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Full text of "Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914, vollständige Sammlung der Karl Kautsky zusammengestellten amtlichen Aktenstücke mit einigen Ergänzungen. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes nach gemeinsamer Durchsicht mit Karl Kautsky, hrsg. von Max Montgelas und Walter Schücking"

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Die 

deutschen Dokumente 
zum Kriegsausbruch 

Vollständige Sammlung der von 

Karl Kautsky 

zusammengestellten amtlichen Aktenstücke 
mit einigen Ergänzungen 

Im Auftrage des Auswärtigen Amtes nach 

gemeinsamer Durchsicht mit Karl Kautsky 

herausgegeben von 

Graf Max Montgelas und Prof. Walter Schücking 
i) 




Charlottenburg 1919 

Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und 

Geschichte m.b.H. 



^fcVSwdl 



Dritter Band: 

Vom 

Bekanntwerden der russischen 

allgemeinen Mobilmachung 

bis zur Kriegserklärung 

an Frankreich 





CharlottenDurg 1919 

Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und 

Geschichte m. b. H. 



Inhaltsübersicht der vier Bände 

(ist jedem Bande vorgedruckt) 

Band 1 

Vom Attentat In Sarajevo bis zum Eintreffen der serbischen Antwortnote 

in Berlin nebst ein igen Dokumenten aus den vorhergehenden WochCH 
Vorbemerkungen 

Inhaltsverzeichnis und Zeittafel von Band I 
Aktenstücke Nr. 1 bis 278 

Band II 

Vom Eintreffen der serbischen Antwortnote in Berlin bis zum Bekannt- 
werden der russischen allgemeinen Mobilmachung 

Inhaltsverzeichnis und Zeittafel von Band 11 
Aktenstücke Nr. 279 bis 479 

Band 111 

Vom Bekanntwerden der russischen allgemeinen Mobilmachung bis znr 
Kriegserlilürung an Franlireich 

Inhaltsverzeichnis und Zeittafel von Band 111 
Aktenstücke Nr. 480 bis 734 c 

Band IV 

Von der Kriegserklärung an Frankreich bis z u r Kriegserkl&ning Österreich' 
Ungarns an RuQland 

Inhaltsverzeichnis und Zeittafel von Band IV 

Aktenstücke Nr. 735 bis 879 

Anhang zu Band IV 

Enthält u. 0. den Dreibundvertrag, den österreichisch-ungarisch-rumänischen BQndnisvertrag 
nebst deutscher Akzessionserkiarung. ferner Berichte. Telegramme und Telepho»- 
gespräche der bayrischen Gesandtschaft in Berlin 



Namenverzeichnis 

Nach Absendern geordnetes Inhaltsverzeichnis 

Verzeichnis der Telegrammnummern 



Alle Rechte, besonders das der Obersetzung, vorbehalten 

Für Rußland auf Grund der deutsch-russischen Obereinkunft 

Amerikanisches Copyright 1919 by 

Deutsche Verlagsgeselischoft für Politik und Geschichte 

m. b. H. in Charlottenburg 

Gedruckt in der Reichsdruckerei 



Inhaltsverzeichnis und Zeittafel von Band III 





Zeit 




Zeit 




Lfde. 
Nr. 


des Abgangs 


Datum und Überschrift 


der Ankunft 


Seite 


stunde 


Tagcs/eil 


>tund<r 


Tageszeil 










31. JuU 








480 


2* 


nachm. 


Der Kaiser 

an den Zaren 






I 


481 


— 


— 


Der Botschafter in Rom 

an das Auswärtige Amt 


2» 


nachm. 


3 


48a 


— 


— 


Der Kaiser von Österreich 

an den Kaiser 


?,♦» 


nachm. 


3 
4 


483 


— 


— 


Der Botschnfter in Paris 

an das Auswärtige Amt 


2" 


nachm. 


484 


— 


— 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


2" 


nachm. 


4 


485 


— 


— 


Der Botschafter in Paris 

an dds Auswärtige Amt 


2" 


nachm. 


5 


486 


— 


— 


Der Gesanilte m Luxemburg 

an das Auswärtige Amt 


2" 


nachm. 


5 


487 


3'° 


nachm. 


Der Zar 

an den Kaiser 


2" 


nachm. 


6 


488 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in London 


7 


489 


— 


— 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


3" 


nachm. 


8 


490 


3" 


nachm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Petersburg 








9 


491 


3" 


nachm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Paris... 








10 


492 


3" 


nachm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Rom... 


— 


— 


1 1 



' Datum, Zeit des Abgangs und der .Ankunft beziehen sich auf das Auswärtige 
Amt, bei Telegrammen usw. des Kaisers auf das Hoflager. Siehe Vor- 
bemerkungen Abschnitt IH. 



VI 



I.fdc. 
Nr. 


Zeit 
des Abgangs 


Datum und Überschrift 


Zeit 
der Ankunft 


Seite 


Stunde TagMzeit 


-runde 


Tanesreit 




493 


— 




Noch: 31. Juli 
Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


3*' 


nachm. 


12 


494 


— 


nachm 


Aufzeichnung des Staatssekretärs 
des Auswärtigen 






12 


495 




nachm 
nachm. 


Aufzeichnung des Vortragenden Rats 
im Auswärtigen Amt Grafen 
Mirhach 


— 


— 


'3 
'3 
'4 


496 


Aufzeichnung des Staatssekretärs des 
Auswärligen 


497 


— 


— 


Der englische Botschafter 

an den Reichskanzler 


_ 


nachm. 


498 


— 


nachm. 


Aufzeichnung des Unterstaatssekre- 
tärs des Auswärtigen 


— 


— 


>7 


499 





; 


Der Kriegsminister 

an den Reichskanzler und an 
den Staatssekretär des Aus- 
wärtigen 


— 


nachm. 
nachm. 


'7 
.8 


500 


Der Große Generalstab 

an den Reichskanzler 


501 


4" 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 

an die Botschafter in Wien und 

Rom 


— 


— 


18 


50a 


Nicht verwerteter Entwurf eines Te- 
legramms des Kaisers 
an den Kaiser vf)n Österreich . . 


«9 


503 


4* 


nachm. 


Der Kaiser 

an den Kaiser von Österreich . . 


^. 





20 


504 


5' 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Geschäftsträger in Ainen 


— 


_-_ 


21 


505 


5" 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Gesandten in Brüssel . . . 








21 


506 


6» 


nachm. 
nachm. 


Der Staatssekretär des Ausw;irtigen 
an den Geschäftstniger in i'ju- 
karcst 


— 


— 


22 


507 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den f3otschafier in Wien . . 


22 


508 


6«» 


nachm. 


Der Reichskanzler 

an den l^otschafter in Konstan- 
tmopel 


— 


-- 


23 







VII 



Lfde. 
Nr. 


Zeit 
des Abgangs 


Datum und Überschritt 


Zeit 
der Ankunft 


Seite 


Stunde Tageszeit 


Stunde 


Tageszeit 




509 




— 


Noch: 31. Juli 
Der Gesandte in Bern 

an das Auswärtige Amt 


C*^ 


nachm. 


23 


510 


- 


— 


Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


_4I 


nachm. 


24 


511 




— ' 


Der luxemburgische Staatsminister 
und Präsident der Regierung 
an das Auswärtige Amt 


^50 

/ 


nachm. 


24 


51a 


— 


— 


Der Geschäftsträger in Athen 

an das Auswärtige Amt 


8» 


nachm. 


25 


513 


gso 


nachm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in London 





_.. 


-3 


514 


8" 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Gesandten in Bern... 




26 


515 






Der Gesandte in Stockholm 

an das Auswärtige Amt 


9' 


nachm. 


27 


516 






Der Gesandte im Haag 

an das Auswärtige Amt 


10'° 


nachm. 


27 


517 


— 


— - 


Der Botschafter in Konstantinopel 
an das Auswärtige Amt 


io'° 


nachm. 


28 


518 


— 


— 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


10" 


nachm. 


28 


519 


ii'° 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Rom... 





_ _ 


29 


520 


— 


— 


Der Gesandte in Stockholm 

an das Auswärtige Amt 


11" 


nachm. 


29 


521 


— 


— 


Der Botschafter in Petersburg 

an das Auswärtige Amt 


u" 


nachm. 


30 


52a 


— 


— 


Aufzeichnung des Staatssekretärs des 
Auswärtigen 






30 
3' 
3' 


524 


— 




Der Gesandte in Belgrad (z. Z. Nisch 
an das Auswärtige Amt 

Der Große Generalstab 

an das Auswärtige Amt 


nicht e 


ngegangeii 
nachm. 


525 


— 


-- 


1. August 

Der Gesandte in Stockholm 

an das Auswärtige Amt 


lu" 


vorm. 


34 


526 


— 


— 


Der Gesandte in Stockholm 

an das Auswärtige Amt 


,.-,30 


vorm. 


35 



\ 111 





Zeit 






Zeit 




I.fde. 

Nr. 


des Abgangs 


Datum und Überschrift 


der Ankunft 


Seite 


Munde 


Tageszeit 


>Junde 


'1 ageszeii 




527 


— 




Noch: 1. August 

Der Botschafter in Petersburg 

an das Auswärtige Amt 


12" 


vorm. 


35 


5*8 


— 


— 


Der Botschafter in Paris 

an das Auswärtige Amt 


12" 


vorm. 


37 


5*9 


l" 


vorm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in London 







37 


53° 


. *i 


vorm. 


Der Kaiser 

an den König von Italien 








38 


531 


" 


" 


Der Botschaftsrat an der Botschaft 
in Petersburg 
an das Auswärtige Amt 


3' 


vorm. 


40 


53a 


— 


— 


Der Gesandte in Kopenhagen 

an das Auswärtige Amt 


r 


vorm. 


4' 


533 


— 


— 


Der Generalkonsul in Genua 

an das Auswärtige Amt 


3" 


vorm. 


42 


534 


— 


— 


Der Botschafter in Rom 

an das Auswärtige Amt 


3" 


vorm. 


42 


535 


— 


— 


Der Botschafter in Petersburg 

an das Auswärtige Amt 


5*' 


vorm. 


43 


536 


— 


— 


Der Botschafter in Petersburg 

an das Auswärtige Amt 








45 


537 


— 


— 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


6' 


vorm. 


46 


538 






Der Geschäftsträger in Athen 

an das Auswärtige Amt 


6" 


vorm. 


46 


539 


— 


— 


Der Botschafter in Petersburg 

an den russischen Hausministcr 
Grafen Fredericks 


— 


vorm. 


47 
48 


540 


Der Gesandte in Brüssel 

an den Reichskanzler 


540a 


— 


— 


Aufzeichnung des Reichskanzlers.. 


— 




49 


54» 


12" 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Rom . . . 






49 


54a 


12" 


nachm. 


Der Staats.sckretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Petersburg 


._ 





50 


543 


I» 


nachm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Paris... 


_ 




52 


544 


1" 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Wien . . 




— 


53 



IX 





Zeit 




/eil 




Lfde 
Ni 


Jes Abganf:s 


Datum und Überschrift 


der Ankunlt 


>eite 


•^timdf 


1 af,'esze i 


stunde- 


lagfszeii 










Noch: 1. August 








545 


I '° 


nachm 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
<n den Botschafter in Tokio. . 








53 


546 


— 


— 


Der Zar 

an den Kaiser 


2» 


nachm 


54 


547 


2" 


nachm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Kon- 












stantinopel 





— 


54 


548 


— 


— 


Der Gesandte in Sofia 

an das Auswärtige Amt 


3'* 


nachm 


55 


549 


3" 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Gesandten in Sofia . . . 








55 


550 


— 


— 


Der Botschafter in Rom 

an das Auswärtige Amt 


3" 


nachm 


56 


551 


— 


— 


Der Botschafter in Petersburg 

an das Auswärtige Amt 


3" 


nachm. 


56 


55a 


3*° 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärt gen 
an den Gesandten in Stockholm 








57 


553 


— 


— 


Aus dem Protokoll der siebenund- 
zwanzigsten Sitzung des Bundes- 
rats 






57 
61 


554 


— 


— 


Der Kriegsminister 

an den Staatssekretär des Aus- 
wärtigen 




nachm. 


555 


— 




Entwurf eines nicht abgesandten 
Telegramms des Staatssekretärs 
des Auswärtigen 

an den Botschafter in Wien . . . 






62 


556 


— 


nachm. 


Aufzeichnung des Gesandten im Aus- 
wärtigen Amt von Bergen 








62 


557 






Die österreichisch -ungarische Bot- 
schaft 

an das Auswärtige Amt 




nachm. 


63 


558 


— 


— 


Der preußische Gesandte in Stuttgart 
an den preußischen Minister der 














auswärtigen Angelegenheiten 
(Reichskanzler) 




nachm. 


63 
64 


559 


— 


— 


Der Gesandte in Brüssel 

an den Reichskanzler 




nachm. 


560 




— 


Die dänische Gesandtschaft 

an das Auswärtige Amt 


— 


nachm. 


65 





Zeit 




Zeit 




Lfde 

Nr. 


lies Abgangs 


Datum und Überschrift 


der Ankunft 


Seite 


SiuDde Tageszeil 


>tunde 


Tageszeit 










Noch : 1. August 








561 


- 





Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


4" 


nachm. 


m 


56a 


- 


— 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


4" 


nachm. 


G6 


563 


4*' 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Geschäftsträger in Bu- 
karest 


5" 


nachm. 


67 
67 


564 


Der Botschafter in Petersburg 

an das Auswärtige Amt 


565 


- 


— 


Der Gesandte in Brüssel 

an das Auswärtige Amt 


5" 


nachm. 


68 


566 


— 


— 


Der Botschafter in Rom 

an das Auswärtige Amt 


5" 


nachm. 


b-i 


567 


-— 


— 


Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


5" 


nachm. 


69 


568 


- - 


— 


Per Botschafter in Rom 

an das Auswärtige Amt 


,40 


nachm. 


69 


569 


" 


— 


Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


. 45 

^1 


nachm. 


70 


570 




— 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


6* 


nachm. 


70 


571 


-- 


— 


Der Botschafter in Paris 

an das Auswärtige Amt 


6'° 


nachm. 


7» 


57a 


6'» 


nachm. 


Der Vortragende Rat im Auswärtigen 
Amt Dr. Hammann 

an den Generaldirektor der 














Hanas 




. 


7« 
72 


573 


- 


— 


Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


(".'♦ 


nachm. 


574 


- 


— 


Der König von England 

an den Kaiser 


.-0 


nachm. 


73 
74 


575 


_2 

/ 


nachm. 


Der Kaiser 

an den König von England... 




576 


~ 


— 


Die Botschaft in London 

an das Auswärtige Amt 


7" 


nachm. 


75 


577 


- 


— 


Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


..19 
/ 


nachm. 


76 


578 


-1* 

/ 


nachm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in London 


— 




76 



XI 







Zeit 


« 




Zeit 




l.fde 
Nr. 


des Abgangs 


Datum und Überschrift 


der Ankunft 


Seite 


>iundc 


Tageszeit 


stunde 


-r 
Tagcszeji 




579 


7" 


nachm 


Noch: I.August 
Der Staatssekretilr des Auswärtigen 
an den Botschafter in London 






77 


580 


— 


— 


Lord Rothschild 

an den Kaiser 


7'° 


nachm. 


77 

78 


581 


— 


— 


Der Gesandte in Brüssel 

an das Auswärtige Amt 


7*" 


nachm. 


58a 


— 


— 


Der Geschäftsträger in Bukarest 
an das Auswärtige Amt 


7*' 


nachm. 


79 


583 


' 




Der Präsident des Internationalen 
Friedensbüros 
an den Kaiser 


8^ 


nachm. 


80 


^84 


- 


— 


Der Gesandte in Brüssel 

an das Auswärtige Amt 


8" 


nachm. 


8i 


585 


— 


— 


Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


8" 


nachm. 


82 


586 


8^» 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Konstan- 
tinopel 


_ 




82 


587 


8** 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Paris... 






83 


588 


■ 


— 


Der Botschafter in Petersburg 

an das Auswärtige Amt 


nicht e 


ngegangen 


83 


589 


— 


— 


Der schweizerische Gesandte 

an das Auswärtige Amt 


_. 


nachm. 


84 


590 


— 


— 


Der Botschafter in Paris 

an das Auswärtige Amt 


9* 


nachm. 


84 


591 






Die Senatskommission für Reichs- 
und auswärtige Angelegenheiten 
der Freien und Hansestadt Ham- 
burg 

an das Auswärtige Amt 


9^ 


nachm. 


Ss 


592 


— 


— 


Der Geschäftsträger in Kairo 

an das Auswärtige Amt 


9- 


nachm. 


83 


593 


9- 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Petersburg 







86 


594 






Der österreichisch-ungarische Bot- 
schafter 
an den Staatssekretär des Aus- 
wärtigen 


— 


— 


87 



M! 





Zeit 




Zeil 




I.fdc. 
Nr. 


des Abgangs 


Datum und Überschrift 


der Ankunft 


Seite 


Munde 


Tageszeit 


Stunde 


Tageszeit 




595 


1 


Noch : 1. August 
Die englische Botschaft 

an das Auswärtige Amt 






88 


596 


1 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


10» 


nachm. 


89 


597 


— 


- 


Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


10'' 


nachm. 


9> 


598 


— 


--- 


Der Botschafter in Paris 

an das Auswärtige Amt 


10'^ 


nachm. 


91 


599 


— 


— 


Der Reichskanzler 

an den Kaiser 


9** 


nachm. 


92 


600 


10" 


nachm. 


Der Kaiser 

an den Zaren 






92 
93 

94 


601 


— 




Der Kaiser von Österreich 

an den Kaiser 


10" 


nachm. 


60a 


— 


— 


Der luxemburgische Staatsminister 
und PrüsidcMit der Regierung 
an den Staatssekretär des Aus- 
wartigen 


IG*» 


nachm. 


603 


- 


— 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


m'» 


nachm. 


95 


604 




— 


Der Geschäftsträger in Bukarest 
an das Auswärtige Amt 


11'» 


nachm. 


95 


605 


11" 


nachm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in London 


_ 





96 


606 







Der Gesandte in Luxemburg 

an das Auswärtige Amt 


II» 


nachm. 


96 


607 


u" 


nachm. 


Der Reichskanzler 

an die Botschafter in Wien und 
Rom 






97 


608 






Entwurf eines nicht abgesandten 
Telegramms des Staatssekretärs 
des Auswärtigen 
an den Botschafter in Paris... 






97 


609 


— 


— 


Der Große Generalstab 

an das Auswärtige Amt 


— 


nachm. 


99 


610 


- 




2. August 

Die englische Botschaft 

an das Auswärtige Amt 




vorm. 


loa 


611 


' 


— 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


12'° 


vorm. 


102 



XIII 





Zeit 


- 


Zeit 




Lfde. 
Nr. 


des Abgangs 


Datum und Überschrift 


der Ankunft 


Seite 


"tundo 


Taf;eszeit 


Stunde 


Tageszeit 




6ia 


- 


-- 


Noch : 2. August 
Der König von England 

an den Kaiser 






103 

104 
104 


613 


12" 


vorm. 


Der Reichskanzler 

an die Botschafter in Wien und 
Rom 






614 




— 


Der Botschafter in Rom 

an das Auswärtige Amt 


I^ 


vorm. 


€15 


— 


— 


Der Botschafter in Madrid 

an das Auswärtige Amt 


l" 


vorm. 


•05 


6i6 


- — 


— 


Der Gesandte in Kopenhagen 

an das Auswärtige Amt 


2«» 


vorm. 


106 


€17 





— 


Der Gesandte in Lissabon 

an das Auswärtige Amt 


2*" 


vorm. 


107 


€18 




— 


Der Geschäftsträger in Tanger 

an das Auswärtige Amt 


3" 


vorm. 


107 


619 


— 


— 


Der Gesandte in Luxemburg 

an das Auswärtige Amt 


3" 


vorm. 


108 


6ao 


4" 


vorm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Wien . . 


_ 




108 


6a 1 






Der Staatssekretär des Reichsmarine- 
amts 
an den Staatssekretär des Aus- 
w artigen 


4" 

5" 


vorm 


109 
109 


62a 


— 


— 


Der Geschä tsträger in Cetinje 

an das Auswärtige Amt 


vorm. 


633 


6» 
6'» 


vorm. 
vorm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Staatssekretär des Reichs- 
marineamts 


— 


— 


I 10 


6a4 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Peters- 
burg 




6a5 


6" 


vorm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Paris... 






HO 


6a6 


6" 


vorm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in London 








II I 


߻7 


6» 


vorm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Wien . . 








III 


6a8 


6" 


vorm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Rom . . . 


— 


— 


113 



XIV 



I.fde. 

Nr. 



Zeit 

des Abgangs 



Stunde Faxeszeit 



Datum und Überschrift 



Zeit 
der Ankuntt 



unde (ageszeit 



Seit 



629 


- 


vorm. 


630 




— 


63» 


— 


— 


63a 


.y» 


vorm. 


633 


'/* 


vorm. 


634 




— 


635 


11° 


vorm. 


636 


11° 


vorm. 


637 




-'- 


638 


— 




639 






640 


11" 


vorm. 


641 




— 


64a 


11" 


vorm. 


643 


12'» 


nachm. 



Noch : 2. August 

Der Reichskanzler 

an den Kaiser 

Der Botschafter m London 

an das Auswärtige Amt 

Der Botschafter in I-onJon 

an das Auswärtige Amt 

Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Paris... 

Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Paris... 

Der Staatssekretär des Reichsmarine- 
amts 
an den Staatssekretär des Aus- 
wärtigen 

Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in London 

Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an die Senatskommission für 
Reichs- und auswärtige An- 
gelegenheiten der Freien und 
Hansestadt Hamburg 

Der luxemburgische Staatsminister 
und l'räsidcnt der Regierung 
an den Staatsstkretär des Aus- 
wärtigen 

Die (iroßherzngin von Luxemburg 
an den Kaiser 

Vom Chef des Generalstabs der Armee 
vorgelegter Lniwurf zu einer Note 
an die luxemburgische Regie- 
rung ! 

Der Reich.^kanzler 

an den Gesandten in Luxem- 
burg 

Der Botschafter in London 

an das Auswiirtige Amt 

Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Paris... 

Der Reichskanzler 

an den Botschafter in London 



vorm. 



XV 



Lfde. 
Nr 


Zeit 
des Abgangs 


Datum und Überschrift 


Zeit 
der Ankunft 


Seite 




Stunde 


Tafieszeit 


stunde 


1 aßeszeii 




644 


— 


— 


Noch: 2. August 
Der luxemburgische Staatsminister 
und Präsident der Regierung 
an den Staatssekretär des Aus- 
wärtigen (?j 


12" 


nachm. 


120 


645 


— 


— 


Der Generalkonsul in Basel 

an das Auswärtige Amt 


12*' 


nachm. 


120 


646 


12" 


nachm. 


Der Reichskanzler 

an den Gesandten in Bukarest 








121 


647 


— 


— 


Der Gesandte in Luxemburg 

an das Auswärtige Amt 


,20 


nachm. 


I2i 


648 


,,5 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Gesandten in Brüssel. . . 








122 


6*49 


2" 


nachm 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den luxemburgischen Siaats- 
minisier und Präsidenten der 
Reiiierunü 






123 






650 


— 


— 


Der Gesandte in Brüssel 

an das Auswärtige Amt 


2*° 


nachm. 


124 


651 


3° 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Gesandten in Lissabon 


_ 




.24 


652 


— 


— 


Der Botschafter in Konsiantinopel 
an das Auswärtige Amt 


3" 


nachm. 


125 


653 


— 


— 


Der Gesandte in Kristiania 

an das Auswärtige Amt 


3*3 


nachm. 


25 


654 






Der Staatssekretär des Reichsmarine- 
amts 

an den Staatssekretär des Aus- 
wärtigen 




nachm 


i->6 


655 


— 


— 


Der Chef des Admiralstabs 

an den Staatssekretär des Aus- 
wärtigen 




nachm 


1 26 


656 


— 


— 


Der belgische Gesandte 

an das Auswärtige Amt 




nachm. 


,27 


657 






Entwurf eines nicht abgesandten 
Schreibens des Staatssekretärs 
des Auswärtigen 

an den Staatssekretär des 
Reichsmarineamts 






.?8 


658 


— 


— 


Der Botschafter m Rom 

an den Reichskanzler 


— 


nuchm. 


129 


1 





XVI 





Zell 






Zeit 




Lfdr 
Nl 


des Al>^ang"- 


Datum und Überschrift 


der Ankunft 


Seite 


tiiiidr 1 ageszeil 


-Stunde 


Tageszeit 




659 


- 


— 


Noch: 2. August 
Djr österreichisch-ungarische Bot- 
schafter 

an das Auswärtige Amt 




nachm. 


130 


660 


— 


— 


Der Geschäftsträger in Athen 

an den Reichskanzler 





nachm. 


130 


661 


— 


— 


.Artikel aus dem Berliner Tageblatt 
vom 2. August 1914 mit Rand- 
bemerkung des Kaisers 






'3' 
'33 


662 


- 


— 


DerChef des Generalstabs der Armee 
an das Auswärtige Amt 




nachm 


663 


— 


— 


DerChef des Generalstabs der Armee 
an das Auswärtige Amt 








'37 


664 


4" 


nachm 


Der SaatsseUret'lr des Auswärtigen 
an den Botschalicr m Rom... 








'37 


66s 


— 


— 


Der Geschäftsträger in Tanger 

an das Auswärtige Amt 


5* 


nachm. 


.38 


666 


— 


— 


Der Botsch'ilter m Petersburg 

an das Auswärtige Amt 


5" 


nachm. 


•3« 


667 


5" 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in London 








'39 


668 


— 


— 


Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


5" 


nachm. 


140 


669 


-- 


— 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


.■;" 


nachm. 


140 


670 


-- 


— 


Das Generalkommando des S.Armee- 














korps 
an den Großen Generalstab . . . 








141 


671 


r.» 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Gesandten im Haag... 








142 


67a 




— 


Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


0* 


nachm. 


142 


673 




— 


Der Gesandte in Sofia 

an das Auswärtige Amt 


6» 


nachm 


•43 


674 


(,'* 


nachm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Gesandten im Haag... 


_ 




'44 


675 




— 


Der Botschafter in Rom 

an das Auswärtige Amt 


6" 


nachm. 


'45 


676 




" 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


6** 


nachm. 


146 



XVII 



Zeit 
des Abgangs 

Stunde Tageszeit 



Datum und Überschrift 



Zeit 
der Ankunft 



Stunde Tageszeit 



nachm. 



nachm. 
nachm. 



1 1*' nachm. 



Noch : 2. August 
Der Staatssekretär des Auswilrtigen 
an die Gesandten in Brüssel 
und im Haag und den Bot- 
schafter m London 

Der Generalkonsul \n Basel 

an das Auswärtige Amt 

Die Senatskommission für Reichs- 
und auswärtige Angelegenheiten 
der Freien und Hansestadt Ham- 
burg 

an das Auswärtige Amt 

Das Haupttelegraphenamt 

an das Cinffrierbüro des Aus- 
wärtigen Amts 

Der Gesandte in Bern 

an das Auswärtige Amt 

Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Gesandten in Brüssel. . . 

Der Flügeladjutant vom Dienst 
' V. Muiius 

an das Auswärtige Amt 

Der Gesandte in Luxemburg 

an das Auswärtige Amt 

Die Senatskommission für Reichs- 
und auswärtige Angelegenheiten 
der Freien und Hansestadt Ham- 
burg 

an das Auswärtige Amt 

Das Haupttelegraphenamt 

an das Auswärtige Amt 

Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 

Der Gesandte in Bukarest 

an das Auswärtige Amt 

Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 

Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Rom... 

3. August 

Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 



II* 



nachm. 

nachm. 

nachm. 
nachm. 



nachm. 



nachm. 


152 


nachm 


152 


nachm. 


153 


nachm. 


153 


nachm. 


'54 


— 


'54 



.48 

148 

'49 

'49 
150 

I=iO 



Aktenstücke HL 



will 



Lfde 

Nr 


Zeit 
des Abgangs 


Datum und Überschrift 


Zeit 
der Ankunft 


Seite 


>iuiidc 


Tageszeit 


Stunde 


Tageszeit 




69a 


— 


— 


Noch : 3. August 
Der Gesandte in Stockholm 

an das Auswärtige Amt 


12» 


vorm. 


156 


693 


12» 


vorm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in London 








«57 


694 


12» 


vorm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Rom... 








.58 


695 


— 


— 


Der Gesandte in Brüssel 

an das Auswärtige Amt 


12" 


vorm. 


158 


696 


12" 


vorm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in London 








'59 


697 


1'» 


vorm. 


Der Reichskanzler 

an den Gesandten in Sofia . . . 








160 


698 


i'* 


vorm. 


Der Reichskanzler 

an den Botschafter in Wien . . 


_ 





161 


699 


— 


— 


Der Gesandte in Bukarest 

an das Auswärtige Amt 


l" 


vorm. 


161 


700 


— 


— 


Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


2" 


vorm. 


162 


701 


2" 


vorm. 


Der Unterstaatssekretär des Aus- 
wärtigen 
an den Gesandten in Bern. . . . 






163 


70a 


3" 


vorm. 


Der König von Griechenland 

an den Kaiser 


3' 
3" 


vorm. 
vorm. 


.63 

164 
.65 


703 


Runderlaß des Staatssekretärs des 
Auswärtigen 

an die Gesandten in Bern, Ko- 
penhagen, Stockholm, Kristia- 
nia 


704 


Der Botschafter in Wien 

an das Auswärtige Amt 


705 


— 


— 


Der Botschafter in Paris 

an das Auswärtige Amt 


3" 


vorm. 


,67 


706 


— 


— 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


4' 


vorm. 


.67 


707 


-- 


— 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


4* 


vorm. 


168 


708 




~ 


Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 


4' 


vorm. 


lüS 



XIX 





Zeit 




Zeit 




l.fdc. 
Nr. 


des Abgangs 


Datum und Überschrift 


der Ankunft 


Seite 


Stunde! Tageszeit 


Stunde 


Tageszeit 




709 


— 


— 


Noch: 3. August 
Der Gesandte in Brüssel 

an das Auswärtige Amt 


4" 


vorm. 


169 


710 


6** 


vorm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in London 








169 


711 


6** 


vorm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Konstan- 
tinopel 






170 


71a 


6" 


vorm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Kon- 
stantinopel 






170 


713 


9" 


vorm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an die Botschafter in London 






171 
171 


714 


9" 


vorm. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in London 






715 


— 


— 


Der Staatssekretär des Reichsmarine- 
amts 

an den Kaiser 


_ 




172 


716 


10° vonr.. 


Der Staatssekretär des Auswärtigen 
an den Botschafter in Paris ■ . 








17a 


717 


" 




Entwurf eines nicht abgesandten 

Telegramms des Reichskanzlers 

an die Botschafter in London 

und Rom 






173 

'73 


718 


— 


— 


Die Nachrichtenabteilung des Ad- 
miralstabs der Marine 
an das Auswärtige Amt 






719 






Entwurf eines nicht abgesandten 
Telegramms des Reichskanzlers 
an die Botschafter in London 
und Rom 






'74 


720 


— 


— 


Der englische Botschafter 

an den Staatssekretär des Aus- 
wärtigen 




vorm. 


'75 
.76 


721 




vorm. 


Aufzeichnung des Vortragenden 
Rats im Auswärtigen Amt Grafen 
Montgelas 

für den Staatssekretär des Aus- 
wärtigen 






722 




— 


Der französische Botschafter 

an den Staatssekretär des Aus- 
wärtigen 


— 


vorm. 


'77 









XX 



Lfdc 
Nr. 



Zeit 

des Abgangs 



^tundc| Tageszeit 



Datum und Überschrift 



Zeit 
der Ankunft 



Stunde Tageszeit 



723 

724 
725 

726 
727 
728 
729 

730 

73» 
732 

733 
734 
734a 

734b 
734c 



nachm. 



nachm 



Noch : 3. August 
Die österreichisch-ungarische Bot- 
schalt 

an das Auswärtige Amt 

Die diinische Gesandtschaft 

an das Auswärtige Amt 



Der Staatssekretär des Auswärtigen 

an die Botschafter in London 

und Rom . • • i 

Der Botschafter in Konstantinopel 
an das Auswärtige Amt 



Der Gesandte im Haag 

an das Auswärtige Amt 

Der Reichskanzler 

an den Gesandten in Sofia . . . 

Der Reichskanzler 

an den Geschäftsträger in Bu- 
karest 



Der luxemburgische Staatsminister 
und Präsident der Regierung 
an den Reichskanzler und den 
Staatssekretär des Auswär- 
tigen 

Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 

Der Botschafter in London 

an das Auswärtige Amt 



Der Botschafter in Konstantinopel 
an das Auswärtige Amt 

Der F^eichskanzler 

an den Botschafter in Paris... 

Verstümmelter Text der Kriegs- 
erklärung 

an Frankreich 



der 



in Paris überreichter Text 
Kricgjerklärung 

Verüffcntlichung der Kriegserklä- 
rung 

an Frankreich durch das Wolll- 
Bureau 



vorm. 



nachm. 
nachm. 
nachm. 
nachm. 



Nr. 480 

Der Kaiser an den Zaren ^ 

Telegramm (ohne Nummer) Berlin, den 31. Juli 1914^ 

On your appeal to my friendship and your call for as^istance 
began to mediate^ between your and the austro-hungarian Govern- 
ment. While this action was proceeding^ your troops were mobilised 
agajnst Austro-Hungary, my ally^. Thereby, as I liave already 
pointed out to you, my mediation has been made almost illusory. 

I have nevertheless continued my action. I now receive authen- 
tic news of serious preparations for war on ^ my Eastern frontier. 
Responsibility for the safety of my empire forces preventive measu- 
res of defence upon me. In my endeavours to maintain the peace 
of the World I liave gone to the utmost hmit possible. The re- 
sponsibility for the disaster which is now threatening the whole 
civiüzed world will not be laid at my door '. In this moment it 
still lies in your power to. avert it. Nobody is threatening the 
honour er power of Russia who can well afford to await the 
result of my mediation^. My^ friendship for you and your empire. 



^ Nach dem Konzept. Entwurf von G. Wedels Hand mit Änderungen und 
Ergänzungen von der Hand des Kaisers. Vgl. deutsches Weißbuch vom 
Mai 1915 S. 9. 

* Abgesandt vom Neuen Palais am 31. Juli 2* nachm. Telegramm hat sich 
gekreuzt mit Nr. 487. 

2 »began to mediate« vom Kaiser aus Wedels »I have taken up an action 
of mediation« geändert. 

* »proceeding« vom Kaiser geändert aus Wedels »still going on«. 

* »my ally« vom Kaiser geändert aus Wedels »allied to me«. 

* »on« vom Kaiser aus »near« des Entwurfs geändert. 

'• »be door« vom Kaiser geändert aus Wedels »fall back on 

to me«. 

* »who can mediation« vom Kaiser beigefügt. 

9 Wedel: »The«. 



transmitted*" to me by my grandfather on bis deathbed has always 
been sacred to me" and I bave honestly often** backed up Russia 
when she was in serious trouble especially in her last war*'. 

The peace of Europe may still be maintained by you, if Russia 
will ngree to stop the milit. measures which must threaten** Ger- 
many and Austro-Hungary. 

Willy 16 16 



Übersetzung 

Auf Deinen Appell an meine Freundschaft und Deine Bitte um meinen 
Beistand habe ich zwischen Dir und der österreichisch-ungarischen Regierung 
zu vermitteln begonnen. Wahrend diese Verhandlung im Gange war, sind 
Deine Truppen gegen Osterreich -Ungarn, meinen Bundesgenossen, mobil 
gemacht worden. Dadurch wurde, wie ich Dir schon erklärt habe, meine 
Vermittlung fast illusorisch gemacht. 

Trotzdem habe ich meine Tiitigkeit fortgesetzt. Nunmehr erhalte ich 
zuverlässige Nachricht über ernstliche Kriegsvorbereitungen an meiner Ost- 
grenze. Die Verantwortung für die Sicherheit meines Reiches zwingt mich 
zu vorbeugenden Verteidigungsmaßnahmen. In meinem Bestreben, den 
Frieden der Welt zu erhalten, bin ich bis an die äußerste Grenze des Möglichen 
gegangen. Die Verantwortung für das Unheil, das jetzt die ganze zivilisierte 
Well bedroht, wird nicht auf mich fallen. In diesem Augenblick steht es 
noch in Deiner Macht, es abzuwenden. Niemand bedroht die Ehre oder 
Macht Rußlands, das wohl in der Lage ist, das Ergebnis meiner Vermittlung 
abzuwarten. Meine Freundschaft für Dich und Dein Reich, die mir mein 
Großvater auf dem Sterbebette als Vermächtnis hinterließ, ist mir stets heilig 
gewesen, und ich habe oft ehrlich zu Rußland gestanden, wenn es in schwerer 
Bedrängnis war, namentlich während seines letzten Krieges. 

Noch kann der Friede Europas durch Dich erhalten bleiben, wenn 
Rußland einwilligt, die militärischen Maßnahmen einzustellen, die Deutschland 
und Österreich-Ungarn bedrohen müssen. 



" Wedel: »overcome«. 

" »by my to me« vom Kaiser geändert aus Wedels »by my an- 

cestors, has never been forgotten by me«. 
" »oftcn« vom Kaiser beigefügt. 

'• »especially war« vom Kaiser beigefügt. 

'* »will agree threaten« vom Kaiser geändert aus Wedels »will 

stop threatening«. 
" »Willy, im Konzept vom Kaiser beigefügt. 
'• Antwort siehe Nr. 546. 



3 
Nr.48i 

Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 160 Rom, den 31. Juli 1914' 

San Giuliano mitteilt, daß nach seinen Telegrammen aus Bu- 
karest rumänische Regierung ebenso wie die italienische ihre Inter- 
essen durch das gewaltsame Vorgehen gegen Serbien bedroht sieht. 

F 1 o t o w 

* Nach der Entziflerung. 

' Aufgegeben in Rom 12" mittags, angekommen im Auswärtigen Amt 2'' nachm. 
Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. 

Nr. 482 

Der Kaiser von Österreich an den Kaiser^ 

Telegramm (ohneNummer) Wien-Schönbrunn, den 31. Juli 1914^ 

P. C. Sr. M. dem deutschen Kaiser, König von Preußen, 

Berlin 
Ich beeile mich, Dir für Dein freundschaftliches Telegramm^ 
verbindlichst und wärmstens zu danken. Gleich, nachdem Dein 
Botschafter meiner Regierung gestern den Vermittlungsvorschlag 
Sir Edward Greys übermittelt hatte, ist mir die offizielle Meldung 
meines Botschafters in St. Petersburg zugekommen, wonach der 
Kaiser von Rußland die Mobilisierung aller Militärbezirke an meinen 
Grenzen angeordnet hat. Graf Szögyeny meldet mir, Du hättest 
Kaiser Nikolaus in einzig treffender Weise schon gesagt, daß die 
russischen Rüstungen einzustellen seien, weil sonst die ganze Ver- 
antwortung für einen Weltkrieg auf seine Schultern falle. Im Be- 
wußtsein meiner schweren Pflichten für die Zukunft meines Reiches 
habe ich die Mobilisierung meiner ganzen bewaffneten Macht ange- 
ordnet. Die im Zuge befindliche Aktion meiner Armee gegen Serbien 
kann durch die bedrohliche und herausfordernde Haltung Rußlands 
keine Störung erfahren. Eine neuerliche Rettung Serbiens durch 
Rußlands Intervention müßte die ernstesten Folgen für meine Länder 
nach sich ziehen, und ich kann daher eine solche Intervention unmög- 
lich zugeben. Ich bin mir der Tragweite meiner Entschlüsse be- 
wußt und habe dieselben im Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit 
gefaßt mit der Sicherheit, daß Deine Wehrmacht in unwandelbarer 
Bundestreue für mein Reich und für den Dreibund einstehen wird*. 

Franz Joseph 

* Nach der Niederschrift des Schloßtelegraphenamts. 

' Aufgegeben in Wien-Schönbrunn i^ nachm., angekommen im Berliner 

Schloßtelegraphenamt 2*' nachm. Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. 
» Siehe Nr. 437, vgl. auch Nr. 395, 434, 440, 441, 450, 464, 465. 

* Antwort siehe Nr. 502 und 503. 



Nr. 483 

Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 235 Paris, den 3i.Julii9i4' 

ÜlTcntliche Meinung dank der Bemühungen der Regierung heute 
etwas weniger erregt. Hoffnung auf Erfolg schwebender Verhand- 
lungen wieder belebt. \'^erdächtigungen, daß wir zum Kriege treiben, 
abflauend. Stimmung für den Fall, daß Frieden nicht zu bewahren, 
resigniert entschlossen. 

S c h o e n 

• Nach der Entzifferung. 

' Aufgegeben in Paris 12"^ nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
2"* nachm.; Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. 

Nr. 484 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 197 London, den 31. Juli 1914* 

Sir E. Grey sagte mir soel)en, er hätte sich gestern insofern 
geirrt, als zwischen dem Stadium, in dem die Flotte sich heute 
befinde, und der Mobilmachung derselben kein weiteres Zwischenglied 
liege, da die naval preparations bereits getroffen seien'. Er wolle mir 
nichts gesagt haben, was mich irgendwie irreführen könne. 

Ich habe heute zum erstenmal den Eindruck, daß das in letzter 
Zeit so gebesserte X'erhältnis zu Deutschland und vielleicht auch 
deutschfreundliche Stimmungen im Kaljinctt die Möglichkeit in die 
]£rscheinung treten läßt, daß England bei einem etwaigen Kriege eine 
nbwartende Haltung einnehme. 

Hierfür würde es aber von größter Bedeutung sein, daß wir, 
falls es trotzdem zum Kriege käme, in der Tage wären, an der Hand 
eines durch unsere X'ermittlung erwirkten greifbaren, nicht nur 
formalen Zugeständnisses der österreichischen Regierung den bisher 
hier bestehenden Verdacht zu zerstören, daß wir bedingungslos den 
österreichischen Standpunkt vertreten. 

Lichnowsky 

' Nach der Entzifferung. 

' Aufgegeben in I.ondon 12" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 2"* 
nachm. Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. Der erste Abschnitt »Sir 

E. Grey künne« wurde am 31. Juli dem Kaiser, die beiden 

ersten Abschnitte »Sir E. Grey einnehme« wurden am 31. Juli 

dem Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarmeamt 
mitgeteilt. 

• Siehe die iMitteilung Greys vom 30. Juli (Nr. 438). 



Nr. 485 

Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 236 

Vertraulich! Paris, den 31. Juli 1914^ 

Habe Herrn Iswolski, der hier Argwohn, daß wir zu Krieg 
treiben, nährte, energisch persönlich zur Rede gestellt. Er wurde 
sehr klein und beteuerte, daß er beruhigend wirke, nachdem unser 
guter Wille zu Erhaltung Friedens erkennbar geworden. Höre auch 
von journalistischer Seite, daß er vorsichtig geworden. 

S ch o en 



* Nach der Entzifferung. 

* Aufgegeben in Paris i2'2 nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 2'° 
nachm. Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. 



Nr. 486 

Der Gesandte in Luxemburg an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 14 Luxemburg, den 31. JuHiqh^ 

Herr Eyschen fragt, ob zur Beruhigung der hier herrschenden 
Aufregung seitens deutscher Regierung eine Äußerung bekannt- 
gegeben werden könnte, daß Deutschland Neutralität Luxemburgs 
respektieren werde, solange dieselbe von anderer Seite nicht verletzt 
wird'. Eine gleiche Bitte hat Herr Eyschen an den französischen 
Gesandten gerichtet*. 

^ Buch 



^ Nach der Entzifferung. 

2 Angekommen im Auswärtigen Amt 3 I.Juli 2^ nachm. (Die Zeit der Aufgabe 
in Luxemburg ist nicht angegeben,'. Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. 

' Auf beigeheftetem Blatt der Vermerk Thermanns vom 31. Juli: »Auftrags- 
gemäß habe ich den Inhalt des Telegramms A 15376 dem Herrn Chef des 
Generalstabes vorgetragen. Exz. von Moltke erklärte mir, daß auf die 
luxemburgischen Landesgrenzen (hier folgendes ,im Interesse unserer 
Operationen' ist von Thermann gestrichen worden) keinerlei Rücksicht 
genommen werden würde.« 

« Siehe Nr. 606. 



Nr. 487 

Der Zar an den Kaiser^ 

Telegramm (ohne Nummer) Petersburg, Palais, den 31. Juli 1914 ^ 

Sa Majeste l'Empereur, Neues Palais 

I lliank you heartily for your mediation which begins to give 
one hope that all may yet end peacefully. It is technically impossible 
to stop our military preparations which were obligatory owing to 
Austria's mobilisation. We are far from wishing war. As long as 
the ncgociations with Austria on Servia's account are taking place 
my troops shall not make any provocative action. I give you my 
solemn word for this. I put all my trust in Gods mercy and hope in 
your successful mediation in Vienna for the welfare of our coun- 
tries and for the peace of Europe. 

Your affectionate 



N i cky 



Übersetzung 



An S. M. den Kaiser, Neues Palais 

Ich danke Dir herzlich für Deine Vermittelung, die Hoffnung zu geben 
beginnt, daß doch noch alles friedlich endtn kann. Es ist technisch unmög- 
lich, unsere militürischcn Vorbereitungen einzustellen, die infolge Mobil- 
machung Österreichs notwendig waren. Es liegt uns fern, leinen Krieg zu 
wünschen. Solange die Verhandlungen mit ÖstLrreich wegen Serbiens ;in- 
dauern, werden meine Truppen keinerlei herausfordernde Handlung unter- 
nehmen. Ich gebe Dir mein feierliches Won darauf. Ich setze mein ganzes 
Vertrauen in Gottes Gnade und hofle nuf den Erfolg Deiner Vermittelung 
in Wien für die Wohlfahrt unserer Länder und für den Frieden Europas. 

Dein herzlich ergebener 

Nicky 



* Nach der Niederschrift des Schloßtelepraphenamts. 

• Aufgegeben in Petersburg, Palais, 31. Juli 2" nachm., aufgenommen im 
Berliner Schloßtelegraphenamt 2" nachm. Eingangsvermerk: 31. Juli vorm. 
(so irrig statt »nachm.«) — Vgl. deutsches Weißbuch vom Mai 1915 S. 8. 
Telegramm hat sich gekreuzt mit Nr. 480. 



Nr. 488 

Der Reichskanzler an den Botschafter in London^ 

Telegramm 196 Berlin, den 31. Juli 1914* 

Zur Mitteilung 

Trotz der noch schwebenden und scheinbar nicht aussichtslosen 
Vermittlung, und obgleich wir selbst keinerlei Mobilmachungsmaß- 
regeln getroffen hatten^, hat Rußland heute* Mobilmachung seiner 
ganzen Armee und Flotte, also auch gegen uns^, verfügt. Wir 
haben drohende Kriegsgefahr aussprechen müssen, welcher Mobil- 
machung folgen muß ^, falls nicht Rußland binnen 12 Stunden alle 
Kriegsmaßnahmen gegen vms und Österreich einstellt. 

■ Ich halte es nicht für unmöglich, daß die russische Mobil- 
machung darauf zurückzuführen ist, daß gestern hier kursierende 
absolut falsche und sofort amthch dementierte Gerüchte über hier 
erfolgte Mobilmachung als Tatsache nacli Petersburg gemeldet 
worden sind. 

Bethmann Hollweg 



* Nach dem Konzept. Entwurf von Jagows Hand mit Änderungen und 
Ergänzungen von der Hand des Reichskanzlers. Siehe auch Nr. 490, 491, 492. 

> 310 nachm. zum Haupttelegraphenamt. 

' »und obgleich getroffen hatten« vom Kanzler im Jagowschen 

Entwurf beigefügt. 

* »heute« vom Kanzler beigefügt. 

* »also auch gegen uns« vom Kanzler beigefügL 

* Hinter i-muß« zunächst folgendes: »Krieg mit Rußland erscheint kaum 
mehr zu vermeiden« Jagows vom Kanzler gestrichen, der dafür die Satze 

»falls nicht Rußland Petersburg gemeldet worden sind« (siehe 

oben Text) beifügte. 



8 

Nr. 489 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 196 London, den 31. Juli 1914* 

Antwort auf Telegramm 192^ 

Habe obiges Telegramm soeben bei Sir E. Grey verwertet. 
Der Minister meinte zunächst, daß Rußland hinsichtlich der Kriegs- 
maßnahmtn etwas empfindlich geworden sei, da eine entsprechende 
Anregung von uns dort als Drohung verstanden worden wäre. Er 
will aber versuchen, in diesem Sinne zu wirken. 

Bezüglich der österreichisch-russischen Unterhaltungen meinte 
er, daß alles darauf ankäme, daß Österreich ein derartiges Zuge- 
ständnis mache, daß Rußland ins Unrecht versetzt werde, falls es 
dann noch ablehne, — dann sei er in der Lage, einen Druck auf 
Paris und Petersburg auszuüben. Auch deutete er mir an, daß 
gerade diese Frage der Billigkeit unter Umständen auch ausschlag- 
gebend sein könne für die Haltung Englands, das durch keinerlei 
feste Abmachungen gebunden sei. Sowie Frankreich ins Spiel 
käme, würde die öffentliche Meinung sich hier sehr erregen, welche 
vorläufig noch in keiner Weise gegen Deutschland Stellung ge- 
nommen habe, und er müßte in der Lage sein, gegebenenfalls mit 
irgciulcinem greifbaren Unrecht auf russischer Seite eine zurück- 
haltende Stellungnahme Englands zu begründen. Er sprach dieses 
letzte Wort nicht direkt aus, aber gab es deutlich zu verstehen, daß 
> r nur dann den Gedanken nicht sofortiger Anteilnahme für Frank- 
reich vertreten könne, wenn er auf irgendein greifbares Entgegen- 
kommen hinzuweisen in der Lage sei. Er betonte immer wieder, 
daß England durch keinerlei Verträge gebunden wäre. Ich ver- 
mute, daß er seine ursprüngliche Anregung, die militärischen Ope- 
rationen in Serbien einzustellen, im Auge hat, nach deren Über- 
mittlung Ew. Exz. mich zu der Erklärung bevollmächtigten, daß 
Sie in diesem Sinne in Wien zu wirken beabsichtigten, diesseitiges 
Telegramm Nr. 178*, dortseitiges Telegramm Nr. 188'. 



' Nach der Entzifferung. Vgl. hierzu auch letzten Absatz von Nr. 496. 

* Aufgegeben in London 12" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
3" nachm. llingangsvermcrk: 31. Juli nachm. 

• Siehe Nr. 444, 
« Siehe Nr. 3t>a. 
' Siehe Nr. 393. 



Auch ich möchte meinen, daß, wenn Graf Berchtold sich auf 
die Wiederholung bekannter Erklärungen und Erläuterungen be- 
schränkte, X'erhandlungcn wenig aussichtsvoll sein werden, und daß 
die russische öffentliche Meinung Vordringen österreichischer 
Heere in Serbien, verbunden mit -der Zerstörung von Städten und 
Ortschaften, nicht ertragen und die Regierung vielleicht gegen 
ihren Willen zum Eingreifen zwingen würde. Nach meiner Kennt- 
nis W^iener \'erhältnisse wird es nur ein sehr energischer, von Ber- 
lin ausgeübter Druck erreichen, daß man sich in Wien zu einem der- 
artigen Zugeständnis entschließt, dessen Gewährung für die zukünf- 
tige Haltung Englands im Kriege, falls er trotzdem ausbrechen 
sollte, von ausschlaggebender Bedeutung sein könnte. 

• Lichnowsky 



Nr. 490 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Petersburg^ 

Telegramm 153 

Dringend! Berlin, den 31. JuH 1914^ 

Trotz noch schwebender Vermittlungsverhandlungen, und ob- 
wohl wir selbst bis zur Stunde keinerlei Mobilmachungmaßnahmen 
getroffen hatten, hat Rußland ganze Armee und Flotte, also auch gegen 
uns, mobilisiert. Durch diese russischen Maßnahmen sind wir ge- 
zuoingen worden, ziu: Sicherung des Reiches die drohende Kriegs- 
gefaJir auszusprechen, die noch nicht Mobilisierung bedeutet. Die 
Mobilisierung muß aber folgen, falls nicht Rußland binnen zwölf Stun- 
den jede Kriegsmaßnahme gegen uns und Österreich-Ungarn ein- 
stellt und uns liierüber bestimmte Erklärung abgibt. Bitte das so- 
fort Herrn Sasonow mitteilen und Stunde der ]\htteilung drahten. 
Ich weiß, daß Swerbejew gestern nach Petersburg telegraphiert hat, 
wir hätten mobil gemacht, was selbst bis zur Stunde nicht der 
FaU ist 3 *. 

Bethmann Hollweg 



^ Nach dem Konzept von des Reichskanzlers Hand. Siehe dazu auch 
Nr. 4S8. Vgl. deutsches Weißbuch vom Mai 1915, S. 36, Nr. 23. 

2 ^30 nachm. zum Haupttelegraphenamt; auf der Botschaft in Petersburg 
angekommen ii^° nachm. 

' Hinter »Fall ist« zunächst vom Kanzler Niedergeschriebenes: »Wir hatten 
bis gestern keinerlei militärische Maßnahmen getroffen.« 

* Siehe Nr. 536. 



10 



Nr. 491 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Paris* 

Telegramm 180 

Drinj^end! Berlin, den 31. Juli 1914' 

Rußland hat trotz unserer noch schwebenden Vermittlungsaktion 
und obwohl wir selbst keinerlei Mobilmacliungsmaßnahmen getroffen 
hatten', Mobilmachung seiner gesamten Armee und Flotte, also auch 
gegen uns, verfügt. Wir haben darauf drohenden Kriegszustand er- 
klärt, dem Mobilmachung folgen muß, falls nicht Rußland binnen 
zwölf Stunden alle Kriegsmaßnahmen gegen uns und Österreich ein- 
stellt. Die Mobilmachung bedeutet unvermeidlich Krieg*. Bitte 
französische Regierung fragen, ob sie in einem russisch -deutschen 
Kriege neutral bleiben will. Antwort muß binnen achtzehn 18 
Stunden erfolgen^. Sofort Stunde der gestellten Anfrage drahten. 
Größte Eile geboten. 

Geheim : Wenn, wie nicht anzunehmen, französische Regierung 
• iklärt, neutral zu bleiben, wollen Ew. Exz. französischer Re- 
gierung erklären, daß wir als Pfand für Neutralität Überlassung der 
Festungen Toul und Verdun fordern müssen, die wir besetzen und 
n;ich Beendigung des Krieges mit Rußland zurückgel)en würden. 
.\ntwort auf letztere Frage müßte bis morgen nachmittag 4 Uhr 
hier sein. 

Bethmann Ho 11 weg 



* Nach dem Konzept. Entwurf von Jagows Hand mit Zusätzen von der 
Hand des Kanzlers. Siehe auch Nr. 488. Vgl. deutsches Weißbuch vom 
Mai 1915, S. 3Ö, Nr. 24. 

* 3* nachm. zum Haupttelegraphenamt. 

* »und obwohl getroffen hatten« vom Kanzler in Jagows Ent- 
wurf beigefügt. 

* »falls nicht Rußland unvermeidfich Krieg« vom Kanzler bei- 
gefügt. 

* Antwort siehe Nr. 528 und 571, siehe auch Nr. 543. 



II 



Nr. 492 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Rom* 

Telegranun 150 

Dringend! Berlin, den 31. Juli 19 14* 

Trotzdem unsere Vermittlungsaktion noch schwebte, und obwohl 
wir selbst keinerlei Mobilmacliungsmaßnalimen getroffen hatten ', hat 
Rußland Mobilisierung seiner gesamten Armee und Flotte, also auch 
gegen uns, verfügt. Wir haben darauf drohende Kriegsgefahr erklärt, 
welcher Mobilmachung folgen muß*, falls nicht Rußland binnen 
zwölf Stunden alle Kriegsmaßnahmen gegen uns und Österreich ein- 
stellt. Mobilmachung bedeutet Ivrieg. Wir haben Franl<xeich Frage 
vorgelegt, ob es in einem deutsch-russischen Kriege neutral bleiben 
will, Frist achtzehn (18) Stunden. Wenn Frankreichs Antwort, wie 
bestimmt zu erwarten, negativ ausfällt, wird alsbald auch Krieg 
zwischen Frankreich imd uns erklärt werden müssen. 

Wir rechnen bestimmt darauf, daß ItaJien seinen eingegangenen 
Verpflichtungen nachkommt. 

Bethmann Hollweg 



1 Nach dem Konzept. Entwurf von Jagows Hand mit Ergänzungen des 
Reichskanzlers. Siehe dazu auch Nr. 488. 

3 ^30 nachm. zum Haupttelegraphenamt. 

^ »und obwohl getroffen hatten« vom Kanzler beigefügt. 

* Hinter »muß« in Jagows Entwurf zunächst folgendes »das bedeutet un- 
vermeidlich Krieg« vom Kanzler gestrichen, der dafür den Satz »falls 
nicht bedeutet Krieg« einfügte. 



12 



Nr. 493 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 143 Wien, den 31. Juli 1914^ 

Herr de Bunsen hat dem Chefredakteur des Fremdenblattes 
gesagt, daß, wenn Österreich und Deutschland entscheidend darlegen, 
daß sie von Rußland provoziert worden seien, die öffentliche Meinung 
Englands die b.sher dem österreichischen Vorgehen gegen das königs- 
mörderische Serliien günstig gestimmt sei, weiterhin in dieser Rich- 
tung erhalten bleiben und es dadurch der englischen Regierung 
wesentlich erleichtert we-den würde, eine neutrale Haltung in einem 
großen Kriege zu bewahren. 

Tsch irschky 

' Nach der Entziflcrung. 

* Autnegehen in Wien 12'^ nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
3*' nachm. Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. 

\ 

Nr. 494 

Aufzeichnung des Staatssekretärs des Auswärtigen^ 

Berhn, den 31. Juü 1914^ 

Habe Graf Moltke erwidert, daß ich für die Erklärung^ wohl- 
wollender Neutrahtät d.mkte, daß wir nicht beabsichtigten — solange 
Dänemark sich neutral hielte bzw. neutral halten könnte — das 
dänische Gebiet und die dänischen Gewässer in unsere Kriegsopera- 
tionen hincinznbeziehen (vorausgesetzt, daß unsere Gegner dies nicht 
täten), und daß wir ferner nicht beabsichtigten, den Bestand des 
dänis« 1 en Reiches anzutasten. 

Wir rieten Dänemark, seine Häfen usw. gegen eine Besetzung 
durch die enghsche oder russische Flotte zu sichern. 

V. Jagow 

* Von .lagows Hand. 

' Kingangsvcrmerk des Auswärtigen Amts: 31. Juli nachm. Zimmermann 
nahm am 31. Juli von der Aufzeichnung Kenntnis. 

* Die Erklärung war vom dünischen Gesandten Grafen Moltke mündlich 
ahgegthcn (Aufzeichnung von Radowitz' Hand; Eingangsvermerk des Aus- 
wärtigen Amts: 31. Juli nachm.). 



13 

Nr. 495 

Aufzeichnung des Vortragenden Rats im Auswärtigen Amt 

Grafen Mirbach' 

Berlin, den 31. Juli 1914^ 

Der belp;ischc Gesandte war soeben bei mir und erklärte, er 
lege Wert dirauf zu betonen, daß die in Belgien erfolgte Einbe- 
rufung von drei Jahresklassen nicht etwa den Charakter einer Mobil- 
machu:^g trage, s »ndcrn lediglich zur Auffüllung der für gewöhnlich 
sehr schwachen Cadres diene. 

Mirbach 



' Von Mirbachs Hand. 

'■ Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 31. Juli nachm. Reichskanzler, 
Jagow und Zimmermann nahmen am 31. Juli von der Aufzeichnung 
Kenntnis; am 2. August wurde sie vom Amt, nach Vornahme kleiner 
Änderungen, dem Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichs- 
marineamt miiueteilt. 



Nr. 496 

Aufzeichnung des Staatssekretärs des Auswärtigen' 

Berlin, den 31. Jtili 19 14 - 

Deutschland soll Wien, England will Petersburg sondieren, ob 
es möglich wäre, daß die vier desinteressiei ten Mächte Österreich 
volle Satisfaktion seiner Forderungen an Seibien zu verschaffen suchen, 
vorausgesetzt, daß letztere nicht Serbiens Souveränität imd territoriale 
Integrität verletzen. 

Österreich hat bereits erklärt, daß es bereit sei, Serbiens Integrität 
und Smveränität zu respektieren. 

Die vier Mächte könnten Rußland benachrichtigen, daß sie es 
übernehmen, daß Österreichs Forderungen nicht so weit gehen, daß 
sie Serbiens Souveränität und Integrität verletzen. 

N.itürlich müßten alle Mächte die mihtärischen Vorbereitimgen 
und Operationen stj spendieren. 



^ Nach der Aufzeichnung von Jagows Hand. Vgl. hierzu englisches Blau- 
buch 1914 Nr. III. 

^ Piäsentarvermeik von Jagows Hand: pr. 31.7. 14. Eingangsvermerk des 
Aus ^^ artigen Amts: i. August nachm. 

Aktenstitcke IIL 3 



»4 

Grey hat heute früli zu Liclinow?ky gesagt ^, daß, wenn Deutsch- 
land es zuwege brächte, daß ein vernünftiger Vorschlag gemacht 
wüide, der es klar zutage legte, daß Deutschland und Österreich 
versuchen, den europäischen Frieden zu bewal)ren, und daß Rußland 
und Frankreich unvernünftig wären, wenn sie ihn zurückwiesen, 
dann wüde Sir £. Grey diesen Vorsclilag in Paiis und Petersburg 
unterstützen und soweit gehen zu sagen, daß. wenn Rußland und 
Frankreich ihn nicht annähmen, würde die englische Regierung sich 
nicht mehr um die Konsequenzen kümmern. Andrerseits liat Grey 
dem deutsclien Botschafter gesagt, daß, wenn Frankreich beteiligt 
würde, England auch hineingezogen würde. 



» Siehe Nr. 480. 

Nr. 497 

Der englische Botschafter an den Reichskanzler* 

Sir Edward Gü>chcn has been instructed to make the following 
communication to the Imperial Chancellor : 

Tlie proposal that His Majesty's Government should bind 
themsclves to neutrality on the terms proposed cannot possibly be 
entertained*. 

Tiie propo^al is in effect that so long as Germany does not 
take French territory, as distinct from 0>lcnies, His Majesty's 
Government should engage themselves to stand aloof while France 
is being b-aten and lier Colonies perhaps annexed. Such a proposal 
is unacceptable from a m iterial point of view, for, while no further 
iCrritory in Europe miglit bc taken from her, Framce could be so 
crusiied as to lose her position as a Great Power and become sub- 
ordinate to German policy. But apart from that material conside- 
ration, it is the opinion of His Majesty's Government that to make 
Jliis bargain with the Imperial Govemment at the exjx'nse of France 
wo\iid be a disgrace from wliich the good name of Great Britain 
woidd never retovor. Neither could His Majesty's Government 
entertain the bargain witii regard to ßelgium, for tliey are in effect 
asked to bargain away whatever Obligation or interest they heive as 
regards her neutrality. 



' Nach liLT nicht datierten und nicht unterzeichneten Ausfertigung. Eingangs- 
vermerk des Auswärtigen Amts: 31. Juli nachm. — Vyl. enghsches Blau- 
l>uch Nr. 101 und Nr. loy. 

" Stehe Nr. 373. 



15 

Under tliese circumstances, and having said so much, His 
..i.ijesty's Government feel that it would serve no useful purpose 
to exainine wi ether the piospect of a fulure general neutrality 
agreement between Great Britain and Germany would offer sufficient 
positive advantages to compensate His Majes'y's Government for 
having their hands tied at tlie present moment. Sir Edward Grey's 
answer to the Imperial Chancellor's communication must be that 
His Majesty's Government must reserve tl eir lull freedom to act 
as circumstances may seem to them to require in ti.e event of the 
crisis develop ng in tlie unfavourable mjnner contemplated by the 
Chancellnr. 

Sir Edward Goschen is instructed to add most earnestly that 
one way of maintaining good relations between England and Germany 
is that the two countries should continue to work together to pre- 
serve the European peace ; if tliey succeed in that object the mutual 
relations of Germany and England will, in Sir Edward Giey's opinion, 
be ipso facto strengthened and improved. His Majesty's Government 
will work with all sincerity and good will in pursuance of that object. 

Sir Edward Grey adds that if this crisis can be safely passed 
and the peace of Europe preserved, his own object would be to 
promote some arrangement to which Germany could be a party and 
by which she could be assmred that no aggressive or hostile pohcy 
would be pursued against her or her allies by Russia, France or 
Great Britain, either separately or jointly. Sir Edward Grey has 
desired this and worked for it as far as lay in his power all through 
the last Balkan crisis; and as Germany had a corresponding object, 
tlie relations between the two countries showed sensible improve- 
ment. Sir Edward Grey says that the idea of such an arrangement 
has hitherto been regarded as too Utopian to form the subject of 
definite proposals, but if this present crisis, which is more acute 
than any which Europe has for generations had to face, be safely 
passed, he nourishes the hope that the rehef and reaction that will 
ensue may render possible some more definite rapprochement 
between the Powers than has hitherto proved feasibie. 



Übersetzung 

Sir Edward Goschen ist beaufu-agt worden, dem Reichskanzler folgende 
Mitteilung zu machen: 

Aut den Vorschlag, daß Sr. M. Regierung sich zur Neutralität unter den 
vorgeschlagenen Bedingungen verpflichten solle, kann unmöglich eingegangen 
- rden. 

Der Vorschlag gelit tatsächlich dahin, daß, solange Deutschland nicht 
französisches Gebiet mit Ausschluß der Kolonien in Besitz nimmt, Sr M. Re- 
gierung sich verpflichten sollte, abseits zu stehen, während Frankreich ge- 
schlagen und vielleicht seiner Kolonien beraubt würde. 

3* 



i6 

i 

Ein solcher Vorschlag ist unannehmbar, und zwar von einem sachlichen 
Gesichtspunkt aus. denn Frankreich könnte, selbst wenn ihm kein weiteres 
Gebiet in Europa genommen würde, so niedergeworfen werden, daß es seine 
Stellung als Großmacht einbüßt und der deutschen Politik sich unterordnen 
muß. Aber abgesehen von dieser sachlichen Erwägung ist Sr. M Regierung 
der Meinung, daß der Abschluß dieses Handels mit der k deutschen Regierung 
. auf Kosten l'rankreichs eine Schmach wäre, wovon der gute Name Groß- 
britanniens sich niemals erholen könnte. Auch könnte Sr. M. Regierung sich 
auf den Handel im Hinblick auf Belgien nicht einlassen, denn tatsächlich 
wird von ihr verlangt, auf jedwede Verpflichtung und jedwedes Interesse mit 
Beziehung auf die Neutralität Belgiens bei dem Handel zu verzichten. 

Unter diesen Umständen und nach dem Gesagten ist Sr. M. Regierung 
der Ansicht, daß es keinem nützlichen Zweck dienen würde zu prülen, ob 
die Aussicht auf ein künftiges allgemeines Neutralitätsabkommen zwischen 
Großbritannien und Deutschland genügende positive Vorteile bieten würde, 
um Sr. M. Regierung d;ifür zu entschädigen, daß ihr die Hände im gegen- 
wärtigen Zeitpunkt gebunden werden. 

Sir Edward Greys Antwort auf die Mitteilung des Reichskanzlers muß 
dahin lauten, daß Sr. M. Regierung sich ihre volle Freiheit vorbehalten muß, 
so zu handeln, wie es nach ihrer Ansicht die Umstände erfordern, falls sich 
die Krise in der ungünstigen Art entwickelt, wie sie der Kanzler in Betracht 
gezogen hat. 

Sir Edward Goschen ist beauftragt, sehr eindringlich hinzuzufügen, daß 
ein Weg zur Erhaltung guter Beziehungen zwischen England und Deutsch- 
land darin besteht, daß beide Länder fortfahren sollten, gemeinsam an der 
Wahrung des europäischen I'Yicdens zu arbeiten; wenn sie diesen Zweck 
erreichen, so werden nach Sir Edward Greys Meinuiig die gegenseitigen Be- 
ziehungen von Deutschland und England — ipso facto — gekräftigt und 
gebessert werden. Sr. M. Regierung wird in aller Aufrichtigkeit und mit gutem 
Willen an der Verfolgung dieses Zieles arbeiten. 

Sir Edward Grey fügt hinzu, daß, wenn diese Krise glücklich vorüber- 
geht und der Friede Europas gewahrt werden kann, er sich dafür einsetzen 
werde, ein Übereinkommen zu fördern, an dem Deutschland teilnehmen 
könnte und wodurch es Sicherheit erhielte, daß Rußland, Frankreich und 
Großbritannien weder einzeln noch gemeinsam eine aggressive oder feindselige 
Politik gegen Deutschland oder dessen Verbündete verfolgen. Sir Edward 
Grey hat während der ganzen letzten Balkankrise diesen Wunsch gehegt und 
— soweit es in seiner Macht lag — dafür gewirkt, und da Deutschlands 
Ziel damit übereinstimmte, so zeigte sich in den Beziehungen beider Länder 
eine merkliche Verbesserung. 

Sir Edward Grey meint, daß der Gedanke einer solchen Vereinbarung 
bisher als zu utopisch angesehen wurde, um den Gegenstand bestimmter Vor- 
schläge zu bilden, aber wenn die jetzige Krise, die schärfer ist als irgend eine, 
die Europa seit Generatidncn durchzumachen hatte, glücklich vorübergeht, so 
hegt er die Hoffnung, daß das (iefülil der Erleichterung und der Entspannung, 
das darauf folgt, eine viel entschiedenere Annäherung zwischen den Mächten 
zeitigen werde, als sich bisher als möglich erwiesen hat. 



17 



Nr. 498 

Aufzeichnung des ünterstaatssekretärs des Auswärtigen* 

Berlin, den 31. Juli 1914'' 

Graf Szögyeny bestätigt im Auftrage seiner Regierung den In- 
halt des heute dem Herrn Chef des Generalstabes zugegangenen 
Telegramms des Freiherrn Conrad von Hötzendorf folgenden Inhalts : 

Auf Grund Allerh. Entschließung ist entschieden. Krieg gegen 
Serbien durchzuführen, Rest der Armee zu mobilisieren und in 
Gahzien zu versammeln. Erste Mobihsierung 4. August. Mobih- 
sierungsbefehl ergeht 31. JuH. Die Entschließung ist gestern gefaßt 
worden. 

Zimmermann 



' Von Zimmermanns Hand. 

- Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 31. Juli nachm. Reichskanzler 
und Jagow nahmen am 31. Juli von der Aufzeichnung Kenntnis. 



Nr. 499 

Der Kriegsminister an den Reichskanzler und an den Staats- 
sekretär des Auswärtigen* 

Berlin, den 31. Juli 1914^ 
Geheim ! 

Zustand der drohenden Kriegsgefahr befohlen. 

V. Falken hayn 



' Nach den Ausfertigungen der von Falkenhayn unterfertigten, an den 
Reichskanzler als den preußischen Minister der auswärtigen Angelegen- 
heiten und an den Staatssekretär des Auswärtigen Amts gerichteten 
Schreiben. 

2 Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 31. Juli nachm. 



i8 



Nr. 500 

Der Große Generalstab an den Reichskanzler' 

Berlin, den 31. Juli 1914^ 

Ew. Exz. bitte ich ergebenst, der schweizerischen Bundes- 
regierung baldgefä ligst mitieilen zu wollen, daß die angeordnete 
Abspenung der schweizerisch-deutschen Grenze ledigHch deshalb er- 
folgt ist, um der durch die Schweiz sicheren Nachrichten zufolge 
angesetzten iranzösischen Spionage vorzubeugen*. 

I. A. 
Graf Waldersee 



' Nach der Entzifferung. 

* Ein^arifisvermcrk des Auswärtigen Amts: 31. Juli nachm. 

' Siehe Nr. 514. 



Nr. 501 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an die Botschafter in 

Wien und Rom ' 

Telegramm 206, 149 Berlin, den 31. Juli 1914* 

Dringend! 

Zur vertraul. Verwertung 

\\ ir versuchen Griechenland von Parteinahme gegen Dreibimd 
abzuhalten. 

J agow 



• Nach dem Koa/ept. Entwurf von Rosertbergs Hand. 
' 4" nachm. zum Haupttelegraphenamt, auf der Üoischalt in WienyUhrnachm. 
angekommen. 



»9 



Nr. 502 

Nicht verwerteter Entwurf eines Telegramms des Kaisers 
an den Kaiser von Österreich^ 

Berlin, den 31. Juli 1914 

Ich danke Dir von Kerzen für die vertrauensvollen unc 
tapferen Worte, die Du an mich gerichtet hast". Mußte schon durch 
die gegen Dich pericliteten Mobilisierungsmaßnalimen Rußlands die 
Vermittlung, die ich im Einvemelijnen mit der englischen Regierung 
bei Dir übernommen hatte, illusorisch werden, so hat Kaiser Nikolaus 
äujch die heute angeordnete Mobilisierung seiner gesamten Streit- 
kräfte zu Wasser und zu Lande mich genötigt, zur Sicherung meine- 
Reiches den Zustand der drohenden Kriegsgefahr zu erklären. Ich 
habe an die russisclie Regierung die Aufforderung gerichtet, binnen 
zwölf Sttinden jegliche Kriegsmaßnahmen gegen Deutschland und 
Österreich einzustellen, widrigenfalls ich gezv/ungen sein würde, auch 
meinerseits mit der Mobilmachung meiner Streitkräfte vorzugehen. 

Ich hoffe zu Gott, daß er noch in letzter Stunde den Zaren, 
erleuchten Und das furchtbare Unglück abwenden möge, das das 
Vorgehen Rußlands der Welt zu bringen droht. Sollte das aber 
nicht der Fall sein, so vertraue ich, daß wir Schulter an Schulter 
in dem uns aufgenötigten Kriege den Sieg erringen werden, nach- 
dem wir durch nunmehr fünfunddreißig Jahre hindurch ve.eint mit 
allen Kraft- n bemüht gewesen sind, den Frieden zu erhalten 



' Entwurf von Siumms Hand, von Zimmermann und vom Kanzler para- 
phiert. Auch der von Bergen niedergischrienene und von Jagow geän- 
derte, vom Kanzler noch nicht paraphierte Entwurf des Immediatberichts, 
der mit dem vom Kaiser zu vollziehenden Telegrammeniwurf an den 
Kaiser gehen sollte, liegt vor. Beide Stücke wurden hinfällig, da der vom 
Schloß aus dem Auswärtigen Amt zugesandte Text Nr. 503) nach Wien 
telegraphiert wurde. Das Auswärtige Amt hatte auch den Entwurf einc^ 
Telegramms des Kaisers an den König von Italien fertiggestellt, das mit 
dem erwähnten Immediatbericht gleichfalls dem Kaiser zur Vollziehung 
zugeleitet werden sollte; dieser Entwurf ist nicht bei den Akten. 

•^ Siehe Nr. 482. 



20 



Nr. 503 

Der Kaiser an den Kaiser von Österreich^ 

Telegramm 2&ß Berlin, den 31. Juli igi4'^ 

Sr. M. dem Kaiser Franz Joseph, Wien 

Der heute von mir angeordneten einleitenden Mobilmafhung 
meines gesamten Heeres und meiner Marine wird die definitive 
Mobilmachung in kürzester Frist folgen. Ich rechne mit dem 
2. August als ersten Mobilmachungstag und bin bereit, in Erfüllung 
meiner Bündnispflichten sofort den Krieg gegen Rußland und Frank- 
reich zu beginnen. In diesem schweren Kampfe ist es von größter 
Wichtigkeit, daß Österreich seine Hauptkräfte gegen R\ißland ein- 
setzt und sich nicht durch gleichzeitige Offensive gegen Serbien zer- 
splittert. Dies ist um so wichtiger, als ein großer Teil meines Heeres 
durch Frankreich gebunden sein wird. Serbien spielt in dem Riesen- 
kampfe, in den wir Scliulter an Schulter eintreten, eine ganz neben- 
sächliche Rolle, die nur die allernötigsten Defensivmaßregcln er- 
fordert. Ein Erfolg des Krieges und damit der Bestand unserer 
Monarchien kann nur erhofft werden, wenn wir beide dem neuen 
mächtigen Gegner mit allen Kräften entgegentreten. Ich bitte Dich 
ferner alles zu tun, um Italien durch möglichstes Entgegenkommen 
zur Teilnahme zu bewegen, alles andere muß zurücktreten, damit 
der Dreibund gemeinsam in den Krieg eintritt*. 

Wilhelm 



' Nach der bei den Akten des Auswärtigen Amts befindlichen Abschrift. 
Siehe Nr. 4S2, vpl. auch Nr. 502. 

- Originaikon/ept des Telegramms wurde am -^(..Juli 4^ nachm. durch den 
Klügeladjutanten vom Dienst dem Auswärtigen Amt mit ilcm Hclehl des 
Kaisers übergeben, es chiffriert ab/uscnden und erfolgte AbsenJung nach 
dem Schlußc zu melden. Te'cgramm wurde dem Hotschifter in Wien 
telcgrapliisch zugeleitet, mit dem Krsuchen, es soiV)rt dem Kaiser Franz 
Joseph /u übcrmuteln; 4*" nachm. zum Haupttelegraphenamt; angekommen 
auf der Botschaft in Wien 7" nachm. 

' Siehe Nr. 601. 



21 



Nr. 504 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Geschäftsträger 

in Athen' 



Telegramm 104 

Dringend! Berlin, den 31. Juli 1914' 

Nachstehendes Allerhöchstes Telegramm bitte ich umgehend 
durcli mündliche Verlesung Sr. M. dem König zu übermitteln: 
-Von Herzen danke ich Dir mitzuteilen. Wilhelm'« 

Von schriftlicher Mitteilung des Telegramms wollen Ew. pp. 
al)sehen. Drahtbericht. 

Jagow 



' N"ach dem Konzept. Entwurf von Rosenbergs Hand. 

' 5" nachm. zum Haupttelegraphenamt. 

' Hier ist das Telegramm des Kaisers Nr. 466 eingefügt. 



Nr. 505 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten in 

Brüssel' 

Telegramm 39 Berlin, den 31. Juh 1914^ 

ÄLlitärbevollmächtigter in Petersburg telegraphiert': 

«ürotJfürst Nikolai Michailowitsch sagte mir, er höre, daß Belgien einen 
Bündnisvertrag mit Frankreich abgeschlossen habe.« 

Bitte .vorstehende Äußerung vertraulich dortiger Regierung mit- 
teilen'*. 

Jagow 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Bergens Hand. 
' 5** nachm. zum Haupttelegraphenamt. 

• Siehe Nr. 445. 

* Siehe Nr. 581. 



22 

Nr. 506 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Geschäftsträger 

in Bukarest^ 

Telegramm 58 Berlin, den 31. Juli 1914- 

Bitte König Carol und Herrn Brat anu unverzüglich erklären : 
Sollte Krieg mit Rußland unvermeidlich sein, würde k. Regierung 
b<'i günstigem Ausgang sich dafür einsetzen, daß Rumänien als Ent- 
gelt für l'>füllung Bimdespflichten und aktive Beteiligung am Kriege 
auf unserer Seite Bessarabien erhält'. 

Telegraphische Empfangsbestätigruig. Drahtbericht über Aus- 
führung Auftrags*. 

Jagow 

' Nach dem Konzept. Entwurf von Bergens Hand mit Änderungen von 
Jagows Hand. Siehe Nr. 563. 

* 6" nachm. zum Haupttelcgraphenamt. 

* Dieser Absatz lautet in dem ursprünglichen Entwurf von Jagows Hand, 
»erklären, daß angesichts der von Rußland angeordneten allgemeiner 
Mohilisierung Kriegsausbruch imminent. Sollte es zum Kriege mit Ruß- 
land kommen, so würde k. Regierung dafür Sorge tragen, daß Rumanier; 
als Entgelt für Erfüllung Kündnisptiichten und aktive Mitarbeit an unserer 
Seite ganz Bessarabien erhält«. 

* Siehe Nr. 582. 



Nr. 507 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in Wicn^ 

Telegramm 207 Berlin, den 31. Juli 1914* 

Der k. Geschäftsträger in Bukarest erhält nachstehende Weisung 

[wie Nr. 506 Abs. 2] 

Bitte dortige Regierung zu sofortiger analoger Erklärung a;, 
König Carol und rxmiänische Regiermig veranlassen'. 

Jagow 



• Nach dem Konzept. Entwurf von Bergens Hand mit Änderungen von 
Jagows Hand. 

• 6 ühr n.ichm. zum Hauptlelegraphenamt. 
■ Siehe Nr. 561. 



23 

Nr. 508 

Der Reichskanzler an den Botschafter in KonstantinopeP 

Telegramm 290 

Dringend! Berlin, den -31. Juli 1914- 

Gelieim ! 

Bitte Großwesir umgehend mitteilen, daß wir mit von Pforte 
gewünschter Vertragsdauer bis 1918 einverstanden und zum sofor- 
tigen Abschluß bereit sind'. In Wien und Rom treten wir für Aus- 
dehnung deutsch -türkischen Vertrags auf Dreibund ein. 

Ew. pp. sind zur alsbaldi/zen Unterzeichnung ermächtigt*, jedoch 
ist vorher festzustellen, ob Türkei im jetzigen Kriege auch nennens- 
werte Aktion gegen Rußland unternehmen kann und wird. Im ver- 
neinenden Falle würde Bündnis selbstverständlich wertlos sein und 

wäre nicht zu zeichnen. t-, , xr ,, 

Bethmann Hollweg 

* Nach dem Konzept. Entwurf von Rosenbergs Hand mit Änderungen des 
Reichsknnzlcrs. 

* 6*^ nuchm. zum Haupttelegraphenamt. 

' Siehe Nr. 320 und 41 1; vgl. auch Nr. 517. / 

* Hinter nermüchtigt« zunächst von Rosenberg Niedergeschriebenes: «Zur 
ausschl. persönlichen Information An Vertragsdauer darf Bündnis nicht 
scheitern. Ew. Exz. wollen daher äußerstenfalls auch siebenjährigen Ver- 
trag bewilligen« vom Kanzler gestrichen, der dafür den (oben im Text) 

wiedergegebenen Zusatz »jedoch ist vorher nicht zu zeichnen« 

beifügte. 

Nr. 509 

Der Gesandte in Bern an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 17 

Geheim! Bern, den 31. Juli 1914* 

Schweizerischer Bundesrat hat eintretenden Falles Mobilmachung 
gesamter Armee beschlossen, femer sofortige sogenannte Piquet- 
aufstellung, d. h. Vorbereitungszustand zur Mobilmachung und Ein- 
berufung von Landsturmbeständen für nötige Besetzungen auch an 
deutscher Grenze, wie Chef des Generalstabs sagte, der Form halber. 

Dekret erscheint wahrscheinlich noch heute. .^ 

Romberg 

^ Nach der Entzifferung. 

^ Aulgegehen in Bern 3^' nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 6*' nachm. 
Eingangsvermerk: -^i. Juli vorm. (so irrig statt »nachm.«). Entzifferung 
am 31. Juli an den Kaiser gesandt. .Rombergs Telegramm gemäß Rand- 
verfügung Jagows am 31. Juli dem Generalstab, Kriegsm nisterium, Ad- 
miralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt, abgesandt durch Boten S*» nachm. 



24 

Nr. 510 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt^ 

T. legramm 144 Wien, den 31. Juli 1914'^ 

Herzog von Avarna, der mich heute früh aufsuchte, meinte, 
es sei wünsclien>wert, das die k. Regierung, unter Hinweis auf 
nis^ischen, durch Mobilisierung klar dokumentierten Angriff in 
Rom deutlich auf Bündnisfall hinwiese. Die Äußerungen meines 
italienischen Kollegen waren nicht so aufzufassen, als ob er ein 
illoyales Verhalten Italiens voraussetzte, er war aber der Auffassung, 
daß eine deutliche Sprache gerade von Berlin in Rom angezeigt sei. 
Ich darf bitten, die Anregung des Herzogs von Avarna als streng 
vertraulich zu behandeln, da jedes Durchsickern derselben meinen 
italienischen Kollegen, dr-r stets sein loyales Festhalten am Dreibund 
bewiesen hat, kompromittieren müßte. 

Ich hat e Graf Berchtold heute nochmals nachdrücklichst dar- 
auf hingewiesen, daß in diesem Augenblick Österreich- Ungarn ver- 
pflichtet sei, durch largestes Entgegenkommen Italien unbedingt an 

vms zu fesseln. ^ , . 

Tsch^rschky 



' Nach der Entzifferung. 

' Aufget;cben in Wien 4** nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
7*' nachm. Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. 



Nr. 511 

Der luxemburgische Staatsminister und Präsident der 
Regierung an das Auswärtige Amt 

Telegramm (ohne Nummer) Luxemburg, den 31. Juli 1914* 

Das wegen Erklärung des Kriegszustandes auf die luxem- 
burgische Gnnze ausgedehnte Ausfuhrvei bot von Lebensmitteln usw. 
widerspricht den Bestimmungen des freien Verkehrs zwischen den 
Zollvereins -taaten. Es schädigt in höclistem M.ißc hiesige Bevöl- 
kerung, namentlich die schwere Eisenindustrie, die y.u drei Vierteln 
in rein deutschen Händen sich befindet und wegen Kohlen- und 
Wagcnmangels still zu liegen droht. Bitte daher auf das dringendste, 
für die deut^ch-lux* mbuigische Grenze Ausnahme gestatten. Groß- 
herzof:Iirlie Regierung i:-t bereit, absolut alle Maßregeln zu treffen, 

um Mißbrauch zu verhindern. _ 

Staatsmmister Ey sehen 

' .Aufgegeben in l.uxcmbirg 6''" nachm ; eingegangen im Auswiirtigen Amt: 
;'■" nachm. Eingangsvermerk des Amis: 31. Juli nachm. 



•■^5 



Nr, 512 

Der Geschäftsträger in Athen an das Auswärtige Amt ^ 

Telegramm 227 Athen, den 31. Juli 1914^ 

Die von mir gemeldeten Mitteilungen an die hiesige Regierung^, 
daß österieich mit Bulgarien und Türkei verhandele, scheinen direkt 
von russischer Gesandtscluift zu stammen. Österreich hat inzwischen 
hier erklärt, daß es seinen ganzen Einfluß in Sofia aufbiete, um 
Bulgarien «in Ruhe zu halten. 

Bassewitz 

* Nach der Entziflerung. 

^ Aulgegeben in Athen 2^° nachm., anj?ekommen im Auswärtigen Amt 

8" nachm. Eingangsvermerk: 31.JUH nachm. 
^ Siehe Nr. 360. 

Nr. 513 

Der Reichskanzler an den Botschafter in London ^ 

Telegramm 199 Berlin, den 31. Juli 1914 ^ 

Am 29. hat der Zar S. M. telegraphisch gebeten, zwischen Ruß- 
land und Österreich zu vermitteln'. S. M. hat sich dazu sofort 
bereit erklärt, das telegraphisch dem Zaren mitgeteilt und sofortige 
Demarche in Wien gf macht*. Ohne das Ergebnis abzuwarten', hat 
Rußland gegen Österreich mobilisiert. S. M. hat den Zaren alsbald 
telegraphisch daiauf aufmerksam gemacht, d.iß dadurch die Ver- 
mittelungsaktion nahezu illusorisch gemacht wird, und den Z;ufn 
gebeten, die militäriscl en Maßnahmen gegen österieich einzustellen*. 
Das ist nicht gescl el en. Trotzdem haben wir die Vermittelungs- 
aktion in Wien fortgesetzt, und zwar sind wir mit unsern sehr dring- 
lich.en Vorscli lägen bis an die äußerste Grenze dessen gegangen, was 
wir einem souveränen Staate, der unser Bundesgenos'-e ist, zumuten 

^ Nach dem Konzept von der Hand des Reichskanzlers mit Zusätzen von 

Stumnis Hand. 
2 8^ nachm. zum Haupitelegraphenamt. 
' Siehe Nr. 332. 

* Siehe Nr. 359. 

* »Ohne abzuwarten« von Stumms Hand beigefügt. Kanzler 

hatte geschrieben: »Am .. hat.« 

® Siehe Nr. 4^0. 



26 

konnten'. Unsere Vorschläge an Wien bewegten sich ganz im Sinne 
der Vorschläge Englands, die wir Wien zur ernsten Erwägung iin- 
empfohlen iiaben. Heute vormittag wurde daiüber in Wien beraten. 
Wäüirend 5er Beratung, und noch ehe diese abgeschlossen war, meldete 
Graf Pourtal^s offiziell die Mobilmachung der gesamten russischen 
Armee und Marine*. Dieser russische Akt hat Österreich die noch 
ausstehende Antwort auf unseren Vermittelungsvorschlag abgesclmitten. 
Er* erstreckt sic!i auch gegen uns, also gegen die Macht, die de; Zar 
persönlich um Vermittelung gebeten hatte. Diesen Akt, den wir 
nicht andejTs als feiiidsehg ansehen konnten, mußten wir, wenn wir 
die Sicherheit des Vaterlandes nicht absolut preisgeben wollten, mit 
ernsten Gegenmaßregeln beantworten. Wir können der russischen 
Mobilmachimg an unserer Grenze nicht untätig zusehen. Wir haben 
Rußland gesagt, daß, wenn nicht binnen 12 Stunden die kriegerischen 
Maßnahmen gegen uns und Österreich -Ungarn eingestellt würden, 
wir mobilmachen müßten, was den Krieg bedeuten würdet". Frank- 
reich hal)en wir gefragt, ob es in einem deutsch-russischen Kriege 
neutral bleiben werde^V Bitte mit allen Mitteln dahin zu wnken, 
daß dieser Hergang auch in der englischen Presse Beachtimg rtndet. 

Bethmann Hollweg 



' Siehe Nr. 395 und 396. 

^ Siehe j^r. 473. 

' »hat Österreich abgeschnitten. Er« von Stumms Hand ein- 
gefügt. 
'" Siehe Nr. 41)0. 
" Siehe Nr. 491. 



Nr. 514 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten 

in Bern ^ 

Telegramm 21 Berlin, den 31. Juli 1914 ' 

Bitte der schweizerischen Bundesregierung mitzuteilen, daß die 
angeordnete Absj)errung der schweizerisch-deutschen Grenze lediglich 
erfolgt, um der durch die Schweiz sicheren Nachricliten zufolge an- 
gesetzten französischen Spionage vorzubeugen. 

Jagow 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Zimmermanns Hand; veranlaßt durch 

Ersuchen des Gcncralstahs, siehe Nr. 500. 
' a'* nachm. zum Haupttelcgraphenamt. 



27 



Nr. 515 

Der Gesandte in Stockholm an das Auswärtige Ämt^ 

relegramm 33 Stockholm, den 31. Juli 1914" 

Schwedischer Gesandter in Petersburg telegraphiert: 

»Zar hat heute nacht allgemeine Mobilmachung von 
Heer und Flotte für alle Jahresklassen befohlen. Erster 
Mobilmachungstag heute. Auch Landwehr ist einberufen.« 

Rei chen au 



Nach der Entzifferung. 

Aufgegehen in Stockholm 5" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
9* nachm. Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. Am 31. Juli dem üeneral- 
stab, Kriegsmmisterium, Admiralsiab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 



Nr. 516 

Der Gesandte im Haag an das Auswärtige Amt 

Telegramm 27 Haag, den 31. Juli 1914^ 

An amtlicher Stelle wird mir bestätigt, daß I. M. die Königin 
mittels Dekrets vom heutigen Tage Armee, Landwehr und Marine 
aufgehoben- hat. 

Müller 



' Aufgegeben im Haag 8" nachm., aufgenommen im Berline.- Haupl- 
teiegraphenamt i/^ nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 10*" 
nachm. Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. Abschrift am 31. Juli dem 
Reichskanzler vorgelegt, von diesem an den Kaiser weitergegeben, am 
I.August durch den Kanzler ins Amt zurückgelangt. Am i. August dem 
Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 

^ So irrig statt: »aufgeboten«. 



28 



Nr. 517 

Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 392 Therapia, den 31. Juli 1914^ 

Russische Jlobilmachung macht auf Pforte Eindruck und erweckt 
Besorj^'nis vor russischem Angriff auf die Türkei. Auch in der 
plötzlich von Griechenland wieder abgesagten Begegnung des Groü- 
wesirs mit Veniselos erblickt man einen Zug der Triple-Entente, 
welche angeblich die griechisch -türkische Spannung verlängern will, 
damit Griechenland das Einlaufen der für Rußland eventuell unbe- 
quemen türkischen Dreadnoughts in die Dardanellen verhindern 
könne. Wenn wir mit der Türkei abschließen wollen, so ist es die 
höchste Zeit^. Wir könnten sonst 300000 Türken gegen uns statt 
mit uns haben. General Lihiim beginnt zu tezweifeln, daß die 

Türkei sich * für Deutschland erklären werde. Das 

2S()gem Österreichs gegenüber Bulgarien erscheint meinem öster- 
reichischen Kollegen als eine Überfeinerung. 

Wangen heim 



' Nach der Entzifferung. 

* Aufgegeben in Therapia 3 '" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
io'*'nachm Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. 

■■' Siehe Nr. 320, 411, 50S und 547. 

• Zilferngruppe unverständlich. 



Nr. 518 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt^ 

Telcgrannn 200 London, den 31. Juli 1914^ 

Sir William Tyrrell mitteilt mir, hiesige Regierung habe noch 
keinerlei Nachricht ül^er Mobilisierung ganzer russischer Armee und 
Flotte, werde sich sofort mit Petersburg in Verbindung setzen. 

Li chno wsky 



• Nach der Entzifferung. 

' Aufgegeben in l,ondon 4*' nachm.; angekommen im Auswärtigen Amt 
10* nachm. Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. 



29 



Nr. 519 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in Rom^ 

Telegramm 154 Berlin, den 31. Juli 1914- 

König Carol hat zum Grafen Waldburg gesagt^, er verhandle 
mit Italien wegen eventueller Entsendung italienischer Truppen auf 
dem Landwege. 

Bitte, falls unbedenklich, näheres über diese Anregung und Auf- 
nahme dort festzustellen*. 

Jagow 

' Nach dem Konzept von Bergens Hand. 
2 Zum Haupttelegraphenamt 11'° nachm. 
' Vom Geschäftsträger in Bukarest gemeldet mit Telegramm Sinaia ab 

30. Juli 4-*'* nachm., im Auswärtigen Amt angekommen 9^ nachm. 
^ Siehe Nr. 550. 



Nr. 520 

Der Gesandte in Stockholm an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 31 Stockholm, den 31. Juli 1914" 

Um auf richtiges Ziel hinarbeiten zu können, wäre von Wichtig- 
keit für mich und Mihtärattache zu erfahren, ob und in welcher 
Richtimg miUtärische Leitung Kooperation Schwedens sich denkt, 
falls sie zu erreichen. 

Reichenau 



' Nach der Entzifferung. 

- Aufgegeben in Stockholm 5'*' nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
1 1^^ nachm. Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. Am i. August dem General- 
stab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 

Aktenstücke III. 4 



Nr. 521 

Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 202 Petersburg, 31. Juli 1914- 

Militärattache meldet für Generalstab: 

Durch fremde Gesandtschaften verlauten^ aus russischen Offizier- 
kreisen über mihtärische Absichten : 

Fünf Armeen werden aufgestellt. Erste und zweite Armee 
Baltische Provinzen, wahrscheinhch bis Grodno einschüeßUch. Dritte 
Armee Warschau und Osten. Vierte und fünfte Armee gegen Öster- 
reich. Erste bis dritte Armee je drei bis fünf Korps, vierte und 
fünfte Armee je fünf Korps. Erste und zweite Armee Defensive, 
dritte Armee nach Umständen, vierte und fünfte Armee Offensive. 
Wenn Petersburg gesichert erscheint, wird mit Nordarmee keine nach- 
haltige Defensive geplant, sondern langsames Ausweichen wie 18 12. 

Finnland soll sich selbst überlassen bleiben, wahrscheinhch mit 
22. Anneekorps General en chef Iwanow.* Schon am 29. soll be- 
schlossen sein, daß Kaiser Aufmarsch der Südarmee beiwohnen will. 
Neuerdings verlautet wieder, daß Teile 2. Gardeinfanteriedivision 
bereits nach Kurland gegangen seien. 

Viele Gardekavalleristen sollen in andere Kavallerieregimenter 

eingestellt sein. ^ 

^ Pourtales 



' Nach der Entzifferung. 

■•* Aufgegeben in Petersburg 7° nachm., angekommen im Auswärtigen Ami 

11'^ nachm. Eingangsvermerk i. August 1914 vorm. 
•'' So in der Entzifferung für »verlautet". 
* Siehe Nr. 552, vgl. dagegen Nr. 551. 



Nr. 522 

Aufzeichnung des Staatssekretärs des Auswärtigen^ 

Berlin, den 31. Juli 1914^ 

England fragt, ob wir uns verpflichten wollen, die Neutralität 
I^clgiens solange zu respektieren, als keine andere Maclit sie verletzt. 
Die gleiche Frage hat England in Paiis gestellt. Angesichts be- 
sfrhfnder Verträge ist es für England nötig, dies zu wissen. 



' Von Jagows Hand. 

'' Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: i. August nachm. Anfrage und 
Antwort, beide vom 31. Juli, siehe englisches IJlaubuch Nr. 114 und i2z 
letztere Nummer traf erst am i. August in London ein\ 



3^ 

Nr. 523 

Der Gesandte in Belgrad (z. Z. Nisch) an das Auswärtige Amt ^ 

Telegramm 14 Nisch, den 31. Juli 19 14 

Angesichts hier verbreiteter Nachrichten über Mobilmachung 
Rußlands und des langsamen Vorgehens Österreich-Ungarns, worüber 
sich hier jedermann wundert, beginnt Stimmung in Heer und Volk 
sich zusehends zu heben. Serbische Offiziere behaupten, daß ihre 
Mobilmachung heute fertig sei. 

Aus Belgrad wird telephonisch gemeldet, daß 500 Flüchthnge 
in unserer und österreichisch-ungaxischer Gesandtschaft untergebracht 
sind. Bis jetzt alles wohl. Österreicher fortsetzen Bombardement 
mit längeren Unterbrechungen. 

Griesinger 

' Abschrift aus den Akten der Gesandtschaft in Belgrad. Telegramm ist 
beim Auswärtigen Amt nicht eingegangen. 



Nr. 524 

Der Große Generalstab an das Auswärtige Amt^ 

Streng geheim! 

Durch Offizier geschrieben! Berlin, den 31. Juli 1914- 

5. Mitteilung^ 

Nachrichten bis 31. Juli 4° nachm. 

»Drohende Kriegsgefahr« ist heute ausgesprochen. 

Österreich 
Die Mobilmachimg verläuft normal. Die Stimmimg des Volkes 
{alle Nationalitäten) vorzüglich. — Es werden die Armeeführer imd 
Chefs der Generalstäbe der Armeen gegen Serbien bekannt : 

' Nach der vom Generalstab übersandten Vervielfältigung. 

■•* Eingangsvermerk: 31. Juli nachm. Hat Zimmermann, Jagow und dem 
Reichskanzler vorgelegen, von den beiden ersteren am 31. Juli, vom Reichs- 
kanzler am I. August zurück. 

^ 3. Mitteüung (Bericht) über den 29. Juli siehe Nr. 372. Die 4. Mitteilung 
über den 30. Juli ist erst am ». August zu den Akten des Auswärtigen Amts 
gekommen, daher als überholt nicht mehr aufgenommen. 



1. General d. Inf. Ritter v. Frank, Chef: General v. Csicserics. 

2. General d. Kav. v. Böhm-Ermolli, Chef : General v. Mecenseffi. 

3. Feldzeugmeister Potiorek, Chef: General v. Böltz. 
Bei Neusatz ist eine Fliegerstation eingerichtet. 

Die Mobilmachung der ganzen österreichisch-un 
garischen Armee ist heute (31. Juh) ausgesprochen. 

Vom Kriegsschauplatz bekannt : Semliner Brücke noch für Fuß- 
gänger passierbar. Plänkeleien bei Gradischte, Semendria, Belgrad und 
Prhovo, 

Serbien 
Die serbische Armee besteht ansclieinend aus elf Divisionen, von 
diesen eine bei Posarcvatz, eine hinter Linie Vk. Krschna-Lasarevatz, 
eine bei Valjevo, eine im Sandschak, Vortruppen südöstlich Foca^ 
sieben bei Kragujevatz-Krusevatz. Als Armeeführer werden genannt 
die Generale Misitsch, Steph. Stephanovvitsch.Bojanowitsch.Popowitsch. 
IV. österr. A.-K. bringt Nachricht, daß 60000 Russen durch Rumänien 
über Ncgotin den Serben zugeführt werden sollen (vielleiclit sind 
serbische Wehrpfliclitigc gemeint). Gesandter meldet, daß Gewelir- 
mangel sich fühlbar mache. 

Montenegro 
hat sich noch nicht entschieden. 

Griechenland, Rumänien 
Nichts Neues. 

Bulgarien 
Ein Blatt der Gcschow-Partei fordert Bulgarien auf, sich die 
Neutralität von den Scrlx-n durch Forderung einer Komjx'nsation 
bezahlen zu lassen. Gerüchte von einem Bündnis zwischen Bulgarien 
und Türkei werden hörbar. 

Türkei 
siehe Bulgarien. 

Belgien 

Die Mobilmarhung schreitet fort ; an der Armierung der Lütticher 
Forts wird gearbeitet. Am Vcsdre-Viadukt und Tunnel bei Dolhain 
werden Vorbereitungen zur Sprengung getroffen. Die belgische 
Kavallerie-Division ist auf keiner besonderen Höhe. Anscheinend 
Bündnisvirtriig mit Frankicith. 

}1 oll and 
Nichts Neues. 



33 

Frankreich 
Die Stimmung ist gehobener. In Nancy fand ein Sturm auf 
die Bank statt. Die Flotte bei Toulon hält sich mit Reserve- 
geschwader vollbemannt bereit. Die Mittelmeerschiffahrtsgesellschaften 
haben Anweisung bekommen, sich auf den Transport von Truppen 
von Algier nach Frankreich vorzutereiten. — An der Grenze nahm 
die Tätigkeit zu, ohne daß der Grenzschutz ausgestellt wurde. Über- 
wachung des Grenzverkehrs verschärft. Kraftwagen nicht mehr 
durchgelassen. Leermaterial wurde an allen Strecken bis zur Linie 
Paris- Ronen zurückgesammelt. — Auf der Ostfront von Verdun 
wird am annierungsmäßigen Ausbau einer vorgeschobenen Stellung 
am Fuße der Cötes de Meuse zwischen Bahn Verdun- Metz und der 
Chaussee Verdun-ManheuUes in Linie Eix-Moulain\ille-Chätillon s. 1. C. 
gearbeitet. Ouvrage de la Laufee (Ostfront) wird verstärkt. Am Grand 
Mont d'Amance nordöstlich Nancy wird mit Maurerarbeiten begon- 
nen. Briey Flugzeugpark, 8. Jäger stehen im Brückenschutz bei 
Audun und Villerupt. Grenzjägerbataillone scheinen Reservisten ein- 
gezogen zu haben, Kompagnien 250 bis 2S0 Mann stark, anscheinend 
unauffäUige Vermehrung der Grenzschutztruppen. 

England 
pocht auf seine Verpflichtungen und Interessen (Sicherheit Indien, 
die Interessen der überseeischen Besitzungen). Überall werden um- 
fangreiche Vorbereitungen und Vorsichtsmaßregeln getroffen. Dampfer- 
dienst z\\-ischen England und Hock van Holland soll eingestellt sein, 
um die Maßnahmen der Admiralität nicht zu stören. Küsten wachen 
sollen einberufen werden. In Gibraltar sind ^Maßregeln zur Vertei- 
digung getroffen. In Malta lebhafte Rüstungen. In südafrikanischer 
Union sind Truppenmanöver abgesagt. Die i. Flotte hat sich schein- 
bar in Aufmarschstellung Hull-Grimsby gegen Deutschland gesetzt. 

Italien 
Vom Generalstab werden Vorbereitungen für die Mobilmachung 
getroffen. Schulschiffgeschwader von der englischen Küste zurück- 
beordert. Die gesamte Flotte (in complcto armamento) versammelt 
sich bei Tcirent. »Avanti« meldet, daß Mobilmachung unmittelbar 
bevorstehe. Die Börse weist keine erhebliche Schwankungen auf. 
«Tribuna« beteuert jedoch erneut, daß Italien seinen Bündnispflichten 
getreu sein werde. 

Schweden 
Stimmung gegen Rußland nimmt zu. 

Dänemark 
Stimmen werden laut, daß Dänemark nacli der ersten deutschen 
Niederlage mobihsieren werde. 



34 

Norwegen, Spanien 
Nichts Neues. 

Rußland 
Entgegen den Zusicherungen der russischen Regierung ist Mo- 
bihnachung auch in den Grenzgebieten gegen Deutschland befohlen. 
Grenzwache überall mobilmachungsmäßig zusammengezogen. Rus- 
sische Kavalleriedivisionen können, da »Kriegsvorbereitungsperiode« 
mehrere Tage gedauert, schon einbruchsbereit sein. Es wird auf 
Anlage i der »Anweisungen für die Deckung des Aufmarsches« hin- 
gewiesen. Versammlung der Kavalleriedivisionen scheinbar, wie »Ver- 
mutete erste Maßnahmen«; Infanterieabteilungen als Rückhalt. Starke 
Infanterietruppen hinter Linie Lomza-Augustow-Wirballen. Nach- 
richten deuten auf geringe Besatzung und Belegung von Warschau, 
Nowo-Georgiewsk, Ostrolenka hin; Bahnschutz an den von Warschau 
nach Westen und Südwesten führenden Bahnen wohl nur noch zur 
Beendigung der Mobilmachung. — Garnison Kaiisch (3. Schützen) in 
Richtung Lodz abtransportiert. 13. Kavalleriedivision anscheinend 
lim Sieradz. — 14. Kavalleriedivision um Czenstochau-M)rszkow in 
Versammlung. — Brücken östhch Myslowitz über Prezemza und 
bei Granica gesprengt. Rollendes Material südwesthch der Weichsel 
hinter die Weichsel gezogen. Nachrichten über Transport von 
Truppen aus Baku ins Innere laufen aus Türkei ein. — Flotte bei 
Helsingfors. Ein neuer Dreadnought vor Hangö auf Grund, an- 
scheinend stark beschädigt, Sämthche Torpedo- und U-Boote sowie 
Flieger haben Libau verlassen. 

von Bartenwerffer 
Major 



Nr- 52.5 

Der Gesandte in Stockholm an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 32 Stockholm, den 31. JuH 1914* 

Nach Mitteilung Herrn Wallenbergs wird Dänemark morgen 
Ncutralitätscrklänmg veröffentlichen. Norwegen wird dagegen mit 
fler seinigen auf Schweden warten. 

Reichenau 



' Nach der EntzifTerung. 

^ AufgcRcben in Stockholm 31..IUH 5*^ nachm., angekommen im Auswärtigen 
Amt I. August \2^ vorm. Eingangsvermerk: i. August vorm. Ent- 
zifferung lag dem K;ii<;er vor, von ihm noch am i. August zurückgegeben. 



Nr. 526 

Der Gesandte in Stockholm an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 30 Stockholm, den 31. Juli 1914'' 

Reuter Office verbreitet insidiöse Telegramme, laut denen Auf- 
rechterhaltung Weltfriedens ausschließlich von Deutschlands gutem 
Willen abhängt. Halte es für notwendig, daß Wolifs Telegraphen- 
bureau dieser Stimmujigsmache entgegenarbeitet durch Versorgung 
des Svenska Telcf^rammbureaus und der anderen nordischen Tele- 
graphenagenturen mit Depeschen, die Englands und Rußlands Ver- 
antwortlichkeit in klares Licht stellen. 

Reichen au 



' Nach der Entzifferung. 

* Aufgegeben in Stockholm 31. Juli 5^° nachm., angekommen im Auswärtigen 
Amt I. August 12^ vorm. Eingangsvermerk: i. August vorm. Rand- 
vermerk Riezlers vom i. August: »An Wolff Weisung gegeben.« 



Nr. 527 

Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt * 

Telegramm 206 Petersburg, den 31. Juli 1914- 

Nachdem mir Sasonow gestern die russische Forderung schrift- 
lich formuliert hatte und weiteres Verhandeln keine Aussicht hatte 
auf Erfolg, habe ich auch unseren Standpunkt im nachstehenden 
Resümee schriftlich niedergelegt: 

»Pour prouver son esprit pacifique ainsi que ses dispositions 
amicales envers la Russie et se rendant compte de la position 
difficile dans laquelle se trouve cette derniere en face de 
Taction de l'Autriche contre !a Serbie, le Gouvernement allemand 
a engage le cabinet de Vienne ä donner au cabinet de 
St. Petersbourg des assurances qu'il n'a pas l'intention de toucher ä 
Tintegrite territoriale de la Serbie ni de leser les interets legitimes 
de la Russie. C'est ä la suite du conseil donnee par rAllemagne ä 
Vienne que l'Autriche a fait une dcclaration qui, d'apres l'avis du 
Gouvernement allemand, doit suffire pour la Russie. 

Une pareille declaration par laquelle une grande Puissance qui 
se trouve en etat de giierre se lie d'avance les mains pour la con- 

* Nach der Entzifferung. 

- Aufgegeben in Petersburg 31. Juli 9^^ nachm., angekommen im Aus- 
wärtigen Amt I. August 12^ vorm. Eingangsvermerk: i. August vorm. 
Entzifferung lag dem Kaiser vor, von ihm am i. August ins Amt zurück- 
gegeben. Pourtales' Telegramm am i. August von Zimmermann dem Bot- 
schafter in London mitgeteilt; 5^ nachm. zum Haupttelegraphenamt. 



3Ö 

clusion de la paix, doit etre consideree commc une tres-grande com- 
ccssion et commc une preuve d'esprit de conciliation. 

La Russie doit se rendre compte qu'en voulant amener 
l'Autriche a aller au-dcla de cette declaration, eile lui demande de 
faire une chose qui n'est plus compatible avec sa dignite et son 
prestige de grande Puissance. Tout en reprochant ä rAutriche 
d'empieter sur les droits de souverainctc de la Serbic, eile veut porter 
cllc-mcme attcintc au meme droit de rAutriche. 

Le Gouvernement russe ne devrait pas perdre de vue que le 
jirestige de l'Autriche-Hongrie comme grande Puissance est en meme 
temps un interet allemand, et que Ton ne peut pas exiger de l'Alle- 
magne d'agir sur l'Autriche dans un sens contraire ä ses propres 
intcrets. 

Dans CCS conditions, si Russie insiste sur ses dcmandes et rcfuse 
a rcconnaitre dans Tinterct de la paix curopeenne la necessite absolue 
de localiser le conflit austro-serbe, eile doit en meme temps se 
rendre compte de l'extrcme gravitc" de la Situation.« 

P o u r t a 1 c s 

Übersetzung des französischen Teils 

Um ihre friedlichen Absichten wie auch ihre freundschaftliche Ge- 
sinnung gegenüber Rußland zu beweisen und der schwierigen Lage Rechnung 
tragend, in der Rußland gegenüber dem Vorgehen Österreichs gegen Serbien 
sich befindet, hat die deutsche Regierung das Wiener Kabinett veranlaßt, 
dem Petersburger Kabinett Zusicherungen zu geben, daß es nicht beabsichtige, 
die territoriale Integrität Serbiens anzutasten oder die legitimen Interessen 
Rußlands zu verletzen. Dank des von Deutschland in Wien erteilten Rates 
hat Österreich eine Erklärung abgegeben, die nach Ansicht der deutschen 
Regierung Rußland genügen muß. 

Eine solche Erklärung, durch die eine im Kriegszustände befindliche 
Großmacht sich für den Friedensschluß im voraus die Hände bindet, muß 
als ein sehr großes Zugeständnis und als Beweis einer versöhnlichen Gesinnung 
aufgefaßt werden. 

Rußland muß einsehen, daß, wenn es Österreich veranlassen will, über 
diese Erklärung hinauszugehen, es von ihm etwas verlangt, was mit seiner 
Würde und mit seinem Ansehen als Großmacht unvereinbar ist. Während 
es Österreich vorwirft, in die Souveraniiütsrechte Serbiens einzugreifen, will 
es selbst die gleichen Rechte Österreichs schmälern. 

Die russische Regierung sollte im Auge behalten, daß das Ansehen 
Österreich-Ungarns als Großmacht zugleich ein deutsches Interesse darstellt, 
und daß man von Deutschland nicht verlangen kann, auf Österreich in einem 
Sinne einzuwirken, der den eigenen Interessen Deutschlands zuwiderläuft. 

Wenn unter solchen Umständen Rußland auf seinem Verlangen besteht 
und sich weigert, im Interesse des europäischen Friedens die zwingende 
Notwendigkeit der Lokalisierung des österreichisch-serbischen Konflikts anzu- 
erkennen, dann muß es sich dabei auch den außerordentlichen Ernst der 
Lage klar machen. 

•■"Unverständliches, »...itC" der Entzifferung von Jagow sinngemäß zu 
-gravitC" ergänzt. 



37 

Nr. 528 

Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 237 Paris, den 31. Juli 1914^ 

Anfrage sieben Uhr gestellte 

Ministerpräsident sagte, er habe keine Nachricht von allgemeiner 
russischer Mobilmachung, sondern nur von Vorsichtsmaßregeln. I'3r 
wolle daher Hoffnung auf Vermeidung des Äußersten noch nicht 
ganz aufgeben. Er versprach Antwort auf Frage Neutralität bis 
spätestens morgen i Uhr*. 

Schoen 



' Nach der Entzifferung. 

2 Aufgegeben in Paris 31. Juli S'" nachm., angekommen im Auswärtigen 
Amt I. August 12^ vorm. Eingangsvermerk: i. August. Entzifferung lag 
dem Kaiser vor, von ihm am i. August zurückgegeben. Dem Generalstab, 
Kriegsministerium, Admiralstab, Reichsmarineamt am i. August mitgeteilt. 

■'' Siehe Nr. 491, 571 und französisches Gelbbuch Nr. 1 17. Siehe auch Nr. 343. 

* Ablauf der iSstündigen Frist. 



Nr. 529 

Der Reichskanzler an den Botschafter in London^ 

Telegramm 200 Berlin, den 31. Juli 1914^ 

Es wird die Aufgabe Ew. Durchl. sein müssen, dort Ver- 
ständnis dafür zu erwecken, daß unsere geographisch-militärische 
Lage uns keine \\'ahl ließ, als die Mobilisierung Rußlands sofort 
mit der Erklärung des drohenden Kriegszustandes zu beantworten, 
der die Mobilmachung folgen muß, wenn Rußland seine militärischen 
Maßnahmen nicht sofort einstellt^. Wir konnten nicht ruhig ab- 
warten, ob eine besonnenere Auffassung in Petersburg Platz greifen 
würde, während gleichzeitig die russische Mobilmachung in vollem 
Gange war, so daß \\ir gegebenenfalls militärisch vollständig ins 
Hintertreffen geraten müssen. Führt Rußland seine Mobilmachung 
durch, ohne daß wir mobilmachen, so ist Ostpreußen, Westpreußen 
und \'ielleicht auch Posen und Schlesien schutzlos den Russen preis- 

^ Nach dem Konzept. Entwurf von Stumms Hand mit Änderungen und 
Ergänzungen des Reichskanzlers. 

2 Zum Haupttelegraphenamt am i. August r'* vorm. 

3 Satz »Der die Mobilmachung sofort einstellt.« vom Kanzler 

beigefügt. 



■ß 

gegeben*. Der Zar hat in dem letzten Telegramm an S. M. den 
Kaiser erklärt, daß er sich jeder »provocative action« enthalten werde ^. 
Das \vird in England seinen Eindruck nicht verfehlen, wenn es dort 
bekannt wird, trifft aber nicht die Sache. Eine russische mobili- 
sierte Armee an unserer Grenze, ohne daß wir mobilisiert haben, ist 
auch ohne »provocative action« eine Lebensgefahr für uns. Die Pro- 
vokation, der sich Rußland dadurch schuldig gemacht hat, daß es 
in einem Augenblick gegen uns mobilisiert hat, wo wir auf seine 
Bitten in Wien vermittelten, ist überdies so stark, daß kein Deut- 
scher es verstehen würde wenn wir dagegen nicht mit scharfen 
Maßregehi antworteten«. Bethmann Hollweg 

* »Kührt Rußland Russen preisgegeben« vom Reichskanzler 

geändert aus dem von Stumm ursprünglich niedergeschriebenen: »So 
wäre beispielsweise unsere Provinz Ostpreußen rettungslos der russischen 
Eroberung preisgegeben, wenn wir nicht sofort die wichtigsten Sicher- 
heitsmaßregeln träfen.« (»Sicherheits. . . « hatte Stumm aus dem zunächst 
von ihm niedergeschriebenen »Vorbereitungs. . . << geändert.) 

' Siehe Nr. 487. 

' -Abschnitt »trifft aber Maßregeln antworteten« vom Reichs- 
kanzler geändert aus ursprünglich von Stumm niedergeschriebenen: »Sich 
hei einer solchen Erklärung, mag sie auch wirklich bona fide gegeben 
sein, zu beruhigen, ist von militärisch-technischen Gesichtspunkten un- 
möglich, wäre für die für die Sicherheit des Reichs verantwortlichen 
Stellen ein unverantwortlicher Leichtsinn.« 

Nr. 530 

Der Kaiser an den König von Italien^ 

Telegramm (ohne Nummer) [Berlin, den 31. Juli 1914]' 

A Sa Maiestö le Roi d'Italie ^ 

Rome 

Pendant que tous mes efforts tendaient ä faire le mddiateur 
entre l'Autriche-Hongrie et la Russie et que j'^changCciis encore 

' Nach dem Schreibmaschinenkonzept, das dem Kaiser mit einem Begleit- 
schreiben des Reichskanzlers am 31. Juli zur Unterschrift vorgelegt wurde. 
Datumsvermerk des Kaisers auf dem Begleitschreiben »31. VII. 14. W.«, 
Entwurf des Begleitschreibens von Bergens Hand mit Zusätzen von der 
Hand Jagows. 

■■' Kaiserliches Telegramm gem9ß Verfügung des Kanzlers vom 31. .luli in 
ZifTern an Flotow zur Übermittlung an den König depeschiert. Das 
Telegramm des Reichskanzlers an den Botschafter vom 31. .luli (Entwurf 
von Langwerths Hand', am 1. August 1" vorm. zum Haupttelegraphenamt 
gegct)en, lautete: »Bitte nachstehendes Telegramm unverzüglich S. M. dem 
König übermitteln. Draht-Empfangsbestätigung.« Flotows tclegraphische 
Empfangsbestätigung wurde aufgegeben in Rom, i. August 10° nachm. 
und kam im Auswärtigen Amt am 2. August 5" vorm. an (Eingangs- 
vermerk: 2. August vorm.). 



des tölegramnies ä ce sujet avec rEmpereur Nicolas, la Russie 
a mobilis6 son arm^e et sa flotte entiöres et, de ce fait, nienacö 
rAllcmagne. Pour sauvegarder la söcuritö de rivmpire, j'ai 6t6 
force de döclarer ä la Russie que je me voyais obligö de proclamer 
aussi la mobilisation, ä moins que la Russie ne rövoquät toutes les 
mesures prises contre moi et mon alli^, rAutriche-Hongrie.' La 
guerre avec la Russie me parait imminente et inövitable. Je viens 
de faire poser ä Paris la question, si la France, dans une guerre 
nisso-allemande, voulait rester neutre*. La r^ponse, malheureusement , 
ne peut pas etre douteuse. 

En ce moment supreme, me rappelant la cordialitö des rap- 
ports d'ainiti6 et d'alliance qui existent entre nous et nos deux 
pays, mes pens^s s'adressent k Toi dans une entiere confiance ^. 

Ton frere et allie 

Guillaume 



Übersetzung 

Sr. M. dem König von Italien 

Während ich nach allen Kräften bemüht war, die Vermittlerrolle zwischen 
Osterreich-üngam und Rußland durchzuführen, und während ich noch dar- 
über Telegramme mit Kaiser Nikolaus wechselte, hat Rußland seine ganze 
Armee und Flotte mobilisiert und dadurch Deutschland bedroht. Um die 
Sicherheit meines Reiches zu schützen, war ich gezwungen, Rußland zu er- 
klären, daß ich gleichfalls genötigt sei, die Mpbilmachung anzuordnen, es sei 
denn, daß Rußland alle gegen mich und Österreich-Ungarn, meinen Ver- 
bündeten, getroffenen Maßnahmen rückgängig mache. Der Krieg mit Ruß- 
land scheint mir unmittelbar bevorzustehen und unvermeidlich zu sein. Ich 
werde in Paris die Frage stellen lassen, ob Frankreich in einem deutsch- 
russischen Kriege neutral bleiben wolle. Die Antwort kann leider nicht 
zweifelhaft sein. 

Eingedenk der herzlichen Freundschafts- und Bundesbeziehungen, die 
zwischen uns und unseren Ländern bestehen, wenden sich in diesem ent- 
scheidenden Augenblick meine Gedanken in vollem Vertrauen zu Dir. 

Dein Bruder und Verbündeter 

Wilhelm 



' Siehe Nr. 490. 

* Siehe Nr. 49 1 , 

* Antwort siehe Nr. 755. 



Nr. 531 

Der Botschaftsrat an der Botschaft in Petersburg an das 

Auswärtige Amt^ 

Telegramm 208 Petersburg, den 31. Juli 19 14' 

Militärattache meldet auch für Gcneralstab: 

Der Mobilmachungsbefehl bestimmt nicht die einzuberufenden 
Jahrcsklasscn. Es ist noch nicht zu übersehen, welche Klassen ein- 
bchaltcn werden, steht aber fest, daß auch Reichswchrleute sich bei 
der Wehrpfiichtbehörde zu melden haben. In Kiew sollen acht Re- 
serveklassen einbchalten sein. 

Stadthauptmann Petersburg fordert durch Maueranschlag Ar- 
beiter und Zimmcrlcute zu hohem Lohn für Erdarbeiten und Wald- 
al)hol Zungen an. Es handelt sich offenbar um provisorische Be- 
festigung der Hauptstadt. 56 000 Arbeiter sollen dazu erforderlich 
sein. Bei Koloiiijägi unmittelbar nördlich der Stadt Arbeiten be- 
reits begonnen. Hohe Löhne und zugesicherte staatliche Ver- 
pflegung lassen Absicht, streiklustige Bevölkerung hiermit abzu- 
lenken, erkennen. 

M u t i u s 



Nach der Entzifferung. 

Aufgegeben in Petersburg am i. August i'" vorm., angekommen im 
Auswärtigen Amt 3'' vorm. Eingangsvermerk: i. August vorm. Ami. August 
dem Generalstah, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichmarineamt 



mitgeteilt. 



! ! 



Nr. 532 

Der Gesandte in Kopenhagen an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 41 Kopenhagen, den 31. Juli 1914=* 

Herr von Scavenius schickte mir den Sektionschef Kruse vom 
Auswärtigen Ministerium, der mir im Auftrage des Ministers unter 
Berufung auf unsere heutige vertrauliche Aussprache mitteilte, 
dänischer Gesandter in Berlin erhalte Weisung, folgendes k. Re- 
gierung mitzuteilen: 

»Mit Rücksicht auf stets ernstere Verhältnisse wird als ricluig 
angesehen, zirka i 400 Mann zur Flotte und zirka i 300 Mann zu 
Seefestungen einzuberufen.« 

Aufklärend ließ der Minister hinzufügen: Daß diese Maßnahme 
keine Mobilisierung bedeute, liege auf der Hand, trotzdem habe er 
mich sofort verständigen wollen ; IMaßnahme erfolge, um erregte 
öffentliche Meinung, die Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der 
Neutralität verlange, zu beruhigen. Regierung halte dies Mindest- 
maß zu diesem Zwecke für erforderlich^. 

R a n t z a u 



' Nach der Entzifferung. 

- Aufgegeben in Kopenhagen i. August i'-" vorm., angekommen im Aus- 
wärtigen Amt 3-*° vorm. Eingangsvermerk: i. .'August vorm. Telegramm 
lag am i. August dem Kaiser vor, von ihm noch am i. August ins Amt zu- 
rückgelangt; Telegramm wurde sofort auch dem Generalstab, Kriegs- 
ministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 

■^ Am Rand die Notiz von Jagow§ Hand über eine Mitteilung des dünischen 
Gesandten in Berlin: "Berlin, 1. August «4. Graf Moltke machte gleiche 
Mitteilung und fügte hinzu: »Der jetzige Bestand ist weit unter Friedens- 
präsenz. Ohne Mobilmachung kann Friedenspräsenz durch Einberufungen 
von loooo bis 15000 Mann erreicht werden. Diese Einberufung wünscht 
das Militär jetzt, aber die Regierung nimmt davon Abstand, bis eine 
deutsche Mobilmachung eintritt.« 



Nr. 533 

Der Generalkonsul in Genua an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 7 Genua, den i. August 19 14* 

Im hiesigen Hafen liegende englische Dampfer der White Star 
Line und British India Company »Celtic« und »Malda« sind von 
ihren Gesellschaften angewiesen, möglichst rasch auslaufen und 

westlich ' TT /■ r 

H er f f 

' Nach der EntzifTerung. 

'^ Autgegeben in Genua am i. August i^ vorm., angekommen im Auswärtigen 
Amt 3'*' vorm. Hingangsvermerk: i. August vorm. Telegramm am i. August 
9» vorm. dem üeneralstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichs- 
marineamt mitgeteilt. 

^ Zilfcrngruppe unverständlich. 

Nr. 534 

Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 161 Rom, den 31. Juli 1914* 

Die hiesige Regierung hatte sich in heute stattgehabtem Mi- 
nisterrat bereits über Italiens Stellung zum Krieg ausgesprochen. 
Marquis San Giuliano sagte mir, die italienische Regierung habe die 
h'ragc von Grund aus geprüft und sei von neuem' zu dem Ent- 
schluß gekommen, daß das österreichische Vorgehen gegen Serbien 
als ein aggressives betrachtet werden müsse, und daß daher der casus 
foederis nach Maßgabe des Dreibundvertrags nicht vorliege. Sie 
werde sich daher als neutral erklären müssen. Auf meine heftigen 
l'ckämpfungen dieses Standpunkts erklärte der Minister weiter, 
Italien sei von dem Vorgehen Österreichs gegen Serbien nicht vorher 



' Nach der Entzifferung. 

^ Aufgegeben in Rom 31. Juli 11" nachm., angekommen im Auswürtigcn 
Amt 1. August 3^^ vorm. Eingangsvermerk: 1. August vorm. Durch Rand- 
erlaß verfügte Zimmermann, daß Elotows Telegramm dem Generalstab, 
Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineami schnellstens 
»citissime« mitgeteilt werde; das geschah am i. August 10'" vorm. Flotows 
Telegramm wurde von Jagow nach Vornahme kleiner Änderungen, unter 

Fortlassung des Abschnittes »Es ist jedoch nicht daraus ergeben 

könnten«, am i. August dringend dem Botschafter in Wien mitgeteilt. Jagow, 
der das Konzept niederschrieb, fügte hinzu: »Halte schleunige Beschlüsse 
Österreichs für dringend notwendig;« Telegramm Jagows am i. August 
11" nachm. zum Haupttelcgraphenamt. 

^ Siehe Nr. 419. 



43 

benachrichtigt worden, es könne ihm daher um so weniger zugemutet 
werden, am Kriege teilzunehmen, als direkt italienische Interessen 
durch das österreichisciie \'orgehen geschädigt würden. Alles, was 
er mir jetzt sagen könne, sei, daß die hiesige Regierung sich vor- 
behalte zu prüfen, ob es iiir später möglich sein würde, zugunsten 
der Alliierten in dem Krieg zu intervenieren, wenn die italienischen 
Interessen dabei ausreichend gewahrt würden. Der Minister, der 
sich in heftiger Erregung befand, fügte erläuternd hinzu, der gesamte 
Ministerrat mit Ausnahme seiner selbst habe scharfe Abneigung 
gegen Österreich gezeigt. Es sei ihm um so weniger möglich gewesen, 
dagegen anzukämpfen, als Österreich, wie ich ja wisse, bei einer 
bewußten Schädigung der italienischen Interessen insofern beharre, 
als es den Artikel 7 des Dreibundvertrags verletze und als es sich 
weigere, die Integrität und Unabhängigkeit Serbiens zu verbürgen. 
Er bedaure, daß die k. Regierung sich in dieser Beziehung 
nicht mehr ins Mittel gelegt habe, um Österreich zu einem recht- 
zeitigen Entgegenkommen zu bewegen. Ich habe den Eindruck, 
daß alle Hoffnung auf die Zukunft hier noch nicht aufgegeben zu 
werden braucht, wenn den Italienern in ihrem obigen Postulat ent- 
gegengekommen wird, beziehungsweise wenn ihnen Kompensationen 
geboten werden. Es ist jedoch nicht zu verkennen, daß die englische 
Stellungnahme die Aussichten für eine aktive italienische Teilnahme 
hier zu unseren Gunsten entschieden vermindert hat. 

Inzwischen habe ich den Minister in schärfster Weise auf den 
überaus bedauerlichen Eindruck hingewiesen, den diese Stellung- 
tiahme bei uns hervorrufen würde und sodann auf die Folgen auf- 
merksam gemacht, die sich für die Zukunft Italiens daraus ergeben 
l<önnten. F 1 o t o w 

Nr. 535 

Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 204 St. Petersburg, den 31. Juli 1914- 

Für S. M. den Kaiser 

Ew. M. melde icli alleruntertänigst, daß ich soeben in einer von 
mir heute früh erbetenen Audienz von Sr. M. dem Kaiser Nikolaus 
empfangen worden bin. Ich habe den Zaren mit dem allergrößten 
Ernst auf den Eindruck hingewiesen, den heute früh publizierter 
Mobilmachungsbefehl für die ganze russische Armee und Flotte 
bei uns machen müsse, nach den uns wiederholt erteilten X'ersicherun- 
gen, daß nur eine Mobilmachung der an der österreichischen Grenze 

' Nach der Entzilferung. 

- Aufgegeben in Petersburg 31. Juli 7'" nachm., angekommen im Auswärngen 
Amt i. August 5*^ vorm. Eingangsvermerk: i. August vorm. Entzifferung 
vom Reichskanzler dem Kaiser vorgelegt, von ihm am i. August zurück- 
gegeben. 



14 

uelcgenen militärischen Bezirke beabsichtigt sei. Ich gab der Be- 
fürchtung Ausdruck, daß diese Maßregel vielleicht schon jetzt nicht 
wieder gutzumachende Folgen hervorgerufen habe. Vor allem ahcr 
sprach ich die Besorgnis aus, daß die Mobilmachung gegen Deutsch- 
land während einer von Ew. M. geführten und noch nicht endgültig 
gescheiterten \'ermittelungsaktion von Ew. M. als eine Kränkung, 
vom deutschen \'olkc aber als eine Provokation angesehen werden 
würde. Ich bat, wenn irgend tunlich, diese Maßregel noch anzu- 
halten oder rückgängig zu machen. S. M. erwiderte, das sei aus 
technischen Gründen nicht mehr möglich. Der Zar zeigte mir darauf 
ein an Ew. M. heute nachmittag abgesandtes Telegramm^ und sprach 
mir von einem Brief, den er an Ew. M. angefangen habe. Ich er- 
widerte, ich wüßte nicht, ob Brief und Telegramm nicht jetzt schon 
zu spät kämen. Der Zar versuchte sodann, mir nachzuweisen, daß 
es für die Ruhe Europas durchaus notwendig sei, daß wir mehr 
Einfluß und in gewissen Fällen einen Druck auf Österreich aus- 
übten. Ich erwiderte, der Einfluß, den wir auf Österreich ausübten, 
habe sich in der vorjährigen Balkankrisis in wiederholten Fällen ge- 
zeigt und sei auch von Rußland anerkannt worden. Was aber einen 
,'iuszuübcnden Druck anbetreffe, so könne davon keine Rede sein, 
da wir bei unserer Lage in Europa auf die Freundschaft Österreichs 
nicht verzichten könnten. Zu einer freundschaftlichen Einwirkung 
und Vcrmittelung hätten wir uns stets bereit gezeigt, und der Zar 
müsse zugeben, daß es Ew. M. auch jetzt nicht an Bemühungen in 
dieser * fehlen ließen. 

Trotz meiner sehr ernsten Sprache konnte ich mich leider dem 
Eindruck nicht verschließen, daß sich S. M. noch jetzt des vollen 
Ivrnstes der Situation nicht bewußt ist. Zar entließ mich äußerst 
L^nädig und dankte mir für die freimütige Aussprache. 

Nach der Audienz sah ich noch Graf Fredericks, der sich über 
den Ernst der Lage ganz klar war. Ich setzte ihm unseren Stand- 
punkt auseinander, gegen den er nicht viel einzuwenden wußte, und 
äußerte meine Besorgnisse wegen des durch die hiesige Mobil- 
machungsorder in Deutschland zu erwartenden Eindrucks. Graf 
h'rcdericks hat offenbar zu dem heutigen Telegramm des Zaren an 
Ew. M. geraten. Aus Andeutungen des Hausministers entnehme 
ich, daß es der Kriegsminister imrl der Minister des Innern gewesen 
sind, welche den ^^'ol)ilmachungsbcfchl durchgesetzt haben. Ersterer 
ist von der Angst vor Überraschungen beherrscht, letzterer hat den 
Kaiser davDu überzeugt, daß die innere Lage auf Entscheidung 

<1 ränge. » „ ... 

Alleruntertanigst ^^ , , , 

Pourtales 

' Siehe Nr. 480. 

* ZifTerngruppe unverständlich. Nach dem bei den Akten der deutschen 

Botschaft in Petersburg befindlichen Konzept ist zu lesen: »in diesem 

Sinne«. 



45 



Nr. 536 

Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 209 Petersburg, den i. August 19 14' 

Habe Auftrag soeben Mitternacht ausgeführt'. Herr Sasonow 
verwies wieder auf technische Unmöglichkeit, Kriegsmaßnahmen 
einzustellen, und versuchte mich von neuem* davon zu überzeugen, 
daß wir Bedeutung der russischen Mobilmachung, die mit der 
unsrii^en nicht zu vergleichen sei, überschätzten. Er bat mich 
dringend, Ew. Exz. darauf hinzuweisen, daß die in heutigem Tele- 
gramm Sr. M. des Kaisers Nikolaus^ an S. M. den Kaiser und König 
auf Ehrenwort übernommene Verpflichtung des Zaren uns über die 
Absichten Rußlands beruhigen müsse. Ich wies darauf hin. daß 
der Zar sich keineswegs unter allen Umständen verpflichte, von 
kriegerischer A.ktion abzusehen, sondern nur solange, als noch Aus- 
siclit bestehe, die russisch-österreichische Differenz wegen Serbiens 
beizulegen. Ich legte dem Minister direkt die Frage vor, ob er mir 
garantieren könne, daß Rußland, auch falls eine Einigung mit Öster- 
reich nicht erfolge, gewillt sei, Frieden zu halten. Der Minister 
vermochte mir auf diese Frage keine bejahende Antwort zu er- 
teilen. In diesem Falle, entgegnete ich, könne man es uns nicht 
verdenken, daß wir nicht gesonnen seien, Rußland weiteren Vor- 
sprung in der Mobilmachung zu lassen. 

Pourtales 



1 Nach der aus den Akten der Botschaft Petersburg im Auswärtigen .A.mt 
wieder hergestellten Abschrift. 

ä Aufgegeben in Petersburg i. August i» vorm., Zeit der Ankunft nicht ein- 
getragen. Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: I.August. Entzifferung 
lag dem Kaiser vor. 

3 Siehe Nr. 490. « 

* Siehe Nr. 343. 

» Siehe Nr. 487. 

Aktenstücke III. ^ 



46 

Nr- 537 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt' 

felegramm 203 London, den i. August 1914^ 

Antwort auf Telegramm 199* 

Erfahre soeben (2 Uhr nachts) vom Privatsekretär des 
Premierministers, zu dessen Kenntnis ich obiges Telegramm so- 
fort hatte durch Sir W. Tyrrell bringen lassen, daß König Georg 
den Inhalt nebst Begleitworten sofort an den Zaren hat gelangen 
lassen*. 

Lichnowsky 



* Nach der Entzifferung. 

* Aufgegeben in London 3"* vorm., angekommen im Auswärtigen Amt 
6^ vorm.; Eingangsvermerk: i. August vorm. 

' Siehe Nr. 513. 

* Vgl. Nr. 574 Schiulisatz. 



Nr. 538 

Der Geschäftsträger in Athen an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 228 Athen, den 31. Juli 1914* 

Da die im Telegramm Nr. 220' gemeldeten Erklärungen des 
bulgarischen Gesandten von Regierung und Presse nur als persön- 
liche Erklärungen des Gesandten aufgefaßt worden waren, hat 
dieser gestern dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten ge- 
sagt, er sei von seiner Regierung beauftragt, offiziell zu erklären: 

»Que la Bulgarie gardera la neutralite.« 

Ein weiteres Gespräch über diese Erklärung hat nicht statt- 
gefunden. Herr Streit ist jedoch der Ansicht, daß sie sich zunächst 
nur auf den österreichisch-serbischen Krieg bezieht. 

Wie mir Minister weiterhin vertraulich sagt, hat er von ver- 
schiedenen Seiten Nachrichten, daß Bulgarien an neuer serbischer 
und griechischer Grenze Banden organisiere. 

Bassewitz 



' Nach der Entzifferung. 

'Aufgegeben in Athen, 31. Juli (/nachm., angekommen im Auswärtigen 

Amt I.August 6" vorm.; Eingangsvermerk: i. August vorm. 
• Siehe Nr. 336 und 381. 



47 



Nr- 539 

Der Botschafter in Petersburg an den russischen 
Hausminister Grafen Fredericks' 

Ce samedi matin ä 7 ^/j heures * 

Mon eher Comte! 

Je Profite de l'aimable autorisation que \'ous avez bien voulu 
me donner de m'adresser a Vous en cas de besoin. Ce que j'ai 
prevu est arrive. 

La mobilisation de t o u t e I'armee russe a fait ä Berlin la plus 
fdcheuse impression. On ne congoit pas que cet ordre ait pu etre 
donne pendant que la mediation de mon Souverain continuait et 
n'avait pas encore echoue. N'oubliez pas qu'il n'y a que peu de jours 
qu'on nous a declare d'une faqon formelle qu'on ne mobiliserait que 
sur la frontiere Autrichienne et pas sur la frontiere Allemande^ La 
Situation est donc devenue extreme ment grave et je cherche 
partout des moyens pour empecher un malheur. Car une guerre 
serait un enorme danger pour toutes les monarchies. 
J'ai re<;u l'ordre cette nuit de dire immediatement a Mr. Sasonow 
que nous ne mobilisons pas encore, mais que si jusqu'ä midi 
aujourdh'hui^ la Russie ne nous declare pas positivement 
qu'elle arrete ses preparatifs de guerre contre nous et 
l'Autriche, l'ordre de mobilisation sera donne aujourd'hui. 
Vous saurez ce que chez nous cela veut dire. Nous ne 
pouvons pas nous cacher que dans ce cas nous sommes ä deux doigts 
de la guerre, d'une guerre que ni \'ous ni nous desirons. Je sais 
a quel point il est difficile d'arreter la machine mise en branle. Mais 
l'Empereur de Russie peut tout faire dans cet ordre d'idee. Je Vous 
s u p p 1 i e , faites ce que Vous pouvez pour arreter un malheur. 

\'otre tres sincerement devoue et profondement afflige 

Pourtales 



' Nach einer in den Akten der deutschen Botschaft in Petersburg be- 
findlichen Abschrift. Auf einem beigehefteten Blatte der Vermerk: «Une 
lettre du Comte de Pourtales adressee au Comte de Fredericks a ete 
remise le 19 juillet, i aoüt 1914 ä 1072- Comte Fredericks.» Der Brief 
wurde (nach Veränderung der ersien Person in die driue) vom Botschafts- 
rat von Mutius dem russischen Minister für Ackerbau Kriwoschein am 
I.August vorgelesen. 

' Siehe Nr. 343 und 370. 

' Siehe Nr. 490. 

5* 



48 

Übersetzung: 

Mein lieber Graf! 

Ich wende mich an Sie auf Grund Ihrer mir liebenswürdigerweise 
erteihen Ermächtigung, Sie im Falle der Notwendigkeit anzugehen. Was 
ich vorausgesehen habe, ist eingetroffen. Die Mobilisation der gesamten 
russischen Armee hat in Berlin den schlechtesten Eindruck gemacht. Man 
begreift nicht, daß dieser Befehl gegeben werden konnte, während die Ver- 
mittlung meines Souveräns fortdauerte und noch nicht gescheitert war. Ver- 
gessen Sie nicht, daß man uns erst vor wenigen Tagen ganz offiziell erklärt 
hat, daß man nur an der österreichischen und nicht an der deutschen Grenze 
mobil machen würde. Die Lage ist daher äußerst ernst geworden, und 
ich suche überall nach Mitteln, um ein Unheil zu verhüten. Denn ein Krieg 
wäre eine ungeheure Gefahr für alle Monarchien. Ich habe heute nacht 
den Befehl erhalten, Herrn Sasonow sofort zu sagen, daß wir noch nicht 
mobilisieren, daß jedoch, falls uns Rußland nicht bis heute mittag aus- 
drücklich erklärt, daß es seine Kriegsvorbereitungen gegen uns und 
Österreich einstellt, der Mobilmachungsbefehl heute gegeben werden wird. 
Sie wissen, was das bei uns bedeutet. Wir können uns nicht verhehlen, daß 
wir in diesem Falle nur noch um Fingerbreite vom Kriege entfernt sind, von 
einem Kriege, den weder Sie noch wir wünschen. Ich weiß, wie schwer es 
ist, die Maschine aufzuhalten, die bereits in Bewegung gesetzt ist. Aber der 
Kaiser von Rußland ist in dieser Hinsicht allmächtig. Ich bitte Sie inständigst, 
tun Sie, was Sic können, um ein Unheil aufzuhalten. 

Ihr sehr herzlich ergebener und tief bekümmerter 

Po u r t a 1 c s 



Nr. 540 

Der Gesandte in Brüssel an den Reichskanzler^ 

Brüssel, den 30. Juli 1914' 

Angesichts der politischen Lage ist seitens der Regierung die 
Einberufung der drei letzten Jahrgänge der Reserve verfügt worden. 
Es werden ferner sämtliche Truppenteile, die sich zur Zeit außer- 
halb ihrer Standorte auf Truppenübungsplätzen befinden, mittels 
Sonderzügen in ihre Garnison zurückbefördert. 

Diese Maßnahmen sind auf verschiedentliche Besprechungen 
zurückzuführen, die der König, Höchstwclclicr Seinen Aufenthalt in 
Ostende aufgegeben hat und nach Lacken zurückgekehrt ist, mit dem 
Kriegsminister und den übrigen Mitgliedern des Kabinetts gepflogen 
hat. Das offiziöse »Journal de Bruxelles« bemerkt hierzu, daß 
durch die Einberufung der drei Klassen die Armee auf den ver- 
stärkten Friedensfuß gebracht werde, und daß diese Maßnahme 

* Nach der Ausfertigung. 

' Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: i. August vorm. 



49 

lediglich aus Gründen der Vorsicht erfolgt sei. Von einer Mobili- 
sierung sei bis jetzt noch keine Rede, sondern es sei dies nur ein 
Mittel, dieselbe, falls sie sich als notwendig erweisen sollte, zu er- 
leichtern. 

In der Absicht, die öftcntliclic Meinung zu beruhigen, fügt das 
Blatt hinzu, daß für den Augenblick kein Grund vorhanden sei, zu 
glauben, daß die Schrecken eines möglichen Krieges in Belgien ihren 
Eingang finden könnten. Dazu sei das Vertrauen sowohl in die 
Garantie der Mächte als auch in die Kraft der Armee zu stark, und 
man könne daher dem Gang der Ereignisse ruhig entgegensehen. 

V. B e 1 o w 



Nr. 540a 

Aufzeichnung des Reichskanzlers ^ 

[Berlin, den i. August 1914] 
S. M. hat dem Tenor der Kriegserklärungen zugestimmt. 

V. B. H. 1./8. 

' Nach der Aufzeichnung von der Hand des Reichskanzlers. Als Akten- 
vermerk auf einem gesonderten Blatt zu dem Ultimatum an Frankreich 
vom 31. Juli (Nr. 491) angefügt. 

Nr. 541 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in Rom^ 

Telegramm 156 Berlin, den i. August 1914^ 

Dringend! 

Nach Nachrichten aus Wien ist zwischen Grafen Berchtold 
und Herzog von Avarna im Beisein des Herrn von Tschirschky 
Einigung bezüglich des Artikels VH erzielt worden. Bitte dies un- 
verzüglich dem I*klarquis di San Giuliano mitteilen, da ich annehme, 
daß Haltung dortiger Regierung hierdurch geändert werden wird. 

J a g o w 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Bergens Hand im Anschluß an die Aut- 
zeichnung Nr. 536, die sonach früher erfolgt sein muß. 
- i2^<^ nachm. zum Haupttelegraphenamt. 



50 



Nr. 542 



Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in Petersburg^ 

Telegramm 159 Berlin, den i. August 1914^ 

Dringend! 

Falls die russische Regierung auf unsere Forderung keine be- 
friedigende Antwort erteilt, wollen Ew. Exz. ihr^ heute nachmittag 
5 Uhr nach mitteleuropäischer Zeit folgende Erklärung überreichen: 

»Le Gouvernement Imperial s'est eflForc6 des les d^buts de la 
crise de la mener ä une Solution pacifique. Se rendant a un desir qui 
Lui en avait ete exprime par Sa Majestc l'Empereur de Russie, 
Sa Majeste l'Empereur d'Allemagne, d'accord avec TAngleterre, 
S'etait applique ä accomplir un röle mediateur aupres des Cabinets 
de Vienne et de St. Petersbourg, lorsque la Russie, sans en attendre 
le resultat, proceda ä la mobilisation de la totalite de ses forces de 
terre et de mer. 

A la suite de cette mesure menagante, motivee par aucun 
preparatif* militaire de la part de TAllemagne, l'Empire Allemand 
se trouva vis-ä-vis d'un danger grave et imminent. Si le Gouver- 
nement Imperial eüt manque de parer ä ce pcril, il aurait compromis 
la sccurite et l'existence meme de l'Allemagne. Par consequent, le 
Gouvernement Allemand se vit forcc de s'adresser au Gouvernement 
de S. M. l'Empereur de toutes les Russies en insistant sur l.i 
cessation des dits actes militaires. La Russie 
ayant refuse de faire droit' 



n'ayant pas cru devoir repondre 



- a cette demande 



' Nach dem Konzept. Der deutsche Teil des Entwurfs von Rosenbergs Hand 
vom 31. Juli, dazu Ergänzungen vom Kanzler und der letzte Absatz von 
Jagows Hand. 

• Zum Haupttelegraphenamt am i. August 12" nachm. Vgl. deutsches 
Weißbuch vom Mai 191 5 S. 36 Nr. 25. 

' Zwischen : ^ihr folgende« stand ursprünglich folgender Text: 

• nach Ablauf der Frist unverzüglich, spätestens aber heute nachmittag 

5 Uhr«. Hiervon wurden die Worte: «nach aber« gestrichen; 

die Worte »spätestens Uhr« waren zuerst eingeklammert, doch 

wurde die Klammer wieder gestrichen. Die Worte »nach mitteleuropäischer 
Zeit« sind vom Kanzler hinzugefügt. Über den Grund der zuerst be- 
absichtigten Fortlassung der Kristbemessung vgl. die Randbemerkung zum 
Entwürfe einer nicht abgesandten Kriegserklärung an Frankreich (siehe 
Nr. 608I. 

* An .Stelle von »preparatif« wurde beim Dechiffrieren in der Petersburger 
Botschaft (Akten der deutschen Botschaft in Petersburg) »presage« auf- 
genommen. So auch im russischen Orangebuch Nr. 76. 



., , ce refus * 

et ayant manifeste par -. — .— que son action etait dirigee 

cette attitude ^ 

contre rAIlemagne, j'ai Thonneur, d'ordre de mon Gouvernement, 

de faire savoir a Votre Excellence ce «jui suit : 

S. M. l'Empereur, mon Auguste Souverain, au nom de l'Empire, 
releve le defi et Se considere en etat de guerre avec la Russie.« 

Bitte Eingang und Zeitpunkt der Ausführung dieser Instruktion 
nach russischer Zeit dringend drahten'. 

Bitte Ihre Pässe fordern und Schutz und Geschäfte amerika- 
nischer Botschaft übergeben. 

J a g o w 

Erster Entwurf von Nr. 542'. 

Pendant que l'Allemagne, appliquee des les debuts de la crise ä 

trouver une sohition pacifique, continuait encore, en expf^ution des 

ordres de Sa Majeste l'Empereur et Roi, mon Auguste Souverain, 

son röle de mediateur entre l'Autriche-Hongrie et la Russie, cette 

derniere a procede a la mobilisation de la totalite de ses forces de 

terre et de mer. La securite de l'Empire Allemand se trouvant 

menacee par cette mesure qui n'avait ete precedee, en Allemagne, 

d'aucune mesure analogue, le Gouvernement Allemand en a informe 

le Gouvernement de Sa Majeste l'Empereur de toutes les Russies en 

demandant la cessation de ces entreprises de caractere belliqueux. 

^ . ayant decline 

La Russie — ; ; : -, \ ;r cctte demande et 

n ayant pas cru devoir repondre a 

documente par cette attitude que ses procedes se dirigaient contre 

l'Allemagne, S. M. l'Empereur, mon Auguste Souverain, au nom 

de l'Empire, declare accepter la guerre qui Lui est octroyee. 



Zweiter Entwurf zu Nr. 542^ 

Le Gouvernement Imperial [wie in der endgültigen 

Fassung] forces de terre et de mer. La securite de 

l'Empire Allemand se trouvant menacee par cette mesure, motivee 

* An diesen Stellen ist der Text in seiner doppelten Fassung sowohl nach 
Petersburg telegraphiert, wie aus der Entzifferung in den Akten der 
deutschen Botschaft in Petersburg ersichtlich ist, als auch von Pourtales 
der russischen Regierung überreicht worden.; vgl. das russische Orange- 
buch Nr. 76 Anm. Die durch technische Rücksichten des Drucks veran- 
laßten Lücken sind im Original nicht vorhanden. 

e Siehe Nr. 588. 

' Von der Hand des Grafen Mirbach am 31. Juli niedergeschrieben. 

• Entstanden aus dem ersten Entwurf, den Stumm mit BleistiftzusStzen und 
Veränderungen versehen hatte. Der zweite Entwurf lag Jagow sodann in 
Schreibmaschinenschrift vor. Der Staatssekretär versah diesen noch mit 
Zusätzen und Veränderungen und gab ihm dadurch die endgültigeFassung. 



par aucun preparatif militaire de la part de rAllemagne, le Gouverne- 
ment AUemand s'adressa au Gouvernement de Sa Majeste 
rEm[)ereur de toutes les Russies en insistant sur la cessation des dits 
actes militaires. La Russie [bis zum Schluß wie end- 
gültige Fassung]. 

Übersetzung der endgültigen Fassung 
Die k. Regierung hat sich seit Beginn der Krise bemüht, sie einer fried- 
lichen Losung zuzuführen. Einem von Sr. M. dem Kaiser von Rußland aus- 
gesprochenen Wunsche nachkommend, hat sich S. M. der Deutsche Kaiser 
gemeinsam mit England bemüht, eine Vermittlerrolle bei den Kabinetten von 
Wien und Petersburg durchzuführen, als Rußland, ohne die Ergebnisse da- 
von abzuwarten, zur Mobilisierung seiner gesamten Land- und Seestrcitkrüfte 
schritt. 

Infolge dieser bedrohlichen, durch keine militärische Vorbereitung von 
deutscher Seite begründete Maßnahme sah sich das Deutsche Reich einer 
ernsten und unmittelbaren Gefahr gegenüber. Wenn die k. Regierung es 
unterlassen hätte, dieser Gefahr zu begegnen, hätte sie die Sicherheit und 
sogar die Existenz Deutschlands aufs Spiel gesetzt. Die deutsche Regierung 
sah sich daher gezwungen, sich an die Regierung Sr. M. des Kaisers aller 
Reußen zu wenden und auf die Einstellung der erwähnten militärischen 
Handlungen zu dringen. Da Rußland 

dieser Forderung nicht nachgekommen ist 
auf diese Forderung keine Antwort erteilen zu sollen geglaubt hat 

Weicerunc 
und durch diese — ^~ — ^ kundgetan hat, daß sein Vorgehen gegen 

Deutschland gerichtet ist, beehre ich mich im Auftrage meiner Regierung 
Ew. Exz. mitzuteilen was folgt: 

S. M. der Kaiser, mein erhabener Herrscher, nimmt im 

Namen des Reichs die Herausforderung an und betrachtet sich 

als im Kriegszustand mit Rußland befmdlich. 



^'^. 543 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Paris ^ 

I )ringcn(l ! 

Telegramm 184 Berlin, rlen i. August 1914^ 

Ew. Ex7.. sind ermächtigt, nötigenfalls der französischen Re- 
gierung ztir Beantwortimg Evcntualvorschlages^ Frist von zwei 
Stunden bis 3 Uhr dortiger Zeit zu gewähren. 

B e t li m a n n H o 1 1 w e g 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Stumms Hand. 
- I" nachm. zum Haupttelegraphenamt. 
' Siehe Nr. 491, 528 571. 



53 



Nr.. 544 



Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in Wien ^ 

Telegramm 215 Berlin, den i. August 1914- 

Im Kriegsfall von größter Wichtigkeit, daß Rumänien ganze 
Armee gegen Rußland einsetzen kann. Doch umgehende Aktions- 
freiheit nur zu ermöglichen, wenn Sicherung bulgarischer Grenze 
nicht erforderlich. Demnach dringend nötig, daß Bulgarien Öster- 
reich-Ungarn und Rumänien bindende Erklärung abgibt, im 
Kriegsfall sich nach unseren Wünschen zu richten. Bitte Graf 
Berchtold zu schleuniger diesbezüglicher Demarche in Sofia ver- 
anlassen. 

J a g o w 

' Nach dem Konzept. Entwurf vom 31. Juli von Bergens Hand mit Ver- 
änderungen von der Hand Zimmermanns. 
^ Am I.August 1'" nachm. zum Haupttelegraphenamt. 



Nr. 545 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in Tokio ^ 

Telegramm 24 Berlin, den i. August 191 4- 

Rußland hat Gesamtmobilisierung von Heer und 
Flotte verfügt. Österreich-Ungarn trifft entsprechende Maßnahme, 
solche steht bei uns unmittelbar bevor. Krieg mit Rußland danach 
kaum noch zu vermeiden. Wir sind überzeugt, daß japanische Re- 
gierung in richtiger Würdigung des großen Moments die für Japan 
gegebenen Konsequenzen ziehen wird. Bitte sich unter Berücksichti- 
gung japanischer Neutralität dort entsprechend äußern und Ihre 
Eindrücke über Japans Absichten drahtend 

J a go w 



' Nach dem Konzept. EntwTjrf von Zimmermanns Hand. 
^ i^ nachm. zum Haupttelegraphenamt. 
^ Siehe Nr. 785. 



Nr. 546 

Der Zar an den Kaiser* 

Telegramm (ohne Nummer) Peterhof, Palais, den i. August 1914* 

Sa Majeste l'Empereur 

Berlin 

I received your telegram'. Understand you are obligcd to 
mobilise but wish to have the same guarantee from you as I gave 
vou, that these measures d o n o t mean war and that we shall 
continue negociating for the benefit of our countries and universal 
peace dear to all our hearts. Our long proved friendship m u s t 
succeed, with God's help, in avoiding bloodshed. Anxiously, füll of 
confidence await your answer*. 

N i c k y 

Übersetzung 
Ich habe Dein Telegramm erhalten. Verstehe, daß Du gezwungen bist, 
mobil zu machen, aber ich wünsche von Dir dieselbe Garantie zu erhalten, 
wie ich sie Dir gegeben habe, daß diese Maßnahmen nicht Krieg bedeuten 
und daß wir fortfahren werden, zu verhandeln zum Heile unserer l.ünder 
und des allgemeinen Friedens, der unser aller Herzen teuer ist. Unserer 
langbewährten Freundschaft muß es mit Gottes Hilfe gelingen, Blutvergießen 
zu vermeiden. Voll Vertrauen erwarte ich mit Spannung Deine Antwort. 



' Nach der Niederschrft des Schloßtelegraphenamts. Vgl. deutsches Weißbuch 
vom Mai 1915 S. 10. 

■'' Aufgegeben in Peterhof, Palais, 2" nachm., aufgenommen im Schloßtele- 
graphenamt zu Berlin i. August 2* nachm. Eingangsvermerk des Aus- 
wärtigen Amts: I.August. 

> Siehe Nr. 480. 

♦ Siehe Nr. 600. 



Nr. 547 

Der Reichskanzler an den Botschafter in KonstantinopeP 

Telegramm 296 Berlin, den i. August 1914" 

Falls General Liman überzeugt ist, daß Türkei auch jetzt schon 
für uns im Kriegsfall mit Rußland aktiv und wirkungsvoll eingreifen 
wird, sind Ew. Exz. zum Bündnisabscliluß bis 1918 mit Klausel be- 
treff? Verlängerungsmöglichkeit ermächtigt. 

Bethmann Hell weg 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Zimmermanns Hand. 
' 2*° nachm. zum Haupttelegraphenamt. 
» Siehe Nr. 517. 



55 

Nr. 548 

Der Gesandte in Sofia an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 41 Sofia, den 31. Juli 19 14* 

Radoslawow und Tontscheff haben mir gemeinsam versichert, 
daß keinerlei feindliche Absicht gegen Rumänien besteht, auch keine 
militärischen Maßnahmen an rumänischer Grenze getroffen werden. 
Dies haben sie gestern in Bukarest erklären lassen. Sollte öster- 
reichisch-serbischer Konflikt nicht lokalisiert werden können, so wird 
Bulgarien freundscliaftliche Haltung gegen Rumänien beobachten 
und verzichtet auf alle Absichten etwaigen Wiedererwerbs der 
Dobrudscha unter der Voraussetzung, daß Rumänien den bulga- 
rischen Aspirationen auf Mazedonien keine Hindernisse in den 
Weg legt. 

Bulgarischer Gesandter in Bukarest meldet, der russische 
Kaiser habe König Carol telegraphisch um seine Unterstützung zur 
Aufrechterhaltung des Friedens gebeten. 

Michahelles 

' Nach der Entzifferung. 

* Aufgegeben in Sofia 31. Juli 7'° vorm., angekommen im Auswärtigen 
Amt I. Augi-ist 3" nachm. Eingangsvermerk: i. August nachm. Am 
I. August dem Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichs- 
marineamt mitgeteilt, abgesandt durch Boten 9*° nachm Abschnitt 

»Radoslawow Weg legt« am i. August telegraphisch dem 

Geschäftsträger in Bukarest »zur Information und geeignet erscheinenden 
Verwertung« mitgeteilt, 9** nachm. zum Haupttelegraphenamt. 



Nr. 549 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten 

in Sofia ^ 

Telegramm 43 Berlin, den 1. August 1914* 

Wir eintreten in Wien für sofortige Verständigung mit Bul- 
garien über dessen Stellungnahme zu drohendem europäischen 
Konflikt. Bitte entsprechende Schritte österreichischen Kollegen 
nachdrücklichst unterstützen. Drahtbericht ^ 

J a g o w 



1 Nach dem Konzept. Entwurf von Rosenbergs Hand. 
* 3^ nachm. zum HaupttelegraphenamL 
' Siehe Nr. 673. 



5'' 



Nr. 550 

Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 166 Rom, den i. August 1914'' ' 

Nach Nachrichten ist liier in der Tat eine rumänische Anfrage 
über die militärischen Maßnahmen eingegangen. Es ist hier aber 
bisher vermieden worden, darauf zu antworten. 

San Giuliano steht auf dem Standpunkt, daß eine direkte Hilfe 
bei dem österreichischen Vorgehen gegen Serbien für Rumänien 
ebenso unmöglich ist, wie für Italien. 

Flotow 



* Nach der Entzifferung. 

''' Aufgegeben in Rom 12^^ nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 3" 
nachm. Eingangsvermerk des Amts: i. August nachm. Abschrift »Nach 

Nachrichten zu antworten« wurde nach Vornahme kleiner 

Änderungen am 2. August dem Generalstab mitgeteilt. 

^ Nr. 519. 



Nr. 551 

Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 210 Petersburg, den i. August 1914^ 

Militärattache^ meldet auch für Generalslab, Großfürsten tum 
Finnland in Kriegszustand erklärt. Aufrechterhaltung der Ruhe 
und Ordnung dem Oberkommandicrcnden des Militärbezirks Peters- 
burg übertragen. Unverbürgt verlautet von mehreren Seiten, daß 
Teile der Garde nach Finnland transportiert werden sollen''. 

Pourtales 



' Nach der EntzitFerung. 

■•'Aufgegeben in Petersburg 11^^ vorm., angekommen im Auswärtigen 
Amt 3" nachm. Eingangsvermerk: i. August nachm. Am i. August 
dem Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab, Reichsmarineamt mit- 
geteilt, abgesandt durch iioten 4^° nachm. 

^ Siehe hingegen Nr. 321. 



57 

Nr. 552 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten in 



Stockholm 



Telegramm 25 Berlin, den i. August 1914* 

Zur vertraulichen Verwertung. 

Nachrichten aus St. Petersburg zufolge^ beabsichtigt Rußland, 
im Kriegsfall gegen Österreich und uns, Finnland sich selbst zu 
überlassen, wahrscheinüch mit 22. Armeekorps General en chcf Iwanow. 

J a g o w. 

' Nach dem Konzept. Entwurf von Bergens Hand. 
2 3*0 nachm. zum Haupttelegraphenamt. 
' Siehe Nr. 521. 

Nr. 553 

Aus dem Protokoll der siebenundzwanzigsten Sitzung des 

Bundesrats 

(§§664) 

Geschehen Berlin, den i. August 191 4 
Darstellung der politischen Lage 

Der Vorsitzende' erklärte: 

»Wider unseren Willen und gegen alle unsere Bemühungen 
bricht, wenn Gott nicht noch in letzter Stunde ein Wunder tut, 
über den Frieden Europas und Deutschlands eine Krisis herein, 
wie sie so schwer noch nicht dagewesen ist. 

Der Anlaß ist den Hohen verbündeten Regierungen be- 
kannt. Am 28. Juni dieses Jahres ist der österreichische Thron- 
folger und seine Gemahlin ermordet worden. Die Unter- 
suchungen haben ergeben, daß die langjährige großserbische Be- 
wegung, die sich zum Ziele gesetzt hat, die Existenz Österreich- 
Ungarns zu unterhöhlen, in der Freveltat von Sarajevo Aus- 
druck gefunden hat. Es war nicht nur das Recht, sondern die 
Pflicht Österreich-Ungarns, gegen diese Bewegung einzu- 
schreiten. Kaiser Franz Joseph hat uns von den zu unter- 
nehmenden Schritten Kenntnis gegeben. Wir haben ein eigenes 
Interesse daran, daß die Österreichisch-Ungarische Monarchie stark 
erhalten wird, daß sie nicht untergeht in dem Kampfe mit den 
Südslawen, über die Rußland glaubt die Protektorrolle spielen 
zu können oder zu müssen. Würde der österreichische Staat 
vernichtet, so würde damit zugleich an die Wurzeln des Deut- 
schen Reiches gegriffen. Unter diesem Gesichtspunkt wird die 

* d. h. der Reichskanzler. 



5« 



Politik geleitet, die wir seit 30 Jahren verfolgt haben. Deshalb 
haben wir auch, als Österreich-Ungarn uns mitteilte, daß es 
einschreiten müsse, geantwortet: Darüber, was ihr zu tun habt, 
maßen wir uns kein Urteil an; das ist nicht unsere Sache. Aber 
es ist selbstverständlich, daß, wenn der Bündnisfall eintritt, wir 
treu an eurer Seite stehen. 

Das Ultimatum Österreichs an Serbien und die Antwort 
Serbiens sind bekannt. Serbien ist in seiner Antwort in ge- 
wissen Beziehungen den österreichischen Forderungen entgegen- 
gekommen, hat aber viele Zusagen stark verklausuliert und 
wichtige Forderungen abgelehnt. Die geschichtlichen Er- 
fahrungen, die Österreich mit Serbien gemacht hat, haben er- 
wiesen, daß bloße Zusicherungen Serbiens keinen Wert haben, 
daß vielmehr tatsächliche Garantien gegeben werden müssen. 

Den Konflikt, der nunmehr zwischen Österreich und Ser- 
bien ausbrach, wollten wir lokalisieren. Diese Absicht haben 
wir von Anfang an bei allen Kabinetten vertreten. Bei allen 
haben wir Zustimmung gefunden, außer bei Rußland, das xon 
vornherein erklärte, es erscheine ihm unmöglich, daß Serbien 
und Österreich-Ungarn ihren Konflikt allein ausfechten. So 
spitzte sich die Lage zu, obwohl England bereit war, zu ver- 
mitteln, damit nicht aus dem österreichisch-serbischen Konflikt 
ein österreichisch-russischer sich entwickelte. 

Während dieser Zeit traf Rußland im geheimen militärische 
Vorkehrungen, die sich zunächst gegen Österreich-Ungarn 
richteten. Während dieser Vorbereitungen trat Rußland an 
uns heran, wir möchten in Wien die Vermittelung übernehmen. 
Dies geschah durch ein Telegramm des Zaren an den Kaiser. — 
Ich will die Phasen der Entwickclung nur kurz berühren, da ich 
bereits in einem Communique in der Norddeutschen Allgemeinen 
Zeitung die Vorgeschichte der gegenwärtigen Krisis dargelegt 
habe. — In diesem Telegramm bittet der Zar den Kaiser in 
dringlichen Worten unter Berufung auf die traditionelle 
Freundschaft, darauf hinzuwirken, daß Österreich-Ungarn 
seine Forderungen nicht zu weit stellt. S. M. hat darauf, 
obwohl wir immer die Auffassung vertreten haben, der Konflikt 
zwischen Österreich und Serbien gehe nur diese Staaten etwas 
an, sich sofort bereit erklärt, die Vermittlerrolle zu über- 
nehmen, um den europäischen Frieden zu wahren, und dies noch 
an demselben Tage dem Zaren mitgeteilt. In derselben Zeit 
hat die russische Regierung unter den stärksten Beteuerungen 
versichert, daß gegen uns keinerlei militärische Maßnahmen 
getroffen wären. Wir hal>en darauf die \crmittelungsaktion in 
Wien in Gang gesetzt; sie richtete sich auf folgendes: 

Österreich-Ungarn hatte wiederholt in Petersburg erklärt, 
daß es keinerlei territoriale Erwerbungen in Serbien beabsichtige, 
daß es sich vielmehr nur Ruhe verschaffen wolle gegen die groß- 



59 

serbischen Umtriebe. Hieraus zogen wir die Folgerung, 
Österreich anzuraten, es möge, wenn dies sein Standpunkt sei, 
diesen nochmals feierlich in Petersburg erklären lassen und dem- 
gemäß den Zweck seines militärischen Eingreifens clahin fest- 
stellen, daß es durch die Okkupation serbischer Gebietsteile nur 
ein Faustpfand für die Erfüllung seiner Forderungen in die 
Hand bekommen wolle. 

Auf ähnlichen Bahnen bewegte sich der Vermittelungsvor- 
schlag Englands, den wir an die österruchisihc Kegieruu;^ 
weitergegeben haben mit der Bitte, ihn in ernsthafte Erwägung 
zu nehmen. 

Während dieser Verhandlungen überraschte uns am 30. Juli 
die Mobilmachung der russischen Korps gegen Österreich-Ungarn. 
Der Kaiser hat sofort in einem Telegramm den Zaren darauf 
hingewiesen, daß durch diese Maßnahmen die Vermittelungs- 
aktion erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht werde, denn 
es sei ganz klar, daß, wenn Rußland gegen Österreich-Ungarn 
mobil mache, es für Deutschland als Vermittler ungeheuer 
schwer sei, der österreichisch-ungarischen Regierung Rat- 
schläge zu erteilen. — Gleichwohl haben wir unsere Ver- 
mittelungsaktion fortgesetzt. 

Gestern sollte die Entscheidung fallen, ob Wien sich im 
Sinne unseres oder des englischen \'orschlags an Rußland 
wenden sollte. Jedenfalls hatte Österreich-Ungarn auf unsere 
Veranlassung die direkten Verhandlungen mit Rußland, die ab- 
gebrochen waren, wieder aufgenommen. Gestern wurde also 
in Wien über eine Verständigung verhandelt, und wir sind 
hierbei mit unseren Ratschlägen bis an die äußerste Grenze 
dessen gegangen, was man einer Großmacht — noch dazu einer 
verbündeten Großmacht — zumuten konnte. Wir taten dies 
im Verfolg unserer seit 43 Jahren befolgten Friedenspolitik. 
In diesem Augenblicke machte Rußland seine gesamte Streit- 
macht zu Wasser und zu Lande mobil. Zwei Tage vorher war 
noch die feierliche Versicherung abgegeben worden, daß gegen 
uns keinerlei Maßnahmen getroffen würden. In Wirkliclikeit 
liefen aber schon fortgesetzt Meldungen über derartige Maß- 
nahmen ein. Die allgemeine Mobilmachung können wir nur als 
einen gegen uns gerichteten feindlichen Akt auffassen. Sie 
führt für uns eine Situation herbei, aus der wir, wenn wir 
unsere Ehre und Sicherheit nicht preisgeben wollen, nur durdi 
die Tat herauskommen können. Es ist nichts anderes als eine 
Provokation, wenn während unserer X'ermittelungstätigkeit 
gegen uns mobilisiert würd. Rußland versucht die Sache so 
darzustellen, daß in der Mobilisation keine feindliche Handlung 
gegen uns zu erblicken sei. Wollten wir uns dieser Auffassung 
anschließen, so ^vürden wir uns versündigen an der Sicherheit 
unseres Vaterlandes. Deutschland hat mit einer bewundenings- 



6o 



würdigen, vielleicht kaum noch zu entschuldigenden Ruhe den 
Kriegsvorbereitungen in Rußland und in Frankreicli zugesehen, 
die zwar nicht die Mobilmachung selbst bedeuten mochten, 
diese aber ungeheuer zu beschleunigen geeignet waren. Wir 
gerieten dadurch in die Gefahr, den Vorsprung, welcher in 
der schnelleren Mobilisierung unserer Truppen liegt, zu ver- 
lieren; wir schwebten in der Gefahr, in kurzer Frist eine 
kriegsbereite, schlagfertige Armee in Ost und West an 
unseren Grenzen zu haben; wir durften nun nicht mehr untätig 
bleiben, sollten nicht preußische Gebietsteile des Ostens be- 
setzt und gleichzeitig im Westen das Reichsland gefährdet 
werden. 

Daher haben wir uns verpflichtet gefühlt, auf die Mobil- 
machung an Rußland das Ultimatum zu richten, binnen 
12 Stunden die Mobilmachung einzustellen, widrigenfalls wir 
zur Mobilmachung schreiten müßten, und hinzugefügt, es be- 
stehe wohl darüber volle Klarheit, was bei uns die Mobil- 
machung bedeute. In dieser Situation war es nicht zu ver- 
meiden, daß S. M. gestern den Zustand der drohenden 
Kriegsgefahr erklärt hat. Gleichzeitig haben wir an Frank- 
reich unter Darlegung unseres Standpunkts die Anfrage ge- 
richtet, wie sich Frankreich in einem deutsch-russischen Kriege 
verhalten würde. In dem Ultimatum an Rußland haben wir 
eine sehr kurze Frist gesetzt, weil die eigene Sicherheit einen 
weiteren Aufschub der militärischen Vorbereitungen nicht mehr 
gestattet. Die Antwort ist heute um 12 Uhr mittags fällig 
gewesen. Ich weiß noch nicht, wie sie lautet; mit Rücksicht 
auf die Überlastung des Telegraphennetzes werde ich wohl noch 
einige Stunden auf sie warten müssen. Ich muß aber besorgen, 
daß Rußland unsere Forderung nicht erfüllen wird. 

Die französische Antwort ist um i Uhr nachmittags 
fällig. Wir wissen nicht den genauen Wortlaut des Bündnis- 
vertrags zwischen Frankreich und Rußland. Nach allem aber, 
was uns über diesen Vertrag bekannt ist, müssen wir be- 
fürchten, daß Frankreich sich nicht wird dem entziehen können, 
aktiv auf die Seite Rußlands zu treten. 

Wenn die russische Antwort ungenügend ausfällt und von 
Frankreich nicht eine absolut einwandfreie Neutralitätser- 
klärung kommt — auf einer vollständig sicheren Neutralitäts- 
erklärung Frankreichs müssen wir nach Lage der Verhältnisse 
unbedingt bestehen — , so wird der Kaiser der russischen Re- 
gierung erklären lassen, er müsse sich in einem von Rußland 
provozierten Kriegszustande mit Rußland betrachten, und an 
Frankreich wird er erklären lassen, daß wir mit Rußland im 
Kriege leben und, da Frankreich seine Neutralität nicht garan- 
tiere, annehmen müssen, daß wir uns auch mit Frankreich im 
Kriegszustande befinden. 



Ich muß diese Erklärungen hier noch als bedingte aus- 
sprechen, da ich nicht weiß, wie die Antworten lauten werden. 
Ich wollte dem Bundesrate jedoch diese Darlegungen schon 
jetzt machen, um keine Zeit mehr zu verlieren. 

Ich hoffe, der Bundesrat hat aus meinen Darlegungen die 
Überzeugung gewonnen, daß Deutschland entsprechend der von 
ihm stets befolgten Friedenspolitik bis zuletzt für die Erhaltung 
des Friedens gewirkt hat. Die von Rußland ausgegangene 
Provokation aber können wir nicht ertragen, wenn wir nicht 
als Großmacht in Europa abdanken wollen. Dabei wer<len wir 
die Konsequenzen des zwischen Rußland und Frankreich be- 
stehenden Bündnisses auch unsererseits zu ziehen haben. Ich 
kann mit gutem und reinem Gewissen die Zustimmung der 
Hohen verbündeten Regierungen zu den Maßnahmen erl)itten. 
die ich soeben vorgetragen habe. Wir haben den Krieg nicht 
gewollt, er wird uns aufgezwungen. Der Krieg wird von dem 
deutschen Volke das Äußerste an Opfern verlangen, was von 
ihm je verlangt worden ist. Wir vertrauen aber, da wir den 
Krieg nicht herbeigeführt haben, sondern ihn abwenden 
wollten, auf Gottes Hilfe und werden mutig und entschlossen 
in den Kampf ziehen, den wir führen müssen um die Ehre, 
Freiheit und Stärke des Deutschen Reichs.« 
Nachdem der Reichskanzler hierauf die Zustimmung der ver- 
bündeten Regierungen dazu erbeten und einstimmig erhalten hatte, 
daß, falls von Rußland und Frankreich genügende Erklärungen 
nicht abgegeben werden sollten, S. M. der Kaiser diesen beiden 
Mächten erklären lasse, sie hätten den Kriegszustand mit dem 
Deutschen Reiche herbeigeführt, fügte er hinzu: 

»Sonach haben meine Darlegungen die allgemeine Zustim- 
mung der Hohen verbündeten Regierungen gefunden. Wenn 
nun die eisernen Würfel rollen, wolle Gott uns helfen.« 



Nr. 554 

Der Kriegsminister an den Staatssekretär des Auswärtigen ^ 

Berlin, den i. August 1914' 

Mobilmachung befohlen, erster Mobilmachungstag der 2. August 

1014^ * 

V. Falkenhayn 

' Nach der Ausferf.gung. 

- Eingangsvermerk des Auswärtigen Amis: i. August nachm. 

■ Dieselbe Mitteilung machte der Kriegsminister dem preußischen Minister 
des Auswärtigen (Reichskanzler . 

* Nach dem deutschen Weißbuch vom Mai 19 lö S. 10 Erlaß des Mobil- 
machungsbefehls um 3" nachm. 

Aktenstücke IlL ^^ 



62 



Nr. 555 

Entwurf eines nicht abgesandten Telegramms 
des Staatssekretärs des Auswärtigen an den Botschafter 

in Wien^ 

Berlin, den i. August 19 14" 

Nach Nachrichten aus Konstantinopel scheint Österreich mit 
Sofia noch nicht Endgültiges vereinbart zu liaben. österreichisches 
Zögern könnte Bulgaiien ins Lager unserer Gegner drängen und auch 
andeie Balkanstaaten, insbesondere Türkei, gegen uns auf den Plan 
rufen. Kw. Exz. wollen Graf Berclitold dringend um sofortige Ver- 
ständigung mit Bulgarien ersuchen. Dralitbericht. 

J a g o w 



' Entwurf von Rosenbergs Hand. 
•' Nicht abgesandt, laut Randvermerk Zimmermanns: »Anderweitig erledigt«. 



Nr. 556 

Aufzeichnung des Vortragenden Rats im Auswärtigen Amt 

von Bergen^ 

[Berhn, den i. August 1914]'^ 

Von Wien ist der hie-igcn österreiclnschen Botschaft telephoniert 
worden, die österreichisch-ungarische Regierung hätte Avarna aus- 
drückhch gebeten, in ihrem Namen nach Rom zu melden, daß 
Österreich die vereinbarten Konzessionen an Italien gewähren wird, 
wenn letzteres seinen Bündnisjjflichtcn nachkommt-''. 



' Aufzeichnung von Bergcns Hand für den Staatssekretär. 
' Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 1. August nachm. 
» Siehe Nr. 541, die im Anschluß an die obenstehende Aufzeichnung ent- 
worfen wurde. 



^^3 

Nr. 557 

Die österreichisch-ungarische Botschaft 
an das Auswärtige Amt ' 

Berlin, cfen i. August 19 14 
Notiz 

Einer vom 29. v. M. datierten Meldung des k u. k. Militärattaches 
in Rom zufolge ist die Stimmung in Italien seit ungefähr zwei 
Tagen zu unsern Gunsten umgeschlagen, und man ist ernstlich ge- 
willt, uns an die Hand zu gehen. 

Der Generalstab ist beschä tigt, die Mobilisierung der gewissen 
Armeegruppe durchzuführen. Hie bei sind keine geringen Schwie ig- 
keiten zu bewältigen, da, wie der k. u. k. Militärattache des weiteren 
berichtet, ein gioßer Teil des einberufenen Jahrgangs 1891 zur 
Ver.^tärkung bezw. Stellung auf Kriegsfuß derjenigen Truppenkörper 
verwendet wurde, weiche in politisch unsicheren Regionen garnisonieren. 

Femer stehen noch heute Infanterieregimenter und Alpini- 
B^taillone des 5. Korps Verona — das der gewissen Armeegruppe 
gehört — im Bereich des 7. Korps, während sie ilire Mobilisierungs- 
vorräte im Bereich des 5. Korps haben. 

Die in die Armeegruppe gelörenden Bataillone, welche noch in 
Lybien sind, müßten durch andere ersetzt werden. 



' Nach der nicht unterzeichneten Ausfertigung. Eingangsvermerk des Aus- 
wärtigen Amts: I. August nachm. 



Nr. 558 

Der preußische Gesandte in Stuttgart an den preußischen 
Minister der auswärtigen Angelegenheiten (Reichskanzler)' 

Geheim! Stuttgart, den 31. Juh 1914* 

Der Ministerpräsident machte mir soeben Mitteilung über ein 
Privatgesp. äch über die pohtiscl e Krisis, welcles er gestern mit 
meinem Liesigen russLsihen Kollegen gehabt habe; derselbe sei direkt 
von Pa-is gekommen, wo er nach seiner Angabe auch Iswolski ge- 
sehen 1 abe. Herr Lermontow habe überwiegend abgedroschene 
Argumente ausgekramt, auf die er üim die Antwort nicJit schuldig 



' Nach der Ausfertigung. 

" Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: i. August nachm. 



geblieben sei ; als vielleicht bemerkenswert hob mir Herr von 
Weizsäcker hervor, daß der Rmse betont habe, die Kabinette von 
Paris und Petersburg seien im Grunde ihres Herzens duchaus nicht 
kriegslustig, wohl ater das Londoner, w^elcl.es darauf rechne, daß 
bei einem universellen Kriegsbrande die den Engländern nach wie 
vor höchst unbequem* und von ihnen als bedrohhch empfundene 
Machtstellung Deutschlands auf jeden Fall erheblich geschwächt 
werden dürfte ; der Minister hatte aber, wie er mir sagt, nicht den 
Eindruck, daß die Tiraden Lermontows auf etwas Tatsächlichem 
basierten, hält vielmehr dafür, daß die Giftmischer an der Seine und 
an der Newa sich wieder einmal etwas ausgedacht haben, womit sie 
uns nur bluffen wollen. Herr von Weizsäcker stellte mir anheim, 
Ew. Exz. diesen seinen Eindruck zu melden. 

Übrigens hat mein russischer Kollege bei dieser Gelegenheit 
harte Wahrheiten zu hö.en bekommen ; so z. B. als er darauf zu 
spreclien kam, daß Rußland die Serben nicht verlassen könne, und 
ein Wort des Zaren zitierte von den »co.reUyionnaires, die man 
schützen müsse«. Da hat ihm der I\Iiiiister crüment erwidert, seii.er 
Ansicht nach »müsse ein jeder, der noch einen Funken monarchiscl en 
Gefühls in sich habe, von den Belgrader Fürstenmö.den abrückena 
und weiter : »in Belgrad gehe jetzt die Drachensaat auf, welche 
russische und französische Hetzer seit langem ausgestreut hätteno. 

Die naheliegende Frage, was Herr Lermontow mit der Dis- 
kussion so heikler Themata wohl bezweckt haben möge, Ix^antwoitete 
mir der Minister dahin : »mö.^Uch, daß er mir nur sein Herz 1 at 
ausschütten wollen, vielleicht beabsichtigte er aber auch ein bißchen 
zu hetzen, zumal er ja von Iswolski kama. 

Below 



Nr. 559 

Der Gesandte in Brüssel an den Reichskanzler^ 

Brüssel, den 30. Juli 1914^ 

Gestern abend fand hier eine von der internationalen sozialistischen 
Vereinigung veranstaltete Versammlung statt, in welcher gegen den 
Krieg protestiert wurde. An der Versammlung dürften über loooo 
Menschen teilgenommen haben. Es wurden kurze Reden, deren In- 
halt eine Wiedergal« erübrigt, gegen den K' ieg von verschiedenen 
sozialistischen Führern des In- und Auslandes so : Vandervelde 
(Belgien), Haase (Deutschland), Keir Hardie (England), Morgari (Italien), 



' Nach der Ausfertigung. 

- Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: i. August nachm. 



Rubanowitsch (Rußland), Troclstra (Holland) und Jaurrs (Frankreich) 
gehalten. Nach Schluß der Veranstaltung bewej^ten sich die Massen 
in langem Zuge unter dem Absingen der Internationale und häufigen 
Rufen »a bas la guerre!« durch einige der Hauptstraßen Brüssels 
um scliließlich gegen 11V2 Ulir abends friedlich ausemander zu gehen. 
Von irgendwelchen Zwischenfällen bei diesem Anlaß ist hie 
nichts bekannt. 

von Below 



Nr. 560 

Die dänische Gesandtschaft an das Auswärtige Amt^ 

Berlin, den i. August 19 14'' 

Aufzeichnung 

Die k. Regierung hat sowohl aus den Berichten der k. Ge- 
sandtschaft als den Äußerungen des Grafen Brockdorff-Rantzau ent- 
nommen, daß die k. Regierung es natürlich finden wird, daß Ein- 
berufungen von Mannschaften in Dänemark erfolgen, nachdem 
die Mobilmachung in Deutschland angeordnet ist. Die dänische 
Regierung beabsichtigt nicht eine allgemeine Mobilmachung 
unter den jetzigen Verhältnissen, wie diese sich übersehen lassen ; 
sie muß dagegen in Erwägung ziehen, diejenigen Bestimmungen 
des Heere gesetzes zur Ausführung zu bringen, welche die Einberufung 
der sogenannten Sicherungsstärken anordnen. Diese Stärken werden 
in der Tat erst die dänische Armee auf die Höhe bringen, welche 
der Friedenspäsenzstärke anderer Mächte entspricht. Es würde sich 
dabei um Einberufungen von 10000 bis 15 000 Mann handeln. Diese Ein- 
berufungen wünschen die Miütärbehörden bereits jetzt erfolgen zu 
lassen. Die k. Regierung wünscht sie indessen erst in Er- 
wägung zu ziehen, wenn die Mobilmachung in Deutschland angeordnet 
worden ist. 

Die k. Gesandtschaft ist beauftragt, dem k. Auswärtigen Amte 
in Anschluß an die d irch die gütige Vermittlung des Grafen Brock- 
dorff-Rantzau gemaciite Mitteilung wegen der bereits gestern erfolgten 
Einberufungen von 1400 Mann für die k. Marine und von 1300 Mann 
für die Seebefestigungen oben.^tehendes zur Kenntnis zu bringen, 
indem sie sich beehrt hinzuzufügen, daß diese Mitteilungen gemacht 
werden im vollen Vertrauen an die freundschaftüchen Gefühle, 
welche S. Exz. der Herr Staatssekretär Dänemark gegenüber zum 
Ausdruck gebraclit hat. 

' Nach der nicht unterzeichneten Ausfertigung. 

- Das Daium steht in der Ausfertigung am Schlüsse. Eingangsvermerk des 
Auswärtigen Amts: i. August n^ichm. Am 3. August dem Generalstab 
Knegsministerium, Admirahtab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 



66 

Nr. 561 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 149 Wien, den i. August 1914- 

Hiesige Regierung wird analoge Erklärung bei König und 
Bratianu abgeben lassen^. 

Tschirschky 

* Nach der Entzifferung. 

■* Aufgegeben in Wien i'* nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 

4'° nachm. Eingangsvermerk; i. August nachm. 
•■' Siehe Nr. 506, 507 und 582. 

Nr. 562 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt ' 

Telegramm 205 London, den i. August 1914* 

Sir E. Grey läßt mir soeben durch Sir W. Tyrrell sagen, er 
hoffe, mir heute nachmittag als Ergebnis einer soeben stattfindenden 
Ministerberatung Eröffnungen machen zu können, welche geeignet 
wären, die große Katastrophe zu verhindern Gemeint damit scheint 
zu sein, nach Andeutungen Sir Williams, di ß, falls wir Frankreich 
nicht angriffen, England auch neutral bleiben und die Passivität 
Frankreichs verbürgen würde. Näheres erfahre heute nachmittag^. 

Eben hat mich Sir E. Grey ans Telephon gerufen und mich 
gefragt, ob ich glaubte, erklären zu körnen, daß für den Fall, daß 
Frankreich neutral bliebe in einem deutsch-rus.sischen Kriege, wir 
die Franzo.=.en nicht angriffen. Ich erklärte ihm, de Verantwortung 
hierfür übernehmen zu können, und wird er diese Erklärung in der 
heutigen Kaf)incttssit7.ung verwerten. 

Nachtr.ig. Sir W, Tyrrell bat mich dringend, dahin zu wirken, 
daß unsere Truppen nicht die französische Grenze verletzten. Alles 
hänge davon ab. Die französischen Truppen seien zurückgewichen 
bei einer vorgekonmiencn Überschreitung. 

Lichnowsky 

' Nach der Entzifferung. — Vgl. deutsches Weißbuch vom Mai 1915 S. 46, 
■•Aufgegeben iti l,ondon 11" vorm., angekommen im Auswärtigen Amt 
4*' nachm., Eingangwermeik: 1. August nachm Auf Anordnung Zimmer- 
manns am I.August dem Gencralstab, Kriegsministerium, Admi^alstab 
und Rcichsmarineamt mitgeteilt, abgesandt durch Boten ti'° nachm.; Ent- 
zifferung lag dem Kaiser vor. 
^ Siehe Nr. 370, 373, 396, G03, 630, 631. 



67 

Nr. 563 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Geschäftsträger 

in Bukarest^ 

Telegramm 63 Berlin, den i. August 1914* 

Dringend! 

Zur Verwertung. Nach wiederholter feierlicher Erklärung bul- 
garischer Regierung erscheint freundschaftliche Haltung Bulgariens 
gegenüber Rumän.en gesichert^. 

Jagow 



■ Nach dem Konzept. Entwurf von kosenbergs Hand. Siehe auch Nr. 50O. 

- Zum Haupttelegraphenamt 4*° nachm. 

•* Am Rande von Rosenhergs Hand die Notiz: nBeruht auf Mitteilung des 

österreichischen Botschaftsrats an Herrn v. Bergen. Graf Berchtold bittet 

uns um beruhigende Erklärung in Bukarest.« 



Nr. 564 

Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt * 

Telegramm 211 Petersburg, den i. August 1914- 

Militärattache meldet auch an Generalstab: Aus Moskau wird ge- 
meldet : Am 29. Juh von Twer nach Moskau acht Züge mit Kavallerie 
befördert, dann angeblich weiter. Am 31. Juh i. Donkosaken- 
regiment und I. Husaren ab, letztere angebüch nach Suwalki. 

Nach Moskau sollen vier Kosakenregimenter kommen. Am 

30. JuH sollen 2., 6. und 11. Gienadierregiment ohne Reservisten 
Ricl.tung Kiew abbefördert worden sein, am 31. JuU sei i. Grenadier- 
regiment mit vielen Reservisten gefolgt. Offenbar sind Reservisten- 
jahigänge einberufen, außerdem in Moskau mit Bestinuntheit am 

31. Juli, mittags, durch Maueranschläge Reichswehrleute, die sechs 
Wochen gedient haben. Von diesen angeblich vier bis fünf Jahrgänge, 

In Moskau allgemein die Auffassung, daß dortige Truppen gegen 
Österreich verwendet werden. Margel an Stiefeln bei Infanterie soll 
bemerkt werden. Kiew meldet Abtransport Infanterie -Regis. 129 am 
30. Juh. 

In Moskau größte Sorge wegen Geldknappheit. 

' Nach der Ent^ilTerung. 

- Aufgegeben in Peterburg 2" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
521 nachm. Eingangsvermerk: i. August nachm. Dem Generalstab, Kriej^s- 
ministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 



t)8 

Moskau meldet aus angeblich völlig zuverlässiger Quelle, daß am 
2g. Juli aus Petersburg und Moskau 60 Personen mit sehr großen 
Geldmitteln nach Deutschland gcfaluen seien, um dort Unruhen her- 
vorzurufen. Ein Anführer soll früherer Redakteur Wolckhow oder 
Wolchow sein. 

Pourt ales 

Nr. 565 

Der Gesandte in Brüssel an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 19 Brüssel, den i. August 1914^ 

Allgemeine Mobilmachung belgischer Aimee mit heutigem Tage 
angeordnet. 

Below 



' Nach der Entzifferung. 

'^ Aufgegeben in Brüssel 12^*^ nachm , angekommen im AuswJlrtigen Amt 
5^' nachm. Eingangsvermerk: 1. August naclim. Am i. August dem General- 
stab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 
Telegramm lag dem Kaiser am i. August vor. 



Nr. 566 

Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 167 Rom, den i. August 1914" 

Als ich heute Marquis di San Giuliano noch einmal auf unheil- 
volle Wirkung italienischer Neutralitätsproklamierung auf alle Kreise 
unseres Volkes hinwies, sagte Minister, beim Ministerpräsidenten 
Salandra hätten wesentliche Rucks chten auf Monarchie bei diesem 
Entschluß mitgesprochen. Teilnahme an einem Krieg, der gegen 
die Interessen Italiens auf dem Balkan geführt würde, könnte unter 
Umständen Monarchie hier fortfegen. Bezüglich Kompensationsfrage 
fand ich Minister pessimistischer als sonst; er meinte, sclwierig sei, 
Kompensationen zu finden. Valona wolle er auf keinen Fall, alles, 
was Italien wolle, sei, daß Valona nicht in anderen Händen sei. 

Rücksichten auf England haben hie ige Haltung entschieden 
beeinflußt. Minister meinte aber heute, er halte englische Teilnahme 
am Krieg noch nicht für unbedingt entschieden, er glaube zu wissen, 
daß jedenfalls Italiens Neutralität in England als ein Moment zu- 
gunsten englischer Neutralität betrachtet werde. 

Flotow 



' Nach der Entzifferung. 

' Aufgegeben in Rom i''" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 3'^' nachm 
Eingangsvermerk: i. August nachm. 



Nr. 567 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 151 Wien, den i. August 1914- ^ 

Man hat hier Montenegro für den Fall, daß es neutral bleibt, 
folgende Versprechungen gemacht: Erhaltung seiner Selbständigkeit, 
Uiiantastbarkeit seines Territoriums, finanzielle Unterstützung, Ge- 
bietserweiterung gegen Sandschak und, insoweit als dies Akkord 
mit Italien zulasse, auch gegen Albanien. 

An Überfall auf Lovvtschen denke man hier nicht. 

Tschirschky 



' Nach der Entzifferung. 

'^ Aulgcf^eben in Wien 2^ nnchm., angekommen im Auswärtigen Amt 
5^'' nachm. Eingangsvermerk: i. Aui;ust nachm. Unter Fortlassung des 
Schlußsatzes von Zimmermann am 2. August tclegraphisch dem deutschen 

, Geschäftsträger inCctinje mitgeteilt; zum Haupttelegraphenamt am 2. August 
1 1 "' vorm. 

^ Siehe Nr. 476 Anm. 2. 



Nr. 568 

Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 168 Rom, den i. August 1914^ 

Dringend ! 

Offiziöses Communique der Tribuna meldet : Die italienische 
Regierung glaubt, daß Italien weder nach dem Buchstaben noch 
nach dem Geist des Dreibundvertrags verpfhchtet ist, an einem 
Krieg teilzunehmen, der nicht den Charakter eines Verteidigungs- 
krieges hat, behält sich jedoch vor, in der Folge zu prüfen, wie es 
bei Wahrung der eigenen Interessen eine den Verbündeten günstige 

Haltung einnehmen kann. t-i x 

^ Flotow 

• 

' Nach der Entzifferung. 

-' Auti^epehcn in Rom 1. August i" nachm., angekommen im Auswärtigen 
Amt 5<o nachm Einaant^svermerk : i. August nachm. Dem Generalstab, 
Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt, abgesandt 
durch Boten 2. .August 12'^ vorm. Wolfls telegrnphisches Bureau legte 
dem Auswärtigen Amt am 3. August den Wortlaut des Communiques der 
»Tribuna« mit der Anfrage vor, ob gegen VeröHcntlichung desselben Be- 
denken beständen. Darauf Randbemerkung Jagows, es komme darauf 
an, »wieweit öffentliche Meinung schon vorbereitet ist.« 



70 

Nr. 569 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 150 Wien, den i. August 1914* 

Hiesige Regierung stellt anheim, in Bukarest wissen zu lassen, 
daß Türkei und Bulgarien sich dem Dreibund anschließen wollen, 
letztere unter Respektierung des jetzigen Besitzstandes Rumäniens. 
Rumänien habe sonach jede Rückendeckung bei aktivem Vorgehen 
gegen Rußland. 

Tschirschky 



' Nach der Entzifferung. 

^ Aufgegeben in Wien 2^ nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
5*' nachm. Eingangsvermerk: i. August nachm. Telegramm wurde am 
I. August von Jagow, nach Vornahme kleiner Änderungen, dem Ge- 
schäftsträger in Bukarest mitgeteilt, 8^^ nachm. zum Haupttelegraphenamt. 
Der Botschafter in Wien wurde von der Verständigung des Geschäfts- 
trägers m Bukarest am i. August telegraphisch unterrichtet, Telegramm 
0*' nachm. zum Haupttelegraphenamt. 



Nr. 570 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 209 London, den i. August 1914- 

Im Anschhiß an Telegramm 205 2. Sir William 
Tyrrell war elx^n bei mir, um mir zu sagen, Sir 
<,>fortRnmmitth.ctcn- E. Grcy Wolle mir heute nachmittag Vorschläge für 
,,. wie heutige Nach- N(.,jtralität Englands machen 3, selbst für den Fall, 
iiaiü-n ^ach im iBuiid daß ww mit Rußland Wie mit vrankrcich Krieg 
nutficht ^oia\n\pe Ant:,t hätten. Ich schc Sir E. Grey um s»" und werde 

vor l-.tiL'tands (>ezner- /■ ^ , • , ■ j 

ichaß vorhanden ist. sofort berichten *. 

u'. Lichnowsky 

' Nach der Entzifferung. — Vgl. deutsche^Weißbuch vom Mai 1915 S. 48. 

'^ Aufgegeben in London 2'° nachm , angekommen im Auswärtigen Amt 6* 
nachm. Eingangsvermerk: 1. August nachm. Entzifferung lag dem Kaiser 
vor, der darauf vermerkt: »8^ N. M.« Im folgenden durch abweichenden 
Druck Hervorgehobenes vom Kaiser unterstrichen. Zu der kaiserlichen 
Randverfügung die Notiz Zimmermanns vom 2. August: »Allerh. Verfg. 
durch weitere Meldungen des Botschafters illusorisch geworden.« Tele- 
gramm wurde 8° nachm. dem Gcneralstab, Kriegsministerium, Admiralstab 
und «eichsmarincaml mitgeteilt 

' Siehe Nr. 5f)2. 

* Siehe Nr. 575, 578, 579, 596, 603, G-^o und 631. 



7» 

Nr. 571 

Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 239 Paris, den i. August 1914" 

Dringend! 

Im Anschluß an Telegramm 237'. 

Auf wiederholte bestimmte Frage, ob bei russisch- 
deutschem Krieg Frankreich neutral bleibe, erklärte 
mir Ministerpräsident zögernd: Frankreich werde 
das tun, was seine Interessen geböten ■•. Er be- 
gründete Unbestimmtheit dieser Erklärung damit, 
daß er seit gestern Lage als verändert ansehe. Es sei 
f'eißvon nichts j^jer amthcli mitgeteilt, daß Vorschlag Sir E. Grcys 

'xh habe keinen erhalten. ,, . . r- n i • • . rr . . " 

allseitiger lunstellimg kriegerischer Vorbereitungen 

was heißt dost'- von Rußland im Prinzip^ angenommen sei und 

Österreich-Ungarn erklärt habe, daß es serbisches 

Territorium und Souveränität nicht antasten werde. 

Schoen 



' Nach der Entzifferung. — Vgl, deutsches Weißbuch vom Mai 191 3, 
S. 37, Nr. 26. 

^ Aufgegeben in Paris i^ nachm. angekommen im Auswärtigen Amt 0" 
nachm. Eingangsvermerk: i. August nachm. Entzifferung lag dem Kaiser 
vor; dessen Notiz: »S^ N. M.« von ihm zurückgegeben am i. August. 

•' Nr. 528; siehe auch Nr. 491, 543 und 598. 

* Am Rand Ausrufungszeichen des Kaisers. 

■■ Die Auflösung der Zifferngruppe »Prinzip«' ist zweifelhaft. 

* Interlinearbemerkung, über dem Worte »Prinzip« stehend; hinter »Prinzip^ 
auserdem noch Fragezeichen des Kaisers. 



Nr. 572 

Der Vortragende Rat im Auswärtigen Amt Dr. Hammann 
an den Generaldirektor der Hapag^ 

Telegramm (ohne Nummer) Berlin, den i. August 1914- 

Dringcnd ! 

Höre mit Erstaunen, daß man in Frankreich und auch sonst 
in der Welt glaubt. Deutschland wolle einen Präventivkrieg führen 
und habe daher die jetzige Situation herbeigeführt. Man sagt, der 
Kaiser halte den Moment für gekommen, mit seinen Feinden abzu- 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Radowitz' Hand mit einer Ergänzung 

von der Hand Hammanns. 
- 61» nachm. zum Haupttelegraphenamt. 



72 

rechnen. Was ist das für eine Verirrung! Wer ihn kennt wie ich, 
der weiß, wie ernst er die Verantwortung der Krone nimmt, wie 
tief seine sittHchen Anschauungen in wahrhafter Religiosität 
wurzeln, der muß staunen, daß man ihm derartiges zutrauen kann. 
Nicht gewollt hat er den Krieg, aufgezwungen wird er ihm durch 
die Macht der Verhältnisse. Unermüdlich hat er an der Erhaltung 
des Friedens gearbeitet und mit England zusammen seinen ganzen 
Einfluß aufgeboten, eine friedliche Lösung zu finden, um seinem 
\'olke die Greuel des Krieges zu ersparen. Aber alles ist an Ruß- 
land gescheitert, das mitten in Verhandlungen, die Aussicht auf 
Erfolg boten, seine Wehrmacht mobilisiert imd damit dokumentiert 
hat, daß es ihm nicht ernst war mit den Versicherungen friedlicher 
Gesinnung. Jetzt sind Deutschlands Grenzen von Rußland bedroht, 
das seinen Verbündeten in den Krieg mithincinzieht; jetzt steht 
Deutschlands Ehre auf dem Spiel — kann da auch der friedliebendste 
Monarch anders als zum Schwerte greifen zur Verteidigung der 
heiligsten Güter der Nation? Und schließlich das deutsche Volk! 
Tn ihm wurzelt fest das Wort des Fürsten Bismarck gegen Präven- 
tivkriege — »man soll der Vorsehung nicht in die Karten sehen 
wollen«. 

Noch einmal muß es gesagt werden: Rußland allein zwingt 
Europa den Krieg auf, den niemand außer ihm gewollt hat, Rußland 
allein trifft die volle Wucht der Verantwortung. 

Bitte Ort der \'eröffentlichung, etwaige Änderungen sofort 

drahten". tt 

rl a m m a n n 



■> Satz »Bitte Ort drahten« von Hammann selbst beigefügt. 

Nr. 573 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 152 Wien, den i. August 1914^ 

Nachdem gestern vormittag Herzog von Avarna zum ersten 
Male direkt mit Graf Bcrchtold über KoiTipciisnlionsfrage verhandelt 
tmd annähernde Einigung erfolgt war, habe ich gestern al)cnd mit 
FTcrzf)g von Avarna nachstehende Erklärung aufgesetzt, die Graf 
Bcrchtold heute vormittag dem Botschafter abgeben sollte: 

»Si cependant. par la force des choses. TAutriclie-Hongr-e »'ernit ^ 
fibligec a faire de? acquisitions territoriales dans la pcninsule 
Balcani(|ue, notamment cn Serbie et au Montenegro, Ic Gouverne- 
ment Imperial et Royal est pret ä se concerter avec l'Italie au sujet 



' Nach der Enii'ifferung. 

■■' Aufgegeben in Wien 6^ nachm.; angekommen im Auswärtigen Amt 
(j'* nachm. Eingangsvermerk: i. August nachm. Ihn das frühere Tele- 
gramm 147 fNr. 577) überholt. 

"^ So in der EntzifTerung. 



73 

des compensations a lui accorder, soit que 1' Italic prctc son concours 
a l'Autriche dans Ic cas que se prcscntc le casus foederis vise par Ic 
traite, soit qu'elle prcte son concours sans que le casus foederis se 
prescnte. Cette declaration contient les elcnients (|ui constitucnt la 
substance mcme de l'interpretation que l'Italie donne a Tarticle 7 et 
que je consens a faire a l'Italie bicn que je ne partage pas cette 
interprctation menie«. 

Nach von mir heute früh vom Ilcrzof^ von Avarna erbetener, 
noch schriftlicher Bestätigung, daß obige Erklärungen ihn 
befriedigen, habe ich Erklärungen heute vormittag Graf Bcrchtold 
vorgelegt, der sie gleichfalls akzeptierte. Es ist sonach volles Ein- 
verständnis innerhalb 24 Stunden hier erzielt worden'*. 

T s c h i r s c h k y 

Übersetzung des französischen Teils 
Wenn jedoch Österreich-Ungarn durch die Gewalt der Tatsachen ge- 
zwungen werden sollte, territoriale Erwerbungen auf der Balkanhalbinsel zu 
machen, insbesondere in Serbien und Montenegro, so ist die k. und k. Regierung 
bereit, sich mit Italien über die diesem zu gewährenden Kompensationen zu 
verständigen, sei es, daß lt;ilien im Falle des Eintritts des im Vertrage vor- 
gesehenen casus foederis Österreich seinen Beistand leistet, sei es, daß es 
diesen Beistand gewährt, ohne da* der casus foederis eintritt. Diese Erklärung 
enthillt die wesentlichen Bestandteile der Auslegung, die Italien dem Artikel 7 
gibt und (das Zugeständnis), das ich Italien zu machen bereit bin, obwohl 
ich dieser Auslegung selbst mich nicht anschließe. 

* Siehe Nr. 594. 



Nr. 574 

Der König von England an den Kaiser^ 

Telegramm (ohne Nummer) London, den i. August 1914' 

The Emperor, Berhn 

Many thanks for your telegram^. Last night I sent an urgent 
telegram to Nicky* expressing my readiness to do everything in my 
power to assist in reopening conversations betvveen Powers concemed. 

Georgie 

* Nach der Niederschrift des Schloßtelegraphenamts. Vgl. deutsches Weiß- 
buch vom Mai 1915, S. 45. 

* Aufgegeben in London 3" nachm., aufgenommen im Berliner Schloß- 
telegraphenamt 7" nachm. Am i. August vom Kaiser an den Kanzler ge- 
langt Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 2. August nachm. Hat 
sich mit Nr. 575 gekreuzt. 

' Siehe Nr. 477. 

* Vgl. Nr. 537. 



74 

Übersetzung 

Vielen Dank für Dein Telegramm. Ich habe diese Nacht ein dringendes 
Telegramm an Nicky geschickt und ihm meine Bereiuvilligkeit ausgesprochen, 
alles zu tun, was in meiner Macht liegt, um die Wiederaufnahme der Be- 
sprechungen zwischen den beteiligten Milchten zu fördern. 



Nr. 575 

Der Kaiser an den König von England^ 

Telegramm (ohne Nummer) Berlin, Schloß, den i. August 1914^ 
Dringend ! 

His Majesty the King 

London 

I just received the communication from your Government 
offering french neutrality under guarantee of Great BritaJn*. Added 
to this offer was the enquiry, wliether under these conditions Ger- 
many wouJd refrain from attacking France, On technical grounds 
my mobilisation which had already been proclaimed tliis afternoon 
must procced against two fronts east and vvest as prepared*. This 
cannot be countermanded because I am sorry your telegram came 
so^ late. Hut if France offers me neutrality which must be guaran- 
teed by the British fleet and army I sliall of course refrain from 
attacking France and employ my troops elsewhere. I hope that 
FVance will not beconie nervous. The trooi)s on my frontier are 
in the act of being stopped by telegraph and telephon[e] from crossing 
into France'. 

William 



• Nach dem auf Telegrammformular des Schloßtelegraphcnamts von un- 
bekannter Hand niedergeschriebenen Entwurf. — Vgl. deutsches WcilJ- 
buch vom Mai 1915, S. 46. 

- Vom Schloß aus abgesandt 1. August 7" nachm. Hat sich mit Nr. 574 gekreuzt. 
^ Sic-he Nr. 5<)2. 

* Kür »as prepared« stand ursprünglich »tili all troops have been disembarked«. 
•• In einer bei den Akten befindlichen Abschrift des Entwurfs »too late» 

an Stelle von »so late-, 
'' Siehe Nr. (J12. 

Übersetzung 

Ich habe von Deiner Regierung soeben die Mitteilung erhalten, worin 
sie die französische Neutralität unter der Garantie Groli-Britanniens anbietet. 
Diesem Anerbieten war die Frage angefügt, ob unter diesen Bedingungen 



75 

Deutschland von einem An^^ritT auf Frankreich absehen würde. Aus tech- 
nischen Gründen muß meine heute nachmittag schon angeordnete Mobil- 
machung nach zwei Fronten, nach Osten und Westen, vorbereiiungsgemäß 
vor sich gehen. Gegenbefehl kann nicht gegeben werden, weil Dein Tele- 
gramm leider so split eintraf. Aber wenn Fiankrcich mir seme Neutralität 
anbietet, die durch die britische Flotte und Armee garamiert werden muli, 
werde ich natürlich von emem Angriff auf Frankreich absehen und meine 
Truppen anderweitig verwenden. Ich holl'e, I- rankreich wird nicht nervös 
werden. Die Truppen an meiner Grenze werden soeben telegraphisch und 
telephonisch abgehalten, die französische Grenze zu überschreiten. 



Nr. 576 

Die Botschaft in London an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 208 London, den i. August 1914'' 

Nach amtlichem Bericht hat Premierminister im Unterhause 
gestern folgende Erklärung abgeg-'txm : 

We have just heard, not from S. Petersburg, but from Germany 
that Russia has proclaimed a general mobiiisatii^n of her iimiy and 
fleet and that in consequence of this m. rti. 1 law w.is to be pro- 
claimed for Ge many. We understand this to mean that mobili- 
sation will follow in Germai y, if Russian mobiüsaion is j^eneral 
and is proceeded with. In the circumsrance^ I Si.ould prefer not 
to answer any questions tili Monday next. 



German Embassy 



Übersetzung 



Wir haben soeben, nicht aus St. Petersburg, sondern aus Deutschland er- 
fahren, daß Rußland eine allgemeine Mobilmachung seines Heeres und seiner 
Flotte angeordnet hat, und daß infolge hiervon der Kriegszustand n Deutsch- 
land erklärt werden soll. Dies bedeutet, wie wir annehmen, daß in Deutsch- 
land die Mobilmachung folgen wird, wenn die russ sehe Mobilmachung ali- 
gemein ist und fortgesetzt wird Unter diesen Umständen würde ich es vor- 
ziehen, bis nächsten Montag keine Frage zu bemtworten. 



' Nach der Niederschrift des offen abgesandten Telegramms auf dem Ber- 
liner HaupttelegraphenamL 

2 Aufgegeben in London i" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 7'' 
nachm. Eingangsvermerk: i. August nachm. 



7^3 

Nr. 577 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 147 Wien, den i. August 19 14' 

Unter Bezugnahme auf licutiges Telephongespräch zwischen 
Auswärtigem Amt und Graf Forgach. 

Graf Berclitold gibt unverzüglich nach Rom Kenntnis, daß er 
mit Rücksicht auf gegenwärtige Verhältnisse den Artikel VII nach 
italienischer Interpretation annimmt^. 

Minister, den ich sehr scharf darauf hinwies, daß ich seit 
Wochen ihn in allerdringendster Form auf Wichtigkeit dieser 
Sache aufmerksam gemacht und immer wieder gebeten hätte, da 
Gefahr im Verzug sei, ein Ende zu machen, führte an, erst gestern 
habe Herzog von Avarna zum erstenmal mit ihm darüber verhandelt. 
Noch gestern ist mit meiner Mitwirkung Erklärung (iraf Bcrchtolds 
aufgesetzt worden, die auch Herzog von Avarnas Zustimmung er- 
halten hat*. Italien habe demnach kein Recht, von Ablehnung seiner 
Wünsche zu sprechen. Minister meint, Haltung Italiens sei Folge 
der Stellungnahme Englands. 

Tschirschky 



' Nach der Entzifferung. 

'■' Aufgegeben in Wien 1^ nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 

7'* nachm., Eingangsvermeik: 1. August nachm. Wurde von dem später 

aufgegebenen Telegramm 151 (Nr. 673) überholt. 
^ Siehe Nr. 594. 
' Siehe Nr. 573. 



Nr. 578 

Der Reichskanzler an den Botschafter in London^ 

Telegramm 204 Berlin, den i. August 1914* 

Deutschland ist bereit, auf englischen Vorschlag' einzugehen, 
falls England sich mit seiner gesamten Streitmacht für die unbe- 
dingte Neutralität I'rankrcichs im deutsch-russischen Konflikt ver- 
bürgt, und zwar für eine Neutralität bis zum völligen Austrag 
dieses Konfliktes. Darüber, wann der Austrag erfolgt ist, hat 
Deutschland allein zu entscheiden. 



• Nach dem Entwurf von Jagows Hand. Vgl. Deutsches Weißbuch vom 

Mai 1913, S. 46. 

7" naclim. zum 
' Siehe Nr. 362 und 570. 



77 

Deutsche Mobilmachung ist auf Grund der russischen Heraus- 
forderung heute erfolgt, bevor Telegramm Nr. 205* eintraf. Infolge- 
dessen ist unser Aufmarsch auch an der französischen Grenze nicht 
mehr zu ändern. Wir verbürgen uns aber, die französische Grenze 
bis Montag, 3. August, abends 7 Uhr, nicht zu überschreiten, falls 
bis dahin Zusage Englands erfolgt ist''. 

Bethmann Hollweg 

* Siehe Nr. 562. 

' Siehe Nr. 603, 630 und 631. 



Nr. 579 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in 

London^ 

Telegramm 205 Berlin, den i. August 19 14* 

Bitte Sir Edward Grey für Vorschlag bestens danken, der hier 
leider erst nach Ausspruch der Mobilmachung einging, aber hoffent- 
lich noch Erfolg haben kann. Detailantwort erfolgt gleichzeitig in 
Ziffern und verlangt schleunigste Behandlung'. 

J a g o w 

' Nach dem Konzept von Jagows Hand. 

2 Zum Haupttelegraphenamt 7^0 nachm. 

' Siehe Nr. 562, 570 und die in dortiger Anmerkung 4 angeführten Nummern. 



Nr. 580 

Lord Rothschild an den Kaiser^ 

Telegramm (ohne Nummer) London, den i. August 1914' 

His Imperial Majesty the German Emperor 

Berlin 
Sire, I am fully aware that your Majesty is straining every 
nerve in favour of peace and it is because I am aware of this 
and because I have always been such a warm and devoted admirer 

' Nach der Niederschrift des Schloßtelegraphenamts. 

- Aufgegeben in London 1. August 3^» nachm., aufgenommen in Berlm 

SchloGtelegraphenamt 7^ nachm. Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 

I . August. 

Aktenstücke III. ' 



78 

of youT Majestys policy, that I venture to adress your Majesty 
at such a very critical moment, when the blessings of peace or the 
hoiTors of war are evenly balanced. Will your Majesty therefore 
send me a proposal which I could at once lay before my friends 
and which would be of such a nature as would find favour both 
at St. Petersburg and at Vienna and which could be warmly sup- 
ported by my friends? I venture most eamestly to hope that your 
Majesty will most graciously reply who begs to subscribe himself 
your Majesty's most faithful and obedient servant 

Alfred de Rothschild, i Seamore Place* 

Ein alter sehr verehrter Bekannter von 
mir! Etwa 75 — So Jahre alt! 

Übersetzung 

An S. K. M. den Deutschen Kaiser 

Berlin 

Majcst.'U! Ich weiß sehr wohl, daß Ew. M. jeden Nerv zugunsten des 
Friedens anspannen und, weil ich dies weiß und weil ich immer ein warmer 
und ergebener Bewunderer der Politik Ew. M. gewesen bin, wage ich in 
diesem so sehr kritischen Moment, wo die Segnungen des Friedens und die 
Schrecken des Krieges sich die Wage halten, mich an Ew. M. zu wenden. 
Wollen Ew. M. daher mir einen Vorschlag senden, den ich sofort meinen 
Freunden vorlegen könnte, der' geeignet wilre, sowohl in Petersburg wie in 
Wien Beifall zu finden, und der von meinen Freunden warm unterstützt 
werden könnte? Ich wage ernstlich zu hofTen, daß Ew. M. gnildigsl ge- 
ruhen werden, einem Mann zu antworten, der unterzeichnet als Ew. M. er- 
gebenster und gehorsamster Diener 

Alfred de Rothschild, i Seamore Place 



* Auf einem Beiblatt die Notiz Zimmermanns »Antwort namens S. M.?a 
Und die Gegenbemerkung Stumms: »Da Kabel gesperrt, zwecklos.« 



Nr. 581 

Der Gesandte in Brüssel an das Auswärtige Amt^ 

Tclc^aamm 20 Brüssel, den i. August 1914' 

Baron van der Eist, dem ich die Äußerung des Großfürsten" 
vcitrauh'ch mitteilte, faßte dieselbe humoristisch auf und versicherte, 
daß dieselbe jeder Begründung entbehre. Belgien habe nur den 



' Nach der Entzifferung. 

* Aufgegeben in Brüssel 1 *" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 

7'" nachm. Eingangsvermerk: i. August nachm. Am 2. August 12' vorm. 

dem (jencralstab, Kriegsministenum, Admiralstab und Reichsmarmcamt 

mitgeteilt. 
^ Siehe Nr. 505. 



79 

Wunsch und die Pflicht, seine Neutrahtät gegen jeden zu schützen, 
!er sie verletzen wolle. 

Anschließend an dieses Gespräch äußerte Baron Eist rein per- 
sönlich, daß es im Hinblick auf die gegenwärtige starke Erregung 
der öffentlichen Meinung im Lande von höchstem Wert sein würde, 
eine Erklärung der k. Regierung darüber zu erhalten, daß 
die Grenzen des Königreichs von Deutschland respektiert würden. 
Auf meine Frage, ob französischerseits eine derartige Erklärung 
bereits abgegeben worden sei, verneinte der Generalsekretär. Man 
habe bisher nur mündlich und ganz inoffiziell eine diesbezügliche 
Zusage erhalten. Belgien habe eine solche bisher von Frankreich 
auch nicht verlangt. Er glaube aber, daß es eine solche erhalten 
könne, wenn es darum bitte. 

Baron Eist deutete ferner an, daß England hierher eine Mit- 
teilung habe gelangen lassen, die in Berlin und Paris bekannt sei*. 
Näheres darüber wollte er nicht sagen. Dieselbe steht vielleicht mit 
der hier soeben umlaufenden und aus Bankkreisen stammenden 
Nachricht im Zusammenhang, wonach England gegebenenfalls ein 
Expeditionskorps von 30- bis 100 000 Mann nach Zeebrügge über- 
zusetzen beabsichtige. Es verlautet ferner, daß 1 1 Torpedoboote 
vor Zeebrügge und 141 englische Kriegsschiffe vor X'lissingen 
liegen. 

B e 1 o w 



* Siehe Nr. 522 und 584. 

Nr. 582 

Der Geschäftsträger in Bukarest an das Auswärtige Amt ' 

Telegramm 54 Sinaia, den i. August 19 14' 

Auftrag ausgeführt^ Italienischer Gesandter hat Sr. M. dem 
Könige soeben im Auftrage seiner Regierung Erklärung abgegeben. 
Italien halte sich bei einer bevorstehenden Konflagration durch das 
Bündnis nicht für gebunden, da es die Ansicht vertrete, daß eine 
Provokation Österreich-Ungarns vorliege*. S. M. der König. 
Höchstweicher mir diese Mitteilung machte, fügte hinzu, daß diese 
Klausel auch in seinem Vertrag stehe. S. M. beabsichtigt, Kronrat 

1 Nach der Entzifferung. 

2 Aufgegeben in Sinaia S" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
7^0 nachm. Eingangsvermerk: i. August nachm. Telegramm dem General-, 
Stab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt, ab- 
gesandt 2. August 1^ vorm. 

•• Siehe Nr. 506. 

* Siehe Nr. 534. 



8o 

ZU l)erufen, um über die zu nehmenden Dispositionen zu beraten. 
Ministerpräsident Bratianu versicherte mir, er bereite unauffällig 
Mobilmachung vor und beabsichtige demnächst zu mobilisieren. Er 
wies auf die Schwierigkeiten gegenüber der öffentlichen Meinung 
hin, die durchaus österreichfeindlich sei. Er hob indes hervor, 
daß er alles tun werde, um der Bündnispflicht nachzukommen. 
Bratianu wünscht, daß ungarischerseits den Rumänen in Sieben- 
bürgen gewisse Zusicherungen gegeben werden, daß denselben nach 
dem Kriege mehr Rechte eingeräumt werden. Bezüglich Bess- 
arabiens' erklärte Bratianu, dasselbe habe für Rumänien nur dann 
Wert, wenn Rußland auch andere Territorien an Österreich und 
Deutschland abtreten müßte und so geschwächt sein würde, daß 
diese Provinz Rumänien auch tatsächlich dauernd verbliebe. Russi- 
scher Gesandter hat Bratianu gefragt, welche Haltung Rumänien im 
Falle eines Krieges Österreich-Ungarns mit Rußland einnehmen 
würde. Herr Bratianu hat erwidert, daß er im gegenwärtigen 
Augenblick nicht in der Lage sei, sich hierüber zu äußern. Bratianu 
sagte noch, daß, falls Italien nicht mitgehe, das von diesem hier zu 
stellende Kontingent von 40 000 Mann ausfalle. 

Stimmung hier nach wie vor österreichfeindlich. 

W a 1 d b u r g 

' Siehe Nr. 506, 507 und 561. 



Nr. 583 

Der Präsident des Internationalen Friedensbüros 
an den Kaiser^ 

Telegramm (ohne Nummer) Bern, den 28. Juli 19M* 

A Sa Majeste l'Empereur Guillaume H, Neues Palais 

Confiant dans les scntiments de justice et dans l'esprit pacifique 
dont Votre Majcstc a dcnnc au monde tant de preuves nous La con- 
jurons de mettrc fin ä l'angoisse qui etreint les peuples en provo- 
quant par Sa mcdiation le rendcmcnt pacifique du conflit austro- 
serbe. Au nom clu bureau international de la paix 

le President 

La Fontaine 



* Nach der Niederschrift des Telegraphenamts im Neuen Palais. 
' Aufgegeben in Bern 28. Juli 6"* nachm., aufgenommen in Berlin 28. Juli 
8^ nachm. Eingangsvermerk: i. August nachm. 



Hl 

Übersetzung 
Sr. M. Kaiser Wilhelm II., Neues Palais 

Im Vertrauen auf den Gerechtigkeitssinn und die friedliche (»csinnung, 
wovon Ew. M. der Welt so viele Beweise gegeben haben, beschwüren wir 
Sie, der die Völker beklemmenden Sorge ein Ende zu machen und durch 
Ihre Vermittlung eine friedliche Beilegung des österreichisch-serbischen Streit- 
falles herbeizuführen. Im Namen des Internationalen Friedensbüros 

Der Präsident 

La Fontaine 



Nr. 584 

Der Gesandte in Brüssel an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 21 Brüssel, den i. August 1914*^ 

Mittheilung an Bcifiicn. "üevi Davignou läßt mir sagen, daß französi- 

ihuere Besorgnis der scher Gesandter soeben namens seiner Regierung 

wir bereits VI der heute ,. ,-.,,_,,.. , , i^jd r- i 

Abend ^u überreichenden die offizielle Erklärung abgegeben hat, daü rrank- 
Ä %'ieb!thab"Jn, reich im Falle eines internationalen Konflikts ge- 
wird bestärkt dadurch, .^W^ ^[ die belsäsche Neutralität zu respektieren. 

daß Frankreich heute _^. ' , , r. i ■• j ^ 11 • 

bereits unter Bruch des Dieser Eutschluß koune nur dann eventuell eine 
rSeH^iunJ:^'lAb- Änderung erfahren, wenn die Neutralität Belgiens 
werfen von Fiie^'crbom- yQ^ einer andern Seite verletzt werde. Diese Er- 
biet, üferfc'hreitfm dVr kläruug dürfte heute abend in der Presse veröfient- 

Grenxe durch Kaval- i-„i j. ,,,_^,i„_, 
lericpatrouillenj ge^en llcht werdcn. 

uns unternommen hat. Bezüglich der Mitteilung Englands, die Baron 

Gesandten in Brüssel _. ." ... -, , u. 10 -utJ— T»^ 

anweisen, dies bei Über- Eist mir gegenüber andeutete, ließ mich Herr JJa- 

""''irlluchhfrvor' vignon wissen, daß sich dieselbe auf die Anfrage 

luheben. jej- großbritannischen Regierung in Berlin und 

Davon wird das Ein- Paris bezüglich der Wahrung der Neutralität Bei- 
greifen Englands gegen .,-14 
uns abhängen. giens beziehe*. 

Below^ 



Nach der Entzifferung. 

Aufgegeben in Brüssel 4I* nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
8^2 nachm.; Eingangsvermerk 1. August nachm. Am 2. August dem Ge- 
neralstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt, 
abgesandt durch Boten 12^ vorm. Entzifferung lag dem Kaiser vor Rand- 
bemerkung offenbar am 2. August,. Betr. Ausführung semer Randver- 



fügung siehe Nr. 682. 
Siehe Nr. 581. 
Siehe Nr. 522. 



89. 



Nr. 585 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 153 

Geheim! Wien, den i. August 1914* 

Graf Berchtold hält es für geboten, daß von Berlin aus Bul- 
garien so früh als möglich von der Existenz des Abkommens mit 
der Türkei informiert werde, weil dies für die bulgarische Haltung 
von entscheidendem Einfluß sein dürfte. 

Tschirschky 



' Nach der Entzifferung. 

' Aufgegeben in Wien 5'° nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 8* 
nachm., Eingangsvermerk: i. August nachm. 



Nr. 586 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in 

KonstantinopeP 

Telfgramm 298 BerUn, den i. August 1914* 

Markgraf Pallavicini hat von Wien Weisung wegen Anschluß 
der Türkei erhalten ^ 

Jagow 



' Nach dem Konzept von Jagows Hand. 

• 8^ nachm. zum Haupttelegrnphenamt. 

' Der Botschafter in Wien war am ßi.JuH (mit Telegramm 212, zum Tele- 
graphenamt I.August 12" nachm.) von Bündnisverhandlungen mit Türkei 
(Nr. 320'' verstiindigt worden, mit Auftrag .nachdrücldich darauf hinzuwirken 
daß österreichischer Vertreter Konstantinopel alsbald mit Eröffnung ent- 
sprechender Verhandlungen mit Pforte beauftragt« werde. Daraufhin hatte 
der Botschafter in Wien am 1. August gemeldet (Telegramm 148, Wien ab 
i' nachm., Auswärtiges Amt an 4'" nachm.): »Markgraf Pallavicini erhält 
umgehend entsprechende Weisung«. 



«3 

Nr. 587 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in 

Paris' 

Telegramm 186 Berlin, den i. August 1914- 

Dringend ! 

Grey hat Fürst Liclinovvsky Vorschlag in Aussicht gestellt', 
wonach England Frankreichs Neutralität garantieren würde, wenn 
wir Frankreich nicht angrififen. Wir hoffen hierauf eingehen zu 
können, wenn unsere Bedingungen angenommen werden, die wir 
sofort London telegraphiert haben*. Vorstehendes nur zu Ew. pp. 
persönlichen Information. 

Bitte Franzosen zunächst ruhig halten. Unsererseits 
zunächst kein feindlicher Akt gegen Frankreich beabsichtigt, trotz 
Mobilisierung, welche bereits vor Eingang Londoner Vorschlages 
verfügt war. 



Jagow 



* Nach dem Konzept. Entwurf von Stumms Hand. 
2 8*-^ nachm. zum Haupttelegraphenamt. 

^ Siehe Nr. 562. 

* Siehe Nr. 575 und 578, 



Nr. 588 

Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 214 Petersburg, den i. August 1914=' 

Telegramm Nr. 159^ 5" nachm. russischer Zeit hier einge- 
gangen. 

Ich habe nach Entzifferung um 7 Uhr russischer Zeit Herrn 
Sasonow dreimal hintereinander gefragt, ob er mir die im Tele- 
gramm Nr. 153* verlangte Erklärung, betreffend Einstellung der 
Kriegsmaßnahmen gegen uns und Österreich geben könne. Nadi 
dreimaliger Verneinung dieser Frage habe ich befohlene Note über- 

^^^^"- Pourtales 



' Nach einer aus den Akten der Botschaft in Petersburg im Auswärtigen 
Amt hergestellten Abschrift; Telegramm ist im Auswärtigen Amt seinerzeit 
nicht eingegangen. Nummer nach den Akten der Botschaft eingesetzt. 

-' Abgegangen in Petersburg i. August 8<> nachm. 

' Siehe Nr. 542. 

* Siehe Nr. 490. 



84 

Nr. 589 

Der schweizerische Gesandte an das Auswärtige Amt^ 

[Berlin, den i. August 19 14] 

Le Conseil fcderal a döcide la mobilisation de toute l'armee k 
partir d'aujourd'hui. Cette mesure a pour seul but le maintien de 
l'inl^gritö et de la neutralite suisse. Veuillez donncr connaissance de 
ce qui pröcede au gouvernement allemand en Tinformant qu'une 
declaration de neutralite formelle lui sera notifiee ulterieurement. 

Departement politique 
H offmann 

Übersetzung 

Der Bundesrat hat die Mobilmachung der ganzen Armee von heute ab 
beschlossen. Diese Maßnahme verfolgt einzig den Zweck, die schweizerische 
Intcgritilt und Neutralität aufrechtzuhaltcn. Ich ersuche, von Vorstehen- 
dem der deutschen Regierung Kenntnis zu geben und ihr mitzuteilen, daß 
eine formelle Neutralitätserklärung später amtlich übermittelt werden wird. 

Politisches Departement 
H o f f m a n n 



' Nach einer dem Staatssekretär vom Schweizer Gesandten am i. August 
abends ühcrgebenen nicht datierten Abschrift. Am 3. August dem General- 
stab, Kriegsministerium, Admiralstal) , und Rcichsmarineamt mitgeteilt, 
abgesandt 9"" nachm. 



Nr. 590 

Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 240 Paris, den i. August 1914* 

Mobilmachung ganzer französischer Armee Sonnabend^ 5 Uhr 
nachmittags befohlen, Sonntag i. Mobilmachungstag. 

Militärattache Kl über 

Schoen 



' Nach der Entzifferung. 

» Aufgegeben in Paris 0^ nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 9" 
nachm. Kingangsvermerk: 1. August. Am i. August dem Generalstab, 
Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarincamt mitgeteilt. 

' Sonnabend: i. August. 



Nr. 591 

Die Senatskommission 

für Reichs- und auswärtige Angelegenheiten der Freien und 

Hansestadt llamburg an das Auswärtige Amt' 

Telegramm (ohne Nummer) Hamburg, den i. August 1914' 

Unterzeichnete Senatskommission erbittet telegraphische Nach- 
richt, sobald hiesigem russischen Gesandten Pässe zugestellt werden 
sollen, und sobald und mit welcher Frist französischer General- 
konsul mit Personal zum \'erlassen Hamburgs aufzufordern ist. 
Falls dem französischen Generalkonsul neben der Aufforderung zum 
Verlassen Hamburgs gleichfalls Pässe zugestellt werden dürfen, 
wird um Mitteilung gebeten^. 

Senatskommission 
für Reichs- und auswärtige Angelegenheiten 



' Nach der Abschrift des Telegramms. 

■^ Aufgegeben in Hamburg 8^ nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 

9^ nachm.; Eingangsvermerk: i. August nachm. 
^ Siehe Nr. 636. 



Nr. 592 

Der Geschäftsträger in Kairo an das 
Auswärtige Amt^ 

Telegramm 31 Alexandrien, den i. August 1914' 

Der österreichische Gesandte hat heute ohne 
Auftrag und informell bei dem Minister des Äußern 
angefragt, ob Ägypten für den Fall, daß England 

* Nach der Entzifferung. 

2 Aufgegeben in Alexandrien 1° nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
gl'' nachm. Eingangsvermerk: i. August nachm. Entziflerung lag dem 
Kaiser vor, der durch Randverfügung iMitteilung an Generalstab und 
Admiralstab anordnete; vom Kaiser zurückgegeben am 2. August Richt- 
hofens Telegramm am i. August dem Generalstab, Admiralstab, Reichs- 
marineamt und Kriegsministerium mitgeteilt. 



86 



an einem eventueUen Krieg teilnimmt, Neutralität 
bewahren werde. Aus den gewundenen Erklärungen 
des Ministers ging hervor, daß die kliediviale Re- 
giening zwar den Wunsch hat, neutral zu bleiben, 
sich aber bewußt ist, daß unter dem Druck Eng- 
lands die ägyptischen Häfen englischen Kriegs- 
schiffen jederzeit in weitestgehendem Maße offen 
stehen werden. Die Idee allerdings, daß Ägypten unter 

Jj diesen Umständen vom Dreibund als feindliches Land 

angeselien werde, daß dann eine Aktion z. B. gegen 

ja Alexandrien und unter Umständen eine italienische 

Invasion erfolgen könnte, erregt auch bei Engländern 
Beklemmungen ; Ägypten leidet schon jetzt emp- 
findlich unter Kredit- und Geldmangel und wird 
bald auch Mangel an Nahrungsmitteln haben. 

. Richthofen 



Nr. 593 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in Petersburg^ 

Telej^ramm i6i Berlin, den i. August 1914* 

Bitte dortiger Regierung bei Abgabe Kriegserklärung schrift- 
lich mitteilen, daß wir Kauffahrteischiffe ihrer Flagge in unseren 
Häfen festhalten, sie aber freilassen, wenn wir innerhalb achtund- 
vierzig Stunden Gegenversprechen erhalten. 

J a g o w 



' Nach dem Konzept. Entwurf nach dem Diktat vom Direktor der Rechts- 

abtcilunp im Aus\v;irtipen Amt Dr. Kriege. 
' y*° nachm. 7Aim Ilaupttelegraphenamt. 



87 

Nr. 594 

Der österreichisch-ungarische Botschafter an den 
Staatssekretär des Auswärtigen* 

Berlin, den i, August 1914* 
Ew. Exz. 

Graf Berchtold beauftragt mich, Ew. Exz. mitzuteilen, daß der- 
selbe dem kgl. italienischen Botschafter in Wien naclistehende Er- 
klärung abgegeben hat : 

« Je considere q'une divergence de vue sur l'interpr^tation de 
l'Arlicle VII forme vui Clement d'incertitude pour nos relations du 
prdsent et de l'avenir qui pourrait etie prcjudiciable aux rapports 
d'intimite entre les deux puissances. J'accepte l'interpretation donnee 
ä l'article VII par l'Italie et l'Allemagne ä condition que 1' Italic 
observe une attitude amicale par rapport aux Operations de guerre 
engag^es actuellement par l'Autriche-Hongrie et la Serbie et remplira 
ses devoirs d'allie dans le cas oü le conflit actuel pourrait amener une 
confiagration generale. » 

Herr von M^rey ist beauftragt worden, vorstehendes umgehend 
Marquis San Giuliano zur Kenntnis zu bringen. 

Ihr aufrichtig ergebener 

Szögyöny 



Übersetzung des franzüsischen Teils 

Ich bin der Ansicht, daß eine Meinungsverschiedenheit über die Aus- 
legung des Art. VII in unsere jetzigen und künftigen Beziehungen ein Ele- 
ment der Unsicherheit hineinträgt, das dem innigen Freundschaftsverhältnis 
zwischen den beiden Mächten nachteilig sein konnte. Ich nehme die von 
Italien und Deutschland dem Art. VII gegebene Auslegung an unter der 
Bedingung, daß Italien eine freundschaftliche Haltung gegenüber den Kriegs- 
operationen beobachtet, die zurzeit zwischen Österreich-Ungarn und Serbien 
im Gange sind, und daß es seine Bundespfhchten erfüllt, falls der gegen- 
wärtige Konflikt zu einer allgemeinen Konflagration führen wird. 

1 Nach der Ausfertigung, die dem Auswärtigen Amt im Auftrage des 
Grafen Szögveny durch Baron Haymerle überbracht wurde. Bergen ver- 
merkte hierzu am i. August: .....' Der Text stimmt mit dem von 

H. von Tschirschkv telegraphierten (Nr. 573' nicht überein. Kaiser Franz 
Joseph hat an S. M. ein Telegramm gerichtet, das Graf Szögveny morgen 
Sr.M. Überreichen will.« Vgl. auch Nr. 577. 

^ Emgangsvermerk des Auswärtigen Amts : 2. August nachm. Siehe femer 
II. österreichisch-ungarisches Rotbuch Nr. 20. Dort auch deutscher Text. 



88 

Nr. 595 

Die englische Botschaft an das Auswärtige Amt^ 

Aide Memoire 

Sir Edward Grey states tlmt he hears from the Russian 
Government that the Austro-Hungariaii Government are prepared 
to diSCuss matters with the Russian Government and that the Russian 
Government are prepared to arcept mediation as the basis of such 
discussion, a basis which is not ojien to the objections which were 
raised to the formula originally suggested by Russia. 

Sir Edward Grey still beHeves that it might be possible to 
secure peace if only a little respite in time could be gained before 
war is begun by one of the Great Powers. His Majesty's Government 
aie, he states; taking care to abstain from taking any action which 
may precipitate matters, and he hopes that the Imperial Government 
may see their way to making some use of the above-mentioned 
communication from the Russian Government with a view to relieving 
the existing tension. 

Whilst Russia and Austria are ready to converse, he says, 
matters ought not to be hopeless. 

Berlin, August i, 1914.^ 

Übersetzung 
Notiz 

Sir Edward Grey teilt mit, er höre von der russischen Regierung, daß 
die österreichisch-ungarische I^egierung bereit sei, die Lage mit der russischen 
Regierung zu besprechen, und daß die russische Regierung bereit sei, eine 
Vermittlung auf der Grundlage einer solchen Besprechung anzunehmen, einer 
Grundlage, die keinen Anlaß zu den Einwänden gebe, die gegen die ursprüng- 
lich von Rußland angeregte Formel erhoben wurden. 

Sir Edward Grey glaubt noch, daß es möglich sein könnte, den Frieden 
zu erhalten, wenn nur ein kleiner Zeitaufschub gewonnen werden könnte, 
ehe der Krieg von einer der Großmächte begonnen wird. Wie er angibt, ist 
Sr. M. Regierung darauf bedacht, von allen Schritten abzusehen, welche die 
Ereignisse überstürzen können, und er hofft, daß die k. Regierung Mittel und 
Wege finden möge, von der oben erwähnten Mitteilung der russischen Regierung 
zum Zwecke einer Minderung der bestehenden Spannung Gebrauch zu machen. 

Solange Rußiand und Österreich zu Besprechungen bereit sind, sollte, 
wie er sagt, die l^age nicht hoffnungslos sein. 

Berlin, den i. August 1914. 



' Nach der Ausfertigung. Vgl. englisches Blaubuch 1914, Nr. 131 und n8. 

Nr. 138 traf erst 2. August in London ein. 
' Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 2. August 



89 



Nr. 596 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 212 London, den i. August 1914- 

Sir E. Gray liest mir soeben die 

Das Gefasel von nachstehende Erklärung vor, die vom 

Grey sfei^tydaß Kabinett einstimmig gefaßt worden war: 

er absolut nicht j^^ ^.^pjy ^f ^j^^ Gennan Government 

weiß W.1S er ^.^^^ regard to the neutrality of Belgium 

machen soll. . fl r x ^ 1. 

Wir werden ^^ ^ matter of very great regret, because 

nunmehr En^- ^^^ neutrality of Belgium does affect 

lands Entschluß feeling in this country. If Germany 

abwarten. Er- could see her way to give the same 

fahre soeben, daß positive reply as that which has been 

England bereits gi\en by France^, it would materially 

das Cabel von contribute to relieve anxiety and tension 

Emden unter- j^g^-g^ ^|jjig ^^ ^j^g other hand, if there 

^'^Krk'smfß''^^^^ ^ violation of the neutrality of 
'^'ffi"; " j Belgium byone combatant while the other 
re^el' Vraltrend 

es' noch unter- respected it, it would be extremely difficult 
handelt. to restrain pubhc feeling in this country. 

* Frage, ob er unter 

der Bedingung, daß wir die belgische 
Neutralität wahrten, mir eine bestimmte 
Erklärimg über die Neutralität Groß- 
britanniens abgeben könne, erwiderte der 
falscher Minister, das sei ihm nicht möglich, 
Hallunke doch würde diese Frage eine große Rolle 
also! bei der hiesigen öffenthchen Meinung 

spielen Verletzten wir die belgische 
Neutralität in einem Kriege mit Frank- 
reich, so würde sicherhch ein Umschwung 
in der Stimmung eintreten, die es der 



1 Nach der Entzifferung. — Vgl. deutsches Weißbuch vom Mai 1915 S. 4S. 

* Aufgegeben in London 5" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
IG- nachm. Eingangsvermerk: i. August nachm. Dem Generalstab, Kriegs- 
ministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. Dem Kaiser 
laut dessen eigenhändiger Randnotiz (2. VII [I] 14- 4^ N. M. 3* N. M.; am 
2. August nachm. vorgelegt und von ihm am gleichen Tage ins Amt zu- 
rückgegeben. 

3 Siehe Nr. 584. 

< Textverstümmelung. Nach dem bei den Akten der Londoner 

Botschaft befindlichen Konzept ist zu lesen: »Auf meine«. 



90 

Flausen! hiesigen Regierung erschweren würde, 

siehat sie ja gar eine freundliche Neutralität einzunehmen. 

nicht enigc- Vorläufig bestände nicht die geringste Ab- gelogen.' 

nommen bisher sieht, gegenuns feindlich vor:ZUgehen. Man Er hat es ja 

würde dies, wenn irgend möglich, zu ver- ■^^'if' ^^'^ 

meiden wünschen. Es ließe sich aber ,f, ''^''" 
, ,. , . ..... ,. ,. . Lichnowsky 

ohne daß Engl, schwerlich eine Linie liehen, bis wohin wir ^esa^tl 

Gegenleistung gehen dürften, ohne daß man diesseits ein- '^ ^ 
genannt wird! schreite. Er kam nnmer wieder auf die bel- 
gische Neutralität zurück undmeinte, diese 
Frage würde jedenfalls eine große Rolle 
spielen. Er habe sich auch schon gedacht, 
ob es denn nicht möglich wäre, daß wir ^^. hat /a schon 

her Kcri ist Inll , , ■ , ■ , • t7 11 • • mein Angebot von 

oder Idiot! .Außer- ^^^d Frankreich uns im Falle eines rUSSl- Risten, nachmittag, 

dem haben durch ihre s0cn Krieges beu'affnet gegenüberstehen '^'W «' f-''^"' ^^^^' 
''rJ'/Srt'" blieben, ohne uns anzugreifen K Ich fragte S«,f ^Ä^T.' 

FraniosendenKricg \\\n, oh Cr in der Lage wäre, mir zu er- ständnis erklärt! 

und den klären, daß Franlcreich auf einen der- 

Völkerrechtshruch , . -rw , , • 1 ■• 1 -nv 

begonnen. artigen Pakt eingehen wurde. Da wir 

weder Frankreich zerstören, noch Gebiets- Blech! 
teile erobern wollten, könnte ich mir 
denken, daß wir uns auf ein derartiges 
Abkommen einlassen würden, das uns 
die Neutralität Großbritanniens sichere. 

Der Minister sagte, er wolle sich er- 
kundigen^, verkannte auch nicht die 
Schwierigkeiten, beiderseits das Mihtär 
in Untätigkeit zurückzuhalten. 

Mein Gesamteindruck ist der, daß 
man hier, wenn irgend möglich, aus dem 
Kriege lie rausbleiben möchte, daß aber 
die vom Herrn Staatssekretär dem Sir 
E. Goschen erteilte Antwort über die 
Neutralität Belgiens einen ungünstigen 
l'Lindruck gemacht hat'. 

Lichnowsky 

Mein Eindruck ist der, daß Herr Grey 
ein falscher Hund ist der Angst vor 
seine eigenen Gemeinheit und falschen 
Politik hat, aber nicht offen Stellung 
gegen uns nehmen will, sondern durch 
uns da^u gepvungen werden will 

* Am Rand rechts Ausrufungszeichen des Kaisers. 

* Am Rand links Ausrufuni^szeichen des Kaisers. 
^ Siehe Nr. 502, 570, 603, 630 und 631. 



91 

Übersetzung des engl ischen Teils 
Die Antwort der deutschen Regierung bezüglich der Neutralitilt lielgiens 
ist ungemein bedauerlich, weil die NeutralitiU Belgiens von liinfluli auf die 
Stimmung in England ist. Wenn Deutschland eine Möglichkeit sehen könnte, 
dieselbe bestimmte Antwort zu. geben, wie Frankreich sie gegeben hat, so 
würde das wesentlich dazu beitragen, die Besorgnis und Spannung hier zu 
beheben, wilhrend es andererseits außerordentlich schwierig sein würde, die 
öffentliche Stimmung in England zu beschwichtigen, wenn eine Verletzung 
der Neutralität Belgiens durch einen der Kriegl'ührenden staltHlnde, wührend 
der andere sie beachtet. 

Nr. 597 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 154 Wien, den i. August 1914' 
Einverstanden Graf Tamowski hat Auftrag, in Sofia zu ver- 
giit anlassen, daß Bulgarien in Bukarest erklärt, so- 
Rwnänien muß lange Rumänien mit dem Dreibund gehe, habe es 
Vertrag mit Osler- von Bulgarien nichts zw fürchten, 
reich sofort publi- Bulgarischer Gesandter in Bukarest hat von 
fieren und sofort seiner Regierung bereits entsprechende Weisiuig 
ffcs'en Rußland prV.s:iltpn ^ 

Vo/>// machen ^^^^^^^"^ Tschirschky 

» Nach der Entzifferung. 

* Aufgegeben in Wien 8^° nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
10" nachm.; Eingangsvermerk: i. August nachm. Entzifferung lag dem 
Kaiser vor, der darauf vermerkt: »5.30 N. M.«; am 2. August ins Aus- 
wärtige Amt zurückgelangt. Vom Kaiser Mitteilung an die Gesandtschaft 
in Bukarest und den Generalstab befohlen; Mitteilung an den Generalstab 
unterblieb; Tschirschkys Telegramm am 2. August nach Bukarest mitge- 
teilt, i"vorm. zum Haupitelegraphcnamt. 

Nr. 598 

Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 241 Paris, den i. August 19 14' 

Telegramm 184 erst nach 3 Uhr eingegangen'. 

Bei erneuter Unterredung mit Ministerpräsident um 5V2 ^ieb 
dieser trotz meines Drängens bei Formel von heute vormittag über 
Frankreichs Haltung bei russisch-deutschem Krieg*. 

* Nach der Entzifferung. 

« Aufgegeben in Paris 7* nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
lo'' nachm.; Eingangsvermerk: i. August nachm. Auf Anordnung Zimmer- 
manns noch am i. August dem Generalstab, Kriegsministerium, Admiral- 
stab und Reichmarineamt mitgeteilt. 

' Siehe Nr. 543. 

* Siehe Nr. 371. 



92 

Ministerpräsident erklärte mir gegenüber, die soeben hier an- 
geordnete Mobilmachung (i. Tag, Sonntag) bedeute keineswegs 
aggressive Absichten, was auch in Proklamation betont werde. Es 
sei noch immer Raum für Fortsetzung Verhandlungen auf Basis 
\^orschlag Sir E. Greys, dem Frankreich zugestimmt und den 
es warm befürworte. Gegen Zusammenstöße an der Grenze sei 
französischcrseits durch lo-km-Zone Vorsorge getroffen. 

Er könne Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben. 

S c h o e n 

Nr. 599 

Der Reichskanzler an den Kaiser^ 

Berlin, den i. August 1914^ 
Ew. M. 

Beifolgend alleruntertänigst den Entwurf zu einem Telegramm 
an S. M. den Zaren^. Beim Absenden kommt mir noch der Ge- 
danke, ob Ew. M. noch ein Wort darüber einfließen lassen möchten, 
daß der Zar sofort und unbedingt anordnen müßte; daß sich seine 
Truppen keinerlei Grenzverletzung schuldig machen dürften.- 

Alleruntertänigst 

V. Bethmann Hollweg 

Von Peteisburg keinerlei Nachricht, 

* Nach der Ausfertigung von der Hand des Reichskanzlers. 

" Randvermerk von des Kaisers Hand: »i.VlII. 1914, 9*^ N. M. W.« 

' Siehe Nr. 600. 

Nr. 600 

Der Kaiser an den Zaren ^ 

Telegramm (ohne Nummer) Berlin, den i. August 1914^ 

Thanks for your telegram'. I yesterday pointed out to your 
govemment the way by which alone war may be avoided. Although 
I requested an answer for noon today, no telegram from my ambas- 

' Nach dem Entwurf von der Hand des Grafen G. Wedel mit Ände- 
rungen und Zusätzen von der Hand des Kaisers. — Vgl. deutsches Weiß- 
buch vom jMai 1915, S 10. 

^ Entwurf lag q*'' nachm. dem Kaiser vor und gelangte 10" nachm. an den 
Kanzler zurück, der sofortige dringende, offene Absendung verfügte. Um 
lo^ nachm. zum Haupttelegraphcnamt; nach Nr. 666 um 10*^ nachm. ab- 
gefertigt. 

' Siehe Nr. 546. 



93 

sador conveying an ansvver from your Government* has reached rne 
HS yet. I therefore have been obliged to mobilise my artny. 

Immediate affirmative clear and unmistakable* answer from 
your govemment is the only way* to avoid endless' niisery. Until 
I have received this ansvver ^ alas, I am unaljle to discuss» the 
subject of your telegram. As a matter of fact I must request you 
to immediatly order your troops on no account to commit the slightest 
act of trespassing over our frontiers^". W]] 

Übersetzung 

Danke Dir für Dein Telegramm. Ich habe gestern Deiner Regierung 
den Weg angegeben, durch den allein noch der Krieg vermieden werden 
kann. Obwohl ich um Antwort bis heute mittag gebeten hatte, hat mich 
bis jetzt noch kein Telegramm meines Botschafters mit einer Antwort Deiner 
Regierung erreicht. Ich war daher genötigt, meine Armee mobil zu machen 

Sofortige bejahende, klare und nicht mißzuverstehcnde Antwort Deiner 
Regierung ist die einzige Möglichkeit, endloses Elend zu vermeiden. Bis 
ich diese Antwort erhalten habe, bin ich leider nicht in der Lage, auf den 
Gegenstand Deines Telegramms einzugehen. Ich muß Dich ernstlich er- 
suchen, daß Du unverzüglich Deinen Truppen Befehl gibst, unter keinen 
Umständen die geringste Verletzung unserer Grenzen zu begehen. 

* »conveying your Government« vom Kaiser beigefügt. 

^ »clear and unmistakable« vom Kaiser beigefügt.^ 
•* Kaiser: »the only way« statt »necessary« des Entwurfs. 
Kaiser: »endless« statt »inconceivable« des Entwurfs. 

■ »I have this answer« vom Kaiser beigefügt. 

" Kaiser: »discuss« statt »enter upon» des Entwurfs. 

"• Satz: »As a matter our frontiers« vom Kaiser beigefügt. 



Nr. 60 1 

Der Kaiser von Österreich an den Kaiser^ 

Telegramm (ohne Nummer) [i. August 1914] 

Ich danke Dir, teurer Freund, für Deine herzerfreuende Mittei- 
lung' und bin Ich in dieser ernsten Stunde mit Dir vereint und bete 
zu Gott, daß Er unseren verbündeten Armeen in ihrem Kampfe um 
die gerechte Sache den Sieg verleihe. 

' Nach der in der österreichisch-ungarischen Botschaft hergestellten und vom 
Botschafter dem Kaiser überreichten, nicht unterzeichneten Abschrift. Rand- 
vermerk des Kaisers »Berlin Schloß i. VIII. 14 durch Grf. Szögyeny über- 
reicht 10^ N. M. Wilhelm I. R.« Eingangsvermerk des Amts: 2. August. 
Notiz des Flügeladjutanten von Mutius vom 2. August: .Generalstab hat Ab- 
schrift erhalten.« Randverfügung des Kaisers: »Ausw. Amt Antwort vor- 
legen.« Auf beigeheftetem Blau Verfügung des Kanzlers vom 2. Augu.st: 
»Bitte Entv/urf.« 

- Siehe Nr. 503. 

Aktenstücke III. 



94 

Sobald mein Generalstab erfahren hat, daß Du entschlossen bist, 
den Krieg gegen Rußland sogleich zu beginnen und mit aller Kraft 
durclizuführen, stand auch hier der Entschluß fest, die überwiegenden 
Hauptkräfte gegen Rußland zu versammeln. 

Du kannst versichert sein, daß seitens meiner Armee das 
Äußersie geschehen wird, um den großen Kampf zum erfolgreichen 
Ausgang zu füliren. 

Mein Militärattache in Berlin berichtet heute über seinen 
gestrigen Empfang durch Dich. Ich bin hocherfreut und begeistert 
über Deine umfassenden Vorkehrungen, um unsere Streitmacht durcli 
den Anschluß neuer Verbündeter zu stärken. 

Angesichts des Ernstes der Lage erhielt mein Botschafter in 
Rom bereits den Auftrag, der italienischen Regierung zu erklären, 
daß wir bereit sind, deren Interpretation des Artikels VII des Ver- 
trages zu akzeptieren, falls Italien seinen Bundespflichten jetzt voll 
onlspricht*. Ich telegraphiere auch selbst an den König von Italien, 
um Ihm zu sagen, daß wir nach dreißigjähriger Friedensarbeit darauf 
rechnen, daß die drei Verbündeten ihre Heere zu diesem entschei- 
denden Kampfe vereinigen werden*. 

' Siehe Nr. 594. 

' Siehe Nr. Ö72 und 700. 

Nr. 602 

Der luxemburgische Staatsininister und Präsident der 
Regierung an den Staatssekretär des Auswärtigen ^ 

Telegramm (ohne Nummer) Luxemburg, den i. August 1914" 
Dringend! 

Preußische Offiziere und Soldaten haben heule den luxembur- 
gischen Bahnhof Ulflingen besetzt und auf unserm^ oberhalb desselben 
die Bahnschienen aufgerissen. Sie .sollen dem Regiment 69 Trier 
:ingehören. Ich kann nur annehmen, daß hier Irrtum vorliegt und 
rrwnrte Entschuldigung, muß aber umsomehr meine dem Aus- 
wärtigen Amt durch den hiesigen deutschen Gesandten übermittelte 
Bitte wiederholen, die Reichsregierung möge ebenso wie im Jahre 
1870 erklären, die Neutralität Luxemburgs zu achten, solange als 
dieselbe nicht von einer andern Macht verletzt*. 

Staatsminister E y s c h e n 

' Nach der auf dem Haupttclegraphenanit gefertigten Niederschrüt des an 
den Staatssekretär persönlich gerichteten olTcnen Telegramms. 

■ Aufgegeben in Luxemburg den 1. August 9^" nachm., aufgenommen im 
Berliner Tlaiipttelcgraphenamt lo^"^ nachm. Eingangsvermerk des Amts: 
2. August nachm. 

•' So in der Niederschrift, in der anscheinend »Gebiet» fehlt. 

' Siehe Nr. 619 und ^»40. 



95 



Nr. 603 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt^ 

relegramm 214 London, den i. August 1914' 

Mein hentiges Telegramm Nr. 205^ durch mein späteres Tele- 
gramm Nr. 212* aufgehoben. Da positiver engHscher Vorschlag 
überhaupt nicht vorliegt, ist dortseitiges Telegramm Nr. 204* cr- 
leiligt. Habe deshalb keine weiteren Schritte unternommen*. 

Lichnowsky 



' Nach der Entziflerung. — Vgl. deutsches Weißbuch vom Mai 1905 S. 49. 
* Aufgegeben in London S^ß nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 

11'" nachm.; Eingangsvermerk: i. August nachm. 
^ Siehe Nr. 562. 
'• Siehe Nr. 596. 
' Siehe Nr. 578. 
" Sieheauch Nr. 630 und 631. 



Nr. 604 

Der Geschäftsträger in Bukarest an das Auswärtige Amt' 

i elegramm 55 Sinaia, den i. August 1 914" 

Von Mobilisierung Braila und Konstantza hier nichts bekannt, 
auch über Truppentransporte von Konstantza aus hat nichts fest- 
gestellt werden können. 

W a 1 d b u r £r 



' Nach der Entzitierung. 

• Aufgegeben in Sin äa j^^nachm., angekommen im Auswärtigen Amt m'" 
'iTachm.;; Eingängsvermerk: 2. August vorm. Dem Generalstab, Krieg? 
..ministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. _ 
' Däs~Telegramm ist die" Antwort auf eine von der Militärmission in Kon- 
stantinopel stammende, vom deutschen Botschafter in Konstantinopel am 
IQ. Juli nach Berlin gemeldete und von dort am 30. JuU nach Wien (191) 
und Bukarest (52 1 weitergegebene Nachricht über Mobilmachungsmaßnahmen 
in Braila und Konstantza. 

8* 



y6 

Nr. 605 

Der Reichskanzler an den Botschafter in London' 

Telegramm 206 Berlin, den i. August 19 14' 

Dringend ! 

Soeben meldet Paris, daß Frankreich heute Nachmittag 5 Uhr, 
also genau zu derselben Stunde und Minute wie wir, mobilisiert hat*. 
Wir können Zusage, daß wir französische Grenze bis Montag nach- 
mittag 7 Uhr nicht überschreiten werden*, natürlich nur unter Be- 
dingung aufrechterhalten, daß auch Frankreich unsere Grenze 
strengstens respektiert. 

B e t h m n 11 n H o II w e g 



' Nach dem Konzept von der Hand des Reichskanzlers. 
•^ 11^ nachm. zum Haupttelegraphenamt. 
^ Siehe Nr. 590. 
* Siehe Nr. 578. 



Nr.6o6 

Der Gesandte in Luxemburg an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 15 Luxemburg, den [i. August] 1914' 

Nachdem nach einer Havas -Depesche französischer Gesandter 
in Brüssel erklärt hat, daß französische Regierung Neutralität Bel- 
giens nicht antasten wird für den Fall, daß dies auch nicht von 
anderer .Seite geschieht, wäre es Herrn Eyschen erwünscht, die im 
Telegramm 14" erbetenen Äußerungen vor der Eröffnung der Kammer 
am Montag zu erhalten. 

Buch 



' Nach der EntziJrerung. 

''' Aufgabe des Telegramms in Luxemburg nicht angegeben; im Auswärtigen 

Amt angekommen i. August 11" nachm.; Eingangsvermerk : 2. August 

vorm. 
» Siehe Nr. 486. 



97 

Nr. 607 

Der Reichskanzler an die Botschafter in Wien und Rom ' 

1 elegranim 220, 159 Berlin, den i. August 1914' 

Zu Ew. Exz. ausschließlich persönlicher Information. 
Sir E. Grey hat Fürst Lichnowsky Vorschlag in Aussicht ge- 
stellt, wonach England neutral bleibt und auch Frankreichs Neu- 
tralität garantieren würde, wenn wir Frankreich nicht angriffen. 
Wir hoffen hierauf eingehen zu können, wenn unsere Bedingungen 
•ngenommen werden, die wir sofort I^ndon mitgeteilt haben'. 

Bethmann Hollweg 

' Nach dem Konzept. Entwurf von Zimmermanns Hand. 
■* 11^^ nachm. zum Haupttelegraphenamt. 
' Siehe Nr. 562: ferner auch Nr. 613. 

Nr. 608 

Entwurf eines nicht abgesandten Telegramms des Staats- 
sekretärs des Auswärtigen an den Botschafter in Paris ^ 

Dringend!'* Berlin, den i. August 1914 

Falls die französische Regierung auf unsere Anfrage keine be- 
'iedigende Antwort erteilt, wollen Ew. Exz. ihr heute nachmittag 
. Uhr mitteleuropäischer Zeit folgende Erklärung überweisen': 

' Der Entwurf ist von Rosenbergs Hand am 31. Juli nach Abgang des 
Ultimatums an Paris (siehe Nr. 491) geschrieben, von Jagow am i. August 
gezeichnet, von diesem Tage datiert, nach Eingang der endgültigen Ant- 
wort aus Paris (i. August 6^° nachm., siehe Nr. 571' von Jagows Hand er- 
gänzt, mit Zusätzen und Veränderungen des Reichskanzlers und Hammanns 
versehen. Der Entwurf wurde nicht ausgefertigt, sondern am 3. August 
von Rosenberg nach Anfrage bei Stumm zu den Akten geschrieben. 

- Am Rande die für den Reichskanzler bestimmte Notiz Rosenbergs: .R[eichs] 
K[anzler] mit dem gehorsamsten Anheimstellen der Einholung Allerhöchster 
Genehmigung. Die mh Bleistift eingeklammerte Stelle ist auf direkten 
Wunsch des Generalstabs eingefügt worden. Sie dürfte indes nicht unbe- 
denklich sein, da zu dem angegebenen Zeitpunkte möglicherweise die 
Frist von 18 Stunden noch nicht abgelaufen ist. Das nebenstehende 
Telegramm muß spätestens morgen mittag 12 Uhr abgehen • 

' UrsprüngHch stand im Entwurf: »wollen Ew. Exz. nach Ablauf der Frist 
unverzüglich, spätestens aber heute nachmittag 6 LTir». Die vom General- 
stab gewünschten Worte lauten »spätestens aber heute nachmittag 6 Uhr,- 
sie sind im Entwurf mit Bleistift eingeklammert, nachträglich ist die 
Klammer aber durchstrichen worden. Die Worte: »nach Ablauf der Fnsi 
unverzüglich spätestens aber« sind durchstrichen. Vgl. zu diesen ver- 
schiedendichen Veränderungen denselben Vorgang bei Urfassung der 
Kriegserklärung an Rußland (Nr. 542). 



98 

»Die deutsche Regierung ist von Beginn der Krisis an um einen 
friedlichen Ausgleich bemüht gewesen. Aber während sie auf 
Wunsch Sr. M. des Kaisers von Rußland und in Fühlung mit Eng- 
land noch zwischen Wien und St. Petersburg vermittelte, hat Ruß- 
land sein gesamtes Heer und seine Flotte mobilisiert. Durch diese 
Maßregel, der keine außerordentlichen Kriegsvorbereitungen in 
Deutschland vorangegangen waren, ist das Deutsche Reich in seiner 
Sicherheit bedroht worden. Einer solchen Gefahr nicht entgegen- 
treten, hieße um die Existenz des Reichs spielen. Die deutsche Re- 
gierung hat daher die russische Regierung zur sofortigen Einstellung 
der* Afobilmachung gegen Deutschland und seinen Verbündeten. 
Österreich-Ungarn, aufgefordert. Gleichzeitig hat' die deutsche 
Regierung die Regierung der französischen Republik hiervon in 
Kenntnis gesetzt und sie in Anbetracht der bekannten Beziehungen 
der Republik zu Rußland um eine Erklärung darüber ersucht, ob 
Frankreich in einem russisch-deutschen Kriege neutral bleiben will. 
Hierauf hat" die französische Regierung die zweideutige und au.*-- 
weichende Antwort gegeben, Frankreich werde das tun, was seine 
Interessen geböten^. Mit dieser Antwort behält sich Frankreich vor 
sich auf Seiten unserer Gegner zu stellen, und es ist in der Lage. 
uns jeden Augenblick mit seiner inzwischen mobilisierten Armee in 
den Rücken zu fallen. Deutschland muß^ in diesem Verhalten um sf 
mehr eine Bedrohung erblicken, als auf die an Rußland gerichtete 
Aufforderung, die Mobilisierung seiner Streitkräfte einzustellen, 
nach längst verstrichener Frist keine Antwort eingegangen und daher 
em russisch-<leutscher Krieg ausgebrochen ist. Deutschland kann dir 
Wahl des Zeitpunktes, in dem die Bedrohung seiner westlichen 
Grenze zur Tat wird, nicht Frankreich überlassen, sondern muß, von 
zwei Seiten bedroht, sofort seine Verteidigung ins Werk setzen 

Hiernach bin ich beauftragt Ew. Exz. folgendes zu eröffnen: 

»S. M. der deutsche Kaiser erklärt im Namen des Reichs, daP 
Deutschland sich als im Kriegszustand mit Frankreich befindlich 
betrachtet.«« 

Bitte Eingang und Zeitpunkt der Ausführung dieser Instruk 
tion nach westeuropäischer Zeit umgehend drahten. 

Bitte Ihre Pässe fordern tmd Srhiit/ nnri Geschäfte amen 
kanischer Botschaft übergel>en*. jacow 

* tDer« vom Reichskanzler an Stelle »seiner ■. 

* Abschnitt »Einer solchen Gefahr gleichzeitig hat« Ton Jago\>.«^ 

Hand im Konzept hcigefügt. 

* Abschnitt »Hierauf hiit die in den Rücken zu fallen«, nach 

Eingang der endgültigen Antwort aus Paris von Jagows Hand, die Worte 
»mit seiner inzwischen mobilisierten Armee« von der Hand des Reichs- 
kanzlers hinzugefügt. Den Zuspitzen Jagows liegen mehrerei Vorentwürfe 
Ton seiner Hand zugrunde. 

* Siehe Nr. 571. 

* Abschnitt »Deutschland muH zu eröffnen« von Hammann.s 

Hand niedergeschrieben. 

* l.ctztcr Satz Ton Jagows Hand hinzugefügt. 



09 

Nr. 609 

Der Große Generalstab an das Auswärtige Amt' 

Streng geheim Berlin, den r. August 1914* 

Durch Offizier gesclirieben ! 

6. Mitteilung 

Nachrichten bis i. August 4" nachm 

Österreich. 
Für die bisher noch nicht mobilen Korps i. Mob. -Tag 4. August : 
nehmen Reserven in ihren Ergänzimgsbezirken auf. Serbische Grenze 
noch nicht überschritten, i. Batl. 73 (Prag) zum Scliutz des Großen 
Hauptquartiers nach Süden. 

Serbien. 
Paschitsch äußert sich dahin, daß Serbien auf Hilfe Rußlands 
und Sjmipathien Frankreichs imd Englands rechnen könne. Da;» 
serbische Heer in recht mißlicher Lage (Mangel an Munition, Ver- 
pflegung, Waffen). Am Arala (15 km südlich Belgrad) vorderste 
Verteidigungsstellimg. 

Montenegro. 
Keine Angriffsabsichten auf Österreich, vnU aber Aufteilung 
Serbiens nicht zulassen. 

Griechenland. 
Nichts Neues. 

Rumänien. 
Sichenmg an bulgarischer Grenze in Kriegsstärke. König Carol 
vertritt Ansicht, daß Bulgarien im Falle Eingreifen Rußlands über 
Rumänien herfallen würde, öffenthche Meinung gegen Österreich- 
Regierung nicht für Unterstützung Rußlands. 

Bulgarien. 
Gesandter in Athen hat im Falle des Krieges zwischen öster 
reich und Serbien offiziell die Neutralität Bulgariens erklärt. Bulgarisch 
-serbisches Grenzgebiet von serbischen Deserteuren überschwemmt 



Nichts Neues. 
Nichts Neues. 



Türkei. 
Belgien. 



' Nach der vom Generalstab übersandten Vervielftltigung. Siehe Nr. 3i4 
^ Eingangsvermerk: i. August nachm. Hat Zimmermann und Jagow nir. 
I. August vorgelegen. 



100 

Holland 

ist von England gezwungen, auf Seiten des Dreiverbandes zu treten. 
Die Mobilmachung für Amiee, Landwehr und Marine ist befohlen. 

Frankreich. 

Befelil zum Einnehmen der Grenzschutzstellungen 31. Juli abends 
• nscheinend erlassen. 

Im einzelnen : Gegenüber Diedenliofen walu^scheinhch 4.Kav.-Div. 
(Sedan). — Westlich Metz Teile des VI. Armeekorps (Verdun). — 
Nördlich imd östlich Nancy XX. Armeekorps (Toul-Nancy). — Nord- 
östlich Luneville Jäger und 2. Kav.-Div. (Luiiöville). — In den 
Mittelvof^esen Teile des XXI. Armeekorps (Epinal). — östlicli 
Beifort Teile der 14. Inf.-Div. (Petite-Croix). 

UnkontrolUerte Nachrichten: Bei Beifort größere Truppen- 
insammlungen. 

England. 

Regierung für sofortiges Eingreifen (um die wirtschaftliche 
Katastrophe sclmell zu übervvinden). Stimmung im Volke gegen 
Krieg mit Deutschland. Zusammenziehung des Expeditionskorps 
für alle Fälle in der Grafschaft Essex geplant. Fieberhafte Tätig- 
keit im Kriegsministerium und in den Lagern. Arsenal Woolwic":i 
scharf bewacht. Auf Insel VVight Infanterie-Bataillone und Terri- 
toriiJtruppen. i. Flutte an Ostküste Schottlands. Walirscheinlich 
3, Flotte heute früh Dover in östliclier Riclitung passiert. 2. Flotte 
in Themsemündung mit 4 Streuminenschiffen. Kreuzer längs hol- 
ländischer Küste und westlich Helgoland. Admiralstab rechnet mit 
evtl. Ausschiffung des enghschen Expeditionskorps in holländischen 
imd belgischen Häfen unter Scliutz der 2. und 3. Flotte und gleich- 
zeitiger enger Blockierung der deutschen Bucht durch i. Flotte. 

Italien. 

K. österreichischer Militärattache versichert, daß Italien seinen 
liundnisverpflüchtimgen getreu nachkommen werde. 

Schweiz. 

N;ich Dekret vom 31. Juli ist die Einn;i]une der Picketstellungen 
l)efohlen. Erforderliclicnfalls soll Mobilisation erfolgen. Der Land- 
turm wird einberufen; Maßregeln richten sich weder gegen Deutsch- 
land noch gegen Frankreich. 

Schweden. 

Wahrsciieinlicli an der Seite des Dreibundes, da Stimmung des 
Volkes gegen Rußland. 



lOI 

Dänemark. 

13000 Mann für Seebefestigungen, 14000 Mann für Flotte* ein- 
berufen. Maßnalinien nur, um erregte öffentliche Meinung, welclie 
zur Aufrechteriiallung der Neutralität Maßnalinu-n vei langt, /u 
beruhigen. 

Norwegen. 

Reservisten sind zur Zeit eingezogen, Regierung hält zunächst 
weitere pinziehungen nicht für nötig. Mit England anscheinend 
keine Abmachung. 



Nichts Neues. 



Spanien. 



Rußland. 

"Die Nachrichten, daß Rußland das westhche Weichselufer zu 
räumen beabsichtigt, verdichten sich. Starke Kavallerie mit Infanterie 
(14. Kav.-Div.) steht noch bei Tschenstochau. Kaiisch scheinbar noch 
besetzt. Bahnlinie Kahsch— Sieradz an mehreren Stellen unterbrochen. 
Bei Sieradz noch Teile 13. Kav.-Div. festgestellt (Patrouillen bei 
Siemianitze). Weiter nördlich Grenzschutz im Zurückgehen gemeldet. 
Nachrichten über 15. Kav.-Div. fehlen. östlich der Weichsel in 
Gegend Tschechanow Detachement aller Waffen eingegraben. Über 
6. Kav.-Div. keine neuen Nachrichten. Bei Kölns * ansclieinend Siche- 
rungstnippen des 15. Armeekorps. Bei Schtschutschm Sicljerungstruppe 
des VI. Armeekorps. Bei Grajewo noch starke Kavallerie (4. Kav.-Div.). 
Bei Lomscha wahrscheinhcli Versammlung XV., bei Osowjetz VI. Armee- 
korps, vermutUch mit 16. Inf.-Div. zusammen. Meldimf^'en über 
Kavalleriebewegungen aus Gegend Suwalki in südlicher Richtung 
sind eingelaufen. Augustow soll stark belegt sein. Bei Wirballen 
Lage unverändert. Über Festungen Nowo Georgiewsk und Lomscha 
hegt Meldung vor, daß sie nicht armiert bleiben, wälirend an der 
Armierung von Osowietz fieberhaft gearbeitet wird. Die Balm Oso%vietz- 
Grajewo ist gründlich zerstört. Über Strecke ]\Ilawa-Tschechanow 
bedürfen derartige Nachrichten noch der Bestätigung. Größere Truppen- 
transporte werden gemeldet von Moskau in Richtung Smolensk und 
von Warschau in Richtung Brest. Meldungen über Truppenver- 
sammlungen bei Kjelze-Iwangorod wiederholen sich. 

LA. 

von Bartenwerffer 

Major 



^ Nr. 532 und 560 geben 1300 und 1400 Mann an. 
* So in der Vervieitaltigung. 



I02 

Nr. 6io 

Die englische Botschaft an das Auswärtige Amt ' 

[Berlin, den i. [?] August 1914] 

Les bäteaux de la Great Central Railway C'« et d'autres 
bäteaux ont et6 retenus par force ä Hambourg. 

Sir E, Grey prie de les laisser partir sans delai parce que l'effet 
sur l'opinion publique serait deplorable*. 

Übersetzung 

Die Schiffe der Great Central Railway Co. und andere Schiffe sind 
gewaltsam in Hamburg festgehalten worden. Sir E. Grey bittet, sie un- 
verzüglich freizulassen, da die Wirkung auf die öffentliche Meinung be- 
klagenswert würe. 



Nach handschriftlicher Aufzeichnung Jagows. Vermerk Stumms »pr[aesen- 

tatum] 2.8. nachts.« Eingangsvermerk des Amts: 2. August. Siehe eng- 
lisches Blaubuch Nr. 130 vom i. August. 

Am Rande die Notiz von Stumms Hand: »Ansage [Anfrage?] des englischen 
Botschafters. Er ist benachrichtigt worden, daß Schiffe freigelassen sind" 
Am 2. August 12" vorm. war Anfrage beim Staatssekretär des Reichs - 
marineamts erfolgt; siehe Nr. 634 und dortige Anm. 3. 



Nr. 611 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 213 London, den i, August 1914' 

•Westminster Gazette« hält Lage für äußerst 
kritisch. England müsse sich über Stellungnahme 
klar werden. Premierminister habe im Unterhaus 
einmal ausgesprochen, daß England im Falle eines 
Krieges durch keinerlei Verträge zur Teilnahme ge- 
zwungen sei. England habe also jet:{t freie Hand^ 
Deutschland müsse sich aber klar machen, daß ge 
wisse veröffentlichte Verträge bestünden, deren Ver- 
letzung durch Deutschland England in eine schwie- 
rige Lage bringen würde. Deutschland wisse femer , 

' Nach der Aufnahme des Haupttelegraphenamts. Telegramm in Worten 
^ Aufgegeben in London i. August 6^ nachm., aufgenommen im Haupt- 
telegraphcnamt 10*^, angekommen im Auswärtigen Amt 2. August 12'" vorm 
Abschrift lag dem Kaiser vor, ins Amt zurückgegeben am 2. August. 



friw^ös.'t' daß ein deutsch-en^/wc/j^r ' Kampf Folgen haben 
könne, welche die öffentliche Meinung in England 
entzünden und England zum Aufgeben seiner Xeu 
tralität* bewegen könnten. Ganz zu venverfen »i 
der von mancher Seite gemachte Versuch, hier ein 
Kriegsfieber hervorzurufen und den Plan zu propa- 
gieren, ein Expeditionskorps nach dem Kontinent 
zu schicken. England habe an Pflichten seines 
Weltreichs zu denken, besonders an Sicherheit 
Ägyptens und Indiens. Englands Stärke liege in 
seiner Seemacht, und diese müsse dazu dienen, den 
Frieden für England zu erhalten und den Kamp! 
zwischen anderen Ländern in gewissen Grenzen zu 
halten. Zwar liege auch in FriedenspoUtik gewisse 
Gefahr, aber es sei doch sehr zu hoffen, daß Eng- 
land imstande sein werde, seine Stelle als Versamm- 
lungsplatz derjenigen zu erhalten, welche den Frieden 
in Europa wünschen. 

Lichnowsky 
Quatsch. 



^ Am Rand zwei Fragezeichen des Kaisers. 

* »Zum Aufgeben seiner Neutralität« Tom Kaiser zweimal unterstrichen 



Nr. 612 

Der König von England an den Kaiser' 

Telegramm (ohne Nummer) [London, den i. August 1914]* 

In answer to your telegram^ just received I think there mu»\ 
he some misunderstanding as to a Suggestion that passed in friendly 
conversation between Prince Lichnowsky and Sir Edward Grey tliis 
aftemoon when they were discussing how actual fighting between 
German and French armies might be avoided while there is still a 
Chance of some agreement between Austria and Russia. Sir Edward 
Grey will arrange to see Prince Lichnowsky early to-morrow 
moniing to ascertain whether there is a misunderstanding on bis part 

George 

' Nach einer Abschrift. — Vgl. deutsches Weißbuch vom Mai 1915 S. 4'». 
■^ Zeit der Absendung aus London und des Eintreffens in Beriin auf dei 
Abschrift nicht vermerkt. Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts 2. Aupi;<-- 
^ Siehe Nr. 575. 



104 

Übersetzung 

In Beantwortung Deines Telegramms, das ich soeben erhalten habe, 
glaube ich, daß ein Mißverständnis vorliegen muß hinsichtlich einer Anregung, 
die in einer freundschaftlichen Unterredung zwischen Fürst Lichnowsky und 
Sir Edward Grey diesen Nachmittag erfolgt ist, als sie darüber sprachen, wie 
ein Zusammenstoß zwischen den deutschen und französischen Armeen ver- 
mieden werden könnte, solange noch die Möglichkeit einer Verständigung 
zwischen Österreich und Rußland besteht. Sir Edward Grey will den F"ürsten 
Eichnowsky morgen früh sehen, um festzustellen, ob ein Mißverständnis von 
seiner Seite vorliegt. 



Nr. 613 

Der Reichskanzler an die Botschafter in Wien und Rom ^ 

Telegramm 221, 160 Berlin, den 2. August 19 14" 

Dringend ! 

Meldung des Fürsten Lichnowsky' beruht auf einem Miß- 
xcrständnis. 

.Bethmann Hollweg 

' Nach dem Konzept. Entwurf von Stumm diktiert. 
'' Zum Haupttelegraphcnamt 11^ vorm. 
' Siehe Nr. 607. 

Nr. 614 

Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt ^ 

Telegramm 169 Rom, den i. August 1914'^ 

Habe gemeinsam mit österreichischem Bot- 
schafter noch einmal in scliärfstcr Weise auf Mit- 
gehen mit Alliierten gedrungen. Marquis di San 
Giuliano gab an, noch keine Nachricht aus Wien 
zu haben, machte keinerlei Zusagen, hat sich aber 
bereit gefunden, Sache lieute abend noch einmal 



' Nach der EntziflTerung. 

^ Aufgegeben in Rom 1. August 10" nachm., angekommen im Auswärtigen 
Amt am 2. August 1'' vorm. Eingangsvermerk: 2. August vorm. Ent- 
zifferung lag dem Kaiser vor, der durch Randverfügung Mitteilung an den 
Gencralstali anordnete; zurückgegeben vom Kaiser am 2. August. Am 
gleichen Tag dem Gt-neralstab, Admiralstab, Reichsmarineamt und Kriegs- 
ministerium mitgeteilt. 



103 

im Ministerrat zur Sprache zu bringen. Kr wieder- 
Schurhe holte beständig die äußeren und inneren Gründe', 

der Ktuiig hat mir die gegen Teilnahme am Kriege hier sprechen, 
noch nicht einmal österreichischer Botschafter hat ebenso wie 

geantwortet idi den Eindruck, daß Rücksiclit auf englische 
Haltung hier maßgebend. Marquis di San Giuliano 
wicderliolt beständig, italienisclie Küsten und Häfen 
könnten nicht engUschen Kanonen preisgegeben 
werdend Auch sind hier Besorgnisse vorhanden, 
Truppen in Lybien könnten von Lebensmittelver- 
sorgung abgeschnitten werden. Durch einen Ver- 
trauensmann des Herrn Barrere erfahre ich geheim, 
also wenn wir Bei- daß Herr Barrere geäußert hat, italienische Re- 
giens Neutralität gierung habe Schritte getan, sich englischer Re 
nicht respektieren, gj^rung zu nähern. Vielleicht sind dalier trotz 
lallt England uns Ableugnung Marquis di San Giulianos irgendwelche 
an und Italien von ,, i. ■i.r-;j ,/v 

uns ab, das ist die Verabredungen mit England getroffen. 

Lage in nuce! Flotow 

also auch noch Verrath der Verbündeten! 



' Am Rande drei Ausrufungszeichen des Kaisers. Siehe Nr. 745, 748 und 840. 
* Am Rand Ausrufunsszeichen des Kaisers. 



Nr. 615 

Der Botschafter in Madrid an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 18 San Sebastian, den i. August 1914^ 

SpanischerStaa tsminister erklärte österreichisclicm 
Botschafter auf Befragen, daß spanisclie Regierung 
Dann dar) es absolute Neutralität wahren ii'ird. Bitte um Vt-r- 
nicht dulden, daß haltungsmaßregeln für den Fall, daß Spanien später 
Truppen von Ma- seine Neutralität trotzdem nicht waliren würde oder 
rokko durchtrans- könnte, österreichischer Botschafter richtet gleich - 
portiert werden ! =» ^^q^I* .\nfrage Wien. R a t i b o r 



1 Nach der Entzifferung. 

'■' Aufgegeben in San Sebastian i. August q» nachm., anneKummen im Aus- 
wärtigen Amt 2. August 1^5 vorm. Eingangsvermerk 2. August vorm. Ent- 
zifferung lag dem Kaiser vor, der darauf vermerkt: »s*» N. M.., ans Amt 
zurückgegeben am 2. August. Wurde dem Admiralstab telephonisch mit- 
geteilt. 

2 Siehe Nr. 618. 

♦ .wohl« auf der Entzifferung mit Bleistift eingeklammert. 



lüO 



Nr. 6i6 

Der Gesandte in Kopenhagen an das Auswärtige Amt* 

l'elegramin 42 Kopenhagen, den i. August 1914" 

Dänischer Gesandter in Berlin erhält Auftrag 
zu folgender Mitteilung an k. Regierung: 
d. h. mobil gemacht »Zur Komplettierung der „Friedensstärke'' 

werden jioch acht:^ehntausend Mann zu den verschie- 
denen Gamisonstellen ringsum im Land einberufen'.« 

Die Truppen werden nicht an bestimmten 
Punkten, etwa an der Grenze, konzentriert, und die 
Maßnahme bedeutet keine Mobilisierung, wie mir 
der Minister des Äußern pereönlich eindringlich 
wiederholte. Herr von Scavenius fügte hinzu, hier 
verlaute mit Bestimmtheit, daß Deutschland mobili- 
siere. Dänisclie Regierung sei daher genötigt, diese 
Einberufungen anzuordnen, durch die effektive 
Friedenspräsenzstärke erreicht werde, es würden 
jetzt etwa dreißigtaiusend Mann unter den Waffen 
stehen. Das radikale Kabinett — erklärte der 
Minister — befindet sich gegenüber dem Lande in 
besonders schwieriger Lage, weil Kriegsminister Munch 
yVr nächste Beweis als Antimilitarist bekannt sei. Die Militärs wollten 
ist die Über- beweisen, daß sie eine Raison d'etre hätten, infolge- 
'ichrciiung unserer drssen sei die Regierung genötigt, diese Konzession 
Grenze 7^ machen, um Vorwurf zu vermeiden, daß sie die 

Sicherheit des Landes und Möglichkeit, Neutralität 
aufrechtzuerhalten, gefährdet. 

Der Minister sagte mir vertraulich, S. M. der 
König sei in großer Sorge. Kriegsminister Munch 
wird in den Blättern scharf angegriffen und sein 
Rücktritt verlangt, Herr von Scavenius erklärte aber, 
er hoffe und rechne bestimmt damit, daß das Kabinett 
sich halten werde. 

Rantzau 



' Nach der Entzincrung. 

'' Aufgegeben in Kopenhagen i. August 8*** nachm., angekommen im Aus- 

wilrtigen Amt 2. August 2*^ vorm. Eingangsvermerk: 2. August 

vorm. Entzifferung lag dem Kaiser vor, ins Amt zurückgelangt 2. August. 

Dem ücneralstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt 

mitgeteilt. 
* Siehe Nr. 724. 



iü7 

Nr. 617 

Der Gesandte in Lissabon an das Auswärtige Amt' 

Jelegranim 66 Lissabon, den i. August 1914' 

Ministerpräsident hat heute deutschen Jour- 
nalisten gesagt, CS sei außer Zweifel, dali I^ortugal 
seine lUlndnispßicht England gegenüber erfüllen 
ivürde. Unter diesen Umständen müssen wir mit 
der Möglichkeit des Abbruchs der diplomatischen 
Beziehtmgen rechnen. Erbitte Dralitanweisung, ob 
ich eintretendenfalls nach Spanien reisen und Ge- 
ja sandschaft sowie deutsche Interessen spanischer Ge- 

sandtschaft anvertrauen solP. 

Rosen 

' Nach der Entzifterung. 

- Aufgegeben in Lissabon 9*" nachm., angekommen im Auswärtigen Ami 
2. August 2*° vorm. Eingangsvermerk: 2. August vorm. EntziHerung lag 
dem Kaiser vor; ins Amt zurückgelangt am 2. August. « 

'. Siehe Nr. 651. 

Nr. 618 

Der Geschäftsträger in Tanger an das Auswärtige Amt 

l^legramm 88 Tanger, den i. August 1914* 

Nach nicht dementierten Meldungen Casablancaer Zeitungen 
von Donnerstag' hat Generalresident Befehl, 20 000 Mann zur Ein- 
schiffung nach Frankreich bereitzuhalten. Aus Casablanca trifft 
zuverlässige Meldung ein, daß Truppensusammenziehungen dort 
stattfinden. Die Tatsache, daß seit heute früh Scherif telegraphisch 
keine chiffrierten Telegramme mehr durchläßt, spricht ferner dafür, 
laß Truppenverschiebungen erfolgen* man verborgen halten will. 
IVie in Casablanca durchgesickert ist, soll französische Regierung 
beabsichtigen, bei Kriegsausbruch das innere Marokko preiszu- 
geben und sich auf Schutz der Küstenstädte zu beschränken, um 
möglichst viele Truppen auf europäischen Kriegsschauplatz werfcr 
zu können'. Di eckhoff 

' Nach der Entzitferung. 

- Aufgegeben in Tanger io*° nachm., angekommen im Auswärtigen Ami 
2. August 3" vorm. Eingangsvermerk: 2. August vorm. Lag dem Kaiser 
vor; an das Amt zurück am 2. August. Am 2. August dem GeneraUtab, 
Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilL 

' 30. Juli. 

♦ Änscliginend fehlt ein Wort in der Entzifferung. 

* Vgl. Nr. 665. 



io8 



Nr. 619 

Der Gesandte in Luxemburg an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 16 Luxemburg, den 2. August 19 14* 

Staatsminister Eysrhen teilt soeben mit : »Heutfe]^ abend gegen 
7 Uhr kamen in Automobilen 5 Offiziere und einige Soldaten des 
69. Regiments Trier nach Ulflingen, besetzten Bahnhof und Tele- 
graphen und zerstörten letzteren sowie 150 Meter Schienen in Rich- 
tung nach Belgien. Später kamen andere Automobile, welche die 
ersteren Autofahrer abberiefen und erklärten, daß ein Irrtum vor- 
liege.« Herr Eyschen, der sich bereits an Auswärtiges Amt tele- 
graphisch gewandt hat, faßt den Vorgang offenbar nicht allzu ernst 
auf und äußerte, daß der \'orfall durch eine Entschuldigung für 
hiesige Regierung erledigt sein würde*. 

Buch 



■ Nach der EntzitTerung. 

* Aufgegeben in Luxemburg 12'° vorm, angekommen im Auswärtigen Amt 
3'' vorm. Eingangsvermerk: 2. August vorm. Anr 2. August dem Gen eral- 
stab, Kriegsministerium, Generalstab und Reichsmarineamt mitgeteilt." 

* Gemeint ist der i. August; siehe Nr. 602. 

* Siehe Nr. 640. 



Nr. 620 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in Wien ^ 

lelegramm 222 Berlin, den i. August 1914' 

Dringend ! 

S. M. der Kaiser hat heute nachmittag um 5 Uhr die allgemeine 
Mobilmachung befohlen. 

J a g o w 



' Nach dem Konzept von Jagows Hand. 

" Am 2. August 4" vorm. zum Haupttelegraphenamt. Auf der Botschaft in 
Wien angekommen 8''" vorm. 



I09 



Nr. 621 



Der Staatssekretär des Reichsmarineamts an den Staats- 
sekretär des Auswärtigen' 

Berlin, den 2. August 19 14* 

Ich bitte um sofortige schriftliche Mitteihing, ob die Opera- 
tionen der Marine gegen Rußland nunmehr beginnen sollen, und ob 
dementsprechend die Bekanntgabe der Kriegserklärung gegen Ruß- 
land an die Marine erfolgen kann^. 

V. Ti'pitz 



' Nach der Ausfertigung. Randvermerk von Radowitz' Hand: »pr. 2. VIII. 
4"* a. m.« Eingangsvermerk des Amts: 2. August vorm. 

' Unter dem Schreiben Vermerk von Radowitz' Hand: »Trotz telcphonischer 
Erörterung besteht der St[aatssekretür] d. R. M. A. auf sofortiger schrift- 
licher Beantwortung, da er ohne solche keine militärischen Maßnahmen 
treffen könneu. 

* 'Siehe Nr. 623. 



Nr. 622 

Der Geschäftsträger In Cetinje an das Auswärtige Amt * 



elegramm 24 



Cattaro, den 1. August 19 14* 



Heute zu einmaliger Sitzung zusammengetretene Skupschtina 
iiat Ministerium Vertrauensvotum erieilt und beschlossen, der Re- 
gierung in jeder Beziehung freie Hand zu lassen. Sie verlangt 
jedoch, daß an Österreich Krieg erklär^ würde, um den serbischen 
Brüdern zu Hilfe zu kommen. Die Regierimg ist, wie mir im 
Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten erklärt wird, an 
dieses Verlangen nicht gebunden und will vorerst den Gang der 
Ereignisse abwarten. 

Zech 



* Nach der Entzifferung. 

"Aufgegeben in Gattaro 11*° nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
2. August 5*' vorm. Eingangsvermerk: 2. August vorm. Entzifferung lag 
dem Kaiser vor, ans Amt zurück am 2. August. Am 2. August dem 
Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mit- 
geteilt. Am 4. August 8" nachm. auch an deutschen Botschafter in Wien 
mitgeteilt. 

Aktenstücke m. 9 



I lO 

Nr. 623 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Staatssekretär 
des Reichsmarineamts ^ 

Berlin, den 2. August 1914' ' 

Infolge der Überschreitung unserer Grenzen durch russische 
Truppen befinden wir uns im Kriegszustand mit Rußland. 

Ew. Exz. beehre ich mich ergebenst anheimzustellen, die hier- 
durch etwa erforderlich gewordenen militärischen Maßnahmen rv 
treffen'. 

V. Jagow 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Radowitz' Hand 
* Abgesandt durch Boten 2. August 6* vorm. 
' Siehe Nr. 621. 



Nr. 624 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Petersburg ' 

Telegramm 163 Berlin, den 2. August 1914* 

Bitte von dortiger Regierung Ihre Pässe verlangen und Wahr 
nehmung deutscher Interessen amerikanischer Botschaft übergeben 

Bethmann Hollweg 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Stumms Hand. 
• Zum Haupttelcgraphenamt 6"* vorm. 



Nr. 625 



Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in Paris ' 

Telegramm 187 Berlin, den 2. August 1914* 

Bitte dortiger Regierung bei Abgabe Kriegserklärung schrift- 
lich mitteilen, daß wir Kauffahrteischiffe ihrer Flagge in unseren 
Häfen festhalten, sie aber freilassen, wenn wir innerhalb achtund 
vierzig Stunden Gegenversprechen erhalten. 

Jagow 

' Nach dem Konzept. Entwurf nach dem Diktat des Direktors der Rechts- 
abteilung des Auswärtigen Amts Dr. Kriege. 
• 6** vorm. zum Haupttelcgraphenamt. 



I 1 i 
Nr. 626 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in London* 

Telegramm 207 Berlin, den 2. August 1914* 

Falls England uns oder wir England Krieg erklären, bitte dor 
tiger Regierung schriftlich mitteilen: 

1. daß wir Kauffahrteischiffe ihrer Flagge in unseren Häfen 
festhalten, sie aber freilassen, wenn wir innerhalb acht- 
undvierzig Stunden Gegenversprechen erhalten ; 

2. daß wir im Hinblick auf englische Gesetzgebung englische 
Forderungen gegenüber deutschen suspendieren, wenn wir 
nicht innerhalb vierundzwanzig Stunden Zusage wegen 
weiterer Rechtswirksamkeit deutscher Forderungen gegen 
Ergländer erhalten. 

Jagow 



• Nach dem Konzept, Entwurf nach dem Diktat Krieges. 
' 6*" vorm. zum Haupttelegraphenamt. 



Nr. 627 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Wien* 

Telegramm 223 Berlin, den 2. August 1914* 

Dringend 1 

Wir befinden uns im Kriegszustand mit Rußland, nachdem 
russische Truppen gestern unsere Grenze an mehreren Stellen über- 
schritten und Feindseligkeiten ausgeübt haben. Wir hatten auch 
den k. Botschafter in Petersburg beauftragt, gestern nachmittag 
bei ungenügender Beantwortung unserer Forderung den Krieg zu 
erklären, haben aber vom Botschafter weder Nachricht erhalten über 
Rußlands Antwort auf unsere Forderung noch über Abgabe der 
Kriegserklärung. Wir erwarten von Österreich Erfüllung seinei 
Bundespflichten und sofortiges tatkräftiges Eingreifen gegen 
Rußland. 

Bitte obiges unverzüglich dort mitteilen und Antwort' drahten 

Bethmann Hollweg 



' Nach dem Konzept Entwurf von Jagows Hand. 

" Zum Haupttelegraphenami 6" vorm. Zeit der Ankunft auf der Botschaft 

in Wien in den dortigen Akten nicht eingetragen. 
■* Siehe Nr. 672. 



I 12 

Nr. 628 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Rom ' 

Telegramm 161 Berlin, den 2. August 1914* 

S. M. der Kaiser hat gestern um 5 Uhr allgemeine Mobil- 
machung verfügt. Wir befinden uns infolge Angriffs russischer 
Truppen auf deutsches Gebiet im Kriegszustand mit Rußland. Wir 
hatten auch den k. Botschafter in Petersburg beauftragt, gestern 
nachmittag bei ungenügender Beantwortung unserer Forderung den 
Krieg zu erklären, haben aber vom Botschafter weder Nachricht 
erhalten über Rußlands Antwort auf unsere Forderung noch über 
Abgabe der Kriegserklärung. Der Krieg mit Rußland wird unzwei- 
felhaft auch Angriff Frankreichs auf uns und Krieg mit diesem zur 
Folge haben. Wir erwarten von Italien Erfüllung seiner Bündnis- 
pflichten. Bitte obiges sofort dortiger Regierung mitteilen und 
Antwort drahten'. 

Bethmann Hollweg 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Jaj^ows Hand. 
* Zum Haupttelegraphenamt ö''^ vorm. 
^ Siehe Nr. 675. 



Nr. 629 

Der Reichskanzler an den Kaiser^ 

Berlin, den 2. August 1914' 
Ew. M.! 

Nach Meldung Generalstabs (heute 4 Uhr a. m.) Bahnzerstö- 
rungsversuch und X'ormarsch 2 Schwadronen Kosaken auf Johannis- 
burg. Dadurch tatsächlicher Kriegszustand. Vorstehendes sofort 
n.'ich Wien und Rom gemeldet mit Ersuchen um Äußerung über 
ICrfüllung der Bundespflicht, nach Rom mit Zusatz, daß wir franzö- 
sischen Angriff voraussähen. Russischem Botschafter werden 
i'ässe zugestellt. 

Nach Vereinbarung mit Kriegsministerium und Generalstab: 
()bergal>e Kriegserklärung an Frankreich aus m i 1 i t ä r i s c h e u 



' Nach der Ausfertigung. 

» Vom Kaiser durch den Flügeladjutanten von Muiius am 2. August 9" vorm. 

dem Reichsmarintamt weitergegeben. Wurde dann am 3. August vorm. 

dem Auswärtigen Amt durch das MilitJlrkabinett wieder zugestellt. 



Gründen heute nicht notwendig. Erfolgt deshalb noch nicht in 
Hoffnung, daß uns Franzosen angreifen. '^ 

Mitteilung über russischen Kriegszustand an Öffentlichkeit 
heute früh 472 Uhr durch Wolflfsche Depesche. 

Alleruntertänigst 

V. B e t h m a n n H < > II w e g 

Aus Petersburg keine Nachrichten. 



Nr. 630 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt* 

Telegramm (ohne Nummer) London, den 2. August 19 14* 

Dringend ! 

Wie aus meinen letzten Telegrammen' hervorgeht, ist die im 

dortigen Telegramm Nr. 206* nochmals besprochene Angelegenheit 

vollkommen erledigt und unsere Handlungsfreiheit dadurch nicht 

beschränkt. t • • 

Lichnnwskv 



* Nach der Abschrift der offen abgesandten Telegramms. 

' Aufgegeben in London 5" vorm.; angekommen im Auswärtigen Ami 
8^" vorm.; Eingangsvermerk: 2. August vorm. 

* Siehe Nr. 596 und 603. 

* Siehe Nr. 605. 

Nr. 631 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 217 London, den 2. August 1914' * 

Anregungen Sir E. Greys, die auf Wunsch beruhten, möglich 
dauernde Neutralität Englands zu schaffen, sind ohne vorherige 
Fühlungnahme mit Frankreich und ohne Kenntnis Mobilmachung 
erfolgt, inzwischen als aussichtslos völlig aufgegeben. Bitte drin- 
gend Antwort, ob Telegramme 212, 214 und dringendes offenes 
Telegramm ohne Nummer* eingegangen?^ 

Lichnowsky 



* Nach der Entzifferung. — Vgl. deutsches Weißbuch vom Mai 1915 S. 47. 
' Aufgegeben in London 6** vorm., angekommen im Auswarligen Amt 8" vorm 

Eingangsvermerk: 2. August vorm. 
' Siehe Nr. 605 ; vgl. auch Nr. 362. 

* Siehe Nr. 396, 603 und 630. 

* Antwort siehe Nr. 635. 



114 

Nr. 632 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Paris ^ 

Telegramm 188 Berlin, den 2. August 19 14* 

bringend ! 

Telegramm Nr. 187' bedeutet nicht, daß Ew. Exz. schon jetzt 
Kriegserklärung abgeben sollen. 

Bethmann Hollweg 

* Nach dem Konzept. Entwurf von Stumms Hand. 

* 9'" vorm. zum Haupttelegraphenamt. 
' Siehe Nr. 625. 

Nr. 633 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Paris ^ 

Telegramm 189 Berlin, den 2. August 1914' 

Dringend ! 

Meldung Fürst Lichnowsky beruhte auf Mißverständnis*. 

Bethmann Hollweg 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Stumms Hand. 
* Zum Haupttelegraphcnamt 2. August 9" vorm. 
' Siehe Nr. 587. 



Nr. 634 



Der Staatssekretär des Reichsmarineamts an den 
Staatssekretär des Auswärtigen ^ 

Berlin, den 2. August 1914* 

Ew. Exz. beehre ich mich auf die tclephonische Anfrage des 
flerrn Unterstaatssekretärs des Ausw. Amts von heute nacht 12". 
betr. Festhaltens der englischen Handelsschiflfe folgendes mitzuteilen: 

' Nach der Ausfertigung von Capelies Hand. 

* Eingegangen im Auswilrtigen Amt am 2. August. 



Fremde Handelsschiffe sind in Cuxhaven lediglich zurück 
>4ehalten während des Auslesens der Minensperren, weil 
andernfalls Gefahr für die Schiffe vorlag. Nach Fertigstel- 
lung der Minensperren heute mittag ist Schiffen Auslaufen im 
Kriegshafen gestattet*. 

I[m] A[uftrage] d[es] Stfaatssekretärs] 

V. C a p e 1 1 e 



Hierzu die Randverfügung Zimmermanns vom 2. August: »Bitte mündliche 
entsprechende Verständigung des engl. Botschafters auf dessen gestrige Vor- 
stellung (siehe Nr. 610) bei S. E. veranlassen.« Bei den Akten auch die 
Abschrift eines telegraphischen Befehls des Reichsmarineamts an Station 
Nordsee, Kommandanturen Cuxhaven und Geestemünde: »Auf dringenden 
Wunsch des Auswärtigen Amts die fremden Handelsschiffe, in erster Linie 
die englischen, bis auf weiteres nicht zurückhalten. Bei besonderen mili- 
t.trischen Gründen Zurückhaltung hier beantragen. Marineamt.« 



Nr. 635 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in London* 

? elegramm 208 Berlin, den 2. August 19 14* 

Sämtliche Telegramme hier eingegangen*. 



J a g o w 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Stumms Hand. 

' Zum Haupttelegraphenamt 2. August 11" vorm. Telegramm wurde offen 

abgesandt. 
* Siehe Nr. 631. 

Nr. 636 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an die Senats- 
kommission für Reichs- und auswärtige Angelegenheiten 
der Freien und Hansestadt Hamburg' 

felegramm (ohne Nummer) Berlin, den 2. August 1914* 

Bitte russischem Gesandten Pässe zustellen, französ'scheni Ge- 
neralkonsul einstweilen nicht*. 

J a g o w 



^ Nach dem Konzept, Entwurf von Stumms Hand. 
' Zum Haupttelegraphenamt 2. August i r" vorm. 
' Siehe Nr. SQJ- 



IIb 

Nr. 637 

Der luxemburgische Staatsminister und Präsident der 
Regierung an den Staatssekretär des Auswärtigen' * 

Telegramm (ohne Nummer) 

J'ai riionneur de porter ä la connaissance de Votre Excellence 
les faits suivants: Dimanche 2 aoüt de grand matin les troupes 
Allemandes, d'apres les informations qui sont parvenues au Gouver- 
nement Grand-Ducal a l'heure actuelle, ont penetre sur le territoire 
luxembourgeois par les ponts de Wassert)ilHg et de Remich se 
dirigeant spccialement vers le sud du pays et vers la ville de Luxem- 
bourg, capitale du Grand-Duche. Ün certain nombre de trains 
blindes avec des troupes et des munitions ont ete acheniines par la 
voie de chemin de fer de Wasserbillig a Luxembourg oü Ton s'attend 
de les voir arriver d'un instant ä l'autre. Ces faits impliquent des 
actes manifestement contraires ä la ncutralite du Grand-Üuch^ 
garantie par le traite de Londres de 1867. I^ Gouvernement 
luxembourgeois n'a pas manque de protester energiquement contre 
cette agression aupres du representant de Sa Majeste l'Empereur a 
Luxembourg". 

L^ i®""* aoüt 1914 

Le Ministre d'Etat President du Gouvernement 
E y s c h e n 

Übersetzung 
Ich habe die Ehre, die folgenden Tatsachen zur Kenntnis Ew. Exz. zu 
bringen: Nach den Nachrichten, die der großherzoglichen Regierung eben 
zugegangen sind, sind die deutschen Truppen am Sonntag, 2. August, in 
aller Frühe über die Brücken von VVasserbillig und Remich in das luxem- 
burgische Gebiet eingedrungen und haben dann vornehmlich die Richtung 
nach dem Süden des Landes und nach der großherzoglichen Hauptstadt 
Luxemburg eingeschlagen. Eine Anzahl Panzerzüge mit Truppen und 
Munition sind mit der Eisenbahn von Wasserhillig nach Luxemburg befördert 
worden, wo man ihre Ankunft jeden Augenblick erwartet. Diese Tatsachen 
beruhen auf Handlungen, die mit der durch den Londoner Vertrag von 1SÖ7 
garantierten Neutralitat des Großherzogtums oflensichtlich in Widerspruch 
stehen. Die luxemburgische Regierung hat nicht verfehlt, bei dem Ver- 
treter Sr. M. des Kaisers in Luxemburg nachdrücklich gegen diesen Angriff zu 
protestieren. 



' Nach der Niederschrift des Haupttclegraphenamts. 

* Aufgegeben in Luxemburg 8° vorm.; aufgenommen im Berliner Haupi- 
tekgraplienamt ii'° vorm. Eingangsvermerk: 2. August vorm. 

* Siehe Nr. 638, 644, 647, 649. 

* Offenbar irrtümlich für 2. August. Andere Irrtümer sind ausnahmsweise 
berichtigt, nämlich »pays« für »pacs«, »du representantt für »des repre- 
sentents«, »a Luxembourg« für »de Luxembourg«. 



'»7 

Nr. 638 

Die Großherzogin von Luxemburg an den Kaiser ' 

Telegramm (ohne Nummer) [.uxcmburg, den 2. August 1914* 

Sr. M. dem Deutschen Kaiser, Berlin 

Das Großherzogtum wird in diesem Augenblick von deutschen 
Truppen besetzt. Meine Regierung hat an zuständiger Stelle Protest 
eingelegt und Erklärung des Vorfalles gefordert. Ich bitte Ew. M. 
diese Erklärung beschleunigen und die Rechte des Landes wahren 
zu wollen^ *. 

Marie Adelheid 



' Nach der Niederschrift des Schloßtelegraphenamts. Offenes Telegramm. 

* Aufgegeben in Luxemburg 2. August lo'^ vorm.; aufgenommen im Berliner 
Schloßtelegraphenamt i i^"vorm. Vom Flügeladjutanten von Mutius zuerst 
an den Chef des Generalstabes, der am 2. August Kenntnis nahm, und 
ron dort an den Reichskanzler weitergeleitet Eingangsvermerk : 2. August 
nachm. 

^ Siehe Nr. 637, 644, 647, 64(). 

* Antwort erfolgte am 6. August; zum Telegraphenamt 3" nachm. 



Nr. 639 

Vom Chef des Generalstabs der Armee vorgelegter Entwurf 
zu einer Note an die luxemburgische Regierung^ 

Zu ihrem größten Bedauern ist die deutsche Regierung so plötz- 
lich in die Zwangslage versetzt worden, zum Schutze der deutschen 
Bahnen in Luxemburg schwache Truppen auf luxemburgisches Ge- 
biet vorzuschicken, daß keine Zeit mehr vorhanden war, sich vorher 
mit der luxemburgischen Regierung ins Einvernehmen zu setzen. 
Die von uns getroffene ^laßregel wurde unvermeidlich durch die 
hier aus Frankreich vorliegenden Nachrichten, nach denen fran- 
zösische Streitkräfte im \'ormarsch gegen die luxemburgische 
Grenze befindlich sind. Die luxemburgische Regierung wolle ver 
sichert sein, daß deutscherseits keinerlei feindliche Absichten gegeu 
das benachbarte und befreundete Luxemburg der durch die mili- 
tärische Lage gebotenen Maßnahme zugrunde liegt. Die deutsche 



' Niederschrift nach Moltkes Diktat vom 2. August. Überholt durch die 
(Nr. 640, 642, 643) abgedruckten Telegramme; Generalstab am 2. August 
i2'^naclim. vom Auswärtigen Amt entsprechend telephonisch verständigt 
Im Entwurf nachü-ägliche Bleisüftzusätze und Streichungen des Aus- 
wärtigen Amts. 



ii8 

Regierung gibt die bündige Versicherung ab, daß sie weder beab- 
sichtigt, den Bestand des Herzogtums und seine Monarcliie in irgend- 
einer Weise anzutasten oder zu bedrohen. Vielmehr wird Deutsch- 
land gerne die Garantie übernehmen, daß, wenn Luxemburg nicht 
seinerseits feindliche Akte gegen Deutschland oder seine Truppen 
unternimmt, der luxemburgische Staat nach erfolgtem Friedens- 
schluß in seinem jetzigen Bestände unbedingt anerkannt werden wird. 



Nr. 640 

Der Reichskanzler an den Gesandten in Luxemburg* 

lelegramm 12 Berlin, den 2. August 1914* 

Unsere militärischen Maßnahmen in Luxemburg bedeuten keine 
feindselige Handlung gegen Luxemburg, sondern lediglich Maß 
nähme zur Sicherung der in unserem Betriebe befindlichen dortigen 
Eisenbahnen gegen Überfall der Franzosen. Luxemburg erhält für 
eventuellen Schaden volle Entschädigimg. Bitte dortige Regierung 
benachrichtigend 



Bethmann Hollweg 



'. Nach dem Konzept. Entwurf von Stumms Hand, mit Änderungen des 

Reichskanzlers. 
' Zum Haupttelegraphenamt: 2. August 1 1'*' vorm. Das Telegramm ist offen 

abgesandt worden. 
' Siehe Nr. 602 und 619. 

Nr. 641 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 218 London, den 2. August 1914' 

Die Frage, ob wir bei dem Krieg gegen Frankreich das belgischi- 
icbiet verletzen, dürfte von ausschlaggebender Bedeutung für die 
.Ventral ität Englands sein. Ich werde in diesem Eindruck sowohl 
durch die Äußerungen Sir E. Greys als durch Mitteilungen der 
österreichischen Botschaft wie durch hiesige Presse bestimmt be- 
kräftigt. Verletzen wir die Neutralität Belgiens und entwickelt 
sich daraus ein Krieg gegen die Belgier, so glaube ich nicht, daß 
lie Regierung gegenüber dem sich in der hiesigen öffentlichen Mei 



' Nach der Entzifferung. 

'* Aufgegeben in London 9'" vorm., angekommen im Auswärtigen Amt 11*" 
vorm. Eingangsvermerk 2. August nachm. Am 2. August dem General- 
stab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 



119 

nung alsdann zu gewärtigenden Sturm in der Lage befinden wird, 
sehr viel länger neutral zu bleiben. Sollten wir die belgische Neu- 
tralität hingegen achten, so ist es immerhin möglich, daß England 
neutral bleibt, falls wir beim Sieg über Frankreich maßvoll vor 
gehen. Da man aber hier nunmehr glaubt, mit der Verletzung bel- 
gischer Neutralität rechnen zu sollen, so halte ich es nicht für im- 
möglich, daß England schon in nächster Zeit gegen uns Stellung 
nimmt. Heute Sonntag findet Kabinettssitzung statt, ein unerhörtes 
Ereignis, und icli nehme an, daß man sich hierbei schon mit dieser 

Frage befassen wird*. t • i • 

L 1 c h n o w s k y 

* Siehe. Nr. 667. 

Nr. 642 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Paris ' 

Telegramm 190 Berlin, den 2. August 1914» 

Unsere militärischen Maßnahmen in Luxemburg bedeuten 
nicht feindlichen Akt, sondern nur Schutzmaßregel für die kraft 
Staatsvertrages in unserem Betrieb befindliche dortige Eisenbahn. 
Bitte Regierung verständigen. 

Bethmann Hollweg 



» Nach dem Konzept. Entwurf von Stumms Hand mit Änderungen des 

Reichskanzlers. 
* Zum Haupttelegraphenamt am 2. August 11" vorm. 



Nr. 643 

Der Reichskanzler an den Botschafter in London ' 

relegramm 209 Berlin, den 2. August 1914» 

Wir waren genötigt, militärische Maßnahmen in Luxemburg 
^u treffen zum Schutz der dortigen durch Staatsvertrag in unserer 
Verwaltung und Betrieb befindlichen Eisenbahn gegen drohenden 
Überfall der Franzosen. Maßregel bedeutet keinen feindlichen Akt 
i:egen Luxemburg, dem volle Entschädigung für eventuellen 
chaden zugesagt ist. 

Bitte Regierung verständigen. 

^ Bethmann Hollweg 



s 



> Nach dem Konzept. Entwurf von Stumms Hand. 
' Zum Haupttelegraphenamt am 2. August 12" nachm. 



120 

Nr. 644 

Der luxemburgische Staatsminister und Präsident der 
Regierung an den Staatssekretär des Auswärtigen (7) ' 

Telegramm (ohne Nummer) Luxemburg, den 2. August 1914" 

Ew. Hochwohlgeboren habe ich eben telephonisch von dem Er- 
scheinen deutscher Offiziere und Mannschaften auf großherzog- 
lichem Gebiete in Kenntnis gesetzt. Ich erfahre, daß ein Eisen 
bahnzug mit Besatzung nach Luxemburg unterwegs sei und eine 
!:,'roße Anzahl von Automobilen via Wasserbillig nach Luxemburg 
ilurchgc fahren sei. Gegen diese flagrante Verletzung der Neutrali- 
tät des Landes legt die großherzogliche Regierung energisch Pro 
test ein, sich alles Weitere vorbehaltend. Bitte diesen Protest sofort 
1er Reichsregierung zu übermitteln^. 

Staatsminister E y s c h e n 

' Nach der Niederschrift des Haupttelegraphenamts. Offenes Telegramm. 
Nach der Anredeform und dem Schlußsatz scheint es sich um ein Telephon- 
gespräch des luxenburgischen Staatsministers mit dem deutschen Gesandten 
in Luxenburg zu handeln, das in dieser Form weitergegeben wurde. 

■'' Aufgegeben in Luxemburg lO''^ vorm., angekommen im Auswilrtigen Amt 
12" nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. Am 2. August dem 
Gencralstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarincamt mit- 
geteilt. Denselben Protest überreichte der luxemburgische Minister dem 
deutschen Gesandten in Luxemburg am 2. August ü^'vorm.; von letzterem 
telegraphisch an das Auswärtige Amt weitergeleitet, aufgegeben in Luxem- 
burg 8'''** vorm., angekommen im Auswärtigen Amt 1** nachm. Eingangs 
rermerk: 2. August nachm. 

' Siehe Nr. 637, 638, 647 und 649. 



Nr. 645 

Der Generalkonsul in Basel an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 3 St. Ludwig, den 2. August 1914* 

Eine Französin ', deren Sohn Offizier in Beifort 

ist, soll bei ihrer Durchreise in Basel heute früh geäußert haben, in 
Bclfort seien augenblicklich 180000 und in Delle 45000 Mann 
versammelt. 

' Nach der Entzifferung. 

' Aufgegeben in St. Ludwig ()^ vorm., angekommen im Auswärtigen Amt 
12** nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. Am 2. August dem 
Generalstab, Kriegsministcrium, Admiralstab und Reichsmarineamt mit- 
geteilt. 

' Lücke in der Entzifferung. 



121 

Heute wurde in Basel ein französischer Spion verhaftet, der 
Brieftauben losließ. Er soll Informationen über deutsche Trui)pcn- 
bewegungen, die er durch einen Bauer in Blotzheim und einen 
Reserveoffizier in Mühlheim erhalten, durch Brieftauben nach 
l-'rankreich übermittelt habenV 

Wunderlich 



' Siehe Nr. 678. 

Nr. 646 

Der Reichskanzler an den Gesandten in Bukarest ' 

Telegramm 68 Berlin, den 2. August 1914* 

Bitte König Carol und Regierung unverzüglich erklären, daß 
wir durch das Verhalten Rußlands und dessen Einfall in unser Ge- 
biet in Krieg mit Rußland gedrängt worden sind. Allgemeiner 
Mobilmachungsbefehl ist gestern ergangen. Wir ersuchen sofortige 
Mobilisierung der rumänischen Armee und deren Aufmarsch gegen 
Rußland. Telegraphische Empfangsbestätigung. Drahtbericht*. 

Bethmann Hollweg 

' Nach dem Konzept. Entwurf von Bergens Hand. 

* Zum Haupttelegraphenamt am 2. August 12^* nachm. 

* Siehe Nr. 786. Teiegraphische Empfangsbestätigung {60) erfolgte am 
3. August. 

Nr. 647 

Der Gesandte in Luxemburg an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 18 Luxemburdg, den 2. August 1914' 

8 Uhr 30 morgens teilt Herr Eyschen mit, daß Luxemburger 
Bahnhof und Linie Trier bis Luxemburg besetzt sind. Herr 
Eyschen verlangt energisch Antwort, ob sich Besetzung auf ein- 
zelne Teile des Landes beschränken oder eine Besetzung des ganzen 
Landes stattfinden soll, und welcher direkte oder indirekte Zweck 
rtiit diesen Maßregeln verbunden ist. 

Buch 



' Nach der Entzifferung. 

* Aufgegeben in Luxemburg i2*< nachm., angekommen im Auswarligen Amt 

i»> nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. Siehe Nr. 637, 638, 644 

und 649. 



122 



Nr. 648 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten 

in BrüsseP 

Telegramm 42 Berlin, den 2. August 1914* 

Dringend! 

Geheim ! 

Ew. pp. wollen Anlage* Erlasses Nr. 88* sofort öffnen und darin 
enthaltene Weisung heute abend 8 — acht — Uhr deutscher* 
Zeit ausführen. Jedoch sind in der Erklärung der k. Regierung 
imter Nr. i die Worte •nicht nuro und der mit »sie ist sogar 
bereit« beginnende Satz fortzulassen. Auch ist Antwort binnen 
12 — zwölf — Stunden, nicht binnen 24 Stunden, also bis morgen 
früh 8 Uhr, zu verlangen. Bitte belgischer Regierung eindringlichst * 
versichern, daß an Richtigkeit unserer Nachricht über französischen 
Plan trotz Pariser Versprechungen' jeder Zweifel ausgeschlossen ist. 

Zu Ew. pp. persönUcher Information® : Belgische Antwort muß 
bis morgen nachmittag 2 Uhr deutscher* Zeit hier vorliegen. Ew. pp. 
wollen ci aller Antwort schleunigst hierher drahten und sie außerdem 
unmittelbar nach Empfang durch Mitgüed k. Gesandtschaft, am 
besten wohl Militärattache, mit Automobil nach Aachen an General 
von Emmich, Union-Hotel, übermitteln. 



' Nach dem in Schreibmaschinenschrift vorliegenden Konzept mit Ände- 
rungen und Zusätzen von Rosenbergs und Jagows Hand; ein dem Konzept 
zugrunde liegender erster Entwurf von Rosenbergs Hand befindet sich 
gleichfalls bei den Akten. 

• Der endgültige Entwurf ist von Jagow ohne Datumsangabe, von Zimmer- 
mann, Stumm und Rosenherg am 2. August paraphiert, am 2. August 
2' nachm. zum Ilaupttelcgraphcnamt; der erste Entwurf ist von Rosenberg 
ohne Datumsangabe, von Zimmermann am 31. Juli paraphiert. Vql. Nr. 662 
Anm. 2. 

^ Siehe Nr. 376. 

* Siehe Nr. 375 und dortige Anm. 2. 

^ »deutscher« von Rosenberg aus: »mitteleuropäischer« geändert. Im ersten 
Entwurf war vor »europäischer« Raum gelassen für Einschaltung (von 
»west« oder »mittel«^. 

• So statt »nachdrücklich« des ersten Entwurfs. 

' Statt »Pariser Versprechungen« stand im ersten Entwurf »französischer 
Neutralitiltsversprcchen«. 

* »Zu Ew. Exz. persönlicher Information« von Jagow beigefügt. 



12;^ 

Dortige Regierung muß Kindruck erhalten, als seien Ihnen 
.sämtliche Weisungen in dieser Angelegenheit erst heute zugegangen • 
Stelle femer anheim, belgischer Regierung zu suggerieren, daß sie 
sich mit Tiiippen auf Antwerpen zurückziehen könne, und daß wir, 
falls dort erwünscht, Schutz Brüssels gegen innere Unruhen über- 
nehmen könnten^". 

Telegraphisclie Empfangsbestätigung ^*. 

Jagow 



' Satz im ersten Entwurf: »Auch muß die dortige Regierung den Eindruck 
erhalten als sei Ihnen der die Erklärung anordnende Erlali von gestern 
datiert erst heute zugegangen«, (»gestern« durchgestrichen, durch iheute« 
ersetzt; letzteres wieder durchgestrichen und von neuem »gestern« ge- 
schrieben.) 

'" Satz: »Stelle ferner übernehmen könnten« von Jagows Hand 

beigefügt. 

" Telegraphische EmpfangsbestÜtigung Belows an das Auswärtige Amt auf- 
gegeben in Brüssel 5'-^ nachm., arigekommen im Auswärtigen Amt 7* nachm 
Eingangsvermerk : 2. August nachm. 



Nr. 649 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den luxemburgischen 
Staatsminister und Präsidenten der Regierung^ 

Telegramm (ohne Nummer) Berlin, den 2. August 1914* 

Die militärischen Maßnahmen sind zu unserm größten Be- 
dauern dadurch unvermeidlich geworden, daß wir zuverlässige 
Nachrichten haben, wonach französische Streitkräfte im \'ormarsch 
auf Luxemburg sind. Wir mußten die Maßnahmen zum Schutz 
unserer Armee und zur Sicherung der Eisenbahnen treffen. Ein 
feindlicher Akt gegen das befreundete Luxemburg ist von uns in 
keiner Weise beabsichtigt. Zu vorheriger Verständigung mit 
luxemburgischer Regierung war bei der drohenden Gefahr leider 
keine Zeit mehr. Die k. Regierung sichert Luxemburg vollen 
Schadensersatz für von uns verursachte Schäden zu'. 

Jagow 



» Nach dem Konzept von Jagows Hand. Siehe Nr. 637, 638, 644 und 647. 

• Zum Haupttelegraphenamt 3. August 2» nachm- Telegramm ist offen 
abgesandt worden. 

• Siehe Nr. 730. 



124 



Nr. 650 

Der Gesandte in Brüssel an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 22 Brüssel, den 2. August 1914' 

Chef des Generalstabes Selliers liat sich Hauptmann Brinckmann 
gegenüber dahin ausgesprochen, daß die belgische Armee sich einer 
eventuellen englischen Truppenlandung widersetzen werde. Im 
Widerspruch hierzu will ein Beamter des Kriegsministeriums aus 
dem Mund des Ministerpräsidenten gehört haben, daß man eine 
englische Landung zulassen werde. Betreffender Beamter ist 
flämisch und deutschfreundlich. 

B e 1 o w 



' Nach der Entzifferung. 

^ Aufgegeben in Brüssel 12" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
2^" nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. Am 2. August dem 
Gcneralstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Rcichsmarineamt mitge- 
teilt. Entziflerung lag dem Kaiser vor, der darauf vermerkte : »7 Uhr N. M.«, 
ins Amt zurückgelangt am 2. August. 



Nr. 651 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten 

in Lissabon* 

Telegramm 53 Berlin, den 2. August 1914* 

Sollte portugiesische Regierung diplomatische Beziehungen zu 
tms abbrechen, bitte Gesandtschaft und deutsche Interessen ameri- 
kanischer Gesandtschaft anvertrauen. Ew pp. Reiseweg Ihrem Er- 
messen anhcimgestellt*. 

J ago w 



' Nach einer Abschrift des Konzepts. 
' Zum Haupttelcgraphcnamt 3° nachm. 
* Siehe Nr. 617. 



J25 

Nr. 652 

Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 396 Therapia. den i. August 1914» 

Markgraf rallavicini hat soeben dem Großwesir in meinem 
Beisein die Mitteilung gemacht, daß nach zuverlässigen in Wien 
vorliegenden Nachrichten ein Angriff der russischen Flotte auf den 
Hos]-)orus geplant sei. 

Falls »Geben« nicht unbedingt im Mittelmeer gebraucht 
werden sollte, so würde sie, verstärkt durch die türkische Flotte, 
wohl in der Lage sein, die russische Schwarze-Meer-Flotte in Schach 
7.U halten, die Kabelverbindung nach Rumänien zu sichern und eine 
russische Landung an der bulgarischen Küste zu verhindern*. Falls 
Kabel trotzdem durchschnitten werden sollte, würden wir hier unter 
Umständen momentan von Europa abgeschnitten werden. Öster- 
reichischer Stationär »Taurus« hat Konstantinopel verlassen. 
^Loreley« ohne drahtlose Telegraphie. 

Wangenheim 

' Nach der ("ntzifTerung. 

' Aufgegeben in Therapia 1. August 12"'* mittags, angekommen im Auswärtigen 
Amt 2. August 3'** nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. Dem 
Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 

' Siehe Nr. 683, 712, 775. 



Nr. 653 

Der Gesandte in Kristiania an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 22 Kristiania 2, den 2. August 1914* 

Erfalire von privater französischer Seite, hiesige friinzösische 
Gesandtschaft habe Wehrpflichtigen nahegelegt, obwolil M .bilmahungs- 
order noch nicht eingetroffen, baldigst abzureisen, ehe Verbindungs- 
linien unierbrochen. 

Oberndorf f 



' Nach der Entzifferung. 

=• In der Entzifferung: Hamburg 

^ Aufgegeben 2'" fvorm. oder nachm. nicht angegeben^ angekommen im 
Ausw.irtigen Amt 3«^ nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. Dem 
Generalstab, Kriegsministerium, AdmiraUtab und Reichsmarincamt mit- 
geteilt. 
AktenstiicUe 111. '° 



126 



Nr. 654 

Der Staatssekretär des Rcichsmarineamts an den 
Staatssekretär des Auswärtigen^ 

Berlin, den 2. August 1914* 
An den Herrn Staatssekretär des Auswärtigen Amtes. 

Nach Mitteilung des Reichspostamtes sind die englisch- 
deutschen Kabelverbindungen von seilen Englands unterbrochen*. 

Ew. Exz. bitte ich ergebenst um schriftliche Mitteilung, ob 
wir uns infolge dieser Talsache als im Kriegszustande befindlich 
England gegenüber anzusehen haben*. 

V. T i r p i t z 



' Nach der Ausfertigung. 

' Eini;angsvermerk des Auswärtigen Amts: 2 August nachm. 

» Siehe Nr. 680. 

* Siehe Nr. 657 



Nr. 655 

Der Chef des Admiralstabs an den Staatssekretär 
des Auswärtigen^ 

Ganz Geheim! Berlin, den 2. August 191 4* 

Folgendes Telegramm ist heute um 11" vorm. an Flotten- 
kommando, Nordseeslalion, Oberbefehlshaber der Ostseestreitkräfte 
und Oslseestaticn abgesandt: 

Ausbruch Feindseligkeiten gegen Frankreich voraus- 
sichtlich 3. August. Feindseliges Eingreifen Englands 
dann sofort zu erwarten. Da Englands Entscheidung 
noch aussteht, müssen unfreundliche Maßregeln gegen 
England vuriaufig auf jeden Fall vermieden werden. 
Geheimhaltung noch geboten. 

Admiralstab 
I. A.: B e h n c k e 



• Nach der Ausfertigung. 
".Eingangsvermerk: 2. Aupust nachm. 



127 

Nr. 656 

Der belgische Gesandte an das Auswärtige Amt 

Der belgische Minister des Äußern an den belgisclien Gesandten in 

Berlin» 

Bruxelles, le 31 juillet 1914" 

Monsieur le Baron, 

La Situation internationale est grave : l'öventualitö d'un conflit 
entre plusieurs Puissnnces ne peut etre öcartöe de nos pröoccup.itions. 

Nous avons toujours observ^ avec la plus scrupuleuse exactitude 
les devoirs d'Etat neutre que nous imposent les traitös du iq avril 1839. 
Ces devoirs, nous nous attacherons inöbranlablement ä les remplir, 
quellcs que soient les circonstanres. 

Les dispositions amicales des Puissances k notre 6gard ont H6 
affirmees si souver.t, que nous avons la confiance de voir le terri- 
toire beige demeurer hors de toute atteinte, si des hostiLtes venaient 
ä se produire k nos frontieres. 

Toutes les mesures nccessaires pour assurer 1 'Observation de notre 
neutralitc n'en ont pas moins ^tc prises par le Gouvernement du 
Roi. L'armce beige est mobili.see et se porte sur les positions 
stratögiques choisies pour assurer la defense du pays et le respect 
de sa neutralite. Les forts d'Anvers et de la Meu'5e sont en 6tat 
de defense. 

II est ä peine n^ccssaire, Monsieur le Baron, d'insister sur le 
caractere de ces mesures. Elles n'ont d'autre but que de nous 
mettre en Situation de remplir nos obligations internationale-; elles 
ne sont et n'ont pu etre inspirees, cela va de sei, ni par le dessein 
de prendre part k une lutte armce des Puissances, ni par un senti- 
ment de defiance envers aucune d 'elles. 

Viuillez, je vous prie, donner lecture et laisser copie de la 
präsente d^peche k Monsieur le Secrctaire d'Etat au Departement 
Imperial des Affaires Etrangeres et prier Son Excellence d'en prendre 
acte. 

La meme communication a €t6 faite aux autres Puissances 
garantes de notre neutralite. 

Veuillez agreer, Monsieur le Baron, les assurances de ma haute 

consideration. 

s[ign6] Davignon 



' Nach einer vom belgischen Gesimdten überreichten Abschrift Siehe 
1. belgisches Graubuch Nr. 1, Anlage, und Nr. 16. 

"^ Notiz Zimmermanns vom 2. August: .Vom belgischen Gesandten mitge- 
teilt.« Eingangsvermerk: 2 August nachm. 

10* 



12« 

Übersetzung 
Herr Baron, 

Die internationale Lage ist ernst: die- Möglichkeit eines KonHikts zwischen 
mehreren Mächten kann nicht mehr aus unfern Besorgnissen ausgeschaltet 
werden. 

Wir haben stets mit der peinlichsten Genauigkeit die uns durch die 
Vertr.ige vom i<). April 1S30 aulerlcgten PHichten eingehalten. Wir werden 
unerschütterlich d.iraut bedacht se n, diese Pflichten zu eriüllen, welches auch 
die Umstünde sein mögen. 

Die tVeundschafliichen Gesinnungen der Mächte gegen uns sind so oft 
betont worden, daß wir das Vertrauen haben, das be'g sehe Gebiet werde, 
wenn Feindseligkeiten an unseren Grenzen ausbrechen sollten, von jedem 
Angriff verschont bleiben. 

Nichtsdestoweniger hat die Regierung des Königs alle nötigen Maßnahmen 
getroffen, um die Beobachtung unserer Neutralität zu sichern. Die belgische 
Armee ist mobilisiert und begibt sich in die strategischen Stellungen, die ge- 
wühlt sind, um die Verteidigung des Landes und die Achtung der Neutralität 
zu sichern. Die Forts von Antwerpen und an der Maas sind im Verteidigungs- 
zustand. 

Ls ist kaum nötig, Herr Baron, auf den Charakter dieser Maßnahmen 
hinzuweisen. Sie haben keinen anderen Zweck als den, uns in die Lage zu 
setzen, unsere internationalen Vcrpflithtungen zu erfüllen Sie sind selbst- 
versi.'indlich nicht von der Absicht eingegeben und können es auch nicht 
sein, an einem Waffengange zwischen den Mächten teilzunehmen, noch 
durch ein Gefühl des Mißtrauens gegen irgendeine von ihnen. 

Ich bitte Sie, diese Depesche dem Herrn Staatssekretär im Auswärtigen 
Amt vorzulesen, ih n Abschrift davon zu überlassen und ihn zu bitten, davon 
Kenntnis zu nehmen. 

Die gleiche Mitteilung ist den anderen Mächten gemacht worden, die 
Bürgen unserer Neutralität sind. 

Genehmigen Sie, Herr Baron, die Versicherung meiner Hochachtung. 

gez. Da v ignon 

Nr. 657 

Entwurf eines nicht abgesandten Schreibens des Staats- 
sekretärs des Auswärtigen an den Staatssekretär des 
Reichsmarineamts ^ 

Berlin, den 2. August 1914'' 

Ew. pp. beehre ich micli auf dn.-; gefällipe S<!ireil">en vom iieutigen 
Tage zu erwicieni, daü die Unie. bn-chung der deutsc)i-en;^lisclien 
KaLjelverbindungen durcii Lnj;land nach diesseitiger Aulfassung den 
Kriegszustand zwischen uns und Fingland ni< ht begründet. 

' Lntwurt von Stumms Hand. Am Kand der Vermerk Mumms vom 
2. August: »Gcssat. Durch entsprechende Notiz an Admiral von Tirpitz 
erledigt.« 

' Siehe Nr. 654. 



129 



Nr. 658 

Der Botschafter in Rom an den Reichskanzler' 

Rom, den 30. Juli 1914' 

Die italienische Regierung hat jetzt in drei Zeitungen, im «Popolo 
Romano«, in der »Tribuna« und im »Giornale d'Italia« ihren Stand- 
punkt zu den schwebenden Fragen darlegen lassen. Die offiziösen 
Äußerungen gipfeln in folgenden Sätzen: 

Die Lage Italiens ist in ihren Grundlinien klar und bestimmt 
festgelegt durch die internationalen \'erträge, an welchen mit 
größter Gewissenhaftigkeit festgehalten werden wird. Die Richt- 
linie, die Italien in der Politik einzuhalten hat, kann nur bestimmt 
werden von den eigenen Interessen und von den im Hinblick auf 
diese übernommenen \'erpflichtungen, welche beide in festem Zu- 
sammenhang miteinander stehen. An der Hand der Ereignisse und 
ihrer Folgen wird sich das Weitere entwickeln. 

Hiesige deutsche Journalisten betrachten die Erklärung als 
günstig für die Dreibundinteressen. Sie werden dabei beeinflußt 
von der Tatsache, daß in der ersten Bekanntgabe des Entrefilets des 
»Giornale d'Italia« noch ein Satz enthalten war, der eine Spitze gegen 
Österreich hatte. In diesem hieß es, daß Italien nicht zulassen 
könne, daß eine andere Macht eine Vorherrschaft auf dem Balkan 
ausübe. Das Nichterscheinen dieses Satzes in der zweiten und den 
folgenden Ausgaben führen sie auf direktes Eingreifen der Regie- 
rung zurück. In ihrer optimistischen Auffassung werden sie noch 
bestärkt durch eine sehr dreibund freundliche Rede des nationalisti- 
schen Führers Pantaleoni. Sie sagen, daß dieser nicht so aufge- 
treten wäre, wenn er nicht gewußt hätte, daß er im Sinne der Re- 
gierung spreche. 

Ich kann mich diesem Urteil nicht ohne weiteres anschließen. 
Die gewundene Sprache der offiziösen Communiques sowohl als das 
Fehlen eines klaren Wortes über die Stellungnahme der Regierung 
scheinen mir vielmehr darauf hinzudeuten, daß mit einer sophisti- 
schen Auslegung der Vertragsbestimmungen unter allen Umständen 
zu rechnen sein wird. 

F I o t o w 



* Nach der Ausfertigung. 

• Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 2. August nachm. 



130 



Nr. 659 

Der österreichisch -ungarische Botschafter 
an das Auswärtige Amt^ 

Notiz 

Berlin, den 2. August 1914 

Der k. u. k. Botschafter in Tokio meldet, daß nach Ansicht des 
dortigen, wohl meistinteressierten chinesischen Gesandten Japan 
mangels chinesischen Widerstandes, im Falle Rußland erst einmal 
tief in den Krieg verwickelt ist, die Mandschurei und Mongolei so 
gut wie anstandslos nehmen könnte. Der vor zwei Jahren vorge- 
sehene Fall, daß China und Japan vereint die Russen aus der Mon- 
golei verjagen sollten, würde nicht mehr einzutreten haben. Wenn 
auch England mitgerissen würde, so könnte Japan nach Belieben 
auch das Jangtsc-Tal nehmen''. 



' Durch Baron Haymerle ohne Unterschrift am i. August überreicht. Ein- 
gangsvermerk des Auswiirtigen Amts 2. August nachm. 

* Dazu die Bemerkung Zimmermanns vom 3. August: »Eine Weitergabe 
dieser recht phantastischen Nachricht erscheint mir überflüssig.« 



Nr. 660 

Der Geschäftsträger in Athen an den Reichskanzler* 

Athen, den zy. Juli 1914* 

Wie ich Ew. Exz. zu melden die Ehre hatte', hat die griechische 
Regierung die serbische Regierung wissen lassen, daß sie sich an 
einem militärischen Konflikt zwischen Osterreich imd Serbien nicht 
beteiligen werde. 



' Nach der Ausfertigung. 

• Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 2. August nachm. Bericht lag 

dem Kaiser vor. Ins Amt zurückgelangt am 4. August. 
' Siehe Nr. 189. 



Diese Erklärung mag in Serbien einige Enttäuschung hervor- 
gerufen haben, da man sich anscheinend der Hoffnung hingcgcl)en 
hatte, daß der in allen Balkanfragen auf Seite Serbiens stehende 
V^erbündete auch in einem österreichischen Konflikt nicht neutral 
bleiben werde. Der hiesige serbische Gesandte hatte wenigstens, 
wie ich ganz vertraulich erfahre, der bestimmten Erwartung Aus- 
druck gegeben, daß Griechenland offen auf die Seite Serbiens 
treten werde, imd er scheint daher über die — natürlich in freund- 
schaftlichster Form — erfolgte Ablehnung überrascht und ent- 
täuscht gewesen zu sein. 

Mit Rücksicht auf die hiesige den Serben sehr freundlich ge- 
sinnte Stimmung hat die Regierung ihre Stellungnahme einstweilen 
nur vertraulich den Vertretern einiger Mächte zu erkennen gegeben, 
irgendeine diesbezügliche offizielle Auslassung ist noch nicht erfolgt. 

Die allzu serbenfreundlichen Presseäußerungen, über die ich 
mir an anderer Stelle zu berichten gehorsamst vorbehalte, scheinen 
der Regierung nicht gelegen zu kommen. 

Herr Streit sucht wenigstens ihre \'erbreitung zu verhindern 
und hat einem hiesigen deutschen Korrespondenten gegenüber be- 
tont, daß sie nicht die Auffassung der Regierung wiedergeben. 

Die griechische Regierung scheint demnach anscheinend eifrig 
bemüht, eine Trübung der neuangebahnten guten Beziehungen zu 
Österreich zu verhindern. 

R. Basse witz 



Nr. 66 1 

Artikel aus dem «Berliner Tageblatt* vom 2. August 1914 

(Sonntagsausgabe) 

mit Randbemerkung des Kaisers» 

Was wird England tun? 
Telegramm unseres Korrespondenten.) 

London, i. August 

Die liberale englische Presse spricht sich auch heute rtorgen 
entschieden dafür aus, daß England sich die Freiheit des 
Handelns vorbehalte. Die »Daily Chronicle« stellt fest, es 



' Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 2. August. Vom Kaiser ins Amt 
zurückgesandt am 3. August. 



132 

hänge durchaus von den Umständen ab, ob England 
leilnehuie oder nicht, und setzt hinzu: »Wir haben für den Fall des 
Kriegsausbruchs auf dem Kontinent keine veröffent- 
lichte oder unveröffentlichte Abmachung, die 
unsere Freiheit beschränkt, zu e n t s c h e i d e n , ob wir an 
einem solchen Kriege teilnehmen wollen oder nicht. Dies ist 
wiederholt vom Premierminister und Sir Edward Grey erklärt 
worden.« Das Blatt meint dann weiter, daß in der Hauptsache die 
Kraftprobe zwischen Deutschland uiid Rußland liege, und sagt dann: 
»Bevor wir uns zu einer Unterstützung Rußlands A'er- 
stehen könnten, wäre es unbedingt notwendig, daß das Auswärtige 
Amt eine Zusage Rußlands erlangt, daß es seine anti- 
britische Politik in Persien und Zentralasien nicht 
fortsetzt.« Die konservativen »Times« sagen: »Die Politik Eng- 
lands ist klar und unmißverständlich vorgezeichnet. Wir wünschen 
den Frieden und werden weiter unser Äußerstes zu seiner Erhal- 
tung tun. Wenn wir uns für gezwungen halten, das Schwert zu 
ziehen, so wird es mit dem größten Widerstreben geschehen und 
ohne Leidenschaftlichkeit. Was immer geschehen mag, nie kann 
dies für uns ein Krieg des Nationalhasses sein. Wir haben nichts 
zu nehmen und nichts zu erwerben. Aber wir dürfen nicht mit ge- 
kreuzten Armen beiseite stehen und ruhig zusehen, wenn unsere 
Freunde in Gefahr geraten, vernichtet zu werden. 
Täten wir dies, so käme bald die Reihe an uns, und niemand würde 
dann eine Hand rühren, uns zu retten. Nicht der Friede kann 
in solciiem Augenblick das höchste Interesse für uns sein, 
sondern das Recht der Selbsterhaltung, das der ganzen Menschheit 
gemeinsam ist. Falls wir eingreifen müssen, so wird ganz England 
vor keinem Opfer zurückschrecken, um den Kampf siegreich zu 
bestehen.« 

Die englische Flotte deckt Frankreichs 

Sordkiisicn durch Bnidims^ unserer *• 

Flotte. Das ist Mithilfe eines Bimdes- 

f_'i-iu)<<en StJtt iJJimni,' eines /\cii- 

ir.iun Denn Fn^Lmd Inuden die Mii- 

virl.iniL' meiner Floiie mit nieiiuin 

I h , I T'cpen meinen schon im Krief^e 

Lefzen mich befindlichen (je^neir Dieser 

hat unter Bruch des \ uikci 1 eclils ohne 

F.rklarun^ den Krieii begonnen. So 

kann der Zustand nicht bleiben! Fnt;- 

iand vniß unbedingt Farbe bekennen .' 

snf'ft ^n i)der So! 



^:vs 



Nr. 662 

Der Chef des Generalstabs der Armee an das 
Auswärtige Amt' 

Geheim! Berlin, den 2. August 1914* 

Dem Auswärtigen Amt beehre ich mich, anliegend einige Ge- 
sichtspunkte militärpolitischer Art zu überreichen, denen ich von 
militärischem Standpunkt aus Wichtigkeit beimesse. 

V. M o 1 t k e 



Türkei 

Der Bündnisvertrag mit der Türkei ist alsbald zu veröffent- 
lichen. Die Türkei hat sobald wie möglich den Krieg an 
Rußland zu erklären\ 



England 

Es müssen Versuche gemacht werden, einen Aufstand in Indien 
zu entfachen, wenn England als unser Gegner auftritt. 

Dasselbe ist in Ägypten zu versuchen. Ebenso in den südafrika- 
nischen Dominien. 

Sollte England seine Neutralität in dem deutsch-österreichisch- 
russisch-französischen Kriege von der Zusicherung Deutschlands, 
»daß es bei einem Siege über Frankreich maßvoll vorgehe« (Ausw. 
Amt Nr. 218 vom 2. 8. 14), abhängig machen, so kann ihm diese Zu- 
sicherung unbedingt in bündigster Form gegeben werden. Für uns 
kommt es nicht darauf an. Frankreich zu zertrümmern, sondern nur 
darauf, es zu besiegen. Die Neutralität Englands ist für uns von 
solcher Wichtigkeit, daß ihm dieses Zugeständnis unbedingt gegeben 
werden kann. 



' Nach der Ausfertigung. 

- Eingang-^vermerk des Auswärtigen Amts: 2. August nachm. l-ag otTcnbar 

schon bei Abfassung von Nr. Ö4S vor, wo Nr. 66^ »Belgien- verwertet ist. 
' L'nter dem Text die Bemerkung von Rosenbergs Hand vom 4. August: 

»Die Sache ist wunschgemäß erledigt.« 



134 

Schweden 

Es ist anzustreben, daß Schweden sofort seine gesamten Streit- 
kräfte mobilisiert und mit seiner 6. Division sobald wie möglich 
gegen die finnische Grenze vorgeht. Das Bestreben Schwedens muß 
darauf hingelenkt werden, durch seine Maßnahmen die Befürchtung 
Rußlands vor einem X'orgelien durch Finnland sowie vor einer even- 
tuellen Landung schwedischer Kräfte an der russischen Küste zu 
erwecken und wachzuerhalten. Wir müssen Schweden alle seine 
Wünsche, sei es in bezug auf Rückerwerb Finnlands, seien es 
Wünsche sonstiger Art, unbedingt zusagend erfüllen, soweit sie mit 
deutscliem Interesse vereinbar sind. 

Erklärt sich Schweden zu gemeinsamer kriegerischer Handlung 
mit Deutschland bereit, so ist hiervon sofort in Kopenhagen Mit- 
teilung zu machen unter dem Ersuchen, dasselbe zu tun wie 
Schweden. 

Ähnliche Aufforderung an Norwegen, unter Hinweis auf die in 
Norwegen wohlljekannten Aspirationen ]\ußlands auf Besitzergrei- 
fung eines eisfreien Hafens an der norwegischen Küste, die Ruß- 
land unbedingt zur Tat werden lassen wird, wenn es in dem jetzigen 
Kriege siegreich wird. Die russischen Aspirationen können wirksam 
verhindert werden, wenn die skandinavischen Staaten gemeinsam 
mit Deutschland sich der unersättlichen Ländergier Rußlands ent- 
gegenstellen. 

Deutschland beabsichtigt in keiner Weise, den Bestand des 
norwegischen Reiches anzutasten, und ist gern bereit, allen darauf 
abzielenden Unternehmungen Rußlands jetzt und in Zukunft ent- 
gegenzuwirken. 

Dänemark 

Keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Es bleibt bei der 
schon abgegebenen Erklärung der Schonung der Neutralität, solange 
nicht die Maßnahmen unserer Gegner uns zu Gegenmaßnahmen 
zwingen. 

Balkan 

Es ist erforderlich, baldnifiglichst eine Klärung der Verhältnisse 
auf dem Balkan herbeizuführen. (Österreich muß sich darüber aus- 
si)rechen, ob es unter der jetzigen Kriegslage Abmachungen, die mit 
Bulgarien getroffen sind, in Wirksamkeit treten lassen will. Ebenso 
nniß das Verhalten Griechenlands sowie dasjenige Rumäniens völlig 
klargestellt werden. 

Alle Nachrichten, die in bezug auf die Balkanstaaten bei uns er- 
langt werden können, müssen sofort an Österreich und an die Türkei 
weitergegeben werden. 



';^3 

Nimmt Italien am Kriege teil, so ist auch dieses über die Ver- 
hältnisse auf dem Balkan dauernd zu orientieren. Die meines 
Wissens hier vorjiej^-ende Nachricht, daß Rumänien im russisch- 
österreichischen Konflikt gezwungen sei, neutral zu bleiben, aber 
bündig erklärt habe, unter keinen Umständen auf die Seite Ruß- 
lands treten zu wollen, ist von größter Bedeutung für Österreich und 
muß diesem sofort mitgeteilt werden. 

Belgien 

Antwort auf deutsche Sommation muß spätestens bis morgen. 
Montag, den 3. August, 2 Uhr nachm., zu meiner Kenntnis kommen. 
Ich .schlage vor, Erteilung der Antwort auf zwölf Stunden zu be- 
fristen. Wenn dies nach Ansicht des Auswärtigen Amts nicht mög- 
lich, muß Termin der Überreichung dementsprechend bemessen 
werden. Ich halte aber zwölfstündige Befristung für günstiger. 

Gleichzeitig Übergabe der Note an Holland mit Abschrift der 
Note an Belgien 

Dasselbe gleichzeitig an England unter der Hinzufügung dort, 
daß Deutschland auch im Falle kriegerischen Konfliktes mit Belgien 
keine Gefährdung dieses Staates herbeiführen, vielmehr seinerseits 
auch dann nach erfolgtem Friedensschluß Integrität Belgiens wahren 
werde. England wolle auch in diesem Falle das \'orgehen Deutsch- 
lands nur als Akt der Notwehr gegen französische Bedrohung deut- 
schen Gebietes betrachten. 

Italien 

Unbedingt erforderlich ist Herbeiführung einer alsbaldigen Er- 
klärung, ob Italien gewillt ist, seinen Dreibundpflichten gemäß an dem 
bevorstehenden Kriege aktiv teilzunehmen. Ich lege keinen Wert 
darauf, daß Italien die uns zugesagten Truppenentsendungen nach 
Deutschland in vollem Umfange erfolgen läßt. Kann Italien der 
allgemeinen politischen Lage wegen nur ganz geringe Truppen nach 
Deutschland entsenden, und sei es selbst nur eineKav[allerie]division, 
so genügt mir dies. Es kommt nicht darauf an, daß Italien uns mit 
starken Kräften aktiv unterstützt, sondern darauf, daß der Dreibund 
als solcher im Kriege geschlossen auftritt. Das ist erreicht mit der 
geringst denkbaren Truppenentsendung. Ich mache aufmerksam auf 
das dem Auswärtigen Amt übergebene Schreiben des Generals 
PoUio Nr. 2 » le Gouvernement me charge de dire a \otre 
Excellence pp. « 

Erklärt Italien, am Kriege teilnehmen zu wollen, so ist für uns 
erforderlich, baldige Mitteilung über die seitens Italiens beabsich- 
tigten militärischen Maßnahmen, was durch direktes Benehmen von 
Generalstab zu Generalstab erfolgen könnte, sowie Mitteilung des 
Datums des ersten Mobilmachungstages in Italien. 



■ 36 



Rußland 



Kriegserklärung gegen Rußland, resp. Rußlands gegen uns, ist 
belanp^los geworden durch den russischen Einbruch über unsere 
Ostgrenze. Ist Kriegserklärung Rußlands bei uns noch nicht, resp. 
erst nach den russischen Unternehmungen überreicht worden, so 
hat Rußland damit sich in Widerspruch mit den Haager Ab- 
machungen gesetzt. 

Frankreich 

Unsere eventuelle Kriegserklärung ist völlig unabhängig von 
dem in Belgien unternommenen Schritt. Eins bedingt nicht das 
andere. Ich halte es nicht für erforderlich, schon jetzt die Kriegs- 
erklärung an Frankreich zu überreichen, vielmehr rechne ich damit, 
daß bei vorläufigem Zurückhalten derselben Frankreich seinerseits 
durch die N'olksstinunung gezwungen sein wird, kriegerische Unter- 
nelinningcn gegen Deutschland anzuordnen, auch ohne daß formelle 
Kriegserklärung abgegeben ist. X'oraussichtlich wird Frankrejch in 
der Rolle dc-s Protektors der belgischen Neutralität in Belgien ein- 
rücken, sobald der Schritt Deutschlands gegen Belgien in Paris be- 
kannt sein wird. 

Diesseits sind Anordnungen getroffen, daß Überschreitung der 
französischen Grenze vermieden wird, bis Unternehmungen Frank- 
reichs dieselbe herausfordern. 



Japan 

Japan ist aufzufordern, die günstige Gelegenheit zu benutzen, 
um seine sämtlichen Aspirationen im fernen Osten jetzt zu be- 
friedigen, am besten unter kriegerischer Aktion gegen das im euro- 
päischen Kriege gefesselte Rußland. 

Wünsche, die Japan eventuell durch deutsche Beihilfe erreichen 
zu können glaubt, müssen ihm zugesagt werden. Wir kcmnen Japan 
alles versprechen, was es in dieser Beziehung von uns wünscht. 



P e r s i e n 

Persien ist aufzufordern, die günstige Gelegenheit zu benutzen, 
das russische Joch abzuschütteln, und wenn möglich, gemeinsam mit 
der Türkei* vorzugehen. 

* Zu den Worten: »Gemeinsam mit der Türkei« die Notiz Mirbachs: »Das 
würde vermutlich nur zu endlosem und resultntloscm Gedankenaustausch 
zwischen den beiden schwerfälligen und übervorsichtigen Muselmanen- 
Regierungen führen.« 



Nr. 663 

Der Chef des Generalstabs der Armee an das Auswärtige Amt ' 

[Mitteilung] 
Das Generalkommando XV an den Chef des Generalstabs 

Telegramm (ohne Nummer) Straßburg, den 2. August 1914* 

In Nacht vom i. zum 2. August haben Grenzverletzungen durch 
französische Infanterie gegenüber Markirch stattgefunden. Fran- 
zosen eröffneten zuerst das Feuer. Keine Verluste. Am Schkicht- 
paß anscheinend ebenso Grenzverletzungen der Franzosen. Über 
letzteres folgt Bestätigung. 

Generalkommando XV 

* Nach einer Abschrift. 

2 Von Oberstleutnant von Fabeck im Auftrage des Chefs des Generalstabs der 
Armee dem Auswärtigen Amt am 2. August zur Kenntnis gegeben. Ein- 
gangsvermerk: 3. August vorm. 



Nr. 664 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in Rom^ 

Telegramm 162 Berlin, den 2. August 1914* 

Nach Meldung des Generalkommandos 3. Bayerischen Armeekorps 
werfen französische Fheger in weiterer Umgebung von Nürnberg 
Bomben ab^. Ferner haben französische Patrouillen die Grenze über- 
schritten*. Diese feindüchen Akte vor Kriegserklärung bedeuten 
Angriff Frankreichs auf uns*. Damit vorhegt casus foederis«. 

Auch Rußland hat bereits gestern vor erfolgter Kriegserklärung 

Feindsehgkeiten eröffnet. 

J ago w 



' ^ ach dem Konzept von Jagows Hand. 

* 4^^ nachm. zum Haupttelegraphenamt. 
» Siehe Nr. 7^8. 

* »Ferner haben Grenze überschritten« von Stumms Hand bei- 
gefügt. 

^ Dieser Satz ursprünglich in der Einzahl entworfen, mit Rücksicht auf 
Einsciiiehung des vorhergehenden Satzes von Stumm in die Mehrzahl 
umgewandelt. 

^ Siehe Nr. 745. 



138 

Nr. 665 

Der Geschäftsträger in Tanger an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 89 Tanger, den 2, August 191 4' 

Gestrige Casablanca-Zeitung meldet einen angeblichen Depeschen- 
wechsel zwisclien dem französischen Kriegsminister und dem General- 
residenten. Letzterer hätte sich für den Fall eines europäischen 
Konflikts zur Abgabe von dreißigtausend Mann bereit erklärt und 
zu ihrer persönlichen Führung nach Frankreich angeboten. Bis 
gestern abend zeigte MiUtäibalinhof und Haien in Casablanca noch 
nichts Aulfallendes'. 

Di ec kho ff 

' Nach der Entzift'erung. 

'•* Aufgegeben in Tiinger i •" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
3''' nachm. Eingangsvermerk: 2. Augu.st nachm. Entziflerung am 2. August 
dem Kaiser vorgelegt. Am 2. August dem Generalstab, Kriegsministerium, 
Admiralstab und Keichsmarineamt mitgeteilt. Desgleichen von .Jagow am 
2. August nach Vornahme kiemer Änderungen in Rom mitgeteilt, unter 
Voransetzung der Worte: »Zur Mitteilung, falls Italien mit uns geht.» 
n"'* nachm. zum Haupttelegr.-phenamt. 

' Vgl. Nr. 618. 

Nr. 666 

Der Botschafter in Petersburg an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 215 Petersburg, den 2. August 1914' 

Dringend! 

Da Russen schon Soeben fragt Herr Sasonow telephonisch bei 

preußische Dorfer j^\^ an, wie folgendes zu erklären sei: S M. der 
niedergebrannt und Kjjjc^er von Rußland habe vor einigen Stunden ein 

Bahnen pespreni^t jelegramm unseres Allergnädigsten Herrn erhalten, 

haben ist meine , , ,,, yi- . u j a j *., * 

. . ;, we ches von 10 Uhr 45 Mmuten jibends^ datiert sei 

Antwort nicht von , . . o ■ 1 n . 1 r>x. 1 

nöihen* Rußland ""^ ^^ dessen Sdilußs.itz die Bitte ausgesprochen 

hat uns ja auch werde, Kaiser Nikolaus möge seinen Truppen bs- 

nicht geantwortet fehlen, in ktinem Falle die Grenze zu überschreiten. 

' Nach der Abschrift des oflenen dringenden Telegramms, 

' Telegramm autgegeben in Petersburg 5'* vorm., angekommen im Aus- 
wärtigen Amt 5'' nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. Dem 
Kaiser vorgelegt, von ihm am 2. August zurückgegeben. 

' Siehe Nr. 600. 

* Die Worte: »Antwort nicht von nöthen« sind von Mirbach mit Blaustift 
unterstrichen. 



'39 

Herr Sasonow fmgt, wie ich mir eine solclie Bitte 
erkläre, naclidem ich j^e^tern jibcnd bek.innte Note 
übergeben hätte*. Ich li;ibe geantwortet, ich könnte« 
keine andere Erkläiung finden, als d.iü wahr- 
scheinlich das Telegramm meines Kaisers schon 
vorgestern abend lo Uhr 45 Minuten aufgegeben 
sei. Sollte hier noch etwas zuzuteilen oder auf- 
zuklären' sein, anheimstelle, es direkt oder vielleicht 
durch Vemiittelung italienischen Botschafters zu 
tun, da ich in drei Stunden über Stockholm abreise. 

Pourtalös 

^ Siehe Nr. 542. 

* Nach berichtigendem Telegr;imm, eingegangen im Auswärtigen Amt 

3. August lo-^* vorm. für »könnte« zu lesen »könne". 
' Nach berichtigendem Telegramm zu lesen: » mitzuteilen oder autlilären« 



Nr. 667 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in London^ 

Telegramm 210 Berlin, den 2. August 1914* ' 

Geheim! 

Wir haben sichere Nachrichten, daß Franzosen, trotz ihrer Er- 
klärung, an belgischer Grenze größere Truppenmassen zusammen- 
gezogen haben und Vorkehrungen für Einfall in Belgien treffen. 
Um Überraschungen vorzubeugen, werden wir voraussichtlich ge- 
zwungen werden, Gegenmaßregeln zu ergreifen. Diesenfalls werden 
wir Belgien, wenn es uns wohlwollende Neutralität zu- 
sagt, Versicherung abgeben, daß wir nach Beendigung des Feldzuges 
Integrität Belgiens in vollem Umfange respektieren und Belgien 
vollen Ersatz für Requisitionen und durch uns verübten Schaden 
gewähren wollen. England möge in dem Vorgehen Deutschlands nur 
einen Akt der Notwehr gegen französische Bedrohung erlilicken. 
Auch im Falle kriegerischen Konflikts mit Belgien will Deutschland 
nach Friedensschluß Integrität Belgiens wahren. Bitte diese Mit- 
teilung dortiger Regierung machen, aber erst morgen, Montag vor- 
"^^"ag* Jagow 



1 Konzept von Jagows Hand. 

* Zum Haupttelegraphenamt 5^ nachm. 
' Siehe Nr. 641. 

* Siehe Nr. 764. 



M' 



Nr. 668 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 155 Wien, den 2. August 1914* 

Graf Berchtold sagt heute dem Herzog von Avarna folgendes: 
»Er habe aus Rom die Nachricht, daß man dort eventuell be- 
absichtige, neutral zu bleiben oder erst später einzugreifen. Um 
jedem Klißverständnis vorzubeugen, teile er ihm mit, qua la 
declarntion que le Gouvernement Imperial et Royal a donnce hier' ä 
votre Gouvernement au sujet de racce[)tation de votre Interpretation 
de l'article 7, a ete faite sur la base de notre ferme conviction que 
ritalie remplisse des le döbut ses devoirs d'allie conformement 
ä Tariicle 3 du traile d'alliance.« Bericht folgt. 

Tschirschky 

Übersetzung des französischen Teils 

...» daß die Erklärung, die die k. und k. Regierung gestern Ihrer Re- 
gierung über die Ann.ihme ihrer Auslegung des Artikels 7 gegeben hat, in 
der sicheren Überzeugung erlolgt ist, d;tli halien von Anfang an seine l^un- 
desptiicbten entsprechend dem Artikel 1, des Bündnisvertrages erfülle. • 

' iNdch der Entziflerung. 

* Autgegc'ben in Wien 3^ nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 3*** 
nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. 

* Siehe Nr. 5^4. 



Nr. 669 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 220 London, den 2. Augsut 1914' 

Für Admiralstab und Generalstab mit Auswärtigem Amts- 
Scidüs .-l. 

Botschafter hat aus Unterhaltung mit Premierminister und 
Minister der auswärtigen Angelegenheiten bestimmten Eindruck, 

' Nach der Entzifferung. 

• Aiifi^tgcb n in London 12'" nachm., antjekommen im Auswärtigen Amt 
S"' nachm. Eingangsvcrmeik : 2. August n.ichm. Entzitlerung am 
2. August dem Kaiser voruek-gt. Am gleichen Tage dem (jeneralstab, 
Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 



141 

daß England, wenn irgend möglich, neutral bleiben möchte. Um 
dies nicht zu erschweren, wäre es wünschenswert, wenn alle Hand- 
lungen unserer Marine unterblieben, die zu Zwischenfällen führen 
und als Herausforderung angesehen werden könnten. Hierzu ge- 
hören vor allem Flottenunternehmungen gegen die franz«")sische 
Nordküste, die im Vertrauen auf England von Frankreich entbl()ßt 
worden ist^. Flottenunternchmungen gegen Rußland sind England 
gleichgültig. Die Engländer werden sich deutschen Gewässern bis 
auf weiteres nicht nähern und erwarten Gegenseitigkeit von uns. 
Dies ist die Stimmung des hiesigen Kabinetts. Bindende Ver- 
sprecliungen sind in keiner Weise gegeben worden. 



Militärattache 

Lichnowsky 

^ Vgl. hierzu Nr. 676 Zff. 2 und 714. 



Nr. 670 

Das Generalkommando des 8. Armeekorps an den 
Großen Generalstab ^ 

Telegramm (ohne Nummer) Coblenz, den 2. August 1914* 

Regierungspräsident Düsseldorf meldet, daß heute früh 80 franzö- 
sische Offiziere in preußischer Offizieruni form mit 12 Autos Grenz- 
überschreitung bei Walbeck westlich Geldern vergebUch versuchten. 

Generalkommando 8 



Nach der Ausfertigung des Haupttelegraphenamts. 

Aufgegeben in Coblenz am 2. August ohne nähere Zeitangabe, angekommen 
um 3 1 nachm. Generalstab nahm 5^ nachm. Kenntnis, am 2. August um 
6^» nachm. an Wolff- Bureau weitergegeben, lag Stumm vor. Am ö August 
nachm. in den Akten des Auswärtigen Amts eingetragen. Siehe Nr. f.77. 



Mttenstücke IIL 



142 



Nr, 671 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten 

im Haag^ 

Telegramm 26 Berlin, den 2. August 1914' 

Unsere militärischen Maßregeln in Luxemburg wurden unver- 
meidlich zum Schutz unserer Armee und unserer dortigen Eisenbahn, 
da nach unseren Nachrichten französische Streitkräfte gegen Luxem- 
burg vorrückten. Die Maßregeln bedeuten keinerlei feindlichen 
Akt gegen Luxemburg. Wir haben dies Luxemburger Regierung 
mitgeteilt und vollen Ersatz aller eventuell verursachten Schäden zu- 
gesichert*. 

Bitte dies niederländischer Regierung mitteilen. 

Jagow 



* Nach dem Konzept von Jagows Hand. 
» 6° nachm. zum Haupitelegraphenamt. 
» Siehe Nr. 640. 



Nr. 672 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 156 Wien, den 2. August 1914" 

Auftrag ausgeführt". Graf Berchtold bestätigt mir, was schon im 
Antworttclcgramni des Kaisers Franz Joseph* an unsern Allergnädig- 
sten Herrn zugesagt ist, daß von hier aus alles nur mögliche ge- 
schehen wird, um mit den Hauptkräften sofort Rußland aktiv ent- 
gegenzutreten. Graf Forgach i>cmerkte hierzu, daß nach Serbien 
hin nur das defensiver Kriegsführung Notwendige dirigiert würde. 

Übrigens meldet mir Graf Kageneck, daß General von Conrad 
General von Mnltkc durch einen heute früh erhaltenen Brief über ge- 
änderten Aufmarsch genau unterrichtet hat. 

Tschirschky 

• Nach der Entzifferung. 

> Auff;cpeben in Wien 2. Au,^ust S» nachm., anpe' ommen im Auswärtigen 
Amt (1* n;ichm. Kingnnfjsvcrmerk: 2. August n;ichm. Am 2. August dem 
Genernlst.ib Kriegsminisierium,AdmiralsiabundReichsmarineamtmiigeteilt. 

• Siehe Nr. üij. 

• Siehe Nr. öoi. 



'13 



Nr. 673 

Der Gesandte in Sofia an das Auswärtige Amt ' 

Telegramm 43 Sofia, den 2. Augiist 1914'* 

Ministerpräsident hat nach Zustimmung des Königs heute öster- 
reichischem Kollegen und mir den Anschluß Bulgariens an den Drei- 
bund auf folgender Grundlage vorgeschlagen. 

Erstens: Der Dreibund garantiert Bulgarien seinen heutigen 
Besitzstand gegen jeglichen Angriff, von welcher Seite er kommen 
mag. 

Zweitens: Der Dreibund sagt Bulgarien seine Unterstützung 
zu bei' seinen Bestrebungen auf künftigen Landerwerb in Gebieten, 
auf die es historische und ethnographische Rechte besitzt und die 
unter der Herrschaft eines Staates stehen, der nicht zum Dreibund 
gehört. 

Falls also Rumänien mit dem Dreibund geht, hat es von Bul- 
garien nichts zu fürchten, und bei späteren territorialen \'er- 
änderungen wird Bulgarien Erwerbungen nur im Westen suchen. 
Tritt Rumänien zu Rußland über, so hätte Bulgarien freie Hand, 
seine Anrechte auf Dobrudscha wieder geltend zu machen und läßt 
eventuell gegen Rumänien marschieren. 

Ministerpräsident hat italienischen Kollegen noch nicht benach- 
richtigt und überläßt Ew. Exz. die Verständigung mit Rom*. 

Michahelles 



' Nach der Entzifferung. 

' Aufgegeben in Soria i'*' nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 

6* nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. 
' Siehe Nr. 549. 
* Siehe Nr. 697 und 698. 



144 



Nr. 674 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten 

im Haag' 

Telegramm 25 Berlin, den 2. August 1914^ 

Geheim I Dringend I 

Ew. pp. wollen sofort Anlage^ Erlasses Nr. 79* öffnen und der 
k. niederländischen Regierung morgen Montag vormittag' von der 
heute abend 8 Uhr erfolgenden Demarche in Brüssel Kenntnis geben. Di<* 
Frist für belgische Antwort ist nicht auf 24, sondern 12 Stunden 
bemessen^. Ew. pp. wollen der dortigen Regierung erklären, die 
k. Regierung rechne bestimmt darauf, daß die Niederlande' 
eine Deutschland wohlwollende Neutralität bewaliren und so die* 
fremidschaftUchen Beziehungen beider^ Länder weiter befe;-.tigen 
werden. Unter dieser Voraussetzung werde die Neutrahtät 
der Niederlande deutscherseits in vollem Umfange gewahrt 
werden^". Die dortige Regierung muß den Eindruck erhalten, als 
seien Ihnen sämtliche Weisungen in dieser Angelegenheit erst heute 
zugegangen. Über Empfang dieses Telegramms sowie Zeitpunkt 
und Aufnahme Ihrer Eröffnungen bitte umgehend telegraphischi 
berichten ^^. 

Jagow 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Rosenbergs Hand. 

» Entwurf, von Zimmermann am 31. Juli paraphiert, trügt zwei I'araphierungcnj 
lUjscnhergs, deren eine vom 2. August datiert, während hinter der zweitenl 
— früheren — ein Datum nicht zu lesen ist. Das Datum des zweiten August) 
über dem Text des Telegramms ist nachträglich eingefügt. Telegramr 
am 2. August 6" nachm. zum Haupttelegraphenamt. 

* Siehe Nr. 27*^). 

* Siehe Nr. 426. 

* »morgen Montag vormittag» von Stumms Hand beigefügt. 

* Abschnitt »von der heute Stunden bemessen« aus ursprünglichem: 

»mit dem Bemerken zur Kenntnis bringen, daß die Erklärung in Brüssel 
heute erfolgt. Zugleich« von Rosenberg geändert. 

' Hinter »Niederlande« zunächst folgendes: »in dem bevorstehenden Krieg« 
vfon Rosenberg wieder getilgt. 

" Hinter »die« ursprünglich folgendes Wort: »nahen« im Entwurf gestrichen. 

» Die hinter »beider« ursprünglich folgenden Worte: »stamm- und bluts- 
verwandten« im Entwurf gestrichen. 

'" Ursprünglich sollte hier aus der von Mollke für die niederländische 
Regierung bestimmten Mitteilung (siehe Nr. 426, Anm. 3, Abs. 2) der Satz: 
»Sollten aus entgegengetreten werden wird.« eingefügt werden. 

" Siehe Nr. 738 und 797. 



' »3 



Nr. 675 

Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 170 Rom, den 2. August 1914^» 

Kriegszustand hier mitgeteilt. Marquis di San Giuliano erwi- 
derte, gestriger Ministerrat sei zu Beschluß gekommen, daß casus 
foederis nicht vorliege, da es sich um Angriffskrieg handele. Italien 
sei nicht vorher gehagt worden, sei dalier nicht gebunden. Man 
habe ihm nicht einmal Zeit gelassen, irgendwelche militärische Maß- 
regeln zu treffen. Aus diesen Gründen müsse man zunächst neutral 
bleiben, vorbehaltlich späterer zugujisten der Alliierten zu fassender 
Beschlüsse. Der Minister betonte mehrfach letztere Möglichkeit. 

Nachricht von Angriff russischer Truppen auf deutsches Gebiet 
maclite Eindmck auf ihn. Als er sich aber zu der Bemerkung ver- 
stieg, . es handele sich wohl um kleine Grenzgefechte, die vielleicht 
eine so schwere Maßregel nicht nötig machten, bin ich stark mit ihm 
zusammengestoßen. 

Auf meine Vorwürfe sagte Minister, er wolle mir ganz geheim 
sagen, daß nach übereinstimmenden und begründeten Nachrichten 
die Regierung Italiens im Falle der Teilnahme am Kriege die Revo- 
lution im Lande haben würde. Es ist zuzugeben, daß die Gefahr 
nicht ganz geleugnet werden kann. Die Zustände sind hier seit 
Jahresfrist sehr bedenklich geworden. Ich glaube aber, daß mehr 
noch als dies für hie>ige Entschlüsse Furcht vor England maßgebend 
ist, es wird hier daher kaum etwas zu erreichen ^ein, wenn nicht 
Teilnahme Englands am Krieg verhindert werden kann. 

Minister sagte, Rumänien werde gleiche Haltimg wie Italien 
einnelimen. 

F 1 o t o w 



* Nach der Entzifferung. 

■•' Aufgegeben in Rom 2*> nachm., angekommen im Auswärtigen Ami 
6*» nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. Dem Kaiser am 2. August 

vorgelegt. Von »Kriegszustand hier letztere .Müglichkeiti dem 

Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mit- 
geteilt, ab durch Boten am 3. .August 7" vorm. 

3 Siehe Nr. 628. 



146 



Nr. 676 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt * 

Telegramm 221 London, den 2. August 1914'" 

Es ist mir bisher gelungen, eine für uns durchaus freundliche 
Stimmung hier zu erhalten, und möchte ich dringend warnen, dieselbe 
durch irgendwelche herausfordenden Maßnahmen zu gefährden; 
hierzu rechne ich vor allem einen Angriff der deutschen Flotte auf 
die nordfranzösische Küste sowie auch jede Annäherung unserer 
Flotte in die britischen Gewässer. Ich bin überzeugt, daß vorläufig 
nicht die geringste Absicht besteht, uns den Krieg zu erklären, daß 
man vielmehr den Lauf der Ereignisse zunächst abwarten will. Da 
ich erfahren hatte, daß heute die entscheidende Sitzung des Ka- 
binetts stattfindet, nach welcher Ascjuith morgen ein Statement im 
House of Commons machen wird, habe ich den Premierminister 
soeben besucht und mit ihm eingehend unseren Standpunkt be- 
sprochen. Dem alten Herrn traten wiederholt die Tränen in die 
Augen, und er sagte mir: »A war between our two countries is 
quite unthinkable«. Ich wies ihn auf die große Gemeinschaft unserer 
beiderseitigen Interessen hin, die in letzter Zeit eine so wesentliche 
Förderung und Ausgestaltung erfahren hätten und die Unmöglich- 
keit, jemals wieder so vertrauensvolle Beziehungen anzuknüpfen, 
nachdem einmal beide Länder sich befehdet hätten. Um das Haupt- 
argument der Engländer, Frankreich beschützen zu müssen, zu ent- 
kräften, wies ich darauf hin, daß wir. es eigentlich seien, die viel 
eher des Schutzes bedürften, da wir es mit zwei Gegnern zu tun 
hätten und Frankreich nur mit einem. Bliebe Großbritannien heraus 
aus dem Streit, so sei es viel leichter in der Lage, als Unparteiischer 
bei Wiederherstellung des Friedens zu vermitteln, als wenn es an 
einem Krieg, der alsdann ein Vernichtungskrieg für die ganze 
europäische Kultur werden würde, teilnehme. 

Asquith entgegnete, daß ein Krieg zwischen England und 
Deutschland bei der hiesigen heutigen Stimmung sehr unpopulär 



' Nach der Entzifferung. 

' AufpcRcben in London i" nachm.; angekommen im Auswürtigen Amt 
2. August 6*" nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. Auf Verfügung 
Zimmermanns sofort dem Gcncralstab, Kriegsministerium, Admiralstab 
und Reichsmarineamt mitgeteilt; abgesandt am 2. August 2"' vorm. 

* Siehe Nr. 626. 



'47 

sein würde, daß aber eine neutrale Haltung der hiesigen Regierung 
durch zwei Dinge sehr erschwert würde: 

1. Durch die Verletzung der Neutralität Belgiens, die von 
England mit garantiert sei. Im Jahre 1870 habe (^l.idsK^ne erklärt, 
die Verletzung der belgischen Neutralität würde für CiroLibritaniiicn 
den Kriegsfall bedeuten. Auf jeden Fall würde alsdann ein bedenk- 
licher Umschwung in der hiesigen öffentlichen Meinung eintreten. 

2. Durch einen etwaigen Angriff deutscher Kriegsschiffe auf die 
gänzlich unbeschützte Nordküste Frankreichs, die die l'ranzosen in 
gutem Glauben auf die britische Unterstützung zugunsten ihrer Mit- 
telmeerflotte entblößt hätten*. Er wolle nicht sagen, daß Großbritan- 
nien alsdann eingreifen müsse, es würde es aber der hiesigen Re- 
gierung sehr erschweren, die vorläufig beabsichtigte neutrale Haltung 
durchzuführen. 

Ich habe den bestimmten Eindruck, daß England sich vorläufig 
uns gegenüber zurückhalten wird, möchte aber dringend raten, soweit 
als irgend möglich der hiesigen Stimmung Rechnung zu tragen. 

Ich habe soeben auch noch Sir E. Grey vor der Sitzung ge- 
sprochen und ihm abermals eindringlich die Wichtigkeit vor Augen 
geführt, unser beiderseitiges, in der letzten Zeit so ersprießliches 
Zusammenwirken nicht für alle Zukunft zu zerstören. 

Der Minister wiederholte, er könne mir keine bestimmten Ver- 
sicherungen abgeben. Aus seinen Worten ging aber hervor, daß 
er sich am liebsten jedes Eingriffs enthalten würde. Wir dürfen 
uns aber nicht verhehlen, daß die zweifellos vorhandenen guten Ab- 
sichten derRegierung und die allgemein deutschfreundliche Stimmung 
durch die Verletzung der belgischen Neutralität eine harte Probe 
zu bestehen haben wird, die namentlich, falls wir glänzende Siege 
in Frankreich erfechten oder etwa bis Paris vordringen, sehr in 
Frage gestellt sein würde. 

Einen ungünstigen Eindruck für uns hat hier unsere Kriegs- 
erklärung an Rußland gemacht, da man meint, daß der Zar auch 
weiter noch bestrebt war zu vermitteln und sein Wort gegeben hatte, 
daß kein Soldat die Grenze überschreiten würde, solange Hoffnung 
auf friedliche Lösung vorhanden sei. Ich entgegnete diesem Ein- 
wurf natürlich mit dem Hinweis auf die in Rußland erfolgte ^Io- 
bilisienmg trotz der auf den Wunsch des Zaren von Sr. M. ein- 
geleiteten Vermittlungsaktion*. 

Lichnowsky 



* Vgl. hierzu Nr. 669 und 714. 
' Siehe Nr. 696. 



148 



Nr. 677 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an die Gesandten in 
Brüssel und im Haag und den Botschafter in London* 

Telegramm 43, 27, 211 Berlin, den 2. August 1914* 

Bitte dortiger Regierung mitteilen, daß heute früh 80 franzö- 
sische Offiziere in preußischer Offiziersuniform mit 12 Autos deutsche 
Grenze bei Walbeck westlich Geldern zu überschreiten versuchten'. 
Dies bedeutet denkbar schwerste Neutralitätsverletzung durch Frank- 
reich*. 

Jagow 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Stumms Hand. 

' 6" nachm. zum Haupttelegraphenamt. 

' Siehe Nr. 670. 

* Siehe Nr. 709, 738 und 797. 



Nr. 678 

Der Generalkonsul in Basel an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 4 St. Ludwig-Basel, den 2. August 1914* 

Nachricht über Brieftaul^en' bestätigt sich. Es sind fünf Per- 
sonen verhaftet, darunter zwei ehemalige französische Offizier^. Ein 
(ein) halb leere[r] und drei volle Körbe Brieftauben beschlagnahmt. 

Wunderlich 



' Nach der Entzifferung. 

' Aufgegeben in St. Ludwig 3" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 
7*' nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. Am 2. August dem General- 
stab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 

' Siehe Nr. 645. 



' V) 



Nr. 679 

Die Senatskommission für Reichs- und auswärtige Ange- 
legenheiten der Freien und Hansestadt Hamburg an das 
Auswärtige Amt' 



Telegramm (ohne Nummer) Hamburg, den 2. August 1914 



s* 



Hiesigem russischen Gesandten sind Pässe heute nachmittag 
I Uhr zugestellt worden. 

Senatskommission für Reichs- und auswärtige 
Angelegenheiten 



' Offenes Telegramm. 

" Aufgegeben In Hamburg 5" nachm., angekommen im .auswärtigen Amt 

7*" nachm. Eingangsvermerk : 2. August nachm. 
ä Siehe Nr. 591, 636 und 685. 



Nr. 680 

Das Haupttelegraphenamt an das Chiffrierbüro 
des Auswärtigen Amts^ 

Telegramm (ohne Nummer) Berlin, den 2. August 1914» 

Seit einiger Zeit werden bei betriebsfähiger Leitung von London 
keine Telegramme mehr nach BerUn übermittelt, während London 
alle dorthin abgegebenen Telegramme abnimmt*. 

Haupt telegraphenamt 



' Offenes Telegramm. . 

2 Aufgegeben vom Haupttelegraphenamt 7*° nachm., angekommen im Aus- 
wärtigen Amt 8" nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. 

3 Siehe Nr. 654, 6S6 und 720. 



150 



Nr. 68i 

Der Gesandte in Bern an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 22 

Dringend! Bern, den 2. August 1914" 

Schweizer Regierung mitteilt, deutsche Ulanen-Patrouillen hätten 
auf schweizerischem Gebiet liegende Straße zwischen elsässischem 
Liaottendorf 3 und Pfetterhausen benutzt. Auf Protest schweizeri- 
schen Grenzoffiziers sei erwidert, Straße sei international, was 
zweifellos falsch sei. Schweizer Regierung bittet dringend Abhilfe*. 

Romberg 



' Nach der Entzifferung. 

^ Aufgegeben in Bern 7" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt <S** 
nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. Am 2. August dem General- 
stah, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 

' So in der Entzifferung. 

* Siehe Nr. 701. 



Nr. 682 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten 

in Brüssel ^ 

Telegramm 44 Berlin, den 2. August 1914* 

Die Besorgnisse, die wir über das Vorgehen Frankreichs im 
Erlaß Nr. 87' ausgedrückt haben, werden dadurch bestärkt, daß es 
bereits heute unter Bruch des Völkerrechts kriegerische Hand- 
lungen (Abwerfen von Bomben durch Flieger, Überschreiten der 
Grenze durch Kavalleriepatrouillen) gegen uns unternommen hat. 

Bitte dortige Regierung sofort verständigen*. 

Jage w 



' Nach dem Konzept. Entwurf von Stumms Hand, siehe Randverfügung 
des Kaisers Nr. 584. 

* 9' nachm. zum Haupttelegraphenamt. 

* Siehe Nr. 376. 

* Siehe Nr. 709. Vgl. I. belgisches Graubuch Nr. 21. 



»5» 



Nr. 683 

Der Flügeladjutant vom Dienst v. Mutius an das 
Auswärtige Amt^ 

Berlin, Scliloß, den 2. August 19 14' 
9 Uhr 15 abends 

S. M. befehlen, daß auf die Anfrage des Botschafters von Wan- 
genheim von gestern bezüglich der »Göben«» geantwortet werden 
solle: »Der Kreuzer Göben sei augenblicklich 
nicht abkömmlich«*. 

von Mutius 



' Nach der Ausfertigung. 

■■* Eingangsvermerk des Auswärtigen mts: 2. August nachm. 

' Siehe Nr. 652. 

* Siehe Nr. 712 uud 775. 



Nr. 684 

Der Gesandte in Luxemburg an das Auswärtige Amt ' 

Telegramm 19 Luxemburg, den 2. August 19 14* 

Exzellenz Fuchs hat mich bitten lassen, nachdem ihm Wortlaut 

des Telegramms Nr. 12' bekannt geworden ist, mitzuteilen, daß ihm 
sehr starke Bedenken gekommen sind, ob er den ihm erteilten Befehl 
bezüglich Verhaftung verschiedener hoher luxemburgischer Beamten 
zur Ausführung bringen soll, und bittet um umgehende Antwort*. 

Buch 



* Nach der Entzifferung. 

' Aufgegeben in Luxemburg 7'" nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 

9^* nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. 
' Siehe Nr. 640. 

* Am Rand der Vermerk von Stumms Hand vom 2. August: .Generalstab 
verspricht Abhilfe zu schaffen.« 



15'^ 



Nr. 685 

Die Senatskommission für Reichs- und auswärtige 
Angelegenheiten der Freien und Hansestadt Hamburg an das 

Auswärtige Amt 

Telegramm (ohne Nummer) Hamburg, den 2. Augiist 1914^ 

Im Anschluß an heutiges Telegramm * 

Hiesiger russischer Gesandter ist nebst gesamtem Gesandt- 
schaftspersonal heute abend sieben Uhr zehn von hier nach Warne- 
münde abgereist, um sich dort über Dänemark und Schweden nach 
Rußland zu begeben. 

Senatskommission für Reichs- und auswärtige 
Angelegenheiten. 



Offenes Telegramm aufgegeben in Hamburg 8" nachm., angekommen im 
Auswärtigen Amt 10" nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. Ab- 
schrift lag dem Kaiser vor; ans Amt zurückgelangt: 3. August. Telegramm 
wurde 3. August nochmals wiederholt. 
Siehe Nr. 679. 



Nr. 686 

Das Haupttelegraphenamt an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm (ohne Nummer) Berlin, den 2. August 1914' 

London setzt seit kurzem wieder an Berlin Telegramme ab*. 

Haupt telegraphenamt 



' Nach einer Abschrift. 

' Aufgegeben auf dem Haupttelegraphenamt 10° nachm., angekommen im 

Auswärtigen Amt 10"* nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. 
' Siehe Nr. (>Xo unJ 720. 



•53 

Nr. 687 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 225 London, den 2. August 19 14» 

Sir Eyre Crowe äußerte gesprächsweise, nach einer ganz kürz- 
lich hier gemachten Mitteilung scheine Österreich jetzt bereit, grund- 
sätzlichen Besprechungen seiner Streitpunkte mit Serbien durch eine 
Vier-AIächte-Konferenz in London zuzustimmen. Die Mitteilung 
sei aber zu spät gekommen, um noch praktischen Nutzen zu haben*. 

Lichnowsky 

' Nach der Entzifl'erung. 

■•* Aufgegeben in London 6'^ nachm., angekommen im Auswürtigen Am« 

II* nachm. Eingangsvermerk: 2. August nachm. 
* Vgl. österreichisches Rotbuch Nr. 31 und englisches Blaubuch Nr. 135. 



Nr. 688 

Der Gesandte in Bukarest an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 58 Sinaia, den 2. August 19 14* 

Ministerresident Galatz telegraphiert vom i. August: »Fieber- 
hafte Tätigkeit in den Fortifikationen. Gestern wurden bei der 
hiesigen Fabrik 47Wagen Gfrjosstachel und andere Drähte für die 
Werke bei Galatz, Hanuconaki und Foksani zu sofortiger Ab- 
lieferung gekauft.« Generalkonsul Jassy drahtet: »Die Ostgrenze 
soll voll russischen Militär[s] sein, bitte in dieser Instruktion, was mit 
dem ChilTre und dem Konsulatspersonal geschehen soll, falls Ruß- 
land Jassy besetzt.« Nach österreichischem Militärattache sollen 
3000 Wagen für Truppentransporte vorbereitet und Bahnmagazine 
des Bezirks Jassy für Truppenunterkunft bereitgestellt werden. Aus 
London heimgekehrtein Take Jonescu haben Behörden in Burdujeni 
gesagt, daß in Bessarabien Truppenbewegungen gegen rumänische 
Grenze stattfinden. Take Jonescu glaubt, daß England gegebenen- 
falls hundertundvierzigtausend Mann in Dünkirchen landen würde. 
Werde Montag vormittag vom König empfangen. 

Waldtnausen 



' Nach der EntzitTerung. 

« Aufgegeben in Sinaia 2. August 8" nachm., angekommen im Auswärtigen 
Amt II* nachm. Eingangsvermerk: 3. August vorm. Am 3. August dem 
Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mit- 
geteilt. 



^54 



Nr. 689 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt^ 

Pelegramm 224 London, den 2. August 1914* 

Sir Eyre Crowe sag^ mir soeben, daß im Foreign Office eine 
Drahtmeldung eingelaufen ist, wonach die deutschen Truppen in 
1er Gegend von Nancy an mehreren Stellen in starken Abteilungen 
lie französische Grenze überschritten hätten, ohne daß vorher eine 
Criegserklärung in Paris erfolgt wäre. Er ließ dabei durchblicken, 
laß diese Nachricht in dem im Lauf des Abends zur erneuten Be- 
atung zusammentretenden Kabinettsrat einen schlechten Eindruck 
nachen und vielleicht auf die endgültige Entscheidung nicht ohne 
Einfluß sein werde. Ich erwiderte Sir Eyre Crowe, wir hätten be- 
ügliche Nachrichten nicht empfangen, es scheine empfehlenswert, 
genaue Bestätigung aus unabhängiger Quelle abzuwarten*. 

Lichnowsky 



* Nach der Entzifferung. 

* Aufgegeben in London 2. August 6'^ nachm., angekommen im Auswärtigen 
Amt II*" nachm. Eingangsvermerk: 3. August vorm. Am Rande Jagows 
Vermerk: »ist hierauf schon etwas erfolgt? bzw. Nachricht in London 
dementiert? Eventuell sofort bei Gen. Stab fragen, ob deutsche Soldaten 
schon irgendwo französische Grenze überschritten und sofort London 
drahten. Jagow.« Dem Generalstab, Kriegsministenum, Admiralstab und 
Reichsmarineamt mitgeteilt. 

=» Siehe Nr. 705, 713, 716, 717, 725. 



Nr. 690 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in Rom^ 

'elegramm 166 BerÜn, den 2. August 1914* 

Metz meldet unterm 2. : Bereits gestern hat ein französischer 
irzt mit Hilfe zweier verkleideter Offiziere versucht, die Brunnen 



• Nach dem Konzept. Entwurf von Riezlers Hand mit Zusätzen von 

Bergen und l.angwerth von Simmern. 
' 2. August II** nachm. zum llaupttelegraphenamt. 



'35 

des Metzer Vororts Montsij,'ny> mit Cliolerabazillen zu infizieren. Kr 
wurde standrechtlich erschossen. Ein französischer Mchlhändler hat 
Melil vergiftet. Ich bitte Ew. Exzellenz, dieses Vorgel, en der Fran- 
zosen — vor jeder Kriegserklärung, ja sogar vor der deutsch.-n 
Mobilmachung — in der dortigen Presse nachdrücklich zu verbreiten«. 

Jagow 



So im Konzept anstatt »Montigny«. 

Zu dem Telegramm der Vermerk Langwerths von Simmern: »Mitteilung 
des heute aus Metz hier eingetr.[otrenenj Pionier-Oberleutnants Schrtiber. 
Der Arzt ist ein anges [ebener] Metzer. Er wurde von einem Posten er- 
tappt. V. L.« — Siehe dazu die Aulzeichnung Stumms vom 3. August: 
»Nach Meldung des Generalstabs stellt sich Nachricht von Brunnen- bzw. 
Mehlvergittung als Tatarennachricht heraus. Er bittet dringend, solche 
Nachrichten nicht zu veröffentlichen bzw. zu verwerten, ehe nicht der 
Generalstab sie nachgeprüft bzw. zugestimmt hat.« 



Nr. 691 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 222 London, den 2. August 19 14* 

Für Reichsmarineamt und Admiralstab mit Auswärtigem Amts- 
Schlüssel, 

Balkensperrefn] in Kriegshäfen liegen aus. Straße von Dover 
ist von Torpedobooten besetzt. Die erste und zweite Flotte liegen 
nach zuverlässiger Nachricht im Forth^,in Cromarty und Scapa Flow. 
Patrol-Flottille patrouilUert an ganzer Ostküste. Flugzeuge sind zu 
Schiff unterwegs nach Station der Ostküste. Mobilmachung der 
Flotte ist nicht ausgesprochen, ist aber in den aktiven X'erbänden 
und an der Ost- und Südküste vollendet. 

Marineattach^ 

Lichnowsky 



' Nach einer Abschrift der Entzifferung. 

* Aufgegehen in London 2. August 5'" nachm., angekommen im Auswärtigen 
Amt 3. August 12^ vorm. Dem Generalstab, Kriegsministerium, Admiral- 
stab und Reichsmarineamt am 3. August mitgeteilt. 
Abgekürzt für »Firth of Forlh«. 



15^ 



Nr. 692 

Der Gesandte in Stockholm an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 39 Stockholm, den 2. August 1914* 

Geheim! 

Nach Mitteilung Herrn Wallenbergs ist hier teilweise Mo- 
bilisierung von Heer und Flotte heute verfügt worden, und zwar sind 
Festungen und Küstenverteidigung auf volle Kriegsstärke gebracht 
durch die Jahresklasse[n] 1896 bis 1903 des Landstuftns. Die im 
Herbst zu Repetierübung verpflichteten Truppen sind bereits jetzt 
einberufen, die Marine wird komplettiert. Gotland im Verteidigungs- 
zustand, im ganzen werden die Landtruppen dadurch auf eine Stärke 
von etwa 90 000 Mann gebracht. Herr VVallenberg erklärte, sein 
norwegischer Kollege habe seine Zustimmung dazu ausgesprochen, daß 
Norwegen so lange als irgend möglich mit Schweden zusammengehen 
und daß, wenn sich ihre Wege trennen müßten, die beiden Länder 
unter keinen Umständen gegeneinander die Waffen kehrten. Aus 
Petersburg behauptet der Minister die Nachricht erhalten zu haben, 
daß die gesamte russische Armee auf etwa vier Millionen berechnet 
werde, von denen eine Million neunhunderttausend Mann gegen 
Deutschland und Österreich bestimmt seien. Die gegen Deutschland 
ausersehene Armee werde östlich Grodno-Warschau versammelt. 
In Kaukasien seien Unruhen ausgebrochen. »Andrei Perwoswanny« 
sei auf Grund geraten. 

Reichenau 



Nach der EntziflFerung. 

Auf;^c'geben in Stockholm 2. August y'*' nachm., angekommen im Aus- 
wärtigen Amt 3. August 12' vorm. Eingangsvermerk: 3. August vorm. 
Dem Gencralstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt 
mitgeteilt. 



»57 



Nr. 693 

Der Reichskanzler an den Botschafter in London ' 

Telegramm 212 Berlin, den 2. August 19 14' 

Nach absolut zuverlässigen Meldungen* hat sich Frankreich 
heute gegen uns folgende Übergriffe erlaubt: 

1. Franzosische Kavalleriepatrou Uen h.iben heute am frühen 
N;',chmittag* die Grenze bei Altmünsterol im Klsaü über- 
schritten. 

2. Ein französischer FIiep;eroffizier ist bei Wesel* aus der 
Luft geschossen worden. 

3. Zwei Franzosen haben versucht, O")« hcmer Tunnel an 
der Moselbahn zu e^prengen und sind d.:bei erschossen 
wurden. 

4. Französische Infanterie hat im Elsrtß Grenze über chritten 
und ges'hosscn*. 

Diese V^orgänge sind passiert, obwohl der französische 
Ministerpräsident dem k. Botschafter in Paris offiziell erklärt 
hatte, daß die Mobilisierung der französischen Armee keiner- 
lei aggressiven Charakter gegen Deutschland habe, und >\:\ü 1 :r die 
französischen Truppen die Respektierung einer lo-Kilometer-Grenze 
gegen Deutschland zur Pflicht gemacht sei. 

Bitte das sofort dortiger Regierung mitteilen und Sir Edward 
Grey ernstlich vorhalten, in welche gefahrvolle Lage Deutschland 
durch diese wider Treu und Glauben erfolgenden Provokationen ge- 
bracht und zu den ernstesten Beschlüssen gedrängt werde. Ew. 
Durchl. wird es, wie ich hofTe, gelingen, England davon zu über- 
zeugen, daß Deutschland, nachdem es den Friedensgedanken bis an 
die äußerste Grenze des Möplichon venreien ha , dur. h s«nnc 
Gegner in die Rolle eines Provozierten gedrängt wird, der, um seine 
Existenz zu wahren, zu den WafYen greifen muß. 

Bethmann Hollweg 



' Nach dem Konzept von der Hand des Reichskanzlers, mit Zusäuen von 

Jagows Hand. 
■' -Am 3. August 12" vorm. zum Hauptteleüraphenamt. 
^ Am Rand 4er Vermerk des Kanzlers: «pro not. Nebenstehende Meldungen 

hat mir der Kriegsminister soeben peisönlich üherbracht.« 
* Bei der bei den Akten der Londoner Botschaft befindlichen Entzifferung 

ist anstatt: »heute am frühen N.uhmi'tag. gelesen: «heute Irüh-. 
^ In London irrtümlich entziftlrt: iToul«. 
" Dieser Abschnitt »Französische Infanterie geschossen- von Jagows 

Hand am Rande beigefügt. 

Aktenstücke Ul. ' ^ 



■58 



Nr. 694 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Rom^ 

Telegramm 165 Berlin, den 2. August 1914^ 

Nach absolut zuverlässigen Meldungen mitteilen^ 

und allen Ihren Einfluß aufzubieten, um den itahenischen Minister 
davon zu überzeugen, daß diese wider Treu imd Glauben ver- 
stoßenden Provokationen den uns aufgenötigten Krieg zu einem 
Angriffskrieg stempeln, bei dem der casus foederis gegeben ist* ^. 

V. Bethmann Hollweg 



' Nach dem Konzept von der Hand des Reichskanzlers. 
'^ Am 3. August 12'^' vorm. zum Haupttelegraphenamt. 

' Hier ist der entsprechende Abschnitt aus dem Telegramm des Kanzlers 
an Lichnowsky vom 2. August (Nr. 693^ wörtlich emgelügt. 

* Zu diesem und dem vorigen Telegramm an Lichnowsky (Nr. 693 
der Vermerk des Kanzlers: »Wenn kein Bedenken, bitte ich anliegende 
Telegramme sofort abgehen zu lassen und Anweisung zu geben, dali 
weitere Provokationen beiden Botschaften sofort im Anschluß an diese 
Telegramme mitgeteilt werden. Kriegsminister nimmt bestimmt an, daß 
solche Provokationen diese Nacht in grülierem Umfange erfolgen werden • 
Darauf Jagow am Rand: "Telegramme sollen sofort abgehen.« 

* Siehe Nr. 745. 



Nr. 695 

Der Gesandte in Brüssel an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 26 Brüssel, den 2. August 1914* 

Dringend! 

Habe crhallcner VVcisimg^ entsprechend Auftrag atisgefühVt — 
.u«:ht Uhr deutscher Zeit — und l)clgisclie Regierung von dem Inhalt 
des Erlasses Nr. 87* streng vertraulich Kenntnis gegeben. Minister 



' Nach der Entzifferung. 

* Aufgegeben in Brüssel 2. August 9*" nachm., angekommen im Auswärtigen 
Amt 3. August 12'^ vorm. Eingangsvermerk : 3. August vorm. Entziflerung 
am 3. August an den Kaiser gesandt, von ihm über Generalstab am 
3. August ms Amt zurückgelangt 

' Siehe Nr. 648. 



'59 

des Äußern konnte seine schmerzliche Überraschung über die uner- 
wartete Mitteilung nicht verbergen. Der Minister des Äußern 
erwiderte nur, daß er S. M. den König und das Kabinett von der- 
selben sofort in Kenntnis setzen und mir in zwölf Stunden eine 
Antwort zugehen lassen werde. 

B e 1 o w 

* Siehe Nr. 376. 



Nr. 696 

Der Reichskanzler an den Botschafter in London' 

Telegramm 213 Berlin, den 2. August 1914* ' 

Rußland hat gesamte Wehrmacht während schwebender Ver- 
mittlungsverhandiungen mobilisiert, ohne amtliche Mitteilung an 
uns und ohne Hinzufügung, daß Maßregel nicht gegen uns gerichtet, 
obwohl wir vorher freundschaftlich, aber ernst darauf hingewiesen 
hatten, daß Mobilisation gegen uns ernste Gegenmaßregeln er- 
zwingen würde, und obwohl Rußland wiederholt feierlichst erklärt 
hatte, es beabsichtige nichts gegen uns. Erst am Nachmittage ersten 
russischen Mobilmachungstages telegraphierte Zar Sr. M.*, daß er 
persönlich Unterlassung jeder feindlichen Handlung gegen uns ver- 
bürge. Widerspruch zwischen den nicht anzuzweifelnden Erklä- 
rungen des Zaren und Handlungen seiner Regierung im ganzen 
X'erlauf der Krisis so offenkundig und Haltung der Regierung trotz 
entgegenstehender Versicherungen faktisch so unfreundlich, daß wir 
uns trotz Versicherung Zaren durch Gesamtmobilmachung schwer 
provoziert fühlen mußten. Dies laut Meldung Chelius in deutsch- 
freundlicher Umgebung Zaren voll anerkannt. Empörung unserer 
öffentlichen Meinung über russische Mobilmachung so groß, daß 
Ablehnung der geforderten Demobilisierung als feindlicher, Kriegs- 
zustand begründender Akt konstatiert werden mußte, wenn wir 
nicht nationale Ehre preisgeben wollten. Übrigens Tatsache, daß 
russische Soldaten bereits vor Abgabe unserer letzten Erklärung an 
der Grenze auf unsere Soldaten geschossen haben. Beweis, daß soge- 
nannte friedliche Mobilmachung unhaltbarer Zustand ist. 

Bethmann Hollweg 



' Nach dem Konzept von der Hand des Reichskanzlers. 
2 Am 3. August 12*» vorm. zum Haupttelegraphenami 
' Siehe Nr. 676. 
•> Siehe Nr. 487. 



i6o 



Nr. 697 

Der Reichskanzler an den Gesandten in Sofia^ 

Telegramm 45 Berlin, den 2. Aug^ist 191 4' 

Geheim! 

Mit Vorschlägen'' einverstanden. Es erscheint zweckmäßig, daß 
Bulgarien getrennte Verträge zunächst mit uns sowie mit Öster- 
reich-Ungarn abschließt, und daß andere Teilnehmer eventuell später 
mittels Akzessionsvertrag beitreten. Denmach müßte es im ersten 
und zweiten Artikel statt: Dreibund »Deutschland« bzw. »Österreich- 
Ungarn« und am Schluß des zweiten Artikels »der nicht zu seinen 
Alliierten gehört« heißen. 

Da mit der Türkei — was dort mit Bitte strengster Geheim- 
haltung mitzuteilen wäre — vorgeschrittene Bündnisverhandlungen 
schweben, müßte in besonderer Note festgelegt werden, daß die in 
Artikel 2 erwähnten Bestrebungen sich nicht gegen die Türkei 
richten dürfen, falls diese mit uns ein Bündnis eingeht, bzw. solange 
sie in gegenwärtigem Konflikt wohlwollende Neutralität beobachtet. 

Dauer des Bündnisses analog Dreibund zunächst 6 Jahre*. 

Bitte vorstehendes dortiger Regierung erst nach Empfang einer 
diesbezüglichen Weisung erklären. Telegraph i sehe Empfangs- 
bestätigung". 

B e t h m a n n H o 1 I w e g 



' Nach d(.m Konzept; Kniwurf von Bergens Hand mit Änderungen von 

der H.ind /immi.rm.inns und Ja^ows. 
■'' Am 'f AufiUst 1'^ vorm. zum Haupttelegraphcnamt. 
' Siehe Nr. (')73. — Aul dem Konzept die Kandverfügung Zimmermanns: 

• Sotort nach Abging dem Herrn Reichskanzler wieder vorlegen z\^ecks 

Vortrags an Alicrhüclister .steile«. Vom Zentralhüro am 3. August 

wieder vorgelegt. 

♦ »Analog 6 Jahre« von Zimmermann geändert aus dem ursprüng- 
lich von Bergen niedergeschriebenen: Dauer des Bündnisses »bis iu2o.« 

* 'I elegraphische Emplangshestätigung in Sofia autgegeben am 3. August, 
ang k(jmmen im Auswärtigen Amt 4. August 3*''' vorm. Kmgangsvermerk : 
4. August vorm. 



Nr. 698 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Wien' 

Telegramm 227 Berlin, den 2. August 1914* 

Der k. Gesandte in Sofia telegraphiert: 

"MinistcrpKlsident Vcrstandmung mit Rom«' 

Herr Michahelles hat nachstehende Weisung erhalten, deren 
Ausführung aber noch von weiterer Instruktion abhängig ge- 
macht ist: 

«Mit Vorschlägen zunächst 6 lahre»*. 

Bitte Grafen Berchtold vorstehendes mitteilen und auf baldige 
Instruierung des österreichisch-ungarischen Gesandten in Sofia be- 
hufs Vertragsabschlusses dringen '. Italien und Rumänien, eventuell 
die Türkei könnten unseren \'erträgen mit Akzessionsverträgen 
nach Analogie der mit Rumänien abgeschlossenen, beitreten. — 
Italienische Regierung nicht informiert. 

Bethmann Hollweg 

'Nach dem Konzept; Entwurf von Bergens Hand mit Änderungen von der 

Hand Jagows. 
^ Am 3. August i'^ vorm. zum Haupttelegraphenami. 
ä Hier ist das Telegramm aus Sofia vom 2. August Nr. 673) eingefügt. 

* Hier ist der betreffende Abschnitt des Erlasses nach Sofia Nr. 697 
eingefügt. 

* Siehe Nr. 798. 

Nr. 699 

Der Gesandte in Bukarest an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 59 Sinaia, den 2. August 1914" 

Herr Bratianu mö- hte Zeit gewinnen, da 
jetziger Augenbhck antiösterreichisrher Volksstim- 
mung der ungünstigste wäre und Österreich Ru- 
mänien nicht vorher benachri^htii^t hatte, so daß 
Blech! keine Zeit gewesen wäre, entgegengesetzte Stimmung 

herbeizuführen. Sprach Gedanken aus, Rumänien 
könnte zunächst erkliren, daß es Bulgarien nicht 
^ Bukarest ^n^^ien würde, wenn dieses Serbien angriffe. Da- 

' Nach der Entzirterung. 

^ Aufgegeben in Sinaia i. August 11^ vorm., angekommen im Auswärtigen 
.\mt 3. August i2- vorm. Eingangsvermerk: 3. August vorm. Am 3. August 
7'" vorm. dem Generalstah, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichs- 
marmeamt mitgeteilt. Lag dem Kaiser vor, am 3. August dem Amt zu- 
rückge.i:eben. 

^ Vor »Bukarest« ein Wort unleserlich. 



102 

durch würden ebenso viele österreichische Armee- 
korps zur Verwendung gegen Rußland frei werden 
5. M. muß mobil- wie die der rumäniscl en Armee. Inzwiscj en könnte 
machen! hiesige öffenihche Meinung beeinflußt werden. Auch 

f^ef;im hußUnd ^3^], Herrn Bratianu sind starke Truppenbewegungen 
in Bessarabien im Gange. Am hebsten wäre ihm, 
werden sichhiiten! wenn Rußland Rumänien angieifen würde, da sich 
dann hiesige Stimmung ändern würde. Montag 

^^'^^^'^^'- Waldthausen 



* Siehe Nr. 811. 

Nr. 700 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt^ 

Telegramm 159 Wien, den 3. August 19I4' 

Der König von Itahen hat Sr. M. dem Kaiser 
Franz Joseph auf sein Telegramm* nachstellendes 
geantwortet : 

»J'ai re^u le töl^gramme de Votre Majestö. 

Je n'ai pas besoin d'assuier Votre Majest^ 

Nichts! que l'Italie qui a fait tous les efforts pos- 

sibles pour assurer le maintien de la paix et qui 

fera tout ce qu'elle pourra pour contribuer ä la 

rdtabhr aussitöt que possible, gardera une attitude 

cordialement amicale envers ses alhös, conform6ment 

Hallunke!! au trait^ de la Triple-AUiance, ä ses sentiments 

trof; f^eschnebcnen sincöres et aux grands int^reis qu'elle doit sauve- 

Paktes! garder.« 

Wie ich höre, wird man trotzdem alle 
österreichischen Streitkräfte von der itabenischen 
Grenze wegziehen. Tschirschky 

Übersetzung des französischen Teils 
Ich habe das Telegramm Ew. M. erhalten. Ich brauche Ew. M. nicht 
zu versichern, daß Italien, das alle denkbaren Anstrengungen für Erhaltung 
des Friedens gemacht hat und das zur möglichst raschen Wiederherstellung 
des Friedens nach besten Kniften beitragen wird, gegenüber seinen Ver- 
bündeten eine herzlich-freundschaftliche Haltung bewahren wird, gem.'iß 
dem Dreibund -Vertrag, entsprechend seiner eigenen aufrichtigen Gesinnung 
und im Emklang mit den großen Interessen, die es zu schützen hat. 

' Nach der Enizifforung. 

' Aufgegehen in Wien 12^ vorm., angekommen im Auswärtigen Amt 
2" vorm. Eingangsvermerk: 3. August vorm. Entzifferung am 3. August / 
an den Kaiser gesandt, von ihm an den Generalstab und durch diesen 
am 4. August ins Amt zurückgelangt. Am 3. August bereits dem General- 
stab, Kritgsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 

• Siehe Nr. 601 Schlußsatz. 



163 



Nr. 701 



Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen an den Gesandten 

in Bern^ 

Telegramm 29 Berlin, den 2. August 1914* 

Dringend ! 

Bitte Vorfall entschuldigen mit Hinzufügen, daß sofort Schritte 
getan, um Wiederholung älinücher Irrtümer zu vermeiden*'. 

Zimmermann 



* Nach dem Konzept. Entwurf von B. Wedels H.md 

* Zum Haupttelegr.iphenamt am 3. August 2" vorm. Von B.Wedel und Stumm 

am 2. August paraphiert. 
^ Siehe Nr. 681. 



Nr. 702 

Der König von Griechenland an den Kaiser* 

Telegramm 231 Athen, den 2. August 1914*' 

Athen mitthciien daß ich 5. M. der König Übersendet mir nachstehendes 

Bündnis mit Buharien . r^ ., , 1 ir ■ 1 xr • • 1 • t 1 

und Türkei jitm Kampf im S. M. den Kaiser und Konig bestimmtes lele- 
Si/oL*riÄ«'iJGnv-gramm, mit der Bitte, es an die Allerhöchste Stelle 
chenLvid ■^i^/eind be- gelangen ZU lasseu : 

handeln werde, falb es '^ ° 

"Mui't-'hlt'dasT^ »Herzlichen Dank für Dein Telegramm« und 

eben dem Theotoki per- ^^^ Versprechen Deiner Unterstützung in unserer 

tönlich sresapt, unter ,.. ,• -^ 1 t- 1 • t • ^ • • 

A//Wic'i/w;i^'.ij/3n7>m// Verständigung mit der Türkei, bs ist uns me 11 

^"'%;';ä,,2;/'^^''"''"'' den Sinn gekommen, den Serben zu helfen. K^ 

ih: sollt ^e^en Ruß- ^^cf^cint mir aber auch nicht möglich, uns :^u ihren 

Lmd marschieren! Feinden \u gesellen und über sie herzufallen, d: 

sie einmal unsere Verbündeten sind. Es schein" 

mir, daß die Interessen Griechenlands eine absoluU 

unmöglich Neutralität erheischen und eine Wahrung des statu- 

'■ Nach der EntziÜ'erung. 

■^ Aufgegeben in Athen 2. August 2^ nachm., angekommen im Auswärtigen 
Amt 3. August 3" vorm. Eingangsvermerk: 3. August. Am 3. August 
dem Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt 
mitgeteilt. Entzifierung lag dem Kaiser vor, von ihm am 3. August 
zurückgegeben. 

' Siehe Nr. 504. 

' Siehe Nr. 466. 



164 

von dem ist jet^t Quo auf dem Balkan, wie ihn der Vertrag von 
nicht mehr die Rede! Bukarest geschaffen hat. Wenn wir diesen Stand- 
Der Balkan mar- punkt fallen ließen, so würde Bulgarien sich durcli 
schiert fhe Annexion der letzthin von Serbien gewonnci.en 

Teile von Mazedonien vergrößern, unsere ganze 
Nordgrenze bis Albanien umfassen und eine enorme 
Gefahr für uns bilden*. Dafür, daß dies nicht 
geschieht, habe ich keine Garantien. Diese Rück- 
sichten zwingen uns zur Neutralität und <''uch dazu, 
Blech! alles aufzubieten, im Tcvcm mit Rimiänien, um Bul- 

garien vor Einmischung abzuhalten. Du kennst 
meine Denkart über die Slawen und über die 
russische Vormundschaft auf dem Balkan. Diese 
Denkart wird von meinem ganzen Volke geteilt, 
imd wenn Bulgarien der große Älachtzuwachs gelänge, 
Wenn GriecharUna wäre das Gleichgcwiclit in unserem Weltteil zerstört 
rieht jct\t sofvrt jj^^ ^{q slawische Vorherrschaft gerade geschaffen. 

mitgeht, so n'irJ CS seine p , j. • j 

Stellung alsHalka'imacht l..0nSTaniin .« 

verlieren und von uns nicht mehr in seinen Wünschen Bassewitz 

U!.terstu:;t, sonJern ah Feind behandelt werden. F.s 
handelt sich nicht um das Gleichgewicht auf dem lialkan, 
so'.dcrn um die gemeinsame Operation der lialkan- 
staaUn um den lialkan von Rußland auf ewig 
^u befreien! .., 

' Am Rand zwei Ausrufungszeichen des Kaisers. 
« Siehe Nr. 803. 

Nr. 703 

Runderlaß des Staatssekretärs des Auswärtigen an die 
Gesandten in Bern, Kopenhagen, Stockholm, Kristiania' 

Telegramm 28, 36, 32, lO Berhn, den 3. August 1914^ 

Dringend ! 

K. Regi(!ning liegen unbedingt zuverlässige Nachrichten 
\ür, wonach trotz Pariser Versprechungen ül^er Wahrung belgischer 

' Nach dem Konzept, hntwurf von Rosenbergs Hand. Die Zirkulardepesche 
ist ergangen auf Grund folgender dem Auswärtigen Amt am 2. August 
nachm. pi.isenticrtcr Verfügung des Kanzlers vom 2. August: »Meo voto 
muß solort Zirkulardepesche vorbereitet werden, die unsere Aittion in 
Belgien als notwendig nachweist und zu versenden und zu veröflentlichen 
ist, sobald wir die Aktion gegen Lüttich ausgeführt haben*. 

* Entwurf am 2. August von Rosenberg und Siumm, am 3. August von 
Zimmermann und Jagow paraphiert. Am 3. August 3'" vorm. /um Haupt- 
telcgraphenamt. Die ursprüngliche Absicht, das 1 elegramm mit dem beson- 
deren Zusatz: »und ausdrücklich hinzufügen, daß wir uns belgische Ge- 
bietsteile, insbesondere Antwerpen und Scheidemündung unter keinen 
Umstünden einverleiben werden«, auch an den Botschafter in London zu 
senden, ist nicht ausgeführt worden. 



165 

Neutralität französisclie Streitkräfte sich zum Aufmarsch an Maas- 
strecke Givet— Namur und Vurgol en durch Bel/^jen K<'M*n Heuts^ bland 
anschicken. Wir befürchten, daß Belj^ien trutz testen Willens Iran 
zösischen Vormarsch ohne Hilfe nid t i indem kann und sind' d. h«T 
im Interesse Sclbsterhaltung gezwungen, zur Gegenwehr gleichfalls 
belgisches Gebiet zu betreten. Deiitscl land plant keinerlei Feind- 
seligkeiten gegen Belgien und wird l)elgiscl es Gebiet sofort nach 
Friedens;. chluß räumen. Belgische Regierung ist vom Vorstehenden 
gestern abend informiert. 

Bitte sofort dortige Regierung vertraulich benachrichtigen*. 

Jagow 



•' Über -sind« geschrieben: »waren«. 

♦ Kür Bern am Schluß hinzugesetzt: »und Zusage peinlichster Wahrung 
schweizerischer Neutralität erneuern». Hierzu die Randbemerkung Koscn- 
bergs vom 2. August: »Der Chef des Generaistabes ist einverstanden». 



Nr. 704 

Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt * 

Telegramm 158 Wien, den 3. August 1914* 

Grrti Berchtold schreibt mir: 

»Der russische Botschafter suchte mich gestern in freund- 
schaftlicher Weise auf. um sich, wie er sagte, nach etwaigen Neuig- 
keiten zu evktmdigen. Er hoffe noch immer, daß es gelingen werde, 
den bestehenden Streitfall durch direkte Verhandlungen zu beheben. 
Bei der gegenwärtigen Lage der Dinge wäre es wohl besser, sich 
hierzu auf neutrales Terrain zu begeben, wofür London besonders 
geeignet wäre. Es sei überaus bedauerlich, daß man in Deutschland 
anscheinend den Krieg forcieren wolle. Rußland hätte ja in Berlm 
bereits die bündigsten Versicherungen abgegeben, daß seme mili- 
tärischen Maßnahmen keinen feindlichen Charakter gegen die 



' Nach der EntziftVrung. 

■' Aufgegeben m Wien 12«» vorm., angekommen im Auswärtigen Amt 3» vorm 
Emgangsvermerk: 3. August vorm. Am 3. August dem (ieneralsiab, Kriegs- 
ministerium, Admiralstab und Reichsmurmeamt mitgeiei.t. 



i66 

Monarchie oder Deutschland trügen. Allerdings mußte man in 
Petersburg nach wie vor darauf bestehen, daß wir den Konflikt mit 
Serbien nicht lösen, ohne Rußland zu konsultieren, dessen Interesse 
bei dieser Frage im Spiele sei. Ich ging auf diese Darlegungen 
Herrn Schebekos nicht weiter ein, begann jedoch ein freundschaft- 
liches, nicht offizielles Gespräch, in dessen Verlauf ich den russischen 
Botschafter auf die vielfachen Torheilen der russischen Balkan- 
politik aufmerksam machte. Es gäbe eine weit breitere Grundlage 
zu einer Auseinandersetzung zwischen uns und Rußland, wenn man 
sich nur einmal in Petersburg dazu entschließen könnte, nicht 
immer und ausschließlich das Schicksal der Balkanstaaten zum 
Angelpunkt des Verhaltens gegen uns zu machen. Herr Schebeko 
antwortete gleichfalls sehr freundschaftlich, erörterte in akade- 
mischer Weise die mannigfaltigen Verpflichtungen Rußlands als 
orthodoxer und slawischer Staat, verwies auf gewisse sentimentale 
Veranlagungen des russischen Volkes und verließ mich mit der Be- 
merkung, eigentlich handele es sich zwischen uns und Rußland um 
ein großes Mißverständnis. Unmittelbar darauf erhielt ich den 
Besuch Dumaines, der ebenso friedliche Töne anschlug wie sein 
russischer Kollege, mit wehmütigem Bedauern auf das kriegerische 
Vorgehen Kaiser Wilhelms verwies und seiner Überzeugung Aus- 
druck gab, es müsse eine Formel gefunden werden, die unseren ge- 
rechten Ansprüchen Rechnung trage, Rußlands Interesse an Ser- 
bien befriedigt und den Weg zum Frieden eröffne.« 

Heute hat der russische Botschafter' Kudaschew einen jüngeren 
Herrn des Ballhausplatzes, Grafen Fcry Kinsky, aufgesucht und ihn 
gefragt, ob Österreich denn verpflichtet sei, Deutschland gegen Ruß- 
land beizustehen. Am Ballhausplatz hält man das Ganze für »in- 
famen Schwindel«, weil Österreich nicht schnell mobilisieren könne 
und Rußland hoffe, daß Österreich es nicht vorzeitig angreifen 
werde. Graf Kinsky hat Kudaschew gefragt, ob die russische 
Mobilisierung vielleicht gegen die Mongolei gerichtet gewesen sei. 

Es ist zweifellos, was auch Graf Kageneck bestätigt, daß man 
russischerscits mit dieser naiv klingenden Anfrage und der osten- 
tativen Nichtprovozierung der Monarchie auch auf militärischem 
Gebiet (die Russen haben ihre Truppen zwei Kilometer von der 
Grenze zurückgezogen) darauf hinzielt, einen Keil zwischen uns und 
Österreich zu treiben. Das Spiel ist hier völlig durchschaut. 

Tschirschky 



• In den Wiener Botschaftsakten richtig »Botschaftsrat«. 



167 



Nr. 705 

Der Botschafter in Paris an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 244 Paris, den 2. August 1914* 

Französische Regierung protestiert h>ei mir gegen 
/ Patrouille sehr ernste Grenzverletzung unserer Trupjx^n bei 

itnverschäniies Pack DeWe bis über die französische io-Kil<)metei-2^>ne 
will uns mit Pro- sowie kriegerische Handlungen mit Tod eines franzö- 
test :{iivorkommey\. sischen Soldaten'. 

hat keine Beden- Stimmung infolge dieser und anderer Nach- 

tung mehr. richten hier sehr erregt. 

Schoen 

* Nach der Ausfertigung. 

2 Aufgegeben in Paris 2. August 11'^ nachm., angekommen im Auswärtigen 
•Amt: 3. August 3" vorm. Eingangsvermerk: 3. August vorm. Am 3. August 
dem Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichssmarineamt 
mitgeteilt. EntzilTerung am 3. August an den Kaiser gesandt, von ihm 
über Generalstab am 4. August ins Amt zurückgelangt. 

ä Siehe Nr. 689, 713, 716, 717, 725 und 869. 



Nr. 706 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 226 London, den 2. August 19 14* 

Für Reichsmarineamt und Admiralstab mit Auswärtigem Amts- 
Schlüssel. 

Heute abend ^Tobilmachu^g der englischen Flotte befohlen. Alle 
Klassen der Reserve unter 55 Jahren Lebensalter sind einberufen 
worden und haben sich sofort auf ihre Schiffe und Landstationen 

zu begeben. 

Marineattach^ 

Lichnowsky 



* Nach der Entzifferung. 

> Aufgegeben in London 2. August 1 1^^ nachm., angekommen im Auswärtigen 
Amt 3 August 4» vorm. Emgangsvermerk : 3. August vorm. Am 3. August 
dem Generalstab, Kriegsmin.sierium, Admiralstab und Reichsmanneaml 
mitgcieilt. 



i68 



Nr. 707 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 227 London, den 2. August 19 14* 

Nach Schluß der Kabinettssitzung hat Admiralität Mobilisie- 
rung der englischen Flotte-Reserven angeordnet. Diese Maßnahme 
darf nicht als endgültige Entscheidung englischer Regierung für ein 
unmittelbares Eingreifen in den Krieg angesehen werden. Glaube 
an vorläufig abwartende Haltung. 

Lichnowsky 

' Nach der Entzifferung. 

■'* Aufgegeben in London 2 August ! i'-^'nachm , angekommen im Auswärtigen 
Amt 3. August 4" vorm. Eingangsvermerk: 3. August vorm. Am 3. August 
dem Generalslab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt 
mitgeteilt. 



Nr. 708 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 228 London, den 3. August 1914' 

Für Generalstab, Reichsmarineamt und Admiralstab mit Aus- 
wärtigem Amis-Schlüssel. 

österreichischer Militärattache teilt soeben mit, daß er aus zu- 
verlässig ' wisse, daß der heutige englische Kabinettsrat 

die Kriegserklänmg gegen Deutschland beschlossen habe. Von 
Mobilmaclumg Expeditionskorps bisher nichts bekannt. 

Militär- und Marineattache 

Lichnowsky 



' Nach der Entzifferung. 

" Aufgegeben in London 12" vorm., angekommen im Auswärtigen Amt 
4' vorm. Eingangsvermerk : 3. August vorm. Entzifferung lag dem Kaiser 
vor, der darauf vermerkt: »4'*N. M.»; über Gcncralstab am 4. August 
ins Amt zurückgelangt. Am 3. August dem Generalstab, Kriegsministerium, 
Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 

^ Zifferngruppe fehlt. 



169 



Nr. 709 

Der Gesandte in Brüssel an das Auswärtige Amt * 

Telegramm 44 Brüssel, den 3. August 19 14' 

Beide Aufträge' ausgeführt, glaube indessen nicht, daß dies 
noch Einfluß auf belgische Antwort ausüben wird, die nach meinen 
Eindrücken negativ ausfallen dürfte. 

B e 1 o w 



* Nach der Entzifferung. 

' Aufgegeben in Brüssel 3' vorm., angekommen im Auswärtigen Amt 4» vorm. 

Eingangsvermerk: 3. August vorm. Am 3. August dem Generalstab und 

Admiralstab telephonisch Mitteilung gemacht. 
' Siehe Nr. 677 und 682. 



Nr. 710 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in London ^ 

Telegramm 214 Berlin, den 3- August 1914^ » 

Größere Anzahl als preußische Offiziere verkleidete Franzosen 
suchten in Automobilen unsere Grenze von Holland aus zu über- 
schreiten. 

Französischer Arzt mit zwei anderen Franzosen suchte Brutinen 
in Metz mit Cholerabazillen zu infizieren. Arzt wurde standrechtlich 
erschossen. Jagow 



1 Nach dem Konzept. Entwurf von Z"^7f ^"^^""L i^tmm ^ndte Jacow 

» (.- vorm. zum Haupttelegraphenamt. Dasselbe Teleg.amm ^"^»^ ^^^^^^^^ 

umer Fortlassung dcs Satzes «Französischer Arzt ...... erschossen* 

gleichzeitig an den Botschaher in Rom. biehe dazu Nr. 694- 
' Siehe Nr. 693. 



170 



Nr. 711 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in 

Konstantinopel ' 

Telegramm 303 Berlin, den 3. August 1914^^ 

Vertraulicli*! 

Mit Bulgarien schweben aussichtsreiche Bünclnisverhandlungen '. 

Jagow 



' Nach dem Konzept, Entwurf von Bergens Hand. Von Zimmermann am 
2. August paraphiert. (Paraphe Bergens fehlt.) 

* Am 3. August 6** vorm. zum Haupttelegraphenamt. 

* Siehe Nr. 58Ü. 

* »Vertraulich« von Jagows Hand beigefügt. 
^ Siehe Nr. (»97 und 854. 



Nr. 712 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in 

KonstantinopeP 

Telegramm 304 Berlin, den 3. August 19 14'' ^ 

Kreuzer Göben ist augenbücklich nicht abkömmlich*. 

Jagow 



' Nach dem Konzept. Entwurf von B. Wedels 1 land. 

» Zum Haupttelcgraphcnamt am 3. August 6'^ vorm. Am 3. August 7" vorm. 

dem Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt 

mitgeteilt. 
' Siehe Nr. 652. 
* Siehe Nr. 683 und Nr. 775. 



171 



Nr. 713 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an die Botschafter in 
London und Rom' 

Telegramm 215, 168 Berlin, den 3. August 1914* 

Dringend! 

Alle französischen Nachrichten betr. Überschreitungen französi- 
scher Grenze durch deutsche Truppen völhg erfunden'. 

J agow 



' Nach dem Konzept von Jagows Hand, 
•j gib vorm. zum Haupttelegraphenamt. 
^ Siehe Nr. 689, 705, 716, 717, 725. 



Nr. 714 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in London^ 

Telegramm 216 Berün, den 3. August 19 14» 

Wir können bestimmt erklären, daß eine Bedrohung der Nord- 
küste Frankreichs unsrerseits nicht erfolgen wird, solange England 
neutral bleibt^. 

Jagow 



» Nach dem Konzept von Jagows Hand, 

2 9^0 vorm. zum Haupttelegraphenamt. 

» Siehe Nr. 66q und 676 Ziffer 2; vgl. ferner Nr. 715. 



172 

Nr. 715 

Der Staatssekretär des Reichsmarineamts an den Kaiser' 

Meldung Berlin, den 3. August 1914* 

Empfehle dringend, daß Reichskanzler an Lichnowsky tele- 
graphiert : 

»Vorgehen gegen nordfranzösische Küste nicht beabsichtigt, so- 
lange England neutral bleibt. u 

Deutsch-englische Kabol sind in Betrieb. 

Selbst bei späterer Krieeserklärung Englands gewinnt Mobil- 
niacliung der Marine und wirtschafththe Mobilmachiing durch Hin- 
halten ^. 

Allerunter tänigst 

V. Tirpitz 



' Nach der Austcrt gung 

' Eingangsvermerk des Amts: 4. August nachm. Vom Kaiser am 3. August 
dem Reichskanzler zugestellt; dessen Kandvermerk: »Ist bereits erfolgt. 
V B. H 3.U Abschrift des Berichts an den Kaiser am 3 August von Tirpit« 
dem Reichskanzler übersandt Eingangsvermerk des Auswürtijj;en Amts: 
4. August , mit folgendem Zusatz: »K\v. Exz. beehre ich mich gehorsam.st 
mttzutt-iien, d.ilJ ich vorstehende Meldung auf Anfrage Sr. M. des Kaisers 
und Königs eingereicht habe«, v. Tirpitz 

3 Vgl. Nr. 714. 



Nr. 716 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter 

in Paris ^ 

Telegramm 192 Berhn, den 3. August 1914'' 

Nach positiven Erklärungen militärischer Stellen haben deutsche 
Truppen bisher nirgends französisclie Grenze überschritten ; dagegen 
steht wegen fortgesetzter Grenzüberschreitungen durch französische 
Truppen Abbruch der diplomatischen Beziehungen unmittelbar be- 
vor 3 *. 

Jagow 

' Nach dem Konzept, Entwurf von Stumms Hand. 

'■^ Am 3. August 10" vorm. zum Hauptteiegraphenamt. 

' Siehe Nr. 68q, 703, 713, 717, 725; siehe ferner Nr. 722, die vielleicht 
früher als Nr. 71t) anzusetzen ist. 

• »Dieses Telegramm kam in l\iris günzlich verstümmelt an und konnte 
nicht enlzitfcrt werden.« Sieiie Nr. 776, M09 und Aktenvermerk des Bot- 
schafters von Schoen vom 7. August 1914. 



Nr. 717 

Entwurf eines nicht abgesandten Telegramms des Reichs- 
kanzlers an die Botschafter in London und Rom' 

[Berlin, den 3. August 1914] 

Bis zur Stunde hat kein deutscher Soldat Grenze überschritten. 
Dagegen stehen seit dieser Nacht 3 Kompagnien Franzosen auf 
elsässischem Boden. Außerdem sind französische Flieger in großer 
Zahl unter Neutralitätsverletzung über belgisches und liolländischcs 
Gebiet auf deutsches Gebiet vorgedrungen*. 

Bethmann Hollweg 

* Nach dem Konzept von des Reichskanzlers Hand. Kandnotiz vom 
3. August besagt, daß die Telegramme auf Anordnung Stumms nicht ab- 
gingen, datür Nr. 725. 

* Siehe Nr. 689 und die dort angeführten Nummern. 



Nr. 718 

Die Nachrichtenabteilung des Admiralstabs der Marine 
an das Auswärtige Amt' 

Telegramm (ohne Nummer) Brüssel, den 2. August 1914^ 

Belgische Mobilisation vollzieht sich in überraschender Schnel- 
ligkeit. Beweis vorzüglicher \'orbereitung. Kriegsstärke 
200000 Mann wird voll erreicht. Regierungsseitig veröflFentlichte 
Erklärung deutschen und französischen Gesandten, daß beide Mächte 
Belgiens Neutralität respektieren werden, wirkte etwas beruhigend 
auf geängstete Bevölkerung auf allen Gebieten. Geschäftsstockung, 
Geldpanik andauert, Regierungskassen emittieren neugedruckte, bis- 
her nicht existierende Fünffrankscheine als Ersatz für verstecktes 
Silbergeld, im Einzelverkauf bereits Lcbensmittelknappheit fühlbar, 
da Magazine angesichts starker rapider Preissteigerung mit \'or- 
räten zurückhalten. Nachricht Einmarsch deutscher Truppen 
Luxemburg wirkte konsternierend. Haltung klerikaler Regicrungs- 



' Nach der A'-'Schrift eines Telegramms, das urgent ^dringend an •Abend- 
zeitung Berlin« abgesch ckt wurde; Brüssel ab 2. AugüSl 7° nachm. Ab- 
schrift wurde ohne Anschreiben ühcrsandt. 

^ Kingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 3. August. Am 4. August ti«* nachm. 
dem Generalstab telephonsch mitgeteilt. Am 5. August abschrifüich dem 
Generalstab und Kriegsministerium mitgetedt. 

Aktenstücke IIL '3 



174 

{)resse streng neutral, ebenso der großen anständigen liberalen 
Organe. Wegen aufreizend gehässiger Stellungnahme für Frankreich 
wurde »Petit bleu«, Organ des Spielpächters Marquet, konfisziert. 
vChronjvre«[?] nimmt ebenfalls offen feindlich gegen Deutschland 
Partei. Mit fieberhafter Spannung erwartet man entscheidende Ant- 
wort Englands bezüglich Schutzes Antwerpener Hafen^^und Scheide. 
Regierung nimmt vorläufig von Übersiedelung nach Antwerpen, 
Überführung Archive dahin Abstand, jedoch sandte Nationalbank 
Goldvorräte nach dort. Gestern und heute abreisten hunderte deut- 
scher Reservisten nach Deutschland, viele mit Frau und Kindern; 
zahlreiche zurückbleibende Landsleute gaben ihnen das Geleite unter 
begeistertem Abschied auf Nordbahnhof. Zwei betrunkene deutsche 
Arbeiter insultierten leider belgischen Offizier, der sie verhaften ließ. 
Aus Stavclot wird gemeldet, daß nach Unterbrechung der Eisenbahn 
Stavelot-Malmedy Pioniere in die militärisch bewachten Tunnels 
Minen legten, auch die Chausseen durch gefällte Bäume, Stacheldraht 
blockierten. Fast sämtliche Kohlenbergwerke Belgiens mußten För- 
derung vermindern, teilweise einstellen wegen Arbeiter- und Pferde- 
mangel. Französische Flugzcugquadrille wurde von Douay nach 
Reims als Zentrum verlegt und mit Kriegsmotoren versehen. Flug- 
zeuge, Lenkballons verschiedentlich längs der Grenzen gesichtet. 
Ostende-Boote melden Zusammentreffen mit englischen Kreuzern im 

Kanal. ..^ 

D u n t z 



' In der Abschrift steht zwischen » Antwerpener « und »Hafens«: »'an«. 



Nr. 719 

Entwurf eines nicht abgesandten Telegramms des Reichs- 
kanzlers an die Botschafter in London und Rom ^ 

Berlin, den 3. August 1914* 

Die von Frankreich verbreiteten Nachrichten, daß wir Grenz- 
verletzungen begangen, ja sogar in Frankreich einmarschiert seien, 
absolut unwahr. Bis heute vormittag kein deutscher Soldat auf 
französischem Boden. Dagegen die zahlreichen dorthin mitgeteilten 
Grenzverletzungen der Franzosen und seit heute nacht mehrere Kotu- 
pignien Franzosen deutsche Dörfer im Elsaß besetzt haltend. 

V. B e t h m a n n 1 1 o 1 1 w c g 



' Konzept von «.ier Hand des Reichskanzlers. 

* Am F^andc Stumms Vermerk vom 3. Auj;ust: »Auf Befehl S. E. (des 
Staatssekretärs) Cessat.« 



/.•> 



Nr. 720 

Der englische Botschafter an den Staatssekretär 
des Auswärtigen^ 

Berlin, den 2. August 1914* 

My dear Secretary of State, 

I did not fail to ask my Government at once wbat was the 
meaning of the stoppage of all telej^rapiiic coinmunication by cai;le 
and otlierwise on the English side'. I have just received tlic 
following answer from Sir Edward Grey: 

"I am informed that delay has been due to extraordinary 
<:ongestion. Even our own Govemment messages have been consder- 
ably delayed. I understand hnes are now working satisiactorily." 

• I was as surprised as you must have been to hear tlie news 
that telegraphic communication had been stopped as I have heard 
nothing from England that could possibly Warrant the belief that 
the stoppage was due to any Government measure. In fact during 
the last few days I have received nothing but 'formulas' framed 
for the preservation of peace (vvliich I read ciirsorily to Zimmer- 
mann this morning*) and for the continuation of discussions, between 
Russia and Aiistria. Alas! the day seems to have gone by for these 
excellent formulasl 

Yours very sincerely 
W. E. Goschen 

Diese formulas are mcant, to throw dust 
iu the olher peoples j'accs, ut aliquid fieri 
videalur! If Grey wanied really to preserve 
peace he need only as Printe Henry su^i^ested 
on -jgth Juh' intimate to the two allies France 
^ Russia — not to mobili'^e but to wait, tili 
the pourparters whicn 1 was dircctinf^ had succeeded 
or oiherwise, between Vienna and Russia. 

W. 



' Nach der Ausfertigung. . . 

* Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 3. August vorm. Austerngung lag 

dem Kaiser vor, der darauf vermerkt: .4- VIH. M- ^ ^' ^' "^ ' ^^'•"'^' 

ins Amt zurückgelangt. 
^ Siehe N . 654, d^ und 6i6. 
■* Vgl, englisches Blaubuch Nr. 132. 

i3- 



176 



Übersetzung 
Mein lieber Staatssekretär! 

Ich habe nicht verfehlt, sofort bei meiner Regierung anzufragen, was die 
Eins' eilung jeder Kabel- und iinderweitigen telegraphischen Verbindung zu be- 
deuten habe. Ich habe soeben die folgende Antwort von Sir E. Grey erhalten: 

»Es wird mir mitgeteilt, daß die Verzögerung durch außerordentliche 
Überlastung veru sacht worden ist. Sog;ir die Telegramme unserer eigenen 
Regierung sind bedeutend verzögert v. orden. Ich höre, daß die Linien nun- 
mehr zutriedenstellend arbeiten.« 

Ich war ebens > erstaunt, wie Sie es gewesen sein müssen, als ich hörte, 
daß die telegraphische Verbindung unterbrochen worden sei, d.i ich aus England 
nichts erfahren I atte, was irgendwie die Annahme rechtfertigen könnte, daß 
die Unterbrechung auf eine Maßnahme der Regi rung zurückzuführen sei. 
Tatsüchlicii habe ich während der letzten Tage nur »Formeln« erhalten (ich 
habe sie heute vormittag Zimmermann flüchtig vorgelesen), die auf Erhaltung 
des Fri dens und auf Fortsetzung der Besprechwif^en zwischen Rußland und 
Österreich abzielten. Leider scheint die Zeit für diese ausgczeic.neten Formeln 
vorbei zu sein! 

Diese Formeln sind darauf berechnet, 
andern Leuten Sand in die Augen :fw 
streuen, damit es so aussehe, als ob 
etwas geschehe! Wenn Grey wirklich 
den Frieden erhalten wollte, braucl^e 
er nur, wie Irin-; Heinrich am 2(). Juli 
aniserect hat, den beiden \'erhimdeten 
Frankreich und Rußland na/ic^tiici^cn — 
nicht yUinolulisiercn, sondern ab:;uwarten, 
TiTäw vu)i mir geleitet' n Besprechungen 
pvisclien Wien und Rußland Frfolg 
hatten oder nicht. ii/ 



Nr. 721 

Aufzeichnung des Vortragenden Rats im Auswärtigen Amt 
Grafen Montgelas für den Staatssel^retär des Auswärtigen* 

Berlin, den 3. August 1914* 
Der Oberkommandierende in den Marken hat mitgeteilt, daß 
er angesichts der autlientiscli nachgewiesenen Grenzverletzungen 
genötigt sei, gegenüber der franzö.sischen Botschaft und den Franzosen 
die gleichen Maßregeln zu erg eifen, wie sie gegenüber der russischen 
Botschaft und den Russen bereits ergriffen seien. 

Montgelas 

' Niich der Ausfertigung. 

' Eing.mgsvermcrk des Auswärtigen Amts: 3. August vorm. D izu die Rand- 
bemerkung Jagows vom 3. August: »Was sind das für Maßregeln? Wir 
smd noch nicht im Kriegszustand. Diplomaten sind daher noch akkre- 
ditiert«. 



/ / 



Nr. 722 

Der französische Botschafter an den Staatssekretär 
des Auswärtigen' 

Berlin, den 3. August 1914' 

L'Ambassadeur de France a l'lionneur de faire savoir a Soii 
Excellcnce Monsieur le Sccrctaire d'Etat des Affaires Etranpcres 
qu'il a rcgu du Gouvernement de la Rcpublique les information> 
suivantes: 

« Les autorites administratives et miliiaires frangaises de la 
region de l'Est ont Signale hier au Gouvernement de la Rcpublique 
plusieiirs violations de la frontiere frangaise commises par les troupe.s 
allemandes. 

L'un de ces faits s'est produit a Delle', dans la region de Beifort: 
ä deux reprises, le poste de douane frangais stationne dans celtc 
localite a etc l'objet d'une fusillade de la part d'un detaclicincnt de 
soldats allemands. Au Nord de Delle, deux patrouilles allemandes du 
^«me chasseurs a cheval ont franchi la frontiere dans la matinee du 
2 aoiit et penetre jusqu'aux villagcs de Joncherey et Baron ä plus de 
dix kilometres de la frontiere. L'officier qui commandait la premicre 
a brüle la cervelle ä un soldat franc^ais. Les cavaliers allemands ont 
emmene des chevaux que le maire frangais de Suarce ctait en train de 
rc'unir et ont force les liabitants de la commune ä conduire les dits 
chevaux. ^ 

L' Ambassadeur de la Rcpublique, d'ordre de son Gouvernement, 
Proteste formellement aupres du Gouvernement Imperial contre ces 
faits qui constituent une violation caracterisee de la front dro fran- 
gaise par des troupes allemandes en armes et que rien ne justifie. II 
est Charge de declarer ä Son Excellence Monsieur le Secretaire d'Etat 
des Affaires Etrangeres que le Gouvernement de la Rcpublique ne 
peut que laisser au Gouvernement Imperial l'entiere responsabilite 
de ces actes*. 



' Nach der nicht unterzeichneten Ausfertigung. Vgl. französisches Gelbbuch 
Nr. i3() vom 2. August. 

- Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 3. August vorm. Am Rand der 
Vermerk von der Hnnd des Reichskanzlers: »Gen.reralj v. Moltke hat mich 
persönlich versichert, bis heute vormittag 10 Uhr sei kein deutscher 
Soldat auf französischem Boden gewesen. Bitte die Sache durch General- 
stab aufklären lassen, v. B. H. 3. 8«. 

■' Siehe Nr. 70s. 

' Siehe Nr. 7 16, die vielleicht später als Nr. 722 anzusetzen ist: ferner Nr.Söo. 



.78 

Übersetzung 

Der französische Botschafter hat die Ehre, Sr. Exz. dem Herrn Staats- 
sekretär des Auswärtigen zur Kenntnis zu bringen, daß er von der Regierung 
der Republik die folgenden Mitteilungen erhalten hat: 

»Die französischen Verwaltungs- und Militärbehörden der östlichen Be- 
zirke haben gestern der Regierung der Republik mehrere Verletzungen der 
französischen Grenze durch die deutschen Truppen gemeldet. 

Einer dieser Vorfälle hat sich bei Delle im Bezirk von Beifort ereignet: 
Zweimal wurde der in dem genannten Ort stehende Posten der Zollwache 
von einer Abteilung deutscher Soldaten beschossen. Nördlich von Delle 
haben am Morgen des 2. August zwei deutsche Patrouillen des 5. Regiments 
Jäger zu Pferde die Grenze überschritten und sind bis zu den Dörfern von 
Jonchercy und Baron, mehr als 10 km jenseits der Grenze, vorgedrungen. 
Der die erste Patrouille befehligende Offizier hat einen französischen Soldaten 
t.TSchossen. Die deutschen Reiter haben Pferde fortgetrieben, die der Bürger- 
meister von Suarce eben zusammenbringen wollte, und die Einwohner der 
Gemeinde gezwungen, die Pferde wegzuführen.« 

Der Botschafter der Republik erhebt im Auftrage seiner Regierung förm- 
lichen Einspruch bei der k. Regierung gegen diese Handlungen, die eine deut- 
liche Verletzung der französischen Cirenze durch bcwatVnete deutsche Truppen 
ohne jede Rechtfertigung bilden. Er ist beauftragt, dem Herrn Staatssekre- 
tär zu erklären, daß die Regierung der Republik der k. Regierung die volle 
Verantwortung für diese Handlungen zuschieben muß. 



Nr. 723 

Die österreichisch-ungarische Botschaft an das 
Auswärtige Amt^ 

Berlin, den 3. August 191 4* 

Graf S/.'ipäry telegraphiert aus Petersburg unterm 31. Juli: 
Situation noch unklarer geworden. Dem italienischen Bot- 
schafter wurde, in Abwesenheit der Herren Sasonow und Nevatow 
(beim Kronrat in Peterliof), vom l-'ürsten Trubctzkoi erklärt, Situ- 
ation sei verändert, da wir die »offene Stadt« Belgrad beschossen 
hätten, und das am selben Tage, wo von uns Anwendung der dies 
angeblich verbietenden Bestimmungen vom Haag in Aussicht ge- 
stellt worden. Dasselbe Argument wurde bereits von Herrn 
Sasonow mir gegenüber verwertet, als ihm die Nachricht von Be- 
schießung Belgrads zukam. 

Aus dem, was mir deutscher Botschafter über Unterrcdtnig mit 
Sasonow vor und nach dem Kronrat mitteilte, schließe ich, daß auch 
die heutige Beratung in Peterliof Situation nicht klarer definiert 
habe und Stellungnahme unbestimmt geblieben. 



' Nach der nicht unterzeichneten Ausfertigung. 

' Von Baron Haymerle dem Auswärtigen Amt am 3. August übergeben 
Eingangsvermerk: 3. August. 



'7«' 

Heute völlige Stille um die Rotschaft; 1 Demonstrationen ha!» n 
aufgehört. Korrespondent des »Russkoje Slow-..., welcher mit Aus- 
wärtigem Amt in engster Fühlung, war auf der Rotschaft un<l hat 
angefragt, oh Gerücht österreichisch-ungarischen Ultimatums wegen 
russischer Mobilisierung sich bestätige. Dies wäre irreparabel. 

In Rürgerschaft macht sich Furcht vor ökonomischen lu)lgcn 
Krieges bemerkbar. 

Im Ministerrat Sasonow und Kriwoscliein angeblich gegen 
Krieg, ebenso Handelsminister. Neben Militärs auch Minister- 
präsident Goremykin und Minister des Innern für den Krieg. 

Von »Note explicative« über russische Mobilisierung ver- 
lautet bisher nichts. 

Telegramm Grafen Szäpärj's vom i. August: 

Russischer Minister soll gegenüber Eröffnungen deutschen 
Rotschafters darauf verwiesen haben, daß Sistierung der Mobili- 
sierung zwar unmöglich, daß aber Zar bindende Zusage erteilt habe, 
es sei trotzdem kein Anlaß zur Beunruhigung. (!!) 



Nr. 724 

Die dänische Gesandtschaft an das Auswärtige Amt' 

Berlin, den 2. August 1914' 
Aufzeichnung 

Die k. dänische Gesandtschaft beehrt sich hiermit, erhaltenem 
Auftrage gemäße dem k. Auswärtigen Amte mitzuteilen, daß die 
k. dänische Regierung in Betracht der Nachrichten, welche sich in 
ihrem Besitz am i. d. M. befanden imd welche darauf deuteten, daß 
eine umfassende Kriegsvorbereitung in Deutschland im Gange war, 
sich dann entschloß, die Einberufung der Sicherungsstärken erfolgen 
zu lassen. 

Diese Stärken umfassen im ganzen 18000 Mann, mit welchen 
die Friedenspräsenzstärke ergänzt werden. 

Die einberufenen Mannschaften werden in <Ien verschiedenen 
Garnisonen des Landes verteilt. 

* Nach der nicht unterzeichneten Ausfertigung. 

2 Datum steht im Original unter dem Text. Eingangsvermerk des Aus- 
wärtigen Amts: 3. August. Randvermerk von RaJowitz' Hand vom 
3. August: »Von Graf Moltke in Bestätigung seiner gestrigen telephonischcr 
Mitteilung überreicht. Ist den militärischen Stellen bekannt«. 

^ Siehe Nr. 616. 



i8o 



Nr. 725 

Der Staatssekretär des Auswärtigen an die Botschafter 
in London und Rom^ 

Telegramm 217, 169 Berlin, den 3. August 1914^ 

Alle gestrigen Nachrichten über Grenzverletzung seitens Fran- 
zosen bestätigen und mehren sich. 

Dagegen französische Nachrichten, daß deutsche Truppen 
französische Grenze überschritten haben, völlig erfunden. Gestern 
sind in Vogcsenpässen westlich Colmar französische Abteilungen 
über unsere Grenze gerückt. Franzosen haben zuerst geschossen. 
t31:)er Kaiserbrücke Mainz Bomben aus Luftschiffen geworfen. 
Noch mehrfach französische Luftfahrzeuge wahrgenommen'. 

Ingo w 



' Nach dem Konzept von Jagows Hand. 
'^ 10'^ vorm. zum Haupttclcf^raphenamt. 
Siehe Nr. 681), 705, 713, 716, 717. 



Nr. 726 

Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt ^ 

Telegramm ^08 Therapia, den 2. August 1914^' 

Bündnisvertrag heute nachm. vier Uhr gezeichnet. Text folgt*. 

W angen h e im 



Nach der Entzifferung. 

Auf^cpebe^ in Therapia 2. August 6' nachm., angekommen im Auswürtigen 
Amt 3. August 11^' vorm. King mgsvcrmcrk: 3. August nachm. Am 
3. August dem Gcncralstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Rcichs- 
marine.imt mitgeteilt. 

Dieses Tel gramm erfolgte im Anschluß an < in längeres Telegramm, das 
aber erst sp.'lter 5^"" nachm. im Ausw.'lrtigcn Amt einging, und worin ver- 
schi ■denc Möghchk.iten für ein militärisches Eingreiten der Türkei er- 
örtert wurden. 
Siehe Nr. 733, 751 und 775. 



i8i 

Nr. 727 

Der Gesandte im Haag an das Auswärtige Amt* 

lelegramm 29 Haag, den 3. Augiist 1914* 

Waalmündvingen durch Minen gesperrt, iiericht unterwegs. 

Müller 



' Nach d<.r Entzifferung. 

^ Autgegi ben im Haag 9*" vorm , angekommen im Auswärtigen Amt 
u" vorm. Eingangsvermerk: 3. August nachm. Am 3. August dem 
Gtrncialstab, Knegsministerium, Admirals;ab (doppelt! und Reichmarine- 
amt mitgeteilt. 



Nr. 728 

Der Reichskanzler an den Gesandten in Sofia' 

Tejegramm 47 Berlin, den 3. August 1914" 

Ew. Exz. sind zu entsprechender Verhandlung ermächtigt. Bitte 
vor Abschluß drahten, welche aktiven Verpflichtungen, namentlich 
militärischer Hinsicht, Bulgarien zu übernehmen vorschlägt*. 

Bethmann Hollweg 

» Nach dem Konzept. Entwurf von Zimmermanns Hand. 
- ii^^^ vorm. zum Haupttelegraphenamt. 
^ Siehe Nr. Ö97. 
* Siehe Nr. 857. 

Nr. 729 

Der Reichskanzler an den Geschäftsträger in Bukarest' 

Telegramni 71 Berlin, den 3. August 1914' 

Dringend! 

Aussichtsreiche Verhandlungen mit Bulgarien über Bündnis- 
anschluß schweben^ Bitte dies sofort König mitteilen und fragen, 
ob vertraghche \erpflichtung Bulgariens, auf Dobrudscha zu ver- 
zichten, solan£^e Rumänien mit Dreibund gcJTt, ihm genügt, und Ru- 
mänien dann mit uns gegen Rußland geht. Größte Eile geboten . 

Bethmann Hollweg 



• Nach dem Konzept. Entwurf von Jagows Hand. 

• 12* nachm. zum Haupttelegraphenamt. 
' Siehe Nr. 697. 

• Siehe Nr. 868. 



l82 



Nr. 730 

Der luxemburgische Staatsminister und Präsident der 
Regierung an den Reichskanzler und den Staatssekretär des 

Auswärtigen ^ 

Telegramm (ebne Nummer) Luxemburg, den 3. August 1914* 

Für das mir gestern übersandte Telegramm ^ 
l)czüglich der Besetzung Luxemburgs durch deutsche 
Ti^ippen spreche ich Ihnen meinen Dank aus. So- 
eben verteilt man in der Stadt Luxemburg eine 
Proklamation des Kommandierenden Generals des 
8. Armeekorps Tulff von Tschecpe, welches folgende 
Worte enthält : 

»Nachdem Frankreich, die Neutralität Luxem- 
burgs nicht achtend, wie zweifelsfrei festgestellt, die 
Feindseligkeiten von luxemburgischem Boden aus 
gegen Deutschland eröffnet, haben S. M. Befehl er- 
teilt, daß auch deutsche Truppen in Luxemburg 
einrücken.« 
Flii'i^er sind über Es beruht dies auf Irrtum. Es befinden sich auf 

Luxemburg pi uns luxemburgischem Boden absolut kein französisches 
u'ekommen. Über- ;Miiitär, noch irgendwelche Anzeichen von einer Be- 
Jhefjen eines Neu- Drohung der Neutralität von selten Frankreichs. 
A>t"^s-H'cc/'en Isi ^^ Gegenteil, ani i. August. Samstag abends, wurden 

^\.jjI\i vi tJ.., auf französischem Boden bei Mont saine* Martin 
ein brucn der I\cu- . ^ , . , i^- , t r • 

tr\ilii:it Longwy die Schienen der Eisenbahn aufgerissen. 

Das beweist, daß bereits damals die Absicht nicht 

vorlag, per Bahn nach Luxemburg vorzudringen. 

Der Staatsminister Präsident der Regienmg 
E y s c h e n 



' Nach einer Abschriü. 

' Die beiden identischen Telegramme wurden aiifgeg.ben in Luxemburg 
10" vonn., aufgenommen im Berliner Hauptte'egraphenamt n^" v<>rm. 
Telegramm an Jagow t;ing 12^ nachm. im Amt ein. Eingangsvermerk: 
3. August nachm. Abschrift lag dem Kaiser vor, von ihm am 3. August 
an den Generalstab gegeben, durch diesen am 4. August ins Amt zurück- 
gelangt. Eyschens Telegramm am 3. August dem Genera'.stab, Kriegs- 
ministerium, Admiralstab und Rcichsmarineamt miigeteilt. 

' Siehe Nr. ü^f). 

* So in der Abschrift für -Saint«. 



Nr. 731 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt* 

Telegramm 230 London, den 3. August 1914' 

Einmarsch in Frankreich ohne Krieg hat hier verhängnisvollen Ein- 
druck licr vorgerufen und Rechtsgefühl der Engländer schwer verletzt, 
Bitte dringend Aufklärung zur Verwertung'. 
Mor,t;enblätter verurteilen unser Vorgehen und bezeichnen uns 
als eigentliche Friedensstörer. Lichnowsky 

' Nach der Entzitlerung. 

■■* Aufgepeben in London 9'" vorm., angekommen im Auswiinigcn Amt 

12^' nachm. Eingangsvermerk: 3. August nachm 
' Siehe Nr. 742 und 744. 

Nr. 732 

Der Botschafter in London an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 229 London, den 3. August 1914' 

Zeitungen melden Beschlagnahm.e englischer Dampfer im Kaiser- 

Wilhelm-Kanal, ebenso Bewegung deutscher Flotte nach Westen. 
Bitte dringend Aufkläiung, um Berichtigung eintreten lassen 

zu können*. 

Hiesige öffentliche Meinung nimmt seit gestern entschiedene 

Stellung gegen uns. Lichnowsky 

' Nach der Lntzilierung. 

- Aufgegeben in London 9'' vorm., angekommen im Auswärtigen Ami 
12" nachm. Eingangsvermerk: 3. August nachm. Am 3. August dem 
Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt mitgeteilt. 

■' Siehe Nr. 747. 

Nr. 733 

Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt' 

Telegramm 409 Therapia, den 2. August 1914* ' 

Text des Bündnisvertrages 
Formel 
Constantinople, le 2 aoüt 1914 
1« Les deux Puissances contractantes s'engagcnt dobserver 
une stricte neutralite en face du conflit actuel entre l'Autrichc- 
Hongrie et la Serbie. 

' Nach uer Entzilleruiii;. 

=« Aufgegeben in Therapia 2. .August S^ nachm., angekommen im Ausw.lrtigen 
Amt 3. August 12*5 nachm. Eingangsvermerk: 3. August nachm. DemGeneraJ- 
stab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichsmarineamt nicht miigeteih. 

^ Siehe Nr. 726, lerner auch 751 und 775. 



i84 

2° Dans le cas oü la Russie interviendrait par des mesures 
militaires actives et crecrait par la pour rAllemagne le casus foederis 
vis-a-vis de l'Autriche-Hongrie, ce casus foederis entrerait egale- 
ment en vigueur pour la Turquie. 

3*^ En cas de ^ucrre rAllemagne laissera sa niission militaire ä 
la disposition de la Turquie. 

Celle-ci, de son cote, assure ä la dite niission militaire une 
influence effective sur la conduite generale de rarmoe, conformdinent 
ä ce qui a ete convenu directement entre Son Excellence le Ministre 
de la guerre et Son Excellence le Chef de la mission militaire. 

4*> L'Allemagne s'engage, au besoin par les armes * 

le tcrritoire Ottoman au cas oü il scrait menace. 

5° Cet accord qui a ete conclu en vue de garantir les deux 
Empires des complications internationales qui pourraient resulter du 
conflit actuel, entre en vigueur des sa signature par les plenipoten- 
tiaires susmentionncs et restera valaMe, avec les obligations mutuelles 
analogues, jusqu'au 31 decembre 191 8. 

6" Au cas oü il ne sera pas denoncd par l'une des hautes Par- 
ties contractantes six mois avant l'expiration du delai ci-haut fixd, 
ce traite continuera a etre en vigueur pour une nouvelle pcriode de 
cinq ans. 

y° Le present acte sera ratifie par Sa Majeste l'Empereur 
d'Allemagne, Roi de I'russe et Sa Majeste l'Empereur des Otto- 
mans, et les ratifications seront ccliangees dans le dcIai d'un mois ä 
partir de la date de la signature. 

8° Le pre.'^ent accord restera secret et ne pourra etre rendu 
public (ju'a la suite d'un accord conclu entre les deux hautes partics 
contractantes. 

En foi de quoj etc. 

l'Vhr. V. Wangciihcim Said ?lalim 

Zu 3: Türken wünschten diesen Wortlaut mit Rücksicht 
auf Umstand, daß S. M. Sultan Oberbefehlshaber türkischer 
Armee ist. General Liman hat mir indessen vorher amtlich mit- 
geteilt, daß er mit Kriegsminister Enver ein detailliertes Abkommen 
bewerkstelligt habe, welches die tatsächliche Oberleitung 
durch die Militärmission — wie im dortigen Telegramm Nr. 275" 
verlangt — gewährleistet. 

Zu 7: Großwcsir wünscht ausdrücklich Ratifikation des \'^er- 
trages durch beide Souveräne, damit Türkei unbedingt verpflichtet 
bleibt, auch falls er etwa gestürzt werden sollte. Erbitte daher 
zunächst baldmöglichst Zusendung Allerhöchster .Sondervollmacht. 

Original des Vertrages behalte ich bis zu nächster Feldjäger- 
Gelegenheit hier. w; o r. r^ «. „ v, « ; »>, 
" Wangenrieim 

' Ziffernpruppc fehlt. 
' Siehe Nr. -^20. 



185 

Übersetzuiif; 

1. Die beiden vertragschlielJcncIcn Teile vorpflichten sich, gegenüber dem 
gegenwärtigen Konflikt zwischen Österreich- Ungarn und Serbien strikte Ncu- 
tralitilt zu bewahren. 

2. Falls Rußland mit aktiven militärischen Maßnahmen eingreifen und 
dadurch für Deutschland den casus foederis gegenül)er Österreich-l'ngarn 
herbeiführen sollte, so würde dieser casus foederis ebenlalls für die Türkei 
in Kraft treten. 

3. Im Kriegsfcille wird Deutschland seine Militürmission zur Verfügung 
der Türkei belassen. 

Die Türkei ihrerseits sichert der genannten Militürmission, entsprechend 
den zwischen Sr. Exz. dem Kriegsminister und Sr. Kxz. dem Chef der MiittSr- 
mission unmittelbar getroffenen Vereinbarungen, einen wirksamen Kinflul^ auf 
die allgemeine Armeeführung zu. 

4. Deutschland verpflichtet sich, das (iebiet des ottomanischen Reiches 
im Falle der Bedrohung nötigenfalls mit den Walfen 

5. Dieses Abkommen ist getroffen, um die beiden Reiche vor den inter- 
nationalen Verwicklungen zu schützen, die aus dem gegenw.lrtigen Konliikt 
entstellen konnten; es tritt in Kraft, sobald es durch die erw.ihnten Mevoll- 
müchtigien unterzeichnet ist, und bleibt nebst den gegenwärtigen ähnlichen 
Verpflichtungen bis zum 31. Dezember 1918 in Gültigkeit. 

6. Falls dieser Vertrag nicht durch einen der hohen vertragschließenden 
Teile sechs Monate vor Ablauf des hier oben genannten Termins gekünJig. 
wird, bleibt er für einen weiteren Zeitraum von lünf Jahren in Kralt. 

7. Die vorliegende Urkunde wird durch S. .M. den deutschen Kaiser, 
König von Preußen und S. M. den Kaiser der Ottomanen raiiHziert, und die 
Ratifikationen werden binnen eines Monats nach dem Datum der Unter- 
zeichnung ausgetauscht. 

8. Der gegen wiin ige Vertrag bleibt geheim und kann erst nach einem 
zwischen den beiden hohen vertragschließenden Teilen getroffenen Oberein- 
kommen veröffentlicht werden. 

Zu Urkund dessen usw. 

Nr. 734 

Der Reichskanzler an den Botschafter in Paris ' 

Telegramm 193 Berlin, den 3 August 1914* 

Dringend ! 

Deutsd.e Truppen hatten bis jetzt Befehl, franzö^iscl e Grenze 
strengstens zu respektieren, und diesen üterall strikt befolgt. Dagegen 

^ Nach dem Konzept. Entwurl von Jagows Hand, mit Änderungen von 

Zimmermanns Hand. 
3 1* nachm. zum Haupttelegraphenamt. — Telegramm kam in Paris ver- 
stümmelt an. Am 6. August legte der Botschafter in Paris dem Reichs- 
kanzler eine Abschrift oer verstümmelten E'itzifferung isiche Nr 734a 
und eine Abschrift der von ihm der franzosischen Ueg erun.; '- ■ • ' e en 
Mitteilung vor siehe Nr 734b . Diesen Abschritten ist bei,.;e: , eil- 

schreiben Schoens Eingangsvermerk des Auswärtigen Ar... . . .- guM 

nachm. ; dazu \ermerk Jagows »Es er<;chtint mir nötig, dies m der Pre-se 
aufzuklären ■ nd unsern 1 e\t der Kriegserkkirung zu verürietillichen.« Am 
7. August nachm wurde dem WoIHschen Telegraphenbüro die in Nr. 734c 
wiedergegebene Erklärung übersandi. 



i86 

haben trotz Zusicherung der lo Kilometer-Zone französische Truppen 
schon gestern bei Ahmünsterol und auf Gebirgsstraße in Vogesen 
deutsche Grenze überschritten und stehen noch auf deutschem Ge- 
biet ^. Französischer Fheger, der belgisches Gebiet überflogen haben 
muß, wurde bei Versuch, Eisenbahn bei Wesel zu zerstören, schon 
gestern herabgeschossen. Mehrere andere französische Flugzeuge sind 
gestern über Eifelgebiet zweifelsfrei festgestellt. Auch diese müssen 
belgisches Gebiet überflogen haben. Gestern warfen französische 
Flieger Bomben auf Bahnen bei Karlsruhe und Nürnberg*. 

Frankreich hat uns somit in Kriegszustand versetzt. Bitte 
Ew. Exz., vorstehendes heute naclimittag 6 Uhr dortiger Regierung 
mitteilen, Ihre Pässe fordern und nach Übergabe der Geschäfte an 

amerikanische Bot-cliaft abreisend -r. , ^t ,, 

Bethmann Hollweg 



Siehe Nr. 716, 725, ferner 73g. 
Siehe Nr. 664. 

«FVankreich hat Botschaft alireisen« von Zimmermanns Hand 

beigelügt, an Stelle des ursprünglich von Jagnw niedergeschriebenen Satzes: 
»Wir müssen hiermit Friedensverletzung seitens Frankreichs und Herbei- 
führung des Kriegszustandes und Verletzung der Neutralitat Belgiens 
seitens Frankreichs konstatieren und protestieren hiergegen, u 



Nr. 734 a 

Verstümmelter Text der Kriegserklärung an Frankreich^ 

Telegramm 193 Berlin, den 3. August 1914 

Deutsche j£rwolirungen hatten Brennerei kel italienischer Bot- 
schafter. Wir würden Grenze strengstens respektiert und avisiert Jnh 
strikt befolgen. Dagegen Iiaben trotz köri)erlich 10 Ihnen Zone franzö- 
sisch aneinander schon Elena bei alt niü ansehen erol und Hypothek 
Gebirge Strasse, Ülxireinkunft iu ge sen ante Howard ultramontan und 
angesichts noch auf relativ Gebiet. Französische Flieger der Belgien 
Gebiet traite begründet kurz zu warten wurde bei Versuch Bassora 
bei Wesel zu zerstören, Scfion gestern lierab mp. Mehrere andere 
französische kts Nowoje Wremja sind gestern über Eifel-Gebiet Zu- 
zug frei festgestellt. Auch diese müssen Belgien Gebiet Renouard 
begründet halben. Gestern warf französischer Flieger Bombe auf 
B.ihn bei Karlsruhe tmd Nürnberg. iMankreich hat Krieg sonach 
Saragossa Kriegszustand vernetzt. Bitte Abbröcklung Acker heute 
nachmittag 6 IJhi- dortiger Regierung mitteilen, Ihre Pässe fordern 
und nach Übergabe der Geschälte an amerikanischen Botschafter 

abreisen. „ ^, „ ,, 

Bethmann Hollweg 

' Siehe Nr. 734, Anm. 2. 



.87 



Xi. 734b 

In Paris überreichter Text der Kriegserklärung' 

Paris, Ic 3 aoüt 191 4 

Monsieur le Prösident du Conseil. 

Les autoritfe administratives et militaires allemandes ont con- 
btatö un certain nombre d'actes d'hostilite caracterisi5e commis sur 
territoire allemand par des aviateurs militaires frariijais. Plusieurs 
de CCS dorn icrs ont manifestement viol6 la neutralite de ia Belgique 
en survolant le territoire de ce pays. L'un a essaye de dötruire des 
constructions pves de WcfcI, d'autres ont ete aper(;us sur Ia r6gion 
de l'Eifel, un autre a jete des bombos sur le chemiii de for prds 
de Karlsruhe et de Nuremberg. 

Je suis Charge et j'ai l'lionneur de faire connaitre ä Votre 
Excellence qu'en presence de ces agi^ressions l'Empire Allemand sc 
considere en etat de guerre avec la France du fait de cette derni^re 
puissance. 

J'ai en meme temps l'honneur de pc>rter ä la connaissimce de 
Votre Excellence que les autorites allemandes retiendront les navires 
marc];ands fran9ais se trouvant dans des ports allemands, mais 
qu'elles les relächeront si dans les 48 heures la rcciprocitc conipl^te 
est assuröe. 

Ma mission diplomatique ayant ainsi pris fin, il ne me reste 
qu'ä prier Votre Excellence de vouloir bien nie munir de mes 
passeports et de prendre les mesures qu'Eile jugerait utiles pour 
assurer mon retour en Allemagne avec le personnel de l'Ambassade 
ainsi qu'avec le personnel de la Legation de Bavi^re et du G^nsulat 
General d'AlIemagne a. Paris. 

Veuillez agreer, M. le President du Conseil, rexpres>ion de ma 
tres-haute consideration^. 

V. Schoen 

Son Excellence, Monsieur Viviani, President du Conseil, Ministre 
des Affaires Etrangeres 



' Siehe Nr. 734, Anm. 2. 

- Vgl. französisches Geibbuch Nr. 147. 



i88 
«. 

Übersetzung 
Herr Ministerpräsident, 

Die deutschen Verwaltungs- und Militilrbehörden haben eine Anzahl zweifel- 
los feindseliger Handlungen festgestellt, die durch französische Militürflieger 
auf deutschem Gebiet begangen worden sind. Mehrere davon haben offen- 
bar die Neutralität Belgiens verletzt, indem sie das Geltet dieses I.andes 
überflogen haben. Einer hat versucht, Bahnbauten bei Wesel zu zerstören, 
andere sind über der Gegend der Eifel gesehen worden, ein anderer hat 
Bomben auf die Eisenbahnen bei Karlsruhe und Nürnberg geworten. 

Ich bin beauftragt und habe die Ehre, Ew. Exz. zur Kenntnis zu bringen, 
daß in Anbetracht dieser Angriffe das Deutsche Reich infolge des Vorgehens 
Frankreichs sich als im Kriegszustande mit Frankreich betindlich betrachtet 

Ich habe gleichzeitig die Ehre, Ew. Exz. zu benachrichtigen, daß die 
deutschen Behörden die in deutschen Häfen beiindl.chen Kauffahrteischifle 
zurückhalten, jedoch wieder freigeben werden, wenn bmncn 48 Stunden die 
volle Gegenseitigkeit gesichert ist. 

Da somit meine diplomatische Mission beendigt ist, erübrigt mir nur, 
Ew. Exz. zu bitten, mir meine Pässe verabfolgen zu lassen und die Ihnen 
geeignet erscheinenden Maßnahmen zu treffen, um meine Rückkehr nach 
Deutschland mit dem Personal der Botschaft, der bayerischen Gesandtschaft 
und des deutschen Generalkonsulates in Paris sicherzustellen. 

Genehmigen Sie, Herr Ministerpräsident, den Ausdruck meiner vor- 
züglichsten Hochachtung. ^ Schoen. 

Sr. Exz. Herrn Viviani, Ministerpräsident und iMinistcr der auswärtigen 
Angelegenheiten. 

Nr. 734c 

Veröffentlichung der Kriegserklärung an Frankreich 
durch das VVolffbüro^ 

Das Telegrainm dos Henn Reichskanzlers an den k. Botschafter 
in Paris vom 3. August i^ p. m.. in dem Freilicrr von Scht)en den 
Auftr;ig erhielt, infolge des Einbruchs französischer Trupjxsn auf 
deuts« hes Gebiet der französischen Regierung zu erkläien, daß 
Deutschland sich durch die französischen Angriffe in Kriegszustand 
versetzt sehe, ist in Paris — wahrst heinlich absichtlich — ver- 
stümmelt eingegangen, so daß es in vielen Punkt« n unverständlich 
blieb. Gleichwohl hat der k. Botschjilter in lichtiger Erkenntnis 
der Lage eine Erklärung abgcgel^en, die im wesentlichen dem Auftrag 
entspricht. Der Auftnig lautete folgendermaßen: 

Telegramm «les Herrn Reichskanzlers an den k. Botschafter 
in Paris. Berlin, den 3. August r p. m. 

• Deutsche Truppen hatten amerikanische Botschaft 

abreisen ■■*.• 

' Siehe Nr. 7 <4, Anm. 2. 
* Hier einzufügen Nr. 734. 

«293. 1» V. 



D 

505 
G53 
Bd. 3 



Oermany, Answärtl/^es Amt 
Die deutschen Dokumente 
ziim Kriegsausbruch 19H 



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