Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure zu 

Mannheim. 351. 454. 462 

Verein deutscher Eisenbahn-Verwaltungen . . . . . . .311 

Verein der Wasser- und Wegebau-Ingenieure in St. Petersburg 148 
VIII. Kongress italienischer Arch. und Ingenieure . . 299. 407 

Verein ehemal. Studirender der techn. Hochschule in Darmstadt 239 
13. Hauptversammlung des deutschen Geometer-Vereins 363. 411 
Der Bund der Berliner Bau-, Maurer- und Zimmermeister und 

das Lehrlingswesens.335 

Deutscher Techniker-Verband 360. 379. 398. 412. 420. 443. 

460. 567. 575 

Verein deutscher Zement-Fabrikanten .... 62. 146. 150 

Zentral-Verein deutscher Bauunternehmer. 399. 532 

4. Hauptversammlung des Vereins für Gesundheits-Technik 395. 470 
11. Generalversammlung des deutschen Vereins für öffentl. 

Gesundheitspflege.479 

Pensions-Verein für Angestellte des Handels und der Industrie 
in Oesterreich.412 


V. Aus der Fachlitteratur. 


Zur Publikation der Berichte der deutschen techn. Attaches 160 

Deutsches Bauhandbuch.36 

Lübke, W., Geschichte der Architektur.619 

Beschreibende Darstellung der Baudenkmale in der Pfalz . 377 
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenk¬ 
mäler des Königreichs Sachsen.377 

Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Westpreufsen . 377 
Woerner und Heckmann: Orts- u. Landesbefestigungen 

des Mittelalters.315 

Stuttgart. Führer durch die Stadt und ihre Bauten. Fest¬ 
schrift zur VI. General-'Versammlung.400 

F e s t s c h r if t der kgl. techn. Hochschule zu Charlottenburg zur 

Feier der Einweihung ihres neuen Gebäudes.541 

Marggraff, Hugo. Wasserversorgung, Kanalisation und 
Abfuhr in wirthschaftlicher, sanitärer, ökonomischer und 
technischer Beziehung .60 


Näher. Die baugeschichtliche Entwickelung der Ritter¬ 
burgen .539 

Barg um. Das hamburgische Baupolizeirecht.551 

Neuer Kommentar zum preufsischen Enteignungsgesetz . .301 

Uebersichtskarte der Eisenbahnen Deutschlands.275 

Bebauungsplan von Berlin.180 

Situationsplan von Berlin; Ausgabe II mit Bebauungsplan . 611 
Neue Publikationen aus dem Gebiete des Meliorationswesens 208 

Ho ff mann, E. H. Der rationelle Steinbau.244 

Rangliste der Baubeamten.8 

Musterbuch für Eisenkonstruktionen.436 

Abbildungen deutscher Bauwerke in englischen Fachjournalen 112 
Das Welt-Turnier, internal, illustrirte Ausstellungs-Ztg. . .312 

Litteratur-Verzeichniss. 108. 184. 192. 196. 276. 312. 600. 

604. 611. 


VI. Konkurrenzen. 


Schiukelfest-Konkurrenz des Berliner Arch.-Vereins . 114. 628 
Monats-Konkurrenzen u. aufserordentl. K. des Arch.-Ver. zu 
Berlin 16. 60. 76. 88. 96. 112. 156. IGO. 216. 264. 268. 

292. 360. 376. 480 

* Victor-Emanuel-Denkmal in Rom 16. 84. 125.* 131. 161.* 

173* 197* 300. 316. 337. 346. 497* 568 
' Bebauung der Museums-Insel in Berlin 72. 192. 196.* 201.* 

203. 208. 209* 221 * 233* 353* 365* 

Nordisches Museum in Stockholm. 53.* 92* 

Natmhislorisches Museum in Hamburg 64. 72. 168. 240. 252. 

292. 303 

l <andes - Museum in Prag .196 

Industrie- und (o werbemuseums-Gebäude in St. Gallen 160. 300 

Kunst-Museum in Gothenburg.480 

Wiederherstellung des Rathhauses in Aachen 352. 364. 552. 562 
Börse in Amsterdam. 16. 316. 336. 564. (579) 


Ileichsgerichts-Gebäude in Leipzig 

. . . 336. 

444. 448. 467 

* Parlaments - Palast in Rom . . 


.... 346 

Justizpalast in Rom. 


.... 346 

Polyklinik in Rom. 



*Gedächtniss Kirche in Speyer . . 

.8. 96. 100. 

108. 568. 623* 

Christus-Kirche in Barmen . . . 


.... 100 

Kirche für Schönau-Chemnitz . . 


.96. 120. 216 

Kirche für Neuenkirchen bei Melle 


. . 496. 504 

Kirche in St. Gallen. 


. . 36. 160 


Entwürfe zu drei neuen katholischen Kirchen in München 532. 564 
Synagoge in Ratibor.216. 396 


Volksschule in Frankfurt a. M.84. 108. 228 

Schulhaus in Gottesberg i. Schles.204 

Gebrüder Reichenbach-Schulen zu Altenburg 132. 156. 196. 

204. 600 

Stadt. Krankenhaus zu Oels i. Schles.312. 484 

Denkmal-Hospital zn Godesberg bei Bonn.600 

Bürger-Asyl für Plauen i. V.. 352. 504 

Armenhaus der Stadt Breslau.108 

Kantonal-Bankgebäude zu St. Gallen. 300. 448 

Postgebäude in St. Gallen.604 

* Stadttheater in Halle . . 9. 17* 25. 29* 39. 47. 144. 160 

Entwürfe zu den Bauten auf dem Festplatze für das 8. deutsche 

Bundesschiefsen zu Leipzig.124. 156 

Bauliche Anlagen der Gewerbe- u. Industrie-Ausstellung zu 

Görlitz 1885 . 288. 388 

Entwürfe zur Bebauung eines Grundstück-Komplexes an der 

Peter-Paul-Passage in Liegnitz. 132. 300 

Entwürfe zu einem Gebäude der Ersparnisskasse zu Olten 

(Schweiz).4S4 

Bade- und Wasch-Anstalt zu Saarbrücken.48 

Redoutensaal-Gebäude in Innsbruck.604 

Restaurations-Gebäude auf dem Maxfelde zu Nürnberg . 48. 64 
Umbau des Vereins-Lokals „Harmonia“ in Groningen (Holland) 352 

Schützensaal für Brake a. W.592 

Aussichtsthurm für Ileilbronn.84. 120. 232 

Hasselbach-Brunnen in Magdeburg.112. 124 

Monumentaler Brunnen in Groningen.232 








































































Seite 


Seite 

Monumentaler Brunnen in Stuttgart.628 

Ehrentafel für die im Feldzüge 1870/71 gefallenen Studiren- 
deu der Techn. Hochschule zu Hannover .... 196. 628 
Strafsen-Kandelaber für Berlin ... 316. 364. 504. 568. 586 

Preisarbeiten der französischen Architekten.336 

Konkurrenz um den Grand prix de Rome ....... 396 

Bebauung der Kaiser-Wilhelm-Strafse in Berlin . . . 496. 544 

Stadterweiterung in Königgrätz. 328. 336 

*Heizungs- und Liiftungs-Anlagen im Hause des Deutschen 

Reichstags. 48. 196. 228. 248. 265* 272 * 

Zentralheizungs- und Ventilations-Anlage für den Erweiterungs¬ 
bau des Rathhauses zu Düsseldorf.34. 48 

Reinigung und Entwässerung von Prag.360 

Preisausschreiben des Vereins deutscher Maschinen-Ingenieure 108 

Preisausschreiben des Vereins für Beförderung des Gewerb- 
tleifses in Preufsen.148 


Preisbewerbung für Entwürfe und Preisangebote zu einer in 
Berlin zu erachtenden Versuchs- und Lehranstalt für die 

Gährungs-Gewerbe und Stärke-Fabrikation.540 

Missbrauch bei öffentlichen Konkurrenzen . . . .216. 240 

Kunstgewerbliche Konkurrenzen des 

Dresdener Kunstgewerbe-Vereins.16 

Hallenser Kunstgewerbe-Vereins. . . . 120. 304. 384. 468 

Kunstgewerbe-Museums und der Bau- und Kunstgewerbe- 

Ausstellung in Berlin.208 

der Stadt Berlin für Ausstattung einer kleinen Wohnung 

mit Möbeln ..340 

Bayerischen Gewerbe-Museums in Nürnberg.400 

der Mecklenburgischen Gewerbe-Vereine.628 

Nähmascliinen-Gestell.532 


Personal-Nachrichten. 


Unter der Rubrik „Brief- und Fragekasten“ sind folgende Mittheilungen von allgemeinerem Interesse enthalten: 

Görbersdorfer Dusche 36. — Veröffentlichungen über Tribünen - Anlagen 48. — Verwendung von Terpentinfarbe zum 
Anstrich unglasirter, wie auch glasirter Kachelöfen 60. — Mittel zur Vermeidung von Schmutzflecken auf Sandstein-Treppen 
84. — Bewährung von Gasbehältern aus Gufseisen 88. — Eisass - Lothringer Baurecht 108. — Anstrich von Fachwerkswänden 
zum Schutz gepen Regenschlag 136. — Litteratur-Angabe über Anlage von Webereien 168. — Bezugsquellen für saures holzessig¬ 
saures Eisenoxydul 228. — Honorar-Norm für Bau-Ingenieure 232. — Zur Abschätzung brandbeschädigter Gebäude oder Gebäude- 
theile 240. — Färbung von Sandstein 244. — Erzielung von gleichmäfsiger Temperatur in über der Erde liegenden Weinkellern 276. 
Mörtelmischung für Mauern, welche feucht liegen 312. — Der höchste Schornstein der Erde 316. — Beseitigung von Kalkwasser- 
Flecken aus weifsem Marmor 324. — Mittel zur Entfernung von Oelflecken aus Marmor 376. — Mittel zur Reinigung verstaubter 
Oelgemälde 396. — Vorbedingungen zum Dienste eines bayer. Brandversicherungs-Inspektors 532. — 


Besondere Illustrations-Beilagen. 

Schloss Klitschdorf in Schlesien, Hauptansicht und Querschnitt durch den grofsen Schlosshof .... 

Jäger-Kaserne zu Dresden, Ansicht von der Elbe aus. 

Preisgekrönter Entwurf zum National-Denkmal für König Victor Emanuel in Rom von Arch. Schmitz 
in Düsseldorf. 

— — desgl. von Graf G. Sacconi. 

Entwurf zur Vollendung des westlichen Hauptthurmes am Münster zu Ulm.. 

Bebauung der Museums-Insel in Berlin. Grundriss-Skizzen der preisgekrönten und angekauften Entwürfe 

— — desgl. Perspektiv. Ansicht des Entwurfes von E. Klingenberg, Motto: „Eule“. 

— •— desgl. Parthenon-Saal aus dem Entwürfe von G. Frentzen-Aachen, Olympia-Saal und Pergamon- 

Saal aus dem Entwürfe von Schmidt & Neckelmaun- Hamburg. 

Stadthalle in Mainz. ... 

Entwürfe der engeren Konkurrenz zum Natioual-Denkmal für König Victor Emanuel II. in Rom . . . 

Kollegienhaus der Kaiser-Wilhelm-Universität zu Strafsburg. 

Längenschnitt des neuen Gewandhauses in Leipzig. 


einzuschalten zu Seite 


1 

41 


„ 125 

„ 161 

„ 257 

209. 221 
„ 365 

„ 365 

„ 449 

„ 497 

„ 509 

613 




► 


W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin, Stallsehveiber-Strasse 34. 35. 










































Deutsche Bauzeitung. 































































































































































































































































































































































No. 1. 


1 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


Inhalt : Por Umbau ilcs Schlosses Klitschdorf. i. Schles. — Neue Sckundärbalin- 
Bauten m Bayern. Schluss.) — Pie Entwürfe zum Umbau des Zeughauses in Dresden. 
- Die I.age der Baugewerkschulen in Preufsen. — MittheilungenausVereinen: 
Architekten- und Ingenieur-Verein in Bremen. —- Verein für Eisenbahnkunde zu 
Berlin. — Vermischtes: Die Schvvellenfabrik und Imprägniranstillt der kgl. 


bayer. Staatseisenbahnen zu Kirchseeon. — Zur Prüfung der Luft auf den Kohlen¬ 
säure-Gehalt. — Zur Inventarisirung der Kun6tdenkmäler in Thüringen. — 
Vollendung des Hafenbaues in Triest. — Die Frequenz der köuigl. technischen 
Hochschule zu München. — Todtenschau. — Konkurrenzen. — Aus der 
Fachlitteratur. — Personal-Nachrichten. 


Der Umbau des Schlosses Klitschdorf in Schlesien. 

Architekten'Kays er & v. Grofzheim iu Berlin. 

(Hierzu eine Illustrations-Beilage: Ansicht und Durchschnitt des Schlosses nach dem Umbau.) 


cliloss Klitschdorf bei Bunzlau in Schlesien, eine 
inmitten eines grofsen Waldkomplexes belegene 
Besitzung des Grafen Friedrich zu Solms-Baruth, 
gehört zu jenen, namentlich in Niederschlesien 
nicht seltenen Herrensitzen des alten Piastenlandes, 
auf denen umfangreiche Bautheile aus dem Zeitalter der 
deutschen Renaissance bis heute sich erhalten haben. Der 
älteste Theil der Anlage ist der gegen Ende des 16 Jalirh. 
errichtete dreigeschossige Bau an der Südost-Ecke; wie die 
Substruktionen noch ei kennen lassen, ist er an die Stelle 
einer mittelalterlichen von Wassergräben umgebenen Burg ge¬ 
treten. Er bildete ein einfaches Rechteck von rd. 35 m Länge 
und 12,5 m Tiefe, dem an der Südfront 2 Erkertkürme, an 
der Nordfront 
2 Treppen- 
tkürme vor¬ 
gelegt waren. 

Zwischen letz¬ 
teren befand 
sich in allen 
Geschossen 
eine offene 
Galerie, die 
den Korridor 
ersetzte, da 
das Haus der 
Tiefe nach 
auf einen Raum be¬ 
schränkt war. An die¬ 
sen die eigentlichen 
Wohnräume d. Herr¬ 
schaft enthaltenden 
Kern wurden dem¬ 
nächst im weiteren 
Verlauf des 16. und 
im 17. Jahrh. die 
niedrigeren, zum 
Theil wohl glöich- 
falls an Stelle mittel¬ 
alterlicher Anlagen 
errichteten Neben¬ 
baulichkeiten ange¬ 
schlossen , welche, 

2 grofse Höfe umge¬ 
bend, zu Beamten - 
u. Diener-Wohnun¬ 
gen sowie für wirtli- 
sehaftliche und Ver¬ 
waltungs-Zwecke be¬ 
stimmt waren. 

Die architekto¬ 
nische Gestaltung 
der betreffenden 
Bauten war gegen¬ 
überanderen reicher 
durchgebildeten 
Schlossanlagen der¬ 
selben Zeit eine höchst einfache, aber immerhin monu¬ 
mentale. Im Aeufseren waren die Gesimse, sowie die Phür- 
und Fenster - Umrahmungen aus Sandstein hergestellt, die 
Flächen verputzt; im Inneren waren die Decken des Haupt¬ 
gebäudes als Holzbalken-Decken durchgebildet, die Erdge¬ 
schoss-Räume der Nebenbauten zum gröfseren Theil gewölbt. 
Den heutigen Ansprüchen an Wohnlichkeit genügte die 
Anlage, trotzdem sie bereits zu Anfang dieses Jahrhunderts 
einem theilweisen Umbau unterzogen worden war, freilich 
in keiner Weise mehr und so entschloss sich ihr gegen¬ 
wärtiger Besitzer ira Jahre 1879 zu einem abermaligen Um¬ 
bau derselben, zu welchem der Entwurf durch die Archi¬ 
tekten Kays er & v. Grofzheim in Berlin aufgestellt wurde 
und der demnächst in dreijähriger Bauzeit zur Ausführung 
gelangt ist. Die hier mitgetkeilten Abbildungen — ein Grund¬ 
riss vom Erdgeschoss, in welchem die alten Bautheile dunkel, 
die neuen hell gehalten sind, zwei Ansichten der Südseite 


des Schlosses vor und nach dem Umbau und ein Durch¬ 
schnitt durch den östlichen Schlosshof — dürften trotz ihres 
kleinen Maafsstabes eine genügende Vorstellung von dem¬ 
selben geben. 

Wie der Grundriss ausweist, bestehen die Haupt-Ver¬ 
änderungen, welche in praktischer Beziehung getroffen worden 
sind, darin, dass dem alten Hauptbau auf der Nord- und 
Ostseite neue Bautheile hinzu gefügt wurden: dort ein statt¬ 
liches Treppenhaus mit entsprechender Hallen- bezw. Korridor- 
Anlage, hier ein gröfserer Speisesaal und eine Anzahl kleinerer 
Wohnzimmer. Einem weit greifenden Umbau ist ferner der 
östliche Flügel, in welchem die Wagenremise und die zum 
Stall gehörigen Nebenräumlichkeiten Platz gefunden haben, 
unterzogen worden; im übrigen erstrecken sich die Verän¬ 
derungen nur auf Einzelheiten der Anordnung. Die Ver¬ 
bindungshalle auf der Westseite des kleineren und der monu¬ 
mentale Brunnen auf der Ostseite des gröfseren Schlosshofes 

sind vorläufig 
nur Projekt. 
Gleichzeitig 
ist jedoch 
sowohl das 
Aeufsere des 
Schlosses wie 
der Ausbau 
der Innen¬ 
räume einer 
Neugestaltung unter’ 
zogen worden, deren 
Ziel dahin ging, 
unter möglichster 
Schonung der alten 
stilvollen Theile und 
im Anschluss an die- 
selben dem Ganzen 
ein seiner Bedeutung 
und den Forderun¬ 
gen der Gegenwart 
entsprechendes 
künstlerisches 
Gepräge zu ver¬ 
leihen. Selbstver¬ 
ständlichwurde hier¬ 
bei Bedacht darauf 
genommen, dieses 
Gepräge annähernd 
einheitlich zu ge¬ 
stalten ; es sind 
daher — bis auf den 
thurmartigen Bau an 
der Westseite —- 
alle Theile, welche 
aus dem früheren 
Umbau herrührten 
und die Formen 
einer „romanti¬ 
schen“ Theater- 
Gothik zeigten, beseitigt und überall die für die ursprüngliche 
Anlage angewendeten Formen der deutschen Renaissance 
durchgeführt worden. 

Die Rücksicht auf die grofse Einfachheit jener älteren 
Theile nicht minder wie die Nothwendigkeit, bei dem beträcht¬ 
lichen Umfang der Anlage mit den zur Verfügung gestellten Bau¬ 
mitteln haushälterisch zu wirthschaften, schlossen eine reiche 
Architektur-Entwickelung im Aeufseren von vorn herein aus. 
Es konnte vielmehr nur Aufgabe der Architekten sein, hei 
schlichter Haltung im Detail die — mit Ausnahme des hohen 
Schlosses — bisher ziemlich nüchterne Gesammt-ErscheinuDg 
des Ganzen durch eine entsprechende Belebung der Silhouette zu 
einer malerisch reizvollen und charakteristischen auszubilden. 
Dieser Zweck ist durch Anordnung von Treppenthürmen, 
thurmartige Höherführung einzelner mit hohen Dachhauben 
versehener Bautheile, Bereicherung der Dächer durch Eikci- 
giebel und Lukarnen, Ausbildung der Schornsteinköpfe etc. in 




Grundriss vom Erdgeschoss. 


1) Einfahrt. 2) Unterfahrt. 3) Flur. 4, 5) Arbeitsz. u. Garderobe d. Herr». 6) Wohnz. 7) Zim. d. 
Dame. S) Gemeinschft. Schlafz. 9) Garderob. <L Dame. 10) Küche. 11) Kaffek. 12) Anrichtr. 13) Spülr. 
21) Speiset. m. Vorrathsr. 15) Leutest. 16) Plattst. 17) Kolik. 18) Waschk. 19) Wildk. 20) Geschirrt. 
14) Kutscherst. 22) Geschirrt. 23) Wagen-Waschr. 25) Fremdenz. 





















































DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


2 . Januar 1881 


einer Weise erreicht worden, die in ihrer stilvollen Echtheit 
für das Geschick, mit welchem die Architekten die Bauweise 
deutscher Renaissance beherrschen, wiederum ein glänzendes 
Zeugniss ablegt und ohne Zweifel eine fruchtbare Anregung 
dazu geben dürfte, dass noch zahlreiche andere Grundherren 
den Wohnsitz ihres Geschlechts einem ähnlichen Verjüngungs- 
Prozesse unterwerfen werden. Bietet doch in dieser Beziehung 
no manche andere Schloss-Anlage aus derselben Periode — 
unter den schlesischen Schlössern vor allem die Perle derselben, 
Fürstenstein — Aufgaben von dem höchsten architektonischen 
Interesse, deren Lösung verhältnissmäfsig nicht kostspieliger 
aber noch ungleich dankbarer sein würde, als der Umbau von 
Schloss Klitschdorf. 

Wie in den Formen, so schliefsen auch in Konstruktion 
und Material die neuen Bautheile des letzteren an die alten 
sich an; alle Architekturglieder sind aus dem Sandstein der 
in der Nähe gelegenen Warthauer Brüche hergestellt, die 
Flächen geputzt. 

Im Innern sind die alten Holzbalken-Decken des hohen 
Schlosses ergänzt; die neuen Decken der Herren-Wohnung, 
so Aveit sie nicht gewölbt wurden, sind gleichfalls als echte 
Holzdecken in Kiefernholz ausgeführt worden. Im übrigen 


entspricht der Ausbau der Räume, bei denen vorzugsweise ein 
ausgedehnter Gebrauch von Ilolz-Vertäfelungen gtmacht wurde, 
in Bezug auf Einfachheit der Motive und Schlichtheit der 
Formen der architektonischen Haltung des Aeufseren; doch 
ist überall auf Ausführung in gediegenem Material Werth 
gelegt worden. — Die Heizung erfolgt durch erwäimte Luft, 
die Erleuchtung mittels Fettgas, zu dessen Gewinnung aus 
Petroleum-Rückständen eine kleine Anstalt erbaut ist. Die 
Wasserversorgung wird durch eine Quell-Leitung mit natür¬ 
lichem Druck bewirkt. 

Mit Ausnahme einiger Gegenstände des inneren Ausbaues, 
die aus Berlin bezogen wurden — reichere Tischler-Arbeiten, 
Majolika-Oefen, Marmor-Kamine, Bleiverglasungen etc. — sind 
sämmtliche Arbeiten durch Handwerker aus der Umgegend 
angefertigt worden — ein Umstand, der es in erster Linie 
ermöglichte, bei verhältnissmäfsig geringer Bausumme quan¬ 
titativ grofse Leistungen zu erzielen. Der speziellen Bau- 
Ausführung stand unter eigener Verantwortung der Architekt 
und Maurermeister S c li e i n e r t vor. Den Architekten K a y s e r 
und v. Grofzheim lag neben der Anfertigung der Entwürfe 
und Detailzeichnungen die Oberleitung des Baues ob. 

— F. — 


Neue Sekundärbahn-Bauten in Bayern. 

(Schluss aus der vorjähr. No. 103.) 


Aus den im 1. Theil des Artikels gebrachten Ausführungen 
über Bau und Ausrüstung der Bahnen geht schon genügend 
hervor, dass der Be trieb derselben in einermöglichst einfachen 
und ökonomischen Weise gehandhabt werden muss, um den 
Zweck, welchem das System dieser Nebenbahnen dienen soll, voll 
zu ei füllen. 

Die Schwierigkeiten, welche unzweifelhaft aus der Gewöhnung 
der Bahnbeamten und des Publikums an die Verhältnisse und 
Leistungen der Hauptbahnen entspringen werden, muss die Zeit 
überwinden. Für die im übrigen anzustrebenden Erleichterungen 
des Betriebes, wie Verminderung der Fahrgeschwindigkeit 
und Vereinfachung der Bahnbewachung giebt die Bahn¬ 
ordnung für die bayer. Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung 
vom 5. März 1882 den Rahmen an. 

Für die Bahnbewachung wird eine wesentliche Ver¬ 
einfachung und Ersparniss dadurch erzielt, dass die Begehung 
der Bahnstrecke nur ein Mal des Tages stattfindet und dies auch 
nur da, wo die zulässige Geschwindigkeit der Züge zu mehr als 
20 km pro Stunde fest gesetzt ist. Besondere Bahnwärter und 
Patrouilleure sollen daher in der Regel nicht angestellt, der 
Dienst derselben vielmehr von den Aufsehern der Haltestellen 
und von den Weichenstellern der Stationen mit verrichtet werden. 

Auch bei frequenten Uebergängen und in Strecken, für welche 
besondere Vorsicht geboten ist, wird von einer Bewachung 
der Bahn abgesehen und nur die Verminderung der Fahrge¬ 
schwindigkeit auf das Maafs von 15 km in Aussicht genommen. 

Während die geringe Fahrgeschwindigkeit den Wünschen 
und Interessen des reisenden Publikums in gewissem Grade ent¬ 
gegen steht, soll andererseits durch eine möglichst entgegen 
kommende Einrichtung der Fahrordnung, insbesondere durch 
zweckdienliche Anschlüsse, wie sie beim Sackbahn - System leicht 
zu ermöglichen sind, wie auch durch eine reichliche Anzahl von 
Fahrgelegenheiten auf thunlichste Erleichterung und Belebung 
des Verkehrs hiugewirkt werden. 

Zu demselben Zwecke werden einfache Haltestellen, die 
keine nennenswerthen Baukosten verursachen und, da sie ohne 
Aufsicht belassen werden, Betriebsausgaben gar nicht erfordern, 
an allen Plätzen ei lichtet werden, für welche ein Bedürfniss nach¬ 
gewiesen werden kann. Die Abfertigung der Passagiere und 
Stückgüter von mälsigem Gewichte soll durch das Zugpersonal 
bewirkt werden. 

Für die Haltestellen mit Güterabfertigung ist ein 
Beamter in Aussicht genommen, der den gesammten Stations¬ 
dienst, uöthigenlälls unter Beihülfe seiner Frau, oder eines 
Familienmitgliedes zu versehen hat. Insbesondere ist diesem 
Beamten auch das Umstellen der Weichen, nöthigen Falls unter 
Zentralisirung der Stellhebel, zu übertragen. 

An den Zwischen Stationen tritt ein Expedient als Stations¬ 
vorsteher hinzu, an den Endstationen noch ein Stationsassistent. 
An letzteren wird in der Regel auch das Zugpersonal zu sta- 
tioniren sein, bestehend aus mindestens 2 Lokomotivführern, von 
denen einer zugleich als Werkführer thätig ist, 2 Heizern, 
1 Werkstättenarbeiter und 2 Schaffnern. Dem Vorsteher der 
Endstation wird gleichzeitig die Leitung des Gesammtdienstes 
auf der Lokalbahn einschliefslich der Bahnunterhaltung über¬ 
tragen. 

An die Leistungen des Zugpersonals werden höhere 
Ansprüche zu stellen sein, als auf den Hauptbahnen. Insbesondere 
soll dasselbe an den Stationen bei Abfertigung des Zuges, Auf- 
und Abladen von Gütern, Aufnahme und Abgabe von Wagen und 
Stellen der Weichen sich thatkräftig betheiligen. Im Bedarfs¬ 
fälle wird zur rascheren Abwickelung dieser Manipulationen eher 
eine Vermehrung des Zugpersonals als des Stationspersonals 


stattfinden, voraus gesetzt, dass es sich nicht lediglich um die 
Befriedigung des lokalen Bedürfnisses einer Station handelt. — 

Wie schon früher erw’ähnt, sollen die Betriebs-Einnahmen 
nicht nur eine Deckung der Betriebskosten, sondern auch eine, 
wenn auch mäfsige Verzinsung des aufzuwendenden Bau¬ 
kapitals in Aussicht stellen. Da nun diese Verzinsung durch 
den nach Abzug der Betriebskosten verbleibenden Rest der Ein¬ 
nahmen dargestellt wird, so war es nothwendig, für jede Linie 
den zu erwartenden Personen- und Güter-Veikehr und die daraus 
resultirende wahrscheinliche Einnahme zu ermitteln, andererseits 
waren die nach den einschlägigen Betriebsverhältnissen sich be- 
| rechnenden voraussichtlichen Betriebsausgaben zu bestimmen, um 
daraus auf die Höhe der Verzinsung des Anlagekapitals schliefsen 
zu können. 

Die Lösung der Aufgabe, die Rentabilität einer zu erbauen¬ 
den Bahnlinie voraus zu bestimmen ist im allgemeinen eine sehr 
schwierige, da hierbei eine Reihe von Einflüssen in Betracht 
kommt, die sich ziffermäfsig schwer ausdrticken und überhaupt 
nur schätzungsweise ermitteln lassen. Es verdient daher das 
für die in Rede stehenden Lokalbahnen aagewendete eigenartige 
Rechnungsverfahren um so mehr Beachtung, als bei demselben auf 
thunlichste Beseitigung willkürlicher Annahmen und auf ein mög¬ 
lichst systematisches Vorgehen viel Sorgfalt verwendet worden ist. 

Die für eine Bahn in Aussicht stehende Einnahme ergiebt 
sich, von geringfügigen Nebenerträgen abgesehen, aus der Gröfse 
des Personen- und Güterverkehrs und den für die Transport¬ 
leistungen zu zahlenden Preisen. Es handelt sich daher in erster 
Reihe darum, sowohl den Umfang des Güterverkehrs, welcher 
meist für die Bahnrente Auschlag gebend ist, zu ermitteln, als 
auch die Höhe der Personenfrequenz zu entwickeln, sodann die 
Unterlagen fest zu setzen, auf welchen die Vergütung für die 
auf der Lokalbahn zu bewirkenden Transportleistuugen zu be¬ 
messen ist, d. h. die Tarife zu bestimmen. 

Die Gröfse des zu erwartenden Personen- und 
Güterverkehrs wurde theils auf direktem, theils auf indirektem 
Wege, oder auch auf beide Arten gleichzeitig ermittelt. Ueberall 
da, wo für den zu erwartenden Verkehr direkte Anhaltspunkte 
geboten waren, wie sie sich beispielsw. aus dem Vorhandensein 
grofser Waldungen mit geregeltem Betriebe oder von Steinbrüchen, 
dann von Fabriken und sonstigen Etablissements ergeben, wurde 
deren Bezug an Rohmaterialien und Versandt an Produkten sorg¬ 
fältig ermittelt und bei der Berechnung der Betriebseinnahmen 
der Lokalbahn direkt in Ansatz gebracht. In einzelnen Fällen 
lieferten auch die aus den Betriebsnachweisungen der kgl. Ver- 
kehrsanstalten geschöpften Daten über den bestehenden Verkehr 
derjenigen Stationen, in welchen die künftigen Lokalbahnen sich 
anschliefsen werden, benutzbare Anhaltspunkte über die voraus¬ 
sichtliche Verkehrsgröfse. 

In Fällen, in welchen solche Anhaltspunkte fehlten, so ins¬ 
besondere bei der Bestimmung des Personen- und Stückgutver¬ 
kehrs, für dessen Gröfse erfahrungsgemäf's der gewöhnliche Post- 
und Fuhrwerksverkehr auf den Strafsen keinen Maafsstab bietet, 
musste versucht werden, Erfahrungen bei anderen ähnlichen Bahnen 
zu benutzen. Hierbei wurde von der Beobachtung ausgegangen, 
dass die Gröfse des Verkehrs in einem bestimmten Verhältnisse 
zur Einwohnerzahl des durch die Bahn aufgeschlossenen Gebiets 
und zur Lebens- und Beschäftigungsweise der Einwohner steht, 
sowie dass die Höhe des Frequenz-Antheils der einzelnen, auf die 
Bahn angewiesenen Ortschaften mit der Zunahme der Entfernung 
von den Stationen abnimmt, und dass die Frequenz bei einer 
Entfernung von 10 km Weg oder 9 k,n Luftlinie von der nächst 
gelegenen Station nahezu Null wird. Mit Rücksicht auf diesen 
Umstand ist für die weiteren Ermittelungen der ganze zu einer 















No. 1. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


3 


Bahnlinie gehörige, IS breite Terrainstreifen in einen innern, 
je 5 111 links und rechts der Bahn gelegenen, also 10 km breiten 
nnd 2 äulsere, diesen inneren abschliefsende Streifen von je 4 k ™ 
Breite getheilt nnd im allgemeinen angenommen worden, dass 
tur den inneren Streifen die ganze Bevölkerung, für die äufseren 
nur deren Hälfte zur Berechnung der Frequenz der Bahn heran 
gezogen werden dürfe. Die Summe der ganzen Bevölkerung 
des inneren, der halben Bevölkerung der beiden äufseren, sowie 
eines gewissen Theils der Bevölkerung der Anschlusstation ist 
nun in der Folge unter der Bezeichnung „kommerzielle Be¬ 
völkern ng“ des Bahngebiets als Maafsstab für die Yerkehrs- 
gröfse benutzt worden. 

Bezeichnen: 

e die Kopfzahl der kommerziellen Bevölkerung, 
die mittlere Fahrtlänge, dargestellt durch die Entfernung 
des Schwerpunktes der Bevölkerung von der Anschlosstation 
(wobei diese Entfernung erhalten wird, indem man die Produkte 
aus der kommerziellen Bevölkerungszahl jeder Station und deren 
Abstand von der Anschlusstation addirt und durch die Gesammt- 
zahl der kommerziellen Bevölkerung dividirt), 

V den pro Person und km , 

<7 den pro Tonne Frachtgut und kra gezahlten Preis, 
n P und np die Yerkehrskoeffizienten, d. h. die Zahl 
der Eisenbahnfahrten, bezw. der Tonnen Güter, welche aus dem 
Gesammtverkehr einer Bahn pro Jahr auf eine Person der 
kommerziellen Bevölkerung treffen, 

Ep und Eg die gesammten Jahreseinnahmeu einer Bahn 
aus dem Personen- bezw. Güterverkehr, so ist: 

Ep — espnp und Eg = e s g n g 
Yon diesen Faktoren können die ersten drei für jede Bahn 
direkt, ohne dass deren Verkehr selbst bekannt ist, erhoben 
werden. Die Gröfse der Yerkehrskoeffizienten ist dagegen nur 
aus den Yerkehrsergebnissen bestehender Bahnen mit 
Hülfe der Gleichungen: 


n P 


X'p A -^<7 

—— und rin — — 
esp * esg 

zu ermitteln. Hierzu wurden im vorliegenden Falle die den 
Betriebsnachweisungen für 1879, 1880 und 1881 entnommenen 
Ergebnisse von 6, zu einem Vergleiche besonders geeigneten, 
bayerischen Yizinalbahnen benutzt, für welche sich mit den Tarif¬ 
sätzen pro Personenkilometer p = 0,04 Jl und pro Tonnenkilo¬ 
meter <7 = 0,16 dl die nachstehenden Yerkehrskoeffizienten er¬ 
geben haben: 

Es muss bemerkt werden, 
dass bei dieser Berechnung 
der Antheil. welchen die An- 


Bahnlinie 

np 

n 9 

1 Schwaben-Erding. 

4,86 

1,20 

2. Steinach-Rothenburg. 

4,31 

1,10 

3. Dombühl-Fenchtwangen . . . 

4.50 

0,73 

4. Neustadt-Windsheim. 

3,03 

0,53 

•')■ Senden-Weissenborn. 

4,11 

0,91 

6. Feucht-Altdorf. 

5,G3 

0,40 

Im Mittel. 

4,40 

0,80 


1-20 schlusstalion zur kommer¬ 
ziellen Bevölkerung der ab¬ 
zweigenden Bahn liefert, bei 
kleineren Orten auf >/ 3 der 
Einwohnerzahl geschätzt ist, 
indem angenommen wurde, 
dass die Einwohner des An¬ 
schlussortes sich bei Benutzung der B ihnen gleichmäßig auf die 
drei, von einer solchen Station ausgehenden Bahnrichtungen ver¬ 
theilen. Da für gröfsere Anschlusstationen diese A°nnahme 
nicht mehr zulässig erscheint, so sind hierfür besondere Schätzungen 
mit Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse anzustellen. 

Die so ermittelten Yerkehrskoeffizienten, bezw. deren Mittel- 
werthe 

n p = 4,4 und n g = 0,8 


Bahnlinie 

Berech- Wirk- 
neto | liehe 
Einnahmen 

M. | M. 

1 Schwaben-Erding .... 

43 062 

46 044 

2. Steinach-Kothenburg . . 

34 983 

36 051 

3 Dombühl Feuchtwangen 

22 581 

20 249 

4. Neustadt-Windsheim . . 

54 716 

36 754 

5. Senden-Weissenhovo . . 

25 213 

22 766 

C. Feucht-Altdorf. 

29 513 

26 129 


Die mit der aufge¬ 
stellten Formel und den 
Mittelwerthen der Verkehrs- 
koeffizienten gefundenen Er¬ 
gebnisse weichen hiernach 
von den wirklichen Ein¬ 
nahmen nicht allzusehr ab; 
eine gröfsere (aus eigen¬ 
tümlichen lokalen Verhält¬ 
nissen entspringende) Diffe¬ 
renz tritt nur bei der Bahn 
von Neustadt nach Windsheim auf. Es wird daher der Schluss 
gezogen werden dürfen, dass, wo direkte Anhaltspunkte fehlen, 
die Anwendung der aufgestellten Formel für Betriebseinnahmen 
auf Lokalbahnprojekte der Wirklichkeit ziemlich angenäherte 
Durchschnittsbeträge ergehen wird, wenn in mittelmäfsig bevölkerten 
Gegenden der Verkehrs-Koeffizient n p zwischen 4 und 4,5 und 
n g zwischen 0,6 und 0,8, dagegen bei dünner Bevölkerung und 
Mangel an Handel und Industrie np zwischen 3 und 4 und 
n g zwischen 0,4 und 0,6 angenommen wird. Umgekehrt kann 
in dicht bevölkerten und verkehrsreicheren Gegenden mit dem 
Koeffizienten np bis zu 5,5 und mit n g bis zu 1.2 gegangen werden. 

Es ist nun zwar nicht zu verkennen, dass bei dem angege¬ 
benen Verfahren nicht nur in der Bemessung der Verkehrskoeffi¬ 
zienten, sondern auch in der Abgrenzung des Verkehrsgebietes 
und iu der Bestimmung der mittleren Fahrtlänge eine gewisse 
Willkür oder Unsicherheit obwaltet. Es ist nicht auzunehmen, 
dass sich das Verkehrsgebiet immer genau bis zu 9 km auf beiden 
Seiten der Bahn ei streckt; ferner auch endigen oder beginnen 
jedenfalls nicht alle Fahrten in der Anschlusstation, wie bei 
Berechnung der mittleren Fahrtlänge angenommen wurde. Da 
jedoch ähnliche Abweichungen von den gemachten Annahmen auch 
bei den Viziiialbahneu vorhanden sein werden, aus deren Ein¬ 
nahme-Ergebnissen die Gröfse der Verkehrs-Koeffizienten berechnet 
worden ist, so sind die sämmtlichen Unsicherheiten gewissermaafsen 
in der Verschiedenheit der Werthe dieser Koeffizienten zum Aus¬ 
druck gebracht, und daher bei vorsichtiger Bemessung derselben 
von dem vorgeführten Verfahren recht brauchbare Resultate zu 
erwarten. 

Der Berechnung der Betriebsausgaben wurde, da weder 
die Baumeister’sche noch die Plessner’sche Formel bei probeweiser 
Anwendung auf die bayerischen Vizinalbahnen sich zutreffend 
erwies, eine besondere Methode zu Grunde gelegt, die sich ebenso 
wie die Berechnung der Betriebseinnahmen auf die Ergebnisse 
der mehr erwähnten Vizinalbahnen stützt. 

Danach werden die Ausgaben zerlegt in: 

I. Besoldungen und sonstige ständige Personalausgaben 
ausschliefsl. der unständigen Ausgaben für Arbeitslöhne; Jahres¬ 
betrag dieser Ausgaben = P. 

II- Transportkosten, erwachsend durch Feuerung der 
Lokomotiven, Beleuchtung und Beheizung der Lokale, Schmieren 
und Unterhaltung des Fahrmateriales; Betrag dieser Ausgaben 
pro Nutzkilometer = t. 

III. 1) Kosten der Stations- und Bahnunterhaltung: 
pro Jahr und km = u ; 

2) Kosten der Erneuerung a) das Oberbaues: pro Jahr 
u. kra = o ); b) des Fahrmaterials; pro Jahr u. pro Mark 
der Anschaffungskosten = F; 

3) Uebrige Ausgaben pro Jahr u. km der Bahnlänge = x. 

Die Zahlenwertke dieser Einheitskosten sind natürlich nicht 

für alle Bahnstrecken gleich, sondern variiren theils mit der 
Intensität des Betriebes, theils mit den Steigungs- und Krümmungs- 
Verhältnissen der einzelnen Strecken. Nach ersterem Gesichts¬ 
punkte wurden im vorliegenden Falle drei Gruppen angenommen, 
nämlich: 


können nun freilich noch nicht ohne weiteres der Berechnung 
der Betriebseinnahmen neuer Bahnlinien zu Grunde gelegt werden, 
da 1. die Verhältnisse der bestehenden Vizinalbahnen von den¬ 
jenigen der in Aussicht genommenen Lokalbahn überhaupt in 
mancherlei Weise abweichen, und da 2. auch die Verhältnisse 
der einzelnen Lokalbahnen unter sich verschieden sind. Diese 
Koeffizienten können streng genommen nicht einmal für alle 
Stationen und die auf dieselben angewiesenen Ortschaften einer 
und derselben Bahn gleichmäfsig verwendet werden; vielmehr 
sind die Verkehrs-Koeffizienten zu erhöhen oder zu erniedrigen, 
je nach der Lebens- und Beschäftigungsweise der Einwohner, je 
nachdem also diese auf Landwirtschaft, Industrie oder Handel 
angewiesen sind und in gröfseren Ortschaften in nächster Nähe 
einer Station konzentrirt oder über das ganze Terrain zerstreut, 
somit von den Bahnstationen entfernter, wenn auch noch im 
Verkehrsgebiete selbst leben. Eine gewisse Willkürlichkeit ist 
also nicht zu vermeiden. Es lässt sich jedoch dieselbe dadurch 
in ziemlich enge Grenzen einschliefsen, dass man die Verkehrs- 
Koeffizienten für neue Bahnen überhaupt etwa3 niedriger als für 
schon bestehende annimmt, sonst sich aber von den Mittelwerthen 
immer nur wenig entfernt. 

Dass dieses Verfahren brauchbare Resultate giebt, lässt sich 
leicht durch eine Proberechnung für die oben erwähnten sechs 
Vizinalbahnen nachweisen. Nachstehende Zusammenstellung giebt 
als berechnete Einnahme diejenigen Beträge an, welche sich 
ergeben haben würden, wenn die Verkehrsgröfse im allgemeinen 
dem Mitteiwerthe der Verkehrs-Koeffizienten entsprochen hätten. 


A Bahnen mit 2 Zügen pro Tag in jeder Richtung, 

U q 

~r ( ” » ° n n n n 11 » 

j n u ^ n n n u u u 

Jede dieser Gruppen wurde, wo erforderlich, wieder in drei 
Unterabtheilungen zerlegt, nämlich in: 

a Bahnen mit Maximalsteigungen bis zu 9,9 %o 

b u u u u von 10 „ „ 19,9 o/ 00 

^ n u u u u 20 „ „ 25 o/oo 

Darnach konnte zur Berechnung der Koeffizienten in folgender 
Weise geschritten werden: 

Die Besoldungen und sonstigen Personalausgaben wurden 
für jede Gruppe bei Bahulängen von 5, 15, 20, 25, 30 und 40 km 
dem wirklichen Bedürfnisse an Personal entsprechend bestimmt. 
Es ergaben sich für P nachstehende Werthe: 

Für zwischen liegende Längen 
werden die Beträge durch einfache 
Interpolation bestimmt 
Die Transportkosten (/) ste¬ 
henin einem bestimmten Verhältnis 
zur Transportleistung, als deren 
Maafs gewöhnlich die Nutzkilometer, 
d. h. die Zahl n der vom Zuge 
bei seiner Ueberführung von einer 
Station zur anderen durchfahrenen 
km (mit Ausschluss aller Rangirbewegungen u. s. w.) dient. Die 
Untersuchungen bei den bayerischen Vizinalbahnen haben ergeben, 
dass die Transportkosten mit der Zunahme der Zahl der ver¬ 
kehrenden Züge abnehmen, andererseits aber mit Vergröfserung 


Bahn¬ 

länge 

L 

A 

M. 

B 

M. 

c 

M. 

r< 

9 500 

9 500 

9 500 

15 

16 000 

16 000 

20 000 

20 

21 000 

25 000 

26 000 

25 

25 500 

27 500 

28 500 

30 

30 000 

32 000 

33 000 

40 

35 000 

37 000 

38 000 








































2. Januar 1884 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


Unterabteilung: j 

a 

b 

c 

Maximalsteigung: j 

9,9 °/oo 

10 bis 
19,9 

20 bis 

25 0/ ü0 


Zahl l| 


Gruppe 

der tilgl. 
Zöge || 

M 


ji. 

A 

ß 

C 

9 1 

G i 

8 lj 

0,20 

0,18 

0,16 

0,22 

0,20 

0,18 

0.25 

0,23 

0,21 


der auf der Strecke vorhandenen Maximalsteigung wachsen. Die 
so ermittelten, für den Gebrauch hei den Lokalbahnen e.was ab¬ 
gerundeten Zahlenwerthe von t sind für die verschiedenen Gruppen 
und Unterabtheilungen folgende: , v o. 

Die Kosten der Sta- 
tions- und Bahnunter¬ 
haltung sind uach Plessner 
und auf Grund einer Unter¬ 
suchung der Ergebnisse bei 
den 15 bestehenden bayer. 
Vizinalbahnen der Quadrat¬ 
wurzel aus der Bahnlänge 
L proportional gesetzt wor¬ 
den. Da diese Kosten im 

allgemeinen von den Steigungsverhältnissen wenig, dagegen vor¬ 
zugsweise von der Anzahl der auf der Bahn verkehrenden Zuge 
abhängig sind, so wurde nur nach den Gruppen AB und C aus 
geschieden und ergeben sich für u die nachstehenden TS erthe. 

Gruppe: ABO 
u = 1600 1800 2000 

Für die Berechnung der Erneuerungskosten des Ober¬ 
baues (w) ist die Dauer der eisernen Langschwellen und des Klem- 
eisenzeu-s zu 60, diejenige der Weichen zu 20 Jahren geschätzt 
und ferner (nach Plessner) angenommen, dass eine Stahlscmene 
auf gerader und horizontaler Bahn 108 000 darüber gehende 

Z0 %r“e.icht der Schnelle mit OMlM 
34 96 4- 5,33 = 40,29 k s pro m Gleis. Wird der Preis fui 1 
Langschwellen und Kleineisenzeug zu 165 ./^angenommen, so 
ersieht sich der Anschaffungspreis für 1 * Gleis zu 6,65 JL 
Als Altwerth kann Vs fies Anscliaffungswerthes in Rechnung ge¬ 
stellt werden; dann ergeben sich die Erneuerungskosten pro Jahr 
und kl " Bahn zu 21 JL und wenn für Seitengleise der Stationen 
10 % zugeschlagen werden, zu 23 JL 

Die Kosten einer Lokalbahn-Weiche ohne Schienen be¬ 
tragen 500 JL Hiervon 2 /s als Altwerth, bleiben zur Erneuerung 
vorzusehen 300 JL , entsprechend einer jährlichen Rücklage von 
iü 1 pro Weiche, und da durchschnittlich auf 1 k “ Bahnlange 

1 Weiche trifft, von 10 JA pro km . 

Bei Berechnung der Erneuerungskosten der Schienen sind 
sowohl die Steigungsverhältnisse als die Zugfrequenz in Betracht 
zu ziehen Und zwar wird die Abnutzung der Schienen dnekt 
proportional gesetzt der Zahl der darüber geführten Zuge und 
dem Quotienten aus der mittleren virtuellen Lange fui beide 
Fahrrichtungen, dividirt durch die wirkliche Lange, d. h. dei sog. 
virtuellen Yerhältnisszahl. Diese beträgt nach durchge- 
führten Näherungsrechnungen für die Lokalbahnen^ 

a) mit 9,9 %o Maximalsteigung rd. l,2o 

b) „ 10-19,9 # /oo „ „ 1,50 

c) „ 20—25 %o ,, » 2 >[ )0 , ™ 

Bei Zugrundelegung der oben angegebenen Annahme Pless- 

ner’s kann hiernach gefolgert werden, dass in ueu kallen: 
a b c 

86 000 72 000 54 000 

Züge über die Schienen bewegt werden können, bis deren Aus¬ 
wechselung erfolgen muss. Hieraus lässt sich die Zeit der Dauer 
einer Schiene und die jährlich für die Erneuerung nöthige Rück¬ 
lage berechnen. Da für die: 

Gruppe A jährlich 4.365 = 1 460 Zuge 

B „ 6.365 = 2 190 „ 

” G ” 8.365 = 2 920 „ 

in Ansatz kommen, so berechnet sich die Dauer der Schienen 
auf die nachstehend angegebenen Werthe: 

Das Gewicht der Schienen pro m Gleis 
beträgt 39,52 

Wird der Preis von 1 1 Stahlschienen 
zu 180 Jl angenommen, so ergehen sich 
die Kosten der Schienen für 1 m Gleis 
hrlich für die Erneuerung nöthigen Rück- 
rro km zu: 

Werden diesen Zahlen, nach Zuschlag 
von 10 % für Nebengleise in den Stationen 
und Haltestellen, noch die kilometrischen 
Rücklagen für Langschwellen, Kleineisen¬ 
zeug und Weichen mit 33 JL zugeschlagen, 


und die Summen mit Rücksicht auf eine entsprechende Reserve 
nach oben abgerundet, so finden sich für w die nachstehenden 

Werthe. jTQ r die Erneuerung 

der Lokomotiven und 
Wagen wurde (nach Pless¬ 
ner) ein Betrag von 3 °/ 0 der 
Anschaffungskosten als jähr- 
li he Rücklage in Ansatz 
gebracht, abo / = 0,03 
gesetzt. Die Anschaffungs¬ 
kosten sind nach dem Be¬ 
darf für die einzelnen Bahn- 


Unterabteilung: 
Maximalsteigung: 

a 

9,9 «/□(, 

Jl 

Gruppe 

Zahl 
der tägl. 
Züge 

A 

4 

60 

B 

6 

80 

C 

8 

100 


10 his 
19,9 0 /nn 


Jl. 


20 his 
25 °/oi> 

JL 


SO 

120 

160 


100 

160 

220 


längen unter Berücksichtigung der Anzahl der verkehrenden Zuge 
berechnet und wurde hierbei angenommen, dass für Steigungen 

bis zu 19.9 °/„n noch 2-achsige Tendermaschinen für den Beam 
ausreichend sind, für Steigungen von 20 °/oo bis einsc ‘ ll V^; , /'' ü 
aber 3 achsige Maschinen noth wendig werden. Unter der Toraus¬ 
setzung, dass die Güterwagen der Hauptbahn im Wagenladungs¬ 
verkehr auf die Lokalbahn übergehen, ergeben sich Qach spezielle 
Berechnung für den Bedarf F, zur Beschaffung von Fahrmate 



u 

b 

c 

A 

60 

50 

37 Jahre 

F, 

40 

33 

24 „ 

c 

30 

24 

18 „ 

zu 

7,11 

Jl i 

und die ja 

lagen b 

crechnen sich ] 


a 

h 

c 

A 

18 

28 

52 JA 

B 

45 

65 

109 „ 

c 

80 

109 

166 „ 


Bahnlänge 

km 

Grup] 
a und b 

Jl. 

A 

c 

JL 

Gruppe B 
a und b \ c 

Jl. | JL 

Gruppe C 
a und b | C 

JL 1 JL 

Bis 6 

6 — 10 

10 — 14 

14 — 19 

19 — 25 

25 — 40 

69 400 

79 000 

87 100 

87 100 

87 100 
130 600 

1 

81 400 

91 000 

99 100 

99 100 
99 100 
148 600 

69 400 

S3 000 

91 100 

91 100 
134 600 
l 134 600 

81 400 

95 000 
101100 
103 100 
152 600 
152 600 

69 400 

91 100 

95 100 
138 600 
138 600 
138 600 

81400 
103 100 
107100 
156 600 
156 600 

156 600 


Die übrigen Ausgaben, weicne mr V« , T) X 
und Regie-Erfordernisse, Reinigung, Heizung und Beleuchtung der 

Stationen, Instandhaltung und Ergänzung der Inventarien er- 
ömuoubu, .& , havpv Vizinalbahner 


wachsen, können nach den bei den bayer. Vizinalbahnen 
und auswärtigen Lokalbahnen gesammelten Erfahrungen durch- 
schnitt!» für die Gruppe: ^ ^ ^ ^ — ^ 

genemmen^weiden^e ZaMenwertlle sämmtlicher zur Berechnung 
der Betriebskosten erforderlichen Koeffizienten bestimmt. Die 
Einführung in die Formel: 

K = P -}- tn-\-u\L-\-{u)-\-x)L-\-jF 

ersieht beispielsw. für die verschiedenen Gruppen und UntCT- 
abtheilungen der Lokalbahnen die nachstehenden Werthe für 

den jährlichen kilometrischen Kostenbetrag -j- : 


Gruppe: 
Unterabtheilung 
Bahnlänge: 

5 

10 
15 

20 
25 
30 
35 
40 


Jl. 

3 594 
2 395 
2 156 
2 040 
1 970 
1 925 
1 814 
) 728 


A 

b 

Jl. 


3 583 
2 444 
2 205 | 
2 090 
2 019 
1 974 
1 863 
1 777 


c 

Ji 

a 

Ji. 

B 

h 

Jl 

c 

Ji. 

a 

Ji. 

c 

b 

JL 

c 

Ji 

3 719 

3 771 

3 854 

4 032 

3 978 

4 096 

4 316 

2 544 

2617 

2 701 

2 843 

2 823 

2 941 

3 135 

2 293 

2 362 

2 446 

2 57G 

2 894 

3 013 

3 196 

2 171 

II 2 503 

2 587 

2 720 

2 722 

2 840 

3 015 

2 101 

2 273 

2 356 

2 484 

2 476 

2 594 

2 763 

2 056 

l| 2 179 

2 263 

2 3S7 

2 371 

2 490 

2 655 

1 942 

2 056 

2 139 

2 260 

2 2S9 

2 358 

2 521 

1 854 

I 1 959 

II 

2 043 

2 163 

2 137 

2 256 

2 417 


Die Aufstellung der Tarife würde am richtigsten für jede 
einzelne Lokalbahn, mit Berücksichtigung der lokalen Verhältnisse, 
gesondert zu erfolgen haben. Da jedoch die aus einer zu grofsen 
Mannichfaltigkeit der Tarife hervor gehendenfUnbequemlichkeiten 
einen einheitlichen Tarif wünschenswert machen, so ist die Ein¬ 
führung der für die bayerischen Vizinalbahnen geltenden larite 
für die Lokalbahnen auch hier in Aussicht genommen worden. 

Der Raum gestattet es uns nicht, auf die Beschreibung der 
Einzelprojekte einzugehen. Es möge daher nur noch die Be¬ 
merkung Platz finden, dass die technischen Erläuterungen zu dem 
Gesetzentwürfe über die Herstellung der bayerischen Lokalbahnen 
mit einer Gründlichkeit bearbeitet worden sind, die bei derartigen 
Vorlagen anderwärts nur zu oft vermisst wird. 


Die Entwürfe zum Umbau 

Die Kgl Regierung legte Mitte November den sächsischen 
Ständen cif I)ek?et vof, welches sich auf den Umbau des vor¬ 
maligen Zeughauses bezog und den Ausbau desselben zu einem 
Staatsarchiv und einem Museum beantragte. Dasselbe lautet im 

Das Haupt-Staatsarchiv befindet sich zur Zeit in drei völlig 
unzureichenden und namentlich nicht genügend feuersicheren, 
sogar räumlich weit von einander getrennten Baulichkeiten. 

Schon diese lokale Trennung der Archivbestände erschwert 
die Verwaltung ungemeiD. Hierzu kommt, dass dieselben bereits 
viel zu dicht mit Archivalien belegt, ja selbst die durchaus feuer¬ 
gefährlichen Dachräume damit überfüllt sind, so dass seit einer 
lldhc von Jahren von der Aufnahme der eingehenden Akten ab¬ 
gesehen werden musste. 


des Zeughauses in Dresden. 

I Weiter hat sich für mehre der Königlichen Sammlungen für 

Kunst und Wissenschaft und zwar für die Königliche öffentliche 
1 Bibliothek, das Museum der Gipsabgüsse, die naturwissen¬ 
schaftlichen Museen und die Sammlung der Kupferstiche 
und Handzeichnungen eine Vergröfserung der zur Zeit von ihnen 
eingenommenen Räume nöthig gemacht. , 

Iu der Bibliothek, weiche der Natur der Sache nach ganz 
regelmäßig und zwar jährlich um etwa 2 800 Werke anwächst 
wird eine Erweiterung jedenfalls in etwa 5 Jahren unabweislich 
sein; das Museum der Gipsabgüsse sodann ist trotz der vor 
wenigen Jahren stattgehahten Zulegung von zwei Galerien des 
Zwingers bereits wieder, namentlich durch die Abgüsse der neuen 
Ausgrabungen und von Renaissance werken, so stark gefüllt, dass 
nur 8 noch hie und da einzelne Figuren untergebracht werden 












































































No. 1 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


können, Reliefs und gröfsere Gruppen aber keinen Platz mehr 
linden. Von den beiden naturwissenschaftlichen Sammlungen endlich 
ist das zoologisch-anthropologische und ethnographische Museum 
in seiner Entwickelung durch Raummangel bereits empfindlich 
gehemmt, da es nicht mehr möglich ist, den verschiedenen Klassen 
der Thiere diejenige Stelle anzuweisen, welche sie aus Gründen 
des Systems haben sollten. Auch die in dem Zwingerpavillon an 
der Sophienstrafse untergebrachte sehr werthvolle ethnographische 
Abtheilung kann nicht in angemessener Weise entfaltet werden 
und lässt sich in dem gegenwärtigen Raume nicht weiter entwickeln. 

Die Kgl. Regierung schlägt daher mit Recht als die einfachste 
und zweckmäfsigste Kombination Folgendes vor: die beiden natur¬ 
wissenschaftlichen Sammlungen in ein neu zu gewinnendes Ge¬ 
bäude zu verlegen und für ein solches kommt eben das alte 
Zeughaus in Betracht, die frei werdenden Räume des Zwingers 
zur Erweiterung des Museums der Gipsabgüsse, sowie zur Auf¬ 
nahme der Antikensammlung zu bestimmen und die bisherige 
Lokalität der letzteren im Japanischen Palais der köuigl. öffent¬ 
lichen Bibliothek zu überweisen. 

Dieses Projekt bietet namentlich auch den Gewinn, die An¬ 
tikensammlung dem Publikum zugänglicher zu machen, dieselbe 
mit dem Museum der Gipsabgüsse in räumlichen Zusammenhang 
zu bringen und somit sämmtliche Kunstsammlungen im Zwinger 
zu vereinigen. 

Das Zeughaus besteht (wie aus unseren seiner Zeit gelegentlich 
der Konkurrenz für den Dresdener Bebauungsplan mitgetheilten 
Skizzen, s. Jhrg. 1878, No. 20 u. 28, zu ersehen ist,) aus vier, einen 
grofsen Hofraum einschliefsenden Flügeln, von denen der südliche 
und der westliche im Zeughaushofe liegen, der nördliche an die 
Brühl’sche Terasse grenzt, und der östliche am Zeughausplatze 
gelegen ist. Nach dem vom Oberlandbaumeister 0anzier ent¬ 
worfenen, den Ständen vorgelegten Plane soll das Haupt-Staats¬ 
archiv in dem Erdgeschoss sämmtlicher vier Flügel und dem 
1. Obergeschoss des südlichen und westlichen Flügels untergebracht 
werden, während der übrige Theil des I. Obergeschosses die mine¬ 
ralogischen, geologischen und prähistorischen Sammlungen, die 
weiteren Obergeschosse, einschliefslich , einer auf dem nördlichen 
Flügel noch aufzubauenden Mansardenetage die zoologischen, anthro¬ 
pologischen und ethnographischen Sammlungen aufnehmen sollen. 
Dabei wurde auf vollständige Trennung des Haupt-Staatsarchivs von 
den übrigen Gebäudetheilen Bedacht genommen und durch Wölbung 
auch der oberen Geschosse, ferner durch Anlegung von zusammen 
acht, von unten aus gegründeten, die Dachräume vollständig trennen¬ 
den massiven Brandmauern die möglichste Feuersicherheit er¬ 
strebt. Das an das Zeughaus anstofsende, unschöne Gebäude an 
der Terrasse soll abgebrochen, die grofsen, den Zwecken der kgl. 
Kellereiverwaltung dienenden Keller unter dem Gebäude erhalten 
bleiben; in dem Hofe wird ein besonderes Kesselhaus mit Schorn¬ 
stein errichtet werden, von welchem aus die Expeditionsräume 
des Archivs, sowie sämmtliche Sammlungsräume Dampfheizung er¬ 
halten, während die eigentlichen Archivräume ungeheizt bleiben. 

Dieser Umbau des Zeughauses einschliefslich der Herstellung j 
aller Nebenaulagen ist auf 1 248 571 Ji 5 /i|, ein Neubau von dem¬ 
selben Fassungsraum dagegen auf 2 120 533 dt 25 a% veranschlagt. 
Der Unterschied von 871 062 di 20 stellt somit den Werth 
dar, welchen das Zeughaus, abgesehen von dem Werthe des Bau¬ 
platzes und der Kellereien, für den Staat repräsentirt. Nach Ab¬ 
zug der Dach- und Kellerräume wird das neue Gebäude 78778 cbm 
enthalten, wovon 34 323 cbm auf das Haupt-Staatsarchiv und44450 cbm 
auf die Sammlungen entfallen. Werden die Gesammtbaukosten 
nach diesem Maafsstabe repartirt, so entfällt auf das Hauptstaats¬ 
archiv excl. Mobiliarausstattung ein Aufwand von 544 072 di, 
auf die Sammlungen ein solcher von 704 499 di- Im Vergleiche 
zu den Kosten, welche andere Archivneubauten in neuerer Zeit 
erfordert haben, wird dieser Aufwand als ein sehr mäfsiger be¬ 
zeichnet. 

Soweit das Dekret. — Die Frage der Umgestaltung des Zeug¬ 
hauses ist durch dasselbe nicht zum ersten Male auf die Tages¬ 
ordnung gekommen. Als im Jahre 1877 das Zeughaus nach 
Vollendung des neuen Arsenals geräumt worden war, trat zunächst 
die Frage in den Vordergrund, ob der aus der Mitte des 16. Jahr¬ 
hunderts stammende, doch im 18. Jahrhundert verstümmelte Bau 
übeihaupt erhalten bleiben solle. Die Konkurrenz für den Be¬ 
bauungsplan des militärfiskalischen Terrains hat zur Evidenz 
bewiesen, dass das Zeughaus ein Verkehrshinderniss nicht sei. 
Seitdem ist seine Erhaltung gesichert. Für dieselbe spricht die 
entschiedene Grofsartigkeit seiner Anlage. Einst galt es für eine 
der hervor ragendsten Sehenswürdigkeiten Dresdens. Leider ist 
der Bau, infolge der früher ihn einengenden Festungsbauten, deren 
Rest die Brühl’sche Terrasse bildet, schiefwinklig. Jeder Flügel 
wird durch je eine toskanische Säulenreihe in zwei über Halb¬ 
kreisgurten gewölbte Schiffe getheilt; jetzt, wo dieselben durch 
Scherwände in viele Ahtheilungen zerlegt sind, entbehren die¬ 
selben des Reizes, der in der ruhigen Folge desselben Motives 
liegt. Getheilt ist ihr künstlerischer Werth sehr gering: nur 
wenn man einen Ueberblick über das Ganze hat, .wirkt dasselbe 
durch die Dimensionen der Anlage, durch die Ruhe des Grund¬ 
risses. Störend schneiden die Einbauten des 18. Jahrhunderts 
ein. Damals wurden die alten in den vier Hofecken gelegenen 
Wendeltreppen entfernt und neue, breitere in die südwestliche 
und südöstliche Ecke verlegt, die gleichfalls schiefwinklig und 
mithiu sehr unschön sind. 


o 


Das Canzler’3che Projekt zeigt das Bemühen, den Umbau so 
billig als möglich zu gestalten. Betrachten wir zunächst den 
Grundriss. Das Archiv erhält seinen Eingang vom Zeughaushofe 
durch eine der erhaltenen stattlichen Renaissance-Portale. Die 
alte schiefe Treppe bleibt bestehen. Der gegen die Terrasse zu 
gelegene Flügel wird vor der Erdfeuchtigkeit des dort etwa 4 «> 
höheren Terrains durch einen „Requisitenraum“ geschützt, der 
sich in geringer Breite längs der Umfangsmauer hinzieht und 
dessen südliche Scheidewand ganz unorganisch in das Gewölbe 
einschneidet. Da das Zeughaus Ueherschwemmungen ausgesetzt 
ist, soll der Fufsboden des Erdgeschosses auf Kosten des Ver¬ 
hältnisses der Säulen erhöht werden. Mithin ist auf die Erhaltung 
des einzigen künstlerischen Werthes des alten Baues keine 
Rücksicht genommen; ja es erweist sich, dass das Archiv über¬ 
haupt gar nicht in den Erdgeschoss - Räumen unterzubringen ist, 
wenn auf dieselben der Akzent gelegt wird, den sie immerhin 
neben ihrer historischen Bedeutung verdienten. Ebensowenig scheint 
das I. Obergeschoss für die beabsichtigten Zwecke geeignet. 
Wenn es an sich schon bedenklich scheint, die unersetzlichen 
Schätze eines Archivs in einem Raum unterzubringen über und 
unter dem (im Weinkeller und im Macerationsverfahren der natur- 
historischen Museen) mit Alkohol gearbeitet wird, so ergiebt sich 
hei der grofsen Tiefe und mangelhaften Gliederung des Baues, 
dass die Verwaltungsräume nur sehr mangelhaft angelegt werden 
können. Wenngleich der ihnen oft gemachte Vorwurf, dass 
keiner derselben einen rechten Winkel aufweist, sondern dass alle 
der Grundform de3 Gebäudes folgen mussten in praktischer 
Hinsicht wenig in Betracht kommt, so ist doch der mittlere Ver¬ 
bindungsgang zu ewiger Finsterniss, die Kommunikation zu 
geringer Bequemlichkeit verurtheilt. 

Die Gestaltung der Museen kann auch nicht eine befriedigende 
genannt werden. Einzelne auffällige Differenzen zwischen Fagade 
und Grundriss, das Einschneiden von Trennungsmauern zwischen 
den Hauptsälen in der Mitte der Fenster sind Beweise dafür, dass 
der Bau sich nicht ohne weiteres den neuen Aufgaben fügen 
will. Die Säle sind fast durchweg für ihre gewaltigen Grundriss- 
Dimensionen viel zu niedrig und werden schwerlich so zu deko- 
riren sein, dass sie der Würde eines Museums auch nur einiger- 
mafsen entsprechen. Schon an der von der Terrasse zugänglich 
gemachten Haupttreppe erkennt man die Nachtheile, welche aus 
den Geschosshöhen für die Aufriss-Gestaltung sich ergeben. 

Die Fagadenanlage schliefslich wird bedingt durch die neu 
eingeführten Wölbungen der Obergeschosse. Dieselbe erhält starke 
Widerlagspfeiler, welche als korinthische Pilaster über einem 
rustizirten hohen Postament gegliedert sind. Ihre gleichmäfsige 
Folge dürfte namentlich dem seitlichen Anblicke der Fagaden 
leicht verhängnissvoll werden. Hohe Giebel-Aufbauten an der 
Nordfacade, Treppenthürme und Risalite beleben die jetzt ganz 
schlichten Fronten. Eia nicht unerheblicher Theil der Kosten 
des Umbaues dürfte auf die von Hm. Canzler vorgeschlagene 
völlige Umkleidung des Zeughauses mit Sandstein fallen. 

Nach dem Gesagten dürfte klar sein, warum die Verwendung 
des Zeughauses für die von der Regierung vorgeschlagenen Zwecke 
iu der öffentlichen Meinung und namentlich auch in der Kammer 
entschiedene Gegnerschaft findet. Das Projekt vermag nicht von 
der Durchführbarkeit desselben zu überzeugen, legt vielmehr die 
j zahlreichen Schwierigkeiten erst klar. Da die Regierung jedoch 
J grofsen Werth auf die Räumung des die Fagade des kgl. Schlosses 
und des Taschenberg - Palais entstellenden Haupt-Staatsarchiv- 
Gebäudes — dem östlichen Zwingerpavillon gegenüber — legt, 
so soll dieselbe auf Annahme ihres Vorschlages durch die Stände 
bestehen. 

Es dürfte daher angezeigt sein, dass mau die früher für das 
Zeughaus geplanten Umbauprojekte einer nochmaligen Berück¬ 
sichtigung "unterzieht. Von städtischer Seite hat mau an die Ver¬ 
wendung des Erdgeschosses als Markthalle gedacht, wozu sich 
dasselbe zweifellos sehr gut eignen würde. Wie aber die 
Obergeschosse auszunutzen sind, darüber sind Vorschläge 
meines Wissens von dieser Seite noch nicht gemacht worden. 
Doch soll das Stadtbauamt mit Ausarbeitung von neuen Plänen be¬ 
schäftigt sein. 

Wiederholt hat man daran gedacht, das Zeughaus zu einer 
Akademie der Künste und Ausstellungshalle zu aptiren. Pläne 
hierzu lagen von Oberlandbaumstr. Canzler und in sehr durch¬ 
gebildeter, mehr die künstlerische Seite betonender Form von 
Baurath L i p s i u s vor. Giese&Weidner wollten das Gebäude 
zu einem Konzerthaus umbilden und veranschaulichten diesen 
Voi'schlag durch ein vor einigen Jahren gefertigtes Projekt. 

Mir will scheinen, als sei die ganze Frage heute noch nicht 
spruchreif. Eilt es mit dem Neubau des Archivs, so würde wohl 
das Beste seiu, denselben an anderer Stelle^— und in der Neu¬ 
stadt giebt es ja Bauplätze in übergrofser Fülle — zu errichten. 
Jedenfalls können einzelne Projekte nicht für sich allein berathen 
werden, sondern es kann die bauliche Zukunft Dresdens nur dann 
in geeigneter Weise geregelt werden, wenn die Regierung einen 
Gesammtplan über die in baulicher Beziehung vorliegenden 
Wünsche vorlegte. Derselbe müsste sich sowohl auf die Ver¬ 
wendung der militärfiskalischen Grundstücke, als aut die dem¬ 
nächst nothwendigen Bauten zweier Ministerien, des Archivs, 
einer Kunstakademie etc. beziehen und auch die städtischen 
Interessen mit in Erwägung ziehen. 

Dresden, Weihnachten 1883. N. 














6 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


2 . Januar 1884 


Dis Lage der BaugewerkscSsulen in Prenfsen. 

(Verfasst mit Bezugnahme auf den Artikel in der verjähr. Ne. 98 dies. Zeit".) 


Vielfach hat in den letzten Jahren die Deutsche Bauzeituug 
Artikel über den beklagenswerthen Zustand der niederen tech¬ 
nischen Fachschulen, speziell der Baugewerkschulen Preufsens 
o-ebraclit. Die Sache ist indessen nicht wesentlich besser ge¬ 
worden, sondern es scheint in den maafsgebenden Kreisen geradezu 
Rathlosigkeit zu herrschen. Nach allen Seiten hin werden Ver¬ 
suche gemacht, aber zu keinem Ende geführt, Verfügungen er¬ 
lassen und wieder zurück genommen, wie namentlich das traurige 
Beispiel der Ivönigl. Baugewerk-, Zeichen- und Modellirschule in 
Erfurt dies beweist. , 

Aufser der von Hannover übernommenen Baugewerkscnule 
zu Kienburg a/W., welche reine Staats-Anstalt ist, beruhen 
die Schulen zu Eckernförde, Breslau, Dtsch. Crone, Idstein, Berlin 
und Höxter auf Kompromissen zwischen dem Staate und den 
betr. Städten, welche bis jetzt nur als interimistisch anzusehen 
sind und meist dabin lauten, dass der Staat die Lehrmittel, die 
Städte aber das ausgestattete Lokal herleihen. Die Kosten der 
Unterhaltung werden aus den Schulgeldern gedeckt und da 
diese niemals ausreickeu, wird das Defizit zur Hälfte vom 
Staat, zur anderen Hälfte von der betr. Stadt getragen. 

Auf diese Weise entsteht eine Belastung der Stadt im Be¬ 
trage von etwa 5000 dl. durchschnittlich, obwohl an den meisten 
Schulen das Schulgeld die enorme Höhe von 120 dl. pro 
Semester hat und die Lehrergehälter nach Möglichkeit herab 
gedrückt werden. „ 

Es existirt für die Gehälter zwar ein Normal-Etat mit 2 850 dl 
Durchschnittsgehalt; derselbe wird aber niemals aus ge¬ 
nutzt. vielmehr im Interesse der stets klagenden Kommunen 
auf Erzielung von Ersparnissen hingearbeitet. Wohnungsgeld- 
Zuschüsse werden nicht gewährt, da die Lehrer in den meisten 
Fällen auf Kündigung engagirt sind. 

Wenn von vorne herein jede Doppelherrschaft von Staat und 
Stadt verworfen werden muss, so zeigt sie sich hier als ganz 
besonders verderblich, wo das Urtheil über die Wahl der Lehrer, 
ihre Leistungen und Fähigkeiten Leuten zugewiesen ist, welche 
weder vom Lehrfach noch von der Technik etwas verstehen, 
nebenbei aber, weil sie das Interesse der Stadt im Auge haben, 
mit den pekuniären Erfolgen der Schule immer unzufrieden sein 
werden. 

Leider haben die Vertreter der Städte recht, wenn sie sagen: 
Für was und für wen sollen wir alljährlich die Beiträge zur 
Unterhaltung der Baugewerkschulen tragen? Von den Schülern 
gehören — abgesehen von der Schule in Berlin — etwa 5 Proz. 
der Stadt selbst als heimathsherechtigt an; alle anderen kommen 
aus der eigenen und den Nachbarprovinzen. Auf der Baugewerk¬ 
schule werden Maurer, Zimmerleute und Steinmetze gebildet; etwa 
25 Proz. der Besucher werden jährlich mit dem Abgangszeugnis 
entlassen. Sie gehen hinaus in alle Welt, in andere Städte, um 
Meister oder Werkführer zu werden, an die Eisenbahnen, in die 
grofsen Baubüreaus des Staates u. s. w. Den Nutzen der Schulen 
hat also der ganze Stand der Baugewerbtreibenden und der Staat! 
Was bleibt für die Stadt übrig, welche dieser Anstalt eine Zu¬ 
fluchtsstätte gewährt? Nur ein kleiner Theil der Summen, welche 
Lehrer und Schüler für ihren Lebensunterhalt am Orte ausgeben, 
eine in einzelnen Fällen gröfsere, in anderen sehr geringe Hebung 
des öffentlichen Verkehrs. 

Wenn die Stadt ein Schullokal herstellt und dasselbe unter¬ 
hält (nicht ein solches Interimistikum, wie es z. B. in Erfurt für 
ausreichend befunden worden ist), so hat sie an Zinsen, Uutei - 
haltung und Amortisation gewiss 3—4000 dl in Rechnung zu 
stellen; das wäre doch wohl genug für die geringen Vortheile, 
die ihr erwachsen. Jede Forderung, welche der Staat darüber 
hinaus an die Städte stellt, muss deshalb als eine ungerechtfer¬ 
tigte Belastung der letzteren angesehen werden. 

Im vorigen Jahre war die Stadt Dt. Krone beim Abgeord- 
netenhanse vorstellig geworden: das hohe Haus möge seine Zu¬ 


stimmung gehen, dass die Stadt von den laufenden Beiträgen für 
die dortige Baugewerkschule entbunden werde. Das Abgeord¬ 
netenhaus’ überwies die Petition der Staats-Regierung zur Berück¬ 
sichtigung und erhielt jetzt von der letzteren den Bescheid: „die 
Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen.“ 

Wie indessen solche Verhandlungen geführt weiden, das zeigt 
der Erfurter Fall. In völliger Rathlosigkeit bleibt die Verwal¬ 
tung der Schule ohne Antwort, bis die Noth das Ministerium 
zwingt, eine Entscheidung zu treffen, welche allen früheren Prin¬ 
zipien und den kurz vorher erlassenen Verfügungen direkt wider¬ 
spricht! Noch mehr: seit Jahren verhandelte das Ministerium 
mit verschiedenen Städten (Liegnitz, Rinteln, Königsberg i./Pr. u. a ) 
wegen Anlage von Baugewerkschulen, aber allen Bemühungen 
steht immer’ die Autwort der Städte „non possumns“ entgegen. 

Uebernimmt die Regierung die Unterhaltung und Verwaltung 
der Baugewerkschulen, so werden sich Städte genug finden, welche 
Gebäude und Einrichtung hergeben; aber die Bedingungen dev 
Regierung zu akzeptireu würde fast für jede Stadt eine Thor- 
heit sein! 

Die Erfurter Stadtverordneten haben mit Recht beschlossen, 
die Schule lieber aufzugeben, als sie mit Aufopferung ihrer ei jenen 
Geldmittel künstlich am Leben zu erhalten. „Glücklicher Weise“ 
sind ja die Lehrer nicht fest angestellt! Man kann sie gehen 
heifsen, wie man einen Dienstboten entlässt, wenn die Wirtschaft 
sich verkleinert! — — 

Im vorigen Jahre hat das Ministerium die „Kommission für 
das technische Unterrichts wesen“ zusammen berufen und ihr die 
Frage vorgelegt, wie die vorliegende Sache zu ordnen sei. Die 
Kommission hat dann auch die Ansicht ausgesprochen, dass den 
Städten höchstens '/g des erforderlichen Baarzuschusses aufzu¬ 
bürden sei, dass auch eine Herabsetzung des Schulgeldes ange¬ 
strebt werden müsse u. s. w. Die Herren haben — da sie ja 
nur von Seiten des Ministeriums informirt werden — gewiss nicht 
daran gedacht, dass sie mit dem 2. Beschluss die Wirkung des 
ersten znm Theil wieder aufheben werden. Das ist aber in der 
That so, weil mit der Herabsetzung des Schulgeldes, Einrichtung 
der IV. Klasse und Normirung der Lehrergehälter das Defizit, 
erheblich steigen muss. 

Bei allen Verhandlungen im Abgeordnetenhause über die 
Mittel zur Hebung der Gewerbe ist wiederholt betont worden, 
dass die niedere technische Fachschule dem Lehrling den früheren 
Unterricht des Meisters ersetzen müsse, dass die Einrichtung von 
Innungen etc. ohne die Schulen nicht die Wirkung haben würde, 
tüchtige Gesellen heran zu bilden. — 

Es ist ja recht anerkennenswerth, dass das Ministerium neue 
Schulen ins Leben ruft, wie kürzlich die Weheschule in Crefeld; 
es ist aber auch nothwendig, dass solche Anstalten lebensfähig 
eingerichtet werden und dass dem Lehrling durch möglichst 
niedriges Schulgeld auch der Besuch der Anstalt ermöglicht wird. 
Das ist bei den jetzigen Baugewerkschulen nicht der Fall und 
eben darum sind sie so schwach besucht. 

Wir können und wollen nicht glauben, dass die maafsgebenden 
Persönlichkeiten im Unterrichts - Ministerium diese Thatsachen 
verkennen; wir können nur annehmen, dass der Ilr. Finanz- 
Minister den Bestrebungen, die Gewerbe durch Schulen zu 
unterstützen, nicht die rechte Würdigung angedeihen lässt. — 
Wir richten darum das Wort an die Hrn. Abgeordneten, die 
Herz und Verständniss für die Leiden des Handwerkerstandes 
haben, dass sie die Mittel bereit stellen mögen, um: 

1) das Schulgeld an den Baugewerkschulen auf die Hälfte 
herab zu setzen, 

2) die Städte von einer ungerechtfertigten Belastung zu be¬ 
freien und: . . . 

3) den Lehrern, welche sich dem technischen Unterricht als 

Lebensberuf zuwenden, eine ihrer Vorbildung würdige Stellung zu 
verschaffen. T 


Mittheilungen 

Architekten- und Ingenieur-Verein in Bremen. Iu der 
Sitzung am 1. Dezember 1883 machte Hr. Franzius eingehende 
Mittheilungen über: 

Taucherapparate. 

Von Taucherarbeiten wurde schon im frühesten Alter- 
tlnim Gebrauch gemacht; doch waren spezielle Apparate noch 
nicht bekannt, sondern es hing die Aufenthaltsdauer unter Wasser 
lediglich von dem Luftaufspeicherungs-Vermögen des Tauchers in 
den Lungen ab; man verlängerte diese Dauer in etwas dadurch, 
dass der 'Taucher einen mit Oel getränkten Schwamm in den 
Mund nahm, oder auch einen kupfernen Kessel über den Kopf 
stülpte. — Die Taucherglocke ward im Mittelalter bekannt, 
doch zunächst in der unvollkommenen Form ohne Luftzuführung. 
Verbesserungen führte ITalley 1716 ein; aber erst Smeaton 
verdanken wir eine vollkommene Konstruktion, indem es ihm 
gelang, die Einrichtungen zur Zuführung komprimirter Luft zu 
erfinden, welche dem Apparat seine eigentliche Bedeutung gaben. 

Der vor etwa 15 Jahren erfundene Nautilus ist eine doppel¬ 
wandige Taucherglocke mit Ilohlraum zwischen den beiden Män¬ 
teln. Dieser Ilohlraum kann bis zu beliebigem Grade mit Wasser 


aus Vereinen. 

oder Luft angefüllt werden und es wird dadurch die Möglichkeit 
geboten, den Apparat leichter als die Taucherglocke gewöhnlicher 
Art im Wasser bewegen zu können. . 

Auf der Londoner Ausstellung von 1851 erschien der 
Scaphander, ein luft- und wasserdichter Anzug, der zwischen 
sich und der Unterkleidung den Hohlraum lässt, welcher als 
Reservoir für die mittels eines Schlauchs zugeführte komprimirte 
Luft diente. Die Mängel dieses Apparats: starke Wärme-Ent¬ 
wickelung unter dem Anzuge, Mischung der ausgeathmeten mit 
der frischen Luft und schwer zu bewirkende Genauigkeit in der 
Menge der zugeführten frischen Luft sind durch die im Jahre 186/ 
gemachte Erfindung von Rouquayrol und Denayrouze eines 
Luft-Reservoirs, mit Luftzuführungs-Regulator, das in Tor¬ 
nisterform ausgeführt, und von dem Taucher auf dem Rücken 
getragen wird, gnmildprt. Dieser athinet nur frische Luft, deren 
Spannung sich selbstthätig nach dem äufseren Wasserdruck regulirt. 
Als Uebelstand, der heim Gebrauch des Scaphanders, auch unter 
Hinzunahme des Apparats von Rouquayrol und Denayrouze be¬ 
stehen bleibt, ist die nothwendige Schlauchverbindung mit der 
Oberwelt zu bezeichnen. Derselbe macht sich besonders geltend, 


















No. 1. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


7 


\yemi es sieh um lange oder verwickelte Wege handelt, die der 
laucher unter Wasser zu machen hat, beispielsweise bei Unter¬ 
suchung gesunkener Schiffe. 

Diesem Uebelstande hilft mau neuerdings dadurch ab, dass 
man dem Taucher besondere Luftreservoire mitgiebt, weiche vor¬ 
her mit Luit bis 40 Atmosphären Spannung gefüllt wird, die 
•abgekühlt ist. Die aus Stahlblech hergcstellten Reservoire be¬ 
stehen aus unter einander verbundenen Zylindern, von je etwa 
r 1 ' 1 Inhalt, und dieselben werden mit Schlauch an das Rouquayrol- 
Denavrouze’sche Tornister-Reservoir angeschlossen. — 

tu der \ ersammlung am 8. Dezember machte Hr. Neu- 
Kirch Mittheilung über eiue neue von ihm erfundene Hebe¬ 
vorrichtung, welche folgende Anforderungen erfüllt: einfache, 
sicheie Handhabung, kurzes Anheben der Last ohne „Ruck“, 
sicheres Auf- und Abgehen der Last, selbstthätiges Stehenbleiben 
derselben in jeder Stellung und geringes Raumei forderniss. — 
Die Einzelnheiten der Konstruktion sind ohne längere Besch; eibung 
oder Beigabe einer Zeichnung nicht ausreichend verständlich 
zu machen. — 

Hr. Liechtenstein spricht über einen Ellipsen-Zirkel 
(beschrieben im Heft 19, Jhrg. 1883 des Prakt. Maschinen-Kon¬ 
strukteurs). Det selbe besteht aus 3 Linealen, von welchen das 
eine test über die grofse Axe der Ellipse gelegt wird, während 
me beiden andern mittels eines Gelenkstückes so an einander 
befestigt werden, dass die Summe der Längen vom Drehpunkte 
des Gelenks bis zu den Enden der Lineale gleich der halben 
giofsen Axe, und die Differenz der Längen gleich der halben 
kleinen Axe der Ellipse ist. Setzt man den Endpunkt des kurzen 
Lineals drehbar auf den Axen-Kreuzungspunkt und führt das 
längere Lineal mittels eines geeigneten Stifts, welcher auf diesem 
Lineaie in dem Punkte eingesetzt ist, der die Differenz der beiden 
Lineale angiebt, auf dem fest liegenden Lineale iu der Richtung 
der grofsen Axe hin und her, dann beschreibt der Endpunkt des 
langen Lineals die Ellipse. — 

In der Versammlung am 15. Dezbr. sprach Hr. Runge 
über den von ihm ausgeführten: 

Bau eines Gewächshauses. 

Die Aufgabe bestand darin, zur Kultiviruug von Winter¬ 
gemüsen und Blumen ein Gewächshaus herzustellen, welches 
ein bequemes Bearbeiten der Beete gestattet, ohue dass eine 
Oeffnung der thunlichst dicht über den Beeten anzuordnenden 
Glasdecken erforderlich wird. Es war ferner dabei zu berück¬ 
sichtigen, dass entsprechend der Verschiedenheit der Temperatur- 
bedürfnisse der Gewächse, verschiedene Abtheilungen vorhanden 
wären, deren Trennungswände den Einwirkungen der Sonnenstrahlen 
jedoch möglichst wenig hinderlich sein durften. 

Hr. Runge hat die Aufgabe gelöst, indem er das etwa 10 m 
breite und 20 m lange Gewächshaus quer zur Längenaxe durch 
einen Mittelgang theilte, der von der Firstmauer bis zur 
J raulmauer absteigt und in welchen man von der Firstwand des 
pultdachartig abgedeckten Baues gelangt. Von diesem Mittel¬ 
wege gehen zu beiden Seiten je 3 Gänge ab, und zwar in 
dem Niveau des Mittelganges an den betr. Stellen. Zu beiden 
Seiten dieser Gänge, also parallel zur Frontlinie des Gewächs- 
hauseSj sind nun die Beete angelegt, und zwar entsprechend den 
Längsgängen terrassenartig von vorn nach hinten ansteigend und 
so hoch über dem Fufsboden der Gänge, dass eiue bequeme 
Bestellung der Beete vor Hand thunlich und eine geeignete 
Entfernung von der Glasbedachung erzielt ist. Die Beete sind 
auf Dachschieferplatten, welche auf eisernen Balken in ent¬ 
sprechender Höhe vom Fufsboden des Ganges ungeordnet sind, 
angelegt, huttermauern schliefsen sie nach den Gängen hin ab. 
Die Erde liegt auf einer Bettung von Torfmull. Unter den 
Beeten befinden sich die Warmwasserheizkörper, deren Zuleitung 
für jede Abtheilung regulirbar ist. Das Gewächshaus ist durch 
zwei Langwände, welche inmitten der Doppelbeete zwischen den 
Gängen angeordnet sind, in drei Abtheilungen getheilt. Diese 
aus Glas bestehenden Trennungswände haben eine entsprechende 
Neigung nach vorn erhalten, um den Sonnenstrahlen eine thunlichst 
ungehinderte Einwirkung auf die Beete zu gestatten. 

In weiterem wurde die Sitzung durch Mittheilungen des 
Hrn. Bücking über Unterfangung eines Brückenpfeilers aus¬ 
gefüllt, über welchen ein besonderes Referat erfolgen soll. — 


Verein für Eisenbahnkunde zu Berlin. Sitzung am 
4. Dezember 1883. Der Vorsitzende giebt einen Rück- I 
blick auf die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre. Es I 


wurden 9 regelmäfsige Versammlungen und 14 Kommissions- 
Sitzungen abgehalten, welche erstere durchschnittlich von 72 
Mitgliedern und 3 Gästen besucht waren und in welchen 19 
theils gröisere, theiis kleinere Vorträge gehalten worden sind. 
Exkursionen wurden 3 unternommen. Die Zahl der Mitglieder 
betrug am 1. Januar 1883 374, heute 388; neu aufgenommen 
wurden 32 Mitglieder. Der Verein steht gegenwärtig mit 8 
anderen Vereinen im In- und Auslände bezüglich des Austausches 
der Publikationen in Verbindung. 

Das Ergebniss der Neuwahl des Vorstandes für 1884 ist die 
Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder; und zwar sind 
gewählt die Hrn.: Geh. Ober-Reg.-RathS treck er t als Vorsitzender, 
Oberst Golz als Stellv, des Vorsitzenden, Reg.- u. Baurath 
Jung ui ekel als Schriftführer, Eisenb.-Bauiasp. Lantzen- 
dörffer als Stellv, des Schriftführers, Verlagsbuchhändler 
W. Ernst als Kassenführer, Reg.- u. Baurath Mellin als Stellv, 
des Kassenführers. 

Hr. Fabrikbesitzer Naglo spricht über: 

Elektrische Vorrichtungen für Feuersignale und 
Feuermeldungen. 

Diese Vorrichtungen, welche für den umfaugreichen Besitz 
der Eisenbahn-Verwaltungen von gröfster Bedeutung sind, lassen 
sich in zwei Hauptgruppen theilen, iu Feuerentdecker und Feuer¬ 
melder’. Einer der ältesten Apparate besteht aus zwei Metall¬ 
stäben, von denen der eine fest steht, während der andere sich 
vertikal verschieben lässt; die beiden in der Mitte der Stäbe be¬ 
findlichen Kontaktpunkte sind von einander entfernt gehalten 
durch ein Stück Talg, Wachs oder eine sonstige leicht schmelz¬ 
bare, aber nicht leitende Substanz; schmilzt letztere durch eiu 
iu der Nähe ausgebrochenes Feuer, so treffen sich die beiden 
Kontakte, der Stromkreis wird geschlossen und das mit dem 
Apparat verbundene Läutewerk ertönt. 

Eine spätere Einrichtung gewährte die Einstellung des Appa¬ 
rats auf eine Minimal- und Maximal - Temperatur. Zwei Stäbe 
aus verschiedenen Metallen, deren Ausdehnungs - Koeffizienten 
möglichst weit aus einander liegen, sind auf einander gewalzt 
und zu einer Spirale geformt; wenn bei erhöhter Temperatur 
des einen Metalls die Spirale sich öffnet, trifft das äufserste Ende 
auf den festen Kontakt und hält die Kette so lauge geschlossen, 
bis die Temperatur wieder sinkt. 

Bei einer dritten Einrichtung wird der Schluss des Stroms 
durch die bei erhöhter Temperatur steigende Säule eines damit 
verbundenen Quecksilber - Thermometers veranlasst. Derartige 
Thermometer können in beliebiger Anzahl innerhalb einer Werk¬ 
statt, eines Magazins, Stationsgebäudes oder dgl. aufgestellt und 
durch dünne, leicht verbrennbare oder leicht schmelzbare Drähte 
verbunden werden; wird die Leitung irgendwo beschädigt, so wird 
der Stromkreis unterbrochen, ein Relais angesprochen, dadurch 
der Schluss der Lokalleitimg verursacht. Es erfolgt hier also 
nicht ein Schliefsen der Kette oder des Stromkreises für ein 
Signal, sondern eiu Oeffnen der Kette, und diese Einrichtung 
wird meistens bei den Feuermelde-Anlagen angewendet. Solche 
Anlagen, bei welchen im Zustand der Ruhe fortwährend Strom 
in den Leitungen kursirt (Ruhestrom - Aulagen gegenüber den 
Arbeitsstrom-Anlagen) haben u. a. den Vortheil, dass jede Störung 
in der ganzen Anlage sofort selbstthätig angezeigt wird. 

Die Feuermelder selbst besitzen meist ein Uhrwerk, welches 
von dem Feuer Meldenden in Bewegung gesetzt wird; das auf 
einer der rotirenden Achsen sich beiindende Typenrad öffnet und 
schliefst abwechselnd den Stromkreis, in welchem sich der Melder 
befindet. Wird nun dieses Schliefsen und Oeffnen des Strom¬ 
kreises in ein bestimmtes System gebracht, so lassen sich ver¬ 
schiedene Morse-Zeichen bilden, die automatisch von jedem 
Melder gegeben werden können und die Zentralstation benach¬ 
richtigen. Der Vortragende zeigt derartige, von der Firma 
Siemens & Halske und in seiner eigenen Fabrik hergestellte 
Apparate vor und erläutert dieselben näher. 

Bei der Herstellung der Leitungen wendet man entweder das 
sogen. Strahlen- oder das Schleifen-System an; bei dem erstereu 
gehen die Leitungen von der Zentrale aus und verzweigen sich 
so, dass die letzte Stelle zur Erde abgeleitet ist, während bei 
dem Schleifensystem die Leitung zur Zentrale zurück kehrt. 

Durch Abstimmung in üblicher Weise werden aufgenommen: 
als einheimische Mitglieder die Hrn. Reg.-Baumeister G. Albrecht, 
Hauptmanii im Nebenetat des gr. Generalstabes Budde, Major in 
der Eisenbahn-Abtheilung des grofsen Generalstabes v. Massow, 
Eisenb.-Maschineninspektor Aug. Meyer, als auswärtiges Mitglied 
Hr. Bahningenieur Theod. Schmidt in Flensburg. 


Vermischtes. 

Die Schwellenfabrik und Imprägniranstalt der kgl. 
bayer. Staatseisenbahnen zu Kirchseeon (Station der Mün- 
chen-Grafing-Rosenheimer Bahn). Im Zusammenhänge mit dem 
in der Sitzung des Vereins für Eisenbahnkunde am 13. Nov. 1883 
(Referat in der vorjährigen No. 99 dies. Ztg.) behandelten inter¬ 
essanten Thema über die Fabrikation der hölzernen Eisenbahn¬ 
schwellen für die deutschen Bahnen, resp. über den Bezug des 
Materials hierzu dürften einige Angaben über die vorgenannte 
Anstalt, welcher, was Umfang und Grofsartigkeit des Betriebes 
betrifft, zum mindesten in Deutschland keine gleiche an die Seite 
gesetzt werden kann, von Werth sein. 

Die Anstalt liegt direkt an der Bahn und inmitten grofser 


Staatsforsten, wodurch einerseits der Holzbezug, anderseits 
die Schwellenabfuhr per Bahn ermöglicht ist und bedeckt ein 
Gesammtareal von ca. 1,4 ha . Eine Schneidsäge mit 20pferdiger 
Dampfmaschine, ein grofser Imprägnir-Schuppen mit 16 Bottichen 
zum Kyanisiren und eine Kreosotir-Anstalt mit grofsem Impräguir- 
kessel und besonderer 8 pferd. Dampfmaschine, Alles mit normal- 
spurigen Gleisen unter sich verbunden, bilden die Hauptbestand¬ 
teile. Die Kreosotir-Anstalt kann auch zum Imprägniren mit 
Zinkchlorid verwendet werden. Die ganze Fabrik ist im Stande, 
zum Zwecke des Neubaues und der Bahnunterhaltung jährlich ca. 
500000 Schwellen, also ungefähr den 10. Theil der jährlich zur 
Unterhaltung der Bahngleise sämmtlicher deutschen Bahnen er¬ 
forderlichen Holzschwellen zu produzireu. 


















8 


2. Januar IHM 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


Aufser der Anstalt in Kirchseeon besitzt die bezw. Staats¬ 
eisenbahnverwaltung noch eine zweite, wenn auch von viel kleinerem 
Umfange, bei Schwandorf. — Die vorstehenden Daten sind dem 
ueuen Werke: „K. Lutz, Der Bau der bayer. Eisenbahnen rechts 
des Rheins“ entnommen. S. 


Zur Prüfung der Luft auf den Kohlensäure - Gelialt 
hat Prof. Wolpert in Kaiserslautern einen sehr handlichen kleinen 
Apparat von besonderer Einfachheit konstruirt. In einem kleinen 
Glaszylinder wird bis zur Höhe eines Füllstrichs wassei helles 
Kalkwasser geschüttet (in jeder Apotheke, zu beziehen). _ Sodann 
wird mittels eines kleinen Gummiballons, an welchem eine Glas¬ 
röhre befestigt ist, von der zu untersuchenden Luft eine Ballon- 
liillung nach der anderen in das Kalkwasser gedrückt, bis dieses 
durch Niederschlag von kohlensaurem Kalk so trüb geworden^ ist, 
dass eine auf dem Roden des Glaszylinders geschriebene Zahl 
nicht mehr zu erkenneu ist. Aus der Zahl der bis zum Eintritt 
dieses Zeitpunktes nöthigen Ballonfüllungen ergiebt sich näherungs¬ 
weise der gesuchte Koblensäure-Gehalt, der iu einer dem Apparat 
beigegebenen Tabelle abgelesen wird. Für gewöhnliche Bestim¬ 
mungen bedarf es dieser Ablesungen nicht. Wenn die qn. Trü¬ 
bung mit weniger als 10 Ballonfüllungen erhalten wird, so ist 
die Luft, zu unrein, als dass sie ohne Nachtheile eingeathmet 
werden könnte. Bei einer Trübung zwischen 10 und 20 Füllungen 
ist auf kurze Zeit der Aufenthalt in solcher Luft zulässig. Eut- 
steht die Trübung erst bei mehr als 20 Füllungen, so ist für ge¬ 
wöhnliche Verhältnisse die Luft als gut zu bezeichnen. 

Iu Krankenzimmern soll die Luft so rein sein, dass erst bei 
30, bei ansteckenden Krankheiten mit 40- 50 Füllungen die voll¬ 
ständige Trübung des Kalkwassers erfolgt. 

Angefertigt wird der Apparat von der Thür. Glasinstrumenten- 
tabrik von Eberbardt Jäger in Ilmenau. Kosten bei ein¬ 
facher Ausstattung 5 M, bei reicherer höher. 

Zur Inventarisirung der Kunstdenkmäler in Thüringen 
meldet die „Kunst-Chronik“: Die thüringischen Regierungen haben 
im Frühjahr d. J. eine Vereinbarung dahin getroffen, dass durch 
Sachverständige, die vou Ort zu Ort reisen, die in thüringischen 
Landen noch vorhandenen Kunstdenkmäler fest gestellt werden, 
damit für ihre Erhaltung Sorge getragen und sie, so weit dies 
möglich, den Zwecken der Kunst und des Kunstgewerbes zugäng¬ 
lich gemacht w'erdeu können. Das Verzeichniss soll unter dem 
Titel „Kunstdenkmäler Thüringens“ im Druck erscheinen. Leider 
ist die Regierung von Schwarzburg Soudershausen dem über die 
Vertheilung der Kosten getroffenen Abkommen nicht beigetreten 
und in Folge dessen von dem ganzen Unternehmen zurück ge- 
treteu. Das Unternehmen soll iu 5 Jahren zum Abschluss ge¬ 
bracht werden unter einem Kostenaufwande von 38 000 M. 


Vollendung des Hafenbaues in Triest. Am 10. Dezbr. 
1883 nach Vollendung des letzten Rautlreils, des Petroleumhafens 
hat das Fest der Eröffnung des grofsen 'Priester Hafenbaues 
statt gefunden. 

Die vou der österreichischen Siidbahu-Gesellschaft in General- 
Entreprise ausgeführte Anlage umfasst einen ca. 1 100 m langen 
Wellenbrecher und drei durch Pier-Einbauten halb gesonderte Haten- 
bassins von zusammen 35,5 ha Wassei fläche. Die hauptsächlichsten 
Arbeitsleistungen sind (nach einer Mittheilung im „Bautechuiker“): 
Boden - Anschüttungen 3 260 000 cbm , Baggerungen 1 197 000 cbm , 
Steinschüttungen 1 400 000 C ' ,D1 , Maureraibeiten iu Steiu und iu 
Betonblöcken ausgeführt 141 700 cbm . 

Die Arbeiten liabeu 16 Jahre (von 1867 bis 1883) gewährt; 
an der Spitze derselben stand während der ersten 2 Jahre der 
französische Ingenieur, Inspektor der Südbahn Ernest Pontzen, 
von da an ununterbrochen der Ober-Inspektor Bömches. Insbe¬ 
sondere die Zeitschr. des öster. Ing.- und Architekten-Vereins 
hat im Laufe der Bauzeit zahlreiche Mittheilimgen über die 
grofsartige Anlage gebracht, der indessen nach unsern Wissen 
heute noch Einiges von der eigentlichen Ausrüstung, wie z. B. 
Krahne und Verladevorrichtungen etc. fehlt. 

Die Frequenz der königl. technischen Hochschule zu 
München beträgt im laufenden Winter - Semester 709, nämlich 
113 Studirende, 103 Zuhörer und 163 Hospitanten. Bei der all¬ 
gemeinen Abtheilung sind eingeschrieben 259 (darunter 31 Lehr¬ 
amt-kandidaten und 58 Verkehrs- bezw. Zolldienst-Aspiranten), 
bei der Ingenieur-Abtheilung 86, bei der IIochbau-Abtheilung 93, 
bei der mechanisch-technischen 148, hei der chemisch-technischen 
105 und bei der landwirtschaftlichen Abtheilung 18 Hörer. Der 
Nationalität nach gehören au: Bayern 438, den übrigen 1 heilen des 
Deutschen Reiches 121, dem Auslande 150, und zwar: Oesterreich- 
Ungarn 37, Russland 38, Rumänien 5, Bulgarien 5, Serbien 0, 
Türkei Griechenland 5, Italien 8, Schweiz 28, Luxemburg 2, 
Holland 2 , Frankreich 1, England l, Schweden und Norwegen 2, 
Nordamerika 3, Südamerika 3 und Ostindien 2. Unter den 163 
Hospitanten befinden sich 66 Studirende der Universität und 47 
Studirende der Zentral - Thierarzneischule, ferner 8 Offiziere, 12 
Bautechniker, 9 Lehrer, 2 Kaufleutc bezw. h abrikanten, 5 Che¬ 
miker, 1 Landwirthe, 1 Arzt und 9 unbestimmten Berufes. 


Todtenschau. 

Am 23. d. M. ist zu Köln im Alter vou 72 Jahren der 
Geheime Regierungs-Rath a. D. Hähner verstorben, ein Mann, 
der mit dem Eisenbahnwesen Deutschlands aufgewachsen und 
vielfach selbstthätig an der Entwickelung desselben betheiligt ist. 

II. w r ar bis zum 44. Lebensjahre in staatlichen Stellungen 
des Eiseubahndieustes thätig, zuletzt unter dem Titel „Eisenbahn- 
direktor“ Mitglied des Eisenbahn-Kommissariats in Köln. Er tiat 
alsdann bei der Verwaltung der Köln-Miudcner Eisenbahn ein uud 
ward vou dieser insbesondere mit Leitung von Neubauten (Deutz- 
Giefsener Bahu etc.) beschäftigt. Als 1880 das Köln-Mindeuer 
Eisenbahn-Unternehmen an den Staat überging, zog 11. sich in 
den Ruhestand zurück. 


Konkurrenzen. 

Konkurrenz für die Gedächtnisskirchc in Speyer. Nach 
einer aus neuerdings gewordenen Mittheilung des Comites ist 
der Schlusstermin der Konkurrenz nicht bis zum 15. Februar, 
sondern nur bis zum 15. Januar verlängert. 


Aus der Faclilitteratur. 

Rangliste der Baubeamten. Bearbeitet iu eiuem Kreise 
vou Betheiligten; mit einem Vorworte vou F. Woas, Regier.- 
Baumstr. Saaibrücken 1883; Verlag der Expedition der Rangliste. 

Die vorliegende „Rangliste“, in welcher zum ersten Male der 
Versuch unternommen ist, analog der „Rang- und Quartier!iste 
des deutschen Heeres“ eine systematische Zusammenstellung über 
die Raug- uud Ancienuetäts-Verhältnisse der Baubeamten zu 
geben, umfasst iu 4 Abtheilungen: die Baubeamten des Deutschen 
Reichs und Preufsens, die preufsischen Regierungs-Baumeister, 
sowie endlich die Maschinentechniker und höheren Verwaltungs 
Beamten der preufsischen Staatseisenbahnen. 

Eine „Rangliste“ von vollkommener Zuverlässigkeit lässt 
sich nur da aufsteilen, wo alles Material zusammen liegt: bei 
den Ministerien uud Zentralbehörden. Mindestens wird dazu, 
weuu die Arbeit vou eiuem Privaten ausgeht, die Einsichtnahme 
in die Personalakten erforderlich sein. 

Da beides ausgeschlossen war, hat eine Anzahl von Beamten 
sich zusammen gethan und mit Hülfe von in der Oeffentliclikeit 
vorliegenden Mittheiluugen so wie auf Gruud der Beantwortung 
von ausgesendeten Fragebogen die gegenwärtige Arbeit zusammen 
gestellt. Der Erfolg dieser Bemühungen ist nach Lage der Ver¬ 
hältnisse qualitativ sowohl als quantitativ reich genug ausgefallen. 
Doch aber wird es grofser Anstrengungen bedürfen, um bei einer 
Fortsetzung des Unternehmens eine nicht kleine Anzahl vou 
Fehlern, welche dem Persooalkundigen leicht auffallen, uoch 
wesentlich einzuschränken. Selbst dadurch, dass jedei einzelne 
Beamte die auf seine Persou bezüglichen Daten mittheilte, würden 
die Unrichtigkeiten noch nicht ganz zu beseitigen sein, da zweifellos 
in vielen Fällen die amtlichen Personalakten Festsetzungen über 
die Anciennetät etc. enthalten weiden, über die der Beamte selbst 
in Unkenntniss sich befindet. . 

Eine die genaue Verfolgung der Personalverhältmsse beein¬ 
trächtigende Ü n Vollständigkeit hat sich durch das von den 
Verfassern gewählte Planschema des Buchs ergeben. Mit relativ 
wenigen Ausnahmen erscheinen iu demselben die zahlreichen 
Baubeamten der Provinzial- und Kreisverwaltungen, sowie der 
Städte, die Lehrer an technischen Schulen etc. nicht und nur zer¬ 
streut trifft man auf einzelne betr. Namen in der Liste, in welcher die 
Regierungs-Baumeister der Jahrgänge 1853—83. vorgezeichnet 
sind - iudess machen hier auch noch andere Lücken sich bemeikbar. 

Da eine einigermaafsen zutreffende Rangliste von Werth für 
Viele ist darf erwarten werden, dass das begonnene Werk eine 
regelmäßige Fortsetzung findet und die Herausgeber bemüht sem 
werden, dasselbe inhaltlich sowohl als in der äuisereu form so 
vollkommen als es ihnen möglich zu gestalten. Was letztere be¬ 
trifft so dürften noch ein paar Tabellen erwünscht sein, die es 
ermöglichen, eine gesuchte Auskunft schneller als mit Hülfe der 
gebotenen tabellarischen Uebersichteu aufzutinden. 


Personal - Nachrichten. 

Preufsen. Ernannt: a) zum Bauinspektor: Reg.-Bmstr. 
Schade in Stade; gleichzeit. ist dems. eine techu llilfsarbeiter- 
stelle b. d. dort. Kgl. Landdrostei veiliehen worden; — b) zu 
Regierungs-Baumeistern: die Reg.-Bfhr. Max Hildebrandt aus 
Miudeu, Otto Schubert aus Berlin, Friedrich Körte aus Berlin, 
Reinhold Knoeh aus Tauna bei Schleiz, Karl Kasch aus Mainz 
uud Heiurich Elteu aus Oyle, Amt Nienburg; - c) zu Keg.- 
Bauführeiu: die Kandidat, d. Baukunst August Bund aus Her¬ 
zogenrath uud Karl Dodd aus Aachen; - d) zu Reg.-Masch.- 
Baufübrern: die Kand. d. Masch.-Baukunst Martin Gadow aus 
Crummin, Albert Rischboth aus Braunschweig, Paul Pleiter 
aus Bibra uud Paul Tobias aus Danzig. . 

Versetzt: Die Kreis-Bauinspektoren Hehl vou Schleusmgen 
nach Diez, Theuue von Melle nach Osnabrück, Baurath Haspel- 
math vou Quakenbrück nach Lingen, sowie Eisenb.-Bau- u. 
Betr-Iusp. Böuisch von Halle a./S. als ständ. Hiltsaib. an das 
Kgl. Eisenb.-Betriebs-Amt (rechtsrheinisches) zu Esseu. 


Hierzu eine besondere Illustrationsbeilage: Umbau des Schl osses 

lv imtD-^ionsverJag vom Ernst Toechc iu Berlin. lOir die Redaktion verantwortlich K. E. O. 


Klitschdorf, Kreis Buuzlau in Schl esien. 

Fritsch, Berlin. Druck: W. Mocser Hofbuchdruckerei, Berlin. 






























.1 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


9 


Inhalt: Die Konkurrenz für Entwürfe zu einem Stidttheater in Hallo a./S._ 

Die Herstellung der Parallelwerke längs der bayerischen Rheinuferstrecke. — 
Vermischtes: Der Bau des Rathhauses in Wiesbaden. — Dampfkessel-Explosion 


in Iserlohn. — Todtenschau. — Perso n al-Nac b rieh ten. — Brief- und 
Fragekasten. — 


Die Konkurrenz für Entwürfe zu einem Stadttheater in Halle a./S. 



enn Besprechungen der Ergebnisse architektonischer 
Konkurrenzen in Fachblättern den Zweck haben, 
ebensowohl das Konkurrenz-Wesen zu fördern, als 
die Fortschritte in der Bewältigung der ein¬ 
schlägigen speziellen Aufgaben seitens der Fach¬ 
genossen zu verfolgen, so eignet sich die in Rede stehende 
Konkurrenz zu solcher etwas eingehenderen Betrachtung in 
hervor ragenderem Maafse. Zunächst haben sich in ihrem 
Verlaufe manche Momente ergeben, welche, im Interesse der 
günstigen Entwickelung unseres deutschen Konkurrenz-Wesens, 
einer öffentlichen Erörterung werth erachtet werden müssen 
und auf der anderen Seite wurde schon in dieser Zeitung 
mitgetheilt, dass die eingegangenen Projekte eine grofse Fülle 
„interessanter“ und architektonisch „reizvoller“ Arbeiten ein- 
schliefsen, welche Mittheilung um so gewichtiger ist, als sie 
einem gleichzeitig mit dem Spruche der Jury veröffentlichten 
Schreiben ihres Vorsitzenden entnommen wurde und um so 
ei treulicher, als die Erfolge auf einem Gebiete zu verzeichnen 
sind, dessen Bearbeitung sehr mühevoll ist und dessen völliger 
Beherrschung grofse Hindernisse entgegen stehen. 

Eine kritische Besprechung der Hallenser Konkurrenz nach 
den vorstehend bezeichneten beiden Richtungen sei im Folgenden 
versucht und zw r ar soll zunächst das Programm und das 
Urtheil geprüft, sodann über die Ergebnisse, namentlich in 
Rücksicht auf die Förderung, welche der deutsche 
Theaterbau durch sie erlangen kann, im Einzelnen 
berichtet werden. 


Unterm 13. August 1883 veröffentlichte der Magistrat 
in Halle a./S. das Programm zu der Konkurrenz für Ent¬ 
würfe eines neuen Stadttheaters, welches an Stelle eines 
alten, vor Jahresfrist wegen ungenügender Sicherheit polizeilich 
geschlossenen Baues, auf einem eigenthümlich und nicht 
unschön gelegenen Platze erbaut werden soll. Dies Programm l 
entsprach in den Hauptsachen den bekannten Anforderungen 
der „Grundsätze“. Auf den ersten Blick schien es auch 
zweckentsprechende Detail-Bestimmungen zu enthalten und 
nicht zu aufserordentliche Ansprüche an Zeit und Arbeitskraft 
der Konkurrenten zu stellen, voraus gesetzt, dass diesen An¬ 
sprüchen die Mühewaltung der Jury entsprechen würde. So 
ward die Konkurrenz mit allseitiger Freude begrüfst und von 
einer verkältnissmäfsig recht grofsen Zahl von 59 Architekten 
(davon kam einer zu spät) beschickt. Gerade, weil aber das 
Programm nicht gehalten hat, was es versprach und die Kon¬ 
kurrenten später doch viele Mängel in demselben und un¬ 
nütze Anspannung ihrer Kräfte zu beklagen gehabt haben, 
muss auf diese Seite der Sache hier näher eingegangen werden. 

Das Programm forderte: 

1) Unter strengsten Vorschriften über Terrain - Grenzen 
und Höhen die Lösung sehr schwieriger Situations-Fragen. 

2) Unter dürftigsten Angaben über Räume und Raum- 
gröfsen und beinahe gänzlichem Mangel an Auskunft über den in 
Aussicht genommenen Betriebs-UmfaDg, Zahl des Personals etc., 
die Erfüllung recht spezieller Vorschriften bezüglich der Heizung, 
Ventilation, Beleuchtung, Wasserbeschaffung etc. 

3) Raum für mindestens 1100 Sitzplätze nebst allem 
Zubehör, auch ein Foyer im Zuschauerhause, sowie alle zur 
Darstellung von Schauspielen und Opern erforderlichen Zimmer, 
Magazine etc.; ferner Verwaltungs-Räume, Hausinspektor- 
Wohnung im Bühnenhause, aufserdem Würdigkeit, Feuer¬ 
sicherheit, Ausschluss von Putzbau u. s. w. — bei alledem 
aber die Innehaltung der Kostensumme von 425 000 M. für 
den Bau sammt Einrichtung unter besonderer Betonung 
der her vor ragenden Wichtigkeit dieser Bedingung. 

4) Nicht „Skizzen“, sondern einen durchgearbeiteten 
„Entwurf“ und zwar in so viel Zeichnungen, „als zur deut¬ 
lichen Veranschaulichung des Projektes erforderlich sind, im 
Maafsstabe von 1 : 150.“ 

5) Einen vollständigen Erläuterungs - Bericht als Nach¬ 
weis der Erfüllung aller Programm - Bedingungen. 

6) Einen Bericht über die Einrichtungen, welche be¬ 
zwecken, die Entstehung eines Schadenfeuers zu verhindern 
und ein entstandenes zu lokalisiren und zu löschen. — 

Bei gewissenhafter Befolgung aller dieser Ansprüche nahm 
die Arbeit etwa 3—4 Monate Zeit in Anspruch, und die 
59 Konkurrenzarbeiten repräsentiren sonach ein Menschen- 
alter architektonischen Könnens und Arbeitens. Dem gegen¬ 


über hat das Preisgericht, weiches schon am dritten Tage 
nach Ablauf des Einiieferungstermins zusammen trat, bereits 
am Nachmittage des nächsten Tages sein Urtheil abgegeben, 
also in 12 15 Stunden ca. 3 /4 tausend Zeichnungen und 

nicht viel weniger Bogen geschriebener Berichte besehen, 
gelesen, studirt, begriffen, geprüft, berathen, beurtheilt bezw. 
begutachtet und prämiirt. Zur Erledigung solch umfangreicher 
Thätigkeit entfielen also auf jedes Projekt günstigenfalls 15 Mi¬ 
nuten, während allein die Durchlesung der beiden programm- 
mäfsig gefertigten Berichte je etwa 30 Minuten Zeit erfordert. 

Diese Berechnung soll nicht dazu dienen, die Entschei¬ 
dung der Jury anzufechten. Wenn dieselbe aber damit 
bekundete, dass sie die Berichte kaum lesen konnte, zum 
Studium der Heizungs-, Ventilations- und Beleuchtungsanlagen 
zu wenig Zeit hatte, die SicherheitsVorkehrungen, namentlich 
soweit sie in den Zeichnungen nicht ersichtlich zu machen 
waren, nicht zu prüfen vermochte, so ist damit unzweideutig 
ausgesprochen, dass sie alle diese Dinge als für die Beur- 
theilung des Werthes der Arbeiten wenig oder gar nicht in 
Betracht kommend ansah, d. h. also, dass die betr. Anforde¬ 
rungen des Programms doch wiederum weit über das 
nothwendige Maafs hinaus gingen. 

Andere Mängel treten da hinzu. Zunächst haben sich wieder 
Unbestimmtheiten des Programms als verhängnissvoll 
erwiesen. Da nichts über die gewünschten Raumgröfsen, über 
die Zahl der Schauspieler, Musiker, Choristen etc. bestimmt 
war, so herrscht in den diesbezüglichen Annahmen der 
Arbeiten die gröfste Verschiedenheit. Beispielsweise variiren 
die angenommenen Bühnenflächen zwischen ca. 200 und 500 i m , 
die Zahl und Grofse der Ankleidezimmer, Kleidermagazine etc., 
der Plätze im Orchester u. s. w. in ähnlichem Maafse. 

Weiter hat eine gewisse Unklarheit in der Magazin-Frage 
die Konkurrenten, welche mit leichtestem Herzen nicht be¬ 
gabt sind, benachtheiligt. Das Programm fordert die Unter¬ 
bringung von 60 Dekorationen, sämmtlichen Magazinen, Maler¬ 
saal und Werkstätten im Hause, gestattete jedoch in Paren¬ 
these deren Unterbringung aufserhalb des Bauplatzes „im 
Nothfalle“. Nun war die Erfüllung der principaliter gestellten 
Anforderung zwar nicht leicht, aber — wie viele vortreffliche 
Arbeiten erweisen — sehr wohl möglich, deshalb in Rücksicht 
auf die geringe Bausumme und die Betriebskosten eines 
kleineren Theaters nothwendig, und jedenfalls der „Nothfall“ 
nicht zu erweisen. Dagegen hat keines der prämiirten Pro¬ 
jekte der Forderung genügend Rechnung getragen. Ebenso 
wenig ist der Mangel bestimmter Vorschriften über Zahl und 
Art der einzuliefernden Blätter, über die Beifügung von Per¬ 
spektiven und Kostenanschlägen, welche auf manchen Kon¬ 
kurrenten verlockend gewirkt haben mögen, bei der erzielten 
Ungleichartigkeit der Arbeitsleistungen ein Vorzug gewesen. 

Noch deutlicher aber erscheinen die Mängel des Pro¬ 
grammes bei Betrachtung der positiven Hauptforderung, die 
als absolut unerfüllbar sich heraus gestellt hat. Die¬ 
selbe betrifft die Innehaltung der Bausurnme von 425 000 M 
für Bau und Einrichtung. Thatsäcklich dürfte keiner der 
59 Konkurrenten ihr auch nur annähernd entsprochen haben; 
denn sie setzt den Herstellungspreis auf 10—12 Ji pro cbm 
und nach Abzug der Bühnen-Einrichtung etc. auf 7—9 Ji fest. 

Auch ist nur in einem der mit Prämien ausgezeichneten 
Entwürfe die Innehaltung durch maafsvollen Architektur- und 
Material-Aufwand wenigstens angestrebt. 

Diese Unmöglichkeit hat sich durch die Konkurrenz als 
so unbedingt erwiesen, und ist durch den Spruch der Jury 
so bestätigt worden, dass nicht entschieden genug gegen das 
Verfahren protestirt werden kann, eine solche Forderung als 
für die Prämiirung maafsgebende Hauptbedingung hinzustellen 
— wenn sowohl Konkurrenten als Preisrichter ihr so wenig Ge¬ 
nüge leisten können. 

Allen diesen Uebelständen gegenüber taucht die Frage 
auf: Wer ist Verfasser dieses Programms und haben es die 
Preisrichter, welche darin benannt sind, vor seinem Erlass 
gekannt? Eine sorgfältige Prüfung der Aufgabe durch sie vor 
Erlass des Programms hätte wohl zu dem Ergebnisse führen 
müssen, dass sie zu einer Vorkonkurrenz oder mindestens 
zur Forderung von „Skizzen“ etwa im Maafsstabe von 
1:200 — 300 an Stelle des Entwurfs in einem solchen von 
1 : 150 sich in hervor ragendem Maafse eignete. Schon die 

























10 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


5. Januar 1884 


Situationsfrage an sich war vielleicht ein passender Gegen¬ 
stand für ein weniger anspruchsvolles Konkurrenz-Programm. 

Was nun das Urtheil betrifft, so lautet dessen Spruch, 
dass keines der Projekte der Ausführung oder des ersten Preises 
würdig sei, dass dagegen drei „ gleichwerthige“ Prämien und 
weitere fünf den Ankauf und eins eine beschränkte Anerken¬ 
nung verdienen. 

In der Hauptsache also abermals der bekannte, gewohnte 
und betrübende Ausgang, welcher das Konkurrenzwesen nicht zu 
fördern geeignet ist. Ob das Urtheil so lauten musste, mag 
dahin gestellt bleiben; wenn es aber so lauten musste, so hätte 
man im sachlichen Interesse eine nähere Angabe der Gründe, 
eine Bezeichnung der Fehler des Programms, welche diesen 
Ausgang allein veranlasst haben und ferner einen Vorschlag 
über die weitere formale und sachliche Behandlung der Sache 
wohl erwarten können. Dann hätte der Vorwurf, welcher in 
dem Spruche liegt und welcher im Publikum gegen die opfer¬ 
freudigen Architekten gewandt werden muss, die allein Schul¬ 
digen: die Verfasser des Programms getroffen; vielleicht wäre 
auch die Sache selbst in ihrem ferneren Verlaufe gefördert, 
während jetzt wieder Rathlosigkeit in Halle herrschen und 
das Konkurrenzwesen wiederum diskredirt sein wird.* 

Aber auch in anderer Beziehung veranlasst der Spruch 
der Jury Bedenken. Wenn eine Prämiirung trotz der negativ 
ausgefallenen Hauptentscheidung vorgenommen wurde, so konnte 
der Mangel eines besten, zur Ausführung geeigneten Ent¬ 
wurfes wohl nicht die eilige, summarische Behandlung der 
Sache veranlassen, die sich in der Kürze der seitens der 
Preisrichter aufgewandten Zeit, in der Bezeichnung dreier, in 
Art und Werth so aufserordentlich verschiedener Projekte als 
völlig gleichwerthig, sowie in manchen anderen Sätzen des 
Gutachtens zu erkennen giebt, und die der vortrefflichen Ge- 
sammtleistung, welche der Vorsitzende der Jury noch so be¬ 
sonders hervor zu heben sich veranlasst sah, nicht ent¬ 
sprechen dürfte. Ebenso wenig kann die prinzipielle Ent¬ 
scheidung es völlig verständlich machen, dass offenbare und 
zwar unmotivirte Programm-Ueberschreitungen in den 
ausgesuchten Entwürfen zugelassen, bezw. im Gutachten nicht 
einmal vermerkt worden sind. 

Es sei hier nicht mehr die leidige Frage untersucht, ob 
die prämiirten Entwürfe bei ihrer theilweise luxuriösen Ge¬ 
staltung und Ausstattung der voran gestellten Programm- 
Forderung gröfster „Einfachheit“ und den geringen Baumitteln 
genügen, und nur nebenbei bemerkt, dass der im übrigen 
glücklichste Konkurrent sich über die Magazin-Frage einfach 
dadurch hinweg setzt, dass er auf dem Situationsplan einen 
Bau für sämmtliche Magazine und Werkstätten mitten in 
einem gegenüber liegenden Häuserquartier andeutet, wo nicht 
nur mehre Häuser anzukaufen und zu beseitigen wären, 
sondern, wo die Errichtung wegen schon jetzt bestehender 
Feuersgefahr sogar unmöglich ist. Hieran trug ja die Fassung 
des Programms eine gewisse Schuld. 

Klar und bestimmt lauteten dagegen dessen Vorschriften, 
dass die umliegenden Strafsen nicht eingeschränkt oder ab¬ 
getragen werden und dass der Bau aus Sickerheits- und 
Verkehrs-Rücksichten 13 m von allen bestehenden Baufluchten 
entfernt bleiben sollte. Diese Vorschriften waren um so 
wichtiger, als der Bauplatz dadurch scharf begrenzt und 
ziemlich eingeschränkt wurde und die Kronen der (durchweg 
bebaueten) Strafsen ungewöhnliche Höhen - Abweichungen (bis 
zu 4 m ) zeigen. 

Die eingegangenen Entwürfe haben nun den Beweis 
geliefert, dass das Terrain auch bei Aufnahme der Magazine 
nicht zu klein und namentlich, dass seine eigenthümlichen Höhen- 
Verhältnisse nicht hinderlich sind, sondern im Gegentheil zu 
vortheilhaften und aufserordentlich reizvollen Anlagen benutzt 

* Bekanntlich i»t mittlerweile eine engere Konkurrenz unter den Verfassern 
der preisgekrönten Entwürfe eröffnet worden. Oie Red. 


werden köunen. Dagegen hat die Jury einige Entwürfe 
prämiirt, bezw. zum Ankäufe empfohlen, welche die Höhen¬ 
unterschiede mehr oder weniger verleugnen, indem sie an 
Stelle des um nahezu 4 m ansteigenden Terrains fast horizontale 
Linien setzen, also die bebauten Strafsen um ebenso viel ab¬ 
tragen, oder durch Futtermauern unzulässig einschränken, ja 
ein Projekt, welches das geforderte Stichmaafs von 13 m auf 
10 m und 7,5 m herab drückt u. s. w. 

Derartige Wahrnehmungen werden vermehrt bei eingehen¬ 
derem Studium der bevorzugten Projekte — und wir werden 
darauf noch zurück kommen. Hier mag nur noch auf zwei 
Punkte von allgemeinerer Wichtigkeit hingewiesen werden. 

Der Spruch der Jury ist von künstlerischem Stand¬ 
punkte zu verstehen. Nicht verstanden wird er aber vom 
Publikum, welches bekanntlich den Vorwurf erhebt, dass die 
Architekten bislang zwar schöne Theater-Faqaden, nicht aber 
ebenso gute Theater-Grundrisse geliefert hätten, und bedauert 
wird er werden von denjenigen Technikern, welche diesem 
Vorwurfe nicht alle Berechtigung abzusprechen vermögen. 

Ganz besonders konnte man nach der Bewegung, welche 
Publikum, wie Techniker nach den Katastrophen in Nizza 
und Wien ergriffen hat, wohl annehmen, dass die Feuer¬ 
sicherheit in erster Linie ein Kriterium bilden würde. 
Dagegen sind vielfache und ungerügt gebliebene Verstöfse 
gegen die Prinzipien der Isolirung zwischen gefährlichen Bau- 
theilen, wie Bühnen und Dekorations-Magazinen, der Kommu¬ 
nikationen namentlich hinter der Bühne, der Trennung der 
Treppen für die einzelnen Ränge, direkter Ausgänge aus den 
Rängen und leichter Auffindbarkeit derselben wie der 
Treppen etc. etc. bemerkbar. 

Auf der anderen Seite dürften auch die eigentlichen 
Bühneneinrichtungen,die Zweckmäfsigkeit in Abmessung, 
Gestaltung und Verbindung der Betriebsräume neben der¬ 
jenigen der Wasserbeschaffungs- und Löschungs-Vorkehrungen 
wenig berücksichtigt sein. Dieser Umstand macht scbliefs- 
lich das Vorkommniss erwähnenswerth, dass der den Konkur¬ 
renten als Mitglied der Jury bezeichnete Theaterdirektor 
an der Beurtheilung nicht Theil nahm, und dadurch das Stimm- 
verhältniss verändert wurde. — Vielleicht hätte diese Theil- 
nahme oder mindestens der wünschenswerthe Ersatz sich 
doch noch ermöglichen lassen, wenn die Jury nicht gar so 
eilig zusammen berufen worden wäre. Diese Eile dürfte auch 
in anderer Beziehung für zukünftige ähnliche Fälle wenig 
empfehlenswerth sein. 

Die Konkurrenz war eine internationale und der 1. De¬ 
zember als letzter Tag der Postauflieferung bezeichnet. Wer 
bürgte schon am 4. Dezember dafür, dass nicht noch recht¬ 
zeitig im Auslande aufgelieferte Sendungen eintreffen konnten, 
und wer will selbst heute dafür bürgen, dass nicht noch 
Konkurrenz-Arbeiten auf dem Ozean schwimmen? — 

Die allgemeine Untersuchung über die Ergebnisse der 
Konkurrenz in Bezug auf die Entwickelung des Konkurrenz¬ 
wesens sei damit als abgeschlossen betrachtet und wie folgt 
resumirt: 

Die Arbeiten der zahlreichen Konkurrenten zeugten von 
grofsem Fleiss, Ernst und Fortschritten namentlich im künst¬ 
lerischen Können, das Programm dagegen von ungenügender 
Vorbereitung, und das Urtheil von — grofser Eile der Preis¬ 
richter. Die Leser der Deutschen Bauzeitung werden dabei aber 
gewiss lebhaft an die durch eine Betrachtung des englischen 
Konkurrenzwesens veranlasste Bemerkung in No. 95, S. 566 
des Jahrg. 1883 erinnert sein, die angesichts dieses Falles 
hier wörtliche Wiederholung finden darf: 

„Möge man vor allem sich wiederholt daran mahnen 
lassen, dass der Erfolg jeder Konkurrenz nur zum einen und 
und vielleicht kleineren Theil in der Arbeit der Konkurrenten, 
zum anderen und gröfseren aber in der Hand der Programm- 
Verfasser und Preisrichter liegt.“ 

_ (Fortsetzung folgt.) 


Die Herstellung der Parallelwerke längs der bayerischen Rheinuferstrecke. 


Zürn Ausbau der durch Vertrag vom Jahre 1817 zwischen 
Baden und Bayern vereinbarten Uferlinie des Rheins kamen 
anfangs nur Uferdeckwerke und Buhnenbauten zur Anwendung. 

Bald zeigten sich die mit dem Buhnen-System verbundenen 
Nachtheile: Unregelmäfsigkeit der Geschiebe-Bewegungen und 
heftige Wirbelströmungen. Die Auskolkungen — oft bis über 
20 m Wassertiefe — verursachten grofse Unterhaltungskosten. 
Bei kurzen Buhnen wurde durch Umströmungen am Kopfe das 
rückwärts gelegene Land in Abbruch versetzt. Die Verlandung 
war aufserordentlich mangelhaft. Auf einen guten Ziehweg musste 
bei diesem System verzichtet werden. 

Dagegen war die Bewegung des Wassers an den mit Ufer¬ 


deckwerk gesicherten Stromstrecken hin eine sehr gleichförmige 
und damit im Zusammenhang stehend die Geschiebe-Bewegung 
und die Ausbildung des Strombettes eine ungemein günstige. 

Da man nun zu jener früheren Zeit mit den Buhneubauten 
nur ungünstige Erfahrungen gemacht hatte und die Zeit noch 
fern lag, in welcher ein günstigeres Urtheil über Flusskorrektionen 
mittels Buhnen gefällt werden konnte, war es natürlich, dass man 
am bayerischen Rheinufer im Jahre 1826 ganz zum Parallelbau- 
System überging. 

Die bestehenden Buhnen wurden durch Flügelbauten in 
Zusammenhang gebracht und Neuanlagen von Buhnen mit nur 
wenigen Ausnahmen nur noch zum Anschluss der Parallelwerke 










No. 2 , 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


an das feste Ufer ausgeführt. Die Parallelwerke wurden, wie 
die Buhnen, aus Faschinat hergestellt, welches gegen den Strom 
üin durch Steinsenkfaschinen gesichert ward. 

• j Derartige Anlagen erforderten grofse Unterhaltungskosten, 
indem je nach der Höhe der Bauanlage Setzungen eintraten und 
derjenige Theil des Baukörpers, welcher zeitweise über Wasser 
lag, alle 12 bis 15 Jahre ergänzt werden musste. 
y Seit Mitte der 40er Jahre nun wurden auf dem bayerischen 
Lfer die Parallelwerke aus einer Kiesschüttung hergestellt, 
welche man durch Senkfaschinen, Berauhwehrung und Pflasterung 
gegen den Angriff des Stromes sicherte. 

Jedoch unternahm man es zuerst nur bei ganz geringer 
'Vassertiefe, solche Kiesdämme herzustellen. Dieselben wurden 
zur Aufholung verfallener Faschinenbauten, dann zum Ausbau 
solcher Lücken verwendet, welche sich durch Ablagerungen auf 
Niederwasserhöhe ausgefüllt hatten. Vor dem Bankett, auf welches 
sich das Böschungspflaster stützt, wurden zum Schutze des Baues 
gegen Unterspülung Steinsenkfaschinen eingelegt, deren Anzahl 
nach der in nächster Zeit zu erwartenden Vertiefung bemessen 


II 


Es ist leicht denkbar, dass bei der Herstellung der Vorlage 
Seakstücke zu weit ia den Baukörper hinein geworfen werden 
wodurch sie Setzungen veranlassen, oder dass dieselben zum Vor- 
fufs hinab rollen oder quer über die Vorlage zu liegen kommen 
So lässt sich nur durch eine gröfsere Anzahl Senkfaschinen ein 
Erfolg sichern. Da die Hinterfüllung derart geschah, dass der 
Kies nur bis zum Bankett hinaus in das ruhige oder schwach 
wirbelnde Wasser ausgeladen wurde, so kam die Vorlage so nahe 
an den Bau heran, dass sie nun dem Kiesdamm nicht nur als 
Schutz gegen den Angriff des Stromes und gegen eine Vertiefung 
der Flussohle, sondern auch als Widerlager dienen musste. Bei 
größerer Tiefe wurde nach der Hinterfüllung der Vorlage eine 
zweite etwas schwächere und näher zum Bau eingeworfen°uud so 
der Bau durch Vorlage und Hinterfüllung in die Höhe geführt. 
Eine regelmäfsige Böschung liefs sich nur durch einen grofseu Auf¬ 
wand von Senkfaschinen hersteilen. (S. Fig.4. — Vergl. auchHandb. 
der Ingenieurwissensch. III. Bd. S. 500.) Nach Lösung der Senk- 
faschinen-Bänder und nach Abtrieb der oben aufgelegenen Faschinen 
rollen die Steine bei zu steiler Böschung in die Tiefe und auch 


Fig. 1. Querprofil des Rheins bei km 33,0. Breiten 1 :2000; Tiefen 1:200. 




wurde. Nach rückwärts ward der Bau durch Berauhwehrung, 
Kies- und Steinsenkfaschinen gesichert. 

Die Steinsenkfaschinen wurden vom Bau aus eingeworfen. 
Dabei lagerten sich die Senkstücke bis auf grofse Tiefen hinab 
senkrecht oder in sehr steiler Böschung auf einander. Ein Absturz 
der über einander getbürmten Masse gab öfters Veranlassung zur 
Beschädigung des Baues. Dieser Umstand führte dazu, die Senk¬ 
faschinen vom Schiff aus an den der Böschungsanlage ent¬ 
sprechenden Platz einzuwerfen. 

Damit stand der weitere Fortschritt in der Anlage der 
Parallelwerke im Zusammenhang, dass auch bei gröfserer Tiefe 
Kiesbauten hergestellt wurden. Man ging dabei von der Ansicht 
aus, dass vor Beginn der Kiesschüttung eine gewisse Zahl Senk¬ 
faschinen als Vorlage zum inneren und äufseren Böschungsfufs 
des herzustellenden Dammes eingeworfen werden müsste, um die 
Kiesschüttung gegen die Einwirkung der Strömung zu sichern. 
Länge und Stärke der Senkfaschinen-Vorlage wurde nach Wasser¬ 
tiefe und Stromgeschwindigkeit bemessen. 

Als besondere Mängel dieser Bauweise sind zu [nennen: 
der grofse Aufwand von Steinsenkfaschinen, die Setzung des Baues 
und später die öfter eiDtretenden Rutschungen. 


die unten gelegenen Faschinen werden abgetrieben. Auf solche 
Weise wird der Kiesdamm seines Schutzes gegen den Angriff des 
Stromes und seines Widerlagers beraubt und zerstört. 

Die Mängel dieser gekünstelten Bauweise mussten die Frage 
nahe legen, ob es nicht möglich wäre, den Kiesdamm mit einer 
dem jeweilig zur Verwendung kommenden Kiesmaterial entspre¬ 
chenden Böschunganlage auf Senkfaschinen-Länge —- 8 bis 10 m —- 
ohne Vorlagen herzustellen und ob der dabei durch die Strömung 
stattfindende Verlust an Kies sich rechtfertigen liefse. Ein im 
Jahre 1877 angestellter Versuch befriedigte vollkommen. 

Bei Anlage eines Kiesdammes handelte es sich vor allem 
um die Bestimmung des natürlichen Böschungsverhältnisses des 
im Wasser zur Verwendung kommenden Materials. Der von 
gleicher Stelle aus in langsam fliefsendes oder vollkommen ruhig 
stehendes Wasser eingeworfene Kies böscht sich steiler als seiner 
natürlichen Anlage entspricht, und zwar nimmt die Steilheit der 
Böschung nach der Tiefe hin zu. Kommt der Damm über Wasser, 
dann rutschen die Böschungen öfters unter heftigem Aufwallen 
des Wassers ab. 

Die nun angenommenen Böschungsverhältnisse sind bei der 
Anlage des Dammes in Betracht zu ziehen. Bei den im Fluss- 






































































































DEUTSCHE BAUZEITUNG, 


5. Januar 1884 


12 


bezirk Sondernheim km 29—39 vorkommenden gröfseren Geschiebe¬ 
stücken wurde ein mittleres Gewicht von 27,2 s, bei den kleineren 
ein solches von 0,3 s gefunden; damit war bis zu 3 / 3 feinster Sand 
und Schlick gemengt. Die mittlere Geschwindigkeit betrug 1,5 
bis 2 m pro Sek. Es wurde bei diesen Verhältnissen als steilste 
Böschung, bis zu welcher sich der Damm auf der Stromseite bei 
einer senkrechten Höhe von 7,30 m unter Wasser und einer solchen 
von l m über Wasser anschütten liefs, eine 1,8fache beobachtet; 
nach eingetretener Rutschung war die Böschungsanlage eine 
2,4 fache. Als vollkommen genügend für die Stabilität des Kies¬ 
dammes ergab sich aus verschiedenen Beobachtungen eine 2 fache 
Böschungsanlage. _ _ 

Der Schutz des Dammes gegen den dauernden Einfluss 
der Strömung mittels Senkfaschinen kann nun in viel sicherer 
Weise als früher bewirkt werden; bei geübter Mannschaft 
ist es nicht möglich, dass eine Senkfaschine ihrem Zweck ver¬ 
loren geht. Werden auch nach einigen Jahren die obersten Fa¬ 
schinen von der Böschung abgetrieben, so bleibt immer noch zur 
Sicherung gegen die Strömung ein mit Steinen beschwertes Fa- 
schinat auf der 2 bis 3 fachen Böschung zurück. Der sich nieder¬ 
schlagende Schlick und Sand kittet die ganze Decklage zusammen. 
Dieser Umstand, welcher zur Erhaltung der Abdeckung beiträgt, 
tritt bei steilerer Böschung nicht ein. Bei dem satt gelagerten 
Kiesdamm ist eine für Bankett, Pflasterung und Berauhwehrung 
nachtheilige Setzung ausgeschlossen; es reduziren sich sonach 
auch hierfür die Unterhaltungskosten. 

Nach diesen günstigen Erfahrungen fand das Bausystem An¬ 
wendung unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen — grofser 
Wassertiefe und starker, häufig wechselnder, oft zum Bau an¬ 
fallender Strömung — bei Herstellung des Parallelwerks unter¬ 
halb Germersheim, bei der Einmündung des Lingenfelder Alt¬ 
rheins. (S. Fig. 1, 2, 3.) 

Dieser Parallelbau wurde nach Vollendung des aus Vorschuss¬ 
lagen erbauten Theils der Buhne am 19. Oktober 1880 in Angriff' 
genommen. Es wurden täglich ca. 700 cbm Kies auf der der Bau¬ 
stelle gegenüber liegenden Kiesbank gebaggert und in ca. 20 Fahr¬ 


zeugen beigebracht. Der durch die Strömung verursachte Kies¬ 
verlust wurde möglichst genau erhoben. Es ergab sich, dass bei 
ununterbrochenem Baubetriebe nur der Sand und Schlick aufser- 
halb des Baukörpers geführt wurde. Niemals war der Material¬ 
verlust so bedeutend, dass sich ein Wechsel im Bausystem hätte 
rechtfertigen lassen. Aus allen Beobachtungen und vergleichenden 
Kostenberechnungen resultirte, dass bei einem billig zu be¬ 
schaffenden Kiesmaterial (für 1 cb ™ in den Baukörper gelieferten 
Kies wurden 35 /$, später 39 4, bezahlt), bei normalen Tiefen und 
bei einem nicht zu hart zum Baue anfallenden Strome von einem 
Faschinenbau immer Umgang genommen werden soll. 

Von der seither üblichen Art: durch mehre an den 
Böschungsfufs übereinander geworfene Senkfaschinen den Kies¬ 
damm in seinem Bestände gegen eine Vertiefung der Flussohle zu 
sichern, wurde nach den gleich Anfangs gemachten Erfahrungen 
abgegangen. Als oberstes Prinzip bei Herstellung einer Bau¬ 
anlage unterWasser muss fest gehalten werden: Regelmäfsigkeit 
und Uebersichtlichkeit im Betrieb und eine solche Verwendung 
der Materialien, dass sich durch die Profilirung ergiebt, in wie 
fern sie dem Angriff des Stromes gegenüber zur Wirkung kommen. 
Bei der seither üblichen Art der Sohlensicherung war nach ein¬ 
getretener Vertiefung oft nicht möglich zu erkennen, ob das vor 
dem Böschungsfufs noch liegende Material genügenden Schutz 
gewährt. Wird jedoch — wie es bei genanntem Parallelwerke 
geschehen — die Sohle auf eine Entfernung von 6 bis 7 m vor 
den Böschungsfufs hinaus derart abgedrückt, dass eine Sack¬ 
faschine fest an die andere geworfen wird, dann ist bei einer 
Vertiefung von 2 bis 3 m eine regelmäfsige Ausbildung des Profils 
möglich und aus der Profilirung ergiebt sich bestimmt, wie weit 
eine Verstärkung dieser Sicherung nothwendig erscheint. 

Die hiermit der Hauptsache nach geschilderte Bauweise hat 
sich vollkommen bewährt, trotzdem der Damm auf eine längere 
Strecke hin eine Höhe von über 10 m erreichte. 

Speyer, im Oktober 1883. -> Faber, 

Staatsbaupraktikant. 


Vermischtes. 

Der Bau des Rathhauses in Wiesbaden hat, wie das 
Zentralbl. d. Bauverw. mittheilt, eine neue, überraschende Wen¬ 
dung genommen. Bekanntlich war seinerzeit keiner der in der 
öffentlichen Konkurrenz prämiirten Pläne zur Ausführung gewählt 
worden, sondern die Stadt hatte, mit Umgehung der in der Kon¬ 
kurrenz siegreichen Architekten, ihren Stadtbaumeister Hrn. 
Lemcke, mit der Aufstellung eines neuen Entwurfs beauftragt, 
für welchen das in der Konkurrenz gewonnene Ideen-Material 
verwerthet werden sollte. Hr. Lemcke, der vom 1. Februar 1884 
die mit 5400 M dotirte, vierteljährlich kündbare Stelle verlässt, 
um das ungleich dankbarere Amt eines Stadtbaumeisters von Bonn 
anzutreten, hat jenem Aufträge entsprochen und seinen Entwurf 
den städtischen Behörden eingereicht. Die letzteren haben die 
Ausführung derselben jedoch nicht dem neu gewählten Stadtbau¬ 
meister Hrn. Israe 1 (bisher Kreis-Kommunal-Bmstr. in Ottweiler) 

übertragen, sondern hierfür Hrn. Prof. G. Hauberrisser in 
München gewonnen, welcher zu diesem Zwecke den Lemcke- 
schen Entwurf abermals einigen (angeblich nicht sehr erheblichen) 
Aenderungen unterzogen hat. — Man darf gespannt darauf sein, 
wie schliefslich der unfehlbar bevor stehende Streit über die 
Vaterschaft des Werkes von der öffentlichen Meinung entschieden 
werden wird. 


Dampfkessel - Explosion in Iserlohn. Am 28. v. M. 
Nachmittags gegen 5 Uhr ist der zur Dampfheizungsanlage 
des Gesellschaftsgebäudes „Harmonie“ dienende für 5 Atm. Span¬ 
nung ko r zessionirte Dampfkessel explodirt. Der Kessel war im 
überwölbten Kellerraum eines unmittelbar an das Gesellschafts¬ 
haus an gebauten theils massiv, theils aus Fachwerk mit Pappdach 
hergesti Ilten kleinen Gebäudes, welches als Hühnerstall diente, 
aufgestellt. Er ist in mehre gröfsere oder kleinere Theile zer¬ 
rissen und ein grofses Stück etwa 15 m weit fortgeschleudert. 
Der kleine Anbau über dem Kesselraum ist völlig verschwunden, 
ein Kappengewölbe des unmittelbar anstofsenden Kellergewölbes 
herunter gefallen; mehre Thiiren sind durch den Luftdruck ein¬ 
gedrückt und viele Fensterscheiben zertrümmert worden. Eine 
Eisenbahnschiene von etwa 5 m Länge, welche das Kappengewölbe 
über dem Kesselraum trug, ist ca. 50 m weit fort geschleudert 
und das Dach durchschlagend in eine Schreinerwerkstatt gefallen. 
Mauerbrockeu aus Ziegeln von etwa 200 Gewicht sind eben so 
weit geschleudert, ein grofser Theil des Hauptdaches des 3 Stock 
hohen Gesellschaftshauses ist an vielen Stellen durch ca. 100 k s 
schwere Mauerbrocken durchschlagen und starke Gratsparren sind 
zerbrochen worden. Die Nachbarhäuser sind, so weit sie nicht 
durch die Kirche geschützt waren, im Umkreise von etwa 80 bis 
100 m an den Fach werkswänden und Dächern von Ziegelstücken etc. 
durchschlagen. Eine — anscheinend in der Nähe befindlich ge¬ 
wesene — alte Frau ist unter den Trümmern todt hervor gezogen 
und ein auf der Strafse spielender Knabe am Kopf verletzt worden. 

Der etwa 6 Jahre alte Kessel ist noch im letzten Sommer 
durch den Kgl. Kesselrevisor mit 10 Atm. geprobt und für dienst¬ 
fähig erklärt worden. Die Vorgefundenen Kesselreste haben noch 


die ursprüngliche Blechstärke von 7,5 bis 8 mm ; der Wasserstand 
soll noch kurz vor der Katastrophe probirt und als richtig be¬ 
funden worden sein. 

Es ist einigermaafsen wahrscheinlich, dass das Sicher¬ 
heits-Ventil von der Druckprobe her noch fest ge¬ 
keilt und das Manometer noch abgestellt gewesen ist; 
dies aus dem Grunde, dass der heizende Arbeiter trotz 5 stündigen 
Heizens am Manometer keine Zunahme des Drucks wahrgenommen 
haben will. Der Arbeiter soll übrigens keinen Auftrag zum 
Heizen, sondern nur zum Auspumpen des im Kesselraum be¬ 
findlichen Grundwassers gehabt haben. Das Heizen sollte erst 
beginnen, nachdem ein Monteur die Sicherheits-Vorrichtungen des 
Kessels untersucht hätte, was nicht geschehen ist. 

Darnach hat die Annahme grofse Wahrscheinlichkeit, dass 
in Folge Verschlusses des Sicherheits-Ventils und des Manometers 
die Dampfspannung eine Höhe erreicht hat, die weit über die 
zulässige hinaus ging._ 


Todtenschau. 

Jean Bapt. Le Sueur. Am 26. Dezember v. J. ist zu 
Paris das älteste Mitglied der Kunst-Akademie und der Nestor 
der französischen Architekten, Le Sueur, im 90. Lebensjahre 
verstorben. Er begann seine architektonischen Studien i. J. 1811 
als Schüler von Percier, später von Famin und errang i. J. 1819 
das Ziel der Sehnsucht aller jungen französischen Künstler, den 
Grand prix de Rome“. Mitglied der Akademie war er seit 
1846; seit 1852 bekleidete er als Nachfolger Abel Blouet’s eine 
Professur der architektonischen Theorie. Die bekanntesten seiner 
ausgeführten Werke sind die Pfarrkirche von Vincennes, die 
Musikschule in Genf und der in Gemeinschaft mit Godde ausge¬ 
führte Erweiterungsbau des Pariser Stadthauses, der unter der 
Kommune-Herrschaft von 1871 zu Grunde ging. 


Lorenz Gedon in München, der geniale Bildhauer und 
Meister der architektonischen Dekoration, ist am 27. Dezember, 
in noch nicht ganz vollendetem 40. Lebensjahre der deutschen 
Kunst entrissen worden. Wir behalten uns vor, seinem Wirken 
eine etwas eingehendere Darstellung zu widmen. 


Personal - Nachrichten. 

Württemberg. Die erled. zwei Ingenieur-Assistenten-Stellen 
b. d. techn. Büreau der Kgl. General - Direktion der Staatseisen¬ 
bahnen sind dem Bahnmeister Laistner in Weil der Stadt und 
dem Bmstr. Tafel b. d. gedachten Büreau übertragen worden. 

Der Bauinspektor Gerber in Calw ist in den Ruhestand 
getreten. — 

Brief- und Fragekasten. 

Auf die Anfrage in No. 93 Jahrg. 83 uns. Bl., betreffend 
Vorbilder zum Zeichenunterricht für Blecharbeiter 
und Uhrmacher werden wir auf die im Verlage von Beruh. Voigt 
in Weimar erschienene Klempnerschule von C. Schröder, 
1. u. 2. Theil hingewiesen. 


Kommissionsverlag von Ernst Toeche in Berlin. 


für die Redaktion verantwortlich K. E. O. Fritsch. Berlin. Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin. 





















No. 3. 


13 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


Inhalt: Aus den Verhandlungen des bayer. Landtages über den Eisenbahn- 
Ltat. — Nochmals „eine wichtige Sekundärspannung in Brückenträgern.“ _Mit¬ 

teilungen aus Vereinen: Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hannover. 
— Technischer Verein zu Lübeck. — Vermischtes: Jahresbericht über Hypo¬ 
theken und Grundbesitz in Berlin von Heinrich Fränkel. — Statistik der Königl. 


Technischen Hochschule zu Berlin pro Winter-Semester 1833/84. — Zur Wieder¬ 
besetzung der Professur für Wasserbau an der technischen Hochschule in Braun¬ 
schweig. - Louis-BoNsonet-Stiftung an der technischen Hochschule in Berlin — 
Konkurrenzen. — Person al -Nachri ch ten. 


Aus den Verhandlungen des bayerischen Landtages über den Eisenbahn-Etat. 



j ie Verhandlungen des z. Z. tagenden bayerischen 
I Landtages haben sich in mehrfacher Hinsicht so inter- 
| essant gestaltet, dass ein kurzes Referat darüber in 
| dieser Zeitung am Platze sein dürfte. 

Bei der Berathung über den Etat der Staatsbau¬ 
verwaltung wurde von zwei Rednern die Frage an den Minister¬ 
tisch gerichtet, ob es sich nicht empfehle, im Hinblick auf die Ver¬ 
ringerung der Geschäfte eine Verschmelzung der Landbau¬ 
ämter mit den Strafsen- und Flussbauämtern anzu¬ 
streben, um dadurch entsprechende Ersparungen zu 
erzielen? 


Der Staatsminister trat diesen AnsinnuDgen mit dem Bemerken 
entgegen, dass, abgesehen davon, dass eine Geschäftsverringerung 
nicht eingetreten sei, die Vereinigung der beiden Aemter schon 
mit Rücksicht auf den getrennten Studiengang für das Archi¬ 
tektur- und Ingenieurfach an der technischen Hochschule als 
unthunlich erscheine; im übrigen sei die Organisation des bayer. 
Staatsbauwesens allseitig, auch aufserhalb Bayerns, als „muster¬ 
gültig“ anerkannt, weshalb kein Grund bestehe, von derselben 
wieder abzuweichen. 


Dieser Ausspruch des Ministers von der mustergiltigen Orga¬ 
nisation des bayer. Staatsbauwesens dürfte gewiss von niemanden 
bestritten werden. Schade ist es nur, dass von derselben Dur 
ein Theil der bayer. Staatsbautechniker profitirt, nämlich 
diejenigen, welche sich dem sog. inneren Staatsbaudienste widmen. 
Die beim Eisenbahnbau und Betrieb verwendeten Techniker 
standen bislang namentlich in Bezug auf autoritative Befugnisse 
innerhalb ihrer Stellungen ihren Kollegen beim inneren Staats¬ 
baudienste entschieden nach. 


Das Mifsverhältniss, das in dieser Beziehung besteht, und 
auf welches die Eisenbahntechniker in einer neuerlichen an 
mafsgebender Stelle eingereichten Vorstellung hinwiesen, hat 
dann auch hauptsächlich den Staatsminister des Aeufseren, zu 
dessen Ressort die bayer. Verkehrs-Anstalten gehören, veranlasst, 
einen ersten Schritt zur Begleichung zu thun, indem er im Budget 
für die neue Finanzperiode die Umwandlung von 7 bisher mit 
Ingenieurassistenten besetzten Stellen in solche von Abtheilungs- 
Ingenieuren, ferner von 5 Betriebsingenieur-Stellen in solche von 
Bezirksingenieuren beantragte und mit dem Hinweise auf den 
wichtigen und verantwortungsvollen Dienst der Eisenbahn-Ingenieure 
warm befürwortete. 


Leider hat die Abgeordnetenkammer diese Intentionen nicht 
voll gewürdigt, indem sie von den beantragten 9 Bezirksingenieur- 
Stellen 3 strich. Dass sie aber doch einen Theil der beantragten 
Stellen trotz ihres sonstigen grofsen Widerstrebens gegen jede 
Vermehrung der Zahl der pragmatischen Beamten genehmigte, 
beweist, dass die Nothwendigkeit einer Besserung der dienst¬ 
lichen Stellung der technischen Eisenbahnheamten allgemein an¬ 
erkannt wird. 

Wichtiger noch als diese Frage erscheint die über die all¬ 
gemeine Reorganisation des gesammten Eisenbahn¬ 
wesens, welche bei Berathung des Personaletats zur gründlichen 
Erörterung gelangte. Bevor nämlich die Kammer in diese eintrat, 
entwickelte der Staatsminister v. Crailsheim auf Ersuchen des 
Referenten in grofsen Zügen sein Programm für umfassende 
Reorganisation des bayer. Eisenbahnwesens. 

Das Hauptziel, welches der Minister bei seinen Reformplänen 
im Auge hat, geht darauf hinaus, eine strenge Scheidung zwischen 
höherem und niederem Beamtenpersonal herbei zu führen. Für 
den höheren Eisenbahndienst, d. i. für die Leitung des 
Betriebs dieses und den höheren Verwaltungsdienst sollen nur 
Beamte mit juristischer oder akademisch-technischer 
Vorbildung Zutritt haben, während für die niederen Stellen die 


für den einjährig-freiwilligen Militär-Dienst vorgeschriebene Vor¬ 
bildung gefordert wird. 

Nach Vollendung der anzubahnenden Reorganisation werden 
die mit höherer Vorbildung erreichbaren Stellen der Kategorien 
AII b bis AI nur mehr bei der Generaldirektion, den Oberbahn¬ 
ämtern und an einzelnen besonders wichtigen Posten des äufsern 
Dienstes vorhanden sein. Alle übrigen Stellen des Eisenbahn¬ 
betriebs und Verwaltungsdienstes sollen von niede-em Beamten¬ 
personal, das sich in Adjunkten, Expeditoren und Oberexpeditoren 
abstufen wird, versehen werden. 

In der Organisation, welche als Endziel anzustreben sein 
wird, wird für die Bahnassistenten, welche die nach der Ver¬ 
ordnung vom Jahre 1868 vorgeschriebene Vorbildung besitzen, 
kein Raum mehr sein. Das Personal wird sich scheiden in ein 
höheres mit juristischer oder akademisch-technischer Vorbildung 
und in ein niederes mit der für den Einjährig-Freiwilligen-Dienst 
vorgeschriebenen Vorbildung. Es wird daher der Zugang von 
„Praktikanten“ mit dem Absolutorium der allgemeinen Abtheilung 
der polytechnischen Schule definitiv zu sperren sein und es wird 
in den Status der Assistenten auch noch aufzunehmen sein die 
geringe Zahl der noch vorhandenen Praktikanten und ferner die 
beim Staatseisenbahnbau entbehrlich werdenden, im ingenieur¬ 
technischen Dienste der Betriebsverwaltung nicht unter zu bringenden 
technischen Assistenten. Im rein technischen Dienste sei keine 
Veränderung der bestehenden Organisation erforderlich; doch sei 
auch für diesen bereits bis auf weiteres die Aufnahme von neuen 
Aspiranten gesperrt. 

Es versteht sich von selbst, dass zur vollständigen Durch¬ 
führung dieses Plans eine lange Reihe von Jahren erforderlich 
sein wird. Immerhin ist aber der Anfang gemacht. Demselben 
lässt sich eine strenge Konsequenz und ein hoher Gesichtspunkt 
nicht absprechen, und der Minister äufserte am Schlüsse seiner 
Rede, dass er sich davon verspreche, das bayer. Eisenbahnwesen 
auf eine höhere Stufe der Vollkommenheit zu bringen. 

Für die bayer. Eisenbahntechniker mit akademischer Vorbil¬ 
dung ist das Programm des Ministers insofern von Belang, als 
darin der Anspruch derselben auf Mitberücksichtigung bei der 
Besetzung der höheren Verwaltungsstellen legalisirt und damit die 
bisherige Usance zur Norm erhoben ist. Das Verdienst hierfür 
dürfte in erster Linie dem Eisenbahnbaudirektor v. Schnorr zu 
vindiziren sein. — 

Weiteres kam in der Abgeordnetenkammer zur Sprache, die 
im Bahnhofe Regensburg seit langem bestehenden Misstände, die 
ihre Ursache in der räumlichen Beschränktheit desselben haben. 
Das reisende Publikum muss, um zu den meisten Zügen zu ge¬ 
langen, Geleise überschreiten, was bei der grofsen Anzahl von 
ankommenden Zügen ohne Zweifel leicht Unglücksfälle herbei 
führen kann. 

Nachdem schon seit einiger Zeit in der Presse eine lebhafte 
Agitation zu gunsten eines Bahnhofsumbaues in Szene gesetzt 
worden war, brachten diesen Gegenstand auch zwei hervor ragende 
Abgeordnete in der Kammer zur Sprache, indem sie für einen 
etwaigen Unglücksfall die Verantwortlichkeit von sich ablehnten. 
Der Minister erklärte, dass er, wenn er auch die Misstände zum 
Theil als bestehend erkennen müsse, doch im Hinblick auf die 
hohen Kosten eines Bahnhofsumbaues, die sich auf mehr als 
2 000 000 JA belaufen (da aufser Herstellung von Perrontunnels etc. 
auch ein neues Empfangs-Gebäude aufgeführt werden müsste)' 
eine bezügliche Vorlage in nächster Zeit noch nicht an die Kammer 
bringen könne. Inzwischen müsste strenge Aufsicht für Hintan¬ 
haltung von Unfällen sorgen, was um so sicherer zn erwarten 
sei, als z. B. im vergangenen Jahre 1882 während der durch die 
Bayreuther Festspiele und die Nürnberger Landesausstellung 
gesteigerten Frequenz kein Unfall vorgekommen sei. S. 


Nochmals „eine wichtige Sekundärspannung in Brückenträgern.“ 


Eine Erwiederung, welche in der vorjährigen No. 51 des 
„Zentr.-Bl.d.Bauverwaltg.“Hr.Regierungsrath Dr. Zimmermann 
auf meinen in No. 101 dies. Zeitg. mitgetheilten Artikel ver¬ 
öffentlicht hat, lahmt an der Voraussetzung, dass es erforderlich 
sei, den Druckgurt so steif herzustellen, dass derselbe einer seit¬ 
lichen Aussteifung auf der ganzen Länge der Brücke nicht bedürfe. 

Diese Voraussetzung entspricht weder den Forderungen der 
Theoretiker noch auch ausgeführten Beispielen*, da sie ohne 
allzu grofse Material-Vermehrung nicht möglich ist. Würde z. B. 
bei P * l 2 3 4 Druck und einer freien Länge von 20 m ein kastenförmi¬ 


* Soll die ganze Länge des Trägers für die Berechnung der Knicksicherheit 
in Rechnung gezogen werden, so müsste, eine proportionale Vermehrung aller 
Dimensionen voraus gesetzt: 

1) Der Parabelträger in Heinzerling „Brücken der Gegenwart“, Heft poly¬ 
gonale Brücken einen 4fach so grofsen, 

2) die Träger der Warthe-Vorfluthbrücke bei Küstrin den doppelten, 

3) die Träger der Brücke über die Ruhr bei Winz den 3 fachen, 

4) die Träger der Brücke über die Brahe bei Bromberg den 3 1/2 fachen 
Querschnitt im Druckgurt bekommen. 


ger Querschnitt mit einer Wandstärke gleich l /. 2n der Höhe ange¬ 
wandt, so wären erforderlich q = 1,35.20 ^ P ~ 81 9 cm , bei 
kreuzförmigem Querschnitt mit 1 / 10 der Höhe zur Stärke q = 
3,5 . 20 VP=210‘i R “. 

Sobald man den Druckgurt nicht mehr so steif konstruiren 
will, sondern auf die Mitwirkung der Vertikalen rechnet, sind 
alle von mir aufgestellten Folgerungen richtig, insbesondere auch 
die Forderung, die Materialmengen der Vertikalen in die Aufsen- 
Flächen zu legen. 

Die Berechnung einer Gurtung muss den in ihr auftreten¬ 
den Kräften entsprechen. 

Sind die Gefache steif angeordnet, so äst die Beanspruchung 
eines Druckgurts folgende: Richtungs-Linie der Kraft und Stabsehne 
bilden im allgemeinen zwei windschiefe Linien; d. h.: auf den Stab 
wirken aufser der Sehnenkraft an jedem Ende eine Horizontal¬ 
kraft, ein Torsionsmoment, ein Biegungsmoment in der verti¬ 
kalen und eins in der dazu senkrechten Sehnenebene. Dabei 





















14 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


9. Januar 1884 


wirkt die Sehnenkraft auf die einzelnen Querschnitte mit einem 
Hebelsarm (knickend). 

Da nun die wirklich eintretende Torsion sehr klein ausfällt, 
kann man sie ganz vernachlässigen und da die Momente in die 
Ebenen der Hauptaxen des Querschnitts fallen die Durchbiegung 
in horizontalem und vertikalem Sinne jede für sich berechnen. 
Bei guten Konstruktionen ist nun das Trägheitsmoment J wegen 

der Knicksicherheit so grofs, dass der Ausdruck "V/'jLi! 

V E J 

(S Sehnenkraft, s Stablänge) genügend klein ausfällt, dass man die 
Durchbiegung in Folge der knickenden Wirkung der Sehnenkraft 
vernachlässigen kann. ** 

Es wirken nun auf den kontinuirlichen Obergurt nur die 
Reaktionen der Gefache, die Seitenkräfte der Axialkräfte und die 
aus diesen entstehenden Momente. Die Berechnung nach dieser 
Anschauung habe ich in meiner betr. Mittheilung angedeutet. 

Die Seitenkräfte der Axialkräfte sind wegen der geringen 

Durchbiegung y so klein, dass auch die Einwirkung dieser 
meistens vernachlässigt werden kann und so kommt man auf die 
von mir durchgeführte Berechnung. 

Unter der Voraussetzung steifer Gefache wirken auf eine 
Vertikale am oberen Ende ein Torsionsmoment, ein Biegungs- 
Moment, eine Horizontalkraft und die Sehnenkraft, letztere 
wiederum knickend. 

Das Trägheitsmoment der Vertikalen muss nun eine be¬ 
stimmte Gröfse haben. Will nämlich der Obergurt ausbiegen, so 
muss die Kraft, welche das steife Gefach der Ausbiegung ent¬ 
gegen setzt, gröfser sein, als die der Ausbiegung entsprechende 
P W TI P 

Seitenkraft des Gurtes -- = ky; — = k, wenn n den 
s s 

Sicherheits-KoeffizienteD, y die Durchbiegung und k eine Konstante 
bezeichnet, welche von den Trägheitsmomenten der Vertikalen 
und des Querträgers abhängt. 

Ist das Trägheitsmoment des Querträgers gegeben, so ist 
damit das erforderliche Trägheitsmoment für die Vertikalen fest 
gestellt. 

Die Biegungsmomente in den Vertikalen werden um so gröfser 


** Vergleiche: Manderla, Seknndärspannungen. Allgera. Banztg. 1880 oder 
Handbuch der Ingenieur-Wissenschaften, II. Band, II. Abth. S. 330 ff. 


hei bestimmten Durchbiegungen, je gröfser das Trägheitsmoment. 
Die Biegungs-Spannungen nehmen mit dem Widerstandsmomente 
ab; daher beruht die Forderung, die Massen in die Aufsenflächen 
zu legen, nicht etwa auf einem Rechenfehler, sondern auf dem 
Umstande, dass bei den Vertikalen (im Gegensatz zum Querträger) 
von den Querschnitten gleichen Trägheitsmoments diejenigen mit 
gröfstem Widerstandsmomente den Vorzug verdienen. 

Ich habe gegen die Folgerungen des Hrn. Reg.-Raths 
Dr. Zimmermann nichts einzuwenden, wenn die Brücke so kon- 
struirt ist, dafs der Druckgurt für sich die nöthige Seitensteifigkeit 
besitzt; für die Praxis wird aber wohl die von mir erörterte 
Anschauung die zutreffende sein. 

Selbst die Amerikaner möchten wohl nicht wagen, bei einer 
offenen Brücke die Querträger an den Vertikalen mit Schar¬ 
nieren ohne jede Seitenaussteifung zu befestigen; sobald aber diese 
nicht fortbleibt, ist der Eintritt der oben beschriebenen Spannungs¬ 
zustände nicht zu vermeiden. 

Was die Streitfrage angeht, welcher Konstruktionstheil der 
in der Schweiz eingestürzten Brücke in erster Linie zu schwach 
gewesen sei, so konstatire ich zunächst, dafs die Ungleichheit in 
den Durchbiegungen der Querträger als Ursache der Verbiegung 
der Träger-Gurte in dem bezügl. ersten Artikel des Zentralbl. 
d. Bauverwltg. nicht erwähnt worden ist; im übrigen kann ich 
Streitfrage und Ergebniss wohl dahin präzisiren: 

Hr. Reg.-Rath Dr. Zimmermann verlangt, dass für die 
Knicksicherheit des Druckgurtes die ganze Trägerlänge in Rechnung 
zu ziehen sei; — dann ist im bezügl. Falle zweifelsohne der 
Druckgurt weitaus zu schwach gewesen. 

Ich verlange von einem Druckgurt, dass: 1) bei der Knick¬ 
sicherheit die Länge zwischen zwei Knotenpunkten berücksichtigt 
wird; dafs 2) die Gefache hinreichend steif gemacht werden, um 
ein Einbiegea des Gurts zu verhindern, und dass 3) die auf¬ 
tretenden Spannungen bei den nicht zu vermeidenden Ver¬ 
biegungen das zulässige Maafs nicht überschreiten. 

Ist meine Anschauung richtig, so ist im bezügl. Falle die 
zweite Bedingung am schlechtesten erfüllt, und auch der dritten 
nicht hinreichend entsprochen gewesen. 

Welche Anschauung die übliche, ist mir nicht zweifelhaft. 
Wozu sollte denn die besondere Seitensteifigkeit der Vertikalen 
überhaupt dienen? 

Berlin, den 22. Dezember 1883. 

F. Schulte, Reg.-Bfhr. 


IVlittheilungen aus Vereinen. 


Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hannover. Haupt¬ 
versammlung am 5. Dezember 1883. Vorsitzender Hr. Garbe. 

Als neue Mitglieder werden in den Verein aufgenommen die 
Hrn. Reg.-Bfhr. P. Böhmer, Schilling, Becker, v. Pentz, Rambatz, 
Leber, Wildfang, Grimsehl, Schiller, Ulex, Rieken, Amecke, 
Biedermann, Schröder, Ausborn, die Reg.-Baumeister E. Bachem, 
Boner, Vobisch und Ingenieur Lauenstein. 

Namens der Rechnungs-Revisions-Kommission berichtet Hr. 
Bolenius über die rückständige Feststellung der Abschlüsse der 
Jahre 1879—1882. Dieselben stellen sich wie folgt: 

- Es wird Decharge beantragt und 


i Einnahme M. 

Ausgabe m. ertheilt. 

1879 

1880 
1881 
1882 

20 514,16 

20 806,35 

27 271,66 

26 409,12 

20434,27 Der Rechnungsführer Herr K. 

20 688,35 Fischer erläutert den Haushalts- 
26 P^ an 1884, welcher mit 27 900 JA 

in Einnahme und Ausgabe abschliefst; 


derselbe wird unverändert angenommen. 

Die Versammlung beschliefst, das diesjährige Stiftungsfest 
auf den 26. Januar oder den 9. Februar zu verlegen. 

Hr. Professor Frank macht Mittheilungen über: 
„englisches Eisenbahnwesen.“ 

Die englischen Bahnen haben ihre Stationen für Personen 
möglichst in die Innenbezirke der Städte geschoben, und zur 
Verminderung der Grunderwerbs-Kosten ergiebt sich daher die 
Nothwendigkeit der Abtrennung der Kohlen- und Güterbahnhöfe. 
Letztere weisen nur geringe Längen für etwa 90 Achsen der 
(schnell fahrenden) Güterzüge auf. Die Güterexpresszüge führen 
sogar nur 60 Achsen, jedoch mit 40 km Geschwindigkeit, während 
von gewöhnlichen Güterzügen 30 km , von Kohlenzügen 25 km pro 
Stunde gemacht werden. Das Be- und Entladen der kurzen Züge 
geht in grofsen Hallen mit Ladegleisen mittels kleiner hydrau¬ 
lischer Aufzüge imd Krahne um so schneller vor sich, als nur 
wenige Güterwagen sogen, bedeckte sind; empfindliche Waaren 
werden durch Decken geschützt. Die Bewegung der Güterwagen 
erfolgt, mittels maschinell betriebener capslans , auch die Dreh¬ 
scheiben werden durch sie bewegt; ein capslan bedient 4 Gleise. 

Die Kohlenbahnhöfe bestehen meist aus kurzen Gleis¬ 
stumpfen normal zur Richtung der Zufuhrgleise. Längs beiden 
Enden der Stumpfe liegt eine von Pferden bediente Wagenschiebe¬ 
bühne, deren jede mittels einer Drehscheibe mit einem der beiden 
Bahngleise in Verbindung steht. Der ganze Apparat liegt hoch 
auf Pfählen. Die vollen Wagen gehen aus dem Zufuhrgleise 
mittels der linken Drehscheibe und Schiebebühne in die Gleis¬ 
stumpfe, werden durch BodeDklappen entleert und gehen leer 
über die zweite Schiebebühne und Drehscheibe in das rechte 
Abfahrtsgleis zurück. 

Die Güter-, Kohlen- und Erzwagen sind meist sehr 


einfach konstruirt und wenig sorgfältig unterhalten, da sie der 
Mehrzahl nach Privaten gehören. Die primitive Anordnung der 
(nicht durchlaufenden) Zug- und federlosen Stofsvorkehrungen kann 
nur bei den geringen Zuglängen und mäfsigen Steigungen genügen; 
übrigens haben die Güterexpresszüge meist elastische Buffer. Die 
Tragfedern sind Blattfedern und tragen das Untergestell auf 
eisernen Gleitschuhen. Die Wagen haben meist schmiedeiserne 
Speichenräder auf gusseisernen Naben. 

Die Zugbeförderung ist durch das schnelle Halten und An¬ 
fahren in den Stationen, sowie durch die bedeutende Durch- 
schnitssgeschwindigkeit aller Züge, und in Folge des äufserst 
seltenen Anhaltens der Durchgangszüge eine sehr rasche; dass 
trotzdem die Züge sehr geräuschlos fahren, hat seinen Grund im 
Bahnoberbau und in der Konstruktion der Wagen. 

Der Oberbau zeigt fast ausschliefslich Anordnung von Stuhl¬ 
schienen auf Holzquerschwellen mit staiken Stahlschienen und 
sehr eng gelegten Querschwellen. Die Räder der Wagen sind 
meist Holzscheibenräder und die hölzernen Wagengestelle sind 
äufserst solide aus gutem Holze gezimmert. Die Personenwagen 
sind seltener zweiachsig, als drei und mehrachsig. Die Aufhän¬ 
gung geschieht mittels glatter Blattfedern, die durch einen Stift 
in der Mitte und durch Körner und Schlitz an den Enden der 
Federblätter in ihren Lagern erhalten werden. Sehr oft ruht 
auch der Wagenkasten auf 2achsigen Drehgestellen. Seitliche 
Verschieblichkeit solcher Achsen erreicht man durch Aufhängen 
der Wagenkasten, statt mit Spannschrauben, mit langen vertikalen 
Kettengliedern, deren Länge für jedes Drehgestell — z. B. auf der 
Metropolitain Ry. — von der Wagenmitte nach den Enden linear 
zunimmt, und so durch verschieden grofse Verschiebung der ein¬ 
zelnen Hängungen ein Radialstellen der Achsen gestattet. Dabei 
bestehen die Längsträger des Gestells aus f“ - Eisen, doch fahren 
gerade diese Wagen weniger sanft. 

Die Achslagen der Personenwagen zeigen verschiedenartige 
Formen der Oelschmierung von oben, unten oder von beiden Seiten. 
Die Lagerschale besteht fast durchweg aus Rothguss und ist 
sehr zweckmäfsig auf dem ganzen äufseren Umfange mit dem 
Lagerkasten in Berührung gebracht, so dass beim Warmlaufen 
die Wärme vorwiegend statt an den Achsschenkel an den Lager¬ 
kasten, die Achsgabeln und die Federn abgegeben wird, wo sie 
sich schneller in die Luft vertheilt, und weniger schädlich ist. 

Die Buffer haben meist Blattquerfedern in der Wagenmitte, 
gegen welche sich die langen Bufferstangen setzen; oder es sind 
Kautschukplatten oder Spiralfedern auf einem Querbalanzier be¬ 
festigt, um den Druck stets auf die Wagenmitte zu übertragen. 
Die zweckmäfsige deutsche Anordnung einer durchgehenden Zug¬ 
stange hat in England bis jetzt kaum Eingang gefunden. 

Hr. Knoche, der zunächst die Objektivität der Darstellung 














No. 3. 


15 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


in dem interessanten Vorträge hervor hebt, geht auf einige 
weitere Einzelheiten ein. Die Beförderung der Güterzüge wird 
dadurch erleichtert, dass ein regelmäfsiges Kursiren geschlossener 
Züge zwischen bestimmten Bezugs- und Verbrauchsarten möglich 
ist. In Deutschland ist dies unthunlich, da selbst die grofsen 
Werke, welche täglich einen ganzen Zug mit Kohlen verbrauchen, 
ihren Bedarf aus den verschiedensten Zechen beziehen. Auch ist 
bei uns der Verkehr gleichmäfsiger auf die kleinen Stationen 
vertheilt, als in England, wo die grofsen Industrie- und Hafen¬ 
orte den Verkehr fast ganz an sich ziehen. 

Auch der z. B. in Hannover gemachte Versuch, Drehscheiben 
zur Be- und Entladung der Güterwagen zu benutzen, hat zu 
keinem Resultate geführt, da der Wunsch, einzelne Wagen abzu¬ 
fertigen, fast nie vorliegt. Platzmangel ist wohl auch in England 
der einzige Grund der Beibehaltung der Drehscheiben. 

Auch Hr. Dolezalek hält diese Motivirung der Drehscheiben- 
Anlagen, welche aber auch deren Verwendung sehr rationell er¬ 
scheinen lassen kann, für richtig. 


Der technische Verein zu Lübeck erwählte in der Haupt¬ 
versammlung am 8. Dezbr. v. J. den PIrn. Bauinsp. Schwiening 
zum Vorsitzenden, Ob. - Betr. - Insp. Blumenthal zum Stellver¬ 
treter desselben, Zimmermstr. Krause zum Kassirer, Gewerbe¬ 


schuldirektor Range zum Bibliothekar und Ing. Petersen zum 
Schriftführer. Hr. Bauinsp. Schwiening legte ein Stück von 
einem Fenster aus gezogenem Zink vor, welches von der Stol- 
berger Zinkwaarenfabrik von Georg Victor Lynen in Eschweiler 
bei Aachen in verschiedenen Dimensionen und Formen fabrizirt 
und für Stallungen, Fabrikgebäude, Schlachthallen etc. seit dem 
Jahre 1842 angewendet wird. Den Holz- und Eisenfenstern gegen¬ 
über haben diese Zinkfenster den Vorzug, dass sie sich gegen 
Witterungseinflüsse indifferent verhalten, sich nicht ziehen oder 
werfen und weder quellen noch schwinden. Abgesehen von einem 
einmaligen Anstrich, welcher dem Rahmen gegeben wird, ehe sie 
die Fabrik verlassen, bedürfen dieselben zu ihrer Erhaltung eines 
ferneren Anstrichs nicht mehr, ein Umstand, der neben Ersparung 
der Unterhaltungskosten besonders da von Wichtigkeit ist, wo die 
Fenster in Räumen angebracht werden müssen, in denen feuchte 
Dämpfe sich entwickeln. Die zur Verstärkung eingelegten Eisen¬ 
stäbe sind ganz von schwerem Zinkblech umgekleidet und daher der 
Feuchtigkeit nicht ausgesetzt, ein Rosten derselben ist unmöglich, 
besonders wenn sie noch einen Ueberzug aus Zink erhalten. ’ 
Da auch der Preis dieser Zinkfenster ein sehr geringer ist — 
Eisenfenster sind fast drei Mal so theuer — so hat man die Ver¬ 
wendung derselben bei der Lübecker Schlachthausanlage in Aus¬ 
sicht genommen. 


Vermischtes. 

Der Jahresbericht über Hypotheken und Grundbesitz 
in Berlin von Heinrich Frankel (Friedrich-Strafse 104a) giebt 
wiederum ein sehr befriedigendes Bild von dem Stande der 
bezgl. Verhältnisse. Ohne Ueberstürzung, ohne zu starkes Hervor¬ 
drängen spekulativer Kräfte vollzieht sich sowohl der Besitz¬ 
wechsel in fertigen Bauten durch Uebergang aus den Händen 
des Bauunternehmers in diejenigen des eine solide Anlage suchenden 
Kapitalisten, wie auch der weitere Ausbau des Strafsennetzes, 
welcher sich im Vergleich zur Zunahme der Bevölkerung bisher 
in natürlichen, gesunden Grenzen bewegte. 

Die Subhastationen nehmen fortgesetzt ab; die Zahl 
der freihändigen Auflassungen für bebaute Grundstücke erwies 
sich gröfser, als in den letzten 9 voran gegangenen Jahren. Es 
wurden aufgelassen: 


in 1874 75 

76 77 

78 

79 80 

81 82 

1340 1363 

1628 1691 

1535 

1223 1367 

1470 1598 

und nach vorläufiger Feststellung in 

1883 ca. 1800 

Grundstücke. 

Dagegen wurden subhastirt: 

in Grundstücke Rohbauten Baustellen zusammen 

Prozentsatz der 
bebauten Grund¬ 

1878 615 

68 

100 

783 

stücke. 

3,50 % 

1879 579 

49 

60 

688 

3,23 „ 

1880 519 

25 

38 

582 

2,86 „ 

1881 322 

11 

24 

357 

1,76 „ 

1882 223 

8 

30 

261 

1,19 „ 

1883 166 

4 

9 

179 

0,88 „ 

Das Baugeschäft an sich 

ist auch im abgelaufenen Jahre 

mehr und mehr 

von unsoliden Kräften befreit worden, wenn auch 


der sogenannte Bauschwindel noch immer nicht gänzlich beseitigt 
ist. Sind doch gewisse Banken geradezu darauf angewiesen, 
durch vorgeschobene, mittellose Leute Häuser bauen zu lassen, 
um sich das für ihren Geschäftsbetrieb nöthige frische Hypotheken- 
Material zu verschaffen, das ihnen auf normalem Wege nicht zu- 
fliefst. Baugelder waren für solide Unternehmer leicht zu haben. 
Der Zinssatz schwankte zwischen 5 und 6 in einzelnen Fällen 
wurde aufserdem noch eine Provision von 1—2 % bedungen. In 
Folge des billigen Geldes und der noch immer niedrigen Löhne 
war das Geschäft in Baustellen ziemlich lebhaft. Mehrfach wurden 
schon recht hohe Preise angelegt, die schwerlich mit dem zunächst 
realisirbaren Erträgniss der auf solchen Baustellen errichteten 
Häuser in richtigem Verhältniss stehen. Die Spekulation im 
grofsen hat im verflossenen Jahre geruht. Man hörte hier und 
da von Projekten, doch ist irgend welches gröfsere Unternehmen, 
welches einem ganzen Stadttheile seine Signatur aufzuprägen 
geeignet wäre, noch nicht zu Stande gekommen. Nur am Schlüsse 
des Jahres wurde durch die formelle Bildung einer Aktien-Gesell¬ 
schaft zum Durchbruch der Kaiser-Wilhelm-Strafse die Absicht 
einer gröfseren spekulativen Transaktion an den Tag gelegt. In 
ähnlicher Weise hatte das Jahr 1882 am Schlüsse die vielver¬ 
sprechende Kurfürstendamm - Gesellschaft gezeitigt, von deren 
Unternehmen bisher aber nicht viel verlautete. 

Während in den Jahren 1873—78 mehr neue Wohnräume 
entstanden sind, als für die Zunahme der Bevölkerung erforder¬ 
lich war, stellte sich von 1879 ab das umgekehrte Verhältniss 
heraus, und auch in 1883 zeigen die in dieser Richtung ermittelten 
Zahlen noch keinen Rückfall in die unsolide Bewegung des Bau¬ 
geschäfts von vor 1879. Nach den durch Fortschreibung ge¬ 
machten Ermittelungen stellte sich die Einwohnerzahl Berlins am 
30. September 1883 auf 1208 106. Die Gesammtzahl der 
Häuser betrug: 


am 1. Oktober 1883 18 818 

dagegen am 1. Oktober 1882 18 543 

mithin Zugang 275 Häuser (gegen 
236 pro 1882, 169 pro 1881 und 201 pro 1880). Aufserdem 
sind noch ca. 130 Häuser fertig gestellt, die aber noch in der 
Abschätzung begriffen sind. 


Der gesammte versicherte Feuerkassenwerth der Berliner 
Grundstücke betrug: 

am 1. Oktober 1883 2 132 755 000 Ji 
dagegen am 1. Oktober 1882 2 072 151 500 „ 

_ mithin Zuwachs pro 1883 ~ 60 603 500 Ji 

Bei den in den letzten beiden Jahren entstandenen Neubauten 
hat die Anzahl von Wohnungen und Gelassen in der 
Miethslage von ca. 6000 Ji und darüber sichtlich zugenommen; 
indess ist gerade in dieser Kategorie der gesammte Miethswerth 
leer gebliebener Wohnungen in erfreulicher Weise zurück ge¬ 
gangen. . Es geht hieraus hervor, dass ein sehr grofser Theil der 
leer gebliebenen Räume sich aus den kleinen Wohnungen und 
Gelassen zusammen setzt, wobei der Ausfall an Miethe für den 
einzelnen Besitzer des Hauses weniger ins Gewicht fällt. 

Es waren Wohnungen und Gelasse vermiethet: 


Anfangs bis 450 Jll. 

1869 34,42 % 

1873 26,26 „ 

1876 21,09 „ 

1879 22,79 „ 

1882 25,02 „ 

1883 25,29 „ 


von 451 

von 1501 

von 3001 

über 


leer 

bis 1500 M. 

bis 3000 M. 

bis 6000 M. 

6000 M. 


33,32 \ 

14,69 % 

8,15 % 

7,96 % 

1. 

,46 % 

32,61 „ 

17,24 „ 

10,50 „ 

12,62 „ 

0. 

,74 „ 

31,55 „ 

18,81 „ 

11,59 „ 

14,52 „ 

2, 

,71 „ 

29,27 „ 

17,42 „ 

10,62 „ 

15,16 „ 

4. 

,24 „ 

29,21 ., 

16,65 „ 

9,99 „ 

16,04 „ 

3. 

,09 „ 

29,14 ;, 

16,52 „ 

10,08 „ 

16,21 „ 

2; 

,76 „ 


Konform mit diesen Ziffern hat sich auch ein langsam wachsen¬ 
des Fallen in der Zahl leer stehender Wohnungen ergeben. 
Denn von den in runder Summe vorhanden gewesenen Wohnungen 
und Gelassen 




im Jahre 1S81 

18S2 

1SS3 


282 000 

290 000 

300 000 

I. Quartal 

14 255 

13 876 

11 992 

II. „ 

14 454 

13 465 

12 648 

III. „ 

13 665 

12 396 

11 713 

IV. „ 

13 506 

13 128 

12 041 


Die Rückwirkung dieser Momente auf die Miethspreise 
hat sich als allgemein fühlbar zwar noch nicht geltend gemacht; 
doch zeigt sich auch hier in den ermittelten Schlussziffern eine 
allmähliche und stetige Besserung. Die Ermäfsigungeu der Miether 
haben abgenommen, die Erhöhungen dagegen haben zugenommeD. 
Es ergaben sich für das jeweilige rückliegende Jahr: 

1. Oktober 79 Erhöhungen 1024 Ermäfsigungeu 18 086 


1. 

V ) 

80 

3) 

1820 „ 

6 861 

1. 

r> 

81 

3? 

3 642 

4 571 

1. 

37 

82 

33 

3 119 „ 

3 074 

1 . 

7? 

83 

3? 

4 775 

2 202 

Für 

die Befriedigung 

des Real-Kredit-Bedarfs erhieli 


sich die allgemeinen Geld Verhältnisse dauernd günstig. Zu jeder 
Zeit im abgelaufenen Jahre war. Kapital zur Anlage in Hypo¬ 
theken zu 4*/ 4 —5 % Verzinsung, je nach Qualität der zu be¬ 
leihenden Objekte, reichlich angeboten. Der niedrige Zinsfufs 
wurde auch in 1883 von zahlreichen Grundbesitzern benutzt, um 
eine anderweitige Regelung ihrer Hypotheken herbei zu führen. 
Die dadurch erzielten Ersparnisse tragen im Verein mit der all¬ 
mählich erreichbaren Besserung der Grundstücks-Erträge wesent¬ 
lich dazu bei, die Lasten des Grundbesitzes abzuschwächen, die 
Verkäuflichkeit zu befördern und einer gesunden, vorerst noch 
sehr schüchtern auftretenden Spekulation Anregung zu bieten. 

Was die neue Subhastations-Ordnung anlangt, so lassen sich 
bis jetzt nur erst die Wirkungen nach der ungünstigen Seite hin 
bereits genau erkennen, während es für die erhofften Vortheile 
noch an genügenden Wahrnehmungen mangelt. Die Beseitigung 
der Kontrole der Administratoren macht gerade bei Berliner Ver¬ 
hältnissen die Hypotheken-Gläubiger ängstlich. Die Inhaber 
kleiner, hinter den normalen Beleihungsgrenzen eingetragener 
Posten, namentlich solche, die für ihre Hypothek zu intervenireu 
nach dem alten Verfahren zu schwach waren, werden allerdings 
durch die neue Ordnung in ihrem Besitz mehr geschützt. Da¬ 
gegen wird die Unterbringung zweiter und fernerer Hypotheken 



















16 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


9. Januar 1884 


fast zur Unmöglichkeit, und wo doch noch Beleihungen statt 
finden, werden Klauseln in die Verträge aufgenommen werden 
müssen, welche die Festschreibung auf längere Zeit paralysiren 
und das Grundstück schwer verkäuflich machen. 


Statistik der Königlichen Technischen Hochschule zu 
Berlin pro Winter-Semester 1883/1884. An der Technischen 
Hochschule zu Berlin bestehen folgende Abtheilungen: Ab¬ 
theilung I für Architektur; II Bau-Ingenieurwesen; III Maschinen¬ 
ingenieurwesen mit Einschluss des Schiffsbaues; IV Chemie und 
Hüttenkunde; V Allgemeine Wissenschaften, insbesondere für 
Mathematik und Naturwissenschaften. 




Abtheilung 



m 

s 


I. 

II. 

III. 

IV. 

V. 


Masch. - 
Ing. 

Schiffs¬ 

bau 

p 

I. Lehrkörper.* 

1. Etatsmäfsig angcstellte Professoren 
resp. selbständige, aus Staatsmitteln 








remunerirte Dozenten. 

17 

10 

7 

4 

8 

10 

56 

2. Privatdozenten resp. zur Abhaltung 
von Sprachstunden berechtigte Lehrer 

6 

3 

11 

3 1 — 

6 

9 

27 

3. Zur Unterstützung von Dozenten 








bestellte Assistenten. 

17 

7 

5 

1 

6 

9 

5 

44 

II. Studirende. 








m 1. Semester. 

25 

12 

36 

7 

14 

_ 

94 

-2. „ . 

12 

11 

13 

1 

6 

— 

43 

„3. „ . 

21 

8 

41 

8 

6 

— 

84 

,4. „ . 

13 

8 

7 

2 

4 

1 

35 

»5* „ . 


12 

38 

6 

6 

1 

78 

,6. „ . 

15 

8 

5 

1 

1 

— 

30 

,7. „ . 

24 

21 

43 

6 

5 

— 

99 

* 8. „ . 

13 

11 

7 

— 

2 

— 

33 

In höheren Semestern. 

37 

25 

34 

3 

1 

— 

100 

Summa . 

175 

116 

224 

2, 

34 

>8 

45 

2 

596 

Für das Winter-Semest. 1883/84 wurden : 








a. Neu immatrikulirt. 

34 

19 

52 

9 

22 

1 

137 

(Für das Winter-Semester 1882/83 
wurden neu immatrikulirt) . . . 

(27) 

(12) 

61 

(39) | (12) 

(6) 


(96) 

b. Von früher ausgeschiedenen Studi- 
renden wieder immatrikulirt . . 

5 

5 

(51) 

5 | 



15 

Von den 137 neu immatrikulirten Studi- 
renden sind aufgenommen worden: 








a. Reifezeugnisse von Gymnasien . . 

12 

4 

12 

_ 

2 

_ 

30 

b. „ „ Realgymnasien . 

7 

6 

17 

4 

4 

— 

38 

c. „ Oberrealschülen . 

5 

2 

7 

3 

3 

_ 

20 

d. „ „ Gewerbeschulen . 

2 

-' 

6 

1 

i 

_ 

10 

e. „ „ Realschulen . . 

1 

1 

2 

_ 

_ 

_ 

4 

f. » bezw. Zeugnisse von 








aufserdeutschen Schulen. 

7 

6 

7 

_ 

9 

_ 

29 

g. mit ministerieller Genehmigung, auf 
Grund von Zeugnissen, welche den 
unter d. bezw. e. genannten als gleich- 
werthig anerkannt wurden, sindimma- 







trikulirt worden. 

— 

— 

1 

1 

3 

1 

6 

Summa . 

34 

19 

52 

6 

9 

1 

22 

1 

137 

Von den Studirenden sind aus : 








England ........ 

_ 

_ 

1 

_ 

_ 

_ 

1 

Holland ...... 

1 

1 

2 

_ 


_ 

4 

Italien. 

1 

_ 


_ 

_ 


1 

Norwegen. 

9 

— 

_ 

_ 

_ 

_ 

9 

Oesterreich. 

— 

_ 

4 

_ 

1 

__ 

5 

Rumänien ... 

_ 

_ 

2 

_ 


...... 

2 

Russland. 

3 

7 

13 

_ 

7 

_ 

30 

Schweden ........ 

2 

_ 

_ 

_ 

1 

_ 

3 

Schweiz. 

_ 

_ 

1 

_ 



1 

Serbien. 

1 

2 


_ 

__ 

_ 

3 

Spanien. 

1 

— 

— 

_ 

_ 

_ 

1 

Türkei. 

_ 

1 

_ 

_ 

_ 


1 

Amerika, Nord-. 

3 

3 

1 

_ 

1 

_ 

8 

Amerika, Süd-. 

1 

2 

1 

_ 

1 

__ 

5 

Afrika (Marokko). 

1 

— 

— 

— 


— 

1 

Summa . 

23 

16 

25 

- 

11 

- 

75 


III. Hospitanten und Personen, welche auf Grund der §§ 35 und 36 des 
Verfassung«- Statuts zur Annahme von Unterricht berechtigt bezw. zuge¬ 
lassen sind: 


a. Hospitanten, zugelassen nach § 34 des Verfassungs-Statuts 152. 

Von diesen hoBpitiren im Fachgebiet der Abtheilung I. 63, der Abth. II. 6, der 
Ahthl. III. 86, der Abthl. IV. 20, der Abthl. V. 1, keiner bestimmten Abtheilung 6. 
Ausländer befinden sich unter denselben 6: (2 aus Nordamerika, 1 aus Oesterreich, 
2 aus Kussland, 1 aus Schweden). 

b Personen, berechtigt nach § 35 des Verfassungs-Statuts zur Annahme von 
Unterricht 131 und zwar: Regierungs-Baumeister 1, Regierungs-Bauführer resp. 
Reglerungs-Maschlnen-Bauführer 58, Studirende der Friedrich-Wiihelms-Universität 
(darunter 10 Ausländer: 6 aus Russland, 2 aus Oesterreich, 1 aus Nordamerika, 1 
aus Japan) 71, Studirende der Kunstakademie 1. 

c. Personen, denen nach § 36 des Verfassungs-Statuts gestattet ist, dem 
Unterricht beizuwohnen (darunter 5 kommandirte Offiziere und 2 Maschinen Unter- 
Ingenieure der Kaiserl. Marine) 24 

Summe der Hospitanten 307, hierzu Studirende 596, Gesammt- 
summe 903. 

Berlin, den 28. Dezember 1883. 

Der Rektor: G. Ilauck. 


* Mehrfach aufgeführt: a) bei Abthl. I. ein Dozent als Privatdozent; 
b) bei Abthl. II. ein Privatdozent als Assistent; c) bei Abthl. III. ein Privatdozent 
als Assistent; d) bei Abthl. V. 2 Privatdozenten als Assistenten. 


Zur Wiederbesetzung der Professur für Wasserbau 
an der technischen Hochschule in Braunschweig. Die in 
der vorjährigen No. 104 dies. Zeitg. unter den Personal-Nach¬ 
richten gebrachte bezügliche Notiz entbehrt, wie wir zuverlässig 
erfahren, in der Form, wie wir die Nachricht — auf Grund einer 
privaten Mittheilung — veröffentlicht haben, der Begründung. 
Bislang ist eine Entscheidung über die Wiederbesetzung der durch 
das Ausscheiden des Hrn. Prof. v. Wagner erledigten Stelle in 
Braunschweig nicht erfolgt. 


Lonis-Boissonet-Stiftung an der technischen Hoch¬ 
schule in Berlin. Als Aufgabe für die Erlangung des 1884 er 
Preises im Betrage von 3000 Jl ist das „Studium der neueren 
in Frankreich und Belgien zur Ausführung gekommenen Eisen¬ 
konstruktionen des Hochbaues und die Abfassung eines 
ausführlichen druckfertigen Berichts darüber mit Detailzeichnungen 
und Erläuterungen“ fest gesetzt worden. 

Die näheren Bestimmungen des Programms finden die Leser 
in einer im Inseratenblatt enthaltenen Bekanntmachung des zeit. 
Rektors der technischen Hochschule. 


Konkurrenzen. 

Für die Konkurrenz zum Victor-Emanuel-Denkmal in 
Rom sollen nach einer Mittheilung der Voss. Ztg. 92 Entwürfe 
aus Italien, Frankreich, Dänemark, Schweden und Deutschland 
eingegangen sein. Wenn die gen. Zeitung erwähnt, dass sich 
unter den deutschen Bewerbern der „Autor des Projekts für das 
neue Parlaments-Gebäude in Berlin“ befindet, so bezieht sich 
diese Notiz vermuthlich auf den Autor des in der Konkurrenz 
von 1872 gekrönten Entwurfs, Prof. Ludwig Bohnstedt in 
Gotha, der schon vor 2 Jahren in Gemeinschaft mit dem Bild¬ 
hauer Zur Strafsen einen Entwurf für jenes Denkmal eingereicht 
hatte. Architekt P. Wallot in Berlin ist an dieser neuen inter¬ 
nationalen Preisbewerbung nicht betheiligt. 


Kunstgewerbliche Konkurrenzen des Dresdener Kunst¬ 
gewerbe-Vereins für 1884. Zur Lösung sind folgende Aufgaben 
gestellt: I. Bowle in Glas mit Silber montirt auf Silber- 
fufs. (2 Preise von 250 bezw. 150 Jl) II. Tafelaufsatz in 
Cuivre poli. (2 Preise von 150 bezw. 90 Jl für Zeichnung oder 
Modellskizze; 2 Preise von 300 bezw. 120 Jl für das fertige 
Modell.) III. Zweifarbiges Muster zu einem als Vorsatz 
für Bucheinbände bestimmten Brokat-Papier. (2 Preise 
von 60 bezw. 40 Jl.) IV. Speiseteller in Steingut oder 
Fayence. (2 Preise von 50 bezw. 30 Jl) Die Arbeiten sind 
bis zum 29. Februar d. J. anonym mit Motto-Couvert an den 
Verein (Pragerstr. 49) einzusenden. 


Konkurrenz für Entwürfe zu einer Börse in Amster¬ 
dam. Wie die politischen Blätter melden, steht der Erlass der 
von uns bereits in No. 93 u. Bl. vom 21. November v. J. signa- 
lisirten Konkurrenz nahe bevor; der Magistrat der Stadt hat der 
Vertretung kürzlich eine entsprechende Vorlage gemacht. Wir 
dürfen mittlerweile wohl auf die eingehende prinzipielle Erörte¬ 
rung verweisen, welche die Anlage von Börsengebäuden in der 
Lieferung VII. unseres Deutschen Bauhandbuchs gefunden hat. 


Monats - Konkurrenzen des Architekten - Vereins zu 
Berlin. Zum 4. Februar er. I. für Architekten: Kandelaber für 
die elektr. Beleuchtung eines grofsen Platzes; H. für Ingenieure: 
Bahnanschluss einer Steinbruch-Anlage. 


Personal - Nachrichten. 

Baden. Professor Th. Kir eher an der Baugewerkschule zu 
Karlsruhe ist zum Direktor dieser Anstalt ernannt worden. 

Preufsen. Dem Eis.-Bau- u. Betr.-Inspekt. v. Sehlen in 
Hannover ist bei seinem Eintritt in den Ruhestand der Charakter 
als Baurath verliehen worden. 

Dem Eisenb.-Bau- u. Betr.-Inspekt. Haafsengier, Stand. 
Hilfsarb. b. d. Kgl. Eisenb.-Betr.-Amt (Berlin-Dresden) in Berlin 
ist die Wahrnehmung der Geschäfte des Vorstehers des Betriebs- 
techn. Büreaus b. d. Kgl. Eisenb.-Direkt. Berlin übertragen worden. 

Versetzt: Die Eisenb.-Bau- u. Betr. - Inspekt. Naud von 
Berlin nach Bromberg unter Uebertrag. der Stelle eines Stand. 
Hilfsarb. b. d. dort. Eisenb.-Betr.-Amte; Clemens ständ. Hilfs¬ 
arb. b. d. Kgl. Eisenb.-Betr.-Amt in Bromberg in gleicher Amts¬ 
eigenschaft an das Kgl. Eisenb.-Betr.-Amt (Berlin-Dresden) zu Berlin. 

Ernannt: a) zu Reg.-Bmstrn. Archit. Karl Schäfer aus 
Kassel, die Reg.-Bfhr. Arthur Heinrich aus Frankfurt a. 0., 
Ernst Spittel aus Danzig, Wilh. Bösensell aus Ahaus, Peter 
B er re ns aus Löwenbrücken b. Trier, Rud. Kroeber aus Meer¬ 
holz und Karl Schmidt aus Grünberg i. Schl.; — b) zu Reg.- 
Bmstr. die Kand. d. Baukunst Friedr. Schellhaas aus Giefsen, 
Friedr. Hedde aus Segeberg in Holst., Herrn. Zimmermann 
aus Iserlohn und Franz Koch aus Senftenberg i./Laus.; — c) zu 
Masch.-Bfhrn. die Kand. d. Masch.-Baukunst Job. Mangelsdorf 
aus Magdeburg, Th. Mente aus Hannover und Heinr. Katten- 
tidt aus Hildesheim. 

Württemberg. Der Ob.-Brth. Dr. v. Ehmann, 1. Staats¬ 
techniker für das öffentliche Wasserversorgungswesen ist in den 
Ruhestand getreten. 


Kommissionsverlag von Ernst Toeche in Berlin. Für die Redaktion verantwortlich K. E. O. Fritsch, Berlin. Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin. 








































































No. 4. 


17 


DEUTSCHE BAUZEITUNG, 


Inhalt: Die Konkurrenz für Entwürfe zu einem Stadttheater in Halle a. S. 
(Fortsetzung.) — Ein offenes Wort über die Stellung des preufsischen Staates zu 
den niederen technischen Fachschulen. — Reparatur eines auf Pfahlrost fundirten 
massiven Brückenpfeilers. — Die an den europäischen Küsten zur Ermittelung der 
mittleren Meereshöhe aufgestellten Flutlunesser (Mareographenl und die zur Be¬ 
stimmung eines mittleren Meeresniveaus in Europa ausgeführten Präzisions- 


Nivellements. Eine Mahnung bezüglich des Niedergangs der Thonwaaren- 
Fabrikate. — Mittheilungen aus Vereinen: Architekten- und Ingenieur- 
Verein in Hamburg. — Vermischtes: Neue Schornstein - Abdeckung. — Inter¬ 
nationale Ausstellung 1884 in London. — Ein Katalog über architektonisch* und 
kunstwissenschaftliche Werke. — Berliner Kunstgewerbe-Museum. — Ehrenbezeugung 
| an den Erbauer des Wiener Reichsrath-Hauses. — Brief- und Fragekasten. 


Die Konkurrenz für Entwürfe zu einem Stadttheater in Halle a./S. 

(Fortsetzung.) 


(Hierzu die Abbildungen auf Seite 21.) 


achdem die voiaus geschickte Betrachtung über 
Programm und Urtheil niedergeschrieben war, 
ward bekannt, dass die Verfasser der 3 prämiiiten 
Entwürfe auf Grund eines neuen, präziser ge¬ 
fassten Programms und unter Erhöhung der Bau¬ 
summe zu einer engeren Konkurrenz eingeladen seien. 
Wenn damit die Folgen der Konkurrenz in Bezug auf den 
Fortgang der Sache erfreulicher sich zu gestalten scheinen, 
als wir annahmen, so dürfte andrerseits die Berechtigung 
eines gewissen Unmuthes der übrigen Konkurrenten durch 
diesen Ausgang noch gesteigert sein. 

Die Konkurrenz ist jetzt thatsächlich zu einer Vor ko n- 
kurrenz geworden, ohne dass ihr diese Eigenschaft früher 
beigelegt war. In solcher Voraussetzung aber würde vielleicht 
die Arbeit der Konkurrenten und wahrscheinlich der Spruch 
der Jury anders ausgesehen haben. In einer Vorkonkurrenz 
konnten manche der Programm-Forderungen leichter ausge¬ 
führt werden, als die Mehrzahl der Konkurrenten es über 
sich vermocht hat und die der Jury vorgelegte Frage deckt 
sich nicht mit deijenigen, wer auf Grund seiner bekundeten 
Leistungen zu einer engeren Konkurrenz als befähigt zu er¬ 
achten sei. Vielmehr würde der Kreis der in dieser Be¬ 
ziehung in Betracht kommenden Konkurrenten, zu deren und 
der Sache Vortheil wohl weiter zu ziehen gewesen sein, als 
es behufs der Prämiirung geschehen ist. 

Gleichzeitig ward bekannt, dass von den 5 zum Ankauf 
empfohlenen Entwürfen nur 3 angekauft seien, wobei die 
Thatsache Erwähnung verdient, dass das an erster Stelle 
empfohlene Projekt nicht angekauft wurde. Gleichwohl geht 
aus den Mittheilungen und aus der allen bisherigen Ent¬ 
schlüssen anhaftenden Eile hervor, dass die Angelegenheit auf 
dem Wege der Konkurrenz weiter geführt und rasch gefördert 
werden soll und so dürfte der nachfolgenden Besprechung der 
Aufgabe und ihrer, zur Konkurrenz gebrachten Lösungen 
vielleicht vermehrter und auch praktischer Nutzen zuge¬ 
sprochen werden können. 

Einer der wichtigsten Theile der Aufgabe liegt in der 
Situation des in Aussicht genommenen Bauplatzes, welchen 
die beigegebene Skizze mit Typen der 3 zumeist auftretenden 
Lösungen verdeutlicht. Derselbe liegt einem sehr langen, 
54 m breiten Platze gegenüber, welchen der, die alte Stadt 
Halle im Nord-Westen umschliefsende Wall, die sog. „Alte 
Promenade“ hier bildet, und der mit schön angewachsenen 
Garten-Anlagen und hoher Kriegs-Denksäule geziert ist. Das 
Bauterrain wird begrenzt von der sich östlich wendenden 
Promenade, der in starker Steigung von 1 / ao sich nördlich 
abzweigenden Friedrichstrafse und der bei einer Steigung von 
Vio unfahrbaren Kapellengasse. Der Neubau war weiter in 
seinem Umfange durch die Bestimmung des Programms be¬ 
schränkt, dass derselbe 13 m von allen bestehenden Baufluchten 
entfernt bleiben, und dass die Promenade möglichst erbreitert, 
jedenfalls nicht beengt werden sollte. Zugleich war gestattet, 
die Regulirung der Friedrichstrafse nach der projektirten (in 
der Skizze stärker schraffirten) Bauflucht in Aussicht zu 
nehmen; jedoch sollte die Errichtung und Benutzung des 
Theaters auch bei deren Nichtausführung ohne Nachtheile 
möglich sein. 

Das Bauterrain bildet einen Hügel, der nach der 
Kapellengasse und Friedrichstrafse um 3—4 m , nach der Pro¬ 
menade um 7” abfällt und beliebig abgetragen werden kann, 
während die Strafsen auf ihrer Höhe verbleiben sollen. — An 
wichtigeren Gebäuden zeigt die Promenade in ihrem weiteren 
östlichen Verlaufe die 1834 erbaute Universität, neben welcher 
ein Museum im Renaissancestile erbaut werden soll. Auch 
die Privathäuser zeigen sämmtlich Renaissance-Formen. 

Nach der Lage dieses Platzes kann kein Zweifel darüber 
sein, dass die Vorderfront mit dem Vestibüle des Theaters 
nach der Promenade gerichtet und im übrigen die Axe des 
langen Denkmalsplatzes für die Situation des Neubaues von 
bestimmendem Einflüsse sein muss. Dagegen lassen die ört¬ 
lichen Verhältnisse und die vorstehenden Bestimmungen es 
nicht zu, diese Axe auch als Längsaxe desselben zu verwen¬ 
den, weil selbst bei geringster Breite des Baues diejenige der 
Promenade beeinträchtigt werden würde, während am Zusammen¬ 



schnitt der Kapellen- und Friedrichstrafse ein zweckloser drei¬ 
eckiger Platz entstände. Die wenigen Versuche einer solchen 
Lösung sind daher auch als gescheitert anzusehen. 

Dem gegenüber hat die um 90 0 gedrehte, zur Denkmalaxe 
rechtwinklige Aufstellung des Baues in der Konkurrenz schon 
mehr Vertreter gefunden. 

Insbesondere ist sie von Schmidt & Neckelmann, den 
Siegern in der Berliner Mustertheater-Konkurrenz in dem 
angekauften Projekte „Hans Sachs“ akzeptirt, dessen Grund¬ 
riss in der Skizze (unter I) eingetragen ist. Indessen veran¬ 
lasst auch sie grofse Bedenken. Das Theater erfordert eine 
Minimallänge von etwa 60 m , die von fast allen Konkurrenten 
erreicht ist. Damit wird aber bei dieser Situation und bei 
Innehaltung des Stichmaalses von 13 m an den übrigen Strafsen 
die Strafsenbahn nahezu berührt und die Promenade also 
beengt. Aufserdem dürfte der Vortheil der rechtwinkligen 
Axenschneidung nur ein imaginärer sein. Einer Theater-Seiten¬ 
ansicht ist heute nicht mehr die Geschlossenheit und der 
symmetrische Aufbau zu geben, welche bei solcher Situation 
wünschenswerth wären. Namentlich trifft die Denkmalaxe 
auch keinen Theil des Baues, dessen Erhebung zu besonders 
dominirender Höhe sich motiviren liefse. 

Diese Umstände haben die grofse Mehrzahl der Kon¬ 
kurrenten veranlasst, die Längsaxse des Theaters rechtwinklig 
auf die südliche Bauflucht der Promenade zu stellen, wobei 
sie den rechten Winkel zwischen Kapellen- und Friedrich¬ 
strafse etwa halbirt und eine vortheilhafte Ausnutzung dieses 
Winkels ermöglicht ist. Charakteristisch trat diese Ausnutzung 
in einem angekauften Entwürfe „Civitate et artibus“ hervor, 
dessen Verfasser unbekannt geblieben ist und dessen Grund¬ 
riss unsere Skizze in II darstellt. — So vortrefflich nun die 
in demselben vorgenommene Ueber-Eck-Stellung des natur- 
gemälsen Rechtecks im Rücken der Bühne der Situation 
angepasst erscheint, so grofse Schwierigkeiten bietet die innere 
Ausbildung des Grundrisses hinter der Bühne und namentlich 
die äufsere der Seiten - Fagaden. Im Grundrisse ist diesen 
Schwierigkeiten z. B. das empfohlene, aber nicht angekaufte 
Projekt „Kandelaber“ vonHoeniger& Reyscher, im Auf¬ 
risse das vorerwähnte „Civitate et artibus u nicht völlig Herr 
geworden. Diejenigen Entwürfe, welche die Situation II bei¬ 
behalten, ohne den rechten Winkel zwischen den Strafsen voll 
auszunutzen, kommen meist wiederum der Promenade sehr 
nahe. Nur ein Konkurrent, Bernhard Sehring, hat es in 
seinem „ Vitruvius redivivus u bei aufserordentlicher Kon¬ 
zentration des Grundrisses vermocht, den Bau bis fast in die 
aus 2 Häusern bestehende, nördliche Flucht der Promenade 
zurück zu drängen, womit den weit gehendsten Anforderungen 
bezüglich der Promenaden - Breite Genüge geleistet wäre. 
Indessen ist dabei die Verkürzung der Baulänge auf pp. 50 m 
nur durch eine äufserste Einschränkung der Bühnentiefe (auf 
12,5 m ), durch den Wegfall der Hinterbühne, Verlegung der 
Dekorations-Magazine in das II. Obergeschoss und durch die 
völlige Uebertragung der römischen Halbkreisform auf das 
Zuschauerhaus möglich gewesen. — Somit dürfte auch die 
Situation II nicht die richtigste sein. 

Die Länge des Baues, welche bei den beiden vorstehend 
erwähnten Situationen so sehr beeinträchtigt wurde, kann ohne 
Naehtheile für die Promenade erweitert werden bei einer 
Aufstellung des Baues in Parallele mit der Friedrichstrafse, 
wie sie in Typus III der Skizze angedeutet ist. Dieselbe 
entspricht dem Grundrisse Seeling’s, der unter dem nicht 
misszuverstehenden Motto „ Vivat sequens “ den Kampfplatz 
wieder betrat und — behauptete. Diese Situation ermög¬ 
licht die ungezwungene rechteckige Gestaltung des Baues an 
den beiden Strafsen, sowie die Anlage von Ausgangs-Vesti¬ 
bülen, Terrassen etc. an beiden Langseiten und ferner liefert 
sie der Denkmal-Axe einen Zielpunkt in dem Zentrum des 
Vestibülbaues oder in demjenigen der Vorder-Fagade. Auch 
wird der ganze Theaterbau in dieser Stellung dem langen 
Denkraalplatze am vortheilhaftesten sich präsentiren, da die 
Längs - Fagaden unserer heutigen Theater immer die weniger 
schönen, und die geeignetsten Standpunkte für die perspekti¬ 
vische Ansicht somit da zu finden sein werden, wo das Maafs 
der Verkürzung der Seiten-Fagade dasjenige der Vorderfront 


















18 


DEUTSCHE BAUZEITUNG, 


12. Januar 1884 


mindestens erreicht. Namentlich entziehen sich bei solcher 
Aufstellung des Baues seine weniger schönen Bühnentheile 
den Blicken vom Platze und von der Promenade, so dass die 
Situation III in der Voraussetzung, dass die Regulirung der 
Friedriehstrafse dereinst durchzuführen sei und die Neigung 
der Längs-Axe des Theaters zu derjenigen der Promenade in 
der Stellung der Museums - Front ihr Analogon finden wird 
unzweifelhaft als die günstigste zu bezeichen sein dürfte. 

Endlich musste als 4. Lösung der von einigen, anschei¬ 
nend namentlich Hallenser Konkurrenten gemachte Versuch 
erwähnt werden, das ganze, nach Absteckung des Stichmaafses 
von 13 m sich ergebende dreieckige Terrain zur Bebauung 
auszunutzen. Dieser Versuch erhält durch die Beschränktheit 
der Baufläche seine Berechtigung, hat sich aber als verfehlt 
heraus gestellt, da vielleicht kein Bau den Anspruch auf 
symmetrische Gestaltung und „Axen-Gerechtigkeit“ in so hohem 
Maafse und mit solcher Berechtigung erhebt, wie gerade der¬ 
jenige eines Theaters. Das schlimmste Beispiel dieser Art 
war wohl der Entwurf, welcher in der Axe I die Bühne an 
die Promenade und das Auditorium an die Kapellengasse, 
das Vestibül dagegen an den Denkmal-Platz in die Axe III 
legt, so dass die gesammte rechtsseitige Hälfte der Besucher 
den Marsch um das ganze Logenhaus machen muss, um vom 
Vestibüle ihre Plätze zu erreichen. 

In fast gleichem Maafse bestimmend wirken auf die 
Situation die in Bezug auf die Höhen so eigenthümlichen 
Terrain-Verhältnisse. Die hohe Friedrich - Strafse ist jetzt 
mit einer bis an das alte Theater reichenden Futtermauer nach 
der Promenade abgegrenzt und von hier nur über ca. 20 Stufen 
zu ersteigen, soll aber in dieser Höhe verbleiben, während 
andrerseits auch die Promenade nicht gehoben werden kann. 

Diesen Umstand haben einige Konkurrenten, wie bereits 
erwähnt, in unzulässiger Weise verleugnet, während er andere 
auf sehr durchdachte Lösungen geführt hat. Die Steigung 
des Terrains begünstigt die äufsere Erscheinung des Theaters, 
da den vorderen Partieen des Baues, namentlich dem Vestibül 
eine präsentable Höhe zu geben ist, ferner die Anlage von 
Terrassen als Sommer-Foyers an beiden Langseiten mit Frei¬ 
treppen nach der Promenade und endlich die in Bezug auf 
Sicherheit so sehr wünschenswerthe Herabdrtickung der Parket- 
Sohle oder mindestens der Bühnenrampe auf das Niveau des 
dieser Stelle nächstgelegenen Terrains. 

Die bei anderen Theater-Neubauten das Niveau des Parkets 
so oft in die Höhe schraubenden Grundwasser-Befürchtungen 
sind im vorliegenden Falle ausgeschlossen, da die Kapellen- 
und Friedrich-Strafse sich um mehr als 10 m über benachbarte 
Strafsen erheben und somit ein sehr tiefer Bühnenkeller an¬ 
gelegt werden kann. Aus diesen Angaben geht hervor, wie 
wichtig diese Höhenverhältnisse nicht nur für die Situation, 
sondern für die ganze Gestaltung des Baues sind, und dass 
wir in der besseren oder schlechteren Ausnutzung derselben 
ein wesentliches Kriterium für den Werth der Konkurrenz¬ 
projekte zu suchen haben. 

Damit steht in Verbindung die Wasserbeschaffungs- 
frage. Ein dem Programm beigegebener kleiner Plan giebt 
die Druckverhältnisse der städtischen Wasserleitung an, wonach 
auf dem Scheitel der Friedriehstrafse nur ein Druck von 
2 Atm. zur Verfügung steht. Die meisten Konkurrenten haben 
angenommen, dass derselbe zur Bestreichung des Schnürbodens, 
welcher kaum in einem Entwürfe tiefer als 20 m über diesen 
Scheitel angelegt sein wird, ausreiche. Das ist nun bekannt¬ 
lich keineswegs der Fall und so werden besondere Vorkeh¬ 
rungen zur Wasserbeschaffung mindestens für den Schnürboden 
und die oberhalb desselben gelegenen Theile erforderlich. 
Auch dieser Punkt ist so wichtig, dass die Sorglosigkeit der 
Mehrzahl der Konkurrenten wie der Jury bezüglich seiner 
nicht recht verständlich ist. 

Was die Ausgänge betrifft, so gestattet das programm¬ 
mäßige Stichmaafs von 13 m deren Anbringung in grofser Zahl 
und nach den verschiedensten Richtungen. Während auch konsta- 
tirt werden kann, dass den Verhältnissen in dieser Beziehung 
von der Mehrzahl der Konkurrenten Rechnung getragen ist, 


bedarf ein anderer Punkt, der fast überall geringe Beachtung 
gefunden hat, einer Erörterung. 

Das Halle’sche Stadttheater ist ein solches von verhält- 
nissmäfsig geringer Ausdehnung in Besucherzahl und Betriebs¬ 
umfang. Die Rücksicht auf geringste Betriebskosten 
ist daher eine wichtige und es kann deshalb nur als Fehler 
bezeichnet werden, wenn fast alle Konkurrenten mit und 
ohne Auszeichnung, die ersteren mit Ausnahme Seelings, 
durch ihre Anlage die Anstellung so aufserordentlich zahl¬ 
reicher Billet-Kontrolleure bezw. Logenschliefser fordern. 
Damit, dass mehre Ausgänge und Treppen für jeden Rang 
wünschenswerth sind, ist die Anordnung ebenso vieler Zugänge 
noch nicht motivirt. Ueberhaupt müssen wir die bisher in 
Theatern anstandslos erfolgte Bestimmung derselben Thüren 
und Vorhallen zu Eingangs- und Ausgangs-Zwecken als einen 
Mangel in den Grundrissen der bestehenden Theater ansehen. 
Eingang und Ausgang vollziehen sich in einem Theater unter 
den verschiedensten Modalitäten. Ersterer erfolgt in »/* bis 
1 Stunde in moderirtem, letzterer in wenigen Minuten in 
beschleunigtem Tempo. Für den ersteren kann der Weg 
lang, für den letzteren muss er möglichst kurz sein. Den 
Zugang weist die Billet-Lösung und erste Billet-Kontrolle in 
einen bestimmten Weg für alle Besucher, der Abgang ist 
dagegen günstig nach allen Richtungen zu vertheilen. Diese 
Beobachtung muss folgerichtig zu dem Prinzipe der Kon¬ 
zentration der Eingänge in das Haus und in die Rang- 
Vorräume, sowie andererseits der Dezentration der Ab- 
und Ausgänge führen. Einem solchen Prinzipe entspricht in 
geringem Maafse die durch eine Art Patentstreit bekannt ge¬ 
wordene , deswegen vielleicht in der Konkurrenz stark ver¬ 
tretene, von der Jury aber wenig anerkannte Radial- 
Treppen-Anordnung nach Art des Konkurrenz-Projektes 
für ein Mustertheater von Hopfner & Roesike. Sie 
erscheint deshalb, wie übrigens schon Giesenberg in No. 82 
Jhrg. 1883 dies. Ztg. nachwies, für kleinere Theater wenig 
anwendbar. Am besten kann das vorstehend bezeiehnete 
Prinzip zur Anerkennung gebracht werden in dem Bayreuther 
Systeme und damit erlangt dieses, neben seinen übrigen 
grofsen Vorzügen eine hervor ragende Bedeutung gerade für 
kleinere Theater. 

Auch die Hallenser Konkurrenz dürfte den Beweis erbracht 
haben, dass die Zukunft des deutschen Theaterbaues in einer 
Weiterbildung der Bayreuther Anlage zu suchen ist, da kein 
Konkurrent einen so glücklichen Entwurf zur Ausstellung ge¬ 
bracht hat, als der prämiirte Vertreter dieses Systems. Es 
sind in Halle ebensowohl althergebrachte als modernste Grund¬ 
risse, der „ Vitruvius redivivus “, wie der unverfälschte Semper, 
Typen der doppelten Korridor - Anlage wie der Treppen in 
Radial- und allen möglichen sonstigen Richtungen erschienen 

— alle veranlassen nach irgend einer Seite gewichtige Be¬ 
denken. — Die einfache, naturgemäfse, weil so recht den 
Begriff des Schauens deckende Grundform des oblongen Saales 
unter Ausnutzung seiner ganzen Grundfläche zu ungetrennten 
Parketreihen, welche kolonnenweises Entleeren in seitliche 
Ausgangs-Vestibüle ermöglichen und unter Beschränkung der 
oberen Ränge auf die abzurundende Rückseite des Saales — 
in ihr dürfte das heilsame Reagens gegen alle die, dem 
deutschen Theater und Charakter so wenig anzupassenden 
geschweiften Linien und Formen, guckkastenartigen Logen- 
theilungen u. s. w. zu erblicken sein. — Der verhältnissmäfsig 
geringe Anklang, welchen das System bislang gefunden hat, 
erhält namentlich in den gängigen Anschauungen über Rang 
und Stand seine Motivirung. Für die deutschen Architekten 
kann darin aber nicht ein Anlass liegen, das System, wenn 
es sonst technische Vorzüge bietet, zu verwerfen. Vielmehr 
haben sie sorgfältigst zu untersuchen, ob es nicht diesen 

— übrigens auch sehr wandelbaren — Anschauungen ent¬ 
sprechend um- und weiter zu bilden ist. — 

Damit sind wir auf das Projekt Seelings und die Be¬ 
sprechung der übrigen hervor ragenderen Konkurrenz-Entwürfe 
geführt, die an der Hand einiger Skizzen in einem 3. Artikel 
unternommen werden soll. 

- (Fortsetzung folgt.) 


Ein offenes Wort über die Stellung des preufsiseben Staates zu den niederen technischen Fachschulen. 


Wiederholt, zuletzt noch in No. 1 des lfd. Jahrgangs, ist in 
diesen Blättern über die trostlose Lage geklagt worden, in welcher 
sich die. für die Zukunft unseres Gewerbestandes so hoch wich¬ 
tigen niederen technischen Fachschulen des führenden deutschen 
Staates befinden. Wiederholt ist es als eine Pflicht des Staates 
bezeichnet worden, diesen Anstalten durch eine entsprechende 
finanzielle Unterstützung die Möglichkeit einer Existenz zu sichern 
— eine Pflicht, die von anderen deutschen Staaten, wie Bayern, 


Sachsen und Württemberg in ausgiebigster, verständnissvollster 
Weise geübt, in Preufsen aber, trotz einiger wohl gemeinter 
Anläufe, noch immer in traurigster Weise vernachlässigt wird. 
Der Verfasser des oben erwähnten Artikels hat die Stellung der 
an der Spitze des betreffenden Ressorts stehenden Staatsbeamten, 
bei denen er eine volle Würdigung der einschlägigen Verhältnisse 
als selbstverständlich voraus setzt, als „Rathlosigkeit“ bezeichnet 
und die Veimuthung ausgesprochen, dass es einzig das Finanz- 













No. 4. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


19 


ministerium sei, an dessen Widerstande die Bestrebungen jener 
maafsgebenden Persönlichkeiten zur Besserung der vorhandenen 
Zustände bisher Schiffbruch gelitten haben. 

Eine eklatante Bestätigung dieser Ansicht liefert die erst 
letzt in ihrem Wortlaut bekannt gewordene Rede, welche der 
Referent über das niedere technische Fachschulwesen im Unter¬ 
richtsministerium, Hr. Geh. Ober-Reg.-Rath Lüders, auf dem 
Festbankett gelegentlich der Einweihung der neuen Webeschule 
in Crefeld gehalten hat. Die Thatsache, dass ein preußischer 
Staatsbeamter in solcher Stellung so offen die Ueberzeugung be¬ 
kennt, dass die für die Verwaltung seines Ressorts maafsgebenden, 
aus finanziellen Rücksichten entsprungenen Grundsätze falsche 
sind und der gründlichsten Aenderung bedürfen, ist eine so 
ungewöhnliche, dass sicher nur ein Verzagen an dem Erfolge 
seiner bisherigen Bestrebungen und der Wunsch, die öffentliche 
Meinung zur kräftigsten Förderung derselben anzuregen, ihn 
zu diesem Schritt veranlasst haben. Um so mehr wird es dann 
aber auch zur Pflicht aller derjenigen, welche für die Entwicke¬ 
lung unseres gewerblichen Schulwesens ein Herz haben, diesen 
dankenswertheu Schritt nach Möglichkeit zu unterstützen. Wir 
glauben dies für unsern Theil nicht wirksamer thun zu können, 
als wenn wir die wichtigsten Stellen jener Lüders’schen Rede im 
Wortlaut mittheilen. 

Nach einer Einleitung, die sich speziell auf die Gründung 
und die Aufgabe der neuen Crefelder Webeschule bezog, welche 
die betheiligten Crefelder Kreise in richtiger Würdigung der 
Sachlage von vorn herein nicht blos für die ihnen speziell am 
Herzen liegende Seiden-Industrie, sondern für alle Zweige der 
deutschen Textil-Industrie und ihre Hülfsgewerbe bestimmt wissen 
wollten, fuhr der Redner fort: 

„Das Zusammentreffen dieser Umstände ermöglichte es, für 
das Unternehmen eine neue Basis zu gewinnen. Bisher gilt, wie 
Ihnen bekannt sein wird, der Grundsatz, dass für gewerbliche 
Unterrichts-Anstalten, mit Ausnahme der technischen Hochschulen, 
die Gemeinde das Gebäude auf ihre alleinigen Kosten herzustellen, 
der Staat die Unterrichtsmittel zu geben und die Last der fort¬ 
laufenden Unterhaltung der Anstalt jeder Theil zur Hälfte zu 
tragen hat. Dieser „ Grundsatz “ ist mir zuerst vor mehr als 
10 Jahren begegnet, als ich noch Gewerbe - Dezernent in der 
Regierung zu Schleswig war, und nicht allein auf dem Papier in 
dem Regulativ für die Gewerbeschulen vom März 1870 und in 
den Bestimmungen über die Errichtung gewerblicher Zeichen¬ 
schulen aus dem Jahre 1869, sondern auch als unüberwindliches 
Hinderniss, als ich die Errichtung einer Fachschule für Holzbild¬ 
hauerei in meiner engeren Heimath anstrebte. M. H.! Ich bin 
gern und mit ganzem Herzen Preufse geworden, aber ich 
habe niemals sonderlichen Respekt vor dem gehabt, was man mit 
Emphase als altbewährte preufsische Verwaltungsgrund¬ 
sätze zu bezeichnen und dann ins Gefecht zu führen liebt, wenn 
man über keine besseren Truppen verfügt. Als ich 1873 in Wien 
auf der Weltausstellung viele Wochen mich bemühte, über den 
Gewerbefleifs und den technischen Unterricht anderer Staaten 
mich zu unterrichten, fand ich, dass andere Staaten, deutsche 
wie fremde, nicht diesen altbewährten Grundsatz befolgten. Von 
der Erwägung ausgehend, dass der Nationalwohlstand der In¬ 
dustrie, und die Industrie des gewerblichen Unterrichts nicht 
entbehren könne, waren ihre Regierungen zu dem Schlüsse ge¬ 
kommen, dass der Staat in erster Linie für die Errichtung 
mittlerer und niederer gewerblicher Schulen und nicht blos für 
die technischen Hochschulen zu sorgen habe und einen entschei¬ 
denden Einfluss auf die Organisation der gewerblichen Fachschulen 
und den Unterricht an denselben ausüben müsse. Zwar seien 
die Gemeinden und die Industrie unter Umständen und bis zu 
einem gewissen Grade ihrem Interesse an dem Bestand der Anstalt 
entsprechend, zu den Kosten heran zu ziehen: es könne indessen 
der Staat auch auf diese Beiträge zu verzichten sich entschliefsen, 
wenn die kurzsichtige Weigerung der jeweiligen Vertretungen von 
Gemeinde und Industrie im Begriff stehe, eine für die Gesammt- 
heit nützliche Schöpfung zu verhindern. Dann dürfe der Staat 
das Geld aller Staatsbürger im Interesse aller verwenden und auf 
den an sich der Billigkeit entsprechenden Beitrag der zunächst 
interessirten Kreise verzichten. Ich kam zu der Ueberzeugung, 
dass dieser Weg der richtigere sei und dass unser Nationalwohl¬ 
stand dadurch nicht werde erhöht werden, dass die Regierung 
von den Gemeinden Opfer verlangt, welche in den meisten Fällen 
aufser Verhältniss zu den Kräften der letzteren und dem Interesse 
derselben au dem Entstehen einer Fachschule stehen müssten, 
und wenn die Gemeinden sich weigerten, diese Lasten zu über¬ 
nehmen, sich dabei beruhige in der Ueberzeugung, ihrerseits 
Alles gethan zu haben. 

Damals wagte ich nicht zu hoffen, dass ich Gelegenheit finden 
würde, auf die Beseitigung des bisher bei uns befolgten Systems 


hinzuarbeiten. Aber noch vor Ablauf des Jahres 1873 sah ich 
mich ohne mein Zuthun in Berlin und seit 6 Jahren ist mir u. a. 
die Bearbeitung der Fachschul - Angelegenheiten im vollen Um¬ 
fange anvertraut. Nicht ohne Zagen habe ich den mir zu Theil 
gewordenen Auftrag übernommen, da ich von Hause aus Jurist 
und Verwaltungsbeamter, nicht aber Techniker bin und oft 
wünsche ich mir, ausgebreitete technische Kenntnisse zu besitzen. 
Ich habe indessen gefunden, dass die letzteren keine Garantie 
für eine zweckmäfsige organisatorische Thätigkeit auf dem Gebiet 
des technischen Unterrichts sind. Mein Vorgänger war ein viel¬ 
seitig gebildeter Techniker und hat nichts desto weniger die 
reorganisirten Gewerbeschulen von 1870 geschaffen. Er wider¬ 
strebte lange der Unterstützung der Baugewerkschulen; er beför¬ 
derte die Errichtung von gewerblichen Zeichenschulen nach dem 
Plan von 1869 und von Webeschulen, wie die hier früher be¬ 
stehende eine war, und die Akten enthalten kiine Andeutung 
darüber, dass er diese Anstalten für unzulänglich gehalten und 
gewünscht hätte, gröfsere Geldmittel für das Fachschulwesen ver¬ 
wendet zu sehen. Ich finde nun meine Aufgabe darin, mich über 
das Unterrichtsbedürfniss unserer Industrie, so gut ich es vermag, 
zu informiren und die Befriedigung desselben, wo und wie ich 
kann, herbei zu führen. Kein Industriezweig ist vor dem anderen 
bevorzugt worden, auch das sogen. Kunstgewerbe nicht vor der 
übrigen Industrie. Ich hoffe, dass ich bis jetzt stets gut berathen 
worden bin und dass jede der 18 Anstalten, welche in den letzten 
5 Jahren für die verschiedensten Gewerbezweige neu errichtet 
oder reorganisirt worden sind, ein dringendes Bedürfnis befrie¬ 
digt haben und dauernden Nutzen stiften werde. 

Allerdings ist mir die Aussicht, die Crefelder Webeschule zu 
dem grofsartigen Institut, welches sie heute ist, umzugestalten, 
ganz besonders erwünscht gewesen. Denn ich habe bei meinen 
Bemühungen nicht blos Ihr Bedürfniss, m. H., ja nicht blos 
das der deutschen Textil-Industrie nach einer grofsen, reich 
ausgestatteten Anstalt im Auge gehabt, sondern zugleich das 
Interesse des Fachschulwesens in Preufsen überhaupt, indem ich 
die Gelegenheit erhielt, auf einen Bruch im grofsen Stil mit 
jenem altbewährten Grundsätze hinzuarbeiten. Diese Bemühungen 
haben Erfolg gehabt. Indem der Staat für den Bau und die 
Ausstattung der Anstalt von der Stadtgemeinde Crefeld und der 
Industrie mit Inbegriff des Bauplatzes 224 000 JA verlangt und 
selbst 542 000 Jl aufgewendet hat, ist, wie ich hoffe, ein gewich¬ 
tiges Präcedens für die weitere Entwickelung unseres Fachschul¬ 
wesens geschaffen worden. Sie werden es mir nicht verübeln, 
meine Herren Crefelder, wenn ich den erreichten Erfolg nicht 
Ihrem Eifer und Ihrer Einsicht allein zuschreibe, welche Sie 
trotz der sonstigen schweren Lasten, die Ihre Stadt insbesondere 
für den allgemeinen Unterricht zu tragen hat, keinen Anstand 
nehmen liefs, jenes grofse aber meines Erachtens nicht zu grofse 
Opfer zu bringen. Auch dem Zeitgeiste und der Unterstützung, 
welche das überall unter den deutschen Industriellen erwachte 
Interesse au dem Fachschulwesen uns gewährt hat, müssen wir 
danken. 

Helfen Sie aber, meine Herren Industriellen von nah und 
fern, dass das, was jetzt eine glückliche Ausnahme ist, zur 
Regel werde; helfen Sie, dass in jedem einzelnen Falle an der 
Stelle jenes altbewährten Verwaltungs-Grundsatzes noch ältere 
Grundsätze zur Anwendung kommen. Als Preufsen noch unter 
den Lasten der napoleonischen Kriege seufzte, hat der Staat 
Zeichenschulen und die alten Provinzial-Gewerbeschulen zunächst 
auf seine Kosten gegründet. Ich sehe die Zeit kommen, wo auch 
unser Staat in der energischen Förderung des Fachschulunter¬ 
richts, ebenso sehr wie in der Erbauung von Eisenbahnen und 
Kanälen, ein wirksames Mittel zur Hebung unserer Industrie und 
unserer Ausfuhr mehr als jetzt erkennen und sich bewusst werden 
wird, dass die Befriedigung dieses Bedürfnisses in erster Linie 
seine Aufgabe ist, zu deren Erfüllung er unter Umständen andere 
Faktoren herbei ziehen wird. Dass diese Zeit bald komme, dafür 
zu wirken, sind Sie alle, meine Herren, berufen.“ 

An Deutlichkeit lassen diese Erklärungen gewiss nichts zu 
wünschen übrig und sicherlich werden sie dazu beitragen, dem 
Redner die Sympathie auch derjenigen Fachmänner zu gewinnen, 
welche ihm bisher wegen einzelner nicht ganz glücklicher Ver- 
waltungs-Maafsregeln grollten oder gar seinem mangelnden Wollen 
die Schuld an dem Stagniren der in Rede stehenden Verhält¬ 
nisse beimaassen. Wenn freilich der Sache ein Gewinn er¬ 
wachsen soll, so ist es Noth schleunig und energisch zu handeln. 
Angesichts der durch jene Rede geschaffenen Lage der Dinge 
scheint es uns angezeigt, dass alle an der Entwickelung unseres 
gewerblichen Fachschulwesens — für unser Fach insbesondere 
der Bau gewerkschulen — interessirten Kreise zum Erlass 
entsprechender eindringlicher Petitionen an den Landtag 
sich entschliefsen. 


Reparatur eines auf Pfahlrost fundirten massiven Brückenpfeilers. 


Im Zuge der Bremen - Oldenburger Chaussee befindet sich 
eine Fluthbrücke mit 2 Oeffnungen, deren Mittelpfeiler sowohl 
wie die beiden Widerlager auf Pfahlrost fundirt sind. Die beiden 
Oeffnungen der Brücke haben eine Lichtweite von je 14 m und 
sind durch Eisenkonstruktionen veralteten Systems überbrückt; 
der massive Mittelpfeiler steht in einem Kolke, in welchem bei 
gewöhnlichem Wasserstande etwa 3 m Wassertiefe vorhanden ist. 


Sei es nun, dass bei Erbauung der Brücke, die im Jahre 
1843 erfolgt sein soll, der Wasserspiegel im Kolke selbst höher 
gestanden hat, als jetzt, sei es, dass die Pfahlroste aus irgend 
welchem anderen Grunde nicht tiefer gelegt werden konnten: bei 
gewöhnlichem Sommerwasserstande befindet sich der Bohlenbelag 
der Pfahlroste etwa 30 em über dem Wasser. Die Pfahlroste der 
Widerlager sind mit fettem Boden verfüllt, so dass sie den Ein- 













20 


12. Januar 1884 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


flüssen der Luft mehr oder weniger entzogen sind, sie befinden 
sich in Folge dessen in einem guten Zustande; der Pfahlrost 
des Mitte’pfeilers war jedoch sehr stark in Fäulniss über¬ 
gegangen, so dass sich das Mauerwerk in den Bohlenbelag ein¬ 
gedrückt hatte und die Pfahlköpfe selbst morsch und abgängig 
zu werden anfingen. 

Da dieser Zustand der Pfeiler von Jahr zu Jahr bedenklicher 
wurde, auch »ine ziemlich lebhafte Schwankung derselben beim 
Befahren der Brücke und zwar nach der Läugenräehtung des 
Pfeilers sich bemerkbar machte, so wuide eine gründliche Repa¬ 
ratur der Fundirung des Pfeilers beschlossen. 

Wie aus den Fig. 1 und 3 hervor geht, bestand der eigent¬ 
liche Pfahlrost des Pfeilers aus 3 Reihen sehr unregelmäfsig 
eingeschlagener Pfähle; die Pfahlreihen waren durch je einen 
Holm verbunden; die Holme waren mittels Spitzbolzen auf den 
Pfählen befestigt. Zwischen die beiden äufseren Pfahlreihen war 
aufserdem ein, aus eichenen Bohlen hergestellter Kasten versenkt, 
der bis zur Sohle des Kolkes reichte und welcher im Inneren 
mit Feldsteinen, Backsteinbrocken etc. ausgefüllt war, jedoch 
ohne Anwendung irgend eines Mörtels. Die beiden Kopfwände 
dieses Kastens waren durch je 2 Pfähle gegen Ausweichen beson¬ 
ders geschützt. Auf den Holmen der Pfahheihen befand sich 
ein eichener Bohlenbelag, auf welchem dann der mit Klinkern, 

Ansicht. Fig. 1. 


drang es durch die Steinschüttung im Innern des Pfahlrostes 
nach oben. 

Da eine weitere Dichtung des Kastens unthunlich war, ent¬ 
schloss ich mich kurz, den Wasserspiegel des ganzen Kolkes, 
welcher etwa 250 <t m Fläche besitzt, um die erforderliche Tiefe 
zu senken. Nach Abdämmung aller Zuflüsse erfolgte in kurzer 
Zeit die gewünschte Senkung durch eine Zentrifugalpumpe, welche 
von einer Lokomobile betrieben wurde. Die Wasserhaltung hatte 
nunmehr keine Schwierigkeiten, da die Maschine mit Leichtig¬ 
keit den Zufluss beseitigte. 

Nach Senkung des Wasserspiegels wurde zunächst der inner¬ 
halb der Pfahlreihen befindliche Kasten, sowie die in dem Kasten 
vorhandene Steinschüttung beseitigt. Ueber der im Pfeiler ver¬ 
bleibenden Steinschüttung wurde darnach eine Betonschicht aus¬ 
gebreitet und nun zu den Unterfangungs-Arbeiten geschritten. 
Die Unterfangung wurde bei beiden Pfeilerköpfen zunächst 
in Angriff genommen. Alle irgendwie wegnehmbaren Pfähle 
wurden stumpf über der Betonschicht abgeschnitten und an 
ihrer Stelle so weit nöthig leichtere Stempel eingezogen. Die 
Holmenstücke und der auf ihnen ruhende Bohlenbelag wurden 
beseitigt, nachdem das Mauerwerk bis dicht unter dieselben ge¬ 
führt war. Das neue Mauerwerk erhielt stehende Verzahnung 
Nach Sicherung der beiden Pfeilerköpfe wurde die Unterfangung, 

Qiiei'sehmtt. Fig. 2. Querschn. n. ausgeführter Reparatur. Fig. 4. 



mittlere 


Sand 

unter Verwendung gewöhnlichen 
Kalkmörtels, hergestellte Pfeiler 
stand. 

Die geringe Höhe zwischen 
Wasserspiegel und Unterkante 
der Brückenkonstruktion, so wie 
der Umstand, dass der ziemlich 
lebhafte Verkehr über die 
Brücke nicht durch die vorzu¬ 
nehmenden Arbeiten gehemmt 
werden dürfte, machten die An¬ 
wendung von Rammarbeiten und 
damit einer den Pfeiler um- 
schliefsenden Spundwand un¬ 
möglich. Ohne eine Um- 
schliefsung war aber eine Ver¬ 
änderung des Fundamentes 
nicht wohl möglich. Es wurden 

daher auf dem Lande die Wände zu einem Kasten gezimmert, 
deren einzelne Bohlen möglichst dicht an einander passten; die 
Seitenwände des Kastens erhielten verschiedene Streben. Die 
Wände wurden nach Fertigstellung zum Mittelpfeiler geflöfst und 
zunächst die leeren Längswände in, den Kopf brettern entsprechen¬ 
der Entfernung von einander, den Pfeiler einschliefsend, an den 
Eisenkonstruktionen in die Höhe gewunden, hierauf die Kopf¬ 
bretter an den Längswänden befestigt, die an den Kopfenden 
vorgesehenen Anker eingezogen und der Kasten nunmehr versenkt 
endlich mit Handrammen so tief in den Sand eingetrieben, als es 
möglich war. Die Sohle des Kolkes war um den Pfeiler vorher 
aufgeräumt worden. Leider gelang es nicht, den Umschliefsungs- 
kasten genau unter den Pfeiler einzubringen, weil alte Rüstpfähle, 
die im Grunde standen und welche nicht beseitigt werden konnten, 
dies verhinderten. Nach dem Versenken und genügender Belastung 
des Kastens wurde rings um den Pfeiler, etwa 2,0 m hoch Beton 
eingebracht. Der Beton wurde sehr vorsichtig versenkt, um sicher 
zu sein, dass der Zwischenraum zwischen Kasten und Pfahlrost 
gut allsgefüllt wurde. Die Wände des Kastens ragten, wie aus 
Fig. 4 ersichtlich, etwa 1,0 m über Wasser. 

Ich hatte angenommen, dass die Wasserhaltung im Kasten, 
nach Erhärtung des Betons, durch einfache Kastenpumpen be¬ 
werkstelligt werden könnte, da die Wände des Kastens verhält- 
nissmäfsig dicht waren. Diese Annahme erwies sich als irrig; 
trotzdem der Unterdrück nur rd. 1,0 m betrug, konnte das Wasser 
mittels zweier Kastenpumpen im Fundamente auf die Dauer 
nicht bis zur Betonoberfläche gesenkt werden; wahrscheinlich 



Sand. Sand. 

etwa in der Mitte der Pfeiler, 
in einer Breite von 1,0 m vorge¬ 
nommen. Ich gebrauchte hier¬ 
bei die Vorsicht, dass zunächst 
nur in der Hälfte des Pfeilers 
bis zum mittelsten Holme die 
Pfähle, Holmstücke und Bohlen 
beseitigt und dass erst nach 
Aufführung des Mauerwerks 
unter dem alten Pfeiler in der 
andern Hälfte dieselben Ar¬ 
beiten vorgenommen wurden. 
Die schwierigste Arbeit war 
nach Unterfangung der Mitte 
und der beiden Pfeilerköpfe ge¬ 
schehen, die weiteren Unter¬ 
fangungs-Arbeiten wurden unter 
Beobachtung der gröfsten Vor¬ 
sicht in ähnlicher Weise ausgeführt und es gelang ohne Unfall, 
den ganzen Pfeiler in kurzer Zeit vollständig zu untermauern. 

Das neue Mauerwerk besteht aus gut gebrannten Ziegeln 
und wurde mit reinem Zementmörtel hergestellt. Die Längswände 
des Umschliefsungs-Kastens sind durch 2 weitere Anker nochmals 
mit einander verbunden. Die Oberfläche des neuen Mauerwerks 
ist durch eine Rollschicht abgedeckt. Die Wände des Um¬ 
schliefsungs-Kastens sind nach Vollendung der Maurerarbeiten 
so tief abgeschnitten, dass sie auch im Sommer vom Wasser 
bedeckt sein werden. 

Der Verkehr über die Brücke ist während der Ausführung 
der Reparatur nur insoweit beschränkt worden, als es jedesmal 
nur einem Wagen gestattet war, die Brücke zu passiren. Am 
Pfeiler sind jetzt, während schweres Fuhrwerk die Brücke benutzt, 
Schwankungen nicht mehr wahrzunehmen. 

Die Unterfangungs-Arbeiten wurden in Tagelohn ausgeführt, 
die Herstellung des Kastens und der Betonirung waren aus¬ 
verdungen. Die Kosten der Reparatur stellen sich wie folgt: 

Umschliefsungskasten. 555,25 M. 

Betonirungs - Arbeiten. 704,62 „ 

Unterfangungs - Arbeiten einschliefslich Material 1 037,93 „ 

Wasserschöpfkasten. 348,39 „ 

Insgemein, Fuhrlohn für Geräthe etc. . . . . 84,75 „ 

Summa . 2 730,94 Jl 

Es sind bei den Unterfangungs-Arbeiten verwendet worden: 
56 Maurergesellentage, 32 Zimmergesellentage, 24 Arbeitertage. 

Bremen, im Dezember 1883. H. Bücking. 













































































































































































Perspektivische Ansicht des Theaters nach dem Entwurf von H. Seeling. 


Parkett. 


I. u. II. Rang. 


Vestibül. 



Seeling’seher Entwurf. 

1) Büffet. 

2) Ausg.-Vestib. f. d. II. Park. 

3) Tr. z. I. Park. u. I. Rang. 

4) Treppe z. II. Parkett. 

5) Treppe z. Galerie. 

6 ) Tageskasse. 

7) Sekretair. 

8 ) Direktion. 

9) Regie. 

10) Garderobe der Schausp. 

11) Requisiten. 

Sclinbert’scher Entwurf. 

1) Miethladen. 

2) Tages- und Abendkasse. 

3) Vestibül. 

4> Stimmzimmer. 

5) Kesselhaus. 

6 ) Büffet. 

7) Foyer. 

8 ) Garderobe. 

9) Treppe z. I. u. II. Rang. 

10) Treppe z. III. und IV. Rang. 

11) Garderobe d. Schausp. 

12) Magazin. 



Entwurf von H. Seeling in Berlin. 


Entwurf von H. Schubert in Berlin. 



JDlE J^ONKURRENZ FÜR jlNTWÜRFE ZU EINEM ^TADT-'J'hEATER IN 

































































































































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DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


12. Januar 1884 


Die an den europäischen Küsten zur Ermittelung der mittleren EVleereshöhe aufgesteilten Fluthmesser (Mareographen) 
und die zur Bestimmung eines mittleren IVIeeresniveaus in Europa ausgeführten Präzisions-Nivellements. 


Um die Messungen aller europäischen Staaten, welche für 
wissenschaftliche Zwecke, wie Bestimmung der Gröfse und Figur 
der Erde und auch zur Befriedigung der praktischen Bedürfnisse 
(und hierunter besonders eine allgemeine Landes - Höhenaufnahme 
und die Herstellung einer genauen Landeskarte) dienen, in 
richtiger Weise unter einander zu verbinden, bedurfte es einer 
gemeinsamen Basis. Hierfür wurde das Niveau des Meeres als am 
geeignetsten erachtet. 

Da aber die Meere nie in vollkommener Ruhe sind, son¬ 
dern das Gleichgewicht derselben durch Wind und Wetter, 
Ebbe und Fluth unablässig gestört wird, so hat man, um ein 
bestimmtes, mittleres Meeres-Niveau fest zu stellen, an den Küsten 
Wasserstandsmesser — Pegel — angebracht, an denen der Wasser¬ 
stand in der Regel täglich zu bestimmten Zeiten abgelesen, notirt 
und aus einer Reihe vieljähriger Beobachtungen das Mittel ge¬ 
nommen wird. An den Küsten, wo Ebbe und Fluth stattfindet, 
lässt sich aus der Notirung des niedrigsten und höchsten Wasser- 
staudes für jede Fluthwelle der mittlere Wasserstand — jedoch 
nicht genau — bestimmen und es sind deshalb in neuester Zeit 
auf Vorschlag, der Gradmessungs - Kommission an den hervor 
ragendsten Küstenpunkten der europäischen Staaten selbstthätige 
(von dem Ingenieur Reitz in Hamburg konstruirte) Fluthmesser 
(Mareographen) aufgestellt, welche mit kombinirter registrirender 
und integrirender Einrichtung versehen, den Wasserstand für 
jeden Zeitpunkt angeben, (cfr. Jhrg. 1878, S. 146 dies. Ztg.) 

In der Aufstellung von Mareographen stehen die Niederlande 
allen Ländern voran. Die Errichtung derselben fällt hier freilich 
nicht der Gradmessungs-Kommission, sondern der Verwaltung der 
Wasserbauten zu. Die Zahl der bereits funktionirenden oder 
demnächst in Thätigkeit zu setzenden Mareographen beträgt 64. 
Sie zerfallen in 2 Kategorien, nämlich die Mareographen, welche 
in strengem Wortsinne zur Bestimmung der Meereshöhen dienen 
— und dahin gehört die bei weitem gröfsere Zahl — und die 
Fluviometer, welche dazu dienen, das Niveau der Flüsse und 
Ströme dort zu bestimmen, wo ein Einfluss der Meeresströmung 
nicht mehr bemerkbar ist. 

Die Registrirung erfolgt seitens dieser Apparate nach ver¬ 
schiedenen Methoden und in verschiedenen Maafsverhältnissen. 
Die einen ziehen eine fortlaufende Linie, andere verzeichnen von 
5 zu 5 Minuten einen Punkt; das Maafsverhältniss schwankt 
zwischen der natürlichen Gröfse und l / i0 derselben. An einzelnen 
Instrumenten müssen die Blätter täglich erneuert werden, an 
anderen genügen sie einem Zeitraum von acht Tagen; die 
Reitz’schen bedürfen nur einer monatlichen Auswechselung. 

Die zahlreichen Aufstellungsorte der Mareographen sowie 
die durch die letzteren erhaltenen Fluthkurven, welche vermöge 
sehr interessanter Interferenz - Erscheinungen die verschieden¬ 
artigsten Formen darbieten, sind in einer Karte verzeichnet, 
(cfr. Verhandlungen der europäischen Gradmessung pro 1882.) 

Eine eigenthümliche Erscheinung als „agger“ bezeichnet, ist 
an einem Theile der Küste, unter anderem in Katwijk, beobachtet, 
welche in einer auffällig rückgängigen Bewegung der Gewässer 
besteht, die sich im Beginn der Fluth zeigt; eine ähnliche Ein¬ 
biegung zeigt die bei Helder beobachtete Fluthkurve bei Eintritt 
der Ebbe. Die Mareographenblätter von Urk zeigen eine andere 
Eigenthümlichheit, nämlich eine Menge von Schwankungen kurzer 
Dauer (etwa 12 — 13 Min.), welche einige Aehnlichkeit mit den 
Niveau-Schwankungen des Genfer Sees aufweisen. 

Nach den Untersuchungen des Professor Dr. Stamkart, weiland 
Direktor des Polytechnikums in Delft, hat sich das mittlere 
Niveau der Nordsee innerhalb eines Zeitraums von mehr als 
150 Jahren in Bezug auf die Fixpunkte zu Amsterdamm nicht 
geändert. Auch das Mittelwasser der Ostsee soll sich nach den 
vom Königl. Geodätischen Institut angestellten Untersuchungen, 
die sich auf Messungen stützen, welche bis in das Jahr 1826 
zurück reichen, seit der Zeit nicht mehr geändert haben. 

An den Küsten anderer europäischer Staaten sind Mareographen 
bisher nur in beschränkter Zahl zur Aufstellung gekommen und 
zwar sind solche in Thätigkeit in Ostende, auf Helgoland und 
Sylt, in Swinemünde, in Dünaburg vor Riga, in Triest, Pola, 
Fiume, ferner in Ravenna, Venedig, Livorno und Neapel; für 
die letzteren 4 Mareographen ist die mittlere Meereshöhe aus 
den Fluthkurven bereits abgeleitet worden. 

In Spanien sind 3 Mareographen in Thätigkeit: einer 
in Alicante für das Mittelmeer und einer in Santander für den 
Atlantischen Ocean; der dritte Mareograph ist in Cadix aufgestellt 
(System Reitz). 

In Frankreich hat das Depot de la Marine nach und nach 
9 Mareographen aufstellen lassen und zwar in Havre, Cherbourg, 
St. Malo, Brest, St. Nazaire, auf der Insel Ain, in Rochefort, 
St. Jean de Luz und Toulon. 

In Norwegen sind in folgenden Häfen registrirende Pegel 
in Wirksamkeit: Frederikstad, Arendal, Christiansand, Stavauger, 
Bergen, Drontheim, Namsos, Tromsö und Vardö. — 

Nachdem die Mittelwasserstände der einzelnen Meere aus 
den Fluthkurven ermittelt sein werden, handelt es sich darum, 
fest zu stellen, ob dieselben alle in einer und derselben Niveau¬ 
fläche liegen, und wenn nicht, um wie viel sie nach oben oder 
unten von einander abweichen; hierfür sind in fast allen euro¬ 
päischen Staaten Präzisions-Nivellements angeordnet worden. Erst 


wenn diese beendet sein werden, wird man der Frage über die 
Einführung eines gemeinsamen Niveaus näher treten können. 

Dass bei Nivellements von solcher Ausdehnung nur unter 
Aufbietung aller technischen und wissenschaftlichen Hülfsraittel 
befriedigende Resultate erzielt werden können, liegt auf der Hand. 
Es ist hier nicht der Ort, um auf die Ausführungsvorschriften 
und Apparate näher einzugehen; wir wollen nur die erlaubten, 
äufserst geringen Fehlergrenzen anführen. Der mittlere Fehler 
pro Kilometer darf + 3 mm betragen; derselbe ist bei Nivellements 
in der Ebene fast nie erreicht, und nur bei einzelnen Nivelle¬ 
mentszügen über hohe Gebirge überschritten worden. 

Bezüglich des Umfangs des projektirten Nivellementsnetzes 
steht Frankreich allen voran. Es ist dort im letzten Frühjahr 
mit einem Nivellement begonnen, das nach seiner Fertigstellung 
840 000 km Länge umfasst. 

In Belgien sind die Nivellements bereits beendet; dieselben 
haben eine Ausdehnung von 12500 km und sind durch 8477 Höhen¬ 
marken fest gelegt. Die Höhen sind auf das mittlere bei Spring- 
fluthen statt findende Niedrigwasser der Nordsee bei Ostende 
bezogen; dasselbe liegt 2,333 m unter Normal-Null. Die Höhen 
sind nach Provinzen geordnet, in Fixpunkt-Verzeichnissen zusammen 
gestellt und veröffentlicht. 

Das in den Niederlanden in der Ausführung begriffene 
Nivellement umfasst ca. 2000 km und wird nach Fertigstellung 
durch ca. 1100 Höhenmarken fest gelegt sein. Die Höhen werden 
auf den Nullpunkt des Amsterdamer Pegels bezogen; das Nieder¬ 
ländische Nivellement zeichnet sich durch einen besonders hohen 
Grad von Genauigkeit aus. 

In Deutschland wurden die ersten Präz.-Nivellements i. J. 
1865 begonnen, die Fertigstellung wird voraussichtlich 1887 erfolgen. 
Der Umfang beträgt rund 28 500 km . Die Höhen werden auf N.N. be¬ 
zogen, aufser den Badischen, Hessischen, Sächsischen und denen des 
Kgl. Geodät. Instituts, die auf dem Mittelwasser der Ostsee basiren. 

In Russland wird seit 1873 nivellirt. Von den 14670 km 
projektirten Nivellements sind bisher 4120 km doppelt und 620 km 
einfach nivellirt. Es ist Aussicht vorhanden, noch in diesem Jahre 
den Niveauunterschied zwischen dem Baltischen und dem Schwarzen 
Meere ableiten zu können. Die gewöhnlichen Pegel, längs des 
russischen Theils der Ostseeküste, sind mittels Nivellirungen 
mit einander verbunden worden, um eine eingehendere Einsicht 
in die Veränderung des Niveaus der Ostsee zu gewinnen. Die 
Verbindung des Nivellementsnetzes mit demjenigen von Preufsen 
und Oesterreich ist in 2 Punkten: Nimmersatt (Preufsen) und 
Radzwiilof-Brody (Oesterreich) ausgeführt. Die zwei noch übrig 
bleibenden Verbindungen bei Szczakowa und Thorn werden in 
nächster Zeit bewirkt werden. 

In Oester reich ist seit dem Jahre 1872 ein grofses Nivelle¬ 
ment in der Ausführung begriffen, welches sich an die Nivellements 
der Nachbarstaaten anschliefst und im Süden bis an das Adria¬ 
tische Meer (Triest und Pola) reicht. Von dem ca. 18 000 km 
umfassenden Nivellementsnetze waren mit Schluss des Sommers 1882 
10 600 km theils doppelt, theils einfach nivellirt und 1900 Höhen¬ 
marken auf gemauerten Baulichkeiten als Fixpunkte 1. Ordnung 
hergestellt. Die Höhen sind auf das Mittelwasser bei Triest be¬ 
zogen, welches, nach erfolgtem Anschluss an die Nivellements der 
Königl. Landesaufnahme, 0,472 m unter Normalnull liegt. 

In Italien wird seit 1876 nivellirt, um die Verbindung der 
umgebenden Meere mit den nördlich gelegenen Ländern herzu¬ 
stellen. In welchem Umfange die Nivellements zur Ausführung 
kommen sollen, ist zur Zeit noch nicht bestimmt; die Länge der 
fertig gestellten Nivellements beträgt z. Z. 1370 kra . 

Das Präzisions-Nivellement der Schweiz hat eine Ausdehnung 
von 5 000 km und ist in einem Zeiträume von 16 Jahren — von 
1865—1881 — vollendet worden. Die Ausführung war hier nament¬ 
lich beim Ueberschreiteu der hohen Alpenpässe wegen zu über¬ 
windender bedeutender Höhen eine besonders schwierige. Die 
Höhen basiren auf dem Stein von Niton ( Repere de la Pierre 
du Niton im Hafen von Genf) als Nullpunkt; derselbe liegt 373 220 “ 
über Normalnull. Die Nivellements-Resultate sind veröffentlicht. 

In Portugal sind die Nivellements in Angriff genommen; 
sie erstrecken sich vom Mareographen von Cascäes bis zu den 
Spanischen Linien-Endpunkten. 

In Spanien waren bis zum Jahre 1879 6700 km Nivellements 
mit ebenso viel Höhenmarken fertig gestellt. In den letzten 
Jahren ist die Linie Santander-Alicante, vom Atlantischen Ozean 
über Madrid bis zum Mittelmeer, mehrfach nivellirt und vollendet. 
Dabei hat sich ergeben, dass der Atlantische Ozean bei Santander 
0,663 m über dem Mittelmeere bei Alicante liegt. 

Auch in England, Indien, Afrika, Australien und Nordamerika, 
werden derartige Arbeiten ausgeführt, worüber aber seitens der 
Europäischen Gradmessungs-Kommission keine oder wenigstens 
keine regelmälsigen Berichte geliefert werden, weil zu den alljähr¬ 
lich stattfindenden Konferenzen keine Kommissare aus den bezgl. 
Ländern abgeschickt werden. 

Vorstehende Daten mögen genügen, um Kenntniss von einem 
Theil der Arbeiten aus dem Gebiete der Geodäsie zu geben, 
welche sowohl ihrer exakten und genialen Ausführung, als auch 
ihres grofsen Umfanges wegen, nicht nur für die Lösung wissen¬ 
schaftlicher Aufgaben, sondern ebenso sehr für die Zwecke des 
praktischen Lebens von Bedeutung sind. S. 










No. i. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


23 


Eine Mahnung bezüglich des Niederganges der Thonwaaren-Fabrikate 


In den vorjährigen Nrn. 48 u. 50 der „Deutsch. Töpfer- und 
Ziegler - Zeitg.“ sind die Gründe vorgeführt worden, welche zu 
dem bekannten finanziellen Untergange der in Fachkreisen in 
Dezug auf ihre Leistungen so hoch dastehenden Laubaner 
Ihonwaaren-Fabrik, Aktien - Gesellschaft, geführt haben 
sollen, und gleichzeitig wird der Mittel und Wege gedacht, welche 
geeignet erscheinen, dem finanziellen Ruin ähnlicher Etablisse¬ 
ments^ noch rechtzeitig zu begegnen. 

Es ergeht in jenen Artikeln ein Mahnruf an die Baubehör¬ 
den und Privattechniker: mit dafür einzutreten, dass die Fabri¬ 
kate der Ihonwaaren - Industrie gekauft werden möchten nach 
dem Maafsstabe von Preis und Qualität, nicht abei, wie es 
so häufig geschehen, bei ungenügender Beachtung der Qualität 
mehr oder weniger nur unter Zugrundelegung des offerirten 
Preises. 

Es ist nicht in Abrede zu nehmen, dass unter Einhaltung 
jenes aüein richtigen Modus, nach Preis und Qualität zu kaufen, 
der ihonwaaren - Industrie im wesentlichen würde geholfen sein, 
und zwar zu Nutz und Frommen auch der betr. Technik. Meines 
Erachtens unterliegt es keinem Zweifel, dass sowohl die Baube¬ 
hörden wie die Privattechniker bereitwilligst dazu die Hand bieten 
werden, dass, bei Beachtung des jedesmaligen Zweckes, dem das 
Bauwerk dienen soll, die dazu erforderlichen Verblend- und Form¬ 
steine nach jenem Modus beschafft weiden. Dabei handelt es 
sich dann nur darum, auf welche Weise dieser Zweck zu er¬ 
reichen ist. 

1 Vor allen Dingen gehört hierzu eine genaue Kenntnissnahme 
der Thonwaaren-Industrie mit ihren Hülfswissenschaften, da ohne 
diese es absolut unmöglich ist, ein zutreffendes Urtheil darüber 
zu fällen, welches Fabrikat unter beispielsweise aus 12 verschie¬ 
denen Fabriken stammenden Proben, dasjenige sei, welches, unter 
Zugrundelegung jenes anzuwendenden Maafsstabes, die meiste Be¬ 
rechtigung zur Verwendung besitze. 

Wenn der betr. Baubeamte oder Privattechniker eine solche 

, Spezialkenntniss nicht besitzt — was, nebenbei gesagt, in vielen 
Fällen gar nicht von ihm verlangt werden kann — so bleibt nur 
übrig, das Gutachten einer Prüfungs-Station einzuholen. Bei der 
Prüfungs-Station in Berlin beschränken sich, nach § 18 des „Regle¬ 
ments“, die Mittheilungen an die Auftraggeber aber nur auf: 
„Angabe der wissenschaftlichen Resultate, welche bei der Unter¬ 
suchung sich ergeben haben“, und es heilst zusätzlich in jenem 
§ 13: „Ueber jene Resultate hinaus dürfen keinerlei Aeufse- 
rungen über die daraus etwa folgende Brauchbarkeit des Fabrikats 
tür bestimmte praktische Zwecke hinzu gefügt werden.“ 

Der Auftraggeber muss somit im Stande sein, aus jenen 
Angaben der wissenschaftlichen Resultate die Schlussfolgerungen 
für die mehr oder minder berechtigte Verwendbarkeit der geprüften 
Materialien selbst zu ziehen. Es handelt sich also darum, iu 
Fällen, wo die Erlahrungsresultate für eine zutreffende Begut¬ 
achtung der Thonwaaren-Fabrikate bei dem zur Beurtheilung 


Berufenen nicht ausreichen, unter Zuhiilfenahme jener Schluss¬ 
folgerungen zu einer gerechten Begutachtung der vorgelegten 
rabnkate zu gelangen. 

Ausgestattet mit einer solchen, auf Wissenschaft und 
Erfahrung, oder nur auf Erfahrung, bezw. nur auf Wissen¬ 
schaft basirenden gründlichen Kenntniss für eine sachgemäfse 
Begutachtung schreitet der betr. Baubeamte oder Privattechniker 
zur Begründung der von ihm getroffenen Wahl unter beispielsw. 
12 Proben und da wird dann nicht selten sich ergeben, dass 
unter Zugrundelegung des Maafsstabes Preis und Qualität, das 
eine oder das andere Angebot mit höchster Preisnotirung das 
Billigste ist, während die Fabrikate der billigeren und der billig¬ 
sten Notirung sich als die theuersten erweisen. Doch mag zuweilen 
auch das Entgegengesetzte der Fall sein und schon die blofse 
Möglichkeit auch eines solchen Ausgangs ist, wie hier beiläufig 
erwähnt werde, geeignet, diejenigen ad absurdum zu führen, welche 
dafür plädiren, dass bei Submissioneu prinzipiell dem Mindest- 
fordernden der Zuschlag vorenthalten werde. 

Ich bin überzeugt, dass, sobald eine auf Qualität und Preis 
basirte Beurtheilung eintritt, es in den seltensten Fällen fehlen 
wird, dass Materialien zur Verwendung gelangen, welche in Wirk¬ 
lichkeit die billigsten sind. Selbst die in den parlamentarischen 
Körperschaften zuweilen betonten Sparsamkeits-Rücksichten würden 
an einer derartigen Begründung zerschellen müssen. 

Wenn ich also an dieser Stelle auch ganz absehe von dem 
an der Entwicklung einer gesunden Technik, an einem nur mittel- 
mäfsigen pekuniären Erfolge und gleichzeitig an der Moral 
nagenden Krebsschaden des Submissionswesens, namentlich da, 
wo die „General-Entreprise“ angewendet wird, so bin ich doch 
nicht zweifelhaft, dass selbst unter Beibehaltung dieser, leider 
noch immer in Blüthe stehenden Form seitens der Baubeamten 
sowohl wie der Privattechniker sehr viel geschehen kann, um die 
Baumaterialien und hier speziell die Fabrikate der Thonwaaren- 
Industrie, nach ihrem jedesmaligen Werthe zur Verwendung und 
zur entsprechenden Bezahlung zu verhelfen. Um diesen durch 
und durch berechtigten Zweck, gleichzeitig Sicherung der 
Interessen des Bauherrn und der Technik zu erreichen, ist nur 
nöthig: mit der ganzen Wucht sachlicher Begründung, 
bei schneidigster Abweisung von Urtheilen Unbe¬ 
rufener einzutreten für dasjenige Material, welches unter 
Beachtung von Preis und Qualität als das wirklich billigste 
sich ergiebt! 

Möge das hier Gesagte mit dazu beitragen, dass die Vertreter der 
Thonwaaren-Industrie in ihren anerkennenswertheu Bestrebungen 
nicht erlahmen und sich überzeugt halten, dass Behörden 
wie Privattechniker das ihrige tnun können und hoffentlich auch 
thun werden, um hinfüro mehr als es bislang geschah und 
geschehen konnte, jedes Fabrikat nach dem ihm inue wohnen¬ 
den Werthe zu erkennen und zu bezahlen. 

Hamburg, den 26. Dezember 1883. Carl Bües. 


iVSittheilungen 

Architekten- und Ingenieur-Verein in Hamburg. Ver¬ 
sammlung am 14. Dezember 1883. Vorsitzender Hr. Haller; 
anwesend 38 Mitglieder. 

Es wird mit grofser Majorität beschlossen, die Versammlungen 
des Vereins vom 1. Januar 1884 an Mittwoch Abends ab¬ 
zuhalten. 

Die Vertrauenskommission zur Vorbereitung der Wahlen 
wird auf Antrag des Hrn. Bargum aus den sämmtlichen Mit¬ 
gliedern des Vorstandes und der ständigen Kommissionen zu¬ 
sammen gesetzt, denen die Hrn. Kämp und Herrmann beitreten. 

Hr. Gallois berichtet über die litterarischen Anschaffungen 
und macht dabei über die folgenden, die Elektrotechnik be¬ 
treffenden Werke eingehendere Mittheilungen. 1) A. Beringer: 
Kritische Vergleichung der elektrischen Kraftüber¬ 
tragung mit den gebräuchlichen mechanischen Ueber- 
tragungs - Systemen. Berlin 1883. — Die Verlagsbuch¬ 
handlung von Springer hatte im Berliner elektro-technischen 
Verein einen Preis für eine derartige Arbeit zur Verfügung ge¬ 
stellt, welche dem genannten Werke zuerkannt wurde. Die 
elektrische, pneumatische, hydraulische und Drahtseil-Ueber- 
tragung werden behandelt, indem die Preise für eine Pferdekraft 
auf Entfernungen von 50 bis 2000 m mit einander verglichen 
werden. Die Arbeit ist verdienstlich wegen der Zusammen¬ 
stellung der zur Berechnung der elektrischen Kraftübertragung 
erforderlichen Formeln; im übrigen sind manche falsche Voraus- 
; Setzungen und Schlüsse gemacht, wie an Beispielen erläutert wird. 

2) Offizieller Bericht über die im Kgl. Glaspalast 
zu München statt gehabte internationale Elektrizitäts- 
Ausstellung, verbunden mit elektro-technischen Ver¬ 
suchen. München 1883. Hr. Gallois besprach vor allen 
Dingen die Mittheilungen über die angestellten Messungen mit 
Bezug auf den Werth der verschiedenen Glühlampen und er¬ 
läuterte die Resultate derselben an der Hand von graphischen 
Darstellungen in grofsem Maafsstabe, welche die wechselnde 
Lichtintensität in den verschiedenen horizontalen und vertikalen 
! Richtungen für eine Anzahl von Systemen veranschaulichen. 

Zum Schluss zeigte Hr. Nowak verschiedene neuere Tapeten- 


aus Vereinen. 

muster vor, sowie Ornamente aus gepresster Holzmasse, welche 
nach einem neu patentirten Verfahren mit einem ächten, äufserst 
dünnen Holzfournier überzogen sind. — 

Versammlung am 21. Dezember 1883.* Vorsitzender 
Hr. Haller; anwesend 49 Mitglieder. Nachdem Hr. Bubendey 
das Referat der Vertrauens-Kommission in Bezug auf die Wahlen 
erstattet, wird zur Neuwahl des Vorsitzenden geschritten und 
Hr. Haller einstimmig wieder erwählt. Derselbe nimmt die 
Wahl mit dem Vorbehalt an, event. vor Ablauf des 4jährigen 
Turnus das Amt nieder zu legen. 

Für die aus den ständigen Kommissionen ausscheidenden 
Mitglieder werden die Neuwahlen den Vorschlägen der Vertrauens- 
Kommission gemäfs durch Akklamation vollzogen. 

Hr. AveLallemant machte hierauf einige Mittheilungen über: 
die Honigmann’schen Aetznatrou-Maschinen. 

Der Vortragende erläuterte zunächst kurz die Eigenthiimlich- 
keiten der Maschine, wie solche in der letzten Zeit verschiedentlich 
beschrieben sind und ging sodann spezieller auf die Besprechung 
des Werthes derselben, sowie der Lamm-Francq’schen feuerlosen 
Maschine für den Tramway-Betrieb ein. Es wurde berechnet, 
dass beispielsw. einer Füllung von 600 k s Natronhydrat -f 120 k ? 
Wasser (welche Lösung einen Siedepunkt von 220 0 C. besitzt) 
ca. 360 k s Wasser zugeführt werden können, bis dieselbe so weit 
verdünnt ist, dass ihr Siedepunkt 154° beträgt, die Temperatur¬ 
differenz zwischen Natronlösung und Wasser im Dampfkessel 
beträgt nach bisherigen Erfahrungen ca. 10°, so dass im Kessel 
noch ein Ueberdruck von ca. 3 Atm. verbleibt. 

Eine gewöhnliche Tramway-Lokomotive gebraucht je nach 
der Gröfse der zu ziehenden Last und je nach der Beschaffenheit 
und den Steigungsverhältnissen der Bahn etwa 10—15 k s Wasser 
pro km _ ersteres beispielsweise in Strafsburg i. E., letzteres in 
Hamburg. Nimmt man an, dass ein Dampfdruck von 3 Atm. als 
Minimaldruck für den Betrieb der Maschine genügt, so würde 
man mit vorerwähnten 600 k s Natronhydrat in Strafsburg ca. 36 kn >. 
in Hamburg ca. 24 km weit fahren können, bevor Nachfüllung 
erforderlich ist. 

Redner bemerkt, dass die vorstehende Rechnung nicht korrekt 





















24 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


12. Januar 1884 


und nur zu einer generellen Veranschaulichung geeignet sei; 
unter Berücksichtigung der durch die chemische Reaktion erzeugten 
Mehrwärme stelle sich die Sache noch günstiger. Es wird auf die 
eingehende Abhandlung von Prof. A. Riedler im Novemberheft 
der Zeitschr. des Ver. deutsch. Ingenieure verwiesen. 

Es ist heute noch nicht möglich, sich ein abschliefsendes 
Urtheil über die Tragweite der Honägmann’schen Erfindung zu 
bilden; jedenfalls bietet dieselbe aber für manche speziellen Fälle, 
z. B. beim Tunnelbau und Bergwerksbetrieb erhebliche Vortheile. 
Die Füllungen brauchen bei der Honigmann’schen Maschine 
jedenfalls seltener erneuert zu werden, als bei der feuerlosen 
Maschine, System Lamm-Francq, wodurch die erstere jedenfalls 
bevorzugt ist. 

Für den Tramway-Betrieb haben die Honigmannschen Ma¬ 
schinen das ungemein Bestechende für sich, dass sie die Frage 
der Unsichtbarmachung des Abdampfes vollständig lösen. Heu¬ 
tigen Tages verlangen die Behörden überall und auch mit Recht, 
dass beim Lokomotivbetrieb in eng bebauten Strafsen grofser 
Städte der Abdampf unsichtbar bleibt; es bietet dies bei geheizten 
Maschinen in heifser und trockener Jahreszeit keine Schwierig¬ 
keiten, da der durch den Kamin geleitete Abdampf dann heifs 
genug ins Freie tritt; bei kälterer Jahreszeit sind dagegen für 
die Unsichtbarmachung spezielle Kondensations-Vorrichtungen er¬ 
forderlich, deren Wirksamkeit aber stets nur auf beschränkten 
Strecken, im Maximum ca. 4—5 km , möglich ist. Lästiger noch 
gestaltet sich die Kondensations-Frage bei dem Maschinen-System 
Lamm-Francq, da bei diesen wegen Fehlens der Feuerung auch 
im Sommer aller Abdampf durch Kondensation unsichtbar ge¬ 
macht werden muss. 

Von mancher Seite wird es als grofser Vorzug für die 
Tramway-Lokomotive hervor gehoben, wenn die Feuerung auf 
der Maschine fehlt. Redner stimmt hiermit nicht überein, da 
Feuersgefahr beim Tramdienst nur äufserst selten in Frage 
kommt, eine Belästigung durch Rauch bei der üblichen Feuerung 
mittels Coaks nicht stattfindet und man gegenwärtig einen Dampf¬ 
kessel nicht mehr als einen äufserst gefährlichen Gegenstand an¬ 


sieht. Endlich ist es immerhin fraglich, ob die Reparaturkosteu 
der Kessel der Maschinen mit eigener Feuerung gröfsere sind, 
als diejenigen der auf den feuerlosen Maschinen befindlichen 
Kessel, zuzüglich der bei diesem Betrieb erforderlichen Kessel der 
stationären Anlagen. 

Ob man bei feuerlosem Betrieb (Honigmann oder Lamm- 
Francq) an Betriebspersonal wird sparen können, ist nicht ohne 
weiteres zu beantworten. Die meisten Tramway - Lokomotiven 
mit Feuerheerd fahren gegenwärtig mit nur 1 Mann auf der Ma¬ 
schine und dort, wo, wie z. B. in Hamburg, ein 2. Mann 
seitens der Behörden auf der Maschine verlangt wird, ist solches 
Verlangen weniger aus dem Grunde gestellt, dass die Behörden 
dessen Anwesenheit speziell zum Heizen für erforderlich halten. 
Man will vielmehr bei etwaigen, beim Tramway - Betrieb leicht 
möglichen Carambolagen und für den Fall eines dem Maschinisten 
zustofsenden Unglücks, dass ein Zweiter auf der Maschine zugegen 
sei, der sofort zum mindesten dieselbe zum Stillstehen bringen 
und so grofses Unglück verhüten kann. Es ist deshalb anzu¬ 
nehmen, dass die Behörden, welche jetzt einen zweiten Mann 
auf der Lokomotive verlangen, diese Forderung auch bei dem 
feuerlosen Betriebe aufrecht erhalten werden; dann wird aber 
hier nicht ein geringeres, sondern ein gröfseres Betriebspersonal 
erforderlich sein, weil die Bedienungsmannschaft für die stationäre 
Anlage hinzu tritt. 

Nach Ansicht des Vortragenden wird der Brennmaterial- 
Verbrauch bei einem Betriebe mit Honigmann’schen Maschinen 
ein gröfserer sein, als beim Betriebe mit gewöhnlichen Maschinen; 
denn beim Wiedereindampfen der Natronlauge sei eine so günstige 
Ausnutzung des Brennmaterials wie in Lokomotivkesseln nicht 
anzunehmen. Auch bei den feuerlosen Maschinen Lamm-Francq 
sei bis jetzt eine Brennmaterial-Ersparniss im wirklichen Tramway- 
Betrieb nicht erwiesen, obgleich theoretisch eine solche wahr¬ 
scheinlich ist. Der Brennmaterial-Verbrauch auf der Linie Rueil- 
Marly und auf einer Linie in Batavia, welche beide mit diesen 
Maschinen betrieben wurden, sei nach den dem Redner bekannt 
gewordenen Betriebsresultaten sogar ein sehr hoher. y. 


Vermischtes. 

Neue Schornstein-Abdeckung. Die in den Fig. I bis III 
dargestellte Schornstein-Abdeckung ist dem Reg.-Bfhr. Alt haus, 
Berlin N., Christinenstrafse 8 patentirt worden. 

Fig. IA ist Ansicht und Grundriss I B, in welchem 2 Schorn¬ 
stein-Rohre vereinigt sind. 
Fig. II A Längenschnitt 
zum Grundriss IIB, wel¬ 
cher vier Rohre enthält. 
Fig. III zeigt Grundriss 
(resp. den Horizontalschnitt 
durch die Abdeckung) eines 
neuen Schornsteines, in 
welchem 6 Rohre vereinigt 
sind. 

Das Konstruktions-Prin¬ 
zip der Abdeckung besteht 
darin, dass die Oeffnung 
für den Rauchabzug ins 
Freie jedes Mal über der Zunge liegt. 

Die aus gewöhnlichen Ziegelsteinen herzustelleede Abdeckung 
kann sowohl bei alten, als bei neuen Schornsteinen angewendet 
werden; die Zungenstärke kann sowohl 1 Stein als auch nur Vs 
Stein betragen. Da auf eine Oeffnung immer 2 Rohre kommen 
muss erstere wenigstens doppelt so grofs sein, als der Rohr¬ 
querschnitt. 

Die russischen Rohre haben meistens 15 zu 15 cm Weite. Bei einer 

Breite von 12 cm muss jede Oeffnung also ^ — = 38 cm hoch 

sein. Bei dieser Weite der Oeffnung wird die Reinigung des 
Schornsteins durch die Abdeckung nicht im geringsten erschwert. 

Ueber die Bewährung der neuen Abdeckung theilt der Er¬ 
finder mit: 

Ausgeführt habe ich die Abdeckung bereits mehre Male 
erfolgreich und zuerst an dem Wohngebäude des Tunnel¬ 
wärters zu Küllstedt, welches hoch über dem Tunnel liegt und 
bei seiner exponirten Lage fast ununterbrochen vom Rauche heim¬ 
gesucht ward. Erst auf die praktischen Erfolge hin habe ich die 
Abdeckung patentiren lassen. Patentirt ist das Prinzip, dass die 
Oeffnung jedes Mal über der Zunge liegt. 

Der Patentinhaber ist geneigt Lizenzen zu ertheilen und sieht 
desfallsigen Anfragen entgegen. 


Internationale Ausstellung 1884 in London. Diese 
Ausstellung scheint, da sie von der Crystal-Palace-Company in 
Sydenham entrirt ist, einen rein privaten Charakter zu tragen. 
Sie soll am 3. April eröffnet werden, 6 Monate dauern und die 
Erzeugnisse der Künste, Gewerbe, Landwirtschaft und Wissen¬ 
schaft umfassen. Nähere Auskunft ertheilt für deutsche Aus¬ 
steller Hr. C. v. Thenen in Köln. 


.Mi. 


Rg.nÄ 



Rg.IB 


Eig.nj 




Fiff.m 


Ein Katalog über architektonische und kunstwissen¬ 
schaftliche Werke von nicht gewöhnlicher Reichhaltigkeit wird 
von A. Bielefelds Hofbuchhandlung in Karlsruhe, welche den 
Verkauf der bezügl. Bücher übernommen hat, uuentgeltlich an Inter¬ 
essenten versandt. Gern entsprechen wir der Aufforderung, unsere 
Leser auf diese Gelegenheit zur Vervollständigung ihrer Bücher¬ 
schätze aufmerksam zu machen. Die Preise sind allerdings nicht 
gerade niedrig angesetzt und seltsam muthet es an, wenn sogar 
einem so vergänglichen Buche, wie einem Kalender ein Werth 
beigelegt und ein alter Hoffmann’scher Baukalender a. d. J. 1854, 
65 u. 68 zu 0,80 M taxirt wird. Zum gröfseren Theile ent¬ 
stammen die bezügl. Bücher, den von den Hrn. Baudirekt. Leon¬ 
hard und Prof. G. Kachel in Karlsruhe nachgelassenen Bibliotheken. 


Im Berliner Kunstgewerbe-Museum, das die Theilnahme 
des Publikums und insbesondere der kunstverständigen Kreise 
für seine Sammlungen dadurch dauernd rege zu erhalten weifs, 
dass es von Zeit zu Zeit vorüber gehende Ausstellungen besonders 
interessanter im Privatbesitz befindlicher Objekte veranstaltet, 
stehen augenblicklich aufser der im Lichthofe untergebrachten 
reichen Sammlung asiatischer Erzeugnisse aus dem Bestiz 
des Dr. Emil Rieb eck mehre zum inneren Ausbau des Königs¬ 
schlosses Sinaia in Rumänien gehörige Gegenstände zur Schau: 
eine Kamingarnitur in Bronze von P. Stotz in Stuttgart und 
ein Thürbeschlag von E. Puls in Berlin; letzterer, als Duplikat 
ausgeführt, bleibt als ein Geschenk des königlichen Bauherrn 
dem Museum dauernd erhalten. 


Ehrenbezeugung an den Erbauer des Wiener Reichs- 
rath-Hauses. Die Stadtgemeinde Wien hat vor kurzem dem 
Erbauer des im Laufe der gegenwärtigen Sitzungs-Periode ohne 
weitere Einweihungs-Feierlichkeit bezogenen neuen Parlaments¬ 
gebäudes Dr. Th. v. Hansen das Ehrenbürgerrecht verliehen. 
Die gleiche Auszeichnung war bekanntlich Ferstel bei Vollendung 
der Votivkirche und Fr. Schmidt bei Vollendung des neuen 
Rathhauses zu Theil geworden. 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. W. in Flensburg. Unseres Wissens hat das Projekt 
der Erbauung einer Waarenbörse in Berlin noch keineswegs feste 
Gestalt gewonnen. Als event. zur Ausführung des Baues designirt 
wird uns Hr. Bmstr. Guthmann genannt. 

Hrn. G. in Bremen. Wir haben bisher leider nicht er¬ 
mitteln können, wer der Architekt der neuen Mailänder Campo- 
santo-Anlage ist und in welcher Beziehung das ausgeführte Pro¬ 
jekt zu der seiner Zeit veranstalteten Konkurrenz steht. Prof. 
Bohnstedt ist jedenfalls nicht Autor des ausgeführten Entwurfs. 

Hrn. A. in B. Eine bereits im Verwittern begriffene Back¬ 
steinwand werden Sie durch einen Anstrich niemals wetterfest 
machen können und es ist jede Ausgabe für diesen Zweck als 
weggeworfen zu betrachten. 


Kommissionsverlag von Ernst Toeche in Berlin. Für die Redaktion verantwortlich K. E. O. Fritsch, Berlin. 


Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin. 

















































No. 5. 


DJEUTSCHE BAUZEITUNG. 


Iuhalt: Die Koukurrenz für Entwürfe zu einem Stadttheater in Halle a. S. 
(Schluss.) — Umlege-Kandelaber für Bogenlicht von S. Schuckert in Nürnberg. — 
Mittheilungen aus Vereinen: Architekten- und Ingenieur - Verein zu 
Hannover. — Vermischtes: Markthallen für Berlin. — Bewährung verzinkter 


Eiserrohre für Wasserleitungen. - Polizeiliche Erleichterungen bei Aufstellung 
von Kleinmotoren. — Kosten des neuen Wiener Rathhauses. — Archäologisches 
aus Rom. — Personal-Nachrichten. _ 


Die Konkurrenz für Entwürfe zu einem Stadtfheater in Halle a./S. 

(Fortsetzung.) 


er Grundriss Seeling’s besitzt eine so grofse 
j|| Einfachheit, dass zu seiner Erläuterung nicht viel 

ffg PKf J| Besclire i buil ge ri erforderlich sind. Diese Einfach- 
'p a heit wird namentlich durch die fast ausschliefs- 

L liehe Verwendung gerader Linien und rechteckiger 

Grundformen erreicht, die freilich nicht nur Vortheile bergen. 

Die Besucher (Parkett 490, Parterre 168, I. Rang 284 
und II. Rang 168) betreten von einer Vorfahrtsrampe und 
2 Seiten-Eingängen zunächst ein rechteckiges, ziemlich niedriges 
Vestibül von 5 Axen, dessen Rückseite zwei, die Abendkasse 
und darüber die Parterre-Garderobe einschliefsende Aufgänge 
von 13 Stufen bietet, über welche man ohne Windungen den 
höchsten Parterre-Boden erreicht. In der Mitte beider Schmal¬ 
seiten finden sich dagegen die gemeinschaftlichen Zugänge zu 
den Stiegenhäusern. In ihnen führen die 2,5 m breiten Haupt¬ 
treppen vom ersten Podest auf die seitlichen Parkett-Gänge, 
vom 2. in das gemeinsame, über dem Vestibül angelegte 
Foyer, vom 3. wiederum direkt in die Gänge des I. Ranges. 
Diese Führung ist eine aufserordentlich geschickte, da sie 
Parkett und I. Rang unter einander, wie mit dem in mittlerer 
Höhe befindlichen Foyer verbindet und den Abgang vom Korridor 
des I. Ranges an der günstigsten Stelle und ohne Wendungen ver¬ 
mittelt. Allerdings wäre diesen Treppen mehr Tageslicht zu 
wünschen, als ihnen durch die 2 übereinander liegenden kleinen 
Oberlichter zugeführt wurde. Die den Stiegenhäusern des II. Ran¬ 
ges mangelnden getrennten Zugänge und die etwas ungünstig 
gelegenen Ausgänge kommen bei je 84 Besuchern nicht so sehr 
in Betracht. Vorzüglich sind dagegen die Parkett - Ausgänge 
und Garderoben disponirt. Die Wagner’schen seitlichen Aus¬ 
gangshallen erscheinen hier in einer, die winterliche Benutzung 
berücksichtigenden, unleugbar praktischen Umbildung. In dem 
Sommertheater Bayreuths sind die Garderoben nur neben¬ 
sächlich behandelt und unter das Parterre versteckt, auch 
mit den überall einander gegenüberliegenden Thüren nicht 
die gebührenden Rücksichten auf die Zugvermeidung genom¬ 
men. Seeling ordnet dagegen an der Mitte der Aufsenwände 
lang gestreckte Garderoben-Anlagen an und fafst diese beider¬ 
seits mit besonderen geschlossenen Ausgangs-Vestibülen ein, 
die mit ihren inneren Abschrägungen das abgehende Publikum 
aufzunehmen vortrefflich geeignet sind. Von ihnen gelangt 
man auf als Sommer-Foyers bezeichnete Terrassen, die nach 
hinten im Terrain auslaufen, nach vorne über Freitreppen 
zur Promenade hinab führen. Die Vestibüle und ein Theil 
der seitlichen Hallen sind in Höhe des ersten Ranges abge¬ 
deckt, um diesen beiderseits Baikone zu bieten. 

Diese ganze Disposition der Vorräume für das Publi¬ 
kum ist eine tadellose, ungemein übersichtliche und ziemlich 
weiträumige, und da einer solchen fast bestimmender Einfluss 
auf die Werthschätzung eines Theaters zuerkannt werden 
muss, so erscheint damit die Wagschaale des Seeling’schen 
Projektes schon sehr beschwert. 

Nicht so sehr treten die Vorzüge im Bühnenhause und 
am wenigsten im Zu schauer raume hervor, wo das Streben 
nach bestrickender Einfachheit eine gewisse und zwar schädliche 
Absichtlichkeit veratben dürfte. Dass die Anordnung der Bühne 
mit Nebenräumen bei der schon erwähnten frisch - fröhlichen 
Lösung der Magazinfrage dem Verfasser kein Kopfzerbrechen 
bereiten konnte, bedarf keiner Erörterung. Die Bühne über¬ 
trifft in der Breite von 16,5 m nur um ein weniges den Saal 
und wird bei einer Proszeniumsbreite von 10 m zu gering sein, 
da die Gänge hinter den Kulissen auf knapp 1 —1,50 m 
herab gedrückt werden. — Bei guten Kommunikationen neben 
der Bühne fehlen solche hinter der Hinterbühne. Auch kann 
die Anordnung zweier getrennter, daher um so schwerer zu 
bewachender Zugänge für das Personal, sowie die Verlegung 
fast aller Herrengarderoben in die Obergeschosse nicht gut 
geheifsen werden. (Diese Mängel, welche eine grofse Zahl der 
Konkurrenz-Entwürfe in gleicher Schärfe besitzt, scheinen 
durch den bekannten Asphaleia-Theater-Entwurf (Deutsch. 
Bauhandb. H, 2. S. 711) veranlasst zu sein, dessen stärkste 
Seiten gewiss nicht gerade jenseits des Proszeniums gesucht 
werden dürfen.) 

Was den ebenfalls rechteckigen Zuschauerraum (21 m lg. 
und 15,5 m br.) betrifft, so haben die Preisrichter es für be¬ 
denklich erklärt , dass derselbe „saalartig und mit geradlinigem 


Abschluss“ gestaltet und für unpraktisch, dass „nur 1 Rang“ 
vorhanden sei. Das letzte Monitum dürfte die Einschaltung 
„aufser einem zweiten“, das erste eine etwas präzisere Aus¬ 
führung vertragen können. Dass der Zuschauerraum im Prin- 
zipe saalartig angelegt ist, darin können wir, wie schon aus¬ 
geführt, zunächst einen Nachtheil nicht erblicken. Dagegen 
werden allerdings die gerade Rückwand und die ungetheilte 
Glätte der Seitenwände als akustische Unmöglichkeiten zu 
bezeichnen sein. Seeling hat anscheinend künstlerische Be¬ 
denken getragen oder fühlte sich durch seine Führung des 

I. Ranges verhindert, die bekannten Bayreuther Kulissen- 
Wände zu wiederholen. Wer den „Parsifal“ in Bayreuth ge¬ 
hört, wird ihren akustischen Werth, und wer die „Walküre“ 
dort gesehen hat, wird ihren optischen Zweck der Steigerung 
des Bühneneffektes voll zu würdigen wissen und den Wegfall 
bedauern. — Der gerade Abschluss des Saales erschwert aber 
aufserdem die Ausnutzung des Raumes zu tieferen Rängen, 
die daher in Seelings Projekt auch an Zahl und Raum zu 
beschränkt auftreten. 

Parkett und Parterre haben 558 Plätze von 0,48 m zu 0,75 m , 
also unzulässig eingeschränkten Abmessungen, dabei eine Stei¬ 
gung der Reihen, die den Abstand zwischen Auge und Kopf- 
Scheitel nicht erreicht. Der I. Rang wurde auch seitlich bis 
an die Bühne geführt, die das Proszenium an Stelle des 
Wagner’schen „mystischen Abgrundes“ nicht entbehrt. Der 

II. Rang ist auf eine Art Nische in der Rückwand des Saales 
beschränkt. Günstige Abänderungen, bezw. genügende Ver¬ 
besserungen der Bayreuther Anlage dürften in diesen An¬ 
ordnungen ebenso wenig zu erkennen sein, als in der Gerad¬ 
linigkeit der Parkett-Reihen und in den vielen verlorenen 
Steigungen beim Zutritt zu denselben. 

Die bedenklichste Seite des Entwurfes liegt indessen in 
der Platz-Vertheilung, welche 8 / u aller Plätze dem 
I. Parkett und L Rang, und nur 3 /,, den weniger günstig 
situirten Besuchern zuweist. Das Zahlen-Verhältniss der ein 
Stadttheater besuchenden Stände ist jedenfalls ein ganz anderes 
und somit erscheint die Vertiefung des II., oder die Einfügung 
eines III. Ranges um so mehr unentbehrlich, als bei einer 
nothwendigen Erbreiterung der Plätze im Parkett und I. Rang 
auf ein Minimal-Maafs von 0,55 m zu 0,80 m in dem Seeling- 
schen Entwürfe etwa 150Plätze verloren gehen. (Die Preisrichter 
schweigen über diesen im Interesse der Gerechtigkeit gegen 
die übrigen Konkurrenten wohl erwähnenswerthen Punkt.) 
Die Uebersichtlichkeit der Stiegenhäuser würde bei solcher 
Konzession nicht leiden, da die 2 Treppen des H. Ranges 
unter entsprechender Erbreiterung wohl in solche für den H. 
und III. Rang geschieden werden könnten, voraus gesetzt, dass 
die Zugänge zu den Platzreihen in deren Rücken bewerkstelligt 
werden. Neue, indessen nicht unüberwindliche Schwierigkeiten 
würde allerdings die Höhen-Vertheilung bereiten. — 

Von einigem Werthe ist in dem Seeling’schen Entwürfe 
die künstlerische Durchführung, die auch von den 
Preisrichtern lobend hervor gehoben wurde. In den Facaden 
zeigt sich eine grofse Gewandtheit in der Ueberwindung der 
bei einem Theater nicht geringen Aufgabe, den Bedingungen 
des Grundrisses und Schnittes gerecht zu werden, ohne den 
Gefahren zerrissener Silhouetten, verschiedener Maafsstäbe 
und harter Formen-Vermittelungen zu erliegen. Die Perspek¬ 
tive liefert ein anmuthiges, einheitliches Bild ohne jedwede, 
aus den verschiedenartigen Zwecken und Höhen leicht er¬ 
wachsenden Abnormitäten. Die in den geometrischen Ansichts¬ 
zeichnungen noch mehr hervor tretenden feinen, leichten Archi¬ 
tektur-Formen mit ihrer üppigen, aber nicht breitspurigen 
skulpturellen Ausstattung geben dem Ganzen einen fröhlichen 
Charakter, der gegenüber der von vielen Konkurrenten ge¬ 
wählten, gewaltig ernsten, schweren Massen-Architektur äufserst 
wohlthuend berührt. Dass freilich diese Architektur und die 
ausschliefsliche Verwendung von Sandstein zu allen Aufsen- 
seiten der Bausumme etwas Hohn spricht, wurde schon 
bemerkt. Der Vorwurf der Kostenüberschreitung kann dem 
Entwürfe daher trotz seiner geringen Flächen- und Raum¬ 
inhalte nicht erspart werden, zumal er ja die Errichtung 
eines besonderen Magazin - Gebäudes zur Bedingung macht, 
dessen Kosten doch jedenfalls mit in Anschlag zu bringen sind. 




















26 


16. Januar 1884 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


Das gefällige Aeufsere des Entwurfs steht mit seiner stil¬ 
vollen inneren Ausbildung in harmonischem Einklänge. Ins¬ 
besondere dürfte die liebenswürdige Ausstattung des Saales 
als Beleg zu einem kleinen Protest gegen die Bemerkung 
S. 680 der jüngsten (letzten) Lieferung des Dtsch. Bauhdb. 
willkommen sein, worin dem Bayreuther Saal-System die Ein¬ 
führungs-Möglichkeit abgesprochen wird, weil das Publikum 
im Theater „sich nicht anstrengen, sondern vorwiegend 
zerstreuen“ wolle. Wir wüssten aufrichtig keinen Grund, 
warum das Publikum z. B. in diesem Saale selbst nach Wieder¬ 
herstellung der Kulissen-Wände sich besonders angestrengt 
und gelangweilt und nicht vielmehr ebenso wonnig und wohl 
fühlen sollte, als in den Sälen der anderen Konkurrenten.* 

Eine dem eben beschriebenen Projekte sehr wenig ver¬ 
wandte Lösung der Aufgabe bringt der prämiirte Entwurf 
„Für deutsche Kunst“ von H. Schubert. Derselbe prä- 
sentirt sich im Grundrisse als eine geschickte Kombination 
der Dresdener Anlage beiderseitiger breiter Stiegenhäuser 
mit vorderem segmentförmigen Foyer von Semper, sowie 
andrerseits der Vestibül-Anlage unter dem neuen Leipziger 
Gewandhause von Gropius & Schmieden, welche Kombination 
allerdings den Höhenverhältnissen des Bauplatzes gut ange¬ 
passt erscheint und deswegen den Preisrichtern ein so günsti¬ 
ges Urtheil entlockt hat. 

Dies zu ebener Erde unter dem Parkett aufgeführte 
Vestibül wird aus der im Segmente belegenen Vorhalle be¬ 
treten und bildet einen nahezu vollen Kreis von 18 m Durch¬ 
messer mit einer Mittelsäule, welcher, in kühnem Vertrauen 
auf ihre Tragfähigkeit, 20 Radial-Träger mit dazwischen ge¬ 
spannten Kappen und aufserdem das ganze Parkett aufgelegt 
sind. Dieser grofse Raum ist kaum 4 m hoch und bezieht sein 
Tageslicht aus sehr weiter Ferne, so dass ihm der Charakter 
eines Kellers wohl kaum abzustreifen sein wird. (Das weit 
besser beleuchtete Leipziger Vorbild hat bei gleichem Durch¬ 
messer 6 m lichte Höhe.) Als unbrauchbar müssen die Abend¬ 
kassen bezeichnet werden, deren Lage Stauungen des an¬ 
drängenden Publikums veranlasst, und die wohl besser im 
Zentrum des Vestibüles aufzustellen wären. 

Mit vollem Rechte hebt dagegen das Urtheil der Preis¬ 
richter die Schönheit der Treppeu-Disposition hervor. Fast 
4 m breite Arme mit eingeschalteten Podesten führen von 
dem Vestibüle beiderseits an Ausgangsthüren nach seitlichen 
Teirassen vorbei in die 3 theiligen Stiegenhäuser, von denen 
die vorderen gemeinsame Treppen zum I. und II. Rang, die 
nahe der Bühne gelegenen eben solche des HI. und IY. Ranges 
enthalten, während der mittlere Theil oben die Rang-Garde¬ 
roben aufnimmt. 

Dass diese Treppen-Disposition die Vorzüge der Schön¬ 
heit und Grofsartigkeit in hohem Maafse besitzt, kann keinen 
Augenblick geleugnet werden. Die Frage aber, ob diese 
Grofsartigkeit einem Stadttheater in Halle gerade angepasst 
erscheint, und, was noch wichtiger ist, ob sie gute Verbin¬ 
dungen mit den Rangplätzen, Garderoben und dem Foyer 
hersteilen, ist leider zu verneinen. — Zunächst muss darauf 
aufmerksam gemacht werden, dass die Vestibül-Anlage unter 
dem Parkett zwar der Knappheit des Bauplatzes Rechnung 
trägt, aber in einem Theater doch höchst bedenklich 
ist, weil sie alle Ränge so sehr in die Höhe schraubt. Wird 
auch bei den Hallenser eigenthümlichen Terrain-Verhältnissen 
dieses Bedenken abgeschwächt, so weist ein Vergleich der 
absoluten Parterrehöhen in Schubert’s und den übrigen Ent¬ 
würfen trotz des reichlich niedrigen Vestibüles immer noch 


*) Anmerkung der Redaktion. Zur Erläuterung sei bemerkt, dass sich 
jene Bemerkung keineswegs auf die Ausstattung des Bayreuther Saals, sondern 
darauf bezieht, dass jenes im Seeling’schen Entwurf doch keineswegs strikt befolgte 
System die Zuschauer zwingt, ihre Aufmerksamkeit auf der Böhne zu konzentriren, 
indem es ihneu die Möglichkeit nimmt, sich gegenseitig zu sehen. 


Differenzen von 3 m auf. Betrachten wir aber die Wege, 
welche sowohl Parkett- als Rang-Besucher zu machen haben' 
um von ihren Plätzen zu den Garderoben und dann zu den 
Treppen zu gelangen, so zeigen sich die grofsen Nachtheile 
der schönen Treppenanlage, die geradezu als Fehler bezeichnet 
werden müssen. Alle Garderoben haben nur sehr kurze 
Auslagen; diejenigen des Parketts (über den Verkaufsläden) 
veranlassen strudelähnliche Strömungen in den Gängen, 
diejenigen der Ränge Stopfungen des Publikums vor den 
Treppen - Podesten. Direkte Ausgänge ohne Richtungs¬ 
wechsel giebt es nirgend. Die meisten Personen, namentlich 
alle Besucher des III. und IV. Ranges, müssen sich zunächst 
in der Richtung zur Bühne bewegen, um zu den Treppen 
zu gelangen, diejenigen des I. und II. Ranges dann noch¬ 
mals Kehrt machen, um sie überhaupt zu finden. Grofse 
Umwege und verlorene Steigungen werden den Inhabern der 
Parkett-Plätze zugemuthet, wenn sie das Foyer erreichen 
sollen, welches nur vom 2,5 m breiten Korridor des I. Ranges 
oder durch das Büffet zugänglich ist. Endlich ist bei dem 
Fehlen aller Nothtreppen die Zusammenlegung der Treppen 
für den I. und II. Rang, sowie für den IH. und IV. Rang 
thatsächlich nur als eine andere Form der Beschränkung des 
Abganges auf eine Treppe für jeden Rang und das endliche 
Zusammenströmen aller abgehenden Kolonnen mit 550 Per¬ 
sonen auf ein Podest von 3,80 m im Quadrat als unzulässig 
zu bezeichnen. 

Die Saal-Form ist die übliche des durch Tangenten ver¬ 
längerten Halbkreises mit sehr schmalem Proszenium. Die 
Grundriss-Ausbildung hinter der Vorhangs-Mauer ist eine 
zweckmäfsige. Besonders vortheilhaft zeigen sich die Ab¬ 
messungen der 23,5 m breiten Bühne, welche den Ersatz der 
Hinterbühne durch Korridore als verbesserte Kommunikationen 
und gleichzeitige Isolirungs-Mittel zwischen Bühne und Ma¬ 
gazinen ermöglichen werden. Die letzteren dürften zu klein 
und in der Grundform weniger ihrem Zwecke, als der 
Situation angepasst sein. Auch die 1,5 m breiten Korridore 
neben der Bühne erscheinen reichlich knapp. 

Ein recht bedenklicher Fehler ergiebt sich endlich aus 
dem Längsschnitte. Die Kulissen-Höhe beträgt etwas über 7 m , 
diejenige der Bühnenöffnung im Scheitel über ll m . Wird diese 
Differenz von 4—5 m durch einen architektonisch nicht unan¬ 
fechtbaren sog. „Mantel“ verhängt, so dürfte kaum einer der 
320 Besucher des obersten Ranges mehr als die Hälfte des 
Bühnenpodiums, geschweige einen Prospekt zu sehen bekommen. 

Dass auch der Schubert’sche Bau bei einem Flächen¬ 
inhalt von nahezu 2 000 i m , seiner grofsen Durchschnittshöhe 
von über 20 m und bei einer Ausführung in Sandstein für 
425 000 M nicht herzustellen ist, bedarf keines Nachweises. 

Wir haben bei aller Anerkennung der guten Situation 
und des vortheilhaften Aeufseren der interessanten Vestibül- 
Anlage und schönen Treppen-Entwicklung es um so mehr für 
nothwendig gehalten, hier die inneren Mängel des Entwurfs 
hervor zu heben, als die Konkurrenten die Erwähnung der¬ 
selben im Urtheile der Jury leider vermissen und andererseits 
die Aussichten des Verfassers, in der engeren Konkurrenz zu 
siegen, schwerlich grofse sein können, wenn die erwähnten 
Mängel in dem Entwürfe verbleiben. Im Preisrichter-Urtheile 
ist nur wegen zweier weit untergeordneteren Punkte Anstand 
erhoben. Es wird darin dem Projekte eine „gewisse Unruhe“ 
der Seitenfront und der Mangel eines gröfseren Foyers vor¬ 
gehalten. Wir möchten dem gegenüber in der äufseren Er¬ 
scheinung des Entwurfs mit seiner gesunden, kräftigen Archi¬ 
tektur gerade seine besten Seiten erkennen und konstatiren, 
dass z. B. das Foyer Seeling’s fast genau den Flächeninhalt 
des Schubert’schen besitzt. Dabei bleibt die Frage offen, ob 
nicht ein längliches Foyer dem Zwecke des Wandeins besser 
entspricht, als ein quadratisches. (Schluss folgt.) 


Umlege-Kandelaber für Bogenlicht von S. Schuckert in Nürnberg. 

(Hierzu die Abbildungen auf Seite 27.) 


In dem Bericht über die Elektrizitäts-Ausstellung in München, 
den diese Zeitung im Jahre 1882 gebracht hat, ist des Kandelabers 
Erwähnung gethan worden, welchen S. Schuckert in Nürnberg 
aufgestellt hatte. Wir entnehmen der „Zeitschrift für angewandte 
Elektrizitätslehre“ eine Skizze dieses Kandelabers, Fig. 1 und 2. 

Derselbe erscheint äufserlich als runde reich ornamentirte 
Säule; der Mantel ist jedoch nicht voll, sondern hat Schlitze, in 
welche ein den Profilen eingepasstes Stück eingefügt ist. Dieses 
Stück ist um einen in etwa halber Säulenhöhe befindlichen Punkt 
drehbar und trägt den ganzen oberu Schaft der 8 m hohen Säule, 
auf der die Lampe um eine horizontale Axe drehbar aufgehängt 


ist. Zum Bewegen des drehbaren Säulenstückes dient eine im 
untersten Theäle der Säule befindliche Kettentrommel, für welche 
die Kurbel von aufsen aufgesteckt wird. Die beistehende Skizze 
zeigt die Anordnung schematisch; die Leitungsdrähte werden in 
der Höhe des obern Auslösungspunktes eingeführt und gelangen 
im Innern des Säulenschaftes nach oben und durch die hohlen 
Drehzapfen der Lampe in diese hinein. 

Im Anschlüsse hieran geben wir noch eine Skizze der aus 
Holz und Eisen hergestellten Umlege-Kandelaber, wie solche in 
Brüssel vor dem Nordbahnhofe ausgeführt sind (Fig. 3 und 4). 
Dieselbe ist entnommen aus „La Lumiere electrique “ 1882, No. 48. 

— n. — 















No. 5. 


iJEüTSCHE BAUZEITUNG, 


27 



SVSittheilungen 

Ai-ehitekten- und Ingenieur-Verein zu Hannover Vpr 
üb“ e “ mb0r 1883 ' Hr ' ““<* «Salle 
Durchschnittliche Profile von Strömen. 

kwi -+ 851 W 1 aren . an der 0der 2 Strecken bei Oppeln und 
Kosel mit normalen einander gegenüber liegenden Buhnen 

aus Maschinen m Angritf genommen. Von 1852_1856 

wurden die Arbeiten mittels lagenweiser Einbringung 
von Senkfaschinen — nach Vornahme von Peilungen zur 
Feststellung der erzielten Resultate — fortgeführt Später 
ging man wieder zum Faschinenbau über und es wurde 
außer der freien Breite der einzelnen Strecken 18 fache 
Kopfboschung für die Buhnen fest gesetzt. Das durch¬ 
schnittliche Profil wurde vorher durch Aufnahme einer 
grofsen Zahl von Profilen ermittelt, wobei aufser dem 
Kleinwasser-Profile auch diejenigen ermittelt wurden 
welche bis zum bordvollen Flusse den Wasserspiegel- 
Hebungen um je 1' entsprachen, um auch über die 
oberen gewöhnlich trockenen Theile des Bettes genaue 
Auskunft zu erhalten. 

Wenn auch diese Grundlagen bezüglich des Klein¬ 
wasserprofils keine Regelmäfsigkeit der Profile er¬ 
kennen liefsen, so trat doch für die trockenen Ufer die 
Parabel oder Hyperbel als Form des Durchschnittsbettes 
hervor. Genauere Prüfung ergab für die Parabel die beste 
Uebereinstimmung und es wurde nach der aus den 
höheren Spiegelbreiten berechneten Parabel das Niedrig¬ 
wasser-Profil eingetragen; so ergab sich auch selbst dort 
häufig eine gute Uebereinstimmung. 

Die Auftragung der gewonnenen Resultate ward An¬ 
lass, auch die früheren Messungen in gleicher Weise 
zu benutzen. Wenn sich hier gröfsere Abweichungen 
zeigten, so sind diese zum Theil aus fehlerhaften Messungen 
zu erklären u. zw. deshalb, weil die Messungen häufig 
überhängende Ufer ergaben. Mehrfach sind’ auch Ab° 
weichungen von der regelmäfsigen Form in den obern 
Theilen der Parabelzweige zu bemerken, welche sich 
theils aus den stellenweise früher eintretenden Ueber- 
fluthungen der Ufer, theils aus der Bodenbeschaffen- 
heit erklären lassen, da z. B. Sandboden niemals scharfe 
Uferränder geben kann. 



aus Vereinen. 

Intervall fuhnenprofflen und den erweiterten 

ZuvertasiSeft S„- p Du^sclinittsprofil lieferte. Die 

z b / Pfofilbildung mittels der Parabel ergab sich 

nach den Mp’«, 88 ™ Pr ° file aus der Ge ^nd von Glogau 

nf' Re8 - U taten auf « etra g en gegen die Parabel zu 
Hache Ufer zeigten. Eingezogene Erkundigungen er¬ 
gaben dass die Strecke eine nicht angegebene Insel ent- 
..p» deren Böschung;natürlich die Uferweite beider Arme 
greiser machte, als die eines geschlossenen Laufes. Die 
alte Kopfanlage der Buhnen mit 18facher Böschung 
entspricht genau der aus den Verhältnissen der Oder 
ermittelten Parabel und auch der tbatsächlich vor- 
nanüenen Uferböschung zwischen den Buhnen. 

Bei neueren -Regulirungen ("Unstrut, Saale) hat 
aer Vortragende mit der Ausbildung der Profile nach 
der Parabel gute Resultate erzielt, obwohl die Ufer von 
f en Anliegern hergestellt werden mussten. Bei den 
V orarbeiten wurden die Profile der Unstrut in 20 — 25 ™ 
die der Saale unten in 25 ™, oben in 30 ™ Entfernung 
aufgenommen Während die Oder freien Strom besafs! 
enthalt hier der Lauf auf 280 km 30 Haltungen, wobei 
der Stau des unteren Wehres meist in das Unterwasser 
der oberen Schleuse reichte. Es wurde hier die ganze 
Strecke zunächst in Theile möglichst gleichen Charakters 
zeregt, und dann für jeden der Parameter der zuge- 
longen Parabel bestimmt. Dieser betrug in der oberen 
Unstrut, Strecke Artern-Wendelstein 56 m , 75 ™ 57 7 m 
und 63 m , von Wendelstein bis Freiburg 29,1™ 23 1 ™ 
31,3™, inderSaale bis zur Elster 189“! 
J 90 m » 201“, 169™, 189% 159“, 206 % 176™, unter¬ 
halb der Elstermündung 299 ™, 398 ™, 401 ™ und 501 ™ 
für die einzelnen Theil-Strecken. Die Parameter hängen 
neben der Wassermenge von der Konfiguration des 
lhales und speziell des Flussbettes ab, woraus sich die 
Schwankungen erklären; immerhin zeigten die 4 Ab- 
theilungen in sich genügende Uebereinstimmung, um für 
jede einen Normal-Parameter des Profils fest zu stellen, 
r ■ - . das Thal eng, so dass der Fluss nicht weit 

mnundirt, so ergiebt sich ein kleiner Parameter: der 
Fluss wird schmal und tief, während ein weites Thal 
einen grofsen Parameter, also ein breites flaches Bett 
ergmbt. So erklärt es sich, dass die obere in breitem 
ihale fliefsende Unstrut gröfsere Parameter, als d ; e 
untere hat. 

Die Normaldimensionen der 4 Strecken wurden 
folgendermaafsen festgesetzt: Artern-Wendelstein 24™ 
Parameter und 2 7 , fache Uferböschung, dann bis zur 
a)SaMe 22™ Parameter und 2>/ 2 fache Uferanlage: in der 
Saale bis zur Elster 45 ™ mit 6 facher Uferanlage; dann 
bis HaHe 65™ und 6 fache Anlage, unterhalb Halle 65™ 
und 8 fache Uferanlage. 




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Jmrnrrr 


41 






F % 3 u. 4. pig. I u. 2. 

Zu Fig. 1: a) Drehpunkt, b) Unterer Auslösepunkt. c; Achse der Kettenwinde. 

Umlege-Kandelaber für Bogenlicht. 






Auch die Anwendung der Parabel auf ältere in Buhnen aus¬ 
gebaute Strecken gab keine Uebereinstimmung, weil die Buhnen 
dem Durchschnittsprofile nicht angepasst waren und die Ufer¬ 
bildung erst oberhalb der Buhnen regelrecht beginnen konnte. 
Die Untersuchung der Profile in den Intervallen ergab dann meist 
zu steile Ufer und dadurch solche Ausweitungen, dass das Mittel 


Auch an der Wipper hat sich diese Methode bewährt; die 
Wipper floss stellenweise über Gipslager und verlor an diese 
so viel Wasser, dass man eine Verlegung des Bettes für nötbig 
erachtete und ausführte. Da hierbei Begradigungen eintraten, 
wurden Wehre eingelegt, das Profil aber bei willkürlicher Form 
der Gröfse blofs nach der Wassermasse berechnet. Bei einer 



































































28 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


16. Januar 1884 


Fortsetzung der Regulirung nach oben hin, substituirte der Vor¬ 
tragende ein nahezu 2y 2 mal so grofses Parabelprofil, das denn 
auch bei einer bald eintretenden Hochfluth intakt blieb, während 
das der untern Strecke arg verwüstet wurde. 

Was die Reihenfolge der Profile verlangt, so giebt die Auf¬ 
tragung der Profilflächen auf die Flusslänge keine stetige, sondern 
eine auf und abschwankende Kurve, weil die Profilgröfse auch 
von dem nicht konstanten relativen Gefälle abhängt, es kann aber 
die Gröfsenänderung der Profile zur Bestimmung des relativen 

Gefälles E nach einer Gleichung der Form E = benutzt werden, 

eine Anwendung, die sich namentlich für Staustrecken nützlich 
erweist. 

Was die Abweichungen der wirklich vorhandenen Profile vom 
Durchschnittsprofile anlangt, so ergab eine bestimmte Strecke der 


Oder bei Cosel bei 1 m Pegel 2 Profile zwischen 700 und 8000, 
10 zwischen 600 und 700 Q', 16 zwischen 500 und 600 Fl28 
zwischen 400 und 500 Q', 39 zwischen 300 und 400 O, 21 zwischen 
200 und 300 □2 zwischen 100 und 200\_J ', 1 Profil unter 100^ 
Trägt man diese Gröfsen auf, so dass die Profilgröfsen die Ab¬ 
szissen, die Anzahl der Profile die Ordinaten bilden, so entsteht 
eine Kurve, welche im wesentlichen mit der Wahrscheinlichkeits¬ 
kurve y = h (Vif eh 2 x 2 überein stimmt, worin h die Präzision 
ist und deren Scheitel, also in diesem Falle bei x — 300 bis 400 Q' 
liegt. Ist die Regulirung wirklich gelungen, so muss das Durch¬ 
schnittsprofil sich auf der ganzen Länge mehr und mehr hersteilen, 
d. h. die Wahrscheinlichkeit der Abweichung wird kleiner für 
starke Schwankungen von x gegen den x Werth des Kurvenscheitels; 
das ist aber der Fall, wenn der Werth h der Gleichung wächst, 
die gelungene Regulirung muss also bei der Auftragung wieder¬ 
holter Nachmessungen einen immer gröfseren Werth für h ergeben. 


Yermisehtes. 

Markthallen für Berlin. Dem ersten Schritt zur Anlage 
eines Systems städtischer Markthallen in Berlin, der mit der Er¬ 
werbung einiger hierzu geeigneter Grundstücke und mit dem 
Beginn eines Markthallen-Baues am Bahnhof Alexanderplatz im 
vorigen Jahre erfolgt ist (man vergl. S. 314 u. 385, Jhrg. 83 u. Bl.) 
sollen nunmehr umfassende weitere Maafsregeln sich anschliefsen. 
Der neu gewählten Stadtverordneten-Versammlung ist soeben ein 
bezgl. Antrag des Magistrats zugegangen, der etwa folgenden 
Inhalt hat: 

„Die Versammlung erklärt sich damit einverstanden: 

I. dass die angekauften Grundstücke a) Friedrichstr. 18 und 
Lindenstr. 97/98, b) Zimmerstr. 89, Mauerstr.82 u. Zimmerstr. 90/91 
zum Zwecke der Errichtung je einer Markthalle Verwendung finden; 

II. Dass ferner zum Zwecke der Errichtung einer Markt¬ 
halle die dem Kaufmann Adolf Pincussohn hierselbst gehörigen, 
in der Dorotheenstrafse 28/30 belegenenGrundstücke zum Gesammt- 
Flächenmaafse von 6 800 <i m zum Preise von 1 650 000 ,/il von 
der Stadtgemeinde Berlin käuflich erwoiben werden. 

III. Dass ferner zum Zwecke der Errichtung einer Markthalle 
in der Luisenstadt diesseits des Kanals folgende Grundstücke: 
Prinzessinnenstr. 26., 27. und 28., Luisenufer 21., Ritterstr. 3. 
und 4. für die Maximalpreise von 240 000 di, 90 000 di, 
150 000 di, 360 000 dt, 113 000 dl, und 93 000 dl von der 
Stadtgemeinde käuflich erworben werden. 

IV. Dass die für diese Grunderwerbungen erforderlichen 
Geldmittel zum Gesammtbetrage von 2 696 000 dt unter Vorbe¬ 
halt definitiver Erstattung aus einer städtischen Anleihe, den 
bereitesten Mitteln der Stadthauptkasse entnommen werden. 

V. Dass zum Zwecke der Errichtung einer Markthalle auf 
dem Magdeburger Platze die in Gemässheit des Gesetzes vom 
2. Juli 1875, betreffend die Anlegung und Veränderung von 
Strafsen und Plätzen in Städten etc., erforderlichen Anträge ge¬ 
stellt werden; sie gewärtigt in dieser Beziehung die betr. Vor¬ 
lagen, sowie Einreichung eines desfallsigen Bauprojekts nebst 
Kostenüberschlag. 

VI. Dass sowohl der Norden der Stadt jenseits der Elsasser- 
Strafse, wie auch der Osten der Stadt, jenseits der Alexander- 
Strafse, mit je einer Markthalle versorgt werden; sie gewärtigt 
die desfallsigen Vorschläge des Magistrats, sowie die Bauskizzen 
nehst Kostenüberschlägen bezüglich der No. I., II., III. 

Kommen die in diesen Anträgen vorgesehenen Markthallen 
zur Ausführung und wird die Markthalle in der Neuen Friedrieh- 
strafse eröffnet, so kommen die Wochenmärkte auf dem Alexander¬ 
platz, Neuen Markt, Gensdarmenmarkt, Dönhofsplatz, Potsdamer¬ 
platz, Belle-Allianceplatz, Magdeburger Platz, Karlsplatz, Oranien¬ 
platz und am Oranienburger Thor mit zusammen 6878 Ständen 
zur Schliefsung. Es bleiben dann noch übrig folgende Wochen¬ 
märkte: Andreasplatz, Weddingplatz, Franzstrafse, Moabit, 
Büschingplatz, Teutoburger-Platz, Pappelplatz, Gartenplatz, Lau¬ 
sitzer-Platz mit zusammen 3355 Ständen. Der gesammte Kosten¬ 
aufwand für diese Umformung wird annähernd auf 11 138 400^ 
angenommen. Dies ist weniger als der dritte Theil der Aufwen¬ 
dung, welche die Stadt Paris für die sukzessive Errichtung der 
hailes centrales allein mit rund 50 Millionen Francs gemacht hat, 
welche sich übrigens mit ca. 7 pCt. Brutto verzinsen — und noch 
bei weitem nicht die Hälfte des auf 10 Millionen Ihaler berech¬ 
neten Kapitals, welches s. Z. die Deutsche Baugesellschaft für 
ihr Projekt der Versorgung Berlins mit Markthallen in Aussicht 
genommen hatte. Bei diesem Kostenaufwand hat der Magistrat 
die Hoffnung, dass die nothwendige Verzinsung und Amortisation 
die Normirung mäfsiger Marktstandtarife und sonstiger Gebühren¬ 
sätze ermöglichen wird. “ 

An lebhafter Opposition, theils gegen die Schliefsung ein¬ 
zelner Wochenmärkte, theils gegen die für Markthallen in Aus¬ 
sicht genommenen einzelnen Grundstücke, theils gegen die Bau¬ 
projekte wird es bei der bekannten Eigenart unserer Bevölkerung 
nicht fehlen. Indem wir den Berliner Magistrat zu seinem ener¬ 
gischen Vorgehen beglückwünschen, hoffen wir jedoch, dass diese 
Opposition die schleunige Weiterführung eines Werkes, das für 
den weltstädtischen Charakter unseres Orts eine dringende Noth- 
wendigkeit geworden ist, nicht aufhalten wird. 


Bewährung verzinkter Eisenrohre für Wasserleitungen. 
Verzinkte Eisenrohre werden seit ca. 25 Jahren in den amerika¬ 
nischen Grofsstädten zu in der Erde liegenden Röhrenzügen für 
Hauswasserleitungs - Zwecke verwendet. Bei zufälligen Nach¬ 
grabungen werden solche heute, beinahe ohne Ausnahmen, im 
besten Zustande gefunden, so dass sie für substantielle Arbeiten 
jetzt als Norm gelten und nach gründlichen, Jahre langen Debatten 
von den technischen und Sanitäts-Behörden als solche aner¬ 
kannt sind. 

Washington, Dezember 1883. Adolf Clufs. 


Polizeiliche Erleichterungen bei Aufstellung von Klein¬ 
motoren. Die bayerische Regierung hat zur Beförderung der 
Anwendung kleiner Dampfmotoren mittels Verordnung vom 12. Ok¬ 
tober v. J. die betr. Behörden generell ermächtigt, hei denjenigen 
Dampfkesseln, bei welchem das Produkt aus der Gesammtheiz- 
fläche (in s m ) und der fest gesetzten höchsten Dampfspannung 
(in k s pro <?“) nicht mehr als 2 beträgt, in widerruflicher Weise 

a) an Stelle des Speiseventils die Anwendung eines einfachen 
Abschlusshahns zu gestatten, und 

b) von der Anbringung der 2. Speise-Vorrichtung, sowie des 
2. Wasserstandszeigers zu entbinden. 

Kosten des neuen Wiener Rathhauses. Mehre Monate 
vor der im Anfang September v. J. stattgefundenen Eröffnung 
war es bekannt, dass zur Vollendung des Baues eine abermalige 
bedeutende Nachbewilligung erforderlich sein werde. 

Die seitdem von der Rathhausbau-Kommission des Gemeinde 
raths angestellten Ermittelungen sind kürzlich zum Abschluss 
gekommen und es wird nunmehr nach einer Notiz in der N. Fr. Pr. 
— die Bewilligung noch einer Summe von 2 300 000 Gulden 
als nothwendig nachgewiesen. Da in dieser Bewilligung alle 
Vollendungsarbeiten, wie innere Ausstattung technischer und 
künstlerischer Art, Einführung elektrischer Beleuchtung ein¬ 
begriffen sind, so folgt, dass es sich nicht um sofortige Bewilligung 
des ganzen Betrages handelt, sondern event. um eine Reihe von 
Einzelbewilligungen, die je nach Lage der Sache eine mehr oder 
weniger weite Hinausschiebung vertragen können. 

Im übrigen mag hier hinzu gefügt werden, dass die ursprüng¬ 
lich vorgesehene Bausumme 8 561 000 Gulden betrug, dass diese 
Summe durch eine im Jahre 1881 stattgefundene gröfsere und 
spätere kleine Nachbewilligungen auf 11800 000 Gulden sich er¬ 
höht hat und dass durch die jetzt vorbereitete Nachbewilligung von 
2 300 000 die Bausumme auf 14 100 000 Gulden (rd. 25 000 000 dt) 
gebracht wird. 

Wegen der Motive eines Theiles der rd. 65 Prozent be¬ 
tragenden Kosten-Ueberschreitung können wir auf eine, S. 591 
Jahrg. 1881 dies. Zeitg. gebrachte Notiz Bezug nehmen. Hinzu 
zu fügen wäre derselben, dass seitdem auch die Anlage eines 
Rathskellers beschlossen worden ist. Doch soll derselbe nur 
in einer beschränkten Form verwirklicht werden, bei der die 
Bewirthung sitzender Gäste ausgeschlossen ist. — 


Archäologisches aus Rom. In den Ausgrabungen am 
Palatin ist die Statue eines ägyptischen Gottes, die mit Hieroglyphen 
bedeckt ist, gefunden worden. Die archäologische, städtische 
Kommission giebt ein Verzeichniss der vom 1. Oktober 1882 bis 
z um 30. September 1883 gemachten Ausgrabungen heraus, nach 
welchen in einem Jahr gefunden wurden: 10 vollständige oder 
doch wenig beschädigte Statuen — 16 Büsten und Köpfe, 
19 Torsi, 336 Fragmente, 5 vollständige Basreliefs, 32 Relief¬ 
fragmente in Marmor — verschiedene goldene und silberne Ringe, 
932 Kleinigkeiten, 422 Stücke Geld — 24 Säulenstumpfe, 
8 Kapitelle, 13 kostbare Marmorstücke — verschiedene farbige 
Fragmente, Inschriften in Marmor u. s. w. 


Personal - Nachrichten. 

Bayern. Ernannt: Ingenieur-Assist. August Röscher in 
Treuchtlingen zum Abtheilungs-Ingenieur in Landshut. 

Oldenburg. Gestorben: Baurath Schmedes in Berne. 
Preufsen. Ernannt: Die Kandid. der Baukunst: Friedr. 
Richter aus Rastenburg, Gustav Stolze aus Bismarck (Kreis 
Stendal) und Hugo Raabe aus Oppeln zu Reg.-Bauführern. 


Kommissionsverlag von Ernst Toeche in Berlin. Für die Redaktion verantwortlich K. E. O. Fritsch, Berlin. 


Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin. 




















No. 6. 


Inhalt: Die Konkurrenz für Entwürfe zu einem Stadttheater in Halle a. S. 

(Schluss.) - Vom Bau des Mersey-Tunnels. - Das technische Unterrichtswesen 
Freu Isens vor dem Abgeordnetenhause. - Oeffentliches Konkurrenz-Ausschreiben 
wegen Herstellung einer Zentralheizungs- und Ventilations - Anlage für den Er- 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


29 


weiterungsbau des Rathhauses zu Düsseldorf. — Mittheilungen aus Vereinen 

Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hamburg. - Todtenschau. - Kon¬ 
kurrenzen. - Aus der Fachlitteratur. - Brief- und Fragekasten. 


Die Konkurrenz für Entwürfe zu einem Stadttheater in Halle a./S. 



(Schluss.) 

(Hierzu die Abbildungen auf S. 


as dritte der prämiirten Projekte von Kallmeyer, 
Kn och und Jung in Berlin hat in der Grund¬ 
form des Logenhauses, der dasselbe umschliefsenden 
schmaleren Korridore und der nach aufsen gelegten 
_ breiteren segmentförmigen Foyers Aehnlichkeit 
mit dem in voriger Nummer besprochenen Schubert’schen 
Entwürfe. Dagegen ist die Vestibül- und Treppen-Anlage 
eine ganz andere und an sich den Verhältnissen nach zweck- 
mäfsigere, wenn auch weniger grofsartig entwickelte. Dem 
Rundbau legt sich ein rechteckiges Risalit mit nicht zu an¬ 
spruchsvollem Vestibül und 2 symmetrischen Stiegenhänsern 
für den III. Rang vor und an den Seiten treten eben solche 
für den I. und II. Rang heraus, während die eingeschlossenen 
Winkel zu kleinen Ausgangshallen in Viertelkreisform ausge¬ 
nutzt werden, welche direkte Entleerung aus dem Parkett- 
Foyer ermöglichen. Weniger, als diese im Ganzen richtige 
Vertheilung der Treppen befriedigt die innere Gestaltung der 
daran sich schliefsenden Vorräume, die in der Bestimmung 
der Räume nicht überall klar ist, unschöne Grundformen, 
dunkle Gänge von 1,8 m Breite, auch theilweise ungünstig 
gelegene, weil Gegenströmungen hervor rufende, Garderoben 


33) 


Ueberhaupt ist es etwas schwer, den von 


Parkett. 


II. Ran ff. 



beibehalten hat. 
der Jury kon- 
statirten „leicht 
erkennbaren 
inneren Orga¬ 
nismus“ in die¬ 
sen Theilen des 
Grundrisses 
aufzufinden. 

Die Verthei¬ 
lung der Räume 
für das Perso¬ 
nal, auch der 
Treppen im 
Bühnenhause, 
ist der Situ¬ 
ation angepasst 
und zweck- 
mäfsig. Eben¬ 
so im Interesse 
der Sicherheit 
vortheilhaft ist 
die ununter¬ 
brochene Füh¬ 
rung des Korri¬ 
dors um das 
Logenhaus und 
an der Bühne, 
welche beide 
gleiche (für die 
Bühne etwas zu 

geringe) Breiten von 17,8 m haben. Dagegen fehlt leider 
wieder die Korridor-Verbindung zwischen den beiden Seiten 
und den weit getrennten Treppen des Bühnenhauses, die hier noch 
durch die Kulissen-Magazine versperrt, also auf ca. 10 m Höhe 
unmöglich gemacht ist. Dieser Umstand kann schon deswegen 
nicht als unwichtig betrachtet werden, weil die Feuerwehr 
dieser Kommunikationen nicht nur in einem Brandfalle, 
sondern schon zur regelmäfsigen Bewachung des Hauses bedarf. 

Das Aeufsere des Entwurfes gewinnt dadurch an Inter¬ 
esse, dass es die Grundriss-Formen zur ungeschminkten Er¬ 
scheinung bringt und gleichzeitig als Versuch sich darstellt, 
den Bau entsprechend der niedrigen Bausumme im wesent¬ 
lichen in Backstein und zwar in den einfachsten Formen 
deutscher Renaissance ohne figuralen und sonstigen, nicht 
nothwendigsten Schmuck auszuführen. Es sind nicht die 
Folgen dieses anerkennenswerthen Strebens, wenn dabei ein 




Entwurf v. Kallmeyer & Knoch in Berlin. 


Kallmeyer & Knoch: 1. Vestibül. 2. Parkett-Foyer. 3. Tr. z. III. Rang. 4. Tr. z. I. n. H. Rang. 5. Garder. 
6. Toiletten. 7. Stimmzimmer. 8. Bühnenarb., Mobiliar u. Requisiten. 9. Magazine. 10. Foyer d. III Rangs 

11. Garderobe. 12. Büffet bezw. Toilette. 

Sehring: 1. Foyer f. d. I. u. II. Rang. 2. Büffet. 3. Tr. f. d. I. Rang. 4. Tr. f. d. II. Rang. 5. Tr. f. d. 
III. Rang. 6. Tr. f. d. IV. Rang. 7. Garder. 8. Direkt. 9. Ankleidez. f. Damen. 10. Weibl. Chor. 11. Regisseur. 

12. Ankleidez. 1. Herren. 13. Männl. Chor. 14. Treppen u. 15. Eilig, d. Personals. 16. Tageskasse. 17. Requisiten. 
18. Wohnz. d. Verwalters. 


* Anmerkung der Redaktion. Wir theilen einstweilen mit, dass wir 
am 14. d. M. eine von den Hrn. Ende, Giese, Schmieden und Kelling als Preis¬ 
richtern der in Rede stehenden Konkurrenz Unterzeichnete Zuschrift erhielten, 
welche sich protestirend gegen die in dem ersten Artikel unseres Hrn. Bericht¬ 
erstatters enthaltenen Erörterungen wendet. Nachdem wir das bezgl. Einver¬ 
ständnis von Hrn. Ende eingeholt haben, werden wir dieselbe — event. mit 
einer kurzen Entgegnung — in nächster No. u. Bl. zum Abdruck bringen. • 


von dm; Jury betonter Mangel „jener idealen Auffassung, 
welche, für ein derartiges Gebäude nothwendig erscheint“ sich 
emschlich. Allerdings hat der Bau profaneren Charakter als 
gerade den eines Theaters. Das dürfte aber eine Konsequenz 
weniger der „Formengebung“, als der unschönen Silhouette 
und Durchbildung des Grundrisses sein und man kann sich 
daher um so weniger einem Urtheile anschliefsen, welches 
diesen lobt, aber jenen tadelt. Die Erwähnung des Umstandes 
dass der Entwurf streng genommen nicht konkurrenzfähig war’ 
weil in ihm eine Lösung der schwierigen Niveau - Fra»e nicht 
einmal versucht wurde, ist schliefslich die wenigst” behag¬ 
liche Pflicht des Berichterstatters. — 

Freudigere Zustimmung erweckt eine Reihe anderer 
Konkurrenz-Entwürfe, von denen noch einige solcher be¬ 
sprochen werden mögen, welche nach irgend einer Seite 
charakteristische Ausbildung zeigen. 

Unter den vorzugsweise künstlerisch hervorragenden 
Leistungen kommt zunächst der Entwurf „ Vitruvius redivivus“ 
von Bernhard Sehring in Betracht. Ganz abgesehen von 
dem meisterlichen Vortrage, mit welchem dieser Entwurf aus¬ 
gestattet war, von der reizvollen berückenden Darstellung, er¬ 
weckt derselbe durch die Kühnheit seines Grundgedankens, 

der ein richti- 

L Rang ' ges Erfassen 

der wesentlich¬ 
sten , in der 
Situation und 
dem Zwecke 
liegenden 
Grundbedin¬ 
gungen der Auf¬ 
gabe bekundet, 
vermehrtes 
Interesse. Wir 
haben gesehen, 
dass die Situa¬ 
tion einen ge¬ 
drungenen 
und der Zweck 
einen schlag¬ 
fertigen 
Grundriss ver¬ 
langen. Die 
Energie, mit 
welcher diesen 
ersten Bedin¬ 
gungen im 
Sehring’schen 
Entwürfe ent¬ 
sprochen ist, 
findet ihres 
Gleichen nur in 

dessen charakteristischer Lösung der Niveau-Verhältnisse, die 
das Zuschauerhaus in die Tiefe der Promenade, das Bühnen¬ 
haus 24 Stufen höher auf die Höhe der Kapellengasse legt 
und die dadurch erforderlichen beiderseitigen Stützmauern 
in der Proszeniums-Linie durch prächtige Freitreppen von er¬ 
heblichen Dimensionen unterbricht, womit der äufseren Er¬ 
scheinung des Zuschauerhauses eine aulserordentliche Grols- 
artigkeit verliehen wird. 

Die Grundform desselben ist die des römischen Halb¬ 
kreises von 18 m I. W., dem sich im Saale direkt ein 5,5 m , 
also sehr breites Proszenium anlegt. Nach aufsen ist dieser 
Halbkreis zu einer Radial-Treppen-Anlage im grofsen 
Stile benutzt, die zu einer dem antiken Theater entliehenen 
Aufsen - Architektur in Form eines gewaltigen Säulen-Rund¬ 
baues auf einem, die Treppen-Ausgänge aufnehmenden Sockel¬ 
geschosse und mit sehr hohem Gesims-Aufbau Anlass giebt. 
Während die Mitte des Rundbaues die 5 Eingangstküren und 
ein kurzes Vestibül enthält, dienen die nächst gelegenen Treppen 
für den IV., die weiteren in richtiger Folge für den III., II. 
u. I. Rang und die letzten als Parkett-Ausgänge. 

Bei der Höhen-Disposition musste die Bühne mit Garde¬ 
roben etc. in das Terrain versenkt werden, so dass'der mittlere 



1 


Entwurf v. Bernhard Sehring in Berlin. 






































































30 


DEUTSCHE BAUZEITUNG 


19. Januar 1884 


Zugang für das Personal, die Verwaltung - Räume u. s. w. 
ein Geschoss höher liegen. Dabei ist die Vertheilung der 
Räume, die Herstellung der Verbindungen und Ausgänge u. s. w. 
im Bühnenhause trotz knappster Grundform gut gelungen. 

Einer strengeren, in das Detail gehenden Prüfung auf die 
Zweckmäfsigkcit des mit so grofser Präzision zum Ausdruck 
gebrachten Systems, und damit der Wiederbelebung der an¬ 
tiken Grundformen für das moderne Tüeater-Logenhaus hält der 
Sehring’sche Entwurf wohl nicht ganz Stand. Dem gegenüber 
muss aber der hohe geniale Gedanken-Flug und der künst¬ 
lerische Zug, welcher die ganze Arbeit durchweht, hervor 
gehoben werden. In einigen Blättern, wie beispielsweise in 
dem unvergesslichen perspektivischen Einblicke in das schöne 
Proszenium, zeigte sich neben dem beneidenswerthen Talente 
der zeichnerischen Behandlung auch eine eminente Fähigkeit 
für dekorative Ausbildung in Form und Farbe. 

Einen ähnlich, künstlerisch vorzüglich gedachten Entwurf 
lieferte Hubert Stier zur Konkurrenz. Die äufsere Archi¬ 
tektur dieses Theaters dürfte an perspektivisch günstiger 
Wirkung, an Lebendigkeit der Gruppirung, wie an Reichthum 
der Motive und Formen trotz des Verzichts auf ausschliefsliche 
Verwendung oder Bevorzugung des Sandstein - Materials den 
Entwurf Seelings noch übertreffen. Auch erscheint die Ter- 
rassen-Gestaltung grofsartiger und ihr Nutzen durch die auch 
mit dem I. Range ermöglichte direkte Verbindung besser aus¬ 
gebeutet. Der Grundriss zeigt dabei bei aller Einfachheit der 
Konzeption, sowie der guten Lage der Treppen und deren 
Austritte, einige nicht leicht zu beseitigende Schwächen in einer 
nicht günstigen Situation der Garderoben und einer unschönen 
Form der Rang-Vorräume, ferner in dem Mangel eines vom 
Wagenverkehr unbeeinträchtigten Zuganges zum Vestibül 
aufserhalb der Vorfahrts-Rampe. Indessen dürfte der Entwurf 
auch mit seinem Grundrisse nicht hinter allen der von der 
Jury mit Auszeichnung bedachten zurück stehen. 

Wiederum vortrefflichsten Grundriss und nicht ganz be¬ 
friedigende Architektur brachten Schmidt&Neckelmann. 
Die letztere wies wohl allzu „flotte“ und, wie das Urtheil 
sagt, „derbe“ Behandlung nicht nur in der Zeichen - Manier, 
sondern auch in den Verhältnissen auf. Der Grundriss ist 
dagegen wieder durch vorzüglichste Einfachheit und Klarheit 
ausgezeichnet. Auch hier wurden die Formen des Recht¬ 
eckes begünstigt; dagegen durch die Beibehaltung des Huf¬ 
eisens für das Logenhaus in einem rechteckigen Mantel ge¬ 
rade an den Abgangsstellen der Ränge die wünschenswerthen 
Erbreiterungen der aufserdem hell beleuchteten Korridore 
gewonnen. Die hinter der Fa§ade des Vestibülbaues ent¬ 
wickelte Treppe zum ersten Range führt durch das Foyer; 
die Treppen des II. und III. Ranges sind leider für die 
grofse Zahl von 288 Personen auf jeder Seite vereinigt. Vor¬ 
züglich sind andererseits die Garderoben situirt und der 
Grundriss des Bühnenhauses unter richtiger Wahl der Ab¬ 
messungen, wie Innehaltung des Prinzips bester Zugänge und 
Kommunikationen, nothwendiger Xsolirungen der Magazine etc. 
entwickelt. Ueberhaupt bekunden sich in der Durchblildung 
des Projektes in Rücksicht auf Sicherheit, in der richtigen 
Erkenntniss der Art des Zu- und Abgehens, in der prinzipiell 
durchgeführten Verjüngung (nach vorn) und direkten Ab¬ 
führung (nach rückwärts) der Gänge zwischen den Plätzen, 
in der Anbringung von offenen Galerien in den oberen Ge¬ 
schossen des Logenhauses in Verbindung mit Löschgängen zur 
Bedienung von Löschschlitzen in den Bühnenwänden, endlich 
in der Lösung der Wasserbeschaffungs-Frage die durch die 
Berliner Mustertheater-Konkurrenz in diesen Dingen geübten 
Verfasser. 

Auch Giesenberg wählte die Situation des Seeling- 
schen Entwurfes, ohne freilich in gleicher Weise genügend 
den Terrain-Verhältnissen Rechnung zu tragen, insofern die 
aul'serordentliche Länge des Baues von 75 ” die Promenade 
etwas beengt und eine Verlegung der Strafsenbahn veranlasste, 
ebenso wie die horizontale Planung die Einschliefsung des 
Bauplatzes mit Futtermauern und dadurch eine Einschränkung 
der Kapellengasse zu einem schmalen Fufssteige erforderte. 

Der Grundriss zeigt wohl unter allen Entwürfen die beste, 
den Bühnenbedtirfnissen angepassteste Ausbildung des Bühnen¬ 
hauses. Die Bühne ist breit, die seitlichen Korridore sind 
hinter dem Bühnenpodium in den Axen der leicht auffindbaren 
Treppen verbunden und die geräumigen Magazine ermöglichen 
die verlangte Unterbringung der 60 Dekorationen. 

Auch die korrekte Anordnung des Saales, der Plätze und 
Gänge zwischen denselben, sowie die Zusammenhaltung der 
Rangzugänge, wie die Vertheilung der Abgänge, namentlich der 
grofsen Abgangstreppen für den H. Rang und das Parkett in 


der Haupt-Queraxe des Saales verräth die sichere Hand des | 
sachkundigen Verfassers. Leider sind die in den vorderen i 
Winkel des Langbaues verlegten Treppen des I. und II. Ranges 
mit Schwungstufen und gefährlichen Durchsichten verfehlt, auch j 
die Parkett-Garderoben an den Korridoren ungünstig placirt, 
während die Verbindungen der Ränge mit dem Foyer wieder ! 
vorzügliche sind 

Im Aeufseren ist ein Versuch der Gruppirung nicht gemacht 
und das über den ganzen Bau gezogene hohe Dach kaum zu 
motiviren. Einem etwa ausbrechenden Brande würde dieses i 
Haus wohl bald mit allen seinen Theilen erliegen. 

Hoeniger &Reyscher’s Grundriss bat sehr natürlich 
und schön entwickelte, dabei gut beleuchtete Vestibül-, Par¬ 
kett- und Rang-Vorräume, ebenso gute Führung der weiten 
Treppen, wenn auch die des III. Ranges ohne Licht und Luft 
bleiben. Die Plangestaltung im Bühnenhause ist dagegen recht 
vernachlässigt; als Dekorations - Magazin ist nur die Hinter¬ 
bühne zu benutzen, dann aber sind Kommunikationen nicht 
herzustellen. Die der Situation folgenden Abschrägungen geben 
ungünstige Grundformen der Zimmer. Die äufsere Architektur 
zeigt noble Einfachheit und Ruhe und verleiht in Verbindung 
mit der vortrefflichen Disposition diesseits des Proszeniums 
dem Entwürfe erhöhten Werth. 

In dem angekauften Projekte „Civitate et artibus “, dessen 
Verfasser Lüthi & Klemm in Frankfurt a. M. der Redak¬ 
tion dies. Ztg. inzwischen ihren Namen nannten und gleich¬ 
zeitig um Berichtigung des bei früherer Mittheilung des Urtheils 
falsch angegebenen Mottos ersuchten, — ist die bereits zur 
Darstellung gebrachte Situation vortrefflich benutzt zur Anlage 
von Dekorations-Magazinen im rechten Winkel der beiden 
Strafsen und von Treppen zu den verbundenen Korridoren an 
beiden Strafsenfa^aden in der Diagonale der sehr breiten Bühne. 

Das Zuschauerhaus zeigt das Prinzip der Radialtreppen 
mit allen demselben anhaftenden Bedenken, um so mehr, als 
die der Sehring’schen Anordnung entgegen gesetzte Reihenfolge 
der Treppen gewählt ist und dadurch die höchsten Rangtreppen 
dicht an die Bühne grenzen. Die Garderoben liegen aufser¬ 
dem meist mit ihrer Schmalseite an den nicht sehr breiten 
Rangkorridoren, ohne dass sie Raumerweiterungen böten, ein 
Uebelstand, den übrigens Sehring noch weniger vermieden hat. 

Der zum Ankauf empfohlene Entwurf „Penelope“ ent¬ 
zieht sich mit den schon erwähnten erheblichen Ueberschrei- 
tungen der Baugrenzen der Ausführbarkeit und Besprechung. 

Als einen Versuch, neben den Bedingungen der Auf¬ 
gabe in erster Linie den Ergebnissen der nach Nizza und 
Wien so sehr ausgedehnten Untersuchungen über die sicherste 
Anlage von Theatern gerecht zu werden, hat der Unterzeichnete 
Verfasser seinen Entwurf „Alles gerettet“ zur Konkurrenz 
gesandt. Derselbe führt die Zergliederung in Bühnenhaus, 
Vestibül und Saalbau im Grund- und Aufriss prinzipiell und 
rücksichtslos durch und sucht allen Plätzen direkteste Ab¬ 
gänge, sowie auch dem Personale im Bühnenhause zahlreiche 
Verbindungen, Treppen und Ausgänge zu sichern. Die Be¬ 
wachung und gesammte Löschleitung sind konzentrirt in 
einem neutralen Sicherheits - Zwischenbau zwischen 
Auditorium und Bühnenhaus mit einer Vorbühne in Terrain¬ 
höhe, die im Brandfalle in eine 2,5 m breite und von 2 
Schutzvorhängen eingeschlossene Durchfahrt umgewandelt 
werden kann. Von den neben dieser Vorbühne gelegenen 
Bewachungsräumen verzweigt sich ein System von Verbindungen 
über Korridore, Treppen, offene Löschgalerien und flache 
Dächer nach allen Geschossen und Räumen des Hauses. 
Der Keller des bezeichneten Raumes nimmt die Heizanlagen, die 
oberen Geschosse nehmen Winden- und Beleuchtungskammern, 
Rhaydt’sche Kompressoren (flüssige Kohlensäure), Löschge- 
räthe u. s. w. — sein bewegliches Dach, die Rauchabzugs- 
Oeffnung auf, deren Anbringung über der Bühne Verfasser 
für ebenso bedenklich erachtet, wie diejenige über dem 
Auditorium. — Dieser Raum ist somit zu einem Sicherheits- 
Ventile gestaltet und tritt in dieser Form als eine zeitge- 
mäfse Umbildung des „mystischen Abgrundes“ auf, welche 
dem bei den meisten Theaterbränden hervor getretenen Uebel- 
stande Vorbeugen soll, dass der Verlust des einen Bautheiles 
dem des andern fast unbedingt nach sich zieht. 

Dem nach Bayreuther Systeme unter Hinzufügung dreier 
Ränge im Rücken des Saales entworfenen Zuschaaerhause mit 
433 Parkett- (von 0,55” zu 0,85”), 136 Parterre-, 132 I. Rang-, 
196 II. Rang- und 230 III. Rang-Plätzen, die alle nach dem 
Szenen-Mittelpunkte gerichtet sind, legt sich der zweige¬ 
schossige und mit Kuppel in der Denkmal-Axe zentrirte 
Vestibül-Bau vor, dessen eigenthümliche, vielleicht anfechtbare 
Ijorm aus der konvexen Saal-Rückwand und der konkaven 
















No. 6. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG 


Vorfahrtslinie sich ergab. Alle Besucher passiren die untere 
Halle mit der Abendkasse und den 4 radial gestellten Stiegen- 
hausern. Von diesen münden die des I. Ranges in efner 

ohereT Halle Un tr n ’ Ö J ngen drei in der Höhe e«er 
imnT H ^ V n W ?, die Zug !“ ge zum IL Ra »ge hinab, 
z um IH Range hinauf fuhren. Mit dieser Anordnung ist es 

ermöglicht, das kommende Publikum im Interesse der Kontrolle 

weeS eD halten ’ daS abgehende da gegen, ohne Richtungs- 
Wechsel und immer von der Bühne abgewandt, durch 17 

Thuren nach allen Seiten zu vertheilen._ 

In dem Entwürfe ist überall da,'wo das Prinzip der 
Sicherung mit nicht unbedingt nothwendigen Rücksichten auf 
die aufsere Form in Konflikt gerieth, den ersten der Vortritt 
gelassen Die Ansprüche der Renaissance gestatten solche 
Interordnung schwer, und es erscheint die Wirkung der 
aufseren Architektur des Baues durch seine Auflösung in drei 
getrennte Bautheile daher beeinträchtigt. Immerhin wird die 
Vereinigung der Sicherheits - Prinzipien mit den architek¬ 
tonischen Rücksichten das erstrebenswertheste Ziel 
des iheaterbaues sein und es wäre beklagenswert!!, wenn 
die Vv eilen der ganzen Bewegung seit den furchtbaren Er- 
mgmssen schon jetzt an der Furcht der Architekten vor 
ckadigung ihrer architektonischen Schöpfungsfreiheit sich 
brechen sollten! — 

• anderer Konkurrent, unzweifelhaft derselbe, welcher 

in der Mustertheater-Konkurrenz mit ähnlicher Anlage glück- 
T 7 Tj War ’ beRrte wiederum einen Grundriss nach Bayreuther 
Vor bilde und Fagaden in gothischer Architektur. So 
günstig darin das unentwegte Streben des kenntnisreichen 
Verfassers hervor tritt, so wenig kann auch vom Standpunkte 
eines Gothikers dem Vertrauen beigepflichtet werden, dass 


31 


mit dieser Art gothischer Formen einem Theater je beizu 
kommen sein werde. Je Deizu 

Deutschen 6 dTs an i2 V ° r T? ?? DOch ihre Grenzen ’ den 
ijeutscnen des 12.—16. Jahrhunderts das Gebiet der kirrh 

entliehenen b j?5 gerhchen ^hitektur, der klassischerem Boden 
nthehenen Renaissance das der monumentalen Staatsgebäude 
und vor allem der Theater. Wir stehen vielldcht in den 

Stadium' dP^V 1 T r Annäb u erun ^ g ewis s noch nicht in dem 
Stadium der Verschmelzung beider Stilrichtungen. Ein solches 

musste aber wohl erst errungen sein, ehe wir ein Theater in 

1 önntp U Fo J men ’ als denjenigen der Renaissance betrachten 

zu müssen^- UnS6ren Gefühleu recht ar g en Zwang anthun 

Wir haben im Vorstehenden einige Entwürfe der Hallenser 
h6r betrachtet ’ obne damit eine Wertbabstufung 
Sn”?! 0 - 6 ; gar andeuten zu wollen, dass die zahlreichen 

bötef Entwurf ® a ! cht n °o' Vielen Anlass zur Heranziehung 
boten Zu sorgfältigerem Studium aller 60 Projekte hat es 

ZlA eV M Zeit - gefehIt ’ Und eine surnma rische Behandlung 
Hegt ebenso wenig im Interesse der Sache und der Konkur- 
renten, als sie mit unseren Bemerkungen über das Urtheil 
der Jury im Einklänge stehen würde. 

Lag diesen Bemerkungen lediglich die Förderung des 
Konkurrenzwesens am Herzen, so mögen die Ausführungen 
ezughch der Sache selbst zur weiteren Entwickelung und 
KIarun g nicht nur dieser speziellen, noch in Bearbeitung be¬ 
findlichen Aufgabe, sondern des deutschen Theaterbaues über¬ 
haupt beitragen! — 


Hannover, im Januar 1884. 


Theodor Unger. 


Vom Bau des 

Wenn England auch gegen den Bau des Kanaltunnels aus 
politischen Gründen noch immer sich sträubt, so bezeugt es selbst 
den Mangel sachlicher Einwände gegen das Projekt, indem es 
im eigenen Gebiete selbst vor grofsen Opfern nicht zurück 
schreckt, da wo es gilt die Mittel für besonders lebhafte Verkehrs¬ 
strecken durch Tunnel unter Wasserläufen zu verbessern. 

Zu den älteren derartigen Anlagen (drei in London und dem 
Severn-Tunnel) tritt nun der Mersey-Tunnel, welcher den jähr- 
hch etwa 26 Millionen Personen und 750 000» Güter umfassenden 
Verkehr zwischen Liverpool und Birkenhead vermitteln soll, und 
über dessen Bau der Ingenieur Mr. C. Douglas Fox in der 
„British Association “ die folgenden Mitteilungen gemacht hat. 
Schon 1865 wurde die Anlage einer hoch liegenden Brücke bezw. 
eines Eisenbahn-Tunnels oberhalb Liverpool in Betracht gezogen 
jedoch 1866 zu gunsten des Projekts der Mersey Eisenbahn- 
Gesellschaft der Anlage einer pneumatischen Bahn von Woodside 
in Birkenhead unter dem Merseyflusse hindurch nach Church- 
street in Liverpool wieder aufgegeben. Die Konzession dieser 
anschlusslosen Bahn wurde 1871 dahin erweitert, dass von Wood¬ 
side nach der Cheshire Junction-Ry., welche der Great- 
Western und der London & North-Western Ry. gehört, 
ein Anschluss bis Green Lane in der östlich von Birkenhead ge¬ 
legenen Ortschaft Tranmere gebaut werden sollte. Zugleich 
wurde der pneumatische durch gewöhnlichen Lokomotiv-Betrieb 
ersetzt. 1882 wurde der Punkt dieses Anschlusses nochmals 
verlegt, zugleich aber die nördliche Fortsetzung der Linie von 
Churchstreet bis an die Zentralstation in Liverpool genehmigt. 
Die Bau - Ausführung begann im Dezember 1879; jedoch wurde 
die Gesellschaft in ihrer heutigen Gestalt erst im Juli 1881 de¬ 
finitiv konstituirt, zu welcher Zeit auch die energische Förderung 
des Baues beginnt. Die Ingenieure der Gesellschaft sind C. Dou¬ 
glas Fox und J. Brunlees, der bauleitende Beamte Archibald 
EL Irvine, die Unternehmer Major Isaak und J. Waddell. 

Die so erweiterte Linie ist vom Anschlüsse in Tranmere bis 
mr Endstation am Waterloo-Platz in Liverpool neben der Zentral¬ 
station fast genau 5 k “ lang, hat in Tranmere die Zwischen- 
itation Green Lane, in Birkenhead: Borough Road und 
Tamilton square und in Liverpool: James Street, etwas 
lördlich vom St. Georges Dock, welches vom Tunnel gleichfalls 
•unterfahren wird. Die Bau-Arbeiten begannen 1879 im Dezember 
nit der Abteufung zweier Schachte, in Liverpool an der Nord- 
ivestecke von St. Georges Dock, in Birkenhead auf unbebautem 
Terrain nahe der Südwestecke der Woodside-Station. Die 
ichachte sind 1,6 k “ von einander entfernt, rund 55 “ tief unter 
^uaihöhe geteuft, so dass auch der tiefste Punkt des Tunnels 
loch nach ihrer Sohle hin entwässert werden kann. Die Weite 
ler ausgezimmerten Schachte sollte 4,55 “ betragen, wurde jedoch 
im Südende (Birkenhead) auf 5,3 “ erhöht. 

In Liverpool traf man zuerst Schutt, dann rothen Sandstein, 
Welcher erhebliche Mengen von Brackwasser führte, während man 
m Südschachte festen Fels mit nur einer schmalen Wasser führenden 
ichicht fand. Der Nordschacht ist daher ganz mit Gusseisen¬ 
fingen verkleidet; im Südschachte wurde nur die nasse Schicht 
aittels der unten zu beschreibenden Keilringe abgedichtet. In der 


IVIersey-Tunnels. 


Schachtsohle ist ein 3,63 “ tiefer Pumpensumpf angelegt, mit 
einem 30“ langen todten Stollen, welcher als Reservoir für den 
hall des Versagens der Pumpen dient; auch diese Theile sind 
am Nordende ausgekleidet. 

Die Schachte konnten nicht auf die Tunnelaxe gesetzt werden, 
a kein geeignetes Terrain disponibel war; man musste demnach 
von ihnen aus den zuerst herzustellenden Entwässerungs-Stollen 
welcher unterhalb der Tunnelsohle liegt, durch Querschläge er- 
reichen, welche am Südende 133°, am Nordende 97° mit der 
Stollenaxe einschliefsen. Die Tunnel- und Stollen -Axe wurde 
überirdisch durchgerichtet und auf beiden Ufern markirt; sodaun 
schloss man Winkel und Längen der Querschläge an die Axe an 
und brachte darauf die Absteckung mittels Gebrauch von Lothen aus 
0,6 ““starkem, reinen hart gezogenen Draht aus deutschem Silber und 
Gewichten von 16,5 k s in die Schächte nieder, gewann so auf der 
Sohle jedoch nur eine Basis von 3,63 “ Länge. Das obere Draht¬ 
ende wurde mittels Stellschrauben in genaue Stellung gebracht, 
die Gewichte liefs man in Wasser tauchen, und die ganze Ab- 
lothung wurde zwei Male wiederholt. 


lu dem mit anderen Apparaten stark gefüllten Südschachte 
war es sehr schwierig zu konstatiren, ob die Lothe frei hingen, 
man verwendete deshalb dort elektrische Prüfung, indem man 
den Draht oben mit einem Pole einer Batterie in Verbindung 
setzte, während der andere Pol eine Erdplatte trug. Wurde nun 
das Wasser vom Gewichte entfernt, so durfte ein eingeschaltetes 
Galvanometer keinen Strom anzeigen; schlug dieses im mindesten 
aus, so erkannte man daraus die Berührung der Dräthe mit einem 
fremden Körper im Schachte, wo man wegen der Feuchtigkeit 
durchweg Leitungsvermögen voraus setzen durfte. 

Der von diesen Schachten und Querschlägen aus vorgetriebene 
ganz unter der Tunnelsohle liegende Entwässerungs-Stollen steigt 
mit 1: 900 bezw. 1:500 nach der Flussmitte hin an, und wird 
nach oben in kurzen Abständen durch Bohrlöcher mit dem Tunnel 
verbunden. Der Angriff geschah mittels Handarbeit in 3,15 “ 
Weite, um nach 0,36“ starker Ausmauerung in Ziegeln und 
Zement 2,43 m Weite zu behalten. Um den Stollen während der 
Ausmauerung trocken zu haben, wurde in die Sohle ein Graben 
für 0,46 cm weite Röhren eingeschnitten. Besonders starken 
Wasserandrang suchte man anfangs mit ziemlichem Erfolge an 
mehren Stellen in folgender Weise zu stauen: An beiden 
Enden der nassen Stelle wurde zuerst ein Gussring von Kasten¬ 
querschnitt 0,46“ breit und 0,15 “ stark aufgestellt, und mit Holz¬ 
keilen so hinterschlagen, dass ein Meifsel in das gespannte Holz nicht 
mehr eindrang; hierauf wurde die Ausmauerung zwischen beiden 
Ringen hergestellt und man hoffte so das Wasser auf diesen 
Streifen beschränken und einen Längsstrom hinter der Wölbung 
vermeiden zu können. Da jedoch der Fels hinter den Schluss¬ 
ringen als nicht undurchlässig sich erwies, so war der Erfolg nicht 
vollständig und man hat sich in der Folge damit begnügt, die 
Wölbung an den völlig glatt gearbeiteten Fels thunlichst dicht 
anzuschliefsen. Der Rohrgraben ist in Konkret ausgedichtet; die 
Sohle des Stollens aus Mauerklötzen gebildet, welche über Tage 
erhärtet waren. Der Zement wurde zuerst mit drei Theilen Sand 
gemischt, da genügende Dichtigkeit so jedoch nicht erreicht wurde, 





















32 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


19. Januar 1884 


ging man später zum Mischungsverhältnis 1:2 über, die Höh¬ 
lungen hinter dem Gewölbe sind in Beton aus Sandstein oder 
Klinker mit obigem Mörtel gefüllt. 

In dieser Weise waren bis Anfang 1883 845 m des Stollens 
hergestellt, mit einem Fortschritte von 10 m pro Woehe; dann 
wurde auf der Südseite eine Bohrmaschine nach System Beaumont 
für komprimirte Luft mit l'/s Umgängen pro Min. und 9,5 D3,n 
Fortschritt im Sandstein pro Umdrehung eingestellt, welche mit 
2,5—2,8 k s Druck der komprimirten Luft auf 1 9 era betrieben wird, 
und einen Kreisquerschnitt von 2,13 m vortreibt. Der gröfste 
Wochenfortschritt dieser Maschine betrug 21,7 m . Der so durch¬ 
fahrene Fels zeigte erheblich gröfsere Dichtigkeit, als der durch 
Sprengmittel angegriffene, der beim Sprengen gewöhnlich eine 
Menge Wasser führender Risse bekam. 

Dicht hinter dem Entwässerungsstollen wurde auch der 
Tunnel selbst vorgetrieben, der in dem festen Fels fast keiner 
Auszimmerung bedurfte, jedoch namentlich in den hellen Schichten 
viel Wasser führte und zwar am Südende erheblich mehr, als am 
Nordende. Es ist Sohlstollen-Betrieb eingeführt, von dem aus der 
Ausbruch des vollen Profils in höchstens 3,63 111 langen Zonen 
erfolgt; die Ausmauerung folgt dem Vollausbruche auf dem 
Fufse. 

Das Profil wird unter dem Flusse 9,2 m breit, 8,3 111 . hoch 
aufgefahren, dann 0,68 m stark ausgewölbt, so dass das fertige 
Profil 7,84 m breit, 6,94 “ hoch bleibt. Das Gewölbe besteht 
innen aus 2 Ringen in blauen Staffordshire-Klinkern, aufsen aus 
gewöhnlichen Klinkern in den früher beschriebenen Zementmörtel 
versetzt. Die Ausmauerung enthält Rettungsnischen. Unter den 
Ufern verschwächt sich die Wölbung erst auf 0,46 c ™, dann auf 
0,36 m . Die gleichfalls ausgemauerten Stationen erfordern einen 
Aushub von 305 m Länge, 15 m Breite und durchschnittlich 9,1 m 
Tiefe bis Schienenoberkante; sie werden elektrisch erleuchtet und 
durch hydraulische Aufzüge zugänglich gemacht. 

Das Längenprofil ist so angeordnet, dass unter der Sohle des 
bei Fluth 27,2 m tiefen Merseyflusses mindestens 10 m , höchstens 
12,1 m Felsdecke des Tunnels stehen bleibt; das Profil zeigt des¬ 
halb auf beiden Seiten Steigungen von 1: 30. Der höchste Punkt 
des Entwässerungsstollens liegt unter dem tiefsten des Tunnels. 


Am Nordende ist der Tunnel mit dem Entwässerungsstollen durch 
einen 2,72 m weiten, 7,57 m tiefen Arbeitsschacht verbunden, um 
den Hauptschacht für die Pumpen thunlichst frei zu halten. Der 
weitere Hauptschacht am Südende hat den Arbeitsschacht hier 
überflüssig gemacht. 

An jedem der beiden Schächte sind 2 Pump-Maschinen auf¬ 
gestellt, welche in Liverpool 1 315 cbm bezw. 436 cbm , in Birken- 
haed 1 070 cbm bezw. 436 cbm , zusammen also rund 3 250 cbm pro 
Stunde heben können, oder 78 000 cbra pro Tag. Die gröfseste 
zu bewältigende Wassermasse war am Nordende 955 cbm , am 
Südende 772 cbm pro Stunde, so dass also ernstliche Gefahr auch 
beim Brechen einer Pumpe nicht zu befürchten ist. Die Ma¬ 
schinen sind horizontale Compound - Maschinen mit direkt vor 
einander liegenden Zylindern; jede greift am vertikalen Arme 
eines Gestängekreuzes aus Eisenblech an, dessen horizontale 
Arme zwei Pumpengestänge für auf dem Schachtboden stehende 
Plungerpumpen tragen. Die Zugbänder zwischen den Kreuzarmen 
sind nach Art von Kuppelstangen mit Keilköpfen eingesetzt, so 
dass sie stets in Spannung gehalten werden können. Aufser 
diesen beiden Hebewerken ist für die Bauzeit an jedem Schachte 
noch eine direkt wirkende Maschine mit Pumpe aufgestellt, welche 
im Falle von Reparaturen in Thätigkeit tritt. In drei Fällen ist 
durch Bruch eines Gestänges eine Störung eingetreten; zwei Mal 
rettete die Steuerung die Maschine dadurch, dass sie in Fällen 
von Brüchen ein Dampfkissen zwischen Kolben und Zylinder 
selbstthätig einschliefst; immerhin wurde die ganze Maschine 
2 em auf ihrem Bette verschoben. Beim dritten Male (17. März 83) 
erfolgte der Bruch dicht unter dem Kreuze, und es arbeitete der 
Dampf am Pumpenkreuze gerade mit dem Gewichte des nicht 
gebrochenen Gestänges in einem Sinne; es würde aber auch 
dieser Unfall ohne ernstliche Folgen geblieben sein , wenn^ nicht 
in Folge Nachlässigkeit eines Arbeiters ein Bolzen am Kolben 
des grofsen Dampfzylinders so weit vorgestanden hätte, dass er 
trotz des vorgesehenen Spielraumes und des Dampfkissens den 
Deckel zwischen beiden Zylindern zerschmettert hätte. Die Er¬ 
leuchtung geschieht mittels Elektrizität, die Ventilation wird von 
Kompressoren betrieben. — n - 


Das technische Unterrichtswesen Preufsens vor dem Abgeordnetenhause. 


Die 2. Berathung des Staatshaushalts - Etats, in welcher das 
Abgeordnetenhaus zur Zeit begriffen ist, hat erfreulicher Weise 
abermals zu längeren Verhandlungen über eine Frage geführt, die 
in den Kreisen der Fachgenossen seit einigen Jahren lebhaft 
diskutirt wird, die Frage wegen Abänderung der Vorschriften 
über Ausbildung und Prüfung der Kandidaten für den Staats- 
Baudienst. Sichtlich wächst im Kreise der Volksvertreter die 
Anzahl derjenigen, welche den theuersten Interessen der Ange¬ 
hörigen des technischen Berufs eine lebendigere Aufmerksamkeit 
zuwenden und immer ernster wird das Bestreben Einzelner näher 
mit dem Gegenstände sich vertraut zu machen, tiefer zum Kerne 
desselben vorzudringen. Diese Wahrnehmung ist geeignet über 
Schwächen, wie sie in den Darlegungen mehrer an der Debatte 
betheiligten Redner regelmäfsig, und so auch dies Mal, vorkamen, 
hinweg zu sehen um die Hoffnung zu nähren, dass die Zeit 
nicht mehr fern sei, wo die Interessen des technischen Berufs in 
den parlamentarischen Körperschaften des Staats sich der gleichen 
aufmerksamen Pflege zu erfreuen haben werden, wie diejenigen 
anderer Berufszweige, die durch Alter und Geschichte in der 
öffentlichen Meinung einen bedeutenden Vorsprung erworben haben. 

Die diesmalige interessante Verhandlung wurde eingeleitet 
durch eine Anfrage des Hrn. Abgeordneten Köhler (Göttingen) 
an den Minister, wie es um den Fortgang, der bereits im Jahre 1882 
von ihm — dem Fragesteller — angeregten Abänderung der 
bestehenden Prüfungsvorschriften bestellt sei, die Hr. Köhler als 
mangelhaft theils in Bezug auf die Zeitdauer, welche die Prüfungen 
erfordern, theils auch in Rücksicht auf die Unzulänglichkeit in 
der Spezialisirung der „Fächer“ bezeichnete. — Eine anderweite 
und im ganzen auch begründete Beschwerde brachte der Hr. Ab¬ 
geordnete Büchtemann vor, indem er geltend machte, dass die 
gegenwärtige Ausbildung der Techniker nicht genug auf Tüchtig¬ 
keit in der Praxis der Bauausführungen gerichtet sei. Oft fände 
sich, dass der angehende Baumeister in dieser Hinsicht seiner 
Aufgabe nicht gewachsen sei und dass er, trotz seiner hohen 
theoretischen Ausbildung, in die Hand des geübten Bauunterneh¬ 
mers gerathe, eine Schwierigkeit, die nicht durch etwaige Abände¬ 
rungen der Prüfungsvorschriften, sondern nur durch Aenderung 
der herrschenden „Richtung“ beseitigt werden könne. Eine genaue 
Definition letzteren Begriffs gab Hr. Büchtemann in dem Zusatze, 
dass die Ausbildung in der Bautechnik zu sehr auf den sogen. 
Schönbau zugeschnitten sei, als dass Genügendes für die Praxis 
und das gewöhnliche Leben erreicht werden könne. Eines posi¬ 
tiven Vorschlags wie gegen dieses vermeintliche Uebel anzuknüpfen 
sei, enthielt sich Hr. Büchtemann. Nur in einem bedauerlichen 
Mangel an Sachkenntnis kann es beruhen, dass er der Staats¬ 
regierung die Frage zur Erwägung glaubte verstellen zu sollen, 
ob nicht eine bessere praktische Schulung der angehenden Bau¬ 
beamten durch eine Verbindung der Studien auf der Hochschule 
mit dem Besuch einer Baugewerkschule zu erlangen sein werde? (1) 
Als dritter Theilnehmer an der Debatte trat Hr. Dr. 
A. Reichensperger auf. Wenn wir einigen altgewohnten Lieb¬ 


habereien für Betrachtungen stilistischer Natur, denen Hr. Dr. 
Reichensperger gegen den Schluss seiner Darlegungen wiederum 
verfiel, gebührende Rechnung tragen, indem wir sie an dieser 
Stelle völlig bei Seite lassen, so muss anerkannt werden, dass 
Hr. Dr. R. im allgemeinen das Richtige traf, indem er — gestützt 
auf ein in seinen Händen befindliches Exemplar der Prüfungs- 
Vorschriften von 1876 — den Beweis antrat, dass die Massen- 
haftigkeit des bei den Prüfungen geforderten Wissens — insbe¬ 
sondere aber die unzureichende Umschreibung des 
Pensums der Kern der vorhandenen Uebelstände ausmache. Er 
geifselte die „Eselsbrücken der Examenspressen“, ohne ihre Un¬ 
entbehrlichkeit für den Einzelnen — wie die Examens-Einrichtungen 
nun einmal sind — in Abrede zu nehmen, wies auf die sattsam 
bekannten Absonderlichkeiten in den Prüfungs-Aufgaben hin, be¬ 
rührte die Nährung, welche durch solche Einrichtungen die Standes- 
Exklusivität erfahre und berührte schliefslich kurz noch die Frage 
nach dem grofsen Andrange zu den technischen Fächern, der 
trotz aller Examens - Schwierigkeiten fortzubestehen scheine. 
Diese gehöre in den Rahmen des Thema’s von der „Ueber- 
produktion an sogen. Bildung“ welche in den unteren Schichten 
des Unterrichts-Wesens begründet sei. Hr. Dr. R. erwartet nur 
von einer radikalen Umkehr Heil, die er in dem allmählichen 
Uebergange zu den sogen. Meisterschulen sieht. 

Seitens der Regierung wurde durch den Hrn. Ministerial- 
Direktor Schultz wiederholt und auch durch den Hrn. Minister 
der öffentl. Arbeiten in die Debatte eingegriffen. Ersterer be¬ 
merkte, dass Verhandlungen über die Revision der Prüfungs- 
Vorschriften von 1876 längst im Gange seien, dass diese u. a. 
auch darauf abzielten, die Prüfungs-Gegenstände sowohl enger zu 
umgrenzen, als dieselben genauer zu spezialisiren, als 'endlich 
auch vorzuschreiben, dass die Prüfungs-Aufgaben thunlichst dem 
Kreise der gewöhnlichen Aufgaben der Bauverwaltung entnommen 
werden und für ihre Fertigstellung einen bestimmten Termin zu 
fixiren, — Der Hr. Minister ging auf die Aeufserungen des Ab¬ 
geordneten Büchtemann ein, indem er die Mängel in der 
praktischen Ausbildungs-Weise der Baubeamten bereitwillig 
zugab; vielleicht wird in der speziellen, sehr wohlwollend ge¬ 
haltenen Bezugnahme desselben auf die im „Verbände“ über den 
Ausbildungsgang der Techniker neuerdings gepflogenen Ver¬ 
handlungen der Schluss abgeleitet werden dürfen, dass eine 
Ordnung dieser Angelegenheit im Sinne der von den Fachkreisen 
selbst gemachten Vorschläge demnächst erfolgt. — wie bald, 
scheint freilich sehr unsicher zu sein. Der Hr. Minister berührte 
schliefslich die Frage der Ueberfüllung des Faches, die er her¬ 
leitete aus der Gewohnheit „dasselbe noch zu sehr als Brotstu¬ 
dium anzusehen; dies solle man für die Zukunft so viel wie 
möglich zu vermeiden suchen“. So bemerkenswerth wie diese 
Aeufserung des Ministers hinsichtlich der Schlüsse, welche, sie 
auf die Art der Lösung der Diätenfrage der jüngeren Techniker 
erlaubt, so erfreulich klang der Schlusstheil seiner Ausführungen, 
welcher aussprach, dass trotz allem unsere Techniker gut durch- 


















Perspektivische Ansicht des Theaters nach dem Entwürfe von H. Stier in Hannover. 


Parkett. 



ttt 


Entwurf von E. Giesenberg in Berlin. 

1. Tr. z. Parkett. 2. Tr. f. <1. II. Rang. 3. Tr. 
f. d. III. Rang (darunter bei a. und b. Kasse und 
Portier), 4. Neben-Ausg. f. Parkett u. III. Rang. 
5. Garderobe. 6. Stimmz. 7. Ankleidez. 8. Theater- 
Direktion. 9. Tr. d. Personals. 10. Magazine f. 
Prospekte. 11. Kulissen-Magaz. 


Entwurf von Höniger & Reyscher. 

1. Kasse. 2. Tr. z. Parkett. 3. Tr. z. I. und 
II. Rang. 4. Tr. z. III. Rang. 5. Garderobe. 6. 
Parterre. 7. 8. Tr. u. Eing. f. d. Personal. 9. 
Ankleide- u. Probez. 11. Bibliothek. 12. Galerie. 
13. Tr. z. Schnürboden. 14. Garderoben-Magazin. 
15. Schneider-Werkst. 


Parkett. III. Rang. 



Entwurf von Höniger & Reyscher in Berlin. 


Parkett. I. Rang. 



Parkett. 



1. Abendkasse. 2. Tr. z. I. Rang. 3. Tr. z. 
II. Rang. 4. Tr. z. III. Rang. 5. Büffet. 0. IV.- 
Clos. 7. Garderoben. 8. Vorbühne u. Durchfahrt. 
9. Inspektor. 10. Direktor. 11. Regisseur. 12. 
Tageskasse. 13. Magazine. 14. Arbeiter. 15. u. 
IG. Eing. u. Tr. f. d. Personal. 17. Ankleidez. 


Entwurf von Schmidt & Pfeckelmann. 

1. Kasse. 2. Garderobe. 3. Tr. z. I. Rang. 
4. Tr. z. II. u. III. Rang. 5. Magazine. 6. An¬ 
kleidez. 


piE J(oNKURRENZ FÜR pNTWÜRFE ZU EINEM pTADT—pHEATER IN pf ALLE A. p. 
























































































































































































34 


DEUTSCHE BAU ZEITUNG. 


19. Januar 1884 


gebildet, sind, „dass wir ganz Bedeutendes geleistet haben und 
noch leisten sehen und dass wir uns in dieser Beziehung von 
keinem Techniker in einem anderen Lande übertroffen wissen“. 

Den Abschluss der Verhandlungen über den Etats - Titel 
machte eine Darlegung des Hrn. Abgeordneten Sarrazin, welche 
vermöge der ihr zu Grunde liegenden Einsicht in die konkreten 
Verhältnisse und wegen des warmen Interesses, dass sie für die 
Bestrebungen der Baubeamten atbmet, es verdient möglichst im 
V ortlaut reproduzirt zu werden. Hr. Sarrazin sprach sich wie 
folgt aus: 

„Ich bin durch persönliche Verhältnisse seit länger als 20 Jahren 
in der Lage, den Studiengang der Baufach-Studirenden zu verfolgen; 
ich kann behaupten, dass wohl in keinem Fach ein gröfserer 
Fleifs herrscht, dass von keinen Studirenden weniger Frühschoppen 
getrunken werden, als von ihnen, dass dagegen, auch abgesehen 
von der augenblicklichen Ueberproduktion, die Lage der Bau¬ 
beamten stets und bis heute eine durchaus missliche gewesen ist. 
In der Büreaukratie, wenn wir es so nennen wollen, und in ihrer 
sozialen Stellung innerhalb der Büreaukratie stehen sie jedem 
anderen Beamten, an den gleiche Ansprüche gemacht werden, 
nämlich allen übrigen höheren Staatsbeamten, nach, sowohl was 
den Rang, als was die Auciennetät betrifft; den Rang würde ich 
nicht für so wichtig halten, wenn er nicht auf die soziale Stellung 
einwirkte. Es ist seit Jahren versucht worden, den Baubeamten 
eine andere Stellung zu geben, und ich darf daran erinnern, dass, 
als vor etwa 10 Jahren dieser Versuch gemacht wurde, das Finanz¬ 
ministerium, wenn ich nicht irre, damals sagte: die jungen Bau¬ 
führer bekommen Diäten, deswegen können sie den Referendarien 
nicht gleich gestellt werden. In dem Satze ist ja ein Körnchen 
Wahrheit, aber auch nur ein Körnchen. Die Baubeamten haben 
dies auch sofort heraus gefühlt, und sie streben seit Jahren dahin, 
dass man auch dieses Minimum von Wahrheit ihnen nicht mehr 
vorführen kann; sie wollen eine wissenschaftliche Ausbildung in 
dem Vorbereitungsstadium, ähnlich wie der Referendar bei der 


Justiz und bei der Regierung sie erhält. Der Hr. Minister hat 
uns gesagt, es seien Bestimmungen zu erwarten, welche diesen 
Wünschen gerecht werden sollten; ich kann nur wünschen, dass 
diese Arbeiten einen baldigen Fortgang bekommen“. 

„Ein sehr wunder Punkt in der ganzen Angelegenheit ist, 
zumal bei der gegenwärtigen misslichen Lage der Baubeamten 
derjenige, dass man seit dem Jahre 1879 diesem Fache Leute 
zuführt und zwangsweise zuführt, denen die humanistische Unter¬ 
lage ihrer Studien, die wir doch immer fest halten wollen, fehlt. 
Ich will das nur andeuten, es bezieht sich auf die unglücklichen 
Ober-Realschulen; das Nähere wird bei dem Kapitel über die 
technischen Hochschulen zu erörtern sein; aber ich will den Hrn. 
Minister schon jetzt darauf aufmerksam machen, dass er vor die 
Frage seines Verhältnisses zu diesen Schulen gestellt werden wird. 
Der Hr. Minister hat s. Z. — ich glaube sagen zu können, in 
einem unbewachten Augenblick — gestattet, dass die Abiturienten 
der Ober-Realschulen in die technischen Hochschulen und in das 
ganze Baufach hinein gebracht werden. Der Hr. Minister hat 
dabei voraus gesetzt, dass diesen Abiturienten weitere Perspek¬ 
tiven in einer Reihe von Staatsfächern gegeben werden würden; 
das ist nicht eingetroffen trotz der Vertröstungen, die uns der 
Vater jener unglücklichen Schulen, der Ministerialkommissar Hr. 
Dr. Wehrenpfennig von Jahr zu Jahr hier ausgesprochen hat. 
Hr. Dr. Stephan wehrt sich dagegen, Hr. Dr. Lucius wehrt sich 
dagegen, sie wollen die Zöglinge derselben nicht im Postfach, 
nicht im Forstfach haben. Die unglücklichen jungen Leute kommen 
also, wenn sie ein Brotstudium wählen müssen und nicht Subaltern¬ 
beamte werden wollen, einfach zwangsweise in das Baufach, 
welches ohnehin schon überfüllt ist. Hier muss Wandel geschaffen 
werden, und ich spreche schon jetzt davon, weil ich wünsche und 
hoffe, dass der Hr. Minister, wenn die Sache später beim Etat 
des Kultusministeriums vorkommt, zugegen sein und die grofsen 
Interessen der Staatsbaubeamten in dieser Beziehung energisch 
wahren möge.“ 


Oeffentliches Konkurrenz-Ausschreiben wegen Herstellung einer Zentralheizungs- und Ventilations-Anlage für den 

Erweiterungsbau des Rathhauses zu Düsseldorf. 


Die Stadt Düsseldorf beabsichtigt im Anschluss an das alte, 
in seiner Einrichtung und Ausdehnung ungenügende Rathhaus ein 
neues zu erbauen. Zunächst soll davon nur die Hälfte zur Aus¬ 
führung kommen auf der Stelle, die bisher das alte nicht mehr 
benutzte Theater einnahm. Mit dem Abbruch desselben ist bereits 
begonnen; das Projekt für den Neubau ist fest gestellt und die 
zunächst auszuführenden Arbeiten sind verdungen, werden also 
im Frühjahr ihren Anfang nehmen. 

Da man das neue Gebäude zweckmäfsiger Weise mit Zentral¬ 
heizung und Ventilation zu versehen wünschte, so war es noth- 
wendig, noch vor Beginn des Baues sowohl für ein bestimmtes 
System sich zu entscheiden , als dasselbe in der Grundlage fest 
zu stellen, damit die baulichen Anordnungen, welche dasselbe 
erfordert, von vorn herein berücksichtigt werden können und nicht, 
wie es früher häufig geschah, entweder nachträglich mit grofsen 
Kosten eingefügt oder theilweis unausgeführt bleiben müssen zum 
Nachtheil der Heiz- und Ventilationsanlage. 

Das auszuführende Gebäude eignet sich wegen seiner gedrun¬ 
genen Grundrissform für jede Art der Zentralheizung gut; es 
gruppirt sich nämlich um einen in der Mitte liegenden mit Glas über¬ 
deckten Lichthof, welcher im Erdgeschoss ebenfalls noch als 
Geschäftsraum dient, in einem dem Quadrat nahen Rechteck. Das 
Gebäude hat Erdgeschoss und 2 Obergeschosse, im oberen den 
c.a. 200 grofsen Gemeinderatb-Saal. In der Mitte neben dem 
Lichthof liegt im Erdgeschoss und I. Obergeschoss die Haupttreppe, 
im übrigen umgeben Korridore den Lichthof. 

So günstig also diese bauliche Anordnung für jede Art von 
Zentralheizung erscheint, so wird deren Anlage doch dadurch 
erheblich eingeschränkt und erschwert, dass nur ein verhältniss- 
mäfsig kleiner Theil des Kellers für die Aufstellung der Heiz¬ 
apparate zur Verfügung gestellt werden konnte. Das Gebäude ist 
allerdings in der ganzen Ausdehnung unterkellert und zwar liegt 
die Kellersohle etwa 2 m unter Terrain und der Fufsboden des 
Erdgeschosses ca. 0,50 m über Terrain. Der ganze Kellerraum ist 
überwölbt; allein er ist bei Hochwasser der Ueberschwemmung, 
selbst bis über Terrainhöhe, ausgesetzt und da die Feuerungs¬ 
anlagen nothwendig im Keller und gegen das Eindringen von 
Wasser geschützt sein müssen, so entstand die Nothwendigkeit, 
einen u. zw. einen möglichst kleinen Theil des Kellers, der im übrigen 
nicht weiter benutzt wird, wasserdicht herzustellen. Dieser Theil 
liegt nun zur Seite, um ihm Licht und Luft zugänglich zu machen 
und eben dieser Umstand beschränkt die Anlage der Feuerungs- 
Stellen. 

Die städtische Bauverwaltung wollte sich nicht für ein be¬ 
stimmtes Zentralheizsystem entscheiden, gleichzeitig aber mit den 
\ orziigen der einzelnen Systeme auch deren Kosten übersehen 
können und die Gewissheit haben, dass ein Unternehmer den 
Kostenbetrag bei der Ausführung inne hält und für die Güte 
der Anlage die Garantie übernimmt. Mau wählte daher einen Mittel¬ 
weg zwischen öffentlicher Konkurrenz zur Erlangung von geeig¬ 
neten Projekten und Submission zur Vergebung der Arbeiten; 
oder vielmehr man verband Beides und schrieb im November v. J. 
eine Submission aus zur Uebernahme der Herstellung einer 
Zentralheizungs- und Ventilations-Anlage für das neue Rathhaus. 


Die wesentlichsten Bedingungen waren bei dieser Sachlage sehr 
einfacher Natur; sie beschränken sich auf folgende Punkte: 

1) Möglichst ausschliefsliche Benutzung des wasserdicht her¬ 
zustellenden Kellers für Unterbringung der Feuerungs - Anlagen 
und anderer Theile, wie Kanäle etc., welche der Ueberschwem¬ 
mung nicht ausgesetzt sein dürfen. 

2) Die Einrichtung der Heizung ist so zu treffen, dass sämmt- 
liche Räume mit Ausnahme der Korridore bei einer Aufsentem- 
peratur bis —20° C. auf -)— 20 0 C. erwärmt werden können. 

3) Alle Räume sollen gleiche Temperatur haben ohne beson¬ 
dere Regulirungs-Vorrichtung, jeder Raum von der Heizung ab- 
sperrbar sein. Für den seltener benutzten Gemeinderath - Saal 
empfiehlt sich die Anlage besonderer Feuerungsöfen. 

4) Die Ventilation soll so eingerichtet werden, dass die Luft 
in allen zu heizenden Räumen stündlich zwei Mal erneuert wird. 

5) Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft soll selbst bei stärkster 
Heizung und Ventilation 40 % betragen. 

6) Andere Punkte der Bedingungen beziehen sich auf Garan¬ 
tieleistung, Zeit der Fertigstellung, Zahlung etc., die hier nicht 
von besonderen Interesse sind. 

Verlangt wurden genaue Kostenanschläge und Beschreibung 
der Art und Weise, wie der submittirende Unternehmer die 
Heizung nebst Ventilation auszuführen beabsichtigt. Es verstand 
sich also von selbst, dass jeder der Submittenten ein möglichst 
detaillirtes Heizprojekt eiuzureichen hatte, wofür Umdruckpläne 
des Bauprojektes gegen Entgelt zur Disposition gestellt wurden, 
indem weiter verlangt war, die Anlagen in diese Pläne einzu¬ 
zeichnen, unter Angabe der Gröfse und Zahl der in den Mauern 
auszuspannenden Röhren- und Ausmündungs-Oeffnungen, so dass 
die offerirte Heizanlage daraus genau ersichtlich ist. Die Frist 
zur Einreichung der Projekte nebst Kostenanschlägen und Er¬ 
läuterungs-Berichten war mit 4 Wochen etwas kurz bemessen; 
gleichwohl waren bis Mitte Dezember Offerten von 13 Firmen • 
eingegangen, vom einzelnen mit mehren Varianten ihrer Pro¬ 
jekte, so dass die Zahl der letzteren sich auf 17 belief. 

Die Prüfung dieses Materials auf Zweckmäfsigkeit, Sicher¬ 
heit der zu erfüllenden Bedingungen und Preisangemessenheit 
musste um so schwieriger erscheinen, als die offerirten Preise 
aufserordentlicli auseinander gingen, wie sich gleich zeigen wird. 
Da aber auf eine sachliche unparteiische Beurtheilung deshalb 
besonderer Werth gelegt werden musste, weil sich auch mehre 
Düsseldorfer Firmen unter den Bewerbern befanden, welche den 
ersten Anspruch auf Uebertragung der Arbeiten haben mochten, 
so berief der Oberbürgermeister im Namen der städtischen Bau¬ 
kommission 3 auf dem Gebiete des Heiz- und Ventilations-Wesens 
bewanderte Techniker zur Beurtheilung der eingegangenen Projekte 
und Kostenanschläge, nämlich Prof. Dr. Wolpert in Kaisers¬ 
lautern, Bauinsp. Haesecke in Berlin u. Prof. Intze in Aachen. 
Da der erstere ablehnte, trat der Stadtbaumeister Weyer an 
seine Stelle. Diese Kommission hat sich der ziemlich umfang¬ 
reichen Mühewaltung am 28., 29. und 30. Dezember v. J. unter¬ 
zogen und ist zu folgendem Resultat gelangt, das nur in den 
wesentlichsten Punkten gegeben werden kann, weil Spezialitäten 
ohne Darstellung der Projekte selbst weder verständlich noch von 




















No. 6. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


35 


Interesse wären. Es offerirten die verlangte Heiz- und Venti¬ 
lations-Anlage: 

1. Firma Hagedorn in Düsseldorf . . .für 10 416 M, 

'2. „ Wiedemann in Cöln.„ 13 716 „ 

3. „ Rietschel & Henneberg in Berlin für 

14 800 resp. 17 730 „ 

4. „ Poensgen & Cie. in Düsseldorf in 4 

Varianten von .... 17 355 bis 27 648 „ 

5. „ Schaffer & Walcker in Berlin . für 19 217 „ 

6 „ Gebr. Körting in Hannover . . „ 20 435 „ 

7. „ Walz & Windscheid in Düsseldorf „ 20 679 „ 

8. „ Bacon in Elberfeld ...... 20 769 „ 

9. „ Pflaum & Gerlach in Berlin . . „ 24 453 „ 

10. „ Eisenwerk Kaiserslautern . . . „ 28 000 „ 

11. „ Grove in Berlin.„ 29 050 „ 

12. „ Bachem & Post in Hagen i. W. . „ 31 060 „ 

13. „ M. & H. Magnus in Berlin . . „ 32 000 „ 

Mit Ausnahme des Projekts ad 2 waren sämmtliche Projekte 
sorgfältig oder mindestens genügend durchgearbeitet und erläutert. 
No. 1 hat Feuerluftheizung in Aussicht genommen und bedingt 
dadurch eine gröfsere Anzahl von Feuerstellen seihst in den der 
Ueberschwemmung ausgesetzten Kellerräumen und also die Dich¬ 
tung derselben gegen Eindringen des Hochwassers mit sehr 
grofsen Kosten. 

No. 13 projektirt Dampf-Wasser- und Dampf-Luftheizung 
mit Ventilator, Dampfmaschine, Befeuchtungs- und Filter-Apparaten 
in so komplizirtem System, unter Aufserachtlassung des ersten 
Punktes der Bedingungen, dass schon der grofsen Kosten wegen die 
Ausführung nicht zu empfehlen war. Die übrigen Projekte betreffen 
Warmwasser-, Heifswasser- und Dampf- resp. Dampf-Wasser¬ 
heizung, zum Theil mit besonderer Luftheizung für den Gemeinde¬ 
rath-Saal. Sie konnten hinsichtlich der Heizung meist als genügend 
angesehen, dagegen mussten in der Zu- und Abführung der Luft 
mehr oder weniger erhebliche Modifikationen bei fast allen Pro¬ 
jekten empfohlen werden, sofern die Art der Ventilation nicht 
überhaupt als ungenügend zu erachten war. 

Die grofsen Preisdifferenzen erklären sich bei den Projekten 
3 bis 12 nur zum Theil aus der Wahl des Systems; gröfstentheils 
sind sie begründet in der verschiedenen Gröfse der Heizflächen, 
der Kessel und der Heizkörper in den Zimmern, welche ersteren 
von 22,5 s m bis 88 <5™ und welche letzteren von 200 bis 455 <J m 
differiren. Uebrigens modifiziren sich die Anschlagspreise dadurch, 
dass die Arbeiten für ausgedehnte Kanäle, selbst Kesselein¬ 
mauerungen, Schornsteine u. dergl. oft im Preise nicht vorge¬ 
sehen sind, auch in sehr verschiedener Ausdehnung zur Aus¬ 
führung kommen müssten. 

Nach Abwägung aller Vorzüge und Mängel der einzelnen 
Projekte, unter Berücksichtigung der offerirten Leistungen, in 
Bezug auf Heizflächen und der aufserdem erforderlichen Neben¬ 
arbeiten, kamen nur die nachfolgenden 5 Projekte in Betracht 
und zwar nach der Güte fortschreitend in der Reihenfolge wie 
sie genannt sind: 

1) Schaffer & Walcker; Warmwasserheizung für die Büreaus 
und Luftheizung für den Gemeinderath-Saal. 

2) Poensgen & Cie.; Heifswasserheizung für 19 370,/#/. 

3) Rietschel & Henneberg; Dampfwasserheizung für 17 730 yil 

4) Eisenwerk Kaiserslautern; Dampf- und Dampfwasserheizung. 

5) Bachem & Post; Niederdruck - Dampfheizung mit Isolir- 
mänteln der Heizkörper in den Zimmern und selbsttätiger Feue- 
rungs-Regulirung. 

Das letzte Projekt erwies sich als das am besten und voll¬ 


ständigsten durchgearbeitete; bei grofser Einfachheit und Zweck- 
mäfsigkeit hat es vor dem ähnlichen des Eisenwerks Kaisers¬ 
lautern in Anlage und Betrieb doch bemerkenswerthe Vorzüge 
und mir des hohen Preises wegen, obwohl es sonstige von der 
Bauverwaltung auszuführende Neben-Anlagen gar nicht enthält, 
konnte es nicht ohne weiteres zur Annahme empfohlen werden. 
Es lässt iudess, falls die Firma darauf eingeht, erhebliche Reduk¬ 
tionen der Heizflächen und jedenfalls auch billigere Herstellung 
der Isolirmäntel zu. 

Da von den obigen 5 Projekten ein bestimmtes für die Aus¬ 
führung nicht empfohlen werden konnte, vielmehr noch Verhand¬ 
lungen mit einzelnen Firmen nothwendig werden, so liegt ein 
positives Ergebniss der Konkurrenz-Ausschreibung noch nicht vor, 
oder ist wenigstens nicht bekannt geworden. 

Das Projekt der Firma Bachem & Post bietet iudess einzelnes 
durch Patentertheilung geschützte Neue dar und würde, ob es zur 
Ausführung kommt oder nicht, Anspruch darauf haben, allgemeiner 
bekannt zu werden, obwohl das Wesentliche bereits in einer 
Broschüre, welche die Firma ausgiebt, veröffentlicht ist. Vielleicht 
kann dieses Projekt demnächst mitgetheilt und näher erläutert 
werden. 

Hinsichtlich der Ventilation ist nur noch zu bemerken, dass 
die Zuführung vorgewärmter oder kalter Luft auf verschiedene 
Weise angenommen war, sei es in besonderer Heizkammer im 
Keller oder durch Aspiration der Heizkörper und Temperatur- 
differenz. In allen Fällen sollte die Luft durch in den Wänden 
ausgesparte Kanäle, theils direkt ins Freie, theils in den Dach¬ 
boden mit und ohne Zuhülfenahme von Aspirationsschloten entfernt 
werden. Nur zwei Firmen hatten Pulsion mittels Ventilatoren 
projektirt, um selbst bei geringen Temperaturdifferenzen einen 
genügenden Ventilationseffekt zu erzielen, namentlich auch im 
Sommer. Zu gleichem Zwecke dienten in einzelnen Projekten 
Aspirationsschlote um die Rauchschornsteine oder im Dach, welche 
letzteren im Sommer event. durch Gas erwärmt werden sollten. Auf 
diese Sommerventilation war iudess kein grofser W'erth zu legen, 
was freilich in den Konkurrenzbedingungen nicht ausgesprochen 
ist. Ungenügend in allen Projekten war die Ventilation des grofsen 
Gemeinderath-Saales behandelt, weil zu wenig Rücksicht auf die 
Gasbeleuchtung desselben genommen schien, was freilich einem 
Mangel der Bedingungen zuzuschreiben sein dürfte. Gerade im 
Winter findet eine Benutzung bei Licht statt und es muss unzu¬ 
lässig erscheinen, die Luft unterhalb abzusaugen, während auch 
eine ausschliefsliche Abführung oberhalb nicht erfolgen darf. 
Kombinationen waren aber nicht oder nicht genügend vorgesehen. 

Allgemein muss das Resultat der Konkurrenz als erfreulich 
bezeichnet werden. Sämmtliche Arbeiten, mit einer einzigen Aus¬ 
nahme, zeugten von dem Bestreben, etwas Tüchtiges zu leisten 
und von einzelnen Punkten abgesehen, ist es auch überall er¬ 
reicht, wenn auch die Mittel zum Zweck nicht immer ökonomisch 
richtig gewählt waren. Auf neue Lösungen war um so weniger 
zu rechnen, als die Bedingung gestellt war, dass die projektirten 
Anlagen sich bereits bewährt haben sollten. — 

trotz aller Fortschritte, welche in dem Heizungs- und Ven¬ 
tilationswesen in dem letzten Dezennium gemacht sind und 
trotzdem es bisweilen sehr gelungene Heiz- und Ventilations- 
Anlagen giebt, bleibt doch noch immer Einzelnes zu wünschen 
übrig, sei es in Bezug auf Vereinfachung und Kostenersparniss, 
sei es in der Sicherheit des Betriebes und in prinzipiellen An¬ 
forderungen. Es darf daher der bevor stehenden Konkurrenz zur 
Erlangung des Heiz- und Ventilationsprojekts für das 
neue Reichstagshaus überall und nicht allein in den Tech¬ 
nikerkreisen mit Spannung entgegen gesehen werden. 


Mittheilungen aus Vereinen. 

Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hamburg. Ver¬ 
sammlung am 9. Jauuar 1884. Vorsitzender Hr. Haller, an¬ 
wesend 54 Mitglieder. 

Aufgenommen in den Verein sind die Hrn. Griebel, Daven- 
port, L. am Ende und R. Zinck. 

Im Anschluss au den von Hrn. Bubendey erstatteten Jahres¬ 
bericht bemerkt Hr. Bargum, dass die Anregung des Vereins 
in Betreff der Veröffentlichung von Entscheidungen der bau¬ 
polizeilichen Rekursinstanz, von den Behörden günstig aufge¬ 
nommen worden sei. Sobald einige Nebenfragen erledigt sind 
werde die erste derartige Mittheilung erfolgen. 

Hr. F. Andr. Meyer macht hierauf einige Mittheilungen 
über die in London im Mai 1884 zu eröffnende internationale 
Ausstellung auf dem Gebiete der Gesundheitspflege. Dieselbe 
unterscheidet sich von der Berliner Ausstellung 1883 zunächst 
durch den internationalen Charakter des Unternehmens; allerdings 
wird die Beschickung vom Auslande durch die ungemein kurzen 
Termine erschwert; während die Einleitungen zur Ausstellung 
im letzteu November getroffen wurden, ist die Anmeldung von 
Ausstellungs - Gegenständen bis zum 1. Februar zu beschaffen. 
Die Eröffnung der unter dem Protektorate der Königin Victoria 
und dem Präsidium des Prinzen von Wales stehehenden Aus¬ 
stellung findet am 1. Mai statt und soll dieselbe mindestens 
6 Monate dauern. Das Programm ist bedeutend beschränkter, 
als dasjenige der vorjährigen Ausstellung, indem es die öffent¬ 
liche Gesundheitspflege im allgemeinen unberücksichtigt lässt. 
Die verschiedenen Gruppen der Ausstellungs-Gegenstände betreffen: 


1. Nahrung, 2. Bekleidung, 3. Wohnung, 4. Schule, 5. Werkstatt 
und als allgemeine 2. Abtheilung schliefsen sich die Einrichtungen 
und Hülfsmittel für Erziehung und Unterricht an. 

Der Vortragende regt den Gedanken einer Betheiligung des 
Architekten- und Ingenieur-Vereins bei der Gruppe 3 dieser 
Ausstellung an. Auf dem Gekiete des Wohnhauses ist der 
Verein schon verschiedentlich produktiv aufgetreten, z. B. bei 
der Sammlung Hamburger Privatbauten und bei den für den 
Verband bearbeiteten typischen Wohnhausformen. Hinsichtlich 
der mit der Ausstellung verbundenen Kosten wurde noch erwähnt, 
dass eine Platzmiethe nicht in Anrechnung kommt; dieselben 
beschränken sich daher auf die Auslagen für Herstellung, Trans¬ 
port und Bewachung. — Die weitere Behandlung der Frage wird 
nach eingehender Diskussion auf die Tagesordnung der nächsten 
Versammlung gestellt. y. 


Todteiischau. 

Antoine Marie Chenavard f, der „älteste Architekt Fiank- 
reichs“, ist zu Lyon am 7. Januar d. J. im Alter von 97 Jahren 
gestorben. Seine architektonischen Hauptwerke sind die Kathe¬ 
drale in Bourg und das Theater in Lyon; seiner vielseitigen 
Thätigkeit als Schriftsteller entstammt u. a. Ja restauration de 
Lyon antique“. 

Baurath Illing in Neifse, der zu den ältesten preufsischen 
Baubeamten gezählt haben dürfte, ist daselbst am 8. Januar ver¬ 
schieden. 47 Jahre lang, von 1826—1873, hat der Verstorbene 
als Bauinspektor des Kreises Neifse fungirt. 















DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


19. Januar 1884 


36 


Konkurrenzen. 

Konkurrenz für Entwurf-Skizzen zu einer Kirche in 
St. Gallen. Wie wir der Schweizer. Bauzeitung entnehmen, ist 
der Schlusstermin dieser Konkurrenz, bei der 8 Preise im Ge- 
sammtbetrage von 2 400 frcs. zur Vertheilung kommen sollen und 
die Hrn. Bärlocher - Zellweger, Kunkler, Gohl und Pfeiffer in 
St. Gallen, sowie Hr. Jung in Winterthur als Preisrichter fungiren 
werden, auf den 17. März d. J. fest gesetzt. Die Kirche, für welche 
ein bestimmter Baustil nicht vorgeschrieben wird, soll 750 Sitzplätze 
enthalten und nicht mehr als 200 000 frcs. kosten. Verlangt 
werden skizzenhafte Zeichnungen im Maafstabe von 1: 100. Pro¬ 
gramm und Situationsplan sind von Hrn. Bärlocher - Zellweger, 
Vi/e-Präsid. der evang. Kirchenvorsteherschaft in St. Gallen zu 
beziehen. _ 

Aus der Faclilitteratur. 

Deutsches Bauhandbueh. Eine systematische Zusammen¬ 
stellung der Resultate der Bauwissenschaften mit allen Hülfs- 
wissenschaften in ihrer Anwendung auf das Entwerfen und die 
Ausführung der Bauten, veranstaltet von den Herausgebern der 
Deutschen Bauzeitung und des Deutschen Baukalenders. Berlin 
1S74-1384. 

Es ist selbstverständlich nicht eine Rezension unseres 
eigenen Werkes, die wir an dieser Stelle zu geben beabsichtigen. 
Wohl aber liegt es nahe, dass wir nach dem Abschlüsse einer 
Arbeit, die uns länger als 10 Jahve beschäftigt und während 
dieser Zeit so manche Wandlungen erfahren hat, das Bedürfniss 
empfinden, den zurück gelegten Weg nochmals im Zusammen¬ 
hänge zu überblicken und den Fachgenossen die uns auf dem¬ 
selben mit reger Theilnahme aber auch mit so mancher Klage 
über anscheinend ungerechtfertigten Zeitaufwand gefolgt sind, 
von den uns leitenden Anschauungen Rechenschaft abzuiegen. 

Im Jahre 1872 war es, dass wir uns auf Veranlassung zahl¬ 
reicher Wünsche, die bezüglich der Gestaltung unseres Deutschen 
Baukalenders an uns heran traten, zur Herausgabe eines Werkes 
entschlossen, das in einer etwas weiteren Form, als dies bei 
einem Taschenbuche möglich ist, ein für die Bedürfnisse des 
praktischen Architekten und Ingenieurs bestimmtes Kompendium 
der Bauwisseuschaften und ihrer Hülfswissenschaften darbieten 
sollte. Der Umfang des Buches, dessen Redaktion unser Genosse, 
F. Sendler übernahm, wurde auf ca. 60—70 Druckbogen und 
3 Theile berechnet, von denen der 1. Tabellen und die Hülfs¬ 
wissenschaften, der 2. die Baukunde des Architekten, der 3. die 
Baukunde des Ingenieurs enthalten sollte. 

Auf Grund eines detaillirten Planes, dessen Veröffentlichung 
von der deutschen Fachgenossenschaft sehr sympathisch begrüsst 
wurde, gelang es alsbald eine gröfsere Anzahl von Mitarbeitern 
zu gewinnen. Um ein schnelleres Erscheinen des Buches zu er¬ 
möglichen, wurde eine Ausgabe desselben in Lieferungen be¬ 
schlossen, die je nach dem Fortgange der Arbeit aus Theilen 
aller 3 Bände zusammen gesetzt werden sollten. Ende 1873 er¬ 
schien die 1. Lieferung, welche nahezu den ganzen I. Band um¬ 
fasste, im Sommer 1874 die 2. Lieferung, welche neben dem 
Schluss des I. die Anfänge des II. u. III. Bandes brachte. Für 
das folgende Jahr wurde die Vollendung des Werkes in Aus¬ 
sicht gestellt. 

Der Erfüllung dieses Versprechens stellte sich zunächst leider 
ein unerwartetes äufseres Hinderniss entgegen. Am 18. Dezbr. 1874 
erlag unser Freund F. Sendler, der dem Unternehmen seine volle 
Kraft und Liebe gewidmet hatte, einer tötlichen Krankheit. Zu 
diesem Grunde eine vorläufige Unterbrechung des Werks eiutreten 
zu lassen, gesellten sich jedoch nicht minder zwingende Momente 
innerer Art. Es war nämlich im Verlaufe der Arbeit immer 
deutlicher zu Tage getreten, dass eine einigermaafsen eingehende 
und nutzbringende Behandlung der meisten technischen Spezial- 
Gebiete sich innerhalb des ursprünglich in Aussicht genommenen 
Umfangs und mit den veranschlagten illustrativen Mitteln nicht 
wohl ausführen liefs. Dass der betrelfende Irrthum begangen 
worden war, lässt sich — beim Mangel geeigneter Vorbilder, die 
einen Anhalt geben konnten — gewiss entschuldigen. Nachdem 
er aber erkannt worden war, hielten die Herausgeber es für das 
Käthlichste, eine Durchführung des ursprünglichen Plans nicht 
erst weiter zu versuchen, sondern sofort eine entsprechende Aus¬ 
dehnung des Buchs eintreten zu lassen, ohne zunächst einen be¬ 
stimmten Umfang desselben fest zu setzen. 

Ein derartiger Wechsel des Plans bedingte mit Nothwendig- 
keit einen greiseren Zeitaufwand. Ebenso liess sich die Fort¬ 
setzung der Arbeit schon deshalb nur verhältnissmäfsig langsamei 
bewirken, weil es bei der Erweiterung des allmählich bis zu einer 
Zahl von etwa 60 anwachsenden Mitarbeiter - Kreises immer 
schwieriger wurde, die unabhängig entstandenen Beiträge in ent¬ 
sprechende Beziehung zu einander zu setzen. Wiederholte Ver¬ 
zögerungen gegen die auf die Zusagen der Mitarbeiter gestützten 
Ankündigungen der Herausgeber sind endlich eingetreten, weil 
es den Mitarbeitern -- fast ohne Ausnahme inmitten der Praxis 
stehenden und mit Berufs-Geschäften überbürdeten h achmännern 
— nicht möglich war, ihre Zusage zu halten. 

Im Juni 1877 erschien die 3., Oktober 1879 die 4. und 
Oktober 1880 die 5. Lieferung des Buches — sämmtlich unter 
der Redaktion von F. W. Rüsing — und es gelangten damit 
der 111. Band fBaukunde des Ingenieurs) sowie die erste Hälfte 

Kommissionsverlag von Ernst Toeche in Berlin 


des II. Bandes (Baukunde des Architekten), welche die Bau¬ 
konstruktionslehre des Hochbaues enthält, zum Abschluss. In 
der äufseren Form dieser Bände machen sich — abgesehen von 
den Unterschieden, welche der Individualität der einzelnen Autoren 
entspringen — gewisse Ungleichheiten geltend: einzelne Abschnitte 
zeigen die knappe Fassung, welche sie nach dem ersten Plane 
erhielten, während andere einen unverhältnissmäfsig gröfseren 
Raum einnehmen; ebenso sind — zur nachträglichen Ausfüllung 
gar zu empfindlicher Lücken — einzelne Abhandlungen in Ab¬ 
schnitte eingeschoben worden, in welche sie streng genommen 
nicht gehören. Ein literarischer Mangel, der jedoch den Werth 
des Buches für den Techniker um so weniger beeinträchtigen 
dürfte, als die am kürzesten bearbeiteten Kapitel Stoffe behan¬ 
deln, über welche noch anderweit reiches Material vorhanden ist, 
während diejenigen Kapitel, welche wesentlich Neues bieten, am 
ausführlichsten gehalten sind. 

Unter der Redaktion von K. E. 0. Fritsch erschienen so¬ 
dann im Dezember 1881 die 6. und im Dezember 1883 die 7. 
(Doppel-) Lieferung des Werkes, welche die zweite Hälfte des 
II. Theils (Baukunde des Architekten), die Lehre von der Anord¬ 
nung und Einrichtung der Gebäude, enthalten. Da dieser Band 
in allen seinen Abschnitten erst nach der Feststellung des neuen 
Plans zur Bearbeitung gelangt ist, so trägt er verhältnissmäfsig 
das einheitlichste Gepräge, ohne dass es natürlich an Unterschieden 
der oben angedeuteten Art ganz fehlt. Die Schwierigkeiten 
bestanden hier besonders darin, dass es überwiegend um einen 
Stoff sich handelte, der überhaupt zum ersten Mal eingehend 
bearbeitet worden ist. Eine willkommene Hülfe erwuchs uns 
allerdings daraus, dass die Regierungs-Bauführer-Vereine Berlins 
der Redaktion das von ihnen mit aufserordentlichem Fleiss aus 
den verschiedensten litterarischen Quellen zusammen gestellte 
Städtebau-Kompendium zur Benutzung überliessen. Konnte das¬ 
selbe bei der Verschiedenheit des nächsten Zwecks beider Werke 
auch keine direkte Verwendung finden, so hat es uns in vielen 
Fällen doch als eine nicht zu unterschätzende Vorarbeit gedient. 

Unser Werk, das einen Gesammtumfang von 185 Bogen — 
etwa das Dreifache des ursprünglich beabsichtigten — erlangt hat, 
ist damit vorläufig abgeschlossen. Ueber seinen Werth haben 
wir natürlich nur ein einseitiges Urtheil; doch können wir ver¬ 
sichern, dass wir, — so weit unsere Kräfte reichten, — redlich 
bemüht waren, das Beste zu bieten. Möge man in freundlicher 
Würdigung dieser Absicht und angesichts der oben geschilderten 
Schwierigkeiten die Mängel mild übersehen. 

Was wir erzielt haben, danken wir freilich nicht sowohl 
unserer eigenen Kraft als vielmehr in erster Linie unsern Mit¬ 
arbeitern, die im treuen Festhalten an dem einmal begonnenen 
Werke den Schatz ihres Wissens und ihrer Erfahrung uns zur 
Verfügung gestellt haben. Ihnen allen in ihrer Gesammtheit sei 
an dieser Stelle nochmals von Herzen gedankt. 

An den weiteren Kreis der Fachgenossen, speziell an die 
Besitzer des Buchs, richten wir zunächst die Bitte, die vielfachen 
Enttäuschungen, die wir ihnen — sehr gegen unsern Willen 
bereiten mussten, entschuldigen zu wollen. Wir bitten sie aber 
auch fernerhin, uns für ihr Theil durch Mittheilung aller der 
Irrthümer, Lücken und Mängel des Buchs, die ihnen bei 
seinem Gebrauch auffallen, dabei helfen zu wollen, dass dasselbe 
in seiner späteren Fortsetzung allmählich immer weiter sich ver¬ 
vollkommne. 

In Vorbereitung befindet sich vorläufig eine neue, wesentlich 
erweiterte und verbesserte Auflage des I. Bandes, in welchem u. a. 
auch die nach dem ersten Programm in Aussicht genommenen, 
aber aus äufseren Gründen fortgelassenen Abschnitte über Bau¬ 
führung und Veranschlagen von Bauten eine ausführliche Be¬ 
arbeitung finden sollen. 

Für die Herausgeber des Deutschen Bauhandbuchs 
F. W. Büsing. K. E. 0. Fritsch. 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Ad. St. in St. Gallen. Ueber die in No. 91 Jhrg. 83 
uns. Bl. erwähnte, in Bad Wilhelmshöhe angewandte „Görbers- 
dorfer Dusche“, die uns bis jetzt noch nicht bekannt war, 
erhalten wir nunmehr durch den Erbauer jenes Hauses folgende 
Auskunft: „Die betr. Dusche führt ihren Namen, weil sie seit 
Jahren in der Dr. Brehmer’schen Kuranstalt zu Görbersdorf 
in Schlesien in Benutzung ist. Sie besteht in Bad Wilhelmshöhe 
aus'3 dicht neben einander befindlichen kalten Duschen, und zwar 
einer Siebdusche, einer starken Strahldusche und einer beweg¬ 
lichen Strahldusche. Es ist Bedingung, dass alle 3 sehr kräftig 
wirken. — Die Duschen können nur von dem dirigirenden Arzte 
in Funktion gesetzt werden und zwar von seinem Arbeitszimmer 
aus — welches sich naturgemäfs in der Nähe des Duschenraumes 
befindet — mittels Hebelübersetzung, die eventuell auch mittels 
elektrischen Stromes bewirkt werden kann. — Während sich der 
Badende mit dem Badediener in dem Duschenraume befindet, ist 
somit der Arzt in der Lage, sowohl die Stärke der Duschen als 
auch die Zeitdauer ihrer Einwirkung auf den Patienten je nach 
Erfordern zu bestimmen. 

Hrn. C. G. in B. Eine Publikation über „Tribünen-Anlagen 
für Wettrennen“ ist uns nicht bekannt. Gewiss wäre die Mitthei¬ 
lung bewährter einfacher Konstruktionen für derartige Zwecke nicht 
unerwünscht. ___ - 


Für die Redaktion verantwortlich K. E. O. Fritsch, Berlin. Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin. 






















No. 7. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


37 


Inhalt: Der Bau eines neuen Geschäftsgebäudes für das preufsische Ab¬ 
geordnetenhaus. — Mittheilungen aus Vereinen: Architekten - Verein zu 
Berlin. — Vermischtes: Frosteinfluss auf eiserne Gitter. — Zahnradbahn zum 


Denkmal auf dem Niederwald. — Billige Ziehfedern. — Stipendium für angehende 
Kulturtechniker. — Konkurrenzen: Die Konkurrenz für Entwürfe zu einem Stadt¬ 
theater in Halle a. S. — Personal-Nachrichten. — Brief- u. Fragekasten. 



Der Bau eines neuen Geschäftsgebäudes für das preufsische Abgeordnetenhaus. 


on den Verhandlungs-Gegenständen, die den preufsi- 
schen Landtag in der gegenwärtigen Sitzungs-Periode 
noch beschäftigen werden, dürfte für unser Fach 
keiner interessanter sich gestalten, alt die Frage eines 
Neubaues für das Haus der Abgeordneten. 

Die grofsen, durch wiederholte Umbauten nur gemilderten, 


nicht beseitigten Mängel und Uebelstände des Hauses, in welchem 
die gewählten Vertreter 


ihm für seine Zwecke überlassen werden solle, falls eine Enquete 
ihn als den einzig geeigneten wirklich ergeben würde. 

_ Das war die Sachlage am Schluss der vorjährigen Sitzungs¬ 
periode. Man hatte auf Grund derselben erwartet, dass die 
Regierung beim Wieder - Zusammentritt des Hauses sogleich mi t 
einer entsprechenden Vorlage auftreten werde und fühlte sich 
herb enttäuscht, als dies nicht geschah. 


des preußischen Volkes 
seit nunmehr 34 Jahren 
tagen, sind allgemein 
bekannt und anerkannt 

— nicht zum letzten 
von Seiten der Staats¬ 
regierung. Hätte ein 
passender Bauplatz zur 
Verfügung gestanden 

— der seinerzeit in 
Aussicht genommene 
der ehemaligen Por¬ 
zellan - Manufaktur in 
der Leipziger Str. hat 
dem deutschen Reiche 

abgetreten werden 
müssen — so wäre ein 
Neubau vielleicht seit 
einem Jahrzehnt schon 
vollendet: unter den 

kläglichen Verhält¬ 
nissen, welche in der 
deutschen Hauptstadt 
bezüglich der Bau¬ 
plätze für monumen¬ 
tale Neubauten noch 
immer bestehen, hat 
auch das Haus der 
Abgeordneten mit Ver¬ 
tröstungen auf eine 
bessere Zukunft bisher 
sich bescheiden lassen. 

Seit 2 Jahren ist 
seine Geduld jedoch 
etwas ins Wanken ge- 
rathen. Es hat seiner¬ 
seits energisch die 
Initiative ergriffen, sich 
einen speziellen Bau¬ 
platz — auf dem Hinter¬ 
lande der alten Por¬ 
zellan-Manufaktur und 
des Herrenhauses —■ 



l yc£.es%/ 


5/t: 


11 vn. 


Bauplatz au der verlängerten Zinunerstrafse. 


Denn zu dem Druck 
der sonstigen Uebel¬ 
stände des alten Ge¬ 
bäudes hat sich seit 
dem Brande der De¬ 
putaten - Kammer in 
Brüssel neuerdings 
noch das unbehagliche 
Gefühl der geringen 
Sicherheit gesellt, 
welche das leicht kon- 
struirte Haus im Falle 
eines Brandes, nament¬ 
lich den Insassen der 
Tribünen, gewähren 
würde. Das Präsidium 
hat ein weiteres Vor¬ 
gehen auf Grund seiner 
früheren Anträge in 
Aussicht genommen 
und zur Vorbereitung 
entsprechender Schritte 
zunächst (im Dezember 
v. J.) die von dem Bau¬ 
beamten des Hauses, 
Hrn. Bauinspektor Fr. 
Schulze aufgestellten 
Grundriss-Skizzen zu 
einem Neubau auf dem 
oben erwähnten Bau¬ 
platz vervielfältigen 
und unter die Mit¬ 
glieder des Hauses 
vertheiien lassen. (Wir 
reproduziren bei¬ 
stehend den Situations¬ 
plan und den Grund- 
liss des Erdgeschosses.) 
Sind die durch die 
Presse in den mannich- 
fachsten Variationen 
verbreiteten Nachrich¬ 
ten zuverlässig, so will 
man das Recht des 
Hauses auf jenen Bau- 



Bauplatz an der Sommerstrafse. 

Iiusersehen und an die Regierung die sehr bestimmte Forderung 
»erichtet, diesen Bauplatz für den bezgl. Neubau demnächst 
Bereit zu stellen. Und als Ergehniss der bezgl. Verhandlungen, 
über welche auf S. 139, Jhrg. 82 und S. 157, Jhrg. 83 d. BL 
gerichtet worden ist, hatte es die im vorigen Jahre ertheilte 
'usage des Hrn. Ministers des Innern erzielt, dass jener Platz 


Projekt für den Bauplatz an der Zinimerstrafse. 

platz mit Entschiedenheit zur Geltung bringen; ja es hat sogar 
verlautet, dass mau zu diesem Zwecke die Bewilligung der im 
diesjährigen Staatshaushalts - Etat für Kunstzwecke geforderten, 
sehr erheblichen Geldmittel von der Bewilligung jener Forderung 
des Hauses abhängig machen will. 

Wie die Regierung sich nunmehr zu der Frage stellen und 





















































































































38 


DEUTSCHE BÄUZEITUNG. 


24 . Januar 1884 


welche Lösung die letztere finden wird, ist bis jetzt nur Sache 
des Gerüchts, bezw. der Yermuthung. _ 

Die frühere Absicht der Regierung, nach der sich das Haus 
noch bis zur Vollendung des Reichstagshauses mit seinem gegen¬ 
wärtigen Lokal behelfen sollte, um alsdann Besitz von dem provi¬ 
sorischen Lokal des Reichstags zu nehmen — also ein Zurück¬ 
greifen auf den durch „höhere Gewalt“ vereitelten alten Plan der 
60 er Jahre, ist z. Z. wohl schon als endgültig beseitigt anzusehen, 
zumal das Kriegs-Ministerium begehrliche Blicke auf jenes neben 
seinem Sitz belegene Gebäude bezw. Grundstück richten soll. 

Ebenso scheint uns der vom Abgeordnetenhause selbst auf¬ 
gestellte, durch Hrn. Bauinspektor Schulze in eine bestimmte 
Form gebrachte Plan — trotz aller bisherigen Anstrengungen 
der Presse — nur geringe Aussichten auf Verwirklichung zu haben. 
Gegen die Zweckmäfsigkeit des Projekts an sich lässt sich gewiss 
nichts einwenden und in Bezug auf ihre Lage ist die Baustelle 
kaum minder günstig als jene andere. Aber die Widerstände, 
welche einer Erwerbung derselben für die Zwecke des Abgeord¬ 
netenhauses entgegen stehen, sind zu mächtig, als dass sie so 
leicht zu überwinden wären. . 

Ganz abgesehen von jenen angeblichen Absichten des Knegs- 
ministeriums auf das Grundstück der ehemaligen Porzellan-Manu¬ 
faktur, ist es zunächst das Herrenhaus, welches der Verkürzung 
seines Gartenterrains sich widersetzt und augenblicklich vielleicht 
weniger als je dazu bereit sein möchte, dem „anderen Hause eine 
derartige Konzession zu machen. Bei der Stellung, welche die 
Regierung gegenüber solchen internen Angelegenheiten der beiden 
Körperschaften des Landtags grundsätzlich einzuhalten pflegt, ist 
aber natürlich nicht daran zu denken, dass sie in dieser Angelegen¬ 
heit einen entsprechenden Druck auf die Entschlüsse des Herren¬ 
hauses ausüben würde. 

Es ist ferner die Kunstverwaltung, welche das dem Kunst¬ 
gewerbe- und dem Ethnologischen Museum gegenüber liegende 
Terrain für ihre Zwecke frei gehalten wissen will. Einmal in der 
Voraussicht, dass für . diese Anstalten künftig das Bedürfniss 
einer Erweiterung eintreten könnte, das sich am leichtesten auf 
jenem Terrain befriedigen liefse — dann aber auch in der Absicht, 
das Kunstgewerbe-Museum vor den Nachtheilen zu bewahren, 
welche die Errichtung eines hohen Gebäudes auf der anderen 
Seite der Zimmerstrafse mit sich bringen würde. Beiden Momenten 
ist eine Berechtigung nicht abzusprechen. Man hat zwar darauf 
hingewiesen, dass jener zweite Grund auch die Errichtung des 
Ethnologischen Museums hätte verhindere müssen, aber dabei 
offenbar übersehen, dass letzteres auf der Westseite des Gewerbe¬ 
museums liegt, während es sich bei dem Abgeordnetenhause um 
einen der Nordfront des Gebäudes gegenüber liegenden, die 
Zeichensäle durch sein Reflexlicht störenden Bau handeln würde. 

Eine bindende Zusage, dass dem Abgeordnetenhause der 
hezgl. Platz unter allen Umständen zur Verfügung gestellt werden 
solle, ist in jener oben zitiiten Erklärung des Hrn. Ministers des 
Innern ja auch keineswegs enthalten. Es unterliegt vielmehr 
wohl keinem Zweifel, dass in Berlin noch so manche für jenen 
Zweck gleich geeignete Bauplätze sich finden lassen und es ver¬ 
lautet seit einiger Zeit, dass die Regierung dem Hause binnen 
kurzem hierfür ein ganz bestimmtes Terrain in Vorschlag bringen 
werde, nämlich den gegenüber dem neuen Reichstagshause an der 
Sommerstralse liegenden Theil des Viertels zwischen Dorotheen- 
Strafse und Reichstags-Ufer, den wir in der zweiten Situations- 
Skizze umstehend zur Darstellung gebracht haben. 

Die blofse Andeutung dieser Absicht hat genügt, um in der 
Presse eine gröfsere Anzahl wohl gemeinter Notizen über diese 
Baustelle hervor zu rufen, die sich in geringschätzigster Weise 
über sie aussprechen und darzulegen bemüht sind, dass dieselbe 
für den Bau des Abgeordnetenhauses völlig ungeeignet sei. Ein 
unbefangener Beurtbeiler wird dagegen nicht zweifelhaft darüber 
sein, dass sie in fast jeder Beziehung den Vorzug vor jenem 
anderen Bauplatze an der verlängerten Zimmerstrafse verdient. 

Ein nicht zu unterschätzendes Moment ist zunächst die un¬ 
mittelbare Nachbarschaft, die zwischen den Häusern der beiden 
grofsen in Berlin tagenden parlamentarischen Körperschaften her¬ 
gestellt würde. Ganz abgesehen von dem architektonischen Ge¬ 
winn, dass jeder dieser beiden Monumentalbauten den anderen 
heben würde, hätte eine solche enge Beziehung zwischen ihnen 
natürlich auch grofse praktische Vortheile. Bei einem gleich¬ 
zeitigen Tagen jener beiden Körperschaften, dass sich auch in 
Zukunft schwerlich ganz vermeiden lassen wird, würde den Ab¬ 


geordneten, die ein Doppelmandat bekleiden, wie auch den 
Ministern und Reg. - Kommissaren, die in beiden Häusern zu 
fungiren haben, ihre Aufgabe wesentlich erleichtert. Die Wohnungs- 
Verhältnisse der Abgeordneten könnten sich stabiler und folglich 
angenehmer und bequemer gestalten etc. ete. 

Aber auch für die Anlage und Ausbildung des Gebäudes an 
sich ist die Baustelle in vorzüglicher Weise geeignet, obgleich 
die Vorwürfe, welche gegen sie von urtheilsloser Seite erhoben 
worden sind, sich gerade hiergegen richten. Sie ist auf 3 Seiten 
von Strafsen umgeben und grenzt auf der vierten an das fiskalische 
Grundstück des Französischen Gymnasiums, ist also auf das 
leichteste zugänglich und bietet in Bezug auf Beleuchtung keinerlei 
Schwierigkeiten. Mit seiner Westfront an der breiten König- 
grätzer-Str., mit seiner Nordfront an der Spree liegend, würde 
das Gebäude bis auf weite Entfernungen hin sichtbar sein und 
einen monumentalen Schmuck der Stadt bilden, während es sich 
in der Zimmerstrafse in eine Strafsenfront einzureihen hätte. 

Die Gröfse der Baustelle, welche rd. 10 300 q“ beträgt, kann 
als völlig ausreichend angesehen werden, wenn man erwägt, dass 
der eigentliche Baukörper des Hauses nach dem Schulze’schen 
Projekt nur 7 850 q m umfasst. (Die Baustelle des Reichstagshauses 
enthält 12 920 q“). Bei der nicht ganz regelmäfsigen Form des 
Terrains würden allerdings erhebliche Stücke desselben zu gunsten 
der anliegenden Strafsen abgeschnitten werden müssen. Im 
übrigen ist diese unregelmäfsige Form des Platzes, wenn sie auch 
eine unmittelbare Uebertragung des Schulze’schen Projekts auf 
denselben nicht gestattet, als kein Fehler anzusehen: es wird sich 
vielmehr auf Grund dieser Form eine eigenartigere und inter¬ 
essantere Lösung finden lassen, als sie jener wohl mehr als 
Programm-Skizze zur Feststellung der Bedürfnissfrage entworfene 
etwas gar zu sehr an die Reichstagshaus-Entwürfe sich anlehnende 
Plan gewährt — vielleicht in der Weise, dass der Haupteingang 
in der Axe des Reichstagshauses gewählt und in der nördlichen 
(kleineren) Hälfte mit der Front nach der Spree die Erholungs¬ 
räume, in der südlichen (gröfseren) Hälfte der Sitzungssaal mit 
seinem Zubehör augeordnet würden. Dass es unmöglich sein soll, 
eine Axenbeziehung zwischen Abgeordnetenhaus und Reichstags¬ 
haus herzustellen, ist eine in der Presse aufgestellte Behauptung, 
welche den Architekten ein Lächeln abgelockt haben dürfte. 

Nicht minder seltsam klingt der an die Sparsamkeits-Gefühle 
des Abgeordnetenhauses sich wendende Einwurf, dass der Bau 
in der Zimmerstrafse „billiger“ sei, weil er nur eine Strafsen¬ 
front habe und anspruchsloser sich gestalten lasse, als ein auf 
3 Seiten frei liegendes Gebäude, das gegen die Monumentalität 
des Reichstagshauses nicht allzu sehr zurück stehen dürfe.. Das 
erinnert zwar an die Theorie Sr. Exz. des Hrn. Finanzministers 
Bitter über das Erstrebenswerthe der „Vermeidung von Monu¬ 
mentalbauten“, aber es ist doch zu betonen, dass die Volksver¬ 
tretung trotz wiederholter und nicht ungerechtfertigter Rügen 
wider einen an falscher Stelle angewandten architektonischen 
Luxus doch niemals so weit gegangen ist, jene Theorie sich an¬ 
zueignen. Eben so wenig dürfte es an jener Stelle als ein Vor¬ 
zug angesehen werden, dass der Bauplatz an der Zimmerstrafse 
sich bereits ini Staatsbesitze befindet, während hei dem in Rede 
stehenden noch einige Grunderwerhungen erforderlich sind. Denn 
es liegt bei dem noch vorhandenen Bedürfniss an Bauplätzen für 
fiskalische Gebäude in Berlin doch gar zu nahe, dass eine Aus¬ 
gabe, die heute auf solche Weise erspart würde, vielleicht schon 
morgen für einen anderen Zweck gemacht werden müsste. — _ 

Hoffen wir im Interesse des Abgeordnetenhauses, wie im 
Interesse unserer Kunst, dass die Staatsregierung recht bald mit 
einer Vorlage über den Bau eines neuen Abgeordnetenhauses 
auf dem Terrain an der Sommerstrafse hervor treten und dass die¬ 
selbe die Genehmigung des Landtages fordern möge. Als einen 
dringenden Wunsch der Fachkreise glauben wir es zugleich schon 
jetzt aussprechen zu dürfen, dass für den Entwurf des betreffenden 
Gebäudes wiederum der Weg der Konkurrenz beschritten werden 
möge. Die Nothwendigkeit, dass dasselbe —- wenn auch nicht 
in Bezug auf Ausgestaltung im einzelnen — so doch als künst¬ 
lerische Leistung mit dem Reichstagshause zu wetteifern haben 
würde, legt dissen Weg hier wohl näher als in irgend einem 
anderen Falle. An dem Erfolge einer bezügl. Konkurrenz aber 
wäre um so weniger zu zweifeln, als die architektonischen Kräfte 
durch die wiederholten Konkurrenzen um das Reichstagshaus in 
Bezug auf eine ähnliche Aufgabe geübt und die praktischen Grund¬ 
lagen einer solchen in erfreulicher Weise geklärt sind. 

— F. — 


Mittheilungen 

Architekten-Verein zu Berlin. Haupt-Versammlung am 
7. Januar 1884. Vorsitzender Hr. Dr. Hobrecht; anwesend 
132 Mitglieder und 3 Gäste. 

Der I Ir. Vorsitzende begrüfst die in der ersten Sitzung des 
neuen .Jahres versammelten Fachgenossen und giebt alsdann von 
den zahlreichen Eingängen und Zuwendungen für die Bibliothek 
Kenntniss. Wir erwähnen speziell, dass der Magistrat der Stadt 
Halle auf das Ersuchen des Vorstandes sich bereit erklärt hat, 
von den Konkurrenz-Entwürfen für das dortige Theater die 
prämiirten, die angekauften und diejenigen Projekte, deren Ver¬ 
fasser ihre bezügliche Zustimmung gegeben haben werden, zur 
Ausstellung in den Räumen des Architektenhauses zu übersenden. 

Für die diesjährige Schinkel-Konkurrenz sind 14 Hoch- 


aus Vereinen, 

bau-Entwürfe und 1 Ingenieur-Projekt eingegangen. In die 
Kommission zur Bourtfaeiiung derselben werden die Hrn. 
Emmerich, Ende, Hinckeldeyn, Hossfeld, Jacobsthal, Kyllmann, 
Orth, Otzen, Persius, Schmieden, Schwechten, Spieker, Spielberg, 
Wallot, bezw. Grüttefien, Hagen, Housselle, Schwedler, Winkler 
und als Ersatzmänner die Hrn. Elis und Wex bezw. Görmg und 
Oberbeck gewählt. Weiterhin erfolgt die Wahl der Schinkel- 
Fest-Kommission. „ , „ , „ 

Hr. Hinckeldeyn referirt über 14, in aufserordontlicher 
Konkurrenz eingegangene Entwürfe zu einem villenartigen Bahn¬ 
gebäude in Lüdenscheid in Westfalen und über 4, als Monats- 
Konkurrenz bearbeitete Projekte zu einem städtischen Wohngebäude 
für eine Familie. Von den Verfassern der ersteren Projekte sind 














No. 7. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


39 


den Hrn. Griesebach und A. Schütz Geldpreise, den Hrn. 
Gluth und Pliiddemann das Vereinsandenken, von den Ver¬ 
fassern der letzteren ist Hrn. Saran das Vereinsandenken zu¬ 
erkannt. 

Hr. Winkler spricht alsdann über den im Jahre 1879 er¬ 
folgten Einsturz des Nidder-Viadukts im Zuge der Friede¬ 
berg-Hanauer Eisenbahn. An den Vortrag schliefst sich eine 
kurze Debatte, an welcher sich Hr. Kinel und Hr. E. H. Hoff¬ 
mann betheiligten. — In den Verein sind die Hrn. Bensberg, 
Schönfeld und Stapf aufgenommen. — 

Versammlung am 14. Januar 1884. Vorsitzender Hr. 
Dr. Hobrecht; anwesend 154 Mitglieder und 6 Gäste. 

Der Hr. Vorsitzende bringt unter anderen geschäftlichen Mit¬ 
theilungen zur Kenntniss, dass die Konkurrenz-Entwürfe 
für das Stadttheater in Halle vom 27. d. Mts. bis 2. Fe¬ 
bruar d. J. in dem vorderen oberen Saale des Vereinshauses zur 
Ausstellung gelangen werden. 

Hr. Blankenstein bespricht eine neue 

„Broschüre über das Submissionswesen“, 
welche die bekannten, von dem Verbände Deutscher Baugewerks¬ 
meister preisgekrönten 2 Konkurrenz - Arbeiten der Hrn. Maurer¬ 
meister Ewers und Mühlbach in Hannover und des Hrn. 
Garnison - Bau - Inspektor Herzog in Liegnitz enthält. Ueber 
diese Arbeiten ist bereits in Nr. 103 Jahrg. 1883 u. Bl. seitens 
des Hrn. Stadtbaurath Vogdt in Potsdam eine ausführliche 
Mittheilung veröffentlicht, welcher der Hr. Vortragende in allen 
wesentlichen Punkten beipflichtet und deren Studium er auf das 
dringlichste empfiehlt. Von den am Schluss der Broschüre ge¬ 
machten Verbesserungs-Vorschlägen des „Verbandes deutscher 
Baugew.-Meister“, welche fast ausschliefslich auf den Ausführungen 
der das Interesse der Unternehmer vertretenden Hrn. Ewers und 
Mühlbach basiren, dürfte nach der Ansicht des Hrn. Redners, 
dessen Kritik sich übrigens noch auf einige, in der zitirten Be¬ 
sprechung nicht berührte Punkteausdehnte, ein positiver Erfolg 
nicht zu erwarten sein. 

Einen weiteren Vortrag hielt Hr. zur Nieden 
über die Einrichtung von Pflegstätten im Kriege. 


Seitens der medizinischen Fach - Autoritäten ist die Be¬ 
schaffung guter und ausreichender Luft in den Krankenhäusern 
als ein Haupt-Bedürfniss bezeichnet worden, welchem Anlagen 
mit geschlossenen Korridoren, wie beispielsweise das hiesige 
jüdische Krankenhaus, nicht entsprechen. Die Pavillon - Bauten 
genügen den Anforderungen an Luft für die meisten Krankheiten 
in Friedenszeiten, aber nicht für Wundkranke und für Epidemien. 
Im amerikanischen Kriege errichtete man für die Wundkranken 
zum ersten Male Baracken, bei welchen nicht nur die gegenüber 
stehenden Wände, sondern auch das Dach und der- Fufsboden 
zur Ventilation benutzt wurden, so dass den Anforderungen be¬ 
züglich der Luftzuführung wohl ausreichend entsprochen wurde. 
Da die Ausführung solcher Baracken jedoch verhältnissmäfsig 
lange Zeit erfordert, so empfiehlt es sich — insbesondere in der 
Nähe des Kriegs-Schauplatzes — einfachere Anlagen herzustellen, 
wie sie von dem Hrn. Vortragenden in Aussicht genommen sind 
und durch Zeichnungen erläutert werden. Von vorhandenen Bau¬ 
lichkeiten eignen sich speziell Konzertsäle, Fabrikräume, Turn¬ 
hallen, Exerzierhäuser, Reitbahnen, gröfsere Kegelbahnen, Scheu¬ 
nen etc. zur Einrichtung von Lazarethen, deren Benutzung zum 
Theil freilich wegen der schwierigen Heizung zur Winterszeit 
manche Nachtheile mit sich bringt. Es ist jedoch zu bemerken, 
dass die Temperatur bei Wundkranken bis auf 5 % R. herab 
gehen kann, ohne dass dieselben dadurch geschädigt werden. Bei 
Scheunen ist im übrigen noch für die Schaffung ausreichender 
Beleuchtung, auf welche von den Chirurgen grofser Werth ge¬ 
legt wird, zu sorgen. Die Bauten der Eisenbahnen, deren 
Leistungsfähigkeit zu Kriegszeiten im höchsten Grade in Anspruch 
genommen wird, dürften meistens für Lazareth - Einrichtungen 
nicht disponibel sein; jedenfalls aber sind Güterschuppen und 
Wagenschuppen hierfür sehr zweckmäfsige Räume, um die schnelle 
Evakuirung der Verwundeten zu erleichtern. Bei der Benutzung 
gewöhnlicher Wohnräume zu Pflegstätten wird man oft mit sehr 
ungünstigen Ventilations-Verhältnissen zu kämpfen haben. 

Die ausführlichen Mittheilungen des Hrn. Vortragenden gipfeln 
im Wesentlichen darin, dass der Technik in dem Kriegs-Sanitäts¬ 
wesen eine bevorzugte Stellung gebühre, welche sie bisher noch 
nicht gehabt habe. 


Vermischtes. 

Frosteinfluss auf eiserne Gitter. Bei einem sehr reichen 
Vorgartengitter einer noch im Bau begriffenen Villa sind, wie 
auch sonst vielfach üblich, an den schmiedeisernen Gitterstäben 
aus 25 mm Rundeisen, zur weiteren Ausschmückung 'gusseiserne 
Theile verwendet. 

Im vorliegenden Falle sind gusseiserne ornamentirte Flach¬ 
kugeln, wie neben¬ 
stehende Skizze zeigt, 
benutzt worden und 
um dieselben gegen 
Verschieben zu 
sichern, sind sie unten 
durch geringes Auf¬ 
hauen der Rund¬ 
stange , oben durch 
einen kleinen 
schmiedeisernen Keil 
gehalten. In Folge 
dieser Befestigung bil¬ 
det sich natürlich oben 
ein schmaler sichel¬ 
förmiger Zwischen¬ 
raum zwischen Rund¬ 
stange und Gusseisen¬ 
scheibe. 

Als vor einigen 

Tagen Schneefall eintrat, lagerte sich auch auf dem oberen 
Theile der Schale Schnee ab; eintretendes Thauwetter liefs den 
Schnee schmelzen und so füllte sich durch den kleinen Zwischen¬ 
raum die Hohlkugel mit Wasser. Plötzlicher Nachtfrost brachte 
das Wasser zum Gefrieren, wodurch 9 Stück Hohlkugeln zum 
Theil durchgesprengt, zum Theil völlig zertrümmert worden sind. 

Ganz abgesehen von der Gefahr, dass Menschenleben durch 
dieses unvorhergesehene Ereigniss hätten beschädigt werden 
können, da die gusseisernen Hohlkugeln granatenartig 
zersprangen, ist die nothwendigeReparatur des fertig montirten 
Gitters kostspielig und schwierig. 

Um für die Zukunft den Uebelstand derartiger Beschädigungen 
zu vermeiden, möchte es angezeigt erscheinen, da der wasserdichte 
Anschluss von dergleichen Ornamenttheilen nur mühsam zu be¬ 
werkstelligen ist, durch Löcher den freien Abfluss des 
Wassers zu ermöglichen. 

Karlsruhe, Dezember 1883. Herrn. Weisstein. 



Billige Ziehfedern. Die bekannte Firma F. Soennecken 
in Bonn, Berlin und Leipzig, hat eine neue Art von Ziehfedern 
in den Handel gebracht, die als Massenartikel fabrikmäfsig her¬ 
gestellt werden und pro Stück nur 30 Pfennig kosten. Dieselben 



werden in ähnlicher Weise, wie die Stahl - Schreibfedern aus 
Stahlblech hergestellt; die Schraube ist in das untere Blatt fest 
eingenietet, die Schraubenmutter aus Messing gefertigt. Der leichte 
Holzstiel steckt in der hülsenförmigen Feder wie bei einem Stahl¬ 
federhalter einfachster Art. 

Die betreffenden Federn sind zunächst zum Gebrauch in 
Schulen bestimmt und es lässt sich mit Recht erwarten, dass ihr 
billiger Preis die Einführung daselbst erleichtern wird. Ent¬ 
spricht jedoch die Durchschnitts-Qualität des Fabrikats dem uns 
vorliegenden Probe-Exemplar, so ist nicht daran zu zweifeln, dass 
auch die Techniker sich der neuen Federn gern bedienen werden. 


Stipendium für angehende Kulturtechniker. Das von 
dem Hrn. Minister für Landwirtschaft, Domänen u. Forsten an 
der landwirthschaftlichen Akademie zu Poppelsdorf errichtete 
Stipendium, welches bezweckt, denjenigen in der Richtung des 
Ingenieurwesens geprüften Regierungs - Baumeistern, welche bei 
vorkommenden Vakanzen als Meliorations - Bauinspektoren ange¬ 
stellt oder anderweit mit kulturtechnischen Aufgaben betraut zu 
werden wünschen, Gelegenheit zu geben, sich neben ihrer Fach¬ 
bildung auch noch genügende Kenntniss der praktischen und 
theoretischen Grundlagen der eigentlichen Kulturtechnik zu er¬ 
werben, ist vom 1. April d. J. ab auf 1 Jahr neu zu vergeben. 
Die Höhe des mit Kollegienfreiheit verbundenen Stipendiums be¬ 
trägt 1 500 deren Zahlung in 1 / 4 jährlichen Raten pränume¬ 
rando erfolgt. Der Stipendiat hat sich zu verpflichten, am 
Schlüsse des zweisemestrigen Kursus einem Examem aus dem 
Bereich der von ihm gehörten Vorlesungen zu unterziehen. Ueber den 
Umfang dieser Vorlesungen bleibt weitere Bestimmung Vorbehalten. 

Qualifizirte Bewerber um dieses Stipendium haben ihre 
Meldung unter Beifügung der bezüglichen Atteste, aus denen die 
bisher erlangte Ausbildung ersichtlich ist, bis zum 1. Februar d. J. 
an mich einzureichen. 

Berlin, den 18. Januar 1884. 

Der Minister der öffentl. Arbeiten. 

I. A.: Schultz. 


Zahnradbahn zum Denkmal auf dem Niederwald. Nach 
Mittheilungen in rheinischen Blättern sind bereits weit gehende 
Vorbereitungen für den Bau einer von Rüdesheim auf den Nieder¬ 
wald führenden Zahnradbahn getroffen worden; die Ausführung 
soll wo möglich noch bis zum Anfänge des nächsten Sommers 
bewirkt werden. Gleichzeitig ist die Rede von einer Bahnanlage 
von Assmannshausen aus. In beiden Fällen handelt es sich um 
Unternehmungen, die von Privaten oder Konsortien ausgehen. — 


Konkurrenzen. 

Die Konkurrenz für Entwürfe zu einem Stadttheater 
in Halle a. S. Wir veröffentlichen nachstehend die bereits in 
No. 6 u. Bl. angekündigte Erklärung der technischen Mitglieder des 
Preisgerichts nebst der Erwiderung unseres Hrn. Berichterstatters: 

Berlin, den 11. Januar 1884. 

In der Sonnabend, den 5. d. M. zur Ausgabe gelangten 
Nummer Ihres Blattes ist ein Artikel über die Konkurrenz für 

























































40 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


23. Januar 1884 


das Stadttheater in Halle veröffentlicht worden. Derselbe be¬ 
mängelt zunächst die Bestimmungen des Programms. Wenn an 
den betreffenden Ausführungen auch manches richtig sein mag, 
so diene als Erwiderung, dass die Aufstellung eines bestimmten 
und erschöpfenden Programms bekanntlich im architektonischen 
Leben eine der schwierigsten Aufgaben ist und dass in vielen 
Fällen die Konkurrenz durch die Vielseitigkeit der Bearbeitung 
der Aufgabe dazu dienen muss, die Programmfrage zum Abschluss 
zu bringen. 

In dem Artikel wird ferner die übereilte Zusammenberufung 
sowie die Thätigkeit der Jury einer Kritik unterzogen, in welcher 
gegen die Jury indirekt der Vorwurf der Leichtfertigkeit erhoben 
wird. Während so häufig über Verschleppung geklagt zu werden 
pflegte, wird hier aus der schnellen Erledigung ein Vorwurf er¬ 
hoben. Nach unserer Ansicht hätte man im vorliegenden Falle 
wohl Ursache anzuerkennen, dass selten eine Aufstellung von 
Konkurrenz-Plänen in einer so würdigen und musterhaften Weise 
und die Vorprüfungen so sachgemäfs und erschöpfend ausgeführt 
worden sind, wie dies in Halle geschehen. Die Hauptbedingung 
jedes Wettkampfes: „Gleicher Kaum und gleiches Licht für Alle“ 
ist hier im besten Sinne des Worts zum Ausdruck gebracht 
worden. Wenn dafür eine verhältnissmäfsig kurze Zeit aufge¬ 
wendet wurde, desto besser! Wenn ferner durch die aufgestellte 
Berechnung die Schnelligkeit der Aburtheilung von 59 Projekten 
in 2 Tagen getadelt wird, so geht daraus hervor, dass der Hr. 
Berichterstatter nur eine ungenügende Kenntniss von der Thätig¬ 
keit eines Preisrichter-Kollegiums hat. Glaubt derselbe, dass sich 
Preisrichter finden werden, welche die Erläuterungsberichte aller 
eingegangenen Konkurrenz-Entwürfe durchlesen würden? Glaubt 
er auch, dass dies zu einer sachgemäfsen Entscheidung nöthig 
ist? Thut dies der Berichterstatter einer Fachzeitschrift und be¬ 
spricht in erschöpfender Weise die ganze Baufrage, unterzieht 
jedes Projekt in Bezug auf seine Vorzüge und seine Nachtheile 
einer eingehenden Kritik, stellt Prinzipien auf etc., so ist das 
sein Amt. Das Preisrichter-Kollegium hat andere Verpflichtungen, 
es hat vor allem nach seinem besten Wissen und Gewissen die 
tüchtigsten, resp. die besseren Arbeiten zu bezeichnen. 

Die Arbeit des Preisrichters ist eine harte und anstrengende; 
deshalb wendet man sich für diese Thätigkeit an viel beschäftigte, 
in künstlerischer Kritik erprobte Männer, welche durch ihren 
Lebensberuf an schnelle und intensive Arbeit gewöhnt sind. Zu¬ 
dem giebt es kaum eie anderes Bauwerk, bei welchem ein er¬ 
fahrener Architekt so leicht übersehen kann, ob den gestellten 
Forderungen in Bezug auf bequeme Zugänge, leicht erreichbare 
und feuersichere Treppen, bequeme Korridore, geräumige Garde¬ 
roben, angemessene Bühnenabmessungen, praktische Magazin¬ 
räume, schöne Raum-Verhältnisse etc. Genüge geleistet ist, wie 
dies bei einem Theater-Entwurf zutrifft. Wenn ausgerechnet wird, 
dass bei der aufgewandten zweitägigen Arbeit der Jury für jedes 
Projekt einschliefslieh des Durchlesens der Erläuterungsberichte 
nur 15 Minuten verwendet sind, so macht der Berichterstatter 
ein falsches Exempel. Fast 2 / 3 der eingelieferten Arbeiten 
mussten von vorn herein entweder auf Grund von Verstöfsen 
gegen das Programm oder wegen der auffällig ungenügenden 
künstlerischen oder praktischen Lösung als nicht konkurrenz¬ 
fähig zurück gestellt werden. Die übrigen 22 Arbeiten ver¬ 
theilten sich auf 5 Preisrichter zur spezielleren Prüfung während 
der beiden Tage. Jeder einigermaafsen geübte Fachgenosse wird 
ein solches Arbeitsmaafs gewiss mit Leichtigkeit bewältigen. 

Bei der Reichstags-Konkurrenz sind beispielsweise 189 Ent¬ 
würfe mit 2000 Blatt Zeichnungen mit ihren schwierigen und 
komplizirten Raum-Dispositionen in 5 Arbeitstagen abgeurtheilt 
worden! — 

Wir müssen somit die in dem erwähnten Artikel enthaltene 
indirekte Anklage der Leichtfertigkeit der 5 Preisrichter in ihrem 
Amte auf das Energischeste zurück weisen. Wir thun dies um 
so mehr, als gegenüber der sonstigen Objektivität der Deutschen 
Bauzeitung der Artikel in einem auffällig gereizten und gehässigen 
Tone geschrieben ist und bitten die verehrliche Redaktion, den 
Fachkreisen und der übrigen Lesewelt gegenüber um Genug¬ 
tuung. 

gez. H. Ende. gez. E. Giese. gez. H. Schmieden, 
gez. E. Kelling. 


Vorstehende Erklärung von vier Mitgliedern des Preisgerichts 
bringt eine tatsächliche Berichtigung der in den bezgl. 
Artikeln motivirten Ausführungen nicht und kann daher deren 
Verfasser nur zu wenigen erläuternden Bemerkungen veranlassen. 

Bei den in der Einleitung bezeichneten zwei allgemeinen und 
rein sachlichen Zielen der Besprechung war es eine der ersten 
Pflichten eines unabhängigen Berichterstatters, nachzuweisen, 
woran diese und manche deutsche Konkurrenz gekrankt hat. 
Dass einerseits übertriebene Ansprüche eines ungenügend vor¬ 
bereiteten Programms Vorlagen, ist nicht zum ersten Male 
vermerkt, und scheint bezüglich des in Rede stehenden 
Falles auch von den Preisrichtern nicht geleugnet zu werden. 
Dass aber die Empfindung der eiligen Aburtheilung sehr 
mühevoller Konkurrenzarbeiten, seitens der Preisgerichte viele und 
gerade sehr gewissenhafte solcher Architekten, welche in Kon¬ 
kurrenzen bald mit, bald ohne Glück mehrfach mitwirkten, bedrückt 
und von fernerer Betheiligung zurück hält, das mag zum ersten 


Male öffentlich, aber mit nicht minderer innerer Berechtigung 
ausgesprochen sein. 

Preisrichter und Bericht erstattende Konkurrenten werden 
darüber schwerlich einig werden, ob der vorliegende Fall die 
letztgenannte Empfindung zu bestärken Anlass giebt. Der die 
Erklärung unterzeichnende Theil der ersteren zieht zum Beweise 
des Gegentheils eine sehr hohe Schranke zwischen den Pflichten 
und der Urtheilsfähigkeit beider. Verfasser hat nie beabsichtigt, 
diese autoritative Schranke zu übersteigen, oder zu schädigen und 
verzichtet seinerseits darauf, an der Hand des Urtheils die Vor¬ 
züge und Gefahren der in Anspruch genommenen „Schnelligkeit 
und Intensität des Arbeitens“ nochmals zu erörtern. Vielmehr 
sei, dem hier angeschlagenen Tone der Erklärung folgend, Wort 
und That gerade einer Autorität heran gezogen, welcher auch 
die Deklaranten keinen der nach ihrer Charakteristik einem Preis¬ 
richter nöthigen Vorzüge absprechen werden. 

Professor Winkler theilte kürzlich mit, dass die unter 
seiner Theilnahme vorgenommene Beurtheilung der zu einer 
Brücken-Konkurrenz (Czernawoda) eingegangenen Entwürfe von 
8 Konkurrenten durch 5 Preisrichter über 3 Wochen der ange¬ 
strengtesten Arbeit erforderte. Wie verhält sich dazu die Ab¬ 
urtheilung von 59 durchgearbeiteten Entwürfen für ein Theater, 
d. h. für eine zwar nicht gleich zu stellende, aber doch immerhin 
für eine der schwierigsten und von Architekten allein kaum zu 
lösende Aufgabe der heutigen Technik in IV 2 Tagen? 

Das Beispiel der Reichstags - Konkurrenz dürfte den An¬ 
schauungen der Erklärung nicht zur Seite stehen, weil jene Auf¬ 
gabe in ganz anderer Weise, u. a. auch durch ein vorzügliches 
Programm vorher geklärt, aufserdem nicht mit so sehr vielen 
Nebenfragen (wie Schwierigkeiten der Situation und des Terrains, 
Feuersicherheit, Heizung, Beleuchtung, Bühneneinrichtung etc.) 
beschwert war. Abgesehen davon aber zeigt sich in dem vor¬ 
liegenden Falle eine solche Steigerung der schon nach der Reichs¬ 
tags-Konkurrenz nicht ohne Staunen aufgenommenen Schnellig¬ 
keit des Urtheils, dass man vor der Zukunft einigermafsen 
bange, und der Ruf nach Einhalt in diesen raschen Fortschritten 
um so zeitgemäfser gewesen sein wird. 

Bei der Wichtigkeit dieses Kernpunktes der Sache und bei 
dem zu langen Polemiken nicht gearteten Charakter und Raume 
dieser Ztg. muss sich Verfasser bezüglich des übrigen Inhalts 
der Erklärung und namentlich ihres geschärften Schlussatzes auf 
die Wiederholung seiner Bemerkung beschränken, dass ihm nicht 
die leiseste, persönlich auch gänzlich gegenstandslose aggressive 
Absicht, sondern lediglich die Förderung des deutschen 
Konkurrenzwesens und des deutschen Theaterbaues 
am Herzen lag. Er muss es ferner dem Urtheile der Fachgenossen 
überlassen, zu welchem Theile der Spruch der Jury sowie die 
vorstehende Erklärung und zu welch’ anderem Theile die Publi¬ 
kation des Verfassers in dieser Zeitung zu solcher Förderung bei¬ 
getragen haben. 

Hannover, den 20. Januar 1884. Theodor Unger. 

Unsererseits haben wir gegenüber der Erklärung der Hrn. 
Preisrichter nur zu bemerken, dass wir den bezgl. Artikel in 
No. 2 u. Ztg. in dieser Form nicht veröffentlicht haben würden, 
wenn wir die Empfindung gehabt hätten, dass der allerdings 
scharfe Ton desselben die Grenzen berechtigter Kritik überschreite 
und dass der Verfasser andere als rein sachliche Tendenzen ver¬ 
folge. Dass die Fachgenossen, welche sich dem mühevollen Amte 
eines Preisrichters unterziehen, oft mit ungeahnten Schwierigkeiten 
zu kämpfen haben und für den Gang der Ereignisse nicht per¬ 
sönlich verantwortlich gemacht werden können, ist uns wohl bekannt. 
Deshalb sollte aber auch eine Kritik des Ergebnisses der Kon¬ 
kurrenz nicht als ein Vorwurf gegen die einzelnen Preisrichter 
aufgefasst werden. — Wir nehmen gern Gelegenheit mitzutheilen, 
dass im vorliegenden Falle seitens der Preisrichter vor Erlass 
der Konkurrenz auf die ungenügende Bausumme und die zu kurz 
bemessene Frist zur Bearbeitung der Pläne hingewiesen worden 
ist und dass von dieser Stelle aus vorgeschlagen worden ist, die 
zweite engere Konkurrenz nicht nur auf die Verfasser der 3 prä- 
miirten, sondern auch auf die Verfasser der 5 zum Ankauf em¬ 
pfohlenen Entwürfe zu erstrecken. 

Die Red. d. Dtschn. Bztg. 


Personal - Nachrichten. 

Deutsches Reich. Ernannt: Der bish. Eisenb.-Bauinsp. 
Otto Koeltze zum Eisenb.- Betriebs-Inspektor b. d. Verwaltung 
der Reichseisenbahnen in Elsass-Lothringen; gleichzeitig ist dem¬ 
selben die Betriebs-Inspektion Saargemünd übertragen worden. — 
Preufsen. Dem Ober-Hof-Baurath Moltban zu Hannover 
ist der Charakter als Geh. Ober-Hof-Baurath verliehen worden. 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. H. in Bonn. Die Frage der gemeinsamen Mittelmauern 
ist in den Ländern, wo französisches Recht gilt, als eine der 
schwierigsten bekannt. Wir fühlen uns aufser Stande, Ihnen in 
einer derartigen Angelegenheit Rath zu ertheilen und sind der 
Ansicht, dass Sie solchen am besten bei einem erfahrenen Sach¬ 
verständigen Kölns finden dürften. 


Kommissionsverlag von Ernst Toeche in Berlin. Für die Redaktion verantwortlich K. E. O. Fritsch, Berlin. Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin 













Deutsche Bauzeitung. XVIII. Jahrgang. 1884. 



































































































































































































































































































































































No. 8. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


Inhalt: Die Jägerkaserne zu Dresden. — Zur Stellung der höheren tech¬ 
nischen Beamten in der preufsischen Staats-Eisenbahn-Venvaltung. — Projekte 
für neue Sekundärbahn-Bauten in Preufsen. — Nochmals „eine wichtige Sekundär¬ 
spannung in Brückenträgern.“ — Die neue Northern Pacific-Eisenbahn in den 
Vereinigten Staaten von Amerika. — Vom Thalhause zu Halle a. S. — Mit- 


41 


t heil singen aus Vereinen: Architekten - Verein zu Berlin. — Frankfurter 
Architekten- und Ingenieur-Verein. — Vermischtes: Wirksamkeit der Filter- 
Anlagen bei Tegel. Bahnhofs - Unfall in Steglitz. — Die erste elektr. Eisenbahn 
in Bayern. - Todtenschau. — Konkurrenzen. — Personal-Nachrichten. 
— Brief- und Fragekasten. 


Die Jägerkaserne zu Dresden. 

(Hierzu eine Illustrations-Beilage: Ansicht des Gebäudes von der Elbe aus.) 


er für das II. Jägerbataillon No. 13 bestimmte 
Bau wurde uach beistehender Situations-Skizze 
1880 bis 1882 auf dem nordöstlich vom Sachsen¬ 
platz in der Nähe der Albertbrücke gelegenen 
Terrain errichtet. 

Nach Maafsgabe des von Seiten des Königl. Kriegs¬ 
ministeriums und der Militär-Baudirektion aufgestellten Pro¬ 
gramms hatten die Hauptfront des Baues an der Elbe zu 
liegen, zwei gleich grofse Flügelbauten beiderseits den An¬ 
schluss zu bilden und das Exerzierhaus den 102,0 m langen 
und 39,0 m breiten Kasernenhof abzuschliefsen. 

Die gestellte Aufgabe war, den Bau 
in einer der bevorzugten Lage ent 
sprechenden Gestaltung auszuführen und 
namentlich bei Feststellung der Fagaden 
auf die bereits durch die Architekten 
Haenel & Adam geplanten Pro¬ 
spekte des Sachsenplatzes und der 
schon in der Ausführung begriffenen 
Sachsenallee, jener 40 m breiten in der 
Axe der Albertbrücke liegenden Strafse, 
deren Bauten in No. 10, Jhrg. 83 
d. Bl. publizirt wurden, Rücksicht zu 
nehmen. Die Elbfronte des Baues 
hat eine Länge von 134 m ; die an- 
schliefsenden Seitenflügel haben eine 
solche von 78 m . Das Gebäude be¬ 
steht aus 4 m hohem Kellergeschoss, 

4,60 m hohem Erdgeschoss, I. u. II. 

Obergeschoss von je 4,35 m Höhe, 
sowie 4,20 m hohen Eckbauten und 
Mittelaufbau. Der Fufsboden des 
Kellergeschosses liegt noch 0,5 m über dem höchsten bis jetzt 
beobachteten Elb-Hochwasserstande. Der Bauplatz, ein tief 
gelegenes Wiesenterrain, bedingte die Anlage eines kräftigen 
Substruktionsbaues, dessen Sohle ca. 6,5 m unter der Strafsen- 
krone gelegen ist. 

Die Fagaden des Unterbaues, des Erdgeschosses sowie 
aller Architekturtheile der übrigen Geschosse und Thürme 
sind aus rein bearbeitetem Sandstein hergestellt und nur die 
glatten Wandflächen der oberen Geschosse mit Mörtel ge¬ 


putzt. Die Dächer und Thurmhelme sind mit englischem 
Schiefer eingedeckt. 

Bezüglich der Raumdisposition ist zu bemerken: dass 
im Kellergeschoss die Küchen, Speisesäle für die Mann¬ 
schaften, Putzräume, Werkstätten, Heiz- und Kellerräume, 
sowie Bäder liegen, im Erdgeschoss das Bataillons-Büreau, 
die Wache, die Arrestlokale, die Chargen-Wohnungen, das 
Unteroffizier-Kasino, die Unterrichtslokale, der Bataillons- 
Konsum, die Offiziers-Treppe, sowie die neben den Mannschafts- 
Treppen gelegenen Abtritte Raum gefunden haben und im 
I. und II. Obergeschoss das Offizier-Kasino, 3 Offizier- 
Wohnungen , die Mannschafts - und 
Chargirten-Stuben, die Waschsäle und 
die Schlafsäle liegen. Im III. Ober¬ 
geschoss des Mittelbaues befinden sich 
4 Offizier-Wohnungen, in demjenigen 
der Eckbauten die Montirungsräume. 

Der Haupteingang des Baues liegt 
an der Elbfront; zwei breite Granit¬ 
treppen vermitteln den Verkehr vom 
Hofe aus nach den Kompagnie - Re¬ 
vieren. 

Der im II. Obergeschoss des Mittel¬ 
baues gelegene Speisesaal des Offizier- 
Kasino hat die für die Jägertruppe 
charakteristische Architektur eines alt¬ 
deutschen Jagdhauses erhalten und es 
fanden bei der Dekoration desselben die 
im Besitze des Offizierkorps befindlichen 
Hirschköpfe und Geweihe eine vorteil¬ 
hafte Verwendung. 

Bei der Architektur des Baues wurde 
das Hauptgewicht darauf gelegt, dem Baue ein leichtes, dabei 
würdiges Aussehen zu verleihen, die bedeutende Gebäude¬ 
masse durch kräftige Vorlagen zu gliedern und namentlich 
der Silhouette eine recht lebendige Form zu geben. 

Der Plan wurde durch die Königl. Militär-Baudirektion 
im Verein mit den Architekten Hin. Haenel & Adam, 
unter Speziaileitung des Hrn. Oberstlieutenant Portius, des 
Direktors der Königl. Militär - Baudirektion, und unter Mit¬ 
wirkung des Hrn. Hauptmann Opitz projektirt. 




Zur Stellung der höheren technischen Beamten 

Wie schon seit langen Jahren ist die Aufmerksamkeit der 
in der preufsischen Staats-Eisenbahn-Verwaltung beschäftigten 
Regierungs Baumeister auch jetzt wieder auf das Lebhafteste den 
Verhandlungen des versammelten Landtages zugewendet. Seit 
Jahren hofften dieselben bei den durch vereinzelte Vertreter der 
Personal - Interessen des technischen Faches angeregten Dis¬ 
kussionen über die notorische Zurücksetzung der höheren Tech¬ 
niker gegenüber den Administrativ-Beamten aus maafsgebendem 
Munde ein Wort zu hören, welches eine Beseitigung dieser nicht 
wohl zu rechtfertigenden ungleichmäßigen Behandlung verheifsen 
und von einer zahlreichen, in treuster und hingehendster Pflicht- 
Erfüllung keiner anderen Berufsklasse nachstehenden Beamten- 
Kategorie einen schwer empfundenen Druck nehmen würde. 
Nachdem Jahre in fruchtlosem Hoffen und Harren dahin ge¬ 
gangen sind, gereicht es uns zur Befriedigung konstatiren zu 
können, dass nunmehr endlich die Nothwendigkeit, die ledig¬ 
lich durch zufälliges Herkommen begründeten verschiedenartigen 
Anciennetäts-Verhältnisse der technischen und der Administrativ- 
Beamten bei der Staats-Eisenbahn-Verwaltung nach einheit¬ 
lichen Gesichtspunkten zu regeln, in Aussicht genommen zu 
sein scheint. 

In der Sitzung des Landtages vom 21. d. M. brachte der Hr. 
Abgeordnete von Quast, welcher sich bereits wiederholt durch 
warmes Eintreten für die Techniker den Dank derselben verdient 
hat, bei der Berathung des Etats der Königlichen Eisenbahn- 
Direktion Berlin das bekannte Missverhältniss zwischen den 
Assessoren und den Technikern zur Sprache, welches im Interesse 
der Verwaltung selber der schleunigen Abhülfe bedürfe. Auch 
der nachfolgende Redner, Hr. Frhr. v. Schorlemer-Vehr er¬ 
klärte diese Beschwerde für begründet. Der Minister der öffent¬ 
lichen Arbeiten, Hr. Maybach, bemerkte hierzu, dass auch er wie 
der Abg. v. Quast der Meinung sei, dass die höheren tech¬ 
nischen und Verwaltungsbeamten ganz gleichmäfsig 
zu behandeln seien und dass die Anciennetät der 


in der Preufsischen Staats-Eisenbahn-Verwaltung. 

höheren Techniker vom Baumeister-Examen an zu 
rechnen sei. Er wünsche hier keine Imparität; es komme bei 
der Besetzung der Stellen im höheren Eisenbahndienst nur darauf 
an, was der Einzelne leiste und nicht darauf, woher er seine 
Kenntnisse gewonnen habe. Dieser Grundsatz werde ihn (den 
Minister) auch ferner leiten. 

Der parlamentarische Bericht vermerkt bei diesen Worten 
„Zustimmung“. In den betreffenden Fachkreisen werden dieselben 
aber einen lauten und freudigen Widerhall linden. Wenn der 
Hr. Ressort-Chef, dessen rastlose und erfolgreiche Energie bei der 
radikalen Umwälzung des preufsischen Eisenbahnwesens sowohl 
bei den Freunden als auch bei den Feinden der eingeschlagenen 
Richtung die ungeteilteste Anerkennung erzielt hat, vor dem 
Landtage sich in dem vorstehend angedeuteten Sinne äufsert, so 
dürfen die betheiligten Techniker sich wohl der begründeten 
Hoffnung hingeben, dass den Worten auch bald die That folgen 
wird- Ein Misstand, welcher so offen anerkannt worden ist, 
bedarf der schleunigsten Beseitigung. Es ist das ein einfacher 
Akt der Gerechtigkeit gegenüber der seit langen Jahren benach¬ 
teiligten Berufsklasse und voller Vertrauen darf dieselbe den zu 
erwartenden bezüglichen Verwaltungs-Maafsregeln entgegen sehen. 

Dass die Ausführung der bevor stehenden Reform zunächst 
nicht ohne formelle Schwierigkeiten möglich sein wird, kann dem, 
mit den Verhältnissen Vertrauten nicht zweifelhaft sein. Die 
Wünsche der älteren Regierungs-Baumeister dürften kaum in dem 
vollen Umfange erfüllt werden, da nicht zu verkennen ist, dass 
den bereits definitiv zur Eisenbahn-Verwaltung übernommenen 
Assessoren, als den beati possidentes, Billigkeitsgründe bei der 
eventuellen Behauptung ihrer Anciennetät zur Seite stehen. 
Immerhin aber wird sich ein Modus linden lassen, welcher eine 
nach Lage der Verhältnisse für beide Seiten befriedigende 
Regelung herbei führt. Und wer vielleicht in dem unvermeid¬ 
lichen Uebergangsstadium für sich eine gewisse Härte empfindet, 
der mag sich mit dem idealen Bewusstsein trösten, dass für die 






































































42 


26. Januar 1884 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


spätere Generation in vollem Umfange das erreicht wird, was den 
älteren Fachgenossen überhaupt versagt geblieben ist — das 
Prinzip der absoluten Gleichberechtigung zwischen 
den höheren technischen und administrativen Be¬ 
amten bei der Staats - Eisenbahn - Verwaltung. 

Es ist ein schlimmes Geschick der technischen Beamten, 
dass ihre berechtigten Wünsche stets erst auf mühseligem Wege 
zum Ziele gelangen. Ein bleibender — und wahrscheinlich nicht 


der geringste — Ruhm des Hrn. Ministers Maybach ist es 
aber, dass er zuerst hülfreich und thatkräftig die Hand geboten 
hat, die Stellung der höheren Techniker mehr und mehr zu ver¬ 
bessern und eine Reorganisation durchzuführen, deren Abschluss 
vieler Verbitterung und Muthlosigkeit ein erfreuliches Ende be¬ 
reiten wird. Der Hr. Minister darf des aufrichtigsten Dankes 
Seitens der Fach genossen sicher sein. — e. — 


Projekte für neue Sekundärbahn-Bauten in Preufsen. 


Es hat in Preufsen einer ziemlich langen Zeit bedurft, um 
das Sekundärbahnwesen und speziell den Bau von Sekundärbahnen 
in einen gewissen Schwung zu bringen. Andere Länder, wie 
Frankreich und Italien, auch deutsche Staaten, wie Bayern und 
Oldenburg, mussten auf diesem Gebiete voran gehen, bevor die 
preuisische Regierung zu dem Entschlüsse kam, ebenfalls ernst¬ 
lich der neuen Phase des Eisenbahnwesens sich zuzuwenden. 

Aber man muss gestehen, dass nachdem der Gedanke einmal 
erfasst war, nachdem man ein klares Bild über die zukünftige 
Entwickelung sich gemacht hatte, die Aufgabe auch mit einer 
grofsen Energie angefasst und nachdrücklich verfolgt worden ist, 
begünstigt freilich von Umständen, die zur Zeit des Beginns dieser 
Phase noch mehr oder weniger verdeckt lagen. Wir meinen 
damit insbesondere den raschen Verlauf, den die Verstaat¬ 
lichungen der Privatbahnen genommen, die, wie sie reines Feld 
für die Grundlagen der Projekte und die Projekte selbst geliefert 
haben, so auch es gewesen sind, welche die Hauptsache, das Geld 
für die Neubauten lieferten. Und mit den neuen Bahubauten ist 
auch rasch wiederum Regsamkeit in die Stagnation gekommen, 
der die Beschäftigung der jüngeren Kräfte des Faches verfallen 
war, so dass nur noch verhältnissmäfsig Wenige brach liegen und 
der eigentliche Nothstand (über den hier und da vielleicht auch 
wohl etwas zu lebhaft geklagt worden ist) aufgehört hat. Freuen 
wir uns des abermaligen Steigens der Fluth, ohne dabei der 
Thatsache zu vergessen, dass der glücklich wieder überwundene Noth¬ 
stand nur in einem übermäfsig gesteigerten Andrange zum Fache 
seine Ursache gehabt bat und trage jeder nach seinen Kräften 
dazu bei, dass ein wiederholter Aufschwung dieser Art 
vermieden, die Ergreifung des technischen Berufs als eines 
blofsen „Brotstudiums“ künftig so weit als thunlich vermindert 
werde. — 

Spezial-Gesetze durch die der Bau neuer Sekundärbahnen 
in Preufsen sicher gestellt ward, sind bisher 4 erlassen worden, 
davon das erste am 9. März 1880; in jedem Jahre ist seitdem 
ein weiteres Gesetz hinzu gekommen. Das Gesetz vom 9. März 
1880 warf für den staatsseitig auszuführenden Bau von 8 Sekundär- 
bahnen mit 375 km Gesammtlänge die Baumittel von etwa22 Millionen 
Mark aus. Das Gesetz vom 25. Februar 1881 sanktionirte den 
Bau von 475 km Sekundärbahnen in 10 einzelnen Linien und mit 
dem Kostenaufwande von rd. 37 Millionen Mark. Durch das Gesetz 
vom 15. Mai 1882 wurden Mittel im Betrage von rd. 47 Millionen 
Mark für den Bau von 13 Sekundärbahnen mit der Gesammtlänge 
von 538 km bereit gestellt und durch das neueste Gesetz, welches 
vom 21. Mai 1883 datirt, rd. 42 Millionen Mark für den Bau 
von 17 Sekundärbahnen mit 400 km Längenausdehnung. Im 
ganzen sind also insgesammt seit Anfang 1882 in Preufsen 
staatsseitig rd. 148 000 000 J/L zum Bau von fast 1800 km Sekundär¬ 
bahnen ausgeworfen worden. Unberücksichtigt hierbei sind aber 
einige nicht unerhebliche Posten, welche theils unter dem Titel Noth- 
standsbauten zu Bahnausführungen in Schlesien, theils auch ä fonds 
perdu zu Ausführungen von Sekundärbahnen seitens Privater 
bewilligt wurden. Rechnet man diese Mittel hinzu, so dürfte 
mau auf einen Betrag von etwa 160—170 Millionen Mark kommen, 
die vom preufsischen Staat seit etwa 4 Jahren in Sekundärbahn¬ 
bauten fest gelegt worden sind; sie mögen einer Bahnlänge von 
etwa 1900—2000 km entsprechen. 

Den bisherigen Bewilligungen soll sich in der gegenwärtigf n 
Landtags-Session des Abgeordnetenhauses eine weitere anreihen. 
Die Regierung hat dem Abgeordnetenhause vor einigen Tagen 
einen Gesetzentwurf vorgelegt, in welchem sie für den Bau 
von 17 Sekundärbahn-Linien — alle normalspurig auszuführen und 
theils von beträchtlicher Längen-Erstreckung — einen Kredit von 
58 167 000 M in Anspruch nimmt. Die Summe ist gröfser als 
eine der bisher für den gleichen Zweck geforderten und entsprechend 
geht auch die Gesammtlänge der projektirten neuen Bahnen mit 
rd. 760 km nicht unbedeutend über die in einem der bisherigen 
betr. Gesetze berücksichtigte Länge hinaus. 

Der Löweuantheil au den neuen Bahnen ist wiederum den 
3 östlichen Provinzen Ost- und Westpreufsen sowie Posen zuge¬ 
dacht; demnächst folgen Westfalen und die Rheinprovinz und 
schliefslich die Provinz Sachsen. Im Speziellen handelt es sich 
um folgende Linien: 

1 ) Labiau-Til.sit, die eine Fortsetzung der im Jahre 1882 
im Bau sicher gestellten Linie Königsberg-Labiau bildet; das End¬ 
stück hat eine Länge von 69,3 km . 

2) Allenstein-Soldau-Illowo. Auch diese Linie stellt 
sich als eine Fortsetzung früher begonnener Anlagen dar, durch 
welche das Städtchen Allenstein zu einem bedeutenden Knoten¬ 
punkte des Eisenbahnnetzes ausgebildet wird. Die Linie enthält 
in der Strecke Soldau-Ulowo-Landesgrenze ein Stück, welches 
vielleicht mit der bereits bestehenden Bahn Marienburg-Mlawka 


kombinirt werden kann; die Entscheidung darüber ist Vorbehalten; 
die Gesammtlänge der Bahn ist 100,5 kra . 

3) Jablonowo-Soldau. Ebenfalls das Schlusstück einer 
bestehenden Bahn, indem die Linie die Fortsetzung des langen, 
parallel der Ostseeküste verlaufenden Zuges der sogen. Pommer- 
schen Zentralbahn mit deren Fortsetzung Konitz-Jablonowo bildet. 
Gesammtlänge 79 km . 

4) Simersdorf- (bezw. Marienburg-) Tiegenhof. Stich¬ 
bahn zur Erschliefsung einer landwirtschaftlichen reichen Gegend 
von 21,5 km Länge. Die Fixirung des Ausgangspunktes der Bahn 
ist Vorbehalten. 

5) Posen-Wreschen bildet eine Fortsetzung der Märkisch- 
Posener Eisenbahn in östlicher Richtung bis zum Zusammentreffen 
mit der Oels-Gnesener Bahn. Länge 48,6 km . 

6) Lissa-Jarotschiu. Die Linie bildet die Verbindung 
der beiden Eisenbahnknotenpunkte Lissa an der Breslau-Posener 
Bahn und Jarotschin dem Kreuzungspunkte der Kreuzburg-Posener 
mit der Oels-Gnesener Eisenbahn und damit die Verlängerung 
eines von Halle kommenden west-östlichen Bahnzuges. Länge 
68,6 km . 

7) Lissa-Ostrowo. 94,2 k,n langes Verbindungsstück 
zwischen dem Knotenpunkt Lissa und der Station Ostrowo der 
Posen-Kreuzburger Eisenbahn. Ebenfalls eine Verlängerung des 
eben genannten west-östlichen Bahnzuges. 

8) Bentschen-Wollstein. Stichbahn von 24,1 km Länge, 
durch welche 2 Kreise, die bisher des näheren Anschlusses an 
eine Eisenbahn entbehren, mit dem Trennungspunkt Bentschen 
der Märkisch-Posener Eisenbahn iu Verbindung gebracht werden. 

9) Bitterfeld - Stumsdorf. Stichbahn, welche ein in 
Bezug auf Bergbau und Landwirtschaft sehr ergiebiges, theils 
unter preufsischer, theils unter anhaitischer Landeshoheit stehen- ! 
des Gebiet in direkte Verbindung mit der Berlin-Anhalter Eisen¬ 
bahn setzt. Die Bestrebungen zur Schaffung der 20,4 km langen 
Bahn reichen in die Zeit zurück, wo die Berlin - Anhalter Bahn 
noch im Privatbesitz stand; der Staat löst mit dem Bau quasi 
eine alte Schuld ein. 

10) Cönnern - Bernburg - Nienburg a. S.-Calbe a. S. 
Süd-nördlich gerichtete Verbindung zwischen den Stationen Cön¬ 
nern der Bahn Halle-Aschersleben und Calbe a. S., der Bahn 
Berlin-Blankenheim. Die Bahn liegt zum gröfseren Theil ihrer 
Länge mit 13,1 kra , auf anhaitischem und nur zum kleineren von 
11,8 kra Länge auf preufsischem Gebiet; erstere leistet daher einen 
Beitrag zu den Baukosten. Die durchschnittene Gegend ist indu¬ 
striell und landwirtschaftlich hoch entwickelt. 

11) Merseburg-Mücheln. Stichbahn der Thüringischen 
Eisenbahn von nur 15,6 kra Länge, die in das industriell und land¬ 
wirtschaftlich hoch entwickelte Geiselthal hinein führt. 

12) Naumburg a. S.-Artern. Eine durch das Unstrut- 
Thal führende Verbindungslinie zwischen der Station Naumburg a.S. 
der Thüringischen Eisenbahn und Station Reinsdorf der Sanger- 
hausen-Erfurter Bahn, die von Reinsdorf bis Artern (auf 2,8 km 
Länge) mit benutzt wird. Bei Ausführung dieser 56,7 ktn langen 
Bahn handelt es sich um ein bereits früher von einem Konsor¬ 
tium angestrebtes aber nicht realisirtes Unternehmen. 

13) Dahlerau- Lang er feld (Rittershausen). Die Bahn 
bildet das Schlusstück einer im Gesetze vom 21. Mai 1883 
sicher gestellten Verbindung zwischen Lennep und der Station 
Langerfeld der Rittershausen-Remscheider Zweigbahn. Die im 
Wupperthal liegende 11,3 km lange Strecke begegnet nicht uner¬ 
heblichen baulichen Schwierigkeiten und es ist zur Lösung auch 
die Umgestaltung des Anschlusses der oben genannten Zweigbahn | 
an die Hauptbahn erforderlich. 

14) Ründeroth - Derschlag. 14,2 km lange Fortsetzung 
der im Bau befindlichen Stichbahn von Siegburg (Berg.-Märk. 
Eisenbahn) nach Ründeroth. Die Bahn wird im industriereichen 
Angerthal aufwärts geführt und endet als Stichbahn. 

15) St. Vith - Landesgrenze, in der Richtung auf Ulf- 
lingen. Fortsetzung der im Gesetz vom 15. Mai 1882 zum Bau 
genehmigten Hohe-Vennbahn zum Anschluss an das Luxembur¬ 
gische Eisenbahnnetz. Die Bahn liegt in armer Gegend, welcher 
durch den Bau derselben möglichst aufgeholfen werden soll, die 
Länge derselben ist 18 km . 

16) Bretzenheim-Simmern. Von der Rhein-Nahe Bahn 
ihren Ursprung nehmende 40,5 km lange Stichbahn in den ärm¬ 
lichen Hunsrück hinein. 

17) Trier-Hermeskeil. Vorläufig als Stichbahn im Ruwer¬ 
thal aufwärts zu führen, um einer ärmlichen Gegend aufzuhelfen. 
Die Bahnlänge ist bei 51,9 km als ziemlich bedeutend zu bezeichnen. 

Die Motive, welche dem Gesetzentwürfe beigegeben, sind, was 
Angaben technischer Natur betrifft, in Uebereinstimmung mit einem 
Usus der sich eingebürgert hat, höchst dürftig gehalten. Sie be- 


















No. 8, 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


43 


No. 

Bezeichnung 

der 

Bahnen 

Länge 

km 

Grund¬ 

erwerb 

Kosten 

Bauko 

insges. 

M. 

sten 

pro km 

M. 

I 

des 

Staats 

M. 

eistung 

der Inte 

in 

Grund¬ 

erwerb 

M. 

ressenten 

in 

Baar 

M. 

1) 

Labiau- Tilsit. 

69,3 

279 000 

5 286 000 

76 300 

5 286 000 

279 000 


2) 

Allenstein - Soldau -Illovro. 

100,5 

523 000 

8 950 000 

89 000 

8 950 000 

523 000 

_ 

3) 

Jablonowo-Soldau.. 

79 

500 000 

5 630 000 

71 270 

6 005 000 

125 000 

_ 

4) 

Simonsdorf (bezw. Marienburg)-Tiegenhof . . 

21,5 

245 000 

1 256 000 

58 400 

1 084 000 

245 000 

172 000 

5) 

Posen-Wreschen . . . 

48,6 

343 000 

3 580 ono 

73 700 

3 580 000 

343 000 

_ 

6) 

Lissa-.Iarotschin. 

68 6 

250 000 

3 810 000 

55 500 

3 810 000 

250 000 

— 

U 

Lissa - Gstrowo. 

94,2 

296 000 

4 940 000 

52 400 

4 940 000 

296 000 

_ 

8) 

Bentschen - Wöllstein. 

24,1 

131 000 

1 376 000 

57 100 

1 376 000 

131 000 

— 

9) 

Bitterfeld-Stumsdorf. 

20,4 

205 000 

1 255 000 

61 500 

1 255 000 

205 000 

— 

10) 

Cönnern - Bembnrg - Nienburg a. S. - Calbe a. S. . 

24,9 

4S0 000 

2 000 000 

80 300 

1 900 010 

480 000 

100 000‘ 

11) 

Merseburg-Mücheln . . . 

15,6 

132 000 

1 271 000 

81 500 

1 115 000 

132 000 

156 000 

12) 

Naumburg a. S.-Ariern. 

56,7 

777 000 

4 893 000 

86 300 

4 623 000 

777 000 

270 000 

13) 

Dahlerau-Langerfeld (Rittershausen) .... 

11,3 

155 00» 

1 035 000 

91 600 

1 035 000 

155 000 

— 

14) 

Ründeroth - Derschlag. 

14,2 

97 000 

870 001 

61 300 

870 000 

97 000 

— 

15) 

St. Vith-Landesgrenze in d. Richtg. auf Ulflingen 

'8 

143 000 

2 657 000 

147 000 

2 800 000 

— 

— 

16) 

Bretzenheim - Simmern. 

40,5 

616 000 

3 584 000 

88 500 

3 892 000 

308 000 

— 

17) 

Trier-Hermeskeil. 

51,9 

454 000 

5 346 000 

103 000 

5 646 000 

154 000 

- 


= 

759,3 

5 626 000 

57 739 000 

76 042 

58 167 000 

— 

— 




63 365 000 

83 452 

76 606 pro km 



* Dieser Baarzuschuss wird seitens der Anhaitischen Regierung geleistet, auf deren Gebiet eine Bahnlänge von 13,1km fällt. 


wegen sieb nur in den 
allgemeinsten Wendungen 
und gehen überall sogar 
selbst nur der allerleisesten 
Andeutung über die er¬ 
wartete Verzinsung des An¬ 
lagekapitals vorsichtig aus 
dem Wege. Wenn es uns 
bei den gröfseren Verhält¬ 
nissen auch nicht geboten, 
sogar nicht einmal zulässig 
erscheint, in die technische 
und kommerzielle Klarle¬ 
gung der Projekte so weit 
einzugehen, als dies nach 
unserer neulichen Mit¬ 
theilung bei den gleich¬ 
artigen Vorlagen in Bayern 
der Fall ist, so will uns 
doch scheinen, dass die 
Eröffnung eines etwas weiter 
gehenden Einblicks in die 
Projekte, als desjenigen der 
hier geboten, seine Vor¬ 
theile hätte. Wäre es auch 
nur um die sich unwill¬ 
kürlich aufdrängende Ver- 
muthung zu widerlegen, dass 
den Propositionen der Re¬ 
gierung keine speziellen 
Vorarbeiten zu Grunde liegen, sondern nur ganz generelle Er¬ 
mittelungen , die noch so wenig eingegrenzt sind, dass sie 
bei weiterer Durcharbeitung jede beliebige Richtung nehmen 
können. Vielleicht war es indess auch Absicht, sich freie Hand 
in jeder Hinsicht zu wahren; wir können es uns sonst kaum er¬ 
klären, dass die ganze Ausbeute der aus 3 Druckbogen bestehen¬ 
den Vorlage an ziffermäfsigem Material technischer Art fast auf 
dasjenige zusammen schrumpft, was die nebenstehende kleine 
Zusammenstellung enthält. 

Aufser den bisher besprochenen Anlagen ist in dem Gesetz¬ 
entwürfe die finanzielle Betheiligung des Staates bei einer Privat¬ 
bahn-Anlage in Aussicht genommen, die ebenfalls als Sekundär¬ 
bahn ausgeführt wird. Es handelt sich um die Fortsetzung der 
bestehenden Holstein’schen Marschbahn Itzehoe-Heide, welche 
entlang der Holsteinschen Westküste von Heide über Friedrich¬ 
stadt, Husum und Tondern zur Landesgrenze bei Ribe geführt 
werden soll. Diese Fortsetzung ist 131 km lang und enthält als 


bedeutendstes Bauobjekt eine feste Brücke über die Eider bei 
Friedrichstadt, für welche im Anschläge ein Kostenbetrag von 
etwa V/ 2 Million Mark ausgeworfen ist. Das ganze erforderliche 
Anlagekapital ist zu 14 500 650 Jl (pro ku > 110 692 Jfy vorgesehen 
au welchen sich der Staat durch Uebernahme von 1 498 950 Jl 
in Stammaktien und 1 500 750 Jl in Stammprioritäts-Aktien be¬ 
theiligen soll — Restbeträge, die im Kreise der unmittelbaren 
Interessenten nicht unterzubringen sind. Da auch bei dem 
Anfangsstücke der Marschbahu Itzehoe—Heide der Staat über 
die durch bestehende Normen gezogene Grenze hinaus sich betheiligt 
hat, erachtete die Regierung es angemessen, die Bahngesellschaft 
in Bezug auf den staatlicherseits vorgesehenen Ankauf des Unter¬ 
nehmens vertragsmäfsig etwas ungünstiger zu stellen, als das 
Eisenbahngesetz vou 1838 dies allgemein vorgesehen hat. Sie 
hat sich das Recht ausbeduugen, den Besitz der Bahn bereits 
nach Ablauf von 10 Jahren, gerechnet vom Tage der Betriebs¬ 
eröffnung der neuen Strecke Heide—Landesgrenze, anzutreten. 
_ - B. — 


Nochmals: „eine wichtige Sekundärspannung in Brückenträgern.“ 


In No. 3 des Zentralbl. d. Bauverwaltg. antwortet Hr. Regierungs¬ 
rath Dr. Zimmermann auf meine Auseinandersetzungen in No. 3 
der Deutschen Bauzeitung. Ich sehe mich daher zu folgenden 
Entgegnungen veranlasst: 

ad 1. Der Satz, die Sekundärspannung in den Vertikalen 
wächst proportional dem Abstande der äufsersten Faser vom 
Schwerpunkte, ist hinreichend genau. Bei gleichen Massen und 
Trägheitsmomenten erhält man nun diesen Abstand am kleinsten, 
wenn man das Material möglichst in die Aufsenflächen bringt. 
Als Beispiel diene mir das von Hrn. Dr. Zimmermann am Ende 
des Artikels gegebene. Würden statt der gewählten Anordnung 
zwei Schenkel der Winkeleisen in die Aufsenflächen gelegt und 
die Winkeleisen so nahe zusammen gerückt, dass sich dasselbe 
Trägheitsmoment ergäbe, so würde das Widerstandsmoment gleich¬ 
wohl beinahe doppelt so grofs, die Sekundärspannung also halb 
so grofs geworden sein. 

Das Citat aus Steiner bezieht sich ausdrücklich auf „oben 
und unten geschlossene Brücken“, gehört also gar nicht in die 
Streitfrage. — 

ad 2. Nach Winkler ist anscheinend die Länge, welche für 
die Knicksicherheit in Rechnung zu ziehen ist, um so genauer be¬ 
stimmt, je mehr einzelne Punkte als fixirt betrachtet werden können, 
d. h. hier je steifer die Gefache sind. Als ein Beleg für die 
Ansicht, der Obergurt müsse ohne Querversteifungen in sich die 
Sicherheit besitzen, kann das Citat also keinenfalls dienen, wohl 
aber für das Gegentheil. 

Die Länge eines Feldes ist das Minimum, welches für die 
Knicksicherheit in Rechnung zu ziehen ist, wenn möglich wählt 
man ein gröfseres Trägheitsmoment um so mehr als meine dritte 
Forderung in No. 3 der Deutschen Bauzeitung ein möglichst 
grofses Widerstandsmoment, welches mit einem grofsen Trägheits¬ 
moment Hand in Hand geht, erwünscht erscheinen lässt oder 
sogar fordert. 

Was die zur Herstellung der Knick - Sicherheit ohne Quer- 
aussteifung erforderliche Material-Vermehrung anlangt, so kann 
ich, scheint mir, den Nachweis eines solchen Querschnitts ruhig 
abwarten, um dann den Gegenbeweis zu liefern. 

Die Vergröfserung des Druckes innerhalb der Stabendep 
kann nur eine Vermehrung des erforderlichen gröfsten Querschnitts 
herbei führen. Die Bemerkung des Hrn. Dr. Zimmermann ist daher 
ganz unzutreffend. — 

ad 3. Damit meinen Folgerungen und Bemerkungen der 


Charakter des „Orakelhaften“ genommen werde, setze ich die 
erforderlichen Daten für die Berechnung eines Druckgurtes unter 
Benutzung der exakten Theorie für einen einfachen Fall hierher. 
Eine Anwendung auf einen anderen Spezialfall kann keine Schwierig¬ 
keiten bereiten. 



Es seien y () , y t , y 2 die Abstände der Knotenpunkte des Druckgurtes von 
einer beliebigen Linie; öi,d 2 die Abstände der Ruhepunkte der Gefache, be 
welcher in den Vertikalen Biegungsspannungen nicht eintreten. 

Für die Abhängigkeit von z und * findet sich; 
im ersten Intervall: 

E J z" — Il u (2 l — X) + Hi (l — x) + Pi (y 2 — y 0 — z) + (P 2 — P,) (y. 2 — y, — z) 
Grenzen: x = 0 bis x = l 

Form: E J z“ — a — b x — cz (1) 

im zweiten Intervall : 


E J z" = B 0 (2 l — x) + P t (y -2 — y 0 — z) 
Grenzen: x = l bis x = 2 l 
Form: E J z" = d — e x — f z 


Resultate: 


(I) 


z = 

A = 


a — bx 

P 2 


a 

P 1 ’ 


+ A cos p X + B sin p X 



(II) 


(II) 


Die Konstanten ergeben sich aus den Bedingungen: 

für x = 0 ist z = 0 und zl = 0 
d 


e x 


d — e l 


jPjy-2 - yi)_ 

sin q l — cos q l . tg 2 q l 
d — el — qi (y. 2 — yQ 
sin q l 


+ C cos qx + D sin q x 
tg 2 q l ; 


=\/jl 

V EJ 


cos q l . tg 2 q l 
Die Konstanten ergeben sich aus den Bedingungen: 


für x = 21 ist Z" = 0 und für x = l ist z = y 2 — y i- 



























































44 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


26. Januar 1884 


Nachdem so das Wesen der Funktion z fest gestellt, können die drei Be¬ 
dingungsgleichen für die Bestimmung von £/ 0 , y x , y 2 gelöst werden. Dieselben 
lauten: 

(i) 2 J3q -f- 2 Hi + Hi = 0. 

CU) (y-i — 2/o) K .7 = A /3 i/„ + JL # //, 4- P l (y 2 ~y t) —z) {‘il — x) dx + 

+ f 1 (U> - -Pi) (y*. — yi — z) (2l — X) dx. 

(III) {yi — y{) E J = H a +~ R y + J" P x iy. 2 —■ y 0 — z) (l — x) d x 

/ l 

(P 2 — P^ (y 2 — yi -z){l — x)d x. 
o 

Dabei ist H 0 = Je (y 0 — (Jo); B l = Je(yi~ di); B 2 = Je (y 2 — dij). 

Die weitere Auflösung ist ohne rechnerische Schwierigkeiten. 

Uebrigens will ich die Ausführung einer solchen Rechnung 
nicht empfehlen, weil der Nutzen mit der erforderlichen Zeit in 
keinem Verhädniss steht. Es genügt vielmehr eine der von mir 
in No. 101 v. J. gegebenen Methoden deshalb, weil man mit Hülfe 
der von Manderla aufgestellten Tabellen die Gröfse des Fehlers, 
den man begeht, genau übersehen kann. Ist das Trägheitsmoment 
so grofs, dass die übliche Knicksicherheit erreicht ist für eine 
Feldweite, so ist der Fehler in maximo 10 % meistens nur 2 bis 
4 % der Sekundärspannung. Ist die Knicksicherheit für die 
doppelte Feldweite erreicht, so erreicht der Fehler 1 % nicht. 
Man kann also in gewöhnlichen Fällen rücksichtlich der seit¬ 


lichen Ausbiegung den Druckgurt als nur von Transversalkräften 
belastet ansehen. — 

Bei der geringen Breite der eingestürzten Brücke 3 m und 
dem sehr geringen Raddruck 1 t sind die Durchbiegungen geringer 
als ich voraus gesetzt hatte; trotzdem sind die Vertikalen die 
schwächsten Konstruktionstheile gewesen. Die Sicherheit gegen 
Einbiegen der Gefache in Folge der seitlichen Wirkung der Axial¬ 
kräfte ist nämlich bei der vertragsmäfsigen Belastung 0,65 
bei der Probebelastung .... 0,63 
bei Belastung durch 250 k s pro 9“ 0,53 
Berücksichtigt man die Eckaussteifung, so bessern sich die 
Zahlen. Die Sicherheit bleibt jedoch durchaus ungenügend.* 
Indem ich einige andere Bemerkungen des Hrn. Dr. Zimmer¬ 
mann über den Einsturz, die Lastvertheilung sowie die in den 
Vertikalen entstehenden Spannungen, die nicht zutreffend sind, 
der Kürze halber übergehe (die Schlussbemerkung ist oben bereits 
genügend charakterisirt) schliefse ich, indem ich glaube, meine 
Ansichten nunmehr genügend klar gelegt und begründet zu haben, 
Berlin, den 22. Jan. 1884. 

_ Fr. Schulte, Reg.-Bauführer. 

* Anmerkung. Die entsprechend berechnete Sicherheit beträgt für die 
Warthebrücke bei Küstrin 10, für die Ruhrbrücke bei Winz 18. 

Dass die Lehrbücher über die Berechnung des Druckgurtes selbst wenig 
enthalten, ist nicht auffallend; sie sprechen um so mehr von dem Wichtigeren, 
von der Funktion der Vertikalen, den Druckgurt auszusteifen. 


Die neue Northern Pacific-Eisenbahn in den Vereinigten Staaten von Amerika. 

Mitgetheilt vom Civil-Ing. Chas. Szdn in Buffalo U. S. 

(Hierzu die Abbildung auf S. 45.) 


Die Eröffnungs- Feierlichkeiten der Northern Pacific Eisen¬ 
bahn, welche bekanntlich mit fast theatralischem Pomp und viel 
Geschrei in Szene gingen, sind vorüber und die zahlreichen Gäste, 
welche dazu aus Europa erschienen waren, sind längst wieder 
heimgekehrt. 

Abgesehen von den — durch die Berichterstatter politischer 
Zeitungen, welche theils den Zug durch die neue Welt be¬ 
gleiteten, theils auch nur im Geiste an derselben Theil nahmen, 
in die Welt gesetzten — meist sensationell gefärbten Berichten 
und Beschreibungen, dürfte es für den Fachmann von Interesse 
sein, Näheres über die Anlage und Vollendung des gewaltigen 
Baues zu erfahren und daher will ich es versuchen, gestützt auf 
mir vorliegende statistische Angaben und Karten, ein möglichst 
klares Bild zu schaffen. 

Die 3 Hauptverbindungen zwischen dem Osten und dem 
Westen von Amerika werden durch die Southern Pacific Railway 
im Süden von New-Orleans, am Golf von Mexico, nach Los Angeles, 
au der Pacific-Küste — durch die Central und Union Pacific R. R. 
von Omaha nach San Francisco und durch die Northern 
Pacific R. R. von St. Paul resp. Superior nach Portland (Oregon) 
hergestellt. Eine weitere Bahn, die Atlantic Pacific R. R. ver¬ 
bindet Santa Fö in New-Mexico mit den Staaten Arizona und 
California. Aufser einer Beschreibung der Northern Pacific sind 
frühere Berichte über die vorgenannten Bahnen zur Genüge vor¬ 
handen; hier möge nur einer kurzen Mittheilung über deren 
Entstehung Raum gegönnt werden. — 

Der Gedanke, eine Ueberlandbahn zu bauen, (den nament¬ 
lich Senator Benton von Missouri so lebhaft befürwortet hat) 
war schon seit Califörniens erstem Aufblühen unablässig erörtert 
worden. Viel trugen die Erfahrungen des Bürgerkrieges dazu 
bei, ihm ein neues Leben zu verleihen; denn man erkannte 
damals, dass es ohne eine solche Bahn unmöglich sei, der West¬ 
küste gegen einen mächtigen Feind genügenden Schutz zu 
verleihen. 

Inzwischen aber hatten drei Kaufleute in Sau Francisco, 
Stanford, Huntington und Hopkins, den Beschluss gefasst, die 
Ueberlandbahn vom Salzsee bis zur Pacific Küste herzustellen, 
während New-Yorker Kapitalisten im Osten den Bau der Union 
Pacific R. R. — von Omaha bis zum Mormonenlande hin — 
planten. 

1862 nahm der Kongress eine Bill an, welche den Gesell¬ 
schaften ihre „Landgrants“ verlieh und im Mai 1869 war die 
Bahn fertig gestellt. Hier ein paar Zahlen, um dieses Werk mit 
dern von Villard (Northern Pacific) vergleichen zu können. Die 
Central Pacific erhielt 9 440 000 Acker Land (1 Acker = 40,47 a ), 
die Union Pacific 13 295 104 Acker; das meiste davon war schlecht 
oder ganz unbrauchbar. Die Northern Pacific besitzt 42 000 000 Acker 
gröl'stentheils guten Landes. Die Bondschuld (Obligationsschuldj 
der Union Pacific betiägt'etwa 70000 Doll, pro Meile (engl.), (1 engl. 
Meile 1,609 km ), die der Northern Pacific 30 000 Doll. Der Bau 
der Central- und Union Pacific bat 52 121 642 Doll, gekostet. Die 
Kosten der Northern Pacific sind noch nicht genau bekannt, die¬ 
selben betrugen bis Ende Juni 1882 

28 949 302 Dollar für den Bau; 

2 138 956 „ Betriebsmaterial; 

1 185 944 „ Oberbau; 

Total 32 274 202 Dollar. 

Das Baukapital incl. Eigenthum an Land und übernommenen 
in Betriebe befindlichen Bahnen der Northern Pacific betrug 
Ende Juni 1882: 136 989 398 Dollar. 

Die Bahn von Omaha nach San Francisco (Central- und Union- 
Pacific) ist 1865 engl. Meilen lang, die von St. Paul nach Portland 


(Northern Pacific) ungefähr 1700 Meilen. Die gröfste Erhebung 
der Union Pacific über dem Meeiesspiegel ist 2512 m bei Sherman 
im Felsengebirge, diejenige der Central Pacific 2139 m bei Summit 
in der Sierra Nevada, die der Northern Pacific nahe 1800 m west¬ 
lich von Helena im Felsengebirge. Die südliche Ueberlandbahn 
wurde 1880 vollendet, indem damals die Southern Pacific bei 
Demming in New Mexiko Anschluss an die Atchison - Topeka und 
Santa Fö Bahn erhielt. 

Welche der drei Ueberland - Routen die bequemste und 
interessanteste, ist schwer zu entscheiden. Auf der Union- 
und Central - Route hat der Reisende im Sommer gewöhnlich 
keine so grofse Hitze, wie auf der Southern - Route, und im 
Winter keine so grofse Kälte wie auf der Northern-Route zu 
befürchten. Für die Winterszeit ist die südliche Route weitaus 
vorzuziehen. Auf allen drei Routen trifft man höchst langweilige 
Strecken von Prärien und Wüsten, von denen die im Süden immer 
noch die interessantesten sind. Die Gebirgspartieen der Central 
Pacific und die Schönheiten des westlichen Theiles der Northern 
Pacific stehen wohl ebenbürtig neben einander. 

Die Northern Pacific Bahn beginnt im Osten in St. Paul, 
einer bedeutenden Stadt im Staate Minnesota und Knotenpunkt 
von 7 gröfseren östlichen und südlichen Eisenbahnen, wovon die 
St. Paul-Milwaukee und Chicago R. R., die Wiscounsin Central, 
die Chicago, St. Paul, Minneapolis und Omaha R. R. die bedeu¬ 
tendsten östlichen Anschlusslinien sind. Bei dem Knotenpunkt 
Brainerd führt eine Seitenlinie östlich nach Superior und Duluth 
am Superior-See. Zur besseren Uebersicht führe ich die ein¬ 
zelnen Abtheilungen an: 

1) Die Wiscounsin - Abtheilung. 

In dieser Abtheilung ist Thomson Junction der Knotenpunkt der 
beiden letzt genannten Seitenlinien und liegt in derselben, 37 km 
von der Bay of Superior, einer der besten Häfen der Binnenseen 
der Vereinigten Staaten entfernt. In Superior ist ein Dock von 50 m 
Breite und 305 m Länge im Bau begriffen, um die Stadt Duluth 
183 km östlich von Brainerd von dem überaus grofsen und bedeu¬ 
tenden Schiffahrtsverkehr auf dem Superiorsee zu entlasten. Um 
einen Ueberblick der Getreidemassen, welche in den 3 Haupt¬ 
punkten St. Paul, Minneapolis und Duluth jährlich versandt 
werden, sei bemerkt, dass St. Paul 1 585 000 Bushel, Minneapolis 
3 500 000 und Duluth 2 660 000 durch die Elevatoren laufen 
lässt. (1 Bushel = rot. 30>.) Ferner wurde die Bahn noch 
1 600 km östlich von Superior und 16 km westlich vom Montreal 
River verlängert und so eine Verbindung der Staaten Wiscounsin 
und Michigan hergestellt. Die Maximal - Steigung in der Wis- 
counsin-Abtheilueg beträgt 1 : 100. 

2) Die Minnesota-Abtheilung reicht von St. Paul bis 
nach Fargo, 440 km ; die Grenze des Staates Minnesota und 
Dakota am Red River gelegen, führt von St. Paul nördlich den 
Mississipi River entlang und wendet sich dann vom Knotenpunkte 
Brainerd westlich bei Fargo den Red River überschreitend. Bei 
Little Falls mündet die Zweigbahn Little Falls und Dakota 
von 140 km Länge ein mit dem Endpunkt Browns Valley. 

Eine weitere Zweigbahn, die Fergus u. Black Hills, 
mündet in Wadena Junction, führt gleichfalls südwestlich nach 
Fergus Falls und Breckenridge, ist jetzt 120 km lang und soll 
bis nach dem Gebirge Black Hills im Staate Dakota verlängert 
werden, um Ab- und Zufuhrwege zu der mineralreichen Gegend 
zu schaffen. 

Ferner mündet in Fargo die Fargo- u. South-Western- 
Zweigbahn, wovon 130 km südwestlich bis an den St. James River 
gebaut sind, ein; dieselbe soll bis La Moure geführt werden. 

3) Die Dakota-Abtheilung bei Fargo beginnend und bis 
Bismarck reichend, hat eine Länge von 314 km und nimmt bei 




















No. 8. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


45 


Jamestown die Jamestown- und Northern Zweigbahn, welche 
nördlich bis Carrington führt und 70 km Länge besitzt, auf. — 
Bei Bismarck überschreitet die Northern-Pacific den Missouri, was 
die Anlage einer bedeutenden eisernen Brücke von 427 m Länge 
bedingte. Das System der Bismarckbrücke — vom Civil - Eng. 
C. C. Schneider konstruirt — ist das der kombinirten Fachwerk¬ 
brücken mit Bolzen-Verbindung. Die Fundations-Arbeiten wurden 
unter Anwendung von Caissons ausgeführt und boten viel 
Schwierigkeiten, da schlammiger Boden von Fels durchzogen 
vorherrschend war. Der Missouri ist an dieser Stelle schon ein 
bedeutender Fluss und zeigt der Nähe der Gebirge wegen in 
kurzer Zeit Wasserstands Wechsel von 9—15 m . 

4) Die Missouri-Abtheilung, von Bismarck beginnend, 
reicht bis Glendive am Yellowstone River und ist 355 km von 
ersterer Stadt entfernt. Dieselbe überschreitet bei Little Missouri 


darunter liegende drückend, bewirkten es, dass der fertige Bahn¬ 
damm bei Iron Bluff, 16 km oberhalb Glendive, eines schönen 
Morgen spurlos verschwunden und in den Yellow River hinab 
gerutscht war. 

Eine weitere Schwierigkeit boten die mehre Millionen Kubik¬ 
meter enthaltenden Felsen-Gerolle, die in Folge von Unter¬ 
spülungen sich stets in langsamer Abwärtsbewegung zum Fluss 
hin befanden, einer Bewegung, der man durch massenhafte Anlage 
von Werken aus Senkstücken und Buhnen, die den Lauf des 
Flusses vom gefährdeten Ufer abwenden, entgegen treten musste. 
Die Maximal - Steigung auf dieser Strecke ist 1: 200, die totale 
Höhendifferenz zwischen den Orten Glendive und Livingston 
beträgt 735 m . — 

Die Vorarbeiten für eine Zweigbahn iu Billings mündend und 
nordwestlich nach Fort Benton führend, sind im vergangenen 



Situations-Skizze der Northern Central Pacific Bahn. 


den gleichnamigen Fluss, bietet aber nichts Bemerkenswerthes, 
da sie meistens flaches Land durchschneidet. 

5) Die Yellowstone-Abtheilung beginnt bei Glendive 
und endet in Livingston mit einer Länge von 505 km und ist 
eine der interessantesten, an Naturschönheiten reichen Strecken. 
Die Bahn führt hier längs des Yellowstone Rivers, auf 360 km 
Länge und überschreitet sowohl diesen neben 6 Nebenflüssen au 
3 verschiedenen Stellen, als auch den gröfseren Big Horn River. 

Der Bau iu dieser Abtheilung bot die gröfsten Schwierig¬ 
keiten, da das steil zum Fluss abfallende, felsige Ufer zum Theil 
weggesprengt, zum Theil durch Stützmauern befestigt werden 
musste. 

Hier ist es, wo die ungeheuren Felsparthien die groteskesten 
Formen annehmen und grofsartige Eindrücke auf den Beschauer 
machen. Für den Bahnbau waren diese Theilstrecken aber sehr 
ungeeignet. Die unteren Schichten, durch den permanenten 
Wechsel des Wasserstandes unterspült und verwittert, die oberen 
Schichten in mächtigen Geschieben als ungeheure Last auf die 


Vom Thalhause zu Halle a. S. 

Vor einigen Tagen ist mir das so prächtig ausgestattete erste 
Heft der Verbands - Publikation über die Holzarchitektur vom 
XIY. bis XVIII. Jahrhundert von Schäfer und Cuno zu Gesicht ge¬ 
kommen, und ich finde darin auch eine perspektivische Ansicht 
des Chörleins aus dem älteren Thalhauszimmer zu Halle. Die 
Zeichnung ist die Kopie einer unten verkürzten, etwa halb so 
grofsen in Strichmanier ausgeführten Photolithographie, welche 
sich schon vor ca. 3 Jahren fand und die mit ihren Unrich¬ 
tigkeiten bezw. mit Zusätzen wiederholt worden ist, hier, wo den 
Herausgebern ohne Zweifel in erster Linie die Wahrheit am Herzen 
gelegen hat. Dass man in das Zimmer von 1594 restaurirend 
die alten Butzenscheiben-Fenster gezeichnet hat, ist völlig gerecht¬ 
fertigt. Ob es sich indessen rechtfertigen lässt, wenn die aller¬ 
dings bis zum Abbruch des Thalhauses* vorhandene Schranke 
beibehalten ist, welche, in der Barockzeit dem Zimmer eingebaut, 
nichts mit der übrigen keuschen Architektur zu thun hat, auch 
nicht an die Stelle einer älteren ursprünglichen getreten ist, will ich 
dahin gestellt sein lassen. Wenn die Felder über den Fenstern 
zum Theil einen Ring inmitten haben, zum Theil nicht, so mag 
das unwesentlich sein, von Belang ist aber, dass der seitlichen 
Vertäfelung über ihrem Hauptgesimse die charakteristisch ge¬ 
schnitzte Bekrönung fehlt, die doch beiderseits niemals gefehlt 
hat. Alles dies könnte man noch gering anschlagen, allein sieht 

* Es war vor 2 Jahren der ganz unnöthige und nutzlose Abbruch unvermeid¬ 
lich, obwohl unsere Regierung mit allen Mitteln für die Erhaltung des Bauwerks 
eintrat; doch ist hier nicht der Platz die trübselige Geschichte von dem Ende des 
in konstruktiver und formaler Durchbildung höchst interessanten Gebäudes zu geben. 
Die beiden werthvollen Zimmer werden konservirt. 


Jahre angefangen, doch bis heute der ungeheuren Terrain¬ 
schwierigkeiten wegen noch nicht vollendet. Fort Benton ist eiu 
bedeutender Handelsplatz für Indianer und bis zu diesem Punkt 
fahren die Dampfschiffe auf dem Missouri. 

Südlich vou Livingston, gröfstentheils im Staate Wyoming, 
liegt der berühmte National-Park, ein bis jetzt noch wenig be¬ 
suchtes, aber au Naturschönheiten überreiches Stückchen Erde. 
Neben den herrlichsten Waldlandschaften und Felsszenerien 
spielen die heifsen Quellen, welche mächtige Strahlen kochenden 
Wassers von 30—90 m Höhe aufschleudern, die Hauptrolle. Die 
bedeutendsten sind die „Geyser“ und „Mammouth Hot Springs“, 
fast 2000 “ über dem Meeresspiegel liegend. Eine Zweigbahn 
von Livingston nach diesem Wunderlande ist im Bau begriffen 
mit einer Steigung von 1: 25. 

6) Die Rocky Mountain-Abtheilung beginnt au dem 
Punkt (Livingston), wo die Bahn das Yellowstone-Thal verlässt, 
durchschneidet die Belt Mountains mittels eines Tunnels am Kamm 
des Bozeman - Passes vou 1 100 "> Länge, folgt dem Thal des 


man die Zimmerwand links vor dem Erker an, so ist dort auf 
zwei Konsolen ein Spiegel schräg aufgestellt und zwar vor einem 
für ihn eigens bestimmten, durch Zierrath mit Fries und Kranz- 
sims oben abgeschlossenen Platze, über dem sich aufserdem ein 
Armleuchter befindet. Diese ganze, im Vergleich zu dem übri¬ 
gen besonders klar gezeichnete Komposition beruht lediglich auf 
Erfindung und hat mit der Wirklichkeit nur gemein, dass der 
Spiegel und der Wandarm thatsächlich vorhanden waren, aber 
in dem zweiten Zimmer, welches (nach Adlers Meinung) um die 
Mitte des XVII. Jahrhunderts (nach chronikalen Angaben wahr¬ 
scheinlich etwas früher) höchst üppig ausgeziert worden ist. Der 
Spiegel dürfte, wie vielleicht schon auf der Zeichnung erkennbar, 
sogar erst dem Ende des vorigen oder dem Anfang dieses Jahr¬ 
hunderts angehören. In Wirklichkeit war die Wand — eine 
Blockwand innen mit Bohlen verkleidet — links ungefähr manns¬ 
hoch bis zur Ecke mit dunkelgrünem Tuche bekleidet gleich den 
übrigen, verhältnissmäfsig wenigen nicht vertäfelten Wandpartien; 
rechts vom Erker aber, wo der Zeichnung nach ebensfalls ein 
Spiegel gesessen hätte, befand sich ein Schrank in der Wand 
und über demselben ein zweiter geheimer mit einem Vexirver- 
schluss. Ich halte es für geboten auf diese Unrichtigkeiten und 
Zusätze aufmerksam zu machen, weil die beiden Thalhaus-Zimmer, 
mag auch das geistige Kapital dieser hoch edlen Architekturen 
noch eine Zeit lang zinsenlos liegen, doch einmal wieder durch 
eine neue Aufstellung zu Ehren kommen werden und derartige 
Zusätze alsdann zu falschen Anordnungen Anlass werden könnten. 

Halle a./S., im Dezember 1883. 

G. Schönermark. 


























46 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


26. Januar 1884 


East Gallatin, Missouri und Prickly Pear River nach Helena; 
kreuzt den Haupthöhenzug der Rocky Mountains durch einen 
Tunnel am Mullan Pass von 1 175 m Länge und endet am Little 
Blackfort River am westlichen Abfall des Gebirges. Die ganze 
Länge beträgt 244 km . Die höchsten Punkte in dieser Abtheilung 
sind am Bozeman-Tunnel, 1 696 und am Mullan-Tunnel, 1 691 “ 
über Meeresspiegel. Die Maximal - Steigung ist 1 : 100, ausge¬ 
nommen in den Gebirgszügen, wo ein Maximum von 1 : 45 an¬ 
gewandt wurde. 

Da die vorbenannten Tunnel bei der Eröffnung der Bahn 
noch nicht fertig hergestellt waren, war eine provisorische Linie 
über die Gebirgspässe gelegt mit einer Steigung von 1 : 25. Auch 
diese Gegend der Bahn ist an Naturschönheiten reich. 

7) Die Missoula - Abtheilung erstreckt sich von dem 
Ende der Rocky Mountain - Abtheilung bis zu Clarks Fork, ist 
264 k ™ lang, folgt dem Little Blackfort und Hell Gate River 
nach Missoula, kreuzt das Coriacan Defilö des Jockey River- 
Thaies und fällt dann zum Hatbead River bis zu Clarks Fork. 
Das absolute Gefälle auf dieser Strecke beträgt 780 m . Die 
Maximal-Steigungen sind 1 : 100 mit Ausnahme au der Kreuzung 
des Gebirges bei Coriacan Defile, wo die Steigung 1 : 45 ist. 
Das höchste Bauwerk in dieser Abtheilung ist das Mannt Gulch 
Trestle Work (Viadukt) 68 ™ hoch und 228 m lang. 10 Mal 
wird der Hell Gate River von der Bahn überschritten und es sind 
diese üeberschreitungen mittels hölzerner Brücken nach System 
Howe bewerkstelligt. 

Das westliche Stück dieser Abtheilung, auf eine Länge von 
85 k “ führt durch die Hathead Indianer Reservation und es musste 
die Bauerlaubniss für diese Strecke erst bei den Indianern ein¬ 
geholt werden. 

8) Die Clarks Fork-Abtheilung beginnt bei Clarks Fork 
und endet bei Sand Point, eine Länge von 205 km . Der Bau 
dieser Strecke war mit aufserordentlichen Schwierigkeiten ver¬ 
bunden. Die Thäler, durch welche die Bahn führt, sind schmal, 
dicht bewaldet, von felsigen Gebirgsausläufern und mit steilen 
und gefährlichen Abhängen durchbrochen. Der Clarks Forks River 
ist ungemein reifsend, mit Stromschnellen versehen und unpassir- 
bar für Schiffe oder Flöfse. Für einen Zu- resp. Abfahrweg zum 
Bau war kein Platz vorhanden, so dass es grofser Anstrengungen 
bedurfte, diese Wildniss zu durchdringen. Es wurden dazu 
6000 Maun, worunter 4 000 Chinesen aufgeboten. 

9) Die Pend D’Oreille-Abtheilung beginnt am Lake 
Pend D’Oreille und endet bei Ainsworth, eine südliche Richtung 
einschlagend. Auf dieser Strecke sind es hauptsächlich Viadukte 
und Brücken, welche den Bau kostspielig machen. Aufser einem 
langen Viadukt, über den Ausfluss des Pend d’Oreille Sees, war 
eine Howe Truss Brücke von 61 “ Länge über den Spokaue River 
und eine solche von 470 “ Länge (incl. einer Drehbrücke) über 
den Snake River bei Ainsworth zu errichten. 

10) Die Cascade-Mountains-Ahtheilung, bei Ainsworth 
beginnend, zieht sich wieder nördlich nach Tacoma durch die 
mineral- und kohlenreichen Cascaden-Gebirge im Staat Washington. 
Auf dieser Linie war die Ueberschreitung der Gebirge und Ueber- 
windung der Steigung die Hauptfrage, die ihre Erledigung dadurch 
faud, dass mau hierfür den geeignetsten Punkt, den Slampede- 
Pass am Kopf des Sunday Creeks, eines Seitenflusses des Green 
River erwählte, welcher 880“ über dem Meeresspiegel liegt 


und die Anlage eines Tunnels von 2775 “ Länge bedingt. Diese 
Lime von Tacoma nach Bluff Wells ist 496 k “ lang, jedoch noch 
nicht ganz vollendet. 

11) Die Pacific - Abtheilung, Portland - Kalama und 
lacoma verbindend, bot weniger Schwierigkeiten und auch günstige 
Steigungsverhältnisse; dieselbe führt zum Theil durch die wunder- 
schönen Niederungen der Columbia-Rivers und zweigt im Norden 
nach Olympia ab. Der Bau einer weiteren Abtheilung zwischen 
Portland und Ainsworth resp. Wallula Junction ist in Aussicht 
genommen; sie führt den Columbia River entlang, ist aber zunächst 
wenig aussichtsreich, da der Fluss auf dieser Strecke schiffbar 
ist und ein bedeutender Schiffahrtsverkehr auf ihm sich bewegt. 

Von Portland, der bedeutendsten Stadt im Staate Oregon, 
gehen Dampfer-Linien nach San Francisco, welche im Besitz der 
Oregon & Transcontinental Company sich befinden, und die 
andererseits mit einem Kapital von 30 Mill. Dollars Aktionäre der 
Northern Pacific R. R. sind. 

Obgleich schon von San Francisco, nördlich im Staate 
California und von Portland südlich im Staate Oregon, Bahnen 
angelegt sind, um auf dem Landweg von und zu den genannten 
Plätzen gelangen zu können, so wird es noch eine gute Zeit 
dauern, bis diese Verbindung hergestellt ist, da der Bau der¬ 
selben unermessliche Kapitalien verschlingen wird. — 

Um einen kurzen Ueberlic.k der Wechsel - und arbeitsreichen 
Bau-Periode zu geben, sei, zum Lob des Präsidenten der Northern 
Pacific R. R., Henry Villard (der bekanntlich vor kurzem seine 
Stellung aufgegeben hat. D. Red.), zu erwähnen, dass es der 
ganzen Energie und nicht zu unterschätzenden Arbeitskraft eines 
Mannes bedurfte -— der sich vom Journalisten zum obersten 
Dirigenten eines der bedeutendsten Unternehmen der Neuzeit 
empor geschwungen — um die gestellte schwierige Aufgabe lösen 
zu können. Stolz kann auch jeder Deutsche auf solchen Lands¬ 
mann sein, wegen der vielfachen Unterstützungen und Förderungen, 
die Hr. Villard seinen hiilflos in die neue Welt gekommenen 
Kollegen erwiesen hat. Nicht vergessen seien ferner die Ver¬ 
dienste der Ingenieure, die in den wildesten und unzugänglich- 
lichsten Gegenden, mit Gefahren und Entbehrungen aller mög¬ 
lichen Art zu kämpfen hatten, um den ihnen gestellten Aufgaben 
genügemtzu können. Mancher dieser kühnen Pioniere hat dabei sein 
Leben ausgehaucht in Folge von Entbehrungen und Strapazen, 
die hauptsächlich durch klimatische Verhältnisse und Gefahren aller 
Art hervor gerufen wurden, und die im grellsten Wiederspruch 
zu den Annehmlichkeiten stehen, deren sich die eingeladenen 
Gäste bei der Eröffnung der Northern Pacific Bahn im vollsten 
Maafse zu erfreuen hatten. 

Für letztere wird diese Reise eine stets angenehme und 
bleibende Erinnerung sein und ich will wünschen und hoffen, 
dass ihre Erfahrungen und Erlebnisse zum Wohl meiner Lands¬ 
leute im ergiebigsten Maafse angewandt und ausgenutzt werden. 
Wenngleich manches in diesem Land in den Augen von Fremd¬ 
lingen ans Krasse grenzt — eins darf nicht vergessen werden: die 
amerikanische Gastfreundschaft und höfliche Zuvor- 
k o m m e n h e i t. Sie hat sich bei oben genannter Gelegenheit auf das 
Glänzendste erwiesen und ist auch vereinzelt etwas mehr als 
nöthig erschien, ausgenutzt worden. Ueber diese blofse Andeu¬ 
tung indess soll mein Bericht nicht hinaus greifen 


Mittheilungen 

Architekten-Verein zu Berlin. Versammlung am 21. Jan. 
1884. Vorsitzender Ilr. Hobrecht; anwesend 176 Mitglieder 
und 5 Gäste. 

Den Vortrag des Abends hielt Hr. Schäfer 

„über Gewölbeformen des Mittelalters.“ 

Den anregenden Ausführungen des Hrn. Redners entnehmen 
wir die nachstehenden Angaben: 

Ein Laie, welcher sich mit der Wissenschaft der Bangeschichte 
beschäftigt, wird leicht den Eindruck gewinnen, als ob dieselbe 
allseitig wohl durchgearbeitet und begründet sei. Der Fachmann 
weiss indessen, dass eine solche Ansicht thatsächlich nicht haltbar 
ist, und dass vielmehr in Bezug auf viele, sehr wesentliche Ein¬ 
zelheiten kaum die ersten, zur Beurtheilung nothwendigeo Grund¬ 
lagen vorhanden sind. Derartige bedauerliche Lücken sind ins¬ 
besondere auch in der mittelalterlichen Baukunst wahrnehmbar. 
Fragt man bei irgend einem Detail derselben nach dem Ursprünge, 
so bleibt die Wissenschaft nur all zu häufig die Antwort schuldig! 
Das Studium der Gewölbe, welche in der mittelalterlichen Baukunst 
eine so hervor ragende Rolle spielen, da sie als Deckenbildung 
in den Haupt-Bauwerken einen bestimmenden Einfluss auf den 
Gesammt-Aufbau, auf die Behandlung der Wände, Strebepfeiler 
etc. ausüben, wird wesentlich erschwert, durch die geringe Zu¬ 
verlässigkeit des veröffentlichten Materials, welches in seinen 
Abbildungen häufig fast unbegreifliche Verschiedenheiten an den¬ 
selben, von verschiedenen Autoren aufgenommenen Bauten enthält. 
Im übrigen ist die Anzahl der vorhandenen Original-Arbeiten 
über das mittelalterliche Gewölbe nur sehr gering. Es ist das 
Verdienst von Bngewitter, in Deutschland diese interessante 
Frage in seinem bekannten, vortrefflichen Werke, welches leider 
zu wenig beachtet wird, zuerst für weitere Kreise angeregt zu 
haben, ln dem Werke, finden sich allerdings zahlreiche Mängel 
welche dadurch zu erklären sind, dass der Verfasser sich über 


aus Vereinen. 

die Gegenstände seiner Darstellung zunächst selbst und als erster 
ein Urtbeil bilden musste. 

Die romanische Baukunst, deren Beginn etwa vom Jahre 1000 
ab zu rechnen ist, basirt bekanntlich auf der dreischiffigen römi¬ 
schen Basilika mit erhöhtem Mittelschiffe. Von vorn herein wurde 
die Apsis und die Krypta überwölbt, erstere, weil man es für 
passend hielt,. den heiligsten Raum besonders auszuzeichnen, 
letztere, weil dieselbe den Fufsboden des Chors zu tragen hatte. 
Erst im weiteren Verlaufe der Entwickelung des romanischen Stils 
ging man daran, die Seitenschiffe und schliefslich auch das Mittel¬ 
schiff zu überwölben. Für diese Ueberdeckung wurde ursprüng¬ 
lich das Tonnengewölbe, demnächst das Kreuzgewölbe gewählt. 
Betrachtet man indessen die ersten Ausführungen des letzteren 
genauer, so erkennt man leicht, dass dasselbe nicht als wirkliches 
Kreuzgewölbe, sondern als Tonnengewölbe eingeschalt gewesen ist, 
auf welches Stichkappen aufgesetzt wurden. In den späteren 
Bauten gelangte man zu der Ausführung von Gurtbogen, durch 
welche der zu überwölbende Raum in einzelne Felder getheilt 
und das Durchschaalen von Tonnengewölben gehindert wurde. 
Die in die einzelnen Felder eingespannten Kreuzgewölbe zeigen 
erst in späteren Beispielen ein „Stechen“ des Scheitels. Wenn¬ 
gleich die Ausführung der Gewölbe wohl stets auf einer Unter- 
schaalung bewirkt worden ist, so wird man sich die Anordnung 
des Lehrgerüstes, wie aus der Unregelmäfsigkeit des Mauerwerks 
noch vielfach zu erkennen ist, doch nur als eine sehr primitive, 
von dem Hrn. Vortragenden nach seinen Vermuthungen eingehen¬ 
der erläuterte zu denken haben. Der starke Seitenschub der 
bisher ausgebildeten Gewölbform bedingte indessen so beträchtlich 
starke Widerlager, dass der Zusammenhang zwischen Seiten- und 
Mittelschiff fast aufgehoben wurde. Diesem Uebelstande suchte 
man durch die Ausführung von Kuppelgewölben entgegen zu treten, 
welche jedoch dem ästhetischen Gefühle nur wenig genügten und 
















No. 8. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


47 


zu weiteren Bestrebungen ein Kreuzgewölbe mit verringertem 
Seitenschube zu konstruiren, führten. Es entstand, als letzte 
Leistung der romanischen Kunst auf dem Gebiete der Wölbungen, 
das ausgebauchte Kreuzgewölbe. Dasselbe kann nur auf fester 
Schaalung ausgeführt sein, auf welcher, wie aus vorhandenen 
Beispielen noch deutlich ersichtlich ist, eine Erd- oder Sandschicht 
als Unterlage für die beabsichtigte Gewölbform aufgehäuft wurde. 
Mit dem Auftreten des gothischen Spitzbogens erhielt das — an¬ 
fänglich ohne, demnächst mit „Busen“ hergestellte — Kreuzgewölbe 
eine weitere Modifikation. 

Aus dem Kreuzgewölbe entstand das Sterngewölbe, welches 
in seiner charakteristischen Erscheinung eine gleichzeitig sym¬ 
metrische und konzentrische Ausbildung zeigt und daher nur bei 
quadratischer Grundform vollkommen befriedigt. Der Versuch, 
einen länglich gestalteten Raum in analoger Weise durch reichere 
und wechselvollere Kappen-Bildungen zu überdecken, führte ver- 
muthlich zu der Ausbildung des Sterngewölbes, welches die 
Gothik in zahlreichen mustergültigen Beispielen überaus reizvoll 
verwendet hat. Da dasselbe keineswegs an den gothischen Stil 
gebunden sein dürfte, so erscheint es erstaunlich, dass sich die 
moderne Technik die Verwerthung dieses fruchtbaren Motives 
bisher hat entgehen lassen, eine Thatsache, welche ihre Erklärung 
vielleicht darin findet, dass durch Publikationen noch nicht für 
eine genügende Verbreitung des vorhandenen Materials Sorge 
getragen ist. _ e . — 


Frankfurter Architekten- und Ingenieur-Verein. In der 
letzten Sitzung hielt Hr. Eisenb.-Telegr.-Insp. Loebbecke einen 
interessanten Vortrag über: 


die Elektrizitäts-Ausstellung in Wien 
im Jahre 1883. 

Er verband damit eine Einladung des Hrn. Valentin zur Be¬ 
sichtigung der in seinen Geschäftslokalitäten hergestellten Glüh¬ 
lichtbeleuchtung mittels der Bostonlampe. Von dieser Lampe, 
welche in Wien grofses Aufsehen erregte, gab Hr. Loebbecke 
zunächst eine genauere Beschreibung. 

Der Redner gab u. a. auch einige Angaben über die bei den bis¬ 
herigen 5 Spezial-Ausstellungen benutzten Räumlichkeiten, unter 
denen sich die in Wien als die umfangreichsten und zweckmäfsigsten 
erwiesen und daran schloss sich eine Beschreibung verschiedener 
Einrichtungen derselben. In Bezug auf die zur Ausstellung ge¬ 
brachten Objekte bemerkte der Vortragende, dass zwar im allge¬ 
meinen prinzipielle Neuerungen nicht zu erwähnen seien, dass 
jedoch in Wien im Gegensätze zu den früheren Ausstellungen 
sich eine wesentlich gröfsere Sicherheit namentlich in den neueren 
Zweigen der Elektrotechnik bemerkbar gemacht habe. Aufser- 
dem seien manche wesentliche Verbesserungen an Einrichtungen 
und Apparaten zu konstatiren gewesen. Als solche wurden be¬ 
sonders erwähnt, beschrieben und zum Theil durch Vorzeigung 
von Apparaten erläutert: der Typendruck-Apparat vou Lucchesiui, 
der Syphon - Recorder von Thomson, der Feuer - Automat von 
Wolters, die Seeminen-Einrichtungen des dänischen Kriegsmiui- 
steriums, ein elektro-therapeutischer Apparat zur Heilung vou 
Neuralgie, die neuesten Glühlampen vou Siemens & Halske; 
Swans Miniatur-Glühlampen in ihrer Verwendung zu mikrosko¬ 
pischen Untersuchungen, Dynamo-Maschinen mit gemischter Schal¬ 
tung und deren Verwendung zur Glühlichtbeleuchtuug und Kraft¬ 
übertragung, letztere speziell bei elektrischen Eiseubahneu. 


Vermischtes. 


Wirksamkeit der Filteranlagen bei Tegel. Die 2 Monate, 
während welcher die neuen Filter bei Tegel im Betriebe gewesen 
sind, scheinen bereits eine durchgreifende Abhülfe gegen das 
\orkommen der Brunnenalge im Berliner Leitungswasser mit sich 
gebracht zu haben. 

Dass aus den Filtern selbst ein möglichst reines Wasser er¬ 
folgen werde, war schon vor der Erölfnung derselben fest ge¬ 
stellt und dass das Wasser insbesondere algenfrei sein würde, 
wusste man, weil das Wasser des Tegeler Sees, aus dem die 
Filterpumpen bekanntlich schöpfen, notorisch vou Algen frei ist. 

Eine Ungewissheit blieb aber darüber bestehen , oh es ge¬ 
lingen werde, die in dem Rohrnetze von früher her ent¬ 
haltenen Algen rasch wieder zu entfernen oder ob sich dort 
Ansiedlungen durch längerer Dauer würden erhalten können. 

Die bis jetzt gemachten Wahrnehmungen lassen schliefsen, 
dass auch in dieser Hinsicht der Bau der Filter alle Hoffnungen, 
die man hegte, erfüllt. Es sind durch energische Spülungen aus 
dem überwiegenden Theile des Rohrnetzes die Algenanhäufungen 
vollständig wieder entfernt und nur einzelne kleine Theile des 
Netzes, die vermöge ihrer besonderen Lage die Anwendung einer 
kräftigen Spülung nicht gestatten, haben noch zu leiden; 
wahrscheinlich wird aber auch hier binnen ganz kurzer Zeit voll¬ 
ständige Abhülfe von selbst sich ergeben. 

Mit diesem erfreulichen Resultat dürfte nun endlich wiederum 
ein fester Boden für die seit lange schwebenden Erweiterungs- 
Projekte der Wasserwerke geliefert sein, deren Realisirung, 
sollen nicht die gesundheitlichen Verhältnisse der Stadt Schaden 
nehmen, keinen langen Aufschub mehr verträgt. Die Wahl unter 
den sich bietenden Bezugsquellen für anderweiten Wasserbezug 
ist jetzt wesentlich erleichtert und es sind die Bedenken, die sich 
gegen die eine oder die andere Schöpfstelle richteten, so gut wie 
beseitigt, seitdem durch den vollständigen Erfolg der Tegeler 
Anlage die Möglichheit erwiesen ist, das Wasser der Seen der 
märkischen Niederung durch gewöhnliche San d - Fil tration 
auf einen Reiuheitszustand zu bringen, der selbst strengeren An¬ 
forderungen genügt. 

Es ist zu hoffen, dass sich in dieser Auffassung der Ver¬ 
hältnisse die maafsgebenden Persönlichkeiten nicht werden beirren 
lassen, speziell durch Anpreisung irgeud welcher künstlichen 
b iltersysteme, die so häufig auftauchen und mit deren Empfehlung 
oft eine Verdächtigung der gewöhnlichen Saudfiltration verbunden 
zu werden pflegt. — 


Die wegen des Bahnhofs-Unfalls in Steglitz am 2. Sep¬ 
tember v. J. eingeleiteten Untersuchungen der Verwaltung sowoh] 
als des hiesigen Landgerichts wegen eines etwaigen Verschuldens 
des Stationsvorstehers haben mit einem Beschlüsse des Gerichts 
auf Aufserverfolgsetzung des Angeklagten und Verurtheilung dei 
Staatskasse in die Kosten geendet. Das Landgericht spricht sieb 
in seinem vom 15. d. M. datirten Beschlüsse wie folgt aus: 

„Die geführte Voruntersuchung hat nach keiner Richtung er¬ 
geben, dass der Beschuldigte durch Vernachlässigung der ihn 
obliegenden Pflichten einen Eisenbahntransport in Gefahr gesetzt 
oder dass er durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen ver 
ursacht hat; es ist vielmehr nach dem Ergebniss der Vorunter¬ 
suchung als erwiesen anzunehmen, dass die Durchlässe eigenmächtig 
durch Personen aus dem Publikum geöffnet worden, und dadurct 
die Katastrophe herbei geführt worden ist.“ 

Etwa gleichzeitig mit dieser Beendigung der Sache hat die 
Regierung in einer Vorlage beim Abgeordnelenhause ihren vor¬ 
jährigen Antrag zur Bewilligung der Kosten für den Umbau des 
Bahnhofs Steglitz wiederholt. Die Motive der Forderung besagen 


dass die in der vorjährigen Session angeregten nochmaligen Unter¬ 
suchungen wegen Herabminderung der damals geförderten Kosten 
(von 422 000 M) einen Erfolg nicht gehabt haben. Vielmehr 
einen negativen insofern, als sich die Notwendigkeit herausgestellt 
habe, die Perronanlageu noch über das früher angenommene Maafs 
hinaus zu erweitern. Anstatt 2 Perrons müssten 3 vorhanden 
sein: I Zwischen- und 2 Seitenperrons, wovon einer für die Abfahrt 
nach Berlin dienen solle. Diese Anlage biete iiberdem den Vor¬ 
theil, dass, wenn später etwa die Ausführung eines 3. und 4. Haupt¬ 
gleises sich als nothwendig erwiese, die Ausführung ohne Aende- 
rung der Perronanlagen erfolgen könne. (Hierzu mag gleich 
bemerkt werden, dass die Herstellung eines 3. Hauptgleises, wie 
mau erfährt, bereits in bestimmte Aussicht genommen ist.) 

Für Ausführung der neuen Perrons und die der Gleisunter¬ 
tunnelung, wie desgleichen einer 11 m weiten Unterführung der 
neben dem Bahnhof die Bahn kreuzenden Albrechtstrafse bringt 
die Regierung jetzt eine Bewilligung von 430 000 M. in Antrag^ 


Die erste elektr. Eisenbahn in Bayern hat die bekannte 
Firma Steinbeis & Cie. in ihrem Etablissement zu Brauuenburg 
eingerichtet. Dieselbe hat eine Länge von 1 km und dient zum 
Transport der Schnitthölzer. Die Dynamo-Maschinell wurden von 
Schlickert in Nürnberg geliefert. Dass damit zugleich die Ein¬ 
richtung für elektr. Beleuchtung verbunden worden ist, bedarf 
der besonderen Erwähnung kaum. 


Todtenschau. 

Am 20. Januar ist zu Berlin der Kommerzienrath Julius 
Pi nt sch verstorben. In den eisenhahn-technischen Kreisen fast 
der ganzen Welt hat der Name Pintsch für immer einen guten 
Klang durch die vor etwa 10 Jahreu erfolgte Erfindung der 
Wagenbeleuchtung mit komprimirtem Gas, die sich rasch 
eine aufserordentliche Verbreitung verschafft hat und überall als 
das Muster einer guten Beleuchtung gilt. In den letzten Jahren 
suchte Pintsch seine Erfindung auch für Zwecke des Wasser- 
strafsen-Verkehrs auszugestalten; inbesondere hatte er vor die¬ 
selben auf die Betonnung schwieriger Fahrwasser an den Küsten 
auszudehnen. Die vorjährige Hygiene - Ausstellung enthielt eine 
gelungene Lösung dieses Problems in Gestalt einer mit einem 
Lichtträger ausgestatteten Seetonne von etwa 10 cbm Fassungsraum 
für das Gas, welches für eine 4 monatliche Brenndauer bei immer¬ 
währendem Brennen ausreichen sollte. Die grofse Fabrik, welche 
Pintsch in Berlin besafs und welche sich insbesondere mit der Herstel¬ 
lung von Installationsgegenständen für Gas- und Wasserleitungen 
befasste, ist durch Präzision und Gediegenheit ihrer Leistungen 
überall auf das Vortheilhafteste bekannt. 


Konkurrenzen. 

Konkurrenz für Entwürfe zu einem Stadttheater in 
Halle a. S. Zu dem Berichte über diese Konkurrenz in No. 2 
bis 6 u. BL ging uns noch eine Zuschrift des Architekten Hrn. 
Heinrich Schubert zu, der sich über einige Unrichtigkeiten in 
der Besprechung seines preisgekrönten Projekts beschwert. Hr. 
Schubert führt zunächst Klage darüber, dass als sein Wohnort 
auf S. 21 Berlin statt Dresden angegeben und weiterhin die eine 
der beiden Treppengruppen seines Entwurfs als zum III. und 
IV. Rang führend bezeichnet sei, während der letztere doch über¬ 
haupt einen IV. Rang gar nicht enthalte. Beide Irrthümer liegen 
thatsächlich vor, fallen jedoch nicht unserem Hrn. Berichterstatter 
zur Last, sondern sind Druckfehler, die bei der eiligen Her¬ 
stellung unserer No. 4, für welche die Abbildungen erst in letzter 
Stunde fertig gestellt werden konnten, diesseits leider übersehen 


















48 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


26. Januar 1884 


worden sind. Unser IJr. Berichterstatter hat den letzten Fehler 
alsdann in seinen Text mit übernommen; thatsächlich hat der¬ 
selbe jedoch keine wesentliche Bedeutung, da es gleichgültig ist, 
ob die grofse Zahl der auf jene Treppen angewiesenen Personen 
1 oder 2 Rängen entstammt. Ein zweiter Beschwerdepunkt ist 
der, dass dem Vestibül des bezügl. Entwurfs ein kellerartiger 
Charakter zugeschrieben werde, weil es bei gleichem Durchmesser 
wie das als Vorbild der bezgl. Anordnung zu betrachtende Vesti¬ 
bül des Leipziger Konzerthauses nur 4 m (statt wie dort 6 m ) 
lichte Höhe habe; wir bestätigen in dieser Beziehung gern, das 
das Schubert’sche Vestibül erheblich geringere Dimensionen als 
das jenes Leipziger Baues, namentlich noch nicht die Hälfte 
seines Flächeninhaltes hat. Endlich bezeichnet es Hr. Schubert 
als falsch, dass die abgehenden Kolonnen auf je ein einziges 
Podest von 3,80 m im □ geleitet würden und weist darauf hin, 
dass sein Projekt je 6 grofse seitliche Eingänge zeige. Dies hat 
jedoch nicht bestritten werden sollen, sondern es sind in jenem 
Satz die Podeste der äufseren Freitreppen gemeint. In jedem 
Fall kann Hr. Schubert überzeugt sein, dass ihm nicht absicht¬ 
lich Unrecht gethan werden sollte. 

Auf besonderen Wunsch stellen wir endlich noch die — 
allerdings schon in dem Unger’schem Bericht, aber an verschie¬ 
denen Stellen enthaltene Mittheilung zusammen, dass von den 5 
seitens der Hrn. Preisrichter zum Ankauf empfohlenen Arbeiten drei: 
„Lessing“ (Verf. E. Giesenberg - Berlin), „Hans Sachs“ 
(Verf. Schmidt & Neckelmann - Hamburg) und „Cjivitate et 
artibus“ (Verf. Lüthi & Klemm in Frankfurt a. M.) wirklich 
augekauft worden sind. 

Konkurrenz für Entwürfe zu einem Restaurations- 
Gebäude auf dem Maxfelde in Nürnberg. Während der 
Magistrat von Nürnberg im Inseratentheile u. Bi. (No. 7) nunmehr 
endlich eine Bekanntmachung erlassen hat, welche der vielbe¬ 
sprochenen Preisbewerbung wenigstens einen korrekten formellen 
Abschluss giebt, erhalten wir von einem angesehenen dortigen 
Fachgenossen eine längere Darstellung des eigenthümlichen Ver¬ 
laufs dieser Angelegenheit und der Ursachen, welche diesen 
Verlauf herbei geführt haben. Da der Hr. Verfasser uns nicht 
ermächtigt hat, ihn zu nennen, so verbietet sich damit der Abdruck 
des bezügl. Schriftstücks, in welchem auf einzelne persönliche 
Verhältnisse eingegangen wird. Wir begnügen uns damit, anzu¬ 
deuten, dass die Konkurrenz von vorn herein daran gekrankt zu 
haben scheint, dass einflussreiche Kreise, welche in erster Linie 
für das Zustandekommen des Unternehmens gewirkt haben, gegen 
eine öffentliche Konkurrenz waren und den Bau einem bestimmten 
Architekten übertragen wissen wollten. Dass die Erfolglosigkeit 
Her Konkurrenz mit Sicherheit voraus gesehen werden konnte, 
weil der zu projektirende Bau für einen Preis von rd. 80 M. 
pro sollte ausgeführt werden können, wahrend man in Nürnberg 
die Kosten eines zweigeschossigen Wohnhauses auf 200—250 M. 
pro <J m zu veranschlagen pflegt, betont das betreffende Schreiben 
ausdrücklich. Die Entscheidung der Preisrichter ist daher an 
sich nicht anzufechten und es haben auch die enttäuschten Kon¬ 
kurrenten, welche dem Bauherrn ein billiges Ideenmaterial geliefert 
haben, kaum ein Recht sich zu beschweren, da sie an einer 
Konkurrenz sich betheiligt haben, deren Bedingungen den Grund¬ 
sätzen der deutschen Architektenschaft nicht entsprachen. —- Ein 
kleiner Trost für dieselben wird es sein, dass der Magistrat den 
Ankauf einiger Projekte in Aussicht gestellt hat; hoffentlich wird 
es nicht blos bei dieser Aussicht sein Bewenden behalten. 


Konkurrenz für Entwürfe zu den Heizungs- und Lüf¬ 
tungsanlagen im Hause des deutschen Reichstages. Im 
Inseratentheil des Blattes finden die Leser eine Bekanntmachung 
des Staatssekretärs des Innern Hrn. v. Boetticher, durch welche 
mit dem Termin 10. April d. J. Projekte für die Heiz- und Lüf¬ 
tungsanlage im Reichstagshause eingefordert worden. Das Recht 
zur Theilnahme ist auf Angehörige des deutschen Reichs beschränkt 
und es ist für Prämiirungen der Betrag von 10 000 M ausgesetzt, 
welche in höchstens drei Preisen zur Verkeilung kommen sollen. 
Zu Preisrichtern sind aufser den beiden Mitgliedern der Reichs¬ 
tagshau-Verwaltung :IIrn. ArchitektWallotund Bauinsp. Haeger, 
die Hrn. Reg.-Rth. Wolff hügel, Prof. Fis eher-Hannover, Prof. 
Rietschel-Berlin, Prof. Intze-Aachen und Prof. Recknagel- 
Kaiserslautern berufen. An Grundlagen für die Bearbeitung des 
Projekts sind 5 Grundriss- und 4 Durchschnittszeichnungen des 
Hauses, eine Sammlung von Tabellen, welche die Vordersätze etc. 
für die Berechnung der Wärme- und Luftmengen etc. enthalten und 
ein kurz gefasstes Programm bereit gestellt. Diese Stücke können 
gegen Zahlung des (unnöthiger Weise wohl etwas hoch bemessenen) 
Preises von 15 von der Büreaukasse des Reichsamts des Innern 
in Berlin bezogen werden. 

Das Programm ist, so viel sich in Kürze übersehen lässt, 
klar und bestimmt abgefasst und definirt auch sehr geuau die 
Anforderungen, welche hinsichtlich der zeichnerischen, rechne¬ 
rischen und schriftlichen Leistungen an die Konkurrenten gestellt 
werden. Sie erscheinen nicht allzu hoch im Vergleich zu den 
Preisen, welche ausgeworfen werden. Wir begrüfsen es aufrichtig, 
nicht nur dass die Bauverwaltung den Weg der Konkurrenz über- 
hanpt heschritten, sondern dass sie denselben auch zeitig genug, 


bevor noch durch den Baubeginn faits accomplis geschaffen sind, die 
für eine gedeihliche Lösung der Heiz- und Lüftungsfrage hier und 
da Hindernisse bereiten könnten, beschritten hat. Darin sowohl 
als in der in Aussicht genommenen öffentlichen Ausstellung der 
einlaufenden Projekte leistet sie dem Bau selbst die besten Dienste 
wie sie auch der Förderung des betr. Spezialfaches wesentlich nützt. 

Zur Konkurrenz für die Heiz- und Ventilations- 
Einrichtung im neuen Ratkliause zu Düsseldorf Wir 
empfangen folgende Zuschrift: 

Die No. 6 er. dies. Zeitg. bringt eine Mittheilung, in welcher 
meiner Firma in einer Weise gedacht wird, dass die Interessen 
meines Geschäfts dadurch geschädigt werden; ich bitte daher die 
verehrliche Redaktion nachstehende Erklärung in Ihrem geschätzten 
Blatt zu veröffentlichen: 

In Folge Bekanntmachung in der Kö'nischen Zeitg. am 
14. Novbr. v. Js. ersuchte ich an diesem Tage unter Beifügung 
des Betrages den Magistrat in Düsseldorf um Uebersendung der 
Pläne und Submissions-Bedingungen; ich erhielt diese jedoch erst 
am 19. ej. In keinem der Pläne (auch nicht in den Bedingungen) 
fand ich eine Bezeichnung des Zweckes, welchen die Räume dienen 
sollten oder angegeben, welche Zimmer geheizt werden sollten. 
Die Submissions-Bedingungen waren dabei so unklar abgefasst, 
dass ich mehre Male nach D. senden musste, um im Baubüreau 
Erkundigungen einzuziehen, wodurch ein weiterer beträchtlicher 
Zeitverlust entstand. Da nun die Offerte bis zum 3. Dezember 
eingereicht sein musste (und nicht bis Mitte Dezember, wie in 
der oben zit. Mittheilung gesagt ist), so blieben mir für Bear¬ 
beitung des Projekts nur 10 Tage, ein Zeitraum, der es nicht 
gestattete, sauber ausgearbeitete Kopien und genaue Detail¬ 
zeichnungen anzufertigen. 

Wenn ich dessen ungeachtet von Einsendung einer Offerte nicht 
Abstand nahm, so geschah das, weil einmal Zeit, Mühe und Kosten 
dafür aufgewandt waren, 2. aber, weil ich nicht annahm, dass ein 
derartiges Urtheil, wie es die Jury gefällt, und dem doch nur 
eine oberflächliche Prüfung zu Grunde liegen kann — da die 
17 umfangreichen Projekte in 3 Tagen geprüft worden sind — 
der Oeffentlichkeit übergeben werden würde. 

G. Wiedemann. 

Die Redaktion glaubt mit Bezug auf den Schlusspussus der 
vorstehenden Mittheilung der Ansicht Ausdruck geben zu sollen, 
dass die bezügliche Auffassung wohl etwas gewagt ist. D. Red. 

Zu der Konkurrenz für Entwürfe zu einer Bade- 
und Waschanstalt zu Saarbrücken (Jhrg. 83, S. 544 d. Bl.) 
sind 15 Arbeiten eingegangen. Die 3 Preise von bezw. 300, 200 und 
100 M. sind den Herren Dietrich und Voigt in München, 
Runkwitz in Frankfurt a. M. und W. Bäumer & Pfäfflin 
in Bad Freinsbach bei Oppenau zugefallen. 

Personal - Nachrichten. 

Preufsen. Ernannt: a) zu Reg.-Bmstrn: die Reg.-Bfhrer. 
Adalbert Schultz aus Braunsberg, Eugen Tincauzer aus 
Stettin, Hermann Landsbergaus Meseritz und Johannes Freude 
aus Krackow bei Stettin; — b) zu Regierungs-Bauführern: die 
Kaad. d. Baukunst: Karl Mellin aus Dillenburg, Paul 
Leschinsky aus Königsberg i./Pr., Paul Kauffmann aus 
Berlin, Anton Bahr aus Drewenz i./Ostpr., Otto Hohn aus 
Ruppichteroth im Siegkreise und Paul Horstmann aus 
Höchst a./M.; c) zu Reg.-Maschinen-Bauführern: die Kaud. der 
Masch.-Baukunst: Fritz Pirsch aus Bromberg, Georg Lmdner 
aus Tillendorf und Wilh. Wedel aus Paderborn. 

Die Feldmesser-Prüfung haben in der Zeit vom 1. Ok¬ 
tober bis 31. Dezember 1883 bestanden: in Arnsberg: Friedrich 
Erdmann und Oskar Fiedler; in Breslau: Adolph Blaschke 
und Alfred Nudow; in Coblenz: Wilh. Berr und Peter Pütz; 
in Cöslin: Gustav Timme; in Düsseldorf: Friedrich Kuhlmann, 
Herrn. Aug. Adolph Müller und Rieh. Toellner; in Erfurt: Emil 
Runde; in Frankfurt a. 0.: Otto Krüger und Max Langer; in 
Hannover: Gottlieb Sewig, in Köln: Joseph Eulenbruch, Joseph 
Hover, Anton Rennenberg und Heinr. Schmitten; in Königs¬ 
berg: Richard Mahraun; in Liegnitz: Richard Hänel, in 
Minden: Alfred Faulenbach; in Münster: Karl Modersohn; 
in Oppeln: Max Grundey und Benno Seyfert; in Schleswig: 
Joh. Heinr. Bünz; in Trier: Ludwig Maurer. 

Die Stadtbaurath-Stelle in Magdeburg soll neu be¬ 
setzt werden. Näheres finden die Leser in einer im Inseraten- 
Theil dieser Nummer enthaltenen amtlichen Bekanntmachung. 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. C. G. in B. Durch die Freundlichkeit eines Lesers 
erhalten wir nachträglich noch folgende Auskunft: 

Veröffentlichuugen über Tribünenanlagen bei Wettrennen 
enthalten: Revue gen. de i'areh. 1868 und 1869: iribunes pour 
les courtes de LougchüMps clu hois de Boulogne (auch in Alphand. 
promenades de Paris publizirt) und ebenda 1883: tribunes pour 
les courses ä Chantilly. Beide Anlagen sind definitiv. Eine ein¬ 
fache und solide Konstruktion für provisorische hölzerne Zu- 
schauertribiinen siehe Baugewerkszeitung 1882, S. 529._ 


Hierzu eine besondere Illustrations - Beilage: Die Jägerkaserne in Dresden, 


Kommissionsverlag von Ernst Toeche in Berlin. Für die Redaktion verantwortlich K. E. O. Fritsch, Berlin. Druck: W. Moeser 


Hofbuchdruckerei, Berlin 




























No. 9. 


DEUTSCHE BAU ZEITUNG. 


49 


Inhalt: Ueber die konstruktive Entwickelung der Massen-Kochapparate. — 
Aus den Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses. — Mittheilungen 
aus A ereinen: Verein für Eisenbahnkunde zu Berlin. — Architekten- und 


Ingenieur-Verein zu Hannover. — Vermischtes: Ein bemerkenswerter Streit¬ 
fall, betr. die Auslegung eines Baukontrakts. — Thonknopfdecken. — Todten- 
schau. —Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. 


Ueber die konstruktive Entwickelung der Massen-Kochapparate. 

(Mittheilung nach einem Vortrage des Hrn. Intendant.- und Baurath Schuster im Arch.- u. Ingen.-Verein zu Hannover.’ 


B S^g) eziiglich der Heizung sind Dampf-Kochapparate von 
Apparaten mit direkter Feuerung zu unterscheiden. 
Erstere haben den Vorzug grofser Reinlichkeit, sind 
glg aber wegen der hohen Kosten und schwierigen Be- 
dienung besonderer Dampfkessel nur da zweck- 
mäfsig, wo Dampf ohnehin schon verwendet werden muss, wo 
man also eine entsprechende Vermehrung des Bedarfes an 
Dampf verhältnissmäfsig billig decken kann. 

Die älteren Dampfapparate liefsen den Dampf direkt in die 
Speisen strömen und machten diese dadurch unschmackhaft; auch 
ist bei denselben das sonst übliche Abkochen der Gemüse nicht 
möglich. Bei den neueren Apparaten wird der Dampf von der 
direkten Berührung mit den Speisen abgehalten. Die Dampf¬ 
apparate haben den Vortheil, dass sie ein Anbrennen der Speisen 
vermeiden, jedoch den Nachtheil, öfterer Betriebsstörungen durch 
Reparaturen. Die Anlagen mit direkter Feuerung müssen 
leicht bedienungsfähig und den Anforderungen, die durch Ver¬ 
schiedenartigkeit der Speisen bedingt sind, sich leicht anpassen. 
Zur Wahrung der Reinlichkeit muss die unvermeidliche Wrasen- 
bildung unschädlich gemacht werden, da die feuchten Dämpfe 
die Mauern angreifen, die Fäulniss befördern und den Speisen 
daher leicht schädlich werden ; aus demselben Grunde müssen 
die Apparate leicht reinigungsfähig sein. Die Billigkeit des Be¬ 
triebes verlangt solche Apparate, welche die Wärme des Heizungs- 
materMs möglichst vollständig ausnutzen. 

Diese Anforderungen werden von den in den letzten 30 Jahren 
immer mehr vervollkommneten Apparaten so weit erfüllt, dass 
man heute wohl die Aufgabe der Konstruktion eines wirklich 
zweckmäfsigen Kochapparates als gelöst ansehen kann. 

Die alten Heerde zeigten meist gusseiserne Kessel mit losem 
Deckel in Backsteinmauerung gefasst; eine primitive Anlage, 
welche grofsen Kohlenverbrauch , unausgesetzte Reparaturen und 
aufserdem leichtes Anbrennen der Speisen zur Folge hatte. Der 
frei aufsteigende Wrasen wurde in den besteigbaren Schornstein 
abgeführt, verschlechterte den Zug und feuchtete die Wandungen an. 

Die erste Verbesserung, welche darin bestand, dass ein guss- 
oder schmiedeiserner Kessel in eine Heerdplatte eingehängt, mit 
Feuerzügen und mit getheiltem Deckel versehen wurde, in dessen 
hinterem Theil ein Rohr zur Abführung des Wrasens in den 
i Schornstein mündete, verminderte zwar die Reparaturen am 
Heerde und verbesserte die Luft in der Küche; doch blieben die 
alten Nachtheile und die Feuchtigkeit des Schornsteins wurde 
sogar noch erhöht. Auch lief aus der Wrasenleitung Kondensa¬ 
tionswasser in die Kessel zurück und vergiftete die Speisen, wenn 
die Rohre aus Kupfer bestanden. Die nächsten Verbesserungen 
bestanden in Anlage eines besonders geheizten Abzugsrohres für 
den Wrasen, das nur durch gusseiserne Falzplatten abgeschlossen 
: zwischen Feuerungsrohren liegt, sowie in der Anordnung eines 
Sammeltopfes für das Kondensationswasser. Für die neueren 
Heerde, welche meist einen Gemüsekessel mit etwa 1,2 1 , einen 
Fleischkessel mit etwa 0,6 1 und einen Wasserkessel mit etwa 0,4 1 
Inhalt pro Mann enthalten und bei 500 zu speisenden Personen 
beim Kochen etwa 20 1 Wasser in Wrasen verwandeln, benutzte 
zuerst Holzer in Berlin den Papin’schen Topf mit luftdicht auf¬ 
geschraubtem Deckel und Sicherheitsventil. Das Kochen wird bei 
dessen Gebrauch beschleunigt, also Feuerung gespart, die Wrasen- 
bildung fällt fast fort; doch ist, falls nicht fortwährend gerührt 
wird, das Anbrennen der Speisen nicht verhindert. 

1863 erschien Senking aus Hildesheim zuerst mit seinen 
Heerden auf Ausstellungen und hat dann deren Bau so gefördert, 
dass er bis 1883 25 000 Stück aller Gröfsen liefern konnte. 1864 
beim Bau der Irrenanstalt in Hildesheim vom Baurath Debo zum 
Vorschläge einer guten Konstruktion aufgefordert, machte er 
Studien in Belgien und Frankreich, ohne jedoch etwas Neues zu 
finden; er kam dann selbst auf die seitdem ganz allgemein an¬ 
genommene Idee, den Wrasen mittels Krümmers unter den Rost 
zu leiten und ihn so vollkommen zu verdampfen. 

1876 führte auch Senking den Papin’schen Kessel in sein 
schmiedeisernes Heerdgehäuse ein, leitete den Wrasen durch ein 
seitliches Rohr mit hebendem Ventil in einen zwischen je zwei 
Kesseln angebrachten Wrasenkasten, von dem aus dann das Rohr 
unter den Rost führte, und verhinderte das Anbrennen der Speisen 
durch Einführung eines siebartig durchlöcherten Kocheinsatzes 
in den Gemüsekessel. Dieser im ganzen bewährte Heerd hatte 
aber den Fehler, dass die aufkochenden Speisen oft das Wrasen- 
rohr und das Ventil verstopften, die Chamotte-Ausmauerung und 
alle der Flamme ausgesetzten Eisentheile leicht zerstört wurden und 
die Rostlagerung schlecht war, auch brannte der nach oben gekrümmte 
Kesselboden leicht durch. Weiterhin erstrebte Senking dann 
folgende Verbesserungen: der Boden wurde nach unten gewölbt, das 
Wrasenventil mit dem Ableitungsrohr nach dem Roste auf den Deckel 
gesetzt und später auch durch in einander greifende entgegen gesetzt 
gekrümmte Schieber vor aufkochenden Speisetheilen geschützt. 
In die Heizung wurde ein gusseiserner Rostkasten aus 3 Theilen 
mit Piedboeuf’sehen Rost eingesetzt; doch zeigte sich, dass der¬ 


selbe durch den sich beiderWrasenverdampfung bildenden Schwefel¬ 
wasserstoff stark angegriffen wurde. Von 1880 an wurde der 
Wrasen in den Wasserkessel geleitet, mit Anbringung eines 
Tropfkastens, ^um die Unreinigkeiten des Wrasens zurück zu 
halten. Der Kesseleinsatz erhielt aufserdem einen losen Boden; 
die Feuerung wurde mit massiven Chamotteblöcken ausgemauert 
und mit Fletscher’schen Rosten versehen. Das Wrasenventil be¬ 
kam Schraubenflügel, um die Intensität des Kochens von aufsen 
durch die Schnelligkeit der Umdrehung des Ventilkörpers erkenn¬ 
bar zu machen, und dem Kocheinsatz wurde im Fleischkessel 
noch ein Fleisch - Einsatz mit durchlöcherter Wandung zugefügt, 
um Brühe und Fleisch leicht trennen zu können. Da, wo der 
im Wasserkessel etwa nicht nieder geschlagene Wrasen in den 
Schornstein geht, wurde ein besonderes eisernes Wrasenzugrohr 
in diesen eingelegt, um die Durchfeuchtung zu vermeiden. Die 
Senkäng’schen Heerde dieser Konstruktion wurden in grofser Zahl 
nachgeahmt. 

Die Berliner Hygiene-Ausstellung 1883 brachte wieder 
wesentliche Neuerungen, zunächst einen Senking’sehen Heerd 
mit drei Kesseln, unter Anwendung des von Senking erworbenen 
Elsner’schen Patentes. Die drei Kessel des Heerdes, von denen 
nur der vorderste eine Heizung besitzt, erhalten darnach mit 
Wasser gefüllte Ummantelungen. Diese Apparate werden jedoch 
schon heute nicht mehr angefertigt, da sie mit dem Mangel be¬ 
haftet sind, dass man um einen Kessel zu betreiben, die beiden 
andern ebenso stark heizen muss. 

Sodann hatten Rietschel & Henneberg Apparate nach 
Becker’schem System (für 500 Mann, Kosten 7500 Ji) aus¬ 
gestellt. Becker behauptet, dass zum Mundgerechtmachen ver¬ 
schiedener Speisen auch verschiedene Wärmegrade nöthig seien. 
Die Apparate zeigen Bottiche aus schlechten Wärmeleitern, in 
welchen eiserne oder innen verzinnte kupferne Kochkasten hängen, 
deren Deckel wie auch die der Bottiche mit Wasserverschluss an 
den Rändern versehen sind. Das Wasser, welches in den 
Bottichen die Kochkasten umgiebt, wird bis zu dem jedes Mal 
erforderlichen Grade erwärmt. Diese Heerdeinrichtung bedingt 
einen besonderen Dampfentwickler zur Heizung der Wassermäntel, 
der in sehr geringen Dimensionen geliefert wird. Bei 1,5— 6 
feuerberührter Fläche beträgt, um jede Gefahr auszuschliefsen 
und die Konzessionspflicht zu umgehen, die Dampfspannung 
1 — 1,5 Atm. Zu gleichem Zwecke ist das Sicherheitsventil 
durch ein Standrohr ersetzt, dessen Ueberlaufen aber bei der 
grofsen Länge leicht übersehen wird. Die häufig nothwendige 
Auffüllung des Kessels erfordert sorgfältige Bedienung, die 
Wrasenbildung soll nicht ganz ausgeschlossen, deshalb Ventilation 
nöthig sein; nachgerühmt wird dem Apparat namentlich, dass in 
ihm die Speisen bis zu 30 % Gewinn aufquellen und angenehm 
schmecken. Gegenüber den ältesten Kesseln, welche für 500 
Mann für Morgen-, Mittags- und Abendkost pro Tag 150 k s Kohlen 
verlangten, soll dieser Apparat mit 40 zu betreiben sein, da 
die Wärme in den schlecht leitenden Bottichen in den Wasser¬ 
mänteln aufgespeichert wird. 

D. Grove in Berlin war wieder zur Dampf kocherei 
zurück gekehrt. Auch er ummantelt alle drei Kessel, und 
führt in dem Mantel des ersten, welcher mit einem in die 
Feuerzüge eingelegten Wasserrohrnetze in Verbindung steht, 
Wasser ein, das durch die, diesem Kessel gegebene Heizung in 
Dampf verwandelt, alle Kessel umzieht, wobei das Kondensations- 
wasser direkt zum ersten Kessel zurück kehrt. Das Sicherheits¬ 
ventil ist auch hier durch ein Standrohr ersetzt. Die Kosten 
dieses Apparates belaufen sich auf 5900 M und einschliefslich 
der Mauerarbeit auf 8000 M für einen Apparat, wie er zur Speisen¬ 
bereitung für 500 Mann erforderlich ist, während ein Senking’scher 
Heerd nach bisheriger Konstruktion für dieselbe Anzahl nur 2600 JZ 
kostet. Der Kohlenverbrauch beträgt etwa 46,5 k s pro Tag. Defi¬ 
nitive Urtheile über diese Apparate können nach der erst kurzen 
Zeit des Betriebes noch nicht gefällt werden. 

Neuerdings hat nun Senking wieder einen Apparat konstruirt 
der im Wasserbade kocht und dessen Wasserumhüllung mit Kohlen 
geheizt wird. Jeder der 3 Kessel ist mit Manometer, Sicherheits¬ 
ventil, Probirhahn und Fülltrichter ausgerüstet und kann besonders 
betrieben werden. Das Wasser kann durch ein ganz kleines 
Feuer im Kochen erhalten werden, und für die Wrasenbeseitigung 
ist ein besonderer Kondensator hinzu gefügt, der, den 3 Kesseln 
entsprechend, dreitheilig angeordnet ist; die festen Theile des 
Wrasens setzen sich in den nach Abheben des Obertheiles leicht 
zu reinigenden Untertheil. Der Kondensator enthält 300 1 Wasser, 
weiche durch den beim Kochen einer Mahlzeit für 500 Mann 
entstehenden Wrasen von 20 1 Wasser auf 65 — 70 0 C. vor¬ 
gewärmt wird. Die Kosten dieses für 500 Mann bestimmten 
Apparates belaufen sich auf etwa 3600 Ji und der Kohlen¬ 
verbrauch beträgt etwa 37 k s pro Tag. Er hat den Vortheil 
grofser Reinlichkeit und Wegfalls des Kocheinsatzes, guten Ge¬ 
schmacks und leichten Warmhaltens der Speisen und vermeidet 
das Verbrennen der Kessel beim Anheizen vor der Füllung. 

























50 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


30. Januar 1884 


Auch ist bei diesem Apparate wie bei dem Becker’schen ein | wird vielfach ausgeführt. Der Vortragende stellt Mittheilungen 
Aufquellen der Speisen bemerkbar. Dieser neueste Senking’sche über Versuchsresultate mit verschiedenen Apparaten baldigst in 
Heerd ist das Vollkommenste was zur Zeit vorhanden ist und | Aussicht. 


Aus den Verhandlungen des preufsischen Abgeordnetenhauses. 


Nachdem wir bereits in den No, 6 u. 8 uns. Bl. einiges aus 
den letzten, auf den Kreis unserer Fachinteressen bezgl. Ver¬ 
handlungen mitgetheilt haben, halten wir im Folgenden, der Voll¬ 
ständigkeit zu Liebe eine kleine Nachlese aus denselben, die 
allerdings nicht allzu ergiebig mehr ausfällt. 

Das architektonische Gebiet wurde nur ein paar Male 
und auch nur flüchtig gestreift. Zunächst in den Bemerkungen, 
mit welchen Hr. Abg. Dr. Aug. Reiehensperger an den 
Debatten über die Ausbildung der Staats-Baubeamten sich be¬ 
theiligte Etwas wesentlich Neues war in seinen Ausführungen 
über die Bevorzugung des antiken Bauwesens im Lehrplan der 
technischen Hochschulen und über die Nothwendigkeit eines 
allmählichen Uebergangs von dem System der Staats-Examina 
zu dem der Meisterschulen zwar nicht enthalten, doch berührten 
dieselben im Gegensatz zu früheren Auslassungen des Redners 
wohlthuend durch ihren objektiven Ton. Und ein gewisses Relief 
ward ihnen noch dadurch gegeben, dass der Redner, welcher sich 
mit den Reichensperger’schen Bemerkungen weiterhin beschäftigte, 
Hr. Abg. Büchtemann, sich auf diesem Gebiete wenig sattelfest er¬ 
wies. Denn wenn Hr. B. die Behauptung aufstellte, dass die Gothik 
den modernen Ansprüchen auf Licht und Luft nicht so zu ent¬ 
sprechen vermöge wie die Renaissance und zum Beweise dessen 
auf das neue Wiener Rathhaus mit seinen sekundär beleuchteten 
Vorzimmern — bekanntlich eine Eigentümlichkeit der Wiener 
Bausitte aber nichts weniger als eine Konsequenz des gothischen 
Stils — hinwies, so war das doch gar zu dilettantenhaft, und 
fast nicht minder unglücklich als die Bemerkung des Redners 
über eine event. Verbindung der Vorbildung auf einer Hochschule 
mit dem Besuch einer Baugewerbeschule. Nicht ganz ungerecht¬ 
fertigt war indessen die Klage über das Uebel, welches Hr. 
Büchtemann durch dieses seltsame Mittel heilen will — die zu 
einseitige Richtung des Ausbildungsganges der Staats-Architekten 
auf das künstlerische Gebiet, während doch in ihren späteren 
dienstlichen Funktionen das praktische Moment entschieden über¬ 
wiegt. Auch den Klagen des Hrn. Abgeordn. v. Rauchhaupt 
über eine zu starke Zersplitterung des Baubeamtenthums — in 
Regierungs-, Provinzial-, Kreis-, Militär- und Post-Baubeamte — 
lässt sich eine gewisse Begründung nicht absprechen, wenngleich 
nicht abzusehen ist, wie bei der eingeführten Neuordnung der 
Landesverwaltung Abhülfe geschaffen werden könnte. 

Ein anderer Anlass, einen Streifzug in das architektonische 
Gebiet zu unternehmen, bot sich Hrn. Dr. A. Reiehensperger hei 
der 2. Berathung des Eisenbahn-Etats. Der Hr. Abgeordnete 
Biesenbach hatte Beschwerde erhoben über die verzögerte In¬ 
angriffnahme der Bahnhofsumhauten in Düsseldorf und daneben 
gewissen Befürchtungen Ausdruck geliehen über die Anordnung 
des Zentralbahnhofs mit Bezug auf die Sicherheit des ab- und 
zugehenden Publikums. Er hatte verlangt, dass zum Zwecke der 
rechtzeitigen Ausübung einer Kritik die Pläne zum Hauptgebäude 
veröffentlicht würden und hingewiesen endlich auf die bekannten 
Normalentwürfe zu Bahnhofsgebäuden von Prof. Rincklake in Braun¬ 
schweig, für welche in Düsseldorf lebhafte Sympathien sich kund¬ 
gegeben hätten; diese Auslassungen veranla3Sten Hrn. Dr. Reichens- 
perger auch mit Bezug auf die Projekte zum Kölner Zentralbahn¬ 
hof dem Wunsche auf Veröffentlichung des Entwurfs und Anhörung 
der Kritik vor Ausführung der Entwürfe Ausdruck zu gehen, 
zumal selbst der zur Berathung in solchen Dingen berufenen Aka¬ 
demie des Bauwesens es erwünscht sein werde, vor Abgabe ihres 
Gutachtens die öffentliche Meinung zu hören. Schliefslich stellte 
Hr. Dr. Reiehensperger noch an die Regierung das Ersuchen, um 
Veröffentlichung einiger der ausgeführten neueren Bahnhofs¬ 
bauten , um damit Gelegenheit zur Orientirung über die künst¬ 
lerische Richtung diesen Bauten zu bieten ; er exemplifizirte dabei 
auf die Publikation von Wulff über ausgeführte Bahnhofsbauten, 
die seinen Beifall habe. Vom Regierungstische wurde die gefor¬ 
derte vorherige Veröffentlichung von Bauplänen mit dem Hinweise 
insbesondere auf die der Regierung obliegende Verantwortlichkeit 
abgelehnt. — 

Der Hr. Abgeordnete Fuchs kam auf eine bereits im Vor¬ 
jahre behandelte Petition bei Neubauten beschäftigter technischer 
Beamten der früheren Rheinischen Eisenbahn zurück, die durch 
Vorenthaltimg der Uebernahme in den Staatsdienst geschädigt 
seien. Bei einer so grofsen Aktion wie die Verstaatlichung sei 
Kleinlichkeit nicht am Orte und selbst, wenn man auch formell 
im Rechte wäre, dürfe man sich Rücksichten der Billigkeit, wie 
sie hier vorlägen, nicht verscbliefsen. — 

Die beiden Forderungen der Regierung von 15000 und 5000 M. 
für Entsendung eines technischen Attaches zur Gesandtschaft nach 
London bezw. von Bautechnikern auf Studienreisen fanden einen 
warmen Vertreter an dem Hr. Abg. Berger, welcher der Regierung 


gewissermaafsen einen Vorwurf darüber machte, mit einer For¬ 
derung für Reisezwecke nicht schon früher an das Haus heran 
getreten zu seiD. Diese entschuldigte ihre Unterlassung mit 
Hinweis darauf, dass die Mittel bisher gereicht hätten; die Noth¬ 
wendigkeit der jetzigen Anforderung habe sich erst jetzt ergeben, 
wo durch die Schaffung des neuen Publikations-Organs, des 
„Zentralblatts der Bauverwaltung“ die bezgl. Etatspositionen 
stärker als früher in Anspruch genommen würden. — 

An zwei Stellen der Verhandlung wurde das Submissions¬ 
wesen gestreift. Beim Etat der Eisenbahn-Verwaltung, indem 
von mehren Seiten auf die grofsen Preisunterschiede aufmerksam 
gemacht ward, zu welcher die deutschen Eisenwerke Eisenbahn¬ 
material einerseits im Iolande andererseits im Auslande abgeben ; 
Unterschiede die bekanntlich auf Koalitionen der bezüglichen 
Werke zurück kommen. Für uns bietet der Gegenstand nur 
insoweit Interesse, als er Gelegenheit giebt, abermals auf die 
Absurdität hinzuweisen, die in der neuerlich mehrfach erhobenen 
Förderung Bauindustrieller liegt, dass bei Submissionen prinzipiell 
dem Mindestfordernd* n der Zuschlag vorenthalten werden solle. 
Wenn es unter den heute geltenden Vorschriften, wie in der 
Verhandlung nachgewiesen, schon möglich ist, dass die Eisenin¬ 
dustriellen im Inlande Preise durchsetzen, die um 30—40 \ höher 
sind, als diejenigen, zu welchen dieselben Fabrikate im Aus¬ 
lande abgegeben werden — zu welcher Höhe der Preise würde 
man es erst bringen, wenn die Regierung noch des Zwangsmittels 
sich entäufserte, das in dem Anrechte des Mindestfordernden auf 
Zulassung liegt. 

Der Hr. Abgeordnete Cremer (Teltow) beschwerte sich über 
die vorkommende Anwendung des Submissionsweges bei Herstellung 
von bildhauerischen Arbeiten an öffentlichen Gebäuden und über 
die dadurch bewirkte Qualitäts-Verminderung der Leistung. Da 
die geltenden Vorschriften die Verwaltung nicht an den Submis¬ 
sionsweg binden, wenn Arbeiten künstlerischer Art vorliegen, so 
ist es uns wahrscheinlich, dass ein vereinzelter Fall hier stark 
verallgemeinert wurde und die Beschwerde nicht allzu ernst ge¬ 
nommen zu werden braucht. Ob etwas mehr Beachtung vielleicht 
dem zuzugesteheu ist, was Hr. Cremer bezüglich der erweiterten 
Heranziehung nationaler Kräfte bei Beschaffung künstlerischer 
und kunstgewerblicher Werke anführte, entzieht sich unserer 
Kenntniss; an sich ist die Forderung des Hrn. Cremer, dass man 
bei Vergebung solcher Arbeiten zunächst auf inländische Kräfte 
rücksächtigen möge, ja nicht unbillig. — 

Sehr ausgedehnte Verhandlungen knüpften sich diesmal an 
den Etat der Wasserbau-Verwaltung: den Löwenantheil 
daran nahm das ganz beiläufig in die Debatte gezogene, im 
vorigen Jahre bekanntlich im Herrenhause gescheiterte Projekt 
cles Kanals von Dortmund zur unteren Ems in Anspruch. Aus 
dem langen „Hin und Her“ der Debatte ist von weiterem Interesse 
fast nur die Erklärung des Hrn. Ministers der öffentl. Arbeiten: 
dass die Staatsregierung bezüglich ihrer Auffassung der Kanal¬ 
bau-Frage auf dem durch die vorjährige Vorlage markirten Stand¬ 
punkte stehen geblieben sei und dass die Angelegenheit jetzt 
auf einer etwas breiteren Basis als bisher und unter Berück¬ 
sichtigung der Interessen der Provinz Schlesien weiter zu ver¬ 
folgen sein werde. In etwas bestimmtere Form gebracht, dürfte 
dies so viel heifsen, dass das vorjährige Projekt zu einem Rhein- 
Ems-Kanal erweitert werden und demselben das Projekt einer 
Verbindung Berlins mit Schlesien, eines neuen Oder-Spree- 
Kanals hinzu gefügt werden soll; dagegen scheint das Projekt 
des sogen, mittelländischen Rhein-Weser-Elbe-Kanals nach wie 
vor mit wenig freundlichen Augen angesehen zu werden. — 

Hinsichtlich der Korrektion des Rheins auf der Strecke 
im Rheingau glaubte der Regierungs-Kommissar die Vorlage der 
zwischen Preufsen und Hessen geschlossenen Konvention, sowie 
die Forderung eines zum Beginn der Bauarbeiten erforderlichen 
Kredits noch in der gegenwärtigen Landtags-Session in Aussicht 
stellen zu können. 

Beschwerden wie sie schon öfter dagewesen sind und muth- 
maafslich auch noch öfter wiederkehren werden kamen zur Sprache, 
bezügl. der Netze und der Oder. Durch einseitige Berücksichtigung 
der Schiffahrt und entsprechende Ausführung von Korrektions¬ 
werke, sollen nach den Ausführungen mehrer Abgeordneten dort 
landwirthschaftliche Interessen Schaden gelitten haben. Es ist 
unverkennbar, dass durch die bestehende Vertheilung der Ver¬ 
waltung des Flussbaues auf die beiden Ressorts des Ministeriums 
der öffentl. Arbeiten und des der landwirthschaftl. Angelegenheiten 
die Ergreifung einseitiger Maafsregeln befördert und Beschwerden 
darüber der Weg geebnet wird. Die qu. Trennung ist zu unnatür¬ 
lich und wird deshalb über kurz oder lang wohl wieder aufge¬ 
geben werden müssen. — 


Mittheilungen aus Vereinen. 

Verein für Eisenbahnkunde zu Berlin. Sitzung am I Die in dem vergangenen Jahre eingetretene günstigere Ver- 
8. Januar 1884. [ mögenslage des Vereins ermöglicht demselben die endliche Er- 

Hr. Geb. Baurath Stambke referirt im Namen der für die I füllung des lange gehegten Wunsches, durch Stellung von Preis- 
Aufstellung einer Preisaufgabe eingesetzten Kommission. j aufgaben fördernd auf die Entwickelung des Eisenbahnwesens 












No. 9. 


DEUTSCHE BAUZE1TUNG. 


51 


einzuwirken; der Verein glaubt in dieser Hinsicht nunmehr Vor¬ 
gehen zu dürfen, wenn auch der auszusetzende Preis diesmal nur 
erst ein mäfsiger sein kann. 

Das von der Kommission für die diesjährige Preisaufgabe 
vorgeschlagene Thema lautet: 

„Abhandlung über die Konstruktion und das Ver¬ 
halten der Eisenbahn-Fahrzeuge mit festen Achsen 
im Vergleich zu denjenigen mit verstellbaren Lenk¬ 
achsen und Drehgestellen.“ 

Erläuterungen und Bedingungen dazu sind nachstehende: Die 
Abhandlung soll die historische Entwickelung der Konstruktion 
der Eisenbahn-Fahrzeuge mit festen Achsen, derjenigen mit ver¬ 
stellbaren Lenkachsen und derjenigen mit Drehgestellen, vor¬ 
nehmlich in Deutschland, erkennen lassen, dabei aber auch die 
in anderen Ländern üblichen Konstruktionen gebührend berück¬ 
sichtigen. Es ist dabei kritisch zu erörtern, welche Vortheile 
und Nachtheile jedes der drei genannten Systeme besitzt und 
wiefern die eine oder die andere Konstruktion die vortheilhaftere 
ist. Es ist das Verhalten jedes der drei Systeme zu prüfen: in 
Bezug auf die Sicherheit des Eisenbahn-Betriebes bei verschiedenen 
Geschwindigkeiten in Kurven und in den geraden Strecken, sowie 
in Bezug auf ihre Verwendbarkeit im Personen- und Güterverkehr. 
Es sind ferner die Eigengewichte, die Anschaffungs- und Unter¬ 
haltungskosten, sowie die Beziehung jeder der drei Konstruktionen 
zu der Tracirung, dem Bau und der Unterhaltung der Bahn an¬ 
zugeben. Zur Erläuterung der entwickelten Ansichten sind 
Zeichnungen oder Skizzen beizufügen. — Die einzureichenden 
Arbeiten dürfen noch nicht veröffentlicht sein, müssen in deut¬ 
scher Sprache abgefasst und bis zum 31. Dezember 1884 an 
den Vorstand des Vereins (Berlin W,, Wilhelmstr. 92/93) gelangt 
sein; bei der Einsendung ist ein versiegeltes Couvert beizufügen, 
welches aufsen mit einem Motto versehen ist, innen aber den 
Namen und Wohnort des Verfassers enthält. — Eine demnächst 
besonders zu wählende Kommission des Vereins wird in der Vereins¬ 
sitzung im März 1885 über die eingegangenen Arbeiten referiren 
und sich gleichzeitig darüber äufsern, welcher der Arbeiten der 
ausgesetzte Preis von 300 M. zuzuerkennen sein möchte. Die 
mit dem Preise gekrönte Arbeit bleibt Eigenthum des Verfassers. 

Die Versammlung genehmigt ohne Einwendungen die ge¬ 
wählte Aufgabe und die daran geknüpften Bedingungen. 

Der als Gast anwesende Hr. Regier.-Maschinen-Bauführer 
Hartmann spricht über: 

das Konstruktionsprinzip der Lokomotiv- 
Tender-Kuppelungen. 

Unter den Vorrichtungen, welche zur Verbindung der Eisen¬ 
bahn-Fahrzeuge dienen, nehmen die Kuppelungen zwischen 
Lokomotive und Tender insofern eine Ausnahmestellung ein, 
als dieselben aufser der Zugkraft auch noch die Schlingerbe¬ 
wegung der Lokomotiven auf den Tender übertragen sollen. 
Die beiden angedeuteten Zwecke sind erfüllt, wenn durch die 
Kuppelung zwischen den beiden Fahrzeugen eine ganz bestimmte 
Bewegung, welche jede andere, nicht gewünschte, ausschliefst, 
hervor gebracht wird. Die Bewegung, welche zwei Eisenbahn- 
Fahrzeuge gegen einander vollführen, ist aber schon durch die 
Führung der Fahrzeuge im Schienengleis bestimmt. Die Schwierig¬ 
keit, welche bei der Konstruktion einer Lokomotiv- Tender -Kup¬ 
pelung zu überwinden ist, besteht demnach darin, dass die Relativ¬ 
bewegung, welche durch die Kuppelung bedingt wird, sich mit 
derjenigen decken muss, welche sich aus der Führung der Fahr¬ 
zeuge im Gleise ergiebt. Verstöfst eine Kuppelung gegen diese 
Forderung, so nehmen die beiden Fahrzeuge eine unrichtige 
Stellung im Gleis ein, welche unter ungünstigen Verhältnissen 
die Veranlassung zu einer Entgleisung werden kann. 


Der Vortragende wies nach, dass verschiedene in Benutzung 
befindliche Lokomotiv-Tender-Kuppelungen gegen das aufgestellte 
Prinzip verstofsen und je nach ihrer Anwendung auf die ver¬ 
schiedenen Lokomotiv-Gattungen einen mehr oder weniger Gefahr 
drohenden Zustand für die Bewegung der bezügl. beiden Fahr¬ 
zeuge in Kurven herbei führen können. Dabei ergab sich die 
bemerke ns werthe Thatsache, dass sämmtliche vorhandenen Loko¬ 
motiv-Tender-Kuppelungen entweder nur verschiedene Formen 
eines und desselben Mechanismus, nämlich des bekannten, bei 
Dampfmaschinen in ausgedehnter Verwenduug befindlichen Kurbel¬ 
betriebes sind, oder dass dieselben mit diesen Getrieben ander¬ 
weitige Aehnlichkeiten aufweisen. 

Es lässt sich nun theoretisch nachweisen, dass die Kurbel¬ 
getriebe, in ganz bestimmter Weise zwischen Lokomotive und 
Tender angeordnet, eine allgemeine Lösung des Kuppelungs- 
Problems abzugeben vermögen; allein in Wirklichkeit kann diese 
Anordnung nur selten erreicht werden, und es liegt hierin der 
Grund für die Mängel verschiedener Kuppelungen. 

Um nun auch für die Fälle, wo die richtige Anordnung der 
Kurbelgetriebe durch andere Verhältnisse behindert wird, Kup¬ 
pelungen zu konstruiren, welche allen Anforderungen gerecht 
werden, kommt es darauf an, Mechanismen zu bilden, welche 
annähernd dieselbe Bewegung hervor bringen, wie das Kurbel¬ 
getriebe, aber dabei in Bezug auf die Anordnung eine gröfsere 
Variationsfähigkeit besitzen. 

Diese Aufgabe ist vom Vortragenden auf folgende Weise 
gelöst: Das Bewegungsgesetz eines jeden Mechanismus lässt sich 
geometrisch durch zwei bei der Bewegung auf einander abrollende 
Kurven, Polbahnen genannt, ausdrücken. Nachdem diese Kurven 
für das Kurbelgetriebe ermittelt sind, besteht die Aufgabe darin, 
Mechanismen anzugeben, deren Polbahnen mit den vorigen inner¬ 
halb der Bewegungsgrenzen zusammen fallen. Unter Benutzung 
von Zeichnungen und Modellen zeigte der Vortragende, dass die 
Kuppelungsaufgabe auf diesem Wege in der verschiedensten Lösung 
fähig ist. Mehrere sogen. Schlinger-Diagramme, welche nach 
Schluss des Vortrages vorgezeigt wurden, liefsen erkennen, dass 
es möglich ist, die Schlingerbewegung zwischen Lokomotive und 
Tender vollständig zu vernichten, ohne gegen die eingangs an¬ 
gegebene Forderung zu verstofsen. 


Architekten- und Ingenieur-Verein zuHannover. Haupt¬ 
versammlung am 9. Januar 1884. 

Als neue Mitglieder werden in den Verein aufgenommen die 
Hrn. Reg.-Baumeister Schulze, Niederehe, Claus, Reg.-Bauführer 
Bechtel, von Zabiensky, Stork und Ingen. Bernhard. 

Hr. Geh. Hofrath Prof. Dr. Grashof zu Karlsruhe 
wird in Anerkennung seiner hohen Verdienste um die technischen 
Wissenschaften zum Ehrenmi tgl iede des Vereins ernannt. 

Es folgt hierauf der an anderer Stelle d. Bl. mitgetheilte Vortrag 
des Hrn. Intendant.- und Baurath Schuster, au welchen sich eine 
kurze Diskussion schloss, io welcher die Hrn. Hagen und Herold 
der Ansicht beitreten, dass da, wo Dampf nicht ohnehin vorhanden 
das Kochen mit direkter Feuerung billiger sei. Letzterer äufsert 
Zweifel an der Richtigkeit einiger Becker’schen Angaben, 
namentlich bezüglich des Speisengewinnes von 30 % durch Auf¬ 
quellen; die Becker’sche Idee findet sich im Priuzipe angewendet 
schon in den alten schwedischen Kocheinrichtungen. 

Hr. Riehn weist darauf hin, dass auch die neueren Kessel 
noch nicht genügenden Nutzeffekt der Kohlen ergeben, da man 
von einem guten Kessel 60 \ verlange, während die gemachten 
Angaben höchstens 20 % ergeben. Der Grund hierfür sei viel¬ 
leicht in der Abgabe grofser Wärmemengen an den unter die 
Roste geführten Wrasen zu suchen. 


Vermischtes. 

Ein bemerkenswerther Streitfall, betr. die Auslegung 
eines Baukontrakts. (Vergl. die Mittheilung auf S. 562 des vor. 
Jhrg.) Die Voruntersuchungen in der Streitfrage, betr. die Ab¬ 
rechnung der Magdeburger Wasserwerke ist dadurch um einen 
Schritt weiter gekommen, dass am 9. Dezember v. J. die Unter¬ 
suchung des Bauwerks durch eine Sachverständigen-Kommission, 
bestehend aus den Hrn. Baurath Dr. Hobrecht, Reg.- u. Bau¬ 
rath Professor Sch watlo und Reg.- u. Baurath v. Tiedemann, 
stattgefunden hat; das Gutachten der Experten liegt ver¬ 
öffentlicht vor. 

Zur Beurtheilung der schwebenden Streitfrage, ob die Stadt 
Magdeburg verpflichtet ist, dem Unternehmer, der Magdeburger 
Bau- und Kreditbank, die nicht gelieferten 10 244 cbm Bruchsteine 
im Betrage von 105 000 Ji. unter allen Umständen zu bezahlen, 
möchten die gutachtlichen Aeufserungen über den Befund des 
Zementmörtels, angeblich in der Mischung von 1 Th. Zement zu 
3‘/2 Th. Sand und über das Verhältniss von Stein zu Mörtel 
im qu. Mauerwerk von besonderer Wichtigkeit sein. Ueber den 
Mörtel äufsern sich die Sachverständigen folgendermaafsen: 

„In dem Ablagerungsbassin V wurde der Mörtel und die 
sichtbare Mauerarbeit an 5 Stellen, die Sohle an 2 Stellen unter¬ 
sucht. Es wurde dabei gefunden, dass an 5 Stellen (Innenseite 
des aufgehenden Mauerwerks) die Qualität des Mörtels als eine 
mittelmäfsige bezeichnet werden muss. Derselbe (7 Jahre alt, 
D. Red.) hatte nur eine geringe Festigkeit und zerbröckelte bei 
einem geringen Druck unter den Fingern. Der Mörtel in den | 


beiden untersuchten Stellen in der Sohle des Bassins hatte eine 
genügende Festigkeit; es gelan» nur mittels längerer Meifselarbeit 
und Auswuchten mittels Brechstangen an beiden Stellen die oben 
liegenden Bruchsteine zu lösen. An der nördlichen Stelle war 
auch der Verband der Bruchsteine ein genügender; au der anderen 
zeigte sich, dass unter einem Theile des oberen Decksteins eine 
Lagerfuge von 10 bis 12 " :a (?) Höhe vorhanden war.“ 

Ueber die Frage: „Welches Quantum aufgemeterter lager¬ 
hafter Bruchsteine ist in dem Mauerwerk enthalten, und ent¬ 
sprechen die verwendeten Bruchsteinmengen den Sätzen des An¬ 
schlags und den Bedingungen?“ lautet das Gutachten wie folgt: 

„Was das Verhälniss von Mörtel und Stein an den von uns 
untersuchten bezw. abgebrochenen Mauertheilen anbetriift, so ist 
bereits im obigen dasselbe ungefähr auf 1 : 1 angegeben. Das 
Verhältniss des Mörtels zum Stein in den Sohlen entzieht sich 
unserem Urtheil. Bei einem Verhältniss des Mörtels zum festen 
Steinmaterial von 1 : 1 würde ein Quantum aufgemeterter Steine 
von 0,90 cbm pro 1 cbm Mauerwerk erforderlich sein.“ 

Da die Bohrresultate bei den 14 Bohrlöchern in der Sohle 
des Bassins fast genau dasselbe Resultat ergeben, so möchte 
daran wohl kaum noch zu zweifeln sein, dass das Bauwerk tkat- 
sächlich etwa zur Hälfte aus Steinen, zur Hälfte aus Mörtel be¬ 
steht, ein Verhältniss, welches gegenüber dem sonst für gutes 
Mauerwerk üblichen Prozentsätze von 70—75 % Stein uns vom 
technischen Standpunkte wohl als unzulässig erscheinen dürfte. 
Da nach dem Anschläge, wie früher mitgetheilt, pro cbm Mauer¬ 
werk 1,30 cbm Bruchsteine angeliefert werden sollten, so läge, 
wenn wirklich nur 0,90 cbm Stein in aufgemetertem Zustande, wie 
















52 


DEUTSCHE B AUZEITU N G. 


30. Januar 1884 


die Experten dies für die von ihnen untersuchten Stellen angeben, 
in i cbm Mauerwerk vorhanden sein sollten, (bei 30 311 cbm aus¬ 
geführten Mauerwerk) eine Minderlieferung von (1,30—0,90) 
30 311 = 12 124 cbm vor. Da das Mauerwerk vielfach so starke 
Undichtigkeiten zeigte, dass ein starkes Fliefsen, auch sogar 
Herausspiitzen des Wassers, beobachtet werden konnte, so hat 
der Magistrat auf Ansuchen der Kommission eingehende Unter¬ 
suchungen auf die Dichtigkeit des Mauerwerks angestellt, die 
noch nicht zum Abschluss gekommen sind. 

Um über das Yerhältniss der gefundenen Stein- und Mörtel¬ 
massen ganz bestimmte Angaben zu bekommen, hat die Unter¬ 
suchungs-Kommission das Königliche Aiehamt ersucht, den kubi¬ 
schen Inhalt der Bohrkerne und Aufbrucümassen amtlich zu be¬ 
stimmen und das Königl. Handelsministerium hat zur Vornahme 
dieser Arbeit seine Genehmigung ertheilt. Es werden also weitere 
Mittheilungen zu erwarten sein. 


Thonknopfdecken nach der patentirten Konstruktion vom 
Baumeister S. Müller in Oberföhring hei München werden her¬ 
gestellt, indem man Knöpfe aus gebranntem Thon, die der Form 
nach abgestumpfte Kegel von 3,5 cm Durchmesser, mit gegen die 
Grundfläche unter 60 0 geneigter Mantellinie und 10 Stärke 
bilden, in Abständen von 55 mm auf 20/60 mm starke Latten 
nagelt und die so benagelten Latten mit 10 mm Zwischenräumen 
an die Deckenbalken befestigt; der Mörtelbewurf wird darauf in 
gewöhnlicher Weise ausgeführt. 

Die so hergestellten Decken verbinden mit gutem Aussehen, 
Solidität, Dauerhaftigkeit, Vermeidung von Rissen die Möglichkeit, 
dass Reparaturen leicht ausführbar und genau auf die be¬ 
schädigte Stelle beschränkt bleiben. Stuck ist ebenso 
bequem wie an der gewöhnlichen Schaldecke anzuhringen. 

In Bayern haben die Thonknopfdecken bereits mehrfache 
Anwendung gefunden; aus der Umgegend von Berlin wird uns 
die Villa Huntenmüller in Lichterfelde als ein Bau genannt, in 
welchem Thonknopfdecken angewendet worden sind. 

Was nun den Kostenpunkt betrifft, so stellt derselbe sich 
bei den Thonknopfdecken günstiger als bei den gebräuchlichen 
Rohrputzdecken. Die Kosten berechnen sich wie folgt: 


1000 Stück Knopfsteine.= 1,20 

1 ID 20/60 mra mit Knöpfen benagelte Latten . . = 0,09 „ 

1 q m Deckenputz stellt sich auf.= 1,65 „ 


während der bisher gebräuchliche Rohrputz durchschnittlich 
1,90 JL kostet. 

Der Alleinverkauf der Thonknöpfe ist für Berlin und Um¬ 
gebung dem Maurermeister BernhardSartig, Philipps tr. 9, 
übertragen, welcher gegen Nachnahme von 2,00 Jl Decken¬ 
modelle verabfolgt und zugleich über die zweckmäfsigste Aus¬ 
führung der Thonknopfdecken nähere Instruktion ertheilt, auch 
Zeugnisse über ausgeführte Anlagen vorlegen kann. 


Todtenscliaii. » 

Julius Pintsch f. Im Anschluss an die in No. 8 er. ge¬ 
brachte Todesanzeige werden noch folgende Mittheilungen über 
das Leben eines Mannes von Interesse sein, dem die deutsche In¬ 
dustrie, das Eisenbahn- und Sanitätswesen wesentliches verdanken. 

Julius Pintsch war ein seif made man im vollsten Sinne des 
Wortes, dem es fern lag, nach aufsen hervor zu treten, aber desto 
mehr schaffend zu wirken. Es gebührt ihm neben Anderen der Ruhm 
einer der erfolgreichsten Pioniere für die deutsche Technik gewesen 
zu sein und wie wenige Andere aufser ihm dazu beigetragen zu 
haben, dass nicht nur die englische Präponderanz aus Deutsch¬ 
land, sondern auch aus auderen Ländergebieten verdrängt ward, 
wo sie sich langjährig fest gesetzt hatte. 

Kommerzienrath Julius Pintsch ist im Jahre 1815 in Berlin 
in der Familie eines armen Kleinhändlers geboren; er wilmete 
sich dem Klempnergewerbe und kehrte nach bestandener Lehre 
und Wanderschaft 1838 von Dresden in seine Vaterstadt zurück. Als 
Klempnergesell arbeitete er dann bis 1843 in einer hiesigen (noch 
heute bestehenden) Lampenfabrik. In diesem Jahre etablirte er 
sich als selbstständiger Meister in einem kleinen Kellerlokale am 
Stralauerplatz. 

Im Jahre 1845 erhielt Pintsch den Auftrag, eine Partie 
englischer langrissiger Gasröhren durch Ueberlöthen brauchbar 
zu machen. In Folge seiner bei diesen und ähnlichen Arbeiten be¬ 
wiesenen Intelligenz vertraute man hei Einrichtung der städtischen 
Gasanstalt ihm die au3 England bezogenen, gröfstentheils fehler¬ 
haft oder beschädigt eingetroffenen Gasmesser zur Instandsetzung 
an anstatt, nach bisherigem Brauch, dieselben zur Reparatur nach 
England hinüber zu senden. Alsbald begann er selbständig Gas¬ 
messer zu bauen, hatte aber bei dieser Thätigkeit zunächst hart zu 
kämpfen. Der Intervention der Hrn. Gasdirektor Bärwald und Stadt- 
deputirten Humblot hatte er es zu verdanken, dass auch seine Gas¬ 
messer zur Prüfung zugelassen, dann als die „vorzüglichsten“ aner¬ 
kannt und nun zur Annahme empfohlen wurden. In den 50er Jahren 
bereits waren englische Gasmesser aus Deutschland und Oestreich 
fast ganz verdrängt. Pintsch exportirte dann auch bald nach 
Russland und legte Filialgeschäfte in Fürstenwalde, Breslau, 
Dresden an. 

1863 ward die Fabrik in Berlin gebaut, welche nachträglich 
mehrfach vergröfsert worden ist; seit Ende der 60er Jahre ist 
die Fabrik ganz auf maschinellen Betrieb eingerichtet und es 


werden dort Gasmesser der gröfsten Art sowohl als feinste 
Präzisions - Messer und Prüfungs - Apparate, Regulatoren etc. 

gefertigt. 

1867 begannen auf Anregung der technischen Mitglieder der 
Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn, der Hrn. Jädicke und 
Mellin, Versuche zur Wagenbeleuchtung mit gewöhnlichem Gas; 
Pintsch erkannte rasch, dass diese Versuche erfolglos sein würden 
und stellte Apparate zur Erzeugung von Fettgas her, die in rasche 
Aufnahme kamen und die nebst seinen Kompressions- und 
Beleuchtungs-Apparaten beinahe die Welt für sich erobert haben. 

In allen Kulturländern ist das „Pintsch Gas-System“ zur 
Eisenbahn-Wagen- und Lokomotivbeleuchtung eingeführt (in Frank¬ 
reich musste es unter andern Namen, als „Oelgas“ sich Eingang 
verschaffen). In Deutschland sind nahezu 10 000 Wagen und 
400 Lokomotiven mit diesem Beleuchtungssystem versehen, im 
ganzen in den verschiedensten europäischen und anderen Ländern 
13 500 Wagen. Immer mehr werden die Vorzüge des Systems 
anerkannt. Pintsch hat dafür die gröfsten Auszeichnungen in 
Gestalt von Medaillen etc. errungen, beispielsw. auch in England 
die selten zur Verleihung kommende goldene Medaille der Society 
of Arts in London. 

Die deutsche Technik darf auf die Errungenschaften eines 
aus dem Handwerkerstande hervor gegangenen Vorkämpfers 
stolz sein. Was er begründete wird von seinen Söhnen, die ihm 
nach und nach an die Seite traten, fortgeführt. C. J. 


Personal - Nachrichten. 

Preufsen. Aus Anlass der Feier des preufs. Ordensfestes sind 
folgende Techniker u. Lehrer an techn. Hochschulen mit Ordens- 
Dekorationen ausgezeichnet worden: Ob.-Baudir. Schönfelder 
m. d. Kgl. Kronen-Orden II. Kl. m. d. Stern; die Geh. Ob.-ßrthe. u. 
vortr. Räthe Siegert u. Di eckhoff m. d. Roth. Adler-Orden II. Kl. 
mit Eichenlaub, Geh. Ob.-Brth. u. vortr. Rath Hagen im Minist, d. 
öffentl. Arb. u. Geh. Ob.-Reg.-Rath u. bautechn. vortr. Rath im 
Minist, d. geistl. etc. Angelegenh. Spieker, m. d. Roth. Adler-Ord. 
III. Kl. mit der Schleife; die Reg.- u. Bauräthe Klose, Dir. d. 
Eisenb.-Betr.-Amtes in Stralsund, Lex, Mitgld. d. Kgl. Eisenb.- 
Direkt. in Elberfeld, Schmitt, Mitgld. d. Direkt, d. Oberschles. 
Eisenb. in Breslau, die Bauräthe Neufang, Bau-u. Masch.-Insp. 
in Saarbrücken, Magnus, st. Hilfsarb. b. Eisenb.-Betr.-Amt 
(Berlin - Schneidemühl) in Berlin, Cörmann, Eisenb.-Betr.-Insp. 
in Mülhausen i. Eis., Posthrth. Hindorf in Köln, Prof. Hauck, 
der techn. Hochschule zu Berlin, Prof. Gizycki an der techn. 
Hochschule zu Aachen, die Kreis - Bauinsp. Baurath Genzmer 
in Dortmund, Baurath Heye in Hoya, Baurath Schönenberg 
in Poln.-Lissa u. Schütte in Rastenburg, sowie der Landes- 
Bauinspektor der Provinz Brandenburg, Reinhardt in Berlin, 
mit dem Rothen Adler-Orden IV. Kl. 

Dem Ob.-Hof-Brth. Persius ist der Rothe Adler-Orden III. Kl. 
mit der Schleife verliehen und dem bish. Kreis-Bauinsp. Baurath 
Schönbrod in Saarbrücken der Amts-Charakter „Wasser-Bau¬ 
inspektor“ beigelegt worden. — 

Versetzt: Kreis-Bauinsp. Küttig von Königsberg i. Pr. 
nach Saarbrücken; der bish. techn. Hilfsarb. b. d. Kgl. Reg. in 
Breslau, Bauinsp. Hasenjäger als Kreis-Bauinsp. nach Königs¬ 
berg i. Pr., unter Verleihung der Lokal-Baubeamten-Stelle f. d. 
dortigen Kgl. Schloss- u. Universitätsbauten; Wasser»Bauinsp. 
Brth. Kröhnke von Ratibor nach Breslau u. d. bish. techn. 
Hilfsarb. b. d. kgl. Oderstrom-Bauverwaltg. in Breslau, Wasser- 
bauinspekt. Rudolf Roeder in die Wasserbaubeamten-Stelle in 
Ratibor. 

Ernannt: Der Vorst, d. Eisenb.-Wagenamts in Essen Reg.- 
Bmstr. Goldkuhle zum Kgl. Eisenb.-Bau- und Betr.-Insp.; die 
Reg.-Bfhr. Emil Otto aus Elbing und Carl Fettback aus Sten- 
dafzu Reg.-Bmstrn.; die Reg.-Masch.-Bfhr. Wittfeld aus Aachen 
und Büsch er aus Iserlohn zu Reg.-Masch.-Mstrn.; die Kandid. 
der Baukunst Paul Bartsch aus Gr. Lemkendorf, Kr. Allenstein 
und Otto Conrad aus Berlin zu Reg.-Bfhrn. 

Württemberg. Bei der im Novbr. u. Dezbr. v. Js. vor¬ 
genommenen 2. Staatsprüfung im Hochbaufache sind die nach¬ 
genannten Kandidaten zur Anstellung im Staatsdienst für befähigt 
erklärt worden: Adolf Katz aus Ludwigsburg, August May er aus 
Esslingen u. Wilhelm Schmöger von Oepfingen, O.-A. Ehingen. 


Brief- und Fragekasten. 

Berichtigung. In No. 7 u. Bl. ist auf S. 39, Sp. 1, Z. 2 
v. o. statt „Gluth“ Guth zu lesen. Mehre Buchstabenfehler im 
ersten Artikel korrigiren sich von selbst; erwähnt sei nur, dass 
in Z. 13 v. h. statt „fordern“ finden zu lesen ist. 

Hrn. Reg.- u. Baurth. S. hier. Bei dem immer mehr 
anwachsenden Umfange der Personalien-Verzeichnisse im Deutschen 
Baukalender haben wir uns, nachdem auch die in der Typographie 
durchgeführten Aenderungen keine ausreichende Abhülfe mehr ge¬ 
währten, veranlasst gesehen, durch direkte Beschränkungen Erleich¬ 
terung zu schaffen. Der geringe Wechsel, welcher erfahrungsmäfsig 
in der Besetzung der Lehrerstellen an technischen Hochschulen 
stattfindet, wies uns dabei direkt auf diese hin. Wir haben in¬ 
dessen nicht ein für alle Mal auf die Mittheilung der betr. 
Personalien verzichtet, sondern eine Wiederholung derselben, 
etwa in jedem zweiten Jahre in Aussicht genommen. Hoffentlich 
sind damit auch Ihre Ansprüche zu befriedigen. —- 


Kommissionsverlag yoii Ernst Toeche in Berlin. Für die Redaktion verantwortlich K. E. O. Fritsch, Berlin. Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin. 




















No. 10. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG, 


53 


Inhalt: Die Konkurrenz filr Entwürfe zu einem Neubau des Nordischen 
Museums in Stockholm. — Die Struktur der Ziegelsteine als Ursache der Ver¬ 
witterung. — Verfahren zur Beantwortung der Frage, ob die bestehenden Ent¬ 
wässerungs-Anstalten der Elbmarschen den Ansprüchen an einen rationellen 
landwirthschaftlicben Betrieb genügen. ■— Die Titulaturen der preufsischen 
Staats-Eisenbahn-Beamten. — Staatsprüfungen und Titel-Verleihung für Techniker 


in Württemberg. — Mittheilungen aus Vereinen: Architekten- u. Ingenieur- 
Verein zu Hannover. — Architekten-Verein zu Berlin. — Vermischtes: Ver¬ 
schiedene neuere Verfahren zur Herstellung künstlicher Steine. — Winddruck- 
Beobachtungen. — Wiesbadener Bathhausbau. — Aus der Fach iitteratu r. — 
Konkurrenzen. — Personal-Nachrichten. — Brief- u. Fragekasten. 


Die Konkurrenz für Entwürfe zu einem Neubau des Nordischen Museums in Stockholm.* 

(Hierzu die Abbildungen auf Seite 57.) 


nterm 10. Februar 1883 erliefs die Direktion des 
Nordischen Museums zu Stockholm ein auch in 
d. Bl. mitgetheiltes Preisausschreiben zur Er¬ 
langung von Bauplänen für einen ihren Zwecken 
gewidmeten Neubau. Obgleich die Programme 
in grofser Menge in fast sämmtliche europäischen Länder ver¬ 
schickt wurden, so entsprach die Betheiligung doch nicht den 
hieran geknüpften Erwartungen. Die Ursache davon ist 
wohl vorzugsweise in der Kürze des Termins und der geringen 
Höhe der Preise zu suchen; andererseits war das Programm 
selbst ein äufserst interessantes und es war überdies dem 
Architekten der weiteste Spielraum in der Konzeption ge¬ 
lassen, der fast nur durch die unregelmäfsige Form des in 
i der Tiefe beschränkten Bauplatzes Grenzen gesetzt waren. 

Abgesehen hiervon und von der dem Zentrum der Stadt etwas 
| fernen und isolirten Lage desselben muss der am Eingänge in den 
so beliebten und belebten Thiergarten belegene Platz als ein 
ausgezeichnet schöner bezeichnet werden. Doch dürfte auch 
der zuletzt erwähnte Nachtheil bald verschwinden, wenn die 
grofse Bauthätigkeit Stockholms anhält und einst die direkte 
Verbindung von der Thiergartenbrücke nach dem neuen 
Hummelsquartier ausgebaut sein wird. 

Das Preisrichteramt wurde ausgeübt von dem Vorstände 
des Nordischen Museums: Direktor A. Hazelius, Prof. 
A. Key, Reichsgerichtsrath C. G. Hernmarck, Reichs¬ 
gerichtsrath A. V. Abergsson, Fabrikant J. Boiinder, 
Professor M. Isaeus, unter weiterer Zuziehung der Archi¬ 
tekten F. G. Dahl und Intendant A. T. Gellerstädt, an 
Stelle des zu jener Zeit verhinderten Ober - Intendanten 
H. Zetterwall — Namen, die sich in Fachkreisen weit 
über die Grenzen ihres Vaterlandes des besten Rufes erfreuen. 

Zur Beurtheilung gelangten i. g. 16 Projekte mit ca. 120 
Blatt Zeichnungen, wovon 8 auf Schweden, 1 auf London, 
1 auf Wien, 1 auf Prag und 5 auf Deutschland entfielen. 
Von letzteren 5 erhielten 3 die höchsten Preise, gewiss ein 
ehrenvolles Zeugniss für die deutsche Architektenschaft. 

Die gröfste Schwierigkeit für den Entwurf lag in dem 
Erforderniss, einen so grofsen Raum wie die verlangte Haupt¬ 
halle mit ihren umlaufenden Galerien und der grofsen Zahl 
von Einzelkabineten, für welche seitliches Licht ausdrücklich 
vorgeschrieben war, in Einklang und möglichst leichte Kom¬ 
munikation mit den 70 bis 80 anderen Sälen und Verwaltungs¬ 
räumen zu bringen. Hiervon ausgehend, lassen sich sämmt¬ 
liche Pläne in zwei Hauptgruppen theilen: 1) in solche, bei 
denen die grofse Haupthalle unmittelbar mit den andern 
Räumen zu einem Gebäude zusammen gezogen ist und den 
Kern des Gebäudes bildet und 2) in solche, bei denen die 
grofse Haupthalle einen selbständigen Bau bildet, welcher 
parallel zu einem vorliegenden, an der Strafse gelegenen Ge¬ 
bäude angeordnet und mit letzterem in mehr oder weniger 
loser Weise verbunden ist. 

Zur ersten Gruppe gehört der mit dem 1. Preise be¬ 
dachte Plan des Architekten W. Manchot zu Mannheim, von 
welchem wir hier Situationsplan, 2 Grundrisse, Hauptfagade 
und 1 Schnitt wiedergehen. 

Das Preisgericht rühmt an ihm grofse Klarheit in der 
Disposition, vortreffliche Kommunikationen, bei Beschränkung 
der Korridore etc. auf ein Minimalmaafs, im besonderen die 
Leichtigkeit der Benutzung der grofsen Haupthalle zu periodi¬ 
schen Ausstellungen, ohne dass dadurch die übrigen Samm¬ 
lungslokale in Mitleidenschaft gezogen werden. Endlich ist 
er auch der einzige Entwurf gewesen, bei welchem die Ver- 

* Das allgemeine Ergebniss der Konkurrenz ist von uns bereits auf S. 356, 
Jhrg. 83 uns. Bl. gemeldet worden. Wir benutzen gern die uns dargebotene 
Gelegenheit, unsern Lesern nachträglich mit dem an erster Stelle prämiirten 
| deutschen Projekt einige Einzelheiten über den Ausfall dieser internationalen Preis¬ 
bewerbung vorführen zu können. D. Red. 



waltungsräume, Bibliothek, Lesesaal etc. in genügender, zweck¬ 
entsprechender und würdiger Weise vorgesehen waren. Auch 
hinsichtlich des Kostenpunktes* bewegt sich das Projekt in 
den Grenzen des Erreichbaren, wie man überhaupt leicht er¬ 
kennt, dass der erfahrene Architekt bemüht war, durch weise 
Mäfsigung sein Projekt zu einem in Wirklichkeit ausführ¬ 
baren zu gestalten. 

Zu der zweiten Gruppe gehört das mit dum 2. Preise 
ausgezeichnete Projekt von II. J. Mahren holz in Berlin, 
eine in vieler Hinsicht sehr verdienstvolle Arbeit. Der 
Grundriss ist wirkungsvoll gruppirt; indess liefert gerade 
diese beste Arbeit der 2. Gruppe das beredteste Zeugniss 
dafür, dass die eigentliche Lösung der Aufgabe auf dem hier 
eingesclilagenen Wege nicht möglich war. Alle diese Pro¬ 
jekte mussten nothwendig daran scheitern, dass es noth- 
wendig war, die Höfe zwischen den beiden Parallelgebäuden 
sehr schmal zu halten und daher nur eine ungenügende Be¬ 
leuchtung der an sie anstofsenden Räume zu erzielen war. 

Gleichfalls dieser Gruppe beizurechnen ist der mit dem 
5. Preise ausgezeichnete Entwurf von Benischeck in Prag, 
in welchem der Versuch gemacht war, den oben erwähnten 
Misstand dadurch zu umgehen, dass der ganze obere Theil der 
grofsen Haupthalle nebst Dach, in Glas und Eisen kon- 
struirt war. Jedoch war auch dieser Versuch nicht geglückt, 
da das Gebäude dadurch in seiner äufseren Erscheinung den 
ausgesprochenen Charakter einer Orangerie bezw. eines 
Ausstellungsgebäudes erhielt. Schade um die sonst so schöne 
Arbeit! Die weiter mit dem 3. und 4. Preise prämiirten 
Pläne der Architekten Kar Iso n und Walentin in Stock¬ 
holm zählen zur ersten Gruppe. Sie enthalten vielfach gute 
Ideen; indess sind dieselben noch nicht genügend durchge¬ 
arbeitet, auch fehlt ihnen geschulter, sicherer Vortrag. 

Ebenfalls zu dieser Gruppe gehören auch noch die 
beiden Entwürfe von B. Schmitz in Düsseldorf und 
J. H. Petersohn in Stockholm, welche als zu spät ein¬ 
gelaufen, von der Bewerbung ausgeschlossen waren, welchen 
aber noch zwei Extrapreise verliehen wurden — dem Sclimitz’- 
schen Projekt sogar ein solcher in der Höhe des 2. Preises. 

Hinsichtlich des Petersolm’sclien Entwurfes, welcher dem 
5. Preise gleich gestellt wurde, gilt im allgemeinen das bei 
Besprechung der mit dem 3. und 4. Preise bedachten Pro¬ 
jekte Gesagte. 

Der Grundriss von Schmitz ist im allgemeinen wohl 
abgewogen, leidet jedoch an einer Ueberfülle von Korridoren 
und kleinen Vestibülen; ebenso sind die 4 Höfe viel zu 
schmal und die Beleuchtung der Kabinete dadurch ganz 
ungenügend. Der Schwerpunkt dieses Projekts hegt in der 
architektonischen Gliederung der an das preisgekrönte 
Wallot’sche Reichstagshaus - Projekt erinnernden Fagaden** 
und der Schnitte, namentlich auch in der ganz meisterhaften 
Darstellung derselben. —- 

Wir dürfen zum Schlüsse wohl den Wunsch ausspreclien, 
dass dem Sieger der Konkurrenz auch der wirkliche und 
einzig befriedigende Lohn seiner Arbeit zu Theil werden möge, 
indem man ihn mit der Ausarbeitung der definitiven Pläne 
betraut. N. 


* Eine bestimmte Kostensumme war nicht vorgesehen, sondern den Kon¬ 
kurrenten lediglich aufgegeben, die Baukosten ihres Projektes zu bestimmen. Es 
sei als Kuriosum hier erwähnt, dass solche zwischen 600 000 Kr. und 6 248 000 Kr. 
variirten. 

** Wir haben eine Abbildung der bezgl. Fa 9 ade in der Stockholmer Illustr. Ztg. 
zu Gesicht bekommen und müssen konstatiren, dass der Autor derselben durch 
das Wallot’sche Projekt sich allerdings in etwas ungewöhnlicher Weise hat 
„anregen“ lassen. Noch auffälliger ist die Aehnlichkeit, w r elche der Mittelbau des 
preisgekrönten und zur Ausführung bestimmten Projekts für das Museum Francisco- 
Carolinum in Linz mit den Eckthürmen jenes ersten Wallot’schen Entwurfs hat. 
Der Architekt des Reichstagshauses darf sich über die Schnelligkeit, mit der er 
„Schule macht“, wahrlich freuen. — D. Red. 


Die Struktur der Ziegelsteine als Ursache der Verwitterung. 


In neuerer Zeit ist man vielfach bemüht gewesen, den Ur¬ 
sachen der Verwitterungs - Erscheinungen an Ziegelrohbauten 
; nachzuforschen und man hat im allgemeinen gefunden, dass 
die Zerstörung des Ziegelmaterials hauptsächlich dem Einfluss 
des Wassers zuzuschreiben ist, welches in die Poren des Ziegel¬ 
steins eindringt. Enthält z. B. der Stein Stückchen von kohlen¬ 


saurem Kalk, so wird dieser, sofern er nicht todt gebrannt 
ist, bei Aufnahme von Feuchtigkeit löschen, hierbei sein Volumen 
vergröfsern und deu Stein sprengen. — Befinden sich ferner im 
Stein in Wasser lösliche Salze, oder werden solche mit dem 
Wasser von aussen eingeführt, so treten dieselben beim Verdunsten 
des Wassers an die Oberfläche der Steine und setzen sich hier 




























54 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


2. Februar 1884 


unter Volumenvergröfserung in Krystallform ab, wobei ebenfalls 
ein Druck gegen die Porenwände der Oberfläche stattfindet, und 
eine Zerbröckelung der letzteren eintreten kann, falls die An¬ 
häufung der Salze eine bedeutende, die Festigkeit, des Steines 
dagegen eine geringe ist. Hier ist ferner der chemische Einfluss 
der Salze auf die Thonsubstanz zu erwähnen, durch welchen eine 
Zersetzung der letzteren herbei geführt und der sog. Mauerfrafs 
gebildet wird. — Endlich übt das in den Ziegel eingedrungene 
Wasser auch beim Gefrieren einen Druck auf die Porenwände aus, 
welcher bei zu geringer Festigkeit und zu grofser Porosität des 
Steins seine Zerstörung veranlassen kann. 

Die letztere Art der Verwitterungs - Erscheinung, die Zer¬ 
störung durch Wasser und Frost ist die im Hochbau am häufigsten 
auftretende. Sie stellt sich meistens dort ein, wo das Wasser 
in Folge mangelhafter Bodenisolirung oder ungenügender Ab¬ 
deckungen in reichlichem Maafse in das Mauerwerk eindringen 
kann, also besonders über dem Erdboden im Plinthengemäuer, 
an und unter Ziegelabdeckungen, Abwässerungen etc. 

Aufser dem in Folge zu geringer Festigkeit des Steines auf¬ 
tretenden Zerfrieren kann auch bei sonst festem Ziegelmaterial 
eine Zerstörung durch gefrierendes Wasser eintreten, wenn die 
Oberfläche des Steines im Yerhältniss zum Kern zu dicht ist, so 
dass das langsam in den Stein eindringende Wasser schwer ver¬ 
dunsten und beim Gefrieren sich nicht nach der Oberfläche zu 
ausdehnen kann, vielmehr auf letzterer einen Druck ausübt und 
dieselbe absprengt. Es ist dies eine bei glasirten Ziegeln mit 
stark porösem Kern häufig auftretende Erscheinung, indem in 
diesem Fall die dichte Glasur abgesprengt wird. Dass schliefslieh 
ein rissiges Material an exponirten Stellen des Mauerwerks dem 
Zerfrieren unterliegen muss, bedarf kaum der Erwähnung. 

Von allen diesen, der Zerstörung durch Frost Vorschub 
leistenden Eigenschaften der Ziegel kann man sich durch nähere 
Untersuchung leicht Kenntniss verschaffen. Welchen Eigenschaften 
aber ist es zuzuschreiben, wenn scharf gebranntes, dem Augen¬ 
schein nach fehlerfreies, im Bruch gleichmäfsiges .Ziegelmaterial 
von durchweg geringer Porosität und einer Festigkeit, welche 
nachgewiesener Maafsen der Festigkeit unserer besten natürlichen 
Gesteine nicht nachsteht, dennoch der Frosteinwirkung zum 
Opfer fällt? 

Unseres Erachtens nach kann diese Erscheinung nur in den 
Struktur-Verhältnissen der Ziegelsteine begründet sein. 

Die in Deutschland übliche Ziegelfabrikation bedient sich 
zur Formgebung der Steine meistens der Strangpressen, Maschinen, 
welche den in plastischem Zustande aufgegebenen, gut homogeni- 
sirten Thon mittels eines Schnecken- oder Walzwerkes in Form 
eines Stranges aus einem Mundstück pressen, während die ein¬ 
zelnen Steine mittels besonderer Schneide - Vorrichtungen vom 
Strang abgeschnitten werden. 

Sowohl durch die rotirende Bewegung des Schneckenwerkes, 
als auch durch die Presswirkung der Walzen, wird der Thon in 
dünne Bänder zerlegt, deren Oberflächen besonders bei ersterer 
Maschine geplättet sind und trotz der Pressung im Kopf- und 
Mundstück der Maschine sich nicht zu einer homogenen Masse 
wieder verbinden. Es weisen vielmehr die auf derartigen Strang¬ 
pressen hergestellten Ziegel eine, diesem Umstande entsprechende, 
blätterartige, schiefrige Struktur auf, welche entweder eine 
schneckenartig gewundene (bei Schneckenpressen) oder eine mehr 
geradlinige parallele Lagerung haben (bei Walzenpressen). 

Aber nicht allein ist eine derartige blättrige Struktur der 
Wirkungsweise der Pressvorrichtung zuzuschreiben, sondern auch 
der Art der Formgebung durch das Mundstück. Bei der Fort¬ 
bewegung des Thonstranges im Mundstück werden die Seitenflächen 
des ersteren in Folge der Reibung an den Tonnenflächen des 
Mundstücks stets zurück bleiben, die Mitte des Thonstranges 
dagegen wird voreilen, wodurch sich eine muldenartige Struktur 


Bei fetten, stark schwindenden Thonen stellen sich beim 
Trocknen und Brennen leicht Risse ein, welche genau der Struktur 
des Steins folgen und letztere deutlich erkennen lassen. Aber 
auch in den Fällen, wo eine blättrige Struktur bei Maschinen¬ 
steinen durch das blofse Auge nicht wahrnehmbar ist, muss man 
als sicher annehmen, dass dieselbe vorhanden ist und kann sich 
leicht hiervon überzeugen, wenn man derartige, vollkommen 
homogen scheinende Steine in ungebranntem, noch nicht ganz 
getrockneten Zustande dem Frost aussetzt. Sofort bilden sich 
auf denjenigen Flächen, welche die Struktur rechtwinklig durch- 
schneiden feine Risschen, in denen Eiskrystalle sichtbar werden. 
Nach dem Aufthauen des Steines ermangelt demselben jeder Zu¬ 
sammenhang und man kann ihn in blätterartige Schichten aus¬ 
einander legen. 

Die leicht wahrnehmbare Eisschicht in den Rissen des ge¬ 
frorenen Steines deutet darauf hin, dass zwischen den einzelnen 
durch die Maschine zusammen gepressten Thonbändern eine, wenn 
auch noch so geringe Wasserschicht vorhanden ist, welche an 
sich schon eine innige Verbindung der Thonbänder verhindert, 
andererseits aber auch beim Trocknen des Steins einen freien 
Zwischenraum zwischen letzteren zurück lässt, welcher dem ge¬ 
brannten Stein bei Wasseraufnahmen und Frost in ähnlicher 
Weise verderblich werden muss wie dem ungebrannten. 

Ferner muss man sich vergegenwärtigen, dass bei den 
dichteren Oberflächen der Thonbänder das in die Poren der 
letzteren eindringende Wasser beim Gefrieren einen Druck gegen 
erstere ausübt, wodurch ebenfalls ein Auseinandersprengen des 
Steins herbei geführt werden kann.* 

Diesem Uebelstand der schädlichen Strukturbildung vom 
Standpunkte der Fabrikation abzuhelfen, würde eine Umwälzung 
unserer gesammten Fabrikationsmethode zur Folge haben; dass 
indess bereits darauf hingearbeitet wird, beweist die immer mehr 
Anwendung findende trockene Vorbereitung der Rohmaterialien 
und die vielfachen Versuche, die sog. Stempelpressen für unsere 
Verhältnisse praktisch herzurichten. 

So lange indess eine Reform in dieser Beziehung in der 
Ziegelindustrie nicht vollkommen durchgeführt ist, worüber noch 
viele Jahre vergehen können, verwende man das Ziegelmaterial 
nicht zu exponirten Mauertheilen, an denen dasselbe erfahrungs- 
mäfsig nicht den erforderlichen Widerstand bietet, z. B. nicht 
zu Abdeckungen, Abwässerungen etc. Oder, falls die Verwendung 
desselben nicht ausgeschlossen werden kann, gebe man dem 
Ziegelmaterial einen besonderen Schutz durch Zink-, Schiefer¬ 
oder dergl. Abdeckung, wie dies ja in neuerer Zeit bereits viel¬ 
fach geschieht. 

Wenn wir auch zugeben, dass die Struktur der Maschinen¬ 
steine durch vollkommene Sinterung des Materials beim Brennen 
unschädlich gemacht werden kann, so bieten doch auch gesinterte 
Steine kein geeignetes Material zu Abdeckungen etc., da in Folge 
des Temperaturwechsels, wobei sich die Steine ausdehnen und 
zusammen ziehen, die zahlreichen Fugen gelockert werden, so 
dass schliefslieh hier das Wasser eindringt, beim Gefrieren die 
Abdeckung losspringt und im darunter befindlichen Mauerwerk 
weitere Verwüstungen anrichtet. Auch aus diesem Grunde ist 
ein besonderer bewährter Schutz des exponirten Ziegelmaterials 
nothwendig. 

Interessant wäre es zu erfahren, welche Unterschiede 
zwischen der Druckfestigkeit der Ziegelsteine normal 
zur Parallelstruktur und derjenigen in gleicher Rich¬ 
tung mit der Struktur bestehen; ob vielleicht nach dieser 
Richtung hin ein Maafsstab zur näheren Beurtheilung der Wirkung 
der Struktur gewonnen werden kann? 

Nieder-Ullersdorf, den 25. Januar 1884. 

A. Eckhart. 


bildet. 

Schliefslieh giebt es Thone, welche von Natur ein blättriges 
Gefüge (entweder in Folge blätterförmiger Thonpartikelchen oder 
eines hohen Gehalts an Glimmerblättchen etc.) besitzen, welches 
sich trotz der vorzüglichsten Vorbereitung im gepressten Steine 
wieder zu erkennen giebt. 


* Handformsteine und Terrakotten haben bei sorgfältiger Vorbereitung des 
Thones und genügendem Scharfbrand erfahrungsgemäfs eine weit gröfsere Dauer 
als die Maschinensteine, da sie eine viel gleichmäßigere Struktur und Porosität 
besitzen. Die Verwitterung derartigen Ziegelmaterials ist meistens auf zu grofsen 
Sand- oder Chamottegehalt des Thones und damit verknüpfte Porosität, sowie auf 
Schwachbrand zurück zu führen, wodurch der Fabrikant dem Verlust des Reissens 
und Verziehens der Terrakotten beim Trocknen und Brennen vorzubeugen suchte. 


Verfahren zur Beantwortung der Frage, ob die bestehenden Entwässerungs - Anstalten der Elbmarschen den 
Ansprüchen an einen rationellen landwirtschaftlichen Betrieb genügen. 


Zur Entwässerung der eingedeichten Elbmarschen dienen in 
den Deichen angelegte Siele. Von diesen Sielen selbst und erst 
in zweiter Linie von den Zuleitungen zu denselben hängt der 
Binneuwasserstand ab, also auch der mehr oder weniger rationelle 
Betrieb der Ländereien und der Nutzen der Landwirthscbaft. 

Wenn man die verhältnissmäfsig niedrige Lage der Marschen, 
sowie ihre nach Beobachtungen konstatirte fortwährend erfolgende 
Senkung der Oberfläche gegen das Aufsenwasser ins Auge fasst, 
so wird sich die Frage aufwerfen, ob die jetzt bestehenden Ent¬ 
wässerungs-Anstalten der Elbmarschen auf alle Fälle in Ansehung 
ihrer Weite und Tiefenlage in einem richtigen Verhältnisse zu 
den zugehörigen Entwässerungsgebieten stehen. Für die Elb¬ 
marschen vereinfacht sich die Untersuchung noch insofern, als 
diese Gebiete an der einen Seite von der Wasserscheide der 
anstofsenden Geest und an der anderen von den Deichen begrenzt 
sind, so dass sich daher die meistens schwierig zu bestimmende 
Niederschlagsmenge in diesem Falle bestimmen lässt. 


Es muss indessen dennoch von vorn herein darauf aufmerk¬ 
sam gemacht werden, dass eine exakte Lösung der vorliegenden 
Frage als vollständig ausgeschlossen zu betrachten ist. Da die 
den Entwässerungs-Anstalten zu gebenden Dimensionen zu sehr 
abhängig sind von den örtlichen Verhältnissen, von der Gröfse 
des Gebiets, von dem Unterschiede des Binnen- und Aufsenwasser- 
standes und von der Zeit, auf welche zum Oeffnen gerechnet 
werden kann, so ist es nicht einmal möglich, allgemein 
gültige Regeln aufzustellen, selbst in dem einfachsten Falle, wenn 
nur vollständig in sich geschlossene Entwässerungsverbände dabei 
berücksichtigt werden, für welche die durchschnittliche Nieder¬ 
schlagsmenge bekannt ist. Aus folgenden Umständen schon er¬ 
hellen die Schwierigkeiten, welche der streng theoretischen Be¬ 
handlung entgegen stehen. 

Die Zeitdauer, während welcher die Entwässerungsschleusen 
offen sind, ist nicht an jedem Tage dieselbe, da sie sich nach 
den lokalen Verhältnissen richtet. Starke westliche Winde, welche 













No. 10. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


55 


längere Zeit anhalten, namentlich in Verbindung mit gleichzeitig 
auftretendem Oberwasser, bewirken, dass der Ebbespiegel des 
Aufsenwassers weniger tief als gewöhnlich abfällt. Da man also 
im voraus auch nicht bestimmen kann, wie lange die Schleusen 
geschlossen sein werden, wie hoch also die der Rechnung zu 
Grunde zu legende wirkliche Regenmenge ist, so wird die Ein¬ 
führung der durchschnittlichen, pro Tag fallenden Regenmenge, 
resultirend aus den Jahresbeobachtungen, auch nicht der Wirk¬ 
lichkeit entsprechen. Eben so wenig lässt sich vorher die durch 
das Aufthauen des Schnees, Schmelzen der Eisdecke etc. abzu¬ 
führende Wassermenge rechnungsmäfsig fest stellen. 

Kann man auch das von der höher belegenen Geest zuströ¬ 
mende durchschnittliche Wasserquantum bestimmen, so ist es 
doch unmöglich, von der zeitlichen Abflussmenge sich ein 
genaues Bild zu machen, weil der Abfluss unregelmäfsig er¬ 
folgt und mancherlei Ursachen bei dieser Unregelmäfsigkeit zu¬ 
sammen wirken können. 

Weiter haben die in einen Entwässerungsverband zusammen 
gezogenen Marschländereien keineswegs eine überein stimmende 
Höhenlage und der Nachtheil, welchem die niedriger gelegenen 
Ländereien unterworfen sind, kann nicht durch die Dimensionen 
der Schleuse beseitigt werden; vielmehr ist solcher nur durch 
Anlage nach Verhältniss breiterer und tieferer Gräben einiger- 
maafsen aufzuheben. 

Endlich ist die Entfernung der Ländereien von den Ent- 
wässeruugsschleusen und die dadurch bedingte Ungleichheit in 
den Druckhöhen von grofsem Einfluss auf die Abflussmenge. 
Kurze Zuleitungen geben ein günstigeres Gefälle und umgekehrt. 

Im allgemeinen kann angenommen werden, dass die Weite 
der Schleusen zwischen gewissen sicheren Grenzen, von geringerer 
Bedeutung für die Abwässerung ist, als die Beschaffenheit der 
Zuleitungen, welche oft ungenügend ist und dadurch bewirkt, 
dass das Wasser nicht rasch genug herzu strömt. — 

Nach dem Vorangeschickten kann es sich bei der nachstehend 
beschriebenen Methode nur darum handeln, den Weg anzuzeigen, 
wie man zu einem brauchbaren Resultat gelangt. Da dieser Weg 
sowohl für die ganze Ausdehnung der Elbmarschen, als auch für 
einen in sich abgeschlossenen und natürlich begrenzten Theil 
derselben verwendbar ist, wird die Richtigkeit desselben leicht an 
solchen Verbänden zu prüfen sein, bei welchen die Entwässerungs¬ 
anstalten ausreichend sind, eine Ueberschreitung des Maximal- 
] Binnenwasserstandes zu verhindern. 

Wie aus der örtlichen Beschaffenheit der Entwässerungsreviere 
der Elbmarschen hervor geht, müssen die Siele und Schleusen 
! nicht allein das Wasser aus den niedrig belegenen Marschdistrikten, 
sondern auch aus den dieselben begrenzenden höheren Theilen 
der Geest bis zur Wasserscheide abführen. Die Ausdehnung und 
I die Höhe der Inundation des Reviers ist aber wegen der gegebenen 
festen Grenzen unschwer zu ermitteln, da weder durch natürliche 
noch durch künstliche Mittel das von den höheren Geestlände¬ 
reien herab kommende Niederschlagswasser aufgehalten wird, 
vielmehr in der vollen Menge hinzu tritt, da die Kultur immer 
weiter vorgedrungen ist und die Gräben etc. die Niederschläge 
des Regen-, Thau- und Schneewassers zu den fruchtbaren Marsch¬ 
ländereien ohne wesentliche Verminderung den Marschen zuleiten. 
Für den vorliegenden Fall beträgt nach Lahmeyer (Zeitschr. des 
Hann. Archit.- u. Ingen.-Ver., Bd. III., Jahrg. 1857) die gröfste 
Regenmenge pro Monat 0,1217 m ; hiervon wird 1 / 3 wieder 
verdunstet, so dass 0,0812 m wirklich den Abwässerungsgräben etc. 
zufliefsen. 

Es fragt sich, ob die Siele und Schleusen im Stande sind, 
das monatlich nieder geschlagene Wasser dergestalt abzuführen, 
dass dasselbe nicht zu einer für die Landwirthschaft schädlichen 
Höhe sich aufstauen kann. 

Nimmt man die Höhenlage der Marschländereien durchschnitt¬ 
lich zu 1,0 —1,2 m über Null des Binnenpegels und den höchsten 
zulässigen Binnenwasserstand zu 0,6 —0,75 m unter der Oberfläche 
an, so geht daraus hervor, dass ein Wasserstand von 0,40—0,45 m 
j über Null, wobei die Siele geschlossen werden, nicht überschritten 
werden darf, ohne dass dadurch den Binnenländereien Schaden 
zugefügt wird. 

Ködnen die vorhandenen Entwässerungs - Anstalten einen 
solchen Wasserstand unter normalen Verhältnissen erhalten, so 
werden dieselben zwar auch unter abnormalen Verhältnissen bei 
eingetretener Regenzeit und hohem Oberwasser, einen vorüber 
gehenden höheren Binnenwasserstand nach längerer oder kürzerer 
Zeit auf die zulässige Maximalhöhe von 0,4—0,45 m zurück zu 
führen im Stande sein, da erst dann — in Folge der gröfseren 
Differenz zwischen dem Stauspiegel des Binnenwassers kurz vor 
dem Oeffnen und dem Ebbespiegel des Aufsenwassers kurz vor 
dem Schliefsen der Schleusen — letztere ihre Wirkung in vollem 
Maafse thun. 

In Berücksichtigung des Umstandes, dass das Aufsenwasser 
innerhalb einer Tide von durchschnittlich 12 ’/ 2 Stunden ein Mal 
steigt und fällt, ist zur Beantwortung der vorliegenden Frage 
also zu ermitteln, ob die vorhandenen Siele und Schleusen des 
betr. Gebiets es vermögen, bei einem Binnenwasserstand von 0,40 m 
bis 0,45 “ über Binnenpegel das in einer Tide von 12 1 / a Stunden, 
während welcher dieselben, nach den besonderen Verhältnissen, 
nur ein Mal auf längere oder kürzere Zeit zum Zuge kommen, 
sich ansammelnde Niederschlagsquantum vollständig abzufübren? 

Bezeichnet F die Gröfse des zugehörigen Entwässerungs¬ 
gebiets in <J m , so ist die pro Monat durchschnittlich fallende 


Niederschlagsmenge F. 0,081, daher in einer Tide von 12 >/ 2 Stun¬ 
den ein Wasserquantum von: 

n _ F. 0,081.12,5 
H ~ 30.24 

abzuführen, wenn der Monat zu 30 Tagen gerechnet wird. 

Bei der Tide von 127* Stunden Dauer bleiben in den Elb¬ 
marschen die Siele und Schleusen bei den höchst liegenden Län¬ 
dereien 4Y 2 , bei den niedrigst liegenden ca. U /2 Stunden ge¬ 
öffnet. Nimmt man im Mittel als Zeit des Abebbens 3 '/ 2 Stunden 
an, so müssen demnach in der Zeit von 3 1 / 2 Stunden die Ent¬ 
wässerungsanstalten das Quantum Q abführen können. 

Ob die Entwässerungs-Anstalten dazu ausreichen, kann nach 
einer von Storm-Buysing aufgestellten Formel hinreichend genau 
berechnet werden und es kann die Brauchbarkeit derselben für die 
Praxis unter Berücksichtigung der Verschiedenheit der örtlichen 
Verhältnisse und der danach vorzunehmenden Umänderung des 
Kontraktions-Koeffizienten wohl um so weniger Bedenken unterliegen, 
als darnach für sehr viele holländische Marschen — deren Ent¬ 
wässerung bekanntlich eine sehr gute ist — die Abmessungen der 
Schleusen und Siele ausgeführt worden sind. Für Fachkreise 
wäre es aber nicht unwichtig, an den faktisch bestehenden Ver¬ 
hältnissen von gut entwässerten Verbänden zu konstatiren, ob die 
nach dieser Formel berechneten Schleusenweiten mehr dem wirk¬ 
lichen Bedürfnisse entsprechen, als die d’Aubisson’sche Formel 
für Brückenweiten, welche bekanntlich lautet: 

j _ Q L (t 3) 1 

! J - 1 f 29 d a 2 (t -f d) 2 + Q 2 

worin bezeichnen l = die gesuchte Schleusenweite; L = mittlere 
Breite des Binnenkanals, unmittelbar vor der Schleuse; t — mitt¬ 
lere Wassertiefe über der Schleusenschwelle zwischen Stau- und 
Ebbespiegel; S die mittlere Druckhöhe, Q die pro Sekunde durch 
die Schleuse abzuführende Wassermenge, g den Kontraktions¬ 
koeffizient, g die Erdakzeleration. 

Die Storm-Buysing’sche Formel lautet dagegen: 

m = «><” - 'MM väa 

(ff-■/,/>)< ' 9 

und es bezeichnet darin: 

M die gesuchte mittlere Wassermenge, welche die betr 
Schleuse pro Sekunde abführt während der ganzen Dauer der 
Oeffnung; b die lichte Schleusenweite; H die Höhe des Binnen¬ 
wasserspiegels über deren Schlagschwelle; h die halbe Differenz 
zwischen dem Stande des Binnen- und Aufsenwassers, wenn letz¬ 
teres auf gewöhnliche niedrige Ebbe abgelaufen ist; J den Inhalt 
des Binnenkanal - Profils unmittelbar hinter der Schleuse; g die 
Erdakzeleration; a den Kontraktions-Koeffizienten der zu 0,6 an¬ 
zunehmen ist. Wenn Storm - Buysing für denselben bei den am 
Zuyder-See herrschenden Verhältnissen = 0,9 in Rechnung setzt, 
so kann wegen des stärkeren Ebbefalls und daher wegen der 
gröfseren Druckhöhe für die Verhältnisse an der Elbe jener 
Koeffizient hier zu 0,6 angenommen werden. 

Ergiebt die nach Anleitung dieser Formel für jede der vor¬ 
handenen Siele und Schleusen durchgeführte Rechnung, dass bei 
einem Maximal - Binnenwasserstand von 0,40—0,45 m ein höheres 
Ansteigen des Binnen Wasserspiegels nicht verhindert wird, dass 
vielmehr in jeder Tide ein gewisses Wasserquantum in dem betr. 
Entwässerungsgebiete zurück bleiben muss, so wird die zurück 
bleibende Menge noch um so verderblicher für die Marschen, als 
diese auch noch das auf den höher belegenen Geestländereien 
ebenfalls zurück bleibende Wasser aufzunehmen haben wird, also 
der Binnenwasserstand dadurch einen noch höhere Aufstau erfährt. 

Wenn nun die theoretisch leicht zu berechnende höchste 
Aufstauung des Binnenwassers für die Regenzeit vom Oktober 
bis April über den zulässigen Maximalstand nie eintreffen kann, 
weil in Folge des höheren Binnenwasserstandes auch die Kapazität 
der Siele und Schleusen sich erhöht, indem nicht allein das Ge¬ 
fälle, sondern auch die Zeit der Offenerhaltung sich vergröfsert, 
so wird sich dennoch, namentlich in nassen Jahren, der Binuen- 
wasserstand oft auf einer für die Landwirthschaft sehr nach¬ 
theilig wirkenden Höhe halten. 

Die Ableitung des fremden Wassers, nämlich des von den 
höheren Gegenden herab kommenden Wassers, durch besondere 
Kanäle ist wegen der damit verbundenen hohen Kosten wohl nur 
unter besonderen Verhältnissen rathsam. Es bleibt demnach 
unter gleichzeitiger Vergröfserung und Vertiefung der Abzugs¬ 
kanäle etc. kein anderes Mittel übrig, als die Siele und Schleusen 
entsprechend zu vergröfsern bezw. die Anzahl derselben zu ver¬ 
mehren ; hierbei würden nicht allein die durch die Rechnung ge¬ 
fundenen abzuführenden Wassermengen zu berücksichtigen sein, 
sondern auch gleichzeitig eintretende abnormale Verhältnisse. 
Da nämlich die Regenmenge sich nicht immer gleichmäfsig über 
den Monat vertheilt, oft sogar in einigen Tagen schon diese 
durchschnittliche monatliche Niederschlagshöhe erreicht wird, so 
ist es nothwendig, dass bei gleichzeitig eintretendem hohen 
Oberwasser und heftigen konträren Winden der Maximal-Binnen- 
wasserstand erhalten werden kann. 

Wegen der vielen Umstände, die auf die Entwässerung der 
Marschländereien einwirken, bleibt kein anderer Ausweg übrig, 
als die Dimensionen der Entwässerungs-Anstalten in der ange¬ 
gebenen Weise zu kontrolliren und event. für abnormale Ver- 


















56 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


2. Februar 1884 


hältnisse einen Zuschlag zu geben, bezw. auch sich nach be¬ 
stehenden, gut entwässerten Verbänden zu richten. _ 

Für die am niedrigsten liegenden Marschländereien wird aber 
auch dadurch noch keine radikale Abhülfe geschaffen werden 


können, sondern nach wie vor nothwendig sein, die verlangte 
Senkung des Binnenwasserspiegels auf künstlichem Wege zu be- 
wirkßii 

Hamburg, im Dezember 1883. A. von Horn. 


Die Titulaturen der höheren preufsischen Staats-Eisenbahn-Beamten. 


Unter den verschiedenen, durch den zufälligen Entwicklungs¬ 
gang des preufsischen Staats-Eisenbahnwesens mehr oder minder 
begründeten Eigenthümlichkeiten der Personal-Verhältnisse unter 
den höheren Eisenbahn-Beamten verdienen auch die zur Zeit üb¬ 
lichen Titulaturen erwähnt zu werden. Dieselben lassen jeden 
einheitlichen Grundgedanken in der Bezeichnung der Rangstufen 
vermissen und stehen meistens aufser jeder Beziehung zu der 
Amtsstellung selbst — eine seltsame Erscheinung, wie sie in ähn¬ 
licher Weise wohl kaum in einer anderen Berufsklasse gefunden 
werden dürfte. Der Grund für diese Thatsache ist darin zu 
suchen, dass man bisher ängstlich bemüht gewesen ist, für die 
einzelnen, aus verschiedenartigen Berufskreisen entnommenen 
Beamten-Kategorien die ursprünglichen Rang-Bezeichnungen der¬ 
selben thunlichst zu konserviren. Es sind somit besondere Titu¬ 
laturen der administrativen, der bautechnischen und der maschinen¬ 
technischen Beamten in die Eisenbahn-Hierarchie hinein gelangt, 
eine bunte Musterkarte, deren Beibehaltung für alle Zukunft 
weder nothwendig noch erwünscht erscheint, nachdem das 
preufsische Staats-Eisenbahnwesen unter der Leitung des zeitigen 


Hrn. Ministers der öffentlichen Arbeiten eine so eminent straffe 
und einheitliche Organisation erhalten hat. 

Der Laie wird nicht leicht in der Lage sein, sich ein klares 
Bild darüber zu verschaffen, in welchem Verhältnisse die Träger 
dieser verschiedenen Rang-Bezeichnungen zu einander stehen, wie 
beispielsweise RegieruDgsräthe, Regierungs- und Bauräthe und 
Eisenbahn-Direktoren oder Regierungs-Assessoren, Eisenbahn-Bau- 
und Betriebs - Inspektoren und Maschinen - Inspektoren innerhalb 
derselben Verwaltung durch einander rangiren: aber auch der 
Fachmann wird sich hei einer näheren Prüfung der zahlreichen, 
zur Zeit vorhandenen Titel der Erkenntniss nicht verschliefsen, 
dass hier ein embarras de richesse vorliegt, welcher im Interesse 
der Durchsichtigkeit der Organisation wohl einer weisen Ein¬ 
schränkung bedürftig erscheinen möchte. 

Wir haben versucht, eine nach einheitlichen Gesichtspunkten 
entwickelte Rangskala in der nachstehenden Tabelle aufzustellen, 
in welcher gleichzeitig die entsprechenden jetzigen Titulaturen 
aufgeführt sind. 


1 . 

2 . 


{ 


I. Eisenbahn - Direktion. 


a. Bisherige Titel. 
Eisenbahn - Direktions - Präsident. 


*. Ober - Regierungsrath 1 Abtheilungs . Dirigenten. 
ß. Ober-ßaurath j 


b. Vorgeschlagene Titel. 
1. Eisenbahn - Direktions - Präsident. 

ja. Eisenbahn-Ober-Betriebsrath. 

‘ J ' \ ß. Eisenbahn-Ober-Baurath. 



a. 


ß. 

r- 


' Regierungsrath. 

Regierungs- und Baurath (Betrieb). 

Eisenbahn - Direktor. 

, Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Inspektor (Betrieb). 
I Eisenbahn-Maschinen-Inspektor (Betrieb). 

Eisenbahn-Verkehrs-Inspektor. 

' Regierungs-Assessor (etatsmäfsig). 
j Regierungs- und Baurath (Bau). 

\ Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Inspektor (Bau). 
Eisenbahn-Maschinen-Inspektor (Werkstätte). 


( Regierungs-Assessor (aufseretatsmäfsig) 

( a. < Regierungs-Baumeister (Betrieb) 

J ( Regierungs-Maschinenmeister (Betrieb 
j ß. Regierungs-Baumeister (Bau) 
y. Regierungs-Maschinenmeister (Werkstätte) 


definitiv über¬ 
nommen. 


a. Eisenbahn -Betriebsrath. 


B-< 

ß. Eisenbahn - Baurath. 
y. Eisenbahn-Maschinenrath. 


{ a. Eisenbahn - Betriebs - Assessor. 

ß. Eisenbahn-Baumeister. 
y. Eisenbahn - Maschinenmeister. 


II. Eisenbahn 

a. Bisherige Titel. 

1. Betriebs-Direktor. 

( Regierungsrath. 

Regierungs- und Baurath. 

Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Inspektor (Betrieb). 
Eisenbahn-Maschinen-Inspektor (Betrieb). 

Regierungs-Assessor (etatsmäfsig). 
ß. Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Inspektor (Bau). 

( Regierungs - Assessor (aufseretatsmäfsig) j 
«. { Regierungs-Baumeister (Betrieb) \ defioitiv über . 

0 (Regierungs-Maschinenmeister (Betrieb) > nommen . 

) ß. Regierungs-Baumeister (Bau) 

( y. Regierungs-Maschinenmeister (Werkstätte) J 

Die durch unseren Vorschlag — welchen wir im übrigen 
keineswegs als einen vollkommenen bezeichnen wollen — herbei 
geführte Vereinfachung ist ersichtlich, und wir glauben annehmen 
zu sollen, dass die von uns gewählten Bezeichnungen sich den 
betreffenden Dienststellungen mit hinlänglicher Klarheit anpassen, 
Es ist zunächst als Prinzip fest gehalten, dass in sämmtlichen 
Titulaturen die Hinweisung auf das Eisenbahnwesen selbst zum 
Ausdrucke gebracht wird, ein Umstand, welcher insbesondere 
auch dem Publikum eine leichtere Orientirung gegenüber anderen 
Verwaltungs-Ressorts gestattet. Weiterhin bemerken wir, dass 
thatsächlich kein Grund vorliegen dürfte, die vorgeschlagenen 
einheitlichen Benennungen für die in der eigentlichen Betriebs¬ 
verwaltung thätigen Beamten (Eisenb. - Betriebs - Rath resp. 
Assessorj zu beanstanden. Ist es z. B. doch auch jetzt nicht 
möglich, aus dem Titel „E i s e n b a h n - D i r e k t o r 1 “ ohne weiteres zu 
ersehen, ob der Betreffende dem administrativen, dem bautechnischen 
oder dem maschineutechnischem Fache angehört, da dieser Rang 
bekanntlich an Angehörige der genannten drei Kategorien ver¬ 
liehen werden kann! Der Titel „Eisenbahn-Bau- resp. Ma¬ 
schinenmeister“ für die definitiv zur Eisenbahn - Verwaltung 
übernommenen, beim Bau- bezw. in den Werktätteo beschäf¬ 
tigten Regierungs-Bau- und Maschinenmeister sind einerseits der 
Tradition wegen, andrerseits aber auch deshalb beibehalten, weil 
die Thätigkeit derselben durch die Bezeichnung angemessener als 


Betriebsamt. 

b. Vorgeschlagene Titel. 
1. Eisenbahn - Betriebs - Direktor. 


a. Eisenbahn-Betriebsrath. 


ß. Eisenbahn -Baurath. 

a. Eisenbahn - Betriebs - Assessor. 

1/3. Eisenbahn - Baumeister. 

( y. Eisenbahn - Maschinenmeister. 

durch den allerdings sehr beliebten Assessor-Titel charakterisirt 
wird. Anders liegen die Verhältnisse für die zur Betriebs¬ 
verwaltung definitiv übernommenen Regierungs - Bau- und Ma¬ 
schinenmeister, für welche die, gleichzeitig auch für die aufser- 
etatsmäfsigen Regierungs - Assessoren gewählte, Bezeichnung 
„ Eisenbahn - Betriebs - Assessor “ durchaus zweckmäfsig 
erscheint. Es ist selbstverständlich, dass dieser Eintheilung die 
Annahme der gleichen Rangstufe des Eisenbahn-Assessors, -Bau¬ 
meisters und -Maschinenmeisters zu Grunde liegt. 

Die mitgetheilte Tabelle dürfte eine weiterere Erläuterung 
nicht erfordern. Wir wollen jedoch nicht unterlassen noch darauf 
hinzuweisen, dass das vorgeschlagene Prinzip der Titulaturen sich 
auch ohne Schwierigkeit auf die Ministerial - Instanz ausdehnen 
lässt, indem dem jetzigen Geh. Ober-Regierungs- resp. Ober- 
Baurath der Geh. Ober-Eisenbahn-Rath und dem jetzigen 
Geh. Regierungs- resp. Baurath der Geh. Eisenbahnrath 
entsprechen würde, eine Art der Bezeichnung, welche im übrigen 
den Gepflogenheiten in anderweitigen Fachministerien (Finanz-, 
Kriegs-Ministerium) durchaus analog sein würde. 

Schliefslich dürfte noch an Stelle des als besondere Aus¬ 
zeichnung verliehenen Charakters „ Geh. Regierungsrath die 
Bezeichnung „Geh. Eisenbahn-Betriebsrath“ resp. Geh. 
Eisenbahn-Baurath in den Rahmen der vorgeschlagenen 
Titel-Skala hinein passen. e - 












































































































































































































































































































































































































58 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


2 . Februar 1884 


Staatsprüfungen und Titel-Verleihung für Techniker in Württemberg. 


Wir haben in No. 78 pro 1883 über die in Württemberg neu 
eingeführte Prüfung im Maschinenfach referirt und dabei erwähnt, 
dass im Anschluss an dieselbe die Titel Regierungs-Maschi- 
nen-Bauführer, event. Baumeister verliehen werden können. 
Nachdem diesbezügliche Aenderungen in den Prüfungs-Verordnungen 
auch für Architekten und für Bauingenieure in neuester Zeit ver¬ 
öffentlicht worden sind, widmen wir beiden Prüfungen hier einige 
Zeilen: 

Die Befähigung zur Anstellung im Staatsdienste sowohl in 
den P’ächern des Hochbauwesens, als auch in den Fächern des 
Bau-Ingenieurwesens ist durch die Erstehung von Prüfungen be¬ 
dingt und zwar im Architekturwesen durch zwei Staats¬ 
prüfungen, im Bau-Ingenieurwesen durch genügende Er¬ 
stehung einer mathemathisch-naturwissenschaftlichenVorprüfung 
und zweier Staatsprüfungen, also ebenso wie im Maschinen¬ 
ingenieurfach. Durch die erste Staatsprüfung soll vorzugsweise 
das theoretische Wissen, durch die zweite die praktische Tüchtig¬ 
keit nachgewiesen werden. 

Die Zulassungsbedingungen zur ersten Staatsprüfung 
im Architekturfache event. zur mathematisch-naturwissen¬ 
schaftlichen Vorprüfung für Bauingenieure sind im wesent¬ 
lichen dieselben, wie die früher aufgeführten Bedingungen für 
Zulassung zu der Vorprüfung für Maschinen-Ingenieure. 

Die erste Staatsprüfung im Architekturfache umfasst 

1) Baumaterialien-Lehre; 2) praktische Geometrie; 3) technische 
Mechanik; 4) Hochbaukonstruktionen; 5) Baugeschichte; 6) Hoch¬ 
baukunde; 7) Entwerfen von Gebäuden; 8) Encyklopädie der 
Ingenieurwissenschaft. Ferner bilden die bei der Meldung um 
Zulassung vorzulegenden Zeichnungen (ca. 50 Blatt nach spe¬ 
ziellen Vorschriften) zugleich einen Prüfungsgegenstand in der 
Art, dass danach auch für das Zeichnen und zwar je besonders 
für 9) Freihandzeichnen und 10) Linienzeichnen Zeugnisse er- 
theilt und bei Feststellung des Gesammt-Prüfungszeugnissess mit¬ 
gerechnet werden. 

Die Zulassung zur zweiten Staatsprüfung im Archi¬ 
tekturfach ist sodann bedingt durch die mit genügendem 
Erfolg bestandene erste Prüfung, eine im ganzen mindestens drei¬ 
jährige praktische Thätigkeit im Baufache, von welchen wenigstens 
2 volle Jahre theils mit Bauführung und Abrechnung hierüber, 
theils mit Fertigung von Arbeitsplänen oder Tracirungs- und 
Projektirungs-Arbeiten (worunter sämmtliche Geschäfte bis zur 
Feststellung eines vollständigen Entwurfs mit Ueberschlag be¬ 
griffen sind) und wenigstens 1 volles Jahr mit unmittelbarer 
Leitung eines für die praktische Ausbildung geeigneten Neu- oder 
Umbaues beschäftigt war und hierbei genügende Leistungen an 
den Tag gelegt hat. 

Die Prüfungs-Gegenstände sind: 1) bürgerliche Baukunst mit 
besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft 
und der Gewerbe; 2) monumentale Baukunst; 3) Feuerungs-, 
Heizungs-, Ventilations- und Beleuchtungs-Einrichtungen; 4) An¬ 
lage von Orten und Ortsstrafsen und Situirung öffentlicher Gebäude; 
5) angewandte Baumaterialien-Lehre; 6) Kenntniss der Bau- und 
b euerpolizei-Gesetze und der Gebäude-Dienstbarkeiten nach den 
Gesichtspunkten der praktischen Anwendung; 7) Kenntniss der 
B’euerlösch-Einrichtungen. 

Die mathematisch - naturwissenschaftliche Vor¬ 


prüfung für Bauingenieure ist dieselbe wie für Maschinen¬ 
ingenieure und wird gemeinsam mit dieser abgehalten; sie wird 
in der Regel nach dem 2. Jahre des Fachstudiums am Polytech¬ 
nikum erstanden. Die erfolgreiche Erstehung derselben bedingt 
die Zulassung zur ersten Staatsdienst-Prüfung, welche meist 
nach weiteren l 1 /^ Jahren Fachstudiums abgelegt wird. Der 
Meldung zu derselben sind ca. 30 Blatt näher beschriebene 
Zeichnungen heizufügen, welche ebenso, wie bei der Architektur- 
Prüfung zur Ertheilung der Zeugnisse in Freihandzeichnen und 
Linienzeichnen benutzt werden. Die übrigen Prüfungsfächer sind 
1) Baumaterialien-Lehre; 2) praktische Geometrie; 3) Ingenieur¬ 
mechanik; 4) Hochbau-Konstruktionen; 5) Baugeschichte; 6) In¬ 
genieur-Konstruktionen (Brücken, Gründungen, Tunnelbau etc.); 
7) Strafsen, Eisenbahn- und Wasserbau; 8) Maschinenkunde. 

Die zweite Staatsprüfung im Bauingenieurfache 
erfordert die entsprechenden Nachweise wie beim II. Architektur- 
Examen. 

Diese Prüfung umfasst 1) Strafsenbau in Beziehung auf 
Anlage, Konstruktion und Unterhaltung der Landstrafsen, Anlage 
von Orten und Ortsstrafsen. 2) Eisenbahnbau in Beziehung 
auf a) Vorarbeiten und Tracirung, b) Oberbau und dessen Unter¬ 
haltung, c) Stations-Anlagen mit Hochbauten und Betriebsein¬ 
richtungen, d) Betrieb- und Signalwesen. 3) Brückenbau, be¬ 
sonders in Beziehung auf allgemeine Anordnung, Gründung, Kon¬ 
struktion und Ausführung. 4) Wasserbau und zwar a) Fluss- und 
Srombau, b) Schiffahrts- und Flöfserei-Einrichtungen, c) Ansamm¬ 
lung, Fassung, Leitung und Hebung des Wassers, d) Kenntniss 
der Wasserwerks-Anlagen für gewerbliche und sonstige Zwecke. 
5) Angewandte Baumaterialien-Lehre. 6) Maschinenkunde und 
zwar Leistungsfähigkeit der Hülfsmaschinen auf Bauplätzen, 
Motore, Dampfkessel, Feuerlösch-Geräthe, Bau- und Feuerpolizei- 
Gesetze, Gesetze über Strafsen-, Eisenbahn-, Brücken- und Wasser¬ 
bauwesen, Dampfkessel-Anlagen etc., je nach den Gesichtspunkten 
der praktischen Anwendung. 

Die angeführten Prüfungen werden von Kommissionen vor¬ 
genommen, welche theils aus Lehrern der Kgl. technischen Hoch¬ 
schule, theils aus technischen Vertretern des Kgl. Ministeriums 
sich zusammen setzen. Hausaufgaben sind nicht eingeführt. 

Zu diesen seit dem Jahre 1872 bestehenden und mehrfach 
ergänzten ev. abgeänderten Bestimmungen bringt die erste Nummer 
des Regierungsblattes von 1884 den folgenden Zusatz: „Die bei 
den I. Staatsprüfungen für befähigt erkannten Kandidaten er¬ 
langen nach erfolgter Beeidigung die Befugniss zu Baumessungen 
und — wenn sie bei der Prüfung genügende Kenntnisse in der 
praktischen Geometrie nachgewiesen haben — zur Aufnahme von 
Situationsplänen für Bauanlagen. Sie erhalten das Prädikat 
„Bauführer“. Denselben kann durch das Ministerium der aus¬ 
wärtigen Angelegenheiten in Gemeinschaft mit dem Ministerium 
des Innern, bezw. mit dem Finanzministerium, der Titel „Re¬ 
gierungs-Bauführer“ verliehen werden.“ 

In gleicher Weise erlangen die bei der II. Staatsprüfung für 
befähigt erkannte Kandidaten das Prädikat „Baumeister“ 
event. den Titel „Regierungs-Baumeister“. — 

Welche Praxis sich bei Ertheilung beider Titel heraus bilden 
wird, bleibt abzuwarten. . 


Mittheilungen 

Architekten- u. Ingenieur-Verein zu Hannover. Aufser- 
ordentliche Versammlung am 15. Januar 1884. Vorsitzender 
Ilr. Garbe. 

IIr. Köhler leitet eine Besprechung des Gutachtens der 
Akademie des Bauwesens betreffend Reorganisation 
des Ausbildungsganges der Staatsbautechniker durch 
eine kurze Angabe des Inhalts jenes Gutachtens ein. Die wesent¬ 
lichsten Punkte des Vorschlags sind: 

1) Entlastung der Bauführer-Prüfung durch Verlegung ihres 
theoretischen Theils an den Schluss des 2. Studienjahres. 

2) Hebung der praktischen Ausbildung durch Einfügung eines 
Elevenjahres unter behördlicher Aufsicht zwischen das 2. und 
3. Studienjahr, das bei ungenügendem Erfolge event. verlängert 
werden kann. Ein genügendes Elevenzeugniss soll Vorbedingung 
für die Zulassung zum weiteren Studium sein. 

3) Vereidigung der Eleven zu Beginn des Elevenjahres. 

4) Wegfall der Diäten der Bauführer für die Zeit, in welcher 
sie zur eigenen Ausbildung, also nicht zum Nutzen des Staates 
beschäftigt sind. 

5) Eine systematische Ausbildung der Bauführer im Verwal¬ 
tungswesen wird, weil dadurch eine ausreichende technische Weiter¬ 
bildung beeinträchtigt wird, nicht empfohlen. 

0) Ertheilung der häuslichen Arbeit erst nach Beendigung 
der Bauführerzeit und Beschränkung der Frist für deren Erledi¬ 
gung auf 9 Monate. 

7) Datirung des Dienstalters der Techniker vom Datum ihrer 
Ernennung zum Reg.-Baumeister. 

8) Die Erklärung, dass eine erspriefsliche Weiterentwickelung 
der Beamten - Laufbahn der Techniker durch die Zulassung der 
Abiturienten von Ober-Realschulen unterbunden sei und die Bitte 
um Wiederbeseitigung dieser Maafsnahme. 


aus Vereinen. 

Die nun eröffnete Debatte, an welcher sich namentlich die 
Hrn, Köhler, Bachem, Schwering, Taaks, Wiesner, Barkhausen, 
Frank, Riehn, Sasse, Rühlmann, Keck, Launhardt und Lehmbeck 
betheiligen, dokumentirt bezüglich der meisten Punkte volle Ueber- 
einstimmung der Anschauung der Versammlung mit dem Gut¬ 
achten; über die unter 1 bis 3 aufgeführten Fragen entwickelt 
sich jedoch ein lebhafter Austausch von nicht immer zustimmenden 
Meinungen. Besonders die Punkte 2 und 3 stofsen auf grofse 
Bedenken, die durch folgende Betrachtungen motivirt werden. 

Da die zum Elevenjahre abgehenden Studirenden bis dahin 
fast ausschliefslich mit theoretischen Studien beschäftigt waren 
und das zuerst abzulegende Examen die praktischen Fächer der 
beiden ersten Jahre auch in den Hintergrund drängt, so werden 
dieselben mit nicht mehr Verständniss an die praktische Be¬ 
schäftigung gehen, als bei dem Studiengange vor 1876; das durch 
die Vereidigung verstärkte Pflichtgefühl wird diesen Mangel nicht 
ersetzen können. Der Vorgesetzte Baubeamte, der die Stelle des 
beständig unterweisenden Lehrers zu vertreten hätte, hat hierzu, 
wie die frühere Erfahrung genügsam gezeigt hat, oft weder Zeit 
noch Lust und dies hat für den Eleven den Nachtheil einer 
äufserst ungleichmäfsigen Beurtheilung und in Folge dessen eines 
geringen Werthes seines Elevenzeugnisses zur Folge. Es kann 
Vorkommen, dass der unter einem strengen und gewissen¬ 
haften Lehrmeister beschäftigte und daher gut vorgebildete 
Eleve, von diesem in der Erkenntniss der naturgemäfs noch 
immer mangelhaften Leistungen über 1 Jahr hinaus, d. h. 
bei den bestehenden Jahreskursen der Hochschulen noch ein 
zweites Jahr gehalten wird, während der von einem vielleicht 
überlasteten Vorgesetzten ganz sich selbst überlassene Eleve 
das die weiteren Studien ihm eröffnende Attest erhält: kurz es 
werden sich hier alle die Mifsstände fühlbar machen, welche 










No. 10, 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


59 


bei der Beurtheilung durch eine einzige Person allgemein hervor 
treten. Gegen die Einschaltung des Elevenjahres spricht auch 
folgende Zeitberechnung. Das Durchschnittsalter muss beim Be¬ 
ginne der Studien jetzt auf 19 1 / 2 Jahre veranschlagt werden. 
Während es nun bei den bestehenden Einrichtungen möglich ist, 
die Studien und das erste Examen vor Erfüllung der Militär¬ 
pflicht zu erledigen, bezw. mit einjähriger Unterbrechung der 
Studien dieser Pflicht nachzukommen, wird in Zukunft auch 
das Dienstjahr unter allen Umständen in die Studienzeit gelegt, 
der Gang derselben also entweder zwei Mal, oder durch eine 
zweijährige Pause unterbrochen werden müssen. Im übrigen 
wird der Yortheil einer frühzeitigen Einführung in die Praxis an¬ 
erkannt; als Nothwendigkeit wird, sie für die Maschinenbauer 
bezeichnet und allgemein wird bestätigt, dass der Umgang mit 
den Handwerkern und Arbeitern bei völliger Gleichstellung während 
der Studienjahre viel besser erlernt werde, als später in der 
Stellung als Vorgesetzter. Hierzu ist aber der Aufwand eines 
ganzen Jahres nicht erforderlich, wie dies durch die früher in 
Hannover erfolgreiche Benutzung der dreimonatlichen Sommerzeit 
während dreier Jahre bewiesen ist. Für die Mehrzahl könnte 
auch die Zeit zwischen dem Ostern abgelegten Maturitäts-Examen 
und dem Michaelis beginnendem Studium hierfür disponibel ge¬ 
macht werden; doch erscheint dies nicht nothwendig. 

Was den ersten Punkt: Trennung der Bauführerprüfung 
anlangt, so fand dieser bei der Mehrzahl der Redner Fürsprache 
mit der Begründung, dass das Bauführer-Examen, dessen Ueber- 
lastung durch die grofse Zahl der Durchfallenden bewiesen werde, 
durch Vorwegnabme der theoretischen Fächer entlastet werden 
müsse, dass der Zwang der schon nach zwei Jahren zu bestehenden 
Prüfung den Ernst des Studiums von vorn herein erhöhen werde 
und dass die frühe Ablegung dieses Examens ungeeigneten Ele¬ 
menten rechtzeitig die Nothwendigkeit klar machen werde, einen 
anderen Beruf zu wählen. 

Von anderer Seite wurde dem entgegnet, dass durch die 
frühe definitive Erledigung der theoretischen Studien, abgesehen 
von der Minderzahl der von Natur hierfür vorwiegend Begabten, 
das Interesse an den kaum in Fleisch und Blut übergegangenen 
Disziplinen gänzlich schwinden, und sich daher ein Rückgang in 
gründlicher theoretischer Vorbildung bemerkbar machen werde. 
Ein solcher ist auch von verschiedenen Seiten in den höheren 
Studien der Ausbildung konstatirt worden, seitdem die Theorie 
aus der zweiten Staatsprüfung geschwunden ist. Durch gelegent¬ 
liche Prüfung in theoretischen tragen im Zusammenhänge mit 
den praktischen Fächern kann dieser Mangel nicht gehoben 
werden, da die Theorie den in der Praxis Stehenden häufig 
ferner liegt, besonders aber nicht, weil durch diese Wieder- 
hineinziehung der Theorie der Zweck, nämlich die Entlastung 
der Prüfung, verfehlt würde. 

Um den beabsichtigten Zwang zum Studium herzustellen, 
braucht man die theoretischen Fächer nicht aus der Bauführer- 
Prüfung zu streichen; man braucht dazu nur beliebige Vor¬ 
prüfungen einzuschalten, von deren Erledigung die Fortsetzung 
der Studien abhängt. Da wiederholte Prüfung in denselben 
Fächern auch schon eine Erleichterung ist, würde dies io jeder 
Beziehung von Nutzen sein. Die Studirenden, welche schon an 
der ersten Vorprüfung nach 2 Jahreu scheitern, sind deshalb 
doch nicht unbrauchbar für die Technik, da viele gute Techniker 
auch aus der Zahl derer hervor gehen, die für Theorie weniger 
Begabung haben. Für solche ist andererseits eine thunlichst 
dauernde Beschäftigung mit den theoretischen Disziplinen während 
des ganzen Studiums aber gerade besonders erwünscht. 

Die übrigen Vorschläge des Gutachtens finden fast allge¬ 
meine Zustimmung, nur sind Viele der Ansicht, dass die Zeit zur 
Erledigung der häuslichen Arbeit zum zweiten Examen von 
9 Monaten auf 6 herab gesetzt werden könne. 

Der Vorschlag des Verbandes, die Beschäftigung der Bau¬ 
führer auf drei Jahre auszudehnen, findet allseitige Billigung 
und es wird hervor gehoben, dass das erste dieser drei Jahre 
als Elevenjahr dienen könne, (cfr. transitorische Bestimmungen 
der Prüfungs-Vorschriften von 1868.) 

Zur Besprechung des weitern Vorgehens wurde eine Kom¬ 
mission gewählt, bestehend aus den Hrn. Köhler, Barkhausen, 
Schwering, Lehmbeck, Taaks, Wiesner, Sasse, Bachem und Keck. 


Architekten-Verein zu Berlin. Versammlung am 28. Jan. 
1884. Vors. Hr. Dr. Hobrecht; anwes. 167 Mitglieder und 7 Gäste. 

Unter den Eingängen erwähnen wir eine Einladung des Ver¬ 
eins „Motiv“ zur Theilnahme au seinem, in den Restaurations¬ 
räumen des Zoologischen Gartens am 2. Februar er. stattfindenden 
Winterfeste. 

Der Hr. Vorsitzende macht die betrübende Mittheilung, dass 
das durch seine langjährige Thätigkeit als Säckelmeister um den 
Verein hoch verdiente und durch treuste Anhänglichkeit an den¬ 
selben, sowie durch persönliche Liebenswürdigkeit ausgezeichnete 
Mitglied, Hr. Reg.- und Brth. Dr. Julius Krieg in Liegnitz 
gestorben ist. Die Versammlung ehrt das Andenken an den 
Geschiedenen in üblicher Weise durch Erheben von den Plätzen. 

Den Vortrag des Abends 

„über die Technik des Eisengusses“ 
hatte der Direktor der Wilhelmshütte bei Seesen, Hr. Ja- 
nisch freundlichst übernommen. 

Bei einer Betrachtung des zeitigen Standes der Gusstechnik 
für ornamentale Zwecke — welche letzteren lediglich das 


Thema der Erörterungen bildeten — drängen sich leicht die 
Fragen auf, ob erhebliche Fortschritte gegenüber der Vergangen¬ 
heit gemacht sind, welchen Ursachen dieselben zuzuschreiben und 
durch welche Mittel dieselben erreicht worden sind. Wann und 
von wem die ersten ornamentalen Gusstücke hergestellt worden 
sind, ist nicht mehr nachzuweisen; sicher ist nur, dass die¬ 
jenigen Abarten des Eisens, welche man als Stahl, Stabeisen etc. 
kennt, bereits Jahrhunderte früher als Gusseisen im Gebrauch 
gewesen sind, und es darf wohl als ein blofser Zufall be¬ 
zeichnet werden, als zu Anfang des 15. Jahrhunderts zum ersten 
Male Eisen in fliefsender Form hergestellt wurde. Obwohl man 
anfänglich dieser Art des Materials anscheinend nur einen sehr 
geringfügigen Werth beigemessen hat, so fand dieselbe doch bald 
Verbreitung für Gegenstände des täglichen Gebrauchs, welchen 
es schon frühzeitig nicht an zierlichen Formen und Ornamenten 
fehlte. So sind beispielsweise noch Ofenplatten aus dem 16. Jahr¬ 
hundert erhalten, auf welchen ganze Szenen aus der biblischen 
Geschichte mit verhäiinissmäfsigem Geschmack zur Darstellung 
gebracht sind. Vergleicht man diese Proben mit den Leistungen 
der späteren Zeit, so gewinnt man bald die Ueberzeugung, dass 
die Ornament-Giefserei mehre Jahrhunderte hindurch im wesent¬ 
lichen auf dem gleichen primitiveu Standpunkte geblieben ist. 
Dieser Stillstand war schwerlich eine Schuld der Fabrikanten 
und dürfte vielmehr darin seine Erklärung finden, dass au die 
letzteren höhere Aufgaben nicht gestellt wurden, an welche man 
gewöhnlich nur im Bedürfnissfalle und, wenn auch ein ent¬ 
sprechender Lohn in Aussicht steht, heran tritt. Als io neuerer 
Zeit auf dem Gebiete der Kunst und des Kunstgewerbes ein. 
allgemeiner Aufschwung eintrat, wurde auch der Technik des 
Eisengusses eine gröfsere Beachtung zugewandt. Hierbei waren 
es gerade die Berliner Architekten, welche von den Fabrikanten 
die höchsten Leistungen beanspruchten, eine Thatsache, welche 
insbesondere von dem Hrn. Vortragenden auch auf der Pariser 
Welt-Ausstellung im Jahre 1878 wahrgenommeu worden ist. 

Bei der Herstellung der Gusstücke erfordert die Auswahl 
und Zubereitung des Formsandes, der Holzkohle und aller 
übrigen Materialien ein vorzüglich geschultes Arbeiter-Personal, 
welches nicht allein die wünschenswerthe Handfertigkeit besitzt, 
sondern auch bei der Arbeit selbständig zu denken vermag, da 
die einzelnen Manipulationen je nach Umständen sehr verschieden 
ausgeführt werden müssen. Besonders eigenartig ist die Behand¬ 
lung der Modelle. Es ist die erste Pflicht des Giefsers, das aus 
Wachs gefertigte Originalmodell als ein Heiligthum zu betrachten, 
an welchem mchts geändert werden darf. Nach dem Original¬ 
modelle wird das Formmodell in Metall hergestellt und sauber 
ciselirt, wobei der Arbeiter sich des Hineintragens seiner eigenen 
Ideen wohl zu enthalten und vornehmlich auch das bekannte 
„Schwinden“ des Materiales zu beachten hat. Letzteres bedingt 
eine entsprechend härtere Gestaltung der Formen, als das Original 
aufweist; der Maafsstab, in welchem Umfange derartige Abände¬ 
rungen nothwendig sind, ist erst durch lange Uebung und Erfah¬ 
rung zu gewinnen. Weiterhin folgt die wichtigste Arbeit uud die 
hauptsächlichste Kunst des Formers, das Zertheilen des Modells 
in die für die Ausführung des Gusses erforderlichen Stücke, wo¬ 
bei sorgfältig zu beachten ist, dass die Aufsenwinkel der einzelnen 
Theile stets einen gröfseren Winkel als 90 0 erhalten Bei sehr 
grofser Komplizirtheit des darzustellenden Gegenstandes müssen 
Hiilfsmodelle benutzt werden. 

Wir müssen es uns leider versagen, auf die einzelnen, bei 
der Behandlung der Modelle erforderlichen Vorgänge, welche der 
Hr. Vortragende unter Vorführung von Beispielen uud ausge¬ 
stellten Proben — insbesondere an Gusstücken für die Reichs¬ 
druckerei, das Kunstgewerbe - Museum und das Sieges - Denkmal 
hierselbst — detaillirt und anschaulich erläuterte, an dieser 
Stelle näher einzugehen. Der laute Beifall der Anwesenden be¬ 
wies dem Hrn. Redner, mit welchem lebhaften Interesse seine 
dankenswerthen Mittheilungen aufgenommen waren. 

In der an den Vortrag sich anschliefsenden Diskussion glaubte 
Hr. Schäfer darauf hinweisen zu sollen, dass er zwar die gröfste 
Achtung vor den vollendeten Leistungen und vor den auf weitere 
Vervollkommnung bedachten Bestrebungen der ornamentalen Guss¬ 
technik hege, dass dieselbe jedoch in Gefahr sei, einer über- 
mäfsigen, den Eigenschaften des Materials keineswegs angepafsten 
Künstelei zu verfallen. Wenn mau in Guss Formen nachahme, 
welche für andere Materialien geschaffen seien, so widerstrebe 
das den unabänderlichen Gesetzen der wahren Kunst, und der¬ 
artige Ziele sollte man nicht unterstützen, zumal sich für die 
eigentlichen Bedingungen der Gusstechnik wohl der richtige Aus¬ 
druck in entsprechenden, event. angemessen zu vereinfachenden, 
Formen finden lasse. Die Hrn. Assmann und Kyllmann sind 
mit dem Hrn. Vorredner wohl darin einverstanden, dass sich die 
Form dem Materiale unterzuordnen habe; immerhin aber müsse 
es als zulässig bezeichnet werden, in bestimmten Fällen das 
Material in möglichst vollkommene Formen zu bringen, selbst 
wenn die letzteren auf einem scheinbar übermäfsig künstlichen 
Wege erzwungen werden sollten. In dieser Beziehung sei u. a. 
die Herstellung des schwierigen und sehr kostspieligen Gusstückes 
(eines Gitters) für das Kunstgewerbe-Museum, dessen Behandlung 
Hr. Janisch ausführlich erörtert hatte, durchaus zu billigen, da 
gerade das Kunstgewerbe - Museum der richtige Ort sei, den 
Triumph der Kunstfertigkeit über die Schwierigkeiten der Materie 
zum Ausdrucke zu bringen. — e. — 












60 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


2. Februar 1884 


Vermischtes. 

Verschiedene neuere Verfahren zur Herstellung künst¬ 
licher Steine. 1) Poröse feuerfeste Steine als Baumaterial, 
Filtermaterial zur Absorption von Gasen und Flüssigkeiten und 
zur Desinfektion von Dr. A. Frank, Charlottenburg. 

Nach des Erfinders Mittheilungen in der Polytechnischen 
Zeitung werden Mischungen aus Infusorienerde, organischen 
Materien, Alkalien, alkalischen Erden (incl. Magnesia) unter 
Zusatz von Wasser geformt und bei starker Hitze gebrannt. Da 
beim Brennen die zugemischten organischen Substanzen verkohlen, 
dieser Kohlenstoff je nach dem Quantum zugeführter frischer 
Luft ganz oder nur theilweise verbrennt, und die Kieselsäure sich 
gleichzeitig unter Einwirkung der Hitze mit der zugesetzten feuer¬ 
beständigen Basis zu Silikaten verbindet, so frittet (sintert) die 
Masse. Werden während dieses Prozesses bei eintretender Ver¬ 
sinterung der Kieselsäure - Partikelchen gasförmige Produkte ent¬ 
wickelt, so bildet sich eine poröse, aber sehr feste Masse. Diese 
Masse wird entweder im rohen Zustande, oder mit einer Glasur 
versehen, verwendet. 

Steine aus dieser Masse zeichnen sich, wie der Erfinder sagt, 
durch grofse Feuersicherheit, durch grofse Leichtigkeit, durch 
äufserst geringes Leitungsvermögen für Wärme und Schall, durch 
grofse nach Erforderniss zu regulirende Härte der Kieselsäure- 
theilchen, durch grofse Absorptions-Fähigkeit aus. 

2) A. Simon u. V. Petit in Paris (D. R.-P. No. 20 744) 
stellen aus einem Gemisch von Asphalt, Schwefel und Gummilack 
unter entsprechendem Zusatz von Mineralpulvern eine Masse her, 
die unter hydraulischen Formen gepresst, zu Fufsbodenplatten etc. 
verwendet werden kann. 

3) R. Michelet & L. Tescher in Berlin (D. R.-P. 22 276) 
formen aus Aetzkalk und Thon, bezw. aus Lehm etc. Steine, die 
durch künstliches Trocknen, leichtes oder scharfes Brennen und 
Behandeln mit Theer, Asphalt etc. nach dem Berkel’schen Ver¬ 
fahren eine bedeutende Festigkeit erlangen. Poröse Natursteine 
lassen sich ebenfalls diesem Verfahren unterwerfen. (BerkePs 
Verfahren ist in Dingier’s Journal 1881, Band 239, pag. 164 
näher beschrieben.) 

4) A. Arnold in Bischweiler (D. R.-P. 20 233) empfiehlt 
mit Asche gefüllte Ziegelsteine. Um diese herzustellen, werden 
aus plastischem Thon kastenförmige Steine ohne Deckel her¬ 
gestellt, diese mit Asche gefüllt und dann durch eine Thonlage 
verschlossen. Einige einzustofsende Luftlöcher ermöglichen das 
Entweichen der sich beim Verbrennen entwickelnden Dämpfe, 
GclS6 6tC. 

5) F. W. Poestges in Düsseldorf (D. R.-P. 20 751) mischt 
Gips und in Alaunwasser zu Pulver gelöschten Kalk mit Sand 
und feuchtet das trockene Pulver mit L^imwasser und Essig¬ 
säure an. Soll diese Masse zur Herstellung von Stucco verwendet 
werden, so fällt der Sandzusatz fort. Ein aus Zementmörtel und 
verdünnter Essigsäure hergestellter Ueberzug schützt die Masse 
hei fehlendem Oelanstrich in ausreichendem Maafse. Ein gleich- 
mäfsigeres Färben der mit dieser Masse behandelten Mauer er¬ 
zielt man dadurch, dass man die Farben mit verdünnter Essig¬ 
säure und Schwefelsäure mischt; hierdurch dringen die Farben 
selbst sicher ein. 


Winddruck-Beobachtungen. Während der Sturmperiode 
der letzten Woche, in welcher in ganz Nord-Europa eine seltene 
Reihe sehr heftiger Stürme beobachtet wurde, ging in der Nacht 
vom 23. zum 24. Januar ein sehr tiefes barometrisches Minimum 
durch Hamburg oder in dessen nächster Nähe vorbei. Die Folge 
desselben waren Windgeschwindigkeiten von ungewöhnlicher Höhe, 
nach den „Meteorologischen Mittheilungen der Seewarte“ in der 
Stunde von 3—4 Uhr Nachts durchschnittlich 30 “ pro| Sekunde. 
Unzweifelhaft muss die Windgeschwindigkeit einzelner sehr hef¬ 
tiger Böen erheblich gröfser gewesen sein; ich nahm deshalb 
Veranlassung, den Direktor der Seewarte, Ilrn. Geh. Admir.-Rath 
Dr. Neumayer zu bitten, im Interesse der technischen Kreise die 
gröbsten beobachteten Winddrucke zu veröffentlichen, da ja die 
allgemein übliche Annahme von 30 m Maximalgeschwindigkeit * 
nicht genügend zu sein scheine. Der Vorsteher der meteorolo¬ 
gischen Abtheilung der Seewarte hat in dankenswerthester Weise 
diese Mittheilung in der heutigen Nummer des „Hamburgischen 
Korrespondenden“ gegeben; der Artikel ist höchst interessant, 
ich möchte aus demselben für technische Kreise die folgenden 
Auszüge geben: 

In der Nacht vom 23./24. d. M. ist die mittlere stündliche 
Geschwindigkeit des Windes in Metern pro Sekunde beobachtet: 
Von 12 — 1 Uhr: 23,7; von 1—2 Uhr: 23,7; von 2 — 3 Uhr: 
28,4; von 3 — 4 Uhr: 30,4; von 4 —5 Uhr: 27,6; von 5-6 Uhr: 
29,2; von 6 — 7 Uhr: 26,8; von 7 — 8 Uhr: 27,2“. Dabei über¬ 
stieg der Winddruck zwischen 3 und 4 Uhr Morgens häufig 150 k s 
pro fl™. — 

Während des Sturmes in der Nacht vom 22. zum 23. 
dieses Monats betrug die gröfste stündliche Durchschnitts- 
Geschwindigkeit, 27,2™ pr. Sek.; dabei wurde vom Winde 
zeitweise ein Druck ausgeübt, welcher 75 k 8 pro fl“ überstieg. 
— In der Nacht vom 26. zum 27. d. M. war der höchste 
Durchschnitt nur 24,9“ pro Sekunde, dagegen überschritt der 
Winddruck häufiger 100 pro fl“. Am 26. d. M. Abends meldet 


Stornoway (Hebriden) 705,8 ““ Barometerstand, am 27. Morgens 
Skudesnaes 706,8 mm ; der sachkundige Verfasser schätzt den 
Barometerstand im Zentrum des Wirbels auf nahezu 700““. — 
Derartige Beobachtungen verdienen die gröfste Aufmerksamkeit 
der Techniker wie der Meteorologen. 

Altona, den 29. Januar 1884. W. Kümmel. 

Wiesbadener Rathhausbau. Zu unserer bezgl. Notiz in 
Nr. 2 er. ging uns nachfolgendes Schreiben zu: 

„Die Unterzeichneten glauben, sich der Hoffnung hingeben 
zu dürfen, dass ein Streit über die Vaterschaft des Rathhaus¬ 
baues, wie er in jener Notiz in der Dtschn. Bztg. in Aussicht 
gestellt ist, wohl ausbleiben wird. Der von dem Unterzeichneten 
Stadtbaumeister Lemcke im Aufträge der Stadt Wiesbaden aus¬ 
gearbeitete Grundriss hat so viel Verwandtes mit dem Hauber- 
risser’schen Konkurrenz-Projekt, dass derselbe mit der Architektur 
des letzteren — selbstredend mit entsprechenden Modifikationen 
— wohl kombinirt werden konnte. Im übrigen wird auf die in 
Aussicht stehende Publikation beider Entwürfe verwiesen. 

Wiesbaden, den 30. Januar 1884. 

Johannes Lemcke. Georg Hauberrisser.“ 


Ans der Fachlitteratur. 

Wasserversorgung, Kanalisation und Abfuhr in wirth- 
schaftlicher, sanitärer, ökonomischer und technischer Beziehung 
von Hugo Marggraff. München 1879. Pr. 1 Jt 

Vorstehendes Werkchen enthält eine Quintessenz aller bei 
der Frage der Wasserversorgung von München in den J. 1874—79 
vorgenommenen Untersuchungen, welche vom Magistrat in 8 Bänden 
mit zahlreichen Plänen etc. veröffentlicht wurden, bei ihrem grofsen 
Umfang aber nicht Jedermann zugänglich sind. 

Es muss daher als eine verdienstliche Arbeit bezeichnet 
werden, das reichhaltige und nicht blos für München, sondern 
ganz allgemein gütige werthvolle Material in gedrängter Form 
geordnet zusammen zu stellen und überall durch Quellenangaben 
das Spezialstudium zu erleichtern. Der Verfasser enthielt sich 
hierbei alles einseitigen Vordrängens des einen oder andern 
Systems und erwähnt auch die, bei so vielen noch offenen Fragen 
nicht überraschenden, oft diametral entgegen gesetzten Ansichten in 
ganz objektiver Weise; eine Parallelstellung solcher Ansichten 
kann ja nur willkommen sein. 

Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes für die Weiterent¬ 
wickelung unserer grofsen Städte dürfte diese, alle bisherigen 
Errungenschaften für die Assanirung grofser Städte umfassende 
Uebersicht nicht blos den Technikern, sondern auch deu Gemeinde¬ 
vertretern zu empfehlen sein. Lg. 


Konkurrenzen. 

Monats - Konkurrenzen des Arcbitekten - Vereins zu 
Berlin zum 3. März er. I. Für Architekten: Entwurf zu einem 
kleinen Bauwerk für die öffentliche Aufstellung eines Thermo¬ 
meters, Barometers, Hygrometers etc. II. Für Ingenieure: Massive 
städtische Brücke. 


Persona! - NacbrieMen. 

Württemberg. Die am Polytechnikum in Stuttgart erledigte 
ordentl. Professur für Maschinenbau ist dem Ing. Ernst an der 
Fachschule für Maschinentechniker in Halberstadt übertragen 
worden. 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. W. in P —en. Zum Anstrich unglasirter wie auch 
glasirter Kachelöfen wird sogen. „Terpentinfarbe“ hergestellt, 
d. i. eine mit Firniss und Terpentin angeriehene Farbe. Bei dem 
2. Anstrich wird dieser Farbe etwas Wachs zugesetzt. Die Kunst 
bei der Zusammensetzung der Farbe besteht darin, so wenig wie 
möglich Firniss zu verwenden; ganz entbehrt kann derselbe jedoch 
nicht werden, da er den Klebestoff abgiebt. Sollten Sie nicht einen 
tüchtigen Maler zur Disposition haben, so müssen Sie durch 
Versuche das richtige Mischungsverhältniss ermitteln. Derartiger 
Anstrich, schon im Jahre 1873 hergestellt, ist heute noch 
vollständig intakt und nur an einigen besonders stark erhitzten 
Stellen braun gebrannt. 

Hrn. L, in Essen. Um Stiele eines Fachwerkbaues oder 
überhaupt Holzwerk, welches der Witterung oder der Erdfeuch¬ 
tigkeit ausgesetzt ist, gegen Fäulniss zu schützen, hat man bis 
jetzt im allgemeinen mit Vortheil des Holztheers sich bedient. 
In neuerer Zeit ist das sogenannte Carbolineum, welches bei 
Gehr. Avenarius in Gau-Algesheim zu beziehen ist, mit grofsem 
Erfolge angewandt worden; längere Erfahrungen über letzteres 
Mittel stehen allerdings noch aus. 

Hrn. 0. in Stuttgart. Die Bestrebungen, den Studirenden 
der technischen Hochschulen, welche den Kursus der letzteren 
mit Erfolg absolvirt haben, einen akademischen Grad — ent¬ 
sprechend dem Doktor-Titel der Universitäts-Fakultäten — zu¬ 
gänglich zu machen, sind schon älteren Datums und wurden 
bis vor kurzem iu Oesterreich lebhaft verfolgt. Ob sie zu einem 
Ziele führen, sind wir aufser Stande voraus sehen zu können. 


* Deutsches Bauhantlbuch I. 8. 364. 


Kommissionsverlag von Ernst Toeche in Berlin. 


i. Für die Redaktion verantwortlich K. E. O. Fritsch, Berlin. Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin. 
























No. 11. 


61 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


Inhalt: Zur amtlichen Stellung der Baubeamten in Preufsen. — Restauration 
der St. Katharinen Kirche zu Oppenheim. — Mittheilungen aus Vereinen: 
Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hannover. — Architekten- und Ingenieur- 
Verein in Hamburg. — Verein deutscher Zementfabrikanten. — Vermischtes: Vor¬ 


bereitungen zur Ausführung elektrischer Beleuchtungs-Anlagen in Berlin. — Das 
Schulze’sche Projekt zu dem Neubau des preufs. Abgeordnetenhauses. — Mitthei¬ 
lung -über Massen-Koch-Apparate. — Neukreirte Eisenbahn—Behörden. — Quai 
oder Kai oder Staden? — Konkurrenzen. — Personal-Nachrichten. 


Zur amtlichen Stellung der Baubeamten in Preufsen. 


ehr als ein Jahrzehnt ist verflossen, seitdem im Kreise 
der Baubeamten und der für den Staatsdienst sich 
vorbereitenden Techniker eine lebhafte Agitation be¬ 
hufs Verbesserung der amtlichen Stellung dieser Be¬ 
amtenklasse, insbesondere behufs Erreichung einer 
Gleichstellung mit den juristisch gebildeten Verwaltungsbeamten 
von Ablegung des zweiten Staatsexamens ab betrieben wird. 

Erwägt man, dass die auf den höheren Staatsdienst sich vor¬ 
bereitenden Techniker vor Eintritt in die Hochschule gleich den 
Juristen das Reifezeugniss einer Schule mit neunjährigem 
Kursus beibringen müssen, dass das Studium des Baufachs und 
die Ablegung der Staatsprüfung mindestens so schwierig ist, 
wie Studium uud Staatsprüfung der Juristen und dass die Bau¬ 
meisterprüfung in der Regel in vorgeriickterem Lebensalter, als 
die Assessorprüfung abgelegt wird, so kann jenen Bestrebungen 
eine innere Berechtigung nicht abgesprochen werden. 

In richtiger Erkenntniss des Umstands, dass Männer, deren 
Thätigkeit ganz auf dem Gebiete moderner realer Wissenschaften 
liegt, passender Weise schon auf der Schule mehr in realer 
Richtung vorgebildet werden, nicht zur Herabdrückung, sondern 
zur Hebung des Standes, ist den früheren Realschulen I Ord¬ 
nung, das sind die heutigen Realgymnasien, bereits seit etwa 30 
Jahren die Berechtigung zugestanden worden, für das Baufach 
vorzuhereiten und man kann aonehmen, dass etwa die Hälfte 
aller heutigen Regierungs-Baumeister diesen Schulen entstammt. 
Als dann vor einigen Jahren die Oberrealschulen, gleichfalls mit 
neunjährigem Kursus, ins Leben traten und auch ihnen diese 
Befähigung zugesprochen wurde, ging eine allgemeine Beängsti¬ 
gung durch die Kreise der Baubeamten und man sprach die Be¬ 
fürchtung aus, dass dies nur einen Schachzug der Juristen gegen 
die Techniker bedeute, dass man durch diese Zulassung lat ein - 
loser Schulen am besten das Streben nach Gleichberechtigung 
nieder zu halten in der Lage sei. Die Agitation richtete sich 
nun, unter geringer Rücksichtnahme auf die Frage, welches denn 
eigentlich die beste Vorbildung des Technikers für sein Fach 
sei, und nur in dem Streben, die Gleichstellung zu erlangen, in 
erster Linie gegen die Zulassung dieser Schulen, ja man hätte 
zu Liebe dieser Gleichberechtigung wohl gar die Realgymnasien 
über Bord geworfen und allein am humanistischen Gymnasium 
fest gehalten, obgleich dieses vielleicht die ungeeignetste Vor¬ 
bildung für einen Techniker giebt. 

Alles, was jener Gleichberechtigung etwa im Wege stand, 
wurde zur Beseitigung empfohlen, sogar der Diätenbezug der 
Regierungs-Bauführer preisgegeben, um es auch hierin den Refe- 
rendarien gleich zu thun und die neuerdings in Vorschlag gebrachte 
Hinzufugung eines Elevenjahres zur 4jährigen Studienzeit wurde 
auch deshalb mit Freuden begrüfst, weil, wie das Wochenblatt 
für Architekten und Ingenieure heraus rechnet, das gesammte 
Studium des Baufachs dann einen Kostenaufwand von 12000 Jl 
fordern und dadurch Kreise vom Baufach fern gehalten würden, 
welche vielleicht in sozialer Hinsicht nicht hinein passen. 

Es ist kaum zu verstehen, dass sich aus dem grofsen Kreise der 
Baubeamten niemand gefunden hat, der solcher Auffassung entgegen 
trat. Also zu einem Vorrechte der bemittelten Stände soll das 



Studium des Baufaches gemacht werden? Niemandem fiel es ein, 
dass das Studium der Theologie, der Philologie und der Medizin 
nicht annähernd einen so hohen Kostenaufwand fordert und dass 
jene Stände sich doch so hoher Achtung in allen Bevölkerungs¬ 
schichten erfreuen. Niemand dachte daran, dass bei derartiger 
Verteuerung des Studiums die Baubeamten selbst, abgesehen 
vielleicht von den Wenigen, welche es zu Vortragenden Rathen 
bringen, nicht in der Lage sind, ihre Söhne in ihren eigenen, 
ihnen lieb gewordenen Beruf eiutreten zu lassen, weil ihnen eben 
die Mittel fehlen. Es würde ein Leichtes sein, nachzuweisen, 
dass von allen Männern, welche im Baufache Bedeutendes ge¬ 
leistet haben oder heute hervor ragende Stellen einnehmen, 
nicht 5 % von Hause aus in der Lage gewesen wären, 12 000 Jl 
auf ihre Ausbildung zu verwenden. Schämen dieselben sich so 
ihrer Armuth, dass niemand Veranlassung nahm, solche Bestre¬ 
bungen zu bekämpfen? 

Die Achtung, die ein einzelner Stand im Rahmen des Staates 
geniefst, hängt nicht von Aeufserlichkeiten, nicht von eiuem mehr 
oder weniger theurem Studium, sondern nur von der Bedeutung 
dieses Standes für den Staat und von den Leistungen der Einzelnen 
dieses Standes ab. So wird es leicht erklärlich, dass die Technik 
erst in jüngster Zeit die Berechtigung beanspruchen konnte, den 
andern gelehrten Ständen gleich gestellt zu werden. Alle jene 
vorgeschlagenen Palliativ-Mittel hätten nicht verfangen, den Bau- 
und ebenso den Maschinenbau-Beamten Bedeutung im Rahmen 
der Staatsverwaltung zu verschaffen, wenn nicht die Aussicht 
sich Bahn zu brechen im Begriff stände, dass die friedliche Ent¬ 
wicklung des modernen Staates, die Hebung des Volkswohlstandes, 
in erster Linie von der Hebung der Technik abhängig geworden ist. 

Auffällig lange Zeit dauert es freilich, bis die Techniker 
zur parlamentarischen Thätigkeit heran gezogen werden: mit um 
so gröfserer Freude aber muss es begrüfst werden, dass der 
zeitige Minister der öffentlichen Arbeiten in Preufsen augen¬ 
scheinlich eiu offenes Auge für die Bedeutung der Baubeamten 
innerhalb des ganzen Staatsorganismus hat und dass gerade er, 
dem wenig genug Liebe seitens dieser Beamtenklasse entgegen 
getragen wurde, die iuuere Berechtigung jener Bestrebungen 
anerkennend, mehr als irgend einer seiner Amtsvorgänger für 
die Hebung der Stellung des Baufaches gethau hat. Ihm ist es 
zu danken, dass jene demüthigeuden Bestimmungen, wonach die 
erste Stufe der etatsmäfsigen Baubeamten zwischen der fünften 
Beamtenklasse und den Subalternen rangirte, längst aufgehoben 
wurde und rückhaltslos hat er in der Sitzung des Abgeordneten¬ 
hauses vom 21. Januar er. deu Wunsch ausgesprochen, so weit 
zu kommeu, dass die bis jetzt so schwer empfuudeue Ungleich¬ 
heit zwischen den administrativen uud technischen Beamten hin¬ 
sichtlich der Anzienuetäts-Verhältnisse uicht mehr vorhanden sei. 

So zerfallen alle jene Befürchtungen hinsichtlich der Folgen 
ungleichartiger „Vorbildung“ in sich und es gelten vorerst und 
hoffentlich auf lange Zeit die bedeutungsvollen Worte, welche 
der Hr. Minister Maybach in jener Sitzung aussprach: „Es kommt 
für die Besetzung der Stellen lediglich darauf an, 
was ist der Mann, was leistet er? und nicht, woher 
hat er seine Kenntnisse bekommen“! 


E. Dietrich. 


Restauration der St. Katharinen Kirche zu Oppenheim. 

Vierter Jahresbericht. * 


Das dritte Baujahr schloss bekanntlich am 25. November 1881 
mit Fertigstellung der Einschieferung des neu erstandenen Vie¬ 
rungsthurmes. Mit Beginn des vierten Baujahres wurden die zur 
gänzlichen Vollendung des Thurmes noch rückständigen Arbeiten 
vorgenommen, als: Hersttdlung der Fenstersohlbänke, der Fialen¬ 
aufsätze auf der nordwestlichen Laube uud des mit Zink gedeckten 
Zwischendachs über den Fenstersohlbänken. Das schwere Hagel¬ 
wetter vom 30. Mai zertrümmerte viele Schiefer auf den Dachungen 
und verletzte auch stellenweise die feinen Steinmetzarbeiten auf 
dem Thurm und dem Westchore. Am 4. Juni entzündete ein 
Blitzschlag ein in der Nähe der Kirche befindliches Haus, womit 
sich die schon im vorher gegangenen Jahresbericht erwähnte 
Nothwendigkeit einer Blitzableitungsanlage auf dem Thurme aufs 
Neue dokumentirte. Von den im ersten Baujahre bereits ge¬ 
schlossenen Sprüngen und Rissen am Fufse der Thurmlaterne 
und in den anstofsenden Flügelmauern haben sich keine weiter 
geöffnet und es kann daraus geschlossen werden, dass auch in 
Zukunft Setzungen nicht oder nur in normalem Maafse eintreten 
werden. Der technisch schwierigste Tbeil der Aufgabe ist nun 
mit der Vollendung des Vierungsthurmes bewältigt. 

Am nördlichen Querschiff begannen die Arbeiten mit dem 
Versetzen der westlichen Galerie. Die Galerien wurden sämmt- 


* Siehe I. Jahresbericht, Dtsch. Bauztg., XIV. Jahrg. 1880 S. 81 —82; II. Jahres¬ 
bericht XV. Jahrg. 1881 Seite 175—176; Feier der Kreuzweihe des Vierungsthurmes 
XV. Jahrg. Seite 432; III. Jahresbericht XVI. Jahrg 1882 Seite 539—541 mit 
Abbildung der Katharinenkirche nach dem Merian’scheu Prospekte Oppenheims 
aus dem Jahre 1645. 


lieh mit Blei abgedeckt. Die Ausbesserungen am Nordgiebel ge¬ 
stalteten sich bedeutender, als bei der Aufstellung der Pläne 
vorher gesehen werden konnte. Fast sämmtliche Abdeckungs- 
Steine mit den darauf sitzenden Ivanteublumeu, sowie die grofse 
Kreuzblume mussten erneuert werden, ebenso das Hauptgesims 
am Fufse des Giebels, die darauf stehenden Galerien und die 
dekorativen Zuthaten der grofsen Eckfialen. Der Giebel hängt 
(Aus der Epoche der Brände her) um 6,5 cm gegen Norden über, 
was nichts Bedenkliches hat, jedoch Veranlassung zur Veranke¬ 
rung der Dachfirst des nördlichen Querschiffes mit dem Giebel 
gab. Auf der Verputzfläche, welche sich hinter der grofseu Maafs- 
werkfiilluug an der nördl. Giebel wand befindet, zeigte sich au 
geschützten Stellen ein alter rother Anstrich, auf den weifse 
Quaderfugen gezeichnet waren — eine Quader-Imitirung, die am Bau 
mehrfach vorkommt und aus der Zeit gleich nach der Vollendung 
der betreffenden Theile herzurühren scheint, von deren Erneue¬ 
rung jedoch abgesehen wurde. Haud in Hand mit den genannten 
Arbeiten am Nordgiebel ging der Ausbau des Treppenthurmes am 
Nordquerschiff, dessen zu erneuernde Stufen in Eichenholz her¬ 
gestellt wurden. Endlich wurden die Dachungen für das Quer¬ 
schiff aufgeschlagen und (iugedeckt. 

Was das Langhaus betrifft, so gestattete die Errichtung eines 
einheitlichen Gerüstes über die ganze südliche Wand die Inangriff¬ 
nahme dieser Partie auf allen Punkten zugleich und damit die 
theilweise Vollendung von Arbeiten, die nach dem älteren Bau¬ 
programm erst iu das Jahr 1884 gehören. Am 25. August waren 
die Strebepfeiler vollendet. Bei diesen sowohl wie an der Laug- 



























DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


C. Februar 1884 


62 


hauswand selbst waren die Detailformen in alten Resten gegeben, 
an deren Hand Gipsmodelle der einzelnen Stücke angefertigt 
wurden, gleich wie solche Modelle von allen charakteristischen 
Stücken der Ostpartie hergestellt wurden Vollendet wurden an 
der Langhausfagade zunächst die 4 grofsen Giebel, ferner die 
Fialen zwischen diesen Giebeln und die das Langschiff krönenden 
Galerien. Ebenso wurden die Fenstermaafswerke ergänzt und 
die reichen durchbrochenen Laubfriese in den Hohlkehlen, weiche 
um die Fenster herum laufen. Die grofsen Kapitelle unter den 
Pfeilervorlagen konnten nicht erneuert werden. Eine eingehende 
Untersuchung des Mauerwerks ergab, dass die auch sonst 
wünschenswerthe Ausführung der Strebebögen jetzt schon be¬ 
gonnen werden konnte. Im kommenden Baujahr wird der obere 
Theil des jetzigen Gerüstes abgebrochen werden und aus dem 
Gewirre von Hölzern und Leitern die Südfa^ade, der künstlerisch 
werthvollste Theil der Kirche, in ihrer vollen entzückenden 
ursprünglichen Pracht und Grofsartigkeit erstehen. 

Ueber das Westchor bemerkt der Bericht der Bauleitung an 
die Grofsh. Regierung nach dem Organ derselben, der Darmst. 
Ztg. wörtlich Folgendes: 

„Für die Erscheinung des Gesammtbauwerkes ist das vyest- 
chordach von einschneidender Bedeutung, weil es die bisher 
gewohnte Silhouette der Kirche weseutlich verändert. Ohne den 
Anhaltspunkt in dem Merian’schen Stiche,* worin uns die Gestalt 
des ursprünglichen Daches aufbewahrt ist, wäre die Motivirung 


* Deutsche Bauzeitung 18S2, Seite 53Ö. 


der jetzigen Ausführung wesentlich erschwert worden und wenn 
auch aus zahlreichen erhaltenen Beispielen ein Schema für dieses 
Dach sich mit Sicherheit ableiten liefse, so lag doch immerhin 
der schlagendste Beweis für die Richtigkeit eben im Merian’schen 
Stiche. Diesem nach sind denn auch die Verhältnisse des Daches 
gegriffen und der Dachreiter angelegt. Als technisch interessant 
möchte erwähnt werden, dass der letztere fertig gezimmert auf 
vier Stellschrauben oben im Dache so lange auf- und abgeschraubt 
wurde, bis er iu der Silhouette richtig war, ein Vorgang, bei 
welchem ein kostspieliges Thurmmodell erspart wurde und doch 
der Vortheil eines solchen in Bezug auf Höhenlage des Dach¬ 
reiters gewahrt blieb. Das Dach erforderte seiner Gröfse wegen 
auch einen bedeutenden Zeitaufwand zu seiner Vollendung und 
die zahlreichen Gauben, welche darauf angebracht sind, mit 
vielen Gräten und Kehlen im Gefolge, zogen die Einschieferung 
den ganzen Sommer und Herbst bis zum Februar 1883 hin, wo 
die letzten Schiefer aufgenagelt wurden.“ 

Trotz der unaufhörlichen Regengüsse während des vierten 
Baujahres, die schliefslich zu den grofsen Rheinüberschwemmungen 
führten, sind die Erfolge am Bau doch nicht hinter den gehegten 
Erwartungen zurück geblieben. Unfälle waren nicht zu beklagen. 

Zum Schlüsse möchte ich nicht unterlassen nochmals darauf 
hinzuweisen, welch grofse Bedeutung Schmidt dem Merian’schen 
Prospekte Oppenheims, entgegen der Ansicht einzelner Kunst¬ 
historiker, beilegt. Die Kirche zeigt am Schlüsse dieses Bau¬ 
jahres genau die Silhouette von 1645. 

W. Wagner. 


Mittheiiungen aus Vereinen. 


Architekten- u. Ingenieur-Verein zu Hannover. Aufser- 
ordentliche Versammlung, Mittwoch, den 23. Januar 1884. Vor¬ 
sitzender Hr. Garbe. 

Hr. Köhler berichtet über die Vorschläge der Kommission 
zur Berathuug der Reorganisation des Ausbildungsganges der 
Staats-Bautechniker Folgendes. Die Kommission beantragt: 

„Der Verein wolle dem Hrn, Arbeitsminister den Dank dafür 
aussprechen, dass diese seit Jahren brennende Frage der Akademie 
des Bauwesens zur Begutachtung vorgelegt ist und erklären, dass 
er in last allen wesentlichen Punkten dem von der Akademie er¬ 
statteten Gutachten zustimmt, wie dies auch der Verband deutscher 
Architekten- und Ingenieure tfaut. Die Kommission glaubt nur 
sich gegen die vorgeschlagene Trennung der Studienzeit in zwei 
Perioden durch die Einfügung eines Elevenjahres erklären zu 
müssen und zwar einerseits, weil diese Einrichtung 1876 als un- 
zweckmäfsig erkannt, aus Gründen beseitigt wurde, die im wesent¬ 
lichen heute in gleicher Weise vorliegen. Andererseits würde 
für diejenigen Studirenden, welche nach Ablauf des Elevenjahres 
ein genügendes Attest nicht erhalten, hei der Einrichtung der 
Hochschulen eine zweijährige Pause im Studiren entstehen, ein 
Schicksal, das bei der notorisch ungleichmäfsigen Benrtheilung 
durch einzelne stark belastete Bau-Beamte nicht immer die 
mindest tüchtigen Kräfte finden würden. Weiter würde für nahezu 
alle Studirenden durch diese Verlängerung der Ausbildungszeit 
auf 5 Jahre die Erfüllung der Dienstpflicht nach dem Bauführer¬ 
examen unmöglich sein und somit eine weitere Unterbrechung 
der Studien bedingen. Da nun schon eine einjährige Unter¬ 
brechung den Studiengang nach einheitlicher Ansicht der Kom¬ 
mission in seinen wesentlichsten Grundlagen erschüttert, so 
glaubt sie gegenüber dem Gutachten der Akademie an den Vor¬ 
schläge des Verbandes „Verlängerung der Praxis zwischen Bau¬ 
führer- und Baumeister-Examen auf 3 Jahre“ fest halten zu 
müssen. Dem gegenüber verkennt sie jedoch nicht, dass für 
alle, besonders aber für die Maschinentechniker, der von der 
Akademie besonders betonte periodische Wechsel zwischen 
praktischer und theoretischer Beschäftigung von grofsem Werth 
ist, glaubt jedoch auf Grund der früher in Hannover gemachten 
Erfahrungen, dass eine solche ohne das Opfer eines eingelegten 
Elevenjahres durch Benutzung der Sommerferien und vielleicht 
auch des für viele disponible halben Jahres zwischen dem 
Abiturienten-Examen und dem Anfang der Studien zu erreichen 
ist. Es erscheint für die praktische Beschäftigung die Zeit von 
9 Monaten als völlig genügend, auch zur Erlernung des Verkehrs 
mit den Arbeitern, der allerdings für den Eleven leichter und 
richtiger anzubahnen ist, als für den Bauführer.“ 

Die Kommission schlägt daher vor, den Hrn. Minister nm 
Regelung dieser Frage im Sinne des oben Gesagten und der 
folgenden provisorischen Fassung zu ersuchen: 

„Vor der Ernennung zum Bauführer muss eine 18 monatliche 
Beschäftigung als Baueleve durch Präsenzatteste von Baubeamten 
nachgewiesen werden, von welcher Zeit jedoch mindestens 6, 
höchstens 9 Monate vor Beginn des vierten Studienjahres ab- 
solvirt sein müssen. In der Regel soll sich das Bauführer-Examen 
den Studien ohne Unterbrechung anschliefsen. — Zu diesem 
Zwecke ist die Verlängerung der Sommerferien an den Hoch¬ 
schulen auf 3 Monate, sowie die Verpflichtung der Baubehörden 
zur Annahme der Studirenden als Eleven anzustreben.“ 

Dem gegenüber beantragt Hr. Knoche mit der Begründung, 
dass die Ausbildung vor 1868 bereits eine in in das Studium ge¬ 
legte praktische Lehrzeit verlangt habe, sich auch in diesem 
Punkte dem Gutachten der Akademie anzuschliefsen. 

Hr. Dolezalek hält eine in verschiedene Absätze zerrissene 


Lehrzeit für verkehrt und bemerkt, dass dadurch die Ferien der 
Repetition der beendeten Studien entzogen würden, dass schliefs¬ 
lich auf diesem Wege eine einheitliche praktische Ausbildung 
nicht zu erreichen wäre. Er beantragt daher, vor Beendigung 
der Studien die praktische Lehrzeit prinzipiell auszuschliefsen, 
die Ernennung zum Bauführer dem Bauführer-Examen unmittel¬ 
bar folgen zu lassen, dann die Beschäftigung als Bauführer auf 
drei Jahre auszudehuen. 

Bei der Abstimmung wird der Antrag Knoche gegen dessen 
Stimme abgelehnt, der Kommissionsantrag wird angenommen, 
womit der Antrag Dolezalek gefallen ist. 

Hr. Taaks beantragt ferner, in der Eingabe an den Minister 
die Verkürzung der für die häusliche Arbeit vor dem Baumeister- 
Examen vorgesehene Frist von 9 auf 6 Monate anzustreben. 

Der Antrag wird ahgelebnt. 

Hr. Daue schlägt schliefslich vor, in der Eingabe in irgend 
einer Form die Zustimmung zu den Vorschlägen des Gutachtens 
bezüglich Festsetzung der Anziennetät der Baubeamten besonders 
auszusprechen. Der Antrag wird angenommen. 

Architekten- und Ingenieur-Verein in Hamburg. Ver¬ 
sammlung am 16. Jan. 1884; Vorsitzender Hr. Haller, anwesend 
48 Mitglieder. 

Die Versammlung ehrt das Andenken des verstorbenen Mit¬ 
gliedes H. Voss in Altona durch Erheben von den Sitzen. — 
Der vom Verbandsvorstand eingegangene Entwurf zu Normal¬ 
bestimmungen für die Lieferung von Eisenkonstruktionen wird 
einer Kommission, bestehend aus den Hm. Röper, Gleim, Gallois, 
Hennicke, Voss und Rad. Schröder überwiesen. — In Bezug auf 
die Betheiliguog an der International Health Exhibition London 1884: 
wird beschlossen, die Mitglieder durch Zirkular aufzufordern, 
etwaige Anmeldungen zur Beschickung bis zum 26. Januar dem 
Vorstande zugehen zu lassen. 

Hr. Haller theilt mit, dass Hr. Dr. Wex beabsichtige, zu 
weiterer Ausschmückung der Welckerstrafse daselbst einen Brun¬ 
nen zu errichten, welcher zum Andenken an den Geschichts¬ 
schreiber Welcker mit dessen Büste oder Reliefporträt zu zieren 
sei. Hr. Dr. Wex wünsche die Beschaffung der Zeichnungen 
zu diesem Brunnen zum Gegenstand einer Vereinskonkurrenz zu 
machen und habe 200 JA als Preis für die beste Lösung ausge¬ 
setzt. Das Preisgericht für diese Konkurrenz wird aus den Hrn. 
Peiffer, F. Andreas Meyer, Meerwein und Haller zusammen gesetzt. 

Hr. Rocsen erstattet hierauf den Kassenbericht für das 
Jahr 1883. Die Einnahmen betrugen 6785,47 JA, die Ausgaben 
6988 JA, der Saldo 31. Dezember 1883 6462,09 JA. 

Hr. Speckter sprach sodann über den Plan eines Museums 
für hamburgische Geschichte und schilderte zunächst die gegen¬ 
wärtig mangelhafte Ausstellung der historischen Sammlung, sowie 
die Nothwendigkeit der Erhaltung des geschichtlich Werthvollen, 
welche gerade jetzt vorzugehen mahne, wo durch den Abbruch 
eines ganzen Stadttheiles und die wachsende Gleichgültigkeit 
mancher Kreise Vieles verloren zu gehen drohe. Redner erläu¬ 
terte in eingehender Weise die Idee eines unter theil weiser Be¬ 
nutzung vorhandener Bautheile nach dem Vorbilde des alten Ham¬ 
burger Kaufmannshauses zu errichtenden Museums. y. 

Der Verein deutscher Zementfabrikanten hält seine 
diesjährige General-Versammlung in den Tagen vom 21.—23. d. M. 
in Berlin im Hause des Architekten-Vereius ab. Aus der Tages¬ 
ordnung sind folgende Verhandlungs - Gegenstände, die auch für 
bautechnische Kreise ein Interesse besitzen, hervor zu heben: 

1) Bericht des Vorstandes über die Schritte, welche gethan sind. 





















No. 11. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


63 


a. zur Geltendmachung der auf der letzten Genei'al-Versamm¬ 
lung aufgestellten Thesen über die Zumischung fremder 
Körper zum Portland - Zement; b. zur Feststellung von 
Untersuchungs - Methoden für den Nachweis von Bei¬ 
mischungen zum Portlandzement. 

2) Welche weiteren Erfahrungen liegen vor bezüglich der Ein¬ 
wirkung der Zumischung fremder Körper zum Portlandzement 
bei der Normenprobe? 

3) Warum kann die Zugfestigkeit mit 3 Theilen Sand nicht als 
Werthmesser für verschiedenartige hydraulische Bindemittel 
benutzt werden? Referent Rud. Dykerhoff. 

4) Referat über die Schweizer Normen zur Prüfung hydraulischer 
Bindemittel. R. Dykerhoff. 


5) Antrag des Vorstandes auf Revision der Normen auf Grund 
der in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen. 

6) lieber Apparate zur Bestimmung der Druckfestigkeit, sowie 
über Feststellung einer einheitlichen Methode zur Anfertigung 
der Probekörper. Referent Dr. Schumann, Amöneburg. 

Der Schwerpunkt der Verhandlungen dürfte in den Punkten 3 

bis 6 der Verhandlungen liegen, welche Abänderungen der be¬ 
stehenden Normen über Zementprüfung in Aussicht stellen und 
gleichzeitig die Richtung andeuten, in welchen die Abänderungen 
sich bewegen werden. Da dieser Gegenstand schon seit mehren 
Jahren im Vereine verfolgt ist, liegt ein reiches und vielseitiges 
Material für die Verhandlung bereits vor. 


Yermischtes. 


Vorbereitungen zur Ausführung elektrischer Beleuch¬ 
tungs-Anlagen in Berlin. Der auf S. 591 des letzten Jahr¬ 
gangs dies. Zeitung in seinen Hauptzügen mitgetheilte Vertrags- 
Entwurf zwischen dem Magistrat von Berlin und der deutschen 
Edison-Gesellschaft hat, nach stattgefundener Vorberathung durch 
einen Ausschuss mit kleinen unwesenlichen Abänderungen die 
Genehmigung der Stadtverordnetenversammlung gefunden und ist 
darnach die Zeit nun wohl nicht mehr fern, wo die Einführung 
des elektr. Lichts in Berlin in gröi'serem Umfange als bisher 
erfolgen wird. 

In Ergänzung der summarisch gehaltenen Angaben über die 
Preise des Lichts, die wir an oben angeführter Stelle gemacht 
haben, mögen folgende spezialisirte Angaben hier Platz finden: 

Der Preisberechnung für den Verbrauch an Elektrizität liegt 
diejenige Strommenge zu Grunde, welche eine Edison-Glüh- 
lampe von 16 englischen Normalkerzen Leuchtkraft wäh¬ 
rend 1 Stunde verbraucht. Der Preis, der durch den Elektrizitäts¬ 
messer von vorgeschriebener Art ermittelten auf vorgenannte Einheit 
reduzirten Strommenge beträgt zur Zeit einschliefslich des Ersatzes 
der durch gewöhnliche Benutzung verbrauchten Glühlampen 4 
Die Glühlampen anderer Stärken werden verhältnissmälsig nach 
dem Stromverbrauch berechnet. 

Aufserdem ist eine von 15 bis zu 50 Jl steigende Jahres- 
miethe für die Elektrizitätsmesser zu entrichten nebst einer fixen 
Jahresgebühr von 6 Jl pro Lampe ohne Rücksicht auf die Leucht¬ 
kraft derselben. Danach stellen sich die Preise für Glühlicht 
wie folgt: 


Strom- 
menge 


Miethe 
für den 
Messer 
pro Jahr 


Konstante 
Gebühr 
pro Lampe 
und Jahr 


10 kerzige Glühlampe pro Stunde auf 2,5 
16 „ * „ „ „ 4,0 

62 „ „ „ „ „ 8,0 

60 n n n » n 12)5 

100 „ „ „ „ „ 25,0 


15 Ji 


30 

40 


6 Jl 


Bei längerer Benutzung werden auf den Preis für die Strom¬ 
menge Rabatte gewährt, welche betragen bei jährlich längerer 
Benutzung als: 


800 Stunden 

5 

O/ 

x o 

2000 

Stunden 

15 % 

1000 „ 

77» 

?? 

2500 

5? 

20 „ 

1200 „ 

10 

}) 

3000 

5? 

25 „ 

1500 „ 

12 V 2 

}) 





Die Lieferung von Bogenlicht an Private ist nicht im 
Vertrage vorgesehen; derartige Unternehmungen sind darnach 
also der freien Initiative sowohl der Konsumenten als der Pro¬ 
duzenten überlassen geblieben. 

Wenn die Stadt Glühlicht-Beleuchtung auf den Strafsen 
verlangt, so sind für jedes 16 kerzige Glühlicht mit bis 4400 Stunden 
jährlicher Brenndauer 120 Ji zu entrichten. Bei längerer Brenn¬ 
zeit erhöht sich der Preis proportional. 

Für Bogenlicht-Beleuchtung zahlt die Stadt für Lichter 
von 800 Normalkerzen (unter einem Winkel von 30° gemessen) 
40 3$ pro Brennstunde; die Stadt verpflichtet sich aber zu einer 
Minimal Vergütung von mindestens 2000 Brennstunden pro Jahr. 

Die Haus-Installationen werden nach einem vom Ma¬ 
gistrat genehmigten Tarif berechnet. Ausgenommen davon sind 
die Dekorationsstücke (Kronen, Ampeln, Arme), deren Beschaffung 
dem selbständigen Ermessen des Abnehmers überlassen ist. Diese 
Ausnahmebestimmung ist wesentlich, da sie es verhindert, dass 
der freien kunstgewerblichen Bethätigung Fesseln angelegt, bezw. 
ihr einseitige Bahnen bei der Durchbildung der für die Zimmer¬ 
ausstattung so wichtigen Beleuchtungskörper gewiesen werden. 

Mit Abnehmern, welche elektrische Ströme zu andern als 
Beleuchtungszwecken verwenden, sind die Preise besonderer 
Vereinbarung mit der Gesellschaft Vorbehalten. Derartige 
Abnehmer können aber auch die Aufstellung besonderer Mess¬ 
apparate hierfür beanspruchen. 


Das Sckulze’sche Projekt zu dem Neubau des preufsi- 
schen Abgeordnetenhauses. Hr. Bauinspekt. Fr. Schulze in 
Berlin giebt uns in Folge der in unserer No. 7 enthaltenen Be¬ 
merkung, dass sein Plan „sich etwas gar zu sehr an die Reichs¬ 
tags - Entwürfe anlehne“, die Mittheilung, dass dieser Entwurf 
nachweisbar schon vor Erlass der Konkurrenz zum Reichtags¬ 


hause entstanden sei. Wir benutzen diesen Anlass - gern zu der 
Erklärung, dass wir mit jener Bemerkung keinen Tadel der sehr 
verdienstvollen Arbeit beabsichtigten, sondern nur der Ansicht 
Ausdruck geben wollten, dass eine völlig selbständige Lösung 
der bezgl. Aufgabe interessanter sein würde, als eine solche, die 
eine gar zu nahe Verwandtschaft mit den für das Reichstagshaus 
gewählten Anordnungen zeigt. Dass die letztere vorhanden ist, 
bestreitet Hr. Schulze nicht: die Frage, ob sein Entwurf vor 
oder nach der letzten Konkurrenz zum Reichstagshause entstan¬ 
den ist, scheint uns jedoch insofern keinen sonderlichen Werth 
zu haben, als die Grundriss - Anordnungen dieser zweiten Kon¬ 
kurrenz im wesentlichen doch von den Resultaten der ersten 
Konkurrenz um das Reicbstagshaus im Jahre 1872 beeinflufst 
worden sind. Und in der That erinnert der in Rede stehende 
Plan m. m. weit mehr an das damals preisgekrönte Bohnstedt’sche 
Projekt als an irgend einen der jüngsten Entwürfe. Wie grofs 
der Einfluss der Reichstagshaus - Entwürfe auf den Plan gewesen 
ist, dürfte speziell auch aus der Anordnung des Saales ersichtlich 
sein, der die Einrichtung des für den Bundesrath bestimmten 
Podiums in gleicher Ausdehnung auf die für Minister und Regie¬ 
rungs-Kommissare bestimmten Plätze im Saale des Abgeordneten¬ 
hauses übertragen zeigt, während letztere doch ohne Zweifel nicht 
mehr als eine Sitzreihe auf jeder Seite der Präsidenten - Tribüne 
beanspruchen dürften. 


Zu der Mittheilung über Massen - Koch - Apparate in 
No. 9 er. ging uns eine Zuschrift folgenden Inhalts zu: 

Hr. Intendant.- u. Baurath Schuster hat mit Bezug auf meinen 
Koch-Apparat einige Angaben gemacht, die theils der Klarstellung 
theils der Berichtigung bedürfen, wenn das zu folgernde Urtheil 
ein richtiges sein soll. Ich gestatte mir Folgendes anzuführen: 

Die Kosten eines Grove’schen Apparates mit doppel¬ 
wandigen Kesseln für 600 (nicht für 500) Mann haben 5000,// 
betragen, incl. der Montage. Der in einem speziellen Falle für 
Maurerarbeiten etc. aufgewendete weitere Betrag von 3000 Ji 
wurde erforderlich für bauliche Einrichtungen der Küche und 
für Ventilationsanlagen, die nicht in direktem Zusammen¬ 
hänge mit der Herstellung des Heerdes standen. 

Es ist unzulässig, den angegebenen Preis von 2600 Jl für 
einen Senking’schen Heerd dem genannten Preise von 5000 Jl 
direkt gegenüber zu stellen, weil jener sich eben auf den älteren 
Senking’schen Heerd mit einfachen Kesseln ohne Wasserum¬ 
hüllung bezieht. Der neuere Senking’sche Heerd ist leider nicht 
so genau beschrieben, dass eine Kritik des ausgesprochenen 
Urtheils, wonach derselbe das Vollkommenste sei, was zur Zeit 
vorhanden, möglich wäre. Es bleibt insbesondere zweifelhaft: 
ob die Gefahr einer Explosion des Kessels bei unvorsichtiger 
Behandlung desselben beseitigt ist (was durch ein einfaches 
Sicherheitsventil nicht genügend geschehen kann), ob die Kon¬ 
struktion einfach und leicht zu bedienen ist, ob die Ausnutzung 
des Brennmaterials durch Konzentration der Feuerstellen und 
geschickte Anordnung der Heizflächen so vollkommen wie möglich 
ist, so dass der angegebene Kohlenverbrauch bei regelmäfsigem 
Betriebe durchschnittlich genügt, ob endlich mit dem angegebenen 
Brennmaterial auch die Anwärmung von Ventilationsluft 
und Erhitzung von Spülwasser bewirkt wird, wie dies bei 
dem für den Grove’schen Heerd angegebenen Kohlenquantum der 
Fall ist. 

Weiter muss bemerkt werden, dass die Abführung des Wrasens 
während des Kochprozesses, aus den dicht verschlossenen Koch¬ 
kesseln, die Qualität der Speisen wohl eher beeinträchtigt als 
verbessert — eine Frage auf welche übrigens hier nicht weiter ein¬ 
gegangen werden soll. Jedenfalls verhindert aber solche Wrasen- 
kondensation nicht, dass bei dem Oeffnen der Kessel denselben 
Wasserdämpfe entsteigen, sich in den Küchenräumen verbreiten 
und niederschlagen, wenn nicht für eine ausreichende Ventilation 
des Küchenraumes gesorgt ist. Dass letztere, nach dem heutigen 
Stande der Technik nur durch vorgewärmte Luft erfolgen 
darf, darüber wird es einer weiteren Erörterung nicht bedürfen. 

Der hierfür und für die Reinigung mit heifsem Wasser erforder¬ 
liche Kohlenverbrauch ist unzweifelhaft nothwendig, dennoch aber 
nicht als für den eigentlichen Kochprozess verwendet in 
Ansatz zu bringen. Namentlich muss bei eingehenderen Ver¬ 
gleichungen verschiedener Apparate jedes Mal sorgfältig beachtet 
werden, was mit dem angegebenen Kohlenquantum geleistet ist, 
welche Aufsentemperaturen vorhanden waren, ob die Küchen¬ 
räume und die Nahrungsmittel bei Beginn der Notirung des Ver- 


















64 


6. Februar 1884 


DEUTSCHE BAUZEITUNG' 


brauchs bereits gewärmt waren etc. etc., wenn man Irrtbümer und 
unprobehaltige Urtheile vermeiden will. 

Berlin, den 23. Januar 1884. D- Grove. 


Neukreirte Eisenbahn - Behörden. Nach der erfolgten 
Verstaatlichung der Oberschlesischen Eisenbahn der Breslau- 
Schweidnitz - Freiburger Eisenb., der Rechte Oder-Uter Eisenb., 
der Altona - Kieler Eisenb. und der Posen - Kreuzburger Eisenb. 
sind zur Verwaltung dieser Bahnen 3 Direktionen unter folgen¬ 
den Firmen errichtet worden: a) eine Königl. Eisenbahn-Direktion 
in Breslau: b) eine Kgl. Direktion der Breslau-Schweidmtz-Frei- 
burger Eisenbahn gleichfalls in Breslau; c) eine Kgl. Eisenbahn- 
Direktion in Altona. Ferner 4 Kgl. Betriebsämter nämlich 
2 zu Breslau und 2 zu Posen. Von den Breslauer Betnebsamtern 
ist eins (Breslau-Dzicditz) zur Verwaltung der Linien der Rechte 
Oder-Ufer Eisenbahn, das zweite (Breslau-Cosel) zur Verwaltung 
von Linien der Oberschlesischen Eisenbahn berufen. Von den 
beiden Betriebsämtern in Posen wird eins (Stargard-Posen) eben¬ 
falls Linien der Oberschlesischen Eisenbahn, das andere (Posen- 
Kreuzburg) die Bahn gleichen Namens verwalten. 

Mit diesen Neukreirungen hat sich die Anzahl der Kgl. Eisen¬ 
bahn-Direktionen auf 12, die der Betriebsämter auf 69 erhöht. 
Die Schaffung der Kgl. Direktion der Breslau - Schweidnitz- b rei- 
burger Eisenbahn dürfte aber nur eine vorüber gehende sein. 


Quai oder Kai oder Staden? Wie so viele andere deutsche 
Worte oft durch gradezu hässliche Fremdwörter verdrängt worden 
sind so ist es auch mit dem guten schönen deutschen Wort 
Staden“ für welches sich das französische „Quai“ oder, wie man 
es neuerdings häufig geschrieben findet „Kai“ eingebürgert hat 

Höchst merkwürdig ist, dass sich das deutsche Wort „Staden 
für Uferstrafse“, im Eisass, und z. Theil auch in Lothringen, 
trotz” der nahezu 2 Jahrhunderte hindurch dauernden Herrschaft 
der Franzosen, bis zum heutigen Tage erhalten hat. So findet 
man in Strafsburg, Kolmar, Mülhausen und anderen Orten 
des Reichslandes die offiziellen Bezeichnungen „Kleberstaden , 

,Kellermannstaden“, „Pariserstaden“, ja sogar „Algierstaden 
Oranstaden“, „Islystaden“ u. a. m. Und wenn neben diesen 
auch die französischen Bezeichnungen „Quai de Pans ? Quai d Alger, 
Quai d’Isly u. s. w. noch angeschrieben sind, so gebraucht doch 
die Bevölkerung in den genannten Städten des Eisass mit Vorliebe 
die deutschen Namen. 

Hoffentlich genügen diese Zeilen, um auch in Altdeutschland 
dem deutschen Worte „Staden“ Freunde zu erwerben und es 
einzubürgern, an Stelle des hässlichen „Quai oder gai »Kai- 

O. 

Dem Wunsche des Hrn. Verfassers, unsererseits sofort das 
Wort Staden“ anzunehmen, glauben wir bei aller Sympathie für 
seine Bestrebungen leider nicht entsprechen zu können; jene 
neuern Worte sind zu weit eingebürgert als dass ein gegen die¬ 
selben ex abrupto unternommener Feldzug Aussicht auf Erfolg 
verspräche. Aufserdem scheint uns auch der undeutsche Ursprung 
des Wortes Kai nicht so zweifelsfrei zu sein, als der Hr. Verfasser 
annimmt. Die Holländer haben das Wort „Kaade“ und es wäre 
immerhin möglich, dass dieses sowohl als das französische „Quai 
aus dem deutschen Worte Kai durch Umbildung hervor gegangen ist. 

D. Red. 

Konkurrenzen. 

Die Konkurrenz für Entwürfe zum Bau eines Natur- 
kistorischen Museums in Hamburg, deren Eröffnung wir in 
No 102 Jhrg. 83 u. Bl. als bevor stehend meldeten, ist nunmehr 
unterm T. Februar d. J. wirklich ausgeschrieben worden. Das 
auf dem bisherigen Schweinemarkt, neben der Wasch- und Bade- 
Anstalt zu errichtende Gebäude, das mit seiner langen Ostfront 
den Promenaden des Steinthor-Walles sich zukehren wird, soll 
neben der besonders umfangreichen zoologischen auch eine mine¬ 
ralogische, geologische und paläontologische Sammlung nebst einer 
Anzahl von Zimmern für wissenschaftliche und technische Arbeiten, 
2 Vortragssälen etc. enthalten und bei einer schlichten aber 
monumentalen Ausstattung im Aeufseren und Inneren (excl. des 
Inventars aber einschliefslich des architektonischen Honorars) für 
höchstens 900 000 Jt auszuführen sein. 

Lässt schon die Einfachheit und Klarheit des Programms 
die Betheiligung an dieser Aufgabe als eine äuf'serst dankbare 
und empfehlen8wertbe erscheinen, so gilt dies in gleichem un 
fast noch höherem Grade von den Bedingungen der Preisbewer¬ 
bung die den innerhalb der deutschen Architektenschaft gehegten 
Wünschen mehr entgegen kommen, als es u. W. bisher jemals 
bei einer deutschen Konkurrenz der Fall gewesen ist. Entspricht, 
wie wir zuversichtlich hoffen, der thatsächliche Erfolg spätei 
diesem Vorgehen, so ist alle Aussicht vorhanden, dass das lnei 
seitens der Hamburger Staatsbehörden eingeschlagene Veifahren 
die Bedeutung einer Muster-Konkurrenz erlangen und viel¬ 
fache Nachahmung finden wird. Für die Stadt, in welcher vor 
bald 16 Jahren die „Grundsätze für das Verfahren bei öffentlichen 
Konkurrenzen“ die Sanktion der deutschen Architektenschaft er¬ 
hielten, würde das einen neuen Ruhmes-Titel bilden. 

Die Preisbewerbung zerfällt, wie wir schon in jener, früheren 
Notiz mittheilten, in eine Vorkonkurrenz, welche eine allge- 


meine und öffentliche ist und in eine engere Konkurrenz, an 
welcher lediglich die Verfasser der 5 in der Vorkonkurrenz prä- 
mäirten Pläne theilnehmen. Die Pläne (Grundrisse, Fa^aden und 
Durchschnitte in 1 :200, ein Erläuterungsberichi und event. eine 
Perspektive) sind bis zum 30. April d. J. anonym einzureichen. 
Die Verfasser der 5 Pläne, welche das zu veröffentlichende Gut¬ 
achten der Preisrichter als die besten erklärt, erhalten je 1000 M 
ausbezahlt und haben sich innerhalb 14 Tagen darüber zu erklären, 
ob sie an der zweiten Konkurrenz sich betheiligen wollen; lehnt 
einer derselben ab, so tritt ein im voraus zu bestimmender Ersatz¬ 
mann für ihn ein, während eine Nachergänzung später ausschei¬ 
dender Konkurrenten nicht mehr stattfindet. Während der auf 
die Entscheidung der ersten Konkurrenz folgenden 4 Wochen, 
innerhalb deren die zu derselben eingelaufenen Arbeiten öffentlich 
ausgestellt werden, befindet die Kommission im Einverstäudniss 
mit den Preisrichtern darüber, ob das ursprüngliche Bauprogramm 
aufrecht erhalten oder auf Grund des durch die Vorkonkurrenz 
erhaltenen Materials modifizirt werden soll. Die Theilnehmer der 
engeren Konkurrenz, denen für ihre Arbeit ein Zeitraum von 
6 Monaten gesetzt wird, erhalten für dieselbe ein Honorar von 
je 4000 Ji. Zu liefern sind Grundrisse, Fanden und Durch¬ 
schnitte in 1 : 100, Details in 1:25, eine spezielle Erläuterung 
und ein Kostenanschlag mit Massenberechnung und Einheits¬ 
preisen. Die Konkurrenten haben überdies die urkundliche Er¬ 
klärung abzugeben, dass sie, im Falle die Ausführung des Baues 
an sie übertragen wird, für die Einhaltung der Kostensumme 

— zunächst mit ihrem Honorar — haften wollen. Unter den 
eingelieferten Entwürfen soll derjenige ausgewählt werden, „welcher 
sowohl rücksichtlich seines künstlerischen Werths, wie seiner prak¬ 
tischen Brauchbarkeit, wie endlich seiner reichen und soliden Bauaus¬ 
führung bei voller Garantie der Einhaltung des Kostenpreises als 
der beste anerkannt wird.“ Der Verfasser dieses Plans erhält als 
Prämie, auch wenn der Plan nicht zur Ausführung kommt, 1 % der 
Bausumme abzüglich der schon gezahlten 5000 M. — also 4000 Ji 

— und für seine Gesammtleistungen im Falle der Ausführung 
weitere 3 % der Bausumme — i. g. also 36 000 J/L Eine öffent¬ 
liche Ausstellung der zur engeren Konkurrenz eingelieferten 
Pläne, ebenso eine Veröffentlichung des motivirten Gutachtens der 
Preisrichter ist zugesichert. Als Preisrichter in beiden Konkur¬ 
renzen fungiren die Hrn. Landger.-Dir. Dr. Föhring, Moseums- 
Direkt. Prof. Dr. Pagenstecher und Archit. J. E. Ahrens 
in Hamburg, Prof. Brth. Ende in Berlin und Oberbrth. Prof. 
Dr. v. Leins in Stuttgart. 

Eine weitere Empfehlung der Betheiligung an der Konkur¬ 
renz wird es an dieser Stelle kaum bedürfen. Dagegen wollen 
wir nicht verfehlen, ausdrücklich auf das reiche, zum gröfseren 
Theil bisher anderweit noch nicht veröffentlichte Material über 
naturhistorische Museen hin zu weisen, welches der bezgl. von 
Hrn. Brth. A. Tiede in Berlin bearbeitete Abschnitt unseres 
Deutschen Bauhandbuchs (Baukunde des Architekten H.) enthält. 


Zur Konkurrenz für Entwürfe zu einem Restaurations- 
Gebäude auf dem Maxfelde in Nürnberg haben wir auf 
Grund der in No. 8 enthaltenen Notiz noch mehrfache Zuschriften 
aus Nürnberg selbst und anderen Orten erhalten, welche das 
ungewöhnliche Interesse bekunden, welches man dem Verfahren 
bei dieser Konkurrenz widmet. Wir bedauern ohne nähere 
Kenntniss der speziellen Verhältnisse und insbesondere der ver¬ 
schiedenen vor und nach Abschluss der Konkurrenz aufgestellten 
Entwürfe zu jenem Bau ein eigenes Urtheil über diese Angelegen¬ 
heit nicht aussprechen zu können, wollen jedoch in diesem 
Sinne ausdrücklich konstatiren, dass die in unserer früheren 
Notiz enthaltene Andeutung einen Angriff gegen die gewiss 
nach bester Ueberzeugung für ein bestimmtes Projekt werbenden 
Persönlichkeiten nicht enthalten sollte. Lnsere Hoffnung, 
dass die Absicht des Magistrats, einzelne Konkurrenz-Projekte 
anzukaufen, alsbald in Erfüllung gehen möge, hat sich übrigens 
bereits bestätigt; von mehren Seiten wird uns gemeldet, dass 
bezgl. Unterhandlungen in loyalster Weise eröffnet worden sind. 


Personal - Nachrichten. 

Deutsches Reich. Versetzt sind zum 1. April er.: die 
Garnison - Bauinsp. Stolterfoth von Insterburg nach Metz, 
Zacharias im Bezirk des III. Armee-Corps in Berlin nach 
Insterburg, Busse von Brandenburg a. H. nach Berlin in die 
Garnison-Bauinspektor-Stelle im Bezirk des III. Armee-Corps; 
Arendt von Darmstadt nach Brandenburg a. H., Rettig von 
Metz nach Darmstadt sowie zum 1. Febr. er. der Garnison-Bauinsp. 
Rühle von Lilienstern von Danzig nach Strafsburg l. Eis. 

Dem Reg.- Bmstr. Stegmüller, techn. Hilfsarb. in der 
Bauabthlg. des Kriegs-Ministeriums, ist die Verwaltg. d. Garmson- 
Bauinspektor-Stelle in Danzig zum 1. Febr. d. J. probeweise 
übertragen worden. 

Preufsen. Ernannt: a) zu Reg.-Baumstrn. die Reg.-Btnr. 
Albert Schräder aus Leiferde bei Braunschweig u. Ludwig 
Samans aus Geldern; — b) zu Reg.-Bfhrn.: die Kand. d. Bau¬ 
kunst Willi. Boisseröe aus Cleve, Eugen Wechselmann aus 
Pless i. Schles. u. Friedr. Thumm aus Berlin. 


otiz mmnemen, in piu p y u » n uu n. u i * ^ . 

Kommissionsverlag ™n Ernst Toecbe in Benin. Für die Redaktion verantwortlich K. E. O. Fritsch, Berlin. Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei. 


Berlin. 


























No. 12. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG, 


65 


Inhalt: Die Kirehenfeldbrficke in Bern. — Die Burg Heinrichs des Löwen. 
— Ein Entwurf zum Neubau eines Kunstakademie- und Kunstausstellungs-Gebäudes 
in Dresden. — Der Debergang der Dampfkessel-Revisionen in Preufsen an besondere 
Revisions-Beamte. — Nochmals: „Eine wichtige Sekundär-Spannung in Brücken¬ 


trägern.“ — Von der Baugewerkschule in Erfurt. — Mittheilungen aus 
Vereinen: Architekten - Verein zu Berlin. — Vermischtes: Quai oder Kai 
oder Staden? — Einfluss des Frostes auf eiserne Gitter. — Eytelwein-Stipendium. 
Konkurrenzen. — Personal-Nachrichten.— Brief- und Fragekasten. 



Die Kirchenfeidbrücke in Bern.* 


m Jalirg. 1878 d. BL, S. 113, ist die Douro- 
Brücke bei Oporto beschrieben und abgebildet 
und als Pendant zu derselben ist auf S. 495 des 
Jhrgs. 1880 die Trueyre - Brücke bei St, Flour 
(Departement du Cantal) erwähnt worden. Die in 
der Ueberschrift genannte Brücke wurde auf S. 480, Jkrg. 1883 
dies. Zeitg. kurz beschrieben; aufser ihr schliefsen sich den 
Systemen der erst genannten zwei Brücken noch die Schwarz¬ 
wasser-Brücke auf der Strafse von Bern nach Schwarzenburg 
(13 km von B ern entfernt) und die Javrox-Brücke an der 
Strafse von Bulle nach Boltigen zunächst Chermey (10 km von 
Bulle entfernt) im Canton Fribourg an. Die Douro- und 
Trueyre - Brücke sind Eisenbahnbrücken, während die drei 
schweizerischen Brücken sämmtlich Strafsen überführen. 

Die Kirchen feldbrücke in Bern wurde am 24.Septbr. 
1883 dem Verkehr übergeben und durch ein grofsartiges 
Volksfest eingeweiht. Die Stadt Bern ist im Norden, Osten 
und Süden von der Aare umflossen und durch deren tiefes 
und von steilen Uferrändern eingeschnittenes Thal von dem 
umliegenden Plateau getrennt. Der nördliche Theil jenseits 
der Aare heisst „Altenberg“, der östliche „Schlosshalde“, der 
südliche „Kirchenfeld“. 

Der Gedanke, das Kirchenfeld für die Erweiterung der 
Stadt Bern zu verwenden, ist bereits in früheren Zeiten auf¬ 
getaucht, als noch die kleine und grofse Schanze gegen 
Westen der Erweiterung Schranken setzten. Ein eigentliches 
Projekt zu einer Hochbrücke aufs Kirchenfeld brachte erst 
eine Bewegung, die einen besseren Ausgang nach Osten 
anstrebte und dann zur Erbauung der bekannten Nydeck- 
Brücke führte. 

Mit dieser Ausführung konkurrirte der Plan: zwei Brücken 
nach Süd und Nord auf das Kirchenfeld und den Altenherg 
herzustellen, dessen Grofsartigkeit und Kosten aber von der 
Ausführung abschreckten. Die Nydeckbrücke sichert der 
untern Stadt für alle Zukunft einen Verkehr, von welchem sie, 
bei Annahme obiger Projekte nicht mehr berührt worden 
wäre. 

Die nächste, ernstere Anregung für Ueberbauung des 
Kirchenfeldes und Verbindung desselben mit der Altstadt durch 
eine Hochbrücke vom Kasinoplatz aus, geschah im Jahre 1864, 
nachdem sich das Bedürfnis für eine Erweiterung der zum 
Bundessitz erhobenen Stadt fühlbar gemacht hatte. Es bildete 
sich 1870 ein Gründungs-Komite, welches überdies anstrebte, 
die stark auftretende Konzentration des Verkehrs um den 
Bahnhof durch den Bau der Biücke zu mäfsigen. 

Der Ingenieur Gränichen arbeitete im Aufträge des 
Komite’s den ersten Brückenplan aus. Er wählte eine Stein¬ 
konstruktion mit 4 grofsen Oeffnungen über die Aare und 
eine Anzahl kleinerer zur Ueberschreitung der Abhänge. Der 

* Bearb. nach Mittheilungen, die in der Schweizer. Landes-Ausstelluug 1883 
anslagen. — 


Kostenvoranscblag betrug 3 500 000 Frcs. Das Gränichen’sche 
Projekt basirte auf einer horizontalen Anordnung der Fahr¬ 
bahn ; hiervon ging man aber bald ab, um nicht auf dem tiefer 
liegenden Kirchenfeld durch lange Auffahrtsrampen werth¬ 
volles Areal zu opfern. 

Das Komite trat mit Delegirten des Bürgerrathes in 
Verhandlung, der sicherbot, 100 Juch art (1 Juchart == 36 a ) 
des Kirchenfeldes zum Preise von 2000 Frcs., zahlbar mit 
400 Frcs. Aktien der zu bildenden Gesellschaft und 1600 Frcs. 
haar, abzutreten. Es wurde hier schon u. a. die Bedingung 
gestellt, dass Bauten in der Lage zwischen der „Plattform“ 
in Bern und den Alpen die Aussicht auf die letzteren Dicht 
hindern dürfen. 

Nach verschiedenen weiteren Verhandlungen und nach 
Vorlage neuer Brückenprojekte und Bebauungspläne für das 
Kirchenfeld stellte im Februar 1873 Notar Jäggi einen 
Finanzplan auf. Er berechnete darin die Kosten der Unter¬ 
nehmung (auf eine Bauzeit von 10 Jahren vertheilt) wie folgt: 

Ankauf von 100 Juch. Kirchenfeld-Terrain . 200 000 Frcs. 

Steinerne Gerherngraben- Brücke, Anfahrten 1 750 000 „ 

Strafsenanlagen, Kanalisation etc. auf dem 

Kirchenfeld. 300 000 „ 

Expropriation des Gerherngrabens für den 

Brückenbau. • 600 000 „ 

Gründungs-und Verwaltungskosten für 10 Jahre 93 000 „ 

Zinsverluste während der Bauzeit .... 821 000 „ 

Unvorhergesehenes ....... . . 160 000 „ 

Sa. . 3 924 000 Frcs. 

Die Rentabilitäts-Berechnung stellte bei dem angenommenen 
mäfsigen Bauplatzverkauf, die Verzinsung und Amortisation 
des Kapitals in den folgenden 10 Jahren als wahrscheinlich 
dar und überdies einen Gewinn in Aussicht. 

Der Ingenieur v. Steiger schlug vor, die Brücke vom 
Hochschul-Plateau aus mit Zufahrt durch den Polizeigarten zu 
erstellen, wobei die technischen Schwierigkeiten viel geringer, 
die Brücke kürzer und die Expropriation im Gerherngraben 
vermieden wurde. Letzteres war wesentlich, weil man auf 
die übertriebene Forderung von 900 000 Frcs. für den Er¬ 
werb gestofsen war. 

Im Stadtrathe war am 27. Oktober 1873 die Kirchen¬ 
feld-Angelegenheit behandelt und die Geneigtheit ausgesprochen 
worden, die Brücken-Unternehmung zu fördern. 

Gestützt auf diese günstige Stimmung wurde dem Ge¬ 
meinderath der Strafsen- und Parzellenplan zur Prüfung und 
Genehmigung eingereicht, ebenso ein abgeänderter Statuten¬ 
entwurf, worin jenem zwei Delegirten-Sitze im Verwaltungs- 
ratlie zugesichert und die Schaffung von Aktien zweiten 
Ranges ins Auge gefasst wurde, zu dem Zwecke,, um die Sub¬ 
vention der Gemeinde theilweise in solchen Aktien leisten zu 
können. Gleichzeitig wurde an den Regierungsrath das Ge- 



























































66 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


9. Februar 1884 


such gerichtet die Eingabe um Zusicherung einer 1 Betheiligung 
des Staates an den Brückenbau möglichst zu fördern. 

Der Regierungsrath beschloss dann freilich das Unter¬ 
nehmen zu unterstützen, fand aber, dass es eher an der Bürger¬ 
gemeinde Bern sei, welche den gröfsten Nutzen daraus ziehe, 
dasselbe zu subventioniren. Er empfahl dem Grofsen Rathe 
unentgeltliche Abtretung des für die Zufahrten nöthigen 
Staatsterrains, Wegräumung der Hauptwache für das Gerbern- 
graben- wie für das Polizeigarten - Projekt, verlangte ferner 
für die Brücke 7,2 m Fahrbahn-Breite und zwei je 2,4“ 
breite Trottoirs und behielt sich schliefslich Genehmigung der 
Brücken- und Parzellenpläne, sowie der Bauvorschriften vor. 

Der Bürgerrath stellte dann (am 16. November 1874) 
die Empfehlung einer gröfseren Aktienbetheiligung in Aussicht, 
sobald ein genügendes Aktienkapital von Privaten gezeichnet 
sein werde. 

Unter solchen Umständen, wo jede betheiligte Behörde 
das Yorangehen der andern und des Publikums verlangte, 
war die Lage schwierig; doch wagte man schliefslich bei der 
Bevölkerung mit der Aktiensubskription einen Versuch. 

Die Aktienzeichnung erreichte nahezu die Summe von 
400 000 Fr cs.; für das Gerberngraben - Projekt waren 
17 000 Frcs. besonders gezeichnet. Trotzdem wurde das 
Polizeigarten-Projekt beinahe einmüthig befürwortet und be¬ 
beschlossen genauere Berechnungen und Pläne nach Vorlagen 
des Hrn. Thormann aufstellen zu lassen. Um eine sichere 
Basis für den Bau und Kostenvoranschlag zu gewinnen, fand 
Hr. Thormann nöthig, vorerst Sondirlöcher für die Brücken¬ 
pfeiler zu bohren, die er sodann auf eigene Kosten zum Be¬ 
trage von 1 900 Frcs. ausführen liefs. Verschiedene Projekte 
in Eisen, Stein etc. wurden vorgelegt. Mit Einstimmigkeit 
wurde der Annahme einer Eisenkonstrukticn beigepflichtet, 
zu welcher Hr. Thormann den Plan entworfen hatte. Die 
Firmen Lauterburg & Thormann und G. Ott & Cie. erboten 
sich für die Aversalsumme von 1 350 000 Frcs. zur Ausführung 
derselben. 

So weit war alles gediehen, als am 12. April 1876 im 
Bürgerrath die von Einigen beantragte Betbeiligung der Ge¬ 
meinde mit 600 000 Frcs. in Aktien nicht die erforderliche 
2 / 3 Mehrheit fand. 

Das Unternehmen kam in Folge dessen zum Stillstand, 
war jedoch inzwischen im Ausland als gutes Spekulationsge¬ 
schäft bekannt geworden. Nach einigen Verhandlungen mit 
verschiedenen fremden Gesellschaften erhielt am 25. Oktober 
1881 die am 30. Juli 1881 in London gebildete Aktien¬ 
gesellschaft: „The Berne Land Company “ mit einem Aktien¬ 
kapital von 2 500 000 Frcs. die staatliche Genehmigung durch 
den schweizerischen Regierungsrath. 

Diese Gesellschaft erbot sich die Kirchen- und Linden¬ 
felder (80 ha ) um die Summe von 425 000 Frcs. anzukaufen, 
die zur Verbindung mit der Stadt nothwendige Hochbrücke 
nach dem Entwürfe der Berner Firma „Ott & Cie.“ auf 
eigenes Risiko auszuführen und eine Kaution im Betrage von 
1 000 000 Frcs. zu deponiren. 

Das Gründungs-Komite trug eneigisch zur Empfehlung 
der zwischen den Behörden und der englischen Gesellschaft 
abgeschlossenen Verträge bei und wurde mit seinen Auslagen, 


welche sich für Pläne etc. auf ca. 5000 Frcs. und für Sekretariat 
auf 1600 Frcs. beliefen, abgelöst. Es erfreute sich der Zu¬ 
stimmung der Bürger und Einwohnergemeinde und freuet sich 
jetzt mehr noch des wohlgelungenen Baues, absehend davon, 
dass das Werk muthigeren und reicheren Fremden hatte 
überlassen werden müssen, die es als reines Spekulations- 
Objekt behandeln. 

Jeder der beiden Bogen, welche die Brücke tragen, hat 
81 m Spannweite. Die Bogenanfänge ruhen in den ThaL 
abhängen auf Widerlagern und im Flussthal auf einem un¬ 
weit des rechten Aare-Ufers erbauten, pneumatisch fundirten 
steinernen Mittelpfeiler, welcher in einer Tiefe von 7 m 
auf Felsen (Sandstein) steht, oben 6 “ lang und 2 m 
stark ist und etwa 5 m über das Terrain empor ragt. Die 
Länge der Gesammtkonstruktion beträgt 229,2 “; die Breite 
zwischen den Geländern 13,20“, wovon auf die Fahrbahn 
8,40 “, auf jedes der beiden erhöhten Trottoirs 2,40 “ kommen. 
Die Brücke hat von der Stadtseite (540,23 “ M. G.) gegen 
das Kirchenfeld (535,07 “ M. G.) 2,25 % Gefälle. Die Brücken¬ 
mitte liegt 34,5 m über dem Mittelwasserstand der Aare. 

Die Bogenlänge ist in 16 Felder zu 14,325 “ Länge 
eingetheilt, welche durch eiserne Pfeiler getrennt werden. 
Zwei derselben stehen auf den Widerlagern der beiden Bogen 
und einer auf dem Mittelpfeiler; dazwischen findet Abstützung 
auf die Bogenträger statt. Ueberdies steht noch jenseits der 
Bogenwiderlager auf jedem Abhang eine Stütze auf besonderem 
Mauersockel, welche ebenso wie die Eckpfeiler auf festen 
Kies und Mergel fundirt sind. 

Die beiden Bogenträger jeder Oeffnung sind durch gitter¬ 
förmige Querverbindungen und Windstreben ausgesteift; die 
Gurtungen eines Bogens bestehen aus je zwei T förmigen 
Theilen, zwischen welchen die I förmigen Streben der Bogen¬ 
konstruktion angebracht sind. 

Die genannten eisernen Pfeiler zeigen 4 Eckpfosten, 
welche durch Gitterwerk verbunden sind; sie nehmen oben 
der Quere nach die Doppel-Querträger und der Länge nach 
die Hauptfachwerkträger der Fahrbahn auf. Ein Windstreben¬ 
system steift die Fahrbahn in horizontalem Sinne aus. 

Die Brückenbahn ist aus Belageisen gebildet; letztere 
lagern auf Längsträgern, welche an ihren Enden von den 
Haupt-Querträgern und in der Mitte von einen Zwischen- 
Querträger unterstützt werden. Auf die Belageisen kam 
eine Betonlage, welche eine Kiesdecke erhielt; die Trottoire 
wurden mit Gussasphalt belegt. 

Der Brückenbau sammt Zufahrten auf der Stadtseite wurde 
von der Firma Ott & Cie. in Bern um die runde Summe von 
1 250 000 Frcs. übernommen; diese Summe vertheilt sich aut: 
Fundation und Mauerwerk 304 000 fres.j 
Anfahrten der Stadtseite . 172 500 „ I 1 250 000 Francs. 

Eiserner Oberbau . . .708 500 „ j 

Gerüste. 65 000 „ J 

Das Eisengewicht der Brücke beträgt 1 344 000 k &, es 
stellen sich somit 100 k s ohne Vorhaltung der Gerüste auf 
rd. 42 M, mit Gerüsten auf rd. 46 M. 

Der statischen Berechnung lag zu Grunde: 

Eigengewicht der Brücke 870 k § pro <|m . 

Zufällige Belastung . . 350 „ „ „ 


Die Burg Heinrichs des Löwen. 

(Hierzu die Abbildungen auf S. 69.) 

EWi ächst dem Heidelberger Schloss und dem Ulmer Münster 
bat in den letzten Jahren keines unserer alten Baudenk- 
male die deutschen Architekten so viel beschäftigt, wie der 
im Jahre 1880 zu Tage getretene Rest vom Palas Heinrichs des 
Löwen zu Braunschweig. Profanbauten aus der Periode des 
romanischen Stils sind so selten, dass schon die ersten Mitthei¬ 
lungen über die Wieder-Auffindung eines solchen Baues, an den 
sich zudem die bedeutsamsten historischen Erinnerungen knüpfen, 
lebhaftes Interesse erregen mussten. Und dieses Interesse wurde 
noch gesteigert, seitdem einerseits eine grofse Anzahl der auf 
der 5. General-Versammlung des Verbandes deutscher Arch.- u. 
Ing.-Ver. vereinigten Fachgenossen das Denkmal selbst und die 
demselben seitens des Stadtbrths. Ilrn. Winter zu Braunschweig 
gewidmeten Studien kennen gelernt hatte und seitdem anderer¬ 
seits die Nützlichkeits-Politiker, welche diesen ehrwürdigen Rest 
deutscher Vorzeit im Interesse des Verkehrs zu beseitigen oder 
doch noch weiter zu verstümmeln wünschen, mit ihren Bestre¬ 
bungen immer dreister hervor getreten sind. 

Bekanntlich haben die Schritte, welche der Vorstand des 
Verbandes damals mittels einer Eingabe an das Braunschwei¬ 
gische Staatsministerium zur Rettung des Bauwerks unternahm, 
auf diese Bestrebungen mehr aufregend als versöhnend gewirkt. 
Man ist in jenen Kreisen gegen eine Einmischung des „Auslands“ 
in welfische Angelegenheiten sehr empfindlich, und hätte nicht 


zum guten Glück die für ideale Gesichtspunkte um so empfäng¬ 

lichere Landesregierung ein Mitverfügungsrecht über die von ihr 
an die Stadt verkauften Baureste sich Vorbehalten, so hätten die 
in der Stadtvertretung maafsgebenden Elemente es wohl schon 
längst durchgesetzt, dass das „alte Gerümpel“ dem Erdboden 
gleich gemacht worden wäre. 

Gegenüber derartigen Anschauungen, die dem im deutschen 
Bürgerstaude leider noch immer vorherrschenden Mangel jedes 
künstlerischen und historischen Sinns entspringen — wenn sie 
auch in ihrer Absicht, dem öffentlichen Wohl zu dienen, durch¬ 
aus ehrenwerth sind — giebt es nur ein wirksames Mittel: die 
Förderung des Verständnisses für den Werth und die Bedeutung 
der historischen Baudenkmale überhaupt, und des in Gefahr be¬ 
findlichen Denkmals im besonderen. Eine solche Förderung 
aber war im vorliegenden Falle gar nicht besser zu erreichen, 
als durch Publikation der trefflichen Studien Winters. Darum 
haben wir es bei jeder Mittheilung über Burg Dankwarderode, 
di© wir in letzter Zeit brachten *), als ein cetevum censeo geltend 
gemacht, dass eine solche Publikation veranstaltet werden möge. 
Es gereicht uns zur aufrichtigsten Freude, dass unserem Wunsche 
nunmehr Erfüllung geworden ist. In dankenswerter Weise haben 
die städtischen Behörden, in deren Auftrag seiner Zeit jene 
Studien entstanden sind, die hierzu erforderlichen Geldmittel be¬ 
willigt und seit Ende vorigen Jahres liegt das betreffende Werk 
— eine der interessantesten und bedeutsamsten Monographien, 

]) Mittlieüungen über Barg Dankwarderode sind i. d. Bl. bisher erschienen: 
Jhrg. 80 S. 130 u. 197; Jhrg. 82 S. 410 580 u. 586 Jhrg. 83, S. 52, 135 u. 455. 






















No. 12. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


67 


Der Berechnung der Detailkonstruktionen der Fahrbahn 
wurde ein Lastwagen mit 4 m Radstand und 100 z Rad¬ 
druck zu Grunde gelegt. 

Winddruck pro Fläche .. 200 k § 

Maximal-Inanspruchnahme des Eisens, unter 

stetem Abzug der Nietverschwächung . 800 „ pro <t cm . 

Zulässige Inanspruchnahme bei wechselnd auf 

Zug und Druck beanspruchten Gliedern 600 „ „ „ 

Den Längenänderungen in Folge Temperaturwechsels ist 
auf den Ortspfeilern durch Anlage eines 2 theiligen, gezahnten 
Abschlusseisens in der Fahrbahn und Trottoirs der Brücke 
Rechnung getragen worden; dasselbe bietet 60 mm Spielraum. 
Die Zwischenpfeiler sind mit dem oberen Theil der Konstruk¬ 
tion nicht vernietet, sondern mit Schrauben, welche in ovalen 
Löchern stecken, verbunden. Der Ausdehnung der Brücke in 
vertikalem Sinne konnte nicht entgegen getreten werden. Die 
durch solche verursachten Störungen des Yisirs der Brücke 
sind an der Handleiste des Geländers mit blofsem Auge 
erkennbar. 

Mitte April 1882 wurde mit dem Bau begonnen und 
Anfang Oktober die Aufrichtung der Gerüste in Angriff ge¬ 
nommen. Am 4. November wurden Auflagerplatten für die 
Bögen versetzt, nach deren Vollendung Ende März 1883 die 
Aufstellung der Pfeiler begann. Am 2. Juli 1883 war der 
Zoreseisen-Belag fertig. Die erste Brückenprobe mit einseitiger 
Kiesbelastung konnte am 14J15. August erfolgen; am 15. Sep¬ 
tember waren die letzten Arbeiten (Asphalttrottoire) vollendet. 
Somit ward in einer Gesammtbauzeit von 17 Monaten das 
riesige Bauwerk fertig gestellt, welches zu den ersten Lei¬ 
stungen auf dem Gebiete des Brückenbaues zählt. 


Die beistehende Ansicht giebt ein deutliches Bild der 
grofsartigen Dimensionen, welche bei diesem Bau auftreten. 
Zum Schluss seien noch die Ingenieure M. Probst von Ins 
und J. Röthlisberger von Neuchatel als Konstrukteure der 
Brücke genannt, ferner J. Ulrich von Krähenbühl, welchem 
die Montirung, J. Arber, dem die Gerüstung und Ingenieur 
R. Wyss, dem die Fundationen sammt Mauerwerk-, Fahr¬ 
bahn- und Trottoirherstellung übertragen war. 

Ueber die Lage der Brücke im Stadtplan sind vielfache 
Debatten geführt worden. Der schliefslich gewählten Lage 
liegt die berechtigte Hoffnung zu Grunde, dass das alte Hoch- 
schul-Gebäude bald beseitigt werden wird. Die Brücke wird 
dann auf dem linksseitigen Ufer der Aare einen geräumigen 
Platz als Ausgangspunkt haben, für welchen die gegenwärtig 
bestehenden Anfahrten, die Aulastrafse und der Klosterhaldenweg 
Ringstrafsen bilden (die erste ruht auf einem steinernen, gegen 
den steilen Haag gelehnten Viadukt). Ist diese Hoffnung ver¬ 
wirklicht, so vermag der Verkehr aus der unteren Altstadt 
(im Osten) das Kirchenfeld zu erreichen, ohne die enge Stelle 
der Hauptstrafse beim Zeitglockenthurm passiren zu müssen. 
Weiter ist die Lage der Brücke schon jetzt mit Rücksicht auf 
die einst zu erstellende Altenbergbrücke situirt worden, welche 
letztere nahezu in die Verlängerung der Kirchenfeld-Brücke zu 
liegen käme. 

Für das Kirchenfeld ist ein Radialsystem dem Bebauungs¬ 
plan zu Grunde gelegt, dessen Mittelpunkt der 150™ im 
Durchmesser haltende Helvetia-Platz bildet, welcher zugleich 
als Einfahrt auf die Brücke dient und in seiner einstigen Aus¬ 
führung, eine wesentliche Zierde der Stadt Bern werden wird. 

C. Schmid. 


Ein Entwurf zum Neubau eines Kunst-Akademie 


Den sächsischen Ständen ist abermals ein, ein wichtiges Bau¬ 
projekt, die Errichtung eines Kunst-Akademie- und Kunst-Aus- 
stellungs - Gebäudes zu Dresden betreffendes Dekret zugegangen. 
In demselben heifst es: 

„Das Gebäude auf der BrühFschen Terrasse, in welchem 
sich die Kunst-Akademie befindet, sowie das eben daselbst stehende 
Kunst-Ausstellungs-Gebäude sind in hohem Grade baufällig. Dazu 
kommt aber, dass die Räumlichkeiten der ersteren ganz unzu¬ 
reichend geworden sind, weshalb sich selbst einige neuerdings 
beantragte, ganz nothwendige Einrichtungen für den Unterricht 
nicht haben treffen lassen und die Aufnahme von Schülern in 
einzelnen Klassen hat beschränkt werden müssen. 

Als Bauplatz für den als nothwendig erkannten Neubau ist 
wiederum das Areal an der BrühFschen Terrasse ins Auge ge¬ 
fasst, da hierdurch der Akademie der Vortheil ihrer bisherigen 
Lage in Bezug auf Lichtverhältoisse und in sonstiger Hinsicht 
erhalten bleibt, ein anderer gleich passender Platz auch bei den 
hierauf gerichteten Erörterungen nicht zu ermitteln war. 

Als leitende Gesichtspunkte für die Planentwerfung ergeben 
sich folgende: 

Es musste ein neues, geräumiges, eine würdige und vortheil- 
hafte Aufstellung einer gröfseren Zahl von Kunstwerken ge¬ 
stattendes, im allgemeinen den dermaligen Ansprüchen genügendes 
Ausstellungs-Gebäude beschafft werden. 

Der Bau für die Kunst-Akademie, mit dem Ausstellungs- 
Gebäude in Verbindung stehend, musste die ausreichenden Räume 
für die Lehrzwecke einschliefslich der Ateliers für Malerei und 


die auf dem Gebiete der Kunde unserer vaterländischen Bau¬ 
denkmale seit lange erschienen sind — dem Publikum fertig 
vor. 2 ) Wir glauben, den Zwecken, welchen es dienen soll, 
unsererseits nicht besser nützen zu können, als wenn wir an 
seiner Hand unserem Leserkreise eine etwas eingehendere Dar¬ 
stellung der Phasen, welche die Hofburg Heinrichs des Löwen 
bisher erlitten hat und der gegenwärtigen Beschaffenheit ihrer 
noch erhaltenen Reste zu geben versuchen. Zuvor jedoch müssen 
wir in Kürze mit dem Werke selbst uns beschäftigen; denn wir 
haben es hier mit einer Leistung zu thun, die eben so wohl dem 
Verfasser wie auch dem Verleger und Drucker des Buchs zur 
höchsten Ehre gereicht. 

Ein wahrhaft kolossales Material ist es, das Hr. Winter 
behufs seiner Untersuchungen sich dienstbar gemacht hat und 
das er hier im Zusammenhänge vorführt. Zunächst eine Samm¬ 
lung und Prüfung aller jener urkundlichen und historischen 
Notizen, welche sich auf den Fürstensitz zu Braunschweig beziehen 
oder Schlüsse auf die jeweilige Beschaffenheit desselben erlauben, 
sowie im Anschluss daran aller graphischen Ueberlieferungen 
| 'über denselben Gegenstand, die in alten Stadtplänen, Hand¬ 
zeichnungen, Kupferstichen etc. enthalten sind. Sodann eine 
ebenso sorgfältige wie scharfsinnige Untersuchung und auf 


2) Die Burg Dankwarderode zu Braunschweig. Ergebnisse der im 
Aufträge des Stadtmagistrats angesteilten baugeschichtlichen Untersuchungen von 
L. Winter, Stadtbaurath. Gr. Fol. mit 83 in den Text eingedruckten Abbildungen 
und 20 Lichtdruck-Tafeln. Verlag und Druck von Joh. Heinr. Meyer, Braun¬ 
schweig 1883. Preis 40 M. 


!- und Kunstausstellungs-Gebäudes in Dresden. 

Architektur in der Beschaffenheit darbieten, wie das gegen¬ 
wärtige und das in Betracht zu nehmende künftige ßedürfniss 
erheischt und anderwärts gesammelte Erfahrungen als zweck- 
mäfsig erscheinen lassen. 

Wesentliches Gewicht war darauf zu legen, dass die Akademie 
mehr als bisher ein Mittelpunkt des Kunstlebens werden soll. (Es 
ist immerhin interessant, dass somit das Gegentheil als bisher 
bestehend von der Regierung anerkannt wird.) 

Die Akademie soll künftig nach der Aufnahme des gröfsten 
Theiles der bisher getrennt bestehenden Ateliers Lehrern und 
Schülern nicht nur die immerwährende persönliche Berührung 
ermöglichen, sondern durch die räumliche Vereinigung und die 
dadurch bedingten und ermöglichten Einrichtungen diesen Ver¬ 
kehr unmittelbar herbeiführen, was erfahrungsmäfsig dazu dient, 
den Geist der Anstalt zu beleben, das Interesse der Einzelnen 
zu erhöhen und die Leistungen durch die Gemeinsamkeit des 
Strebens und durch Wetteifern zu steigern. 

Hiernächst wird aber durch den Abbruch der jetzigen immer¬ 
hin charakteristischen Baulichkeiten und die au deren Stelle 
tretenden, das Stadtbild von Dresden in einer hervor ragenden 
Ansicht wesentlich geändert. Es darf durch die Neubaue der 
Anblick der BrühFschen Terrasse nicht nur nicht beeinträchtigt 
werden, sondern die an der Akademie gepflegte Baukunst muss 
dafür sorgen, dass die neue Gestaltung eine der besonderen 
Schönheit des Bauplatzes würdige wird und wo möglich zu deren 
weiterer Verschönerung dient. 

An der westlichen Seite des alten, resp. umzubauenden Zeug- 


Grund derselben eine künstlerische und technische Würdigung der 
noch vorhandenen Baureste u. zw. sowohl des noch im Verbände 
befindlichen zu Tage liegenden Mauerwerks wie der einzelnen 
versprengten Architekturtheile, die beim Abbruch der mittler¬ 
weile schon beseitigten Ruinen sowie in deren Nachbarschaft 
gefunden worden sind und offenbar dereinst den Burgbauten 
angehört haben, wie auch endlich der noch unter der Erde 
befindlichen, durch Aufgrabungen ermittelten Fundament-Reste. 
Das Ergebniss ist nach beiden Richtungen hin ein so uner¬ 
wartet reiches und ein nahezu so vollständiges, dass es 
Hr. Winter in einem dritten Abschnitte unternehmen konnte, 
die Beschaffenheit der Burg in den verschiedenen Phasen ihres 
Bestehens zu rekonstruiren. Eine gröfsere Anzahl von An¬ 
merkungen zu dem Haupttext, in welchen namentlich auf die 
historischen Quellen eingegangeu wird, sowie 2 Exkurse über die 
weiteren in Deutschland noch erhaltenen Palasbauten romanischen 
Stils und über die Kapelle der Burg im besonderen vervoll¬ 
ständigen die bezgl. Ausführungen. In schlichter Objektivität, 
aber mit vollständiger Beherrschung des Stofts, in musterhafter 
Gruppirung desselben und klarster Anschaulichkeit vorgetragen, 
machen sie es zu einem Genuss, ihnen zu folgen und lassen einen 
völlig überzeugenden Eindruck zurück. Nicht minder anziehend 
wirken die Illustrationen — fast durchweg im Wege der Chemi- 
typie oder des Lichtdrucks hergestellte Kopien nach den Original¬ 
zeichnungen des Verfassers, die neben der Gewissenhaftigkeit des 
Forschers seine schon in manchem trefflichen Neubau der Stadt 
bewährte künstlerische Begabung bekunden. 














68 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


9. Februar 1884 


hauses ist ein freier Platz projektirt, von welchem ein neuer 
Zugang zur Brühl’schen Terrasse durch eine Treppen-Anlage 
vermittelt wird. Dieser Platz begrenzt westlich das neue Aus¬ 
stellungs-Gebäude in seiner Langseite; es wird mit der Axe von 
Nord nach Süd errichtet, das Portal an der Terrasse. Parallel 
zu letzterer schliefst sich nach einem niedrigen Yermittlungsbau 
die Kunstakademie an, deren Baulichkeiten mit dem Ausstellungs- 
Gebäude einen geräumigen, nach zwei Seiten mit Einfahrten ver¬ 
sehenen Hof umgeben. 

Weiter westlich folgen Arkaden, mittels deren der Austritt 
der Aufgaugstreppe an der Münzgasse überbaut wird. Von dem 
nun folgenden bisherigen Akademie - Gebäude soll das Dach und 
Obergeschoss abgetragen werden, das Erdgeschoss aber dazu 
dienen, das dahin zu verlegende Cafd, dessen Beibehaltung für 
das Publikum erwünscht ist, aufzunehmen. Das platte Dach mit 
einer Pergola würde der Benutzung des Publikums freigegeben 
werden. (Die äufsere Gestaltung der fraglichen Baulichkeiten und ^ie 
Raumeintheilung ist den Ständen durch einen von Baurath L i p s i u s 
gefertigten und nunmehr auch öffentlich ausgestellten Plan an¬ 
schaulich gemacht worden.) 

Die Kosten der Ausführung obiger Baulichkeiten belaufen 
sich nach dem darüber aufgestellten generellen Anschläge, welcher 
mit vorgelegt werden soll, auf 2 567 700 

Die Lage der Akademie würde eine der denkbar glänzend¬ 
sten sein, da sie etwa in die Mitte der Brühlschen Terasse er¬ 
richtet werden soll. An Stelle des heutigen Ausstellungssaales, 
der, gleich allen alten Baulichkeiten auf der Terasse aufser dem 
Belvedöre nieder zu reissen ist, tritt der Haupttrakt, doch so, dass 
die Terrasse nun eine Breite von 15,8 —17,8 m erhält. Die Faqade 
ist 89 m lang, zwei Geschosse hoch, durch eine mächtige korinthische 
Halbsäulenstellung mit verkröpftem Gebälk gegliedert. Die 
Eckrisalite sind mit geradlinigen Mansarddächern als Pavillons 
ausgebildet, das Mittelrisalit über einem von Doppelkaryatiden 
getragenen dritten Geschoss, mit einer Kuppel bekrönt. Die Dächer 
sind zu Ateliers ausgebaut, so dass eine dritte Fensterreihe über 
dem Hauptgesims sich hinzieht. Die Dimensionen sind überall 
sehr bedeutend, die Axenweiten der Rücklagen betragen über 
7,5 m , die Fenster sind 2,5—3 m breit, das Hauptgesims ca. 15,3 % 
die Kuppel mehr als 30 m über dem Niveau der Terrasse, welche 
selbst gegen den Elbquai nur eine Höhe von 9,5 m hat. Die 
Formen nähern sich denjenigen von Garnier’s grosser Oper in 
Paris, namentlich im Obergeschoss, wo die Fenster von zwischen 
die Hauptordnung eingestellten jonischen Säulen umrahmt, der 
Fries des Hauptgesimses durch Einlage bunter Marmortafeln ge¬ 
ziert wird. Unruhig wirken die allzubewegten Linien der Dach¬ 
fensterbekrönungen. Der Grundriss ist von glücklicher und klarer 
Disposition. Die ganze Nordfront wird in allen. Geschossen für 
Meister- und Schüler-Ateliers ausgenützt. Dahinter ein Gang, 
der den stattlichen rechtwinkligen Hof umschliefst. Dieser 
liegt in halber Höhe zwischen dem Niveau der . Terrasse 
und dem Terrassengässchen hinter derselben und ist durch 
eine Rampe für Fuhrwerk zugänglich gemacht.. Die Hinter¬ 
gebäude haben nur zwei Geschosse, deren oberes im Erdgeschoss 
niveau des Hauptgebäudes liegt und für Zeichensäle mit 
Oberlicht eingerichtet ist, während das untere zwar als Gipssamm- 
lungs-Saal bezeichnet, in Wirklichkeit aber kaum zu mehr als zu 
Vorrathsräumen verwendbar sein wird. An diesen Hauptbau der 
Akademie schliefsen sich längs der Rückseite der Terrasse zwei 
eingeschossige Flügel, rechts jenes Cafö. Links führt der Flügel 
zu dem Ausstellungsgebäude, welches in schräger Stellung zu der 
Akademie steht, derart, dass ein dreieckiger Hof mit nach Süden 
gerichteter Spitze entsteht. Die Fa§ade nimmt das Säulensystem 
der Akademie wieder auf und bildet es zu einem mächtigen ca. 
27“ breiten Frontispiz aus - wohl dem glänzendsten Theile 
des ganzen Projektes. Die Säle sind auf reines Oberlicht be- 

Indem wir im Nachstehenden den wesentlichsten Inhalt des 
Werks im Auszuge wieder zu geben versuchen, sehen wir von 
der dort getroffenen und vom Standpunkte des Verfassers durchaus 
gebotenen Anordnung des Stoffes ab. Es erscheint für diese 
Stelle natürlicher, wenn wir den Lesern im Zusammenhänge mit 
der Geschichte der Burg sofort die von Ilrn. Winter fest ge¬ 
stellten verschiedenen Bau - Epochen derselben vorführen und 
dann zum Schlüsse noch etwas näher mit ihren noch heute er¬ 
haltenen Resten uns beschäftigen. 

Der Ursprung von Stadt und Burg Braunschweig verbirgt 
sich im Dunkel der frühmittelalterlichen Geschichte unseres 
Volkes. Bruno und Dankward, ein dem sächsischen Herzogs- 
Geschlechte der Ludolfinger angehöriges Brüderpaar, sollen, der 
Sage nach, i. J. 861 das Dorf Bruneswik (die nachmalige Altewik 
mit der Pfarrkirche St. Magni) und die Burg Dankwarderode, 
jenes am rechten diese am linken Ufer der Oker, gegründet 
haben. Zu Anfang des 11. Jahrh. herrschte hier Markgraf Ludolf, 
unter dessen Regierung die Stiftskirche in der Burg geweiht 
wurde. Gegen das Ende des 11. Jahrh., in den Kämpfen der 
Sachsen wider Kaiser Heinrich IV., dürfte eine Belagerung und 
Einnahme Dankwarderodes zu setzen sein, von der die Chronik zu 
melden weifs; durch Niederbrennung der Burg ward die bayerische 
Besatzung derselben jedoch wiederum zum Abzug genöthigt. Nach 
dem Aussterben des alten Herrschergeschlechts der Brunonen 
gingen Burg und Stadt i. J. 1123 durch Erbschaft an den Grafen 
Lothar von Süpplingenburg über, der hier 2 Jahre später die 
Nachricht von seiner Wahl zum deutschen Kaiser empfing. Ihm 


rechnet und sehr stattlich in den Dimensionen. Die beiden 
Haupträume messen je 27 : 11,8“. Die beiden Hauptglieder der 
Anlage sind durch Korridore so unter sich verbunden, dass für 
grofse Ausstellungen auch die Akademie, deren Hauptzeichensaal 
nicht weniger als 44 : 11 m mifst zur Verwendung gezogen 
werden kann. 

Es' sei gestattet, dieser kurzen Schilderung des Projektes 
einige kritische Bemerkungen beizufügen. Unzweifelhaft ist das 
Lipsius’sche Projekt eine sehr beachtenswerte, in vielen Be¬ 
ziehungen hoch bedeutende Arbeit. Namentlich die Grundriss¬ 
lösung, die Ausnutzung der Niveauverhältnisse zeugen von grofsem 
Geschick und künstlerischer Gestaltungskraft. Auch die Fagade 
an sich betrachtet, ist eine sehr glücklich angelegte, wenn auch 
noch nicht völlig durchgebildete Arbeit. Sie verdiente es, auf 
freiem Platze, wo man die gehörige Distanz zum Beschauen ge¬ 
winnen kann, zur Durchführung zu gelangen. 

Eine der am schwersten wiegenden Fragen ist aber die, wie der 
Bau zur ganzen Umgebung stimmt und diese nicht hinreichend 
betont zu haben, ist wohl eine wesentliche Schwäche des Projekts. 
Vor allem ist es entschieden zu grofs. So dankbar Dresden Lip- 
sius sein muss, dass er gegen die kleinliche Denkweise vieler 
seiner im Staatsdienste thätigen Kollegen energisch Front macht 
— hier will mir scheinen, als habe er über das Ziel hinaus ge¬ 
schossen. Denn man kann es dem Dresdener nicht verdenken, 
dass er die Terrasse als selbständiges Bauwerk gern fortbestehen 
sehen möchte, dass er mit Aengstlichkeit die Gestaltung des 
Stadtbildes von der Elbseite her berücksichtigt. Die Terrasse 
hat nur etwa die halbe Höhe der Hauptsäulenstellung, sinkt mit¬ 
hin geradezu zum Sockel für die Akademie herab. Dazu kommt 
der nicht gerade sehr geglückte Versuch durch Wiederholung 
der Architektur des „Stadtloches“, des Terrassendurchbruches an 
der Münzgasse und durch Treppenanlagen das alte Gemäuer in 
eine Axenbeziehung zur Akademie zu bringen. Gerade die Grofs- 
artigkeit der Fagadenmotive ist hier deplacirt. Der Beschauer 
auf der Terrasse steht zu nahe, um sie überblicken zu können; 
der am Quai sieht nur den oberen Theil, der weiter auf den 
Brücken und in der Neustadt stehende empfindet den Druck, den 
sie auf die Terrasse ausüben. Dazu kommt, dass die Kuppel 
namentlich für den Anblick von Nordwesten her in eine wohl 
nicht erwünschte Konkurrenz mit der Frauenkirche treten 

WÜ1< *Daher ist vielleicht, um Positives zu bieten, der Wunsch 
auszusprechen erlaubt, dass die Architektur zierlicher, mit gröfserer 
Betonung des Horizontalen, mehr für den Anblick von der Ter¬ 
rasse selbst berechnet gestaltet, die Dimensionen thunlichst 
herabgestimmt, das Dachgeschoss gestrichen und die ganze Kraft 
auf ein auf die Ferne wirkendes, gut der Stadtsilhouette ange¬ 
passtes Mittelrisalit vereint werde. . 

Nach dem über den Stil des Projektes Gesagten wird man 
begreifen, dass die Mehrzahl der Fachgenossen des Meisters 
nicht sehr für dasselbe eingenommen ist. Die Dresdener Archi¬ 
tekturschule, wie sie Nikolai heran gebildet hat, ist eine der ge¬ 
schlossensten in Deutschland. Bei allen grofsen Konkurrenzen 
haben ihre, leicht an stilistischen Sonderformen erkennbare An¬ 
hänger sich als tüchtige Künstler, namentlich auch monumentalen 
Aufgaben gegenüber, erwiesen. Selten aber wurde ihnen die 
Durchführung solcher Projekte zu Theil. Es ist wie eine Erb¬ 
krankheit von dem Stifter der Schule her, der selbst es nie ge¬ 
wagt hat, über gewisse Verhältnisse hinaus zu komponiren, dass 
den Schülern, die sich nun jeder Anforderung gewachsen fühlen, 
so viele monumentale Aufgaben entgehen. Mit rühmenswerther 
Selbstlosigkeit forderten die Dresdener Architekten, dass der 
neue Theaterbau an Semper übertragen werde; nun erhielt 
Lipsius Auftrag zu dem Akademiebau und entwickelt in dem¬ 
selben Formen, die den völlig en Bruch mit der Nikolai’schen 

folgte 1137 im Besitze Braunschweigs sein Schwiegersohn Herzog 
Heinrich der Stolze von Bayern und nach dessen frühem Tode 
1139 sein Enkel Heinrich der Löwe. 

Von der Anlage der Burg Dankwarderode in dieser ersten 
Periode ihrer Existenz, die ohne Zweifel einfachster Art war, ist 
keine Spur bis auf unsere Tage überkommen. Fortifikatorisch 
gehörte sie zu den Wasserfestungen und hatte in der Oker und 
ihren Sumpfniederungen den besten Schutz. Wohngebäude und 
Befestigungswerke waren, wie die Nachrichten über jenen Brand 
beweisen, jedenfalls wohl lediglich im Holzbau aufgeführt; nur 
für die Kirche, mit der ein Stift verbunden war, lässt sich Stein¬ 
bau annehmen; doch spricht nichts dafür, dass dieselbe eine 
höhere Bedeutung besafs. 

Desto grofsartiger stellt sich die Anlage der Burg m der 
Gestalt dar, welche sie in ihrer zweiten Bauepoche als Residenz 
Heinrichs des Löwen empfing. Die Persönlichkeit dieses kraft¬ 
vollen Herrschers und der Glanz der hier von ihm ins Leben 
gerufenen Schöpfung überstrahlten so sehr die Erinnerungen der 
Vergangenheit, dass von nun an auch der alte Name der Burg 
erlischt. Nicht mehr aus „ Tanquuarderode “, sondern „in palatio 
nostro Brunswick “, „in domo nostra B. a , „in coenaculo nostro B. 
oder ähnlich datirte der mächtige Weifenfürst die von hier er¬ 
lassenen Urkunden, so dass man streng genommen auch nicht 
berechtigt ist, die noch vorhandenen Reste seines Palas als 
solche der Burg Dankwarderode zu bezeichnen. 

(Fortsetzung folgt.) 


















No. 12 


69 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 



Gekuppeltes Fenster im Obergeschosse der östlichen Aussenmauer des Saalbaues. 



Die Burg zu Braunschweig gegen Ende d. XII. Jalirh. 


:) Westliches Burgthor, b) Befestigungs - TMrme. c) Saalbau. d) Burg- 
:apelle. e) Kemenaten, f) Oestliehe Burgpforte, gl Dom. h) Kapitelhaus. 
) Kreuzgang, k> Stiftsgebäude. 1) Speicher, m) Vogtei, Gerichtshaus und 
Vohnung des Burgyogts. n) Ruland. o) Wohnungen der Dienstmannen, 
p) Stallungen, q) Küchenhof. r) Löwendenkmai. 





Der Burgplatz zu Braunschweig luit I lngehuug 


2D0 M. 

1SS1. 


11 Dom. 2) üeberreste der Burgkaserne. 3) Löwen-Denkmal. 4) Offizier- 
Speiseanstait (Kleines Mosthaus). 5) Stadthaus (ehern. Stiftskurie). 6) Museum 
(ehern. Pauliner-Kloster. 7) Ehern. Reitschule des Collegium Carolinum. 
8) Wohngebäude f. Hofbeamte u. Diener. 9) Vieweg’sches Haus. 10) Justiz- 
Gebäude. 11) Polizei-Direktion. 12) Dompredigerhaus. 


j 3 


URG 


pANKWARDERODE ZU 


j 3 


RAUNSCHWE 


IG. 


Nach der Publikation des Stadtbauratlis L. Winter. 
























































































































































70 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


9. Februar 1884 


Tradition dokumentiren. Im eigensten Hause sieht sich die 
Dresdener Schule bedroht. Trotzdem ist von ihrer Seite kein 
Schritt geschehen, der gegen Lipsius’ Kunst gerichtet wäre. Der 
jetzt als solcher unbedingt anerkannte Führer der Dresdener 
Architektenschaft, Baurath Diese, wendete mit der ihn vor vielen 
seiner Kollegen auszeichnenden Gröfse der Auffassung in jener 
Eingabe an die Kammern sich ausschliefslich gegen die Bedenken, 
welche die Verbauung des fiskalischen Terrains vor definitiver 
Feststellung des zukünftigen Stadtplanes hervor rufen muss. 
Wohl Jedermann muss ihm und dem von ihm geleiteten 
Architekten-Verein in der Hauptsache Recht geben. Aber doch 
stehen gewichtige Bedenken einer Ablehnung des Projektes 
entgegen. Sachsens Finanzlage ist zur Zeit eine ganz un¬ 
gewöhnlich günstige. Unsere Regierung besitzt in Fragen der 
Kunst nicht allzu viel Initiative. Jetzt hat sie sich in erfreulicher 
Weise zu einer grofsen Forderung entschlossen. Die Stände 
dürften wenn auch nicht allzu willig, so doch zur Annahme des 
betreffenden Postulates zu bestimmen sein, obgleich unsere länd¬ 
lichen Abgeordneten nicht recht begreifen wollen oder können, 
dass allen Theilen des Staates aus der Kunstpflege ein Nutzen 
erwachse. Werden die Projekte jetzt abgelehnt, so dürften sie 
leicht nie eine Majorität finden, zumal dann nicht, wenn der 
Millionensegen im Lande nicht mehr vorhanden ist. Zu einer 
Festlegung von Kapitalien für einen später zu beschliessenden 
Bau — nach Art der Fonds für das Reichstagshaus — würde sich 
die sächsische Regierung bei ihren Finanzprinzipien nur schwer 


entschliefsen. Und doch ist so, wie das Projekt vorliegt, der 
Bau meines Erachtens nicht durchführbar: das wird Baurath 
Lipsius selbst am besten empfinden. Nicht ihn trifft der Vor¬ 
wurf, sondern die Regierung, welche die ganze Angelegenheit 
überstürzte, oder doch ursprünglich zu sehr verzögerte. Auf 
einen Wurf gelingt eine derartige Arbeit selten. Unmöglich 
konnte sie genügend durchgearbeitet werden — fehlte doch sicht¬ 
bar sogar die Zeit, um die Pläne völlig fertig zu stellen. Einzelne 
Theile, z. B. die Restauration mit der Pergola sind mehr als 
Skizzen behandelt — unmöglich kann man glauben, dass dies 
ein Künstler wie Lipsius als sein letztes Wort gelten lassen will. 

Daher ist zu hoffen, dass die Kammern zwar die Mittel zum 
Akademiebau bewilligen, über die Gestaltung derselben aber einst¬ 
weilen nichts definitives beschliefseu, sondern die weitere Berathung 
einer Kommission überweisen werden — ähnlich der „Akademie 
für Bauwesen“ in Berlin, welche ja in der Frage des Reichstags¬ 
hauses auch das entscheidende Wort gesprochen hat. Dass 
in diese Kommission Männer kommen, die mit grofsem Sinn und 
tüchtiger Sachkenntniss ausgestattet sind, die aber auch wissen, 
dass ein Künstler freier Entfaltung und gröfster Selbständigkeit 
bedarf, um wirklich Gutes zu leisten — das möge den Kammern 
daun aufs Dringendste ans Herz gelegt werden. 

Das Dekret scheint auch diesen Gedanken selbst schon ins 
Auge gefasst zu haben, da es vom event. Wegfall der oberen 
Etage und Beschränkung der Etagenhöhe als von weiteren Er¬ 
wägungen abhängig spricht. N. 


Der Uebergang der Dampfkessel-Revisionen 

Das bezügl. Projekt über welches wir auf S. 575 des Vorjahres 
kurz berichtet haben, ist vom Abgeordnetenhause bei der 3. Be¬ 
rathung des Staatshaushalts - Etats einstweilen vertagt worden. 
Die Verhandlungen zur Sache haben mancherlei Interessantes 
mit sich gebracht; es wird daher eine kurze Mittheilung darüber 
nach den stenographischen Berichten willkommen sein. . 

Plan der Regierung war es bekanntlich, etwa 40 Beamte für 
Kesselrevisionen anzustellen, welche eine diätarische Besoldung von 
3600 Jl und 2500 Ji für Reiseauslagen und Bureaukosten erhalten 
sollten; die bisher erhobenen Gebührensätze sollten fortbestehen, die 
Gelder aber zur Kasse abgeführt werden. Motivirt wurde die neue 
Einrichtung insbesondere damit, dass die bisherigen Revisoren, die 
Baubeamten, mit diesen Nebengeschäften zu stark belastet würden 
und dass auch aus der Anstellung von Spezialisten den Kessel¬ 
besitzern wirtschaftliche Vortheile erwachsen würden. 

Die mit Vorberathung des Vorschlages betraute Budget- 
Kommission stellte in der 2. Berathung des Etats den Antrag, 
dem Plane nicht zu zustimmen. Sie machte geltend, dass die 
Ueberbürdungs-Frage der Baubeamten nicht hinreichend klar 
gestellt erscheine, dass diese Beamten im ganzen ihrer Aufgabe 
als Dampfkessel - Revisoren als wohl gewachsen sich gezeigt 
hätten, dass es ungemein hart sein werde, denselben eine nicht 
unbeträchtliche Einnahme zu entziehen ohne ihnen auf andere 
Weise einen Ersatz zu gewähren und endlich, dass das Institut 
der bestehenden Kesselrevisions-Vereine durch die Anstellung 
staatlicher Revisions-Beamten eine unerwünschte Beeinträchtigung 
erleiden könnte. Auch möchten bei Ausführung des Vorschlags 
der Regierung vielleicht zu grosse Differenzen in Hinsicht auf 
die Geschäftsmengen, welche den einzelnen Revisoren zufielen, nicht 
zu vermeiden sein. Alle diese verschiedenen Seiten der Sache 
möchten erst näher erwogen werden um einer später zu fassen¬ 
den sachgemässen Entscheidung als Grundlage zu dienen. 

In der Debatte wurde fest gestellt, dass ein Stück derjenigen 
Einrichtung, welche die Regierung anstrebt, bereits verwirklicht 
ist, da in verschiedenen industriell reich entwickelten Gegenden 
des Landes 6 besondere Kessel-Revisions-Beamte funktioniren. 
Ferner wurde mitgetheilt, dass die Zahl der den Baubeamten 
zur Revision zufallenden Kessel mehr als 28 000 betrage und dass 
einzelne dieser Beamten daraus eine Einnahme von 7000—8000 M. 
bezögen; in solchen Fällen seien die Baubeamten gute Kessel- 
Revisoren im eigentlichen Sinne des Worts geworden, doch ihrem 
Hauptberufe mehr oder weniger entfremdet. Die Kesselrevisions- 
Vereine seien nicht zu der erwarteten Wirksamkeit gelangt, da 
der Revision durch ihre Organe nur etwa 22 Prozent aller im 
Lande vorkommenden Kessel unterständen. Bei V 3 Prozent der 
Kessel sei die Revision den Besitzern selbst überlassen worden. 
Endlich sei es der Minister der öffentlichen Arbeiten gewesen 
— nicht wie wohl angenommen, der Handelsminister — der die 
Neuordnung der Angelegenheit angeregt habe. 

Ein Gegner des Antrags der Budget-Kommission fand sich 


in Preufsen an besondere Revisions-Beamte. 

in der Person des Hm. Abgeordneten Huyssen, der sich, unter 
Voraussetzung der Durchführung der neuen Ordnung in einem 
verlangsamten Tempo durchaus auf den Standpunkt der Regierung 
stellte. Für den Antrag der Budget-Kommission nahm ein sehr 
sachkundiges Mitglied, der Hr. Abgeordnete Hitze das Wort. 
Derselbe erweiterte die von der Kommission vorgebrachten Gründe 
wesentlich, indem er für die Durchführung einer grofsen Orga¬ 
nisation plädirte, die auf eine Hinzulegung der Dampfkessel- 
Revisionen zu der Thätigkeit der Gewerbe-Räthe (Fabriken¬ 
inspektoren) hinaus geht. Es möchten den Gewerbe-Räthen für 
jene Revisionen Assistenten beigegeben werden, welche event. 
später in die Stellung des Gewerberaths selbst einrücken könnten. 
So werde nicht nur eine Zusammenlegung innerlich verwandter 
Thätigkeiten erzielt und eine breitere Basis für die Wirksamkeit 
der Gewerberäthe geschaffen, sondern auch für einen jetzt 
mangelnden sachgemäfs heran gebildeten Nachwuchs letzterer 
gesorgt. 

Nachdem der Hr. Handelsminister selbst in die Debatte 
eingegriffen und prinzipaliter für den Vorschlag der Regierung, 
eventualiter für eine Zurückweisung in die Kommission sich 
ausgesprochen hatte, schloss die 2. Berathung im Hause mit 
Annahme eines von dem Hrn. Abg. Hitze gestellten Antrags 
auf nochmalige Berathung in der Budget-Kommission. 

Die Ansicht des Hrn. Handelsministers von der Möglichkeit 
einer Bekehrung der Budget-Kommission ist getäuscht worden. 
Letztere ist bei ihrem früheren Vorschläge einfach stehen ge¬ 
blieben und es ist dieser Vorschlag auch in der 3. Berathung 
des Hauses zum Beschlüsse erhoben worden. Die Kommission 
hat auch aus dem neu beigebrachten Material keinen Grund 
dafür finden können von ihrer Ansicht, dass die Sache zur Ent¬ 
scheidung noch unreif sei, abzugehen; sie ist im Gegentheil 
durch neue Argumente, die inzwischen in Petitionen etc. bei¬ 
gebracht sind, darin nur bestärkt worden. Doch hat sie die 
Autorisation der Regierung, da wo ein Nothstand hervor tritt, 
durch Anstellung spezieller Revisions - Beamten zu helfen, nicht 
in Zweifel gezogen. 

Das Gesammtresultat, welches der Vertreter der Staats - 
regierung aus der Verhandlung zog, bestand darin, zu konstatiren: 
„dass das Haus bereit sein wird, dem Projekte die Zustimmung 
zu ertheilen, wenn nach den angedeuteten Richtungen hin noch 
weitere Erwägungen und Untersuchungen stattfinden und wenn 
darnach der Plan in etwas modifizirter Gestalt abermals vor das 
Haus gebracht wird.“ 

Darnach ist zu erwarten, dass schon die nächste Zeit eine 
Entscheidung im Sinne der Regierung bringen wird, hoffentlich 
unter Berücksichtigung der Biliigkeitsgründe die den Baubeamten 
zur Seite stehen, wenn sie beanspruchen, für den grofsen Aus¬ 
fall der Einnahmen, der ihnen droht, nicht ganz ohne Entschä¬ 
digung zu bleiben. — B. — 


Nochmals: „Eine wichtige Sekundärspannung in Brückenträgern.“ 


Nachdem Hr. Reg.-Rath. Dr. Zimmermann in seiner letzten 
Erwiderung in No. 5 des Zentral!)], d. Bauverwltg. den Haupt¬ 
streitpunkt zwar nicht mehr berührt, in der Frage der Quer¬ 
schnitts-Anordnung der Vertikalen, aber bei seiner Ansicht ver¬ 
harrt, muss ich meinerseits, da ich aus der Fortführung der Debatte 
keinerlei Nutzen mehr zu erwarten habe, dieselbe mit einigen 
Bemerkungen abschliefsen. 

In No. 4 er. der Wochenschr. des österr. Ingen, u. Archit.- 
Vereius unterzieht Ilr. Ingenieur Melan die streitige Frage einer 


eingehenden Besprechung. Derselbe erkennt es als richtig und 
der „üblichen Gepflogenheit“ entsprechend an, die seitliche Steifig¬ 
keit der Gurte durch Anordnung steifer Gefache zu erreichen. 
In längerer Rechnung entwickelt Hr. Melan mit Hülfe des Prin¬ 
zips der kleinsten Deformationsarbeit ähnliche Resultate und 
genau dieselben Folgerungen, welche ich für die Querträger, die 
Anordnung des Querschnitts der Vertikalen und die 
Beziehung zwischen den steifen Gefachen und den Druckkräften 
im Gurte aufgestellt habe. 












No. 12, 


71 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


Nachdem ich bereits zugestanden, dass ich die Durchbie¬ 
gungen der Querträger zu hoch geschätzt hatte und nun mich 
auch mit der Auffassung des Hm. Melan über den Vorgang beim 
Einsturz einverstanden erklären kann, besteht zwischen dessen 
Auffassung und der meinigen keine Differenz. Die durch die Ver¬ 
schiedenheit der Durchbiegung der Querträger eingeleitete seitliche 
Verbiegung der Gurte der Brücke in der Strafse Rykon-Zell ist 
durch die Wirkung der Axialkräfte vergiöfsert worden und so 
sind die Vertikalen zum Bruch gebracht. 

Zu den letzten Bemerkungen des Hin. Dr. Zimmerman u. a. 
noch Folgendes: 

So lange eine Verschiedenheit in der Anordnung der Quer¬ 
schnitte, wenn nur ein bestimmtes Trägheitsmoment, oder nur ein 
bestimmtes Widerstandsmoment, oder nur die Vermeidung von 
Biegungsspannung, oder gleichzeitig Zweierlei gefordert wird, als 
berechtigt oder nothwendig nicht anerkannt ist, bleibt eine Ver¬ 
einbarung der Auffassungen unmöglich. 

Die bei der reinen Diuckfestigkeit übliche Vermehrung des 
Querschnitts proportional der Kraft als „natürlich“ auch bei der 
Knickfestigkeit voraus zu setzen, heifst über Knickungsgefahr 
sprechen und sie gleichzeitig ausschliefsen. Um zu übersehen, 
ob die Materialmenge, welche erforderlich ist, wenn der Druck¬ 
gurt ohne Aussteifung durch steife Gefache knicksicher sein soll, 
zu grofs ist, dazu bedarf es keiner langen Rechnung: 

J = 3 PZ 3 = 3 . 6.441 = 7 938 ™ 1 
das ist ein Trägheitsmoment, das sicher kleiner ist, als das er¬ 


forderliche. Zur Beschaffung eines Querschnitts mit diesem Träg¬ 
heitsmoment sind etwa 60i em erforderlich, so dass, auch wenn man 
diesen Querschnitt noch gegen die Enden einschränken will, mehr 
Material als zur genügenden Versteifung der Gefache ausreicht, 
nothwendig wäre. 

Die Erfahrungen, welche ich in der Diskussion über den Quer¬ 
schnitt der Vertikalen gemacht habe, lassen mich auch nicht hoffen 
durch eine langwierige, wenn auch nicht schwierige Rechnung 
bei Hrn. Dr. Zimmermann eine andere als die bisherige Ansicht 
zu erwecken; auch mit Rücksicht auf meine Zeit unterlasse ich 
daher diese Rechnungen. 

Das Ergebniss in der Hauptstreitfrage, ob der Gurt allein, 
oder im wesentlichen die steifen Gefache die seitliche Ausbiegung 
verhindern sollen? kann ich dahin zusammen fassen: 

1) Aufser Hrn. Dr. Zimmermann hat bislang niemand die For¬ 
derung gestellt, der Druckgurt sei so steif zu gestaTen, dass er 
nicht durch steife Vertikalen, wie ein Lahmer durch seine Krücken, 
gehalten zu werden brauche. 

2) In jedem Werke (das genügt wohl!) über Brückenbau 
findet sich die Forderung, dass die offenen Brücken einer beson¬ 
deren seitlichen Aussteifung bedürfen. 

3) Was die „Erfahrung“ anlangt, so entsprechen die ausge¬ 
führten Brücken der Forderung des Hrn. Dr. Zimmermann nicht; 
mir wenigstens ist keine solche offene Brücke bekannt. 

Berlin, den 4. Febr. 1884. 

Fr. Schulte, Reg.-Bfhr. 


Von der Baugewerkschule in Erfurt. 


Rascher, als man erwarten konnte, bat sich das Schicksal 
der Eifurter Baugewerkschule erfüllt — dieselbe wird entweder 
ganz eingehen, oder im allerglücklichsten Falle demnächst in 
einem anderen Orte der Provinz Sachsen wiederum aufleben. 

Der in der vorjährigen No. 98 mitgetheilte Beschluss der 
städtischen Behörden Erfurts — durch welchen der eventuelle Ein¬ 
gang der Schule in Aussicht genommen w'ard — hatte das Unter¬ 
richtsministerium veranlasst, von der Erhöhung des Schulgeldes 
Abstand zu nehmen und es bei dem bisherigen Satze von 60 JL 
pro Halbjahr zu belassen. Daneben wurde aber die Fixirung eines 
stadtseitig zu leistenden Beitrags angeregt, der jedenfalls höher 
als der bisherige gedacht war, weil in dem betr. Ministerial-Re- 
skript ein Hinweis auf die bevor stehende Einrichtung der 4. Klasse 
sich fand. 

Wider Erwarten haben auf diesen theilweise entgegen kom¬ 
menden Schritt jetzt die städtischen Kollegien „gestrikt“, indem sie 
in einer geheimen Sitzung am 25. v. M. nicht nur jeden weiteren 
Baarzuschuss, sondern auch die unentgeltliche Hergabe des Schul¬ 
lokals abgelehnt haben. 

Ohne den Beschluss der Erfurter städtischen Kollegien irgend¬ 
wie gerechtfertigt zu finden, müssen wir doch erklären, dass die 
Schuld an der Tragikomödie, welche die Baugewerkschule durch¬ 
gemacht hat, im Grunde auf den Staat zurück fällt und speziell, 
— wie man nach der in No. 4 er. mitgetheilten Crefelder Rede 
des Dezernenteu für das gewerbliche Unterrichtswesen Hrn. Geh. 
Ober-Reg.-Rath Lüders annehmen muss — auf den Finauzminister, 
der sich den Baugewerkschulen gegenüber einfach auf den 
Standpunkt des non possumus stellt. Zweifel an dieser einfach 
ablehnenden Haltung der Finanzverwaltung sind gegenstandslos 
angesichts einer Thatsache, die wir hier zu der oben erwähnten 
Mittheilung über die Crefelder Rede nachtragen möchten. Letztere 


ist iuGegenwartdes Hrn. Kultusministers gehalten worden 
und stellt sich sonach als eine öffentliche Ablehnung der Verant¬ 
wortlichkeit der Unterrichtsverwaltung für diejenigen Veikehrt- 
heiten im niederen technischen Unterrichtswesen dar, welche unter 
dem einseitigen Regime der Finar zVerwaltung bisher bestanden haben. 

Diu ch die Organisation der Erfurter Schule im Jahre 1881 
wurde die Baugewerkschule in Langensalsa zur Uebersiedlung 
nach Mecklenburg gezwungen; da jetzt auch jene fällt, ist die 
Provinz Sachsen gleichzeitig zweier Fachschulen verlustig ge¬ 
worden. Denn es ist kaum anzunehmen, dass eine zweite Stadt 
der Piovinz sich mit einem Wagniss belasten wird, vor welchem 
Erfurt jetzt zurück schreckt. 

Und da auch in andern Provinzen, wo die Einrichtung neuer 
Baugewerkschulen in der Schwebe sich befindet, der Erfurter 
Fall seine Schatten werfen wird, so darf mau voraus sehen, dass 
eine wesentliche Aenderung der Basis, die man bisher festgehalten 
hat, eintreten muss, soll die Gründung neuer Baugewerkschulen, 
die ein unbestrittenes Bedürfniss ist, weiterhin überhaupt noch 
gelingen. 

In Zukunft wird es wahrscheinlich nur rein staatliche 
Baugewerkschulen, oder solche mit ganz geringen Zuschüssen 
der Städte geben. Es ist das der einzige Weg, auf dem eine 
Weiterförderung der Sache heute noch möglich erscheint. Und 
dies nicht nur, weil man überall auf ein ablehnendes Verhalten 
der Städte treffen dürfte, sondern auch weil bei dem bisherigen 
Mischsystem inskünftige kaum noch geeignete Lehrkräfte 
aufzutreiben sein möchten. Denn auch die Stellung der Lehrer an 
den Baugewerkschulen mit gemischter Verwaltung ist nachgerade so 
sehr in Verruf gerathen, dass an ein weiteres Zuströmen von 
solchen Kräften die ihren beruf wirklich ausfüllen, kaum noch 
gedacht werden kann. — B. — 


IVHttheilungen 

Architekten-Verein zu Berlin. Haupt-Versammlung am 
4. Februar 1884. Vorsitzender Hr. Dr. Hobrecht; anwesend 
69 Mitglieder und 2 Gäste. 

Der Hr.| Vorsitzende giebt der Versammlung in ernsten, tief 
bewegten Worten Kenntniss von der Trauerkunde, dass der be¬ 
rühmte Senior des Faches, der Hr. Ober-Landes-Baudirektor a. D., 
Wirkliche Geheimrath, Excellenz Dr. Gotthilf Hagen, am 
3. d. M. im 87. Lebensjahre sanft und kampflos entschlafen ist. 
Sein Tod bedeutet einen schweren Verlust für die Wissenschaft 
im weitesten Sinne des Wortes, insbesondere aber für die Wasser¬ 
bau-Wissenschaft, welche in dem „alten Hagen“ — unter 
dieser Bezeichnung lebte er schon lange unter uns und wird er 
auch ferner in unserem Gedächtniss fortleben — ihren Altmeister 
ehrte und bewunderte. Von Jugend auf hat er sich durch aus¬ 
gezeichnete Leistungen hei vor getban und sich in rascher Lauf¬ 
bahn eine Stellung erworben, von welcher herab er als ein Meister 
und Lehrer des Faches gewirkt hat. Als Schüler und Mitarbeiter 
des seligen Besse 1 legte er den Grund zu seinem reichen mathe¬ 
matischen Wisten. Doch der Drang, selbst zu sehen, selbst zu 
I suchen und selbst zu streben, lenkte seine Thätigkeit in be¬ 
sondere Bahnen, auf welchen es ihm gelang, die bisher zer¬ 
streuten Trümmer des Wasserbau - Ingenieurwesens zu 
sammeln, zu ordnen und zu einem System zu gestalten. Nicht 
allein in den Grenzen unseres Vaterlandes, sondern in der ganzen 
gebildeten Welt ist Hagen’s Name und Ruhm bekannt geworden; 
von allen Seiten suchte man seinen Rath, seine Hülfe. Das 
Glück, dass er unser war, wissen wir nicht hoch genug zu 
schätzen. Seit dem Jahre 1848 Mitglied des Architekten-Vereins, 


aus Vereinen. 

hat er 20 Jahre hindurch an den Arbeiten des Vorstandes regen 
und thatkräftigen Antheil genommen. 

Der Hr. Vorsitzende schliefst mit der Mittheilung, dass der 
Verein es sich nicht nehmen lassen werde, für den Dahingeschie¬ 
denen, welcher ein Stolz unseres Vaterlandes und unseres Faches 
speziell gewesen sei, demnächst eine besondere Gedächtnisfeier zu 
veranstalten. — Die Anwesenden erheben sich zu Ehren des 
Gestorbenen von den Plätzen. — 

Hr. Housselle legt den, in Einnahme und Ausgabe mit 
57 432 M abschliefsenden Rechnungsnachweis der Vereinskasse 
pro 1883 und den in Einnahme und Ausgabe auf 49 261 Jl ver¬ 
anschlagten Etatsentwurf pro 1884 vor. 

Der Säckelmeister der Hausverwaltung, Hr. Ernst, theilt 
mit, dass die finanzielle Verwerthung des Vereinshauses eine sehr 
erfreuliche Besserung aufweise; insbesondere haben auch die rd. 
23 590 JA betragenden Einnahmen der Bauausstellung und der 
Weihnachtsmesse die betreffende, auf 18000 JL festgesetzte Etats¬ 
position erheblich überschritten. Die Einnahmen und Ausgaben 
der Hauskasse pro 1883 balanziren mit 64 596 JL 

Hr. Kyll mann macht auf die fortschreitend günstigeren 
Ergebnisse der Bauausstellung und der Weihuachtsmesse aufmerk¬ 
sam, deren gemeinsame Einnahmen — abzüglich der durch die 
kunstgewerblichen Lotterien erzielten Resultate 
im Jahre 1881 ca. 14 500 JL 
„ „ 1882 „ 21000 „ 

„ „ 1883 „ 23 500 „ 

betragen haben, und hält es für seine Tflicht, speziell denjenigen 
bei der Durchführung der genannten Unternehmungen betheiligten 













72 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


9. Februar 1884 


Kommissions - Mitgliedern den Dank des Vereins auszusprechen, 
welche nicht Mitglieder des letzteren sind. Der Hr. Redner be- 
meikt noch, dass der Hr. Minister der öffentlichen Arbeiten für 
die Bau-Ausstellung ein dankenswerthes Interesse u. a. durch eine, 
auf 1000 Ji bemessene, dauernde Platz-Miethe für Ausstellungs¬ 
objekte der Staatsbau-Verwaltung bezeuge, untersucht die Fach¬ 
genossen, von den auf diese Weise zur Disposition gestellten un¬ 
entgeltlichen Plätzen in thunlichstem Umfange Gebrauch zu machen. 

Hr. Dr. Ho brecht glaubt allen, an der Förderung der 
finanziellen Interessen des Vereins betheiligten, insbesondere den 


referirenden Herren für die augenscheinlich sehr erfreulichen 
Ergebnisse des letzten Rechnungsjahres, welches — wenn man 
bei den vorgelegten Nachweisen die Buchungs-Formalien unbe¬ 
rücksichtigt lasse — einen thatsächlichen Ueberschuss von 20 bis 
25 000 JL für das laufende Jahr in Aussicht stelle, herzlichst 
danken zu sollen. 

Die Erledigung der auf der Tagesordnung stehenden ge¬ 
schäftlichen Angelegenheiten, Neuwahl des Vorstandes, der Ober¬ 
bibliothekare etc., musste wegen Unbeschlussfähigkeit der Ver¬ 
sammlung bis zur nächsten Sitzung vertagt werden. — e. — 


Vermischtes. 

Quai oder Kai oder Staden? Wie so viele andere deutsche 
Worte oft durch gradezu hässliche Fremdwörter verdrängt worden 
sind, so ist es auch mit dem guten schönen deutschen Wort 
„Staden“, für welches sich das französische „Quai“ oder, wie man 
es neuerdings häufig geschrieben findet „Kai“ eingebürgeit hat. 

Höchst merkwürdig ist, dass sich das deutsche Wort „Staden“ 
für „Uferstrafse“, im Eisass, und z. Theil auch in Lothringen, 
trotz der nahezu 2 Jahrhunderte hindurch dauernden Herrschaft 
der Franzosen, bis zum heutigen Tage erhalten hat. So findet 
man in Strafsburg, Kolmar, Mülhausen und anderen Orten 
des Reichslandes die offiziellen Bezeichnungen „Kleberstaden“, 
„Kellermannstaden“, „Pariserstaden“, ja sogar „Algierstaden , 
„Oranstaden“, „Islystaden“ u. a. m. Und wenn neben diesen 
auch die französischen Bezeichnungen „Quai de Paris, Quai d’ Alger, 
Quai d’Isly u. s. w. noch angeschrieben sind, so gebraucht doch 
die Bevölkerung in den genannten Städten des Elsass mit Vorliebe 
die deutschen Namen. 

Hoffentlich genügen diese Zeilen, um auch in Altdeutschlaud 
dem deutschen Worte „Staden“ Freunde zu erwerben und es 
einzubürgern, an Stelle des hässlichen „Quai“ oder gar „Kai. 

s. 

Dem Wunsche des Hrn. Verfassers, unsererseits sofort das 
Wort „Staden“ anzunehmen, glauben wir bei aller Sympathie für 
seine Bestrebungen leider nicht entsprechen zu können; jene 
neueren Worte sind zu weit eingebürgeit, als dass ein gegen die¬ 
selben ex abrupto unternommener Feldzug Aussicht auf Erfolg 
verspräche. Aufserdem scheint uns auch der undeutsche Ursprung 
des Wortes Kai nicht so zweifelsfrei zu sein, als der Hr. Verfasser 
annimmt. Die Holländer haben das Wort „Kaade und es wäre 
immerhin möglich, dass dieses sowohl als das französische „Quai 
aus dem deutschen Worte Kai durch Umbildung hervor gegangen ist. 

_ D. Red. 

Einfluss des Frostes auf eiserne Gitter. In No. 7 er. 
der Dtschn. Bztg. wird auf die Gefahien hingewiesen, die ein mit 
gusseisernen Hohlkugeln geziertes schmiedeisernes Gitter dadurch 
herbei führen kann, dass die Kugeln zur Winterszeit sieb mit 
Wasser füllen. Der qu. Mittbeilung beigefügte Rath, durch Löcher 
den freien Wasserabfluss zu ermöglichen, darf gewiss als schätz¬ 
barer praktischer Fingerzeig betrachtet werden; es lässt sich dem¬ 
selben aber auch das in solchen Fällen usancemäfsige Verfahren 
zur Seite stellen, solche Hohlräume vor dem Eindringen von 
Wasser überhaupt zu schützen, indem man dieselben etwa mit 
Colophonium etc. ausgiefst. 

Hamburg, Januar 1884. E. Werner. 

Eytelwein - Stipendium. Durch die Akademie des Bau¬ 
wesens als Kuratorium der Eytelwein-Stipendien-Stiftung ist das 
Eytelwein-Stipendium vom 1. April er. ab auf zwei Jahre zu ver¬ 
geben. Dasselbe besteht in 600 JA jährlich, pränumerando zahlbar, 
und ist bestimmungsgemäfs an einen Studirenden einer der 
preufsischen technischen Hochschulen, aus den Abtheilungen für 
Hochbau oder Bauingenieurwesen zu verleihen. 

Zunächst berechtigt sind etwa sich meldende Deszendenten 
des verstorbenen Ober-Landes-Baudirektor Eytelwein, demnächst 
Söhne preufsischer Staats- oder Kommunal- Baumeister. Sind 
solche nicht auf einer preufsischen technischen Hochschule im- 
matrikulirt, so kann das Stipendium auch audei en Studirenden der 
genannten Abtheilungen verliehen werden. Der Verlust des Stipen¬ 
diums tritt ein, wenn der damit Beliehene sich durch unwürdiges 
Betragen eine disziplinarische Rüge zuzieht. .... , 

Bewerber wollen den Nachweis ihrer Immatrikulation und 
eine kurze Lebensbeschreibung der Akademie des Bauwesens bis 
zum 15. März er. mit ihren Gesuchen einreichen. 

Berlin, den 2. Februar 1884. 

Königliche Akademie des Bauwesens. 

Konkurrenzen. 

Konkurrenz für Entwürfe zur Behauung der Museums- 
Insel in Berlin. Wie wir vernehmen, sind bis zu dem fest 
gesetzten Schlusstermine der Konkurrenz 56 Entwürfe eingetroffen, 
nach demselben noch 2 Arbeiten, von denen jedoch die eine zur 
Preisbewerbung zugelassen werden dürfte, weil die Verspätung 
ohne Schuld des Absenders „durch Achsenbrand erioigt ist 
Die Aufstellung der Entwürfe behufs Beurtheilung derselben durch 
das Preisgericht, in welches an Stelle des verst. Geh. Ob.-Brths. 
Giersberg Hr. Geh. Ob.-Brth. Adler eingetreten ist, dürfte vor¬ 
aussichtlich im Gebäude der Kunst-Akademie erfolgen. 


Zur Konkurrenz für Entwürfe zum Bau eines natur- 
historischen Museums in Hamburg äufsert sich das 
„Zentralbl. d. Bauverw.“ in seiner No. 5 wie folgt: _ 

„Mit der rechtsverbindlichen Verpflichtung auf eine bestimmte 
Bausumme gelangt indessen (u. W. zum ersten Male in Deutsch¬ 
land) ein Vorschlag zur praktischen Durchführung, welcher, von 
einzelnen Wenigen befürwortet, viele Gegner gefunden bat, die, 
wie wir meinen sehr zutreffend, ihre warnende Stimme gegen ein 
derartiges „architektonisches Submissions - Verfahren“ erhoben 
haben. Die eigentümlichen Verhältnisse Hamburgs, welche den 
Architekten zumeist auch als Unternehmer aufzutreten zwingen 
und ihm damit ein gutes Theil seiner Unabhängigkeit als Anwalt 
des Bauherrn nehmen, mögen dazu beigetragen haben, dass die 
Behörden der reichen Hansestadt sich zu diesem bedenklichen 
Schritt entschlossen haben.“ 

Wir glauben, dass dieses in bester Absicht geäufserte Urtheil 
auf einem thatsächlichen Irrthum beruht, zu dessen Aufklärung 
wir uns insofern für berechtigt halten, als jene Warnung vor der 
Verwandlung der Konkurrenzen in architektonische Submissionen 
seinerzeit von uns ausgesprochen worden ist. Damals, im J. 1878, 
handelte es sich um ein Verfahren, bei welchem jeder Konkurrent 
einen leistungsfähigen Unternehmer zu stellen hatte, der sich 
verpflichtete, seinen Entwurf für die im voraus fest gesetzte Bau¬ 
summe zur Ausführung zu bringen; die Interessen des Architekten 
und des Unternehmers wurden also von vorn herein in solidarische 
Beziehung gesetzt. Von einer solchen, geschweige denn von einer 
Verpflichtung des Architekten gleichzeitig in eigener Person als 
Unternehmer des Baues zu fungiren, ist aber im vorliegenden 
Falle keine Rede. Es heilst vielmehr im § 12 der Konkurrenz- 
bedingungen ausdrücklich: „Sodann wird die Kommission entweder 
für die Generalübernahme des Baues oder für die Vergebung 
der einzelnen Aibeitskategorien eine öffentliche Submission mit 
den kontraktlichen Bestimmungen, welche für die Baukontrakte 
der Hamburgischen Behörden üblich sind, und im übrigen aut 
Grund der von dem Verfasser auszuarbeitenden Submissions- 
Bedingungen ausschreiben.“ — Dass es unter den Hamburger 
Architekten fast allgemein Sitte sei, auch als Unternehmer aut- 
zutreten, müssen wir nach unser er Kenntniss der dortigen Ver¬ 
hältnisse übrigens in Abrede stellen. ..... 

Der Verfasser des im „Zentralbl. 4 enthaltenen, im ubugen 
durchaus anerkennenden Besprechung ist zu seiner Auffassung 
offenbar dadurch gelangt, dass er die Uebertragung der Aus¬ 
führung an den Verfasser des siegreichen Projekts, von der in 
den Konkurrenz-Bedingungen die Rede ist, für gleichbedeutend 
mit derUebernahme der Bauarbeiten durch ihn erachtet hat, wahrend 
doch nach dem allgemein eingebürgerten Sprachgebrauch, der u. a. 
den leitenden Architekten den „ausführenden Baumeister eines 
Gebäudes“ nennt, mit jenem Ausdruck nichts weiter als die 
Uebertragung der Bauleitung bezeichnet weiden sollte. Ein 
Missverständniss, dem vor einigen Jahren bekanntlich auch die 
Denkschrift der „Vereinigung zur Vertretung baukunstlerischer 
Interessen“ verfallen ist und das damals zu den hettigsten Ver¬ 
dächtigungen der Verfasser führte. „ ... , . 

Wie wir meinen, löst das von den Hamburger Behörden ein¬ 
geschlagene Verfahren in sehr dankenswerther Weise die Auf¬ 
gabe, welche seinerzeit den Erfindern und Befürwortern der sogen, 
„architektonischen Submission“ vorschwebtezu verbürgen, dass 
aus der Konkurrenz unter allen Umständen eine auf realer Grund¬ 
lage fufsende ernste Arbeit hervor gehe, welche spatere Verlegen¬ 
heiten in Betreff der Baukosten ausschliefst. Wenn man bedenkt 
wie sehr solche Verlegenheiten, über welche viele Architekten 
leider nur gar zu leichtherzig sich hinweg setzen, dem Ansehe 
unseres Berufes beim Volke und dem Vertrauen auf seine An¬ 
gehörigen geschadet haben, kann man den Männern, welche diesen 
Weg ersonnen haben, nicht dankbar genug sein. 

Personal - Nachrichten. 

Preufsen. Ernannt: a) zu Reg.-Baumstrn. die Reg.-Bfür. 

Albert Schräder aus Leiferde bei Braunschweig u. Ludwig 
Sam ans aus Geldern; - b) zu Reg.-Bfhrn : die Kand. d. Bau 
kunst Wilh. Boisserde aus Cleve, Eugen Wechselmann au 
Pless i. Schles. u. Friedr. Thumm aus Berlin. 

Brief- und Fragekasten. 

Hrn. D. K. in Basel. Ein Werk über Eiskeller-Anlagen 
nach amerikanischem System ist uns nicht bekannt. Eme aus 
führungsweise indess, wie die von Ihnen erwähnte, n , 
beschrieben und abgebildet im Jahrg. 1882 des Zentralbl. 
Bauverw., No. 16. 


Kommissionsverlag von Ernst Toeche in Berlin. 


Für die Redaktion verantwortlich ZTo. Fritsch, Berlin;" Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin. 
























No. 13. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG, 


___ 73 

> t Treibhaus-Anljee. — Kloster Ettal in Bayern. — Immer wieder die Oberrealschule. — Mi tth eilungen aus Vereinen- Architekten- 

vmd Ingenieur-\ere ln für Nmderrhein u. Westfalen. — Architekten- u. iDgenieur-Verein zu Hamburg. — Architekten- u. Ingenieur-Verein zu Bremen — Vermischtes- 
DieKenn sehe Mineral-Malerei. - Titulaturen der höheren preufsisehen Staats-Eisenbahn-Beamten. — Eine eigenthümliche Vorkehrung zum Schutze des Eisens gegen 
Kost. — konkurenzen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten Eisens gegen 



Neue Treibhaus-Anlage. 

ür Hrn. Baron von Knoop hierselbst hatte ich im 
letzten Herbst Gelegenheit, ein Treibhaus zunächst für 
Blumenkultur auszuführen, welches in seiner Kon¬ 
struktion einigermaafsen eigenartig und deshalb von 
allgemeinerem Interesse sein dürfte. 



Die gewöhnlichen Treib- oder sogen. Mistbeete leiden bekannt¬ 
lich an demüebel- 
stande, dass sie 
bei Frostwetter 
nicht gelüftet 
werden können, 
weshalb die 
Pflanzen häufig 
an Luftmangel zu 
Grunde gehen. 

Es kam hier 
darauf an, ein mit 
Lüftungen ver¬ 
sehenes Treib¬ 
haus mit ein¬ 
facher, möglichst 
dicht über den 
Pflanzen liegender 
Verglasung zu 
konstruiren, 
dessen Bewirth- 
schaftung von 
innen aus statt¬ 
findet, und welches 
in möglichst kom¬ 
pakter und ökono¬ 
mischer Weise 
die Zwecke des 
Winterbetriebes 
erfüllt. Eine be¬ 
sondere Anforde¬ 
rung bestand noch 
darin, dass für 
verschiedene 
Temperaturen im 
Innern des Hauses 
besondere Abthei¬ 
lungen hergestellt 
werden sollten. 

Die Grandriss- 
lösung dieser Auf¬ 
gabe ergiebt sich ziemlich einfach, indem eine planmäfsige Ver¬ 
zweigung von Gängen a a mit in bequemer Höhe liegenden Beeten 
b h umgeben wird, deren Breite eine Bewirtschaftung von den 
Gängen aus ohne Schwierigkeit gestattet, d d sind Wasserbe¬ 
hälter. Interessanter ist die Anordnung im Durchschnitt, bei 
welcher folgende Anforderungen zu erfüllen sind. 



1) Der Neigungswinkel des Glasdaches ist so zu wählen, 
dass unter gegebenen Verhältnissen ein genügender Ablauf des 
Regenwassers stattfindet; 

_ 2) es müssen dabei die Beete diesem Neigungswinkel in solcher 
Weise folgen, dass das Glasdach möglichst dicht über denselben 
liegt und doch ein ausreichender Kopfraum für das Gärtnerper¬ 
sonal bleibt. 

3) Zum Zweck 
der Herstellung 

verschiedener 
Temperaturen 
müssen verglaste 
Abtheilungswände 
c c eingerichtet 
werden, diejedoch 
dem Durchgänge 
der Sonnenstrah¬ 
len, besonders zur 
Winterszeit nur 
möglichst geringe 
Hindernisse bieten 
sollen. 

4) Die Oekono- 
mie der Heizung 
ist ein Punkt von 
ganz besonderer 
Wichtigkeit. — In 
der Fläche des 
Glasdaches liegt 
zur besseren Ab¬ 
führung des 

Regenwassers 
eine Extra-Rinne, 
die zugleich mit 
einem Steg ver¬ 
bunden ist, von 
dem aus das Reini¬ 
gen der Rinne und 
die Eindeckung 
der Glasflächen 
mit hölzernen 
Läden stattfindet. 

Die Oekonomie 
der Heizung ist 
bei den übrigen 
Vortheilen einer 

kompakten Anlage schon durch den Umstand erreicht, dass das 
Verhältniss der Abkühlungsflächen auf ein sehr geringes Maafs be¬ 
schränkt ist. Die Heizung selbst wird durch Warmwasser-Röhren¬ 
weiche in den Hohlraum unter den Beeten geführt sind, im An¬ 
schluss an die Anlage eines gröfseren Heizungskomplexes bewirkt. 
Bremen, Jan. 1884. G. Runge, Architekt. 


Kloster Ettal in Bayern.* 

er Dom von Ettal ist auf unverdiente Weise mit der im 
Jahre 1803 sequestrirten Benediktiner-Abtei Ettal nahezu der 
Vergessenheit anheim gefallen durch seine isoiirte Lage: es ist 
aber ein Bauwerk, das kunstgeschichtlich eine hervor ragende 
Stellung einnimmt. So wie er sich jetzt darstellt, ist es ein 
imposanter Kuppelbau aus der Bauperiode des Roccoco, reich 
geschmückt mit Marmor- und Stückarbeit, sowie mit werthvollen 
Fresco-Malereien von Knoller und Zeiler; von ersterem ist auch 
das Altarblatt des Hochaltars, die Himmelfahrt Mariä darstellend. 
Gegründet wurde diese Kirche als reiner Zentralbau — als welcher 
er auch heute noch erhalten ist — von Kaiser Ludwig d. Bayern 
im Jahre 1330 und es sind unzweifelhaft aus jener Zeit noch 
die ganze Grundriss-Anordnung, ein Theil der Umfassungen, sowie 
der sog. Kreuzgang, der aber eigentlich die Seitenschiffe bildet. 
Die Kirche wurde als zwölfeckiges Polygon von 24 m Durchmesser 
angelegt, um welches noch der eben genannte Kreuzgang herum 
lief und war versehen mit einem mäfsig grofsen Chor. Ob dieser 
gewaltige Zentralbau ursprünglich eingewölbt war, lässt sich jetzt 
mit Sicherheit nicht mehr sagen: Sighart nimmt an, er sei mit 
flacher Holzdecke versehen gewesen; es lässt sich indessen 
der Nachweis führen, dass die Kirche konstruktiv jedenfalls 
für ein grofses Gewölbe gebaut war und es ist bei der sehr 
langen Bauzeit (eingeweiht wurde sie erst 1373) sehr wahr¬ 
scheinlich, dass die Einwölbung auch wirklich ausgeführt war. 
In dieser Bau-Anlage war die Kirche ein Unikum in Deutschland; 
denn aus der gothischen Zeit besteht als Kuppelbau nur noch 
die Karis-Hofkirche in Prag, die in etwas kleinerer Dimension 
um ungefähr 30 Jahre später gegründet worden ist. Erhöht und 
theilweise erneuert wurde die Kirche im letzten Jahrzehnt des 

* Nach einem Vortrage des Hrn. Ob.-Ing. F. Seidel in München, gehalten 
im dort. Arch.- u. Ing.-Verein. — Wir entnehmen die vorstehenden Mittheilungen 
über die den Besuchern des Ammergaues wohl bekannte, aber kunstwissenschaftlich 
bisher noch wenig gewürdigte Bau-Anlage der Münchener „Allgem. Ztg.“ 


15. Jahrhunderts, bei welcher Gelegenheit sie eine schlanke Mittel¬ 
säule, neue Gewölbe und eine neue Triforien-Anlage erhielt: 
der Bau muss in dieser, noch der gothischen Periode angehörenden 
neuen Veränderung von einer nicht gewöhnlichen Eleganz gewesen 
sein. Skizzen der mit Hülfe der urkundlichen Nachrichten rekon- 
struirten Innen-Ansichten für diese beiden Bauperioden erläutern 
den damaligen Zustand. Ein restaurationslustiger Abt modernisirte 
diesen vorzüglich schönen gothischen Bau in der Mitte des 
17. Jahrhunderts, selbstverständlich im Stile seiner Zeit, wie aus 
den vorhandenen Nachrichten zu schliefsen ist, jedoch ohne den 
eigentlichen baulichen Bestand zu alteriren: es war dieses Mo- 
dernisiren wohl zum meisten ein Aufsetzen von Gipsarbeit auf 
den Sandstein, aus welchem der Dom erbaut ist. Im Jahre 1710 
wurde das ganze Kloster neu gebaut, und die Kirche umgebaut. 
Die Nachrichten über diese Arbeiten sind aber so aufserordentlich 
spärlich, dass darüber nur Vermuthungen geäufsert werden können: 
wahrscheinlich ist, dass die jetzige Fa^ade des Domes, dessen 
Kuppelbau von zwei Flügeln umgeben ist, an deren Enden zwei 
Thürme stehen, aus dieser Zeit stammt. Im Jahre 1744 wurde 
das Kloster durch eine Feuersbrunst zum gröfsten Theil zerstört, 
und auch die Kirche brannte ab. Dem nachfolgenden Neubau 
gehört die jetzige prachtvolle Kuppel an. Der eigentliche Kern 
des Baues, das Zwölfeck, ist aber noch immer die erste Anlage 
Kaiser Ludwigs des Bayern. Dass urkundliche Nachrichten sehr 
spärlich sind, begreift sich leicht, da mit dem oben genannten 
Brande auch die Klosterbibliothek ein Raub der Flammen wurde. 
Das Jahr 1803 brachte auch dieser Benediktiner-Abtei die Se¬ 
questration — die Klostergebäude gelangten in Privatbesitz, der 
Dom aber und die äufserst elegant durchgeführte und deshalb 
nicht minder sehenswerthe Sakristei wurden vom Staate erhalten; 
es ist deshalb auch deren fernerer Bestand, der im Interesse der 
Kunst nothwendig ist, gesichert — und es steht nicht zu fürchten, 
dass der Dom etwa einmal einem Restaurationshelden in die Hände 
fällt, wie dies schon so vielen anderen Gebäuden widerfahren ist. 






























































































































































































































13. Februar 1884 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 
Immer wieder die Oberreaischule. 


Aus den hoch erfreulichen, im Abgeordnetenhause ausge¬ 
sprochenen Worten des Hm. Ministers der öffentlichen Arbeiten: 
dass es ihm bei Besetzung der Stellen in der Eisenbahn-Verwaltung 
lediglich darauf ankomme, was der Mann ist und leistet, nicht 
darauf, woher er seine Kenntnisse bekommen hat, sowie aus dem 
Umstande, dass die Gleichstellung der administrativen und tech¬ 
nischen Beamten hinsichtlich der Anziennetäts-Berechnung sich 
endlich anzubahnen scheint, hat Hr. Professor Dietrich Anlass 
genommen, in No. 11 dies. Ztg. eine Lanze einzulegen für die 
Beibehaltung der sogen. Oberrealschule (früheren neunklassigen 
Gewerbeschule) als Vorbildungs-Anstalt für die technische Hoch¬ 
schule. Dieser vereinzelten Stimme, welcher die fast einmüthige 
Ueberzeugung der gesammten Fachgenossenschaft gegenüber steht, 
mit einigen Worten entgegen zu treten, erscheint um so mehr 
nothwendig, als die Bedeutung und Verbreitung der Deutschen 
Bauzeitung, deren Redaktion selbst ihren der neuen Schulform 
günstigen Standpunkt inzwischen erheblich modifizirt hat, nach 
aufsen hin eiuer irrigen Auffassung über die Stellung der Bau¬ 
techniker in dieser leidigen Frage Vorschub leisten könnte. 

Auch wenn die völlige Gleichstellung der Techniker mit den 
Juristen, Dank dem thatkräftigen Eingreifen des Hrn. Ministers 
Maybach, in Zukunft zur Wirklichkeit geworden sein sollte, wird 
das dringende Verlangen der Techniker unverändert bestehen 
bleiben: dass man den Nachwuchs des Fachs aus solchen Schulen 
entnehmen möge, deren Abiturienten sich einer freien Berufswahl 
erfreuen, aus solchen Schulen, welche nach den allgemein herr¬ 
schenden Anschauungen der Zeit eine vollgültige Menschenbildung 
verleihen. 

Alle Verbesserungen in der Ausbildung, in der theoretischen 
und praktischen Schulung der Techniker vermögen, wie die 
Akademie des Bauwesens richtig sagt, nicht zur vollen Wirkung 
zu gelangen, so lange ein sehr grofser Theil der Studirenden 
gebildet wird aus den Absolventen der Ober-Realschulen, die in 
der Wahl ihres Berufs unfrei sind, die, wenn sie überhaupt ein 
Studium ergreifen wollen, ins Baufach treten müssen, ohne Rück¬ 
sicht auf Talent und Neigung. Denn von Beidem konnte noch 
keine Rede sein, als der Knabe aus irgend welchen Gründen im 
Alter von 9 Jahren in die Sexta geschickt wurde; und nur sehr 
ausnahmsweise sind nach den bei den Gewerbeschulen und Real¬ 
schulen gemachten Erfahrungen besondere Talente und Neigungen 
die Veranlassung, dass ein Knabe in späteren Jahren von einer 
humanistischen Anstalt auf die Gewerbeschule übergeführt wird. 
Leider ist im Gegen theil der Grund einer solchen Verpflanzung 
oft genug in dem Mangel an geistiger Befähigung, nicht in 
dem Hervorstechen einer besonderen Art derselben, zu suchen. 

Wir müssen wünschen, dass die Jugend unseres Faches aus 
solchen Vorbildungsschulen hervor gehe, welche anerkannt sind 
als vollgültige Quellen menschlicher Bildung. Wir halten es für 
einen Fehler, dass man den Techniker, der ohnehin in seinem 
fachlichen Wirken und in seiner persönlichen Stellung zumeist 
einen starken Kampf mit Vorurtheilen, mit veralteten und ein¬ 
seitigen Institutionen aller Art zu kämpfen hat, aufserdem noch 
nöthige, die Basis seiner Geistesbildung gegen die allgemein 
herrschenden und maafsgebenden Anschauungen zu vertheidigen! 
Und welche Sicherheit des Erfolges vermöchte man ihm bei dieser 
Vertheidigung in Aussicht zu stellen? DieAnderen, mit welchen er zu 
verkehren genöthigt ist, denen er sich gern gleichstellen möchte, er¬ 
kennen seine Lücken sofort, lassen aber keineswegs gelten, dass er 
diese Lücken durch anderweitiges Wissen schadlos auszufüllen ver¬ 
möge. In den Augen der Andern ist und bleibt er — wenn in allen 
anderen Beziehungen Gleichheit voraus gesetzt wird — wegen der 
Art seiner Schulbildung der Tieferstehende. Diese Anderen sind 
aber die herrschenden Geister, die maafsgebenden Glieder und 
Leiter der Gesellschaft; zu ihnen gehört die Staats¬ 
regierung selbst. 


Wenn dem Bautenminister die Oberrealschule ausreichend 
erscheint zur Vorbildung seiner Beamten, wenn dagegen alle 
anderen Verwaltungsressorts (und nicht minder die Universitäten) 
sich entschieden gegen den Eintritt ausschliefslich realistisch vor¬ 
gebildeter Elemente verwahren, so bildet in der That die Staats¬ 
regierung selber — und speziell die Unterrichts-Verwaltung 
einen Theil jener grofsen Mehrheit, welche die Gewerbeschul- 
Bildung als etwas Untergeordnetes und Halbes betrachtet. Die 
Staatsregierung selber huldigt, wie kaum auders zu erwarten, den 
in der menschlichen Gesellschaft in Hinsicht auf allgemeine Bil¬ 
dung herrschenden Anschauungen, gegen welche der arme, ohne¬ 
hin sich zurück gesetzt fühlende Techniker allein ankämpfen soll 1 
Nein, so sorgt man nicht für die Zukunft des Faches! Dass 
die neunklassige Gewerbeschule sachlich die zukünftigen jungen 
Techniker besser vorbereitet, ist ein nebensächlicher Gewinn gegen¬ 
über den tiefen Schäden der Einseitigkeit, um so mehr als das 
Hochschulstudium dennoch sich dem Gymnasiasten ebensowohl 
anpassen muss, als dem Gewerbeschüler. Welchem anderen Stande 
aber fällt es ein, für seine F ach Studien schon das Gymnasium oder 
Realgymnasium in Anspruch nehmen zu wollen und solche Disziplinen 
für entbehrlich zu erklären, die keine unmittelbare fachliche Verwer- 
thung finden? Denn dem Arzt z.B. helfen geographische und weltge¬ 
schichtliche Kenntnisse bei einer schwierigen Operation ebenso wenig 
wie dem Ingenieur die Oden desHoraz beim Konstruiren einer Brücke 
aber deshalb hat doch noch kein Arzt auf jenes zur allgemein mensch¬ 
lichen Bildung gehörige Wissen verzichten wollen. Und den Theo¬ 
logen und Philologen hat man mit Recht Vorwürfe gemacht, wenn 
sie den Gymnasial-Unterricht die Richtung ihres Faches aufprägen 

Sollte die Zeit kommen, wo nach den maafsgebenden An¬ 
schauungen der Zeit gewisse Theile des Wissens auch in ihren 
Elementen für den gebildeten Mann als entbehrlich gelten, sollte 
unser öffentliches Leben, sollten die Gestalten, unter welchen 
unser ganzes Geistesleben sich ausdrückt, die Kenntniss des 
Alterthums, die Bekanntschaft mit alten Sprachen oder andere 
Bildungsmittel über Bord werfen, so haben wir Techniker als 
solche ebenso wenig, wie andere Berufsstände Grund zur Oppo** 
sition. Dagegen aber, dass wir Techniker allein zum Versuchs¬ 
felde dienen sollten für eine einseitige, fast allgemein als minder- 
werthig betrachtete Richtung der Schulbildung, gegen eine solche, 
dem technischen Fach trotz dessen fast einmüthiger Gegenwehr 
aagethanene Unbill sollten sich nach der Meinung des Unterzeich¬ 
neten sowohl Beamte als Nichtbeamte und insbesondere auch 
diejenigen wenden, welche grundsätzlich einer Beseitigung ein¬ 
zelner Lehrstoffe aus dem Gymnasial-Unterricht zugethan sind. 

Hoffentlich wird der Hr. Minister Maybach, dessen organisa¬ 
torische Maafsregeln in vielen Beziehungen den Dank der Fach- 
genossensckaft verdient haben, auch in dem Punkte, der wichtiger 
ist als alle Diäten-, Rang- und Anziennetätsfragen, im Punkte 
der Vorbildung, die Empfindungen der Techniker würdigen und 
die Mittel ergreifen zu baldiger Abhülfe. Alte und Junge würden 
einer solchen Wendung froh entgegen jubeln. 

Köln, den 8. Februar 1884. J. Stübben. 

Nachschrift der Redaktion. Wir haben dem vorstehen¬ 
den Artikel gern Aufnahme gewährt, um in jener die technischen 
Kreise noch immer bewegenden Frage, nach einer Aeufserung in 
der einen Richtung auch einer entgegen gesetzten Anschauung 
das Wort zu geben. Wir sind jedoch nicht der Ansicht, dass es 
zweckmäfsig sei, die Frage gegenwärtig aufs neue aufzurollen und 
bitten daher von weiteren Zuschriften an uns in dieser Angelegen¬ 
heit Abstand zu nehmen. Unseren eigenen Standpunkt zu der¬ 
selben zu entwickeln, haben wir gelegentlich der bezgl. Verhand¬ 
lungen des Abgeordnetenhauses in den letzten paar Jahren wieder¬ 
holt Veranlassung genommen. 


Mittheilungen aus Vereinen. 


Architekten- und Ingenieur-Verein für Niederrhein und 

Westfalen. ^ . T 

Zwei Versammlungen des Vereins im Dezember v. J. waren 
zum gröfsten Theile einem Vortrage des Hrn. Stübben über: 

Technisches Unterrichtswesen 

gewidmet. Wir vermögen bei der umfangreichen Behandlung, 
die der Hr. Vortragende seinem Thema angedeihen hels, aut die 
Ausführungen desselben nur so weit einzugehen, als wir blos 
einzelne wenige Punkte heraus heben, durch die der Stand¬ 
punkt des Redners gekennzeichnet wird. . 

Hr. Stübben weist im Eingang seines Vortrags aut die 
relative Theilnabmlosigkeit, welche das niedere und mittlere tech¬ 
nische Unterrichtswesen bisher bei den Fachgenossen finde; es 
entspreche das durchaus dem geringen Interesse, welches unser 
Stand leider allen denjenigen öffentlichen Fragen gegenüber zu 
bethätigen pflege, die nicht unmittelbar seine Existenz-Bedingungen 
berühren. Um so mehr sei zu wünschen, dass jenes Interesse 
sich hebe, als die rückschrittlichen Bestrebungen auf dem Gebiete 
des gewerblichen Lebens bedenklich zu werden anfangen und als 
das Steigen der Leistungsfähigkeit eines Gewerbes unmittelbar 
abhängig sei der von Frage, ob die jüngeren Elemente einen 


höheren Gipfel technischer Entwickelung erklimmen, als die ältern 
ihrer Zeit erklommen haben. — 

Eine am häufigsten vernommene Klage der Gewerbtreibenden 
gehe dahin, dass wir zu viel „Offiziere“, zu wenig „Unteroffiziere 
im Gewerbe hätten; namentlich aber litten wir an einer üeber- 
produktion solcher Individuen, die zur Rolle des Unteroffiziers 
— Werkmeisters — zu vornehm, zu der des Offiziers - des 
leitenden Technikers — zu wenig durchgebildet seien. Anderweitig 
höre man klagen über den Mangel an gründlich ausgebildeten 
Mannschaften“ — Gesellen — wie ferner an lernbegierigen und 

'H“ e dl“Sn'ab 2 uMfen. wiU Hr. Stübben den niederen 
und mittleren technischen Unterricht gegliedert wissen in Schulung 
durch theoretischen Unterricht der Lehrlinge (Fortbildungsschule^ 
Zeichenschule etc.) und Schulung durch Lehrwerkstätten bei 
Solchen, für deren praktische Ausbildung nicht anderweitig m 
ausreichender Weise gesorgt ist. Verbunden seien die theoretische 
und praktische Unterweisung in der eigentlichen Lehrlings- 
Fachschule, welche in regelmäßigem Wechsel (ier Stunden 
die Schüler sowohl in die Theorie als in die Praxis des Gewerbes 

einführt. Heraozie j iung von Meistern sollen Meisterschulen be- 



















No. 13. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


75 


stehen, die jedoch nicht als eine höher entwickeltere Stufe der 
Lchrlingsfachschulen zu denken sind, sondern als neben jenen 
stehende gewerbliche Bildungsanstalten. Sie soll in der Regel 
von der Unterweisung in den praktischen Dingen des Gewerbes 
Abstand nehmen, weil der Besitz praktischer Kenntnisse unbe¬ 
dingt voraus gesetzt wird. Die Aufnahme von Schülern mit 
einer gehobenen allgemeinen Bildung, aber ohne den Besitz 
einer praktischen Ausbildung, führe der Schule Elemente zu, die 
demnächst weder zu den Offizieren, noch zu den Unteroffizieren, 
noch zu den Mannschaften des Faches rechnen; sie befinden sich 
in schwieriger Lebenslage und in der steten Gefahr zur Ver¬ 
mehrung der grofsen Klasse von „Unzufriedenen“ beizutragen. Leider 
halten nicht alle Meisterschulen — zu denen u. a. auch die 
Baugewerkschulen rechnen — an dem Nachweis praktischer Aus¬ 
bildung fest; doch können die Leiter solcher Schulen mit Recht 
sich darüber beklagen, dass die Architekten und Ingenieure ihnen 
ihre Aufgabe erschweren, indem sie davon absehen, dass 
ihre Biireau- und Bauplatz-Gehülfen neben der Fachschulbildung 
auch die Zurücklegung einer praktischen Lehrzeit nachweisen. 
Hr. Stübben hält es für erspriefslich, diejenigen Staatsbehöiden, 
welche Absolventen der Meister schulen als Beamte aufnehmen, 
anzugehen, dass sie neben dem Fachschul-Zeugniss auch 
den Nachweis einer praktischen Lehrzeit verlangen. 

Die staatlichen Mittel für das niedere technische Unterrichts¬ 
wesen müssen bedeutend erhöht werden; Hr. Stübben berührt 
indessen einen anderen zur Förderung der Sache höchst wesent¬ 
lichen Punkt, indem er auf das sogen. „Berechtigungswesen“ der 
Schulen eingeht. Wir lassen die bezügl. Stelle des Vortrags im 
Wortlaute folgen: 

„Die sehr grofse Zahl derjenigen jungen Leute, welche die 
Unterklassen des Gymnasiums oder Realgymnasiums füllen und 
das „Einjährige“ ersitzen, also mit einer abgebrochenen Stück¬ 
bildung, welche absolut ungeeignet ist für das praktische, insbe¬ 
sondere das gewerbliche Leben, in die Welt treten, zu eitel für 
die Erlernung eines Handwerks und zu zahlreich für den Bedarf 
im Handelsstande oder im Subaltern-Beamtenstande, muss scbliefs- 
lich auch den Leitern unserer Nation die Erwägung nahe legen, 
ob nicht durch intensivere Pflege des gewerblichen Unterrichts 
in allen seinen Verzweigungen diesem Krebsiibei unseres Volks 
entgegen getreten werden kann. Leider darf man nicht ver¬ 
schweigen , dass die zu Recht bestehenden Bestimmungen über 
die Einjährig-Freiwilligen-Berechtigung die Hauptschuld an dem 
Uebel tragen; diese Bestimmungen verlocken den Handwerker, 
seinen Sohn auf der Schulbank sitzen zu lassen, während er 
schon am Schraubstock stehen sollte und sie bringen es mit sich, 
dass Tausende von jungen Kräften, welche im Gewerbe den 
goldenen Boden finden würden, in untergeordneten Beamten¬ 
stellungen , als Handlungsgehülfen und dergl., wohin sie der 
Schein führte, dass sie dort den „Herrn“ spielen könnten, darben 
und von der sozialen Umwälzung träumen. — Könnte man in irgend 
einer Form den sich auszeichnenden Absolventen der gewerb¬ 
lichen Fachschulen die Einjährigen-Berechtigung — die Offizier- 
Berechtigung wäre nicht nothwendig — zuwenden und zwar nicht 
biofs als ein Ausnahme-Geschenk, wie es in der geltenden Reichs- 
Militärverfassung freilich besteht, könnte man die Erzielung der 
Einjährigen - Berechtigung in irgend eine organische Verbindung 
mit dem gewerblichen Unterrichtswesen bringen, so würde man 
die gewerblichen Schulen mit strebsamen Schülern, die Handwerke 
und Gewerbe mit intelligenten jungen Kräften ausrüsten; man 
würde manchem sozialen Jammer abhelfen und eine neue Blüthe 
des Gewerbestandes anbahnen. Und in der That, ist nicht der 
theoretisch und praktisch ausgebildete Werkmeister, ist nicht der 
intelligente Bildhauer oder Maschinenbauer oder Zimmerpolier 
oder Goldschmied vielleicht weit mehr im Stunde, in einem Jahre 
den Waffendienst zu erlernen, als der Kommis, welcher mit den 
unregelmäfsigen lateinischen Verben nicht fertig werden konnte 
und nun eine „Lageristen“-Stelle bekleidet? — — 

Zu dem sogen. „ mittleren technischen Schulwesen“ sich 
wendend, berührt Hr. Stübben die mehrfachen Umwandlungen 
der preufsischen Provinzial-Gewerbeschulen und verweilt länger* 
bei dem Produkt der letzten derselben, der an einige der Ober- 
Realschulen angelehnten 8 Massigen Fachschule mit 6 allgemein 
bildenden Unterklassen und 2 fachlichen Oberklassen. Schon die 
Leichtigkeit, mit der die Städte ihre Provinzial-Gewerbeschulen 
fallen liefsen, habe den Beweis geliefert, dass ein eigentliches 
Bedürfniss für mittlere und technische Fachschulen nicht vorlag. 
Als man in den Vorverhandlungen zur letzten Gewerbeschul- 
Reorganisation von dem Bedürfniss nach Ingenieuren zweiter 
Klasse, nach mittleren Technikern etc. sprach, habe man über¬ 
sehen, dass es dazu der Gründung eigener Schulen nicht bedarf. 
In der Technik und in den Gewerben seien die Grenzen zwischen 
den Thätigkeiten» der Individuen nicht so streng gezogen, dass 
man von 1., 2., 8. Klasse als Ziel des Strebens reden könnte. 
Die technischen Hochschulen selbst lieferten schon so viele Tech¬ 
niker mittleren Ranges, dass für deren aparte Erzeugung zu 
sorgen ganz überflüssig sei. Ebenso brächten manche Meister¬ 
schulen ihre Schüler weit genug, dass sie sich durch eigene 
Intelligenz zu einer Stufe zu entwickeln vermöchten, die in Hin¬ 
sicht des „Könnens“ die Hochschul - Absolventen eben erwähnter 
Art tief in den Schatten stellen. Hr. Stübben verweist 
schliefslich auf die bekannte Resolution des „Zentral-Verbandes 
deutscher Industrieller“ vom Jahre 1882, welche ausspricht, dass 
die mittlere technische Schule kein Bedürfniss sei. In dieser 


Allgemeinheit möchte er der Resolution nicht zustimmen, vielmehr 
glauben, dass unter bestimmten örtlichen Verhältnissen die Mittel¬ 
schule ihre Berechtigung habe. Jedenfalls aber sei von einer 
weiteren Vermehrung dieser Schulgattung Abstand zu nehmen. 

Das, was Hr. Stübben im letzten Theile seines Vortrags 
über das höhere technische Schulwesen brachte, lehnt sich zum 
gröfsten Theil eng an das jüngst abgegebene Gutachten der 
„Akademie des Bauwesens“ an; da dieses Gutachten uns jeden¬ 
falls noch anderweitig beschäftigen wird, dürfen wir von einer 
Mittheilung im Rahmen des gegenwärtigen Referates Abstand 
nehmen. — _ 

Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hamburg. Ver¬ 
sammlung am 23. Januar 1884. Vorsitzender Hr. PI all er; an¬ 
wesend 46 Personen. 

Aufgenommen in den Verein sind die Hrn. D. E. Schuback 
und W. H. Forst. — 

Nachdem der Beschluss gefasst worden, für die Aufnahmen 
in den Verein Anmeldungsformulare einzuführen, in welchen neu 
Eintretende verschiedene Fragen zu beantworten haben, die über 
Person und Beschäftigungsart Aufschluss geben, spricht Hr. 
Bargum über die Frage: 

Schutzvorkehrungen bei der Ausführung von Bauten. 

Redner bezeichnet es als zeitgemäfs, dass der Architekten- 
und Ingenieur-Verein über das in jüngster Zeit mehrfach ge¬ 
stellte Verlangen nach Ergänzung des Hamburger Baupolizei- 
Gesetzes durch Vorschriften zum Schutze der bei Bauausführungen 
beschäftigten Arbeiter und Handwerker, im besonderen nach Erlass 
einer Verordnung, durch welche die Abdeckung der Balkenlagen 
alsbald nach deren Verlegung und jedenfalls vor vollständiger 
Hochführung des Gebäudes vorgeschrieben wird, auch seinerseits 
sich äufsert. — Die Beantwortung der Frage, ob derartige ge¬ 
setzliche Bestimmunngen, und allenfalls welche, durch Bau¬ 
ordnungen zu treffen seien, sei keineswegs leicht. Schon die 
in dieser Beziehung in Deutschland bestehenden Verschieden¬ 
heiten, welche Redner durch zahlreiche Zitate aus den Bau¬ 
ordnungen vorweist, zeigen, wie sehr die Meinungen in diesen 
Punkten auseinander gehen. Während viele Bauordnungen, gleich 
dem Hamburger Gesetze, keine Vorschriften über Schutzvor¬ 
kehrungen im Innern eines Baues enthalten, seien in einer viel¬ 
leicht noch gröfseren Zahl Bestimmungen getroffen, welche zum 
Theil so sehr ins Einzelne gehen, dass dadurch die Bauweise 
bedingt und die Bauausführung eingezwängt und genirt wird, 
Verhältnisse, welche man bisher in Hamburg zu vermeiden ge¬ 
trachtet hat. Man begegne auch der Meinung, dass der § 367, 12 
der Betr.-G.-O.: „Wer an Orten, an welchen Menschen verkehren, 
Oeffnungen dergestalt unverdeckt oder unverwahrt lässt, dass 
daraus Gefahr für Andere entstehen kann, wird bestraft“ u. s. w.) 
auch auf Bauten seine Anwendung finde, dass weitere Bestim¬ 
mungen zum Schutze der Arbeiter nicht nöthig seien. Kurzum, 
es herrsche in der Gesetzgebung weder Einmiithigkeit noch Klar¬ 
heit über die Frage, und es sei daher bei der gegenwärtigen 
Lage der Sache in Hamburg gewiss nützlich, dass der Verein 
sich zu derselben äufsere. Die sich hieran schliefsende Dis¬ 
kussion führte zu dem Beschlüsse, eine Kommission zur Vor- 
berathung zu ernennen; die Wahl soll in nächster Versammlung 
vorgenommen werden. 

Nach Erledigung dieser Frage spricht Hr. Bubendey über 
den Mersey - Tunnel, dessen Durchschlag vor etwa 8 Tagen er¬ 
folgt ist. — _ P. K. 

Architekten-und Ingenieur-Verein zu Bremen. Ver¬ 
sammlung am 12. Januar 1884. Nach einer von Hrn. Bummer¬ 
st edt angeregten, in einer späteren Sitzung fortzusetzenden Be¬ 
sprechung über die event. Einrichtung einer Ausstellung kunst¬ 
gewerblicher Erzeugnisse aus dem Gebiete des Bauwesens legte 
Hr. Th. Eggers einen Theil seiner Reiseskizzen vor, an die 
er entsprechende Mittheilungen anschloss. Dieselben umfassten 
3 Serien nämlich: 1) Aufnahmen aus Palermo (1842/43); 2) Auf¬ 
nahmen aus Athen und dem übrigen Griechenland (1843) und 
3) Aufnahmen aus Pompeji (1843/44). Aus Anlass der kürzlich 
erfolgten Einweihung der Domfa?ade von Florenz besprach Hr. 
Eggers unter Vorlage von Abbildungen und mit Hilfe von Tafel¬ 
skizzen noch die wichtigsten Phasen dieses Bauwerks, an dem 
er die charakteristischen Unterschiede zwischen italienischer und 
deutscher Gothik erläuterte. 

Die Versammlung am 26. Januar wurde von Mittheilungen 
und Verhandlungen über: 

die Eis- und Kaltluft-Maschine auf dem Bremer 
Schlachthofe 

ausgefüllt. Mit Uebergehung desjenigen Theils der Verhandlungen 
der sich auf Differenzen bezog, die zwischen dem Lieferanten 
der Maschine, und der Bauverwaltung über die Leistung der 
Maschine entstanden sind, geben wir nur dasjenige wieder, was 
bezüglich der genannten Anlage auf ein allgemeineres Interesse 
rechnen kann. 

Diesbezüglich theilte Hr. Flügel mit, dass man bei der Projek- 
tirung des Schlachthauses, die ursprüngliche Idee, die Konser- 
virung des Fleisches durch über den Kühlräumen lagernde Eis¬ 
massen zu bewirken, in Anbetracht der Kostspieligkeit und der 
schlechten Erfolge, welche derartige Anlagen anderweitig ergeben 
hätten, bald verlassen habe und der Idee einer Luftkühlung 
mittels Kältemaschine näher getreten sei. Von der Luftexpansions- 
Maschine (Windhausen, Belle - Colemann) wurde von vorn herein 












76 


13. Februar 1884 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


abgesehen, nicht nur wegen der hohen Betriebskosten, sondern 
auch im Hinblick auf die Nebel- und Schneebddungen in den zu 
kühlenden Räumen, welche bei fraglichen Maschinen nicht zu 
vermeiden sind. Die niedrige Verdampfung - Temperatur des 
wasserfreien Ammoniaks (ca. — 41 0 C.) und die bedeutende Ver¬ 
dampfungs-Wärme desselben musste eine Ammoniak-Maschine am 
vortheilhaftesten erscheinen lassen. , ,. 

Unter den sich bietenden beiden „Systemen , der Absorptions¬ 
und der Kompressions - Maschine musste letzterem (nach 
System Osenbrück) der Vorzug gegeben werden, insbesondere 
wegen der in dem bezügl. Projekt aufserordentlich rationell durch¬ 
gearbeiteten Kühlanlage. . , . A Tr nrn 

Der Unterschied zwischen Absorptionsmaschme und Kom¬ 
pressions-Maschine besteht darin, dass an Stelle des Destillir- 
kessels mit Zubehör eine Ammoniak -Kompressio ns -P umpe 
tritt. Die grofsen Vortheile der letzteren sind eine weit ein¬ 
fachere Bedienung, eine gröfsere Betriebssicherheit und ein 
erheblich geringerer Kohlenverbrauch. Denn während der stetig 
zu widerholende Destillationsprozess einen bedeutenden Aufwand 


an Wärme resp. Dampf erfordert, gebraucht der Kompressor 
einen verhältnissmäfsig geringeren Dampfaufwand für den Betrieb. 
Dass die Osenbrück’sehen Ammoniak-Kompressions-Maschine mit 
deren neuesten Verbesserungen und ebenso die auf dem Schlacht¬ 
hofe ausgeführte Kühlanlage bislang unübertroffen sind, steht 
aufser Zweifel. Der neue Klareis-Apparat ist in doppelter 
Beziehung ein pekuniärer Gewinn : 1. weil er den Gefrierprozess 
befördert, also die Eisproduktion vermehrt und 2., weil er nur 
etwa den achten Theil der Betriebskraft des früheren Apparates 
erfordert, also den Kohlenkonsum verringert. 

Wenn in Gähr- und Kühlkellern von Brauereien die Kühlung 
zweifelsohne sehr vortheilhaft mittels Rohrleitungen, dnreh welche 
die Gefrierflüssigkeit geführt wird, bewirkt werden kann, muss 
für ein Fleischkühlhaus die hierorts zur Ausführung gebrachte 
Methode der Luftkühlung entschieden als die allein richtige be¬ 
zeichnet werden. Die Kompressions-Maschine nach Osenbrück’schem 
System wird von der Maschinenfabrik „Germania“ in Chemnitz 
gebaut, welche bereits eine Anzahl von Exemplaren fertig ge¬ 
stellt hat. 


Yermiselites. 

Die Keim’sche Mineral-Malerei. Vor 2 Jahren erregte 
die Mittheilung eines neuen, von dem Chemiker A. Keim in 
München erfundenen Verfahrens zur Herstellung wetterbeständiger 
Wandmalereien das durch ein sehr günstiges Gutachten der 
dortigen Kgl. Akademie der Künste (abgedruckt a. b. o79, 
Jhrg. 82 u. Bl.) eingeführt wurde, berechtigtes Aufsehen. Eine 
Anzahl der angesehensten Künstler Münchens hat sich veranlasst 
gefühlt, neuerdings ein abermaliges Gutachten über die bezgl. 
Technik abzugeben, in welchem sie, auf die seit 2 Jahren in der 
praktischen Anwendung derselben gewonnenen Erfahrungen ge¬ 
stützt, es bestätigen, dass dieses Verfahren an Beständigkeit und 
Wetterfestigkeit der nach ihm ausgeführten Bilder jede bisher 
für Monumental - Malerei angewandte Technik weit ubertrifft. 
Gar nicht abzusehen scheint den bezgl. Künstlern die Tragweite 
der Erfindung für die dekorative Architektur und die Dekorations- 
Malerei, ja selbst für den gewöhnlichen Anstrich, und sie richten 
deshalb an alle Bauherren, insbesondere an den Staat, die 
dringende Aufforderung , sich des Keim’sehen Verfahrens in 
weitester Ausdehnung bedienen zu wollen. Gleichzeitig regen 
dieselben an, dass die Mineral - Malerei in den Lehrplan der 
Akademie der bildenden Künste aufgenommen werden möge und 
empfehlen weiterhin den von Hrn. Keim gemachten Vorschlag, 
dass an dieser Anstalt eine Versuchsstation zur technischen 
Prüfung der jeweilig üblichen Farben und Malmittel, unter deren 
meist unkontrolirbarer Qualität Kunstwerke und Künstler vielfach 
schwer zu leiden haben, errichtet werden möge. — ln bud- 
deutschland scheint das in Rede stehende Verfahren schon weite 
Verbreitung gefunden zu haben: einer der Unterzeichner jenes 
Gutachtens, der Maler Claudius Schraudolph, z. Z. Direktor der 
Kunstschule zu Stuttgart, theilt sogar mit, dass er sich desselben 
seit 2 Jahren fast ausschliefslich bedient habe. In Norddeutsch¬ 
land, wo mittlerweile die Malerei mit Casein-Farben stark m Auf¬ 
nahme gekommen ist, hat, wie es scheint, die Mineral-Malerei 
noch weniger Boden gewonnen. Die Vorzüge derselben sind aber 
offenbar so grofs, als dass nicht auch hier bald Versuche mit 
ihr angestellt werden sollten. 

Titulaturen der höheren preufsischen Staats-Eisen- 
bahn-Beamten. Auf den bezgl. Artikel in No. 10 Bezug nehmend, 
erlaube ich mir einen anderen Vorschlag für die neu zu schaffenden 
Titulaturen zu machen. , . 

Die Staatseisenbahn-Verwaltung hat Eisenbahn - Direktionen 
mit mehren Abtheilungen und Eisenbahn-Betriebs-Aemter. Von 
der letzteren Bezeichnung wäre zunächst das „Betriebs- zu be¬ 
seitigen; dies Wort ist ganz überflüssig; Eisenbahn-Amt erscheint 
ganz genügend; wir sagen auch nicht Telegraphen-Betriebsamt, 

Post-Betriebsamt etc. n . , 

Heifsen die beiden Behörden also Eisenbahn - Direktion und 
Eisenbahn-Amt, so würden die Titel unter Anwendung der Zahlen 
und Buchstaben in dem erwähnten Aufsatz folgendermaalsen lauten 
können: . . 

I. Eisenbahn - Direktion, 
b. Vorgeschlagene Titel. 

1. Eisenbahn - Direktions-Präsident; 

2. a u. ß. Ober-Eisenbahn-Direktions-Rath 

3. Eisenbahn-Direktions-Rath; 

( Eisenbahn-Assessor; 

4. J „ Baumeister; 

„ Maschinenmeister. 

II. Eisenbahnamt. 

1. Eisenbahn-Amts-Direktor; 

2. Eisenbahn-Amts-Räthe; 

3. wie ad I, 4. , 

Bei diesen Titulaturen fehlt wenigstens das schreckliche Wort 
„Betriebsrath“ und der „Maschinenrath“. Die Titulatur der Räthe 
enthält im Titel selbst nicht die Angabe, ob der Betreffende 
administrativer, bau- oder maschinentechnischer Beamter ist. Diese 
Unterscheidung halte ich aber für unnöthigj immerhin kann 
dieselbe bei der Ernennung zum Ausdruck kommen, indem die 


Betreffenden zu administrativen, bautechnischen oder maschinen¬ 
technischen Eisenbahn-Direktions-Räthen, bezw. Eisenbahn-Amts- 
Räthen berufen werden. W. 

Eine eigenthümliche Vorkehrung zum Schutze des 
Eisens gegen Rost, auf welche in Oestreich-Ungarn ein Patent 
ertheilt worden ist, wird in der N. Fr. Pr. mitgetheilt. Die Vor¬ 
kehrung ist zunächst nur bestimmt, am Aeufseren eiserner See¬ 
schiffe verwendet zu werden und soll hier den doppelten Zweck 
erfüllen, sowohl das Eisen vor Korrodirung zu schützen, als auch 
den die Fahrgeschwindigkeit der Seeschiffe so stark verzögernden 
Ansatz von Muscheln, Algen etc. zu verhindern. 

Der (in unserer Quelle ungenannte) Erfinder geht von der 
Thatsache aus, dass der Zerstörung des Eisens vorgebeugt ist, 
wenn es gelingt, dasselbe von der Berührung mit Luft und Wasser 
abzuschliefsen und hinsichtlich der Bildung von Anwuchs von der 
andern, dass je glatter die Aufsenfläche der Schiffe, je weniger 
leicht Anwuchs entstehe. Er schlägt dem entsprechend vor die 
Schiffshaut mit einem Belag von glasirten Thonplatten zu 
versehen, welche in der Gröfse von etwa 0,6 zu 0,6 m hergestellt 
und auf der Unterseite vortretende Rippen haben, die Befestigung 
der Platten soll dadurch geschehen, dass die in den Hohlräumen 
zwischen den Rippen befindliche Luft stark verdünnt wird (bis zu 
80 Proz. der normalen Dichte). Den stattfindenden Bewegungen 
der Schiffshaut will der Erfinder dadurch Rechnung tragen, dass 
zwischen je zwei Nachbarplatten Fugen von etwa 1 cm Weite be¬ 
lassen werden, die mit Miniumkitt zu füllen sind. Das Auswechseln 
einzelner Platten, soll mit Hülfe einer Schraube geschehen, welche 
die leichte Abhebung jeder Platte ermöglicht. 

Abgesehen von der sich aufdrängenden Frage, ob die Kitt¬ 
stege in den Fugen geeignet sind, ihren Zweck als elastisches 
Füllmittel zu erfüllen, ohne dass sie der Aufsenluft Zutritt zu den 
Hohlräumen zwischen der Schiffshaut und dem Plattenbelag ver- 
statten, muss zugegeben werden, dass das vorgescblagene Mittel 
auf theoretisch richtigen Auffassungen beruht. 1 Dass es sich 
in der Praxis gerade bei Schiffen bewähren könnte, ist uns 
viel weniger wahrscheinlich als dass man für gewisse andere 
Zwecke, z. B. bei Wasserreservoiren und Behältern, in denen 
Flüssigkeiten zu sammeln sind, welche Eisen angreifen, von dem¬ 
selben mit Vortheil Gebrauch zu machen wäre. 

Konkurrenzen. 

Eine aufserordentliche Monatskonkurrenz des Archi¬ 
tekten-Vereins zu Berlin zu einem villenartigen Wohngebäude 
in Bielefeld ist zum Schlusstermin des 10. März d. J. ausge¬ 
schrieben. Der Bauherr, Hr. M. Katzenstein zu Bielefeld hat dem 
Verein zur Prämiirung der besten Entwürfe die Summe von 500 Ji 
zur Verfügung gestellt, welche in 1 oder 2 Preisen zur Vertheilung 
gelangen soll. __ 

Personal - NachricMen. 

Preufsen. Ernannt: a) zu Regierungs-Baumeistern: die 
Reg-Bfhr Paul Winter aus Altkloster bei Buxtehude, Heinr. 
Krings aus Köln u. Joh. Behrndt aus Völschow bei Jarmen; 

_b) Z u Reg.-Bauführern: die Kand. d. Baukunst Conrad Theissig 

aus Münster, Paul Ameke aus Menden i. Westf., Gustav Wiese- 
bäum aus Breslau u. Gottwaldt Schinzel aus Rudolstadt i. ihur. 

Brief- und Fragekasten. 

Hrn. X. in S. Der Minister der öffentl. Arbeiten hat im 
vergangenen Jahre einen Antrag, den in staatlichen Diensten 
beschäftigten Feldmessern die Führung des Titels „Regierungs- 
Feldmesser“ zu erlauben, abgelehnt. Doch soll in früherer Zeit 
von der einen oder anderen Provinzial - Regierung den in 
ihrem Bezirke beschäftigten Feldmessern jene Erlaubnis ertheilt 

worden sein. — , „ , „ ^_„ 

Hrn. C. S. in Wiesbaden. Die betreffende Berliner Firma, 
von welcher die Gas erzeugenden Lampen fabnzirt werden, durfte 
die von L. Runge, Berlin C., Alexanderstr. 8 sein. 


leseine nei aer r^rueunuut; /.um _____—-—---—— —, . Prrlin 

E».t Toeche ln Be rli „. Kür <He Region verantwortU,: K. E. O. Fritsch, BerHn. DmC W. Moese, Ho^chd-u.^e,, BerUn. 



























No. 14. 


77 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


Inhalt: Neuere Ausstellungshallen: I. Die Bauten der Schweizerischen Landes- I — Archit.-Ver. zu Berlin. — Vermischtes: Die württembergischen Bahnmeister 
Ausstellung zu Zürich, 1883. — Aus den Verhandlungen des preufsischen Abgeord- — Projekt einer Dampfstrafsenbahn von Salzburg nach Berchtesgaden. — Verblend- 
netenhauses. — Die Ruinen von Baalbeck und Palmyra. — Wasserversorgung der , und Isolirplatten für WandflAchen. — Kuppel-Deckungen aus Papier. — Aluminium als 
Stadt Giefsen. — Berechnung von Hochwassermengen. — Mittheilungen aus | Dekorationsmittel. — Desinfektions-Mittel für Holzschalungen, Mauern, Estriche etc 
Vereinen: Archit.- u. Ing.-Ver. zu Hannover. — Arehit.- u. Tng.-Vcr. zu Bremen. ; —Konkurrenzen. — Pe rs o n a 1 - N a c h r i c h t en. — B ri e f- u Fragekasten 



Nach einer Photogr. d. Natur. P. M eurer X. A., Berlin. 


Portal in der Hauptfagade der Industriehalle auf der Schweiz. Landes-Ausstellung zu Zürich 1883. 


Neuere Aussteüungsbauten. 

I. Die Bauten der Schweizerischen Landes-Ausstellung zu Zürich, 1883. 

(Hierzu die Abbildungen auf Seite 81.) 



eit dem Bestehen dies. Bl. hat dasselbe dem Aus¬ 
stellungswesen, als einer besonders eigenartigen 
Erscheinung unserer Zeit unausgesetzte Aufmerk¬ 
samkeit gewidmet und es sich angelegen sein 
lassen, über jedes dahin gehörige Unternehmen 
von einiger Bedeutung zu berichten. So weit es sich speziell 
um Ausstellungsbauten handelt, bildet die fortlaufende 
Reihe dieser theils längeren, theils kürzeren Berichte immer¬ 
hin das vollständigste Material, was bisher auf diesem Gebiete 
in der Fachliteratur gesammelt worden ist. Um diese Voll¬ 
ständigkeit auch fernerhin aufrecht zu erhalten, geben wir an 
der Hand und mit Benutzung der sehr eingehenden Publika¬ 
tion, welche die „Schweizerische Bauzeitung“ dem bezgl. 
Unternehmen gewidmet hat,* nachträglich noch in aller Kürze 
einige Mittheilungen über die bauliche Anlage der Landes¬ 
ausstellung, welche die Schweiz, im vorigen Jahre zu Zürich 
veranstaltet hatte. 

Die Züricher Ausstellung, welche ohne die Restaurationen 
und die Festhalle etc. rd. 34 800 ‘i™ bedeckte Ausstehungs- 
fläche aufwies, zählte zu den gröfsten Unternehmungen ihrer 
Art, welche neben den Weltausstellungen stattgefunden haben 
and übertraf an Ausdehnung noch die ein Jahr vorher veran¬ 
staltete Bayerische Landes-Ausstellung zu Nürnberg (33 000 
bedeckte Grundfläche), mit der sie im übrigen, was Gediegen¬ 
heit des Inhalts und Geschick der Anordnungen betrifft, glück¬ 
lich wetteiferte. 

Als ein bisher selten erreichter, nicht hoch genug zu 
schätzender Vorzug derselben ist es anzusehen, dass man ihr 
rinen Platz zur Verfügung stellen konnte, der in reizvollster 
andschaftlicher Umgebung gelegen und mit prächtigem Baum- 
aestand geschmückt, zugleich im Mittelpunkte des städtischen 
Verkehrs sich befand: die vom Bahnhof, der Limmat und der 
rihl begrenzte sogen. Platzspitze und einen Theil des am 
anderen Ufer der Sihl in der Gemeinde Aussersihl belegenen 
sogen. Industrie-Quartiers. Das hier zur Verfügung stehende 
Terrain reichte allerdings noch nicht ganz aus, so dass neben 


* Man vcrgl. Jnlirg. 83, Bd. 1, No. 16, 18, 20 u. 23, sowie Jahrg. 84, No. 1, 3 u. 6: 
,Die Hochbauten der Schweizerischen Landesausstellung iu Zürich 
.883,“ von Architekt Albert Müller in Zürich. 


diesen beiden durch Brücken mit einander verbundenen Plätzen 
noch ein drittes, weitab am Ufer des Züricher Sees, neben 
der „Tonhalle“ gelegenes Terrain für die Errichtung der 
Kunsthalle und einer gröfseren Festhalle heran gezogen werden 
musste — eine Theilung, die den Interessen der Ausstellung 
jedoch eher förderlich als schädlich war. 

Der auf S. 81 mitgetheilte Situationsplan giebt die Anlage 
der beiden Haupttheile der Ausstellung auf der Platzspitze 
und im Industrie - Quartier. Dem beschränkten Terrain mi 
grofsem Geschick angepasst, war die Anordung auf beiden 
Plätzen so getroffen, dass je ein gröfseres zusammen hängendes 
Hauptgebäude — dort die Industriehalle, hier die Maschinen¬ 
halle — hart an der den bebauten Nachbar - Quartieren zuge¬ 
kehrten Grenze desPlatzes errichtet und damit ein möglichst grolser 
zusammen hängender Raum zur Anordnung der Garten- und 
Schmuck-Anlagen, sowie der kleineren Annexbauten gewonnen 
wurde. Als die Hauptfagaden jener gröfseren Gebäude ergaben 
sich demnach von selbst die einander gegenüber liegenden, 
dem Platz zugekehrten Fronten derselben. Ueber die Einzel¬ 
heiten der Anordnung, die Anlage der Eingänge und Ver¬ 
bindungen etc. giebt der Plan selbst genügende Auskunft. — 
Nach einem ähnlichen Prinzip war die Disposition der Gebäude 
auf dem am See gelegenen dritten Ausstelluugsplatze so 
getroffen, dass die Kunsthalle auf der einen seitlichen Grenze 
lag, während die Festhalle ihre breite Front dem See zukehrte. 

Von einer Beschreibung der einzelnen Bauten kann an 
dieser Stelle wohl nicht mehr die Rede sein. Die mitgetheilten 
Querschnitte der beiden Hauptgebäude werden in Verbindung 
mit dem Plan von der Anlage und Konstruktion derselben 
eine ausreichende Vorstellung gewähren. Für beide Bauten 
war im Grundriss das Prinzip eines aus Hallen verschiedener 
Höhe zusammen gesetzten Einheitsbaues gewählt. Die In¬ 
dustriehalle zeigte sieh aus 3, durch 2 schmale und 
niedrige Zwischenschiffe getrennten Schiffen gebildet, die von 
einem, dem höheren Mittelschiff entsprechenden Querschiff 
durchsetzt wurden. Die Mittelhallen wurden durch hohes Seiten¬ 
licht, die äufseren Hallen durch Oberlicht erhellt. Für die 
Maschinenhalle ergab sich aus der Rücksicht auf einige 
vorhandene Bauten die Form eines Winkels; dem einen 


















































































































78 


DEUTSCHE BAUZEITUNG, 


16. Februar 1884 


Schenkel war durch einen Zwischenbau die landwirtschaft¬ 
liche Halle angeschlossen. Im Querschnitt war dieselbe aus 
einem breiten, wiederum durch hohes Seitenlicht erhellten 
Mittelschiff und 2 Seitenschiffen von ungleicher Breite zu¬ 
sammen gesetzt; in der inneren Ecke des Winkels war eine, 
im wesentlichen zu repräsentativen Zwecken dienende Rotunde 
angeordnet. Die Kunsthalle war im Hauptbau dreiscbiffig, 
mit inneren Oberlichtsälen und äufseren Kabineten gestaltet; 
an einen als Querschiff in der Verlängerung des Vestibüls 
angelegten Oberlichtsaal schloss sich in einem nach hinten 
vorspringenden Flügel ein zweiter derartiger Saal. Die Fest- 
halle, gleichfalls ein dreischiffiger, im Mittelschiff mit als 
Bohlenbögen gestalteten Bindern ausgestatteter Bau, gewährte 
bei einem Innenraum von 24“ Br. und 47 m Länge, an den 
sich auf der einen Schmalseite die Orchester-Nische anschloss, 
Raum für 1400 Personen und rd. 50 Musiker. 

Sämmtliche Bauten waren in leichter und luftiger Holz¬ 
konstruktion ausgeführt — eine Anordnung, für welche man 
sich trotz der beim Brande der Berliner Hygiene-Ausstellung 
gewonnenen ungünstigen Erfahrung entschied, weil man einer¬ 
seits die Kosten einer feuersicheren Konstruktion scheute und 
weil man andererseits den Holzbau, welcher in der Schweiz 
bekanntlich seit alters eine stilistisch eigenartige und werth¬ 
volle Ausbildung besitzt, für besonders geeignet hielt, um der 
künstlerischen Erscheinung der bezgl. Gebäude ein charakte¬ 
ristisches Gepräge zu verleihen. Die letztere Hoffnung ist 
nun allerdings nicht ganz in Erfüllung gegangen. Die archi¬ 
tektonische Ausgestaltung der Ausstellungsbauten, von der die 
eingangs mitgetheilte Ansicht des Portalbaues an der Haupt¬ 


front der Industriehalle ein Beispiel giebt, war eine tüchtige und 
ansprechende Leistung, ohne jedoch eine besondere Origi¬ 
nalität geschweige denn einen künstlerischen Zusammenhang 
mit dem spezifischen Schweizer Holzstil zu zeigen. War doch 
die Kunsthalle äusserlich als ein im Putzbau ausgeführter 
hellenischer Tempel dekorirt. 

Sehr dankenswerth sind die eingehenden Mittheilungen 
unserer Quelle über die Kosten der Anlage, welche mau dort 
im einzelnen nachlesen welle. Dieselben betrugen im ganzen 
rd. 1 060 000 Frcs., wovon 839 135 Frcs. oder 79 Proz. auf 
die Hochbauten fielen; die als Privatunternehmen hergestellte 
Festhalle ist hierbei nicht mit inbegriffen. Von den Gebäuden 
erforderte den geringsten Preis die Halle für Landwirthschaft etc. 
mit 12 Frcs. proi™; es folgte die Maschinenhalle mit 18,11 Frcs. 
die Industriehalle mit20,94Frcs., das Forstgebäude mit 35,67 Fr. 
die kleineren Pavillons mit durchschn. 38,10 Frcs., die Restau¬ 
rants mit durchschn. 38,98 Frcs, die Aborte mit 43 Frcs. pro 
q®; den höchsten Preis beanspruchte die Kunsthalle mit 
46,33 Frcs. pro c i m . 

Als Architekten der Ausstellung fungirten, nachdem vor¬ 
her eine öffentliche Konkurrenz stattgefunden hatte, die Hrn. 
Martin find Pfister; die Festhalle, der Musikpavillon und 
der Eingang zum Festplatze am See waren von Hrn. Archit. 
Karch entworfen und ausgeführt, während an der Errichtung 
der kleineren Bauten und der Ausstellung einzelner Räume 
vielfach noch andere Architekten Theil genommen hatten. 
Die Ingenieurbauten der Ausstellung standen unter der be¬ 
währten Leitung des Hrn. Ingenieur Bavier. 


Aus den Verhandlungen des preufsischen Abgeordnetenhauses. 


Technisches und gewerbliches Unterrichtswesen. 

War die erste Veranlassung, aus welcher das Abgeordneten¬ 
haus in seiner diesmaligen Sitzungsperiode mit Angelegenheiten 
des technischen Unterrichtswesens sich beschäftigte, speziell der 
Ausbildungsgang der Baubeamten, so ergab sich eine weitere 
Gelegenheit hierzu bei Berathung des Etats der technischen 
Hochschulen. Von Seiten mehier Abgeordneten wurden hierbei 
Wünsche ausgesprochen, denen der Reg.-Kommissar, Hr. Geh. 
Ob.-Reg.-Rth. Dr. WehreDpfennig zum Theil sorgfältige Er¬ 
wägung zusicherte. So namentlich dem Wunsche des Hrn. Abg. 
Goldschmidt auf besondere Berücksichtigung der Nahrungsmittel- 
Chemie und des Hrn. Abg. Dr. Wagner auf Errichtung von 
Lehrstühlen für National - Oekonomie und verwandte 
Wissenschaften, wie solche an den technischen Hochschulen des 
übrigen Deutschland und der Schweiz bekanntlich bestehen. 
Hr. Abg. Goldschmidt warnte — einer von Dr. Werner Siemens 
im hiesigen elektrotechnischen Verein gegebenen Anregung folgend 
— vor einer Gestaltung des Unterrichts in der Elekro- 
technik, welche darauf hinaus gehe, Spezialisten dieses neuen 
Fachgebietes zu bilden, während es doch vielmehr darauf ankomme, 
die Studirenden überhaupt in die Anwendung der Elektrizität auf 
die verschiedenen technischen Gebiete einzuführen. — Eine wei¬ 
tere Verhandlung der Frage über die Berechtigung der Ober- 
Realschulen, welche mau erwartet hatte, beschränkte sich auf 
die Anfrage des Hrn. Abg. Dr. Köhler, ob es im letzten Jahre 
gelungen sei, die Kompetenz dieser Anstalten auszudehnen, weil 
es anderenfalls sich empfehle, dieselben wieder aufzuheben. Eine 
Anfrage, auf welche der Hr. Reg.-Kommissar erwiderte, dass die 
bezügl. Verhandlungen, bei denen bereits einzelne Fortschritte 
erzielt seien, bis vor kurzem fortgeführt worden wären und dem¬ 
nächst im Wege kommissarischer Berathung weiter fortgesetzt 
werden sollten. — 


Die Ruinen von Baalbeck und Palmyra. 

Nach einem Vortrage des Ilrn. li. Möller im Archit.- u. Ing.-Verein zu Bremen. 

Baalbeck (Stadt des Baal), griech. Heliopolis (Sonnenstadt) 
war einst eine der prachtvollsten und wichtigsten Städte Syriens, 
1100™ ti. d. M., in der schönen Thalebene El Beka (dem alten 
Oölesyrien),zwischen demLibanon und Anti-Libanon gelegen. Heute 
ist es ein armseliger Ort und nur berühmt durch seine Staunen 
erregenden Ruinen und benachbarten Steinbrüche. Die Trümmer 
der alten Stadt bestehen aus drei gröfseren, westlich vom heutigen 
Dorfe Baalbeck gelegenen Ruinen; dem grofsen Sonncntempel, 
einem zweiten kleineren, aber besser erhaltenen Tempel und 
einem dritten Tempel von runder Grundform. Man unterscheidet 
drei Altersperioden der Ruinen. Aus der ersten rühren die Unter¬ 
bauten her, aus der zweiten die eigentlichen Tempelruinen, aus der 
dritten die Bauten der Araber, welche namentlich die alte Mauer 
durch spätere Bauwerke in Befestigungen umgewandelt haben. 

Der Unterbau, 325'" lang, 97™ breit, besteht aus ungeheueren 
behauenen Kalk- oder Marmorblöcken, darunter die drei berühmten 
Steine in der dritten Schichte der westlichen Mauer, von je 19™ 
Länge und 4™ Breite und Höhe, und enthält mächtige gewölbte 
Gänge, durch welche Gemächerreihen verbunden sind und zu 
welchen Marmortreppen hinab führen. Es ist ein kyklopisches 
Werk aus uralter Zeit und noch wohl erhalten. 


Gleichfalls nur gestreift wurde die augenblicklich in ein so 
kritisches Stadium getretene Frage des gewerblichen Fach¬ 
schulwesens durch die von 2 Abgeordneten ausgesprochene, 
von Seiten der Regierung nicht beantwortete Bitte, den Bau¬ 
gewerkschulen von Idstein und Deutsch-Krone eine höhere Sub¬ 
vention zu Theil werden zu lassen und zu diesem Zweck im 
nächsten Etat gröfsere Mittel flüssig zu machen. Wir sollten 
meinen, dass es ein kaum wieder gut zu machendes Versehen 
wäre, wenn die ganz unhaltbaren Verhältnisse dieser Schulen, 
wie sie sich zur Zeit namentlich in Erfurt so drastisch gestaltet 
haben, nicht mit dem nöthigen Nachdruck vor dem Landtage 
dargelegt und entsprechende Aeufserungen der Regierung pro- 
vozirt würden, und wir mahnen alle diejenigen, denen diese Frage 
am Herzen liegt, aufs dringendste, dafür sorgen zu wollen, dass 
dies _ se i es bei der 3. Lesung des Etats, sei es in Form eines 
besonderen Antrages — noch geschieht. 

Fürsorge des Staates für die Baudenkmale des Landes. 

Gegenüber der Gleichgültigkeit, mit welcher noch vor wenigen 
Jahren die gebildeten Kreise des Volkes und mit ihnen die Volks¬ 
vertretung den auf unseren Besitz an Kunstdenkmälern bezgl. 
Fragen gegenüber standen, ist das Interesse,.welches das Ab¬ 
geordnetenhaus neuerdings dieser Angelegenheit widmet und in 
diesem Jahre wiederum bekundet hat, ein Fortschritt, dessen 
sich die Freunde und Angehörigen der Kunst nicht lebhaft genug 
freuen können. 

Zumeist waren es allerdings persönliche Wünsche auf die 
Erhaltung bezw. Herstellung einzelner den betreffenden Abgeord¬ 
neten besonders am Herzen liegender Baudenkmale, welche auch 
diesmal wiederum vorgetragen wurden und zum mindesten des 
Erfolges sicher sein können, dass die Aufmerksamkeit weiterer 
Kreise auf die bezgl. Werke gelenkt wird. So traten die Hrn. 


Auf diesem Unterbau erheben sich die genannten Tempel, 
deren Errichtung gewöhnlich dem Antoninus Pius zugeschrieben 
wird, obwohl es nicht unwahrscheinlich ist, dass sie syrischen 
Ursprunges sind und von den Römern nur vollendet wurden. Die 
ganze Anlage erinnert in eigenthümlicher Weise an die Akropolis 
von Athen. Von den 54 Säulen des grofsen Sonnentempels sind 
nur noch 6 ungeheure stehende Säulen auf einer mächtigen Mauer 
vorhanden, welche der Südseite angehörte. Die Entfernung der 
Säulen von einander beträgt 2,6“; sie sind nicht kannelirt, 
tragen aber auf ihren korinthischen Kapitellen ein Gebälk mit 
reich verziertem Fries und Kranzgesims und haben einschliefslich 
dieses 23 ™ Höhe bei fast 7 ™ Umfang. Die Säulenschäfte be¬ 
stehen aus je drei, durch grofse eiserne Klammern verbundene 
Trommeln. Der gelbliche Stein, aus dem die Säulen, ebenso wie 
die oberen Schichten der Umfassungsmauer, bestehen, nimmt beim 
Lichte der untergehenden Sonne oft eine tiefe Goldfärbung au, 
die namentlich an den glatten Schäften von zauberhafter Wirkung 
ist. Leider ist mit ziemlicher Gewissheit voraus zu sehen, dass 
auch diese letzten Ueberreste des herrlichen Baues in nicht gar 
ferner Zeit Umstürzen werden. Die Habgier der Türken und 
Araber kennt keine Grenzen, und wenn auch ein Vorgehen, 
wie das des berüchtigten Tadmur Pascha, der die Säulen 
mittels Pulver sprengen liefs, um sich in den Besitz dei 
eisernen und bleiernen Klammern zu setzen, heute nicht me r 





















No. 14. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


79 


Abg. Scheben für die Abteikirche in Knechtsteden, Dr. 
A. Reichensperger für die Kirche in Andernach und die 
Annakirche in Düren, v. Zakrzewski für die Marienkirche 
in Iuowrazlaw und die Prokopiuskirche in Strzelno, 
v. Geriach für die Stiftskirche zu Walbeck, Dr. Virchow für 
den Palast Karl’s IV. in Taugermünde und im Verein mit 
Dr. Seelig für die megalithischen Denkmäler der vor¬ 
geschichtlichen Zeit ein und fanden mit ihren Ausführungen 
bei dem Hause eine durchweg freundliche Aufnahme. 

Daneben fehlte es natürlich nicht an einer Behandlung der 
Frage von etwas weiteren Gesichtspunkten, an der sich nament¬ 
lich die Hrn. Abg. Dr. A. Reichensperger und v. Heereman be¬ 
theiligten. Die Vorschläge derselben richteten sich zur Hauptsache 
dahin, dass zur Erhaltung der Baudenkmäler, für welche die 
zunächst iuteressirten Provinzial- und Stadtverwaltungen keine 
Mittel aufbringen könnten, dem Konservator ein gröfserer Betrag 
von mindestens 500 000 Jl pro Jahr aus Staatsfonds zur Ver° 
fügung gestellt werden möge; Hr. Dr. Reichensperger mahnte 
ferner an die in Aussicht genommene gesetzliche Regelung der 
Pflichten, welche den Eigenthiimern alter Baudenkmale, den 
Gemeinden etc. aufzuerlegen sind, an eine entsprechende Beihilfe 
des Staats bei der Inventarisirung und Aufnahme der Baudenkmale 
— unter Empfehlung der Photogrammetrie für letzteren Zweck — 
und an eine strengere Beaufsichtigung der häufig sehr willkür¬ 
lichen Restaurationen. 

Hr. Kultusminister Dr. v. Gossler, der sich auch in dieser 
Frage auf das Beste informirt zeigte, ging mit eben so viel Wärme 
wie Sachkenntniss auf sämmtliche vorgetragenen Wünsche ein. Er 
entschuldigte es zunächst, dass bei der aufserordentlicheu Schwierig¬ 
keit der Materie der Entwurf eines Gesetzes zum Schutz unserer 
Baudenkmale noch nicht habe fertig gestellt werden können, 
stellte aber die Einbringung eines solchen event. für die nächste 
Sitzungsperiode in Aussicht. Er bestätigte sodann das Bedürfniss 
eines aus Staatsmitteln gestellten Dispositionsfonds für die Kon- 
servirung von Baudenkmalen und versicherte, dass er den Tag 
als einen glücklichen bezeichnen würde, an dem es ihm gelingen 
sollte, denselben zu erhalten; denn neben den geringen Mitteln 
welche ein aus älterer Zeit stammender hannoverscher Fonds für 
diese Provinz gewährt, ist es allein der Se. Majestät dem Könige 
vorbehaltene Dispositionsfonds, aus welchem auf dem Gnadenwege 
Mittel zu dem in Rede stehenden Zweck flüssig gemacht werden 
können — ein Weg, welcher u. a. zu gunsten des Aachener 
Münsters, der Willibrodikirche in Wesel, der Basilika und der 
Thermen in Trier beschritten worden ist und bezgl. der Marien¬ 
kirche in Mühlhausen demnächst beschritten werden soll. Das 
Dotationsgesetz von 1875 definire leider die in der fragl. Bezie¬ 
hung den Provinzen und Kommunalverbänden auferlegten Pflichten 
nicht so genau, dass es in praktischen Fällen leicht ist, dieselben 
zur Erfüllung dieser Pflichten anzuhalten. — Was die Inventari- 
’sirung und Aufnahme der Baudenkmäler betrifft, so erkannte der 
Hr. Minister an, dass die Provinzen an der Lösung der ersten 
Aufgabe mit grofsem Eifer, wenn auch vielleicht nicht immer auf 
dem richtigen Wege, heran getreten seien und sprach sein warmes 
Interesse sowohl für den Plan, allmählich eine vollständige Auf¬ 
nahme unserer Baudenkmale durchzuführen wie insbesondere für 
das Verfahren der Photogrammetrie und die bezgl. Bestrebungen 
und Erfolge Meydenbauers aus. 

Der Gesammt-Eindruck der Verhandlungen war, wie schon 
oben hervor gehoben wurde, ein sehr erfreulicher. Allerdings 
wollen mir nicht verschweigen, dass es einen noch besseren Ein¬ 
druck machen würde, wenn man von Hoffnungen endlich einmal 
zu Thaten überginge und dass wir nicht absehen können, warum 
letzteres unmöglich sein sollte. Denkt man im Kultusministerium 
etwa daran, der zur weiteren Erforschung, sowie zum Schutz und 
zur Erhaltung unserer Baudenkmäler erforderlichen Organisation 
eine rein bureaukratische Form zu geben? Oder ist man nicht 
vielmehr auch dort der Ueberzeugung, dass man durchgreifende 
Erfolge auf diesem Gebiete nur erzielen kann, wenn man sich 


gleichzeitig in weitestem Maafse auf die freiwillige Mitwirkung 
aller der Kreise stützt, welche der Sache unserer Bandenkmäler 
ihr Interesse geschenkt haben? Ist letzteres aber, wie wir zu 
wissen glauben, der Fall: warum zögert man damit, diese Mit¬ 
wirkung schon jetzt zu organisiren und lässt damit Kräfte brach 
liegen, die — ohne irgend welchen Kosten-Aufwand von Seite 
des Staates — bereits einen grofsen Theil der zu lösenden Auf¬ 
gaben hätten in Angriff nehmen können? Die Antwort kann 
unserer Ueberzeugung nach nur dahin lauten, dass es in dieser 
Beziehung unter den Räthen des Kultusministeriums an der er¬ 
forderlichen Kraft der Initiative fehlt und es wäre daher 
vielleicht angezeigt, wenn entsprechende Schritte direkt bei dem 
Hrn. Kultusminister selbst angeregt würden. — 

Bauplätze und Bauprojekte für öffentliche Gebäude 
in Berlin. 

Mit besonderer Spannung erwartet wurden die weit verzweigte 
Lokal-Interessen der Hauptstadt berührenden Verhandlungen über 
den Bau bezw. die Bauplätze der Kgl. L a n d e s - B i b 1 i o t h e k, der 
Kunstakademie und des Geschäftshauses der Abgeord¬ 
neten selbst. Ueber erstere haben wir bereits in No. 94 S. 551 
des Jahrg. 1882, über letztere in No. 7, S. 37 d. lfd. Jahrg uns. 
Bl. uns geäufsert. Leider lässt sich in keiner Weise behaupten, 
dass das Ergebniss der in den letzten Sitzungen erfolgten Be¬ 
sprechung der bezgl. Angelegenheiten ein erfreuliches gewesen ist. 

Die traurigen Zustände in dem gegenwärtigen Bibliothek¬ 
gebäude sind den Lesern aus früheren Erörterungen bekannt. 
Die Erleichterungen, welche demselben im vorigen Jahre durch 
Erwerbung der Hintergebäude des Niederländischen und des 
Kaiser], Palais beschafft werden sollten, haben noch nicht zur 
Wirksamkeit kommen können, weil die durch den Umbau des 
ersten gewonnenen Räume noch nicht so weit ausgetrocknet sind, 
dass man mit der Besetzung derselben hätte beginnen können, 
während das letztere bisher überhaupt noch nicht geräumt worden 
ist. Doch stellte der Hr. Kultusminister in Aussicht, dass zu 
Ostern die bisher provisorisch in der alten Börse untergebrachten 
Abtheilungen in die neuen Räume würden übersiedelu können und 
dass dann auch das Zeitungs-Lesezimmer werde eröffnet werden, 
während die Besitznahme der übrigen Räume und die Eröffnung 
des im grofsen Stile anzulegenden neuen Lesezimmers der Bibliothek, 
welches im Mittelraume des alten Unger’schen Baues eingerichtet 
werden soll, für 1885 zu erwarten seien. — Mit grofsem Nach¬ 
druck wurde auf die Förderung des in Aussicht genommenen 
Neubaues gedrängt, da die jetzt beschafften Erweiterungen 
bekanntlich nur auf eine kurze Reihe von Jahren ausreichen; der 
Hr. Kultusminister, der den der Regierung gemachten Vorwurf, 
sie räume den Interessen der Kunst gegenüber denen der Wissen¬ 
schaft einen ungebührlichen Vorzug ein, energisch zurück wies, 
konnte sich in dieser Beziehung darauf berufen, dass er die erste 
Vorbedingung für jenen Neubau, die Verlegung der Akademie der 
Künste aus ihrem bisherigen Gebäude, durch Beschaffung eines 
Bauplatzes für letztere zu erfüllen bemüht gewesen sei. 

Der bezgl., für die Akademie der bildenden Künste 
in vorläufige Aussicht genommene Bauplatz, über den jedoch 
zunächst der Senat der Akademie sich gutachtlich äufsern soll, 
liegt nach der im Laufe der Diskussion durch den Reg.-Kommissar 
Hrn. Minist.-Dir. Greiff abgegebenen Erklärung auf dem Terrain 
der Thiergarten-Baumschule an der Hardenbergstr., auf der Grenze 
zwischen Charlottenburg und Berlin, und umfasst eine Fläche von 
27 500 <J m . Die Gröfse des Platzes, seine Lage zu den Himmels¬ 
gegenden und der auf der Nordfront vorhandene Schutz vor 
Reflexlicht lassen ihn an sich als sehr geeignet erscheinen. Auch 
die Nachbarschaft zweier anderen grofsen Bildungs- Anstalten, 
der Technischen Hochschule und der Artillerie- und Ingenieur¬ 
schule, sowie der Umstand, dass derselbe bereits ganz im Staats¬ 
besitz sich befindet, sprechen für ihn, während andererseits seine 
Entfernung vom Zentrum der Stadt ein Uebelstand ist, der die 
Kreise der Berliner Künstlerschaft auf das lebhafteste gegen 
ihn einnimmt. 


möglich sein dürfte, so wird doch der Boden immer noch uner¬ 
müdlich nach etwa verborgenen Metallresten durchwühlt und 
unterminirt. Bedeutend besser ist der kleine Tempel erhalten, 
der etwas tiefer belegen auf einem besonderen Unterbaue sich 
erhebt. Zu dem prächtigen Portal an der Ostseite führte eine 
breite, mit schöner Brustwehr versehene Treppe hinauf, welche 
möglicherweise zum Theil noch unter dem Mauerwerk des hier 
errichteten türkischen Forts vorhanden ist. Zwei Seiten der Cella 
und ebenso ein Theil des Peristyls sind noch gut erhalten. Ein 
unglaublicher Reichthum an herrlichstem Skulpturenschmuck 
zeichnet diesen Tempel aus, welcher in der Kassettendecke des 
hinter den Säulen befindlichen niedrigen Vorraumes und besonders 
in der durch zwei Reihen von Säulen gebildeten Vorhalle (Pronaos) 
an der Ostseite seinen Höhepunkt erreicht. 

In der Nähe der alten Stadt befinden sich die Steinbrüche, 
welche das Material zu den erwähnten Riesenbauten lieferten. 
Zahlreiche Ueberreste der alten Arbeiten, zum Theil fertig behauene 
Pfeiler, Blöcke und Platten finden sich hier noch vor; unter ihnen 
zeichnet sich durch seine riesigen Dimensionen namentlich ein Block 
aus, den die Araber Hadscher-el-kibla nennen und heilig halten. 
Er scheint für die Umfassungsmauer der Akropole von Baalbeck 
bestimmt gewesen zu sein und misst 21,35 m in der Länge, 4,33 
in der Höhe und 4 m in der Breite, hat somit einen Rauminhalt 
von 370 cbm und ein Gewicht von etwa 30 000 z . Ueber die 


Mittel, welche die alten Baumeister zur Fortschaffung und 
Hebung so gewaltiger Massen anwendeten, wissen wir nichts 
Bestimmtes; doch nimmt man allgemein an, dass dieselben 
einfachster Art gewesen sind: eine mit Bohlen belegte Strafse, 
resp. Rampe, Rollen von festem Holze und starke über Winden 
gehende Taue. Man braucht noch nicht auzunehmen, wie 
de Saulcy es gethan hat, dass 40 000 Menschen zugleich zum 
Ziehen eines solchen Steinblockes verwendet worden seien, um 
doch in dem Transport der grofsen Monolithen von Baalbeck 
eine der bewundernswerthesten und grofsartigsten technischen 
Leistungen des Alterthums zu sehen. 

Ob die Gründung der Stadt Baalbeck Salomo zugeschriebeu 
werden darf, scheint zweifelhaft; dagegen ist die Auuahme be¬ 
rechtigter, dass dieser König Israels Palmyra (Tadmor) erbaute 
und zwar als Karawanen-Station zur Vermittlung des Handels 
zwischen dem Mittelmeer und dem Innern Asiens und Indiens. 
Unter den Seleukiden nahm Palmyra griechische Kultur an und 
wurde von griechischen Baumeistern mit Tempeln und Palästen 
auf das Herrlichste geschmückt. 275 wurde die Stadt von Kaiser 
Aurelianus zerstört und 744 von den Sarazenen abermals ver¬ 
wüstet; seitdem ist sie als Handelsstadt ohne Wichtigkeit, indess 
der alten Ruinen wegen von höchster Bedeutung und gröfstem 
Interesse. Fl. 











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16. Februar 1884 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


Zum Vertreter der Gegner dieses Platzes machte sich — 
wie schon im vorigen Jahre — der Abg, Loewe, der es mit 
dürren Worten aussprach, dass eine Verlegung des Akademie- 
Gebäudes an jenen Platz gleichbedeutend mit dem vollständigen 
Ruin der Anstalt sein müsse. Für die Studirenden, die zum 
grofsen Theil Berliner Familien angehörten, bezw. genöthigt 
seien, sich in Berlin einen Neben-Erwerb zu suchen, sei nicht 
nur im Interesse ihrer künstlerischen Ausbildung, sondern auch 
aus den angedeuteten sozialen und geschäftlichen Verhältnissen 
ein unmittelbarer Zusammenhang mit der Stadt, der. durch die 
mittels der Stadtbahn gewährte leichte Verbindung nicht ersetzt 
werden könne, unentbehrlich; ebenso seien die Inhaber der 
Meister-Ateliers auf einen beständigen Verkehr mit dem Publikum 
angewiesen, das — wie die letzte in dem Hause der technischen 
Hochschule abgehaltene Kunst-Ausstellung bewiesen habe ab¬ 
geneigt sei, den Weg nach Charlottenburg zu machen.. Wenn 
diese Verhältnisse auch nach ein paar Generationen sich ge¬ 
ändert haben könnten, so werde die Akademie bis dahin doch 
einen unersetzlichen Schaden erlitten haben. Man solle, sich 
durch die trüben Erfahrungen, welche die Regierung mit der 
Errichtung des Polytechnikums in Charlottenburg gemacht habe 
— der Hr. Redner glaubt (incredibile dictu!) die relative Ent¬ 
völkerung der technischen Hochschule nicht allein aus inneren 
Gründen, sondern vor allem aus der grofsen Entfernung der¬ 
selben von der Stadt Berlin ableiten zu müssen, während doch 
die Uebersiedelung der Anstalt bekanntlich erst im Herbst 1884 
bevor steht — warnen lassen, zum zweiten Male einen solchen 
Fehler zu begehen. Als günstigere Plätze für den Bau des 
Kunst-Akademie-Gebäudes empfahl Hr. Loewe schliefslich neben 
dem von den Künstlerkreisen bevorzugten Lützowplatz den neuer¬ 
dings für das Abgeordnetenhaus in Aussicht genommenen Bau¬ 


platz an der Sommerstrafse und dem Reichstagsufer. Dem ersteren 
Vorschläge setzte der Hr. Reg.-Kommissar entgegen, dass der 
Lützowplatz als freier Platz nicht entbehrt werden könne, zumal 
eine Verwendung des Magdeburger Platzes für eine Markthalle 
in Aussicht genommen sei, während Hr. Abg. Dr. Wagner für 
den von der Regierung vorgeschlagenen Platz eintrat, der vom 
Bahnhof Zoologischer Garten der Stadtbahn kaum 5 Minuten 
entfernt sei und nicht erst nach Generationen, sondern im Laufe 
der nächsten 10 Jahre inmitten eines so stark bebauten Stadt- 
theils liegen werde, dass von einer Isolirung des Gebäudes keine 
Rede sein könne. 

Eine Abstimmung des Hauses über die Frage hervor zu 
rufen, lag keine Veranlassung vor. Dieselbe „schwebt“ also 
noch und wir fürchten alles Ernstes, dass sie und damit auch 
die mit ihr untrennbar zusammen hängende Frage des Bibliothek- 
Neubaues über Jahr und Tag um keinen Schritt vorwärts ge¬ 
rückt sein wird. Denn die Künstlerschaft dürfte — sehr ungleich 
den Technikern, welche einst leichten Herzens auf den Bauplatz 
der technischen Hochschule eingingen und die Folgen dieses 
Schrittes jedenfalls noch zu biifsen haben werden — in ihrer 
Opposition gegen jenen Charlottenburger Platz hartnäckig ver¬ 
harren, während die Staatsregierung versichert, dass sie trotz 
aller Bemühungen eine andere geeignete Baustelle nicht finden 
könne. Und bestätigt es sich gar, dass man in den leitenden 
Künstlerkreisen neuerdings sich weigert, zu gunsten der Bibliothek 
auf den bisher behaupteten Platz zu verzichten und einen Neubau 
der Akademie sowie eines Ausstellungs - Gebäudes auf diesem 
Platze durchsetzen will, so stehen unabsehbare Weiterungen 
bevor und es könnten noch Jahre vergehen, ehe jene beiden so 
dringend nothwendigen Neubauten zur Ausführung gelangen. 

(Schluss folgt.) 


Wasserversorgung 

Der gröfste Theil der Stadt Giefsen ist auf dem Alluvium 
des Lahnthals erbaut und bezog bisher aus diesem seinen Wasser- 
bedarf. 

Die aus Sand und Gerolle bestehenden Alluvionen innerhalb 
der Stadt und über ihre nächste Umgebung hin liegen in sehr 
geringer Mächtigkeit (ca. 5 bis 10 “) unmittelbar auf dem 
plastischen Thon. Das in die oberen Schichten eindringende 
Wasser wird durch den Wasser nicht durchlassenden Thon 
an dem Eindringen in gröfsere Tiefe verhindert, stagnirt also in 
den lockeren Kies - und Geröllmassen. Die mit nur geringer 
Tiefe angelegten Pumpenbrunnen fördern nun das theilweis recht 
verunreinigte Wasser; deshalb war man schon seit längerer Zeit ge¬ 
zwungen, die Einwohner vor der Entnahme von Wasser aus ver¬ 
schiedenen dieser Brunnen durch öffentlichen Anschlag zu warnen. 

Um den Unzuträglichkeiten zu begegnen und da man jetzt 
aller Orten auch den Werth und die Wohlthat der Zuführung 
reinen, gesunden Trinkwassers mehr seinem ganzen Umfang nach 
würdigt, wurde seitens der städtischen Behörden beschlossen, 
die Stadt mit gutem Trinkwasser zu versorgen. 

Die eigentliche Wasserleitung, die das Wasser aus dem 
ca. 6 km von der Stadt entfernten Quellengebiet mit natürlichem 
Gefälle nach einem Hochreservoir führt und von dort aus das 
Wasser durch das die Stadt durchziehende, mit Hydranten ver¬ 
sehene Rohrnetz vertheilt, bietet nichts von anderen modernen 
Wasserversorgungen Abweichendes. Dagegen mag die Art der 
Wassergewinnung für manchen Leser einiges Interesse besitzen; 
es sei deshalb darüber Folgendes mitgetheilt: 

Zunächst war man darauf bedacht, ein nicht zu weit von 
der Stadt entferntes Gebiet aufzusuchen, welches seiner Höhen¬ 
lage- und seiner geognostischen Beschaffenheit nach den darin 
auftretenden Quellen oder doch den Anzeichen derselben den 
Bedingungen entsprach, unter welchen mau auf eine gründliche 
Untersuchung des Terrains eingehen wollte. 

Das schliefslich ausgewählte Terrain befindet sich in dem 
theils städtischen, theils fiskalischen Walde an den nördlichen 
und nordöstlichen Abhängen des sogen. Schiffenberges zur rechten 
Seite der von Giefsen aus nach Lieh führenden Chaussee, ca. 6 km 
von Giefsen entfernt. 

Der Basalt überdeckt in diesem Gebiet die Tertiärschichten, 
welche aus einem festen, reinen, zähen, das Wasser nicht durch¬ 
lassenden Letten bestehen, in dem häufig Triebsandschichten, 
stark wasserführend, eingelagert sind. Der Basalt ist theils von 
poröser Struktur, theils geschlossen, dabei aber zerklüftet und 
erscheint deshalb wohl geeignet, die atmosphärischen Nieder¬ 
schlage aufzunehmen und dem tertiären Untergründe zuzuführen. 
Hier traten nun — unentschieden, ob aus der Berührungsfläche 
zwischen Basalt und Letten oder aus dem Triebsand kommend — 
verschiedene Quellen auf, u. a. der sogen. Erlenbrunnen; hier 
waren auch Stellen üppigster Vegetation und sumpfigen Charakters, 
welche auf Ansammlungen von Wasser deuteten, das nicht als 
Quelle zu Tage trat. Die Erklärung hierfür ist die, dass das 
Wasser, welches der Basalt aufnimmt, soweit es nicht verdunstet 
oder auf der Oberfläche abfliefst oder von der Vegetation kon- 
sumirt wird, dem Untergründe zugeführt wird und nun auf der 
undurchlässigen Schicht desselben abfliefsen muss und am Aus¬ 
gehen des Basalts sich entweder als Quelle ergiefst oder den 
Boden durchzieht und durch Versumpfung des Bodens seine An¬ 
wesenheit kund giebt. 


der Stadt Giefsen. 

Hier hatte man nun vor längerer Zeit behufs Auffindung von 
Braunkohlenlagern im sogen. Schlag Jungfernholz einen Schacht 
14 m tief abgeteuft, der — obwohl noch im Basalt stehend so 
starke Wasserzuflüsse hatte, dass man das Abteufen ohne Wasser¬ 
hebung mit Maschinen nicht mehr bewerkstelligen konnte. 

Man entschloss sich nun, nachdem weitere Versuchsschachte 
Wasser trafen, zur Anlage eines Stollens in der Richtung von 
Giefsen auf den eben erwähnten stark wasserführenden Schacht 
Jungfernholz, in den unter dem Basalt- und Triebsandschichten 
lagernden Letten. Der Ansatzpunkt des Stollens wurde so ge¬ 
wählt, dass immer noch 52 m Höhe über dem Niveau der Strafsen 
in Giefsen verblieb. Nachdem der Stollen eine Strecke weit auf- 
gefahren war, wurde von unten die erste Quelle angezapft, indem 

Fig. i. 


früherer 



man von dem Hauptstollen aus mit einem stark ansteigenden 
Seitenstollen bis an die Grenze von Letten und Basalt ging. 

Die 2. Quelle war der früher zu Tage tretende vorhin er¬ 
wähnte Erlenbrunnen, der in derselben Weise durch einen Quer¬ 
schlag (Fig. 1) von unten aus erreicht wurde. 

Auf den Wasserstand der weiter in der Richtung vom Stollen¬ 
mundloch auf Schacht Jungfernholz entfernten Schächte, sowie 
auf diesen selbst äufserte das Zapfen der beiden vorgenannten 
Quellen keinen Einfluss. 

Wie aus den Figuren zu ersehen ist, haben die vorgenom¬ 
menen Arbeiten den Charakter einer Drainage im Grofsen und 

























































































































































































82 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


16. Februar 1884 


als solche die Bestimmung, die in einzelnen Sandschichten und unteren 
Basaltzonen gesammelten Wasser in ihrem Fortschreiten zu lösen. 

Zur weiteren Untersuchung des Terrains wurde nun in der 
vorhin angegebenen Stollenrichtung ca. 84 m vom Stollenort ent¬ 
fernt ein Schacht geschlagen. Bei etwa 6 “ Tiefe traf man den 
unter dem Basalt liegenden Letten, auf dem sich leicht zu be¬ 
wältigende Wässer spüren liefsen. Als jedoch die 2 “ mächtige 
Lettenschicht durchbrochen war, trat der Schacht in den Trieb¬ 
sand ein und die zuströmenden Wasser zwangen zur Einstellung 
des Abteufens. 

Zur Fassung dieses Wassers wurde nach der früher ange¬ 
wandten Methode der Schacht ebenfalls mit einer Strecke aus 
dem Stollen unterfahren. Auf dieser Strecke wurde dann ein 


Bohrloch abgestofsen, welches zunächst die 3 “ mächtige Trieb¬ 
sandschicht und dann die 5 “ mächtige wasserundurchlässige 
Lettenschicht durchbrach (Fig. 2). 

Das zuletzt erschlossene Wasser im Verein mit den vorhin er¬ 
wähnten 2 Quellen und einer in ähnlicher Weise gefassten seitlich 
liegenden in der Basaltlava befindlichen Quelle dienen jetzt zur 
vollständigen Trinkwasserversorgung der Stadt. 

Die ganze Stollenanlage hat eine Gesammtlänge von 440 “, 
der Stollen selbst ist durchweg ausgemauert worden und hat eine 
Lichtweite von 0,75 m bei 1,3 “ Höhe. Sandfänge, die in der 
Stollensohle angebracht sind, verhindern ein Mitreifsen des San¬ 
des bis zur Quellenstube, von der aus die eiserne Druckleitung 
nach dem Hochreservoir beginnt. C. Rosenfeld, Ingen. 


Berechnung von Hochwassermengen. 


Bei Aufstellung von Brückenprojekten ist die Ermittelung 
der sekundlichen Mengen der höchsten bekannten Hochwässer wegen 
Berechnung des zu erwartenden Aufstaues und der unter der 
Brücke eintretenden Maximal-Geschwindigkeit von grofser Wichtig¬ 
keit. Welch merkwürdige Resultate man aber mitunter bei 
rechnerischer Bestimmung der Hochwassermengen erhalten kann, 
wenn man die einschlägigen Formeln in ungeeigneter Weise an¬ 
wendet, lehrt eine solche Berechnung der Menge des Neckar- 
Hochwassers vom Jahre 1824 bei Heidelberg. Im 8. Heft des 
VI. Bandes (Jahrgang 1883) der „Zeitschrift für Baukunde“ hat 
Hr. Bezirksingenieur H. Bär in Karlsruhe eine Beschreibung des 
Baues der neuen Strafsenbrücke über den Neckar bei Heidelberg 
veröffentlicht, in welcher es auf Spalte 448 wörtlich heifst: 

„Der Neckar hat an der Brückenbaustelle eine seiner gröfsten 
Breiten: 200“. Innerhalb der beiderseitigen Leinpfade beträgt 
die Breite 141,4 “. Das Querprofil an der Brückenbaustelle er- 
giebt nach den Hochwassermarken in Neuenheim vom Jahre 
1824 eine Durchfluss-Fläche von 1 262,63 ( i m und einen benetzten 
Umfang von 221,72 “. Die mittlere Geschwindigkeit des Wassers 
ist 3,5“ und die Hochwassermenge 4 420 cb “ pro Sek. Das 
nächst oberhalb gelegene Profil ergiebt beim Schlierbacher Pegel 
1 396 q“ Durchfluss-Fläche, ein Gefälle von 0,0014 m auf 1 m 
Länge, eine mittlere Geschwindigkeit von 5,1 “ und eine Wasser¬ 
menge von 7119,6 cb “ pro Sek. Das zunächst unterhalb gelegene 
Profil bei der Bergheimer Mühle hat 1 498 q“ Durchfluss-Fläche, 
286 “ benetzten Umfang, 2,4“ mittlere Geschwindigkeit und 
6 595 cb “ Wassermenge pro Sekunde.“ 

Eine im Text befindliche Nivellementsskizze lässt die Ent¬ 
fernung des Profils bei der Bergheimer Mühle von der Brücken¬ 
baustelle zu ca. 800 “ entnehmen ; die Entfernung des oberhalb 
gelegenen Profils beim Schlierbacher Pegel von der Baustelle ist 
zwar nicht angegeben, aber es muss auf den ersten Blick als 
eine Unmöglichkeit erscheinen, dass der Neckar bei seinem höchsten 
Stand im Jahre 1824 gleichzeitig drei so verschiedene Wasser¬ 
mengen abgeführt haben soll, wie sie durch die Zahlen 7 119, 
4 420 und 3 595 angegeben sind; demnach wäre ja durch das 
unterste Profil in derselben Zeit nur die Hälfte der Wasser¬ 
menge abgeflossen, welche durch das oberste Profil ankam!?! 

Da es sehr unwahrscheinlich ist, dass aus dem Jahre 1824 
verlässige direkte Beobachtungen der Hochwasser-Geschwindig¬ 
keit voihanden sind, so muss angenommen werden, dass die an¬ 
gegebenen Geschwindigkeiten das Resultat von Berechnungen nach 
irgend einer Formel sind. Druckfehler in den Angaben der 3 
verschiedenen Hochwassermengen sind ausgeschlossen, da die 
Produkte aus den Durchflussflächen und den mittleren Geschwin¬ 
digkeiten genau die obigen Zahlen ergeben. Ueberraschend ist 
nur, dass der Hr. Verfasser, welchem bei Zusammenstellung 
dieser Angaben der in ihnen enthaltene Widerspruch doch nicht 
entgangen sein kann, es unterlassen hat, ihn aufzuklären. 

Unserer Meinung nach kann die annähernde Bestimmung 


der Geschwindigkeit eines Hochwassers, von dem nichts mehr 
bekannt ist, als Form und Gröfse eines Durchflussprofils, sowie 
das aus vorhandenen Wasserhöhenmarken ermittelte Gefäll in 
diesem Profil lediglich mittels Berechnung nach einer Formel 
erfolgen, deren Koeffizient man durch Vergleich mit den Ergeb¬ 
nissen einer direkten Geschwindigkeits-Messung in demselben Profil 
bei einem jenem möglichst nahe kommenden Wasserstand gefun¬ 
den hat. Auch wird es hierbei nöthig sein, das Profil in ver¬ 
schiedene Abtheilungen, entsprechend den Abtheilungen, in welchen 
direkte Geschwindigkeits-Messungen vorgenommen wurden — zu 
zerlegen und für jede derselben einen besonderen Koeffizienten 
der Formel zu berechnen. 

Grofse Sorgfalt erfordert ferner die richtige Bestimmung des 
Wasserspiegel-Gefälls. Es genügt nicht, als dieses die Höhen¬ 
differenz zwischen irgend einer oberhalb und einer unterhalb 
des Messungsprofils gelegenen Wasserhöhenmarke anzunehmen, 
denn da solche Marken selbstverständlich nur an den Ufern sich 
befinden können, der Wasserspiegel dort aber in hohem Grade 
von lokalen Verhältnissen beeinflusst ist, so wird man oft sehr 
von der Wahrheit abweichende Resultate erhalten, wenn man 
nicht den Wasserspiegel an beiden Ufern gleichzeitig auf eine 
g öfsere Strecke auf- und abwärts der Profilstelle an möglichst 
vielen Punkten fixirt und aus der gegenseitigen Höhenlage der 
letzteren graphisch das mittlere Gefälle konstruirt. Die besten 
Resultate würde ein direktes Nivellement des Wasserspiegels im 
Stromstrich liefern, wie es Grebenau s. Z. bei der internationalen 
Rheinstrommessung bei Basel ausgeführt hat; bei Hochwässern 
gröfserer Wasserläufe wird sich freilich ein solches Verfahren 
nur mit vielen Schwierigkeiten und Zeit- und Kostenaufwand be- 
thätigen lassen. 

In der besprochenen Veröffentlichung findet sich weiter unten 
auf Spalte 449 noch folgende Stelle: 

„Das gesammte Hochwasser-Abflussprofil (der Brücke) beträgt 
hiernach 1492 q“, was gegenüber der Hochwasser fläche von 1262 q“ 
als genügend betrachtet wurde.“ 

Nun ist aber anzunehmen, dass die nach den Angaben auf 
Sp. 448 auf den Wasserstand von 1824 bezügliche Durchfluss¬ 
fläche des Profils vor dem Brückeneinbau durch den letzteren 
reduzirt werden, also nicht 1492 q“, sondern weniger als 1262 q“ 
betragen muss. Eine Betrachtung der beigegehenen Ansicht der 
ganzen Brücke im Maafsstab 1:400 lehrt auch, dass die Zahl 
1492 sich auf den ganzen Lichtraum der Brücke bis an die 
Bogenscheitel bezieht, welche 3,5 “ über dem Hochwasser von 
1824 liegen, und die über der Linie des letzteren befindlichen 
Segmentflächen der einzelnen Lichtöffnungen mit enthält, während 
das eigentliche Abflussprofil der Brücke nur bis zu der genannten 
Hochwasserlinie gerechnet werden darf und etwa 1038 q™ beträgt. 

Es scheint also auch hier nicht völlige Klarheit über die 
für Stauverhältnisse maafsgebenden Faktoren zu herrschen. 

Würzburg, im Dezember 1883. C. Weber. 


Mittheilungen 

Architekten- und Ingenieur-Verein zuHannover. Aufser- 
ordentliche Versammlung am 30. Januar 1884; Vorsitzender 
Hr. Garbe. 

IIr. Schwering stellt den Antrag, dass der Verein dem 
Hrn. Arbeitsminister den Dank für die im Abgeordnetenhause in 
Aussicht gestellte Gleichstellung der Staatsbaubeamten mit den 
Verwaltungsbeamten bezüglich der Feststellung des Dienstalters 
aussprechen soll. Der Antrag wird angenommen. 

Hr. Köhler beantragt vereinsseitig eine Revision des jetzt er¬ 
schienenen Bebauungsplans der Stadt Hannover vorzu¬ 
nehmen und begründet diesen Antrag wie folgt: 

Der Verein hat bereits zwei Mal, zuletzt bei dem Amtsantritt 
des verstorbenen Stadtbauraths Berg, an den Magistrat diesbe¬ 
zügliche Eingaben gerichtet, welche jedoch, wie der jetzt vor¬ 
liegende neue Bebauungsplan zeigt, unbeachtet geblieben sind. 
Es beweist derselbe vielmehr, dass weder den Anforderungen der 
Aesthetik an die Weiterbildung einer Grofsstadt noch denjenigen 
eines zweckmäfsigen Verkehrs in und zwischen den verschiedenen 
Stadttheilen Rechnung getragen ist, und so scheint jetzt vor der 
Neubesetzung der Stadtbaurathsstelle der geeignete Zeitpunkt 
gekommen, um abermals Verbesserungs-Vorschläge zu machen. 
Besonders hebt Hr. Köhler die folgenden Mängel hervor: 


aus Vereinen. 

Von der durch Laves angebahnten auch in ästhetischer Be¬ 
ziehung hervor ragenden Weiterentwickelung der Stadt ist heute 
über die vergleichsweise engen Grenzen seiner Thätigkeit hinaus 
nichts mehr zu merken. Grofse breite Strafsen und offene Plätze 
fehlen ganz und es ist auch in den schon fertigen neuen Vierteln 
ein derartiger Mangel an solchen, dass grofse öffentliche Gebäude, 
wie das Landes- und Amtsgerichtsgebäude und das Seminar in 
einer dieser Anlagen ganz unwürdigen Umgebung haben erbaut 
werden müssen. Selbst für ein besseres Privathaus ist heute 
kaum eine geeignete Baustelle zu finden. 

Die Verbindung zwischen den Stadttheilen ist sehr mangel¬ 
haft; besonders der auf eine einzige Brücke beschränkte Verkehr 
zwischen Hannover und Linden unterbindet die Weiterentwickelung 
beider Orte, und durch den Uebergang des betreffenden Grundes 
und Bodens auf dem linken Ihme-Ufer in Privatbesitz ist die Fort¬ 
führung der Göthestrafse über die Ihme vielleicht für immer ab¬ 
geschnitten. Da der Plan eines Stadttheils der Nachwelt Zeugniss 
von dem Geiste und der Denkungsweise seiner Einwohner zu 
seiner Entstehungszeit giebt, so wird, falls der vorliegende Pfau 
ausgeführt wird, der Nachwelt ein schlechtes Zeugniss unserer 
Fähigkeiten hinterlassen werden. 

Von Hrn. Jordan wird noch bemerkt, dass der vorliegende 


















No. 14, 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


83 


gedruckte Plan auch von dem Standpunkte des Geometers mangel¬ 
haft sei, und Längenfehler bis zu 60 m aufweist. Auch die Nord¬ 
nadel auf dem Plane zeigt um rund 30 0 verkehrt. Ob den 
städtischen Auftragungen ein einheitliches Koordinaten - System 
zu Grunde liegt, ist dem Redner nicht gelungen zu erfahren. 

Hr. Unger schlägt vor, eine Kommission zur Bearbeitung 
eines neuen Planes zu wählen, um mit dem gewonnenen Resultate 
auf die städtischen Kollegien einwirken zu können und Hr. Dole- 
zalek stellt den Antrag, zu diesem Zwecke eine öffentliche 
Konkurrenz auszuschreiben, wozu die Mittel von der Stadt zu 
erbitten seien. Hr. Köhler glaubt, dass der Magistrat dem 
nicht abgeneigt sein wird, macht aber darauf aufmerksam, dass 
die nothwendige Vermeidung einer zu willkürlichen Disposition 
über das Terrain der äufseren Stadttheile, welche mit dem Auf- 
wande grofser Mittel und der Beseitigung einer gröfseren Anzahl 
von erst zu erwerbenden Gebäuden verknüpft sein würde und 
die Schwierigkeit der Programmfassung für die Konkurrenz aufser- 
ordentlich steigert. 

Hr. Launhardt glaubt, dass der Versuch, von der Stadt 
die Geldmittel zu einer Konkurrenz zu erhalten, ziemlich aus¬ 
sichtslos sei, ist aber dafür, dass der Verein durch Aussetzung 
einer gröfseren Summe selbstständig vorgehen möge. Der Vor¬ 
sitzende und der Kassenführer des Vereins theilen jedoch mit, 
dass an erhebliche Zuwendungen für solche Zwecke nicht gedacht 
werden dürfe, da die Pflicht des Vereins, in erster Linie die 
Förderung der Zeitschrift im Auge zu behalten, solche Ver¬ 
wendung der Vereinsmittel verbietet. 

Die Hrn. Köhler, Garbe und Dolezalek vereinigen sich 
deshalb zu dem Vorschläge, sich behufs Beschaffung der Mittel 
zur Ausschreibung einer Konkurrenz an den Magistrat zu wenden. 
Hr. Unger schlägt als leichter ausführbar die Ausschreibung 
kleiner Konkurrenzen mit niedrigem Preise vor, deren Gegen¬ 
stand die Verbesserung einzelner besonders schwer empfundener 
Uebelstände sein müsste, und erwähnt als sehr geeignet, weil 
keine Interessen verletzend, zunächst die Umwandlung der Eilen¬ 
riede bis zum zoologischen Garten in einen Park. Eine Inangriff¬ 
nahme des ganzen Planes erscheint aussichtslos. 

Znr weiteren Förderung der Frage wird eine Kommission 
gewählt, bestehend aus den Hrn. Unger, Götze, Köhler, Hase, 
Hagen, Zinkernagel, Lehmbeck, Pape. 


Architekten- u. Ingenieur-Verein zu Bremen. 190. Sitzung 
vom 2. Februar 1884. Nach einer Mittheilung des Hrn. Bücking 
über hölzerne Senkkästen für Fundirungszwecke folgte eine solche 
des Hrn. Flügel über das Resultat einer Submission bezgl. des 
Verkaufs des durch die Eismaschine des Schlachthauses produ- 
zirten Eises; es hat sich durch dieselbe ergeben, dass der Ver¬ 
kaufspreis des Eises hinreicht, um die Betriebs- und Amortisations¬ 
kosten zu decken. Die Luftkühlung wird also kostenfrei erzielt. 


Es folgt sodann ein Vortrag des Hrn. Vorsitzenden über die 
Ruinen von Baalbeck und Palmyra, über welchen ein Bericht an 
besonderer Stelle d. Bl. gegeben ist. 


Architekten -Verein zu Berlin. Haupt-Versammlung am 
11. Februar 1884, Vorsitzender Hr. Dr. Hobrecht, anwesend 
88 Mitglieder und 6 Gäste. 

Vor dem Eintritt in die Tagesordnung spricht Hr. L. Hagen 
dem Verein den Dank seiner Familie für die bei der Beerdigung 
seines Vaters, des Hrn. Ob.-Landes-Baudirektors a. D. etc. Gott- 
hilf Hagen, bewiesene Theilnahme aus. 

Hr. Ende referirt über die Konkurrenz für das Stadt- 
Theater in Halle, indem er zunächst einige allgemeine Ge¬ 
sichtspunkte über die vorliegenden lokalen Verhältnisse, sowie 
über die in modernen Theatern zu beachtenden Sicherheits-Ein¬ 
richtungen gegen Feuersgefahr voran schickte und sodann, nachdem 
sich die Versammlung in die Räume der Bau-Aussteflung begeben 
hatte, woselbst ein Theil der Konkurrenz - Entwürfe aufgestellt 
war, die letzteren im Einzelnen spezieller erläuterte. Leider 
war es bei den beschränkten Platz-Verhältnissen nur einem Bruch- 
theile der Anwesenden möglich, den Ausführungen des Hrn. Vor¬ 
tragenden in befriedigender Weise zu folgen. Mit Rücksicht auf 
die eingehende Besprechung der Konkurrenz in unserem Blatte 
dürfen wir auf weitere Mittheilungen über dieselbe verzichten. 

Erst zu vorgerückter Stunde erhielt der zweite Redner des 
Abends, Hr. Volkmann, das Wort zu seinem Vortrage 
„zur Geschichte der Städte-Reinigung “. 

Wir müssen es uns versagen, die reiche Fülle interessanter 
Mittheilungen, in welchen der Hr. Redner, mit den ältesten be¬ 
kannten Anlagen der historischen Völker für die Beseitigung der 
Auswurfstoffe beginnend, die ganze Entwickelung dieser, für die 
sanitären Verhältnisse so hoch wichtigen Spezialität der Technik 
bis zu der neuesten Zeit anschaulich erörterte, in dem be¬ 
schränkten Rahmen eines Referates wieder zu geben. — Während 
des Vortrages fanden die in der vorher gehenden Haupt- 
Versammlung wegen Beschluss-Unfähigkeit derselben von der 
Tages-Ordnung abgesetzten statutenmäfsigen Neuwahlen statt. 
Es wurden gewählt: zum Vorsitzenden Hr. Dr. Hobrecht; zum 
stellvertretenden Vorsitzenden Hr. Streckert; zum Säckelmeister 
Hr. Ho us seile; zu Vorstands-Mitgliedern die Hrn. Blanken¬ 
stein,Böckmann,Gebauer,Hagen,Hinckeldeyn, Kyll¬ 
mann, Mellin, Schmieden und A. Wiebe; zu Ober-Biblio¬ 
thekaren die Hrn. Keller II und Schäfer,; zu Mitgliedern der 
Hauskommission die Hrn. Ernst, Gebauer, Knoblauch, 
Küll, von Lancizolle, Scubovius und Techow. 

In den Verein sind aufgenommen die Hrn. Bandke, Doelert, 
Grubert, Guth, Heydemann, Kleemann, Körner, Peimann, Pries, 
Schwandt, Stabel, Starke, Stock, Sympher und Wendenburg als 
einheimische Mitglieder, Hr. Kieseritzky als auswärtiges Mitglied. 
_ — e. — 


Vermischtes. 

Die württembergischen Bahnmeister. Schon mehrfach 
hat es Aufsehen erregt, dass in Württemberg geprüfte höhere 
Techniker — Baumeister (Regierungs-Baumeister) — sich um 
Bahnmeisterstellen beim Eisenbahnbetrieb melden und solche 
übertragen erhalten, während bei den meisten anderen Bahnver¬ 
waltungen die Bahnmeister aus Technikern von wesentlich niedriger 
technischer Bildung, so wie sie die Reichsbestimmungen vom 
12. Juni 1878 verlangen, bestellt werden. 

Dies hat bedauerlicherweise dem Ansehen dieser höheren 
Techniker aufserhalb Württembergs schon mehrfach geschadet, 
so dass es von Werth sein dürfte, zur Hebung von Missverständ¬ 
nissen über die wirkliche Sachlage kurze Erläuterung zu geben. 

Die württembergischen Bahnmeister können denen der meisten 
anderen Bahnverwaltungen nicht gleich gestellt werden. Letztere 
sind, wie in Preufsen, Aufseher, anderweitig auch nur Vorarbeiter, 
welchen die Geleiseunterhaltung und die Bahnüberwachung für Bahn¬ 
längen bis zu 10 km übertragen ist, wogegen den württembergischen 
Bahnmeistern Bahnstrecken bis zu 33 km mit der gesammten Unter¬ 
haltung, sowohl der Bahn- wie der Hochbauten, die Beaufsichti¬ 
gung von vorkommenden Rekonstruktionsarbeiten und die Mate¬ 
rialverwaltung unterstellt sind; auch haben diese neben den Bahn- 
und Stationswärtern für die Geleiseunterhaltung noch Vorarbeiter 
resp. Aufseher und entsprechend grofse Arbeitergruppen unter 
sich. Sie gehören hiernach mehr in die Kategorie der in § 66 
Abs. 4 des Bahnpolizei-Reglements verzeichneten Bahningenieure. 

Es sind deshalb die württembergischen Bahnmeister früher 
schon aus der Zahl bewährter Eisenbahnbauführer, welche meist 
| die Werkmeisterprüfung erstanden haben, genommen worden. 
Dass sie sich in neuerer Zeit auch aus der Klasse der Baumeister 
rekrutiren, ist allerdings in den Zeitverhältnissen begründet. So 
sind derzeit von 59 Bahnmeisterstellen 17 durch Baumeister besetzt. 
Letztere sind aber in ihrer Eigenschaft als Bahnmeister Staats¬ 
diener im engeren Sinne und als solche auf Lebenszeit angestellt; 

; sie stehen auch den Ingenieur-Assistenten im Range gleich und 
bilden mit diesen den Uebergang vom Bauführer zum Bauamts- 
vorstande. 

Es ist hiernach das Irreführende bezüglich der Stellung der 
württemb. Bahnmeister lediglich der Titel, der nicht zu deren 
Bildungsstufe und Geschäftsaufgabe passt. Im Interesse dieser 
Eisenbahntechniker, insbesondere der höher geprüften unter den¬ 


selben, ist daher auch zu wünschen, dass die Bezeichnung „Bahn¬ 
meister“ in Bälde durch eine andere, entsprechendere, ersetzt werde. 


Projekt einer Dampfstrafsenbahn von Salzburg nach 
Berchtesgaden. Für den Touristen-Verkehr zwischen Salzburg 
und Berchtesgaden (ca. 20 km Länge) wird die Anlage einer Dampf¬ 
strafsenbahn projektirt, welche nach den ausgeführten Vorarbeiten 
einen Baukosten-Aufwand von etwa 1 500 000 M erfordert. Für 
die Verwirklichung ist die Konstituirung einer Aktiengesellschaft 
in Aussicht genommen. 


Verblend- und Isolirplatten für Wandflächen. Der als 
Erfinder der Mineral-Malerei und als Verfasser einer Spezial¬ 
schrift über Mauerfeuchtigkeit und Abhülfsmittel dagegen bekannte 
technische Chemiker A. Keim in München empfiehlt als Isolir- 
mittel Thonplatten, die aus einer Doppellage gebildet sind, welche 
zwischen sich eine Glasurschicht enthalten. 

Zur Herstellung dieser Platten werden zwei rechteckige und 
gleich grofse Platten auf je einer Seite mit Glasurmasse be¬ 
strichen, sodann zusammen gelegt und gebrannt. Beim Zusammen¬ 
legen findet eine kleine Verschiebung der beiden Platten gegen 
einander statt, in der Weise, dass die Kanten der einen Platte 
gegen die entsprechenden der anderen um etwas vor- bezw. zurück 
treten, so dass anstatt der Fuge zwischen zwei Nachbarplatten 
eine Verfalzung entsteht. 

Zum besseren Haften an der Wandfläche sind die Platten 
auf der einen Seite mit Nuthen von schwalbenschwanzförmigem 
Querschnitt versehen, während die andere Seite zur Befestigung 
des Putzes gerauhet, bezw. fein behandelt wird. — 

Kuppel-Deckungen aus Papier. Nach einer Notiz in dem 
in Holyoke (Mass.) erscheinenden „ Builder “ sind die Kuppeldeckeu 
mehrer amerikanischer Observatorien (als Troy - Polytechnic - In¬ 
stitut zu Westpoint, das Beloit-College und das Columbia-College) 
mit Papier auf hölzernen Kuppelsparren eingedeckt. Die Dicke 
der nach einem besonderen, nicht allgemein bekannten Verfahren 
hergestellten Papierlage beträgt nur etwa 2,5—3 mm ; dabei soll 
das Papier, was Steifheit anbetrifft, nicht hinter Eisenblech zurück 
stehen. Die in Form von Segmenten hergestellten Streifen haben 
an den Seiten eine doppelte Umbiegung und werden auf den 
Kuppelsparren mitttls Verschraubung befestigt. Die in etwa 30 m 
Höhe angelegte Kuppel des Observatoriums beim Beloit - College 

















84 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


16. Februar 1884 


hat 6 m Durchmesser bei 3,5 m Höhe und die Anzahl der Kuppel- 
sparreu ist 24. Als wesentlicher Vorzug der Papierdeckung für 
den in Rede befindlichen Zweck wird das aufserordentlich ge¬ 
ringe Gewicht der Deckung bezeichnet. 

Aluminium als Dekorationsmittel. Die deutsche Bau¬ 
zeitung hat auf S. 515 pro 1883 meine Technik, Metalle aller Art, 
Thone und Glaswaaren mit Aluminium zu dekoriren und zu 
überziehen einer kurzen Erwähnung gewürdigt. 

Ich halte das Verfahren auch für die Baugewerbe werthvoll, 
weil verschiedene Schlosserarbeiten, z. B. Thür- und Fensterbände, 
Schlossbleche, der Meister selbst nach meinem Verfahren in 
der Werkstätte auf Kohlenfeuer oder über Gas fertig 
machen kann und nicht erst die Arbeit zum Verzinnen 
und Vernickeln aus der Hand geben muss. Aehnlich ist 
es mit Hafnern. 

Das unzerstörbare Weifs des Aluminiums wirkt auf dunkeln 
Oefen und Kaminen sehr schön und kann selbst auf schon im 
Zimmer stehenden Oefen mit der Stichflamme einer Wein¬ 
geist - Gebläselampe aufgeschmolzen werden. Nach 
dem Erkalten wird mit der Stahldrahtbürste geschliffen. Auch 
auf streng flüssigen weifsen Oefen wirken Aluminium-Ornamente 
sehr gut, weil man es völlig in der Hand hat, die Aluminium- 
Ornamente dunkler oder heller aufzuschmelzen. Interessant ist 
es, dass Aluminium auch auf Zink aufgeschmolzen werden kann. 

Der Aluminiumüberzug ist billiger als Vernickelung. Je 
nach der Rauhheit der Oberfläche lässt sich 1 i m um 1,50 M 
bis 3 M aluminiren. Wie schön können Oefen und Kaminbestand- 
theile von Gusseisen, Schmiedeiseu und Blech dekorirt werden, 
namentlich, da man aluminirte Oberflächen mit Schmelzfarben 
weiteres dekoriren kann! 

Muster auf Metalle, Thon und Glas ausgeführt siud bei 
Hin. August König, Ritterstr. No. 63 in Berlin nieder gelegt, 
wo dieselben in Augenschein genommen werden können. 

Landshut i. Bayern, den 29. JaDuar 1884. 

Dr. Gehring, Bürgermeister. 


zu Hpilbronn ausgeschrieben. Wir verweisen unsere Leser auf 
die Bekanntmachung im Inseratenblatt u. No. 13. 


Konkurrenz für Entwürfe zu einer Volksschule in 
Frankfurt a. M. Der No. 37 des Frankf. Stadt-Anzeiger ent¬ 
nehmen wir, dass die dortigen städtischen Behörden sich ent¬ 
schlossen haben, für den Entwurf einer am Deutschherrn-Kai zu 
erbauenden städtischen Volksschule für 1280 Schüler und Schüle¬ 
rinnen, deren Kosten bei einem Einheitspreise von 290 pro <J m 
die Summe von 372 000 M nicht übersteigen sollen, eine Kon¬ 
kurrenz auszuschreiben, für welche 2 Preise von 2000 und 1 00 M. 
ausgesetzt sind. Der Schlusstermin der Konkurrenz und die 
Namen der 5 Preisrichter dürften demnächst öffentlich bekannt 
gemacht werden. 

Wir begrüfsen das bezügl. Vorgehen der Frankfurter Kom- 
munal-Behörden mit Freude und sprechen den Wunsch aus, dass 
dasselbe auch anderweit — namentlich in der Reichshauptstadt — 
Nachahmung finden möge. Denn so tüchtig die betr. Leistungen 
der städtischen Baubeamten im allgemeinen auch sind, so lässt sich 
doch nicht leugnen, dass sich auf diesem Gebiete die Schablone 
doch etwas mehr eingebürgert hat, als wünschenswert!! ist. Um 
die letztere zu durchbrechen, giebt es kein besseres Mittel als 
die Konkurrenz, die selbstverständlich in einem solchen Falle 
nicht allein auf die praktische und ästhetische, sondern ebenso 
auf die ökonomische Seite der bezgl. Bau-Ausführungen sich er¬ 
strecken müsste. _ 

Personal - Nachrichten. 

Pteufsen. Die Bauführer-Prüfung im Maschinen-Bau- 
fach haben bei der technischen Hochschule in Hannover bestanden: 
Fritz Garnn aus Magdeburg und Heinrich Sie wer s aus Obern¬ 
dorf iu Holstein. 

Württemberg. Dem Bmstr. Knoblauch iu Tübingen ist 
Titel und Rang eines Bauinspektors verliehen worden. 

Das erledigte Bezirks-Bauamt Calw ist dem Bmstr. Gekeler 
das. übertragen worden. _ 


Als Desinfektions-Mittel für Holzsckalungen, Mauern, 
Estriche etc. wird von der Fabrik von M. Brockmann in 
Eutritzsch-Leipzig doppelt - schweflig - saurer Kalk em¬ 
pfohlen. Das Mittel wird, nachdem die zu desinfizirenden Flächen 
sorgfältig gekehrt oder abgekratzt sind, in flüssiger Form auf¬ 
getragen. Da dasselbe bei seinem geringen Gehalt an Kalk nicht 
als Anstrichmittel wirkt, so sind Flächen, welche einen Anstrich 
erhalten sollen, darnach noch mit einem Ueberzug aus Kalk¬ 
tünche zu versehen. 

In den Prospekten, welche die Fabrik ausgiebt, wird der 
doppelt-schweflig-saure Kalk als Mittel gegen Hausschwamm 
empfohlen. Bei der bedeutenden Wirkung, welche schweflige 
Säure auf alles organische Leben ausübt, scheinen uns Versuche 
in dieser Richtung angezeigt zu sein; wir wissen allerdings nicht, 
welche Vorsichtsmaafsregeln dabei nothwendig sind. 

Der doppelt-schweflig-saure Kalk wird von der oben genannten 
Fabrik zum Preise von 5 Jl pro z abgegeben. 

Konkurrenzen. 

National-Denkmal für Victor Emanuel in Rom. Der 
Popolo Romano publizirt als die erste der hiesigen Zeitungen 
heut früh die Entscheidung der königlichen Kommission in Sachen 
der Konkurrenz für das National-Denkmal. 

Von der Verleihung eines 1. Preises hat die Kommission 
Abstand nehmen zu müssen geglaubt, da keines der eingelieferten 
Projekte — nach dem Urtheil der Majorität — in allen seinen 
Theilen als sofort und ohne weitere Modifikationen ausführbar 
bezeichnet werden konnte. 

Die weiteren zur Verfügung stehenden 50 000 Lire sind nach 
zwei Gruppen zur Vertheilung gelangt, von denen die erste die 
besonderes Lob verdienenden und zur Ausführung fähigen Projekte 
umfasst — die zweite Gruppe jene, die zwar nicht zur Ausfüh¬ 
rung zu empfehlen sind, doch eine Aufmunterung verdienen. 

Die Konkurrenten der 1. Gruppe erhalten einen Preis von 
je 10 000 Lire und weitere 5—6000 Lire siud als Entschädigung 
festgesetzt, damit dieselben ihre Projekte verbessern und nochmals 
als Gesammtmodell zu einer nur unter ihnen stattfindenden engern 
Konkurrenz eiureichen können, in welcher die endgültige Ent¬ 
scheidung bezüglich der Ausführung getroffen wird. Neben den 
römischen Architekten Sacconi und Manfredi, deren erster nament¬ 
lich eine äufserst geschickte Arbeit eingereicht hatte, gehört zu 
dieser Gruppe, wie ich mit Freude melde, der Düsseldorfer Bruno 
Schmitz mit einem wie von ihm wohl zu erwarten stand, wieder 
trefflich vorgetrageneu Entwürfe. In einem längeren illustrirten 
Artikel werde ich später auf diese Arbeiten zurück kommen. 

Die 4 Konkurrenten der 2. Gruppe erhalten je 5000 Lire wie 
gesagt, als premio cPincorragiamento. 

Soviel für heut. Die Entscheidung scheint mir gerecht. 

Rom, den 9. Februar 1884. 

Fr. Otto Schulze. 


Eine Konkurrenz für Entwürfe zu einem Aussichts- 
thurm (Kosten 8- 12 000 JA, Schlusstermin der Konkurrenz 
15. April, Preise 150 und 100 M) ist vom Verschönerungsverein 

Kommissionsverlag von Ernst Toeche in Berlin. 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Landes-Bauinsp. K. in H. Das Tränken der 
Treppenstufen mit heifsem Leinöl wird der Entstehung von Schmutz¬ 
flecken vorherigen. Die Tränkung muss natürlich im Sommer bei 
trockenem Wetter geschehen. Das Leinöl bleicht sehr bald aus 
und die zuerst auftretende gelbe Färbung des weifsen Sandsteines 
verschwindet mit der Zeit wieder. 

Abonn. G. in F. Der Puzzolan-Zement ist in der Praxis 
noch nicht erprobt, verspricht aber für manche Zwecke als 
hydraulischer Mörtel erfolgreiche Verwendung. Er besteht aus 
einer Mischung von hydraulischem Kalk mit Schlackenmehl. 

Hrn. 0. Fr. in^Z. Bis jetzt sind generelle Vorschriften 
über den zulässigen Grad von Verunreinigungen offener Fluss¬ 
läufe durch Zuführung von Schmutzwassern in Preufsen nicht 
erlassen worden; es wird über derartige Fragen vielmehr im 
Einzelfalle entschieden. In die Kanäle und Röhren der Berliner 
Schwemmkanalisation werden die Klosetflüssigkeiten ohne zu¬ 
vorige Klärung eingelassen; beschränkende Bestimmungen bestehen 
nur bezüglich des Ablaufs solcher Flüssigkeiten in die offenen 
Rinnsteine derjenigen Stadtgegenden, in welchen die Schwemm¬ 
kanalisation zur Zeit noch nicht eingerichtet ist. U. W. ist zur 
Reinigung solcher Flüssigkeiten auch das Desinfektions-Venahren 
von M. Friedrich unter gewissen Bedingungen polizeilich gestattet 
worden. Diese Bedingungen dürften Sie am leichtesten von Hrn. 
M. F. selbst sich verschaffen können. — 

Hrn. K. Z. in W. Die rechnerische Bestimmung der Stärke 
von Fangedämmen ist mehr oder weniger vage, da die zu 
gebende Stärke in viel höherem Maafse von der besonderen 
Natur des betr. Wasserlaufs, von der Jahreszeit und von der 
Dauer der Bauzeit abhängig erscheint, als von dem hydrostatischem 
Drucke. Wir können nur rathen für die Konstruktion nach ge¬ 
eigneten Vorbildern in der bezügl. Fachlitteratur sich umzusehen. 

Hrn. M. i n Wien. Allerdings dürfte der Ausdruck„Wrasen u 
für den beim Kochen und Waschen entstehenden Wasserdampf 
ein niederdeutscher Provinzialismus sein. Ueber seinen ursprüng¬ 
lichen Geltungsbereich sind wir aufser Stande Ihnen Angaben zu 
machen — doch ist derselbe in den technischen Kreisen Norddeutsch¬ 
lands so eingebürgert, dass er wohl ohne Bedenken in die Fach¬ 
litteratur übernommen werden kann. 

Hrn. X. in Stuttgart. Von einer Entscheidung der Kon¬ 
kurrenz zu einem Schulhause für Gottesberg i. Schl, ist uns bis¬ 
her keine Kenntniss geworden. 

Hrn. X. Y. in Düsseldorf. Wir sind nicht der Meinung, 
die fragl. Angelegenheit im Sinne eines Angriffs noch weiter ver¬ 
folgen zu sollen, zumal es uns unwahrscheinlich dünkt, dass die 
Architektur des deutschen Reichstagshauses, wenn sie auch bei 
der Konkurrenz zum Victor-Emanuel-Denkmal in der That wiederum 
einen Preis erzielt hat, für diese Aufgabe wirklich zur Ausführung 
gelangen könnte. Hr. W. denkt über eine derartige Benutzung 
seines Entwurfs, die ja auch faktisch nicht verboten werden kann, 
sehr mild und hält es für gleich zulässig bezw. unzulässig durch 
die Werke eines lebenden Fachgenossen, wie durch irgend welche 
aus der älteren Fachlitteratur ausgegrabenen Motive sich anregen 
zu lassen. - 


Für die Kedaktiou verantwortlich K. E. O. Fritsch, Berlin. Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin. 

























No. 15. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


85 


Inhalt: Aus den Verhandlungen des preufsischen Abgeordnetenhauses. — 
Zur Frage der Haltbarkeit von Holzpflasterungen. — Kachelöfen nach dem Patent 
Vogdt. — Mittheilungen aus Vereinen: Architekten- und Ingenieur-Verein 


zu Hannover. — Vermischtes: Internationale Ausstellung von Motoren und 
Werkzeug-Maschinen für das Kleingewerbe in Wien. — Konkurrenzen. — 
Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten 


Aus den Verhandlungen des preufsischen Abgeordnetenhauses. 


Bauplätze und Bauprojekte für öffentliche Gebäude 
in Berlin. (Schluss.) 

icht sehr viel aussichtsreicher, als um die Neubauten 
für Bibliothek und Kunst - Akademie ist es nach den 
Verhandlungen des Abgeordnetenhauses vom 12. d. M. 
um den Bau eines neuen Geschäftsgebäudes für 
das Abgeordnetenhaus bestellt. 

Die in der Presse schon längst angekündigte, vom 3. Febr. d. J. 
datirte Vorlage der Staatsregierung über die Erwerbung eines 
hierzu geeigneten Bauplatzes an der Sommerstrafse nahm als 
solchen nicht, wie wir irrthümlich voraus gesetzt hatten, das 
ganze in unserer Situationsskizze auf S. 37 dargestellte Terrain 
in Aussicht, sondern nur den nördlichen Theil desselben ab¬ 
züglich eines an der Dorotheenstrafse belegenen Streifens von 
einer der Tiefe des Grundstücks No. 42 entsprechenden Breite. 
Der Flächeninhalt des Platzes beträgt 7703 ; der Kaufpreis der 

im Besitz der Kgl. Seehaudlung befindlichen, der Regierung bereits 
zur Verfügung stehenden Parzellen von den Grundstücken No. 43 
u. 44 war auf 1 712 000 dt angegeben, während die vom Grund¬ 
stück No. 45 beanspruchte Parzelle im Wege der von Sr. Majestät 
dem König im voraus bewilligten Expropriation und der im Besitz 
des Deutschen Reichs befindliche Streifen an der Sommerstrafse 
durch Verhandlung mit diesem noch zu erwerben wären. 

Die Aufnahme, welche dieser Vorlage im Hause zu Theil 
wurde, war so unfreundlich wie nur möglich. Man empfindet 
dort die bestimmte Ablehnung der seitens des Vorstandes in 
Vorschlag gebrachten Baustelle an der verl. Zimmerstrafse, auf 
welche man mit voller Sicherheit gerechnet hatte, anscheinend 
vielfach als eine persönliche Verletzung und es gab sich daher 
in der bezgl. Debatte, namentlich in den Reden der Hrn. Abg. 
Berger und Loewe (Berlin) eine gewisse Gereiztheit kund, die 
zu nicht minder gereizten Entgegnungeu des Hrn. Vertreters der. 
Staatsregierung, Finanzminister v. Scholz, die Veranlassung wurde 
und damit eine objektive Beurtheilung der Frage sehr erschwerte. 

Unter den Gründen für die Unmöglichkeit, den Bauplatz in 
der Zimmerstr. zu erwerben, welche der Hr. Finanzminister 
geltend machte, wurden die etwaigen Bedenken und Wünsche der 
Kunstverwaltung, die wir auf S. 39 erwähnten, nicht berührt: 
vielmehr wurden als solche lediglich der Widerstand des Herren¬ 
hauses gegen eine Verkürzung seines Gartens und die priDzipiellle 
Abneigung der Regierung gegen jede nicht unbedingt nöthige 
Opferung eines alten Baumbestandes angeführt. Die bestimmte 
Erklärung des Hrn. Ministers, dass die Regierung gewiss sei, 
die Königliche Genehmigung zur Ausführung des Baues an jener 
Stelle nicht zu erhalten, liefs ein weiteres Eingehen auf dieses 
Projekt als überflüssig erscheinen, obgleich von verschiedenen 
Seiten hervor gehoben wurde, dass ein entsprechend motivirter 
Vorschlag vielleicht doch nicht so unbedingt einer Ablehnung 
durch Se. Maj. den König sicher sei, dass das Herrenhaus selbst 
in seinem Plenum sich über die Frage noch gar nicht geäufsert 
habe etc. Wenn Hr. Abg. Loewe übrigens gegen die Behauptung 
eiferte, dass das Herrenhaus seinen halben Garten hergeben solle 
und die event. Verkürzung desselben nur auf 1 / 4 oder '/r. berechnete, 
so ist diese Bemerkung für einen Techniker etwas sehr seltsam. 
Ein Blick auf den Situationsplan würde ihn belehrt haben, dass 
das beanspruchte Gartenstück 91 m , das verbleibende 127 m Länge 
haben sollte, der Verlust also rd. 42 % beträgt. Irrthümer wie 
dieser und der von demselben Hrn. Abgeordneten begangene, den 
wir auf S. 80 hervor hoben, legen allerdings die Frage nahe, was 
wohl das Urtheil mancher Volksvertreter auf einem ihnen berufs- 
mäfsig fern liegenden Gebiete werth ist, wenn ihnen derartige 
Schnitzer auf einem Felde begegnen, das sie füglich beherrschen 
müssten. 

Gegen den Vorschlag der Regierung wurde neben den schon 
früher in der Presse erörterten Gründen, auf die wir mit Rück¬ 
sicht auf unsere Ausführungen in No. 7 nicht nochmals eingehen 
wollen, hauptsächlich der eine Uebelstand geltend gemacht, dass 
die bezgl. Baustelle nicht die erforderliche Gröfse habe. Dass 
die betreffenden Redner sich zum Beweise dessen auf die von 
Hrn. Bauinspektor Schulze aufgestellte Skizze, der sie das höchste 
Lob spendeten, beriefen, führte zu einer scharfen Polemik zwischen 
ihnen und dem Hrn. Finanzminister, der diesen Entwurf lediglich 
als eine ideale Programm-Skizze gelten lassen wollte und hervor 
hob, dass man rationeller Weise nicht zuerst den Bauplan auf¬ 
stellen und darnach die Zweckmäfsigkeit einer Baustelle beur¬ 
teilen dürfe, sondern den Bauplan der Beschaffenheit der Bau¬ 
stelle anzupassen und aus dieser zu entwicken habe. Eine An¬ 
schauung, deren prinzipielle Richtigkeit wir an dieser Stelle 
wohl nicht erst zu beweisen haben; denn selbst bei einem Bau, 
dessen Bedürfnisse so fest liegen, wie diejenigen eines Parlaments¬ 
hauses wird sich — vor allem je nach der Wahl der Eingänge — 
für verschiedene Baustellen doch immerhin eine ziemlich abwei¬ 
chende aber annähernd gleich zweckmäfsige Anordnung der Räume 
erzielen lassen. In jedem konkreten Falle unterliegt die Giltig¬ 
keit dieses Prinzips allerdings gewissen Einschränkungen und uns 


scheint, dass mit Rücksicht hierauf die Vorwürfe gegen den 
Regierungsvorschlag nicht ungerechtfertigt sind. Wir wollen es 
zwar nicht völlig in Abrede stellen, dass es möglich wäre, auf 
dem betreffenden Terrain ein Abgeordnetenhaus zu erbauen, das 
dem gegenwärtig benutzten Hause vorzuziehen wäre: angesichts 
der Form der Baustelle, die in diesem Falle sicher bis zu den 
äufsersten Grenzen bebaut werden müsste und angesichts de 3 
Umstandes, dass an der Südgrenze keine Fenster angelegt werden 
dürften, ist es jedoch in der That nicht wahrscheinlich, dass 
dieses Haus den Forderungen entsprechen dürfte, welche aus der 
Aufgabe einerseits, der bevorzugten Lage der Baustelle anderer¬ 
seits hervor gehen. Es dürfte also kaum zu umgehen sein, dass 
man — wie wir von vorn herein als selbstverständlich voraus 
gesetzt hatten — die Baustelle eveut. durch Ankauf der Grund¬ 
stücke an der Dorotheenstrafse vergröfsert — eine Finanzfrage, 
die wir von unserm Standpunkte aus nicht für so wichtig halten 
können, dass durch sie das ganze, sonst so empfehlenswerthe 
Projekt zum Scheitern gebracht werden dürfte. 

Eine nicht unwesentliche Rolle spielte in der Debatte noch 
der Umstand, dass seitens der Reichstagsbaa-Verwaltung in Aus¬ 
sicht genommen worden ist, auf dem Hinterland der an der 
Sommerstr. liegenden Grundstücke die Kessel etc. für die Heizungs¬ 
und Ventilations Anlage des Reichstagshauses unterzubringen. Es 
erregte das die schwersten Bedenken — ein Mal weil dadurch der 
ohnehin schon unzureichende Platz noch weiter verkürzt würde und 
ferner weil man die Explosions-Gefahr, oder doch wenigstens den 
Rauch und Kohlenstaub einer solchen Anlage fürchtete; auch der 
sehr nahe liegende Vorschlag, dass zweckmäfsiger Weise ja die 
Kessel-Anlage für das Reichstagshaus mit derjenigen für das Ab¬ 
geordnetenhaus vereinigt werden könne, fand wenig Anklang. 
Leider hatte keiner der Hrn. Abgeordneten oder Regierungs- 
Kommissare daran gedacht, vorher bei einem Sachverständigen 
anzufrageu, ob denn die beabsichtigte Verlegung der bezgl. Kessel- 
Anlage aus dem Reichstagshause eine unumgängliche Noth- 
wendigkeit sei. Er würde erfahren haben, dass dies keines¬ 
wegs der Fall ist und dass die Unterbringung derselben innerhalb 
des Hauses, wenn sie dem Architekten auch einige Unbequem¬ 
lichkeiten verursacht, doch keinerlei Schwierigkeiten unterliegt, 
wie sie ja auch bei den meisten öffentlichen Gebäuden die Regel 
bildet Wir vermuthen, dass man, wie die Dinge jetzt liegen, 
von Seiten der preufsischen Staatsregieruug auf eine derartige 
Anordnung wohl in jedem Falle dringen wird; denn wird die in 
Rede stehende Baustelle nicht für das Abgeordnetenhaus ver¬ 
wendet, so wird sie sicherlich für ein anderes öffentliches Gebäude 
verwerthet werden: man würde sich aber in zu ungünstiger Weise 
die Hände binden und eine solche Verwerthung event. unmöglich 
machen, wenn man einen Theil davon für jenen Zweck hergäbe. 

Ihren Abschluss fand die Debatte in der einstimmigen An¬ 
nahme eines von dem Hrn. Abg. Hobrecht gestellten Antrages: 
die sämmtlichen Vorlagen dem Gesammt-Vorstande des Hauses 
mit der Anheimgabe einer Verstärkung durch Kooptation zur 
Vorberathung und Berichterstattung zu überweisen. Da die 
Staatsregierung (in der „Prov.-Korresp.“) diesen Beschluss als 
der Sachlage vollkommend entsprechend und korrekt anerkannt 
hat, so ist vielleicht zu hoffen, dass vielleicht doch noch eine 
Verständigung dahin erzielt wird, dass der Platz an der Sommer¬ 
strafse in seiner Erweiterung bis zur Dorotheenstr., den mau 
vom architektonischen Standpunkte als einen der günstigsten in 
Berlin überhaupt vorhandenen betrachten muss, zur Annahme 
gelangt. Selbstverständlich fehlt es nicht an anderweiten Vor¬ 
schlägen: der Hr. Abg. Dr. Windthorst hat auf das Terrain der 
Artillerie-Kaserne am Kupfergraben und den Dönhofsplatz hin¬ 
gewiesen; von anderer Seite soll mittlerweile ein Terrain am 
Schiffbauerdamm und das (unvermeidliche) Lehndorff’sche Grund¬ 
stück offerirt worden sein. Jedenfalls wollen wir im Interesse 
des Abgeordnetenhauses hoffen, dass die Session nicht endet, 
ohne dass ein bestimmter Beschluss über die bezgl. Angelegen¬ 
heit zu Stande gekommen ist. — 

Aehnliche Angelegenheiten von geringerer Wichtigkeit waren 
die Bewilligung von 50 000 dl für die Vorarbeiten zur 
Bebauung der Museumsinsel und der Ankauf des für 
die Hygiene-Ausstellung von 1883 her gestellten Ge¬ 
bäudes für die Summe von 300 000 dl. Beide Etatsposten 
wurden nach verhältnissmäfsig kurzer Debatte bewilligt. Der 
erste, nahhdem der Reg. - Kommissar, Hr. Geh. Ober-Reg.-Rath 
Dr. Schöne, erklärt hatte, dass damit in keiner Weise Verbind¬ 
lichkeiten für künftige Bewilligungen zur Herstellung der bezgl. 
Bauten eingegangen werden sollten, der zweite, nachdem zunächst 
einige Redner des Zentrums die übliche Klage darüber erhoben 
hatten, dass aus Staatsmitteln Anlagen geschaffen werden sollten, 
die billiger Weise der Stadt Berlin aufzubürden seien. Die 
Widerlegung dieser Klage war im vorliegenden Falle leicht, da 
die Stadt ihrerseits in der That den Ankauf des bezgl. Gebäudes 
beabsichtigt, die Regierung jedoch dies nicht für zulässig er¬ 
achtet hatte, weil das Grundstück fiskalisch ist; auch wurde 
hervor gehoben, dass die Stadt Berlin für die von ihr auf diesem 














86 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


20. Februar 1884 


Terrain mit einem Kostenaufwande von 128 000 JA geschaffenen 
Anlagen nur 12 000 Ji beansprucht hat. 

Zu einem etwas heftigeren Wortgefecht gab die Vorlage der 
Regierung Veranlassung, welche die Erwerbung der am rechten 
Spreeufer zu beiden Seiten des Monbijou-Parks be'egenen Grund¬ 
stücke der Aktien-Spei eher-Gesellschaft zu einem Preise 
von 2 600 000 JA betraf. Diese Erwerbung wurde einerseits 
damit motivirt, dass es sich darum handle, die z. Z. dort vor¬ 
handenen Speicher möglichst schnell ihrem bisherigen Zwecke zu 
entziehen und damit für die Museen eine stetige Feuersgefahr zu 
beseitigen •— andererseits damit, dass es bei dem immer empfind¬ 
licher werdenden Mangel an geeigneten Bauplätzen für fiskalische 
Gebäude in Berlin eine Nothwendigkeit sei, sich disponibler Grund¬ 
stücke in geeigneter Lage rechtzeitig im voraus zu bemächtigen. 
Interessant war in letzter Beziehung namentlich eine Andeutung 
des Referenten Hrn. Abg. Dr. Virchow, dass für die Zukunft —■ 
wenn einst die jetzigen Bibliothek-Gebäude als Tauschobjekt an- 
geboten werden könnten, — es vielleicht nicht ausgeschlossen sei, 
für jenen Zweck auch das Monbijou-Palais und den Monbijou- 
Park von der Krone erwerben zu können. Von Seiten der Oppo¬ 
sition, die sich fast aus allen Parteien des Hauses zusammen 
setzte, ihren Haupt-Wortführer aber in Hrn. Abg. Dr. Windthorst 
fand, wurde mit besonderem Nachdruck nur der eine Gesichts¬ 
punkt geltend gemacht, dass es angesichts der augenblicklichen 
Finanzlage des Staats und angesichts dringenderer Bedürfnisse 
unzulässig sei, eine derartige Bewilligung ins Blaue hinein zu 
machen; habe der Staat neue Gebäude nöthig, so möge er in 
jedem einzelnen Falle die Gebäude genau und speziell bezeichnen, 
den Kostenanschlag vorlegen und danach die Gelder zum Ankauf 
des Platzes begehren. Mit der schwachen Majorität von 19 Stimmen, 
welche die Opposition in dritter Lesung wiederum zu sprengen 
hofft, wurde in namentlicher Abstimmung die Forderung der 
Regierung bewilligt. — 

Ueberblicken wir das Gesammt-Ergebniss dieser mehrtägigen 
Verhandlungen über Berliner Bauplatz-Fragen, so tritt uns die 
ganze Misere unserer bezgl. Verhältnisse wiederum in einer so 
peinlichen Gestalt entgegen, dass man sich eines tiefen Scham¬ 
gefühls ob der Ohnmacht, welche die preufsische Verwaltungskunst 
auf diesem Gebiete bekundet, nicht erwehren bann. Und dabei 
scheint man diese Zustände in Regierungs- und Abgeordneten¬ 
kreisen beinahe für selbstverständlich und unabänderlich zu halten. 
Einzig Hr. Abg. Loewe hat in den letzten Verhandlungen auf ein 
Mittel hingewiesen, das seiner Ansicht nach eine Besserung herbei 


führen könnte: auf die Vorlegung eines Plans über den gesammten 
fiskalischen Grundbesitz in Berlin, wie ihn das Abgeordnetenhaus 
schon oft aber vergeblich verlangt habe. Aber abgesehen davon, 
dass eine derartige Uebersicht in der That bereits ein Mal (irren 
wir nicht zu Anfang der 70er Jahre) gegeben worden ist: welchen 
Erfolg soll man sich von einem derartigen Stück Papier ver¬ 
sprechen, so lange jedes Ressort selbstständig und ohne Fühlung 
mit den anderen die Jagd nach Baustellen betreibt und es in die 
Hand des Hrn. Finanzministers gestellt wird, diejenigen disponiblen 
fiskalischen Grundstücke, für die nicht augenblicklich eine andere 
Verwendung vorliegt, ohne weiteres an den ersten besten Käufer los 
zu schlagen? Die Bildung einer aus Vertretern aller am fiskalischen 
Grundbesitz Berlins betheiligten Behörden und der Gemeinde zu¬ 
sammen gesetzten Kommission mit einer Spitze von entsprechender 
Autorität, der es obliegt, für eine gewisse Zukunft hinaus den Bedarf an 
Bauplätzen für öffentliche Gebäude fest zu stellen und danach einen 
Plan zur Verwendung der disponiblen und zur Erwerbung neuer 
Bauplätze für diese Gebäude auszuarbeiten — einer Kommission, 
ohne deren Genehmigung kein fiskalischer Grundbesitz veräufsert 
werden dürfte und welche gleichzeitig in allen auf die Gestaltung 
des Stadtplans bezgl. Angelegenheiten das entscheidende Wort zu 
sprechen hätte: sie ist schon oft und mit Nachdruck als das einzige 
Mittel bezeichnet worden, das uns helfen könnte. Seitdem dieser 
auf die Vorgänge in anderen Grofsstädten gestützte Vorschlag zu¬ 
erst gemacht worden ist, sind schon viele schwere Fehler vorge¬ 
kommen, die durch Annahme desselben mit Leichtigkeit hätten ver¬ 
hindert werden können — wir erinnern an den Verkauf der 
Kgl. Mühlen, an die jüngste Verzettelung des „Grünen Grabens“, 
an den Neubau und sogleich darauf folgenden Abbruch der 
Königsbrücke, an die Stellung des Gebäudes der General-Militär¬ 
kasse in der Königgrätzer Strafse u. s. w. — aber es wird an¬ 
scheinend noch sehr viel Wasser durch die Spree fliefsen, ehe 
man denselben einer Beachtung würdigt. Denn in den hohen 
amtlichen Kreisen, welche zunächst dazu berufen wären, ihn 
aufzunehmen, fehlt es zum Theil an Initiative und da, wo 
Initiative vorhanden ist, entweder an dem nöthigen Verständniss 
für derartige Fragen oder an der nöthigen Sympathie für eine 
solche „Berliner“ Angelegenheit. 

Wir sind vorläufig ohne jede Hoffnung auf Aenderung dieser 
trostlosen Zustände, es sei denn, dass eine planmäfsig geleitete 
Bewegung weitester Kreise sich anschickt, eine Besserung der¬ 
selben durch ausdauernde Einwirkung auf die öffentliche Meinung 
herbei zu führen. — F. 


Zur Frage der Haltbarkeit von Holzpflasterungen. 


Auf S. 361 u. 567 pro 1888 dies. Zeitg. sind Mittheilungen 
über Holzpflaster erschienen. 

Die erste derselben wendet sich hauptsächlich gegen die Un¬ 
annehmlichkeiten der Imprägnirung mit Theeröl, während die zweite 
Mittheilung die Vortheile des amerikanischen Holzes hervor hebt. 

Ich nehme aus jenen Mittheilungen Anlass zu einigen Bemer¬ 
kungen, welche bestimmt sind, der Entstehung unsachgemäfser 
Vorstellungen vorzubeugen. 

Die Imprägnirung mit schwerem Theeröl, welche zur Erzie¬ 
lung eines wasserdichten Holzklotzes angewandt worden ist, hat 
sich in der jenen Mittheilungen zu Grunde liegenden Ausführung 
allerdings für Strafsenpflaster wenig bewährt, da bei Einwirkung 
grofser Sonnenhitze ein Theil der Imprägnirungs-Flüssigkeit aus¬ 
schwitzt, dadurch der Fugenverguss aufweicht und die Oberfläche 
des Pflasters in unangenehmer Weise verunreinigt wird. 

Dagegen gewährt die Imprägnirung der Pflasterklötze nach 
einem von Rütgers erfundenen und angewandten System, bei 
welchem Zinkchlorid und schwache Karbolsäure-Lösung 
benutzt wird, vollständigen Schutz gegen Fäulniss und Stocken 
des Holzes, sichert die Elastizität desselben und ist gänzlich frei 
von den oben beregten Uebelständen, wie dies die zuerst bewirkte 
Ausführung der Strecke in der Friedrichstrafse von Behrenstrafse 
bis Unter den Linden in Berlin s. Z. erkennen liefe. 

Für die weitere Holzpflasterung der Friedrichstrafse von 
Unter den Linden bis zur Rampe der Weidendammer Brücke ist 
der Oelzusatz zur Imprägnirungsflüssigkeit zunehmend verstärkt 
worden, und es waren dem entsprechend die Uebelstände auf der 
Endstrecke auch am stärksten wahrnehmbar; dieselben sind somit 
einzig und allein von der dem Unternehmer vor geschriebenen 
wasserdichten Oel-Imprägnirung hervor gerufen worden. 

Die a. a. 0. ebenfalls hervor gehobene Gesundheitschädlich- 
keit des imprägnirten Holzbelags ist vollständig grundlos. Wenn 
der Karbolgeruch auch nicht angenehm ist, so wirkt derselbe doch 
keineswegs gesundheitsschädlich. Unbestritten ist aber, dass gut im- 
prägnirtes Holzpflaster niemals fault und jedenfalls (wie Holzpflaster 
überhaupt) weniger Staub erzeugt als Asphalt- oder Steinpflaster. — 

Die in der zweiten Mittheilung angezweifelte Haltbarkeit des 
Pflasters aus deutschem Holz betreffend, sei erwähnt, dass bei 
einer Dammbreite der Friedrichstrafse von Behrenstrafse bis 
Dorotheenstrafse von nur 8 m , der Holzbelag dortselbst nach 
2'/ a jähriger Benutzung nicht reparirt worden ist und auch noch 
eine vollständig ebene Oberfläche aufweist, trotzdem die Friedrich¬ 
strafse zu den allerverkehrreichsten Strafsen von Berlin zu 
rechnen ist. 

Ein gleich gutes Verhalten kann man keinem Holzpflaster 
nachrühmen und besonders auch nicht dem aus amerikanischen 


Holze hergestellten Pflaster. Das erste Holzpflaster in Berlin 
liefs die städtische Bauverwaltung im April 1879 auf der in med. 
9,67 m breiten Fahrbahn der Friedrichsbrücke aus dem viel be¬ 
lobten amerikanischen Yellow- oder Pitche pine Holz ausfühten; 
dasselbe hat sich so wenig bewährt, dass bereits in einem Bericht der 
zuständigen Bauverwaltung vom 27. Dezember 1881, also nach 
noch nicht 2 3 / i Jahren, wörtlich gesagt werden konnte: „Das 
Holzpflaster der Friedrichsbrücke ist jetzt allerdings in einem 
sehr reparaturbedürftigen Zustande und es dürften die Klötze 
durch neue in kurzer Zeit zu ersetzen sein.“ 

Es hat dann auch im Mai 1882 eine vollständige Umlegung 
mit y 3 Erneuerung der amerikanischen Holzklötze statt finden 
müssen und ferner sind trotz dieser theilweisen Erneuerung im 
folgenden Jahre 1883 wieder sehr umfangreiche Reparaturen 
nothwendig gewesen. Diese rühren daher, dass die im Jahre 1882 
umgelegten amerikanischen Klötze, wie bei der Umlegung sicht¬ 
bar gewesen ist, gröfstentheils angefault waren. 

Das amerikanische Holz zeigt sich demnach keineswegs den 
Berliner Witterungs- und Verkehrseinflüssen gegenüber besonders 
widerstandsfähig und ich bin der Meinung, dass gutes deutsches 
Nadelholz auch ohne Imprägnirung dem amerikanischen Yellow- oder 
Pitche pine gleich kommt, während eine sachverständige Impräg¬ 
nirung beiden Holzgattungen eine viel längere Dauer verschafft. 

Gutes Holzpflaster kann mit allen Pflasterarten sowohl im 
Preise wie auch in der Abnutzung vortheilhaft konkurriren, voraus 
gesetzt, dass bei gleichen Ansprüchen die zu vergleichenden 
Pflasterarten auf gleich breiten Fahrdämmen und in gleichwerthi- 
gen Verkehrsstrafsen liegen. 

So verschiedenartig die Resultate der bisherigen Versuche 
mit Holzpflaster sein mögen, so kann man auf Grund genauer 
und vorurtheilsfreier Beobachtung desselben dennoch den Schluss 
ziehen, dass mit gutem Material bei sachgemäfser Ausführung 
des Pflasters mindestens so gute Erfolge erzielt werden, wie mit 
Asphalt- und Steinpflaster bis heute erreicht worden sind. 

Man wird Fehler, die bei dem Holzpflaster bisher gemacht wur¬ 
den, unterlassen und mit Gewissheit die besten Resultate erreichen. 

Ich sehe mit Zuversicht den schliefslichen Resultaten über 
die Dauerhaftigkeit und die sonstigen Vortheile des imprägnirten 
Holzpflasters entgegen und bin der Ansicht, dass die in Berlin 
seit 1879 zur Ausführung gekommenen ca. 30 000 c i m Holzpflaster, 
von welchen durch G. Rütgers rd. 15 000 <i m gelegt worden sind, 
ausreichend sein werden, um schon bald ein abschliefsendes, günsti¬ 
ges Urtheii für ein nach bestimmten Grundsätzen und unter gewissen 
Bedingungen herzustellendes Holzpflaster herbei zuführen. 

Berlin, Februar 1884. H. Wessberg, Ingen. 

Vertreter für G. Rütgers. 















No. 15. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


87 


Der „deutsche Normal-Kochofen.“ 


(Von Gebr. Reimann Berlin, 

Die vorliegende patentirte Ofenkonstruktion zeigt eine Reihe 
von Besonderheiten, die zweifellos geeignet sind, nicht nur das 
nähere Interesse der Fachmänner auf sich zu ziehen, sondern 
die zum Theil auch Anspruch darauf haben als wesentliche Ver¬ 
besserungen angesehen zu werden. 

Die Reimann’sche Konstruktion ist gleich gut bei rechteckiger, 
fünfeckiger oder runder Form des Ofens anwendbar, in den 
Haupt - Besonderheiten auch bei Kaminen. Sie verwendet drei 
stehende Züge — aufwärts, abwärts und wieder aufwärts zum 
Schornstein - Anschluss — sowie einan vierten stehenden Zug, 
welcher zentral gelegt ist und zur Zirkulation der Zi mm erluft, 
event. auch zur Durchführung frischer Aufsenluft durch den Ofen 
dient; diese Anordnung verschafft dem Ofen ein Maximum an 
Berührungsfläche mit der zu erwärmenden Luft. Die Züge sind 
am oberen Ende mit Klappen verschlossen und am unteren Ende 


SW. Dorotheenstr. 38/39.) 

Die Zungen, welche die Züge von einander trennen, sind im 
Interesse der soliden und kompendiösen Ausführung aus Thon¬ 
platten hergestellt. Eine besondere Erwähnung verdienen noch 
die Heizglocke und die Ofenthür. Erstere ist aus Chamotte 
in einem Stück geformt und daher jedem Brennmaterial gegenüber 
als feuerbeständig zu betrachten. Die napfförmige Gestaltung 
der Sohle verhindert nicht nur die Bildung todter Ecken, in 
welchen das Brennmaterial sich nicht nur der Entzündung ent¬ 
zieht, sondern sie erleichtert wesentlich auch das Schüren des 
Feuers. Mittels umgelegter Ringe aus Schmiedeisen ist an der 
Heizglocke die eiserne Thürzarge befestigt, die demnachaufser 
jedweder Verbindung mit der Kachelwandung steht. Die Thür 
selbst ist in eigentümlicher Weise aus einem Rahm und einer 
Platte gebildet, die durch Zapfen und Schrauben so mit einander 
verbunden sind, dass die Dichtheit des Thürverschlusses jederzeit 



i 



Zu Fig. 5—8. 
Kamin nach dem Rei- 
mann’schenSystem (ohne 
Extrafeuerung) für recht¬ 
eckige und 5 eckige Form 
arrangirt. 


a) Heizglocke aus Cha¬ 
motte mit gewöhnlichem 
und Korbrost. 

b) Eintritt in die Züge c. 

Ci) letzter, an den 

Schornstein anschliefsen- 
der Zug. 

d) Verbindungsrohr der 
Heizglocke m. d. Zug c, 

e) Zirkulations- (oder) 
V entilationsrohr. 

f) Anschluss an den 
Schornstein. 

g) Russkasten. 

h) Sperrschieber. 

i) fleinigungsklappen. 

k) Verbindung der 
Züge c mit c,. 

l) Abschlussklappe der 
Züge c. 

m) Stellvorrichtung 
für 1. 

n) Aschkasten. 


mit einem Eisenschieber, unter welchem ein ausziehbarer Rufs¬ 
kasten steht; durch diese Einrichtung ist eine jederzeitige leichte 
Revision und Reinigung der Züge ermöglicht. Die Feuerkiste, 
als glockenförmiger Körper ausgeführt, hat in der Hinterwand 
eine kleine Oeffnung in welche ein Rohr gesteckt wird, das zu 
dem letzten, an den Schornstein anschliefsenden Zuge hinüber 
führt. Diese einfache Verbindung — welche übrigens ganz regel- 
mäfsig in den eisernen Oefen amerikanischer Konstruktion wieder¬ 
kehrt — sichert nicht nur die rasche Entzündung des Brenn¬ 
materials, sondern dieselbe funktionirt gleichzeitig als Sicherheits- 
Vorkehrung bei geschlosssener Ofenklappe, indem letztere, wie 
aus Fig. 7 erkennbar, unterhalb des Anschlusses der oben er¬ 
wähnten Verbindung zwischen der Heizglocke und dem letzten 
Zuge angeordnet ist. 


regulirt werden kann ; selbst ein Werfen des einen oder anderen 
Theils, wie es im Laufe des Betriebes unvermeidbar vorkommt, 
wird durch die gewählte Thürkonstruktion in seiner Wirkung auf 
die Dichtheit des Thürschlusses unschädlich gemacht. Endlich 
ist die Thüröffnung zum Einlegen einiger Stäbe eingerichtet, wo¬ 
bei ein Korbrost entsteht, der die höhere Auffüllung von^ Brenn¬ 
material und aufserdem den Vielen willkommenen Anblick des 
offenen Feuers gestattet. 

Weitere Einzelnheiten der Konstruktion sind in den beige¬ 
fügten Skizzen ersichtlich gemacht. 

Unabhängig von der Konstruktion ist die eigentliche Aus¬ 
stattung der Oefen, in welcher die Fabrik jeglicher Anforderung 
bezw. Stilrichtung genügen zu wollen verspricht. 


Kachelöfen nach dem Patent Vogdt (Potsdamer Ofen). 


Den auf S. 344 Jhrg. 1883 dies. Ztg. beschriebenen Ofen, 
den das Eisenwerk Gröditz bei Riesa, welches die zu demselben 
erforderlichen Eisentheile fabrizirt, durch eine mit klaren Zeich¬ 
nungen versehene Beschreibung unter dem Namen „Potsdamer 
Ofen“ eingeführt hat, habe ich in der 
durch nebenstehende Skizze dargestellten 
Vereinfachung ausgeführt. 

Der Ofen bewährt sich gerade in dieser 
Vereinfachung vortrefflich. Der Kachel¬ 
ofen erhält nämlich nur 2 stehende Züge. 
In dem Zuge I steigt das Feuer, in dem 
Zuge II fällt es und gelangt am Fusse 
desselben in das eiserne Heizerohr A, welches in der an der 
Hinterseite des Ofens angeordnefen Nische steht. Der Kachel¬ 
mantel wird in seinem ganzen Umfange vom Feuer berührt 
und daher ganz gleichmäßig erwärmt. Dabei erhält die Zug¬ 
führung im Kachelofen eine Einfachheit, wie sie gröfser wohl 
kaum zu erreichen sein dürfte, indem eine einzige vertikale 
Zunge zur Scheidung der beiden stehenden Züge genügend 



ist. Diese Einfachheit ist die beste Gewähr dafür, dass die beim 
Setzen von Kachelöfen so häufig eintretende Gefahr vermieden 
wird, dass der ausführende Töpfer die beabsichtigte Konstruktion 
verballhornt. 

Da bei der in Rede befindlichen Ofen - Konstruktion das 
eiserne Heizrohr, durch welches die Feuergase streichen, nachdem 
sie den Kachelofen verlassen haben, denselben den Rest an Heiz¬ 
kraft entzieht, welcher bei gewöhnlichen Kachelöfen ungenützt in 
den Schornstein entweicht, so beginnt die Wärme Wirkung des 
Ofens kurze Zeit nach Anfeuerung desselben und dabei nie 
unter dem lästigen Glühen des Eisenmantels. Es braucht daher 
bei der Ausführung des Kachelmantels der schnellen Wärme¬ 
abgabe durch denselben durchaus nicht Rechnung getragen zu 
werden; im Gegentheil: es empfiehlt sich, sowohl aus Rücksicht 
auf die Solidität des Kachelmantels, wie auch, um demselben zur 
besseren Aufspeicherung der Wärme möglichst grofse Masse zu 
geben, den Kachelmantel stark auszufüttern. 

Potsdam, Februar 1884. Vogdt. 



























































































































































88 


DEUTSCHE BÄUZEITUNG. 


20. Februar 1884 


Mittheilungen aus Vereinen. 

Architekten- -and Ingenieur-Verein zu Hannover. Haupt- 
Versammlung am Sonnabend, den 9* Febr* 33. Stiftungsfest, vor- 
sitzender Hr. Garbe. ... , 

Der Schriftführer erstattet folgenden Jahresbericht lur das 
Jahr 1883: Der Verein zählte bei Beginn des Jahres 1883 
11 Ehrenmitglieder, 7 korrespondirende Mitglieder und 916 wirk¬ 
liche Mitglieder, im ganzen 934 Mitglieder. . Von diesen Mit¬ 
gliedern sind im Laufe des Jahres 1883 41 wirkliche Mitglieder 
ausgeschieden; gestorben sind: 1 Ehrenmitglied und 9 wirkliche 
Mitglieder. Im Laufe des Jahres traten 65 wirkliche Mitglieder 
dem Verein hei; es stellt sich somit die Zahl der Mitglieder^am 
Schlüsse des Jahres 1883 auf 948. Von diesen wohnen: 315 m 
der Provinz Hannover, 449 in den übrigen Provinzen Preußens, 
115 in den übrigen Staaten des Deutschen Reichs, 11 in Oester¬ 
reich, 4 in Ungarn, 1 in Luxemburg, 9 in den Niederlanden, 

10 in Schweden und Norwegen, 4 in Russland, 2 in der Schweiz, 

1 in Italien, 1 in Spanien, 1 in Dänemark, 2 in Rumänien, 3 in 
Serbien, 1 in Bosnien, 2 in der Türkei, 5 in England, 4 in Nord- 
Amerika, 3 in Süd-Amerika, 1 in Japan, 1 auf Java. 

Es werden 76 Zeitschriften in 8 Sprachen gehalten. Ausge¬ 
nommen die Zeitschriften ist die Bibliothek um 82 Bände vermehrt. 

Zur Unterstützung der Unternehmungen des Vereins wurden 
aus dem Provinzialfonds 1200 Jl bewilligt; die in den Vorjahren 
gewährte Beihülfe des Ministeriums der öffentl. Arbeiten steht 

noch aus. . ... .. . 

Die Zeitschrift des Vereins erschien in diesem Jahre zum 
ersten Male in 8 Jahresheften, von denen die 4 ersten zu 

2 Doppelheften vereinigt wurden. Obwohl aufser den 8 tieften 
noch ein Inhalts - Verzeichniss der Jahrgänge 1871 —1881 incl. 
herausgegeben ist, wurde der Umfang der Zeitschrift gegen die 

Vorjahre nicht verringert. , 

In 9 Haupt-, 2 aufserordentlichen und 15 Wochenversamm¬ 
lungen wurden aufser den Geschäftssachen und allgemeinen fach¬ 
sozialen Fragen in 25 Vorträgen 8 Themata aus dem Gebiete 
des Hochbaues, bezw. der Kunst und 15 aus dem des Maschinen- 
und Bauingenieurwesens behandelt. — . . , 

Als Mitglieder werden aufgenommen die Hrn. Ingen. Christoph, 
Mählmann, Mayering, Willmer, Reg.-Bmstr. Henze, Reg^-Bfhr. 
Rathke, Schneider, Amecke, Theissing, Wiesebaum, Schmzel, 
Küster, Stephani und Architekt Stapelberg. 

Es folgt ein Vortrag des Hrn. Baurafh Prof. Dolezalek 
über die Projekte der Simplon- und Mont Blanc Bahn. — 

Zur 33. Jahresfeier vereinigten sich die Mitglieder nach der 
Sitzung zu einem Essen im Saale des Künstlervereins. 

Vermischtes. 

Internationale Ausstellung von Motoren und Werk¬ 
zeug-Maschinen für das Kleingewerbe in Wien Der Nieder¬ 
österreichische Gewerbe - Verein veranstaltet für den nächsten 
Sommer - Eröffnungs-Termin 24. Juli, Schlusstermin 12. Oktober 
— eine Ausstellung, welche in 5 Abtheilungen Motoren bis zu 
beiläufig 3 Pfdkr., Transmissionen, Werkzeuge, Werkzeugmaschinen 
und Arbeitsvorrichtungen, physikalische und chemische Apparate, 
Hülfsmittel für Reproduktions - Verfahren und Lehrmittel für den 
gewerblichen Unterricht umfassen soll, mit der Beschränkung, dass 
die den Gruppen 1—5 angehörenden Gegenstände nur insoweit aus¬ 
stellungsfähig sind, als dieselben den Interessen des Kleingewerbes 
dienen. Anmeldungen müssen bis 15. Mai d. J. gemacht werden. 
Formulare und Bedingungen sind von der Kanzlei des Niederosterr. 
Gewerbe- Vereins, Wien I, Eschenbachgasse 11 zu beziehen. 

Als Ausstellungs-Raum sind die im Zentrum der Stadt (am 
Stubenring) gelegenen Lokalitäten der k. k. Gartenbau-Gesellschaft 
in Aussicht genommen. _ 


Personal - Nachrichten. 

Oldenburg. Ernannt: Der Ob.-Weg- u. Wasserbau-Inspekt. 
Ruhstrat in Vechta zum Baurath, der Bau-Inspekt. Wege in 
Oldenburg zum Ober-Bauinspektor; der Bau-Inspekt. lüitjer m 
Oldenburg zum Bez.-Bmstr. des Weg- u. Wasserbau-Bezirks 
Delmenhorst; der Reg.-Bmstr. Segebade in Oldenburg zum 
Weg- u. Wasserbau-Kondukteur u. Hilfsbeamten d. Baudirektion. 

Preufsen Ernannt: Reg.-Bmstr. Jonas in Liegnitz zum 
P.au-Inspktor, gleichzeitig ist demselben die techn. Hilfsarbeiter- 
Stelle b. d. Kgl. Regierung das. verliehen. - Reg.-Bmstr Otto 
Peters in Potsdam zum Land-Bauinspektor b. d. dort. Agi. 
Regierung. — Reg.-Bmstr. Ernst Rosskothen in Frankenberg 
(Reg.-Bez. Kassel) zum Kreis-Bauinspektor das — Die Reg.-Bthr 
Kar) Nayken aus Burgsteinfurt u. Anton Ehlert aus Koblenz 
zu Reg.-Baumeistern; die Kand. d. Baukunst Iheod. Koldewey 
aus Bücken (I’rov. Hannover), Rieh. Kaufmann aus Elberfeld, 
Nicolaus Pickel aus Cottenheim, Paul Lehmgrubner aus 
Werder bei Potsdam, Karl Unruh aus Königsberg i. OriF-> 
Otto Sevffert aus Schladen und Gust. Wiesebaum aus Berlin 
zu Reg.-Bauführern; die Kand. der Masch - Baukunst Herrn. 
Taentzscher aus Köln, Karl Nagel aus Ilalberstadt u. Karl 
Benduhn aus Gr. Machnow b. Teltow zu Reg.-Masch.-Baufuhrern. 

Sachsen. Der Bez.-Ing. beim Bezirks - Ingenieur-Bureau 
Leipzig I, Krhr. Alex. Ernst Theod. v. Oer ist zum Betnebs- 
Oberiuspektor f. d. Bezirk Leipzig I befördert,. 


Der Bauingenieur-Assistent beim Bau der Hainsberg-Schmiede- 
berger Bahn Albert Schneider ist als Bauingenieur-Assistent 
an die Klotzsche-Königsbrücker Bahn nach Königsbrück versetzt. 

Im II. Semest. 1883 sind folgende Techniker mit Erfolg geprüft 
worden: 1) für daslngenieur fach im engeren Sinne: O.Hüppner 
aus Lichtenstein, K. W. H. v. Oertzen aus Muckrow, K. G. 0. 
Rietzsch u. P. R. Herrmann aus Dresden, E. A. Fritzsche aus 
Rübenau, G. A. Pr es sprich aus Grofsenhain, C. F. R. Müller 
aus Schöbritz, E. A. Cunradi aus Dresden, Th. A. M. Gallus aus 
Leipzig, C. R. Vetters aus Dresden, J. Decker aus Christiania, 

C. A. W. Voigt aus Dresden, 0. P. Noack aus Plauen, 

J. C. Peter aus Dresden, R. L. Müller aus Pirna, E. J. Winter 
aus Dresden, F. L. Grimm aus Dresden; 2) für das Ma¬ 
schinenfach: E. W. Kunze aus Zittau; 3) für das Hoch¬ 
baufach: G P. Kemlein ans Dresden, E. 0. Baumann 
aus Chemnitz, A. H. v. Pannewitz aus Schweinitz. C. 0. Reichelt 
aus Spremberg. 

Konkurrenzen. 

Eine aufserordentliche Konkurrenz des Architekten- 
Vereins zu Berlin zum 5. April d. J. betrifft den Entwurf 
zu einer Wohnhaus-Gruppe in Halle a. S. — vorläufig 
zu 3 in einer Gruppe zusammen fassenden kleinen Wohnhäusern 
im Gesammt-Kostenpreise von 80 000 Jl Zu 2 Preisen ist eine 
Summe von 800 Jl zur Verfügung gestellt; überdies behält sich 
der Bauherr das Recht vor, weitere Entwürfe für je 200 Jl an¬ 
zukaufen. _ 

Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Regie r.-Bmstr. F. hier. Sgraffito - Dekorationen 
im Aeufsern von Gebäuden haben sich hier nur an solchen Stellen 

gehalten, wo sie nicht dem Wurfregen ausgesetzt waren und dann 
die in Braun oder Schwarz ausgeführten Arbeiten besser als die 
buntfarbigen. Gute Kartons zu denselben haben die Historienmaler 
Hrn 0 Lessing, Meurer und Schaller angefertigt, ebenso der Deko¬ 
rationsmaler H. Estorff hier, Lindenstr. 79, welch letzterer auch 
die Ausführung übernimmt. Im übrigen finden Sie auch für den 
vorliegenden Zweck eine ganze Reihe von Adressen im Theü 111 
Seite 571 — Sgraffito-Malerei — des Berliner Adressbuchs. 

Hrn R. B. St. in W. Sie dürften inzwischen durch unser 
Blatt erfahren haben, dass allerdings Erleichterungen der bis¬ 
herigen Prüfungs-Ordnung in Aussicht stehen. Wie bald schon 
diese eintreten, ist sehr ungewiss und da es außerdem un¬ 
wahrscheinlich ist, dass die neuen Vorschriften rückwirkende 
Geltung erhalten werden, glauben wir Ihnen kaum rathen zu 
können, Ihren Eintritt in die Prüfung von der zuvorigen Inkraft¬ 
setzung der qu. Aenderungen abhängig zu machen. 

Hrn. G. in Mühlhausen. Es ist schon unzählige Male 
wiederholt worden, dass sich die moralische Berechtigung, nach 
den Sätzen der Honorarnorm zu liquidiren — eine formelle Be¬ 
rechtigung existirt nicht — nur . an die Qualität der Leistung, 
nicht an eine bestimmte Qualifikation der Person knüpft 

Hrn. S. E. Die hiesige Firma Schulz & Sackur, Wilhelm- 
strafse 121, fertigt Gasheizöfen, aller Art, darunter auch solche, 
bei denen eine Ableitung der Verbrennungs-Produkte nach außen 
stattfindet., die bei richtiger Aufstellung also die Verbreitung jener 

im Zimmer ausschliefsen. „ . 

Hrn. Stadtbmstr. M. in L. 1) Gasbehälter, deren Basins 
aus Gusseisen hergestellt worden, sind in England in großer 
Zahl zu finden in Deutschland wohl nur aus älterer Zeit. Gas¬ 
behälter mit Basins aus Schmiedeisen sind in Deutschland 
sehr selten; ein sehr bekanntes, und wohl das älteste Beispiel 
ist der vom Ing. E. Grahn in der Gasanstalt der Fr. Kruppschen 
Fabrik in Essen a. R. erbaute, frei auf der Erde stehende Gas¬ 
behälter, dessen Konstruktion durch die häufigen Erdbewegungen 
oberhalb der Essener Kohlenzechen veranlasst wurde, nachdem 
die gebräuchlichen gemauerten Basins in der Folge wiederholt 
Beschädigung erlitten hatten. Neuerdings sollen in Holland mehr¬ 
fach schmiedeiserne Bassins erbaut sein, z. B. auch, m Leyden, 
wahrscheinlich veranlasst durch schlechten Baugrund und dem ent¬ 
sprechend schwierige Fundirungen. Näheres über die Gasbehälter 
ist uns nicht bekannt, auch u. W. außer den Reklamen der 
Fabrikanten nichts veröffentlicht , . „ _ . . 

2) Betreff der Haltbarkeit des Gasbehälters bei Krupp ist 
uns Nachtheiliges nicht bekannt geworden ; die zuletzt genannten 
Ausführungen sind noch zu neu, um bezüglich ihrer Erprobung 
schon ein definitives Urtheil zu haben. Jedoch ist es nicht zu 
bezweifeln, dass die ganz in Eisen konstanten Behälter, selbst 
wenn sie nahezu vollständig über der Erde stehen, gegen Wind¬ 
druck vollständig sicher gebaut werden können. Dagegen werden 
sie im kontinentalen Winter mit seiner langwahrenden krost- 
periode jedenfalls erhebliche Schwierigkeiten verursachen, um 
das Zu- und Einfrieren der Glocken zu verhindern, Schwierig¬ 
keiten, welche jedem Gastechniker zur Genüge bekannt sind, 
welcher theilweis über der Erde befindliche gemauerte Bassins 
im Betriebe hat. Falls nicht besondere Umstände, unzuverlässiger 
Baugrund, hoher Grundwasserstand oder dergl. den Bau von 
schmiedeisernen Bassins zweckmäßig erscheinen lassen, ist es 
gewiss richtiger bei den bewährten aus Mauerwerk hergestellten 
Wasserbehältern zu verbleiben. 


Kommissionsverlag von Ernst Toecbe in Berlin. 


-——-- „ F n Pritgch Berlin Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berbn. 

Für die Redaktion verantwortlich K. E. O. hritscn, Benin. jl/iu 































DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


89 


No. 16, 


Inhalt: Gotthilf Heinrich Ludwig Hagen, f — Welche Maximal -Wassermengen 
haben städtische Abzugs - Kanäle während heftiger Gewitterregen thatsächlich ab¬ 
zuführen? — Die Burg Heinrichs des Löwen. — Zur Konkurrenz für Entwürfe 
r um Neubau des Nordischen Museums in Stockholm. — Veranschlagung der 
I Einnahmen projektirter Eisenbahnen. — Glasbilder im Restaurations - Lokal des 


Architektenvereins-Hauses zu Berlin. — Aus der bayerischen Hauptstadt. — Mit¬ 
theilungen ans Vereinen: Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hamburg.— 
Architekten-Verein zu Berlin. — Vermischtes: Wiedereinführung der Stempel- 
Verpflichtung für Bauverträge. — Konkurrenzen. — Personal-Nahrichten. 
Brief- und Fragekasten. 


Gotthilf Heinrich Ludwig Hagen. + 


it dem am 3. d. M. verstorbenen vormaligem 
preufsischen Ober-Landesbaudirector, Wirklichem 
Geheimen Rath Dr. Hagen, Exzellenz, ist eine 
jener Erscheinungen in der technischen und 
wissenschaftlichen Welt dahingegangen, wie sie 
in ihrer ursprünglichen Beanlagung von der Natur nur 
selten geschaffen, in ihrer Entwicklung von den Verhältnissen 
fast seltener noch in gleich günstiger Weise gefördert werden. 
Eine Erziehung und Ausbildung in der Jugend, wie sie ge¬ 
eigneter für die besondere Art und Weise dieser Natur kaum 
gedacht- werden kann — ein Leben reich an Mühen und Ar¬ 
beiten in den von allen Seiten heran tretenden grofsen Fragen 
des Faches, aber auch reich an äufseren Erfolgen und An¬ 
erkennungen — eine angestrengte Berufstätigkeit als Beamter, 
aber begleitet von dem Lohne, die Ergebnisse seiner Geistes- 
thätigkeit, theils selbst ausführen, theils von maafsgebender 
Stelle aus ihre Ausführungen im eigenen Sinne sichern zu 
können — eine Ueberfülle von wissenschaftlicher Thätigkeit 
als Schriftsteller und Lehrer, aber das Bewusstsein, als 
Lehrmeister des Faches in den weitesten Kreisen schon im 
eben beginnenden Mannesalter anerkannt zu sein: das 
sind die bestimmenden, wie gleichzeitig charakteristischen 
Seiten in dem Leben und Wirken des Verstorbenen. 

Die Geburtsstadt Hägens ist Königsberg i. Pr., sein Ge¬ 
burtstag der 3. März 1797. Ohne zuvorige Entscheidung 
für einen Spezial-Beruf bezog H. nach früher Absolvirung 
eines Gymnasiums die Universität Königsberg, _ wo er dem 
Studium naturwissenschaftlicher Disziplinen sich widmete. 
Eine besondere Anziehungskraft übte auf den jungen 
Studirenden die Lehrthätigkeit Bessel’s aus und demzufolge 
geschah es, dass jener seine Thätigkeit insbesondere den 
mathematisch-astronomischen Fächern zuwendete. Eine be¬ 
deutende Begabung für Beobachtungen, die sich zeigte 
— und die, wie vorgreifend bemerkt werden mag, gepflegt und 
erweitert durch die astronomischen Studien, das sichere hunda- 
ment für die ganze spätere wissenschaftliche Entwickelung 
Hägens gebildet hat — war es, welche zu näheren persön¬ 
lichen Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler führten, 
die später zu einem innigen Freundschaftsbunde sich ge¬ 
stalteten. 

Wohl ganz wider Erwarten Bessels geschah es, dass, als 
dieser dem 22jährigen Studenten den Vorschlag machte, in 
eine Assistentenstelle bei ihm einzutreten, Hagen das 
ehrenvolle Anerbieten ablehnte — um an Stelle der Astro¬ 
nomie das Baufach zu ergreifen. 

Noch im selben Jahre (1819) absolvirte H. dann die 
damals bestehende Feldmesserprüfung und dieser folgte im 
Jahre 1822 die eigentliche Fachprüfung. Nunmehr ging H. 
auf eine IV 2 jährige Studienreise durch Deutschland, Frank- 

I reich, Holland und das nördliche Italien, als deren Frucht 
im Jahre 1826 das mit grofser Anerkennung aufgenommene 
erste litterarische Werk Hägens „Beschreibung neuerer Wasser¬ 
werke in Deutschland etc.“ erschien. So bedeutend war gleich 
dieses erste Werk, dass dasselbe bis heute seinen ehrenvollen 
Ruf in der Fachwelt behauptet hat. 

Nach einer vorüber gehenden Beschäftigung bei der 
Regierung in Danzig erhielt H. bereits im Jahre 1827 als Hafen¬ 
bau-Inspektor in Pillau eine etatsmäfsige Anstellungdie bis 
zum Jahre 1831 angedauert hat. Diese 5jährige Thätigkeit als 
Hafenbau-Inspektor mit der verhältnissmäfsig grofsen Freiheit 
des amtlichen Wirkens, die sie gewährte, ist aut die Ent¬ 
wickelung Hägens von ähnlich grofsem Einfluss, wie das 
Königsberger Studium der Astronomie gewesen, insofern als 
sie Gelegenheit und Anlass zu genauen Beobachtungen, zur 
wissenschaftlichen und praktischen Verwertung derselben 
und zur Erprobung der aus unmittelbaren Beobachtungen ge- 
zogenen Folgerungen durch die lebendige Praxis bot. 

Nach der 1831 erfolgten Berufung Hägens als Ober- 
Baurath in die vormalige Technische Baudeputation in Berlin 
fiel demselben zunächst die Bauleitung der Wasserbausachen 
Rheinlands und Westfalens zu und er betrat damit das 
ihm verhältnissmäfsig neue Gebiet des Fluss- und btrom- 
baues. Ebenfalls neu war ihm die nun folgende Wirksamkeit 
als Lehrer an der Bau-Akademie sowie an der Vereinigten 
Artillerie- und Ingenieurschule, welche viele Jahre hindurch 
gewährt und erst geendet hat, nachdem PI. durch regel- 


mäfsiges Aufsteigen in der Beamten-Laufbahn zu den höchsten 
erreichbaren Stellungen vorgedrungen war. 1847 erfolgte 
die Beförderung zum Geheimen Ober-Baurath, 1850, bei Auf¬ 
lösung der Technischen Baudeputation, der Uebertritt als Vor¬ 
tragender Rath in das Handelsministerium. — Im Jahre 1853 
ging Hagen zur Bearbeitung der Entwürfe für den Kriegs¬ 
hafenbau an der Jade zeitweilig zum Marine-Ministerium 
über: ein Wechsel, der bei seinem Rücktritt ins Handels¬ 
ministerium auch einen Wechsel seines bisher verwalteten 
Dezernats mit sich brachte. Insbesondere lag ihm fortan 
die Bearbeitung der auf die See- und Hafenbauten der 
pommerschen und preufsischen Küste bezüglichen Vorlagen 
oh. Im Jahre 1869 wurde Hagen der Titel Ober-Landes- 
Baudirektor mit dem Range eines Rathes erster Klasse ver¬ 
liehen. 

Geistige und körperliche Rüstigkeit hielten hei Hagen 
in seltenem Grade an. Kurz vor der oben erwähnten Aus¬ 
zeichnung konnte er im Alter von 72 Jahren noch in voller 
Frische die Feier seines 50 jährigen Dienstjubiläums be¬ 
gehen und dabei zuversichtlich in eine noch weitere Fort¬ 
setzung seiner Amtsthätigkeit hinaus blicken. Dieser festliche 
Tag brachte durch das Zusammenwirken einer Anzahl be¬ 
freundeter Fachmänner und Grofsindustriellen die Grün¬ 
dung der „Hagen-Stiftung“ mit ihrer Aufgabe der Förderung 
strebsamer Techniker. 

Nach einigen Jahren machte sich indessen durch das 
Zusammenwirken zeitweiliger Geschäfts - Ueberbürdung mit 
einem Fufsübel aus älterer Zeit das Bedürfniss nach Ruhe 
von amtlicher Thätigkeit geltend. Doch hatten wiederholt 
vorgelegte Anträge auf Versetzung in den Ruhestand erst im 
Jahre 1876 Erfolg, in welchem Hagen, unter Verleihung der 
höchsten im Zivilstaatsdienste erreichbaren Würde des Cha¬ 
rakters eines „Wirklichen Geheimen Raths“ mit dem Prädikat 
„Exzellenz“, den Staatsdienst verliefs. Keineswegs war dieser 
Austritt aber gleichbedeutend mit dem Rückzug von fach¬ 
licher und wissenschaftlicher Thätigkeit überhaupt. Noch 
mehrfach nach diesem Zeitpunkt ist Hagen als Experte bei 
grofsen fachlichen Fragen aufgetreten — beispielsweise noch 
1882 in Hamburg bei der Anlage des Zollkanals ins¬ 
besondere aber hat er seine wissenschaftlichen und litterari- 
schen Arbeiten mit regstem Eifer und ungeschwächten Geistes 
bis unmittelbar zu seinem, im Alter von 83 Jahren, ein¬ 
getretenen Tode fortsetzen können. — 

Was aufseramtlich erlangte Ehren und Würden an¬ 
betrifft, so sind hier insbesondere anzuführen die von der 
Bonner Universität erfolgte Ernennung Hägens zum Ehren¬ 
doktor der Philosophie und die auf Alexander v. Humboldts 
Vorschlag geschehene Aufnahme in die Akademie der Wissen¬ 
schaften zu Berlin. Als Mitglied der letzteren hat H. eine 
sehr rege Arbeitsthätigkeit bei Behandlung von Fragen aus 
Gebieten der Naturwissenschaft, insbesondere denen der 
Physik und Mechanik entwickelt. 

Einen breiten Raum in seiner Thätigkeit nehmen auch 
die zahlreichen Konsultationen, Begutachtungen, schieds¬ 
richterlichen Geschäfte ein, zu welchen Hagen aus dem Aus¬ 
lande und Inlande berufen ward. Hier mag nur erinnert 
werden: an seine schiedsrichterliche Thätigkeit in der Streit¬ 
frage zwischen Holland und Belgien über den Abschluss der 
Osterschelde, seine Begutachtung der Regulirungs - Projekte 
für die Donau bei Wien, Gutachten über die Hafenanlage auf 
dem Hamburger Grasbrook, über die Korrektion des Rheins 
auf der nassauischen Strecke, über die Hafenbauten für Riga, 
über bauliche Projekte an der Unterweser, insbesondere 
auch an seine Theilnahme an den vom Erzherzog Reichsver¬ 
weser im Jahre 1848 angeordneten Berathungen über ein 
Gesetz, betreffend die deutschen Ströme. _ 

Die Leistungen Hägens auf schriftstellerischem Gebiete 
sind so zahlreich, dass allein schon der Umfang derselben 
den Schluss auf eine aufsergewöhnlich reiche Begabung 
des Autors auf diesem Felde ziehen lassen würde. Neben 
dem in 3 Abteilungen und 10 Bänden heraus gegebenen 
Handbuch der Wasserbaukunst“, das zum gröfseren Theile 
bereits in dritter Auflage erschienen ist, mögen speziell nur 
genannt sein: die ebenfalls mehrfach aufgelegten Grundzüge 
der Wahrscheinlichkeits - Rechnung, seine Untersuchungen 
über die Bewegung des Wassers in offenen und geschlossenen 






















90 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


23. Februar 1884 


Leitungen, über die Wellenbildung, über Gezeiten-Erscheinungen 
in der Ostsee, über Erddruck und Luftwiderstand, über Form 
und Stärke gewölbter Bögen etc. 

Ihrem Inhalte nach umfassen diese Schriften ein Material, 
das nicht nur in seiner Reichhaltigkeit, sondern noch mehr 
in der Beschaffung der für eine befriedigende Bearbeitung 
desselben unerlässlichen Unterlagen an praktischen Ver¬ 
suchen und Beobachtungen aufsergewöhnlich hohe 
Anforderungen an die Arbeits- und Geistesthätigkeit des Autors 
stellte. In diesen litterarischen Leistungen Hägens ist sein Ruhm 
auch vorzugsweise begründet; in ihnen hat er sich ein Denk¬ 
mal gesetzt, unendlich viel gröfser als in den relativ wenigen 
praktischen Ausführungen, mit denen sein Name in direkter 
Weise verknüpft ist. Welch hohen Werth man auch der 
durch Hagen erfolgten Fixirung eines für die Bauten an der 
Ostseeküste und in den Ostseehäfen geeigneten „Systems“ 
oder der von ihm in den Flussban hinein getragenen Bausysteme 
beilegen mag: hoch über dieser Bedeutung steht doch der 
Schriftsteller Hagen, der es — etwa wie Karmarsch mit der 
Technologie — verstanden hat, die früheren handwerksmäfsigen 
empirischen Verfahrungsweisen und Künste des Wasserbaues 
unter gemeinsame Gesichtspunkte zu bringen, sie geistig zu durch¬ 
dringen, zu erweitern und die Vorgefundenen Bruchstücke der 
Wasserbaukunde zu einer „Wissenschaft“ zusammen zu fassen, 
welche sich ebenbürtig den übrigen Erfahrungs-Wissenschaften 
an die Seite stellen darf. 

Der Zeitpunkt, wo die Hagen’schen Lehren und insbe¬ 
sondere seine Verachtung gegen handwerksmäfsige Regeln, 
sowie seine vollständige Durchdringung auch der kleinsten 


technischen Aufgabe mit wissenschaftlichem Geiste, seine 
sorgfältige Beachtung auch der anscheinend geringsten Neben¬ 
sächlichkeit bei Lösung eines technischen Problems Geltung 
im ganzen Gebiete des Faches erlangt hat, ist vielleicht noch 
fern und man kann zur Entschuldigung dieses Standes der 
Dinge anführen, dass die drängende Eile der amtlichen 
Thätigkeit, mitunter auch der Hochmuth, mit dem von höherer 
Verwaltungsstelle auf sogenannnte „theoretische Düfteleien“ des 
Beamten herab gesehen wird, wenig Ermuthigendes für den Beam¬ 
ten haben, im Geiste des grofsen Altmeisters des Faches zu denken 
und zu schaffen. Aufserdem ist anzuführen, dass es wenige giebt, 
die im Besitz eines geistigen Rüstzeuges sich befinden, wie 
der Verstorbene es besafs: gesammelte Beobachtun¬ 
gen mit Hülfe der Physik und Mathematik für 
die Praxis unmittelbar verwendbar zu machen. 
Hägens Befähigung nach dieser speziellen Richtung hin ging 
so weit, dass mancher Leser seiner Schriften geneigt 
sein wird, sich die Frage vorzulegen, ob bei Hagen die der 
Naturwissenschaft, speziell die der Naturbeobachtung zuge¬ 
wendete Seite seines Wesens nicht die der praktischen Technik 
zugewendete überwog? Wahrscheinlich wird es nicht Wenige 
geben, welche einer Bejahung dieser Frage zuneigen. Aber 
alle werden darin überein stimmen, dass nur ein solch um¬ 
fassender Geist die Fähigkeit besitzen konnte, ein Werk wie 
Hägens „Handbuch der Wasseibaukunst“ zu schaffen und sie 
werden es vom Standpunkte des Faches für eine glückliche 
Fügung des Schicksals betrachten, dass derselbe im Jahre 1819 
von der Astronomie sich ab und der Technik zuwendete. 

— B.— 


Welche Maximal-Wassermengen haben städtische Abzugs-Kanäle während heftiger Gewitterregen thatsächlich 

abzuführen? 

Vom städtischen Ober-Ingenieur C. Mank in Dresden. 


Die oben gestellte Frage ist bereits von den verschiedensten 
Seiten aufgeworfen und auf die verschiedenste Weise beant¬ 
wortet worden. Sie ist von der allergröfsten Tragweite, da 
die Unterschätzung der bei Gewitterregen abzuführenden Wasser¬ 
massen die Wahl zu kleiner Kanalquerschnitte und diese wieder 
die UeberschwemmiiDg einzelner Strafsen und Stadttheile während 
heftiger Gewitterregen zur Folge hat. 

Um zu einer Lösung der Frage zu gelangen, habe ich den 
Weg der Beobachtung eingeschlagen, weil auf rechnerischem 
Wege in Folge der grofsen Zahl unberechenbarer Einflüsse 
m. E. zu einem zutreffenden Resultate nicht zu kommen ist. 

Diese Beobachtungen bestanden in der Ermittelung der 
Wassermengen, welche in Dresdener Sammel-Kanälen während 
starker Gewitterregen abgeführt wurden. 

Eine ganz besonders maafsgebeode Beobachtung war die am 
2. Juli 1877. An diesem Tage ging um 30 Minuten nach Mittag 
ein aufserordentlich starker Gewitterregen nieder, welcher bis 
2 Uhr Nachmittags andauerte. Die Ablesung am Regenmesser 
ergab, dass 25 Minuten lang der Regen in einer Stärke gefallen 


war, welche eine Regenhöhe von 49,8 mm pro Stunde ergab. 
Diesem Maximum des Niederschlags entsprechend ging der in 
der Ostra-Allee befindliche Sammel-Kanal bis an den Gewölbe¬ 
scheitel voll mit Wasser. 

Genannter Kanal besitzt ein relatives Gefälle von 4- = -i- 

L 452 

einen benetzten Umfang von s = 4,6 m und einen freien Durch¬ 
flussquerschnitt von F = 1,25 q™ und führt demnach in Ge- 
mäfsheit der Bazin’schen Formel: 


V = 


v-'; 


s 

F 


in welcher unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der 
Kanal im Innern vollständig mit einem glatten Zementputz versehen, 

a = 0,00015 und ß = 0,0000045 

zu setzen ist, das Wasser mit einer Geschwindigkeit von: 


Die Burg Heinrichs des Löwen. 

(Fortsetzung.) 

jrgjigj estimmte urkundliche Nachrichten über die Bauthätigkeit 
U e > nr i c hs des Löwen in seiner nordischen Residenz sind 
— 1 nicht vorhanden; doch lässt sich mit einiger Wahrschein¬ 
lichkeit annehmen, dass der von ihm unternommene Neubau der 
eigentlichen Burg in die Zeit zwischen d. J. 1152 und 1166 zu 
setzen ist. 1152, mit der Thronbesteigung Friedrich Barbarossa’s 
begann eine längere Periode des Friedens zwischen Hohenstaufen 
und Welfen; in das Jahr 1166 aber verlegt die Tradition die 
Errichtung des Löwen-Standbildes vor der Burg, welche doch 
offenbar auf einen gewissen Abschluss der Arbeiten hindeutet. 
Nur der Bau des Domes zu St. Blasien gehört einer späteren 
Zeit an. Er ward 1175 nach der Rückkehr des Herzogs aus 
dem Orient — vielleicht zur Lösung eines auf dieser Pilgerfahrt 
abgelegten Gelübdes — begonnen und gelangte nach 20 jährigem, 
durch kriegerische Wirren wiederholt unterbrochenem, Bau¬ 
betriebe, kurz vor dem Tode seines Stifters zur Vollendung. Mit 
diesen Zeitbestimmungen stehen die Ergebnisse, welche aus einer 
Vergleichung der noch vorhandenen Baureste mit anderen sicher 
datirten Bauwerken sich gewinnen lassen, durchaus im Einklang. 

Keinem Zweifel unterliegt es jedenfalls, dass die Burg zu 
Braunschweig in den letzten 4 Jahrzehnten der Regierung des 
Herzogs sein bevorzugter Sitz, die Stätte seiner höchsten Herrscher- 
Triumphe und seine Zuflucht in den Tagen des Unglücks war. 
Hier schaarte er wiederholt die mit ihm wider die Hohenstaufen 
verbündeten deutschen Grofsen um sich, empfing er die Gesandt¬ 
schaft des griechischen Kaisers und feierte er seine Vermählung 
mit Mathilde von England. Hierher verlegte das Volk die Sagen, 
welche sich an die Wiederkehr des Herzogs mit seinem Löwen 
aus dem gelobten Lande knüpfen. Von hier aus ging er, von 
dem vormals durch ihn gedemüthigten Kaiser besiegt, zwei Mal in 
die Verbannung, um schliefslich am 6. August 1195 hier auch 


zur ewigen Ruhe einzugehen. Wahrlich, eine Stätte historischer 
Erinnerungen, wie sie nicht allzu viele Punkte Deutschlands 
aufweisen können und wie sie die Weifenstadt aus keiner späteren 
Epoche ihres Daseins gröfser aufzuweisen vermag! 

Es gewährt der Phantasie einen eigenen Reiz, sich auszu¬ 
malen, wüe die Residenz des mächtigsten deutschen Fürsten in 
der Glanzperiode deutschen mittelalterlichen Lebens sich dar¬ 
gestellt haben mag, und das Interesse der Winter’schen Publi¬ 
kation gipfelt daher begreiflicher Weise in der Restauration, die 
der Verfasser von der Erscheinung der Burg zu dieser Zeit ent¬ 
worfen hat. Auch von seiner Seite ist dieselbe mit besonderer 
Vorliebe behandelt worden; denn sie umfasst aufser einem 
Situationsplan der Stadt und dem auf S. 69 d. Bl. in seinem 
Haupttheil wieder gegebenen Situationsplan der Burg eine prächtig 
ausgestattete Vogel-Perspektive der ganzen Anlage, den Grundriss 
der Palas- und Stiftsbauten, sowie 2 geometrische Ansichten der 
letzteren von innen und aufsen her. Selbstverständlich konnten 
trotz aller Sorgfalt der Forschung, welche darauf verwendet 
worden ist, nicht mehr so viel Anhaltspunkte gewonnen werden, 
dass sich daraus alle Einzelheiten der damaligen Anlage auch 
nur annähernd hätten fest stellen lassen. Sowohl in Bezug auf 
die Situation, noch mehr aber in Bezug auf die äufsere Er¬ 
scheinung der verschiedenen Bauwerke waren willkürliche An¬ 
nahmen nicht ganz zu vermeiden und namentlich diejenigen der 
letzteren Art mögen vielfach anfechtbar sein, so sehr der Architekt 
auch bemüht war, hierbei an verwandte Denkmale derselben Epoche 
und Schule sich anzulehnen. Immerhin fufst jedoch die Restau¬ 
ration auf so solider Grundlage, dass wenigstens die Hauptzüge 
des durch sie gelieferten Bildes einigen Anspruch auf Richtigkeit 
machen können. 

Uns soll an dieser Stelle weder die Begründung der Winter- 
schen Annahmen noch eine Kritik derselben beschäftigen. Wir 
begnügen uns vielmehr, einfach jenem Bilde nachzugehen. 

Auf einem flachen, aus niedrigem Sumpfland ansteigenden 



















No. 16. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


91 


V; 


1,25 1 

4,6 Ütf 


0,00015 + 0,0000045 


4,6 

1,25 


1,9 m 


pro Sek. ab und schafft dabei in derselben Zeit eine Wasser- 
menge von: 

1,9 . 1,25 = 2,375 cbm 

zum Elbstrome ab. 

Das zugehörige Entwässerungs-Gebiet umfasst einen Flächen¬ 
raum, welcher sich wie folgt zusammen setzt: 

a) 198 775 q™ mit geschlossenen Häuserreihen und mit wasser¬ 

dicht abgepflasterten Höfen versehenes Land 

der alten Stadt, 

b) 664 482 q“ mit geschlossenen Häuserreihen, welche Gärten 

einschliefsen, versehenes Land der neueren 

Stadt und 

c) 459102 q“ mit frei stehenden, von Gärten umgebenen Häu¬ 

sern, sogen. Villen-Bauland. 

Bei dem ad a bezeichneten Lande ist die gesammte Fläche, 
Strafsen, Höfe, Dächer etc. wasserdicht; es ist somit die gesammte 
Fläche als Entwässerungsfläche in Rechnung zu stellen. 

Beim Lande b) dagegen ist nach dem Resultate vorgenommener 
Ausmessungen nur 0,67 der Fläche wasserdicht, der übrige 
Theil ist Gartenland und verschluckt das Regenwasser. Bei der 
Fläche ad c ist, vorgenommener Messung zufolge, nur 0,34 der Fläche 
wasserdicht; der Rest ist Gartenland, welches das Regenwasser 
aufnimmt und versinken lässt. 

Es betrug demnach die Landfläche, welche wirklich entwässerte 
und die Wassermenge von 2,375 cbm dem Kanäle zuführte: 

198 775.1 4- 664 482.0,67 + 459 102.0,34 = 800 070 oder rd. 800 000 qm. 

Die der beobachtenden Wassermenge von 2,375 cbtn und der 
berechneten Entwässerungsfläche von 800 000 9“ entsprechende 
durch den Sammelkanal abzuführende Regenhöhe pro Stunde 
bestimmt sich hiernach zu: 

3 600 000.2,375 

- = 10,687 mm . 

800 000 ’ 

Nun ist aber der am 2. Juli 1877 beobachtete Regenfall 
nicht der gröfste; denn am 9. Juni 1862 wurde in Dresden ein 
noch bedeutenderer Regenfäll, welcher einer Regenhöhe von 64,8 mm 
pro Stunde gleichkam, beobachtet. Diesen gröfsten Regenfall zu 
Grunde gelegt enthält man die dem vorgenannten Entwässerungs¬ 
gebiet von 800000 q m Fläche entsprechende abzuführende Maximal- 
Regenhöhe zu: 

10,687.64,8 


49,8 


13,9 oder rd. 14 mm . 


von 0 bis 800 000 q™ und als die entsprechenden End-Ordinaten 
die zugehörigen Regenhöhen von 14 beziehentlich 64,8 Ir ' m , wie 
die beigesetzte Figur zeigt, aufträgt. Nimmt man nun 
an, dass bei einer Fläche von 800 000 q m das Kanal¬ 
wasser in einem Beharrungszustand fliefse, der Werth 
von 14™™ sich also nicht verringere, auch dann nicht, 
wenn die Entwässerungsflächen gröfser als 800 000 9 ™ 
werden, so wird die Linie AB in der Figur parallel 
der Abszissenaxe sich fortbewegen. Nimmt man ferner 
an, dass bei einem Entwässerungsgebiet nahe der 
Gröfse Null die zugehörige durch den Kanal ab¬ 
zuführende Regenhöhe 64,8 betrage, so wird die 
Linie CD rechtwinklig zur Abszissenaxe liegen. Wenn 
man nun einen biegsamen Stab A D an die 
Linien A B und C D anlegt, so erhält man als 
mittleres Stück eine krumme Linie B C, welche 
Ordinatenlängen begrenzt, die für die ent¬ 
sprechenden Entwässerungsgebiete die 
abzuführenden Maximal-Regenhöhen an 
geben. 


n 


'2 


A £ _-- 



ff 1 

4- 



JJJ 




800000 700000 600000 .<00000 WOOOO 300000 200000 >00000 


ojrn 


Beispielsweise würde nach der Figur einem Entwässerungs¬ 
gebiete von 300 000 9“ eine durch den Kaual abzuführende 
Maximal-Regenhöhe von 22.3 mm zukommen. 

Für den praktischen Gebrauch wird man die Entwässerungs¬ 
flächen, mit welcheu man zu rechnen hat, in gewisse Abschnitte 
eintheilen und für diese Abschnitte, also z. B. für den Abschnitt 
von 0 q™ bis 25 000 q™ das arithmetische Mittel der beiden zu¬ 
gehörigen Ordinaten, also — 58,0 als zugehörige 

Maximal-Regenhöhe fest setzen. Die zugehörige, pro Sek. von der 
Fläche F q“ abzuführende Wassermenge bestimmt sich zu: 

5g # JF 

-— * ‘ = 0,000,016 F ( cbm ) p ro Sekunde. 

1000 . 3 600 

Entsprechend dieser Betrachtung ist die nachstehende Tabelle 
berechnet worden: 

Tabelle I. 


Das heilst: dem Sammelkanal, welcher ein 800 000 9™ betra¬ 
gendes Terrain zu entwässern hat, wird im Maximum pro Sek. 
64 8 

nur der — 4,6teu Theil derjenigen gröfsten Regenmenge zu- 

fliefsen, welche auf die oben genannte Entwässerungsfläche fällt. 

Je kleiner aber die Entwässerungsflächen werden, desto 
mehr nähert sich die pro Zeiteinheit im Kanal abzu¬ 
führende Regenmenge der wirklich fallenden und für 
ein unendlich kleines Entwässerungsgebiet würde die abzuführende 
Regenmenge gleich der niederfallenden sein. 

Diese Thatsache lässt sich auf graphischem Wege vielleicht 
so ausdrücken, dass man als Abszissen die Entwässerungsflächen 


No. 

Entwässerungsfläc.he in 

qm 

Abzuföhrende 
Regenhöhe in 

mm 

Abznfülirende Wasser¬ 
menge pro Sek. in 

1 

0 — 25 000 

58,0 

0,000 016 F 

2 

25 000 — 50 000 

48,3 

0,000 013 F 

3 

50 000 — 100 000 

41,6 

0,000 012 F 

4 

100 000 — 200 000 

31,9 

0,000 081 F 

5 

200 000 — 300 000 

25,2 

0,000 070 F 

6 

300 000 — 400 000 

20,5 

0,000 057 F 

7 

400 000 — 500 000 

17,5 

0,000 049 F 

8 

500 000 — 600 000 

15,8 

0,000 043 F 

9 

600 000 — 700 000 

14,7 

0,000 041 F 

10 

700 000 — 800 000 

14,2 

0,000 039 F 

11 

800 000 — CD 

14,0 

0,000 039 F 


Hügel hart am linken Ufer der Oker gelegen, auf der anderen 
Seite von einem aus dieser abgeleiteten Graben umflossen und 
im weiteren Umkreise von der Alt- und Neustadt Braunschweig 
auf dem linken, von dem Hagen, der Altewik und dem St. Aegi- 
dien-Stift auf dem rechten Okerufer umgeben, bildete die Burg 
ebenso die Zitadelle der Stadt, wie sie durch ihre Lage und ihre 
Yertheidigungswerke — eine mit Thürmen bewehrte Ringmauer — 
gegen diese geschützt war. Das von der Mauer eingeschlossene 
Terrain der Insel betrug nach seinen beiden gröfsten Abmessungen 
etwa 200 m zu 140 m . Der Haupteingang zur Burg führte von 
Westen her durch die Feld- und Gartenländereien derselben, das 
sog. „Vorblek“ über den Burggraben; er war durch einen Thor¬ 
thurm mit Zugbrücke gesichert. Ein zweiter untergeordneter 
Eingang im Osten vermittelte die Verbindung mit dem Hagen 
und dem sog. Jägerhof, einer südlich der Burg liegenden, durch 
Erdwall und Palissaden geschützten Insel, die den Bergbewoh¬ 
nern zu Spiel und Vogelfang diente. 

Innerhalb der Burg waren 3 Gebäudegruppen zu unter¬ 
scheiden. Im Osten die eigentliche Palas-Anlage, bestehend 
aus dem Saalbau, der Burgkapelle und den Kemenaten (Wohn- 
räumen). Im Süden der Dom mit dem Kapitelhause,_ Kreuz¬ 
gange und Stiftsgebäude; auch die Speicher der Burg sind hier 
zu suchen. Im Nordwesten endlich die Vogtei mit dem Ruland, 
die Stall- und Wirthschafts-Gebäude, sowie die Wohnungen der 
Burgmannen. Inmitten des Hofes, sowohl den Eintretenden wie 
aus den Haupt-Gebäuden Bichtbar, erhob sich endlich auf hohem 
Postamente der vergoldete eherne Löwe, das bedeutsame Symbol 
der königlichen Macht nicht nachgebenden herzoglichen Herrschaft. 
Von jener Anlage im Nordwesten, sowie von den kleineren Ge¬ 
bäuden im Süden wissen wir wenig oder nichts, während der 
Dom als ein altbekanntes Baudenkmal angesehen werden kann: 
es ist daher die Palas-Anlage, auf welche sich unser Interesse 
um so" mehr konzentrirt, als die neuerdings aufgefundenen Reste 
ihr angehören. 


Von der Beschaffenheit des repräsentativen Haupttheils derselben, 
des Saalbaues, liefs sich nach diesen Resten und nach dem 
Vorbilde anderer uns noch verbliebener Pfalzen des romanischen 
Stils zu Goslar, Eger, Gelnhausen, Münzenberg, Seligenstadt, auf 
der Wartburg, ein ziemlich vollständiges Bild hersteilen. In 
2 Geschossen errichtet und im Aeufseren 42 m lang, 15 m br. 
enthielt er in dem durch eine steinerne Arkade getheilten, mittels 
kleiner Rundbogenfenster erleuchteten Erdgeschoss den zum 
Aufenthalt und als Speisesaal der Dienerschaft bestimmten Raum, 
während der obere ungetheilte, durch gröfsere Gruppenfenster 
erleuchtete Raum von rd. 40 m Lg. u. 13,25 “ Br. als Empfangs-, 
Fest- und Speisesaal der Herrschaft benutzt wurde. Ein breiter Vorbau 
im Westen, zu dessen Obergeschoss eine Freitreppe empor führte, 
diente als Eingang von aufsen, während auf der Südseite eine 
Verbindung mit den Kemenaten bestand. Die Skizzen auf S. 92 
geben einen Durchschnitt des in beiden Geschossen mit Balken¬ 
decken versehenen Gebäudes, sowie eine Ansicht der dem Berg¬ 
graben zugekehrten Ostfront desselben, die — wie bei allen 
übrigen Theilen der Palasanlage — au dieser unzugänglichsten 
Stelle der Insel die Ringmauer zu ersetzen hatte. Die Bestimmung 
zweier von aufsen zugänglicher, gangartiger gewölbter Räume 
unter dem Erdgeschoss des Hauses ist noch nicht genügend 
aufgeklärt. 

Auch für den zweiten Haupttheil der Anlage, die Burgka¬ 
pelle zu St. Georg, deren Fundamente noch vollständig erhalten 
sind, fehlt es nicht an gesicherten Anhaltspunkten. Es war eine 
im Osten mit 3 Chornischen, im Westen mit 2 Thürmen ver¬ 
sehene überwölbte Doppelkapelle — im Innenraum 15,50 111 zu 
10,50™ grofs; alte Urkunden melden von ihrer kostbaren Aus¬ 
stattung mit Säulen von Marmor und Jaspis, die der Herzog zum 
Theil aus dem Orient mitgebracht haben soll — vermuthlich 
jedoch nur den Altären angehörig, da die Kapelle jedenfalls ein 
Pfeilerbau strengen S ils war. Ueber die Anlage der Kemenaten 
geben im wesentlichen nur die noch vorhandenen Fundament- 


































92 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


23. Februar 1884 


Mit Hilfe dieser Tabelle kann man sehr leicht die von einem 
gegebenen Entwässerungsgebiet von der Fläche F in der Sek. 
abzuführende Maximal-Wassermenge in cbm ausrechnen, indem 
man in der Spalte 1 der Tab. 1 nachsieht, in welche Flächen¬ 


nummern die in Frage stehende Entwässerungsfläche gehört und 
nachdem dies ermittelt worden ist, den betr. in der Spalte 4 zur 
Berechnung der Wassermenge ersichtlichen Werth in Rechnung 
Stellt. (Schluss folgt.) 


Zur Konkurrenz für Entwürfe zum Neubau 

Auf den in No. 10 d. BL zum Abdruck gelangten Artikel 
über die in Rede stehende Konkurrenz erlaube ich mir in Bezug 
auf die Kritik meines mit dem II. Preise bedachten Projektes 
Folgendes zu erwidern: 

Wenn der Hr. Berichterstatter meint, dass gerade meine 


des Nordischen Museums in Stockholm. 

genossenschaft hier gleichfalls mitzutheilen mir gestatte, nicht 
ganz zutrifft. Einmal dienen die bezgl. Höfe nur zur Beleuch¬ 
tung von Korridoren, bezw. einer Reihe kleiner Kojen, die ja 
aufserdem noch von der Haupthalle her beleuchtet werden, also 
ziemlich untergeordneter Räume — aufserdem aber sind diese 



Arbeit das beredste Zeugniss dafür liefere, dass die eigentliche 
Lösung der Aufgabe auf dem hier eingeschlagenen Wege nicht 
möglich war, da die Höfe zwischen den beiden Parallelgebäuden 
zu schmal und daher die Beleuchtung der an sie anstofsenden 
Räume ungenügend sei, so glaube ich denn doch, dass dieser 
Ausspruch bei meinem Projekte, dessen Grundriss ich der Fach- 


Höfe selbst von sehr erheblichen Dimensionen, 9 ,n tief und über 
40 111 lang, bei einer Höhenerhebung von nur 2 Geschossen aufser 
dem Sockelgeschoss. Ich kann also den mir gemachten Vorwurf 
ungenügender Beleuchtung als stichhaltig nicht anerkennen. 
Berlin, den 3. Februar 1884. 

H. Mahrenholz, Architekt. 


Veranschlagung der Einnahmen projektirter Eisenbahnen. 


Aus einer Mittheilung in No. 1 er. dies. Zeitg. geht hervor, 
dass die Ermittelung einer Zahl für die „ k o m m e r z i e 11 e B e v ö 1 - 
kerung“ der Stationsorte, welche ich in meiner Arbeit über die 
Veranschlagung der Einnahmen projektirter Lokalbahnen (siehe 
Jahrg. 1881, S. 216 d. Bl.) in Anregung gebracht habe, im Prin¬ 
zip bei Bearbeitung bayerischer Sekundärbahn -Projekte Anwen¬ 
dung gefunden hat. 

Reste Rechenschaft, doch befinden sich unter den wieder aufge¬ 
fundenen versprengten Architekturstücken neben solchen, die 
offenbar von einem gewölbten Pfeilerbau, also der Kapelle her 
rühren, auch solche, die ihrem Maafsstabe nach nur von den 
Kemenaten herstammen können. Die dem Saalbau und der Burg- 


Es wird erlaubt sein, dass ich im Nachstehenden mittheile 
wie bei Prüfung der hessischen Sekundärbahn-Projekte an zu¬ 
ständiger Stelle in dieser Sache verfahren worden ist. 

In einer hierüber vorliegenden Arbeit vom J. 1882 wird über 
eine bestimmte, in Oberhessen projektirte und der Ausführung 
entgegen gehende Bahn im wesentlichen Folgendes gesagt: 

Die Berechnung der muthmaafslichen Einnahmen stützt sich 

oder ob der darüber liegende Raum im Obergeschoss, der durch 
eine Brücke mit der gegenüber befindlichen Ecke vom nördlichen 
Querschiff des Doms verbunden war, als solches anzusprechen 
ist. Der hinter dem Chor des Doms belegene Theil der Keme¬ 
nate dürfte für das Frauenhaus zu halten sein, doch weisen die 



kapelle zunächst gelegenen Theile, zu denen im Süden des Saal¬ 
baues eine Freitreppe empor führte, ist als die Herrenwohnung 
zu betrachten und es darf insbesondere der an der Ecke im 
Mittelpunkt der ganzen Palas-Anlage belegene Raum von 8,5 zu 
6,5 m als das Wohnzimmer des Herzogs selbst angesehen werden; 
unentschieden bleibt es freilich, ob der Raum im Erdgeschoss 


noch heute erhaltenen sehr starken Mauern eines quadratischen 
überwölbten Raumes an jener Stelle darauf hin, dass dieser Ke¬ 
menate ein Thurm von ansehnlichen Dimensionen mit angehörte, 
der unter den Vertheidigungswerken der östlichen Burgfropt wohl 
die erste Rolle spielte und den Burgfried anderer Schlösser zu 
ersetzen geeignet war. 




















































































































































































































No. 16. DEUTSCHE BAUZEITUNG. 93 


auf Verkehrs-Koeffizienten, welche aus dem letzten Jahresberichte 
der Oberhessischen Eisenbahnen für eine Anzahl Stationen er¬ 
mittelt sind, d. h. auf die Anzahl der jährlich zu lösenden Billete 
bezw. der jährlich abgehenden Tonnengüter, welche auf eine Person 
der kommerziellen Bevölkerung der betr. Stationen gerechnet 
werden können. 

Unter „kommerzieller Bevölkerung“ ist die Einwohnerzahl 


im Güterverkehr 0,8 Tonnen Güter pro Kopf der kommerziellen 
Bevölkerung und zwar in jeder Richtung. Bei dem für den 
vorliegenden Zweck in Betracht gezogenen Stationen der Ober¬ 
hessischen Bahnen berechnet sich der Personenverkehr - Koef¬ 
fizient durchschnittlich zu 7,6 und der Güterverkehr - Koeffi¬ 
zient durchschnittlich zu 8,9. Diese Koeffizienten dürfen je¬ 
doch bei der zu untersuchenden Nebenbahn nicht voll in 



der Stationsorte, plus einer gewissen Zahl Bewohuer der den Ver¬ 
kehr beeinflussenden Nachbarorte verstanden. Die Gröfse des 
Einflusses der Nachbarorte steht etwa im umgekehrten Verhältnis 
zur (kilometrischen) Entfernung dieses Orts vom Stationsorte. 

Für die in Frage stehende Linie wurden bei Ermittelung 
der Verkehrseinnahmen als Maximalwerthe die Verkehrs-Koeffi¬ 
zienten in Rechnung gestellt): im Personenverkehr 5 Reisende, 


Rechnung gestellt werden, wenn man erwägt, dass der Per¬ 
sonenverkehr derselben beeinträchtigt wird durch die geringere 
Anzahl der Züge, die geringere Fahrgeschwindigkeit, die unge¬ 
nügenden Anschlüsse und die höheren Tarifsätze, welch letzteren 
als unvermeidlich auch bei ähnlichen Zweigbahnen in Anwendung 
kommen. Der Güterverkehr dürfte auch Einbufse erleiden durch 
die parallel der Bahn herlaufende gute Chaussee, auf welcher 


So hat das Bild von der Hofburg Heinrichs des Löwen, die 
man sich im Innern jedenfalls mit aller Pracht und allem Komfort, 
gen das christliche Abendland damals überhaupt kannte, aus¬ 
bestattet zu denken hat, immer 
uestimmtere Gestalt gewonnen, 
dnd lässt man den Blick auf 
der mit künstlerischer Phan¬ 
tasie gestalteten Gesammt- 
Ansicht weilen, die Hr. Winter 
von ihr entworfen hat, so 
wird man sich gern dem 
schönen Glauben hingeben, 
dass sich der Sitz des ge¬ 
waltigen Weifenfürsten in den 
Tagen seines Glanzes so und 
nicht anders dargestellt habe. 

Leider waren diese Tage 
des Glanzes von verhältniss- 
mäfsig kurzer Dauer. Die 
unmittelbaren Nachfolger des 
Löwen, sein zum deutschen 
Kaiser ernannter Sohn Otto IV. 

(f 1218), sein zweiter Sohn 
Heinrich (f 1227) und sein 
Enkel Otto das Kind (f 1252) 
setzten zunächst die präch¬ 
tige Hofhaltung ihres Vor¬ 
gängers fort. Unter letzterem 
Fürsten gerieth die Burg vor¬ 
über gehend in die Gewalt 

Kaiser Friedrichs II. und kurz vor Otto’s lode, als dieser das 

Beilager seiner Tochter mit dem zum deutschen König er¬ 
wählten Grafen Wilhelm von Holland feierte, äscherte ein ge¬ 
waltiger Brand, aus dem die Neuvermählten nur mit Noth das 



Das grofse Mosthaus zu Braunschweig 
gegen Ende d. IT. Jahrh. 


Leben retteten, den Paias ein. Derselbe wurde jedoch un¬ 
mittelbar darauf wieder hergestellt und diente weiterhin Otto’s 
Sohne Herzog Albrecht (f 1279) zur Residenz. 

Erst mit dem Tode dieses 
Fürsten wurde — in Folge 
der fortgesetzten Landesthei- 
lungen seiner Erben einer¬ 
seits und der mächtig auf¬ 
strebenden Macht des städti¬ 
schen Gemeinwesens anderer¬ 
seits — die Burg zu Braun¬ 
schweig, welche im gemein- 
schaftlichenBesitz sämmtlicher 
Linien verblieben und nach 
wie vor Sitz eines Vogtes war, 
als Residenz aufgegeben und 
gerieth allmählich mehr und 
mehr in Verfall. Im XIV. 
und XV. Jahrhundert muss 
sie jedoch noch andauernd in 
wohnlichem Zustande unter¬ 
halten worden sein; denn die 
Geschichte weifs von mehren 
dort abgehaltenen Festlich¬ 
keiten zu berichten. Ja ein¬ 
zelne Bautheile gothischen 
Stils, die im Füllmauerwerk 
späterer Ausführungen ge¬ 
funden worden sind, deuten 
darauf hin, dass sogar neue 
Bauten dort unternommen wurden. Wahrscheinlich sind die¬ 
selben in den Stiftsgebäuden zur Ausführung gelangt; wie 
denn auch am Dome selbst 1340 eine Erneuerung des südlichen, 
1469 eine solche des nördlichen Seitenschiffs in den Formen des 



















































































































































































































































































































































































































































































































































94 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


23. Februar 1884 


das Landfuhrwerk, besonders für Massentransporte und in Be¬ 
tracht der erhöhten Eisenbahn-Tarifsätze, immerhin konkurrenz¬ 
fähig bleibt. 

Hiernach erscheint die Anwendung der oben angegebenen 
geringeren Zahlen als Maximalwerte gerechtfertigt. Die Ver¬ 
kehrskoeffizienten werden überdies nicht gleich grofs, sondern je 
nach der Wohlhabenheit und der Steuerkraft der Stationsorte, 
gröfser oder kleiner angenommen. 

Das hier mit Beziehung auf eine Bahn besprochene Ver¬ 


fahren , insbesondere die Ermittelung der kommerziellen Be¬ 
völkerung «i nach der Formel e L — e 2 -f- E (-y) (wo e 2 Ein¬ 
wohnerzahl des Stationsortes, e Einwohnerzahlen der Orte des 
Hinterlandes, l Entfernung derselben vom Stationsorte in km ), 
hat auch bei Prüfung sonstiger zahlreicher Bahnprojekte und 
zwar anscheinend mit gutem Erfolge Anwendung gefunden. 

Darmstadt, Februar 1884. Sonne. 


Aus der bayerischen Hauptstadt. 


Ein ziemlich reges Leben macht sich z. Z. auf dem Gebiete 
des Bauwesens bemerkbar. Verschiedene Projekte befinden sich 
theils noch im Stadium der Erörterung, theils sind sie schon der 
Ausführung nahe. Anderseits gehen hervor ragende Neubauten 
ihrer Vollendung entgegen. 

Wir beginnen unsern Bericht mit letzteren. Hier haben wir 
besonders die binnen kurzem zu erwartende Fertigstellung eines 
der bedeutendsten Münchener Bauwerke zu koostatiren: des 
grofsen Zentralbahnhofs* Nachdem bereits im Laufe des 
jüngst verflossenen Jahres die letzte — 4. — Halle dem Verkehr 
übergeben worden, sind mit Ende desselben auch die Innenräume 
(Wartesäle) des nördlichen Flügels der Vollendung nahe gerückt; 
ebenso ist auch der an der Bayerstrafse gelegene Königs-Pa¬ 
villon nach Aufsen und Innen fertig gestellt. Letzterer verdient 
eine etwas nähere Beschreibung. An der Aefsenfa§ade desselben 
wurde noch vor Jahresschluss die Kolossalgruppe des Bildhauers 
Dennerlein aufgesetzt, welche aus 2 weiblichen sitzenden Figuren 
von Ueberlebensgröfse besteht, allegorischen Darstellungen der 
Regenten-Tugenden: Gerechtigkeit und Wahrheit, die zwischen 
sich das bayerische Wappen halten. Das Material ist Merlera¬ 
stein aus Istrien. Das nunmehr vollendete Innere besteht aus 
dem überwölbten Vestibül und 3 Sälen — dem mittleren Haupt¬ 
raum von 8 eckiger Grundform, einem kleinen, einfacher gehal¬ 
tenen, für die Dienerschaft und einem Saale für das höhere 
Gefolge. Letzterer, welcher eine reiche Eichenholz-Vertäfelung 
aufweist, dient auch als Wartesalon für reisende Fürstlichkeiten 
zweiten Ranges. Zwischen den Sälen befinden sich Toiletten¬ 
zimmer. Der 10 m hohe Hauptsaai hat ein Spiegelgewölbe mit 
Stiebkappen und zeigt eine reiche Dekoration durch Stuck, Malerei 
und Vergoldung; die Lünetten des Deckengewölbes enthalten 
8 Gemälde von Knab, hervor ragende öffentliche Bauwerke aus 
den 8 Provinzen des Königreichs, zu welchen das bayerische 
Herrscherhaus Beziehungen hat, darstellend: Ruhmeshalle mit 
Bavaria, Hohenschwangau, Dome von Speyer und Bamberg, Burg 
in Nürnberg, Marienberg bei Würzburg, Trausnitz, Walhalla. Iu 
Wandnischen stehen die Büsten der 4 bayerischen Könige von 
Hartmann. Sämmtliche Stückarbeiten, einschliefslich des Stuck¬ 
marmors wurden vou der Firma Gebrüder Hauer in Dresden und 
München ausgefübrt. — Die Beleuchtung erfolgt bei Nacht durch 
40 elektrische Glühlichter nach System Swan. 


* Man vergl. die Mittheilungen über denselben auf S. 333 u. 360 Jhrg. 5 881 d. Bl. 

gothischen Stils erfolgte und ebenso der obere Theil der Thurm¬ 
front eine Umgestaltung erfuhr. Auf den Saalbau ging allmäh¬ 
lich _ wo hl in Erinnerung an seine Bestimmung zu Banketten — 

der Name „Mostbaus“ (auch Moshs., Moeshs., Moushs. und 
Mosshs.) über; schon in einer Urkunde von 1345, die daneben 
noch die Kemenate unterscheidet, wird er so genannt. 

Der völlige Verfall der Burggebäude scheint in der ersten 
Hälfte des 16. Jahrh. durch einen abermaligen verheerenden 
Brand eingeleitet und durch die politischen und religiösen Wirren 
der Zeit befördert worden zu sein. Aus dem Jahre 1581 wird 
von dem Einsturz eines Theils der Vordermauer des Saalbaues 
berichtet. Rekonstruktionspläne, die Herzog Julius hegte, be¬ 
schränkten sich auf eine Erneuerung des westlichen Burgthors 
(1584 -86) und erst unter den Herzogen Friedrich Ulrich (1613 
bis 1634) und August (1634 -1666) ward eine Umgestaltung des 
Mosthauses zu wohnlichen Zwecken zur Ausführung gebracht, die 
gegen das Jahr 1640 zum Abschluss gelangt sein dürfte. 

Auch von dem Zusiande des Burgplatzes und der Burg in 
dieser dritten Periode ihres Daseins hat Hr. Winter ein an¬ 
schauliches Bild zu Papier gebracht. Oker und Burggraben sind 
in ihrer Breite wesentlich eingeschränkt; die Ringmauer ist ver¬ 
schwunden und während die städtische Bebauung von allen Seiten 
bis hart an jene Wasserläufe vorgerückt ist, haben sich auch im 
Inneren derselben Privatgebäude auf der Nord- und Westseite des 
alten Burggebiets eingenistet. Von den Bauten Heinrichs des 
Löwen sind aufser dem Dom mit dem Kreuzgang und Kapitel- 
baus nur noch das Mosthaus, die bereits in Trümmern liegende 
Burgkapelle und ein Rest des grofsen Ostthurms (der sogen. 
„Finkenberg“) erhalten. Was das Moßthaus betrifft, so ward es 
durch einen Anbau nach Süden bis auf 54 m verlängert und 
durch in beiden Geschossen eingezogene Mauern in eine An¬ 
zahl von Sälen und Wohnzimmern getheilt, die zwar nicht den 
Ansprüchen einer fürstlichen Hofhaltung genügen konnten, aber 
das Haus immerhin zu einem Absteige-Quartier geeignet machten; 
zeitweise war hier auch die herzogl. Bibliothek untergebracht. 
Das Erdgeschoss war durch eine Durchfahrt zerschnitten und 
überdies durch ein giofses Portal auf der Westseite zugänglich 


Eine wirkliche Vollendung des Zentralbahnhofs wird vor¬ 
läufig allerdings noch nicht erreicht werden, da ja dem Empfangs¬ 
gebäude ein integrirender Theil, der Mittelbau, noch fehlt. Die 
Frage über die Erbauung des letzteren und die damit zusammen 
hängende über das Schicksal des alten von Bürklein erbauten 
Empfangsgebäudes kam in der Abgeordnetenkammer zur 
Sprache. Der Minister erwiderte auf eine diesbezügliche Anfrage, 
dass die Mittelfa$ade des neuen Empfangsgebäudes dann herge¬ 
stellt und das alte Gebäude nieder gelegt werden soll, wenn die 
Kammer die hierfür, sowie zur Erbauung eines neuen Postge¬ 
bäudes erforderlichen Mittel (4 Million Mark) bewilligt haben 
werde. — 

Dass es mit dem Ausbau des Akademiegebäudes nun¬ 
mehr Ernst werden soll, haben wir bereits im verflossenen Jahr¬ 
gange d. Ztg. einmal berichtet; vor kurzem ist eine entsprechende 
Vorlage der Regierung an den Landtag gelangt. Von gröfseren 
Neubauten, welche im laufenden Jahr zur Ausführung kommen 
werden, ist besonders der Bau einer Synagoge nach den Ent¬ 
würfen von Albert Schmid hervor zu heben. Die Maximi- 
liansstrafse wird eine neue Zierde in Form eines monumen¬ 
talen Brunnens erhalten, welchen der Senat der Universität 
vor dem Maximilianeum errichten will. Ferner ist die Errichtung 
eines Vergnügungs-Etablissements in grofsem Stil, welches bisher 
München noch abgeht, an der Nymphenburgerstrafse geplant und 
waren die gefälligen Pläne (Holzarchitektur) hierfür unlängst im 
Kunstverein ausgestellt. Auch die Privatbauthätigkeit verspricht 
eine rege zu werden. 

Von Projekten zu gröfseren Adaptirungen ist zu er¬ 
wähnen der Umbau des Ständehauses in der Prannersgasse, 
zu welchem die Regierung von der Kammer 410 000 M. forderte. 
Ferner die Aptirungsarbeiten im Hoftheater. In diesem soll 
das Orchester nach dem Muster des Bayreuther Wagnerthea¬ 
ters tiefer gelegt und verdeckt werden; das Parkett soll 
amphitheatralisch aufsteigen. Gleichzeitig wird, nachdem die Ver¬ 
suche über elektrische Theaterbeleuchtung zuerst in der 
Münchener elektrischen Ausstellung und dann im grofen Maafs- 
stabe während 3 / 4 Jahre im Residenztheater so günstige Resultate 
geliefert haben, das Hoftheater elektrische ßeleuchtungs- 
einrichtung durch die deutsche Edison - Gesellschaft erhalten. 
Es sollen 2-3000 Glühlampen von 10—15 Kerzenstärken zur 
Anwendung kommen; es würde demnach München die gröfste 
elektrische Beleuchtungsanlage, welche bisher in Deutschland in 


gemacht; 2 innere Treppen führten zum Obergeschoss. In seiner 
architektonischen Erscheinung schloss sich das Gebäude, das an 
der Nord- und Ostfront die Mauern des alten Saalbaues beibehielt, 
während West- und Südfront zur Hauptsache neu aufgeführt waren, 
den Braunschweiger Renaissancebauten der damaligen Zeit, an. 
Derbe Erkergiebel schmückten die Längsfronten, reich skulptirte 
Portale die Eingänge, während die breiten mit einem einfachen 
Flachgiebel bekrönten Fenster durch steinerne Pfosten getheilt 
waren. 

Eine abermalige Umgestaltung erfuhr der Bau unter Herzog 
Rudolph August (1666—1704), der im Jahre 1671 die bedingungs¬ 
lose Unterwerfung der aufsätzigen Stadt durchführte und von 
nun an die Residenz wieder nach Braunschweig verlegte. Während 
er selbst den sogen. „Grauen Hof“ am Bohlweg (die Stätte des 
heutigen Schlosses) bewohnte, richtete er das grofse Mosthaus 
für die Hofhaltung seines 1685 von ihm zum Mitregenten ange¬ 
nommenen Bruders Anton Ulrich ein, während auf den Resten 
des „Finkenberges“ gleichzeitig das sogen, kleine Mosthaus als 
Absteigequartier für fürstliche Gäste erbaut wurde. Das Mosthaus 
erfuhr nach Süden eine weitere Verlängerung bis zu 63 m . An 
der Vorderfront ward ihm eine schmale hölzerne Kolonnade mit 
einer bedeckten Unterfahrt vorgelegt, über denen sich vor den 
Fenstern des Obergeschosses ein durchlaufender Altan ergab; es 
gewährt ein charakteristisches Bild der Zeit, wenn man erfährt, 
wie sich die fürstlichen Herrschaften nach der Tafel zuweilen 
damit vergnügten, von diesem Altan aus mit Geldstücken nach dem 
offenen Rachen des Löwen zu zielen. Auf der Hinterseite wurden — 
im Fachwerkskonstruktion -— weitläufige, die Oker mit einem 
schmalen Flügel überbrückende Anbauten hinzu gefügt; natürlich 
wurde auch die Eintheüung des Hauptgebäudes im Inneren wesent¬ 
lich umgestaltet. Von der äufseren Erscheinung desselben in dieser 
Periode, aus welcher Hr. Winter wiederum die gegen 1640 nicht 
erheblich veränderte Sitautiou, sowie Grundriss und Ansicht des 
Mosthauses giebt, mag der auf S. 93 mitgetheilte Holzschnitt — 
die Reproduktion einer gleichzeitigen, in den Einzelheiten freilich 
ziemlich ungenauen Zeichnung — eine ungefähre Vorstellung 
gewähren. — _ (Schluss folgt.) 




















No. 16. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


95 


einem geschlossenen Raum zur Ausführung kam, besitzen. Mit 
den Arbeiten hierzu wurde bereits begonnen. 

Das Liebig-Denkmal zeigt sich seit einigen Tagen den 
/!? de , r j n ^endendem Weifs. Die Spuren des 
Attentats sind, dank den Bemühungen der Chemiker, vollständig 
beseitigt worden. - Im Atelier des Bildhauers Ruemann gehen 
die für den monumentalen Brunnen in Lindau bestimmten Kunst¬ 
werke der Vollendung entgegen. 

Das Kunstleben Münchens hat noch kurz vor Jahresschluss 
mit dem Hinscheiden des genialen Bildhauers Lorenz Gedon 
einen grofsen Verlust erlitten. Welch bedeutende Rolle der Ver¬ 
storbene in demselben gespielt, das wurde erst so recht bei seinem 
Tode offenbar. Die Trauer um ihn war eine allgemeine und kam 
in grofsartiger Weise bei seinem Leichenbegängnisse zum Ausdruck. 
Georg Hirth widmete ihm in den „Neuesten Nachrichten“ einen 
Nachruf, wie er nur einem Fürsten im Reiche der Kunst zu Theil 
wird, und hielt später im Kunstgewerbeverein eine Denkrede 
auf ihn. 


Ruhrend war es, wie der Meister, schon den Tod im Herzen, 
noch das provisorische Kneiplokal der Künstlergesellschaft „Allotria“ 
auf dem Bauplatze des künftigen Künstlerhauses in der originellen 
Weise einrichtete und ausschmückte, wie nur er, der Meister der 
Dekoration, es verstand. 

Was hat der Mann nicht Alles in der verhältnissmäfsig kurzen 
Spanne Lebenszeit geschaffen! Es ist hier nicht der Ort um 
seine Leistungen aufzuzählen. Am gröfsten war er wohl in der 
Gelegenheits-Dekoration. Seine diesbezüglichen, viel bewunderten 
Leistungen auf der Pariser Weltausstellung, auf den verschiedenen 
Kunst- und kunstgewerblichen Ausstellungen in München iu den 
letzten 15 Jahren sind ja allgemein bekannt. Weniger bekannt 
durfte es vielleicht sein, dass er auch in der köstlichsten Augen¬ 
blicks-Schöpfung, die vielleicht seit langem zu kurzem Dasein 
ins Leben gerufen worden, an den Bauten für das im Jahre 
1881 in München stattgehabte deutsche Schützenfest, mitwirkte. 
Wer erinnert sich nicht noch heute dieser Bauten mit Vergnügen^ 
Der grofsartigen originellen Festhalle, des charakteristischen 
Portals, des Gabentempels, der reizvollen Wirthsbuden-Bauten 
die von sprudelnder Erfindungsgabe zeugten! — Im Innern der 
Festhalle frappirten besonders die grofsen Lüster durch ihre 
ganz originelle, ungewöhnliche Form — sie waren von Gedon 
komponirt. Ebenso rührten von ihm die beiden Figuren am 
Eingang her und auch der erste Schützenpreis, der vielbe¬ 
sprochene Hirsch mit der Uhr, war sein Werk. 

Gedon hat sich bekanntlich auch auf dem Gebiete der Ar¬ 
chitektur mehrfach versucht und für seine Leistungen, die wir 
als bekannt voraus setzen dürfen, viele Bewunderer, noch mehr 
aber, und zwar gerade im Lager der auf diesem Gebiete zur 


Kritik Berufenen, der Architekten vom Fach, strenge Richter 
gefunden. Dass Gedon für die Architektur eine hervor ragende 
Begabung besafs, dürfte wohl Niemand bestreiten. Ihm fehlte 
nur die strenge Schule — das Urtheil, das in dieser Hinsicht 
im „Technischen Führer durch München“, bei Erwähnung der 
von Gedon erbauten Schack’schen Villa in der Briennerstrafse 
at 1 '-. *^n gefällt ist, dürfte zutreffen. Auch die Bezeichnung 
„Maler-Bildhauer und Maler-Architekt“ die ihm sein Freund 
und Verehrer Hirth mit Hinweis auf die grofsen Meister der 
Renaissance ertheilt, hat eine gewisse Berechtigung. 

Zeugniss für Gedons reiche Erfindungsgabe dürfte unter 
anderem auch sein letzter grofser architektonischer Entwurf zum 
Reichstagshause ablegen, den der Meister seinen Münchenern 
zuerst auf der elektrischen Ausstellung in München, im Oktober 
1882, in der Zeichenschule bei Glühlicht-Beleuchtung zeigte. Der 
Entwurf hat bekanntlich in diesem Blatte s. Z. e.ne wenn auch 
kurze, aber um so herbere Beurtheilung erfahren. Es dürfte daher 
die Leser interessiren, eine aus allerneuester Zeit stammende, 
entgegen gesetzte Kritik aus dem Munde eines Verehrers der 
Gedon’schen Kunst, des mehrerwähnten Dr. Hirth zu vernehmen. 
Derselbe äufserte sich in seiner Denkrede wie folgt: 

„Leider, sind seine schönsten Entwürfe nicht ausgeführt 
worden. Sein Reichstags-Gebäude war so grofsartig, so originell 
gedacht, dass die Ausführung dieses Entwurfes nicht allein 
Deutschland, sondern die Welt um ein Wunder der Architektur 
bereichert haben würde. Leider hat diese glänzende Schöpfung 
seines glühenden Herzens in Berlin nicht einmal „ehrende Er¬ 
wähnung“ gefunden — weil irgend ein Grundriss fehlte! Was 
hätte wohl ein Kunstmäcen wie Papst Julius II. dazu gesagt? 
„Ich pfeife auf den Grundriss, den Mann will ich sehen!“ Wenn 
ich ein König wäre, ich würde mir heute noch diesen Entwurf 
kaufen und ausführen lassen — aber auf einem grofsmächtigen 
Platze, weithin sichtbar als Wahrzeichen des Bündnisses der 
Kunst und der Kraft für kommende Geschlechter.“ 

Von den weniger bekannt gewordenen architektonischen Ent¬ 
würfen Gedons ist der für ein grofses Portal zum Schlacht- und 
Viehhof in München namhaft zu machen. Derselbe kam aus 
Sparsamkeits-Rücksichten nicht zur Ausführung. Iu seinem Un- 
muthe soll der Meister die bereits modellirten herrlichen Figuren 
eines Ebers und eines Stiers wieder zertrümmert haben. — Zu 
erwähnen ist noch, dass sich Gedon ein eigenes Haus nach seinem 
Entwurf in der Blutenburg-Strafse gebaut hatte. — 

Es ist aufs Tiefste zu bedauern, dass ein so originelles Talent, 
das noch so viel zu leisten versprach, so jäh mitten aus einer 
reichen, vielseitigen Thätigkeit heraus gerissen wurde! Seine 
Münchener Kunstgenossen beabsichtigen, ihm ein Denkmal auf 
dem nördlichen Friedhof zu errichten. S. 


Mittheilungen 

Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hamburg. Ver¬ 
sammlung am 30. Januar 1884. Vors.: Hr. Haller, anw. 84 Per¬ 
sonen. Aufgenommen in den Verein sind die Hrn.: Reg.-Bmstr 
Engels, Arch. Wilh. Schmidt, Ing. C. H. Blascke u. Ing. 
Carl W e t z e 1. 

Nach Erledigung verschiedener geschäftlicher Fragen erhält 
Hr. F. Andr. Meyer das Wort zu Mittheilungen über die Aus¬ 
führung der Zollanschlussbauten; wir werden diese umfassenden 
Mittheilungen in selbständiger Form nachfolgen lassen. — 

Versammlung am 6. Februar 1884. Vors.: Hr. Kümmel, 
anw. 64 Personen. Ausgestellt sind Photographien von Brücken 
durch C. 0. Gleim. — Aufgenommen in den Verein ist Hr. 
Heinrich Tie mann, Kreis-Bauinspektor zu Altona. 

Das in den Blättern gemeldete Ableben des Geh. Rths., Ober- 
Landes-Baudirektor a. D. v. Hagen veranlasst den Vorsitzenden 
in kurzem Nachrufe zu einigen Worten warmer Anerkennung im 
Hinblick auf das verdienstvolle Wirken und die langjährige 
Thätigkeit des Verblichenen, mit dessen Tod der Technik ein 
schwerer Verlust entstanden sei. Durch Erheben von den Sitzen 
ehrt die Versammlung das Andenken dieses verdienstvollen 
Mannes. 

Nachdem Hr. Gleim seine zur Ausstellung gebrachten Photo¬ 
graphien von Brücken erläutert hat, von welchen derselbe be¬ 
sonders eingehend die Monongohela-Brücke in Pittsburgh be¬ 
handelt, erhält Hr. Prof. Ne dl er das Wort zum Vortrag über den 
„Taxanom“. Redner weist zunächst auf diejenigen Anforderungen 
hin, denen dieser Apparat Genüge zu leisten habe, geht dann 
über zu einer genauen Klarlegung der Konstruktion, sowie der 
verschiedenen Funktionen seiner Erfindung, und spricht 
schliefslich die UeberzeuguDg aus, dass die Einführung dieses 
Systems im Gebiete des Droschkenwesens segensreiche Früchte 
tragen müsse. — P. K. 


Architekten-Verein zu Berlin. Versammlung am 18. Fe¬ 
bruar 1884. Vorsitzender Hr. Dr. Hobrecht; anwesend 168 Mit¬ 
glieder und 5 Gäste. 

Unter den Eingängen liegt eine No. der Kölnischen Zeitung 
vor, in welcher von anscheinend gut informirter Seite die bekannte 
leidige Frage der neunklassigen Ober - Realschulen von neuem 
erörtert ist. Nach dem Inhalte des Artikels, welchen der Hr. 
Vorsitzende unter lebhaftem Beifall der Versammlung vorliest, 
scheint die Hoffnung begründet, dass der Hr. Minister der öffent- 


aus Vereinen. 

liehen Arbeiten nicht länger gewillt ist, die aus jenen Schulen 
den technischen Beamten-Kategorien seines Ressorts erwachsenden 
Nachtheile zu dulden, nachdem es der Unterrichts-Verwaltung 
bisher nicht gelungen ist, die seit Jahren wiederholt in Aussicht 
gestellten Versprechungen bezüglich der Berechtigung der Ober- 
Realschüler zum Eintritte in andere höheren Berufsklassen ein¬ 
zulösen. Es dürften baldige Kommissions-Berathungen zu ge¬ 
wärtigen sein, welche dieser unerquicklichen Angelegenheit hoffent¬ 
lich ein für die Fachgenossenschaft erwünschtes Ende bereiten 
werden. — Der Hr. Vorsitzende behält sich behufs Stellungnahme 
zu der veränderten Sachlage, sowie behufs Wahrung der Fach- 
Interessen auch seitens des Vereins die Vorlage eines entsprechen¬ 
den Antrages vor.— 

Der als Gast anwesende Geschichtsmaler Hr. J. Bochenek 
spricht über ein 

„neues System der Proportionen“. 

Durch langjährige Studien ist es dem Hrn. Vortragenden 
gelungen, den Nachweis zu führen, dass die sämmtlichen Theile 
des menschlichen Körpers zu einander in einem gewissen Ver¬ 
hältnisse stehen, welches den bekannten Regeln des goldenen 
Schnittes entspricht. Dieses Resultat bewährt sich in gleicher 
Weise bei Erwachsenen wie bei Kindern und zwar sowohl 
in der Vorderansicht als auch in der Seitenansicht. Unter 
Hinweisung auf ausgestellte Zeichnungen und mit Hilfe eines nach 
dem Prinzipe des goldenen Schnittes konstruirten Storchschnabel- 
Zirkels, bei welchem sich das Maafs der langen Schenkel zu 
demjenigen der kurzen Schenkel wie 8 : 5 verhält, begründete der 
Hr. Redner seine Hypothese, welche im übrigen auch auf die 
Körperformen der Thiere Anwendung findet, an der menschlichen 
Figur. Die Untersuchungen an antiken Statuen bestätigen die 
Richtigkeit der aufgestellten Vermuthung, welche seiner Zeit 
bereits durch Polyklet zum Ausdruck gebracht ist. — 

Hr. Nitka spricht 

„über gewerblichen Zeichenunterricht“. 

Von der historischen Entwickelung der Zeichenkunst, deren 
Uranfang sich im Dunkel der Vorzeit verliert, ausgehend berührt 
der Hr. Redner kurz die Leistungen der Aegypter und Griechen 
auf diesem Gebiete der Kunst, um sich alsdann speziell der 
Erörterung des „technischen“ Zeichnens, dieser internationalen 
Sprache unseres eigenen Faches zuzuwenden. Die rapide Ent¬ 
wickelung der Technik in der Neuzeit hat das Interesse der 
weitesten Kreise auch auf die Forderung des technischen Unter- 













96 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


23. Februar 1884 


richtswesens gelenkt, welchem insbesondere unsere Staatsregierung 
eine wachsame Fürsorge zu Theil werden lässt. Bei der Schwierig- 
keit 5 in solcher weit emfassenden Angelegenheit sofort das Richtige 
zu treffen, wird der den Verhältnissen nahe Stehende trotz mancher 
vorhandener Mängel über die großartigen, in unglaublich kurzer 
Zeit erzielten Resultate nicht in Zweifel sein können. .Untei 
den Instituten, welchen die Pflege des gewerblichen Zeichen- 
Unterrichts obliegt, nimmt das Kunstgewerbe - Museum 
in Berlin die hervor ragendste Stelle ein. Aus kleinem 
Anfänge im Jahre 1868, gleichzeitig als eine mit einem Museum 
verbundene Schule, entstanden, hatte dasselbe mit unendlichen 
Schwierigkeiten zu kämpfen, welche sich jedoch mehr und mehr 
verringerten, da der Besuch der Anstalt stets wuchs und die 
Staatsregierung nicht aufhörte, derselben mit thatkräftiger Hülfe 
entgegen zu kommen. So wurde es möglich, das Institut aus 
den ärmlichen Räumen an der Ecke der Stall- und Georgen- 
strafse nach einem weiteren provisorischen Aufenthalte in dem 
früheren Gebäude der Kgl. Porzellan-Manufaktur in den jetzigen 
Prachtpalast zu verlegen, welcher die hohe Bedeutung des geistigen 
Inhaltes auch äußerlich zum würdigsten Ausdruck bringt. In 
ausführlicher Weise erörtert der Hr. Vortragende alsdann den 
Organisations- und Studienplan der Anstalt. Letzterer ist thunlichst 


bestrebt, das Anschauungs-Vermögen der Studirenden zu wecken 
und zu fördern, zu welchem Behufe dem Zeichnen nach Körpern 
und Modellen eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. 
Die Richtigkeit dieses Verfahrens zeigt sich in den erfreulichen 
Leistungen, von welchen zahlreiche Belege vorgeführt wurden. 

Aehnlichen Zwecken wie das Kunstgewerbe-Museum dient 
die hiesige Kgl. Kunstschule in der Klosterstraße, früher 
eine Abtheilung der Kunst-Akademie, und die hiesige Hand¬ 
werkerschule, welche letztere freilich in höherem Grade die 
praktische und konstruktive Seite des gewerblichen Zeichnens betont. 

Hr. Walle spricht den Wunsch aus, dass der Hr. Vor¬ 
redner gelegentlich noch andere Fachschulen als die besprochenen 
in den Kreis seiner Betrachtungen ziehen möge, da die Wichtig¬ 
keit des angeregten Gegenstandes zweifellos anerkannt werden 
müsse. Wenngleich im übrigen nicht zu bestreiten ist, dass die 
Staats - Regierung denselben vielfach gefördert habe, so sei das 
derselben gespendete Lob doch wohl etwas zu beschränken, wenn 
man beispielsweise die neuerdings bekannt gewordenen Vorgänge 
hinsichtlich der Baugewerkschule in Erfurt berücksichtige. 
Auch sei es wünschenswert!), dass die Vertheilung derartiger 
Schulen über das ganze Land gleichmäfsiger stattfinde. 

— e. — 


Vermischtes. 

Wiedereinführung der Stempel-Verpflichtung für Bau¬ 
verträge. Die mittels Verfügung des Finanzministers v. 28. Juli 
v. J. angeordnete Einstellung der Erhebung des besonderen 
Stempels für Bauverträge hat einen beträchtlichen Ausfall bei 
den pro 1884/85 im Staatshaushalts-Etat veranschlagten Jahres- 
Einnahmen der preufsischen Stempel-Verwaltung in Aussicht ge¬ 
stellt. Diese Aussicht hat bei der Etats-Berathung zu besonderen 
Verhandlungen Anlass gegeben, in Folge deren der Finanzminister 
dem Abgeordnetenhause soeben einen vom 13. d. M. aatirten 
Gesetz - Entwurf vorgelegt hat, durch welchen die früher bestan¬ 
dene durch reichsgerichtliche Erkenntnisse gefallene o e_ 
sondere Stempelabgabe für Bauverträge von neuem eingeführt 
wird wenn — wie kaum zu bezweifeln ist —- der Gesetz-Entwurf 
in beiden Häusern des Landtags zur Annahme gelangt. 

Der bezügl. Paragraph des Gesetz-Entwurfs hat folgenden 
Wortläut * 

„Werkverdingungsverträge, inhalts deren der Uebernehmer 
auch das Material für das übernommene Werk ganz oder theil- 
weise anzuschaffen hat, sind, falls letzteres in der Herstellung 
beweglicher Sachen besteht, wieLieferungsverträge unter Zugrunde¬ 
legung des für das Werk bedungenen Gesammtpreises zu versteuern. 

Handelt es sich bei dem verdungenen Werk um eine nicht 
bewegliche Sache, so ist der Werkverdingungsvertrag so zu ver¬ 
steuern, als wenn ein Lieferungsvertrag über die zu dem Werk 
erforderlichen, von dem Unternehmer anzuschaffenden beweglichen 
Gegenstände in demjenigen Zustande, in welchem sie mit dem 
Grund und Boden in dauernde Verbindung gebracht werden sollen, 
und aufserdem ein Arbeitsvertrag, abgeschlossen wäre. In dem 
Vertrage muss daher angegeben werden, wie viel von dem be¬ 
dungenen Preise einerseits als Preis der erwähnten beweglichen 
Gegenstände in dem bezeichneten Zustande und andererseits als 
Vergütung für die alsdann noch mit denselben auszuführende 
Arbeit anzusehen ist. Fehlt es an einer solchen Angabe, so ist 
der Lieferungsstempel nach dem bedungenen Gesammtpreise zu 
verwenden. a 

Aus den Motiven des Gesetz-Entwurfs ist dann noch folgende 
im Wortlaut wieder gegebene Stelle wesentlich: 

„Bezieht sich das übernommene Werk auf einen unbeweglichen 
Gegenstand (sogenannten Bauentreprisevertrag z. B. Aufführung 
eines Gebäudes, Herstellung einer Chaussee und dergleichen), so 
entspricht es den bisherigen Yerwaltungsgrundsätzen ? den werk- 
verdiDgungsvertrag zum Zweck der Steuerberechnung in einen 
Lieferungsvertrag über die zur Herstellung des Werks erforder¬ 
lichen beweglichen Gegenstände in demjenigen Zustande, in 
welchem sie mit dem Grund und Boden in dauernde Verbindung 
gebracht werden sollen (Mauersteine, lhürschlösser u. s. w.) und 
einen Arbeitsvertrag zu zerlegen, und von dem Werth jener Gegen¬ 
stände den Lieferungsstempel von ’/ 3 %, dagegen für den Arbeits¬ 
vertrag den allgemeinen Vertragsstempel von 1,50 M zu fordern. 

Aus diesen Mittheilungen ersieht man, dass es Absicht 
ist, den alten gefallenen Stempel in ziemlich genau 
derselben Form von neuem einzuführen, mit denselben 
groben Ungerechtigkeiten, die dieser Abgabe früher anhafteten und 
mit denselben Willkürlichkeiten der Feststellung, wie sie früher 

bestanden haben. .. 

Indem wir uns heute auf eine bloße Mittheilung dieser 
Thatsache beschränken, hoffen wir damit die Anregung zu einer 
öffentlichen Diskussion zu geben, bezw. dazu, dass in Petitionen 
aus betr. Kreisen dem Abgeordnetenhause das Bedenkliche eines 
Vorgehens im Sinne dieses Gesetzentwurfs klar gemacht und 
auf eine Umgestaltung desselben hingewirkt werde, welche 
namentlich der einen prinzipiellen Anforderung gerecht wird: 
dass jeder Unternehmer schon in dem ersten Stadium 
des Kontraktschi u sses ein genaues Bild überdieHohe 
der Stempelabgabe sich zu machen im Stande sei. 


Kommiaalongverlag von Ernat Toecbe in Berlin. Für die Redaktion verantwortlich K. E. O. Fritsch, Berlin 


Konkurrenzen. 

Konkurrenz für Entwürfe zu einer Kirche für Schönau- 
Neustadt hei Chemnitz. Die Konkurrenz betrifft eine Kirche 
von ca. 500 Sitzplätzen mit Thurm, die, wenn möglich, gewölbt 
werden soll und für welche eine Bausumme von 45 000 Jl zur 
Verfügung steht. Bei Erlass der Konkurrenz scheint ein Sach¬ 
verständiger leider nicht zugezogen worden zu sein, so dass 
Programm und Bedingungen zu wünschen übrig lassen. Es leült 
eine nähere Bezeichnung des „ortsüblichen“ Baumaterials, der ver¬ 
langten Zeichnungen und der Maafsstäbe für dieselbe; auch soll 
bei Zuerkennung des einzigen Preises, der nur 400 M betragt 
und davon abhängig gemacht ist, dass der Entwurf zur Ausführung 
sich eigne, nur ein Fachmann, Bmstr. Prof. Gottschald in Chem- 
nitz zugezogen werden. Die Betheiligung an der Preisbewerbung 
ist demnach ziemlich gewagt. 

Für die in Speyer zu erbauende Gedächtnisskirche 
der Protestation sind im ganzen 47 Konkurrenz-Entwürfe ein¬ 
geliefert worden, von denen etwa 4 /s theils in früh-, theils in 
spätgothischem Stile gehalten sind, während ^ den Renaissance¬ 
stil aufweist. Nach dem Urtheilsspruche der Jury sollen die Plane 
8 Tage öffentlich ausgestellt werden. 

In Bezug auf die zum 5. April d. J. im Architekten- 
Verein zu Berlin ausgeschriebene Konkurrenz um Ent¬ 
würfe zu einer Villenanlage in Halle a. S. geht uns die 
Mittheilung zu, dass der Bauherr die Summe von 80 000 aut 
90000 M erhöht hat. 

Personal - Nachrichten. 

Baden. Die Stelle eines technischen Rathes b. d. Ober¬ 
direktion des Wasser- u. Strafsenbaues ist — unter Verleihung 
des Titels „Ober-Baurath“ — dem Baurath Riegler in Achern 

übertragen worden. . 0 , ,. . . 

Württemberg. Die Bahnmeisterstelle in Weil der Stadt ist 
dem Baumeister Ditting bei dem Eisenb.-Bauamt Alpirsbach 
übertragen worden. 

Brief- und Fragekasten. 

Hrn. M. B. Hamburg. Bei der kurzen Dauer, während 
welcher die „Berliner Parket-Masse“ erst in die Praris angeführt 
worden ist, können Erfahrungen über vielseitige und längere 
Bewährung selbstverständlich noch nicht vorhegen. Ein Versucü 
zur Anwendung auf alten Holzfufsböden scheint uns aber sehr 

anräthlich zu sein — g 

Hrn. R. L. in Zwickau. 1) Die Putzmasse zu Sgrafhto 
wird aus frisch gelöschtem Kalk mit reinem grobkörnigen Fluss¬ 
sand hergestellt und die Färbung durch Zusatz von gestoßenem 
Koks, grüner Erde und Umbra bewirkt. - Uebngens finden Sie 
in dem Werke von Emil Lange und Jos. Bühlmann „die An¬ 
wendung des Sgraffito“ Berlin, Ernst & Korn, wie auch un Bd. 11, 
1. Hälfte d. deutschen Bauhandbuchs, ausführliche Auskunft. 

2 ', Wenn Sie nicht gelbrothen bezw. hellgrünen Marmor (der aller¬ 
dings mit der Zeit blind wiid) bei Ihrer Faijaden-Dekoration an¬ 
wenden wollen, so rathen wir Ihnen, eine Imitation desselben m 
Terrazzo von Detoma, Berlin Friedrichstrasse 243, mit einer Glas- 
scheibe abgedekt, zu verwenden; doch müssen Sie dafür sorgen, dass 
nicht zwischen Glas und Terrazzo Feuchtigkeit eindnngen kann. 

Hrn. H. S, in St. Petersburg. Um Sandstein, welcher 
im Innern von Gebäude zur Verwendung kommen soll, zu tönen, 
ohne ihm seine Natur zu nehmen, tränkt man denselben mit Essig, 
Wasserglas oder Silicat. Die gewünschte Farbe erhält man durcü 
geringen Zusatz von Casslerbraum, Terra de sienna oder Lack- 
schwarz. Sie müssen, um zu Ihrem Ziele zu kommen, mit Sa 
steinstücken die richtige Behandlung ausprobiren, namentlich wenn 
Sie keinen erfahre nen Maler zur Disposition ha ben. - 

Druck: W. Moeser Hofbuchdrulckerei, Berlin. 






























No. 17. 


deutsche Bäuzeitung. 


97 


Inhalt: Leo von Klenze. — Ueber die Zollanschluss-Bauten Hamburgs. _ 

Schornstein -Abdeckung. — Vermischtes: Vom Bau des Panama-Kanals. — 
Zur Frage der Ursachen von Verwitterungen an Ziegelsteinen. — Baugewerks- 


Maschinen- und Mühlenbau-Schule in Neustadt i. Meckl. — Konkurrenzen. — 
Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. 


Leo von Klenze 


Zum hundertsten Gedenktage seiner Geburt. 


s war die Zeit des wieder zur Geltung gekommenen 
Selbstbewuhstseins der deutschen Nation, als auch die 
unter dem Joche des I. französischen Kaiserreichs in 
kalter Erstarrung gelegene Kunst neu erwachte: zwe 
Männer standen an ihrer Seite, welche die ersten 
Schritte der Neuerstandenen hüteten, und welche in richtiger 
Erkenntniss des ewig Schönen und Erhabenen den sichersten 
Halt für eine gedeihliche Fortentwickelung in der griechischen 
Kunst erkannten — Klenze und Schinkel, beide nahezu gleich- 
alterig (jener 1784, dieser 1781 geboren) beide in gleichem 
Maaise^ erfüllt mit dem Bewusstsein der erhabenen Aufgaben 
ihrer Kunst, der sie ihr ganzes Leben widmeten, beide nicht 
blos einseitige Architekten, sondern auch als Maler hervor ragend. 
Wo die Geschichte der neueren Kunst den Einen nennt, muss sie 
auch des Anderen gedenken. 

Schinkels einhundertjährigen Geburtstages ist im Jahre 1881 
nach Gebühr gedacht worden. In diesem Jahre gilt es, dasselbe 
Fest für Klenze zu feiern: am 29. Februar des Jahres 1784 hat 
er das Licht der Welt erblickt. Die künstlerische Wirksamkeit 
dieses Mannes ist nicht blos für München von der entschiedensten 
Bedeutung, seine reiche und vielseitige Thätigkeit erstreckt sich 
auch über die Grenzen Deutschlands hinaus. — Ein langes und 
glückliches Leben war ihm gegönnt, reich an Ehren und glänzenden 
Erfolgen. Mit einem für die Kunst enthusiastisch begeisterten 
Fürsten, der hochgebildet stets das Schöne und Erhabene in ihr 
suchte, war es Klenze vergönnt sein Leben lang zu wirken: bis 
in sein 80. Jahr, bis zu seinem Tode konnte er in geistiger Frische 
und körperlicher Gesundheit seiner Kunst leben, in unbeirrterüeber- 
zeugunsstreue fest haltend an der von ihm erwählten Kunstrichtung 
trotz mancher entgegen gesetzter Strömungen, die in den späteren 
Jahren seiner Thätigkeit Andere verlockend ihnen einen momen¬ 
tanen Erfolg bereiteten. — 

Ein umfassendes Bild des unermüdeten Schaffens und der 
ausgebreiteten Thätigkeit dieses Mannes wird die zur Feier seines 
100jährigen Geburtstages eben in Vorbereitung begriffene Aus¬ 
stellung eines Theiles seiner Zeichnungen, Entwürfe und seiner 
Gemälde geben. Mit gewissenhaftester Pietät von der Familie er¬ 
halten, sind sie so zahlreich, dass nur das Wichtigste zur An¬ 
schauung gebracht werden kann; aber in allen seinen Projekten 



deren allmähliche Entwickelung in den erhaltenen, zum grofsen 
Theile eigenhändig gefertigten Zeichnungen zur Erscheinung 
kommt, ist die stets monumentale Auffassung der gestellten Auf¬ 
gaben zu erkennen, welche dem so vielseitig thätigen Architekten 
eigen war. 

Er hat vor allem die Residenzstadt seines königlichen Gönners 
und Freundes mit monumentalen Bauten geschmückt, welche 
dieser ihren jetzigen Charakter verliehen. Er hat in der Glyptothek 
der auserlesensten Sammlung antiker plastischer Kunstwerke, 
in der alten Pinakothek der Malerei Wohnstätten geschaffen, 
würdig des erhabenen Zweckes; sein Residenzbau ist in den 
Wohnräumen wie in den Festsälen grofsartig durchgeführt, vor 
allem seine Allerheiligen - Hofkirche von erhabenster Wirkung. 
Ihm verdanken wir unter vielem anderen die beiden Bauwerke 
der Walhalla und der Befreiungshalle, welche die Ufer der Donau 
zieren und die sein für das deutsche Vaterland begeisterter König 
hersteilen liefs: die eine dem Ruhme deutscher Geisteshelden 
gewidmet, die andere den Männern, welche das Vaterland von 
dem drückenden Joche französischer Herrschaft befreiten. Seiner 
zahlreichen Pallastbauten, seiner Entwürfe für Petersburg und 
anderer Werke sei nur im Vorübergehen gedacht. 

Wir müssen es einer späteren Gelegenheit überlassen, einen 
Ueberblick über das gesammte Lebendes seltenen Mannes zu geben: 
es ist aber unsere Pflicht, an diesem Tage insbesondere der künst¬ 
lerischen Thätigkeit eines Architekten zu gedenken, der sich die 
edelsten Muster antiker Kunstschöpfungen zum Vorbild genommen 
hatte, der bis ins kleinste Detail seine umfassenden Arbeiten 
beherrschte, und der in einer Zeit alles das in solidester Weise 
zu schaffen begann, in welcher das Handwerk, das der Architekt 
nie entbehren kann, auf einer weit niedrigeren Stufe stand, 
als heute. 

Mit seiner künstlerischen Wirksamkeit als Architekt aufs Engste 
verbunden ist die Entwickelung der anderen Künste; der Malerei 
und der Bildhauerei. In seinen Bauten war beiden reichliche Gelegen¬ 
heit zur Entfaltung geboten und die ersten Meister unseres Jahr¬ 
hunderts haben mitgewirkt, dieselben mit ihren monumentalen 
Werken zu schmücken. Klenze’s Werke haben dauernden Werth; 
seine Leistungen füllen ein glänzendes Blatt der Kunstgeschichte. 

1. 


Ueber die Zollanschluss-Bauten Hamburgs. 

(Nach einem Vortrage des Ober-Ingen. F. A. Meyer in der Versammlung des Archit.- u. Ing.-Vereins zu Hamburg am 30. Jan. 1884.*) 


Seitdem durch Beschluss vom 26. und 21. Februar 1883 Senat 
und Bürgerschaft das Generalprojekt und den Kostenanschlag 
von 106 000 000 M. genehmigt haben, entwickelte sich eine rege 
Thätigkeit. Es galt zunächst den Arbeitsplan fest zu legen, die 
Detaillirung der im Generalplan offen gelassenen Projekte vor¬ 
zunehmen und mit dem Bau einzelner Objekte zu beginnen. 

Wegen der grofsen Ausdehnung der Bauten und ihrer her¬ 
vor ragenden Bedeutung wurde eine Ausführungskommission er¬ 
nannt, bestehend aus 5 Senatoren und 10 Bürgerschafts-Mitgliedern, 
welche unter Hinzuziehung der Vertreter anderer berührter Kreise 
die Projekte beräth und darüber wacht, dass sich die Kosten der 
Bauten in dem Rahmen des genehmigten General-Kostenanschlages 
bewegen. 

Der technische Gesammtplan wird von den beiden Sektionen 
der Baudeputation gemeinschaftlich ausgearbeitet, in der Aus¬ 
führung aber so getrennt, dass die 2. Sektion (Strom- und Hafen¬ 
bau) naturgemäfs den Ausbau der grofsen Seeschiffshäfen zu beiden 
Seiten der Elbe und der Häfen für Oberländer Fahrzeuge, so wie die 
Regulirung des Elbstroms übernommen hat, während das dem 
Redner unterstellte Ingenieurwesen der 1. Sektion die wesent¬ 
lichen Ingenieurwerke an der Stadtseite der Elbe, so wie die 
neue Harburgerstrafse mit Ueberbrückung der Elbe und den durch 
die Stadt führenden Zollkanal und das städtische Freihafenviertel 
ausführt. 

Demgemäfs schaffte die 2. Sektion im vergangenen Jahre 
bereits in der Billwärder Konkave einen Winterhafen für Ober¬ 
länder Schiffe und einen Holzhafen, um die unteren Hafen-Partien 
und Fleethe zu entlasten. Gleichzeitig wurden die Arbeiten am 
Baakenhafen und der Ausbau des Segelschiff- und Oberländer- 
Hafens auf der Veddel begonnen und ein Theil der Quaimauern 
in Submission vergeben. 

Redner geht auf die Ingenieurbauten seines Ressorts genauer 
ein und bespricht zuerst die dafür erforderlich gewesene Er¬ 
weiterung der Organisation seines Zentral - Büreaus und der In¬ 
genieur- Abtheilungen: Während von den 4 vorhandenen Ingenieur- 
Abtheilungen die beiden, deren Bezirke gegen Norden an der 
Alster gelegen sind, von dem Zollanschlussbau wenig berührt 
werden, fallen den zwei anderen Abtheilungen (innere Stadt und 

* Wir reproduziren zum besseren Verständnis der gegebenen dankenswerthen 
Mittheiluogen umstehend die schon auf S. 121 des Jahrg. 1883 dies. Zeitg. mitge- 
theilte Sit.-Skizze des General-Projekts der bezügl. Umgestaltungen der Stadt Hamburg. 


obere Elbmarschen) bedeutende Ausführungen zu, welche die 
aushülfsweise Kreirung von zwei neuen Ingenieur - Abtheilungen 
nothwendig machten, von denen die eine den Bau der Ilarburger 
Landstrafse mit der zweiten Elbbriicke nach der Insel Wilhelms- 
bürg, die andere einen wesentlichen Theil des städtischen Frei¬ 
hafenviertels in die Hand genommen hat. Die alte Ingenieur- 
Abtheilung der inneren Stadt baut die Brookthorquai - und 
St. Annen - Brücken, sowie die Haupt-Partien des städtischeu 
Zollkanals; die Abtheilung der Ilammerbrooker und Billwärder 
Marschen führt die Deicharbeiten am Oberhafen aus. 

Der zeitige Stand dieser Bauten ist etwa der folgende: Die Zu¬ 
rückverlegung einer Strecke des Stadtdeiches am Oberhafen (oberer 
Theil des Zollkanals) ist dadurch vorbereitet, dass mit einem 
Kostenaufwande von 140 000.# zunächst das daselbst belegene 
Rohrlager des städtischen Wasserwerks landeinwärts in den 
Hammerbrook verlegt worden ist. Im Schutze des alten Deiches 
wird jetzt begonnen, den neuen Deich aufzuwerfeu und eine Quai- 
Anlage für kleine Fahrzeuge und für die oberländischen Personen- 
Dampfer herzustellen. Die Entfernung des alten Deiches findet 
erst dann statt, wenn der neue Deich sich genügend abgelagert 
haben wird. 

Die Elbbriicke und die Wilhelmsburger Strafse befinden sich 
noch gänzlich im Stadium der Vorbereitung. Es sind verwickelte 
Vorfragen mit langwierigen Verhandlungen zu erledigen, bevor 
das detaillirte Bau-Projekt fest gelegt und mit der Ausführung 
begonnen werden kann. 

In Bezug auf viele und wesentliche Theile der Bau-Ausführungen 
im zukünftigen städtischen Freihafen-Gebiet und der städtischen 
Strecke des Zollkanals liegen bereits genauere Ausarbeitungen 
und ein Detailplan über die Reihenfolge der Arbeiten vor. Den 
leitenden Gedanken bildete bei der Aufstellung des Arbeitsplans 
das Bestreben, möglichst schnell Terrain für die Herrichtung von 
Freihafen-Speichern für Private au beiden Seiten des Freihafen- 
Viertels, also in der Nähe der Kehrwiederspitze und bei St. Annen, 
zu schaffen. Die Speicher sollen sowohl Strafsenfront und Eisen¬ 
bahn-Verbindung, wie auch Wasserfront erhalten. Das ganze 
Terrain von der Niederbaum-Brücke bis nach St. Annen soll 
daher von einem Längs- und einem Querkaual durchschnitten 
werden. . 

Nach eingehenden Erwägungen wurde dahin entschieden, die 
Kanäle nicht für Seeschiff-Tiefe auszuheben, sondern dieselben 























98 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


27. Februar 1884 


nur für Schuten und Flussschiffs-Verkehr herzurichten. _ Aufser 
der Kostenfrage war hierbei der Umstand mafsgebend, dass ein Laden 
und Löschen der Seeschiffe direkt am Speicher nicht bequem sei. 
Die grofsen Schiffe müssten in zeitraubender Weise, der wechselnden 
Ladung entsprechend, von Speicher zu Speicher verholt werden. 
Das Ladegeschäft lässt sich schneller und daher billiger von einem 
festen Liegeplatz des Seeschiffes bewerkstelligen, weil dann gleich¬ 
zeitig und ohne Unterbrechung in mehrere Schuten verladen 
werden kann, welche sich an die Speicher vertheilen. Die Brücken 
über die Kanäle der Speicherstadt können bei dem Verkehr von 
Fahrzeugen ohne Mast als feste Brücken konstruirt werden. 

Das Bau-Terrain für Staats Speicher ist bislang an einer 
solchen Stelle in Aussicht genommen, wo dieselben, in gerader 
Flucht liegend, bequem eine Ausstattung mit maschineller Kraft 
und anderweitig einheitlicher Ausrüstung erhalten können. Sollte 
der Platz so gewählt werden, dass die Front sich gegen Süden 
dem Sandthorquai zuwendet, so könnten diese Speicheranlagen 
event. in Verbindung mit jener grofsen Verkehrsanlage für See¬ 
schiffe gebracht werden. Es würden dann Waaren direkt vom 
Seeschiff und von den Quaischuppen zum Speicher und umgekehrt 
gelangen. Der gröfsere Theil des städtischen Freihafen-Areals 
ist bis jetzt für Privatspeicher disponirt, und weist sowohl tiefe, 
grofse Grundstücke, als auch kleinere Flächen für helle Speicher auf. 

Mit den Arbeiten zur Herrichtung des Speichergrundes ist 


des mit Energie betriebenen Abbruch - Geschäftes, auf die hier 
einzugehen zu weit führen würde. Es steht zu erwarten, dass 
die erste Häuserhälfte zum Mai ohne Termin - Ueberschreitung 
beseitigt sein wird. 

Der Ausbau der Westspitze der Kehrwieder-Halbinsel, welcher 
mit den beiden Brücken zusammen ein Objekt von über 1 000 000 Ji 
bildet, wurde im Nov. v. J. begonnen und soll im Juli 1885 voll¬ 
endet sein. Die äufsere Quaimauer wird in Tidearbeit hergestellt, 
während der Speicherkanal und seine Ufermauern im Schutze von 
Fangedämmen gebaut werden. Die Quaimauern sind auf verti¬ 
kalen, sowie schräg gestellten Pfählen fundirt, deren obere Enden 
ungefähr auf Niedrigwasser stehen bleiben und in einer 3 m mäch¬ 
tigen Betonschüttung zwischen Spundwänden stecken. 

Gegen Ost anschliefsend werden am Kehrwieder weitere Quai¬ 
bauten in Submission vergeben, während auf dem mittleren lheil 
der Kehrwieder-Halbinsel erst in den Jahren 1884 bis 87 vor¬ 
gegangen wird. 

Von der St. Aunen-Partie ist zuerst die Brookthorquai-Brücke 
begonnen. Dieser Bau wird in Regie geführt, weil er sehr mühsam 
und verantwortlich ist. Die Brücke wird in 2 Oeffnungen den 
Speicher-Querkanal an seiner Mündung in den Brookthorhafen 
übersetzen. Es sind 7 Eisenbahn- und 2 Pferdehahn-Gleise nebst 
Strafse und Fufsweg ohne Betriebsstörung zu überführen. Deshalb 
ist es wünschenswerth, die Bau-Ausführung his ins Einzelne ganz 



Situations-Skizze, betr. die baulichen Anlagen zum Hamburger Zollanschluss. 

(Maafsstab: 1 : 20 000.) 

ZollgebänUe. ----- Zollgrenze. - Einfassung des Zollkanals. -Die Speicherbauten sind durch Kreuzschaffirung angedentet 

zwischen denselben erstreckt sich der Freihafen-, nördlich desselben der Zoll-Kanal. 


begonnen; es fesselt uns zunächst der Abbruch eines ganzen 
Stadttheiles, welcher in reger Weise betrieben wird. Im ganzen 
werden die Gebäude von 448 Grundstücken, in welchen 16 000 
Personen gewohnt haben, abgetragen. Vorerst ist am 1. Novbr. 
rnit dem Abbruch der einen Häuserhälfte begonnen und umfasst 
dieser zunächst die Westspitze der Kehrwieder - Halbinsel, die 
nördliche Häuserreihe des Brook und der Strafse „Hinter den 
Boden“ (V) und das ganze Viertel von der Kibbeltwiete bis nach 
St. Annen, sowie die Quaiseite der Strafse Dovenfleeth. Die 
Häuser - Gruppen sind in Loose getheilt; 5 derselben wuiden an 
2 Unternehmer mit der Verpflichtung übergeben, den Mauerschutt 
an bestimmte Lagerplätze zu fördern, wo der Schutt für städtische 
Bauten Verwendung findet. Für einige Loose ist den Unter¬ 
nehmern ein Zuschuss zu zahlen. Ein Loos wird in Regie ab¬ 
gebrochen und es ergeben sich hierbei gute Resultate. 

Bei dern Abbruch sind Alterthümer und Kunstgegenstände, 
Kacheln mit bunten Darstellungen, geschnitzte Balkenköpfe und 
andere Ornamente blos gelegt und von dem Verein für Hamburgs 
Geschichte gesammelt worden. Der Umzug der Bewohner, welcher 
lange vorbereitet war und bei dem vom Staate alles billige Ent¬ 
gegenkommen gewährt ist, hat sich im ganzen sehr ruhig voll- 
ZO crf*n. Jn dum Wirrsal der alten Hinterhäuser findet man noch 
hier und da während des Abbruches zur allgemeinen Verwunde¬ 
rung einzelne Insassen. Redner schildert manche Einzelheiten 


in Händen der Bauleitung zu belassen. Der Bau ist am 1. Juni 
1883 begonnen und man hofft ihn in ca. 2 Jahren zu vollenden. 
Es wurden die Gleise und die Strafse um 0,5 m gehoben und 
während der Nachtzeit provisorische Pfahljoche gerammt, welche 
zu beiden Seiten des Mittelpfeilers und der Landpfeiler errichtet 
sind. Ueber diese streckte mau in provisorischer Lage die defini¬ 
tiven von der Brückenbau - Anstalt Harkort gelieferten Brücken¬ 
träger um eine Decken - Konstruktion für die Arbeitsgrube zu 
gewinnen. Als unter den Trägern die Baugrube ausgehoben 
wurde zeigte es sich, dass man bei dem Rammen der Joche 
besonderes Glück gehabt; denn zwischen den Pfahlreiheu und 
einzelnen Pfählen safsen alte Fundamente und Spundwände. 
Ein Pfahl, welcher einen harten Gegenstand getroffen hatte, 
zeigte eine ganz eigenthümliche Erscheinung. In Mitten des 
frei gegrabenen Pfahlstückes war das harte Hirnholz des unteren 
Pfahlstumpfes in Form einer festen Pyramide keilartig in das 
weiche fächerförmig auseinander spaltende Holz des oberen 
Pfahlstückes eingedrungen. Bei dem Rammen hat sich dieser 
Vorgang in keiner Weise bemerkbar gemacht. Die Widerlager 
werden durch viereckige, die Mittelpfeiler durch runde Brunneu 
getragen. Das Ausbaggern derselben soll unter den Trägern in 
der niedrigen Baugrube mit einem Pristmann’schen Greifbagger 
erfolgen, welcher durch eine maschinelle Vorrichtung, nach Art 
eines Supportes, durch Seilbetrieb von einer fest stehenden Ma- 






































No. 17. 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


99 


schine aus betrieben werden kann. Der Bau der ganzen Brücke 
ist auf etwas über 750 000 Ji veranschlagt. 

An die Brookthorquai-Brücke bei St. Annen schliefsen sich 
die langen Quaimauern und die Brückenbauten der Partie bis 
zur Kibbeltwiete, für welche eine grofse Submisson in Vor¬ 
bereitung ist. 

Der Zollkanal soll an seinem südlichen Ufer der Zollab- 
tertigung, im übrigen dem Durchgangs- und Ladeverkehr der 
kleinen Fahrzeuge dienen. Die Breite desselben ist auf 45 m 
lest gesetzt und wird durch Verbreiterung eines Fleethzuges ge¬ 
wonnen, auf welchem der Verkehr durch die Bauten nicht unter¬ 
brochen werden darf. Es wird daher immer nur eine Uferseite 
zur Zeit in .Angriff genommen. Die Quaibauten beginnen im 
Osten der Stadt an der zollinländischen Nordseite des Fleeth¬ 
zuges am Dovenfleth und sollen daselbst bis 1885 vollendet sein. 
Die Regulirung des jenseitigen Ufers am alten Wandrahm, wo 
viele Speicher vorhanden sind, die vorläulig noch nicht der Be¬ 
nutzung entzogen werden sollen, ist erst für die folgenden Jahre 
in Aussicht genommen. 

Der Ausbau der westlichen Strecke des Zollkanals (Mähren, 
Binnenhafen) wird zunächst auf der — zollausländischen Südseite 
begonnen und erst später wird die Nordseite in Arbeit kommen. 
Die nördliche Zwischenstrecke an der Katharinen-Kirche, welche | 


letztere eine freie Lage am Quai erhält, wird vermuthlich erst 
ganz zuletzt fertig werden. 

An der nördlichen, zollinländischen U ferstrafse des Zollkanals, 
wo kleine, niedrigbordige Flusschiffe löschen, ist das Bedürfniss 
für tief gelegene Ladestrafsen vorhanden. Deshalb wird da, wo 
man eine genügende Breite zur Verfügung hat, nämlich am Doven- 
fleeth und vielleicht auch von der hohen Brücke bis zum Schar¬ 
thor eine Doppelstrafse ausgeführt. Die 18—20 “ breite Verkehrs- 
strafse liegt wasserfrei auf + 9 “ -und unterhalb derselben, dur ch 
eine Futtermauer getrennt, am Wasser die Ladestrafse. Letztere 
wird in 10 m Breite auf -|- 6,7 m Höhe angelegt. 

Manche Fragen sind noch zu lösen und recht schwierige 
Arbeiten auszuführen. Es müssen die städtischen Gas- und 
Wasserrohren verlegt, der Lauf der Siele geändert, Kanäle für 
die Zuleitungen zu hydraulischen Krähnen hergestellt, oder in 
anderer Weise Vorrichtungen für Verwendung einheitlicher Zentral¬ 
kräfte geschaffen werden. Detachirt liegende, kleinere Lade-Anlagen, 
wie z. B. am Zollkanal, könnten vielleicht zweckmäfsig mit Gasmo¬ 
toren ausgerüstet werden. Ferner erfordert der Ueberwachungs- 
dienst am Zollkanal besondere Anlagen und auch die Beleuchtungs¬ 
frage untersteht noch eingehender Erwägung, da es nahe liegt, 
die elektrische Beleuchtung für die Ufer der Kanäle und für den 
Betrieb der Speicher in den Kreis der Projekte einzubeziehen. 


Schornstein-Abdeckung. 


In No. 4 er. dies. Zeitg. wird unter Mittheilung von Skizzen 
eine dem Reg.-Bfhr. Althaus in Berlin patentirte Schornstein- 
Abdeckung mitgetheilt, die, obgleich patentirt, nicht den Anspruch 
auf Neuheit besitzt. 

Im Jahre 1856 erbaute ich in einer Thalschlucht, wo stellen¬ 
weise widrige Winde wehten, ein Wohnhaus und auf demselben 
errichtete ich an den beiden Doppelschornsteinen die in den 
Fig. 1 u. 2 gezeichneten Schornsteinköpfe mit Sandsteinplatten- 
Abdeckung. Die Rohre hatten je eine Lichtweite von 140 zu 200 mm , 

also einen freien 
Querschnitt von 
280 <K m ; diesel¬ 
ben waren loth- 
recht aufgeführt 
und nahm jedes 
Rohr je 2 Oefen 
im Erdgeschoss 
und je 2 Oefen 
im ersten Ge¬ 
schosse auf; 
selten jedoch 
wurden alle 
Oefen zu 
gleicher Zeit 
geheizt. 

Bei Benutzung 
derSchornsteine 
zeigte sich die 
eigenthümliche 
Erscheinung, 
dass aus den 
Oeffnungen a 

und O] — bei ruhigem Wetter und schwachen Winden — gar 
kein oder doch nur äufserst wenig Rauch ausströmte; selbst 
wenn gewöhnliche Winde in der Richtung der Längsaxe des 
Schornstein - Aufsatzes wehten, entwich anscheinend den Seiten¬ 
öffnungen b und b l — welche über der Zunge lagen — 
mehr Rauch als den in der Windrichtung liegenden Oeffnungen a 
oder et]. 

Bei heftigen Windstöfsen in der Richtung der Längsaxe des 
Kopfes wurde der Zug in dem zunächst getroffenen Rohre sehr 
abgeschwächt und gab häufig Veranlassung zu Klagen; diese Ab¬ 
schwächung fand aber in keinem der beiden Rohre statt, wenn 
auch die heftigsten Stürme in der Richtung der Queraxe des 
Kopfes tobten; auch wurde dann kein ausströmender Rauch bei 
a und «i bemerkt. 

Als Erläuterung zu Fig. 1 u. 2 sei noch besonders erwähnt: 

1. Die Zunge zwischen den beiden Rohren bleibt mindestens 
eine Ziegelschicht tiefer liegen, als die Ausströmungs-Oeffnungen 
beginnen, damit sich der Rauch beider Rohre vor Eintritt in die 
Ausströmungs - Oeffnung vereinigen kann und der Rauch beider 
Rohre seine Geschwindigkeit ausgleicht; zu diesem Zweck ist auch 
der Schornstein-Aufsatz in seinem Innern entsprechend erweitert. 

2. Die Ausströmungs-Oeffnungen sind nach dem Innern des 
Aufsatzes erweitert, um eine Kontraktion des abgebenden Windes 
möglichst zu verhindern und die Wirkung des einblasenden Windes 
zu schwächen. 


Vermischtes. 

Vom Bau des Panama - Kanals. Die Vollendung des 
Baues ist von Hrn. v. Lesseps für das Jahr 1888 in Aussicht 
genommen; doch scheint es nach neueren Nachrichten längst 
nicht zweifelsfrei, dass dieser Termin eingehalten werde. Zwar 
sind die Aushubs - Arbeiten neuerdings in einen ziemlich regel- 


3. Die freie Fläche einer Seitenausströmung ist fast doppelt so 
grofs genommen, als der Gesammtquerschnitt der beiden 
Rauchrohre, um der Reibung beim Ausströmen des Rauches 
Rechnung zu tragen. 

4. Die Sohle in den Ausströmungs-Oeffnungen ist nicht hori¬ 
zontal angelegt, sondern nach Innen hin ansteigend, um den 
Windströmungen unter allen Umständen eine nach oben gehende 
Richtung zu geben. 

Im März und April 1857 wurden die Klagen über den mangel¬ 
haften Rauchabzug des je einen Rohres für mich so unangenehm, 
dass ich mich entschloss, bevor ich die Schornsteine höher auf¬ 
mauerte, die Seitenöffnungen a und a, versuchsweise 
zuzumauern. Der Versuch war von bestem Erfolg begleitet; 
es mochten Stürme aus jeder Richtung toben, es war stets ein 
guter Zug in den Schornsteinen vorhanden, selbst wenn alle vier 
Oefen geheizt wurden. 

Ich bin also ganz zufällig auf diese Schornsteinabdeckungs- 
Konstruktion gekommen und habe solche in der Folge bei 
abgedeckten Schornsteinen stets ausgeführt, jedoch 
immer nach Maafsgabe der voran geführten Erläuterungen. Ich 
bemerke noch, dass ich im Laufe der Zeit die Erfahrung machte, 
dass wenn der Rohrquerschnitt vollständig ausgenutzt werden 
soll, der freie Querschnitt der Ausströmung an jeder Seite min¬ 
destens l l / t mal so grofs zu nehmen ist, als der des Rohres. 
Einfache Rohre, welche abgedeckt waren und deren Ausströmungs¬ 
öffnungen ursprünglich wie im Grundriss Fig. 2 durch feine 
Linien angedeutet, angelegt waren, habe ich mit bestem Erfolg 
nachträglich mit Köpfen versehen, wie in Fig. 2 im Vertikal¬ 
querschnitt angegeben ist. Auch hier ist zu berücksichtigen, dass 
da, wo das Rauchrohr bei c getheilt wird, der Gesammtquerschnitt 
der beiden Seitenführungen dort, wo die Einmündung in den 
Sammelkasten tritt, um ein Bedeutendes gröfser sein muss, 
als der Querschnitt des Rohres selbst. 

Selbstverständlich lässt sich auch diese Anordnung bei mehren 
neben einander liegenden Rohren ausführen; ich würde dann 
aber stets zwischen dem 2. und 3., sowie zwischen dem 4. und 

5. Rohre etc. schon der Stabilität halber die resp. Zunge bis 
zur Deckplatte aufmauern, was, wie es scheint, Hr. Althaus 
unterlässt. 

Das Prinzip beider Anordnungen ist (obschon ich bei Hrn. 
Althaus eine einrohrige Konstruktion vermisse) wohl dasselbe; 
doch darf ich annehmen, dass meine spezielle Ausführung, nament¬ 
lich unter Berücksichtigung: 

1) Der Erweiterung der Ausströmungs-Oeffnungen nach dem 
Innern des Rohraufsatzes, 

2) der Erweiterung der freien Ausströmungsfläche auf das 
174 fache des Gesammtquerschnitts der Rauchrohre, resp. des 
Rauchrohres, 

3) der Abschrägung am Boden der Eiuströmungsöffnuug nach 
aufsen unter einem Winkel von mindestens 30 n um die Wind¬ 
richtung aufwärts zu führen, entschieden zweckmäfsiger wirkt, 
als die Ausführung nach der Skizze des Hrn. Althaus. Dieser 
stellt vielleicht einen Versuch hierüber an. 

Düsseldorf, im Januar 1884. 

Ernst Bernau, 

Zivil-Ingenieur u. Architekt. 


mäfsigen Gang gekommen und es sollen bei 12 000 Arbeiter am 
Bau beschäftigt sein; grofse Unsicherheiten über den Vollen¬ 
dungs-Termin sowohl, als die Kosten - Endsumme ergeben sich 
jedoch aus dem Mangel an durchgearbeiteten Projekten. 

Selbst nicht einmal die Kardinalfrage: ob der Bau an den 
Enden schleusenfrei oder mit Schleusen auszuführen ist, hat bisher 
eine Lösung gefunden. Das Projekt nahm bekanntlich als prin- 




Mf 


Mllii 


Fig. 2. 

































































































100 


27. Februar 1884 


DEUTSCHE BAUZEITUNG. 


zipielle Grundlage die Vermeidung von Schleusen an; genaue 
Nivellements und Beobachtung der Tide-Erscheinungen an beiden 
Küsten des Isthmus haben aber den Abschluss des Kanals wenig¬ 
stens an einem Ende als dringende Nothwendigkeit ergeben. Aut 
der atlantischen Küste bei Colon beträgt der Fluthwechsel nur 
etwa 0,6 m , während derselbe auf der Seite des Stillen Meeres 
bei Panama 4 m und darüber beträgt. Aufserdem walten auch 
mehrstündige Zeitunterschiede in den Tide - Erscheinungen an 
beiden Küsten ob, d. h. die Hafenzeiten von Colon und Panama 
differiren um etwa 8 Stunden. Diesen Verhältnissen nach würde 
der angeschlossene Kanal niemals strömungsfrei sein, vielmehr 
schätzungsweise die viel zu grofse Strömungsgeschwindigkeit von 
2 m und darüber in demselben stattfinden. 

Es kommen nun zwei Mittel in Frage, um den gedachten 
Schwierigkeiten abzuhelfen. Einmal könnte man die Kanalsohle 
von Colon nach Panama zu um 2 m fallend anordnen; dieses 
Mittel würde den Mehraushub von ca. 10 000 000 tbm Boden unter 
schwierigen Verhältnissen bedingen. Zweitens aber könnte man 
in Panama Schleusen mit grofsen Kammern anlegen; diese werden 
muthmaafslich billiger sich stellen als die abfallende Kanalsohle. 

Für welchen Ausweg man sich schliefslich entscheiden wird 
ist abzuwarten; aufser dieser Frage aber schweben zur Zeit noch 
eine Reihe anderer nicht unbedeutender, die auf Termin und 
Kosten von sehr bedeutendem Einfluss sein können und jede 
heutige Schätzung als sehr verfrüht erscheinen lassen. — 

Zur Frage der Ursachen von Verwitterungen an Ziegel¬ 
steinen. Indem instruktiven Artikel in No. 10 d. Z. vom 30. Jan.d. J., 
betreffend „die Struktur der Ziegelsteine als Ursache der Ver¬ 
witterung“, heifst es wörtlich: „Enthält z. B. der Stein Stückchen 
von kohlensaurem Kalk, so wird dieser, sofern er nicht todt ge¬ 
brannt ist, bei Aufnahme von Feuchtigkeit löschen, hierbei sein 
Volumen vergröfsern und den Stein sprengen.“ 

Zu dieser Vorführung erlaube ich mir zu bemerken, dass, 
so weit ich unterrichtet bin, ein normal gebrannter Ziegelstein 
kohlensauren Kalk (Ca 0 CO 2 ), welches bekanntlich auch durch 
Aufnahme von Feuchtigkeit sich nicht löscht, als solchen nicht 
enthält. Denn gewöhnlicher kohlensaurer Kalk — der ja allerdings 
in einem ungebrannten Ziegel vorhanden sein kann — giebt 
bei stattfindender Rothglühhitze, welcher ein normal gebrannter 
Ziegel doch anhaltend ausgesetzt war, seine Kohlensäure (CO 2 ) 
ab und verwandelt sich dadurch in Calciumoxyd (Ca 0), d. h. in 
gebrannten Kalk. 

Der normal gebrannte Ziegelstein kann also sehr wohl Calcium¬ 
oxyd enthalten, falls dasselbe etwa nicht durch anhaltend erhöhten 
Hitzegrad an die im Ziegel befindliche Kieselsäure (Si O 2 ) und 
Thonerde (Al 2 Ö 3 ) gebunden wurde, während das Vorkommen von 
gewöhnlichem kohlensauren Kalk im Ziegel meines Erachtens 
unmöglich ist. Jenes möglicher Weise vorhandene Calciumoxyd 
ist es denn auch, welches durch Aufnahme von Wasser sein 
Volumen vergröfsert und dadurch den Ziegel sprengt, eine 
Eigenschaft, die der intakt befindliche kohlensaure Kalk, d. h. un¬ 
gebrannter Kalkstein, nicht zeigt. 

Diesen Gegenstand hier in ausführlicherWeise zu besprechen, 
hielt ich aus dem Grunde für angezeigt, damit nicht etwa dem¬ 
nächst in irgend welchen technischen Bedingungen über 
Ziegelstein- bezw. Verblendstein-Lieferungen, neben so manchen 
darin niedergeschriebenen, aber nicht ausführbaren Vorschriften 
darüber, was die Steine nicht enthalten dürfen, auch noch vor¬ 
geschrieben werden müsse, dass die Ziegel keinen kohlensauren 
Kalk enthalten sollen. Was dieselben nicht enthalten dürfen, 
das ist freies, nicht an die Kieselsäure und Thonerde des 
Steines gebundenes Calciumoxyd (Ca 0), wogegen das Vorkommen 
von gewöhnlichem kohlens. Kalk (Ca 0 CO 2 ) allerdings zulässig 
erscheint. 

In dem zu Grunde liegenden, jedem Betheiligten nicht genug 
zur Kenntnissnahme zu empfehlenden Artikel wird dann noch in 
dringendster Weise die Abdeckung exponirter Bautheile aus 
Ziegel mit „Zink, Schiefer oder dgl.“ empfohlen. Ich möchte 
mir erlauben darauf hinzuweisen, dass, sofern diese anempfohlenen 
Abdeckungen nicht mehr oder weniger absolut wasserdichte sind, 
doch noch die Feuchtigkeit von unten oder seitlich ihren Weg 
in den Ziegelsteinkörper findet. Aus diesem Grunde dürften 
derartige Abdeckungen meines Erachtens besser ganz unter¬ 
bleiben, da dieselben im angedeuteten Falle nur das schnellere 
Wiederentweichen (Verdunsten) der dennoch, d. h. trotz der Ab¬ 
deckungen, eingedrungenen Feuchtigkeit, verhindern. Diese sucht 
sich zu dem den Ziegel ruinirenden Auskristallisiren der in¬ 
zwischen in Losung gegangenen Salze sowohl wie zum Zer¬ 
sprengen des Gesteins durch Eisbildung andere dazu geeignete 
Flächen au dem Ziegelsteinkörper auf, und zwar in den meisten 
Fallen — gewissermafsen zur Verhöhnung des angewandten Schutz¬ 
mittels — unmittelbar unter demselben. Es erscheint dies auch 
sehr erklärlich; doch kann auf die Ursachen der Erscheinung an 
dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. 

Hamburg, den 6 . Februar 1884. Carl Bües. 

Baugewerk-, Maschinen- und Miihlenbau - Schule in 
Neustadt in Meckl. Die Schule wird im 2. ihrer Winter¬ 
semester von 60 Schülern besucht und nimmt damit eine Ent¬ 
wickelung. welche alle Erwartungen weit überschreitet. Aulser 
dem Direktor sind in der Anstalt noch 4 Fachlehrer angestellt. 


Für beide Abtheilungen bestehen besondere Kommissionen zur 
Abnahme der Abgangsprüfungen; der Baugewerken-Verein für 
beide Mecklenburg ist in der Prüfungskommission der Baugewerk¬ 
schule durch 3 Delegirte vertreten. 

Konkurrenzen. 

Konkurrenz für Entwürfe zum Bau der Christuskirche 
in Barmen. Das Preisgericht, in welches an Stelle des Hrn. 
Geh. Oberbrth. Prof. Adler in Berlin, Iir. Geh. Reg.-Rath Prof. 
Hase in Hannover eingetreten war, hat bereits am 18. u. 19. d. M. 
über die zum 15. Febr. eingegangenen 74 Entwürfe berathen und 
sich einstimmig dahin entschieden, den 1. Preis von 1200 M. dem 
Entwurf des Hrn. Arch. Chr. Bummerstedt in Bremen, den 
2. Preis von 600^ dem Entwurf des Hrn. Arch. Chr. Hehl in 
Hannover zuzusprechen. Die Projekte „A. D. 1884“, „Rhein¬ 
land“ (von Flügge & Nordmann in Essen) und „Deo“ wurden 
als künstlerisch hervor ragende Arbeiten anerkannt, können jedoch 
wegen zu hoher Baukosten bei der Prämiirung nicht berücksich¬ 
tigt werden. Die öffentliche Ausstellung der Entwürfe findet vom 
25. Febr. bis 9. März im Bankvereins-Gebäude zu Barmen statt. 


Bei der Konkurrenz für Entwürfe zum Bau einer 
Gedächtnisskirche in Speier sind folgende Entwürfe prämiirt 
worden: No. 1 der des Arch. Flügge & Nordmann in Essen, 
No. 6 derjenige von Arch. Hartei in Leipzig, No. 12 der des 
Arch. Ludw. Becker in Mainz, No. 17 von Arch. J. Vollmer 
in Berlin, endlich der Entwurf No. 23 von Prof. Heinr. Schmidt 
in München. — Das Gutachten der Jury soll veröffentlicht werden. 

Personal - Nachrichten. 

Preufsen. Prof. Dr. Karl Rodenberg an der techn. Hoch¬ 
schule zu Darmstadt ist zum etatsmäfs. Professor an der techn. 
Hochschule zu Hannover ernannt worden. 

Die Reg.-Bfhr. Wilh. Becker aus Bergheim b. Köln, Gust. 
Dangers aus Jerxheim, Victor Ruppenthal aus Oberstem 
(Fürstenth. Birkenfeld) und Jul. Zschirnt aus Hartau bei Zittau 
sind zu Regierungs-Baumeistern, die Kand. d. Baukunst: Eduard 
Dü wähl aus Stralsund, Hans Schultz aus Bromberg und Karl 
liiert aus Kassel zu Reg.-Bauführern; die Kand. d. Masch.-Bau- 
kunst: Gustav Franz aus Königsberg i. Pr. u. Wilh. Staby aus 
Bönen, Kr. Hamm, sind zu Reg.-Masch.-Bauführern ernannt. 

Versetzt: Reg.- u. Brth. Kricheldorff, Mitgl. d. kgl. 
Eisenb.-Dir. (rechtsrhein.) in Köln, als Direktor an d. kgl. Eisenb.- 
Betr.-Amt (Posen-Creuzburg) in Posen. — Reg. u. Brth. Nau¬ 
mann, Dir. d. kgl. Eisenb.-Betr.-Amtes in Danzig an das kgl. 
Eisenb.-Betr.-Amt (Breslau-Dzieditz) in Breslau; Reg.- u. Brth. 
Gutmann, st. Hilfsarb. b. d. kgl. Eisenb.-Betr.-Amt in Nordhausen, 
an die kgl Direktion der Breslau-Freiburger Eisenb. in Breslau; 
Reg.- u. Brth. Schilling, st. Hülfsarb. b. d. kgl. Eisenb.-Betr.- 
Amt in Dortmund an die kgl. Eisenb.-Direkt. (rechtsrhein.) in 
Köln- Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Frankenfeld, st. Hilfsarb. b. 
d. kgl. Eisenb.-Betr.-Amt (Main-Weser-Bahn) in Kassel, an das 
kgl Eisenb.-Betr.-Amt (Posen-Creuzburg) in Posen; Eisenb.-Bau- 
u Betr.-Insp. Bartels, st. Hilfsarb. b. d. kgl. Eisenb.-Betr.-Amt 
Berlin (Direkt.-Bezirk Erfurt) an d. kgl. Eisenb.-Betr.-Amt (Bres¬ 
lau-Dzieditz) in Breslau; Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Dr. zur Nie- 
den, Vorst, d. Bauinsp. Berlin-Angermünde-Schwedt in Berlin, 
als st. Hülfsarb. a. d. kgl. Eisenb.-Betr.-Amt Berlin (Direkt.-Bez. 
Erfurt); Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Darup, st. Hülfsarb. b. d. 
kgl Eisenb.-Betr.-Amt (Hannover-Rheine) in Hannover, an das 
kgl. Eisenb.-Betr.-Amt in Danzig; Eisenb.-Bau- u. Betr.-Inspekt. 
Schmidt Vorst, d. Bauinsp. Hannover-Kreiensen in Hannover, als 
st. Hülfsarb. an d. kgl. Eisenb.-Betr.-Amt (Hannover-Rheine) das. 

Brief- und Fragekasten. 

Hrn Bfhr E. S. in Fr. Wir verweisen Sie auf folgende 
beiden Spezialschriften: Dr. A. Wolpert, Theorie und Praxis 
der Ventilation u. Heizung; Braunschweig, und Degen, prakt. 
Handbuch für Einrichtung der Ventilation u. Heizung; München. 

Hrn. Reg.-Bfhr. H. hier. Sofern der vorhandene Kalk¬ 
putz Unebenheiten und Risse hat, müssen die betr. Stellen auf¬ 
gehauen werden und es ist sodann die gesammte Flache durch 
sog Abreiben — zuletzt mit Filzplatten zu glätten. Handelt es 
sich nur um sogen, rauhen Putz, so ist es nicht gut, die feste 
Nabe desselben zu beschädigen; vielmehr können Sie durch Auf¬ 
bringen von pastoser Farbe (sogen. Spachtel-Farbe) eine glatte 
Fläche hersteilen, die zur Aufnahme von reicher Malerei geeignet ist. 

Anfragen an den Leserkreis. 

1) Werden für Lagerbier-Keller Zement-Estriche dem As¬ 
phalt-Estrich vorgezogen und welches ist der Werth beider Estrich¬ 
arten für den genannten Zweck unter Berücksichtigung auch der 

ökonomischen Seite? J- W; *. « 

2) Welche für den Gebrauch an „Handfertigkeits - Schulen 
geeignete Lehrmittel existiren über Holzarbeiten soweit die¬ 
selben etwa in die Gebiete des Tischlers, Drechslers und des 

Holzbildhauers fallen? Tn 

3) Hat sich das Wagner’sche Taschen-Nivellir-In¬ 
strument im Gebrauche bewährt oder nicht? J. W. 

4) Nach welchem Verfahren können Holzzement-Dachun¬ 
gen auch im Winter in guter Qualität hergestellt werden? 


- ——-—--—“— ■ ... . K V O Fritsch Berlin Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei, Berlin. 

Kon:mUMonsverlag von Ernst Toeche in Berlin. Für die Redaktion verantwortlich K. t. O. Fritsch, Berlin. 






















No. 18. 


OEUTSCHE BAUZEITUNG. 


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Inhalt: Neuere Ausstellungshallen: II. Die Weltausstellung 1887 in Adelaide. 
— Seiten-Kanal entlang des Rheins von Strafsburg bis Germersheim-Mannheim. — 
Die Burg Heinrichs des Löwen (Schluss). — Ein neuer Entfernungsmesser. — 
Mittheilungen aus Vereinen: Dresdener Architekten - Verein. — Ver¬ 


mischtes: Ein alter Bauriss zum Thurmhelme am Strafsburger Münster. — 
„Kai“ oder „Staden“. — Konkurrenzen. — Aus der Fachlitteratur. 
Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. 


II. 


Neuere Ausstellungsbauten. 

Die Weltauss