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Full text of "Deutsche bauzeitung; die Bauzeitung vereinigt mit baukunst und werkform"

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* 


https://archive.org/details/deutschebauzeitu1904unse 



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Inhalts-Verzeichnis, Orts- und Sachregister 
zum XXXVIII. Jahrgang 1904 der „Deutschen Bauzeitung“. 


Seite 

Aachen. Das neue Rathaus 

249*, 257*, 261* 
Abwässer - Reinigung und 
Vorflut im Emschergebiet 

in*, 113*, 125* 

— -Reinigungs - Anlage und 
Kanalisation der Stadt 
Düsseldorf 585*, 593*, 601*, 

617* 

Aegypten, Bewässerungs- 

Anlagen .58 

Afrika, Südwest-, Eisenbahn 
nach Windhuk .... 258 
Ahornholz-Fußboden . . .291 

Amerika. Leistungen der 
Architekten u. Honorar . 219 

— Eisenbahn durch den Gr. 

Salzsee.506* 

— Reiseber, über Ingenieur¬ 
bauten .535 

Anatolische Eisenbahn . 399*, 
419*, 426* 

Anlieger - Beiträge zu den 
Straßenbau-Kosten . . . 572 

Anstrich mit Kautscholeum 
gegen Schlagregen . . . 424 

Anstrichmaschinen mittels 

Preßluft.123, 615 

Arbeiterheilstätten d. Lan¬ 
desversicherungsanstalt 
Berlin bei Beelitz . 16*, 69*, 
79*, 85*, 153*, 162*, 175*, 185* 
Arbeiter - Wohnungen in 
Rheinland . 187*, 198*, 214* 

243*, 245* 

Architekten. Auszeichnun¬ 
gen . 83, 147 

— und Baubeamte .... 147 

— als Direktoren von kunst¬ 

gewerblichen Arbeits¬ 
museen .191* 

— Amtliche Fachprüfungen 310 

— Das Streben der engl. A. 
nach amtl. Fachprüfungen 282 

— Leistungen und Honorar 

in Nordamerika . . . .219 

Architekton. Unterricht an 

Universitäten.37 t 

Architektur der Neuzeit, 

Das Moderne in der . 58, 62 

— Ueber künstlerische Auf¬ 
gaben in der A.289 

— Neuere badische A. . 477*, 

485* 501*, 525*, 537*, 645*, 

653* 

Archivbauten, moderne . 103 
Asien, Eisenbahnen Ru߬ 
lands in.88* 95 

— Anatolische Eisenbahn 399*, 

419*, 426* 

Asphaltparkett auf Sand¬ 
unterlage .616 

Athen. Archäologen - Kon¬ 
greß .615 

Aufzüge. Elektr. Turmkran 
zur Ausführung v. Hoch¬ 
bauten .81* 

Ausschlagen der Essen¬ 
wände b. Dampfheizungen 220, 
224, 256 

Ausstellung. Berlin. Die 
Architektur auf d Kunst-A. 136, 
285*, 429*, 489* 

— — Architekton. Nachlaß 

von Aug. Orth und 
Sk. Neckelmann . . 220 

— Darmstadt. Ausstellung 

der Künstler-Kolonie . . 320 

— Düsseldorf. Garten- 

bau-A. . 573* 

— Nürnberg. Wettbewerb 

um die Bauten der 
Landes-A.330* 

— und das Staatsbauwesen 6r5 
Austrocknung einesKassen- 

gewölbes .... 292, 336 

— feucht. Kellermauern 387*, 396 
Auszeichnungen v. Archit. 83 

— der Zementwarenfabrik 
Dyckerhoff & Widmann 92 

Badeanstalten, Schwimm¬ 
halle als Stadtbad . . . 292 

— Hallen-Schwimmbäder . 540 


(Den mit * bezeichneten Aufsätzen sind Abbildungen beigefügt.) 


Seite 

Baden. Neuere badische 
Architektur 477*, 485*, 501*, 
525*, 537*, 645*, 653* 
Bahnhof. Ausführung des 
Hauptbahnh. in Hamburg 69 
-desgl. Sternschanze u. 

Dammtor.122 

— Umwandlung der Eisen¬ 

bahnanlagen in und bei 
Leipzig . . . 37*, 49*, .76* 

Bamberg. Prinzregent Luit¬ 
poldschule .197* 

Bankgeb. MainzerVolksb. 645* 
Bauakademie in Berlin, zum 

80. Semester.543 

Baubeamte, Stadtbrt. für 
Dresden.364 

— städt, für Halle a. S. . . 350 

— desgl. für Naumburg a. S. 359 

Baubeamter u. Privatarchi¬ 
tekt .147 

Bauentwürfe, deren Be¬ 
nutzung .96 

Bauernhaus mit Mostpresse 
in Gaisberg .... 271* 

Bauflucht für Villenbauten 48 
Baugewerkschulen. Um- 
gestaltungdes architekton. 
Unterrichts . 482, 518, 562 

Baugewerksmeister. Be¬ 
rechtigung zur Führung 
des Titels eines ... 91 

Baukonstruktionen. Eisen¬ 
betonbohlen System Tilk 
& Schwarz zu Decken 

und Wänden.171 

—- Dachgarten-Anlage . .413 

— Dreilagiges Pappdach mit 
Jutegewebe-Einlage 495, 558 

— Wiederherstellung alter, 

verrosteter Wellblech¬ 
dächer .536 

— Herstellung der kreis¬ 
runden Rauchröhren . . 248 

— Röhm’s zerlegbare Ofen¬ 
mäntel aus Einzelwänden 334* 

—- Künstliche Teiche . . . 435 

— Breitflanschige Grey - 

Träger, System Differ- 
dingen.243 

.Baukunst, neue,inDänemark 1* 

— altbürgerliche.154 

Baumaterial. Hygiena-Ma- 

terial, Fußbodenbelag . 48 

—- Fußboden in Färbereien . 364 

— Granitzementbelag . . . 364 

— Hartglasbausteine . . . 220 

— Bezeichnung und Unter¬ 
scheidung des Bauglases 555 

—- Wachwitzmetall . . . 120 

Baumwuchs, Eingehen an 
Straßen, infolge Gasleit. 556 
Bauordnung für Dresden . 502 

— Staffel-B. für München 538*,570 
Baustein „Virgo", neuer 

roter Granit.558 

Bauten auf dem Sonnenstein 

bei Pirna.334 

Bauwesen im deutschen 
Reichshaushalt .... 622 

— im preuß. Staatshaushalt 45,62 

— in Württemberg . . . 558 

Bayern. Das Staatsminister. 

für Verkehrsangelegen¬ 
heiten .9 

— 2. Teclin. Hochschule . 260 
Beachy - Head - Leuchtturm 

bei Eastbourne . . . 432* 

Bebauungsplan. Bestre¬ 
bungen zur gesetzlichen 
Regelung der Umlegung 
städt. Grundstücke . . 299 

— Großstadt-Erweiterungen 647* 

— Bremische Stadt- und 
Denkmalfragen . 362*, 373* 

— Umgestaltung von Alt- 

Brüssel . 333* 

— Umgestaltung desTheater- 

platzes in Dresden . 14*, 80, 

94*, 164*, 169*, 446 
—- Verbesserung der Woh¬ 
nungsverhältnisse in Ham¬ 
burg .379* 

— Stadterweiteiung v. Metz 215* 


Seite 

Bebauungsplan. Stadt-Er¬ 
weiterung von Posen . . 11 

—■ Straßendurchbrüche in 

Paris. 597* 

— Umgestaltung des Karls¬ 
platzes in Wien 364*.443*.378* 

— Die Kunst der Städte (H. 

W. Brewer f) . 607*, 614* 

— Abstand verscbiedenerGe- 

bäude.312 

— Die Stellungnahme der 

„D. Bztg “ in der Frage 
der Aufstellung von Ent¬ 
würfen f. B.571 

Bedürfnisanstalten, unter¬ 
irdische . 416, 428, 440, 460 

Beelitz. Die Arbeiterheil¬ 
stätten der Landes-Ver¬ 
sicherungsanstalt Berlin 
61*, 69*, 79*, 85*, 153*, 162*, 
175*, 185* 

Begräbnisstätte in Göp¬ 
pingen .221* 

Beleuchtungskörper der 
Sächs. Bronzewarenfabr. 

in Wurzen.20 

Berlin. Die Architektur auf 
der Kunstausstellung 136,285*, 
429*, 489* 

— Das Roon-Denkmal 570, 644 

— Neubauten DasHerren- 
haus des preuß. Landtages 40*, 

52*, 137* 

— — Das Gebäude der See¬ 

handlung .... 489* 

— — Minist, der geistl. usw. 

Angelegenheiten . 489* 

— Erhaltung des Opern¬ 
hauses . . 157*, 19 r, 411* 

— Umbau des Kgl. Schau¬ 
spielhauses. . . 265*, 276* 

— Grundwasserversorgung 

der Stadt.18 

Bern. Das neue schweizer. 

Bundeshaus 100*, 130*, 133* 
Beton. Dichten eines Warm- 
wasserbeckens . 96, 104, 168 

— Berechnung der Spannun¬ 
gen auf Biegung bean¬ 
spruchter Betonplatten . 406 

— Eisenb.-Brücke in Stampf¬ 
beton über die Iller bei 
Lautrach . . . 441*, 453* 

Betoneisen-Konstruktionen, 

V01 schrifttn.348 

— bei h undamentplatten . 608 
Bewässerungs-Anlagen im 

alten und neuen Aegypten 58 
Bewegen und Heben ganzer 
Baulichkeiten . . . 92, 136 

Bibliothek des Frhrn. von 
König-Fachsenfeld . . 281* 

Bismarck- Denkmal-Türme 
von W. Kreis . . . 561* 

Böckmann W., Ehrentafel 
z. Gedächtnis,i Motivriause 60 
Brand des Iroquois-Theaters 
in Chicago . . 21*, 51*, 205* 

— des Pariser-Warenhauses 

in Budapest.31 

Brandschaden, Versiche- 
rungs-Pllicht gegen Oo, 103 
Bremen. Aufstellung eines 
Bismarck-Denkma s 57* 83 

— Arch. E. Högg als Dir. des 

Gewerbe-Museums . . 191* 

— Stadt- u. Denkmalfragen 362*, 

373* 

— Wettbewerb für den Neu¬ 
bau des Stadthauses 93*, 105*, 

118*, 123* 

Brewer, H. W. f, ein engl. 

Städtekünstler . 607*, 614* 

Brief von unterwegs . . . 466 

Bruchsal. Verwaltungsge¬ 
bäude der Maschinenfabr. 
Schnabel & Henning . 531* 

Brückenbau. Die neue 
Eisenbahn-Verbind. über 
den Rhein bei Mainz . 213*, 

2 3o*, 233* 

— Wettbewerb um d. Rhein¬ 
brücke bei Ruhrort 286*, 639*, 

646* 


Seite 

Brückenbau. Die neueren 
Straßenbr. über die Donau 
in Budapest 97*, 145*, 149*, 
173*, 181* 

— Eisenbahn- und Straßen¬ 

brücken über den Ober¬ 
hafen in Hamburg . . . 386 

— Eisenb.-Br. in Stampf¬ 
beton über die Iller bei 
Lautrach . . . 441*, 453* 

— Senkung der Maximilians- 
Brücke in München 339, 423 

-— Br. über den Eastriver 
in New-York .... 24 

— Jochbrücke der Eisenbahn 

durch den gr. Salzsee in 
Nordamerika .... 506* 

— Bogenbr. über die Donau 

in Passau . 321*, 385*, 414* 

— Die Syratal-Br. in Plauen 

im Vogtl. . 354*, 361*, 414* 

— Neubau der steinernen 
Br. über die Donau bei 


Regensburg.67* 

— über den Hafen von 
Sydney.513* 


Brüssel, Umgestalt, v. Alt-B. 333* 

Brunnen, Neptun-, und der 
Schöne Br. in Nürnberg 298* 

320 

Budapest. Die neueren 
Straßen-Brücken über die 
Donau 97*, 145*, 149*, 173*, 
181* 

Bücherschau. 

— Abendroth. Die Auf¬ 
stellung u. Durchführung 

v. amtl. Bebauungsplänen 96 

— Architekton. Ent- 

würfev. Stud. derTechn. 
Hochschule in Aachen 
unter Leitung von Prof. 
Schupmann.415 

— Baukunde des Archi¬ 
tekten Bd. 1, Teile, 558, 584 

— Billing, H., Prof., der 

Musikraum in der Welt- 
Ausstellg. St. Louis . . 376 

— Birk, Alfr., Prof. Der 

Wegebau.628 

— Brockhaus’ Konver¬ 
sations-Lexikon .... 84 

—- Deutscher Baükalen- 
der. 499* 

— Dolezal. Theoreti-che 
und prakt. Anleitung zum 
Nivellieren von Stampfer 371 

-Handbuch der niederen 

Geodäsie von Härtner 
u. Wastler .... 371 

— Düsseldorf u. seine 
Bauten 437*, 458*, 461*, 508, 

536 

— Ebhardt, Bodo. Die 
Burgen und Burgenreste 
Italiens ........ 572 

— Entwürfe einfacher 

Bauern-und Bürger¬ 
häuser im Rheinland, 
Wettbewerb.415 

— F ische r , P., Reg.- u Brt. 
Ansiedelungsbauten in 
Posen und Westpreußen 124 

— Göttsche, Gg., Die 
Kältemaschinen .... 344 

-— Gurlitt, Corn. Ueber 
Baukunst, Bd XXVI von 
Muther: Die Kunst . 448* 

— Hagn, H. Schutz von 
Eisenkonstr. gegen Feuer 338 

— Handbuch der Ge¬ 
setzgebung in Preußen 
und dem Deutsch. Reiche. 

9. Teil. Münchgesang: 

Das Bauwesen .... 172 

— Handbuch der In¬ 
genie urwissen- 
schaften. III. Teil. Der 
Wasserbau v. Frühling 212 

— Handbuch der Deut¬ 

schen Kunst - Denk¬ 
mäler ..572 

— Hercher,L., Reg-Bmstr. 

Großstadt-Erweiterung. 647* 

III 














































Seite 

Büeherschau. Hochbau- 
Lexikon v. Dr.Schöner- 


mark u. Stüber .... 415 
— v. Hoffmann, A. Histo¬ 
rischer Reisebegleiter für 
Deutschland.376 


— KreIler, Emil, Dr. Die 

Entwicklung der deut¬ 
schen elektrotechnischen 
Industrie und ihre Aus¬ 
sichten auf dem Welt¬ 
markt .598, 622 

— Kübler, W., Prof. Der 

Drehstrommotor alsEisen- 
bahnmotor.291 

— Küster, A., Die Er¬ 
schließung v. Baugelände 
u. die Bildung geeigneter 
Baustellen durch Um¬ 
legung der Grundstücke 302 

— Lambert & Stahl. Ar¬ 
chitektur von 1750—1850 436 

— Das moderne Land¬ 

haus und seine innere 
Ausstattung . . 581*, 591* 

— Meyer’s Großes Kon¬ 
versations-Lexikon . 260, 616 

— Roßbach, Arwed, und 

seine Bauten.350 

—- Schubert, Menzel, der 
Bau der Eiskeller, Eis¬ 
häuser, Lagerkeller und 
Schränke.344 

— Schutte,Alb ,Malerische 

Landhäuser. 324* 

— Schweizer Kunstkalen¬ 
der von Dr. Baer . . . 628 

— Steffen, H., Baudenk¬ 
mäler deutscher Vergan¬ 
genheit ....... 351 

— Steinlein, G., Altbürger¬ 
liche Baukunst .... 155 

—- Stiehl, O., Kunst oder 
Kunstgeschichte ? Wieder¬ 
herstellung oder Zerfall d. 
Heidelberger Schlosses ? 429 

— Technolexikon . . . 84 

— Der städt. Tiefbau, 

Bd. V. Die Versorgung 
der Städte mit Elektrizität 
von v. Miller.254 

— Das städtische Tief¬ 

bauwesen in Frank¬ 
furt a. M. . . . . . 7 

— de Weldige - Cremer 

und Fahrenhorst. Die 
Grundstücks-Umlegung in 
Dortmund.300 

— Wildenbruch. Aus 

Liselottes Heimat. Ein 
Wort zur Heidelberger 
Schloßfrage . . .43t, 603 

Bücher-Verzeichnisse. 84, 96, 
124, 172, 255, 260, 291, 344, 
35 G 37 G 376, 388, 415, 436, 
448, 500, 572, 592, 616. 

Burg Stecklenburg b. Thale 614 

Charlottenburg. Das Rat¬ 
haus .313*, 325* 

Chicago. Brand deslroquois- 
Theaters . . 21*, 51*, 205* 

China. Architektur der 
neueren Zeit in Shanghai 450* 
—- Nanking, eine wandernde 
Großstadt. 449* 

— Eröffnung der Shantung- 

Eisenbahn.135 

— Wasser- und Schienen¬ 
wege in.191 

Chronik. 12, 36, 44, 68, 71, 104, 
136, I48, l68, 196, 212, 248, 
260, 280, 284, 296, 33r, 335, 
359, 372, 408, 416, 440, 484, 
508, 524, 532, 544, 556, 568, 
580, 592, 608, 624, 636. 

Dach. Dreilagiges Pappd. m. 
Jutegewebe-Einlage 495, 558 

— Wiederherstellung alter, 
verrosteter Wellblechd. . 536 

Dachgärten.413 

Dänemark. Neue Baukunst 1* 

Dampfturbinen.219 

Danzig. Eröffnung derTechn. 

Hochschule.497 

Darmstadt. Ausstellung der 
Künstler-Kolonie . . . 320 

— techn. Hochschule, Ehren¬ 
doktoren .... 92, 311 

Deeken-Konstruktionen. . . 

— Die Eggert-Decke . 46*, 59 


Seite 

Decken. Gitterbalken-D. von 
Visintini.47* 

— Schultheiß’sche Draht-D. 95 

— Steinkohlenschlacke als 
Füllmaterial für .... 136 

Denkmalfragen, Bremische 
Stadt- u. D. . . 362*, 373*, 

Denkmäler. Bismarck-D- 
Aufstellung in Bremen 57*, 83 
—- BismarckD.-Entwürfe von 
W. Kreis in Dresden . 561* 

— Das Roon-D. i. Berlin 570. 644 

— D.-Entwurf f. G. Freytag 

in Breslau.567 

— von Vertr. der Technik 
an der Techn. Hochschule 

in Wien .11 

Denkmalpflege in Hessen . 414 

— und Dichtung.603 

Denkmaltag in Mainz . . 606 

Dessau. Wettbewerb um 

d. Entwurf eines Waisen¬ 
hauses .91, 131 

Deutschland. Das Bauwe¬ 
sen im Reichshaushalt . 622 
Dichten, ein. Warmwasser¬ 
beckens in Beton 96, 104, 168 
Dom in Magdeburg . . . 343 

— in Meißen .... 29*, 102* 

— in Worms.146 

Donauwasserstraße von 

Passau bis Ulm .... 202 
Dresden. Stadtbrt. f. Hochb. 364 

— Neue Bauordnung für. . 502 

— Haus Peter Spreckels . 39* 

— Das neue Rathaus . . . 248 

— Landwirtschaftl. Verwal¬ 
tungsgebäude . . 353*, 377* 

— Friedr. Siemens-Stiftung 

an der Techn. Hochschule 555 

— Umgestaltung d. Theater¬ 
platzes 14*, 80, 94*, 164*, 

169*, 446 

— Umbauten am Opernhause 435 
Druckereien, Aufstellung d. 

Maschinen zur Geräusch¬ 
verhinderung . . . 292, 352 

Düsseldorf. Gartenbau-Aus¬ 
stellung .573* 

— Handelskammer . . . 161* 

— Ergänzungsbaut. d. Kana¬ 
lisation u. Reinigungs-An¬ 
lage für die Abwässer 585*, 

593*, 601*, 617* 

— Verband dtsch. Arch- 

u.Ing.-Ver. 33 Abgeordn- 
Vers.463, 470, 473 

—- — 16. Wandervers. 465, 478, 
5°9 

— — Die Vorträge 466*, 475*, 

479 , 49 i*, 5 ° 3 *, 609*, 6,8*, 
625* 

— —■ Bericht über die Ent¬ 

wicklung d. Verb 485, 497 

— u. s. Bauten, Bücherbe¬ 
sprechung . 437*, 458*, 461*, 

5 ° 8 , 536 

Duisburg. Ev. Kirche . 654* 

Ehrendoktoren d. deutsch. 
Techn. Hochschul 20, 92, 311 

— der Universität Marburg 580 
Ehrentafel zum Gedächtnis 

W. Böckmann’s im Motiv¬ 
bause in Charlottenburg 60 
Eisenbahn-Vorlage i. preuß. 
Abgeordnetenhause . . 203 

— Entwicklung d. Berliner E. 

im letzten Jahrzehnt 142, 495 
Eisenbahnen. Umwandlung 
der E.-Anlagen in und bei 
Leipzig . . . 37*, 49 *, 7 6 * 

— im Ruhr-Industrie-Gebiet 554 

— Nördlichste E. der Welt, 

Norwegen ..... 342* 

— Die neuen Alpenbahnen 

in Oesterreich .... 36 

— E. Rußlands in Asien 88*, 95 

— Die anatol. E. 399*, 419* 426* 

— durch den Gr. Salzsee in 

Nordamerika .... 506* 

— in Südwestafrika . . . 258 

— Eröffnung der Schantung- 
bahn in China .... 135 

— Stadt- und Vorortbahnen 

in Hamburg.138 

— Entwicklung des städt. 
Schnellverkehrswesens 
seit Einführung der Elek¬ 
trizität 466*, 475*, 491*, 503* 

— Der Schnellbetrieb auf 

Hauptbahnen.318 


Seite 

Eisenbahnen. Versuchs¬ 
fahrten der Studiengesell¬ 
schaft für elektr. Schnell¬ 
bahnen .... 454*. 461 

— -Oberbau,Beobachtung., 
Messungen und Versuche 348 

— Blockeinrichtungen . . 95 

— Verdübelung von hölzern. 

Eisenb-Schwellen . . . 210 

— Neuerungen auf dem Ge¬ 
biete der Telegraphie und 
Telephonie f. Eisenb. . 2x1 

Eisenbeton-Bohlen, System 
Tilk & Schwarz . . . 171 

—- -pfähl - Gründung beim 
Hauptbahnhof in Hamburg 70 

Elektrischer Turmkran zur 
Ausführung von Hoch¬ 
bauten .81* 

Elektrizitätswrk. d. Schweiz 65: 

Eletrotechnische Industrie, 
die Entwicklung der deut¬ 
schen, und ihre Aussichten 
auf dem Weltmarkt 598, 622 

Emscher-Regulierung in*,ii3*, 
125* 


England. Das Streben der 
Architekten nach amtl. 
Fachprüfungen . . 282, 310 

— Ein engl. Städtekünstler, 

H. W. Brewer f . 607*, 614* 
Ersatzpflicht bei Verzug der 
Erteilung der Bauerlaubn. 312 
Etat. Das Bauwesen im 
preuß. Staatshaushalt 45, 62 

— Desgleichen im deutschen 
Reichshaushalt .... 622 


Fabrikgeb. Kunstwerkstatt 
der deutsch. Glasmosaik- 
Ges. Puhl & Wagner in 

Rixdorf.433* 

Fahrbahn auf LJ-Eisen auf 

Chausseen.312 

Farbentonkarte von Bau¬ 
mann .279 

Fassaden, Empire-, in Ma¬ 
rienwerder .... 533* 

— -Schmuck, farbiger 350, 416 
Feldbahn-System „Bierau“ 167 

Fensterrecht.168 

Festrede: Das Moderne in 

der Architektur der Neu¬ 
zeit von Johannes Otzen 58, 62 
Fluchtliniengesetz. An¬ 
lieger-Beiträge .... 572 
Flußbau-Laboratorien und 
die Ausführung von Ver¬ 
suchsbauten in geschiebe¬ 
führenden Flüssen 314, 322 
Fluß-Regulierung des Em- 
schergebiets in*, 113*, 125* 
Frankfurt a. M. Das städt. 
Tiefbauwesen .... 7 

— Die städt. Wasserwerke 103 
F reiburg i.Brg. Kollegiengeb. 

f. d. Universität . . . 649* 

Friedhof-Anlage in Göp¬ 
pingen .221* 

Füllmaterial, Steinkohlen¬ 
schlacke .136 

Fußboden aus Ahornholz . 291 

— in Fabrikgeb. . . . 460, 488 

— in Färbereien . . . 364, 508 

— in Schlachthallen . 464, 488 

— Parkettplatten ausBuchen- 

holz in Asphalt auf Sand¬ 
bettung .572 

-Schädlinge, Holzwürmer, 

ihre Vertreibung . . . 292 

Gaisburg. Haus und Most¬ 
presse . . . . . . 271* 

Gartenbau - Ausstellung in 

Düsseldorf. 573 * 

Gast- und Wohnhaus der 
Brauerei Gebr. Beckh in 

Pforzheim.525* 

Gaswerk in Rixdorf . . .211 

Gebühren für schiedsrichter¬ 
liche Tätigkeit .... 72 

— -Ordnung der Architekten 

u. Ingenieure. Auslegung 
derselben .... 96, 488 

Genesungsheim s. Heilstätten. 
Gerüsthaken v. W. Stieper 254 
Geschäftshaus des land¬ 
wirtschaftl. Kreditvereins 
in Dresden .... 353* 

— der landwirtsch. Feuer- 

versicherungs - Genossen¬ 
schaft in Dresden . . 377* 


Seite 

Geschäftshaus der Handels¬ 
kammer in Düsseldorf . i6x* 

— der Mainzer Volksbank 645* 
Gesetz betr. d. Urheberrecht 

anWerken der bild.Künste 233 

— zur Verbesserung der 

Wohnungsverhältnisse in 
Preußen.422 

Glas. Hartglasbausteine . 220 

— Bezeichnung und Unter¬ 
scheidung des Bauglases 555 

Glasmosaik für Fassaden¬ 
schmuck .350* 


— -Fabrik v. Puhl & Wagner 

in Rixdorf . . . 433*, 570 

Glasplatten zur Bekleidung 452 
Gleisbahnen auf Land¬ 
straßen .312, 360 

Göppingen. Friedhofanlage 221* 
Gotha. xoojähr. Bestehen 
der Baugewerkschule . 57 t 
Granit, ein neuer roter, 

„Virgo“.558 

Grenzmauer, Kosten der 

Herstellung.560 

Gründung des Hauptbahn¬ 
hofes in Hamburg ... 69 

— Betonsohle mit Eisenein¬ 
lagen .608 

Grundstückstaxen zu er¬ 
mitteln .256 

Hafen - Erweiterung von 
Ruhrort.259 

— von Valparaiso . 326*, 338 

Halensee b. Berlin. Terras 

senbau .... 632*, 657* 
Halle a. S. Neue Stadtbauräte 350 
Hamburg. Ausführung des 
Hauptbahnhofes ... 69 

— desgl. Sternschanze und 

Dammtor.122 

— Brücke üb. den Oberhafen 386 

— Pläne für Stadt- und Vor¬ 
ortbahnen .158 

— Musikhalle.211 

—- Straßenreinigung ... 3c 

— Mündung der Stammsiele 358 

— Tunnel unter der Elbe 274* 

— Verbesserung der Woh¬ 
nungsverhältnisse . . 379* 

Handelskammer in Düssel¬ 
dorf .161* 

Hanau, Kreishaus .... 147 
Hausnummern, Festleg. 416,360 
Hausschwamm - Bildung u. 
Vertilgung .... 124, 132 

— Verantwortlichkeit . . .168 

Hebung ganzer Gebäude — 

Firmen.92, 136 


Heidelberg, Erhaltung des 
Schlosses 267, 269, 389, 403, 
417, 425 *, 429, 452 , 534 , 548 , 
603 

Heilstätten der Landes-Ver- 
sicherungs Anstalt Berlin 
bei Beelitz 6 l*, 69*, 79*, 85*, 
153*, 162*, 175*, 185* 

— Magdeburger Lungenheil¬ 

stätte Vogelsang bei 
Gommern.293* 

—■ Genesungsheim Friedrichs¬ 
höhe zu Pyrmont . . 569* 

Heimatschutz . . . 170, 179 

Heizung. Fernheizwerk der 
Arbeiterheilstätten bei 
Beelitz .... 162*, 175* 

—- Etagen - Dauerbrand-Zen¬ 
tralofen von Grimme, Na- 
talis & Co.142 

— von Klosetts,.12 

Hessen. Denkmalpflege . 414 
Hochschulen, Techn. selb- 

ständ T.-H. od. Angliede¬ 
rung an d. Universitäten 487 

— Studium und d. Prüfungen 204 


— 2. T.-H. in Bayern . . . 160 

— Berlin. Brt. Graef, Privat¬ 
dozent .143 

— — Ausstellung des archi- 

tekton. Nachlasses von 
Aug.Orth u. Sk.Neckel- 
mann.220 


— — Bauinsp. Stiehl, Doz. . 548 
-Das neue Kgl. Material- 

Prüfungsamt in Gr 
Lichterfelde 562*,574*,631 

— in Danzig. Zur Eröffnung 497 

— in Dresden. Friedrich 

Siemens Stiftung . . . 555 

— in Karlsruhe. Das che¬ 
mische Laboratorium 297*,306* 


IV 


















































Seite 


Seite 


Hochschulen, Techn. Be¬ 
such in Oesterreich . .184 

Hofheim i. T. Wasserver¬ 
sorgung u. Entwässerung 368 
Holland, Architekton. Rei¬ 
seeindrücke .211 

Holzwürmer, ihre Vertreib. 292 
Homburg v. d. H. Villa 

Wertheimber.13* 

Honorar und Leistungen d. 
Architekt, i. Nordamerika 219 


Isolierung, Asphalt-Blei-I. z. 
Anlage von Dachgärten . 413 

— desgl. von künstl. Teichen 435 

— Isolier-Deckmasse von 

Bitterich.508 

Italien. Reisemitteilungen v. 
Zimmermann.290 

— Apulische Wasserleitung 371 

Jena. Wettbewerb um Ent¬ 
würfe für die neue Uni¬ 
versität .73*, 107* 

Jubiläum z. 70. Geburtstage 
v. Gustav Ebe .... 555 

— 100 jährig. Bestehen der 
Baugewerksch. in Gotha 571 

— des 25 jährig. Bestehens 
d Masch.-Fabr. v. C Flohr 

in Berlin ...... 350 

Kanada, Schiffshebewerk i. 

Trent-Kanal .... 511* 

Kanalbau, Panama-Kanal 
Oberleitung d. Arb. . . 279 

— drei wichtige in Deutschi, 

anzulegende Kanäle . . 347 

— vom Rhein zur Weser, v. 

der Kommission d. preuß. 
Abgeordn.-Hauses ange¬ 
nommen .579 

Kanalisation u. Reinigungs- 
Anlage für die Abwässer 
i. Düsseldorf 585*, 593*, 601*, 
617* 

— Tabellen der Wasser¬ 

mengen in K.-Röhren 280, 332 

Karlsruhe. Techn. Hoch¬ 
schule: Ehrendoktoren 20, 92 

— Das chem. Laboratorium 

der T.-H. . . . 297*, 306* 

— Das Krematorium . . 273* 

— Keram.-Werkst, der Gr. 

Majolika-Manuf. . . . 653* 

— Wohnhausgruppe Baisch- 

straße. . . 477*, 485*, 501* 

— Wohnh. Nußberger, Kohl¬ 
becker und Mees . . 357* 

— Wohnh. eines Hofjägers 656* 

— Schwestern-Altenheim 646* 

Kassel. Theaterneubau . . 359 
Kautscholeum geg. Schlag¬ 
regen .424 

Kegelbahn. Verhinderung d. 

Geräusches imWohnhause 268 
Kirchenbau, Gedanke des 

evangel.142 

Kirchenbauten. Brorsons-K. 

in Kopenhagen .... 8* 

—- K. für Duisburg . . . 654* 

— Wiederherst. d. Nicolai-K. 

in Spandau . . 337*, 345* 

—- Zur Einweihung der Pro- 
testations-K. in Speyer 448, 
487, 495 , 520 
Klosett-Heizung .... 12 

Köln a. Rh. Kosten des 
neuen Sladltheaters . . 350 

Kongreß der Architekten in 
Madrid.32, 143 

— Archäologen-K. in Athen 615 

— Internation. Ingenieur-K. 

in St. Louis.195 

— Kunsthistor. K. in Stra߬ 
burg i. E.323 

— Schiffahrts-K. in Mailand 435, 

, . 495 

— für die Materialprüfungen 

der Technik.192 

Kopenhagen. NeueBaukunst 1* 
Kopierverfahren, direkt von 

Zeichnungen.192 

Kran. Elektr. Turmkran zur 
Ausführung von Hoch¬ 
bauten .81* 

Kreishaus in Hanau . . . 147 

Krematorium auf demFried- 
hofe in Karlsruhe . . 273* 

Kunst und Künstler, Freiheit 
derselben.388 

— -Betrachtungen: Ein Brief 
von unterwegs .... 466 


Seite 

Kunstwerkstatt der deut¬ 
schen Glasmosaik - Ges. 

Puhl & Wagner in Rixdorf 433* 
57 ° 

— Keram.Werkst. derGroßh. 

Majolika - Manufaktur in 
Karlsruhe.653* 

Kupferdeckung, Patina-Er¬ 
zeugung .352 

Laboratorium, chem., der 
Techn. Hochschule in 
Karlsruhe . . . 297*, 306* 

Landwirtschaftl. Verwal¬ 
tungsgeb. in Dresden 353*,377* 
Langenberg. Villa Grüneck 411* 
Lautrach. Eisenb. - Brücke 
in Stampfbeton über die 

Hier.4 r 1*, 453* 

Leipzig. Umwandlung der 
Eisenbahnanlagen 37*, 49*, 76* 
Leuchtturm. Beachy-Head 
bei Eastbourne . . . 432* 

Lichterfelde. Das neue Kgl. 

Material-Prüfungsamt 562*, 
„ 574 *, 631 

Lichtpaus - Apparat von 
Renkel.350* 

— -Verfahren u. Heliosdruck 70 
London. Alt-L. von H. W. 

Brewer -j- . . . 605*. 6x4* 

Luftschiffahrt-Fortschritte . 48 
Lungenheilstätten siehe 
Heilstätten. 

Madrid. Architekten-Kon¬ 
greß . 3 2 , 143 

Magdeburg. Wasserbau¬ 
liche Mitteilungen über 
die Elbe.43 

— LungenheilstätteVogelsang 

bei Gommern . . . 293* 

— Wiederherstellung des 

Domes.343 

Mailand. Schiffahrts-Kongr. 435, 
495 

Mainz. Die neue Eisenbahn¬ 
verbindung über den 
Rhein . . 213*, 230*, 233* 

— Geschäftsgeb. der Volks¬ 
bank .645* 

Malereien, Erneuerung der, 
am Ulmer Rathaus . . 222 

Mannesmann - Rohre zu 
Wasserleitungen . . . 352 

Mannheim. Beobachtungen 
bei einem Gewitterregen 222 
Marienwerder. Empire- 

Fassaden . 533* 

Massentransport-Geräte u. 
Vorrichtungen . 522*, 527*, 
545 *, 55 i* 

— 3 Miethäuser von Billing 537* 
Mauern. Austrocknung feuch¬ 
ter Keller-Mauern 387*, 396 

—- desgleichen eines Kassen¬ 
gewölbes .... 292, 336 
Meißen. Vom Dom 29*, 102* 
Memeldelta, Melioration d. 246 
Metz. Das christl. Soldaten¬ 
heim „Kais.Willi. Haus" 305* 

— Stadterweiterung . . 215* 

Minden. Das Regier.-Geb. 493* 
Ministerium für Verkehrs- 

Angelegenh. in Bayern . 9 

Mostpresse und Haus in 


Gaisburg.271* 

München. Senkung der 
Maximiliansbrücke . 339, 423 

— Staffel-Bauordnung vom 

20. April 1904 . 538*, 570 

— Miethaus Bechthold . 550* 

— Wohnhaus Littmann „Der 


Lindenhof“ in Bogen¬ 
hausen b. München 395*, 401* 

— Museum von Meisterwer¬ 

ken derNaturwissenschaft 
und Technik . . 36, 220, 520 

— Bebauung der Kohleninsel 147 

— Ideen - Wettbewerb um 
Entwürfe für das Ver¬ 
kehrsminist. 225*, 237*, 257 

Museum von Meisterwerken 
der Technik in München 

36, 220, 520 

— Erweiterung des Germa¬ 
nischen Mus. in Nürnberg 36 

— Grundsätze f. d. Entw. v. 650 

Musikhalle für Hamburg . 211 

Naumburg a S. Städtische 
Baubeamte.359 


Seite 

Nebelbildung in einer Fär¬ 
berei, deren Verhinderung 180 
New-York. Brücken über 
den Eastriver .... 24 

Nürnberg. Erweiterung des 
Germanischen Museums . 36 

— Monumentales . . 298*, 320 

— Wettbewerb um die Bau¬ 
ten d. Jub.-Landesausstell. 330* 
und das Staatsbauwesen 615 

Numerierung von Bauten an 
neuen Straßen . . 360, 416 

Oberammergau - Passions¬ 
spiele .625* 

Oesterreich. Die neuen Al¬ 
penbahnen .36 

— Besuch der techn. Hoch¬ 
schulen .184 

Ofen. Etagen - Dauerbrand- 
Zentralofen von Grimme, 
Natalis & Co. . . . , 142 

—- -Mantel, zerlegbar, ausEin- 
zelwänden von Rohm 334* 
Opernhaus in Berlin, Erhal¬ 
tung . . 157*, 191, 411*, 605 

— in Dresden, Umbauten am 435 

Panamakanal, Oberleitung 

der Arb.279 

Paris. Straßendurchbrüche 597* 
—• Le „Temple“ um 1800 601* 

Parlamentsgeb. Das Her¬ 
renhaus des preuß. Land¬ 
tages in Berlin 40*, 52*, 137* 

— Das neue schweizerische 
Bundeshaus in Bern 100*, 

130*, 133* 

Passau. Eine drohende Ver¬ 
unstaltung der Stadt 321*, 

385*, 4i4* 

Patina - Erzeugung bei Kup¬ 
ferdeckungen .352 

Pforzheim. Ausschank und 
Wohnhaus der Brauerei 
Gebr. Beckh .... 525* 

Photographie. Belichtungs¬ 
tabelle .171 

— Dasphotogr. Teleobjektiv 470* 
Pirna i. S. Bauten auf dem 

Sonnenstein bei .... 334 
Plauen i. V. Die Syratal- 
brücke. . . 354*, 361*, 414 

Poesie und Technik, Vortr. 

von v. Eyth . . . 319, 358 

Posen. Die Stadterweiterung 11 
Posthaus zu Schöneberg- 

Berlin .518* 

Potsdam. Regier.-Geb. . 493* 

Preisbewerbungen. 

— Erlangung einer Vorrich¬ 

tung zum Messen des 
Winddruckes. . . . 324 

— Rezept, wie man bequem 

u. billig zu Rathausplänen 
kommt.472, 483 

— Aachen. Plakat . 192, 424 

— Adorf i. V. Kirche . . 436 

— Amm ersch weier (Eis.) 
kath. Kirche 304, 324. 520, 532 

— Anklam. Kreishaus 296. 608 

— Barcelona. Entwürfe 

für die Vereinigung mit 
den Vororten.20 

—- Basel. Börsengeb. . . 520 

— Bautzen. Charakterist. 
Hausfassaden 296, 304, 599, 

624, 652 

—-Berchtesgaden. Kon¬ 
versationshaus .... 600 

— Berlin. Ausstellungsgeb. 
der Sezession .... 428 

— — Geschäftshaus d. Allg. 

Elektriz.-Ges. . 524, 584 
-Bebauung eines Grund¬ 
stücks des Beamten- 
Wohn.-Ver. 11,244, 272, 280 

— — Bebauung eines Grund. 

Stücks in der Frobenst. 
d Terr. u Bau-A.-G. 12,92 

— — Bemalung der östlich. 

Wand im Sitzungssaal 
des Reichshauses . 32 

— — Anlage d. Nordparkes 351 

— — Der große Staatspreis 

der kgl. preuß. Akad. 
der Künste .... 143 
-Handelshochsch. 148, 311 

— — für die Mitglieder der 

Vereinigung Berl. 
Arch. Aufteilung von 
Baublocks in Westend 44 


Preisbewerbungen. 

-— Berlin. Ausgestaltg. d. 
Räume f. d. Arcb.-Abt. in 
der Kunstausstellung 48, 104 

— •— für die Mitgl. des 

A r c h. - V. Schinkel¬ 
preisaufgaben . 20, 124 

-Ausschr. des Ver. d. 

Eisenbahn-Verwaltgn. 352 

— — Stipendium der Louis 

Boissonnet-Stiftg. 184, 359 

— — Wissenschaftliche Ar¬ 

beiten über die chem. 
Vorgänge b. Erhärten 
d. hydraul. Bindemittel 323 

— Bern. Welipostvereins- 

Denkmal .... 32, 415 

— Bettenhausen. Volks¬ 
schule .32 

— Betzdorf. Schulgebäude 

224, 268, 448, 452 

— Bielefeld. Kais. Wilh. 

Denkmal.92 

— — Bebauung des Petri- 

Kirchplatzes .... 408 

—• Bonn. Anleitung zur 
Herstellung ländl. Bauten 
d. landwirtschaftl. Vereins 
für Rheinpreußen . . . 180 

— Boxhagen-Rummelsbg. 
Realprogymnasium . 636, 651 

— Bremen. Stadthaus 93*, 96, 
105*, 118*, 123*, 132, 143, 156 

—- —- Architektonische Aus¬ 
schmückung des Kais. 
Wilh. Platzes . 96, 351 

— Bückeburg Rathaus 472,483 

— Charlottenburg. Jubi¬ 
läumsbrunnen .... 536 

— — Schillertheater 324,440, 452 

— — Eis. Brückenkonstr. . 496 

— Chemnitz Lutherkirche 324, 

35 1 , 616 

— Danzig. Fassaden des 
Geschäftshauses d. Prov.- 
Landschalts-Direktion ir, 160 

— D a rm s ta d t.Bankgeb. 484,496 

— — Bismarcksäule . 384, 580 

— — Hallenschwimmb. 616, 628 

— — Arbeiter-Wohn.d.hess. 

Zentralvereins . 624, 652 

— Dessau. Synagoge . .331 

— — Waisenhaus 80, 84, gr, 13t 

— Detmold. Ev. Kirche . 584 

— D ö lit z-D ö s e n. Volks¬ 
schule .248 

—- Dortmund. Denkmal auf 
dem Steinplatz .... 364 

— Dresden. Gräberanlage 
und Beamtenwohnh. 452, 644 

— Eichstätt. Wittelsbacher 

Brunnen.20 

— England. Gartenstadt . 148 

— Eschweiler - Pumpe, 
Arbeiterkolonien . 304, 396 

— Frankfurt a. M. Bebau¬ 
ung städt. Grundstücke . 560 

— — Maler, und plast. Aus¬ 

schmückung des neuen 
Rathauses.11 

-Synagoge 304,324,520,591 

— Gablonz a. N. Stadt¬ 
theater .148, 160 

— Gal atz (Rumänien). Ka- 
thedral-Kirche .... 324 

— G i eßen. Saal-u.Theater¬ 
bau .24 

— Gothenburg in Schwe¬ 
den, Hafenplan 32, 148, 591 

— Haag. Friedenspalast . 548 

— Hamburg. Oberlandes- 


Gericht.56 

— — GeschäftshausWentzel 

& Hirsekorn .... 408 

— — Geschäftshaus des Ge¬ 


werkschaftskartells 600,616 

— — f. d. Mitgl. des Arch.- 

u. Ing.-Ver. kl. Villen 
in Hofriede .... 413 
-Geschäftshaus . . . 566 

— Hannover. Bennigsen- 

Denkmal .335 

— Honnef a. Rh. Herr- 
schaftl. Wohnhaus 156, 160, 

472 , 484, 580 

— Horburg i. Eis., ev. 

Dorfkirche.644 

— Husum, Schulgebäude 

J20, 136, 272 

— Ingolstadt, Stadtpfarrk. 652 

— Jägerndorf, Sparkasse 472, 

636 


V 













































Seite 


Seite 


Preisbewerbungen. 

— St. Johann. Passagen. 
Gestaltung des Gerberpl. 32 

— Jena. Univers. 24,60, 73*, 107* 

— Karlsruhe i. B. Bebau¬ 
ung d. neuen Stadtteil. 92, 268 

— — Fassaden z. Aufnahms- 

Geb. d. Zentral-Bhf. 580, 599 
- Kaufbeuren. Decken¬ 
gemälde der prot. Kirche 20 

— Kiel. Rathaus .... 92 

Klausen bürg (Ungarn) 
Zinshaus.236 

— Köln a. Rh. Kunstaus¬ 
stellung . 488, 532 

— — Gastwirtschaft am Kö¬ 

nigsforst .636 

— Handelshochschule . 44 

-Neubau der Gebr. Stoll- 

werck . 95, 196, 351, 424 
-St. Pauluskirche . . 192 

— Kö n i gs b er g i. Pr. Kon¬ 
zert- u. Gesellschaftsbaus 555 

— Komotau i. B. Bezirks- 

Krankenhaus .536 

— Kristiansborg i. Däne¬ 
mark. Wiederaufbau des 

Schlosses.272 

Lahr i. B. Friedhofsanlage 12 

— Landau, Pfalz. Festhalle 148, 

160, 256 

— Leipzig. Bezirksanstalt 

in Thekla .... 584, 599 

— — Comenius-Bibliothek . 80 

-Schoenefeld. Rat¬ 
haus .320 

— Lichtenthal b. Baden. 

ev. Kirche.652 

— Magdeburg. Boothaus 80, 

220 

— Mailand. Verdi-Denkm. 279 

— Mannheim. Christus¬ 
kirche .324 

— Minden i. W. Friedhofs¬ 
halle .... 304, 524, 584 

— Montevideo. Parla¬ 
mentspalast .488 

— Mülhausen i. E. Monu¬ 
mentalbrunnen 2T2, 220, 311 

— München. Künstl. Aus- 
gestaltg.d.Gebsattelbrücke 560 

— — Verkehrsministerium . 148, 

196, 225, 237*, 257, 272 
--Museum von Meister¬ 
werken der Natur¬ 
wissenschaft u. Techn 532 

— — Münchener Arch.- 

u. Ing.-Ver. Schul¬ 
haus in Schwabach 12, 24 
-— Volksschulhaus in 

Ansbach .... 44 

— — — Desgl. in Kempten 343 

— — — Internat, in Lands¬ 

berg a. L. ... 396 

— — — Wohnhausgruppei. 

Landsberg . . . 524 

— — — Volksschule i. Ann- 

weiler.644 

— München. Für die Mitgl. 

des bayer. Techniker- 
Verb. Gasthof in Schro- 
benhausen.120 

— Nürnberg. Gebäude der 

Landesausstellung 196, 204, 

22 4 , 311, 3 2 °, 33 °*, 4 2 8 
-Mosaikbild am Stadt¬ 
theater . . . .35t, 560 

-Kunstbrunnen am Me- 

lanchthonplatz ir, 68, 320 

— — MonumentalerBrunnen 

am Spittler Torgraben 196 
—- — Künstlerhaus . . 600, 651 

— M.-Ostrau. Handels- u. 

Gewerbebank.124 

-evangelischeKirche 343,556 

— Pasewalk. HöhereMäd- 
chenschule .... 156, 160 

— Patras (Griechenland). 

Kathedrale.331 

— Pilsen. Handelskammer 136, 

236 

— Plauen i.V. Vereinshaus 12 
■— Posen. Synagoge 132, 248 

— Potsdam. Stadtplan 359, 

384, 396 , 428, 560, 651 
-— Prag. Rathausbauten . 291 
—- Prerau. Schiffs-Hebe¬ 
werk im Donau-Oder- 
Kanal 192, 548, 549, 560, 590, 

594, 607 

— Rheine. Gymnasium 80,320, 

3 2 4 , 331 


Preisbewerbungen. 

— R o t h e n b ur ge rVerband 

akadem. Architekt.-Ver., 
„Denkmal eines großen 
Mannes“.12 

— Rottweil. Schulhaus . 548 

— Ruhrort. Straßenbrücke 268, 

286*, 639*, 646* 

— Schleiz Kuranstalt 35t, 400, 

520 

— Schramberg. Realschule 92 

— Sondershausen. Kirche 71 

— Straßburg i. E. Aufbau 

auf das Bühnenhaus des 
Stadttheaters . . . 192, 364 

— Stuttgart. Hoftheater. 272 

— —• Vereinshaus d. „Akad. 

Liederkranz Schwaben“ 600 

— Tarnowitz. Kreisspar¬ 
kasse .571 

— Tegel. Fahrkarten-Ver- 

kaufshalle , Bedürfnisan¬ 
stalt usw.68, 204 

— Tep litz-Sch ön au. Kais. 

Josef II-Denkmal . . . 156 

— — Kursalon.396 

— Triest. Synagoge . . 352 

— Ulm. Gestaltung des 

Münsterplatzes .... 560 

— Varna (Bulgarien). Was¬ 
serversorg, u. Kanalisation 440 

— Vegesack. Volksschul¬ 
haus .376, 428 

— Waldenburg i. Schl. 
Knappschafts - Lazarett 192, 

204, 400, 414 

— — Schule . . . 24, 48, 120 

— Wien. Handels- u. Ge¬ 
werbekammer .... 548 

— — Logierhäuser f. Männer 143, 

291, 311 

-evang. Friedhof . . . 172 

— Wiesbaden. Bebauung 

des Dern’schen Gel. . . 35t 

— Wilmersdorf. Rathaus 572, 

584, 615, 627, 628, 644 

— Witten. Real-Gymnas. 607, 

624 

— Kl. Zabrze. Höh. Töch¬ 
terschule 160, 184,424, 524,532 

— Zürich. Kunsthaus 256, 291 
Prerau. Wettbewerb um das 

Schiffshebewerk im Do- 
nau-Oder-Kanal 549, 590, 594 
Preßluft-Anstrichmaschinen 123 
Preußen. Das Bauwesen im 
Staatshaushalt . . . 45, 62 

— Die neue wasserwirt¬ 
schaftliche Vorlage 193*, 25r, 

262*, 343 , 579 

— Die Staatseisenbahn- und 

Kleinbahn-Vorlage . . . 203 

— Gesetz zur Verbesserung 
der Wohnungs-Verhältn. 422 

Provisions-Annahme . . . 364 

Prüfungen, das Streben der 
engl. Architekten nach 
amtl. Fachpr.282 

— Amtliche Fachpr. . . . 310 

Prüfungsamt, d. neue Kgl. 

Material-Pr. i. Gr. Lichter¬ 
felde . . . 562*, 574*, 631 

Prüfungs-Anstalt v. Schiffs¬ 
widerständen Uebigau a. 

d. Elbe.284 

Putz dekorativer Fassaden-P. 376, 

4 l6 

-Verunreinig, durch Heiz¬ 
material-Ausscheidung . 220, 
224, 256 

Pyrmont, Genesungsheim 
Friedrichshöhe . . . 569* 

Rastatt, Wasserturm . . . 35* 

Rathaus Aachen 249*, 257*,261* 

— in Charlottenburg 313*, 325* 

— für Dresden.248 

— in Kopenhagen .... r* 

— Wettbewerb für ein R. in 
Bremen 93*, 105*, 118*, 123* 

Rauchrohren, Herstellung 
der kreisrunden . . . 248 

Regen-Niederschlag zu Mann¬ 
heim .222* 

Regensburg, alte steinerne 
Brücke über die Donau . 67* 
Reinigen von Werkstein- 
Fassaden .... 507, 543 
Reiseeindrücke v. Holland 211 
Reisemitteilungen ausUnter- 
italien.290 

— aus China. 449* 


Seite 

Reisemitteilungen über In¬ 
genieurbauten in Amerika 535 

— Ein Brief von unterwegs 466 

— über Südfrankreich . . 566 

Rhein. Die Wirtschaftsge¬ 
schichte des.479 

Rheinischer Kleinwoh¬ 

nungsbau . 187*, 198'*, 214*, 
243*5 2 45 * 

Rixdorf. Das neue Gaswerk 211 

— Kunstwerkst, d. D. Glas- 

mosaik-Gesellsch. Puhl & 
Wagner.433*, 570 

Rohrleitung, Inkrustation in 
Gußrohrl.440 

Rohrpost-Einrichtungen 376, 416 

Rüstung der Syratalbrücke 
in Plauen .... 36t*, 414 

Ruhrort. Erweiterung des 
Hafens.259 

—- Wettbewerb um d. Rhein¬ 
brücke . . 286'*, 639*, 646* 


Saalburg-Wiederherstellung 232 
Sachsen, Staatsbauten auf d. 

Sonnenstein bei Pirna . 334 
St. Louis. Internat. Ingen. 

Kongreß.195 

Schäfer, Ob.-Brt. Prof, in 
Karlsruhe, Angriffe auf . 236 
Schiffahrt. Donauwasser¬ 
straße v. Passau bis Ulm 202 

— Drei wichtige in Deutschi, 

anzulegende Kanäle . . 

— Kanal v. Rhein z. Weser 

vom preuß. Abgeordn.-H. 
angenommen.579 

— Die Regulierung d. Ober¬ 
rheins .363 

— Großschiffahrtsweg Mann¬ 
heim-Heilbronn .... 524 

Schiffshebewerk im Trent- 
Kanal (Kanada) ... 5n* 

— für d. Donau-Oder-Kanal 

bei Prerau . . 549, 590, 594 

Schinkel- (Jahres-) Fest des 
Arch.-Vereins in Berlin . 142 

— -Preisaufgaben . . 20, 124 

Schloß Dargun.19 l 

— Zur Erhaltung des Heidel¬ 
berger Schl. 267, 269, 389, 
4 ° 3 , 417 , 425*, 4 2 9 , 45 2 , 534 , 


548, 603 

Schöneberg. Posthaus . 518* 

Schornstein von Dampf¬ 
heizung, Durchschlagen 
von Feuchtigkeit 220, 224, 256 
Schulbank. Schwellenlos 
von Weidner.254 

— Rettig’s Sch.428 

— Beziehungen zw. Schul¬ 
bau und Schulbank . . 567 

Schulbau. Prinzregent Luit- 
poltschule in Bamberg 197* 

— Gymnasium mit Direkt.- 
Wohnh.i.Zehlendorf 629*, 637* 

Schutz gegen Nachbildung 
und gegen photogr. Auf¬ 
nahmen .192 

—- gegen Schlagregen durch 
Anstrich v. Kautscholeum 424 
Schweinfurt, Walzenwehr 25* 
Schweiz. Elektriz.-Werkein 651 
Simplontunnel, Arbeiten am 520 
Soldatenheim in Metz . 305* 

Spalato. Erhaltung des dio- 
kletianischen Palastes . 660 
Spandau.Nicolaikirche 337*,345* 
Speyer. Zur Einweihung 
der Gedächtniskirche der 
Protestation 448, 487, 495, 520 

— Dienstgebäude der Ver¬ 
sicherungsanstalt . . 557* 

Stadtbild. Eine drohende 
Verunstaltung v. Passau 321* 

385*, 414 , 

Städte, Die Kunst der, 

(H. W. Brewer f) 607*, 614* 
Stahlbleche mit Basrelief¬ 
verzierungen . . . 336, 364 

Statik. Literatur .... 256 

— s. Theoret. Untersuchungen. 
Statistisches aus der Fach¬ 
genossenschaft .... 543 

Stecklenburg bei Thale . 614 
Steinkohlenschlacke als 
Füllmaterial . . . . . 136 

Stiftung. Friedrich Siemens- 
St. der Techn Hochschule 

in Dresden.555 

Stipendium der Louis Bois- 
sonnet-Stiftung . . 184, 359 


Seite 

Straßburg i.E. Kunsthistor.- 

Kongreß.323 

Straßen. Bauverbot an un¬ 
regulierten . . . 560, 652 

— -Befestigung mit Klinkern 292 
-Einlage von U-Eisen auf 

Chausseen . . . 312, 360 

— -Bahn- und -Pflasterbau 383* 

—■ -Reinigung in Hamburg . 3 t 

Studiengesellschaft f. elek¬ 
trische Schnellbahnen, 
Versuchsfahrten . 455*, 461 

Stuttgart, Hoftheater - Neu¬ 
bau .581 

Submissions-Arbeit., deren 

Vergütung.156 

Sydney. Brücke über den 
Hafen.513* 

Tabellen d. Wassermengen 
i. Kanalisationsröhren 280,332 
Technik und Poesie, Vor¬ 
trag von v. Eyth . 319, 358 
Techniker. Gehaltszahlung 
während einer militärisch. 

Uebung.104 

Teiche, künstliche .... 435 

Telegraphie und Telephonie 
für Eisenbahnen . . . 211 

Terrassenbau am Halensee 
bei Berlin . . . 632*, 657* 

Theater. Entwicklung des 
modernen 609*, 618*, 625*, 
635 *, 658* 

— Erhaltung d. Opernhauses 

in Berlin 157*, i9r, 411*, 605 
— Umbau des kgl. Schau¬ 
spielhauses in Berl. 265*, 276* 


— für Kassel.359 

— Hofth.-Neubau in Stuttgart 581 

— Kosten des neuen Stadtth. 

in Köln.350 

— teilbarer Zuschauerraum 160 


— Der Brand des Iroquois- 
Th. in Chicago u. Reform 
der mod. Bühne 21*, 51*, 205* 

Theoretische Untersuchun¬ 
gen. Einrechnen der 
Schnittpunkte proj. Erd¬ 
werke in Querprofile 323* 

— Berechnung der Scheitel¬ 

stärke stein. Dreigelenk- 
Brücken .655* 

— Berechnung der Spannun¬ 
gen auf Biegung bean¬ 
spruchter ßetonplatten . 406 

Tiefbauwesen i. Frankfurt a.M. 7 

Titel. Führung des Meister-T. 24, 
48, 360, 396 

— Berechtigung zur Führung 
des T. eines Baugewerks¬ 


meisters .91 

Totenschau und Nachrufe. 

— Appelius, O. Wirkl. 

Geh. Ob.-Brt. in Berlin . 500 

— Büsing, F. W., Prof, in 

Friedenau . .104, 115*, 121 

— Frey, Theophil, Brt. in 

Liebenzell.408 

— Grisebach, Hans, Arch. 

in Berlin .... 248, 254 

— v. Hefner- Alteneck, 

Friedr., Ing. in Berlin . 46 

— Holzmann, Philipp, Brt. 

in Frankfurt a. M. 256, 258 

— Horn, Jul. Dir. d. Gas¬ 
werke Augsburg . . . 296 

— Lentz,B. H., Wasserbau- 

insp. in Hamburg . . . 122 

— v. Maybach, Albert, 

Staatsminister in Berlin . 46 

— Meyer, Alfr., Gotth., 

Prof, in Berlin . . . .651 

— Romeis, Leonh., Prof. 

in München.583 

— Schell, Wilh., Prof. Dr., 

Geh Hofrat in Karlsruhe 95 

— Siemens, Friedr., Dr.- 

Ing. in Dresden . . . .27 t 

— Sitte, Camillo. Reg.-Rat 

in Wien.33 

— Ungewitter, Gg., Arch. 409* 

— Walle, Peter, in Berlin 464 

Weyßer, K., Architekt- 
Maler in Heidelberg . .171 

— Wiebe, Ed. Geh. Ob.- 
Brt., zum 100 j. Geburtstg. 524 

Träger. Herstellung d. breit- 
f lanschigen Grey-T r., Syst. 
Differdingen.243 


Transport v. Massengütern 522* 
5 2 7 *. 545 *, 551 * 


VI 












































Seite 


Seite 

Treppenbelag.364 

Trockenlegung ein. Kassen¬ 
gewölbes .... 292, 336 

— feucht. Kellermauern 387*, 396 
Tunnel unter der Elbe in 

Hamburg.274* 

— Arbeiten a. Simplon-T. . 520 
Turm. Der Wiederaufbau 

des Campanile von San 
Marco .... 4, 16*, 27* 
Tuschen, flüssige, v. Günther 
Wagner.104 

Ulm. Erneuerung d. Fresken 

am Rathaus.222 

Ungewitter, Gg. Gottlob, 
Lebensbild .... 409* 

Unfall - Versicherungspflicht 
der Inhaber von Baubur. 83 
Universität. Architekton. 
Unterricht an U. . . .37 c 

— Kollegiengebäude in Frei¬ 
burg i. B.649* 

— Wettbewerb um Entwürfe 

für die neue U. i. Jena 73*, 107* 
Unterricht. Zur Frage des 
architekton. U. an d. Bau¬ 
gewerkschulen 482, 518, 562 
Urheberrecht an Werken 
der bild. Künste . 233, 332 

Valparaiso, Hafen 326*, 338 

Venedig. Der Wiederaufbau 
des Campanile von San 
Marco .... 4, 16*, 27 

Verantwortlichkeit bei 
Ueberschreitung des An¬ 
schlagspreises .... 72 

— für vorgefallene Versehen 
der Bauausführung 313, 556 

Vereins-Mitteilungen. 

— V er b an d deutsch. Arch.- 

u. Ing.-Ver. 32, 124, 196, 220, 
237 , 332 , 397 , 408, 440, 600 

— — 33. Abgeordneten-Ver- 

sammlung i. Düsseldorf 463, 
47 °, 473 

— — 16. Wanderversamml. 

in Düsseldorf . 465, 478 

— — DieVorträge466*, 475*, 479, 

491*, 503*, 609*, 618*, 625* 
-Bericht über die Ent¬ 
wicklung desVerb. 485,497 

— — Besichtigungen u. Aus¬ 

flüge .509 

— — Arbeitsplan ^1904/05 521 

— Berlin. Arch.-Ver. 18, 36, 

2to, 524, 535, 570, 650 

— — — Schinkelfest . . . 142 

— •— Vereinigung B. Arch. 554, 

583, 59 L 614, 650 


Vereins-Mitteilungen. 

— Berlin. Verein für Eisen¬ 

bahnkunde 23, 48, 95, 142, 
211, 258, 348, 495, 554 

— — Verein d. Portl.-Zem.- 

Fabrikanten .... 20 

— Breslau Vereinigung 

schles. Arch.428 

— Danzig. Vers d. D.Land¬ 
wirtschafts-Gesellschaft . 59 

— Dresden. Sächs. Ing- 

u. Arch.-V. . 43, 278, 283 

— Düsseldorf. Arch.- u. 

Ing.-Verein . . . 82, 591 

— — Ver. d. Gartenkünstler 343 

— Frankfurt a. M. Arch. 

u. Ing -Ver. . . . 103, 566 

— — Verein deutsch. Inge¬ 

nieure . . .68, 292, 318 

— Hamburg. Arch.- und 
Ing.-Ver. 31, 58, 70, 122, 182, 
(Ausflüge u. Feste) 203, 21 r, 
219, 232, 253, 290, 348, 358, 

3 86 , 413 , 558 , 5 66 , ° 5 ° 

— Karlsruhe. Bad. Arch. 

u. Ing.-VeV.554 

— Kassel. D. Gesellschaft 

für Volksbäder .... 179 

— Köln a. Rh. Arch.-und 
Ing.-Ver. für Niederrhein 
und Westfalen .... 243 

— Land sh ut i.B. Der bayer. 

Kanalverein . , .311, 314 

— Magdeburg. Arch.- u. 
Ing.-Ver. 43 , 95 , I 9 L 246, 343, 

614 

— Mecklenb. Arch.- und 

Ing.-Ver.10, 191 

— Mittelrhein. Arch.- u. 

Ing.-Ver.146, 159 

— Mü n che n. Arch.-u.Ing.-V. 570 
-Vereinigung M. Arch. 428 

— Pfälz. Kreisgesellschaft 

d. bayer. Arch.- u. Ing.-V. 233 

— Wiirttemb. Verein für 

Baukunde .... 558, 650 

Verkehrs - Angelegenheiten, 
bayer. Staatsministerium f. 9 
Versicherungspflicht eines 
Rohbaues gegen Brand¬ 
schaden .60, 103 

— bei der Bau-Berufsge¬ 
nossenschaft .72 

— d. Inhaber v. Baubur. 83, 376 
Vervielfältigung. Licht¬ 
pausverfahren u.HelioSdr. 70 

— Renkel’s Lichtpause- 

Apparat .350* 

Verwaltungs-Geb. n. Ent¬ 
würfen im Min. der öffentl. 
Arbeiten.489* 


Seite 

Verwaltungs-Geb. der Ma- 

schinen-Fabrik Schnabel 
& Henning in Bruchsal 531* 


— Versicherungsanstalt in 

Speyer. 557* 

Villa-Bauflucht.48 


— siehe Wohnhaus. 

Vortrag. Das Moderne in 

der Architektur der Neu¬ 
zeit von Johs. Otzen . 58, 62 

— Die Ausführung von 

Versuchsbauten in ge¬ 
schiebeführenden Flüssen 
und die Errichtung von 
Flußbau-Laboratorkn von 
Faber.314, 322 

— Poesie und Technik von 

M. von Eyth . . .319, 358 

Vorträge im Kunstgewerbe- 
Museum in Berlin . 29, 495 

Wachwitzmetall .... 120 
Walzwerk Differdingen, 
Herstellung der breitflan- 
schigen Grey-Träger . . 243 

Warenhaus, Brand in 

Budapest.31 

Wasserbau. Regulierung d. 

Elbe bei Magdeburg . . 43 

— Verbesserung der Vorflut 
und d. Reinigung d. Ab¬ 
wässer im Emschergeb. in*, 

113*, 125* 


— Melioration des Memel¬ 
deltas .246 

— Das Walzenwehr im Main 

zu Schweinfurt .... 25* 

— Bewässerungsanlagen in 

Aegypten ...... 58 

Wasserbecken in Beton, 
Dichtmachen . .96, 104, 168 

Wassermessung-Formeln . 44 

Wasserrecht. Entziehung 

des Wassers.180 

Wasserturm in Rastatt . . 35* 

Wasserversorgung. Grund- 
W. der Stadt Berlin . . 18 

— für alleinstehende Villen, 

Hotels usw.156 

— und Entwässerung der 

Stadt Hofheim i. T. . . 368 

— Apulische Wasserleitung 371 
Wasserwerke der Stadt 

Frankfurt a. M.103 

Wasserwirtschaftliche Vor¬ 


lage, neue, in Preußen 193*, 
251, 262*, 343 


Wehranlage im Main zu 

Schweinfurt.25* 

Werkstätte, Keram , in 
Karlsruhe.653* 


Seite 

Werksteinfassaden, Reini¬ 
gen . 5 ° 7 , 543 

Wettervorhersage .... 290 
Wiederherstellung d. Fres¬ 
ken am Ulmer Rathaus . 222 

— der Nicolaikirche in Span¬ 
dau .337*, 345* 

— des Domes in Magdeburg 343 

—• des diokletianischen Pa¬ 
lastes in Spalato . . . 660 

Wien. Denkmäler von Ver¬ 
tretern der Technik an der 
Techn. Hochschule . . 11 

— Umgestaltung des Karls¬ 
platzes . . 365*, 443*, 578* 

Wirtschaftsgeschichte des 

Rheins.479 

Wohlfahrtspflege. Arbeit- 
Heilstätten der, Landes- 
Versicherungsanst. Berlin 
bei Beelitz 61*, 69*, 79*, 85*, 
153*, 162*, 175*, 185* 

— Schwestern-Altenheim in 

Karlsruhe.646* 

— Rheinischer Kleinwoh¬ 
nungsbau 187*, 198*, 214*, 

243 *, 245* 

— Magdeburger Lungenheil¬ 

stätte Vogelsang b. Gom¬ 
mern .293* 

— Christi.Soldatenheim„Kais. 
Wilhelm-Haus“ in Metz 305* 

Wohnhaus-Gruppe in der 
Baischstr. in Karlsruhe 477*, 
485*, 501* 

— Nußberger, Kohlbecker u. 

Mees das. 537 * 

— herrschaftl. Sommersitz u. 

Jägerhaus.656* 

— Peter Spreckels in Dresd. 39* 

— Wertheimber in Homburg 

v. d. H.13* 

— „Grüneck“ in Langenberg 411* 

— Littmann „Der Lindenhof" 

in München-Bogenh. 395, 401* 

— Miethaus Bechthold in 

München.550* 

— Gebr. Beckh in Pforzheim 525* 
Wohnungsbau. Klein-W. 

im Rheinland 187*, 198*, 214*, 
243 *, 245* 

Wohnungs-Verhältn. Preuß. 
Gesetz zur Verbesserung 

der.422 

Worms. Wiederherstellung 

des Domes.146 

Württemberg. DasBauwesen 558 

Zehlondorf. Gymnasium mit 
Dir.-Wohnhaus . 629*, 637* 


Besondere Bildbeilagen. 


r. Das neue Rathaus in Kopenhagen.S. 1 

2. Villa Wertheimber in Homburg v. d. H.„ 13 

3. Walzenwehr im Main bei Schweinfurt.„ 25 

4. Haus Peter Spreckels in Dresden.„ 39 

5. Umwandlung der Eisenbahnanlagen in und bei Leipzig „ 49 

6. Arbeiterheilstätten der Landes - Versicherungsanstalt 

Berlin bei Beelitz.„ 61 

7. desgl.. 79 

8. desgl.,.„ 85 

9. Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern . . . . „100 

10. Uebersichtsplan vom Wassersammelgebiet der Emscher „ 113 

11. Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern . ... „ 133 

12. Das neue Herrenhaus des preuß. Landtages . . . . „ 137. 

13. Die Elisabeth- (Schwurplatz-) Brücke in Budapest . . „ 149 

14. Die Handelskammer in Düsseldorf.. 161 

15. Die Elisabethbrücke in Budapest.„ 173 

16. Bergnest. Phantasie-Entwurf von Högg.„ 191 

17. Die Prinzregent-Luitpoldschule in Bamberg.„ 197 

18. Die neue Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Mainz . „ 231 

19. Der Ideen-Wettbewerb um Entwürfe für das Verkehrs- 

Ministerium in München.„ 225 

20. Die neue Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Mainz . „ 233 

21. Das neue Rathaus in Aachen.. 249 

22. desgl.„ 2Ör 

23. Das Krematorium auf dem Friedhofe in Karlsruhe . . „ 273 

24. Entwurf zu einer Nationalhalle von Spaeth . ... „ 285 

25. Der Neptunbrunnen auf dem Marktplatz in Nürnberg . „ 298 

26. Das neue Rathaus in Charlottenburg.„ 313 


27. Das neue Rathaus in Charlottenburg.S. 325 

28. Die Nicolai-Kirche in Spandau.. 337 

29. Das Geb. des Landwirtschaft!. Kreditvereins i. Dresden „ 353 

30. Umgestaltung des Karlsplatzes in Wien.„ 365 

31. Das Geb. der Landw. Feuerversich.-Genossenschaft in 

Dresden.. 377 

32. Wohnhaus Littmann „Der Lindenhof“ i. M.-Bogenhausen „ 389 

33. desgl.. 4 QI 

34. Die anatolische Eisenbahn.. 417 

35. Entwurf zu einer Universität von Frz. Brantzky . . . „ 429 

36. Eisenb.-Brücke in Stampfbeton über die Iller b. Lautrach „ 441 

37. Aus Düsseldorf und seine Bauten.. 453 

38. Städt. Schnellbahnen in großen Städten.„ 465 

39. Häusergruppe in der Baischstr. in Karlsruhe . „ 477 

40. Das Gebäude der Seehandlung in Berlin . 489 

41. Häusergruppe in der Baischstr. in Karlsruhe . . . . „ 501 

42. Brücke über den Hafen von Sydney.. 513 

43. Haus der Brauerei Gebr. Beckh in Pforzheim . . . „ 525 

44. Staffel-Bauordnung für München.. 538 

45. Miethaus Bechthold in München.. 550 

46. Denkmal-Entw. Bismarck-Turm von Kreis. «561 

47. Gartenbau-Ausstellung in Düsseldorf.„ 573 

48. Das moderne Landhaus und seine innere Ausstattung . „ 592 

49. Die Kunst der Städte, Arch. H. W. Brewer j . . . „ 608 

50. Griechisches Theater der Universität Berkeley in Cali- 

fornien.. 617 

5r. Gymnasium mit Direktor Wohnhaus in Zehlendorf . . „ 629 

52. Schwestern-Altenheim in Karlsruhe.. 645 


VII 































































Mitteilungen 

über Zement, Beton- und Eisenbetonbau. 

I. JAHRGANG 1904. 


Inhalts-Verzeichnis, Orts- und Sachregister. 


Seite 

Adhäsions - Spannung zw. 
Beton und Eisen ... 36 

Amerika. Form der Eisen¬ 
einlagen in den Eisen¬ 
betonbauten,insbesondere 
das Thacher-Eisen . . . 18* 

— Gewölbeförm. Talsperre 
in Stampfbeton mit Eisen¬ 
einlagen im Six-mile Creek 57* 

— Musikhalle in Hennebique- 
Konstr. in Cincinnati . . n 

— Ueberfallwehr in Eisen¬ 
beton bei Theresa . . . 20* 


Bahnsteige. Erhöhung der 
B. der Stadt- und Ringbahn 
in Berlin .... 54*, 58 

Bekanntmachungen an die 
Mitgl. des Dtschn. Beton- 
Vereins .32, 60 

Berlin. Konzertsaal mit frei¬ 
tragend. Eisenbeton-Dach 53* 

Bestimmungen des preuß. 

Min. d. öff. Arb. für die 
Ausführungen von Kon¬ 
struktionen aus Eisenbeton 
bei Hochbauten . . . 3 r, 36 

Beton. Einheitliche Vor¬ 
schriften für d. Ausführung 
und Prüfung von Stampf¬ 
beton-Bauten .59 

— Bestimmungen für die 

Prüfung und Verarbeitung 
des B. (Versuche) . . 22, 27 

— Abwässer - Klärbecken - 
Anlage in Stampfbeton in 
M.-Gladbach ..... 40* 

— Neue Gründungsweise mit 

B.-Pfeilern beim Bahnh. 
Plochingen .44 

—• Stützmauer in Stampfbet. 
an der Villa Henschel in 
Kassel . . . 21*, 25*, 32 

— Neue Form für B.-Stufen. 

Progresso Patent . . . 36* 

— Ausführg. d. Kräftwasser- 

stollens an der Urfttal¬ 
sperre mit Stampfbeton- 
Auskleidung .9* 

-Viadukte der Bahnlinie 

Altenbürg-Langenleuba . 37* 
Böschungs-Bekleidung mit 
Eisenbeton Pat. Melocco 
in Budapest . . . . . 44 

Bücher. Apparate und 
Geräte zur Prüfung 
von Portland-Zement, zu¬ 
sammengestellt vomChem. 
Laborat. für Tonindustrie 20 

— Mitteilungen des Königl. 

Materialprüfungsamtes in 
Lichterfelde.48 

— Entwicklung der Zement¬ 
forschung nebst neuen 
Versuchen auf diesem Ge¬ 
biete von Dr.-Ing. Unger 56 

Brücken. Dreiarmige Eisen- 
beton-Br. in Zanesville 17, 18* 

— Eisenbahn-Br. über den 
Stevens Creek, bei San 
Francisco (System Melan) 19* 

—- Bruchprobe einer Henne- 
bique-Br.33* 


(Den mit bezeichnten Aufsätzen sind Abbildungen beigefügt) 


Seite 

Brücken. Straßenbrücke in 
Eisenbeton über die Isar 
bei Grünwald . 41*, 45*, 49* 

Cincinnati. Musikhalle in 
Hennebique-Konstruktion 11 

D amm. Ueberfall-D., ge¬ 
wölbeförmige Talsperre 
in Stampfbeton mit Eisen¬ 
einlagen .57* 

Einführungsworte ... 1 

Eisenbahn. Die Betonvia¬ 
dukte d. Linie Altenburg- 

Langenleuba .37* 

-Schwellen aus Eisenbeton 60* 

Eisenbetonbauten. Regeln 
für die Anordnung der 
Eiseneinlagen in 6, 12, 36 
— Vorschriften f. d Planung, 
Ausführung und Beauf¬ 
sichtigung von ... 7, 12 

— Vorläufige Leitsätze für d. 
Vorbereitung, Ausführung 
und Prüfung von 13, 20, 38 

— Bestimmungen des preuß. 
Minist, der öffentl. Arb. 
für die Ausf. von E. bei 
Hochbauten .... 31, 36 

— Berechnung von E. 35*, 44 

— Vorschriften für Et der 

Stadt New-York . . . 11 

Eisenbeton. Fabrikbau in 
E. für die Daimler-Motor.- 
Ges. in Untertürkheim 2*, 5* 

— GewölbeförmigeTalsperre 


in Stampfbeton mit Eisen¬ 
einlagen .57* 

— -Konstruktion des neuen 
Münchener Volkstheater. 29* 

— Konzertsaal m. freitragend. 

E.-Dach.53* 


— Straßenbrücke in E. über 
die Isar bei Grünwald 

4i*, 45 *, 49 * 

— Böschungsbekleidung mit 

E., Pat. Melocco ... 44 

— Auf Holzpfähle aufge¬ 
pfropfte E.-Pfähle . . . 32* 

— Erhöhung der Bahnsteige 
der Stadt- und Ringbahn 

in Berlin .... 54*, 58 

— -Eisenbahn-Schwellen . . 60* 

-Säulen (patent.) System 

Becher.27 

— Ueberfallwehr in E. in 
Theresa, Nordamerika . 20* 

Eiseneinlagen, Form der, 
in den Eisenbetonbauten 
Nordamerikas, insbesond. 
das Thacher-Eisen . . . 18* 

— Haftfestigkeit des Eis. im 

Beton . . 20, 36, 46*, 49* 

— Regeln für die Anordng. 
der E. in Eisenbetonbaut. 

6, 12, 36 

Fabrikbau in Eisenbeton f. 
die Daimler-Motoren-Ges. 
in Untertürkheim . . 2*, 5* 


Seite 

Form, neue, für Betonstufen, 
Progresso-Patent . . . 36* 

Gründungsweise mit Beton¬ 
pfeilern .44 

Haftfestigkeit zw. Beton u. 
Eisen.20, 36 

— des Eisens im Beton (von 

Kleinlogei) . . . 46*, 49* 

Hennebique - Konstruktion. 
Musikhalle in Cincinnati . 11 

— Bruchprobe ein. H.-Brücke 33* 

Jubiläum. 4ojähr. Bestehen 
der Portl.-Zement-Fabrik 
Dyckerhoff & Söhne in 
Amöneburg.40 

Kassel. Stützmauer in 
Stampfbeton an der Villa 
Henschel . . 21*, 25*, 32 

Klärbecken - Anlage in 
Stampfbeton in M.-Glad¬ 
bach .40* 

Konzertsaal mit freitragend. 

Eisenbeton-Dach . . . 53* 

Leitsätze, f. d. Vorbereitung, 
Ausführung und Prüfung 
von Bauten aus Stampf¬ 
beton .59 

— Vorläufige, für die Vor¬ 

bereitung, Ausführung u. 
Prüfung von Eisenbeton¬ 
bauten . . . 12, 13, 20, 38 

Mitteilungen des Kgl. Ma- 
terialpiüfungsamtes in 

Lichterfelde.48 

Mörtel. Einfluß nicht hy¬ 
draulisch wirkender Zu¬ 
schläge zum Zement-M. 
auf dessen Festigkeit . . 28 

München. Eisenbeton-Kon¬ 
struktion des neuen Volks¬ 
theaters .29* 

M.-Gladbach. Abwässer- 
Klärbecken-Anlage . . . 40* 
Musikhalle in Hennebique- 


Konstruktion i. Cincinnatti 11 

New-York. Vorschriften f. 

den Eisenbetonbau . . . 11 

Normalsand-Frage ... 23 
Normen. Neue Begriffser¬ 
klärung für Portl.-Zement 
in Abänderung der bisher 
in den N. stehenden . . 24 

Pfahlrost. Auf Holzpfähle 
aufgepfropfte Eisenbeton¬ 
pfähle .32* 

Prüfung. Bestimmungen für 
die Pr. und Verarbeitung 


des Betons (Versuche) 22, 27 
— Bruchprobe einer Henne- 

Brücke .33* 

Prüfungsamt, Material-, in 
Lichterfelde — Mitteilun¬ 
gen des.48 


Seite 

Regeln für die Anordnung 
der Eiseneinlagen inEisen- 
betonbauten . . . . 6, 12 

Schlacken-Mischfrage . . 24 

Stollen. Ausführung des 
Kraftwasser - St. an der 
Urfttalsperre mit Stampf¬ 
beton-Auskleidung ... 9* 

Stützmauer in Stampfbeton 
an der Villa Henschel in 
Kassel . . . 21*, 25*, 32 

Talsperre. Gewölbeförmige 
T. in Stampfbeton mit 
Eiseneinlagen.57* 

Theater. Eisenbeton-Kon¬ 
struktion des neuen Mün¬ 
chener Volksth.29* 

Treppenstufen. Neue Form 
für Betonstufen. Pro¬ 
gresso-Patent .36* 

Urfttalsperre. Ausführung 
des Kraftwasserstollens 
m. Stampfbeton-Auskleid. 9* 

Vereine. XXVII. General¬ 
versammlung des Vereins 
dtschr. Portland-Zement- 
Fabrikanten . 8, 12, 17, 23 

— VII. Hauptversammlung a. 
deutschen Beton-Vereins 

12, 18*, 21, 28 

— XL. Generalversammlung 
des dtschn. Ver. für Ton-, 
Zement- u. Kalk-Industrie 12 

Vereinswoche in Berlin im 
Februar 1905.60 

Versuche zu Bestimmungen 
für die Prüfung und Ver¬ 
arbeitung des Betons 22, 27 

— über den Einfluß nicht 

hydraulisch wirkender Zu¬ 
schläge z. Zementmörtel 
auf dessen Festigkeit . . 28 

Vorschriften für d. Planung, 
Ausführung, und Beauf¬ 
sichtigung von Eisenbeton¬ 
bauten . . 7, 12, 13, 20, 38 


— Einheitliche V. für die 
Ausführung nnd Prüfung 
von Stampfbeton-Bauten 59 

— für den Eisenbetonbau der 

Stadt New-York . . . 11 

Viadukte. Die Beton-V. der 
Bahnlinie Altenberg-Lan¬ 
genleuba .37* 

Wehr. Ueberfallwehr in 
Eisenbeton bei Theresa 
in Nordamerika .... 20* 

Zement. Methode z. Prüfung 
von Z. auf Zugfestigkeit, 
von Johnson.4 

— Volum-Beständigkeit und 

Bindezeit.24 

— Ueber die Konstitution 

d. Portl.-Z., v. Richardson 52 


VIII 





























AS NEUE RATHAUS IN KOPEN¬ 
HAGEN * ARCHITEKT: MARTIN 
NYROP IN KOPENHAGEN * * * 
ANSICHT DER VORDERSEITE * 
= DEUTSCHE BAUZEITUNG = 
XXXVIII. JAHRGANG 1904 * NR-1-2 

























































DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N5:1-2. BERLIN, DEN 5. JAN. 1904 


Neue Baukunst in Dänemark. 


Von Peter Jessen. 

(Hierzu eine Bildbeilage, sowie die Abbildungen auf Seite 4, 5, 8 und 9.) 



er mit offenen Augen für die 
lebende Baukunst heute Kopen¬ 
hagen besucht, wird sich reich 
belohnt finden. Seit der Auf¬ 
hebung der alten Festungswälle, 
seit der Anlage des mächtigen 
Freihafens und seit der sehr 
energischen Entwicklung des 
Gemeinwesens sind dort große Aufgaben verschieden¬ 
ster Art gestellt worden. Eine Reihe frischer Persön¬ 
lichkeiten arbeitet mit größtem Ernst dahin, die däni¬ 
sche Architektur in einheitlichem Sinne zu fördern. 
Das ist in Deutschland noch zu wenig bekannt. 

Wohl wissen wir, daß im Kunstgewerbe die 
Dänen heute ihre eigenen siegreichen Wege gehen. 
Die beiden Porzellan-Manufakturen haben unter ihrer 
sicheren künstlerischen Leitung sich seit fünfzehn 
Jahren Weltruf und den Weltmarkt erobert. Wer sich 
in der lehrreichen dänischen Abteilung der PariserWelt- 
ausstellung 


oder in unseren 'Kunstsalons und Zeit¬ 
schriften umgesehen hat, der kennt auch die kräftigen 
dekorativen Plastiken und Malereien, die kernigen 
Silberarbeiten, die Versuche in Zinn, manche vor¬ 
zügliche Möbel und namentlich die musterhaft organi¬ 
sierte Buchkunst. Darin schlagen die Künstler zumteil 
eine starke, männliche Note an, die uns als entschieden 
nordisch anmutet. 

Schon 1900 in Paris konnte man sich in der be¬ 
scheidenen, versteckt gelegenen Gruppe dänischer 
Architektur überzeugen, dass neben diesem Kunstge¬ 
werbe, oft mit ihm Hand in Hand, eine gleich frische 
Architektur erblühte. Die kleine Ausstellung hatte 
Martin Nyrop, der Schöpfer des neuen Rathauses von 
Kopenhagen, zusammengestellt. Es war schon damals 
klar: diese neue Baukunst ist modern in dem Sinne, 
daß sie sich auf die alte Kunst der eigenen Heimat 
stützt, nicht auf die Einzelheiten, auf das Beiwerk der 
Ornamente, auch nicht auf die sogenannte Monumen¬ 
talkunst der Fürstenpaläste, sondern auf das, was sich 
auf dänischem Boden an dänischen Aufgaben zu 
nationaler Eigenart niedergeschlagen hat. Auf 
diese heimischen Grundlagen der heutigen Architektur 
müssen wir zuvörderst einen schnellen Blick werfen. 
Aus der Epoche, die wir im besonderen als nordisch 


anzusehen pflegen, dem frühesten Mittelalter, gibt es 
in Dänemark keine Bauten mehr. Dafür weiß jeder 
Besucher Kopenhagens, daß die Handwerkskunst der 
ältesten Zeiten, wie sie im Nationalmuseum, im Prinzen- 
Palais, vereinigt ist, der stärkste Eindruck ist, den 
man in der nordischen Hauptstadt gewinnt. Diese 
Funde aus den Gräbern und Mooren von Jütland und 
den dänischen Inseln haben in der Welt der sogen. 
Prähistorie nicht ihres Gleichen an handwerklicher 
Sorgfalt und an Kraft und Größe des Stils: die 
spiegelblanken Steinwaffen von uralter Technik, 
in ihren Formen schon durch eine jüngere, reifere 
Kunst veredelt, die Schilde und Schwerter und mäch¬ 
tigen, seltsamen Blashörner der Bronzezeit, eine Fülle 
eigentümlicher Stücke aus den Epochen, da schon das 
Eisen bekannt geworden war, darunter die Holzgeräte 
und Schiffe, die das feuchte Moor durch die langen 
Jahrhunderte hin konserviert hat — lauter Reste von 
Kulturen voll gediegener Kraft und schlichter Größe, 
die der heutige Nordländer mit Stolz seinen Ahnen 
zuzählt. Es weht ein Hauch dieser rassigen Kultur 
auch durch die späteren Epochen der dänischen Kunst. 

Namentlich hat die Baukunst im früheren christ¬ 
lichen Mittelalter noch unter diesem Geiste gestanden. 
In Kopenhagen selbst ist davon nichts erhalten; denn 
dieses ist eine ziemlich junge Stadt und überdies durch 
viele Brände verheert worden. Aber ganz Jütland 
und die Inseln sind dicht besäet mit kleinen, ein¬ 
fachen Landkirchen aus romanischer und gotischer 
Zeit. Viele aus Granit, rohen oder behauenen Find¬ 
lingssteinen, eine große Gruppe aus rheinischem Tuff, 
den man aus dem Brohltale einführte, andere aus 
heimischem, weichem Kreidestein, spätere aus Ziegeln. 
Die Formen abgeleitet von den — nicht besonders 
zahlreichen - Domen der größeren Städte und Bischofs¬ 
sitze (Ribe, Viborg, Aarhus, Roeskilde u. a.), ins Aller¬ 
einfachste übersetzt; ein kurzes Schiff, ein schmaler 
Chor mit Nische, ein Glockenturm von verschiedener 
Gestalt, oft an der Seite eine Eingangshalle; das alles 
mit dem bescheidensten Ornament, oft ohne alie Zier¬ 
raten nur als Gruppe, als Masse, als Körper wirksam, 
aber in dieser Einfachheit höchst wechselreich und 
für heutige einfache Aufgaben ungemein anregend. 
Darunter auch ganz abweichende Typen, wie nament- 


1 






























































lieh jene seltsamen Rundkirchen auf Bornholm, die bei 
uns durch Fr. Laske’s Untersuchungen bekannt ge¬ 
worden sind.*) An den stattlichen Publikationen über 
alle jene Kirchen haben sich führende Kräfte auch der 
jüngeren dänischen Baukunst beteiligt. Das Mittel- 
alter steht den heutigen Künstlern in dieser kernigen 
heimischen Art vor Augen. 

Auch die Renaissance hat im dänischen Lande 
eigentümliche Gestalt gewonnen. Als gegen Ende 
des 16. Jahrhunderts König Friedrich II. und König- 
Christian IV. ihre imposanten, herrlichen Schlösser 
schufen (Kronborg, Frederiksborg, Rosenborg, bekannt 
durch das Werk von Neckelmann und Meldahl)**), 
mussten sie die Architekten und Kunstformen meist aus 
den Niederlanden holen. Nach ihrem Beispiel aber sind 
durch- das Land hin viele einfachere Königssitze und 
Adelsschlösser gebaut worden, nach mittelalterlicher 
Tradition schlicht und wehrhaft, gewaltige Baumassen 
unter hohen Dächern, mit breiten Giebeln und kräfti¬ 
gen Türmen, die großen Backstein flächen nur spär¬ 
lich durch Flausteine unterbrochen, der plastische 
Schmuck meist auf ein Portal oder einen Giebel kon¬ 
zentriert, Muster großzügiger, sachlicher Bauart. Diese 
Adelshöfe (Herregaard) werden besonders in jüngster 
Zeit von den heute tätigen Architekten eifrig studiert; 
man sah eine Auswahl derselben auf der Pariser Welt¬ 
ausstellung- mitten unter den neuesten Bauten; sie gelten 
als vorzügliche Schule für den heutigen Profanbau. 

Die dänischen Landbaumeister haben diese ge¬ 
sunde handwerkliche Gesinnung aus der Zeit der 
Renaissance auch in das Barock gerettet. Die schönen 
Schlösser und Paläste in Kopenhagen (Christiansborg, 
heute in Ruinen, Amalienborg, verschiedene Adelspalais 
u. a. m.) mit ihrem feinen Sandsteinschmuck dienten 
nur als ferne Anregung. Statt der wehrhaften Burg 
will man jetzt auch auf dem Lande die offene fran¬ 
zösische Anlage mit Flügeln, Mittelrisalit, Freitreppe 
und Kuppel; der alte Rohbau weicht dem Putz. Aber 
es bleibt der Zug zum Schlichten und Klaren; nicht die 
Einzelheiten, die Säulen oder Ornamente beherrschen 
den Eindruck, sondern die Verteilung der Massen, die 
wohltuenden Verhältnisse, die Raumkunst. Gegen das 
Ende des 18. Jahrhunderts, unter der Herrschaft des 
Zopfstiles und des reinerenKlassizismus, haben auch die 
Kunst des Innenraumes und dasMöbel eigentümliche, an¬ 
sprechende Formen gewonnen; an die saubere Furnier¬ 
end Einlegearbeit und die verständige Zwecksicherheit 
dieser Handwerkskunst knüpft man heute mit gutem 
Gewinn wieder an. Selbst für die Grösse der lange 
unterschätzten Bauten des späteren Klassizismus, Avie 
sie in Kopenhagen die Werke von Harsdorff, C. F. 
Hansen (Frauenkirche und altes Rathaus), des älteren 
Bindesböll(Thorwaldsen-Museum)zeigen, öffnen sich die 
Augen des heutigen Geschlechtes. Die zwei trefflichen 
Zeitschriften, die neuerdings über alle diese Fragen unter¬ 
richten, „Kunst“ und „Architekten“ (Mitteilungen des 
Akademischen Architekten-Vereins)***), pflegen alle 
diese ältere Kunst ebenso pietätvoll, wie sie die Arbeit 
der Lebenden würdigen, veranschaulichen und fördern. 

So leiten die alten Vorbilder die heutigen Meister 
in mancherlei Richtung. Und doch geht aus allen 
diesen Anregungen verschiedener Zeiten eine im- 
grunde einheitliche, durchaus neuzeitige Art hervor. 
Denn vor aller Form, vor allen sogenannten Stilfragen 
herrscht bei den besten Kräften von heute das Prak¬ 
tische, das Sachliche, das Zweckbewusstsein im Sinne der 
heutigenEngländer. Wirwünschten dies an den einzelnen 
Werken der führenden Künstler anschaulich zu machen. 
Die „Deutsche Bauzeitung“ beabsichtigt, später die her¬ 
vorragenderen Bauten dieser Bewegung in eingehender 
Beschreibung vorzuführen. Heute seien zur Einführung 
nur einige Beispiele herausgehoben, um die Ziele und 
die Wege der ganzen Bewegung zu kennzeichnen. 

*) Fr. Laske, Die vier Rundkirchen auf Bornhohr) und ihr 
mittelalterlicher Bilderschmuck. Berlin, Wilhelm Ernst & Sohn, 1902. 

**) Denkmäler der Renaissance in Dänemark. Berlin, Einst 
Wasmuth, 1888. 

***) Beide in der Bibliothek des Kgl. Kunstgewerbe - Museums 
in Berlin, die auch eine Sammlung von Photographien alter und 
neuer dänischer Bauten besitzt. 


Die dänischen Architekten werden cs für recht 
und billig halten, wenn wir unter den Werken und 
unter den Meistern von heute das neue Rathaus von 
Kopenhagen und seinen Schöpfer Martin Nyrop 
voranstellen. Er ist schon frühe als eine starke 
Persönlichkeit bekannt geworden, als er im Jahre 1888 
der nordischen Ausstellung in Kopenhagen ihr eigen¬ 
tümliches, frisches Gepräge gab und die heimischen 
Motive des nordischen Holzbaues mit starker künst¬ 
lerischer Laune zu einer wirklichen Gelegenheits-Archi¬ 
tektur verarbeitete; eine der frühesten Taten echter Aus¬ 
stellungskunst, wie sie noch 1900 auf der Pariser 
Weltausstellung eigentlich nur die skandinavischen 
Nationen gewagt haben. Er hat dann für den Staat 
das Provinzialarchiv in Kopenhagen gebaut; das ge¬ 
waltige, ganz schmucklose Magazin getrennt von der 
gefälligen Baugruppe, welche die Studien- und die Ver¬ 
waltungsräume enthält, nur durch einen Gang mit ihr 
verbunden; ein Charakterbau echten Schlages. Als 
Sieger eines Wettbewerbes hat er seither die gewaltige 
Aufgabe durch geführt, einer großen, modernenStadt ein 
Rathaus zu schaffen, das zugleich Nutzbau und Festbau 
sein soll. 1894 ist der Grundstein gelegt worden; im 
Januar 1903 ist es endgiltig bezogen worden; jetzt 
wird noch an dem Ausbau des grossen Hauptfest¬ 
saales gearbeitet. 

Im Westen der Stadt, nicht weit vom Bahnhof, 
bei den breiten Boulevards, die durch die Auflassung 
der alten Festungswälle entstanden sind, reckt sich 
die Front des mächtigen Hauses trotzig und doch 
feierlich empor. Der weite freie Platz davor ist leicht 
vertieft und bildet mit der Terrasse dicht am Gebäude 
eine wirksame Basis für den gewaltigen Körper. Wie 
unsere Bildbeilage zeigt, sind das Erdgeschoss und das 
erste Obergeschoss von massigen Höhen, für die Nutz¬ 
räume bestimmt; das zweite Obergeschoss ist das hohe 
Festgeschoss, das vorne an der Front den grossen F est- 
saal und hinten im Querflügel den Sitzungssaal der 
Bürgervertreter enthält. Das Material ist vorwiegend 
Backstein, groß, handgestrichen, von prachtvoller roter 
Farbe. Der Sockel Granit; die Türgewände und Fenster¬ 
rahmen Sandstein; zu oberst, unter dem mächtigen 
Dach, ein niedriges Halbgeschoss, als Fries von hellem 
Kalkstein durchgebildet. Das dunkle Dach überragt 
der wuchtige Zinnenkranz, der das Haus der Kopen- 
hagener Bürgerschaft wie eine Wehr krönt und schirmt. 

Wer nur flüchtig hinsieht, mag diesen Zinnenkranz 
für ein Dekorationsstück halten. Sieht man näher zu, 
so wird es klar, dass dieses Hauptmotiv ganz sach¬ 
lich aus dem Gerüst des ganzen Organismus heraus¬ 
wächst. Hinter der Vorderfront dehnt das Gebäude 
sich als tiefes Rechteck zwischen ansehnlichen Strassen 
aus; an der Mitte der Seitenfassaden jederseits ein 
Turm, links der hohe, beherrschende Campanile, der 
im Stadtbild von Kopenhagen lebhaft mitspricht, rechts 
eine gedrungene Turmgruppe. Innen zwei große Höfe; 
der vordere ein prachtvoller Lichthof, der hintere 
offen; zwischen ihnen ein Querflügel, der im oberen 
Hauptgeschoss in seiner ganzen Breite den Sitzungs¬ 
saal der Bürgervertreter enthält. Gegen die Strassen 
gehen rings um das ganze Haus die Zimmer und Säle; 
gegen die beiden Höfe die langen Korridore. Zwischen 
den Korridoren und den Zimmerfluchten liegt nun 
ringsum eine besonders dicke Mauer, in der die Heiz¬ 
kanäle und ein sehr sorgfältiges Ventilations-System 
angebracht sind. DieseMauer mit ihren vielen Lüftungs¬ 
schachten ist es, die aus den Dächern emporragt und 
in den Essenkranz ausläuft. 

So kühn ,wie dieses^ Hauptmotiv, so großzügig 
und klar scheint mir die Anordnung und Gestaltung 
aller einzelnen Teile und Räume des riesigen Hauses, 
von den schlichten Büreau-, Verwaltung^- und \ er- 
kehrsräumen bis zu dem großen Sitzungssaal, dem 
Kern der ganzen Anlage. Was da wirkt, sind das 
Räumliche, die klaren Verhältnisse und vor allem das 
Material. Man darf sagen, dass die Achtung vor den 
Baustoffen und die Kunst, ihre Schönheiten auszu¬ 
nutzen, den alten Meistern ganz nahe kommt Vom 
Einfachsten bis zum Prächtigsten: in den Nutzräumen 


2 


No. 1/2. 





schlichtestes Holzwerk, glatte Wände, weiße Stuck¬ 
decken; in dein Nebcn-Treppenhaus des hinteren Quer¬ 
flügels prunklose Eisenkonstruktion; dagegen in dein 
großen, festlichen Lichthofe vorn ein heller, voller, 
überwältigender Einklang der edelsten Stoffe, unter 
denen kostbarer Marmor in großen Flächen und kleine¬ 
ren Einlagen vorwiegt, mit Motiven, die oft an die 
Kunst der Cosmaten erinnern; daneben in gemesse¬ 
nem Wechsel einzelne plastische Akzente, Wappen, 
Inschriften u. a. Auch neueste Dekorationstechniken 
werden nicht verschmäht: die Laibungen der großen 
Bögen, die vom Lichthof unter dem Querflügel zu den 
Haupttreppen führen, sind mit einem reizvollen Möven- 
fries aus glasierten Tonstücken auf Putzgrund verziert, 
in der Technik, die der Keramiker Kähler aus Nestved 
vor einigen Jahren auf der Berliner Kunstausstellung 
gezeigt hat. Es ist überhaupt lehrreich zu sehen, 
wie der Architekt seine dekorativen Mitarbeiter leitet. 

Er gibt sich nicht in die Hände von Dekorations- 
Geschäften. Wer an solchem Werke mitarbeitet, soll 
ein Künstler sein. Den jungen Maler, dem er die Sopra¬ 
porten anvertraut, schickt er zunächst auf Reisen, um 
ihn in den mittelalterlichen Kirchen die Technik und die 
Art der alten Kalkmalereien studieren zu lassen. Dann 
darf der Künstler nach seinen eigenen, höchst per¬ 
sönlichen Ideen arbeiten, aber stets in allen Haupt¬ 
dispositionen vom Architekten geleitet. Denn aller 
Schmuck ist in großem, breitem Maßstabe geordnet, mit 
vollendetem Raumgefühl und in der vornehmen Be¬ 
schränkung, die zu üben uns heute noch so schwer 
fällt. Dafür aber darf und soll jedes Einzelstück in 
sich ein vollendetes Kunstwerk sein, durch Stoff, Ge¬ 
halt und Form; die Virtuosen des Kunstgewerbes sind 
durch Künstler ersetzt. Wir werden gut tun, uns 
Martin Nyrops Werk später auch darauf hin genauer 
anzusehen. Hier ist ein Architekt wirklich der Führer 
der neuen Handwerkskunst. 

Wir haben den Geist, der im Rathausbau in Kopen¬ 
hagen waltet, zu skizzieren gesucht: er ist — wie es 
scheint, von Jahr zu Jahr frischer — auch hei den 
übrigen dänischen Meistern lebendig. Das Bild, das 
man in Kopenhagen selber gewinnt, erweitert sich 
durch die Darstellungen aus den kleineren Städten, 
wie sie die genannten Zeitschriften und eine Reihe 
trefflicher Photographien bieten, die man in Kopen¬ 
hagen zu Kauf findet, lieber den Zusammenhang der 
Künstler orientiert vor allem ein Aufsatz von Eugen 
Jörgensen in der dänischen Zeitschrift „Kunst“, 
Jahrgang 1900. 

Man findet Belege dafür, dass der Sinn für ge¬ 
sunde Schlichtheit im Anschluss an alte, heimische Bau¬ 
weisen nicht einmal aus allerjüngster Zeit stammt. So 
steht unter den vielen Stiftungsgebäuden, die eine 
Eigentümlichkeit Kopenhagens bilden, aus den Jahren 
1885 bis 1887 das Abel Cathrine’s Stift von 
H. Storck; ganz in den schmucklosen Backsteinformen 
der dänischen Barockkunst aufgeführt, mit einem kleinen 
Hof, der mit seiner schlichten Kapellenfront, von Grün 
überwuchert, mitten in der Großstadt wie ein Hort 
tiefsten Friedens anmutet. Ein zweites Stiftshaus von 
demselben Künstler liegt frei hinter einem der großen 
Zierteiche der äußeren Stadt, das So ldenfeldts-Stift 
am Sortedams-See: eine große eckige Fassade von ruhi¬ 
ger, monumentaler Würde; die leuchtende, rote Ziegel¬ 
fläche unter dem glatten, einfarbigen Dache spiegelt 
sich in wundervollem Farbenklang auf der blanken 
Wasserfläche wieder. DerMeister wird auch besonderen 
Aufgaben sieghaft gerecht: bei dem Erweiterungs¬ 
bau der Landmandsbank, (s. S. 4) galt es, neben 
dem Ziegelstein besonders reichlich norwegischen Mar¬ 
mor zu verwenden; man sieht, wie fremdes Material und 
italienische Motive mit dem heimischen Backstein und 
dem nordischen Raumgefühl in eins gestimmt werden. 

Als die vielseitigste Persönlichkeit neben Martin 
Nyrop darf Hack Kamp mann gelten. Als der Staat 
i. J. 1888 das Archiv in Kopenhagen an Martin Nyrop über¬ 
trug, erhielt der jugendliche Kampmann gleichzeitig das 
Archiv in Yiborg (Jütland) in Auftrag. Seine weiteren 
Werke stehen in Aarhus, der größten Stadt Jütlands, die 

5 . Januar 190 . 4 . 


im Laufe des 19. Jahrhunderts von 4000 auf 50000 Ein¬ 
wohner gewachsen ist. Hier hat er als Königlicher Bau¬ 
inspektor dasZol I gebäude und die St aatsbih 1 iothek 
gebaut, ferner für die Stadt das Theater und für einen 
Prinzen (als Geschenk der Nation) ein Landschloss; 
auch für die Stadterweiterung hat man ihn mit Plänen 
beauftragt. So verschiedene Aufgaben hat er in wech¬ 
selnden Formen, aber in einem Geiste kraftvollen 
Ernstes gelöst. Das Zollgebäude (Zollkammer) ist 
ein Eckbau; an der Ecke ein hoher eckiger Turmbau 
zwischen zwei kernigen Rundtürmen, das Motiv des 
Stadtwappens von Aarhus; daneben die schlichten 
Flügel unter hohen Dächern; das Material Backstein 
in anmutiger Musterung, versetzt mit sparsamem Hau¬ 
stein. Sachlich und vornehm zugleich erscheint das 
Gebäude der Staatsbibliothek (S. 5). Esliegtganzfrei 
und enthält aussen ringsum die Bücherräume. Die Fenster 
sind zu großen Gruppen zusammengefaßt, nament¬ 
lich ander Rückfront, die unsere Abbildung zeigt; an den 
Mauerflächen dazwischen steht in großem, sicherem 
Rhythmus ein Paar kräftiger Wappen; über den Ziegel¬ 
stein-Fassaden steigt das schräge Dach bis dahin, wo 
die inneren Mauern heraustreten und das große Ober¬ 
licht für den Lesesaal tragen, der in der Mitte des 
Gebäudes liegt. Da das Gelände ansteigt, so liegt 
die Vorderfront mit dem Eingang höher, an einer 
Terrasse. Eine Brücke führt zu dem Portal mit seiner 
eigenartigen Flächen-Verzierung aus Tauwerkmotiven. 
Ganz auf festliche, farbige Wirkung ist die Front des 
Theaters gestimmt. Die Fassade, aus Ziegeln und 
französischem Kalkstein, wird bekrönt durch einen 
Fries und ein Giebelfeld aus farbigem Tonmosaik in 
der Art, die wir am Rathause kennen lernten. Wieder 
ganz verschieden das Landschloss Marselisborg bei 
Aarhus, das man als Hochzeitsgeschenk für den Prinzen 
Christian hat bauen lassen. Eine Uebersetzung der 
Vorbilder des 18. Jahrhunderts ins Moderne: die 
Fassade gegen den Garten breit gelagert, beherrscht 
durch das prachtvolle Giebelfeld mit den drei dänischen 
Löwen, einem vollen Kunstwerk in Maßstab, Zeichnung 
und Modellierung; die Eingangsfront nach der Art 
der Flügelpalais mit zwei kurzen seitlichen Vorsprüngen 
und runden Treppenhäusern; auch im Inneren in den 
Formen des Zopfstiles ein durchaus moderner Geist. 

Gibt hier ein starker Künstler einer Stadt ihr Ge¬ 
präge, so spürt man auf einem wichtigen Gebiete des 
öffentlichen Bauwesens eine besonders glückliche, ein¬ 
heitliche Hand. Der Architekt H.Wenck hat eine Reihe 
sehr charakteristischer Bahnhöfe geschaffen, in Kopen¬ 
hagen den Güterbahnhof, dessen Lagerhaus (S.5) für 
sich selber spricht; eine seltene Vereinigung von Wucht 
und Anmut; alle Einzelheiten auch hier handwerklich 
gesund und männlich; alle Reste des Stuckateur-Ge¬ 
schmackes sind überwunden. Verwandt ist, nach den Ab¬ 
bildungen zu urteilen, der Bahnhof in der rasch aul¬ 
blühenden jütischen KüstenstadtEsbjerg, dem wichtigen 
Ausfuhrhafen an der Nordsee. In demselben Geiste 
kerniger Einfachheit bei sicherstem Raumgefühl eine 
ganze Reihe kleinerer Stationsgebäude an der Küsten¬ 
bahn, die von Kopenhagen gen Norden führt. 

Der neuere Kirchenbau verdient später ein eigenes 
Kapitel. In Kopenhagen sind in den letzten Jahren 
eine Reihe kleinerer, höchst eigenartiger Kirchen ent¬ 
standen. Das Schema der Reißbrettgotik scheint völlig- 
überwunden. Reizvolle Gruppen von verschiedenster 
Gestalt, mehr von den romanischen Landkirchen als 
von Monumental-Vorbildern abgeleitet; als Material 
vorwiegend Ziegel mit maßvollem Werksteinschmuck; 
die Ornamente kräftig, aber bescheiden und auf die 
Hauptpunkte beschränkt. Wir geben als Beispiel die 
Brorsonskirche von Thorvald Jörgensen, am 
Nordvestvej gelegen (S. 8 11.9); der Kirchenraum ist für 
8ooPlätze berechnet; im Sockelgeschoss liegen Sakristei 
undVersammlungssäle; der Glockenturm links daneben. 
Der Blick in das Innere zeigt lebendig, wie auch in der 
kirchlichen Kunst des Innenraumes nicht eine fromme 
Dekorationswut herrscht, sondern der Mut zu echter, 
kerniger Einfachheit und Einfalt; ein Stück Granitkunst, 
die einem wirklich starken protestantischen Glauben so 


3 


gut ansteht. In diesem Sinne sehe der Besucher Kopen¬ 
hagens sich besonders die I m m a n u eI k i r c h c an, die sich 
die freie Gemeinde in Kopenhagen gebaut hat; in diesem 
stimmungsvollen Bau von A. Clemmensen kann man 
auch die tiefgründige, dekorative Malkunst der Brüder 
Skovgaard bewundern, die mit ihrem Freunde, dem 


Charakterkopf Th.Bindesböll, heute die stärksten Per¬ 
sönlichkeiten in der dänischen Dekorationskunst sind. 

Vom Privatbau hoffen wir später zu berichten. 
Auch hier hat die neue Kunst manche frohen Anfänge 
zu verzeichnen. Und auch hier scheint die Losung 
zu gelten: eine Aufgabe, ein Mann! - 


Der Wiederaufbau des Campanile von San Marco.*) 

Von H. Blankenstein, Geh. Baurat in Berlin. 


er Wiederaufbau des Glockenturmes von San Marco, 
des weithin ragenden Mittelpunktes von Venedig, ohne 
den man sich die den Markusplatz und die Piazzetta 
umschliessende Gruppe von Monumentalbauten nun ein¬ 
mal nicht den¬ 
ken kann, schien [' 
endlich imFrüh- | 

Jahr 1903 ge¬ 
sichert durch 
die Meldung, 
daß die Ober¬ 
leitung desWie- 
der - Aufbaues 
dem bekannten 
Archit., Prof. 

LucaBeltrami 
in Mailand über¬ 
tragen und daß 
am 25. April in 
f eierlicherWei- 
se der Grund¬ 
stein gelegt sei. 

Nunmehrkonn¬ 
te Niemand da¬ 
ran zweifeln, 
daß der Cam¬ 
panile in ab¬ 
sehbarer Zeit 
in alter Herr¬ 
lichkeit wieder 
erstehen werde. 

Diese Zuver¬ 
sicht wurde 
plötzlich durch 
eine dem röm¬ 
ischen „Avanti“ 
entnommene 
Mitteilung ge¬ 
trübt, wonach 
Beltrami den 
Wiederaufbau 
für unausführ¬ 
bar erklärt ha¬ 
be, „weil bereits 
die ersten Ver¬ 
suche die Un¬ 
möglichkeitbe¬ 
wiesen hätten, 
auf dem alten, 
morschen Un¬ 
terbau das ko- 
lossaleBauwerk 
wieder aufzu¬ 
richten. Durch 
die Fundamen¬ 
tierungwürden 
die umliegen¬ 
den Gebäude 
der größten Ge¬ 
fahr ausgesetzt 
werden“. Diese Nachricht konnte gegenüber den bis¬ 
herigen Meldungen über den Zustand des Fundamentes 
und in der Erwägung, daß die neuere Technik so 
mannigfache Mittel bietet, auch der größten Schwierig¬ 
keiten Herr zu werden, durchaus nicht glaubhaft er¬ 
scheinen. Sie fand aber eine gewisse Bestätigung durch 
eine Anfangs September 1903 von den Zeitungen gebrachte 
Nachricht, dass Beltrami wirklich die Bauleitung nieder¬ 
gelegt und zugleich diesen Schritt in einer von ihm ver¬ 
öffentlichten Denkschrift unter dem Titel „Zwei und Siebzig 
Tage Arbeit an dem Campanile von San Marco“ gerecht¬ 
fertigt habe. In dieser klar und elegant geschriebenen 
Broschüre gibt der Verfasser eine ausführliche Darstellung 
seiner Tätigkeit, einen dem Magistrat von Venedig er¬ 
statteten Bericht über den technischen Teil der Frage 

■•') Vergl. No. 58, Jahrgang 1902 d. Bl. 


und einen Anhang über die Gründung der Rialto-Brücke. 

Dem ersten Teile der Schrift ist Folgendes zu ent¬ 
nehmen: Nach Abschluss der Untersuchung über den Ein¬ 
sturz wurden in Rom Verhandlungen zwischen dem Mini¬ 
sterium des öf¬ 
fentlichen Un¬ 
terrichtes und 
der Gemein¬ 
de -Verwaltung 
von Venedig 
geführt zu dem 
Zwecke der ge¬ 
meinsamen 
Ausführung des 
Aufbaues,wobei 
der Staat zu den 
auf etwa 3 Milk 
Lire geschätz¬ 
ten Baukosten 
rd. 500 000 Lire 
beitragen und 
die Oberleitung 
des Baues dem 
Professor Belt¬ 
rami, als dem 
hierzu beru¬ 
fensten Archi¬ 
tekten , über¬ 
tragen werden 
sollte. Gleich¬ 
zeitig sollte der 
als Professor 
am Polytechni¬ 
kum zuMailand 
beschäftigte 
Architekt Gae- 
tano Moretti, 
ein naher 
Freund und ehe¬ 
maliger Schü¬ 
ler Beltrami’s, 
mit der Leitung 
und Neuord¬ 
nung des Pro¬ 
vinzialamtes für 
die Erhaltung 
der Denkmäler 
inVenezien be¬ 
auftragt wer¬ 
den. Beltrami 
weigerte sich 
lange, den Auf¬ 
trag anzuneh¬ 
men u. zwar aus 
Mißtrauen gegen 
den damaligen 
Unterrichts-Mi¬ 
nister Nasi und 
weil er von der 
Mitwirkung der 
Regierung Reibungen und Hindernisse befürchtete. Es ge¬ 
lang indessen dem Bürgermeister Grafen Grimani, auch diese 
Schwierigkeit zu beseitigen, so daß der Staat sich auf die 
Gewährung des Zuschusses beschränkte, die Ausführung 
aber der Gemeinde allein überließ, die Beltrami mit den weit¬ 
gehendsten Vollmachten inbezug auf den Bau selbst, die 
Wahl seiner Mitarbeiter usw. ausstattete. So kamen die 
Verhandlungen endlich am 1. März zum Abschluss und 
Beltrami traf bereits am 5. März in Venedig ein, um sich 
der ehrenvollen Aufgabe mit Liebe und Begeisterung zu 
widmen, wobei er vonseiten der Gemeinde-Verwaltung 
das bereitwilligste Entgegenkommen fand. Seine Stellung 
war aber von Anfang an schwierig, da die Techniker 
Venedigs die Berufung eines Auswärtigen sehr ungern 
sahen und sogar Protest dagegen erhoben hatten. Wenn¬ 
gleich Beltrami anführt, daß sie ihm später durchaus 
liebenswürdig entgegen getreten seien, so mochte ihm doch 

No. 1/2. 




Erweiterungsbau der Landmandsbank in Kopenhagen. Architekt: Prof. H. Store k. 

Neue Baukunst in Dänemark. 


























































der, wie er sagt „hartnäckig wiederholte Ruf: „Venezia 
farä da se“ beständig vorschweben. Als Hilfskraft für den 
administrativen Teil der Arbeit, jedoch nur im Nebenamte, 
wurde ihm ein jüngerer städtischer Baubeamter beigegeben 
und zum Vertreter während seiner Abwesenheit von Venedig 
der beim Provinzialamt für die Denkmäler beschäftigte, 
ihm befreundete Professor Del Piccolo bestellt. Ausser¬ 
dem fand er in dem inzwischen in sein Amt eingetretenen 
Professor Moretti einen gleichgesinnten Berate]’. Aber 
keiner von diesen war Autorität genug, um die Verant¬ 
wortung für die schwierigste Frage des Baues, die der 
Gründung, mit ihm zu teilen. Er sprach deshalb bei 
Ueberreichung seines ersten, am 19. März abgeschlossenen 
Berichtes, in dem er den Wiederaufbau des Turmes auf 
dem alten Platze für ausführbar erklärt, dem Bürgermeister 


den Hauptpunkt in Zwiespalt mit ihm, worauf dieser sich 
zurückhielt und seine Tätigkeit auf Erfüllung der ihm er¬ 
teilten Aufträge beschränkte. Sonach blieb Beltrami auf 
seine beiden Freunde angewiesen, mit denen er, wie er 
sagt, Selbstgespräche führte, während ihm das technisch¬ 
konstruktive „ambiente“ (milieu) Venedigs fehlte, so daß 
er sich isoliert fühlte. Als schließlich am ix. Juni der 
Minister Nasi den Professor Moretti seines Hauptamtes in 
Mailand enthob und dieser darauf sofort auch sein Amt 
als Konservator in Venedig niederlegte, nahm Beltrami 
dies zum Anlass, auch seinerseits am 12 . Juni seine Ent¬ 
lassung einzureichen, die jedoch erst am 6. Aug. durch 
ein Schreiben des Bürgermeisters angenommen wurde, 
in dessen auffallender Kürze und trockenem Ton man eine 
nachträgliche Rechtfertigung des Rücktrittes erblicken kann. 


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Staatsbibliothek in Aarhus. Rückseite. Architekt: Hack Kampmann in Aarlius. 



Neue Baukunst in Dänemark. Lagerhaus des Güterbahnhofes in Kopenhagen. Architekt: H. Wenek in Kopenhagen. 


dtn Wunsch aus, dass eine Anzahl erfahrener Techniker 
berufen werden möge, um einen Ideenaustausch über die 
Art der Verbreiterung des Fundamentes herbeizuführen. 
Dies lehnte der Bürgermeister ab aus Abneigung gegen 
eine vielköpfige Kommission, in die möglicherweise auch 
ungeeignete Personen berufen werden könnten. Hätte 
Beltrami bestimmt erklärt, dass er die Verantwortung für 
die Art der Gründung nicht allein tragen könne, so wäre 
die Antwort wahrscheinlich anders ausgefallen. Er setzte 
nunmehr seine Hoffnung auf die Gewinnung eines tüchtigen, 
mit den Baugrund-Verhältnissen Venedigs vertrauten Unter¬ 
nehmers und als solcher wurde der ihm auch von befreunde¬ 
ter Seite bestens empfohlene Maurermeister Marco Torr es, 
ein älterer erfahrener Praktiker, angestellt. Jedoch geriet 
Beltrami sehr bald wegen Meinungsverschiedenheit über 

5. Januar 3904. 


Indessen liest man doch aus der ganzen Schrift Beltrami’s 
heraus, dass ihm auch Zweifel an der Möglichkeit ge¬ 
kommen sind, den Turm wenigstens in der von ihm ge¬ 
planten Weise wiederaufzubauen, und daß er hauptsäch¬ 
lich aus diesem Grunde vorgezogen hat, sich zurückzuziehen. 

Der Rücktritt Beltrami’s und das Erscheinen seiner 
Broschüre hat eine wahre Flut von Zeitungsartikeln und 
Gegenschriften auch in deutschen Zeitungen hervorge¬ 
rufen, die auch heute noch nicht abgeschlossen zu sein 
scheint. Zunächst wies Torres in einer kleinen, sehr 
ruhig und sachlich gehaltenen Broschüre die gegen ihn 
erhobenen Anschuldigungen entschieden zurück, und 
neuerdings hat der Magistrat von Venedig eine an den 
Gemeinderat gerichtete Gegenschrift veröffentlicht, in der 
er unter Beibringung des umfangreichen Schriftwechsels 


0 




























sein Verfahren rechtfertigt. 1 Heraus geht unzweifelhaft 
hervor, daß der Magistrat sich nicht nur die größte Mühe 
gegeben hat, Beltranii für den Bau zu gewinnen und ihm 
stets mit dem größten Vertrauen entgegen gekommen ist, 
sondern daß er auch nach Empfang des Entlassungs- 
Schreibens sofort und fast zwei Monate hindurch jedes 
Mittel versucht hat, ihn zur Wiederaufnahme der Arbeit 
zu bewegen. Es stellte sich dabei heraus, dass die Ent¬ 
lassung Moretti’s auf einem Mißverständnis beruhte, die 
dann auch schleunigst zurückgenommen wurde, worauf 
dieser bereits im Juli sein Amt in Venedig wieder auf¬ 
nahm. Beltrami aber lehnte den Wiedereintritt immer 
entschiedener ab, worauf dem Magistrat nur übrig blieb, 
die Entlassung anzunehmen, wobei er wohl im Unmut 
wegen der verlorenen Mühe eine etwas schroffe Form 
gewählt hat. Hiernach ist nicht mehr zu hoffen, dass 
Beltrami seinen Entschluss ändert, was man im Interesse 
des Baues, wie in dem des Künstlers nur aufrichtig be¬ 
dauern kann. — Näher auf diese persönlichen Fragen, oder 
gar auf die bei dieser Gelegenheit von Beltrami gegen die 
General-Direktion der schönen Künste und den Minister 
Nasi erhobenen Vorwürfe einzugehen, ist hier nicht der 
Ort, da die Leser dieser Zeitung doch vorwiegend nur 
die technische Seite der Angelegenheit interessieren dürfte, 
zu der ich nunmehr übergehe. 

Nach dem am j_p Juli 1902 erfolgten Einstürze ging 
man an die Aufräumung der Trümmer und an den Abbruch 
des stehen gebliebenen Stumpfes des Turmes, und zwar 
unter Leitung des durch seine Forschungen auf dem 
Forum Romanum bekannt gewordenen Architekten Prof. 
Boni, der von Juli bis Ende Dezember 1902 mit der 
Leitung des Bezirksamtes für die Erhaltung der Denk¬ 
mäler in Venezien beauftragt war. Einen eigentlichen 
Auftrag, bei diesen Arbeiten zugleich nach den Ursachen 
des Einsturzes zu forschen, scheint Boni nicht gehabt zu 
haben, wenigstens liegt ein Bericht darüber nicht vor. 
Doch wurde festgestellt, daß der Turm in sich zusammen¬ 
gestürzt und daß die Ursache dafür nicht im Nachgeben 
d.es Fundamentes, sondern in Mängeln am Mauerwerke 
des oberen Teiles zu suchen sei, an dem seit Jahren 
wiederholt Flickarbeiten notwendig wurden, so daß man 
am 13. Juli beschloß, den Turm abzusperren und weitere 
Ausbesserungsarbeiten vorzunehmen. Zum Glück wurde 
die Absperrung ausgeführt, der Ausbesserung aber kam 
der Turm durch seinen Einsturz zuvor, wodurch schweres 
Unglück verhütet wurde-. Schon während der Aufräumungs- 
Arbeiten, die etwa ein halbes Jahr in Anspruch nahmen, 
setzte die Regierung eine Kommission, bestehend aus den 
Hm. Nicola Coletta, Cesare Ceradini und Guglielmo 
Cal der in i ein mit dem Aufträge, die Ursachen des Ein¬ 
sturzes festzustellen und zu ermitteln, ob Jemand, und 
wer dafür verantwortlich zu machen sei. Der dritte dieser 
Herren, zugleich Verfasser des am 25. Nov. [902 abge¬ 
schlossenen Berichtes, ist, wie aus einem kürzlich erschie¬ 
nenen Aufsatze Beltrami’s hervorgeht, der Architekt des 
neuen Justizpalastes und Dirigent des Provinzialamtes für 
die Denkmäler zu Rom. AVer die beiden anderen sind, 
habe ich nicht erfahren können, doch lässt der Umstand, 
dass der Bericht aus Rom datiert ist, vermuten, dass auch 
sie in Rom ansässig sind. Wollte man vielleicht die Zu¬ 
ziehung venezianischer Techniker, als möglicherweise nicht 
unbefangen genug, vermeiden? Jedenfalls muß es auf¬ 
lallen, daß man auch Boni nicht zuzog, der doch gewiß 
Gelegenheit gehabt hat, bei den Abbruchs- und Aufräu¬ 
mungsarbeiten wichtige Beobachtungen zu machen. So 
hat er in einem, im „Zentralbl. d. Bauverw.“ mitgeteilten 
Schreiben bekundet, dass auch in die Mauern des Marcus- 
I urmes Balken und zwar aus Kastanienholz eingelegt 
waren: „die äußersten Enden dieser Balken waren vom 
Holzwurm zerfressen und diejenigen Teile, die mit Blei¬ 
platten bedeckt gewesen sind, waren von der Trocken- 
faule zersetzt. Ich habe Proben davon im Palazzo Ducale 
bei Seite legen lassen“. Wie viele solcher Balken und 
wo dieselben etwa eingemauert waren, ist nicht gesagt, 
war auch wohl nicht mehr festzustellen. Die Tatsache aber 
war den Mitgliedern der Kommission doch gewiß bekannt 
und hätte Erwähnung verdient, da sie geeignet erscheint, 
die verantwortlichen Techniker zu entlasten. 

Der Bericht der Kommission :!: ) gibt zunächst eine ein¬ 
gehende Geschichte der Erbauung des Turmes und seiner 
Schicksale. Die etwas sagenhaft klingende Nachricht von 
seiner Gründung im Jahre 9x1 bezieht sich wohl kaum 
aul den uns bekannt gewordenen Campanile, denn Seamozzi 
berichtet, dass er 1148 begonnen und 1156 vollendet wor¬ 
den sei. Er sagt, dass das Fundament breit und tief, aufs 
beste abgepfählt und ganz massiv sei. Im Jahre 1329 soll 
der I urm durch den Architekten Montagnana erneuert sein. 

") Mitgetcilt im Bollettino Ulfieialc dcl Ministero dell 1 Jstru/.ione 
jmbblica 1903 No. 5. 

6 


Diese Nachricht bezieht sich vielleicht auf eine Ausbesse¬ 
rung und Verstärkung der Mauern, oder auf eine Erhöhung 
der Glockenslube und Aulsetzen der Spitze. Der Oberbau 
bestand jedenfalls größtenteils aus Holz, wodurch allein 
die zahlreichen Brände erklärt werden. Tn den Jahren 
1383 und 1489 wurde der Turm durch Blitzschlag und da¬ 
zwischen noch zweimal, 1403 und 1405 in Brand gesetzt, 
worauf der Teil oberhalb der Glocken erneuert und er¬ 
höht und mit vergoldetem Kupfer eingedeckt wurde. Be¬ 
sonders schwer scheint der Schlag von 1489 gewesen 
zu sein, denn Sansovino schreibt, daß dabei die alte 
Loggietta zerstört, daß sieben Glocken geschmolzen seien, 
und daß man überlegt habe, „den Obelisken von Stein 
zu machen“. Der Turm blieb indessen lange mit einem 
Notdache stehen, wie ihn eine Zeichnung von Albr. Dürer 
vom Jahre 1500 zeigt. - - Am 26. März 1511 erschütterte 
ein Erdbeben den Turm, wodurch die alten Schäden nur 
noch vergrößert wurden. Nach der hierüber gegebenen 
ausführlichen, aber nicht sehr klaren Beschreibung, ist in 
der Mauer bei den Glocken ein Riß entstanden, der auf 
zehn Schritte gegen die Erde hinabreichte. Man erneuerte 
die am meisten zerstörten Mauerteile auf eine Länge von 
10 bis L2 Schritte und an einer Stelle auf der Nordseite 
bis hinab zu dem zweiten kleinen Fenster. Dabei war es 
zur Erlangung eines gleichmäßigen Aussehens notwendig, 
auch die Oberfläche der anderen Seiten zu erneuern. Zu¬ 
gleich erhöhte man die Mauer um einen Schritt „sehr 
schön und aufwendig“ in Werkstein und beschloß, die 
alte Cella (Glockenstube), die Attika und die Spitze in 
Stein aufzuführen. Dies geschah durch den mastro Buono 
nach dem Plane des Architekten Spavento in den Jahren 
15x3—1517 und im Jahre 1540 erbaute Jacopo Sansovino 
an Stelle der zerstörten die neue Loggietta, wodurch der 
Turm seine endgiltige Gestalt erhielt. Bei dieser Gelegen¬ 
heit erklärte man den Turm für so gut gegründet und so 
stark, dass er eine noch viel grössere Last tragen könne. 
Nach dieser Zeit, und zwar von 1548 bis 1762, wurde der 
Turm noch achtmal vom Blitz getroffen, worauf man sich 
entschloss, ihn mit einem Blitzableiter zu versehen. 

Den schwersten Schaden scheint der Blitzschlag vom 
23. April 1745 angerichtet zu haben. Es werden 37 Bruch¬ 
stellen (fratture) gezählt, wobei am stärksten die nord¬ 
östliche Ecke angegriffen worden ist. Canaletto hat eine 
Zeichnung des Turmes**) mit dem zur Wiederherstellung 
angebrachten Hängegerüst gefertigt, wonach auf der 
Ostseite die Eek-Lisene und die Blende daneben bis gegen 
die zweite Lisene hin zerstört worden sind. Man darf 
annehmen, daß der Zeichner sich eine gewisse künst¬ 
lerische Uebertreibung erlaubt hat, sonst wäre es nicht 
zu verstehen, wie der Turm in diesem Zustande mit fast 
zerstörtem Eckpfeiler hat stehen bleiben können. Der 
Wiederherstellung dieser Schäden entstammen vielleicht 
die vielen weißen AVerksteine, die an den Ecken eingesetzt 
waren „zur Sicherung gegen die Pressungen, speziell auf 
den Ecken“. Nichtsdestoweniger blieb der Bestand des 
Turmes durch die vielen mangelhaft ausgeführten Aus¬ 
besserungen, Ausfütterungen und Verstärkungen stark 
gefährdet. Namentlich hebt die Kommission hervor, daß 
die neueren Mauerteile, besonders die Verstärkungen an 
den Innenseiten in besserem Material ausgeführt waren, 
.als das alte Mauerwerk, sodaß dieses als eine Last an 
dem neuen hing, wie denn auch der untere Teil des 
Turmes in schlechtem, leicht zerreibbarem Mörtel aus¬ 
geführt worden sei. Es ist nicht zu bezweifeln, daß auch 
nach dieser Zeit noch weitere Ausbesserungen, nament¬ 
lich an den Außenflächen, ausgeführt worden sind. 

Ueber das, was in den letzten 50 Jahren geschehen 
ist, konnte die Kommission aus den Akten des Provinzial¬ 
amtes für die Denkmäler und des technischen Büreaus 
von San Marco, sowie durch Ausfragen der bei den 
Ausbesserungsarbeiten beschäftigt gewesenen Baubeamten 
und Arbeiter nur feststellen, daß die Seite des Campanile 
über der Loggietta (Ostseite) im Jahre 1899 und im darauf 
folgenden auch die Südseite auf 1 / 3 der Höhe im oberen 
Teile erneuert sei und daß fortgesetzt im Aeußeren kleine 
Arbeiten ausgeführt seien, mehr der Verschönerung wegen 
als zur Sicherung. Die eigentliche Ursache, d. h. den 
Ausgangspunkt des Einsturzes, hat die Kommission nicht 
festgestellt. Sie erblickt allerdings einen schweren Fehler 
in dem Ausstemmen einer Nut zur Erneuerung des 
Traufgliedes über dem Dache der Loggietta; doch ist kaum 
zu glauben, daß man unvorsichtig genug gewesen wäre, 
diese Arbeit im ganzen vorzunehmen. Bei stückweiser 
und vorsichtiger Ausführung, unter gleichzeitiger Er¬ 
neuerung der Ziegelschichten darüber, konnte man hier¬ 
mit zugleich eine Verstärkung erreichen. Eine gewisse 
Entschuldigung der Beamten erblickt die Kommission in 


VelSjf Paul Schübling, Unter dem Campanile von San Marco. 


No. 1 2 . 




der allgemein verbreiteten Ueberzeugung, dal.i der Turm 
niciit nur tadellos fundamentiert, sondern überhaupt stand- 
fähig sei, wofür einige interessante Beispiele angeführt 
werden. So hatte man im Jahre 1898 die Anbringung 
eines Fahrstuhles im Inneren als etwas ganz Unbedenkliches 
erwogen, und noch am 19. Nov. 1901 erklärten neun an¬ 
gesehene Männer, nämlich fünf Architekten, darunter der 
Direktor des Provinzialamtes für die Denkmäler, der 
Leiter der Arbeiten für die Marcus-Kirche, sowie der als 
Kunstschriftsteller bekannte Camillo Boito, ferner drei 
Maler und ein Sekretär den Zustand des Turmes für 
sicher. Die beiden Baubeamten erhoben allerdings Be¬ 
denken, stimmten aber schließlich, wie natürlich auch die 
Fiebrigen, Boito zu, der erklärte, die früher hervorgetretenen 
Schäden rührten von anderen Ursachen her, wogegen 
Abhilfe geschaffen worden sei. Boito schlägt sogar vor, 
die eisernen Bänder und Haken zu beseitigen, „wo sie 
nicht notwendig sind.“ — Indessen hätten doch diejenigen, 


die zur Fürsorge berufen waren, erkennen müssen, daß 
der Turm sich nicht in normalem Zustande befand und 
auf Mittel zur Erhaltung des Denkmals sinnen müssen, 
welche die neuere Technik durchaus bietet. Der einzige 
Weg zur Sicherung des Turmes wäre die Anbringung 
fester Verbindungen in Eisen gewesen und man wundert 
sich, daß die Beamten daran nicht gedacht haben. — Nach 
dem aber, was die Kommission selbst über die zahllosen 
Schäden und den geringen Zusammenhang des Mauer¬ 
werkes gesagt hat, muß man bezweifeln, daß diese Mittel 
jetzt noch geholfen hätten. 

Soweit man, ohne die Dinge an Ort und Stelle unter¬ 
sucht zu haben, urteilen kann, muß man annehmen, daß 
der Turm schon seit langer Zeit der Zerstörung entgegen¬ 
ging'. Ob er durch richtig und vorsichtig auggeführte 
Ausbesserungen vor 50 Jahren noch zu retten war, mag 
dahin gestellt bleiben, daß es aber seit io oder 20 Jahren 
nicht mehi - möglich war, darf man wohl behaupten. 
_ (Schluss folgt.) 


Das städtische Tiefbauwesen in Frankfurt a. M. 


BTSjalnter dieser Ueberschrift istgelegentlich der vor kurzem 
I zu Ende gegangenen Dresdener Städte-Ausstellung 
ein Buch erschienen, dessen Inhaltsreichtum es zu 
einem höchst wertvollen Besitz nicht nur jedes städtischen 
Tiefbautechnikers, sondern auch aller derer macht, die, 
wie z. B. Verwaltungsbeamte, Hygieniker usw., in etwas 
nähere Berührung mit dem Tiefbauwesen der Städte 
kommen. Denn es handelt sich in dem Buche, dessen 
Inhalt seinem ganzen Umfange nach auf amtlichen Quellen 
beruht, nicht etwa um ermüdende Beschreibungen der 
hauptsächlichsten Tiefbauanlagen der Hauptstadt Mittel¬ 
deutschlands, sondern um eine in alle Einzelheiten ein¬ 
gehende fließende Darstellung der Art und Weise, wie 
der gegenwärtige technische und Verwaltungszustand des 
Frankfurter Tiefbauwesens „geworden“ ist. Manches von 
dem, was das Buch an Beschreibungen technischer Werke 
bringt, ist zwar durch die Fachpresse längst an die Oeffent- 
lichkeit gelangt; dennoch wird es in dem neuen Ge¬ 
wände, in welchem es hier erscheint, abermals auf leb¬ 
haftes Interesse stoßen, weil dem Leser ein genauer 
Einblick in die Geschichte des Vorgeführten und in den 
Zusammenhang derselben mit Dingen, die meist in den 
Aktenbündeln der städtischen Archive verschlossen ge¬ 
halten werden, eröffnet wird. 

Früher als in vielen anderen Städten beginnt in Frank¬ 
furt a. M., dank seiner Wohlhabenheit, seiner politischen 
und kommunalen Selbständigkeit und seiner Stellung in 
der Geschichte die Pflege von Einrichtungen, für welche 
anderwärts erst viel später das Bedürfnis sich geltend 
machte. Bei der Straßenpflasterung, Straßenreinigung, 
zentralen Wasserversorgung und Kanalisation reichen die 
ersten Anfänge teilweise in sehr ferne Zeiten zurück; die 
Entwicklung geht demzufolge vielfach nur langsam und 
ohne Richtung auf ein festes Ziel vor sich. Wir gewahren 
öfter ein vorsichtiges Tasten und ein Vorschreiten in 
Richtungen, die später wieder geändert oder aufgegeben 
werden mußten. Gerade dadurch aber, daß das vor¬ 
liegende Buch die ganze Länge der Pfade, auf welchem 
das Frankfurter Tiefbauwesen sich zu seiner heutigen 
Höhe entwickelt hat, hell beleuchtet, gewinnt dasselbe 
einen Wert, der es aus der Masse der blos beschreibenden 
technischen Werke weit heraushebt. 

Herausgeber des Buches ist das städtische Tiefbauamt, 
in Frankfurt a. M., namens dessen das Vorwort von dem 
Stadtbaurat Kölle unterzeichnet ist. Der Inhalt des Buches 
ist in 12 Abschnitte gegliedert, in deren Bearbeitung sich 
8 Verfasser geteilt haben. Wir setzen insbesondere aus 
einem am Schlüsse mitgeteilten Grunde die Ueber- 
schriften der 12 Abschnitte samt dem Umfang derselben 
und den Namen der Verfasser hierher. 


Abschnitt 


1: Organisation und Geschäftspraxis des Tief¬ 
bauamtes; Umfang ^Druckbogen; Verfasser 
Stadtbaurat Kölle. 

2: Die bauliche Entwicklung von Frankfurt a. M. 
und seine Stadterweiterung; Umfang ^Druck¬ 
bogen; Verfasser Frühwirth. 

3: Das städtische Straßenbauwesen; Umfang 
i'/a Druckbogen; Verfasse]' Dehnhardt. 

4: Das städtische Straßenreinigungs- und Ab¬ 
tuhrwesen; Umfang 1 1 / 2 Druckbogen; Ver¬ 
fasser Roehm. 

5: Die Kanalisation; Umfang 2 Druckbogen; 
Verfasser Uhlfelder. 

6: Die Reinigung der städtischen Abwässer; Um¬ 
fang 2’/.} Druckbogen; Verfasser Uhlfelder. 

7: Die Wasserversorgung; Umfang 4 Druckbogen; 
Verfasser Scheelhase. 


Abschnitt 8: DieStadtbeleuchtung; Umfang '/jJiruckbogen; 
Verfasser Scheelhase. 

„ 9: Die Wasser- und Hafenbauten; Umfang 

3 Druckbogen; Verfasser Uhlfel der. 

„ 10: Die Brückenbauten; Umfang 3 / 4 Druckbogen; 

Verfasser Uhlfelder. 

„ 11: Das städtische Vermessungswesen; Umfang 

L 4 Druckbogen; Verfasser Lube. 

„ 12: Die städtische Materialienverwaltung; Um¬ 

fang >/o Druckbogen; Verfasser Lorey. 

Den 1 2 Abschnitten sind 8 größtenteils farbige 
Tafeln und 185 Figuren im Text, alle von tadelloser Aus¬ 
führung, beigegeben. 

Wer es unternehmen wollte, aus dem Inhalte des 
Buches Einzelnes in mehr als andeutungsweiser Form 
herauszuheben, würde bald in Verlegenheit geraten, wo 
anzufangen und wo aufzuhören sei. Verfasser ist daher 
genötigt, sich auf einige kurze Hinweise mit wenigen 
Randbemerkungen, zu beschränken. 

In dem Abschnitt 2 interessiert am meisten die 
Art uncl Weise, wie in der Altstadt den Ansprüchen des 
neueren grossen Verkehrs genügt wird. Um nicht von 
dem malerischen Charakter der alten Straßen und von 
architektonisch bedeutsamen Gebäuden allzuviel zu opfern, 
hat man Straßen-Verbreiterungen nur in ziemlich 
beschränkter Zahl ausgeführt, dagegen den Grundsatz 
befolgt, in der Nähe von verbreiterungsbedürftigen Straßen 
die Baublöcke in gleicher Richtung mit neuen breiten 
Straßen zu durchbrechen, ein Verfahren, das in ge¬ 
eigneten Fällen zur Nachahmung dringend empfohlen 
werden kann. 

Im Abschnitt 3 sind es vornehmlich die Breiten¬ 
einteilungen der StYaßen sowohl an der Oberfläche 
wie im Grunde, und die mit den verschiedensten 
Pflastermaterialien erzielten Ergebnisse, welche 
Beachtung herausfordern. Handelt es sich bei der Breiten¬ 
einteilung darum, in welcher Weise den heutigen so ver¬ 
schiedenen Ansprüchen des Verkehrs und der Ausnutzung 
des Grundes mit Versorgungsnetzen aller Art am besten 
genügt wird, so sind es bei den Pflastermaterialen hygie¬ 
nische und wirtschaftliche Gesichtspunkte, die heute den 
Säckel der Städte in früher nicht gekannter Weise in 
Anspruch nehmen. Frankfurt bietet in diesen Dingen 
ebenso vieljährige und so reiche Erfahrungen, wie sie 
anderwärts nicht leicht abermals angetroffen werden. Den 
Beschluss des Abschnittes bilden wertvolle tabellarische 
Zusammenstellungen über die Höhe der Anliegerbeiträge 
zu den Kosten der ersten Anlage und der 5jährigen Unter¬ 
haltung der Straßen. Erstere wechseln — je nach der 
Straßenbreite und Straßenbefestigungsart zwischen 44 
und 238 M. für x m Frontlänge der Grundstücke, sind 
daher im allgemeinen so hoch, dass sie nur in Städten 
mit sehr hohen Bodenpreisen als möglich erscheinen. 

Aus Abschnitt 4 ersieht man, dass Frankfurt mit 
dem nachgerade für Großstädte etwas vorsündflutlich 
gewordenen Zustande der Beseitigung des Hauskehrichts 
durch die Grundstücks-Eigentümer längst aufgeräumt und 
diese Leistung in städtische Pflege übernommen hat: in 
der Tat die einzige Lösung, zu welcher nach und nach 
alle Städte werden kommen müssen, wenn sie nicht 
hinter unerläßlichen Anforderungen der Zeit Zurückbleiben 
wollen. Die Einrichtungen der Straßenreinigung sowie 
der Abfuhr von Straßen- und Hauskehricht, die Mengen 
und Kosten, um welche es sich handelt; die Schnee¬ 
beseitigung und die Straßenbesprengung werden in Wort 
und Bild vorgeführt und es wird am Schluß des Abschnittes 
die ausführliche Beschreibung des sogen. Frankfurter 


5. Januar 1904. 








Universal-Abfuhrwagens mitgeteilt, der in der Tat den 
so \'ielfachen Ansprüchen, welchen ein derartiger Wagen 
genügen muß, um auf das Prädikat „zweckmässig“ An¬ 
spruch erheben zu können, voll gerecht zu werden scheint. 
Er löst die Aufgabe in einer uns anderweitig noch nicht 
vor Augen gekommene Art und Weise. 

In dem Inhalt des Abschnittes 5, der die Kanalisation 
der Stadt betrifft, findet man zu manchem, was bekannt 
ist, auch viele Ergänzungen. Dies gilt z. B. von den Ein¬ 
richtungen zum Spülen, zum Reinigen und zur Lüftung 
der Kanäle, von den Anlage-, Betriebs- und Unterhaltungs¬ 
kosten derselben. Die Anlagekosten, welche sich im 
Durchschnitt zu 65,6 M. für 1 m Kanallänge berechnen, 
erscheinen bei den großen Profilen' und der Tiefenlage 
der Kanäle als fast auffallend gering und Aehnlichesjgilt 
von den jährlichen Betriebs- und Unterhaltungskosten, die 
nur 0,17 M. für 1 m Kanallänge betragen. 

Größeres Interesse als 5 bietet der Abschnitt 6, der 
einen wichtigen 
Beitrag zu der 
immer noch 
so viele Zwei¬ 
fel enthalten¬ 
den Frage nach 
dem zweck¬ 
mäßigsten Rei¬ 
nigungsverfah¬ 
ren von Ab¬ 
wässern liefert. 

Der ausgezeich¬ 
net bearbeitete 
Abschnitt ent¬ 
hält eine genaue 
Darlegung der 
Erfolge usw. 
der bisher be¬ 
triebenen che¬ 
misch-mechani¬ 
schen Reini¬ 
gung der Ab¬ 
wässer, derVer- 
suche, die an¬ 
gestellt sind,um 
die Grundlage 
für anderweite 
Einrichtungen 
zu gewinnen, 
undderschließ- 
lichenEntschei- 
dung zu wel¬ 
cher man ge¬ 
langt ist,und die 
dahin geht: an 
die Stelle des 
bisherigen V er- 
fahrens das rei¬ 
ne Sedimentir- 
verfahren zu 
setzen. Zur 
Durchführung 
desselben wird 
die bisherige 
Anlage — eine 
der ersten in 
Deutschland — 
einem Anbau 
nebst einer Er¬ 
weiterung un¬ 
terzogen. Die 
Art dieser Ar¬ 
beiten sowie 
die zur Anwen¬ 
dung kommen¬ 
den maschinel¬ 
len Einrichtungen, unter welchen insbesondere ein eigen¬ 
artiger Rechen Beachtung beansprucht, werden unter 
Beigabe zahlreicher Abbildungen genau beschrieben. Es 
wird dadurch sowie durch itmfassende Mitteilungen über 
Versuche, der Schlammplage Herr zu werden, der Ab¬ 
schnitt 6 zu einer Fundgrube von vielem Neuen gemacht. 

Umfassend wie dieser Abschnitt ist auch der Ab¬ 
schnitt 7, der die Wasserversorgung der Stadt behandelt, 
die bekanntlich teils Quellwasser-, teils Grundwasser-, 
teils Flußwasser-Versorgung ist und dadurch mehr Seiten 
bietet, als in der Regel bei einer städtischen Wasser- 
Versorgung angetroffen werden. Es werden zunächst die 
wesentlichen Einrichtungen usw. der alten Quellwasser¬ 
leitung, alsdann die Grundwasserwerke im Stadtwalde, 
die dazu gehörenden Druckleitungen und Hochbehälter, 


Brorsonskirclie am Nordvestvej in Kopenh 

Neue Baukunst 


weiter das Grundwasser-Werk bei Wertheim, das Fluß- 
wasser-Werk, sowie ein paar kleinere Werke, die bei den 
Stadterweiterungen in den städtischen Besitz gelangt sind, 
beschrieben und am Schluß Mitteilungen über noch 
schwebende Erweiterungen der Wasserversorgung der 
Stadt gemacht. Zahlreiche Abbildungen, Pläne und Ta¬ 
bellen über Wasserbeschaffenheit, Verbrauch und über 
die wirtschaftliche .Seite der Wasserversorgung beleben 
und vermehren das Interesse des Fachmannes sowohl als 
das des Verwaltungsbeamten und des Hygienikers an 
diesem inhaltreichen Abschnitt des Buches. 

Der nun folgende kurze Abschnitt 8 beschränkt’sich 
auf geschichtliche Angaben über die Entwicklung der 
öffentlichen Beleuchtung in Frankfurt und auf einige kurze 
Angaben über Preise usw. 

Verhältnismäßig umfassend sind dagegen wieder die 
von einem und demselben Bearbeiter herrührenden Ab¬ 
schnitte 9 und 10, von welchen ersterer zunächst die 

hydrographi- 
schenZustände 
des Mains, als¬ 
dann — kurz — 
dieMain-Kanal- 
isierung,weiter 
mit Eingehen 
auf alle wesent¬ 
lichen Einzel¬ 
heiten, die Kai- 
und Hafenbau¬ 
ten mit ihren 
Lösch- und La¬ 
de-Einrichtun¬ 
gen, die Spei¬ 
cher - Bauten 
usw. betrifft. 
Insbesondere 
über dieLösch- 
und Lade-Ein¬ 
richtungen und 
die damit ge¬ 
machten Erfah¬ 
rungen findet 
sich in diesem 
Abschnitt so 
viel auf engem 
Raum zusam¬ 
men gedrängt, 
dass derselbe 
als eine reiche 
Quelle der 
Belehrung be¬ 
zeichnet wer¬ 
den kann. 

Der Abschnitt 
10, der von 
den Brücken- 
bauten han¬ 
delt, schließt 
sich in derForm 
dem geschicht¬ 
lichen Werde¬ 
gang an, indem 
er nach einan¬ 
der Beschrei¬ 
bung und An¬ 
sichten der äl¬ 
testen Main- 
Ueberbrückun- 
gen gibt und 
alsdann Anga¬ 
ben über An¬ 
sichten von den 
späteren eiser¬ 
nen und stei¬ 
nernen Ueberbrückungen des Flusses folgen läßt. Dieser 
Abschnittt ist knapper gehalten, als manchem Fachgenossen 
vielleicht erwünscht sein würde. 

Der Abschnitt 11 behandelt einen Zweig des städti¬ 
schen Tiefbauwesens, dem vielfach auch heute noch 
diejenige Bedeutung nicht beigelegt wird, welche er ver¬ 
dient. In dem Maße, als der Grundbesitz im Werte 
gestiegen ist, und als der Grund und Boden für städti¬ 
sche Anlagen auch unter der Erde in Anspruch ge¬ 
nommen wird, hat der Wert einer richtigen Vermess¬ 
ung des Stadtgebietes und genaue Stadtpläne, die 
über alle Einzelheiten zuverlässige Auskunft gewähren, 
sich vermehrt. Wie in Frankfurt die städtische Ver¬ 
messung äusserlich behandelt, in welche Beziehungen zu 
den städtischen und staatlichen Behörden sie gesetzt 


agen. Architekt :_Thoivald Jörgensen. 

in Dänemark. 









ist und was sie leistet, ist aus dem trefflichen Buche 
genau zu entnehmen. 

Abschnitt. 12 betrifft die Einrichtung der städtischen 
Materialien-Verwaltung, einer Verwaltungsstelle, die dem 
Tiefbauamte untergeordnet ist. Bei einer grösseren Verwal¬ 
tung sind ordnungsmässige Beschaffung und Verbrauch der 
Materialien ein Gegenstand von wirtschaftlich grosser 
Bedeutung, aber auch von technischer Bedeutung, sofern 
es sich um Materialien für Bauzwecke handelt. In Frank¬ 
furt wurde vor einigen Jahren eine Stelle für Materialien- 
Verwaltung eingesetzt, der etwa folgende Geschäfte zu¬ 
gewiesen sind: Ermittelung und Ausschreibung der not¬ 
wendigen Materialien, Abhaltung der Verdingungstermine, 
Prüfung der eingehenden Angebote, Zuschlagserteilung 
— nach Genehmigung des Tiefbauamtes —, Abnahme und 
Verabfolgung von Materialien an die einzelnen Dienst¬ 
stellen, Verwaltung der Lagerbestände usw. Später sind 
dem Amte noch zugewiesen die Beschaffung und Veraus¬ 
gabung von Dienst- und Arbeitskleidern, der Schreib- und 
Zeiehenmaterialien sowie der Drucksachen. Die Bedeutung, 


welche dasAmt derMaterialien-Verwaltung in Frankfurta.M. 
hat, mag man aus der Tatsache erkennen, dass dessen 
Ausgaben-Summe im Laufe der letzten 7 Jahre 8206000 M. 
betrug. Bei der Organisation des Amtes, wie sie in 
dem Buche beschrieben ist, handelt es sich daher um 
viel mehr als um die bloße Feststellung einer Form. 

Wir sind nach den vorstehenden kurzen Inhaltsangaben 
am Schluß unserer Besprechung des „Städtischen Tiefbau¬ 
wesens von Frankfurt a. M.“, die dem Laien ein kurzes 
Bild von dem reichen Inhalt des zu 12 M. käuflichen 
Buches gegeben haben wird. Dasselbe istvomStädtischen 
Tiefbauamt zu beziehen. Um dem Inhalt des Buches 
eine möglichst weite Verbreitung zu sichern, wird das¬ 
selbe nicht nur imganzen, sondern auch in die einzelnen 
Abschnitte zerlegt verabfolgt. Der Preis der einzelnen 
Abschnitte ist wie folgt festgesetzt: für die Abschnitte 1, 
6, 8 und 11 je 50 Pf., für die Abschnitte 2 und den Anhang 
Abschnitt 4, sowie für 10 und 12 je 1 M., für die Abschnitte 
3, 4, 5 je 1,50 M, endlich den Abschnitt 9 zu 2,50 M., den 
Abschnitt 7 zu 2,50 M. — — B. — 



.. 


Neue Baukunst in Dänemark. Brorsonskirche am Nordvestvej in Kopenhagen. Architekt: Thorvald Jörgensen. 


Das bayerische Staatsministerium für Verkehrs-Angelegenheiten. 


it dem 1. Jan. 1904 ist das bayerische Verkehrsmini¬ 
sterium offiziell in seine Wirksamkeit eingetreten, 
nachdem die Vorarbeiten zur Bildung des Ministe¬ 
riums, über die auch wir mehrfach berichteten, schon 
längere Zeit angedauert hatten. Im bayerischen „Ges.- 
u. Verordn.-Bl.“ vom 17. Dez. 1903 wird die Errichtung 
eines „Staatsministeriums für Verkehrsangelegen¬ 
heiten“ bekannt gemacht und als den Wirkungskreis des¬ 
selben die oberste Aufsicht über das Eisenbahn-, Post- und 
Telegraphenwesen und über den Dampfschiffahrts-Betrieb, 
sowie insbesondere die Leitung der Staatsanstalten für den 
Verkehr bezeichnet. Im einzelnen hat es zu übernehmen 
die Verwaltung der Staatseisenbahnen, der Posten und 
Telegraphen, der staatlichen Dampfschiffahrt auf dem 
Bodensee, der Kettenschleppschiffahrt auf dem Main, dem 
Ludwigs- und dem Frankenthaler Kanal; die oberste Leitung 
des Baues neuer staatlicher Eisenbahnlinien und aller im 
Bereich der staatlichen Verkehrsanstalten auszuführender 
Bauten; die oberste Aufsicht über den Bau und Betrieb 


von Privateisenbahnen einschl. der Straßenbahnen, und 
die oberste Aufsicht über den privaten Betrieb der Dampf¬ 
schiffahrt auf den bayerischen Binnenseen, Flüssen und 
Kanälen. Die oberste Leitung steht dem Verkehrsmini¬ 
sterium auch für die Postbauten zu, mit deren Ausführung 
die Landbauämter betraut werden. Die Entwürfe von 
Gebäuden, die einen reinen Bauaufwand von 100000 M. 
und mehr erfordern, oder welchen wegen der Umgebung, 
in welcher sie errichtet werden sollen, eine besondere 
künstlerische Bedeutung zukommt, sind der obersten Bau¬ 
behörde zur Prüfung vorzulegen. Dem neuen Staats¬ 
ministerium sind unmittelbar untergeordnet die General- 
Direktionen der Staatseisenbahnen, die Generaldirektion 
der Posten und Telegraphen und die Kreisregierungen 
hinsichtlich der Angelegenheiten, welche in die Wirksam¬ 
keit des Verkehrsministeriums fallen. Durch die Errichtung 
dieses Ministeriums wird der Geschäftskreis des Ministe¬ 
riums des kgl. Hauses und des Aeußeren, sowie des Staats¬ 
ministeriums der Finanzen verringert und es dürfte im 


5. Januar 1904. 


9 





















Verlauf der nächsten Jahre auch ein Teil der Tätigkeit 
des überlasteten Ministeriums des Inneren dem neuen 
Ministerium zugewiesen werden. 

Das Verkehrsministerium kann als Nachfolger des 
1871 aufgelösten bayer. Staatsministeriums des Handels 
und der öffentlichen Arbeiten angesehen werden, welches 
von 1848 -1871 bestand und welchem die Verkehrsanstalten, 
das Bauwesen, die Ministerial-Handels-, Gewerbe- und 
Industrie-Abteilung, sowie alle technischen Lehranstalten 
zugewiesen waren. Seine Auflösung erfolgte seinerzeit 
nicht ohne lebhaften Widerspruch der weitblickenderen 
Kreise der bayerischen Volksvertretung. 

Bis zur Fertigstellung des eigenen Gebäudes auf dem 
Maffei-Anger an der Arnulphstraße (s. S. 656, Jahrg. 1903) ist 
das Ministerium im Gebäude der Generaldirektion der Staats¬ 
eisenbahnen untergebracht. Als Bedarf ist für das neue 
Ministerium einstweilen ein Betrag von 233000 M. in den 
Staatsvoranschlag eingestellt. Das neue Dienstgebäude 
erfordert einen ungefähren Aufwand von 9,9 Milk M. 

Die Personenfrage für das neue Ministerium bot keine 
Ueberraschungen, da seit längerer Zeit schon bekannt 
war, daß der seit dem Rücktritte des Staatsministers Grafen 
Crailsheim die Vorarbeiten für die Bildung des Ministeriums 
leitende bisherige Chef der Verkehrsabteilung im Mini¬ 
sterium des Aeußeren, Ministerialrat v. Frauendorfer, 
zum Verkehrsminister ernannt werden würde, was dann 
auch vor Weihnachten eintrat. Neben ihm wird, wohl als 
die wichtigste Persönlichkeit des Ministeriums nach dem 
Minister selbst, der zum Staatsrat i. o. D. ernannte General¬ 
direktor der Staatsbahnen, Gust. Ritter v. Ebermayer, 
der bereits im Sommer des vergangenen Jahres durch 
die bis dahin für die Vorstände der Generaldirektion nicht 
üblich gewesene Verleihung des Prädikates „Exzellenz“ 
ausgezeichnet worden war, dem Ministerium mit seinen 
reichen Erfahrungen erhalten bleiben. Ihm zurseite steht 
als Leiter der Posten und Telegraphen der Generaldirektor 
Lorenz v. Ringer, welchem der Rang eines Ministerial- 
Direktors verliehen wurde. Eine Reihe anderer Ernen¬ 
nungen und Beförderungen, auf die wir nicht näher ein- 
gehen können, läßt erkennen, daß man den Willen hat, 
die kommenden Arbeiten mit frischem Geiste aufzunehmen. 

Uns interessieren in erster Linie Minister v. Frauen¬ 
dorfer und Staatsrat v. Ebermayer. Dem ersteren wird 
von allen Seiten Vertrauen entgegengebracht mit dem 
Wunsche, daß es ihm gelingen möge, dieses Vertrauen 
auch zu rechtfertigen. Er wird als tüchtig, erfahren und 
gewissenhaft gerühmt; es wird jedoch aber auch mit Recht 
betont, daß in einem Verwaltungszweige, der im gesamm- 
ten staatlichen Wirtschaftsleben eine so einschneidende 
Rolle spiele, wie das Verkehrsministerium, diese Eigen¬ 
schaften allein nicht genügten, daß vielmehr ein Verkehrs¬ 
minister unserer Tage ein moderner Mensch sein müsse, 
ausgerüstet mit Energie, Wagemut und Weitblick. 
Frauendorfer wurde am 27. Sept. 1855 in Höll in der Ober¬ 
pfalz als Sohn eines Volkschullehrers geboren, steht also 
in der Vollkraft der Jahre. Er besuchte das humanistische 
Gymnasium in Landshut und die Universität München. 
Bereits 1882 trat er in den Dienst der Staatseisenbahn- 
Verwaltung und wurde 1886 in die Verkehrsabteilung des 
Staatsministeriums des kgl. Hauses und des Aeußeren be¬ 
rufen. Im Jahre 1899 übernahm er die Leitung der Ver¬ 
kehrsabteilung dieses Ministeriums. Die Laufbahn ist so¬ 
mit eine sehr schnelle und ehrenvolle. 


Mitteilungen aus Vereinen. 

Mecklenb. Arch.- u. Ing.-Verein. Seit der letzten Mitt. 
in No. 29 Jahrg. 1903 d. Ztg. hat der Verein seine Sommer - 
Versammlung am 12. und 13. Juli 1903 in Neubranden¬ 
burg gehalten. Für diejenigen, welche die in der Ebene mit 
niedrigen nüchternen Häusern an rechtwinklig sich kreu¬ 
zenden breiten schnurgeraden Strassen erbaute Stadt von 
etwa 10000 Seelen noch nicht kannten, bot die Besichtigung 
der alten Kirchen- und Kloster-Gebäude, insbesondere aber 
der die Stadt kreisförmig umgebenden Mauern und davor¬ 
liegenden doppelten Wälle und dreifachen Stadtgräben in 
ihrer Bepflanzung mit prächtigen alten Eichen und der zum¬ 
teil gärtnerischen Umwandlung, sowie endlich der vier 
nach den Himmelsrichtungen hinauszeigenden Tore mit 
ihren doppelten, hoehaufragenden alten Torburgen unter 
der ortskundigen Führung des Hm. Bürgermstr. Pries 
und anderer Einwohner künstlerisch und geschichtlich er¬ 
freuenden Genuss, an dem auch die schon früher hier 
Gewesenen gerne nochmals teilnahmen. Auch die am 
ersten Versammlungstage, einem Sonntag, vorgenommenen 
Ausflüge im Verein mit zahlreichen Damen in die bergige, 
bewaldete schöne Umgebung der Stadt an prächtigem See 
ließ die LTngeduld der voraufgegangenen langen Eisenbahn - 

10 


Nicht minder glänzend ist, namentlich wenn man seine 
Eigenschaft als Techniker berücksichtigt, die Laufbahn 
Ebermayer’s. Derselbe wurde in Nenzenheim in Mittel¬ 
franken geboren, er steht nahe der Mitte der sechziger 
Jahre. Seine Studien machte er auf dem Gymnasium in 
Ansbach, an der Technischen Hochschule und an der Uni¬ 
versität in München. Bereits 1862 trat er in den Eisen¬ 
bahndienst und war im deutsch - französischen Kriege 9 
Monate Feldeisenbahn-Ingenieur in Frankreich. Zahlreiche 
Reisen haben seine reichen dienstlichen Erfahrungen er¬ 
gänzt und ihm jenen Weitblick verliehen, der an ihm ge¬ 
rühmt wird. Namentlich der Besuch Amerikas aus Anlaß 
der Weltausstellung in Chicago hatte für ihn ein reiches 
Ergebnis an praktischen Erfahrungen im amerikanischen 
Eisenbahndienste. 1872 trat Ebermayer in die Bauabteilung 
der Generaldirektion der bayerischen Staatseisenbahnen 
ein und wurde 1890 Vorstand derselben. Am 1. Jan. 1893 
erfolgte seine Ernennung zum Regierungsdirektor und 1895 
die zum Generaldirektor der Staatseisenbahnen. Als Staats¬ 
rat des Verkehrsministeriums und als Vertreter des Mini- 
stei's v. Frauendorfer bleiben seine reichen Erfahrungen 
diesem Ministerium erhalten und er bleibt so lange an 
der Spitze der Generaldirektion, bis diese nach der in den 
nächsten Jahren durchzuführenden Neuorganisation des 
Verkehrswesens überhaupt aufgehoben wird. 

Groß und bedeutend sind die Aufgaben, die dem neuen 
Ministerium bevorstehen. In Bayern wird nicht ohne Stolz 
darauf hingewiesen, daß dieser zweitgrößte Bundesstaat 
einst an der Spitze des deutschenVerkehrswesens gestanden 
habe. Und man rechnet nicht mit der Unmöglichkeit, daß 
dieses einst wieder werden könne. Ohne in eine Erörterung 
über diese Frage eintreten zu wollen, meinen wir aber 
doch, daß der schärfste Wettbewerb keinem Zweige der 
modernen staatlichen Verwaltungstätigkeit so sehr zu gut 
kommen kann, wie dem Verkehrswesen. Und Bayern 
namentlich steht vor großen und wichtigen Entscheidungen. 
Wir meinen nicht die selbstverständlichen Verbesserungen 
technischer und volkswirtschaftlicher Natur im Verkehrs¬ 
wesen. Wir meinen aber einmal die Frage, ob es dem süd¬ 
deutschen Partikularismus in der Tat dauernd gelingt, die 
schon von Bismarck erstrebte Verkehrseinheitlichkeit in 
Deutschland zu vereiteln, und wir meinen die weitere Frage, 
ob es dem neuen Minister möglich sein wird, die neuen 
Verkehrslinien durchzusetzen, die geeignet sind, den entspr. 
lebhaften Bestrebungen der nichtdeutschen Staaten nament¬ 
lich der Alpengebiete wirksame Gegenbestrebungen ent¬ 
gegenzusetzen und den Zug nach dem Süden den deutschen, 
bezw. bayerischen Bahnen zu erhalten. Gewiß wird man 
gerecht sein müssen und von dem Verkehrsminister, ob¬ 
wohl sein Verwaltungsgebiet für das Volkswohl, die Volks¬ 
wirtschaft und die Staatswirtschaft von so eminenter Be¬ 
deutung ist, nicht Allmacht verlangen können. Auch 
seine besten Absichten können an den Erwägungen der 
herrschenden politischen Partei scheitern. Doch das wird 
die Zukunft, vielleicht schon die allernächste, lehren. Denn 
drängende Verkehrsfragen pochen mit Macht an die Tür 
des neuen Ministeriums. Möge ihre Lösung das Vertrauen 
rechtfertigen, welches so von allen Seiten selten einem 
neuen Minister entgegengebracht wurde. Möge der Herr 
Minister v. Frauendorfer sich als ein moderner 
Mensch zeigen; das wünschen auch wir und seine bis¬ 
herigen Maßnahmen berechtigen zu der Annahme, daß diese 
Erwartung auch eintreten dürfte. — _H. — 


fahrten bald vergessen. Die geschäftlichen Verhandlungen 
beschränkten sich in der Hauptsache auf die durch die 
Satzungen vorgeschriebenen Wahlen, aus denen hier her¬ 
vorgehoben werden mag, dass anstelle des eine Wieder¬ 
wahl ablehnenden Hrn. Brts. Loycka Hr. Baudir. Hamann- 
Schwerin zum Vorsitzenden des Vereins und als Ort der 
nächstjährigen Sommer-Versammlung Hamburg erwählt 
ward, welches, obschon außerhalb des Vereinsbezirkes 
belegen, jetzt viel des bautechnisch Sehenswerten bietet. 
Als Mitglieder wurden aufgenommen die Hi n. Reg.-Bmstr. 
Rietz in Neustrelitz, Lübstorf in Neukloster, Schondorf in 
Güstrow (jetzt Dargun) und Bauschuldir. Arch. Bennewitz 
in Strelitz. Wegen angemessenerer Festsetzung der Haft¬ 
pflicht-Versicherungsprämie ward eine Kommission aus 
den Hm. Hübbe, Dreyer und Dehn ernannt. Nach 
dem Festmahl wurde noch eine Ausstellung von Baumate¬ 
rialien besichtigt, welche die Firma Wilhelm Jäger in 
Neubrandenburg für den Verein veranstaltet hatte. — 

Die Versammlung am 10. Okt. v. J. in Schwerin 
nahm Hrn. Stadtbrt. Senator Ehrieh in Schwerin als Mitglied 
auf, und erledigte unter anderen Geschäfts-Angelegenheiten 
den Jahresbericht des Schriftführers nebst Kassenrechnung 
des verflossenen Jahres; er soll in gewohnter Weise in 
beschränkter Anzahl von Exemplaren nur für die Vereins- 

No. 1/2. 




mitglieder gedruckt werden; und da er kein allgemeineres 
Interesse hat und vonseiten des Schriftführers der Deutsch. 
Bauzeitung in kleineren Zeiträumen ausführlichere Mit¬ 
teilungen über die Vereins-Versammlungen insbesondere 
auch in Berücksichtigung der im Lande verstreuten Ver¬ 
einsmitglieder zugehen, soll von einer nicht erbetenen 
Versendung derselben an andere Verbandsvereine nach 
dem Anheimgeben des Verbandsvorstandes abgesehen 
werden. In Güstrow hat der Magistrat auf Anregung des 
Vereins Meldungen von Architekten und Ingenieuren zu 
einer erledigten Ratsstelle eingefordert, der dortige Bürger¬ 
ausschuß verlangt aber einen Kaufmann. — 

Die Versammlung am 14. Nov. in Schwerin nahm 
Kenntnis von den vonseiten des Verbandsvorstandes über- 
sandtenNormalzeichnungen nebst Erläuterungen fürdeutsche 
Tonröhren (glasierte Steinzeugröhren), und von dem ihm 
vonseiten des Vorstandes des Hamburger Arch.- u. Ing.~ 
Vereins geschenkten gedruckten Berichte seines Aus¬ 
schusses über die Arbeiterwohnungsfrage, welcher auch 
im Buchhandel erschienen ist. Ein eingesandtes Fenster¬ 
modell gab Anlass zur Erwägung der Einrichtung eines 
städtischen Gewerbemuseums zur Aufbewahrung von 
Materialproben, Modellen, illustrierten Katalogen usw. 
Den übrigen Teil der Sitzung füllte der Vortrag des Hrn. 
Landbmstr. Dreyer über die von ihm als Abgeordneter 
besuchte Verbands-Versammlung in Dresden und die 
Schilderung von Meissen mit seiner Domkirche und 
Albrechtsburg in seiner malerischen Lage an der Elbe. 
Im Anschluss an diesen Bericht übernahm es Hr. Dreyer, 
in einer der nächsten Versammlungen über die Verbands¬ 
fragen wegen der Gebührenordnung und der Wettbewerbe 
zur Weitergabe geeignete Vorlagen zu machen. — tt 


Vermischtes. 

Die Stadterweiterung von Posen. Bis vor kurzem war 
Posen, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, eine 
Festung ersten Ranges, zu welcher die Stadt in den Jahren 
1827—1853 umgeschaffen und seit dem Jahre 1876 durch 
einen Ring von Außenforts verstärkt wurde. Dem steten 
Wachstum der Stadt stand dieser Charakter als Festung 

— abgesehen von der Ungunst der Verhältnisse des öst¬ 
lichen Grenzverkehres — so sehr im Wege, daß die Heeres¬ 
verwaltung beschloß, das Festungsgelände aufzulassen 
und dasselbe zumteil aus dem Besitze des Reiches in den 
des preußischen Staates übergehen zu lassen. Das preußi¬ 
sche Finanzministerium hat die Erschließung und Ver¬ 
wertung des in den Besitz des Staates übergegangenen 
Teiles der bisherigen Stadtumwallung übernommen und 
als Staatskommissar zur Oberleitung der einschlägigen 
Arbeiten den Geheimen Baurat Jos. Stübben in Köln a. Rh. 
berufen, der demnächst seinen Wphnsitz in Berlin nimmt. 
In Posen wird, wie wir hören, für die Erschließung und 
Verwertung des Festungsgeländes wahrscheinlich eine be¬ 
sondere staatliche Kommission gebildet werden, an deren 
Spitze Stübben treten dürfte, obschon sein ständigerWohnsitz 
Berlin bleibt. Die Wahl Stübbens ist eine außerordentlich 
glückliche; Stübben ist unstreitig auf dem Gebiete des moder¬ 
nen Städtebaues der Meister, der über die reichste Erfahrung 
verfügt und der es trefflich versteht, neben der nüchtern¬ 
sten Berücksichtigung aller Forderungen der Finanzwirt¬ 
schaft, Hygiene und des Verkehrs auch die rein psychi¬ 
schen Forderungen zur Geltung kommen zu lassen, welche 
die Gegenwart in so reichem Maße an den Städtebau stellt. 
Wir hätten gewünscht, daß die Berufung Stübbens nach 
Berlin schon 10 oder 15 Jahre früher erfolgt wäre; seiner 
temperamentvollen Auffassung wäre es dann vielleicht 
geglückt, in manchen Winkel der Reichshauptstadt und 
ihrer Vororte hineinzuleuchten, in welchen der Städtebau 
eine Entwicklung erfahren hat, die leider recht wenig zum 
Beifall reizt, und hier fruchtbarere Anregungen zu geben. 
Indessen: vieles steht noch bevor; anderes, das bereits in 
Angriff genommen wurde, schließt die bessernde Hand 
nicht aus und so geben wir denn dem Wunsche Ausdruck, 
daß die Stellung, zu welcher Stübben in Berlin berufen 
ist, nicht eine so ausschließliche sei, daß ihm nicht auch 
die Möglichkeit bliebe, auch nichtstaatlichen Fragen des 
Städtebaues seine hervorragende Kraft zu widmen. —‘ 

Denkmäler hervorragender Vertreter der Technik an 
der Technischen Hochschule in Wien. Am 4. Nov. 1903 
wurden vor der Technischen Hochschule in Wien 8 Her¬ 
mendenkmäler von hervorragenden Vertretern der Technik 
enthüllt. Die Hermenbüsten stellen dar: Joh. Jos. Ritter 
v. Prechtl (f 1854), einen bedeutenden Technologen, war 
34 Jahre lang Direktor des Wiener polytechnischen Institutes. 

— Sim. v. Stampfer (f 1864), tat sich als Mathematiker 
und Geodät hervor, wirkte in Salzburg und Wien und 
hinterließ Logarithmen und barometrische Höhenmeßtafeln, 
sowie eine Nivellierkunde. — Adam Freih. v. Burg (f 1882), 

5. Januar 1904. 


Mathematiker und Technologe, hervorragend auf dem Ge¬ 
biete des Maschinenbaues. Er war 1849 Direktor des poly¬ 
technischen Institutes.—Prof. Ant. Schrötter Ritter von 
Kristelli (f 1875), Chemiker und Direktor des Hauptmünz¬ 
amtes. Er entdeckte den roten Phosphor.—Prof.Gg.R e b h a n n 
Ritter v. Aspernbrück, war Lehrer der Baumechanik 
und des Brückenbaues und hat die Aspernbrücke in Wien 
erbaut. — Arch. Prof. Heinr. Freihr. v. Ferstel (f 1883), 
Erbauer der Votivkirche, des Oesterreichischen Museums 
und der Universität in Wien. — Prof. Ferd. Ritter v. Hoch- 
stetter (f 1884), bedeutender Geologe, Topograph und 
Paläontologe, erforschte als Mitglied der Novara-Expedition 
Neuseeland. — Prof. Joh. Edler v. Radinger (-j- 1901), 
Lehrer des Maschinenbaues an der Technik. — 

Eine neue Ein¬ 
banddecke d. „Deut¬ 
schen Bauzeitung“ 
haben wir für un¬ 
sere Abnehmer an¬ 
fertigen lassen. Die 
Decke zeigt die ne¬ 
bensteh. Zeichnung 
in reichstem Gold¬ 
druck auf feinge¬ 
stimmtem braun- 
rothem oder ge¬ 
brochen blauem 
Leinen. Die Wir¬ 
kung der Decke ist 
bei allem Reichtum 
eine sehr vornehme 
und gewählte. Der 
Preis ist gegen die 
alte einfache Decke 
—■ die wir gleich¬ 
falls noch liefern — 
nur sehr wenig er¬ 
höht; er beträgt 2,30 
M. einschliessl. Ver¬ 
packung und Porto. 
Bestellungen gelan¬ 
gen in der Reihenfolge ihres Einlaufes zur Ausführung; ein 
I bntausch gelieferter Decken kann leider n i c h t stattfinden.— 



Preisbewerbungen. 

Ein Wettbewerb des Beamten-Wohnungs-Vereins zu 
Berlin betrifft Skizzen für die Bebauung eines Grund¬ 
stückes in Charlottenburg und ist auf die Architekten 
Berlins und seiner Vororte beschränkt. Die Entwürfe 
sind bis zum 15. März 1904 einzuliefern. Es gelangen 
3 Preise von 2500, 1500 und 1000 M. zur Verteilung; eine 
Verteilung der Gesamtsumme der Preise in anderen Ab¬ 
stufungen kann auf einstimmigen Beschluss des Preisge¬ 
richtes erfolgen. Letzterem gehören u. a. an die Hrn. 
Gem.-Brt. Herrnring, Min.-Dir. Hinckeldeyn, Brt. 
March, Geh. Ob.-Brt. ßr. Thür, Brt. Wegner und Reg.- 
und Brt. Wolff. Unterlagen durch den genannten Verein, 
Linkstrasse 40. — 

Ein Wettbewerb betr. Entwürfe für einen Kunstbrunnen 
aufjdem Melanchthonplatz in Nürnberg wird für bayerische 
Künstler bei Verleihung von 3 Preisen von 700, 500 und 
300 M. erlassen. Zu dem Brunnen stiftete Frau Mathilde 
Ott in Hamburg 30000 M. —J 

f- |i Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für 
die^Fassaden des neuen Geschäftshauses der westpreuss. 
Provinzial-Landschafts-Direktion und der Landschaftlichen 
Darlehnskasse in Danzig wird für im Deutschen Reiche 
ansässige Architekten zum 15. März 1904 erlassen. Es 
gelangen 4 Preise von 2000, 1000 und zweimal 500 M. zur 
Verteilung; ein Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe für 
je 300 M. ist Vorbehalten. Dem 7 gliedrigen Preisgericht 
gehören an die Hrn. Geh. Brt. Steinbrecht in Marien¬ 
burg, Stadtbrt. Ludw. Hoffmann in Berlin; Landesbrt. 
Drews in Stettin und Landesbrt. Tiburtius in Danzig. 
Unterlagen, „soweit der Vorrat reicht“, kostenlos durch 
die kgl. westpreuß. Provinzial - Landschafts - Direktion in 
Danzig. — 

Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für 
die malerische und plastische Ausschmückung von Wand- 
und Gewölbeflächen des neuen Rathauses in Frankfurt a. M. 

erläßt der Magistrat zum 24. Febr. d. J. für Frankfurter 
Künstler. Unterlagen gegen 15 M., die nach Einreichung 
bedingungsgemäßer Entwürfe zurückerstattet werden, durch 
das Baubüreau des Rathaus-Neubaues. Das Preisrichter¬ 
amt üben unter Vorsitz des Ob.-Bürgermstr. Dr. Adickes 
aus die Hrn. Prof. A. Kampf in Berlin, Prof. H. Sch aper 


ix 















in Hannover, Prof. W. Kolmsperger in München, sowie 
Stadtbrt.Schaumann und die kgl.Brte. J. v. Hoven und 
L. Neher in Frankfurt a. M. - 

Ein Preisausschreiben des Rothenburger Verbandes 
akademischer Architekten-Vereine deutscher Sprache (Vor¬ 
ort Karlsruhe) hatte das „Denkmal eines großen Mannes“ 
zum Gegenstand. Es liefen 4 Arbeiten ein, unter welchen 
die des Hrn. J. Claus (vom Verein „Akanthus“ in Dresden) 
siegte. Preisrichter waren die Hrn. Geh. Rat Dr.-Ing. 
J. Durm, Ob.-Brt. O. Warth und Ob.-Brt. Weinbrenner 
in 'Karlsruhe. — 

Ein Wettbewerb der „Berliner Terrain- und Bau-Aktien¬ 
gesellschaft“ betrifft Grundrißskizzen für die Bebauung des 
in der Frobenstraße, zwischen Kurfürsten- und Bülowstraße 
gelegenen Geländes. Es gelangen 3 Preise von 700, 600 und 
500 M. zur Verteilung. Frist: 20. Jan. d. J. Unterlagen durch 
die genannte Gesellschaft in Berlin W. 57, Bülowstr. 93. — 

Der Wettbewerb betr. das Vereinshaus „Neue Erholungs¬ 
gesellschaft“ in Plauen i. V. Die Entscheidung, die bereits 
am 28. Nov. 1903 getroffen wurde, gelangt, wie der Vor¬ 
sitzende des Preisgerichtes ausführt, durch ein bedauer¬ 
liches Mißverständnis erst jetzt zur Kenntnis der Teil¬ 
nehmer. Es haben erhalten den I. Preis die Hrn. Altgelt 
& Schweitzer in Berlin; den II. Preis Hr. O. Haupt- 
mann in Plauen i. V. Zum Ankauf wurden empfohlen 
die Entwürfe der Hrn. Pappe ritz in Plauen, Hirsekorn 
in Chemnitz und Herfurt in Dresden in Gemeinschaft 
mit Sachs in Plauen. — 

Wettbewerb Friedhofanlage Lahr i. B. Der Stadtrat 
hat beschlossen, den beim Wettbewerb für eine Friedhof- 
Anlage in Lahr mit dem I. Preis ausgezeichneten Ent¬ 
wurf der Hrn. Oskar und Johannes Grothe in Berlin der 
Ausführung zugrunde zu legen und mit den Verfassern 
behufs Uebernahme der künstlerischen Leitung in Ver¬ 
bindung zu treten. — 

In dem Wettbewerb des Münchener Arch.- u. Ing.-Ver¬ 
eins betr. Entwürfe für ein Schulhaus in Schwabach liefen 
46 Arbeiten ein. Den I. Preis errang ein Entwurf der 
Hrn. Senf und Schneider in Lindau; den II. und III. 
Preis die Hrn. Schnartz und Veil in München. Eine 
lobende Anerkennung wurde den Entwürfen der Hrn. 
Müller, Schulz und Berndl inMünchen ausgesprochen.— 

Chronik. 

Ein Kaiserin Elisabeth-Denkmal in Pola gelangt nach dem 
Entwurf des Architekten Rud. Klotz und des Bildhauers Alfons 
Canciani, beide in Wien, zur Ausführung Der Auftrag zur Aus¬ 
führung ist das Ergebnis eines Wettbewerbes, in welchem der 
Entwurf der beiden Künstler den I. Preis erhielt. — 

Der neue Bahnhofsentwurf für Dortmund, nach welchem 
eine Höherlegung des ganzen Bahnhofes unter Beibehaltung des 
Dammes derLinieDortmund—Emschede geplant ist, hat ams.Dez. 1903 
die Zustimmung der Stadtverordneten-Versammlung gefunden. Die 
Stadt zahlt 0,5 Mill. Zuschuss und hat die neuen Zufahrtsstrassen 
zum Bahnhof herzustellen. Die Stadt hat noch den Wunsch aus¬ 
gesprochen, dass statt der Eisenbahndämme in der Stadt Viadukte 
angelegt werden möchten. — 

Kanalisation von Fulda. Mit. einem Kostenaufwande von 
rund 915000 M. hat die Stadt Fulda eine Kanalisation mit Klär¬ 
anlage eingeführt. — 

Eine Erweiterung des Oesterreichischen Museums für 
Kunst und Industrie in Wien soll nach den Entwürfen des Ob.- 
Brt. L. Baumann in Wien demnächst durch das staatliche Baü- 
departement des Ministeriums des Inneren in Angriff genommen 
werden. Der 1871 durch Ferstel vollendete heutige Bau erhält 
einen Zubau für wechselnde Ausstellungen sowie für einzelne 
Gruppen der historischen Sammlungen des Museums. —- 

Die Bestrebungen zur Anlage einer Münchener Ring¬ 
bahn sind durch die Zustimmung der infrage kommenden Ge¬ 
meinden soweit gefördert, dass die Vorlage in den dem versammel¬ 
ten bayerischen Landtag vorzulegenden Lokalbahn-Gesetzentwurf 
einbezogen werden kann. — 

Ein Monumental-Brunnen zur Erinnerung an die Ein¬ 
gemeindung der Vororte Wüten und Pradl zu Innsbruck 
wird auf dem Bahnhofplatz in Innsbruck errichtet werden. Die 
Kosten mit 150000 Kr. sind von dem Ehrenbürger der Stadt Inns¬ 
bruck, Hans v. Sieberer, gestiftet worden. Der Brunnen soll im 
Sommer 1905 zur Aufstellung gelangen. — 

Ein Denkmal Louis Bergers ist auf dem Hohenstein bei 
Witten zur Aufstellung gelangt. Das Denkmal hat die Form eines 
von Terrassen umgebenen Turmes nach dem Entwurf des Hrn. 
Arch. Paul Baumgarten in Berlin; der Turm trägt an seiner 
Aussenseite ein von dem Bildh. Arnold Künne in Berlin in Kupfer 
getriebenes Bildnis Bergers. — 

Die neue East - River -Brücke in New-York wird am 29. 
d. M. dem Verkehr übergeben werden. Es ist eine versteifte Kabel¬ 
brücke, deren 41 m über höchster Flut liegende Fahrbahn die 
Herstellung sehr bedeutender Zufahrtsviadukte erforderlich machte. 
Der Kostenaufwand stellt sich auf rd. 80 Mill. M. Die Brücke ist 
nach den Entwürfen des Ing. L. L. Buck ausgeführt. Sie hat 
488 m mittl. Spw., daran anschliessend beiderseits eine Oeffnung 
von 175 m. Die Türme erheben sich bis 102 m über H. H. W. Die 
Ausführung ist lediglich als Nutzbau erfolgt. — 


Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Der Garn.-Bauinsp. Klein in Frankfurt a. M. 
ist als techn. Hilfsarb zur Int. des IX. Armeekorps versetzt. — Die 
Mar.-Bfhr. Sampe und Schulz sind zu Mar.-Schiffbmstrn. ernannt. 

Baden. Dem Glasmaler Prof. Geiges in Freiburg ist das 
Ritterkreuz I. Kl. mit Eichenlaub des Ordens vom zähringer Löwen 
verliehen. — Der Reg.-Bmstr. Baer in Lörrach ist zur Kulturinsp. 
Karlsruhe versetzt. 

Der Reg-Bmstr. Schwehr in Waldshut ist z. Wasser- u. 
Strassen-Bauinsp. nach Ueberlingen versetzt. 

Bayern. Der Reg. u. Kr.-Brt. Ruttmann ist z. Ob.-Brt. bei 
der Obersten Baubehörde und der Dir.-Ass. Dr. Heubach z. 
Dir.-Rat bei der Gen.-Dir. der Staatseisenb., unt. Belassung in seiner 
dermaligen Verwendung in der Verkehrsabt. des Kgl. Staatsminist, 
des Kgl. Hauses und des Aeusseren, befördert. 

Preussen. Dem Reg.- u. Brt. Fischer in Breslau, dem Kr.- 
Bauinsp. Lang in Goldap und dem Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. 
Schnock in Essen ist der Rote Adler-Orden IV. KL, — den Reg.- 

u. Brtn. Volkmann in Potsdam und Peltz in Stade, den Kr- 
Bauinsp., Brtn. Scheele in Fulda und Varnhagen in Halberstadt 
der Char. als Geh Brt, — den Kr.-Bauinsp. Junghann in Görlitz, 
Kirchner in Wohlau, Förster in Frankfurt a. O., Bath in 
Kolberg, dem Wasser-Bauinsp. Iken in Nakel und dem Landbauinsp. 
Bürde in Berlin ist der Char. als Brt. mit dem persönl. Range 
der Räte IV. Kl. verliehen. 

Verliehen ist: den Eisenb. Bau- u. Betr.-Insp. Galmert die 
Stelle eines Mitgl. der Kgl. Eisenb-Dir. in Altona und Lüpke die 
Stelle des Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. 2 in Duisburg, dem Eisenb.- 
Bauinsp. Beeck die Stelle des Vorst, einer Werkst.-Insp. bei der 
Eisenb.-FIauptwerkst. in Oppum. 

Die Reg.-Bfhr. Heinr. G ödecke aus Uelzen und Otto 
Hammann aus Biebesheim (Eisenbfch.), — Ernst Ackermann 
aus Tietzow, Otto Stallwitz aus Dortmund, Wilh. Nolte aus 
Herzberg und Klem. Paehler aus Wiesbaden (Masch.-Bfch) sind 
zu Reg.-Bmstrn. ernannt. 

Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg - Bmstr.: 

v. Poellnitz der Kgl. Reg. in Hannover und Zeroch der Kgl. 
Reg. in Koblenz, Liebetrau der Kgl. Eisenb.-Dir. in Berlin und 
Rohrs der Kgl. Eisenb.-Dir. in Elberfeld. 

Der Eisenb.-Dir. Schmidt in Magdeburg ist gestorben. 
Württemberg. Eine Abt.-Ing.-Stelle ist übertragen den Reg.- 
Bmstrn. Zaiser bei dem bautechn. Bür. der Gen-Dir. der Staats¬ 
eisenb., und Nägele bei der Eisenb.-Bausekt. Feuerbach. 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. F. H. in Darmstadt. Da es sich um Beseitigung von 
Mängeln in einem Bauwerke handelt, dessen Uebergabe und Be¬ 
ziehen am 25. Juli 1900 erfolgt ist, würde der Anspruch auf Be¬ 
seitigung der vorhandenen Mängel erst am 25 Juli 1905 verjähren. 
Es kann derselbe also gegenwärtig noch erhoben werden, denn es 
liegt ein Fall des B. G.-B. § 638 vor, nach welchem der Anspruch 
des Bestellers auf Beseitigung eines Mangels des Bauwerkes erst 
fünf Jahre nach Abnahme des Bauwerkes verjährt. K. H-e. 

Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. 

Zu der Anfrage 1 in No. 94, 1903, betr. Heizung von Klosetts 
erhalten wir den Hinweis auf den Ventilationsapparat „Lichtenstein“ 
(D. R. P.), der von Ing. Wetzer in Hersbrück(Bayern) in den Handel ge¬ 
bracht wird und sich mittels Einschaltung einer kleinen Vorrichtung 
zur Heizung von Klosetts, bei welchen das lästige Einfrieren zu 
befürchten ist, verwenden lässt. — 

In den hiesigenBahnhofabtritten bestehtkeinevollständigeHeizung 
des Raumes. Um aber die 10 Klosetts gegen Einfrieren des 
in den Syphons stehenden Wassers zu schützen, ist ein dünnes galvanf 
siertesRohr durch die Bogen derSyphons geführt. Bei strengemFros*- 
zirkuliert in diesem Rohr Wasser, das in der nebengelegenen Besen¬ 
kammer mittels einer Gasflamme gelinde angewärmt wird, und, wenn 
abgekühlt, nach seinem Ausgangsort zurückkehrt. Nach mehrjähriger 
Erfahrung genügt diese bescheidene Warmwasserheizung auch, um 
den Inhalt der Spülreservoirs und die Pissoirplatten und Rinnen 
gegen Einfrierenzu schützen. Für Interessenten an der Venti lat io n 
füge ich bei: Zur Ventilation der Pissoirs und sämtlicher Klosets 
ist deren gemeinschaftliche Decke pyramidenförmig gestaltet. Von 
der Spitze der Pyramide aus führt ein weites Dunstrohr bis 3 m 
hoch über Dach. In der Mitte dieses an der Decke beginnenden 
Dunstrohres führt ein engeres Rohr von der Grube aus gleichfalls 
bis zum Hut 3 m über Dach und im ringförmigen Raum zwischen 
beiden Rohren brennen in der Höhe der Pyramidenspitze vier 
kleine „Lockflammen" von Gas. Diese Ventilation wirkt selbstver¬ 
ständlich im Winter sehr kräftig, genügt aber auch im heissesten 
Sommer und bei stärkster Benutzung der Anlage, die Luft in den 
Klosets und den Oelpissoirs rein zu halten. — v. Teuffel. 

Bei ungeheiztem Raum lässt sich meistens durch Anbringen 
eines Klosettdeckels und Isolierung des Abflussyphons mit einem 
schlechten Wärmeleiter wie Schlackenwolle, Asbest- oder Seiden¬ 
schnur genügende Sicherheit gegen das Ein frier en des Wasser¬ 
verschlusses erzielen. Vielfach hilft man sich, falls dies angängig, 
damit, dass der Syphon nicht unmittelbar am Klosettrichter, sondern 
tiefer, an frostfreier Stelle angeordnet wird. Ist das Becken frei¬ 
stehend mit eingebautem festen Verschluss, so empfiehlt sich die 
Anbringung eines Kastensitzes und Ausfütterung des Hohlraumes. 

H. Schneider, Ingenieur in Kassel. 

Inhalt: Neue Baukunst in Dänemark. — Der Wiederaufbau des Cam¬ 
panile von San Marco. — Das städtische Tiefbauwesen in Frankfurt a. M.— 
Das bayerische Staatsministerium für Verkehrs-Angelegenheiten. — Mittei¬ 
lungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Chronik. — 
Personal-Nachrichten. — Brief- und Frageka sten. _ 

Hierzu eine Bildbeilage: Das neue Rathaus in Kopenhagen. 

Verlag' der Deutschen Bauzeitung;, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantvvortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Willi. Greve, Berlin. 

No. 12. 


12 









I?» 




ILLA WERTH EI MBER IN HOMBURG V. D. HÖHE * 
ARCHITEKT: FRANZ VON HOVEN IN FRANK¬ 
FURT AM MAIN * * DIE HALLE MIT KAMIN 

UND DIE HALLE MIT BLICK IN DAS BILLARD¬ 
ZIMMER 

= DEUTSCHE BAUZTG. XXXVIII. JAHRG. N2: 3 = 





























DEUTSCHE BAUZEITUNG' 

XXXVIII. JAHRG. Na 3. BERLIN, DEN 9. JAN. 1904 


Villa Wertheimber in Homburg vor der Höhe. 

Architekt: Königl. Baurat Franz von Hoven in Frankfurt a. M. (Hierzu eine Bildbeilage.) 



illa Wertheimber ist in der Nähe 
von Homburg vor der Höhe in 
einem Parke erbaut, der vor etwa 
100 Jahren angelegt wurde und 
dessen Baumbestände heute zu 
schöner und voller Entwicklung 
herangewachsen sind. Das in den 
Jahren 1899 bis 1900 erbaute Haus 


ist vorwiegend für den Aufenthalt im Sommer einge¬ 
richtet, es entbehrt aber in Gestaltung, Einrichtung und 
Ausstattung gleichwohl nicht der Vorkehrungen, welche 
es zum Bewohnen auch im Winter geeignet machen. 
Den Grundriß beherrscht die geräumige Halle, welcher 
gegen die Vorderfassade eine Loggia vorgelagert ist, 
von welcher der Zutritt auf eine vor der Fassade sich 
hinziehende Erdterrasse und weiterhin in den Garten 

























erfolgen kann. Zur Linken der Halle liegt, gegen 
diese geöffnet, das Billardzimmer (s. Beilage), mit 
welchem das die Ecke des Grundrisses bildende Herren¬ 
zimmer in Verbindung steht. Der eigentliche Haupt¬ 
eingang zum Hause liegt hinter dem Billardzimmer; 
ein neben ihm befindliches Dienerzimmer bildet den 
Aufenthalt für den den Eingang bewachenden Diener. 
Zur Rechten der Halle dehnen sich das geräumige 
Wohnzimmer mit Erker und das noch geräumigere 
Speisezimmer mitAn- 
richte usw. aus. Die 
Wirtschafts - Räume 
sind in einen hin¬ 
teren Flügel mit be¬ 
sonderem Eingang 
und mit Nebentreppe 
usw. verwiesen. 

Die Halle ist 1,3 m 
höher als die übrigen 
Räume; dieses grös¬ 
sere Höhenmaß ver¬ 
ursachte jedochlim 
Obergeschoß keinen 
Raumverlust und gab 
Veranlassung zu reiz¬ 
vollen Treppenlösun¬ 
gen. Mit Ausnahme 
des auf einen Balkon 
sich öffnenden Früh¬ 
stücks- und eines über 
dem Herrenzimmer 
gelegenen Wohnzim¬ 
mers bestehen sämt¬ 
liche Räume des 
Obergeschosses aus 
Schlaf-, Fremden-, Ankleidezimmern und Zubehör. 
Das Dachgeschoß enthält die Dienstbotenräume. Die 
Anlage des Erdgeschosses weist einen großen, auf 
gesellschaftlichen Verkehr gerichteten Zug auf. 

Die ungemein fein empfundene und den Charakter 
des reicheren Landhauses im italienischen Sinne glück¬ 


lich treffende Architektur trägt einfachen Empire¬ 
charakter. Das Material ist vorwiegend Putz mit 
Ornamenten aus angetragenem Stuck; die Steinhauer¬ 
arbeit ist auf ein Mindestmaß beschränkt. Von den hellen 
Putzflächen heben sich die Klappläden, mit welchen die 
Fenster gesichert werden können, in farbiger Belebung 
der Fassade ab. Das Hauptgesims wird durch eine 
weit ausladende geputzte Hohlkehle gebildet, wie sie 


an 


städtischen 


Wohngebäuden 


der Schweiz häufig 
/orkommt.- 


Das In¬ 
nere, von dessen 
Ausbildung unsere 
Beilage ein anschau¬ 
liches Bild gibt, ist 
in einem frischen 
Farbengegensatz ge¬ 
halten, welcher in der 
photographischen 
Aufnahme etwas här¬ 
ter erscheint, als er 
in Wirklichkeit ist. 
Das Täfelwerk der 
Halle besteht aus 
grün lasiertem Tan¬ 
nenholz, die Täfelung 
des Speisezimmers 
aus Rüsternholz. Re¬ 
lief-Friese ziehen als 
obere Zone die Halle 
entlang und bilden 
den Uebergang zu 
den fein gegliederten weißen Decken. Die Halle hat 
als Hauptschmuck einen alten Kamin italienischen 
Ursprunges erhalten. Der gesamte innere Ausbau ist 
einfach, aber dauerhaft in Material, Gestaltung und 



Ausführung. 


Gestaltung 

Das Erdgeschoß wird durch Luftheizung 


erwärmt, die oberen Geschosse besitzen Kachelöfen. 
Elektrisches Licht von der Homburger Zentrale ver¬ 
breitet nach Sonnenuntergang die gewünschte Helle. 
Die Baukosten des feinempfundenen Hauses betrugen 
rd. 275 000 M. — 


Zur Frage der Umgestaltung des Theaterplatzes in Dresden. 


1 

as negative Ergebnis des ersten Wettbewerbes zur 
Erlangung von Entwürfen für die Umgestaltung des 
Theaterplatzes in Dresden dürfte seine Ursache 
weniger in der Qualität der Entwürfe als in den Schwächen 
des Programmes haben, welches zwar der Phantasie der 
Bewerber einen gewissen Spielraum ließ, gleichzeitig ihnen 
aber — und zwar schon durch den Lageplan (s. Abb. 1) — 
den Hinweis gab, den Platz gegen das Elbufer durch 
Hochbauten abzuschließen. Die an das Programm ge¬ 
bundene Jury konnte bei Abgabe ihres Urteils diesen 
architektonischen Abschluß füglich nicht wohl übersehen, 
aber der im Gutachten ausgesprochene Wunsch, ihn mög¬ 
lichst bescheiden, niedrig und durchsichtig zu gestalten, 
läßt vermuten, daß auch im Preisgericht eine Vorliebe für 
freien Durchblick vom Platz auf Brücke und Neustadt, sowie 
umgekehrt, bestanden hat. 

Schon Hr. Albert Plofmann hat kürzlich in einem 
vortrefflichen Artikel (vergl. Deutsche Bauzeitung No. 99 
und 100) auf das Bedenkliche solchen Abschlusses hin¬ 
gewiesen und die Fachgenossen zu einer den freien Ein- 
und Ausblick gewährleistenden Lösung angeregt. Dieser 
Anregung folgend, hat der Unterzeichnete die Weihnachts¬ 
feiertage zur Bearbeitung eines Vorschlages benutzt, der 
unter Vermeidung jeden Abschlusses zugleich die Weit¬ 
läufigkeit und Unförmlichkeit des Platzes in seiner heutigen 
Erscheinung zu beseitigen bemüht ist. 

Wäre Helbig’s Etablissement nicht vorhanden, so würde 
heute wohl Niemand auf den Gedanken kommen, dasselbe 
auf der im Programm angenommenen Stelle zu errichten, 
vorausgesetzt, daß zur Befriedigung des unbestreitbaren 
Bedürfnisses einer solchen Erholungsstätte sich noch andere, 
nicht minder günstig belegene Plätze finden lassen. Des¬ 
gleichen dürfte kein innerer Grund vorliegen, die Schinkel- 
sche Wache hierhin zu verlegen, wo sie ebenso schief 
zur Platzachse läge, wie an ihrer bisherigen Stelle und 
wo ihre schlichte Rückseite eine viel zu sichtige und an¬ 
spruchsvolle Lage erhalten würde. Wenn auch der Ge¬ 
danke einer solchen Verlegung auf Gottfried Semper zurück¬ 


zuführen ist, so darf doch nicht vergessen werden, daß 
Semper’s bekannter Gesamtentwurf den Charakter einer 
gassenartigen Verlängerung des damals nach Norden noch 
offenen Zwingerhofes trug, in welche der Rundbau des 
früheren Hoftheaters weit hineintrat und dadurch den Aus¬ 
blick aufs Wasser schon sowieso stark beengte. Seitdem 
aber das Museum vor dem Zwingerhof erbaut und das 
zweite Hoftheater — glücklicherweise — bedeutend mehr 
gegen Osten gerückt wurde, ist das Platzverhältnis ein 
ganz anderes, ungleich breiteres, nach der Elbe sich 
öffnendes geworden. Schwerlich würde Semper heute der 
Wache den früher von ihm geplanten Platz zuweisen. 

Die heutige Zeit, welche in den Formen eines dori¬ 
schen Tempelbaues nicht mehr den Ausdruck für ein 
Wachtgebäude erblickt, würde, nach Ansicht des Unter¬ 
zeichneten, dem hohen Kunstwert des Schinkel’schen 
Bauwerkes vollauf Rechnung tragen und nicht pietätlos 
verfahren, wenn sie zugleich mit seiner Lage auch seinen 
Zweck veränderte und es beispielsweise in den Zwinger¬ 
garten neben dem Hoftheater verlegte und mit Hilfe eines 
stilvollen hinteren Anbaues und inneren Lhnbaues es zu 
einem Ausstellungsgebäude oder einem kleinen Museum 
oder einem Konzertsaal für Kammermusik umgestaltete, 
während sich für die Bedürfnisse des Wachtdienstes viel¬ 
leicht Räume im Erdgeschoß des König!. Schlosses oder 
im Sockelgeschoß des Zwingers finden ließen. 

Jeder auf der Stelle A des Lageplanes (Abbildg. 1) er¬ 
richtete Bau, möge er nun in einem Wachtgebäude oder 
in einem Erfrischungslokal bestehen, hat — neben dem 
Fehler, daß er den Ausblick versperrt und beim Einblick 
von der Brücke aus die unteren Teile der Fassaden dreier 
herrlicher Gebäude vollständig verdeckt — den weiteren 
schwerwiegenden Nachteil, daß durch ihn die allzugroßen 
Abmessungen des heutigen Theaterplatzes nur wenig ein¬ 
geschränkt werden, und daß außerdem infolge seiner 
schiefwinkligen Lage zur Platzachse jede rythmische 
Teilung oder Ausschmückung des Platzes durch Trottoire, 
Balustraden, Rasenplätze, Springbrunnen, Statuen usw. 
sehr erschwert wird. Dieser Nachteil würde auch dann 

No. 3. 




















































noch bestehen bleiben, wenn man hier auf jeden Hochbau 
verzichten und sich — wie dies der Konkurrenzentwurf 
„Semper—Schinkel“ tut — auf die Anlage einer mit dem 
Ufer parallelen Terrasse beschränken wollte. 

Solche Betrachtungen führten zu dem in den Ab¬ 
bildungen 2 und 3 veranschaulichten Vorschlag, zu dessen 
Erläuterungen nachfolgende Bemerkungen genügen wer¬ 
den: Der Theaterplatz ist in seiner Richtung vom Museum 
zum Strom auf das Maß der Frontbreite des Hoftheaters 
eingeschränkt, sodaß nunmehr seine Ausdehnung in an¬ 
gemessenem Verhältnis zu dem ihn beherrschenden Denk¬ 
mal des Königs Johann steht. An der nach dem Strom 
zugekehrten Seite dieses verkleinerten Platzes führt eine 
monumentale Freitreppe zu einem breiten Taleinschnitt, 
welcher, mit regelmäßigen Garten- und Wasserbecken-An¬ 
lagen ausgestattet, sich bis zur Uferstraße hinab erstreckt, 
sodaß letztere und mit ihr das Elbfahrwasser in ganzer Breite 
sowie die Augustusbrücke in ganzer Länge vom Theater¬ 
platze aus sichtbar sind. Dieser Taleinschnitt wird beider¬ 
seits durch symmetrische Futtermauern mit Balustraden und 
Kandelabern begrenzt, von welchen die rechtsseitige, mit 
der Längsfront der Hofkirche parallel laufende, sich bis zum 
Landpfeiler der Augustusbrücke fortsetzt und hier den ge¬ 
wünschten Treppenniedergang erhält, während die links¬ 
seitige den mit Baumreihen bepflanzten Terrassengarten 


Abbildg. i. Lageplan des Wettbewerbes. 

eines Etablissements umschließt, welches, im Anschluß an 
das Hotel Bellevue errichtet, das Cafd Helbig ersetzen soll. 
Neben jeder Futtermauer führt eine Fahrstraße zur Ufer¬ 
straße hinab. Die eine stellt die Verbindung mit dem Anlege¬ 
platz der Dampfschiffe her, die andere führt die Straßen¬ 
bahngleise vom Elbkai auf die Höhe des Theaterplatzes, 
wo sie sich in der Nähe des Schlosses an die zum Post¬ 
platz führenden Gleise anschließen. Die Uferstraße ist beim 
Anlegeplatz der Dampfschiffe um ein Geringes in den 
Strom hinausgerückt, um sie nachmals in genügender 
Breite unterhalb des Hotel Bellevue fortsetzen zu können. 
Die Hauptwache bleibt entweder an ihrer bisherigen 
Stelle oder wii'd, wenn ästhetische oder Verkehrsrück- 
sichten dies bedingen sollten, in die Gartenanlagen neben 
dem Hoftheater verlegt. Um der großen Freitreppe und 
dem davor liegenden Becken einen künstlerischen Schmuck 
zu verleihen, ist hier an die Aufstellung des berühmten 
Neptunbrunnens aus dem Garten des ehemaligen Palais 
Marcolini gedacht, dessen Schönheit an seiner heutigen 
Stelle wenig zur Geltung gelangt. 

Vorstehend erläuterter Vorschlag — in Eile und ohne 
ausreichende Kenntnis derVerkehrs- und sonstigen örtlichen 
Verhältnisse Dresdens entstanden, ja vielleicht sogar nicht 
einmal neu — wird ohne Zweifel manchen gewichtigen 
Einwürfen begegnen, unter denen die Notwendigkeit einer 

9. Januar 1904. 


Verlegung der Fernheizleitung vielleicht noch nicht ein¬ 
mal der erheblichste ist. Der Unterzeichnete erhebt denn 
auch keineswegs den Anspruch, eine gründliche Lösung der 
Aufgabe gebracht zu haben, sondern bezweckt vornehm¬ 
lich, die Stadtbehörden Dresdens wie die Fachgenossen vor 
dem bisher eingeschlagenen Wege zu warnen und sie auf 
die Möglichkeit anders gearteter Lösungen hinzuweisen. — 
Hamburg, 31. Dez. 1903. Martin Haller, Architekt. 

H. 

In den Schlußsätzen Ihres Artikels über die Um¬ 
gestaltung des Theaterplatzes in Dresden in 
Nr. 100, Jahrg. 1903, wurde bezüglich des endlichen Aus¬ 
ganges dieser Sache, wie man ihn vom künstlerischen 
Standpunkte aus zu wünschen habe, Anschauungen Aus¬ 
druck gegeben, denen ich nicht allein freudig, fast möchte 
ich sagen: begeistert zustimme, sondern die ich sogar 
von Anfang an selbst für die allein richtigen gehalten 
habe. Ich war an dem Wettbewerb mit beteiligt und 
habe ungefähr denselben Gedanken in meinem Erläuterungs- 
Bericht Ausdruck verliehen und die außerordentliche 
Aehnlichkeit der Situation mit Venedig ebenfalls nach¬ 
drücklich hervorgehoben. Aber ich bin noch einen Schritt 
weiter gegangen als „San Marco“ und habe wenigstens 
versucht, bei ^meinem Entwürfe im Hinblick auf jenes 
Vorbild die Folgerungen zu ziehen, 
welche Sie an dem Diestelschen 
Plane vermissen. 

Mir liegt daran, falls einmal 
in Zukunft die Angelegenheit des 
Dresdener Theaterplatzes die er¬ 
hoffte glückliche Wendung nehmen 
sollte, auf Ihr Zeugnis rechnen 
zu dürfen, daß ich, wie ich 
glaube, bei meinem Entwurf die 
in Ihren Schlußworten vorgeschla¬ 
genen Hauptpunkte bereits be¬ 
rücksichtigt habe.*) 

Ich kann mir ja freilich vor¬ 
stellen, daß gewisse andere Vor¬ 
schläge meiner Arbeit weniger 
Beifall gefunden, ja für manchen 
Beurteiler vielleicht genügt haben, 
dieselbe von vornherein als minder¬ 
wertig auszuscheiden. So die dem 
Museum angefügten Flügelbauten, 
welche übrigens Hr.Diestel in seiner 
Variante auch hat; so die Lage der 
Hauptwache — für welche ich 
heute wahrscheinlich einen ande¬ 
ren Vorschlag machen würde; so 
vielleicht die etwas knapp einge¬ 
zeichneten Verkehrs - Durchlässe 
und ganz besonders die „Schiff¬ 
fahrts-Halle“,gedacht als monumen¬ 
tales Zugangstor zu den Landungs¬ 
plätzen, welche ich von einem 
jüngeren Beurteiler als „Einfahrt 
zur Toteninsel“ bezeichnen hörte. 
Aber alle diese Dinge treffen doch 
wohl nicht die Hauptsache, sie sind 
auch in meinem Erläuterungs-Be¬ 
richt deutlich genug als nur vor¬ 
läufige Annahmen bezeichnet 
worden. Als Hauptsache schlug ich dreierlei vor: 

1. forumartige Geschlossenheit des ganzen Platzes 
nach den 3 Landseiten (ähnlich wie bei dem Entwurf 
„San Marco“); 

2. entschiedene Oeffnung nach der Wasserseite, der 
fehlende Schluß durch grosse Säulen markiert 
(ähnlich wie bei „Semper-Schinkel"); 

3. Unterordnung dieses ganzen Forums unter eine 
höhere künstlerische Einheit. 

Ich verglich das Ganze dem Zuschauerraum und der 
Bühne eines Theaters, dessen Vorhang aufgezogen werden 
müsse: die Szene würde das Strombild sein — mit dem 
vorbeirauschenden Weltverkehr; oder in entgegengesetzter 
Richtung das Forum mit seinen Bauten und Denkmälern. 
Doch sollte dieses Bild knapp am Proszenium noch einmal 
energisch eingerahmt werden, und dazu hielt ich eine der 
Kirche gegenüberliegende zweite Platzwand von gleicher 
Monumentalität für geeignet. Deren Hauptgesimshöhe sollte 
derjenigen am Theater-Unterteil bezw. am Seitenschiff der 
Kirche entsprechen (ebenso auch an den neuen Flügeln 
des Museums) und um das ganze Gebäude, also auch an 


v ‘) Anmerkung- der Redaktion. Der Entwurf war uns leidei¬ 
entgangen, weshalb wir gerne dem Wunsche des Verfassers entsprechen, 
seine wertvollen Gedanken hier zum Ausdruck gebracht zu sehen. — 



LS 



















Abbildg. a u. 3. Vorschlag zur Umgestaltung des Theaterplatzes ln Dresden von Martin Haller in Hamburg. 


der „Schiffahrts-Halle“, ungebrochen her¬ 
umgeführt werden. Dadurch besonders 
würde der von Semper angeschlagene 
Ton einer höheren künstlerischen 
Einheit zu einem Akkorde anschwellen, 
welchem das ganze Forum sich ein¬ 
ordnet. Da überdies die Längsfassade 
dieses neuen Gebäudes, dessen Zweck¬ 
bestimmung ich im übrigen dahingestellt 
sein ließ, eine ähnlich monumentale 
Architektur mit breiten Achsen, fenestra 
terrena usw. wie die gegenüberliegende 
derKirche aufwies, so würde diese letztere 
an der langen, ungebrochenen Wand — 
dieses ganze Gebäude würde durchaus 
als ein einheitlicher Palazzo erschienen 
sein-—einen ruhigen, grossen Hintergrund 
und der dazwischen liegende Teil des 
Theaterplatzes einen fast saalähnlichen 
Charakter erhalten haben. Zugleich würde 
durch dieses neue Gebäude das Hotel 
Bellevue verdeckt worden sein — denn 
an die völlige Beseitigung desselben wagte 
ich mich allerdings noch nicht heran. Die 
Kolonnaden endlich sollten die Höhe des 
Theater-Erdgeschosses erhalten, an dem 
östlichen Halbrund durch höher geführte 
Torbogen unterbrochen. 

Ob ich nun wirklich das Recht habe 
zu der Annahme, daß meine Arbeit im 
Kern eigentlich schon das wesentliche 
von dem erfüllt, was die „Deutsche 
Bauzeitung“ von der endgültigen Aus¬ 
gestaltung verlangt -— darüber steht mir 
natürlich keine einseitige Entscheidung 
zu; jedenfalls hatte ich mit meinem Ent¬ 
wurf, der das Kennwort „Ein Rettungs¬ 
versuch“ trug, die Absicht, darauf hinzu¬ 
weisen, daß der Semper’sche Forum¬ 
gedanke noch zu retten sei. — 

Görlitz, Dez. 1903. Hans Freude. 



Der Wiederaufbau des Campanile von San Marco. 

Von H. Blankenstein, Geh. Baurat in Berlin. (Fortsetzung statt Schluss.) 


ls Beltrami die Leitung des Wiederaufbaues des 
Turmes übernahm, konnte er an der Verwendbar¬ 
keit des alten Fundamentes kaum zweifeln; doch 
traten ihm sogleich nach seiner Ankunft zwei ganz ver¬ 
schiedene Ansichten entgegen. Der Baubeamte des Königl. 
Hauses und zugleich der Bibliothek, Lavezzari, riet: 
„Aufgraben rings um das Fundament, ohne bis auf den 
Rost zu kommen, Verdichten des Untergrundes mittels 
einiger Pfähle, Verbinden der gegenwärtigen Basis mit 
dem Verstärkungsteil in armiertem Beton“, wogegen der 
bei Herrichtung des Bauplatzes beschäftigte Maurer¬ 
meister Tor res den Vorschlag machte: „den Funda¬ 
mentklotz abbrechen und ihn in größerer Breite mit 
Puzzolan-Mörtel wiederherstellen; keine Sorge wegen des 

16 


Pfähleschlagens.“ Auch die ersten Untersuchungen des 
Fundamentes mußten bei Beltrami Zweifel erwecken; nach¬ 
dem er aber dem Bürgermeister gegenüber erklärt hatte, 
daß dem Wiederaufbau des Turmes nichts im Wege stehe, 
und da bereits am 1. März die Grundsteinlegung auf den 
25. April, den Tag des heiligen Marcus, festgesetzt war, 
so mochte er nicht wagen, der ungeduldig drängenden 
öffentlichen Meinung entgegenzutreten. Somit ging die 
Feier am genannten Tage vor sich, und zwar wurde der 
Grundstein in der Mitte des Turmes auf das alte Funda¬ 
ment gelegt, obwohl es noch zweifelhaft war, ob es bei¬ 
behalten werden könne. 

Beltrami hatte sich mit vollem Recht zur Aufgabe 
gemacht, den Turm^nicht nur in seiner äußeren Gestalt, 

No. 3. 





























































































































































































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Abbildg. 3. Gründung des Turmes. 


sondern auch nach seiner inneren Anordnung und Kon¬ 
struktion ganz im Sinne der alten Erbauer wiederherzu¬ 
stellen. Wenn er daher den von den verschiedensten 
Seiten gemachten Vorschlag, den Turm mittels eines Ge¬ 
rüstes von Eisen mit Verkleidung in Ziegeln bezw. in Beton- 
Eisenkonstruktion herzustellen, entschieden zurückwies, so 
kann man dies aus ästhetischen und konservatorischen Grün¬ 
den nur billigen. Ebenso wird man ihm zustimmen, wenn 
er an der eigentümlichen und dabei zweckmäßigen Anlage 
des Rampen-Aufganges zwischen einer äußeren und einer 
inneren Röhre von Ziegelmauerwerk und an der hier¬ 
durch bedingten Anordnung der kleinen Fenster an der 
linken Ecke jeder Front festhielt, obwohl er sich durch 
Opferung dieses Systems seine Aufgabe wesentlich er¬ 
leichtert hätte. Inbezug auf den Oberbau war er bestrebt, 
ihn unter möglichster Vermeidung von Eisen leichter her¬ 
zustellen, als der alte war. Auch bei der Fundierung 
wollte er die alte Bauweise beibehalten, doch hätte hier 
wohl kein Grund Vorgelegen, auch die allermodernsten 
Gründungs arten auszuschließen, wenn sie schneller und 
sicherer zum Ziele führten. Der Turm, der an der Basis 
12,8 m im Geviert maß, verjüngte sich auf 54™ Höhe um etwa 
1 m , und war nach Norden so weit übergewichen, daß die 
Nordfront nahezu lotrecht stand. Dies war allgemein be¬ 
kannt, doch ist man in Venedig und ganz Italien so sehr 
an schief stehende Türme gewöhnt, daß niemand Anstoß 
daran nahm; indessen war damit doch bewiesen, daß der 
Boden schon über die zulässige Grenze hinaus belastet 
war. Dazu kam, daß die Erschütterung beim Einsturz 
der kolossalen Mauermasse doch nicht ohne Einwirkung 
auf das Fundament und die es tragende Erdschicht ge¬ 
blieben sein konnte. Ein sehr genau ausgeführtes Nivelle¬ 
ment ergab, daß die Oberfläche des Fundamentes auf der 
Nordseite östlich um 9,5, westlich um 9 cm und daß die 
Südostecke um 0,5 cm niedriger lag, als die Südwestecke, 
eine Senkung, die ungefähr der Neigung des Turmes ent¬ 
sprach. Zugleich zeigte das Nivellement die Erhebung 
eines in der Türschwelle des Campanile (auf der Nord¬ 
seite) belegenen Fixpunktes um 3 cm. So leicht eine Ver¬ 
schiebung dieser Schwelle bei dem Einsturz eintreten 
konnte, so wenig wahrscheinlich ist doch gerade eine 
Erhebung. Es scheint daher nicht ausgeschlossen, daß 
das Erdreich unter dem Fundament noch so viel Elastizität 
besessen hat, um nach Abnahme der Jahrhunderte dauern¬ 
den Belastung sich wieder ausdehnen zu können. 

► \ Die Konstruktion des alten Turmes zeigt Abbildg. 1 in 
Durchschnitt, unterem und oberem Grundriß nach Cicognara; 
doch scheint diese Darstellung nach den Angaben von 
Beltrami wenigstens inbezug auf die Konstruktion der Spitze 
nicht richtig zu sein. Die Pyramide und namentlich die sogen. 
Attika, d. h. der zwischen der Glockenstube (Cella) und der 
Spitze belegene Teil erscheinen etwas schwach, und ebenso 
ist die innere Mauerröhre, die eigentlich nur aus acht etwa 
1 qm starken Pfeilern bestand, die noch dazu durch die 
Widerlager der die Rampen tragenden Bögen geschwächt 
waren, höchst bedenklich. Abbildg. 2 gibt den Durchschnitt 
des Turmes mit der Loggietta nach dem Entwürfe Beltramis 
und der Gründung, bei welcher der neu hinzuzufügende 
Teil durch die Schraffierung kenntlich gemacht ist. In dem 
Grundriß darunter ist die Spundwand eingezeichnet, die 
den neuen Teil des Fundamentes einschließen sollte. 
Abbildg. 3 zeigt die gegenwärtige Gründung des Turmes 
(zur Hälfte) im Zusammenhang mit der Gründung der 
Bibliothek und läßt zugleich zwischen dieser und dem 
Turme ein verlassenes Fundament erkennen, das jeden¬ 
falls von einem älteren, weiter in den Platz vortretenden 



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Abb. 1. Nach Cicognara. 


9. Januar 1904. 


*7 


























































































































































































































Bau herrührt. Danach besteht das Fundament des Turmes 
aus einem massiven Mauei'klotz von 4,71 m Höhe, dessen 
oberen Teil ein regelrechter Stufenbau in Werkstein bildet, 
und dessen unterer Teil in Bruchstein hergestellt ist und 
auf einem 15 111 i. Qu. großen, ebenen Rost von zwei Schichten 
kreuzweise dicht nebeneinander gelegterPlanken vonEichen- 
holz ruht, die 25-32 cm breit und etwa io cm dick gezeichnet 
sind, während die Höhe beider Schichten zusammen zu 30 er11 
eingeschrieben ist. Dieser Rost wird von einem Pfahl¬ 
werk (Spickerpfählen) getragen, bestehend aus dicht neben¬ 
einander geschlagenen Pfählen von 1,5 m Länge und etwa 
25 cm Dicke, in der Hauptsache aus Elsenholz, deren untere 
Hälfte zu einer schlanken Spitze ausgearbeitet ist. Einen 
ähnlichen, nur schwächeren Rost hat der alte Mauerrest, 
während das Fundament 
der Bibliothek lediglich auf 
einem doppelten Planken¬ 
rost ohne Pfähle ruht. Bei 
einer starken Verbreite¬ 
rung des Fundamentes 
(auf etwa 3 m ) hat dies für 
ein Gebäude von rd. 16 m 
Höhe augenscheinlich ge¬ 
nügt. In gleicher Weise 
soll auch der Dogenpalast 
gegründet sein, während 
dieMarkuskirche einPfahl- 
werk besitzt. Das Pfahl¬ 
werk des Campanile steckt 
innerhalb der von den 
Linien MN und RS be¬ 
grenzten Tonschicht, die 
aber in sich Verschieden¬ 
heiten zeigt wie aus der 
an der Nordseite des 
Turmes vorgenommenen 
Bohrung hervorgeht, deren Ergebnisse rechts von dem 
Turmdurchschnitte angegeben sind. Welche Tragfähigkeit 
und welches Maß von Undurchlässigkeit diese vei'schiedenen 
Schichten haben, ist nicht angegeben, auch scheinen direkte 
Belastungsproben nicht vorgenommen zu sein. Die bloße 
Bezeichnung der Erdart läßt ein sicheres Urteil nicht zu; 
doch darf man annehmen, daß die Schichten C, D und E 
wasserdicht sind, während dies bei F zweifelhaft erscheint 
und von der Schicht G anzunehmen ist, daß sie Wasser führt. 
Beltrami gibt an, daß man bei allen bekannt gewordenen 
älteren Pfahlgründungen mehr Gewicht auf die Menge 
der Pfähle als auf ihre Länge gelegt habe. Dies geschah 
wohl deshalb, weil man fürchtete, mit längeren Pfählen 
in wasserführende Schichten zu kommen und dadurch 
die darüber liegende Tonschicht aufzuweichen. Bei den 
zum Zweck der Untersuchungen vorgenommenen Aus¬ 
grabungen hat sich ein stärkerer Wasserandrang nicht 
gezeigt. 

Man darf nun freilich nicht glauben, daß die ganze Grün¬ 
dung so regelrecht ausgeführt war, wie sie nach Abbildg. 3 
erscheint, ln Abbildg. 4 ist eine Skizze Beltramis von der 



Nordwest-Ecke des Fundamentes wiedergegeben, wonach 
die Ausführung recht erhebliche Unregelmäßigkeiten zeigt. 
Wenn die Pfähle zumteil schief eingeschlagen waren, so 
schadet das wenig, da hierdurch sogar die Grundfläche 
etwas vergrößert wurde; aber sie stehen vielfach mehr 
neben, als unter dem Roste, so daß es nicht schwierig 
war, einzelne davon herauszuziehen. Der Zustand des 
Holzes war imganzen befriedigend, namentlich waren die 
Pfähle von Elsenholz gut erhalten. Am Rost fand sich 
eine etwas weiter hervorragende, dem Angriff mehr aus¬ 
gesetzte Planke geschwärzt und im Zustande vorgeschritte¬ 
ner Verwesung, jedoch erschienen die Planken im Inneren, 
soweit ersichtlich, vollkommen gesund. Bei einer an der 
Nordost-Ecke des Fundamentes bereits im Jahre 1885 von 
Boni vorgenommenen Untersuchung hatte dieser gefunden, 
daß zwischen zwei, nicht dicht aneinander schließenden 
Planken ein Strahl von Salzwasser sich Bahn brach, der 
das Auspumpen der Grube erschwerte, so daß er sich ge¬ 
nötigt sah, die Fuge mit Holzspänen zu verstopfen. Beltrami 
fand bei seiner Untersuchung diese Stelle wieder und 
bemerkte beim Herausnehmen der Späne ein schwaches 
Durchsickern. Dies deutet jedenfalls auf Hohlräume unter 
oder über dem Rost. Das Mauerwerk erscheint nach der 
Skizze Abbildg. 4 sehr ungleichmäßig, jedoch gibt Beltrami an, 
daß es, wenn auch aus Steinen sehr verschiedener Größe 
bestehend, doch als ein ziemlich regelrechtes Bruchstein¬ 
mauerwerk zu bezeichnen sei. Aber es ist, wie alle Ge¬ 
bäude Venedigs vor dem 15. Jahrhundert, in nicht hydrau¬ 
lischem Mörtel ausgeführt, der dem Salzwasser nicht 
widerstanden hat und daher ausgewaschen ist, so daß das 
in diesem Frühjahr sehr reichlich darauf gefallene Regen¬ 
wasser in den Mauerklotz eingedrungen und an den Seiten 
herausgequollen ist. Es wurde auch der Versuch mit ge¬ 
färbtem Wasser gemacht, der ebenfalls die Durchlässigkeit 
des Fundamentes bestätigte. Verschiebungen oder Ver¬ 
letzungen im Mauerwerk fanden sich nicht, mit Ausnahme 
eines senkrechten Risses unter der Türschwelle auf der 
Nordseite, der bis ins Innere gedrungen ist, aber nach 
unten hin verschwand. Ob der Riß alt war, und ob sich 
etwa eine Fortsetzung oberhalb der Tür fand, oder nicht, 
wird nicht gesagt. Es ist aber gar nicht unwahrscheinlich, 
daß er erst durch die Erschütterung beim Einsturz des 
Turmes entstanden ist. Jedenfalls kann man nach all diesen 
Wahrnehmungen das Fundament nicht für einwandfrei 
erklären. Auch seine geringe Verbreiterung nach unten 
müssen wir als ungenügend bezeichnen. Wenn man aber 
weiß, mit welcher Sorglosigkeit man im Mittelalter häufig 
fundierte und erwägt, daß der Turm ursprünglich niedriger 
und weniger schwer war, so kann man dieses Fundament 
schon als wohlüberlegt ansehen. Auch erscheint nach 
dieser Probe und noch mehr nach der im Jahre 1588 ge¬ 
bauten Rialto-Brücke mit einem Bogen von 29 m Spann¬ 
weite, die allerdings 8 bis 10 m tief unter Wasser mit be¬ 
sonderer Sorgfalt gegründet ist, der Untergrund Venedigs 
nicht so schlecht, wie er für gewöhnlich gilt und die Sorge, 
daß die ganze Stadt dem Untergange geweiht sein könne, 
übertrieben. — (Schluß folgt.) 


Die Grundwasser-Versorgung der Stadt Berlin. 

(Nach einem Vortrage des städt. Wasserwerksdirektors Hrn. Königl. Bit. Beer in Berlin, gehalten im Berliner Architekten-Verein.) 


erlin wurde bis vor wenigen Jahren ausschließlich 
und wird auch jetzt noch zum größten Teile mit 
filtriertem Flußwasser versorgt. 

Von 1856—76 diente hierzu allein das von einer 
englischen Gesellschaft erbaute Wasserwerk am Stralauer 
Tor, das 1873 durch Kauf an die Stadt überging. Seine 
Höchstleistung von 7oooo cbm auf den Tag genügte schon 
vorher nur knapp, und die Stadt mußte sofort an eine 
Erweiterung gehen. Sie legte das erste Wasserwerk am 
Tegeler See an, das 1876 fertig wurde und 40000 cbm 
täglich leistete. Die Wassergewinnung erfolgte durch 
Flachbrunnen, also aus dem Grundwasser. Das Wasser 
war anfangs schön und klar, nach 6 Monaten Betrieb aber 
trübte es sich immer mehr; es bildete sich ein brauner 
Schlamm und die Verschmutzung dehnte sich bis in das 
Röhrennetz der Stadt aus. Man führte diese Erscheinung, 
durch welche das Wasser ekelhaft und ungenießbar wurde, 
auf eine Alge, Crenothrix polyspora, zurück. Bei den 
Untersuchungen, welche man anstellte, fand Hr. Prof. 
Finkner zufällig, daß das Wasser sehr wenig sauerstoff¬ 
haltig sei, und das gab den Technikern Veranlassung, zu 
versuchen, ob sich nicht durch Zuführung von Sauerstoff 
eine Klärung herbeiführen ließe. Man fand auch, daß die 
Crenothrix zwar nur im sauerstoffarmen Wasser lebt, daß 
.sie aber nur eine Begleiterscheinung der Trübung des 
Wassers ist, nicht die Ursache derselben, daß diese viel¬ 
mehr in dem im Wasser gelösten Eisenoxydul zu suchen 

18 


sei. Aus dieser Erkenntnis entwickelte sich nach längeren 
Versuchen das jetzt allgemein angewendete Verfahren der 
Enteisenung, d. h. der Ueberführung des löslichen Eisen- 
oxydules in unlösliches Eisenoxyd durch Zuführung von 
Sauerstoff (und zwar in einfacherWeise durch Rieselung), 
das dann bei weiterer Klärung des Wassers in den Filtern 
zurückgehalten wird. Letztere werden vielfach als Kokes- 
filter ausgeführt (Charlottenburg hat statt dessen Filter 
aus Ziegelbruch). 

Damals gelangte man aber noch nicht zu einer be¬ 
friedigenden Lösung der Enteisenung und sah sich daher 
gezwungen, die ganze Brunnenversorgung aufzugeben 
und das Werk in Tegel 1883 zur unmittelbaren Entnahme 
des Wassers aus dem See umzubauen. 1884—86 wurde 
eine Erweiterung um etwa 40 000 cbm ausgeführt, sodaß 
das Werk nun 1 c bm /Sek. liefern konnte. 

Schon 1884 wurden aber gleichzeitigVoruntersuchungen 
am Fuße der Müggelberge und am Ufer der Dahme an¬ 
gestellt, zunächst mit Brunnenanlagen und zwar wieder 
mit Flachbrunnen. Weder die Güte des so gewonnenen 
Wassers noch die Menge desselben befriedigten aber, sodaß 
man die Versorgung aus Brunnen ganz aufgab. Die 
höchstens 12 m tiefen Brunnen (man wagte mit Rücksicht 
auf die Enteisenung nicht, noch tiefer zu gehen, da ja der 
Sauerstoffgehalt mit der Tiefe noch mehr abnimmt) ließen 
nur einen Betrag von 13 000 cbm erwarten, das lohnte sich 
aber für eine Versorauns; von Berlin garnicht erst. 


No. 3. 










1890 —93 wurde bei Friedrichshagen am Müggelsee 
das erste Werk mit einer Leistung von 1 cbm/ Sek. gebaut, 
das sein Wasser mit Saugrohren unmittelbar aus dem 
See entnimmt. 1894—96 wurde es erweitert, sodaß die 
Leistungsfähigkeit um 0,5 cbm/Sek. stieg. Das ergibt eine 
Tagesleistung von 130000 cb m j dazu die Höchstleistung in 
Tegel mit rd. 90000 cbn^ zusammen also eine Gesamt¬ 
lieferung von 220000 cbm. Diese Wassermenge würde 
aber schon jetzt nicht immer ausreichen, wenn sich nicht 
durch schnelleren Durchlauf durch die Filter in Zeiten 
besonderen Bedarfes eine höhere Leistung bis 240 000 cbm 
täglich erreichen ließe. 

Dieser Mehrbedarf ergibt sich einerseits aus dem 
Anschluß von Weißensee, Stralau, Niederschöneweide, 
während anderseits auch das Bedürfnis nach Wasser¬ 
verbrauch gestiegen ist, sodaß jetzt statt 100 1 auf den 
Kopf 130 1 und selbst 140 1 gerechnet werden müssen. 

Welche ungeheuren Wassermassen dem Untergründe 
in der Umgegend von Berlin später einmal entzogen wer¬ 
den müssen, lehrt folgende Betrachtung. Auf den innerhalb 
des neuen Bebauungsplanes von Berlin zur Bebauung z. Zt. 
vorgesehenen Flächen können 2,5 Mill. Personen wohnen, 
das ergibt dann einen Wasserbedarf von 350 000 cbm 
Wasser täglich. Bei voller Raumausnutzung kann man 
später bis auf 400000 cbm rechnen, also im Jahre 
146 Mill. cbm. Nun entnehmen schon jetzt private Wasser¬ 
versorgungsanlagen in Berlin 36 Mill. cbm Wasser jährlich 
aus dem Untergrund, außerdem haben eine Reihe von 
Vororten ihre eigenen Wasserwerke, spdaß in der Um¬ 
gegend von Berlin auf eine spätere Wasserentnahme von 
200 Mill. cbm gerechnet werden darf, d. h. von 500000 cbm 
für 1 Tag oder 6 cbm/j Sek. Die Spree führt jetzt bei 
N.-W. 22 cbm ( aber manchmal auch nur 10 cbm, die Havel 
8—10 cbm bis herab zu 4 cbm. Die 6 cbm Grundwasser- 
Entnahme würden also einen stattlichen Strom darstellen. 

Das ist allerdings eine Zukunftsleistung, auf die Berlin 
noch nicht hinaus will. Es hat sich zunächst nur entschlossen, 
die Werke in Tegel und am Müggelsee in Grundwasser¬ 
werke umzubauen. Ersteres ist schon geschehen, letzteres 
wird, wie man annehmen darf, demnächst endgültig be¬ 
schlossen werden. Der Grund zu diesem Umbau ist die 
zunehmende Verunreinigung der öffentlichen Wasserläufe, 
die in Tegel zuerst zur Notwendigkeit der Aufgabe der 
unmittelbaren Entnahme aus dem See führte und am 
Müggelsee in absehbarer Zeit dazu führen müßte. Die 
Möglichkeit zu einem derartigen vollständigen Uebergang 
zur Grundwasserversorgung bietet der jetzige Stand der 
Technik, der eine einwandfreie Beschaffenheit des Wassers 
durch wirksame Enteisenung sicher stellt. 

Die Verunreinigung des Tegeler Sees wird veranlaßt 
durch die Einleitung der Abwässer der Vororte. Die Regie¬ 
rung hat trotz des Protestes der Stadt Berlin den Gemein¬ 
den Tegel und Reinickendorf die Einleitung ihrer Ab¬ 
wässer gestattet, nachdem diese dem Rothe-Degner- 
schen Klärverfahren unterworfen worden sind, das nach 
längeren Versuchen und Beobachtungen in einer Anlage 
ähnlicher Art in Potsdam als ausreichend wirksam erachtet 
wurde. Es werden bei diesem Verfahren dem Abwasser 
zunächst Chemikalien zugesetzt und dann wird dasselbe 
durch Kohlebreifilter geleitet. Es hat sich aber inzwischen 
herausgestellt, dass die Reinigung keineswegs eine aus¬ 
reichende ist, so dass die Gemeinde Reinickendorf jetzt 
Rieselfelder anzulegen gezwungen ist. 

Als Tegel zuerst die Erlaubnis zur Einleitung der Ab¬ 
wässer in den Tegeler See erhielt, gelang es der Stadt Berlin, 
die ihren Interessen drohende Gefahr zunächst noch durch 
eine Einigung mit der Gemeinde abzuwenden, indem sie 
auf eigene Kosten einen Ableitungskanal baute, der die Ab¬ 
wässer zunächst in einen vorhandenen Graben und weiter¬ 
hin unterhalb des Spandauer Schiffahrtskanales in die Unter¬ 
spree abführt. Es stellte sich bald heraus, daß in dem 
Kanal und Graben eine starke Verschlammung eintrat. 
Als dann Reinickendorf gleichfalls die Genehmigung zur 
Einleitung der Abwässer in den Tegeler See erhielt, 
trat die Frage zum zweiten Mal an die Stadt heran, 
einen Ableitungskanal zu bauen, der sich aber in diesem 
Falle so kostspielig gestellt hätte, daß ein Umbau des 
Tegeler Werkes unter vollständiger Verzichtleistung auf 
die Wasserentnahme aus dem See vorzuziehen war. Da¬ 
zu kam die wachsende Abneigung der Hvgieniker gegen 
filtriertes Flusswasser, trotzdem die Erfahrungen des 
Cholerajahre.s 1892 doch nachdrücklich für die ausgezeichnete 
Wirkung der Filtrierung sprechen; denn während in Ham¬ 
burg, das unfiltriertes Elbwasser verwendete, die Cholera 
wütete, blieb das unmittelbar daneben gelegene Altona, das 
sein Wasser aus der Elbe unterhalb Hamburg, also nach 
weiterer Verschmutzung durch die Abwässer dieser Stadt 
entnahm, aber vor der Benutzung filtrierte, abgesehen von 
einigen nachweislich eingeschleppten Fällen, vollständig 

9. Januar 1904. 


verschont. Die Anforderung vieler Hygieniker, dass die 
Filter ein vollständig keimfreies Wasser liefern sollen, 
können diese allerdings nicht erfüllen. Trotzdem gehen 
die Erfolge der Filtrierung weit über das hinaus, was das 
Reichsgesundheitsamt fordert. Fünfjährige sorgfältige Unter¬ 
suchungen des Verbandes der deutschen Filterwerke haben 
den einwandfreien Beweis hierfür geliefert. Irgendwelche 
gesundheitlichen Nachteile sind also aus der bisherigen 
Wasserversorgung nicht entstanden, aber es hat diese 
Abneigung jedenfalls mitgewirkt, um die Stadt Berlin zur 
reinen Grundwasserversorgung zu drängen. Dazu kommt, 
daß die Wasserentnahme aus dem Müggelsee der .Stadt 
auch nur widerruflich erteilt ist und daß die Bedürfnisse 
der Schiffahrt es einmal verbieten könnten, noch weiter¬ 
hin dem Flußlaufe Wasser zu entziehen. 

Die Schwierigkeit der Aufgabe lag nun darin, daß 
es galt, die in den vorhandenen Werken angelegten großen 
Werte nicht ganz zu verlieren, vielmehr die Werke so 
umzubauen, dass sie nach Möglichkeit auch der Wasser- 
Entnahme aus dem Untergrund anzupassen wären. Man 
war also in der Ausgestaltung der Anlagen z. T. gebun¬ 
den. Es galt ferner festzustellen, welche Wassermassen 
mit Sicherheit auf die Dauer dem Untergrund ent¬ 
nommen werden könnten. Einen gewissen Anhalt hierfür 
gaben die früheren Brunnenuntersuchungen in Tegel, die 
Erfahrungen des Charlottenburger Wasserwerkes und die 
Einzelanlagen für gewerbliche Betriebe in Berlin. Einen 
weiteren Anhalt gaben die Untersuchungen und Beob¬ 
achtungen über die zur Versickerung gelangenden Wasser¬ 
massen, wie sie Veitmeyer bereits 1871 in eingehender 
Weise angestellt hatte. Den besten Aufschluß gibt aber die 
geologische Formation, die für Berlin außerordentlich 
günstig für eine Grundwasserversorgung ist, da mächtige 
von weither gespeiste Grundwasserströme in dem sandi¬ 
gen Untergrund über einer undurchlässigen Tonschicht 
an mehreren Stellen vorhanden sind, wie bei Tegel 
und am Müggelsee, die durch Tiefbrunnen erschlossen 
werden können. In Tegel wurde die Tonschicht bei etwa 
40 m Tiefe angetroffen. Sie fällt nach dem See bis auf 
67 m Tiefe. Am Müggelsee liegt sie ziemlich gleichmäßig 
auf 38 m Tiefe. Darüber lagert ziemlich reiner, nach unten 
gröberer Sand, der nur stellenweise durch Tonlager und 
auch feinere Sandablagerungen durchsetzt ist. Die Ton¬ 
schicht ist auch an einigen Stellen durchbohrt worden. 
Sie ergab sich zu 80 90 m Dicke. Das darunter liegende 
Grundwasser zeigte sich chlorhaltig, sodaß es sich also 
zur Wasserversorgung nicht eignet. 

InTegelwurden zunäch.st3Versuchsbrunnen hergestellt, 
denen 20 Lit./Sek. entnommen wurden, d. h. etwa das 
vierfache der späteren dauernden Leistung. Es ergab 
sich nur eine Absenkung von 60 cm des Grundwasser¬ 
spiegels in allernächster Nähe der Brunnen. Die Anlage 
in Tegel umfaßt eine 1,3 km lange Brunnenfassung unter 
Ausnutzung der alten (außer Betrieb gewesenen) Kessel¬ 
brunnen von 16—20 m Tiefe, in welchen je 2 Saugrohre 
bis zum Ton abgesenkt wurden. Zur Ausnutzung der 
Maschinenanlage des neueren Wasserwerkes wurden zwei 
Brunnenfassungen von 2 km bezw. 0,8 km Länge angelegt. 
Von ersterer kann jedoch nur ein Teil von 1,5 km Länge 
ausgenutzt werden, da 500 m in den Bereich des älteren 
Wasserwerkes fallen. Trotzdem hat sich hier keine erheb¬ 
liche Absenkung des Grundwasserspiegels gezeigt, die etwa 
dem Baumbestand des anschließenden Forstes (wie anfangs 
befürchtet) schädlich werden könnte. Die Anlage steht seit 
1 Jahr in Betrieb. 

Am Müggelsee war man durch die Lage des Werkes 
dicht bei dem Orte Friedrichshagen ebenfalls nach einer 
Seite festgelegt. Angestellte Untersuchungen ergaben nun 
aber, dass Brunnenanlagen, in verschiedenen Abständen 
vom Ufer hintereinander geschaltet, in dem vorderen und 
dem hinteren Brunnen bei 20 Lit./Sek. Entnahme fast 
ganz gleiche Wassermengen lieferten, daß also die Wasser¬ 
zuführung des einen durch die anderen nicht beeinflußt 
wurde. Das ergab die Möglichkeit zur Anlage von zwei 
parallelen Saugeleitungen, sodaß der Weg bis zu den 
Maschinen nicht zu groß wird. Es sind dort drei Sauge¬ 
leitungen vorgesehen: eine Querleitung am Ort Friedrichs¬ 
hagen vorbei, eine kürzere Leitung unten parallel zum 
Ufer und eine längere obere Leitung desgl. Die Leitungen 
werden zus. fast 9 km Länge erhalten und gegen 350 Brunnen 
an die Maschinen an.schließen. Die Hauptrohre von 1200 mm 
Durchm. führen zu einem Sammelbrunnen, aus welchem 
die alten Saugmaschinen das Wasser heben können. 

Die Brunnen werden in sehr einfacher Form hergestellt. 
Es sind Rohrbrunnen mit einem äußeren, etwas weiteren 
Rohr, in welchem ein zweites, mit Gummi gegen das 
erstere abgedichtetes, unten unmittelbar in den i. M. 12 m 
langen Filterkorb auslaufendes, Rohr hinabgetrieben wird. 
Die Filter können bei Bedarf herausgezogen werden. Diese 


'9 


einfache Lösung schien die bessere, da auch die kompli¬ 
zierten Formen eine vollständige Sicherheit gegen Ver¬ 
schlammung nicht gewähren. Letztere ist außerdem in 
dem nicht sehr feinen Sandboden nicht so groß. Sie wird 
ferner durch niedrig gehaltene Geschwindigkeit des an¬ 
gesaugten Wassers — nicht über 20 m in i St. — noch 
mehr verringert. (In Tegel beträgt beim älteren Werk die 
Geschwindigkeit bei ix Lit./Sek. Förderung nicht mehr als 
19 m, bei dem neuen Werk 14 m , am Müggelsee bei 7 Lit./Sek. 
12 m in 1 St.) Dementsprechend ist die Anzahl der Brunnen 
bemessen, die in Gruppen zu 8—xo ihr Wasser mit be¬ 
sonderem Rohr dem Hauptrohr zuführen. 

Die Rieseler, wie sie bisher in Tegel ausgeführt sind, 
zeigen eine sehr einfache Anordnung und sind stets leicht 


zu reinigen. Sie sind ganz aus Holz hergestellt und bestehen 
aus Rinnen, von denen dasWasser über schmale Holzlatten¬ 
hürden herabrieselt. Sie beseitigen etwa 60 ü / 0 des Eisens, 
2° 0 / 0 gehen in der Vorreinigung weg, während schließlich 
etwa 20% für die Filter selbst bleiben, trotzdem dasWasser 
nach der Entnahme aus dem Untergrund 1,25 —1,80 mgr 
Eisen in 1 Lit. enthält. Die alten Sandfilter werden natür¬ 
lich weiter benutzt, wenn diese auch nicht mehr in dieser 
Art erforderlich sind. Eine Filterung mit grobem Kies 
wäre jedenfalls ausreichend. 

Die Müggelsee-Werke, die jetzt i3oooocbm geben, sollen 
auf 170000 cbm erweitert werden. Dafürsindetwa8—9 Milk M. 
(einschl. Rohrleitungen) erforderlich, während die Stadt in 
den Wasserwerken bereits etwa 60 Milk M. angelegt hat. — 


Vermischtes. 

Beleuchtungskörper der„Sächsischen Bronzewarenfabrik“ 
A.-G. in Wurzen suchen in ihrer Formgebung mit Erfolg 
Anpassung an den künstlerischen Charakter der Räume, 
in welchen sie zur Aufhängung kommen, wobei die Wahl 
eigenartiger, aber doch nicht kapriziöser Formen mit ein 
Hauptgesichtspunkt für die Gestaltung ist. Ein Kronleuchter 
für ein Palais in Baku nähert sich der Form, die Heinrich 
Seeling seinem Kronleuchter für das Stadttheater in 
Halle gab; ein Kronleuchter für das Kurhaus in Aachen 
zeigt die Formen des Empire, ein Kronleuchter für das 
Hotel Schirmer in Kassel die des modernen Stiles. In 
der Gestaltung mit ihm verwandt ist ein Kronleuchter für 
das Grand Hotel Axenstein in Brunnen in der Schweiz. 
Kronleuchter für das Theater in Aachen und für ein 
Kasino in Schlesien verwenden bei ähnlicher Form das 
pflanzen-ornamentale Element. Bei allen Arbeiten ist das 
Bestreben ei'kennbar, in der Fonngebung ausgetretene 
Wege zu verlassen und neue aufzusuchen. — 

Unentgeltliche Vorträge des Kgl. Kunstgewerbe-Museums 
in Berlin für die zweite Hälfte des Winters betreffen: 
„Die Tracht der Kulturvölker Europas vom Alter¬ 
tum bis zur Gegenwart“ (Dr. Heinr. Doege, Beginn 

11. Jan. 8'/ 2 Uhr); „Malerische Dekoration vom 
Mittelalter bis zur Neuzeit“ (Dr. Osk. Fischei, Beginn 

12. Jan. 8 l / 2 Uhr); „Geschichte der Sitz- und Lager- 
Möbel“ (Prof. Dr. Alfr. Gotth. Meyer, Beginn 14. Jan. 
8V2 Uhr). - 

Ehrendoktoren. Zu Ehrendoktoren der Technischen 
Hochschule in Karlsruhe wurden ernannt die Hrn. Geh. 
Reg.-Rat Prof. G. Herrmann in Aachen, Geh. Reg.-Rat 
Prof. Dr. F. Reuleaux in Berlin, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 
A. Paalzow in Berlin und Maschinenfabrikant H. Sulz er¬ 
ste in er in Winterthur. — 

Der Verein deutscher Portland - Cement - Fabrikanten 

wird am 24. und 25. Febniar d. J. seine 27. Generalver¬ 
sammlung in Berlin abhalten. - 


Preisbewerbungen. 

Die Schinkelpreis-Bewerbungen des Architekten-Vereins 
zu Berlin für 1905 stellen ungemein anregende Aufgaben. 
Für das Gebiet des Eisenbahnbaues ist der „Entwurf 
für die Herstellung eines dritten Gleispaares im 
Zuge der Berliner Stadtbahn“ bestimmt. Dieses 
dritte Gleispaar soll zur Entlastung der beiden vorhande¬ 
nen Gleispaare dienen und im Osten, bei Stralau-Rum¬ 
melsburg, an die Personengleise des Südringes, im Westen, 
bei Charlottenburg, an die Personengieise des Südringes 
und an die von Charlottenburg nach Spandau abzweigen¬ 
den Personengleise ohne Kreuzung in Schienenhöhe ange¬ 
schlossen werden. Auf allen 6 Gleisen, auf denen, abge¬ 
sehen von wenigen Markthallenzügen, nur Personenzüge 
verkehren, soll demnächst elektrischer Betrieb eingeführt 
werden. Die neuen Anlagen sind daher für diese Be¬ 
triebsweise einzurichten. 

Auf dem Gebiete des Wasserbaues ist der „Entwurf 
zu einem Brückenkanal über die Weser für den 
Rhein-Elbe-Kanal in Verbindung mit dem Abstieg 
zur Weser“ als Bewerbungsaufgabe gewählt. Mit Rück¬ 
sicht auf die Nähe der Stadt Minden und auf die Bedeu¬ 
tung der Kanalanlage ist auf eine möglichst gefällige Ge- 
samterscheinung des Bauwei'kes Wert zu legen. 

Für das Gebiet der Architektur ist die Aufgabe: „Ent¬ 
wurf zu einem Museum für Architektur und Archi¬ 
tekturplastik in Berlin“ gestellt. Es ist eine auf dem 
Restgelände der ehemaligen kgl. Tiei'garten-Baumschule 
zwischen Kurfürsten-Allee und Hardenberg-Strasse in Char¬ 
lottenburg zu errichtende Bauanlage gedacht, die zur Unter¬ 
bringung einer Sammlung von Nachbildungen dient, in 
welchen die Entwicklung der europäischen Architektur 
urid der mit dieser verbundenen Plastik veranschaulicht 
wird. In dieser Form soll das Museum zur Vervollständi¬ 


gung der Berliner Kunstsammlungen und zur bequemen 
Vorführung wichtigen Anschauungsstoffes für die Studie¬ 
renden der Technischen Hochschule und der Hochschule 
für die bildenden Künste dienen. 

Wie man sieht, sind die gestellten Aufgaben Vorwürfe 
von aktuellstem Interesse. Es ist ein unbestreitbares Ver¬ 
dienst der schönen Einrichtung der Schinkelpreis-Bewer¬ 
bungen des Arehitekten-Vei-eins zu Berlin, dass sie jeweilig 
ihre Aufgaben aus der Zahl der interessantesten künstleri¬ 
schen und technischen Zeitfragen zu wählen wusste. Die 
Programme haben die soi-gfältigste Durcharbeitung erfahren. 

Auf das „Museum für Architektur und Architektur¬ 
plastik in Berlin“ werden wir wohl gelegentlich noch ein¬ 
mal ausführlicher zurückkommen. — 

Ein internationaler Wettbewerb zur Erlangung von Ent¬ 
würfen für die Vereinigung Barcelonas mit seinen Vororten 
wird von der Stadtgemeinde mit Fi'ist zum 3. Dez. 1904 
erlassen. Es gelangen 3 Preise von 35 000, 10 000 und 
5000 Pesetas zur Verteilung. Unterlagen sind gegen 10 
Pesetas von der Stadt Barcelona zu beziehen. - 

In einem Preisausschreiben zur Erlangung von Ent¬ 
würfen für Deckengemälde der protestantischen Pfarrkirche 
in Kaufbeuren liefen 8 Arbeiten ein. Den I. Preis (Aus¬ 
führung) erhielt Hr. Maler Kunz Meyer in München; 
den II. Preis (600M.) Hr. Maler Franz Rinner in München; 
den III. Preis (400 M.) Hr. Maler Prof. W. Kolmsperger 
in München. Preisrichter waren die Hrn. Akademie-Prof. 
R. v. Seitz, H. v. Habermann, M. Feuerstein, Bildh. 
Prof. J. v. Kramer und Arch. Prof. Alb. Schmidt, sämt¬ 
lich in München. — 

Zu dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Wittels¬ 
bacher-Brunnen-Denkmal in Eichstätt liefen 30 Arbeiten 
ein. Den I. Preis (Ausführung des Brunnen-Denk¬ 
males) errangen Karl Sattler für die Architektur und 
Irene Hildebrand für die Plastik. Der II. Preis (1000 M.) 
fiel dem Bildhauer Ulfeid Janssen in Gemeinschaft mit 
dem Architekten Paul Thierseh zu; der III. Preis (700 M.) 
dem Bildhauer L. Kindler, der IV. Pi'eis (400 M.) dem 
Bildhauer Prof. Ernst Pfeiffer. Preisrichter waren die 
Hrn. Prof. W. v. Rürnann, Prof. H. Wad er 6, Prof. H. 
v. Schmidt, städt. Brt. H. Grässel, Prof. R. v. Seitz. 
Sämtliche Künstler wohnen in München. -- 


Brief- und Fragekasten. 

B. 13 in Koblenz. Ihre Auffassung, dass der Bauherr die 
Materialienbestellung durch den bauleitenden Architekten stets gut¬ 
heissen und gegen sich gelten lassen müsse, trifft nicht zu. Nur 
wenn der Bauherr den Bauleiter zur Bestellung der Materialien 
ausdrücklich beauftragt hat, ist er zur Abnahme der bestellten 
Ware verpflichtet. Anderenfalls steht es in seinem freien Ermessen, 
das Liefergut abzulehnen oder anzunehmen. Ist es indes zur Ver¬ 
wendung ohne Auftrag bestellter Gegenstände (Träger) gekommen, 
so muss der Bauherr solche bezahlen, weil in dem Dulden der 
Verwendung eine nachträgliche Genehmigung der Bestellung zu 
erblicken ist. — Die Rücksendung von Grundrissen, welche die 
verlangten und vorgenommenen Abänderungen nicht enthalten 
haben, wird mutmaßlich das Gericht als eine grobe Fahrlässigkeit 
beurteilen, in welchem Falle es den Rücktritt des Bauherrn vom 
Verdingungsvertrage für begründet erklären wird. Es ist dies 
eine Frage tatsächlicher Natur, die die Richter nach freier Würdigung 
aller einschlagenden Tatumstände zu beantworten haben. Sie 
pflegen nun vorsätzliche oder fahrlässige Zuwiderhandlungen gegen 
berechtigte Wünsche der Bauherrn für Verstösse gegen Treu und 
Glauben im Geschäftsverkehr zu erklären. — K. H-e. 

Hrn. Arch. H. E. in Passau. Wir haben schon mehrfach 
erklärt, dass die Bezeichnung „Architekt" einstweilen in Deutsch¬ 
land noch kein Schutztitel, sondern lediglich eine Standesbe¬ 
zeichnung ist. 

Inhalt: Villa Wertheimber in Homburg v. d. Höhe. — Zur Frage der 
Umgestaltung des Theaterplatzes in Dresden. — Der Wiederaufbau des 
Campanile von San Marco (Fortsetzung). — Die Grundwasser-Versorgung der 
Stadt Berlin. —Vermischtes. — Preisbewerbungeu. — Brief- u. Fragekasten. 

Hierzu eine Bildbeilage: Villa Wertheimber in Hombu rg 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 

No. 3. 


20 













OTraDrara«aacöacM3B(JöBra 

DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N 2 ; 4 . BERLIN, DEN 13. JAN. 1904 

Der Brand des Iroquois-Theaters in Chicago und die notwendige Reform der modernen Bühne.*) 

Von Baurat Heinrich Seeling in Berlin. 

aus seiner Garderobe gesprungen, lief, bereits blutend von 
herabfallenden Gläsern der Soffiten-Glühlampen, vor die 
Rampe, um das Publikum zu beruhigen, dann erst kom¬ 
mandierte er den Vorhang herunter und der blieb in halber 
Höhe stecken. Ja, ist denn nach allem dem eine größere 
Mißwirtschaft zu denken? 

Weiter! Eine gewaltige Stichflamme brauste dann im 
Nu pfeifend durch den Zuschauerraum, über die Köpfe 
der Parkettbesucher zu den Besuchern der vorderen Reihen 
des ersten Ranges und der Galerien, und versengte diese, 

während die hinteren Reihen 
der Galerien auf abschüssigen 
Boden stürzten, ehe sie die 
vier vorderen Reihen erreich¬ 
ten. Also die Besucher der 
hinteren Bänke der Galerie 
mußten gegen die 4 vorderen 
Reihen, also gegen das Feuer 
gehen, um zu den Ausgängen 
zu gelangen! — Aus den sich 
widersprechenden Berichten 
kann man sich noch kein Bild 
über die Art der Ausgänge 
desZuschauerhauses machen. 
Nur von den „Notausgängen“ 
ist die Rede, von denen einer 
30 Fuß über dem Pflaster 
endete. Es war keine Leiter 
vorhanden, die an der Oeff- 
nung zu Boden geführt hätte. 
Der Gang davor war voll von 
Frauen, die von der Menge 
nach vorne gedrückt und 
über das Geländer auf das 
Pflaster geschleudert wurden. 
Bewohner eines benachbar¬ 
ten Hauses überbrückten 
schließlich die Lücke 
zwischen diesemNotaus- 
gang und ihrem Hause 
durch Laufbretter! Andere sollen, 
solche Außenleitern benützend, von den 
Nachfolgenden zertreten worden sein. 
PD Das kennzeichnet die bauliche An¬ 
lage! Hört denn da nicht alles auf? 
Derartige, aber dann gesichertere An¬ 
lagen schreibt unsere Baupolizei wohl 
bei den alten noch vorhandenen Rake¬ 
tenkisten vor, die den Namen „Theater“ 
führen; aber wer wagte es bei uns, 
eine derartige Neuanlage am Zu¬ 
schauerhaus vorzuschlagen oder gar 
zu gestatten! 

Das mir vorliegende, von den Er¬ 
bauern des Iroquois-Theaters ein paar 
Jahre früher errichtete Jllinois-Theater 
in Chicago zeigt, eingequetscht zwi¬ 
schen Nachbarhäusern, neben seiner 
vornehmen Vorderfront an schmaler 
Gasse die Seitenfront des Zuschauer¬ 
hauses mit eisernen Rettungstreppen, 
wie wir sie als Notbehelfe an den 
alten Kasten in Deutschland nicht ohne 
Gruseln sehen. Das sind wohl noch 
Rettungswege, aber hoffentlich hat 
auch in Deutschland Niemand nötig, eine rasende Menge 
hinter sich, sich auf solchem Wege zu retten. 

Es muß gesagt werden: alle ernste Fürsorge, welche 
die österreichischen und deutschen, besonders die Wiener 
und die Berliner Ministerial-Vorschriften enthalten, in denen 
ja auch Einzelnes steht, was im Uebereifer und aufgrund 


us der Flut der Telegramme ist immer noch kein 
völlig klares Bild der furchtbaren Katastrophe zu 
gewinnen, welche um die Jahreswende Chicago 
heimgesucht hat. Aber neben dem zuerst aufsteigenden 
Gefühl des Menschen zum Menschen ertönte sofort und 
ist auch hier wieder merkwürdig der Ruf: „Kreuziget ihn!“ 
Ist in Chicago aber nun wirklich ein Einzelner der Schuldige, 
oder hat hier der findige „ingeniöse“ Amerikanismus einen 
■Schlag erhalten, der der Gesamtheit sagt: es ist 'etwas 
faul? Es ist dort genau so, wie vor derJRingtheater-Kata- 
strophe inWien. Nach der Ka¬ 
tastrophe hat Jeder gut reden! 

Schuld an den Katastrophen 
in Wien und Chicago tragen 
einfach die höchste Vernach¬ 
lässigung der Vorsichtsma߬ 
regeln des Betriebes und die 
Sorglosigkeit der Aufsichts- 
Behörden. Das war, ist und 
wird immer bei derartigen Ka¬ 
tastrophen so bleiben, wie über¬ 
haupt bei allem, was in der Welt 
schief geht. Die Katastrophen 
von Jena und Sedan, die Fi¬ 
nanz-Krachs, die wir erlebt, 
alles läßt sich auf die gleiche 
Ursache: auf Sorglosigkeit, Ge¬ 
wissenlosigkeit und V erknöche- 
rung zurückführen. Daß je¬ 
der „Schutz“ entsprechend ge¬ 
braucht werden muß, wenn er 
nützen soll, ist aber eine alte 
Lehre der Weltgeschichte. 

Stahl und Stein, Marmor und 
Mosaik haben die Bauherren 
und die Architekten des Iro¬ 
quois-Theaters nicht gespart. 

Es sollte der neueste, vornehm¬ 
ste und feuersicherste Theater¬ 
bau, wenn nicht der Welt, so 
doch Amerikas werden und über die 
ganze, erst am 23. Nov. 1903 der staunen¬ 
den Welt gezeigte Herrlichkeit brauste 
dann das Entsetzen vom ablaufenden 
Dezember. 

Warum? Nach der Aussage des am 
Unglücksabende das Mondscheinlicht 
erzeugenden Beleuchters William Mc. 

Müller bewirkte das Unglück der ab¬ 
springende Funke einer Bühneneffekt- 
Bogenlampe, nicht der immer zunächst 
gesuchte Kurzschluß, dank der allen 
Lehren der Ringtheater-Katastrophe und 
der der Opera comique in Paris zum 
Trotz vorhanden gewesenen Nachlässig¬ 
keit und Kopflosigkeit. Hydranten und 
ein kaltblütiger Feuerwehrmann waren 
augenscheinlich nicht vorhanden, wohl 
aber mit Chemikalien gefüllte Patent- 
Löschapparate,die versagten, wahrschein¬ 
lich, weil sie seit der Eröffnung des Thea¬ 
ters und vielleicht auch lange vorher ein 
beschauliches Leben geführt hatten Nie¬ 
mand war auf der Bühne, dessen Auto¬ 
rität sofort entsprechend eingriff. Der 
leitende S chauspieler der Vorstellung kam halb angekleidet 

*) Anmerkung der Redaktion. Trotz starker geschäftlicher 
Inanspruchnahme hatHr. Baurat Heinrich Seeling sich doch in anerkennens¬ 
werter Weise bereit erklärt, unserer Bitte um Besprechung der furchtbaren 
Katastrophe von Chicago aus seiner reichen Erfahrung heraus zu entspre¬ 
chen. Wir sagen ihm auch an dieser Stelle für diese Bereitwilligkeit 
unseren Dank. — 




21 
























































eines längst veralteten Theaterbetriebes vorgeschrieben.ist, 
all’ unsere deutsche, oft verspottete und oft gepriesene 
Gründlichkeit, die sich darin offenbart, ist an den Ameri¬ 
kanern, an den Engländern und zumteil auch an den 
Franzosen spurlos vorübergegangen. 

Ja, feuersicher bauen auch sie, oft bis zum Ueber- 
maß'feuersicher! Aber die Sorglosigkeit der Anlage in- 
bezug auf Verteilung der Ausgänge und der Treppen des 
Zuschauerhauses und für den Bühnenbetrieb für den Fall 
einer Panik läßt nichts zu wünschen übrig. Was ist in 
Chicago an bezw. in demTheäterbau zu Grunde gegangen? 
Die zum geringsten Teile angesengten, meist er¬ 
stickten, mehr aber noch zertretenen oder herab¬ 
gestürzten Menschen! Sonst ist wenig zerstört und 
zumteil nur die innere Einrichtung ausgebrannt. Die mit 
poliertem Granit, Marmor und reichen glasierten Terra¬ 
kotten hergestellte Fassade, die, wie gesagt, von Marmor und 
Goldmosaik strotzende Vestibül-Anlage usw. sind erhalten, 


In einem auf Ersuchen der Redaktion zur Beruhigung 
des großen Publikums in No. 3 des „Tag“ veröffentlichten 
Artikel, dessen Folgerungen kaum durch das inzwischen 
weiter eingegangene Depeschenmaterial berührt werden, 
betonte ich als Hauptgefahr das plötzliche Eindringen von 
frischer Luft zum kleinsten Brandherd durch unzeitiges 
oder unverstandenes Aufreißen von Ausgangstüren oder 
Toren der Bühne; hier liegen Alpha und Omega der 
Katastrophe sowohl in Wien, beim Ringtheaterbrand, wie 
jetzt in Chicago. Die später aus Chicago eingetroffenen 
Nachrichten, welche umgekehrt die Zugluft von den Türen 
des Zuschauerhauses zur Bühne annehmen, widersprechen 
der Tatsache, daß die Flammen plötzlich zischend und 
brausend wie ein Blitz unter dem halbgeöffneten Asbest¬ 
vorhang hervor bis zur gegenüberliegenden Brüstung des 
I. und II. Ranges gepeitscht wurden. Das konnte nur der 
Druck von hinten, also entweder dort geöffnete Türen 
oder der gewaltige Druck der Gasexplosion hervorbringen. 




Das Deutsche Volkstheater in Wien. Architekten: Fellner & Helmer 


nur die Bühne 
und der Zu¬ 
schauer-Raum 
sind teils ausge¬ 
brannt,teils nur 
angesengt. Der 
Bau soll 210000 
Pfund, also et¬ 
wa 4200000 M. 
gekostet haben 
und der bauli¬ 
che Schaden 
soll mit einer 
Viertel-Million 
M. durchaus zu 
erledigen sein! 

Also selbst die 
Feuerversiche- 
rungs - Gesell¬ 
schaften kön¬ 
nen,wenn über¬ 
haupt,nichtsehr 
scharf in Mit¬ 
leidenschaft ge¬ 
zogen werden. 

Nur die armen Frauen und Kinder ha¬ 
ben ihr Leben und ihre Familien in 
trostlosem Unglück lassen müssen, weil 
Leichtsinn und Geldmacherei zusammen 
im Bunde stärker waren, als Pflichtge¬ 
fühl, Besonnenheit und fachmännische 
Einsicht. 

Ich bin der Letzte, der in phari¬ 
säischem Hochmut diesen Tiingen gegen¬ 
über steht. Schließlich greift doch die ge¬ 
waltige Faust des Schicksals dahin, wo 
man es am wenigsten für möglich ge¬ 
halten hat. Aber welcher deutsche oder 
österreichische Kollege von Ruf würde 
es wagen, einen Theater-Neubau so mit 
Außerachtlassung aller Erfahrung über 
die Notwendigkeit klarster Treppenan¬ 
lagen und Ausgänge mit „Nottreppen“ 
und „Notausgängen“ zu disponieren, 
auch wenn unsere baupolizeilichen Be¬ 
stimmungen nicht umfassend und vor¬ 
greifend getroffen wären. In welcher 
deutschen oder österreichischen Stadt 
wäre ein so großes Theater wie das in¬ 
frage stehende mit einem Zuschauerhaus 
für 2000 Personen und einer dement¬ 
sprechenden Bühne mit so vorsündflut- 
lichem Sicherheitsbetrieb auf der Bühne 
möglich? Wo dürfte die Möglichkeit 
vorhanden sein, daß auf der Bühne „Gasbehälter“ sich 
befinden, daß solche explodieren können, so daß das Dach 
abgehoben wird und daß die ausströmenden giftigen Gase 
das Publikum noch betäuben und mit vernichten helfen. 
Ich glaube versichern zu können: das gibt es bei uns 
nicht! Oder doch? 

Jedenfalls wird die fürchterliche Katastrophe einer 
Reihe von Bühnenvorständen und Aufsichtsbehörden ein 
Memento sein, den Bühnenbetrieb der ihnen unterstellten 
Iheater und den dafür gebotenen Sicherheitsmaßregeln 
vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Vor allem ist 
das gesamte Bühnenpersonal — Arbeiter, Künstler, Feuer¬ 
wehr und sonstige Aufsichtsbeamte — in regelmäßigen 
Alärmübungen auf p'ötzlich eintretende Gefahr vorzube- 
bereiten und so soll Jeder, bei drakonischen Strafen gegen¬ 
über Pflichtvernachlässigung, üben, was er zu tun oder 
zu lassen hat und wie er sich schließlich rettet. 


In Wien Ver¬ 
schuldete das 
ganze Unheil 
die Oeffnung 
desimRücken 
derBühne an- 
gelegtenTores 
für großeVer- 
satzstückeusw. 
An eine solche 
Stelle gehört 
imAugenblick 
derGefahr ein 
an Gefahr ge¬ 
wöhnter, kalt¬ 
blütiger Feu¬ 
erwehrmann, 
der einfach 
unbesonnene, 
zur wilden u. 
unfolgsamen 
Bestie gewor¬ 
dene Mensch- 
Wien. en rücksichts¬ 

los über den 

Haufen schießt. Diese schwere Verant¬ 
wortung kann Jeder’auf seine Seele neh¬ 
men, der weiß, daß er dadurch Hunderten 
das Leben retten kann. Es wird aber 
gar nicht so weit kommen, wenn min¬ 
destens einmal im Monat Alarm geübt 
wird und im übrigen alle Oeffnungen 
und Ausgänge so angelegt sind, daß 
Jeder weiß: sobald Du eine der in 
Bühnenhöhe befindlichen Türen hinter 
Dir hast — ich rechne 6 Türen für das 
Personal, außer den Türen zum Trans¬ 
port der Dekorationen — kann hinter 
Dir die Hölle los sein, Qualm und Feuer 
können Dir nichts mehr anhaben — wenn 
Du einen der Dir und allen miteinander 
gewohnten Wege gehst. 

In Berlin und in anderen großen 
Städten Deutschlands möchte ich keinem 
der Feuerwehrleute raten (sie tuns gar 
nicht! so durchdrungen sind sie von 
ihrer Verantwortlichkeit) den Posten am 
Vorhang, auf der Galerie, an einem der 
Hydranten usw. zu verlassen, ohne die 
ihnen zugeteilte Funktion erfüllt zu haben. 
Ob es auch in den kleineren Städten 
bisher immer so scharf genommen wurde 
oder ob Zeit zu einem Glase Bier war: 
ich denke, der jetzige fürchterliche An¬ 
laß wird allen, die es angeht, zum Bewußtsein bringen, 
1. was auf dem Spiele steht und andererseits 2. mit wie 
wenig Organisation und Entschlossenheit bei un¬ 
beugsamer Disziplin auch einer großen Gefahr 
begegnet werden kann. 

Alle Bühnen-Vorstände wissen, wie selbst in den alten 
ausgedörrten, voll Hanf und Lattenwerk steckenden Ra¬ 
ketenkasten durch rasches energisches Zufassen, aber ohne 
Luftzug, in wiederholten Fällen ein Brand verhindert 
wurde. Die Frage bei den alten Theatern müßte eigentlich 
lauten: Wie kommt es, daß sich nicht jeden Abend bei 
diesem Wust von zusammengehäuftem Staub, Hanf, Latten¬ 
werk und hunderten von offenenGasflammen etwas ereignet? 
und nicht: Wie kommt es, daß es soviel Theaterbrände gibt! 
Sie sind unfehlbar verschwindend gering gegen¬ 
über der Aufhäufung täglicher Gefahr, und so 
wird der Mensch der Gefahr gegenüber sorglos. 


No. 4. 


22 








































































































































































abzug verlangt. Ueber den zweischneidigen Wert dieses 
Saugers sind die Meinungen geteilt. Hier abziehende Rauch¬ 
gase sollen durch die festen Jalousien des Dachaufsatzes 
zwischen den mittleren 4 Dachbindern über dem Zuschauer¬ 
hause entweichen. Nur bei diesem Theater habe ich auf 
zwingenden Wunsch des Bauherrn seitliche Parkettlogen 


Das Stadttheater in 
Frankfurt a. M. 

Architekt: Brt. Heinr. 
Seeling in Berlin. 


Nun haben wir es ja so herrlich weit gebracht mit unse¬ 
ren über und über „feuersicheren“ Konstruktionen. Viele 
glauben das Wort „Holz“ gar nicht mehr aussprechen zu 
dürfen, wenn es.sich um Konstruktion handelt und dann 
kommt der dümmste Zufall, und wirft das ganze patentierte 
Amerikanertum und alle modernen Errungenschaften über 
den Haufen, weil kopflose und leichtsinnige Menschen 
ihre Pflicht nicht kannten, nicht ausübten und ihre Organe 
nicht schulten. — 

Es sei mir nun gestattet, die Nutzanwendung der vor¬ 
stehenden Erörterungen an einigen Beispielen zu zeigen. 

Ich benutze dazu die in meinem Kapitel über das moderne 
Theater in der „Baukunde des Architekten“, Band II, Teil 3 
veröffentlichten Abbildungen moderner deutscher, franzö¬ 
sischer, englischer und amerikanischer Theater. 

Das Ringtheater in Wien (S. 21) zeigt im Grundriß 
das Unglückstor im Rücken der Bühne, die eingeklemmten, 
ohne Tageslicht angelegten Umgänge und die verschlossen 
gewesenen, 
ebenfalls von 
den Fronten 
abgeschlos- 
senenNeben- 
treppen. Das 
Deutsche 
Volksthea¬ 
ter i n W i e n 
von Fellner& 

Helmer zeigt 
dagegen das 
moderneEm- 
pfinden: die 
seitlichen 
Ausgängedes 
Parkett mi 
unmittelbart 
auf die Stras¬ 
se führenden 
seitlichenVe- 
stibülen, und 
die Umgänge 
und Treppen 
mit Tages¬ 
licht (S. 22). 

Welch’ ein Unterschied für 
sehende Augen, wenn man die- 
beiden Grundrisse vergleicht! 

Der Längsschnitt und der 
Grundriß des von mir erbauten, 
im vorigen Jahre eröffneten 
Städtischen Schauspiel¬ 
hauses zu Frankfurt a. M. 
als Beispiel eines neueren deut¬ 
schen Theaters zeigen ebenfalls 
Treppen und Umgänge frei an 
der Straße; das große Foyer 
mit seinen hohen Fenstern und 
dem vorgelegten Altan gewährt 
an sich schon ängstlichen Ge¬ 
mütern Zuflucht. Im Längsschnitt 
sieht man ferner über der „über¬ 
wölbten“ Bühne den feuersicher 
ummantelten Rauchschlot, der 
durch die feststehenden Jalousie- 
Oeffnungen der Laterne der 
Bühne unmittelbar ms Freie mün¬ 
det. Es ist also dort gegenüber der 
Höhe des Zuschauerraumes von 
etwa 15m ein etwa 40™ hoher 
Ausbrennschlot von rd. 2o c i m 
Querschnitt gebildet, der nach 
Fallen der Rauchklappe als ge¬ 
waltiger Sauger alles an sich reißt, 
bis die sich entwickelnden Span¬ 
nungen die Glasscheiben der un¬ 
ter dem Schnürboden liegenden, 
der BühneTageslicht gebenden Fenster zum Zerplatzen brin- angeordnet, sonst führe ich stets möglichst in Zonen von 
gen und die Gase auch seitlich entweichen. Auch für den 4 bis 5 Reihen nach dem Prinzip von Bayreuth das Parkett- 
ZuschauerraumwirdinPreussen noch ein besonderer Rauch- publikum seitlich auf die Umgänge. — (Schluß folgt.) 




Mitteilungen aus Vereinen. 

Verein für Eisenbahnkunde. In der November-Sitzung 
1903 unter Vors, des Min.-Dir. Schroeder hielt Hr. Reg.- 
Bmstr. Pforr einen Vortrag über die belgischen Klein¬ 
bahnen. Diese seien fast ausschließlich von einer ein¬ 
zigen Gesellschaft, der „Socidtd nationale des chemins de 
fer vicinaux“, gebaut worden und zeichneten sich durch 

.13 Januar 1904. 


eine besonders gute Entwicklung aus. Nicht nur, daß ihre 
Länge verhältnismäßig größer sei als bei uns, sie lieferten 
auch bessere Erträgnisse. Während unsere Kleinbahnen 
im Durchschnitt ihr Anlagekapital mit 1,7% verzinsten, 
betrüge die Verzinsung bei den belgischen Kleinbahnen 
3,25° 0 . Das Geld zu ihrem Bau werde von den Gemein¬ 
den und den Provinzial- und Staatsbehörden aufgebracht, 
Privatunternehmer seien dabei nicht beteiligt. Bei uns 


23 






































































































































































































































































































































dagegen hätten bis jetzt die Privatunternehmer etwa die 
Hälfte des Geldes beschaffen müssen. Man verlange in 
Belgien aber nicht, daß die Gemeinden ihren Anteil baar 
bezahlen, sondern gestatte, daß sie ihn innerhalb einer 
Frist von 90 Jahren allmählich tilgten. Das Baugeld werde 
durch Schuldverschreibungen beschafft und durchweg mit 
3% verzinst. Man hoffe, daß die Bahnen einen neuen 
Aufschwung durch die Einführung des elektrischen Be¬ 
triebes mit Wechselstrom-Motoren nehmen werden. - 
Hierauf sprach Hr. Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Reuleaux 
unter Vorführung zahlreicher Karten und Zeichnungen 
über die großen „Brücken über den Eastriver“ vor 
New-York zurVerbindung der Manhattan-Insel mitBrooklyn. 
Zunächst gedachte der Redner der bekannten, in den sieb¬ 
ziger Jahren von dem Deutschen Röbling erbauten Brook- 
lyner Hängebrücke, die mit einer Spannweite von 518 m 
den Meeresarm übersetzt. Vor zwei Jahren habe man 
dann mit dem Bau einer zweiten, der „Williamsburg-Brücke“ 
begonnen. Ihr Tragwerk bestehe wesentlich aus 4 Draht¬ 
seilen, deren jedes nahe an 7700 Stahldrähte von 4,8 mm 
Durchmesser enthalte. Das hölzerne Baugerüst dieser 
Brücke sei vor etwa Jahresfrist durch Feuer zerstört 
worden, wobei auch Teile der Kabel ausgeglüht und da¬ 
durch unbrauchbar geworden seien. Jetzt schreite der 
Bau nach Ausbesserung der Schäden rüstig vorwärts. 
Sodann sei die Ausführung zweier weiterer Brücken in 
Angriff genommen, über die der Vortragende dem New- 
Yorker Oberkommissar für Brücken, Hrn. Lindenthal, 
nähere Mitteilungen verdankt. Es sind dies die „Manhattan- 
Brücke“, eine Kettenbrücke von 448,4 m Spannweite der 
Hauptöffnung, riesigen stählernen Kettentürmen und ge¬ 
mauerten Ankerpfeilern, und die „Blackwellinsel-Brücke“, 
die diese Insel zur Ueberschreitung des Eastriver benutzt 
und ein Tragwerk von sogenannten Frei- oder Ausleger¬ 
trägern erhalten soll. Jede der genannten vier Brücken trägt 
neben einer Fahrbahn für Fuhrwerke und breiten Fu߬ 
wegen noch 4—8 Bahngleise, die meist in zwei Stock¬ 
werken übereinander angeordnet sind. Auf ihnen wird 
nach Vollendung der Bauwerke, die 1906 erwartet wird, 
ein ungeheurer Verkehr ermöglicht werden. Hervorge¬ 
hoben wurde, daß der Baustoff der Brücken, einschließlich 
desjenigen für die Drähte der Williamsburg-Brücke, Nickel¬ 
stahl von hohen Festigkeits-Eigenschaften sein werde. - 

Preisbewerbungen. 

Wettbewerb Knaben-und Mädchenschule in Waldenburg. 
Aufgrund unserer Bemerkung in No. 98, Jahrg. 1903, er¬ 
halten wir von dem Preisrichter Hrn. Geh. Brt. Stübben in 
Köln die Mitteilung, daß der Magistrat der Stadt vier der 
nicht fachmännisch gebildeten Beisitzer des Preisgerichtes 
zurückzuziehen beabsichtigt, sodaß in diesem dann die 
Fachleute in der Mehrheit sein werden, wie das den 
„Verbands-Grundsätzen“ entspricht. Zweifelhaft ist jedoch 
im Programm noch die Stelle, nach welcher die Preise 
nur zur Verteilung kommen, falls „entsprechende“ 
Entwürfe eingehen. Wir setzen voraus, daß dieser Aus¬ 
druck gleichbedeutend sein soll mit „programmgemäße“ 
Entwürfe. Eine baldige Erklärung des Magistrates auch 
hierüber dürfte sich im Interesse der Beteiligung an dem 
Wettbewerbe empfehlen. — 

Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen 
Saal- und Theaterbau in Giessen wird durch die Stadt er¬ 
lassen werden. Für den Bau ist das Gelände von „Schülers 
Garten“ in Aussicht genommen und eine Bausumme von 
etwa 750 000 M. angenommen. — 

Wettbewerb Volksschulgebäude Schwabach. Der mit 
dem II. Preise gekrönte Entwurf des Hrn. Otto Schnartz 
in München wurde zur Ausführung gewählt. Die Bau¬ 
summe beträgt 252 000 M. — 

In dem engeren Wettbewerb betr. Entwürfe für die 
Universitätsbauten in Jena erhielt den I. Preis Hr. Prof. 
Theod. Fischer in Stuttgart; den II. Preis Hr. Prof. Karl 
Hocheder in München und den III. Preis die Hrn. Arch. 
G. Weidenbach und Tschammer in Leipzig. — 


Personal-Nachrichten. 

Preussen. Dem Landesbauinsp. Brt. Hasse in Siegburg ist 
der Rote Adler-Orden IV. Kl verliehen. 

Die Erlaubnis zur Annahme und Anlegung der ihnen verlieh, 
nichtpreuß. Orden ist erteilt und zw.: dem Geh. Brt. Richard 
in Magdeburg des Ritterkreuzes I. Kl. des Kgl. sächs. Albrechts- 
ordens mit der Krone; dem Eisenb -Bau- und Betr.-Insp. Brosche 
in Erfurt des Ritterkreuzes I. Kl. desselben Ordens; dem Geh Brt. 
Alken in Hannover des Ehrenkreuzes II. Ivl. des Fürstl. lippischen 
Hausordens; dem Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Fulda in Lage des 
Ehrenkreuzes IV. Kl. desselben Ordens; dem Reg.- u. Brt. Tornow 
in Metz des Ehrenkreuzes des hess. Verdienstordens Philipps des 
Großmütigen, dem Reg -u Brt. H a u e r in Saalfeld des Fürstl. schwarz- 
burg. Ehrenkreuzes III. Kl.; dem Ob.-Brt. Schneider in Mainz des 


russ. St. Stanislaus-Ordens II. Kl.; dem Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. 
Denicke in Hannover des Großherrl. türk. Osmanie-Ordens III. Kl. 

Ernannt sind: Der Landbauinsp Brt Schultze in Berlin und 
der Kr.-Bauinsp Brt. v. Busse in Bromberg z. Reg.- u. Brtn. — 
Der Brt R. Cramer und der Geh. Ob.-Postrat Hake in Berlin zu 
ordentl. Mitgl. und der Geh. Admir.-Rat Franzius in Kiel, der 
Ob.-Baudir. Rehder in Lübeck, der Dir. der Bauabt. der Gen-Dir. 
der wüittemb Staatseiscnb. v. Fuchs in Stuttgart, der Reg-Bmstr. 
Prof. Solf in Berlin zu außerord. Mitgl. der Akademie des Bau¬ 
wesens. — Der Geh Brt. Schollt mann in Berlin z. Mitgl. des 
Kgl. Techn. Oberprüfungsamtes. 

Der Reg.-Bmstr. Gg. Braun ist der Kgl. Verwaltg. der mark. 
Wasserstrassen in Potsdam zur Beschäftigung überwiesen. 

Die Reg -Bfhr. Fel. Krüger aus Dessau und Wilh Biel aus 
Gandersheim (Hochbfch.), — Otto Grassdorf u. Fr Eifflaender 
aus Hannover (Eisenbfch), — Karl Cramer aus Hameln, Otto 
von der Mühlen aus Düsseldorf und Ad. Schulte aus Neuss 
(Masch.-Bfch.) sind zu Reg -Bmstrn. ernannt. 

Der Eis.-Bau- u. Betr.-Insp. A n t he s in Kreuznach ist gestorben. 

Sachsen. Ernannt sind: Die Masch-Insp. Schmidt in Dresden 
zum Vorst, der Werkst.-Insp Leipzig I, Hultsch zum Vorst, der 
Wagenabt. bei der Werkst.-Insp. Dresden und der Reg.-Bmstr. 
Götze in Döbeln II z. Bauinsp. 

Versetzt sind: Die Brte. Heckei in Chemnitz nach Dresden- 
Fr. und Cunradi in Zwickau nach Chemnitz II; die Bauinsp. 
Sonnenberg in Groitzsch zur Betr.-Dir. Leipzig I, Fritzsche 
in Burgstädt zum Brückenbaubür. und Schindler in Mügeln zum 
Baubür. Buchholz; derTelegr.-Insp. Besser zur Telegr -Insp Leipzig, 
die Reg.-Bmstr. Herrmann in Leipzig zum Werkst -Bür., Riet schier 
in Döbeln zum Baubür. Zwickau II, Wägler in Leipzig zum Elektro- 
techn. Bür. und Schellen berg in Zwickau zur Bauinsp I das. 

Die Reg-Bfhr Ehrlich beim Baubür Bühlau, Knöfel bei der 
Bauinsp Dresden-A., Lehmann beim Baubür. Radibor, Günschel 
bei der Bauinsp Ebersbach, Rudolph beim Baubür. Frohberg, 
G eis sl e r bei Baubür. Leipzig, Färber undWentzel beim Elektro- 
techn. Bür. und Nechutnys beim Werkst.-Bür. sind zu außeretatm. 
Reg.-Bmstrn. ernannt. 

Die Reg.-Bfhr. Grube und Arnold bei der Bauleitg. des 
Minister.-Geb. in Dresden-N und Mittelbach beim Neubau der 
Kunstgtw.-Schule in Dresden sind zu Reg-Bmstrn. bei der staatl. 
Hochbau-Verwaltg. ernannt. 

Die Wahl des Geh. Hofrats, Prof. Dr. Gur litt zum Rektor 
der Techn Hochschule in Dresden ist bestätigt worden. 

Der Reg.-Bmstr. Fickert ist in den Ruhestand getreten. — 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. M. S. in Frankfurt a. M. Zu Zwischendecken für 
Krankenhäuser haben sich die meisten Systeme massiver Decken 
durchaus bewährt; wir möchten kein bestimmtes System heraus¬ 
greifen. Die Literatur gibt darüber erschöpfenden Aufschluß. Ueber 
die Verminderung der Hellhörigkeit massiver Decken bei Verwen¬ 
dung von Linoleum wird Ihntn die Firma, von welcher Sie das 
Linoleum beziehen, gute Ratschläge geben. Eine einigermaßen 
zuverlässige Isolierung gegen Schallfortpflanzung erreichen Sie 
jedoch nur, wenn Sie bereits die eisernen Träger bei ihrem Auf¬ 
lager in der -Mauer durch entsprechende Unterlagen isolieren. Zur 
Anwendung einer Lehmschicht mit darüber aufgebrachter Beton¬ 
schicht raten wir nicht. — 

Hrn. Arch. H. M. in Münster i. Westf. Ihr Fall und die- 
daraus hervorgegangene geschäftliche Schädigung sind ja bedauer¬ 
lich, aber Sie werden dagegen kaum etwas tun können. Sie be 
richten selbst, dass Ihnen die betr. Stelle die von Ihnen eingelieferte 
Entwuifsskizze honoriert habe. Damit erwarb sie Anteil an dem 
geistigen Eigentum derselben und das Recht, den in dem Entwurf 
enthaltenen Gedanken einem anderen Architekten zur Beachtung 
zu empfehlen. In der Tat zeigt der ausgeführte Bau die Grundzüge 
Ihres Entwurfes, aber doch auch nur diese, während die Einzel¬ 
heiten der Ausführung wesentlich von Ihrem Entwurf abweichen. 
Gleichwohl liegt die Sache so, dass es wohl eine Pflicht der betr. 
Stelle gewesen wäre, bei den Einweihungs-Feierlichkeiten zu er¬ 
wähnen, daß der Grundgedanke der Ausführung von Ihnen herrührt.— 

Hrn. J. E. in Karlsruhe. Es ist eine alte Erfahrung, daß 
der Regenschlag bei Gebäuden in hoher und freier Lage selbst die 
dicksten Mauern durchdringt und die Innenflächen der Räume näßt. 
Eine durchgreifende Abhilfe ist hier nur von außen zu schaffen 
und zwar am dauerhaftesten durch eine Verschindelung, die ja im 
Schwarzwalde nicht allzu teuer werden dürfte. Alle Maßregeln, 
die im Inneren vorgenommen werden, Asphaltierung oder Anwendung 
eines sogen. Verbindungskittes, versprechen keine Dauer, weil durch 
die eindringende Nässe immer wieder eine Lockerung des Verputzes 
stattfindet. Wollen Sie demnach eine gründliche Abhilfe, so müssen 
Sie dieselbe am Aeußeren treffen. Ist die Fläche verputzt, so ver¬ 
spricht schon ein viermaliger zäher Oelfarbenanstrich einige Dauer.— 

Hrn. H. H. in Renninghausen. Wir haben wiederholentlich 
darauf aufmerksam gemacht, dass der Meistertitel in Verbindung 
mit einem bestimmten Bauhandwerk nur durch ein Examen vor 
der Innung erworben werden kann, und dass auch nur dieses 
Examen zur Annahme und Ausbildung von Lehrlingen berechtigt. 
Sie dürfen sich zwar Unternehmer oder auch Baugewerksmeister, 
nicht aber Maurermeister nennen. — 

Hrn. Landbmstr. C. R. in G. Wenn Linoleum auf massiven 
Decken so sorgfältig verlegt ist, wie es die Fabriken vorschreiben, 
so ist unter allen Umständen auch bei Schulen mit einer vieljährigen 
Dauer des Belages mit aller Zuversicht zu rechnen. Es bedarf 
daher wohl kaum der Nennung einzelner einschlägiger Schulb auten.— 

Inhalt: Der Brand des Iroquois-Theaters in Chicago und die not¬ 
wendige Reform der modernen Bühne. — Mitteilungen aus Vereinen. — 
Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fra gekasten. 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 


No. 4. 


24 









ALZENWEHR VON 35 m WEITE IM HAUPTARME DES MAINS BEI 
SCHWEIN FURT * ENTWURF UND AUSFÜHRUNG * VEREINIGTE 
MASCHINENFABRIK AUGSBURG U. MASCHINEN BAU-GES. NÜRN¬ 
BERG A.-G. (ZWEIGANSTALT GUSTAVSBURG BEI MAINZ) * WALZE 
IN HÖCHSTER STELLUNG * AUFLAGER MIT UND OHNE ANTRIEB 
= DEUTSCHE BAUZEITUNG XXXVIII. JAHRGANG 1904 * N°: 5 = 

























DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N« 5. BERLIN, DEN 16. JAN. 1904 


Das Walzenwehr im Hauptarm des Mains zu Schweinfurt. 

Von Reg.-Bmstr. Carstanjen, stellvertr. Direktor der Brückenbau-Anstalt Gustavsburg bei Mainz. 

(Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen auf Seite 28 und 29.) 


urch die Brückenbau-Anstalt 
Gustavsburg bei Mainz, Zweig¬ 
anstalt der Vereinigten Ma¬ 
schinenfabrik Augsburg und 
Maschinenbau - Gesellschaft 
Nürnberg A.-G., wurde in den 
letzten Tagen des Jahres 1903 
der Walzen Verschluß des großen 
Wehres im Hauptarm des Mains 
zu Schweinfurt fertig gestellt. Den Lesern der „Deut¬ 
schen Bauzeitung“ sind die Anordnung und das Wesen 


der Walzenverschlüsse bereits aus einer Beschreibung 
des Schweinfurter Grundablasses auf S. 645 u. ff. Jahrg. 
1902 bekannt. Es war dies die erste nach der neuen 
Bauweise ausgeführte Anlage. Sie war im Frühjahr 
1902 in Betrieb genommen worden, und ihre Wirkungs¬ 
weise ist von Anfang an eine so durchaus zufrieden¬ 
stellende gewesen, ihre große Einfachheit schien so sehr 
eine vollkommene Betriebssicherheit zu gewährleisten, 
daß die bauleitende Behörde, das Königl. Straßen- 
und Fluß bauamt Schweinfurt, sich in dankens¬ 
wertester Weise entschloß, jenem ersten Versuch eine 




Abbildg. 1. Walzenverschluss des 35 m weiten Ueberfallwehres im Hauptarm des Mains. (Walze in niedrigster Stellung.) 


25 



































































zweite Anwendung an dem großen Wehr im Hauptarm 
des Flusses folgen zu lassen. (Der Lageplan Abbildg. 2 
läßt dieGesamt-Anordnungder beiden Wehre erkennen). 
Diese neue Anlage*) sei nachfolgend in ihren wichtig¬ 
sten Punkten besprochen, wobei die Abbildgn. 1—6 
sowie die Bildbeilage als Erläuterung dienen mögen. 
Es wird ferner auf die eben angezogene frühere Ver¬ 
öffentlich ung verwiesen. 

Das den ganzen Hauptschlauch des Flusses ab¬ 
schließende Wehr setzt sich aus einem festen Ueber- 
fallrücken und einem beweglichen Aufsatz zusammen. 
Die Lichtweite beträgt 35 m ; durch den beweglichen 
Teil wird ein Stau von 2 m über dem festen Rücken 
hergestellt. Durch die Wehröffnung haben die im 
oberen Main fast alljährlich auftretenden, vielfach 
schweren Eisgänge ihren Weg zu nehmen, weshalb 
in derselben nach den Entwurfsbedingungen keinerlei 
Pfeiler oder Zwischenstützen zugelassen waren. Selbst 
bewegliche Ständer, die vollständig aus der Oeffnung 
hätten entfernt werden können, wurden nicht ge¬ 
stattet, weil auch sie immerhin zur Sicherung ihrer 
Fußenden gewisser Einrichtungen, Vorsprünge, Schuhe 
odbr dergl. auf dem festen Wehrrücken bedurft hätten, 
welche der Beschädigung oder Zerstörung durch das 
Eis ausgesetzt gewesen wären. 

Die Aufgabe hätte, wehn man sich auf die An¬ 
wendung bisher gebräuchlicher Mittel hätte beschrän¬ 
ken wollen, allenfalls durch Anordnung 
eines großen Rollschützes gelöst werden 
können. Statt dessen bildete man auf den 
Vorschlag der Brückenbauanstalt Gustavs¬ 
burg den Verschluß als eine einzige Rolle 
so aus, daß sie gewissermaßen die Ver¬ 
richtungen der wasserabsperrenden Schütz¬ 
tafel und der ihre Bewegungswiderstände 
in den Nuten mildernden Wälzungsröllchen 
in sich vereinigt: also eine Verminderung 
der bewegten Teile auf die Einzahl und eine 
Rückkehr zu größtmöglicher Einfachheit! 

Zugleich wird aber auch an Betriebs¬ 
sicherheit gewonnen. Denn wenn z. B. die 
Nut eines Schützes vereist ist und dadurch 
die Schütztafel ungangbar wird, so steht 
zu deren Befreiung lediglich eine Kraft 
zur Verfügung, welche in der Tafelebene 
selbst angreift d. h. da, wo auch die Wider¬ 
stände wirken, so daß sie mindestens 
ebenso groß sein muß, wie die letzteren. 

Viel günstiger ist dagegen die Wirkungsweise des 
Zuges, durch welchen die etwa an die Wehrschwelle 
oder die Laufbahnen angefrorene Walze losgerissen 
wird, denn der Zug wird hier mittels der Drahtseile 
am Walzenumfang, also an einem großen Hebelarm aus¬ 
geübt, so daß seine Größe nur gleich einem Bruchteil 
von der Größe der Widerstände zu sein braucht! 

Es ist kaum nötig hervorzuheben, von welch’ 
wesentlicher Bedeutung dieser Umstand für eine An¬ 
lage ist, welche zugleich der Ausnutzung einer Wasser¬ 
kraft dienen soll. Denn während andere bewegliche 
Wehre in der Regel beim Einsetzen des Frostwetters 
sogleich geöffnet werden müssen, darf das Walzen¬ 
wehr und in Schweinfurt hat die ausführende Firma 
diese Möglichkeit vertraglich gewährleisten müssen 
bis wenige Stunden vor dem zu erwartenden Eisgang 
geschlossen bleiben, um nach erfolgtem Abgang des 
Eises alsbald aufs Neue geschlossen zu werden, so 
daß sich die Zeitdauer der Aufhebung des Staues auf 
ein ganz geringes Maß beschränkt. 

Hinsichtlich der Durchbildung der Einzelheiten 
weist das neue Wehr der älteren Anlage gegenüber 
wesentliche Fortschritte auf. Vor allem wurden große 
Vereinfachungen dadurch erzielt, daß man die in ihrem 
oberen I eil unter 45 0 geneigten Laufbahnen nach 
unten bis zu einer Neigung von 0,25 gegen das Lot 
abbog. Infolge dessen rückt der Punkt, in welchem 
sich die Walze in ihrer Schlußstellung gegen die 
Bahn stützt, so weit in die Höhe, daß die Mittelkraft 

"') Vergl. auch Zeitschrift d. Österreich. Ing.- u. Arch.-Vereins, 
Jahrg. 1903 No. 50 vom 11. Dez. 

26 


aus ihrem Gewicht und dem Wasserdruck sich niemals 
über diesen Stützpunkt erheben kann. Es wird also 
dadurch die Standsicherheit gegen den Wasserdruck 
erhöht und es werden alle Einrichtungen entbehrlich 
gemacht, welche bei dem Grundablaß noch nötig 
waren, um den Verschlußkörper bei höheren Wasser¬ 
ständen in seine tiefste Stellung herabzuziehen und 
in derseiben festzuhalten: so die Seilführungsrolle im 
Oberwasser, welche bei der älteren Anlage die Aus¬ 
übung eines Zuges von der Oberwasserseite her auf 
den Wehrkörper gestattet; so die Sperrklinke, durch 
welche dort unter Entlastung des Seiles der Körper 
in seiner tiefsten Stellung festgehalten wird; so endlich 
gewisse Einrichtungen des Windewerkes, welche ein 
Nachspannen des endlosen Seiles gestatten. Anstelle 
dieser sämtlichen Einrichtungen tritt hier das mit dem 
einen Ende um die Walze, mit dem anderen um die 
Windewerkstrommel gewickelte Seil: die Anordnung 
ist also außerordentlich vereinfacht. Genauer ge¬ 
sprochen befinden sich an einem und demselben 
Walzenende — und zwar am linken Ufer — zwei der¬ 
artige Seile neben einander, von denen jedes einzelne 
stark genug ist, um den ganzen erforderlichen Zug 
aufzunehmen, so daß sich beide gegenseitig als Re¬ 
serven dienen. 

Auf das rechtsseitige Walzenende wird — und 
damit geschehe der zweiten wesentlichen Verbesserung 


Erwähnung — überhaupt kein Antrieb ausgeübt. Die¬ 
ses nicht angetriebene Ende wird gleich dem anderen 
durch eine Verzahnung geführt, und überdies durch 
eine Gall’sche Kette festgehalten, welche neben der 
Laufbahn liegt und sich bei Bewegung der Walze in 
umgekehrtem Sinne um diese wickelt wie die Aufzug- 
seile. Die Walze würde an den letzteren einerseits 
und an der GaH’schen Kette anderseits in jeder 
Höhenlage hängen bleiben, selbst wenn einmal infolge 
eines zufälligen Zusammentreffens verschiedener un¬ 
günstiger Umstände an ihren beiden Enden gleich¬ 
zeitig die Verzahnungen außer Eingriff gekommen 
sein sollten. Der einseitige Antrieb verleiht eine sehr 
sichere Beherrschung aller Bewegungen. 

Das Kopfbild, Abbildg. 1, sowie die beiden Ab¬ 
bildungen auf der Bildbeilage zeigen den Verschluß 
hei trockenem Wehrrücken in tiefster und höchster 
Stellung kurze Zeit vor der gänzlichen Vollendung, 
als die Bewegungen zum ersten Mal erprobt wurden. 
Die letzteren gingen ohne Anstand vor sich. Sie er¬ 
folgen einstweilen von Hand, während später ein 
Elektromotor eingebaut werden soll. Die Hebung des 
88* schweren Körpers wird durch 8 Mann, welche an 
4 Handkurbeln arbeiten, in 2V2—3 Stunden bewirkt, 
während die Senkung, wenn nötig, mit voller Sicher¬ 
heit durch einen einzigen Mann ausgeführt werden kann. 

Inzwischen ist das Oberwasser in die Baugrube 
eingelassen und durch den Wehrkörper ein Stau her¬ 
gestellt worden, so daß auch die Dichtung beobachtet 
werden konnte. Die Sohlendichtung, ■welche durch 
die unmittelbare Pressung^des* Eisens der Walze auf 



No. 5 - 






















eine bündig in den Wehrrücken eingelassene Holz¬ 
schwelle erzielt wird, ist eine fast vollständige: nur 
an wenigen Stellen klaffen noch Fugen, die aber 
nirgends weiter als 1,5 mm sind und durch die ent¬ 
sprechend wenig Wasser rieselt. Durch weitere 
Nacharbeiten an der Wehrschwelle wird sich dieser 
geringfügige Verlust noch vermindern lassen. Die 
Seitendichtung wird durch eine 60 mm starke Zwischen¬ 
lage 180 mm breiter geteerter Hanfgurte zwischen dem 
Eisen und dem Nischenmauerwerk bewerkstelligt und 
sie darf als vollkommen bezeichnet werden, weil hier 
höchstens ein Durchschwitzen des Wassers bemerk¬ 
bar ist. Die Kosten der ganzen Verschluß-Vorrichtung 
einschließlich des Windewerkes, der Laufbahnen, 
Führungen und Dichtungen, aber ohne das Mauerwerk, 


belaufen sich auf 66 000 M. und stellen sich damit 
wesentlich niedriger, als die eines Rollschützes: vor 
allen Dingen auch deshalb, weil bei diesem unter 
außergewöhnlichenUmständen auf größere Bewegungs- 
Widerstände zu rechnen ist und daher eine stärkere 
Aufzugvorrichtung erforderlich wird. Dabei würde 
man auf den großen Vorzug des zentralen Antriebes bei 
diesen Vorrichtungen wohl gänzlich verzichten müssen, 
zum Mindesten würde er sich nicht in gleich einfacher 
und sicher wirkender Weise herstellen lassen. 

Aller Voraussicht nach dürfte dieses neue Schwein¬ 
furter Walzenwehr die Bürgschaft einer vollkommenen 
Bewährung im Betriebe in sich tragen. Vielleicht 
findet sich später noch einmal Gelegenheit, darüber 
berichten zu können. — 


Der Wiederaufbau des Campanile von San Marco. 

(Schluß.) 


fa! ie Gesamtlast des Turmes einschl. Fundament war 
jfj früher auf 10 000 t, nach dem Einsturz aber vom Pro- 
vinzialamt auf 14 400 4 berechnet, die sich auf eine 
Rostfläche von 222 c i m verteilen, und somit eine Belastung 
von 64 4 für 1 q m oder von 6,4 k » für 1 q cm ergeben. Hierzu 
kommt der Winddruck, den der Prof. Jo rin i in Mailand zu 
300 k ? für 1 qcm annimmt, mit einem 'Angriffsmoment von 
1 3 I 995 ° 5 m / kg ) woraus sich eine Mehr- und Minderbelastung 
von 2,24 k » oder ein Maximaldruck von 8,64 k g für 1 q cm 
Grundfläche ergibt. Auch wenn man annimmt, daß so¬ 
wohl das Gewicht, wie ganz besonders der Winddruck 
etwas zu reichlich gerechnet sind, erscheint doch für 
unsere Anschauungen und namentlich gegenüber unseren 
baupolizeilichen Vorschriften eine so hohe Belastung des 
Bodens unzulässig. Zu ihrer Verminderung boten sich 
zwei Wege dar: eine leichtere Ausführung des Oberbaues 
und die Vergrößerung der Fundamentfläche. In ersterer 
Hinsicht waren jedoch sehr enge Grenzen gezogen, da 
zugleich eine Verbesserung der Konstruktion nötig war. 
Den von Beltrami hierfür aufgestellten, sehr zweckmäßigen 
Entwurf zeigt Abbildg. 2 in No. 3, der sich von der alten An¬ 
ordnung durch eine wesentlich solidere Anlage der inneren 
Mauerröhre unterscheidet. Die Erleichterung der Mauern 
nach oben hin soll durch zunehmende Ausnischung und 
Aussparen von allmählig größer werdenden Bogenöffnungen 
in der inneren Mauer erreicht werden. Außerdem sollen 
die Rampen mit modernen Hilfsmitteln leichter hergestellt 
werden. Die Konstruktion der Attika und Spitze könnte 
wohl noch etwas vereinfacht und mit Rücksicht auf die Aus¬ 
führung in dem vorzüglichen istrischen Stein noch etwas 
leichter gehalten werden. — Das Gewicht des in Ziegeln aus¬ 
zuführenden Oberbaues berechnet Beltrami zu 12124800 k & 
bei einer Grundfläche von 104,81 q m , was eine Belastung 
für 1 q cm von 11,3 k » ergäbe (wenn die angegebenen Zahlen 
aber richtig sind, von mehr als 11,5kg) *). Hierzu der Einfluß 
des Winddruckes, von Jorini auf + 4,5kg berechnet, ergäbe 
eine Beanspruchung des Mauerwerks in der unteren Fläche 
mit gegen 16 k s für 1 q cm , was schon sehr gutes Ziegel¬ 
material und Mörtel voraussetzt, die aber nach den ange¬ 
führten Proben ohne Schwierigkeit zu beschaffen sein 
werden. — Zur Entlastung des Untergrundes plante Bel¬ 
trami eine Verdoppelung der Fundamentfläche, wozu eine 
Verbreiterung der Rostfläche nach allen Seiten um min¬ 
destens 3 m erforderlich war. Die Zeichnungen zeigen 
3,5 m und auf der Ostseite, der Loggietta wegen, 4 m und 
dabei für ihre stark durchbrochene Front noch eine Aus¬ 
kragung, damit die Belastung des Untergrundes an dieser 
Stelle nicht wesentlich geringer werde, als im Uebrigen. 
Den Rost des neuen Teiles wollte er um 0,5 m tiefer legen 
als den alten, und der neue Teil des Fundamentes sollte in 
dichtem Anschluß an das alte in Beton hergestellt werden. 
Man begann auch, die Baugrube nach dem Grundriß 
auf Abbildg. 2 mit Spundwänden einzuschließen, was mit 
bloßen Handrammen ohne Schwierigkeit und ohne nennens¬ 
werte Erschütterung vonstatten ging. Auf der Südseite 
aber blieb die Spundwand unausgeführt, weil hier das 
oben erwähnte alte Fundament etwas näher an den Turm 
herantrat und der Architekt Lavezzari gegen die Beseiti¬ 
gung dieses Mauerwerkes im Interesse der Sicherheit der 
Bibliothek Widerspruch erhob, den man kaum als unbe¬ 
gründet bezeichnen kann. Es wäre auch wohl zulässig 
gewesen, das neue Fundament hier etwas schmaler zu 
halten, zumal, da der alte Mauerklotz mit dem verdichteten 
Erdreich darunter noch eine erhöhte Sicherheit gegen 
Ausweichen bot. Dieser Widerspruch und die Mühe die 

*) Die Berechnungen zeigen überhaupt einige Unklarheiten, die nicht 
nachgeprüft werden können. — 


er hatte, um die Beseitigung einer an derselben Stelle 
liegenden Gasröhre durchzusetzen, scheinen zur Verstim¬ 
mung Beltrami’s nicht wenig beigetragen zu haben. 

Die größte Schwierigkeit bot aber immer das Funda¬ 
ment. Mochte Beltrami auch nach dem übereinstimmenden 
Urteil von Lavezzari und Torres, wie der übrigen Vene¬ 
zianischen Techniker, das Pfahlwerk mit dem Untergründe 
als sicher ansehen, so mußte er doch wegen des Mauer¬ 
klotzes ernste Bedenken hegen. Die hohlen Fugen durch 
Eingießen von flüssigem Zement von oben her auszufüllen, 
wie ihm geraten wurde, war bei einer Höhe des Klotzes 
von fast 5 m ein höchst zweifelhaftes Unternehmen; aber 
auch wenn es gelang, blieb immer noch die Hauptschwie¬ 
rigkeit, den neuen, weit vortretenden Teil des Fundamentes 
mit dem alten in solche Verbindung zu bringen, daß 
beide Teile gleichmäßig belastet würden. Die bloße 
Bindekraft des Betons an den Lücken des Mauerklotzes, 
auch wenn man diesen teilweise ausstemmte, konnte hier¬ 
zu nicht genügen. Wenn man aber den Unterbau mit 
dem Pfahlwerk als gesund betrachtet, so ist. nicht einzu¬ 
sehen, warum man ihn, nachdem er Jahrhunderte lang 
einem Druck von 8 k s f. H™ widerstanden hat, gleich 
auf das Doppelte vergrößern will. Eine Verbreiterung 
um 1,5, höchstens 2 ra ringsum mit einer Vergrößerung der 
Rostfläche von 222 q m auf 321 oder 358 q m müßte auch 
genügen, und diese Fläche würde man auch ohne An¬ 
wendung von Eisen zum Tragen bringen können. Zur 
Unterstützung der leichten Frontwand der Loggietta könnte 
man besondere kleine Fundamente herstellen. Eine Ver¬ 
breiterung des Fundamentes aber, wie geplant, ohne reich¬ 
liche Anwendung von Eisen, sei es als starke Träger, oder, 
wie auch vorgeschlagen, zur Verankerung eines gewölbe¬ 
artig wirkenden Klotzes, gewährt keine Sicherheit. Um 
aber Eisen einzubringen, müßte jedenfalls das alte Funda¬ 
ment abgebrochen werden, eine Arbeit, die man überhaupt 
nicht scheuen sollte, um zugleich den Rost etwas näher 
untersuchen zu können. Denn wenn es auch feststeht, 
daß der Einsturz nicht durch das Nachgeben des Funda¬ 
mentes verursacht wurde, so ist damit doch nicht gesagt, daß 
letzteres so sicher ist, wie man verlangen muß, um einen 
für viele Jahrhunderte bestimmten Turm von fast 100 m 
Höhe darauf neu zu errichten. Wäre es da nicht besser, 
von den neueren Errungenschaften der Technik Gebrauch 
zu machen und den Turm mit Hilfe von Druckluft auf ein 
tiefer hinabgeführtes, breiteres Fundament zu stellen. Sollte 
nicht auch Beltrami dieser Zweifel aufgestiegen sein? . 

Gegenstand langer Erörterungen bildete auch die Wahl 
des zum Hochbau verwendeten Ziegelmateriales. Es hat 
auch hier nicht an Stimmen gefehlt, die den Turm gar 
nicht wieder aufgeführt sehen wollten, weil es doch nicht 
der alte sein könnte und weil er auch nicht einmal alt 
aussehen würde. Mit solchen Anschauungen ist nicht zu 
streiten. Es wird vor allem darauf ankommen, einen 
Ziegel zu wählen, der mit der erforderlichen Festigkeit 
größtmögliche Wetterbeständigkeit verbindet. Die Farbe 
steht erst in zweiter Linie. Natürlich wird man unter 
sonst gleichwertigem Material ein solches wählen, das 
keine allzu dunkele oder schreiende Farbe zeigt, die sich 
übrigens durch geschickt gewählte Färbung des Fugen¬ 
mörtels mildern läßt. Das Uebrige muß man der Zeit 
überlassen, die nicht säumen wird, die Patina des Alters 
herzustellen. Die jetzige Generation wird zufrieden sein, 
ihren Turm wieder zu haben und den kommenden wird 
er nicht mehr neu erscheinen. Eine Entscheidung hierüber 
scheint bis zum Rücktritt Beltrami’s nicht getroffen zu sein. 

Nachdem jede Hoffnung, Beltrami wieder zu gewinnen, 
geschwunden war, mußte der Magistrat darauf sinnen, 


16. Januar 1904. 


27 











einen Ersatz zu schaffen. 
Er beschloß daher die Ein¬ 
setzung einer Kommission 
von fünf Mitgliedern be¬ 
hufs Beratung der weite¬ 
ren Maßregeln und zur 
Ausführung des Baues 
— also doch eine Kom¬ 
mission, obwohl man sie 
früher abgelehnt hatte. 
Was sich gegen eine viel¬ 
köpfige Bauleitung sagen 
läßt, ist gesagt worden und 
braucht hier nicht wieder¬ 
holt zu werden. Im vor¬ 
liegenden Falle war es 
wohl der einzige und auch 
richtige Weg, vorausge¬ 
setzt, daß der Kommission 
die wirklich leitendeSpitze 
nicht fehlt, daß für die 
verschiedenen hierauftre- 
tenden Fragen berufene 
Vertreter gewählt sind, und 
daß diese alle zum einträch¬ 
tigen Zusammenarbeiten 
bereit sind. Zu Mitgliedern 
der Kommission wurden 
ernannt: i. Prof. Moretti, 
der neue Konservator der 
Denkmäler, der jedenfalls 
zum eigentlichen Leiter 
des Baues bestimmt ist; 
2. der bereits genannte 
Architekt des Kgl. Hauses 
Lavezzari; ferner die 
Hrn. E. Fiumani, An¬ 
tonio Orio und Manfredo 
Manfredi, über deren 
Stellung ich Näheres nicht 
habe erfahren können. 

Diese am 18. Aug. 1903 
zusammen berufene Kom¬ 
mission hat ihre Arbeiten 
sofort aufgenommen und 
dem Bürgermeister einen 
in der Gazz. di Ven. vom 
4. Oktbr. veröffentlichten 
vorläufigen Bericht er¬ 
stattet, in dem sie die feste 
Zuversicht ausspricht, daß 
der Turm nicht nur in 
alter Form, sondern auch 
auf der alten Basis, nach 
ihrer angemessenen Ver¬ 
breiterung und Verstär¬ 
kung, wieder auferstehen 
werde. Ueber die Aus¬ 
führung der Arbeit wird 
nur gesagt, daß man be¬ 
reits die noch fehlende 
Spundwand auf der Süd¬ 
seite des Turmes geschla¬ 
gen habe. Ob der mehr¬ 
erwähnte Fundamentrest 
beseitigt worden ist oder 
nicht, wird nicht gesagt, 
ebensowenig, ob das alte 
F undament desTurmes er¬ 
halten werden soll. Einen 
ausführlichenBerichtüber 
die technischen Unter¬ 
suchungen und den Plan 
der Ausführung des Baues 
hat die Kommission sich 
Vorbehalten, doch ist er 
bisher noch nicht erschie¬ 
nen. Indessen haben hie¬ 
sige Zeitungen im Nov. 
1903 nach den „Münch. 
Neuesten Nachr.“ einen 
Brief aus Venedig mitge¬ 
teilt, wonach man die 
Weiterführung des Baues 
damit begonnen habe, daß 
man in der Verbreite¬ 
rungsfläche auf der Süd¬ 
seite, zwischen dem alten 
Fundament und derSpund- 

23 



(Maßstab 1 : 66.) 

Das Walzenwehr im Hauptarm des 
Mains zu Schweinfurt. 

ci Abbildg. 5. Aufsicht. 





No. 5. 










































































































































































































































wand, Pfähle aus Lärchen¬ 
holz von 6—7 ™ Länge und 
zwar deren 5—6 auf 1 q m 
mit der Zugramme einge¬ 
trieben hat. Der eiserne 
Rammbär soll 3 Zentner 
gewogen und das Einram¬ 
men eines jeden Pfahles 
20—30 Minuten gedauert 
haben; dabei habe ein im 


man auch~’für 'reichlich tiefe Eingriffe des neuen in den 
alten Teil jsorgt, so würde dies^doch einen Unterbau er¬ 
geben, auf dem man einen Monumentalbau ersten Ranges 
nicht errichten dürfte. Man muß daher hoffen, daß der 
Brief Ungenauigkeiten enthält, oder daß die Kommission 
noch anderweitige Mittel findet, die beiden Teile des Fun¬ 
damentes zu gemeinsamer Wirksamkeit zu bringen. — 

H. B 1 a n k e n s t e i 1 



Dogenpalast aufgestellter 
Seismograph keinerlei Er¬ 
schütterungen angezeigt. 
Die Zwischenräume der 
Pfähle habe man mit fest¬ 
gestampftem Beton ausge¬ 
füllt, wobei man die Köpfe 
jedenfalls auch mit Beton 
im Anschluß an das alte 
Fundament überdeckt hat. 
„Dann sollen die Arbeiten 
über Winter eingestellt 
werden, um abzuwarten 
und zu erproben, ob 
das neue Material sich 
mit den alten Grund¬ 
mauern so innig verbin¬ 
det, daß auf solcher Basis 
zum Neubau geschritten 
werden kann.“ Dieser Be¬ 
richt stammt anscheinend 
aus der Feder eines Laien, 
ist aber so klar, daß man 
kaum umhin kann, ihn für 
richtig zu halten. Danach 
will man das alte Funda¬ 
ment, das man doch nicht 
für ausreichend hält, mit 
einem Pfahlrost in unse¬ 
rem Sinne umgeben, des¬ 
sen Pfähle um durch¬ 
schnittlich 5 m unter die 
Spitzen der alten Spicker¬ 
pfähle und etwa 4—5 m 
tief in groben, festen Sand 
hinabreichen sollen. Daß 
der Beton dieWinterprobe 
aushält, ist nicht zu bezwei¬ 
feln, aber für die Sicherheit 
der Konstruktion ist damit 
nicht viel bewiesen. 

Sollte nun diese Dar¬ 
stellung richtig sein, so 
hieße das nichts Anderes, 
als das alte Fundament, 
auf dem der Turm doch 
eigentlich ruhen soll, das 
aber nicht genügend sicher 
erscheint, an dem sich an¬ 
schließenden neuen, tiefer 
und durchaus fest ge¬ 
gründeten Teile mittels 
der Bindekraft des Ze¬ 
mentesaufhängen. Wenn 


b Hr. Stiehl die bis in das 19. Jahrhundert aufrecht 
erhaltene Ueberlieferung, daß auf dem Westturm 
des Domes zu Meißen drei Spitzen gestanden haben, 
richtig umdeutete, überlasse ich dem Urteil Anderer. Er 
vergaß zu berichten, daß auf dem Stiche von 1558 aus¬ 
drücklich der Westturm als „turris fulmine inflammata“ be- 




Ebensowenig scheint es mir angezeigt, mit 


*) Siehe No. 97 und 98 Jahrgang 1903. 

16. Januar 1904. 


Abbildg. 6. Walzenende ohne eigenen Antrieb. 


Vom Meißner Dom. 

Eine Entgegnung.*) 
zeichnet wird. 

Stiehl über die Hinweise auf die französischen Käthe 
dralen des 12. und 13. Jahrhunderts und die ebenfalls viel 
älteren sonst von ihm angeführten Kirchen Niedersachsens 
zu streiten. Nur über das am Dom nach Abtragung der 
Plattform Gefundene will ich mich hier äußern. 

Die Nebeneinanderstellung der beiden Grundrisse des 
3. Obergeschosses — meines und desjenigen „in der Wirk- 


29 



















































































































































































































































lichkeit“ — ist auf den ersten Blick überraschend. Der 
Unterschied zwischen beiden besteht aber nur darin, 
daß ich 1,5 m über Fußboden des 3. Geschosses (bei A) 
Stiehl 12 m höher (bei B) den Turm schnitt. Beide Grund¬ 
risse sind richtig. Mich wundert es, dass ein so sach¬ 
kundiger Mann wie Hr. Stiehl dies nicht bemerkte. Ferner 
ließ er sich leider durch die falsche Schattengebung auf 
Schäfer’sDarstellung des3. Geschosses (S. 635, Jhrg. 1903) irre 
führen. Das Maßwerk der Fensterbogen der Seitenteile liegt 
bündig mit dem Blendmaßwerk des Mittelteiles. Die Mauer¬ 
flucht dieses Teiles liegt nahezu bündig mit den Treppen¬ 
zargen der Seitentürme. Diese und das Fenstermaßwerk 
stellen eine ideale Fläche dar, die zwar nicht verglast, aber 
künstlerisch sehr entschieden betont ist. Es besteht die 
Breitfront des Geschosses also nicht in 2 Vorlagen und 
einer Rücklage, sondern in einer geschlossenen Masse, die 
durch 4 Lisenen geteilt ist und in den seitlichen Teilen 
zwei tiefe Fenster hat. Das kommt namentlich dadurch 
zum Ausdruck, daß die Flucht des Sockels und daß das 
Kranzgesims unverkröpft durchgeführt sind. 

Ich habe bisher unterlassen, mich über dieses Gesims 
zu äußern, da ich es vorher vom Gerüst aus untersuchen 
wollte. Schäfer nannte es in Erfurt „künstlerisch roh“, 
„eine elende dicke Steinschicht“, „einen alten Schund, 
den man los werden müsse“. Er sagte, es sei in der 
Biedermeierzeit geschaffen, im Jahre 1847. 

Die genauere Betrachtung hat ergeben, daß das Ge¬ 
sims, und zwar hie und da in allen seinen Profilen, deut¬ 
liche Spuren eines Brandes zeigte. Ein solcher fand nur 
1547 statt. Schäfer war sichtlich entgangen, daß das Ge¬ 
sims in dem 1823 erschienenen Werke Schwechtens über 
den Dom bereits genau abgebildet ist und daß es auf 
allen Abbildungen, bis zur ältesten (von 1558) erscheint. 
Da während der Reformationswirren schwerlich am Dom 
gebaut wurde, stammt das Gesims also nicht von 1847, 
sondern aus der Zeit vor 1518. Der „Schund“ ist also 
gotisch! Schäfer irrte sich um 3V2 Jahrhunderte! 

Die Profile dieses Gesimses, namentlich die Anwen¬ 
dung der starken Platte, mahnten an Renaissanceformen. 
Doch entsprach die Bildung der auskragenden Glieder nur 
aus Hohlkehlen durchaus der Eigenart der sächsischen 
Spätgotik. Die vom Gesims durchschnittenen Maßwerke 
waren sorgfältig aufgelöst, indem sie die entsprechenden 
Unterglieder des Gesimses durchdrangen. Wie sie ober¬ 
halb dieses etwa fortgesetzt gewesen sein mögen, dafür 
fehlt jeder Anhalt. Ich glaube nicht, daß Linnemann hier 
das Richtige traf. 

Schäfer meint, das Gesims sei über den Lisenen ver- 
kröpft und die Zwischenstücke seien später eingefügt 
worden. Ich habe nicht einen Beweis hierfür gefunden. 
Sicher aber saßen die Wasserspeier nicht, wie bei einer 
Verkröpfung die Regel und wie auch Schäfer sie anord¬ 
nete, an den Ecken der Lisenen, sondern über deren Um¬ 
rahmung in der Front. Siehe die Aufnahme bei Schwechten 
und den Befund am Turm. 

Richtig ist Schäfer’s Beobachtung, daß nämlich der 
Steinschnitt Fehler zeigte, namentlich daß die Fugen bündig 
mit den Außenkanten der Lisenen die Platte des Gesimses 
durchschnitten—wenigstens an der Mehrzahl dieserStellen. 
An anderen war der Steinschnitt richtig, so daß ein Teil 
der Platte über den Zwischenteilen mit der anstehenden 
Platte über den Lisenen aus einem Stück gebildet war. 
Dies erklärte er wieder dadurch, daß zwar über den 
Lisenen das Gesims alt, in den Teilen zwischen den 
Lisenen aber modern sei. Demnach wären also die richtig 
geschnittenen Quader modern, die falsch geschnittenen 
zwar alt, aber nachträglich abgearbeitet gewesen. 

Nun hat Stiehl die Funde erwähnt, die bei Abtragung 
des Gesimses gemacht wurden: Klammern in Fasson¬ 
eisen, Bettung in modernen Kalk, ja Asphalt, scharrierte 
Steine, alte und moderne Auf- und Hinter - Mauerungen. 
In nebenst. Abbildg. habe ich versucht, den nach Abtragung 
der Plattform aufgedeckten Zustand darzustellen, und zwar 
ausdemGedächtnis, also vielleicht in Nebendingen falsch 
Ich habe dabei (nach Schwechten) die bis 1843 vorhande¬ 
nen Wasserspeier am obersten Gesimsprofil hinzugefügt, 
nicht aber die anscheinend damals auch noch vorhanden 
gewesene alte Steinschicht über diesem Gesims. 

Es ist nötig, sich den baulichen Zustand der West¬ 
türme vor 1470 zu vergegenwärtigen. Es standen: 1., die 
beiden Untergeschosse des Turmes; 2., die beiden Giebel 
östlich von der Fürstenkapelle und westlich vom Lang¬ 
haus (C u. D der Abbildg.). Dazwischen klaffte die Lücke für 
das dritte Turmgeschoß. Man mauerte 8 Pfeiler auf. Hätte 
man eine zweitürmige Anlage gewünscht, so wäre die 
Lösung sehr einfach gewesen. Man brauchte nur die Türme 
isoliert aufzubauen und einen der beiden Dachfirste zu 
verlängern, um die mittlere Lücke zu füllen. Aber man 
wölbte, genau wie in Erfurt, über die Giebel hinweg 


starke Bogen zwischen die Innenpfeiler, entlastete so die 
Giebel und stellte über diese nur die ganz leichten Sand¬ 
steinverblendungen mit dem Blendmaßwerk ein. 

Die Gewölbe über dem dritten Geschoß scheinen alle 
bei dem Brande von 1547 eingeschlagen worden zu sein. 
Man fand Glockenspeise an den Innenmauern des Mittel¬ 
baues: hier also hingen Glocken. Als das Domkapitel 
1556 eine neue Glocke geschenkt erhielt, baute es auf die 
Brandruine in der Mitte ein Türmchen für diese. Das ist 
der Zustand, den das Hiob Magedeburg’sche Bild von 1558 
darstellt. Man sieht die massive Brandruine, die sich 
nicht in 2 Türme und eine mittlere offene Halle teilt, 
sondern geschlossen noch etwa 3 m hoch steht. Diese 
Ruine scheint zu Ende des 16. oder des 17. Jahrhunderts 
abgebrochen worden zu sein, sicher als man den „Schaf¬ 
stall“ aufbaute, einen anscheinend auch für Verteidigungs¬ 
zwecke bestimmten massiven Bau von 2 Geschossen und 
etwa 6 m Flöhe. Dieser wurde 1843 abgebrochen und 
an seiner Stelle die Plattform mit Brüstung errichtet. 
Anscheinend ist die Plattform um 1860 nochmals verlegt 
worden, denn 1843 arbeitete man schwerlich schon mit 
Asphalt. 

Nach alledem wird man erkennen, daß es der größten 
Sorgfalt bedarf, will man die Mauerreste richtig nach ihrer 
Entstehungszeit erkennen. Jedenfalls beweist das Fehlen 
solcher gar nichts. Wenn zum Beispiel Stiehl sagt, nur ein 
hölzerner Notban könne hier gestanden haben, so steht 
dem entgegen, daß tatsächlich zweimal hier ein Steinbau 



stand, leider ein solcher, dessen innere Struktur wir nicht 
kennen. Zweimal wurde dieser Aufbau abgebrochen. 

Ob die nach dem Brande von 1549 eingeschlagenen 
Gewölbe genau ebenso hoch saßen wie die alten, war 
nicht zu ermitteln. Jedenfalls ragten die 8 Pfeiler des 
3. Geschosses um etwa 15—20 cm über die Gewölbescheitel 
und das sima-artige Gesimsglied, nicht aber über die Auf¬ 
mauerung über diesem empor. Dies ist ganz konstruktions¬ 
gemäß, wenn man bedenkt, daß nach alter Technik erst 
die Pfeiler aufgemauert und dann Bogen und Gewölbe 
eingespannt wurden. Stiehl sieht aber in den oberen 
Teilen dieser Aufmauerungen die Eckpfeiler für die beiden 
Türme im 4. Geschoß. 

Die Untersuchung hat erwiesen, daß auch 2—3 Schichten 
des Gesimses in modernem Kalk gebettet waren. Man 
erkannte sehr deutlich, daß diese im 19. Jahrhundert neu 
verlegt wurden und daß man sie dabei dort, wo sie zu 
beschädigt waren, ergänzte. Ich fand im Gesims unver¬ 
kennbar alte Steine neben unverkennbar neuen. Die von 
Schäfer beobachteten Fehler im Steinschnitt stammen also 
von der 1847 erfolgten Wiederherstellung des Gesimses! 
Durch sie kam er zu dem Fehlschluß, daß das Gesims 
neu oder doch 1847 in seinen Hauptformen verändert 
worden sei. 

Allen kritischen Untersuchungen zum Trotz war das 
alte Gesims aber da! Diese Tatsache ist nicht abzu¬ 
leugnen. Es hat ja, wie es scheint, 1505 und 1506 wieder 
eine Bautätigkeit am Turme stattgefunden, sodaß die Ver¬ 
mutung berechtigt ist, das Gesims sei eine spätere Zutat 
des 1506 nachweisbar in Meißen tätigen Meisters Konrad 
Pflüger. Ist dem so — auch dann wäre nach sonst 

No. 5. 


30 



































allgemein gütiger Auffassung von Denkmalpflege dieses 
künstlerisch wie kunstgeschichtlich merkwürdige Gesims 
zu erhalten und es wäre im Sinne des letzten Meisters 
fortzubauen gewesen, der es schuf — wenn man eben 
„stilvoll“ ergänzen wollte. Denn die Restauratoren auch 
der alten Schule sind der Meinung, daß man alte Um¬ 
gestaltungen des ersten Planes auf alle Fälle erhalten 
müßte. Viollet-le-Duc sagt (Dict. rais. VIII unter „Restau¬ 
ration“) „Quand il n’y a pas ä craindre de maintenir les 
causes de ruine, il faut conserver soigneusement les traces 
des additions successives et ne pas tenter de les 
relier entre elles par une unitd fictive, corrigeant 
les erreurs anciennes“. Und Dombaumeister Tornow sagt 
in seinen „Grundsätzen“: „Bei keiner Art von Herstellungs¬ 
arbeiten darf unter dem Vorwände der Verbesserung 
eines vermeintlichen Verstoßes gegen den guten Ge¬ 
schmack die alte Form irgendwie geändert werden.“ 
Das sind wohl auch für Stiehl einwandfreie Zeugen. Charles 
Buls fügt hinzu: „Il faut se garder de la tentation de 
restaurer pour restaurer!“ _ 


Selbst diesen Stand restauratorischer Weisheit haben 
wir leider in Deutschland noch nicht zu allgemeiner Geltung 
gebracht: Das ist es, was ich in Erfurt besprach und am 
Meißner Beispiel erklären wollte! 

I Ir. Stiehl sagt, ich habe meine subjektive Auffassung 
ohne ausreichende Prüfung der Unterlagen für wissen¬ 
schaftlich erwiesene unanfechtbare Wahrheit ausgegeben. 
Ich möchte ihn fragen: Wo? In meiner Broschüre habe 
ich Material herbeigetragen, aber nicht ein Wort gesagt, 
das Stiehl zu jener Aeußerung berechtigt. In Erfurt habe 
ich wiederholt betont, daß es möglich sei, daß ich irre. 
Ich habe Beweise und Vermutungen wohl zu unterscheiden 
gewußt! Und daher habe ich stets Beweise für die Rich¬ 
tigkeit der Planung von der Dombauleitung erbeten. 
Denn, wenn ich irre, so sind ein paar Bogen Papier un¬ 
nütz bedruckt; irrt die Dombauleitung, so wird für alle 
Zeiten und unter Eingriff in den alten Bestand der Dom 
falsch restauriert. Darin besteht doch wohl ein kleiner 

Unterschied! — n r r i •** 

Cornelius Gur litt. 


Mitteilungen aus Vereinen. 

Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hamburg. Vers, 
am 23. Okt. 1903. Vors. Hr. Zimmermann. Anwes. 
112 Personen. Aufgen. als Mitgl. Hr. Reg.-Bmstr. W. Ebe¬ 
lin g u. Ing. E. Andr. Meyer. Zunächst machte Hr. 
Branddir. Westphalen einige Mitteilungen über den 
Brand des sogenannten „Pariser Warenhauses in 
Budapest“ am 24. Aug. d. J., eine Katastrophe, die, 
namentlich infolge der schweren Verluste an Menschen¬ 
leben, in weiteren Kreisen Aufmerksamkeit erregt hat. 
Das Feuer brach abends gegen 7 Uhr aus, als man die 
elektr. Beleuchtung einschaltete und zwar an den Waren 
eines im Inneren des Gebäudes am Zugang zur Etagen¬ 
treppe belegenen großen Schaufensters. Das „Pariser 
Warenhaus“ hatte seine Verkaufsräume im Erd- und 
1. Obergeschoß eines Eckhauses; im 1. Obergeschoß 
waren größere Räume der beiden Nachbarhäuser nach 
Durchbruch der Brandmauern für Verkaufszwecke mit 
hinzugezogen, desgleichen auch der im Erdgeschoß mit 
Glas abgedeckte große Innenhof des Eckhauses. Das 
2., 3. und 4. Obergeschoß dienten zu Wohnzwecken. 
Der Zugang zu diesen Wohnungen führte von der Straße 
aus über die Etagentreppe und über die in allen Ober¬ 
geschossen im Innenhof angebrachten, aus Stein und 
Eisen hergestellten, im Freien liegenden Galerien. Das 
fragliche Gebäude hatte feuersichere Decken und Treppen, 
die Eisenkonstruktionen waren feuersicher ummantelt. 
Abgesehen von den Treppen, welche, aus Ziegeln her¬ 
gestellt, bald einstürzten, hat das Gebäude durch das 
Feuer verhältnismäßig wenig Schaden erlitten, sein Inhalt 
ist aber im Erdgeschoß, 1. Obergeschoß und zum Teil 
auch in den übrigen Obergeschossen ausgebrannt. Die 
Einrichtung des Warenhauses entsprach keineswegs den 
baupolizeilichen und feuerpolizeilichen Grundsätzen, welche 
in deutschen Großstädten anerkannt sind. Auch lag die 
Behandlung der elektrischen Beleuchtung in Händen von 
unkundigen Laien. 

In Hamburg werden die Bestimmungen für sogen. 
„Warenhäuser“ auf Grund von § 74 des Baupol.-Ges. 
gegeben. Der Begriff „Warenhaus“ ist aber noch keines¬ 
wegs in seiner Abgrenzung nach unten festgelegt. Auch 
Läden, welche in Hamburg bisher nicht als dem § 74 
des Baupol.-Ges. unterfallend erachtet werden, können im 
Fall eines Brandes den Bewohnern der oberen Geschosse 
erhebliche Gefahren bringen; letzteres gilt namentlich dann, 
wenn Ladentüren und Schaufenster im Zugänge zur 
Etagentreppe hegen, wie das in Hamburg leider vielfach 
der Fall ist und bei den hier zur Zeit geltenden Gesetzen 
auch nicht verhindert werden kann. Eine dies betreffende 
Gesetzesvorlage als Zusatz zum § 32 des Baupol.-Ges. 
ist vom Senate der Bürgerschaft vorgelegt. — 

Hierauf erhielt das XVort Hr. Caspersohn, welcher 
seine Mitteilungen über „Straßenreinigungs-Betrieb 
in Hamburg“ mit einer Schilderung der früheren Zu¬ 
stände und der Unhaltbarkeit derselben gegenüber den 
Forderungen der Hygiene schildert. Den auf dem inter¬ 
nationalen Hygiene-Kongreß in Brüssel aufgestellten Leit¬ 
sätzen für die Reinigung der Städte entspricht die zurzeit 
bestehende Straßenreinigung in Hamburg durchaus. Die 
betr. Verwaltungsabteilung ist der Baudeputation unter¬ 
stellt und es gehören zu ihrem Ressort außer der eigent¬ 
lichen Straßenreinigung die Straßenbesprengung, die 
Schnee- und Eisarbeiten, die Reinigung der öffentlichen 
Bedürfnisanstalten, die Hausunrat-Ab f uhr mit zugehörigem 
Verbrennungsanstalts-Betrieb, die Schiffs- und Kaiunrat- 
Abfuhr, die Kübel- und Grubenabfuhr, sowie die Reinigung 
der Privatstraßen. 

16. Januar 1904. 


Am 1. Jan. 1903 betrug innerhalb des Hamburger 
Stadtgebietes die Anzahl der öffentlichen Straßen 1035, 
diejenige der Privatstraßen 87, zusammen also 1122 in 
einer Gesamtlänge von 410 km und einer Gesamtfläche 
von 7 Mill. q m . Hamburg ist eine der weiträumigst ge¬ 
bauten Großstädte Deutschlands, denn es entfallen hier 
auf den Kopf der Bevölkerung 9,7 q m Straßenfläche gegen 
5,2 in Berlin, 7,3 in Dresden, 9,2 in Frankfurt a. M. und 
4,6 in Köln. 

Die Hauptverkehrsadern werden hier sechsmal wöchent¬ 
lich, alle wichtigeren Straßen zweimal und die übrig bleiben¬ 
den einmalwöchentlich nachts mitKehrmaschinen gereinigt. 
Außerdem werden am Tage die Straßen durch Absammeln 
grober Verunreinigungen und Ausfegen der Rinnsteine 
gereinigt, womit eine 3 malige Reinigung in der Woche, 
einmal bei Nacht und zweimal am Tage, das Mindeste für 
die verkehrsärmsten Straßen I Iamburgs ist. < 

Für die Unterbringung des bei der Tagesreinigung 
entstehenden Kehrichts dienen 177 gemauerte Gruben, aus 
denen derselbe nachts mit dem bei der Nachtarbeit ent¬ 
standenen abgefahren wird. Es sind jede Nacht etwa 
330 cbm abzufahren, welche Eigentum der Kehrichtabfuhr- 
Unternehmer bleiben, die dafür eine Vergütung von 170 
bis 200 M. auf je 1000 Einwohner und Jahr erhalten. 

Die Straßenbesprengung erfolgt durch Wagen mit 
der Miller’schen Sprengvorrichtung in einer Sprengbreite 
von 7,5 m . Ein Wagen besprengt bei 9 stündiger Arbeits¬ 
zeit loo 000 q m Straßenfläche. 

Einen wichtigen Teil der Obliegenheiten der Straßen- 
Reinigung bilden die Schnee- und Eisarbeiten, wofür 
die Stadt in 100 Bezirke eingeteilt ist. Ein Tag, an welchem 
mit vollem Betrieb gearbeitet wird, kostet gegen 20000 M. 
In den letzten 10 Jahren haben die Ausgaben für Sehnee- 
und Eisarbeiten zwischen 89000 und 480000 M. geschwankt. 

An öffentlichen Bedürfnisanstalten sind 183 Pissoirs 
mit 706 Ständen und 23 Anstalten für Frauen zu reinigen. 
Die Kosten für Straßen-Reinigung, Besprengung und Be¬ 
trieb der Bedürfnisanstalten betragen: 

in auf 1 qm Straße auf den Kopf d. Bevölkerg. 


Hamburg. 

0,15 

M. 

1,25 

M 

Berlin. 

o ,34 


1,78 

n 

Dresden . 

0,32 

n 

2,33 

)) 

Köln. 

0,25 

1,19 

)) 

Frankfurt a. M. . . . 

0,22 

)) 

2,06 

)) 


Die Abfuhr des Hausunrates ist ebenso wie die Ab¬ 
fuhr des Straßenkehrichts im Submissionswege an Ueber- 
nehmer vergeben, welche dafür auf je 1000 Einwohner 
und Jahr 300 bis 380 M. erhalten. Von einem von 441000 
Einwohnern bewohnten Gebiet wird der Unrat zur Ver¬ 
brennungsanstalt geschafft, von dem übrigen 288000 Ein¬ 
wohner zählenden Gebiet, dagegen unter strengen der 
Hygiene Rechnung tragenden Kontrakt-Vorschriften im 
Randgebiet landwirtschaftlich verwertet. Die Abfuhr er¬ 
folgt nachts in einfach mit Holzklappen verschlossenen 


Wagen. 

Für die Kübelabfuhr aus den nicht an Siele ange¬ 
schlossenen Grundstücken sind die Flauswässer in dicht¬ 


gemauerten Gruben zu sammeln, deren Inhalt staatsseitig 
mittels pneumatischer Apparate entleert wird. Die Fäkalien 
solcher Grundstücke werden in Kübeln gesammelt und 
ebenfalls staatsseitig abgefahren. Die Reinigung der Kübel 
erfolgt in dem Abfuhrdepot, in fast geruchloser Weise. 

Das Arbeitspersonal der Straßenreinigung besteht aus 
etwa 600 Menschen, die Jahresausgaben belaufen sich 
z. Zt. auf 1551000 M., denen Einnahmen in Höhe von etwa 
179 000 M. gegenüberstehen. — 

I Im. 


3i 








Preisbewerbungen. 

Wettbewerb für einen Hafenbauplan für die Stadt Gothen¬ 
burg in Schweden. In No. ioo Jahrg. 1902 haben wir auf 
dieses Preisausschreiben schon kurz hingewiesen. Wir haben 
nach Einsichtnahme in das Programm nicht viel hinzu¬ 
zufügen. Es handelt sich lediglich um einen Ideenwett¬ 
bewerb für die Erweiterung der Plafenanlagen für „ver¬ 
schiedene Fahrzeugtypen und sonstige Verkehrszwecke“. 
Leider gibt das.Programm keinerlei Anhalt, welche An¬ 
sprüche der Verkehr jetzt stellt und nach welcher Richtung 
hin ein Bedürfnis zur Entwicklung der Anlagen vorliegt. 
Eine Beteiligung an dem Wettbewerb bedingt also ein 
eingehendes Studium an Ort und Stelle. Verlangt ist 
lediglich ein Einzeichnen der neuen Anlagen in die zur 
Verfügung gestellten Pläne 1: 8000 für den Hafen, 1 : 20000 
für den Stadtplan, mit den Anschlußlinien der Eisenbahnen; 
Einzelheiten der Kaianlagen, Schuppen, Brücken usw. 
sind nicht verlangt, ebensowenig ein Kostenüberschlag. 
Gefordert ist dagegen ein Erläuterungsbericht. Im Preis¬ 
gericht ist das Ausland vertreten durch Chefingenieur 
C. J. de Jongh in Rotterdam und Hafenbmstr. H. C. 
Möller in Kopenhagen. Im übrigen gehören demselben 
noch als Sachverständige an: J. L. Laureil, Oberstint, 
a. D. im Iv. Wege- und Wasserbau-Korps in Stockholm, 
und Stadtbrt. O. Ph. Aquist in Gothenburg. Der Hafen- 
Direktion steht das Ergänzungsrecht bei Verhinderung eines 
Preisrichters zu. An Preisen sind ausgesetzt 6000, 4000 
und 2500 Kr. (zu 1,16 M.). Der freien Entscheidung der 
Hafendirektion ist der Ankauf eines weiteren Planes zum 
Preise von 1000 Kr. Vorbehalten. Frist bis 15. Okt. 1904. — 

In einem Wettbewerb betr. Entwürfe für eine Volks¬ 
schule in Bettenhausen liefen 19 Arbeiten ein. Den I. Preis 
von 1200 M. erhielt Hr. Arch. Heinrich Arnold in Kassel; 
den II. Preis von 600 M. Hr. Arch. Fritz Schirmer in 
Kassel; den III. Preis von 400 M. Hr. Heinr. Bange mann 
in Kassel. Die Bausumme betrug 250000 M. Die Ent¬ 
würfe sind bis 25. Jan. im alten Pfarrhause in Betten¬ 
hausen öffentlich ausgestellt. Der Wettbewerb war auf 
Architekten aus dem .Stadt- und Landkreise Kassel be¬ 
schränkt. — 

Zu einem engeren Wettbewerb betr. Entwürfe für ein 
Weltpostvereins-Denkmal in Bern sind die Gewinner der 
6 Preise des ersten, allgemeinen Wettbewerbes mit Frist 
zum 1. Aug. 1904 aufgefordert worden. Es nehmen so¬ 
mit Teil die Hm. E. Hundrieser in Charlottenburg, 
Georg Morin in Berlin, E. Dubois in Gemeinschaft mit 
R. Patouillard und R. de St. Marceau in Paris, sowie 
Ign. Taschner in Breslau in Gemeinschaft mit Aug. Heer 
in München und Guiseppe Chiattone in Lugano. Die 
Künstler, die eine Entschädigung von je 1500 Fr. erhalten, 
sind nicht an ihren ersten Entwurf gebunden. — 

In einem Preisausschreiben zur Erlangung von Ent¬ 
würfen für die Durchführung einer Passage, sowie die Ge¬ 
staltung des Gerberplatzes in St. Johann (Saar) liefen 10 Ent¬ 


würfe ein. Das Preisgericht, dem Hr. Prof. Th. Fischer 
in Stuttgart als Sachverständiger angehörte, erteilte ein¬ 
stimmig den I. Preis (800 M.) Hrn. Gustav Schmoll, den 
II. Preis (600M.) Hrn. Karl Brugger, den III. Preis (400M.) 
Hrn. Alb. Deezs, sämtlich in St. Johann. Ein weiterer 
Entwurf des Hrn. Herter in St. Johann wurde zum An¬ 
kauf empfohlen. Der Wettbewerb war beschränkt auf 
Architekten der Saarstädte St. Johann - Saarbrücken und 
Malstatt-Burbach. — 

Zu einem engeren Wettbewerb zur Erlangung von Ent¬ 
würfen für die Bemalung der östlichen Wand des großen 
Sitzungssaales des Reichstagsgebäudes waren 9 Künstler 
eingeladen. Drei Preise von je 1000 M. erhielten die Hrn. 
Prof. Art. Kampf und Prof. W. Friedrich in Berlin, so¬ 
wie Hr. Aug. Jank in München. Ueber die Erteilung 
des Auftrages wurde die Entscheidung noch ausgesetzt. — 

Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die 
Anlage eines Nordparkes in Berlin soll durch den Magistrat 
von Berlin mit einer Preissumme von zus. 10 000 M. ausge¬ 
schrieben werden. Durch den Wettbewerb soll die Mög¬ 
lichkeit versucht werden, für die zukünftige Gestaltung 
des hügeligen Geländes neue Gedanken, gegebenen Falles 
hervorgegangen aus der Zusammenwirkung der Garten- 
kitnst mit der Baukunst, zu gewinnen. — 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Arch. G. M. in Hagen i. W. Ein Rechtsmittel gegen 
das bereits am 10. Aug. 1903 verkündete Urteil ist ausgeschlossen, 
da dessen Zustellung bereits am 29. Sept. erfolgt und damit die 
Notfrist bereits am 29. Okt. 1903 verstrichen ist. Ob die Berufung 
würde Erfolg haben können, ist mithin nebensächlich, würde aber 
auch nur zu beurteilen gewesen sein, wenn außer dem Bauverträge 
noch der Wortlaut der einzelnen infrage kommenden Schriftstücke 
und der volle Schriftwechsel im Prozesse Vorgelegen hätte. Das 
Uebergewicht der Wahrscheinlichkeit spricht gegen den Erfolg einer 
Berufung. Eine Beantwortung der einzelnen Fragen im Schriftstücke 
vom 3 t. Dez. 1903 würde den Raum des Briefkastens erheblich 
übersteigen und bietet kein allgemeines Interesse, weshalb solche 
abgelehnt wird. Die Erstattung eines Rechtsgutachtens würde kost¬ 
spielig sein, weil es eine Durchsicht der sämtlichen Schriftstücke 
zur Voraussicht hätte. — K. H-e. 

Hrn. F. H. in Bamberg. Sie finden in unserem neuesten 
Bande der „Baukunde des Architekten“, im zweiten Band, sechsten 
Teil, ein reiches Material über Postbauten usw., welches wir Ihnen 
für die Bearbeitung der Konkurrenz betr. das Verkehrsministeriums 
mit Packetbriefpostamt für München angelegentlich empfehlen. Der 
durch unsere Expedition, Königgrätzerstr. 105, zu beziehende Band 
kostet 10 M. ungebunden. 

Inhalt; Das Walzenwehr im Hauptarm des Mains zu Schweinfurt. — 
Der Wiederaufbau des Campanile von San Marco (Schluss!. _■— Vom Meißner 
Dom. — Mitteilungen aus Vereinen. — Preisbewerbungen. — Brief- und 
Fragekasten. — Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. 

Hierzu eine Bildbeilage: Das Walzenwehr im Hauptarm 
des Mains bei Schweinfurt. 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 


Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. 

VI. Internationaler Architekten-Kongreß zu Madrid im April 1904. 

Die von dem Ausschuß des Kölner Vereins im Einvernehmen mit dem Verbands-Ausschuß vorbe¬ 
reitete gemeinschaftliche Reise ist nunmehr unter Mitwirkung der vom Madrider Kongreß-Vorstande em¬ 
pfohlenen „Agence des voyages pratiques“ festgesetzt worden, wie folgt: 

1. Kleine Fahrt: Ab Köln 2. April morgens 9 Uhr. Uebernachtung in Paris, dann Weiterfahrt bis 
Biarritz, wo eintägiger Aufenthalt stattfindet. Ankunft in Madrid 5. April. Kongreß in Madrid vom 6. 
bis 13. April mit Ausflügen nach Toledo, Alcala und Guadalajara, veranstaltet von der Kongreßleitung 
(vielleicht auch Escorial und Aranjuez). 

Rückfahrt von Madrid am 13. abends. Eintägiger Aufenthalt in Burgos mit Ausflug nach dem 
Kloster Las Huelgas. Eintägiger Aufenthalt in Bordeaux. 

Am 17. April nachmittags von Paris nach Köln, wo Ankunft abends 11 Uhr. (Auf Wunsch können 
Teilnehmer auch längere Zeit — innerhalb der Dauer ihrer Fahrkarten — in Paris bleiben). 

2. Große Fahrt: Zu der vorbeschriebenen kleinen Fahrt tritt noch hinzu eine Rundreise Madrid—Granada— 
Malaga—Sevilla—Cordova—Madrid. Rückkunft nach Köln am 26. April abends. 

Die Beteiligung an der kleinen Fahrt kostet 570 Franken = rd. 466 M., die große Fahrt erfordert eine 
Zuzahlung von 320 Franken = rd. 260 M. Für diese Pauschzahlungen übernimmt die „Agence des voyages pratiques“ 
die Beförderung auf der . Eisenbahn in II. Wagenklasse (Paris—Biarritz I. Wagenklasse), die Mahlzeiten auf der Reise 
in den Speisewagen und Büfetträumen, die Beförderung von und zu den Gasthöfen, Aufenthalt und 3 Mahlzeiten 
(2 mit Wein) in Gasthöfen I. Ranges (auch in Madrid), die Fahrten zu Besichtigungen und die Trinkgelder hierfür, 
endlich die Stellung eines deutsch sprechenden Dolmetschers. 

Bedingung ist die Beteiligung von wenigstens 20 Personen an jeder Fahrt. Der Kölner Reise-Ausschuß 
übernimmt auch die Anmeldungen und die Einzahlung der Teilnehmerbeträge für den Kongreß von 25 Fr. (20 M. 
30 Pfg.) für die Person. Damen und Gäste können unter denselben Bedingungen an den gemeinschaftlichen Fahrten 
sich beteiligen. Süddeutsche und österreichische Fachgenossen können sich in Paris anschließen. 

Anmeldungen sind unter Anzahlung von 50 M. für die kleinere, 80 M. für die größere Fahrt und 
20 M. für den Kongreßbeitrag bis spätestens zum 1. Februar zu richten an den Geschäftsführer des 
Verbandes, Reg.-Bmstr. F. Eiselen in Berlin N.W., Flemmingstr. 16. — 

I. A. Der Geschäftsführer: F. Eiselen. 


32 


No. 5. 







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§ DEUTSCHE BAUZEITUNG § 

P' XXXVIII. JAHRG. N° 6. BERLIN, DEN 20. JAN. l 9°4 

m üö m u a u a mtässumm Kaoa aal! 

© 


Camillo Sitte. 


m 16. November 1903 verschied in Wien nach kurzer 
schwerer Krankheit im 61. Lebensjahre der Vater 
der neuzeitlichen Städtebaukunst: Camillo Sitte. 
Gerade als er sich mit einem ihm ergebenen Kollegen 
anschickte, der jungen Kunst, die seit 14 Jahren mehr in 
der Stille der engeren Fachwelt zu einem vielverheißen¬ 
den Wesen herangewachsen war, einen Tummelplatz vor 
aller Welt in Form einer Zeitschrift zu bereiten — mitten 
heraus aus einer erstaunlichen Schaffensfreudigkeit holte 
ihn der Tod. Was Camillo Sitte als schaffender Architekt 
und als Städtebaukünstler, was er theoretisch und durch 
die Ausführung geleistet hat, im Zusammenhang und ab¬ 
schließend zu würdigen, kann jetzt noch nicht und vor 
allem nicht in der Beengung eines Artikels unsere Auf¬ 
gabe sein. Erst wenn die Bewegung, die von ihm ihren 
Anstoß erhielt, zu einer gewissen Ruhe gelangt sein wird, 
ist der Zeitpunkt gekommen zu prüfen und das Ergebnis 
zu ziehen. Heute ist es lediglich unsere Pflicht, zu erzählen, 
was wir vom Lebenslauf des verehrten Mannes wissen, 
uns zu erinnern, wie die Lage der Dinge war, als er mit 
seinem Wort die Kunst des Städtebaues vom Schlafe er¬ 
weckte und schließlich, welche Entwicklung diese unter 
seinem Einfluß genommen hat. 

Camillo Sitte wurde als der einzige Sohn des Archi¬ 
tekten Franz Sitte im Jahre 1843 in Wien geboren, be¬ 
suchte dort die Schulen und absolvierte 1863 das Piaristen- 
Gymnasium. In der akademischen Freiheit, die darauf 
folgte, entwickelte sich gleich von Anfang an die merk¬ 
würdige ‘Vielseitigkeit, welche uns bis zu seinem Ende 
besonders im persönlichen Verkehr immer wieder über¬ 
raschte. Das Fachstudium allein genügte ihm bei weitem 
nicht. Philosophische und ästhetische Studien (bei Zimmer¬ 
mann und Eitelberger) und mehrere Semester hindurch 
ausgedehnte Arbeiten im anatomischen Seziersaal des Prof. 
Hyrtl gingen nebenher und als einem echten Jünger seiner 
Kunst war ihm auch das klingende Reich der Schwester¬ 
kunst vertrautes Land. Ein tüchtiger Cellist, wirkte er nicht 
nur in Konzerten mit, sondern versuchte er sich sogar 
eine Zeit lang als Musiklehrer. Diese musikalische Tätig¬ 
keit vermittelte ihm die Freundschaft Hans Richter’s, Josef 
Sucher’s in Berlin und Franz Fischer’s in München. Zur 
selben Zeit wirkte Sitte, gewiß ein Zeichen ungewöhnlicher 
Vielseitigkeit, als Lehrer der Kunstgeschichte an ver¬ 
schiedenen Privatschulen. 

Im Jahre 1875 berief den jungen Mann das K. K. 
österr. Ministerium für Kultus und Unterricht zur Gründung 
der Salzburger Staatsgewerbeschule, welche er dann bis 
1883 als Direktor leitete. Von dieser Zeit ab verwaltete 
er das gleiche Amt an derK. K. Staatsgewerbeschuie inWien. 

Dem Glanze von Camillo Sitte’s Bedeutung als Städte¬ 
bauer gegenüber erbleichen die Arbeiten dieses schaffens¬ 
freudigen Lebens auf den übrigen Gebieten. Immerhin 
wäre es eine Unterlassungssünde, sie nicht zu erwähnen. 
Schon mit 28 Jahren war Sitte auserlesen, ein stattliches 
Werk in der Mechitaristenkirche in Wien zu errichten, 
ein Jugendwerk, das er noch in der letzten Zeit seines 
Lebens (1900) auf eine in unserer Zeit wohl einzig da¬ 
stehende Art und Weise zur Vollendung bringen konnte, 
indem er den Innenraum mit figürlichen Kompositionen 
ausschmückte. Alle Kartons zeichnete Sitte selbst, wozu 
er sein unermüdliches Studium im Aktzeichnen wohl ver¬ 
werten konnte, und einen großen Teil des Figürlichen 
führte er mit eigener Hand aus. 

Diese frühe Periode, zu der etwa noch der Entwurf 
eines leider nicht ausgeführten Theaters zu zählen wäre, 
wurde abgebrochen durch die ausschließliche Amtstätigkeit 
in Salzburg, und erst als .Sitte wieder nach Wien zurück¬ 
gekehrt war, fand sich für ihn Gelegenheit, einen weiteren 
Kirchenbau in Temesvar (1883) auszuführen, wie die erst¬ 
genannte Kirche in den Formen der deutschen Renaissance. 
Es war der gründlichen und leicht schaffenden Art Sitte’s 
entsprechend, daß er sich mit dem rein Architektonischen 
nicht begnügte. Nicht nur die farbige Ausschmückung 


ging bei seinen Bauten, wie erwähnt, aus seiner eigenen 
Hand hervor, sondern auch die ganze übrige dekorative, 
plastische und bewegliche Ausstattung überließ er nicht 
Anderen. So hielt er es bei einem Jagdschloß, das er im 
Jahre 1883 in Zbirow baute, wo er Glasfenster, Lüster 
und Möbel entwarf und dekorative Figuren sogar selbst 
modellierte. An- und Umbauten im Schlosse Sierndorf 
bei Wien und eine Kapelle an diesem Orte, sowie viele 
andere kleine Arbeiten gingen nebenher. Die nun folgende 
zweite Pause in seiner Bautätigkeit läßt sich leicht mit den 
Vorbereitungen für das Buch über den Städtebau erklären. 
Erst die fünf letzten Lebensjahre Sitte’s waren wieder 
durch Bauausführungen bereichert, deren Ort Oderfurt- 
Privorz war. Hier erbaute er 1897—99 ein Rathaus und 
die Kaiser-Jubiläums-Marienkirche, in der die gesamte 
Einrichtung von seiner Hand gezeichnet wurde. Soweit 
ging seine aufopferungsfreudige Kunstliebe, daß er seine 
Ferien daran gab, um auch hier wieder mit dem Pinsel 
in der Hand selbsttätig seine Entwürfe für die Ausmalung 
der Kirche zur Ausführung zu bringen. 

Wenn wir nun daran gehen, die Bewertung Sitte’s im 
Gebiete des Städtebaues zu würdigen, so wäre es am 
Platze, des Längeren davon zu reden, welche Zustände 
vor dem Erscheinen seines Buches herrschten, damit die 
Gegensätze, das Charakteristische der Wirkung klar zutage 
treten. Gerade dafür aber, glaube ich, fehlt uns noch der 
nötige Abstand zur objektiven Betrachtung. Es ist mehr 
das sichere Gefühl, etwas erstaunlich Wichtiges miterlebt 
zu haben, das uns beherrscht, als die klare Erkenntnis, 
worin die Notwendigkeit einer so schlagenden Wirkung 
gelegen haben mag. Wenn ich dies ausspreche, so ist aller¬ 
dings die Einschränkung notwendig, daß für die Näherstehen¬ 
den das Wirken Sitte’s Perspektiven auf künstlerische Mög¬ 
lichkeiten eröffnet hat, die sehr weit abliegen von der heu¬ 
tigen Art des offiziellen Architekturbetriebes Das alles 
will Zeit haben und die Zeit ist’s auch, deren immer neu 
befruchtendem und Blüten und Früchte bringendem Weben 
Sitte mehr Verdienst an dem, was er erreicht hat, zu¬ 
schrieb, als seinem Geiste selbst. 

„Wenn die Not am größten . . . Daß die Not des 
Städtebauens in den 70 er und 80 er Jahren immer mehr 
gewachsen war, können wir heute wohl schon sagen, ohne 
die Objektivität zu verleugnen. Man hatte das wohl er¬ 
kannt und strengte allen Witz an, um einen Ausweg zu 
finden; man fand auch einen Weg. Leider war es aber 
kein Ausweg, sondern ein Holzweg, und dieser hieß: die 
Wissenschaftlichkeit. In Kurzem wurde ein mächtiges Ge¬ 
bäude von Systemen aller Art errichtet. Alles war ver¬ 
treten, Naturwissenschaft, Technik, Volkswirtschaft — fehlte 
leider das Herz, das alle diese todten Systeme mit warmem 
Blute hätte erfüllen können; es fehlte die Kunst, oder 
nennen wir’s anders, es fehlte das natürliche Gefühl. 
Man möchte freilich zaudern, natürliches Gefühl und Kunst, 
Baukunst im Besonderen, heute in einem Atem zu nennen. 
Das gehört eben auch zu den Perspektiven, in denen eine 
Baukunst ohne Examina und die Last des offiziellen Be¬ 
triebes zu ahnen ist. 

1889 erschien „Der Städtebau nach seinen künst¬ 
lerischen Grundsätzen, ein Beitrag zur Lösung mo¬ 
derner Fragen der Architektur und monumentalen Plastik 
unter besonderer Beziehung auf Wien, von Architekt 
Camillo Sitte, Reg.-Rat und Direktor der K. K. Staatsge¬ 
werbeschule in Wien .“ Die zweite Auflage folgte noch 
im gleichen Jahre. Bezeichnend für die in diesemWerke 
verfolgte Absicht des Verfassers ist ein Satz der Einlei¬ 
tung. Sitte spricht von der Wirkung antiker Plätze im 
Allgemeinen und des Forums in Pompeji im Besonde¬ 
ren. „An einer solchen Stelle begreifen wir auch die 
Worte des Aristoteles, der alle Grundsätze des Städte¬ 
baues dahin zusammenfaßt, daß eine Stadt so gebaut sein 
solle, um die Menschen sicher und zugleich glücklich 
zu machen. Zur Verwirklichung des letzteren dürfte der 
Städtebau nicht bloß eine technische Frage, sondern müßte 


33 




im eigentlichsten und höchsten Sinne eine Kunstfrage sein. 
Das war er auch im Altertume, im Mittelalter, in der Re¬ 
naissance, überall da, wo überhaupt die Künste gepflegt 
wurden. Nur in unserem mathematischen Jahrhundert 
sind Städteerweiterungen und Städteanlagen beinahe eine 
rein technische Angelegenheit geworden, und so erscheint 
es denn wichtig, wieder einmal darauf hinzuweisen, daß 
hiermit nur die eine Seite des Problems zur Lösung käme, 
und daß die andere Seite, die künstlerische, von minde¬ 
stens ebenso großer Wichtigkeit wäre.“ 

So bescheiden dieses Programm klingt, so wirkungsvoll 
ist die Art der Durchführung und so umfassend ist die 
Fülle des Materiales, das hier verarbeitet worden ist. Kaum 
ein Gebiet des gesamten Städtebauwesens gibt es, das 
nicht wenigstens gestreift wäre und zwar mit Worten, 
welche die erschöpfende Behandlung schon zum größten 
Teil in sich tragen. Seinem Vorsatz nach freilich wollte 
Sitte weder historisch noch kritisch arbeiten, sondern nur 
„alte und neue Städte rein kunsttechnisch analysieren, um 
die Motive der Komposition bloßzulegen, auf denen dort: 
Harmonie und sinnberückende Wirkung, hier: Zerfahren¬ 
heit und Langweiligkeit beruhen.“ Er wollte weiter 
nichts, als durch diese Untersuchungen „womöglich einen 
Ausweg finden, der uns aus dem modernen Häuserkasten- 
System befreit, die der Vernichtung immer mehr anheim¬ 
fallenden schönen Altstädte nach Tunlichkeit rettet und 
schließlich auch selbst den alten Meisterleistungen ähn¬ 
liches hervorbringen ließe“. In Wahrheit konnte es nicht 
ausbleiben, daß die eingehende Vertiefung in die Materie 
den Verfasser dazu führte, auch außer der „kunsttechni¬ 
schen Analyse“ eine ganze Reihe glänzend durchgeführter 
historischer Untersuchungen und rein technischer Sach- 
prüfungen zu bringen. So ist gleich in der Einleitung die 
Abhandlung der Frage, warum unsere öffentlichen Plätze 
des wirklichen Lebens und damit der künstlerischen Be¬ 
deutung entbehren, ein Kapitel feinster Ueberlegung und 
eine Probe kräftigster Darstellung. 

Es kann nicht meine Aufgabe sein, hier den Inhalt 
des Buches zu rekapitulieren; darf man doch annehmen, 
daß es alle Fachgenossen durch eigenes Studium kennen 
— oder sollte der Umstand, daß fast überall im Deutschen 
Reiche noch nach der alten Schablone weiter gearbeitet 
wird, daß unsere Großstädte erst ganz vereinzelte Zeichen 
der Besserung aufweisen können und daß unsere Klein¬ 
städte mit einer erschreckenden Zähigkeit weiter liniiert 
werden — sollte dies ein Beweis dafür sein, daß Camillo 
Sitte’s Werk noch so wenig bekannt ist? Sollte man da¬ 
raus, daß außer in Bayern und in Hessen, soweit ich unter¬ 
richtet bin, in keinem Bundesstaat dem Architekten, der 
hier vor allem zu sprechen hätte, ein maßgebender Ein¬ 
fluß auf die Bebauungspläne eingeräumt wird, sollte man 
daraus schließen, daß der„Städtebau“ auch zu den Büchern 
gehört, die viel gelobt aber wenig gelesen werden? Die 
Schlußvignette im Buche Camillo Sitte’s ist eine geflügelte 
Schnecke; vermutlich von seiner eigenen Hand, denn 
diese gemütliche und überlegene Art der Satyre sähe ihm 
ähnlich. Er kannte wohl die Welt und erwartete von ihr 
und in Sonderheit von dem seines untadelhaften Be¬ 
harrungs-Vermögens frohen Teil der AVelt, der sich mit 
kleinen und großen Titeln ausstaffiert, nicht mehr, als ein 
kluger Mann erwarten kann. Von Resignation aber war 
Sitte gleichwohl himmelweit entfernt. Eine Begeisterungs¬ 
fähigkeit sondergleichen, eine Lebhaftigkeit der Auffassung 
und der Mitteilung und auch einmal vor Derbheiten nicht 
zurückschreckende Offenheit waren die Eindrücke, welche 
man von der Persönlichkeit gewinnen mußte. Er gehörte 
zu denen, die ganz selbstverständlich die Führung in der 
Unterhaltung nehmen, immer voll von überraschenden, 
wohl auch verblüffenden Ideenkombinationen und über¬ 
sprudelnd von seinen Plänen, deren Universalität manch¬ 
mal geradezu für uns spezialisierte Menschenkinder etwas 
Beängstigendes hatte. Von den Plänen und den noch nicht 
in die Oeffentlichkeit gelangten Ideen aber wäre noch 
Manches zu sprechen. Zum Glück haben wir durch die 
Person des Sohnes, des Architekten Siegfried Sitte in 
Wien, die Gewißheit, in Bälde eine Ernte nach der an¬ 
deren von den wohl bestellten Feldern des Nachlasses 
eingebracht zu sehen. Einige Andeutungen mögen des¬ 
halb hier genügen: Nach dem „Städtebau“, der, wie ich 
hier beiläufig bemerken will, 1902 in einer französischen 
Uebersetzung von Camille Marten in Genf erschienen ist 
und deren englische Ausgabe George Hooker in Chicago 
vorbereitet, war Größeres nicht mehr erschienen; aber 
aus einer Reihe von kleinen Arbeiten konnte man er¬ 
sehen, daß in der Gedankenwerkstatt Sitte’s kein Säumen 
war. Ein Artikel der Hamburger Zeitschrift „Der Lotse“ 
(1901) mit dem Titel „Großstadtgrün“ brachte eine will¬ 
kommene Ergänzung zu dem Buche, und von seinen 
Studien außerhalb des engeren Gebietes des Städtebaues 


legen kleinere Arbeiten Zeugnis ab, wie die interessante 
Broschüre über „Farbenharmonie“ (Selbstverlag) und eine 
ganze Reihe von Vorträgen und Zeitungsartikeln, welche 
die verschiedensten Gegenstände umfaßten. Einige Titel 
geben einen Begriff davon, wie weit Sitte die Grenzen 
seines Nachdenkens steckte: „Richard Wagner und die 
deutsche Jugend“, „Ueber österreichische Bauernmajoliken“, 
„Ueber die neue kirchliche Architektur in Oesterreich“ 
u. a. m. Es geht kaum an, von einem fast übermäßig groß 
angelegten literarischen Plan zu sprechen, ohne genauere 
Kenntnis des vorhandenen Materiales zu haben, als sie 
mir zur Verfügung steht. Immerhin wäre es aber eine 
Unterlassungssünde, davon ganz zu schweigen, daß Camillo 
Sitte sich mit der Herausgabe eines „Siebenteiligen Kunst¬ 
theoretischen Werkes“ trug, das wohl als eine Nachfolge 
von Semper’s „Stil“ aufgefaßt war. Darinnen wollte er 
das Ergebnis all’ seiner Studien niederlegen. Aus dem 
in über 200 Kassetten wohl geordneten Notizenmaterial, 
dem auch einzelne schon ausgearbeitete Kapitel und viele 
Dispositionen angehören, wird wohl nur ein ganz Einge¬ 
weihter eine lebendige Vorstellung des gigantischen Planes 
erwecken können. Vielleicht gelingt dies dem Sohne! 

Glücklicher scheint es mit einem anderen Entwürfe 
zu stehen: einer Folge und Ergänzung des „Städtebaues“. 
Wenn im ersten Bande vorwiegend die künstlerische Seite 
der Materie behandelt worden war, sollte dieser II. Band 
die wissenschaftlichen, die hygienischen und die volks¬ 
wirtschaftlichen Seiten des Städtebaues umfassen. Sicheren 
Nachrichten zufolge ist dieses Werk so weit gediehen, daß 
es Hr. Siegfried Sitte in nicht zu ferner Zeit vollenden 
und der Fachwelt übergeben kann. Außer den literari¬ 
schen Plänen hat der Tod noch eine Reihe architektoni¬ 
scher Entwürfe abgeschnitten, die vielversprechend be¬ 
gonnen wurden. Erwähnen müßte man die große Villen¬ 
anlage Mariental bei Hainfeld, ein Sanatorium für Graz, 
eine Platzanlage für Polnisch - Ostrau, die sehr charakte¬ 
ristisch für die Art Sitte’s als dreisätzige Symphonie ge¬ 
dacht war: Bezirksgericht (ernst) — 1. Satz; Pfarrhaus 
(heiter) — 2. Satz, und Kirche (ernst) — 3. Satz. Schlie߬ 
lich noch eine zweite Staatsgewerbeschule für Wien und 
das einzige Konkurrenzprojekt, das er zeit seines Lebens 
verfaßte: die Kaiser - Jubiläumskirche. Viele Männer im 
Alter Camillo Sitte’s, wenn sie der Tod abruft, haben 
ihre Schaffensperiode hinter sich und die Trauer über 
ihren Hingang hat den Keim des Trostes in sich. Hier 
aber sahen wir einen fallen, der noch lange nicht fertig 
war mit seinem Werke; noch ein Lebensalter hätte kaum 
genügt, all das, was in ihm zum Lichte drängte, in die 
Welt der Erscheinungen zu bringen. Undankbar aber 
dürfen wir deshalb gegen das Geschick nicht sein, denn 
was er fertig brachte, ist schon weitaus genug, um ihn 
zu einem unserer Besten zu machen. Er selbst hatte noch 
die Genugtuung, Früchte abzunehmen von dem Baume, den 
er gepflanzt: es ist nicht vergessen, welchen Einfluß sein 
Buch auf die Erhaltung mancher schönen alten Stadt, z. B. 
Nürnbergs und, wenn ich recht berichtet bin, auchVenedigs 
ausübte: Bei zahlreichen Konkurrenzen konnte Sitte seine 
freie künstlerische Anschauung in die Wagschale legen 
und in verschiedenen durch die Behörden genehmigten 
Bebauungsplänen, wie in Olmütz, in Teschen, Reichen¬ 
berg, Mährisch - Ostrau, Oderfurt-Privorz und Marienberg 
wird seine Arbeit gute Früchte tragen. 

In diesen Tagen hat Camillo Sitte noch einmal zu uns 
gesprochen im ersten Heft der neuen Zeitschrift „Der 
Städtebau“, die er, wie eingangs erwähnt, vor seinem 
Tode in Gemeinschaft mit Landesbrt. Th. Göcke in Berlin 
gegründet hatte. Der Artikel mit der Ueberschrift „Ent¬ 
eignungsgesetz und Lageplan“ ist erst zur Hälfte erschie¬ 
nen, aber schon jetzt ist darin eine erlösende Tat zu er¬ 
kennen. Ich fühlte es als eine Freude ganz besonderer 
Art, daß der verstorbene Meister darin mit ebenso viel 
sachlicher Ruhe als Entschiedenheit gegen die Kleingläu¬ 
bigen auftritt, die, weil sie sich in eine Sackgasse ver¬ 
laufen haben, nun nach der Polizei rufen, die die Wände 
durchbrechen soll, um ihnen den Ausgang frei zu machen. 
Je weniger ein Bebauungsplan wert ist, desto mehr be¬ 
darf er der Enteignungsgesetze. In unserem Streben nach 
natürlich-vernünftigen Plänen wäre ein leicht in Bewegung 
zu setzender Enteignungsapparat nur eine neue Hemmung, 
schwerer noch als die anderen, die noch immer die Bau¬ 
ordnungen schmücken, wie die „tunlichste Geradführung“, 
das Einhalten der Baulinien u. a. m. Die Freiheit, welche 
Enteignungsgesetze dem Bauplan-Entwerfer verschaffen, 
ist trügerisch. Wollen wir hoffen, daß die Worte des 
Toten eindrucksvoll genug seien, uns vor dem PTebel zu 
bewahren; das wäre ein würdiger Schluß dieses frucht¬ 
baren Lebens. — 

Stuttgart, im Januar 1904. Theodor Fischer. 


14 


No. 6. 




Wasserturm in Rastatt. 

Architekt: Professor Friedrich Ratzel in Karlsruhe. 


itsler hier veröffentlichte Wasserturm in Rastatt, der 
>M'\ nach den Entwürfen des Architekten Prof. Friedr. 
—==> Ratzel in Karlsruhe errichtet wurde, darf auf ein 
weitergehendes Interesse Anspruch erheben, weil er nach 
dem künstlerisch wenig schönen System Intze mit der 
starken Einschnürung unter dem Wasserbehälter konstruiert 
ist, im Aeußeren aber eine künstlerisch interessante, dem 


Charakter der Stadt trefflich angepaßte Form zeigt. Der 
Turm hat einen unteren Durchmesser von 12 m und steigt 
bis zu einer Höhe von 50 m an. Er besteht aus verputztem 
Backsteinmauerwerk, unter sparsamer Verwendung von 
hellem Sandstein. Das Dach ist mit roten Ziegeln und mit 
Kupfer eingedeckt. Die Baukosten des eigenartigen Wer¬ 
kes betrugen ohne Behälter rd. 61 000 M. — 







20. Januar 1904. 







































































































































Mitteilungen aus Vereinen. 

Architekten-Verein zu Berlin. In der am 14. Dez. 1903 
unter dem Vorsitze des Hrn. Hinckeldeyn abgehaltenen 
Sitzung hielt Hr. Oder einen Vortrag über „Die neuen 
Alpenbahnen in Oesterreich“. Nach einem kurzen 
Rückblick auf die geschichtliche Entwicklung der Alpen¬ 
bahnen in Oesterreich wandte sich der Vortragende zur 
Besprechung der neuen Linien, die augenblicklich zur Er¬ 
gänzung des bestehenden Netzes ausgeführt werden und 
vor allem eine bessere Verbindung mit Triest herstellen 
sollen. An der Hand der Statistik wies er nach, wie 
wenig zufriedenstellend die Entwicklung des Verkehres 
im Haupthafen der Oesterr. Monarchie im Vergleich zu 
der anderer Häfen gewesen sei. In erster Linie sei dies 
darauf zurückzuführen, daß es hier an einem eigenen 
industriell hoch entwickelten Hinterlande mangele, und 
daß Triest gezwungen sei, seine Tätigkeit auf solche Ge¬ 
biete zu erstrecken, die von der See durch bedeutende 
Entfernungen und natürliche Hindernisse getrennt sind. 
Die neue Bahnverbindung soll dazu dienen, das Attraktions¬ 
gebiet zu erweitern. Der Vortragende wandte sich sodann 
der Schilderung der Linien im Einzelnen zu, die er im 
Sommer des Jahres mit Empfehlungen des österr. Eisen¬ 
bahnministers Hrn. von Witteck bereist hatte. Es sind 
dies die „Tauernbahn“ d. h. die Strecke von Schwarz- 
ach—St. Veit an der Giselabahn durch’s Gasteiner Tal nach 
Möllbrücken an der Pustertalbahn, die „Karawanken¬ 
bahn“ d. h. die Strecke von Klagenfurt bezw. Villach 
nach Assling, sowie endlich deren unmittelbare Fortsetzung 
nach Triest, die sogen. „Wocheinerbahn“. Die Strecke 
Schwarzach—St. Veit — Gastein soll bereits im nächsten 
Jahre, die Reststrecke Gastein—Möllbrücken dagegen erst 
im Jahre 1908 eröffnet werden. Die Inbetriebnahme der 
übrigen Linien ist Ende 1905 in Aussicht genommen. An 
der Pland zahlreicher Lichtbilder wurden die verschiede¬ 
nen Bauausführungen, insbesondere die Installations-An¬ 
lagen der großen Tunnel ausführlich besprochen. Zum 
Schlüsse gedachte der Vortragende mit warmen Worten 
der herzlichen Aufnahme, die ihm seitens der Österreich. 
Fachgenossen zuteil geworden sei, sowie ihrer ebenso 
sachkundigen als liebenswürdigen Führung bei dem manch¬ 
mal etwas beschwerlichen Studium der interessanten und 
gefährlichen Arbeiten. Insbesondere sprach er dem ge¬ 
nialen Leiter der Bauarbeiten, Hrn. Baudir. Wurmb, seinen 
Dank aus für das freundliche Entgegenkommen und die 
Ueberlassung von Materialien für die Ausarbeitung des 
Vortrages. Mit herzlichen Wünschen für das Gelingen des 
großen Werkes schloß der Redner seine Ausführungen. 

Den Schluß der Sitzung bildete die Beurteilung zweier 
Monats - Wettbewerbe. Der eine betraf den Entwurf zu 
einem Hubtor für eine Schleuse. Hr. P. Gerhardt 
erstattete den Bericht. Es war nur eine Bearbeitung ein¬ 
gegangen, der ein Vereinsandenken zugebilligt wurde; 
Verf. Hr. Reg.-Bmstr. Ziegler in Krossen. Die zweite 
Aufgabe betraf den Entwurf zu einer Dorfschänke, zu 
welcher 17 Arbeiten Vorlagen. Namens des Ausschusses 
erstattete PIr. Herrn. Guth deir Bericht. Vier Arbeiten, 
nämlich den Entwürfen der Hrn. Reg.-Bfhr. Fr. Lahrs 
(2 Entw.), Reg.-Bmstr. Fritz Schultz und Reg.-Bmstr. 
Kiehl, sämtlich in Berlin, wurde je ein Vereinsandenken 
zuerkannt. — 


Vermischtes. 

Das Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft 
und Technik in München, welches dazu bestimmt ist, den 
Einfluß der wissenschaftlichen Forschung auf die Fort¬ 
schritte der Naturwissenschaften und der Technik und die 
historische Entwicklung der verschiedenen Industrien in 
Deutschland zu zeigen, hat durch Erlaß des Prinzregenten 
von Bayern vom 28. Dez. 1903 als eine Anstalt des öffent¬ 
lichen Rechtes die Rechtsfähigkeit erhalten. Gleichzeitig 
wurden die Satzungen genehmigt. Das Museum wird 
ohne Zweifel ein Lehr- und Erziehungsmittel für das 
ganze Volk werden. Für einen Neubau ist durch die 
Stadt München ein Bauplatz an einem der schönsten 
Punkte Münchens zugesagt. Wir werden auf die Organisation 
des Museums noch gelegentlich einmal zurückkommen. — 

Zu einer Erweiterung des Germanischen Nationalmuseums 
in Nürnberg will die Berliner Pflegschaft die Mittel be¬ 
schaffen. Im Jahre 1882 wurde dem Museum der längs 
seiner Front an der Frauentorgasse entlang ziehende Teil 
der Stadtmauer mit Zwinger und Festungsgraben von der 
Stadt Nürnberg als Geschenk überlassen. Essenwein schon 
hatte die Absicht, durch mehrere Brücken zum Wehrgang 
der Stadtmauer das große Gelände mit der Baugruppe des 
Museums zu verbinden, um auf demselben mittelalterliche 
Verteidigungs-Maschinen in ihrer wirklichen Verwendung 
zu zeigen. Die Verließe der Türme, die Mauer, der Zwinger 


sollten mit alten Kriegswerkzeugen, Wurfmaschinen, Hau¬ 
bitzen usw. besetzt werden und dem Beschauer ein Bild 
mittelalterlichen Befestigungswesens im Urbild darbieten. 
Der Plan scheiterte bisher an den fehlenden Mitteln. Diese 
will nunmehr die Berliner Pflegschaft versuchen aufzu¬ 
bringen, um durch Errichtung der ersten Brücke über die 
Frauentorgasse zur alten Stadtmauer dem Museum einen 
wichtigen Bestandteil zu gewinnen, der ihm zwar schon 
gehörte, aber durch die Ungunst der Verhältnisse nicht in 
Benutzung genommen werden konnte. Die Entwürfe für 
die Brücken stammen noch von Essenwein, welcher auch 
die Anfänger der Brücken bei den Neubauten bereits Vor¬ 
mauern ließ. Der schöne Plan verdient die wärmste Unter¬ 
stützung aller Freunde des Museums. - 


Chronik. 

Ueber einen Schiffahrtskanal von der Ostsee zum 
Schwarzen Meere, mit welchem sich die russische Regierung 
wiederholt beschäftigt hat, bringt der „Engineer" die Nachricht, 
dass ein amerikanisches Syndikat der russischen Regierung das 
Angebot gemacht habe, diesen Kanal für 640 Mill. Mark auszuführen, 
d. h. erheblich billiger als bisher geschätzt. Der Kanal soll auch 
Kriegsschiffen den Durchgang sichern. — 

Der Bau des Künstlerhauses in Nürnberg wird nach einem 
Entwürfe des städt. Architekten O. Seegy demnächst begonnen und 
zur Nürnberger Ausstellung des Jahres 1906 vollendet sein. Zu 
den Baukosten von 600000 M. liegen private Sammlungen von 
500 oco M sowie ein städt. Zuschuß von 100000 M. bereit. Das 
Künstlerhaus soll Verwaltungsräume, Ausstellungsräume für die 
städt. Gemäldegalerie und die Sammlung des Albrecht-Dürer- 
Vereins, sowie ein Restaurant enthalten — 

Ein neues Gebäude der kgl. Bank in Ludwigshafen ist 
am 14. Dez 1903 seiner Bestimmung übeigeben worden. Das Gebäude 
ist nach den Entwürfen des Hrn. Prof. Albert Schmidt in München 
ausgeführt. —■ 

Der Bau eines neuen Ober-Realschul-Gebäudes in Steglitz 

ist nach dem Entwürfe des Hrn. Reg.-Bmstr Blunck mit einem 
Aufwande von 620000 M. sowie von 25000 M. für ein Wohnhaus 
des Direktors in Aussicht genommen. — 

Ein neues Rathaus für Mannheim soll durch Umbau des 
Kaufhauses gewonnen werden. Die Umbaukosten sind mit r,5 Mill. 
Mark veranschlagt. — 

Die Einweihung der neuen Christuskirche in Heidelberg, 
nach einem Entwurf des Hrn. Bit. Behaghel in Heidelberg im 
Stile der Renaissance errichtet, hat am 3. Jan. 1904 stattgefunden. —- 
Ein Pettenkofer - Haus und -Denkmal soll nach den Ab¬ 
sichten eines bez. Komitees auf der von der Stadtgemeinde München 
abzutretenden Isarlust erstehen. — 


Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Den Postbrtn. S t ü 1 e r in Koblenz und 
Techow in Berlin, sowie dem Postbrt. a. D. Neu mann in 
Erfurt ist der Char. als Geh. Brt verliehen. 

Den Garn -Bauinsp. D o e g e in Stettin, Soenderop in 
Kassel, Sonnenburg in Schwerin, Hahn in Hannover, Maur- 
mann in Karlsruhe, Sorge in Spandau, Polack in Altona, 
Schultze in Berlin (Gardekorps), Buschenhagen in Stra߬ 
burg i. E , K n i r c k in Bonn, R a h m 1 o w in Gumbinnen , Ad. 
Meyer in Trier, Stuckhardt in Straßburg i. E, Scholze in 
Graudenz, P a e p k e in Metz, W e i n 1 i g in Freiburg i B., Hauß- 
k n e c h t in Berlin, L i c h n e r in Posen , L i e b e r in Straßburg, 
G ü t h e in Thorn, Hallbauer in Breslau, Richter in Spandau, 
Hagemann in Altona, W e 11 r o f f in Potsdam u. Traut mann 
in Torgau ist der Char. als Brt. mit dem persönl. Range der Räte 
IV. Kl, verliehen. 

Versetzt sind: Die Garn.-Bauinsp. char. Brt. Schneider in 
Stuttgart zur Korps-Intend. und Braunbek in die Lokal-Bau¬ 
beamtenstelle Stuttgart 

Der Mar.-Schiffbmstr. Petersen in Kiel ist nach Berlin zur 
Dienstleistung im Reichs-Mar.-Amt versetzt. 

Bayern. Der Reg.- u Kr.-Brt. B ren n er, Vorst, des K.Wasser- 
versorg.-Bür. ist z. Ob.-Bit. befördert. 

Hessen. Der Kunstschriftsteller und Verleger Alex. Koch 
in Darmstadt ist zum Hofrat ernannt 

Preußen. Die Reg.-Bfhr. Otto Machwirth aus Chat. Salins 
und Ad. Seidel aus Berlin (Hochbfch.), —- Ad. Selig aus Gut 
Haldem und Wilh. Riepe aus Hücker (Wasser- u. Straßenbfch.), 
— Wilh. Kress aus Salzungen, Alex. Linke und Rud. F a t k e n 
aus Hannover (Eisenbfch.), — und Wilh. Wurl aus Bromberg 
(Masch.-Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. 

Sachsen. Den Fin - u. Brtn. H ü b 1 e r bei der Straßen- u. 
Wasser-Bauverwaltg. und Schmidt bei der Hochbauverwaltg. ist 
der Tit. und Rang als Ob.-Brt. verliehen. 

Der Reg.-Bfhr. Erwin Berndt ist z. etatm. Reg.-Bmstr. bei 
der Kgl. Straßen- und Wasser-Bauinsp. I in Pirna ernannt. 

Der Reg.-Bmstr. Grube ist behufs Uebertritts zur Baudir. des 
Kgl. Minist, des Inn. aus dem Dienste d. Hochbauverwaltg. entlassen. 

Württemberg. Dem Reg.-Bmstr. Hahn ist die Abt -Ing.-Stelle 
bei der Eisenb.-Bauinsp. Reutlingen übertragen. — Dem Reg.-Bmstr. 
Dollinger bei der Domänen-Dir. ist die nacbges. Entlass, aus 
dem Staatsdienst gewährt. — 

Der Ob.-Insp , tit Brt. Stahl ist z. Brt. bei der Gen.-Dir. der 
Staatseisenb. befördert. 

Inhalt: Camillo Sitte. — Wasserturm in Rastatt. — Mitteilungen aus 
Vereinen. — Vermischtes. — Chronik. — Personal-Nachrichten. 


Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck, von Wilh. Greve, Berlin. 


No. 6. 


36 







DEUTSCHE BAUZEITUNG XXXVIII. JAHRGANG 1901 N? 


























































































XXXVIII. JAHRG. N° 7. BERLIN, DEN 23. JAN. 1904 


Umwandlung der preußischen und sächsischen Eisenbahnanlagen in und bei Leipzig. 

Von Paul Bischof, Ober- und Geheimer Baurat in Halle a. S. 


I. Jetzige Zustände auf den Leipziger 
Bahnhöfen. 

ür den Personen- und Güterverkehr mit 
der inneren Stadt Leipzig besitzt die 
preußische Eisenbahn-Verwaltung 4, die 
sächs. Eisenbahn-Verwaltung 2 eigene, 
getrennt liegende Bahnhöfe, vergl. den 
Uebersichtsplan Abbildg. 1 S. 38. Von 
den preuß. Bahnhöfen liegen drei, der 
Thüringer, der Magdeburger (Innen- und Außenbahnhof 
mit Güterladestelle Eutritzsch) und der Berliner nahe 
nebeneinander im Norden der Stadt, während der Eilen¬ 
burger Bahnhof im Osten sich befindet. In den Thüringer 
Bahnhof.münden die von Süden und Westen kommen¬ 
den Linien von Bayern (Probstzella-Gera) und von 
Thüringen (Erfurt-Korbetha), nachdem beide Linien 
sich in Leutzsch vereinigt haben. Der Magdeburger 
Bahnhof vermittelt den Verkehr nach Halle-Magdeburg, 
der Berliner denjenigen nach Bitterfeld-Zerbst und 
nach Bitterfeld-Berlin. Auf dem Eilenburger Bahnhof 
endet die Strecke Kottbus-Eilenburg-Leipzig. Drei Bahn¬ 
höfe sind Kopfstationen, nur der Berliner Bahnhof ist 
Durchgangsstation für den Verkehr nach der Richtung 
Bayern und Sachsen über Altenburg-Hof. Die sächs. 
Bahnhöfe sind der Bayerische im Süden der Stadt 
für die Linien Leipzig-Hof, Leipzig-Gaschwitz-Meusel- 
witz und Leipzig-Borna-Chemnitz, und der Dresdener 
— neben dem Magdeburger Bahnhof — für die Linien 
Leipzig-Riesa-Dresden, Leipzig-Döbeln-Dresden und 
Leipzig-Geithain-Chemnitz; beide sind Kopfstationen. 
Die preuß, und die sächs. Eisenbahn-Verwaltung besitzen 
gemeinsam nordöstlich vom Thüringer, Magdeburger 
und Dresdener Bahnhof und südöstlich vom Berliner 
Bahnhof einen Güterübergabe- oder Sammelbahnhof. 

.Abgesehen von der unmittelbaren Verbindung des 
Berliner Bahnhofes mit dem Bayerischen durch die 
Bayerische Verbindungsbahn, auf der fahrplanmäßige 
Züge verkehren, können nur zwischen dem Magde¬ 
burger und Dresdener Bahnhof einzelne durchgehende 
Wagen mittels Drehscheibe am Kopfe dieser Bahn¬ 
höfe in beschwerlichster Weise überführt werden. Im 
übrigen ist das in Leipzig durchreisende Publikum für 
den Verkehr zwischen den Bahnhöfen auf Omnibus- 
Fahrten und elektrische Strassenbahnen angewiesen. 


Bei der getrennten Lage der Bahnhöfe sind zum 
Uebergang der Güterwagen von einer Linie zur ande¬ 
ren mehrere kurze Verbindungsbahnen angelegt, die 
meist in den preuß.-sächsischenUebergabe-Bahnhof ein¬ 
münden, sodaß der Uebergang von Fahrzeugen der 
Richtungen von Bayern über Hof, von Bayern über 
Zeitz-Gera, von Magdeburg und von Thüringen einer¬ 
seits nach Dresden, nach Berlin und Eilenburg ander¬ 
seits, sowie der Uebergang der drei letzten Stationen 
unter sich nur über den Uebergabe-Bahnhof möglich 
ist. Die von Süden und Westen auf dem außerhalb 
des Stadtgebietes gelegenen Vereinigungs - Bahnhof 
Leutzsch von Probstzella-Gera bezw. Erfurt-Korbetha 
eingehenden Güterzüge werden daselbst auf mehr als 
ungenügenden Anlagen getrennt. Die Wagen gehen 
einesteils für den Ortsverkehr nach dem Thüringer 
Bahnhof, anderenteils werden sie über die unweit des 
Haltepunktes Gohlis-Möckern von der Thüringer Strecke 
abzweigende Thüringer Verbindungsbahn nach dem 
Uebergabe-Bahnhof oder über diesen unmittelbar nach 
Schönefeld überführt, eine Arbeit, die der Thüringer 
Bahnhof und seine nachstehend beschriebene Verbin¬ 
dung mit dem Uebergabe-Bahnhof durch den Magde¬ 
burger Bahnhof keinesfalls leisten könnte. 

Ein weiterer Verkehrsaustausch findet statt zwi¬ 
schen dem Thüringer Innenbahnhof und dem Magde¬ 
burger Außenbahnhof (Eutritzsch) für den Ortsverkehr 
und für die Richtung von und nach Halle, sowie für 
die nach der Betriebswerkstatt auf dem Thüringer Bahn¬ 
hof bestimmten Reparaturwagen, über die zwischen 
beiden Stationen liegende kurze Verbindungsstrecke. 

Von der Linie Magdeburg-Halle-Leipzig eingehende 
Güterzüge enden auf dem Magdeburger Außenbahn¬ 
hof (Eutritzsch) und werden dort getrennt. Die An¬ 
lagen hierfür sind äußerst mangelhaft. Dann gehen 
die Sendungen nach dem Innenbahnhof oder sie 
werden für den weiteren Lauf entweder nach dem 
Thüringer oder — auf einer besonderen Verbindungs¬ 
strecke — nach dem Uebergabe - Bahnhof überführt. 

Die Güterzüge aus der Richtung von Berlin und 
Zerbst über Bitterfeld fahren auf dem Berliner Bahn¬ 
hof ein. Soweit die Güter nicht für den Ort bestimmt 
sind, gehen sie sämtlich über eine Gleisverbindung 
nach dem Uebergabe-Bahnhof und erst von da auf die 
preußischen und sächsischen Linien über. 



37 

























Alle von Osten her über Eilenburg ankommenden 
Güterzüge werden auf dem Rangier-Bahnhof Schöne¬ 
feld ang-ebracht, die Ortsgüter gehen nach dem Eilen¬ 
burger Bahnhof, die Wagen für Thüringen über die 
Eilenburger Verbindungsbahn, den Uebergabe-Bahnhof 
und die Thüringer Verbindungsbahn nach Leutzsch, 
den Uebergabe-Bahnhof nur durchlaufend, die übrigen 
Wagen werden dem Uebergabe-Bahnhof zugeführt. 

Von den sächs. Linien mündet die Dresdener un¬ 
mittelbar, die Bayerische mittels der Bayerischen Ver¬ 
bindungsbahn in den Uebergabe - Bahnhof ein. Auf 
diesen Linien sind in Engelsdorf und Gaschwitz Vor¬ 
bahnhöfe angelegt, in welchen die Güterwagen nach 
den verschiedenen Bestimmungsorten verteilt werden. 

Im Westen Leipzigs findet eine Uebergabe von 
Gütern, hauptsächlich der RichtungThüringen-Sachsen, 
zwischen der preuß. und sächs. Verwaltung abwechselnd 
auf dem preuß. Lokalbahnhof Plagwitz-Lindenau der 
Zeitzer Linie und auf dem ihm unmittelbar benach¬ 
barten sächs. Bahnhofe gleichen Namens, dem End¬ 
punkte der Gaschwitzer Verbindunsglinie, statt. 


Die Höchstzahl der auf den oben genannten preuß. 
Bahnhöfen täglich behandelten Achsen betrug im Jahre 
1898, Durchgangsverkehr nicht mitgerechnet: 


für Leipzig Thüringen 

688 Eingang, 698 Ausgang, 

„ ,, Magdeburg 

650 

600 „ 

„ „ Eutritzsch 

2962 

295° 

„ „ Berlin 

1 7°° „ 

1700 „ 

„ „ _ Eilenburg 

240 

240 

„ Plagwitz-Lindenau 

9°° » 

9°° 

„ Leutzsch 

2 542 

27 8 5 

„ Schönefeld 

1690 

1700 

Der Verkehr des 

Uebergabe - 

Bahnhofes ist von 


317026 im Jahre 1879 behandelten Wagen auf 811000 
im Jahre 1899, mithin um 156%, vom Jahre 1894 bis 
1899 von 600107 auf 811000 Wagen = 35 "/ 0 gestiegen. 
Die Uebergabe in Plagwitz-Lindenau beziffert sich im 
Höchstfälle auf 400 Achsen hin und ebensoviel zurück. 

Auf Bahnhof Leipzig (Thüringen) sind etwa 1600 m 
Ladestraßen-Länge und 3100 q m Schuppenfläche er¬ 
forderlich, aber nur 720 m bezw. 2200 c i m vorhanden. 
Der Magdeburger Bahnhof bietet bei 4100 c i m Bedarf 
nur 2960 <i m Schuppenfläche. 

38 


II. Notwendigkeit einer Abhilfe und Grundf 
lagen für einen Umbauentwurf. 

Diese wenigen Zahlen — auf mehr einzugehen, 
würde hier zu weit führen — und neben diesen der 
in dem Wechselverkehr auf dem Uebergabe-Bahnhof 
gekennzeichnete Zuwachs des Leipziger Verkehres er¬ 
klären ohne weiteres, daß die Leipziger Bahnhöfe, die 
vor Jahren von Privatbahn-Gesellschaften für die da¬ 
maligen Verhältnisse voll ausreichend, aber ohne 
wesentliche Erweiterungsfähigkeit erbaut sind, nun¬ 
mehr mit ihren unzulänglich gewordenen Einrichtun¬ 
gen und ihrer nicht einheitlichen Anordnung, die von 
Fall zu Fall dem jeweiligen Bedürfnis angepaßt ist, dem 
weiter wachsendenVerkehr nicht mehr genügen können, 
und daß diese Einrichtungen an sich weiterhin auch 
nicht verbesserungsfähig sind. Wo notdürftig und 
fast immer mit Schädigung anderer Verkehrsanlagen 
an irgend einer Stelle Erleichterung geschaffen wer¬ 
den konnte der Verfasser kennt in dieser Hinsicht 
nur die preußischen, nicht aber auch die sächsischen 
Bahnhöfe eingehend — war der Erfolg stets nur von kur¬ 
zer E)auer. Kleine Hilfen waren 
nicht mehr anwendbar. Die 
Unzulänglichkeit der Rangier¬ 
anlagen vor allem auf dem Mag¬ 
deburger und auf dem Ueber¬ 
gabe-Bahnhof führte schon im 
Dez. 1899 zu Verkehrsstockun¬ 
gen. Die Stationen versagten 
mehrere Wochen vollständig. 

Hieraus erhellt auch, daß 
den Anstoß zu den geplanten 
Umwandlungen der Eisenbahn- 
Anlagen in und bei Leipzig 
nicht in erster Reihe die Per- 
sonen-Bahnhöfe gegebenhaben, 
deren Zustand, wie bekannt, 
dem reisenden Publikum höchst 
unbequem und den Anforde¬ 
rungen der Jetztzeit in keiner 
Hinsicht mehr angemessen ist; 
es sind vielmehr die großen 
Mißstände in den Anlagen für 
den Güterverkehr gewesen, die 
auf einen Umbau mit zwingen¬ 
der Notwendigkeit und in einer 
solchen Ausdehnung drängten, 
an die in noch nicht weit zu¬ 
rückliegenden Jahren bei ein¬ 
facheren Verkehrsverhältnissen 
nicht gedacht werden konnte. 

Der unhaltbare Zustand ist 
nicht erst kürzlich eingetreten 
und beobachtet worden. Die 
Versuche, zu einer geeigneten 
Planung zu gelangen, beginnen 
schon im Jahre 1874 mit einem Entwurf, dessen Aus¬ 
führung 17,25 Mill. M. kosten sollte, der aber allen Be¬ 
teiligten, zumeist Privatbahn-Gesellschaften, zu teuer 
erschien. Dem wirklichen Bedarf mehr angepaßt waren 
einige spätere Entwürfe. Diese waren aber lediglich 
dazu geeignet, die Ansichten der drei Hauptbeteilig¬ 
ten, der preuß. und sächs. Staatsbahnverwaltung und 
der Stadt Leipzig hinsichtlich dessen, was zu geschehen 
und was nicht zu geschehen hatte, soweit zu klären, daß 
die preuß. Zentralstelle im April 1899 der kgl. Eisenbahn- 
Direktion zu Halle a. S. den Auftrag erteilen konnte, 
einen Entwurf aufzustellen nach einer Reihe bestimm¬ 
ter Leitgedanken, für welche allseitige Zustimmung 
nunmehr anzunehmen war. Diese Leitgedanken waren: 

1. Für Leipzig ist nur ein weit in die Mitte der 
Stadt vorgeschobener Kopfbahnhof auf dem jetzigen 
Gelände der Thüringer, Magdeburger und Dresdener 
Bahnhöfe zweckmäßig und nach dem Stande der städt. 
Bebauung nur hier ausführbar. Seine Bahnsteige sind 
2—3 m über dem Pflaster des Vorplatzes anzunehmen. 

2. Dieser Hauptbahnhof soll alle in Leipzig ein¬ 
mündenden Linien beider Verwaltungen mit der Mög¬ 
lichkeit gleichzeitiger Ein- und Ausfahrt aufnehmen und 

No. 7. 



Abbildg. 1. Eisenbahnanlagen vor dem Umbau 


























hierbei den Durchgangsverkehr der wichtigsten Rich¬ 
tungen Berlin—Bayern über Hof, Thüringen—Dresden 
und Thüringen—Magdeburg möglichst erleichtern, wo¬ 
bei eine Kreuzung von Hauptgleisen in Schienenhöhe 
namentlich bei den Ausfahrten nicht zu vermeiden ist. 

3. Im übrigen soll zu beiden Seiten einer zu ver¬ 
einbarenden Achse, welche gleichzeitig die selbst¬ 
ständigen Betriebe beider beteiligten Verwaltungen ab¬ 
grenzt, eine streng getrennte Gruppierung der Anlagen 
durchgeführt werden. 

4. Die Güterbahnhof-Anlagen sollen eine wesent¬ 
liche Erweiterung erfahren, dabei aber in unmittel¬ 
barer Nähe des Verkehrs - Mittelpunktes, wo sie sich 
jetzt befinden, bleiben. 

5. Der in sächsischem Betriebe befindliche Ueber 
gabe-Bahnhof ist nicht beizubehalten. Die Güterüber¬ 
gabe ist einfacher zu gestalten. 

6. Die bestehenden Straßenkreuzungen in Schienen¬ 
höhe sind zu beseitigen. 

7. EinbesondererPostgi'iter-Bahnhofistvorzusehen. 

Die hiernach bearbeiteten Entwurfsskizzen nebst 

Kostenüberschlägen konnten im November 1899 bei der 


Haus Peter Spreckels für Dresden. 

(Hierzu eine 

er in den beistehenden-Abbildungen darge¬ 
ll stellte Entwurf zu einem HausePeterSpreck eis 

fl RV? 1 * Ü1 Thiergarten-Straße in Dresden ist 
infolge der Ungunst der Zeitverhältnisse 

- J leider nicht zur Ausführung gelangt, bietet 

aber so viel künstlerisches Interesse, daß er der Ver¬ 
gessenheit der Studienmappe entrissen sein mag. Die 
Anlage des Grundrisses und die Verteilung der Räume 
auf die beiden Hauptgeschosse geben zu besonderen 
Ausführungen keinen Anlaß. Die formale Durchbildung 
des Inneren und Aeußeren aber sind in' hohem Grade 


preuß. Zentralstelle zur Vorlage gelangen und wur¬ 
den von dieser im März 1900 als günstige Grundlage 
für die weitere Bearbeitung des Gesamtentwurfes an¬ 
genommen ; die im preußischenTeil ausführlich durchge¬ 
arbeiteten Entwurfsstücke wurden im Dezember 1902 
endgiltig zur Ausführung festgestellt. Bereits im Febr. 
1901 hatten Verhandlungen zwischen den beteiligten 
Eisenbahn-Verwaltungen und der StadtgemeindeLeipzig 
begonnen, die im Mai 1902 zum Abschluß von Ver¬ 
trägen führten, wobei alle inbetracht kommenden 
Punkte unter Annahme der von der preuß. Eisenbahn- 
Verwaltung aufgestellten Entwurfsskizzen vereinbart 
und bis ins einzelne festgelegt worden sind. Die er¬ 
forderlichen Bausummen belasten nach den Verträgen 
voraussichtlich Preußen, Sachsen und die Stadt Leip¬ 
zig mit 52,4, 53 und 17,3, zusammen 122,7 Mill. M. 
Hierzu werden noch 5 bis 7 Milk M. zu rechnen sein, 
welche die Reichspost-Verwaltung für Herstellung der 
für sie allein erforderlich werdenden Anlagen aufzu¬ 
wenden haben wird. Der die Posteinrichtungen be¬ 
handelnde Vertrag steht kurz vor dem Abschluß. — 

, (Fortsetzung folgt.) 


Architekten: Schilling & Gräbner in Dresden. 

Bildbeilage.) 

anziehend und frei von der landläufigen Ueberlieferung- 
Im Aeußeren ist es die Herrschaft der wagrechten 
Abschlußlinien, die ihm das besondere Gepräge ver¬ 
leiht. Sandsteinquaderung und Putzflächen sind mit 
einem in freier Auffassung gedachten Ornament zu 
neuer Wirkung vereinigt. Von der Gestaltung des* 
Inneren möge der Schnitt durch die Diele ein die 
eigenartige Wirkung andeutendes Bild geben. Der 
schöne Entwurf löst den lebhaften Wunsch aus, daß 
ein neuer Bauherr sich finden möge, der Mittel und 
Kunstsinn genug hat, ihn zur Ausführung zu bringen. — 



23. Januar 


ERDGESCHOSS 


I9O4. 


39 












































































































































































































Berliner Neubauten. 

No. in. Das neue Herrenhaus des preußischen Landtages. 
Architekt: Geh. Brt. Friedrich Schulze in Berlin. 




m gleichen Tage, an welchem vor 
5 Jahren, am 16. Januar 1899, das 
von demselben Architekten er¬ 
richtete neue Abgeordnetenhaus 
des preußischen Landtages in Be¬ 
nutzung genommen wurde, ist auch 
das neue Herrenhaus mit einer 
warmen parlamentarischen Aner¬ 
kennung für seinen Architekten 
seiner Bestimmung übergeben worden. Wir haben 
bei Gelegenheit der Schilderung des neuen Abgeord¬ 
netenhauses in den No. 4 ff des Jahrganges 1899 der 
„Deutschen Bauzeitung" die Vorgeschichte des Baues 
sowie die Gesichtspunkte für die Wahl des Platzes er¬ 
örtert, sodaß wir uns dieses Mal darauf beschränken 
können, einige kurze ergänzende Worte der Gesamt¬ 
anlage zu widmen und im Anschluß daran das neue 
Herrenhaus an sich zu schildern. 

Als das letztere begonnen wurde, stand außer 
dem Abgeordnetenhause noch das beiden Gebäuden 
dienende und beide verbindende Minister-Gebäude. 
Einesteils die For¬ 
derung, daß vom 
Minister-Gebäude 
die Sitzungs-Säle 
der beiden Häuser 
auf dem kürzesten 
Wege zu erreichen 
sein mußten, an¬ 
derseits die reich¬ 
lichen Raum Ver¬ 
hältnisse der Bau¬ 
stelle haben zu 
einer Gesamt-An¬ 
ordnung der bei¬ 
den Gebäude ge¬ 
führt, welche von 
der überkomme¬ 
nen Gewohnheit 
der geschlossenen 


Straßenflucht abweicht und sowohl in der Prinz 
Albrecht-, wie in der Leipziger - Straße Architektur¬ 
bilder hervorgerufen hat, die als eine befreiende Er¬ 
lösung von der starren Flucht der parallelen Straßen¬ 
wandungen nicht lebhaft genug begrüßt werden können. 
In der Prinz Albrecht-Straße ist vor dem nach allen Seiten 
frei liegenden Abgeordnetenhause ein geschlossener 
Vorhof geschaffen worden, welcher das Haus in vor¬ 
nehmer Monumentalität vom Straßenverkehr abrückt. 
Vor dem Herrenhause an der Leipziger Straße ist 
unter Zuhilfenahme der dem Herrenhause angeglieder¬ 
ten beiden Wohnhausflügel für den Präsidenten des 
Abgeordnetenhauses zur Linken und den des Herren¬ 
hauses zur Rechten der Vorhof zu einem Ehrenhof im 
Sinne der Palastbauten des XVJII. Jahrhunderts ge¬ 
steigert worden, ein vortrefflicher und unter allen Um¬ 
ständen nachahmenswerter Gedanke, welcher dem oberen 
Teile der Leipziger Straße jenes vornehme Gepräge ver¬ 
leiht, durch welches der nördliche Teil der Wühelm- 
Straße in Berlin sein"aristokratisches Gepräge erhält. 
Den Ehrenhof umgibt ringsum die Monumental-Archi- 


40 


No. 7. 




























































































































tektur des .Parlaments-Palastes 
und erhöht mit dieser den Ein¬ 
druck. Die ungemein klare und 
übersichtliche Raumanordnung 
des dreiteiligen Baukörpers geht 
aus den mitgeteilten Grundris¬ 
sen mit genügender Deutlichkeit 
hervor. Im Untergeschoß der 
Wohnungsflügel liegen seitlich 
der breiten Einfahrten, einen 
geräumigen inneren Hof um¬ 
schließend, Dienstwohnungen 
für Unterbeamte, nebst Wagen¬ 
remisen und Pferdeställen für 
die BedürfnisseUer beiden Prä¬ 
sidenten. Das Untergeschoß 
des Hauptbaues wird in seinem 
vorderen Teile 

eingenommen «ohnhaus 

durch die Ein." OES ABGEORDNETENHAUS-Präsidenten 

gangshalle, die 
Kleiderablage, 
die Räume für 
Botenmeister, 

Boten und den 
Hausinspektor; 
in den Seiten¬ 
teilen durch Bo¬ 
ten-, Diener- u. 

Gesinderäume, 
sowie durch die 
Restaurations- 
Küche mit Ne¬ 
benraum,in den 
hinteren Tei¬ 
len wieder von 
Dienstwohnun¬ 
gen usw. Un¬ 
ter dem Sitz¬ 
ungssaalliegen 
ein Zugang für 
die Stenogra¬ 
phen, sowie die 
Räume für die 
Heizung. Diese 
Räume um¬ 
schließen zwei 
neben demSitz- 
ungssaal gele¬ 
gene kleinere 
Höfe, auf wel¬ 
che jedoch nur 
Gänge u. and. 
untergeordnete 
Räume mün¬ 
den. Personen- 
Aufzüge liegen 
unmittelbar ne¬ 
ben den zu den 
Obergeschos¬ 
sen führenden 
Haupttreppen. 

In der Höhe des 
Saales liegen 
in den beiden 
Wohnfiügeln 
zur Linken die 
Wohnung des 
Büreau - Direk¬ 
tors des Abge¬ 
ordneten-Hau¬ 
ses, zur Rech¬ 
ten die Woh¬ 
nung des Bü¬ 
reau-Direktors 
des Herrenhau¬ 
ses, unter den 
Wohnungen der bez. Präsidenten. An der Vorderfront 
der mittleren Raumgruppe befindet sich der Dienstraum 

23. Januar 1904. 


ZUM 

ARTEN 



des Büreau-Direktors mit Handbibliothek, ein Raum für 
den Vize-Präsidenten, die Post und ein Schreibzimmer. 


41 





























































































































































































































































































































































































ZUM 

VERBINDUNGSBAU 


BERATUNGS¬ 
ZIMMER VI 


BERAT - 
ZIMMER V 


BERATUNGS¬ 
ZIMMER IV 


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ZIMMER 


BIBLIO¬ 


THEK 


BERAT 


PUBLIKUM 


WOHNHAUS 

:S ABGEORDNETENHAUS-PRÄSIDENTEN 


WOHNHAUS 

DES HERRENHAUS - PRÄSIDENTEN 


WOHN-UND SChl! 


WOHN- 


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STÜCKS- 

ZIMMER 


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STÜCKS- 
ZIMMER 


FESTSAAL UND 
BERATUNGS-ZIMMER 


SPEISE¬ 

SAAL 


GARDE¬ 

ROBE* 


MUSIK- 

SAAL 


MUSIK 

SAAL 


wOhi 


UND EMRFANGSZlMf 


WOHNHAUS 

ABGEORDNETENHAUS-PRÄSIDENTEN 


Vor dem Sitzungssaal liegt, gegen 
die monumentale Eingangshalle 
mitder stattlichen Aufgangstreppe 
sich öffnend, in harmonischen 
Abmessungen die Wandelhalle, 
in ihrer Flucht Registratur und 
Vorstandszimmer. Der Sitzungs¬ 
saal für die 260 Mitglieder des 
Herrenhauses ist wesentlich klei¬ 
ner, wie der des Abgeordneten- 
Hauses; ihn umgeben seitlich 
Kasse, Registratur und Restau¬ 
ration, nach rückwärts Kanzleien, 
Lesezimmer, Minister - Sprech¬ 
zimmer, Räume für die Präsi¬ 
denten usw. Im 
ersten Oberge¬ 
schoß liegen in 
den W oh nflügel n 
die Wohn- und 
Empfangsräume 
der beiden Prä¬ 
sidenten, die in 
der Vorderflucht 
dermittlerenBau- 
gruppe durch 3 
Festsäle mit ein¬ 
ander verbunden 
sind. Je einer der 
seitlichen Fest¬ 
säle zählt zu der 
entsprechenden 
Präsidentenwoh¬ 
nung , während 
der mittlere Fest¬ 
saal, der auch Be¬ 
ratungssaal ist, 
zur gemeinsamen 
Benutzung zur 
Verfügung steht. 

ImSaalbau ist die 
Einteilung- nahe¬ 
zu die gleiche, 
wie in dem da¬ 
runter gelegenen 
Geschoß; neben 
der Bibliothek, 
die in das wei- 
tereGeschoß hin¬ 
aufreicht, sind es 
nur Beratungs¬ 
zimmer und Räu¬ 
me fürdiePresse, 
die hier liegen. 

Die Beratungs¬ 
zimmer setzen 
sich auch im zwei¬ 
ten Obergeschoß 
fort;indenWohn- 
flügeln liegen in 
diesem Geschoß 
insehr reichlicher 
Weise Schlaf- u. 

Wohnräume der 
Präsidenten. Die 
Grundrisse der 
beiden obersten 
Geschosselassen 
erkennen,daß für 
alle Raum grup¬ 
pen ein reichli- 
chesFlächenmaß 
vorhanden war. 

Insbesondere die 


WOHNHAUS 

DES HERRENHAUS-PRÄSIDENTEN 


W r ohnungen der beiden Präsidenten sind so ausgedehnt, 
daß die letzteren kaum alle ihnen zu Gebote stehenden 
Räume für sich allein benutzen können und daß das 
Flächenausmaß der Wohnungen z. B. das der Dienst¬ 
wohnung des Präsidenten des Deutschen Reichstages 


erheblich übertreffen dürfte. Die Raumverteilung ist 
durehgehends zweckmäßig und übersichtlich. Die 
große Natürlichkeit in der Anlage aller Räume verrät 
die seltene Dispositionsgabe ihres Meisters. — 

(Fortsetzung folgt.) 


No. 7. 


42 








































































































































































































Mitteilungen aus Vereinen. 

Sächsischer Ing.- und Arch.-Verein. Die Wochen-Ver- 
sammlungen des Winterhalbjahres 1903*4 der in und nahe 
bei Dresden wohnhaften Mitglieder des Hauptvereins 
nahmen ihren Anfang am 26. Okt. 1903. Hr. Prof. Dr. 
Mollier hatte die Güte gehabt, den Verein zu einer Be¬ 
sichtigung des von ihm geleiteten Maschinen-Labora- 
toriumsB. der Teehn. Hochschule in Dresden einzuladen 
und schickte dem Rundgang einen erläuternden Vortrag 
über die thermo-dynamischen Untersuchungen der 
Gasmotoren, Kältemaschinen und Luftkompressoren, 
denen das Institut zu dienen bestimmt ist, voraus. Der 
Antrieb erfolgt durch 10 Elektromotoren von 2 bis 14 P.S. 

Am 2. Nov. 1903 berichtete Hr. Finz.- u. Brt. Schmidt 
über die Erfurter Verhandlungen betr. Denkmalpflege, 
heimatliche Kunst und Bauweise, und Heimat¬ 
schutz. Ein besonders erfreuliches Ergebnis dieser 
Tagung ist der Zusammenschluß sächsischer und thüringi¬ 
scher Vertreter zu einem „Ausschuß zur Pflege heimat¬ 
licher Kunst und Bauweise in Sachsen und Thüringen“. 

Der Versammlung am 9. Nov. machte Hr. Arch. E. Kühn 
Mitteilungen über die Einfamilienhaus-Kolonie, die 
augenblicklich in Dresden (außerhalb des Waldschlößchens 
und unterhalb Räcknitz) im Entstehen begriffen sind. Es 
sind zweigeschossige Gruppenbauten von mäßiger Länge 
und einfachen, aber ansprechenden Architekturformen. 
Ferner berichtete Hr. Reg.-Bfhr. Gehler über Belastungs¬ 
proben mit Eisenbetonbauten. 

Am 16. Nov. hielt Hr. Ob.-Brt. Rother einen Vortrag 
über die im Bau begriffene Talsperre in Marklissa 
(in Schlesien), durch welche 4000 P.S. gewonnen werden. 
Bemerkenswert ist die tägliche Arbeitsleistung von 150 cbm 
Gneismauerwerk, d. i. für 1 Mann und Tag 3,5 cbm . 1 cbm 
kostet 16 M., während die Gesamtkosten 3 Milk M. betragen. 

Der 23. Nov. brachte einen Vortrag des Hrn. Prof. 
Schultze - Naumburg, der in Gegenwart Sr. Maj. des 
Königs, der Prinzen und Prinzessinen und zahlreicher 
Damen im großen Saale des Vereinshauses gehalten wurde 
und von vielen Lichtbildern begleitet war. Der Vortragende 
erntete für seine Ausführungen über „Heimatschutz“, 
obgleich sie mitunter gegen moderne Gewohnheiten ener¬ 
gisch protestierten, lebhaften Beifall. 

Am 30. Nov. folgte ein Vortrag von Hrn. Dr.-Ing. H. 
Muthesius, der gleichfalls unter Beteiligung der Damen 
in der Aula der Techn. Hochschule stattfand und „Das 
englische Haus“ zum Gegenstand hatte. Die Schilde¬ 
rung der historischen Entwicklung, der Lebensgewohn¬ 
heiten, der Anordnung der Räume und ihrer Einrichtun¬ 
gen war auch für deutsche Zuhörer sehr interessant und 
in vielfacher Hinsicht höchst lehrreich. 

Die Winter-Hauptversammlung des ganzen Ver¬ 
eins fand am 6. Dez. 1903 in Leipzig statt. Wie bei früheren 
derartigen Gelegenheiten hatten die Leipziger Kollegen 
mit ihren Damen auch diesmal wieder den Begrüßungs¬ 
abend (am 5. Dez.) im Künstlerhause durch Aufführung 
der „Original-Ueberposse“: Sächsische Rundschau, über¬ 
aus ergötzlich gestaltet. — Am Sonntag Vormittag fanden 
zuerst wie üblich in dem „Johanneum“ der Universität 
in den Fachabteilungen Sitzungen mit Vorträgen statt, und 
zwar gab in Abt. I Hr. Bauinsp. Williams Mitteilungen 
aus dem Gebiete der Flußberichtigung und Flußbefestigung; 
in Abt. II Hr. Telegraphen-Insp. Besser über drahtlose 
Telegraphie; in Abt. III Hr. Arch. Weidenbach über 
Aenderungen im Stadtbilde am Thomasring zu Leipzig; 
in Abt. IV Hr. Prof. P. Uhlich über Auf- und Unter¬ 
suchung magnetischer Erzlagerstätten auf magneto-tech¬ 
nischem Wege. — Um 1 Uhr vereinigten sich alle Teil¬ 
nehmer zur Gesamtsitzung im großen Saale des „Kaiser¬ 
hofes“, wo zuerst Vorstands- und Verwaltungsratswahlen 
für die neue Verwaltungsperiode, Neuaufnahmen und 
ähnliche Geschäfte erledigt wurden und wo dann Hr. Brt. 
T. oller einen vorzüglich orientierenden Vortrag über die 
UmgestaltungderLeipzigerBahnhöfe hielt. Die lange 
Zeit fast unlösbar erschienene Aufgabe: alle in Leipzig 
einmündenden Bahnlinien in einen für den Betrieb siche¬ 
ren, für das Publikum bequemen und für den Transport 
rationellen unmittelbaren Zusammenhang zu bringen, hofft 
man bis zum Jahre 19x4, allerdings mit einem Aufwande 
von etwa 130 Mill. M. zu bewältigen. — Der Gesamt- 
Sitzung schloß sich ein Festmahl mit Damen an, das sich 
eines ungewöhnlich zahlreichen Zuspruches und entspre¬ 
chend lebhafter Stimmung erfreute. Am Montag Vormittag 
wurden zuerst die Neubauten des landwirtschaftlichen In¬ 
stitutes und der Veterinärklinik besichtigt und sodann die 
Michaelis-Kirche besucht. Sie ist das Ergebnis eines Preis¬ 
ausschreibens, bei dem die Hrn. Rust und Müller, welche 
die Besucher selbst führten, als Sieger hervorgingen. Die 
Grundrißlösung zeigt eine überaus kompendiöse Anord- 

23. Januar 1904. 


nung; sie bietet für etwa 1000 Kirchgänger Platz; die 
Kosten werden 420000 M. voraussichtlich nicht übersteigen. 
Ein gemeinsames Mittagsmahl im „Palmbaum“ beschloß 
diese 155. Hauptversammlung. — 

Am 28. Dez. 1903 vereinigten sich die Dresdener Mit¬ 
glieder in gesellig-heiterer Weise zu einer Sylvesterfeier. — 

O. Gr. 

Arch.- u. Ing.-Verein in Magdeburg. Sitzung am 25. Nov. 
1903. Nach Erledigung geschäftlicher Mitteilungen und Auf¬ 
nahme einiger neuer Mitglieder erhält Hr. Brt. CI aussen 
das Wort zu seinem Vortrage: „Wasserbauliche Mit¬ 
teilungen,imbesonderen über die Elbe bei Magde¬ 
burg“. Während früher die einzelnen Regierungen nur 
in beschränktem Umfange nach den ihnen vorliegenden 
Verhältnissen die großen Ströme behandeln konnten, wurde 
nach Gründung der Strombau-Verwaltungen durch die 
einheitliche Behandlung des gesamten Stromgebietes die 
Tätigkeit der Wasserbau-Verwaltungen eine erheblich um¬ 
fangreichere. Wenn auch nur der Hauptstrom an sich 
einer eingehenden Behandlung unterzogen wurde und 
die Nebenflüsse auch fernerhin den Einzelregierungen 
verbleiben, so wurde doch dafür gesorgt, daß eine Schädi¬ 
gung der gegenseitigen Interessen vermieden wurde. Der 
von den Agrariern den Wasserbautechnikern gemachte 
Vorwurf, daß sie hauptsächlich den Wünschen der Schiff¬ 
fahrt und nicht genügend denen der Landwirtschaft Rech¬ 
nung trügen, ist deswegen ungerechtfertigt, weil nur die 
Schiffahrt für die Regulierung der Ströme bestimmte An¬ 
haltspunkte bieten konnte, dagegen die Landwirtschaft 
hierzu nicht im Stande war. Tatsache ist, daß durch die 
Regulierungsarbeiten die Stromrinne durchweg vertieft 
worden ist und daß dadurch die von der Landwirtschaft 
gewünschte Vorflut für die Zubringer geschaffen wurde. 
Wenn die Landwirtschaft diesen Vorteil nicht überall hat 
ausnutzen können, so liegt dies in dem Uebelstande, daß 
die Zubringer nicht entsprechend der vorgeschrittenen 
Kulturarbeit auf den Höhenzügen und in den Niederungen 
reguliert worden sind und werden konnten. Die Tätig¬ 
keit der Strombau-Verwaltungen besteht hauptsächlich in 
der Herstellung einer geordneten Wasserführung, sodaß 
möglichst bei allen Wasserständen ein gleichmäßiger Ab¬ 
fluß erfolgt und alle Störungen auf das Mindestmaß herab- 
gedrücktwerden. Wenn diesesZiel erreicht wird, ist die Auf¬ 
gabe des Wasserbauers gelöst. Da die Theorie nicht aus¬ 
reicht, muß aufgrund der gesammelten Erfahrungen mit 
der nötigen Ruhe und Umsicht, ohne Rücksicht auf die 
Wünsche der Unzufriedenen das angestrebte Ziel zu er¬ 
reichen versucht werden. Vorläufig kann man mit den er¬ 
zielten Erfolgen zufrieden sein. 

Im besonderen kann dies von der Regulierung der 
Elbe bei Magdeburg bez. der Anlage der Umflut behauptet 
werden, wenn auch diese Anlage wieder zeigt, daß nach 
Jahren diejenigen, denen große Wohltaten erwiesen sind, 
aus Unkenntnis der früheren Verhältnisse die geschaffenen 
Tatsachen als Verbesserungen nicht anerkennen. An¬ 
schließend wurden die Schiffahrts-Verhältnisse bei Magde¬ 
burg besprochen und erwähnt, daß allmählich für den zu¬ 
nehmenden Verkehr für bessere Unterkunft der hier laden¬ 
den und löschenden Fahrzeuge gesorgt werden müsse, 
da es vorgekommen ist, daß bei Eintritt des Eisganges 
rd. xoo Fahrzeuge ungeschützt auf dem Strome liegen 
bleiben mußten. Als ein sehr brauchbarer Platz für einen 
Schutzhafen wurde der zwischen Strom- und Alte Elbe 
unterhalb der Königsbrücke liegende Werder bezeichnet, 
da er Gelegenheit biete, die häßlichen Kohlenladeplätze 
von der Stadtmarsch zu entfernen und nach hier zu ver¬ 
legen. Wenn auch durch Erweiterung des Neustädter 
Hafens dem Umschlagverkehr besser gedient werde, sei 
doch ein Sonderhafen für den Platzverkehr mit Kohlen 
ebenso wie in Berlin am Humboldt-, Nord-Hafen, am Urban 
usw. sehr wünschenswert. Gleichzeitig könne das Stadt¬ 
bild auf der Stadtmarsch verbessert werden. 

Nachdem dem Vortragenden für seine Ausführungen 
gedankt worden, erhält Hr. Arch. Habrich das Wort zu 
einem Vortrage über „Eisenbeton - Konstruktionen 
im Hochbau“. Nach einer Einleitung über das Verhalten 
von Beton und Eisen aufgrund eingehender Versuche und 
Berechnungen erörterte er die Ausführung verschiedener 
Systeme, wie Monier, Bordenov, Hyatt, Ransome usw., 
geht näher auf das System Hennebique ein und erläutert 
besonders die Vorzüge der sogen. Polygonaldecke vor den 
älteren Systemen. Diese Decke findet nicht blos Ver¬ 
wendung als Zwischendecke mit Betonunterzügen, sondern 
vielfach auch als homogene Platte größeren Querschnittes 
bei Häusergründung auf schlechtem Baugrunde. Einige 
ausgeführte Beispiele werden sodann durch Zeichnungen 
und Berechnungen eingehend erläutert und es wird auch 
diesen Ausführungen von seiten der 'Anwesenden ge¬ 
bührender Dank zu teil. — B. 


43 


Preisbewerbungen. 

Ein Wettbewerb des bayerischen Architekten- und In¬ 
genieur-Vereins zur Erlangung von Entwürfen für ein Volks¬ 
schulhaus in Ansbach war mit 35 Arbeiten beschickt. Den 
I. Preis errang der Entwurf der Hrn. Staatsbaupraktikan¬ 
ten H. Buchert und H. Neu; den II. Preis PIr. Archi¬ 
tekt Joh. Müller; den III. Preis Hr. Arch. H. Lömpel, 
sämtlich in München. Eine lobende Erwähnung fanden 
2 Entwürfe der Hrn. Gebr. Rank, sowie ein Entwurf des 
Hrn. Staatsbaupraktikanten R. Pbrignon in München. 
Durch die Stadt Ansbach wurden angekauft die Entwürfe der 
Hrn. Th. Veil, O. Bieber und Gebr. Rankin München.- 

Der Wettbewerb der „Vereinigung Berliner Architekten“, 
betr. Aufteilung von Baublocks in Westend (Jahrg. 1903, 
S. 556 und 568) war mit 13 programmgemäßen Entwürfen 
beschickt. Den I. Preis von 3000 M. erhielt PIr. Alfr. J. 
Balcke in Gemeinschaft mit C. Sick el; den II. Preis die Hrn. 
Höniger &Sedelmeyer, den III. Preis Hr. M. Ravoth, 
sämtlich in Berlin. Zum Ankauf für 500 M. wurde 
empfohlen ein Entwurf des Hrn. R. Bislich in Berlin. - 

Wettbewerb Handelshochschule Köln. Die Stadtver¬ 
ordneten-Versammlung beschloß, dem Bau der Handels- 
Hochschule den Entwurf des Hrn. Privatdozenten Dr.-Ing. 
ErnstVetterlein inDarmstadt zugrunde zulegen. Die über¬ 
schlägliche Kostenberechnung beläuft sich auf 1650000M.; 
das Mobiliar ist auf 100 000 M. geschätzt. - 


Chronik. 

Wohnungsstatistik in Stuttgart. Der Stuttgarter Gemeinde¬ 
rat stimmte einem Vorschlag Weitbrecht zu, eine wohnungs¬ 
statistische Enquete über die Frage: „Welche Stockwerkzahl ist 
wirtschaftlich die beste?“ zu veranstalten. Diese Untersuchung 
soll die Baukosten eines Stockwerkes in Häusern mit 2—6 Zimmern 
und 2—4 ! /a Stockwerken ermitteln, daneben aber auch zufolge einer 
Anregung des Direktors des städtischen statistischen Amtes, Dr. 
Rettich, den tatsächlichen Marktpreis der Stockwerke, um durch 
Gegenüberstellung beider Schlüsse für die kommunale Wohnungs¬ 
politik zu ermöglichen. — 

Das Jubiläum des 5 ojährigen Bestandes des Glaspalastes 
in München kann in diesem Jahre begangen werden. Der Palast 
wurde nach den Entwürfen des Ob.-Bit. Aug. v. Voit von Okt. 
1853 bis Mai 1854 durch Cramer-Klett in Nürnberg errichtet. — 
Ehrengrab für Camillo Sitte. Der Stadtrat hat beschlossen, 
dem verstorbenen k. k. Reg.-Rat Camillo Sitte in der Anlage für die 
Ruhestätten histoiisch denk würdiger Persönlichkeiten ander Kapellen¬ 
strasse im Wiener Zentralfriedhofe ein Ehrengrab zu widmen. — 
Der Neubau der Donaubrücke zu Regensburg scheint 
eine beschlossene Sache zu sein. Es liegen zwei Entwürfe vor: 
ein Entwurf für eine Ausführung in Stein mit einem Gesamt- 
aufwande von 3 250000 M., sowie ein Entwurf für eine Ausführung 
in Stein und Eisen mit einem Gesamtaufwande von 2 720 000 M. 
Wenn die Wasser- und Eisgangsverhältnisse sowie andere Umstände 
den Neubau der allhistorischen Brücke zur unumgänglichen Not¬ 
wendigkeit machen, so hoffen wir, dass ein geringes Mehr der Bau¬ 
kosten es nicht verhindert, dass ein Bauwerk entsteht, welches das 
seltene Städtebild in seiner Schönheit wenigstens annähernd erhält. •— 
Ein Neubau der Diskontogesellscbaft in Frankfurt a. M. 
entsteht nach den Entwürfen der Firma Phil. Holzmann & Ko. 
in Frankfurt am Rossmarkt als ein freistehender Monumentalbau 
im Stile der Renaissance. ■— 

Ein mechanisches Laboratorium der Technischen Hoch¬ 
schule in Braunschweig ist am 11 .Dez. 1903 seiner Bestimmung 
übergeben worden. Das neue Laboratorium dient der Ausbildung 
von Maschinen-Ingenieuren. Es erhebt sich nach einem Entwurf 
der herzogl. Hochbauinspektion an der Spielmannstrasse und kostet 
226000 M., von welchen 40000 M. auf das Grundstück, 96000 M. 
auf die Gebäude, 90 000 M. auf die innere Einrichtung entfallen. — 
Eine bayerische Denkschrift über die Wohnungsfrage. 
Abgeordneter Dr. Jäger hat für den bayerischen Landtag eine 
103 Druckseiten umfassende Denkschrift über die Wohnungsfrage 
verfaßt, welche die folgenden Abschnitte enthält: 1. die Tatsachen 
der Wohnungsnot, 2. Begründung für die Tatsachen der Wohnungs¬ 
not, 3. die Bedeutung des Wohnwesens, 4. die Ursachen der mo¬ 
dernen Wohnungsfrage, 5. Zielpunkte und Mittel zur Abhilfe, 6. Tätig¬ 
keit des Reiches, Umgestaltung des Hypothekenwesens, 7. die 
Wohnungsfrage und die Landwirtschaft, 8. die Wohnungsfrage im 
bayerischen Landtag, 9. Leitsätze für Gemeinde, Staat und Reich 
zum Vorgehen in der Wohnungsfrage. — 

Die Einweihung des fünften ev. Gemeindehauses in Barmen 
hat am 10. Jan. 1904 stattgefunden. Dem Gemeindehause wird sich 
— in malerischer Gruppierung der ganzen Anlage — ein Pfarrhaus 
anschließen. Die nach dem Entwurf des Hrn. Arch. Friedr. Schutte 
in Barmen erbaute Gesamtanlage beansprucht 75000 M — 

Das neue Polizeigebäude in Wien ist ein stattlicher, nach 
den Entwürfen des Hrn. k. k. Min.-Rates E. v. Förster an der 
Berggasse und an der Elisabeth-Promenade errichteter Monumental¬ 
bau, der ohne innere Einrichtung einen Aufwand von 2400000 Kr. 
beanspruchte. Die Bauleitung hatten die Hrn. Brt. Holzer, Ob.- 
Ing. Kramsall und Arch. Keller. — 

Ein bulgarisches Nationaltheater in Sofia gelangt nach 
den Entwürfen der Architekten Fellner & Helmer in Wien zur 
Ausführung. —- 

Eine elektrische SchmalspurbahnBrleg-Gletsch am Rhone¬ 
gletscher wird durch die Ingenieure Imfeld und Strub in Zürich 
geplant. Die Bahn würde eine Länge von 43 km haben und teils 
Adhäsions-, teils Zahnradbahn sein. — 

44 


Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Dem Geh. Ob.-Brt. A p p e 1 i u s, Abt.-Chef 
im Kriegsminist, ist bei seinem Ausscheiden aus dem Dienst der 
Char. als Wirkl. Geh. Ob.-Brt. mit dem Range eines Rates I Kl. 
verliehen. 

Baden. Dem Ing. Smreker in Mannheim ist das Ritterkreuz 
I. Kl. des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen — Dem Reg- 
Bmstr. Ernst M ü 11 e r in Freiburg ist unt. Verleih, des Tit Bahn- 
bauinsp. die Amtsstelle eines Zentralinsp. bei der Gen.-Dir. der 
Staatseisenb. übertragen. 

Versetzt sind die Reg.-Bmstr. B i e h 1 e r in Eberbach nach 
Freiburg und Ganz in Freiburg nach Eberbach. 

Bayern. Der Min.-Rat v. Frauendorfer istz. Staatsrat 
im ord. Dienst und Staatsminister für Verkehrsangelegenheiten und 
der Gen.-Dir. v. Ebermayer, Vorst, der Gen.-Dir. der Staats- 
Eisenb. ist z. Staatsrat im ord. Dienst ernannt; weiter sind berufen 
in das Staatsminist, für Verkehrsangel, der Ob-Reg.-Rat Frhr. 
v. Schacky auf Schönfeld unt. Beförderung zum Min.-Rat 
und der Dir.-Rat Dr. H e u b a c h bei der Gen.-Dir. der Staatseisenb. 

Preußen. Den Reg - u. Brtn., Geh. B r tn Hasenjäger in 
Düsseldorf und Runge in Köln ist aus Anlaß ihres Uebertritts in 
den Ruhestand der Rote Adler-Orden III Kl mit der Schleife, dem 
Eisenb-Dir Gelbcke in Ratibor und dem Eisenb-Bau- u. Betr.- 
Insp. Schwertner in Posen ist der Rote Adler-Orden IV. Kl., 
dem Eisenb.-Dir. Vockrodt in Kassel beim Uebertritt in den 
Ruhestand der Char. als Geh. Brt. verliehen. 

Versetzt sind: Die Reg.- u. Brte. Strasburg in Essen als 
Mitgl. der Kgl Eisenb.-Dir. nach Frankfurt a. M. und Kayser in 
Königsberg als Mitgl. der Dir. nach Essen a. R ; die Eisenb.-Bau- 
u. Betr.-Insp. Schaeffer in Frankfurt, als Mitgl. (auftrw.) der 
Dir. nach Königsberg i. Pr., v. Borries in Altona als Vorst, 
(auftrw) der Eisenb. - Betr. - Insp. 2 nach Frankfurt a. M., Ernst 
Schultze in Hannover als Vorst, (auftrw.) der Eisenb. - Betr.- 
Insp. 5 nach Magdeburg, Laise in Olpe zur Kgl. Eisenb.-Dir. in 
Elberfeld und Morgenstern in Koblenz als Vorst, der Bauabt. 
nach Deutz; der Eiserb. - Bauinsp. Pieper in Danzig als Vorst, 
(auftrw.) der Eisenb.-Masch.-Insp. nach Glückstadt. 

Dem Reg.-Bmstr. Lutz, Doz. an der Techn. Hochschule in 
Aachen ist das Prädikat Prof beigelegt. 

Der Reg.-Bmstr. Alfr. Grube ist der Kgl. Verwaltung der 
märk Wasserstraßen in Potsdam zur Beschäftigung überwiesen. 

Die Reg.-Bfhr. Hans Lucht aus Stettin (Hochbfch.), — Hart¬ 
wig D aut er aus Wirembi und Max Beckmann aus Schwerin 
i. M. (Wasser u. Straßenbfch), — Friedr. Brüssing aus Freisen¬ 
bruch und Gg. Warnecke aus Brockenem (Eisenbfch.) sind zu 
Reg.-Bmstrn. ernannt. 

Der Geh. Brt. Fein in Köln und der Brt. z. D. Gudden in 
Sachsa, früher in Nordhausen sind in den Ruhestand getreten. 

Dem Reg.-Bmstr. Arth. Hoeppner in Posen ist die nachges. 
Entlass, aus dem Staatsdienst erteilt. — 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. M. Kn. in Werdau. Stützmauern können unter ge¬ 
wissen Umständen zu denjenigen Leistungen gehören, welche zur 
Umwandlung von Grundflächen in anbaufähige Straßen unentbehr¬ 
lich sind, wodurch die Kosten ihrer Herstellung in diejenige Summe 
einstellfähig sind, welche auf die Anlieger umgelegt werden darf. 
Um einen solchen Fall handelt es sich scheinbar bei Ihnen. Die 
Straße, an welcher Sie zu bauen gedenken, fällt auf der gegenüber¬ 
liegenden Seite tief ab. Es droht also die Gefahr des Einsturzes, 
sofern nicht für eine rechtzeitige Befestigung gesorgt wird Ob 
eine Stützmauer das einzig gebotene Schutzmittel ist, kann dahin¬ 
gestellt bleiben. Jedenfalls hält die Straßen - Baupolizei die Auf¬ 
führung einer Stützmauer für zweckmäßig. Ist sie dies, so bildet 
der Aufwand dafür eine nach Lage der Umstände notwendige Aus¬ 
gabe zur Herstellung der Straße und ist von den Anliegern nach 
Verhältnis der Straßenlängen zu erstatten. Nebensächlich ist dabei, 
ob die Vertiefungen, derentwegen die Stützmauer notwendig wurde, 
natürlich entstanden oder künstlich durch Abgraben geschaffen ist. 
Entscheidend ist vielmehr die Tatsache, daß ohne diese Stützmauer 
die Verkehrssicherheit auf der neu anzulegenden Straße gefährdet 
erscheint. Sie hätten vielleicht gut getan, eine veränderte Lage 
der neugeplanten Straße zu veranlassen. Dagegen ist nicht zu er¬ 
warten, "daß Sie durch Weigerung des Kostenbeitrages eine Be¬ 
freiung von dem anteiligen Beitrag zu den Herstellungskosten der 
Mauer erreichen werden. — K. H-e. 

Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. 

Zur Frage 1 in No. 100, jahrg. 1903. Ich habe vor einigen 
Jahren an einem Privatfluß verschiedenartige Was se rm e s sun ge n 
vorgenommen und hierbei die Wex’schen Formeln (Hydrodynamik 
von Wex, Leipzig bei W. Engelmann 1888 — s. auch Rheinhard’s 
Ingenieur-Kalender für Straßen-, Wasserbau- urd Kulturingenieure 
für 1904, bearbeitet von R. Scheck, I. Abteilg. S. 6 ff) als ganz 
vorzüglich befunden. — Merl, k. Kr.-Kult.-Ing. in Speyer. 

Anfragen an den Leserkreis. 

Welche Mittel gibt es, um trübe, fleckige Terrazzoböden hell 
zu machen? Was kann die Schuld an dem schlechten Aussehen 
tragen? Vielleicht feuchter Untergrund? — B. M in Konst. 

Inhalt: Umwandlung der preussischen und sächsischen Eisenbahn- 
Anlagen in und bei Leipzig. — Haus Peter Spreckels für Dresden. — Ber¬ 
liner Neubauten. No. in. Das neue Herrenhaus des preussischen Land¬ 
tages. — Mitteilungen aus Vereinen. — Preisbewerbungen. — Chronik. — 
Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. 

Hierzu eine Bildbeilage: Haus Peter Spreckels in Dresden. 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwort!. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 

No. 7. 










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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. NR 8. BERLIN, DEN 27. JAN. 1904 






Das Bauwesen im preußischen Staatshaushalt für das Verwaltungsjahr 1904.*) 


I 


em am 16. d. M. zusammengetretenen preuß. Land¬ 
tage ist als eine der ersten Vorlagen der Entwurf 
des Staatshaushalts - Etats für das Verwaltungsjahr 


1904 zugegangen, der in Einnahme und Ausgabe mit dem 
Gesamt-Betrage von 2 800 805 050 M. abschließt. Die Ein¬ 
nahmen stellen sich gegenüber dem Voranschlag des Jahres 
L903'um 191687 318 M. höher, wovon allein 138418483 M. 
auf die Eisenbahn-Verwaltung entfallen, die im Ordinarium 
einen Mehrüberschuß von 82787 742 M. ergibt. Von den 
Ausgaben entfallen 2 626 260 668 M. auf die ordentlichen, 
174544382 M. (rd. 16,62 Mill. M. mehr als 1903) auf die 
außerordentlichen Ausgaben. An letzteren nimmt das 
Bauwesen mit rd. 160,3 Mill. M. teil, d. h. mit rd. g2°/ 0 . 
Die Aufwendungen für das Bauwesen stellen sich um 
rd. 14 Mill. M. höher als im Jahre 1903. 

Die für bauliche Zwecke geforderten Mittel verteilen 
sich auf die einzelnen Verwaltungen wie folgt: 

Den wesentlichsten Anteil beansprucht naturgemäß 
die Eisenbahn-Verwaltung mit rd. ioi,32Mill.M. Ihr 
folgt dieses Mal das Kultusministerium mit rd. 18,22 
Mill. M., das also sogar den Etat der Bauvei waltung über¬ 
trifft. Es folgt das aus den sehr bedeutenden Forderungen 
für Kunst und wissenschaftliche Zwecke. Die Bauver¬ 
waltung erreicht mit rd. 14,66 Mill. M. etwa den Betrag 
des vergangenen Jahres. Die Justizverwaltung ist mit 
rd. 9,8, das Finanzministerium mit rd. 4,4, die land¬ 
wirtschaftliche Verwaltung mit rd. 2,76, die Domänen- 
Verwaltung mit rd. 2,64, das Ministerium des Inneren 
mit rd. 2,05 Mill. M. angesetzt. Beträge, die sich noch 
über 1 Mill. M. halten, fordern die Forstverwaltung und 
die Verwaltung der indirekten Steuern, nämlich 1,05 
bezw. 1,06 Mill. M. Unter i Mill. M. bleiben die Berg-, 
Hütten- und Salinen-Verwaltung mit 845000 M., 
das Ministerium für Handel und Gewerbe mit 
756800 M., die Gestüt-Verwaltung mit 429120 M., die 
Verwaltung der Staatsarchive mit 286244 M. Einen 
kleinen Betrag von 6000 M. für Anlage eines Lasten-Fahr- 
stuhles in ihrem Geschäftsgebäude braucht schließlich die 
Lotterie-Verwaltung, das Kriegsministerium wie¬ 
derum 7200 M. für Einrichtungen im Zeughause. 

Bei der Besprechung der Einzelforderungen seien die 
Verwaltungen mit geringeren Ansätzen vorweg genommen. 
Die Verwaltung der Staatsarchive fordert einen Posten 
von 273 994 M. als I. Rate für den Neubau des Staats¬ 
archiv-Gebäudes nebst Därektorwohnung in Breslau, 
ferner 12 250 M. für die Instandsetzung des Archivgebäudes 
in Posen. Die Gesamt-Kosten des ersten Baues sind auf 
363 994 M. veranschlagt, davon 215 000 M. an reinen 
Baukosten. Im Vorjahre war davon nur ein unbedeutender 
Betrag angesetzt. 

Die Gestütverwaltung verlangt mit 429 120 M. etwa 
die gleiche Summe wie im Vorjahre. Davon entfällt der 
größere Teil von 258680 M. auf Dienstwohnungen, 131800 M. 
auf Stallungen, 33700 M. auf Schuppen, Scheunen und 
Reitbahnen. 

Das Ministerium für Handel- und Gewerbe 
macht mit 756 800 M. etwas höhere Ansprüche als 1903. 
Den Hauptanteil bildet die Schlußrate für das Dienstwohn¬ 
gebäude des Ministers in Berlin und dessen Ausstattung 
mit zus. 457 800 M. Für die Erweiterung des Verwaltungs¬ 
gebäudes der staatl. Bernsteinwerke in Königsberg i. Pr. 
und für Beamtenwohnungen derselben sind 216 000 M. ange¬ 
setzt. Aus dem Ordinarium dieser Verwaltung ist von 
Interesse, daß an 21 staatl. Bau gewerkschulen 21 Di¬ 
rektoren und 336 Lehrer, an 20 Maschinenbau- und 
Fachschulen 20 Direktoren, 204 Lehrer und 18 Werk¬ 
meister tätig sind. 

Die Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung ent 
hält in ihrem Gesamt-Ansatz von 845 000 M. einige neue 
Posten, so 260000 M. für die Arbeiterkolonien Waltrop 
und Bergmannsglück, für ein Dienstgebäude in Dort- 


'■) Vergl. hierzu die Aufstellung für 1903, Jahrg. 1903, S. 37 u. 4.3. 


mund xxoooo M., desgl. in Kljausthal 75000 M. Im 
Ordinarium dieser Verwaltung sind 2,29 Mill. M. für bau¬ 
liche Zwecke vorgesehen, nämlich 1,38 Mill. für Wohn¬ 
häuser, Verwaltungsgebäude usw., 0,40 Mill. für Zechen¬ 
häuser, 0,43 Mill. für Wege-, Bahn- und Kanalanlagen.| 1 

Bei der Verwaltung der indirekten Steuern 
entfallen von den beantragten Mitteln von 1,06 Mill. M. 
(0,38 mehr als 1903) 462500 M. auf die Verbesserung der 
Lösch- und Lade - Einrichtungen der Packhöfe usw. in 
Königsberg i. Pr., deren Ges.-Kosten auf 1,05 Mill. M. ver¬ 
anschlagt sind. Weitere 392220 M. entfallen auf Dienst¬ 
gebäude und 205 320 M. auf Dienstwohnhäuser, zumeist in 
den Provinzen Posen und Schlesien. Von den Ansätzen der 
Forst Verwaltung mit 1,05 Mill. M. sind wiederum je 
100000 M. für die versuchsweise Beschaffung von Inst- 
häusern, für die unmittelbare Wasserverbindung vom 
Teltow-Kanal nach dem Wannsee und zur Beihülfe von 
Wegebauten, 250000 M. als Zuschuß zum Forstbaufond 
und 400000 M. desgl. zum Wegebaufond vorgesehen. Im 
übrigen sind auch noch in anderen Positionen Bauaus¬ 
führungen enthalten, die sich aber aus den Ansätzen nicht 
herausschälen lassen. Im Ordinarium dieser Verwaltung 
sind etwa 4 Mill. M. für bauliche Zwecke zum Neubau 
und derUnterhaltung der Gebäude, der Wege usw. enthalten. 

Im Ministerium des Inneren verteilen sich die Ge¬ 
samt-Mittel von 2,05 Mill. M. auf die Polizeiverwaltung 
mit 1165678 M., die Strafanstalts-Verwaltung mit 
653 520 M. und die Landgendarmerie bezw. landrät- 
liche Verwaltung mit 47525 M. Für den Neubau des 
Ob.-Verwaltungsgerichtes in Berlin (auf dem fiskal. Ge¬ 
lände am Zoolog. Garten) sind weitere 180000 M. angesetzt 
(Ges.-Kosten 1,33 Mill. M.). Erste Raten sind vorgesehen 
für Polizei-Dienstgebäude in Wilhelmshaven, Kassel, 
Köln, sowie für ein Gefängnis in Saarbrücken. 

Die landwirtschaftliche Verwaltung bleibt mit 
rd. 2,76 Mill. M. erheblich hinter dem Vorjahre zurück. 
Es liegt das hauptsächlich daran, daß die großen Hochbau- 
Ausführungen der Mehrzahl nach beendet sind. Es ent¬ 
fallen nur rd. 0,87 Mill. M. auf Hochbauten, darunter 
die 2. und letzte Rate von 410 700 M. für den Erweite¬ 
rungsbau der landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin, 
240000 M. als 2. Rate für Errichtung der landwirtschaft¬ 
lichen Versuchsanstalt in Bromberg. Auf Ingenieur¬ 
bauten entfallen rd. 1,7 Mill. M. und zwar 1500000 M. 
auf Flußregulierungen (weitere 1 Mill. für den Ausbau 
der hochwassergefährlichen Flüsse in Schlesien usw.), 
315000 M. auf Meliorationen, 101600 M. auf Deich¬ 
anlagen usw., 70000 M. auf Dünenbefestigungen. Es 
handelt sich zumeist um die Fortsetzung schon begonne¬ 
ner Arbeiten. 

Bezüglich der Personalien ist zu bemerken, dass von 
den beiden meliorationstechnischen Hilfsarbeiterstellen 
im Ministerium für Landwirtschaft eine in die Stelle eines 
Vortragenden Rates verwandelt werden soll. 

Die Domänen-Verwaltung fordert mit 2,64 Mill. 
M. über eine Mill. M. mehr als im Vorjahre. Es bedingt 
dies hauptsächlich eine Anforderung von 1 Mill. M. für 
die Herstellung von Strassenanlagen usw. auf der zu 
parzellierenden Domäne Dahlem. Der Domänenbau¬ 
fonds erfordert einen ausserord. Zuschuss von 580 000M., 
der hauptsächlich den staatl. Bädern und Mineralquellen 
Ems, Langenschwalbach, Nenndorf, Niederselters, 
Schlangenbad zugute kommt, darunter eine 1. Rate 
von 150000 M. für ein Badehaus in Nenndorf. 

Für Arbeiterwohnhäuser sind wieder 500000 M. 
eingesetzt, 310000 M. entfallen auf Landgewinnungs-Arbei¬ 
ten und Eindeichungen. 

Im Ordinarium sind 2,6 Mill. M. für Unterhaltung und 
Neubau der Domänen-Gebäude, zu Wege-, Brücken-, Ufer- 
und Wasserbauten enthalten. 

Für die Weltausstellung in St. Louis sind 50000 M. 
namentlich für Ausstellung von Zeichnungen, Ansichten 
und Modellen der Bäder ausgeworfen. — (Schluß folgt.) 


45 











Neuere Deeken-Konstruktionen. 


IM 

m 


I. 

ie Wirkungsweise und die Tragfähigkeit der Mehr¬ 
zahl aller neueren ebenen Massivdeeken, mögen sie 
nun in gewöhnlichen Ziegeln bezw. besonderen Form¬ 
steinen oder in Stampfbeton hergestellt sein, beruht auf 
der Verbindung des Steines oder Betons mit Eisen in der 
Weise, daß die ersteren Materialien die Druckkräfte, die 
Eiseneinlagen dagegen die auftretenden Zugspannungen 
aufzunehmen haben, sodaß also die beiden Materialien 
sich gegenseitig unterstützen. Es werden jedoch auch 
ebene Decken hergestellt, bei denen auf die Einlage von 
Eisen verzichtet wird. Die Tragfähigkeit wird hier ent¬ 
weder durch Ineinandergreifen der besonders geformten 
Steine oder durch Zusammensetzung derselben in Form 
eines scheitrechten Gewölbes erreicht. In allen Fällen 
spielt natürlich die Einbettung des Eisens bezw. die Aus¬ 
füllung der Fugen mit Zementmörtel eine wichtige Rolle. 
Es seien nachstehend einige Beispiele der verschiedenen 
Arten angeführt. 


Wir haben auf S. 611, Jahrg. 1902 bereits auf diese von 
Hrn. Geh. Brt. Eggert in Berlin erfundene und ihm 


Zug- und Druckzone und nehmen die Schubspannungen auf. 
Sie erfüllen demnach die Aufgabe, die sich in anderen Eisen¬ 
betondecken auf die wagrechten Eisen und die umgeleg¬ 
ten Bügel verteilt. (Uebrigens finden sich, wenn auch in 
anderer Anordnung auch in anderen Eisenbetondecken die 
etwa unter 45 0 aufgebogenen Eisen an den Deckenenden, 
z. B. in den Konstruktionen von Wayss & Freytag in 
Neustadt a. IT). Die aufgebogenen Stabenden sind außer¬ 
dem noch hakenförmig umgebogen, oder bei stark be¬ 
lasteten Decken mit besonderen Druckplatten versehen, 
vergl. Abbildg. ia u. b, um die sichere (Jebertragung der 
Spannung auf den oberen gedrückten Teil der Decke zu 
bewirken. Es soll dadurch eine größere Sicherheit er¬ 
reicht werden, als wenn die Festhaltung des Eisens allein 
durch die Adhäsion des Betons erfolgt. Das wird aller¬ 
dings wohl erreicht werden. Die umgebogenen Enden und 
kleinen Druckplatten erscheinen jedoch kaum genügend, 
um die volle Spannungs-Uebertragung allein zu sichern, 
wie der Konstrukteur annimmt. Die Abbildgn. c—f zeigen 
die Anwendung des Systems zu Decke, Dach und frei¬ 
tragender Treppe. 

Bei leichteren Konstruktionen verzichtet der Erfinder 
auf den durch die obigen Maßnahmen erreichten höheren 



patentierte Konstruktion hingewiesen, die gelegentlich der 
Düsseldorfer Ausstellung vorgeführt wurde. Die Decke 
wird für größere Spannweiten und Belastungen als träger¬ 
lose, ebene Eisenbetondecke hergestellt. Bei kleineren 
Spannweiten und geringeren Belastungen wird der Port¬ 
landzement - Stampfbeton dimch ein weniger druck¬ 
festes Material, oder auch durch poröse Ziegel ersetzt. Die 
Eiseneinlagen haben verschiedene Länge und sind an ihren 
Enden nach den Auflagern zu in der Richtung der größten 
Zugspannung schräg aufgebogen, bis in die Druckzone 
hochgeführt und dort verankert. Sie ermöglichen also eine 
unmittelbare Uebertragung der Spannungen zwischen der 


Abbildg. 1. 
Eggert-Decke. 


Sicherheitsgrad insofern, als er den unteren Teil der Decke 
und auch den weniger gedrückten Teil nicht mehr aus 
Stampfbeton, sondern aus Schlackenbeton oder porösen 
Ziegeln herstellt und damit eine Verbilligung der Decke 
erzielt. Die Decke besteht dann aus 2 Zonen verschiedener 
Festigkeit, vergl. Abbildg. g und h. Bei geringen Spann¬ 
weiten wird schließlich die ganze Decke in Ziegeln her¬ 


Totenschau. 


Albert von Maybach f. 
m 21. d. M. verstarb zu Berlin im 81. Lebensjahre 
der Staatsminister Albert von Maybach, der seit 
seinem im Juni 1891 erfolgten Ausscheiden aus 
dem Amte eines preußischen Ministers der öffentlichen 
Arbeiten in stiller Zurückgezogenheit gelebt hatte. Wir 
haben bei seinen Abgang aus diesem Amte, das er 13 Jahre 
lang mit seltener Tatkraft geführt hat, sein Wirken als 
Chef der Bau- und Eisenbahnverwaltung eingehend ge¬ 
würdigt*) und wie wir glauben dürfen, Licht und Schatten 
dabei gerecht vei'teilt. Wir können uns daher jetzt darauf 
beschränken, einen kurzen Rückblick auf seinLeben zu geben. 

Maybach wurde im Jahre 1822 in Werne i. W. ge¬ 
boren. Im Jahre 1854 finden wir ihn als Assessor und 
Mitglied bei der Eisenbahn-Direktion der Ostbahn. Seit¬ 
dem ist er dauernd im Eisenbahndienste tätig gewesen, 
zunächst bei der Oberschlesischen Eisenbahn, dann nach 
der Angliederung von Hannover an Preußen als Leiter der 


Hannoverschen Staatsbahnen, schließlich im Handels- 
Ministerium, wo er zunächst die Stelle eines Ministerial- 
Direktors bekleidete. Diese Tätigkeit wurde auf kurze Zeit 
durch seine Berufung zum Präsidenten des Reichseisen¬ 
bahnamtes unterbrochen. Der Gedanke einer Uebernahme 
der Eisenbahnen auf das Reich scheiterte jedoch am 
Widerstande der einzelnen Bundesstaaten und Maybach 
kehrte in das Handelsministerium zurück. Zur Durch¬ 
führung der geplanten Verstaatlichung der Eisenbahnen in 
Preußen erschien er dann als der geeignete Mann und wurde 
nach Abtrennung des bisher mit dem Handels-Ministerium 
verbundenen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten dessen 
erster selbständiger Leiter. Was er in dieser Stellung, na¬ 
mentlich in der zielbewußten Durchführung des Gedankens 


*). Vergl. Jahrg. 1891 S. 344, 370, 401. 


der Verstaatlichung der Eisenbahnen geleistet hat, ist be¬ 
kannt. Auch die Gegner dieses Gedankens werden sich 
heute der Notwendigkeit und der Bedeutung dieses ge¬ 
waltigen Unternehmens nicht verschließen können, mögen 
sie auch mit der Leitung unserer Staatsbahnen im Ein¬ 
zelnen nicht immer einverstanden sein; sind doch die Ein¬ 
nahmen aus dem Betriebe der Staatsbahnen die Grundlage 
des ganzen preußischen Staatshaushaltes geworden. Als 
Maybach sein Amt antrat, betrug die Ausdehnung des 
Staatsbahnnetzes etwa 5000 km , bei seinem Abgang etwa 
25 000 km . Heute ist das Werk vollständig durchgeführt, das 
mit dem Namen Maybach dauernd verknüpft bleiben wird..— 

Friedrich von Hefner-Alteneck f. 

Am 7. Januar d. J. verschied zu Berlin infolge eines 
Schlaganfalles der Ingenieur Friedrich von Hefner- 
Alteneck in noch nicht vollendetem 59. Lebensjahre. 
In dem Verstorbenen, der durch zahlreiche epoche¬ 
machende Erfindungen die Technik wesentlich gefördert 
hat, betrauert die moderne Elektrotechnik einen ihrer 
Hauptbegründer. Er war am 27. April 1845 in Aschaffen¬ 
burg als Sohn des bekannten, im vorigen Jahre in Mün¬ 
chen verstoi'benen Kunsthistorikers dieses Namens geboren 
und trat, nachdem er in München und Zürich technischen 
Studien obgelegen hatte, 1867 als Ingenieur in die Dienste 
der Firma Siemens & Halske ein, der er bis 1890 ange¬ 
hörte. Ueber seine Leistungen während dieser Zeit sagt 
Werner Siemens in seinen Lebenserinnerungen, daß sie 
jenem als Vorstand des Konstruktions-Bureaus der Firma 
einen Weltruf eingetragen haben. Diesen hat er vornehm¬ 
lich zwei Erfindungen zu verdanken, die wesentlich der 
Elektrotechnik,im besonderen der elektrischenBeleuchtungs- 
technik, den Weg für ihre überaus schnelle und erfolg¬ 
reiche Entwicklung geebnet haben. Als erste derselben 
ist die Konstruktion des Trommelankers zu nennen, der 


46 


No. 8. 
























































































gestellt, wobei ein Fugenmörtel i : 3 verwendet wird, wäh¬ 
rend der Beton im übrigen im Verhältnis 1:4 herge¬ 
stellt werden kann. 

Die Decke erfordert bei Wohnhausbauten für 2, 3, 6 und 
10 m Spw. Stärken von 8, 13, 18, 30 cm . Sie ist durch die 
Baupolizei in den Stadtkreisen Berlin, Charlottenburg, 
Schöneberg und Rixdorf als unverbrennliehe und be¬ 
lastete Decke grundsätzlich genehmigt und zwar für fol¬ 
gende Spw.: für Wohngebäude höchstens bis zu 4,8 m , für 
Fabrikgebäude bis 4,2 m , für freitragende Treppen bis 1,6 ra . 

Die Eiseneinlagen sind, wie schon bemerkt, verschie¬ 
den lang und gehen nicht durch die ganze Spannweite 
hindurch. Infolge dessen ist es möglich, den Eisenquer¬ 
schnitt von der Mitte nach den Enden hin abnehmen zu 
lassen, d. h. ihn den Anforderungen der Beanspruchung 
anzupassen, sodaß sich ein sparsamer Eisenverbrauch er¬ 
gibt. Es werden außerdem größere Querschnitte gewählt, 
als sonst mit Rücksicht auf die Adhäsion zweckmäßig ist. 
Dies und die größere Entfernung der meist quadratisch 
gewählten Eisenstäbe soll die Einstampfung der Decke 
erleichtern. 

Für starke Lasten und große Spannweiten läßt sich 



das System natürlich auch zu Platten-Balken-Decken ver¬ 
wenden, Abbildg. 1, i. 

Interessant ist, daß Decken dieser Art von bedeuten¬ 
der Spannweite bereits von dem Erfinder in dem von ihm 
erbauten Rathause in Hannover ausgeführt sind und daß 
für das Regierungsgebäude in Potsdam solche Decken bis 
12 m Spw. geplant sind. 


2. Gitterbalkendecke System Visintini. 

Die Decken dieser Bauweise werden wie die S. 414 
im vorigen Jahrg. beschriebene Siegwart-Decke aus in der 
Fabrik fertig hergestellten und im Bau neben einander 
verlegten Betoneisen-Balken hergestellt, können also die 
Vorzüge für sich beanspruchen, welche dort dieser Bau¬ 
weise bereits zuerkannt wurden. Während es sich aber 
dort um Balken handelt mit einem in der Längsrichtung 
durchgehenden Hohlraum, sind hier die Balken zu voll¬ 
ständigen Gitterträgern ausgebildet mit Eiseneinlagen in 
beiden Gurten und den gezogenen Diagonalen, Abb. 2 a u. d. 
Die Hohlräume liegen hier also nicht in der Längsrichtung, 
sondern in der Querrichtung des Balkens, wodurch außer¬ 
dem eine wesentliche Vereinfachung der Herstellung erreicht 
wird. Die meist 2o cm breiten Balken werden auf einerUnter- 
lage zwischen 2 in festen Abständen gehaltenen Wandungen 
nach Einlegung der Formstücke für die Ilohlräume in 
Zementmörtel 1 : 3 durch Guß hergestellt, wobei die beiden 
Eisengitter an entsprechender Stelle eingelegt werden. Die 
Formen lassen sich schon nach etwa 1 St. herausnehmen 
und die Balken sind nach zwei Wochen transportfähig. Zweck¬ 
mäßiger "Weise werden je- 
C. doch etwaige Abnahme- 

Belastungsproben erst 6 
bis 9 Wochen nach Fertig¬ 
stellung der Balken vor¬ 
genommen. 

Die Balken werden in 
der Decke neben einan¬ 
der verlegt, die Fugen 
mit Zementmörtel ausge¬ 
gossen. Die Abbildgn. 2b, 
c u. d zeigen die Verwen¬ 
dung des Systems zu Treppen bezw. 
Stützen. 

Mit den Visintinischen Gitterbalken 
sind eine Reihe von Belastungsproben*) 
in Zürich, Wien und von der mecha¬ 
nisch-technischen Versuchsanstalt in 
Berlin vorgenommen worden, die durch¬ 
weg günstige Ergebnisse hatten. Die 
Versuche haben vor allem erwiesen, 
daß ein richtig hergestellter Gitterträger 
einer vollen Platte in seiner Festigkeit 
durchaus gleichgestellt werden kann. 

Bei den Berliner Versuchen wurde 
eine Decke von 6,2 m Länge — davon 5,8 m freie Länge —, 
1,03 m Breite einschl. der Zwischenfugen, 24 er11 Höhe ver¬ 
wendet. Der Obergurt hatte dabei etwa 3,5 cm Stärke, 7 mm 
Rundeisen, der Untergurt 3 cm Stärke, 16 mm Rundeisen, 


*) Näheres vergl. in der in Wien erscheinenden Ztschrft. 
Eisen“, 1903, Heft lll. 


.Beton und 


gerade so wie der im Jahre vorher (1871) von dem Belgier 
Gramme angegebene Ringanker gestattete, unter Zuhilfe¬ 
nahme des 1867 von Werner Siemens gefundenen elektro¬ 
dynamischen Prinzipes Maschinen zur Erzeugung beliebig 
starker und, was die Hauptsache war, gleichmäßig starker 
elektrischer Ströme zu bauen. Ring- und Trommelanker 
finden wir, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, 
bei fast sämtlichen Konstruktionen von Gleichstrom-Ma¬ 
schinen bis auf den heutigen Tag wieder. 

Mit der Schaffung der Gramme’schen und v. Hefner- 
Alteneck’schen Dynamomaschine war man, trotzdem zu 
jener Zeit schon eine ganze Reihe brauchbarer elektrischer 
Lampenkonstruktionen vorhanden war, noch lange nicht im¬ 
stande, eine den Anforderungen des praktischen Lebens 
genügende elektrische Beleuchtung zu erzeugen. Um dies zu 
ermöglichen, mußte vor allen Dingen das Problem der Teil un g 
des elektrischen Lichtes gelöst werden. Mit den damals 
vorhandenen Mitteln war es nur möglich, mit einer Dynamo- 
Maschine eine einzige elektrische Lampe zu speisen. Jenes 
Problem beschäftigte in den 70 er Jahren des vorigen Jahr¬ 
hunderts zahlreiche der begabtesten Elektriker des ganzen 
Erdballes. In den Ruhm, es gelöst und damit die Grundlage 
geschaffen zu haben, auf der unsere ganze elektrische Be- 
leuchtungvon heute sich aufbauen konnte, teilt sich v. Hefner- 
Alteneck mit dem Amerikaner Edison. Letzterer trat 1879 mit 
der elektrischen Glühlampe, die damals in Europa von vielen 
F achleuten als amerikanischerHumbug bezeichnetwmrde und 
Manchem von ihnen seinerzeit ein ungläubiges Lächeln ent¬ 
lockte, vor die Oeffentlichkeit, während von Hefner-Alteneck 
in demselben Jahre die Konstruktion seiner Differential¬ 
lampe vollendete. Diese war die erste elektrische Bogen¬ 
lampe, von der mehrere gleichzeitig von derselben Dynamo¬ 
maschine betrieben werden konnten, wde den staunenden 
Berlinern und den Besuchern ihrer in jenem Jahre abge¬ 
haltenen Gewerbe - Ausstellung durch' Beleuchtung der 


Kaisergalerie mittels elektrischen Bogenlichtes ad oculos 
demonstriert wurde. 

Außer diesen Erfindungen verdanken wir von Ilefner- 
Alteneck noch zahlreiche andere, auf welche einzugehen uns 
zu weit führen würde. Es sei nur noch erwähnt, daß er 
im Jahre 1883 für photometrische Messungen vorschlug, 
als 'Lichteinheit statt der bisher üblichen Kerzen die von 
ihm auf das Eingehendste erprobte Amylacetatlampe zu 
setzen. Die Schaffung dieser Lampe bedeutet einen un¬ 
geheuren Fortschritt für die Photometrie. Sie ist von 
verschiedenen Forschern, unter diesen auch von der Physi¬ 
kalisch-technischen Reichsanstalt, viele Jahre hindurch stu¬ 
diert werden. Hierbei ergab sich, daß die Lampe bequem 
zu handhaben, leicht, billig und genügend genau herzu¬ 
stellen ist. Aufgrund dieser Versuchsergebnisse wird die 
„Hefnerlampe“ seit einigen Jahren von der Physikalisch¬ 
technischen Reichsanstalt zur amtlichen Beglaubigung zu¬ 
gelassen und ist deshalb vom Verbände Deutscher Elektro¬ 
techniker und von der Lichtmeß-Kommission des Vereins 
der Gas- und Wasser-Fachmänner Deutschlands als Einheit 
angenommen worden. 

Da von Hefner-Alteneck sich mit den meisten seiner 
Arbeiten beachtenswerte wissenschaftliche Verdienste er¬ 
worben hat, so fehlte es ihm auch nicht an Ehrungen 
seitens der berufenen Vertreter der Wissenschaften. So 
ernannte ihn im Jahre 1897 die königl. Akademie dqr 
Wissenschaften zu Stockholm zu ihrem auswärtigen Mit- 
gliede; im Jahre darauf verlieh ihm die Universität Mün¬ 
chen ehrenhalber den philosophischen Doktorhut und 1901 
wurde er von der kgl. Preussischen Akademie der Wissen¬ 
schaften zum ordentlichen Mitgliede *) ihrer mathematisch¬ 
physikalischen Klasse erwählt. — p) r pj §. 

*) Anmerkung der Redaktion: v. Hefner-Alteneck und Müller- 
Breslau sind die beiden ersten Ingenieure, welchen diese Auszeichnung zu¬ 
teil wurde. — 


27. Januar 1904. 


47 






















































während die kaum 2 em starken Stege, soweit sie Zug¬ 
spannungen aufwiesen, mit 7 mm Rundeisen armiert waren. 
Der Bruch erfolgte nach langsamem stetigem Durch¬ 
biegen bei drei Versuchen im Mittel bei etwa 19000^ 
Belastung (gleichmäßig über die ganze Länge verteilt.) 
Haarrisse in einzelnen Stegen traten erst bei etwa i6ooo k g, 
Risse im unteren Steg bei im Mittel 17 800 k g Belastung 
ein. Die gemessenen Durchbiegungen stellten sich im letz¬ 
teren Falle auf 40 ram . 

Die Firma Visintini & Weingärtner in Zürich hat für 
die Verwendung ihrer Gitterträger zu Massivdecken bei 


Mitteilungen aus Vereinen. 

Verein für Eisenbahnkunde in Berlin. In der Dezember- 
Sitzung 1903, in der Hr. Wirkl. Geh. Rat Schroeder 
den Vorsitz führte, hielt, nachdem Hr. Ing. Zeidler die 
Flammenbogenlampen und andere Lampenneuheiten 
der Allgem. Elektricitäts-Gesellschaft vorgeführt hatte, Hr. 
Oberstleutn. a. D. Buchholtz einen Vortrag über „Die 
neueren Versuche in der Fortbewegung von Luft¬ 
schiffen“, die in den letzten Jahren in Frankreich ge¬ 
macht worden sind und wegen ihrer Erfolge berechtigtes 
Aufsehen erregt haben. Nach den infolge geringer Kon¬ 
struktionsfehler verunglückten Versuchen des Brasilianers 
Severo am 12. Mai und unseres Landsmannes Baron 
v. Bradsky am 13. Okt. 1902, die bedauerlicher Weise 
beiden das Leben kosteten, verdienen die mit großem 
Mut und unerschütterlicher Ausdauer fortgesetzten Be¬ 
mühungen des Brasilianers Santos Dumont volle Aner¬ 
kennung. Seit dem Jahre 1897 hat er, unbeirrt durch 
wiederholte Mißerfolge, seine Konstruktion immer von 
neuem verbessert, bis es ihm endlich gelungen ist, ein 
Luftfahrzeug zu erhalten, das allen Anforderungen zu ent¬ 
sprechen scheint. Am 19. Okt. 1900 erwarb er sich durch 
seine Fahrt von St. Cloud um den Eiffelturm den hierfür von 
Mr. Deutsch de la Meurthe ausgesetztenPreis von 100000 Fr. 
In den folgenden Jahren und besonders im letzten hat er dann 
eine große Zahl glücklicher Fahrten ausgeführt, bei denen 
er sich wiederholt zur Erde niedergelassen und wieder 
erhoben hat, so am 14. Juni während des großen Rennens 
auf dem Longchamps und am 14. Juli bei der großen 
Truppen-Revue, beide Male unter dem Beifall der ver¬ 
sammelten Menge. Augenblicklich ist Santos Dumont mit 
dem Bau seines zwölften Luftschiffes für die Ausstellung 
in St. Louis beschäftigt. Er hat übrigens sein gesamtes 
Material dem französischen Kriegsministerium für den Fall 
eines Krieges zur Verfügung gestellt. Außer ihm hat in 
neuester Zeit der Franzose Lebaudy viel von sich reden 
gemacht, da er mit seinem Luftschiff größere Fahrten bis 
zu 98 km mit einer Fahrgeschwindigkeit von n—12 m in 
der Sekunde ausgeführt und am 12. Nov. v. J. bei einem 
frischen Wind von 6™ in der Sekunde die Fahrt von 
Moisson nach Paris unter beständigem Lavieren in 1 St. 
40 Min. zurückgelegt hat. Wenn mit diesen Erfolgen die 
Aufgabe auch nicht vollkommen gelöst erscheint, so ist 
damit doch die Möglichkeit der Luftschiffahrt als erwiesen 
zu erachten. Aufgabe der Zukunft wird es sein, durch Ver¬ 
besserungen im Bau und in der Fortbewegung der Luft¬ 
schiffe die Fahrgeschwindigkeit so zu erhöhen, daß sie 
auch mittleren Windstärken zu widerstehen imstande ist. — 


Preisbewerbungen. 

Ein Wettbewerb der „Vereinigung Berliner Architekten“ 
für ihre Mitgliederbetrifft die künstlerische Gestaltung 
der Räume für die Architektur - Abteilung der 
Großen Berliner Kunstausstellung 1904. Es handelt 
sich in der Hauptsache um einen an den von Hrn. Arch. 
A. Gessner ausgebildeten Teil südöstlich anschließenden 
neuen Teil, der zu einem größeren Ausstellungssaal zweck¬ 
entsprechend ausgestaltet werden soll. Zugleich soll dem 
Gessner’schen Ausstellungsraum, der sich für die Aus¬ 
stellung der Werke der Baukunst als vortrefflich geeignet 
erwies, nach den Wünschen der Maler und Bildhauer, 
welche später diese gesamten Räumlichkeiten in Benutzung 
nehmen werden, mehr Licht zugeführt werden. Verlangt 
werden die geometrischen Gesamtzeichnungen 1:100, eine 
Teilansicht in farbiger Darstellung 1:50, sowie derNachweis, 
daß die Anlage für 4000 M. auszuführen ist. Für die beste 
Arbeit ist ein Ehrenhonorar von 500 M. festgesetzt; der 
Gewinner desselben erhält die Ausführung. Preisrichter 
sind die Mitglieder des Ausschusses für die Architektur- 
Abteilung Balcke, Bangert, Reinhardt, Schmitz und 
Werle, Ersatzleute die Hrn. Solf und Dinklage. — 

Wettbewerb Volksschulhaus Waldenburg. Der Magistrat 
macht nunmehr bekannt, daß das Preisgericht aus 5 Per¬ 
sonen besteht, von welchen 3 dem Baufach angehören. 
Die Pi'eise gelangen zur Verteilung, sobald programm¬ 
mäßige Entwürfe in genügender Zahl vorhanden sind. — 

48 


250 hg/t 1 " Nutzlast, 20 cm Balkenbreite und 10 facher Sicher¬ 
heit des Betons, 4facher des Eisens, eine Tabelle für die 
Dimensionierung aufgestellt für Spannweiten von 2—6™ 
Sie führt 3 Profile von 15, 18 und 21 cm aus, dj e fü r 2 —3, 
5, 3,72—4,96, 5,04 bis 6,04 m Spw. ausreichen. Die Stärken 
des Obergurtes sind dabei 2,5, 2,5 und 3,5 cm, des Unter¬ 
gurtes 2,5, 2,5 und 3 cm, der Rippen 1,5, 1,5 und 2 cm. Die 
Stärke der Eiseneinlagen im Untergurt schwankt in den 
3 Profilen von 7—ix, 10—14, 14—17 mm, während sie im 
Obergurt konstant 4 mm ist. Das Eigengewicht stellt sich 
auf 33, 34 und 40 k g (i. M. für die 21 cm hohen Träger). - 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. H. Sch. in Mannheim. Weder das Reichsrecht noch 
das badische Landrecht enthalten eine Vorschrift des Inhaltes, daß 
Villen hinter der Bauflucht zu errichten sind. Mithin besteht kein 
gesetzliches Verbot, sie mit einer Seite in der Baufluchtlinie straßen- 
wärts aufzuführen. Im Gegenteil kann man vielfach einer der¬ 
artigen Bauweise begegnen. Dagegen pflegen bisweilen Baupolizei- 
Ordnungen aus öffentlich rechtlichen Gründen für Villenbauten 
einen gewissen Abstand hinter der Bauflucht und das Liegenlassen 
einer Grundfläche als Vorgarten zu fordern. Sind derartige Polizei- 
Ordnungen in verfassungsmäßiger Form zustande gekommen, so 
geben sie der Polizei das Recht, eine abweichende Bauweise zu 
untersagen. Nicht minder sind Fälle denkbar, daß die Polizei in 
Erfüllung ihrer Pflicht, der Verunstaltung von Straßen vorzubeugen, 
dahin gelangen kann, dem Villenbau in der Straßenfluchtlinie ent¬ 
gegenzuwirken und hierbei den Schutz im Instanzenzuge findet. 
Ihre Frage läßt sich im Endergebnis also nur dahin beantworten, 
daß zwar grundsätzlich nicht verboten ist, freistehende Villen mit 
einer Seite in der Bauflucht zu errichten, daß jedoch Ortsrechte 
zu einem solchen Verbote führen können. — K. H-e. 

Hrn. C. B. in B. Wie wir der „Ostpreussischen Handwerks- 
Zeitung“ entnehmen, kann der Titel „Baugewerksmeister" — ent¬ 
gegen unserer bisherigen Ansicht — durch Ablegung der Meister¬ 
prüfung vor den durch die Regierungs-Präsidenten nach § 133 der Ge¬ 
werbeordnung ernannten Prüfungs-Kommissionen erworben werden. 
Zur Führung des Meistertitels in Verbindung mit der Bezeichnung 
eines Handwerks berechtigt das Zeugnis einer Baugewerkschule 
nicht. Weder die nichtstaatlichen noch die vom Staate anerkannten 
oder staatlichen Baugewerkschulen sind befugt, ihren Abgangs¬ 
zeugnissen die Wirkung zur Führung des Titels „Baugewerks¬ 
meister“ beizulegen. Die Prüfungs - Kommissionen dieser Schulen 
dürfen auch nur die Gesamtprüfung durch Erteilung eines Prädi¬ 
kates zensieren. Im übrigen herrscht in Preussen über die Führung 
des genannten Titels noch so viel Unklarheit, dass es erwünscht 
erscheint, durch allgemeine gültige behördliche Bestimmungen hier 
volle Klarheit zu schaffen. — 

Hrn. Bautechn. B. G. in Leipzig. Wir empfehlen Ihnen 
als umfassende Werke: Büsing, Die Städte-Entwässerung, Band 3 
des städtischen Tiefbaues, Stuttgart 1897, und Frühling, Die Ent¬ 
wässerung der Städte, 4. Bd. des Handb d Ingen.-Wissenschaften, 
4. Aufl. Leipzig 1903. Von letzterem Werke liegt aber erst die 
1. Hälfte vor. In beschränkter Weise wird die Aufgabe behandelt 
in Dobel, Kanalisation. 4. Aufl. Stuttgart 1903. — 

Hrn. Bmstr. A. U. in G. In unserer Zeitung ist die frag¬ 
liche Mitteilung nicht erschienen; dieselbe enthielt übrigens nichts 
Neues. Außer durch einen geringen Zusatz von Soda hat man 
öfter auch einen kleinen Zusatz von Kochsalz zu Zementmörtel an¬ 
gewendet, um bei niedrigen Temperatuien ohne Frostgefahr mauern 
zu können. Solche Mittel sind aber zweischneidig und bessere Er¬ 
folge von der Verwendung eines mit warmem Wasser ziemlich 
trocken angemachten und nicht fetten Mörtels zu erwarten. Zement¬ 
putz darf eben bei Frosttemperatur niemals ausgeführt werden. — 

Hrn. Ing. B. in Kreuznach. Nur wenn Sie ein so großes 
Reservoir anlegen können, um über lange Zeiten von Windstille 
hinwegkommen zu können, ist ein Windmotor gebrauchsfähig Es 
bleibt dann aber der Nachteil bestehen, daß Sie nicht auf frisches 
sondern auf vielleicht längst „abgestandenes“ Wasser angewiesen 
sind. In jeder Hinsicht mehr zu empfehlen ist die Aufstellung 
eines Heißluft- oder eines Petroleum-Motores. Wenn es nach der 
Lage und Größe der Quelle möglich ist, einiges Gefälle zu schaffen, 
so Würde auch die Anlage eines hydraulischen Widders infrage 
kommen können. — 

Hrn. Bautechn. K. in Freiberg. Ein derartiges Buch gibt 
es bisher nicht — 

Anfragen an den Leserkreis. 

Ein aus Beton mit Streckmetalleinlagen hergestelltes Wasser¬ 
becken, in das 80 —100 0 warmes, mit kalzinierter Soda gereinigtes 
Wasser eintritt, ist in Boden und Wänden derart rissig geworden, 
daß dasselbe außer Betrieb gesetzt werden mußte. Nach der Bau¬ 
weise des (unterirdisch angelegten überwölbten) Behälters ist es 
wenig wahrscheinlich, daß die Entstehung der Schäden auf 
die Temperatur des Wasserinhaltes zurückkommt. Sind andere 
ähnliche Erfahrungen bekannt und durch welches Mittel hat man 
die Schäden beseitigt? — J- W. in O. 

Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. 

Zu der in No. 95 Jahrg. 1903 enthaltenen Anfrage von A. St. 
in Berlin teile ich Ihnen mit, dass fragliche Sandstein-Freitreppe 
zweckmässig durch einen Belag mit Hygiena - Material (hergestellt 
duich Isoliermittel- und Hygiena-Fussboden-Fabrik, Richard Beck, 
Stuttgart) wieder hergestellt werden kann. — 

Richard Beck in Stuttgart_ 

Inhalt: Das Bauwesen im preußischen Staatshaushalt für das \er- 
waltungsjahr 1904. — Neuere Deeken-Konstruktionen. — Todtensckau. 
Mitteilungen aus Vereinen. — Prei sbewerbungen. — Brief- und Fiagekasten. 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 

No. 8. 














1 




MWANDLUNG DER PREUSSISCHEN 
UND SÄCHSISCHEN EISENBAHN¬ 
ANLAGEN IN UND BEI LEIPZIG * 

= DEUTSCHE BAUZEITUNG = 
* XXXVIII. JAHRGANG 1904 NO; 9 * 


Abbildg. 2. Hauptbahnhof in Leipzig. 
Erklärung. 


Empfangs gebäu de. 

A. Gruppe der preuß. Gleisanlagen. 

B. „ „ sächs. „ 

P. T. Personen-Tunnel. 

G. T. Gepäck-Tunnel. 

G. B. Gepäck-Bahnsteige. 

Gleisgruppen im: 

Personenbahnhof. 

1. Aufstellungsgleise für Personen - Wagen für 
Eilenburg. 3 Gl. 257m nutzbare Länge. 

2. Desgl. für Berlin. 3 Gl. 215m n. L. 

3. Desgl. für Magdeburg. 6 Gl. 743m n. L. 

4. Desgl. für Personen - Züge und -Wagen für 
Berlin. 6 Gl. 1287 m n. L. 

5. Desgl., desgl. für Thüringen. 5 Gl. 1130m 
n. L. 

6. Desgl., desgl. für Eilenburg. 4 Gl. 740m 
n. L. 


Eilgüter- und Stückgut-Bahnhof. 

7. 4 Aufstellungsgleise für Eilgüterzüge. 1385 in 
n. L. 

8. 5 Desgl. für Freiladeverkehr, Ausgang. 1445 m 
n. L. 

9. 5 Desgl., desgl. Eingang. 1105 m n. L. 

10. 5 Desgl. für Stückgut: Eingang 1040 m n. L. 

11. 6 Desgl., desgl. Ausgang 1646 m n. L. 

Güterbahnhof Leipzig (Berlin). 

12. 7 Aufstellungs- und Rangiergleise 3565 m n. L. 

13. 12 Desgl. für Personenwagen 3168 m n. L. 

Besondere Bezeichnungen. 

V. G. Verkehrsgleis. 

A. G. Ausziehgleis. 

M. G. Maschinengleis. 

As. G. Anschlussgleis 
Vb. G. Verbindungsgleis. 

St. W. Stellwerk. 
















































































































































































































































DEUTSCHE BAUZEITUNG 


XXXVIII. JAHRG. N£ 9. BERLIN, DEN 30. JAN. 1904 


Umwandlung der preußischen und sächsischen Eisenbahnanlagen in und bei Leipzig. 

Von Paul Bischof, Ober- und Geheimer Baurat in Halle a. S. 


(Fortsetzung'.) Hierzu eine Planbeilage. 


III. Entwurf, a. Hauptbahnhof. 

n folgenden Ausführungen sollen nur 
dieHauptpunkte und zwar zumeist nur 
diepreuß. Anlagenbehandelt werden; 
auf Einzelheiten näher einzugehen, 
muß Vorbehalten bleiben. Das Haupt¬ 
gebäude mit den Bahnsteigen ist nach 
den Abbildg. 2 (Beilage) u. 3 soweit 
nach dem Inneren der Stadt vorge¬ 
schoben, wie es die Rücksicht sowohl 
auf die Schaffung eines angemessen großen Vorplatzes 
als auch auf die Ausbildung günstiger Weichenverbin¬ 
dungen zwischen den einzelnen Bahnlinien verlangt. 
In den Kopfbahnhof werden, entsprechend dem bei 
beiden Verwaltungen etwa gleichen Personenverkehr 
— je i,8 bis 2 Millionen verkaufte Fahrkarten für das 
Jahr — 13 preußische und 13 sächsische Gleise einge¬ 
führt. Die Bahnsteigbreiten ergeben sich im allge¬ 
meinen aus dem Vielfachen einer Gleisentfernung von 
4,5 m . Die Personen-Bahnsteige sind demgemäß .1.0,5 m > 
die Gepäck-Bahnsteige 6 ra breit. Das Haupt-Empfangs¬ 
gebäude wird dann eine Frontlänge von 300™ erhalten. 
Sämtliche Hauptbahnsteige sind 270™ lang und durch 
einen 20 m breiten Querbahnsteig verbunden. Die 
Schienenoberkante der Gleise an den Bahnsteigen 
liegt 2,6 m über dem Pflaster des Bahnhof-Vorplatzes, 
so daß die unter den Bahnsteigen angeordneten Tunnel¬ 
anlagen unmittelbar in die Gepäck-Annahmen und 
-Ausgaben einmünden können, und daß der Personen¬ 
verkehr auf den Personenbahnsteigen durch den Ge¬ 
päckverkehr nirgends belästigt wird. Die Gleise an 
den Bahnsteigen sind von Westen her der Reihe nach 
für Vororte, Thüringen (Zeitz und Korbetha), Eilen¬ 
burg, Magdeburg, Berlin, auf der preußischen Seite, 
Bayern, Riesa-Dresden, Döbeln-Dresden, Geithain auf 
der sächsischen Seite bestimmt. 

Zur Erreichung dieser Anordnung der Gleise an 
den Bahnsteigen konnte die sächsische Eisenbahn-Ver¬ 
waltung die jetzige Bayerische Verbindungsbahn, welche 
die Dresdener Linien bereits schienenfrei kreuzt, für 
die Bayerischen Hauptgleise ausnutzen. Auf preußischer 
Seite muß eine schienenfreie Kreuzung der Eilenbur¬ 
ger Linie mit den Berliner und Magdeburger Linien 



neu hergestellt werden, siehe Abbildung 3. Dies ge¬ 
schieht nördlich vom Berliner Bahnhof, nachdem die 
Magdeburger und Eilenburger Linien von den Halte¬ 
punkten Lützschena und Heiterblick an abgeschwenkt 
und im Norden um die Stadt Leipzig herum und an die 
Berliner Strecke herangeführt sind. Wenn die Magde¬ 
burger Linie dann freilich einen Umweg von etwa 
4 km machen wird, so bleibt doch das eigentliche Bahn¬ 
hofgelände von den Rampen und den schienenfreien 
Ueberschneidungen der eingeführten Personenzuggleise 
vollständig frei. Es wird ermöglicht, den gesamten 
Bahnhof ohne irgend welche plötzliche Unterbrechung 
überall in eine durchgehende Fläche mit keinem stärke¬ 
ren Gefälle als 1 :400 zu legen und, begünstigt durch 
den Umstand, daß die Magdeburger und Eilenburger 
Linien mit der Berliner Linie zusammen auf eine große 
Länge vor den Bahnsteigen parallel der Achse dieser 
Bahnsteige geführt werden, die für den Betrieb im 
weitestenUmfange erforderlichen brauchbarenWeichen- 
Verbindungen trotz der großen Breite der Bahnsteig¬ 
anlagen zweckentsprechend auszubilden. 

Die Richtungen Berlin und Bayern, auf welchen 
zurzeit schon durchgehende Züge gefahren werden, 
liegen unmittelbar nebeneinander und lassen sich leicht 
verbinden. Von den Richtungen Magdeburg-Dresden 
und Thüringen-Dresden, welche demnächst bevorzugt 
werden sollen, ist nur die letztere auch bei der Ein¬ 
fahrt nicht ohne Ueberschneidung anderer Hauptgleise 
in Schienenhöhe auf dem Bahnhofe selbst durchführ¬ 
bar, da die Thüringer Linien, wenn nicht augenschein¬ 
lich ganz unverhältnismäßige Kosten entstehen sollen, 
nach wie vor von Norden her leider nicht weit von den 
Bahnsteigen in den Bahnhof eingeführt werden müssen. 
Sie werden hierbei die jetzige Thüringer Verbindungs¬ 
bahn, also den äußersten Rand des hier zur Verfü¬ 
gung stehenden Geländes in Anspruch nehmen. 

Zwischen den Weichenverbindungen konnten in 
der Nähe der Bahnsteige für jede Richtung Aufstell- 
gruppen so angeordnet werden, daß die Rangier¬ 
maschine, nachdem sie den Zug aus dem Ankunfts¬ 
gleis in die Gruppe gezogen hat, bequem abfahren 
und ebenso wieder hinter den Zug gelangen kann, 
um ihn auf das Abfahrgleis zu drücken. Die Schuppen 
für die Personen-Zuglokomotiven sind, nicht zu ent- 


49 











































fernt von den Bahnsteigen, getrennt angelegt. Durch 
die oben erwähnten Weichenstraßen und die getrennte 
Anordnung der Schuppen ist eine leichte Zugänglich¬ 
keit ohne unnötige Berührung von Hauptgleisen, auf 
denen im Einzelfalle die Maschine nicht zu verkehren 
hat, gesichert. Die Eilgutanlage ist in engste Verbindung 
mit den Bahnsteigen und Weichenstraßen gebracht. 
Verhandlungen mitderReichspost-Verwaltung haben zu 
dem Endergebnis geführt, daß jeder Postpacket-Verkehr 
im Haupt-Empfangsgebäude ausgeschlossen, auf den 
Gepäckbahnsteigen aber durchVermittelung eines in der 
Nähe (südöstlich) zu errichtenden Bahnpostamtes und 
einer Tunnelanlage nur in kleinen Mengen zugelassen 
sein soll. Für die gesamte Ein- und Ausladung ge¬ 
wöhnlicher Postgüter wird von der Reichspost-Ver¬ 
waltung am Nordostende des Bahnhofes, zwischen den 
sächsischen und preußischen Gleisen, ein Postgüter- 
Bahnhof angelegt und mit den Gleisen der beiden 
Eisenbahn-Verwaltungen— auf preußischer Seite durch 
zwei getrennte Straßen — verbunden. Sämtliche Post¬ 
wagen müssen nach dem Postgüter-Bahnhof überführt 
werden, wo sie auf 13 Gleisen von preußischer Seite 


und auf 12 Gleisen von sächsischer Seite unmittelbar 
laderecht gestellt werden können. 5 Gleise der Ver¬ 
ladehalle sowde ein Gleis nach dem Magazinschuppen 
werden mittels Drehscheibe an die preußischen Zu¬ 
führungsgleise an geschlossen. 

Die Anlagen für den preußischenStückgut-undFrei- 
ladeverkehr werden westlich an das Hauptgebäude 
und dieThüringer Hauptgleise angrenzen. Aufstellungs¬ 
gruppen für den Güter- und Eilgutverkehr sind auf 
dem alten Magdeburger Außenbahnhof unterzubringen. 
Weiteres ist aus der Abbildg. 2 (Beilage) ersichtlich. 

Wie bereits oben bei Besprechung der Einführung 
der Linien gekennzeichnet, herrschte das Bestreben, 
von dem begrenzten Bauplatz im Inneren der Stadt, 
sow r eit dies erreichbar, alle diejenigen Anlagen fern zu 
halten und nach außen zu verlegen, w'elche im Inneren 
nur Platz wegnehmen, aber nicht durchaus notwendig 
sind. Dies war eine der ersten Forderungen, welche 
für die Aufstellung eines klaren und auskömmlichen 
Entwurfes erfüllt werden mußte. — 

b. Rangierbahnhof Wahren und Verbin¬ 
dungsbahn Wahren-Leutzsch. Die Anlagen für 
die Rangiergeschäfte gehören in erster Reihe zu denen, 

5c 


welche an die Grenze des Weichbildes der Stadt zu 
verlegen sind. Nach dem Umbau wird, während der 
Berliner Bahnhof als Güterstation und der Eilenburger 
Bahnhof ebenfalls als Güterstation und Lokal-Personen¬ 
bahnhof für die anschließenden Stadtteile bestehen blei¬ 
ben würden, der preuß. Hauptgüterbahnhof den gesam¬ 
ten Magdeburger und Thüringer Güterverkehr aufzu¬ 
nehmen haben. Das führt von selbst dazu, für beide 
Richtungen auf einer der Strecken einen gemeinschaft¬ 
lichen Rangierbahnhof mit Verbindung nach der ande¬ 
ren Strecke anzulegen. 

Dadurch werden einmal die Kosten des Baues und 
des Betriebes eines zweiten Rangierbahnhofes und 
dann die weiteren Kosten für das Vor- und Nach¬ 
rangieren und die dazu nötigen im Hauptgüterbahn¬ 
hof kaum herstellbaren Anlagen erspart. Von dem 
Hauptgüterbahnhof können dann die Wagen, ohne 
getrennt werden zu müssen, im Gemenge auf dem 
kürzesten Wege nach dem Rangierbahnhof abgezogen 
werden. Umgekehrt werden von dort die einzelnen 
Ladestellen des Güterbahnhofes gleich mit den aus 
beiden Richtungen zusammengesetzten, rangierten Zug¬ 
teilen bedient. Der Rangier¬ 
bahnhof ist an der Magdebur¬ 
ger Linie zwischen den Stati¬ 
onen Lützschena und Wahren 
geplant. Vgl. hierzu nebensteh. 
Abbildg. 3, welche den Gesamt¬ 
plan aller Eisenbahn anlagen in 
und bei Leipzig nach dem Um¬ 
bau wdedergibt und den Plan 
des Rangier-Bahnhofes nebst 
Längenprofilen, Abb.4-6, wel¬ 
che wir mit dem Schluß dieser 
Ausführungen folgen lassen. 

DieserBahnhof wird mittels 
2-gleisiger Verbindungsbahn 
mit dem umzubauenden Bahn¬ 
hof Leutzsch, und durch die 
für den jetzigen Zweck aufzu¬ 
gebenden und umzubauenden 
Magdeburger Hauptgleise mit 
dem Hauptgüterbahnhof Leip¬ 
zig verbunden sein. Die Ab¬ 
messungen des Rangierbahn¬ 
hofes Wahren mußten danach 
bestimmt werden, daß er die 
jetzt auf demBahnhofeLeutzsch 
und auf den Bahnhöfen Leip¬ 
zig-Thüringen und Magde¬ 
burg, sowie zumteil auf dem 
sächsischen Uebergabe-Bahn- 
hof notdürftigst sich abwick¬ 
elnden Rangiergeschäfte im 
vollen Umfange zu leisten im¬ 
stande ist und so den neuen 
Hauptgüterbahnhof vollständig entlastet, sowie dessen 
Herstellung und die Herstellung des Haupt-Personen¬ 
bahnhofes auf dem einzig gegebenen Bauplatz ermög¬ 
licht. Aus demselben Grunde, jedoch auch zum Zweck 
der Vereinfachung des Betriebes werden die Güterzug- 
Maschinen nebst den hierzu gehörigen Betriebswerk¬ 
stätten in Wahren vereinigt, auch das Umladegeschäit 
von Leutzsch und Leipzig und die sämtlichen Gleise 
zum Aufstellen von leeren Güterwagen dorthin verlegt.— 
c. Verbindungsbahn Wahren-Schönefeld- 
Heiterblick. Diese durchgreifende Entlastung des 
neuen Hauptgüterbahnhofes genügte trotzdem noch 
nicht, den hinsichtlich der Anlagen für den Güter¬ 
verkehr so dringenden Umbau desselben in zweck¬ 
entsprechender Weise zu ermöglichen. Es blieben 
noch die für den Güteraustausch zurzeit im Inneren 
der Stadt Leipzig zwischen den einzelnen Bahnhöfen 
unter sich und mit dem Uebergabe-Bahnhof bestehen¬ 
den Verbindungsstrecken nach außerhalb zu verlegen. 
Der Anfang hierzu liegt bereits in der erwähnten Ver¬ 
bindungsbahn Leutzsch-Wahren. Ihre Fortsetzung 
mußte sie in einer zweigleisigen Verbindungsbahn von 
Wahren über eine^neue Vorstation Mockau an der 

No. 9. 












































Berliner Linie nach dem auszubauenden Bahnhof Schö¬ 
nefeld an der Eilenburger Linie finden. Zum Zweck 
eines unmittelbaren Zugüberganges von Leutzsch nach 
Eilenburg, mit Umgehung vonWahren und Schönefeld, 
ist bei Wahren eine kurze Verbindungsstrecke und 
bei Schönefeld ein unmittelbarer Anschluß nach Heiter¬ 
blick in Aussicht genommen. Im übrigen schließt sich 
die Verbindungsbahn Wahren-Schönefeld-Heiterblick 
den neuen Einführungen der Magdeburger und Eilen¬ 
burger Linien genau an. Voraussichtlich werden an 
ihr in Großwiederitzsch und in Thekla Haltestellen 
errichtet. Zum Anschluß dieser neuen Gütergleise an 
das Netz der sächs. Staatsbahnen wird die sächsische 
Regierung eine Verbindungsbahn zwischen ihrem neuen 
Rangierbahnhof Engelsdorf an der Dresdener Linie 


und Schönefeld erbauen, Engelsdorf mit ihrem Bahn¬ 
hof Stötteritz an der neuen bayerischen Linie verbin¬ 
den, und von dieser Verbindung einen unmittelbaren 
Uebergang auf die Eilenburger Linie in Richtung 
Schönefeld schaffen. Nach Wegfall des alten Ueber- 
gabe-Bahnhofes, für den auch in seiner Eigenschaft 
als Sammelbahnhof auf preußischer Seite der Rangier- 
Bahnhof Wahren einen reichlichen Ersatz darstellen 
wird, findet dann die Güterübergabe zwischen Preußen 
und Sachsen im Osten zwischen Schönefeld und Engels¬ 
dorf, im Westen in Plagwitz-Lindenau an der Zeitzer 
Linie statt. Die beiden Bahnhöfe Plagwitz-Lindenau 
werden sowohl von preußischer als auch von sächsi¬ 
scher Seite bedeutend erweitert. — (Schluß folgt.) 


Der Brand des Iroquois-Theaters in Chicago und die notwendige Reform der modernen Bühne. 

Von Baurat Heinrich Seeling in Berlin. (Schluß aus No. 4.) 


Sch 


as in Preußen für „kleine Theater“ (bis zu 800 Zu¬ 
schauerplätzen) zulässige Maß der Bebauung auf 
einem Hintergelände zeigt das „Neue Theater“ am 
iffbauerdamm in*B,e[rlin, dessen Lageplan und 



Seitenfassade, und außerdem den Vorfahrteingang in der 
Längsachse des Hauses. Für das in den Ankleidezimmern 
und auf der Bühne beschäftigte Personal wurden, trotz der 
beiden massiven Treppen, unmittelbar von diesen Treppen 
und den Ankleidezimmern aus zugängliche, gut gesicherte 
Galerien und von diesen zu dem Hofgelände führende 
Treppen angelegt. Für die wenigen in den Ankleide¬ 
zimmern befindlichen Personen sind solche Galerien am 
Platze, nicht aber für Zuschauermengen. Die 

Das Neue Theater in Berlin. 

Architekt: Baurat Heinr. Seeling 

Anordnung der Galerie 
im re einseitigen Hofe 
ist Seite 54 vorgeführt. 
Sie ist einem Aufsatze 
entnommen, welchen 
der Regisseur des 
„Neuen Theaters“, Hr. 
Held,in No. 3 des,, Welt¬ 
spiegel“ dem Beiblatt 
des „Berl.Tagebl.“über 
dieSicherheits-Einrich- 
tüngen des Bühnen¬ 
hauses dieses Theaters 
veröffentlicht, aber 
ohne den Erbauer auch 
nur zu erwähnen. 

Neben diesen deutschen Beispielen sei der Grund¬ 
riß der neuen „Komischen Oper“ in Paris gegeben. 
Das Haus liegt bis auf die Rückwand frei. Das Zu¬ 
schauerhaus ist sehr geschickt angelegt, doch möchte ich 
auf den allen Rängen dienenden 4 Treppen in den 



Schiller-Theater in Chicago. Arcbitek'en: Adler & Sullivan. Maßstab 1:750. 

Bühnen-Nebentreppe gegeben seien. Auch bei Häusern dieser 4 Ecken der Umgänge keine Panik erleben. Kleiderab- 
kleinsten Abmessung werden Höfe von 9 ™ Breite zu lagen und Toiletten sind gänzlich unzureichend, 
beiden Seiten der Bühne für erforderlich erachtet. Das Für uns unglaublich gebaut sind die oft mit großem 
Publikum hat bequemste Zu- und Ausgänge an jeder Aufwand und in „feuersicherster“ Ausführung herge- 

30, Januar 1504, 


5 X 


























































































stellten neuen Theater Englands und Amerikas. Lebensge¬ 
fährlich ist im neuen Her Majesty’s Theater in 
London der Weg für die Besucher des Parkett, die über¬ 
haupt keinen Umgang haben, sondern „im Raum“ sich 
den schmalen Ausgängen zuschieben müssen. (S. 54.) Bei 
aller Eleganz und Feuersicherheit die reine Mausefalle! 
Aehnlich ängstlich ist’s im modern gebauten Mr. D’Oyly 
Carte’s New-Theater in London. (S. 54.) 

Was amerikanischer Erfindungsgeist, Wagemut und 
Ausnutzungsfindigkeit möglich machen, zeigt das „Audito¬ 
rium Buildin g“ in Chicago; genial entworfen und natür¬ 
lich „ganz feuersicher“ in Stahl und Stein durchgeführt, 
verursacht es beim Studium des Baugedankens aber doch 
etwas Gruseln. Ueber dem Vestibül (S. 55) liegen 9 Stock¬ 
werke für vermietete Bureaus. Ueber der 30 m hohen 
überwölbten Bühne liegen Gesinde-, Dienst- und Küchen¬ 
räume des sich an die Rückseite der Bühne anschließen¬ 
den Hotels, dessen Speisesaal im ro. Stockwerk allerdings 
einen herrlichen Ausblick auf den Michigansee gewähren 
muß. Aehnlich „ausgenutzt“ ist das „Schiller-Theater“ 
inChicago. (S.51.) Bei diesem völlig eingebauten Fronthaus 
steigen über dem Vestibül 16 Stockwerke .empor. Ueber 


Wir Deutschen und die stammverwandten Oesterreicher 
brauchen sicher diesmal uns nicht nach ausländischen Zu¬ 
ständen zu sehnen, wohl aber können wir mit Stolz unsere 
in Licht und Luft gebadeten neuen Theaterbauten zeigen. 
Meist haben auch unsere Zuschauerräume unmittelbares 
volles Tageslicht und damit Luft; allemal aber lassen Tür- 
und Fensteröffnungen doch mittelbar volles Tageslicht ein. 
Mit etwas gesundem Menschenverstand und nicht im 
Verhältnis zu einem Neubau stehenden Kosten lassen sich 
gänzlich luft- und lichtlose Häuser noch völlig modern ge¬ 
stalten. Im oben angeführten Kapitel über moderne Theater 
in „Baukunde des Architekten“ finden sich mein Vorschlag 
für die Umgestaltung derTreppen im Stadttheater zu Düssel¬ 
dorf, und der Umbau des Stadttheaters zu Aachen. Der 
letztere ist vollendet und die Bewohner Aachens wissen 
was sie hatten und was sie jetzt haben; ich denke, sie 
bereuen den Umbau, der etwa 650 000 M. verursacht hat, 
nicht. Der Vollendung entgegen geht der Umbau des 
herzogl. Theaters zu Braunschweig, dessen schmale licht¬ 
lose Umgänge, Treppen und feuergefährlichen Magazine 
dringend sprachen: es geht.nicht mehr! Innerhalb der 
gegebenen Umfassungen mußte zwar auf grandiose Entwick- 



Birliner Neubauten. No. 111. Das neue Herrenhaus des preuß. Landtages. Speisesaal der Präsidentenwohnung. 

Architekt: Geh. Baurat Fr. Schulze in Berlin. 


Bühne und Zuschau er raum wird es im „sechsten“ Stock 
wieder lebendig; bis zum 11. Stock sind 204 Office- 
Räume, 2 Läden und 1 großes Restaurant untergebracht. Im 
12. Stock liegen große Klubräume, im 13. Küche mit Neben¬ 
räumen. Vom 13. bis 17. Stock wächst der Wolkenkratzer 
allein in die Flöhe und zwar mit je 6 großen Zimmern. Das 
Schaubild zeigt bis zum ersten Hauptgesims die volle 
Grundstücks-Ausnutzung für die Zwecke des Theaters; 
dann beginnen die über Zuschauerraum und Bühne liegen¬ 
den Klub- und Geschäftsräume, bis schließlich der Wolken¬ 
kratzer das „Geschäft“ allein besorgt. In beiden an sich 
genial erfundenen Häusern zeigt der Grundriß, wie be¬ 
ängstigend lang im Raum und eingeschlossen zwischen 
fensterlosem Mauerwerk man verweilen muß, ehe 
man einen rettenden Ausgang erreichen kann. Diese 
Beispiele sagen mehr als W T orte. Außerdem geben wir 
die Ansicht des von den Architekten des Jroquoistheaters 
erbauten Illinoistheaters aus Chicago wieder, welches, 
eingequetscht zwischen Nachbarhäuser, an schmaler Gasse 
die Seitenfront des Zuschauerhauses mit eisernen Rettungs¬ 
treppen zeigt, die wir nur an einem alten Hause als 
Notbehelfe dulden würden. 


lung verzichtet werden, und in der Erscheinung der 
Treppen wird der „Umbau“ sich fühlbar machen, aber 
Luft, Licht und Platz sind reichlich geschaffenem neuen Zu¬ 
schauerraum können trotzdem über 1600 Zuschauer sitzen. 

Einen auch jetzt noch beachtenswerten Vorschlag zur 
Umgestaltung des Kgl. Schauspielhauses zu Berlin 
machte im Jahrg. 1888, No. 86 der „Deutschen Bauzeitung“ 
H. Ziller. Er hat zwar noch gemeinschaftliche Treppen 
für die Ränge angeordnet, aber die beiden Treppen lassen 
im gegebenen Raum sich ohne weiteres zu vier sich 
kreuzenden Treppen mit besonderen Zu- und Ausgängen 
ausgestalten; die Parkett-Treppen können bleiben und 
für den dritten Rang sind ebenfalls bequeme Möglich¬ 
keiten da. Das Vestibül nach Ziller’s Vorschlag würde 
jedenfalls Schinkels genialem Bau zur Zierde gereichen 
und den kellerartigen unteren Teil des Hauses wesentlich 
einladender gestalten. So ist mit Verständnis und etwas 
Resignation noch mancher alte Bau zu einem gesunden, 
modernen Organismus umzugestalten und den schier un¬ 
erschwinglichwerdenden Kosten eines Neubaues mindestens 
für einige Menschenalter, wenn nicht für länger, aus dem 
Wege zu gehen. — 


52 


No. 9, 


















Aber es sei einmal ganz abgesehen vom baulichen Kunststück an, das Kunstwerk zu erdrücken. Die 
Organismus des modernen Theaters. Ein anderer Punkt Künste der Maschinerie, der Dekoration und der Kostüme, 




gibt Veranlassung zum Nachdenken: es fängt auch auf die „Mache“ überfluten die keusch und feinsinnig geborene 
den der Pflege ernster Kunst gewidmeten Bühnen das Musik oder das gesprochene Wort. Es ist für ein ernstes 

30. Januar 1904, 


53 


Haupteingangshalle. Wandelhalle. 

Berliner Neubauten. No. lll. Das neue Herrenhaus des preußischen Landtages. Architekt: Geh. Baurat Fr. Schulze in Berlin. 






















Das Illinois-Theater in Chicago. Architekten: Wilson & Marshall. 

(Nach: The American Architect 1901.) 


Opera ccmique in Paris. 
Arch.: Louis BerJnier.J 


Mr. D’Oyly Carte’s 
Theater in London. 

Arch.: T. E. Colcutt j 

u. G. H. Holloway. TT .. . , , 

Her Majesty s Theater 

in London. 

Architekt: C. F. Phipps. 


Die eisernen Treppen des Bühnenhauses an der Aussenseite 
des Neuen Theaters in Berlin. 


weiter! Die Herstellung der Magazinräume soll beim 
Neubau des Kölner Stadtheaters 300 000 M. erfordert 
haben, die Bühnenmaschinerie einschl. der Bühnen¬ 
binder und Arbeitsgalerien 540 000 M. Für Dekorationen, 
gemalte und feste, sowie für Kostüme sind weitere 
Theater mit wechselndem Repertoir heute nicht entfernt mehr 580 000 M. ausgegeben worden. Dazu kommen noch 
möglich, mitzukommen. Wo sollen denn all’ die echten‘Deko- die Ausgaben für die Beleuchtung. Wände und Galerien 
rationen aufbewahrt werden, die jetzt zur Verwendung kommen, strotzen im Bühnenhause des modernen Theater von 
welche Unterkunftsräume werden nötig? Jetzt schon müssen elektrischen Leitungen, die einfachsten Verrichtungen 
einsichtige Künstler und Kunstpfleger sagen: so geht’s nicht werden elektrisch bewirkt. Aber ebenso wie ver- 


No. 9. 


54 

















































































































































































































30. Januar 1904. 


hältnismäßig bald erkannt wurde, daß die mechanische Direktion der Ober¬ 
maschinerie verfehlt und Handbetrieb; bequemer und einfacher sich ge¬ 
staltet, so wird man hoffentlich auch bald davon absehen, nicht mehr aas 
„Neueste“ haben zu wollen, um seiner Neuheit willen. Auch bei der 
kleineren, jetzt nur für Schauspiele, anfänglich auch für kleinere Opern 
berechneten Bühne des Frankfurter Schauspielhauses wurden schließlich 

i80 000 M. für 
die Bühnenma¬ 
schinerie einschl. 
Binder und Ga¬ 
lerien erforder¬ 
lich. Die Be¬ 
leuchtungs-Ein¬ 
richtungen der 
Bühne allein er¬ 
forderten weite¬ 
re 30000 M. und 
die Theater-Ge¬ 
sellschaft, eine 
Vereinigung | , 
kunstsinniger 
Bürger, welche 
den Betrieb der 
beiden städti- 
schenTheater in 
Frankfurt a. M. 
in die Hand 
genommen und 
auch die beiden 
künstlerischen 
Leiter als ihre 
Intendanten be¬ 
rufen hat und 
besoldet, sah sich 
veranlaßt, außer 
den übernom¬ 
menen Bestän¬ 
den des alten 
Schauspielhau¬ 
ses noch für sa¬ 
ge und schreibe 
450 000 M. ge¬ 
malte und feste 
Dekorationen so- 
wieKostüme an¬ 
zuschaffen. Es 
ist das eine sol¬ 
che Menge von 
Dekorationen, 
daß die am Hau¬ 
se geschaffenen, 
so reichlich als 
möglich bemes¬ 
senen Dekora¬ 
tionsräume sie 
nicht aufzuneh¬ 
men vermoch¬ 
ten, und daß ein 
anderweitiger 
Magazin-Schup¬ 
pen als Erwei¬ 
terung errichtet 
werden soll. Das 
unwillkürliche 
Bestreben aller: 
reichlich zu ha¬ 
ben, aber auch 
nichts umkom¬ 
men zu lassen, 
führt zu kaum 
übersehbaren 
Ausgestaltungen 
für die Zukunft. 

Vielleicht hat 
der jetzige un¬ 
erträgliche Zu¬ 
stand ein Gutes: 
Er bringt der 
ernsten darstel- 
lendenKunst den 
Nutzen, daß sie 
nicht mehr -r- 
abgesehen von 
den hier ausge¬ 
schalteten Hof¬ 
theatern — fast 
nur von einzel¬ 
nen Männern als 
Erwerbsquelle 

55 















































































































































































































































































































































































































































































































































gepflegt und benutzt werden wird, sondern daß Städte 
und kunstpflegende Gesellschaften Intendanten anstellen, 
dabei Zusehen, daß solche lebendiges Interesse behalten 
und daß im übrigen mit einem nicht zu hohen Zuschuß 
eine gute künstlerische Darstellung gewährleistet wird. 
Würde ein städtisches Intendantentum geschaffen, so 
könnte es den vereinten Bemühungen gelingen, eine 
Vereinfachung der Kunststück- und Effektmechanik so¬ 
wie der Ueberpracht der Ausstattung an Möbeln und Deko¬ 
rationen und dafür eine künstlerischere Darstellung ein¬ 
facherer Kunstwerke zu erzielen. Neben solchen in 
absolut modernem Sinne zu leitenden Stadttheatern mögen 
Berlin und andere Städte, mögen Landschafts- und Kunst¬ 
enthusiasten an herrlichen Stätten nach dem Vorbilde von 
Bayreuth und Oberammergau Festspielhäuser errichten, in 
denen von Zeit zu Zeit mit den besten Künstlern der Nation 
dem Volke in vollendetster Darstellung die Werke seiner 
großen Meister geboten werden, zunächst mit hohen und so¬ 
fort hinterher mit halben Preisen und zwarz.Z.derFerien. Ich 
glaube, daß auf diese Weise dem Wintergarten- und Apollo¬ 
theater-Publikum seine Freude gelassen, dem größten Teil 
unseres Volkes aber die Sammelpunkte für feineres inner¬ 
liches Genießen wiedergewonnen werden, die das gute 
Hoftheater und der gute Konzertsaal allein nicht sein 
können. 

Noch ehe die Mechanik und die Künstelei in Deko¬ 
ration und Kostümen so überhand genommen haben wie 
heute, haben einzelne ernste Männer von großer Bühnen¬ 
erfahrung die Vereinfachung der Vorführungen angestrebt, 
aber ohne daß mehr als interessante Versuche dabei heraus¬ 
gekommen sind. Die Frage ist schwer, sehr schwer und 
kann durch keine noch so ausgeklügelten mechanischen An¬ 
ordnungen, wie durch die Drehbühne oder Brandt’s aller¬ 
dings ohne Maße gemachten Vorschlag der Einrichtung von 
Nebenarbeitsbühnen und dergl. gelöst werden; sie ist aber 
so ungeheuer brennend, daß es wohl verlohnt, daß nicht 
nur der Einzelne, sondern eine Gesamtheit ersucht wird, 
an die Sache heranzutreten. 

Wie s. Zt. nach dem Ringtheaterbrand anläßlich der 
deutschen Hygiene-Ausstellung ein Preisausschreiben über 
die beste bauliche Gestaltung moderner Theater erlassen 
wurde, das — zunächst negativ — doch eine Klärung und 
Fingerzeige für den zu beschreitenden Weg gebracht hat, 
so sollte versucht werden, auch jetzt, anknüpfend an die 
Katastrophe von Chicago, ein Ausschreiben zur Erzielung 
der Vereinfachung der Szene, ohne ins Auge fallende Ver¬ 
nachlässigung der Darstellung an Zeit und Ort, zu er¬ 
möglichen. DerWunsch, daß Magistrate, praktische Bühnen¬ 
männer, Dichter und Komponisten von Bühnenerfahrung, 
Techniker und Architekten sich vereinigen mögen, wo 
Hülfe so dringend nötig ist, ist lebhaft und tief. So kann 
ein Weg gefunden werden, der wenn auch nicht unmittel¬ 
bar, so doch mittelbar zum Ziele und aus dem Ueber- 


Preisbewerbungen. 

Für den Neubau des hanseatischen Oberlandesgerichts- 
Gebäudes in Hamburg hat ein zweiter, engerer Wettbewerb 
unter den sieben, beim ersten Wettbewerb durch Preise 
oder durch Ankauf ihrer Entwürfe ausgezeichneten Archi¬ 
tekten, bezw. Architekten-Firmen stattgefunden. Allen Teil¬ 
nehmern an dem Wettbewerb war ein gleiches Honorar 
zugesichert, und dem Verfasser des besten Entwurfes die 
Ausführung des Baues, vorbehaltlich des Beschlusses der 
regierenden Behörden, in Aussicht gesteht. Das Preis¬ 
gericht, bestehend aus zwei Senatoren, dem Oberlandes¬ 
gerichtspräsidenten, dem Brt. F. Schwechten in Berlin 
und dem technischen Oberbeamten des Staats-Hochbau¬ 
wesens der drei Hansestädte hat den Entwurf der Hrn. 
Arch. Lundt & Kallmorgen zu Hamburg als den für 
die Ausführung empfehlenswertesten ausgewählt. — 


Personal-Nachrichten. 

Preußen. Dem Geh Brt. Koch, Prof, an der Techn. Hoch¬ 
schule in Berlin und dem Geh Reg.-Rat Arnold, Prof, an der 
Techn. Hochschule in Hannover, ist der Rote Adler-Orden III. Kl. 
mit der Schleife, — dem Reg -Btnstr. a. D Beukenberg, Gen.- 
Dir. des Hörder Bergw.- u. Hüttenvereins in Hörde der Char. als 
Brt. verliehen. 

Versetzt sind: Die Reg.- u. Brte. vom Dahl von Breslau 
nach Düsseldorf, Maas von Marienwerder nach Breslau, We r n e- 
burg von Trier nach Köln; der Landbauinsp. Brt. Jen de von 
Breslau nach Gumbinnen; die Kr.-Bauinsp Brte. Scher ler von 
Diepholz nach Beeskow und Cummerow von Perleberg nach 
Diepholz, die Kr.-Bauinsp. Paulsdorff von Labiau nach Perle¬ 
berg und Karl Lange von Beeskow nach Bromberg. 

Dem Reg - u. Brt. Herrmann in Göttingen ist die Stelle 
des Vorst, der Eisenb.-Werkst.-Insp. das. übertragen; der Eisenb.- 
Bau- u. Betr.-Insp. Schmitz in Hamburg ist unt. Versetzung nach 
Altona mit den Geschäften des Vorst, der Bauabt. Hamburg 6 be- 

56 


handnehmen des technischen und künstlerichen Komödian¬ 
tentums wieder zu gesunder, Herz und Sinne erfreuender 
Kunstübung führt. 

Die Errichtung eines den modernsten Ansprüchen 
an Heizung und Lüftung, Bühneneinrichtung, Beleuchtung 
und an Raumverhältnisse der Bühne und der Magazine 
entsprechenden Theaterneubaues für wechselndes Re- 
pertoir erfordert mit den weiter in Frage kommenden 
Bedingungen der Lage des Bauplatzes mit Rücksicht auf 
gesicherte Ein- und Ausgänge solche Opfer für das bloße 
Baugerippe, daß man als Architekt allen Mut verliert, die 
Mittel zu fordern, die nötig sind, dem komplizierten 
Organismus eine künstlerische Seele zu geben und ihn 
zur Würde eines der Pflege der Kunst gewidmeten Monu¬ 
mentalbaues zu erheben. Ich habe noch im Jahre 1900 
für die Stadt Nürnberg den Kostenanschlag für den jetzt 
im Rohbau vollendeten Stadttheater-Neubau aufgestellt. 
Auf Grund meiner damaligen Kenntnis der Dinge und an 
der Hand ausgearbeiteter Einzelpläne sowie von ersten 
Firmen der betr. Gebiete eingeholter Angebote setzte ich für 
die drei obengenannten besonderen Einrichtungen 78500]^ 
167 000 M., aber ausschl. Bühnenbinder und Galerien, und 
133500 M., zusammen 379000 M. ein. Es wurde be¬ 
schlossen, diese Einrichtungen nicht zu vergeben, sondern 
die Ergebnisse der neuen Bühnenbauten für Mannheim, 
Frankfurt a. M. und für Köln abzuwarten. Dies hatte nun 
folgendes Ergebnis gegenüber obigen Zahlen: 161 000 + 
257 000 -f- 261 800 = 659 800 M., ohne die wesentlich er¬ 
höhten baulichen Nebenarbeiten. 

Also ist es glücklich so gekommen, daß ich bei aller 
Gewissenhaftigkeit und trotz sehr beträchtlicher bei den 
Vergebungen der übrigenBauarbeiten erzielten Ersparnisse, 
auf Grund deren aber schließlich auch eine Reihe bau¬ 
licher Ausgestaltungen und Erweiterungen genehmigt 
wurden — jetzt eine Nachbewilligung von rund 400000 M. 
zur Vollendung des s. Z. auf rund 3250000 M. ver¬ 
anschlagten Hauses beantragen mußte. 

Der bauliche Organismus eines gesunden Theaterbaues, 
der an sich bereits in Foyerbau, Zuschauerraum mit 
Umgängen, Bühne mit Nebenbauten und endlich in der 
Rücklage der Bühne mit den Magazinen vier in kaum 
einer Höhenlage sich berührende Querschnitte mit eigen¬ 
artigsten Konstruktionen aufweist, wird durch seine mo¬ 
dernen Installationen bis zur Unerträglichkeit kompliziert 
und verdirbt auch dem Architekten, der sich als Bau¬ 
meister und nicht nur als Dekorateur fühlt, die Freude 
am Schaffen. Also Bauherr, Baumeister, Bühnenkünstler 
und Bühnentechniker müssen das lebhafteste Interesse 
haben, zu einfacheren Lebensbedingungen der 
Theater-Einrichtungen zu gelangen. Das kann 
kein Einzelner erzielen, sondern nur die ernste Arbeit 
Vieler. Dazu wäre der von mir oben angeregte, mit guten 
Preisen zu bedenkende Wettbewerb der erste Schritt. — 


traut; dem Eisenb.-Bau-u. Betr.-Insp. Merling sind die Geschäfte 
des Vorst, der Bauabt. Hamburg 1 übertragen. 

Der Eisenb.-Bauinsp. O. Müller in Elberfeld ist nach Gleiwitz 
versetzt behufs Einrichtung der das zu errichtend Lokomotiv-Werkst. 

Verliehen ist: Den Eisenb-Bau- u. Betr.-Insp. Schaeffer 
die Stelle eines Mitgl. der Kgl. Eisenb. - Dir. in Königsberg i. Pr., 
Cloos die Stelle eines Mitgl. der Kgl. Eis.-Dir. in Köln, v. Borries 
die Stelle des Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. 2 in Frankfurt a. M., 
Herzog die Stelle des Vorst, der Betr.-Insp. 2 in Thorn und 
We h d e die Stelle des Vorst, der Betr.-Insp. 1 in Bremen. 

Der Reg-Bmstr. a. D Jacobi ist unt. Ernennung zum Eisenb.- 
Bau- u. Betr.-Insp. in den Staatsdienst übernommen und der Kgl. 
Eisenb-Dir. Berlin überwiesen. 

Ernannt sind die Reg.-Bmstr: Benner in St. Joh. - Saar¬ 
brücken, Panthel in Neuss, B 1 e i s s in Heilsberg Olbrich in 
Beelitz, H ü 1 s n e r in Kattowitz, Z o c h e in Altona, Dorpmüller 
in St. Joh.-Saarbrücken, Karl Sarrazin in Kassel, Emil Jacob 
in Ilmenau, H. Sommer in Kassel und Delkeskamp in 
Koblenz zu Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp., — Rud Busse in Essen, 
Z i e h 1 in Berlin, B r e d e in Hannover und Ihlow in Erfurt zu 
Eisenb.-Bauinsp. 

Versetzt sind die Reg.-Bmstr : Harenberg von Tegel nach 
Rastenburg, Hey mann von Gollnow nach Königsberg i Pr., 
Linden von Schneidemühl nach Labiau, Schaeker von Halle 
nach Lohnau in O.-Schl, Bormann von Köpenick nach Neufahr¬ 
wasser und Wilh. Schmidt von Tapiau nach Hoya a W. 

Die Reg.-Bfhr. Fritz Finkeide aus Fi onhausen (Eisenbfch), 
— Bruno Denk aus Proekelwitz und Paul Hundsdörfer aus 
Eydtkuhnen (Masch.-Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. 

Inhalt : Umwandlung der preußischen und sächsischen Eisenbahn- 
Anlagen in und bei Leipzig (Fortsetzung). — Der Brand des Iroquois- 
Theaters in Chicago und die notwendige Reform der modernen Bühne 
(Schluß). — Berliner Neubauten. No. in. Das neue Herrenhaus des preußi¬ 
schen Landtages. — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. 

Hierzu eine Planbeilage: Der neue Hauptbahnhof in Leipzig. 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 

No. 9. 








| DEUTSCHE BAUZEITUNG § 

g XXXVIII. JAHRG. N 2 : 3 BERLIN, DEN 3. FEBR. 1904 § 

mummmmsi tarnt m a wik 



Zur Aufstellung eines Bismarck-Denkmals in Bremen.*) 


ie Erfahrungen der letzten Jahre haben besonders 
deutlich gelehrt, daß das Versagen der künstlerischen 
Wirkung so vieler Denkmäler eng -zusammenhängt 
mit dem Versagen des richtigen architektonischen Gefühls 
in der Art ihrer Aufstellung. Mit der Vorarbeit der Platz¬ 
wahl, die aus der Natur des Wettbewerbes heraus meist 
das Ergebnis eines Kommissions-Beschlusses bildet, wird 
ein gut Stück des künstlerischen Schicksals einer Denk¬ 
mal-Aufgabe bereits festgelegt. Darin mag man die Recht¬ 
fertigung sehen, wenn diese vorbereitende Frage uns hier, 
in einem Einzelfalle, beschäftigt. Die Frage, um die es 
sich handelt, dürfte symptomatische Bedeutung besitzen, 
denn es gibt viele deutsche Städte, in denen die Platzwahl 
für Denkmäler ebenso schwierig ist, wie in Bremen. 

Bremen steht in dieser Beziehung augenblicklich vor 
einer Entscheidung, die für die ganze eigenartige Phy¬ 
siognomie seiner inneren Stadt von größter Wichtigkeit 
ist. Es will ein Bismarck-Denkmal errichten und der 
Volksinstinkt verlangt, daß dieses in besonderem Sinne 
historische Denkmal sich dem historischen Stadtbilde, wie 
es sich um Dom und Rathaus herum gestaltet hat, ein¬ 
gliedert. Außerhalb dieser geschichtlich geweihten 
Platzgruppe im Herzen der Stadt gibt es in Bremen, be¬ 
sonders in den Wall-Anlagen, eine ganze Anzahl schöner 
Denkmalplätze, aber sie alle erscheinen gerade für ein 
Bismarck-Denkmal zu sehr ohne Vergangenheit; inner¬ 
halb jenes inneren Bezirkes wird die Wahl dagegen 
schwer, denn Gustav Adolf, Roland, Kaiser Wilhelm, der 
Wilhadi- und der Teichmann-Brunnen haben bereits die 
gegebenen natürlichen Denkmalplätze besetzt und die Ge¬ 
fahr der Ueberladung jenes Stadteindruckes mit Denk¬ 
mälern ist nicht klein; eine Stadt muß sie ebenso scheuen, 
wie eine edle Frau die Ueberladung mit Schmuckstücken. 

Wenn man im Herzen der Stadt die Platzmöglich- 


Anmerkung der Redaktion. Während sich dieser Aufsatz in der 
Vorbereitung zum Druck befand, erhielten wir die Nachricht, dass die Denk¬ 
mal-Kommission beschlossen habe, für die Stelle A des Domshof ein Hilfs¬ 
modell des beabsichtigten Denkmals aufstellen zu lassen und zur Beurtei¬ 
lung der Wirkung desselben die Hrn. Haller, Hildebrand, Schu¬ 
macher, Seidl und W a 11 o t zu berufen. Mehrere Stimmen der Kom¬ 
mission haben sich gegen den Domshof und für Plätze in den Wallanlagen 
ausgesprochen..— 


keiten an der Hand des umstehenden Planes überblickt, 
so gehört keine große Menschenkenntnis dazu, um voraus¬ 
zusagen, daß die öffentliche 'Meinung zunächst auf das 
stattliche freie Gelände verfallen wird, das der Domshof 
demTeichmann-Brunnen gegenüber noch frei läßt (Punkt A). 
Die Bremer klagen schon lange, daß der Domshof „kahl" 
erscheine; warum soll man diese Gelegenheit versäumen, 
um ihn zu „beleben“? Für denjenigen aber, der Platz¬ 
wirkungen kritisch beobachtet hat, unterliegt es wohl keinem 
Zweifel, daß der Domshof nicht deshalb kahl erscheint, 
weil nichts auf diesem Teil seiner Fläche steht, sondern 
weil bisher seine Gebäude in ihrem willkürlichen Durch¬ 
einander nicht zu den Platzverhältnissen paßten. Steht 
erst an Stelle des jetzigen Stadthauses ein geeigneter Neu¬ 
bau, so wird nach dieser Seite hin das Platzbild: Bremer 
Bank — Dom •—• Börse — Stadthaus den Eindruck der 
Kahlheit nicht mehr machen. Sehr bedenklich aber würde 
ein Denkmal-Aufbau in dieses Bild hineinschneiden. Ganz 
abgesehen davon, daß jedes hier am offenen Ende 
des Platzes stehende Denkmal inbezug auf sein künst¬ 
lerisches Gesicht herumdrehbar erscheinen muß, wird es 
stets unerfreulich vor einem Hintergründe „schwimmen“, 
mit dem es in keinem inneren Zusammenhang steht; da¬ 
durch aber, daß das neue Denkmal sich einerseits vor die 
Silhouette des Wilhadi - Brunnens, anderseits vor die des 
Teichmann - Brunnens projiziert, wird es vollends als ein 
unorganisch eingefügter „Steh—im—Wege“ erscheinen. 

Der Domshof konnte nur durch ein architektonisch 
wirkendes Kunstwerk an Stelle des Teichmann-Brunnens 
in seiner Stimmung beeinflußt werden; wie die Dinge 
jetzt liegen, bleibt als Mittel lediglich eine gärtnerisch¬ 
architektonische Behandlung übrig und nur das tote Platz¬ 
dreieck vor der Nordseite des Domes (D) gestattet auf diesem 
Platz noch die Aufstellung eines bescheidenen Denkmals. 

Dieses negative Ergebnis wäre recht betrübend, wenn 
dieser Platzgedanke die einzige Möglichkeit darstellte, die 
sich in jenen historischen Bezirken ergibt. Das ist aber 
nicht der Fall. Wenige Schritte vom Rathause entfernt 
liegt ein Platz, der noch völlig unausgebildet ist und für 
eine monumentale Denkmal - Anlage wie geschaffen er¬ 
scheint. Da seine Ausnutzung, dazu zwingt, vom üblichen 


57 




















Denkmaltypus abzuweichen, so glaubte der Verfasser die 
Wirkung, die diesem Platze abgewonnen werden kann, 
durch eine flüchtige Entwurfs-Skizze erläutern zu sollen, die 
über diesen Charakterhinauskeine Ansprüche machen will. 
Der Platz ist die architektonisch völlig ungegliederte mächtige 
Nordseite des Turmes der Liebfrauen-Kirche. (Punkt B). 

Seit etwa zwei Jahren besitzt Bremen ein neues Stadt¬ 
bild von feinstem Reize. Es wurde bloßgelegt, als man 
die Sögestraße, die Hauptader, welche den Fremden der 
inneren Stadt zuführt, zum Liebfrauen-Kirchhof hin durch- 


Lageplan. 


brach. Hier zeigt sich plötzlich'dem Kommenden bei Punkt C 
als erster Eindruck historischen Charakters in wundervoll 
abgetreppter Silhouette die ehrwürdig einfache Masse der 
Liebfrauen-Kirche, neben deren schiefem Turme man die 
Turmspitzen des Domes über’s Dach herüberschauen sieht. 


Dieses reizvolle Platzbild, welches trotz der Flut bremischer 
Stadtansichten noch niemals photographiert zu sein scheint, 
ist bisher sehr stiefmütterlich behandelt. Mit dem geplanten 
Denkmal könnte seine liebevolle Ausgestaltung beginnen. 

Aber nicht nur im Interesse des Platzes wäre diese 
Anlage, sondern auch im Interesse der Kirche, deren 
Gastfreundschaft das Denkmal beansprucht. Um die Kirche, 
die an dieser Seite nur provisorisch behandelt ist, würdig 
wieder herzustellen, sind nur ganz diskrete architektonische 
Ausbildungen nötig, ja erlaubt, denn jeder Reichtum in 
den eigentlichen Bauteilen des ehrwürdigen Werkes würde 
taktlos sein; wohl aber würde das Bauwerk an Stimmung 
sehr gewinnen, wenn ihm an hervorragender Stelle ein 
Kleinod reifster künstlerischer Durchbildung neu eingesetzt 
würde. Der ganze Bau würde edleres Leben bekommen. 

Schließlich aber die wichtigste Frage: es handelt sich nur 
mittelbar um dielnteressen einesPlatzes und einesBauwerkes, 
dieHauptsache ist das Interesse desDenkmalgedankens selbst. 
Dem Verfasser scheint gerade bei einem Bismarckdenkmal, 
das über die Persönlichkeit des Dargestellten hinaus ein 
Symbol für den patriotischen Gedanken schlechthin sein 
soll, sehr wichtig zu sein, daß schon die Form des Denkmals 
sich unterscheidet vom üblichen Denkmaltypus. Es scheint 
ferner wichtig, daß es verwächst mit einem Stück historischen 
Hintergrundes und dadurch von vornherein an Feier¬ 
lichkeit zunimmt. Solch’ ein Hintergrund kann für 
die freie Gestaltung einer künstlerischen Lösung auch 
sehr behindernd sein, wenn er einen zu ausgeprägten 
Charakter trägt. Hier ist es ein leeres Blatt, und den 
kargen, zwischen romanisch und gotisch schwanken¬ 
den Formen der Kirche würde sich ein Denkmalstil 
zwanglos einpassen, der, wie es die Aufgabe ver¬ 
langt, in ruhigen, ernsten Massen arbeitet und etwa 
an geeigneten Punkten die Lust zum Fabulieren in 
jener halb ornamentalen, märchenartigen Weise zur 
Geltung kommen läßt, wie sie das deutsche Wesen 
besonders im Mittelalter charakterisiert. *) Soweit 
ein Platz ein Denkmal zu beeinflussen vermag, 
würde deshalb dieser Standort gute Wirkungen 
haben können; er würde von vornherein eine ganze Anzahl 
der Charakterlosigkeiten unmöglich machen, die wir jetzt, 
nach der harten Denkmal-Schulung, die unsere Zeit hat 
durchmachen müssen, richtig zu erkennen beginnen. — 

Fritz Schumacher. 


Mitteilungen aus Vereinen. 

Arch.- und Ing.-Verein zu Hamburg. Vers, am 6. Nov. 
1903. Vors. Hr. Zimmermann. Anwes. 59 Pers. Auf¬ 
gen. die Hrn.: Dir. Jul. Geyl, Ziv. - Ing. Arnold Clamer, 
Ing. Arno Eglowski. 

Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten er¬ 
teilt der Vorsitzende das Wort Hrn. Merckel zu einem 
Vortrage über die Bewässerungs-Anlagen im alten 


und neuen Aegypten. In der Einleitung wies der 
Redner darauf hin, daß zwar durch den Scharf- und Spür¬ 
sinn der Gelehrten manche der vielen Fragen, die das 
alte Aegypten angeregt hat, ihre Beantwortung gefunden 
hätten, daß aber leider eine Anzahl Fragen, die gerade 


*) Der Verfasser hat sich in den ornamentalen Längsstreifen, die in 
seiner Skizze das Standbild begleiten, in freier Umdeutung des Dornröschen- 
Gedankens „Das Erwachen“ als Motiv der Darstellung vorgestellt. — 


Das Moderne in der Architektur der Neuzeit. 

(Festrede, gehalten von dem Geh. Reg.-Rat Prof. Johannes O tze n , 
ordentlichem Mitgliede und Senator der kgl. preuß. Akademie der 
Künste zu Berlin in der Festsitzung der Akademie zur Feier des 
Geburtstages Kaiser Wilhelms II. am 27. Jan. 1904). 

1 s die Festrede mit dem vorstehenden Titel ange¬ 
kündigt wurde, da waren die Erwartungen in drei¬ 
facher Hinsicht gespannt. Man war begierig zu hören, 
wie sich der Künstler Otzen zu dem Thema steilen würde, 
diese scharf umrissene, groß angelegte Gestalt, deren fach¬ 
liche Tätigkeit durchaus in der Vergangenheit wurzelt, da¬ 
bei aber ein so starkes Maß von künstlerischer Individualität 
erkennen läßt, daß der Meister als ein Alleinstehender und 
Alleinstrebender mit größtem Verdienste um die Baukunst 
der verflossenen drei Jahrzehnte betrachtet werden muß; 
man war ferner gespannt darauf, zu sehen, in welches 
Verhältnis der Senator Otzen zu dem Gegenstände der 
Festrede treten würde, das Mitglied jener hochangesehe¬ 
nen Körperschaft, die bisher mehr konservativen als fort¬ 
schrittlichen Tendenzen huldigen zu müssen glaubte und 
unseres Wissens als Körperschaft kaum mit größerer Tätig¬ 
keit in die künstlerische Bewegung unserer Tage einge¬ 
griffen hat; und die Erwartungen gingen endlich am höch¬ 
sten über die Frage: Wie wird sich der Festredner 
Otzen zu den Beziehungen stellen, welche das Reichs¬ 
oberhaupt, dem die Feier des Tages galt, zu dem Modernen 
in der Kunst unserer Tage unterhält? Es hat wohl unter 
den zahlreichen Zuhörern, welche den beredten Worten 
des Redners mit Andacht lauschten, nur wenige gegeben, 
welche nicht zu der Anerkennung bereit gewesen wären, 
daß Otzen sich allen drei Fragen gegenüber so unbefan¬ 
gen verhielt, als es einem Redner mit seiner Vergangen¬ 
heit, seinen künstlerischen Beziehungen und seiner amt- 

58 


liehen Stellung möglich ist, ja, daß er in mancher Be¬ 
ziehung die Erwartungen, die an seine Freimütigkeit ge¬ 
stellt wurden, übertroffen hat. Und das ist ihm allgemein 
hoch angerechnet worden. 

Die schwierigste Frage, die Verbindungsbrücke zu 
schlagen zwischen der Anerkennung, welche der Redner 
den guten und voraussichtlich dauernden Ergebnissen der 
modernen Bewegung zu zollen bereit war und zollen mußte, 
und dem fürstlichen Gegensätze zum Modernen in der bil¬ 
denden Kunst, über den uns fast jeder Tag eine tempera¬ 
mentvolle Aeußerung bringt, löste Otzen in der geistvollen 
Weise, durch welche die meisten seiner Aeußerungen 
ihren zwingenden Eindruck auf seine Zuhörer machen. Er 
griff zurück auf das im Altertum herrschende, so einfache, 
aber auch so einseitige Verhältnis zwischen König und 
Volk, um es in Gegensatz zu bringen zu dem immer ge¬ 
genseitiger gewordenen Verhältnis der wachsenden Kultur. 
Aus der Erfüllung des äußeren Schutzes und des äuße¬ 
ren Wohlergehens hat sich das Recht des Königs erweitert, 
dem Volke auch im geistigen und ethischen Leben För¬ 
derung und Wohlfahrt zu geben. Es waren aber nicht die 
nachsichtigen und milden Herrscher, es war nicht das 
Eingehen auf die augenblicklichen Strömungen des Volkes, 
welche den dauerndsten Segen gestiftet haben, sondern 
„wir müssen öfter den starken Gegensatz preisen, und 
die festen Charaktere und harten, aber zielbewußten Köpfe 
als die richtigen Führer und Lehrer anerkennen“. Wie 
ist es dem königlichen Pädagogen von Sanssouci „ver¬ 
dacht und angerechnet worden, daß er in seiner fein¬ 
fühligen Kenntnis der bereits künstlerisch ausgereiften 
französischen Kunst nicht mit vollem Enthusiasmus die 
erwachende deutsche Literatur begleitete und begünstigte, 
anstatt sich zurückhaltend und spröde abwehrend zu ver¬ 
halten.^ Wer will heute behaupten, daß es ein Segen für 

No. 10. 

























den Ingenieur besonders interessieren, bisher nicht mit 
Sicherheit hätten beantwortet werden können. Hierzu ge¬ 
höre in erster Linie die Frage des Mörissees. Redner gab 
über die Verhältnisse des Nil und der einzelnen Land¬ 
striche Erläuterungen, soweit solche für das vorliegende 
Thema von Bedeutung sind, ging sodann auf die Ent¬ 
wicklung der Bewässerungs-Verhältnisse ein, und schilderte, 
wie dieselben mit Notwendigkeit eine frühzeitige Aus¬ 
bildung des Staatswesens zurfolge haben mußten. Nur 
eine starke Zentralgewalt und keine Teilfürstentümer hätten 
sich in Aegypten ausbilden können. Er schilderte dann 
weiter, wie sich der Anbau zunächst auf dem linken und 
erst später am rechten Nilufer entwickelt hat, und führte 
aus, daß mit dem Anbau des rechten Ufers die Anlegung 
des Mörissees von manchen Kennern Aegyptens in Ver¬ 
bindung gebracht worden ist. Obgleich Her odot andern 
Gestade des Mörissees geweilt und Angaben über denselben 
hinterlassen habe, sei doch die Frage aufgeworfen worden, 
ob der See tatsächlich vorhanden gewesen sei und welchen 
Zwecken er gedient habe. Der Vortragende ging dann auf 
die Einzelheiten der Mörissee - Frage ein und führte die 
Namen derjenigen Personen an, welche sich in den letzten 
io Jahren vornehmlich mit diesem Gegenstände beschäftigt 
haben. Die Anschauungen von Jomard-Martin, Linant de 
Bellefonds und dem englischen Ing. Brown wurden ein¬ 
gehend dargelegt, auch die Einwendungen hervorgehoben, 
welche Schweinfurth im Einzelnen noch gegen die Ansichten 
Brown’s, die er im allgemeinen für zutreffend erachtet, geltend 
macht. Die neuere Zeit hat eine Aenderung des früheren 
Systems der Ueberstauung in Becken als erstrebenswert er¬ 
scheinen lassen, auch im Hinblick auf den Anbau von Baum¬ 
wolle und Zuckerrohr; es war die Frage zu entscheiden, ob 
man Staubecken in Anlehnung an den Mörissee, oder aber 
Sperrdämme anzulegen habe, um die natürlichen Ver¬ 
hältnisse des alten Landes den neuen Bedingungen des 
Anbaues anzupassen. Die Frage sei nach eingehender 
Untersuchung zugunsten der Sperrdämme entschieden 
worden. Es wurde vom Redner die Geschichte des ersten 
bereits älteren Sperrdammes, der Barrage du Nil, mitge¬ 
teilt und dann eine Beschreibung der neuen von den Eng¬ 
ländern geschaffenen Werke, des Auslasses von Koschescha 
und der Dämme von Assiut und Assuan unter Vorführung 
von Lichtbildern gegeben. Der Vortragende betonte, daß 
angesichts dieser Leistungen allerdings die englischen 
Kollegen Ursache hätten, auf das Erreichte stolz zu sein. 
Zum Schluß erwähnte Redner die bereits vorliegende 
Absicht einer weiteren Nutzbarmachung der Wasser¬ 
mengen der Nilseen. — jq m 


Vermischtes. 

Die Eggert-Decke. InNo. 8 der „D.Bztg.“ v.27. Jan. d.J. 
sind in der Besprechung der Egge rt-DeckeZweifeldarüber 
geäußert worden, ob die Umbiegungen und Ankerplatten 


der eigentümlichen bei derKonstruktion angewandten Eisen¬ 
stäbe genügend stark seien, um die volle Spannungsüber¬ 
tragung allein zu sichern. Diese Frage ist durchaus theo¬ 
retischer Art; für die Praxis aber ist durch die Ergebnisse 
von über 20 Belastungsversuchen mit zumteil sehr weit, 
bis zu io m , gespannten Probestücken der Eggert-Decke 
die Richtigkeit der Anordnung erwiesen; denn die End¬ 
befestigungen sind stets unverändert geblieben, wiewohl 
eine rechnerische Beanspruchung des Eisenquerschnittes 
bis zur Bruchgrenze stattgefunden hatte. 

Die Auffassung ferner, daß der Erfinder bei leichteren 
Konstruktionen auf einen größeren Sicherheitsgrad dadurch 
verzichte, daß er den unteren Teil der Decke und auch 
den weniger gedrückten Teil nicht mehr aus Stampfbeton, 
sondern aus Schlackenbeton oder porösen Ziegeln her¬ 
stellt, und damit eine Verbilligung der Decke erziele, ist 
willkürlich; denn einerseits wird der Sicherheitsgrad der 
Decke dadurch nicht vermindert, und anderseits werden 
Decken dieser Art bei kleineren Spannweiten um ein Ge¬ 
ringes teurer, als reine Betondecken. Die höheren Bau¬ 
kosten werden lediglich deshalb aufgewendet, weil dadurch 
wesentliche bauliche Vorzüge erreicht werden, namentlich 
eine Deckenfläche aus Ziegelsteinen, an welcher der Putz 
besser als an einer Betonfläche haftet, und welche den 
Schall weniger überträgt. Die Anwendung einer Schicht 
aus porösen Ziegelsteinen ist daher bei allen besseren 
Ausführungen des Hochbaues zu empfehlen. — 

Eggert, Geh. Ob.-Brt. 

Vorstehende Ausführungen treffen unseres Erachtens 
nicht den Kernpunkt der Frage. Das günstige Verhalten 
der Decke bei den Probebelastungen beweist keineswegs, 
daß durch die aufgelegten Eisenenden bezw. Auflager¬ 
platten die Spannungsübertragung auch nur vorwiegend 
gesichert wird, oderdaßgar für die Standfestigkeit der Eggert- 
Decke die Adhäsion — wie Erfinder an anderer Stelle aus¬ 
geführt hat— garnicht in Anspruch genommen werde. Wir 
legen der Wirkung der Adhäsion vielmehr ganz besonders 
Gewicht bei und betrachten die umgelegten Enden und 
Platten nur als ein Mittel zur Erhöhung der Sicherheit. 
Bei den aus porösen Ziegeln in der unteren Zone her¬ 
gestellten Decke wird auf die Adhäsion dagegen nur in ge¬ 
ringerem Maße zu rechnen sein, daher betrachten wir diese 
als eine Ausführung mit geringerem Sicherheitsgrad, als 
wenn die ganze Decke in Stampfbeton hergestellt wäre. 

Wir erhalten übrigens gleichzeitig die Mitteilung, daß 
die Eggert-Decken im Rathaus zu Hannover von der Unter¬ 
nehmung für Beton- und Eisenbetonbau H. Schacht & Ko. 
in Hannover ausgeführt wurden. — 

Mit der 18. Wanderausstellung der Deutschen Land¬ 
wirtschafts - Gesellschaft zu Danzig vom 9.—14. Juni 1904 
sollen wiederum Gegenstände des landwirtschaftlichen 
Bauwesens zur Vorführung gelangen. — 


die Entwicklung des Baumes unserer Kunst und Literatur 
gewesen wäre, wenn Friedrich der Große die junge Pflanze 
durch ein Uebermaß von Sonnenschein und Regen zu einer 
Treibhausblüte gefördert hätte, anstatt sie in der kräfti¬ 
genden Luft seines königlichen Widerspruches zu einem 
selbständigen deutschen Eichbaum erwachsen zu 
lassen?“ Das, was gesund, was zukunftsreich an der 
modernen Architektur sei, werde dem König dereinst dan¬ 
ken, daß er in „unseren künstlerisch so schwierigen Tagen“ 
durch sein Verhalten Anlaß zur „Notwendigkeit ernster 
Prüfung und innerlicher Sammlung“ gegeben habe. Was 
würde aus der künstlerischen Bewegung unserer Zeit für 
ein ungesundes Gewächs entstehen, „wenn ihr von könig¬ 
licher Huld anstatt eines gesunden Widerstandes eine 
ungesunde, ms Bodenlose führende Förderung zuteil 
würde“. Vermutlich werden die Vertreter der modernen 
Kunst trotz Schiller nicht ganz einverstanden mit dieser 
Begründung sein, aber sie ist gewandt, sie ist geistvoll, 
ohne Zweifel. 

Und nun wollen wir über den materiellen Inhalt seines 
Vortrages den Redner im Auszuge selbst sprechen lassen. 

„Um die Bewegung auf dem Gebiet der sogenannten 
modernen Architektur unserer Tage in ihren Ursachen zu 
verstehen, muß man sich wenigstens kurz mit der letzten 
Vergangenheit beschäftigen. 

Die Geschichte der historischen Stilperioden ist heute 
ein Gut der allgemeinen Bildung geworden. Sie ist dies 
besonders dadurch geworden, daß wir im vergangenen, 
dem 19. Jahrhundert, eine große Repetierübung haben 
durchmachen müssen, welche uns mit den architektonischen 
Erscheinungen und der Formenwelt der griechischen und 
römischen Zeit, des Mittelalters, der deutschen, italienischen 
französischen Renaissance, des Barock und ;des Rokoko 
durch Augenschein vertraut gemacht hat. JEs ist wohl kein 

3. Februar 1904. 


Zufall, daß ein ähnlicher Vorgang in der Geschichte der 
Frauenkleidung sich im 19. Jahrhundert abspielt, indem 
uns in demselben die ganze Vergangenheit — von der 
Antike durch Mittelalter und Reifrock, durch kokette 
Barock-Motive bis zum heutigen modernen Reformkleide 
— vorgeführt ist. 

Diese hochinteressante, in keinem früheren Jahrhundert 
vorhandene Erscheinung ging in der Architektur hervor 
aus der Uebersättigung und aus der Erschöpfung der letzten 
Phasen des Rokoko, um zunächst einer kolossalen Ernüchte¬ 
rung, einer fast formlosen und gesinnungslosen Kunst der 
sogenannten Biedermeierzeit zu weichen und sodann 
an einem gründlichen Studium und einer sorgfältigen 
Messung der bis dahin recht oberflächlich bekannten Antike, 
den Impuls zu holen zu einer neuen modernen Antike 
Schinkel und Bötticher in Berlin, Leo v.Klenze in München, 
Hansen in Kopenhagen u. a. waren die Hauptführer dieser 
Bewegung, die zum Teil in strengen Nachbildungen 
antiker Werke, zum Teil in hochinteressanten modernen 
Limschöpfungen der alten Kunst, wie zum Beispiel das 
Berliner Schauspielhaus, sich betätigten. In dieser moder¬ 
nen und antiken Renaissance ist ein Vorgang merkwürdig. 
Im allgemeinen folgen in der Geschichte der bildenden 
Künste Mobiliar, Gerät und Kleidung der führenden Archi¬ 
tektur, in diesem Falle war es anders. Die klassische 
Literaturbewegung der Zeiten Herders und Goethes, und 
wohl noch unmittelbarer die zur Antike zurückkehrenden 
französischen Malerschulen vom Ende des 18. Jahrhunderts 
fanden zunächst in der Kleinkunst des Gerätes und der 
Kleidung (in dem sogenannten Empire) bildlichen Aus¬ 
druck, und es bedurfte längerer Zeit und der angedeuteten 
neuen Grundlagen, um auch die große monumentale Archi¬ 
tektur in diese Bewegung hineinzuziehen. 

Wie in der Literatur des 18. Jahrhunderts neben und 

59 




Eine Ehrentafel zum Gedächtnis Wilhelm Böckmanns 
im Motivhause in Charlottenburg, durch den Bildhauer 
Hermann Hosaeus modelliert und in Bronze gegossen, 
wurde in diesen Tagen enthüllt. — 

- Preisbewerbungen. 

Wettbewerb Universitätsgebäude Jena. Der mit dem 
I. Preise ausgezeichnete Entwurf des Hrn. Prof. Theod. 
Fischer in Stuttgart gelangt zur Ausführung. Die gleich 
im vollen Umfange zu errichtenden Gebäude sollen bis 
zum Jubiläum der Universität, 1908, vollendet sein. 

Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Der Mar.-Schiffbmstr. Hölzer mann ist 
zum Mar.-Brt. für Schiffbau ernannt und dem Ziviling. Encke in 
Kiel ist der Char. als Bit. verliehen. 

Bayern. Verliehen ist: Dem Reg -Dir. R i e s , Abt.-Vorst. 
bei der Gen.-Dir. der Staatseisenb. und dem Eisenb.-Betr. - Dir. 
Hennch in Nürnberg die III. Kl. des Verdienst-Ordens vom hl. 
Michael; — den Reg-Räten Knorr in Würzburg, Frobenius 
in Regensburg und As h ton bei der Gen.-Dir. der Staatseisenb., 
dem Ob.-Masch.-Insp Hackel mann in Würzburg, dem Ob.- 
Postrat ä. O. mit dem Titel u Rang eines Ob -Reg.-Rates Bredauer 
bet der Gen -Dir. der Posten und Telegraphen und dem Postrat 
Merckel in Speyer die IV. Kl. desselben Ordens 

Den Gen -Dir.-Räten We ika rd bei der Gen.-Dir. und Jäger 
in Augsburg ist der Tit. u. Rang eines Ob.-Reg.-Rates, den Ob.- 
Bauinsp. Heintz in Würzburg, Quinat in Nürnberg, Frhr. 
v. Feilitzsch in Bayreuth, Zahn in Salzburg und Beutel bei 
der Gen-Dir. ist der Tit. und Rang eines Reg-Rates verliehen. 

Preußen. Dem Mel.-Bauinsp. Arndt in Oppeln ist der Rote 
Adler-Orden IV. Kl,dem Dir der städt. Kanalis.-Werke Wan novius 
in Breslau und dem Stadtbfhr. Schmidt in Osnabrück ist der 
Kgl. Kronen-Orden IV. Kl. verliehen. 

Der vortr. Rat im Minist der öffentl. Arb., Geh Bi t. H o s s f e 1 d 
ist z. Geh. Ob.-Brt. ernannt. 

Die Wahl des Reg.- u. Brts. Zschirnt in Frankfurt a. M. 
als besold. Beigeordneter der Stadt Köln für die gesetzl. Amtsdauer 
von 12 Jahren ist bestätigt worden. 

Der Reg.- u. Brt Glasenapp der Kais. Botschaft in Washington 
zugeteilt, ist als Hilfsarb. bei den Eisenb.-Abt. in das Minist, der 
öffentl. Arb. kommittiert. 

Dem Eisenb. - Bauinsp. v. Sturmfeder ist die Stelle des 
Vorst, der Eisenb. - Masch. - Insp. 1 in Kassel verliehen. — Der 
Eisenb.-Bauinsp. Guillery in Köln ist mit der Wahrnehmung der 
Geschäfte des Vorst, einer Werkst. - Insp. bei der Eisenb. - Haupt¬ 
werkst. Köln-Nippes beauftragt 

Der Eisenb.-Bau- u Betr.-Insp. Sittard in Danzig ist als 
Vorst der Eisenb.-Bauabt nach Lauenburg i. P. versetzt. 

Der Reg.-Bmstr. Schwarzer in Altona ist z. Eisenb.-Bau¬ 
insp. ernannt. 

Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr.: W. Biel 
der Kgl Reg. in Bromberg, _W. Henschke dem Kgl. Poliz- 


nach den großen Klassikern die Romantiker die Fahne ent¬ 
rollten, so in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die 
Romantiker in der Architektur. Auch hier gab es Nach¬ 
bildungen und Wiederherstellungen aller großen Werke 
des Mittelalters, und auch hier Anfänge von schöpferi¬ 
schen Taten, die namentlich in kirchlicher Kunst das 
ganze Jahrhundert beherrschen. Auch hier gab eine Vor¬ 
geschichte warmherziger, aber unklarer Bestrebungen 
mangelhafte Kenntnis des Alten, mangelhaftes Sehen und 
Erfassen der quasi neu entdeckten Formenwelt, und auch 
hier erfolgte durch mustergültige Aufnahmen und Publi¬ 
kationen ein allmähliches Eindringen in den wirklichen 
Geist der mittelalterlichen Formensprache. 

Gingen in beiden Richtungen, der antiken und der 
romanischen Architektur, die besten Meister den Weg 
schöpferischer Taten aufgrund der alten Motive und neuer 
moderner Lebensbedingungen mit einer gewissen Not¬ 
wendigkeit, so konnte es nicht ausbleiben, daß die edel¬ 
sten Produkte deutscher, italienischer und französischer 
Renaissance umsomehr Anhänger fanden, als die alten 
Werke dieser Kunst dem modernen Leben unendlich näher 
standen, wie die der Antike und des Mittelalters und 
fast unmittelbar auf die baulichen Bedürfnisse der neuen 
Zeit anzuwenden waren. Trotzdem war eine gewisse 
Umbildung und Befreiung auch hier nicht zu vermeiden; 
Palastmotive wurden zu Banken und Mietkasernen um¬ 
geschaffen und die Antike zur Hilfe gerufen, um mit der 
Formenwelt der Renaissance moderne Theater, Museen 
und Ruhmeshallen zu schaffen. Was hierbei an wirklich 
schöpferischen Taten geleistet wurde, wie sehr diese auf 
historischem Boden erwachsenen neuen Aufgaben einen 
neuen Geist schufen, der die Zeit sehr charakteristisch 
wiederspiegelt, das zeigt ein Blick in die Entwicklung 
unserer Großstädte in den letzten 30 bis 40 Jahren. 

Bis zu dieser Grenze bleibt das Bild der Entwicklung 
der Architektur im 19. Jahrhundert, ein nach Schulen ge¬ 
gliedertes, ziemlich klar und übersichtlich, dann aber tritt 
ein Umschwung ein, den man einerseits auf die vervoll- 
kommneten Mittel der Publikation, dann aber auch auf er- 


Präs. in Berlin, Fel. Krüger der Kgl. Reg. in Breslau, Bern!]. 
Lehmann der Kgl. Reg. in Potsdam, Alb. Niemann der Kgl. 
Ansiedlungs-Komm in Posen, Ad. Seidel der Kgl. Reg. in Wies¬ 
baden, Frhr. v. Tettau dem Techn. Bür. der Hochb. - Abt. des 
Minist, der öffentl Arb. und W. Riepe der Kgl. Reg. in Merseburg. 

Der Reg.-Bmstr. Alfr. Müller in Wilhelmshaven ist der Kgl. 
Eisenb-Dir. in Frankfurt a. M. zur Beschäftigung überwiesen. 

Dem Reg.- u. Brt. Zschirnt in Köln und den Reg.-Bmstrn. 
AI. Heyne in Berlin und Meckelburg in Charlottenburg ist 
die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienst erteilt. 

Der Ing. Dr. v. H ef ner - Alt e'n ec k in Berlin ist gestorben. 

Württemberg. Dem Arch. Karl Hengerer in Stuttgart 
ist der Tit. u. Rang eines Brts. verliehen. 

Brief- und Fragekasten. 

Hrn. F. H. in Düsseldorf. Kein Reichs- oder Landesgesetz 
verpflichtet den Bauherrn, den in Ausführung begriffenen Bau oder 
den Rohbau gegen Brandschaden zu versichern, sodaß es im freien 
Belieben der Bauherren steht, solches zu tun oder zu unterlassen. 
Nun ist das Interesse der Bauunternehmer größer, als das des Bau¬ 
herrn , sich gegen Feuerschäden zu sichern. Denn nach B. G.-B. 
§ 644 trägt der Unternehmer (Werkmeister) die Gefahr bis zur Ab¬ 
nahme des Werkes. Es ist deshalb üblich, daß die Rohbau-Ver¬ 
sicherung von den Werkmeistern genommen wird. Bisweilen wird 
in Bauverträgen ausbedungen, daß der Bauherr die Prämie zurück¬ 
zuvergüten hat oder es wird in Bauanschlägen ein Betrag eingesetzt, 
welcher zur Deckung der Versicherungsprämie ausreicht. Will sich 
also der Bauunternehmer gegen die Gefahr aus Brandschäden, 
welche den Rohbau treffen könnten, schützen, so hat er entweder 
auf eigenen Namen sich zu versichern oder auf Ausbedingen einer 
Verpflichtung des Bauherrn hinzuwirken, daß dieser eine Rohbau- 
Versicherung abschließt. In einem solchen Falle kann er natürlich 
auch veranlassen, daß die Versicherung in genügender Höhe er¬ 
folgt, und daß die Versicherungssumme unbekümmert darum zu 
zahlen ist, ob der Bauherr seinen Zahlungs-Verpflichtungen gegen 
den Werkmeister bereits genügt hat oder mit Zahlungen noch im 
Verzüge ist. Fälle der Art, wie sie Ihr Beispiel ausführt, dürften er¬ 
fahrungsgemäß nur vereinzelt dastehen und sind durch sachgemäße 
Bestimmungen im Bauvertrag leicht zu vermeiden. — K. H-e. 

Hrn. Arch. O. R. in K. Wir würden Ihnen überhaupt nicht 
zu einer Blechverkleidung raten, sondern eine Schindel- oder 
Schieferverkleidung annebmen, wenn Sie nicht eine einfache Bretter¬ 
verkleidung mit senkrechten Fugenleisten vorziehen sollten. — 

Anfragen an den Leserkreis. 

Wer fabriziert Helios-Winkel? Ist die Fabrikation dieser Win¬ 
kel mit Musterschutz belegt? Woraus besteht Helios. — 

B & H in H. 

Inhalt: Die Aufstellung eines Bismarck-Denkmals in Bremen. — Mit¬ 
teilungen aus.Vereinen. — Das Moderne in der Architektur der Neuzeit.-— 
Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und 
Fragekasten. 


Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwort!. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 


höhte Sucht nach Betätigung des gesteigerten Reichtums, 
auf Lebensgenuß und in den besten Erscheinungen auf das 
Bedürfnis nach einer reicheren und persönlicheren Formen¬ 
sprache oder auf Rechnung der Anlehnung an bestimmte 
große Vorbilder setzen muß. Sämtliche historischen Stile 
und Stilübergänge bis zu den Ausklängen des Rokoko 
wurden wieder lebendig und je nach den Fähigkeiten der 
schaffenden Baumeister ergaben sich bloßeEntlehnungen und 
Anlehnungen, oder in gewissem Sinne auch schöpferische 
Taten. Nur eine Tatsache unterscheidet diese letzte Periode 
des Eklektizismus von den früheren, sie hatte Vorbilder 
von einer so sehr das Persönliche, das Subjektive be¬ 
tonenden, das architektonisch Gesetzliche vernachlässigen¬ 
den Kraft, daß schon das Nachschaffen echt im Geiste der 
Vorfahren mehr als schwierig, ein Weiterschreiten, ein 
Entwickeln noch übrig gebliebener fruchtbarer Keime — 
fast unmöglich oder doch nur von dem größten und ein¬ 
seitigsten Talent zu erwarten war. 

Um dies zu verstehen, muß man das Schaffen der 
alten vorbildlichen Meister dieser Perioden studieren. Man 
muß erkennen, wie sie meist mehr Bildhauer als Archi¬ 
tekten waren, wie sie nicht eklektisch wie ihre modernen 
Nachfolger schufen, sondern voll und ganz aus dem Geiste 
ihrer Zeit heraus, unbekannt mit der Notwendigkeit, des 
lieben Brotes wegen heute auf Bestellung Mittelalter, morgen 
Renaissance oder Barock zu liefern oder gar einem der 
größten Bildhauer-Architekten der Vorzeit gleich zu kom¬ 
men und ihn natürlich, wenn möglich, zu übertreffen hatten. 

Ich habe Sie bitten müssen, mir auf dieser historischen 
Skizze zu folgen, weil sie mir die Grundlage geben muß, 
den Versuch zu machen, die heutige, so viel begeistert 
gepriesene und so viel mit Ernst bekämpfte moderne Zeit 
in ihren Architekturwerken zu verstehen. Ich stehe 
hier an einer Stelle, welche die parteiische Kritik aus¬ 
schließt; ich will, so gut es mitten in einer bestehenden 
Bewegung möglich ist, die Regungen der Kunstseele einer 
auf alle Fälle hochinteressanten und vielleicht tief ein¬ 
schneidenden neuen Zeit zu schildern versuchen.“ — 

(Schluß folgt.) 

No. 10. 


60 



















































ERWALTUNGS-GE- 

BÄUDE * * * 





































DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N» n. BERLIN, DEN 6. FEBR. 1904 


Die Arbeiterheilstätten der Landes-Versicherungsanstalt Berlin bei Beelitz. 

Schmieden & Boethke in Berlin. (Hierzu eine Doppel - Bildbeilage sowie die Grundrisse auf Seite 64.) 


Architekten: 


I. Allgemeines. 

nter den zahlreichen baulichen Unter¬ 
nehmungen derLandesversicherungs- 
Anstalt Berlin auf dem Gebiete der 
Arbeiter-Wohlfahrtspflege(Invaliden- 
haus für Schwindsüchtige und Heil¬ 
stätte für Geschlechtskranke in Lich¬ 
tenberg bei Berlin, Zentral-Arbeits- 
nachweis-Gebäude in Berlin, Sana¬ 
torium in Gütergotz, Heilstätten bei 
Beelitz) sind die Arbeiterheilstätten bei Beelitz viel¬ 
leicht die bedeutendsten und umfangreichsten, die von 
einer Stelle aus für die Zwecke der Arbeiterwohlfahrt 
errichtet wurden und nach Anlage, wie nach Einrichtung 
und Ausstattung ohne Einschränkung als eine Muster¬ 
anlage zu bezeichnen. Das sind diese Heilstätten 
geworden dank der umsichtigen, im höchsten Grade 
erfolgreichen und von großen Gesichtspunkten ge¬ 
leiteten Tätigkeit des Vorsitzenden des Vorstandes 
der Landes-Versicherungs-Anstalt Berlin, des Hrn. 


Dr. jur. Richard Freund, und dank der reichen 
und vielseitigen Erfahrungen, welche die Architekten, 
Geh. Brt. Heino Schmieden und Reg.-Baumeister 
J. Boethke in den Dienst dieser vornehmen sozialpoli¬ 
tischen Aufgabe stellen konnten. 

Nachdem ein auf dem der Stadt Berlin gehörigen 
GuteGütergotz errichtetes Sanatorium dieNot wendi^keit 
dargetan hatte, für die Versicherten derLandesversiche- 
rungsanstalt Berlin zum Zwecke der Heilung nicht an¬ 
steckender, chronisch verlaufender Krankheiten eigene 
Gebäude zu errichten und nachdem für die immer 
zahlreicher gewordenen Lungenkranken, die in frem¬ 
den Heilstätten untergebracht werden mußten, die Er¬ 
bauung eigener Heilstätten nicht mehr zu umgehen war, 
entschloß sich die Anstalt, 4 Heilstätten zu errichten 
und dieselben aus finanziellen sowie verwaltungstech¬ 
nischen Rücksichten auf einem Gelände zu vereinigen, 
und zwar je ein Sanatorium und eine Lungenheilstätte 
für männliche und für weibliche Versicherte. Die Be¬ 
mühungen nach einem geeigneten Gelände waren vor 





























































Lungenheilstätte firMänner y 

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Sanatorium für Männer. 

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itorium 

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nM) 


allem darauf gerichtet, eine völlige Sonderung einer¬ 
seits der Tuberkulösen von den anderen Kranken, 
anderseits der Männer von den Frauen herbeizuführen. 
Ein diesen Eigenschaften entsprechendes, zugleich Vor¬ 
züge des Bodens, der allgemeinen sanitären Lage und 
der Wasserbeschaffung aufweisendes Gelände wurde 
bei Beelitz in der Mark gefunden. Es wird einerseits 
durch die Eisenbahn, anderseits durch die Chaussee, 
wie der Lageplan zeigt, derart in 4 inhaltlich nicht 
zu stark von einander abweichende Teile zer- 
schnitten, daß die gewünschte Absonderung 
leichtester Weise bewerkstelligt werden 
konnte. Das Gelände wurde am 9. Mai 
1898 in Besitz genommen, im Juni der 
Entwurf in seinen großen Zügen geneh¬ 
migt und bereits im Herbste des gleichen 
Jahres mit dem Bau begonnen. Dieser 
wurde so schnell gefördert, daß schon am 
2 Mai 1902 die erste Abteilung, das Sana¬ 
torium für Männer, eröffnet werden konnte, 
welchem die anderen Abteilungen bald 
folgten, sodaß die Anstalt heute, abge¬ 
sehen von den für spätere Jahre vorbehaltenen 
Ergänzungsbauten, in ihrem vollen Umfange im 
Betrieb ist. Der ursprüngliche Entwurf erfuhr 
noch während des Baues durchgreifende Aende- 
rungen; es wurde anstelle des großen Badeflügels 
im Sanatorium-Pavillon für Männer die Errichtung 
eines besonderen großen Badehauses beschlossen, 
welches auch dem Frauen-Sanatorium zugänglich 
sein sollte; es wurden ferner die besonderen Heizan¬ 
lagen in den einzelnen Gebäuden fallen gelassen und 
an ihrer Stelle ein großes Fernheizwerk angelegt, und 


kommen. Dieser Teilbetrag wird sich jedoch nach dem 
völligen Ausbau der Anstalt bedeutend verringern. — 

(Fortsetzung folgt.) 


es wurden endlich noch eine Kapelle sowie massive 
Kegelbahnen errichtet. Die Gesamtkosten der An¬ 
lage betrugen rd. 9 Mill. M , sodaß 15000 M. auf 1 Bett 


1.1 


a. a. Pavillon des Sanatoriums. 

b. b. Pavillon für Lungenkranke, 
c. Badehaus. 

d. d. Liege- und Wandelhallen. 

e. e. Werkstätten-Gebäude. 
f. f. Beamtenhäuser (noch nicht gebaut). 

g. Desinfektions-, Obduktions- und 
Verbrennungshaus. 

h. Verwaltungsgebäude. 

i. Kessel- u. Maschinenhäuser mit Wasserturm, 
k. Kohlenplatz mit Tankanlage. 

Die ausgeführten Bauten sind voll schwarz, die späteren Erweiterungen sehraffie 


n. n. 

o. o. 

p. p. 

cp cp 
r. r. 

s. 

t. 


III 


pot 


Pumpenhäuser mit Tiefbrunn 
Kegelbahn. 

Waschküchengebäude. 
Kochküchengebäude. 
Tankanlage (Abf. d. Speisenr 
Villen der dirigierenden Aer 
Pförtnerhäuser. 

Kapelle. 

Stallgebäude und Feuerwehr 

u. Gewächshaus mit Gärtnerwoh 

v. Baubureaus. 


Das Bauwesen im preußischen Staatshaushalt für das Verwaltungsjahr 1904. (Schluß.) 


asFinanzministerium ist mit rd. 4,38 Milk M. wieder 
um 1,7 Milk M. gegen die besonders hohe Forderung 
des Vorjahres zurückgegangen. Den Hauptposten bil¬ 
det die 3. Rate für die Erwerbung und Erschließung des 
Umwallungsgeländes in Posen (Ges.-Kosten 17,25Milk 


M.)mit8Mill.M. Das Vorjahr forderte bereits für die gleichen 
Zwecke 7 Milk M. Einen weiteren Hauptposten bildet die 1. 
Rate von 1 Milk M. für ein Kgl. Residenzschloß in Posen, 
dessen Gesamtkosten einsehl. des zugehörigen Marstalles, 
der inneren Einrichtung, der Gartenanlagen und Um- 


Das Moderne in der Architektur der Neuzeit. 

(Schluß.) 


Ib'gs^lie moderne Architektur hat in ihrem Wesen etwas 
1 gPj Anarchistisches; bewußt räumt sie mit aller histo- 
rischen Ueberlieferung auf, um Raum und Freiheit 
für Neues zu schaffen. In bedingter Weise hat dieser 
Vorgang etwas historisch Berechtigtes in sich, denn es ist 
Tatsache, daß die Befruchtung einer absterbenden Kultur 
mit neuen Ideen stets um so siegreicher und schöpfe¬ 
rischer wurde, je weniger genau die Formenwelt der¬ 
selben den Männern der neuen Zeit bekannt war, je 
freier und unbeirrter durch die Ueberlieferung sie zu 
schaffen vermochten. 

Nie würde wohl die römische Kunst das zu ihrer Zeit 
moderne und provinzielle Gepräge erreicht haben, wenn 
die griechischen Tempel in all ihrer strengen Schönheit 
ein Gemeingut ihrer Zeit gewesen wären; ebensowenig 
hätte das frühe Mittelalter, die romanische Kunst, das 
Joch der antiken Ueberlieferung, die Herrschaft der Hori¬ 
zontalen abzuschütteln und der Vertikalen zu dem glän¬ 
zenden Aufschwung in der folgenden Zeit die Wege zu 
ebenen vermocht, wenn die klösterlichen Baumeister auf 
römischen oder griechischen Akademien erzogen wären. 
Ebensowenig wäre es zu einer so reizvollen, naiven und 
jugendfrischen Vermählung des absterbenden Mittelalters 
mit dem neu erwachten Studium römischer Antike in der 
sogenannten Deutschen Renaissance gekommen, wenn 
dieses Studium tiefer eingedrungen wäre und mehr Motive 
und Formen als nur geistige Impulse in sich getragen hätte. 


Historisch verwandt ist auch die Periode des Barock und 
Rokoko mit unserer Zeit, insofern, als in jener Entwicklung 
der Persönlichkeit ein ungemein freier Raum gewährt 
wurde. Aber ohne jeden historischen Vorgang ist die 
moderne Architektur in der heutigen Zeit, sofern sie, auf 
jeden Aufbau auf die Vergangenheit, auf jede Anregung 
durch Jieselbe verzichtet. 

Suchen wir nun nach den sicher großen und tiefen 
Gründen, welche eine so mächtige und nachhaltige Be¬ 
wegung einzuleiten vermochten, so ist mit Sicherheit fest¬ 
zustellen, daß der Ueberdruß an der ewigen Wieder¬ 
holung des historischen Formenkreises eine Hauptrolle 
spielt. Jeder Einsichtige muß erkennen, daß mit einer 
solchen auch noch so täuschend echten Reproduktion, 
ja daß selbst mit einer möglichst freien Anwendung des 
historischen Apparates auf die neuen modernen Aufgaben 
und damit verbundener moderner Erweiterung ihrer Be¬ 
deutungallein eine sehnsüchtig gewünschte Stilumbildung 
oder Stilneubildung nicht erzielt werden konnte. 

Eine solche Stilneubildung wurde aber immer und 
immer wieder von den öffentlichen Organen der Kunst 
gefordert und war im reinen Reich der Gedanken ja auch 
eingeleitet durch einen der machtvollsten Geister, welche 
je die Erde meteorhaft erleuchtet haben. 

Ich bin nicht ohne Bedenken, es auszusprechen, daß 
meines Erachtens, wie auf dem Gebiete der reinen geistigen 
Spekulation, Friedrich Nietzsche auch auf dem Gebiete 
der bildenden Künste bewußt oder unbewußt einen der 
Ausgangspunkte der neuen Gedanken gebildet hat, denn 
- ich kann es nicht beweisen. Und doch muß es wohl 


62 


No. 11. 


























Währungen auf 5,15 Mill. M. veranschlagt sind. 335 500 M. 
sind vorgesehen als Zuschuß zu einem Theater in Thorn 
(150000), für Umbauten im Kgl. Theater in Hannover 
(109000 M.), für bereits ausgeführte Veränderungen am 
Schauspielhaus in Berlin im Interesse der Feuersicher¬ 
heit (25000), schließlich 50000 M. für Vorarbeiten für einen 
ev. Neubau des Kgl. Opernhauses in Berlin. Be¬ 
gründet wird diese Forderung damit, daß sich ein „den 
Bedürfnissen des Betriebes entsprechendes und vor allem 
die nötige Verkehrs-und Feuersicherheit bietendes Bühnen¬ 
haus aus Mangel an Platz und mit Rücksicht auf die tech¬ 
nischen Schwierigkeiten bei der Höhenentwicklung auf 
der jetzigen Stelle“ nicht errichten lasse. Wäre es aber 
doch möglich, so müsse auch das Zuschauerhaus ent¬ 
sprechend umgebaut werden. Dann sei aber die Frage 
eines Neubaues zu erwägen und es müßten hierfür recht¬ 
zeitig die nötigen Unterlagen geschaffen werden. 

Der Etat der Justizverwaltung stellt sich mit rd. 
9,8 Mill. M. etwa 1,65 Mill. M. höher als 1903. Es sind 
darin übrigens an reinen Grunderwerbskosten fast 2 Mill. M. 
enthalten. Von den 13 Oberlandesgerichts-Bezirken stellt 
das Kammergericht mit 3,94 Mill. M. die höchsten An¬ 
sprüche. Es sind darin enthalten 2,5 Mill. als 3. Rate für 
die Erweiterung des Strafgerichtes in Berlin-Moabit und 
0,63 Mill. M. als 9. und letzte Rate für den Bau des Land- 
und Amtsgerichtes I Ber 1 in. Das Oberlandesgericht Naum¬ 
burg a. S. fordert 1,39 Mill., darunter eine 5. und letzte 
Rate von 0,9 Mill. für das Geschäftsgebäude und Unter¬ 
suchungs-Gefängnis in Magdeburg. Für die Oberlandes- 
Gerichte Marienwerder und Breslau sind je 0,92 Mill. M. 
angesetzt, darunter für ersteres allein 774000 M. zum Grund¬ 
erwerb für das Land- und Amtsgericht in Danzig. Es 
folgen die Oberlandesgerichte Kiel, Köln, Posen, Hamm, 
Frankfurt a. M., Kassel, Stettin, Celle, Königs¬ 
berg i. Pr. mit rd. 0,72; 0,47; 0,37; 0,35; 0,25; 0,18; 0,13; 
0,049 un d 0,046 Mill. M. 

Das Kultusministerium ist im Extra-Ordinarium 
mit 18,22 Mill. M., außerdem außeretatmäßig für das Medi¬ 
zinalwesen (Erweiterungsbauten der Charite in Berlin) 
mit 1,06 Mill. M. bedacht und für die Universität Berlin 
mit 0,74 Mill. M. Es soll demnach fast 4 Mill. M. mehr 
als im Vorjahre erhalten und steht somit noch der Bau¬ 
verwaltung voran. Die etatmäßigen Ausgaben verteilen 
sich auf die Hauptgruppen wie folgt: Universitäten 
3,26Mill.,Technische Hochschulen 2,44 Mill., Höheres 
Schulwesen 0,98 Mill., Volksschulwesen 4,38 Mill., 
Medizinalwesen 12500 M. (Instandsetzung des Lepra- 
Krankenhauses im Kreise Memel) und schließlich für Kunst 
und wissenschaftliche Zwecke 7,15 Mill. M., d. h. 
fast 4,5 Mill. M. mehr als im Vorjahre. 

Von den Universitäten steht Berlin mit 1221825 M. 
obenan. Den Hauptposten bilden darin 890725 M. für den 
Ankauf eines Gebäudes und dessen Einrichtung für das 
orientalische Seminar, ferner 200coo M. als 3. Rate für 
das Gebäude des poliklinischen Institutes. Von den außeretat¬ 
mäßigen Mitteln entfallen 400 oco M. als 2. Rate auf das 
Botanische Museum in Dahlem und 340000 desgl. auf 
das Hygienische Institut. Die Universität Kiel soll 528650 M. 


so sein, denn die bloße Reaktion gegen die Vergangenheit, 
die Erkenntnis der Unfruchtbarkeit derselben allein wären 
nicht imstande gewesen, eine so gewaltige, so in die Breite 
gehende Bewegung zu entfesseln; es mußten nicht nur 
negative, es mußten auch positive Kräfte wirksam werden, 
um so tiefe Umwandlungen in den Anschauungen und in 
den Taten herbeizuführen. 

Die Parallele zwischen dem Ideal Nietzsche’s und dem 
Streben moderner Architekten liegt nahe, und die letzte¬ 
ren dürften stolz darauf sein, wenn sie in ihren Werken 
ihre Verwandtschaft mit dem reinen Wollen des großen 
Philosophen nachzuweisen vermöchten. Ich fürchte aber, 
sie können es nur in wenigen Fällen. 

Ist in Nietzsche auch die stahlharte, fast grausame 
Idee des Uebermenschen in der Person verkörpert, und 
scheut er dabei auch vor keiner Konsequenz zurück, so 
dient bei ihm die noch so hoch gesteigerte Person doch 
stets der ganzen Menschheit. Nur in diesem Zusam¬ 
menhang und nicht im schrankenlosen Genuß der Kraft, 
im schrankenlosen Egoismus der Persönlichkeit will 
er den Uebermenschen, und er würde die Vergleichung 
mit denjenigen künstlerischen Epigonen unserer Tage, die 
nur das liebe und doch oft so kleine Ich zur Geltung 
bringen wollen, schroff zurückweisen. 

Dieses Ich, welches das Recht fordert, sich rück¬ 
sichtslos auf seine Weise auszuleben, welches ebensowohl 
jedes Resultat ernsten Ringens wie jeden Einfall der Laune 
oder jede Frucht der zufälligen Stimmung als eine künst¬ 
lerische Tat angesehen wissen will, ist, oder war wenig¬ 
stens die eigentlich treibende Kraft der neuen Zeit. 

6. Februar 1904. 


erhalten, darin 282 600 M. als 3. und letzte Rate für den 
Neubau der Chirurgischen Klinik, 160800 M. für die Poli¬ 
klinik für Hautkranke. Für Greifswald sind 392500 M. 
vorgesehen (darunter 100000 M. als I. Rate für das Che¬ 
mische Institut), für Breslau 376000 M. (1. Rate 150000 M. 
für eine Irrenklinik), Münster i. W. 291993 (1. Rate für 
dieUniversitäts-Bibliothek27365oM.),G ö 11 in ge n 257380M., 
Königsberg i. Pr. 51200 M., Bonn 40460 M. 

Unter den Technischen Hochschulen braucht die¬ 
jenige in Danzig zu ihrem Ausbau noch die bedeutendsten 
Mittel, nämlich 1^39400 M., davon 409200 für 6. und letzte 
Rate für das Hauptgebäude, 187000 für die 3. und letzte Rate 
für das Chemische Institut. Berlin wird mit 909600 M. 
bedacht. Darin sind 400000 M. als 4. Rate für die Mecha¬ 
nisch-Technische Versuchsanstalt in Lichterfelde (Gesamt- 
Kosten 2655220 M.) einbegriffen. Für die Herrichtung 
der durch Verlegung dieser Anstalt in Charlottenburg frei 
werdenden Räume zu Laboratorien für Bau- und Maschinen¬ 
ingenieure sind als r. Rate 120000 M. ausgeworfen. Für 
ein Laboratorium für Verbrennungs-Motoren und Dampf- 
Turbinen sind ebenfalls als 1. Rate 150000 M. angesetzt 
(dazu 167 300 M. für die Betriebs-Einrichtungen). Auf der 
Schleuseninsel in Charlottenburg soll ferner ein Labora¬ 
torium für Wassermotoren errichtet werden, wozu 50000 M. 
als 1. Rate bereitgestellt werden. Für die neue Hoch¬ 
schule in Breslau sind 350000 M. beantragt, davon 1. Raten 
von 200000 M. bezw. 100000 M. für das Chemische In¬ 
stitut bezw. ein Maschinenbau-Laboratorium. Aachen 
begnügt sich mit 42500 M., für Hannover sind zu reinen 
baulichen Anlagen Mittel überhaupt nicht vorgesehen. 

Es seien hier aus dem Ordinarium noch einige Ver¬ 
änderungen des Lehrkörpers angeführt. Die Techn. 
Hochschule in D an zig soll im Herbst 1904 eröffnet werden. 
Es sollen zu diesem Zwecke 29 Professoren angestellt wer¬ 
den und zwar 4 für Architektur, 6 für Bauingenieurwesen, 
6 für Maschinen-Ingenieurwesen, 3 für Schiff- und Schiffs¬ 
maschinenbau, 4fürChemie, öfürallgemeineWissenschaften. 
In Berlin sollen 4 neue etatmäßige Professuren geschaf¬ 
fen werden und zwar je eine für elektrotechnische Kon¬ 
struktionslehre, für städt. Tiefbau insbesondere Wasserver¬ 
sorgung und Entwässerung (die bisherige Dozentur auf 
diesem Gebiete bleibt bestehen), für Werkzeugmaschinen 
und Fabrikanlagen, für Baukonstruktionslehre in der Abt. 
für Architektur. Es soll ferner die Dozentur für die Ge¬ 
schichte der Baukunst in eine etatmäßige Professur um¬ 
gewandelt werden und außerdem wird die 2. Professur 
für Physik zu einer Vollstelle gemacht. 

Die Errichtung einerVollprofessur für städtischenTiefbau 
ist eigentlich schon längst ein Bedürfnis gewesen. Im Ver¬ 
gleich zu dem stetig wachsenden Bedarf der Städte an 
akademisch gebildeten Technikern ist dieses Gebiet an den 
Techn. Hochschulen noch viel zu wenig gepflegt. 

Zur Errichtung von Gebäuden für höhere Lehr¬ 
anstalten ist der Bedarf mit 0,98 Mill. M. in diesem Jahre 
etwas geringer. Von dieser Summe entfallen 533000 M. 
auf 1. Raten für den Bau eines Gymnasiums in Dortmund, 
Krotoschin und Rastenburg (in Verbindung mit einer 
Realschule), für ein Progymnasium in Nienburg a. W., für 


Mit dem Ausklingen der bewußt eklektischen Perioden 
des 19. Jahrhunderts setzt dieses Bestreben ein, und wenn 
man von gewissen Erscheinungen der Stilvermischung als 
unerheblich für die weitere Entwicklung absieht, so ist 
das Ende der 80 er Jahre des 19. Jahrhunderts als die Ge¬ 
burtszeit dessen anzusehen, was jetzt in der Architektur 
sowohl wie in dem anschließenden Kunstgewerbe, in der 
Literatur wie in Ausstellungen, im Atelier wie im bau¬ 
lichen Leben unserer Zeit das merkwürdig neue architek¬ 
tonische Gepräge gibt. 

Die Ausgangspunkte und die Gesichtspunkte, von 
welchen aus das Suchen nach einer neuen Kunst betrieben 
wurde, sind unendlich verschieden. Sieht man aber von 
gewissen Einzelerscheinungen ab und betrachtet man die 
Bewegung als Ganzes, so ergibt sich als das allgemeine 
Feldgeschrei der Ruf: 

„Fort mit allen Stilen der Vergangenheit! Fort mit 
jeder Tradition! Es lebe die neue, die natürliche, 
die persönliche Kunst!“ 

Revolutionen können nun aber nicht allein mit Nega¬ 
tionen gemacht werden, sondern jeder Zerstörung muß 
ein Aufbau folgen, und so war es auch auf dem Gebiete 
der modernen Architektur. Auch mit dem Anspruch, daß 
das Gesetz der neuen Kunst allein in dem sub¬ 
jektiven Empfinden desEinzelnen zu suchen sei, 
konnte man vielleicht in anderen Künsten auskommen, 
niemals aber in der Kunst des Baues, die immer unend¬ 
lich viel mehr der Aufgabe gegenübersteht— das Reale 
zu idealisieren, als der— reine Ideale hinzu stellen. 

(Fortsetzung auf Seite 65.) 


63 




geworfenen Mitteln sind 3 Mill. M. zu Beihülfen an bedürf¬ 
tige Gemeinden fürElementarschulbauten, 1140230M. 
für Seminarbauten, 238050 M. für den Bau von Dienst- 
wohn-Gebäuden für Kreis - Schulinspektoren bestimmt. 


Die Aufwendungen für Kunst und wissenschaft¬ 
liche Zwecke sollen vorwiegend Berlin zu Gute kommen. 
3720000 M. sind allein für den Ankauf des Gräfl. Arnim’- 
schen Palais am Pariser Platz für die Zwecke der Aka¬ 
demie der Künste angesetzt (Gesamt-Summe 3820000 M., 
davon 3250000 M. Grunderwerb), 1750 000 M. als 2. Rate 
für den Neubau der Kgl. Bibliothek und der Akademie der 
Wissenschaften, 700000 als 4. Rate für den Erweiterungs¬ 
bau des Kunstgewerbe-Museums, 458 100 M. für die Ver¬ 
legung des Aeronautischen Observatoriums des Institutes 
für Meteorologie. Dasselbe kann inmitten der Großstadt 
seinen Zweck nicht mehr erfüllen und soll etwa 60 öst¬ 
lich von Berlin, nach dem Kreis Storkow, verlegt werden. 
Für die Instandsetzung des alten Museums sind 176000 M., 
für Arbeiten im Völkermuseum 100000 M., für die Aus¬ 
stattung der Saalburg 100000 M., für die Wiederherstel¬ 
lung der Marienburg schließlich 30000 M. ausgesetzt. 
A-c- Die Ausgaben der Bauverwaltung in Höhe von 
14657400 M. (153697 M. weniger als 1903) gliedern sich 
in folgende Hauptgruppen: Regulierung der Wasserstraßen 
und Förderung der Binnenschiffahrt 4792700 M. (745000 M. 
weniger als 1903), Verbesserung der Seehäfen und See¬ 
schiffahrts-Verbindungen 4667000 M. (1 474 133 M. mehr 
als 1903), Bau von Straßen, Brücken, Dienstgebäuden 
5 197 540 M. (883 830 M. weniger als 1903). 

Unter den Ausgaben für die Reguli er ungderWasser- 
straßen usw. sind wieder 1137000 M. zur Nachregulierung 
großer Ströme angesetzt. Bis einschl. 1903 sind für diesen 


Zweck 17 Mill. M. bewilligt worden. Als weitere Raten 
zu angefangenen Arbeiten sind zu erwähnen 700000 M. 
für den Bau zweier Schleusen bei Fürstenberg, 300000 M. 
für den Ausbau der Stauwerke an der Netze usw. im 
Landeskulturinteresse, 300000 M. als Zuschuß zum Bau des 
Holzhafens in Thorn. Unter den neuen Ansätzen sind 
100000 M. als 1. Rate für einen Spreedurchstich bei Span¬ 
dau zu erwähnen. 

Unter den Summen für Seehäfen und Seeschiff¬ 
fahr ts-Verb in dungensind 1. Raten in Höhe von 400 000 M., 
fürVerbesserung der Leuchtfeuer undSeezeichen, 500000M. 
für Baggerzwecke für die Wasserbauinspektion Harburg, 
320000 M. für Kaianlagen daselbst, 460 000 M. für die Er¬ 
weiterung des Fischerei - Hafens in Geestemünde und 
1 Mill. M. für den Hafen von Emden. Die Gesamtkosten 
für die dort auszuführenden Arbeiten sind auf 2897 750 M. 
veranschlagt, von denen 1 537 000 M. auf die Liegestellen 
usw., 1 340 750 M. auf die Eindeichung des Watts im Um¬ 
fange von 300 ha entfallen. Das so gewonnene Land, das 
vorläufig landwirtschaftlich ausnutzbar ist, soll späteren 
Hafenerweiterungen dienen. Ueber denVerkehr in Emden, 
dessen rasche Zunahme als Begründung für die Forderung 
angeführt wird, geben die Erläuterungen zum Etat folgende 
Auskunft: Im Jahre 1900 betrug der Verkehr für Ein- und 
Ausgang 786 697 Reg.- 4 , 1902 nach Eröffnung des Außen¬ 
hafens 1 432 084 Reg - 4 und in den ersten 9 Monaten des 
Jahres 1903 bereits 1 425 246 Reg.-h Eine Erweiterung der 
Anlagen ist daher dringlich. 

In der für Straßen, Brücken und Dienstgebäude 
gefordeten Gesamt-Summe sind 2268000 M. für Straßen, 
Brücken, Fähren und 2929540 M. für Dienstgebäude 
bestimmt. Unter den ersteren Ausgaben ist eine 1. Rate 
von 300000 M. für eine Straßenbrücke über die Memel 
bei Tilsit, unter letzteren ein Betrag von 223000 M. für 
neue Bauten. Unter den fortzuführenden Bauausführun¬ 
gen sind zu erwähnen: 750000 M. als 3. Rate für das Reg.- 
Gebäude in Potsdam, 400000 M. als 4. Rate desgl. für 
Koblenz, 400000 M. als Rest- und Ergänzungsrate für beide 
Häuser des Landtages in Berlin, 250000 M. als 3. Rate 
für das Reg.-Gebäude in Minden. 


bauliche Herstellung an einem Gymnasium zu Neisse, für 
ein Realgymnasium in Briesen usw. 

Von denfürdasElementar-Unterrichtswesen aus¬ 


CQ 


64 


No. 11. 



















































































































































































































Das Ordinarium der Bauverwaltung sieht, wie 
alljährlich, noch bedeutendere Mittel für Unterhaltungs¬ 
arbeiten vor und zwar insgesamt rd. 21,32 Mill. M., d. h. 
etwa 1,34 Mill. M. mehr als 1903. Daran nehmen mit fast 
13 Mill. M. die Binnenhäfen, mit 5,22 Mill. M. die See¬ 
häfen, Seeufer, Leuchtfeuer, mit 610500 M. die 
Kanäle, Fähren, Brücken, mit 428430 M. die Dienst¬ 
gebäude teil. Für die Kosten von Vorarbeiten und 
Bauleitungen sind 1,55 Mill. M. angesetzt. 

Auch bezüglich der höheren Baubeamten sind 
einige Ergänzungen vorgesehen. Für das Ministerium 
ist die Stelle eines weiteren hochbautechnischen Rates 
eingesetzt und für den 2. Leiter der „Zeitschrift für Bau¬ 
wesen“, des „Zentralblattes der Bauverwaltung“ und der 
„Denkmalpflege“ ist die Stelle eines Reg.- u. Baurates be¬ 
antragt. Bei den Regierungen werden 6 neue Reg.- u. 
Bauratstellen gefordert unter Fortfall von 3 Bauinspektor- 
Stellen, und zwar sind vorgesehen je eine 2. Stelle für 
Hochbau in Danzig und Stettin, für Wasserbau in 
Bromberg. Für die wasserbauliche Versuchsanstalt auf 


der Schleuseninsel in Berlin ist die Stelle eines Reg.- und 
Baurates des Wasserbaues beantragt, und je eine fliegende 
Stelle der beiden Fächer wird für Entwurfsarbeiten ge¬ 
fordert. Ferner sollen 6 neue ständige Bauinspektor-Stellen 
(je 3 für Hoch- und Wasserbau) in Berlin, Danzig und 
Marien wer de r bez. in Arnsberg,Torgau, Hafenbauinsp. 
Stolpmünde geschaffen werden, unter Einziehung von 
2 fliegenden Stellen. Für letztere werden 6 neu geschaffen, 
sodaß also ihre Zahl um 4 vermehrt wird. Die Zahl der 
Bauinspektoren beträgt dann 604, von welchen 151 bei 
Bauausführungen tätig sind (7 sind Maschinenbau- bezw. 
Maschinen-Inspektoren). Die Zahl der Regierungs-Bau- 
meister-Stellen wird von 232 auf 250, also um 18, vermehrt. 

Der Etat der Eisenbahnverwaltung bleibt uns 
schließlich noch als der letzte und bedeutendste zu er¬ 
örtern. Er schließt mit 101 320 350 M. für die einmaligen 
außerordentlichen Ausgaben ab, ist also um 9657350 M. 
höher als im Vorjahre dotiert. Von der Gesamt-Summe 
entfallen rd. 53,5 Mill. M. auf den Bedarf der 21 Direk¬ 
tionen, rd. 47,8 MilDM. auf_den Zentralfonds. 



Zur Frage des Neubaues der alten steinernen Brücke über die Donau in Regensburg. Ansicht von Regensburg mit der Brücke. 


Es handelte sich also darum, leitende Grundsätze und Ge¬ 
danken zu finden, und sie wurden gefunden. 

Der Anteil, den die künstlerische Kritik an der 
Aufstellung der neuen Ziele und deren Durchführung hat, 
ist ein sehr großer und bedeutender. Die besten und geist¬ 
reichsten Federn stellten sich mit warmer Begeisterung 
in den Dienst der neuen Lehre, und sie konnten diesen 
Feldzug um so unbeirrter beginnen, als nur wenige unter 
ihnen die schwere Kunst eigenen Schaffens an sich er¬ 
fahren hatten und daher auch mit leichtem Herzen von 
dem durchlebten Jahrhundert unsäglicher, ehrlicher Arbeit 
und Mühe Abschied nehmen konnten. 

Zu den Grundgedanken, die man dem baulich künst¬ 
lerischen Schaffen der neuen Zeit im allgemeinen unter¬ 
zulegen versuchte, gehören: die Wahrheit, die Zweck¬ 
mäßigkeit, die Logik, die Materialstilistik u. a. Diese 
Grundzüge waren für alles bauliche Schaffen ebenso ge¬ 
sund als — nicht neu; denn abgesehen von den Muster¬ 
leistungen alter Stilperioden, die alle durch solche Grund¬ 
sätze glänzen, hat die eklektisch-mittelalterliche Bewegung 
im 19. Jahrhundert schon dieselben Grundsätze ausgespro¬ 
chen und siegreich durchgeführt. Der Unterschied der neuen 
von diesen Bestrebungen lag also nicht im Programm, 
sondern in der subjektiven Erfüllung desselben. 

Natürlich gehört in das Programm der Neuzeit auch 
— oder vor allen Dingen — die Schönheit, aber nicht 
das Schönheitsideal eines ganzen Volkes, welches in frühe¬ 
ren Zeiten durch gottbegnadete Menschen zur Tat wurde, 
sondern ebenfalls das subjektive Schönheitsideal des 
Einzelnen. Aber nach einer 10- bis 12jährigen Achtung 
fordernden, großen Arbeit, vollzieht innerhalb der Bewe¬ 
gung sich schon eine Trennung, die Trennung der ernsten 


und kunstbegabten Meister von den Manieristen, bei denen 
es nicht auf Innerlichkeit, sondern auf äußere Mache 
ankommt, und in denen sich gewissermaßen die Kinder¬ 
krankheiten der Zeit ablagern. 

Der Kampf der ernststrebenden und wirklich führen¬ 
den Künstler mit den historischen Schulen ist leicht und 
aussichtsreich, denn jene sind jung und diese sind alt, 
und sie werden nach dem Gesetz alles Lebens die Erben 
sein. Viel schlimmer und schwieriger ist der Kampf gegen 
den leeren Troß, der sich an ihre Rockschöße hängt und 
bei welchem die Negation, das Nichtkönnen und Nicht¬ 
wissen allein die Berechtigung zum modernen Architekten 
darstellt. Ganz unzweifelhaft haben wir die besten Arbeiten 
des heutigen Bauens vor uns bei den modernsten Auf¬ 
gaben unserer Zeit. Zuerst im Bauingenieurwesen: in 
der Erkennung der stilbildenden Kraft der Eisenkonstruk¬ 
tionen und ihrer Glieder. Eine der gröbsten Sünden der 
historischen Perioden war der Versuch, das Eisen mit 
einem historischen Mäntelchen zu umgeben, und die heute 
bestehende Unmöglichkeit, so etwas auch nur zu denken 
und zu versuchen, ist ein Ruhmestitel in der Geschichte 
der letzten fünfzehn Jahre. Dann bei denselben Aufgaben 
die Anpassung des Steines an die Eisenkonstruktion, ge¬ 
sucht in einer Ausbildung dieses völlig verschiedenen 
Materials, die, weit ab von jeder historischen Reminiszenz, 
es versteht, das eigentümliche und lebendige Spiel der 
statischen Kräfte nach außen sichtbar zu machen und 
künstlerisch ausklingen zu lassen. Die hervorragendsten 
Arbeiten dieser Art — ich verweise für Berlin auf viele 
glückliche Lösungen an der Hochbahn — sind vielleicht 
mit das Beste und Zukunftsreichste, was die moderne 
Architektur geschaffen hat. 


6. Februar 1904. 


65 











Die Forderungen der einzelnen Direktions-Bezirke 
sind, nach der Höhe der Summe geordnet, folgende: 


1. Köln a. Rh. . . . 7197000 M., 12. Breslau .... 1920000 M. 

2. Halle a. S. ... 5300000 „ 13. Magdeburg . . . 1802000 „ 

3. Berlin.5097000 „ 14. St.Joh.-Saarbrücken 1725000 „ 

4. Essen a. R. . . . 4004350 „ 15. Danzig . . . . . 1473000 „ 

5. Altona.3853000 „ 16. Stettin. 560000 „ 

6. Elberfeld .... 3745000 „ 17. Königsberg i. Pr. . 470000 » 

7. Frankfurt a. M. . 3581000 „ 18. Münster i. W. . . 351000 „ 

8. Kattowitz .... 3 537 000 „ 19. Posen . . . . . 150 000 „ 

9. Kassel.3313000 „ 20. Mainz. 53000 „ 

10. Hannover .... 2829000 „ 21. Bromberg .... — 


Zu dem Ansätze der Eisenb.-Dir. Mainz sei hier gleich 
vorweg bemerkt, daß dieser nur den preußischen Beitrag 
umfaßt. Hessen selbst hat noch 3,24 Mill. M. aufzuwen¬ 
den (darunter als weitere Raten 1 Mill. M. für den Haupt¬ 
bahnhof Darmstadt und 0,9 Mill. M. für die Hauptwerk¬ 
stätten daselbst). 

Die Gesamtansprüche der 21 Direktionen verteilen sich 
in 45187350 M. für Bahnhofs-Erweiterungen und 
Stellwerke, 43540000 M. für 2. Gleise, für 3. u. 4. Gleise 
sowie Verbindungsbahnen und 3925000 M. fürHoch- 
und Brückenbauten (erstere zumeist Werkstätten - An¬ 
lagen). Die neu auftretenden Ausführungen machen 
einen Gesamtbetrag von rd. 9,5 Mill. M. aus. 

Im Einzelnen ist folgendes hervorzuheben: Altona 
setzt als fernere Rate 3 Mill. M. für die Hamburger 
Bahnhofanlagen an. In Berlin werden die im Vorjahre 
schon erwähnten Bauten fortgesetzt, darunter die Erwei¬ 
terung der Görlitz er Bahn mit 1 Mill. M. An neuen 
Forderungen sind hier 1,6 Mill. M. vorgesehen, darunter 
600000 M. für die Ilochlegung der Bahnstrecke Potsdam- 
Wildpark, 200C00 M. für die Erweiterung des Gtiter- 
Bahnhofes Wilmersdorf-Friedenau der Ringbahn, 
300000 M. für Brückenverstärkungen usw. Breslau setzt 
500 000 M. als x. Rate für die Erweiterung des Bahnhofes 
Görlitz an, Kassel 900000 M. für die Verbesserung der 
Strecke Leinefelde-Treysa. Köln .fordert je 1. Mill. M. 
iür die Fortsetzung der Erweiterungsarbeiten der Bahn- 
höfe in Neuss und Rheydt, ferner für den Rangierbahn¬ 
hof Kalk -Nord.. Für Danzig ist eine 1. Rate von 700000 M. 
für den Bau 3. u. 4. Gleise zwischen Dirschau-Marien- 
burg vorgesehen. EJb er fei d setzt; seine angefangenen 
Bauten in Schwerte, Vohwinkel, Opladen,'M ülheim 
a. Rh. fort, Erfurt die Erweiterung des Bahnhofes in 
Eisenach, Essen a. R. mit 1,4 Mill. M. den Bau des 
Hafenbahnhofes südlich von Meiderich und den Bahn¬ 
hof Gelsenkirchen. Frankfurt a. M. braucht 1 Mill. M. 
zu den Fortsetzungsarbeiten am Bahnhof Wiesbaden*) und 
weitere Raten für den Neubau des Direktions-Gebäudes 
in Frankfurt selbst und für die Bahnhöfe in Bebra und 
Homburg v. d. II. Halle a. S. hat die große Aufgabe 
der Umgestaltung der Bahnhofanlagen in Leipzig*) 
(soweit diese Preußen zur Last fallen) und der anschließen¬ 
den Bahnstrecken durchzuführen. Für erstere Zwecke 
werden weitere 3 Mill. M., für den erforderlich werdenden 
Rangierbahnhof bei Wahren weitere 1,5 Mill. M. gefordert. 
Fieber das gesamte bedeutende Unternehmen gibt der an 


*) Vergl. die ausführlichen Mitteilungen Jahrg. 1903 Seite 38. 

In zweiter Reihe bietet das moderne Warenhaus, über¬ 
haupt das großstädtische Geschäftshaus ein glückliches 
Uebungsfeld für neue Ideen, das in den notwendigen 
Minimalstärken der Pfeiler, der erforderlichen organischen 
Verschmelzung von Eisen, Bronze und Stein, den kühnen 
Konstruktionen, um Raum, Platz und Licht zu gewinnen, 
seine großen Schwierigkeiten, aber auch seine dankbarsten 
und modernsten Aufgaben findet. Kein Verständiger, auch 
der überzeugteste Moderne nicht, wird zugeben können, 
daß hierbei schon eine Vollendung erreicht ist; noch harrt 
dabei eine Reihe künstlerischer Schwierigkeiten, u. a. die 
Versöhnung der meist übermäßig stark betonten Vertikalen 
mit den Horizontalen des schützenden Daches, der Lösung; 
aber anderseits ist das, was hier in kurzer Zeit geschaffen 
wurde, so viel, so tüchtig und in seiner formalen Behandlung 
so neu und der neuen Aufgabe oft so glücklich angepaßt, 
wie es das vergangene Jahrhundert zu leisten nicht im¬ 
stande gewesen wäre. 

Einen weiteren Ruhmestitel bilden die Lösungen vieler 
öffentlicher Denkmäler architektonischen Charakters. Das, 
was wir Baumeister schon bei der Errichtung des Nieder¬ 
walddenkmales vergeblich anstrebten: die Herstellung eines 
vorwiegend architektonischen Werkes, das schon durch 
seine Massen die Aufgabe, ein weithin sichtbares Er¬ 
innerungszeichen zu sein, erfüllen sollte und dessen ge¬ 
danklicher Inhalt sich in diskreter Weise erst den Nahe¬ 
kommenden kundgibt, das war leider damals noch nicht 
zu erreichen; und wenn wir durch unsere macht- und 
kraftvollen Erinnerungsbauten auf dem Deutschen Eck, 

66 


anderer Stelle unseres Blattes schon teilweise erschienene 
Artikel näheren Aufschluß. Für Hannover sind 1,5 Mill. 
M. als 1. Rate lür die Umgestaltung der Bahnanlagen zwi¬ 
schen Lehrte und Wunstorf vorgesehen. Auf die 
übrigen Einzelposten einzugehen verbietet uns der Raum. 

Aus dem Zentralfonds sind 25 Mill. M. zur Ver¬ 
mehrung der Betriebsmittel ausgeworfen und zwar 
ist die Beschaffung von 150 Lokomotiven, 310 Personen- 
und 3000 Gepäck- bezw. Güterwagen in Aussicht ge¬ 
nommen. Es sei hier gleich erwähnt, daß im Ordinarium 
für den gleichen Zweck 64 Mill. M. (d. h. 10,8 Mill. M. 
mehr als 1903) angesetzt sind, aus welchen 530 Lokomo¬ 
tiven, 680 Personenwagen, 7000 Gepäck- und Güterwagen 
beschafft werden sollen. (Für die gewöhnliche Unter¬ 
haltung und Ergänzung der Betriebsmittel werden noch 
94,8 Mill. M. erforderlich.) Für die raschere Herstellung 
schweren Oberbaues auf den wichtigeren Strecken 
sind, wie im Vorjahre, 15 Mill. M. verlangt. (Im Ordinarium 
ist die Erneuerung von 2207,98vorgesehen, davon ii74,5 k m 
mit Holzschwellen, 1033,48 km mit eisernen Schwellen.) 

Für elektrische Sicherungsanlagen auf der 
Strecke werden weitere 2,3 Mill. M. ausgeworfen. Insge¬ 
samt sind seit 1894/95 für diesen Zweck 10,3 Mill. bewilligt 
worden. Als letzte Rate für Weichen- und Signalstell¬ 
werke sind ferner 1 Mill. M. vorgesehen. Für die Durch¬ 
führung dieser Arbeit waren seit 1878/79 imganzen 24,8 Mill. 
M. bewilligt. Die späteren Arbeiten sind unter den bezüg¬ 
lichen Einzelansätzen zu verrechnen. Ebenso wird eine letzte 
Rate von 600000 M. für Ausfahrtssignale eingestellt. 

Für Dienstwohngebäude für minderbesoldete 
Beamte in den Grenzgebieten sind rund x Mill. M. vor¬ 
gesehen. Seit 1900 sind zu diesem Zweck 6 Mill. M. zur 
Verfügung gestellt worden. 

Auf einzelne im Ordinarium angesetzte Mittel haben 
wir schon hingewiesen. Insgesamt sind dort für bauliche 
Aufgaben 347,5 Mill. M. ausgeworfen, davon 188,7 für die 
Umgestaltung, Erneuerung und Ergänzung der baulichen 
Anlagen, 158,8 Mill. M. desgl. für die Betriebsmittel und 
maschinellen Anlagen. 

Ueber, den Zuwachs der Bahnlängen gibt der 
Etat in seinen Erläuterungen folgenden Aufschluß: 

Es betrug am Schlüsse des Etatsjahres 1902 die Ge¬ 
samtlänge der auf Rechnung der preußisch-hessischen 
Eisenbahngemeinschaft betriebenen Bahnen: 

32 050,20 km , 

dazu 1 266,41 „ für bis Ende März 1903 fertig gestellte 

33 316,61 km bzw. dem Betrieb zu übergebende, 

ab 9,64 „ für Verkürzungen 

33 306,97 k ™. 

Im Etatsjahr 1904 werden dann voraussichtlich noch 
weitere 64540 km dem Betrieb übergeben werden können, 
sodäß die Länge der dem öffentlichen Verkehr dienenden 
normalspurigen Eisenbahnen Ende 1904 betragen wird 
33952,07 km . Dazu kommen noch i37,o km Schmalspurbähnen 
im Direktionsbezirk Kattowitz, die an einen Unternehmer 
verpachtet sind, 48 km im Dir.-Bez. Erfurt, schießlich noch 
391,06 km Anschlußbahnen für nicht öffentlichen Verkehr.— 

Außer den vorstehend zusammengestellten etatmäßigen 


auf dem Kyffhäuser und der Porta Westphalica u. a., wenn 
wir durch die rein symbolischen Bismai'cksäulen hindurch 
bis zu einer Denkmalbehandlung der Bismarckidee kommen 
konnten, wie sie das Hamburger Werk zeigen wird, so 
ist das ein solcher Fortschritt, daß wir eine befruchtende 
Macht eines neuen Geistes ohne Einschränkung anerkennen 
können. Von diesen Höhen des modernen Schaffens, die wir 
älteren Baumeister, welche die Lasten des 19. Jahrhunderts 
getragen haben, neidlos anerkennen, steigen wir meines 
Erachtens allerdings herab, wenn wir uns anderen Ge¬ 
bieten zuwenden. 

Ein Tummelplatz für die nicht sehr verantwortliche 
Augenblickskunst boten die Ausstellungen der letzten Jahre, 
während der grossen Pariser Weltausstellung 1900 noch ein 
historisches, wenn auch phantastisch erweitertes Gewand 
anhaftete. Bei diesen neuesten Ausstellungsbauten war 
viel Phrase und äusserliche Mache; daneben aber auch 
Versuche von wirklich neubildender Kunst, die bei diesen 
Gelegenheiten imstande waren, ihre Wirkungen und ihren 
Wert zu erproben. 

Wir müssen wohl auch noch herabsteigen, wenn wir 
uns der eigentlichen Lieblingsaufgabe der modernen Bau¬ 
kunst, dem bürgerl ichenWohnhause,zuwenden,. Wenn 
hier durchweg der Anspruch erhoben wird, daß dasselbe 
nicht wie ein fremdes Gewand aussähe, welches man den 
Menschen anzieht, sondern wie die naturgemäße Beklei¬ 
dung der Bewohner, so glaube ich — in aller Bescheiden¬ 
heit -— daß man, um dieses Ziel wirklich zu erreichen, 
noch einen weiten Weg zurücklegen muß. Das bürger- 

No. xi. 












Ansätzen für bauliche Aufgaben sind noch eine Reihe be¬ 
sonderer Vorlagen in Aussicht gestellt, die wenigstens 
einen Teil der früheren großenwasserwirtschaftlichen 
Vorlage ausmachen, so vor allem Mittel zur Bekämpfung 
der Hochwassergefahren, namentlich in Schle¬ 
sien, für die Herstellung eines Großschiffahrtsweges 
Berlin-Stettin und wenigstens für einen Teil des Mittel¬ 
landkanales, nämlich für die Herstellung der Teilstrecke 
vom Rhein bis Hannover bezw. bis zur Weser. Das 
wichtigste Stück, von Hannover bis Magdeburg, ist in 


der in Aussicht gestellten Vorlage ausgeschaltet. Die Ver¬ 
bindung des Westens mit der Elbe und weiterhin mit der 
Reichshauptstadt wird also nicht erreicht. Immerhin würde 
auch dieses Teilstüek eine wesentliche Verbesserung 
unseres Wasserstraßennetzes bedeuten und nach unserer 
Ueberzeugung die Fortsetzung bis zur Elbe schließlich 
doch nach sich ziehen müssen. Falls also nicht eine Ab¬ 
lehnung der verstümmelten Vorlage durch den Landtag 
erfolgt, so sind auch der Wasserbauverwaltung auf Jahre 
hinaus wieder bedeutende Aufgaben gestellt. — 


Zur Frage des Neubaues der alten steinernen Brücke über die Donau in Regensburg. 

(Hierzu die Abbildung auf S. 65.) 



u den wenigen Brückenbauten in Deutschland, die 
aus der Zeit des Mittelalters fast unverändert noch 
auf uns überkommen sind, gehört die steinerne 
Donau-Brücke in der alten Reichsstadt Regensburg, die 
in den Jahren 1135—1146 unter der Regierung des bayeri¬ 
schen Herzogs Heinrich des Stolzen an Stelle einer 
alten Schiff- oder Holzbrücke errichtet wurde. Schlicht 
in ihren Formen, fast ohne jeden künstlerischen Schmuck, 
paßt sie sich mit ihren wuchtigen Pfeilern, ihrem leicht 
geschwungenen Grundriß und ihrem scharf gebrochenen 
Längenprofil doch so trefflich in das malerisch - schöne 
Städtebild ein, daß ihre Umgestaltung oder Beseitigung als 
ein schmerzlicher Eingriff empfunden werden muß, der 
nur dann berechtigt erscheint, wenn dringende, unabweis¬ 
bare Forderungen des Verkehrs bei einer Erhaltung des 
Bauwerkes ihre Befriedigung nicht mehr finden können. 

Wie bekannt, geht die bayerische Regierung mit dem 
Plane eines vollständigen Neubaues der Brücke um, da 
das alte Bauwerk dem Verkehr zwischen der Altstadt 
Regensburg und der neuen Vorstadt Stadtamhof nicht mehr 
genügt, da es mit Rücksicht auf Hochwasser - Abführung 
und Eisgang eine stete Gefahr für die niedrig gelegenen 
Stadtteile bedeutet, vor allem aber, weil es ein fast un¬ 
überwindliches Hindernis für die Schiffahrt bildet. Bei 
einem Ausbau der Donau als Großschiffahrtsweg mit einer 


Verbindung durch den Donau-Main-Kanal zum Rhein, dem 
Endziele der wasserwirtschaftlichenBestrebungen inBayern, 
würde die Brücke geradezu als eine Sperre wirken, deren 
Oeffnung eine Vorbedingung für den ganzen Plan ist. 
AVenn auch mit Bedauern, so wird man sich aber doch 
der Einsicht nicht verschließen können, daß das Bauwerk 
in seiner jetzigen Form nicht erhalten werden kann, daß 
seine Tage gezählt sind. 

Die alte Brücke überschreitet die durch die Inseln 
Oberer und Unterer Wörth in zwei Arme gespaltene 
Donau zwischen den beiden nur durch eine schmale Land¬ 
zunge zusammenhängenden Inseln, oberhalb der Einmün¬ 
dung des Regen-Flusses, mit 15 AVölbungen. Durch eine 
vom Oberen Wörth stromabwärts vorgestreckte Landzunge 
wird das imganzen rd. 300“ lange Bauwerk in 3 Teile 
geteilt, deren Oeffnungen zwischen 10,45 bis 16,70 Licht¬ 
weite schwanken. Die 14 Pfeiler besitzen Stärken von 
5,85 bis 7,43 m und sind auf Steinschüttungen gegründet, 
die als schmale Inseln (Vorbesehlächte) zum Schutz gegen 
Unterspülung noch weiter stromauf geführt sind. Nahezu 
70% der gesamten Strombreite werden auf diese Weise 
in Anspruch genommen. Diese starke Profilverengerung 
bedingt natürlich einen erheblichen Aufstau oberhalb der 
Brücke und erzeugt ein Stromgefälle, das selbst von Dampf¬ 
schiffen bei der Bergfahrt nur schwer überwunden wer¬ 
den kann, während bei der Talfahrt größte Vorsicht ge¬ 
boten ist, um einen Anprall an den Pfeilern zu vermeiden. 
Daß letztere für die geregelte Abführung des Hochwassers 
und desEises ein bedenklichesHindernis bilden,ist begreiflich. 

Auch für den Straßenverkehr ist die jetzige Brücke 
mit knapp 8 m Gesamtbreite zwischen den Brüstungen, 
wovon 5 m auf den Fahrdamm entfallen, nicht mehr zu¬ 
reichend. Die Regierung hat nun 2 Entwürfe für einen 
vollständigen Neubau aufgestellt, einen solchen in Stein 
und Eisen, dessen Kosten nach dem Voranschlag mit 
2 720 000 M. abschließen, und einen vollständigen Massiv¬ 
bau mit 3250000 M. Gesamtkosten. Ob die Frage eines 
LTmbaues, also einer teilweisen Erhaltung des alten Bau¬ 
werkes, näher geprüft wurde, ist uns nicht bekannt. 

Die Linienführung, welche sich den jetzigen Verkehrs- 
Bedürfnissen anpaßt, ist bei beiden Entwürfen die gleiche. 
Auf der linken Seite wird die Verlängerung der Haupt¬ 
straße von Stadtamhof als Brückenachse beibehalten, wäh¬ 
rend auf dem rechten eine Verschiebung stattfinden soll, 



liehe Wohnhaus und seine dem Bewohner anzupassende 
Erscheinung war schon das bewußte Streben der histo¬ 
rischen Periode. Am spätesten in Berlin, wo die ange¬ 
nehme Etage herrschte und wohl eigentlich noch herrscht, 
viel früher in Hamburg, Bremen, Kopenhagen; vor allem 
in London wurde dasselbe Ziel erstrebt und man durfte 
auch wohl seinerzeit zumteil den Anspruch erheben, es 
erreicht zu haben. 

Ob mit weniger oder mehr Recht wie heute, wer 
will das entscheiden? Früher mußte die Familie gotisch, 
renaissance oder barock zu leben sich bequemen, und 
heute muß sie auch wohl meist ohne eigenes Empfinden 
und inneren Drang sich den modernen Stil in AA r ohnung 
und Gerät gefallen lassen. 

Unzweifelhaft ist aber das Bedürfnis gewachsen, das 
eigene Heim zu besitzen und es mit der Kunst unserer 
Tage zu schmücken, und ist dies als ein Verdienst der 
modernen Baukunst zu betrachten, so darf sie mit Genug¬ 
tuung darauf hinsehen, aber sich darüber doch wohl kaum 
einer Täuschung hingeben, daß hier nicht die Wirkung der 
Kraft neuer Gedanken allein, sondern in weit höherem 
Grade die — Mode mitspricht. 

Das Aeußere des modernen bürgerlichen Wohnhauses 
zeigt, wie vielleicht kein zweites Gebiet, die unendliche 
Subjektivität der Zeit, nicht der Bewohner, das wäre sehr 
ideal, sondern der Baumeister. Von dem-kokett Maleri¬ 
schen bis zum absichtlich Nüchternen und Trivialen ist 
jede Nuance vertreten. Soweit dabei die Beseitigung der 
historischen Formen infrage kommt, kann man, wie ich 


glaube, auch hier uneingeschränkt loben ; was dagegen die 
subjektiven Ausdrucksmittel anbelangt, das willkürliche 
Durcheinander von Stein, Putz und Fachwerk, ohne jede 
innere oder äußere Notwendigkeit, die Ansätze monumen¬ 
taler Bauweise mit Ausklängen spielend dekorativer Kunst 
u. a., so ist dies, wie man annehmen darf, noch kein end¬ 
gültiger Ausdruck der Zeit. Ebensowenig wie das Nach¬ 
ahmen englischer oder amerikanischer Häuser oder Haus¬ 
teile mit ihren absichtlich roh gehaltenen Steinmauern, 
Blockhausformen, flach gerundeten Erkern usw. als Zu¬ 
kunftstypus für das deutsche Heim mit seinen unendlich 
anderen Bedürfnissen, die auch einen anderen Ausdruck 
fordern, angesehen werden kann. 

Sehr schwer wird es mir, über das Innere des moder¬ 
nen Hauses objektiv zu sprechen, welches im allgemeinen 
uns Aelteren gegenüber der Stilromantik des 19. Jahr¬ 
hunderts nüchtern erscheint. Nüchtern und kahl, vielleicht 
aus dem Wunsch nach Gegensätzlichkeit, wohl auch aus 
Ratlosigkeit und aus Mangel jeder Ueberlieferung, viel¬ 
leicht auch aus der Absicht, die sehr wünschenswerte 
Einfachheit des Lebens symbolisch darzustellen. In den 
früheren Zeiten galten warme, stimmungsvolle Gemächer 
mit dunklem Getäfel und vollen, satten Wandtönen als 
behaglich; heute sind Dissonanzen, kalte, hart gegenein¬ 
ander gesetzte Farben, schlichte weiße oder rpodern 
reliefierte Stuckdecken, oder absichtlich im Material roh¬ 
gehaltene Holzdecken, mangelnde oder kurze Vorhänge, 
verbunden mit einer Ausstattung durch Möbel, welche 
uns wenigstens erst auf den ersten Stufen einer künstle- 


6 Februar 1904. 


67 













sodaß die Verlängerung der Straße am Krauterer-Markt 
die Brückenrichtung bestimmt. Dazwischen wird eine 
Krümmung von 150 ra Halbmesser eingelegt. Der bisher 
das Brückenende bezeichnende Goliath-Turm fällt also 
nicht mehr in die neue Achse. Im übrigen geht es ohne 
einige weitere Eingriffe in den Stadtplan nicht ab. 

Bei dem Plan mit teilweise eisernem Ueberbau ist 
der mittlere Teil der Brücke zwischen den beiden Donau¬ 
armen in massiver Wölbung geplant (4 Oeffnungen zu je 
23,55 m )- Der nördliche Donauarm soll in einer Oeffnung 
von 102 m , der südliche mit einer solchen von 93 m mit 
über der Fahrbahn liegendem Bogen überspannt werden. 
Die Gesamtlichtweite stellt sich dann auf 289,2 m gegen¬ 
über 214,52 m bei dem jetzigen Bauwerk. Die Brücke soll 
7,5 m Fahrbahnbreite erhalten, während die ausgekragten 
Bürgersteige je 3 m breit werden sollen. Die Steigungen 
würden rd. 1:45 und 1 :33 auf der Regensburger Seite 
bezw. am linken Ufer betragen. 

Eine ganz massive gewölbte Brücke mit 6 Oeffnungen 
würde eine etwas geringere Lichtweite von 287 m erhalten. 
Es sind dabei 2 Oeffnungen von je 43,5 m für den nörd¬ 
lichen, je 2 von je 50“ Lichtweite für den mittleren Teil 


Vermischtes. 

Die 45. Hauptversammlung des „Vereins deutscher Inge¬ 
nieure“ findet vom 6.—8. Juni 1904 in Frankfurt a. M. statt. — 

Preisbewerbungen. 

Ein Wettbewerb der Gemeinde Tegel betrifft Entwürfe 
für eine Fahrkarten -Verkaufshalle, eine Bedürfnisanstalt, 
Schilder für Dampfer-Anlegestellen, einen Lageplan zur 
Aufstellung dieser Gebäude, einen Plan für die Anordnung 
der Wege zu den Anlegestellen und zu den Anpflanzun¬ 
gen auf dem Ufergeläncie am Tegeler See. Es gelangen 
3Preise von25o,i5o und 100M. zurVerteilung. Frist 10.März 
d. J. Unterlagen gegen 2 M., die zurückerstattet werden. — 

Für einen Monumentalbrunnen auf dem Melanchton- 
platze in Nürnberg sollen die Entwürfe auf dem Wege 
eines Ideenwettbewerbes unter in Bayern wohnenden 
oder dort beheimateten Künstlern beschafft werden. Frist 
31. Mai 1904. 3 Preise von 700, 500 und 300 M. Unter¬ 

lagen kostenfrei durch den Statmagistrat von Nürnberg. — 


Chronik. 

Ein neues Realgymnasium in Friedrichshagen wird nach 
dem Entwurf der Architekten Jürgensen & Bachmann in Berlin 
errichtet. Die Bausumme beträgt 280 000 M. — 

Ein neues Residenztheater in München für intime Vor¬ 
stellungen gedacht, ist an der Prinzregenten Straße in der Nähe 
des Nationalmuseums geplant, da die Verhältnisse des alten Residenz¬ 
theaters zwischen Hoftheater und Residenz im Falle einer Panik 
nicht die nötige Sicherheit bieten. —- 

Die Freilegung der Sphinx bei den Pyramiden von Gizeh 
ist, wie aus Kairo berichtet wird, durch eine englische Gesellschaft 
geplant, an deren Spitze Charles Boyle steht. — 

St. Josefskirche in Braunschweig. Am 20 Dez. v. Js. wurde 
die neue, nach dem Entwurf des Hrn. Brt. Herzig in Hildesheim 


rischen Neubildung zu stehen scheinen, das Ideal eines 
bürgerlichen Zimmers. 

Dagegen entsteht unzweifelhaft aber auch beim städti¬ 
schen bürgerlichen Wohnhaus, insbesondere dem gewöhn¬ 
lichen Miethause, der modernen Kunst ein Ruhmestitel aus 
der Bekämpfung der historisch sich gebenden Gips- und 
Stuckarchitektur und aus der an die Stelle tretenden künstle¬ 
rischen Ausbildung des Putzbaues als solcher, und 
solche Taten dürften wertvoller, wichtiger und zukunfts¬ 
reicher sein, wie viele andere mit großer Reklame insWerk 
gesetzte, künstlich und gewalttätig modern sich gebende 
Schöpfungen, denen eine gesunde Grundlage mangelt. 

Zu den Gebieten, auf welche die moderne Architektur 
erst im Werke ist, größeren Einfluß zu gewinnen, gehören 
Rathäuser und andere öffentliche Gebäude, ebenso die 
Kirchen. Die ersteren verhalten sich der Bewegung gegen¬ 
über noch zurückhaltend, weil die Verantwortung gewöhn¬ 
lich von Behörden oder vielköpfigen Vertretungen ge¬ 
tragen werden muß. Die Kirchen stehen bis heute noch 
zu sehr unter dem Einfluß der historischen Vergangenheit, 
die hier schwerer zu erschüttern ist als bei Aufgaben moder¬ 
nen Lebens, welche keine Ueberlieferung kennen. Was 
angestrebt wird, um auch dieses Reich zu erobern, steht 
vor der Hand noch meist auf dem Papier und kommt 
wohl auch, mit dem wohlwollendsten Auge betrachtet, 
kaum über den Versuch hinaus, wobei wuchtige, ge¬ 
waltige Massen, effektvoll verteilte Oeffnungen und ein 
das Mystische anstrebender Gesamteindruck das gewohnt 
Kirchliche der Tradition ersetzen sollen. 

Wenden wir uns zum Schluß der Ausstattung der 
Häuser, dem Mobiliar, zu, so können wir mit einem 


der Brücke und den südlichen Arm geplant. Die Steigungs- 
Verhältnisse werden etwas ungünstiger. Sie stellen sich 
auf rd. 1 :35 auf der Regensburger Seite, gegenüber aber 
auf 1:20 (falls diese den Tagesblättern entnommene An¬ 
gabe tatsächlich richtig ist). 

Wenn auch die Rücksichten auf Verkehr und Kosten 
vielleicht mehr für den Entwurf mit teilweiser Ausführung 
in Eisen sprechen, so möchten wir doch der Hoffnung 
Ausdruck geben, daß trotzdem ein Massivbau zur Aus¬ 
führung kommen wird und zwar in einer Gestaltung, 
die sich ebenso schlicht und anspruchslos in die Um¬ 
gebung einpaßt, wie das bei dem jetzigen Bauwerk der 
Fall war. Eine Brücke mit eisernem, über der Fahrbahn 
liegendem Ueberbau würde dagegen ein fremdes Moment 
in das Städtebild tragen, dessen malerischer Eindruck da¬ 
durch unzweifelhaft schwere Einbuße erleiden würde. 
Die Zahl malerischer alter deutscher Städtebilder ist nicht 
übergroß. Möge man sich daher bei jedem Eingriff vor 
Augen halten, wie weit sich die Erfüllung zwingender 
Verkehrs-Bedürfnisse mit einer möglichsten Erhaltung des 
Vorhandenen vereinbaren läßt. — 

Fr. E. 


ausgeführte St. Josefskirche in Braunschweig, eine gewölbte Basilika 
in frühgotischem Backsteinstil für 1600 Kirchgänger, in Gebrauch 
genommen. — 

Kanalisation von Saarbrücken. Für die Stadt Saarbrücken 
ist vom Ingenieur - Büreau Unna Nachf. in Köln der Entwurf für 
die Kanalisation ausgearbeitet worden. Die Bausumme beträgt 
etwa 1 000 000 M. — 

Eine Ausmalung des Repräsentationssaales des alten 
Domprobsteigebäudes zu Halberstadt erfolgt nach den Ent¬ 
würfen des Malers G. Barloesius in Berlin. — 

Eine Gottfried Semper-Ausstellung in Hambürg veran¬ 
staltete das dortige Kunstgewerbe-Museum. Sie enthielt fast das 
gesamte Lebenswerk des Meisters, von seinen ersten Anfängen an 
bis zu den Monumentalbauten Wiens. — 

Freilegung des kgl. Schlosses in Königsberg in Pr. In 
Königsberg i. Pr. werden die Neubauten zur Freilegung des kgl. 
Schlosses nach dem s. Zt. (vergl. Dtsche. Bauztg. vom 5. Sept. 1903) 
in einem öffentlichen Wettbewerbe mit dem I. Preis ausgezeich¬ 
neten Entwurf des Architekten Jos. Franke zu Gelsenkirchen und 
unter dessen Leitung ausgeführt. — 

Brief- und Fragekasten. 

Anfragen an den Leserkreis. 

Welche Erfahrungen sind in dem in No. 62, Jahrg. 1903 der 
„Deutschen Bauzeitung 1 ' besprochenen „Wachwitzmetall“ ge¬ 
macht worden? — F. G. in B 

Inhalt: Die Arbeiterheilstätten der Landes-Versicherungsanstalt Berlin 
bei Beelitz. — Das Bauwesen im preußischen Staatshaushalt für das Ver¬ 
waltungsjahr 1904 (Schluß). — Das Moderne in der Architektur der Neu¬ 
zeit (Schluß). — Zur Frage des Neubaues der alten steinernen Brücke über 
die Donau in Regensburg. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Chronik. 
— Brief- und Fragekasten. 

Hierzu eine Doppel-Bildbeilage: Die Arbeiterheilstätten der 
Landes-Versicherungsanstalt Berlin bei Beelitz. 

Verlag der Deutschen ßauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwort!. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 


großen Verdienst des modernen Schaffens beginnen. Ein 
solches ist unbestreitbar hier vor allem die Vernichtung 
der historischen Architekturformen am Mobiliar 
und, zunächst England folgend, die Ersetzung derselben 
durch einen Formalismus, der sich aus dem Material und 
der Konstruktion, mit einem Wort aus der Tischler- und 
Bildhauerkunst, von selbst ergibt. 

Wäre dieser so einfache, natürliche und gesunde Vor¬ 
gang das leitende Prinzip geblieben, verbunden mit wirk¬ 
licher Zweckmäßigkeit und wirklicher Bequemlichkeit, 
so könnten wir auch hier sagen: „Hut ab vor der mutigen, 
befreienden Tat!“ Leider ist es nicht ganz so; auch 
hier hat das Schweifende des subjektiven Empfindens, 
die Sucht nach Originalität und dem sich zur Geltung 
Bringen mehr Unreifes, Unlogisches und Unpraktisches 
geschaffen, wie das Gegenteil, und dem Material, na¬ 
mentlich dem Holz, eine Gewalt angetan, die wohl aus 
der vervollkommneteren Technik zu erklären, aber künst¬ 
lerisch schwer zu rechtfertigen ist. 

Soviel steht fest: die moderne Architektur-Bewegung 
in ihrer Gesamtheit, in ihrem Wollen und ihren besten 
Werken stellt eine großartige Tat dar, die sich den frucht¬ 
barsten Perioden künstlerischen Schaffens in der Geschichte 
wohl vergleichen läßt. 

Wir stehen als unverantwortliche Mitlebende der tiefen 
künstlerischen Erregung unserer Tage, die weitere Ent¬ 
wicklung abwartend, gegenüber. Der einzelne Mensch, der 
einzelne Künstler vermag nicht, sich dem rollenden Rade 
der Zeit entgegenzustemmen, und wenn er noch so sehr 
von der Notwendigkeit des Widerstandes überzeugt ist.“ — 

Joh. Otzen. 

No. 11. 


68 









DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N' ’ 12 BERLIN, DEN 10. FEBR. 1904 









Die Arbeiterheilstätten der Landes-Versicherungsanstalt Berlin bei Beelitz. Werkstatt-Gebäude und Kegelbahn. 

Architekten: Schmieden & Boethke in Berlin. 


Die Ausführung des Empfangs-Gebäudes des Hauptbahnhofes in Hamburg, insbesondere die 

Gründungsarbeiten. 

(Nach einem Vortrage des Hrn. Eisenb.-Bauinsp. Ernst Moeller, gehalten im Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hamburg). 


er Plan für die Ausgestaltung des Hauptbahnhof- 
Gebäudes in Hamburg ist jetzt soweit gediehen, 
daß sich über dieselbe nähere Mitteilungen machen 
lassen. Eigentümlich und fast ohne Vorbild ist für den 
Bahnhof die tiefe Lage der Gleise zu den umgebenden 
Straßen. In Harb urg ist allerdings schon eine derartige An¬ 
lage vorhanden, doch kann diese sowohl hinsichtlich ihrer 
Größe als auch bezüglich des durch sie zu bewältigenden 
Verkehres nicht mit dem Bahnhof in Hamburg verglichen 
und nicht als Vorbild für die monumentale Ausgestaltung 
dieses Bauwerkes herangezogen werden. Aehnliche Ver¬ 
hältnisse wie bei dem Hamburger Bahnhof liegen bei dem 
Bahnhof am Quai d’Orsay der Orleans-Bahn in Paris 
vor, jedoch ist dieser eine Kopfstation und bietet des¬ 
halb für die architektonische Behandlung nicht die glei¬ 
chen Schwierigkeiten. 

Eine ästhetische Wirkung ist bei dem Hauptbahnhof in 
Hamburg wegen der fehlenden Höhe — die Bahnsteige und 
somit auch die Füße der Bahnsteighallen - Binder liegen 
6 bis 7,5 m unter der Straßenoberkante — sehr schwer zu 
erreichen. Erst durch eingehende Studien ist es gelungen, 
einen nach dieser Richtung befriedigenden Entwurf zu 
erlangen. Der Grundriß, welcher schon längere Zeit fest¬ 
steht, ist’sowohl hinsichtlich der Bedürfnisse des Betriebes 
als derjenigen der Reisenden zweckmäßig, übersichtlich 
und weiträumig gelöst. 

Die Halle erhält eine Länge von 140 und eine Breite 
von 114 m; sie ist überdacht durch einen mittleren Bogen 


von 73 m Spannweite und 35 m Flöhe, sowie durch zwei 
Seitenhallen von je 20,5 m Breite, welche in mehrere Quer¬ 
schiffe geteilt sind, deren Achsen senkrecht zu den Achsen 
der Haupthalle stehen. Die Breite der Querschiffe ent¬ 
spricht der Binderteilung der Haupthalle, sie ist infolge 
der nach einem Halbmesser von 900 m gekrümmten Achse 
der mittleren Halle verschieden groß und beträgt an der 
Seite des Glockengießerwalles 14,5 m , an der Seite der 
Kirchenallee 16,5 m . 

Die aus dem Wettbewerb für den Hauptbahnhof her¬ 
vorgegangene Form der Halle lehnt sich an diejenige der 
großen Maschinenhalle auf der PariserWelt-Ausstellung vom 
Jahre 1889 an, doch hat man in Hamburg durch Anord¬ 
nung der Seitenhallen eine gute Uebertragung des Wind¬ 
druckes auf die beiderseitigen Landfesten erreicht. Mit 
den vorerwähnten Abmessungen wird die Halle die größte 
von allen Bahnhofshallen Deutschlands, und sie gibt durch 
ihre große Höhe dem ganzen Gebäude ein charakteristi¬ 
sches Gepräge. An der Nordseite der Halle befindet sich 
der alle 12 Gleise überbrückende Querbau des Gebäudes, 
in welchem an der West- und Ostseite je eine Eingangs¬ 
und Ausgangshalle mit Fahrkartenschaltern, Gepäckannahme 
und Ausgabe liegen, welche durch eine 17 m breite Quer¬ 
halle mit einander verbunden sind. An der Nordseite der 
Verbindungshalle sind die Wartesäle angeordnet, ferner 
ein Speisesaal, die Abortanlagen und einige Betriebsräume, 
während sich an der Südseite der Ausgangshalle eine be¬ 
sondere Halle für den Stadtbahnverkehr unmittelbar an- 



69 



















schließt. Von der durch eine Glaswand gegen die große 
Bahnhofshalle abgeschlossenen Verbindungshalle führen 
Treppen und Aufzüge zu den Bahnsteigen hinab. 

Die architektonische Wirkung der Verbindungshalle 
wird durch ihre stattliche Breite, sowie dadurch, daß die 
Ueberdachung der großen Bahnsteighalle über die Ver¬ 
bindungshalle und einen kleinen Teil der nördlich von ihr 
liegenden Räume hinweggeführt ist, günstig beeinflußt. 
Die Firstlinie der großen Halle liegt noch etwa 20 m über 
der Oberkante der vorgenannten, in die Verbindungshalle 
hineinragehden Räume, sodaß oberhalb der letzteren noch 
ein erheblicher Teil der nördlichen Abschlußschürze der 
Haupthalle sichtbar bleibt und der Einbau dieser Räume 
in die Ueberdachung der Verbindungshalle eine günstige 
Gelegenheit zu malerischen Motiven in der architektoni¬ 
schen Ausgestaltung bietet. Im Aeußeren bildet die über 
die Verbindungshalle hinweg vorgeschobene mittlere Bahn¬ 
steighalle das alle übrigen Baukörper beherrschende Motiv, 
dem sich die Eingangshallen, der Wartesaalbau und die 
sonstigen Vorbauten anschmiegen. 

Der Entwurf für das Empfangsgebäude ist betreffs 
seiner architektonischen Gestaltung durch die Hrn. Arch. 
Reinhardt & Süssenguth in Charlottenburg unter Mit¬ 
wirkung der kgl. Eisenbahn-Direktion Altona aufge¬ 
stellt worden, durch welch’ letztere auch die Entwurfs- 
Bearbeitung betreffs der Gesamtanordnung und der konstruk¬ 
tiven Durchbildung erfolgt ist. Dieser Entwurf hat die Zu¬ 
stimmung des Hrn. Ministers der öffentlichen Arbeiten 
und des Hamburger Senates erhalten. 

Interessant war die Gründung der Gebäude, die be¬ 
reits im wesentlichen fertig gestellt ist. Der Baugrund 
ist an der Ostseite gut und gestattete eine unmittelbare 
Betonierung auf den gewachsenen Boden. Der Teil des 
Stadtgrabens, welcher in die Grundrißfläche des Gebäudes 
fällt, wurde von beiden Seiten her mit Sand zugeschüttet 
und dadurch der Schlick aus demselben herausgedrängt. 
Schwieriger gestaltete sich die Gründung an der West¬ 
seite. Dort hatten die Bohrungen einen sehr wechselnden 
Baugrund ergeben, die Folge des hier einst vorhandenen, 
später zugeschütteten Stadtgrabens. Es war zunächst vor¬ 
geschlagen, den Bauplatz im Bereiche des alten Stadt¬ 
grabens mit Brunnen zu umgeben, um durch Pumpen den 
Wasserstand zu senken, ohne die oben liegenden Sand¬ 
schichten zu lockern. Dieser Versuch mußte aufgegeben 
werden, weil der sehr feine Sand ein Pumpen in den 
Brunnen unmöglich machte. Man hat dann den ver¬ 
bleibenden Teil des Stadtgrabens durch unmittelbares 
Auspumpen trocken gelegt, ohne daß dadurch eine unzu¬ 
lässige Auflockerung des Baugrundes eingetreten wäre. 

Große Schwierigkeiten entstanden dadurch, daß bei 
Herstellung der Pfeilerfundamente die weitestgehende 
Rücksicht auf den Betrieb genommen werden mußte, was 
wiederholte Verlegungen der Betriebsgleise erforderte. 
Die Gründung des nördlichen Querbaues mußte unabhängig 


Mitteilungen aus Vereinen. 

Arch.- u. Ing.-Verein zu Hamburg. Vers, am 13. Nov. 1903. 
Vors. Hr. Zimmermann, anwes. 54 Personen, aufgen. 
die Hrn. Bmstr. Niestradt und Ing. Orthmann. 

Hr. Himmelheber macht Mitteilungen über „Licht¬ 
pausverfahren und Heliosdruck“: Seit Erfindung 
der lichtempfindlichen Eisenpapiere i. J. 1840 durch John 
Herschel hat das Lichtpausverfahren einen solchen Umfang 
angenommen, daß heute kaum noch technische Arbeiten 
ohne Benutzung von Lichtpausen Vorkommen. Die Licht¬ 
pausverfahren zerfallen in zwei Hauptgruppen, in solche, 
welche Halbtöne der Zeichnung wiedergeben und solche, 
welche dies nicht tun. Erstere sind daher meist auch mit 
einer minder scharfen Zeichnung ausführbar; zu ihnen 
gehören die Verfahren mit Sepia- (braun), Eisen- (blau) 
und Galluseisen- (schwarz) Papier. Das Braunpapier ist 
lichtempfindlich, aber als Negativabdruck mit braunem 
Grund wenig verwendbar; man kann jedoch von einem 
dünnen Spiegelbildnegativ Positive mit weißem Grunde 
hersteilen, wenn die Zeichnung kräftig ist. Das blau¬ 
saure Eisenpapier ist am weitesten verbreitet, da zur Ent¬ 
wicklung ein Wasserbad genügt und die Bilder von großer 
Schärfe sind. Nachteilig ist bei Blauzeichnungen die große 
Empfindlichkeit des Blaupapieres gegen Kalk, der weiße 
Flecke erzeugt. Photographische Abzüge werden durch 
Zusatz von doppelt-chromsaurem Kali zum Wasserbade 
klarer. — Das Galluseisenpapier würde verbreiteter sein, 
wenn es weniger empfindlich bei der Herstellung und 
Aufbewahrung wäre. Das Papier ist entweder sehr teuer 
oder brüchig. Klare Bilder erfordern eine besonders 
scharfe Zeichnung. Zur Entwicklung genügt neuerdings 
ein Wasserbad. 


von den in demselben befindlichen Wänden, lediglich mit 
Rücksicht auf die Pfeilerstellungen zwischen den Gleisen 
erfolgen. Es erforderte dies recht erhebliche Eisenkon¬ 
struktionen mit Spannweiten von 11—15 m zur Uebertragung 
der Lasten der Mauern auf die nicht unmittelbar unter 
ihnen stehenden Pfeiler. 

Für die in dem alten Stadtgraben stehenden west¬ 
lichen Kasematten hat man eine Gründung auf Eisen¬ 
betonpfählen nach dem System Hennebique gewählt, 
weil hier der feste Grund erst in einer wechselnden Tiefe 
von 3—9 m unter Schienenoberkante anzutreffen ist. Das 
Verfahren hat sich unter Anwendung der einen Gegen¬ 
stand des Ilennebique’schen Patentes bildenden Schlag¬ 
haube, durch welche unter Anwendung einer Sägemehl- 
Füllung zwischen dem Rammbär und dem Pfahlkopfe~ein 
elastisches Mittel eingefügt wird, sehr bewährt. Unter 600 
geschlagenen Pfählen sind nur 3 zerbrochen. Die ver¬ 
wendeten Pfähle haben durchweg quadratischen Quer¬ 
schnitt von 36 cm Seite mit Rundeiseneinlagen an den 
Ecken von 25 mm im Durchmesser, welche 8 cm von den 
Betonkanten abstehen und ihrerseits in Abständen von 
rd. 25 cm durch Quer-Rundeisenbügel verbunden sind. Das 
Stampfen der Pfähle erfolgt in lotrechter Stellung. Das 
Mischungsverhältnis des Betons ist 1:3 bis 1:3,5. Sehr 
wichtig ist die Einhaltung bestimmter Korngrößen von 
Sand und Kies, auch muß das Material sorgfältig gewaschen 
werden Die fertig gestampften Pfähle bleiben 2—3 Tage 
eingeschalt stehen, müssen dann noch 14 Tage begossen 
werden und können erst nach 5—6 Wochen gerammt 
werden. Die von der Firma Menck & Hambrok in 
Hamburg hergestellte Ramme gestattet ein sehr genaues 
Einstellen des Pfahles und ermöglicht, demselben eine 
Neigung von 1 : 5 nach vorn und 1:10 nach rückwärts zu 
geben. Das Gewicht des Rammbärs beträgt 4000 kg, die 
Fallhöhe 1,2—i,4 m . Belastungsversuche haben ergeben, 
daß die Pfähle, wenn sie unter diesen Verhältnissen zum 
Schluß noch 1 cm für 1 Schlag ziehen, eine Last von 50 
bis 52 t dauernd tragen können; bei einer Probebelastung 
von 85 t ist nach 10 Tagen eine Senkung von nur 2 mm 
beobachtet worden. 

Nach erfolgter Rammung werden die Pfahlköpfe durch 
eine Betoneisenplatte von 7o cm Stärke verbunden, in welche 
die Rundeiseneinlagen der Pfähle noch rd. 50 Gm einbinden. 
Die Mischung des Betons für diese Platten beträgt 1 :4. 
Die Kosten der Eisenbetonpfahl - Gründung werden in 
obigem Falle derjenigen einer Betongründung nahezu 
gleich sein; es wird aber bei derselben an Zeit gespart, 
da die schwierige Erdarbeit für den Aushub bis zum 
Grundwasserstand entfällt. Ein Pfahl kostet für 1 lfd. m 
etwa 17—17,5 M. 

Die Ausführung dieser Rammung einschl. der Her¬ 
stellung der Pfähle war von Hrn. Ing. Deimling in 
Hamburg übernommen und ist zur vollsten Zufriedenheit 
der Bauverwaltung ausgeführt worden. — pf m 


Zu der Gruppe ohne Halbtöne gehört die Negrographie 
und eine Anzahl neuer unter einander verwandter Ver¬ 
fahren, wie Helios-, Papyro-, Kohle-, Pausia-, Zinkdruck u. a. 
Bei diesen Verfahren findet keine Färbung des . Papiers 
durch das Licht statt, sondern sie beruhen auf der Er¬ 
scheinung, daß Gummilösungen, mit einem Chromsalz ge¬ 
mischt, durch Belichtung unlöslich werden. Bei der von 
Itersheim in Wien erfundenen Negrographie wird das mit 
einer chromsalzhaltigen Gummilösung bestrichene Papier 
belichtet und darnach ganz geschwärzt. Ein Säurebad 
entfernt alsdann die unlöslich gewordene Gummischicht 
samt der Farbschicht, während dort, wo die Gummischicht 
löslich geblieben ist, die Farbe in das Papier eindringt 
und fest haftet. Nach dem Auswaschen des Papiers bleibt 
eine schwarzweiße, sehr klare Zeichnung ohne jeden Halb¬ 
ton. Die Zeichnung muß aber gut decken. — Beim Helios¬ 
druck und den anderen Druckverfahren wird eine Metall- 
Aluminium oder Zink) Platte in einer der vorbeschriebenen 
ähnlichen Weise so behandelt, daß schließlich die licht¬ 
geschützten Stellen einen Ueberzüg von Fettschwärze er¬ 
halten, so daß die Platten, wie beim Steindruck, zum 
Druck beliebig vieler Abzüge benutzt werden können. 
Hierbei sind jedoch eine Reihe erheblicher Schwierig¬ 
keiten zu überwinden, weshalb die verschiedenen Ver¬ 
fahren geheim gehalten werden. Die Abdrücke sind jedoch 
von großer Schärfe, Genauigkeit und Schönheit, so daß 
dieses Verfahren, das bei einer größeren Zahl von Ab¬ 
drücken auch billiger ist als jedes andere, die älteren 
Verfahren auf vielen, auch nichttechnischen Gebieten ver¬ 
drängen dürfte. Voraussetzung für das Gelingen ist eine 
gute Zeichnung, die aber nur einen geringen Mehraufwand 
an Mühe und Sorgfalt erfordert. Redner führte eine 
Reihe wohlgelungener Heliosdrucke und Druckplatten 

No. 12. 


70 



vor. Auf Anfrage teilt Redner mit, daß die Genauigkeit 
beim Heliosdruck daher rühre, daß bei der Herstellung 
der Platte jede Ungenauigkeit durch Verziehen aus¬ 
geschlossen sei, beim Drucken sei zwar eine geringe An¬ 
feuchtung des Papieres notwendig, diese beeinträchtige 
jedoch die Genauigkeit nicht. — 

Unter den kleineren Mitteilungen der Tagesordnung 
spricht Hr. Haller u. a. über seine Vorstudien zum Bau 
des von J. Laejß gestifteten Hamburger Konzerthauses, 
insbesondere über die akustisch-szenischen Ver¬ 
suche im Heidelberger Konzerthause. Man hat 
dort die je 2 m breiten Stufen des Podiums der Höhe nach 
verstellbar gemacht, so daß man die Instrumente oder 
Chöre entweder in der Tiefe verstärken oder emporheben 
kann. Davor befindet sich eine Schallwand, hinter der 
neben dem Leitenden die Geiger sitzen, wodurch sie be¬ 
sonders gut zur Wirkung kommen. Redner hält die 
Heidelberger Versuche in akustischer Hinsicht, nicht aber 


Hierauf sprach Hr. Ernst Möller über die Grün¬ 
dungs-Arbeiten für den Hauptbahnhof in Hamburg, 
wobei ein reiches Material an Zeichnungen vorgeführt 
wurde. Wir geben den Inhalt des interessanten Vortrages 
auszugsweise an anderer Stelle wieder. — jj m 


Preisbewerbungen. 

In einem Wettbewerb der „Deutschen Gesellschaft für 
christliche Kunst“ betr. Entwürfe für eine Kirche in Sonders¬ 
hausen errangen den I. und III. Preis die Hrn. Gebr. Rank 
in München; den II. Preis Hr. A. Bachmann in München 
und den IV. Preis Hr. Kurz in Tutzing. — 


Chronik. 

Der Bau eines neuen militär - geographischen Institutes 
in Wien auf dem Gelände der ehemaligen Josefstädter Reiter¬ 
kaserne ist begonnen worden. Der 1905 in Benutzung zu nehmende 




hinsichtlich der Experimente mit Lichtwirkungen für nach¬ 
ahmenswert. — St. 

Vers, am 20. Nov. 1903. Vors. Hr. Zimmermann, 
anwes. 104 Pers. 

Nach einer Ansprache des Vorsitzenden ehrt die Ver¬ 
sammlung das Andenken des verstorbenen Vereinsmit¬ 
gliedes Hrn. J. H. C. Ehlers durch Erheben von den Sitzen. 
Eingegangen sind im Austausch gegen die diesseits den 
Vereinen zugeschickten Jahresberichte eine Anzahl Ver¬ 
einsberichte des Arch.- und Ing.-Vereins für Niederrhein 
und Westfalen, ferner eine Anzahl von Dankschreiben 
verschiedener der verbundenen Vereine für die Zusendung 
der Denkschrift über die Arbeiter-Wohnhausfrage. 

xo. Februar 1904. 


Bau wird rd. 2 Mill. Kr. kosten; seine Architekten sind die Brte. 
Stigler und Siedek. —- 

Der Neubau eines Inkurablenhauses der Servatius-Stiftung 
in Augsburg ist mit einem Aufwande von 600 000 M. in Aussicht 
genommen. — 

Mit der Errichtung eines Schwindbrunnens in Wien 
ist der Bildhauer Schimkowitz in Wien betraut worden. Der 
Brunnen soll in der Umgebung der Hofmuseen aufgestellt werden. 
Die Mittel sind von einigen Mäcenen aufgebracht worden. — 

Ein Stadttheater ln Bremerhaven ist von den dortigen 
städtischen Kollegien zu bauen beschlossen worden. Die Kosten 
sind auf 650 000 M. veranschlagt. — 

Eine Ausstellung von Arbeiten der Architektenfirma 
Albert Schutte & Volmer in Barmen fand in der Ruhmeshalle 
in Barmen statt und betraf vorwiegend den Wohnhausbau — 

7 1 




























































Ein städtisches Museum in Landshut soll nach Umbau des 
Hopfenstadl eingerichtet werden. — 

Für ein Rudolf Virchow-Denkmal in Berlin ist der Karls¬ 
platz, der Charite unmittelbar benachbart, bestimmt worden. —- 

Ein Denkmal für Gustav Freytag wird in den Kuranlagen 
von Wiesbaden zur Aufstellung gelangen. Das Denkmal fertigt 
Prof. Friedr. Schaper in Berlin aus Marmor von der Insel Elba. —- 

Die Errichtung eines Luitpoldbrunnens in Ansbach ist 
durch die Gemeindekollegien beschlossen worden. Der Brunnen 
soll zum 20. Mai 1906, der Wiederkehr des Tages, an welchem vor 
100 Jahren Ansbach mit Bayern vereinigt wurde, enthüllt werden. 
Für die Erstellung des Brunnens sind 40000 M. angesetzt. — 

Ein Nationaltheater in Klausenburg gelangt nach den Ent¬ 
würfen von Fellner & Helmer in Wien zur Errichtung. — 

Eine Turnhalle in Schweinfurt gelangt nach dem aus einem 
engeren Wettbewerb hervorgegangenen Entwurf des Hrn Arch. 
Heinr. Egels ehr in Nürnberg zur Ausführung. — 

Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Der Ing. Otto Leitholf in Berlin ist 
zum nichtständ. Mitgl. des Pat.-Amtes ernannt. 

Zum r. April werden versetzt: Die Geh. Mar.-Brte. und Schiff- 
bau-Dir Hossfeld von Kiel nach Danzig und Wiesinger von 
Danzig nach Kiel. 

Der Geh. Ob.-Brt. und vortr. Rat v. Rosainsky ist zum 
Chef der Bauabt. im Kriegsminist., der Int.- und Bit., char Geh. 
Brt. Ahrendts ist zum Geh. Brt. und vortr. Rat im Kriegsminist, 
ernannt. — Dem Int.- u. Brt. Saigge in Straßburg i E. ist der Char. 
als Geh. Brt. verliehen 

Dem Int.- u. Brt. Winter im bayer. Kriegsminist, ist der 
Tit. und Rang eines Geh. Brts. verliehen. 

Bayern. Der Ob.-Bauinsp. Stein in Kitzingen ist auf s. 
Ansuchen auf die Dauer 1 Jahres und der Dir-Ass. Knorz in 
Nürnberg auf die Dauer eines halben Jahres in den Ruhestand 
versetzt. 

Preußen. Aus Anlaß des Krönungs- und Ordensfestes sind 
folgende Ordens-Auszeichnungen verliehen: Den Geh. Reg.-Räten 
und Prof. Dr. H a u c k an der Techn. Hochschule in Berlin und 
Dr. Intze an der Techn. Hochschule in Aachen der Rote Adler- 
Orden II. Kl. mit Eichenlaub 

Den Brtn. Aliendorff in Bromberg und Arndt in Rends¬ 
burg, dem Reg.- u. Brt Backs in Breslau, den Brtn. Basse und 
B 1 u n c k in Straßburg i. E., den Reg.- u Brtn. Boedecker in 
Berlin und Brunn in Posen, dem Eisenb.-Dir. Claas en in 
Osnabrück, dem Bit. v. Cloedt in Forbach, den Reg- u. Brtn. 
Diesel im Reichseisenb -Amt und Falke in Berlin, dem Eisenb.- 
Dir. Friedrichsen in Münster i. W., dem Mar -Ob.-Brt. Fritz 
in Kiel, den Reg.- u. Brtn. Holverscheit in Hannover und 
Horn in Minden, dem Eisenb.-Dir. K e 1 b e in Braunschweig, dem 
Reg- u. Brt. Kieckhofer in Liegnitz, dem Mar.-Ob.-Brt. K 1 a m- 
roth von der Mar.-Akademie, d. Reg.- u. Brtn. K ö n i g in Oppeln, 
Paul Lehmann in Königsberg i. Pr. und Liepe in Mainz, dem 
Geh. Reg.-Rat Lutsch, vortr. Rat in Berlin, dem Brt. Mylius 
in Berlin, den Reg - u. Brtn. Plachetkain Berlin und Promnitz 
in Hannover, dem Mar.-Brt. Radant in Wilhelmshaven, dem 
Geh. Brt. Richard, vortr. Rat in Berlin, dem Reg.- u. Brt. Dr. 
v. Ri t gen in Berlin, dem Brt. Schalk in Neiße, dem Eisenb.- 
Dir. Schiwon in Liegnitz, den Reg.- u. Brtn Schmedding 
in Essen und Schneider in Posen, dem hess. Eisenb.-Dir. 
Schoberth in Mainz, den Reg - u. Brtn. Sch.wandt in Berlin, 
Siebert in Koblenz und Simon in Bromberg, dem hess. Reg.- 
u. Brt. Stegmayer in Darmstadt, dem Eisenb.-Bauinsp. Tack¬ 
mann in Karthaus, den Brtn. Thomas in Münden und Toebe 
in Breslau, dem Reg.- u. Brt. Wegner in Berlin, dem Reg.-Rat, 
Prof. Wehage im Pat.-Amt, dem hess. Eisenb.-Dir. Weiss in 
Mainz, den Eisenb.-Dir. Karl Wenig in Berlin und Rob. Wenig 
in Dessau und dem Reg.- u. Brt. Winter in Beuthen der Rote 
Adler-Orden IV. Kl. 

Dem Ob.-Baudir. v. Doemming im Minist, d. öffentl. Arb., 
dem Geh. Ob-Brt. Sarrazin vortr. Rat in Berlin,- dem Präs, der 
Kgl. Eisenb-Dir. Schwering in St. Joh.-Saarbrücken, dem Ob.- 
Hofbrt. Tetens, den Geh. Ob.-Brtn. Thoemer und Dr.Thür, 
vortr. Räte in Berlin der Kgl. Kronen-Orden II. Kl. 

Den Geh. Brtn. Anderson, vortr. Rat in Berlin und Beyer, 
Int- u. Brt. in Frankfurt a. M., dem Geh. Mar.-Brt. Brinkmann 
in Wilhelmshaven, dem Ob.- u. Geh. Brt. Goepel in Berlin, den 
Geh. Brtn. Haarbeck in Essen a R., Kirsten in Breslau, 
Köhler in Münster i. W. und Launer, vortr. Rat in Berlin, 
dem Ob -Brt. Stölting in Posen, dem Geh. Brt. Sy mph er, 
vortr. Rat und dem Geh Ob.-Brt. V e r w o r n, vortr. Rat in Berlin 
der Kgl. Kronen-Orden III Kl. 

Dem Stadtbmstr. Jipp in Leer der Kgl. Kronen-Orden IV. Kl. 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Arch. P. P. in Opladen. Ihr Neubau, für welchen 
Ihnen die ortspolizeiliche Genehmigung verweigert oder durch Auf¬ 
lagen erschwert ist, welche erst durch ein noch nicht erlassenes 
Ortsstatut ihre Begründung finden werden, soll an einer Straße zur 
Ausführung gelangen, für welche Baufluchten bisher nach Maßgabe 
des Gesetzes vom 2. Juli 1875 noch nicht festgesetzt sind. Mithin 
ist die Polizei berechtigt, entweder die Erlaubnis zu verweigern 
oder nur unter Bedingungen zu gestatten, welche die Wahrung der 
öffentlichen Interessen sichern. Da der Wortlaut der polizeilichen 
Verfügung, durch die Sie sich beschwert halten, fehlt, ist uns ein 
Urteil darüber entzogen, ob die Polizei durchweg im Rahmen ihrer 
Befugnisse gehandelt hat, was jedoch zuzutreffen scheint. Die Be¬ 
schwerde an den Landrat verspricht deshalb keinen Erfolg, selbst 
wenn Sie binnen 14 Tage nach Eingang des angegriffenen Be¬ 
scheides eingelegt wurde und damit gemäß L.-V.-G. v. 30. Juli 1883 
§ 127 das zulässige Rechtsmittel ist. Gegen den AblehnuDgsbe- 


sciieid würde Ihnen Beschwerde an den Regierungs-Präsidenten 
und gegen des letzteren Bescheid Klage an das Ober-Verwaltungs- 
Gericht zustehen, beides binnen 14tägiger Notfrist. — K. H-e. 

Hrn. Arch. E. W. in Uelzen. Da die Abrede zwischen dem 
Bauherrn und Ihnen mündlich abgeschlossen ist, wird zunächst der 
richterlichen Beurteilung untei liegen, ob eine Werkverdingung, was 
der Bauherr behaupten wird, oder ein Dienstvertrag vereinbart 
wurde, wie Sie meinen. Hiervon hängt jedoch die weitere Be¬ 
urteilung wesentlich ab, wie weit Sie für die Nichteinhaltung des 
Anschlagspreises und dessen Ueberschreitung um beinahe 30 % 
verantwortlich sind. Wenn vielleicht diejenigen Beträge über den 
Anschlagspreis hinaus gefordert werden können, welche nachweis¬ 
bar durch Nachbestellung (Ausbau des Dachgeschosses) oder ver¬ 
langte Abänderungen (bessere Ausstattung, umgestaltete Einrichtun¬ 
gen) veranlaßt sind, so spricht das Uebergewicht der Wahrschein¬ 
lichkeit dafür, daß Sie für diejenigen Beträge verantwortlich ge¬ 
macht werden, welche auf Rechenfehlern beruhen und damit bei 
gehöriger Sorgfalt vermieden werden konnten. Denn der Bauherr 
würde vielleicht vom Bauvorhaben abgestanden haben, wenn er 
den wirklichen Kostenbetrag rechtzeitig gekannt hätte. Eine auf 
Ihren Streitfall genau passende Beantwortung könnte nur bei ge¬ 
nauer Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse in Form eines um¬ 
fassenden Gutachtens erteilt werden, wofür uns der Raum fehlt. — 

K. H-e. 


Hrn. Krelsbfhr. R. in Zerbst. Bestimmungen über die Vor¬ 
bildung von preuß. Kreiskommunal - Baubeamten bestehen u. W. 
nirgends. Die einzelnen Kreise stellen vielmehr von Fall zu Fall 
ihre Anforderungen. So haben die großen Kreise Teltow, Nieder¬ 
barnim, Ost-Havelland und, wie wir glauben, auch Prenzlau, zum¬ 
teil der von ihnen erbauten Kleinbahnen wegen, Reg-Baumeister 
angestellt, während in den kleineren Kreisen die Kreisbaumeister 
vielfach aus den Baugewerkschulen hervorgegangen sind. — G.— 
Hrn. Arch. Gr. in Dortmund. Sie fiagen: „Sind die Ge¬ 
bühren für eine schiedsrichterliche Tätigkeit nach §§ 25 u. 26 der 
„Gebührenordnung für Architekten und Ingenieure vom Jahre 1901" 
zu berechnen, oder tritt hier § 24 derselben in Kraft und nach 
welchen Grundsätzen sind die Gebühren alsdann zu berechnen? 
Mitteilungen aus dem Leserkreise hierüber und mit welchem Er¬ 
folge solche Berechnungen stattgefunden haben, werden erbeten." — 
Unsere Anschauung ist, daß das Schiedsgericht, mangels einer 
gesetzlichen Festlegung seiner Gebühren, diese einheitlich für alle 
Mitgl eder selbst zu bestimmen hat. Handelt es sich ausschließlich 
um Arch oder Ing., to tritt deren Gebührenordnung in Kraft und 
zwar sollte grundsätzlich nicht nach Stunden, sondern im Pausch¬ 
quantum nach § 24 liquidiert werden. Andere Grund-ätze, als 
dieser § schon enthält, dürften sich kaum angeben lassen. Die Reise¬ 
kosten usw. sind zweckmäßiger Weise besonders zu berechnen; es 
würde für Architekten der § 26 anzuwenden sein. — 

Fortuna. Die Abweisung Ihrer gegen die Gemeinde auf 
Schadenersatz für die angeblichen Versehen ihrer Baubeämten ge¬ 
richteten Klage ist ausschließlich aus rechtlichen Giünden er¬ 
folgt, weil es an einer solchen Vertretungsverbindlichkeit im gelten¬ 
den Rechte fehle. Diese Entscheidung trifft sowohl für das alte 
Recht als für dts gegenwärtige zu. Es ist also nebensächlich, ob 
ein Beamter tatsächlich ein "Versehen begangen hat oder nicht. 
Glauben Sie ein solches nachweisen zu können, so müßten Sie 
gegen den betreffenden Beamten klagbar werden. Mit einer Be¬ 
rufung gegen das ergangene Urteil haben Sie voraussichtlich keinen 
Erfolg. Allerdings gibt das Urteil kein vollständig klares Bild der 
tatsächlichen Verhältnisse, weshalb die ausgesprochene Ansicht 
vielleicht anders ausgefallen wäre, wenn die vollständigen Akten 
des Rechtsstreites vorgeiegen hätten. — K. H-e. 

Hrn. Arch. H. H. in Stettin. Wie wir in letzter Zeit wieder¬ 
holt ausgeführt haben, sind Baugeschäfte, welche sich hauptsäch¬ 
lich mit dem Entwerfen von Bauten befassen, zum Beitritt bei der 
zuständigen Bau - Berufsgenossenschaft verpflichtet, sobald sie 
nebenbei die Bauoberaufsicht leisten und dadurch Ihre Angestellten 
in die Gefahr bringen, auf der Baustelle verunglücken zu können. 
Die Versicherungspflicht erstreckt sich auf alle Angestellte, die tat¬ 
sächlich bei Arbeiten auf der Baustelle Verwendung finden, selbst 
wenn dies nur ausnahmsweise zur Vertretung eines anderen ge¬ 
schieht. Ausgeschlossen sind nur solche Beschäftigte, welche außer¬ 
halb der Zeichensäle nicht beschäftigt werden. Ob eine bestimmte 
Person nach Art und Umfang ihrer Beschäftigung in die Lohnliste 
einzusetzen ist, oder aus derselben weggelassen werden kann, ist 
eine Frage tatsächlicher Natur, die nur im Einzelfalle richtig be¬ 
urteilt weiden kann. — K. K-e. 


Anfragen an den Leserkreis. 

1. Welcher Leser der „Deutschen Bauzeitung" ist in der Lage, 
mir anzugeben, wie ein Färberei-Neubau von rim Breite und 24 m 
Länge, welcher an jeder Seite 8 Farbkufen erhält, die starke 
Nebelbildung verursachen, am besten und zuverlässigsten gelüftet 
wird, um den Nebel so schnell als möglich abzuführen, ehe Nieder¬ 
schläge eintreten. Bekämpfung des Uebels durch übergroße Er¬ 
hitzung des Raumes ist im Interesse der Arbeiter nicht angängig. Der 
Neubau wird unterkellert, die Außenwände werden durch Luftschicht 
isoliert, unt. Umst. Ausführung eines doppelten Daches (das untere als 
Decke gewölbt in Monier). — Arch. Schwarz in Göttingen. 

2. Ein Fachmann schreibt mir: Steinkohlenschlacken sind be¬ 
kanntlich das schlechteste Auffüllmaterial für Zwischendecken in 
Holzgebälken. Ist diese Anschauung begründet und inwiefern? — 

J E. in O. 

3. Hat sich Petroleum zur Verhinderung oder Vertilgung des 

Hausschwammes bewährt? — F. L. in Dr. 

Inhalt : Die Arbeiterheilstätten der Landes-Versicherungsanstalt Berlin 
bei Beelitz. — Die Ausführung des Empfangs-Gebäudes des Hauptbahnhofes 
in Hamburg, insbesondere die Gründungsarbeiten. — Mitteilungen aus \ er- 
einen. — Preisbewerbungen. — Chronik. — Personal-Nachrichten. Brief- 
und Fragekasten. 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwort!. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 


No. 12. 


7 2 









DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N° 13. BERLIN, DEN 13. FEBR. 1904 


Der engere Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die neuen Universitäts- 

Gebäude in Jena. 


a die bisherigen Baulichkeiten der im Jahre 
1548 durch den Kurfürsten Johann Friedrich 
den Großmütigen begründeten und 1558 ge¬ 
weihten Universität Jena, soweit sie der Ver¬ 
waltung und dem Kollegienverkehr dienten, 
den modernen Ansprüchen an eine höhere Lehranstalt 
in keiner Weise mehr genügten, so beschlossen die 
an der Erhaltung der Universität beteiligten Einzelstaaten 
Thüringens einen Neubau, zu welchem das Gelände 
des 1620 durch den Herzog Johann Ernst erbauten 
Schlosses gewählt wurde und beschritten zur Erlangung 
von geeigneten Entwürfen den Weg des engeren Wett¬ 
bewerbes unter 6 Teilnehmern, zu welchem die Hrn. 
Prof.Theod. Fischer in Stuttgart, Prof. Karl Hoch eder 
in München, Prof. Hugo Hartung in Dresden, die 
Geh. Brte. Kayser & v. Groszheim in Berlin, die 
Architekten Weidenbach & Tschammer in Leipzig, 
sowie Prof. Friedr. Pützer in Darmstadt eingeladen 
wurden, die am Wettbewerb auch teilnahmen. Die Ent¬ 
würfe wurden von einem Preisgerichte beurteilt, welchem 



als Vertreter des Baufaches angehörten die Hrn. Ob.- 
Brt.Prof.Dr.O.Warth in Karlsruhe, Ob.-Bi t. Kriesche 
in Weimar, Prof. Hugo Licht in Leipzig und Stadtbrt. 
Lud w. Hoff mann in Berlin. Diesem Preisgericht standen 
zur Auszeichnung zusammen i2 0ooM.zurVerfügungund 
es waren in Aussicht gestellt ein I. Preis von 3000 M., ein 
II. von 2500 und ein 111 . von 2000 M., während jeder der 
3 nicht durch einen Preis ausgezeichneten Teilnehmer 
eine Entschädigung von 1500 M. erhalten sollte. Sollten 
die Preisrichter einstimmig der Ansicht sein, daß keine 
der eingegangenen Arbeiten des I. Preises würdig sei, 
so konnten die ausgesetzten Beträge nach dem Er¬ 
messen des Preisgerichtes auch in anderer Weise zur 
Verteilung gelangen, jedoch immer nur so, daß kein 
Preis unter 1500 M. betragen durfte Von dieser Mög¬ 
lichkeit jedoch brauchte das Preisgericht keinen Ge¬ 
brauch zu machen; es verlieh vielmehr den I. Preis 
Hrn. Prof. Theod. Fischer in Stuttgart, den II. Preis 
Hrn. Prof.'K. Hocheder in München und den III. Preis 
den Architekten WLidenbach & Tschammer in 



Entwurf von Prof. Theodor Fischer in Stuttgart. I. Preis. 


73 





































Entwurf von Prof. Theodor Fischer 


in Stuttgart. I. Preis 



Leipzig. Aufgrund dieser Beschlüsse wählte die Kom¬ 
mission der Erhalterstaaten den Entwurf von Theo¬ 
dor Fischer zur Ausführung 

Das Raumprogramm verlangte eine Aula mit 
Galerien, ohne die 
letzteren 300 q" 1 II. Preis, 

messend; Senats¬ 
und Fakultätszim¬ 
mer; die übrigen 
Räume für die Ver¬ 
waltung; 17 Audi¬ 
torien von 30—200 
Plätzen; Räume 
für das theologi¬ 
sche, das juristi¬ 
sche, das philo¬ 
logische, das deut¬ 
sche, das roma¬ 
nische, das engli¬ 
sche, das histori¬ 
sche, das staats¬ 
wissenschaftliche 
und das mathe¬ 
matische Seminar, 
meist mit Biblio¬ 
thekräumen oder 
Modell- u. Samm- 
lungs - Zimmern; 

Wohnräume für 
dieUniversitätsbe- 


amten, sowie die Raumgruppe für das archäologische 
Museum. Letztere sollte als eine bedeutende Gruppe 
des neuen Gebäudes umschliessen: die um einen Ober¬ 
lichtsaal von 350 < 3 m zu gruppierenden Sammlungs- 


Entwurf von Prof. Karl Hocheder in München. 



74 


No. 33 . 























































































































































































































































































13 Februar 1904. 


75 















































































































































































































Erklärun g. 



(NB. 


Die Bezeichnung der Gleise ist, wie in der Zeichnun 
folge von oben nach unten gegeben.) 
Bezeichnung der Gleisgruppen. 
Stationen bis Magdeburg 
Buckau, Magdeburg, Ort und Seitenlinien 
Nordhausen 

Soest, leere O.-Wagen für das Ruhrrevier 
leere G.-Wagen für Staßfurt 
Halle, Ort und Seitenlinien 
Bremen, Seeausfahrtsgüter 
Hamburg, des gl. 

Werkstattwagen 
Zeitz, Ort und Seitenlinien 
Probstzella und weiter 
Stationen bis Probstzella bezw. Zeitz 
desgl. Erfurt, Weißenfels, Ort und 
Seitenlinien 

Bebra und leere O.-Wagen für das 
Ruhrrevier 
Umlade wagen 

Bebra u. leere O.-Wagen für das 
Ruhrrevier, Malsfeld, Kassel, 

Ort u. Seitenl., Frankfurt a. M., 

Göttingen, Eisenach, Ort und 
Seitenlinien 

Hamburg, Seeausfahrtsgüter 
Bremen, desgl. 

Probstzella und weiter 
Umladewagen 

Halle, Ort und Seitenlinien 
leere G.-Wagen für Staßfurt 
Soest u. leere G.-Wagen für das 
R uhrrevier 
Werkstattwagen 
Nordhausen 

Buckau, Magdeburg,Ort u. Seitenl. 

Stationen bis Magdeburg 

Zeitz, Ort und Seitenlinien 

Stationen bis Probstzella bezw. Zeitz 

desgl. Erfurt, Weißenfels, Ort u. Seitenl. 

Einfahrt von Magdeburg 2 Gl. 1250 m n. L 

„ „ Thüringen 2 Gl. 1190 m n. L. 

Aufstellung von Zügen und Wagen 

Umgehungsgüterbahn. 8 Gl. 3206 m n. L. 

Hauptgüterbahnh. u. Leutzsch 5 Gl. 2026 m n. L. 

Umladewagen 

Schuppen \ 

f Anschlüsse usw ' “ Hau P t S ater - 
j Anscmusse usw. bahnhofLeipzig 

Freiladegleise ) 

Bayern über Plagwitz 

Berlin u. Eilenburg, Berl. u. Eilenb 

Bahnhof in Leipzig-Schönefeld 

J Dresden und Bayern 


in der Reihen- 


Gr uppe 2 a. 
15 Gl. 5194 m 
n. L. 


Huppe 5b. 


Gruppe 6b. 
9 Gl. 4010 m 


Gruppe 6a 
9 Gl. 4440 m 


Bitterfeld u. Berlin. Berl. Bhf. in Leipzig 
( Stat. bis Falkenberg, Ort u. Seitenl. 

< Kottbus, Ort und Seitenlinien 
\ Mochbern und Brockau 


Freiladegleise 

Schuppen u. Anschlüsse 
Umlade wagen 


£ 
£ 

y Hauptgüter¬ 
bahnh. Leipzig 


Umwandlung der preußischen und sächsischen Eise i; 

in und bei Leipzig. 

Abbildg. 4. Rangierbahnhof Wahren 

Weichenwinkel durchweg 1:9). 


räume, einschließlich dieses Saales 775 < i m , mit be¬ 
sonderem Eingang für das Publikum; einen Hörsaal 
von 80 i m , Bibliothekräume für Archäologie und 
neuere Kunst, einen Raum für Antiken und Münzen, 
ein orientalisches Münzkabinet, ein germanisches Mu¬ 
seum von 250 q m , ein ethnographisches Museum von 
400 Fläche, sowie endlich Räume für die Sammlun¬ 
gen der Stadt Jena. Auf eine monumentale Durch¬ 
bildung des Gebäudes, auf klare und übersichtliche 
Anordnung, auf genügende Tagesbeleuchtung' aller 
Räume einschl. der Flure und Treppen war besonderer 
Wert zu legen. Ein interessanter Punkt des Program¬ 
mes bestimmte, daß die Architektur des Gebäudes sich 
dem Stadtbilde anzupassen habe. Der Haupteingang 
sollte an der Nordseite liegen und sich ihm eine ge¬ 
räumige Halle für die Anschlagbretter anschließen. 
Weitere Eingänge waren neben dem besonderen Ein¬ 
gang für das archäologische Museum an passenden 
anderen Stellen anzulegen. Das Gebäude sollte Zentral¬ 


heizung und elektrische oder Gasbeleuchtung erhalten. 
Vorschriften über Materialien usw. waren nicht gemacht. 
Für die Gesamtanlage war ein Betrag von 1 Milk M. 
in Aussicht genommen; es sollten jedoch die Grund¬ 
risse so entworfen werden, daß die Bauausführung in 
2 Abschnitten erfolgen kann. Für den ersten Bauab¬ 
schnitt stehen 600 000 M. zur Verfügung; die Bauaus¬ 
führung ist für diesen Teil so gedacht, daß das alte 
Amtsgericht sowie der ältere Teil des Absteigequartiers 
des Schlosses zunächst noch erhalten bleiben, daß zu¬ 
erst das archäologische Museum zur Errichtung gelangt 
und nach Einrichtung desselben erst das Hauptgebäude 
des alten Schlosses niedergelegt wird, um den Haupt¬ 
teil des ersten Bauabschnittes zu errichten. Es liegt 
auf der Hand, daß diese Bedingungen die Grundri߬ 
bildung nicht unwesentlich erschweren mußten, aber 
auch dazu beitragen konnten, interessante Motive für 
die Gestaltung des inneren Organismus in die Ge¬ 
samtanlage zu bringen. — (Schluß folgt.) 






Umwandlung der preußischen und sächsischen Eisenbahnanlagen in und bei Leipzig. 

Von Paul Bischof, Ober- und Geheimer Baurat in Halle a. S. (Schluß.-) 


IV. Baueinteilung und Bauvorgang. 

eilweise schon vor der Aufstellung des zur 
Ausführung kommenden Entwurfes in den 
Jahren 1898 und 1900 standen der königl. 
Eisenbahn-Direktion Halle a. S. Mittel in 
der Höhe von 6,067 Milk M. zur Verfügung, 
um von der Stadtgemeinde Leipzig die Grundflächen 

*) Anmerkung der Redaktion. Zu dem Plane des Haupt- 
Personenbahnhofes in No. 9 tragen wir noch nach, daß der Weichen¬ 
winkel im allgemeinen r : 9 ist, in den Anschlüssen nach der sächsi¬ 
schen Seite jedoch auf 1: 8,5 hinaufgeht. In der Erklärung muß es 
heißen: P. T. Posttunnel anstatt Personentunnel. 


im Inneren der Stadt zu erwerben, welche aller Vor¬ 
aussicht nach für einen Umbau unentbehrlich waren; 
das sind die Grundflächen zwischen der Gasanstalt, 
der Eutritzscher Straße und den alten Thüringer 
Hauptgleisen, und zwischen den Thüringer, Magde¬ 
burger und Berliner Bahnhöfen. Mit diesem Erwerb 
ganzer Grundstücke konnten die als unabweisbar er¬ 
kannten durchgreifenden Verbesserungen der Leipziger 
Bahnhofszustände auf dem von allen Interessenten ge¬ 
wünschten Platz als sicher gestellt gelten namentlich 
insofern, als es anderenfalls der preußischen Verwaltung 
nicht möglich war, ohne große Schädigung ihrer Inter- 



| 


76 


No. 13. 



























































essen in eine Verschiebung der Achse des Haupt- 
Empfangsgebäudes nach Westen, wie es geschehen 
ist, zu willigen und so einen beträchtlichen Teil des 
ihr gehörigen Geländes zugunsten der sächsischen 
Anlagen aufzugeben, sowie das Gelände des Berliner 
Bahnhofes in den Gesamtbauplatz einzubeziehen. 

Da ohne gründliches Aufräumen auf den so dicht 
mit Verkehr belegten Flächen der alten Bahnhöfe an 
einen Umbau überhaupt nicht zu denken war, lag es 
nahe, die soeben erworbenen Flächen alsbald zu ver¬ 
werten. Um in dem Rahmen des noch nicht festge¬ 
stellten, auch mit der beteiligten sächsischen Verwaltung 
noch nicht besprochenen Entwurfes die Anlagen für 
den Freilade- und Fagerplatzverkehr herzustellen, und 
um nach dieser Pachtung auf den alten Bahnhöfen 
frei zu werden, wurden der königl. Eisenbahn-Direk¬ 
tion Halle im Jahre 1900 0,8, im Jahre 1901 0,73 Mill. M. 
überwiesen. Die Anlagen wurden i. J. 1903 vollendet, 
mit den alten Anlagen vorübergehend verbunden und 
zunächst für den Thüringer Verkehr und die Lager- 
platz-Pächter in Betrieb gesetzt. Die westlichste Ecke 
des gesamten Bauplatzes im Inneren der Stadt wurde 
dadurch für den Bau der Güterschuppen, der zurzeit 
begonnen ist, verfügbar. 

Die Herstellung eines Rangierbahnhofes Wahren 
ist nicht allein Vorbedingung für eine zweckmäßige 
Umgestaltung der Eisenbahnanlagen in und bei Leipzig, 
sie war auch ohnedies bereits beschlossen in der Ab¬ 
sicht, auf den inneren Bahnhöfen die einstweilige Auf¬ 
rechterhaltung des Betriebes bis zur Schaffung end- 
giltiger Zustände zu gewährleisten. Dabei war nur 
an den Magdeburger Verkehr gedacht und eine Ver¬ 


bindung mit den Thüringer Linien nicht beabsichtigt. 
Erst die Planungen im Jahre 1899 führten zu den jetzt 
in Ausführung begriffenen, wesentlich erweiterten An¬ 
lagen, siehe Abbildgn. 4—6. Mittel für den Grund¬ 
erwerb standen in Höhe von 1 Mill. M. im Jahre 1899 
der königl. Eisenbahn-Direktion Halle a. S. zur Ver¬ 
fügung und reichten bei freihändigem Ankauf auch 
für die erweiterte Anlage aus. Der auf 6,9 Mill. M. fest¬ 
gestellte Entwurf für die Herstellung des Rangier- 
Bahnhofes und einer Güter-Verbindungsbahn von 
Leutzsch nach Wahren, eingeschlossen den Umbau 
des Bahnhofes Leutzsch, gelangte vom Jahre 1902 an 
zur Ausführung. Es ist beabsichtigt, sämtliche An¬ 
lagen vom 1. April 1905 an dem Betriebe zu über¬ 
geben. Mit diesem Zeitpunkte werden sowohl der 
Bahnhof Leutzsch als Rangierbahnhof und die Thürin¬ 
ger Verbindungsbahn außer Betrieb gesetzt werden, 
als auch die inneren Bahnhöfe einen Rangierverkehr 
nicht mehr aufzunehmen haben, sodaß diese Anlagen 
für den weiteren Umbau vorbereitet erscheinen. 

Anläßlich einer Beschwerde über die mißlichen Zu¬ 
stände auf dem Planübergange der MockauerS traße nörd¬ 
lich vom Berliner Bahnhof fand sich ebenfalls vorher 
Gelegenheit, hier mit Hilfe der interessierten Stadtge¬ 
meinde eine Ueberführung zur Ausführung zu bringen, 
bei deren Entwurf die weiteren Absichten berücksich¬ 
tigt wurden. Die Ausführung erfolgte im Jahre 1902 
mit einer Bausumme von 424 000 M., wurde Ende 1903 
beendet und hat zur Förderung des Gesamtbaues an 
diesem Ende des Hauptbahnhofes viel beigetragen. 

Auf Antrag überwies die preußische Zentralstelle 
der königl. Eisenbahndirektion Halle schon vom Jahre 


nlagen 


II. Besondere Gleisbezeichnung. 
A. G. = Ausziehgleis 
Af. G. = Ausfahrtsgleis 
M G. = Maschinengleis 
U. G. = Umlaufgleis 


III. Bezeichnung der Baulichkeiten 
A. — Abort 

A. B. = Arbeiterbude 

B. W. = Beamtenwohnhaus 

(B.W. neben Elektr. K. St. = Betriebs-Werkstatt) 
E. G. = Empfangs-Gebäude 
G. Sch. = Güterschuppen 
U. G. = Uebernachtungs-Gebäude 
St.W. = Stellwerk 
W. T. = Wasserturm 




13. Februar 1904 


77 







































































u n p j 


1900 an weitere Mittel — zusammen 5,66 Mill. M. 
und erteilte ihr, also bereits 2 Jahre vor der Fest¬ 


stellung des Ent¬ 
wurfes, den Auftrag, 
mit dem freihändi- 



78 


nefeld vorzugehen. Es kam darauf an, die Unzuträg¬ 
lichkeiten des Enteignungs-Verfahrens zu umgehen, 
rasch und ohne vorzeitige vollständige Veröffentlichung 
des Planes zu kaufen, um Spekulationen nicht auf- 
ommen zu lassen, verständige Wünsche der Interessen¬ 
gen Erwerb aller er- ten sofort zu berücksichtigen und durch Vertrag festzu- 
forderlichenGrund- legen, den Ankauf aber auch nicht dadurch zu ver¬ 
flachen, namentlich teuern, daß mehr Land gekauft wurde, als für einen 
fürdieVerbindungs- Entwurf erforderlich ist, dessen Genehmigung durch 
bahnWahren-Schö- die Zentralstelle erhofft werden konnte. Es mußte also 

der ausführliche Entwurf während der Grund- 
erwerbs-Verhandlungen an Ort und Stelle im 
einzelnen ausgearbeitet werden. Wie weit dieses 
erreicht ist, hat in befriedigender Weise die 
landespolizeiliche Prüfung und die Feststellung 
des Entwurfes durch die preußische Zentralstelle 
dargetan. 

Für diesen ausführlichen Entwurf konnten 
die Mittel des allgemeinen Kostenüberschlages 
eingehalten werden. Bis auf geringe Reste 
waren im Jahre 1903 sämtliche Flächen in Hän- 
den der Bauleitung, sodaß mit der Durchfüh¬ 
rung der in demselben Jahre festgestellten Ent¬ 
würfe für Herstellung einer Verbindungsbahn 
von Wahren nach Schönefeld und Einführung 
der Magdeburger, Berliner und Eilenburger 
Linien in den Hauptbahnhof Leipzig mit 7665000 
M., für Verlegung der Thüringer Hauptgleise 
und der Güterbahn Wahren-Hauptbahnhof Leip¬ 
zig mit 2233000 M., für den Hauptbahnhof in 
Leipzig mit 15 393 000 M. und für Erweiterung 
desBahnhofes Plagwitz-Lindenau mit 1476000M., 
zusammen eingeschlossen Verwaltungskosten 
28 105 000 M. voll begonnen werden konnte. 
Der Entwurf für die Herstellung des Haupt- 
Empfangsgebäudes in Leipzig mit 6 900 000 M. 
ist noch nicht festgestellt, weil er erst im Jahre 
1908 gebraucht wird. Die Verbindungsbahn 
Wahren-Schönefeld wird spätestens am 1. April 
iqo6 fertiggestellt sein, sodaß bei gleichzeitiger 
Inbetriebnahme des sächsischen Rangierbahn¬ 
hofes Engelsdorf und der Verbindung zwischen 
Engelsdorf und Schönefeld der Güteraustausch 
zwischen beiden Eisenbahn-Verwaltungen aus 
dem Inneren der Stadt herausgelegt sein wird und 
dieser dann die neuen Bahnen benützt. Die voll¬ 
ständige Räumung der inneren Stadt von allen 
den alten Anlagen,die dortnichtwiederAufnahme 
finden sollen, ist dann durchgeführt. Der weitere 
Baufortschritt ist derart gedacht, daß bis Ende 
1907 auch dieUmlenkung des Personenverkehres 
bewirkt ist. Von diesem Jahre an soll der Mag¬ 
deburger Personenverkehr einstweilig auf dem 
dafür vorzurichtenden Berliner Bahnhof enden, 
nachdem schon im Jahre 1906 der Berlin-Hofer 
Schnellzugs-Verkehr zeitweise mit Umgehung 
des Berliner Bahnhofes über die neuen Verbin¬ 
dungslinien unmittelbar nach dem bayerischen 
Bahnhof geleitet sein wird. Wird dann der 
Thüringer Personenverkehr einstweilig auf dem 
alten Magdeburger Bahnhof eingerichtet, so 
bleibt nur das Baugelände für etwas mehr als 
die Hälfte des Haupt-Empfangsgebäudes und 
der Bahnsteiganlagen von den alten Anlagen 
zu säubern, damit, wie durch Vertrag vereinbart, 
im Jahre 1908 die Arbeiten daselbst in Angriff 
genommen werden können. Wenn, wie ebenfalls 
durch Vertrag festgesetzt ist, die Fertigstellung 
der Gesamtanlage im Jahre 1914 verwirklicht 
werden soll, muß die im Jahre 1908 begonnene 
preußische Hälfte etwa 1911 in Betrieb genom¬ 
men werden. Es erweist sich als notwendig, 
den Dresdener Personenverkehr, welcher auf der 
zweiten Hälfte des Bauplatzes für die Haupt- 
Bahnsteiganlage zurzeit sich ab wickelt, zeitweise 
in die zuerst fertiggestellten Bahnhofsanlagen 
mit aufzunehmen und während dieser Zeit den 
Eilenburger Verkehr noch bis 1914 auf dem 
jetzigen Bahnhof zu belassen. Der preußische 

No. 13. 













































































































































































Güterverkehr wird in seinem vollen Umfange auch 
im Haupt - Güterbahnhof schon 1909 die neuen An¬ 
lagen eingenommen haben. — 

V. Schluß. 

Die Leitung des Betriebes auf dem Gemeinschafts- 
Bahnhofe erfolgt demnächst sowohl von der preußi¬ 
schen wie von der sächsischen Verwaltung auf ihren 
örtlich begrenzten Gebieten durch einen Stationsvor¬ 
stand und das erforderliche Betriebspersonal selb¬ 
ständig. Selbständig wird auch von jeder der beiden 
Verwaltungen der Dienst und die Beaufsichtigung 
wahrgenommen in ihren Stationsräumen, Dienstwoh¬ 
nungen, Falu kartenstellen,Gepäck-Abfertigungsanlagen 
usw. Dagegen wird die Verwaltung der sonstigen 
Gemeinschaftsanlagen, bestehend aus dem Haupt-Em¬ 
pfangsgebäude, dem Querbahnsteig und dem Hallen¬ 
dach, welche von der sächsischen Verwaltung auf ge¬ 
meinschaftliche Kosten und nach einem gemeinschaft¬ 
lich festzusetzenden Bauplane ausgeführtwerden—nicht 
aber auch die Verwaltung der Längsbahnsteige — so¬ 
wie die Dienstaufsicht über das hierzu nötige Personal 
und dessen Verwendung einem auf gemeinschaftliche 
Kosten von der sächsischen Verwaltung zu stellenden 
Beamten übertragen. — 


Die Arbeiterheilstätten der Landes-Ver¬ 
sicherungsanstalt Berlin bei Beelitz. 

Architekten: Schmieden & Boethke in Berlin. 

(Fortsetzung.) 

Hierzu eine Doppel - Bildbeilage sowie die Abbildungen in No. 12 und die 
Grundrisse in No. ir. 

I. Allgemeines. (Schluß.) 
as Baugelände für die Anstalt ist ein 140 ha 
großer, mit alten Kiefern bestandener, ziem¬ 
lich ebener Waldteil um die Station Beelitz 
der Wetzlarer Bahn, der trockenen und ge¬ 
sunden Untergrund hat, mit seinem hohen 
Baumbestand Schutz gegen Wind und Staub bietet 
und so groß ist, daß die Pfleglinge sich auch nach 
dem völligen Ausbau der Anstalt innerhalb der Gren¬ 
zen der Anlage genügende Bewegung machen können. 

Auf dem Gelände und entsprechend der durch 
Bahn und Chaussee herbeigeführten natürlichen Teilung 
sind die Anstalten so gruppiert, daß südlich der Eisen¬ 
bahn die Sanatorien für Männer (östlich der Chaussee) 
und für Frauen (westlich der Chaussee), sowie nörd¬ 
lich der Eisenbahn die Lungenheilstätten für Männer 
(östlich der Chaussee) und für Frauen (westlich der¬ 
selben) liegen. Die beiden Sanatorien 
sowie die beiden Lungenheilstätten ha¬ 
ben unter sich gemeinsamen ökonomi¬ 
schen Betrieb, im übrigen aber sind 
diese 4 Abteilungen so streng von ein¬ 
ander getrennt, daß jede mit einer 
eigenen Umwährung versehen ist und 
jede ihr eigenes Pförtnerhaus hat. Es 
sollte durchaus verhindert werden, daß 
sowohl die verschiedenen Geschlechter 
wie auch die beiden Arten von Pfleg¬ 
lingen miteinander in Berührung kom¬ 
men können. Innerhalb der Umwährun¬ 
gen wurden die einzelnen Gebäude so 
gelagert, daß ruhige Lage, Windschutz, 

Besonnung, Abwendung von Rauchbelästigung sowie 
die in jedem besonderen Falle zu beobachtenden Ver¬ 
waltungsmaßregeln die tunlichste Berücksichtigung fan¬ 
den. Außerhalb der 4 Abteilungen liegen zur gemein¬ 
samen Benutzung aller Pfleglinge das kleine Gottes¬ 
haus und die Zentralbadeanstalt. 

Die Verteilung der der Bewirtschaftung und Ver¬ 
waltung dienenden Gebäude auf die 4 Baugruppen er¬ 
folgte derart, daß die Gebäude, in weichen männliche 
Bedienstete beschäftigt sind, wieKessel- und Maschinen¬ 
haus, Werkstättengebäude, Desinfektionsanstalt, Pferde¬ 
stall, Gärtnerhaus, Feuerwehrgebäude, in die Männer¬ 
abteilungen verlegt sind, während Waschküche, Koch¬ 
küche usw. in die mit weiblichen Insassen belegten 

13. Februar 1904. 



J f l 1 f I I f 1 1.U.-U- I T I I I I fl I I 

Kessel- und Maschinenhaus-Anlage. 


Abteilungen verwiesen wurden. Dementsprechend liegen 
in der Abteilung des Sanatoriums für Männer außer 
dem in jeder Gruppe liegenden Wohnpavillon für etwa 
600 Betten und mit der Möglichkeit einer späteren Erweite¬ 
rung dieser Bettenzahl auf das Doppelte und Dreifache: 
das Verwaltungsgebäude für sämtliche 4 Abteilungen, 
das Wohnhaus für einen der beiden dem Stande der 
Aerzte angehörigen Direktoren, eine Werkstätte, die 
Kesselhausanlage, in welcher der Dampf für die ganze 
Anstalt erzeugt wird, anschließend hieran die Maschinen¬ 
anlage, dasHochreservoir und dieVorrichtungen fürden 
Kohlentransport, 2 kleine Pumpenhäuser, die Zentral- 




79 




























































































































































Badeanstalt des Sanatoriums, eine Doppelkegelbahn 
und ein Pförtnerhaus. Das Sanatorium enthält Koch¬ 
küche, Waschküche und Pförtnerhaus. Für die Ab¬ 
teilungen der Lungenkranken sind dieselben Abtei¬ 
lungen noch einmal vorhanden; es fallen aber hier fort 
Kesselhaus, Verwaltungs-Gebäude, Kegelbahn und 
Pumpenhäuschen. An ihre Stelle treten das Desin- 
fektions- und Verbrennungshaus, das Gärtnerhaus, die 
Stallungen, das Feuerwehr-Gebäude, sowie die Liege¬ 
hallen und die Wandelhallen für die Lungenkranken. 

Waren die einzelnen Gebäude an sich nach den 
Anforderungen anzulegen, welche ihre Bestimmung 
im Einzelnen vorschrieb, so war in den Beziehungen 
der Gebäude untereinander zu berücksichtigen, daß 
die Wohnpavillons, insbesondere deren nach Süden 

Vermischtes. 

Zur Umgestaltung des Theaterplatzes in Dresden. An 
den Rat der Stadt Dresden ist die nachstehende Erklärung 
abgegangen, die man uns mitteilt und welcher wir uns 
entsprechend unserer bisherigen Haltung in dieser wichti¬ 
gen künstlerischen Frage vollinhaltlich anschließen: 

„Die Frage der Ausgestaltung des Dresdener Theater¬ 
platzes hat eine weit über die Grenzen Sachsens hinaus¬ 
gehende Bedeutung, da es sich darum handelt, der Hof¬ 
kirche Chiaveri’s und dem Museum und Theater Von 
Semper ihren endgiltigen Rahmen zu schaffen und ihre 
Wirkung zu Platz und Umgebung auf alle Zeiten festzu¬ 
legen. Eine so wichtige und entscheidende Frage ist noch 
selten der deutschen Architektenschaft vorgelegt worden. 

Eine Konkurrenz Ende vorigen Jahres hat die Be¬ 
deutung und Tragweite der Aufgabe erst in vollem Um¬ 
fange erkennen lassen; obwohl sie eine endgiltige, inbezug 
auf Anlage und Architektur gleich günstige Lösung nicht 
gebracht hat, lieferte sie doch wertvolles Material zur Auf¬ 
stellung neuer Programme, indem sie Wünschbares und 
Erreichbares ahnen ließ. 

Nun wurde mit sehr kurzem Termin ein Wettbewerb 
unter den prämiierten Architekten veranstaltet nach einem 
Programm, das die Eigentümlichkeiten der Aufgabe nicht 
in ihrem vollen Umfange berücksichtigte. Das wertvolle 
Ergebnis der ersten Konkurrenz: die Erkenntnis, daß die 
Bebauung des Elbufers in erster Linie einen Abschluß 
des Theaterplatzes bedeutet, wurde in der neuen Pro¬ 
grammstellung nicht ausgebeutet; die Aufgabe lautete bloß 
auf Unterbringung der Wache und eines Restaurants auf 
gegebenem Terrain. 

Wenn auch wirtschaftliche Gründe eine Beschleunigung 
der Angelegenheit wünschenswert erscheinen lassen, sollten 
diese doch in den Hintergrund treten vor der Wichtigkeit 
der künstlerischen Aufgabe. Die Frage kann noch nicht 
als spruchreif bezeichnet werden; es empfiehlt sich zur 
endgiltigen Klärung eine nochmalige Aufgabestellung mit 
weitgefaßtem Programm. 

H. Billing, Architekt, Professor in Karlsruhe; Martin 
Dülf er, Architekt, Professorin München; Theod. F ischer, 
Architekt, Professor in Stuttgart;Theod. Goecke, Architekt, 
Landes-Baurat in Berlin; Hans Grässel, Architekt, städt. 
Baurat in München; Karl Henrici, Geh. Reg.-Rat, Professor 
in Aachen; C. Hocheder, Architekt, Professor in München; 
K. Hofmann, Geh. Ober-Baurat, Professor in Darmstadt; 
F. Pütz er, Architekt, Professor in Darmstadt; Bruno 
Schmitz, Architekt, Professor in Berlin; Gabriel v. Seidl, 
Architekt, Professor in München.“ — 

Preisbewerbungen. 

Unzuträglichkeiten in der Durchführung der öffentlichen 
Wettbewerbe. Es ist bei uns in der letzten Zeit mehrfach 
Klage darüber geführt worden, daß die Durchführung der 
öffentlichen Wettbewerbe bisweilen unter Umständen er¬ 
folgte , welche nicht immer allgemeinen Billigkeitsrüek- 
sichten entsprechen. So erhalten wir von mehreren Seiten 
Klagen über die Verzögerung in der Erledigung des Wett¬ 
bewerbes betr. das Waisenhaus in Dessau. Abliefe¬ 
rungstermin war der 15. Dez. 1903; zu diesem Termine liefen 
187 Entwürfe ein, deren Prüfung auf ihre Konkurrenz¬ 
fähigkeit allerdings geraume Zeit beansprucht, aber doch 
wohl so hätte beschleunigt werden können, daß die Ent¬ 
scheidung bereits gefällt werden konnte. 

Eine andere Beschwerde betrifft den Wettbewerb zur 
Erlangung von Entwürfen für ein Gymnasium in 
Rheine. Hier ist das übliche Arbeitsausmaß bedeutend 
erhöht, indem die Hauptansicht 1:100 verlangt und die 
Vorschrift gegeben ist, alle Zeichnungen seien auf starkem 
Zeichenpapier auszuführen und „in den Durchschnitten 


gelegene Kranken- und Wohnräume von jeder Störung 
durch den Betrieb in den übrigen Gebäuden verschont 
bleiben. Im übrigen wurden alle Einrichtungen, die 
sämtlichen Abteilungen gemeinsam dienen, gleich so 
groß angelegt, daß sie auch bei der weiteren Aus¬ 
dehnung der Anstalt bis an die von vornherein hier¬ 
für festgesetzte Grenze ohne Schwierigkeit genügen. 
Die Beurteilung der ökonomischen Leistung der An¬ 
stalt darf daher, schon weil diese als eine Musteranstalt 
mit allen diesem Charakter entsprechenden Einrich¬ 
tungen aus dem normalen Rahmen heraustritt, nicht 
nach den augenblicklichen Verhältnissen bemessen, 
sondern muß im Hinblick auf den dereinstigen völli¬ 
gen Ausbau beurteilt werden. — (Fortsetzung folgt.) 


mit charakteristischen Tönen anzulegen“. Es würde 
zweifellos dem Wunsche vieler Beteiligter entsprechen, 
wenn diese Bestimmung geändert würde; Zeit dazu ist 
noch genügend, denn der Ablieferungstermin ist erst auf 
den 15. April d. J. festgesetzt. — 

Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für 
ein neues „Bootshaus des Magdeburger Ruder-Clubs“ erläßt 
der Klub für in Magdeburg ansässige Architekten zum 
31. März 1904. Die Bausumme beträgt 38 000 M.; die 
Architektur ist freigestellt. Es gelangen 3 Preise von 400, 
200 und 100 M. zur Verteilung; ein Ankauf nicht preis¬ 
gekrönter Entwürfe für je 50 M. ist Vorbehalten. Verlangt 
werden 2 Grundrisse, 3 bis 4 Ansichten, 2 Schnitte, nebst 
Lageplan und dem üblichen Kostenanschlag. Sämtliche 
Zeichnungen sind 1: xoo zu liefern. Bei diesem sehr 
reichlichen Arbeitsausmaß, welches, ohne die Beurtei¬ 
lung der Entwürfe wesentlich zu erschweren, bedeutend 
hätte eingeschränkt werden können, erscheinen uns die 
dargebotenen Entschädigungen umso mehr als ungenügend, 
als die preisgekrönten Entwürfe in das freie Eigentum 
des Magdeburger Ruder - Klubs übergehen und derselbe 
durch den Wettbewerb das Recht erwirbt, den Bau nach 
diesen Entwürfen ohne weitere Verbindlichkeiten 
dem Verfasser gegenüber ausführen zu lassen. Unter 
diesen Umständen erscheint es uns erwünscht, daß die 
bausachverständigen Mitglieder des Preisgerichtes, die Hrn. 
Geh. Brt. Bauer, Geh. Brt. Möbius und kgl. Brt. Peters 
über eine Abänderung der Bedingungen zum Mindesten 
nach der Richtung beraten, daß dem Gewinner eines 
Preises auch die Ausführung in Aussicht gestellt 
wird. — 

In einem Wettbewerb betr. Entwürfe für eine Comenius- 
Bibliothek in Leipzig, augenscheinlich auf Leipziger Archi¬ 
tekten beschränkt, erhielten den I. Preis die Hrn. Weiden¬ 
bach & Tschammer, den II. Preis Hr. Paul Burghardt, 
den III. Preis Hr. Karl Pos er und den IV. Preis Hr. 
Alphons Berger. — - 


Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Der Int.- u Brt. Andersen vom III. Armee- 
Korps ist als Hifsiefer. in die Banabt. des Kriegsminist versetzt. 
Der Int - u. Brt., Geh. Brt. Zaar in Koblenz ist gestorben. 
Bayern. Dem Int - u. Brt. Hauben schmied bei der Int. 
des I. bayer. Armee-Korps und dem Bez -Ing. der Pfalz. Eisenb. 
Levy in Landau i d. Pfalz ist die IV. Kl. des Verdienstordens 
vom.hl. Michael und dem Int.- u. Brt. Winter im Kriegsminist, 
der Tit. u. Rang eines Geh. Brts. verliehen. 

Versetzt sind: Die Ob.-Bauinsp. Demeter in Lichtenfels als 
Staatsbahning. nach Augsburg und Fleidl in Kronach als otaats- 
bahning nach Lichtenfels, die Dir.-Ass. Salier in Kempten unt. 
Uebertragung der Funktion eines Staatsbahning. nach Hof und 
Göckel in Würzbürg zur Eisenb-Betr.-Dir. Weiden 

Bremen. Der Ob.-Ing. Zaleski in Hannover ist z. Bmstr. 
bei d Hafenbauinsp. ernannt. 

Hessen. Dem Eisenb.-Dir. FI e u e r in Mainz ist das Ritter¬ 
kreuz I Kl des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. 

Oldenburg. Den Geh. Ob. - Brtn. Jansen, Tenge und 
B ö h lk ist das Offizierkreuz des Großb. Haus- u. Verdienstordens 
verliehen. 

Der Bez.-Insp,, Ob.-Bauinsp. Rieken ist z. Brt. befördert. 
Sachsen-Weimar. Der Brt. Reichenbecher beim Minist, 
ist gestorben. 

Inhalt: Der engere Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für 
ein neues Universitäts-Gebäude in Jena. — Umwandlung der preußischen 
und sächsischen Eisenbahn-Anlagen in und bei Leipzig (Schluß). — Die 
Arbeiterheilstätten der Landes-Versicherungsanstalt Berlin bei Beelitz Fort¬ 
setzung). — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. 

Hierzu eine Doppel-Bildbeilage: Die Arbeiterheil-tätten 
der Landes-Versicherungs-Anstalt Berlin bei Beelitz. 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 

No. 13. 


80 












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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII JAHRG. NR [4. BERLIN, DEN [7. FEBR. 1904 







Elektrischer Turmkran zur Ausführung von Hochbauten. 


(Ausgeführt von der Gesellschaft fü 

ährend man in Amerika schon vor längerer Zeit bei 
der Ausführung bedeutenderer Hochbauten zur Er¬ 
sparung umfangreicher, kostspieliger und in der 
Herstellung zeitraubender Rüstungen, sowie zur Ersparung 
von Arbeitskräften vielfach dazu übergegangen war, ledig¬ 
lich mehrere feste Auslegerkrane oder auch fahrbare 
Krane von voller Gebäudehöhe unter Wegfall aller Rüstun¬ 
gen in Anwendung zu bringen, ist man auf dem Kontinent 
diesem Beispiele erst vereinzelt gefolgt. Die Vorzüge 
einer solchen Ausführungsweise sind auch erst besonders 
in die Erscheinung getreten, seit man zum Betriebe solcher 
Krane die Elektrizität herangezogen und damit denselben 
außerordentlich vereinfacht und die Leistungsfähigkeit na¬ 
mentlich inbezug auf rasche Arbeitsleistung beträchtlich 
erhöht hat. Als bedeutende Bauausführungen dieser Art 
sind die beiden Kunstpaläste zu nennen, die gelegentlich der 


elektrische Industrie in Karlsruhe.) 

Pariser Weltausstellung vom Jahre 1900 errichtet wurden. 

Auch die deutsche elektrische Industrie hat sich dieses 
Anwendungsgebiet nicht entgehen lassen. Der nachstehend 
beschriebene und durch Abbildungen dargestellte elek¬ 
trische Turmkran ist das Erzeugnis einer deutschen Firma, 
der „Gesellschaft für elektrische Industrie in 
Karlsruhe i. B.“, der allerdings seine erste Verwendung 
nicht auf deutschem Boden, sondern beim Bau einer etwa 
200 m langen, 23“ hohen Kaserne in Brüssel gefunden hat. 

Veranlassung zur Anwendung dieses Kranes war hier, 
abgesehen von der Rücksicht auf die Ersparung der Rüstun¬ 
gen, vor allem die Notwendigkeit, durch Schnellbetrieb die 
sehr kurz bemessenen Ausführungsfristen einhalten zu kön¬ 
nen. Erschwert wurde die Aufgabe dadurch, daß nur knapper 
Raum zur Verfügung stand, sodaß das Transportgleis zur 
Heranschaffung der Materialien das Krangerüst durch- 

Gi 
















brechen mußte — es ist hierzu im Kranuntergestell eine 
lichte Durchfahrtsöffnung von 2,4 m Breite bei 1,6 m Höhe 
frei gehalten worden — und da die Straße, an welcher 
der Neubau auszuführen war und welche als unmittelbare 
Unterlage für das Krangleis diente, eine Steigung von 
1:30 besaß. 

Der Kran ist ein fahrbarer Drehkran, dessen von Mitte 
Drehachse bis Mitte Haken 6 m weit ausladender Ausleger 
eine Höhe von 24,75 m über Schienenoberkante besitzt, 
während die Hubhöhe 23,5 m beträgt. Der Kran läuft auf 
einem Doppelschienengleis von 3,25 m Spur; die größte 
Breite des Untergestelles erreicht noch nicht ganz 4 m . Es 
war das erforderlich, weil auf der für die Kranlaufbahn 
mitbenutzten Straße von nur 6,6 m Breite noch Raum zum 
Vorbeifahren eines Wagens verbleiben mußte. 

Der Kran besitzt eine Tragkraft von 10 t . Er ist jedoch 
so eingerichtet, daß mit ihm auch größere Lasten (ein¬ 



zelne besondere Werkstücke) bis zu 15 t gehoben werden 
können. Bei xo t Last erfolgt der Hub mit 5 m/Minute Ge¬ 
schwindigkeit, bei 3 t und weniger mit 17,5 m , Minute. Die 
Drehung erfolgt mit einer Geschwindigkeitvon etwa4o m /Mi- 
nute und vollzieht sich mit großer Leichtigkeit, da das 
Spurlager als Rollenlager, das Halslager in Höhe der obe¬ 
ren Plattform als Kugellager ausgebildet ist. 

Für jede Bewegungsart: Hebung der Last, Drehung 
und Längsbewegung des ganzen Kranes ist ein besonderer 
Motor vorgesehen. Die sämtlichen maschinellen Teile sind 
auf der unteren Plattform angeordnet und werden- von 


Mitteilungen aus Vereinen. 

Arch.- u. Ing.-Verein zu Düsseldorf. Vers, am 7. Okt. 
1903. Anwes. 26 Mitgl., Vors. Hr. Dreling. Nach Er¬ 
ledigung der Eingänge beschließt die Versammlung, von 
Erstattung gedruckter Sitzungsberichte an die Verbands- 
Vereine abzusehen. Hr. Dorp berichtet hierauf in ein¬ 
gehender Weise über den Verlauf der Abgeordneten- 
Versammlung in Dresden. Zur Ueberprüfung der Wett¬ 
bewerbs - Bestimmungen wird ein Ausschuß gewählt. — 
Vers, am 20. Okt. 1903. Anwes. 27 Mitgl., 5 Gäste. 
Vors. Hr. Tharandt. Auf gen. werden Hr. General dir., 
Reg.- u. Brt. Mathies als auswärtiges und die Hrn. Ing. 


einem einzigen Mann bedient. Auf der oberen, etwa 15 m 
über Straße liegenden Plattform ist ein zweiter Mann auf¬ 
gestellt, der die doppelte Aufgabe hat, das obere Hals¬ 
lager zu warten und Kommandos an den Maschinisten 
bei Versetzung besonders schwerer Stücke zu geben. Der 
Doppelhaken ist ebenfalls auf Kugeln gelagert. Durch auto¬ 
matische Abstellvorrichtungen wird sowohl ein Ueberlasten 
des Kranes als auch ein Zuhochziehen der Last verhütet. 

Das Turmgerüst des Kranes ist so eingerichtet, daß 
es bequem aufgestellt und niedergelegt werden kann. Es 
kann für höhere Bauten leicht ein weiteres Stockwerk hin¬ 
zugefügt, für niedrigere ein solches weggelassen werden. 
Ebenso ist es ohne wesentliche Unkosten möglich, für 
kleinere Lasten größere Ausleger einzusetzen. Besondere 
Sorgfalt war natürlich in dem vorliegenden Falle auf den 
Unterbau zu verwenden, der aus den schon ausgeführten 
Gründen der Querverbindung entbehrt, daher in sich aus¬ 



reichend steif hergestellt werden mußte, um die Spur¬ 
erhaltung und die leichte Beweglichkeit zu sichern. 

Unsere Abbildungen lassen die allgemeine Anordnung 
des Krangerüstes, sowie auch die Einzelheiten des An¬ 
triebes, die Aufstellung der 3 Motojren usw. erkennen. 
Der Unterbau wird von 4 Radpaaren gestützt, von denen 
nur 2 durch den Motor mittels Zahnradgetriebes angetrie¬ 
ben werden. Die beiden Räder eines Paares sind dabei 
durch Kette gekuppelt. Der zweite Motor bewirkt mittels 
Zahnkranzes die Drehung, der dritte schließlich treibt die 
-mit .mehrfachem Vorgelege ausgestattete Winde an. - 


Fischer und Carstensen als einh. Mitgl. Gestorben ist Hr. 
Ing. Dücker. Zur Verhandlung stand ein Antrag des Hrn. 
Arch. Wehling auf Abänderung der Bestimmungen 
betr. die Abnahme der Neubauten und ander er Aus¬ 
führungs-Bestimmungen der Baupolizei-Ordnung. 

Vers, am 7. Nov. 1903. Anwes. 28 Mitgl., 1 Gast. 
Vors. Hr. Dreling. Aufgen. wurden die Hrn. Ziv.-Ing. 
Nauen und Ing. Körting. Nach geschäftlichen Mitteilungen 
berichten die Hrn. Ehlert über Haftung für Vorkomm¬ 
nisse beim Bau eines Maschinenhauses und Tha¬ 
randt über Straßen-Aufreißapparate. — 

Vers, am 17. Nov. 1903. Anwes. 30 Mitgl., Vors. Hr. 
Dreling. Aufgen. wird Hr. Arch. Furthmann. Für die 

No. 14. 


82 





















































































































































Wahl des Vorstandes im neuen Vereinsjahr wird ein Aus¬ 
schuß bestellt. Hr. Arch. Korn berichtet sodann über die 
Veränderungen der neuen Land-Baupolizeiord¬ 
nung für den Reg.-Bez. Düsseldorf, welche auf An¬ 
regung des Vereins vorgenommen worden sind. — 

Vers, am i. Dez. 1903. Anwes. 47 Mitgl., Vors. Hr. 
Dreling. Zunächst wird der Arbeitsplan für das Ver¬ 
bandsjahr 1903/4 vom Schriftführer vorgetragen. Aufgen. 
wird Hr. Ing. Sülzle. Hr. Brt. Radke berichtet über 
einen Antrag der internationalen Kunst- und Gartenbau- 
Ausstellung zu Düsseldorf 1904, betr. die Veranstaltung einer 
Ausstellung der deutschen und ausländischen 
Architekten. Hr. Arch. Wühler kennzeichnet den 
Standpunkt der Architektenschaft der internationalen Kunst¬ 
ausstellung gegenüber und empfiehlt, daß der Verein sein 
Recht auf einen Ausstellungsraum im Kunstpalast durch 
den früheren Ausstellungs - Ausschuß für 1902 geltend 
mache und daß der Verein ausstelle. Hr. vom Endt 
unterstützt diesen Standpunkt. Hr. Radke schlägt vor, 
der Ausstellungsleitung zu antworten, daß der Versuch 
gemacht werden sollte, eine internationale Architektur- 
Ausstellung zusammen zu bringen, vorausgesetzt, daß die 
Architektur im Ausstellungspalast Platz findet. Hr. Wühler 
betont den Mangel an Zeit, Raum und Geld zu dieser 
Veranstaltung. Hr. Brt. Görz berichtet über den Verlauf 
der Verhandlungen im Arbeits-Ausschusse für die Wander¬ 
versammlung 1904 in derselben Sache und hält den Vor¬ 
schlag des Hrn. Radke für aussichtslos. Hr. Arch. Korn 
unterstützt den Standpunkt Wühler. Hr. vom Endt be¬ 
antragt: Die internationale Arch.-Ausstellung zuzusagen 
unter der Bedingung, daß sie im Kunstpalast unterkommt 
und die Einladungen hierzu die internationale Kunstaus¬ 
stellung erläßt. Hr. Radke spricht für, Hr. Wühler gegen 
diesen Antrag, den er für aussichtslos hält. Die Hrn. Dreling 
und Wühler betonen, daß der Architekten-Verein als solcher 
nicht autorisiert sei, für sich einen Ausstellungsraum zu 
beanspruchen, das könne nur der Ausstellungs-Vereinsaus¬ 
schuß 1902/04. Hr. Peiffhoven widerspricht dieser 
letzten Ansicht. Hr. Arch. Fuchs ste'lt sich auf den 
Standpunkt des Rechtes des Architekten- und Ingenieur- 
Vereins: Die Architekten und die Aussteller gegenüber 
der Internationalen Kunstausstellung zu vertreten. Hr. 
Fettweis tritt dem bei. Hr. Dreling bestreitet das 
Mandatsrecht des Vereins. Hr. Radke beantragt, der Aus¬ 
stellungsleitung 1904 unabhängig auf ihren eingangs er¬ 
wähnten Antrag ein zweites Antwortschreiben mit dem 
Inhalte zu senden, daß der Arch.- und Ing.-Verein besonders 
die Ausstellungsrechte der Düsseldorfer und deutschen 
Architekten vertritt. Antrag vom Endt wird mit 24 Stimmen 
angenommen. ■— Hr. vom Endt teilt eine bemerkenswerte 
Ausführung beim Umbau einesWohnhauses mit. Hr. Görz 
berichtet über den Entwurf zum Vertrage über Herstellung 
des Werkes „Düsseldorf und seine Bauten“ mit der 
Firma L. Schwann hierselbst, mit dessen Abschluß die Hrn. 
Görz, vom Endt und Dreling beauftragt werden. 

Vers, am 15. Dez. 1903. An wes. 40 Mitgl., 1 Gast. Vors. 
Hr. Dreling. Hr. Landesbrt. Görz wird als Delegierter 
zu den Beratungen des Verbands-Vorstandes nach Frank¬ 
furt a. M. gewählt. Hr. Arch. Wühler berichtet hierauf, daß 
in Anbetracht des Andranges zur internationalen Kunstaus¬ 
stellung 1904 mehr Raum als die Leitung derselben den 
deutschen Architekten nach früherer Mitteilung gewähren 
konnte, nicht zur Verfügung steht. Im Lokalausschuß für 
die Arch.-Ausstellung ist an Stelle des ausscheidenden 
Hrn. Stadtbrt. a. D. Peiffhoven Hr. Wühler als Vorsitzender 
gewählt. Hr. Körting trägt hierauf über S augsiel-An¬ 
lagen zur Beseitigung von Fäkalien vor, woran sich 
ein lebhafter Meinungsaustausch knüpft. — Th. 


Vermischtes. 

Versicherungspflicht der Inhaber von Baubureaus. Die 
Streitfrage, welche in zahlreichen Fällen in dieser Zeitung 
zur Beantwortung gestellt wurde, nämlich ob Betriebe, 
welche sich in der Hauptsache auf die Anfertigung von 
Bauplänen, daneben aber auch auf die Ueberwachung 
der Ausführung von Bauten erstrecken, gegen Unfälle 
versicherungspflichtig sind, ist neuerdings vom Reichs- 
Versicherungsamte im bejahenden Sinne und damit in der 
von uns vertretenen Weise beantwortet worden. In dem 
Rekursbescheide No. 2024, welcher in den „Amtlichen 
Nachrichten des Reichsversicherungsamtes“ No. 11 vom 
1. Nov. 1903 abgedruckt und im „Deutschen Reichsanzeiger“ 
No. 268 vom 13. Nov. 1903 wiedergegeben ist, erklärt das 
Reichsversicherungsamt, Betriebe der beregten Art bei 
den Baugewerks - Berufsgenossenschaften in vollem Um¬ 
fange versicherungspflichtig. 

Danach kommt es also nicht darauf an, ob die Ueber¬ 
wachung von Bauten den hauptsächlichsten Teil der Be- 

17. Februar 1904. 


schäftigung eines im Baubureau angestellten Architekten 
ausmacht, oder ob sie nur vereinzelt erfordert wird. Es 
genügt vielmehr die Tatsache, daß es überhaupt zur 
Beaufsichtigung von Bauten kommen kann, daß also Ge¬ 
legenheit besteht, beim Betreten von Bauplätzen von Un¬ 
fällen betroffen werden zu können, um die Versicherungs¬ 
pflicht zu begründen und für den Arbeitgeber die Zwangs¬ 
pflicht zu schaffen, seinen Betrieb durch Vermittelung 
der Ortspolizei zur Eintragung in das Kataster der zu¬ 
ständigen Berufsgenossenschaft anzumelden. Es bleiben 
also von der Versicherungspflicht und dem Anmeldungs¬ 
zwange künftig nur noch solche Baubureaus befreit, 
welche sich ausschließlich mit dem Entwerfen von Bauten 
und der Anfertigung von Bauplänen beschäftigen. Selbst 
der Umstand befreit den Betriebsunternehmer nicht von 
der Anmeldepflicht, daß er die Beaufsichtigung und Lei¬ 
tung der Bauten regelmäßig in eigener Person besorgt 
und sich vielleicht nur im Verhinderungsfälle durch 
einen Angestellten vertreten läßt. Völlig gleichgültig 
bleibt es, ob nach der Art des Betriebes für denselben 
Gewerbesteuerpflicht besteht oder nicht. Selbst gewerbe¬ 
steuerfreie Betriebe, welche als solche von der Heran¬ 
ziehung zur Mitgliedschaft einer Handwerkerkammer be¬ 
freit sein würden, können auf den Umstand ihrer Steuer¬ 
freiheit nicht das Verlangen stützen, von der Versiche¬ 
rungspflicht befreit zu bleiben. Es gilt das von Hoch-, wie 
von Tiefbauten, wenngleich der Rekursbescheid in einem 
Falle der ersteren Art ergangen war. Denn der Kern¬ 
punkt der Entscheidung trifft hier wie dort gleichmäßig 
zu. Bei beiden Bauwerken besteht die Möglichkeit, wäh¬ 
rend der Anwesenheit und Ausübung der Verrichtungen, 
welche bei der Bauaufsicht und Leitung vorzukommen 
pflegen, verunglücken zu können. Bei beiden kann also 
für denTechniker dasBedürfnis eintreten, einenVermögens- 
ausgleich für den Verlust seiner Erwerbsfähigkeit durch 
Betriebsunfall zu erlangen, die Unfallfürsorge zu erhalten. 

Infolge dieser Rechtsprechung kann allen, welche 
Baubureaus unterhalten, nur dringend geraten werden, 
baldigst ihrer Anmeldepflicht zu genügen. Eine Vernach¬ 
lässigung derselben kann nämlich nicht nur empfindliche 
Ordnungsstrafen nach sich ziehen, sondern seit der jüng¬ 
sten Rechtsprechung des Reichsgerichtes den betreffenden 
Betriebsunternehmer auch schadenersatzpflichtig werden 
lassen, ihn nämlich der Gefahr aussetzen, zur Zahlung der¬ 
jenigen Beiträge an den Verletzten verpflichtet zu werden, 
welche dieser kraft der gesetzlichen Unfallfürsorge von 
der zuständigen Berufsgenossenschaft genossen haben 
würde, wenn er am Unfalltage bei ihr schon versichert 
gewesen wäre. — Prof. Dr . Karl Hilse. 

Zur Frage der Aufstellung eines Bismarck-Denkmals in 
Bremen. Obgleich man sich mit dem von Schumacher 
in No. 10 der „Deutschen Bauzeitung“ ausgesprochenen 
Gedanken über die architektonische Lösung für die Auf¬ 
stellung eines Bismarck - Denkmals in Bremen befreunden 
kann, so möchte ich doch behaupten, daß die an der Nord¬ 
seite des Hauptturmes der Liebfrauen-Kirche gedachte 
Nische keineswegs hierfür geeignet erscheint, und zwar 
aus dem Grunde, weil das Denkmal an sich einen viel zu 
gewaltigen Gedanken in sich birgt, um einem so beschei¬ 
denen Platze als Zierstück zu dienen, denn der natürliche 
Straßenzug ist vom Wall unmittelbar durch die Söge- 
Straße bis zur Obernstraße, oder vom Wall später in 
den Schüsselkorb einbiegend nach dem Domshof. Der 
Platz an der Liebfrauenkirche liegt viel zu versteckt. 
Dahingegen wäre zu erwägen, welcher Platz sich ergibt, 
wenn man das an die Liebfrauenkirche schwalbennest¬ 
artig angebaute Häuschen am kleinen Turm abbrechen 
und damit einen wohl geeigneten Denkmalplatz für den 
ersten deutschen Kanzler schaffen würde. Erstens käme 
Bismarck gleich wie im Leben in unmittelbare Nähe seines 
kaiserlichen Herrn zu stehen und zweitens läge das Denk¬ 
mal im Herzen eines der schönsten Städtebilder, ohne 
eine Ueberladung der Gesamtanlage herbeizuführen. Drittens 
wäre eine glückliche architektonische Lösung hier weit 
eher möglich, als bei dem technisch schwierigen Nischen¬ 
bau am Nordturm der Liebfrauenkirche. — 

Hamburg, Febr. 1904. Hermann Schütze. 

Auszeichnungen. Es haben kürzlich einige Ernennun¬ 
gen von Privatarchitekten stattgefunden, welche verdienen, 
aus der Gleichförmigkeit der „Personal-Nachrichten“ heraus¬ 
gehoben zu werden. So wie vor einiger Zeit die Hrn. 
Reg.-Bmstr. Albr. Becker und Bmstr. G. Knoblauch in 
Berlin zu Bauräten ernannt wurden, so sind kürzlich die 
Bauräte von Groszheim, Kayser und Schwechten 
zu Geheimen Bauräten ernannt worden und es ist da¬ 
mit einer ausgebreiteten und erfolgreichen privaten künst¬ 
lerischen Tätigkeit zum wiederholten Male eine öffentliche 
Anerkennung zuteil geworden. — 


83 



Preisbewerbungen. 

Wettbewerb Waisenhaus Dessau. Während wir die 
Notiz auf S. 80 schrieben, war die Entscheidung in diesem 
Wettbewerb bereits gefallen, sodaß die Verzögerung, wenn 
man die Weihnachtszeit inbetracht zieht, doch keine allzu 
lange war. Den I. Preis von 1000 M. errang Hr. Paul 
Zimmer in Elberfeld; den II. Preis von 600 M. Hr. Georg 
Pfeiffer in Friedenau; der III. Preis von 400 M. fiel den 
Ilrn. Ludw. Euler und W. Bergen in Wiesbaden zu Den 
in Aussicht gestellten Ankauf von 4 weiteren Entwürfen für 
je 250 M. vermochte das Preisgericht nicht zu empfehlen. 
Die Entwürfe sind vom 13.—27. Febr. in Dessau, Zerbster- 
straße 57, öffentlich ausgestellt. — 

Bücher. 

Am Technolexikon, bekanntlich ein 1901 vom „Verein 
deutscher Ingenieure“ ins Leben gerufenes Unter¬ 
nehmen eines allgemeinen technischen Wörter¬ 
buches in den drei Sprachen Deutsch, Englisch und 
Französisch arbeiten jetzt 363 in- und ausländische techn. 
Vereine mit. Von Firmen und Einzelpersonen haben 2573 
Original-Beiträge zugesagt. Das Ausziehen sowohl ein- 
als besonders mehrsprachiger Texte (Lehrbücher, Abhand¬ 
lungen, Geschäftsbriefe, Geschäftskataloge, Preislisten usw.) 
sowie ferner der bisherigen Wörterbücher ergab bis jetzt 
imganzen 1920000 Wortzettel. Hierzu kommen nun in 
den beiden nächsten Jahren (bis Mitte 1906) noch die 
Hunderttausende von Wortzetteln, die sich aus der redak¬ 
tionellen Bearbeitung der schon eingesandten und der noch 
einzuliefernden Beiträge der Mitarbeiter ergeben werden. 

Alle noch ausstehenden Beiträge werden bis Ostern 
dieses Jahres 1904 eingefordert. Da die Drucklegung 
des Technolexikons Mitte 1906 beginnen soll, so können 
verspätete Beiträge nur bis zu diesem letzteren Zeitpunkte 
mitverwertet werden, d. h. ausnahmsweise. Alle Ein¬ 
sendungen und Anfragen sind zu richten an den leitenden 
Redakteur des Technolexikon, Hm. Dr. Hubert Jansen, 
Berlin NW. 7, Dorotheenstr. 49. — 

Brockhaus’ Konversations - Lexikon. 14. vollst. umgearb. 
Aufl. Neue revid. Jubiläums - Ausgabe. 16 Bde. 
eleg. geb. der Bd. 10 M. Verlag von F. A. Brockhaus 
in Leipzig, Berlin, Wien 1903. 

Rascher, als man erwarten durfte, liegt das vollendete 
sechszehnbändige Werk vor uns, dessen letzter Band noch 
vor Jahresschluß erschien. Wir haben den einzelnen Bän¬ 
den s. Zt. schon empfehlende Worte beigegeben, denen 
wir nur wenig hinzuzufügen haben. Vor 107 Jahren er¬ 
schien die erste Auflage in bescheidenem Umfange, wäh¬ 
rend das Werk jetzt etwa 18000 S. Text umfaßt und mit einer 
Fülle z.T. vortrefflicher Abbildungen im Text und zahlreichen 
teils schwarzen, teils bunten Tafeln aus allen Gebieten des 
Wissens ausgestattet ist. Etwa 500 Sachverständige aus den 
verschiedensten Gebieten haben den umfangreichen Stoff 
zusammengetragen. Blättert man in den alten Jahrgängen 
des Lexikons, so erhält man einen interessanten Einblick 
in die fortschreitende Entwicklung auf wissenschaftlichem, 
künstlerischem und wirtschaftlichem Gebiete, da jeder 
Band die Verhältnisse seiner Entstehungszeit wieder¬ 
spiegelt. Für unsere Leser wird ein solcher Rückblick 
besonders auf technischem Gebiete von Nutzen und In¬ 
teresse sein. Gerade auf diesem Gebiete kamen die Fort¬ 
schritte des vergangenen Jahrhunderts ja ganz besonders 
zum Ausdruck. Auch in der immer eingehenderen und 
sorgfältigeren Behandlung der technischen Wissenschaften 
und ihrer Errungenschaften, wie wir sie in den einander 
folgenden Auflagen des Lexikons verfolgen können, spre¬ 
chen sich die wachsende Bedeutung der Technik und das 
zunehmende allgemeine Interesse für technische Fragen 
deutlich aus. — 

Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: 
Kalender fürStrassen-und Wasserbau-undKuItur- 
Ingenieure. Begründet von A. Reinhard. Neubearbei¬ 
tet von R. Scheck, Reg.- u. Brt. in Erfurt. 31. Jahrg. 1904. 
Geb. nebst 3 gehefteten Beilagen. Wiesbaden. J. F. Berg¬ 
mann. Pr. 4 M. 

Kalender für'Eisenbahn-Techniker. Begründet von 
Edm. Heusinger von Waldegg. Neubearbeitet von A. W. 
Meyer, Kgl. Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. in Allenstein. 31. 
Jahrg. 1904. Geb. mit 1 Beilage. Wiesbaden, J. F. Berg¬ 
mann. Pr. 4 M. 

Uhland’ s Kalender für Maschinen-Ingenieure. 
Bearbeitet von W. H. Uhland, Ziviling. u. Patentanwalt 
in Leipzig. 30. Jahrg. 1904. 2 Teile. Arnold Bergsträsser 

(A. Kröner). Pr. 3 M. 

Deutscher Wappen -Kalender 1904. 32 Seiten Hoch¬ 

quart in 9-farbigem lithogr. Druck. Verlag von Gebr. Vogt, 
Papiermühle bei Roda S.-A. Pr. 1,50 M. 

Kalender für Heizungs-, Lüftungs- und Badetech¬ 
niker. Herausgegeben von H. Kliuger, Oberingenieur. 
9. Jahrg. 1904. Halle a. S. Carl Marhold. Pr. 3,20 M. 


P. Stühlen’s Ingenieur-Kalender für Maschinen und 
Hüttentechniker. Herausgegeben von Ziviling. C. Franzen 
in Köln und Ing. K. Mathee, Kgl. Oberlehrer in Köln. 
39. Jahrg. 1904. 2 Teile. Essen, G. D Baedecker. Pr. 2,80, 
3,50 und 4,50 M. 

Mein künftiger Beruf. No. 32: Der Architekt und Regierungs- 
Baumeister. Leipzig 1903. C. Bange's Verlag. Pr. 50 Pf. 

Block, J., Apotheker. Ueber einige Reisen in Grie¬ 
chenland, mit Berücksichtigung der geolog. Verhältnisse 
sowie der Baumaterialien, insbesondere der Marmorarten 
Griechenlands im Vergleich mit denjenigen Deutschlands und 
einiger anderer Länder. Bonn 1902. Carl Georgi, Univer¬ 
sitäts-Buchdruckerei. 

Crugnola, G., Ingegnere. Dizionario tecnico di ingegneria e di 
architettura nelle lingue italiano, Francese, inglese e tcdesca. 
Parte I. Torino 1903. Societä editrice Succ. A. F. Negro e C. 

Dobel, E., Reg.-Bmstr. und städt. Bauinsp. Kanalisation. 
Anlage und Bau städt. Abzugskanäle und Hausentwässerun¬ 
gen. 4. neubearbeitete Aufl. mit 16 Tafeln ausführ]. Pläne 
und Detailzeichnungen. Nebst einem Anhang: Abwasser- 
Reinigung von Emil Maier, Reg.-Bmstr. Stuttgart 1903. W. 
Kohlhammer. Pr. 4,80 M. 

Heymann, Joh. Moderne Schriften. Vorlagen für die Be¬ 
schreibung technischer Zeichnungen für Techniker aller 
Fächer, insonderheit für Architekten und Bauhandwerker. 
Leipzig 1903. Seemann & Co. Pr. 7,50. M. 

Hirsch, Fritz. Von den Universitäts-Gebäuden in 
Heidelberg. Heidelberg 1903. Carl Winter’s Univer¬ 
sitäts-Buchhandlung. Pr. 3 M. 

Hübner’s Geographisch-statistische Tabellen aller 
Länder der Erde. Herausgegeben von Prof. v. Juraschek. 
Frankfurt a. M. 1903. Heinr. Keller. Kart. 1,50 M., Wand¬ 
tafel-Ausgabe 60 Pf. 

Hatton, Thomas. Skizzierende Aquarell-Malerei, 
Anleitung für Anfänger. Deutsch von Otto Marpurg. Ravens¬ 
burg 1903. Otto Maier. Pr. 1,50 M. 

Limb ach, Ernst, Gerichtsschreiber. Handbuch für den 
Hypotheken-Gläubiger im Zwangsversteigerungs¬ 
und Zwangsverwaltungs-Verfahren. Dresden 1903. Ed. Meyer, 
Buchdruckerei. Pr. 3,50 M. 


Personal-Nachrichten. 

Baden. Der Kult.-Insp. Siebert ist z. Wasser u. Straßen- 
Bauinsp. in Offenburg ernannt. 

Bayern. Dem Reg.- u. Kreisbrt. Pacher in München ist 
die IV. Kl. des Verdienstordens vom hl. Michael, dem Reg.- u. Kr.- 
Bauass. Inamav. Sternegg in München und dem Bauamtm. 
Kraus in Weiden ist der Tit. u. Rang eines Kgl. Brts. verliehen. 

Der Dir.-Rat Wicklei n unter Beförderung zum Reg.-Rat und 
der Dir.-Ass. Riegel unt. Beförderung zum Dir.-Rat sind in das 
Staatsminist, für Verkehrsangelegenheiten berufen. 

Preußen. Dem Geh. Ob.-Brt. Kozlowski in Eberswalde 
ist die Kgl. Krone zum Roten Adler-Orden II. Kl. mit dem Stern 
und Eichenlaub, dem Geh. Reg.-Rat Dr. Riedler, Prof, an der 
Techn. Hochschule in Berlin, der Rote Adler-Orden II. KI. und 
dem Reg.-Bmstr. a. D. Körte in Berlin der Rote Adler-Orden 
IV. Kl. verliehen. 

Die Annahme und Anlegung der ihnen verlieh, fremdländ. Aus¬ 
zeichnungen ist gestattet und zw.: Dem Wirkl Geh. Rat, Ob.-Bau- 
u. Minist -Dir. Schroeder des Komturkreuzes I Kl. des Großherz, 
hess. Verdienstordens Philipp des Großmütigen, dem Ob.-Brt. 
Hermann in Münster i. W. des Komturkreuzes des Kais, und 
Königl. Österreich.-ungar. Franz Josef-Ordens. 

Verliehen ist: Dem Geh. Ob.-Brt., Dr.-Ing., Dr. Zimmer¬ 
mann im Minist, der öffenti. Arb. die Kgl. Krone zum Roten Adler- 
Orden II. Kl. mit Eichenlaub; dem Geh. Brt. a. D. Lochner 
in Berlin der Rote Adler-Orden II. Kl. mit Eichenlaub; dem 
General-Dir. Geh. Brt. Rathenau in Berlin der Rote Adler- 
Orden III. Kl. mit der Schleife; dem Arch. Bodo Ebhardt in 
Grunewald, dem Reg.-Bmstr. a. I). Denninghoff in Charlotten¬ 
burg, dem Ob.-Ing. Dr.-Ing. Reichel in Steglitz und dem Fabr.- 
Dir. Lasche in Berlin der Rote Adler-Orden IV. KL; dem Ing. 
Stix in Berlin, dem Ob-Ing. Ehnhart in Friedrichshagen und 
dem Ing. Otto in Pankow der Kgl. Kronen-Orden IV. Kl. 

Dem Reg.- u. Brt. Eger in Berlin, sowie den Brtn. Schwech- 
ten, Kayser und v. Groszheim in Berlin ist der Char. als 
Geh. Brt. verliehen. 

Der Kr.-Bauinsp. O tt e in Rastenburg ist nach Heydekrug und 
der Reg.-Bmstr. H. Schäfer in Magdeburg nach Neustettin versetzt. 

Dem Prof. Damert an der Techn. Hochschule in Aachen 
ist der Char. als Geh. Reg.-Rat verliehen. 

.Der Schiffbauing. L a a s ist z. etatm. Prof, an der Techn. Hoch¬ 
schule in Berlin ernannt und ist demselben die durch das Aus¬ 
scheiden des Prof. P a g e 1 erled Prof, für prakt. Schiffbau verliehen. 

Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr.: M. Beck¬ 
mann der Kgl. Reg. in Aurich und Hartung der Kgl. Eisenb.- 
Dir. in Köln. 

Der Reg.-Bfhr. (Hochbfch ) Mac Lean aus Karlsmarkt ist z. 
Reg-Bmstr. ernannt. 

Den Reg.-Bmstrn. Knippin g in Elberfeld. Johs. Körner 
in Warstein und Friedr. Schultz in Pankow ist die nachges. 
Entlass, aus dem Staatsdienst erteilt. 

Der Reg.- u. Brt. Spirgatis in Kreuzburg, O.-Schl., der Geh. 
Brt. Schuchard in Kassel und der Kgl. Brt. Schmidt in 
Danzig sind gestorben. 

Inhalt: Elektrischer Turmkran für Ausführung von Hochbauten. — 
Mitteilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Bücher¬ 
schau. — Personal-Nachrichten._ 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Willi. Greve, Berlin. 

No. 14. 


84 






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DEUTSCHE BAUZEITUNG 


XXXVIII. JAHRG. NE 15. BERLIN, DEN 20. FEBR. 1904 


Die Arbeiterheilstätten der Landes-Versicherungsanstalt Berlin bei?-Beelitz. 

Architekten: Schmieden & Boethke in Berlin. 

(Fortsetzung.) Hierzu eine Doppel - Bildbeilage sowie die Abbildung auf Seite 89. 



II. Die Einzelbauten. 

Der Pavillon des Sanato¬ 
riums für Männer. 

er Pavillon des Sana¬ 
toriums für Männer 
(s. d. Grundriß S. 64 
und die Ansicht auf 
derBeilage zu No. 1 x) 
ist ein langgestrecktes, 146 m 
langes, mit derHauptfront nach 
Süden gerichtetes Gebäude,wel¬ 
ches aus Erd-, einem Ober- und 
dem ausgebauten Dachgeschoß 
besteht und in der Hauptsache 
Schlaf- und Wohnräume für die 
Pfleglinge enthält. Im Erdge¬ 
schoß stehen 83, im Oberge¬ 
schoß 82 und im Dachgeschoß 
21 Betten; die Gesamtzahl von 
x86 Betten kann leicht auf über 
200 erhöht werden. Die Räume 
liegen meist nach Süden, einige 
nach Westen und Osten; Kran¬ 
kenräume mit reinem Nordlicht 
sind vermieden. An der Nord¬ 
seite liegen die Nebenräume 
und die Räume für die Kör¬ 
perpflege. In der Mittelachse 
schließt sich an den langge¬ 
streckten Hauptbau eine Raum¬ 
gruppe für die' ärztliche Be¬ 
handlung an; hier liegen der 
Operations-Saal mit Neben- 




85 


Eine Arzt-Villa. 









































































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geht durch die Anlage ein ausgesprochener Zug großer 
Weiträumigkeit; allenthalben ist das Bestreben be¬ 
merkbar, ohne ängstliche Rücksicht auf die Mittel Ge¬ 
bäude zu schaffen, welche ihrem Zwecke in vorbildlicher 
Weise zu genügen imstande sind. Die Kosten waren 
nach dem Anschlag ohne die Einrichtung mit Möbeln, 
ärztlichen Instrumenten usw. 111^838000 M. berechnet. — 


täglichen Gebrauch, der mit einer Anrichteküche in un¬ 
mittelbarer Verbindung steht, kann bei besonderen Ver¬ 
anlassungen der Tageraum vereinigt werden Ein großer 
Teil des Hauses ist mit Holzzementdächern gedeckt; 
nur der Mittelteil trägt ein hohes Dach, welches teilweise 
zu Wohnungen der Bediensteten ausgebaut ist. Die 
Baukosten wurden hier mit 487 000 M. berechnet. — 


Zentral-Badeanstalt. 

Obergeschoß. 


Sanatorium für Frauen. 


Desinfektions-, Obduktions- und 
Verbrennungshaus. 


räumen, Räume ----- ^ , c „ . ,.. „ 

lung, ein Röntgenkabinet und ein Laboratorium, Räume, ^ er Bavillon des Sanatoriums für Hauen. 


tür Massage und elektrische Behand- 


die sich im Obergeschoß zumteil wiederholen. An 
der Westseite befindet sich der große, auch geselli¬ 
gen Zwecken dienende Speisesaal mit einer Gruppe 
von Nebenräumen, die zumteil dem Gesellschaftsleben 
der Pfleglinge dienen, zumteil rein wirtschaftlichen 
Zwecken gewidmet sind. Auf die psychische Einwirkung 
auf die Pfleglinge scheint bei der Anlage und der Aus¬ 
stattung der gesamten Anstalt der Wert gelegt zu sein, 
der diesem wichtigen Moment in der Krankenpflege zu¬ 
kommt. So ist u. a. der „n- 

Nischen-Ausbau des []W 

Speisesaales mit einer 
Bühnen - Einrichtung 
und einemOrchestrion 
versehen, um Unter¬ 
haltungszwecken zu 
dienen, welche über 
das gewöhnliche Maß 
hinausgehen. Nach 
Süden gelegene Ter¬ 
rassen und offene 
Hallen ermöglichen 
geschützten Aufent¬ 
halt im Freien. Es 


er Pavillon des Sanatoriums für Frauen ist 
in der Gesamtanlage dem vorerwähnten 
Gebäude verwandt, ohne indessen seine 
Ausdehnung zu erreichen. Die Zahl seiner 
Betten ist mit etwa 80 angenommen; auch 
hier kann eine Erhöhung dieser Zahl leicht und ohne 
Beeinträchtigung der Bequemlichkeit der Insassen statt¬ 
finden. Die Krankenräume verteilen sich auf ein Erd- 
und ein Obergeschoß. Alle Nebenräume und alle Räume 

für die ärztliche Be¬ 
handlung sind wie bei 
dem Männerpavillon 
vorhanden, jedoch in 
entsprechend gerin¬ 
gerem Umfang. Die 
hier wesentlich klei¬ 
nere Gruppe des 
Speisesaales und sei¬ 
ner Nebenräume bil¬ 
det den östlichenKopf- 
bau des Gebäudes 
undisteingeschossig. 
Mit dem eigentlichen 
Speisesaal für den 


Kochküchen-Gebäude. 


No. 15. 
























































































































































































Die Pavillons für Männer und für Frauen 
der Lungenheilstätten. 

egenüber den Pavillons für Männer und für 
Frauen der Sanatorien für die beiden Ge¬ 
schlechter sind die entsprechenden Pavillons 
der beiden Lungenheilstätten sowohl in der 
Gesamtanlage wie in der Disposition der 
einzelnen Räume nur sehr wenig verändert. Die Ab¬ 
weichung erstreckt sich beim Männerpavillon der 
Lungenheilstätte lediglich auf die in der Hauptachse 



Unterschied liegt also in den Bedürfnissen, welche die 
Verschiedenartigkeit der klinischen Behandlung der 
Pfleglinge erforderte. Hauptsächlich ist es die für die 
ärztlichen Maßnahmen gegen die Tuberkulose inbe¬ 
tracht kommende Kaltwasser-Behandlung, die ihre An¬ 
forderungen an die Raum¬ 
gestaltungen stellte.Die hier 
auftretenden Forderungen 
wurden in Beelitz in sol¬ 
chem Umfange erfüllt, daß 
die hydro therapeutische Be- 
handlung hier als eine nahe¬ 
zu vollkommene bezeichnet 
werden kann. Damit nach 
derj Winternitz’schen Me¬ 
thode dieKranken unmittel¬ 
bar nach demVerlassen des 
Bettes der Wasserbehand¬ 
lung unterzogen werden 
können, wurden zwischen 
den Krankensälen 4 kleine 
Kaltwasser - Behandlungs¬ 
räume eingeschoben. Die 
Belegzahl des Pavillons ist 
eine ähnliche wie bei dem 
Pavillon des Män¬ 
ner - Sanatoriums. 

Im gleichenVer- 
hältnissewie diese 
beiden Pavillons 
steht der Pavillon 
für lungenkranke 
Frauen zu dem Pa¬ 
villon des Sanato¬ 
riums für Frauen. 



Zentral-Badeanstalt. 


Erdgeschoß. 



Er enthält rd. 70 Betten; seine 
Badeeinrichtungen einschl. der 
zwischen die Schlafräume ein¬ 
geschobenen Räume für Kalt¬ 
wasserbehandlung sind nach 
den gleichen Grundsätzen an¬ 


gelegt, 


wie 


die infrage kom- 


angegliederte Raumgruppe, deren Hauptbestandteil 
eine Badehalle mit vorgelagertem Ankleideraum und 
angegliedertem Ruheraum sowie Räume für elektri¬ 
sche Bäder und elektrische Behandlung bildet (s. die 
Grundrisse Seite 64 und die heutige Bildbeilage). Der 

za. Februar 190;. 


menden Einrichtungen für die 
lungenkranken Männer, nur 
in entsprechend kleineremUm- 
fang. Die Baukosten wurden 
für den Männerpavillon mit 
1080900M., für den Frauenpa¬ 
villon mit599000M. berechnet. 

Das Kessel- und Maschi¬ 
nenhaus mitWasser türm. 

s gehört zu den in¬ 
teressantesten Ge¬ 
bäuden der Anlage, 
liegt im Osten der 
Baugruppe, sodaß 
die vorherrschenden West¬ 
winde den Rauch nicht über 
die anderen Gebäude treiben 
können und nimmt die tiefste 
Stelle des Geländes ein. Es 
hat sich zu der heutigen mächtigen Anlage aus kleineren 
Anfängen entwickelt. Ursprünglich sollte in ihm nur 
der Dampf für Kraftzwecke, für die elektrische Beleuch¬ 
tung, für die Kocherei und die Wäscherei der beiden 
Sanatorien erzeugt werden (s. Bildbeilage in No. 13). 






































































































































































































































































































































































































Für die beiden Anstalten für Lungenkranke war ein 
zweites Kesselhaus geplant. Für die Heizung sollte Nie- 
derdruckdampf mit selbständigen Warmwasserkesseln 
für die Häuser der Aerzte und die Pavillons für Lungen¬ 
kranke verwendet werden. Während der Ausführung 
jedoch entschloß man sich zur Anlage eines Fern¬ 
heizwerkes, über welches wir noch ausführlicher be¬ 
richten werden und dessen Dampf für Heiz- und andere 
Zwecke den Gebäuden der ganzen Anstalt von einer 
einzigen Dampfzentrale zugeführt werden sollte. Durch 
diese Zentrale konnten der Kohlentransport zu den 
Kesselanlagen der einzelnen Gebäude und die mit 
diesen Einrichtungen verbundenen Unzuträglichkeiten 
vermieden werden. Nun war das Kesselhaus für die 
beiden Sanatorien aber bereits in der Ausführung; es 
sollte 5 Kessel enthalten. Mit ihm wurde daher ein zweites 
Kesselhaus zur Aufnahme von 9 Kesseln mit je 100 c i m 
feuerberührter Fläche so zu einer organischen Gruppe 
vereinigt, daß, wie der Grundriß in No. 13, S. 79 zeigt, die 
beiden Kesselhäuser zwischen sich einen gemeinsamen 
Hof lassen, nach welchem sich ihre Fronten öffnen. 
Zwei gedeckte Gänge stellen die Verbindung zwischen 


den Nebenräumen der beiden Kesselhäuser her und 
zwei Kondenswassergruben dienen in der Art kommuni¬ 
zierender Gefäße zur gemeinsamen Kesselspeisung in 
der Art, daß die gesamte Kesselanlage von der einen 
Grube gespeist werden kann, wenn die andere zum 
Zwecke der Reinigung ausgeschaltet wird. Arbeitsräume 
für Heizer und Maschinisten, Werkstätten für Schmiede, 
Schlosser und Klempner, Materialienräume, Wasch- 
und Baderäume usw. sind die Nebenräume des einen 
Kesselhauses für das Personal, während mit dem an¬ 
deren, dem südlichen Kesselhause, Räume für die Auf¬ 
stellung der Dynamos und der Dampfmaschinen, für 
die Apparate, für die Enteisenung des Wassers und 
für die Eisbereitungsmaschinen verbunden sind. Eine 
große Akkumulatorenbatterie steht im Kellergeschoß. 
Der hohe Turm enthält das Kaltwasserreservoir; durch 
ihn und durch das ringförmige Wassergefäß geht der 
Schornstein des südlichen Kesselhauses Wohnungen 
für die Heizer und das Maschinenpersonal sind in den 
Obergeschossen der gefällig gruppierten Anlage unter¬ 
gebracht. Die Baugruppe war in ihren baulichen An¬ 
lagen mit 480 OOO M. berechnet. - (Fortsetzung folgt.) 


Eisenbahnbau und Eisenbahnpläne Rußlands in Asien.*) 


as chinesische Reich ist im Südwesten, Westen und 
Norden von Gebirgen und Höhenzügen umgeben, 
die mit den Namen Himalaja, Karakorum, Kuen-lun, 
Thian-schan, Altai, Tannu-ola usw. bezeichnet und in der 
südwestlichen Ecke des Gebirgsgürtels, an der Grenze 
Russisch-Turkestans, durch die Parnire, das sogen. „Dach 
der Welt“, gleichsam zusammengehalten werden. An diese 
gewaltige Erderhebung, die jeden größeren Verkehr zur 
weiten Umgehung zwingt, schließt sich im Westen und 
Norden bis zum Chingan-Gebirge, der Grenzscheide der 
Mandschurei, ein Steppen- und Sandgürtel, die Wüste 
Gobi oder Schamo. Von den Erhebungen der Parnire bis 
zum sibirischen Küstengebiet bildet das gewaltige Gebirgs- 
bollwerk die Grenze zwischen Rußland und dem Reich 
der Mitte. In der äußersten nordöstlichen Ecke dieses 
Gebirgsbollwerkes, wo die Mandschurei an das eigentliche 
chinesische Reich stößt, lag für Rußland der natürliche 
Zugang nach China; dort ist ohne besondere Gelände¬ 
schwierigkeiten, ohne Ueberschreitung von Paßhöhen des 
Hochgebirges und ohne Durchquerung von Wüstenstrecken 
die asiatische Ueberlandbahn nach dem Reich der 
Mitte geführt worden. Sie durchschneidet Sibirien in der 
größten Breitenausdehnung, die Manschurei in ihrem mittle¬ 
ren Teil, und berührt das chinesische Reich bei Inkou an 
der Grenze der Provinz Sching-king. Von dort führt die 
Nordchinesische Eisenbahn über Schanhaikwan, 
Tongku und Tientsin nach Peking. 

Auf der großen asiatischen Ueberlandbahn ist gegen¬ 
wärtig die Baikal-Ringbahn**) (Umgehungslinie desBai- 
kalsee)noch imBau begriffen, auf allen übrigen Bahnstrecken 
herrscht dagegen ein regelmäßiger Personen- und Güter¬ 
verkehr. Die Eisenbahnen auf russisch-sibirischem Gebiet 
und in der Mandschurei besitzen eine Gesamtlänge von 
rd. 8550 km (einschl. der im Bau begriffenen Baikal Ring¬ 
bahn) ; sie sind verschiedenen Betriebsverwaltungen unter¬ 
stellt und in folgende Bahnabschnitte eingeteilt: 

1. Sibirische Eisenbahn. 


Tscheljabinsk—Irkutsk .... 3251,50 km 

Zweigbahn von Taiga nach Tomsk 87,50 „ 

Zweigbahn zum Hafen Tschere- 

moschniki. 7,50 „ 3346,50 km 

2. Baikal-Ringbahn. 

Baikal—Kultuk—Myssowaja. 259,20 ,, 

3. Transbaikalische Eisenbahn. 

Irkutsk—Baikalsee. 66,20 kra 

Myssowaja—Karimskaja (Kaidalowo) 

—Srjetensk.1103,00 „ 

Karimskaja (Kaidalowo) — Mand- 

schuria.356,30 I 5 2 5 , 5 ° „ 


'") Anmerkung der Redaktion. Diese Arbeit ist uns bereits im 
November v. J. zugegangen. Sie wird gerade jetzt von Interesse sein, wenn 
natürlich auch die Pläne einer Ausdehnung der Eisenbahnen auf längere Zeit 
durch die politischen Verhältnisse in den Hintergrund gedrängt werden dürften. 

**) Von der Baikal-Ringbahn sind etwa 70 km der östlichen Teilstrecke 
Tanchoi—Myssowaja seit 1903 betriebsfähig. Tanchoi, ein neuer Hafen¬ 
platz der Fährdampfer am Ostufer des Baikal, ist durch eine etwa 3,2 km 
lange Zweiglinie mit der Umgehungsbahn verbunden. Große Bauschwierig¬ 
keiten waren auf der westlichep Strecke von Station Baikal der Linie 
Irkutsk—Baikalsee bis Kultuk auf etwa 85 km zu überwinden. Diese 
Strecke besitzt 32 Tunnel von zus. 5,87 km Länge und 210 Kunstbauten. Die 
Baikal-Ringbahn wird voraussichtlich mit Beginn d. J. 1905 eröffnet werden. 


4. Chinesische Ostbahn. 

Mandschuria—Charbin (Sungari)— 

Pogranitschnoje.1488,10 km 

Zweigbahn bei Sungari .... 6,40 „ 1494,50 km 


5. Südmandschurische Eisenbahn. 
Charbin (Sungari)—Tjelin — Port 


Arthur. 985,70 km 

Zweigbahn zu den Kohlengruben 

bei Jantai. 17,00 » 

Taschizao—Inkou (Anschluß an die 

Nordchinesische Eisenbahn) . 21,30 „ 

Nangolin—Dalny. 17,'00 „ 1041,00 „ 


6. Ussuri-Eisenbahn. 

Wladiwostok — Nikolskoje — 

Chabarowsk ....... 769,15 „ 

Nikolskcj e — Grodekowo — Pogra- 

nitschnoje. 113,00 „ 882,15 » 

Insgesamt 8548,85 km . 

Die gegenwärtige Eisenbahnverbindung Europas mit 
China durch Sibirien und die Mandschurei besitzt den 
Uebelstand, daß sie erst auf großen Umwegen zum Reich 
der Mitte führt. Es ist daher russischerseits ein Plan auf¬ 
gestellt worden, der eine Verbindung Pekings mit der 
sibirischen Stammbahn in der Richtung der alten Kara¬ 
wanenstraße über Kalgan, Urga, Maimatschin—Kjachta und 
Troitzkosawsk erstrebt. Diese Bahn würde zwar den 
Durchgangsverkehr von Europa nach China schätzungs¬ 
weise um 1500 km verkürzen, auch politisch für Rußland 
von großer Bedeutung sein, in wirtschaftlicher und bau¬ 
licher Beziehung und vom Standpunkte des Betriebes 
aber viele Nachteile besitzen, weil dort menschenleere Ge¬ 
biete und Wüstenstrecken durchschnitten werden müssen, 
die den Bau außerordentlich erschweren, ein dauerndes 
Hemmnis für den Aufschwung des Verkehres bilden und 
die Betriebssicherheit beeinträchtigen. Im Aufträge der 
Gesellschaft der Chinesischen Ostbahn, die durch 
ihre Begründer in nahen Beziehungen zur russischen und 
chinesischen Regierung steht, sind Vorerhebungen für eine 
Eisenbahn in der Richtung der alten Karawanenstraße 
bereits ausgeführt worden. Diese Vorerhebungen deuten 
darauf hin, daß man in Rußland der Eisenbahnfrage näher 
getreten ist und den unmittelbaren Anschluß Pekings an 
die sibirische Stammbahn, ohne Rücksicht auf Bauschwie¬ 
rigkeiten und Kosten, aus politischen Gründen allein für 
erstrebenswert erachtet. 

Der Eisenbahnvorstoß nach dem Reich der Mitte ist 
nicht allein im Osten, sondern auch bereits im Westen 
Asiens von Rußland in Angriff genommen worden. Dort 
haben die Russen die Mittelasiatische Eisenbahn bis 
unmittelbar an die chinesische Grenze vorgeschoben. Die 
Mittelasiatische Eisenbahn, deren Anfangsstrecke im Jahre 
1880 zur Erleichterung des Truppenaufmarsches während 
des Feldzuges gegen die Tekke-Turkmenen unter General 
Annenkow erbaut und damals Transkaspische Militärbahn 
genannt wurde, erstreckt sich jetzt von Krassnowodsk 
am Ufer des Kaspischen Meeres über Aschabad, Merw 
und Samarkand bis nach Taschkent; mit ihren Zweig¬ 
linien besitzt sie eine Gesamtlänge von 2514,40 km . Diese 
Länge setzt sich aus folgenden Bahnabschnitten zusammen: 


No. 15. 


8 , 





















Mittelasiatische Eisenbahn. 


Krassnowodsk—Taschkent.1863,70 kra , 

Zweiglinie von Merw nach Küschk zur Grenze 

Afghanistans . 311,50 » 

Zweiglinie von Kagan nach Buchara . . . 12,80 „ 


Zweiglinie von Tschernajewo nach Andischan 326,40 „ 

Zusammen 2514,40 km . 


und Baku, von dort auf dem Seewege des Kaspischen 
Meeres nach Krassnowodsk. Im Kriegsfälle hätte Rußland 
auf diesem Wege seine Truppen nur mit großem Zeit- 
aufwande aus Europa nach den Grenzen Afghanistans 
und Persiens befördern können. Dieser Umstand gab in 
erster Linie Veranlassung zum Bau der Orenburg- 
Ta schkenter Eisenbahn, die jetzt das Verbindungsglied 



Bis vor kurzem bestand zwischen der Mittelasiatischen 
Eisenbahn und dem russisch-europäischen Schienennetz 
keine unmittelbare Verbindung. Der Güteraustausch und 
Personenverkehr zwischen Rußland und seinen mittel- 
asiatischen Besitzungen vollzog sich auf der Eisenbahn 
über Rostow am Don und Beslan nach den Häfen Petrowsk 

20. Februar 1904. 


zwischen der Mittelasiatischen Eisenbahn und dem russisch¬ 
europäischen Schienennetz bildet. Ausgangspunkt dieser 
Verbindungsbahn ist Orenburg, die Endstation des Oren- 
burger Zweiges der Samara—Slatouster Eisenbahn. Die 
Bahn führt über Iletzk, Aktjubinsk, Kasalinsk, Karmaktschi, 
Perowsk, Dschulek und Turkestan nach Taschkent; 

89 














sie besitzt eine Gesamtlänge von 1893,60 km und setzt sich 
aus folgenden Teilstrecken zusammen: 

O r e n b u r g—T a s c h k e n t e r Eisenbahn. 

1. Nordstrecke. 

Orenburg— Kasalin.sk .... 993,20 km 

Zweigbahn zur Station Örenburg 4,30 „ 

Zweigbahn zum Salzwerk Iletzk 4,30 „ 1001,80 km 

2. Südstrecke, 

Kasalinsk—Taschkent . ... 886,50 km 

Zweigbahn zum Syr-Darja . . 5,30 „ 891,80 „ 

zusammen 1893,60 km . 
Der Bau wurde gegen Ende des Jahres 1900 von 
Orenburg und Taschkent aus fast gleichzeitig in Angriff 
genommen. Auf der Nordstrecke ist der zeitweilige Ver¬ 
kehr bereits im Januar, auf der Südstrecke im Herbst 1903 
eröffnet worden. Der regelmäßige Verkehr auf der ganzen 
Linie wird voraussichtlich im Jahre 1904 stattfinden. “ 
Nachdem die Mittelasiatische Eisenbahn durch die Oren- 
burg-Taschkenter Linie einen Anschluß an das russisch¬ 
europäische Schienennetz erhalten hat, ist der alte Plan, 
der die Verbindung Taschkents mit einem Punkt der sibi¬ 
rischen Eisenbahn erstrebt, wieder angeregt worden. 
In der Richtung nach Semipalatinsk über Aulie-ata, Wernoje 


Provinzen Chinas am Iloangho und der Mittelasiatischen 
Eisenbahn, oder um die kürzeste Verbindung Europas 
mit dem Reich der Mitte. Für diese Bahn, die man vor¬ 
läufig „die Westchinesische“ bezeichnet hat, und die 
von An dis chan, dem Endpunkt der Mittelasiatischen 
Nebenbahn abzweigen soll, sind folgende Teilstrecken 
vorgeschlagen: 

Andischan Osch—Kaschgar, schätzungsweise 

Kasch gar—Aksu. 

Aksu—Ivaraschar. 

Karaschar—Turfan. 

Turfan—Chamil (Kami). 

Chamil—Ngan-si-fan-tscheu. 

Ngan-si-fan-tscheu—Su-tscheu—Lan-tscheu . 

Zusammen 2640 km. 

Die!Verwirklichung dieses Unternehmens ist aber mit 
sehr großen Bauschwierigkeiten und Kosten verbunden, 
insbesondere im Westen auf der Strecke zwischen dem 
Thian-schan und dem Lobnor, wo das Hochgebirge über¬ 
wunden und die Sandwüste durchquert werden muß. 

Frhr. v. Richthofen hat eine Linie vorgeschlagen, die 
von Hsingau (Singau), der Hauptstadt der Provinz Schensi, 
ausgeht und sich auch über Lan-tscheu am Hoangho, Su- 
tscheu und Ngan-si-fan-tscheu bis nach Chamil (Hami) er- 


080 km 
440 „ 
425 „ 
260 „ 

250 „ 
270 » 
6i 5 » 


—— Bestehende,-vorgeschlagene und geplante Eisenbahnen. 

Eisenbahnbau und Eisenbahnpläne Rußlands in Asien. Uebersichtsplan. 



und Sergiopol haben bereits Vorerhebungen stattgefunden. 
Für den Anschluß an die sibirische Stammbahn ist die 
Fortführung der Linie über Barnaul nach der Eisenbahn¬ 
station Obj oder Kriwotschekowo vorgeschlagen. Durch 
die geplante Bahn wird in erster Linie ein bequemer Zu¬ 
fuhrweg für sibirisches Getreide nach Rußlands mittel- 
asiatischen Besitzungen erstrebt. Indem der Bevölkerung 
Russisch-Turkestans die Möglichkeit geboten wird, sich 
mit billigem Getreide aus Sibirien zu versorgen, könnte 
sie den Anbau der Baumwolle in größerem Umfange als 
bisher betreiben und Rußland in seinem Bestreben, in der 
BaumWollversorgung sich möglichst vom Auslande unab¬ 
hängig zu machen, wirksam unterstützen. Im Anschluß 
an die sibirische Linie würde diese Eisenbahn mit der 
Mittelasiatischen die Besitzungen Rußlands in Türkestan 
und den größten Teil Westsibiriens vom Ufer des Kaspi¬ 
schen Meeres in einem großen Bogen umschließen, alle 
wichtigeren Städte und Ortschaften, die am Fuße der 
Hochgebirge liegen, mit einander verbinden und sie aus 
ihrer bisherigen Abgeschiedenheit befreien. 

Bemerkenswert ist auch ein Eisenbahnplan, der kürz¬ 
lich in der russischen Presse erörtert wurde und der sich 
teilweise mit einem Plan deckt, den bereits vor vielen 
Jahren Frhr. v. Richthofen für eine transasiatische 
Eisenbahn aufgestellt hat. Es handelt sich hier um 
eine Verbindungslinie zwischen den volkreichen mittleren 


streckt, von dort aber nach dem Tal des Ilij (Wernoje) 
oder Irtisch (Semipalatinsk) abzweigt. Hinsichtlich der 
Geländeschwierigkeiten unterscheiden sich beide Richtungs¬ 
linien nur wenig von einander. 

Von der seit Jahren geplanten Chinesischen Nord- 
Südlinie, die einmal Peking mit Hankoü am Jangtsekiang 
verbinden wird, ist erst die etwa 127 km lange Anfangs¬ 
strecke bis nachPao-ting-fu fertiggestellt. Diese Bahn soll 
angeblich mit Geldmitteln erbaut worden sein, die von 
der russisch-chinesischen Bank der chinesischen Regierung 
vorgeschossen wurden. Die russisch - chinesische Bank 
steht aber in engen Beziehungen zur Gesellschaft der 
Chinesischen Ostbahn; letztere ist nichts anderes als ein 
Unternehmen Rußlands, das für Zwecke des Eisenbahn¬ 
baues und für wirtschaftliche Unternehmungen in Ost¬ 
asien ins Leben gerufen wurde. Dieser Gesellschaft soll 
die chinesische Regierung bereits im Jahre 1898 das Bau¬ 
recht für eine Zweigbahn erteilt haben, die von einem 
Punkt der geplanten Nord-Südlinie in westlicher Richtung 
nach Thai-jüan,. der Hauptstadt der Provinz Schansi, 
abzweigen wird. Nach den Mitteilungen der „Times“ ist 
die russisch - chinesische Bank auch im Besitz des Bau¬ 
rechtes für die Verbindungsbahn Thai-jüan — Hsingau. 

Ob alle geplanten Eisenbahnen tatsächlich einmal aus¬ 
geführt werden, ist zwar eine offene Frage; die Pläne 
zeigen aber, wie Rußland bestrebt ist, seine Macht und 


No. 15. 


90 























seinen Einfluß in Asien immer weiter auszudehnen und 
durch das Gegeneinanderwachsen der Schienenwege von 
Osten und Westen jene große transasiatische Eisenbahn 
durch das Reich der Mitte herzustellen, von der Frhr. v. 
Richthofen einst gesagt hat, daß sie unter allenSchienen- 
wegen der Welt, die Erdteile von Meer zu Meer 
durchziehen oder zu durchziehen bestimmt sind, 
die bedeutendste und wichtigste sein wird. 

Rußlands Einflußgebiet in Ostasien erstreckt sich bis 
unmittelbar an die Grenze Koreas. Korea besitzt seit dem 
Jahre 1900 eine etwa 42 km lange Eisenbahn, die die Haupt¬ 
stadt des Landes, Söul, mit dem an der Westküste befind¬ 
lichen Hafen Chemulpo verbindet. Seit Jahren sind die 
Japaner bestrebt, durch Eisenbahnbauten wirtschaftlichen 
Einfluß in Korea zu gewinnen und dadurch den russischen 
Einfluß dort abzuschwächen. Nach dieser Richtung sind 
ihre Bemühungen nicht erfolglos geblieben. Im Jahre 
1901 erteilte die koreanische Regierung einer japanischen 

Wettbewerb für den Entwurf zu 

in Wettbewerb ist vor einigen Tagen zur Erledigung 
gelangt, der insofern bemerkenswert ist, als er trotz 
der verhältnismäßig geringfügigen architektonischen 
Bedeutung der Aufgabe zu einer Beschickung mit i95Ent- 
würfen herausgefordert hat! Es darf dieses Ergebnis der 
Ausschreibung als ein nicht gerade erfreuliches Zeichen der 
Zeit angesehen werden. Abgesehen davon, daß nach Ab¬ 
zug der preisgekrönten Entwürfe eine so große Zahl von 
Arbeiten naturgemäß hat zurückgewiesen werden müssen, 
erscheint eine so starke Beteiligung der deutschen Archi¬ 
tekten immerhin auffallend, da es sich doch nur um den 
einfachen Bau eines Waisenhauses für 60 Kinder handelte, 
bei welchem wahrlich nicht viel architektonische Lorbeeren 
zu holen waren! Oder sollte gerade diese verhältnis¬ 
mäßig einfache Aufgabe, verbunden mit den bescheidenen 
Anforderungen des Preisausschreibens — Grundrisse, An¬ 
sichten und Schnitte nur im Maßstab 1:200, summarische 
Berechnung der Baukosten nur nach dem Kubikinhalt des 
umbauten Raumes — die Veranlassung zu einer so außer¬ 
ordentlich großen Anlockung gewesen sein, zumal seitens 
des Magistrates von Dessau drei Preise von iooo M. bezw. 
600 und 400 M., zusammen 2000 M., zur Verfügung gestellt 
waren und ein Ankauf 4 weiterer Entwürfe für je 250 M. 
auf Antrag des Preisgerichtes in Aussicht stand?' Die drei 
Preise sollten außerdem den drei relativ besten Arbei¬ 
ten zufallen, mußten also unter allen Umständen ver¬ 
teilt werden. 

Die Tatsache steht jedenfalls fest, daß das Preisgericht 
seine liebe Mühe gehabt hat, sich durch die 195 Entwürfe 
pflicht- und bedingungsgemäß durchzuarbeiten, und es darf 
auch festgestellt werden, daß die Preisrichter schließlich 
froh gewesen sind, daß sie die nach den Bedingungen 
hefauszulösenden drei relativ besten Arbeiten überhaupt 
für die Prämiierung vorschlagen konnten. Denn auch diese 
durch Preise ausgezeichneten Entwürfe werden nach dem 
Protokoll noch keineswegs als vollkommen einwandfrei be¬ 
zeichnet, wennschon der mit dem I. Preise bedachte Entwurf 
mit geringfügiger Abänderung zu einem ausführungsreifen 
wird umgearbeitet werden können. Also doch wenigstens 
von 195 Bearbeitungen eine einzige, die den zu stellenden 
Anforderungen knapp zu genügen imstande gewesen ist. 
Dagegen eine überaus reichliche Zahl von stümperhaften 
Grundrissen, die auf den ersten Blick die Hand des noch 
nicht durchgereiften Baukünstlers, ja des Bau sch üle rs 
erkennen lassen, so daß man sich naturgemäß die Frage vor¬ 
legen mußte, ob nicht etwa die Schüler irgend einer oder 


Aktiengesellschaft die Baubewilligung für eine Eisenbahn, 
die Söul mit dem an der Südostküste befindlichen Hafen 
Fusan verbinden wird. Nach den Mitteilungen der „Korea 
Review“ ist der japanischen Gesellschaft im Mai 1902 auch 
das Baurecht für die Verlängerung der Eisenbahn über Söul 
hinaus nach Norden bis Wij u an der mandschurischen 
Grenze erteilt worden. Mit dem Bau beider Linien hat die 
Gesellschaft inzwischen begonnen. Das fehlende Verbin¬ 
dungsglied zwischen derkoreanischen Grenze beiWij u und 
der südmandschurischen Linie beiTaschizao beabsichtigt 
die Gesellschaft der Chinesischen Ostbahn herzustellen. 

Während des wirtschaftlichen Wettbewerbes zwischen 
Rußland und Japan auf dem Boden Koreas haben sich 
die Gegensätze beider Mächte in Ostasien bis zürn Kriege 
verschärft. Ob Rußlands Einfluß dauernd in Ostasien vor¬ 
herrschen und sich auch auf Korea erstrecken wird, ist 
eine Frage, deren Lösung erst durch den Krieg herbei¬ 
geführt werden wird. — — s. 

einem Waisenhause für Dessau. 

mehrerer strebsamen Baugewerkschulen sich an diese dank¬ 
bare Uebungsaufgabe gemacht haben, um, wenn das Glück gut 
ist, noch nebenher einen Preis oder einen Ankauf herauszu¬ 
schlagen? Von einer ganzen Anzahl von Entwürfen läßt sich 
diese Vaterschaft der Baugewerkschule oder dergl. beinahe 
mit Gewißheit nachweisen. Die dürftige Grundrißarbeit wird 
wett gemacht durch einen Aufwand von Giebelaufbauten, 
Türmen, Erkern, Loggien, ungeheuerlichen Dächern und 
dergl. m., die aus dem Gebäude alles andere machen, als 
das bescheidene Waisenhaus, um das es sich hier nur 
handelte! Auch die vielfach genau übereinstimmende, mei¬ 
stens manierierteBehandlung derFassadenzeichnungen und 
der mit dem unvermeidlichen Sturmwolken-Aufwand dar¬ 
gestellten Schaubilder— die übrigens nach den Bedingungen 
des Wettbewerbes gar nicht verlangt waren — führt auf 
dieselbe Vermutung. Sind unsere in wohlwollender Absicht 
ausgeschriebenen Preisbewerbungen dazu da, daß sich der 
strebsame Bauschüler der Anregung undUebung halber daran 
versucht? Erscheint es richtig, die Geduld der Preisrichter 
mit solchen Anfängerleistungen und schülerhaften Erzeug¬ 
nissen in Anspruch zu nehmen, die unmöglich als ernst 
aufgefaßt werden können? Darf man aber in den hier be¬ 
rührten Fällen Schülerarbeiten nicht voraussetzen, dann 
würde man ein bedauerlich tiefes Niveau der architekto¬ 
nischen Leistungsfähigkeit der am Wettbewerb beteiligten 
„Baukünstler“ anzunehmen haben! 

Daß sich nicht Architekten gerade ersten Ranges oder 
Firmen hervorragenden Rufes bei einem Wettbewerb für 
ein Waisenhaus, dessen Baukosten allenfalls auf 100000 M. 
sich beschränken, beteiligten, versteht sich ganz von selbst! 
Und nun gelangen wir zu der nahe liegenden Erwägung: 
ob man nicht im vorliegenden Falle besser getan 
hätte, auf die Ausschreibung eines Wettbewerbes 
ganz zu verzichten oder sich vielleicht an die am 
Orte ansässigen Architekten zu wenden? Uns er¬ 
scheint die Heranziehung der ganzen deutschen Archi¬ 
tektenschaft zu einem Wettbewerb für einen so einfachen 
Waisenhausbau ohne irgend welche architektonische Be¬ 
sonderheit oder auch nur Schwierigkeit keinesfalls er¬ 
forderlich und auch nicht wünschenswert, wenn 
nicht das Vertrauen auf solche Preisausschreiben mehr 
und mehr sich verlieren soll.*) 

Es darf nach diesem nicht erfreulichen Ergebnis nicht 
verwundern, wenn sich das Preisgericht nicht veranlaßt 
gesehen hat, dem Magistrat von Dessau noch den Ankauf 
von 4 weiteren Entwürfen vorzuschlagen. — 



Vermischtes. 

Ueber die Berechtigung zur Führung des Titels eines 
Baugewerksmeisters werden so häufig Fragen an uns ge¬ 
stellt, daß wir diese durch unseren Hrn. juristischen Mit¬ 
arbeiter ein für allemal wie nachstehend beantworten. 
So lange nicht neue Entscheidungen vorliegen, werden 
wir in Zukunft bei dieser Frage nur noch auf diese Ver¬ 
öffentlichung hinweisen: 

„Nach der Gewerbeordnung § 133 in der Fassung des 
Gesetzes vom 26. Juli 1897 ist zur Führung des Meistertitels 
in Verbindung mit der Bezeichnung eines Handwerks nur 
derjenige berechtigt, welcher zur Ausbildung von Lehr¬ 
lingen befugt ist und die Meisterprüfung bestanden hat. 
Letztere muß vor einer von der oberen Landesbehörde 
auf Vorschlag der Handwerkskammer bestellten Prüfungs¬ 
kommission abgelegt werden, sodaß also das Abgangszeugnis 
einer Baugewerkschule nicht genügt. Auch darf in der 
Regel nur der zur Prüfung zugelassen werden, der wenig¬ 
stens drei Jahre als Geselle gearbeitet hat. Demjenigen, 

20. Februar 1904. 


welcher widerrechtlich den Meistertitel führt, soll nach dem 
Erlaß vom 29. Okt. 1902 gleichgeachtet werden, welcher die 
Bezeichnung als Meister duldet, also z. B. zuläßt, daß er in 
Adreßbüchern als Meister aufgeführt wird. Mithin kann 
keinem begründeten Zweifel unterliegen, daß Niemand 
sich z. B. Maurer- oder Zimmermeister selbst nennen oder 
in öffentlichen Ankündigungen so bezeichnen lassen darf, 
dem die beiden Erfordernisse (Befugnis zum Halten von 
Lehrlingen und bestandene Prüfung) oder eines von bei¬ 
den abgeht. 

In der Rechtsprechung und der Wissenschaft besteht 
auch darüber kein Streit mehr, daß die vorgeschriebene 
Prüfung durch keinen Befähigungsnachweis ersetzt wer¬ 
den darf, welcher auf andere Weise (z. B. durch die Prüfung 
bei einer Lehranstalt) erworben ist, selbst wenn solche 
strenger gehandhabt und deshalb schwieriger zu bestehen 


••') Anmerkung der Redaktion. Der gesunden Beschränkung 
der Wettbewerbe für die üblichen Durchschnitts-Aufgaben'haben wir stets 
das Wort geredet und freuen uns, daß diese Bestrebungen auch von anderer 
Seite unterstützt werden. — 


9 ' 






sein sollte. Denn § 133 Gew.-Ord. ist zwingender Natur 
und stellt es keineswegs in die Wahl Jemandes, auf wel¬ 
chem Wege er seine Befähigung nachweisen will. Es kann 
dahingestellt bleiben, ob es nicht vielleicht ratsam gewesen 
wäre, ein solches Wahlrecht zu begründen; ausschlaggebend 
ist aber, daß dies dem Gesetzgeber nicht beliebt hat und 
daß durch die Auslegung in das Gesetz nichts hineininter¬ 
pretiert werden darf, was seinem Wortlaute widerspricht. 

Nun hat der Erlaß des preuß. Handelsministers vom 
28. Nov. 1902 die Ansicht vertreten, daß die Führung des 
Titels „Baugewerksmeister“ zulässig und zu seiner Annahme 
die Ablegung der erforderlichen Meisterprüfung entbehr¬ 
lich sei, weil „Baugewerk“ keine „Handwerks“-Bezeichnung 
sei. Diese Ansicht wird jedoch von den Baugewerks¬ 
innungen und den Handwerkskammern bekämpft. Als Mittel 
bedient man sich dabei Gew.-Ord § 148 No. 9c, welcher 
die unbefugte Führung des Meistertitels für strafbarerklärt. 
Es haben demzufolge schon verschiedene Strafgerichte 
sich mit der Frage zu befassen gehabt, ob der Titel „Bau- 
gewerksmeister“ zu den durch § 148 No. 9 c geschützten 
gehört, was überwiegend bejaht worden ist. Für Mecklen¬ 
burg ist dies unstreitig geworden, seit das Oberlandesge¬ 
richt zu Rostock sich zu dieser Ansicht bekannt hat. Für 
die anderen deutschen Staaten fehlt es noch an einem 
Ausspruche der höchsten Landesgerichte und damit an 
einheitlicher Rechtsprechung. Wohl aber herrscht darüber 
in den bisher veröffentlichten Erkenntnissen preußischer 
Strafgerichte kein Zweifel, daß der Erlaß vom 28. Nov. 1902 
den Richter nicht bindet, sondern daß dieser berechtigt 
sei, sich darüber hinwegzusetzen. 

Bei diesem Stande der Verhältnisse ist es also strafbar, 
den Meistertitel oder selbst nur die Bezeichnung „Bauge¬ 
werksmeister“ anzunehmen, solange man keine Prüfung in 
dem beregten Gewerbefache vor der berufenen Prüfungs- 
Kommission bestanden hat. Das Abgangszeugnis einer 
Baugewerkschule schützt vor der Strafverhängung solange 
nicht, bis es der Landes-Zentralbehörde gefallen wird, den 
Baugewerkschulen die Abhaltung von Meisterprüfungen und 
die Ausstellung von Prüfungs-Zeugnissen zu gestatten.“ — 

K. H-e. 

Ehrendoktoren. Hr. Geheimer Baurat Josef Stübben in 
Köln ist von der Technischen Hochschule in Karls¬ 
ruhe zum „Doktor-IngenieurEhrenhalber“ ernannt worden. 

Auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Chemie 
und durch Beschluß von Rektor und Großem Senat der 
Technischen Hochschule zu Darmstadt wurde Hrn. 
Hofrt. Dr. Heinrich Caro in Mannheim „wegen seiner großen 
Verdienste um die chemische Wissenschaft und Industrie, 
insbesondere die Industrie der Teerfarbstoffe, deren Ent¬ 
wicklung er durch glückliche Verwertung streng wissen¬ 
schaftlicher Methoden in hervorragendstem Maße gefördert 
hat“ die Würde eines „Doktor - Ingenieurs Ehrenhalber“ 
verliehen. — 

Auszeichnungen. Der Firma Cementwarenfabrik 
Dyckerhoff & Widmann, Unternehmung für Beton¬ 
bauten in Biebrich a. Rh., mit Zweiggeschäften in Karls¬ 
ruhe, Nürnberg, Dresden und Cossebaude, wurde auf 
Allerhöchsten Erlaß durch den preußischen Minister für 
Handel und Gewerbe die preußische „Goldene Staats¬ 
medaille“ verliehen. Es hat damit einer unserer be¬ 
deutendsten und umfangreichsten technischen Betriebe 
eine staatliche Anerkennung erhalten, die in ihrer hohen 
Wertbemessung den hohen und allenthalben anerkannten 
Leistungen der Firma entspricht. — 


Preisbewerbungen. 

Ein Wettbewerb betr. Entwürfe für eine Realschule in 
Schramberg wird unter württembergischen Architekten 
unter Verheißung dreier Preise von 1500, 1000 und 500 M. 
erlassen. Preisrichter sind die Hrn. Prof. Theod. Fischer, 
Prof. H. Jassoy und Stadtbrt. Mayer in Stuttgart. — 

Kaiser-Wilhelm - Denkmal in Bielefeld. Unter Hinzu¬ 
ziehung der Prof. Manzel und Breuer in Berlin als Sach¬ 
verständige hat der Ausschuß des Bielefelder Kaiser- 
Wilhelm-Denkmals die Ausführung des seinerzeit mit 
dem I. Preise ausgezeichneten Reiterstandbildes des Reg.- 
Bmstr. Freih. von Tettau in Berlin, sowie die Uebertragung 
der Ausführung an ihn zusammen mit dem Gewinner des 

II. Preises, Bildh. Albrecht in Steglitz, beschlossen.— 

Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die Be¬ 
bauung eines Geländes an der Frobenstraße in Berlin. Der 
I. Preis wurde nicht verteilt, dagegen zwei II. und zwei 

III. Preise. Einen II. Preis errangen die Hrn. Müller & 
Schafusin Berlin und Conr. Heidenreich in Charlotten¬ 
burg. Einen III. Preis die Hrn. Heinr. Schneider in 
Schöneberg und Engelhardt & Mostert in Berlin. Vom 
Ankauf eines Entwurfes wurde Abstand genommen. — 


Ein engerer Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen 
für ein neues Rathaus in Kiel ist unter den Gewinnern des 
II. Preises des allgemeinen Wettbewerbes, unter den Hrn. 
Prof. Plerm. Billing in Karlsruhe, Börnstein & Kopp 
in Friedenau und A. Thyriot in Groß-Lichterfelde er¬ 
lassen worden. Dem Sieger ist die Ausführung in 
Aussicht gestellt. — 

Die Entwürfe zur Bebauung der neuen Stadtteile von 
Karlsruhe i. B. sollen auf dem Wege des Wettbewerbes 
unter Karlsruher Architekten und Ingenieuren zu gewinnen 
versucht werden. — 

Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Zum r. April werden versetzt: Der Geh. 
Bit. Dublanski in Stettin zur Int. des XVII. Armee-Korps; die 
Int. u. Brte. Kneisler in Danzig zur Int. des II. Armee-Korps 
und Böhmer in Danzig zur Int. des VIII. Armee-K.; die Garn.- 
Bauinsp., Brte. Kahl in Straßburg nach Kassel I, Neumann in 
Kolberg nach Straßburg II, Lattke in Danzig nach Königsberg II, 
R o h 1 f i n g in Paderborn zur Int. des XVII. Armee-K. unt. Uebertrag. 
der Geschäfte eines Int.- u Brts , Knothe-Baehnischin Erfurt 
nach Breslau II, Soenderop in Kassel nach Danzig I und 
Rahmlow in Gumbinnen nach Magdeburg III: der Garn.-Bauinsp. 
Fromm in Königsberg nach Graudenz; die Garn.-Baninsp., Brte. 
S c h o 1 z e in Graudenz nach Paderborn u. Hallbauer in Breslau 
nach Erfurt II; die Garn -Bauinsp. G o ß n e r in Lyck nach Kolberg, 
Wiesebaum in Magdeburg nach Gumbinnen und K u h s e in 
Kolmar nach Lyck. 

Der Reg -Bmstr. O. Laubschat in Wilhelmshaven ist gestorben. 

Bayern. Der Dir.-Ass. Hart mann in Regensburg ist z. 
Ob.-Masch.-Insp. bei der Betr.-Werkst. Augsburg, der Dir.-Ass. 
Borst z. Ob.-Masch.-Insp. bei der Gen.-Dir. und der Dir.-Ass. 
de C i 11 i a in Buchloe z. Ob -Bauinsp befördert. — 

Die Staatsbauprakt. Nather in Kempten und Eisert in 
Nürnberg, die mascb.-techn. Prakt. Zell in Nürnberg, Gießen 
und L. F i s c h e r in München und Ehrensberger in Würzburg 
sind zu Eisenb.-Ass. ernannt. 

Der Ob.-Bauinsp. S c h w e n c k ist z. Dir.-Rat bei der Eisenb.- 
Betr.-Dir. in München und der Ob.-Bauinsp. K ö s s 1 e r bei der Gen.- 
Dir. zum Staatsbahning. in München berufen. 

Preußen. Dem Kreisbauinsp. Brt. Pfeiffer in Liegnitz und 
dem Ob.-Ing. Waldorp z. Zt. in Kadikeuy bei Konstantinopel 
ist der Rote Adler-Orden IV. Kl. verliehen. 

Der Reg.- u. Brt Bergmann in Hannover ist von der Teil¬ 
nahme an den bei der Kgl. Techn. Hochschule in der Abt. für 
Arch. stattfindenden Diplomprüfungen als ständ. Kommissar des 
Min. der öffentl. Arb. entbunden und als Nachf. der Reg- u. Brt. 
Stever in Hannover bestellt. 

Der Reg - u. Brt. S e i d e 1 ist von Posen nach Potsdam und der 
Reg.-Bmstr. Stanislaus inBunzlau zurEisenb.-Dir. inMainz versetzt. 

Die Reg - Bfhr. Karl Richter aus Korbach, Johs. Stüve 
aus Berhn, Tob. Schäfer aus Bracht und Erich Rüge aus 
Berlin (Eisenbfch ), — Werner Hellwig aus Bar le Duc, Wilh. 
Günther aas Lisdorf und Friedr. Pflug aus Baltersbacherhof 
(Masch -Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. 

Der Reg.-Bmstr. Fr. Selter aus Altena i. W. ist aus dem 
Staatsdienste ausgeschieden. 

Der Reg.-Bmstr. Ernst Schmidt in Lome ist gestorben. — 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Arch. H. H. in Lübeck. Die gelegentlich eines Mei¬ 
nungsaustausches zwischen einem Bauherrn und dem mit der Aus¬ 
arbeitung des Entwurfes betrauten Architekten gefallene Aeußerung, 
„die Bauleitung sollen Sie ja deshalb doch haben“, reicht nicht aus, 
einen Anspruch auf Uebertragung der Bauleitung zu begründen und 
namentlich keinen Schadeneisatz-Anspruch, falls schließlich die Bau¬ 
leitung anderweit vergeben worden ist. Denn man hat es in jener 
Redewendung mit keiner Zusage der Bauleitung und keinem Auf¬ 
träge zu tun, sondern sie hat nur die Eigenschaft und sollte jeden¬ 
falls nur den Zweck haben, dem Architekten Hoffnung auf Ueber¬ 
tragung der Bauleitung zu eröffnen. Zu einem Werkverträge gehört 
jedoch die Uebernahme der Verpflichtung zur Zahlung einer Ver¬ 
gütung auf seiten des Bauherrn und die Uebernahme der Ausfüh¬ 
rungspflicht auf seiten des Architekten Mithin haben Sie keine 
Aussicht, mit einer Schadenersatzklage gegen den Bauherrn durch¬ 
zudringen, wenn Sie in tatsächlicher Hinsicht nicht mehr beweisen 
können, als die angegebene Redensart. — K. H-e. 

Hrn. R. in Sooden. Das beste Mittel, um Holzkonstruktion 
von Brücken, namentlich die Zapfenlöcher usw. gegen Fäulnis zu 
schützen ist Anstrich mit Teer bezw. Karbolineum Bei einzu¬ 
rammenden Tiefpfähhn gewährt ein solcher Anstrich ebenfalls 
einen gewissen Schutz Das wirksamere Imprägnieren mit Kreosot 
usw. ist unseres Wissens nicht üblich. Unter Grundwasser bedarf 
das Holz keines Schutzes. — 

Hrn. Arch. Z. in Berlin. Als Spezialfirma für die Hebung 
ganzer Gebäude haben wir wiederholt E. Rückgauer in Stuttgart 
genannt. Andere Firmen sind trotz Anfrage an unseren Leserkreis 
bisher nicht genann t worden. — __ 

Inhalt: Die Arbeiterheilstätten der Landes-Versicherungsanstalt Berlin 
bei Beelitz (Fortsetzung). — Eisenbahnen und Eisenbahnpläne Rußlands in 
Asien. — Wettbewerb für den Entwurf zu einem Waisenhause für Dessau 
— Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. Brief- und 
F ragekasten.______ 

Hierzu^eine Doppel - Bildbeilage: Die Arbeiterheilstätten 
der Landes-Versicherungs-Anstalt Berlin bei Beelitz. 

Verla 0 " der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 

No. 15. 


92 












TOraOTOTBaaOTcwaaiQsrara« 

DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII JAHRG. N2 16. BERLIN, DEN 24. FEBR. 1904 

KiraMMOTMKgSMMraraMK 

Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Stadthauses 

im Anschluß an das Rathaus in Bremen. 


Stelle einen Neubau auszuführen, dessen Räume nur 
zu Regierungs- und Repräsentationszwecken dienen 
sollen und von welchem erwartet wird, daß er, wel¬ 
chen Stil er immer auch zeige, sich mit dem Rathause 
zu einem harmonischen Gesamtbilde vereinige und 
die ehrwürdige Erscheinung dieser unvergleichlichen 
Perle der deutschen Renaissance nicht beeinträchtige. 
Durch diese Bedingungen war der Wettbewerb zu 
einer künstlerischen Angelegenheit geworden, die mit 
besonderem Takte behandelt sein wollte. Das alte 
Rathaus ist ein Werk von fast filigranartiger Feinheit 
der architektonischen Formensprache und besitzt eine 
Zierlichkeit der Einzelbildung, deren Wirksamkeit ge¬ 
steigert wird durch den Gegensatz der ruhigen Flächen 
und der großen Architekturformen des ihm angeglie¬ 
derten Stadthauses. So verdienstlos dieses Gebäude 
in künstlerischer Hinsicht an sich ist, so sehr kommt 
es zur Geltung als Folie für das alte Rathaus. Es ist 
ein dreigeschossiger Putzbau, aus dessen Fassaden¬ 
mauern die Fenster lediglich als Oeffnungen heraus¬ 
geschnitten sind und der nur an der Eingangsseite 
eine architektonische Gliederung mit vier ionischen 
Pilastern und einem Giebelfelde erhalten hat, imganzen 
so anspruchslos, wie die übrigen Teile des Hauses 
und so groß, daß sie in keinerlei Vergleich mit For¬ 
men des alten Rathauses treten können. 


Wie behauptet sich das alte Rathaus, wenn das 
schmucklose Stadthaus gefallen ist und welche Formen 
muß das neue Stadthaus haben, damit es mit dem 
alten Rathause zu dem geforderten harmonischen Ge¬ 
samtbilde sich vereinigt, „ohne die ehrwürdige 
Erscheinung desselben zu beeinträchtigen“? 
Das war die schwerwiegende Frage, die der Wett¬ 
bewerb zur Entscheidung stellte und wegen welcher 
er vermutlich überhaupt für den weitesten Kreis der 
deutschen Architekten ausgeschrieben wurde. Denn 
die Grundrißanlage an sich würde kaum zur Not¬ 
wendigkeit gemacht haben, den Wettbewerb über den 
Kreis der Architekten Bremens auszudehnen; allen¬ 
falls hätte die Eingliederung des neuen Stadthauses 
in die Umgebung die Anrufung eines größeren Künst¬ 
lerkreises fordern können; denn die Schaffung eines 
freien Durchblickes von der Mitte des Domshofes 
nach dem Kaiser-Denkmal und dem voraussichtlich 
in kurzer Zeit durch einen Neubau ersetzten Eck¬ 
hause des Marktes und des Kaiser Wilhelm-Platzes, 
die würdige Gestaltung des Raumes zwischen der 
Liebfrauen - Kirche und dem neu zu errichtenden 
Stadthause, sowie die Gestaltung des Westendes 
des Domshofes unter dem Einfluß des hier gewünsch¬ 
ten Turmbaues des neuen Stadthauses waren wohl 
bedeutsame künstlerische Forderungen des Program¬ 
mes, sie treten aber erheblich zurück gegen die ge¬ 
nannte Hauptforderung. In dieser Hinsicht hat der 
Wettbewerb die Erwartungen recht straff gespannt 
und auch die künstlerischen Individualitäten, welche 
durch die gewählten Preisrichter mit dem Wettbewerb 
in Beziehung gebracht wurden, lassen erkennen, daß 
die Beurteilung des zukünftigen Wertverhältnisses zwi¬ 
schen altem Rathaus und neuem Stadthaus mit Recht 
zu der ausschlaggebenden Frage in diesem AVettbc- 
werbe gemacht wurde. 

Doch betrachten wir zunächst kurz, was er für 
sachliche Bedingungen stellte. Der Neubau soll aus 
Keller-, Erd- und zwei Obergeschossen derart bestehen, 
daß der Fußboden des ersten Obergeschosses mit dem 
Fußboden der „Oberen Rathaushalle“ auf der gleichen 
Höhe liegt. In diesem Geschosse sollten Fest- und 
Senatssaal liegen, die in das zweite Obergeschoß hin¬ 
eingreifen konnten. Außerdem waren hier die Haupt¬ 
räume der städtischen Verwaltung, die Räume für den 
präsidierenden Bürgermeister, ein Sitzungssaal für Ver¬ 
waltungsgerichts - Sachen, an die Rathaushalle an¬ 
schließend, um bei Festen mitbenutzt werden zu können 
usw. anzulegen und es war gefordert, die „Obere Rat¬ 
haushalle“ mit den Vorplatzräumen des neuen Stadt¬ 
hauses in eine unmittelbare Verbindung zu bringen. 
Im zweiten Obergeschoß waren außer den Tribünen 
(Loge und Musikbühne) für den kleineren Festsaal und 
außer dem etwaigen Raum für den in dieses Geschoß 
hinaufgreifenden Senatssaal die Sitzungssäle der Depu¬ 
tationen und Kommissionen unterzubringen. Das Erd¬ 
geschoß sollte im Anschluß an die „Untere Rathaus¬ 
halle“ die Räume für die Regierungskanzlei und das 
Staatsarchiv enthalten und durch eine möglichst zentral 
gelegene Haupttreppe eine Verbindung mit den Ober¬ 
geschossen bekommen. Das neue Kellergeschoß ist 
der Ratskellerverwaltung als Weinlagerraum Vorbe¬ 
halten und war mit den Gängen des alten Ratskellers 
in eine sachgemäße Verbindung zu bringen. Bei den 



” n diesen Tagen ist in Bremen ein Wettbewerb 
j zur Entscheidung gelangt, welcher, obwohl 
| an sich eine rein bremische Angelegenheit, 
, durch die Verbindung mit dem Rathause in 
- Bremen und mit dem inneren Kerne der 
Stadt zu einer Angelegenheit der gesamten deutschen 
Kunstwelt geworden ist und welcher daher auch mit 
Recht auf sämtliche deutsche Architekten, die Reichs¬ 
angehörige sind, erstreckt war. Es besteht die Absicht, 
das neben dem Rathause gelegene Stadthaus, ein reiz¬ 
loses Gebäude ohne künstlerischen Anspruch aus sich 
selbst oder aus seiner Umgebung, in welchem sich 
zurzeit der Senatssitzungssaal, die Regierungskanzlei, 
das Staatsarchiv, die Polizeidirektion und einige kleinere 
Venvaltungszweige befinden, abzubrechen und an seiner 


93 




















Vorschriften über die Bauflucht war die Möglichkeit 
von Risaliten, Erkerausbauten, Arkadenanlagen, Türm¬ 
chen und unter Umständen eines größeren Turmes an 
der Ostecke des neuen Gebäudes berührt. Ueber den Stil 
waren keinerlei Andeutungen gemacht, die Bausumme 
einschl. des Mobiliars war mit 1,5 Mill. M. festgesetzt. 
Wenn auch nicht in Aussicht gestellt war, daß einer 
der Sieger dieses Wettbewerbes an der Ausführung des 
Hauses beteiligt werden sollte, vielmehr der bremische 
Staat sich das Recht Vorbehalten hatte, die durch die 
Auszahlung der Preise in das Eigentum des Staates 
übernommenen Entwürfe bei der Ausführung ganz 
oder teilweise zu benutzen, so fand doch die Auf¬ 


forderung zur Teilnahme bei den in künstlerischer 
Beziehung so außerordentlich dankbaren Umständen 
das Echo, welches erwartet worden war: es liefen 
105 Entwürfe ein, zu deren Beurteilung das Preisge¬ 
richt am 18. Febr. zusammentrat. Das Ergebnis war 
allerdings ein anderes, als man erhofft hatte. Nach 
dreitätiger Arbeit kam das Preisgericht zu dem ein¬ 
stimmigen Beschluß*), daß die „programmäßig aus¬ 
geschriebenen Preise keinem der Verfasser erteilt 
werden“ könnten. Die zur Verfügung stehende Ge¬ 
samtpreis-Summe von 30000 M. wurde vielmehr in 
5 Preise von je 5000 M. und 2 Preise von je 2500 M. 
zeilegt. - (Fortsetzung folgt.) 


Vorschlag der Hrn. Prof. Theodor Fischer in Stuttgart und Arch. H. Bernoulli in Berlin. 



Zur Frage der Umgestaltung des Theaterplatzes in Dresden. 



S'SK’jlit anderen Arbeiten über die 
istfl 1 Maßen beschäftigt, erhielt ich 
von der Dresdner Theater¬ 
platzfrage erst durch den Bericht 
der „Deutsch. Bztg.“ über den Wett¬ 
bewerb Kenntnis. Der Besuch eines 
jüngeren Kollegen, des Hrn. Hans 
Bernoulli in Berlin, und sein Eifer 
für diese Sache veranlaßten mich 
dann, in abendlicher Unterhaltung 
mit dem genannten Herrn selbst 
Versuche zu machen. Dabei war 
uns der eben eingetroffene vor¬ 
treffliche Vorschlag des Hrn. M. 

Haller eine willkommene Unter¬ 
lage, denn mit dem Berichterstatter 
der „Deutschen Bauzeitung“ und 
Hrn. Haller bin auch ich der Mei¬ 
nung, daß das Wasser nicht vom 
Platze abgeschieden, sondern mit 
seiner fröhlichen Bewegtheit in das 
Bild hereingezogen werden sollte. 

Hüten wir uns davor, das Wort von 
der Geschlossenheit der Plätze zum 
Schlagwort werden zu lassen! Hier 
scheint es zur Erlangung geschlos¬ 
sener Bilder vollkommen zu ge¬ 
nügen, wenn das Hotel Bellevue 
gegen die Brücke so weit vorge¬ 
zogen wird, daß das Theater vom 
Rande des Bildes (etwa vom Mu¬ 
seum her gesehen) in den Mittel¬ 
grund rückt. Ein „Monumentalbau“ 
aber an der Stelle des Hotels wäre 
wohl das Schlimmste, was dem 
Theater und dem Theaterplatz pas¬ 
sieren könnte. Unterordnung ist hier die feinste 
Tugend. Auch im Uebrigen wäre der Vordergrund so 
ruhig wie möglich, ohne alle „monumentale“ Gelüste aus- 
zubilden. 

Die Frage der Hauptwache ist ein Ding für sich; auch 
hierin scheinen mir die Anschauungen des Hrn. Haller 

94 


sehr wohl begründet. Wenn es aber gewünscht wird, die 
Wache als solche in der Nähe ihres jetzigen Platzes zu 
belassen, so wäre sie vielleicht dazu zu verwenden, den 


*) Siehe die Verteilung im Einzelnen unter „Preisbewerbungen“ 
Seite 96 in dieser Nummer. 


No 16 . 







































































































































Verkehrsweg Brücke - Postplatz vom Theaterplatz abzu¬ 
trennen. Baumreihen zu beiden Seiten würden dabei 
mithelfen und den jetzt sehr vermißten gedeckten Ort 
liefern, von wo man alle die Herrlichkeiten ringsum be¬ 
wundern könnte. Auch der Hofkirche wäre mit einer 
solchen Ueberschneidung ein Gefallen getan. Die geringe 
Querstellung der Wache, wie wir sie im Plane skizziert 
haben, würde in Wirklichkeit gar nicht auffallen, wie 
überhaupt die Kirche mit ihrer Umgebung dem, der sehen 


Mitteilungen aus Vereinen. 

Arch.- u. Ing. -Verein Magdeburg. Sitzung am 6. Jan. 1904. 
Hr. Postbrt. Winckler begrüßt nach Eröffnung der Sitzung 
die Anwesenden in der ersten Sitzung des neuen Jahres 
und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß auch dieses Jahr 
die Technik und die Wünsche der Techniker fördern möge. 

Nach Erledigung der Eingänge spricht Hr. Eisenb. Bau- 
u.Betr.-Insp. Schwarz über „die Grundzüge derBlock- 
einrichtungenaufdenpreußischenStaatsbahnen“. 
Seit dem Jahre 1898 sind auf dem Gebiete des Sicherungs¬ 
wesens bedeutende Fortschritte gemacht, welche durch 
die jetzt erfolgte endgültige Einführung des vierfeldrigen 
Streckenblockes ihren Abschluß gefunden haben. Während 
früher die Betriebssicherheit in erster Linie auf der ver¬ 
nünftigen Handlungsweise der Beamten beruhte, sollen 
jetzt die Stellwerkeinrichtungen jede Betriebsgefährdung 
unmöglich machen. Der Vortragende begründet die Not¬ 
wendigkeit der Neuerungen mit der erheblichen Steigerung 
des Verkehrs und weist dann eingehend nach, daß der 
vierfeldrige Streckenblock mit allen zugehörigen Einrich¬ 
tungen (Hebelsperre, Blocksperre, den verschiedenen 
Klinken im Blockwerke, der elektrischen Druckknopfsperre 
und Aufhalt-Stellvorrichtung des Ausfahrtsignales) eine Be¬ 
triebsgefährdung nicht mehr zulasse. Unterstützt wurde 
die Beweisführung durch eine große Anzahl von Block¬ 
werken und Modellen, welche die kgl. Eisenbahndirektion 
Magdeburg und die Firmen Siemens & Halske, ZimmCr- 
mann & Buchloh in Berlin, Max Jüdel & Ko. in Braun¬ 
schweig zur Verfügung gestellt hatten. 

Für die allgemein interessierenden Ausführungen wurde 
dem Vortragenden reicher Dank zuteil. — B. 

Verein für Eisenbahnkunde in Berlin. In der Januar¬ 
sitzung, in der der Min.-Dir. Schroeder den Vorsitz führte, 
sprach als Gast Oberleutnant Taubert über „Die sibi¬ 
rische Eisenbahn und ihr Anschlußgebiet in Ost¬ 
asien “. Nach einigen Worten über die immer mehr hervor¬ 
tretende politische und wirtschaftliche Bedeutung Ostasiens 
schilderte der Vortragende, der die sibirische Bahn so¬ 
wohl, wie die durch sie Europa näher gerückten Gebiete 
des fernen Ostens aus eigener Anschauung kennt, Bau und 
Betrieb des neuen Verkehrsweges, seine wirtschaftlichen 
Grundlagen und Aussichten und hob dabei die bewunderns¬ 
werte Tatkraft hervor, mit der Rußland in verhältnismäßig 
kurzer Zeit dieses Werk ins Leben gerufen hat. Einzelne 
Punkte der Strecke wurden unter Vorführung von Licht¬ 
bildern besonders besprochen, so die mit den größten 
Schwierigkeiten verbundene Umgehung des Baikal-Sees 
und der Endpunkt der Eisenbahn, die völlig neugeschaffene 
Hafenstadt Dalny. Im weiteren wurde an der Hand einer 
Skizze das chinesische Eisenbahnnetz näher erläutert, wie 
es sich unter den mannigfaltigen Bestrebungen der Mächte, 
insbesondere aber im Hinblick auf die weitausschauenden 
Pläne Rußlands entwickelt. Angesichts der augenblick¬ 
lichen Krisis in Ostasien schloß der Vortragende mit einer 
Darstellung von Land und Leuten der Mandschurei, ihren 
Bodenschätzen und ihrer Bedeutung für Rußland, sowie 
mit einigen Worten über die Lage Koreas. 

Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage 
folgte noch eine Mitteilung des Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 
Reuleaux über die Herstellung hohler Eisenbahn¬ 
achsen, insbesondere über die Frage, inwieweit Deutsch¬ 
land und Amerika an der Erfindung dieses Fabrikations- 
Verfahrens beteiligt sind. 


Vermischtes. 

Schultheiss’sche Drahtdecken. Die Firma Carl Schult- 
heiss in Nürnberg hat seit einigen Jahren eine ihr durch 
Muster geschützte Decke eingeführt, die als billiger Ersatz 
für Balkendecken auf Rohr geputzt sich namentlich in 
Süddeutschland weiteren Eingang verschafft hat. Sie ist 
anwendbar bei Balkendecken bis zu 80 cm Entfernung der 
Balken v. M. z. M. Die Decke besteht aus einer einfachen, 
starken und enggeflochtenen, oder aus zwei dünnen sich 
rechtwinklig kreuzenden Rohrmatten, die an der Balkenlage 
befestigt werden, und aus einem mit beweglichen Maschen 
versehenen Maschinen - Drahtgeflecht, das quer zu den 
Balken über das Rohrgeflecht in straffer Spannung mit 

24. Februar 1904. 


will, in genügend klarer Weise zeigt, wie wenig wert die 
Achsenwirtschaft und Symmetrie in solchen Sachen sind. 

Im ganzen also baut sich unser Vorschlag, den wir 
den Dresdnern hiermit machen, im wesentlichen auf dem 
Haller’schen auf, unterscheidet sich von diesem aber durch 
große Vereinfachung und infolge dessen vielleicht durch 
ruhigere und größere Wirkung. — 

Stuttgart, im Februar 1904. Theodor Fischer. 


48 mm langen Hakenstiften fest angenagelt wird. An den 
Längsseiten muß das Netz mit Draht gut zusammenge¬ 
flochten sein und rings an den Wänden an Latten be¬ 
festigt werden, die zwischen die Balken, in Höhe von 
deren Unterkante anzunageln sind, damit auch in den 
Ecken ein straffes Anspannen des Drahtgeflechtes möglich 
wird. Bei besserer Herstellung werden unter den Rohr¬ 
matten zunächst 5 cm breite, 2,5 cm starke Latten in 33 cm 
Entfernung quer auf die Balken genagelt. Im ersten Falle 
stellt sich die Decke auf etwa 1,80 M., im zweiten auf 
etwa 2 M. für 1 q m fertig im Bau. Der Verputz hat so 
zu erfolgen, daß der erste Bewurf mit Gips- und Haarzu¬ 
satz vermengt, satt angeworfen wird. Der zweite Bewurf 
mit Gipsputz erfolgt, sobald der erste ziemlich abgetrocknet 
ist. Hierauf wird dann der letzte Ueberzug hergestellt, 
der gestuckt oder gegliedert sein kann. Einer so herge¬ 
stellten Decke wird nachgerühmt, daß sie vollständig nässe¬ 
frei bleibt, auch gegen starke Erschütterungen widerstands¬ 
fähig ist und daß der Deckenputz selbst bei starker Durch- 
nässung nicht abfällt. 

Als Drahtnetz empfiehlt die Firma die extra verzinkten 
Maschinengeflechte mit quadratischen beweglichen Maschen 
von Felten & Guilleaume in Mülheim a. Rh., die nicht 
wieder nachgeben, wenn sie einmal straff gespannt sind. 
Sie werden in Maschenweiten von 25—50 mm und Stärken 
von 1 und 1,2 mra geliefert. 

Das Drahtnetz mit Putz eignet sich auch zur Ver¬ 
kleidung der Untersicht massiver Decken, sowohl um eine 
ebene, rissefreie Decke zu erhalten, durch welche die 
Träger nicht durchscheinen, wie auch zur Schalldämpfung. 
Das Drahtnetz wird dann an eisernen Stäben, Holzlatten 
oder Dübeln befestigt, die an der Massivdecke vorher 
festgemacht oder in diese eingelegt werden. — 


Totenschau. 

Wilhelm Schell j\ Am 13. d. M. verstarb in Karlsruhe 
im 78. Lebensjahre der Professor der Mechanik Geh. Hofrat 
Dr. Wilhelm Schell, der dem Lehrkörper der Karlsruher 
Technischen Hochschule seit dem 1 Jahre 1861 angehört 
hatte. Schell trat frühzeitig in die akademische Laufbahn 
ein. Schon kurz nach beendigten Studium in Marburg 
und Berlin, habilitierte er sich in Marburg, wurde dort 
1856 Professor und siedelte 1861 nach Karlsruhe über, 
wo er länger als 40 Jahre als Professor der theoretischen 
Mechanik und gleichzeitig der synthetischen Geometrie 
tätig war. Aus den zahlreichen wertvollen Veröffent¬ 
lichungen aus dem von ihm erwählten Arbeitsgebiet heben 
wir seine „Theorie der Bewegung und der Kräfte“, so¬ 
wie sein Werk über „Theoretische Mechanik“ hervor. Die 
Mehrzahl seiner Arbeiten sind in den mathematischen 
Fachzeitschriften erschienen. Schell war eine eigenartige 
Persönlichkeit und ein trefflicher Lehrer, der allerdings 
durch die Wissenschaftlichkeit seines Vortrages hohe An¬ 
forderungen an seine Hörer stellte. — 


Preisbewerbungen. 

Ein Preisausschreiben der Aktiengesellschaft Gebrüder 
Stollwerck in Köln a. Rh. betrifft die Erstellung eines 
Neubaues in der vornehmsten Geschäftslage der Stadt 
Köln, an der Ecke der Hohe-Straße und des Wallrafs- 
Platzes. Der von der Hohe-Straße, der Straße „Am Hof“ 
und der Sporergasse begrenzte Häuserblock sowie der 
benachbarte Häuserblock der Hohe-Straße soll nieder¬ 
gelegt und der heutigen Zeit und den besonderen ört¬ 
lichen Verhältnissen entsprechend baulich ausgenutzt wer¬ 
den. Dabei ist die Sporergasse auf mindestens 4 m zu 
verbreitern; Ersatz der Sporergasse durch eine 4 111 breite 
Passage ist zulässig. Neben der fachmännischen Behand¬ 
lung des Bauplanes soll dem Architekten insbesondere 
auch die wirtschaftliche Ausnutzung des Geländes zur 
Lösung gestellt werden. Er soll Vorschläge machen, in 
wie weit er Läden, Erfrischungsräume, Wohnungen, 
Büreaus und andere Räume oder eine Verbindung ver¬ 
schiedener Raumarten den örtlichen Verhältnissen für an¬ 
gepaßt erachtet. In einer detaillierten Rentabilitäts-Be¬ 
rechnung ist nachzuweisen, in welcher Weise sich die 
für den gedachten Aufbau aufgewendeten Mittel auf die 


95 






Dauer verzinsen würden. Material, Stil usw. sind frei¬ 
gestellt. Es gelangen 4 Preise von 3000, 2000, 1500 und 
1000 M. zur Verteilung. Ein Ankauf nicht preisgekrönter 
Entwürfe für je 500 M. ist Vorbehalten. Preisrichter sind 
die PIrn. Prof. G. Fre ntz en in Aachen; Geh.Brt. PI. Kays er 
in Berlin; kgl. Brt. R a dke in Düsseldorf; Polizeibrt. R ü c ker t 
und Geh. Brt. Dr. ing. J. Stübben in Köln. Die preisge¬ 
krönten und angekauften Entwürfe gehen mit allen Ge¬ 
danken und Anregungen in den Besitz der Aktiengesell¬ 
schaft Gebr. Stollwerck über, welche dieselben frei ver¬ 
werten und unter Umständen für einen noch besonders aus¬ 
zuschreibenden Wettbewerb als Unterlage benutzen kann. 

Der Wettbewerb ist auf alle im Deutschen Reich 
wohnenden Architekten erstreckt. Diese Grenzen scheinen 
uns erheblich zu weit gezogen zu sein, denn die wirt¬ 
schaftliche Ausnutzungsfähigkeit der Grundstücke kann in 
der Form, wie sie das Preisausschreiben so eindringlich 
verlangt, nur von Fachgenossen zuverlässig beurteilt wer¬ 
den, welche die örtlichen Verhältnisse in baupolizeilicher, 
wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht ganz genau kennen, 
also vorwiegend nur von einheimischen Architekten. Denn 
einmal soll das Preisrichterkollegium ganz besonders auch 
prüfen, ob sich die errechnete Verzinsung auf die Dauer 
erzielen lassen wird, und zum anderen sollen die Planungen 
genau den baupolizeilichen Vorschriften Rechnung tragen, 
es sollen aber Pläne, welche der wertvollen Oertlichkeit ent¬ 
sprechende Ausnahme-Bewilligungen von den baupolizei¬ 
lichen Vorschriften bedingen, angenommen werden, wenn 
die zu beantragenden Ausnahme-Bewilligungen klar dar¬ 
gestellt und eingehend begründet, sowie — wie wir hin¬ 
zufügen — aussichtsvoll sind. Das kann aber wiederum 
nur Jemand beurteilen, der die örtlichen Verhältnisse ge¬ 
nau kennt. Es will uns somit scheinen, als ob viel un¬ 
nütze Arbeit vermieden werden könnte, wenn der Kreis 
der Teilnehmer enger gezogen würde. Gewiß liegt es 
durchaus in der Macht des Einzelnen, an dem Wettbe¬ 
werbe teilzunehmen oder die Teilnahme zu versagen. 
Aber namentlich in Zeiten wie die, welche leider augen¬ 
blicklich noch herrschen, ist temperamentvolle Ploffnung 
ein weit mehr antreibender Faktor als kühle Erwägung. 
Vielleicht könnte man auch noch einmal darüber nach- 
denken, ob nicht das zeichnerische Arbeitsausmaß etwas 
ermäßigt werden könnte, namentlich mit Rücksicht darauf, 
daß wohl jeder ernsthaft arbeitende Teilnehmer eine 
Reihe von Lösungen wird versuchen müssen, bis er die 
ihm als die günstigste und ertragreichste erscheinende 
Lösung gefunden zu haben glaubt. Im allgemeinen ist 
die hier zum Wettbewerb gestellte Aufgabe eine solche, 
daß sie viele scharfsinnige Köpfe zur Bearbeitung an¬ 
regen dürfte. — 

Wettbewerb Stadthaus inBremen. Bei 105 eingegangenen 
Entwürfen kam das Preisgericht zu dem einstimmigen Be¬ 
schlüsse, daß keinem der Verfasser die programmäßig aus¬ 
gesetzten Preise verliehen werden könnten und zerlegte 
die Gesamt - Preissumme in 5 Preise von je 5000 und 2 
Preise von je 2500 M. Es erhielten je einen Preis von 
5000 M. die Hrn.: Arch. Gust. Jänicke in Schöneberg 
bei Berlin, Dipl. - Arch. Karl Roth in Kassel, die Arch. 
Conr. Heidenreich und Paul Michel in Charlottenburg, 
Arch. Ernst Rang in Schöneberg und die Arch. Emming- 
rnann und Becker in Berlin; je ein Preis von 2500 M. 
wurde zuerteilt den Arbeiten der Hrn : Reg.-Bmstr. Roger 
Slawski in Berlin, sowie der Arch. Karl und Paul Bonatz 
und Gust. Britsch in Stuttgart. Außerdem wurde zum 
Ankauf für 1000 M. empfohlen die Arbeit des Hrn. Arch. 
F. Berger in Steglitz bei Berlin. — 

Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die 
architektonische Ausschmückung des Kaiser Wilhelm-Platzes 
in Bremen ist von der Bürgerschaft beschlossen und eine 
Preissumme von 10 000 M. bewilligt worden. - 

Bücher. 

Die Aufstellung und Durchführung von amtlichen Bebauungs¬ 
plänen, ein Leitfaden für kommunale Verwaltungs¬ 
beamte und Gemeindetechniker, bearbeitet von Alfred 
Abendroth, städt. Oberlandmesser in Hannover; 
Mit 10 Textzeichnungen. Berlin, Karl Heymann’s 
Verlag, 1903. Pr. 2,50 M. 

Besonders für Verwaltungsbeamte der mittleren und 
kleinen Städte bestimmt, um diesen eine Zusammenstellung 
derjenigen Grundsätze zu bieten, deren Beachtung für die 
Entstehung und Ausführung guter Bebauungspläne unent¬ 
behrlich ist, hat das Buch auch für den Techniker, und 
zwar nicht nur, wie der Titel bescheiden sagt, für den 
Gemeindetechniker, großen Wert, da, wie im Vorwort 
ausgeführt wird, ohne Beeinträchtigung des Zusammen¬ 
hanges Streifzüge auf das technische Gebiet des Städte¬ 
baues nicht unterlassen werden konnten. Sieben Abschnitte 


des Leitfadens beziehen sich auf die Entstehung eines 
amtlichen Bebauungsplanes und zwei Abschnitte auf seine 
Durchführbarkeit. In der Hauptsache auf preußischen 
Vorschriften fußend, ist das Werk jedoch bei der Aehn- 
lichkeit der Verhältnisse in Nord- und Mitteldeutschland 
überhaupt brauchbar. Alles in allem eine klare, übersicht¬ 
liche Darstellung, die alles infrage kommende Material um¬ 
faßt und deshalb auch dem in Städten tätigen Architekten 
bestens empfohlen werden kann, wenn auch der Verfasser 
gemeint hat, dessen bisherige Leistungen in künstlerischer 
Richtung als zu stark von der Theorie beeinflußt bekämpfen 
zu müssen. — Th. G. 

Bel der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: 
Knorth, Wilh., Kgl. Steuer-Einnehmer. Die für das praktische 
Leben wichtigsten Nummern des Preußischen Stem¬ 
peltarifs und des Erbschaftssteuertarifs mit Erläuterun¬ 
gen an der Hand von Beispielen und Mustern. Essen 1903. 
G. D. Baedeker. Pr. kart. 80 Pf. 

Konsbrück, Hermann. Spiegelbilder. I. Folge der Kritiken 
1902—1903. München. G. Birk & Co. 

Dr. v. Körösy, Josef, Dir. des Statist. Bür. Die Bautätigkeit 
in Budapest in den Jahren 1896—1900. Uebersetzung 
aus dem Ungarischen. Berlin 1903. Puttkammer & Mühl¬ 
brecht. Pr. 2 M. 

Dr. v. Körösy, Jos. und Dr. Gust. Thirring. Die Hauptstadt 
Budapest im Jahre 190 t. Resultate der Volkszählung und 
Volksbeschreibung. I. Bd. I. Hälfte. Berlin 1903. Puttkammer 
& Mühlbrecht. 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Arch. R. & K. in Frankfurt a. M. Daß bei der Be¬ 
stellung der Uebernahme, der Ausführung und der Ablieferung 
Ihrer Projekte von Neubauten zwischen Ihnen und dem Bauherrn 
vereinbart worden sei, daß deren Verwendung und Ausnutzung 
nur auf bestimmten Bauplätzen oder für eine gewisse Anzahl von 
Bauten erfolgen dürfe, behaupten Sie nicht. Ist es jedoch zu keiner 
ausdrücklichen Beschränkung des Bauherrn bezüglich der Verwen¬ 
dung der empfangenen und bezahlten Zeichnungen gekommen, so 
haben Sie kein Recht, ihm den Gebrauch für andere Bauten als 
ursprünglich in Aussicht genommen waren, zu untersagen. Fehlt 
Ihnen jedoch ein Untersagungsrecht, so übt der Bauherr bezw. Be¬ 
steller der Projekte für weitere Bauten nur Befugnisse aus, die 
ihm zustehen. Von einem Mißbrauche kann ernstlich keine Rede 
sein. Denn durch die Ablieferung der Projekte erfüllten Sie ihre 
Obliegenheiten aus dem Werkverträge, begaben Sie sich Ihres 
geistigen Eigentums und machten den Empfänger zum Herrn über 
die rechtmäßig erworbenen Projekte. Folgeweise verspricht die 
beabsichtigte Klage für Sie keinen Erfolg, sofern nicht etwa der 
Nachweis gelingt, daß dem Bauherrn ausdrücklich nur eine be¬ 
schränkte Ausnutzung gestattet wurde und er hiermit einverstanden 
war. Selbst eine Klage auf Untersagung bei Kaufanpreisungen, 
Sie als den Ausarbeiter des Projektes zu bezeichnen, bietet wenig 
Aussicht, weil nach Ihrem eigenen Vertrage tatsächlich zutrifft, 
daß die Bauten nach Ihren Angaben zur Ausführung gelangt sind, 
der Bauherr also keine unwahren Tatsachen verbreitet und Ihren 
künstlerischen Ruf nicht gefährdet. — K. H-e. 

Anmerkung der Redaktion. Es ist in hohem Grade be¬ 
dauerlich, daß der Baukunst noch immer der Rechtschutz versagt 
ist, den die anderen Schwesterkünste besitzen. Hoffentlich bringt 
das neue Urheberrecht an den Werken der bildenden Künste auch 
ihr jetzt diesen Schutz, denn die jetzigen Verhältnisse widersprechen 
jedem gesunden Rechtsgefühl. Einstweilen können wir nur em¬ 
pfehlen den Verträgen mit dem Bauherrn stets die „Gebühren¬ 
ordnung der Architekten und Ingenieure zugrunde zu legen, denn 
in dieser steht ausdrücklich in § 1, Abs. 4: „die Zahlung der Ge¬ 
bühr berechtigt den Auftraggeber nur zu einmaliger Ausführung 
des gelieferten Entwurfes“. — 

Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. 

Zur Anfrage in No. 8 betr. Warm wasser-B ecken. Wasser¬ 
becken für nahezu siedendes Wasser aus Beton hergestellt sind 
immerhin eine etwas gewagte Sache. Es dürfte keinem Zweifel 
unterliegen, daß das sehr heiße Wasser sicher mit zur Rissebildung 
beigetragen hat, wenn auch noch andere Ursachen infrage kommen 
könnten. Ein ähnlicher Fall ist mir vor einigen Jahren begegnet 
mit einem neuen Becken, jedoch traten die Risse nur vereinzelt 
auf und dichteten sich im Laufe der Zeit wieder von selbst, nach¬ 
dem auch die Wassertemperatur erniedrigt wurde. Für Ihren lall 
würde ich raten, entweder das Becken mit Steinzeugplatten aus¬ 
zukleiden, wozu Portlandzement mit reinem Quarzsand, oder mit 
dem Quetschwerk hergestellter Kalksteinsand verwendet werden 
kann; anstelle von Steinzeugplatten könnten auch Ehranger Ton¬ 
platten verwendet werden, dieselben sind billiger und gleich gut 
geeignet; oder aber das ganze Becken ist mit etwa 1 bis 2 mm 
starkem Blech auszuschlagen. Die Blechtafeln werden genietet, in 
geeigneten Entfernungen an den Betonwänden so befestigt, daß 
sich das Blech bewegen kann, auf die Ausdehnung wäre besondeis 
auch in den Ecken Rücksicht zu nehmen, beide Blechseiten sind 
vor der Verwendung mit haltbarer Farbe zu streichen. Das Beton¬ 
becken dient in diesem Falle als Konstruktionsgerippe. — 

W. Siegler, Wasserbautechn. in Oberlenningen (Württemberg). 

Inhalt: Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neu¬ 
bau eines Stadthauses im Anschluss an das Rathaus in Bremen. Zui 
Frage der Umgestaltung des Theaterplatzes in Dresden. — Mitteilungen aus 
Vereinen. — Vermischtes. — Totenschau. — Preisbewerbungen. Büchei. 
— Brief- und Fragekasten. 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 

No. 16. 


96 








DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N°- 17. BERLIN, DEN 27. FEBR. 1904 

Die neueren Straßenbrücken über die Donau in Budapest. 


I. Allgemeines und ältere Brücken. 

erbst v. J. wurde die am Schwurplatz 
im Zuge des Kerepeser Ringes die 
Donau überschreitende „Elisabeth- 
Brücke“ dem Verkehr übergeben. 
Die Zahl der Straßenbrücken, welche 
die durch den Donaustrom auf fast 
7 km Länge getrennten, seit 1873 eine 
Stadtgemeinde bildenden Schwester¬ 
städte Ofen und Pest (dazu Alt-Ofen und Steinbruch) 
mit einander verbinden, ist damit auf 4 gestiegen (vergl. 
den Lageplan Abbildg. 2), von welchen die beiden am 
meisten stromab- bezw. aufwärts gelegenen eine Ent¬ 
fernung von nicht ganz 3 km von einander besitzen. 

Bis gegen das Jahr 1850 war eine feste Brücke 
zwischen den beiden ungarischen Städten — und über¬ 
haupt über die Donau in Oesterreich-Ungarn — nicht 
vorhanden. Eine Schiffbrücke stellte die alleinige Ver¬ 
bindung zwischen beiden Ufern der Donau her. Ende 
1849 -wurde nach fast zehnjähriger Bauzeit die von dem 


englischen IngenieurW.T. Clark entworfene, mit engli¬ 
schem Eisen und zumeist fremden Arbeitskräften erbaute 
„Alte Kettenbrücke“, die den Fluß im Herzen der 
Stadt, gegenüber der Kgl. Burg, überschreitet, dem Ver¬ 
kehr übergeben, ein Werk das seinerzeit die allgemeine 
Bewunderung erregte und sich, was die Schönheit der 
Gesamterscheinung betrifft, den späteren Schöpfungen 
getrost an die Seite stellen kann, ja diese trotz schlich¬ 
tester Ausführung im Einzelnen durch die Feinheit der 
Linienführung und die Wucht der Pfeileraufbauten viel¬ 
leicht noch übertrifft (vergl. Abbildg. 1). 

Einige 20 Jahre später wurde am obersten Ende 
der Stadt die zweite Straßenbrücke gebaut, da wo die 
landschaftlich reizvolle Margareteninsel den Strom 
in zwei Arme spaltet. Die „Margaretenbrücke“ 
besteht demzufolge ebenfalls aus 2 Armen, die senk¬ 
recht zu dem Stromstrich des betreffenden Flußarmes 
geführt, mit einander einen stumpfen Winkel bilden. 
Der Brückenplan wurde durch ein 1871 veranstaltetes 
Ausschreiben gewonnen. Von den eingegangenen 
36 Entwürfen waren fast die Hälfte als Bogenbrücken 




Abbildg. 1. Die alte Kettenbrücke über die Donau in Budapest. Ingenieur W. T. Clark. (Erbaut 183g—1849.) 


97 


















































































gedacht. Die Brücke wurde auch als solche ausge¬ 
führt — als Bogenfachwerk mit festem Auflager — 
und zwar durch eine französische Gesellschaft, die 
„Societe de construction des Batignolles“, 
deren Direktor, Ing. Gouin, im Wettbewerb den ersten 
Preis erhielt. Die Konstruktion kann als eine sehr 
rationelle nicht bezeichnet werden. Besonders ist die 
festeVerbindung der gekreuzten Diagonalen nach dieser 
Richtung hervorzuheben. Der Entwurf lehnt sich in 
den Einzelheiten z. T. an die Arcolebrücke in Paris an. 
Die Brücke wurde 1875 dem Verkehr übergeben. 
Ihre Gesamtkosten stellten sich auf 8,33 Milk M., das 
Eisengewicht auf 2510 k 

Als die erste Brücke über die Donau eröffnet wurde, 
zählten die beiden Städte zusammen rd. 152000 Ein¬ 
wohner, zur Zeit der Fertigstellung der Margaretenbrücke 
fast das Doppelte. Anfangs der 90er Jahre des vorigen 
Jahrh. war die Einwohnerzahl auf rd. 500000 gestiegen 
und im Jahre 1900 betrug sie rd. 714000 Seelen. Von 
den 1890 gezählten Einwohnern fielen fast 400 000 
auf Pest, die übrigen auf Ofen und Alt-Ofen. Diesem 
bedeutenden Anwachsen der Einwohnerzahl entspre¬ 
chend wuchs auch das Verkehrsbedürfnis. Im Jahre 
1895 wurde auf der Kettenbrücke ein Per¬ 
sonenverkehr von fast 11,5 Millionen fest¬ 
gestellt, auf der Margaretenbrücke ein 
solcher von über 4 Milk Für die unterhalb 
gelegenenStadtteile,derenEinwohncr zum¬ 
teil weite Umwege zurückzulegen hatten, 
machte sich daher das Bedürfnis nach 
neuen Verbindungen in so dringender 
Weise geltend, daß im Jahre 1893 durch 
einen Gesetzentwurf der Bau zweier weite¬ 
rer Donaubrücken, derjenigen am Schwur¬ 
platz bezw. am Zollamt, mit einem Kosten¬ 
aufwand von9,5 Milk M. beschlossen wurde. 

Für beide Brücken wurde im Juli 1893 ein 
internationaler Wettbewerb ausgeschrie¬ 
ben.*) Den ersten Preis mit dem Ent¬ 
würfe einer ausgesteiften Kabelbrücke für 
die Schwurplatzanlage erhielt damals be¬ 
kanntlich Ob.-Ing. J. Kübler der Masch.- 
Fabrik Esslingen in Verbindung mit den 
Architekten Eisenlohr & Weigle in 
Stuttgart; den zweiten Preis mit einem 
Entwurf für die Zollamtsbrücke der Ob.- 
Ing. Joh. Feketehäzy in Budapest in 
Gemeinschaft mit den Architekten Stein- 
hard&Lang dort. Das System der Haupt¬ 
träger war das eines Kragträgers mit 
einer an die Form einer Kettenbrücke 
erinnernden Linienführung des Ober¬ 
gurtes. Diese Linienführung und das 
System eines Kragträgers sind auch für 
die Ausführung der Brücke beibehalten 
worden, während man für die Schwurplatzbrücke wieder 
zum System der Kettenbrücke überging. Beide zur 
Ausführung gekommenen Entwürfe wurden von der 
Donaubrücken-Abt. des kgl. ungarischen Handelsmini¬ 
steriums bezw. der Maschinenfabrik der kgl. ungarischen 
Staatsbahnen ausgearbeitet. Auch die Ausführung der 
Eisenkonstruktion wurde von der letzteren Fabrik mit 
Material aus ungarischen Werken bewirkt. Die am 
meisten stromab gelegene Zollamtsbrücke kam zuerst 
zur Ausführung. Sie wurde im Herbst 1896 dem 
Verkehr übergeben und erhielt den Namen „Franz 
Josef-Brücke“. Die Schwurplatzbrücke erlitt in der 
Ausführung zuerst aus finanziellen, dann aus tech¬ 
nischen Gründen erhebliche Verzögerungen, sodaß 
sie, wie schon bemerkt, erst im Spätherbst 1903 ihrer 
Bestimmung übergeben werden konnte. 

Den beiden neueren Brücken gilt die nachstehende 
Darstellung, wobei es von Interesse sein wird, zwischen 
diesen und der altenKettenbrücke einen kurzen Vergleich 
zu ziehen, der erkennen läßt, welche Fortschritte in- 
bezug auf Vergrößerung der Spannweite und Durch- 

*) Vergl. Deutsche Bauztg. 1894 S. 283 und S. 353. Desgl. 
denselben Jahrg. d. Ztschrft. d. Vereins deutsch. Ing., des Zentral- 
blities d. Bauviwltg., der Ztschift. des Oesterr. Ing.- u. Arch.-V. 

9 3 


bildurig der Konstruktion seit Fertigstellung jenes Bau¬ 
werkes gemacht worden sind. In den Abbildgn. 3—5 ist 
eine vergleichende Zusammenstellung der Spannweiten, 
Gefällverhältnisse, Lichthöhen der 3 Brücken gegeben. 

Die Alte Kettenbrücke*) überschreitet den 
Strom mit 3 Oeffnungen, deren mittlere von Mitte zu 
Mitte Pfeiler 203 m Stützweite besitzt, während auf die 
beiden äußeren je 90,8 m entfallen (N. B. Diese Zahlen 
sind aus Bauernfeind entnommen, der sich wiederum 
auf die eigene Veröffentlichung Clark’s stützt. In der 
Zeitschrift f. Arch. und Ing.-Wesen 1898 S. 232—234 
ist in dem Aufsatz von Seefehlner über die Franz 
Josef - Brücke die Zahl zu 207 und je 86,7 m ange¬ 
geben). Die Gesamtlänge der Brücke zwischen den 
Endpunkten der Widerlager beträgt 466,33“, die Licht¬ 
weite zwischen den Stirnflächen der Widerlager und 
abzüglich der Strompfeilerstärken in N.W.-Höhe rd. 
351 m . Das System der Eisenkonstruktion ist ein ein¬ 
faches Kettenhängewerk. Die Doppelketten, die in 
Brückenmitte einen Pfeil von 14,6“ besitzen und in 
rd. 9 m Entfernung von einander liegen, fassen zwischen 
ihren in 1,83“ Entfernung liegenden Hängestangen, an 
welchen die gußeisernen Querträger aufgehängt sind, 


die 7,4 m breite Fahrbahn. Die je 1,83“ breiten Bürger¬ 
steige sind ausgekragt. Die Fahrbahn ist mit hölzernen 
Howe’schen Trägern ausgesteift und auch die Bürger¬ 
steiggeländer sind in gleicher Weise ausgebildet. Der 
Fahrdamm ist mit Holzpflaster auf Bohlbelag versehen 
und auch die Bürgersteige sind mit Holz abgedeckt. 
Das Eigengewicht der Brückenkonstruktion wurde auf 
rd. 7coo k s für 1 lfd. “Brücke angenommen, die Ver¬ 
kehrslast nur mit 2700 k s/ m (245 *W c i m = 50 Pfd. engl, 
auf 1 □') in Rechnung gezogen. Es ergeben sich 
dann rd. 1100 k ?/<i cm Beanspruchung der Ketten. 

Die schöne Erscheinung der Brücke beruht einer¬ 
seits auf der schönen Linie der Kette, anderseits auf der 
stark geschwungenen Fahrbahn (rd. 3,65 “Pleil im mittle¬ 
ren Brückenteil) und auf der wuchtigen Gestaltung der 
Pfeiler mit massiven Aufbauten. Die Pfeiler, die auf 
Beton zwischen Spundwänden 7 bezw. 12 “ unter 
Nullwasser) gegründet sind, haben eine größte Breite 
in Fundamenthöhe von 16,75“ ur *d e i ne obere Breite 
des Aufbaues noch von 7“. Die Pfeilerköpfe springen 

*) Al lg. Förster’sche Bauzeitung 184t, Wien, und Bauernfeinds 
Vorlegeblätter zur Brückenbaukunde 1872 (m. Abbildungen). Letztere 
Beschreibung stützt sich auf die Veröffentlichung Clark s in „Supple¬ 
ments to the theory, practice and architecture of bridges“. 



No. J7. 





























unter der Fahrbahn kräftig vor, sodaß die Pfeiler garischen Landtag über den Bau der Brücke, die in der 
in Fundamenthöhe eine Gesamtlänge von 38,41 m er- Förster'schen Allg. Bauztg. 1841 als „eine Weltange- 
halten haben. legenheit, wie der Bau des Themsetunnels“ bezeichnet 

Interessant sind die bis anfangs der 30er Jahre des wird, namentlich mit Rücksicht auf „die Kühnheit der 
vorigen Jahrh. zurückgehenden Verhandlungen im un- Idee des Projektes und die unberechenbaren Schwierig¬ 
keiten, welche sich der Aus¬ 
führung entgegenstellen kön¬ 
nen“. Im Jahre 1836 wurden 
Angebote eingefordert, von wel¬ 
chen das des Baron Sina von 
Hödos v. Kizdea angenommen 
wurde, dessen Entwurf von dem 
englischen Ing. WilliamTierney 
Clark herrührte, dem Erbauer 
der Ende der 80 er Jahre v. Jahrh. 



99 


27. Februar 1904. 










































































































































































































































































































































beseitigten Hammersmithbrücke in London. Mit Baron 
Sina wurde dann im Jahre 1838 ein Vertrag über den 
Bau der Brücke abgeschlossen, der in der genannten 
Zeitschrift abgedruckt ist und ein interessantes Doku¬ 
ment bildet. Interessant ist auch, daß Clark als der 
Ingenieur der ganzen Anlage, für deren Ausführung 
er zugleich die Oberleitung übernahm, schon damals 
ein den heutigen Verhältnissen entsprechendes Honorar 
von 5% der Baukosten erhielt, dazu Reisekosten, 
Vergütung für Stellung der Aufseher usw. Die Brücke 
war von Clark zu 7010400 M. veranschlagt, wovon 
2,2 Mill. M. auf die Pfeiler, 2,3 Milk M. auf das aus 
England zu liefernde Eisen entfielen. Die Kosten der 
Rampen usw. scheinen hierin nicht einbegriffen ge¬ 
wesen zu sein, oder es sind die Gesamtkosten wesentlich 
überschritten worden. Sie stellten sich nach Seefehlner 
auf 11,5 Milk M. Das Eisengewicht der Brücke wird 
nach der gleichen Quelle sehr niedrig zu 1805 1 an¬ 
gegeben. (Es ist dabei allerdings zu berücksichtigen, 
daß nur die Ketten, Hängestangen und Querträger, 
sowie die Zugstangen der Howe’schen Träger in Eisen 
hergestellt sind). 

Schon bei diesem ältesten Brückenbau erschien 
mit Rücksicht auf Eisgang, Hochwasser - Abführung 
und Schiffahrt der Einbau möglichst weniger Pfeiler 
als das erstrebenswerteste Ziel. Bei Aufstellung des 


erscheinung und gefällige Form der Gurtlinie sollten 
das Hauptmittel zur Erreichung dieses Zieles sein. Die 
ausgeführte Franz Josef-Brücke (Zollamtsbrücke) 
hat dementsprechend eine mittlere Oeffnung von I75 m 
Stützweite, von Mitte zu Mitte Strompfeiler, und 2 Seiten¬ 
öffnungen von je 73,90 m Stützweite, die Elisabeth- 
Brücke (Schwurplatzbrücke) eine einzige Stromöffnung 
von 290™ Stütz weite, von Mitte zu MittePfeiler, und 2Land- 
öffnungen von je 42,3 m erhalten. Als System wurde 
für die erstere das des Kragträgers mit gekrümmten 
Gurten und 2 Gelenken in der Mittelöffnung gewählt. 
AlsVorbild für die Linienführung der Gurte diente dabei 
der mit dem II. Preise ausgezeichnete Entwurf, während 
die Ausbildung der Konstruktion im wesentlichen auf 
Grund des angekauften Entwurfes der kgl. ungarischen 
Staats-Maschinenfabrik erfolgte. Für die Schwurplatz- 
Brücke wurde dagegen das System der durch einen 
Fachwerksbalken mit gekrümmtem LIntergurte ver¬ 
steiften Kettenbrücke gewählt. 

Die Grundlagen der Berechnung waren für beide 
Brückenbauwerke die folgenden: Für die Berechnung 
der Hauptträger, Versteifungsträger, Portale, sowie 
der Fußweg - Konstruktion wurden als Verkehrslast 
450 k g/ c J m angenommen, dazu 250 k s/ c i m Winddruck 
bei unbelasteter, 150 k g/q |n bei belasteter Brücke. Für 
die Fahrbahnteile wurde die Berechnung außerdem 



Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern. Architekt: Prof. Hans Auer in Bern. Lageplan. 


Wettbewerb-Programmes für die beiden neuesten, un¬ 
terhalb gelegenen Brücken war die Forderung gestellt, 
daß sie den Strom möglichst in einer einzigen Oeffnung 
überschreiten sollten und daß ihre Aufstellung mög¬ 
lichst ohne umfangreichen Einbau fester Rüstungen 
vor sich gehen sollte. Bei der Zollamtsbrücke war 
jedoch auch die Teilung in 3 Oeffnungen mit rd. 170 
bis 175 m breiter Mittelöffnung' und 2 kleineren Seiten¬ 
öffnungen zugelassen. Bei beiden Bauwerken war 
außerdem die Bedingung gestellt, daß sie nicht nur 
als dem Verkehr dienende Nutzbauten, sondern 
auch von dem Gesichtspunkt zu entwerfen seien, daß 
sie „unter den bedeutendsten Bauten der Haupt- und 
kgl. Residenzstadt von Ungarn, eine würdige Stellung 
einnehmen“ sollten, Aesthetisch wirkende Gesamt- 


für je 2 nebeneinander stehende je 2,5 m breite, 
2-achsige Wagen durchgeführt. Bei der Berechnung 
der Franz Josef-Brücke wurden Wagen von 1,6 m Spur, 
4 m Achsstand, 6 t Raddruck, bei der Elisabeth-Brücke 
von 1,5 m Spur, 3 m Achsstand (8 m Ges.-Länge) und 
4 l Raddruck zu Grunde gelegt. Bei der Elisabeth- 
Brücke wurde ferner bei der Querschnitts-Bestimmung 
aller jener Bauteile, bei welchen die Temperatur¬ 
änderung innere Kräfte erzeugen kann, das Maximum 
dieser Aenderung gegenüber der mittleren Tempera¬ 
tur von +io° C. sowohl auf- als auch abwärts für 
30 0 C. bestimmt. Die an das Material gestellten An¬ 
forderungen weichen bei beiden Bauwerken nicht un¬ 
wesentlich von einander ab, sie sollen bei der Bespre¬ 
chung der Einzelbauten besonders behandelt werden. - 

_ (Fortsetzung' folgt.) 


Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern. 


Architekt: Professor Hans Auer in Bern. (Hierzu eine Doppel-Bildbeilage) 


ür die Beurteilung der Anlage des neuen 
schweizerischen Bundeshauses in Bern be¬ 
darf es einiger kurzer Worte über die Staats¬ 
verfassung der Schweiz. Bestand die letztere 
bis zum Jahre 1848 aus einem Bunde der 
einzelnen Kantone, deren Verfassung unter sich sehr 
verschieden war und deren Zusammenschluß daher ein 
nur loser sein konnte, so brachte die Bundesverfassung 



vom 12. Sept. 1848 hierin eine Wandlung, derzufolge 
die bis zur Eigenherrlichkeit entwickelt gewesene 
Selbständigkeit der einzelnen Kantone beschränkt und 
unter Verleihung gleicher staatspolitischer und sozialer 
Einrichtungen an die Kantone der Republik eine ein¬ 
heitliche Verfassung gegeben wurde, die eine demo¬ 
kratische Repräsentativ-Verfassung mit der Bundes¬ 
versammlung als Legislative ist. Die Bundesver- 


No. 17. 


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Ui ü ■* ’Äe'wfc _ 






























Sammlung besteht aus zwei selbständig beratenden 
Körperschaften: dem Nationalrat als Vertreter der 
Nation (145 Mitglieder), und dem Ständerat als 
Vertreter der Kantone (44 Mitglieder); also auch hier 
die beiden Kämmern der meisten der übrigen euro¬ 
päischen Staatsformen. Der Ort der Bundesversamm¬ 
lung und der Verwaltung des Bundes ist das zentral 
gelegene Bern, der Sitz das Bundeshaus. 

Das Bundeshaus ist eine Gruppe von 3 Gebäuden, 
welche sich hoch über dem Ufer der Aare erheben 
und ihre Hauptfronten nach Süden entwickeln. Die 


3 Gebäude wurden nicht gleichzeitig errichtet; als das 
erste das westlich gelegene alte Bundesratshaus. Ihm 
folgte in den Jahren 1888—92 das östlich gelegene 
neue Verwaltungsgebäude, nachdem im Jahre 1885 
durch das eidgenössische Departement des Inneren 
ein Wettbewerb unter schweizerischen Architekten er¬ 
lassen worden war, aus welchem der Architekt Hans 
Auer von St. Gallen, ein Schüler von Theophil Hansen 
und damals Professor an der k. k. Staatsgewerbeschule 
in Wien, als Sieger hervorging. Der Wettbewerb 
war nicht allein auf das östliche Gebäude beschränkt, 

27. Februar 1904. 


sondern vielmehr auch auf ein Mittelgebäude erstreckt, 
welchem als beherrschendem Teil der Gruppe das 
alte Bundesratshaus und das neue Verwaltungsgebäude 
als seitliche Flügel dienen konnten. Auer fand eine 
glückliche Anordnung für das eigentliche Bundeshaus, 
die ihm den Sieg im Wettbewerb eintrug. Es war eine 
geschlossene zentrale Grundrißanlage, die sich zweck¬ 
mäßig zwischen die beidenVerwaltungsgebäudeeinschie- 
ben ließ, um sie zu beherrschen. Während die letzteren 
einen schlichten, fast zu schlichten und strengen floren- 
tinischen Stil der Frührenaissance zeigten und auch 

so ausgeführt 
wurden, wobei 
sich Auer frei¬ 
lich dem alten 
Bundesrats¬ 
hause, welches 
bereits auf das 
Jahr 1851 zu¬ 
rückgeht, an¬ 
passen mußte, 
schlug das Par¬ 
laments - Ge¬ 
bäude reichere 
Akkorde an, 
entlehnte dem 
zweiten Sem- 
per'schen Hof¬ 
theater in Dres¬ 
den den Ge¬ 
danken des ge¬ 
schwungenen, 
in der Mitte 
durch eine Ni¬ 
sche mit Qua¬ 
driga ausge¬ 
zeichneten Vor¬ 
baues mit der 
Wandelhalle 
undbereicherte 
das Motiv mit 
einer zentralen, 
hochstrebenden 
runden Kuppel. 

Bei der Aus¬ 
führung des 
Parlaments-Ge¬ 
bäudes, welche 
am 24. März 

1893 durch den 
Nationalrat und 
am 30. März 

1894 durch den 
Ständerat be¬ 
schlossen wur¬ 
de , hat Auer 
die Formenge- 
bung des Auf¬ 
baues des Kon¬ 
kurrenzentwur¬ 
fes vielleicht zu 
Ungunsten der 
Wirkung ver¬ 
lassen, dage¬ 
gen aber dem 
Grundriß eine 

eingehendere 
Durcharbeitung 
zuteil werden lassen, durch welche das schweize¬ 
rische Parlamentshaus eine akademische Anlage im 
besten Sinne des Wortes geworden ist. Am 5. Sep¬ 
tember 1894 begannen die Erdarbeiten, Ende 1899 
war der Rohbau im Wesentlichen fertig gestellt, 1901 
wurde der Bau schon zumteil bezogen und am 1. April 
1902 das Gebäude feierlich eingeweiht. Die Ober¬ 
leitung des Baues hatte der Direktor der eidgenössi¬ 
schen Bauten, Hr. Arnold Elükiger in Bern, während 
bauleitender Architekt durch die ganze Dauer der 
Bauausführung Hr. Prof. Hans Auer in Bern blieb. 



101 










































































































































































































































































































Bauführer für die Ausführung sowohl des Parlaments¬ 
hauses wie des östlichen Bundespalastes war Hr. Alfr. 
Kasser von Niederbipp. Der Lageplan zeigt die Anord¬ 
nung der stattlichen Gesamtanlage und die Verbindung 
der drei einzelnen Bauten untereinander. Nördlich vor 
dem Parlamentshaus ist der Bundesplatz angelegt wor¬ 


den, südlich sind der Baugruppe hohe Terrassenbauten 
mit steilem Abfall in das Aaretal vorgelagert. Es be¬ 
sitzt kaum eine andere Gruppe von Staatsgebäuden 
eine so unvergleichlich schöne Lage, wie die Staats¬ 
gebäude in Bern, welche freien Ausblick in den Jura 
und die herrlichste Alpenwelt der Schweiz haben. — 

_ (Fortsetzung folgt.) 


Nochmals vom Meißner Dombau. 


u der in No. 5 enthaltenen Entgegnung des Hrn. Geh. 
Hofrat Gurlitt bemerke ich in möglichster Kürze 
folgendes: 1. Die mir vorgehaltene Notiz von 1558 
ist in der von mir erwähnten „ganzen Reihe von glaub¬ 
würdigen Berichten“ inbegriffen. Nach meiner Ausein¬ 
andersetzung des Begriffes turris enthält sie nichts be¬ 
sonders Bemerkenswertes und kann daher ruhig auch 
weiter unter diesem Sammelbegriff verbleiben. 

2. Für das Urteil, ob das vorhandene dritte Turmge¬ 
schoß die Vorbereitung für einen einheitlichen Querbau 
oder für eine Zweiturmanlage bildete, kann naturgemäß 
nur der voll entwickelte obere Teil dieses Geschosses 
maßgebend sein. Untere Grundrisse, in denen das Hin¬ 
eingreifen der anstoßenden Dachgiebel den Sinn der ganzen 
Anlage verwischt, sind dafür belanglos. Daß Hr. Gurlitt 
solchen belanglosen Grundriß hat veröffentlichen wollen, 
konnte ich nicht wohl annehmen; um so weniger, als in 
seiner gleichzeitig veröffentlichten Ansicht der Westfront 
diese hineingreifenden Giebel vollständig fortgelassen sind. 
Aendert man auf Seite 627 des vorigen Jahrganges die 
Unterschrift des links stehenden Grundrisses in „Allein 
maßgebender Grundriß“, so ist der Entgegnung des Hrn. 



aus ihnen nichts Bestimmtes entnehmen kann. Aber selbst 
wenn neuere Beobachtungen ergeben sollten, daß die Aus¬ 
kragung am Mittelbau noch spätmittelalterlich ist, als Stütze 
für einen schweren Mittelturm konnte diese über 80 cm 
vorkragende, nur mühsam mit Eisenklammern zusammen¬ 
gehaltene Konstruktion dennoch nicht dienen. Die Be¬ 
hauptung, es habe sogar zweimal (!) ein Steinbau darauf 
gestanden, ist völlig willkürlich. Es steht vielmehr akten¬ 
mäßig fest, daß der sogenannte „Schafstall“ ein hölzer¬ 
ner Fachwerkbau mit Backstein - Ausmauerung war. Ob 
überhaupt vor diesem Notbau etwas darauf gestanden 



Abbildg. 1. Vorkragendes 
Gesims des Mittelbaues der 
südwestlichen Ecke 
des Nordturmes. 


Abbildg. 3. Nach dem Holzschnitt vom Jahre 1558. 

(Nach Hiob Magdeburg.) 

Gurlitt Rechnung getragen; die sachliche Wirkung der 
Gegenüberstellung bleibt davon unberührt. 

3. Die wiederholten Angriffe gegen die im Schäfer’- 
schen Entwurf gegebene Schattenwirkung entsprechen 
nicht dem tatsächlichen Bestand, wie die einfachste Be¬ 
sichtigung an Ort und Stelle ergibt. Die hier beigegebenen 
Abbildungen geben darüber in Grundriß und Naturauf¬ 
nahme durch den Vergleich mit der Wiedergabe des Ent¬ 
wurfes auf Seite 635 des vorigen Jahrganges wohl voll¬ 
ständige Klarheit. Nachdem Hr. Gurlitt auf dem Denkmal¬ 
tage in Erfurt erklärt hat: „Der Schatten zeigt, wie man 
es hätte machen müssen, wenn man eine zweitürmige. 
Anlage von unten herauf plante“ (S. 62 des stenographi¬ 
schen Berichtes) so sollte er jetzt zugeben: Die Anlage 
dieses Schatten gebenden Rücksprunges beweist, 
daß man eine zweitürmige Anlage von unten her¬ 
auf geplant hat. Und das ist doch wohl der Kern der 
ganzen Frage. Gegen diesen klaren Tatbestand hilft auch 
die Annahme „idealer Flächen“ nicht, die in Wirklichkeit 
eben nicht vorhanden sind. 

4. Demgegenüber ist die genaue Altersbestimmung 
des Abschlußgesimses am Mittelbau von geringerer Be¬ 
deutung. Es sei hierzu nur bemerkt, daß die Brandspuren, 
wovon ich mich bei Besichtigung des Baues überzeugt 
hatte, nur an den Gesimsteilen der Türme, nicht an dem 
strittigen Gesims des Zwischenbaues vorhanden waren, 
daß die Schwechten’sche Darstellung der Westfront eine 
freie, vielfach gegen den Bestand geänderte Rekonstruktion 
ist und daher keine Beweiskraft hat. Die älteren Dar¬ 
stellungen des Domes, insbesondere die des Hiob Magde¬ 
burg von 1558, sind so klein und summarisch, daß man 


Abbildg. 2. 

Profile von der südwest¬ 
lichen Ecke des Nordturmes 
im III. Geschoß. 

(Nach Aufnahme der Dombau¬ 
leitung.) 


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hat, darüber haben wir nur Vermutungen. Der Stich von 
Hiob Magdeburg zeigt etwas, was ich für eine schlichte 
Brüstung halte (vergl. Abbildg. 3). Will man es als Rest 
eines schuppenartigen Querbaues ansehen, so kann die 
geringe Wandstärke desselben ebenfalls nur auf einen 
Holzbau gedeutet werden. Um das Auffinden einer ge¬ 
ringen Menge geschmolzenen Glockenmetalles im Unter¬ 
geschoß zu erklären, braucht man nicht einen großen 
Glockenturm dort vorauszusetzen, es genügt das auch von 
mir angenommene Vesperglöckcben. 

5. Auf die „aus der Erinnerung“ gezeichnete, tatsäch¬ 
lich vielfach unrichtige Perspektive einzugehen, erübrigt 
sich. Es sei nur erwähnt, daß bei ihrer Deutung die dort 
angegebenen starken Bögen irrtümlich als Tragebögen des 
oberen Geschosses bezeichnet werden. Daß es sich nicht 
um solche, sondern um Verspannungsbögen handelt, wie 


No. 1 


102 











































sie zur Sicherung von Doppeltürmen dienen, geht mit 
voller Sicherheit aus dem darüber erhaltenen Mauergrund¬ 
riß hervor; dieser zeigt über den starken Bögen nur 
eine schwache Wand von 45 cra Dicke. 

6. Auch die Deutung der etwa 50 cm über dem wieder 
aufgefundenen Fußboden des vierten Geschosses erhalte¬ 
nen Pfeilerstümpfe ist nicht willkürlich. Die von Hrn. 
Gurlitt versuchte Erklärung als Endigung der unteren 
Pfeiler scheitert daran, daß man einige 40 Quader der 
noch höher geführten Teile gefunden hat. Das rechtfertigt 
den Schluß, daß das vierte Geschoß auch tatsächlich ein¬ 
mal als Turmbau auf diesen Pfeilern gestanden hat. 

7. Keiner der anerkannten Grundsätze der Denkmal¬ 
pflege kann dafür angeführt werden, daß man eine gro߬ 
artige, gut beglaubigte Lösung zurückstellt um einiger 

Mitteilungen aus Vereinen. 

Frankfurter Architekten- und Ingenieurverein. 3. Ver- 
einsvers. am 23. Nov. 1903. Vors. Hr. Gerstner, anw. 
25 Mitgl., 13 Gäste. Der Vors, machte zunächst Mitteilung 
über dieVerteilung derVereinsämter. Hr. Stadtbmstr., DipL- 
Ing. Forbät-Fische r sprichtüber „DenBau derStädte 
an Flüssen in alter und neuer Zeit“. An der an den 
Vortrag sich anschließenden Besprechung, die sich insbeson¬ 
dere mit der baulichen Entwicklung Frankfurts beschäftigte, 
beteiligten sich die Hrn. Weismüller, Askenasy, Wolff, 
Berg und der Vortragende. — 

4. Vereinsvers. am 7. Dez. 1903. Vors. Hr. Gerstner, 
anw. 26 Mitgl., 7 Gäste, aufgenommen 9 Mitgl. u. zw. die 
Hrn. städt. Bmstr. H. Geldmacher, Stadtbauing. W. Luft, 
Ing. Adolf v. Pildner, städt. Bmstr. Joseph H. Richter, 
Stadtbrt. Gust. Schaumann, Reg. - Bmstr. Franz Schenck, 
Reg.-Bfhr. Sprengel, Stadtbauinsp. Reinicke. 

Gemäß der Tagesordnung hielt Hr. Arch. H. Cuno 
den angekündigten Vortrag über „Moderne Archiv¬ 
bauten“. Nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick 
über die Entwicklung des Archivwesens und einleitenden 
Bemerkungen über die Anlage von Archiven im allge¬ 
meinen, schilderte der Vortragende die auf einer im Auf¬ 
träge des Magistrates unternommenen Studienreise besich¬ 
tigten Archive. Ausführlicher wurden besprochen die 
bauliche Anordnung und innere Einrichtung der Archive 
in Düsseldorf, Basel, Bern, Straßburg, Speyer und 
Lüneburg. Die Ausführungen des Vortragenden wurden 
auf das anschaulichste unterstützt durch ein reiches Plan- 
material, das von den einzelnen Archiv-Verwaltungen in 
zuvorkommendster Weise für die Zwecke des Vortrages 
zur Verfügung gestellt war. Einzelheiten der Aktenregale 
und Urkundenschränke wurden durch Handskizzen an der 
Tafel erläutert. Als zum Gegenstände des Vortrages in 
Beziehung stehend besprach der Vortragende eingehend 
den sehr interessanten Erweiterungsbau des Rathauses in 
Basel (Arch. E. Vischer in Basel). An der anschließen¬ 
den Besprechung, die sich mit der Lüftung und künst¬ 
lichen Beleuchtung der Archive und mit der bisher un¬ 
entschiedenen Streitfrage über die Vorzüge derVerwendung 
eiserner oder hölzerner Aktenregale beschäftigte, beteilig¬ 
ten sich die Firn. Blecken, Dr. May, Forbät-Fischer 
und der Vortragende. — 

5. Vereinsvers. am 18. Jan. 1904. Vors. Hr. Gerstner, 
anw. 21 Mitgl., 10 Gäste. Der Vorsitzende erinnerte zu¬ 
nächst an das am 11. Dez. 1903 in Frankfurt a. M. verstor¬ 
bene langjährige und verdienstvolle Mitglied Architekt und 
Glasmaler A. Lüthi, Dir. der Kunstgew.-Schule in Zürich. 
Aufgen. wurden die Hrn. Reg.-Bfhr. H.Waag, Arch.Dipl.-Ing. 
R. Restle, Garn.-Bauinsp. H. Benda, Ing. P. Timmler, Ob.-Ing. 
Halberstadt, Reg.-Bfhr. M. Steinbrink, Reg.-Bfhr. W. Morin, 
Dipl.-Ing. J. F. Schay und Stadting. A. Sutter (Bad Nauheim). 

Hr. Wasserwerk - Dir. Scheelhase sprach, hierauf: 
„Ueber die Ausführung des Sachsenhäuser Hoch¬ 
behälters und die städtischen Wasserwerke in 
Frankfurt a. M.“ Besonderes Interesse erweckte der 
Vortrag durch den reichen Schatz praktischer Erfahrungen, 
der in uneigennützigster Weise mitgeteilt wurde. Redner 
brachte zunächst Angaben über die städt. Wasserversorgung. 
In der 2. Hälfte der 90 er Jahre war der Bedarf an Trink- 
und Flußwasser an heißen Tagen beträchtlich größer, als 
die verfügbare Wassermenge. Um auf beträchtliche auf¬ 
gespeicherte Wassermengen zurückgreifen zu können und 
um dem höher gelegenen Stadtteile Sachsenhausen, nament¬ 
lich den größten Wasserabnehmern, den Brauereien auf 
dem Sachsenhäuser Berg, Wasser unter höherem Druck 
zu verschaffen, als es der bis zum Jahre 190t einzige 
Hochbehälter an der Friedberger Landstraße im Verein 
mit dem Gegenbehälter ihn liefern konnte, stellte sich 
die Errichtung eines neuen Hochbehälters immer mehr 
als eine dringende Notwendigkeit heraus. Als Lage für 
den neuen Hochbehälter kam nur der Sachsenhäuser 


künstlerisch und kunstgeschichtlich geringwertiger Reste 
einer unbekannten Komposition oder Notkonstruktion willen. 

8. In meiner Schlußbemerkung S. 634 vorig. Jahrg. 
habe ich Hrn. Gurlitt nicht genannt, tatsächlich auch mehr 
die Gesamtstimmung der umfangreichen Preßfehde im 
Auge gehabt. Seinem Protest gegenüber sei er aber daran 
erinnert, daß er selbst in Erfurt neben dem gelegentlich 
eingeflochtenen Zugeständnis, daß er irren könne, Einzelnes 
und zwar das Wichtigste als „mit Sicherheit“ zu be¬ 
haupten herausgehoben (S. 68 des stenographischen Be¬ 
richtes) und zum Schluß nachdrücklich dagegen Verwahrung 
eingelegt hat, daß etwas anderes, als „das kunstgeschicht¬ 
lich Berechtigte“ ausgeführt werde (S. 85 des Stenograph. 
Berichtes). Es werden wenige der Zuhörerauf diese Aeusse- 
rungen den obenerwähnten Vorbehalt mitbezogen haben.— 
- —— O. Stiehl. 

Berg ungefähr an seiner höchsten Stelle nahe der Warte 
infrage. Dort wurde nun die Erbauung eines Behälters 
für 3oooo cbm Inhalt nach den Plänen des Stadtbaumstr. 
Sattler vorgesehen. Der Behälter hat zwei Abteilungen 
mit je zwei Wasserkammern zu je 7500 cbm erhalten. Die 
Absicht, die Behälter ganz in Ziegelmauerwerk herzustellen, 
wurde aufgegeben, da man bei der stattgehabten Sub¬ 
mission fand, daß durch Ausführung in Zementtraßbeton 
sich wesentliche Ersparnisse erzielen ließen. Die Aus¬ 
führung wurde der mindestfordernden Firma Ph. Holz¬ 
mann & Cie. übertragen. Die Ausschachtung der Bau¬ 
grube begann am 20. Nov. 1899. Mitte Juli 1901 fand die 
Inbetriebnahme von zwei Wasserkammern statt, die Füllung 
der zwei anderen Kammern wurde gegen Ende August 
1901 vorgenommen. Um der im Betrieb sich herausstellen¬ 
den stark angreifenden Wirkung des Wassers auf den Putz 
der Wandungen entgegenzuarbeiten, wurden zwei Wasser¬ 
kammern mit Siderosthen - Anstrich, die dritte mit der 
patentierten Dr. Roth’schen Anstrichmasse versehen, wäh¬ 
rend in der vierteil zurzeit noch Versuche stattfinden, um dem 
Wasser durch eine besondere Behandlung seine angreifende 
Wirkung zu nehmen. Die Außenarchitektur der Tore zu 
den Wasserkammern sind in frühromanischen Formen nach 
den Plänen des Hrn. Arch. Th. Martin (i. F. Ph. Holz¬ 
mann & Cie.) ausgeführt. 

Interesse erregten auch die Mitteilungen über die Rost¬ 
bildungin den Rohrsträngen, die nicht etwa durch einen Eisen¬ 
gehalt desWassers, sondern infolge Angriffes des Wassers auf 
die Innenwände der Rohre hervorgerufen wurde, wie der 
Vortragende unwiderleglich nachwies; ferner Mitteilungen 
über die Ueberwachung und Leitung des Betriebes der 
Wasserwerksanlagen vom Betriebsbureau im Rathaus aus. 
Alle Behälter usw. sind durch Fernmeldekabel mit dem 
Wachtlokal und dem Amtszimmer des Betriebsinspektors 
verbunden. Versuche zur Einrichtung der elektrischen 
Regulierung der Hauptschieber vom Rathaus aus sind noch 
nicht abgeschlossen. Der fast zweistündige Vortrag, der 
durch ein reiches Anschauungsmaterial an Plänen, Karten, 
Photographien und Modellstücken unterstützt war, wurde 
von derVersammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen.— 


Vermischtes. 

Versicherungspflicht gegen Brandschäden bei Gebäuden. 
In einer Briefkasten-Notiz der No. 10 der „D. B.“ ist auf 
eine Anfrage des Hrn. F. H. in Düsseldorf zu lesen: Kein 
Reichs- oder Landesgesetz verpflichtet den Bauherrn, den 
in Ausführung begriffenen Bau oder den Rohbau gegen 
Brandschäden zu versichern usw. Das Gesetz, die Brand¬ 
versicherungsanstalt für Gebäude im Großherzogtum Hessen 
vom 28. Sept. 1890 verpflichtet die Gebäude-Eigentümer, 
ihre Gebäude mit Ausnahme der Lust- und Gartenhäuser, 
die nicht zu Wohnungen eingerichtet sind, und von Ge¬ 
bäuden, welche weniger als 100 M. Wert haben, bei der 
Anstalt zu versichern. Die Gebäudeeigentümer sind ver¬ 
bunden, bis zum Ende des Kalenderjahres, in welchem 
ein Bau vollendet wird, den Versicherungsantrag zu stellen. 
Im Bau begriffene Gebäude können aufgrund des Kosten¬ 
anschlages im Voraus oder nach teilweisem Aufbau in 
dem jeweilig fertiggestellten LTmfange aufgrund einer Ab¬ 
schätzung versichert werden. Nach ihrer Vollendung hat 
eine neue Feststellung des Versicherungsanschlages durch 
Schätzung innerhalb obiger Frist stattzufinden. Baumate¬ 
rialien sind von der Versicherung ausgeschlossen. 

Die Wirksamkeit der Versicherung inbezug auf die 
Vergütung von Brand- und diesen gleich zu behandelnden 
Schäden beginnt mit dem Tage der Anmeldung des Ver¬ 
sicherungsantrages und zwar mit derjenigen Summe, welche 
endgiltig festgestellt wird. Die Bauherren machen von 
dieser Bestimmung sehr gerne Gebrauch und versichern 
daher in der Regel ihre Neubauten zweimal, einmal im 
Rohbau, einmal, wenn der Bau vollendet ist; die Bauunter¬ 
nehmer bezw. bauleitenden Architekten haben diese Ver- 


27. Februar 1904. 


103 



Sicherung nicht für den Bauherrn aufzunehmen. Die Ver¬ 
sicherungsprämie beträgt durchschnittlich 0,80 r M. für 
1.000 M. Versicherungssumme bezw. Summe des Umlage¬ 
kapitales des Gebäudes. — 

Flüssige Tuschen von Günther Wagner in Hannover und 
Wien. Den bewährten Eigenschaften der flüssigen Tuschen 
von Günther Wagner — Dünnflüssigkeit, Wasserfestigkeit, 
Misch- und Verdünnbarkeit, sowie die Möglichkeit, mit 
ihnen große Flächen gleichmäßig und fleckenlos anlegen 
zu können — hat die Firma einige Ergänzungen praktischer 
Natur bei ihrer Verwendung hinzugefügt, die Beachtung 
verdienen. Außer dem Untersatz für die Flaschen ist dies 
namentlich ein bis auf den Boden der Flasche reichender 
gläserner Stöpsel, welcher den Zweck hat, die Tusche in 
die Reiß- oder Zeichenfeder zu führen und etwaiger Ver¬ 
geudung vorzubeugen. Besondere Beachtung verdient der 
mäßige Preis der Tuschen. — 

Preisbewerbungen. 

Zu dem Wettbewerb der Vereinigung Berliner Archi¬ 
tekten betr. Gestaltung des Raumes für die Architektur- 
Abteilung der Großen Berliner Kunstausstellung 1904 liefen 
4 Entwürfe ein. Der Ehrenpreis und die Ausführung des 
Saales wurden Hrn. Arch. Schweitzer in Berlin zuge¬ 
sprochen. — 

Chronik. 

Eine Schulbau-Ausstellung zu Hamburg wiid vom 7. bis 
29. Mai in der Kunstballe von der „Lehrervereinigung zur Pflege 
der künstlerischen Bildung“ in Verbindung mit dem „Schulbauten- 
Ausschuß der hamburgi eben Schulsynode“ veranstaltet. Anschließen¬ 
de Vorträge werden Zweck und Ziel des Schulbaues behandeln. — 

Die Anlage einer Wendelstein-Bahn im Anschluß an die 
elektrische Lokalbahn Aibling Feilnbach ist durch ein zuständiges 
Komitee beschlossen wo: den. Die nach dem Entwur f des Ing. Strub 
in Zürich auszuführende Bahn wird teils Adhärions-, teils Zahnrad¬ 
bahn sein und insgesamt 1,5 Mill. M. beanspruchen. — 

Der Umbau des Kaufhauses ln Mannheim zum Rathaus 
ist durch den Bürgerauschuß in seiner Sitzung vom 9. Febr. ge¬ 
nehmigtworden. Die Gesamtkosten sind auf r 680000 M.veranschlagt.— 

Ein Zierbrunnen für den großen Hof des neuen Rathauses 
in München gelangt als eine Schenkung des Kom.-Rates J. Heil¬ 
mann in München zur Aufstellung. Der Brunnen wird eine Schöpfung 
des Bildhauers Theod. v. Gosen in München sein. — 

Ein Pettenkofer - Denkmal in München wird nach dem 
Entwürfe des Bildhauers Prof. W. v. Ruemann in den Anlagen 
am Maximiliansplatz, geger.über dem Liebig - Denkmal, errichtet. 
Für das Denkmal sind Laaser Marmor und eine Gesamtsumme von 
90000 M. angenommen. — 

Der Neubau der k. u. k. Konsular - Akademie in Wien 

wird zur Feier ihres 150jährigen Bestandes (1754 durch Maria 
Theresia begründet) eröffnet werden. Das im Stile des österreichi¬ 
schen Barock, gehaltene Gebäude ist ein Werk des Oberbaurates 
Ludw. Baumann in Wien — 

Talsperre für das Dolmegebiet. Eine dritte Talsperre mit 
einem Stauinhalt von 3 Mill. cbm Wasser soll für das Dolmegebiet 
im Kierspertal erbaut werden. Die Vorarbeiten werden demnächst 
beginnen. — - 

Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Der Mar.-Brt. und Hafenbau-Betr.-Dir. 
Gromsch in Kiel ist nach Danzig versetzt 

Baden. Der Reg.-Bmstr. Kerler in Emmer.dingen ist zur 
Wasser- und Straßenbauinsp. Lörrach versetzt. 

Bayern. Der Ob.-Reg-Rat Weiß, Abt -Vorst, bei der Gen - 
Dir. der Staatseisenb. ist zum Reg.-Dir. mit dem Range und den 
Rechten eines Kollegialdirektors befördert. 

Der Masch.-Insp. Seeberger in Augsburg ist unt. Verleihung 
des Tit. eines Ob.-Masch.-Insp. in den Ruhestand getreten. 

Preußen. Dem Hafenbmstr. Günther in Breslau ist der 
Kgl. Kronen-Orden IV. Kl. verliehen. 

Der Eisenb.-Bau-u. Betr.-Insp. R tipp eil in Breslau ist nach 
Friedeberg a. Ou. versetzt. 


Der Landbauinsp., Dr.-Ing. Muthesius im Min. für Handel 
und Gewerbe ist zum Reg.- u. Gewerbe-Schulrat ernannt. 

Versetzt sind die Rcg.-Bmstr. Witt ler von Massow nach 
Göttingen und E. Lucht von Kassel nach Greifswald. 

Die Reg-Bfhr. Ign. F a 1 k aus Straßburg, Heinr. Dorpmüller 
aus M -Gladbach u. Otto Goldschmidt aus Brücken (Eisenbfch), 
Alfr. Müller aus Putbus, Johs Stechei aus Wismar, Laurenz 
Markers aus Weseke u. Osk. Jürgens aus Halberstadt (Hochbfch ), 
Ludw. Netter aus Bühl (Eisenbfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. 

Der Reg.-Bmstr. Jahn ist der Kgl. Eisenb.-Dir. in Berlin zur 
Besct äftigung überwiesen. — Den Reg-Bmstrn. Lehr in Breslau, 
Aug. Bode in Charlottenburg, Karl Mittelstaedt in Lübeck, 
Rud. H eine kam p in Prüm ist die nachges. Entlass, aus d( m 
Staatsdienst erteilt. 

Der Geh. Brt. z. D. Böttcher in Wiesbaden und der Reg.- 
u Bit. a. D. Busse in Wiesbaden sind gestorben. 

Württemberg. Dem Reg-Bmstr. Böklen ist eine Prof, für 
Hochbaufächer an der Baugewerkschule in Stuttgart übertragen. — 

Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Arch. E. Sch. in Duisburg. Nirgends ist angeordnet, 
daß der Arbeitgeber einem Techniker, welcher zu einer sechs¬ 
wöchentlichen militärischen Uebung einge; ogen wird, das bedungene 
Gebalt weiter zu zahlen habe, wohl aber wird diese Ansicht bis¬ 
weilen vertreten, während überwiegend das Gegenteil verteidigt 
wird. Maßgebend sind B. G.-B. § 616 und Gew. Ord. § 133c Abs. 2. 
Der erstere bestimmt zwar, daß der Anspruch auf Vergütung be¬ 
stehen bleibe, wenn Jemand für eine verhältnismäßig nicht 
erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne 
sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. Die 
herrscherde Meinung erklärt jedoch sechs Wochen für eine er¬ 
hebliche Zeit und deshalb eine sechswöchentliche militärische 
Uebung für kein Ereignis, das den Fortbezug des laufenden Ge¬ 
haltes rechtfertige. Noch weniger liefert Gew.-Ord. § 133c eine 
Stütze, weil er den Anspruch auf Fortbezug des Gehaltes auf die 
Dauer von sechs Wochen nur dem zubilligt, welcher durch un¬ 
verschuldetes Unglück an der Verrichtung seiner Dienste ver¬ 
hindert wird. Eine militärische Uebung wird jedoch kein Gerichts¬ 
hof für ein „unverschuldetes Unglück" erklären. Auf die ein¬ 
schlagenden Bestimmungen des H-G.-B. § 63 kann der Bautech¬ 
niker sich nicht berufen, weil sie nur für Kaufmannsgehilfen er¬ 
lassen sind. — K. H-e. 

Hrn. Arch. P. H. in Straßburg. Das Vet fahren, unter elektr. 
Belichtung unmittelbar von Zeichnungen auf dickem Papier Repro¬ 
duktionen. (nicht mehr eigentliche Liclrpausen) zu machen, ist 
Eigentum der Lithograph. Anstalt von Bogdan Gisevius in Berlin 
und wird unseres Wissens nur von dieser Firma selbst ausgeübt. 

— Die Chemikalien zur Selbstpräparierung des Papiers für das ge¬ 
wöhnliche Lichtpausverfahren können Sie von einer ganzen Reihe 
giößerer phot. Firmen beziehen. Wir nennen nur Dr. A. Hesekiel, 
Fahr. phot. Apparate und Materialien in Berlin und R. Reiss in 
Liebenwerda i. S. im übrigen empfiehlt sich die Selbstherstellung 
des Papiers nur für sehr große Betriebe und setzt entsprechende 
Kenntnisse voraus. —- 

Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. 

Hrn. J. W. in O. Zur Anfrage in No. 8. Um die Gründe 
für die Entstehung der Schäden festzustellen, bedaif es verschie¬ 
dener Angaben. 1. Ob die Wandstäiken des Reservoirs den äußeren 
Kiäften entsprechend dimensioniert sind, 2. ob ein Zementmaterial 
verarbeitet worden ist, welches 80—100 0 warmes, mit kalzinierter 
Soda gereinigtes Wasser ertragen konnte, 3. ob das betr. Reservoir 
fr« i im Keller steht. Die sicherste Wasser-Dichtung solcher Be- 
1 älter wird durch Anbringen einer wasserdichten Plattierung mit 
Rathenower Dachsteineiulagen und einer abgeschliffenen Zement¬ 
deckschicht erzielt. Auf diese Weise kann auch das betreffende 
undichte Reservoir wieder vollständig gebrauchsfähig gemacht 
werden. — M. Czarnikow & Co. in Berlin. 

Inhalt: Die neueren Straßenbrücken über die Donau in Budapest. — 
Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern. —- Nochmals vom Meißner 
Dombau. — Mitteilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. 

— Chronik. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. 

Hierzu eine Bildbeilage: Das neue schweizerische Bundes¬ 
haus in Bern. 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Aibert Hof mann, Berlin. Druck, von With. Greve, Berlin. 


Friedrich Wilhelm Büsing 

In der Nacht vom 24. zum 25. d. M. verschied in Friedenau-Berlin nach kurzem aber schwerem 
Leiden, wenige Tage vor der Vollendung seines 70. Lebensjahres, Professor Friedrich Wilhelm Büsing. 
Die Fachwelt verliert in ihm einen ihrer hervorragendsten Mitarbeiter und Förderer auf dem Gebiete der 
hygienischen Einrichtungen der Städte, deren Durchführung jetzt zu den wichtigsten und schwierigsten 
Aufgaben der aufblühenden Stadtgemeinden zählt. Als fruchtbarer und erfolgreicher Fachschriftsteller, 
als geschätzter Lehrer an der Technischen Hochschule zu Berlin, der er seit 1876 angehörte, als 
langjähriger Redakteur unseres Blattes hat er wesentlich dazu beigetragen, die Kenntnis auf diesem 
Gebiete zu verbreiten und zu vertiefen, und als sachverständiger Berater hat er vielfach entschei¬ 
denden Einfluß auf die praktische Durchführung dieser Aufgaben ausgeübt. Bis wenige Wochen vor 
seinem Dahinscheiden hat er seine unermüdliche Arbeitskraft an die Lösung dieser Ziele gesetzt 
und in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Schwer ist der Verlust für das Fach; wir selbst ver¬ 
lieren in ihm einen tätigen Mitarbeiter, dessen reicher Erfahrung und klarem Urteil wir manche An¬ 
regung, manchen wertvollen Rat verdanken. Wir kommen auf seinen Lebensgang ausführlicher zurück.— 


Sein Andenken in Ehren! 


104 


No. 17. 














DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N» 18. BERLIN, DEN 2 . MÄRZ 1904 

Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Stadthauses 

im Anschluß an das Rathaus in Bremen. (Fortsetzung.) Hierzu die Abbildungen S. 109. 



ie diesen Wettbewerb einleitenden Ausfüh¬ 
rungen S. 93 waren geschrieben, ehe der 
Verfasser Gelegenheit hatte, Bremen zu be¬ 
suchen und von den Ergebnissen des Wett¬ 
bewerbes sowie den Entscheidungen des 
Preisgerichtes Kenntnis zu nehmen. Das Preisgericht 
ist bei seinen mehrtägigen eingehenden Beratungen zu 
ähnlichen Schlußfolgerungen gelangt, wie sie in der 
Einleitung angedeutet wurden. Besonders bemerkens¬ 
wert ist, daß, wenn wir recht unterrichtet sind, im 
Laufe der Beratungen auch dem Gedanken Ausdruck 
gegeben wurde, es sei das jetzige Stadthaus der beste 
Hintergrund für das alte Rathaus und es sei seine Er¬ 


haltung zu wünschen, wenn es möglich wäre, es im 
Inneren so umzubauen, daß es den heutigen Anforde¬ 
rungen der Verwaltung genügt. Da das jedoch kaum 
möglich sein wird und der Wettbewerb den tatsäch¬ 
lichen Beweis geliefert hat, daß ein neues Stadthaus 
mit selbst repräsentativen Zwecken geschaffen werden 
kann, ohne die Wirkung des alten Rathauses zu be¬ 
einträchtigen, so dürfte das Schicksal des heutigen 
Stadthauses entschieden sein. Das Preisgericht aber 
hat es mit Recht als ersten Grundsatz ausgesprochen, 
daß das Gefühl, daß die unvergleichlich schöne 
Wirkung des alten Rathauses nicht gestört werden 
dürfe, zu einer taktvollen Zurückhaltung beim Ent- 



J°5 


Entwurf des Hrn. Karl Roth in Kassel. (Ein Preis von 5000 M.) 





































































































































































































































































































wurf des Neubaues veranlassen müsse. Diese Zurück¬ 
haltung ist von einer großen Anzahl von Entwürfen 
des Wettbewerbes auch beobachtet worden; ein Ver¬ 
fasser deutete sie mit dem von ihm gewählten Kenn¬ 
wort: „Mir war’s gnua“ an. Sein Entwurf, sowie in 
noch höherem Maße der Entwurf „Hm, Hm, So, So“ 
gehen wohl am weitesten in der Beschränkung der 
architektonischen Ausdrucksmittel, ja, diese Beschrän¬ 
kung steigert sich in letzterem Entwurf 
bis zu einer an Nüchternheit streifenden 
Enthaltsamkeit. Das Gegenteil unge¬ 
messensten Aufwandes zeigt der Entwurf 
„Videant Consules“. Die beiden letzt¬ 
genannten Entwürfe dürften die Gegen¬ 
pole des ganzen Wettbewerbes sein. 

„Videant Consules“ zeigt eine mit un¬ 
endlichem Fleiß gezeichnete üppig reiche 
Anlage im Stile des alten Rathauses. 

An den beiden Hauptseiten des Neu¬ 
baues ist der Hauptgiebel des alten Rat¬ 
hauses wiederholt und dem Ganzen als 
herrschender Teil ein Turm gegeben, 
dessen Ausbildung namentlich in der 
Perspektive an die tropische Ueppigkeit 
der spanisch - mexikanischen Barock¬ 
architektur erinnert. Das Preisgericht 
hat es dahingestellt gelassen, ob die 
Formensprache des neuen Stadthauses 
die zurückhaltende Fortführung der be¬ 
stehenden Architektur sein oder ob die 
durch eine andere Art 


großer 


Turm 


u n ges c h m äler t en 


einer Turmanlage im 
angedeutet war. 


geringerer Firsthöhe sein müsse. Ein 
liege jedenfalls nicht im Sinne der 
Erhaltung der Wirkung des alten Rathauses und seiner 
Umgebung, er sei hier um so weniger am Platze, als 
ringsum viele Türme sichtbar sind, mit denen eine 
Kollision zu befürchten wäre. Wenn Entwürfe mit 
Türmen durch Preise ausgezeichnet wurden, so geschah 
es wohl, weil die Möglichkeit 

Programm 

Ein besonderes Augenmerk 
legte das Preisgericht auch auf 
die farbige Wirkung des neuen 
Stadthauses; in dieser Bezie¬ 
hung erschien es ihm aus¬ 
schlaggebend , daß insbeson¬ 
dere an der Anschlußstelle an 
das alte Rathaus keine Back¬ 
steinflächen mit ihrem neuen, 
lebhaften Rot auftreten möch¬ 
ten. welche mit dem Altbau 


Unterordnung 


der architektonischen Ausbildung besser 
erreicht werden könne. Es werde dies 
von dem persönlichen Empfinden des 
Bearbeiters abhängen. Wichtig aber 
erscheine, daß keine zu großen 
Wirkungen neben den Altbau ge- 
bracht werden, sondern daß der letz¬ 
tere der herrschende Teil bleibe, /q^-^ 

Der inrede stehende Entwurf zeigt das 
gerade Gegenteil dieser Auffassung. 

Eine Frage von nicht geringerer 
Wichtigkeit war die Turmfrage. Das 
Programm des Preisausschreibens hatte 
die Möglichkeit eines größeren Turmes 
an der Ostecke ins Auge gefaßt; es 
liegt aber, obgleich zahlreiche Entwürfe 
diese Möglichkeit als eine Bedingung 
aufgefaßt zeigen, offenbar auf der Hand, 
daß damit nur eine Klärung auch über 
diesen Punkt herbeigeführt werden sollte. 

DieTurmfrage spielt merkwürdigerweise 
bei diesem Wettbewerb eine größere 
Rolle, als man aus den Bedingungen der 
örtlichen Umgebung hätte annehmen 
sollen. Die meisten Entwürfe haben der 
Baugruppe eine mehr oder weniger ent¬ 
wickelte, mehr oder weniger beherr¬ 
schende Turmanlage zugefügt. Einige 
Entwürfe, z. B. die Arbeit „Immer fest 
und grad aus!“ sind darüber hinausge¬ 
gangen und haben zwei Turmaufbauten 
angenommen, den einen in dem rechten Winkel zwi¬ 
schen dem Eingang zum alten Rathause und dem An¬ 
schluß des Stadthauses, den anderen, etwas mächtiger 
entwickelt, an der im Programm angedeuteten Ostecke. 
Die schön gezeichnete Perspektive dieses Entwurfes 
läßt aber erkennen, daß ein Turm an der ersteren 
Stelle in eine ideale und nicht erwünschte Konkurrenz 
mit dem von der Börse aus besonders interessant auf¬ 
tauchenden Turm der Liebfrauenkirche treten würde, 
während ein Turm an der Ostecke oder in einer be¬ 
nachbarten Lage die beiden schönen Domtürme be¬ 
einträchtigen könnte. Der trefflich gezeichnete Ent¬ 
wurf „Galopp“ ist gar mit drei Turmaufbauten aus¬ 



Das Preisgericht hat diesen Annahmen 
gegenüber den Grundsatz aufgestellt, daß besonders 
der Anschluß des neuen Stadthauses an das alte Rat¬ 
haus zurücktreten sollte, niedriger gestaltet und von 

106 


und seiner feinen grauen Patina in eine unangenehme 
Wechselwirkung treten mußten. Es wurde der Wunsch 
ausgesprochen, daß der Anschluß durch fein getönte 
graue f lächen erreicht werden möge. 

Um den Neubau in möglichst bescheidenen Höhen¬ 
verhältnissen zu halten, wurde auch von zu großen 
Höhen des Festsaales abgeraten. Eine Beseitigung 
des hübschen Anbaues an der Nordseite (Gerichts- 


No. 18. 














































































































































































stube) würde das Preisgericht bedauern. Die schräge 
Baugrenze könnte durch mäßiges Hervortreten einzel¬ 
ner Bauteile zugunsten einer Lösung im Winkel wahr¬ 
scheinlich sehr gemildert und das gute Aussehen ge¬ 
fördert werden. Von großer Bedeutung war auch der 
Hinweis des Preisgerichtes, daß für größere Empfänge 
der Eintritt durch die untere Halle des alten Rathauses 


stets von Wichtigkeit bleiben werde, ln der Tat hat 
der Wettbewerb den Nachweis geliefert, daß von den 
3 Möglichkeiten der Eingangsverlegung: Nordseite, 
Domshof und Winkel zwischen altem Rathaus und 
neuem Stadthaus die letztere Annahme die ist, welche 
den natürlichen Bedingungen am meisten entspricht 
und den Bedürfnissen am meisten entgegen kommt. 

_ (Schluß folgt.) 




Der 


engere Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die neuen Universitäts- 

Gebäude in Jena. (Schluß aus No. 13.) 

j it Rücksicht darauf, daß in dem Gebäude nach längeren Erwägungen zu der Ueberzeugung, daß 
Räume von verschiedenartiger Bestimmung die den einzelnen Zwecken dienenden Raumgruppen 
unterzubringen waren, die, wenn auch in nicht in gleichmäßiger und geschlossener Weise längs 
einem gewissen Zusammenhänge stehend, der Baufluchten aneinander zu reihen, sondern in sich 
doch verschiedenen Bedingungen genügen zu gruppieren seien. Weiterhin vertrat das Preisge- 
müssen, kam das Preisgericht rieht die Anschauung, daß nach den örtlichen Ver¬ 
hältnissen, nach Lage und Gestalt des Platzes und 
nach der Art der Umgebung sich der Aufbau der 
Gebäudemassen von der nordöstlichen Ecke aus ent¬ 
wickeln müsse, welchen Forderungen, die beiden an 
erster Stelle ausgezeichneten Entwürfe am meisten 
Rechnung getragen haben, wenngleich sie eine all¬ 
seitig befriedigende Lösung der Aufgabe nicht bieten 
und als Vorentwürfe auch nicht bieten konnten. 

Das Urteil des Preisgerichtes über den Entwurf 


Entwurf des Hrn. 
Karl Roth in Kassel. 

in Preis von 5000 M.) 


des Hrn. 


Hauptgeschoß 


Der Wettbewerb zur Erlangung 
von Entwürfen für den Neubau 
eines Stadthauses im Anschluß 
an das Rathaus in Bremen. 

Entwurf der Hrn. 

Karl und Paul Bonatz und Gustav 
Britsch in Stuttgart. 


(Ein Preis von 2500 M.) 


Erdgeschoß. 


Prof. Theod. Fischer in Stuttgart lautet 
dahin, die Arbeit zeige bei verhältnis¬ 
mäßig einfacher architektonischer Be¬ 
handlung eine überaus geschickte Grup¬ 
pierung der Gebäudemassen, die treff¬ 
lich gegeneinander abgestimmt seien und 
ungemein malerisch wirkten. Auch die 
Innenräume zeigten eine stimmungsvolle 
und gemütreiche Ausbildung,weisen aber 
nach der Ansicht des Preisgerichtes teil¬ 
weise eine ihrer Bestimmung nicht an¬ 
gepaßte architektonische Gestaltung auf. 
So bedürften z. B. die Korridore und 
Treppenanlagen, sowie der Hauptein¬ 
gang einer größeren räumlichen Ausge¬ 
staltung, um den praktischen Bedürf¬ 
nissen und Forderungen, die an diese 
Anlagen gestellt werden müssen, zu ge¬ 
nügen, was sich aber nach Ansicht der 
technischen Mitglieder des Preisgerichtes 
ohne Beeinträchtigung der Gesamtan¬ 
lage ermöglichen läßt. 

Wer den Entwurf, wie wir ihn auf 
den S. 73, 74 und 108 darstellten, betrach¬ 
tet, wird dem hohen Lobe, 
welches ihm das Preisgericht 
zollte, nur beipflichten. DieGe- 
samtgruppierung derGebäude- 
masse ist eine un- 
gemein glückliche 
und malerische. 
Trefflich ist der 

Hauptgeschoß. 




























































































































































































Gedanke, einen kleinen Teil des alten Schlosses in 
die Neuanlage aufzunehmen und damit dieser ein 
Element für die feine historisch-stilistische Abstimmung 
der übrigen Teile einzufügen. Glücklich und male¬ 
risch sind die Innenanlagen, geschlossen vereinigt die 
einzelnen Raumgruppen, freilich aber auch einige 


in München) war für die grundlegende Erscheinungs¬ 
form des Gebäudes die möglichste Erhaltung der die 
Baustelle an den beiden Hauptseiten umgebenden 
Anlagegürtel Gewissenssache. Er war der Meinung, 
daß wenn man den gegenwärtig bestehenden Haupt¬ 
eingang zum Schloß an der Ecke des Löbder- und des 



räumliche Anordnungen unter das zulässige Maß be¬ 
engt. Alles in allem: ein prächtiger Teil eines schönen 
Städtebildes, eine ihren idealen Zielen trefflich ange¬ 
paßte bauliche Anlage, eine sinnige und gemütvolle 
Baugruppe schlichten und wahren deutschen Charakters. 

Dem Verfasser des mit dem II. Preise ausgezeich- 
netenEntwurfes mit demKennworte„Eck“ (K. H o c h e d e r 


Fürstengraben auch für das zukünftige Gebäude bei¬ 
behalte, so könne die Anlage ohne wesentliche Eingriffe 
in die natürliche Umgebung ausgeführt werden. Das 
ist der Grundgedanke des Entwurfes „Eck“; nach ihm 
gliedert sich die Gesamtanlage derart, daß sämtliche 
Räume in einem Erdgeschoß und 2 Obergeschossen 
um 2 geschlossene Höfe sich gruppieren und daß gegen 


io 3 


No. 18. 














































































































































































































Entwurf der Hrn. Emmingmann & Becker in Berlin. (Ein Preis von 5000 M.) 


Stadthaus für Bremen. Entwurf der Hrn. Karl und Paul Bonatz und Gust. Britsch in Stuttgart. (Ein Preis von 2500 M.) 

Hauptkirche nach dem Löbder - Graben erschlossen um in dem Hof Sammlungs-Gegenstände aufstellen zu 
werden könnte. können. Nun ist es bisher nach unserer Ansicht noch 

Ueber die Verteilung und Anlage der einzelnen nicht gelungen, den künstlerischen Zwiespalt zwischen 
Raumgruppen geben die Abbildungen (S. 74 u. 75) ge- der großen Glasfläche eines bedeckten Lichthofes und 

2, März 1904. 


das Landwirtschaftliche Institut und frühere Amtsge- nügenden Aufschluß. Eines interessanten Punktes je¬ 
richt im Verein mit der Nachbarschaft ein 3. Hof ent- doch sei besonders gedacht. Das Programm forderte 
stehen kann, der gegebenen Falles auch dem öffent- für den den Mittelpunkt der Gruppe des archäologischen 
liehen Durchgangsverkehr in der Richtung von der Museums bildenden Hof eine Ueberdachung mit Glas, 


109 












































































der Architektur dieses 
I Iotes zu lösen. Dem 
Verfasser wenigstens 
ist kein Versuch be¬ 
kannt, bei welchem es 
auch nur mit einigem 
Glück unternommen 
wurde, den hier weit 
klaffenden Gegensatz 
künstlerisch zu übei'- 
brücken. AuchHoch- 
eder scheint die Un¬ 
möglichkeit, die Ge¬ 
gensätze zu versöh- 
nen, gefühlt zu haben, 
denn er hat den Ver¬ 
such gemacht, über 
eine Ueberdachung 
des Hofes mit 
Glas dadurch 
hinweg zu kom¬ 
men, daß an 2 
Seiten dieses 
Hofes schwe¬ 
bende Vordä¬ 
cher angeord¬ 
net und eine 3. 

Seite desselben 
zwischen Säulen ge¬ 
öffnet wurde, sodaß 
große Gipsabgüsse 
gegen die Unbilden 





der Witterung ge¬ 
schützt , aber doch 
im Freien auf gestellt 
werden könnten. 

Die stilistischeHal- 
tung des Gebäudes 
lehnt sich an die Ende 
des XVIII. Jahrh. üb¬ 
liche schlichte Bau¬ 
weise Jena’s an, die 
in einer größeren An¬ 
zahl von Beispielen 
der Stadt ihr eigen¬ 
tümliches Gepräge 
verleiht. Diese Bau¬ 
weise kennzeichnet 
sich durch dieAnwen- 
dung des Mansard- 

daches mit breiten, in den Linien streng umi'issenen 
Dachaufbauten. Da gerade die beiden Hauptfronten 
sich zunx größten Teile hinter Bäumen vei’stecken 
werden, so sind diese in schlichtester Putzarchitektur 
mit nur sparsamer Verwendung von Haustein gedacht. 
Dieser Schlichtheit in der Behandlung der großen 
Massen mußte aber wenigstens an einer Stelle ein 


Entwurf der Hrn. Weidenbach und Tschammer in Leipzig. III. Preis. 


reicherer Gegensatz 
entgegen gestellt wer¬ 
den, eine Stelle, auf 
welche sich ein aus- 
drucksvollerFormen- 
reichtum vereinigen 
konnte. Es lag nahe, 
hiei’zu, dem Grund- 
gedankexr des Ent¬ 
wurfes entspi'echend, 
den Haupteingang 
zum Gebäude zu 
wählen. Da mit die¬ 
sem sich die zu einer 
reicheren architekto¬ 
nischen Wirkung ent¬ 
wicklungsfähigsten 
beiden Räume, die 
Halle und die Aula, leicht verbinden ließen, so konnte 
in der Tat hier ein künstlerischer Eindruck erreicht wer¬ 
den, dessen bezwingender Gewalt, dessen hoher Schön¬ 
heit sich Niemand entziehen kann. Das hier geschaffene 
Architekturmotiv ist von so köstlicher und bei aller 
Ueberlieferung von so neuer Wirkung, daß man den 
lebhaften Wunsch hegen kann, es irgendwo an anderer 


Erdgeschoß. 


No. 18. 


1 IO 

















































































































































Stelle zur Ausführung gebracht zu sehen. Die Halle 
durchgreift die beiden unteren Geschosse; die dar¬ 
über angeordnete Aula ragt um ein Beträchtliches 
über die Höhe des obersten Geschosses hinaus, wo¬ 
durch der aus einem rechteckigen Unterbau empor¬ 
steigende Aulabau als elliptische Kuppel frei aufsteigt. 
Auch für diesen Teil der Baugruppe ist vorwiegend 
Putzcharakter gedacht; doch sollte der Haupteingang 
durch ein in rotem Marmor auszuführendes reiches 
Portal im Verein mit einer darüber angeordneten Fi- 
guren-Nische aus gleichem Material eine wirkungsvolle 
Betonung erhalten, die noch gesteigert werden würde 
durch eine vorgelagerte Terrasse mit diese ein¬ 
fassenden seitlichen Abschlußmauern. 

Das Preisgericht sagt zu diesem Entwurf, auch er 
zeige sowohl im Aeußeren wie im Inneren hohe künst¬ 
lerische Eigenschaften. Bei dem äußeren Aufbau jedoch 
erscheine der Eckbau gegenüber den übrigen Bau¬ 
massen zu groß und zu aufwandsvoll. Auch die Formen¬ 
sprache, so reizvoll sie an sich sei, passe sich dem 
Charakter der Altstadt von Jena nicht ganz an. 

Der Entwurf der Hrn. Weidenbach und 
Tschammer in Leipzig verdankt die Auszeichnung mit 
dem III. Preise der ungemein klaren und übersichtlichen 


Grundriß-Gesamtanordnung Im Gegensatz zu den beiden 
vorgenannten Entwürfen ist hier der Versuch gemacht, 
die Räume um einen großen Haupthof zu lagern, 
unbeschadet der engeren Zusammenlegung der ihrer 
Bestimmung nach zueinander gehörigen Räume. Das 
Preisgericht freilich meint, so klar und einfach die 
Anordnung an sich erscheine, so werde bei der An¬ 
lage eines großen Hofes der Verkehr auseinander ge¬ 
zogen und es entspreche der Entwurf nicht in hin¬ 
reichender Weise den Grundlagen für die Gesamt¬ 
anordnung, wie sie weiter oben angeführt und von 
den technischen Mitgliedern des Preisgerichtes als not¬ 
wendig erachtet wurden. Nichtsdestoweniger ist es 
eine in ihrer Art sehr interessante Grundrißanlage, 
welche die einfachste Uebersichtlichkeit gewährt, ohne 
für den Aufbau die Möglichkeit malerischer Anord¬ 
nungen auszuschließen. 

Etwas kurz führt das Gutachten der Preisrichter 
von den übrigen Entwürfen an, sie ständen trotz vieler 
Schönheiten im Grundriß und Aufbau und verschiede¬ 
nen günstigen und zweckmäßigen Anordnungen im 
Einzelnen den drei mit Preisen ausgezeichneten Ent¬ 
würfen nach, sodaß sie nicht für die Preisauszeichnung 
infrage kommen konnten. — 


Die Verbesserung der Vorflut und die Reinigung der Abwässer im Emschergebiet. 

Von Middeldorf, Königl. Wasserbauinspektor. 



ie natürliche Beschaffenheit des Emscherge- 
bietes, welches sich von Holzwickede ab 
zwischen die Wassersammelgebiete der Ruhr 
und Lippe legt, ist eine für die Vorflut höchst 
ungünstige. Der gefällarme und stark ge- 
Flußlauf ist in der breiten Niederung meist 


eingeschnitten, 


wundene 
flach 

sodaß schon bei ge¬ 
ringen Niederschlä¬ 
gen das Wasser über 
die Ufer tritt und 
große Gebietsteile 
überflutet. Die Kla¬ 
gen über die schlech¬ 
ten Zustände an der 
Emscher sind alt und 
reichen nachweislich 
bis ins 16. Jahrh. zu¬ 
rück. Es ist vielfach 
versucht worden, 
durchBegradigungen 
des Flußlaufes die 
Vorflut günstiger zu 


Ungünstiger wurden die Abflußverhältnisse, als 
in den 60 er Jahren der Bergbau von der Ruhr mehr 
nach dem Emschergebiet überging. Infolge der ein¬ 
getretenen starken Kohlenförderung in den zahlreichen 
neu abgeteuften Zechen entstanden bald größere in¬ 
dustrielle Anlagen, wie Hochofenbetriebe, Eisen- und 


Emscher 



Abbildg. r. Uebersichtsplan des Wassersammei-Gebietes der Emscher. 


gestalten, doch scheiterte diese Absicht meistens daran, 
daß die beteiligten landwirtschaftlichen Kreise die ziem¬ 
lich bedeutenden Kosten nicht aufbringen konnten. 

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts hatten sich die Zu¬ 
stände derart verschlimmert, daß die Regierung in 
Düsseldorf sich veranlaßt sah, eingehende Unter¬ 
suchungen durch den Brt. Bauer anstellen zu lassen. 
Der von diesem erstattete Bericht schildert die Zu¬ 
stände an der Emscher als höchst trostlose und führt 
sie in erster Linie auf die mangelhafte Räumung des 
mit Strauchwerk aller Art angefüllten Bettes, dann 
aber auch auf die unregelmäßigen und polizeiwidrigen 
Anstauungen der in der Emscher belegenen Mühlen 
zurück. Die Regierungen in Düsseldorf, Münster und 
Arnsberg erließen darauf im Jahre 1821 eine Mühlen- 
Polizeiordnung für den Emscherfluß, welche die Stau¬ 
höhen für sämtliche Mühlen an der Emscher und deren 
Nebenbächen festsetzte. Die Mißstände nahmen jedoch 
derart zu, daß die Königl. Regierung in Münster sich 
veranlaßt sah, im Jahre 1850 eingehende Untersuchun¬ 
gen über die Abflußverhältnisse im Emschergebiet vor¬ 
nehmen zu lassen. Daraufhin trat im Jahre 1854 die 
Emscher Schaukommission in Tätigkeit, welche die 
jährliche Räumung des Flußbettes zu überwachen und 
Vorschläge für die Begradigung desselben zu machen 
hatte; trotz des ihr von den Anliegern entgegengebrach¬ 
ten Mißtrauens hat sie jahrelang segensreich gewirkt. 

2. März 1904. 


Zinkhütten, Maschinenbauanstalten usw., sodaß das 
bis dahin schwach bevölkerte Gebiet sich zu dem be¬ 
deutendsten Industriegebiet des Festlandes entwickelte. 
Begünstigt wurde dieses Fortschreiten der Industrie 
durch zahlreiche Eisenbahnen, die meisten von Privat- 
Gesellschaften erbaut, nicht nur die größeren Ort¬ 
schaften, sondern auch die einzelnen Werke verban¬ 
den. Die Folge davon war, daß die ganze Emscher- 
Niederung von Herne bis zum Rhein von zahlreichen 
Bahndämmen durchkreuzt wurde, welche den glatten 
Abfluß der Hochwässer sehr erschwerten. Weitere 
Vorflutstörungen traten nach dem Abbau der in der 
Emscherniederung vorhandenen starken Kohlenflötze 
ein. Die einzelnen Bergwerks-Gesellschaften versuch¬ 
ten zwar mit großen Kosten die Störungen zu be¬ 
seitigen, doch erwiesen sich alle diese Bemühungen den 
stetig fortschreitenden Bodensenkungen gegenüber als 
wirkungslos. Die so entstandenen schlechten Vorflut¬ 
verhältnisse wurden in gesundheitlicherBeziehung durch 
die starke Verschmutzung der Bachläufe seitens der 
industriellen Werke, der Städte und der dicht be¬ 
völkerten Ortschaften erheblich verschlimmert, sodaß 
das Wasser zu landwirtschaftlichen Zwecken nicht 
mehr zu benutzen war. Dadurch entstanden Streitig¬ 
keiten zwischen den Grund- und Zechenbesitzern, die 
eine derartige Höhe erreichten, daß der Landwirt¬ 
schafts-Minister sich im Jahre 1882 veranlaßt sah, den 


XII 






















zuständigen Meliorationsbauinsp., Brt. Michaelis in 
Münster, mit der Aufstellung eines Entwurfes zur Re¬ 
gulierung der Vorflutverhältnisse im Emschertale von 
Herne bis Oberhausen zu betrauen. Dieser für die 
damaligen Verhältnisse mit großer Umsicht und Sach¬ 
kenntnis aufgestellte Entwurf ist nicht zur Ausführung 
gekommen, da der vom Staat geforderte Zuschuß in 
Höhe von 2,5 Milk M. mit Rücksicht auf die ungünstige 
Finanzlage nicht bewilligt werden konnte. Es sind 
iedoch im Laufe der nächsten Jahre verschiedene Be¬ 
gradigungen nach dem Michaelis’schen Entwürfe an 
der Emscher und den Nebenbächen in Höhe von etwa 
4,3 Milk M. zur Ausführung gekommen. Ferner sind 
für Polderanlagen 1,7 Milk M ausgegeben, sodaß die 
Gesamt-Aufwendungen für die hauptsächlichsten Ent¬ 
wässerungsanlagen in der Zeit von 1886 bis 1900 rd. 
6 Milk M. betragen. Trotzdem sind zufriedenstellende 
Zustände nicht geschaffen worden. Einzelne Kreise 
versuchten zwar, eine durchgreifende Begradigung 
ihrer Wasserläufe vorzunehmen, doch kamen sie bald 
zu der Ueberzeugung, daß ohne einheitlich durchge¬ 
führte Regelung der ganzen Emscher von der Quelle 
bis zur Mündung den bestehenden Mißständen nicht 
abzuhelfen sei. Besonders trat dies zu tage, als infolge 
der Ruhrepidemie in der Stadt Herne seitens der Be¬ 
hörde auf eine baldige Durchführung der Kanalisation 
gedrängt wurde. Es zeigte sich hierbei, daß das für 
eine Klärung der Wässer notwendige Gefälle für die¬ 
ses Gebiet ohne Vertiefung des Hauptvorfluters nicht 
zu erreichen sei. Jede Kläranlage würde bei eintreten¬ 
den Hochfluten unter Wasser gesetzt und außer Tätig¬ 
keit treten müssen. Wie in Herne, so liegen die Ver¬ 
hältnisse in Wanne, Eickel, Gelsenkirchen, Ueckendorf, 
Schalke, Bismarck, Rotthausen, Heßler, Horst, Alten¬ 
essen, Borbeck, Bottrop und Oberhausen, also in fast 
sämtlichen Städten und größeren Ortschaften des 
Emschergebietes. 

Auf die Anregung des Reg.-Präsidenten W in tz er in 
Arnsberg wurden dann die beteiligten Kreise zu einem 
gemeinschaftlichen Vorgehen veranlaßt und eine Kom¬ 
mission gebildet, welche aus den Vertretern der Städte 
Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen, Essen, Oberhausen 
und der Landkreise Hörde, Dortmund, Bochum, Gelsen¬ 
kirchen, Essen, Recklinghausen, Mülheim a. d. Ruhr und 
Ruhrort bestand. Diese erklärten sich bereit, die Kosten 
für die Vorarbeiten aufzubringen und beauftragten den 
Verfasser mit der Ausarbeitung eines allgemeinen 
Entwässerungsplanes für das Emschergebiet, bei dem 
nicht nurdieVorflutverhältnisse, sondern auch die Reini¬ 
gung der Abwässer berücksichtigt werden sollte. Dieser 
Entwurf ist in 2 Jahren — Juli 1901 bis 1903 — aus¬ 
gearbeitet und im November v. J. durch die drei be¬ 
teiligten Regierungen in Münster, Arnsberg und Düssel¬ 
dorf landespolizeilich geprüft worden. Inzwischen 
wurde ein Gesetzentwurf ausgearbeitet, der die Billi¬ 
gung des Staatsministeriums fand und gegenwärtig 
dem Landtage zur Genehmigung vorliegt. Für diesen 
allgemeinen Entwurf wurden außer den landmesse¬ 
rischen Arbeiten eingehende wassertechnische Unter¬ 
suchungen ausgeführt, die sich auf Pegelbeobachtun¬ 
gen, Niederschlags-Verhältnisse, Abflußwerte und das 
VerhältniszwischenNiederschlag und Abfluß erstreckten. 
Von besonderer Bedeutung ist hierbei das aus dem 
Ruhrgebiet ins Emschergebiet gedrückte Reinwasser, 
das 3,4 chm l Sek. beträgt, sowie das aus den Schächten 
hochgepumpte Grubenwasser mit 2,6 cbm /Sek.; dadurch 
werden die Abflußverhältnisse so stark beeinflußt, daß 
die Wassermengen der Emscher im AVinter 10%, im 
Sommer 60%, im Jahresmittel 25% größer sind als 
die anderer' Flüsse. 

Ferner wurde die Versorgung des Gebietes mit Rein¬ 
wasser aus der Ruhr eingehend untersucht, die Abgren¬ 
zung der Versorgungsgebiete der verschiedenen Pump¬ 
werke, welche großeWassermengen abgeben, soAvohl für 
die einzelnen Sammelgebiete der Bäche, als auch für 
die Städte, Kreise, Aemter und Gemeinden festgestellt. 
Auch wurde eine Durcharbeitung nach dem Verbrauch 
der gewerblichen Anlagen vorgenommen. Eine eben¬ 
so eingehende Behandlung fand die Abwassermenge, 


die für die Klärung der Wässer von großer Bedeu¬ 
tung ist. Um über die Verschmutzung der Emscher 
und der einzelnen Nebenbäche ein genaues Bild zu 
erhalten, wurden etwa 140 AVasserproben bei gleich¬ 
mäßigem Niedrigwasser entnommen und zwar in den 
Nebenbächen vor der Mündung in den Hauptvorfluter 
und in der Emscher selbst ober- und unterhalb der 
Einmündungsstellen; diese wurden nach einheitlichem 
Verfahren chemisch und mikroskopisch untersucht. 
Das dadurch erhaltene Bild von der Verschmutzung 
der Wasserläufe im Emschergebiet ist ein höchst 
trauriges und zeigt die dringende Notwendigkeit, eine 
gründliche Klärung der Wässer fast sämtlicher Neben¬ 
bäche vorzunehmen. Neben den Wasser-Untersuchun¬ 
gen wurden Boden-Untersuchungen längs der ganzen 
Linie sowie die Feststellung der bestehenden Kanali¬ 
sationen, Beseitigung der Abfallstoffe, der hygieni¬ 
schen Verhältnisse und besonders der Gesundheits- 
Verhältnisse im Entwurf eingehend behandelt. Es hat 
sich nämlich gezeigt, daß die Ruhrkrankheit, Typhus 
und Malaria im Emschergebiet stärker verbreitet sind, 
als sonst im preußischen Staate. 

Zunächst war zu untersuchen, ob es zweckmäßiger 
und billiger sei, von einer Beseitigung der Stauwerke 
Abstand zu nehmen und die Vorflut durch Polder 
und sonstige künstliche Hebungsanlagen aufrecht zu 
erhalten. Will man von einer Beseitigung der Stauwerke 
in der Emscher und damit von einer Vertiefung ab- 
sehen, so wird das Gefälle des Flusses auf den meisten 
Strecken infolge derBodensenkungen schon in nächster 
Zeit ein sehr mangelhaftes werden. Besonders wird 
die durch die ungenügende Geschwindigkeit vermehi’te 
starke Verschlammung und die dadurch eintretende 
Fäulniserscheinung sehr bedeutend sein. Die Hoch¬ 
fluten werden wegen des mangelhaften Gefälles noch 
schlechter abgeführt werden als bisher. Dasselbe 
würde der Fall sein bei den nicht gepolderten Ge¬ 
bieten der Nebenbäche, die in normalen Zeiten ge¬ 
nügenden Abfluß besitzen. 

Bei der Hochhaltung der Emscher wird man 
immer größere Flächen zu beiden Seiten des Flu߬ 
laufes einpoldern müssen; der Zustand wird dann all¬ 
mählich so werden, wie er sich auf der Strecke 
Karnap — Bottrop ausbildete, wo man den Fluß auf 
beiden Seiten mit hohen Deichen umgeben hat, die 
bei den fortwährenden Bodensenkungen immer wieder 
aufgehöht werden müssen und bei etwa eintretenden 
Tagesbrüchen eine große Gefahr für die Gegend bil¬ 
den. Bei Hochhaltung der Emscher werden sich nach 
weiteren Senkungen die Poldergebiete zu beiden Seiten 
des Flußlaufes stark vergrößern und allmählich einen 
solchen Umfang annehmen, daß zur Bewältigung des 
Wassers, besonders bei starkem Regen, ganz unge¬ 
heure Beträge aufgewmndt werden müssen. Auch der 
Vorschlag, "daß man in den Poldern die Hoclrwasser- 
mengen in großen Anstaubecken ansammelt und dann 
später in die Emscher abführt, hat sehr große Be¬ 
denken. Diese Becken würden sehr teuer sein, bald 
verschlammen und eine ernste gesundheitliche Gefahr 
für die Anwohner bilden. 

Noch ein anderer Grund spricht gegen die aus¬ 
gedehnte Polderwirtschaft im Emschergebiet. AVenn 
zunächst auch die Zechen wohl in der Lage sind, 
die hohen Kosten zu tragen, so kann im Laufe der 
Jahre nach dem Abbau der Kohle bei schlechter wirt¬ 
schaftlicher Gesamtlage oder bei ungünstigem Abbau 
einzelner Zechen sehr wohl der Fall eintreten, daß 
für den Polderbetrieb nicht mehr die erforderlichen 
Mittel zur Verfügung gestellt werden; da die Gemein¬ 
den größtenteils von der Steuerkraft der industriellen 
Werke abhängen, so würden auch sie nicht in der 
Lage sein, den Pumpbetrieb aufrecht zu erhalten. 

(Fortsetzung folgt.) 

Inhalt: Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neu¬ 
bau eines Stadthauses im Anschluss an das Rathaus in Bremen (Fortsetzung). 
— Der engere Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für ein neues 
Universitäts-Gebäude in Jena (Schluß). — Die Verbesserung der Vorflut und 
die Reinigung der Abwässer im Emschergebiet. — 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert Hof mann,"Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 

No. 18. 


112 









Schlägel u. Eisen 

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vom 


Wassersammelgebiet 

der Emscher. 


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Pumpwerke der Polder 


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DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N2 19. BERLIN, DEN 5. MÄRZ 1904 


Die Verbesserung der Vorflut und die Reinigung der Abwässer im Emschergebiet. 

Von Middeldorf, König!. Wasserbauinspektor. (Fortsetzung.) Hierzu eine Planbeilage. 



ei Inangriffnahme der Arbeiten wurde ferner 
versucht, die in dem Michaelis’schen Ent¬ 
wurf aufgestellten Grundsätze für die Ausge¬ 
staltung des neuen Entwurfes beizubehalten. 


Aber so scharf 
durchdacht die Michaelis’- 
sche Arbeit auch ist, es 
mußte wegen der verän- 
dertenVerhältnisse dieVor- 
flutverbesserung auf einer 
ganz anderen Grundlage 
aufgebaut werden. Diedern 
Brt. Michaelis gestellte Auf¬ 
gabe war wesentlich enger 
gefaßt, als die vorliegende. 
Sie sollte nur eine Ver¬ 
besserung der Vorflutver¬ 
hältnisse auf der Emscher- 
strecke vonHerne bis Ober¬ 
hausen herbeiführen, wäh¬ 
rend jetzt das ganze Em¬ 
schergebiet einschließlich 
aller Nebenbäche als ein 
Ganzes behandelt ist. Es 
hat sich herausgestellt, daß 
es von größtem wirtschaft¬ 
lichen Nachteil ist, wenn 
einzelne Gebiete herausge¬ 
griffen werden. So sind 
z. B. damals die Gebiete 
der Emscher unterhalb von 
Oberhausen bis Neumühl 
nicht in den Entwurf auf¬ 
genommen worden und 
doch bedarf gerade das 
Gelände an der Mündung 
der Emscher der größten 
Fürsorge in Hinsicht auf 
die dort zu erwartenden 
Bodensenkungen. Ebenso 
ist das Quellgebiet nicht in 
dem Entwurf berücksich¬ 
tigt worden, obschon be- 


i- 

W' .-'V--: ' ' 






lilSi 




Professor Friedrich Wilhelm Büsing 


spnders die Sammelgebiete des Rüpings- und Ro߬ 
baches, sowie die Emscherstrecke von Dorstfeld bis 
Mengede einer eingehenden Regelung bedürfen. Für 
die Abwässer-Reinigung waren Rieselfelder in Aus¬ 
sicht genommen, während heute mit Rücksicht auf den 


hohen Bodenwert und den starken Salzgehalt des 
Wassers für das Emschergebiet diese Art der Reini¬ 
gung kaum noch infrage kommen kann. Bei den un¬ 
gleichmäßigen Senkungen im ganzen Gebiete ist es 

überhaupt zweifellos, daß 
eine Rieselanlage schon 
nach wenigen Jahren um¬ 
gebaut werden müßte; auch 
würde dieUnterhaltung der 
Felder und die Wasser-Zu- 
und Ableitung hohe Kosten 
verursacht haben. Die von 
Michaelis vorgesehene Ab¬ 
leitung der Wässer in den 
Nebentälern durch parallel 
zur Emscher geführte Sei¬ 
tengräben scheint bei den 
stets auftretenden Boden¬ 
senkungen unzweckmäßig. 
Die Entwässerungs-Gräben 
laufen oft zu 4 und 5 neben¬ 
einander her, unterdükern 
einander und die Emscher 
und geben schließlich ihr 
Wasser nach sehr langem 
Lauf unter den schwäch¬ 
sten Gefäll - Verhältnissen 
(1:4000) an die Emscher 
ab. Die Kosten für Grund¬ 
erwerb und Erdaushub 
werden unverhältnismäßig 
hohe. Besonders aber ist 
das schwache Gefälle in 
diesem Gebiete mit seinen 
starken Boden-Senkungen 
ein sehr wunder Punkt des 
Michaelis’schen Entwurfes. 
Bei der Verschmutzung der 
Bäche und der äußerst 
geringen Wasserzuführung 
dieser geplantenTiefgräben 
bilden derartige Strecken 
die reinen Schlammfänge 


und Faulbecken. Alle dieseGräben hätten ein schwäche¬ 
res Gefälle als die Emscher selbst haben müssen, da 
es nur dadurch möglich ist, die Abwässer nach einem 
unterhalb gelegenen Punkte abzuleiten. Bei weiteren 
Senkungen hätte die Ausmündung dieser Bäche immer 


113 













weiter an der Ein¬ 
scher hinunterge¬ 
schoben und das 
Gefälle schwächer 
genommen werden 
müssen. Es ist ohne 
weiteres klar, daß 
die Abführung der 
Abwässer aus den 
immer größere Ge¬ 
biete umfassenden 

Kanalisationen 
nicht ausreichend 
gewesen wäre. Auch 
hat sich herausge¬ 
stellt, daß der nach 
demMichaelis’schen 
Grundsatz ausge- 
führteTieftalgraben 
vom Bahnhof Gel¬ 
senkirchen nach 
Eickwinkel schon 
jetzt seinen Zweck 
nicht mehr erfüllt 
und daher in näch¬ 
ster Zeit wieder ver¬ 
tieft werden muß. 

Aus allem diesem 
geht hervor, daß 
der Michaelis’sche 
Grundsatz aufzuge¬ 
ben und aufgrund 
der völlig veränder¬ 
ten Verhältnisse ein 
bis in seine Grund¬ 
lagen anders gestal¬ 
teter Entwurf aufge- 
stellt werden mußte. 
Bevor jedoch die¬ 
ser erörtert wird, 
muß nochdiefür das 

1 [ 4 





































































































































































































































































































ganze Industriegebiet besonders wichtige Frage erörtert 
werden, ob es nicht möglich ist, die Schmutzwasser- 
Abführung mit dem geplanten Schiffahrtskanal von 
Herne nach dem Rhein zu verbinden. Es liegen drei 
Möglichkeiten vor: 

i. Die Emscher wird als Schiffahrtskanal aus¬ 
gebaut und die verschiedenen Haltungen werden so 


tief gelegt, daß diese die Abwässer des ganzen Ge¬ 
bietes aufnehmen können. 

2. Die Emscher wird kanalisiert und südlich da¬ 
von ein Schmutzwasserkanal angelegt, der die Mittel¬ 
und Niedrigwasser abzuführen hat, während das Hoch¬ 
wasser durch Ueberläufe nach dem Schiffahrtskanal 
abgeleitet wird. 


Friedrich Wilhelm Büsing J-. 

war an der Grenze des menschlichen Lebens stehend 
— sollte er doch in wenigen Wochen das Fest seines 
70. Geburtstages feiern — aber aus vollster ange¬ 
strengtester beruflicher und dem Gemeinwohl dienender 
Tätigkeit heraus ist Professor Friedrich Wilhelm Büsing 
am 25. Februar d. J. in Friedenau bei Berlin einer tücki¬ 
schen Krankheit nach kurzem Leiden erlegen, die an 
seiner zähen, scheinbar unverwüstlichen Natur offenbar 
unerkannt schon seit Längerem zehrte. Mit ihm ist ein 
Mann von hoher Begabung, umfassendem Wissen und aus¬ 
dauernder Arbeitsfreudigkeit und Arbeitskraft dahinge¬ 
gangen, der nicht nur auf den von ihm erwählten Sonder¬ 
gebieten des Ingenieurfaches Hervorragendes leistete, son¬ 
dern auch einen klaren Blick für allgemeine Fragen des 
Lebens besaß und an deren Lösung, wenn auch in engeren 
Grenzen, mit gleichem Eifer und Erfolge mitarbeitete. 

Der Lebensgang Büsing’s ist kein alltäglicher gewesen, 
so daß es sich wohl verlohnt, näher auf denselben einzu¬ 
gehen. Der Verstorbene hat nicht den stetigen Entwick¬ 
lungsgang nehmen können, den sorgende Eltern ihren 
Söhnen zu sichern wissen, er hat nicht auf dem geebneten 
Wege einer geregelten Karriere zu Amt und Würden 
emporsteigen können. Durch eine harte Jugend, durch 
schwere Verhältnisse hat er sich durchringen müssen, um 
dann aus eigener Kraft eigene Wege zu gehen. 

Büsing wurde am 9. März 1834 in dem Flecken Wieden¬ 
sahl (Kr. Stolzenau a. W.) im Hannoverschen als Sohn 
des dortigen Steuereinnehmers in engen Verhältnissen ge- 

5 März 1904. 


boren. Seine Schulbildung genoss er auf der gehobenen 
Bürgerschule in Ottenstein im Braunschweigischen und 
in Wrisbergholzen. Daneben trieb er, mit der ihm 
eigenen Energie, frühzeitig fremdsprachliche Studien. Kaum 
14 Jahre alt, verlor er gleichzeitig beide Eltern an der 
Cholera, sodaß nun ihm, als dem ältesten Sohne, die Stelle 
des Familienoberhauptes und damit die Aufgabe zufiel, 
nicht nur baldigst für seinen eigenen Lebensunterhalt zu 
sorgen, sondern auch noch hilfreich bei seinen jüngeren 
Geschwistern einzutreten. Ueber die nächsten 10 Jahre 
seines Lebens haben wir auch von seiner eigenen Familie 
nichts Genaues in Erfahrung bringen können. Wir berichten 
darüber, was uns aus gelegentlichen Aeußerungen Büsing’s 
hervorzugehen scheint. Danach wurde es ihm möglich ge¬ 
macht, sich noch soweit fortzubilden, daß er sich dem Berufe 
eines Feldmessers widmen konnte, eineTätigkeit, die er dann 
jahrelang ausübte, dabei mit zäher Energie an seiner Fort¬ 
bildung arbeitend und sich zum technischen Studium vor¬ 
bereitend. Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir 
dieser Vorbildung Büsing’s einen wesentlichen Anteil an 
seiner Fähigkeit zuschreiben, die Besonderheiten örtlicher 
Verhältnisse rasch zu erfassen und in ihren Eigenheiten 
scharf zu erkennen, eine Fähigkeit, die ihm in seinen 
späteren, dem Städtebau gewidmeten Aufgaben von wesent¬ 
lichem Nutzen gewesen ist. Im Jahre 1858 finden wir ihn 
als Eleven in der Bauinspektion Bremervörde bei größe¬ 
ren Chaussee- und Brückenbauten, dann wieder 2'/., Jahre 
vorwiegend mit feldmesserischen Arbeiten für Chaussee¬ 
bauten beschäftigt im Verwaltungsgebiet der Landdrostei 
Stade. Erst 1862 konnte er die polytechnische Schule in 



i'5 

















































































































































































3. Die Emscher wird reguliert und als Vorfluter 
für die gesamten Abwässer beibehalten, während der 
Schiffahrtskanal südlich oder nördlich von der Emscher 
ausgebaut wird. 

Der erste Vorschlag, die Emscher zu kanalisieren 
und die verschiedenen Haltungen so tief anzuordnen, 
daß eine vollkommene Entwässerung des ganzen Ge¬ 
bietes möglich ist, hat zunächst etwas sehr Bestechen¬ 
des und würde auch vom wirtschaftlichen Standpunkte 
sehr zu begrüßen sein. Durch die Vereinigung beider 
Interessen wäre die Möglichkeit gegeben, die jähr¬ 
lichen Betriebs- und Unterhaltungskosten, sowie auch 
eine geringe Verzinsung des Anlagekapitales aus den 
Schiffahrtsabgaben zu decken. 

Es sprechen jedoch folgende Gründe dagegen: 
Obwohl die Emscher jetzt in hohem Grade verun¬ 
reinigt ist, so macht sich dieser Uebelstand doch an den 
Stellen, wo genügender Abfluß vorhanden ist, nicht 
so sehr bemerkbar als dort, wo das Wasser zur Ruhe 
kommt. Hier sieht man im Sommer große Fladen 
brodelnder Massen auf der Oberfläche schwimmen, 
die in Fäulnis übergehen und einen widerlichen 
Geruch verbreiten. Wenn man später die ganze 
Emscher in wagrechte Haltungen legen würde, 
dann würde sich der Uebelstand, der sich jetzt an 
den Stauwerken zeigt, auf der ganzen Strecke ein¬ 


stellen. Selbst wenn man die Abwässer mit großen 
Kosten reinigte, so würde man doch kein reines bak¬ 
terienfreies Wasser dem Schiffahrtskanal zuführen 
können; die Bakterien würden sich in dem stehenden 
Wasser schnell vermehren, die organischen Substanzen 
zersetzen und unter Schlammbildung in stinkende 
Fäulnis übergehen. Selbst aber, wenn man durch eine 
kostspielige Reinigungsmethode ein für Schiffahrts¬ 
zwecke hinreichend klares Wasser schaffen würde, so 
könnte dieses doch nur bei Niedrig- oder Mittelwasser 
geschehen, während die Hoch¬ 
fluten ungeklärt in den Kanal 
gelangen würden. Aber ge¬ 
rade die Hochwässer, welche 
nach einer längeren Trocken¬ 
periode eintreten, führen eine 
Menge keimfähiger Stoffe mit 
sich, die sich nach Ablauf des 
Elochwassers auf der Sohle 

Der Wettbewerb zur Erlangung 
von Entwürfen für den Neubau 
eines Stadthauses im Anschluß 
an das Rathaus in Bremen. 

Entwurf des Hrn. Gustav Jänicke 

in Schöneberg-Berlin. 

(Ein Preis von 5000 M.) 


Hannover beziehen, die er 1866 verließ, um nachträglich 
an der dortigen Realschule I. Ordnung die für den Ein¬ 
tritt in den Staatsdienst erforderliche Abiturientenprüfung 
abzulegen. Im Herbst desselben Jahres trat er als Lehrer 
in die Baugewerkschule in Nienburg a. W. ein. Sein 
Lehrauftrag umfaßte — bezeichnend für die Verhältnisse 
der damaligen Zeit — Formenlehre, Architekturzeichnen 
und niedere Mathematik. Doch nur 1 Jahr lang übte er 
diese seinen Fähigkeiten offenbar nicht entsprechende 
Tätigkeit aus. Im Herbst 1867 ging er als Assistent an 
die polytechnische Schule in Hannover zurück für die 
Fächer: Praktische Geometrie verbunden mit Instrumenten¬ 
lehre, sowie darstellende Geometrie, eine Aufgabe, für die 
ihn seine Vorbildung jedenfalls besonders geeignet machte, 
und bereitete sich gleichzeitig für die Bauführerprüfung vor, 
mit welcher Ende 1868 der inzwischen 34 Jahre alt ge¬ 
wordene Mann seine Studien und damit den ersten Ab¬ 
schnitt seines Lebens abschließen konnte. 

Nach einer nur wenige Monate dauernden Beschäfti¬ 
gung bei der Hannover’schen Staatsbahn im Bezirk der 
Bauinspektion Northeim, trat er im Mai 1869 in den 
Dienst der preußischen Marinebauverwaltung und zwar 
bei Ausbau des Kriegshafens an der Jade in Wilhelms¬ 
haven über, wo er bis zum Jahre 1873 vornehmlich mit 
Arbeiten des Wasserbaues. — Bau eines Trockendocks, Ver¬ 
messung der Außenjade usw. — beschäftigt war. Durch 
seine Tüchtigkeit zog er bald die Aufmerksamkeit seiner 
Vorgesetzten auf sich und es wäre ihm wohl eine gute 
Karriere in dem gewählten Berufe sicher gewesen, wenn 
sich ihm nicht eine Aussicht eröffnet hätte, die seinem viel¬ 


seitigen Streben und seinem unabhängigen Sinne besser 
zusagte und ihm zudem durch die Uebersiedelung nach 
Berlin ein weiteres Feld der Betätigung eröffnete. 

Wilhelm Böckmann, der damals in Gemeinschaft 
mit Ende in Wilhelmshaven eine Reihe größerer Bauten 
in Generalunternehmung ausführte, wurde auf ihn auf¬ 
merksam und gewann von ihm einen so günstigen Ein¬ 
druck, daß er ihn 1873 als zweiten Redakteur der „Deut¬ 
schen Bauzeitung“, zu deren Besitzern Böckmann ge¬ 
hörte, empfahl, als es sich darum handelte, für K. E. O. 
Fritsch, der bis dahin das Unternehmen allein geleitet 
hatte, eine Hilfe zu gewinnen. Denn die Entwicklung dieses 
Fachblattes, das nicht nur der Architektur, sondern auch 
dem Ingenieurwesen gerecht zu werden suchte, hatte 
schon damals einen Umfang angenommen, der die Kraft 
eines Einzelnen überstieg. Büsing folgte diesem Rufe 
gern und trat am 1. Juli 1873 in die Redaktion ein, der 
er bis zum Juli 1891, also 18 Jahre lang angehörte; 1874 
wurde er in die Gesellschaft „Deutsche Bauzeitung“ auf¬ 
genommen. Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, ein 
Urteil über seine Tätigkeit als Redakteur fällen zu wollen, 
denn es wäre zugleich ein Urteil in eigener Sache, da 
wir den Einfluß der Leitung des Fachblattes nicht ohne 
gleichzeitige Kritik der Entwicklung des letzteren selbst 
untersuchen können. Wir müssen das Fernerstehenden 
überlassen, die mit unbefangenen Augen diesem Entwick¬ 
lungsgänge in seinen verschiedenen Phasen gefolgt sind. 
Im übrigen ist mit Büsing’s Ausscheiden aus der Re¬ 
daktion seine Tätigkeit für die „Deutsche Bauzeitung“ 

(Fortsetzung auf Seite 118.) 


Il6 


No. 19. 


























































































































































































































































































festsetzen und später in Gährung übergehen. Ein 
fernerer Nachteil der Verbindung beider Anlagen 
würde der sein, daß bei Hochwasser die Schiffahrt 
eingestellt werden müßte, da die Fahrzeuge gegen 
das mit 2 m Geschwindigkeit abfließende Wasser 
nicht fortbewegt werden könnten. Man würde eine 
große Zahl von Schiffsliegeplätzen,' Sicherheitshäfen, 
Ankerpfählen usw. schaffen müssen, wodurch die An- 


Schleusen zur Abführung des Hochwassers anzulegen; 
ebenso müßten die Sohle und die Böschungen stark 
befestigt werden. Während der Bauzeit wird eine 
teilweise Verlegung des Flußlaufes unter Schaffung 
eines Hochwasserprofiles nötig, die ebenfalls sehr hohe 
Kosten verursachen würde. An eine Trockenlegung 
der einzelnen Kanalhaltungen, wie sie bei jeder künst¬ 
lichen Wasserstraße nötig ist, würde nicht zu denken 



Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Stadthauses im Anschluß an das Rathaus in Bremen. 


Entwurf der Hrn. 
Börnstein & Kopp 
in Friedenau. 



läge sehr verteuert 
würde. Die Stau¬ 
werke müßten auch 
hier sämtlich ange¬ 
kauft und beseitigt 
werden. Die Haltungen müßten sehr tief gelegt werden, 
sodaß die Kosten für Erdarbeiten unverhältnismäßig 
hohe würden. Auch wären Schützenwehre neben den 

5. März 1904. 


sein, da das Bett zur Abführung der Schmutzwässer 
stets frei gehalten werden muß. Der Kanal würde 
zunächst der Schiffahrt dienen müssen, die Aufrecht¬ 
erhaltung der Vorflut jedoch erst in zweiter Linie 
Berücksichtigung finden können. 

Nach dem zweiten Vorschläge sollen die Niedrig- 
und Mittelwassermengen durch einen südlich von der 
Emscher herzustellenden Schmutzwassergraben abge¬ 
führt werden, während die Hochfluten 
nachdem Schiffahrtskanal zu leiten sind. 
Gegen diese Anordnung sprechen grö߬ 
tenteils die schon vorhin angeführten 
Gründe. Zur Abführung des Sommer¬ 
mittelwassers genügt auf der ganzen 
Strecke von Herne bis zum Rhein ein ver- 
hältnismäßig kleines Profil von etwa 
20ü m . Soll aber der Abwasserkanal die 
seitlich enNebenflüsse, vor allem aber die 
Abwässer der Kläranlagen aufnehmen, 
dann müßte die Sohle des Entwässe¬ 
rungs-Grabens durchweg 5—6 m unter 
Gelände liegen. Es würde dann selbst 
bei i’/afacher Böschungsanlage ein 
Querschnitt von etwa 50 geschaffen 
werden, der-auch zur Abführung des 
Hochwassers, besonders auf der oberen 
Strecke, genügen würde. Das Gefälle 
des Schmutzwasser-Kanales würde der 
Geländeverhältnisse wegen sehr gering 
seinundfür die Abführung derSchmutz- 
wässer bei niedrigenWasserständen nicht 
genügen. Die Kosten wären auch hier sehr bedeutend; sie 
bestehen aus den schon angeführten und denen für An¬ 
lage eines tief eingeschnittenen Entwässerungsgrabens. 

117 

















































































































































































































Am gangbarsten erscheint daher der dritte Vor¬ 
schlag, die Emscher lediglich im Vorflutinteresse zu 
regulieren, sodaß sie wie bisher zur Abführung der 
gesamten Abwässer aus dem stetig sich vergrößern¬ 
den Industriegebiet dienen kann; der Schiffahrtskanal 
dagegen soll unberührt von der Emscher südlich oder 
nördlich angelegt werden. Man kann bei dieser An¬ 
ordnung eine vollständige Entwässerung und bei weite¬ 
ren Bodensenkungen durch Vertiefung der Sohle aufs 
Neue Vorflut schaffen. Mit Rücksicht auf die Dring¬ 
lichkeit der Vorflutregulierung hat man daher von 
einer Verquickung dieser Frage mit der des Schiffahrts¬ 
kanales abgesehen. 

Es ist klar, daß für das Emschergebiet mit seinen 
starken und gefährlichen Bodensenkungen die ein¬ 
fachsten und am sichersten wirkenden Grundsätze 
zur Anwendung kommen müssen. Es soll daher nur 
ein einziger, nicht tiefer als unbedingt erforderlich 
eingeschnittener Hauptvorfluter angelegt werden, dem 
alles Abwasser auf kürzestem Wege zugeführt wird. 
Von jeder künstlichen Hochhaltung der Wasserläufe 
oder Unterführung der Bachläufe untereinander, von 
jeder künstlichen Hebung der Wässer, von jeder Ver¬ 
bindung mit dem ganz anderen Zwecken dienenden 
Schiffahrtskanal ist Abstand genommen. 

So wie die Emscher sollen auch die Nebenbäche 
behandelt werden. Sie sollen unter Ausbildung eines 
möglichst guten Gefälles auf kürzestem Wege zur 
Emscher geführt werden. Bei den für die Wasser¬ 
führung so gefährlichen Bodensenkungen muß mit 
den einfachsten, leicht zu übersehenden, leicht zu 
ändernden Anlagen vorgegangen werden. 


Als erstes Mittel zur Verbesserung der Vorflut 
ist die Begradigung des stark gewundenen Flußlaufes 
in Aussicht genommen. (Vergl. hierzu die Planbeilage 
und die Höhenpläne Abbildg. 2a—c.) Wenn auch hier¬ 
durch für einzelne Strecken hinreichend gutes Gefälle 
erreicht wird, so würden doch weite Gebiete oberhalb 
der Stauwerke sehr schlechten Abfluß erhalten. Es ist 
daher in zweiter Linie eine Beseitigung der Stauwerke 
in Aussicht genommen; gerade diese geben mit ihren 
stehenden Gewässern Anlaß zu großen gesundheit¬ 
lichen Gefahren. Das Prinzip der Staubeseitigung ist 
auch schon auf mehreren Strecken zur Anwendung 
gekommen, um die höchst ungünstigen Abflußverhält¬ 
nisse zu verbessern; so sind die Mühlen in Vondern 
und Kränge, sowie mehrere in den Nebenbächen von 
den Bergwerksbesitzern angekauft worden. 

Die Beseitigung der Stauwerke und die Begradi¬ 
gung der Flußläufe ist nun zwar hinreichend, um für 
die Emscherwässer genügenden Abfluß zu schaffen, 
sie reicht jedoch nicht aus, um auch die Hochwässer 
bord voll abführen zu können. Es ist daher eine Ver¬ 
tiefung der Sohle um durchweg 3™ in Aussicht ge¬ 
nommen, wodurch gleichzeitig für die Gebiete der 
Nebenbäche hinreichend Vorflut geschaffen wird. Eine 
fernere Notwendigkeit für die Tieferlegung war durch 
die Anlage der Klärvorrichtungen gegeben, die ohne 
eine Vertiefung des Hauptvorfluters hochwasserfrei 
nicht angelegt werden können. Die letzte Forderung 
bei Festsetzung der neuen Emschersohle war die Be¬ 
seitigung der Polder. Es ist beabsichtigt, nahezu alle 
künstlichen Entwässerungen im Gebiete zu beseitigen 
und diesem wieder natürliche Vorflut zu geben. — 

_ (Schluß folgt.) 


Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Stadthauses 

im Anschluß an das Rathaus in Bremen. (Schluß.) Hierzu die Abbildungen S. 116 u. 117, sowie in No. 20. 


as Protokoll des Preisgerichtes erklärt, daß 
bei einer ersten Sichtung der Entwürfe 32 
Arbeiten ausgeschieden wurden, die ent¬ 
weder den Bestimmungen des Programmes 
nicht entsprachen oder sobedeutendeMängel 
aufwiesen, daß aus allgemeinen praktischen oder künst¬ 
lerischen Gesichtspunkten ihre Verwendbarkeit nicht 
weiter infrage kommen konnte. Einer zweiten Sichtung 
unter Anwendung höherer künstlerischer Anforderun¬ 
gen, sowie unter Prüfung der praktischen und kon¬ 
struktiven Verhältnisse fielen weitere 52 Entwürfe zum 
Opfer, während eine dritte Sichtung die Ausscheidung 
von noch weiteren 6 Entwürfen zurfolge hatte, sodaß 
15 Entwürfe auf der engsten Wahl verblieben, und 


zwar neben den bereits S. 96 genannten durch Preise 
oder durch Ankauf ausgezeichneten Entwürfen die 
Arbeiten mit den Kennzeichen oder Kennworten: 
Zwei Raben im roten Felde, Drei Kreuze, „Marco¬ 
brunner“, „Bremisch“, „Multatuli“, „Videant Consules“ 
und Dreieck im einfachen Kreis. 

Der Entwurf mit dem Kennzeichen des Dreiecks 
im einfachen Kreis schafft als Gegensatz zum alten 
Rathause ein schweres, aber sehr schönes Barock, 
welches in prächtiger Zeichnung vorgetragen ist. Ein 
mächtiger Turm erhebt sich an der Seite gegen den 
Domshof. Der Verfasser ist der Meinung, daß die 
Anlage des alten Rathauses für eine Fortsetzung nicht 
gedacht sei und infolge dessen auch keine Fortsetzung 



keineswegs abgeschlossen gewesen. Sowohl durch eigene 
Arbeiten, wie namentlich durch sachverständigen Rat in 
den Fragen seines Sondergebietes hat er uns bis zu sei¬ 
nem Hinscheiden unterstützt und sein klares Urteil ist in 
vielen Fragen von entscheidendem Gewicht gewesen. Ihm 
hierfür unseren wärmsten Dank auch an dieser Stelle aus¬ 
zusprechen, möchten wir uns nicht versagen. 

Zu seiner Tätigkeit als Redakteur und diese schlie߬ 
lich zurückdrängend, sodaß er sich im Jahre 1891 ent¬ 
scheiden mußte, welcher seiner Aufgaben er seine volle 
Kraft widmen wollte, trat bald nach seiner Uebersiedelung 
nach Berlin die Tätigkeit als Lehrer, als Gutachter und 
schließlich als Verfasser umfangreicher, auf verschiedenen 
Fachgebieten liegender Werke. Schon frühzeitig hatte 
Büsing die großen Aufgaben erkannt, die den wirtschaft¬ 
lich erstarkenden und sich rasch ausdehnenden Stadtge¬ 
meinden aus dem Zwange erwachsen mußten, für die dicht 
zusammengedrängte Bevölkerung gesunde Lebensbedin¬ 
gungen zu schaffen. Die hygienische Seite des Städte¬ 
baues, vor allem nach der Richtung einer reichlichen, ge¬ 
ordneten Versorgung mit reinem Trinkwasser und der 
geregelten, raschen Abführung der verbrauchten Stoffe, 
ist das Spezialgebiet geworden, auf dem der Schwerpunkt 
seiner Tätigkeit gelegen hat und auf welchem ihm wohl 
auch die bedeutendsten Erfolge erwuchsen. 

Als James Hobrecht im Jahre 1876 seine Vorlesun¬ 
gen an der damaligen Bauakademie in Berlin über die 
vorgenannten Aufgaben einstellen mußte, um seine volle 
Persönlichkeit für die Durchführung des großen Werkes 
der Berliner Kanalisation einzusetzen, da empfahl er Büsing 
zu seinem Nachfolger, dem denn auch im Oktober 1876 


als Dozent der Lehrauftrag erteilt wurde über: „Bauten 
aus dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege, 
speziell Wasserversorgung und Städtereinigung“. Im Jahre 
1889 wurde ihm dann das Prädikat „Professor“ verliehen. 
Bis zu seinemTode ist Büsing dieser Aufgabe treu geblieben, 
die nicht immer eine dankbare gewesen sein mag. Wal¬ 
es doch fast naturgemäß, daß die jungen Studierenden des 
Bauingenieurfaches, die nach dem ganzen Lehrplan der 
Bauakademie und auch später noch der Technischen Hoch¬ 
schule vorwiegend für die zukünftige Tätigkeit im Staats¬ 
dienst ausgebildet wurden, diesem als Nebensache behan¬ 
delten Lehrgebiet oft nur geringes Verständnis entgegen¬ 
brachten und bei der Fülle der an sie gestellten Anforde¬ 
rungen beim besten Willen auch nur geringe Zeit da¬ 
rauf verwenden konnten. So sind es denn, namentlich 
in früheren Jahren, wohl vorwiegend gereiftere, bereits in 
der Praxis tätig gewesene Ingenieure gewesen, die aus 
Büsing’s Vorträgen das nachholten, was ihnen früher über¬ 
haupt nicht geboten worden war. Auch an maßgebender 
Stelle ist diehohe Wichtigkeit der inrede stehenden Aufgaben 
offenbar erst spät erkannt worden, denn sonst wäre es 
kaum möglich gewesen, daß es einer fast dreißigjährigen 
Entwicklung bedurft hat, ehe an der größten technischen 
Hochschule Deutschlands wenigstens für die hygienische 
Seite des Städtebaues die Errichtung eines eigenen Lehr¬ 
stuhles, einer vollen Professur, vorgesehen wurde. Es ist 
ein tragisches Geschick, daß der Mann, der während dieser 
ganzen Zeit unermüdlich an der Vertiefung und Verbrei¬ 
tung der Kenntnisse auf diesem Gebiete gearbeitet hat, 
sich zu derselben Zeit zur letzten Ruhe niederlegte. — 

(Schluß folgt.) 

No. 19 


x 18 






haben dürfe, da es für sich als völlig abgeschlossene 
und abgerundete Architektur wirke. Die Möglichkeit 
zudem, im Sinne der alten Backstein - Architektur 
Bremens weiter zu bauen, erschien dem Verfasser 
schon deshalb zweifelhaft, weil zu einem Architektur- 
Charakter, wie ihn das alte Rathaus zeigt, „ein aus¬ 
führendes Handwerk 
nötig ist, wie wir es zur¬ 
sicher nicht be- 
Daher gewähre 



Hauptgeschoß 


Entwurf des 


Hrn. Gustav jänicke 
Schöneberg. 


(Ein Preis von 5000 M.) 


Erdgeschoß. 



eine freie Zusammen¬ 
stellung nach mehr male¬ 
rischem Gesichtspunkte 
und weniger nachgebil¬ 
det, als für den heuti¬ 
gen Zweck geeignet ge¬ 
macht, die Möglichkeit eines reizvollen Wechsels. 

Diesen hat in einer sehr interessanten Weise der 
Entwurf „In alter Hansapracht“ der Hrn. Börnstein 
& Kopp in Friedenau bei Berlin erstrebt, ein sehr 
bedeutender Entwurf, der namentlich wegen des glück¬ 
lichen Anschlusses des Stadthauses an das alte Rat¬ 


haus inbetracht kommt. Leider sind die Rostocker 
Giebel gegen den Domshof etwas zu groß geraten. 
Der Entwurf, den wir S. 117 wiedergeben, hätte wohl 
ein besseres Schicksal verdient, als ihm zuteil wurde. 

Eine interessante Lösung zeigt die Arbeit mit dem 
Kennzeichen der Drei Kreuze des Hrn. Herrn. Max 
Fritsche in Bremen. Das neue Stadthaus zeigt gegen 
den Domshof einen offenen und durch Einstellungen 
wieder in malerischer Weise geschlossenen Elof; durch 
Bogenhallen ist in geschickter Weise ein weiteres 
unaufdringliches malerisches Element in die Anlage 
gebracht. 

Der Entwurf mit dem Kennzeichen der beiden 
Raben im roten Felde ist ein stilistisch sehr tüchtiger 
Barockentwurf mit mächtigem Turm, aber wohl von zu 
großem Aufwand an architektonischen 
Ausdrucksmitteln. Der Festsaal ist 
ohne unmittelbare Verbindung mit 
dem alten Ralhaussaal. „Marcobrunner“ 
ist ein stilistisch höchst bedeutender 
Entwurf mit köstlichen, leider zu reichen 
Motiven. Der Verfasser verzichtet auf 
einen Turm, ordnet dagegen einen 
Dachreiter an einer Stelle an, wo er 
mit dem Turm der Liebfrauenkirche 
zusammenfallen würde. Der Grundriß 
erreicht nicht ganz die künstlerische 
Höhe des Aufbaues. 

Von den übrigen, nicht in die engste 
Wahl oder zu tatsächlicher Auszeich¬ 
nung gelangten Entwürfen erscheinen 
uns bemerkenswert „Rotes Kreuz“ 
durch weise Beschränkung; ein be¬ 
scheidener Turm dient als Trennung 
des alten und des neuen Hauses. „Stil¬ 
frage“ ist ein sehr schön gezeichneter 
Entwurf, der angeführt sein mag, weil 
er als der einzige des Wettbewerbes 
denVersuch macht, mit schüchtern an¬ 
gewandten modernen Elementen einen 
Gegensatz zum alten Rathause zu schaf¬ 
fen, leider ohne Maß, was die hohen 
Giebel anbelangt. „Dreizack“ ist ein 
Entwurf von hohem und reifem künst¬ 
lerischem Gehalt, verzichtet auf einen 
Turm, entwickelt jedoch zu großen 
Reichtum in Giebeln und zweigeschossi¬ 
gen Bogenhallen gegen den Domshof. 
Der Grundriß enthält zwangvolle Lö¬ 
sungen. „München 1903“ ist ein Ent¬ 
wurf mit bemerkenswerter Grundri߬ 
lösung, im Aufbau mit Anklängen an die 
Tiroler Gotik von Innsbruck. Der Ent¬ 
wurf mit dem schwarz und weiß geteilten 
Kreis sucht dem alten Rathause große 
Flächenwirkungen entgegen zu setzen. 
„Gegensätze“ ist eine maßvolle, flä¬ 
chige Arbeit mit einer gegen den Doms¬ 
hof entwickelten schweren, dreigiebli- 
gen, aber interessanten Barockfassade. 
Schade, daß ein Turm beide Gebäude 
trennt. Auch „Hansa“ versucht mit 
Glück, in die nächste Nachbarschaft 
des alten Rathauses nur ruhige Flächen 
zu bringen. „Maris stella“ zeigt ein 
interessantes Barock, verzichtet auf den 
Turm und entwickelt die Hauptfassade 
gegen den Domshof. Durch die Stil¬ 
aulfassung bemerkenswert ist auch der 
in No. 20 folgende Entwurf „Archi- 
tectura artium mater“ des Hrn. Reg.- 
Bmstr. a. D. Franz Wendt in Stettin. 
Die preisgekrönten Entwürfe wur¬ 
den lediglich in der Reihe ihres Einlaufes aufgeführt. 
Von dem Entwurf des Hrn. Gust. Jänicke (S. 116 und 
nebenstehend) sagt das Preisgericht, die Gesamtanord¬ 
nung sei sowohl hinsichtlich des Grundrisses als auch 
des äußeren Aufbaues vortrefflich. Als Vorzug der 
Lage der Haupttreppe wird ihre unmittelbare Zugäng- 


5. März 1904. 


119 









































































































































































































































































lichkeit von der unteren Halle des alten Baues hervor¬ 
gehoben. Der äußere Aufbau sei geschickt, doch etwas 
anspruchsvoll gegenüber dem alten Rathause Der Ent¬ 
wurf des Hrn. Karl Roth in Kassel (S. 105 u. 107) wird 
als eine „ausgezeichnete Arbeit“ bezeichnet, dagegen 
werden verschiedene Anordnungen des Grundrisses 
bemängelt. Es sei dem Verfasser aber gelungen, den 
Neubau dem alten Rathause unterzuordnen und doch 
ein entsprechendes Ganze zu schaffen und zwar, 
ohne Stilformen zu wählen, welche dem alten Bau 
ferner liegen. Von der Arbeit der Hrn. Conrad 
Heidenreich und Paul Michel in Charlottenburg 
sagt das Gutachten, sie ordene sich mehr als die 
meisten Entwürfe dem alten Rathause unter; Fassa¬ 
den und Dachbildungen seien absichtlich schlicht ge¬ 
halten. Der Grundriß sei klar und einfach; ein be¬ 
sonderer Vorzug sei die Lage der Haupttreppe, welche 
gestatte, bei Festen den Zugang durch die untere Rat¬ 
haushalle zu nehmen. „Kapitol“ des Hrn. Ernst Rang 
in Schöneberg sei ein interessanter, inhaltsreicher Ent¬ 
wurf mit bemerkenswerter Grundriß-Anordnung und 
manchen großenVorzügen in der äußeren Erscheinung, 
denen aber viel Unmögliches gegenüberstehe. Die 
schöne und übersichtliche Grundrißanlage, sowie die 
einfache Entwicklung des Aufbaues des Entwurfes der 
Hrn. Emmingmann & Becker in Berlin (S. ioöu. 109) 
fanden beim Preisgericht großen Beifall. In den Ent¬ 


würfen der Hrn. Roger Slawski in Berlin und Karl 
und Paul Bonatz, sowie Gust. Britsch in Stuttgart 
(S. 107 u. 109) wird neben dem künstlerischen Gehalt 
der Umstand gerühmt, daß der Zugang zum Stadt¬ 
hause durch die untere Halle des Althauses erfolge; 
der Entwurf des Hrn. F. Berger in Steglitz habe 
einen „klaren, aber nüchternen“ Grundriß, der äußere 
Aufbau zeige neben geschickter Behandlung Neigung 
zu etwas gesuchten Motiven. 

Soweit der Wettbewerb, der nach dem Ergebnis 
lediglich als ein Ideenwettbewerb zur Klärung der 
Lage aufgefaßt werden kann, die aber in der erwünsch¬ 
ten Weise herbeigeführt worden ist. In Bremen ist 
man entschlossen, die weitere Verfolgung der Ange¬ 
legenheit mit aller der Sorgfalt durchzuführen, welche 
die bisherigen künstlerischen Maßnahmen auszeichnet, 
soweit sie von fachlicher Seite eingeleitet und nicht 
durch Beschlüsse der Bürgerschaft gekreuzt wurden. 
Vielleicht wählt man zur Erlangung eines endgültigen 
Entwurfes für das neue Stadthaus nochmals den Weg 
des allgemeinen Wettbewerbes, bereichert durch 
die Zusicherung der Ausführung, vielleicht ent¬ 
schließt man sich zu einem engeren Wettbewerb. In 
beiden Fällen aber erscheint es uns in hohem Grade 
erwünscht, daß die Platzgestaltungen um Rathaus und 
Stadthaus mit in den Entwurf einbezogen werden. 
Denn es steht viel auf dem Spiel. — — H. — 


Preisbewerbungen. 

Ein Preisausschreiben, wie es nicht sein soll, erläßt der 
Magistrat von Husum. Es handelt sich um die Entwürfe 
für ein neues Schulgebäude in Husum, das erweiterungs¬ 
fähig zu planen ist. Der Bewerber kann unter 2 Bau¬ 
plätzen den ihm geeignet erscheinenden wählen. Nähere 
Angaben über Größe der genannten Grundstücke und der 
Klassenzimmer müssen erst bei den Rektoren eingeholt 
werden. Der Einlieferungstermin ist schon auf den 1. April 
d. J. festgesetzt. Die Entscheidung darüber, welche „Ein¬ 
lieferungen“ die beiden ausgesetzten Preise von 500 und 
300 M. „verdienen“, erfolgt durch eine von den städtischen 
Kollegien zu Husum gewählte Kommission. „Die Stadt 
Husum erwirbt durch die Verleihung der Preise das Eigen¬ 
tumsrecht der betreffenden Pläne und Kostenanschläge. Sie 
hat das Recht, die übrigen zum Preise von 400 M. anzu¬ 
kaufen. Ein Anspruch auf Leitung der Bauausführung steht 
den Einsendern nicht zu. “ Hat denn Husum keinen im Kon¬ 
kurrenzwesen einigermaßen erfahrenen Stadtbaumeister?— 

In einem Wettbewerb des Bayerischen Techniker-Ver¬ 
bandes unter seinen Mitgliedern betr. Pläne für einen Gast¬ 
hofneubau in Schrobenhausen sind 73 Entwürfe einge¬ 
laufen. Den I. Preis erhielt Baufhr. J. Bichlmeier in 
Immenstadt, den II. Preis Bautechn. J. Scherer in Regens¬ 
burg, den III. Preis Arch. K. Opitz in München. Der 
IV. Preis wurde der Arbeit mit dem Motto „Grad aus 
dem Wirtshaus“ zuerkannt. Lobende Erwähnungen wur¬ 
den den Entwürfen der Hrn. L. Gröner in München und 
K. Brembs in Würzburg erteilt. Das Preisrichteramt 
hatten übernommen die Hrn.: k. Brt. Inama v. Sternegg, 
städt. Brt. H. Grässel, Arch. K. Baierle, sämtlich in 
München, Maurermstr. K. Geiz in Nürnberg und Bahnmstr. 
E. Edelmann in München. — 

Wettbewerb Volksschule Waldenburg i. Schl. Statt der 
in der Ausschreibung angekündigten zwei Preise beschloß 
das Preisgericht, entsprechend der ihm im Ausschreiben 
erteilten Vollmacht, die ausgesetzte Summe von 3000 M. 
in Gestalt dreier Preise von 1250, 1000 und 750 M. den 
folgenden Verfassern zuzuerkennen: I. Preis: Architekten 
Heger und John in Breslau; II. Pr.: Architekten Köhler 
und Kranz in Charlottenburg; III. Pr.: Architekt Gräfe, 
ebendaselbst. Als Grundlage für die Ausführung wurde 
der Heger und John’sche Entwurf empfohlen. 

Leider scheint das Preisgericht von dem ihm ver¬ 
liehenen Rechte des Ankaufes nicht preisgekrönter Ent¬ 
würfe für je 500 M. keinen Gebrauch gemacht zu haben. 


Personal-Nachrichten. 

Deutsches Reich. Dem Reg.-Rat Speer beim Kais. Patent¬ 
amt ist der Char. als Geh. Reg.-Rat verliehen. 

Bayern. Der Reg -Rat Roos in Regensburg ist z. Eisenb.- 
Betr.-Dir. und Vorst, der Eisenb.-Betr -Dir. das. und der Dir.-Rat 
Dercum in Bamberg zum Reg.-Rat befördert 

Versetzt sind: Die Ob.-Bauinsp. Stumpf in Eger als Dir.- 
Rat zur Eisenb -Betr.-Dir. Regensburg und Riedenauer in 
Schweinfurt als Staatsbahning. nach Kitzingen; die Dir.-Ass. Happ 


in Würzburg als Staatsbahning. nach Regensburg, Hager in Ingol¬ 
stadt zur Gen.-Dir., Wöhrl in Landau zur Eisenb.-Betr.-Dir. 
Regensburg und Kappel in Weiden als Staatsbahning nach Eger. 

Hamburg. Der Bauinsp. Wulff ist gestorben. 

Preußen. Dem Ing. Smreker in Mannheim ist der Rote 
Adler-Orden IV. Kl. verliehen. 

Den Reg.- u. Brtn. Schüler in Königsberg i. Pr.,Schellen- 
b e r g. in Erfurt, Bat h mann in Berlin , Albert in Magdeburg, 
Blumenthal in Stettin, Schmedes in Breslau, Matth es in 
Magdeburg, Peters in Hannover, Berger in Köln, S u a d i c a n i 
in Berlin, Dorner in Essen , B o i e in Hannover, Siegel und 
Uhlenhuth in Erfurt, Beil in Berlin, Lue der in Münster, 
Ehrenberg in Kiel und Rieken in Görlitz, den Eisenb.-Dir. 
M e r t z in Trier und G. M ü 11 e r in Witten ist der Char. als Geh. 
Brt. verliehen. 

Der Ob.-Ing. Mathesius in Hörde ist z. etatm. Prof, an der 
Techn. Hochschule in Berlin ernannt. 

Die Reg.-Bfhr. Ad. Stern aus Berlin, Felix Dechant aus 
Krefeld, Max Lang aus Fürstenwa'de u. Bruno Hirschberger 
aus Thorn (Hochbfch), Herrn. Bandmann aus Bergfeld (Wasser- 
u. Straßenbfch.), Aug. Lüders aus Salzwedel (Masch-Bfcb.) sind 
zu Reg-Bmstrn. ernannt. 

Die Reg.-Bmstr. Er. Gößler und Ad. Stern sind der Kgl. 
Reg. in Danzig bezw. Marienwerder zur' Beschäftigung überwiesen. 


Brief- und Fragekasten. 

Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. 

Zur Anfrage in No. n betr. Whchwitzmetal 1 . Die „Erste 
Deutsche Kunstdruck-Papierfabrik Carl Scheufeien“ in Oberlenningen 
verwendet seit einigen Jahren zu ihren Fabrikneubauten Wachwitz¬ 
metall in größerem Umfang und hat damit bis jetzt gute Erfahrun¬ 
gen gemacht. Verwendet wurde meistenteils Marke KSK o,6. Neben, 
der Eigenschaft, daß es sich im Aussehen von reinem Kupfer nicht unter¬ 
scheidet, hat es den Vorzug der Billigkeit, läßt sich zu Bauzwecken 
gut verarbeiten, von getriebenen Arbeiten abgesehen, und legt sich 
infolge der Stahlblechzwischenlage glatt ohne „Wellen“, was^ bei 
reinem Kupfer weniger der Fall ist. Inbezug auf Haltbarkeit dürfte 
es dem reinen Kupfer wenig nachstehen. — 

Wilh. Siegler, Baumstr. in Oberlenningen. 

Das Wachwitzmetall. Kupferplattierte Flußstahlbleche habe 
ich infolge des Artikels in der Dtschn. Bztg. Jhrg. 1903 zur Eindeckung 
eines Turmes meines Neubaues Bernhardstr. 14 in Wilmersdorf-Berlin 
verwendet. Die Lieferung seitens des Werkes erfolgte sehr un¬ 
pünktlich. Die Ausführung besorgte eine bestrenommierte, erste 
Firma. Leider hat sich aber die Lupferdecke so wenig gehalten, 
daß schon jetzt, nach kaum 4 Wintermonaten, das Fluß-tahlblech 
freiliegt und stark Rost absetzt, zumteil sogar schon nach ganz 
kurzer Zeit. Ich bin nun, um nicht bald ein undichtes Dach zu 
bekommen, gezwungen, das Wachwitzmetall ganz zu entfernen und 
werde nun reines Kupferblech verwenden, welches bei gleichem 
Arbeitspreise immer das billigste bleibt. — 

Carl Hilgenfeldt, Architekt. 

Inhalt: Die Verbesserung der Vorflut und die Reinigung der Abwässer 
im Emsebergebiet (Fortsetzung). — Professor Friedrich Wilhelm Büsing t- 
— Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines 
Stadthauses im Anschluß an das Rathaus in Bremen (Schluß). — Preisbe¬ 
werbungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. 

Hierzu eine Planbeilage: Uebersichtsplan vom Wasser¬ 
sammei-Gebiet der Emscher. 

Verlag der Deutschen Bauzeitungf, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwort!. Albert H of mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 

No. 19. 


120 











DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. NR* 20. BERLIN, DEN 9. MÄRZ 1904 







Friedrich Wilhelm Büsing f. 

(Schluß.) 


uf dem Gebiete der hygienischen Aufgaben des Städte¬ 
baues hat auch, von einer bedeutenden Ausnahme ab¬ 
gesehen, vorwiegend die schriftstellerischeTätig- 
keit Büsing’s gelegen. Zahlreiche wertvolle kleinere Bei¬ 
träge sind von ihm in den verschiedenen Fachzeitschriften, 
so in der „DeutschenVierteljahresschrift für öffent¬ 
liche Gesundheitspflege“, im „Gesundheits-Inge¬ 
nieur“, in dessen Redaktion Büsing außerdem noch in 
seinen letzten Lebensjahren eingetreten ist, usw. veröffent¬ 
licht worden. In dem von Dr. Th. Weyl herausgegebenen 
„Handbuch der Hygiene“ hat er verschiedene Ab¬ 
schnitte bearbeitet, so in dem Bande „Städtereinigung“ 
den umfangreichen Abschnitt über „Kanalisation“. 

ln dem vom Verlage der „Deutschen Bauzeitung“ 
herausgegebenen „Deutschen Bauhandbuch“ hat 
Büsing in der „Baukunde des Architekten“ im I. Bd. 
I. T. „Aufbau der Gebäude “ den Abschnitt „Baumate¬ 
rialien undBaukonstruktionen, insbesondere nach 
ihren gesundheitlichen Eigenschaften“ behandelt 
und damit dem Inhalte des Werkes eine wertvolle Be¬ 
reicherung hinzugefügt; einen ähnlichen Abschnitt schrieb 
er im 2. Teile desselben Bandes „A usbau der Gebäude “. 
Aber alle diese Schriften treten zurück gegenüber seiner 
Hauptarbeit auf hygienischem Gebiete, dem umfangreichen 
Werke über „Die Städtereinigung“, das als III. Band 
des im Bergsträsser’schen Verlage erscheinenden großen 
Sammelwerkes „Der städtische Tiefbau“ vor einigen 
Jahren erschienen ist. Mit diesem Werke, das bisher 
wohl als das umfassendste und gründlichste auf diesem 
Gebiete bezeichnet werden darf, hat sich Büsing unter 
den Fachschriftstellern einen bleibenden, ehrenvollen Platz 
errungen. Wir haben bei Vollendung des Werkes diesem 
eine eingehende Besprechung in unserer Zeitung gewid¬ 
met*), auf die wir hier verweisen müssen. Wir glauben, 
daß diese Arbeit allgemeine Anerkennung gefunden hat, 
insbesondere der erste Teil derselben, der die wissen¬ 
schaftlichen Grundlagen der Städtereinigung behan¬ 
delt. Der zweite Teil, der den technischen Einrich¬ 
tungen der Städtereinigung gewidmet ist, mag von Männern 
der Praxis in einigen Punkten bemängelt worden sein. Es 
ist das fast naturgemäß, da der Fachschriftsteller fast aus¬ 
nahmslos darauf verzichten muß, gleichzeitig eine ausge¬ 
dehnte Praxis auszuüben, sodaß auch die Behandlung der 
rein praktischen Fragen stets einen leichten akademischen 
Anflug erhalten wird. Wir glauben aber nicht, daß dem 
Werte der Arbeit damit nennenswerter Abbruch getan wird. 

Auf einem ganz anderen Gebiete liegt eine Arbeit, 
die wir mit vollem Recht als epochemachend glauben be¬ 
zeichnen zu dürfen, es ist: das im Aufträge des „Vereins 
Deutscher Porti an d - Cement - Fabrikanten “ von 
Büsing und Dr. Schumann bearbeitete und herausge¬ 
gebene Werk „Der Portlandzement und seine An¬ 
wendung im Bauwesen“. Schon frühzeitig hat Büsing 
der deutschen Zementindustrie sein Interesse entgegen¬ 
gebracht und namentlich dem Betonbau, der im Auslande 
schon seit langem zu hoher Blüte gelangt, sich in Deutsch¬ 
land und insbesondere im nördlichen Deutschland trotz 
seiner Vorzüge nur allmählich und schrittweise Eingang 
verschaffen konnte. Hier hat das Werk, in welchem Dr. 
Schumann die chemischen und physikalischen 
Eigenschaften des Zementes behandelt, während der 
weit umfangreichere Teil des Buches über den Beton 
und seine Verwendung von Büsing verfaßt worden 
ist, seit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahre 1892 in 
hohem Maße aufklärend und fördernd gewirkt. Neben 
dem vor mehr als 25 Jahren erfolgten Zusammenschluß 
der deutschen Portland-Zementfabrikanten zu einem ge¬ 
schlossenen Verein, der sich die Aufgabe stellte, das deut¬ 
sche Produkt zu höchster Vollkommenheit zu bringen und 
seinen Mitgliedern die Pflicht auferlegte, nur solche Er- 


'*) Vergl. Jahrgang 1901 S. 238. 


Zeugnisse auf den Markt zu bringen, die einer festen 
„Norm“ entsprechen, hat wohl kaum ein anderes Moment 
auf die hohe Entwicklung dieser Industrie so eingewirkt, 
wie das Erscheinen dieses Werkes, das sich wohl allge¬ 
meinster, ungeteilter Anerkennung erfreut. Im Jahre 1899 
erschien die zweite, wesentlich umgestaltete Auflage des 
Buches, und eine 3. Auflage des im Buchhandel gänzlich 
vergriffenen Werkes war bereits in den ersten Druck¬ 
bogen fertig gestellt, als die Arbeit durch die Erkrankung 
Büsing’s und seinen raschen Tod jäh unterbrochen wurde. 

Neben diesen umfangreichen schriftstellerischen Arbei¬ 
ten übte Büsing mit erstaunlicher Arbeitskraft noch eine 
ausgedehnte Tätigkeit als Gutachter aus. Es kann hier 
nicht unsere Aufgabe sein, aufzählen zu wollen, von wie 
vielen Gemeinden er herangezogen worden ist, um seinen 
gewichtigen Rat in die Wagschale zu legen, bei der Ent¬ 
scheidung, in welcher Weise die Wasserversorgung oder 
die Entwässerung der betreffenden Stadt zu sichern sei. 
Wir wollen nur auf ein Beispiel näher eingehen, das uns 
zugleich auf das letzte Arbeitsgebiet Büsing’s, das der 
kommunalen Tätigkeit überleitet, der er in dem letzten 
Jahrzehnt seines Lebens wohl seine beste Kraft, unter 
Verzichtleistung auf eigenen Vorteil, lediglich im Interesse 
des Gemeinwohles, gewidmet hat. Es ist das sein Wirken 
für die Entwässerung der Stadt Schöneberg und der Ge¬ 
meinden Wilmersdorf und Friedenau bei Berlin. Man 
darf, ohne Anderen zu nahe zu treten, mit vollem Recht 
aussprechen, daß Büsing bei der Lösung der Entwässerungs¬ 
frage der 3 genannten Gemeinden, d. h. bei einer Aufgabe, 
die in solcher Bedeutung nicht allzu häufig gestellt wird, 
das Hauptverdienst zukommt. Unermüdlich ist er für ein 
gemeinsames Vorgehen der 3 Gemeinden in dieser Frage 
tätig gewesen. Als dann ein gemeinschaftlicher Ausschuß 
hierfür eingesetzt wurde, hat er als deren Vorsitzender 
alle auf technischem Gebiete erforderlichen Vorverhand¬ 
lungen geleitet. Die in diesem Ausschüsse festgestellten 
maßgebenden Grundsätze und Vorbedingungen, sowie die 
technischen Grundlagen für den nachher vom Stadtbrt. a. D. 
Brix ausgearbeiteten Entwurf beruhen vorwiegend auf 
den Vorarbeiten und Vorschlägen Büsing’s. Ebenso hat 
er sich besondere Verdienste bei der Frage der Reinigung 
der Abwässer der 3 Gemeinden sowie bei Auswahl und An¬ 
kauf der Rieselfelder erworben, deren Anlage unter den 
gegebenen örtlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen 
als die zweckdienlichste Lösung der Frage erschien. Schlie߬ 
lich ist es auch vorwiegend Büsing’s Verdienst, daß zwi¬ 
schen Schöneberg und Friedenau ein Vertrag zustande 
kam, nach welchem die erstere Gemeinde die Abwässer 
Friedenau’s mit abführt und so ohne eigenen Nachteil 
dem wirtschaftlich schwächeren und kleineren Nachbar 
eine Lösung ermöglicht, die technisch günstig ist und 
deren Lasten erträglich sind.*) 

Daß diese und andere Verdienste, die wir hier nicht 
näher aufzählen können, die sich Büsing um die Gemeinde 
Friedenau erworben hat, in welcher er sich sein Heim 
gründete, in deren Verwaltung er lange Jahre als unbe¬ 
soldeter Schöffe bezw. als Gemeindeverordneter saß, an 
dessen Entwicklung nach den verschiedensten Richtungen 
ihm ein bedeutendes Verdienst angerechnet werden darf, 
von der Gemeinde in vollem Maße anerkannt worden sind, 
das bewies die allgemeine Teilnahme der Bevölkerung, 
als man ihn zur letzten Ruhe hinaustrug. Eine Straße in 
der Gemeinde soll seinen Namen tragen, um so diesen 
auch den Nachkommen lebendig zu erhalten. 

Um das Charakterbild des Dahingegangenen zu ver¬ 
vollständigen, erübrigt es noch, auf seine Persönlichkeit 
einzugehen. Unser Bild (in No. 19) zeigt sein Aeußeres, wie 


*) Die Grundzüge des ganzen Unternehmens, die Verhandlungen und 
die schließlichen Ausführungs-Grundlagen sind von Büsing selbst niederge¬ 
legt in der „Deutschen Vierteljahresschrift für öffentliche Gesundheitspflege“ 
Jahrg. 1902. Der Aufsatz ist auch im Sonderdruck bei Vieweg & Sohn in 
'Braunschweig erschienen. 


121 








es noch im vorigen Jahre erschien. Wer Büsing nur ober¬ 
flächlich, nur aus amtlichen oder beruflichen Beziehungen 
kannte, der mochte ihn für eine schroffe oder abweisende 
Natur halten. Er war allerdings kein Mann, mit dem sich 
im landläufigen Sinne bequem leben ließ, vor allem keine 
Natur der Unterordnung. Wo er mit Zugriff, da wollte 
er nicht nur Mitarbeiter, sondern Führer sein. Nach harter, 
entbehrungs- und arbeitsreicher Jugend durch eisernen 
Fleiß zu geachteter Stellung sich durchringend, hatte er 
nicht die Zeit gehabt, sich die verbindlichen Formen an¬ 
zueignen, die selbst einer scharfen Kritik den Stachel 
nehmen. Eine knorrige, aufrichtige Natur, ohne Rücksicht 
gegen sich selbst und die höchsten Ansprüche an seine eigenen 
Leistungen stellend, maß er auch andere mit gleichem Maße. 

Aber falsch wäre es, aus dieser äußeren Schroffheit 
auf eine innere Herbheit des Charakters schließen zu 
wollen. Wer ihn im Kreise seiner Familie in seinem 
schlichten, behaglichen Heim kennen lernte, wer ihn im 


Umgang mit der Natur beobachten konnte, wie er seine 
Rosen liebevoll pflegte, eine bunte Vögelschaar dicht neben 
seinem Schreibtisch versammelte, deren fröhliches, oft aber 
auch aufdringliches Gezwitscher ihn selbst bei der em¬ 
sigsten Arbeit nicht störte, der gewann bald von ihm ein 
anderes Bild, dessen freundliche Züge noch vertieft werden, 
wenn man seine opferwillige Tätigkeit im Dienste der 
Gemeinde hinzunimmt, in deren Mitte er seinen Wohn¬ 
sitz genommen hatte. 

Er ist nicht den vorgezeichneten Weg einer aner¬ 
kannten Karriere gegangen und es sind ihm nicht die 
äußeren Ehren zuteil geworden, die damit verbunden zu 
sein pflegen, Er hat seine Befriedigung in der Arbeit 
gesucht, der er treu geblieben ist bis wenige Wochen vor 
seinem Tode, als seine bis dahin unermüdliche Kraft ver¬ 
sagte. In dem Erfolge dieser Arbeit hat er sich ein blei¬ 
bendes Andenken geschaffen. — „ . „. , 

° rritz Ei seien. 


Mitteilungen aus Vereinen. 

Arch.- u. Ing.-Verein zu Hamburg. Vers, am 27.N0V. 1903. 
Vors. Hr. Classen. Anwes. 75 Pers. Aufgen. als Mit¬ 
glied Hr. Städler. 

Die Versammlung galt dem Andenken zweier verstor¬ 
benen Vereinsmitglieder. Zunächst hielt Hr. Bubendey 
einen Vortrag zum Gedächtnis des kürzlich verstorbenen 
hamburgischen Wasserbauinspektors B. FI. Lentz. Ge¬ 
boren am 29. Nov. 1828 in Flamburg, besuchte Lentz bis zu 
seinem 15. Jahre daselbst das Johanneum. Nach jähriger 
Praxis teils in Hamburg teils in Neumünster studierte er 
von 1847—50 an der damaligen polytechnischen Schule in 
München. Von 1850—53 war Lentz dann in Lübeck und 
Lauenburg beim Eisenbahnbau und bei Brücken-Entwurfs- 
arbeiten beschäftigt und trat 1853 in den Dienst der da¬ 
maligen Schiffahrt- und Hafen - Deputation in Flamburg. 
In deren Auftrag führte er imWinter 1854/55 ein Präzisions- 
Nivellement von Flamburg nach Cuxhaven aus, welches 
2 Jahrzehnte hindurch als Grundlage für Höhenangaben 
am linken Ufer der Unterelbe gedient hat. Er erlebte 
dabei am 1./2. Jan. 1855 die große Sturmflut und bestimmte 
nachher die Höhe zahlreicher Hochwassermarken. Hier¬ 
durch und durch die 1854 vorgenommenen gleichzeitigen 
Wasserstands-Beobachtungen an der unteren Elbe wurde 
sein Interesse für die Flut- und Ebbe-Erscheinungen und 
für Stromkorrektionen ausgelöst. Ende der 50er Jahre 
übte Lentz einen wesentlichen Einfluß auf die Gestaltung 
der Entwürfe für die Grasbrookhäfen aus, wurde 1861 zum 
Wasserbauinspektor ernannt und 1864 auf eigenen Wunsch 
nach Cuxhaven versetzt. Schon 1866 lieferte er einen 
Bericht über den notwendigen Umbau der Cuxhavener 
Uferwerke. Dieser Bericht hat auch allgemeine Bedeutung 
für die bei der Verteidigung der Außendeiche maßgeben¬ 
den Grundsätze. Er betonte in klarer Weise die dreifache 
Verteidigungslinie der Uferwerke, der Werke zum Schutz 
gegen eine Erniedrigung des Strandes und der Werke, 
die der Annäherung großer Stromtiefen entgegentreten 
sollen. 1865 baute Lentz in Cuxhaven die ersten Hafen¬ 
mauern auf viereckigen Senkbrunnen, welche vorbildlich 
geworden sind für die Gründung der Mauern am Kaiser-, 
Dalman- und Hübener-Kai in Hamburg. 1875 und 76 baute 
er für die Reichstelegraphen-Verwaltung die Zeitballtürme 
in Cuxhaven und Bremerhaven und lieferte den Ent¬ 
wurf für den Zeitballturm in Swinemünde. 1886 wurden 
von Hamburg für den Ausbau der Uferschutzwerke vor 
Altenbruch, Groden und Cuxhaven 3,75 Mill. M., 1890 
7,7 Mill. M. für den Not- und Eishafen in Cuxhaven für 
tiefgehende Schiffe bewilligt. Den Eingang dieses Hafen 
begrenzen die bekannten in großen eisernen Senkkasten 
erbauten Hafenköpfe. Lentz war neben seinen praktischen 
Aufgaben auch verschiedentlich mit Erfolg schriftstellerisch 
tätig. Lentz war ein feuriger Patriot und hatte ein warmes 
Gefühl für seine Vaterstadt Hamburg, war außerordentlich 
streng gegen sich selbst, verlangte aber auch viel von 
Anderen. Seine zumteil epochemachenden Werke werden 
ihm ein dauerndes Andenken erhalten. — 

Hierauf widmete Hr. Faulwasser dem verstorbenen 
Kollegen und Jugendfreunde Skjold Neckelmann einen 
Nachruf. Von den von warmer Freundschaft und Hoch¬ 
schätzung für den Verstorbenen zeugenden Ausführungen 
des Redners könnten wir an dieser Stelle nur einen kurzen 
Auszug wiedergeben, der sich im wesentlichen mit dem 
Nachruf decken würde, der bereits im Vorjahre auf S. 266 
der „Deutschen Bauztg.“ gebracht wurde, auf welchen wir 
daher verweisen müssen. Nach herzlichen Dankesworten 
des Hrn. Vorsitzenden für die beiden Nachrufe erhoben 
sich die Anwesenden zu Ehren der Verstorbenen von 
den Sitzen. — St. 


Vers, am 4. Dez. 1903. Vors. FIr. Classen, anwes. 
57 Pers., aufgen. als Mitgl. die Hrn. Arch. Robert Piglheim 
und Max Gerhardt. 

Zunächst erhält das Wort Hr. Schwartz zu einigen 
Mitteilungen über die von ihm erbauten „Empfangsge¬ 
bäude der Bahnhöfe Hamburg Sternschanze und 
Dammtor“. Beide Bahnhöfe sind einfache Zwischen- 
Stationen mit hochliegenden Bahnsteighallen, welche mit 
den auf Straßenhöhe liegenden Eingangshallen durch 
Treppenaufgänge verbunden sind. Bei dem Bahnhof 
Sternschanze sind die Betriebs-, Gepäckabfertigungs¬ 
und Warteräume in einem besonderen Baukörper unter¬ 
gebracht, an den sich die Bahnsteighalle, welche zum 
größten Teil nicht unterkellert ist, anschließt. Eine für 
den Bahnhof Dammtor ursprünglich geplante ähnliche 
Anlage wurde später abgeändert, als sich die Notwendig¬ 
keit ergab, hier die Empfangsräume für fürstliche Personen 
unterzubringen. Das Bauwerk hat infolge dessen durch 
Anfügung massiver Mittel- und Eckbauten den einheitlichen 
Charakter eines Gebäudes von monumentaler Fassung er¬ 
halten. Der Unterbau besteht aus 3 Viadukten von je 
14 Achsenlängen, welche die 4 Gleise tragen und um¬ 
schließt einen Baukörper von 35,10 ra Breite und ii2 m 
Länge. Die Bahnsteige sind je 8,7 m breit, sie liegen 6,27 m 
über dem Fußboden des Erdgeschosses. Die Mitte des 
Erdgeschosses nimmt die über 6 Achsweiten sich er¬ 
streckende Eingangshalle von 1100 q m Grundfläche ein. 
An diese Eingangshalle schließen sich nach Westen die 
Räume für die Gepäckabfertigung, nach Osten die Fahr¬ 
kartenausgaben und die Wartesäle, die Räume für den 
Bahnhofswirt sowie die Räume für fürstliche Reisende an. 
Der Verkehr zwischen der Mittelhalle und den Bahn¬ 
steigen, von welchen der nördliche für den Stadtbahn¬ 
verkehr, der südliche für den Fernverkehr dient, wird 
durch je zwei Treppenanlagen vermittelt, welche symme¬ 
trisch an der Querachse des Gebäudes angelegt sind. Die 
beiden östlichen Treppen dienen den abreisenden, die 
westlichen den ankommenden Fahrgästen. Für die Be¬ 
förderung des Gepäckes zwischen dem Erdgeschoß und 
dem oben genannten Fernbahnsteig dienen Hebewerke, 
jedoch ist diese maschinelle Anlage, um die Bewegung 
der Gepäckkarren auf dem Bahnsteige nach Möglichkeit 
einzuschränken, durch die Anlage eines unter der Sohle 
des Erdgeschosses entlang geführten Gepäcktunnels von 
3,5 m lichter Weite und rd. 112 m Länge ergänzt; derselbe 
verbindet ein in der Gepäckabfertigung befindliches zwei¬ 
stöckiges Hebewerk mit einem zweiten, am östlichen Ende 
des Bahnsteiges aufgestellten ebensolchen Hebewerk. Je 
nachdem es nun die Stellung des Gepäckwagens im Zuge 
erfordert, können die Gepäckkarren vom Erdgeschoß aus 
durch den erstgenannten Aufzug entweder unmittelbar 
nach oben befördert oder erst auf Tunnelsohle gesenkt 
werden, um alsdann durch den Tunnel nach dem ent¬ 
gegengesetzten Ende geschafft und dort bis zum Bahnsteig 
gehoben zu werden. Von den Eingängen zu der Mittel¬ 
halle des Gebäudes dient der nach Norden gekehrte für 
die Abreisenden, der nach Süden gekehrte für die An¬ 
kommenden; dementsprechend befinden sich die Fahr¬ 
kartenausgaben sowie die Gepäckannahme an der Nord¬ 
seite , die Gepäckausgabe dagegen an der Südseite des 
Gebäudes. Die Decken unter den Gleisen sind in Ge¬ 
wölbeform, diejenigen unter den Bahnsteigen als Koenen’- 
sche Voutenplatten hergestellt. Um eine möglichst aus¬ 
giebige Beleuchtung des Lhitergeschosses zu erzielen, sind 
die Lichtöffnungen in den Hauptfronten so groß angelegt, 
wie es die Konstruktion der Wände nur irgend zuließ. 
Die den Hauptfronten parallel verlaufenden Innenwände 
sind entweder als Glaswände ausgebildet oder wenigstens 
mit hochliegenden Fenstern versehen. Außerdem aber 

No. 20. 


122 



wurden Oberlichte in größerer Zahl im Scheitel der Ge¬ 
wölbe zwischen den mittleren Gleisen angebracht und die 
wichtigsten Teile der Eingangshalle mit io m langen Decken¬ 
ausschnitten versehen, welche unverglast gelassen und 
auf den Bahnsteigen mit Geländern umgeben worden sind. 

Die Bahnsteighalle hat eine lichte Weite von 34,36 m 
und erhebt sich im Scheitel bis zur Höhe 
von 17,50 m über Schienenoberkante. Die 
Binder sind als Doppelbinder mit Querver¬ 
bänden in der oberen und unteren Fläche 
konstruiert. Sie bilden Zweigelenkbögen, 
deren untere Gurtung nach einem Korb¬ 
bogen gekrümmt ist, während die obere 
Gurtung bis etwa 10 m Höhe der senkrech¬ 
ten Fensterwand folgt, um dann mittels ge¬ 
krümmter Aufsattelungen in einen mittle¬ 
ren Kreisbogen überzugehen. In der Mitte 
der Bahnsteighalle ist durcfqWeglassung 
eines Binders ein großes Feld angeordnet, 
welches durch eine quer verlaufende Stich¬ 


sprechender Länge, der in einen Zerstäuber endet. Durch 
Pumpen wird zunächst im Windkessel die nötige Spannung 
erzeugt, die dann durch Nachpumpen in gewissen Zwi¬ 
schenräumen leicht erhalten werden kann. Der Luftdruck 
schleudert den Farbstoff aus dem Zerstäuber und trägt 
ihn bei entsprechender Führung des Schlauches in gleich¬ 
mäßiger Weise auf. Die Arbeitsleistung ist wesentlich 
höher, als die eines Menschen — etwa 5 c i m in 1 Min. 
— dazu kommt eine Ersparnis an Farben und auch noch 
an Lohn des die Maschine bedienenden einen Mannes, der 
kein gelernter Handwerker zu sein braucht. Ein Vorzug ist 
weiter der, daß man mit dem Zerstäuber leicht auch an 
solche Stellen die Farbe hinbringen kann, die für den Pinsel 
schwer zugänglich sind. Die kleineren Apparate sind leicht 
und handlich, die größeren können auch auf Rädern mon¬ 
tiert werden, sodaß sie bequem zu transportieren sind. 



kappe überdeckt ist, die sich dem Bogen¬ 
motiv der Steinarchitektur in den Fassa¬ 
den anschließt. 

Zu der äußeren Architektur, welche, in 
durchweg einfachen Stilformen gehalten, 
in der Hauptsache durch die Verhältnisse 
der Bauteile und den Wechsel des Mate¬ 
riales zu wirken sucht, ist nur echtes 
Steinmaterial verwendet worden. Der 
Sockel des Gebäudes besteht aus Basalt¬ 
lava aus den Brüchen von Plaidt. Zu der 
Quaderung der Mittel- und Eckbauten im 
Erdgeschoß sowie zu den Gesimsen und 
Gliederungen der Oberwand ist Sauertal- 
Sandstein verwendet worden, während 
die glatten Flächen aus Tuffstein herge¬ 
stellt sind. 

Das Gebäude ist mit Niederdruck- 
Dampfheizung versehen; die große Bahn¬ 
steighalle wird mit Bremerlicht beleuch¬ 
tet, während in den Räumen des Erdge¬ 
schosses Bogenlicht und Glühlicht ver¬ 
wendet sind. Die Bauausführung hat in 
der sehr kurzen Zeit von wenig mehr als 
einem Jahr bewirkt werden müssen; die 
auf 1 Mill. M. festgesetzteAnschlagssumme 
ist, namentlich infolge der beschleunigten 
Bauausführung, nicht unerheblich über¬ 
schritten worden. — P4 m 


Der Wettbewerb zur Erlangung 
von Entwürfen für den Neubau eines 
Stadthauses im Anschluß an das Rat¬ 
haus in Bremen. 

Entwurf des Hrn. Reg.-Bmstr. a. D. 
Franz Wen dt in Stettin. 


Vermischtes. 

Preßluft-Anstrichmaschinen. Die stetig wachsende Lohn¬ 
höhe für gute Arbeitskräfte zwingt auch in Deutschland 
mehr und mehr dazu, die Handarbeit wenn irgend an¬ 
gängig durch Maschinenarbeit zu ersetzen. Auch im Bau¬ 
gewerbe macht sich eine Bewegung in dieser Richtung 
geltend. Ein erster Schritt auf diesem Wege ist die An¬ 
wendung von Preßluftmaschinen für die verschiedensten 
Anstricharbeiten mit Farben aller Art oder Kalk für Holz- 
und Eisenkonstruktionen, Putzflächen usw. Die Maschinen 
bestehen aus einer Handluftpumpe nebst Windkessel, 
einem Saugschlauch, der die Anstrichmasse aus dem Auf¬ 
bewahrungsgefäß entnimmt und einem Schlauch von ent- 

9. März 1904. 



Die Apparate lassen sich auch zum Abwaschen von Ge¬ 
bäuden, zur Desinfektion, zur Berieselung in Gruben usw. 
mit Erfolg verwenden. Das Prinzip dieser Apparate, deren 
Anschaffungskosten im Vergleich zu ihrer vielseitigen An¬ 
wendbarkeit keine hohen sind (100—300 M.), ist bei den 
Fabrikaten verschiedener Firmen ein ähnliches. Wir 
nennen A. Stephan’s Nachf. in Scharley O. - S. und 
W. Hanisch & Cie. in Berlin. — 


123 














































































































































































Preisbewerbungen. 

Die Schinkelpreise des Architekten-Vereins zu Berlin 
für 1904 wurden zuerkannt: Im Hochbau unter 47 Be¬ 
werbern den Reg.-Bfhrn. Willy Hoff mann in Halensee 
und Paul Emmerich in Grunewald Geldpreis und Denk¬ 
münze; die Schinkel - Denkmünze allein den Reg.-Bfhrn. 
Fritz Bräuning in Grunewald, Joh. Fleck, Heinr. Mahl¬ 
berg und Georg Müller in Berlin; im Wasserbau unter 
2t Bewerbern Reg.-Bfhr. Ernst Linde in Kiel Staatspreis 
und Denkmünze; letztere allein den Reg.-Bfhrn. Rieh. 
Weiß in Harburg, Corn. Kutschke in Berlin und Clem. 
Delkeskamp in Frankfurt a. M.; im Eisenbahnbau 
unter 9 Bewerbern Reg.-Bfhr. Karl Mentzel in Berlin 
Staatspreis und Denkmünze; letztere allein den Reg.-Bfhrn. 
H. Lucas in Berlin, O. Krafft in Diez a. L. und G. 
Kuhnke in Märienburg. — 

Zu dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Bank- und 
Wohnhaus der Mährisch-Ostrauer Handels- und Gewerbe¬ 
bank liefen 71 Arbeiten ein. Den 1 . Preis errang Brt. 
Prof. Jul. Deininger, den II. Preis die Architekten Hub. 
und Franz Gessner, den III. Preis Rud. Krauß, sämt¬ 
lich in Wien. — 

Bücher. 

Ansiedlungsbauten in den Provinzen Posen und Westpreußen. 
Im Aufträge der kgl. Ansiedlungskommission in Posen 
herausgegeben von Paul Fischer, Regierungs- und 
Baurat. 75 lafeln mit Text* in 4 Lieferungen zum 
Subskriptionspreise von je 10 M. Preis der Lieferung 
außerhalb der Subskription 12,50 M. — Verlag von 
Ludw. Hofstetter in Halle a. S. 

Indem wir uns Vorbehalten, auf das vorstehende Werk 
nach seinem vollständigen Erscheinen nochmals zurück¬ 
zukommen, kündigen wir heute seine erste Lieferung an, 
die von dem bemerkenswerten Bestreben Zeugnis ablegt, 
auch den ländlichen Ansiedlungsbauten eine gefällige Form 
zu verleihen, soweit es die bescheidenen Mittel irgend 
gestatten. Die schnelle Entwicklung des staatlichen An¬ 
siedlungswerkes in den Provinzen Posen und Westpreußen 
kommt darin zu einem sprechenden Ausdruck, daß jähr¬ 
lich 1000—1500 Bauernhöfe neu begründet und aufgebaut 
werden. Es kommt unbedingt der Sache zugut, daß für 
diese umfangreiche Bautätigkeit nicht eine Zentralstelle 
geschaffen wurde, sondern daß die Ansiedlungskommission 
zu Posen den Aufbau der Gehöfte den Ansiedlern selbst 
überläßt und sich darauf beschränkt, durch Beschaffung 
der Materialien und Prüfung der Entwürfe nur eine Art 
fürsorgender und überwachender Tätigkeit auszuüben. 
Läuft dabei auch manches unter, was nicht den Wünschen 
entspricht, die man an eine zunehmende Besserung in der 
Gestalt der ländlichen Bauten stellen möchte, so wird da¬ 
für doch der größere Gewinn des mannigfaltigeren Bildes 
eingetauscht. Zweckmäßigkeit und Billigkeit sind für den 
im harten Existenzkämpfe stehenden Bauern die ersten 
Anforderungen, die er an sein Gehöft stellt. Wenn es 
trotz der bescheidensten Mittel gelungen ist, neben dem 
Volkswirt auch den Architekten zur Geltung kommen zu 
lassen, so darf das als ein rühmliches Zeichen der Be¬ 
strebungen anerkannt werden. Das Ziel der vorliegenden 
Veröffentlichung wird in der Vorführung recht vieler ver¬ 
schiedener Formen der Bauernhöfe erblickt. Das An¬ 
siedlungswerk ist noch zu jung, um bereits feste Typen 
gezeitigt zu haben. Mit Recht sagt Fischer im Vorwort, ein 
solcher Typus könne nicht das Werk der Einzelerfindung 
sein, sondern müsse „auf dem Boden des Volksempfindens 
von einer Gesamtheit allmählich hervorgebracht werden 
und das Erzeugnis echter deutscher Volkskunst sein“. — 
Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: 

Mayr’s kunsttechnische Lehrbücher. No. 1: Das For¬ 
men und Modellieren. 2. erweiterte Aufl. München 1904. 
Kunstmaterialien- und Luxuspapier-Zeitung. Pr. 1 M. 
Müller, Wilh., Ing. Hydrometrie. Praktische Anleitung zur 
Wassermessung. Neuere Messverfahren, Apparate und Ver¬ 
suche. Mit 8t Abb., 15 Uebersichten und 3 Tat. Hannover 
1903. Gebr. Jänecke. Pr. 7,50 M. 

Müssigbrodt, P., Kgl. Landbauinsp. Anlage und Einrich¬ 
tung von Operationssälen mit 3 Abb. und 2 Taf. 
Berlin 1903. Ernst & Sohn. Pr. 2 M. 


Neumeister, A., Reg.-Bmstr. u. Prof. Deutsche Konkurren- 
z e n. XV. Band, Heft 12, No. 180: Ev. Kirche für Münster 
am Stein; XVI. Bd., Heft 3, No. 183: Kreishaus für Reckling¬ 
hausen, Heft 4, No. 184: Rathaus für Ober-Schöneweide; 
Heft 5, No. 185: Töchterschule für Emden; Heft 6, No. 186: 
Realgymnasium für Koblenz; Heft 7, No. 187: Rathaus für 
Dresden, II. Wettbewerb, 1. Heft; Heft 8, No. 188: desgl. 2. Heft; 
Heft 9, No. 189: Töchterschule für Esslingen. Leipzig 1903. 
Seemann & Co. Abonnent.-Pr. für den Band (12 Hefte mit 
Beibl.) 15 M. Einzelne Hefte 1,80 M. 

Pellehn, G., Kartograph. Der P antograph 1603 —1903 vom 
Ui Storchschnabel zur modernen Zeichenmaschine. Sonder¬ 
druck aus der deutschen Mechaniker-Zeitung. Berlin 1903. 
Dietrich Reimer (Ernst Vohsen). Pr. 1 M. 

Rehbein, Ernst, Ing. Grundgesetze der Mechanik und 
ihre Anwendung in der Maschinen - Technik. Leipzig 1903. 
Moritz Schäfer. Pr. 2 M., geb. 2,50 M. 

Moderne Bauschreiner-Arbeiten. Neue Vorlagen für 
die Praxis des Bautischlers mit Grundrissen, Schnitten und 
detaillierten Querschnitten. Herausgegeben von Schmohl & 
Stähelin, Arch. in Stuttgart und Kieser & Deeg, Arch. in 
München. Ravensburg 1903. Lfrg. n u. 12 (Schluß). Otto 
Maier. Pr. der Lfrg. 2 M. 

Wagner, Oberbürgermstr. DieTätigkeitderStadtUlma. D. 
auf dem Gebiete der Wohnungsfürsorge für Arbeiter und 
Bedienstete (Häuser zum Eigenerwerb). Ulm 1903. J. Ebner. 
Pr. 2,50 M. 

Schneider, M., Ing. Die Maschinen-Elemente. Ein Hilfs¬ 
buch für technische Lehranstalten sowie zum Selbststudium 
geeignet mit Beispielen und zahlreichen Zeichnungen im Text 
wie auf Taf. in 2 Bänden. 8. Lfrg. Riemen-, Seil- und Ketten- 
betiieb mit 10 Taf. Braunschweig 1903. Fr.„Vieweg & Sohn. 
Pr. 4,50 M. 

Die Wohlfahrts-Einrichtungen der A.-G. des Altenbergs 
(VielIle - Montagne). Düsseldorf 1902. Industrie-, Gewerbe- 
und Kunstausstellung. 

Zwipt, Franz. Lohnberechnungs-T abeilen „Zeit ist 
Geld". Frankfurt a. M. Selbstverlag. Pr. 1,50 geb. 2 M. 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Eisenb.-Betr.-Ing. J. M. in Mainz. Der Fragesteller sieht 
die Ursache der Schwammerkrankung darin, daß der fertigen Balken¬ 
lage vom Dache her, dessen Eindeckung sich verzögert hatte, und 
von den offenen Fenstern her Feuchtigkeit zugeführt woiden ist. 
Ob dies aber die Ursache bezw. die alleinige Ui Sache gewesen ist, 
bleibt noch zweifelhaft. Wenn beispielsweise auch die in den Mauern 
steckenden Enden der Balken erkrankt sind, so ist jene äußere 
Annässung nicht als Hauptursache anzusehen, vielmehr muß dann 
angenommen werden, daß ungeeignetes Balkenholz zur Verwendung 
gekommen ist, also entweder Holz, welches noch nicht genügend 
ausgetrocknet war oder vielleicht gar Sommerholz bezw. Wind¬ 
bruchholz. Derartiges ungeeignetes Holz muß mit besonderer Vor¬ 
sicht verwendet werden, sowohl hinsichtlich der trockenen Um¬ 
mauerung der Balkenköpfe als auch der langsamen Ausführung 
des ganzen Baues. Gut durchgetrocknetes Balkenholz nimmt Schlag¬ 
regen usw. nicht erheblich an und trocknet bei gutem Wetter bald 
wieder aus. Der Schaden kann aber auch durch die Art der Aus¬ 
füllung der Zwischenräume der Balken, also der Zwischendecken 
entstanden sein, oder auch durch unverständige künstliche Aus¬ 
trocknung des Neubaues, also Heizung ohne zureichende Lüftung. 
Bei solchen Fragen kommen vielerlei Nebenumstände inbetracht. 
Der Bauleitende wird nur dann haftbar gemacht werden können, 
wenn ihm ein vertretbares Verschulden hinsichtlich der Art der 
Bauleitung nachzuweisen ist, wobei auch noch inbetracht zu ziehen 
ist, ob er auch die Spezialbauleitung übernommen hat, oder ob 
hierfür eine andere Kraft angenommen war. Um dies beurteilen 
zu können, ist Einsicht der Bauverträge und genauere Kenntnis der 
Sachlage notwendig.— E. Dietrich. 

Hrn. Arch. H. M. in Wilmersdorf. Gegen die Hellhörig¬ 
keit der massiven Decken selbst sind die wirksamsten Mittel: ge¬ 
nügende Ueberschüttung über der Decke und Herstellung einer 
leichten Unterdecke mit dazwischen liegender Luftschicht. Um den 
durch die Wände fortgepflanzten Schall abzufangen, hat man Ver¬ 
suche gemacht mit Auflegung der Deckenträger auf Filz oder Kork¬ 
steine. Besseren Erfolg verspricht die Herstellung des ganzen 
Deckenauflagers in letzterem Material. — 

Anfragen an den Leserkreis. 

Welche Maschinenfabrik fertigt Formen für Kanalisations- 
Fassonstücke zu Zementröhren nach den bestehenden Normalien ? — 

F. B. in Insterburg. 

Inhalt: Professor Friedrich Wilhelm Büsing f (Schluß). — Mitteilun¬ 
gen aus Vereinen. — Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für 
den Neubau eines Stadthauses im Anschluß an das Rathaus in Bremen. — 
Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Bücher. — Brief- und Fragekasten. — 
Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwort!. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 


Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. 

Der Unterzeichnete Vorstand bringt hierdurch zur Kenntnis, daß das Königlich Sächsische Finanz¬ 
ministerium beschlossen hat, die vom Verbände aufgestellten und in der Dresdener Abgeordneten-Versamm- 
lung 1903 angenommenen „Normalien für Hausentwässerungsleitungen“ im Bereiche der Eisenbahn-, 
Hochbau- und Straßen- und Wasser-Bauverwaltung einzuführen. 

I H rankfurt a. M.-Berlin, den 5. März 1904. 

Der Verbands-Vorstand: Neher, Vorsitzender. Eiselen, Geschäftsführer. 


124 


No. 20. 









DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. NS 21. BERLIN, DEN 12. MARZ 1904 


Die Verbesserung der Vorflut und die Reinigung der Abwässer im Emschergebiet. 


Von Middeldorf, Königl. Wasserbauinspektor. (Schluß.) 



ei der Festlegung der neuen Sohle 
kam es zunächst darauf an, zu wissen, 
in welcher Weise dieBodensenkungen 
in den nächsten Jahren eintreten wer¬ 
den. Die von dem kgl. Ob.-Bergamt 
gemachten Angaben zeigen, daß die 
Senkungen im ganzen Gebiet ziemlich 
unregelmäßig eintreten. Es geht je¬ 
doch gleichzeitig daraus hervor, daß sie auf der unteren 
Strecke in weit größerem Maße auftreten werden, als 
in dem oberen Gebiet, wodurch die Möglichkeit der 
Vorflutbeschaffung auch bei weiteren Senkungen ge¬ 
geben ist. Es ist darauf Rücksicht genommen, daß 
an den Stellen, wo besonders starke Senkungen ein¬ 
treten werden, die Emschersohle nicht unnötig tief 
gelegt wird, da diese dort von selbst heruntergeht. 
Bei der festgesetzten Höhenlage der Sohle läßt sich 
dieVorflut aufrecht erhalten, selbst wenn die Senkungen 
in dem vom Ob.-Bergamt angegebenen Maße eintreten. 
Man kann jedoch annehmen, daß die Senkungen, welche 
in einigen Gebieten eine Tiefe von 9 m erreichen 
sollen, doch in etwas geringerem Maße vor sich gehen 
werden. Nach den Höhenplänen des Brt. Michaelis 
v. J. 1883, in die auch die jetzige Lage der Emscher¬ 
sohle eingetragen ist, ergibt sich, daß die Senkungen 
in den letzten 20 Jahren nur wenig über 2 m betragen 
haben. Im allgemeinen sind die Maße auf der unteren 
Strecke etwas geringer, als auf der oberen, doch 
kommt dies daher, daß der Bergbau auf der unteren 
Strecke später begonnen hat, als im Oberlauf. Auch 
aus den Querprofilen, die Michaelis s. Zt. aufgenommen 
hat, und aus den jetzigen Aufnahmen ergibt sich nur 
ein Höhenunterschied von höchstens 2 m . Man kann 
daher als sicher annehmen, daß die Möglichkeit zur 
Aufrechterhaltung der Vorflut im Emschergebiet für 
längere Zeit gegeben ist. 

Der neue Emscherlauf ist im allgemeinen an der 
Stelle belassen, wo er bisher lag; durch die vorge¬ 
sehene Begradigung des Flußlaufes ist eine Verkürzung 
um 26 km (72 statt 98 km ) auf der Strecke von Hörde 
bis zum Rhein herbeigeführt. Auf der Strecke von 
Hörde bis zum Landwehrbach wird die neue Länge 
nur 80 % der bisherigen betragen. Auf der mittleren 
Strecke vom Landwehrbach bis Karnap wird die neue 
Linie um 25 % kürzer. Die weitere Strecke von Horst 


bis Oberhausen ist bereits begradigt und weist keine 
besonderen Krümmungen mehr auf. Dagegen bringt 
die Verlegung der Strecke von Oberhausen bis zum 
Rhein eine Verkürzung um 33% hervor. In der neuen 
Linienführung sind zwei bedeutende Verlegungen vor¬ 
genommen; die eine zweigt bei der Kreuzung der Bahn 
Winterswyk nach links ab und verfolgt nach kurzem 
Durchstich den Lauf der sogenannten kleinen Emscher 
bis zur Chausseebrücke Essen-Horst. Durch diese 
Begradigung fallen die vielen Wasserläufe in Horst, 
einem berüchtigten Typhusherde fort. Sie sollen alle 
mit Aushubmassen ausgefüllt und statt der jetzt be¬ 
stehenden sechs parallel laufenden Bäche und Flu߬ 
arme dieWasser in einem einzigen Arme durch das Ge¬ 
biet geführt werden. Die zweite bedeutende Verlegung 
ist diejenige von Osterfeld in nördlicher Richtung nach 
Walsum unter völliger Aufgabe der bisherigen Strecke 
Neumühl—Beeck—Alsum. Der alte Lauf ist von der 
Gutehoffnungshütte abwärts sehr gewunden und unter¬ 
liegt starken Senkungen durch den Bergbau der Zechen 
Neumühl und Deutscher Kaiser. Diese sollen in den 
nächsten 15 Jahren 4—5 m betragen. Da das Gelände jetzt 
schon in Höhe des Rheinmittelwassers liegt, so würde eine 
Eindeichung der ganzen Strecke bis Neumühl er¬ 
forderlich werden. Voxläufig würden diese Deiche, 
welche eine Höhe von 3 m erfordern, wohl noch ge¬ 
nügend stark herzustellen sein, nicht aber nach Ein¬ 
tritt der Bodensenkungen bis 5 m - Das ganze Gelände 
kommt dann unter Mittelwasser des Rheines zu liegen 
und würde einzupoldern sein. Da der Untergrund 
aus grobem Kies besteht, so würde bei dem hohen 
Wasserdruck ein Duixhströmen des Wassers nach 
dem niedrig gelegenen Gelände hin eintreten und 
selbst eine mit grossen Kosten einzubauende Dichtungs¬ 
schicht wüi'de diese Gefahr von dem Gebiet kaum 
fern halten können. Die ganze Strecke von Ober¬ 
hausen bis zum Rhein würde bei Hochwasser einen 
Schlammfang für die mitgeführten Sinkstoffe bilden 
und nach Ablauf des Wassers die schlimmsten ge¬ 
sundheitlichen Gefahren für die Anwohner herbeiführen. 
Es soll daher der tief gelegene alte Lauf aufgegeben 
und der Höhenrücken über Neumühl und Altenrade 
nach Walsum für die Abführung des Emscherwassers 
in den Rhein benutzt werden. Das Gelände liegt 
dort durchweg um 8 m höher und wüi'de für die 


125 
























































nächste Zeit keine Eindeichung erfordern. Selbst 
aber, wenn das Gelände um 5 m herunterginge, würden 
die dann herzustellenden Deiche eine Höhe von nur 
2—3 m erhalten. Die Sohle wird so tief eingeschnitten, 
daß das höchste Hochwasser bordvoll abgeführt wird 
und die höchsten Hochwässer des Rheines einen Rück¬ 
stau in der Emscher nicht hervorrufen können. Dei 
alte Arm soll als Vorfluter für das angrenzende Ge¬ 
lände von Oberhausen abwärts ausgebaut werden, 
um die Meteorwässer und die Wässer der angrenzenden 
Fabriken aufnehmen zu können. Es genügt hierfür 
ein Graben von a'/a bis 3V2 m Sohlenbreite, der selbst¬ 
verständlich in begradigtem Laufe durchgeführt wird. 
Um die Hochwässer von dem unteren Gebiete fern 
zu halten, soll an der Mündung ein Sperrtor herge¬ 
stellt und auf dem rechten Ufer der Emscher ein 
hochwasserfreier Deich von dem Tor bis zum An¬ 
schluß an den geplanten Rheindeich bei Laar ausge¬ 
führt werden. Bei steigendem Rheinwasser wird das 
Tor geschlossen und die in der alten Emscher sich 
ansammelnden Wassermengen werden durch ein Pump¬ 
werk leicht in den Rhein gebracht. 

Für die Bestimmung des Querschnittes (vgl. hierzu 
die Abbildungen 3 und 4), kamen nur 2 Wasserstände 
in Betracht und zwar der für das Sommerwasser und 
der für das höchste Hochwasser. Alle anderen Wasser¬ 
stände spielen hier eine nur untergeordnete Rolle. Die 
Werte für die höchsten Hochwässer sind so groß ge¬ 
nommen, daß ein Ausufern des Hochwassers an keiner 
Stelle eintreten kann. Nach den bisherigen Unter¬ 
suchungen des Brts Michaelis ist derhöchsteWert der 
Wasserabführung zu i58Lit./Sek./ c i km aufgrund ^jähri¬ 
ger Beobachtungen festgestellt,nach den Aufzeichnungen 
des Meliorationsbauamtes in Münster zu 190KÜ /Sek./ c J trn 
ermittelt worden. Es sind nun für die untere Strecke 
225 Eit. / Sek./ C i k m a ] s größter Abflußwert zugrunde gelegt 
und dieser ist dann nach oben hin bis zum Quellgebiet 
auf 700 Lit./Sek./<i km gesteigert worden. 

Das mittlere Sommerhochwasser ist auf Grund 
8 jähriger Beobachtungen zu 35 Lit.fSek./flte ermittelt 
worden. Dem Querschnitt sind 40 Lit./Sek./<i km zugrunde 
gelegt, da der Abfluß wegen der Vermehrung des 
Schmutzwassers und der stärker werdenden Bebauung 
jedenfalls grösser wird. Die Niedrig- und Mittelwasser¬ 
mengen sollen möglichst geschlossen und mit guter 
Geschwindigkeit abgeführt werden, damit den verun¬ 
reinigten Wässern keine Gelegenheit geboten wird, 
in Fäulnis überzugehen und Schlamm abzulagern. Das 
Profil soll muldenförmig gestaltet und die Böschungen 
sollen mitSteinpackung, Schotteroder Zementplatten be¬ 
festigt werden. Bei einer Steigung 1 : 2 ist 25 cm starke 
Beschotterung vorgesehen, bei 1 : 1,5 ein 25 cm starkes 
Steinpflaster auf 10 cm Kiesschicht bezw. eine Ab¬ 
deckung mit 8 cm starken Zementplatten, die sich 
gegen einen Schotterfuß stützen. Eine Abpflaste¬ 
rung der Sohle ist mit Rücksicht auf die später 
notwendig werdende Vertiefung nicht zweckmäßig. 
Das Profil ist auch aus dem Grunde wie beschrieben 
gewählt, um eine spätere Vertiefung des Bettes um 
je 2 m durch Beseitigung des links- oder rechtsseitigen 
Banketts ohne weiteren Grunderwerb zu ermöglichen. 
Bei der Wahl des Querschnittes ist gleichzeitig da¬ 
rauf Rücksicht genommen, daß die Geschwindigkeiten 
trotz desWechsels derWassermengen möglichst gleich 
bleiben. So schwankt die Geschwindigkeit für das 
Sommer-Hochwasser nur zwischen den Werten 0,95 
und i,2 m /Sek., die Geschwindigkeit für das höchste 
Hochwasser für den mittleren Teil zwischen 1,74 und 
2,37, für die Seitenteile zwischen 1 und i,5o m /Sek. 

ln Abbildg. 4 sind in übersichtlicher Weise die 
Niederschlagsmengen, Abflußwerte und Wassermen¬ 
gen; die Querschnittsflächen, Wassertiefen, Gefälle und 
Geschwindigkeiten; die Abmessungen des Abwasser¬ 
kanales zusammengestellt. 

Die zweite Hauptaufgabe des Entwurfes besteht 
darin, Vorschläge für eine gründliche Reinigung der 
zur Emscher geführten Abwässer zu machen. Durch 
das Einströmen großer Arbeitermassen in den Industrie¬ 
bezirk sind nicht nur die vorhandenen Städte und 


Dörfer außerordentlich angewachsen, sondern auch 
eine Menge Ortschaften neu entstanden. Die größe¬ 
ren Städte wie Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen, 
Essen haben in der Zeit von 1875 bis 1900 um das 
2 3fache an Einwohnerzahl zugenommen, während 
andere Orte, wie Recklinghausen, Herne, Wanne, 
Eickel um das 4—5fache, Hamborn, Bismarck und 
Herten um das 8—10fache gestiegen sind. Das ganze 
Emschergebiet hatte im Jahre 1875 450000 Einwohner- 
und jetzt 1,34 Millionen. Daß bei einem so starken 
Anwachsen der Bevölkerung die Beseitigung der Ab¬ 
fallstoffe nicht immer einwandfrei erfolgt ist, kann 
nicht weiter wunder nehmen. Die Abfuhr geschieht 
meistens durch Tonnenwagen auf den Acker, während 
Schutt und Müll auf besondere Lagerplätze gebracht 
werden und dort wegen des schlechten Geruches und 
der Staubentwicklung zu berechtigten Klagen der An¬ 
wohner Anlaß geben. Nur die Städte Dortmund und 
Essen führen nach dem Schwemmsystem die Fäkalien 
mit ab und klären sie auf den Rieselfeldern im Lippe¬ 
gebiet oder wie Essen nach dem Rothe Röckner’- 
schen Verfahren in 5 Klärtürmen. Die übrigen Ge¬ 
meinden haben meistens keine geschlossene Kanali¬ 
sationen, doch sind diese im Bau begriffen oder geplant. 
Soweit eine Klärung vorgesehen, erfolgt sie in Ab¬ 
satzbecken. 

Es ist nun für das ganze Gebiet die Lage der 
Kläranlagen festgesetzt, vergl. den Lageplan Abbildg. 5. 
Am zweckmäßigsten ist es, die Klärung dort vorzu¬ 
nehmen, wo eine große Verunreinigung des Baches 
stattfindet, die Wässer also nahe am Entstehungsorte 
der Verschmutzung zu reinigen. Wenn es gelingt, 
alle Schmutzwässer so lange in vollständig geschlosse¬ 
nen Kanälen zu führen, bis sie gereinigt aus der Klär¬ 
anlage heraustreten und nun gesundheitlich und ästhe¬ 
tisch einwandfrei die stark bebauten Gebiete als Bäche 
durchfließen, dann ist der Idealzustand erreicht. Be¬ 
ständen im ganzen Gebiete geschlossene Ortschaften 
und allein liegende größere gewerbliche Anlagen und 
Zechen, so würde eine derartige Lösung das einfachste 
und zweck mäßigste sein. Die sämtlichen Betriebe 
müßten eine einwandfreie Klärvorrichtung anlegen, 
die Städte müßten sämtlich kanalisiert werden und 
am Endpunkte ihres Hauptsammlers eine Kläranlage 
vorsehen. Es gibt besonders auf dem rechten Ufer 
der Emscher Gegenden, in denen diese Art der Klärung 
eingeführt werden kann, denn die Städte und Ort¬ 
schaften von einiger Bedeutung besitzen entweder 
Kanalisationen oder haben eine solche in Aussicht 
genommen. Größere gewerbliche Anlagen finden sich 
nur in dem unteren rechtsseitigen Gebiet von Sterk- 
rade, Hamborn und Beeck. Sie liegen alle dicht an 
der Emscher, sodaß ihre Abwässer nicht erst durch 
einen Nebenbach einen weiten Weg zum Hauptvor¬ 
fluter zurückzulegen brauchen. In diesen rechtsseiti¬ 
gen Gebietsteilen sollen daher auch die Kläranlagen 
nahe an die Ortschaften herangeschoben werden. Die 
linksseitigen Sammelgebiete der Emscher dagegen 
bieten nur in ganz geringer Anzahl die für die eben 
besprochene Art der Klärung nötigen Vorbedingungen. 
Es sind dies nur die Gebiete der Schondelle, des 
Nette- und Landwehrbaches und weiterhin nach der 
Mündung zu noch der unbedeutende Pausmühlenbach. 
Kläranlagen für Ortschaften kommen nur für den Land¬ 
wehrbach — Stadt Kastrop — inbetracht, während in 
den übrigen Gebieten des Rüpingsbaches, des Ro߬ 
baches, Strünkederbaches, Hüllerbaches, des Schwarz¬ 
baches, der Berne und des Borbecker Mühlenbaches 
sich eine gründliche Reinigung im Entstehungsorte 
nicht wohl vorschreiben läßt. Wenn man hier einer 
im oberen Bachgebiet liegenden Stadt eine gründliche 
Klärung der Abwässer auferlegte, so würde das ge¬ 
reinigte Bachwasser doch sofort wieder von neuem 
durch nicht geklärtes aus den weiträumig bebauten 
Industriebezirken, Arbeiterkolonien und größeren Ort¬ 
schaften verschmutzt werden, Man ist also hier ge¬ 
zwungen, von dem im allgemeinen besten Grundsätze 
abzugeben und die gründliche Klärung erst dort vor¬ 
zunehmen, wo alles Abwasser des betretenden Sammel- 

No. 21. 


126 


gebietes im Bache vereinigt ist und nicht weiter ver- Vorfluter zu schicken, so soll alles Wasser möglichst 
schmutzt wird. Dies trifft in den meisten Fällen erst nahe am Orte der Verschmutzung vorgeklärt werden, 
an der Mündung des Baches in die Emscher zu. Die Diese Vorklärung soll so weitgehend sein, daß sich 
hier zu erbauenden Abwasser - Reinigungsanstalten die gröberen Sink- und Schwebestoffe ablagern; bei 
müssen einen gro¬ 
ßen Umfang erhal¬ 
ten ; sie weisen den 
sonst zu errichten¬ 
den vielen kleinen 
Anlagen gegenüber 
ganz bedeutende 
Vorteile auf: Der 
Betrieb ist leicht zu 
übersehen und zu 
überwachen; der 
Grad der Reinigung 
wird bei der großen 
Anlage größer sein 





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Abbildg. 3. Querschnitt der regulierten Emscher. 

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Abbildung 4. 


Abbildg. 5. 
Lage der einzelnen 
Kläranlagen nebst 
deren Wasser¬ 
sammel - Flächen. 



und die Anlage imganzen billiger werden, als die vielen einer Verlangsamung der Wassergeschwindigkeit auf 
kleinen, sodaß das wirtschaftliche Ergebnis ein viel 2—3 cm dürfte dies zu erreichen sein. Solche Vor¬ 
günstigeres sein wird. Da es nicht angängig ist, die kläranlagen sollen für alle Städte, alle enger bebauten 
Abwässer der Städte und Ortschaften ungeklärt in den Gemeinden, Zechen und größeren gewerblichen An- 

12. März 1904. 


127 














































































































































































































































lagen errichtet werden; ihre Zahl wird man bei zuneh¬ 
mender Bebauung entsprechend vermehren müssen. 
Die Ausbildung dieser Kläranlagen soll einfach ge¬ 
halten werden, damit den einzelnen Gemeinden nicht zu 
große Kosten erwachsen. Es würde überdies auch 
kaum möglich sein, in der Nähe größerer Städte das 
Gelände für Kläranlagen zu beschaffen. Jedenfalls 
würde es so teuer sein, daß ganz bedeutende Summen 
aufgewendet werden müßten, abgesehen von den zu 
erwartenden Klagen der Anwohner. 

Die Klärung ist nun so gedacht, daß das Wasser 
zunächst Klärbecken von 40 m 
Länge und 5 m Breite mit einer 
Geschwindigkeit von 4 bis 6 m ™ 
durchfließt und dann weiter 
mittels Verteilungsrinnen und 
Spreng-Vorrichtungen auf die 


haltcne Schlamm soll von den Klärbecken zu den 
Schlammlagerbecken gepumpt werden und dort einige 
Tage stehen bleiben, um das sich ansammelnde Wasser 
von seiner Oberfläche ablaufen zu lassen. Der noch 
etwa 60 "/ 0 Wasser enthaltende Schlamm wird dann 
mit Kohle und Müll vermischt und entweder in Gene¬ 
ratoren gebracht oder unter Kesseln verfeuert. 

Es soll nun nicht gesagt sein, daß die Kläranlagen 
im Emschergebiet alle nach demselben Muster ausge¬ 
bildet werden sollen. Die Zusammensetzung der Ab¬ 
wässer und ihre Menge erfordern je nach den Um¬ 


Oxydationsbetten gebracht wird; 
deren Größe wird bei ungefähr 
i,2 m Höhe so bemessen, daß 
g’.cbm Abwasser auf 1 i" 1 der 
Oxydationsbetten gebracht wer¬ 
den. Diese Betten werden bei 
Regenwetter mit der 1,5 fachen Menge vorübergehend 
beschickt; steigt die zufließende Wassermenge über das 
Vierfache desTrockenwetter-Zuflusses, sofließtdasMehr 
an Wasser in die Hochwasserbecken, die durch Erd¬ 
aushub hergestellt sind. Sie sollen eine solche Größe 
erhalten, daß beim Weiterarbeiten der Absatzbecken 
dasüberschießende Hochwasser von 1—2 Stunden 
angesammelt werden kann. Auf diese Weise werden 
die ersten besonders stark mit Sinkstoffen beladenen 
Wässer abgefangen. Der aus den Absatzbecken er¬ 


ständen eine andere Anlage. Man wird die kleineren, 
rechts von der Emscher Gelegenen Kläreinrichtungen 
in etwas anderer Weise herstellen und dort auf ein 
möglichst selbständiges Arbeiten sehen. Die Ab¬ 
wässerklärung machte in den letzten Jahren so große 
Fortschritte, daß es übereilt wäre, wollte man jetzt 
schon sich endgültig für alle Anlagen sowohl mit 
ihrem Platz als auch mit ihrer Einrichtung festlegen. 
Dies ist auch jetzt noch nicht möglich, da die meisten 
Gemeinden und selbst größere Städte noch nicht in 


No. 21. 


123 




















































































































































































































































































Kommissions-Sitzungssaal. 


12. März 1904. 


Umgang in der Kuppelhalle. 

Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern. Architekt: Prof. Hans Auer in Bern. 


129 





































der Lage sind, den Endpunkt ihres Hauptsammlers 
zu bestimmen. Man wird daher diese Anlagen je nach 
der Weiterführung der Kanalisation anlegen müssen. 
Der an sich günstige Rieselbetrieb kommt für das 
Emschergebiet nicht infrage, da der Grund und Boden 
viel zu teuer ist und Flächen außerhalb des Sammel¬ 
gebietes nur schwer zu haben sind. In dem durch 
Bergbau unterwühlten Emschergebiet würde außerdem 
die Rohrleitung bei den fortwährenden Senkungen 
der Erdoberfläche sehr gefährdet sein, sodaß man von 
derartigen Schmutzrohrleitungen 
absehen muß. 

Die Gesamtkosten für die 
Regulierung der Emscher von 
Walsum bis Hörde betragen 27 
Mill. M.; hierzu 'kommen noch 
die Aufwendungen für die alte 


Emschergebietes getragen werden, da sie alle an der 
Aufrechterhaltung der Vorflut in der Emscher großes 
Interesse haben. Bei den Nebenbächen sollen die 
Kosten von den Bewohnern des betreffenden Sammel¬ 
gebietes aufgebracht werden, da nur sie an der Erzeu¬ 
gung und Abführung der Schmutzwässer beteiligt sind. 

Wird der Gesetzentwurf von dem jetzt tagenden 
Landtage der preußischen Monarchie angenommen, 
so sollen nach erfolgter Allerhöchster Genehmigung 
die Vorarbeiten derart gefördert werden, daß der Bau 


Emscherstrecke von Oberhausen 
bis Alsum, sodaß imganzen 28 
Mill. M. erforderlich werden. Für 
die Regelung der Nebenbäche 
und die Herstellung der Kläran¬ 
lagen sind 5,5 + 4,4 = 9,9 Mill. 

M. vorgesehen. Die Verteilung 
der Kosten ist so gedacht, daß die Aufwendungen im Frühjahr 1905 begonnen und voraussichtlich in 
für die Emscher von sämtlichen Interessenten des 5 Jahren zu Ende gefühlt werden kann. — 


Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern. 

Architekt: Prof. Hans Auer in Bern. (Fortsetzung aus No. 17.) Hierzu eine Doppel-Bildbeilage, sowie die Abbildungen S. 128 u. 129. 

ür die Anlage des Gebäudes war der von durch den tiefen Absturz des Geländes nach dem Aare¬ 
allen Seiten eng begrenzte Bauplatz von tal. Die nördliche schräge Baulinie, bestimmt durch 
maßgebendem Einfluß. Seitlich wird er be- die beiden ungleich weit vorspringenden Eckflügel der 
grenzt durch die beiden bestehenden Ver- Verwaltungsgebäude, zwang .zur Anlage eines Ver¬ 
waltungsgebäude, nach Norden durch den springenden Mittelbaues mit zwei seitlich zurücktreten- 
Verlauf der einzuhaltenden Baulinie, und nach Süden den Flügeln, um so das Bundeshaus möglichst unge- 



No. 21. 


130 




























































































































































































































zwungen zwischen die beiden Verwaltungsgebäude 
einzureihen. Oestlich und westlich waren, begrenzt 
durch diebeiderseitigen doppelten Verbindungsgalerien, 
zwischen Bundeshaus und Verwaltungsgebäude Höfe 
anzuordnen, breit genug zur ausreichenden Beleucht 
tung der anstoßenden Räume, jedoch aber auch wieder¬ 
um nicht zu breit, um den Zusammenhang der drei 
Gebäude zu lösen und nutzbaren Flächenraum unbe¬ 
nutzt liegen zu lassen. Ueber dem südlichen Absturz 
war eine Verbindung zwischen den den beiden Ver¬ 
waltungsgebäuden vorgelagerten Bundesterrassen zu 
schaffen und es gab der große Höhenunterschied des 
Geländes an dieser Stelle Anlaß zur Herstellung einer 
hohen Stützmauer als Sockel der drei zu einer ein¬ 
heitlichen Anlage verbundenen Gebäude, hinter welcher 
in dem Untergeschoß des Mittelbaues die Heiz- und 
die Ventilationsanlage eingerichtet werden konnten. Da 
das Gebäude zur Befriedigung des Raumbedürfnisses 
weit über die südliche Flucht der beiden Verwaltungs- 
Gebäude vorgeschoben werden mußte, so wurde eine 
Vermittelung erstrebt und erreicht durch Ausbauchung 
der südlichen Fassade, die in dieser Form zugleich die 
innere Raumgestaltung wiedergibt. Durch den Höhen¬ 
unterschied des vor dem Gebäude nördlich sich hin¬ 
ziehenden Bären- oder Bundesplatzes und der südlichen 
Bundesterrasse von 3,5 m konnte in der Südfront ein 
Untergeschoß eingeschoben werden, das als offener, 
unter der geschwungenen Südfassade sich hinziehen- 
der Laubengang ausgebildet wurde. Dadurch, daß 
auf diese Weise ein Teil der Terrasse unter das Ge¬ 
bäude verlegt wurde, wurde es möglich, den Vor¬ 
sprung der Terrasse vor dem Gebäude auf rd. 3 m zu 
beschränken. 

In diesen engen Grenzen nun ist das Gebäude ge¬ 
plant, in seinen Grundrissen ein Meisterwerk straffer 
Konzentration, deren Anlage noch erschwert wurde 
durch eine ungewöhnliche Bedingung: durch die For¬ 
derung eines durchgehenden Verbindungsganges, der 
durch das Mittelgebäude hindurch die beiden Ver¬ 
waltungsgebäude verbinden sollte. Die Schwierigkeit, 
welche diese Bedingung mit sich brachte, bestand da¬ 
rin, auf jeder der beiden Hälften der durch den Ver¬ 
bindungsgang hervorgerufenen Teilung genügend 
Räume für die beiden Körperschaften, den Nationalrat 
einerseits, den Ständerat anderseits, zu schaffen. Es 
lag in der Natur der Anlage, den Ständerat, das 
große Treppenhaus und alle Nebentreppen auf der 
nördlichen, größeren Hälfte, den Nationalrat dagegen 
auf der südlichen, kleineren Hälfte unterzubringen; 
dies wurde erreicht durch möglichst weites Vorschieben 
der beiden Ecktürme nach Süden, sodaß Raum für 
Präsidentenzimmer, Garderoben,Vorsäle,Toiletten usw. 
innerhalb des durch denVerbindungsgang abgeschlosse¬ 
nen Teiles geschaffen werden konnte und so die Mög¬ 
lichkeit gegeben war, die Räume der beiden Körper¬ 
schaften unter sich in angemessener und geschlosse¬ 
ner Weise zu vereinigen. 

Den Mittelpunkt der gesamten Anlage bildet die 
Kuppelhalle, nach Anlage und Ausstattung die „cour 
d’honneur“ des Gebäudes. Die stattliche Haupttreppe, 


welche fast die gesamte Grundfläche der Mittelhalle 
einnimmt, aber nur vom Erd- zum ersten Obergeschoß 
führt, ist lediglich für die Mitglieder der beiden Räte 
bestimmt. In der Achse des ersten Treppenarmes er¬ 
hebt sich vor einer Bogenarchitektur die Rütligruppe. 
Im Untergeschoß liegen auf der südlichen Seite, 
noch erhöht über dem Gelände der Bundesterrasse, 
vier Zimmer für die Inspektoren und Maschinisten der 
Heizungs-, elektrischen Beleuchtungs- und Ventilations- 
Anlage, ferner große, lichte Kellerräume und in noch 
weiterer Tiefe, hinter der großen Stützmauer, die Ven¬ 
tilationsräume und das Kesselhaus mit dem Kohlen¬ 
keller. Ins hoheErdgeschoß (S. 128) wurden sämtliche 
Kommissionszimmer gelegt, 7 Säle von 45- -i2o c i m 
Fläche, ferner ein großer Arbeitssaal mitHandbibliothek, 
Zimmer für Stenographen, Uebersetzer, Reporter und 
für den Hausdienst. Alle Säle sind von den nötigen 
Kleiderräumen und Aborten begleitet. Im ersten Ober¬ 
oder Hauptgeschoß liegen auf der südlichen Hälfte 
der 430 q“ messende Sitzungssaal des Nationalrates, 
2 Vorsäle von je 185 <i m , Präsidentenzimmer, Zimmer 
für den Bundesrat, die Wandelhalle, 2 Kleiderräume, 
Toiletten; alle Räume unter sich in unmittelbarer Ver¬ 
bindung, ohne vermittelnde Korridore (S. 101). Die nörd¬ 
liche Hälfte dieses Geschosses enthält den 2051" 1 messen¬ 
den Sitzungssaal des Ständerates, 2 Vorsäle von je 
150 c i m , Präsidentenzimmer, Kommissionszimmer, Klei¬ 
derräume und Toiletten. Rechts und links der zen¬ 
tralen Kuppelhalle haben Lesezimmer und ein Raum 
für Drucksachen ihre Unterkunft gefunden. In dem 
mittleren Teil der Anlage liegen auch sämtliche 
Treppen: die große Haupttreppe, die beiden Wendel¬ 
treppen zum zweiten Obergeschoß, sowie zwei Neben¬ 
treppen, die zu den Tribünen führen und zugleich 
auch vom Keller bis zum Dachboden aufsteigen. Im 
zweiten Obergeschoß liegen, soweit sein Raum 
nicht durch die Kuppelhalle und die durchgehenden 
Sitzungssäle in Anspruch genommen wird, die Tri¬ 
bünen des Nationalratssaales, den Saal mit 181 Sitz¬ 
plätzen an 3 Seiten umziehend, die Tribünen des 
Ständeratssaales, an den beiden Kurzseiten desselben 
mit 66 Sitzplätzen angelegt, das eidgenössische sta¬ 
tistische Amt mit einer Anzahl größerer und kleinerer 
Räume, sowie 3 verschieden große Säle für parla¬ 
mentarische oderVerwaltungszwecke. Auch das Dach¬ 
geschoß, soweit sein Raum nicht durch Kuppelhalle 
und durchgehende Sitzungssäle beansprucht wird, ist 
noch vorwiegend für das statistische Amt eingerichtet. 
Für die Volkszählungen dient ein großer Saal mit 2 
Vorzimmern, von 240 ( i m Fläche; 6 Räume mit 600^ 
Fläche sind für Bibliothek und Archive bestimmt. 
6 Magazinräume von zus. 450 <f m Fläche harren noch 
ihrer Bestimmung. 

Die überbaute Fläche des ganzen Gebäudes be¬ 
trägt, im Mauergrund des hohen Erdgeschosses ge¬ 
messen, 3742 <i m . Davon kommen auf reine Nutzräume 
(Säle, Zimmer, Kleiderräume, Aborte) 1887 < i in , auf Neben¬ 
treppen und Gänge 504 ü m , auf die Mittelhalle mit Haupt¬ 
treppe 306 q m , auf Mauern, Kanäle, Pfeiler 1045 c i ra . — 

(Schluß folgt.) 


Zum Wettbewerb Waisenhaus Dessau. 


I. 

n dem Schlußsätze des Aufsatzes in No. 15 d. J. betr. 
den Wettbewerb für den Entwurf zu einem Waisen¬ 
hause für Dessau heißt es: „Es darf nach diesem 
nicht erfreulichen Ergebnis nicht verwundern, wenn sich 
das Preisgericht nicht veranlaßt gesehen hat, dem Magi¬ 
strat von Dessau noch den Ankauf von 4 weiteren Ent¬ 
würfen vorzuschlagen“. 

Ich, der Unterzeichnete, habe mich an diesem Wett¬ 
bewerbe nicht beteiligt, bin aber immer und namentlich 
auch während der Zeit, als ich Vorstand des Dresdener 
Architekten-Vereins war, lebhaft für Verbesserungen im 
Wettbewerbswesen und vor allen Dingen auch für die Fest¬ 
setzung einer genau einzuhaltenden Richtschnur für 
die Preisrichter eingetreten. Wenn nun im vorliegen¬ 
den Falle auf Antrag des Preisgerichtes der Ankauf von 4 
weiteren Entwürfen in Aussicht stand, so war dies m. E. 
mit ein Ansporn für Viele, sich an dem Wettbewerb 


überhaupt zu beteiligen. Es waren daher auch 195 Be¬ 
arbeitungen der Aufgabe eingegangen und gestatte ich 
mir denn doch Bedenken darüber auszusprechen, daß 
unter dieser großen Zahl von Arbeiten außer den 3 mit Prei¬ 
sen gekrönten nicht noch 4 Arbeiten gewesen sein sollten, 
die eines Ankaufes für würdig zu erachten waren. Es 
ist in der Regel immer als ziemlich zutreffend hinzustellen, 
daß unter 100 eingehenden Arbeiten mindestens 10 be¬ 
achtenswerte Leistungen sind, im vorliegenden Falle 
müßten es also 20 gute Arbeiten gewesen sein; 3 haben 
Preise erhalten, es wären also sicher 17 Arbeiten von 
Seiten der Fachleute des Preisgerichtes als immerhin gute 
und nicht so ohne Weiteres nur für den Papier¬ 
korb geeignete Arbeiten zu bezeichnen gewesen. 
Und von diesen 17 Arbeiten fanden die Fachleute nicht 
einmal noch 4 heraus, welche sie der ausschreibenden 
Stelle als zum Ankauf geeignet empfehlen konnten? Ich 
meine, die Hrn. Fachleute müßten denn doch etwas mehr 



12. März 1904. 


131 






den Standpunkt der Kollegen wahrnehmen, zumal im Aus¬ 
schreiben, wie schon gesagt, Ankäufe in Aussicht gestellt 
waren; sie mußten darauf bestehen, daß bei der immer¬ 
hin niedrigen Gesamtsumme für Preise (2000 M.) wenig¬ 
stens noch die für Ankäufe in Aussicht gestellten 1000 M. 
(als eine doch nur kleine Entschädigung für gehabte Mühe 
und Auslagen) zur Verteilung kamen! — 

Dresden, im Febr. 1904. O. Haenel, Arch. 

II. 

Mit den Bemerkungen zu dem Wettbewerb Waisen¬ 
haus Dessau in No. 15 d. Bl. werden wohl nur wenige 
Leser, namentlich aber nur wenige Architekten, die sich 
mit Wettbewerbsarbeiten befassen, einverstanden sein! Der 
Hr. Verfasser meint, das Ergebnis des Wettbewerbes sei 
kein Erfreuliches. Wir stimmen dem zu — aber aus an¬ 
deren Gründen. Als Motive für seine Auffassung führt der 
Verfasser folgende Punkte an: 1. die große Anzahl der 
eingelaufenen Entwürfe; 2. die große Anzahl der stümper¬ 
haften Bearbeitungen unter denselben; 3. die „keineswegs 
vollkommen einwandfreien“ preisgekrönten Entwürfe. 

Zu 1. Die Beschickung des Wettbewerbes mit 195 Ent¬ 
würfen ist an und für sieh eine sehr starke — als „Zeichen 
derZeit“, also inbezug auf die Beteiligung an denWettbewer- 
ben der letzten Jahre überhaupt aber durchaus nicht 
auffallend. Bei dem Wettbewerb Realgymnasial-Gebäude 
Koblenz 1903 liefen nicht weniger als 286 Entwürfe ein. 
Eine Prüfung der Vermutungen des Hrn. Verfassers über 
die Ursachen der regen Beteiligung an diesem Wettbe¬ 
werb würde also auf eine Untersuchung derselben bei den 
Wettbewerben der letzten Jahre überhaupt hinauslaufen 
und kann hier übergangen werden. 

Zu 2. Daß bei diesem Wettbewerb das Verhältnis 
der unzulänglichen Entwürfe zu den brauchbaren ein 
anderes ist, als bei anderen Wettbewerben, erklärt sich 
ohne weiteres durch die Einfachheit der Aufgabe. 
Der angehende Architekt versucht sich eben an ein¬ 
fachen Aufgaben. Daß er sich versucht, ist doch nicht 
zu tadeln. Es gibt kein besseres Mittel für den Archi¬ 
tekten, sich zu erziehen, als das Einschlagen dieses 
Weges. Der Mißerfolg läutert, der Erfolg feuert zu neuen 
Taten an. Daß er sich an einfachen Aufgaben versucht, 
ist für ihn sowohl als auch für die Erlasser des Wettbe¬ 
werbes ebenfalls in Ordnung! Sollten sich aber an diesem 
Wettbewerb Schüler von Baugewerkschulen und zwar 
planmäßig unter der Schulleitung versucht haben, so wäre 
dies entschieden zu verurteilen und es hätten die Landes- 
Regierungen dagegen energisch einzuschreiten. 

Zu 3. Sind bei einem Wettbewerb jemals die preis¬ 
gekrönten Entwürfe „vollkommen einwandfrei“ gewesen? 
Ferner: konnte jemals bei einem Wettbewerb der mit 
dem I. Preise ausgezeichnete Entwurf der Ausführung 
ohne mehr oder minder große LTmarbeitung bezw. 
Ergänzung zugrunde gelegt werden? Also auch hier 
durchaus keine auffallende Erscheinung, zumal es sich ja 
nur um einen Ideenwettbewerb handelte. 

Der Verfasser glaubt nun, die Ursachen des in seinen 
Augen gerechtfertigt erscheinenden Nichtankaufes 


Preisbewerbungen. 

Engerer Wettbewerb Synagoge in Posen. Einen enge¬ 
ren Wettbewerb für Erlangung von Plänen zur Erbauung 
eines neuen Gotteshauses schreibt die Posener Synagogen- 
Gemeinde mit Frist zum 1. Mai d. J. aus. Es handelt sich 
um einen Monumentalbau, der 700 Männer- und 600 Frauen- 
Plätze, sowie eine Wochentags - Synagoge enthalten soll. 
Sonst ist das Programm das bei derartigen Wettbewerben 
übliche. Der äußerst glücklich gewählte Bauplatz ist von 
allen Seiten durch Straßenzüge begrenzt. Zum Wettbe¬ 
werb wurden dieHrn.C remer &Wolff enstein,Höniger 
& Sedelmeyer in Berlin, Brt. Prof. L. Levy in Karls¬ 
ruhe, kgl. Oberlehrer Grotte und Arch. Hoff mann in 
Posen, sowie Arch. Kerwien in Potsdam und Frieden¬ 
thal in Berlin eingeladen. Als Preisrichter wurden u. a. 
berufen die Hrn. Geh. Reg.-Räte Ende und Otzen, ferner 
der Prof, der Techn. Hochschule Karl König in Wien, 
sowie Stadtbrt. Grüder in Posen. — 

Wettbewerb Stadthaus Bremen. Als Verfasser bekennen 
sich: für den Entwurf „Galopp“ Hr. Prof. Hugo Behr in 
Görlitz; für „Immer fest und grad aus!“ die Hrn. Paul 
Burghardt und Alfr. Meunier in Leipzig; „2 Raben im 
roten Felde“ Flr. Reg.-Bmstr. W. Wagner unter Mitarbeit 
von Arch. C. Dinkler, beide in Naumburg a. S.; für 
„Bremisch“ Hr. Arch. Heinrich Milk in Schöneberg bei 
Berlin; für den Entwurf „mit dem schwarz und weiß ge¬ 
teilten Kreis“ Flr. Arch. Arthur Müller in Stuttgart. — 


von 4 weiteren Entwürfen in den erwähnten Umständen 
suchen zu müssen. Wozu dies? Das Preisgericht proto¬ 
kolliert doch einfach: „Von dem Ankauf weiterer Entwürfe 
glaubt das Preisgericht nach einstimmigem Beschluß ab¬ 
raten zu sollen, da keiner der sonstigen Entwürfe noch 
nennenswerte Anregungen für die Ausführung zu bieten 
imstande war.“ Hat das allgemeine Befremden über die¬ 
ses Urteil bei den Teilnehmern des Wettbewerbes den 
Verfasser jenes Artikels veranlaßt, das Preisgericht in 
Schutz zu nehmen? In der Tat! Befremdlich ist seine 
Begründung des Nichtankaufes der 4 Entwürfe! 

Sollte unter den 18 zur engeren Wahl gelangten 
Entwürfen wirklich kein einziger gewesen sein, der des 
Ankaufes für 250 M. wert war, auch nicht als relativ 
brauchbare Idee? Die Aufgabe war doch sehr einfach, 
sowohl bezüglich der Grundrißlösung, als auch nach der 
künstlerischen Seite hin. Die verlangte Arbeitsleistung 
sowie die ausgesetzten Preise und die in Aussicht ge¬ 
stellten Ankäufe als Entschädigung waren als normal zu 
bezeichnen. War die Entwurf - Bearbeitung dem Sieger 
auch nicht verheißen, so war doch anzunehmen, daß die 
Ausführung unter Leitung des Stadtbauamtes in Verbin¬ 
dung mit dem I. Preisträger vor sich gehen würde. 

In Anbetracht all’ dieser Umstände sowie im Hinblick 
auf die Erfahrungen bei den Wettbewerben der letzten 
Jahre ist doch mit Bestimmtheit anzunehmen, daß sich 
mindestens 30 Architekten (einschl. der Architekten von 
Dessau und dessen nächster Umgebung) an diesem Wett¬ 
bewerb beteiligt haben. Wir meinen Architekten in selbst¬ 
ständiger Stellung mit praktischer und künstlerischer Reife, 
soweit solche hier infrage kommt. Und trotzdem außer 
den prämiierten Entwürfen keine einzige nennens¬ 
werte anregende Idee, die des Ankaufes würdig 
war? Gesetzt aber den Fall, es ist so. Hatte dann aber 
der Magistrat von Dessau nicht die Pflicht, einige Ent¬ 
würfe anzukaufen, weil er durch den in Aussicht gestellten 
Ankauf von 4 Entwürfen zur regen Beteiligung an dem 
Wettbewerb geradezu herausgefordert und den unerme߬ 
lichen Aufwand von Arbeit und Zeit ganz bedeutend ver¬ 
mehrt hat? 

Als im vorigen Jahre der Magistrat von Koblenz mit 
Wettbewerbs-Entwürfen für sein Realgymnasial-Gebäude 
förmlich überschüttet wurde (286 Entwürfe!), wurden die 
ausgesetzten Preise auf die Anregung des Bürgermeisters 
hin"um 4000 M. erhöht.*) Und zwar, wohl verstanden, 
bevor die Entwürfe beurteilt waren, also bevor man 
wußte, ob gut oder böse — ob Anfänger oder vollendete 
Meister die große Zahl hervorgerufen hatten. Also 
lediglich als Anerkennung für das Interesse, das 
die Teilnehmer des Wettbewerbes der Aufgabe 
des Magistrates entgegengebracht hatten. 

Bei diesem Wettbewerb wurde ein I. Preis überhaupt 
nicht erteilt — ein ausführungsfähiger Entwurf war also 
in gewissem Sinne gar nicht eingelaufen. Dies hielt 
aber weder den Magistrat noch das Preisgericht davon ab, 
die ausgeworfene Summe für die 3 Preise, die 2 Ankäufe 
und sogar die nachbewilligten 4000 M. zur Verteilung zu 
bringen. — — n - 


Brief- und Fragekasten. 

Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. 

Zu Frage 3 in No. 12. Petroleum habe ich bei beginnendem 
Hausschwamm mit Erfolg verwendet; auch mit Kochsalz ver¬ 
mischt hat es sich gut bewährt. Mit Karbolineum habe auch ich 
schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Bei Verwendung 
feuchten Holzes oder feuchter Ausfüllung ist wohl jedes bekannte 
Mittel nichts wert. Daher — Holz und Füllmasse trocken — das 
ist die beste Garantie. — 

Emilian Herbig, Stadtbmstr. in Gablonz a. N. 

*) Anmerkung der Redaktion. Das der Stadtverwaltung in 
Koblenz vom Verfasser gespendete Lob beruht leider z. T. auf irriger An¬ 
nahme. In Koblenz war eine Gesamt-Preissumme von 4500 M. festgesetzt 
und der Ankauf von weiteren Entwürfen zu je 500 M. Vorbehalten (vergl. 
Jahre. 1903 S. 28). Auf Vorstellung des vom Verbände deutsch. Arch.- u. 
Ing.-Vereine eingesetzten Wettbewerbs-Ausschusses wurden dann durch die 
Stadtverwaltung anerkennenswerter Weise weitere 1500 M. zur Verfügung 
gestellt, wobei dem freien Ermessen der Preisrichter überlassen blieb, ob 
sie damit die Preise erhöhen oder diese Summe zu Ankäufen verwenden 
wollten (vergl. Jahrg. 1903 S. 204). Sie haben letzteres getan und 3 Ent¬ 
würfe angekauft, es sind also imganzen nur 6000 M. zur Verwendung ge¬ 
kommen (vergl. Jahrg. 1903 S. 256). — 


Inhalt: Die Verbesserung der Vorflut und die Reinigung der Abwässer 
im Emschergebiet (Schluß). — Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern 
(Fortsetzung). — Zum Wettbewerb Waisenhaus Dessau. — Preisbewerbungen. 
— Brief- und Fragekasten. 

Hierzu eine Doppel-Bildbeilage: Das neue schweizerische 
Bundeshaus in Bern. 


Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert H o f m a nn , Berlin. Druck von Willi. Greve, Berlin. 

No. 21. 


132 















AS NEUE SCHWEIZERISCHE BUNDES¬ 
HAUS IN BERN * ARCHITEKT: PROF. 
HANS AUER IN BERN * * * * * 

'AUFGANG DER HAUPTTREPPE IN DER 
KUPPEL-HALLE UND ANSICHT VON 
SÜDWESTEN ******** 
= DEUTSCHE BAUZTG. XXXVIII. JAHRG. 1904 NO. 21 = 


















^raraöümasoraöyaniaKa 

DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. NHL 22. BERLIN, DEN 16. MÄRZ 1904 









Noidfassade am Bundesplatz. 


Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern. (Schluß.) 


n der Gestaltung des Aeußeren des Gebäudes 
kam in andererWeise, wie bei seiner Grund¬ 
rißbildung, seine eigentümliche Lage wesent¬ 
lich inbetracht und zwar hauptsächlich seine 
Entwicklung nach zwei Fronten: einmal der 
Aufbau nach Norden, gegen einen mäßig großen städti¬ 
schen Platz gerichtet, welcher eine Betrachtung des 
Gebäudes nur aus der Nähe zuläßt und von welchem 
aus das Gebäude nur für sich allein zur Geltung kommt, 
und der Aufbau nach Süden, gegen das offene weite 
Land, aus welcher Richtung das Bauwerk nur von 
weither betrachtet werden kann und als Mittel- und 
beherrschender Teil einer großen, langgestreckten Ge¬ 
bäudegruppe inbetracht kommt. Diese beiden un¬ 
gleichen Umstände mußten zu einer im Stil wohl ver¬ 
wandten, grundsätzlich aber verschiedenen Ausbildung 
der beiden Fronten führen. Die Nordfront zeigt die 
Kopfabbildung dieser Nummer; die Südfront ist auf 
der Beilage in No. 21 dargestellt. Während die nörd¬ 
liche Front mit ihrer Dreiteilung eine feinere Gliede¬ 
rung gestattete, für die eine Achsen weite von 5,5 ra 
und ein reicheres Grundmotiv für die Fensterbildun¬ 
gen gewählt werden konnte, und auch eine Abstufung 
in der Höhe der Hauptgesimslinien zuließ, mußte da¬ 


gegen an der geschwungenen Südfront eine einheit¬ 
liche ArchiteDur mit großen Achsenweiten von 8 m und 
mit einfache n, ungeteilten großen Fenstern im Hauptge¬ 
schoß zur Anwendung kommen. An beiden Fassaden 
sind Baikone angeordnet; sie dienen an der Nordseite 
zum Austritt bei festlichen Anlässen des politischen 
Lebens, an der Südseite zum unbeschränkten Genuß der 
herrlichen Alpenwelt, die sich nach Süden dem Be¬ 
schauer darbietet. In künstlerischer Hinsicht krönen 
sie an der Nordseite die 3 Portale und verstärken an 
der Südseite in wirkungsvoller Weise das Relief der 
Fassade. Die beiden Ecktürme und der Kuppelaufbau 
verleihen neben dem starken Unterbau dem Bundes¬ 
haus die Herrschaft über die gesamte Baugruppe. 
Erzielung eines einheitlichen Eindruckes aller drei 
Gebäude blieb dabei die oberste Forderung. In stilisti¬ 
scher Beziehung wurde ihr genügt durch die Wahl 
einer mit modernen Einflüssen versetzten und durch 
palladianische Elemente etwas ihrer starren Strenge 
beraubten Florentiner Renaissance. 

Der Sockel des Gebäudes besteht aus Hartstein, 
mit welcher Bezeichnung in Bern alle Alpen- und 
Jurakalke im Gegensatz zu den weichen Molasse-Sand- 
steinen belegt werden. Die Steine stammen auf der 



133 

























































Nordseite aus den Brüchen des schwarzen St. Triphon 
im Kanton Waadt, auf der Südseite, in den Höfen 
und an den Galerien aus dem hellen Solothurner 
Marmor. Für das Quadermauerwerk oberhalb des 
Sockels wurde auf der Nordseite der graue Harnisch- 
huter Sandstein, in den Höfen und an den Galerien 
der gelbere Stockernstein verwendet. An der Süd¬ 
seite ist das untere Geschoß mit den Laubenbögen 
und den Mezzaninfenstern aus grauem Ostermundiger 
Sandstein erstellt, während vom Balkon aufwärts bis 
unter den Architrav des Hauptgesimses wieder der gelbe 
Stockernstein verwendet wurde. Diesen Stein zeigt 
auch die Kuppel, während Türme und 
Hauptgesims grauen Stein besitzen. 

Im Inneren, welches mit all dem 
stolzen Reichtum durchgeführt ist, der 
dem Repräsentations - Gebäude eines 
blühenden Staatswesens zukommt, ist 
die Kuppelhalle, gleichwie sie der 
räumliche Mittelpunkt der Anlage ist, 
auch der künstlerische derselben. Ein 


stein aus St. Margarethen und Walzenhausen. Aus dem 
Kolorit der bläulich-grauen Architektur der Halle treten 
die Umrahmung und das Postament der den dekorativen 
Mittelpunkt der Halle bildenden Rütligruppe durch 
hellere Farben hervor. In der architektonischen Um¬ 
rahmung der Gruppe, in den Bodenbelägen vor ihr, 
sowie in den die Halle umgürtenden Korridoren sind 
eine Reihe schöner einheimischer Marmorarten ver¬ 
wendet, die in allen Farben schillern. 

Die nächst bedeutenden Räume sind die beiden 
Sitzungssäle und die Wandelhalle. Der Sitzungssaal 
des Nationalrates weicht im Grundriß von den bis¬ 
her ausgeführten Sitzungssälen in ver¬ 
wandten Bauwerken ab. Während 
in den Parlamentsbauten von Berlin, 
Straßburg, Hamburg usw. die Abge¬ 
ordneten in rechteckigen, dem Qua¬ 
drate sich nähernden Sälen tagen, 
sind in Paris, Rom, Brüssel,Wien und 
Budapest wenig überhöhte, halbkreis¬ 
förmige Säle, den antiken Theatern 


Querschnitt. 


,A , . . I i i i ■ I 


Bild dieses majestätischen Raumes gewähren die bei¬ 
stehenden Durchschnitte sowie das Schaubild nach 
der Natur auf der Doppelbeilage zu voriger Nummer. 
Die architektonische Gliederung dieses großen Rau¬ 
mes entspricht vollkommen seinem konstruktiven Or¬ 
ganismus; sie geht von den schwereren Formen der 
unteren Teile zu den leichteren der oberen über, um 
schließlich in die schön geschwungenen Gewölbe aus¬ 
zuklingen. In der Ausstattung braust der architek¬ 
tonische Formenreichtum als volles Orchester dem 
Beschauer entgegen. Dieser Eindruck wird durch die 
Wahl der Materialien noch gesteigert. Der Sockel 
der Eingangshalle besteht aus dem Hartgestein 
St. Triphon, die architektonischen Gliederungen sind 
aus grau und weiß geadertem gris de Roche, der 
bei Villeneuve gebrochen wird; die Bodenplatten des 
Vestibüls bestehen aus Solothurner Marmor. Aus ver¬ 
schiedenartigen Graniten sind die Treppen erstellt. 
Das Geländer der Haupttreppe ist aus Marmor aus 
den nicht mehr im Betrieb befindlichen Brüchen von 
Merligen am Thunersee gefertigt. Der untere Teil des 
architektonischen Aufbaues der Kuppelhalle ist aus 
blauem Ostermundiger Sandstein, der obere Teil, 
einschl. des dorischen Triglyphengesimses, von Sand- 


nachgebildet, geschaffen worden. Der Saal des Berner 
Bundeshauses dagegen hat mit der ersteren Saalform 
drei Seiten gemein, während die vierte Saalseite ein 
Teil der halbkreisförmigen Beratungssäle ist. Die Vor¬ 
teile dieser hier zum ersten Male angewendeten Grund¬ 
form liegen gegenüber dem Rechteck in der günstige¬ 
ren Anschmiegung der kreisförmigen Stuhlreihen an 
die Peripherie des Saales, also in einer besseren Aus¬ 
nutzung des Raumes; gegenüber dem Halbkreis in 
einer größeren Annäherung der äußersten Sitze rechts 
und links, einer größeren Tiefe des Saales auf Kosten 
der Breite, wodurch der Saal für das Präsidium über¬ 
sichtlicher und auch hörsamer wird; vor allem aber 
in der leichteren Angliederung dieser Grundform an 
die anstoßenden Säle, sodaß man, ohne einen Korridor 
überschreiten zu müssen, unmittelbar von den Vor¬ 
sälen und der Wandelhalle in den Sitzungssaal ge¬ 
langen kann, was auf die geschlossene Gestaltung der 
ganzen Anlage von großem Einfluß ist. Die Tribünen 
für das Publikum ziehen sich an den beiden Kurzseiten 
und an der Bogenwand des Saales hin; über dem Prä¬ 
sidentensitz sind sie unterdrückt (s. S. ioi und 130). 
Sie treten hinter die Saalwände zurück, nur eine Sitz¬ 
reihe springt balkonartig in den Saal vor. Mit dieser 

No. 22. 


i34 




























































































































































































































































Anordnung ist der Verlust des freien Ausblickes für 
einige Sitze verbunden, ein Nachteil, der aber reich¬ 
lich durch Vorzüge der Hörsamkeit aufgewogen wird. 
Der Saal ist durch Oberlicht beleuchtet. Die archi¬ 
tektonische Ausschmückung zeigt vornehmen Reich¬ 
tum. Alpenmarmore, Stuck und entsprechende Be¬ 
malung sind die Hauptmittel für die künstlerische Aus¬ 
stattung. An den Hauptsaal stoßen die Nebensäle 
mit Türumrahmungen aus grauem, weißgeflecktem 
Marmor von Vättis, zwischen ihnen Eichentäfelung, 
sowie die Kleiderräume mit Täfelungen aus Eichen- 
und Ahornholz. Die 43“ lange und 6,6 ra breite ge¬ 
schwungene Wandel halle mit 
gewölbter und mit Stuckorna¬ 
ment geschmückter Decke wird 
von Süden durch 5 große Fen¬ 
sterbeleuchtet. DieTürgewände 
sind aus Grindelwalder Marmor, 
die Doppelsäulen mitPostamen- 
ten aus Arzomarmor aus dem 
Tessin. Die Heizkörper sind mit 
Cipolin aus dem Kanton Wallis 
umkleidet. Die Pilaster bestehen 
aus Stuckmarmor, die Wand¬ 
flächen aus Stuccolustro. Die 
16 Felder des Gewölbes zeigen 
von Barzaghi in Lugano ge- 


weg, die Wände ganz oder zum größeren Teil ihrer 
Höhe in Holz ausgeführt, wobei der Stil der alten 
Schweizer Täfelungen des XVI.—XVIII. Jahrhunderts 
vorbildlich gewesen ist. 

Die Sitzungszimmer der Kommissionen, von deren 
Ausstattung unsere Abbildg. S. 129 ein Bild gewährt, 
sind gleich den Haupträumen mit der Würde und 
dem stolzen Bewußtsein der Kraft eines reichen, in 
seiner Volkswirtschaft gut begründeten Staatswesens, 
wie die Schweiz es ist, bedacht. Eine entsprechend 
abgestufte Haltung zeigen die übrigen Räume. 

Als Heizung dienen 3 Systeme: eine Niederdruck- 
Dampfheizung, vorwiegend für die unteren Räu¬ 
me, eine Niederdruckdampf-Warmwasserhei¬ 
zung für die Bureaus, Kommissions- und Vorsäle, 
Schreibsaal undWandelhalle, sowie eine Nieder¬ 
druckdampf-Luftheizung für die großen Säle und 
eine Reihe von Nebenräumen zweiten Ranges. 
Die Ventilations - Anlage erfordert bei vollem 
Betrieb eine stündlicheLuftmenge von 56000 cbm . 
Die Beleuchtungist elektrisch mitStromentnahme 
aus dem Elektrizitäts-Werke der Stadt Bern. 


malte Darstellungen aus dem 



Längsschnitt. 


Volksleben der Schweiz. Verwandt in dem Grade der 
Ausstattung sind die Zimmer des Präsidenten und des 
Bundesrates. 

Die dem Ständerat bestimmten Räume zeigen einen 
durchaus verschiedenen Charakter gegenüber den Räu¬ 
men des Nationalrates. Anstelle der leichten, hellge¬ 
tönten Stuckdekoration der letzteren ist hier Holz¬ 
täfelung mit vorwiegend dunklen Tönen der Marmore 
und Tapeten getreten. Die Decken der fünf an der 
Nord-Fassade nebeneinander liegenden Säle sind durch¬ 


Die reinen Baukosten betrugen 5795900 Fr.; hier¬ 
zu treten für innere Ausstattung und Mobiliar 245000 
Fr., sodaß sich eine Gesamtsumme von 6040900 Fr. 
ergibt. Zu den Arbeiten wurden, soweit es angängig 
war, sämtliche Kantone herangezogen, sodaß das Par¬ 
laments-Gebäude in Bern eine reiche, wenn auch nicht 
ganz vollständige Ausstellung des sehr entwickelten 
schweizerischen Baugewerbes darstellt. — 


Vermischtes. 

Die Schantungbahn ist am 23. Februar d. J. in ganzer 
Länge dem Betrieb eröffnet worden. Als Unterzeichneter die 
Bahn im Januar d. J. von ihrem Anfangspunkte Tsingtau 
bis an ihren Hauptpunkt T s i n a n f u, der Provinzialhauptstadt 
von Schantung, bereiste, war die Strecke bis zum Orte 
Tschoutsun, 303 Lm von Tsingtau, in regelrechtem Be¬ 
trieb ; von hier aus verkehrten Bauzüge, welche seitens ein- 

16. März 1904. 


zelner Reisender auf ihre eigene Gefahr hin benutzt werden 
durften, bis Lunchau, 367 km von Tsingtau ab; es verblieb 
ein Rest von 30 km , auf welchem einige Brücken noch nicht 
fertig und das Gleis noch nicht gänzlich verlegt war. Es fehlte 
damals nämlich noch an Oberbaumaterial, namentlich aber 
an Kleineisenzeug, da solches während des Baues in un¬ 
erhört großen Mengen seitens der Chinesen gestohlen 
worden war. Für nicht weniger als 30 k °i fehlte das Klein¬ 
eisenzeug und mußte nochmals aus Deutschland beschafft 


135 























































































































































































































































werden. — Der Betrieb auf der fertigen Strecke vollzieht 
sich in musterhafter Weise, trotzdem das Zugpersonal aus¬ 
schließlich aus Chinesen besteht; die Stationsvorsteher 
sind nur auf den sieben größeren Stationen Europäer, 
selbstverständlich Deutsche; die Streckenaufsicht erfolgt 
in der Weise, daß etwa alle 30 km ein deutscher Bahn¬ 
meister seinen Wohnsitz hat, dem etwa 10 Kolonnen chi¬ 
nesischer Stopfarbeiter zu je 7 Mann (1 Vorarbeiter und 
6 Tagelöhner) unterstehen. Es sind damit gute Erfahrungen 
gemacht worden; das Gleis liegt durchweg ausgezeichnet 
und ermöglicht einen überraschend ruhigen Gang der 
Fahrzeuge. Betriebsunfälle größeren Umfanges sind bis¬ 
her nicht vorgekommen; dagegen hat sich infolge von 
Ueberschwemmungen der Umbau mehrerer Teilstrecken 
und Brücken als notwendig herausgestellt, was z. Zt. noch 
imgange ist, so daß an mehreren Stellen noch Umfahrungen 
der eigentlichen Strecke nötig sind, ohne daß jedoch 
der regelrechte Betrieb darunter gelitten hat. Zur Heizung 
der Maschinen wird ausschließlich die Schantungkohle 
benutzt, welche bei Jangtse durch die Schantung-Berg¬ 
bau-Gesellschaft, 170 km von Tsingtau ab, gefördert wird. 
Diese Kohle entsprach anfangs nicht ganz den Erforder¬ 
nissen einer guten Maschinenkohle und es mangelte deshälb 
auch nicht an gelegentlichen Zugverspätungen. In letzter 
Zeit jedoch, seit das Sortierwerk des Kohlenbergwerkes 
sich im Betriebe befindet, hat die Qualität der Kohle ge¬ 
wonnen; Betriebsstörungen sind nicht wieder eingetreten. 
Die Linienführung der Bahn ist recht geschickt dem Ge¬ 
lände angepaßt; der Unterbau, das Gleis und die Hoch¬ 
bauten sind durchaus solide ausgeführt; als Baustein wurde 
fast ausschließlich Kalkstein verwendet, der zumeist dicht 
bei der Bahn gebrochen worden ist. Das Schienenprofil 
(12,3 cm hoch, 30 k s Gewicht) erscheint etwas sparsam aus¬ 
gewählt zu sein. Auffallend ist die große Zahl eiserner 
Brücken, nämlich 7246 m gesamte Spannweite bei 462 kra 
Betriebslänge. Diese Brücken sind ausschließlich in Eisen 
konstruiert. Bauten, die vom bautechnischen Gesichts¬ 
punkte aus besonders bemerkenswert wären, finden sich 1 
nicht vor, dagegen verdient es alle Anerkennung, daß der 
Bau so weit ab von der Heimat, im fremden z. T. feind¬ 
seligen Lande, rascher als vorgesehen war und zu den ver¬ 
anschlagten Kosten (54 Mill. M.) ausgeführt worden ist. — 

Shanghai, im Febr. 1904. Franz Woas. 

Die Architektur auf der Großen Berliner Kunstaus¬ 
stellung 1904 wird auch in diesem Jahre wieder von einem 
Ausschuß der „Vereinigung Berliner Architekten“ ange¬ 
ordnet, dem die Firn. Balcke, Bangext, Reinhardt, 
Schmitz und Werle angehören. Der für dieses Jahr zur 
Verfügung stehende Raum ist bedeutend größer, als in ver¬ 
gangenen Jahren; er erhält durch Hrn. Arch. Schweitzer 
die künstlerische Gestaltung. Das kgl. preuß. Ministerium 
der öffentl. Arbeiten wird mit einer in sich geschlossenen 
Ausstellung von Arbeiten der Staats-Bauverwaltung vertre¬ 
ten sein. An die Architektur-Abteilung schließt sich auch 
dieses Jahr wieder eine Gruppe künstlerisch durchgebilde¬ 
ter Innenräume. Hier werden voraussichtlich die Namen 
Salzmann, Ortlieb, Altherr, Grenander, Schmarje, 
Honold,Hidding,Siedle,Goerke,Schau dt usw. ver¬ 
treten sein. Man darf bei der umsichtigen Arbeit, die unter 
der Leitung des Hrn. Bangert vor sich geht, die Hoffnung 
hegen, daß auch die diesjährige Architektur-Abteilung ein 
anziehender Teil der Berliner Kunstausstellung wird. -— 


Preisbewerbungen. 

Wettbewerb Schulgebäude Husum. Die Frist zur Ein¬ 
lieferung der Entwürfe ist bis zum 15. April verlängert. 
Mit Bezug auf den Schlußsatz unserer auf diesen Wett¬ 
bewerb bez. Notiz in No. 19 erhalten wir die Mitteilung, 
daß Husum wohl einen Stadtbaumeister besitzt, daß er 
aber wahrscheinlich diese Art des Preisausschreibens 
nicht befürwortet haben würde, wenn er Gelegenheit ge¬ 
habt hätte, sich zu der Angelegenheit überhaupt zu äußern. 
Das scheint nicht der Fall gewesen zu sein, es macht viel¬ 
mehr den Eindruck, als ob, was hier und da in kleineren und 
mittleren Städten wiederzukehren pflegt, eine Laien-Kom- 
mission unter Uebergehung des Stadtbaumeisters als des 
berufenen Beraters für städtische Bauangelegenheiten die 
Angelegenheit in dieser nicht dem Herkommen im deut¬ 
schen Wettbewerbswesen entsprechenden Weise behandelt 
habe. Im übrigen scheint die Aufgabe in keiner Weise 
eine solche zu sein, daß der Anruf eines größeren Kreises 
von Fachgenossen geboten gewesen wäre. — 


Chronik. 

Ein Kaiserin - Friedrich - Haus für das ärztliche Fort¬ 
bildungswesen gelangt nach dem Entwürfe des Hrn. Geh. Ob- 
Hofbrt. Ihne am Luisenplatz in Berlin zur Ausführung. Der Voll¬ 
endung wird für das Frühjahr 1906 entgegen gesehen. — 

136 


Die Erweiterung der Hafenanlagen in Düsseldorf ist in 
Aussicht genommen. Die 1910 zu vollendenden Arbeiten würden 
einen Kostenaufwand von 6,5 Mill M. beanspruchen — 

Ein Lueger - Monumental - Brunnen in Wien soll am 
24. Okt. d. J zur Feier des 60 Geburtstages des Bürgermeisters Lueger 
in der Sieoenbrunnengasse aufgestellt werden. Der Brunnen wird 
durch die Vindobona gekrönt und mit 2 Medaillons geschmückt, 
von welchen das eine das Bildnis Lueger’s, das andere die 7 Zieh¬ 
brunnen darstellt, nach welchen die Gasse benannt ist. — 

Die Erbauung eines Arbeiterhotels für 5 —600 Personen 
in Wien ist durch die Kaiser Franz-Josefs-Jubiläumsstiftung be¬ 
absichtigt. Die Pläne sollen auf dem Wege des Wettbewerbes 
beschafft werden. — 

Eine evangelische Kirche in Grünau bei Berlin gelangt 
nach dem Entwürfe v. Tiedeinann’s in Potsdam im Stile der 
märkischen Backsteingotik zur Errichtung. Die Augustinuskirche 
wird 600 Plätze fassen, 108 oco M. kosten und 1905 vollendet sein — 
Ein neuer Justizpalast in Czernowitz gelangt mit einem 
Kostenaulwande von 10 Mill. Kr. (ohne Platz, welcher von der 
Gemeinde geschenkt wurde) zur Ausführung und soll bereits im 
Frühjahr d. J. begonnen weiden. — 

Ein neues Theater in Ktssingen gelangt nach dem Ent¬ 
würfe von Heilmann & Littmann in München zur Errichtung 
und wird am 1. Juni 1905 eröffnet werden. — 


Personal-Nachrichten. 

Württemberg. Verliehen ist: Dem Hofbaudir. v Berner 
in Stuttgart das Kommandeurkreuz II. Kl des Friedrichsordens. — 
Dem Ob.-Brt. Prof. Autenrieth an der Techn Hochschule und 
dem Ob.-Brt Frhrn v. Seeg er im Kriegsminist, das Ehrenkreuz 
des Oidens der Württemberg Krone; dem Straßenbauinsp. Brt. 
Erhardt in Heilbronn das Ritterkreuz desselben Oidens. — Den 
Brtn. Laistner bei der Gen.-Dir. der Staatseisenb , Behncke 
bei der Reg. des Jagstkreises, Berner, Gewerbeinsp. in Stuttgart, 
Landauer, Bez.-Bauinsp in Esslingen, dem Eisenb.-Bauinsp Dulk 
in Ravensburg und dem Int.- u. Brt. Märklin bei der Korps-Intend. 
das Ritterkreuz I. Kl. des Friedrichsordens, dem Stadtbmstr. Irion 
in Stuttgart das Ritterkreuz II Kl. desselben Ordens — Den Ober- 
amtsbmstrn. Gutekunst in Reutlingen und Schirmer in Ravens¬ 
burg, dem Stadibmstr. Haug in Rottweil die Verdienstmedaille 
des Kronenordens 

Tit. und Rang ist verliehen: Dem Baudir. v. Euting Vorst, 
der Minist.-Abt. für den Straßen- und Wasserbau derj eines Präsid. 
mit dem Range auf der IV. Stufe der Rangordnung. — Dem Brt. 
Zügel bei der Gen.-Dir., dem Dir. Walter an der Baugewerk¬ 
schule, den Brtn. Raible bei der Forstdir. und Gsell u. Beyer 
bei der Domänendir. derj. eines Ob.-Brts. — Dem Eisenb -Bauinsp. 
Ackermann in Mühlacker, dem Eisenb.-Masch.-Insp. Strasser in 
Eßlingen, dem Prof Gunzenhauser an der Baugewerkschule, 
dem Bez - Bauinsp. Bareiß in Ludwigsburg, den Garn. - Bauinsp. 
Holch in Ludwigsburg und Gl ocker in Ulm derj eines Brts. 
— Den Abt.-Ing. Mesmer und Vetter bei der Gen.-Dir. derj. 
eines Eisenb.-Bauinsp. — Dem Masch.-Ing. Ackermann bei der 
Gen.-Dir. derj. eines Eisenb.-Masch.-Insp. — 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Arch. Z. in Berlin. In Ergänzung unserer Mitteilung 
über Firmen, die sich mit dem Heben und Verschieben von 
Baulichkeiten befassen, nennen wir Ihnen noch das Baugeschäft 
Willy Sassenhausen in Remscheid, das auf diesem Gebiete nach 
seiner Angabe größere Erfahrung besitzt -— 

Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. 

Zur Anfrage 2 in No. 12 teile ich mit, daß ich seit vielen 
Jahren Steinkohlenschlacke als Füllmaterial zwischen Holz¬ 
balken benutze. Diese ist nur dann gut, wenn sie vollkommen 
rein von anderen Bestandteilen und ganz trocken ist. Feucht oder 
gemischt mit Kehricht oder Abfallstoffen, wie es leider oft vor¬ 
kommt, ist sie eines der schlechtesten Materialien für diesen Zweck. 
Vorzüglich bewährt hat sich mir reiner trockener Kiesschutt, wie 
er bei uns massenhaft vorhanden ist. Allerdings ist er bedeutend 
schwerer, doch wo die Mehrbelastung keine Rolle spielt, ziehe ich 
ihn stets der Kohlenschlacke vor. Ich habe in sehr alten Häusern, in 
welchen der Fußboden infolge der Abnutzung entfernt und erneuert 
werden mußte, öfters schwarze Humuserde unter dem Fußboden 
gefunden, in ebenerdigen Häusern ohne Unterkellerung, und der 
Holzfußboden, der vielleicht 10 oder noch mehr Jahre lag, war noch 
ganz gesund. Allerdings war diese Humuserde vollkommen trocken.— 
Emilian Herbig, Stadtbmstr. in Gablonz a. N. 

Steinkohlenschlacke ist porös und zieht deshalb aus den 
Mauern eines neuen Hauses Feuchtigkeit an; hierdurch und durch 
ihren Gehalt an Alkalien begünstigt sie das Wuchern von Haus¬ 
schwamm. Ich habe selbst Hausschwamm an den eichenen Unter¬ 
lagern eines schnell gebauten Hauses gefunden, welche auf dem 
Kellergewölbe und in Steinkohlenschlacke eingebettet waren Der 
Schwamm war allerdings vertrocknet, als die Untersuchung (mehrere 
Jahre nach der Erbauung des Hauses) bei Gelegenheit des Durch¬ 
bruches eines neuen Kellerfensters vorgenommen wurde, denn das 
Eichenholz war widerstandsfähig gewesen und die Mauern und 
Gewölbe waren inzwischen ausgetrocknet. — 

G. Jungfer in Hirschberg. 

Steinkohlenschlacken erzeugen infolge ihrer Luftzwischen¬ 
räume sehr leicht die sogen. Trockenfäule des Holzes. — 

Otto Wan ekel, Geh. Ob.-Brt. a. D. in Dresden. 

Inhalt: Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern (Schluß). — 
Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Chronik. — Personal-Nachrichten. 
Brief- und Fragekasten. 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wüh. Greve, Berlin. 

No. 22. 









r 













































ERLINER NEUBAUTEN * * 
NR 111 . DAS NEUE HERREN¬ 
HAUS DES PREUSSISCHEN 
LANDTAGES * * * * * 

ARCHITEKT: GEH. BAURAT 
FRIEDRICH SCHULZE IN 
BERLIN * SITZUNGSSAAL * 
^ DEUTSCHE BAUZEITUNG 
❖ XXXVIII. JAHRGANG 1904 * * 23 * 































DEUTSCHE BAUZEITUNG 

XXXVIII. JAHRG. N£ 23. BERLIN, DEN 19. MÄRZ 1904 


Berliner Neubauten. 

No. m. Das neue Herrenhaus des preußischen Landtages. 
Architekt: Geh. Brt. Friedrich Schulze in Berlin. 


(Fortsetzung und Schluß aus No. 7 und No. 9.) Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen auf Seite 139, 140 und 141.) 


ie äußere Gesamterscheinung des Gebäudes 
und seine Stilfassung waren in Ueberein- 
stimmung zu bringen mit der Kunstform 
des bereits erstandenen Abgeordnetenhauses 
an der Prinz Albrecht - Straße. Die freie 
Auffassung der nachschinkelschen Schule, das Ver¬ 
setzen der hellenistischen Elemente mit solchen der 
italienischen Hochrenaissance waren auch für das 
neue Herrenhaus gegebene Umstände. In noch höhe¬ 
rem Maße wie beim Abgeordnetenhause entstand hier 
die Schwierigkeit, die monumentale Bedeutung des 
Gebäudes mehr zum Ausdruck zu bringen, als den 
Charakter des parlamentarischen Geschäftshauses. Das 
wurde in großen Zügen erreicht durch die Zusammen¬ 
fassung je zweier Geschosse und durch die Heraus¬ 
ziehung des Mittelbaues. Sockel- und hohes Erdge¬ 
schoß wurden zu einem kraftvollen Rustikageschoß 
zusammengefaßt, erstes und zweites Obergeschoß zu 
einer korinthischen Pilasterarchitektur. Der Mittel¬ 
bau wurde in Form eines sechssäuligen Vorbaues mit 
Giebelfeld und dahinter liegender Attika vorgezogen 
und dem Ganzen dadurch der künstlerische Mittel¬ 
punkt gegeben. Das Beibehalten der in gleicher Höhe 
verlaufenden Horizontalen" trägt viel dazu bei, dem 
Gebäude die würdige Ruhe und die stolze Monumen¬ 
talität zu bewahren. Eine mit Einzelfiguren geschmückte 
Balustrade krönt die Flügelbauten und die verbinden¬ 
den Teile und steigert sich in der Hauptachse zu der 
bereits berührten höher geführten und mit Figuren- 
gruppen bereicherten Balustrade. Die Oeffnungen sind 
in den beiden unteren Geschossen geradlinig, im Haupt¬ 
geschoß bogenförmig, im obersten Geschoß bei kleinerer 
Teilung wieder geradlinig überdeckt. Ein reich ge¬ 
schmücktes Gitter zwischen schön entworfenen Stein¬ 
pfeilern schließt den Ehrenhof gegen die Straße ab. Eine 
Balustradenarchitektur bereichert die Auffahrtsrampe. 

Das Material des Sockels ist bayerischer Granit; 
das des Sockel- und des hohen Erdgeschosses Wün- 
schelburger Sandstein. Für die Pilaster und Säulen 
wurde Kudowaer Sandstein, für die Flächen, das 
Hauptgesims und die Attika Alt-Warthauer Stein ge¬ 
wählt. Bildnerischer Schmuck ist mit Zurückhaltung 


verwendet; ein Wappenfries zieht über den Bogen¬ 
fenstern des Hauptgeschosses den ganzen Bau entlang 
und enthält die Wappen der Landesteile der preußi¬ 
schen Herrschaft. Das Tympanon des Mittelbaues 
zeigt nach Modellen von Otto Lessing die Borussia 
mit den allegorischen Figuren der verschiedenen Zweige 
der Staatsverwaltung. Die dreifigurigen Eckgruppen 
der Attika von dem gleichen Künstler zeigen Nährstand 
und Wehrstand, die Einzelfiguren der Balustraden Dar¬ 
stellungen aus Kunstwissenschaft und Volkswirtschaft. 

Die beiden Einfahrten der Flügelbauten und die 
Haupteingangshalle sind durchweg mit Kottaer Sand¬ 
stein bekleidet; die Architektur dieser Räume ist 
S. 53 in No. 9 und S. 140 dargestellt. Auf dem ersten 
Treppenpodest der Eingangshalle stehen in Nischen 
der Rückwand die beiden Bronzefiguren: Königstreue 
und Vaterlandsliebe von Starck. 

Mit besonderer Sorgfalt ist die Wandelhalle ge¬ 
schmückt (S. 53); sie liegt hinter der Haupttreppe und 
öffnet sich gegen dieselbe. Drei Kuppelgewölbe über¬ 
spannen und teilen den Raum und gewähren ihm durch 
Zenithöffnungen eine Oberlichtbeleuchtung. Die Kurz¬ 
seiten sind besonders ausgezeichnet durch eine jonische 
Säulenstellung mit Figuren der Gerechtigkeit und Weis¬ 
heit von Prof. Widemann, und der Wahrheit und 
Mäßigung von Reichel (S. 140). Die von Widemann 
modellierten schönen Friesfüllungen, die sich unter 
dem Kämpfergesims hinziehen und von welchen wir 
in der Kopfleiste sowie S. 141 Beispiele geben, ver¬ 
körpern gleich den Deckengemälden von Hans Kober¬ 
stein Nähr-, Wehr- und Lehrstand. Die Wandflächen 
bestehen aus Stuckmarmor. 

Den großen Sitzungssaal zeigt unsere heutige 
Beilage; er schließt sich in Auffassung und Ausstattung 
dem gleichen Saale des Abgeordnetenhauses an. Er 
enthält 266 Plätze; seine Abmessungen sind der Hör¬ 
samkeit wegen auf das äußerste Maß beschränkt und 
namentlich sind die Tribünen nicht frei in den Saal hin¬ 
eingebaut, sondern hinter die Saalwände gelegt. Die 
Brüstung der Tribünen springt balkonartig etwa 1,3 m 
in den Saal vor. Der Saal ist durchaus mit Eichen¬ 
holz für die Wände und mit Kienholz für die Decke 



i37 













getäfelt, soweit die Deckenfläche nicht durch das 
Oberlicht beansprucht wurde. Ueber dem Präsidenten¬ 
sitz sind dieTribünen fortgefallen; die hier gewonnenen 
Wandflächen werden mit Gemälden geschmückt. Der 
Fußboden des Saales besteht aus Drahtgipsputz und 
ist mit weichem Teppich belegt. Die Oeffnungen für 
die Heizung liegen unter den einzelnen Sitzen. Eine 
behagliche und würdevolle Ausstattung haben auch 
Lesesaal und Erfrischungsraum, (S. 141) erhalten. Das 
Bild, welches namentlich der letztere in Natur gewährt, 
ist ein unöleich günstigeres, als unsere Abbildung ver¬ 
muten läßt. Dem Raume kommt sehr die schiffartige 
Teilung zustatten. Seinen Hauptschmuck bilden die 
Eichenholzvertäfelung der Wände und der oberhalb 
derselben hinziehende Fries aus getriebenem und be¬ 
maltem und vergoldetem Leder. Entsprechend der 
Bedeutung des Hauses sind auch die Ministerräume, 
die Präsidentenzimmer, sowie die Beratungssäle und 
Fraktionszimmer ausgestattet. Sie gehen aber über 
die Haltung eines vornehmen parlamentarischen Ge¬ 
schäftshauses nicht hinaus. 

Ein etwas lebhafterer Akkord ist in den beiden 
Präsidenten-Wohnungen angeschlagen, obwohl auch 
hier der Grad der Ausstattung keineswegs zur Pracht 
neigt, wenn er auch der gesellschaftlichen Stellung 
zu entsprechen sucht, welche die Präsidenten im 
öffentlichen Leben Berlins einnehmen. An derVorder- 
front des Mittelbaues liegen die beiden Festsäle der 
Präsidenten-Wohnungen sowie ein gemeinsam zu be¬ 
nutzender Festsaal. Letzteren überspannt ein aus 
Drahtputz hergestelltes Tonnengewölbe mit Stuck¬ 


ornamenten. Die Wände sind durch Pilaster geglie¬ 
dert, die Flächen bestehen aus Stuckmarmor. Die 
beiden Festsäle der Wohnungen sind mit gerader 
kassettierter Decke überdeckt. Die Wände sind durch 
korinthische Pilaster gegliedert. Die beiden Säle sind 
sich ähnlich; ihre farbige Haltung ist die einer lichten 
Farbengebung bei ins Empire spielenden Formen. Der 
Empirecharakter kehrt auch bei den Damenzimmern 
der beiden Wohnungen wieder, während die Speise¬ 
säle wieder deutschen Charakter zeigen. Sie sind in 
Wänden und Decken in Holzarchitektur durchgeführt. 
Unterhalb der Decke ziehen farbige Friese in Oel 
durch Max Koch, sowie in Gobelin durch W. Ziesch 
& Komp. hin. 

Die Heizung ist im allgemeinen eine Warmwasser¬ 
heizung, zu der in den besuchten Räumen eine Luft¬ 
heizungtritt. Der große Sitzungssaal hat nur Luftheizung. 

Die Baukosten des Herrenhauses nebst den beiden 
Präsidenten-Wohngebäuden betragen 4266000 M. 
Hierzu treten für innere Einrichtung und für Neben¬ 
anlagen weitere 1 787 000 M., sodaß sich eine Gesamt¬ 
summe von 6053000 M. ergibt. Der Aufwand für 
die gesamte Gruppe der Gebäude des preußischen 
Landtages beträgt rd. 13 Mill. M. 

Dem leitenden Architekten standen als selbst¬ 
ständigere Mitarbeiter sowohl bei den Entwurfsarbeiten 
wie bei der Ausführung zur Seite die Hrn. kgl. Brt. 
W. Körb er und Landbauinsp Alb. Fischer. Während 
der Ausführung waren beim Bau weiterhin beschäftigt 
die Hrn. Döpner, Fiebelkorn, Geisler, Krause, 
Oehlmann, Schäde und Schlüter. - 


Ueber die Pläne für Stadt- und Vorortbahnen in Hamburg. 


jj^jie Leser der „Deutschen Bauztg.“ sind bereits durch 
den ausführlichen Aufsatz im Jahrgang 1903, S. 379 ff. 
über diese Pläne unterrichtet. Es standen sich hier 
gegenüber der vom Senat empfohlene Standbahn - (Hoch- 
und Untergrundbahn-) Entwurf und der auf Veranlassung 
des Ausschusses derBürgerschaft von der Kontinentalen Ges. 
für elektr. Unternehmungen eingereichte Schwebebahn- 
Entwurf. Am 30. Jan. 1904 wurde eine vorläufige Ent¬ 
scheidung dadurch getroffen, daß im Plenum der Bürger¬ 
schaft nach langen erregten Beratungen der Antrag der 
Mehrheit des Ausschusses auf Berücksichtigung derSchwebe- 
bahn abgelehnt wurde. Ueber die Entwicklung der An¬ 
gelegenheit bis zu diesem Beschlüsse soll im folgenden 
berichtet werden. 

Die Vorschläge, die der zur Beratung der Vorortbahn- 
Vorlage von der Bürgerschaft eingesetzte Ausschuß oder 
vielmehr dessen aus 9 Mitgliedern gebildete Mehrheit ge¬ 
macht hatte, sind auf S. 379 v. Jahrg. wiedergegeben wor¬ 
den. Ergänzend sei bemerkt, daß daneben die aus 6 
Mitgliedern bestehende Minderheit des Ausschusses, von 
dem ihr zustehenden Rechte eigener Berichterstattung 


Gebrauch machend, ihrerseits beantragt hatte, den Ent¬ 
wurf einer Schwebebahn als für Hamburg ungeeignet 
und die mit der Erbauung einer Stadt- und Vorortbahn 
zu verfolgenden Zwecke nicht erfüllend außer Betracht 


zu lassen. Begründet wurde dieser Beschluß unter an¬ 
derem durch einen Hinweis darauf, daß die gesamte bis¬ 
herige Stadterweiterungs- und Verkehrspolitik des Senates, 
der sich dabei dauernd der Zustimmung der Bürgerschaft 


zu erfreuen gehabt habe, von der Erbauung einer Vorort- 
Ringbahn auf eigenem Bahnkörper ausgegangen sei, so¬ 
wie daß der vorliegende Entwurf einer Schwebebahn eine 


finanzielle Unterstützung des Staates nicht verdiene, da 
er keine neuen Verkehrsgebiete erschließe, sondern sich 
darauf beschränke, der Straßenbahn-Gesellschaft auf ihren 
Hauptlinien Konkurrenz zu machen. (Dies bezieht sich 
hauptsächlich auf den Wegfall des Ringstückes zwischen 
Barmbeck und Eppendorf, durch welches das dort be- 
legene, für Arbeiterwohnungen in erster Linie bestimmte 
Gelände aufgeschlossen und mit den St. Pauli-Landungs- 
Brücken in bequeme Verbindung gebracht werden sollte, 
und den Wegfall der Linie nach Ohlsdorf). 

Von Bedeutung für die Entwicklung der Angelegen¬ 
heit waren die Ausführungen des Hrn. Ing. Gleim über 
die Schwebebahn - Entwürfe im Arch.- und Ing.-Verein, 
die auf S. 526 v. Jahrg. im Auszuge mitgeteilt sind, und 
die sich dahin zusammenfassen lassen, daß einmal die 
Schwebebahn gegenüber der Standbahn für den besonde¬ 
ren Zweck als Stadtbahn durchaus minderwertig sei und 
daß ferner das Hamburger Projekt im einzelnen erheb¬ 
liche Mängel zeige. Hieran knüpft sich, gewissermaßen 


als eine Erwiderung auf die Ausführungen des Hrn. Gleim, 
ein Gutachten dreier Professoren der Techn. Hochschule 
zu Hannover, der Hrn. Barkhausen, Dolezalek und 
Hotopp, das auf Veranlassung der Schwebebahn-Gesell¬ 
schaft entstanden ist. Dieses Gutachten kommt aufgrund 
allgemeiner Erwägungen zu dem Schluß, daß das System 
der Schwebebahn für die Anlage einer städtischen Schnell¬ 
bahn ganz hervorragend geeignet und der Standbahn 
durchaus vorzuziehen sei, und daß das Hamburger Projekt 
im besonderen zweckmäßig und richtig entworfen sei; daß 
daher nur empfohlen werden könne, von der Anlage einer 
Hoch- und Untergrundbahn abzusehen und eine Schwebe¬ 
bahn zur Ausführung zu bringen. 

Unmittelbar vor Beginn der Beratungen im Plenum 
der Bürgerschaft nahm der Senat zu der Frage insofern 
Stellung, als er der Bürgerschaft ein Gutachten der Staats¬ 
techniker Ob.-Ing. Vermehren und Bauinsp. Schnauder 
überreichte und dazu bemerkte: „Der Senat stimmt mit 
dem Gutachten darin überein, daß auf das Projekt der 
Kontinentalen Ges. für elektr. Unternehmungen in Nürn¬ 
berg aus den verschiedensten Gründen nicht eingegangen 
werden kann, und daß es geboten ist, für die zu erbauen¬ 
den Stadt- und Vorortbahnen an dem System der Hoch- 
und Untergrundbahn festzuhalten“. 

Das Gutachten der Plamburger Staatstechniker zerfällt 
in 2 Teile. Im ersten Teil wird der Entwurf der Kon¬ 
tinentalen Ges. besprochen, während auf das System der 
Schwebebahn an sich nur wenig eingegangen ist. 

Das Gutachten weist darauf hin, daß durch die ge¬ 
planten Schwebebahnlinien eine erhebliche Abkürzung 
der Reisezeit zwischen dem berührten Wohngebiet und 
den Arbeitsstellen in der Innenstadt nicht erzielt werde. 
Neue Wohngebiete würden durch die Schwebebahn nicht 
erschlossen. Die Führung der Schwebebahn durch viele 
enge Wohnstraßen sei ein großer Nachteil, die Benutzung 
der Fleete und Kanäle müsse als ausgeschlossen bezeichnet 
werden. Die geplante Anordnung der Hauptstationen 
Deichtor, Landungsbrücken und Schlankreye sei mit Rück¬ 
sicht auf die örtlichen Verhältnisse unausführbar, da der¬ 
artige Geländeflächen, wie sie insbesondere durch die 
Anlage der Wendeschleifen notwendig würden, dort nicht 
zugebote ständen. Die Höhenunterschiede zwischen Straßen¬ 
damm und Bahnsteig seien hei dem Schwebebahn-Entwurf 
im Durchschnitt wesentlich größer als bei dem Standbahn- 
Projekt. *) Die Linienführung der Schwebebahn sei un¬ 
günstiger; durch die Schiebeweichen werde die Zugfolge 
auf der Schwebebahn beeinträchtigt, so daß ihre Leistungs¬ 
fähigkeit gegen die Standbahn zurückbleibe. 


,*•) Anmerkung des Verfassers. Veranlaßt ist diese z. T. allerdings 
durch die Anordnung dreier Bahnsteige bei der Schwebebahn. 


138 


No. 23. 








Berliner Neubauten. No. in. Das neue Herrenhaus des preuß. Landtages. fM. Architekt: Geh. Baurat Fiiedr. Schulze iu Berlin. 



Den zweiten Teil des Gutachtens der Staatstechniker 
bildet eine Erwiderung auf das Gutachten der Hannover¬ 
schen Professoren. Pfierzu wird bemerkt, daß die betr. 
Herren von dem ausführlichen Entwurf des Standbahn- 
Projektes keine Kenntnis gehabt und die örtliche Besichti¬ 
gung ohne Wissen und Beteiligung der Hamburger Be¬ 
hörden vorgenommen hätten, eine hinreichende Kenntnis 
der örtlichen Verhältnisse und Verkehrsbedürfnisse daher 
nicht hätten erlangen können. Im einzelnen wird aus¬ 
geführt, daß die allgemeinen Gründe, die gegen den Bau 
einer Standbahn geltend gemacht würden, auf das Stand¬ 
bahnprojekt von 1901 größtenteils nicht zuträfen; daß im 
übrigen die Führung einer städtischen Hochbahn in den 
Straßen nicht grundsätzlich bevorzugt, sondern nur da zu¬ 
gelassen werden sollte, wo eine andere Lösung unmöglich 
sei. Das Längenprofil des Schwebebahn-Entwurfes sei 
wesentlich ungünstiger, als das des Hoch- und Untergrund¬ 
bahn-Entwurfes. Die Summe der Steigungen betrage z. B. 
auf der Strecke Winterhude-Barmbeck bei der Schwebe¬ 
bahn 60 m , bei der Standbahn nur 33 m . Hieraus folgten 
wesentlich höhere Betriebskosten der Schwebebahn. Was 
die Erweiterungspläne beträfe, so könne man die Ver¬ 
kehrsentwicklung auf lange Zeit nicht vorhersehen, deshalb 
sei es unmöglich, jetzt alle künftigen Linien festzulegen. 

Auf dieses Gutachten folgen wenige Tage später Er¬ 
widerungen sowohl seitens des Hrn. Ob.-Ing. Petersen, 
wie auch von seiten der Hannover’schen Professoren.. 

Hr. Petersen bemängelt u. a., daß auf die Frage der 
Notwendigkeit einer zweiten Stammlinie durch die innere 
Stadt nicht ernstlich eingegangen werde. Für die Wahl 
des Bahnsystemes seien die Schwierigkeiten der Durch¬ 
führung durch die innere Stadt von ausschlaggebender 
Bedeutung und nicht die Verhältnisse in den zum größten 
Teil noch unbebauten Vororten. Eine zweite Stammlinie 
sei Voraussetzung für die richtige Gestaltung der künftigen 
Erweiterungen des Bahnnetzes; sie sei als Schwebebahn 
bei der gegenwärtigen Bebauung möglich, als Standbahn 
technisch und finanziell nahezu unmöglich. 

Hr. Petersen erhebt ferner den Vorwurf, daß das 
Gutachten der Hrn. Staatstechniker an wesentlichen Punkten 
unrichtige Zahlenangaben enthalte, welche geeignet seien, 
ein falsches Bild von den wirklichen Verhältnissen zu geben. 

Die Hrn. Barkhausen, Dolezalek und Hotopp 
sagen, daß sie in den Darlegungen der Hrn. Vermehren 
und Schnauder das Eingehen auf die wesentlichen Grund¬ 
gedanken ihres Gutachtens vermissen; die von ihnen nach¬ 
gewiesenen Vorzüge der Schwebebahn vor der Standbahn 
in baulicher, Verkehrs- und betriebstechnischer Beziehung 
seien nicht besprochen, sondern überall verhältnismäßig 
unwichtige Einzelheiten herausgegriffen. Auf die Weiter¬ 
entwicklung der Angelegenheit haben diese beiden Erwide¬ 
rungen einen Einfluß nicht mehr ausgeübt. 

Das Vorgehen des Senates erregte lebhaftes Aufsehen. 
Die Mehrheit des Bürgerschafts-Ausschusses nahm dazu 
insofern Stellung, als sie ihren Antrag, dem Senat zu 
überlassen, ob er eine Standbahn oder Schwebebahn vor¬ 
legen wolle, nunmehr abänderte und dafür beantragte: 
„Die Bürgerschaft behält sich die Entscheidung über das 
System der Bahn vor, bis ihr vom Senat bindende Kosten¬ 
anschläge vorgelegt sind für das Standbahn- wie für das 
Schwebebahn-System, berechnet für eine gleichwertige 
Linienführung des nächsten Ausbaues. Dabei ist zu be¬ 
rücksichtigen, daß voraussichtlich in absehbarer Zeit die 
Durchführung einer zweiten Stammlinie durch die innere 
Stadt notwendig werden wird. Für beide Systeme sind 
daher für diesen Fall Vorschläge mit Schätzung der durch 
deren Ausführung entstehenden Kosten herbeizuführen.“ 

Im Verlauf der Verhandlungen in den folgenden drei 
Sitzungen der Bürgerschaft, in denen Hr. Bürgermstr. 
Dr. Mönckeberg als Senatskommissar den Standpunkt 
des Senates lebhaft verteidigte, zeigte sich, daß eine Mehr¬ 
heit für das Schwebebahn-System nicht zu erlangen war; 
inwieweit die Meinung von ursprünglich schwebebahn¬ 
freundlich gesinnten Mitgliedern der Bürgerschaft durch 
die entschiedene Stellungnahme des Senates beeinflußt 
war, entzieht sich der Beurteilung des den Verhandlungen 
ferner Stehenden. Tatsächlich wurden, nachdem der An¬ 
trag des Senates auf Gutheißung der vorgelegten Stand¬ 
bahn-Verträge unter Zustimmung des Senatskommissars 
einstimmig abgelehnt war, in der Systemfrage die Anträge 
der Mehrheit auf Berücksichtigung der Schwebebahn für 
die neu aufzustellenden Entwürfe mit 90 gegen 41 Stimmen 
abgelehnt, die entsprechenden Anträge der Minderheit des 
Ausschusses dagegen angenommen. 

Die Verfechter des Schwebebahnentwurfes hatten in¬ 
sofern eine gewisse Genugtuung, als unmittelbar nach Ab¬ 
lehnung der Schwebebahn ein Antrag angenommen wurde, 
die von den Hannover’schen Gutachtern aufgestellten 
Grundsätze für die Linienführung seien zu prüfen und 


19. März 1904. 


139 




















































































































































































































































































































































































































































































































O CfQ 


eeignetenfalls bei der Neuaufstellung des Stadt- und Vor- Gedankens darauf, daß man nach Vorlage des neu aufzu- 
rtbahnprojektes zu berücksichtigen. stellenden Standbahn-Entwurfes aus wirtschaftlichen Rück- 

Durch die Beschlüsse der Bürgerschaft scheidet die sichten auf eine Schwebebahn zurückkommen würde, ver- 




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Schwebebahn für die weitere Behandlung der Pläne für wirklichen werden, mag dahingestellt bleiben. Hoffen wir, 
eine Hamburger Stadt-und Vorortbahn zunächst vollständig daß die Weiterentwicklung der Angelegenheit nun endlich 
aus; ob sich die Hoffnung der Vertreter des Schwebebahn- in einer etwas rascheren Gangart erfolgt. — Schimpf f. 







































Relief in der’Wandelhalle. Bildhauer: Prof. Wilh. Widemannin Berlin. 


Erfrischungsraum. 



Relief in der Wandelhalle. Bildhauer: Prof. Wilh. Widemann in Berlin. 

Berliner Neubauten. No. m. Das neue Herrenhaus des preußischen Landtages. 
Architekt: Geh. Baurat Friedrich Schulze in Berlin. 




















Mitteilungen aus -Vereinen.- - 

Verein für Eisenbahnkunde in Berlin. Ueber die bau¬ 
liche Entwicklung der Berliner Eisenbahnen im 
letzten Jahrzehnt sprach Hr. Eisenbahnbauinsp. Kum- 
bier in der letzten, unter Vors, des Min.-Dir. Schroeder 
äbgehaltenen Sitzung. Nach Abschluß der Verstaatlichung 
der Berliner Fernbahnen um die Mitte der 8oer Jahre sei 
die Staatseisenbahn-Verwaltung alsbald an den Ausbau 
der einzelnen in Berlin einmündenden Linien herange¬ 
treten , an deren Leistungsfähigkeit das schnelle und ge¬ 
waltige Anwachsen des Berliner Vorortverkehres von Jahr 
zu Jahr höhere Anforderungen stellte. Bei dem vier^ 
gleisigen Ausbau der Vorortstrecken sei im Interesse ein¬ 
heitlicher Betriebsführung der Grundsatz völliger Trennung 
des Fern- und Vorortverkehres durchgeführt worden. Auf 
der Potsdamer Bahn habe sich das Bedürfnis zum mehr¬ 
gleisigen Ausbau zuerst fühlbar gemacht; die am i. Okt. 
1891 eröffnete Wannseebahn sei die erste selbständige Vor¬ 
ortbahn Berlins, in ihren Bau- und Betriebseinrichtüngen 
sei sie für die späteren Vorortbahnen, vorbildlich gewesen. 
Auf der Stettiner und Nordbahn habe sich der Ausbau zu¬ 
nächst nur bis kurz hinter Bahnhof Gesundbrunnen er¬ 
streckt, auf der Nordbahn werde neuerdings der vier- 
gleisige Ausbau bis Reinickendorf—Rosenthal und auf der 
anschließenden Nebenbahnstrecke nach Kremmen der 
zweigleisige Ausbau bis Tegel fortgesetzt, auf der Stettiner 
Bahn sei der viergleisige Ausbau bis Blankenburg in Vor¬ 
bereitung. D'e Görlitzer Bahn werde zurzeit bis Adlers- 
hof—Altglienicke viergleisig ausgebaut, für den späteren 
Ausbau bis Grünau sei jedoch mit dem Grunderwerb be¬ 
reits vorgegangen. Auf der Berliner Ringbahn wäre der 
viergleisige Ausbau des Vollringes bis auf die Strecke 
Halensee—Westend vollständig durchgeführt. 

Bei der Besprechung der Umgestaltung der Bahnan¬ 
lagen der Schlesischen- und Ostbahn ging der Redner 
näher auf die Gründe ein, die eine Einführung der Vor- 
brtgleise der Schlesischen Bahn in die Stadtgleise der 
Stadtbahn auf dem Schlesischen Bahnhofe geboten er¬ 
scheinen ließen und die Umgestaltung der Bahnsteigan¬ 
lagen sowie die Aenderung der Betriebsmittel der Stadt- 
und Ringbahn bedingten. Die Ueberleitung der Vorort¬ 
züge von Erkner auf die Stadtgleise der Stadtbahn solle 
zum 1. Mai d. J. erfolgen. Für den Ausbau der Berliner 
Eisenbahnen seien in den Jahren 1891—1903 rd. 88 Mill. M. 
bereitgestellt worden. 

Dann machte der Vortragende noch einige Angaben 
über die Zunahme des Stadt-, Ringbahn- und Vorortver¬ 
kehres seit dem 1. Okt. 1890 bis zum 31. März 1903. Inner¬ 
halb dieses Zeitraumes von t^'/o Jahren sei der Verkehr 
der Stadt- und Ringbahn von etwa 43 Mill. auf rd. 92 Milk, 


Das Schinkelfest des Architekten-Vereins zu Berlin. 

1 ach altem Brauche feierte der Architekten-Verein zu 
I Berlin auch dieses Jahr am 13. März, als dem Geburts- 
J tage Schinkel’s sein Jahresfest, an welchem den Siegern 
im Schinkelwettbewerbe in festlicher Sitzung die Schinkel- 
Medaille, die höchste Auszeichnung, die der Verein seinen 
jungen, aufstrebenden Mitgliedern verleihen kann, überreicht 
wird; und welches den Höhepunkt des 1 Vereinslebens in 
jedem Jahre bilden soll. Von dem diesjährigen Feste darf 
man mit Fug und Recht sagen, daß es tatsächlich dieser 
Höhepunkt gewesen ist. Trotz Verzichtleistung auf äußeres 
Gepränge, trotz der im Verhältnis zu der großen Mit¬ 
gliederzahl schwachen Beteiligung, zeichnete ..sich., die xlies.- 
jährige Festsitzung vor vielen ihrer Vorgänger durch die 
Würde ihrer ganzen Haltung, das anschließende Festmahl 
durch Stimmung aus, die leider früher öfter gefehlt haben. 
Die Ursache für diesen harmonischen Verlauf des Festes 
ist in dem glücklichen Zusammenwirken einer Reihe ver¬ 
schiedener Momente zu suchen. Mit Stolz konnte zu¬ 
nächst der Verein auf den Ausfall des diesjährigen Wett¬ 
bewerbes auf allen 3 Fachgebieten blicken, die er in sich 
vereint, sowohl was das Streben seiner jüngeren Mitglieder 
anbetrifft, das schon in der überraschend großen Zahl der 
eingelaufenen Arbeiten zum Ausdruck kommt, wie was 
den Wert der Arbeiten, den erzielten Erfolg angeht. 

Ehrenvoll für denVerein war die Anwesenheit des preuß. 
Hrn. Ministers der öffentl. Arbeiten Exzellenz Budde, der 
nicht nur an der Festsitzung teilnahm, sondern fast bis zum 
Schlüsse des ganzen Festes blieb, den Siegern im Wett¬ 
bewerb mit einigen kernigen Worten die Medaillen über¬ 
reichte und später namens der Gäste für die Einladung zum 
Feste dankte, wobei er auf die hohe Bedeutung und die 
schönen Aufgaben des Baufaches hinwies und dem Verein 
eine weitere glückliche Entwicklung wünschte. 

Geschickt umging der Vereinsvorsitzende, Hr. Minist.- 
Dir. Hinckeldeyn, die Klippe des alljährlich zu erstatten- 

142 


der Vorortverkehr von 23 Mill auf. rd. .68 Milk Fahrten 
angewachsen. In den letzten Jahren seien an jedem der 
Pfingstfeiertage auf der Stadt- und Ringbahn 450—500000 
Stück Fahrkarten verkauft worden, auf der Wannsee- und 
Potsdamer Bahn 100—150000, auf der Görlitzer Strecke 
70 — 100000 und auf der Schlesischen Bahn und Nordbahn 
je etwa 30—60000. Zurzeit der Berliner Gewerbe - Aus¬ 
stellung im Jahre 1896 habe man als Höchstleistung für 
die Stadtgleise der Stadtbahn mit einer Aufnahmefähigkeit 
von 18 Zügen in der Stunde nach jeder Richtung hin, 
also etwa mit dem Drei - Minutenverkehr gerechnet, jetzt 
werde die Höchstleistung in einer Belastung mit 24 Zügen 
in der Stunde, also in dem Zweieinhalb - Minutenverkehr 
angenommen. Ob bei etwaiger späterer Einführung des 
elektrischen Betriebes durch schnelleres An- und Abfahren 
der Züge eine weitere Mehrbelastung der Gleise etwa bis 
zu 30 Zügen in der Stunde sich ermöglichen lassen werde, 
müsse die Zukunft lehren. 

Der Redner schloß mit dem Bemerken, eine Entwick¬ 
lung, wie sie die Berliner Eisenbahnen im letzten Jahr¬ 
zehnt genommen, sei nur möglich geworden unter ein¬ 
heitlicher Leitung. Die Verstaatlichung der Eisenbahnen 
habe sich für die Reichshauptstadt besonders segensreich 
erwiesen. Man werde der Staats - Eisenbahnverwaltüng 
die Anerkennung nicht versagen können, daß sie dauernd 
bemüht gewesen sei, den gesteigerten Anforderungen im 
Verkehrsleben Groß-Berlins gerecht zu werden. 

Im Anschluß hieran machte Hr. Prof. Cauer einige 
Mitteilüngen aus dem Inhalte seines kürzlich erschienenen 
Buches „Personen- und Güterverkehr der vereinig¬ 
ten Preußischen und Hessischen .Staatsbahnen“. 
Abgesehen von einer gedrängten Gesamtübersicht des In¬ 
haltes erörterte er an der Hand ausgehängter Skizzen die 
Frage, welche der verschiedenen Formen der Güter¬ 
schuppen und Ladebühnen für den Versand und den Em¬ 
pfang der Güter, für Eilgut und für Güterumladung ge¬ 
eignet seien, und schilderte dann die jetzige Handhabung 
der Stückgut-Beförderung auf den preußisch - hessischen 
Staatsbahnen. — 


Vermischtes. 

Etagen - Dauerbrand - Zentralofen von Grimme, Natalis 
& Co. in Braunschweig. In Miethäusern macht sich oft der 
Wunsch geltend, das einzelne Geschoß unabhängig von einer 
das ganze Haus heizenden Zentralheizung zu erwärmen, 
aber doch auch wiederum die Nachteile der Ofenheizung für 
einzelne Räume zu umgehen. Das versucht die genannte 
Firma durch ihren Etagen-Warmwasser-Heizungsofen zu 
erreichen. Er ist zur Wärmeentwicklung für ein ganzes 
Geschoß gebaut; seine Ausstattung kann dem Raum, in 


den Geschäftsberichtes, indem er an die Stelle einer 
trockenen Zahlenzusammenstellung ein lebendiges Bild 
von dem Entwicklungsgang des nunmehr fast 80 jährigen 
Vereins setzte. Eindrucksvoll war der Inhalt seines Kaiser¬ 
toastes, mit welchem er die kürze Reihe der offiziellen 
Tischreden eröffnete. Durch den gehaltvollen Inhalt seines 
Festvortrages, durch die geistreiche Entwicklung seines 
Themas „Der Gedanke des evangelischen Kirchen¬ 
baues“ wußte Hr. Baurat March die Versammlung bis 
zum Schlüsse seiner Ausführungen zu fesseln. Wir ent¬ 
nehmen diesen den nachfolgenden Gedankengang: 

Wir beobachten auf allen Gebieten, daß ein allge¬ 
meineres Kunstinteresse nicht in erster Linie durch An- 
.-.schauu.ng--.und unmittelbare Wirkung erregt wird, sondern 
erst duich Art und Umfang der literarischen Erörterung. 
Das muß die Hoffnungen aller derer herabstimmen, die 
mit einer rein aesthetischen Kultur alle Sehnsucht aus 
dem Unvollkommenen in das Vollkommene glauben stillen 
zu können. Richard Wagner würde nimmermehr den 
siegreichen Flug seiner schöpferischen Kunstgedanken er¬ 
lebt haben, wäre er nicht stets mit geschliffenem Schwert 
neben dem von ihm geträumten Kunstwerk der Zukunft 
auf dem Plan gewesen. Gottfried Sempers Einfluß auf 
die deutsche Baukunst ist ebenfalls zum größten Teil auf 
seine geistvolle schriftstellerische Tätigkeit zurückzuführen. 
Wir linden in ihnen Schinkels Art, alle künstlerischen 
Aufgaben mit einem höheren Inhalt zu erfüllen und bei 
allen Kunstfragen in eine gesteigerte Gedankenwelt über¬ 
zugreifen. Auf seinen Einfluß ist das merkwürdige Buch 
zurückzuführen, das den Versuch einer philosophischen 
Analyse hellenischen Kunstschaffens machte mit dem 
scharfsinnigen und spitzfindigen Unterfangen, die Gebilde 
schöpferischer Phantasie als das Ergebnis abgezogener Re¬ 
flexionen darzustellen. Es war eine nachdenkliche, ver¬ 
standesmäßige Richtung, auf die wir aber ebensowenig ver¬ 
zichten wollen, wie auf unsere mehr grüblerische Art über¬ 
haupt als Gegengewicht zu uneingeschränkter Formenf reude. 

No. 23. 





welchem er zufällig steht (Korridor, Küche, wenig be¬ 
nutztes Zimmer) angepaßt werden. Die Bedienung ist 
gleich der eines gewöhnlichen Dauerbrand - Ofens, also 
so leicht, daß sie durch Jedermann erfolgen kann. Der 
für ganze Häuser notwendige Heizer wird entbehrlich, 
der Bewohner eines Geschosses erhält mehr Verfügung 
über die Heizung, als bei einer Zentralheizung. Es ist 
also hier eine Dezentralisierung der Heizung angestrebt. 
In den einzelnen Räumen werden die üblichen Radiatoren 
aufgestellt und mit dem Zentralofen verbunden. Der 
Ofen kann auch für ganze Villen, Säle, Restaurants usw. 
ausgeführt werden. — 

Die Beteiligung deutscher Fachgenossen am VI. inter¬ 
nationalen Architekten-Kongreß in Madrid wird eine rege 
sein. Zu der vom Verbände deutscher Arch.- und Ing.- 
Vereine von Köln aus in Aussicht genommenen gemein¬ 
samen Reise haben sich etwa 50 Personen angemeldet. 
Es wird eine kleinere Fahrt unternommen, die am 2. April 
in Köln beginnt und am 17. April dort wieder endet. Auf 
der Hinfahrt werden Paris und Biarritz, auf der Rückreise 
Burgos, Bayonne, Paris berührt. Der Aufenthalt in Ma¬ 
drid dauert vom 5.—13. April. Seitens der Kongreßleitung 
werden in dieser Zeit Ausflüge nach Toledo, Guadalajara, 
Escorial veranstaltet. Eine längere Reise, die bis zum 
25. April dauert, entspricht bis zum 13. der ersteren und 
ebenso bezüglich des Rückweges. Vom 14. bis einschl. 
21. April wird aber eine wieder in Madrid endigende 
Rundtour durch Südspanien angeschlossen, die Granada, 
Malaga, Sevilla, Cordova berührt. Die Reise-Anordnungen 
hat der Arch.- u. Ing.-Verein in Köln a. Rh. übernommen. 

Die Verhandlungen des Kongresses sollen bekanntlich 
sich auf 9 Fragen erstrecken: 1. Moderne Kunst in der 
Architektur; 2. Erhaltung und Wiederherstellung von Bau¬ 
denkmälern ; 3. Art und Bedeutung des wissenschaftlichen 
Studiums bei der allg. Erziehung der Architekten; 4. Ein¬ 
fluß der modernen Konstruktionen auf die Kunstformen; 
5. Urheberrecht an den Werken der Baukunst; 6. Aus¬ 
bildung der Bauarbeiter; 7. Einfluß der Baupolizei-Vor- 
schriften auf den zeitgenössischen Privatbau; 8. Enteignung 
kunstgeschichtlicher Bauwerke; 9. Soll der Architekt als 
Schiedsrichter für die Arbeits-Bedingungen und bei Streit¬ 
fällen zwischen Bauarbeitern undBauherren dienen? Zu den 
beiden ersten Fragen liegen deutsche Aeußerungen vor und 
zwar zu i.von Hrn.Dr.-Ing., Reg. u. Gewerbe-Schulrat M u t h e- 
sius, zu 2. von Hrn. Baurat C. Ludwig, beide in Berlin. — 

Als Privatdozent für das Entwerfen und Darstellen 
farbiger Dekorationen an der Technischen Hochschule zu 
Charlottenburg hat sich Hr. kgl. Baurat Paul Graef in 
Steglitz habilitiert. Hr. Graef war von 1887—1904, also 
durch die lange Zeit von 32 Semestern, Assistent bei Ed. 


Alle Kunst, zumal die höchste, bedarf neben der 
schöpferischen Phantasie der Urteilskraft. Wir werden 
unsere Aussöhnung mit dem Leben nicht durch ideale 
Steigerung der Materie erreichen, sondern durch eine Be¬ 
freiung der Geister aus der mühseligen Lebenstechnik. 
Den Geistesströmungen des XVIII. Jahrh. mit ihrem Ab¬ 
schluß einer philosophisch-literarischen Entwicklung steht 
unsere Zeit der Technik und der Naturv/issenschaften mit 
ihren gleichzeitig wiedererwachenden metaphysischen 
Bedürfnissen gegenüber Der Anfang des XIX. Jahrh., 
der ganz vom Geiste Weimars beherrscht wurde, konnte 
einer innerlichen evangelischen Religionsauffassung nicht 
günstig sein. Goethe war sicherlich eine tief religiöse 
Natur; allein schon sein Ausspruch, daß kein tüchtiger 
Mensch seiner Brust den Glauben an Unsterblichkeit rauben 
lasse, setzt ihn in Gegensatz zu moderner materialistischer 
Lebensauffassung. Er hegte auch eine hohe Verehrung 
für das Christentum, wenn auch nicht in der Form, in 
der es ihm die Theologen boten. Die Pflege der Religion 
in ihren Händen war rationalistisch und nüchtern mora¬ 
lisch, das Volk nahm die Einrichtungen der Kirche als 
etwas Schickliches hin und begleitete die bauliche Tätig¬ 
keit ohne innere Beteiligung. 

Schinkel erblickte das Charakteristische eines evange¬ 
lischen Gotteshauses in seiner Gestaltung zu einer Predigt¬ 
stätte, in der die zuhörende Gemeinde den Ausgangspunkt 
der Bauschöpfung bildet. Er stellte daher den Redner 
und die Kanzel vor die Mitte der Zuhörerschaft, die er 
in natürlicher Weise um sie herum, zumteil auf ansteigen¬ 
den Sitzreihen anordnete. Bei der späteren Verlegung 
der Kanzel aus der achsialen in die seitliche Stellung 
unterlag er dem lutherischen Einfluß, nach dessen Auf¬ 
fassung der Chorraum mit dem Altar eine besondere 
Würde zu beanspruchen hat, die hier die Unterbringung 
der Kanzel oder gar der Orgel nicht gestattet. In Preußen 
und in Berlin war die Anordnung des Kanzelaltars die 
durchaus übliche, bis eine mehr katholisierendeEmpfindung 

19. März 1904. 


Jacobsthal an der gleichen Hochschule und hat letzteren 
während seiner Krankheit und nach seinem Tode mehrere 
Semester lang selbständig vertreten. In seinem Sinne ge¬ 
denkt Hr. Graef, den das Vertrauen seiner Schüler be¬ 
gleitet, den Unterricht weiter zu führen. — 

Preisbewerbungen. 

Zwei Wettbewerbe zur Erlangung von Entwürfen für 
Logierhäuser für Männer, in den Stadtteilen Favoriten und 
Brigittenau in Wien zu errichten, werden vom Kuratorium 
der „Kaiser Franz Josefs-Jubiläums-Stiftung für Volks¬ 
wohnungen und Wohlfahrts - Einrichtungen“ zum 20. Mai 
für österreichische Architekten ausgeschrieben. Die Häuser 
sollen aus 6 Geschossen bestehen; in das Sockel- und in 
das hohe Erdgeschoß sind die Räume gemeinsamen Aufent¬ 
haltes: Werkstätten, Wirtschaftsräume, Speisesaal, Lese¬ 
saal, Zimmer für Nichtraucher zu legen, während in den 
oberen 4 Geschossen je 125—150 Schlafabteile anzuordnen 
sind. Für jeden der beiden Wettbewerbe sind 3 Preise 
von 1400, 1000 und 700 Kr. ausgesetzt. Das Preisgericht 
besteht u. a. aus den Hrn. Min.-Rat v. Förster, Vizebau- 
Dir. Helmreich, Ob.-Brt. Höde, Ob.-Brt. Ulrich, Stadt- 
bmstr. Zifferer. Man hofft, eines der Logierhäuser be¬ 
reits 1905 der Benutzung übergeben zu können. — 

Der große Staatspreis der kgl. preuß. Akademie der 
Künste im Betrage von 3300 M. wurde dem Architekten 
Alexander Höhrath zu Witten a. d. R. verliehen, einem 
begabten Künstler, der noch einmal von sich hören 
machen wird. — 

Wettbewerb Stadthaus Bremen. Als Verfasser des 
Entwurfes „Rotes Kreuz“ bekennen sich die Hrn. Carl 
Poppe und Arth. Hartmann in Frankfurt a. M. — 


Brief- und Fragekasten. 

Hrn. Stadtbmstr. Sch. in A. Nach deutschem Staats- und 
Verwaltungsrechte gilt der Beamte als zu denjenigen Verrichtungen 
verpflichtet, welche dem Amte übertragen sind oder zugeteilt wer¬ 
den, mit dessen Verwaltung er betraut ist. Es hat also kein Be¬ 
amter das Recht, sich einer Erledigung derjenigen Geschäfte zu 
entziehen, welche erst nach seiner Anstellung dem von ihm ver¬ 
walteten Amte zugeteilt werden, selbst wenn dadurch für ihn eine 
Mehrarbeit entsteht. Da in Hessen abweichende Rechtsgrundsätze 
nicht bestehen, wird der „Gemeinde-Baubeamte" sich nicht weigern 
dürfen, die Wohnungsinspektion zu übernehmen, welche nach dem 
hessischen Gesetz vom 7. Aug. 1902 einem erfahrenen Techniker 
oder kommunalen Baubeamten übertragen werden soll, also dem 
Gemeindebauamte zugeschlagen werden darf. Ob eine Vergütung 
für die Mehrleistung beansprucht werden darf, kann erst nach 
Kenntnis der „Berufung zum Amte" und der Besoldungsabrede zu¬ 
verlässig beurteilt werden. Gemeinüblich pflegt jedoch in der¬ 
artigen Fällen auf sachgemäße Begründung zu richtiger Zeit eine 
Entschädigung gewährt zu werden. — K. H-e. 


der Kanzel die Seitenstellung gab. Vielleicht erhält die 
Kanzel wieder die ihr ursprünglich zugewiesene Stellung 
in der Mitte. Ein Wandel der Anschauungen über die 
sakrale Würde des Altares ist nicht unmöglich. Wir haben 
es hier mit einer architektonischen Ueberlieferung zu tun; 
es dürfte aber schwer fallen, die besondere Heiligkeit des 
Altares, dessen Ausgangspunkt doch der Sarkophag mit 
den Gebeinen des Heiligen ist, und den von ihm beding¬ 
ten Chor als Höhepunkt der kirchlichen Anlage aus dem 
evangelischen Dogma zu begründen. 

Die Reformierten haben sich gegen solche romanti¬ 
schen Baugesinnungen stets ablehnend verhalten. Sie 
waren bestrebt — häufig in ausgesprochen gegensätzlich 
nüchterner Weise — für ihre liturgischen Zwecke einen 
selbständigen baulichen Ausdruck zu finden. Als aber 
unter Friedrich Wilhelm IV. ein Bruch mit den reformier¬ 
ten Ueberlieferungen erfolgte und die Teilnahme für das 
Mittelalter in allen Formen zum Ausfluß einer die geistigen 
Interessen beherrschenden literarischen Bewegung wurde, 
da ergab sich für die evangelische Kirchenbaukunst der 
Erfolg, daß der Kirchenbau sich grundsätzlich von dem 
verstandesmäßigen Programm der reformierten Bauauf¬ 
fassung abwandte. Die Eignung des Kirchengebäudes für 
die besonderen Zwecke des Gottesdienstes wurde neben¬ 
sächlich und schablonenhaft behandelt und die Unter¬ 
schiede zwischen evangelischem und katholischem Gottes¬ 
haus in Anlage und Erscheinung mehr und mehr verwischt. 

Diese Gesinnung führte im Jahre 1861 zu dem Eise¬ 
nacher Regulativ, das die Betonung der heilig erachteten 
Altarnische vorschrieb, die Kanzel auf die Seite schob und 
der Orgel den Platz gegenüber dem Altar im Rücken der 
Gemeinde anwies. Später wurde dann noch die freie 
Stellung des Kirchengebäudes empfohlen und seine Ver¬ 
bindung mit anderen Gemeindebauten widerraten. Es 
sollte mit diesen Normen kein Zwang ausgeübt werden; 
wer aber die straffe Behandlungsweise unserer kirchlichen 
Angelegenheiten kennt, wird sich leicht vorstellen können, 


143 




daß das von etwaigen Zweifeln geplagte Gewissen unserer 
in Kunstfragen zumeist ratlosen evangelischen Geistlichen 
durch einen Blick in die ihm von seiner Oberbehörde 
überwiesenen Ratschläge im Sinne guter Disziplin schnell 
beruhigt wird. 

Deshalb war die Gegen-Kundgebung des Wiesbadener 
Programmes, welches die Bauwünsche der reformierten 
Kirche in knapper Form zusammenfaßte und 1891 er¬ 
schien, zu begrüßen. Darin finden sich die bekannten 
Forderungen der Predigtkirche wieder, sämtliche Stätten 
der evangelischen Kultusäußerungen, Kanzel, Altar und 
Orgel, zu einer Gruppe angesichts der Gemeinde zu ver¬ 
einigen, die davor geschlossen in möglichst radialer An¬ 
ordnung der Sitzreihen unterzubringen ist. 

Nebenher nun geht eine Auffassung, daß Kirchen des 
evangelischen und des katholischen Bekenntnisses sich 
nicht wesentlich von einander zu unterscheiden brauchten. 
Indessen läßt doch die Absicht einer derartigen Anbahnung 
eines erträumten Religionsfriedens auf baulichem Gebiet 
ein tieferes Eingehen auf das völlig verschiedene Wesen 
beider Bekenntnisse vermissen. Das kirchliche Ideal der 
Reformation ist bis in die Wurzel ein anderes, als das 
der katholischen Kirche; daher muß auch der bauliche 
Ausdruck ein verschiedener sein, zumal die heutige deutsche 
Baukunst auf das Charakteristische gerichtet ist. Als der 
wahrhaft große protestantische Gewinn erscheint die wie¬ 
dergewonnene Freiheit im Denken und Flandeln gegen¬ 
über dem zur Pflicht gemachten Glaubenszwang der ka¬ 
tholischen Kirche. In der Freiheit der Forschung liegen 
für die Kirche der Reformation Entwicklungs-Möglich¬ 
keiten, durch welche sie sich befähigt glaubt, die Wurzeln 
ihrer Kraft bei den geistig Mündigsten unseres Volkes zu 
finden, die heute noch teilnahmslos am Wege stehen. 
Eine solche Verschiedenheit der Grundgesinnung zwingt 
auch zu einer Verschiedenheit der baulichen Auffassung. 
Die großartige katholische Einheit von Glaubenslehre und 
Regiment für sich anzustreben, kann nicht das Ziel der 
evangelischen Kirche sein. Kann sie ihre Aufgabe nicht 
darin erblicken, in ihrer Organisation das Mittelalter nach¬ 
zuahmen, so soll sie auch baulich nicht die Sprache der 
triumphierenden Kirche zu der ihrigen machen; Sie sollte 
in ihren Bauten nicht den Anschein erwecken, eine orga¬ 
nisierte Macht zu besitzen, die in der Gesamtheit der Ge¬ 
müter nicht zu entdecken ist. Die alten Dome Wieder¬ 
erstehen zu lassen, ist eine poetische, aber dem Wesen 
des Protestantismus unangemessene Träumerei. Welche 
Fruchtbarkeit trotzdem in den Bauproblemen des Protestan¬ 
tismus steckt, lehren bereits zahlreiche lebendige Schöpfun¬ 
gen seiner uns blutsverwandten Glaubensgenossen jenseits 
des Kanales und des Ozeans. 

Und wie mit dem Aeußeren, so verhält es sich auch 
mit dem Inneren. Wie es nicht der Ehrgeiz der Kirche 
der Reformation sein konnte, im Aeußeren mit den Kolossal¬ 
bauten des Mittelalters zu wetteifern, das zur Erhaltung des 
Unterwürfigkeitsgefühles die baulichen Verkörperungen 
des festgefügten kirchlichen Organismus nicht übermensch¬ 
lich genug gestalten konnte, so muß der evangelische 
Kirchenbau auch für seine Innenräume die ihm ange¬ 
messene Sprache finden, die sich von der Ekstase katho¬ 
lischer Dome fern hält. Ihre hohen Hallen, in deren 
Schatten sich der Blick ins Endlose verliert, sind gedan¬ 
kenlösend wie die Laubwölbungen des Waldes, nicht ge¬ 
dankenbindend. Der Protestantismus erstrebt keine Phan¬ 
tasiestimmungen, sondern Willenserregungen. Die zur 
Würde gesteigerten Bauformen seiner Predigträume müssen 
zeigen, daß der Protestantismus keine Veranlassung hat, 
sich mißachtend von der Welt und dem Leben abzuwen¬ 
den. In den erhabenen Räumen monumentaler katholi¬ 
scher Kirchen sprechen die Menschen vorwiegend als 
Maßstab für die gesteigerten Abmessungen mit; der leere 
Raum erweckt für sich die Stimmung einer Loslösung 
von der Welt der Wirklichkeit. In den evangelischen 
Versammlungsstätten dagegen wird die vereinigte Ge¬ 
meinde selbst zum ästhetischen Moment, ohne daß die 
künstlerische Wirkung unvollständig bleibt. Hiermit muß 
der Baukünstler rechnen. So liegt z. B. eine eigene Span¬ 
nung und Geistesbereitschaft in den stillen wartenden Ge¬ 
meinde-Versammlungen der Herrnhuter Brüder, die sich 
auch dem fremd Hinzutretenden sofort mitteilt. 

Zu dem Gemeinsamkeitsgefühl zwischen Gemeinde 
und Liturgus schon durch die Raumanordnung zu zwin¬ 
gen, ist die erste Aufgabe des evangelischen Kirchen- 
Baumeisters. Die Gemeindegruppe ist raumschöpferisch 
zu umbauen mit Grundrißformen, die von der Ueber- 
dachung abhängig sind. Eine radiale Anordnung der 
Sitzreihen unterstützt das Gemeindegefühl. Im neueren 
Kirchenbau der nordischen Länder wird man überall die 
Gemeindesitze in geschwungener oder gebrochener Linie 
um die Predigtstätte angeordnet finden. Die Aufstellung 


der Bänke in gleicher Richtung, welche die protestantische 
Kirche von der gotischen Schiffkirche übernommen hat 
und vielfach noch übt, ist ein überführendes Zeugnis da¬ 
für, daß man der Predigtkirche immer noch ein fremdes, 
für andere Kultuszwecke erfundenes Bauideal zumutet. 
Gegen die Anordnung der Orgelbühne angesichts der 
Gemeinde werden zwei Gründe angeführt: die Beunruhi¬ 
gung der Gemeinde durch die sichtbare Tätigkeit der 
Musizierenden und die Benachteiligung der Gemeinde¬ 
glieder auf einer hoch über dem Redner gelegenen Orgel¬ 
empore am Gottesdienst. Letzterem wird durch Senken 
der Empore begegnet, sodaß die erste Reihe der anstei¬ 
genden Sitze nur wenig höher als der Predigtstuhl oder 
die Altarstätte beginnt. Eine solche Anordnung birgt eine 
Reihe von gesteigerten, echt evangelischen Wirkungen. 
Der Prediger steht inmitten der Gemeinde, nur wenig 
über diese erhöht. Sein Wort wirkt eindringlicher, als 
das Wort von hoher Kanzel. Bei der gesenkten Orgel¬ 
bühne befindet sich der Sängerchor nahe hinter dem 
Liturgus. Für das Hören der Predigt werden diese 
Plätze hinter dem Redner durch die größere Nähe ent¬ 
schädigt. Das Persönliche des Geistlichen verbindet sich 
durch diese Anordnung mit dem Persönlichen des vier¬ 
stimmigen liturgischen Gesanges zu einer Einheit gegen¬ 
über der Gemeinde und dem einstimmigen Choral, sodaß 
die Gegenseitigkeit des Wechselgesanges rein in die Em¬ 
pfindung tritt. Der große Fortschritt auf dem Gebiete 
der Kirchenmusik, der in den letzten Jahrzehnten zu ver¬ 
zeichnen ist, erwuchs aus dem Schoße der evangelischen 
Kirche selbst. 

Für die Gestaltung des Inneren eines Kirchengebäudes 
war es möglich gewesen, aus dem evangelischen Empfin¬ 
den einzelne bestimmte Ziele als baukünstlerische Auf¬ 
gaben zu bezeichnen. Für das Aeußere ist dies bei der 
gährenden Entwicklung der Baukunst und der Kirche nicht 
wohl möglich. Eine Kirche, die es nach ihrer inneren 
Veranlagung vermag, die Geister auf dem Grunde der 
drei Kant’schen religiösen Voraussetzungen: Gott, Freiheit 
des Willens und Unsterblichkeit zu einen, muß es zu er¬ 
habenem Ausdruck in der Baukunst bringen. Die er¬ 
weiterten Organisationen gegenseitiger Hilfsbereitschaft 
ferner, die sich aus dem Zusammenlaufen der religiösen 
und der sozialen Fragen ergeben, fordern ihre bauliche 
Verkörperung. Man hat damit den Anfang gemacht, die 
Wohnungen der Geistlichen, die Konfirmandensäle, die 
Schwestern für die Krankenpflege in Häusern unterzu¬ 
bringen, die sich mit der Kirche zu einer Gruppe ver¬ 
binden. Die Möglichkeiten, diesen Organismus durch Ein¬ 
richtungen materieller Hilfe und geistiger Anregung zu 
erweitern, sind zahlreich. Der Ausblick, sie in dem lauten 
Treiben einer rastlos arbeitenden Stadt zu einer Hoch¬ 
burg des Friedens und der Menschenliebe zu vereinigen, 
ist so verlockend, daß man die lebhafte, in der evangeli¬ 
schen Kirche erwachte Sehnsucht begreift, solchen Hoffnun¬ 
gen baukünstlerische Gestalt zu geben. Dabei wird das 
Kirchengebäude selbst vielleicht an Bedeutung einbüßen, 
es wird einfacher, dafür aber menschlicher werden. Die 
bescheidenen Gruppenbauten, die Berlin in dieser Art 
aus früheren Jahren besitzt, die St. Jacobus - Kirche, die 
St. Johannis - Kirche in Moabit, können sich in ihrer An¬ 
mut sehr wohl neben den neuen Schöpfungen der evan¬ 
gelischen Baukunst sehen lassen. In dieser Richtung liegt 
auch die besondere künstlerische Befähigung des deut¬ 
schen Volkes. Seine Freude an der Harmonie im be¬ 
wegten Rhythmus führte in der Baukunst mit Vorliebe 
zur Gruppe. 

Es ist an die Verwirklichung dieser weitgehenden 
evangelisch-sozialen Träume die Vermutung geknüpft wor¬ 
den, daß wir damit nur wieder zu klösterlichen Anlagen 
gelangen würden. Doch es kann Niemand an der Mög¬ 
lichkeit, solche poetischen Gebilde architektonisch wieder 
erstehen zu sehen, aus dem Grunde Anstoß nehmen, daß 
das Mittelalter gleichartige Aufgaben ähnlich verkörpert 
hat. Schon der eine Umstand wird beide unterscheiden, 
daß die Lebenskraft, die diese neuen Schöpfungen des 
evangelischen Kirchenbaues durchströmen müßte, der Geist 
der Familie ist, auf deren unerschöpfliche Lebensfülle die 
Schöpfer mittelalterlicher Klosteranlagen glaubten freiwillig 
verzichten zu müssen. —• 


Inhalt: Berliner Neubauten. No. in. Das neue Herrenhaus des preuß. 
Landtages (Fortsetzung und Schluß). — Ueber die Pläne der Stadt- und Vor¬ 
ortbahnen in Hamburg. — Mitteilungen aus Vereinen. — Das Schinkelfest 
des Architekten-Vereins zu Berlin. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. 
— Brief- und Fragekasten. 

Hierzu eine Bildbeilage: Sitzungssaal im neuen Herren¬ 
hause des preußischen Landtages. 

Verla? der Deutschen Bauzeitung:, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantwortl. Albert H of mann, Berlin. Druck von Willi. Greve, Berlin. 

No. 23. 


144 









DEUTSCHE BAUZEITUNG 



XXXVIII. IAHRG. MV 24. BERLIN, DEN 23. MARZ 1904 




Abbildg. 6. Franz Josef-(Zollamts-) Brücke, Ges.-Entwurf: Donaubrücken-Abt. des kgl. ungar. Handelsministeriums (unt. Benutz, von 
Wettbewerbs-Entw.). Entwurf der Eisenkonstruktion im Einzelnen u. Ausführung derselben: Ungar. Staats-Maschinenfabr. in Budapest. 


Die neueren Straßenbrücken über die Donau in Budapest. (Fortsetzung aus No. 17.) 


II. Die Franz Josef-Brücke.*) 

ie Brücke, deren Gesamterscheinung aus 
unserem Kopfbilde, Abbildg. 6, hervorgeht, 
und deren System in Abbildg. 5, S. 99 be¬ 
reits wiedergegeben wurde, hat 3 Oeffnungen 
erhalten, deren mittlere von Mitte zu Mitte 
Pfeiler 175 m Stützweite besitzt, während die Seiten¬ 
öffnungen je 79,3 m aufweisen. Das System der in 
12,9 m Entfernung liegenden Hauptträger ist das eines 
Kragträgers mit eingehängtem Mittelteil und mit nach 
der Kettenlinie gekrümmtem Obergurt und bogenförmig 
ausgebildetem Untergurt. In dem eleganten Linien¬ 
zuge der Hauptträger liegt die Hauptschönheit der 
Brücke. Die Träger erheben sich über den Strom¬ 
pfeilern zu 22 m Höhe, während der 46,9 m weit ge¬ 
spannte eingehängte Mittelteil nur 3,025 m mittlere theo¬ 
retische Höhe besitzt. Am Ende der 64,05 m weit vor¬ 
springenden Kragarme beträgt dieseHöhe 4,16 m , an den 
landseitigen Endigungen schließlich 4,714 m . Die Feld¬ 
teilung ist im Mittelträger 4,69™, im übrigen 5,95; 7,25 
und 8,5 m . Die nutzbare Breite des Fahrdammes zwi¬ 
schen den Hauptträgern beträgt 11,5 m , die Breite der 
Hauptträger selbst je 1,4 m , die nutzbare Breite der 
auf Konsolen ausgekragten Bürgersteige je 2,9™ (vergl. 
die Abbildungen 7 u. 8, S. 147). Die Gesamtbreite 
zwischen den Geländern stellt sich also auf 20,1 m . 

Die Brückenbahn besitzt ein Gefälle von 1 :40 
und erhebt sich in Strommitte bis + 17,20, während 
die Unterkante der Konstruktion dort auf + 15,375 
über Nullwasser liegt, oder 7,70 m über Hochwasser. 
Ueber die Brücke ist eine 2gleisige elektrische Straßen¬ 
bahn mit Unterleitung geführt, deren normalspurige 
Gleise längs der Bordkanten liegen. Die Brücke ist 
gleichzeitig dazu ausgenutzt, um 4 Wasserrohre von 

*) Vergl. die ausführlichen Mitteilungen von J. Seefehlner in 
der Zeitschiift für Arch.- u. Ing.-Wesen 1898 und ferner die Zeit¬ 
schrift des Oesterreich. Ing.- u. Arch.-Vereins 1897. 



je 0,65 m Durchm. und ein Gasrohr von 0,3“ Durchm. 
überzuführen. Die ersteren sind unter dem Fahrdamm 
angeordnet. Die genieteten Kasten längs der Bord¬ 
kante nehmen Kabel der Post usw. auf. 

Pfeiler und Widerlager sind mit Luftdruck ge¬ 
gründet und zwar mußte der rechte Strompfeiler bis 
9 m , der linke 13,2 m unter ± o abgesenkt werden, 
während die Widerlager an den tiefsten Stellen nur 
bis —3,5 m hinabreichen. Die Pfeiler sind imganzen 
abgesenkt und haben 7,5 zu 28 m Grundfläche. Diese 
Stärke behalten sie bis dicht unter Nullwasser bei, 
setzen dort auf 6 m ab und verjüngen sich bis auf 
4,2 m unter dem Deckgesims. Sie schließen auf + 9,25 
ab. Sie sind im wesentlichen aus Bruchstein herge¬ 
stellt, über Wasser aber mit Werkstein und zwar z. T. 
mit Granit verkleidet. Die Land Widerlager sind in je 
2 Kaissons von je 6,2 m Breite bei 8 m Länge geteilt, 
die in rd. 3,5 m lichtem Abstand von einander abge¬ 
senkt und durch ein Gewölbe mit einander verbunden 
sind. Auch hier ist der Körper aus Bruchstein, die 
Verblendung aus Werkstein hergestellt. 

Den architektonischen Schmuck der Brücke bilden 
die 4 an den Enden aufgestellten massiven Torhäus- 
chen, sowie die Pfeileraufbauten über den Strompfeilern. 
Die Portale daselbst sind mit Blechen verkleidet und 
werden bekrönt von Adlern; sie erscheinen imganzen 
gegenüber der weitgespannten Eisenkonstruktion etwas 
schwächlich. Im übrigen ist bei diesem, z. Zt. an der 
äußeren Grenze der Stadt liegenden Bauwerke mit Rück¬ 
sicht auf die Kosten auf reicheren Schmuck verzichtet. 

Die Gründungs- und Mauerarbeiten der Pfeiler 
und Widerlager wurden von der Bauunternehmung 
Gärtner & Zsigmondv in Budapest, die auch alle 
sonstigen Nebenarbeiten(Rampenschüttung,Uferausbau, 
Bau der Torhäuschen) ausgeführt hat, übernommen. 
Der Kubikinhalt der Pfeiler und Widerlager stellt sich 
imganzen auf 9536 cbm . Die Arbeiten für den Unterbau 
wurden im Sept. 1894 begonnen und am 7. Dez. 1895 


H 5 















fertig gestellt; sie wurden dabei durch ungünstige Hoch¬ 
wasser- und Eisverhältnisse sehr erschwert. 

Die gesamte Eisenkonstruktion einschl. der deko¬ 
rativen Ausbildung derselben wurde der ungarischen 
Staats-Maschinenfabrik in Budapest übertragen, 
die auch den Ausführungs-Entwurf unter Leitung des 
damaligen stellvertretr. techn.Dir. J.Seefehlner bis auf 
einige Einzelheiten selbständig aufstellte.*} Mit Aus¬ 
nahme der aus Martinstahl hergestellten Auflagerteile 
und der in Gußeisen bestehenden Gegenlast am hinte¬ 
ren Ende der Kragträger ist die gesamte Konstruktion 
in Martinflußeisen erstellt, für welches folgende Be¬ 
dingungen gestellt waren: Zerreißfestigkeit 3500 bis 
4500 k s/ qcm , 28—22% Dehnung 
(quer zur Walzrichtung 32 bis 
26 %). Als Beanspruchung wur¬ 
den zugelassen 1200 k s/ c i cm für 
die Hauptträger und Windstre¬ 
ben, 8oo k s/ c i cm für die Quer- und 
Längsträger, 750 k s/ c i cm für die 
in einer Richtung, 650 k s/ qcm für 
die in mehrfacher Richtung be¬ 
anspruchten Niete. Für den 
Martinstahl waren 5700 k g/qcm 
Zerreißfestigkeit bei 12% Deh¬ 
nung verlangt und ebenfalls 
nur 1200 kg/ qcm Belastung zu¬ 
gelassen. 

Wir geben von der Eisen¬ 
konstruktion außer einem sche¬ 
matischen Querschnitt in Strom¬ 
pfeilerachse, Abbildg. 7, und 
einem Querschnitt in Brücken¬ 
mitte, Abbildg. 8, nur die Auf¬ 
hängung des Mittelträgers, Ab¬ 
bildg. 9 wieder, die keiner nähe¬ 
ren Erörterung bedarf. Die Auf¬ 
lager der Portalstützen und an 
den Brückenenden bieten nichts 
besonderes. Erstere sind ein¬ 
fache Kipplager — die konvexe 
Oberschale liegt unmittelbar in 
der konkaven Unterschale, — 
letztere Rollenlager. Die Quer¬ 
schnitte der Gurte der Haupt¬ 
träger sind I - f förmig, vergl. 

Abbildg. 8. Ihre nutzbare Quer¬ 
schnitts - Fläche schwankt im 
Obergurt zwischen 347 und 
1894 c i cm , im Untergurt zwischen 318 und 1818 c i cm . 

Die Fahrbahntafel wird hergestellt durch 5 Längs¬ 
träger, die zwischen die Querträger gespannt sind, 
zwischen denen wiederum sekundäre Querträger liegen, 


über welche dann in der Längsrichtung Zoreseisen ge¬ 
legt sind. Diese sind mit Asphaltbeton ausgefüllt, der 
noch 5 cm über die Oberkante der Eisen hinwegreicht. 
Der Schotter dieses Betons besteht an den Brücken¬ 
enden aus Trachytkleinschlag, im mittleren Teile be¬ 
hufs Entlastung aus Trachyttuff. Auf dieser mit Gu߬ 
asphalt abgeglichenen Unterlage ist eine doppelte 5 cm 
starke Kiefernbohlenlage aufgebracht, darauf das 13 cm 
hohe Buchenholzpflaster. Die Fußwege sind ebenfalls 
mit Zoreseisen abgedeckt Sie haben einen 2 cm starken 
Gußasphaltbelag auf Zementbeton. 

Das Gesamtgewicht der Konstruktion stellt sich 
auf 6076 l , davon entfallen 74 t auf Zierteile in Eisen 
und Bronze, 1306 1 in derHaupt- 
sache auf die Gegengewichte, 
137 1 auf die Auflagerschuhe, 
4560 1 auf die eigentliche Kon¬ 
struktion. An letzterem Gewicht 
nehmen die Hauptträger mit 
62,18%, die Fahrbahnkonstruk¬ 
tion mit 21,94 %) die Fußweg¬ 
konstruktion mit 7,14%, Wind¬ 
streben, Geländer usw. mit8,74% 
teil. Es stellt sich danach das 
Gewicht für 1 m Spannweite auf 
13,48 t (mit Gegengewichten auf 
17,30 l ), für 1 <i m Fahrbahn auf 
0,78 t (mit Gegengewicht 1 l ). 

Die Uebertragung der Arbeit 
an die Maschinen-Fabrik fand 
im November 1894 statt. Die 
Arbeiten wurden so gefördert, 
daß im September 1896 die 
Probe-Belastungen vorgenom¬ 
men werden konnten Bei der 
Aufstellung war die Freihaltung 
einer mittleren Durchfahrt von 
100 m für die Schiffahrt verlangt. 
Die Seitenöffnungen wurden auf 
fester Rüstung montiert, die 
Kragarme z. T. auf schwimmen¬ 
den Rüstungen. Die Mittelöff¬ 
nung mußte wieder eine feste 
Rüstung erhalten, vor deren 
Einbringung die Seitenteile voll¬ 
ständig frei gemacht waren. 

Die Kosten des Bauwerkes 
stellen sich insgesamt auf 
4 260 000 M. Davon entfallen 
987 348 M. auf den Unterbau, 2 653 875 M. auf die 
Eisenkonstruktion einschl. Ausschmückung, 6x8 777 M. 
auf die Brücken-Fahrbahn, Beleuchtung, die Zollhäuser, 
Bauleitung usw. — (Fo rtsetzung; folgt.) 



Mitteilungen aus Vereinen. 

Mittelrheinischer Arch.- u. Ing.-Verein. Von der zweiten 
Hälfte des Vereinsjahres 1003 ist Folgendes zu berichten: 
Die (38.) Hauptversammlung (Wandervers.) fand am 4. Juli 
1903 in Worms statt. Die zahlreich erschienenen Teilneh¬ 
mer versammelten sich im Festhause, in dessen unterem 
Saal eine Ausstellung der Pläne von bemerkenswerten 
WormserBauten eingerichtet war. Diese Pläne wurden 
durch die bei deren Ausführung beteiligten Fachgenossen 
erläutert, so hinsichtlich der neuen Wormser Bahnhof-An¬ 
lage durch Hrn. Hermann, hinsichtlich der städt. Bauten 
und der neuerdings dort errichteten Staatsgebäude durch die 
Hrn. Ilofmann und Metzler. Seitens des Hrn. Limpert 
war eine Auswahl von selbstgefertigten photographischen 
Aufnahmen älterer Bauwerke desKreisesWorms ausgestellt. 

Die Verhandlungen wurden durch den Vorsitzenden, 
Hrn. Imroth, eröffnet. Es erfolgte die Wahl von 4 Aus- 
schußmitgliedern, sodann die Verhandlung über Verbands¬ 
fragen. Als Ort der Hauptversammlung des Vereins im 
Sommer 1904 wurde Wiesbaden gewählt. 

Besondere Anregung brachte eine hierauf unter Lei¬ 
tung des Hrn. Hof mann ausgeführte Besichtigung der 
Wiederherstellungs-Arbeiten am Wormser Dom, 
an welcher auf Einladung des Vorstandes auch Mitglieder 
des historischen Vereins für das Großherzogtum teilnahmen. 
Die Besichtigung wurde durch einen trefflichen Vortrag des 

*) Vergl. hierzu auch die Ausführungen auf S. ioo in No. 17. 


Hrn. Hofmann eingeleitet. Ausgehend von der Entstehung, 
und den Schicksalen des Bauwerkes, welche kurz ange¬ 
führt wurden, ging Redner auf die verschiedenen Wieder¬ 
herstellungs-Arbeiten über, denen der Dom unterworfen 
war, berührte die Verhandlungen des Kunstrates und die 
von ihm auf Grund genauesten Studiums des Bauwerkes 
gewonnene Ansicht, wonach der einzig mögliche Weg, 
das Bauwerk in seiner ursprünglichen Gestalt der Nach¬ 
welt zu überliefern, in dessen teilweiser Niederlegung und 
dann dem Wiederaufbau gefunden werden konnte. In 
welcher Weise Hofmann hierbei vorging, wde er bei 
Meister Beyer in Ulm sich für die Dom-Wiederherstellung 
vorbereitete, wie er dann die Ursache der Bauschäden 
am Dom in der mangelhaften Gründung und der ange¬ 
wandten Verankerung der Bauteile durch inzwischen zu 
Staub zerfallene Eichenholzanker feststellte und sich end¬ 
lich seine eigene Bauhütte mit einem geschulten Werk¬ 
meister und tüchtigen Gesellen schuf und darin die Tech¬ 
nik der alten Steinbearbeitung am Dom unter Wiederauf¬ 
deckung und Inbetriebnahme des in alten Zeiten dem 
Bauwerk die Steine liefernden Steinbruches im Leininger 
Tal aufnahm, das alles wurde in lebendiger, anschaulicher 
Weise vor Augen geführt. Nachdem die Unterfangung 
der alten Fundamente und ihre Tieferführung bis auf den 
festgelagerten Kies gelungen war, hatte der Baumeister 
auch die Gewähr für das Gelingen des Wiederaufbaues 
der abgetragenen Teile, der Vierungskuppel und des V est- 
chores, und die gerade vollzogene Zusammenfügung der 

No. 24. 


146 










































































großen Rose, deren frühere, scheinbar beabsichtigte ellip¬ 
tische Form sich lediglich aus dem Auseinanderweichen 
des Steinverbandes erklärt, ließ es dem Beschauer glaub¬ 
haft erscheinen, daß nun auch diejenigen Kunstrats-Mit- 
glieder, welche früher einer abweichenden Anschauung 
Ausdruck gaben, sich mit der Wiederherstellung vollstän¬ 
dig befreundet haben. Tatsächlich ist diese der alten Tech¬ 
nik so angepaßt, daß es schwer hält, die neuen Steine 
von den alten zu unterscheiden. 

Nach einem Rundgang durch die Stadt nach der 
Straßenbrücke und nach Besichtigung des Paulus-Museums 
vereinigten sich die Teilnehmer mit den Damen zu einem 
gemeinsamen Festessen. 

Am io. Okt. v. J. fand ein Ausflug des Vereins nach 
Hanau statt, um eine Besichtigung des von Hrn. Pütz er 
erbauten neuen Kreishauses mit Landratswohnung 
unter Führung des Architekten vorzunehmen. Auf dem 
Wege vom Ostbahnhof zu dem davon entfernt liegenden 
Neubau war Gelegenheit geboten, bei einem Gang durch 
die innere Stadt einen Einblick in das architektonische 
Gepräge der Stadtanlage und ihrer Bauten zu gewinnen. 


eine ausgiebigere Anwendung von Farbe stattgefunden, als 
seither in solchen Gebäuden üblich war, insbesondere ist 
in ansprechender Weise eine Belebung des im Haupt¬ 
treppenhause verwendeten hellroten Sandsteines durch 
Aufmalung eines Ornamentschmuckes an Kapitellen, Basen 
und Gliederungen durch Gold, Blau usw. versucht worden. 
Im übrigen zeichnen sich naturgemäß der Sitzungssaal, 
in seiner baulichen und Mobiliar-Ausstattung mit beson¬ 
derer Liebe behandelt, sowie die in vornehmer Weise 
ausgestatteten Räume der Landratswohnung aus, wobei 
die sorgfältige Behandlung des Holzes hervorzuheben ist.— 

(Schluß folgt.) 

Vermischtes. 

Baubeamter und Privatarchitekt. In der Stadtverord- 
neten-Versammlung in Köln a. Rh. vom 7. Jan. d. J. hat 
FIr. Oberbiirgermstr. Becker bei Beratung des Neubaues 
der Handelshochschule Folgendes nach dem Protokoll der 
Versammlung des Arch.- u. Ing.-Vereins für Niederrhein 
und Westfalen vom 25. Jan. 1904 geäußert: 

„Ich wünsche wirklich ernstlich, daß keine Ueber- 



Die neueren Straßenbrücken über die Donau in Budapest. Franz Josef-Brücke: Abbildg. 9. Einzelheiten der Aufhängung 

des Mittelträgers an den Kragarmen. 


Die sich durch große Abmessungen auszeichnenden Platz¬ 
anlagen, darunter der Marktplatz mit seinen 4 Brunnen, 
die Anlage der Neustadt, welche den Einfluß der nieder¬ 
ländisch-wallonischen Einwanderer zu Ende des XVI. Jahrh. 
erkennen läßt, sodann von Gebäuden die verschiedenen 
Kirchen, das Rathaus, das Portal des Gymnasiums, das 
Schloß mit Parkanlage, endlich eine Anzahl bemerkens¬ 
werter Privathäuser in Fachwerkbau, legen deutliches 
Zeugnis ab von der einstigen Bedeutung Hanaus und ver¬ 
sprechen der wissenschaftlichen Ausbeute reichen Gewinn. 
Der sodann besichtigte Neubau des Kreishauses führte den 
Teilnehmern wieder eine vornehme Schöpfung moderner 
Architektur vor. Das umfangreiche Gebäude, dessen Kosten 
sich auf rd. 300 000 M. belaufen, enthält in dem größeren 
Flügel das Landratsamt, die Räume für die Kreisverwaltung, 
für Polizeizwecke und für die Sparkasse; in dem anderen 
Flügel die Wohnung des Landrates. In der äußeren Ge¬ 
staltung des Baues ist Wert auf ein malerisches Gesamt¬ 
bild, auf die Kenntlichmachung des großen Sitzungssaales, 
auf Auszeichnung des Haupteinganges und entsprechende 
Ausbildung des Wohnungsflügels gelegt. Im Inneren hat 


schreitungen mehr Vorkommen, die haben wir nunmehr 
doch bis zum Ueberdruß gehabt. Aus diesem Grunde 
habe ich auch darauf gehalten, daß die Bauausführung 
einem königl. Regierungs-Baumeister übertragen wird, da¬ 
mit wir die möglichste Gewähr haben, daß die Kosten 
sich innerhalb des Anschlages halten usw.“ 

Der Verein sprach über diese Aeußerung aus dem 
Grunde sein Bedauern aus, weil sie leicht zu dem Mi߬ 
verständnis Veranlassung gibt, als ob der Redner einen 
Unterschied zwischen Regierungs-Baumeistern einerseits 
und den nicht staatlich geprüften Architekten anderseits 
in dem Sinne habe behaupten wollen, daß den letzteren 
inbezug auf sparsame Ausführung von Bauten ein ge¬ 
ringeres Vertrauen gebühre, als den ersteren. — 

Zum ordentlichen Mitgliede der kgl. preuß. Akademie 
der Künste wurde der Architekt Prof. Alfred Messel in 
Berlin berufen, zum Senator der Architekt Geh. Brt. 
Heinrich Kayser in Berlin. — 

Die Bebauung der Kohleninsel in München. Die Mün¬ 
chener Gemeinde-Bevollmächtigten haben am 17. März 


23. März 1904. 


147 




















































































































































































































































einen die Bebauung der Kohleninsel betr. wichtigen Be¬ 
schluß gefaßt, indem sie dem Magistrats-Beschlüsse bei¬ 
traten, nach welchem der südliche Teil der Kohleninsel 
für einen Monumentalbau für das Museum für 
Meisterwerke der Naturwissenschaften und der 
Technik im Erbbaurechte überlassen wird. Die Ent¬ 
würfe für den Neubau sollen der Genehmigung der beiden 
städtischen Körperschaften unterliegen. — 

Der zwischen Ehrhardt- und Ludwigsbrücke gelegene 
Teil der Kohleninsel soll einem öffentlichen städtischen 
Gebäude Vorbehalten bleiben. Es ist wohl in erster Linie 
an ein Stadthaus gedacht. Die vom Magistrat beantragte 
sofortige Ausarbeitung der Pläne soll noch ausgesetzt wer¬ 
den, bis die Entwürfe für das Museum festgestellt sind. 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese beiden 
Beschlüsse einen sehr wichtigen Schritt in der künst¬ 
lerischen Weiterentwicklung der bayerischen Hauptstadt 
bedeuten. Wir werden zu gelegener Zeit auf die Sache 
ausführlicher zurückkommen, die bezüglich des Museums 
eine allgemeine deutsche Angelegenheit ist. — 

Preisbewerbungen. 

Zu einem engeren Wettbewerb betr. Entwürfe für den 
Bau einer Handelshochschule in Berlin wurden die Archi¬ 
tekten Kayser & von Groszheim, die jedoch die Teil¬ 
nahme ablehnten, Erdmann & Spindler, Cremer & 
Wolffenstein, Fürstenau, Reimer & Körte sowie 
Höniger & Sedelmeyer, sämtlich in Berlin, eingela¬ 
den. Der Neubau soll auf einem von der Neuen Fried¬ 
rich-Straße, der Spandauer-Straße und der Heiligengeist¬ 
gasse begrenzten Gelände errichtet werden. Verlangt 
werden u. a. eine Aula für 500 Sitzplätze, 5 Hörsäle für 
40—250 Personen, Seminarräume für Sprachen, Volks¬ 
wirtschaft, Geographie, Raumgruppen für ein physikali¬ 
sches und ein chemisches Laboratorium, Räume für Ver¬ 
waltung, Wohnräume usw. Die Zeichnungen sind 1:200 
verlangt; für i cbm umbauten Raumes ist ein Einheitspreis 
von 25 M. festgesetzt. Die zum 1. Mai d. J. einzuliefern¬ 
den Entwürfe beurteilt ein Preisgericht, welchem als Archi¬ 
tekten angehören die Hrn. Geh. Ob.-Brt. H. Eggert, Min.- 
Dir. K. Hinckeldeyn, Stadtbrt. L. Hoffmann und Prof. 
A. Messel, sämtlich in Berlin. Jeder Teilnehmer des 
Wettbewerbes erhält ein Honorar von 3500 M. Es ist 
beabsichtigt, demBewerber, dessen Entwurf als 
der beste befunden wird, die Ausführung des 
Baues zu übertragen. — 

Wettbewerb für die Erweiterung des Hafens von Gothen¬ 
burg in Schweden. Bei Besprechung dieses im Nov. v. J. 
ausgeschriebenen Wettbewerbes hatten wir bereits darauf 
hingewiesen, daß das Programm eine Reihe von Fragen 
offen gelassen hatte (vergl. S. 32). Wir erhalten jetzt eine 
Ergänzung des Programmes, die eine Reihe der fehlenden 
Angaben nachträgt. Sie gibt Mitteilungen über die jetzigen 
Verhältnisse der Binnen-, Küsten- und Seeschiffahrt, über 
den geplanten Freihafen, den Petroleumhafen, ferner über 
Wassertiefen, über Ebbe und Flut, über das Vorkommen 
des Bohrwurmes, über Strömung und Eisverhältnisse. Es 
werden ferner Angaben über die vorhandenen Lade- und 
Lösch-Einrichtungen, über die Schiffs-Abmessungen der 
Binnenschiffahrt, über die Gleisanlagen und Güterzunahme 
gemacht. Bezüglich des statistischen Materiales über die 
jetzigen Verkehrs-Verhältnisse und die zu stellenden An¬ 
sprüche an die Entwicklung derselben, worüber Angaben 
bisher ganz fehlten, wird auf die Jahrgänge I—III des 
durch die Buchhandlungen zu beziehenden statistischen 
Jahrbuches der Stadt Gothenburg verwiesen. — 

Wettbewerb betr. die Gartenstadtbewegung. Die engl. 
„Garden City Association“ veranstaltete im Herbst v. J. 
einen Wettbewerb für die Pläne der zu bauenden „garden 
city“ zwischen Hitchins und Beidock. Aus diesem Wett¬ 
bewerb sind die Entwürfe der Architekten Barry Parker 
und Raymond Unwin (Buxton-Derbyshire) siegreich her¬ 
vorgegangen. Sie sollen in jeder Beziehung mustergiltig 
sein und dürften in weiteren Kreisen die Förderung der 
„Gartenstadt-Idee“ bewirken. Das Gelände der „Garden 
City Association“ wird nun von den Hrn. Parker und 
Unwin zur Ansiedelung vorbereitet. — 

In einem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen 
für ein Stadttheater in Gablonz in Nordböhmen liefen 
24 Arbeiten ein. Den I. Preis errang der Entwurf des 
Architekten Rud. Krausz in Wien. — 

Zu dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Gebäude 
des Verkehrsministeriums und Zentral-Briefpostamtes in 
München liefen 32 Arbeiten ein. Der Wettbewerb war 
auf^bayerische Künstler beschränkt. — 

^Wettbewerb Festhalle Landau. Es liefen imganzen 172 
Entwürfe ein. Das Preisgericht tritt am 24. März zusammen. 

148 


Chronik. 

Der Ausbau des rechtsrheinischen Industriehafens in Köln, 

der auf rd. 5 Mill. M veranschlagt ist, ist durch die einstimmige Be¬ 
willigung der ersten Rate von 2505800 M. durch die Stadtverordneten 
beschlossen worden. Die Anlage wird eine Fläche von 35 ha umfassen. 
Der Neubau des physikalischen Institutes in Frankfurt 
a. M. ist an der Viktoria-Allee geplant. Die Pläne sind von Hrn. 
Fr. v. Hoven entworfen und beanspruchen zu ihrer Verwirklichung 
eine Summe von rd. r Mill M. — 

Ein Kunstvereinshaus in Augsburg soll an der Hallstraße 
auf einem von der Stadt Augsburg kostenlos überwiesenen Platze 
errichtet werden. —- 

Ein neues Wasserwerk der Stadt Worms, welches mit 
einem Aufwande von 1200000 M. geplant ist, soll die Rheinwasser- 
Versorgung durch eine Grundwasser-Versorgung ersetzen. — 

Saaltalsperre. Eine Saaltalsperre wird oberhalb des preußi¬ 
schen Städtchens Ziegenrück geplant. Das Zuflußgebiet soll 1600 qkm 
betragen, 30 Mill. cbm jährlicher Zufluß, 60 Mill. cbm Fassungsraum 
des Beckens, 30 m Mauerhöhe des Schutzdammes, 8200 P. S. Be¬ 
triebskraft. Die Kosten würden 1 800 000 M. betragen. Der Haupt¬ 
zweck der Anlage geht dahin, die Industrie der Umgebung (Saal¬ 
feld, Pößneck, Rudolstadt, Schleiz, Zeulenroda, Greiz usw.) mit 
billiger Betriebskraft zu versehen. Die umliegenden Ortschaften 
sollen elektrische Beleuchtung erhalten. — 

Die Errichtung eines Stadttheaters in Kiel ist durch die 
Stadtverordneten nunmehr beschlossen worden. Für das nach den 
Entwürfen des Baurates Heinrich Seeling in Berlin zu errichtende 
Haus wurden 1,5 Mill M. bewilligt. — 

Der Ausbau des Palais Borsig ln Berlin, eines der feinsten 
Werke von Lucae, wird nunmehr, nachdem das Palais in der Wilhelm¬ 
straße Jahrzehnte lang unausgebaut dastand, in Angriff genommen. 
Das Haus ist durch die preußische Pfandbriefbank um 1,3 Mill. M. 
erworben worden und wird derselben als Geschäfts-Gebäude dienen.— 
Ein Denkmalbrunnen für Peter Henlein, den Erfinder der 
Taschenuhren, soll auf Veranlassung des Deutschen Uhrmacher- 
Verbandes errichtet werden. In die mit 22000 M. veranschlagten 
Kosten teilen sich die Stadtgemeinde Nürnberg und der genannte 
Verband zu gleichen Teilen. — 

Die Errichtung eines neuen kgl. Schauspielhauses in 
Dresden ist durch König Georg bewilligt worden. Das 1906 zu 
eröffnende Haus soll seine Stelle in der Ostra - Allee, zwischen 
Loge, Zwingeranlagen und Orangerie erhalten. Zur Gewinnung der 
Pläne wird der Weg des öffentlichen Wettbewerbes beschritten. — 
Die Erbauung eines Stadttheaters in Kattowitz ist nach 
dem Entwurf des Hrn. Reg.-Bmstr. K. Moritz in Köln a. Rh. und 
unter Annahme einer Bausumme von 630000 M. durch die Stadt¬ 
verordneten einstimmig unter der Voraussetzung beschlossen wor¬ 
den, daß der Staat einen Zuschuß zu den Baukosten in Höhe von 
mindestens 200000 M bewilligt. — 

Eine allgemeine Kunstgewerbe-Ausstellung Dresden 1906 

ist durch den Dresdner Kunstgewerbe-Verein beschlossen worden. — 


Personal-Nachrichten. 

Baden. Versetzt sind: Die Reg.-Bmstr. Drach in Konstanz 
zur Wasser- u. Straßenbauinsp. Freiburg, Wi e 1 a n d t in Freiburg 
zur W.- u. Str.-Bauinsp. Heidelberg, Kitiratschky in Mannheim 
zur Kulturinsp. Heidelberg und Kern in Offenburg zur Rheinbau- 
insp. Mannheim; der Bauing. Stierlin in Heidelberg zur W.- u. 
Str.-Bauinsp. Offenburg. 

Preußen. Dem Mar.-Schiffbmstr. Dix und dem herz, braun¬ 
schweig. Kreisbauinsp. Mittendorf in Helmstedt ist der Rote 
Adler-Orden IV. Kl. verliehen. 

Dem Geh. Brt. Rücker in Erfurt ist die Erlaubnis zur Anleg. 
des ihm verlieh, fürstl. schwarzburg. Ehrenkreuzes II. Kl. erteilt. 

Versetzt sind: Der Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Schräder in 
Neukirchen nach Treysa als Vorst, der dahin verlegten Eisenb.- 
Bauabt.; die Reg.-Bmstr. Dr. phil. Schmitz in Breslau zur Kgl. 
Eisenb.-Dir. in Hannover, Koester in Berlin zur Kgl. Eisenb.-Dir. 
in Frankfurt a. M. und Pommerehne in Hannover zur Dir. in 
Breslau; Rautenberg in Pr. Eylau nach Königsberg i. Pr. 

Der Eisenb.-Bauinsp. Diedrich in Essen a. d. Ruhr ist der 
Kais, deutschen Botschaft in Washington zugeteilt. 

Dem Doz. der Techn. Hochschule zu Berlin, Landesbrt. Theod 
Goecke ist das PrädikatProf. verliehen. — DieWabl des Stadtbmstr. 
Krüger in Merseburg als besoldeter Stadtrat (Stadtbrt.) ist bestätigt. 

Die Reg.-Bfhr. Bernh. Hunger aus Neuenfelde, Johs. Werdel- 
mann aus Detmold u. Ottomar Martini aus Hagen i.W. (Hochbfch ), 
— Felix Schulz aus Greiz und Max v. Allwörden aus Hamburg 
(Wasser- u. Straßenbfch.), — Ewald Mees aus Elberfeld (Masch.- 
Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. 

Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr.: Dechant 
dem Techn. Bur. der Hochbauabt. des Minist, der öffentl. Arb. und 
S t e c h e 1 der Kgl. Reg. in Kassel. 


Brief- und Fragekasten. 

Wettbewerbswesen. Auf eine ganze Reihe von Auslassungen 
und Beschwerden über die Durchführung der Wettbewerbe, die 
uns zugingen, bemerken wir, daß, obwohl wir die Berechtigung zu 
Beschwerden leider in den meisten Fällen anerkennen müssen, es 
uns doch zu unserem lebhaften Bedauern ganz unmöglich ist, alle 
Fälle redaktionell zu behandeln, da dazu der Raum unserer Zeitung 
auch nicht entfernt ausreicht. Wichtigeren Fragen aber werden 
wir stets die gebührende Aufmerksamkeit schenken. — 

Inhalt: Die neueren Straßenbrücken über die Donau in Budapest 
(Fortsetzung). — Mitteilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbe¬ 
werbungen. — ChrSnik. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. 

Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion 
verantworü. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin 

No. 24. 







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DEUTSCHE BAUZEITUNG 


XXXVIII. JAHRG. N° 25. BERLIN, DEN 26. MARZ 1904 


Die neueren Straßenbrücken über die Donau in Budapest. 

(Fortsetzung.) Hierzu eine Bildbeilage. 


III. Die Elisabeth-(Schwurplatz-)Brücke. 

ür die Elisabeth - Brücke ist wieder das 
System einer versteiften Kettenbrücke ge¬ 
wählt, teils aus ästhetischen Rücksichten, 
teils weil es im Interesse der Schiffahrt und 
der ungehinderten Hochwasser- und Eis-Ab¬ 
führung wünschenswert erschien, den Donaustrom 
an dieser Stelle in einer ungeteilten Spannung zu über¬ 
schreiten. Die Brücke hat demzufolge eine einzige 
Stromöffnung von 2go m Spw. von Mitte zu Mitte der 
an den Ufern stehenden Zwischenpfeiler erhalten und 
ist damit wohl die weitestgespannte Brücke des Kon¬ 
tinentes. Die beiderseits anschließendenUferstraßensind 



mit Spannungen von 42,2 m von Mitte Pfeiler bis Vorder¬ 
kante Widerlager überbrückt (vergl. die Uebersichts- 
zeichnung Abbildg. 4, S. 99). Die in einer lotrechten 
Ebene liegenden Ketten und Versteifungsträger haben 
einen Abstand von 20 m v. M. z. M. und fassen sowohl 
die 11 m breite Fahrbahn wie die Bürgersteige zwischen 
sich. Letztere besitzen in der Stromöffnung je 3,5, in 
den beiden Seitenöffnungen je 3,7“ Breite. Durch die 
Portale über den Zwischenpfeilern werden sie auf 2,8 m 
eingeengt. Sie haben ein Quergefälle zur Fahrbahn von 
1 : 70, während letztere mit 1 : 40 nach den Bordkanten 
fällt (vergl. den Querschnitt Abbildg. 14). Das Längs¬ 
profil der Brücke ist im mittleren 100 m breiten Teile 
nach "einer Parabel geformt, deren Oberkante in Fahr- 



Abbildg. 10. Die Elisabeth-Brücke im Bau. (Die Montagerüstung ist bis auf die Einrüstung der Portale entfernt.) 


U 9 





































































bahnmitte bei unbelastetem Zustande der Brücke und einer 
Temperatur von T-io°C. auf + 18,575 m über dem Null¬ 
wasserspiegel liegt. Dann fällt die Brückenbahn beiderseits 
nach den Ufern mit 1 : 37 und erreicht über den Zwischen¬ 
pfeilern + 15,335 m > an den Brückenenden eine Höhe von 
+ i4,iö m . Der Untergurt des Versteifungsträgers liegt im 
mittleren Brückenteil 3,5 m unter Fahrbahn-Oberkante, also in 
Brückenmitte auf + 15,075 m über Nullwasser; an den Zwi¬ 
schenpfeilern ist er bis auf + 9,60 m hinabgezogen. 

Ueber die Brücke ist längs der Bordkanten je 1 Gleis 
einer elektrischen, normalspurigen Straßenbahn mit Unter¬ 
leitung ausgeführt. Unter der Fahrbahn sind längs der Bord¬ 
kante wiederum Kabelkasten, unter den Bürgersteigen Gas- 
und Telephonkabel-Röhren durchgeführt. Die Fahrbahn ist 
mit 12 cm hohem Flolzpflaster auf doppelter Bohlenunterlage (je 



CO 


bß 

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*<-■09 l *.08.9*-.-> 




I 5° 



00.91- 


Ko. 25. 





















































































































































































































































































2,5 rm ) hergestellt, die auf dem die Zoreseisen aus¬ 
füllenden und überdeckenden Asphaltbeton ruht. Die 
Bürgersteige haben Gußasphaltbelag auf Betonunter¬ 
bettung, die von Wellblech getragen wird. 

Die Ausbildung der Strompfeiler und Widerlager 
geht aus den Abbildgn. n—13 hervor. Die im Unter¬ 
bau 40 m langen und 9,3 m breiten Pfeiler sind mit Luft¬ 
druck bis —8,5™ unter Nullwasser abgesenkt und zwar 
bestehen die Fundamente aus 2 getrennten Kaissons. 
Die Oberkante liegt auf + 8,75. Die Widerlager 
waren ebenfalls als für jede Kette getrennte Mauer¬ 
werkskörper geplant und ausgeführt. Sie sind in 
offener Baugrube zwischen eisernen Spundwänden 
hergestellt worden und ruhen auf einer bis —4™ 
hinabreichenden Betonschicht, die in ihrem dem Strom 
zugekehrten vorderen Teile mit 1 : 10 ansteigt. Ueber 
der Betonschicht ist eine Asphaltschicht aufgebracht, 
die von den wasserdicht herzustellenden Ankerkammern 
das aufquellende Wasser abhalten soll. Auch die 
Seitenwände der Widerlagsklötze wurden in dieser 
Weise abgedichtet. Diese Anordnung erwies sich als 
nicht günstig und als zu schwach für die Aufnahme 
des Zuges der in den Widerlagern verankerten Rück¬ 
haltketten. Das Widerlager an der Ofener Seite zeigte 
im Frühjahr 1902, nachdem die Eisenkonstruktion zu 
etwa 3 /_i montiert und die Kette in der Stromöffnung 
ausgerüstet war, eine Bewegung des über der Asphalt¬ 



schicht, die wie eine Rutschfläche wirkte, ruhenden 
Mauerteiles. Es erwies sich daher eine wesentliche 
Verstärkung der Widerlager als erforderlich, die nach 
teilweisemWiederabbau der Eisenkonstruktion und einer 
Beseitigung der Rüstungen an den Rückhaltketten und 
Portalen bis anfangs 1903 durchgeführt wurde. Diese 
Verstärkung besteht zunächst darin, daß der Zwischen¬ 
raum zwischen den beiden Widerlagsklötzen ausge¬ 
füllt wurde und daß man durch letztere in Höhe der 
Asphaltabdeckung wagrechte Stollen durchtrieb, die 
dann mit Granitmauerwerk gefüllt eine Art Verzahnung 
herstellten. Vor den Widerlagsstirnen wurde außer¬ 
dem durch tiefere Absenkung von Kaissons noch ein 
kräftiger Vorfuß geschaffen und schließlich wurden, um 
Kippbewegungen zu verhindern, im Anschluß an die 
leichten Iorhäuschen schwere massive Aufbauten über 
den Ankerkammern aufgebaut und in letztere selbst 
noch Eisenbarren zur Belastung eingebracht. In dieser 
Form haben die Widerlager der im Herbst 1903 ausge¬ 
führten Probebelastung tadellos widerstanden. Aeußer- 
lich hat die Brücke durch die schweren Endaufbauten 
jedenfalls nur gewonnen. 

Die Ausführung aller Gründungs-, Mauer und- 
Steinmetzarbeiten, sowie die sonstigen nicht zur Eisen¬ 
konstruktion gehörigen Nebenarbeiten waren der Firma 
E. Groß, Tärsa und Heinrich Fischer in Wien- 
Budapest übertragen. 

26. März 1904. 


Die Gesamtanordnung der Eisenkonstruktion geht 
aus den Abbildgn. 11—14 und aus der schon erwähnten 
Uebersichts-Zeichnung in No. 17 hervor. Jede Trag¬ 
wand besteht aus 2 senkrecht übereinander liegenden 
Ketten, die mit den auf den Kipplagern ruhenden 
Portalständern gelenkig verbunden und durch gerad¬ 
linige Rückhaltketten mit den Widerlagern verankert 
sind. Soweit die Ketten sichtbar sind, sind sie in 
ganzer Länge in einem lotrechten Abstand von 1,52 m 
parallel zu einander geführt. Bei + 10 U C. und in un¬ 
belastetem Zustande der Brücke liegt der theoretische 
obere Aufhängepunkt der oberen Kette auf +51,56™, 
während der tiefste Punkt in Brückenmitte sich dann 
auf + 22,56™ über Nullwasser befindet. Die Stütz¬ 
weite der Mittelöffnung ist dann genau 290™, die wag¬ 
rechte Entfernung vom Aufhängepunkt bis zum unter¬ 
sten Kettenbolzen der oberen Rückhaltkette 69,244™. 

Die Kettenglieder sind mit zylindrischen Bolzen 
mit einander verbunden, an welche auch die regulier¬ 
baren Hängestangen angreifen, welche die Querträger 
der Fahrbahnkonstruktion umfassen. Auf die Aus¬ 
bildung der Verankerung und der oberen Verbindung 
der Ketten mit den Portalständern, die mit Doppel- 
Kippbolzen erfolgt, kommen wir im Einzelnen zurück. 

Die Portalständer bestehen aus zwei von Mitte zu 
Mitte 2205™™ entfernten Eisenkasten, die teils aus 
vollen Blechen, teils als Fachwerk hergestellt sind. 

Sie stehen auf Stahlkipp-Lagern, die 
auf gußeisernen Platten ruhen. In 
ihrem oberen Teile vereinigen sie sich 
zu einem Doppelkasten, in welchem die 
Aufhängebolzen der Ketten gelagert 
sind. Durch Querversteifungen über 
den Auflagern und am oberen Ende 
sind die beiden P01 talständer zu einrm 
festen Portale zusammengefaßt. Die 
Portale haben eine architektonische 
Umkleidung mit einem dünnen Blech¬ 
mantel erhalten, sind aber in allen 
Teilen zugänglich. 

Die Versteifungsträger, welche den 
lotrechten Deformationen und Schwin¬ 
gungen der Ketten entgegenzuwirken 
haben, sind im Obergurt parallel zur 
Fahrbahn, also 1,25™ über Fahrbahn¬ 
achse liegend, geführt. Der Untergurt 
ist parabolisch gekrümmt; er liegt in 
Brückenmitte 3,5™ unter Fahrbahn, 
über den Strompfeilern auf +9,60 und 
steigt bis zu den Endauflagern wieder 
bis +ii, 4 ™ über Nullwasser an. Die 
Trägerhöhe schwankt zwischen 3,58 
und 6,99™. Die Feldteilung ist in der Mittelöffnung 
6™, im regelmäßigen Teil der Seitenöffnungen 4™. 
Die Querträger der Mittelöffnung sind, wie schon be¬ 
merkt, an den Kettenbolzen aufgehängt und zwar ab¬ 
wechselnd an der oberen und der unteren Kette. Nur 
in Brückenmitte ist eine steife Aufhängung hergestellt, 
um die wagrechten Schwingungen der Kette durch 
den Winddruck auf die Versteifungsträger und den 
Windverband zu übertragen. Die Versteifungsträger 
schieben sich über den Strompfeilern zwischen die 
beiden Portalwände ein und sind an deren Lagerbolzen 
pendelnd derart aufgehängt, daß sie zwar den Tempe¬ 
ratur-Ausdehnungen folgen, aber sich nicht in lot¬ 
rechter Richtung bewegen können. Die Verankerung 
der Trägerenden an den Widerlagern beschränkt deren 
Bewegungsfreiheit in gleicher Weise. Die Einzelheiten 
sollen noch später zur Darstellung kommen. 

Die allgemeine Anordnung des Windverbandes 
geht aus Abbildg. 12 hervor. Er ist mit dem Unter¬ 
gurt des Versteifungsträgers verbunden und als ein 
durchlaufenderTräger auf 4 Stützen ausgebildet, dessen 
Mittelteil 290™ Stützweite besitzt, während den Enden 
je 45,7™ zufallen. Die Endstreben sind zu einer Spitze 
zusammengezogen und gegen seitliche Verschiebung 
gesichert gelagert. Ueber den Strompfeilern ist das 
Windstrebenkreuz durch wagrechte Pendelstützen 
gegen die Auflagerbolzen des Portales abgesteift und 

’5C 






















































































dadurch ebenfalls gegen seitlicheVerschiebunggesichert, 
während die Ausdehnung im Längssinne ungehindert 
erfolgen kann. 

Die Fahrbahn-Konstruktion besteht aus den 20 m 
weitgespannten, als Fach werkträger ausgebildeten Quer¬ 


sekundäre Längsträger, über welche in der Quer¬ 
richtung Zoreseisen gestreckt sind. 

Das Material der Eisenkonstruktion ist Siemens- 
Martin Flußeisen bezw. Flußstahl. Nur zu einigen 
Lagerteilen ist Gußstahl bezw. Gußeisen verwendet. 




w 



trägem, deren Obergurt dem Quergefälle der Brücken¬ 
tafel folgt, 7 genieteten Längsträgern und gewalzten 
sekundären Querträgern. Letztere tragen über den 
Bürgersteigen unmittelbar das die Tafel bildende längs¬ 
gelegte Wellblech, unter der Fahrbahn nochmals 


Das Gesamtmaterial wurde von den kgl. Ungar Eisen- 
und Stahlwerken in Diösg3^ör bezw. Zölyombrezö ge¬ 
liefert. Aus gewalztem oder geschmiedetem Stahl be¬ 
stehen die Kettenbleche, alle Gelenkbolzen, die Regu¬ 
lierungsteile der Auflager, die Pendelstützen der Ver- 

No. 25. 


iga 



































steifungsträger an den Portalen. Für diesen Stahl 
war eine Zerreißfestigkeit von 5000 — 5500 k g/q cm bei 
mindestens 20% Dehnung, für die Doppelkippbolzen 
der oberen Kettenbefestigung eine solche von 6000 
bis 6500 k g/q cra bei 15% Dehnung verlangt. Zugelassen 
war eine Beanspruchung von 1400 k e/q cm für die Ketten¬ 
bleche, von 85o k s ,c i cm für die Stahlbolzen auf Absche¬ 
rung, 1500 k g/q cm desgl. bei Beanspruchung auf Biegung, 
2200 k s/ c J cm für den Lochleibungsdruck. Für das Flu߬ 
eisen, welches den Hauptteil der Eisenkonstruktion 
bildet, war eine Zerreißfestigkeit von 3500—4500 k &/q cm 
bei 28—22% Dehnung verlangt und quer zur Walz¬ 
richtung bei gleicher Festigkeit 26 bis 20% Dehnung. 
Für Niete sollte die Festigkeit nur 3000—4ooo k s/q cm , 
die Dehnung dagegen 32—2Ö 0 / 0 betragen. Zugelassen 
waren 85o k ?/<i cm bei den Fahrbahn-Bestandteilen und 
Hängeeisen, 1100 k s bei den Versteifungsträgern, 1200 k £ 
bei den Portalständern und dem Windverband; für 
Niete waren auf Abscherung 750 k s, auf Lochleibungs¬ 
druck 1800 k s/q cm gestattet. Gußstahl bei Biegung durfte 


das Nötige gesagt. Das Gesamtgewicht der Eisen¬ 
konstruktion stellt sich auf rd. myo 1 , deren Her¬ 
stellung und Aufstellung einen Kostenaufwand von rd. 
3,5 Mill. M. verursacht hat. Außerdem sind in den 
Ueberbauten der Widerlager noch 2200 1 Roheisen 
verbaut, das zum Preise von rd. 150000 M. von dem 
kgl. ungar. Eisenwerk in Vajdahunyad geliefert wurde. 

Im einzelnen setzt sich das Gewicht der eigent¬ 
lichen Konstruktion wie folgt zusammen: 4393 4 Flu߬ 
stahl der Kettenglieder und Gelenkbolzen, 2082 1 Flu߬ 
eisen der Portale, 3801 ‘ Flußeisen der Versteifungs¬ 
träger nebst deren Aufhängung an den Ketten, der 
gesamten eigentlichen Fahrbahn-Konstruktion, des 
Windverbandes, 304* für die Konstruktionsteile der 
Gleise, die Rohrleitungen usw., 589t für allerhand Auf¬ 
lagerteile in Schmiedestahl, Stahlguß und Gußeisen. 

Die Gesamtkosten des Brückenbaues waren auf 
rd. 11 Mill. M. veranschlagt. Ob diese Summe durch 
die erheblichen Verstärkungsarbeiten an den Wider¬ 
lagern und die großen Schwierigkeiten, welche der 



Beckenanlage in den Waschräutnen der Männerpavillons. 

Die Arbeiterheilstätten der Landes-Verslcherungsanstalt Berlin bei Beelitz. Architekten: Schmieden & Boethke in Berlin. 

auf 1400 k s, Gußeisen auf Druck mit 800, bei [Zug mit Ausführung des Widerlagers an der Ofener Seite 
250 kg/qcm belastet werden. Ueber die der Berechnung durch Anfahren heißer Quellen begegnete, eingehalten 
zugrunde gelegtenBelastungsannahmen ist bereitsS. 100 werden konnte, ist uns nicht bekannt. — (Fortsetzung folgt.) 


Die Arbeiterheilstätten der Landes-Versicherungsanstalt Berlin bei Beelitz. 

Architekten: Schmieden & Boethke in Berlin. 


II. Die Einzelba Uten. (Schluß aus No. 15.) 

Die Kochküchen und die Waschküchen. 

ür die Anstalten der Erwerbsunfähigen und 
der Lungenkranken ist ein völlig getrennter 
Wirtschaftsbetrieb eingeführt und daher für 
beide Abteilungen je eine Koch- und eine 
Waschküche geschaffen. Die Kochküche 
besteht aus Keller-, Erd-, Ober- und Dachgeschoß. Die 
Gesamtanlage zeigt der Grundriß S. 86, das Aeußere 
die Beilage zu No. 15. Der Hauptraum ist der große 
Kochraum, durch zwei Geschosse gehend, gewölbt 
und an Gewölben und Wänden mit glasierten Steinen 
verblendet. Links vom Hauptraum liegen im Erdge- 

26. März 1904. 


schoß die Räume für Speisen und Vorräte, der Fleisch- 
Kühlraum und ein durch ein Fenster mit dem Koch¬ 
raum verbundener Büreauraum. Vor dem Kochraum 
liegen ein Eßzimmer für das Personal und ein Ge¬ 
müseputzraum; zur Rechten schließen sich ein An¬ 
richteraum, eine Geschirrkammer, eine Speisenausgabe 
und eine Spülküche an. Man beachte die zweck¬ 
mäßige Zusammenlegung dieser Räume. Im Keller¬ 
geschoß befinden sich Vorratsräume, im Obergeschoß 
Vorratsräume und Räume für weibliches Personal, 
welche letztere sich bis ins ausgebaute Dachgeschoß 
erstrecken. Bei der Einrichtung der Küche ist mit 
einer Belegschaft von 400 Personen für die Abteilung 
der Erwerbsunfähigen und von 600 Personen für die 



153 



















Abteilung der Lungenkranken gerechnet. Für eine 
größere Belegschaft können ohne Schwierigkeit weitere 
Ergänzungen getroffen werden. Auf die musterhaften 
Einrichtungen im Einzelnen einzugehen, würde hier zu 
weit führen; zum Kochen wird vorwiegend Dampf ver¬ 
wendet. Der Aufwand für jede der beiden Kochküchen 
wurde mit 200000M., der Aufwand für die Einrichtungen 
beider einschl. der Anrichteküchen in den Pavillons mit 
77 000 M. berechnet. 

Die Waschküchen haben einen ähnlichen Um¬ 
fang, wie die Kochküchen. Die Grundrißanlage (S. 79) 
istdem Gang angepaßt, den die Wäsche bei der Reinigung 
durchzumachen hat. Die schmutzige Wäsche wird in 
der rechts gelegenen Wäscheannahme eingeliefert, geht 
durch den Sortierraum und von hier in den Einweich¬ 
raum. Von hier aus erst, nachdem sie in massiven Ein¬ 
weichgefäßen eingeweicht wurde, kommt sie in den in 
der Mitte gelegenen Hauptraum, die Waschküche. Die 
gereinigte Wäsche kommt in den senkrecht zur Wasch¬ 
küche stehenden Trockenraum, von hier in den Man¬ 
gelraum und die Plättstube, weiterhin in das Wäsche¬ 
magazin oder die Flickstube und von hier aus zur Aus¬ 
gabe. Eine besondere Raumgruppe ist im Erdgeschoß 
den Bedürfnissen des Personals Vorbehalten. Im Ober¬ 
geschoß liegen die Wohnungen des Personals, ein 
weiteres Wäschemagazin und eine weitere Flickstube. 
Die Ansicht des Aeußeren gibt die Beilage zu No. 13. 
Der Aufwand für jede der beiden Waschküchen wurde 
mit 206 000 M. berechnet. - 

Das Desinfektionshaus. 

w™ as Desinfektionshaus ist eines der wichtig- 
|| sten Gebäude der Anstalt. Seine Haupt¬ 

es fSM g, räume liegen im Erdgeschoß. Der Raum, 
|J * n welchem sich die Desinfektions-Apparate 

- J befinden, teilt sich durch eine massive Tei¬ 
lung in eine unreine Seite, auf welcher die zu des¬ 
infizierenden Gegenstände eingeliefert werden, und in 
die reine Seite, auf welcher sie gereinigt ankommen. 
Für das auf der unreinen Seite beschäftigte Personal 
sind ein Umkleidezimmer und ein Bad angeordnet. 
Nebenräume der Anstalt sind ein Raum zur Aufbe¬ 
wahrung vonBettwerk, ein Kleiderwechselraum, Räume 
für die Aufbewahrung von Leichen und für Sektionen, 
sowie ein Verbrennungsofen. Der Desinfekteur, welcher 
die Apparate und Oefen bedient, wohnt im Hause. 
Die Bau- und Einrichtungskosten waren mit 91 000 M. 
veranschlagt. (Siehe den Grundriß S. 86.) — 


Altbürgerliche Baukunst. 

n der Groß- und Industriestadt räumen nicht nur das 
moderne Verkehrsbedürfnis, sondern auch die für 
gesteigerte Ansprüche des Geschäftslebens sich her¬ 
ausbildenden Forderungen mehr und mehr mit den noch 
von den Vätern überkommenen Wohnhausbauten auf. 
Manches charakteristische Werk verfällt selbst im Zentrum 
einer noch pittoresk altertümlichen Altstadt vielfach ohne 
zwingenden Grund, häufig reinem Neuerungsdrang zum 
Opfer, und wenn auch neues Leben aus den Ruinen blüht, 
so kann doch mit dem besten Willen und ohne alle Gegner¬ 
schaft zum Neuen durchaus nicht behauptet werden, daß 
stets das Schönere an die Stelle von jenem tritt. 

Selbst viele unserer Kleinstädte hat das Modernisie¬ 
rungsfieber ergriffen und wenn nicht da und dort behörd¬ 
licher Einspruch ein altes historisch oder stilistisch inter¬ 
essantes Bauwerk rettet, so wird es gar nicht so selten 
als man glaubt kurzweg beseitigt. Es ist nicht nötig, ein 
Enthusiast für alles Alte zu sein, um doch zu der An¬ 
sicht zu gelangen, daß ein ziemlicher Prozentsatz unserer 
Stadtbauämter in dieser Richtung genau so wie andere 
Stellen auf dem Gebiete der Wiederherstellungen nicht 
mit der Rücksicht für den überkommenen Kunstbesitz Vor¬ 
gehen, die erwünscht wäre. 

Fast noch schlimmer aber liegen die Dinge auf dem 
platten Lande, insbesondere dort, wo der Spekulationsgeist 
irgend ein bis dahin weltvergessenes Nest zum Luft-, 
Wasser-, Nerven- oder sonstigen Kurort, zur Sommer¬ 
frische oder zum Touristen-Treffpunkt machte. Da reißt 
der Bauer sein mit dem Boden förmlich verwachsenes, in 
die Gesamtumgebung reizvoll eingepaßtes Anwesen ohne 
weiteres nieder und baut ein Schweizerhaus, eine skandi¬ 
navische „Villa“ u. dergl. hin. Die oberbayerischen und 


Die Zentral-Badeanstalt. 

ie Zentral-Badeanstalt gehört zu den Haupt¬ 
gebäuden der Anstalt, dient aber nur für 
den Gebrauch durch die Insassen der Sana¬ 
torien, nicht auch der Lungenkranken, für 
welche in den einzelnen Gebäuden, die für 
sie bestimmt sind, ausreichende Reinigungs- und thera¬ 
peutische Bäder vorgesehen sind. Die Zentral-Bade¬ 
anstalt dient nicht nur für Reinigungszwecke, sondern 
auch zur hydrotherapeutischen Behandlung, zur Ver¬ 
abreichung von medizinischen, Dampf-, elektrischen 
und Hitzebädern, sowie vonSand-, Moor- und Schwefel¬ 
bädern. Mit ihr sind das medico-mechanische Institut 
und eine Turnanstalt verbunden. Durch die Anlage, die 
S. 86, 87 u. 89 dargestellt ist, geht ein großer, monumen¬ 
taler Zug, sie erinnert an römische Vorbilder. Die Form 
des Grundrisses hatte sich dem dreieckigen Bauplatze 
anzupassen. Das Gebäude besteht aus dem langgestreck¬ 
ten Vorderbau und dem Hinterbau mit Kuppelraum. 
Drei Verbindungsteile, die zwei Höfe einschließen, ver¬ 
binden beide Bauten miteinander. Der Haupteingang 
mit Eingangshalle liegt an der gegen Norden sich wen¬ 
denden Hauptfront. An die Eingangshalle schließt sich 
die quer gelagerte Warte- und Wandelhalle an, auf 
sie folgen in der Hauptachse der Auskleideraum und 
auf ihn der achteckige Kuppelraum von 13™ Durch¬ 
messer für die hjMro-therapeutische Behandlung. Um 
den Kuppelraum, der hohes Seitenlicht hat, lagern 
sich der Ruhesaal, die Säle für Massage und Packun¬ 
gen, sowie der Saal für elektrische Heißluftbehandlung. 
Außer diesen Räumen enthält das Erdgeschoß noch 
Räume für Moorbäder, Sandbäder, für Extrem itäten- 
Behandlung und für Inhalationen mit den zugehörigen 
Ruheräumen,Massageräumen, eine offeneHalleusw. Im 
Obergeschoß liegen die Räume für das medico-mecha¬ 
nische Institut, der Turnsaal, die medizinischen Bäder, 
das Schwefelbad, die elektrischen Wasserbäder und 
eine Reihe verfügbarer Räume. Den Verkehr mit dem 
Obergeschoß vermitteln zwei Haupttreppen, sowie ein 
Personenaufzug für gebrechliche Kranke. Das Unter¬ 
geschoß ist für die Nebenräume der Moor- und Sand¬ 
bäder, für Heizungsräume, Luftkammern und Wärter¬ 
wohnungen ausgenutzt. Im Dachgeschoß, in der Haupt¬ 
sache durch die in dasselbe reichenden großen Säle ein¬ 
genommen, befinden sich noch einige Räume für das 
Personal. Die Baukosten dieser stattlichen Anlage 
waren mit 626 000 M. berechnet. -—- 


österreichischen Alpen bieten hierfür zahlreiche lehrreiche 
doch sehr wenig erfreuliche Beispiele. Da ist schon manches 
„Gasthaus zur Post“ mit seinem gemütlichen Aeußeren und 
Inneren zum protzigen Flotel umgestaltet worden, das zu 
seiner Umgebung paßt wie der Salontiroler in eine ur¬ 
wüchsige, noch nicht zum Schutzhaus für Radfahrer und 
Automobil - Besitzer umgewandelte Almhütte. Die neue 
Kirche für ein Dorf von knapp zwei Dutzend Hausnummern 
wird als romanische Säulenbasilika oder gothische Hallen¬ 
kirche gestaltet und es werden ihr Raumverhältnisse ge¬ 
geben, als hätte das an eine Bergwand gelehnte, in die Ebene 
wie ein Spielzeug verstreute Dörfchen die sichere Anwart¬ 
schaft, schon in ein paar Jahren den ersten Schritt zur 
künftigen Großstadt zu tun, weil ein paarmal des Tages 
die Lokomotive eines Lokalbähnleins daran vorbeipfeift. 

Daß diese bäuerliche und kleinstädtische Großstadt¬ 
sucht meist nur die Spottlust herausfordert, anderseits für 
das wirtschaftlich rationelle Gedeihen kleiner Gemeinden 
so wenig vorteilhaft ist wie ihr Vorbild für die Hypothekar- 
Verhältnisse in den Städten, will den Stürmern und Drängern 
nicht einleuchten; noch weniger aber greift da oder dort 
die Einsicht Platz, daß das künstlerische Prinzip hierbei 
am schlechtesten weg kommt. 

Wer die Notredame-Insel in Paris, die Umgebung des 
Ulmer Münsters, des Kölner Domes usw. in ihrer alten 
Gestalt kannte, mit dem ganzen pittoresken Charakter des 
altertümlich Anheimelnden, behäbig Bürgerlich-Patrizi- 
schen, der wird von den vollzogenen Freilegungen und 
den Umrahmungen mit Zinskasernen schwerlich entzückt 
sein. Nicht jede Stadt trägt die Vorbedingungen einer 
Umgestaltung in sich wie etwa Berlin oder Budapest, und 
nicht überall sind sie so günstig gegeben, wie dies in 
Wien der Fall war, wo die riesigen Glacis zwischen der 
inneren Stadt und den damaligen Vorstädten nach dem 

No. 25 . 




1 54 













Das Verwaltungs-Gebäude, 
n ihm laufen die Fäden der weiträumigen 
Anstalt zusammen. Es besteht aus Keller-, 
Erd-, Ober- und ausgebautem Dachgeschoß. 
Es enthält dieVorstands-Zimmer, die Bureaus 
für die Verwaltung, die Dienstzimmer für 
den dirigierenden Arzt, die Wohnungen für den Ober¬ 
inspektor und die Assistenzärzte, das Aerztekasino, 
die Apotheke und Wohnräume für einen Teil des 
männlichen Pflegepersonales. Wohnzwecken sind das 
Ober- und das Dachgeschoß zugewiesen; das Erdge¬ 
schoß ist Hauptgeschoß. Seine Anlage zeigt der Grund¬ 
riß S. 71, seine Ansicht gibt die Beilage zu No. 11 wieder. 
Seine Kosten sind mit 276 000 M. berechnet. — 

Das Gotteshaus. 

s ist eine einschiffige kleine gefällig gruppierte 
Kirche für 200 Sitzplätze und für beide Kon¬ 
fessionen; es hat daher neben dem Chor 
zwei Sakristeien. Der Chor ist gewölbt, 
das Schiff hat eine tonnenartige Holzdecke. 
Die Bausumme ist mit 52 700 M. berechnet. 




Nebengebäude- und Anlagen. 

ierher zählen das Gärtnerhaus mit Gewächs¬ 
haus (62000 M.) (S. 71), das Stallgebäude für 
5 Pferde, 5 Wagen usw. (49000 M.), die heiz¬ 
bare Kegelbahn (18500 M.), die Werkstatt-Ge¬ 
bäude (S. 69) jeder Männer-Abteilung, die den 
Zweck haben,GenesendenGelegenheitzurBeschäftigung 
zu geben (jedes 47200 M.), und die Liege- und Wandel¬ 
hallen für Männer und Frauen (161000 M.). Die letzteren 
sind ein wesentlicher Bestandteil aller Lungenheilstätten. 
Auf der Männerseite liegen 4 je 45™ lange und 5,7 m 
tiefe Liegehallen mit je 48 Liegestühlen; auf der Frauen¬ 
seite 2 Liegehallen für je 40 Liegestühle. Die Aus¬ 
führung erfolgte in Eisen und Holz. Die beiden in 
gleicherweise ausgeführten Wandelhallen haben eine 
Länge von je 84™. — 

Arzthäuser und Pförtnerhäuser. 



1 s selbständige Baulichkeiten sind die Arzt- 
und die Pförtnerhäuser zu nennen. Auf 
jeder Seite der Sanatorien und der Lungen¬ 
heilstätten ist je eine Villa für den ärztlichen 
Direktor errichtet. Beide Villen sind ein¬ 
ander fast gleich; sie enthalten in Keller-Erd-, Ober¬ 
und Dachgeschoß 9 Zimmer mit reichlichem Zubehör. 



Die Baukosten betrugen für jedes der beiden Häuser 
73000 M. (Abbildg. S. 85). 

Die 4 Pförtnerhäuser sind gleichfalls in der Grund¬ 
rißgestaltung fast gleich (S. 61); jedes enthält 2Stuben und 
2 Kammern. Im Aufriß wurden 2 verschiedene Typen 
geschaffen um zu verhindern, daß sich zwei völlig 
gleiche Gebäude gegenüberstehen. Die Baukosten 
betrugen für jedes Haus 21 500 M. — 

Architektur und Ausstattung. 

in kurzes Wort noch der Architektur und 
der Ausstattung, indem wir uns Vorbehalten, 
auf einige technische Einrichtungen, nament¬ 
lich auf das Lernheizwerk, weiterhin einge¬ 
hender zurückzukommen. Die Anstalt ver¬ 
folgt praktische Zwecke, daher mußte jeder dekorative 
Aufwand vermieden werden. Gleichwohl aber waren 
monumentaleErscheinung und Einordnung in die Land¬ 
schaft leitende Gesichtspunkte für die Ausführung. Ar¬ 
chitektonische Gliederungen aus roten Verblendern mit 
weißen Lugen, Llächenverputz aus hydraulischem Kalk, 
in sparsamerWeis