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Full text of "Geburtshülfe und Gynäkologie bei Aëtios von Amida (Buch 16 der Sammlung) : Ein Lehrbuch aus der Mitte des 6. Jahrhunderts n. Chr. nach den Codices in der Kgl. Bibliothek zu Berlin (besonders den Sammlungen C. Weigels)"

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Boston 

Medical Library 

8 The Fenway 



Geburtshülfe und Gynäkologie 
bei Aetios von Amida. 

(Buch 16 der Sammlung.) 




Ein Lehrbuch aus der Mitte des 
6. Jahrhunderts n. Chr. nach den 
Codices in der Kgl. Bibliothek zu 
Berlin (besonders den Sammlungen 
C. W e i g e 1 s) zum ersten Male ins 
* * Deutsche übersetzt von * * 

Dr. med. Max Wegscheider,cC--^' 

***** Frauenarzt in Berlin. ***** 



EiticpaveccdtTT]. 

Hippokrates. 




Berlin. 

Verlag von Julius Springer. 
1901. 



Alle Rechte, insbesondere das der 
Uebersetzung in fremde Sprachen vorbehalten. 



Dem 
Altmeister deutscher Wissenschaft und Forschung 

Rudolf Virehow 

zum achtzigsten Geburtstage 

13. Oktober 1901. 



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in 2011 with funding from 

Open Knowledge Commons and Harvard Medical School 



http://www.archive.org/details/geburtshlfeundOOaeti 



Vorwort. 

Den Plan, das XVI. Buch aus der Sammlung des Aetios 
von Amida herauszugeben, habe ich im Februar 1900 gefasst. 
Damals ersah ich aus der Besprechung von Hirschbergs 
„Augenheilkunde des Aetius von Amida" durch R. Fuchs im 
Litter. Centralblatt (1899. Nr. 51/52), dass Pagel in Berlin das 
Erscheinen des letzten (16.) löyos ovvc'ipecog ^Asxiov seit längerer 
Zeit in Aussicht gestellt hatte (vergl. Pagel, Einführg. in d. 
Gesch. d. Medicin. S. 143). Ich wusste aus Siebolds „Versuch 
einer Geschichte der Geburtshülfe" (Bd. I, S. 2 1 2- — 23 2), wie wichtig 
für geburtshülflich-gynäkologische historische Studien dies alte 
Werk ist, fragte daher Herrn Prof. Pagel, ob ihm meine Mit- 
arbeit bei Herausgabe und eventueller Übersetzung dieses Buches 
recht sei und fand bereitwilligstes Entgegenkommen: 

Herr Prof. Pagel überliess mir nicht nur seine Copie der 
Weigel sehen Abschrift des Boerhaveschen Aetios-Codex (s. d. 
Einleitg.), sondern verschaffte mir auch den Zutritt zu den im 
Handschriftenzimmer der Kgl. Bibliothek zu Berlin auf seinen 
Namen entliehenen griechischen Manuscripten, über die Näheres 
in der Einleitung angegeben ist. Die Herstellung eines druck- 
fertigen griechischen Textes nach den verschiedenen hiesigen 
Quellen und die Uebersetzung ins Deutsche überliess er in 
höchst uneigennütziger Weise mir ganz und gar, übernahm noch 
einen weiteren Theil der Vergleichung der Lesarten und hat 



"VI Vorwort. 

auch sonst durch manchen werthvollen Rath meine Arbeit 
gefördert. 

Ich selbst begann zunächst damit, die (2.) Abschrift Pageis, 
die bis Kap. 40 geschrieben, bis Kap. 34 collationiert war, bis 
zum Schlüsse des Werkes zu vervollständigen und setzte die 
Vergleichung und Kritik der Varianten des griechischen Textes, 
die ich ausser auf die fleissige We ige Ische Sammlung auch 
auf den Codex Philippicus Meermanns ausdehnte, fort. 
Für manche Stellen konnte ich aus den Annotationes in inter- 
pretes Aetii medici des Oroscius aus dem Jahre 1538 
Nutzen ziehen. 

Gleichzeitig machte ich mich zu Haus an die Ueber- 
setzung ins Deutsche, wobei mir neben dem Lexikon von 
Jacobitz und Seiler und dem medicinischen Lexikon von 
Kraus besonders die Benutzung der lateinischen Uebersetzung 
des Janus Cornarius vom Jahre 1549 gute Dienste leistete. 
Meine sonstigen Hülfsmittel sind aus den Anmerkungen zum 
Texte und dem Litteraturverzeichnis ersichtlich. 

Dabei habe ich mich trotz möglichst wortgetreuer Ueber- 
setzung bemüht, den Ton eines modernen Lehrbuches zu treffen, 
wozu die Schreibweise des Aetios an vielen Stellen verlockt ; 
ich hoffe dadurch auch einer künftigen Generation von Aerzten, 
denen die Kenntnis der griechischen Sprache vielleicht versagt 
sein wird, das Verständnis und Interesse für unseren Aetios 
zu erhalten. 

Mitten in meiner Arbeit (April 1901) erfuhr ich von 
Dr. Skevos Zervös aus Athen, dass er (ebenfalls nach den 
Berliner Handschriften) eine kritische Ausgabe vom griechischen 
Texte des 16. Buches des Aetios bereits in Druck gegeben 
habe ; dieselbe erschien im Juni d. J. und machte für mich 
die Beigabe des (damals bereits bis Kap. 80 fertiggestellten) 
griechischen Textes zu meiner Uebersetzung überflüssig. Eine 



Vorwort. VII 

eingehende Beurtheilung des Buches von Zervös hat Pagel 
jüngst in der Deutschen Litteraturzeitung (1901, Nr. 28) ge- 
geben ; ich habe seiner Kritik nichts hinzuzufügen als das Be- 
dauern, erst so spät von dieser, fast gleiche Ziele wie die 
meinige verfolgenden Arbeit erfahren zu haben. Beim Erscheinen 
des Zervös'schen Buches (Pfingsten 1901) lag übrigens meine 
deutsche Uebersetzung fertig vor, sodass ich die Anmerkungen 
von Zervös nur bei der Durchsicht benutzen konnte. Die 
weitere kritische Bearbeitung des griechischen Textes habe ich 
natürlich nicht fortgesetzt, sondern mich nur auf die Ver- 
gleichung meiner Abschrift mit dem Codex Berolin. graec. 
(fol. 37) beschränkt. 

Dass auch in der veränderten Gestalt das Buch rechtzeitig 
fertig geworden und so auch seinen Nebenzweck, ein Geburts- 
tagsgeschenk für den greisen Virchow zu sein, erfüllen konnte, 
ist dem liebenswürdigen Entgegenkommen der Verlagsbuch- 
handlung zu danken. 

Für die Durchsicht der Correcturen bin ich ausser meiner 
Frau, welche mich bei der ganzen Arbeit mit Rath und That 
unterstützt hat, besonders wieder Herrn Prof. Dr. J. Pagel zu 
Dank verpflichtet, den ich auch an dieser Stelle auszusprechen 
nicht versäumen möchte. 

Berlin W., September 1901. 

Dr. Max Wegscheider. 



Einleitung. 



Aetios, der Verfasser der ßißlkct latQiy.a ey.y.aldexa, von 
welchen das 16. Buch hier zum ersten Male in deutscher Ueber- 
setzung vorliegt, ist in Amida in Mesopotamien (jetzt Diarbekir 
am oberen Tigris) geboren, wesshalb ihn alle Handschriften 
Vertag ^f.ud)p>ög nennen. Er studierte zu Alexandreia, wie aus 
einigen Stellen seines Werkes hervorgeht 1 ). Als weiteren Be- 
weis, dass Aetios in Aegypten gelebt habe, führt C. Weigel 2 ), 
dessen „Aetianarum exercitationum specimen" ich 
alle diese Angaben entnehme, noch an, dass er verschiedene 
Krankheiten, die in Aegypten heimisch waren, z. B. die Lepra 
(Lib. XIV, Kap. 134) so ausgezeichnet beschrieben habe, ,,ut 
avxomrjv fuisse testem horrendi istius morbi credibile sit" (pag. 10), 
indessen giebt A. an, dass er dies Kapitel den Schriften des 
Archigenes entnommen habe. 

A. lebte im 6. Jahrhundert nach Chr., wie Weigel sehr 
scharfsinnig nachweist 8 ) am byzantinischen Hofe, wo er die 
Würde eines xoi-irjg zob 6il>iy.iov (comes obsequii) bekleidete, d. h. 
Oberst der kaiserlichen Leibwache war. Diesen Titel führt A. 



1 ) Z. B.: Lib. I. Kap. 128: eXaLOu väpSou xiCcxivoJ axsuaCeTO» (oder 
saxiu'aaaj ev äXs^avSpsia .... und Lib. I. Kap. 144: eXaio'j aapxa? -xespäXsia. 
saxsuaaa xauta ev äXslavSpsux iroXXäxi^, eariv xaX^. — (Vergl. Siebold (2). 
Bd. I. S. 215.) — Ferner Lib. IL Kap. 3. 

2 ) Weigels philosophische Doktorarbeit. Lipsiae. 26. III. 179t. (s. später). 

3 ) Aet. exerc. spec. pag. 6 — 8; „scripsisse illum patet inter DXL et DL 
tempore Justiniani". — Vergl. Siebold (2) I. S. 214. — Isensee (Gesch. der 
Medicin und ihrer Hilfswissenschaften, Berlin. 1842. I) weist ihm die Jahre 502 
bis 575 n - Chr. zu, ohne (wie bei Oribasius) diese Zahlen näher zu begründen. 



X Einleitung. 

in vielen, besonders in den Pariser Handschriften. Hecker 4 ) 
vermuthet, dass ebenso wie Oreibasios bei Kaiser Julian auch 
Aetios bei Kaiser Justinian (527 — 565) als Leibarzt thätig ge- 
wesen sei. Auch geht aus einigen Stellen (Lib. VIII), die 
Weigel anführt, hervor, dass A. Christ war; es darf uns daher 
nicht wundern, dass unter den mancherlei Recepten, die er in 
seinem Werke sorgfältig gesammelt hat, sich auch allerlei Vor- 
schriften über Dinge finden, die der christliche Gottesdienst in 
der Kirche erforderte. 5 ) Heck er schreibt: c ) „Er war der christ- 
lichen Religion, jedoch mit ägyptisch-neuplatonischem Aber- 
glauben zugethan . . . und glaubte an Wunderheilungen. 
So empfiehlt er Amulete, zeichnet Beschwörungsformeln im 
Namen der Märtyrer und des Heilandes auf und hüllt nicht 
selten die Wirkung eines Mittels ... in mystisches Dunkel. 7 ) 

Das Werk nun, dem A. seine Unsterblichkeit verdankt, 
führt den Titel : . . . 

ßißkiov laiQixov iv Xöyoig exxccidey.cc. . . 

Es enthält zahlreiche Excerpte aus den Werken älterer 
Aerzte, besonders der sog. pneumatischen Schule, die uns zum 
Theil nur durch diese Compilation erhalten sind. Aber gerade 
darin liegt sein hoher Werth für die Geschichte der Medicin in 
den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung. Im 
Anfang seines Werkes findet sich folgende kurze Quellen- 
angabe: 4 ) ^Aei'iov' A[.tidi]vov üvvoipig tcüv tqkZv ßiß/ütov 'ÖQei- 
ßaoiov Xl-.yto di) xov nQog ''Iovkictvov xccl zov 7100g Evaiad-iov 



4 ) J. F. K. Hecker, Geschichte der Heilkunde. Berlin. 1829. Bd. IL 
S. 86. § 23; ebenso K. Sprengel, Versuch einer pragmatischen Geschichte der 
Arzneykunde. Halle 1823. Bd. II. 6. S 277 — 288. 

5 ) Z. B. : Lib. I. 139. vapStvov ev ttt) exxXinaia oziuäCetai und Lib. XVI, 
140. u.oa-^äxou xou ev t^ E/CxATjata x&irvtCopivou a/suaaia. > — 

6 ) In: Encyclop. Wörterbuch der med. Wissenschaften, hersgb. 
von Graefe, Hufeland, Link, Rudolphi, Siebold. Berlin. 1828. I. S. 511. 

7 ) Weigel, 1. c. S. 11 und Heck er, Gesch. der Heilkunde S. 87. 
Anm. 3 führen Lib. VIII, Kap. 50 als Beispiele an, Sprengel übersetzt S. 285 
diese und eine andere Stelle. (Lb. XV. Kap. 14.) 

8 j Ich entnehme diese, wie auch die folgenden Bemerkungen dem vorzüg- 
lichen Buche: Die pneumatische Schule bis auf Archigenes, in ihrer Ent- 
wicklung dargestellt von Max Wellmann. (Philol. Unters. H. XIV. Berlin. 
1895). S. 125 und folgende. 



Einleitung. XI 

Y.otX zov TCQog Eiraniov xai xiov $aQunevzix(Zv ßtßXiaiv Tahjrov 
y.al 'ÄQxtysvovg xai 'Poicpov xai ezäniov icüv d^yakov snioijfiiov. 
Ergänzt wird diese Angabe durch den Patriarchen Photios 9 ), 
der in seiner Bibliothek (c. 221 p. 177 a 7) eine kurze Inhalts- 
angabe der 16 Bücher des A. erhalten hat: (Aveyvtladrj "Aeziov 
^ Aiiidr\\ov ßtßXlov iazQiHov z.v Xoyoig txxalöaxa) lau iitv ovv 
avziö ncc'Ja rj 7iQay/,iazsia Gvvzazayf.ir[vr i ex zfc tuv OotißaGiog 
nqog ^ lovXiavov eyoaipe noog zu Evozatyiov y.al Evvämov, eil de 
xai ix ztüi> DiqamvxixiZv ßißXJov Takrjvov xai /.trjv xai ^Aoyi- 
ysvovg xai Povcpov, ezi Je Jlogxovqlöov xai ''Hqoo'ozov xai 
2u)Qavov, OiXayoiov ze xai OiXovf.ia.vov xai Ilooaidwrlov xai 
hzsQtov zinZv ziov inl zfj %kyyr\ zr t g luzoixr t g ovo/ta Xinovztov. 

Das Lehrbuch des Aetios verbreitet sich über die gesammte 
praktische Heilkunde ; es ist ein grosses umfangreiches Werk, 
in welchem die allgemeine und specielle Pathologie und Therapie 
der äusseren und inneren Krankheiten in sechszehn Büchern be- 
sprochen werden. Auf den Gesammtinhalt kann ich hier nicht 
weiter eingehen ; ausführlichere Darstellungen seiner Lehren geben 
Sprengel 4 ), Hecker 4 ), Ha es er 10 ) und Isensee 3 ); die Chirurgie 
bespricht näher *Gurlt n ), die Arzneimittellehre Meyer 12 ), die 
Geburtshülfe endlich S i e b o 1 d * 3 ). 

Das vorliegende sechszehnte Buch, welches die Geburtshülfe 
und die Krankheiten des weiblichen Geschlechts behandelt, ent- 
hält in den Ueberschriften der einzelnen Kapitel folgende 
9 Schriftstellernamen : Soranos, Galenos,Aspasia, Philu- 
menos, Leonides, Archigenes, Rufus, Philagrios und 
Oreibasios. Ueber alle diese habe ich in den Anmerkungen 



9 ) Photios, Patriarch in Konstantinopel, 820—891, hat in seinem 
M'jpiößißXo; 280 Berichte über die von ihm auf seinen Reisen gelesenen, sehr 
verschiedenartigen Schriften überliefert. Beste Ausgabe von Jm. Becker, Berlin 
1824. Darnach lautet der Titel: 3 Aüoypa©T] xai ouvap(8p.Y]ats tüjv ävsyvcoapiviuv 
Yjp.iv ßtßXicuv x t. X — S. Er seh und Grub er, Real-Encyklopädie. 1850. Bd 25. 

10 ) H. H a e s e r , Lehrbuch der Geschichte der Medicin und der epidemischen 
Krankheiten. 3. A. Bd. I. S. 457 u. f. 

n ) E. Gurlt, Geschichte der Chirurgie. Bd. I. S. 544 — 555. 

12 ) Ernst H. F. Meyer, Geschichte der Botanik. Studien. Bd. IL Königs- 
berg. 1855. S. 375 u. f. 

13 j E. C. J.| von Siebold, Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe. 
Bd. I. Berlin. 1839. S. 212—232. 



XII Einleitung. 

zu meiner Uebersetzung Angaben gemacht, bezw. auf die Stellen 
verwiesen, an denen neuere Werke über diese Aerzte berichten. 
Von der Aspasia wissen wir auch heute noch nicht mehr als 
Siebold, der 1838 schreibt: Anm. zu § 52 (Ansehen der 
Hebammen im Alterthum). „Hierher gehört auch die aus Aetios 
bekannte Aspasia, welche sich nicht allein mit dem praktischen 
Theile der Geburtshülfe, sondern auch mit der Heilung äusserer 
Krankheiten beschäftigte" und Anm. 2 zu § 87 nach der Be- 
sprechung der Quellen des 16. Buches: — ,,Ueber die noch 
genannte Aspasia sind wir aber nicht im Stande , weitere 
Nachrichten anzugeben, als was schon oben § 52 Anm. von uns 
angeführt wurde." Dagegen hat Wellmann 8 ) (1895) eine sorg- 
fältige Ouellenuntersuchung des Aetios angestellt, eine Analyse 
des letzten (16.) Buches gegeben (S. I25 — 130) und nachge- 
wiesen, dass A. die GtroWig rtQOg Eiora&wv des Oreibasios 
und die yvraixfict des Soranos, letztere anscheinend nach einem 
Excerpt des Philumenos, als Hauptquellen für dieses (16.) 
Buch benutzt hat. Dabei fällt er folgendes herbe Urtheil über 
Aetios: ,,A. steht in seiner schriftstellerischen Thätigkeit noch 
eine Stufe tiefer als Paulus 14 ), insofern er ganz stumpfsinnig (?!) 
mit Verzicht auf jede eigene Meinung nach Art des Oribasius 
einfach Excerpt an Excerpt reiht." Mit dieser Ansicht steht 
Well mann vorläufig allein da; denn alle anderen Kritiken lauten 
* erheblich günstiger. Ich kann mir daher nicht versagen, einige 
derselben anzuführen. 

Puschmann 15 ) meint: . . . „Das Werk trägt einen 
compilatorischen Charakter ; es besteht aus umfangreichen Aus- 
zügen aus den besten medicinischen Werken der Alten, denen 
A. seine eigenen Ansichten und Erfahrungen beifügt. Indem er 
dabei einem Eclecticismus huldigte , welchem leider die Schule 
der Kritik mangelte, legte er darin ein reiches Material für die 
Geschichte der Medicin des Alterthums nieder. — Isensee 1 ' 3 ) 
urtheilt: „Nach allen Seiten hin gewährt die Leetüre seiner 



14 ) TlauXou AiyivTjTOu larpo'J äpi'crcrou ßißXia litzä. Näheres s. b. Siebold, 
I. S. 232 — 239, Hecker, IL S. 196 — 230, und Sprengel II, 306—313. 

15 J In : Biograph. Lexikon hervorragender Aerzte aller Zeiten und Völker 
von Hirsch, Wernich, Gurlt 1888. Bd. I. S. 64. 

1fi ) Gesch. der Med. und ihrer Hilfswissenschaften. 1842. Bd. I. S. 321. 



Einleitung. XIII 

Schriften dem Kenner interessante, tiefe, lichtvolle Blicke, und 
manche freilich mystische Einmischung von Amuleten etc. etc. 
fällt der Zeit zur Last." — Ha es er 10 ) schreibt: „Das Werk 
des A. ist, wie die Handschriften zeigen, ursprünglich keines- 
wegs eine blosse Compilation, sondern eine mehr oder weniger 
freie Bearbeitung, deren ursprünglich originaler Charakter, wie 
in vielen ähnlichen Fällen, von den frühesten Herausgebern mehr- 
fach verwischt worden ist. Häufig freilich besteht die „Bear- 
beitung" nur in einer Abkürzung, oft genug in gedankenloser 
wörtlicher Abschrift, so dass z. B. Aerius von sich zu reden 
scheint, wo in Wahrheit Galen das Wort führt." — Aehnlich 
äussert sich Meyer 12 ): . . . „ein methodisch geordneter Aus- 
zug oft . . . in zweckmässiger Abkürzung und nicht ohne Zuthat 
schätzbarer eigener Erfahrungen." . . . „Sehr behutsam muss 
man sein in Beurtheilung dessen, was dem A. eigenthümlich zu 
sein scheint, weil er seine Gewährsmänner oft in der ersten 
Person sprechen lässt, als spräche er selbst." — An anderer 
Stelle 17 ) urtheilt Well mann (1894) kürzer, jedoch günstiger: 
,,A. schloss sich (bei Abfassung seines Sammelwerkes) vorzugs- 
weise an Galen an, doch nicht ohne eigenes Urtheil, beachtete 
aber daneben nicht minder Methodiker und Empiriker. Dieser 
Synkretismus lag im Geiste seiner Zeit, wie auch das grosse 
Gewicht, das er auf die Arzneimittellehre legte, in der christliche 
Mystik und heidnischer Aberglaube eine grosse Rolle spielten." 
Für die unmittelbaren Nachfolger des A. auf dem Gebiete 
der medicinischen Litteratur, wie auch für spätere historische 
Forschungen hatte sein wohl erhaltenes Sammelwerk natürlich 
noch grösseren Werth; so ist es leicht erklärlich, dass es oft 
benutzt und copiert ist. Die Zahl der Manuscripte ist daher 
nicht gering; Weigel zählt schon 1791 eine grosse Reihe auf 
(pag. 27 — 29), die allerdings nicht alle das ganze Werk enthalten; 
Kostomoiris 18 ) berichtet 1892 kurz über 13 in Paris und Wien 
befindliche Codices, die nur zum Theil mit den vorigen identisch 



17 J Pauly-Wissowa, Real-Encyklopädie der Klassischen Alterthums- 
wissenschaften. Bd. I. I. 1894. 

is j 'Aetiou XÖ70S StuScxaTO?, uqujtov vuv exSo&sl? uitö rsiopYiou A. K<uaTop.O''poi>. 
Paris 1892. Kritische Textausgabe des 12. Buches (über Ischias, Podagra und 
Arthritis) nach Pariser Handschriften. 



XIV Einleitung. 

sind. Auf die von Weigel selbst benutzten Abschriften komme 
ich später zurück. 

Da das Werk des Aetios, von dem schon Photios 9 ) im 
9. Jahrhundert schreibt, dass es ein unentbehrliches Handbuch 
für jeden praktischen Arzt wäre (cfr. Weigel, Aet. exerc. spec. 
pag. 1 .), auch in der Zeit der Renaissance neben den ähnlichen 
Arbeiten des Oreibasios und Paulos seinen Werth behauptete, 
erschien 1534 die erste gedruckte griechische Ausgabe 
in Venedig unter folgendem Titel : 

Asrlov A/Liidi]iov ßißXiüiv laiQiy.uv r6f.iog A lovrion 

ßißXla oniio ra ttqwtcc. Venetiae in aedibus haeredum Aldi 

Manutii et Andreae Asulani. 1534. fol. 

Diese editio Aldina umfasst leider nur die ersten 8 Bücher 
und ist bisher noch niemals vollendet worden. Immerhin gab 
sie den Anlass zu den Uebersetzungen des Werkes ins Latei- 
n i s c h e , von denen verschiedene Ausgaben erschiene sind ; über 
diese finden sich nähere Angaben bei Weigel (pag. 29 u. 30) 
und Siebold (S. 231 und 232). — Meyer 12 ) schreibt 1855: 
„Unter den Uebersetzungen, mit denen man sich wegen der 
Seltenheit der griechischen Ausgabe zu behelfen pflegt, verdient 
die von Cornarius den Vorzug." Cornarius hat auf Grund 
einer Handschrift in Rom das Werk in vier Tetrabiblia getheilt 
(Haeser-Weigel). Seine Uebersetzung erschien in mehreren 
Auflagen, zuletzt 1549 und trägt folgenden Titel: 19 ). 

Aetii medici graeci contractae ex veteribus medicinae te- 

trabiblos . . . id est, Sermones sedecim, per Janum Cornarium 

medicum physicum latine conscripti . . . Lugduni 1549. 

Dieselbe Ausgabe fand 1 567 in der Collectio Stephani 20 ) 
Aufnahme, und so wurde das Lehrbuch des Aetios in dieser 
Form den Gelehrten weit und breit bekannt. Man findet daher, 
dass alle späteren medicinischen Schriftsteller bis in die neueste 
Zeit unsern *Aeuos nur noch als Aetius und seine Worte nur 
noch lateinisch citieren. So berichtet Siebold (S. 214), dass 



19 ) Wie schon im Vorwort bemerkt, habe ich auch diese Ausgabe (zufällig 
nach einem in meinem Besitz befindlichen Handexemplar Weigels) bei meiner 
Uebersetzung des 16. Buches ins Deutsche benutzt. 

20 ) Medicae artis principes post Hippocratem et Galenum. Paris 1567. fol. 



Einleitung. XV 

1618 Petr. Castelanus in den Vitis illustrium medicorum über 
Aetius geschrieben und sein Werk einen: „Galenum contractum, 
Oribasium explicatum, Paulum ampliatum" genannt habe; Weigel 
führt (pag. 2) folgende Stelle aus den Schriften Boerhaves 
(Methodus studii medici. London 1728. pag. 432) an: „Quoties 
quis vult de morbo quocunque scribere, semper in indice prius 
evolvat Aetium: nullus enim est scriptor, ex quo possumus 
discere, quid Hippocrates et Galenus de morbis censuere, quam 
ex Aetio. Nam uti Justinianus, cum pandectas iuris peritorum 
colligeret, iussit prius evolvi omnes scriptores, sie fecit Aetius ; 
in illo enim infinitos auetores, quos ignoraremus." 

Das wachsende philologische Interesse im 18. Jahrhundert 
Hess indessen die vollständige Ausgabe des griechischen Textes 
wünschenswerth erscheinen. Niemand schien dazu mehr berufen 
zu sein, als C. Weigel in Dresden, dessen mehrfach erwähnter 
Arbeit wir neu erwecktes Interesse für unsere Aetios zu danken 
haben. Ueber sein Leben giebt uns Callisen 21 ) nähere Nach- 
richten : 

Carl Christian Leberecht Weigel, geb. zu Leipzig am 1 . 
December 1769, studierte von 1785 an in Göttingen und Leipzig 
und promovierte hier 1791 am 26. März mit „Aetianarum exer- 
citationum speeimen" zum Dr. phil., am 23. September mit einer 
Diss. ,,de horrore" zum Dr. med. Nach mehrjährigen Reisen 
durch Frankreich, Italien und die Schweiz habilitierte er sich 
1796 in Leipzig, lebte längere Zeit in Wien und Hess sich 1799 
in Meissen, 1801 in Dresden nieder, wo er, reich an Ehren und 
Erfolgen, am 17. Januar 1845 starb. Ausser den genannten 
Schriften gab er 1793 „Aretaeus, de pulmonum inffammatione" 
griechisch und lateinisch heraus, betheiligte sich an C. G. Kuhns 
,,Hippocratis et Galeni opera omnia", wozu er besonders vati- 
kanische, fiorentinische und Wiener Handschriften, die er auf 
seinen Reisen ( — er besuchte 18 17 und 181 8 wiederum Italien — ) 
collationiert hatte, benutzte (1825), übersetzte G. Strambos 
„Ueber die Pellagra" aus dem Italienischen und schrieb noch 
einige kleinere Aufsätze. 



21 ) Medicinisches Schriftstellerlexikon (Kopenhagen 1834) Bd. 20. S. 492. 
Nr. 1141 und Bd. 33. (Altona 1845). 



WI Einleitung. 

Mit der Herausgabe des Aetios hat er sich nach dem Zeug- 
nisse seiner Zeitgenossen (cfr. Siebold, S. 230. Anm.) lange 
Jahre beschäftigt, hat viele Studien dazu gemacht, wie wir aus 
seinem Nachlasse und seiner Bibliothek ersehen, schliesslich aber 
doch die Ergebnisse seiner Forschungen nicht mehr veröffentlicht. 
Zur Bestätigung führe ich die beiden Stellen an, auf die Siebold 
(1. c.) hinweist, der 1838 ,,im höchsten Grade bedauert, dass 
diese so sehnlichst erwartete Ausgabe noch ferner unter die pia 
desideria gestellt werden müsse." 

1830 schreibt C. G. Kühn in der Praefatio zu Tomus XIX. 
seiner Ausgabe der Werke des Galenos pag. VII: 

,,Anno proximo illustr. C. Weigel Aetium Amidenum 
editurus est, cui inde ab anno MDCCXCI, quo exercitationum 
Aetianarum specimen promulgaverat, plurimum operae dicavit, 
quemque ut amplo apparatu critico locupletaret, publicas Italiae 
aliarumque regionum bibliothecas pervestigavit. Utinam viro 
amicissimo summum Numen firmissimam valetudinem, Nestoris 
annos et idoneum a molesto artis medicae exercitio otium 
largiatur, ut orbis eruditus spem atque exspectationem, diu 
conceptam, tandem expletam esse, laetari possit." 

Dagegen erzählt Joh. Jac. Sachs in seinem Medicinischen 
Almanach 1837 (unter dem Titel „Flüchtige Reiseblicke vom 
Herausgeber") folgendes von seinem Besuche bei Weigel in 
Dresden im Jahre 1836: 

„Noch müssen wir hier eines feinsinnigen Arztes gedenken, 
dessen Bekanntschaft ja niemand, der Dresden berührt, zu 
machen unterlasse; wir meinen den Herrn Hofrath Dr. Weigel, 
der bekanntlich seine auf früheren grossen Reisen gesammelten 
Alterthumsschätze schon dem verstorbenen Sprengel, dem erst 
jüngst leider dahingeschiedenen Prof. Dietz zu Königsberg, 
sowie dem alten wackeren Prof. Kühn in Leipzig bei ihren 
verschiedenen Editionen der Alten mit seltener Güte zur Be- 
nutzung gestellt hat .... Auf unsere Frage, ob denn die 
so lange schon von ihm erwartete Ausgabe des Aetius, .... 
und dem er später seinen langen Aufenthalt in den Klöstern 
von Italien, Spanien und Portugal doch vorzüglich gewidmet 
hätte, nicht bald erscheinen werde, öffnete er seine Bibliothek 
und zeigte uns seine sowohl hiefür, als auch zur Aufhellung 



Einleitung. XVII 

noch vieler anderen unschätzbaren Fundgruben für das medi- 
cinische Alterthum schon lange begonnenen Vorarbeiten, bemerkte 
aber dabei, dass vom Studium des Antiken, selbst beim grössten 
Eifer, doch kein Gewinn für unsere Kunst zu erwarten sei, ein 
Ausspruch, .... der uns doch von einem im medi- 
cinischen Alterthum so gewiegten Philologen, wie Weigel, wirk- 
lich etwas überraschte. Indessen dürfte, unseres Erachtens, das 
oben erwähnte Lehrbuch des Aetios von Amida, das bekanntlich 
wenig Eigenthümliches von diesem berühmten Leibarzt des byzan- 
tinischen Hofes, aber desto mehr kritische Bearbeitungen wichtiger 
Gegenstände aus untergegangenen Werken enthält, jetzt noch 
mehr als zu anderen Zeiten unsere Aufmerksamkeit verdienen, 
da die . . . eklektische und kollektanische Richtung der 
Gegenwart mit der Zeit der Blüthe jenes griechischen Arztes 
Stoff zu nicht uninteressanten Vergleichungen darbietet." 

Darnach scheint mir die Annahme berechtigt, dass Weigel 
selbst die Herausgabe des Aetios aufgegeben hatte ; trotzdem 
schrieb Isensee (1. c.) noch 1842: „Weigel ist längst mit 
einer vollständigen griechischen Ausgabe beschäftigt". Jedenfalls 
hofften die deutschen Gelehrten wohl noch immer, dass Weigel 
selbst sie wenigstens mit einer Ausgabe der ungedruckten acht 
letzten Bücher des Aetios erfreuen werde; indessen vergeblich. 
Nach Weigel s Tode hielt es H. E. Richter für seine Pflicht, 
den von Weigel selbst angefertigten Katalog seines littera- 
rischen Nachlasses zu veröffentlichen 22 ), der ,,in einer Hand 
bleiben sollte", vielleicht in der Erwartung, dass ein anderer 
sprachkundiger Arzt ihn käuflich erwerben würde (1847). Aber 
erst 1873 gelangte der gesammte „kritische Apparat zum Aetios 
und einigen anderen älteren Aerzten" aus dem Gewahrsam des 
Weigel sehen Neffen, Buchhändler W. in Leipzig, auf Betreiben 
von Jessen und V. Rose 23 ) durch Kauf an die Königliche Bi- 
bliothek zu Berlin. 

Die für das sechzehnte Buch und für die vorliegende Arbeit 
benutzten Schriften aus We ig eis Sammlung sind folgende: 



22 ) Schmidt's Jahrbücher, Bd. 54. S. 271 und 272. — 1847. H. 2. 

23 ) Hermes IX, S. 475. 

Weg seh ei der. " 



XVIII Einleitung. 

1. A. Eine „prachtvoll saubere und vollständige, obwohl 
junge und nicht (?) vorzügliche Papierhandschrift" (Rose. 1. c.) 
mit dem S. X. angeführten griechischen Titel, die W. auf einer 
Versteigerung am i. Juli 1824 für 175 holl. Florin kaufte. W. 
selbst beschreibt sie so: Est hicce codex, sedecim integros 
libros Aetii continens, olim Meermanni, chartaceus, eleganter 
conscriptus saeculo ut videtur XVI. Constat foliis 495 fol. 
maj. . . . Contentum (ipsum) habet intactum optimeque 
conservatum. Codex hicce fuit quondam Lutetiae Parisiorum 
in bibliotheca Fratrum Societatis Jesu. . . . Exemplar 
optime servatum corio Rossico ligatum. 

Anmerkung: Nach m. A. hat dieser palaiographische Foliant (Hand- 
schrftnkatlg. : Ms. gr. fol. 37.) stets die besten Lesarten bei variablen Stellen und 
stimmt fast immer mit den Wiener Codices XII. und LI. überein. 

Auch Wellmann und Zervös 24 ) haben ihn vorzugs- 
weise benutzt ; jener nennt ihn cod. Weigelianus (W.), dieser 
beschreibt ihn ziemlich genau und bezeichnet ihn mit A. 

2. B. Aetii Amideni operum libri octo posteriores. Apo- 
graphum codicis olim Boerhaviani, nunc Senatus Lipsiensis, de- 
scriptum a beato Franzio, Prof. Lips., qui lectionis emendationes 
J. A. Ernesti in margine adnotatas in contextum recepit. In- 
scriptae sunt margini maxime lectiones e codice Vindobonensi 
Nr. 51, collatae a me (W.). Constat apographum diligenter con- 
servatum pagg. 864 forma quarta 25 ). 

Sequuntur apographa et collationes meae, a me Viennae 
et in bibliothecis Italiae annis 1793, 1794 et anno IX hujus 
saeculi selectae .... 

1 1. Variae lectiones codicum Mss. Vindobonensium Aetii Nr. 6 
et 12, passim etiam codicis Nr. 51 librorum XIII., XIV., XV., 
XVI. (leider oft sehr schwer lesbar). 

Meine übrigen Hülfsmittel (Codex Philippicus 1534. vol. II., 
Oroscius et cet.) habe ich schon im Vorwort erwähnt. 

Obgleich hier drei vollständige griechische Handschriften 
des Aetios der allgemeinen Benutzung zugänglich gemacht sind, 



24 ) S. Vorwort und Z. (7) S. iß'. 

25 ) Pagel (Gesch. d. Med. S. 143) nennt diese Handschrift mit Recht 
„eine sehr saubere Copie der letzten 8 Bücher in moderner Handschrift mit 
"Varianten"; doch strotzt sie von Schreibfehlern'; Zervös bezeichnet sie mit B. 



Einleitung. XIX 

wollen die Rufe nach einer neuen griechischen Textausgabe nicht 
verstummen; Puschmann 17 ) und Gurlt 11 ) bezeichnen sie 
geradezu als ein Bedürfnis. 

Was nun das 15. bis 19. Jahrhundert nicht vollenden konnte, 
bleibt dem 20. Jahrhundert vorbehalten, dem das Erbe des alten 
Weigel zugefallen. Bereits 1892 gab Kostomoiris das 12. Buch 
heraus ; in diesem Jahre hat (s. Vorwort) Dr. 2xsvog T. ZsQßog das 16. 
Buch erscheinen lassen, dem sich das 15. Buch bald anschliessen 
wird. Zur Zeit (September 1901) ist College Z. schon beim 9. 
Buche beschäftigt, von dem bisher nur einzelne Abschnitte er- 
schienen waren ; dasselbe erscheint 1902 ; die übrigen ungedruck- 
ten Bücher des Aetios sollen folgen. 

Entsprechend der geringeren humanistischen Bildungsstufe 
der meisten jüngeren Aerzte der Gegenwart erweisen sich jedoch 
Uebersetzungen in lebende Sprachen als nöthig. Dem Beispiele 
Hirschbergs 26 ) folgend, der mit Danelius das 7. Buch 
griechisch und deutsch herausgegeben hat, biete ich hier den 
Fachgenossen die erste deutsche Ausgabe des sechs- 
zehnten Buches dar und behalte mir vor , eine sachliche 
Würdigung des geburtshülf lich-gynäkologischen Inhalts an anderer 
Stelle zu geben. 



6 ) S. Literaturverzeichnis Nr. 5 und 14. 



Litteratur. 



i. C. Weigel, Aetianarum exercitationum specimen. I.-D. Leipzig 1791. 

2. E. C. J. v. S i eb old, Versuch einer Geschichte der Geburtshülfe. Band r. 

Berlin 1839. 

3. J. Pagel, Geschichte der Medicin. Band 1. Berlin 1898. 

Derselbe, Janus, Archives internation. pour l'hist. de la med. I. p. 375. 

Amsterdam 1896/7. 
Derselbe, Deutsche Litteraturzeitung Nr. 28. 1901. 

4. Max Wellmann, Die pneumatische Schule bis auf Archigenes. Berlin 1895. 

5. J. Hirschberg, Die Augenheilkunde des Aerius aus Amida. Leipzig 1899. 

6. Aetii Medici graeci contractae ex veteribus medicinae tetrabiblos, hoc est 

quaternio, id est sermones sedecim per Janum Cornarium latine 
conscripti. Lugduni 1549. — Die beiden ersten Bücher enthalten noch 
die Scholien des H. Solerius. 
Derselbe, Aetius (Amidenus) Medicinal. librorum latine a J. B. Montano et 
J. Cornario. Basil. 1535. 

7. Skevos Zervös, 'Aetiou Tispi tfflv ev pitpa Tiä&wv. Leipzig 1901. 

(Aetii Sermo Sextidecimus et ultimus ) 

8. H. Lüneburg und J. Ch. H u b e r , Die Gynäkologie des Soranus von 

Epheseus. München 1894. 

9. H. Fasbender, Entwicklungslehre, Geburtshülfe und Gynäkologie in den 

Hippokratischen Schriften. Stuttgart 1897. 

10. R. K os s mann, Zur Geschichte der Traubenmole. Arch. f. Gyn. LXII, r. 

11. Chr. Oroscius, Annotationes in interpretes Aetii medici praeclarissimi. 

Basileae 1538. 

12. J. Pinoff, Artis obstetriciae Soran. Ephessii doctrina. I.-D. Vratisl. 1841. 

13. P. Goerlitz, Ueber die Bedeutung des Soranus als Geburtshelfer. I.-D. 

Berlin 1873. 

14. L. Danelius, Die Augenheilkunde des Aetius. I.-D. Berlin 1889. 

15. R. Fuchs, Litterarisches Centralblatt 51. 52. 1899. 
Derselbe, Hippokrates, sämtl. Werke. München 1895 — 1900. 

16. Kraus, Medicinisches Lexikon. Göttingen 1844. 

17. V. Rose, Damigeron de lapidibus. Hermes IX, p. 47 1. 
Derselbe, Anecdota Graeca et Graecolatina. Berlin 1876. 



Litteratur. XXI 

18. J. Bergel, Die Medicin der Talmudisten. Leipzig und Berlin 1885. 

19. Kostomoiris, Aetii Hb. XII. Paris 1892. (Vergl. Einltg. Anm. 18). 

20. Jenks-Kleinw ächter, Die Gynäkologie des Altertums. Arch. für Ge- 

schichte d. Medicin (Rohlfs). VI. S. 41. Leipzig 1883. 

21. Iwan v. Müll er 's Handbuch der klass. Altertumskunde. Bd. I. 

22. M. Saenger und O. von Her ff, Encyclopädie der Geburtshülfe und Gynä- 

kologie. Leipzig 1 900. 

23. D. W. H. Busch, Das Geschlechtsleben des Weibes. Bd. 5. Leipzig 1844. 

24. Pauly- Wi s so w a , Real - Encyclopädie der klassischen Altertumswissen- 

schaften. 

25. E. Gurlt, Geschichte der Chirurgie und ihrer Ausübung. Bd. 1. Berlin 1898. 

26. Haeser, Geschichte der Medicin. Bd. I. S. 457. 

27. Callisen, Aerzte-Lexikon. Bd. 20. 1837 und Bd. 33. 1845. 

28. Jacobitz und Seiler, Griech. -Deutsch. Wörterbuch. Leipzig 1850. 

29. Plos s-Bar t eis , Das Weib in der Natur- und Völkerkunde. Berlin 1895. 

30. Michaelis, Das enge Becken. Leipzig 1865. 

31. Ersch und Grub er, Realencyklopädie. 1850. 

32. K. Sprengel, Versuch einer pragmat. Geschichte der Arzneikunde. 

Halle 1823. 



Anmerkung: Die in einfachen Klammern ( — ) befindlichen Worte sind 
Zusätze von meiner Hand, die mir für das Verständnis oder aus sprachlichen 
Rücksichten nöthig schienen, im griechischen Texte aber fehlen. 

Die in eckigen Klammern [ — ] sind Uebersetzungen von Varianten des 
griechischen Textes, bezw. von Stellen, die nicht in allen von mir benutzten Hand- 
schriften enthalten sind. 

Die eingeklammerten Zahlen hinter den Namen in den Anm. beziehen sich 
auf das Litteraturverzeichnis. 



Inhalts -Verzeichnis. 



Seite 

Kapitel i. Lage und Grösse des Uterus und seine sonstige Gestaltung . i 

Kapitel 2. Die Eihäute 4 

Kapitel 3. Entstellung des Chorion (der Placenta) 4 

Kapitel 4. Alter der Frauen beim ersten Auftreten der Menstruation . 7 

Kapitel 5. Vorzeichen des ersten Auftretens der Menstruation .... 8 

Kapitel 6. Wann tritt das Sperma auf und wann die Reife ? . . . . 8 

Kapitel 7. Diagnose der Fruchtbarkeit (nach Soranos) 8 

Kapitel 8. Diagnose der Schwangerschaft 9 

Kapitel 9. Vorherbestimmung des Geschlechts der Frucht 10 

Kapitel 10. Krankhafte Gelüste der Schwangeren (nach Galenos) . . n 

Kapitel 11. Oedeme der Schwangeren an den Füssen 14 

Kapitel 12. Diätetik der Schwangerschaft (nach Aspasia) . . . . . 14 

Kapitel 13. Vorzeichen der regelmässigen Niederkunft 15 

Kapitel 14. Rathschläge bei normaler Geburt 16 

Kapitel 15. Diätetik der regelwidrigen Entbindung (nach Aspasia) . . 16 

Kapitel 16. Sterilität und Abortiva 17 

Kapitel 17. Antikonceptionelle Mittel 18 

Kapitel 18. Abtreibungsmittel (nach Aspasia) . . 21 

Kapitel 19. Vorzeichen des Aborts (nach Aspasia) 24 

Kapitel 20. Hülfsmittel bei der Ausstossung der abgetriebenen Frucht . 25 

Kapitel 21. Abort im zweiten und dritten Monat 26 

Kapitel 22. Pathologie der Geburt (nach Aspasia) 28 

Kapitel 23. Extraktion der Frucht und Embryotomie (nach Philumenos) 32 

Kapitel 24. Entfernung der Nachgeburt (nach Philumenos) . . . . 36 

Kapitel 25. Nachbehandlung bei der Embryotomie (nach Aspasia) . . 38 

Kapitel 26. Ursachen und Behandlung der Sterilität bei Männern und Frauen 39 

Kapitel 27. Symptome und Behandlung des zu kalten Uterus .... 42 

Kapitel 28. Symptome und Behandlung des zu warmen Uterus ..... 44 

Kapitel 29. Behandlung der Sterilität infolge von Feuchtigkeit des Uterus 45 

Kapitel 30. Behandlung der Sterilität infolge von Trockenheit des Uterus 46 

Kapitel 31. Behandlung verschiedener anderer krankhafter Zustände, welche 

die Empfängnis verhindern 46 

Kapitel 32. Sterilität infolge Anwendung der antikonceptionellen Mittel 48 

Kapitel 33. Fürsorge beim Fehlen beunruhigender Symptome .... 48 



Inhalts -Verzeichnis. XXIII 

Seite 

Kapitel 34. Tränklein, Zäpfchen und Räucherungen, welche die Empfäng- 
nis begünstigen 49 

Kapitel 35. Mittel gegen das Gerinnen der Milch in den Brüsten ... 50 

Kapitel 36. Verhärtung der Brüste und Milchversetzung 51 

Kapitel 37. Mittel gegen die Entzündung der Brüste (nach Philumenos) 53 

Kapitel 38. Behandlung der Mastitis chronica fibrosa (nach Philumenos) 54 

Kapitel 39. Mastitis apostematosa 55 

Kapitel 40. Fisteln an den Brüsten (nach Leonides). — Die fressenden 

Geschwüre an den Brüsten 56 

Kapitel 41. Die phagedaenischen Geschwüre an der Brust 57 

Kapitel 42. Der Brustkrebs (nach den Schriften des Archigenes und 

Leonides). Symptome der vereiterten Carcinome . . 58 

Kapitel 43. Welche Carcinome sind heilbar, welche unheilbar? .... 59 

Kapitel 44. Operative Krebsbehandlung (nach Leonides) . . ' . . 60 

Kapitel 45. Nachbehandlung nach der Ausschneidung und Ausbrennung . 60 

Kapitel 46. Behandlung der inoperablen Carcinome 62 

Kapitel 47. Behandlung der nicht vereiterten Carcinome 62 

Kapitel 48. Der jauchende Krebs und seine Behandlurg 63 

Kapitel 49. Die Verhärtung der Brust (Scirrhus) (nach Leonides) . . 65 
Kapitel 50. Suppressio mensium (nach den Schriften des Rufus und der 

Aspasia) 65 

Kapitel 51. Behandlung der Amenorrhoe infolge von allzu grosser Leiden- 
schaftlichkeit (nach Rufus) 98 

Kapitel 52. Diagnose und Therapie der Amenorrhoe infolge von Kaltsinn 69 

Kapitel 53. Blutableitende Zäpfchen 71 

Kapitel 54. Des Philosophen Emenagogon 72 

Kapitel 55. Behandlung der Amenorrhoe infolge von Adipositas ... 73 

Kapitel 56. Behandlung der Amenorrhoe bei Atrophie 74 

Kapitel 57. Behandlung der Amenorrhoe infolge schlechter Beschaffenheit 

der Säfte 74 

Kapitel 58. Behandlung der Amenorrhoe infolge von Saftfülle .... 76 
Kapitel 59. Behandlung der Amenorrhoe bei vicariirenden Blutungen aus 

Darm oder Nase 76 

Kapitel 60. Behandlung der Amenorrhoe infolge von Trägheit .... 77 

Kapitel 61. Behandlung der Amenorrhoe aus andern Gründen .... 77 

Kapitel 62. Oligomenorrhoe und Dysmenorrhoe 78 

Kapitel 63. Profuse Menstruation (Menorrhagie) 81 

Kapitel 64. Fluor bei Frauen (nach den Schriften des Archigenes) . 83 

Kapitel 6,5. Behandlung der Beschwerden bei röthlichem Ausfluss ... 84 

Kapitel 66. Behandlung des Fluor albus 86 

Kapitel 67. Krampf des Uterus (Uteruskolik; hysterischer Anfall) ... 89 
Kapitel 68. Beispiele für die Herstellung von Zäpfchen gegen hysterische 

Krämpfe (nach den Schriften des Philagrios) . . . 95 

Kapitel 69. Samenfluss (Spermatorrhe, Pollutionen) (nach Soranos) . . 97 

Kapitel 70. Atonia uteri (Mala involutio) (nach Soranos) 98 



XXIV 



Inhalts -Verzeichnis. 



Seite 



Kapitel 


7i- 


Kapite' 


72. 


Kapitel 


73- 


Kapitel 


74- 


Kapitel 


75- 


Kapitel 


76. 


Kapite] 


77- 


Kapitel 


78. 


Kapitel 


79- 


Kapitel 


80 


Kapitel 


84. 


Kapite] 


85- 


Kapite] 


87. 


Kapitel 


88. 


Kapitel 


89. 


Kapitel 


90. 


Kapitel 


91. 


Kapitel 


92. 


Kapitel 


93- 


Kapitel 


94" 


Kapitel 


97- 


Kapitel 


98. 


Kapitel 


99- 


Kapite] 


100. 


Kapitel 


101. 


Kapite] 


102. 


Kapitel 


103. 


Kapitel 


104. 


Kapitel 


105. 


Kapitel 


106. 


Kapitel 


107. 


Kapite] 


108. 


Kapite] 


IG9 


Kapite 


1 10 


Kapitel 


11 1. 


Kapitel 


112. 


Kapitel 


113- 


Kapite 


114- 


Kapitel 


146. 



Paralysis uteri (nach Soranos) 

Prolapsus uteri (nach Soranos) 

Lateroflexio, Retroflexio und Retropositio uteri (nach As pa s ia) 

Tympania uteri (nach Soranos) 

Hydrops uteri (Blasenmole) (nach Aspasia) 

Die sog. Mola uteri 

Oedem des Uterus (nach Soranos) 

Satyriasis (Nymphomanie) (nach Soranos) 

Entzündung des Uterus (Metritis, Parametritis) (nachPhilu- 

m e 11 o s) 

-83. Schmerzstillende Zäpfchen 

Krebsartige Verhärtungen (scirrhoese Geschwülste) im Uterus 

(nach Soranos) 

-86. Zäpfchen gegen Uterusverhärtungen 

Zäpfchen nach Archigenes' Schriften 

Lorbeerpflaster (nach Oribasios) 

Abscessus uteri (nach Archigenes) 

Operative Behandlung des Abscesses am Muttermunde 

Behandlung bei Durchbruch des Abscesses in die Bauchhöhle 

Geschwüre im Uterus (nach Archigenes) 

Behandlung der Carbunkel im Uterus 

■96. Verschiedene Mittel gegen Geschwüre . 

Carcinoma uteri (nach Archigenes) 

Phimosis uteri (Cervixstenose) 

Atresia uteri 

Haemorrhoiden im Uterus (nach Aspasia) 

Lithiasis uteri 

Die Blasensteine 

Hydrokele muliebris (nach Aspasia) 

Die Leistenbrüche 

Kirsokele (Hernia varicosa) (nach Aspasia) 

Nymphotomie (nach Philumenos) 

Polypen am Muttermunde 

Warzen im Uterus (nach Philumenos) 



Die Condylome (nach Aspasia) 

Die Rhagaden (Fissuren) am Uterus 

Periförmige Verhärtungen am Uterus (nach Aspasia) 

Krätzeartige Ausschläge am Uterus 

Abscesse an den Schamlippen „ . 

•145. (Sammlung von Vorschriften für kosmetische Präparate, 
Salben, Oele, ferner von Küchenrezepten und Räucher- 
mitteln) 

Mittel zur Einbalsamirung eines Todten 



135 
136 



-=j(gs>— 



(cq 



0CT29 1923 

XlBJ 



Das XVI. und letzte Bueh 

(über Geburtshilfe und Frauenkrankheiten) 

aus der Sammlung des 

Aetios von Amida. 



Kapitel 1. 

Lage und Grösse des Uterus und seine sonstige 
Gestaltung. 

Gebärmutter (f.irxQa) wird der Uterus genannt, weil alle 
lebenden Wesen aus ihm hervorgehen, Uterus (vgieqcc) heisst er, 
weil er mehr nach hinten als alle (andern) Eingeweide liegt. Er 
liegt nämlich innerhalb des Bauchfells zwischen Blase und Mast- 
darm ; dabei liegt er dem Mastdarm auf und überragt nach dem 
Nabel hin mit seinem Fundus meistens die Blase, während diese 
nach der Scham zu sich vor und über dem Collum uteri be- 
findet. Die Grösse des Uterus ist nicht bei allen Frauen die 
gleiche; denn bei Frauen, die (schon) geboren haben, ist er 
ziemlich gross, bei solchen, die (noch) nicht geboren haben, klein, 
und bei unberührten jungen Mädchen (noch) kleiner. 

Seine Länge beträgt vom Fundus bis zur Scham (Vulva) 
bei volljährigen Frauen meistens elf Querfinger *) ; in der Breite 
streckt er sich mit den Hörnern nach beiden Weichen. Was 



J ) SdxTuXos ist das kleinste griechische Längenmaass, c. 2 Finger breit nach 
Hero de mens. (J. u. S.) (28). 

1 



Weg seh ei de r. 



2 Lage und Grösse des Uterus. 

seine Gestalt betrifft, so ist das ganze Corpus, und am meisten 
der Fundus einer Blase ähnlich. Ferner finden sich oben am 
Fundus zu beiden Seiten gewisse hornähnliche Fortsätze, die 
man Hörner nennt; diese erstrecken sich anfangs nach oben, 
biegen sich weiterhin nach unten (um) und werden allmählich 
enger, sodass der verengte und nach unten gerichtete Theil dieser 
Hörner einer Vene ähnlich ist. Dieser verengte und wie ge- 
drehte Abschnitt der Hörner erstreckt sich von oben nach unten 
und klammert sich an die Ovarien 1 ), welche aussen am Uterus, 
an seinen beiden Seiten schräg, rechts und links liegen. Durch 
die gleichsam gewundenen Hörner (Tuben) zieht der Uterus 
während der Cohabitation das Sperma aus den Ovarien in sich 
hinein. Doch sind die „Hoden des Weibes" (Ovarien) sehr klein 
und nicht so zart wie die der Männer, sondern gleichsam leder- 
artig und wie abgeplattet. 

Der Uterus ist ferner mittelst einiger faserigen Ansätze mit 
der Blase und dem Mastdarm eng verbunden , aber ganz be- 
sonders steht er mit dem Kreuzbein durch einige starke sehnige 
und muskulöse Bänder in Verbindung. Es giebt ferner auch Auf- 
hängebänder des Uterus, die vom Rückenmark her an ihn an- 
setzen als Ligamenta und das ganze Corpus uteri durchflechten. 
Er steht mit anderen Organen in Verbindung auch durch die 
Gefässe, die ihn versorgen, Venen nämlich und Arterien. Denn 
von der Vena cava, die durch das Rückgrat von dem Buckel 
der Leber herabkommt und von der Aorta, die aus dem Herzen 
zusammen mit der Hohlader herabsteigt , entspringen Gefässe, 
und zwar zum Uterus hin zwei auf jeder Seite, (je) eine Vene 
und eine Arterie ; und diese vier Gefässe laufen oben zum 
Fundus uteri hin , theilen sich dort und ziehen geflechtartig 
durch den ganzen Uterus nach aussen und nach innen [, beson- 
ders aber nach innen]. Durch diese Gefässe gelangt das men- 
struelle Blut in den Uterus. Freilich ziehen auch noch andere 
Gefässe, Venen und Arterien, auf beiden Seiten des Uterus 



1 ) ö'pyets, eigentlich Hoden. Hippokrates kannte die Ovarien noch nicht, 
s. F. (9). S. 78. Soranos, s. L. (8). S. 7 beschreibt sie ähnlich wie Aetios. 
(vergl. auch Zervos (7). S. 2. Anm .). Ihre Bedeutung erkannte wohl Galenos 
zuerst, s. F. (9). S. 23. Anm. 



Lage und Grösse des Uterus. 3 

theils zu den Ovarien, theils in die Gegend des Fundus uteri 
und in die Schamgegend. 

Das Corpus uteri selbst besteht aus zwei Gewebs- 
schichten ; die äussere ist mehr sehnig und lässt sich (daher) 
auch abziehen, die innere ist mehr von Gefässen durchzogen. 
Während die äussere Schicht einfach ist, ist die innere zweifach, 
sodass man, wenn man die obere Schicht abziehen will, gleich- 
sam zwei Uteri erhält, die durch ein einziges Collum mit 
einander verbunden sind. . 

Das Collum uteri ist muskulös, besteht aus hartem und 
knorpelartigem Fleische und wird mit der Zeit von selbst immer 
härter ; deshalb ist bei Multiparen oder bei alten Frauen das 
Collum uteri so hart und knorpelartig geworden, dass es einem 
Bronchus ähnlich ist. Das Collum uteri hat eine Oeffnung, 
durch welche das menstruelle Blut entleert wird ; durch diese 
Oeffnung nimmt auch der Uterus beim Beischlaf den Samen 
des Mannes in sich auf, und der Embryo verlässt den Uterus 
auf diesem Wege ; denn es ist unglaublich , wie dieser Zugang 
in seiner Grösse wechselt ; für gewöhnlich ist er nämlich so 
eng, dass er kaum einen Sondenknopf aufnimmt; ist die Frau 
aber schwanger, dann ist dieser Eingang sehr genau geschlossen, 
sodass überhaupt nichts (mehr) aufgenommen wird. Löst sich 
aber die Frucht vom Uterus, so erweitert sich der Muttermund 
[unter dieser Last], sodass — wunderbar zu hören — der ganze 
Embryo durch ihn hindurch austritt. 

Dieses Collum endigt in der weiblichen Scheide, welche 
man auch die Scham nennt. Ihre Länge beträgt bei den schon 
Erwachsenen gewöhnlich sechs Querfinger ; kürzer r ) wird die 
Scheide zur Zeit der Geburt und beim Beischlaf, weil sich 
nämlich die Cervix uteri dabei (mehr) nach aussen (unten) 
streckt. Ferner ist die Scheide in der Kindheit noch zarter 
und auch weich, während sie bei Frauen, die sehr oft geboren 
haben, mehr Schwielen (Narben) bekommt und durch ihre 
Derbheit gleichsam einem Knorpel ähnlich wird. Denn sie ver- 



x ) TTpo^sipöxspov -uvETOU, eigentlich handgerechter, leichter zu untersuchen. 
Vergl. die Anm. aus Theophilos bei Z. (7.) S. 4 und Aet. XVI cp. 13, wo tj ua-äpa 
TtpOYCups! den obigen Ausdruck erläutert, s. S. 15. 

1* 



4 Was für Gebilde entstehen im Uterus der schwangeren Frau? 

härtet mit der Zeit durch das häufige Aneinanderreihen beim 
Beischlaf und bei den Entbindungen ; aber auch durch die 
monatliche Blutung wird sie narbiger, weil durch die sehr reich- 
liche scharfe Flüssigkeit sich förmlich hohle Geschwüre bilden. 
Zur Zeit der Regel wird der Uterus dick und von grossem 
Umfang, während er sonst dünner und magerer (mehr kontrahirt) 
erscheint; ferner ist er dicker bei den Frauen, die schon sehr 
oft, dünner bei solchen, die noch nicht schwanger waren. Da- 
gegen erscheint er in den ersten Tagen nach der Empfäng- 
nis dick; sobald aber der Embryo fertig ist und die Zeit der 
Niederkunft naht, wird das Corpus uteri ganz dünn. Denn seine 
Breite nimmt ab, weil es sich in die Länge streckt, gleichsam 
wie Blasen, die mit Luft gefüllt sind. So verhält es sich mit 
Lage, Form und Grösse des Uterus x ). 



Kapitel 2. 

Was für Gebilde entstehen im Uterus der schwangeren 
Frau? — (Die Eihäute). 

Zur Zeit der Schwangerschaft entsteht im Uterus das 
Chorion 2 ), welches die ganze Frucht aussen umgiebt und nach 
ihm (noch) zwei andere Häute, das .sogen. Wursthäutchen 
(Allan tois), das den konvexen Theilen der Frucht aufliegt, 
und nach ihm das sog. Schafhäutchen (Amnion), ein dünnes, 
das den Embryo überall rings umgiebt. 



Kapitel 3. 
Entstehung des Chorion. 

Die Bildung des Chorion vollzieht sich in folgender Weise : 

Die Mündungen der Venen und der Arterien, die sich im 

Inneren des Uterus mannigfach verzweigen, haben gegen ihr 



*) Man vergleiche die anatomischen Angaben bei So ran [s. L. (8) Kp. III. 
S. 4 — 10] und Pinoff (12) und Görlitz (13). 

2 ) Ueber ^optov (bei Zervos ^opi'ov) s. die ausführliche Erörterung bei F (9) 
S. 93. Anm, 



Entstehung des Chorion. 5 

Ende hin jede eine knotenartige Auftreibung, ähnlich den 
Hämorrhoiden am Gesäss. Diese geschwulstähnlichen Verdick- 
ungen nennt man Kotyledonen 1 ). Sie sind kleiner bei den 
Frauen, als die, welche man bei Ziegen, Kühen, Rehen und 
ähnlichen Thieren findet. Diese Gebilde sind bei den Thieren 
gleichsam schwammig und schleimig, ihre Gestalt ist ähnlich 
den Blättern des Frauenkrautes, aber unterwärts hohl. Diese 
Mündungen nun der in das Cavum uteri hinein sich verbreiten- 
den Gefässe stehen alle offen, sobald (so oft) die Frau konci- 
piren soll. 

Diese (günstige) Zeit für die Empfängnis ist bei Beginn oder 
am Ende der Periode; denn obgleich diese Gefässe sich auch 
in der ganzen übrigen Zeit der Periode öffnen , koncipirt die 
Frau doch nicht ; denn (während der Periode) bleibt das Sperma 
des Mannes doch nicht im Uterus, weil es zu dieser Zeit durch 
die Menge des rinnenden Blutes herausgespült wird. Jedoch bei 
Beginn und (besonders) am Ende der Menstruation öffnen sich 
zwar (auch) die Gefässe, aber das menstruelle Blut ergiesst sich 
weder reichlich noch in dichter Masse, sondern spärlich und all- 
mählich, sodass wegen der Rauhigkeit des Uterus das Sperma 
festhaftet und wegen des unbedeutenden Blutverlustes hinreichende 
Nahrung erhält. 

Vor dem Eintritt der Menstruation aber kann die Frau 
nicht koncipiren , weil das Sperma sowohl die Nahrung ent- 
behrt als auch nicht im Stande ist, fest zu haften; denn der 
Uterus ist dann glatt, da die Gefässe verschlossen sind, sodass 
das Sperma deswegen (wieder) herabfliesst, wie aufgestrichene 
Farbe von zu glatten Wänden. Denn wer Wände anstreichen 
will, der macht sie zuerst rauh; dann erst haftet der Anstrich. 
Daher haftet das ejakulirte und im Uterus zurückgehaltene 
männliche Sperma an den Kotyledonen bald in der rechten, 
bald in der linken Seite des Corpus uteri. Dann zieht sich der 
Uterus zusammen und umschliesst das Sperma überall. 



*) 7) xot'jXyjSwv (tcÖcx) ist das Kabelkraut, Frauenkraut , umbilicus Veneris 
(J. u. S.). Zur Kritik dieser Stelle, über die sich Z e r v o s leider ausschweigt, die 
mir nach Galen copirt zu sein scheint, vergleiche man den Schluss der Arbeit 
von Kossmann (10), der wohl ganz richtig die Kotyledonen mit den Chorion- 
zotten identificirt. 



(3 Entstehung des Chorion. 

Die Bildung des Chorion geht nun von den Endigungen 
der im Uterus verzweigten Gefässe aus ; denn von jeder Mündung 
entspringt ein (neues) Gefäss, eine Arterie aus der Mündung einer 
Arterie,' eine Vene aus der einer Vene. Diese Gefässe verbindet 
unter einander eine dünne, aber kräftige Membran, die sich aussen 
an alle ringsherum anlegt, und so bildet sie das Chorion. Die 
im Chorion verzweigten Gefässe laufen nun wieder unter ein- 
ander zusammen und bilden schliesslich zwei Venen und zwei 
Arterien; diese setzen sich an die Mitte der Frucht an und 
nehmen von überall her die Ausscheidung des Embryos auf, die 
nach der Allantois hin stattfindet; durch diese wird der Harn 
der Frucht ausgeschieden und in der Membran gesammelt ; da- 
her bildet die Verwachsung dieser vier den sogenannten Nabel; 
mitten zwischen ihnen befindet sich der sog. Urachos. Dieser 
Urachos ist der Anfang der Allantois, ist am Fundus der 
embryonalen Blase durchlocht, und durch ihn wird der Harn 
der Frucht geleitet und in der Allantois gesammelt. 

Später verwachsen die beiden Venen zu einer, und diese 
geht durch den Nabel und läuft dann zu dem unteren, einwärts 
gebogenen Theil der foetalen Leber, zu der sog. Vena cava. 
Durch diese wird dann das Blut vom Uterus zur Ernährung der 
Frucht weiter geleitet. Denn die Leber des Embryo nimmt 
das Blut auf und giebt es wieder an seinen Körper ab. Die 
beiden vorher erwähnten Nabelarterien nun endigen ebenfalls in 
eirier Arterie, und diese geht durch die schrägen Seitentheile 
der foetalen Blase und läuft zu der grossen Arterie , die am 
Rückgrat der Frucht liegt. Durch diese wird dann das Leben 
erzeugende Blut von den uterinen Arterien zur Frucht hinüber- 
geleitet. 

Zur Zeit der Entbindung, wenn die Frucht reif ist und, 
gross geworden, den Uterus, und natürlich auch das Chorion, 
nach allen Seiten ausdehnt, (dann) wird es ihr zu eng, und sie 
bekommt durch die ihr vom Uterus aus zugeführte Nahrung 
nicht mehr genug; daher hüpft sie und sprengt die Häute, die 
sie umgeben. Infolgedessen öffnet der Uterus in geheimnissvoller 
Weise seinen Mund und stösst die Frucht aus. *) — 



l ) äpprjTü) Xoyw, eigentl. „in einer mit Worten nicht zu schildernden Weise," 



Alter der Frauen beim ersten Auftreten der Menstruation. 7 

Das wäre nun so das, was man darüber sagen kann, wenn 
man nur eine kurze Erklärung geben will. Sollte aber jemand 
wünschen, all' das Erzählte sich ganz genau anzuschauen, der 
möge eine hochträchtige Ziege schlachten, eine Kuh, ein Reh 
oder eine Hündin und dabei zuerst die Knochen an der Scham 
aus ihren Verbindungen lösen und dann das Fell recht geschickt 
spalten. Denn wenn man dies recht geschickt macht , sieht 
man den Zusammenhang des Uterus mit seinen Nachbarorganen. 1 ) 



Kapitel 4. 

Alter der Frauen beim ersten Auftreten der 
Menstruation. 

Die Menstruation tritt bei den Frauen ungefähr im vier- 
zehnten Jahre ein ; gleichzeitig werden sie mannbar und ihre 
Brüste schwellen. Aber die Menses treten nicht bei allen zum 
gleichen Zeitpunkte ein, auch nicht in gleicher Stärke und Dauer. 
Letztere beträgt meist vier Tage, die Blutmenge bald mehr bald 
weniger als zwei Kotylen. 2 ) Die Pause beträgt bei den einen 
20, bei den anderen höchstens 30 Tage ; manche aber sind auch 
zweimal im Monat menstruirt. Die Menstruation hört nicht 
früher als mit 35 Jahren auf; nach dem 50. Jahre erscheint sie 
meist nicht mehr; indessen dauert sie in seltenen Fällen (auch) 
bis zu 60 Jahren ; sehr fette Frauen verlieren sie rasch. — Die 
Blutmenge ist anfangs gering und steigt bis zur höchsten Ent- 
wicklung; dann bleibt sie eine Zeit lang in gleicher Stärke und 
nimmt nur sehr wenig zu oder ab. Wenn die Blutung aber 
aufhören will, wird sie allmählich wieder schwächer, bis sie voll- 
ständig aussetzt. Regelmässigkeit wie Unregelmässigkeit der 
Menses, reichlicher wie spärlicher Blutfluss stehen in direktem 
Zusammenhange mit dem Lebensalter, der Jahreszeit, der Lebens- 



x ) Ueber die anatomischen Studien der Griechen und Alexandriner vergl. 
F. [9] S. 71 Anm. I u. 3 und S. 109 Anm. 2. 

2 ) zotöXin ist ein kleines Hohlmaass (Becher) für trockene und flüssige 
Dinge, = 7 x /-2 Unzen oder ungefähr l ji Liter, 



g Vorzeichen des ersten Auftretens der Menstruation. 

weise und dem sonstigen Verhalten, wie auch mit der Beschaffen- 
heit und Eigenthümlichkeit der Nahrungsmittel und dem Hinzu- 
treten von Krankheiten. (Krankheitskomplicationen.) 



Kapitel 5. 

Vorzeichen des ersten Auftretens der Menstruation 
bei jungen Mädchen. 

Den nahenden Beginn der ersten Regel künden bei jungen 
Mädchen an : Jucken an den Brüsten, Leibweh, Kreuzschmerzen, 
Kopfweh, Erbrechen von galligen oder schleimigen Massen. 
Wenn sich diese Vorzeichen mit vierzehn Jahren einstellen, muss 
man den Arzt (zu Rathe ziehen und ihn) etwas verordnen 
lassen, um die Regel herbeizuführen ; auch soll man durch recht 
einfache Abkochungen den Abfluss des Blutes unterstützen. 



Kapitel 6. 

Wann tritt das Sperma auf und wann die 
Geschlechtsreife? 

Auch das Sperma erscheint mit dem 14. Lebensjahr, bei 
den meisten zugleich mit der Pubertät ; zeugungsfähig wird es 
ungefähr mit 18 Jahren, meist erst mit 20 Jahren. Gleich nach 
dem Erscheinen des Sperma tritt auch die Lust zum Beischlafe 
(schon) auf. 

Kapitel 7. 
Diagnose der Konceptionsfähigkeit (nach Soranos). 1 ) 

Man ist der Ansicht, dass die Frauen vom 15. Jahre an 
bis meistens zu 40 Jahren wohl geeignet sind, schwanger zu 
werden, und zwar diejenigen besonders, welche weder einen 
männlichen Habitus, eine gedrungene Gestalt und ein sehr 

J ) L. (8) cp. 9 S. 22. 



Diagnose der Konceptionsfähigkeit. 9 

rauhes Wesen besitzen (Mannweiber), noch allzu schwächlich 
(schlaff) und schwammig (lymphatisch) sind, oder gar Durchfall 
haben, wohl aber die, welche Seelenruhe und heiteren Sinn be- 
sitzen, recht breite Hüften und einen stattlichen Leib haben, 
keine Störungen bei der Periode kennen und frei sind von 
dauernder Belästigung durch Krankheiten, und ganz besonders 
von Unterleibsleiden. 

Man sagt, dass auch folgender Versuch für die Voraussage, 
ob die Frau concipiren wird, wichtig sei : Man bringe die Frau 
in geeignete Lage und verbrenne Harz auf untergelegtem Feuer, 
damit sie durch die Scheide den Rauch aufnehme ; wenn dann 
der Geruch sich in ihren Mund vertheilt (d. h. zum Munde heraus- 
kommt), so wird sie empfangen ; wenn aber nicht, dann nicht. 

Ein anderes Mittel: Man ziehe vom Knoblauch die 
Schale ab, umwickle ihn mit Wolle und lasse ihn als Tampon 
einlegen, wenn die Frau schlafen gehen will; wenn dann morgens 
der Duft des Knoblauchs durch ihren Mund zum Vorschein 
kommt, wird sie empfangen ; wenn aber nicht, dann nicht. 



Kapitel 8. 
Diagnose der Schwangerschaft. 

Dass eine Frau empfangen hat, erkennt man erstens daran, 
dass sie auf die Frage der Hebamme angiebt, dass sie den 
Samen des Mannes nach dem Beischlaf nicht wieder ausgeschieden 
habe, dass sie ferner während des Beischlafs von Empfind- 
ungen des Schauers (Wollust) befallen sei, und dass die Scham- 
theile und die Nabelgegend massig weh thun. — Zweitens daraus, 
dass Scheide und Muttermund sehr trocken und ohne Feuchtig- 
keit sind, dass der Muttermund selbst ohne Verhärtung und 
Entzündung geschlossen und nach vorn und oben gerückt ist; 
ferner daraus, dass die Frauen ohne rechtes Verlangen nach 
Liebesgenuss sind, dass die Periode (ohne andere Ursache) zur 
gewohnten Zelt ausbleibt; dass die Adern an der Brust durch 
die Haut schimmern, und die Brüste angeschwollen sind. Im 
Lauf der Zeit fliesst auch Milch; die Augenhöhlen sind etwas 
blassgelb und manchmal finden sich dunkle Flecke im Gesicht, 



10 Diagnose der Schwangerschaft. 

manchmal auch missfarbige (Chloasma uterinum). Ferner (er- 
kennt man eine Schwangerschaft) auch daraus, dass die Vorder- 
seite des Halses ziemlich warm, der Nacken aber kühl ist, und 
dass ungefähr im zweiten Monat die Frauen (ganz) gegen ihre 
Gewohnheit scharfe und salzige Kost verlangen. Bei manchen 
wird (dadurch) der Magen verdorben ; während der Arbeit tritt 
(oft) Unlust auf; das Auge bekommt feuchten Glanz und der 
weibliche Geschlechtscharakter tritt stärker hervor. Auch die 
Hautfarbe wandelt sich in weiss schimmernde Blässe, welcher 
meist stärkeres Erröthen vorangeht. Ungefähr zu der Zeit, in 
welcher (sonst) die Periode eingetreten wäre, sind die Frauen 
müde und wie gelähmt und haben Atemnoth ; auch das Kreuz 
ist steif; die Blase entleert nur sehr mühsam Urin, der heiss 
und dunkelroth ist, weil die Wärme in der Scheide die (benach- 
barte) Blase ebenfalls entzündlich reizt und infolgedessen Men- 
strualblut durch die Harnröhre abgeht. 



Kapitel 9. 

Welche Zeichen gab es bei den Alten dafür, ob das 

Schwangerschaftsprodukt männlichen oder weiblichen 

Geschlechts sei? 

Hippokrates 1 ) und Andere 2 ) behaupten, dass die Frucht 
männlich wäre, wenn die Schwangere recht gut und gesund 
aussehe und leicht beweglich sei, wenn ferner ihre rechte 
Brust grösser und voller sei und die Warze am meisten hervor- 



J ) Vergl. Fassbender (9) S. 106 u. 107 und Fuchs (15) I. p. 115. 

— Ich benutze die Gelegenheit, auf die wichtige ausführliche Darstellung 
Fassbenders (S. 107 — 1 1 1) hinzuweisen, aus der hervorgeht, dass die bekannte 
hippokratische Theorie von der Geschlechtsbestimmung (nach welcher der rechte 
Eierstock, bezw. Hoden die Knaben, der linke die Mädchen liefere), sich bei 
Hippokrates nirgends findet. Trotzdem hat sich dieser Irrthum bis in die 
neueste Zeit erhalten; Siebold (2) erwähnt ihn zwar nicht, aber die meisten 
geburtshilflichen Lehrbücher des 19. Jahrhunderts. — 1895 noch hat Selig son 
in Moskau vergeblich versucht, obige Irrlehre als richtig zu beweisen. (Central- 
blatt fr. Gyn. 1895. No. 22.) 

2 ) Vergl. bei Soranos, L. (8) cap. XIII. S. '30 und Anmerk. j. 



Krankhafte Gelüste der Schwangeren. 

rage; anderseits, dass bei weiblicher Frucht die Frau recht 
blass und die linke Brust, zumal die Warze, stärker geschwollen sei. 
Ferner finden sich bei männlicher Frucht die Gefässe 
der rechten Seite, ich meine natürlich die Venen, zumal die 
unter der Zunge, stärker entwickelt, dagegen bei weiblicher 
Frucht die auf der linken Seite. 

Das untrüglichste und sicherste Zeichen ist folgendes : 
Bei männlichen Früchten ist der Puls an der rechten 
Hand der Schwangeren stärker, häufiger, grösser und härter (als 
gewöhnlich?) [Pulsus celer, frequens, magnus, durus], während 
bei weiblicher Frucht der der linken Hand von solcher Be- 
schaffenheit ist. 1 ) 



Kapitel 10. 
Krankhafte Gelüste der Schwangeren (nach Galenos). 2 ) 

Ungefähr im zweiten Monat tritt bei den Schwangeren ein 
Leiden auf, das man als Kissa (Pica) bezeichnet, ein Aus- 
druck, dessen Bedeutung übertragen ist von einem lebenden 
Vogel (der Elster) 3 ), der bald so heisst, bald ganz anders und 
verschieden benannt wird. Man sagt auch der. Name sei über- 
tragen von einer Pflanze, die Epheu heisst 4 ), da sie verschiedene 
Pflanzen, die ersten besten, die sich gerade darbieten, (gierig) 
umklammert; denn die Schwangeren, die „krankhafte Gelüste" 
haben, sind (eben) begierig nach verschiedenen (wunderbaren) 
Speisen, zumal nach solchen, die Behagen und Unbehagen mit 
sich bringen. 



x ) Die gleiche Beobachtung führt Galenos an, s. Z. S. 12, Anm. 1. 

2 j Ueber die y.iaza, oder pica finden sich viele Angaben; ausser den bei L. (8), 
Anm. S. 33 genannten 5 noch Sextus Empiricus und Arrian (J. und S., S. 763). 
Man vergleiche das cap. bei Soran (L. XV.), und Aetios Buch 9, cap. 23 , wo 
er unter der Ueberschrift nspi p.0)($r]p<I>v ops^swv die r.i'aaa beschreibt, hinsichtlich 
der Therapie aber auf das nachstehende Kapitel verweist. Z. giebt keine Anm. 
zu cap. 10! 

3 ) xiaoa übersetzt L. (nach Aristoteles) mit Eichelhäher (garrulus glandarius), 
J. und S. mit Häher, Eichelhabicht, Kr, mit Elster, 

4 ) xtcrcos ist der Epheu, 



12 Krankhafte Gelüste der Schwangeren. 

Meist tritt bei Schwangeren dieser krankhafte Zustand un- 
gefähr 40 Tage nach Beginn der Schwangerschaft auf; er besteht 
in Magenerweiterung, Uebelkeit, Hilflosigkeit, Unruhe und Er- 
brechen von Speisen, Galle und Schleim; die Frauen haben 
dauernd Sp.eichelfluss und Magenkrämpfe und fasten (daher). 
Diese Erkrankung kommt infolge eines Uebermaasses von Blut 
zu Stande; denn die gewohnte monatliche Ausscheidung von Blut 
durch die uterinen Gefässe wird durch die Frucht unterdrückt; 
es steigt rasch nach oben und drückt auf den Magen, der ganz 
besonders reizbar ist. Dabei sind die Frauen lüstern nach ver- 
schiedenartigen und sonderbaren Dingen, entsprechend dem Wesen 
der schlechten Säfte, die sich geltend machen; die einen ver- 
langen nach scharfen, die andern nach salzigen (Speisen), andere 
gar nach Erde, andere sogar nach Eierschalen oder ausgelöschten 
Kohlen (Asche). Diese krankhaften Gelüste dauern manchmal 
bis zum vierten Monat. Denn im Anfang wird nur ein ganz 
kleiner Theil des Blutes zur Ernährung der Frucht verwendet, 
später aber mehr, wenn sie gewachsen und demgemäss mehr 
Blut zur Ernährung der Frucht in den Uterus übergegangen ist. 
Sobald aber die schlechten Säfte durch wiederholtes Erbrechen 
aus dem Körper entfernt sind, lassen die vorher beschriebenen 
Symptome nach. 

Für die (Kranken) nun, welche anscheinend hinreichend 
Blut gesammelt haben, passt wenig Nahrung; auch ist ihnen die 
Appetitlosigkeit nützlich und ebenso Leibesübungen, dem weib- 
lichen Geschlecht angemessen, die im Stande sind, das Ueber- 
maass zu beseitigen; für die (Kranken) aber, bei denen etwas 
beissendes oder scharfes oder salziges den Magen verletzt und 
entzündet, ist es nützlich, warmes Wasser gegen den Brechreiz 
zu trinken und dadurch den lästigen Saft (Schleim) zu verdünnen. 
Die Speisen sollen jedoch nicht zu süss sein ; der Wein soll 
weiss, wohlriechend, alt und etwas herb sein, das Getränk über- 
haupt spärlich, damit die Nahrung nicht unverdaut im Magen 
liege. Darum ist es zweckmässig, vor den Speisen eingemachte 
Oliven zu geben mit geröstetem weichem Brote, das in schick- 
licher Weise zurecht gemacht ist; ferner fünf oder sieben bittre 
Mandeln, Schrotbrot, durchgeknetet mit dem Saft von Oliven- 
kernen, Granatäpfeln oder Endivien; ferner Spargel, Rapunzel 



Krankhafte Gelüste der Schwangeren. 13 

und vom Geflügel alles das, was nicht zu fett und nicht übel- 
riechend ist, vom Schwein Füsse, Schnauze, Gebärmutter und 
Bauch, endlich frische Seeigel. Nach der Mahlzeit soll man 
Rosinen, Granatäpfel und Birnen geben. All dies oben erwähnte 
soll in massiger Menge gereicht werden. Doch die Frauen, 
welche nicht im Stande sind zu essen, muss man dazu nöthigen 
durch stete Abwechslung in der Ernährung und solche Speisen, 
auf die sie sonst Appetit hatten; denen aber, die Erde essen 
möchten, ist es nützlicher, dafür Brod aus feinstem Mehle zu 
essen, und zwar soll es recht frisch sein. 

Weiter sind als Heilmittel nützlich: ein Aufguss von 
Portulak, während des Essens zu geben; ferner Gurkensamen 
ohne Schale, in Wasser zu trinken ; auch eine Abkochung von 
Polygonum x ) und ebenso von Anis ; ferner ein Infusum von 
pontischem Rhabarber und Nardenblüthe ; auch Endiviensaft, 
und zwar roh wie gekocht in reichlicher Menge genossen. Ist 
aber das Erbrochene dick und kann wegen der Zähigkeit (des 
Schleimes) nur sehr schwer herausgebracht werden, dann soll 
man Rettige mit Sauerhonig und Pökelfleisch zu essen geben ; 
und man suche auf jede Weise zu erreichen, dass die lästige 
Schleimmenge ohne Schmerz und Krampf (aus dem Magen) ent- 
fernt werde. Ferner ist es angebracht, dem Magen, der erheb- 
lich geschwächt ist, durch folgende Mittel auch von aussen 
her beizustehen : Weinreben, Blüten vom wildem Granatbaum, 
Rosen, Granatapfelblütenkelche, Myrthen, Myrrhenkraut- und 
Fenchelsamen, mit Wein zum Brei verrührt, dazu Galläpfel, 
Kümmel und Wermuth; Palmenmark, in Wein abgekocht oder 
damit getränkt und zerkleinert, lege man nach Art eines Um- 
schlages auf; oder Quittenäpfel in Essigwasser gelöst und ohne 
Klümpchen fein zubereitet mit rosigem oder nardenartigem 
Wachsbalsam, oder unreifen Traubensaft mit Saffran ; ferner 
lege man schmutzige Wolle (d. h. nicht entfettete Wattebäusche) 
oder Leinwandlappen auf den Magen, die getränkt sind mit 
Weinöl, Essigöl, Rosen- oder Nardenöl. Es schafft ferner Er- 
leichterung bei den Magenkrämpfen und Stichen langsames 



x ) Nach Kr. (16) S. 829. Nattenvurz oder Buchweizen. S. a. L. (8) 
Anhang. 



14 Behandlung der Oedeme der Schwangeren an den Füssen. 

Trinken von genügend warmem, nicht kochendem Wasser und 
ebenso genügend langsames Auf- und Abgehen und Bedecken 
des Unterleibes mit weicher Wolle und Warmhalten (desselben) ; 
ferner Salben und Bewegen der unteren Gliedmassen (Turnen) 
vor Tische nach Möglichkeit. 



Kapitel 11. 

(Behandlung der) Oedeme der Schwangeren an 
den Füssen. 

Gegen die Schwellungen, die (oft) bei Schwangeren an den 
Füssen . auftreten, lasse man Einreibungen mit Weinessig und 
Rosenwasser machen, bisweilen auch fein geriebenes Salz auf- 
legen und Umschläge machen mit essigsaurer Thonerde r ). Gut 
ist auch die Abkochung des Inneren der Citronen darüber zu 
giessen ; ebenso ist es vortheilhaft, Rosmarin mit Essig getränkt 
nebst weit ausgebreiteten Kohlblättern aufzulegen. 



Kapitel 12. 
Diätetik der Schwangerschaft (nach Aspasia). 2 ) 

Man sorge dafür, dass die Schwangeren gleich von Anfang 
an sich hüten vor Schreck, Betrübnis und jeder starken seelischen 
Aufregung, ferner vor der schaukelnden Bewegung beim Fahren 
und übertriebenen körperlichen Uebungen (Sport) und plötz- 
lichem Anhalten des Atems, vor Schlägen und Stössen gegen 
die Weichen, vor Heben schwerer Lasten, vor Springen und 
Tanzen und vor hartem, unebenem Lager, vor dem Genuss 



') KiutuXia ff nach J. u. S. = Erde von der Kykladeninsel Kimolos, eine 
weisse Thon- oder Bolusart, die natriumhaltig, d. i. eine Art natürlicher Seife 
war. (cfr. Galenos und Aetios II. cp. 8, sowie Bergel (i 8) Seite 60). Aus 
dem Zusatz u.t~' ö£ou? glaube ich mich zu obiger Uebersetzung berechtigt, 

2 j Siehe die Anmerkung in der Einleitung. 



Diätetik der Schwangerschaft. 15 

scharfer oder Blähungen verursachender Gerichte, vor allzu hohen 
Eingiessungen, vor zu spärlicher wie vor zu reichlicher Nahrungs- 
aufnahme und vor Blutverlust aus Nase, Hämorrhoiden oder 
irgend einer andern Stelle ; denn dies alles ist für die Schwangeren 
schädlich. Dagegen ist ihnen dienlich: angemessene, wohl- 
schmeckende und magenstärkende Kost, Schweben in einer 
Sänfte, kleine Spaziergänge, zartes Reiben (Massage), Wolle- 
spinnen. Jedoch ungefähr im 8. Monat, der, obgleich der be- 
schwerlichste, frei von Beschwerden sein soll, ist es gut, die 
Ernährung einzuschränken und die allzu lebhaften Bewegungen 
einzustellen. Wenn auch der Stuhl angehalten ist, weil der 
Mastdarm durch den Uterus von der Seite her gedrückt wird, 
so ist es richtig, Abführmittel zu geben, wie z. B. Gerstentrank, 
gekochten Sauerampfer, Malven, Nesseln. Im neunten Monat 
endlich ist es zweckmässiger, um ein Nachlassen der Spannung 
des Leibes zu erreichen, öfter ein Bad nehmen zu lassen, und 
überhaupt vorher darauf Bedacht zu nehmen, dass die Ge- 
bärende im Stande sei, die Wehen zu ertragen. 



Kapitel 13. 

Vorzeichen des Beginnes der naturgemässen (regel- 
mässigen, spontanen) Niederkunft. 

Bei den Hochschwangeren stellt sich Schwere des Unter- 
leibes und Brennen in der Scheide ein, und der Uterus rückt 
nach der Vulva hin vor (tritt tiefer), sodass die untersuchende 
Hebamme ihn leicht berühren kann. Dann öffnet sich der 
Muttermund und fühlt sich weich und sehr feucht an. Ist die 
Geburt ganz nahe, dann sinkt das Hypogastrium ein, während 
die Leistengegend und die Schamtheile anschwellen, und ein 
starker Harndrang tritt auf. Dann fliesst sehr viel Flüssigkeit 
ab und später auch in sehr vielen Fällen Blut aus den zer- 
rissenen dünnen Gefässen im Chorion. 



26 Rathschläge für die normale Entbindung. 

Kapitel 14. 
Rathschläge für die normale Entbindung. 

Was man für Vorbereitungen treffen und wie man den 
Frauen, die naturgemäss (spontan) niederkommen, beistehen soll, 
das niederzuschreiben, halte ich für überflüssig, weil dies her- 
kömmlicher Weise nicht nur die Hebeammen, sondern auch die 
andern Frauen wissen 1 ). Was man aber (jedenfalls) wissen 
muss, soll hingeschrieben werden : Man soll die Kreissenden er- 
mahnen, den Atem anzuhalten und ihn dann mit Druck nach 
unten (Abwärtsdrängen) *) auszustossen, ihn jedoch nicht nach 
dem Halse hin zusammenzuziehen, wie manche unerfahrenen Frauen 
thun. Denn dadurch entstehen oft Kröpfe, bekanntlich eine 
Erweiterung der Gefässe an dieser Stelle 2 ), und dieser Zustand 
ist unheilbar (lässt sich nicht wieder beseitigen). 



Kapitel 15. 
Diätetik der regelwidrigen Geburt (nach Aspasia). 3 ) 

Bei schwerer Geburt und geschlossenem Muttermunde be- 
ginne man damit, die Kreissende (Patientin) ins Bad zu führen, 
und lasse sie in einer warmen Wanne baden; oder man gebe 
ihr vorher ein Klystier und wende dann Sitzbäder, die im Stande 
sind, Schlüpfrigkeit zu bewirken, und Salben an, z. B. warmes 
Oel und geschlagenes Eiweiss und Abkochungen von Malve, 
Bockshorn, Leinsamen und Gerstengraupen, oder durch Alkannaöl 
flüssig gemachten Wachsbalsam. Ganz besonders muss man die 
Lenden- und Schamgegend einsalben ; ferner bewirkt das Schwalben- 
nest, ich meine, das Nest mit Oel aufgelöst und auf die Hüfte, 
hinten am Kreuz aufgestrichen, dass die Geburt schnell ver- 
läuft 4 ). Man sagt auch, dass die Wurzel der grossen Wolfs- 



*) Siebold (2). Band 1, Seite 220. 

2 ) ßpoy^o/rjXai, ousp ssxiv dcvsupuafj.a touwcÖv .... cfr. Galenos, cit. 
in Kr. Seite JJ und Aetios XV., cap. 6. — . 

3 ) Vergleiche die Einleitung. 

4 ) Vergleiche Z. S. 17. Anm. 1. 



Sterilität und Abortivmittel. 17 

milch (Euphorbia), in ein Stück Leinwand um den Schenkel 
gebunden, sehr wirksam sei. Ebenso Styrax und grüner 
Koriander und die Wurzel von Polygonum und Halkyon ! ) und 
der Samen wilder Gurken. Aber (alles) dies muss man nach 
der Niederkunft sogleich vernichten und fortschaffen. 

Wenn aber nach der Geburt die Nachgeburt nicht aus- 
gestossen wird, ist es nicht richtig, sie gewaltsam durch Ziehen 
zu entfernen, sondern man halte den Atem an, schliesse Nase 
und Mund und bewirke so (ein) Niesen. Wenn es aber trotz- 
dem zu lange dauert, soll man die Ausstossung der Nachgeburt 
so bewerkstelligen , wie das weiter unten näher beschrieben 
werden wird (s. Kap. 24). 



Kapitel 16. > 

(Wer ist untauglich zu empfangen und was für Ab- 
treibungsmittel sind dabei anzuwenden?) 

Sterilität und Abortivmittel. 

Manche Schwangeren sind während der Entbindung arg ge- 
fährdet, sei es infolge von Enge der Cervix uteri, sei es, weil der 
Uterus überhaupt (zu) klein ist und (deshalb) nicht vermag, bis 
zur Reife der Frucht seine Dienste zu leisten, sei es, dass sich 
am Muttermund eine Geschwulst (Knötchen) oder etwas anderes 
derartiges gebildet hat und als Hindernis bei der Niederkunft 
wirkt. Für solche Frauen ist es viel besser, (gar) nicht (erst) 
zu concipiren. Sollten sie aber doch schwanger werden, so ist 
es (immerhin) besser, die Frucht abzutreiben, als sie (später) 
aus dem Uterus zu schneiden (zu zerstückeln) (cfr. Kap. 23) 2 ), 
weshalb es (zunächst) hier am Platze ist, über Abtreibungsmittel 
und Mittel zur Verhütung der Conception nähere Angaben 
zu machen. 



*) xo aXxuovtov, „eine Art Thierpflanzen von ihrer Aehnlichkeit mit dem 
Nest des Eisvogels". (Lexica). 

2 ) Zu diesem für den damaligen Stand der Geburtshilfe typischen Satz ver- 
gleiche die trefflichen Bemerkungen Siebolds I, S. 220 und 221. 

Wegscheider. 



13 Tampons, die Unfruchtbarkeit bewirken. 

Mittel zur Abtreibung der Frucht und Mittel zur 
Verhütung der Empfängnis. 

Der Unterschied zwischen beiden Mitteln ist folgender : das 
eine lässt überhaupt keine Schwangerschaft zu Stande kommen, 
das andere vernichtet und beseitigt das Schwangerschaftsprodukt. 

Um nun nicht schwanger zu werden, muss man sich hüten, 
den Beischlaf zu vollziehen zu der für die Empfängnis günstigen 
Zeit, wie im Beginn oder am Ende der Menstruation. Ferner 
soll die Frau in dem Augenblicke des Beischlafs, wenn der 
Mann sein Sperma ejaculiren will, den Atem anhalten, und zu 
verhindern suchen, dass das Sperma in die Uterushöhle ein- 
dringe; dann schleunigst aufstehen, sich niederhocken und Niesen 
hervorzurufen suchen und (schliesslich) die Scheide überall sorg- 
fältig und gründlich reinigen. Um nicht schwanger zu werden, 
ist es ferner auch vortheilhaft, den Muttermund vorher mit Honig 
oder Balsam oder Cedernharz (jedes) für sich allein oder auch 
mit weisser Schminke zusammen zu bestreichen, oder mit 
flüssigem Myrthenbalsam, vermischt mit Bleiweiss oder gelöstem 
Alaun oder Galbanumharz x ) mit Wein. Denn derartige Mittel, 
sofern sie kühlend, salbenartig und herb sind (Styptica), sorgen 
für Schliessen des Muttermundes vor dem Beischlaf und lassen 
das Sperma nicht in die Uterushöhle gelangen; sofern sie aber 
warm und reizend sind (Excitantia), verhindern sie nicht nur, 
dass das männliche Sperma im Cavum uteri bleibt, sondern 
ziehen auch andere Flüssigkeit aus dem Uterus heraus. Von 
der Gattung der Mittel, die Sterilität schaffen und eine Em- 
pfängnis verhindern, giebt es ferner noch folgende : 

Kapitel 17. 
Tampons, die Unfruchtbarkeit bewirken. 2 ) 

i . Man zerreibe Fichtenrinde und gerbstoffhaltigen Sumach, 
von jedem ein gleiches Quantum mit aus Trestern gemachtem 



*) -/aXßävT], d. bek. Gummiharz v. Bubon Galbanum L., d. sog. Mutterherz. 
(Kr. S. 4 o3). 

2 ) Zu diesem und dem folgenden Kap. vergl. das betr. cap. bei Soranos, 
L. (8). S. 43. cap. 30 nebst den ausführlichen Anmerkungen und F. (9). S. 113 
und folgende. 



Tampons, die Unfruchtbarkeit bewirken. 19 

Wein, tränke Watte damit und lege einen solchen Tampon vor 
der Begattung ein; nach zwei Stunden soll die Frau ihn ent- 
fernen und dann erst geschlechtlichen Verkehr zulassen. 

2. Ein anderes R e c e p t : Das Innere von frischen Granat- 
äpfeln löse man in Wasser auf und lege es ein. 

3. Oder so: 2 Theile Granatäpfel, 1 Theil Galläpfel zer- 
stosse man fein und forme Pillen daraus und lege sie gleich 
nach dem Aufhören der Menses ein. 

4. Noch ein anderes: Aus 3 Drachmen x ) Galläpfeln 
und 2 Drachmen Myrrhen forme man mit Wein Pillen von 
Erbsengrösse, lasse sie im Schatten trocknen und vor der 
Kohabitation als Zäpfchen einlegen. 

5. Noch anderes: Fleisch von getrockneten Feigen zer- 
kleinere man, füge Natron dazu und lege es ein. 

6. Ferner: Man nehme 2 Drachmen Granatapfelblüthen, 
2 Drachmen Galläpfel, I Drachme Wermuth, zerkleinere sie 
fein, füge Cedernharz hinzu, forme daraus Gebilde von Gersten- 
korngrösse und lasse sie gleich nach dem Ende der Periode 
für (mindestens) 2 Tage einführen; oder man lasse sie (lieber 
noch) einen weiteren Tag liegen; und erst dann soll die Frau, 
wenn sie Lust hat, mit Männern verkehren, früher aber nicht. 
Dies Mittel ist unfehlbar, wie zahlreiche Versuche zeigen. 

7. Ein Getränk zu demselben Zwecke : Ein Getränk 
aus kyrenischem Pflanzensaft von der Grösse einer Erbse mit 
2 Bechern guter Mischung (Wein mit Wasser) verhindert die 
Empfängnis; man soll dies einmal im Monat geben, denn es 
wirkt auch auf den monatlichen Blutfluss. 

8. Noch eine andere Vorschrift: Man vermische 
gleiche Mengen kyrenischen Saft, Allheilkrautsaft und Rauten- 
blätter, knete sie gut durch und lasse davon ein bohnengrosses 
Theil einnehmen ; ferner lasse man dazu (mit Wasser) gemischten 
Wein langsam trinken ; auch dies wirkt auf die Menstruation. 

9. Oder: Man nehme i Drachme Aloe, 3 Obolen Levkoien- 
samen, 3 Drachmen Ingwer, 2 Pfefferkörner, dazu Wein, theile 
das Ganze in 3 Theile und lasse es unmittelbar nach dem Auf- 
hören der Periode einnehmen. 



') x S P a XFl = 3.5 g- 

2* 



20 Tampons, die Unfruchtbarkeit bewirken. 

10. Unfruchtbarkeit bewirktauch das Wasser der Schmiede, 
in dem Eisen gelöscht wird, wenn man es in genügender Menge 
trinkt, zumal unmittelbar nach dem Aufhören der Periode. 

1 1 . Man gebe gleich nach erfolgter Stuhlentleerung eine 
Drachme von der Wurzel des Weisspappelbaumes mit sieben 
Kotylen Wasser ein und lasse dies nur einmal im Monat trinken. 

12. Ein die Empfängnis hinderndes Mittel: Die 
Leber vom Wiesel trage man in einer Röhre am linken Fuss 
oder die Hoden desselben Thieres in einer Röhre an der Nabel- 
gegend. 

13. Noch ein anderes: Fett vom Uterus der Löwin 
trage man in einem Behälter aus Elfenbein ; denn das ist am 
wirksamsten ; oder man lege einen Tampon von Bleiweiss mit 
Oel vermischt ein. Oder noch besser: Granatapfelblüthen 
und Schalen und Galläpfel und unreife Trauben je 2 Drachmen, 
Wermuth eine Drachme , dazu Cedernharz ; daraus bilde man 
ein gerstenkorngrosses Medikament und lege es nach zwei- 
tägigem Abführen ein, dann wird keine Empfängnis zu Stande 
kommen. 

14. Noch ein anderes Mittel zur Verhütung der 
Conception: Solange eine Frau ungeschwängert bleiben will, 
so lange soll sie Körner schwarz gewordenen Epheus nach dem 
Stuhlgang in gehörig gemischtem (Wein) einnehmen; oder: 
Bilsenkrautsamen sammelt man vom Kraute ab, bevor er auf 
die Erde fällt, und zerstösst ihn mit Eselsmilch und ein wenig 
Myrrhe und einem Samenkorn schwarzen Epheus oder seinem 
Fruchtbüschel, und hüllt alles in ein Hasenfell, eine Maulesel- 
oder Hirschhaut und trägt es (stets) bei sich. Doch lasse man 
das Ganze zusammen nicht die Erde berühren, wenn es umge- 
hängt wird; oder: Man gebe der Frau nüchtern kaltes Schmiede- 
wasser nach vorausgegangener Darmentleerung zu trinken. 

15. Ferner noch ein anderes: Absud von Weiden- 
rinde, mit goldigem attischem Honig wegen des bitteren Ge- 
schmackes (versüsst). 

16. Noch etwas anderes: Den ersten Zahn, der einem 
Kinde ausfällt, falls er nicht den Boden berührt hat, soll die 
Frau am Fingerring mit sich herumtragen oder den Wurm aus 
dem Steinbruch umhängen. 



Abtreibungsmittel (Abortiva). 21 

17. Noch ein durch Erfahrung gewonnenes: Man 
verreibe Bilsenkrautsamen mit der Milch einer Stute , die ein 
Mauleselchen nährt, hülle ihn in Hirschhaut ein und hänge das 
Mittel an den linken Arm und sorge , dass es nicht zu Boden 
fällt. Auch der Same vom Korianderkraut, das Jahr über ein- 
genommen, sorgt für Unfruchtbarkeit. 

18. Oder in ganz anderer Art: Der Mann reibe sich 
mit einem der herben Mittel (Adstringens), z. B. mit pulveri- 
sirtem Alaun ein oder wasche sich vorher mit dem scharfen 
Safte der Granatapfelschale oder der mit Essig gestossenen Gall- 
äpfel ab, dann wird er nicht zeugungsfähig sein. 

Ferner sind alle bei Milzerkrankungen wirksamen Mittel 
auch solche, die eine Conception verhindern, ebenso auch Hoden 
entmannter Maulesel, geröstet und mit Weidenabsud getrunken*). 



Kapitel 18. 
Abtreibungsmittel (Abortiva) (nach Aspasia). 

Wenn eine Frau, die zur Empfängnis ungeeignet ist, aus 
Unvorsichtigkeit doch schwanger wird, so soll sie erstens 
30 Tage lang das Gegentheil vornehmen von dem, was wir oben 
bei der Diätetik der Schwangerschaft (Kap. 12) angegeben haben; 
also lasse man sie sich recht lebhaft bewegen und springen und 
tanzen und über ihr Können hinaus Lasten hochheben ; ferner 
soll sie harntreibende Abkochungen anwenden, die auch im 
Stande sind, die Regel wieder herbeizuführen und den Darm 
zu entleeren, und soll auch (noch) recht hohe Eingiessungen 



*) Anmerkung. Um Beispiele der vielfältigen, oft wunderbaren Arznei- und 
Sympathiemittel zu geben, habe ich hier alle in den Handschriften angegebenen 
Rezepte übersetzt, später aber mir meist Abkürzungen und Auslassungen erlaubt. 

Hinsichtlich der Materia medica verweise ich auf die Uebersetzung von 
Hirschberg (5), den ausführlichen Kommentar Hub er s bei Lüneburg (8) 
und die Lexica, z. B. Kraus (16) u.a.m. Einzelne Mittel sind von Aetios 
selbst in den ersten Büchern seiner Synopsis beschrieben, bezw. von Solerius 
(6) in seinen Schoben zu den beiden ersten Büchern erklärt. Ich habe mich da- 
her auf einzelne Anmerkungen zu solchen Mitteln beschränkt, die bei Lüneburg 
und Huber (8) nicht genannt sind. 



22 Abtreibungsmittel (Abortiva). 

machen ; ferner soll sie täglich im Bade Bauch, Schamgegend 
und Kreuz (gehörig) abreiben, recht lange im zu warmen Bade 
verweilen, (hinterher) noch ein Sitzbad r ) in einer Abkochung 
von Bockshorn, wilder Malve und Beifuss nehmen und sich mit 
altem Oele salben, allein oder mit Rautensaft und Honig 
gemischt. 

Wenn (trotzdem) alles so bleibt, soll sie die Unterbauch- 
und Lendengegend mit feinem Mehl aus Lupinen, mit Rinder- 
galle vermischt, bestreichen und ähnliche Umschläge anwenden, 
als da sind : Saubrod, Eselskürbis, Beifuss je 5 Drachmen, Wer- 
muth, Lorbeer, je 10 Drachmen, Natron 8 Dr., wilde Gurken- 
wurzel 5 Dr., Allheilkraut 1 Dr., bittere Lupinen, Schöllkraut- 
wurzel, Levkoiensamen oder -wurzel je 6 Dr., Alkannaöl soviel 
erforderlich um ein Pflaster (Umschlag) zu formen als Heilmittel. 
Man erwärme (bähe) nun das Hypogastrium durch Beifussab- 
kochung und lege (den Umschlag) auf. Wenn dann der Um- 
schlag am Kreuz liegt, so lasse man trockene Feigen mit Natron 
oder etwas ähnliches in die Scheide legen und tüchtig mit 
Cedernharz, mit altem Oele vermischt, einreiben. — Ein ein- 
faches bewährtes Mittel ist aber auch folgendes : Man zerkleinere 
gekochte Cypressenblätter und lege sie nach einem Bade kurz 
vor dem Beischlaf auf den Leib der Frau; dann soll sie die 
ganze Nacht auf dem Rücken liegen bleiben. Oder: Man 
mache ein Zäpfchen aus Allheilkraut und lege es ein ; oder ver- 
brenne Knoblauchschalen und Männerhaare überm Feuer und 
räuchere damit. 

Wenn aber trotz alledem das Sperma nicht wieder entfernt 
wird, muss man zu noch drastischeren Abtreibungsmitteln greifen, 
doch nicht so aufs Geradewohl ; denn die Fruchtabtreibung über- 
haupt ist gefährlich, zumal wenn die Frau von kräftiger Con- 
stitution ist und einen recht derben und festen Uterus hat. 
Deshalb muss man auch besonders den zweiten und vierten 
Monat zu vermeiden suchen ; denn die Schwangeren sind irgend 
einem Naturgesetze entsprechend in den geraden Monaten miss- 
vergnügt und träge und neigen meistens sehr dazu, krank zu 
werden ; dagegen ist für die Abtreibung nur ein Zeitpunkt, der 



l ) lieber Sitzbäder s. d. Anm. b. L. (8) S. 101. 



Abtreibungsmittel (Abortiva). 23 

dritte Monat geeignet, kein früherer und kein späterer Termin. 
Wer aber sich die Frucht abtreiben will, der muss einige Tage 
vorher wenig Nahrung zu sich nehmen (fasten), reichlich Bäder 
anwenden und erweichende Tampons und sich des Weines ent- 
halten ; darnach zur Ader lassen und reichlich Blut abzapfen ; 
denn eine Schwangere, die ordentlich zur Ader gelassen ist, 
abortirt sicher, sagt Hippokrates 1 ). Dann lasse man sie 2 
oder 3 Tage warten, und wenn sie dann nach der Mahlzeit er- 
bricht, soll sie nüchtern einnehmen : Blätter vom (weiblichen) 
Bingelkraut, gekocht und mit Oel und Brühe zubereitet; den 
Brei soll sie langsam zu sich nehmen. Ferner soll sie trinken: 
Baumschwamm mit Honigwasser (Meth) oder Levkojensamen 
eine Drachme, oder Beifuss, Bergminze, Enzian oder Bibergeil 
je eine Drachme, oder Räucherwerk aus Ammonia, Myrrhen, 
Lorbeer mit Meth, oder Thymianblüthen zehn Dr. ; oder man lasse 
abgekühlte Rindergalle trinken, von der ein haselnussgrosses 
Stück in wohlriechendem Wein verdünnt wird. Dies treibt so- 
gar die abgestorbenen Früchte ab. 

Wenn nun gar keine Aussicht vorhanden ist, dass die Ab- 
treibung in Folge der Anwendung dieser Mittel gelingt, dann 
muss die Frucht auf die weiter unten (Kap. 23) beschriebene 
Weise instrumentell entfernt werden. Jedoch muss man noch 
vor Anwendung der Tränklein und der direkt auf den Uterus 
wirkenden Abtreibungsmittel Niesen herbeizuführen suchen da- 
durch, dass man der Nase eins von den besonders kräftigen 
Niesemitteln zuführt. 2 ) 

Ein sicher keimtödtend er Tampon ist folgender: Man 
nehme Iris, Galbanumharz, knidische Beeren, Terpentinharz je 
eine Drachme mit gleichen Mengen von Lilien-, Rosen- und 
Alkannaöl, lasse ein daraus geformtes Zäpfchen nach dem Bade 
einführen und die ganze Nacht hindurch darin behalten ; am 
andern Morgen soll die Frau ein Sitzbad in einer Abkochung 
von Bockshorn und Beifuss nehmen. Wenn dies keinen Erfolg 



1 ) Aphorism. V, 31. s. Fuchs, (15). I. p. 112. 

2 ) Vergl. Ploss-Bartels, Das Weib in der Natur- und Völkerkunde 
Bd. I, Abth. 2, Kap. XIX und Kap. XXX. 



24 Vorzeichen des Aborts. 

hat, soll man nach dem Bade noch einen Tampon einlegen, der 
aus Levkojensamen, Natron und Wermuth mit Wein besteht. 

Oder ferner: Man nehme Rautenblätter, Myrrhen und 
Lorbeer je 2 Drachmen, forme mit Wein ein Zäpfchen daraus 
und lege es ein. 

Zäpfchen, das ohne Beschwerden dreimonatliche 
Früchte beseitigt. 

Kressesamen, Levkojen, Myrrhen, Wermuth je eine Drachme, 
mit Wasser zu einem Zäpfchen geformt, lege man nach einem 
Bade ein und lasse dazu eine Abkochung von Polei trinken. 

Noch ein anderes bewährtes Mittel: Man koche 
beliebig viel Eberraute mit Wasser solange ein, bis es ein Brei 
wird und drücke die Masse gut aus ; dann findet sich darunter 
eine feuchte, knetbare, honigartige Substanz ; diese schmiere man 
auf Wolle und lasse solchen Tampon einlegen. 

Man wende (schliesslich) auch die Hilfsmittel und Vorschriften 
an, die (Kap. 50) gegen das Ausbleiben der Periode angegeben 
sind. Man sagt ferner, dass auch Taubenmist, als Räucher- 
mittel verbrannt, abtreibe ; ferner sind Körner vom wilden Feigen- 
baum, in ein Tuch gesammelt, wenn sie von selbst heraus- 
springen, damit sie nicht erst die Erde berühren, ein Abortivum, 
das man sich umhängen muss. 



Kapitel 19. 
Vorzeichen des Aborts (nach Aspasia). 

Der beginnenden Ausstossung der Frucht geht der Abgang 
einer anfangs wässerigen, dann eiterartigen Masse voran; oder 
es tritt ein mit Blut untermischter Ausfluss auf, der wie Spül- 
wasser von Fleisch aussieht; sobald aber die Lösung begonnen 
hat, geht reines Blut und schliesslich Gerinsel ab. Erst dann 
tritt die Ausstossung der Frucht selbst ein, die entweder ihre 
typische Gestalt hat oder (noch) unausgebildet ist. Weitere 
Vorzeichen des Aborts sind bei den meisten Frauen ein Gefühl 
von Schwere, Schmerzen in Hüften und Kreuz, im Unterleib, 



Hilfsmittel bei der Ausstossung der abgetriebenen Leibesfrucht. 25 

Kopf und in den Augen, Magenkrämpfe, Schüttelfröste, Ohn- 
mächten, Fieberschauer ; bei manchen treten auch Krämpfe auf, 
Starrkrämpfe oder epileptische (tonische oder klonische). Alles 
dies tritt meistens nur bei solchen Frauen auf, die in Folge der 
Anwendung von Medikamenten (artificiell) abortiren, während 
bei denen, die ohne irgend ein Medikament zu gebrauchen 
(spontan) abortiren, sich vorher ganz plötzlich, wie (wenigstens) 
Hippokrates r ) angiebt, folgende Symptome einstellen: Hager- 
werden der Brüste (Abschwellen), Kühlerwerden der Oberschenkel 
und Gefühl von Schwere in Hüften und Gliedern. Ausserdem 
überstehen diejenigen einen Abort mit weniger Beschwerden, 
deren Körper gesunder, deren Unterleib von Natur beschwerde- 
frei, und deren Geschlechtstheile sehr feucht sind; ferner solche 
die oft ohne Beschwerden starke Kinder geboren haben, in vor- 
gerücktem Alter stehen, blutarm und nicht fett sind. 



Kapitel 20. 

Hilfsmittel bei der Ausstossung der abgetriebenen 
Leibesfrucht. 

Wenn die Frucht sich gelöst hat, aber im Collum uteri 
stecken bleibt, soll man den ganzen Körper, besonders aber die 
Umgebung des Uterus mit Alkannaöl und geschmolzenem 
Terpentinharz besprengen und einreiben, und (ebenso) nach der 
Ausstossung der Frucht die Einreibungen mit Alkannaöl an- 
wenden. Wenn dies aber keinen Erfolg haben sollte, muss man 
ein Sitzbad in einer Gewürzabkochung und Niesemittel verordnen, 
und räuchern lassen mit trockenem Harz, Judenharz (Erdharz), 
Bienenharz, Galbanum und trockenen Flusskrebsen. Dies und 
anderes derartiges soll man anwenden, wenn noch keine Ent- 
zündung eingetreten ist; denn sonst muss man sich auf Sitz- 
bäder beschränken, die Entspannung und Linderung bewirken. 
Falls aber wegen der Contraktion des (ganzen) Uterus ohne 
Entzündung die Frucht zurückgehalten wird, soll man getrocknete 



x ) cfr. Z. (7), S. 24. Anm. i. 



2g Abort im 2. und 3. Monat. 

Schwämme *) oder feine Papyrosbaststücke nehmen und anfangs 
dünnere, später dickere Stücke einlegen, deren Spitzen man mit 
Allheilkrautsaft oder Allheilkrautwurzel mit Honig oder Terpentin- 
harz bestreicht. Wenn sich aber nach Ausstossung der Frucht 
das Chorion (die Eihäute) nicht gelöst haben sollte, wäre es 
ganz unzweckmässig, gewaltsam daran zu zerren und ebenso 
falsch, etwa die Nabelschnur abzuschneiden ; sondern man kann 
die Nacbgeburtstheile (ruhig) zurücklassen; denn die ärgsten 
Erstickungsanfälle und (andere) Gefahren folgen gleich nach, 
wenn dies geschieht. Vielmehr muss man, wenn es zu lange 
dauert, die Nabelschnur abschneiden, sie an den Schenkel der 
Frau anbinden und mit allen Mitteln den Abgang der Eireste 
zu erreichen suchen, wie das weiterhin in dem Abschnitt über 
Embryotomie auseinander gesetzt werden wird. (Kap. 23). — 



Kapitel 21. 
Abort im 2. und 3. Monat. 

Viele Frauen von ganz normaler Körperbeschaffenheit abor- 
tiren im zweiten und dritten Monat ohne irgendwie erkennbare 
Ursache; bei solchen sind die Kotyledonen sehr schleimhaltig 
und daher nicht im Stande, die Frucht festzuhalten, sondern 
sie platzen, wie Hippokrates 2 ) -meint. Solche Frauen soll 
man daher mit schleimabführenden Mitteln behandeln, sodass 
man den ganzen Körper reinigt (purgirt). Denn wer vor der 
Entleerung des ganzen Körpers und der Verhinderung des er- 
wähnten Zustandes gleich von Anfang an eine örtliche Ent- 
leerung beabsichtigt, ist ähnlich einem, der Wasser aus einem 
Brunnen schöpft, dem eine unversiegbare Quelle stets reichlich 
neues zuführt. Nach der Entleerung des ganzen Körpers muss 
man auch den Uterus durch schleimabführende Mittel entleeren, 
wie z. B. durch Tampons, die mit Bittergurke (Koloquinthen) 



x ) Im griech. Text steht toi? scjuXeteupivois cniffotz; da diese „Press- 
schwämme" ein bekanntes Dilatationsmittel waren; vergl. cap. 98 u. Kr. (16) S. 979 
u. L. (8) S. 171. 

2 ) c(r. F. (9). S. 113 u. folgende. 



Abort im 2. und 3. Monat. 27 

zurecht gemacht werden, wie sie noch weiterhin bei der 
„Sterilität in Folge von übermässiger Flüssigkeitsansammlung" 
(Kap. 29) beschrieben werden. Am besten aber ist folgendes 
Reinigungsklysma zur künstlichen Entfernung des Schleims aus 
dem Uterus: Man nehme eine gehörig grosse (ansehnliche) 
Bittergurke, durchbohre die Spitze, entferne allen Samen, ebenso 
das Mark, fülle sie mit Irisöl und bedecke sie mit dem aus 
ihr herausgeschnittenen Deckel einen Tag und eine Nacht hin- 
durch ; dann lege man die Gurke auf glühende Asche und koche 
sie recht lange. Dann lasse man das Oel durch ein Stück Zeug 
laufen („coliren") und besprenge den Uterus mit dem lauwarmen 
Oele mit Hilfe einer Mutterspritze, ohne etwas davon übrig zu 
lassen. Dies Mittel macht viele unfruchtbaren Frauen zu frucht- 
baren dadurch, dass es aus der Tiefe den für die Empfängnis 
hinderlichen Schleim glatt entfernt. Ferner ist dabei eine 
Lebensweise zu wählen, die erwärmt und austrocknet („trockene 
Diät") mit angemessenen körperlichen Uebungen und Einreib- 
ungen ; endlich ist jede Erkältung zu vermeiden. 

[Für solche Frauen, die entsprechend ihrer physischen 
Schwäche spontan abortiren, erweist sich als Heilmittel: Gebrannte 
Landigelhaut, mit Wasser oder Wein zerrührt, sowohl als Salbe 
auf den Muttermund, als auch als Getränk verordnet. 

Auch der Seeigel und lebendig geröstete Miesmuscheln 
bewirken das gleiche ; ebenso Myrthenbeeren mit Wein oder 
Bimstein oder Lilienöl besprengt. Die Früchte sind mit Absud 
von Myrthenbeeren, Brombeeren und dergleichen zu überschütten ; 
doch sind sie und die Schwangeren (dabei) vor Schaden zu be- 
wahren, und den Uterus schütze man ebenfalls, damit er nicht 
vorfällt. 

Der Adlerstein x ), am Bauche getragen, und das im Brode 
gefundene Weizenkorn, am linken Arme befestigt, und der- 
gleichen Mittel halten die Früchte im Uterus fest. Den sar- 
donischen Stein hülle man in Leinwand und lasse die Schwangere 
ihn auf dem Leibe tragen bis zum Eintritt der Wehen, dann 
aber ablegen, solange die Geburt bevorsteht; oder man lasse 



x ) Buch 2, Kap. 30 u. f. sind alle diese Sympathiemittel von Aetios näher 
beschrieben. Ausserdem in Val. Rose (17), Damigeron de lapidibus. 



28 Pathologie der Geburt (Dystokie). 

sie den Stein, der sich im Uterus oder im Herzen der Hindin 
oder in den Eingeweiden findet, tragen. Denn dieser ist das 
beste Hilfsmittel, die Frucht festzuhalten.] 



Kapitel 22. 
Pathologie der Geburt (Dystokie). 

Ursachen Eine schwere (regelwidrige) Entbindung kann verschiedene 

der schweren 

Ent- Ursachen haben; denn sie kann zu Stande kommen in Folge 

bindungen. 

physischer oder psychischer oder allgemeiner Schwäche der 
Kreissenden, oder weil diese nicht den rechten Muth hat, oder 
in Folge von Kleinheit des Uterus und Enge des Muttermundes. 
(Atrophie und Stenose) , wie denn gewöhnlich die zu jungen 
Frauen von kleiner Figur einen Uterus besitzen, der ihren übrigen 
Körpertheilen entspricht, (also noch zu klein ist). Eine schwere 
Geburt kann auch eintreten, wenn der Gebärmutterhals gekrümmt 
verläuft, oder wenn unnatürlicher Weise in der Cervix oder am 
Orificium uteri eine fleischige Geschwulst entstanden ist, oder 
sich (dort) eine Entzündung, ein Abscess oder eine Verhärtung 
findet, oder wenn die Fruchtblase zu derb ist und das Kind sie 
daher nicht zum Platzen zu bringen vermag, oder wenn die im 
Uterus angesammelte Flüssigkeit (das Fruchtwasser) vorzeitig 
abgeflossen ist, und deshalb die Geburtswege ohne jede Feuchtig- 
keit und ganz trocken bleiben, gerade zur Zeit der Niederkunft, 
wo diese Flüssigkeit (besonders) nöthig ist, um der Frucht einen 
glatten und mühelosen Austritt zu gewähren. Auch kommt eine 
schwierige Entbindung zu Stande, wenn die Kreissende einen 
Stein in der Harnblase hat und durch den Druck desselben auf 
die Cervix die Thätigkeit des Uterus sehr erschwert wird ; oder 
wenn die Kreissende recht wohlbeleibt und sehr fett ist. Ferner 
entstehen Schwierigkeiten bei der Entbindung, wenn die Knochen 
der Schamgegend mit einander verwachsen sind (die Symphyse 
verknöchert ist), so dass sie nicht im Stande sind, während der 
Entbindung auseinander zu weichen *) ; denn bei den Frauen 
sind nicht wie bei den Männern diese Schambeine durch eine 



J ) Vergl. hierzu die Ausführungen Siebolds (2) Bd. I. S. 222 u. 223. 



Pathologie der Geburt (Dystokie). 29 

Fuge (fest) verbunden , sondern ein kräftiges Band hält sie 
aneinander. Ein Geburtshindernis entsteht auch, wenn die Kreuz- 
beingegend zu stark ausgehöhlt ist x ) und daher der Uterus bei 
Seite geschoben wird, oder durch die Menge der Exkremente, 
die sich im Mastdarm oder in der Harnblase befinden. Manche 
entbinden auch schwer, weil in Folge ihres vorgerückten Alters 
die (nöthige Muskel-) Spannung fehlt (Atonie) ; wieder andere, 
weil sie das erste Mal niederkommen und sich ängstigen und 
unerfahren sind und daher den Körper nicht in die gehörige 
Lage zu bringen verstehen [oder, weil sie noch nicht das mann- 
bare Alter erreicht und die Kräfte der Reife erlangt haben, son- 
dern immer noch kleine Mädchen geblieben sind]. 

Ausserdem ist die Entbindung erschwert, wenn die ganze 
Frucht oder irgend ein Theil derselben hervorragend gross ist, 
z. B. Kopf, Brust oder Bauch ; oder wenn es sich um Zwillings- 
schwangerschaft handelt und beide Früchte dicht gedrängt 
(zugleich) durch den Gebärmutterhals austreten (wollen) und so 
sich einkeilen ; oder wenn die Frucht abgestorben ist und des- 
halb bei der Entbindung nicht mitwirkt 2 ), oder wenn die todte 
Frucht ganz aufgeschwollen ist oder (gar) eine widernatürliche 
(fehlerhafte) Lage hat. 

Denn die (normale) natürliche (regelrechte) Lage der Kindslagen. 
Kinder ist die Schädellage mit neben den Schenkeln aus- 
gestreckten Händen, während die Frucht sich in Längsrichtung 
befindet. Dagegen bei der regelwidrigen Lage ist der Kopf zur 
Seite gebogen („abgewichen") und lehnt sich an die rechte oder 



J ) Siebold (2) (Bd. I, S. 223 u. 225 (Anm.) übersetzt „itapä [to] xocXotspov 
E'ivas tov /.ata -yjv oacpuv tottov" nach dem lat. Texte (vergl. m. Einleitung) „ob 
nimiara lumborum cavitatem" mit „einwärts gebogener Lendengegend", während 
ich eher eine Kyphoskoliose vermuthe ; denn: „xai itapaftteCsiv t^v pjtpav." — 
Weiterhin heisst es: „Sia to y.oDajv s^stv ty]\ öocpuv". 

Bekanntlich hat man aus dieser Stelle beweisen wollen, dass schon die 
Alten das enge Becken gekannt haben. Vergl. Siebolds Anm. und 
Fassbender, S. 128 u. 145. Anm., ferner Michaelis, D. enge Becken, 
2. Aufl. 1865, S. 4 u. 5, — und besonders das cap. 16 (Dystokia) bei 
Soranos. L. (8), S. 131 — 137 u. Hubers Anm. — L. übersetzt „Lordose der 
Lendenwirbel" S. Anm. S. 137. 

2 ) S. a. F. (9). S. 126. 



30 Pathologie der Geburt (Dystokie). 

linke Seite des Uterus ; die eine Hand ist draussen, oder beide 
fallen vor, während die Beine drinnen gespreizt sind *). 

Von den übrigen Lagen ist ziemlich günstig die Fusslage, 
zumal wenn die Frucht gerade liegt mit neben den Beinen aus- 
gestreckten Händen. Die Früchte jedoch, welche entweder einen 
ihrer Füsse etwas herausstrecken, während sie den andern drinnen 
behalten, oder gedoppelt sind, oder sich auf irgend einen Theil 
des Uterus stützen, bedürfen der Geradrichtung („Lagever- 
besserung"); auch die, welche ihre Hände weit ausgebreitet 
halten. Von den übrigen Lagen ist (sonst noch) ziemlich günstig 
die Schieflage („Querlage"); denn es giebt drei schräge Lagen, 
nämlich nach beiden Seiten und nach dem Bauche hin. Günstiger 
ist die seitliche (Querlage) ; denn sie bietet der Hand der Heb- 
amme Gelegenheit zur Lageverbesserung („Wendung"), sei es 
auf den Kopf, sei es auf die Füsse. Die gedoppelten Früchte 
haben die schlechteste von allen Lagen und besonders die, welche 
auf den Hüften ihren Stützpunkt haben („Steisslagen"). Denn 
diese gedoppelten (Früchte) können in dreifacher Weise gelagert 
sein, nämlich so, dass am Muttermund entweder die Beine und 
der Kopf sich befinden, oder der Bauch, oder der Steiss. Besser 
aber ist es, dass der Bauch sich gegen den Muttermund erstrecke; 
denn wenn man den Bauch spaltet und die Eingeweide aus- 
räumt, wird durch das Zusammenfallen des Körpers die Wendung 
sehr leicht. 

[Ferner kann ein Geburtshindernis dadurch entstehen, 
dass das Chorion in Folge seiner Dicke nicht abreisst.]. 

Weiterhin können äussere Ursachen die Niederkunft 
erschweren, so wenn im kalten Winter sich die Poren verstopfen, 
oder im heissen Sommer sich zu weit öffnen. 

Alles dies soll der Arzt von der Hebamme bei der Kreissenden 
Therapie, (erst) erfragen und nicht gleich so ohne Weiteres zum Messer 
greifen; allerdings soll er auch keineswegs der Hebamme er- 
lauben, den Uterus (weiter) zu zerreissen 2 ). 



J ) Gr. Text: xa Se axeXy] evSov eoTifjxaaiv ünaXkr^iav oder EireaTfjxaatv and. 
Siebold (2) übersetzt: „unter sich verschränkte Unterextremitäten", trotz des 
lateinischen Textes: „et crura intus inter se diducuntur." — (Cornarius (6). 
S. 966). 

2 ) S. a. Siebold 1. c. S. 224. 



Pathologie der Geburt (Dystokie). 31 

Wenn nun die Kreissende eine stark gekrümmte Lenden- 
wirbelsäule hat und dadurch die Niederkunft erschwert wird, 
muss man sie niederknien lassen, damit sich der Uterus nach 
der Oberbauchgegend wende und dadurch in eine gerade Richtung 
mit der Cervix gebracht werde. — In ähnlicher Weise soll man 
auch die sehr fettreichen und wohlbeleibten Kreissenden be- 
handeln. 

Wenn der Muttermund aber geschlossen ist, muss man ihn 
durch (fette) Salben zu erweichen und aufzulockern suchen ] ). 
Ist aber ein Stein die Ursache der Geburtsverzögerung, so soll 
man ihn mit einem Katheter aus dem Blasenhals durch Stossen 
entfernen. Wenn die Blase mit Harn gefüllt ist, muss man den 
Urin ebenso durch den Katheter fortschaffen ; auch wenn im 
Mastdarm Kothmassen sich befinden, ist er durch ein Klystier 
zu entleeren. Sollten aber Frauen in Folge von Entzündungen, 
Abscessen, Oedemen, harten Neubildungen, Verhärtungen oder 
irgend etwas ähnlichem Schwierigkeiten bei der Entbindung 
haben, so muss man die (einzelnen) lästigen Krankheitszustände 
fürsorglich behandeln. 

Wenn gar eine muskulöse Verwachsung an der Cervix uteri 
besteht, oder ein membranöser Verschluss, wie bei Frauen, die 
keine Oeffnung haben (Atresia vaginae), muss man die Hinder- 
nisse beseitigen. Ebenso muss man die Blase sprengen, wenn 
die Eihaut zu fest ist, um von selbst zu zerreissen. 

Wenn aber („die Blase vorzeitig springt") die Eihaut, welche 
das Fruchtwasser umgiebt, vor dem rechten Augenblicke zer- 
reisst, die angesammelten Flüssigkeiten daher ausgeschieden 
werden („vorzeitiger Wasserabfluss") und die Geburtstheile gar 
zu trocken bleiben, muss man sie benetzen mit Eigelb mit einer 
Abkochung von Malve oder Bockshorn, die durchgeseit („colirt") 
ist, oder mit lauwarmem Gerstenschleim. 

Wenn die mangelhafte Entwicklung des Uterus das Geburts- 
hindernis ist, muss man die Geburtswege (gut) einölen und er- 
wärmen, den Muttermund mit den Fingern erweitern und die 
Frucht gewaltsam herauszuziehen suchen. Wenn dies keinen 
Erfolg hat, bleibt nichts übrig, als die Baucht zu zerstückeln. 



1 ) S. a. Z. (7), S. 29, Anm. 1. 



32 Embryulkie und Embryotomie. 

Dasselbe Verfahren muss man auch einschlagen , Wenn die 
Frucht gross ist, und besonders wenn sie todt ist. Ob sie ab- 
gestorben ist, kann man daraus erkennen, dass die Frucht bei 
der Berührung sich kalt anfühlt und unbeweglich bleibt. Sind 
zwei und drei Früchte vorhanden, und drängen sie sich keilartig 
in der Cervix uteri zusammen, dann ist es zweckmässig, erst die 
anderen nach oben in das Cavum uteri zu schieben und dann die 
(vorliegende) handgerechtere Frucht hervorzuziehen. Wenn je- 
doch durch die Grösse des Kopfes oder der Brust oder des 
Bauches das Geburtshindernis gebildet wird, ist es dringend 
nothwendig, die Frucht zu zerstückeln. [Die beste Zeit, die 
Kreissende auf den Geburtsstuhl zu bringen, ist dann, wenn der 
Muttermund weit geöffnet ist und dem Finger das, was vorher 
zerreissen soll, sich entgegenstellt und hervordringt („die Blase 
sich stellt".)] 

Kapitel 23. 

Embryulkie und Embryotomie (Herausziehen und 
Zerstückeln des Kindes) (nach Philumenos). 1 ) 

Bei diesen Eingriffen ist es zunächst dringend erforderlich, 
dass der Arzt vorher untersuche, ob sie Genesung versprechend 
seien oder nicht ; ferner ob er die Behandlung übernehmen oder 
(lieber) aufgeben (ablehnen) solle. 

Diejenigen Kreissenden nun, die auf den Tod daliegen, be- 
finden sich in einem schlafsüchtigen Zustand und fiebern stark 
und sind fast sprachlos, und falls sie angerufen werden, ant- 
worten sie nur schwach und schlafen (gleich) wieder ein. Manche 
ziehen sich auch zuckend zusammen (haben Krämpfe) oder zittern ; 
dabei ist der Puls sehr häufig und sehr schwach wahrnehmbar 
(,,P. frequens et parvus") 2 ). 

Diejenigen dagegen , die Aussicht haben , am Leben zu 
bleiben, haben nichts derartiges zu leiden. 



J ) S. Well mann (4). S. 118 u. S. 129 über Philumenos. Zum Thema 
vergl. Goerlitz (13). S. 35 u. Pinoff (12). S. 50. 

2 ) Vergl. Siebold, I. S. 227 u. f, L. (Soranos), Kap. 18. S. 137— 141. 



Embryulkie und Embryotomie. .33 

Man soll nun die Kreissende rücklings mit' tiefer' liegendem 
Kopfe aufs Bett legen. Die Beine sollen in die Höhe gehoben, 
auseinandergespreizt und gebeugt (angezogen), von beiden Seiten 
her durch erfahrene und kräftige Frauen festgehalten werden *). 
Vorher gebe man der Patientin wegen der (drohenden) Ohnmacht 
2 oder 3 in Wein getauchte Bissen (zu essen) ; während der 
Operation soll man das Gesicht fleissig mit Wein besprengen. 

Der Operateur soll nun zunächst mit Hilfe des Speculum "^T^ 1 
zu ermitteln suchen, was für ein Grund für die Ver- 
zögerung der Geburt vorliegt, ob z. B. Feigwarzen oder 
schwielige Auswüchse oder irgend ein anderes von den oben 
erwähnten Hindernissen. Diese muss er dann mit dem Haken 
fixieren und dann mit dem Polypenmesser 2 ) entfernen, wie das 
weiterhin näher erklärt werden soll. Falls aber der Muttermund 
durch eine Membran versperrt ist, muss man diese spalten, wie 
das weiter unten in dem Abschnitt über Atresia auseinander- 
gesetzt werden wird (s. Kap. 99). Wenn ferner die Fruchtblase 
(zu) derb ist, ziehe man sie mit dem Haken, wenn möglich, 
vor und zerschneide sie mit einem gekrümmten kleinen Messer 
oder einem ähnlichen (Instrumente) ; wenn dann die Eihäute zer- 
rissen sind, erweitere man mit den Fingern und schaffe hin- 
reichenden Platz für den Austritt der Frucht. Sollte sich der 
Kopf des Kindes eingekeilt haben, so muss man auf Tndication - 
die Füsse wenden und es so ans Licht ziehen. Steht der Kopf 
aber so fest (tief) im Becken, dass man nicht im Stande ist, 
ihn wieder in die Höhe zurückzustossen, so bleibt nichts anderes 
übrig, als unter bohrenden Bewegungen die Krümmung des 
Entbindungshakens in ein Auge oder in den Mund oder unter Perforation 

ö ö _ und 

das Kinn der Frucht zu bringen und sie damit herauszuziehen. E *t rac tion. 
Die Einführung des Hakens geschieht mit der rechten Technik. 
Hand, wobei die Finger der linken Hand seine Krümmung decken; 
er muss langsam und vorsichtig eingeführt und unter bohrenden 
Bewegungen an den bezeichneten Stellen eingesetzt werden, bis 
man ins Hohle trifft ; auf der entgegengesetzten Seite muss noch 
ein zweiter Haken eingesetzt werden, damit das Anziehen 

*) Vergl. die genaue Beschreibung bei Soranos. L. (8), cap. 20 S. 49. 
2 ) Näheres über die Instrumente findet man bei G urlt (25) I. Tafel II und 
in dem von Klei n waeclit er (20) übersetzten Werke von Jenks. 

Weg-sclieider. o 



34 Embryulkie und Embryotomie. 

gleichmässig und ohne nach der einen oder anderen Seite abzu- 
weichen, vor sich gehe, und weil es auch sicherer ist als mit 
einem, wenn das eine Instrument beim Ziehen abrutscht oder 
ausreisst. Ferner darf man in gleicher Weise nicht nur bei 
Geradlagen, sondern auch bei Schieflagen ziehen, und dabei den 
gut eingefetteten Finger zwischen Muttermund und eingetretenem 
(„vorliegendem") Kindstheil einführen und im Kreise, gleichsam 
ringsherum abhäutend, herumführen. Ist dann die Frucht zur 
Hälfte extrahiert, kann man den ersten Haken nach und nach 
in die darüber liegenden Theile einsetzen und abwechselnd ziehen. 
Wenn aber der Schädel, sei es von Natur, sei es in Folge 
von Wasseransammlung („Hydrokephalie") übermässig gross 
ist, muss man ihn mit dem Polypenmesser oder mit dem ge- 
wöhnlichen Skalpell spalten und dann, wenn er zusammenfällt, 
^ps^ " daran ziehen. Wenn er so aber nicht folgt, muss man auch 
noch das Schädeldach zerquetschen und die Knochen mit den 
Fingern herausholen. Sollten dabei einige von den Knochen 
hervorragen, so wird man sie erst mit der Knochen- oder Wurzel- 
zange hervorziehen und dann erst den Zughaken einsetzen und 
das Kind extrahieren. Falls dann nach Entwickelung des Kopfes 
sich der Thorax einklemmt, muss man das grosse oder das 
(lange) Polypenmesser, zwischen zwei Fingern gedeckt, tief ein- 
führen und die Schlüsselbeingegend spalten J ), damit nach Ent- 
leerung der Flüssigkeitsmenge sich der Rumpf verkleinere, und 
dann auch die Brust zerschneiden. Wenn ferner nach der Ent- 
wickelung des Thorax der Leib des Kindes aufgetrieben 
ist, wie z. B. bei abgestorbener Frucht durch Gase und bei 
wassersüchtiger durch Flüssigkeit, wird man genau ebenso ver- 
fahren und erst die Leibeshöhle mit dem Messer eröffnen und 
dann die Eingeweide entfernen. 

In den Fällen, in welchen eine Hand (in die Scheide) 
vorgefallen ist, wird man den Arm im Schultergelenk abzu- 
tragen suchen ; dazu muss man ein Stück Zeug um die vor- 
gefallene Hand legen und ziemlich stark ziehen, damit das 
Schultergelenk sichtbar wird, dann die Schamlippen mit den 



') Die neuerdings von von Herff, St rassmann u. a. wieder empfohlene 
Kleidotomie hat Aütios also auch schon gekannt. S. Encyklopädie (22). 



Embryulkie und Embryotomie. 35 

Fingern auseinander halten (lassen) und das Gelenk mit dem 
Messer auslösen ; schliesslich die linke Hand einführen, den Kopf 
gerade richten und dann das Kind entwickeln. Wenn aber beide 
(Hände) vorfallen, soll man sie beide abschneiden, dann den 
Kopf zusammenquetschen und so extrahieren. 

Bei Fusslagen wird die Seitwärtsbiegung (Abweichung) 
durch Geraderichten (Strecken) gegen den Muttermund hin leicht 
ausgeglichen ; wenn dann der Bauch sich einklemmt, muss man 
mit Hilfe eines Handtuchs ziemlich stark an den Schenkeln 
ziehen, damit die Schamgegend und der Bauch sichtbar werden; 
dann diesen, der ja weich ist, eröffnen und die Därme und die 
übrigen Eingeweide entfernen. Falls das eine Bein in die 
Scheide vorfällt, soll man mit Hilfe eines Tuches kräftig daran 
ziehen und nach Spreizung der-Schamlippen das Bein in der 
Leistenbeuge abtragen. 

Wenn jedoch die Frucht in gedoppelter Lage (con- 
duplicato corpore) eingetreten ist, ist es unmöglich, eine 
Lageverbesserung herzustellen. Falls das Köpfchen ziemlich 
handgerecht liegt, kann man, ohne die Haut zu spalten, die 
Knochen zusammenquetschen, dann an irgend einer Stelle den 
Haken einstechen und damit an dem Köpfchen ziehen; dabei 
die Schenkel in die Höhe drängen und auf diese Weise die 
Frucht herausziehen. 

Wenn aber die Beine mehr handgerecht liegen, soll man 
sie im Hüftgelenk abtragen und so in die Höhe bringen, dass 
der Kopf bei geschickter Behandlung leicht zu zerquetschen 
bleibt. Ist jedoch die Einkeilung bei der gedoppelten Lage 
ganz besonders fest, weil die Füsse weiter vorgefallen sind, so 
bleibt nichts anderes übrig, als den Kopf in der Gelenkver- 
bindung mit der Wirbelsäule abzuschneiden, und so unter Hin- De t L j^ lta " 
aufschieben des Rumpfes an den Füssen zu extrahieren. Wenn 
dann nach Entfernung der übrigen Körpertheile das Köpfchen 
sich wieder zurückzieht und drinnen festgehalten wird, muss 
man die linke Hand, mit Oel eingefettet, in das Cavum uteri 
einführen, den Kopf mit den Fingern zu fassen und zu drehen 
suchen und gegen den Muttermund hin herabziehen, dann mit 
der Hand festhalten, ein oder zwei Haken fest einsetzen und 
ihn damit herausziehen. — Die (bei der Perforation) für das 

3* 



35 Entfernung der Nachgeburt. 

Einsetzen des Hakens geeigneten Steilen sind bei 
Schädellage: die Augen, die Gehörgänge, der Mund und die 
Gegend unter dem Kinn, ferner Achseln, Schlüsselbeingruben 
und Zwerchfell; bei Fusslage: die Schambeine, ferner die Ge- 
lenkverbindungen an den Rippen, sowohl mit dem Brustbein, 
wie mit der Wirbelsäule, endlich die Kehle und der Mund. 

Bei entzündlicher Schwellung des Muttermundes 
darf man keine Gewalt anwenden, sondern reichliche, lindernde 
Eingiessungen, Sitzbäder, feuchte Umschläge und dergleichen, 
damit, wenn sich die Entzündung etwas gelegt und der Mutter- 
mund erweitert hat, die Frucht, wie vorher beschrieben, ent- 
wickelt werde. Nach der Embryotomie empfiehlt es sich 
sehr, alle Gliedmassen der Frucht zu sammeln und genau nach- 
zusehen, ob alles vorhanden ist, und ob nichts im Uterus 
zurückblieb. Dann soll man auch gleich die Nachgeburt ent- 
fernen. 



Kapitel 24. 
Entfernung der Nachgeburt (nach Philumenos). 

Das . Chorion wird auch Secunda genannt, [weil es gleich- 
sam ein zweiter Aufenthaltsort neben dem Uterus und eine 
Hülle für die Frucht ist.] Bei festsitzenden Eihäuten findet 
sich der Muttermund manchmal geschlossen, manchmal geöffnet, 
und oft entzündlich geschwollen, oft ohne jede Entzündung. 
Die Nachgeburt selbst ist bald von der Verwachsung mit dem 
Fundus uteri gelöst, bald ist sie noch mit ihm verwachsen. 
Ist nun der Muttermund geöffnet, die Placenta gelöst und liegt 
in irgend einem Theile des Uterus kugelartig zusammengeballt, 
so ist die Behandlung sehr leicht. Denn man muss die 
linke Hand erwärmt und eingefettet in die Höhle einführen und 
die Nachgeburt möglichst vollständig entfernen. Wenn sie aber 
noch am Fundus uteri festsitzt, soll man in ähnlicher Weise die 
erwärmte und eingeölte Hand einführen und die Placenta er- 
greifen, aber nicht gleich in gerader Richtung daran ziehen, 
weil sonst zu befürchten wäre, dass der Uterus vorfällt, (inver- 
tiert wird); sondern ohne grosse Gewalt, und wie am Zügel, soll 



Entfernung der Nachgeburt. 37: 

man zuerst in querer Richtung daran (hin und her) "ziehen, in- 
dem man sie hier und dort ringsherum ablöst; dann kann man 
auch etwas stärker nach unten ziehen ; denn mit dieser Methode 
hat man Erfolg und vermag die Verwachsung zu lösen. 

Findet sich aber der Muttermund geschlossen, so muss 
man Eingiessungen machen und versuchen, ihn mit den Fingern 
der linken Hand recht sachte zu öffnen und ein wenig zu er- 
weitern. Wenn dies keinen Erfolg hat, bringe man die Frau- 
(wieder) ins Bett, lege ihr einen Umschlag um den Unterleib 
und wiederhole die Eingiessungen und mache von oben (aussen) 
her Einreibungen und warme Umschläge. Ist die Patientin noch 
recht bei Kräften, so ist der günstige Augenblick gekommen,' 
versuchsweise der Nase Niesemittel zuzuführen, die aus [gleichen 
Theilen] Bibergeil und Pfeffer bestehen, und eines von den Ge- 
tränken zu verabreichen, die im Stande sind, die Regel herbei- 
zuführen (Emenagoga), von denen später die Rede sein wird. 
(Kap. 53 und folgd.) Alles dies soll man einen oder zwei Tage 
lang anwenden lassen. Ferner lasse man eine Räucherung 1 ) vor- 
nehmen mit Hilfe eines Topfes, in dem sich Abkochungen von 
Gewürzen befinden, wie z. B. Kassia, Narde, Mastix, Beifuss, 
Iris, Sabina, Bergminze, Polei und dergleichen. Dabei werde der 
Topf unter den Stuhl gestellt, auf dem die Frau sitzt, die vort 
allen Seiten' her mit Gewändern bedeckt wird. Nach einiger Zeit 
untersuche man; und wenn sich der Muttermund nun erweitert 
zeigt, soll man mit der Hand eingehen und die Nachgeburt in 
der oben angegebenen Weise zu entfernen suchen. Wenn man 
damit aber auch keinen Erfolg hat , soll man ja nicht daran 
(lange) zerren ; denn nach wenigen Tagen fällt sie, verfault und 
in Eitermassen aufgelöst, (von selbst) heraus. Verbreitet sie dann 
aber einen solchen Gestank, dass der Kopf benommen und 
der Magen verdorben wird, so muss man (schleunigst auf dar- 
unter gestelltem Feuer) reichlich wohlriechendes Räucherwerk 
verbrennen, mit dem man auch im Stande ist, derartigen Aus- 
dünstungen zu wehren, [und (jedenfalls) die Placenta fortschaffen]. 

In solchen Fällen haben sich (recht) bewährt : Kardamom, 
getrocknete Feigen, passend geräuchert, Weinpalmenharz mit 



*) TJeber diese Fumigationen vergl. Klein wach t e r (20), S. 49. 



3§ Nachbehandlung bei der Embryotomie, 

Sabina, und Weihrauch mit Styrax, und aromatischer Onyx und 
Gummiharz; dazu eine Drachme Bibergeil mit der gleichen 
Menge Polei in Honigmischung; ferner auch die einfacheren 
Emenagoga, [sowohl Beifussdekokt, wie Lorbeerdekokt mit Honig. 
Dazu soll man Myrrhen und Saubrot, mit wohlriechender Salbe 
gemischt, einlegen. Wenn ferner eine getrocknete, zerriebene 
und mit Wein zurechtgemachte Schaf- oder Ziegenplacenta, ent- 
weder mit Salbe als Tampon eingelegt oder auch allein einfach 
umgehängt wird, giebt der Uterus ohne Beschwerden, was er 
festhält, heraus. 

Noch ein anderes Recept: Rosinen, Kümmel, Gummi, 
Terpentinharz, Mauersalz, je 10 Drachmen mit Honig (geknetet), 
lege man ein oder lasse es einnehmen ; ferner verordne man ein 
Sitzbad in einer Abkochung von Beifuss, Lorbeer oder Anis, 
und Kamillen.l 



Kapitel 25. 
Nachbehandlung bei der Embryotomie (nach Aspasia). 

Wochen- Ist die Nachgeburt entfernt, sei es gleich nach der Extrac- 

x sp ege. j.. Qn ^ es j£i nc j es ^ se j es ers |. S päter, und ist nichts überflüssiges 

im Uterus zurückgeblieben, dann soll man die Beine zusammen- 
binden (schliessen lassen), damit die auseinandergerissenen Ge- 
burtstheile sich wieder vereinigen können. l ) Waren diese (vor- 
her) genügend gereinigt, so braucht man (jetzt) nur (noch) die 
(äusseren) Geschlechtstheile mit einer Abkochung von Malven 
und Bockshorn abzuspülen und mit warmem Oele einzusalben, 
ebenso die Scham- und die Kreuzbeingegend mit derartigem 
Oele einzufetten, ferner reichlich mit zarter, mit warmem Oele 
benetzter Watte zu bedecken. 

Die Kost sei leicht verdaulich 2 ), und man sei bedacht, 
nur Wasser trinken zu lassen. Bei Verstopfung soll man ein 
Sitzbad in einer Abkochung von Bockshorn, Beifuss, Althäa und 
Polei verordnen, und in genügender Menge Polei- und Bocks- 

1 ) Nach meiner Ansicht geht aus dieser Stelle hervor, dass Aetios die 
Dammrisse kannte, die weder Hippokrates noch Soranos erwähnen. 

2 ) Gr. tpocpai po^pinu.aT'ju§£ts eigentlich schlürfbar, d. h. flüssige Diät, bezw. 
leichte, breiige Kost. 



Ursachen der Sterilität bei Mann und Weib. 39 

hornthee trinken lassen. Bei Durchfall mache man dement- 
sprechend zusammenziehende feuchte Umschläge und Sitzbäder, 
lasse den Leib mit einer langen Binde wickeln und verordne 
eine herbe Kost. Bei Entzündung wende man alle vorhandenen 
Heilmittel an, ebenso bei Blutsturz, wie in dem Abschnitt über 
Blutungen aus dem Uterus beschrieben wird (Kap. 63). Tritt 
nichts derartiges auf, so genügt es, die Geschlechtstheile, wie 
den Hals und den Kopf einzusalben und warm zu halten. 



Kapitel 26. 

Ursachen der Sterilität bei Mann und Weib, Behandlung 
derselben, und Zeichen der Empfängnis. 

Der Grund der Sterilität kann auf Seiten des Mannes wie 
auf Seiten der Frau liegen, oder auch auf beiden Seiten. Seitens 
des Mannes kann die Ursache die sein, dass das Sperma 
zu sehr erwärmt (heiss) und gleichsam gedörrt ejaculiert wird; 
oder dass es zu kalt, oder dünn und wässerig, schwach und 
kraftlos ist, wie es (nur) ganz alte Männer ausscheiden; oder 
dass das Sperma übermässig dick ist. Ferner kann der Grund 
darin liegen, dass es sich um Männer handelt, die an Hypospadie 
leiden, oder dass sie sehr kleine Mernbra haben und daher nicht 
im Stande sind, ihr Sperma in das Innere des Uterus zu ejacu- 
lieren. Das tritt auch bei besonders fetten Männern ein, welche 
einen umfangreichen Bauch haben und dadurch unmöglich machen, 
dass das ausgespritzte Sperma ganz hinein in den Uterus gelangt. 

Auf Seite der Frau wird die Empfängnis da- 
durch verhindert, dass der Uterus warm und feurig ist, oder 
kalt und feucht, oder sehr trocken und dürr, oder sehr fett und 
fleischig, oder mager, schlank und schwach, oder eng und klein ; 
oder dass die Gefässe im Uterus geschlossen sind oder verstopft 
oder durch eine Narbe verengt sind ; oder dass Membranen mit 
dem Muttermund verwachsen sind und daher die Frauen keine 
Oeffnung haben und die Cervix uteri gekrümmt verläuft, oder 
der Muttermund geschlossen oder zu weit geöffnet ist ; oder dass 
irgend ein anderes Leiden , wie sie der Reihe nach später zu 
besprechen sein werden, in der Umgebung des Uterus vorhanden 



.J.Q Ursachen der Sterilität bei Mann und Weib. 

ist. — Ein Hindernis für die Empfängnis könnte auch der er- 
zwungene und wider den Willen der Frau vollzogene Beischlaf 
sein. Denn (nur) die Liebe vereinigt die Samen ; und deshalb 
sind die Umarmungen aus Liebe fast immer solche, denen bald 
Schwangerschaft folgt. Auch das Lebensalter kann , sei es 
wegen zu grosser Jugend, sei es wegen zu weit vorgeschrittenen 
Alters ein Grund für die Sterilität sein. Deshalb ist es in der 
Ordnung, dass die im Beginn der Mannbarkeit stehenden nicht 
gleich coitieren, sondern der Mann erst mit 30 Jahren, die Frau 
erst mit 18. — In den meisten Fällen ist die Sterilität verschuldet 
durch die ungeeignete körperliche Entwicklung der Frau. Ein 
fruchtbares Weib muss nämlich folgendermassen 
beschaffen sein: Ihr Wuchs sei angemessen, Hüften und 
Unterbauchgegend recht breit, die Hinterbacken hervorstehend, 
der Leib schön gewölbt, der Oberkörper schmal und die Brüste 
recht gut entwickelt. Frauen, die so beschaffen sind, werden 
rasch (leicht) schwanger, während die, die alles anders haben, 
viel öfter kinderlos sind. 

Ausser den vorher erwähnten Ursachen giebt es wohl noch 
manchen nicht erwähnten Grund für die Sterilität ; die wichtigen 
Ursachen sind eben die angeführten. 

Diejenigen Männer nun, welche durch ihren schlechten 
Lebenswandel ihr Sperma verderben, werden, wenn sie sich eines 
durch Aenderung ihrer Lebensweise gesünderen und geordneten 
Lebenswandels beffeissigen, fruchtbares Sperma producieren. Ferner 
werden solche Männer, die missheilig (ohne Einklang) bei ihrer 
(eigenen) Frau schlafen, wenn sie andre Weiber nehmen, zeu- 
gungsfähig werden ; ebenso die mit Hypospadie, wenn sie operiert 
wurden, und die Gonorrhoischen, wenn sie behandelt wurden, 
(cfr. Kap. 69). Dagegen sind diejenigen unheilbar, bei denen die 
Ausführungsgänge für das Sperma verstopft sind, wie es manchen 
geht, bei denen der Steinschnitt gemacht ist. 

In ähnlicher Weise sondern (weder) die einem Eunuchen 
ähnlichen Männer Sperma ab, noch diejenigen, deren Ausfüh- 
rungsgänge verengt sind. 

Wenn nun (alles) andere in Ordnung ist, sowohl bei der 
Frau wie beim Mann, und weder das Lebensalter, noch die 
Constitution , noch irgend ein (krankhafter) Zustand der Ge- 



Ursachen der Sterilität bei Mann und Weib. 41 

schlechtsorgane hinderlich ist, soll man der Frau eine Lebens- 
weise vorschreiben, bei der sie weder übermässig arbeitet, noch 
(ganz) unthätig ist. Denn die Unthätigkeit erregt überflüssige 
Säfte, während übermässige Anstrengung die Periode unterdrückt 
und das Blut austrocknet. Ferner soll man ihr Bäder verordnen, 
aber weder zu lange dauernde noch zu viele ; Speise und Trank 
muss recht leicht verdaulich und dem Magen nicht unzuträglich 
sein. Hauptsächlich aber hat man sein Augenmerk darauf zu 
richten, dass beide jederzeit so leben, dass weder der Frau noch 
des Mannes Körper fett werde. Denn weder ist ein fetter Mann 
zur Kinderzeugung geeignet noch eine solche Frau, weil sie 
erstens überhaupt ihre Genitalien nicht zusammenbringen können, 
zweitens weil die beleibteren Männer wenig Sperma producieren, 
und ferner weil die fetten Frauen wenig Blut bei der Menstruation 
verlieren ; denn das meiste ihrer Nahrungsaufnahme wird für das 
Fett verbraucht. Wie Fettleibige leben sollen, steht schon im 
vierten Buch in dem Abschnitt über die Entfettung beschrieben. 
(cfr. Aetios IV, Kap. 31). 

Für die Zeugung ist es ferner vortheilhaft, wenn man von 
den gewohnten und angenehmen Speisen und Getränken nur 
die zu sich nimmt, die zur Begattung reizen und Sperma pro- 
ducieren, wie z. B. diejenigen, welche langsam erregen und er- 
wärmen. Den Wein ziehe ich dem Wassertrinken vor; von den 
Gemüsen bevorzuge ich Salbei, weissen Senf, Malve und der- 
gleichen oft erwähnte. Vor Raute aber, Gartenminze und Pfeffer- 
minze muss man mehr als vor allem warnen; denn die Minze 
ruft zwar reichlich Sperma hervor, aber verdünntes und schwaches, 
während die Raute es (ganz) verdirbt. 

Es gehört sich auch, dass man weiss, dass die günstige 
Zeit zur Empfängnis nahe dem Eintritt der monatlichen Reini- 
gung liegt. Ferner muss man der Frau, die ziemlich üppig, lebt, 
von der Kost Abzüge machen und eine massige Diät verordnen, 
welche mager macht, sie jedoch wohlschmeckende Speisen geniessen 
lassen ; derjenigen aber, die schmale Kost nimmt, soll man etwas 
zulegen. Doch muss man jeder Kost solche Mittel beimischen, 
die im Stande sind, die Periode herbeizuführen, z. B. wohl- 
riechende Kräuter wie Gerste, Kerbel, Meerfenchel, Rüben, 
Fenchel, Eppich, Myrrhenkraut, Spargel und dergleichen. Denn 



42 Symptome und Behandlung des zu kalten Uterus. 

wenn eine Frau ordentlich menstruiert hat, ist Aussicht vorhan- 
den, dass sie concipiert, noch ehe der Uterus sich abkühlt ; wenn 
aber sogar gleich nach dem Beischlaf die Zeichen der Empfäng- 
nis auftreten, ist noch mehr Aussicht vorhanden. Als Zeichen 
der Empfängnis gelten folgende: 
zeichen der Der Muttermund ist geschlossen und trocken, und entfernt 

ertolgten 

Conception. sich von der Vulva (nach oben). Frauen, die in geburtshilflichen 
Dingen Bescheid wissen, nehmen auch wohl wahr, dass sich der 
Uterus gleich nach dem Eintritt des Sperma bewegt ; denn er 
bewegt sich (in der That), wenn er den Samen aufnimmt. Manchen 
pochen die Weichen, manche haben Magenkrämpfe, und eine 
Schwäche befällt sie mit einem gewissen Gefühl von Wohlbehagen. 
Nicht das geringste Zeichen neben den erwähnten ist, wenn die 
Frau an Harnzwang (Strangurie) leidet; dies ist ganz besonders 
bei Erstgeschwängerten der Fall , und wenn Schwangerschaft 
ohne vorherige ordentliche Menstruation eintritt. Allerdings tritt 
dies Symptom in massigem Grade auch bei den anderen inner- 
halb der ersten 7 Tage auf. Nach dem 7. Tage beginnen sehr 
bald die Zeichen der Kissa (Schwangerschaftsgelüste) (s. Kap. 10), 
nämlich ein Verlangen nach sauren und salzigen Speisen, Schwindel- 
anfälle, Blässe, sehr tiefer Schlaf. Natürlich verläuft auch die 
Zeit der Periode schmerzlos 1 ). Die männlichen Früchte bewegen 
sich stärker und lebhafter und mehr in der rechten Seite, die 
weiblichen umgekehrt. 

Soviel über die Prophylaxe; nun wäre anzugeben, wie 
man jede einzelne Erkrankung, die Sterilität bewirkt, heilen soll. 



Kapitel 27. 
Symptome und Behandlung des zu kalten (anämischen) 

Uterus. 

Wenn wegen der Abkühlung des Uterus eine Empfängnis 
nicht zu Stande kommt, soll die Frau durch Leibesübungen, 
allerlei warme Einpackungen und Schwitzbäder die Wärme wieder 
zurückrufen. Daher ist es auch nicht unstatthaft, dass sie 
Bibergeil trinke und (Thee) von wohlriechenden Samen, wie 

] ) Vergl. hierzu das Citat aus Hippokrates bei Z. (7) S. 40. Anm. 1. 



Symptome und Behandlung des zu kalten Uterus. 43 

Kümmel, Anis, Polei und dergleichen, jedes mit Pfeffer gemischt. 
Noch besser führt sie ab nach folgendem Recept: 

Wolfsmilch, Pfeffer, Pastinak, Petersilie, von jedem gleiche 
Mengen, zerkleinere man und lasse davon im ganzen 2 Drachmen 
einnehmen. — Dies führt ausgezeichnet ab und erwärmt den 
Uterus, so dass vielfach schon bei Frauen, die vorher nicht men- 
struiert waren, die Periode sehr rasch eintrat. Wenn aber nun 
die Ausleerung nach unten nicht genügt, muss man noch Brech- 
mittel anwenden, wie eine Abkochung von Thymian oder Ori- 
ganum (Dosten, Bergminze), manchmal sogar gleich nach dem 
Essen, um damit auf jede Weise (den) Schleim zu entfernen. 
Nach dem Erbrechen soll man Bibergeil und die oben erwähnten 
Samen einnehmen. Die uterinen Dampfbäder (Bähungen) sollen 
so eingerichtet werden, dass die Dämpfe durch ein Rohr, welches 
in den durchbohrten Deckel des Topfes gesteckt ist, aufsteigen, 
andrerseits auch durch direkte Bespülung mit dem Dekokt; 
dazu muss man mit Wasser abkochen Beifuss, Raute, Kümmel, 
Polei, Alkanna, Kalmus. Man kann auch mit jedem dieser 
Mittel und mit noch irgend einem anderen, das zu wärmen ver- 
mag, (heisse) Umschläge auf den Leib machen. Vortheilhaft 
ist auch das Pflaster Polyarchion (s. Lib. IX, Kap. 34) und das 
des Amythaon und anderes derartiges. Ferner soll man Unter- 
leib und Kreuz wiederholt mit Irissalbe, Majoran- und Alkannaöl 
einreiben und Zäpfchen aus Myrrhen, Raute, Bergminze und 
Bibergeil einführen. Einige von diesen kann man auch mit 
stärkeren Mitteln versetzen, z. B. Pfeffer, Salz oder Rindergalle; 
kräftig wirkt auch der Eselskürbis, aber auch zweckentsprechend. 
Ferner soll ein Schwitzbad in Honig- oder Seewasser genommen 
werden, entweder rein oder mit Essig gemischt. Die ange- 
gebenen Mittel soll man nur in weiche Watte gehüllt auflegen, 
damit sie die Haut nicht verletzen und keine Eiterung hervor- 
rufen. Von jedem Mittel muss man aber die übliche Dosis 
kennen 1 ) ; denn entsprechend der Schwere und Dauer der Krank- 
heit gilt es, die Wirksamkeit der Mittel zu steigern und zu ver- 
längern, oder bei andern abzuschwächen und zu verkürzen. 



J ) So übersetze ich etwas frei SrjXov hs to eo' exäatou ui-rpov auf Grund 
der nachfolgenden Worte. 



_J._j_ Symptome und Behandlung des zu warmen Uterus. 

Als (ein weiteres) Symptom des zu kalten Uterus gilt das 
Stocken der Periode ; denn in Folge der Dicke (des Blutes) ver- 
läuft sie nicht in üblicher Weise. Auch werden dabei Leib, 
Kreuz und Beine starr und taub. Ich habe (selbst) viele solche 
Kranke gesehen, die nicht Herr ihrer Glieder waren. Ferner sind 
die durch und durch Erkälteten auch nicht einmal liebebedürftig, 
und der Muttermund schmiegt sich (bei ihnen) ziemlich weit 
oben zusammen. 

So muss man bei den Erkältungen verfahren. 



Kapitel 28. 
Symptome und Behandlung des zu warmen Uterus. 

Uebermässige Wärme des Uterus kann man aus folgenden 
Diagnose. Zeichen diagnosticieren : Der (ganze) übrige Körper ist (ebenfalls) 
zu warm, die Periode spärlich und schmerzhaft, wodurch die 
Geschlechtstheile stark gereizt und manchmal wund werden. 
Das Menstrualblut selbst ist in solchen Fällen ziemlich dunkel 
und wird in Folge der Reizung unregelmässig ausgeschieden! 
Solche Frauen sind leicht zum Beischlaf geneigt und am ganzen 
Körper ziemlich trocken. Diesen Kranken ist flüssige Kost zu- 
Behandiung.träglich; von Gemüsen Lattich, Malven, Melde, Bittergurke, 
Spinat, Portulak, Gurke und alles, was reichlich Flüssigkeit ent- 
hält ; ebenso feiner, weisser und reichlich mit Wasser verdünnter 
Wein, Schlaf, Süsswasserbäder. Auf Kreuz und Leib lege man 
kühle Umschläge, indem man (z. B.) Saft von Strychnos und 
Kabelkraut mit Rosenöl vermischt, dann Watte damit tränkt 
und diese auf die Unterbauchgegend legt. Auch das Bingelkraut, 
in Salbenform auf Kreuz und Unterbauchgegend gestrichen, ist 
vortheilhaft bei übermässiger Wärme des Uterus, ebenso Blei- 
glätte mit Wasser oder Bleiweiss. Jedoch muss man die Grösse 
der Wirksamkeit bei allen Mitteln genau beachten, damit man 
nicht übermässige Abkühlung hervorrufe. 



Behandlung der Sterilität infolge von Feuchtigkeit des Uterus. 45 

Kapitel 29. 
Behandlung der Sterilität infolge von Feuchtigkeit des 

Uterus. 

Frauen, die infolge von Feuchtigkeit des Uterus nicht 
schwanger werden, müssen eine recht trockene Diät beobachten 
und feste Kost geniessen, fleissig Leibesübungen vornehmen 
(turnen) und sich einreiben (massieren) lassen, ferner häufig 
erbrechen, sei es nach der Mahlzeit, sei es nüchtern, der Aus- 
leerung und Entspannung halber. Schmale Kost trocknet auch 
aus; ferner soll man mehr gebratenes Fleisch essen lassen, zu- 
mal von jungen kräftigen Thieren, auch Fische mit hartem 
Fleisch *) ; dazu weinartige Getränke, recht unvermischt, aber 
nicht in Menge. Auch Heissluftbäder mag man oft, Dampfbäder 
selten anwenden. Wer aber (gleich) von Anfang an versucht, 
dem Uterus Mittel zuzuführen, die (ihn) austrocknen und (die 
Secretion) unterdrücken, richtet grossen Schaden an ; denn die 
(am Abfiuss) gehinderte Materie wendet sich wieder zu den 
hauptsächlichen Organen zurück. Wird der ganze Körper säfte- 
los, so ist es sicherer, auch dem Uterus die zusammenziehenden 
und stärkenden Mittel einzuverleiben (Adstringentia und Tonica), 
wie z. B. ein Dekokt von Meerzwiebel (Scilla), Myrten und 
Rosen, Brombeerstrauchblätter und Blätter vom weiblichen Poly- 
gonum (Equisetum Z.). Das männliche ist mehr einem Feld- 
gras ähnlich, mit seiner rothgelben Blüthe und seinen der Raute 
ähnlichen Blättern. Der Same unter den Blättern ist klein. 
Auch dieser kann als Heilmittel wirken, wenn man ihn als Ab- 
kochung auf nüchternen Magen verordnet ; ebenso wie auch das 
weibliche Kraut. Es giebt auch noch einige Getränke, die den 
Frauen zuträglich sind, deren Uterus zuviel Flüssigkeit enthält, 
nämlich folgende: Geriebene Myrtenrinde mit Rothwein, ge- 
stossene süsse Granatapfelschale mit Wein ; geröstete pontische 
Kastanien, mit Wein verrieben. Man wende auch folgenden 
Umschlag an: Man schneide Flohkraut und mische es mit 
Palmenmark, das mit Essigwasser eingeweicht ist, und lege dies 
auf, ebenso verwende man Palmenmark mit kydonischen Aepfeln. 



M S. d.Anm. bei L. (8), I. S. 70. 



46 Behandlung der Sterilität infolge von Trockenheit des Uterus. 

Kapitel 30. 

Behandlung der Sterilität infolge von Trockenheit 
des Uterus. 

Wenn eine Frau infolge von Trockenheit (des Uterus) 
nicht concipiert, so ist es ganz klar, dass sie sich einer Diätkur 
unterziehen muss, die ihr mehr Flüssigkeit zuführt. Denn wenn 
der ganze Körper feuchter wird, nimmt auch der Uterus mit 
daran theil. 



Kapitel 31. 

Behandlung der Sterilität infolge verschiedener anderer 
krankhafter Zustände, wie Dicke der Säfte, Windsucht, 
Verschluss des Uterus, Klaffen und Verlagerung des 

Muttermundes. 

Wenn Frauen infolge von Dicke der Säfte nicht schwanger 
werden, muss man den Saft (genau) untersuchen ; und wenn er 
zu denen gehört, die stark reizen, soll man die Frau dadurch 
davon befreien, dass man sie Molken trinken lässt, 5 Becher 
nach und nach. Auch soll sie wohlschmeckende Kost haben 
und in der Zwischenzeit erbrechen. Schleimige und wässerige 
Säfte muss man durch vermehrte Thätigkeit, Schwitzkuren und 
wiederholtes Erbrechen fortzuschaffen suchen ; doch wird es (oft) 
auch genügen, Bibergeil trinken und in heisser Luft Schwitz- 
bäder nehmen zu lassen. Wenn aber Luft (Gase) im Uterus die 
Conception verhindert, und diese Gase eine Folge schlechter 
Verdauung sind, soll man zunächst strenge Diät anordnen, dann 
die bei Blähungen wirksamen Mittel verordnen , wie Raute, 
Kümmel und die übrigen verwandten Samen, auch die Gewürze, 
und zwar Zäpfchen daraus einlegen, zumal Raute mit Honig und 
etwas Natron ; auch lasse man heisse Umschläge (Bähungen) mit 
diesen Mitteln auf den Unterleib machen und Wachssalbe auf- 
legen. Dagegen muss man Bohnen, süsse und überhaupt blähende 
Speisen vermeiden. 

Wenn der Muttermund geschlossen ist, gilt es, ihn zu er- 
öffnen, und zwar kann man Spülungen mit wohlriechenden und 



Behandlung der Sterilität infolge verschiedener krankhafter Zustände. 47 

erweichenden Mitteln machen lassen und Gänsefett verwenden. 
Anfangs soll man milde Sitzbäder und Ausspülungen machen 
mit Abkochungen von Malve, Leinsamen, Bockshorn, wozu man 
gutes Oel und Honig giesst. Nach den milden Formen geht 
man dann zu den stärkeren Mitteln über, Beifuss, Berufungs- 
kraut, Melisse, Polei, Majoran, zu denen man Irissaft, Alkannaöl 
und Honig giesst. Als Suppositoria soll man Myrrhe von der 
Gattung Troglitis, Terpentinharz, Natron, Kassienlorbeer, Fleisch 
von getrockneten Feigen, Majoransaft und dergleichen verwenden. 

In den Fällen, wo der Muttermund mehr als nöthig geöffnet 
ist (klafft), und in Folge dessen keine Conception eintritt, sind 
ganz trockne Diät, trockne Hitze und zusammenziehende Medica- 
mente (Adstringentia) als Suppositorien angebracht, unter deren 
Wirkung sich der klaffende Muttermund schliessen wird. Solche 
Mittel sind Galläpfelabkochung, Granatäpfel, Scilla, Brombeer- 
wurzel, Myrte und dergleichen. 

Die Verlagerung des Muttermundes soll man durch er- 
weichende Schwitzbäder auszugleichen suchen ; denn ganz be- 
sonders durch Schwitzbäder ist sie leicht zu verbessern ; aber 
man kann auch erweichende Suppositorien anwenden und mit 
der Sonde und dem Finger die Geradrichtung bewirken. Ganz 
besonders passt das Poleidekokt für den seitwärts verlagerten 
Muttermund, ferner Beifuss und Bibergeil, mit Honigmeth ge- 
trunken. Im Uebrigen soll man sich der sorgfältigen Behandlung 
befieissigen, die bei der Lateroflexio uteri besprochen werden 
soll. (s. Kap. 73.) 

Bei den Fällen ferner, in denen Frauen infolge von Anwendung 
irgend eines (anticonceptionellen) Mittels nicht concipieren, gilt 
es, zu untersuchen, welcher Art die Wirkung der dazu ange- 
wandten Mittel sei, ferner ob infolge krampfhafter Absonderung 
der Säfte auch das Sperma wieder fortgespült wurde oder durch 
die Menge der Gase ausgetrieben, oder ob durch die zusammen- 
ziehende Wirkung (der Mittel) der Muttermund zugeschnürt 
wurde und den Eintritt des Samens verhinderte. Die Ver- 
kleinerung (Atrophie) muss man durch Bähungen und Sitzbäder 
zu verbessern suchen, die jedem einzelnen Fall entsprechend zu 
wählen sind; besonders wenn durch die Zusammenziehung ein 



48 Sterilität infolge anticonceptioneller Mittel. 

Verschluss sowohl der Kotyledonen als auch des Muttermundes 
entstanden ist, gilt es, Salben anzuwenden und Schwitzbäder, 
die im Stande sind, alle Flüssigkeit an sich zu ziehen. 



Kapitel 32. 

Sterilität infolge von Anwendung der anticonceptionellen 

Mittel. 

Manche der anticonceptionellen Mittel, die eine Füllung der 
uterinen Gefässe bewirken, machen den Krankheitszustand oft 
zu einem unheilbaren, da es ja nicht möglich ist, jede Wirkung 
eines Mittels aufzuheben. Denn manche von den Tränklein 
rufen Brennen im Unterleib hervor, das bisweilen heilbar ist, 
wenn Hilfe sofort zur Stelle ist. Denn wie tödtliche Mittel 
(Gifte) durch Erbrechen oder Ausspülung oder Gegengift (sofort) 
unschädlich gemacht werden können, während nach längerer 
Zeit sichere Hilfe zu bringen unmöglich ist, so werden auch 
die energisch wirkenden anticonceptionellen Mittel, wenn es 
möglich ist, sofort Hilfe zu bringen, unwirksam, während sie 
bei längerer Einwirkung tödtlich wirken. 

Wie man Geschwüre am Uterus und Entzündungen zu be- 
handeln hat, und wie wildes Fleisch oder Feigwarzen oder Balg- 
geschwülste zu entfernen sind, das wird der Reihe nach an den 
entsprechenden Stellen auseinandergesetzt werden. Denn mehr- 
mals dasselbe zu beschreiben, ist (doch) überflüssig. 



Kapitel 33. 
Fürsorge beim Fehlen beunruhigender Symptome. 

Wenn kein beunruhigendes Symptom auftritt, weder am 
(übrigen) Körper noch (speciell) am Uterus, und wenn deshalb 
der Grund der Empfängnis und Nichtempfängnis unklar bleibt, 
verordne man : Abführen mit Hilfe von Eselinnenmilch, wohl-, 
schmeckende Kost, Schwitzbäder, wohlriechende Räucherungen, 



Tränklein, Zäpfchen, Räucherungen, welche die Empfängnis begünstigen. 49 

Zäpfchen, die den Muttermund erschliessen und Blut (zum Uterus) 
herabziehen ] ) und Unterbrechung des geschlechtlichen Umgangs 
für zwei oder drei Monate. 



Kapitel 34. 

Tränklein, Zäpfchen, Räucherungen, welche die 

Empfängnis begünstigen. 

Man lasse Bingelkraut(thee) mit Bibergeil und Wermuth 
zwei bis drei Tage lang zur Zeit des Erscheinens der Periode 
trinken. Auch folgendes ist ein für die Empfängnis sehr 
wirksames Tränklein : 

Man lasse 2 Drachmen Salmiak und je eine Drachme 
Schwarzkümmel und Salbei in süssem Weisswein nach dem Auf- 
hören der Periode einnehmen, und erst dann gestatte man ge- 
schlechtlichen Verkehr. 

Auch den Mann lasse man sich nüchtern halten, wie die 
Fechter es zu machen pflegen, und ebensolange Zeit keusch 
leben; auch er muss vorher mit Hilfe von Milch abführen; 
beide sollen eine Diät beobachten, die gute Säfte verspricht. 

Auch sind für solche Frauen, die aus ir*gend einem räthsel- 
haften Grunde nicht concipieren, und besonders für solche, die 
in Folge von Schleimanhäufung (im Uterus) nicht schwanger 
werden, die nachstehenden Zäpfchen passend. Dann mag 
sich jeder aus den bisher bei jeder (einzelnen) Erkrankung an- 
gegebenen und aus diesen (hier) das für jeden (einzelnen) Fall 
passende Mittel auswählen. 

(Hier folgt die genaue Beschreibung von 18 Mitteln; ich gebe nur einzelne 
Ueberschriften und einige besonders seltsame Vorschriften wieder :) 

1. Zäpfchen des Asklepia des 2 ), zur Reinigung 
des Uterus dienend. 

2. Ein anderes Reinigungszäpfchen. 

Da aber nicht allein derartige Reinigungsmittel des Uterus 
Empfängnis bewirken, sondern da man auch noch andere gegen 
Sterilität wirksame Mittel bei den alten (Aerzten) beschrieben 



x ) cfr. Oroscius (n), S. 317, Nr. 1136. 

2 ) Ueber Asklepiades, s. Wellmann, (4), S. 6, 59, Anm., 211; 
ferner Pagel (3), I. S. 95, und Gur 1t (25) I, S. 329 und 330, sowie Raynaud, 
De Asclepiade Bithyno medico ac philosopho (Paris 1862). 

Wegs cheider. * 



KQ Mittel gegen das Gerinnen der Milch in den Brüsten. 

findet, ist es zweckmässig, auch die Zubereitung dieser Mittel 
anzugeben. 

6. Knabenkrautsamen x ) und Honig je 2 Drachmen, Galle 
vom Reh oder Bock, und zwar das zähe bei der Entleerung bis 
zuletzt in der Blase zurückgebliebene, lasse man als Zäpfchen 
kurz vor dem Beischlaf anwenden, oder man bestreiche die 
Eichel damit; oder noch besser: man befeuchte eine Purpur- 
schnecke mit echter Bocksgalle und lege sie 7 Tage lang auf 
den Nabel der Frau und lasse dann bei zunehmendem Monde 
den Beischlaf vollziehen. 

7. Noch ein anderes Zäpfchen, dessen sich As- 
klepiadesbei den adeligen Damen bediente. 

[14. Ein natürliches Amulet: Die Knochen, welche 
sich im Herzen der Hirsche finden, sollen, am linken Arme ge- 
tragen, sympathetisch Empfängnis bewirken. 

15. Noch ein wirksames und untrügliches 
Räucherungsmittel, das Conception herbeiführt: 
Hasenhaare und trockene Raute zerstosse man zusammen, füge 
erweichtes Wachs hinzu, forme Pastillen (Zeltchen) daraus und 
verbrenne sie auf Rindermist. 

16. Noch ein Hebeammenmittel. ; . . 

18. Zur willkürlichen Geschlechtsbestimmung: 
Wenn man, so heisst es, den rechten Fuss mit einer weissen 
Binde umwickelt und dann den Beischlaf ausübt, wird die Frucht 
männlich sein; wenn aber den linken Fuss mit einer gefärbten 
(bunten) Binde, weiblich 2 ). Ferner soll Knabenkraut- und Sumpf- 
wurzel auch starke Männer zum Beischlaf reizen und Knaben 
erzeugen, bei schwächlichen aber das Gegentheil bewirken.] 



Kapitel 35. 
Mittel gegen das Gerinnen der Milch in den Brüsten. 

Gegen das Gerinnen der Milch in den Brüsten bei Wöch- 
nerinnen empfiehlt es sich, die Brüste von älteren und erfahrenen 
Frauen langsam absaugen zu lassen, und sie mit Alkannaöl mit 



: ) 10 oatupiov, orchis bifolia, e. angebliches Aphrodisiacum. s. Kr. S. 920 
u. J. u. S. 

2 ) cfr. Galen os, cit. b. Z. (7), S. 50, Anm. 3. 



OCT2 9 1923 



Verhärtung der Brüste und Milchversetzung. 51 

Ei(gelb) und Safran, sowie mit Bockshornsaft *) und mit feinem 
Kümmel, in Wasser gekocht und mit Safran versetzt, zu be- 
streichen. Gut ist auch folgendes Mittel: i Unze Wachs, 
I ^2 Unzen Portulac mit Sesamöl — ■ ein sehr bewährtes Mittel. 
Auch verhindert bei den Säugenden die Verkäsung der Milch: 
Weisses Wachs in Pillenform, täglich drei Stück von Erbsen- 
grösse eingenommen. 

Soranos 2 ) soll die Forderung aufstellen, dass Frauen und 
Kinder (auch) an schmerzenden Brüsten ruhig weiter saugen 
sollen ; denn, so behauptet er, infolge des Saugens fliesst mehr 
Stoff (Milch) zu den Brüsten. Gut wirkt auch kimolische Thon- 
erde mit Essig oder Wasser und etwas Rosenöl ; ebenso weisser 
Marmorstaub und weisse Steine, in ähnlicher Weise zu Salbe 
verarbeitet. Wenn aber die Füllung (der Brust) stärker wird 
und die Frau davon Druckbeschwerden hat, und Schmerzen 
empfindet, koche man Linsen in Salzwasser, wasche die Brüste 
mit dem Dekokt ab, zerreibe die Linsen und lege sie als (Brei-) 
Umschlag auf. 

(Der Rest des Abschnittes enthält nur einige wunderliche Recepte.) 



Kapitel 36. 
Verhärtung der Brüste und Milchversetzung 3 ). 

Wenn die Brüste dem Zufluss der Milch entsprechend an- 
schwellen, schwer werden und weh thun, spricht man von 
Verhärtung; sind sie sehr prall gefüllt und stark gespannt, 
so spricht man von Milchversetzung; wenn die Milch (gar) 
verkäst, von Stauung. Hier heisst es nun, gleich von Anfang Behandlung. 
an Mittel anzuwenden, die allmählich einen Stillstand (der Ent- 
zündung) herbeiführen, z. B. einen reinen Schwamm in Essig- 



n ) cfr. Lib. 7. Kap. 17, Hirschberg (5), S. 39. 

2 ) Vergl. irepl y uv aweiwv I. cap. 35, L. (8), S. 73. 

3 ) CTizapYavöai? besser wohl aitapywai; bedeutet nach Kr. (16) S. 961 : 
I. Strotzen, 2. Milchversetzung == Rlastodynia polygala und Metatasis lactea. 
Vergl. hierzu Soranos, Kap. 25, L. (8), I. S. 54 und 55. 



52 Schlechte Beschaffenheit der Milch. 

wasser getaucht oder Datteln, die mit Brot und Essigwasser 
zerrieben sind; ferner muss man (die Brüste) allmählich durch 
Einwickeln zusammendrücken (einen Druckverband anlegen). 
Wenn man die Milch versiegen lassen will, wende man Alaun 
und Flohkraut an mit Essig und Koriander, und Feuerstein 
(Schwefelkies) mit Essig und Rosenöl. 

Man sagt, die Brüste verhärten sich, sobald sie nach der 
Entbindung anfangen, Milch zu spenden und dadurch straffer 
werden und Schmerzen machen. Hierbei muss man Kleieab- 
kochungen in Essig und Rautendekokt verordnen ; wirksam ist 
auch ein Umschlag von Gartenminze mit Gerstenmehl, 
ferner Bähungen mit heissem Salzwasser. Letzteres beseitigt 
auch die Milchstauung ; doch soll man auch die früher be- 
schriebenen Wachssalben gegen Milchstauung anwenden. 



Kapitel 36 a. 

Schlechte Beschaffenheit der Milch und deren üble 
Folgen für die Brüste. 

Manchmal führt schlechte Beschaffenheit der Milch an den 
eigentlichen Gefässen der Brüste Geschwürsbildung herbei, 
wie ja auch im übrigen schlechte Beschaffenheit der Säfte ent- 
sprechende Flüsse (Katarrhe) mit sich bringt. Denn salzige 
Thränen reizen die Augen, heftige Durchfälle machen die Därme 
wund. So kann auch sehr oft das Grundleiden durch seine 
schädlichen Folgeerscheinungen festgestellt werden, und bei einer 
Wöchnerin, deren Brüste nicht in Ordnung sind, kann durch 
juckenden Ausschlag, Wasserbläschen und Ausfahren am Munde 
die sonst versteckte schlechte Beschaffenheit der Milch offenbar 
werden. Die Geschwürsbildung nun, die hier infolge dessen 
eintritt, soll man in ähnlicher Weise und mit denselben Hilfs- 
mitteln zur Ausheilung bringen, wie sie für die am ganzen 
(übrigen) Körper angegeben sind. Die schlechte Beschaffenheit 
der Milch selbst ist zunächst genau auf ihre Herkunft zu unter- 
suchen. 

(Der Rest dieses Abschnitts, welcher in zweien der von mir benutzten 
Codices ganz fehlt, im dritten unvollständig wiedergegeben ist, allerdings in der 



Mittel gegen die Entzündung der Brüste. 53 

Ausgabe von Zervös, der (s. d. zahlreichen Anm.) den Text sehr mühsam her- 
zustellen versucht hat, zum Abdruck gelangte, enthält Angaben über allerlei 
wunderliche Theorien und Mittel ; ich halte den ganzen Abschnitt für ein Ein- 
schiebsel späterer Abschreiber.) 



Kapitel 37. 

Mittel gegen die Entzündung der Brüste (nach 
Philumenos). 

Man reibe Sesam recht klein, mische ihn genügend mit 
Butter, erwärme ihn massig und mache damit zweimal täglich 
Umschläge. Wenn die Entzündung aber länger anhält, soll man 
das Innere von Brot (Brotkrume), in Wasser getaucht und zer- 
kleinert, auflegen, dann einzelne Blätter von Perdixkraut, sodass 
vom Kraut ein Theil, vom Brote zwei, und von zartem Wachs- 
balsam ein und einhalb, zweimal täglich verwendet wird. Dies 
(Mittel) hilft auch nach dem Durchbruch [des Abscesses] bis 
zum Ende (der Erkrankung). . . . 

Mittel des Juniades gegen alle Entzündungen, 
besonders aber die Brustentzündung. 

Altes- Oel 3 ti. 1 ), Wachs 3 Unzen, Geigenharz, Schweine- 
fett je T V2 ih, Bleiglätte 1 U., feines Weizenmehl, Leinsamen- 
saft, Bleiweiss je 6 Unzen, Weihrauch i v \% Unzen. 

Ein anderes Mittel von demselben. . . . 

Ein anderes Mittel gegen Entzündungen mit 
stärkerer Reizung und Jucken. 

Ein anderes Mittel, dessen ich mich bei Ent- 
zündungen bediene: Man koche genügend viel 2 ) zarte 
Nachtschattenblätter, zerkleinere sie und füge 6 Unzen Honig 
hinzu ; dann lasse man 6 Unzen Wachs mit 1 U. Oel schmelzen, 
füge 6 Unzen Parygronpflaster 3 ) hinzu und lege es nach voraus- 



!) 1 % = 12 Unzen = 327,5 g. 1 Unze = I /i 2 $5 = 27,3 g. 

2 ) zb apxoCv = quantum satis. 

3 ) zb -itotp'jYpov = ein äusseres entzündungswidriges Pflaster der Alten, 
(cfr. Galen os) (Kr.). 



«>4 Behandlung der Mastitis chronica fibrosa. 

geschickter Abwaschung auf. Dieses Mittel beseitigt Brustentzün- 
dung durch energisches Schwitzen. 

Mittel gegen Verhärtung in der Tiefe der 
Brüste: Bärwurzelkraut oder die Wurzel von Goldwurz (As- 
phodyll) koche man mit Wein und lege sie auf; oder man zer- 
kleinere Regenwürmer mit Quittenäpfeln oder Flusskrebse mit 
Ei. Dies Mittel bringt auch die Milch zum Versiegen. 



Kapitel 38. 

Behandlung der Mastitis chronica fibrosa (nach 
Philumenos). 

Man koche Leinsamen mit Sauerhonig und lege ihn in Form 
eines Umschlags auf, oder ebenso Bockshorn ; oder man röste 
ungewaschenen Sesam ein wenig, zerkleinere ihn mit Honig 
und lege ihn noch warm auf; oder man lege weissen Hundemist 
mit warmem Terpentinharz auf. 

Eine andre, ganz vortreffliche Methode: 

Silberglätte 2 it., Oelschmutz aus einem Bade, in dem nur 
Männer sich reinigen, 4 ü., Geigenharz und Wachs je 8 Unzen, 
Schuppen 1 x /2 Unzen, Meer- oder Salzwasser 1 U.. Die Schuppen 
lasse man im Meerwasser genügend viele Tage glatt werden, 
dann füge man die Silberglätte und den Oelschmutz hinzu, mische 
gut, thue alles in eine Kasserole und koche bis zu guter Con- 
sistenz ein. Dazu füge man das Wachs und (das) Geigenharz; 
nach dem Schmelzen rücke man die Masse (vom Feuer) weg, 
lasse sie kühl und weich werden und (dann erst) verwende man 
sie. Beim Kochen jedoch rühre man mit Wurzeln von grünem 
Rohr um, bis die Mischung ganz sauber (klar) wird. Dies Mittel 
wirkt auch bei Quetschungen , alten Geschwüren und Beulen, 
aufgelöst und an Stelle eines feuchten Umschlags angewendet. 

Getrost verwende man (schliesslich) auch bei den Entzünd- 
ungen nach Verhärtung das im vorhergehenden Buche be- 
schriebene, bei den diaphoretischen Mitteln und den Zugpflastern 
erwähnte (sog.) Dionysiapflaster. (cfr. Buch 15, Kap. 14). Es 
enthält bekanntlich folgendes: Terpentinharz, Manna, Mauer- 



Mastitis apostematosa. 55 

Salpeter, altes Oel, Wachs und Vitriolerz J ) (Cuprum sulfuricum). 
Die Gewichte derselben kann man dort finden. Endlich kann 
man auch das (sog.) Fischerpflaster verwenden, (cfr. Lib. 15, 
Kap. 18). 



Kapitel 39. 
Mastitis apostematosa. 

Wenn die Entzündung und die Verhärtung (der Brüste) nicht 
schwindet, sondern in Abscedierung übergeht, heisst es, schleunigst 
hilfreich einzugreifen, wenn sie nicht (von selbst) zur Auflösung 
kommen kann. Man wird in den meisten Fällen die schon (in 
Eiter) verwandelten Entzündungsherde zur Resorption bringen 
mit Hilfe des Dionysiapflasters, das eben kurz vorher bei den 
Mitteln gegen Verhärtung besprochen ist. Denn es schafft alle 
Flüssigkeit auf verborgenen Wegen fort und bringt die Ver- 
härtungen zum Verschwinden. (Ebenso) gut wirkt auch das gelbe 
Fischerpflaster, wenn es ohne Essig zubereitet wird ; ferner das 
schwarze des Asklepiades. Versagen aber diese Mittel, so muss 
ein operativer Eingriff vorgenommen werden. Man kann nun 
an der Brust überall da unbesorgt einschneiden, wo sich nekro- 
tisches Gewebe findet ; nur die Gegend nahe der Warze muss 
man sorgfältig mit halbmondförmigem Schnitt umschneiden, da- 
mit durch den Einschnitt zwar die Tiefe des Abscesses bloss- 
gelegt werde , die Warze aber dabei verschont bleibe ; bei 
Männern (nur) aus kosmetischen Gründen, bei Frauen aber so- 
wohl aus gleichem Grunde, als auch besonders wegen (Erhaltung) 
der Milchabsonderung. Nach der Operation soll die Wunde 
durch Verbandstoffe offen gehalten werden, wobei man sich über- 
haupt, besonders aber bei Brustwunden hüten muss, die Schnitt- 
fläche durch die Compressen sehr zu verkeilen, denn dadurch 
kommt es (sonst) zur Fistelbildung. Vom dritten Tage an muss 
man (daher) die Salbenverbände anwenden, welche Eiterung her- 
vorrufen, dann (erst) solche, die im Stande sind, die Wunde 
wieder zu reinigen. 

') Cfr. Lib. II, 64. 



56 Fisteln an den Brüsten. 

Von guter Wirkung ist hierbei (auch) das gelbe Fischer- 
pflaster *), ohne Essig zubereitet, und das gelbe des Galenos 2 ), 
das früher bei den bösartigen Geschwüren beschrieben ist 3 ). 
Obenauf lege einen in Wein getauchten Schwamm. Wunderbar 
wirkt ferner nach der Operation das Auflegen von schwarzem 
Unkrautpflaster ; denn es befördert Ausscheidung und Gerinnung. 

Vorschrift des Magistrianos bei Abscessen der 
Mamma: Lege Regenwürmer mit feinem Gerstenmehl auf 4 ). 



Kapitel 40. 
Fisteln an den Brüsten (nach Leonides) 5 ). 

Manchmal entsteht an der Brust eine Fistel nach dem 
Durchbruch eines Abscesses oder nach einem operativen Ein- 
griff bei unrichtiger Nachbehandlung. Meistentheils (nämlich) 
endigen alle hier vorkommenden Fisteln (schon) im Fleisch, 
nicht (erst) im Knochen, ausser wenn sie längere Zeit bestehen. 
Zunächst soll man nun versuchen, durch entsprechende Mittel 
diese Fisteln zur Heilung zu bringen ; von günstiger Wirkung 
ist da das schwarze Unkrautpflaster; drum wende 
man es getrost an. Dies Pflaster ist hier von eigenartiger 
Wirkung, weil es sowohl bei den Mammaabscessen nützlich ist, 
als auch überhaupt bei allen Geschwüren Eiterung bewirkt und 
in geheimnisvoller Weise für Abfluss des Eiters sorgt. Denn 
es bewirkt, dass Geschwüre, die man schon incidieren will, auf- 
gehen und austrocknen, ebenso die Fisteln in ganz vorzüglicher 
Weise. Man legt es nur aussen auf, muss jedoch dabei die 
Warze frei lassen. Es ist folgendermassen zusammengesetzt : 
Bleiglätte, Oel je I U., Wasser, Gummiharz aus Ammonia, 
Brennkraut je 6 Unzen, Fichtenharz 4 Unzen, Geigenharz eine 



x ) Cfr. Lib. XV, Kap. 18. 

2 ) Cfr. Lib. XIV, Kap. 44. 

3 ) Cfr. Oroscius (11) pag. 320. Nr. 1 1 53, der „Aliei ruffum et Galeni 
ruffum" übersetzt, während Cornarius „fulvum piscatoris et fulvurn Galeni" bat. 

4 ) Cfr. Lib. XIV, Kap. 55. 

5 ) S. b. Gurlt (25) I. S. 486 u. f. und Well mann (4) S. 14. 



Die phagedänischen Geschwüre an der Brust. 57 

Unze; man koche Oel, Wasser, Bleiglätte bis sie klar werden, 
dann füge man das durchgesiebte Gummiharz hinzu, und wenn 
es sich gelöst hat, die (anderen) Harze. • Dann rücke man es 
vom Feuer ab und füge das Brennkraut hinzu, weiche es ein, 
streiche (die Masse) pflasterartig auf trockene Wolle aus und 
lege das Pflaster unter Freilassen der Warze, wie schon erwähnt, 
fest auf; auch soll man es auf Kohlenfeuer kochen. 

Bei längerem Bestehen der Fistel muss man den Fistelgang Operation, 
eröffnen, indem man einen Sondenknopf vorsichtig einschiebt, 
darauf einschneidet und dem metallenen Sondenknopf in die 
Tiefe nachgeht, und dann alles schwielige und harte und wilde 
Fleisch (mit dem Messer) entfernt. Nach der Ausschneidung 
bewährt sich ein Pflaster, das erst reinigt, dann austrocknet 
und zur Vernarbung führt. 

Die fressenden Geschwüre an den Brüsten. 

Die an der Brust vorkommenden soll man mit den bei 
fressenden Geschwüren (sonst) üblichen Uebergiessungen und 
Umschlägen zur Heilung zu bringen suchen. Wirksam ist ferner 
bei fressenden Geschwüren der weiblichen Brüste und Scham- 
theile, wie bei bösartigen Ulcerationen oder fauligen Geschwüren 
und dergleichen folgendes Mittel: Sumach, wie man ihn 
zum Gerben braucht, i U., ebensoviel kleine frische Cypressen- 
kugeln, Ricinusbeeren 1 1 \% $6., saurer Wein 1 U. Alles dies 
weiche man [ohne Mühe] 3 Tage lang in Seewasser ein, dann 
koche man es unter Umrühren mit einem Cypressenzweig auf 
die Hälfte ein. Darauf lasse man es eine Stunde stehen, coliere 
es und koche die Flüssigkeit wieder bis zur Honigconsistenz 
ein. Man bewahre es in gläsernem Gefässe (Flasche) auf, wende 
es als Salbe an und mische es mit Honig zum Reinigungs- 
mittel und mit Milch zum Pflaster. 



Kapitel 41. 
Die phagedänischen Geschwüre an der Brust. 

Das phagedänische Geschwür unterscheidet sich vom Carci- 
nom dadurch, dass seine Umgebung (Rand) nicht ganz hart ist, 



58 Der Brustkrebs. 

dass es keine Blutaderknoten (Varicen) bildet und nicht in die 
Tiefe dringt ; ferner noch dadurch, dass es überhaupt durch 
Arzneimittel sich beeinflussen lässt, während die ganz bösartigen 
Geschwüre (wie Carcinom) durch Anwendung von Arzneimitteln 
nur gereizt und schlimmer werden. Handelt es sich (also) um ein 
phagedänisches Geschwür, so gilt es, eine rasche und recht er- 
folgreiche Therapie anzuwenden ; ich meine natürlich die Ab- 
tragung der schwielig verdickten Wundränder mit dem Messer. 
Nach der Abtragung muss man dann die Ränder mit dem Glüh- 
eisen verschorfen, schon wegen der Blutstillung und wegen der 
sicheren Ausheilung. Schliesslich wende man die bei Ulceration 
an der Brust passenden Heilmittel an, wie sie beim Carcinom 
(näher) beschrieben sind (s. Kap. 46). 



Kapitel 42. 

Der Brustkrebs. Symptome der vereiterten Carcinome 
(nach den Schriften des Archigenes x ) und Leonides). 

Der Krebs kommt an der Brust ganz besonders häufig vor. 
Auch werden Frauen häufiger als Männer von diesem Uebel 
befallen, zumal solche, die volle und starke Brüste haben. Die 
alten (Aerzte) nannten (daher auch) das krebsige Geschwür bös- 
artig und thierisch ; krebsig in übertragener Bedeutung von den 
Krebsthieren. Denn diese Thiere sind überaus rauh und hart, 
und wenn sie etwas mit ihren Scheeren fassen, kann man es 
ihnen nur sehr schwer wieder entreissen. Diesen (Thieren) ist 
die Krebsgeschwulst ähnlich, da sie hartnäckig, rauh und uneben 
ist und daher schwer oder gar nicht heilbar. Thierisch und 
bösartig nennt man das Carcinom nach den wilden und bös- 
artigen Thieren ; denn das Leiden ist widerspenstig, trotzt der 
Behandlung und wird durch Berührung verschlimmert. 

Zwei Hauptunterschiede giebt es bei den Carcinomen ; 
die einen nämlich vereitern nicht, die andern bilden eitrige Ge- 
schwüre. Die nicht vereiterten Carcinome nannten daher die 



J ) Ueber Archigenes vergl. Wellmann (4) S. 19, Pagel (3), S. 104 u. 
130 und Gurlt (25), I, S. 411. 



Welche Carcinome sind heilbar, welche unheilbar? 59 

meisten von den alten Aerzten versteckte Krebse ; Philoxenos 1 ) 
jedoch nannte besonders das im Uterus und in den Därmen 
vorkommende Carcinom ein verstecktes. 

Handelt es sich um nicht vereiterten Krebs, so tritt an der 
Brust ein grosser, harter unregelmässiger Tumor mit der Wider- 
spenstigkeit eines wilden Thieres auf, der fest in der Tiefe sitzt 
und seine Wurzeln weit ausbreitet , mit den benachbarten Ge- 
fässen gleichsam fest verwachsen ist und in der Umgebung 
Varicen bildet, bald aschgrau, bald ein wenig purpurroth, bald 
etwas schwärzlich an der Oberfläche. Von Ansehen scheint er 
weich ; bei Berührung aber erweist er sich als äusserst hart, wie 
man es nach der (blossen) Besichtigung hier nicht vermuthen 
sollte. Er ruft ferner stechende, weithin ausstrahlende Schmerzen 
hervor, so dass die Achseldrüsen in Mitleidenschaft gezogen 
werden und entzündlich arg anschwellen; ja sogar bis zum 
Schlüsselbein und Schulterblatt dringen die Schmerzen. 

Bei den vereiterten Carcinomen sind die Erscheinungen 
folgende: Der Krebs frisst sich immer weiter durch und kommt 
selbst in der Tiefe nicht zum Stillstand ; er sondert recht schlechtes 
Blutwasser ab , ähnlich dem Gifte wilder Thiere , übelriechend 
und in reichlicher Menge; stechende Schmerzen treten hier eben- 
falls an denselben Stellen auf; ganz besonders aber verschlimmert 
sich diese Form des Krebses unter chirurgischer und medica- 
tnentöser Behandlung. 



Kapitel 43. 
Welche Carcinome sind heilbar, welche unheilbar? 

Im Allgemeinen empfiehlt es sich, die Heilung der mit der 
Brust verwachsenen Carcinome aufzugeben, ebenso wie bei Car- 
cinom am Kopfe, Halse, Rücken, in der Achselhöhle oder Leisten- 
gegend ; denn auch diese sind (alle) unheilbar, weil sie die Ge- 
fahr der Verblutung in sich schliessen, ausser wenn es gelingt, 
sie vollständig zu exstirpieren. Jedoch die an der Spitze der 
Brustwarze vorkommenden (Krebse) sind heilbar, da man sie 
durch (vollständige) Wegnahme des kranken Organs natürlich 
gleich mit ausschneiden kann. 

J ) S. Wellmann, S. 123. 



(30 Operative Ivrebsbehandlung. 

Kapitel 44. 
Operative Krebsbehandlung (nach Leonides). 

Ich selbst pflege die Carcinome an der Brust chirurgisch 
nach folgender Methode anzugreifen: 

Bei Rückenlage der Patientin incidiere ich oberhalb des 
Carcinoms den gesunden Theil der Brust und brenne die Wunde 
mit dem Glüheisen aus, bis die Blutung infolge der Schorf- 
bildung überall steht. Dann schneide ich wieder ringsherum 
vom Rande her ein, gehe dabei zugleich mit dem Messer in 
die Tiefe der Brust, brenne wieder die Schnittfläche aus 
und wiederhole dies mehrfach, dabei (immer) erst schneidend 
und dann brennend, um die Blutung zu stillen ; denn so ist die 
Blutung (ganz) ungefährlich. Nach der vollständigen Abtragung 
brenne ich wieder alle Theile aus, bis sie ganz trocken sind; 
denn zuerst brenne ich nur zur Blutstillung, zuletzt aber, nach 
Vollendung der Exstirpation, führe ich die Glüheisen zur voll- 
ständigen Beseitigung der Krankheit (hin und her). 

Manchmal pflege ich auch ohne Verschorfung mit dem 
Glüheisen vorzugehen, wenn an der Brust ein skrophelartiger 
Tumor entstanden ist, der für die Bildung des Carcinoms ver- 
antwortlich zu machen ist. Bei derartiger Form der Erkrankung 
kann man sich mit der Ausschneid ung von den gesunden 
Stellen aus begnügen; denn dabei giebts nicht einmal eine' 
bedenkliche Blutung. 



Kapitel 45. 

Nachbehandlung nach der Ausschneidung und 
Ausbrennung. 

Nach der Operation legt man, wenn ein Ausbrennen nicht 
für nöthig befunden wurde, einen Verband auf, sorgt im An- 
schluss daran für Eiterung und wendet im übrigen die Nach- 
behandlung an, welche die Austrocknung der Wunde verspricht. 
Wurde bei der Operation auch ein Ausbrennen für gut be- 
funden, so wendet man ausserdem noch ein Pflaster von Schafs- 
zunge oder von Buchweizen oder geriebenem Sesam an; manch- 



Nachbehandlung nach der Ausschneidung und Äusbrennung. ft\ 

mal mischt man auch Brotkrume mit einem der oben erwähnten 
Mittel und legt aussen eine feuchte Binde über das Pflaster. 
Gut und schmerzlos bringt ferner Milch, mit Honig gemischt 
und als Salbenverband aufgelegt, die von den Glüheisen gesetzten 
Brandschorfe zur Abstossung. 

Nach der eben erwähnten Behandlung soll man die Kranken 
vernünftiger Weise im warmen Zimmer lassen ; denn jede Er- 
kältung ist schädlich, und ganz besonders zur Zeit der Reinigung 
der Wunden ; denn sie führt leicht zu Krämpfen. Nach zwei 
oder drei Tagen entfernt man den Verband, wäscht mit warmem 
Wasser ab und legt ein Pflaster von gekochtem Linsenbrei mit 
Honig auf, aber nur ganz wenig, wegen der aufregenden Eigen- 
schaften des Honigs ; darüber legt man aussen Wein- und 
Lattichblätter , befestigt sie mit einer gewöhnlichen Binde 
und lässt diese ruhig liegen, bis die Brandschorfe abfallen. 
Nach der Abstossung der Schorfe legt man einen einfachen 
Verband an ; dabei vermeide man die allzu scharfen und die 
fetten Medicamente ; denn sonst tritt ein Recidiv ein. Deshalb 
pflege ich Rosenöl mit Frauen- oder Eselinnenmilch zu mischen 
und damit die Baumwollstücke zu tränken und aufzulegen, und 
darüber eine ebenso behandelte Compresse und eine zarte und 
leichte Binde ; denn ein schwerer Watteverband ist hierbei 
schädlich. Zur Zeit der Eiterung muss man mehr Oel, (nach- 
her) bei der Wundreinigung mehr Milch nehmen. Ist Be- 
schleunigung nöthig, so muss man dem Verbände noch einen 
Umschlag von Honigklee mit Rosenöl, Wasser oder Muttermilch 
hinzufügen ; denn Wachssalben und allzu energisch wirkende 
Pflaster sind hierbei schädlich. Ist aber ein (trocknes) Streu- 
pulver erforderlich, so soll man Asche von Zinkblumen (Zink- 
oxyd), sehr sorgfältig gewaschen und getrocknet, aufstreuen oder 
Galmei, dreimal gebrannt und mit Rosenöl gedämpft, dann ganz 
sorgfältig gewaschen und getrocknet. Während der ganzen 
Dauer der Behandlung sollen sich die Kranken des Weines enthalten, 
sowie schwer verdaulicher Kost und kalter Getränke; während 
der Narbenbildung soll man darauf bedacht sein, den ganzen 
Körper zu stärken und ihn durch wohlschmeckende Kost, aktive 
und passive Bewegungen und sonstige stärkende Lebensweise 
zu- kräftigen. 



(32 Behandlung der inoperablen Carcinome. 

Kapitel 46. 
Behandlung der inoperablen Carcinome. 

Zunächst, wie schon recht oft erwähnt, bedarf es vor jeder 
(localen) Behandlung dieses bösartigen Geschwürs einer Allge- 
meinbehandlung (des ganzen Körpers). Daher ist es wichtig, 
für Stuhlgang zu sorgen, sowohl durch die Kost, als auch durch 
Aloe und das aus ihr bereitete Bittermittel. Ferner soll man 
die zu den Abführmitteln passenden Arzneimittel dauernd ein- 
nehmen lassen, z. B. den Theriak und das Gegengift des Mithri- 
dates und das aus Blut bereitete. Von den einfachen Mitteln 
lasse man besonders das Blut einer frischgeschlachteten Gans oder 
Ente noch warm trinken; oder man verordne i — 2 Theelöffel 
fein geschnittenen, asphalthaltigen Klee mit 3 Bechern Wasser, 
oder 1 Unze Samen von wilden Rauten oder 1 Drachme 
alten Polei mit Malvendekokt. Von guter Wirkung ist auch 
bei grossen Carcinomen eine Brühe von Flusskrebsen, die mit 
Eselinnenmilch 5 Tage lang sämig gemacht ist, und andrerseits 
auch der Genuss der Krebse selbst. Denn wenn man diese 
Zeit hat siebenmal verstreichen lassen, wird das Mittel lindernd 
auch bei weit vorgeschrittenem Carcinom der Brust wirken; 
und durch weitere ziemlich einfache Verbände tritt dann eine 
Restitutio ad integrum ein. 



Kapitel 47. 
Behandlung der nicht vereiterten Carcinome. 

Auf die nicht vereiterten krebsigen Geschwülste lege man 
Brot mit ein wenig fein geriebener Schwarzwurzel, in Form eines 
recht leichten Pflasters auf; ferner bei Verschlimmerung Rosen, 
Honigklee, Mohnsamen mit Zucker vermengt, rasch gekocht und 
mit Eigelb durchgeknetet ; oder klein geschnittene Althäablätter, 
für sich allein gekocht oder mit Brot zusammen. Besonders 
wirksam ist bei der Verschlimmerung auch folgendes Mittel: 
Schafszungensamen, Mohnköpfe mit dem Samen, und Flohkraut 
in gleicher Menge soll man zerstossen und durchsieben ; das 
Flohkraut wird mit kretischem Zucker maceriert; dazu nimmt 



Behandlung des jauchenden Krebses. 63 

man ferner eine genügende Menge fettes Palmenmark; dann 
mischt man es mit den trocknen Bestandtheilen, fügt das Floh- 
kraut hinzu und ein wenig Gänsefett ; das ganze wende man 
erwärmt getrost an und lege alles zugleich auf. Verlangt die 
Erkrankung kühle Mittel, so füge man dem Palmenmark ange- 
feuchtetes Brot in Menge hinzu und lege es kalt auf. Recht 
wirksam bei den krebsartigen Leiden ist auch der Samen des 
Wegsenfs, fein zerrieben mit etwas Ysop und Honigwasser, warm 
aufgelegt. Ferner mildern die zarten jungen Blätter von der 
Esche, in Wasser gekocht, dann zerdrückt und für sich (allein) 
warm aufgelegt, die Schmerzen bei den ganz bösartigen Carci- 
nomen ; wenn Jemand dies (genügend) lange fortsetzt, erreicht 
er (sogar) die Vertheilung der Geschwulst in wunderbarer Weise. 
Auch ich wende beständig die Abkochung dieser Blätter als 
Bähungsmittel an und habe glückliche Erfolge aufzuweisen. Zu 
benutzen ist ein Baum ohne Früchte. Später soll man dann 
wieder das Schafszungenpfiaster anwenden oder das Pflaster des 
Ikesios oder besser das (schwarze) Allheilmittel, teigig zubereitet, 
oder etwas ähnliches auflegen, zumal wenn kein Geschwür vor- 
handen ist. 



Kapitel 48. 
Behandlung des jauchenden Krebses. 

Ist ein bösartiges Geschwür vereitert, so lege man einen 
recht milden Verband gleichsam als Grundlage auf, dessen Be- 
standteile, wie Archigenes angiebt, folgende sind: 

Silberglätte, frisches Schweinefett, weisses Wachs je ein fi., 
gutes Oel 16 Unzen, gekochtes Eigelb von 12 Eiern. Die 
Silberglätte zerreibe man mit einer angemessenen Menge Wasser, 
giesse dann etwas von dem Oel dazu, füge das Eigelb hinzu 
und rühre es durcheinander. Das Fett schäle man aus, zer- 
kleinere es im Mörser, lasse es mit dem Wachs schmelzen und 
giesse es durch ein Sieb. Wenn die Masse sich abgekühlt hat, 
füge man allmählich den Rest des Oeles hinzu, knete es im 
Mörser noch einmal durch und mische es mit den (zuerst) zu- 
bereiteten Stoffen. Dazu füge man Rosenöl, streiche die Masse 



g4 Behandlung des jauchenden Krebses. 

auf zarte Watte anstatt auf Baumwolle und lege es als Verband 
auf. Bleibt das Geschwür schmerzlos, so füge man noch Iris, 
Myrrhe, Osterlucei (Aristolochia) je ein oder auch drei Drachmen 
hinzu. Dies Mittel wirkt auch als Verband bei den nicht ver- 
eiterten Krebsen und ist, wie ein Versuch lehrt, sehr wirksam. 

Ein anderes Mittel, das sowohl eitrige Krebse 
gewöhnlich heilt, als auch nicht eitrige bedeutend 
zur Besserung bringt 

Ein anderes Mittel gegen die bösartigen Er- 
krankungen aus den Schriften des Theodoros 1 ). . . . 

Dies Mittel soll man unverdünnt verwenden bei den 
fressenden Geschwüren, mit Wein (verdünnt), wenn es zu dick 
geworden ist, ganz besonders, wenn es sich um eine derartige 
Erkrankung in der Scheide handelt. Allerdings wirkt es auch 
schmerzlindernd mit Eselinnenmilch verdünnt. Ebenso bringt 
es auch andere fressende Geschwüre ohne eitrige Entzündung 
zur Ausheilung, sowohl Ohren, die lange und schlimm entzündet 
sind, als auch fauliges Zahnfleisch. Auch Ruhr und Geschwüre, 
die nicht vernarben wollen, bringt es zur Ausheilung, wenn es 
angemessen verwendet und maassvoll verdünnt wird. Wie sollten 
auch nicht die harmlosen Geschwüre beeinfiusst werden durch 
ein Mittel, das sogar bösartige unterdrückt ! 

Es ist ferner wichtig, die Geschwüre nicht eher vernarben 
zu lassen, als bis die Verhärtung vollständig verschwunden ist, 
sei es durch feste Watteverbände, sei es durch Leinwand- 
compressen, wie es z. B. der Verband des Serapion, der des 
Ikesios und die Panakeia 2 ) ist. Ich selbst wendete manchmal 
zur Zeit der Besserung auch den Theriak 3 ) an, in Milch und 
Rosenoel gelöst, und mittelst weicher Wolle auf das Geschwür 
aufgelegt; ebenso lasse ich ihn auch mit Zucker trinken. Denn 
von grosser Wirkung sind (bei solchen Geschwüren) auch die 
Gegengifte gegen den Biss giftiger Thiere und den Genuss von 
Giften (wie der Theriak). Darum wende man sie (ruhig) an 
ohne der Spötter zu achten, die in ihrer Unerfahrenheit die 
Natur des Zustandes verkennen. 



*) Näheres s. b. "Wellmann (4) S. 13 u. flgd. 

2 ) Ueber 2ep';.7Eiu)V und T\uvä/.tiu s. Z. (7) S. 68. Anm. 1 und 2. 

3 ) S. Z. (7) S. 64, Anm. 1 und Kr. (16) S. 1043. 



Die Verhärtung der Brust. 65 

Kapitel 49. 
Die Verhärtung der Brust (Scirrhus) (nach Leonides *). 

Schon früher war die Rede davon, dass die scirrhöse Ge- 
schwulst an den anderen Körpertheilen schmerzlos ist; an der 
Brust aber entsteht Schmerz, nicht gerade infolge der Natur 
der Erkrankung, sondern infolge der Schwere der herabge- 
zogenen Brustwarze. 

Wenn nun infolge der innigen Verbindung des Scirrhus 
mit dem Thorax die Brust vollständig verhärtet ist, und wenn 
es also unmöglich ist, die Ausschneidung der Geschwulst vom 
Gesunden her ohne Gefahr vorzunehmen, darf man (überhaupt) 
nicht (mehr) chirurgisch vorgehen. Wenn aber (nur) die Spitze 
der Brust oder, wenn sie nur zur Hälfte erkrankt ist, soll man 
die Verstümmlung vornehmen, ohne Ausbrennen ; denn man 
braucht beim Scirrhus nicht wie beim Carcinom die Blutung zu 
scheuen. 

Nach der Operation legt man (trockne) Verbände an und 
verfährt in der Folge (den Regeln) der Wundheilung entsprechend. 



Kapitel 50. 

Suppressio mensium (nach den Schriften des Rufus 2 ) 
und der Aspasia). 

Dass bei manchen Frauen die monatliche Reinigung aus- 
bleibt, ist ein natürlicher (normaler) oder widernatürlicher 
(pathologischer) Vorgang. Man wird ihn für naturgemäss halten 
müssen, wenn die Frauen am ganzen Körper, zumal am Uterus 
beschwerdefrei sind. Mit der pathologischen Cessio 
mensium verhält es sich folgendermassen : Allerdings die, 
welche jünger als 14 Jahre und älter als 50 Jahre sind, men- 
struieren (schon) wegen ihres Alters nicht; aber auch die 
unfruchtbaren und die schwangeren Frauen menstruieren von 



1 ) Vergl. Gurlt (25) 1. c. 

2 ) S. b. Well mann (4) 1. c, Gurlt (25) I. S. 421 u. f. und Pagel (3) 
I, S. 109. 

Wegs ch ei der. 5 



ßß Suppressio mensium. 

Natur nicht, ebenso auch Sängerinnen und Tänzerinnen l ) nicht, 
da bei ihnen nichts für die Periode übrig bleibt, sondern (alles) 
von der körperlichen Anstrengung verbraucht wird. Ueberhaupt 
tritt bei recht leidenschaftlichen Frauen, bei solchen, die über- 
mässig viel Leibesübungen treiben und bei Bäuerinnen die 
Periode nur spärlich ein. Wenn also eine Frau, sei es wegen 
der natürlichen Mischung (ihrer Säfte), sei es wegen übertriebener 
Leibesübungen, übermässig hitzig und leidenschaftlich ist, 
menstruiert sie nicht. Denn jede übermässige Leidenschaft 
trocknet den Körper aus ; andrerseits verdaut ein von Natur 
feuriger Körper die Speisen besonders gut und lässt absolut 
nichts überflüssiges im Körper übrig. Ueberhaupt haben der- 
artige Frauen deshalb einen männlichen Habitus, eine dunkel- 
braune Hautfarbe, starke Muskeln und Nerven, viele Adern, ein 
kleineres Gesäss, schmalere Hüften, breitere Brüste und Schultern, 
und die Periode gar nicht oder (nur) ganz unbedeutend. 

Andre Ursachen für das Ausbleiben der Men- 
struation: Oft ist der Körper zu fett, oft zu mager. Die 
Fetten sind nämlich blutloser als die andern und haben kleinere 
Gefässe, und das bischen Blut, das sie überhaupt besitzen, wird 
für das Fett verbraucht. Beweis dafür ist, dass solche Frauen 
(gewöhnlich) nicht schwanger werden, und sind sie (wirklich) 
einmal schwanger, so bringen sie atrophische und schwächliche 
Kinder zur Welt. 

Wie vollzieht sich nun wohl die Periode bei solchen, die 
weder reichlich Blut, noch starke Gefässe haben ? — Die allzu 
mageren, durch einige langwierige Krankheiten geschwächt, 
haben natürlich überhaupt kein überflüssiges Blut im Körper. 
Es bleibt ferner die Regel aus auch bei solchen, deren Blut 
dicker oder zäher ist oder durch andere Wege, z. B. Nase oder 
After, ausgeschieden wird. Manche husten auch Blut aus der 
Brust und menstruieren dann nicht mehr, andere sind oft und 
lange zur Ader gelassen und verlieren dadurch die monatliche 
Regel. Auch andere Ausscheidungen unterdrücken die Periode, 
z. B. reichliche Schweissausbrüche, anhaltendes Erbrechen, Durch- 
fälle, starke Eiterungen und alle Arten von Hautausschlägen; 
alles dies verhindert die Menstruation. Auch viele acute und 



3<uva<3xot y.'u yjavaattzai 



Y'j|j. 



Suppressio mensium. 67 

ganz besonders schwere Krankheiten unterdrücken die monat- 
lichen Blutungen, ebenso spärliche und überreichliche Ernährung; 
denn von der schmalen Kost geht bald das wenige fort, während 
die Ueberernährung die Wege verstopft und so die Ausscheid- 
ung nicht zu Stande kommen lässt. 

Hier ist die Behandlung (ohne weiteres) klar: Denn Behandlung. 
Frauen, die wegen Ueberfülle nicht menstruieren, lässt man zur 
Ader, dann tritt sofort Heilung ein. Auch die dicken und 
schleimigen Speisen sind alle für die Menses schädlich, jedoch 
bewirken die recht scharfen, dass der Blutfiuss in Ordnung 
kommt; auch sind von den Weinen die vollen 1 ) und jungen nicht 
passend, ebensowenig die kalten und harten Brunnen, übermässige 
Arbeit und allzu langes Nichtsthun. Alles dies ist für den ganzen 
Körper und die Lebensweise in Betracht zu ziehen, für den 
Uterus aber kommen in Betracht Contractionen, Lageveränder- 
ungen, Verhärtungen, Entzündungen, Ernährungsstörungen, Lähm- 
ungen, Erkältungen, Anstrengungen und alle anderen derartigen 
Leiden. Ferner ist auch darauf zu achten, dass nicht irgend 
etwas den Muttermund verstopft und dadurch den Austritt des 
Blutes hindert. Denn (verstopfte) Röhren (Poren), die sich hier 
finden, oder gewisse Wucherungen oder reichliche Fettansamm- 
lung verhindern oft die menstruelle Blutung. Bei manchen Frauen 
findet sich von Anfang an eine häutige Verwachsung an der 
Cervix oder dem Orificium uteri, wie bei sog. Atresia ; für solche 
ist es unmöglich, zu menstruieren, wenn nicht die den Weg ver- 
sperrenden Adhäsionen durchbohrt werden ; bei manchen haben 
Geschwüre im Uterus bestanden, die dann vernarbt sind und 
so die Mündungen der dem Uterus Blut zuführenden Gefässe 
verschlossen haben ; solche Frauen sind sogar unheilbar. Bei 
einigen wieder, die abortiert haben, ist der Muttermund mit Ge- 
schwüren bedeckt ; durch deren Vernarbung entsteht dann eine 
Verwachsung, in der Folge natürlich eine Verstopfung, die sowohl 
den anderen Ausdünstungen als auch besonders dem Menstrualblut 
den Weg verlegt. Schliesslich tritt Suppressio mensium (noch) auf 
infolge übermässiger Sorgen, grosser Furcht und sehr grosser Trauer. 

Frauen, die nicht in gewohnter Weise ihre Periode haben, Fo, £ en der 

Suppressio 

droht Gefahr, sowohl Blut zu husten, als auch von einem Schlag- mensium. 

*) Tca^et;, eigentl. dicken (schweren). 

5* 



ßg Behandlung der Amenorrhoe. 

anfall betroffen zu werden. Denn als Folge des Fehlens der 
gewohnten Ausscheidungen treten bei ihnen bedrohliche Sym- 
ptome auf, wie Gefühl von Schwere im ganzen Körper, Miss- 
muth, Appetitmangel, Unpässlichkeit, ängstliches Hinundher- 
laufen, verbunden mit. Schmerzen im Kreuz, Oberschenkeln, 
Hals und Kopf, ebenso in den Augenhöhlen, (ferner) anhaltende 
Fieberschauer, dunkler Urin mit etwas röthlichem, verdorbenem 
Blute ; endlich haben sie theils Harnzwang, theils Harnverhaltung. 
Manche von ihnen werden auch schwermüthio; oder wahnsinnig. 



Kapitel 51. 

Behandlung der Amenorrhoe infolge von allzu grosser 

Leidenschaftlichkeit (nach Rufus) *). 

Richtiger wäre es hinsichtlich der Gesundheit überhaupt, 
für alle Frauen eine Lebensweise ausfindig zu machen, durch 
welche der weibliche Körper so ausgetrocknet würde, dass die 
Frauen die monatliche Reinigung entbehren könnten. Allerdings 
für die Schwangerschaft wäre dies in keiner Weise zuträglich; 
denn wer nicht menstruiert, wird auch nicht schwanger. Wegen 
der Schwangerschaft also, und weil die Mehrzahl ein müheloses 
Dasein führt, ist die Menstruation nothwendig. Es scheint mir 
daher auch richtig, jeder Frau, die nicht menstruiert, eine Be- 
handlungsweise vorzuschreiben : 
Behandlung. Diejenigen, welche von Natur leidenschaftlicher sind (zuviel 

Wärme oder Feuer haben), müssen sich reichlicher (körperlicher) 
Anstrengung unterziehen und ihren Körper so feucht als mög- 
lich halten ; daher sind kräftige Bäder in süssem Wasser 
bei solchen Frauen sehr angebracht; ebenso Speise und 
Trank, recht reichlich und recht feucht, wie z. B. schleimige 
Getränke aus Gersten- und Weizengraupen und mit Milch be- 
reitete; von Gemüsen Lattich, Bittergurke und dergl., ferner 
Lammfleisch, Zicklein- und Ferkelbraten, besonders Fleisch von 
zahmen und weiblichen Thieren ; ferner alle Fische, die zartes 



*) S. Gurlt (25) I. S. 422. — oiä TiXs^TTjv &ef[j^7Y]Ta, infolge allzu warmen 
Tempei aments. 



Diagnose und Therapie der Amenorrhoe. 69 

Fleisch haben; zahmes Geflügel; Sommerfrüchte, gelbe Feigen, 
reife Weintrauben, Melonen und Gurken; als Getränk (noch) 
leichter, nicht zu alter Weisswein, die Mischung recht mit 
Wasser verdünnt. 



Kapitel 52. 

Diagnose und Therapie der Amenorrhoe infolge 
von Kaltsinn 1 ). 

Allzu frostiges Wesen erkennt man sowohl aus den bisher Diagnose, 
erwähnten , als auch aus folgenden (Zeichen) : Solche Frauen 
sind ziemlich schläfrig- und zaghaft bei jeder Bewegung; ihre 
Hautfarbe ist recht blass, zart oder bleifarbig; die Adern schimmern 
blauschwärzlich durch (die Haut); der Urin ist wässerig; sie 
husten hartnäckig Schleim aus; manchmal findet sich auch Er- 
brechen schleimiger Massen. Ganz entgegengesetzt der Behand- Therapie, 
hing der leidenschaftlichen Frauen muss diejenige solcher Frauen 
sein ; denn sowohl recht viel anstrengende Arbeit soll man ihnen 
auftragen, als auch von den Nahrungsmitteln diejenigen, die 
recht viel Wärme zuführen, verordnen. (Ebenso) gelben, wohl- 
riechenden, alten Wein, aber durchaus keinen süssen; vortheil- 
haft ist vielmehr der mit Seewasser vermischte Wein. Ferner 
sind Arzneimittel erforderlich, kurz gesagt solche, die im Stande 
sind, durch ihr Feuer das Blut in Lösung zu bringen. Dazu 
dient eine Abkochung von Polei, Thymian, Pfefferminze, Berg- 
minze, Eberraute, Iris, Asphodillwurzel, Wurzelrinde vom Maul- 
beerbaum, Bingelkraut, Kassia (Zimmt), Karpesia, Binsenblume, 
Spiekanard, keltischem Kalmus, Hirschwurz, Baldrian, Sadebaum, 
Haselwurz und dergleichen. Diese sind einzeln in altem Weiss- 
wein lange Zeit zu kochen ; wenn er unverdünnt und warm 
vor dem Bade nüchtern getrunken wird, führt er die ausge- 
bliebene monatliche Blutung bei den frostigen Naturen wieder 
herbei 

Ferner ist folgendes Mittel besonders wirksam und sehr 
scharf: Polei, Beifuss, Raute, Salbei, Dill je ein kleines Mässchen, 
20 Pfefferkörner, 2 Liter abgekochtes Wasser. Man zerstösst 

x ) (uu^potspai, Frauen mit recht kaltem Temperament. 



7Q Diagnose und Therapie der Amenorrhoe. 

den Pfeffer, mischt ihn mit den Kräutern und lässt die Mischung 
eine ganze Nacht im Wasser stehen. Am andern Morgen kocht 
man sie auf die Hälfte ein, siebt durch, fügt die genügende 
Menge Honig hinzu und lässt die Patientin nüchtern zwei Becher 
trinken, darnach ruhig Spazierengehen oder in einer Sänfte tragen. 

Die günstigste Zeit für die Anwendung derartiger Mittel ist 
die Zeit der nahenden Periode, auch lässt man sie unmittelbar 
nach dem Einsalben , Schwitzen und Baden trinken , damit 
das Mittel, wenn es in einen warmen und (gewissermassen) 
aufgelösten Körper gelangt, seine Wirksamkeit recht sichtbar 
entfalten kann. 

Wer nun alle hierher gehörigen Mittel aufschreiben wollte, 
der brauchte sehr viel Zeit dazu; indessen genügen auch meist 
(schon) die oben erwähnten. Sollte aber wirklich keines von 
ihnen die Periode herbeiführen , so bedarf es einer weiteren, 
noch stärkeren Behandlungsweise. Wenn ich selbst nämlich 
diese Mittel anwendete und damit kein Glück hatte hinsichtlich 
des Blutflusses, Hess ich die Frau ein Abführmittel einnehmen. 
Nahm sie dann (z. B.) Wolfsmilch mit Waldeppich ein, so trat 
nicht viel später als die Darmentleerung die Ausscheidung des 
Menstrualblutes ein. 

Sollte aber ein Melancholie bewirkendes Uebermaass von 
Flüssigkeit vorhanden sein, so gebe man 5 Gramm Thymian, 
mit einem Becher Sauerhonig gemischt, dazu ein wenig Salz. 
Denn wenn erst der dicke Bodensatz des Blutes abgeführt ist, 
dann kommt auch der Blutfluss gut in Gang. Hierbei ist viel- 
fach auch ein Brechmittel von Nutzen, z. B. ein Dekokt von 
Thymian oder Bergminze oder Ysop. Nach dem Erbrechen soll 
man einen Aufguss von Tausendgüldenkraut oder von Wermut 
trinken lassen. Man muss jedoch auch den Uterus selbst durch 
eingeführte Zäpfchen reizen, damit das Blut durch die Diät dünn 
und warm gemacht und durch die reizenden Zäpfchen zur Aus- 
scheidung gebracht werde. Dabei muss man sich vor den stärkeren 
Suppositorien hüten , also (z. B.) vor solchen , die mit Spring- 
gurke, Kanthariden, Saubrod, Rindergalle und Nieswurz zu- 
bereitet sind. Denn es bestände Gefahr, dass infolge der 
starken Wirkung derartiger Mittel Entzündungen, Geschwüre 
und Fieberanfälle auftreten würden. 



Blutableitende Zäpfchen. 71 

Kapitel 53. 
Blutableitende Zäpfchen. 

Demnach muss man nur die milderen Suppositorien 
anwenden, (z. B.) Raute, Lorbeer, Beifuss, feinblätterigen Wiesen- 
alant, Polei, Bingelkraut, jedes davon mit Irisöl. Bedarf man 
stärkerer Zäpfchen, so wären folgende passend : Myrrhen eine 
Drachme, pulverisirten Alaun zwei Drachmen, zerreibe man in 
Wein und lege sie mit Rosenöl ein. Wirksam ist auch Terpentin- 
harz mit Myrrhen, Safran und Honig; noch stärker wirkt Beil- 
krautsamen mit Myrrhen und Honig ; Weinpalmharz oder Mutter- 
herz (Galbanum) oder Styraxgummi mit Wermut oder Lupinen- 
abkochung; fleischige, getrocknete Feigen ohne die kleinen 
Kerne mische man mit einem bohnengrossen Stück Weihrauch 
und ebensoviel Natron, und lege dies als Zäpfchen ein. 

Auch den Uterus muss man mit irgend einem Oele be- 
streichen, das zu erwärmen vermag, z. B. Lilien-, Alkanna-, Iris-, 
Majoran-, Lorbeer-, Amarant- oder Narzissenöl. Ferner soll man 
fleissig räuchern mit Styrax, vermischt mit Weihrauch und 
Gummiharz. Wirksam ist auch der Stein Gagates 1 ). 

Ein sehr bewährtes Raucher mittel ist ferner auch 
folgendes : Osterluceiwurzel, trocknes Wachholderharz, Spindel- 
kraut, Geiermist, Weinpalmharz, Sadebaumöl, Kresse, Beifuss je 
eine Drachme, fein gestossene Knochen getrockneter Salzfische 
drei Drachmen, Schwarzkümmel, Styrax je vier Drachmen ; daraus 
forme man mit je einer Unze Wasser Plätzchen (Trochisci). Für 
die Anwendung verbrenne man sie morgens und abends über 
Rindermist und räuchere damit. 

Besonders zweckmässig ist es auch, den Uterus mit wohl- 
riechenden heissen Dämpfen zu bähen; dazu kocht man in 
Wasser ab : Majoran, Quendel, Polei, Kalmus, Cypergras, Kamille, 
Anis und dergleichen Kräuter und richtet das Dampfbad folgender- Technik der 
massen ein : Man decke den Topf mit einem durchbohrten Bähur) g en - 
Deckel zu, führe ein Rohr durch die Oeffnung und salbe es 
überall (gut) ein. Dann setze sich die Frau daneben auf einen 
(niedrigen) Stuhl und lasse sich die Dämpfe durch das darunter 
liegende Rohr zuführen. — Eine andere Methode ist die, dass 

J ) Cfr. Lib. I. Kap. 24. 



72 Des Philosophen Emenagogum. 

man die Frau sich in die oben genannten Dekokte bis zum 
Nabel hineinsetzen lässt ; darauf wird sie mit warmem Süsswasser 
abgewaschen, und dann soll man die vorher beschriebenen 
Zäpfchen anwenden. 

Ein sehr wirksames blutableitendes Supposi- 
torium ist auch folgendes : Balsamfrucht, Gewürznelke, Majoran- 
oder Lilienöl je 8 Drachmen, Rosinen, fleischig und kernlos, 
Palmenmark ohne Fasern [von 12 Palmen], gewöhnliches Salz 
16 Unzen, 4 Löffel Honig, mische man zusammen und lasse es 
nach dem Bade oder der Bähung anwenden. Man soll auch 
Schwitzkuren vornehmen und dazu Kataplasmen auflegen lassen, 
indem man in die rohen Lösungen Beifuss, Majoran, Iris oder 
irgend etwas anderes von den vorher erwähnten hineinmischt. 
Die Flüssigkeit für das Kataplasma soll wohlriechender Wein 
und Honig sein, auch Majoran-, Iris- oder Anisöl. Nach dem 
Auflegen des Kataplasma soll man noch reine Wolle, mit irgend 
einem der eben erwähnten warmen Oele getränkt, oben darauf 
legen. . . . 

Ein vortheilhafter blutableitender Umschlag ist 
auch folgender: Springgurke, Myrrhe, Gerstenmehl je 4 
Drachmen, frische grüne Rautenblätter 2 Drachmen, Rinder- 
galle q. s. Jedes für sich wird zerkleinert, dann gemischt, ge- 
nügend viel Galle zugesetzt und derartig verwendet, dass man 
Unterleib und Kreuz damit einreibt. Dies Mittel zieht das 
Menstrualblut herab und beseitigt die Hämorrhoiden am Gesäss. 
Schliesslich kann man auch solche Umschläge anwenden, wie 
sie früher im dritten Abschnitt beschrieben sind. 



Kapitel 54. 
Des Philosophen 1 ) Emenagogum. 

Man wirft einen Flusskrebs lebend in Wein und lässt ihn 
darin ersticken; dann giesst man den Wein ab, erwärmt ihn 
und lässt ihn unvermischt wie eine vollständige (richtige) 
Mischung trinken; wenn man dann glaubt, genügenden Erfolg 



') Mit cpiXo'aocfos meinen die Alten bekanntlich den Aristoteles. 



Behandlung der Amenorrhoe. 73 

erzielt zu haben, so gebe man der Patientin denselben Krebs 
zu essen, den man (vorher) erstickte. 

Noch ein blutableitendes Zäpfchen von wundersamer 
Wirkung ; es wirkt ganz besonders bei den anhaltenden Krämpfen 
des Uterus (Tetanus uteri) : Stiergalle, Wermutsaft oder -blätter, 
Seifenkrautwurzel, Myrrhe je 4 Drachmen, Bibergeil, Balsamsaft 
je eine, Saubrodsaft 10 Drachmen; man füge hierzu Beifuss- 
Saft, forme kleine Zäpfchen daraus und lasse sie einführen. 
Recht wirksam ist auch Weinhefe von altem Wein, getrocknet, 
mit Eppichsaft vermischt und als Suppositorium zurecht ge- 
macht und verwendet. 

Noch ein blutableitendes Zäpfchen, welches meistens 
(noch) am gleichen Tage Blutungen hervorruft: Gleiche Mengen 
Beifussblätter und Natron zerkleinere man, füge Irissaft und 
Rosenöl hinzu, forme ein Zäpfchen daraus und lasse es nach 
dem Bade einlegen. 



Kapitel 55. 
Behandlung der Amenorrhoe infolge von Adipositas. 

Bei denjenigen Frauen, die übermässig fett sind, muss man 
eine ganz andere Diät beobachten lassen, die sich darauf richtet, 
sie zu entfetten. Es ist jedoch schon früher im 2. und 3. Buche 
diese Form der Diät, wie der Einfluss der Ernährung, ferner 
die Entfettung und die Verwendung von Getränken und Dampf- 
bädern dabei besprochen worden. Wenn man durch solche 
Mittel beeinfiusst wird, tritt die Periode leicht ein, und der 
ganze Körper wird schlanker. Zwar ist es (oft) unsicher und 
greift den Körper stark an, wenn fette Frauen nur durch den 
Darm abführen, indessen darf eine Frau in solchem Zustande 
auch dies nicht versäumen. Denn vielfach genügt allein (schon) 
das Einnehmen eines Abführmittels, dass sie ihre Schuldigkeit thut. 

Von den Abführmitteln sind die schärfsten und feurigsten 
für Fettleibige am besten, wie knidische Beeren und die Winde 1 ), 



x ) a/ap.p.(uvia, wie Z. schreibt, ist nach Kr. S. 921 die Winde, Convulvulus 
(farinosus), axafx^cüvtov, wie mir richtiger scheint, ist eine „heftig drastisch wirkende 
Gummi-Resine", d. Scammonium. 



74 Behandlung der Amenorrhoe. 

ferner die Rinde der Wurzel der myrtenartigen Wolfsmilch l ). 
Allen jedoch mische man Petersilie, Pastinak, Eppich, Anis oder 
Polei wegen der Würze und wegen der Verdünnung und Aus- 
scheidung des Blutes bei. Auch die Zäpfchen müssen bei 
solchen Kranken recht kräftig sein ; z. B. Bittergurkenmark, 
Schwarzkümmel und Myrrhe soll man zusammen mit Wein ver- 
reiben und einlegen, oder Natron mit Saubrod, Rindergalle und 
Honig; ferner getrocknete Feigen mit Natron, Raute und Honig. 
Auch Bähungen und die bei den Kranken mit zu frostigem 
Wesen früher beschriebenen Umschläge soll man auch hierbei 
anwenden. 



Kapitel 56. 
Behandlung der Amenorrhoe bei Atrophie. 

Kranke, die infolge von Ernährungsstörungen (Atrophie) und 
Magerkeit nicht menstuieren, sei es infolge von Krankheit, sei 
es aus anderen Gründen, muss man zunächst in die Höhe zu 
bringen und ihrem Körper wieder eine vollere (runde) Form zu 
geben suchen, theils durch Leibesübungen (Turnen) und recht 
massige Anstrengungen, theils durch recht reichliche Nahrungs- 
zufuhr. Denn wenn sie (erst) wohlbeleibter sind, ist reichlich 
Aussicht, dass die Regel auch von selbst (wieder) eintritt; tritt 
dieser Fall nicht sehr bald ein, so muss man durch Arzneien 
und Zäpfchen das Blut (wieder) herbeizuführen suchen. 



Kapitel 57. 

Behandlung der Amenorrhoe infolge schlechter 
Beschaffenheit der Säfte. 

Wenn gallige, schleimige und mancherlei andere Säfte sich 
dem Blut beimischen und dadurch der Menstruation hinderlich 
werden, so wird man dies sowohl aus dem recht schlechten 
Allgemeinbefinden, als auch aus jedem der so oft beschriebenen 



J ) Euphorbia, cfr. Z. (7). S. 78. Anm. 2. 



Behandlung der Amenorrhoe. 75 

Kennzeichen, oder auch aus den bisweilen dabei am Uterus auf- 
tretenden Symptomen diagnosticieren. Denn wenn in derartigen 
Fällen die menstruelle Blutung, allerdings nur spärlich, eintritt, 
so wirkt das mehr Galle enthaltende Blut beissend und ätzend 
auf den Uterus und ist in der Färbung übermässig dunkel, 
während das mehr Schleim enthaltende langsamer rinnt, dicker 
und hell ist und etwas kühl und fleischig l ) erscheint. 

Sind nun die Symptome derartige, so ist es am besten, 
(zunächst) den ganzen Körper durch geeignete Abführmittel zu 
reinigen; dann soll man die weiblichen Genitalien abwaschen 
und bähen. Ferner ist angenehme und leicht verdauliche Kost 
zu wählen und als Getränk Wein oder Honig zu verordnen ; 
auch Eselinnenmilch mit Honig ist zu empfehlen; ferner mag 
man eine Mischung von Poleidekokt mit süssem Wein, recht 
unverdünnt, zu trinken geben. Dies ruft die Menses hervor und 
hinterlässt keinen überflüssigen Rückstand im Blute. Manchmal 
ist es auch gut, den Speisen und Getränken etwas wohlriechenden 
Samen (Gewürz) beizumischen, von Kräutern, wie Meerfenchel, 
Rüben, Pastinak, ferner Fenchel. Gleichzeitig darf man nicht 
vergessen, Zäpfchen zu verordnen, deren Beschaffenheit theils 
schon früher beschrieben ist, theils jetzt noch angegeben werden 
soll. Will man nämlich (mehr) galliges Blut ableiten, so muss 
man Zäpfchen aus fetten Feigen, bisweilen auch (aus) Saubrod 
mit Wein einführen, während man (mehr) schleimiges aus dem 
Uterus holt durch Anemonenblätter, Iris mit Honig, feines Mehl 
von Weizenunkraut mit etwas Pfeffer und Honig [nachdem man 
das Unkraut ein wenig geröstet hat], ferner Bittergurke mit 
getrockneten Feigen; (mehr) wässeriges (Blut) zieht Lauch mit 
Honig an. Nach Einführung der Zäpfchen soll sich die Patientin 
in warmes Wasser setzen, und sich den Muttermund mit Rosen- 
saft, Rosensalbe oder Geflügelfett bestreichen lassen. 



1 ) = a'/pzwoT] (P.) oder „erstarrt" = vap-/.«)OY] (W.). 



7(3 Behandlung der Amenorrhoe. 

Kapitel 58. 

Behandlung der Amenorrhoe infolge von Säftefülle 
(des Körpers). 

Frauen, die infolge einer Ueberfülle an Säften nicht men- 
struieren, leiden zur Zeit der Regel arge Schmerzen ; unter andern 
erkennt man diesen Zustand der Füllung an der Schwellung 
der Venen (Varicen), der Schwere des Körpers und den darin 
zurückgehaltenen Gasen (Stauung), unter deren Einfluss noth- 
wendiger Weise Zuckungen und Spannungen im Leibe und sog. 
Gänsehautbildung (cutis anserina) auftreten. 

Die Heilung besteht darin, dass man das überflüssige Blut 
entfernt. Dazu muss man in der Ellbogenbeuge oder an der 
Wade zur Ader lassen ; dann nach der Entleerung des Blutes 
auch (all) das andere ausführen, was früher beschrieben ist, also 
Tränklein vorher einnehmen lassen und Bähungen (Dampfbäder) 
des Unterleibes verordnen. Ist dann die Regel eingetreten, soll 
die Frau sich hinlegen, sich recht ruhig und still verhalten und 
am ersten Tage auf Bäder und Speisen verzichten; am zweiten 
Tage mag sie Gerstentrank, mit Anis gekocht, geniessen, später 
etwas von den passenden Gemüsen. Erst am dritten Tage soll 
sie baden und ihre gewohnte Lebensweise wieder aufnehmen. 



Kapitel 59. 

Behandlung der Amenorrhoe bei vicariirenden 
Blutungen aus Darm oder Nase. 

Frauen, die ihr Blut aus andern Körperstellen, aus Hämor- 
rhoiden oder aus der Nase, verlieren, sind folgendermassen 
zu behandeln : Zunächst muss man das fliessende Blut zurück- 
zuhalten suchen und dabei gleichzeitig die uterinen Hilfsmittel 
anwenden, damit das Blut nicht, dort (am Abfluss) gehindert, 
irgend wo anders hin in einen der edlen Körpertheile fliesse. 
Deshalb muss man dies unter andern auch durch Schwitzen, 
Erbrechen und die sonstigen (natürlichen) Ausscheidungen zu 
erreichen suchen. In der Hauptsache aber gilt es, zu erkennen, 



Behandlung der Amenorrhoe. 77 

däss alle die Frauen, die aus derartigen Gründen nicht men- 
struiert sind, keinen grossen Schaden erleiden, ebenso wenig wie 
die infolge von Atrophie und die infolge von übermässiger Anstreng- 
ung Amenorrhoischen, ausser dass alle die, welche nicht aus 
dem Uterus ihr monatliches Blut verlieren, nicht schwanger 
werden. 



Kapitel 60. 
Behandlung der Amenorrhoe infolge von Trägheit. 

Die Frauen, welche wegen mangelnder Thätigkeit ihre 
Regel nicht haben, muss man natürlich zu körperlichen An- 
strengungen heranziehen. Von solchen sind für eine Frau 
Spaziergänge und etwas kräftigere schaukelnde Bewegungen durch 
Thiere (Reiten) am geeignetsten. Im Uebrigen ist die Behand- 
lung so, wie diejenige der Frauen mit zu frostigem Wesen ; und 
überhaupt ist, wie Hippokrates angiebt, dabei alles das 
angebracht, was die Absonderung des Blutes befördert. Sollte 
das kalte und harte Wasser schädlich sein, muss man anderes 
recht gutes zu erlangen suchen; als Getränk verwende man 
Wasser mit Weisswein an Stelle von Diureticis und als Speisen 
an Stelle der kühlenden wärmende, statt der dicken dünne, statt 
der trockenen feuchte, und so weiter vernunftgemäss. 



Kapitel 61. 
Behandlung der Amenorrhoe aus anderen Gründen. 

Wenn bei gutem Allgemeinbefinden auch die Lebensweise 
der Menstruation entsprechend geführt ist, die Frau aber doch 
nicht ihre Regel bekommt, muss man untersuchen, ob nicht 
irgend eine Erkrankung des Uterus vorliegt. Ist dies der Fall, 
so soll man von vornherein kein Medicament anwenden, auch 
kein Emenagogum. Denn sonst besteht Gefahr, dass dadurch, 
da einerseits das Medicament das Blut zum Uterus treibt, anderer- 
seits die Unterleibsorgane nicht nachgeben können, heftige 
Schmerzen wie bei der Geburt auftreten. Daher heisst es hier, 



73 Oligomenorrhoe und Dysmenorrhoe. 

zuerst die Erkrankung, die die Ursache der Suppressio mensium 
ist, zu behandeln und dann erst zu den Mitteln überzugehen, 
die das Blut hervorlocken. Wie nun jede einzelne der am 
Uterus vorkommenden Erkrankungen behandelt werden muss, 
soll in der Folge der Reihe nach auseinandergesetzt werden. 



Kapitel 62. 
■ - Oligomenorrhoe und Dysmenorrhoe. 

Träufelnd nennt man die Menstruation, wenn das Blut 
tropfenweise und unter grossen inneren Schmerzen ausgeschieden 
wird. Es scheinen manche Erkrankungen am Uterus aufzutreten, 
die denen an der Harnblase ähnlich sind. Denn auch bei dieser 
kann der Harn völlig fehlen, dann spricht man von Harnver- 
haltung (Ischurie), oder er wird nur tropfenweise entleert, dann 
spricht man von Harnzwang (Strangurie), oder nur mit Mühe 
und Schmerzen, dann spricht man von Dysurie. 
Aetioiogie. Der Zahl nach sind es 5 verschiedene Ursachen, 

welche die Strangorrhoea menstrualis hervorrufen: 1. Enge 
der Wege, dadurch wechselnde Stärke der Periode; 2. (allgemeine) 
Körperschwäche; 3. Ueberfülle von Blut ; 4. schleimreiches Blut ; 
5. abgestandenes (geronnenes) Blut. 

Wenn nun derartige Hindernisse die Ursache sind, muss 
man sie beseitigen, derart, dass man Ueberfülle durch Ent- 
leerung fortschafft, dickes Blut verdünnt, schwache Kräfte zu 
heben sucht, Verengerungen in den (blutableitenden) Wegen 
erweitert ; allerdings muss man dazu die Ursache der Stenose 
aufsuchen und diese beseitigen. Denn sobald die ursächlichen 
Momente, welche die Erkrankung hervorrufen, beseitigt sind, ver- 
läuft auch die Menstruation ungehemmt (glatt) und ohne jeden 
Schmerz. 

Was für eine Behandlung nun bei jedem (einzelnen) der ursäch- 
lichen Momente am Platze sei, das ist theilweis schon in dem 
Abschnitt über die Suppressio mensium erwähnt worden, theil- 
weis soll es (später) der Reihe nach bei den Erkrankungen des 
Uterus angegeben werden. Hier soll jetzt nur auseinandergesetzt 



Oligomenorrhoe und Dysmenorrhoe. 79 

werden, wie man die ungeheuren Schmerzen bei den von diesen 
Krämpfen befallenen Frauen lindern muss. 

Gleich bei Beginn der krampfartigen Schmerzen muss die Therapie. 
Patientin ins Bett in einem massig erleuchteten, ja nicht zu 
hellen Zimmer. Ferner soll man die Fingerspitzen und Fuss- 
spitzen mit Binden umwickeln und kein excitierendes Zäpfchen 
anwenden. Das Wassertrinken muss überwacht, die Zufuhr von 
scharfen Speisen und Getränken, besonders solchen, die Blä- 
hungen verursachen, muss vermieden werden. Weiter gilt es, 
den Unterleib warm zu halten, und ebenso Leib und Kreuz 
unter Anwendung mannigfacher Wärmemittel; z. B. legt man 
Wattebäusche, mit Wein und warmem Rosenöl getränkt, auf 
Unterleib und Schamgegend ; oder man legt auch eine halb mit 
warmem Oele gefüllte Blase auf, oder man wendet die sog. 
(linsenförmigen) Wärmflaschen an. Hält der Schmerz aber an 
und reicht die Kraft aus, soll man in der Ellenbogenbeuge die 
Venaesectio machen und, dem Kräftezustand entsprechend, Blut 
ablassen und dann wieder dieselben feuchten Umschläge an- 
wenden. Dauert trotzdem der Schmerz noch fort, so lege man 
Compressen mit Leinsamen, Brot und Honigwasser auf, in 
manchen Fällen auch mit geschmolzenem Terpentinharz. Ferner 
wende man Sitzbäder an in einer Abkochung von Althäa, Lein- 
samen, Bockshorn, Anis, Raute und Beifuss, ferner soll man 
mit Schwämmen, die in derselben Abkochung ausgedrückt sind, 
die Scheide bähen ; endlich mag man zerkleinerte Raute mit 
Honig pflasterartig auf Leinwand streichen und auf die Scham- 
gegend und den Unterleib auflegen. Manchmal empfiehlt es 
sich auch, die Scham selbst mit einem derartigen Umschlag zu 
bedecken. Recht wirksam ist auch, in die Scheide selbst mit 
Hilfe des Mutterspiegels Oel einzugiessen, in welchem Raute 
in kleinen Stücken und Bockshorn erst abgekocht, dann durch- 
gesiebt und mit Butter, Terpentinharz und Ysop, soviel zu 
wachsbalsamartiger Consistenz nöthig ist, vermischt sind. Es 
empfiehlt sich auch, von der gleichen Masse etwa 3 — 4 Mässchen 
in den Mastdarm einzuführen. Von Zäpfchen darf man aber 
nur solche einführen, die Linderung bewirken können ; also von 
den einfacheren die aus Bockshornsaft, Leinsamen und Malven 
mit Oel und Gänsefett zäh und klebrig gemachten; von den 



gQ Oligomenorrhoe und Dysmenorrhoe. 

zusammengesetzten die etwa folgendermassen zubereiteten : 
Tyrrhenisches weisses gereinigtes Wachs eine Unze, Terpentin- 
harz 4 Drachmen, Gänsefett 4 Unzen, zerquetschtes Palmenmark 
4 g, ein Eiweiss und genügend viel Bockshornöl. 

Noch ein anderes ähnliches Mittel: Ysop 4 Drach- 
men, Gänsefett 4 Unzen, Gehirn von 2 jungen Gänsen, Geflügel- 
fett und Wachs je 3 Unzen. 

Ferner verwende man das sog. Weihrauchzäpfchen 1 ), auch 
das Enneapharmakon 2 ) und andere ähnliche Mittel, die später 
gegen Entzündung und Verhärtung des Uterus beschrieben werden 
(cfr. Kap. 85 und 88). Endlich mag man auch Pflaster anwenden, 
und zwar zuerst das Tetrapharmakon 3 ) oder das Bromion 4 ) oder 
das in Saft gelöste, später das mit Honigklee und das mit Samen 
bereitete und das Polyarchion 5 ), insofern es zweckdienlich er- 
scheint. 

Wenn aber die Erkrankung mit einer gewissen Hartnäckig- 
keit andauert und periodisch oder atypisch Beschwerden macht 
und sich durch die vorher erwähnten Hilfsmittel nicht beein- 
flussen lässt, muss man zu stärkeren Mitteln übergehen, nämlich 
Schröpfköpfe 6 ) an Unterleib und Leistengegend setzen, anfangs 
ohne Aderlass drei oder vier (trockene Schröpf köpfe) ; wenn der 
Schmerz aber andauert, muss man auch (noch) einen Aderlass 
machen und eine angemessene Menge Blut abzapfen (blutige 
Schröpf köpfe). Ferner sind auch die Blutegel noch nach der 
Anwendung der Schröpfköpfe angebracht, die man an die Ge- 
schlechtstheile ansetzt und die nicht weniger Blut abzapfen 
können als ein Schröpfkopf. Schliesslich soll man auch Pflaster 
und Pechmützen anwenden, die im Stande sind, die Haut roth 
zu machen und aufzuziehen. Ferner soll man den Unterleib 
fleissig, doch sanft mit Oel und feinem Seesalz einreiben, an- 



J ) cfr. Lib. I. 

2 ) cfr. L. XII. Kap. 23. 

3 ) cfr. L. XV, Kap. 23. 

4 J Bp&unov oder ßpöiatov (Z,), wahrscheinlich v. ßpöp.0?, Hafer (cfr. L. XV., 
Kap. 27.) 

5 ) cfr. L. III. Kap. 145. 

G ) Hierzu s. L. (8). S. 102. Anm. Abbildungen s. b. Gurlt (25). I. S. 313. 
Tafel I. Fig. 41-48. 



Profuse Menstruation. gl 

gemessene Leibesübungen machen lassen und viel Umhergehen 
und schwebende Bewegungen (Schaukeln) verlangen. Endlich 
sind natürliche Bäder anzuwenden und besonders kalte Seebäder 
fleissig zu benutzen. 

Kapitel 63. 
Profuse Menstruation (Menorrhagie). 

Von profuser Menstruation bei Frauen spricht man, 
wenn sich die Periode über mehrere Tage hinzieht und das 
Blut dicht gedrängt (in Stücken) abgeht. In selteneren Fällen 
tritt dies auch bei vermehrter körperlicher Bewegung l ) und bei 
Aborten ein und verursacht bisweilen eine plötzliche Gefahr. 

Es ist nun die Stärke der Blutung und die Art der Ent- 
leerung zu untersuchen. Denn nur wenn die grossen Gefässe 
zerrissen oder eröffnet sind, strömt eine Menge Blut und zwar in 
Stücken (Gerinnsel) heraus, dagegen nur sehr wenig, wenn es sich 
um kleine Gefässe handelt. Bei Verletzung der Gefässe durch 
Geschwüre beginnt die Blutung allmählich und ist sehr schmerzhaft. 

Zuerst muss man (nun) die Glieder fest einwickeln, und zwar Behandlung. 
die Enden (Extremitäten) von den Achseln und der Leisten- 
gegend an 2 ) ; auch soll man Essigmischung verordnen, aber nicht 
kalt, sondern milchlau, ferner damit bähen und auf die Ge- 
schlechtstheile reichlich Wattebäusche legen, die mit Wein und 
Rosen-, Myrten- oder Quittenöl getränkt sind. Denn Essig- 
schwämme allein würden Uterus und Blase zu stark abkühlen 
und mehr Schaden als Nutzen stiften. Für einen oder zwei 
Tage soll dies genügen. Ist dies nicht der Fall, so soll man 
Brosamen in Essigwasser getaucht geben, oder zarte Gersten- 
graupen, genügend gedörrt; ferner lasse man Granatblüthen ein- 
nehmen, die bis zum Weichwerden in Essigwasser gelegt sind; 
oder gereinigten Spelt oder Reis mit dem Essigwasser oder 
frische Trinkeier, genügend abgekühlt. . . 

Wunderbar wirkt auch ein neuer Schwamm, der mit flüssigem 



1 ) So nach der Lesart Weigels sVt xivrjasat, nach Z. (7) em xuTj'aEJH 
xal ei« cp&opaT; idsioat = bei Schwangerschaften und mehrfachen Aborten. 

2 ) Vergl. die Anmerk. bei L (8) S. 12 1 und Soranos IL Kap. X. 
\V e g s c h e i d e r. ■ 6 



g2 Profuse Menstruation. 

Pech getränkt, dann in einem Topfe geröstet, fein zerrieben (in 
Essigwasser) eingenommen wird. 

Auch die für den Uterus sonst üblichen Heilmittel, Zäpf- 
chen und Einspritzungen, muss man hier zur Anwendung bringen. 

Galen os 1 ) übrigens erzählt von einem Falle, in dem das 
Blut 4 Tage lang aus dem Uterus rann und durch kein Mittel 
zu stillen war ; bei Anwendung von Schafszungensaft aber stand 
die Blutung vollständig. Die eingespritzte Menge soll einen 
Becher betragen. Dieses Mittel ist ganz vorzüglich bei den 
Blutungen infolge von Gefässverletzung (durch fressende Ge- 
schwüre). Man pflegt ihm noch eins der kräftigen Arzneimittel 
beizumischen, bald dies, bald jenes, unter Berücksichtigung des 
Allgemeinbefindens. Ist nun ein grosses Gefäss verletzt und 
klafft gewaltig, so muss man die herben, zusammenziehenden 
Mittel verordnen, wie Granatblüthen, Akazie, Hypokystis, Treber, 
Galläpfel, Granatapfelschalen u. dgl. Ist aber nur ein kleines 
Gefäss verletzt und klafft nur massig, was man, wie schon früher 
erwähnt, an der unbedeutenden und ziemlich schmerzlosen Blutung 
erkennt, so ist Aloe, Manna und Fichtenrinde erforderlich . . . 
und andere derartige Mittel, zusammen mit Schafszungensaft 
oder Rothwein (als Zäpfchen) eingeführt oder (im Speculum) 
eingespritzt. Wenn die Blutung aber eine Folge von Arrosion 
ist, so tritt sie vielfach, wie (schon) erwähnt, nicht heftig, son- 
dern spärlich und allmählich auf. Deshalb soll man die Plätzchen 
(Trochisci) Androns oder Pasions oder die des Polyeides [oder 
des Musa] oder die aus Papier anwenden; derartige Mittel sind 
auch bei fressenden Geschwüren brauchbar; denn sie machen 
dem weiteren Zerfall ein Ende und bringen die Blutung zum 
Stillstand. Man kann sie auch in einer der vorher angegebenen 
Flüssigkeitsmischungen auflösen. 

Zäpfchen gegen Metrorrhagie sind folgender- 
massen zusammenzusetzen: Pulverisierter Bimstein, Akazien- 
gummi, Galläpfelmark, Manna je eine Drachme; die trockenen 
Bestandtheile werden mit Schafzungensaft zerrieben; dann das 
Gelbe von 4 gebackenen Eiern hinzugemischt. Zur Verwendung 
dient ein Wattebausch (Tampon), der in Rosenöl getaucht und 



J ) S. Pagel (2). I. S. 110 u. f. und Gurlt (25). I. S. 428 bis 474. 



Fluor bei Frauen. 83 

dann so (in die Scheide) eingeführt wird, eventuell sogar ganz 
tief hinein bis an den Muttermund. 

Oder: Galläpfelmark und Weihrauch, zu gleichen Theilen 
mit Wasser ; oder: Fein zerriebener Buchweizen in Zäpfchen- 
form. Ferner lasse man die Frauen fleissig Sitzbäder nehmen 
in folgender Abkochung : Binsenspitzen, Myrten-, Rosen-, Bocks- 
dornblätter, von jedem die gleiche Menge ; dazu Wasser q. s. 

Oder: Cypressenblätter, Granatapfelkelche, Oelbaum- und 
Brombeerstrauchblätter, zu gleichen Theilen zurechtgeformt. 

Als äusserlich anzuwendende wirksame Mittel legt man 
Umschläge und Pflaster auf, die zusammenziehend wirken ; z. B. 
das aus Palmenmark und Quitten bereitete unter Hinzufügung 
von Granatblüthen, Akaziengummi, Hypokystis, Alaun u. dergl. 
Ebenso sind hierbei Leimpfiaster passend, sei es das gelbe 
Pflaster Galens oder das des Ikesios, oder das aus Weiden be- 
reitete ; endlich das Harmenidospflaster, das Pallas und das Athene 
genannte, auf Unterleib und Kreuz aufgelegt. 



Kapitel 64. 

Fluor bei Frauen (Ausfluss aus den weiblichen 

Geschlechtstheilen). [Nach den Schriften des 

Archigenes] 1 ). 

Der sogenannte weibliche Fluor ist ein chronischer Ausfluss 
aus dem Uterus. Er unterscheidet sich von der Menorrhagie 
dadurch, dass bei dieser (stets nur) reines Blut abfliesst, während 
der Fluor ganz verschiedenartig, bald röthlich wie Blutwasser, 
bald weisslich, wie Graupensuppe ist, nämlich von dem 
schleimhaltigen Blut her. Manchmal ist er auch blas s gelb, 
bei Anhäufung der bitteren Galle; manchmal auch wässerig, 
bei Ueberfluss an Lymphe. Alle diese Arten treten vielfach 
ohne Schmerzen auf; bisweilen jedoch auch mit Schmerzen nach 
Behandlung eines Geschwürs im Uterus. Doch treten dabei 
Schwäche und Blässe auf, ferner Appetitmangel gegenüber allen 



J ) Vergl. Soranos II. cp. XI. und Z. (7). S. 89. Anm. 



34 Behandlung der Beschwerden bei röthlichem Ausfluss. 

Speisen, unsagbare Verstimmung und Oedem der Füsse. In 
manchen Fällen bleibt sogar die (krankhafte) Absonderung be- 
stehen, manchmal in gewissen Pausen. Ferner tritt der röthliche 
Fluor bei blühenden Frauen auf, während der weisse gewöhn- 
lich bei verblühenden vorkommt. Beide Formen sind, wenn sie 
in günstigem Alter auftreten, leicht, in ungünstigem schwer 
heilbar. Bei jedem Fluor öffnet sich der Muttermund und bleibt, 
gleichsam gähnend, offen. Bei manchen Frauen fällt sogar der 
Uterus vor (tritt tiefer), sodass er bis an die äusseren weiblichen 
Geschlechtstheile reicht. 



Kapitel 65. 
Behandlung der Beschwerden bei röthlichem Ausfluss. 

Bei den Frauen, die an röthlichem Ausfluss leiden, soll die 
erste Untersuchung auf die Wegschaffung des Blutes gerichtet 
sein ; denn dadurch verhindert man nicht allein die Ansammlung 
der Säfte im Uterus, sondern macht auch die Stockung unge- 
fährlich. Denn viele Nachtheile schliessen sich an, wenn nur 
durch örtliche Mittel die Entfernung des Blutes und des Flusses 
bewirkt wird. Manche nämlich werden infolge davon wasser- 
süchtig, andere leiden an nervösen Erkrankungen und werden 
von räthselhaften Beschwerden an Nabel und Kopf geplagt. 
Wenn nun nichts im Wege steht, (d. h. wenn kein nennens- 
werthes Hinderniss vorhanden ist,) soll man etwas Blut abzapfen, 
zumal wenn das Lebensalter den Aderlass nicht verbietet ; denn 
gewöhnlich leiden, wie (schon) erwähnt, jugendliche Personen 
am röthlichen Fuor. Der Aderlass (selbst) soll, wie bei den 
Leuten, die Blut auswerfen, (auf verschiedene Stellen) vertheilt 
werden, so dass die Ableitung allmählich stattfindet und die 
Entziehung längere Zeit dauert. Unter Bevorzugung des Ader- 
lasses am Ellbogen soll man auch an der Stirne oder der Nase 
oder dem Rücken Blut entziehen. Dann soll man die Kranken 
sich niederlegen lassen und ihnen die Lendengegend mit weichen, 
nicht erwärmten, auch nicht flockigen Tüchern bedecken, um 
eine angemessene Abkühlung zu erreichen, natürlich so, dass der 
Unterleib dabei etwas höher gelagert wird. Ferner sollen die Beine 



Behandlung der Beschwerden bei röthlichem Ausfluss. 35 

ausgestreckt und zusammen umwickelt werden, um eine Zu- 
sammenziehung der Unterleibsorgane zu bewirken. Wenn der 
(blutige) Fluor sehr reichlich fliesst, muss man Kreuz und Unter- 
leib und selbst die Schamlippen mit in Essigmischung getauchten 
Schwämmen bedecken; fliesst er nur allmählich und spärlich, 
mit schmutziger Wolle, die mit Wein und Rosenöl benetzt ist; 
auch Einwicklungen der Extremitäten muss man hinzufügen. 
(Alles) dies gilt nicht allein im Beginne der Erkrankung als 
Hilfsmittel , sondern ist auch in gewissen Krankheitsperioden 
wirksam, vor der Verschlimmerung und bei der Verschlimmerung 
selbst. Man soll auch Sitzbäder in einer Abkochung von den 
Wurzeln der Brombeere und der Myrte, und von Granatapfel- 
schalen und dergleichen anwenden ; dazu mag man ab und zu 
Essig thun, und (die) Sitzbäder bis zum Nabel nehmen lassen. 
Auch Eingiessungen soll man machen, die adstringierend und 
langsam abkühlend wirken, z. B. mit dem Saft von Schafzunge, 
Buchweizen und Wasserlinsen , auch von kydonischen Aepfeln 
und Mispeln. Sehr wirksam ist auch der Saft des Eisenkrautes. 
Jedes soll man einzeln mit Rosen? oder Myrtenöl eingiessen 
lassen. Oder man koche süssen Wein in einer Granatapfel- 
schale auf heisser Asche, giesse ihn durch ein Sieb und lasse 
ihn warm infundieren. Noch kräftiger wird die Absonderung 
unterdrückt, wenn man die Asche eines mit flüssigem Pech ge- 
tränkten, verbrannten Schwammes in ähnlicher Weise einstreuen 
lässt ; ebenso geröstete Hasenhaare. Man pflegt auch eine Lein- 
wandbinde in Alaunlösung zu befeuchten, dann trocknen zu 
lassen, zu rösten und in ähnlicher Weise zu verwenden ; ferner 
ist Eselinnenmilch, wenn sie zu haben ist, zumal wenn sie von einem 
Thier auf der Weide stammt, wirksamer als jeder andere Saft, 
falls der Fluor schmerzhaft ist. Gut ist auch eine Eingiessung 
von Speltgraupen- oder Gerstengraupenbrühe; auch Rosenöl, für 
sich allein oder mit Milch, wirkt recht kräftig ; ebenso der Saft 
des Eselsmistes, zumal wenn das Thier auf der Weide ist. Auch 
Zäpfchen sind bei röthlichem Fluor angebracht, wie sie schon 
bei der Menorrhagie früher beschrieben sind ; doch sollen sie 
mit einem der eben erwähnten Säfte angefeuchtet werden. . . . 
Nach der Entfernung derartiger Mittel soll man die Füsse 
mit den vorher erwähnten Adstringentien in massig kühlen oder 



QQ Behandlung der Fluor albus. 

lauwarmen Lösungen abwaschen; ferner soll man auch mit einem 
der obigen Extracte Eingiessungen in den Uterus machen. Aller- 
dings muss man bei schwächlichen und zarten Frauen die 
milderen Mittel anwenden ; denn manchmal ziehen sich der 
Muttermund und die Gefässe in der Nachbarschaft des Uterus 
infolge von Anwendung starker Mittel sehr zusammen und bewirken 
Verhärtung und Geschwürsbildung, so dass die Frau nicht mehr 
concipieren kann. — Auch die Oberbauchgegend und das Kreuz 
soll man mit kühlenden und zusammenziehenden Kataplasmen 
behandeln. . . . 

Auch Schröpfköpfe helfen dabei, oben am Rücken und an 
den Achseln angesetzt. Günstig wirken auch die Tränklein, die 
man bei Haemoptoe zu verordnen pflegt; von den einfachen 
pontisches Rheum, Stern von Samos, Siegelerde von Lemnos 
mit Schafszungensaft und Buchweizen; und ebenso all die übrigen 
an der betreffenden Stelle 1 ) schon aufgezählten, einfache wie 
Zusammengesetzte. Auch die Diät soll im ganzen eine ziemlich 
stopfende sein, die auch ein wenig mästet ; ferner sorge man 
für Wassertrinken; nur wenn die Kräfte sinken, kann man auch 
eine kräftigere Sorte Wein verordnen. Sobald aber die reich- 
liche Absonderung nachlässt und spärlich wird, soll man an 
Stelle der allzu kühlenden und zusammenziehenden Mittel die 
massig wirkenden anwenden, damit nicht eine Entzündung und 
Stockung durch Gerinnung eintrete. Schliesslich wende man 
auch die blutstillenden Pflaster an, z. B. das aus Weiden be- 
reitete, das des Ikesios und dergl. . . . 



Kapitel 66. 
Behandlung des Fluor albus. 

Bei Fluor albus, sei er eiterähnlich, sei er blass, soll man 
im Beginn (wenigstens) nichts dagegen thun, ihn auch nicht 
unterdrücken, damit gewisse fremde Stoffe aus dem ganzen Körper 
ausgeschieden werden ; denn ihr Zurückbleiben wäre schädlich. 
Man soll (vielmehr) Mittel anwenden, die massig adstringierend 



*) Lib. VIII., Kap. 53. 



Behandlung der Fluor albus. 57 

und zugleich (auch) abführend zu wirken vermögen. Den eitrigen 
Ausfluss muss man beständig mit warmem Wasser abwaschen 
oder mit Watte abwischen, damit die Geschlechtstheile nicht 
durch die darüberfliessende Flüssigkeitsmenge wund werden ; 
auch soll man sie mit Rosen- oder Myrtenöl einsalben, oder 
reines Wasser ohne Adstringentien verwenden, zumal in der 
ersten Zeit wegen der Schärfe des Ausflusses. Ebenso mag 
man auch mit Speltgraupenbrei und Reiswasser ausspülen. Gut 
wirkt auch Bockshorndekokt mit vielem Lilienöl ; denn Lilien- 
öl lässt sich praktischer Weise auch mit den übrigen Extracten 
mischen. Die erwähnten Säfte würden noch wirksamer sein, 
wenn ein wenig Akaziengummi oder Hypokystissaft oder eine 
kleine Dosis eines der anderen vorher beim röthlichen Fluor er- 
wähnten Mittel und statt des Lilienöls Mastix- oder Rebendolden- 
öl hinzukäme. Wirksam sind auch die Mistkugeln von Ziegen 
mit Weihrauch, Myrrhen, oder Aloe und etwas Essig und Rosen- 
öl ; nachdem alles wieder entfernt, wasche man mit herbem 
Rothwein ab. Bei sehr übelriechendem Ausfluss wirkt nach der 
Verwendung der vorher beschriebenen Mittel noch das sog. 
Tetrapharmakos, entweder allein für sich oder mit Rosenöl an- 
gemacht ; und zwar soll in gewissen Zwischenräumen abge- 
wechselt, bald die obigen Mittel, bald das Tetrapharmakos ver- 
wendet werden. Ist der Ausfluss dünnflüssig und schmerzhaft, 
so verwende man Eigelb mit ein wenig Safran und Rosenöl 
oder gebratene Quittenäpfel in ähnlicher Weise, oder lasse ein 
Mittel ähnlich wie Linsenbrühe und Schafzungensaft ein- 
giessen. Ist der Ausfluss aber klebrig zäh, wie Hefe, und 
schmerzlos, so lasse man Eingiessungen machen mit Abführ- 
mitteln [und blutstillenden Mitteln]. Besteht dann nach dem 
Abführen noch übelriechender Ausfluss, so gebe man getrost 
adstringierende Klystiere. Ist der Unterleib verhärtet, soll man 
Eselinnenmilch mit Rosen- oder Lilienöl eingiessen und in 
Zäpfchenform einführen; fehlt es an Eselinnenmilch, so genügt 
auch Ziegenmilch ; am meisten nützt die Milch, wenn das Thier 
(gerade) von der Weide kommt. Manchmal muss man auch 
der Milch noch Kraftmehl zusetzen, um die Consistenz für die 
Einführung (in den Darm) zu erreichen. Sonst wären diejenigen 
Zäpfchen und Kataplasmen und dieselben Pflaster anzuwenden, 



gß Behandlung des Fluor albus. 

welche früher beim röthlichen Fluor und bei der profusen Men- 
struation empfohlen sind. 

Das grösste Vertrauen ist jedoch in eine geordnete Lebens- 
weise (Diät) zu setzen, wobei nicht allein die Quantität, sondern 
auch die Qualität der Nahrungsmittel genau festzustellen wäre. 
Der Nährstoff sei sowohl nahrhaft, als auch gut temperiert. Ebenso 
seien auch die schleimigen Getränke, aus Getreide und Milch 
zubereitet, nicht wässerig und dünn, sondern in guter Consistenz. 
Wenn sich Gelegenheit bietet, sollen sie mit kretischem Zucker 
zubereitet werden. Als Fleisch wähle man solches, das aus- 
trocknende Kraft besitzt, z. B. das der im Gebirge lebenden 
Vögel, in zweiter Linie auch das von wilden Thieren. — 

Stockt aber der Ausfluss, so hat man sich längere Zeit zu 
hüten vor raschen Spaziergängen, zahlreichen Einreibungen von 
Unterleib und Kreuz, auch vor dem Genüsse scharfer Speisen, 
sowie vor erhitzenden, blähenden und harntreibenden Nahrungs- 
mitteln. Auch soll man den Bauch ruhig halten, selten Bäder 
nehmen und das Anhalten des Athems vermeiden ; denn alles 
dies ruft das Leiden wieder hervor. Dagegen kann man die 
oberen Körpertheile massieren, jedoch weder gewaltsam noch 
krampfhaft. 

Ferner lasse man Sitzbäder in nicht zu kühlem Wasser 
nehmen; von den Zäpfchen sind die stark wirksamen und gif- 
tigen zu meiden; nach dem Sitzbade aber ist ein Zäpfchen mit 
Rosenöl einzuführen. Während der Behandlung selbst sollen die 
Frauen auch die Getränke zu sich nehmen, die früher bei der 
Haemoptoe beschrieben sind. . 

Ein anderes Mittel der Aspasia für solche Frauen, 
deren Scheide besonders feucht ist, und die deshalb oft steril 
bleiben: Man lasse Galläpfel 8 Tage lang in Wasser ziehen, 
nehme dann zarte reine Wolle, feuchte sie in dem Galläpfelwasser 
an, drücke sie nicht aus, (sondern) lasse sie trocken werden und 
lege sie als Zäpfchen ein ; dann wird die Frau wie ein Virgo 
werden. Diese Behandlung muss wiederholt angewendet werden. 
Oder: Man zerstosse Sauerampfersamen mit wenig Wasser; wenn 
er frisch ist, auch allein, und lasse ihn als Zäpfchen einführen. 
Auch dann wird die Frau wie eine Virgo werden. 



Krampf des Uterus. 89 

Kapitel 67. 
Krampf des Uterus. (Uteruskolik. Hysterischer Anfall.) 1 ) 

Der uterine Krampf nimmt seinen Anfang von unten her 
vom Uterus aus, doch zieht er die darüber liegenden Körper- 
theile, zumal die wichtigsten (Organe), in Mitleidenschaft, näm- 
lich durch die Arterien das Herz, durch die Häute des Rücken- 
markes und die in ihm wurzelnden Nerven das Gehirn und durch die 
Venen die Leber. Es scheint ferner ein Empordringen des ganzen 
Uterus gegen die oberen Organe vorzukommen (Globus hystericus). 

Es zeigt sich (nun) bei solchen Kranken, wenn der Krampfan- Symptome 
fall nahe ist, eine traurige, geistige Trägheit, wie nach einem Schlag- 
anfall, Aengstlichkeit bei jedem Thun, Schwäche der Glieder, Blässe 
des Gesichts, matter Blick. Tritt dann plötzlich der Krampf auf, so 
werden sie gefühllos und starr und bekommen einen kleinen und 
sehr schwachen Puls; bisweilen setzt der Puls auch vollständig 
aus. Manchmal bleibt nicht einmal die Athmung fühlbar; natür- 
lich ist die Grösse der Ursache entsprechend verschieden. Wer 
dann erkennen will, ob noch eine kurze (leise) Athmung vor- 
handen ist, der mag gekrempelte Wolle unter die Nase halten ; 
dann zeigt sich an der entstehenden Bewegung, dass die Ein- 
und Ausathmung durch die Nase noch erhalten ist. Manche 
stellen eine flache Schaale voll Wasser in der Magengrube auf, 
um zu beobachten, ob das Wasser in Bewegung gerathen wird; 
diese wissen jedoch nicht, dass wenn auch die Athmung durch 
Mund und Nase bisweilen nicht mehr vorhanden ist, doch die- 
selbe durch die im ganzen Körper vorhandenen Gefässe bewirkt 
wird; ebenso wie man es bei den giftigen Thieren vor sich 
gehen sieht, die in Höhlen ihren Winterschlaf halten. Denn die 
giftigen Thiere, ich meine die Gattung Schlangen, liegen den 
ganzen Winter hindurch todtenähnlich in ihren Höhlen und athmen 
nur durch die im ganzen Körper vorhandenen Gefässe. So geht 
es nun auch bei dem hysterischen Anfall, dass, nachdem der 
ganze Körper kühl geworden, die eine Athmung durch den 
Mund nicht vollständig und die andere durch die Gefässe im 



*) Vergleiche L. (8) S. in. Anm. und W. (4). S. 92 — 100 und F. (9) S. 
245. — S. a. Soranos IL Kap. 4. Cornarius übersetzt uaxepwy] nvtl mit 
strangulatio uteri. 



90 Krampf des Uterus. 

ganzen Körper vollzogen wird. Auch kann die Athmung durch 
Mund und Nase so unbedeutend und schwach sein, dass sie der 
Wahrnehmung entgeht. 
Symptome Derartige Kranke fallen (nun) dann in tiefen Schlaf und ver- 

°Anfciii ein Heren Stimme, Gefühl und Bewegungsfähigkeit. Dann beim 
Nachlassen der Ursache beginnt sich der Körper zu strecken, 
und die Wangen sich zu röthen; dann öffnen sich die Kiefer, 
und die Augen heben sich (noch) äusserst schwer. Will die 
Kranke sich dann wieder frei erheben, so rinnt aus den (weib- 
lichen) Genitalien bei der Berührung Feuchtigkeit hervor, ein 
Kollern der Eingeweide tritt auf, und der Uterus selbst giebt 
ein wenig nach (fühlt sich weniger gespannt an). Dann be- 
kommen die Kranken auch das Bewusstsein und Gefühl wieder und 
werden wieder Herr über ihre Bewegungen. 

Die Krankheit tritt zwar jederzeit auf, ganz besonders aber 
im Winter und im Herbst, und häufiger bei jugendlichen und 
leicht zum Beischlaf geneigten (geilen) sterilen Frauen, zumal 
wenn sie infolge der Anwendung von Medicamenten steril ge- 
blieben sind. 

Ferner ruft eine Erkältung (des Uterus) bei der Periode die 
Krankheit hervor; manchmal führt dieselbe auch zu unange- 
nehmen Aborten ; und will man eine Blutung aus dem Uterus 
kurzer Hand unterdrücken, so ruft man die Krankheit hervor. 
Auch durch die Behandlung kann sich die Krankheit, wie 
Epilepsie, in die Länge ziehen. 

Das Leiden überhaupt scheint ungefährlich (nicht lebens- 
gefährlich) zu sein, macht jedoch jeden einzelnen Anfall zu einer 
acuten Gefahr, weil es nicht nur am selben Tage, sondern schon 
in wenigen Stunden zum Tode führen kann ; da der Puls, der 
früher, wie bei Gesunden, voll und regelmässig war, unregel- 
mässig wird, und etwas kühle Feuchtigkeit die Haut nass macht, 
während die Athmung anfangs schwach wird, nachher aber voll- 
ständig aussetzt. 
Aetioiogie. Auch ist diese Krankheit eine Erkältung, die ziemlich viel 

Blähungen macht, (aber) nicht, wie Soranos meinte, eine Ent- 
zündung. Denn das allmählich angesammelte Sperma, das nicht 
ausgeschieden wird und sich abkühlt, giebt die Erkältung an 
Herz und Gehirn weiter, und diese wichtigen Organe rufen, 



Krampf des Uterus. 91 

wenn sie sich abkühlen, die vorher erwähnten Symptome her- 
vor. Auch ich sah eine Frau, die von dieser Krankheit befallen 
war, und während die Hebamme entspannende (abführende) und 
wohlriechende Hilfsmittel anwendete und die Scheide tief drinnen 
mit den Fingern rieb, traten infolge der durch die Mittel 
bewirkten Erwärmung, wie auch durch die Berührung mit den 
Fingern Contractionen auf mit Schmerz zugleich und Lust. 
Dabei entleerte sich viel dickes, zähes Sperma, und die Frau 
wurde von ihren anhaltenden Beschwerden befreit. Es ist auch 
garnicht wunderbar, dass durch eine so unbedeutende Menge 
derartige Symptome entstehen, wie ja auch Gifte in ganz kleinen 
Gaben, auch das Gift der Reptilien, viel grösseren Schaden an- 
richten, selbst wenn nur eine einzige (kleine) Giftmenge durch die 
enge Oeffnung (des Bisses) eindringt. Ebenso ist es durchaus nicht 
widersinnig, (zu behaupten,) dass verdorbenes Sperma oder Men- 
strualblut in ähnlichem Zustande, zurückgehalten und verfault, 
schwere Erscheinungen hervorrufen. Als Beweis dafür diene der 
Befund bei den tollen Hunden. Denn bei diesen findet sich eine so 
grosse Verschlechterung der Säfte, dass (schon) allein der Geifer, 
wenn er an einen menschlichen Körper kommt, Hundswut her- 
vorrufen kann. Entsprechend der Quantität und Qualität des 
angesammelten Spermas und Menstrualbluts treten nun die 
Symptome bald in dieser, bald in jener Form auf. Denn wenn 
die schädliche Ursache im Stande ist, den ganzen Körper ab- 
zukühlen, wird man so leblos, dass weder fühlbare Athmung, 
noch Pulsation der Gefässe vorhanden ist. Sind aber dicke und 
scharfe Säfte schuld, so treten Krämpfe auf; ist ziemlich viel 
schwarze Galle vorhanden, so schliesst sich Schwermuth an. 
Ferner treten Ohnmächten auf im Anschluss an die Ver- 
schlimmerung des Zustandes. 

Bei den Anfällen selbst muss man nun die Extremitäten Therapie, 
umwickeln und festbinden, dann die Füsse kräftig einreiben und 
ebenso die Waden und Oberschenkel ; ferner soll man der Nase 
Riechmittel zuführen, wie Bibergeil in Essig gelöst , auch die 
Nase damit einsalben; ebenso Galbanumharz oder Sagapenum, 
ferner recht scharfen Essig, in welchem Polei, Pfefferminze 
oder Thymian abgekocht sind, oder auch Bergminze, Wiesen- 
alant und andere starke Kräuter. 



92 Krampf des Uterus. 

Diese Mittel sind im Stande, die zum Gehirn aufsteigenden 
dicken Dünste und Säfte zu zertheilen und zu verdünnen und 
zugleich die Abkühlung auszugleichen, auch die Brust und die 
Lunge und die Organe in der Magengegend zu entlasten. Ferner 
soll man derartigen, erwärmten Essig unter die Nase halten und 
Niesen zu erregen suchen durch Bibergeil, Pfeffer und Seifen- 
kraut, wie auch durch einen Sondenknopf, den man in die Nase 
führt; ebenso muss man den Mund öffnen und mit dem Zeige- 
finger einen Druck ausüben, um einen Brechreiz auszulösen; 
ferner kann man Räucherwerk unter die Nase halten, wie Biber- 
geil, Judenpech, Galbanumharz, Weihrauch. Auch dem Uterus 
soll man wohlriechende Mittel zuführen, die im Stande sind, die 
Spannung zu lösen, zu erwärmen und Gase zu entfernen, z. B. 
das sogen. Enneapharmakon und dergleichen bei „Verhärtung des 
Uterus" beschriebene Mittel, die in Majoranöl, Most, Iris- oder 
Alkannaöl, oder in dem sogen, wohlriechend gemachten Myrten- 
saft gelöst werden ; dazu fügt man ein wenig Raute und Kümmel. 

Es empfiehlt sich, dass die Hebamme derartige Mittel mit den 
Fingern bis zum Muttermund einführt und sachte und längere 
Zeit (die Scheide) damit einreibt, damit durch den Reiz das in 
den Spermaticalgefässen liegen gebliebene dicke Sperma in Be- 
wegung komme und einigermassen erwärmt ausgeschieden werde. 
Auch in den Uterus selbst kann man mit Hilfe eines Speculums 
Majoranöl oder Most oder Betelbalsam erwärmt eingiessen; auch 
in den After mag man Zäpfchen aus Raute, Kümmel, Natron 
und Honig einführen, und die früher erwähnten Balsamsäfte mit 
Butter anwenden lassen. Auch Schröpf köpfe muss man in der 
Leistengegend und an den Oberschenkeln setzen lassen, dann 
auch rings um den Nabel herum in der Mitte des Leibes und 
zu beiden Seiten mit starkem Zug ohne Verwundung. Ausser- 
dem muss man gleichzeitig die Kranke mit recht rauher Stimme 
anschreien und mit gewohnter Anrede bei Namen rufen. Auch 
soll man die Kranken in eine Abkochung von Lorbeer, Blättern 
wie Früchten, Polei, Pfefferminze, Andorn, Beifuss, Wiesenalant, 
Sabina, Tausendgüldenkraut, Bergminze, Majoran, Bockshorn, 
Althäa, Kamille, Osterlucei, Iris und Quendel setzen. Jedoch 
hat man im Augenblicke des Hineinsetzens dafür Sorge zu 
tragen, dass der Kopf mit Rosenöl und Essig benetzt wird ; in 



Krampf des Uterus. 93 

dem Essig soll vorher Quendel und Bärwurzel abgekocht werden, 
einige Male kann auch noch Bibergeil oder Raute oder Lorbeer 
hinzugefügt werden. Auch die früher erwähnten Riechmittel 
soll man unaufhörlich zur Nase führen, besonders Bibergeil mit 
Essig. Den Unterleib umschnüre man fest mit einer Binde und 
drücke mit flacher Hand auf die Magengrube. Solange der An- 
fall anhält, haben die Kranken zu fasten ; diejenigen, deren Zu- 
stand sich nach Aufnahme von Nahrung verschlimmert, müssen 
zum Erbrechen gezwungen werden. Denn Erbrechen erleichtert 
alle (Menschen), zumal die, welche sich den Magen verdorben 
haben. 

Am dritten Tage setze man (wieder) Schröpf köpfe an Unter- 
leib und Kreuz an und skarificiere die Geschlechtstheile und kühle 
die Risse mit Salz ab. Will man sich dieser Mittel enthalten, 
so mag man sich zum Bibergeiltränklein wenden. Denn dieses, 
fleissig eingenommen, befreit oft von der Erkrankung. Man soll 
das Bibergeil bald mit Beifussdekokt, bald mit Honigmischung, 
etwa eine Drachme täglich, einnehmen lassen; recht wirksam ist 
es auch, Erdharz, etwa ein Skrupel, mit dem Bibergeil zu ver- 
mischen; ausserdem als drittes noch Meerzwiebelessig, ebenfalls 
fleissig zu trinken. Derartig müsste also die Behandlung bei 
den Anfällen und Verschlimmerungen sein. 

Dauert jedoch das Leiden länger, so hat man die Behand- 
lung meistens mit einem Aderlass zu beginnen , besonders bei 
den Fällen von Suppressio mensium ; darauf lässt man abführen. 
Am wirksamsten ist dabei das Koloquinthengeheimmittel ; jedoch 
ist bei Frauen und bei Unterleibsleiden das treffliche Aloemittel, 
das sog. bittere, noch zweckmässiger. Man nimmt dazu ioo 
Drachmen Aloe; Haselwurz, Safran, Zimmt, Mastix, Spikanard 
und Balsambaumholz je 6 Drachmen. Das Mittel wird trocken 
und fein zerrieben aufbewahrt. Zur Verwendung bei festem, 
regelmässigem Stuhlgang muss man 4 Drachmen davon mit 6 
Bechern Honigmischung nehmen. Bei wiederholter und lang- 
samer Darmentleerung nimmt man täglich 2 Drachmen in drei 
Bechern Honigmischung. So stärkt man den Magen, hebt die 
Kräfte und beseitigt die Krankheit. 

Jedoch muss man nach der Behandlung das gewohnte 
Mittel nicht plötzlich aussetzen, sondern nur die Dosis allmählich 



94 Krampf des Uterus. 

verringern. Nach der Ausleerung sollen wieder Schröpf köpfe 
gesetzt werden, die zwar nicht drücken sollen, aber gehörig 
brennen und ordentlich ziehen müssen ; manchmal ist auch 
Skarifikation am Platze, um Gelegenheit zum Einreiben mit 
Salzen zu geben; die Wunden muss man dann mit Alkanna- 
balsam zum Vernarben bringen. Später muss man noch ein 
erweichendes Pflaster auf die ganze Oberbauchgegend legen, 
etwa das aus Samen bereitete, das früher bei den Erkrankungen 
der Milz beschrieben ist (cfr. Lib. 10, Kap. 9), anfangs mit Wachs- 
balsam vermischt ; später entfernt man das Wachs allmählich 
und legt es für sich allein auf, bis Blasen , ähnlich den Akne- 
pusteln, auf der Haut hervorgerufen werden. Sobald diese 
wieder durch weisses Pflaster oder irgend ein bei Verbrennungen 
wirksames Mittel zur Eintrocknung gebracht sind, ist Zeit zum 
Ausziehen der Haare mittels der Pechmütze, Auflegen der 
Senfteige und ebenso zur Anwendung der sog. Akopa 1 ), die aus 
Wolfsmilch, Brennkraut, Rohrsalz und Pfeffer gemacht werden. 
Zu den wichtigen Hilfsmitteln gehört ferner eine in jeder 
Hinsicht (vernünftige) Lebensweise : Spaziergänge in der Frühe, 
Fahrten im Wagen oder zu Schiffe , oder Eselreiten. Nach 
dieser Thätigkeit ist lautes Declamieren 2 ) vortheilhaft und Vor- 
lesen mit Gesang, lauter Stimme und gutem Ausdruck ; und 
nach einer reichlichen Pause Salbungen, Einreibungen und Leibes- 
übungen, wie sie sich für Frauen schicken. Ein Bad verordne 
man selten und nur der Reinlichkeit halber, nur zwei- oder 
dreimal bei derselben Kur, um die Erkrankung gewaltsam zu 
brechen. Dagegen dient als letztes Heilmittel der Gebrauch der 
natürlichen Brunnen, anfangs der Thermen, später der kalten 
Wässer. 
_ , . Nachdem die Krankheit überstanden ist , soll die Frau 

Prophylaxe. ' 

keineswegs ohne Behandlung bleiben, sondern schon der Pro- 
phylaxe wegen in gewissen Zwischenräumen, besonders zu ver- 
dächtigen Zeiten, die früher erwähnten Sitzbäder nehmen, und 
fleissig Ausspülungen machen mit Salbei-, Polei- und Bingel- 
krautdekokten. Ueberdies kann sie Zäpfchen einführen von 



*) Mittel gegen Müdigkeit. Kr. (16) S. 15. 

2 ) S. hierzu die ausführl. Anm. bei L. (8) S. 100. 



Beispiele für die Herstellung von Zäpfchen. 95 

denen, die zu erwärmen und zu lindern vermögen, zumal nach 
den Bädern. Die Hauptsache bleibt, dafür zu sorgen, dass die 
Regel pünktlich und regelmässig verläuft, und dass der ge- 
schlechtliche Verkehr geregelt bleibt. 

Der Philosoph 1 ) spricht sich über die Behandlung einer 
Frau, die vom hysterischen Krampf befallen wird, folgender- 
massen aus : Nach vergeblicher Anwendung aller der vielen 
Mittel soll man runde Knäule, wie sie Frauen beim Weben 
brauchen, in erwärmtes Dillöl tauchen, dann ausdrücken und 
ziemlich trocken einlegen. Hat man dann zwei siedend heiss 
gemachte Knäule in Bereitschaft, so legt man (abwechselnd) eins 
nach dem andern ein, damit der Leib nicht kalt wird. Wenn 
man dies lange Zeit fortsetzt , beseitigt man die Schmerzen ; 
schliesslich legt man noch Spinnensalbe auf die Nabelgegend. 

Ein anderes Mittel bei hysterischen Krämpfen 
und Schmerzen: Die Schaale einer Land- oder Seeschild- 
kröte verarbeite man zu Zäpfchen und lege sie getrost ein ; das 
ist nicht zu stark wirksam. 



Kapitel 68. 

Beispiele für die Herstellung von Zäpfchen gegen hy- 
sterische Krämpfe (nach den Schriften des Philagrios). 2 ) 

(Icli gebe der Kürze halber wieder nur die Ueberschriflen, da die sich oft 
wiederholenden Einzelheiten nur pharmakologisches Interesse bieten ; alles klinische 
ist übersetzt.) 

Herstellung von Salben für die vorliegende Krank- 
heit (nach Philagrios.) 

Noch eine andere Salbe für dieselbe Krankheit. 

Räuchermittel für den Uterus. 



') Aristoteles s. v. 

2 ) S. b. Well mann (4) S. 63. Anm. u. Gurlt (25) I S. 493. 



96 Beispiele für die Herstellung von Zäpfchen. 

Heilsame Tränklein für obiges Leiden 
(nach Philagrios.) 

Wissenschaftliche Anwendung der vorher ange- 
gebenen Heilmittel. 

Bei schwangeren Frauen, die von Athemnoth befallen werden, 
soll man äusserliche Mittel vorziehen, die der Körperconstitution 
entsprechen ; dagegen sind innerliche Mittel wie Medicamente, 
Eingiessüngen, Zäpfchen durchaus verwerflich, wie auch Kly- 
stiere und Aderlässe. Denn bei jedem dieser Mittel besteht 
Gefahr, dass Abort eintritt. Ueberdies hat man daran zu denken, 
dass bei allen den Frauen, die weder an Spannungen noch an 
Lageveränderungen des Uterus leiden, kräftige Arzneien am 
Platze sind , die nothwendiger Weise die Feuchtigkeit und 
Trockenheit des ganzen Körpers berücksichtigen; ferner, dass 
bei solchen Frauen, die einen zarten und schwächlichen Körper 
haben, mehr schwache, bei den in entgegengesetztem Zustande 
befindlichen mehr starke Mittel anzuwenden sind ; ebenso bei 
jungen die einfacheren, bei älteren die wirksameren ; ferner bei 
solchen, die infolge Anhäufung von Blähungen eine merkbare 
Ausdehnung des ganzen Körpers besitzen, soll man vorher solche 
Mittel verordnen, die keine Blähungen verursachen. Ebenso bei 
solchen, die ein Gefühl von Schwere haben, mehr erleichternde 
und verdünnende Mittel ; bei denen, die die Schärfe (der Säfte) 
spüren, Mittel mit mildernder Wirkung. — Ist aber eine Lage- 
veränderung oder Spannung oder Entzündung am Uterus vor- 
handen, so sind lauter ziemlich harmlose Mittel anzuwenden. 
Denn die allzu kräftig wirkenden verschlimmern die Krankheit 
und unterdrücken die Absonderung des Spermas, während die 
der Beschaffenheit des kranken Leibes mehr entsprechenden 
Mittel sowohl die Heilung fördern, als auch die Ausscheidung 
des Spermas unterstützen. 



Samenfluss. 97 



Kapitel 69. 



Samenfluss. 1 ) (Spermatorrhoe, Pollutionen) (nach 
Soranos). 2 ) 

Gleich den Männern leiden auch (die) Frauen an Samen- 
fluss. Man versteht darunter eine (krankhafte) Ausscheidung von 
Sperma ohne geschlechtliche Erregung und Spannung ; denn der 
Uterus bleibt schlaff und weich. Im weiteren Gefolge (dieser 
Erkrankung) treten allgemeine Schwäche und Abmagerung ein; 
denn alle Säfte fliessen allmählich aus dem Körper nach dem 
Uterus hin, wobei sie an den Geschlechtstheilen eine kleine Ver- 
änderung erleiden, wie die Thränen bei den Augenkranken. 

Das Uebel pflegt chronisch zu werden; deshalb muss man Behandlung, 
ihm gleich, solange es noch acut ist, wie bei den Krämpfen, ent- 
gegentreten durch Verordnung von Mitteln, die mildernd und 
langsam adstringierend wirken, wie Dekokte von Rosen, Myrten, 
Scilla, Brombeeren und dergl. Ferner soll man den Unterleib 
und die Leistengegend mit Akaziengummi und Hypokystissaft^ 
mit herbem Wein gemischt, und mit ähnlichen Medicamenten 
einreiben und die aus Palmenmark, Quitten und Myrtensaft 
bereiteten Pflaster und Wachsbalsam anwenden. Auch eine 
breite und dünne Bleiplatte soll man aufs Kreuz legen, und die 
Unterlage soll rauh sein. Ferner muss man Brechmittel sowohl 
nach dem Essen, als auch besonders auf nüchternen Magen ver- 
ordnen, ausserdem Turnübungen für den Oberkörper und län- 
geres Massieren ; jedoch darf man die kranken Theile nicht ein- 
salben, auch nicht erwärmen. Als Getränk reiche man nur eine 
Drachme im Schatten getrockneter Judenkirschenwurzel mit 
Wasser, oder ebensoviel Mönchspfeffersamen, Hanf- oder Rauten- 
samen. Die Kost sei weder flüssig (dünn), noch breiig, noch Prophylaxe. 
zur Spermabereitung geeignet, sondern durchaus reizlos und vor- 
wiegend trocken ; drum nehme man etwas gebratenes Geflügel und 
recht wenig gelben (sauren) Wein. Zu vermeiden ist ferner 



! ) Ttspt Yovopooia; -2wpavou. — Doch deckt sich der moderne Ausdruck 
„Gonorrhoe" nicht mit dem hier beschriebenen Krankheitsbilde. S. bei 2). 

2 ) Soranos IL Kap. 12. — L. (8). S. 127 u. 128, s. a. d. Anm. über 
Gonorhoe. 

Wegscheide r. ' 






93 Atonia uteri. 

durchaus alles andere, was geschlechtliche Erregung herbeiführen 
könnte, z. B. das Betrachten von Bildern mit schönen Gestalten 
oder Gespräche über geschlechtlichen Umgang; sondern man 
soll eine strenge Lebensweise einhalten, nur ernste Bücher lesen, 
nur keusche Gespräche führen. 

Hält das Leiden längere Zeit an, so lasse man die Kranken 
fleissig turnen, gehörig schwitzen, massiere sie tüchtig und lasse 
sie kalt baden, ferner Unterleib und Kreuz ordentlich mit Rosen- 
öl einsalben. Endlich sind noch alle die Mittel anzuwenden, die 
schon früher bei der Spermatorrhoe und den Pollutionen der 
Männer angegeben sind 1 ). 



Kapitel 70. 
Atonia uteri (Mala involutio) (nach Soranos). 2 ) 

Ebenso wie bei den anderen Organen des Körpers tritt 
auch beim Uterus manchmal Atonie auf. Dabei zeigen sich 
Symptome, folgende Symptome: Abscheu vor geschlechtlichem Umgang, Ab- 
gang von Gasen, profuse Menses, die 2 oder 3 Mal im Monat 
unregelmässig auftreten und dunkel und wässerig sind. Das 
ejaculierte Sperma des Mannes wird nicht zurückgehalten, sondern 
fiiesst nach dem Coitus wieder ab, bei manchen Frauen sofort, 
bei anderen erst nach einigen Tagen. Manche Frauen abortieren 
ungefähr im dritten Schwangerschaftsmonat ; andere tragen zwar 
aus, bringen aber nur atrophische und recht schwächliche Kinder 
zur Welt. Zur Zeit der Regel tritt ein Gefühl von Schwere in 
Leib , Kreuz und Schenkeln auf ; dazu tritt eine Magenver- 
stimmung , und infolge davon entstehen manchmal Wahnvor- 
stellungen, weil die Gase zum Kopfe aufsteigen. Dieselben 
Symptome finden sich auch bei den hysterischen Krämpfen. 
Bisweilen befällt die Kranken auch Trübsinn und Tobsucht. 

Die Krankheit tritt auf im Anschluss an rasch aufeinander 
folgende Entbindungen und Ausziehungen (Ausdehnungen) des 
Uterus, zumal wenn es sich um grosse Früchte handelt. 



i) Lib. XL Kap. 33. 

2 J cfr. Soranos. II. Kap. 13. L. S. 12? 



Paralysis uteri. 99 

Die Therapie muss ihr Augenmerk darauf richten, durch Therapie. 
Stärkungsmittel die kranken Organe zu kräftigen. Daher soll 
man adstringierende, lauwarm sich anfühlende Sitzbäder verordnen ; 
ferner soll man Eingiessungen in den Uterus machen lassen mit 
lauwarmem Rosen-, Narcissen-, Quitten- oder Lilienöl und der- 
gleichen, ebenso Unterleib und Kreuz damit einsalben. Ferner 
muss man den ganzen Körper fleissig massieren und die Frauen 
passende Turnübungen machen lassen. Die Kost sei spärlich, 
aber fleischreich und etwas sauer, ebenso gebe man ziemlich her- 
ben, gelben Wein zu trinken, und zwar nur in ganz geringer 
Menge. Denn der Durst ist bei dieser Erkrankung förderlicher. 
Zu vermeiden sind jedoch alle aus Milch oder Käse hergestellten 
Gerichte ; ferner jedes Abführen und Durchfall. 



Kapitel 71. 
Paralysis uteri (Lähmung des Uterus) (nach Soranos). : ) 

Die Uterusparalyse tritt meist nach wiederholten Aborten Diagnose. 
auf, jedoch oft auch aus andern Ursachen. Dabei zeigt sich 
Abneigung der Kranken gegen geschlechtlichen Verkehr und 
Abkühlung des Muttermundes; dieser ist sehr dick, klebrig und 
gleichsam runzelig. Die Cervix ist meist aufgelockert und ge- 
fühllos. Manchmal tritt auch vollständige Suppressio mensium 
auf, manchmal nur Dysmenorrhoe. Bei der Cohabitation wird 
das Sperma überhaupt nicht in das Corpus uteri geschleudert, 
oder es fliesst wie von einer leblosen Stelle 2 ) sofort wieder ab. 
Bisweilen findet dem Zustande entsprechend die Entleerung von 
Harn und Koth unwillkürlich statt. 

Die Therapie ist dieselbe, wie sie früher bei der Me- Therapie. 
norrhagie beschrieben ist (cfr. Kap. 63); also fieissiges Ein- 
nehmen von Bibergeil, Einlegen von erwärmenden Zäpfchen und 
Gebrauch von Ausspülungen und Salben. 



*) cfr. Soranos II. Kap. 14. L. S. 130. 
2 ) L. übersetzt „aus e. todten Höhle". 



100 Prolapsus uteri. 

Kapitel 72. 
Prolapsus uteri (Gebärmuttervorfall) (nach Soranos). ') 

Gebärmuttervorfall nennt man eine Verlagerung, bei welcher 
der Uterus (und seine Umgebung) herauszutreten droht 2 ). Der 
Uterus löst sich ja nicht, wie manche glauben, aus seinen Li- 
gamenten (seiner Umgebung) und fällt vollständig heraus ; denn 
wenn ein derartiges Herausfallen stattfände, könnte man ihn 
nicht reponieren. Das vorfallende Stück ist einem Straussenei 
ähnlich, bald etwas grösser , bald etwas kleiner , entsprechend 
der Gewalt, die die Verlagerung bewirkt. 
Aeüoiogie. Der Vorfall entsteht seltsamer Weise durch mehrere Ur- 

sachen. Denn wenn eine Frau von einer Höhe (oben) herunter- 
fällt und sich dabei auf ihr Gesäss setzt, erkrankt sie an diesem 
Uebel, weil gewisse Ligamente, die den Uterus mit seinen Nach- 
barorganen verbinden , dabei zerreissen und überdehnt werden. 
Ferner entsteht ein Prolaps (auch leicht) bei gewaltsamem Heraus- 
holen der Nachgeburtstheile, was meistens bei sog. Fehlgeburten 
zutrifft. Ebenso ruft ungeschickte Extraction der Frucht dies 
Leiden hervor, ferner Zurückhaltung von Gasen (Meteorismus),, 
schweres Heben, Schlagen und Stossen (gegen den Unterleib); 
bisweilen auch eine Ansammlung reichlicher und zäher Flüssig- 
keitsmengen, ferner wenn die zum Fundus uteri ziehenden Li- 
gamente durch häufige Geburten 3 ) schlaff und locker geworden 
sind. Auch infolge psychischer Erkrankung tritt Vorfall auf; 
denn wenn Frauen durch drohenden Verlust ihrer Kinder oder 
das Nahen eines feindlichen Heeres erschreckt oder auf dem 
Meere von heftigem Sturme überrascht werden, löst sich der 
ganze Zusammenhang des Körpers, sodass auch der Uterus 
herausgleitet und vorfällt. Es kommt auch vor, dass das Leiden 
ohne einen solchen Grund eintritt , wenn die Organe schwäch- 



2 ) Soran, II. Kap. 31. L. S. 148. s. a. d. Anm. — und Gurlt (25) I. 
S. 402. 

2 ) L (8) übersetzt „das erste Stadium (oltziiKt}) der Inversion". 

3 ) In der Uebersetzung von -crj' %oXkr^ ETttxey^ei weiche ich hier von der 
Uebersetzung L.s: „durch die dauernde Befeuchtung" und von der Erklärung 
Z.s (S. 109. Anm.) = humectatio bewusst ab; auch Cornarius (6) übersetzt. 
S. 1002 : ob partuum frequentiam, was doch sinngemässer. 



Prolapsus uteri. 101 

lieh und die den Uterus festhaltenden Ligamente und Muskeln 
locker und ohne Spannung sind, wie es bei Frauen in reiferem 
Alter vorkommt. 

Im Beginn der Erkrankung tritt (nun) zuerst ein stärkerer Symptome. 
Abgang von Blut auf, dann auch Schmerzen in den Weichen, 
im Kreuz, im Leib und in der Schamgegend, ferner die Besorg- 
nis, dass den abgekühlten Organen ein Krampf drohe. Dauert 
der Zustand länger und schrumpfen die (erkrankten) Theile zu- 
sammen, so verschwindet diese Furcht (vor krampfhafter Zusammen- 
ziehung derselben) und auch der Schmerz. [Drum wird es nöthig 
sein, solange die Erkrankung noch frisch entstanden ist, den 
Versuch zu machen, den Uterus aufzuhalten.] Denn im Anfang 
gelingt die Reposition noch leicht und der reponierte Uterus 
bleibt drin, zumal wenn es sich um jugendliche Organe handelt. 
Bei älteren Personen lässt sich zwar der Uterus reponieren , fällt 
aber (bei nächster Gelegenheit) leicht wieder vor. 

Sind Kothmassen im Rectum, muss man sie durch ein 
Klystier fortschaffen, ebenso die Blase wenn sie Harn enthält, 
mittels Katheters entleeren. [Es kommt nämlich überaus häufig 
vor, dass diese Excremente zurückgehalten werden, weil der 
Uterus, der doch mitten zwischen Blase und Mastdarm liegt, 
während des Vorfalls die natürlichen Ausscheidungen verhindert, 
da er die Organe einpresst, die äusseren Geschlechtstheile ver- 
engt und (überhaupt) im Wege ist ; infolgedessen kann er auch 
beim Hinaufschieben (ohne Entleerung der Organe) nicht re- 
poniert werden.] 

Hierauf bringe man die Kranke in Rückenlage mit etwas Therapie, 
erhöhtem Becken, gebogenen Knieen und gespreizten Beinen. 
Dann begiesse man den prolabierten Theil des Uterus längere 
Zeit mit lauwarmem Oel [oder Butter oder mit einer Abkochung 
von Mangold, Malve, Althäa, Bockshorn, Leinsamen und der- 
gleichen], und forme aus Wolle einen Zopf (Propf, Knäuel, Tam- 
pon), der an Gestalt und Dicke der weiblichen Scheide ent- 
spricht; dann umwickle man den Zopf aussen mit ganz gleich- 
massiger und sehr sauberer Leinewand, tauche ihn in Akazien- 
gummi oder Hypokystissaft, der mit Wein versetzt ist, halte ihn 
vor den Uterus und schiebe damit alles Vorgefallene sachte 
gleitend, langsam in die Höhef bis der Uterus wieder an seine 



1Q2 Prolapsus uteri. 

richtige Stelle gelangt und die Hauptmasse der Wolle in der 
Scheide, d. h. in der Scham liegt. Dann lege man aussen noch 
in herben Wein getauchte Wattetampons vor, bedecke den 
ganzen Unterleib mit in Essigmischung getränkten Schwämmen 
oder Wattebäuschen und binde diese fest; schliesslich lasse man 
die Frau die Beine ausstrecken, sodass eins über dem anderen 
liegt. Hierauf muss man noch Schröpfköpfe mit ziemlich starkem 
Zuge in der Nabelgegend zu beiden Seiten des Leibes ansetzen 
und starke Riechmittel der Nase fleissig zuführen. 

Nach drei Tagen, wenn die Wolle noch in der Scheide 
liegt, soll die Frau ein Sitzbad nehmen in dunklem, herbem, 
etwas erwärmtem Wein oder in einem Dekokt von Brombeeren, 
Myrten, Scilla oder Granatapfelschalen. Nach dem Sitzbade 
wird die Patientin wieder in Rückenlage mit erhöhtem Steiss 
gebracht; dann soll die eingelegte Watte herausgenommen und 
neue, mit demselben Mittel getränkte eingelegt werden. Ferner 
muss man auf das Epigastrium Kataplasmen aus Palmenmark, 
Gerstenmehl, Linsen und Granatapfelschalen mit Sauerhonig 
legen. Ebenso verfahre man jeden dritten Tag bis zum Ende 
der Behandlung. 

Die Kranken, bei denen wiederholt Prolaps auftritt, muss 
man erst noch mit warmen Essigmischungen sich abwaschen 
und längere Zeit Sitzbäder in solchen nehmen lassen ; darauf 
das oben angegebene Verfahren anwenden. Bisweilen wird man 
wegen der Empfindlichkeit der Geschlechtstheile auf den Essig 
verzichten müssen und (dafür) die schwarze Erde, die man in 
der Linse findet , nehmen , in warmem Wasser auflösen und 
längere Zeit damit bähen. Das hilft (auch) sehr. Nach der 
Bähung wandte ich dann das vorher beschriebene Verfahren an. 

Wenn der Uterus wegen der Zähigkeit der Säfte nur mit 
erheblicher Mühe sich reponieren lässt, soll man gebrannten 
Weinstein, Natron oder Kalklauge beimischen und die Geschlechts- 
theile sachte damit einreiben und sie mit adstringierenden Sub- 
stanzen oder einer Aufschwemmung der (oft) erwähnten Erde 
bähen. Ferner soll man das vorgefallene Organ mit einer 
Mischung von Bleiwasser und Myrten- oder Quittenöl oder 
Adstringentien in gleicher Weise bestreichen und es dann, wie 
oben beschrieben, in die Scheide zurückbringen. Auch muss 



Lateroflexio, Retroflexio und Retropositio uteri. 103 

man die Kranken ringsherum überall zudecken und dann unten 
mit widrig riechenden Mitteln räuchern, der Nase jedoch wohl- 
riechende Substanzen zuführen, dabei saftreiche, wohlschmeckende 
Kost in massiger Menge reichen , und süssduftenden , leichten 
Wein. 

Sollte aber das vorgefallene Organ längere Zeit irreponibel 
geblieben und infolge von Nachlässigkeit durch f die Benetzung 
mit Urin und Koth brandig geworden sein, so muss es durch 
Schneiden, Abbinden, oder Brennen entfernt werden, was ohne 
Gefahr geschehen kann. Denn man erzählt von einer Frau, 
welcher der brandig gewordene Uterus vollständig entfernt wurde, 
und die doch am Leben geblieben ist. 



Kapitel 73. 

Lateroflexio, Retroflexio und Retropositio (Elevatio) 
uteri *) (nach Aspasia). 

Beim Ausbleiben der Periode tritt bei den Frauen ein 
Füllungszustand der nach dem Uterus laufenden Gefässe, Venen 
und Arterien, ein ; denn das Blut gelangt zwar bis zum Uterus, 
fliesst aber nicht hinein ; theils weil das ganze Blut selbst zu 
dick ist, theils weil es die 'Mündungen der Gefässe verstopft. 
Manchmal sind die Mündungen selbst verschlossen und hindern 
den Eintritt, so dass das in den Adern gestaute Blut diese ausdehnt 
und die benachbarten Ligamente des Uterus durchtränkt ; durch 
die dauernde Spannung dieser Ligamente wird der Uterus mit 
seinen Gefässen in die Höhe gezogen. Wenn nun mit gleicher 
Stärke von beiden Seiten Druck und Zug stattfindet, (von allen 
Seiten, ohne abzubiegen), so entsteht nur eine Stellungsänderung 
des Uterus, sei es Ante-, sei es Retropositio uteri. Wenn aber 
Druck und Zug ungleich, mehr nach einer Seite hin stattfindet, 
neigt sich der Uterus nach der Seite des stärkeren Zuges, da 
die Organe entsprechend der Verschiebung oder Verziehung die 
Gefässe mit Blut füllen; wenn nämlich die Milz drückt, tritt 



Cfr. Soran. IL Kap. 15. L. (8). S. 130 u. 131. 



104 Lateroflexio, Retroflexio und Retropositio uteri. 

eine Verschiebung nach links, wenn die Leber, eine solche nach 
rechts ein, je nachdem ihre Gefässe mehr als gewöhnlich über- 
füllt sind. — Zunächst erkennt man durch Einführung der Finger, 
nach welcher Seite die Lageveränderung stattgefunden hat, ferner 
durch die in der Folge auftretenden Symptome: 
Symptome. Wenn nämlich der Uterus nach irgend einer Seite flectiert 

ist, entsteht in dem betreffenden Beine Spannung, Schmerz, 
Gefühl von Kälte, Lähmung, Steifheit, manchmal auch Atrophie 
und Unfähigkeit, zu gehen oder zu stehen. 

Ist der Uterus jedoch nach hinten oder unten flectiert, so 
tritt Steifheit und Unbehilflichkeit in beiden Beinen auf, bis- 
weilen auch vollständige Lähmung und grosse Schmerzhaftigkeit 
des Unterleibes. Dabei ist der Stuhlgang angehalten und ein 
Klystier kann man nur in Knieellbogenlage machen ; ebensowenig 
gehen Blähungen ab. Beim Sitzen treten Schmerzen auf, zumal 
wenn die Knickung (mehr) nach dem Anus hin gerichtet ist. 
Besteht aber Knickung (des Uterus) nach der Scham hin (Ante- 
flexio), so wird die Unterbauchgegend stark gespannt und schmerz- 
haft; dabei tritt oft Harnverhaltung auf. 
Behandlung. Im allgemeinen richtet sich die Behandlung bei Ver- 

schlimmerungen, ähnlich wie bei allen Entzündungen, ganz nach 
dem Befinden der Kranken; beim Nachlassen und Abnehmen 
(der Beschwerden) sind Linderungsmittel anzuwenden ; bei längerer 
Krankheitsdauer muss man Mittel verordnen, welche die innere 
Leibesbeschaffenheit durch Abführung der verdorbenen Säfte 
durch die Poren zu verbessern vermögen. Nur die Retroflexio 
uteri muss man in besonderer Weise folgendermassen be- 
handeln: Zunächst lässt man die Hebamme vom After aus mit 
dem Finger den Uterus fortstossen und nach vorn treiben ; dann 
führt man in den After einen gut 4 Querfinger langen Zapfen 
aus Gummiharz und Wachs ein, der an seinem Ende einen 
Faden trägt, um ihn wieder herausziehen zu können ; oder man 
löst Bibergeil in Wasser, streicht es auf eine Wicke und führt 
es ebenso in den After ein ; oder Erdharz ebenso in trockenem 
oder Pech in flüssigem Zustande und dergl. — Am folgenden 
Tage giesst man lauwarmes Iris- oder Lilienöl in die Scheide 
und den Mastdarm und bäht die Geschlechtstheile mit einer 
Abkochung von Gewürz, Lauch, Wiesenalant oder einem ahn- 



Tympania uteri. 105 

liehen Mittel. Ab und zu soll man auch die Scheide mit der 
Gewürzabkochung ausspülen, darnach Rosensalbe anwenden. 

Handelt es sich um Lateroflexio, so wendet man zunächst 
die gleichen Bähungsmittel an ; dann lässt man die Hebeamme 
den Sondenknopf, mit dem Finger gedeckt, einführen und den 
Hals der Gebärmutter gerade richten; (dabei) legt man die 
Kranke entweder auf die dem kranken Organ entgegengesetzte 
Seite oder auf den Rücken. Ferner wendet man erweichende 
oder Oeffnung schaffende Zäpfchen und Eingiessungen mit einem 
der vorher erwähnten Pflanzensäfte an. Den Unterleib bedeckt 
man mit Watte, die mit Wein und warmem Rosenöl angefeuchtet 
ist, oder man legt Wachsbalsam mit Leinsamenthee auf. Als 
Getränk reicht man Bibergeil, mit Anis in Sauerhonig gemischt, 
oder mit Kümmel, Schwarzkümmel oder Päonienwurzel, oder 
mit Myrrhen, Pastinaksamen, Beifuss, Enzian oder Alant. 

Diese Mittel helfen auch bei den plötzlichen Schmerzen im 
Uterus (Uteruskolik), und zwar nicht allein jedes für sich, sondern 
auch (alle) mit einander. 

Ferner soll die Kranke mit erhöhtem Oberkörper gelagert 
werden. Wenn der Uterus aufgerichtet ist, soll man alsbald 
widrig riechende Mittel zur Nase führen und Niesen zu erregen 
suchen. Eventuelle Harnverhaltung soll man mittels Katheters 
beseitigen; wenn dann der Krampf nachlässt, muss man sich 
damit begnügen. 

Zu achten ist noch auf folgendes : Wenn es sich um junge 
vollblütige Frauen handelt, kann man noch einen Aderlass in 
der Ellbogenbeuge machen, ferner Mittel einnehmen lassen, welche 
die Menstruation hervorrufen (Emenagoga), und recht milde Zäpf- 
chen anwenden. 



Kapitel 74. 
Tympania uteri (nach Soranos). *) 

Der Uterus füllt sich manchmal, wenn er nach der Ent- 
bindung sich abkühlt, mit Luft, sei es, weil der Muttermund 



Soran. II, 6. L. (8). S. 116 — 118. 



10(3 Tympania uteri. 

geschlossen ist, sei es, weil ein Blutgerinnsel ihn verstopft. Diese 
Anfüllung mit Gasen (Windsucht, Tympania, Meteorismus) be- 
steht bald im Cavum uteri, bald in einer wahrnehmbaren Er- 
weiterung des Uterus, während im Corpus uteri selbst, d. h. in 

Symptome, den verborgenen Poren die Gase gehemmt werden. Im Verlauf 
dieses Leidens tritt eine Schwellung des Unterleibes oder auch 
des ganzen Bauches auf, wie bei der Wassersucht, ferner stechende 
Schmerzen, die bis zum Zwerchfell und Magen dringen ; ebenso 
sind die Seiten des Leibes beide schmerzhaft gespannt und 
manchmal nur die eine, manchmal beide Leistenbeugen ge- 
schwollen. Manchmal ist auch die Nabelgegend schmerzhaft, 
ebenso Kreuz und Schoos, und natürlich auch der Kopf. Es 
kommt auch vor, dass Gase durch die Scheide in für die 
Kranken wahrnehmbarer Weise abgehen (Garrulitas vaginae). 
Hat sich nun die Luft im Cavum uteri angesammelt, so entsteht 
Kollern im Leibe, und gewisse knarrende Geräusche kann man 
beim Niederlegen wahrnehmen, wie in den Därmen bei Leib- 
schneiden (Blähungen, Flatus). Die Per.cussion ergiebt tympani- 
tischen Schall x ). 

Wenn die Ansammlung der Gase in den verborgenen Gängen 
des Corpus uteri selbst stattfindet, treten die Schmerzen heftiger 

Behandlung. auf und sind schwieriger zu behandeln. Die Behandlung be- 
steht in Hungern und Einsalben mit warmem süssem Oele, in 
welchem Raute und Dill abgekocht sind, ferner, wenn nicht 
Lebensalter und Jahreszeit es verbieten, auch in Blutentziehung 
mittels Aderlasses und Sitzbädern in einem Dekokte von Raute, 
Polei, Pefferminz, Lauch, Thymian, Beifuss, Althäa und ge- 
trockneten Feigen. Ausleerung des Darmes erzielt man durch 
das Koloquinthenmittel des Rufus oder Archigen es. Bei 
Krampfzuständen soll man Ausspülungen hinzufügen, die ein 
Nachlassen der Spannung bewirken und die Gase vertheilen und 
entfernen können, wie z. B. das Mostöl, oder ein Zäpfchen von 
solcher Wirksamkeit, in einer reichlichen Menge Oel aufgelöst 
und mittels Speculum eingegossen; ferner lege man leichte 
Kataplasmen aus getrockneten Feigen, Ysop und Natron auf. 



l ) Wörtlich : Beim Daraufschlagen mit den Fingern ist der Schall trommel- 
artig. — 



Hydrops uteri. 107 

Sind aber Blutgerinnsel die Ursache der Gasanhäufung, soll 
man ein längeres Sitzbad nehmen lassen, und dann soll gleich 
nach dem Bade die Hebamme ihren gut eingefetteten Finger 
einführen und das Gerinnsel sachte zerbröckeln und dadurch 
beseitigen. Dauert der tympanitische Zustand länger an, mag 
man die bei krampfhaften Contractionen noch stärker wirkenden 
Mittel anwenden und nach einer Pause den Körper zu stärken 
suchen durch recht warme Einreibungen mit Salben und durch 
Massage der Beine und der kranken Theile. Auf Kreuz- und 
Unterbauchgegend lege man ein Pechpflaster und wende Haut- 
reize mittels Senfteig und getrockneter Feigen an ; oder Gersten- 
mehl mit Feigenabkochung, Raute, Ysop und Honig als Kata- 
plasma; oder man lege einen Umschlag aus Pfianzensamen oder 
Lorbeer auf, oder das Polyarchionpflaster, erst mit Wachsbalsam 
gelöst, später für sich allein. Ferner Zäpfchen 

Auch trockene Schröpf köpfe muss man rings um die kranken 
Theile setzen und sie kräftig ziehen lassen , bisweilen auch 
blutige. Ferner soll man alle die Mittel anwenden, die im Stande 
sind, die innere Beschaffenheit des Körpers durch Ableitung der 
schlechten Säfte zu verbessern, also die natürlichen Brunnen, 
anfangs warme, später kalte ; dabei gewöhne man den Körper 
allmählich an das Baden in kaltem Wasser, um die kranken 
Organe zu stärken. Die Kost sei entfettend und im Stande, 
die Gase zu vertheilen. Von Medicamenten hat man zu ver- 
meiden sowohl die Gewürzräucherungen als schädlich für den 
Kopf, als auch die adstringierenden Pflaster, z. B. die aus Palmen- 
mark und Quitten zubereiteten, und dergleichen ; denn bei dieser 
Krankheit sind sie schädlich. 



Kapitel 75. 
Hydrops uteri (Blasenmole) \) [nach Aspasia]. 

Bei längerem Ausbleiben der Periode und Sterilität tritt oft 
ein Erguss von Flüssigkeit in das Cavum uteri auf; zuweilen 

. 1 ) Im Archiv für Gynaekologie, Bd. 62. H. I. hat im Decbr. 1900 R. 
Kossmann, Berlin, in seiner Arbeit: „Zur Geschichte der Traubenmole" 
dieses Kap. 75. Ttspl üSfunttiuar]? aifjTpac griechisch (nach d. Codex Paris. Weigels) 
und deutsch herausgegeben. Indem ich darauf verweise, beschränke ich mich auf 
die Wiedergabe aller klinischen Angaben. 



l()g Die sog. Mola uteri. 

bilden sich gewisse Körper im Uterus, die der Gallenblase ziem- 
lich ähnlich sind, in denen sich die Flüssigkeit ansammelt. Im 
weiteren Verlaufe tritt bei den Kranken eine grosse, schwammige, 
einer Aufblähung durch Gase ähnliche Schwellung in der Unter- 
bauchgegend auf, und ein Kollern, wie im Darme, ferner ein 
Gefühl von Schwere beim Gehen, Athemnoth, Abgang übel- 
riechender Stühle, Ausbleiben der Regel wie der Empfängnis ; 
dazu gehen die Ausleerungen unregelmässig vor sich. Bei sehr 
starkem Durchfall platzen manchmal die vorher erwähnten kleinen 
blasenähnlichen Körper, und dann gehen wässerige, zähe Flüssig- 
keitsmengen ab. 

In den Fällen nun, bei welchen die Flüssigkeit im Cavum 
uteri zurückgehalten wird, was man ja immer durch die Symp- 
tome erkennt, muss man strenge Bettruhe verordnen und Brech- 
mittel und kräftige Klysmen anwenden. . 

(Die weitere Behandlung, von vorwiegend pharmaceutischem Interesse, vergl. 
b. Kossmann, loc. cit.) 

Kapitel 76. 
Die sog. Mola uteri. x ) 

Die sog. Mola uteri ist eine skirrhosähnliche Verhärtung 
am Uterus, die manchmal aus einer vorausgegangenen Ent- 
zündung entsteht, manchmal auch ein örtliches Geschwür, das 
mit Fleisch überwachsen ist. Ihren Namen erhielt die Krank- 
heit von der dabei auftretenden Unbehilflichkeit und Schwer- 
fälligkeit. Denn es findet sich bei den Kranken im Hy- 
pogastrium ein harter Tumor, im Anschluss daran Herabdrängen 
der Eingeweide, Magerkeit, Blässe und Appetitmangel. Anfangs 
Diagnose, kann man sich einbilden, es liege eine Schwangerschaft vor ; 
weil die Regel ausbleibt, die Brüste anschwellen, sich Magen- 

*) icspl jjl'jXtj; yj iaxi -rcä&Os uTrspy]; oSspoc im 6 tivcuv ovou.aCop.evov [oder: 
•rcepi ulÜXtjs 7;a&ouc Ütco Ttvübv uSspo? ovofiaCopewj;]. Eine genaue Beschreibung 
dieser an Myome oder Placentarpolypen erinnernden Krankheit giebt Soranos II, 
9 L. (8) S. 119. s. a. d. Anm. mit 3 Parallelstellen b. Oreibasios, Galenos, 
Hippokrates, denen ich nach Kraus, S. 642, noch Aktuarios I, 66. hin- 
zufüge, der rj p.ÜAY] eoüv of/.oc, aapxwSTjc k. t. a. erklärt. Vergl. F. (9) S. 122 
u. 270 u. 276 und Kleinwaechter (20), S. 260 u. 261. — Man hat auch an 
Extrauteringravidität zu denken. 



Die sog. Mola uteri. 109 

beschwerden und Kreuzschmerzen einstellen und der Unterleib 
stärker wird ; indessen lässt sich im Laufe der Zeit dadurch die 
Entscheidung treffen, dass stechende Schmerzen dabei auftreten, 
keine Kindsbewegungen, wie bei den Schwangeren, fühlbar sind ; 
später wenn der ganze Leib verstrichen ist, weil die Schwellung 
immer grösser geworden, ist das vollständige Bild der Wasser- 
sucht (Ascites) vorhanden. Es unterscheidet sich jedoch der 
Tumor vom Hydrops dadurch, dass er dem Drucke der Hand 
niemals nachgiebt, auch keinen tympanitischen Schall oder gar 
Fluctuation beim Anschlagen mit der Hand zeigt, wie das beim 
Hydrops der Fall ist. Manchmal kommt im Laufe der Zeit bei 
Erkältung der Leber auch noch Wassersucht dazu. Einige 
(Aerzte) berichten, dass bei manchen Frauen ein Abgang von 
wallnussgrossen Fleischstücken durch die äusseren Geschlechts- 
theile stattfinde, bald alle Monate, bald nur alle 2 bis 3 Monate. 

Diesen eben beschriebenen Zustand halten die einen für Therapi 
unheilbar, während die andern ihn nur im Anfangsstadium er- 
folgreich behandeln zu können glauben. Jedoch darf man ihn 
nicht vernachlässigen, sondern muss alles thun, was nöthig ist. Also 
(zunächst) gilt es, erweichende Kataplasmen aufzulegen, Bähungen 
und lindernde Ausspülungen zu machen, beruhigende Zäpfchen 
einzuführen, wie sie früher bei der Verhärtung (des Uterus) be- 
schrieben wurden. Ferner muss man ebenso wirkende Sitzbäder 
und Wachsbalsam mit Althäaabkochung und Kyprosöl herrichten 
und das Holzpflaster oder das Erweichungspflaster des Mnasaios 
auflegen. Ferner soll man blutige Schröpfköpfe setzen, saft- 
reiche Kost geben und dies alles im Falle der Verschlimmerung 
wiederholen. Tritt aber ein Stillstand ein, so gilt es, die ge- 
sammten Körperkräfte durch Analeptica zu heben, also Spazieren- 
fahren , Lustwandeln , Bäder, passende Kost und Weingenuss. 
Die kranken Körpertheile bedecke man mit Pechpflaster und 
setze sie der Sonne aus, bestreue sie mit Natron und Salz, lege 
Senfteige und Feigenziehpflaster auf und dergleichen. 

(Hier folgen noch mehrere Sätze, in denen die gleichen Mittel wie in 
Kap. 34 und 74 empfohlen werden. Am Schlüsse heisst es dann:) 

In sehr vielen Fällen wird durch das eben beschriebene 
Verfahren bewirkt, dass ein plötzlicher, sehr reichlicher Abgang 



\\Q Oedem des Uterus. 

von geronnenem, dunklem Blute stattfindet und den kranken 
Zustand verändert (bessert). 

Der Philosoph erzählt: Als bei der Frau seines Freundes 
die Periode ausblieb, wurde sie zuerst für schwanger gehalten ; 
später aber, als die Schwellung (des Leibes) lange Zeit zunahm, 
hielt man sie für wassersüchtig wegen der Schwellungen am 
ganzen Körper und an den Füssen. [Manche nennen die Krank- 
heit Plinthon (Ziegel), manche Myle (Mühle)]. Man gab der 
Frau nun eine Abkochung von Raute und Dill in wohlriechen- 
dem, altem Rothwein zu trinken, Hess sie den Wein erwärmt 
fast wie Wasser trinken, und alsbald verlor die Frau eine Menge 
Blut und wurde gesund. 



Kapitel 77. 
Oedem des Uterus (nach Soranos). *) 

Bei der wässerigen Schwellung der Gebärmutter findet sich 
ein blassgelber, schwammiger, weicher, elastischer Tumor. Dabei 
lässt sich die Haut der Oberbauchgegend mit den Fingern ver- 
schieben. 

Hier thut man gut, die kranken Theile mit warmem gewöhn- 
lichen Iris- oder Kyprosöle zu bestreichen, Zäpfchen einzuführen 
und (alle) die übrigen Hilfsmittel anzuwenden, die (schon) früher 
in dem Abschnitte von der Aufblähung des Uterus angegeben 
sind (Kap. 74). 



Kapitel 78. 

Satyriasis (krankhafte Geilheit, Mutterwuth, 
Nymphomanie) (nach Soranos). 2 ) 

Auch bei Frauen tritt die sogenannte Satyriasis auf, wie 
sie früher als bei den Männern vorkommend erwähnt ist 3 ). Dabei 



J ) Soran. II, 7. L. S. 118. 

2 ) Soran. II, 3. L. S. in. 

3 ) Lib. XI, Kap. 32. 



Entzündung des Uterus. ~[ \ ] 

zeigt sich ein heftiges, sehr lästiges Jucken an den äusseren 
Geschlechtstheilen, so dass die Kranken unaufhörlich mit den 
Händen an den Schamtheilen kratzen. Infolgedessen tritt ein 
unstillbarer Drang nach geschlechtlichem Umgang und eine Ver- 
kehrtheit des Denkens auf (Perversität), ferner Absonderung 
einer scharfen und beissenden, salzigen Flüssigkeit und Ent- 
zündungserscheinungen in der Nachbarschaft des Uterus. Dieser 
Drang zum Beischlaf macht das Leiden noch schlimmer; denn 
obgleich die kranken Organe in starker Spannung und Erregung 
sind, wird doch kein Sperma ausgeschieden, weil die Wege 
infolge der Entzündung verschlossen sind, und dadurch wird 
dem Körper ziemlich viel Materie (Nährstoff) entzogen. 

Hier muss man gleich zu Beginn der Erkrankung zur Ader Behandlung 
lassen und die Nahrungszufuhr einschränken, ferner auf die 
Schamgegend und das Kreuz solche Mittel legen, die abkühlend 
und langsam beruhigend wirken ; den Kopf feuchte man mit 
einer Mischung von Rosenöl und Essig an. Als Getränk soll 
man nur lauwarmes Wasser geben, als Speisen nur solche, die 
leicht verdaulich sind, keine Blähungen machen und durchaus 
nichts enthalten, was zum Coitus reizen könnte. Zwei Tage nach 
dem Aderlass soll man trockne Schröpfköpfe am Unterleibe 
setzen. 

Die weitere Behandlung soll (später) bei der Entzündung 
besprochen werden (Kap. 79). 



Kapitel 79. 

Entzündung des Uterus (Metritis, Parametritis) 
(nach Philumenos). *) 

Die Entzündung der Gebärmutter hat recht viele Ursachen ; Aetioiogie. 
denn sie pflegt nach Stoss oder Schlag, nach der Suppressio 
mensium, nach Aborten und nach Geschwürsbildung aufzutreten; 
bisweilen schliesst sich die Entzündung an eine Erkältung an, 
wenn die Ausdünstungen im Uterus zurückgehalten werden. 
Auch infolge unvernünftigen Beischlafs, ferner durch zu harten 

*) S. a. L. S. 107. Soran. II, 2. 



112 Entzündung des Uterus. 

Sitz und zu vieles und anstrengendes Umherlaufen tritt Ent- 
zündung des Uterus auf. 

)ia g nose. Man wird die Entzündung im Uterus daran erkennen, dass 

die äusseren Geschlechtstheile, die Schamgegend, Unterleib und 
Kreuz fieberhaft heiss sind und weh thun ; ferner daran, dass, wenn 
man die Finger in den Muttermund einführen will, derselbe 
rauh, geschlossen, warm und zurückgewichen erscheint, zumal 
wenn es sich um eine Entzündung im Collum uteri oder am 
Muttermund selbst handelt. — Denn wenn die Entzündung am 
Corpus oder Fundus uteri sitzt, zeigt sich so starker 
Schmerz in der Unterbauchgegend, dass oft (schon) die blosse 
Berührung nicht vertragen wird. Ferner ist der Uterus in den 
meisten Fällen verlagert und nach der kranken Stelle hin ver- 
zogen; aus demselben Grunde ist der Muttermund und die 
Cervix verlagert. Man kann diesen Zustand jedoch von der 
eigentlichen Verlagerung wohl unterscheiden, weil mit den Ent- 
zündungen hohes Fieber und starkes Brennen verbunden ist. 

Ist der hintere Abschnitt entzündet, so treten mehr Kreuz- 
schmerzen auf, und der Stuhl ist angehalten, weil der Mast- 
darm verschoben ist; ist aber der vordere Abschnitt entzündet, 
so tritt Harnverhaltung auf, zumal wenn die tieferen Theile er- 
krankt sind. Erstreckt sich die Entzündung mehr auf die Seiten- 
theile, so werden die Leistengegenden stark gespannt und die 
Beine schwer beweglich. 

Verlauf. Im weiteren Verlauf der Entzündung treten Schüttelfröste 

auf, ferner Magenkrämpfe, Anschwellung des Unterleibes, Fieber- 
hitze, Spannung und Schwere in Hüften, Kreuz, Weichen, Leisten- 
gegend und Oberschenkeln, Schauder, Unruhe, stechende 
Schmerzen, Lähmung der Füsse, Schlottern der Kniee, Schwitzen 
am ganzen Körper, kleiner und sehr frequenter Puls, Ohnmächten, 
Abspannung; ferner bei Zunahme der Krankheit auch Schlucken 
(Singultus), Schmerzen im Halse, in den Kinnbacken, am Vorder- 
haupt und in den Augen, besonders in der Tiefe derselben, 
endlich Stockung der Blasen- und Darmfunction. 

Nimmt die Entzündung noch weiter zu, so vermehren sich 
auch die Schüttelfröste, und daran schliessen sich Delirien und 
Zähneklappern. 



Entzündung des Uteras. 113 

Bei der Behandlung hat man zunächst darauf zu dringen, Therapie, 
dass die Kranken gleich von Anfang an in einem hellen und 
angemessen erwärmten Zimmer strenge Bettruhe beobachten ; 
dann mag man vorsichtige Massage und Einwickeln der Hand- 
und Fussgelenke mit warmen Umschlägen in Anwendung bringen, 
sowie Berieselungen derselben und Bedecken mit reiner Watte. 
Ferner mache man Eingiessungen und Darmausleerungen mit 
recht milden Klystieren. Als Getränk und als Spülflüssigkeit soll 
nur warmes Wasser oder Gerstengraupenschleim genommen 
werden. Tritt die Entzündung heftiger auf, so mache man 
einen Aderlass am Ellbogen, wenn weder Lebensalter, noch 
Kräftezustand, noch Jahreszeit es verbieten, und wenn es sich 
weder um eine Entzündung nach Abort, noch um einen voran- 
gegangenen erheblichen Blutverlust handelt. Sonst kann man 
dem Kräftezustand entsprechend auch am zweiten Tage noch 
zur Ader lassen und es am dritten Tage wiederholen. Als 
Nahrung dienen Speltgraupen in Honigwasser, eingeweichtes 
Brot oder Trinkeier in angemessenen Portionen. Ferner lege man 
auf die Schamtheile und die Unterbauchgegend Wattebäusche 
auf, die in Wein, Oel, Essig oder Rosenöl getaucht sind. 

(Hier folgen allerhand Vorschriften über die Zubereitung verschiedener 
Kataplasmen, weiterhin eine grosse Zahl von Recepten zur Herstellung von 
Zäpfchen; dazwischen wird die locale Behandlung des Leidens mit aromatischen 
Sitzbädern empfohlen, wenn die Entzündung nachlässt, ebenso Schröpf köpfe und 
Abführmittel, (cfr. Kap. 75). Ich gebe nur die Ueberschriften der einzelnen Ab- 
schnitte.) 

Kapitel 80. Schmerzstillende Zäpfchen. 

Kapitel 81. Ein anderes schlafbringendes, schmerz- 
linderndes Zäpfchen, das jede Verhärtung erweicht. 

Kapitel 82. Noch ein anderes Zäpfchen, das bei Ent- 
zündungen Schlaf bringt. 

Kapitel 83. Das (sogen.) „Goldene" Zäpfchen gegen 
Entzündungen und Verlagerungen (des Uterus). — Das sogen. 
Enneapharmakos-Zäpfchen. 



Wegsch eider. 



114 Krebsartige Verhärtungen im Uterus. 

Kapitel 84. 

Krebsartige Verhärtungen (skirrhoese Geschwülste) 
im Uterus (nach Soranos) 1 ). 

Der Uterus verhärtet sich manchmal ganz plötzlich ohne 
weitere Vorzeichen; in vielen Fällen geht eine Entzündung des- 
selben voraus, die weder abgelaufen, noch in Eiterung über- 
gegangen ist. Die Form des Skirrhos ist die einer harten, ziem- 
lich schmerzhaften Geschwulst ; diese skirrhoesen Tumoren finden 
sich meistens am Collum uteri, wo sie bei der Untersuchung 
für den Finger fühlbar sind ; meistens weicht dabei die Cervix 
uteri gegen den Tumor zurück. Falls aber der Skirrhos sich 
am Fundus uteri findet, fühlt man einen derben, nicht nach- 
gebenden Tumor, der ein Gefühl von Schwere und Unbehilflich- 
keit nicht nur in den Extremitäten, sondern auch im ganzen 
Körper hervorruft und Unlust zu allen Verrichtungen des (gewöhn- 
lichen) Lebens bewirkt. Im weiteren Verlaufe tritt Blässe und 
Verfall des ganzen Körpers, bisweilen auch hydropische Schwellung 
Therapie, ein. Soweit nun diese Geschwülste auf Muttermund und -hals 
beschränkt sind, kann man sie gut heilen ; die im Corpus uteri 
dagegen nicht. 

Wenn kein Hindernis vorliegt und der Kräftezustand und 
das Alter es nicht verbieten, soll man gleich zu Beginn in der 
Ellbogenbeuge zur Ader lassen und eine angemessene Menge 
Blut entziehen oder mit Hilfe des Geheimmittels von Archigenes 
abführen lassen ; ferner Sitzbäder verordnen in einer Abkochung 
von Bockshorn, Leinsamen, Polei, Beifuss, wilder Gurke (Wurzel 
wie Blätter) ; ferner — 

(Nun folgt die ganze wiederholt angegebene (cfr. Kap. 63, 65, 66 u. a.) 
locale Behandlung des Unterleibes mit Bähungen, Umschlägen und Zäpfchen ; für 
letztere werden noch einige Recepte unter folgenden Ueberschriften angegeben) : 

Das sog. Libanos-Zäpfchen, das Linderung und 

Erweichung bewirkt. 

Ein anderes, Titanos genannt. 

Noch ein anderes gegen Verhärtungen. 

Ein anderes erweichendes Zäpfchen, das sog. goldene. 



l ) Cfr. Soran. II, 8. L. S. 118, doch ist nur der Anfang des Abschnitts 
erhalten. 



Zäpfchen nach Archigenes. 115 

Ein anderes gegen alle chronischen Erkrankungen 

des Uterus. 
Noch ein Mittel, welches bei Verhärtungen, wo sie 
auch immer auftreten mögen, erweichend und ver- 
theilend wirkt und die stärker indurativen Ent- 
zündungen beseitigt. 
Kapitel 85. Zäpfchen gegen Uterusverhärtungen. 
Kapitel 86. Noch ein anderes wirksames, erweichendes 
Zäpfchen. 



Kapitel 87. 
Zäpfchen nach Archigenes' Schriften. 

Es wirkt bei Verhärtung, Schwäche und Atrophia uteri von 
allen, die ich kenne, am stärksten, und ist bei fast jeder uterinen 
Erkrankung das passendste Zäpfchen. 

Kapitel 88. Lorbeerpflaster von Oreibasios, bei Ver- 
härtungen wirksam. 



Kapitel 89. 
Abscessus (Apostema) uteri [nach Archigenes]. 

Natürlich kommt es nach voraufgegangener Entzündung am 
Uterus auch zur Abscessbildung, wie das ja auch an den anderen 
Organen der Fall ist. Zuerst treten daher nur die S y m p t o m e Symptome. 
der Entzündung auf, dann aber zur Zeit der Eiterbildung treten 
starke Schmerzen hinzu und Schüttelfröste, meist gegen Abend; 
auch wird die Schwellung stärker und der Schmerz stechend ; 
Stuhl oder Urin, oft auch beide, sind angehalten. Der örtliche 
Schmerz zeigt dabei die erkrankte Stelle deutlich an. 

Hier gilt es nun, die Eiterung schleunigst zu fördern, wenn Behandlung 
man sie nicht beseitigen kann. Deshalb muss man auf die 
kranken Stellen Kataplasmen von Leinsamen, Bockshorn und 
Gerstenmehl auflegen, dazu geröstete Feigen, Althäawurzel und 
Terpentinharz, manchmal auch Taubenmist mit Oel und Honig 



\\Q Abscessus uteri. 

(angerührt). Auch Unterleib und Kreuz bedecke man mit Um- 
schlägen, und lasse die Vulva fleissig mit einem Schwämme und 
mit Dämpfen, die aus einem Topfe mit durchbohrtem Deckel 
vermittelst einer Röhre aufsteigen, bähen. Ebenso verwende 
man Sitzbäder und koche dazu solche Stoffe mit Wasser ab, 
die zusammenziehend wirken, wie Polei, Lauch, Lorbeer, Bei- 
fuss, Tausendgüldenkraut u. dergl. — Wenn die Schmerzen 
sehr heftig sind, so setze man dem Wasser noch einige Mohn- 
köpfe zu. Auch Zäpfchen soll man verordnen. 

Auch der Unterleib muss mit den vorher bezeichneten 
Dekokten gebäht werden. 

(Hier folgen einige Recepte.) 

Bricht nun der Eiter nach der Blase durch und wird mit 
dem Harne entleert, soll man reichlich Milch zu trinken geben, 
die lindernd und desodorierend wirkt ; wenn er nach dem Mast- 
darm durchbricht und mit dem Koth oder auch für sich abgeht, 
so mache man Eingiessungen mit Linsen- und Granatäpfelschalen- 
dekokt. Bricht der Eiter nach der Scheide durch und geht per 
vaginam ab, so soll man sofort ungereinigte Watte, mit Rosen- 
öl und etwas lauwarmem Essig getränkt, auf die Schamgegend 
und Unterbauchgegend legen und ein warmes Sitzbad nehmen 
lassen. Ist der Eiter rein, so mache man eine Ausspülung mit 
Rosenöl oder Linsen- oder Gerstenschleim ; ist er aber mit Blut 
vermischt und übelriechend, wie bei rheumatischer Erkrankung 
(Fluss) oder fressenden Geschwüren, so muss die Ausspülung 
mehr adstringierend sein, wie Myrten-, Rosen- oder Palmen- 
dekokte, oder noch stärker wie Linsenabkochung mit Granat- 
apfelschalen. Wenn nach solcher Behandlung die Entzündungs- 
erscheinungen noch andauern, muss man (wieder) die oben be- 
schriebenen Kataplasmen auflegen. Sind die Ausscheidungen 
ungleich, so bäht und badet man wieder mit Honigwasser, spült 
die Genitalien mit Gerstenschleim, dem Honig und Rosenöl zu- 
gesetzt wird, ab und salbt Muttermund und After mit Rosen- 
salbe oder Butter ein, die mit Zinkoxyd, Stibium, Blei- oder 
Silberglätte mit Frauenmilch oder geschlämmtem Blei vermengt 
ist. Bei sehr übelriechendem Ausfluss soll man die Vulva tüchtig 
mit Meth abwaschen und mit all diesen Dingen bis zu voll- 
ständiger Besserung fortfahren. 



Operative Behandlung des Abscesses am Muttermunde. 117 

Kapitel 90. 
Operative Behandlung des Abcesses am Muttermunde. 

Wenn ein Abscess am Muttermund sich bildet und operativ 
behandelt werden kann, so ist es nicht richtig, schleunigst zu 
schneiden, sondern erst, wenn die Schwellung zurückgegangen 
und auch die neben dem Eiterherd liegenden Organe abge- 
schwollen sind. Zur Operation muss man die Frau auf unter- 
einen Operationsstuhl bei guter Beleuchtung in Rückenlage suchun s- 
bringen, mit an den Leib angezogenen Knieen , die Beine ge- 
spreizt ; ferner sollen ihr die Unterarme unter die Kniekehlen 
gelegt und mit Schlingen dort festgemacht werden. Der Operateur 
setze sich auf die rechte Seite , führe von da ein dem Alter 
(der Patientin) entsprechendes Speculum ein und untersuche 
damit. Vorher muss man jedoch mit einer Sonde die Länge 
der weiblichen Scheide ausmessen, damit nicht, wenn die Röhre 
des Speculums zu lang ist, der Uterus gedrückt werde. Findet 
man, dass das Speculum zu lang für die Scheide ist, so muss 
man zusammengefaltete Wolle zwischen die Schamlippen legen, 
damit das Speculum dadurch festgehalten wird. Dann soll man 
die Röhre mit der Schraube nach oben einführen. Es ist nöthig, 
dass das Speculum vom Operateur gehalten und die Schraube 
vom Assistenten gedreht wird, damit durch das Auseinander- 
weichen der Platten des Speculums sich die Scheide (gut) ent- 
falte. Ist dann der Abscess gut erreichbar eingestellt, so schneide indsion. 
man seine Kuppe mit einem breiten oder spitzen Messer ein. 
Nach Abfluss des Eiters lege man ein recht zartes, in Rosenöl 
getauchtes Stück Verbandstoff in die Schnittwunde, und noch 
ein anderes Stück (Gaze) ausserhalb der Wunde locker in die 
Scheide. (Drainage und Tamponade 1 ). Aussen vor die 
Labien, wie auf Unterleib und Kreuz lege man ungereinigte 
oder saubere mit Oel getränkte Wattebäusche. Nach 2 Tagen 
lasse man die Kranke ein Sitzbad in warmem, mit Oel ge- 
mischtem Wasser oder in Malvenabkochung nehmen und lege 
nach dem Abtrocknen wieder einen Gazestreifen sanft in die 
Wunde, der mit dem sog. Tetrapharmakonmittel getränkt ist; 



x ) Z. hat S. 137 jxaXXov Ss; ich verbessere sinngemässer aXXov Se x. t. X. 



118 Behandlung bei Durchbrach des Abscesses in die Bauchhöhle. 

dieses sei frisch bereitet und mit Rosenöl oder Butter verdünnt; 
gelegentlich soll auch noch Honig hinzugefügt werden. Ohne 
Pressen (locker) werden dann wieder zerzupfte Leinwandstücken 
(Charpie) eingelegt, und (von) aussen bedeckt man die Stelle 
täglich mit Umschlägen oder Pflaster, solange die Wunde frei 
von Entzündung und rein bleibt. Wenn sie sich aber nur 
langsam und schwer reinigt , spült man sie mit Hilfe einer 
Ohrenspritze mit Irisdekokt aus und sucht sie mit Kadmiapflaster, 
Gummiharz oder dem aus gedörrter Gerste mit Rosenöl be- 
reitetem Pflaster zur Vernarbung zu bringen. — Wenn der 
Abscess aber innerhalb des Muttermundes sitzt, verzichte man 
auf operative Behandlung und wende nur die kurz vorher er- 
wähnte Behandlungsweise an (s. Kap. 89). 



Kapitel 91. 

Behandlung bei Durchbruch des Abscesses in die 

Bauchhöhle. 

Wenn ein Durchbruch (des Abscesses) zwischen die Ein- 
geweide und das Bauchfell stattgefunden hat, so erscheint die 
Schwellung mehr an dieser Stelle. Findet der Durchbruch 
innerhalb des Uterus statt, so hört der Schmerz auf und der 
Muttermund ist bei der Untersuchung leichter zu erreichen. Man 
thut daher gut, die Perforation nach der Oberfläche hin zu 
fördern ; ferner soll man die Organe erst genügend abschwellen 
lassen und dann mit einem Messer den Abscess an der tiefsten 
Stelle entsprechend dem besseren Eiterabfluss eröffnen. Be- 
fürchtet man eine Blutung, so nehme man statt des Messers ein 
Glüheisen, eröffne damit den Abscess und lasse den Eiter ab- 
fliessen ; denn das Glüheisen unterstützt auch die vollständige 
Ausheilung. Dann sorge man durch Drücken mit den Fingern 
dafür, dass alles flüssige herauskommt, und durch Lagerung (der 
Kranken), dass alles angesammelte abfliesst. Darauf spüle man 
die Wunde mit Honigmischung aus und behandle sie täglich 
zweimal, nachts nur einmal, mit Bähungen vermittelst (feucht- 
warmer) Schwämme ; ab und zu lasse man ein Sitzbad in warmem 
Wasser nehmen ; ferner mag man den Uterus mit warmen Oel- 



Geschwüre im Uterus. 119 

eingiessungen behandeln. Im Uebrigen verfahre man so, wie sonst 
bei der Wundbehandlung. Die Kost sei wohlschmeckend und 
leichtverdaulich, wie Milch mit Mehl, Speltgraupen, Reis, in 
Gersten- oder Speltgraupenbrühe weich gekochte Schweinsfüsse, 
vom Geflügel das meiste, von Fischen die frischen, saftreichen. 
Ist kein Fieber vorhanden, kann man auch süssen alten Wein 
verordnen. 

Kapitel 92. 
Geschwüre im Uterus (nach Archigenes). 

Geschwürsbildung im Uterus tritt auf nach Fluor mit Erosion Symptome. 
oder nach schweren Geburten, nach Abort oder nach Anwendung 
scharfer Arzneimittel. Gleichzeitig tritt ein stechender Schmerz 
in dem kranken Organ auf und beim Nachlassen desselben ein 
Abgang von übelriechenden, eiterähnlichen Flüssigkeitsmengen. 
Bleiben die Geschwüre ungereinigt, so treten auch alle die 
übrigen Symptome auf, die dem kranken Uterus eigenthümlich 
sind, wie Kopfweh, zumal Stirnkopfschmerz, Schmerzen in den 
Augenhöhlen, in den Gelenken, besonders in den Hand- und 
Fingergelenken, und ferner die übrigen schon in dem Abschnitt 
über Entzündung des Uterus früher erwähnten Beschwerden (Kap . 79) . 
Liegt das Geschwür nun ziemlich handgerecht, so wird es mit 
dem Speculum untersucht; liegt es aber mehr in der Tiefe, so 
kann man dies aus dem Abgang von Flüssigkeit erkennen. Die 
Behandlung besteht auch bei diesen Geschwüren in Sitz- Behandlung 
bädern, Ausspülungen, Umschlägen, Zäpfchen u. s. w., wie das 
schon wiederholt beschrieben ist; nur folgendes Mittel hat bei 
Geschwürsbildung im Uterus einen besonderen, günstigen Ein- 
fluss : Bester Safran wird mit Frauenmilch verrieben und Wachs- 
balsam hinzugefügt, der mit tyrrhenischem Wachs, Rosen- oder 
Lilienöl oder Gänsefett flüssig zubereitet ist ; daraus wird dann 
ein Zäpfchen geformt. Noch wirksamer, zugleich auch für die 
Beseitigung grosser Schmerzen geeignet, ist folgendes Mittel. — 

(Hier folgen wieder eine Menge Recepte mit nachstehenden Ueberschriften) : 

Des Philosophen Mittel bei Geschwürsbildung an 

den weiblichen Genitalien und Erosionen infolge 

beissenden Fluors (Prurigo). 



120 Carcinoma uteri. 

Kapitel 93. Behandlung der carbunculösen Ulcera (Brand- 
beulen, Anthraces) im Uterus. 

Kapitel 94. Mittel gegen die ungereinigten Geschwüre 
im Uterus (nach Archigenes). 

Kapitel 95. Mittel gegen den Abgang von Flüssigkeit 
aus den Genitalien. 

Kapitel 96. Mittel gegen die fressenden Geschwüre im 
Uterus (nach Aspasia). 

Ein anderes bei den nässenden Geschwüren wirk- 
sames Mittel. 

Mittel, die zur Vernarbung führen (nach Askle- 
piades). 



Kapitel 97. 
Carcinoma uteri 1 ) (nach Archigenes). 

Von den krebsartigen Geschwülsten (am Uterus) zerfallen 
die einen geschwürig, die anderen nicht, gerade wie beim Brust- 
krebs (s. Kap. 42). 

Bei denen, die nicht in Geschwürsbildung übergehen, ist 
der Befund folgender: Am Muttermund (an der Portio vaginalis) 
sitzt ein harter, unelastischer, unregelmässiger, ungleichförmiger, 
hefenfarbiger, röthlich bis dunkelgrau gefärbter Tumor, der heftige 
Schmerzen macht, die nach den Hüftbeugen, nach dem Unter- 
leib und Kreuz, wie nach den Seiten ausstrahlen. Er erfordert 
manuelle und recht vielseitige medicamentöse Behandlung. 

Ist das Carcinom jedoch in geschwürigen Zerfall über- 
gegangen, so ist zwar der Tumor, die Verhärtung und der 
heftige Schmerz in ähnlicher Weise damit verbunden, aber 
(ausserdem) sieht man noch bei der Untersuchung mit dem 
Speculum zerfressene und zerklüftete, ungleichförmige Geschwürs- 
flächen, die meistens schmutzig belegt, ungleich vertieft, weiss- 
glänzend erscheinen, und wenn sie sich gereinigt haben, hefe- 
farbig, dunkelroth und blutig aussehen. Dazu wird von der 



: ) Bei Soranos II, 23 ist das betr. Kapitel nicht erhalten. 



Carcinoma uteri. 121 

Geschwürsfläche fortwährend eine dünne, wässerige, mit Blut 
und Eiter vermischte, dunkle, beissende und stinkende Flüssig- 
keit abgesondert ; denn die weiblichen Geschlechtstheile sind in 
eigenartiger Weise sekretionsfähig. Die im weiteren Verlaufe 
an der kranken Gebärmutter auftretenden Symptome sind schon 
früher bei der Entzündung beschrieben. 

Schon Hippokrates 1 ) ist der Ansicht, dass die Krank- Therapie. 
heit unheilbar sei; deshalb passt für solche Kranken nur eine 
leicht zu vertragende Behandlung, die auch im Stande ist, zu 
trösten und zu lindern (sogen, palliative Therapie). — Also: 
Sitzbäder in Bockshorn- und Malvenabkochung und den schon 
sehr oft erwähnten Mitteln, ebenso Umschläge von ähnlicher 
Art. Sehr günstig wirkt bei Verschlimmerungen Malve oder 
Althäa in Meth zu Mus gekocht, mit geriebenem Brot und etwas 
Rosenöl vermischt, und das aus getrockneten Feigen und Honig- 
klee und Raute hergestellte Kataplasma; oder man koche Palmen- 
mark in Oelzucker und mache mit Eigelb eine Salbe daraus ; 
oder man zerschneide Mohnköpfe, siebe sie durch und ver- 
wende sie mit Buchweizen-, Endivien- oder Korianderextract ; 
oder man zerkleinere die zarten Blätter des Nachtschattens und 
lege sie mit Frauenmilch auf; oder man füge Nachtschatten zu 
Rosensalbe und giesse allmählich kaltes Wasser dazu. .... 
Alles dies verwendet man bei den heftigen Schmerzen ; hinter- 
her aber soll man Wachsbalsam auflegen .... oder den 
Umschlag mit den gerösteten Gerstenkörnern, den man auch 

bei Verbrennungen verwendet Alles dies legt man 

von aussen in die Scheide neben (vor) den Muttermund; in den 
Uterus selbst aber giesse man Frauenmilch oder warme Eselinnen- 
milch oder gehörig erwärmten Schafszungenextract, zumal wenn 

die Geschwüre bluten Auch Zäpfchen haben gute 

Wirkung Noch besser als alle diese Mittel hilft eins, 

das man auch bei den Erkrankungen des Gesässes anwendet. . . . 
Dergleichen Mittel wende man an ; sehr gut ist auch das früher 
schon bei den fressenden Geschwüren der Brüste angegebene 
mit Wein zubereitete Mittel, (cfr. Kap. 42). 



2 ) S. F. (9). S. 275 u. 276. 



122 Pbimosis uteri. 

Des Philosophen Mittel bei Carcinomata uteri: 
Drei oder fünf Flusskrebse, (stets) nur eine ungerade Zahl, 
röste man auf Kohlenfeuer, zerreibe sie mit Alkanna- Oel und 
streue (das Pulver) mit einer Feder auf (die Geschwüre). 



Kapitel 98. 

Phimosis 1 ) uteri (Verschluss des Muttermundes, 
Stenose der Cervix). 

Phimosis bedeutet eine Verwachsung am Muttermund oder 
Hals, entstanden nach vorheriger Entzündung ; dadurch entsteht 
eine so erhebliche Verengerung (Stenose), dass kein Sperma 
mehr aufgenommen, oder einmal aufgenommenes nicht zurück- 
behalten werden kann, weil der Muttermund wegen der schwieligen 
Verhärtung nicht im Stande ist, sich zusammenzuziehen. Zu- 
weilen blieb einmal aufgenommenes Sperma bei ganz verengtem 
Muttermund (doch) zurück und daraus ward ein lebendes Wesen 
erzeugt ; aber dieses Schwangerschaftsproduct wurde für die 
Schwangere die Todesursache, da es wegen der Verengerung 
der Geburtswege nicht geboren werden konnte. 
Therapie. Hier heisst es nun, (zunächst) sorgfältig Bähungen mit Oel- 

wasser und Bockshorndekokt machen, dann die Spannung der 
Geschlechtsorgane durch Wachsbalsam und erweichende Zäpfchen, 
wie das aus Ysop, Terpentinharz und Natron, herabsetzen. Sobald 
aber die Unterleibsorgane bei der Untersuchung weicher er- 
scheinen, legt man einen recht ausgetrockneten und mit einem 
Faden versehenen Schwamm (Pressschwamm) an die verengte 
Stelle zur Erweiterung. Wenn dann der (erste) Schwamm heraus- 
gleitet, legt man einen zweiten etwas dickeren, ebenso zurecht 
gemachten, ein ; deshalb muss man mehrere verschieden starke, 
gut ausgetrocknete Schwämme bereit halten. Später bestreicht 
man den Schwamm mit folgendem Mittel: Wachholderharz, 
pulverisierten Alaun je I Drachme, Arsenik 3 Drachmen rührt 
man mit Honig an, mischt es gut durcheinander und bestreicht 



J ) Ebenfalls bei Soranos II, 32 inbaltlicb nicbt überliefert. 



Atresia uteri. 123 

den Schwamm vor dem Einlegen damit. Wenn aber nach 
Herausnahme des Schwammes die enge Stelle sich noch nicht 
recht erweitert zu haben scheint, und wenn eine Entzündung 
hinzukommt, soll man den Schwamm mit folgendem Mittel be- 
streichen: Iris 2 Drachmen, Gänsefett, Terpentinharz, Wachs, 
Weihrauch, Irisöl je 2 Drachmen. Zunächst schneidet man die 
Iris klein und siebt sie durch, dann zerreibt man den Weihrauch 
ganz fein ; dann bringt man beides im Mörser unter, stösst es 
zu Pulver und vermischt es noch mit Butter. Darauf bringt man 
Fett und Wachs mit dem Irisöl zum Schmelzen, thut das Harz 
dazu, giesst es durch ein Sieb und vermischt es mit dem Pulver 
im Mörser. Ist die Entzündung vorüber und findet sich der 
Zugang (zum Uterus weiter) geöffnet, so bestreicht man den 
Schwamm mit Wachsbalsam, der mit Rosenöl und Fett zurecht 
gemacht ist, und fährt damit bis zur Vernarbung fort, indem 
man so allmählich die (enge) Stelle fester und derber macht. 



Kapitel 99. 
Atresia uteri. *) 

Manche Frauen haben von Geburt an den Zugang zum 
Uterus verschlossen (nicht durchbohrt, atretisch). Man unter- 
scheidet dabei drei Formen der Atresia: bei den einen 
ist die Vulva durch ein festes derbes Häutchen oder einen 
fleischigen Auswuchs verschlossen, bei den anderen befindet 
sich der Verschluss in der Scheide, bei den dritten am Mutter- 
mund ; allen dreien gemeinsam ist ein lästiger Schmerz zur Zeit 
der Periode. 

Die Behandlung besteht bei denen, deren äussere Scham- Therapie, 
theile (Labien) verwachsen sind, darin, dass man, wie es ge- 
wöhnlich geschieht, die Kranke mit angezogenen Knieen in 
Rückenlage bringt und dann mit einer feinen Sonde die ver- 
klebte Stelle spaltet, bis die natürlichen Formen und Maass- 
verhältnisse hergestellt sind. Darauf füllt man die Wundspalte 
mit gefalteten Leinwandstücken aus, befestigt sie mit einer 



*) Bei Soran II, 33 ebenfalls nicht erhalten; vergl. Gurlt (25) I, S. 400. 



124 Atresia uteri. 

Binde und behandelt einige Tage mit Eiter erregenden Mitteln 
und Umschlägen; später legt man Leinwandstücke ein, die in 
mit Rosenöl verdünnte. Wachssalbe getaucht sind. Findet man 
aber nach der Spaltung noch die kleinen Schamlippen mit den 
benachbarten fleischigen Theilen verklebt, so muss man sie auf 
beiden Seiten unten ein wenig von der Haut entblössen und 
mit Verbandstoffen auseinanderhalten und sonst die vorher be- 
schriebene ßehandlungsweise anwenden. Dabei muss die Kranke 
weiter Rückenlage beobachten und bis zur Vernarbung zwischen 
den Beinen ein Kissen tragen. Die Fälle ferner, bei denen die 
Vulva klafft, in der Vagina aber eine fleischige Verwachsung 
besteht, die dieselbe so vollständig verschliesst, dass nur ein 
ganz kleines Loch bleibt, behandelt man in ähnlicher Weise; 
man lagert die Kranke zunächst ebenso, führt dann (aber noch) 
der Sicherheit wegen einen Katheter l ) vorsichtig in die Harn- 
röhre ein, damit man nicht sich verirrt und zu weit nach oben 
(vorn) einschneidet. Darauf erst spaltet man etwas mehr nach 
unten (hinten) von der durch den Katheter bezeichneten Stelle 
mit einem dazu geeigneten lanzenförmigen Instrument, bis die 
Scheide naturgemäss freiliegt. Dann umschneidet man die 
Wundränder der eben durchschnittenen Verwachsung, indem 
man sie mit einem Haken auseinanderhält, auf beiden Seiten 
rings herum, sodass eine quadratische Figur entsteht (An- 
frischung) ; darauf lässt man die Kranke aufrecht stehen mit 
gespreizten Beinen, damit die Flüssigkeit (das Blut), die sich im 
Uterus angesammelt hat, gut abfliesse. Darnach legt man sie 
wieder hin und legt einen gedrehten, in Wein und Oel ge- 
tauchten Leinwandstreifen in die Wunde (Tampon); dieser soll 
am Ende mit einem Faden befestigt werden, der heraushängt, 
um leicht (wieder) hervorgezogen zu werden. Nach dem Ver- 
binden lässt man die Frau ruhig (im Bett) liegen und spült in 
den nächsten Tagen nur mit Honigwasser ab und tränkt den 
Tampon mit einem Mittel, das Eiterung bewirkt. Sobald die 
Vernarbung beginnt, legt man eine Röhre von Zinn ein und 
befestigt sie, bis die Stelle derb und fest geworden ist. Wenn 
aber die Stelle zu eng wird und der Muttermund sich wieder 



x ) S. d. Abbildg. bei Gurlt (25). I. Tfl. II. Fig. 66 u. 67. 



Hämorrhoiden im Uterus. 125 

schliesst, legt man wiederum einen trockenen Schwamm ein, bis 
die Stelle gut vernarbt ist. 

Falls am Muttermunde eine membranartige Verwachsung 
besteht, verfährt man in gleicher Weise, dehnt mit dem Speculum, 
durchsticht mit dem gekrümmten Messer die Membran, erweitert 
die Oeffnung durch Drehen, sodass die Membran durch das 
längliche glatte Speculum stark gespannt wird, und schneidet 
sie dann aus. Hierauf bestreut man die Stelle mit einem 
frischen trocknen Streupulver und legt (wieder) einen Tampon 
ein, der, wie oben beschrieben, an seinem Ende mit einem 
Faden versehen ist, und setzt die Behandlung in gleicher Weise 
fort. Bleiben Membranreste stehen, so werden sie durch das 
Pulver oder das sogen, aschgraue Mittel zerstört. Wenn die 
Wunden sich dann gereinigt haben, tränke man die Tampons 
mit folgendem Mittel : Wachs, Terpentinharz, Gänsefett je 2 Dr., 
Iris, Weihrauch je 1 Dr., Safran 3 Dr., Irisöl 16 Dr. Iris, Safran 
und Weihrauch zerreibt man mit Oelzucker, das schmelzbare 
bringt man zum Schmelzen, giesst es durch und mischt alles 
zusammen. Ferner muss man das Speculum immer wieder ein- 
führen und darauf achten, dass nicht etwas wildes Fleisch 
stehen bleibt, vielmehr dies mit folgendem Mittel beseitigen: 
Metallschuppen, Grünspan, Weihrauchrinde je 2 Drachmen zer- 
kleinert man und streut es auf, oder dasselbe mit geschlämmtem 
Blei. Ausserdem muss man mit der Einführung der Schwämme 
bis zur Vernarbung der Muttermundslippen fortfahren, ebenso 
mit der des Zinnrohrs. 



Kapitel 100. 

Hämorrhoiden im Uterus 1 ) (nach den Schriften der 

Aspasia). 

Hämorrhoiden treten theils am Muttermund, theils an der 
Cervix auf, theils auch in der Blase, selten nur in der Scheide. 
Man kann sie durch Touchieren, noch besser mit Hilfe .des 



J ) Von So ran os II, 30 ist nur der Titel überliefert. 



1 og Lithiasis uteri. 

Speculums diagnosticieren. Sie machen dieselben Beschwerden, 
wie die am After, und verursachen (besonders) Sterilität und 
ein Gefühl von Schwere im Kreuz zur Zeit der Periode. 

Die malignen Krampfaderknoten zu behandeln, vermeide 
man ; die andern werden ebenso wie die am After chirurgisch 
behandelt: Die harten, nur wenig blutenden und nicht mit 
(grossen) Gefässen verwachsenen Knoten soll man gleich (mit 
dem Messer) abtragen ; die reichlich blutenden Hämorrhoiden 
muss man vorher an der Basis rings umschneiden, dann mit 
dem Haken eine feste Schlinge in der Schnittlinie rings umlegen 
und sie damit abschnüren, dann bald darauf sie etwas spannen 
und abschneiden, schliesslich trocknes frisches Streupulver auf- 
streuen. 

Will man die Hämorrhoidalknoten ohne operative Behand- 
lung zur Eintrocknung und Verödung bringen, so muss man 
sie mit folgenden Pulvern bestreuen : 

(Hier folgen 6 Recepte; am Schlüsse heisst es dann :) 

Man wende auch die früher bei den Hämorrhoiden am Ge- 
säss empfohlenen Mittel, besonders das von Hippokrates an, 
und lasse die Kranken die gegen Blutungen früher angegebenen 
Arzneien einnehmen und Sitzbäder in adstringierenden Dekokten 
nehmen. 



Kapitel 101. 
Lithiasis uteri. 

Recht selten finden sich bröcklichte 1 ) Steine im Cavum uteri, 
die es ausfüllen, und die man entfernen muss. Dazu sorgt man 
zunächst durch ein ordentlich abführendes Klystier für gründ- 
liche Entleerung der Därme, dann macht man eine Eingiessung 
in den Uterus von l \z Becher Bockshorn- und Malvenabkochung 
mit ein wenig Rosenöl. Dann lege man die Frau auf den Rücken 



l ) Z. (7) S. 149 hat hier sehr richtig Weigels TtupcueiBeTc in uwpost&ets ver- 
bessert. Unter uffipo?, Tuffstein versteht man jede Verhärtung von Knotenform, 
wie Gichtknoten (Tophi), Schwielen, Harnsedimentsteine u. a,, wenn sie nur porös 
erscheinen. Lat. heissen sie calculi tofacei. Käheres mit Erklärungen von Paulos 
Aiyinetes s. b. Kraus. (16) S. 836. 



Die Blasensteine. 127 

in Hängelage x ) mit gespreizten Beinen und führe die beiden 
langen Finger der linken Hand in den After ein, mit der rechten 
Hand aber drücke man auf den Bauch, indem man dabei den 
Stein herausstösst, nach unten und aussen leitet und ihn durch 
die in den Mastdarm eingeführten Finger weiter schiebt. Sobald 
man mit der Beförderung des Steines am Orificium und an der 
Cervix uteri angelangt ist, lässt man nach und nimmt ihn sachte 
heraus. Die ausserhalb des Uterus nur am Orificium oder der 
Cervix uteri angewachsenen Steinbildungen behandelt man so, 
dass man die Stellen mit dem Speculum einstellt und sie mit 
dem Bistouri herausschneidet , sie entfernt und dann frisches 
Streupulver auf die Stelle streut. 



Kapitel 102. 
Die Blasensteine. 

Steine bilden sich auch in der Blase bei Frauen selten; 
denn sie haben einen ziemlich breiten und recht geradeaus ge- 
richteten Harnausführungsgang (Harnröhre). Man muss den Stein 
bei Frauen von der Scheide aus diagnosticieren, denn die Blase 
liegt ja am Uterus. Man legt nun (wieder) die Frau auf den 
Rücken mit tiefer gelagerten Hüften und gebeugten Beinen und 
führt die beiden Finger der linken Hand in die Scheide ein ; 
während man mit der rechten Hand von oben auf die Blase 
drückt, treibt man den Stein gegen den Blasenhals und schiebt 
ihn soweit herunter, dass er ausserhalb des den Blasenhals 
schliessenden Muskels sich befindet ; dann macht man einen 
Einschnitt etwas über den Schamlippen da, wo man den Stein 
fühlt, und holt ihn dann mit der Steinzange heraus. Hinterher 
füllt man die Schnittwunde mit Weihrauchkrümeln aus, legt 
zahlreiche mit Oel getränkte , erwärmte saubere Wattebäusche 
auf Unterleib und Kreuz und befestigt sie mit einer Binde; 
ferner spült man diese Theile zwei- bis dreimal bei Tage und 



x ) ÜTtxiav xatäppOTtov heisst eigentlich „rücklings, (hintenüber) nach unten 
hängend". Für die bimanuelle Entfernung der Steine ist die „Steissrückenlage" 
wohl bequemer, erfordert jedoch eher Assistenz, von der hier nirgends die Rede ist! 



128 Hydrocele muliebris. 

einmal bei Nacht ab und salbt sie mit Oel ein. Nach 3 Tagen 
füllt man die Wunde mit milden trocknen Mitteln aus, die die 
Granulationen fördern, bis (genügende) Granulationsbildung ein- 
getreten, und sucht durch das aus Essig und Oel bereitete 
Pflaster (vollständige) Vernarbung zu erzielen. Ein gutes Mittel 
zur Granulationsbildung für solche Stellen und überhaupt 
für jedes tiefe Geschwür ist folgendes : Feinstes Weizenmehl, 
Weihrauchkrümel je 2 Unzen, fein pulverisiertes Geigenharz 
1 Unze; mit diesem trocknen Pulver füllt man die ganze Wund- 
höhle reichlich aus. 



Kapitel 103. 

Hydrocele muliebris (Wasserbruch) (nach den Schriften 

der Aspasia). 

Auch Hydrocelen finden sich an den Schamlippen, ähnlich 
den Emphysemen, nur sind die Schwellungen weich und locker, 
manchmal nur auf einer, manchmal auf beiden Seiten auftretend ; 
sie geben bei der Untersuchung und Betastung das Bild der 
Fluctuation. Hier muss man nun zuerst versuchen mit den 
Mitteln, die früher beim Wasserhodenbruch der Männer (Lib. 
XIV, 22) angegeben sind, eine Vertheilung der Schwellung zu 
erreichen, zumal bei Virgines muss man so verfahren. Sonst 
Operation, muss man einen Längsschnitt, der Schwellung entsprechend, 
machen und nach Spaltung der Hautoberfläche die darunter- 
liegenden Membranen nach und nach freilegen , sie mit Haken 
fest fassen, nach beiden Seiten auseinanderhalten und die die 
Flüssigkeit enthaltende Membran anstechen. Wenn die Flüssig- 
keit vollständig entleert ist, zieht man rings um den Einschnitt 
in die Membran einen myrthenblattförmigen Schnitt und ent- 
fernt das Häutchen und wendet eiterbildende Mittel an; die 
Wundränder vereinigt man vorher durch 2 oder 3 Nähte. Dann 
macht man Oelumschläge, wie bei der Behandlung der männ- 
lichen Hydrocele, und verfährt im übrigen , wie (dort) früher 
(schon) beschrieben ist. (Lib. XIV, 22.) 



Die Leistenbrüche. 129 

Kapitel 104. 
Die Leistenbrüche. 

Auch bei Frauen kommen Leistenbrüche vor, meist auf 
der rechten Seite der Mutterscheide, die manche auch noch als 
Schamgegend bezeichnen. Man versteht darunter eine (über 
die Oberfläche) hervortretende Schwellung, die bei der Unter- 
suchung sich rauh und hart anfühlt, ein gurrendes Geräusch 
von sich giebt und sehr leicht gedrückt wird, besonders wenn 
die Frauen die Beine breit machen oder auf dem Rücken aus- 
gestreckt liegen. 

Die Behandlung besteht auch bei diesen Fällen zunächst 
darin, dass man gleich bei Beginn einen entsprechenden Ver- 
band anlegt und die Medicamente (äusserlich) anwendet, die 
schon früher bei den Intestinal- und Inguinalhernien der Männer 
angegeben sind (Lib. XIV, Kap. 23 u. 24). Tritt darnach keine 
Besserung ein, so muss man chirurgisch eingreifen. Dazu muss Operation, 
man die Kranke in Rückenlage mit etwas erhöhten Beinen 
bringen und nach Hinaufschieben des Darmes einen Schräg- 
schnitt in der Leistengegend machen ; darauf legt man die mit 
der Haut verwachsenen Membranen allmählich frei und zieht 
.dann den erweiterten und erschlafften Theil des . Bauchfells 
(Bruchsack) hervor und breitet ihn aus, dabei (immer) den darin 
liegenden Darm sorgfältig zurückschiebend. Dann schnürt man 
den überschüssigen Theil des Bauchfells ab und vernäht ihn; 
dann (erst) schneidet man ab und entfernt das Bauchfell etwas 
oberhalb der Naht. Darauf vereinigt man die Ränder des 
Hautschnittes durch zwei oder drei Nähte und legt einen Ver- 
band darüber. Obenauf legt man nicht entfettete, in Essig und 
Oel getauchte Wattebäusche und bindet sie fest. 

Im übrigen besteht die weitere Behandlung in der An- 
wendung solcher Mittel, die die Eiterung, Reinigung und Granu- 
lationsbildung fördern. Auch feuchte und trockene Umschläge 
wendet man an, bis die Entzündungserscheinungen zurückgehen. 
Schliesslich bringt man die Stelle zur Vernarbung, wie auch bei 
den übrigen Wunden. 



Wegschei der. 



130 Kirsokele (Hernia varicosa, Krampfaderbrach). 

Kapitel 105. 

Kirsokele (Hernia varicosa, Krampfaderbruch) 
(nach den Schriften der Aspasia). 

Auch Krampfaderbrüche (Varicocelen) treten an den Scham- 
lippen auf. Man versteht darunter Blutaderknoten (Varicen), 
ähnlich denen, die an den Beinen vorzukommen pflegen, und 
Operation, behandelt sie chirurgisch in folgender Weise: Zunächst legt 
man einen geraden oberflächlichen Längsschnitt der Lage des 
Gefässes entsprechend an, löst dann vorsichtig die Verwachsungen, 
zieht dann das Gefäss nach Freilegen desselben mit dem stumpfen 
Haken etwas in die Höhe, unterbindet es mit zwei Fäden im 
oberen und unteren Theile und eröffnet die Vene, wie beim 
Aderlass. Wenn dann das darin enthaltene Blut entfernt ist, 
schneidet man den mittleren überflüssigen Theil des Gefässes 
zwischen den beiden Unterbindungen durch und entfernt ihn. 
So verfährt man bei jedem der varicösen Gefässe ; dann ver- 
bindet man die Wunde mit Leinwandstücken, legt einen in 
Essig oder Essigmischung getauchten Schwamm darauf und 
wendet im übrigen die der Eiterung förderliche Behandlung an. 



Kapitel 106. 

Nymphotomie x ) (Excision der (hypertrophischen) 
Clitoris) (nach Philumenos). 

Die sogen. Nymphe ist ein gleichsam muskulöses oder 
häutiges Organ, das an der vorderen Commissur der Scham- 
lippen liegt, da wo sich die Harnröhren(mündung) befindet. Bei 
manchen Frauen vergrössert es sich übermässig und wächst so 
sehr, dass es nicht nur Hässlichkeit und Schande bewirkt, 
sondern auch durch die dauernde Reibung an den Kleidern ge- 
reizt wird und den Trieb zum Beischlaf weckt. Deshalb schien 



1 ) Diese Operation (Clitoridectomie) wird jetzt nur noch bei malignen Neo- 
plasmen ausgeführt ; s. Herff und Saenger (22). S. 224; dagegen Busch (23), 
Bd. 5. S. 222, der 1844 die Operation genau wie Aetios beschreibt. Vergl. 
Gurlt (25). I. S. 401 und 553 — 555, sowie Siebold (2), S. 238. Anm. 2. 



Polypen am Muttermunde. 131 

es (schon) den Aegyptern gut, es zu entfernen, bevor es wüchse, 
zumal dann, wenn die Mädchen sich verheiraten wollen. Die 
Operation wird folgendermassen ausgeführt: 

Das Mädchen wird auf einen Operationsstuhl gesetzt; hinter Operation. 
ihr steht ein kräftiger junger Mann, der seine Arme unter ihre 
Kniekehlen legt und die Beine und den ganzen Leib festhält. 
Der Operateur steht gegenüber vor ihr und fasst die Clitoris 
mit einer breiten Zange, zieht sie mit der linken Hand vor 
und schneidet sie dann neben den Zähnen der Zange ab. Es 
ist nöthig, dass man nur soviel abschneidet, wie bei der Ab- 
schneidung des Zäpfchens (im Munde), sodass nur das (wirklich) 
überflüssige entfernt wird. Ich sagte, die Abtragung soll neben 
den Zähnen der Zange vorgenommen werden, weil die Clitoris 
häutig ist und sich sehr stark ausziehen lässt ; denn wenn man 
zu viel amputiert, tritt unwillkürlicher Harnabgang ein. 

Nach der Operation muss man die Wunde mit Wein Nach- 
beizen oder mit kaltem Wasser, dann mit einem Schwamm ab- behandlun s- 
waschen und mit Weihrauchkrümeln bestreuen. Auch legt man 
wieder in Essigmischung angefeuchtete Leinwandcompressen auf 
und darüber einen Schwamm, der in Essigmischung getaucht 
war. Nach 7 Tagen streut man fein pulverisierten Galmei (Zink- 
oxyd), allein oder mit Rosen, auf die Wunde oder das aus 
phrygischem Stein bereitete Pulver. Gute Wirkung, auch bei 
Geschwüren an den äusseren Geschlechtstheilen, hat noch 
folgendes Mittel : Palmenrippen verbrennt man und streut die 
fein pulverisierte Asche davon auf. 



Kapitel 107. 
Polypen am Muttermunde. ) 

Bei manchen Frauen findet sich ab und zu ein fleischiger 
Auswuchs am Muttermunde, der die weibliche Scham ausfüllt 
(bis in die Vulva reicht). Manchmal tritt er auch nach aussen 
hervor, ähnlich dem Schwänze des Esels, woher er auch seinen 
Namen (,,schwanzförmiger Auswuchs") hat. 



l ) Vergl. Gurlt (25) I. S. 401 und Wellmann (4), S. 125. 



132 Warzen im Uterus, mit breitem und mit dünnem Stiel. 

Behandlung. Zur B e h a n d 1 u n g verfährt man, wie eben bei der Nympho- 

tomie besprochen; man zieht mit einer Zange den Auswuchs 
an und schneidet mit einem spitzen Messer von der Basis am 
alles überflüssige ab. Nach der Operation verfährt man ähnlich 
wie bei den Clitoridectomierten (Kap. 106). 



Kapitel 108. 

Warzen im Uterus, mit breitem und mit dünnem Stiel 
(nach Philumenos). 

Warzen finden sich bald auf den Labien, bald an der Vulva, 
bald an der Cervix, bald am Orificium uteri. Sie stellen trockne, 
rauhe Hervorragungen dar, ähnlich der Spitze des Thymian, und 
sind bei manchen schmerzlos, bei andern bösartig und grauroth, 
auch blutig, besonders nach Cohabitationen und Hin- und Her- 
laufen; manchmal sehen sie auch reifen Maulbeeren ähnlich. 
Man diagnosticiert sie durch (einfaches) Hinsehen, entweder an 
ihrem Sitze oder mit Hilfe des Spiegels. 
Behandlung. Man behandelt diese Warzen von Beginn an ebenso , wie 

sonst überhaupt Warzen mit dünnem und mit breitem Stiel. 
Wenn sie aber nicht verschwinden, muss man sie chirurgisch 
behandeln. Dazu lagert man die, Kranken (günstig), zieht die 
Warze mit der Zange vor und trägt sie mit dem Messer am 
Grunde vollständig ab; dann stillt man die Blutung in der üb- 
lichen Weise. Die mehr nach innen gewachsenen Warzen, die 
man wegen der Tiefe mit dem Messer nicht erreichen kann, 
lässt man in Ruhe und behandelt sie nur mit passenden Arznei- 
mitteln, wie sie für Warzen und Auswüchse am Körper über- 
haupt vorgeschrieben sind. (Lib. XIV, Kap. 4.) 

(Hier folgen Angaben über mehrere wunderliche Sympathiekuren, deren 
eine durch die Ueberschrift „die ich bei meiner eigenen Frau anwen- 
dete", empfohlen wird. Später heisst es dann weiter nach Oreibasios 1 ): 

Man muss sich aber wegen der Blutung hüten, an den bös- 
artigen Warzen zu schneiden, dagegen soll man die nicht ma- 
lignen alle abtragen; denn hier braucht man keine Blutung zu 



] ) S. Pagel (3) I. S. 142. 



Die Condylome. 133 

fürchten. Nur auf eins muss man noch achten, dass nämlich 
der Uterus selbst nicht von der Schneide des Messers verletzt 
werde. Es ist möglich , dies zu vermeiden, wenn die Warze 
weit vorgezogen und dicht neben den Zähnen der Zange abge- 
tragen wird, wie das schon oben bei der Nymphotomie erwähnt 
ist. (Kap. 106.) 

Nach der Abtragung der Warzen muss man zur gründlichen 
Austrocknung der Stellen ein sicher blutstillendes Mittel an- 
wenden ; denn das Feuchtbleiben ist Schuld , dass die Warzen 
immer wieder wachsen. Ebenso ist auch eine weitere aus- 
trocknende Behandlung am Platze, weshalb alle fetten und er- 
weichenden Mittel überhaupt von der Behandlung auszuschliessen 
sind ; dagegen verwendet man gleich nach der Operation pul- 
verisierte Galläpfel oder Alaun mit gleichen Mengen Weihrauch. 
Im weiteren Verlauf der Behandlung verordne man trockne 
Arzneimittel von schönem Aussehen, wie man sie bei Mund- 
krankheiten anwendet, oder trockne Rosen und Granatapfel- 
kelche. Denn diese fördern auch sehr die Zusammenziehung, 
Reinigung und rasche Vernarbung der Wunden. 



Kapitel 109. 
Die Condylome (nach Aspasia). 

Ein Condylom ist eine Erhöhung auf einer Runzel. Denn, 
wenn die Runzeln am Muttermunde eine Entzündung überstanden 
haben, schwellen sie an und werden hart, und bewirken dadurch 
eine gewisse Veränderung und Verdickung an den Organen. Die 
Schwellung tritt besonders bei den monatlichen Blutungen auf 
und macht bei der Entbindung Beschwerden. Man erkennt sie 
leicht bei der Digitaluntersuchung. 

In solchen Fällen muss man nun adstringierende Bähungen 
und Zäpfchen anwenden, wie sie für den After angegeben sind, 
besonders die aus Granatapfelschalen mit Butter oder indischem 
Lykionsaft mit Ysop zubereiteten und dergleichen. 



[[34 Die Rhagaden am Uterus. 

Kapitel 110. 
Die Rhagaden (Fissuren, Cervixrisse) am Uterus. 

Einrisse am Muttermunde entstehen nach schweren Geburten 
durch die Grösse des Kindskopfes ; auch durch reichlichen scharfen 
Ausfluss, der die Genitalien anätzt und wund macht. Anfangs 
werden sie trotz der vorhandenen Schmerzen übersehen, da die 
frischen Schmerzen von der Entbindung her noch anhalten (Nach- 
wehen) ; später aber nimmt man sie allmählich deutlich als Ver- 
letzungen wahr. Denn bei der Untersuchung und beim Coitus 
treten deutlich Schmerzen auf, wobei auch in Folge der Reibung 
die Wunden zu bluten anfangen. Man untersucht noch besser 
mit dem Speculum; denn wenn die Scheide entfaltet ist, kann 
man die Risse rings um den Muttermund sehen. 

Chirurgische Behandlung und jeden erheblichen localen gynä- 
kologischen Eingriff muss man nun hier streng vermeiden ; denn 
sonst treten Entzündungen und Krämpfe auf. Vielmehr soll 
man recht einfache Sitzbäder und Zäpfchen verordnen und solche 
Arzneien, wie sie für die Rhagaden am After empfohlen sind, 
besonders die aus Zinkoxyd, Antimon und geröstetem Blei 
zusammengesetzten (Lib. XIV, Kap. 3). 

(Den Rest des Kapitels bilden Recepte.) 



Kapitel 111. 
Periförmige Verhärtungen am Uterus (nach Aspasia). 

Bisweilen treten am Collum oder am Orificium uteri oder 
an der Vulva gewisse hirsekornartige Hervorragungen auf, die 
man zwar mit dem Finger fühlen kann, noch besser aber im 
Speculum sieht. Sie bewirken, zumal in Folge der Reibung beim 
Coitus, Entzündungen und hindern die Menstruation und die 
Empfängnis. Dagegen wendet man zunächst Abführmittel an, 
wischt darauf die Scheide mit einem Tuche aus und führt ein 
Zäpfchen ein, das aus dem Fleische getrockneter fetter Feigen 
und pulverisiertem Alaun gefertigt ist ; oder ein solches aus 
Galle und Alaun ; oder man reibt mit Arzneimitteln ein, die im 



Krätzeartige Ausschläge am Uterus. 135 

Stande sind, die Knötchen zu zertheilen und zu beseitigen; ferner 
lässt man Ausspülungen mit Honigwasser und einem von den 
aromatischen Dekokten machen. 



Kapitel 112. 
Krätzeartige Ausschläge am Uterus. 

Auch ein der Scabies ähnlicher Ausschlag kommt an der 
Vulva und am Muttermund vor, sodass kleienartige Schuppen 
sich davon ablösen. Er ruft Jucken hervor und verlangt Warm- 
wasserbehandlung. Hier passen Abführmittel mit Eselinnenmilch 
und Brechmittel nach Tische; ferner Schwitzen im Bade und 
Sitzen in warmem Wasser, ferner Eingiessungen mit warmem 
Wein, mit Natron oder mit gerösteter Weinhefe. Hinterher soll 
man die kranken Stellen mit warmem Wasser einreiben oder 
mit indischem Lykionsafte und ähnlichen Mitteln. Schuppen 
und Warzen entfernt man mit einer Salbe aus Saubrodwurzel- 
knollen und Honig. In der Kost ist alles scharfe, salzige und 
saure zu vermeiden. 

Kapitel 113. 
Abscesse an den Schamlippen. 

Wenn einmal an einer der Schamlippen sich ein Abscess 
bildet und nach dem Gesäss hin erstreckt, so soll man sich 
hüten, ihn einzuschneiden. Denn an diesen runzeligen Stellen 
entstehen aus den einfachen Schnittwunden leicht Fisteln. Da- 
gegen kann man die nach vorn, zur Harnröhre sich erstecken- 
den Abscesse ohne weiteres eröffnen und ausschneiden. 

(Der Rest des Buches XVI. von Kap. 114 bis 146 enthält, wie meist bei 
Aetios am Schlüsse jedes XÖyos, nur pharmakopoetische Vorschriften, Rathschläge 
und kosmetische und kulinarische Recepte, die kein rein medicinisches Interesse 
bieten. Ich gebe daher nur die Ueberschriften der einzelnen Abschnitte wieder:) 

Kapitel 114. Für Frauen mit hervorstehendem Nabel. 
(3 kurze Recepte.) 

Kapitel 115. Mittel gegen Runzeln und Verfärbungen 
des Unterleibs nach Geburten. 



136 

Kapitel 116. Wunderbares Waschwasser, welches das 
Antlitz reinigt und glänzend macht. 

Kapitel 117—119. Zubereitung von Pflanzensäften, Mo- 
schus-Arzneien, zusammengesetzten Abführmitteln, Räucher- 
mitteln und andern wohlriechenden Salben. 

Kapitel 120. Herstellung einer flüssigen Salbe, welche 
Frauen für ihre Ohren gebrauchen. 

Kapitel 121 — 124. Zubereitung kostbarer Oele und Salben. 

Kapitel 125—133. Recepte für Wermutwein und ähn- 
liche Mittel. 

Kapitet 134. Kuchenrecept. 

Kapitel 135. Saucenrecept. 

Kapitel 136 — 145. Verschiedene Räuchermittelrecepte, 
auch ekklesiastische. 

Kapitel 146. Mittel zur Einbalsamierung eines Todtem 



Ende 

des 16. und letzten Buches 

des Aetios. 



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Druck der Königl. Universitäts-Druckerei von H. Stürtz, Würzburg 



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