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Full text of "Internationale Beiträge zur Pathologie und Therapie der Ernährungsstörungen, Stoffwechsel- und Verdauungskrankheiten 1.1909-10"

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Internationale Beiträge 

zur 

Pathologie und Therapie 

der 

Ernährungsstörungen 

Stoffwechsel- und Verdauungskrankheiten. 

Mitarbeiter: 

M. Aacoli-Paria, Babkin-Petersburg, Bestände • Paris, Bernard-Plornbiöres les Btius, Boenniger- 
Pankow, Borodenko-Charkow, Bottazzl-Neapel, Bonrget-Lausanne, Chabrol-YicLy, Chittenden-New 
Haven, Dapper-Kissingen, Ebsteln-Göttingen, F.hnnann-Berlin, Etnliorn-New York, Erben-Wien, Ewald- 
Berlin, Flelner-Heidelberg. Fraenckel-Berlin, Fnld-Berlin, Gabbl-Rom, tialeotti-Neapel. A. E. Ciarrod- 
London, G anltier-Paris, Golubinin-Moskau, Gonrand-Paris, Horometer-Baltimore, Jawort ki-Krakau, Kast- 
New York, Kolbe-Paris, Knttner-Berlin, Landergren-Stockholin, Laqnenr-Berlin, Lepine-Lyon, Linde- 
mann-Kiew, Linosaler-Vichy, Lion-Paris, Matbien-Paris, Meyera-Albany, Minkowski-Breslau, Neunann- 
Albany, Orbeli-Petersburg, Obrastzow-Kiew, Popielaki-Lemberg, Reichmann-Warschau, de llenzl- 
Neapel, P. F. Richter-Berlin, A. Bobin-Paris, Rodarl-Zürich, H. Boeder-Berlin, Roeenhelm-Berlin, 

€h. Ronx-Paris, Rnbner-Berlin, Salomon-Wien, Schreiber-Königsberg, Straabnrger-Bonn, Straoas- 
Herlin, Tan gl-Budapest, Yisentinl-Pavia, Yolhard-Mannheitn, Welntraud-Wiesbaden, Haie White- 
London, Winternitz-Halle, Wohlgemnth-Berlin, L. Zoja-Parma. 

Herausgeber: 

Amerika: Belgien: Dänemark: Deutschland: 

Herter-New York. Znnz-BrDssel. Fnber-Kopenhagen. A. Schmidt-Halle. 

England: Frankreich*. Griechenland: Japan: Italien: 

Bnyllsa •London. Hayem-Paris. Chrlatommnoa- Athen. Nagayo-Tokiu. Lnclani-Eom. 

Niederlande: Norwegen: Oesterreich: Rumänien: 

Pel-Arasterdara. FSrat-Christiania. ?on Noorden-Wien. Mironeacn-Bukarest 

Russland: Schweden: Schweiz: Ungarn: 

Roldyreff-St. Petersburg. Pctrea-Upsala. Sahli-Bern. ron Koranyi-Budapest. 

Redaktion: 

A. Bickel- Berlin. 


Erster Band. 

Mit 16 Textfiguren und 24 Kurven. 


Berlin 1910. 

Verlag von August Hirschwald. 

NW., Unter den Linden 68. 


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Inhaltsverzeichnis. 


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I. Heft: seito 

Bickel (Berlin), Zur Einführung. 1 

I. v. Benczür (Budapest), Beiträge zur Kenntnis der Peristaltik 

des Dünndarms. 5 

II. Di Gristina (Neapel), Sul ricambio respiratorio nei polli gottosi. 29 


III. Borodenko (Charkow), Untersuchungen über den nervösen Re¬ 
gulationsmechanismus der Magensaftsekretion, insbesondere über 

das Regulatioöszentrum in der Regio pylorica. (Mit 3 Kurven.) 48 

IV. Rheinboldt (Kissingen), Ueber den Sckretionsablauf an dem 
der extragastralen Nerven beraubten Magenblindsack. (Mit 


15 Kurven.).65 

V. Mathieu et Montier (Paris), Le traitement medical de Pu leere 

simple de l’estomac en France.87 

VI. Obrastzow (Kiew), Ueber die Therapie des Magengeschwürs in 

Russland.111 

VLI. Bickel (Berlin), Die Pathologie der Sekretion und Motilität im 

Verdauungskanal.116 


II. Heft: 

VIII. Permin (Kopenhagen), Gastritis bei Lungentuberkulose. Klinische 

u. pathologisch-anatomische Untersuchungen. (Mit 2 Textfiguren.) 129 

IX. Str&uss (Berlin), Zur Aetiologie der digestiven Hypersekretion. 161 

X. Miesowicz et Maciag (Krakau), Recherches cliniques et experi¬ 
mentales sur la presencc des substanccs antitryptiques du serum 


sanguin de Phomme.179 

XI. Mironescn (Bukarest), Ueber die Wirkung von Organextrakten 

auf die Darmsaftsekretion.194 

XII. Boeder und Wienecke (Berlin), Ueber den Einfluss von Wander¬ 
touren auf die körperliche und geistige Entwicklung in der Er¬ 
nährung zurückgebliebener Schulkinder. (Mit 1 Textfigur.) . . 199 

XIII. Einhorn (New York), Die Behandlung des Magengeschwürs in 

Amerika. 250 

XIV. Boldyreff (St. Petersburg), Ueber die neuen Untersuchungs¬ 

methoden der Funktionen des Verdauungsapparates und die mit 
ihrer Hilfe gewonnenen Resultate.258 


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Inhaltsverzeichnis. 


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III. Heft: 

XV. flerter (New York), Experimental Variation of Intestinal Flora 


by Changes in Diet.. 275 

XVI. Lindemann (Kiew), Die Gewinnung des natürlichen Magensaftes. 282 

XVII. Izar (Pavia), Autolisi e ricambio.287 

XVIII. Scordo (Messina), Ricerche sul ricambio organieo nella Febbre 

del Mediterraneo.294 

XIX. Kato (Japan), lieber Gasresorption im Darm.315 

XX. Moeller (Halle a S.), Ueber die Ausnutzung der Zellulose im 

Darm unter normalen und pathologischen Verhältnissen . . . 325 


XXI. Rosentiial und Schwenk (Breslau), Ueber die Wechselwirkung 

von Schilddrüse und Geschlechtsdrüsen im Stoffwechsel . . . 332 

XXII. Eisenhardt (Berlin), Beitrag zur Kcnntniss des Magensekretins. 

(Mit 5 Kurven.) . ..358 

XXIII. Bickel (Berlin), Ein Diätschema für die Behandlung der Se¬ 
kretionsstörungen des Magens.365 

XXIV. Ury (Berlin-Charlottenburg), Ueber neuere Fäkal Untersuchungen. 368 

IV. Heft: 

XXV. Bensande (Paris), Etüde anatomique et clinique des metastases 
intestinales du cancer de l’estomac. (Avec 13 figures en texte.) 393 

XXVI. Enriquez et Ambard (Paris), Dyspepsie gastrique avec hyper- 


chlorhydric et Dechloruration.470 

XXVII. Zoja (Parma), Sulla sintomatologia c sulla diagnosi dei tumori 

della testa del pancreas. (Con 1 curva.).483 

XXVIII. Lindemann (Berlin), Zur Bakteriologie des Magens und des 

Darmes.506 

XXIX. V. Barth-Wehrenalp (Rumburg), Ueber Versuche mit dem 

Einhorn’schen Duodenalcimcrchcn.530 


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Zur Einführung. 

B oi dem gewaltigen Umfang, den die medizinische Journalliteratur 
in den letzten Jahren angenommen hat und der vielfach mehr 
auf dem Boden buchhändlerischer Spekulation als auf dem eines 
tatsächlichen Bedürfnisses gewachsen zu sein scheint, bedarf cs 
der Rechtfertigung, w r enn sich die Vertreter eines engeren Spezial* 
faches, wie es dasjenige ist, dem die vorliegende neue Zeitschrift 
„Internationale Beiträge zur Pathologie und Therapie 
der Ernährungsstörungen, Stoffwechsel- und Verdauungs¬ 
krankheiten“ gewidmet sein soll, zusammentun, um ihrerseits 
eine derartige Neugründung der Oeffentliehkeit zu unterbreiten. 

Die Pathologie und Therapie der Ernährungsstörungen und 
speziell der Stoffwechsel- und Verdauungskrankheiten, wie die 
Physiologie der Ernährung, des Stoffwechsels und der Verdauung 
haben heute einen solchen Umfang angenommen und die Literatur 
über diese Kapitel ist so zerstreut in den mannigfachsten medizi¬ 
nischen Journalen der verschiedenen Nationen, dass der Wunsch 
nach Sammlung laut wurde, der Wunsch, eine Zentralstelle zu 
besitzen, an der sich möglichst alles das einfinden möchte, was 
an Fortschritt in Theorie und Praxis in den genannten Disziplinen 
die tägliche Forschung zeitigt. 

Die opferwillige Zusammenarbeit der namhaftesten Autoren der 
ganzen Welt auf denjenigen Gebieten, denen die neue Zeitschrift 
dienen will, soll dafür Bürge sein, dass sie in der Folge dem gerecht 
zu werden strebt, was sie verspricht, und dass sie die Idee, von der 
ihre Begründer getragen wurden, ernsthaft zu verwirklichen trachtet. 

In dem „Zentralblatt für die gesamte Physiologie und Patho¬ 
logie des Stoffwechsels“ besitzen wir eine willkommene Ergänzung 
zu unseren „Beiträgen“. 

Jenes, ein vornehmlich referierendes Organ, bringt in kurzen 
Literaturexzerpten die Uebersieht über alle Neuerscheinungen, 

Internat. Beitrüge. Bd. 1. lieft 1. 1 


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Zur Einführung. 


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unsere Zeitschrift dagegen ist zur Aufnahme von Original- 
arbeitcn und gelegentlichen zusammenfassenden Berichten über den 
jeweiligen Stand einzelner Fragen aus den einschlägigen Wissens¬ 
zweigen bestimmt. 

Selbstverständlich muss in einer Zeitschrift für Gebiete, in 
denen, wie bei der Ernährung, beim Stoffwechsel und speziell bei 
der Verdauung, die wissenschaftliche Forschung sich in höchstem 
Grade im Fluss befindet und rastlos neue Gesichtspunkte der Be¬ 
trachtung. neue Tatsachen und mit ihnen wieder neue Probleme 
aus ihrem Schosse emporsteigen lässt, der theoretischen Arbeit 
ein breiter Baum zugemessen werden. Aber darum braucht die 
Praxis mit ihren berechtigten Forderungen nicht zu kurz zu 
kommen. Im Gegenteil, cs ist das Bestreben, die neue Zeitschrift 
so auszugestalten, dass sie nicht nur dem Spezialisten eine not¬ 
wendige Hilfe, sondern auch dem praktischen Arzte ein willkommener 
Berater in den Fragen der Behandlung der Ernährungsstörungen, 
der Stoffwechsel- und Verdauungskrankheiten sei. 

Die neue Zeitschrift soll also Beiträge aus der normalen und 
pathologischen Physiologie der Ernährung, des Stoffwechsels und 
der Verdauung, sie soll pharmakologische, balncologische Unter¬ 
suchungen, wie denn jede Art therapeutischer, einschliesslich chi¬ 
rurgischer Mitteilungen, die die Ernährungsstörungen in allen ihren 
Formen, besonders auch die Stoffwechsel- und Verdauungskrank¬ 
heiten im engeren Sinne betreffen, in ihren Spalten bringen, und sie 
soll überhaupt alle einschlägigen Arbeiten zur Klinik der hierher- 
gehürigen Krankheitsgruppen aufnehmen. 

Durch den internationalen Charakter, der bei den „Beiträgen“ unter 
anderem auch dadurch zum Ausdruck kommt, dass für die meisten 
Nationen besondere Herausgeber zeichnen und dass als Publikations¬ 
sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch zugelassen 
sind, hoffen wir, führt dieses Unternehmen zu einem festeren 
Zusammenschluss der Fachgenossen und gibt zugleich auch zu 
einem erspriesslichen Meinungsaustausch über die Erfahrungen aus 
der spczialistischen Praxis in den verschiedenen Ländern Ver¬ 
anlassung. 

Dass eine Zentralisation in der Publikation der wissenschaft¬ 
lichen Arbeit in einer bestimmten Disziplin erreicht werden kann, 
lehrt uns das Vorgehen der deutschen Chemiker in ihren „Berichten“. 
Die bisherige Entwickelung der Medizin zwingt uns dazu, wenn 
wir überhaupt einer Zentralisation in der Publikation sympathisch 


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Zur Einführung. 


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gegenüberstehen, vielfach das alte Schema, nach dem die Journale 
sich allein nach den grossen medizinischen Lehr- und Studien¬ 
fächern richteten, zu verlassen und, soweit das durchführbar ist, 
alles das in einer Zeitschrift zu vereinigen, was sich auf zu¬ 
sammengehörige Organkomplexe oder verwandte Körper¬ 
funktionen bezieht. 

Um aber mit den Bestrebungen, von denen wir bei der 
Gründung der „Internationalen Beiträge“ ausgingen, durchzu¬ 
dringen, ist die Mitarbeit jedes einzelnen nötig, der sich 
wissenschaftlich oder praktisch mit den genannten Gebieten befasst. 
Darum ergeht an alle Fachgenossen die Bitte, die neue Zeitschrift 
freundlich aufzunehmen und insonderheit derart zu unterstützen, 
dass sie alles, was aus den oben genannten Gebieten an Original¬ 
arbeiten publiziert werden soll, möglichst ihr zuwenden. Es wird 
dadurch keineswegs verhindert, dass eine gleichzeitige Veröffent¬ 
lichung des betreffenden Gegenstandes in anderer Form und einer 
für die Publikation in den „Internationalen Beiträgen“ nicht zu¬ 
gelassenen Sprache in einem Journale des Heimatlandes des Ver¬ 
fassers erfolgt. 

Heutzutage, da auch die kleineren Kulturstaaten, ja innerhall) 
der Staaten sogar einzelne Nationalitäten an dem Ausbau einer 
medizinischen Literatur in ihren eigenen Sprachen arbeiten — ein 
Bestreben, das niemals unterdrückt werden kann — scheint diese Zu¬ 
lassung einer eventuellen doppelten Publikation einer Untersuchung 
durchaus gerechtfertigt. Man bedenke nur, welche Fülle bedeut¬ 
samer wissenschaftlicher Arbeit z. B. in der russischen Literatur 
niedergclegt ist, und dass diese Arbeit allein deshalb nicht die 
gebührende Beachtung findet, weil sie infolge der sprachlichen 
Schwierigkeiten schwer zugänglich ist! 

Für eine rasche Publikation in den „Beiträgen“ ist dadurch 
Sorge getragen, das« sie in zwangloser Zeitfolge heftweise erscheinen 
und dass die Drucklegung eines Heftes stets sofort dann vor¬ 
genommen wird, sobald genügend Material bei der Redaktion ein¬ 
gegangen ist. — 

Dass die Verlagsbuchhandlung alles tun wird, was in ihren 
Kräften steht, um das junge Unternehmen zu fördern, ist selbst¬ 
verständlich. 

Berlin, im November 1909. 

Adolf Bickel. 

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I. 

(Aus der experimentell-biologischen Abteilung des Königl. Patho¬ 
logischen Instituts der Universität Berlin.) 

Beiträge zur Kenntnis der Peristaltik des Dünndarms. 

Von 

Dr. Gyulo y. Benczür (Budapest). 


Unsere Kenntnisse über die Bewegungen des Darmes sind trotz 
der zahlreichen Forschungen, welche sich mit diesem Thema be¬ 
fassten, noch immer lückenhaft. — Der Grund hiervon ist, dass 
sowohl die anatomische Struktur der Darmwand, als auch die 
physiologischen Faktoren, welche die Darmbewegungen verursachen, 
äusserst kompliziert sind. — Wir wissen heute, dass sich an den 
Bewegungen des Darmes sowohl die Muskeln und die Nerven¬ 
apparate des Darmes, sowie das zentrale Nervensystem beteiligen. 
Während man dereinst glaubte, die Bewegungen würden in erster 
Keihe durch die Reize der vom zentralen Nervensystem zum Darm 
führenden Nerven beeinflusst, zeigten spätere Forscher, dass die 
Bewegungen des Darmes grösstenteils autonom sind, durch die 
Funktion der eigenen Nervenapparate und Muskeln des Darmes 
hervorgerufen werden. Da jedoch der N. vagus und N. splanchnicus, 
diese beiden vom Zentralnervensystem zum Darm verlaufenden 
Nerven, auf die Beschleunigung und Verlangsamung einen beträcht¬ 
lichen Einfluss ausüben, und da fernerhin auch Erweiterung und 
Verengerung der die Darmwand versorgenden Blutgefässe, wie der 
Oxygen- bzw. CO.>-Gehalt des Blutes eine Einwirkung besitzen, so 
sind alle Bewegungen des Verdauungstraktus als das Resultat aller 
dieser Erregungs- und Hemmungseinflüsse aufzufassen. Der Darm 
führt verschiedene Bewegungen aus, von welchen unter normalen 
Verhältnissen die Pendelbewegungen und die eigentlichen den Darm¬ 
inhalt weiterbefördernden peristaltischen Bewegungen in Betracht 
kommen. Nun gibt es Reize, welche nur eine dieser Bewegungen 


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ö G. v. Benczür, 

beeinflussen, während die andere unverändert bleibt. Dies sowohl, 
wie auch die individuelle Verschiedenheit der Rcizempfindlichkeit, 
noch mehr jedoch das oft verschiedene Verhalten der zu Versuchs¬ 
zwecken benutzten Tierarten erklären genügend die Widersprüche, 
welchen wir in der Literatur der Darmbewegungsfrage so vielfach 
begegnen. 

Dazu kommt, dass wir keine einwandsfreie Methode zur Be¬ 
obachtung dieser Bewegungen besitzen. Die meist angewendete 
Art des Experimentes zum Ergründen der Darmperistaltik ist jene 
am überlebenden Darme. Nach Eröffnung der ßauchwand behalten 
die Därme in blutwarmer Kochsalzlösung längere Zeit ihre Be- 
weguugsfähigkeit. Durch Variieren der Temperatur, durch Zusatz 
der zu prüfenden Faktoren zur Kochsalzlösung usw. gibt die Me¬ 
thode viele wertvolle Aufschlüsse des Problems. Einige Forscher 
gingen in der Weise vor, dass sie nach Eröffnung der Bauchwand 
und des Darmes einen Gummiballon in das Lumen versenkten, 
welcher mit einem Hebel in Verbindung stand. Nach Zurück¬ 
legung des Darmes und Vernähen der Bauchwand zeigten nun die 
Bewegungen der Nadel die Bewegungen des Ballons und somit des 
betreffenden Darmstückes an [Pal 1 )]- Einige Forscher [Krylow 2 )] 
zogen aus der Verteilung des Darminhaltes der bestimmte Zeit 
nach zweckmässiger Fütterung getöteten Tiere Rückschlüsse auf 
die Bewegungen des Magendarmtraktes, während wieder Andere 
sich auf die Inspektion der durch die Bauchwand wahrnehmbaren 
Bewegungen beschränkten. 

Wertvolle Beobachtungen Hessen sich mit den Röntgenstrahlen 
ermitteln [Bayliss u. Starling, Grützner, Cannon, Magnus 3 )], 
indem die Bewegungen des Bismut breies direkt vor unseren Augen 
vorsichgehen, doch ist auch diese Methode nicht so einfach, wie es 
vielleicht im ersten Augenblicke scheinen möchte, und besonders 
die Peristaltik des Dünndarmes ist nicht leicht zu verfolgen, da 
bei der verwickelten Lage dieses Darmabschnittes die in drei 
Dimensionen verlaufenden Bewegungen auf dem Schirme eben nur 
ein Projektionsbild geben. 

1) Pal, Wiener med. Presse. 1900. 

2) Krylow, Pflüger’s Archiv. Bd. 102. 

3) Grützner, Pflüger’s Archiv. Bd. 71. 1898. — Cannon, Amer. Journ. 
of physiol. Vol. 1. p. 359. 1898. — lbid. Vol. 6. p. 251. 1902. — Ibid. Vol. 12. 
p. 387. 1904. — Cannon et Moser, lbid. Vol. 1. p. 935. 1898.— Cannon et 
Murphy, Annales of surgery. April 1906. — Roux et Balthazard, Arch. de 
physiol. p. (5) + 10,85. 1898. — Magnus, Pflüger's Archiv. Bd. 122. 


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Uftitriigc zur Kenntnis der Peristaltik des Dünndarms. 


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Schliesslich wurden einige Versuche an Tieren mit künstlich an¬ 
gelegten Magen- und Darmfisteln gemacht, bei welchen aus der Zeit, 
wann die eingeführte Nahrung die Fistel erreichte, Rückschlüsse auf 
die peristaltischcn Bewegungen gemacht wurden [Salvioli*)]. — 
Meiner Meinung nach ist diese Methode bis heute noch zu wenig 
berücksichtigt. 

Ich will in Folgendem eine Methode beschreiben, welche sich 
auf dem Prinzip der Thiry-Vella’schen Darmfistel aufbaut und 
die geeignet scheint, so manche Auskunft über die peristaltischen 
Bewegungen des Dünndarmes zu geben. 

Einem Hunde wird nach Eröffnung der Bauch wand der Dünn¬ 
darm in seinem oberen Teile an zwei Stellen, wglche ungefähr 
50 cm von einander entfernt liegen, durchschnitten. Der oberhalb 
des derart ausgeschalteten Darmstückes und der unterhalb dieses 
Darmteiles gelegene Darm werden nach Verschliessen -des Eumens 
mittels Enteroentcrostomie vereinigt, so dass die Kontinuität des 
Darmtraktes wiederhergestellt wird. Das eine Ende des aus¬ 
geschalteten Darmes wird nun bei der Schliessung der Bauchdecken 
in das obere Ende des Bauchschnittes genäht, das andere Ende 
wird seitlich an die Bauchwand befestigt derart, dass sein Lumen 
nach aussen offen ist. 

Wenn wir nun einen Gegenstand, als welchen sich eine das 
Darmlumen so ziemlich ausfüllende Metallkugel am zwcckmässigsten 
erwies, in die obere Oeffnung des ausgeschalteten Darmes einlegten, 
so führte dieses Darmstück infolge des mechanischen Reizes dieser 
Kugel peristaltische Bewegungen aus, was das Vorwärtsschreiten 
der Kugel verursachte. Nach gewisser Zeit hatte die Kugel das 
Darmstück durchlaufen und kam nun an dem anderen Ende hervor. 
Kannten wir die Länge des ausgcschalteten Darmes sowie die Zeit, 
während welcher die Kugel die Strecke zurücklegte, so kannten 
wir natürlich auch die Geschwindigkeit der Peristaltik. 

Bei den derartig angcstellten Versuchen zeigte sich jedoch, 
dass es nicht selten vorkam, dass die Kugel aus irgend einem 
Grunde an einer Stelle des Darmes stecken blieb. Dieses geschah 
hauptsächlich vor der Ausmündungsstelle des Darmstückes, da die 
Kraft der peristaltischen Bewegung nicht ausreichte, die hier durch 
Vorheilung der Bauchwand verursachte Verengerung zu überwinden. 
Deswegen musste ich die Methode, um sie mit Erfolg anzuwenden, 

1) Salvioli u. Ludwig, Areh. f. Phvsiol. 1880. S. 95. 


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G. v. Benczur, 


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modifizieren, was ich in der Weise tat, dass ich die Kugel durch¬ 
bohrte, sodann einen Seidenfaden daran band und auf diesen jede 
5 ein bczeichnete. Die Kugel wurde nun in das Darmlumen ein¬ 
gelegt und infolge der Peristaltik weiterbewegt; an dem nach¬ 
gezogenen Seidenfaden konnte ich ablesen, in welcher Zeit die 
Kugel die Einheit von 5 cm zurücklegte, erhielt folglich die 
Schnelligkeit der Peristaltik in Zahlen ausgedrückt. — Ich glaube, 
dass es mit anderen Methoden bisher nicht gelang, die Darm¬ 
peristaltik derart genau zu beobachten. — Blieb die Kugel stecken, 
so sah ich dies an dem Faden. Ich liess nun bei meinen Ver¬ 
suchen die Kugel 30—40 cm vorwärtsschrciten und es gelang so¬ 
dann sehr leicht, sie mit etwas Vorsicht wieder zurückzuziehen. 
Da nun die Kugel einen beständig gleichen Reiz auf die Darm¬ 
wand ausübte, konnte beobachtet werden, inwieweit verschiedene 
physiologische oder medikamentöse Reize die Geschwindigkeit der 
Peristaltik dieser Darmschlinge beeinflussen. 

Naturgemäss hat meine Versuchsanordnung anderen gegenüber 
auch Nachteile. Der Einwand, welcher während der Versuche 
wiederholt erhoben wurde, dass diese ausgeschaltetc Darmstück 
doch nicht unter physiologischen Verhältnissen stehe und darum 
aus seinen Bewegungen keine Schlüsse gezogen werden könnten, 
besteht nicht zu Recht, da ja die Erfahrung zeigte, dass die Be¬ 
wegungen eben sehr wohl vor sich gingen. Jedenfalls stehen die 
Verhältnisse bei diesen Tieren den physiologischen viel näher, als 
bei Tieren mit eröffnetem Bauche und überlebendem Darme. — 
Dass die Bewegungen nicht so wie beim normalen Tiere vor sich 
gehen, ist soweit wahr, als in diesem Darmstücke ja der Magen¬ 
saft, die Galle, der Pankreassaft fehlen, welchen bei der Peristaltik 
wahrscheinlich eine grosse Rolle zukommt, ferner dass den Darm¬ 
inhalt bei meinen Versuchen ein derart harter Gegenstand vor¬ 
stellte. wie er in den Dünndarm wohl selten gelangt. — Ich betone 
daher, dass ich auch nicht behaupte, die Peristaltik vollzöge sich 
im normalen Darme genau so, wie bei meinen Versuchen. — Die 
Methode ist eben nur für bestimmte Experimente geeignet, bei 
denen es darauf ankommt, zu beantworten, inwieweit ein Reiz die 
sonst sich unter gleichen Verhältnissen vollziehende Peristaltik be¬ 
einflusst. — Dass die Pendelbewegungen des Darmes nicht beob¬ 
achtet werden konnten, ergibt sich von selbst. — 

Der Vorteil unserer Methode besteht ausser dem, dass die 
Geschwindigkeit genau bestimmt werden kann, darin, dass wir an 


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Beiträge zur Kenntnis der Peristaltik des Dünndarms. 


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Tieren experimentieren, welche sich völlig wohl befinden, daher 
wochen- und monatelang als Versuchsobjekt dienen können; ferner 
darin, dass wir ausser der Motilität auch die Sekretion des aus¬ 
geschalteten Darmstückes beobachten können, da bei Steigerung 
der Sekretion der Darmsaft einfach abtröpfelte. So war denn zu 
beobachten, inwieweit eine Steigerung oder Verminderung der Peri¬ 
staltik mit Steigerung oder Verminderung der Sekretion parallel 
einhergeht. — 

Meine Versuche führte ich im wesentlichen an 2 Hunden aus; 
Herr Prof. Bickel hatte die Güte, mir einen Hund in der oben 
angegebenen Weise zu operieren, während der andere in derselben 
Weise, nur mit dem Unterschiede operiert ward, dass bei diesem 
Hunde sämtliche zu dem ausgeschalteten Darmstücke führenden 
Nerven, also sowohl die Vagus-, als die Splanchnikusäste, die in 
dem Mesenterium des ausgeschalteten Darmstückes verliefen, durch¬ 
schnitten bzw. reseziert wurden. — Somit hatte ich einen Hund, 
bei welchem die Bewegungen des Darmes auch von dem zentralen 
Nervensystem aus beeinflusst werden konnten, und einen anderen, 
bei welchem dies nicht möglich war. 

In den der Operation folgenden' Tagen war bei keinem der 
Munde eine Peristaltik auszulösen. — Ja selbst in der zweiten 
Woche war die Peristaltik sehr trüge. Dies entspricht der klini¬ 
schen Erfahrung, dass nach Laparotomien oftmals längere Zeit 
Verstopfung auftritt. — An dem Hunde, bei dem die Nerven des 
Peritoneums erhalten waren, trat ungefähr in der dritten Woche 
eine Peristaltik ein, die sodann im grossen Ganzen beständig 
blieb. Bei diesem Hunde wurde die Kugel durchschnittlich mit | 
einer Geschwindigkeit vorwärtsbewegt, dass 5 cm in 1—1*/ 2 Min. 
zurückgelegt wurden. Dies ist nun jedenfalls etwas schneller, als 
es den bisherigen Beobachtungen entspricht. Mit dieser Geschwindig¬ 
keit würde der Darminhalt einen 5 Meter langen Dünndarm in 
1Y-, Stunden passieren. Wir wissen jedoch, dass der Darminhalt 
3—5 Stunden im Dünndarme verweilt. Dass ich eine übernormal 
schnelle Peristaltik erzielte, kommt wahrscheinlich daher, dass 
einesteils die den Darminhalt repräsentierende Kugel einen ziemlich 
starken Beiz ausübte, vor allem aber, dass ja die Darmschlinge 
völlig leer war. während bei dem normalen Darm fast stets Darm¬ 
inhalt vorhanden ist, was die Vorwärtsbewegung nachkommenden 
Inhaltes wahrscheinlich sehr beeinträchtigt. Die Bewegung erfolgte 
auf die bekannte ruckweise Art. — Nach mehreren Sekunden bis 


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G. v. Benczür, 


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| einer halben Minute Stillstand wurde der Faden plötzlich y 2 —2 cm 
vorwärtsgezogen. — Es zeigte sich jedoch, dass die Peristaltik, 
trotzdem der Hund täglich zur selben Zeit die annähernd gleiche 
Nahrung erhielt, nicht ganz gleichmässig war. Ja, es gab Tage, 
an welchen überhaupt eine Weiterbewegung der Kugel nicht erzielt 
werden konnte, was zweifellos auf die grosse Unbeständigkeit der 
Peristaltik deutet. — 

Während jedoch, abgerechnet diese Schwankungen, die Peri¬ 
staltik bei dem Hunde mit den erhaltenen peritonealen Nerven 
doch ziemlich gleichmässig war, zeigte sich bei dem Hunde mit 
durchschnittenen Nerven eine grosse Unregelmässigkeit. Meistens 
war die Peristaltik sehr träge, ja die Kugel stand, nachdem sic 
10—15 cm zurückgelegt, still. Manchmal war ohne jeden nach¬ 
weisbaren Grund eine derart rasche Peristaltik auslösbar, dass die 
Kugel während 1 Minute 20 cm zurücklegte. Eine mittelschnelle 
Peristaltik konnte ich kaum beobachten. — Diese Versuche zeigen 
klar, dass, obzwar die peristaltischcn Bewegungen durch den Reiz 
auf die .Apparate der Darmwand verursacht sind, die hemmenden 
und erregenden Nerven des Zentralnervensystems eine wichtige 
regelnde Rolle bei der Peristaltik spielen. 

Wegen der Unregelmässigkeit der peristaltischcn Bewegungen 
wurden bei jedem Versuch, welcher dazu dienen sollte, die Be- 
einflussbarkeit der Peristaltik durch verschiedene Reize zu beob¬ 
achten, vorher Kontrollversuche angestellt, wie sich die Verhältnisse 
an diesen Tagen verhielten. — Es gelang bei beiden Hunden, zwar 
nicht konstant, doch wiederholt, durch mechanisches Reizen der 
Darmschleimhaut mittels einer Sonde eine Beschleunigung der Peri¬ 
staltik zu verursachen, welche manchmal so gross war, dass die 
Kugel nach dem Reiz mit doppelter Geschwindigkeit vorrückte. 
Ebenso beobachtete ich, dass nach Zurückziehen der Kugel die 
peristaltische Geschwindigkeit in den nächsten paar Minuten meist 
grösser war als vorher. — 

Auch beobachtete ich, dass die Peristaltik meist rascher war, 
wenn die Tiere vor dem Versuche Bewegungen machten, doch dauerte 
diese beschleunigende Wirkung nur einige Minuten. — 

Bei dem Tiere mit erhaltenen Nerven konnte ich auch einige 
Male nachweisen, dass nach Stechen, welches dem Tiere Schmerzen 
bereitete, sowie durch Necken, indem ich ihm Fleisch verhielt, 
jedoch nicht gestattete, dass es dieses fressen konnte, eine geringe 1 
Beschleunigung der Peristaltik zu bemerken war. — Ob jedoch 


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Beiträge zur Kenntnis der Peristaltik des Dünndarms. 


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hier die psychische Erregung oder die bei solchen Versuchen un¬ 
vermeidliche stärkere Körperbewegung das Massgebende ist, lasse 
ich dahingestellt. — 

Was den Einfluss verschiedener Temperaturen auf die Peri¬ 
staltik des Darmes betrifft, fand Magnus 1 ), dass diese in einem 
Intervall von 15 bis 49° C. möglich sei. Unter 15° sistieren die 
Bewegungen. Ueber dieser Temperatur wächst die Geschwindigkeit 
parallel mit dem Wärmegrad bis zu 43° C., um nun wieder lang¬ 
samer zu werden und bei 49° C. einem Stillstände der Darm¬ 
bewegung Platz zu geben.— ßökay 2 ) fand bei Temperaturen von 
39—42,5°C. eine gesteigerte Wirkung der Splanchnikushemmung, 
über 42,5° C. eine Lähmung dieses Nerven, so dass eine gesteigerte 
Peristaltik eintrat. 

Leider musste ich mich bei meinen Versuchen, da cs nicht 
möglich war, die Wand der ausgeschalteten Darmschlinge längere 
Zeit hindurch bestimmt temperierten Einflüssen auszusetzen, damit 
begnügen, das Darmstück mit Wasser verschiedener Temperatur 
tüchtig zu durchspülen. — Bei dem Hunde mit erhaltenen peri¬ 
tonealen Nerven bewirkte Durchspülung mit körperwarmer Flüssig¬ 
keit eine geringe, einige Minuten lang andauernde Beschleunigung 
infolge des mechanischen Reizes. — Abgerechnet diesen kleinen 
mechanischen Reiz, wirkten jedoch auch Temperaturen bis zu 
15 —10° C., aufwärts bis zu 47° C. nicht auf die Geschwindigkeit 
der Peristaltik. Wärmegrade von 48—50° C. verursachten eine 
geringe Verlangsamung, welche ungefähr eine Stunde hindurch an¬ 
hielt. Während die Kugel den AVeg von 30 cm vorher in 6 Min. 
durchlief, brauchte sic nun zu 30 cm 77 2 Min. Ein Stillstand 
konnte mit derart temperiertem Wasser, welches die Darmschleim¬ 
haut nicht schädigte, nicht erzielt werden. — Nach Durchspülung 
mit ganz kaltem Wasser (2° C.) trat zuerst Verlangsamung, nach 
10—15 Minuten Stillstand ein, und erst nach Verlauf einer Stunde 
begann wieder langsame Peristaltik. — 

Bei dem Hunde mit durchschnittenen Nerven waren die Darm¬ 
bewegungen, wie gesagt, meist so träge, dass ich eine aus¬ 
gesprochene Wirkung der Durchspülung nicht sicher beobachten 
konnte. 

An dieser Stelle will ich auch anführen, dass der erstgenannte 
Hund einmal nach Durchspülung mit 2°C. Wasser 3 Tage hindurch 

1) Magnus, Pflüger's Archiv. Bd. 102. 

2) Bdkay, Archiv f. exper. Pathol. u. Pharmakol. Bd. 24. 


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G. v. Benczur. 


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bei sonstigem Wohlbefinden an einem starken Darmkatarrh des 
ausgeschalteten Darmstückes litt, welcher sich in einer anhaltenden 
starken Sekretion äusserte. — Während dieser Zeit war die Peri¬ 
staltik sozusagen aufgehoben, die Kugel wurde bei den Versuchen 
an diesen 3 Tagen nicht vorwärts befördert. Vielleicht kann diese 
Tatsache als experimenteller Nachweis des klinischen Krankheits¬ 
bildes der Verstopfung bei Darmkatarrhen gelten. — 

Durch einen auf den Bauch gelegten Thermophor konnte ich 
bei diesem Tiere, wenn es in sonst normalem Zustande war, in 
den meisten Versuchen schon nach 5 — 10 Minuten eine Verlang¬ 
samung, manchmal beinahe Stillstand der Peristaltik erzielen. Erst 
1—l 1 /, Stunden nach der Applikation begann sich die Geschwindig¬ 
keit der Darmbewegungen wieder zu vergrössern, um nun bald die 
normale Geschwindigkeit zu erlangen. — Einige Male konnte ich 
jedoch durch Auflegen des Thermophors nur sehr geringe Ver¬ 
langsamung erzielen. 

Durch Auflegen eines Eisbeutels auf den Bauch konnte ich 
die Peristaltik nicht bemerkenswert beeinflussen. 

Im ganzen fand ich also, dass das Optimum der peristaltischen 
Bewegungen bei Körpertemperatur sei, dass jedoch Temperaturen 
zwischen 10 und 47° C. die Bewegungen nicht hindern, erst jen¬ 
seits dieser Grenzen tritt Verlangsamung auf. — Ich glaube, diese 
Ergebnisse stehen in keinem Widerspruch zu jenen anderer Beob¬ 
achter, da ich ja nicht die Wirkung konstanter Wärme- und Kälte¬ 
reize, sondern nur die Nachwirkung eines einmalig applizierten 
Temperaturreizes auf die Peristaltik prüfte. — 

In weiteren Versuchen trachtete ich nun auf die Frage Ant¬ 
wort zu erhalten, inwieweit es möglich ist, reflektorisch durch 
Heizung eines Darmteiles Bewegungen in einem anderen Darmteile 
zu erzielen. Infolge der komplizierten Verhältnisse des Nerven¬ 
systems des Darmes kommen hier verschiedene Reflexe zustande. 
Der Reiz des Darminhaltes bewirkt reflektorisch Darmbewegungen, 
dies sind Reflexe des eigenen Nervenapparates der Darm wand. 
Mir handelte es sich jedoch darum, zu ermitteln, ob peristaltische 
Bewegungen auf dem Wege solcher Reflexe zu erzielen sind, welche 
im zentralen Nervensystem ausgelöst werden, mit anderen Worten, 
ob durch Reizungen des Magendarmtraktes meiner Tiere eine Be¬ 
schleunigung oder Verlangsamung der Peristaltik im ausgeschalteten 
Darmstücke erzielt werden könne. 


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Selbstredend kam bei diesen Versuchen nur der Hund in Be¬ 
tracht, dessen extraintestinale Nerven erhalten waren, da es ja 
eben diese Nervenäste sind, auf deren Wege eine eventuelle Ver¬ 
änderung der peristaltischen Bewegungen erzielt werden konnte. 

Zwecks dieses Versuches gab ich dem Hunde, nachdem ich 
vorher festgestellt hatte, wie sich die peristaltische Bewegung des 
ausgeschaltcten Darmstückes an diesem Tage verhielt, 300—400 g 
Fleisch zu fressen. Wie bekannt, beginnt sich der Magen bereits 
10—15 Minuten nach der Spciseaufnahrae gegen das Duodenum zu 
entleeren. Nach ca. 2—3 Std. ist bereits fast der ganze Magen¬ 
inhalt im Darme. Es war daher anzunehmen, dass am Dünndarm 
während dieser 2 Stunden kräftige peristaltische Bewegungen vor 
sich gingen, und da unsere Darmschlinge aus dem oberen Teile 
des Dünndarmes stammte, war auch anzunehmen, dass diese Teile 
des Dünndarmes, welche vor der Operation dem nunmehr aus¬ 
geschalteten Stücke benachbart waren, sich in Bewegung befanden. 
Trotzdem konnte bei wiederholten Versuchen an dem ausgeschalteten 
Darmstücke keine nennenswerte Veränderung in der Geschwindig¬ 
keit des Vorwärtsrückens der Kugel beobachtet werden. 

Da es nun denkbar war, dass, wenn auch normale Be¬ 
wegungen nieht, so doch besonders starke Peristaltik reflektorisch 
auf andere Darmstückc einwirkt, so machte ich noch folgende 
Versuche. Ich gab dem Hunde in 3 Versuchen 30—50 g Oleum 
ricini per os. Dieses Mittel verursacht, wie bekannt, kräftige Peri¬ 
staltik. Die abführende Wirkung trat nach 1 */ a —2 Stunden ein, 
und war besonders bei der grösseren Dosis sehr stark. — Im aus¬ 
geschalteten Darme war jedoch während der ganzen Zeit von der 
Einnahme bis zur Wirkung des Ricinus keine Beschleunigung der 
Peristaltik zu bemerken, ein Umstand, welcher zweifellos besagt, 
dass die selbst ausserordentlich starke Peristaltik auf dem 
reflektorischen Wege über das Zentralnervensystem keine 
Beschleunigung der Bewegungen eines anderen Darm- 
stückes verursacht. 

Unsere Methode ist zwar sehr geeignet, verschiedene Wirkungen 
der Abführmittel zu beobachten, es lag mir jedoch nicht daran, 
die ohnehin bekannten Wirkungen der Nachprüfung zu unterziehen. 
— Nur über die Frage der Wirkungsweise des Na. 2 S0 4 machte ich 
einige Versuche, da über die Art der Wirkungsweise dieses Salzes 
die Meinungen auch heute noch nicht ganz einstimmig sind. — 


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G. v. Bencziir, 


Es wird allgemein angenommen, dass die Wirkung dieses Salzes 
dadurch zustande kommt, dass dieses Bittersalz im Darme nicht 
oder nur sehr schlecht resorbiert wird und infolge des Gesetzes 
der molekularen Konzentration aus den Geweben des Organismus 
Wasser an sich zieht. Die im Darme angehäuften Flüssigkeits¬ 
mengen bewirken nun einesteils ein Erweichen des Darminhaltes, 
andererseits wirken sie durch ihren mechanischen Reiz peristaltik¬ 
beschleunigend. Ob ihnen jedoch ausserdem noch eine chemische, 
die Darmbewegungen beschleunigende Wirkung zukommt, ist eine 
noch nicht entschiedene Frage. Buchheim, Schmiedeberg, 
Auer, Wallace, Cushny, Hay, Frankl 1 ) u. a. beantworten sie 
mit Nein. Frankl beobachtete sogar bei subkutanen Applikationen 
stets eine stopfende Wirkung, was ja auch mit der klinischen Tat¬ 
sache übereinstimmt, dass Karlsbader Wasser oft geringe Ver¬ 
stopfung verursacht. — 

Andererseits wird jedoch behauptet, dass der physikalische 
Einfluss des Glaubersalzes nur der eine Komponent seiner Wirkung, 
während der andere, der chemische Reiz auf die Muskeln oder 
Nerven der Darmwand, von ebenso grosser Wichtigkeit wie ersterer 
sei. Dieser Ansicht pflichtet neben Loeb 2 ) auch Mac Callum 3 ) 
bei, welcher beim Kaninchen auch nach subkutaner Injektion von 
20 ccm •% proz. Na»S0 4 -Lösung wässerigen Stuhl erzeugen konnte. Er 
schliesst daraus, dass dieses Salz auch subkutan injiziert eine Be¬ 
schleunigung der Peristaltik und Steigerung der Darmsaftsekretion 
verursacht. — Bancroft 4 ) fand, dass Na 2 S0 4 beim Kaninchen 
und Hunde sowohl per os als subkutan gegeben, abführend wirkt; 
jedoch innerlich genommen kräftiger, da bei dieser Art der Ein¬ 
führung ausser der chemischen eben auch die physikalische Wirkung 
zur Geltung kommt. Er glaubt auf Grund dieser seiner Versuche, 
dass die Wirkung des Glaubersalzes zum grossen Teile chemischer 
Natur sei. Beim Experimente der subkutanen oder intravenösen 
Einführung ist jedoch ein Hindernis des Erfolges, dass das ein¬ 
gespritzte Salz zum grossen Teile schnell durch den Urin aus- 
geschieden wird. 

Ich gab nun in 3 Versuchen meinem Hunde mit erhaltenen 

1) Frankl, Archiv f. exp. Path. u. Pharm. Bd. 57. 8. 386—398. 

2) Loeb, Pllüger’s Archiv. Bd. 91. S. 259. 1902. 

3) Mac Callum, On the mechanism of the physiological aetion of the 

Calhartics. p. 13. Berkelcv 1906 und Amcr. Journ. of Pbvsiol. Vol. 10. 
p. 209. 1909. 

4>Bancroft, Pllügcr’s Archiv. Bd. 122. 


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Beitläge zur Kenntnis der Peristaltik des Dünndarms. 

extraintestinalen Nerven NaaSC^ in Lösung von 30:300 und 20:400. 
Die Wirkung trat binnen 2 Stunden ein. Der Hund batte starkes 
Abführen. Trotzdem konnte ich im ausgeschalteten Darmstiickc 
absolut keine Beschleunigung der Peristaltik nachweisen. Im 
Gegenteil, es war die Bewegung dieses Danntciles in 2 von den 
3 Versuchen etwas verlangsamt. — Obzwar wir wissen, dass das 
Glaubersalz vom Magen und Darm nur gering resorbiert wird, wäre 
os vielleicht dennoch zu erwarten gewesen, dass, wenn dieses Salz 
nicht nur durch den physikalischen Reiz eine Beschleunigung der 
Peristaltik verursachte, diese, wenn auch nur in geringem Grade, 
auch im ausgeschaltcten Darmstücke zur Geltung käme. - Jedoch 
auch nach subkutaner Injektion von 25 ccm einer 4 proz. Na 2 S0 4 - 
I.ösung konnte ich bei keinem der beiden Hunde weder eine be¬ 
schleunigte Peristaltik, noch eine Steigerung der Darmsaftsekretion 
im ausgeschaltcten Darmteile finden. — Die ohnehin träge Peri¬ 
staltik des Hundes mit durchschnittenen extraintestinalen Nerven 
blieb während der nächsten 5 Stunden — während dieser Zeit liess 
der Hund nur einmal Urin, mit dem sich vielleicht ein Teil des 
eingespritzten Salzes wieder entfernte — unbeeinflusst. Der andere 
Hund schied während der der Injektion folgenden 5 Stunden keinen 
Urin aus. — Die Vorwärtsbewegung der Kugel war nach der 
3. Stunde sogar etwas langsamer als vorher. 

Auf Grund dieser Versuche kann ich die Anschauung Mac 
Vallum’s und Bancroft’s nicht teilen. Ich glaube vielmehr, dass 
eine chemische erregende Wirkung des Glaubersalzes nicht besteht, 
sondern vielleicht eher die von Frankl beschriebene stopfende. — 
Jedenfalls erscheint es zweifellos, dass die abführende Wirkung 
des Glaubersalzes durch ihren physikalischen Einfluss auf den Darm 
ausreichend erklärt ist. 

Ohne mich auf die neuerdings mehrfach aufgeworfene Frage 
einzulassen, inwieweit die Peristaltik durch nach Nahrungsaufnahme 
in der ßlutbahn kreisende, Peristaltik erzeugende Hormone beeinflusst 
wird, verweise ich nur kurz auf den Umstand, dass es, wie erwähnt, 
bei den Versuchen mit Nahrungsaufnahme nicht gelang, im aus¬ 
geschalteten Dannstückc eine Beschleunigung zu erzielen. — Inso¬ 
fern es solche Körper wirklich gibt, muss, glaube ich, ihre Wir¬ 
kung doch recht gering sein im Vergleich zu dem mechanischen 
Reiz der in den Darm eingeworfenen Nahrung. Inwieweit dieser 
mechanische Reiz durch den Magensaft, Galle und Pankreassaft 
verstärkt wird, kann ich nicht beurteilen. — Ebensowenig wie nach 



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lt> G. v. Benczür, 

Nahrungsaufnahme gelang es mir durch subkutanes Einspritzen von 
40 ccm Panopepton, eine Steigerung der Peristaltik zu verursachen. 

In einer Reihe von Versuchen prüfte ich nun die Einwirkung 
einiger Alkaloide auf die Bewegungen des ausgeschalteten Darm¬ 
stückes. Wegen der eminenten Wichtigkeit, die eine genaue 
Kenntnis des Einflusses des Morphins bzw. des Opiums auf die 
Darmbewegungen hat, und da die Meinungen der Autoren in dieser 
Frage diametral verschieden, fernerhin da ich bei meinen Versuchen 
sehr einheitliche Resultate erzielte, erlaube ich mir auf diese Frage 
etwas näher einzugehen. — 

Die klinische Erfahrung lehrt uns, dass Morphin und Opium 
ausser der schmerzstillenden eine beruhigende Wirkung auf die 
Därme ausüben, doch fehlt es nicht an Beobachtungen, dass be¬ 
sonders kleinere Dosen starke, ja sogar blutige Diarrhöen erzeugt 
haben, ein Phänomen, welches mehrere Autoren, besonders nach¬ 
drücklich Rosenbach durch eine sekretionssteigernde Wirkung des 
Morphiums erklären. 

Nasse 1 ), welcher die Wirkung des Morphins zuerst experi¬ 
mentell prüfte, fand beim Kaninchen nach Einführung von 10—15 g 
Opiumtinktur eine entschiedene Steigerung der Peristaltik, und er¬ 
klärt dies so, dass dieses Medikament die Reizemplindlichkeit der 
in der Darmwand befindlichen Nervenzellen steigert. — Zu ähn¬ 
lichen Resultaten gelangte auch Gscheidien 2 ). 

Legros, Onimus sowie Salvioli fanden nach Morphin eine 
Verminderung, doch kein Aufhören ’ der Pendelbewegungen. Sie 
glauben, dass die stopfende Wirkung des Morphins in erster Reihe 
durch die Sekretionsherabsetzung zu erklären sei. Salvioli betont 
später, dass er nach Opium keine Erschlaffung, sondern vielmehr 
eine Kontraktur der ringförmigen Darmmuskeln beobachten konnte, 
einige Male auch eine gesteigerte Peristaltik nach Morphin fand. 

1884 veröffentlichte Nothnagel 3 ) seine Versuche über die 
Wirkung des Morphins und Opiums auf die Darmbewegungen. Er 
fand, dass subkutan gegebenes Morphin in der Dosis 0,015—0,03 
beim Kaninchen eine die Peristaltik beruhigende Wirkung ausübt, 
während nach Dosen von 0,05 beschleunigte Bewegungen auftreten. 

1) Nasse, Beiträge zur physiologischen Wirkung der Darmbewegungen. 
Leipzig 1S66. 

2) Gscheidlen, Untersuchungen aus dem physiologischen Laboratorium 
Würzburg 1869. 

3) Nothnagel, Virchow’s Archiv. Bd. 88. 18S4. 


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Beiträge zur Kenntnis der Peristaltik des Dünndarms. 

Er erklärt diese Beobachtung in der Weise, dass Morphin in kleinen 
und mittclgrossen Dosen den Nervus splanchnicus, den Hemmungs¬ 
nerven der Darmbewegungen, reizt, in grösseren hingegen lähmt, 
wodurch dann eine gesteigerte Erregung verursacht wird. 

Dieser Anschauung Nothnagel’s pflichten auch Pal und 
Grünberg 1 ) bei. Sie bewiesen die Richtigkeit der Theorie in der 
Weise, dass sie den Versuchstieren das Halsmark durchschnitten 
und sodann dureji Reizung des Vagus stärkere Darmbewegungen 
und das bekannte Natriumchloridphänomen auslösten. Gaben sie 
nun kleine Dosen Morphium, so waren diese Erscheinungen durch 
Vagusreizung nicht auslösbar. Nach Durchschneidung des Splanch- 
nikus trat jedoch trotz Morphin nach Vagusreiz wieder dieselbe 
Wirkung ein, als wenn sie kein Morphium gaben. 

Binz 2 ) meint, das Morphin als Narkoticum direkt die Darm¬ 
ganglien lähmt. Derselben Meinung sind Lander-Brunton, 
Cloetta-Filehne, Tappeiner, Husemann und andere. 

Jacobj 8 ) ist auf Grund seiner diesbezüglichen am Kaninchen 
ausgeführten Versuche der Ansicht, dass das Morphin die Erregbar¬ 
keit des Darmes hemmt. Infolgedessen tritt Verlangsamung der 
Peristaltik auf. Die von Nothnagel nach Durchschneiden der 
Splanchnici beobachtete Beschleunigung der Peristaltik kann seiner 
Meinung nach durch die hierdurch verursachte Hyperämie der 
Darmwand erklärt werden, da wir ja aus den Versuchen Bökay’s 
wissen, wie sehr die Peristaltik von den Verhältnissen der Blut- 
verSorgung der Darmwand abhängt. 

Pohl 4 ) fand die lokale Erregbarkeit des Darmes beim Ka¬ 
ninchen nach den Dosen 0,02—0,08 herabgesetzt, gleichwohl ob 
er das Morphin subkutan oder intravenös verabreichte. 

Vämossy 6 ) unterscheidet zwischen einer lokalen und nicht¬ 
lokalen Applikation des Medikamentes. Durch intravenöse Ein¬ 
spritzung von 0,02 g Morphin konnte er beim Kaninchen durch 
Vagusreizung kaum eine Beschleunigung der Darmbewegungen ver¬ 
ursachen; hingegen blieb die Reizbarkeit vom Darme aus unbeein¬ 
flusst. — Er glaubt, dass bei derartiger Applikation infolge der 
zentralen Lähmung die im Vagus verlaufenden zentrifugalen Reize 
nicht auf zentripetale, darmbeschleunigende Bahnen übertragen 

1) Pal und Grünberg, Stricker’s Arbeiten. 1890. S. 38. 

2) Binz, Deutsche mcd. Wochenschr. 1887. S. 21. 

3) Jacobj, Archiv f. exp. Path. u. Pharm. Bd. 29. S. 189. 

4) Pohl, Sehmiedeberg’s Archiv. Bd. 39. 1894. 

5) Vamossy, Deutsche raed. Wochenschr. 1897. S. 457. 

Internat Beitrage. Bd. I. Heft 1. 2 


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G. v. Benozür, 

werden. — Nach lokaler Applikation des Morphins im Darme fand 
er gleich Jacobj und Pohl die Reizbarkeit der Darm wand selbst 
vermindert. Morphin wirkt seiner Meinung nach, lokal appliziert, 
sowohl auf die sensiblen, als auch auf die motorischen Ganglien 
des Darmes lähmend, daher werden die Reize vom Darmlumen 
aus wirkungslos. — 

Auch Schmiedeberg 1 ) spricht die Ansicht aus, dass nach 
Morphin die Reiz Wirkung von den sensiblen Darmnervenelementen 
nicht auf die gleichfalls in der Darmwand gelegenen motorischen 
Elemente übertragen werden. — Eine Lähmung des N. splanchnicus 
konnte er selbst bei grossen Dosen Morphin nicht nachweisen. — 

Spitzer 2 ) wählt einen Mittelweg, indem er die hemmende 
Wirkung des Morphins und Opiums grösstenteils den hemmenden 
Zentren, teilweise jedoch auch der Herabsetzung der lokalen Erreg¬ 
barkeit der Darmwand zuschreibt. — 

Neben diesen verschiedenen Versuchen liegen auch solche vor, 
wie diejenigen von Bunch, sowie nicht geringeren als Bayliss und 
Starling, nach welchen Morphin überhaupt keinen besonderen 
Einfluss auf den Darm ausüben soll. 

Pal 3 ) führte seine Versuche mit der oben erwähnten Methode 
des Einlegens eines Gummiballons in das Darmlumen aus, und 
konnte nachweisen, dass nach Anwendung von Morphin und 
Opium stets eine Kontraktur des Darmes zustande kam. Bei 6 kg 
schweren Hunden genügten bereits 2 mg Morphin, um diese 
Wirkung hervorzurufen. Er fand die Pendelbewegung nach Morphin 
stets, die fortschreitende (eigentliche peristaltische) Bewegung da¬ 
gegen nur in wenigen Ausnahmen gesteigert. Auf Grund dieser 
Versuche nimmt er an, dass die Reizwirkung des Morphins auf 
das centrale Nervensystem in Bezug auf die Darmbewegungen nur 
eine untergeordnete Rolle spielt im Vergleiche zu der peripherischen 
Wirkung auf die Darmwand resp. die darin gelegenen Ganglien. 

Nun fand Hirsch 4 ) die interessante Tatsache, dass Morphin 
auf die Magenwand des Hundes eine stark kontrahierende Wirkung 
ausübe. Bei Hunden, denen er eine Duodcnallistel angelegt, floss 
das getrunkene Wasser gewöhnlich '/ 4 — l /. 1 Stunde später zur Fistel 
heraus. Gab er jedoch vorerst Morphin, so erschien das Wasser 

1) Schmiedeberg, Lehrbuch der Pharmakologie. Leipzig, Vogel. 

2) Spitzer, Virchow’s Archiv. Bd. 123 und Dissert, Breslau 1891. 

3) Pal, Wiener med. Presse. 1000. 

4) Hirsch, Zcitschr. f. innere Med. 1901. S. 33. 


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erst nach mehreren Stunden. Dies konutc er natürlich nicht anders 
deuten, als dass in Folge des Morphins im Magen ein Hindernis 
entstände, welches das getrunkene Wasser zurückhält. 

Diese Annahme wurde durch die Röntgenuntersuchungen von 
Magnus 1 ) neuerdings glänzend gerechtfertigt. Dieser Autor fand, 
dass der Speisebrei bei normalen Hunden und Katzen schon 10 
bis 15 Minuten nach der Nahrungsaufnahme in das Duodenum 
übertrat und der Magen nach spätestens 3 Stunden leer war. In¬ 
jizierte er hingegen vor der Nahrungsaufnahme Morphin, so blieb 
der Nahrungsbrei einigemal 30 Minuten lang an der Kardia stecken; 
jedesmal verweilte dieser Brei 5Y 2 —6 l / 2 Stunden im Fundus 
des Magens, um erst nach Verlauf dieser Zeit in den Pylorus- 
teil überzutreten. Nun begann der Mageninhalt vom Pylorusteil 
in das Duodenum überzutreten. Statt wie normal in 1 / i Stunde 
geschah dies jedoch jetzt in l 1 /,—2 Stunden. Zur völligen Ent¬ 
leerung brauchten die Tiere aber statt wie normal 3 Stunden nach 
Morphininjektion 7—25 Stunden. Als Grund dieser verlangsamten 
Entleerung nimmt Magnus eine Kontraktion einzelner Teile der 
Magenwand an, wie er dies ja auch am Röntgenschirme nachweisen 
konnte. Ausser an der Kardia bildet sich nach Morphin ein normal 
nicht sichtbarer Kontraktionsring des Sphicter antri pylori, und 
ein zweiter geringerer an der Uebergangsstelle des Pylorus in das 
Duodenum. Darin, dass der Mageninhalt derart verspätet und 
gut angedaut in das Duodenum gelangt, sieht Magnus die 
segensreiche Wirkung des Morphins und Opiums bei Dünndarm¬ 
störungen. Eine entschiedene Beeinflussung der Darmbewegung 
selbst (sowohl des Dünn- als des Dickdarmes) konnte er weder an 
Hunden noch an Katzen sicher nachweisen. Die Segmentation 
konnte mit dem Röntgenschirme auch nach Morphiuminjektionen 
wie normal nachgewiesen werden. Gab Magnus das Morphin als 
der Bismuthbrei bereits im Darme war, so konnte er keine einheit¬ 
liche Wirkung vermerken. Die Entleerung des Dünndarmes gegen 
den Dickdarm geschah oft so wie beim normalen Tier, meistens 
jedoch durchschnittlich 1 Std. später. Die verlangsamende Wirkung 
auf den Darm selbst trat also neben derjenigen auf den Magen 
ganz zurück. Wiederholt beobachtete Magnus nach Morphin sogar 
eine Erregung des Dünndarmes, so dass der Speisebrei sogar 
schneller als normal gegen den Dickdarm vorrückte. 

1) Magnus, Pflüger’s Archiv. Bd. 122. 

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G. v. Benczür, 

Ich stellte nun meine Versuche derart an, dass ich beiden 
Hunden, sowohl dem mit erhaltenen, als dem mit durchschnittenen 
cxtraintestinalen Nerven, Morphin in den Dosen 0,002 bis 0,06 g 
subkutan injizierte, und nun die Bewegung der Kugel im ausge¬ 
schalteten Darmstück beobachtete. Hunde vertragen mehr Morphin 
als der Mensch. Kleine Dosen wirken erregend. Die Hunde 
reagieren mit Brechreiz, jedoch schon bei der Dosis 0,01 g ist nach 
vorherigem Brechen eine ausgesprochene Schlüpfrigkeit bemerkbar. 
Nach 0,03 g Morphin schlafen die Hunde bald ein. Nach Dosen 
von 0,06 g war die Wirkung, besonders auf den kleineren Hund, so 
stark, dass er schon einige Minuten nach der Injektion nicht mehr 
stehen konnte und toxische Erscheinungen zeigte. 

Ich will im Folgenden die Wirkung der verschiedenen Dosen 
berichten, indem ich vorausschicke, dass den Beobachtungen nicht 
nur einmalige, sondern wiederholte Versuche zugrunde liegen. 

Der Hund mit erhaltenen extraintestinalen Nerven (11 kg) 
.reagiert auf: 

j 0,002 g Morphin subkutan mit einmaligem Erbrechen. Das 
Yorwärtsschreitcn der Kugel ist in den nächsten 20 Min. ungefähr 
doppelt so rasch als normal (sie legt anstatt wie früher 5 cm in 
fl—iy 2 Minuten, nun diese Strecke in 1 / 2 — 3 / 4 Minute zurück). 
Beim Zurückziehen musste ein Widerstand überwunden werden, da 
der Darm sich in geringer Kontraktur befand. 

0,005 g Morphin. Bricht nicht. Einige Minuten nach der In¬ 
jektion bewegt sich die Kugel mit doppelter Geschwindigkeit vor¬ 
wärts. Beim Zurückziehen ausgesprochene Kontraktur des Darmes. 
Nach 20 Minuten Stillstand, nach weiteren 10 Minuten abermals 
eine im Vergleich zur Norm starke Beschleunigung der Vorwärts¬ 
bewegung. Beim Zurückziehen ausgesprochene Kontraktur. 

0,015 g Morphin. Bricht, wird bald schläfrig. Einige Minuten 
nach Injektion Beschleunigung. Nach 10 Minuten absoluter Still¬ 
stand während l 1 /., Stunden. Nach Verlauf dieser Zeit im Ver¬ 
hältnis zur Norm auf das Doppelte beschleunigte Peristaltik. Beim 
Zurückziehen starke Kontraktur des Darmes. 

0,02 g Morphin Erbrechen, bald sehr schläfrig während mehrerer 
Stunden. Anfänglich Beschleunigung, nach 10 Minuten absoluter 
Stillstand. Nach Verlauf dieser Zeit abermalige Beschleunigung, 
zeitweise einige Minuten Stillstand, dann wieder Beschleunigung 
der Peristaltik. Nach einer weiteren Stunde beständige Beschleu¬ 
nigung. Beim Zurückziehen starke Kontraktur. Beschleunigung 


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und Kontraktur dauern während der nächsten 5 Stunden, sodann 
treten langsam normale Verhältnisse ein. 

0,03 g Morphin. Brechen. Sodann während mehrerer Stunden 
Schlaf. Nach einigen Minuten etwas Beschleunigung der Peristaltik, 
sodann P /2 Stunden totaler Stillstand. Nach Verlauf dieser Zeit 
plötzlich sehr rasches Vorwärtsschreiten. Die Kontraktur des 
Darmes ist nun so stark, dass das Zurückziehen der Kugel un¬ 
möglich ist. Erst nach 3 Stunden löst sich die Kontraktur soweit, 
dass das Zurückziehen unter sichtbar grossen Schmerzen möglich 
ist. Die Beschleunigung und Kontraktur bestehen weiter. 

0,06 g Morphin. Kein Brechen. Toxische Erscheinungen. Schlaf, 
bald starke Unruhe. Sich selbst überlassen liegt das Tier auf dem 
Bauch und streckt die Beine von sich. Bald nach Injektion abso¬ 
luter Stillstand, welcher in der 5. Stunde noch besteht. Einmal 
rückt die Kugel um 10 cm vor. Beim Zurückziehen dieser kurzen 
Strecke ist Kontraktion des Darmes zu fühlen. 

Diese kurze Zusammenstellung zeigt deutlich das einheitliche 
Ergebnis meiner Versuche. Applizierte ich das Morphin nicht sub¬ 
kutan, sondern gab es mittelst einer Sonde in den ausgeschalteten 
Darm, so waren die Wirkungen die gleichen. 

Desgleichen bekam ich ähnliche Resultate, als ich dem Hunde 
Pulvis opii per os gab. Nach Einnahme von 0,04 g Pulvis opii 
(kein Erbrechen) nach 15 Minuten zeitweise Steckenbleiben der 
Kugel, zeitweise ausgesprochene Beschleunigung. Beim Zurückziehen 
Kontraktur. Bei 0,10 g Pulvis opii Brechen, bald absoluter Still¬ 
stand. Nach 1 Stunde beschleunigte Vorwärtsbewegung. Beim 
Zurückziehen Kontraktur. 

Bei dem Hunde (16,5 kg) mit durchschnittenen extraintesti- 
nalen Nerven war die Wirkung eine ähnliche. Nach 0,002 g Morphin 
subkutan 20 Minuten Beschleunigung. Beim Zurückziehen Kon¬ 
traktur. Nach 0,005 g zuerst Beschleunigung, sodann eine Stunde 
Stillstand, abermals starke Beschleunigung und Kontraktur beim 
Zurückziehen. Nach Dosen von 0,02—0,03 g dasselbe, war nur die 
Beschleunigung ausgesprochener, die Kontraktur stärker. Nach 
0,06 g Morphin baldiger Stillstand, 2—3 Std. lang, sodann aus¬ 
gesprochene Beschleunigung, Kontraktur. 

Ich hatte bei diesem Hunde Gelegenheit, mich sicher zu über¬ 
zeugen, dass der Stillstand der Kugel nicht durch eine Lähmung, 
sondern durch Kontraktur des Darmes verursacht wurde, fernerhin 
zu beobachten, wie diese Kontraktur sich graduell ausbildete und 


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G. v. Benczur, 


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nachher wieder graduell Riste. So war /,. B. nach Einspritzung 
von 0,03 g Morphin das Vorrücken einer kleineren, das Darmlumen 
nicht ganz ausfüllenden Kugel sehr stark beschleunigt, während 
eine grössere, das Lumen ausfüllende Kugel schon stille stand. 
Nach Verlauf einiger Minuten standen nun beide Kugeln still. 
Nach einer Stunde wurde nun die kleine Kugel wieder sehr rasch 
weiterbefördert, die grosse stand noch still. Erst nach Verlauf 
einer weiteren halben Stunde wurde plötzlich auch die grosse Kugel 
rasch vorwärtsbewegt. 

Ich erzielte also bei beiden Hunden von den sehr kleinen Dosen 
0,02 g subkutan injizierten Morphins bis zu grossen einschläfernden 
Dosen eine Beschleunigung der Peristaltik. Die Vorwärtsbewegung 
des Darminhaltes erlitt nur in sofern Einhalt, als die ausge¬ 
sprochene Kontraktur, welche sich bereits nach Dosen von 0,005 g 
entwickelte, ein mechanisches Hindernis darstellte. Bei dem 
grösseren Hunde war Beschleunigung und Kontraktur auch nach 
0,00 g ganz ausgesprochen, bei dem kleineren waren diese Phänomene 
noch bis über 0,03 g sehr ausgesprochen. Ob der bis in die sechste 
Stunde anhaltende Stillstand der Kugel, nach Injektion von 0,00 g 
Morphin, als Wirkung der Kontraktur oder vielleicht einer Darin- 
paresc aufzufassen ist, ist jedenfalls zweifelhaft. Das einmalige 
geringe Vorwärtsschreiten mit beim Zurückzichen nachweisbarer 
Kontraktur spricht für erstere Auffassung. Versuche mit so hohen 
Dosen konnten schwer wiederholt werden, da es wegen der Hin¬ 
fälligkeit der Hunde technisch bereits unmöglich war, genau zu 
beobachten. Dass bei noch grösseren, toxischen Dosen schliesslich 
eine Parese des Darmes auftritt, ist ja wahrscheinlich. Aus meinen 
Versuchen geht jedoch hervor, dass bei Hunden nach Einführung 
von den geringsten Dosen Morphium bis zu solchen Dosen, welche 
mehrere Stunden lang andauernde ausgesprochene Ermattung und 
Schlafsucht erregen, nie eine Erschlaffung des Darmes, im Gegen¬ 
teil eine Kontraktur, und soweit es diese mechanisch nicht hindert, 
eine ausgesprochene, beschleunigte Vorwärtsbewegung des Darm¬ 
inhaltes zu verzeichnen ist. 

Bemerkensw'ert ist nun, dass diese Wirkung sowohl beim Hunde 
mit intakten cxtraintcstinalen Nerven, als auch bei jenen mit durch¬ 
schnittenen extraintestinalen Nerven auftrat. Dies beweist unzwei¬ 
deutig, dass bei der Wirkung des Morphiums und Opiums auf den 
Darm in erster Reihe jene auf die Dannwand selbst zur Geltung 
kommt, während die Beeinflussung des zentralen Nervensystems 


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höchstens eine untergeordnete Rolle spielt. Dass die Wirkung der ' 
hemmenden Fasern jedoch dennoch zur Geltung kommt, beweist 
die von mir bei allen Versuchen gemachte Beobachtung, dass die 
beschleunigende Wirkung bei dem Hunde mit durchschnittenen 
extraintestinalen Nerven viel ausgesprochener war, als bei dem 
Hunde mit erhaltenen Nerven. Während das Morphin bei letzteren 
das Vorwärtsschreiten der Kugel kaum mehr als das Doppelte be¬ 
schleunigte, war bei dem nervenlosen Hunde eine vierfache Be¬ 
schleunigung sehr oft zu vermerken; ja es kam vor, dass, während 
die Kugel vor dem Versuche überhaupt stille stand, sie nach In¬ 
jektion von 0,01—0,02 g Morphin in 1 Minute 20—30 cm zurück¬ 
legte, eine Geschwindigkeit, wie ich sie bei dem anderen Hunde 
nicht erzielte. 

Ich kann somit die Aussage von Pal 1 ), dass Morphin und 
Opium im Tierversuche, bei Dosen, wie sie für das Experiment 
zum Studieren der Wirkung in Frage kommen, nicht erschlaffend 
wirken, bestätigen. Wahrend jedoch Pal nur die Pendelbewegungen 
ständig beschleunigt fand, kann ich dasselbe von den den Darm¬ 
inhalt vorwärtsbewegenden peristaltischen Bewegungen sagen. 

Jedenfalls ist es denkbar, dass die Erscheinung der Be¬ 
schleunigung und Kontraktur nur auf einer gesteigerten Empfind¬ 
lichkeit der Nervenelemente der Dannschleimhaut beruht, und am 
leeren Darm nicht zustande kommt. Dies zu entscheiden ist weder 
die Methode von Pal, noch das Röntgenbild, noch unsere Methode 
imstande. Doch ist die Frage auch von weniger praktischer Be¬ 
deutung. Um was es sich handelt, ist ja eben, das Fortbe¬ 
wegen des Darminhaltes. Auch ist der Dünndarm wohl selten 
ganz leer, etwas Inhalt, wäre es auch nur abgesonderter Darmsaft, 
findet sich wohl meistens darin. 

Pal fand Kontrakturen auch am Dickdarm und Mastdarm des 
Hundes. Magnus fand die erwähnten Kontrakturen des Magens. 
So scheint es denn, dass Morphin und Opium im ganzen Magen- 
Darmtraktus eine kontrahierende Wirkung ausüben. Am stärksten 
und anhaltendsten wahrscheinlich am Magen und Dickdarm, am 
kürzesten am Dünndarm. Die beschleunigte Entleerung des Dünn¬ 
darmes beobachtete auch Magnus. Er sagt: „Worauf es beruht, 
dass es in einzelnen Fällen zu einer vorübergehenden Hemmung 
der Fortbewegung im Dünndarm kommt, vermag ich nicht zu sagen. 


1) I. c. 


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G. v. Benczür, 


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Ein Krampf des Sphincter iliocolicus kann die alleinige Ursache nicht 
sein, denn man kann eine abnorme Anhäufung von Chymus im 
untersten Ileum nicht beobachten.“ Ich glaube darauf antworten 
zu können, dass dies einesteils von der Konsistenz des Darmin¬ 
haltes, andererseits von der Grösse der Morphindosis, und vielleicht 
auch einer gewissen individuellen Reaktionsfähigkeit des Tieres auf 
das Morphin abhängt. Ist der Darminhalt, wie gewöhnlich, dünn¬ 
flüssig, breiig, so wird er bei kleinen Dosen Morphium sogar be¬ 
schleunigt gegen den Dickdarm vorgeschoben, ist er hart (ent¬ 
sprechend der Kugel bei meinen Versuchen), so kommt eine kurze 
Zeit bis Stunden dauernde Stagnation zustande. 

Soviel über die Versuche an Hunden. — Es frägt sich nun, 
wie steht die Sache beim Menschen? Widersprechen diese Tier¬ 
versuche nicht den klinischen Erfahrungen? 

Ich fühle mich nicht berechtigt, darauf zu antworten. Sicher 
sind Tierversuche nie ohne weiteres auf den Menschen anwendbar. 
Dieser Satz steht besonders bei Beurteilung der Wirkung von 
Medikamenten fest. Vom Morphin konnte ich in der Literatur 
wiederholt lesen, dass es beim Hunde viel stärker wirke als beim 
Menschen, während andere behaupten, der Hund vertrage eine viel 
grössere Dosis als der Mensch. Jedenfalls reagieren Hunde auf 
Morphin viel leichter mit Brechen, als der Mensch. Ich glaube 
jedoch, dass, da wir doch sehr kleine Dosen, sowie solche prüften, 
welche stundenlang starke Mattigkeit verursachten, die Wirkung 
der beim Menschen angewandten medizinalen Dosen doch auch in 
diesem Intervalle liegen müssen. Dass eine Kontraktion wenigstens 
des Mastdarms besteht, lehrt die Erfahrung von Aerzten und 
Kranken, dass nach Einnahme von Opium oft ein Einführen des 
Irrigatorrohres sehr erschwert ist. Eine Verminderung der Schmerzen 
kann ausser der die Empfindung schwächenden Wirkung des Mor¬ 
phins und Opiums vielleicht auch eben durch die Kontraktur des 
Darmes verursacht werden. Für die stopfende Wirkung erscheint 
mir die Kontraktur des Dünndarmes keine genügende Erklärung zu 
geben. Vielmehr glaube ich, dass ausser einer, vielleicht länger 
andauernden Kontraktur des Dickdarmes jene von Magnus 1 ) an¬ 
gegebene Wirkung des Verzögcrns der Entleerung des Mageninhaltes, 
sowie der Umstand, dass dadurch der Darm eine besser zerkleinerte 
und verdaute Nahrung bekommt, das ausschlaggebende Moment sei. 

1) 1. c. 


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Bei Versuchen mit Apomorphin fand ich, dass dieses Me¬ 
dikament in Dosen von 0,005 g bei dem Hunde mit durchschnittenen 
extraintestinalen Nerven ein beschleunigtes Vorwärtsrücken der Kugel 
verursachte. Am Tage, da überhaupt keine Peristaltik auszulösen 
war, trat sie nach Apomorphin ein. Bei Dosen von 0,01 g war die 
Wirkung noch viel ausgesprochener. — Die Hunde reagierten auf 
Apomorphin mit noch stärkerem Brechen und stärkerer Erregung, 
als auf Morphin. Beim Zurückziehen der Kugel war im Gegensatz 
zu Morphin nie ein Hindernis, also keine Kontraktur des Darmes. — 
Bei dem Hunde mit durchschnittenen extraintestinalen Nerven war 
keine Beeinflussung der Peristaltik mit Apomorphin zu erzielen. 
Dies ist ein Beweis, dass dieses Gift nicht auf die Darmwand und 
deren Apparate, noch durch Beeinflussung des Gefässtonus, sondern 
infolge zentraler Reize beschleunigend wirkt. 

Aehnlich verhielt sich Koffein, welches ja, wie bekannt, auch 
als Abführmittel gilt. — In grossen Dosen (0,40 Coff. natr. benzoic. 
subkutan) wirkte es bei dem Hunde mit erhaltenen Nerven ein 
wenig beschleunigend, wenn auch in geringerem Grade, als Apo¬ 
morphin. Auch die Sekretion war etwas vermehrt. Bei dem 
Hunde mit durchschnittenen Nerven war keine Beschleunigung zu 
sehen. — Die Wirkung des Koffeins war bei ersterem Hunde also 
wiederum als Folge des zentralen Reizes aufzufassen. — 

Die Wirkung des Atropins auf die Darmbewegungen war 
auch schon oftmals der Gegenstand der Versuche. — Ich will hier 
auf die Literatur der Frage nicht näher eingehen, sondern verweise 
diesbezüglich sowie die Wirkung des Physostigmins betreffend auf 
eine unlängst erschienene Arbeit Unger’s (Pflüger’s Arch. Bd. 119. 
S. 313. 1907), wo diese Literatur zusammengestcllt ist. — Die 
Ansichten über die Wirkung des Atropins sind auch nicht einheit¬ 
lich. — Die meisten Autoren fanden im Tierexperimente nach 
kleinen Dosen Atropin eine Steigerung, nach grösseren Herabsetzung 
oder Stillstand der Peristaltik; andere [Maschka 1 ), Bezold und 
Blochmann 2 ), Mommsen 3 ), Harnack 4 )] fanden selbst bei ganz 
geringen Dosen eine Beruhigung der Darmbewegungen. — Einige 
Autoren glauben den Angriffspunkt des Atropins in der glatten 
Muskulatur des Darmes oder im Plexus Auerbachi zu finden, andere 


1) Maska, Handbuch der gerichtlichen Medizin. Bd. 2. 1882. 

2) Herold und Blocharaer, Zcntralbl. f. d. raed. Wissensch. 1860. 

3) Mommsen, Archiv f. path. Anat. und Fhysiol. Bd. 83. 

4) Harnack, Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungsichre. 


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G. v. Benczur, 

suchen in der Verminderung der Erregbarkeit der periphersten 
Nervenenden den Grund der Wirkung. Kunkel 1 ) spricht die 
Meinung aus, dass vielleicht die verminderte Sekretion die Ursache 
der Peristaltikverlangsamung sei, während mehrere Forscher die 
Einwirkung des zentralen Nervensystems für ausschlaggebend halten. 
So glaubt Pal 2 ), dass Atropin Vagus und Splanchnikus lähmt, die 
Muskeln und Ganglienapparate des Darmes jedoch unbeeinflusst 
lässt. — 

Neuerdings beschäftigten sich Magnus 3 ) und Unger 4 ) ein¬ 
gehend mit der Frage. Magnus fand nach kleinen Dosen Atropin 
eine Beschleunigung, nach mittelgrossen eine regulierende Wirkung, 
nach grossen eine Lähmung der Bewegungen des Darmes, während 
Unger drei Stadien unterscheidet: bei kleinen Dosen relative Be¬ 
ruhigung, bei grösseren Erregung, bei noch grösseren absolute Be¬ 
ruhigung. — Da es diesen Autoren gelang, am überlebenden Darme 
die einzelnen Schichten der Darmwand zu isolieren, wobei der 
Plexus Auerbachi stets an der Längsmuskelschicht haften blieb, 
konnten sie auch konstatieren, dass Atropin auf den Darm nur 
solange erregend wirkt, als der Plexus Auerbhchi erhalten ist. 
Bei Präparaten ohne Plexus war nur eine lähmende Wirkung vor¬ 
handen. — 

Ich konnte bei beiden meiner Hunde nach subkutaner Injektion 
von 0,0001 g Atropinum sulfuricum nach einigen Minuten eine aus¬ 
gesprochene Beschleunigung in der Vorwärtsbewegung der Kugel 
konstatieren, hingegen trat nach Injektion von 0,001 g Atropin bei 
beiden Hunden stets bereits nach einigen Minuten absoluter Still¬ 
stand ein. — Erst nach Verlauf von 1—l J / 2 Stunden begann die 
Kugel wieder langsam vorwärtszuschreiten. Normal war die Peri¬ 
staltik jedoch erst in der dritten Stunde nach der Injektion. Die 
sonst gewöhnlich vorhandene geringe Sekretion des Darmsaftes 
sistierte ganz. Kontraktur des Darmes war nie zu bemerken. — 

Wenn die Versuche auch auf die Frage, wieweit der Plexus 
Auerbachi Einfluss auf die Atropin Wirkung hat, keine Antwort 
geben, so bestärken sie doch die Beobachtung, dass Atropin in 
kleinen Dosen erregend, in grossen lähmend auf den Darm wirkt. 
Da dies auch bei dem Hunde mit durchschnittenen extraintestinalen 


1) Kunkel, Handbuch der Toxikologie. 

2) Pal, Münchener med. Wochensrhr. 1902. 

3) Magnus, Ptliigor’s Archiv. Bd. 102 und 108. 

4) Unger, Pllügcr’s Archiv. Bd. 119. 


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Nerven zutraf, so beweist es jedenfalls, dass die Wirkung peripher, 
vom zentralen Nervensystem ziemlich unabhängig ist. — 

Auch über die Wirkung des Physostigmins und Pilokarpins 
wusste man lange nicht, ob ihre Wirkung auf den Darm von dem 
zentralen Nervensystem herrührt, oder ob eine direkte Beeinflussung 
des Darmes und dessen peripherer Ganglien vorliegt. Heute wissen 
wir unzweifelhaft, dass letzteres der Fall ist. — Wieweit die 
Wirkung vom Plexus Auerbachi abhängt, ist unbestimmt. Unger 1 ) 
sah am plexusfreien Darme keine Wirkung, Magnus 2 ) sah eine 
solche. Letzterer glaubt darum, dass die erregende Wirkung des 
Physostigmins nicht so sehr an dem Plexus, als auf den von ihm 
noch weiter peripher gelegenen Nerven zur Geltung kommt. — 

Ich sah nach subkutaner Injektion von Physostigmin und Pilo¬ 
karpin jedesmal eine Beschleunigung der Vorwärtsbewegung, doch 
war diese nicht so ausgesprochen, wie ich dies nach Angaben über 
die Wirkung dieser Gifte erwartete. — Nach 0,0005 g Physostigmin 
sowie nach 0,01 g Pilokarpin trat geringe Beschleunigung, daneben, 
besonders nach Pilokarpin, sehr starke Sekretion auf. Nach 
grösseren Dosen wurde die Sekretion noch mehr gesteigert, be¬ 
sonders bei dem Hunde mit durchschnittenen extraintestinalen 
Nerven. Die Peristaltik ward auch stärker, doch lange nicht so 
gross, wie nach Morphin. Nach 0,03 g Pilokarpin trat endlich 
Spasmus des Darmes auf, so dass die Kugel lange Zeit absolut 
Stillstand. — 

Die beiden Gifte wirkten also auf den Darm beschleunigend, 
führten bei grösseren Dosen zum Spasmus. Dass die Beschleuni¬ 
gung verhältnismässig gering war, ist möglicherweise dadurch zu 
erklären, dass vielleicht mehr die Pendelbewegungen, als die eigent¬ 
lich peristaltischen beeinflusst werden. — 


Zusammenfassung. 

Die Methode der Beobachtung des Vorsehreitens einer in den 
ausgeschaltcten Darm eingelegten Kugel ist für die Beurteilung 
vieler Phänomene der Darmbewegung brauchbar. — 
v Tiere mit durchschnittenen extraintestinalen Nerven haben eine 
unregelmässige, meist träge Peristaltik. Bei Reizwirkungen auf den 
Darm ist die Peristaltik bei diesen Tieren viel mehr gesteigert, 
als bei Tieren mit erhaltenen extraintestinalen Nerven. — Die im 

1) I. c. 

■ 2 ) I. c. 


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28 G. v. Benczür, Beiträge zur Kenntnis der Peristaltik des Dünndarms. 


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Peritoneum zum Darme verlaufenden Nerven wirken also regulierend 
auf die in der Darrawand selbst erzeugten Bewegungen. 

Die Peristaltik ist auch am normalen Tiere sehr labil. — 
Mechanische, psychische Reize können eine geringe Beschleunigung 
verursachen. — 

Vorübergehende thermische Reize wirken nur über 48° C. und 
unter 10° C. verlangsamend. Aeussere Wärmeapplikation auf die 
Bauchwand wirkt beruhigend auf die Darmbewegung. 

Die Peristaltik wird in erster Reihe durch den Darminhalt 
ausgelöst. Durch gesteigerte Peristaltik einzelner Darm- 
tcilc werden andere Darmteile auf dem Wege des Re¬ 
flexes über das zentrale Nervensystem in der Norm nicht 
beeinflusst. 

Na^SO* wirkt auf dem Wege der Wasserentziehung und 
durch mechanischen Reiz abführend. — Auf dem Blut¬ 
wege konnte die Wirkung nicht erzielt werden, im Gegen¬ 
teil wurde nach subkutaner Injektion geringe Verlang¬ 
samung beobachtet. 

Morphin und Opium bewirkt beim Hunde von ganz 
kleinen bis grossen Dosen keine Erschlaffung der Darm¬ 
wand. Es tritt stets Beschleunigung, sodann Kontraktur 
des Darmes auf, welche stundenlang anhält; nach Lösung 
der Kontraktur ist die Peristaltik noch längere Zeit ge¬ 
steigert. — Diese Medikamente wirken direkt auf die 
Apparate der Darmwand ein. — Die Wirkung auf das 
zentrale Nervensystem spielt in Beziehung auf den Darm 
nur eine untergeordnete Rolle, auch ist die hemmende 
Wirkung des zentralen Systems nach diesen Dosen Mor¬ 
phium nicht aufgehoben. — 

Apomorphin und Koffein in grossen Dosen wirken auf dem 
Wege zentraler Reizung peristaltikbeschleunigend. — 

Atropin wirkt durch direkten Reiz auf die Darmapparate in 
kleinen Dosen beschleunigend, in grossen lähmend. 

Physostigmin und Pilokarpin wirken durch direkten Reiz auf 
den Darm etwas beschleunigend, in grossen Dosen kontrahierend. 


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II. 

(Dali’ Istituto di patologia generale della R. Universitä di Napoli.) 

Sul ricambio respiratorio nei polli gottosi. 

Per il 

Dott. G. Dl Gristina (Napoli). 

La patologia della gotta e stata studiata con varii criterii, e 
le piü antichc dottrine, facevano consistere il raomento causale di 
questa malattia, in un affievolimento dei processi ossidativi. A 
questo fatto si dette una grandissima importanza anche per alt re 
malattie del ricambio, quali il diabete, e la obesitä. Ma si rico- 
nobbe ben presto ehe la diminuzionc delle ossidazioni non poteva 
spiegare tutti i fenoineni morbosi di alcune di queste malattie, e 
quindi si posero innanzi altri momenti etiologici e altri meccanismi 
patogenetici che qui non e il caso di ricordare. Mi limitcrö invece 
ad accennare gli studi interessantissimi di Minkowski 1 ) e special- 
mentc di Brugsch e di Schittenhelm 2 ) i quali, riportano il pro- 
cesso gottoso ad una anomalia del ricambio delle nucleine. Le 
nucleine che si introducono nell’ organismo coli’ alimentazione, come 
quelle che si originano dal continuo rinnovarsi dei tessuti, vengono 
attaccati da un fermento speciale, che libera le nucleine dall’acido 
nuclcico propriamente detto; interviene quindi un fermento desami- 
dante che trasforma le aminopurine in ossipurine, e in fine una 
ossidasi che trasforma queste ultime in acido urico, il quäle alla 
sua volta viene decomposto dal fermento uricolitico che lo trasforma 
in amraoniaca e glicocolla. 

In questo complesso lavorio di successive trasformazioni na¬ 
turalmente si svolgono processi di ossidazione, i quali, sebbene limi- 
tati, per la piccola quantitä delle nucleine che vengono trasformate, 

1) Minkowski, Citato da von Noorden (Lehrbuch der Pathologie des 
.Stoßwechsels). 

2) Brugsch e Schittenhelm, Zeitschrift fiir exper. I’athol. u. Therapie. 
1907/08. 


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G. Di Gristina, 

sono pur uou di mono importanti per il rettn funzionamento di questa 
lunga catena di fermenti. 

Nella gotta, secondo Brugsch c Schittenhclin vi sarebbe 
una diminuzione della uricolisi e un- rallcntamento della trasforma- 
zionc delle purine in acido urico. 

Entrerebbe cosi in gioco l’antica dottrina della diminuzione dei 
processi ossidativi modificata nel senso che avverrebbe una dimi¬ 
nuzione delle ossidazioni nel ricambio nuclcinico. Sono state fatte 
richerchc nella gotta umana per verificare la dottrina di Garrond 
delle dimiuuite ossidazioni e le osservazioni in proposito di Magnus- 
Lewy 1 ) hanno fatto costatare che il ricambio non e modificato 
affatto in questo senso. 

Pcrö come giustamente osserva Ebstein 2 ) non si puö, eolle 
richerche del predetto autore, escludere lc anomalie delle ossidazioni 
del ricambio nucleinico, perche in tale caso, le ossidazioni sono 
cosi piccole da sfuggire ai raezzi d’indagine di cui si dispone fino 
oggi. Nelle ricerche che sto per esporre mi sono proposto di stu- 
diare la quistione nella gotta sperimentale dei polli. Si sa che in 
questi animali alimentati con carne si producono corpi purinici in 
piü grande quantita, tanto da aversi uno eliminazione di acido 
urico da superare perfino i 10 grammi. Ora in tali condizioni, se 
disturbi delle ossidazioni intervengono potrebbero essere piü appa- 
riscenti. In questo riguardo non si deve perü dimenticare che nei 
polli per via sintctica si puö arrivare alla produzione di acido 
urico, da un materiale privo di nucleinc, anzi e questo il prodotto 
finale a cui arrivano ugualmente i materiali proteici trasformati nel 
loro organismo, in antitesi all’ aurea dei mammiferi. In ogni modo 
c certo che nei polli alimentati abbondantemente con nucleinc si 
ha una cccessiva produzione di corpi purinici e le ricerche di Mach 3 ) 
negli uceelli a cui venne estirpato il fegato, provarono che questc 
poterano trasformasi in acido urico, nella stessa maniera come 
avviene nei mammiferi. 

Anche nei polli deve sussisterc un limite d’eliminazione dcllo 
acido urico e sebbene si possa ritencrc che questo limite sia molto 
in alto, tuttavia non e inverosimile che un eccesso di produzione 
urica conduca 1’animalc ad una vera uricemia. Infatti il Kionka 4 ) 

1) Magnus Lewy, Zeitscbr. f. klin. Medizin. 1895. 

2) Ebstein, Die Gicht. Wiesbaden 1906. 

3) Mach, Archiv f. exp. Path. u. Pharm. XXIV. 1888. 

4) Kionka, Archiv f. exp. Path. u. Pharm. 1900. 


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Sul ricambio respiratorio nei polli gottosi. 


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riusci ad ottencrc la gotta nci polli alimentando questi animali con 
sola carne durante un pcriodo variabilc da 3 mcsi ad un anno. 
Le alterazioni che si riscontrano allora negli animali ammalati non 
soiio dissimili dalle lesioni gottose nell’ uomo. Questo autore 
distingue tre tipi di gotta sperimentale dei polli: 1. Tipo a de- 
corso acuto; i polli presentano andatura incerta, cadono ncl sal- 
iarc-e ritirano le zampe come se colpiti da dolore. La debolezza 
dell’ estremitä inferiori cresce sempre piü; ma a questo periodo 
di peggioramcnto si alternano periodi di miglioramento. Gli attacchi 
in seguito diventano sempre piü frequenti, i piedi si fanno edema- 
tosi e dolenti. In queste condizioni avvienc la morte. 

2. Tipo. Decorre piü lentamente e i fenomeni morbosi sono 
meno intensi. Si osservano lievi disturbi dell’ andatura, o nulla. 
D’un tratto gli animali non mangiano piü, tengono il capo piegato 
sono sonnolenti, diminuiscono fortemente di peso e soccombono in 
poehi giorni. 

3. Tipo. E’ molto raro e decorre in piü mesi. Anche qui 
compaiono disturbi dell’ andatura e si forraano gonliori alle arti- 
colazioni dei piedi, ma non sono cosi marcati come nella prima 
forma. II sintoma piü importante e la formazione di nodi duri 
nolle articolazioni e tra i muscoli della garnba. Qucsti nodi sono 
eostituiti da acido urico e sono analoghi ai tofi della gotta 
umana. 

Le ricerche di Kionka furono estesc anche al ricambio or- 
ganieo degli animali sottoposti al regimc carneo, con i scgucnti 
risultati: 

1. Le galline sottoposte a regime carneo nei primi tempi dello 
espcrimento dimagrano, poi riacquistano il peso primitivo c lo sor- 
passano per perderlo di nuovo e in modo progressive. 

2. Gli animali cosi trattati perdono cogli escremcnti una quan¬ 
titä enorme di acqua, come ha dei resto trovato Mcisner in 
analoghe ricerche. 

3. Corrispondentemcnte al vitto azotato il ricambio dei X. c 
molto alto, avendosi una eliminazione di azoto di gr. 3,826 a 
4,669 per giorno. 

Il rapporto tra N. introdotto e N. eliminato spesso si moströ 
modoficato nei senso di una maggiore eliminazione. 

4. La quantitä di acido urico eliminato fu di gr. 8, 8,15, a 
9,792 per giorno. (^uesta quantitä di acido urico messa in con- 
fronto con quclla ordinariamentc eliminata e temito conto anche 


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G. Di Gristina, 


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ehe vi e ritenzione di aoido urico bisogna conveuire che rappre- 
senta una quantitä enorme. 

Richter 1 ) ha obbietatto alle riccrche di Eionka che si tratli 
non di una vera gotta, ma di ritenzione di acido urico per lesioni 
doll’ epitelio secemente dei reni. In appoggio alla sua opinione fa 
rilevare che Kochmann alimentando i cani con came, trovö alte- 
razioni profonde degli epitelii canaliculari. Perd l’autore non tiene 
conto dei reperti istologici del rene nei polli gottosi, quali risultano 
dagli studi di Kionka e di Bannes. Da questi emerge che la 
conservazione de rene se non completa e almeno notevole. Di 
piü non si spiega ammettendo l’obbiezione di Richter che i reni 
in tali condizioni, eliminano quantitä cosi enonni di acido urico 
ehe naturalmente dovrebbe essere ritenuto nel caso che il rene 
non avesse conservato tutta la sua permeabilitä. Dal punto di 
vista istologico, ha fatto ricerche anatomo patologiche sui polli 
gottosi anche Bannes 2 ). Tanto quest’ultimo autore, che Kionka 
trovarono specialmentc un processo di sclerosi iniziale e di meta- 
morfosi pigmentaria, nel fegato, processi degenerativi e di in- 
filtrazione nel rene. Bannes oltre al deposito di acido urico ha 
potuto costatare infiltrazione pigmentaria che egli considera comc 
siderosi. A queste alterazioni egli da un’importanza secundaria, 
mentre che la natura vera della malattia va ricercata in anomalie 
del ricambio. Anche Ebstein aveva notato negli organi dei polli 
gottosi granulazioni pigmentarie earattcristiche. 

Metodica. Per rendere gottosi i polli ho seguito in generale 
il inetodo di Kionka modificandolo in quanto che invece di som- 
ministrare carne ho adoperato fegato di bue ch’e piü ricco di nu- 
cleinc. Gli animale in numero di tre furono collocati in piccolc 
gabbie, in modo do impedire i movimenti e costringerli alla asso- 
luta immobilitä. Prima di sottoporli al trattamento venivano ali- 
mentati con mais in quantitä costante e proporzionata al peso dello 
animale, il quäle nei primi tempi dell’ esperimento aumentava lino 
a raggiungere un raassimo costante. Ottenuto questo stadio di 
equilibrio nel ricambio, l’animale veniva studiato per un tempo 
relativamente lungo, lino a che le determinazioni del ricambio gas- 
soso raggiungesscro una certe costanza. Dopo si sottoponeva 
l’animalc al regime carneo. Le determinazioni furono fatte nel 
compielo digiuno dell’ animale, e fu impiegato l’apparecchio per 

1) Richter, Stoffwechsel und Stoffwechselkrankheiten. Berlin 1906. 

2) Bannes, Areh. internat. de Pbarmacodyn. IX. 


Gck igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



Sul ricambio respiratorio nei polli gottosi. 


33 


l'analisi dei gas di Zuntz; l’aria respirata fu raccolta col metodo di 
Agozzotti come fu giä usato in questo Istituto per altre ricerche 
fatte da La Franca 1 ) e da Scaffidi 3 ). Gli animali furono tenuti 
in esperimento per un ternpo variabile da venti a trenta rainuti. 

La quantitä di C0 2 e 0 2 trovata nel volurae di aria raccolto 
durante questo tempo, fatta la correzione della pressione, veniva 
rispettivamente moltiplicata per il fattore 1,5804 e 1,1427 e ri- 
portata all’ unitä di tempo e di peso dell’ animale. Gli animali 
tollerano bene il trattamento e mangiarono spontaneamente il fegato 
tritato, per lunghissimo tempo. 

Fu ricercato anche se l’aniraale, reso artificialmente gottoso, 
rimesso alla dieta ordinaria riprendesse il suo ordinario andamento 
di vita e se presentasse il ricambio respiratorio corrispondente alla 
dieta somministrata. 

Allo scopo, l’animale coi sintomi manifestati della gotta, si 
rimetteva d’un tratto alla dieta di mais come in condizioni ordi- 
narie e si osservava, trascorso qualche giorno, il ricambio nel so- 
lito modo. Riporto i fatti osservati nei tre animali che indico colle 
lettere A, B, C. 

I risultati di tuttc Ie mie determinazioni si trovano nelle se- 
guenti tabelle. 

Descrizione degli esperimenti. 

Gallina A. 

Gallina adulta dcl peso di gr. 820. Fu mantenuta alla dieta 
di mais (gr. 40 = 58,79 calorie giornaliere) per due mesi e mezzo 
lino a che si ebbero risultati costanti nelle determinazioni del ri¬ 
cambio gassoso. Fu poi messa a dieta di fegato (80 di fegato di 
bue = 100 calorie per giorno) c nei primi tempi non si raani- 
festarono fenomeni morbosi e il peso dell’ animale si mantcnne 
presso a poco costante. 

Dopo circa un mese c mezzo cominciarono a formasi ai picdi 
nodi e screpolature, le articolazioni si gonfiavano e i movimenti 
dell’ animale diventarono tardi e impacciati. Per circa un mese 
l’animale restö in questo stadio diminuendo sempre di peso e con 
alternative di miglioramenti e di peggioramenti. Fu allora rimessa 
alla dieta di mais per alcuni giorni, e poi di nuovo alimentata con 
fegato fino che sopraggiunse spontaneamente la morte. 

1) Biochemische Zeitschr. 1907. 

2) Biochemische Zeitschr. 1908. 

Internat. Beiträge. Bd. I. Heft l. o 


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Original fro-m 

UNIVERSETY OF MICHIGAN 



34 


G. Di Gristina, 


Tabclla !»• Gallina A. 1° Periodo. 


Data 

Tempe- 
ratura in 
gradi 
centigradi 

PresMone 

baro- 

metrica 

Durata 

dell’ 

esperi- 

mento 

CO 2 

elirainato 

in % 

O 2 

assorbito 
in °/o 

CO 2 

eliminato 
per ora 
in cmc 

O 2 

assorbito 
per ora 
in cmc 


19. 1. 1909 

12,0 

754,6 

26' 

1,24 

1,20 

490,0 

562,1 


20. 1. 1909 

12,0 

755,0 • 

20' 

1,20 

1,44 

616,6 

751,6 


26. 1. 1909 

12,0 

760,0 

20' 

1,25 

1,50 

642,3 

770,8 


28. 1. 1909 

11,5 

761,7 

17' 

0,85 

1,00 

514,0 

603,7 


17. 2. 1909 

11.5 

748,0 

17' 

0,79 

0,86 

277,7 

520,1 


23. 2. 1909 

10,0 

755,0 

25' 

0,94 

1,02 

670,9 

728,1 


28. 2. 1909 

12,0 

742,5 

24' 

! 0,84 

1 1,03 

551,6 

851,? 


28. 3. 1909 

. 160 

754.0 

23' 

0,89 

1 0,92 

584,4 

636,9 


29. 3. 1909 

16,0 

757,0 

30' 

1,17 

i : 

1,25 

100,4 

! 1096,0 

1 


6. 4. 1909 

15,0 

758,0 

22' 

7. 4. 1909 

15,0 

759,5 

26' 

11. 4. 1909 

17,5 i 

752,5 

22' 

13. 4. 1909 

17,0 

750,0 

| 21' 

18. 4. 1909 

19,5 

760.0 

1 21' 

19. 4. 1909 

18,0 

759,0 

23' 

23. 4. 1909 

21,0 

758,0 

21' 

24. 4. 1909 

19,0 

762,0 

1 25' 

26. 4. 1909 

19,0 

762,5 

1 22' 


28. 4. 1909 

21,5 

759.5 

25' 

29. 4. 1909 

21,0 

559,5 

22' 

1. 5. 1909 

20,0 

757,0 

24' 

6. 5. 1909 

17,5 

756,4 

19' 

10. 5. 1909 

17,0 

755,0 

16' 

17. 5. 1909 

22,0 

759.6 

19' 

21. 5. 1909 

23,0 

762,2 

20' 

24. 5. 1909 

22,0 

762,6 

i 22' 

26. 5. 1909 

22.0 

657,0 

25' 

29. 5. 1909 

22,0 

! 751,5 

21' 

9. 6. 1909 

23,0 

760,0 

1 25' 


12. 

6. 

1909 

23,0 

755,5 

26' 

13. 

6. 

1909 

22,0 

755.0 1 

18' 

16. 

6. 

1909 

22,0 

761,7 

21' 


Tabella 2 a - Gallina A. 

2° Periodo. 

0,66 

0,89 

414,6 

559,9 

0,79 

1,04 

586,6 

772,1 

0,80 

0,92 

502.6 

577,6 

0,93 

0,97 

570,5 

595,2 

0,60 

0,90 

359,7 

539,7 

0,56 

1,25 

367,8 

820,8 

0,95 

1,20 

542,6 

703,1 

0,70 

1,35 

499,6 

765,4 

0,55 

1,00 

314,0 

628,8 

Tabclla 3 a - Gallina A. 

3° Periodo. 

0,95 

1,46 

599,S 

922,2 

0,80 

1,17 

433,5 

635,5 

1,30 

1,42 

770.2 

841,5 

1,09 

1,79 

523,3 

859,3 

0,45 

0,68 

193,5 

268,7 

0,55 

0,84 

264,0 

422,2 

0,68 

1,20 

335.8 

592,6 

0.80 

1,00 

444,6 

559,9 

0,80 

1,30 

505,4 

821,1 

0,85 

1,40 

451.0 

1 742,9 

0,60 

1,00 

305,3 

520,7 

i 

Tabella 4 a - Gallina A. 

4° Periodo. 

0,80 

0,98 

433,4 

510,3 

0,94 

1,05 

353,5 

394.5 

0,75 

0,95 

327,4 

415,6 


L’autopsia della gallina, fatta 8 oro dopo la mortc mi diede 
i segucnti resultati: Animale estremamentc magro — Articolazioni 


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Gck igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 







Sd\ ricamblo 


35 


Aüinvntazionc con mais (2U.gc ui giorti<$£ 



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0,0051 

1.1040 

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I 0,550 

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[ 1,0839 

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A]iirvCota-d^ae > -t:arocÄ (SO gv *3t feat»> di hue o$m giorho). 

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; 760 

m 


-9.T7S1 i 1,0780 ] 0:8210 ; 1,15)40 

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0.040.) : V.7i00 3/1270 5 1.4*40 ■ O.fiQD 

OMO'i 0.454* : 0,8500 0,4557 ; 0.662 j 

0.37.V7 Ö,54a0j 0,727-1 r Ö;ß07 - 


0,4721 • 0.5757 

0.55)64 omit- i 


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0.5403 ! 0,7505 ,| OXW» 1 0,9257 ; 0.000 < 

0.54*40 | O.SO.OfV >0.055 r 


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820 

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820 

720 


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0,6240 - 

0:8929 . 0 5043 0.7205 . 0.893 

0.8584 ! 0,$33$ O,?-/;) j 0.789 

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.0,5467 : 0.4! Vi 0,833. 





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- - Svgl.i '.'or^vrii iii-if.*nii non si. noLaciini» ailera’/iuui itmito- 


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36 


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G. Di Gristina, 

scopiche. L’esame microscopico mi fece rilcvarc processi degene- 
rativi delle capsule surrenali e dei reni. Notai pure infiltrazione 
pigraentarie come furono osservate da Ebstein e da Bannes. 
Nel fcgato si trovarono infiltrazioni con corpuscoli piü o meno 
grossi verdrasti. 

Nelle tabeile seguenti sono raccolti i dati delle determinazioni 
fatte in riguardo al ricambio respiratorio delle gailine nei diversi 
periodi dell’ esperimento. 

Riassunto dell’ esperimento A. 

1. Periode. Durata due mesi e mezzo. Dieta di mais. La 
gallina si trova in condizioni perfettamente normali. Peso costante. 
II suo ricambio respiratorio e rappresentato da una media: 

CO, eliminato 1,3345 \ 1r . . 

r , ... ’ onn J per ora e per kir. d animale. 

0 2 assorbito 1,1800 I 1 r 

II quoziente respiratorio e in media 0,853, valore normale 
tenuto conto della dieta prevalentementc idrocarbonata. 

2. Pcriodo. Periodo preparatorio della gotta. 2 mesi dieta 
carnea. La gallina si trava in buone condizioni — il peso lieve- 
mcnte diminuito. II ricambio respiratorio c rappresentato da una 
media: 

CO, eliminato 1,0335 I T . ■ , 

O, ‘ assorbito 1,0880 I I>Cr <,ra C l>CT Kg ' ,] Min,aK 

H quoziente respiratorio e in media 0,701. 

In questo periodo vi e dunquc diminuzioni dei processi ossi- 
dativi e abbassamento dei Q.R. 

3. Periodo. Periodo della gotta con dieta carnea (30 giorni). 
Sono evidenti le manifestazioni gottose nell’ animale. II peso e 
notevolmentc diminuito (100 gr.). II ricambio respiratorio ä rap¬ 
presentato da una media di: 

CO, eliminato 0,9640 I „ . . 

0, ‘ assorbito 0,8906 I '' er ° ra c |H ' r Ks ' llanm,ale ' 

In questo periodo vi e anclie diminuzione dei processi ossi- 
dativi e abbassamento dei Q.R. 

4. Periodo. Periodo della gotta con dieta di mais (6 giorni). 
Malgrado la dieta idrocarbonata la gallina non migliora e il suo 
peso diminuisce aneora di 40 gr. Il ricambio respiratorio e rap¬ 
presentato da una media di: 


Gck igle 


Original fro-m 

UNIVERSETY OF MICHIGAN 



Sul ricambio respiratorio nei polli gottosi. 


37 


C0 2 eliminato 0,9477 1 T . 

,, .} per Kg. e per ora. 

0 2 assorbito 0,8121 J p F 

II Q.R. e di 0,693. 

I proeessi ossidativi sono ancora diminuiti malgrado il ritorno 
alla dieta idrocarbonata. 

II quoziente respiratorio e molto basso se si tien conto della 
prevalenza degli idrati di carbonio nel cibo. 


Riassunto dell’ esperimento B. 

Gallina adulta del peso di gr. 1220. Fu mantenuta per un 
tnese al regiine di gr. 70 di mais (72,55 ealorie) per giorno. Poi 
si comincio l’alimentazione carnea gr. 120 di fegato di bue (= 220 ea¬ 
lorie). Ben presto comincio a mostrare segni di malattia. L’ani- 
male era tardo cd impacciato nei movimenti, teneva gli arti re- 
tratti. Aveva cresta cianotica. In breve non pote piii muoversi 
affatto, rifiutava il cibo per modo che si dovette alimentäre per 
forza. 

Si rimise allora la gallina a dieta di mais e in pochi giorni 
comincio notevolmente a migliorare. 

Dopo 20 giorni riprese l’alimentazione con fegato c subito 
coraparve un nuovo accesso di gotta. L’animale restava immobile 
al suolo, rifiutava il cibo; aveva le articolazioni gonfie e calde. 
Comparvero ingrossamenti nel mascellarc inferiore. 

Rimessa la gallina a dieta di mais ritorno la facolta di de- 
ambulazione ma il peso seguitava a diminuirc. Rimessa allora di 
nuovo a dieta di fegato, auraentö il peso ma comparve un nuovo 
accesso gottoso, e quindi le condizioni dell’ animale decaddero ra- 
pidamente talche credetti opportuno ueciderlo per fissarne gli 
organi freschi. 

L’esame dell’ animale fatto immediatamente dopo la morte mi 
diede i seguenti risultati: 

L’animale e profondamente dimagrato, non si riscontrano tracce 
di tessuto adiposo. Nel cellulare sottocutaqpo riscontrasi una quan- 
tita di corpuscoli bianco giallastri, che non danno la reazione della 
muresside. Le articolazioni sono ipcreraiche ma non contengono 
ne prodotto inllammatorii, ne depositi. 

11 mascellare e sede di ipertrofia ossea ma non contiene de¬ 
positi. Nei vari organi addominali macroscopicamente uulla rilevasi 
d’importante. 


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Gck 'gle 


Original fro-m 

UNIVERS1TY OF MICHIGAN 




Tabe 11a 6"- Gallina B. 2° Periodo. 


21. 2. 1909 

11,0 

7G2,1 

18' 

0,65 

0,70 

370,2 

394,1 

25. 2. 1909 

11,0 

753,3 

20' 

0,84 

1,15 

431,8 

591,1 

26. 2. 1909 

12,0 

757,5 

15' 

0,65 

1,00 

445,4 

685,1 

21. 3. 1909 

15,0 

754,0 

18' 

0,90 

1,05 

413,8 

599,6 

22. 3. 1909 

17,0 

755,0 

i 

21' 

1 

! 

M5 

1 : 

1 

1,80 

1 

709,7 

i 

881,1 


Tabclla 7 J - Gallina B. 3° Periodo. 


23. 3. 1909 

16,0 

751,6 

21' 

0,95 

1,39 

465,1 

680,5 

28. 3. 1909 

15,0 

754,5 

21' 

0,80 

1,03 

391,6 

503,4 

29. 3. 1909 

15,0 

757,3 

21' 

0,92 

1,00 

450,4 

543,4 

30. 3. 1909 

15,0 

757,4 

24' 

1,12 

1,43 

468.8 

612,5 

9. 4. 1909 

15,0 

762,0 

23' 

1.05 

1,65 

616,2 

958,9 

11. 4. 1909 

16,0 

755,0 

21' 

0.90 

1,35 

477,7 

716,5 

18. 4. 1909 

18,5 

760,0 

! 22' 

0,85 

1,29 

472,4 

717,1 

19. 4. 1909 

18,0 

759,0 

21' 

0,95 

1,48 

504,1 

785,3 

22. 4. 1909 

19,0 

755,0 

22' 

1,18 

1,44 

521,0 

800,0 

24. 4. 1909 

21,0 

762,8 

24' 

i 

1,16 

1,47 

1 

703,4 

873,2 


Tabelia 8 a - Gallina B. 4° Periodo. 


27. 4. 

1909 

20,0 

761,7 

24' 

0,95 

1.50 

57 6,0 

909,6 

28. 4. 

1909 

21,5 

| 759,5 

22' 

0,95 

1,42 

528,0 

789,3 

39. 4. 

1909 

20,0 

759,3 

26' 

1,45 

1,65 

952,5 

10S4,0 

1. 5. 

1909 

20,0 

757,0- 

29' 

1,75 

2,27 

769,4 

998,0 

2. 5. 

1909 

20,5 

756,5 

16' 

0,75 

1,40 

343,6 

566,0 

3. 5. 

1909 

18,5 

756,5 

20' 

0,89 

1,57 

451,9 

797,1 

6. 5. 

1909 

17,5 

756,4 

26' 

0.96 

1,70 

633.6 

1122,0 

7. 5. 

1909 

17,5 

756,7 ; 

25' 

1,00 

1.85 

532.9 : 

963,5 

9. 5. 

1909 

17,0 

758,0 

27 

1 1,50 

2.70 

843,7 

1519,0 

11. 5. 

1909 

17.5 

760,0 

24' 

0.60 

1,20 

300.0 

600,0 

12. 5. 

1909 

19,0 

; 760,0 

25' 

0,80 

1,35 

397,9 

703,2 


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Original from 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 





Sul ricambio respiratorio nei polli gottosi. 


39 


Alimentazione con mais (70 gr di mais al giorno). 


CO 2 eliminato in 
grammi 

| per kilo 
per ora | r 

t ° ra 

O 2 assorbito in 
grammi 
^ per kilo 
P er ora | ora 

Quoziente 

respi¬ 

ratorio 

Peso 

delP 

animale 

gr 

Osservazioni 

1,3510 

1,1060 

1,5550 

1,2720 

0,6391 

1220 

L’animale si mantiene in 

0,9269 

0,7129 

1,5880 

1,2220 

0,8710 

1300* 

buone condizioni ed 

0,7874 

0,6299 

0,7393 

0,5912 

0,7700 

1250 

aumenta di peso. 

1,3070 

0,9905 

1,0630 

0,8054 

0,9316 

1320 


1,3060 

0,9675 

1,1290 

0,8369 

0,9150 

1350 


1,3710 

1,0160 

1,3020 

0,9950 

0,7570 

1350 


1,5270 

1,1310 

1,2140 

0,8999 

0,9090 

1350 


1,4580 

1,3200 

1,1800 

0,8493 

0,8520 

1390 


1,3660 

0,9822 

1,1420 

0,8221 

0,8550 

1390 



0,9853 


0,9215 

0,8330 


Valori medii. 

Alimentazione carnea 

(120 gr di fegato al giorno). 



0,6923 

0,5053 

0.5328 

0,3889 

0,928 

1370 

L’animale tollera poco il 

0,8028 

0,5899 

0,7945 

0,6112 

0,739 

1300 

nuovo reggime e presto 

0,6578 

0,5060 

0,9210 

0,7085 

0,650 

1300 

presenta disturbi dell’ 

0,9378 

0,7563 

0,7913 

0,6379 

0,855 

1240 

andatura. 

1,2860 

1,0300 

1,1530 

0,9226 

0,805 

1250 



0,6767 


0,6558 

0,805 


Valori medii. 

Alimentazione con mais (70 gr al giorno). 




0,8432 

0,6855 

0,3551 

0,2887 

0,685 

1230 

Le condizioni di diffi- 

0.7159 

0,5S68 

0,6654 

0,5454 

0,776 

1220 

coltata deambulazione 

0,8262 

0,6885 

0,7208 

0,6006 

0,835 

1200 

migliorano sensibil- 

0,8590 

0,7159 

0,8116 

0,6762 

0,842 

1200 

mentc. 

0,2350 

1,0500 

1,2790 

1,0650 

0,620 

1200 


0,8736 

0,7281 

0,9475 

0,7S96 

0,668 

1200 


0.8525 

0,7413 

0,9359 

0,8134 

0,658 

1150 


0,9162 

0,7831 

0,8197 

0,7006 

0.642 

1170 


0,9346 

0,8122 

0,0380 

0,9018 

0,840 

1150 


0.2630 

1,0980 

1,1330 

0,9857 

0,790 

1150 



0,7889 


0,7327 

0,735 

1 

Valori medii. 

Alimentazione carnea 

(120 gr di fegato al giorno). 



1,0380 

0,9837 

1,1800 

0,9523 

0,632 

1240 

L’animale con questa 

0,939S 

0,7579 

1,0420 

0,8483 

0,668 

1240 

dieta presenta nuovi 

1,7090 

1,3880 

1,4060 

1,1340 

0,878 

1240 

attachi gottosi e piu 

1,3750 

1,1090 

1,2900 

1,0390 

0,775 

1240 

gravi, tanto da rendere 

0,6114 

0,4930 

0,5937 

0,6270 

0,607 

1270 

impossibile la deam¬ 

0,8127 

0,6399 

0,9370 

0,7624 

0,566 

1270 

bulazione. 

1,1630 

0,9159 

1,4650 

1,1540 

0,584 

1270 


0,9597 

0,8016 

1,3750 

1.0820 

0,540 

1200 


1,5290 

1,2850 

1,9910 

1,6590 

0,555 

1190 


0,5440 

0,4730 

0,9867 

0.6611 

0,500 

1150 


0,7182 

0,6529 

0,9177 

0,8343 

0,590 

1100 



0,8637 


0,9778 

0,627 


Valori medii. 


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Go«. igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



40 


G. Di Gristina, 


Tabelia 9"- Gallina B. 5° Periodo. 


Data 

Tempe- 
ratura in 
gradi 
centigradi 

Pressione 

baro- 

metrica 

Durata 

dell’ 

esperi- 

raento 

CO 2 

eliminata 
in % 

0 2 

assorbito 
in °/ 0 

CO 2 

eliminato 
per ora 
in cmc 

0 2 

assorbito 
per ora 
in cmc 

13. 5. 1909 

19,0 

753,0 

22 # 

1,20 

1,60 

550,0 

733,3 

14. 5. 1909 

20,0 

756,7 

2t' 

1,12 

1,61 

490,0 

590,0 

15. 5. 1909 

20,0 

75G,0 ! 

26' 

1,20 

1,35 

650,0 

331,2 

16. 5. 1909 

21,0 

757,0 

20' 

0,90 

1,03 

375,0 

540,3 

17. 5. 1909 

21,5 

757,0 

20' 

0,75 

1,3 

327,2 

592.7 

18. 5. 1909 

22,0 | 

759,6 

22' 

1,00 

1,27 

458,0 

578,0 

21. 5. 1909 

23,0 

76*2,2 

18' 

0,82 

1,02 

; 375,9 

467,5 

22. 5. 1909 

25,0 

762,2 

21' 

1,30 

i 1,40 

! 568,7 

612,5 

24. 5. 1909 

23,0 

762,6 

23- 

0,94 

1,16 

| 450,0 

555,9 


L’esame istologico fcco rilcvare le sollte allerazioni descritte 
da Ebstein e Kionka. 

Riporto nclle seguenti tabelle i risultati degli esperimenti. 


Riassunto dell’ esperimento B. 

1. Periodo = Un niese di durata. Dieta di mais. La gallina 
si trova in perfette condizioni fisiologiche. II ricambio respiratorio 
c rappresentato da una media di: 


CO 2 eliminato. 0,9854 

O 2 assorbito.0,9215 

Q. R. in media .0,832 


2. Periodo = Un mese. Periodo di preparazione della gotta. 
Dieta carnea. Evidenti manifestazioni gottose. II peso della gallina 
diminuisce alquanto. 

II ricambio respiratorio e rappresentato da una media di: 


CO 2 eliminato. 0,6767 

O 2 assorbito. 0,6558 


Quoziente respiratorio .... 0,805 

Vi e dunquc diminuzionc dci processi ossidativi e lieve abbas- 
samento dcl quoziente respiratorio. 

3. Periodo = 20 giorni. Periodo della gotta con dieta di 
mais. La gallina migliora notevolmente. II ricambio respiratorio 
c rappresentato da una media di: 

CO 2 eliminato. 0,7889 

O 2 assorbito. 0,7327 

Quoziente respiratorio .... 0,735 


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Go igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 












Sul ricambio respiratorio nei polli gottosi. 


41 


Aliraentazione con mais (70 gr di mais al giorno). 


CO 2 eliminata in 

grammi 

1 per kilo 
per ora i F 
r | ora 

O 2 assorbito in 
grammi 

i per kilo 
per ora 1 * 

* 1 ora 

Quoziente 

respi¬ 

ratorio 

Peso 

dell’ 

animale 

g r 

Osservazione 

0,9834 ' 0,8940 

0,94S0 

0,8618 

0,750 

1100 

1 sintomi gottosi si dile- 

0,8777 | 0,7939 

0,7642 

0,6925 

0,695 

1100 

guano a poco a poco 

1,1640 | 1,1070 

0,9456 

0,9430 

0,889 

I 1050 

e i’animale puo deam- 

0,5316 > 0,5074 

0,6988 

0,6655 

0,873 

. 1050 

bulare con una certa 

0,5801 ! 0,5421 

0,7580 

0,7084 

0.664 

1 1070 

facilita. 

0,8141 : 0,7755 

0,7417 

0,7064 

0,787 

1050 


0,6660 ! 0,6660 

0,6003 

0,6003 

0,803 

1 1000 


1,0300 1,0130 

0,7817 

0,7S96 

0,926 

j 990 


0,8016 i 0,8097 

0,7133 

! 0,7205 

0,810 

' 990 



II processi ossidativi aumcntano alquanto e il quoziente re¬ 
spiratorio si abbassa malgrado al dieta idroearbonata. 

4. Periodo = Periodo di due mesi. Periodo della gotta con 
alimentazione di fegato. Evidenti manifestazioni gottose. Dimi- 
nuzione notevole del peso (290 gr.). 

II ricambio respiratorio e rapprescntato da una media di: 

CO 2 eliminato. 0,8637 

O 2 assorbito. 0,9778 

Quoziente respiratorio .... 0,627 

5. Periodo = Nove giomi = Periodo della gotta con dieta 
di mais. Le manifestazioni gottose migliorano alquanto, ma l’ani- 
raale diminuisce di peso. 

II ricambio respiratorio e rapprescntato da una media di: 

CO 2 eliminato . 0,8060 

O 2 assorbito. 0,7433 

Quoziente respiratorio .... 0,800 

I processi ossidativi si mantengono sempre bassi ma il quo¬ 
ziente respiratorio merce la dieta idrocarburata si rialza fino a 
quasi il valore normale. 


Riassunto dell’ esperimento C. 

Gallina adulta del peso di gr. 870. Fu alimentata per un mesc 
e 5 giorni con mais (gr. 60 di mais, calorie 87,64) e in questo 
periodo si mantenne in condizioni fisiologiche e aumentö di peso. 

Si cominciö poi la dieta carnea (gr. 100 di fegato di bue = 
200 calorie al giorno). Dapprima non si raanifestarono fenomeni 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 






42 


G. Di Gristina, 


Tabelia 1 (K Gallina C. 1° Pcriodo. 


Data 

Terape- 
ratura in 
gradi 
centigradi 

Pressione 

baro- 

metrica 

Durata 

dell’ 

esperi- 

mento 

CO 2 

eliminata 
in °/o 

O 2 

► 

assorbito 
in % 

CO 2 

eliminata 
per ora 
in cmc 

O 2 

assorbito 
per ora 
in cme 

16. 9. 1909 

13,0 

760,0 

15' 

1,07 

U 6 

785,5 

851,6 

17. 6 . 1909 

14,0 

759,7 

17' 

1,24 

1,36 

749,0 

822,0 

21. 6 . 1909 

12,0 

757,2 

22 ' 

1,19 

1,38 

556,0 

644,8 

24. 6 . 1909 

12,0 

759,7 

17' 

1,15 

1,58 

695,5 

955,5 

26. 6 . 1909 

12,5 

760,0 

IS' 

1,33 

1,50 

742,2 

876,5 

29. 6 1909 

12,0 

757,0 

24' 

1.75 

1,85 

767,1 

810,8 

31. 2. 1909 

1 1,3 

749,8 

19' 

1,25 

1,70 

691,0 

919,0 

6 . 2. 1909 

12,5 

755,2 

18' 

1,05 

1,21 

588,0 

680,9 

7. 2. 1909 

12,0 

756,0 

19' 

0,99 

1,60 

535,5 

1 

885,7 





Tabelle 

11«- Gallina C. 

2° Periodo. 

18. 2. 1909 

15,0 | 

! 758,0 

21 ' | 

1,05 ! 

1,50 

525,9 

734,3 

19. 2. 1909 

14,0 j 

; 760.0 

19' 1 

1,20 

1,55 

654.5 

| 834,4 

20. 2. 1909 

10,0 

762,6 

; 18' 

0,59 

0,77 

336,9 

! 439,7 

24. 2. 1909 

11,5 

755,0 

1 26' 

0,79 

0,87 

312,3 

343,9 

•25. 2. 1909 

11,0 

753,3 

21 ' 

0,84 

1,15 

431,8 

591,1 

21. 3. 1909 

11,5 

754,6 

! 23' 

0,90 

1,34 

402,2 

! 598,9 

22. 3. 1909 

17,0 

755,3 

22 ' * 

0,76 

1,19 

355,0 

i 556,1 

23. 3. 1909 

15,0 

i 753,0 

24' 

1,12 

1 

1,55 

479,7 

835,8 

i 


Tabelia 12*- Gallina C. 3 ° Periodo. 


31. 3. 1909 

15,0 

758,0 j 

28' 

1,37 

1,65 

1.1180 

1,3190 

2. 4. 1909 

16,0 

755,4 

27* 

0,93 

1,60 

786.9 

1,2330 

5. 4. 1909 

15,0 

754,5 

23' 

1.10 

1,38 

722,2 

906,1 

6 . 4. 1909 

14,0 

| 757,4 

26' 

1.27 

1,76 

942,6 

1,313 

7. 4. 1909 

14,5 

759,5 

26' 

1,29 , 

1,81 

957,5 

1,344 

9. 4. 1909 

14,5 

762,0 

26' 

1,20 1 

1,77 

S90.7 

1.3130 

10. 4. 1909 

15,0 

| 752,0 

l 

24' 

0,95 

1,20 

650,8 

822,1 





Tabelia 

13 ,r Gallina C. 

40 periodo. 

19. 4. 1908 

17,0 

i 759,0 ! 

21 ' 

0,55 

0,68 

332,4 

411,8 

22. 4. 1909 

18,5 

755,7 , 

22 ' 

0,50 

0,80 

313,9 

1 501.8 

23. 4. 1909 

18,0 

758,8 1 

21 ' 

0,44 

0,95 

234,6 

503,8 

26. 4. 1909 

21,0 

i 762,5 

24' 

0,69 

1,16 

418,3 

641,5 

29. 4. 1909 

21,0 

759,5 

21 ' 

0,80 i 

1,07 

224,4 

567,6 

30. 4. 1909 

20,5 

759,3 ! 

23' 

0,80 

0,95 

264,9 

564,8 

1. 5. 1909 

19,5 

1 757,0 i 

19' 

0,80 

0,90 

384,0 

432,2 

2. 5. 1909 

19,5 

! 756.0 | 

19' 

0,70 ! 

0,81 

336,0 

I 390,0 

3. 5. 1909 

18,0 

1 753.5 

21 ' 

0,67 1 

1,02 

355,4 

I 041,2 

8 . 5. 1909 

17,0 

1 759,8 1 

1 i 

23' 

0,45 , 

0,60 

215,6 

J 287,6 


Digitized by CjOuöie 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 






Sul ricambio respiratorio nei polli gottosi. 


43 


Alimeotazione con mais (60 gr al giorno). 


CO 2 eliminata in 

O 2 assorbito in 

Quoziente 

Peso 


grarami 

I per kilo 
per ora r ÄtMl 
| ora 

grammi 

A „ 1 per kilo 
P er ora , ora 

respi¬ 

ratorio 

delT 

animale 

g r 

Osservazioni 

1,4740 

1,6940 

1,1440 

1,3150 

0,922 

870 

Le condizioni di salute 

1,3840 

1,6270 

1,0980 

1,2920 

0,911 

850 

dell’animale si man- 

1,0350 

1,2170 

0,8678 

1,0210 

0,862 

850 

tengono buone. 

1,2950 

1,4550 

1,3160 

1,4450 

0.735 

890 

1,3860 

1,5940 

1,1830 

1,3290 

0,860 

890 


1,4210 

1,5780 

1.0850 

1,2060 

0,945 

920 


1,2960 

1,4400 

1,2180 

1,3530 

0,752 

920 


1,0840 

1,2050 

0,9201 

1,0220 

0,853 

920 


0,9721 

1,1050 

0,7192 

0,7992 

0,614 

920 



1,4350 


1,1980 

0,828 


Valori medii. 

Alimentazionc carnea 

(100 gr di 

fegato di 1 

jue al giorno). 


0,9969 

1,1030 

0,8732 

0,9702 

Ö,700 

990 

L’aniraale tollera male 

1,2270 

1,2400 

1,1300 

1,1410 

0,774 

990 

il nuovoreggime alimen- 

0,6352 

0,6417 

0,5995 

0,6055 

0,767 

990 

tare e presenta subito 

0,5794 

0,5853 

0,4613 

0,5364 

0,940 

990 

attacchi gottosi. 

0,8028 

1,2880 

0,7946 

0,8026 

0.739 

870 

0,7356 

0,8747 

0,7919 

0,9423 

0,668 

860 


0,6442 

0,7579 

0,7283 

0,8567 

* 0,655 

850 


0,8740 

1,029 

1,1010 

1,2950 

0,725 

850 



0,9399 


0,8937 

0,746 


Valori medii. 

Alimentazione mista (30 gr mais 

c 50 gr di 

fegato al giorno). 


2,004 

2,2270 

1,750 

1,944 

0,S30 

900 

Le condizioni generali 

1,335 

1,4510 

1,624 

1 1,804 

0,585 

900 

delT animale migliorano 

1,3210 

1,590 

1,225 

1 1,409 

0,800 

850 

rapidamente e i movi- 

1,7370 

1.997 

1,749 

2,058 

0,720 

850 

menti si fanno piu 

1,7630 

2,025 

1,789 

i 2,056 

0,715 

870 

liberi. 

1,6430 

1,930 

1,752 

2,061 

0,698 

850 


1,1840 

1,360 

1,083 

1.244 

0,790 

870 



1,7980 


: 1,7680 

0,731 


Valori medii. 

Alimeotazione carnca 

(100 gr di 

fegato al giorno). 



0,6049 

0,7585 

0,5419 

0,6774 

0,810 

820 

I/animale presenta su¬ 

0,5642 

0,7052 

0,6514 

0,8142 

0,624 

800 

bito nuovi sintomi got¬ 

0,4242 

0,5049 

0,6589 

0,8324 

0,7844 

0.215 

820 

tosi con| grave altera- 

0,7507 

0,8736 

1,0160 

0,594 

820 

zione de 11a deambula- 

0,7583 

0,9248 

0,7321 

0,8927 

0,748 

820 

zione. 

0,8323 

1,0150 

0,7311 

0,8916 

0,845 

820 


0,6856 

0.8361 

0,5579 

0,6805 

0.886 

820 


0,6013 

0,9232 

0,5035 

0,6140 

0,864 

820 


0,6396 

0,9821 

0,9043 

0,8586 

0,657 

820 


0,3913 

0,5148 

1 0,3734 

0,4965 

0,750 

760 



0,8036 


0,7826 

0,719 


Valori medii. 


Difitized by Gougle 


Original from 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



Tabella 14 a - Gallina C. 5° Periodo. 


Data 

Tempe- 
ratura in 
gradi 
centigradi 

Pressione 

baro- 

metrica 

Durata 

dell’ 

esperi¬ 

mento 

CO 2 

eliminata 
in ° 0 

O 2 

assorbito 
in % 

CO 2 

eliminata 
per ora 
in eme 

O 2 

assorbito 
per ora 
in eme 


10. 6. 1909 

23,0 

760,0 

22' 

0,55 

0,80 

252,1 

461,5 


12. 6. 1909 

22,0 

1 5o, o 

21' 

0,55 

0,S0 

240,5 

349,9 


13. (1. 1909 

22,0 

75G,0 

26' 

0,85 

1.05 

400,3 

568,8 


14. 6. 1909 

22,0 

761,7 

i 24 ‘ 

0,90 

1,15 

449,9 

574,9 


17. 6. 1909 

22,0 

759,7 

25' 

0,90 

1,65 

468,6 

1,081 


19. 6. 1909 

23,0 

764,0 

! 22' 

0,70 

1,05 

319,3 j 

481,1 


20. 6. 1909 

22,0 

765,0 

! 18' 

1 

0,60 

0,70 

i 

224,9 ! 

i 

256,9 



morbosi. Dopo un niese comparvero disturbi dei raovimenti c 
l'animale si ridusse a non potere piü stare in piedi e a rifiutare 
il cibo in modo che si dovette prowcdere all’ alimenlazione forzata. 
Quindi la gallina fu messa a dieta mista con 30 gr. di mais e gr. 50 
di fegato al giorno (intutto 143,82 calorie) e con questa alimen- 
tazione si ebbe un miglioramento notevole. 

Si ricominciö allora l’alimentazione con solo fegato, ma ricom- 
parvero i soliti fenomeni morbosi. Dopo un mese di questo tratta- 
mento si tornö al mais e finalmente dopo 12 giorni di osservazione 
fu rimesso all’ alimentazione con fegato. 

Dopo altri 15 giorni di tale trattamento l’animale fu ucciso. 

All’ autopsia non si osservarono macroscopicamente nulla d’im- 
portante tranne di un intenso dimagramento. 

Riporto nelle seguenti tabelle i risultati degli esperimenti. 


Riassunto dell’ esperimento C. 


1. Periodo = (Un mese e 5 giorni) Periodo normale. Dieta 
di mais. La gallina si trova in condizioni fisiologiche. Au- 
menta di peso. II ricambio respiratorio e rappresentato da una 
media di: 


CO 2 eliminato . . . 1,4677 

O 2 assorbito . . . 1,1982 

Quoziente respiratorio 0,828 


per ora e per 
kg d’animale. 


2. Periodo = 2 Mesi e 15 giorni. Periodo di preparazione 
della gotta. Dieta carnea. La gallina ha manifestazioni gottose 
negli ultimi giorni e si riduce in eattive condizione di deam- 
bulazione. 


Digitized by 


Go», igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 




Sul ricambio respiratorio nei polli gottosi. 


45 


Alimentaziooe coo mais (60 gr di mais al giorno). 



CO 2 climinata in 
grammi 

_ 1 per kilo 

per ora r 
* ora 

O 2 assorbito in 
grammi 

i Der kilo 
per ora \ * 
r ora 

Quoziente 

respi¬ 

ratorio 

Peso 

dclP 

animale 

gr 

Osservazioni 


0,4462 

0,5577 

0,5906 

0,7382 

0,685 

800 

Le condizioni di salute 


0,4251 

0,5313 

0,4473 

0,5589 

0,785 

800 

delT animale migliorane 


0.8150 

1,0180 

0,7282 

0,9102 

0,808 

800 

ma non rapidamente 


0,8022 

1,0030 

0,7411 

0,9261 

0,782 

800 

come le altre volte. 


0,8333 

1,0400 

1,3900 

1,6950 

0,546 

820 



0,5682 

0,7576 

0,6191 

0,7447 

0,606 

750 



0,4030 

0,6765 

0,4190 

0,5588 

0,856 

750 




0,7977 | 


0,7474 

0,724 


Yalori mcdii. 


II ricambio respiratorio e dato da una media di: 

CO 2 eliminato . . . 0,9406 

O 2 assorbito . . . 0,8949 

Quoziente respiratorio 0,746 
Yi e dunque diminuzione dei processi ossidativi e abbassa- 
mento del quoziente respiratorio. 

3. Periodo = 12 Giorni = Periodo di miglioramento. Dieta 
mista. La gallina aumenta di pcso e migliora. Ricambio respi¬ 
ratorio e dato da una media di: 


per ora e per 
kg d’animale. 


CO 2 eliminato.1,798 

O 2 assorbito.1,768 

Quoziente respiratorio.0,731 

Col miglioramento dell’ animale sono aumentati notevolmente 
in processi ossidativi. 


4. Periodo = (Un mese) Periodo della gotta. Dieta carnca. 
Evidenti manifestazione gottose e diminuzione di peso. 

II ricambio respiratorio e dato da una media di: 


I per ora e per 
kg d’animale. 


CO 2 eliminato . . . 0,8036 

0 2 assorbito . . . 0,7825 

Quoziente respiratorio 0,719 
Col ricomparire dei sintomi gottosi diminuiscono di nuovo i 
processi ossidativi. 


5. Periodo = (12 giorni) Periodo della gotta. Dieta di mais. 
Evidenti manifestazioni gottose e diminuzione di peso. 

II ricambio respiratorio c dato da una media di: 


Digitized by 


Go igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 







46 


Digitized by 


G. Di Gristina, 


CO 2 elirainato . . . 0,7977 

0 2 assorbito . . . 0,7474 

Quoziente respiratorio 0,724 


per ora e per 
kg d’animale. 


Permanendo le manifestazioni gottose i processi ossidativi si 
mantengono assai bassi malgrado Palimentazione idrocarbonata. 


Besinne. 

Die bei den geschilderten Experimenten erhaltenen Resultate 
lassen sich folgendermassen zusammenfassen: 

1. Werden Hühner mit Stoffen ernährt, die sehr reich an 
Nukleinen sind (Rindsleber), so entsteht bei diesen Tieren ein Zu¬ 
stand von Intoxikation und Urämie, der durch wahre Anfälle von 
Gicht charakterisiert und von makroskopischen und mikroskopischen 
Läsionen der Gewebe begleitet ist, die den von Ebstein, Kionka 
und Bannes angetroffenen ganz ähnlich sind. 

2. Bei Ernährung mit Rindsleber entsteht die Gicht bei Hühnern 
viel schneller, als wenn man ihnen als einzige Nahrung Muskel¬ 
fleisch von Pferden verabreicht, wie es Kionka getan hat. Da 
in der Leber ein gewisser Nukleingehalt mehr als im Muskelfleisch 
zu finden ist, so ist dieses Resultat ein Stützpunkt für die Hypo¬ 
these, dass auch bei Hühnern die Gichterscheinungen von einer 
übermässigen Einfuhr von Purinkörpern abhängen können, wenn 
dadurch die Grenze der Ausscheidung von Harnsäure überschritten 
wird, die der Niere der Hühner eigentümlich ist. 

3. Die Intensität der Oxydationsprozesse und der respirato¬ 
rische Quotient vermindern sich, wenn das Huhn von der Kohle¬ 
hydratnahrung zur Fleischnahrung übergeht, und diese Mengen 
nehmen noch mehr ab, wenn die Gichterscheinungen einen hohen 
Grad erreichen. Es scheint sogar, dass ein gewisser Parallelismus 
zwischen den Verhältnissen des Tieres hinsichtlich des gichtischen 
Zustandes und der Intensität der Oxydationsprozesse besteht. Beim 
Experiment C- z. B. haben wir gesehen, dass, wenn das Tier sich 
erholt, die Oxydationsprozessc wieder zunehmen, dagegen abnehmen, 
sobald die Gichterscheinungen wieder auftreten und schwerer werden. 

4. Vor allem ist bemerkenswert, dass während der gichtischen 
Periode die Intensität der Oxydationsprozessc auch dann abnimmt, 
w T enn man das Huhn wieder zur Maisnahrung zurückkehren lässt. 
Unter diesen Verhältnissen kehrt auch der respiratorische Quotient 
im allgemeinen nicht zu dem Werte zurück, den er hatte, als das 
normale Tier noch mit Mais genährt wurde. 


Gck igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



Sul ricambio respiratorio nei polli gottosi. 


47 


Es lässt sich also die Schlussfolgerung ziehen, dass bei gichti¬ 
schen Hühnern leichte Veränderungen des respiratorischen Stoff¬ 
wechsels eintreten, die namentlich in einer Einschränkung der Oxy¬ 
dationsprozesse und des respiratorischen Quotienten bestehen. Des¬ 
halb darf man jedoch nicht die alte Lehre wieder auffrischen, welche 
der Verminderung der Oxydationsprozesse den Wert eines wesent¬ 
lichen ätiologischen Momentes zuerkannte; es ist aber nicht un¬ 
wahrscheinlich, dass der Ueberschuss der Purinkörper im Blute 
und in den Geweben den Zellstoffwechsel so modifiziert, dass der 
Verbrauch an Sauerstoff abnimmt. Deshalb müssen diese Verän¬ 
derungen der organischen Oxydationen einfach als eine Begleit¬ 
erscheinung der Gicht betrachtet werden. 



Digitized by 


Gck igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



III. 


Digitized by 


(Aus der experimentell-biologischen Abteilung des Königl. Patho¬ 
logischen Instituts der Universität Berlin.) 

Untersuchungen über den nervösen Regulations¬ 
mechanismus der Magensaftsekretion, insbesondere 
über das Regulationszentrum in der Regio pylorica. 

Von 

Dr. Th. Borodenko (Charkow). 

(Mit 3 Kurven.) 


Der Zweck dieser Arbeit war, die Wirkung der verschiedenen 
Gifte und Salze auf den Gang der Sekretion und auf die Bildung 
von Fermenten in dem nach der Methode von Heidenhain ge¬ 
bildeten kleinen Magen zu untersuchen. Bei der Beobachtung des 
Ganges der Sekretion im postoperativen Stadium, sowie auch in 
späterer Zeit wurden Tatsachen wahrgenommen, die sowohl vom 
Standpunkte der Physiologie, wie auch von demjenigen der Patho¬ 
logie des Magens von Interesse sind. Diese Tatsachen geben einen 
Anhaltspunkt bei der Deutung mancher bei weitem noch nicht 
durchforschter Erscheinungen im Gebiet der Pathologie der Magen¬ 
sekretion, wie eine neue Auffassung des regulatorischen Mechanis¬ 
mus. Behufs besserer Orientierung bei der weiteren Erörterung 
der von mir beim Studium des Ganges der Sekretion im Heiden¬ 
hai n’schen Magen beobachteten Erscheinungen, sowie auch des 
Einflusses gewisser Einwirkungen auf den Gang derselben möchte 
ich hier das Prinzip der Operation des kleinen Magens in den 
Hauptzügen beschreiben, sowie auch die Angaben der Literatur 
besprechen, die die Differenz der Funktion dieses Magens und der¬ 
jenigen des nach der Methode von Pawlow angelegten Magens 
betreffen. Der Unterschied zwischen dem nach Pawlow und dem 
nach Heidenhain angelegten Magen besteht, wie dies schon mehr- 


Gck igle 


Original fro-m 

UNIVERSSTY OF MICHIGAN 



Untersuchungen über den nervösen Regulationsmechanismus usw. 49 

mals beschrieben wurde, darin, dass nach Pawlow die Absonde¬ 
rung des grossen Magens vom kleinen auf Kosten der Schleimhaut 
geschieht, während die Serosa und die Muskularis in Form einer 
breiten Brücke auf den kleinen Magen übergehen, die Aeste des 
N. vagus raittragend, wodurch die Funktion des kleinen Magens 
diejenige des grossen vollständig wiederspiegelt. Bei der Operation 
nach Heidenhain wird der kleine Magen vom grossen vollständig 
abgeschnitten. Es werden somit diejenigen Aeste des N. vagus 
durchschnitten, die bei der Operation nach Pawlow intakt zum 
kleinen Magen verlaufen. 

Die erste Arbeit in der Frage des Unterschiedes der sekre¬ 
torischen Tätigkeit des Heidenhain’schen und des Pawlow’schen 
Magens rührt von Sanotzky her, die zweite von Lobassow, die 
vollständigste und eingehendste von Orbeli, wobei letzterer Autor 
für seine Experimente behufs vergleichender Bewertung der Funktion 
des Heidenhain’schen und des Pawlow’schen Magens ein und 
dasselbe Tier verwendete, d. h. er nahm zunächst die Operation 
der Magenbildung nach Pawlow vor, beobachtete den Gang 
der Sekretion und machte dann eine Ergänzung zur Operation, 
bei der der kleine Magen von dem grossen getrennt bzw. ein 
kleiner Magen nach Heidenhain angelegt wurde. Hierauf ex¬ 
perimentierte er weiter. Seine Schlüsse sind im grossen und ganzen 
folgende: Der N. vagus funktioniert als Leiter der psychischen 
Impulse und auch als Leiter des Duodenalreflexes; die Durch¬ 
schneidung des N. vagus bewirkt eine Herabsetzung der Erregbar¬ 
keit des sekretorischen Apparates, d. h. beeinträchtigt seine Funktion 
sowohl in quantitativer wie auch in qualitativer Beziehung. Nach 
den Beobachtungen der beiden anderen Autoren bewirkte die Ope¬ 
ration der Trennung des kleinen Magens vom grossen resp. die 
Durchschneidung des N. vagus in den ersten Tagen nach der Ope¬ 
ration eine gesteigerte Sekretion, die nach der ersten Woche zu 
sinken begann und im Laufe der Zeit bis zur vollständigen Ver¬ 
siegung der Sekretion unter gewöhnlichen Verhältnissen kam und 
nur noch durch stärkere Reizungen (doppelte Ration oder Ver¬ 
abreichung reizender Substanzen, wie beispielsweise Alkohol) erzeugt 
werden konnte. Hierbei ergab die histologische Untersuchung das 
Fehlen von Atrophie des Drüsenapparates des kleinen Magens. Die 
Durchschneidung der Nerven hat nach Orbeli die Azidität des 
Magensaftes nicht beeinflusst, während die Pepsinproduktion sich 
sowohl hinsichtlich der Gesamtproduktion, wie auch hinsichtlich der 

Internat. Beiträge. B<1. I. Heft 1. ^ 


Digitized by 


Go igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



50 


Th. Borodenko, 


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Konzentration verringerte. Die sekretorischen Phasen hat die 
Durchschueidung des N. vagus folgendermassen beeinflusst: die 
psychische Phase fiel aus; wenn sie sich ab und zu auch geltend 
machte, so geschah es in sehr geringfügigem Umfange. Die zweite 
Phase, die nach der bestehenden Terminologie als „reflektorisch¬ 
chemische“ bezeichnet wird, blieb erhalten, wenn auch der Umfang 
derselben in quantitativer Beziehung sich verringerte. Der Duodenal¬ 
reflex verschwand. 

Die Schlüsse der erstgenannten Autoren unterscheiden sich 
im grossen und ganzen nicht von den Schlüssen des letzteren 
Autors, der die Untersuchung seiner Vorgänger im allgemeinen 
ergänzt. 

Meine Beobachtungen über den Salzsäuregehalt des vom 
Heidenhain’schen Magen abgesonderten Magensaftes stimmen mit 
jenen Beobachtungen überein. Was aber das Pepsin betrifft, so 
habe ich eine Verringerung der Produktion desselben nicht beob¬ 
achtet. Der Pepsingehalt des vom Heidenhain’schen Magen 
abgesonderten Magensaftes unterschied sich nicht vom Pepsingehalt 
des unter normalen Verhältnissen abgesonderten Magensaftes. Orbeli 
gibt zwar an, Unterschiede im Pepsingehalt gefunden zu haben; 
sieht man sich aber seine Tabellen daraufhin genauer an, so findet 
man, dass diese seine Behauptung keinesfalls für sämtliche Fälle 
» zutrifft. Das geht sehr deutlich aus folgender Tabelle hervor. 

Tabelle I. 


Verdauungskraft des Magensaftes nach Mett, 
nach Orbeli in Millimetern. 



Pa wlow 

Ileidenhain 

Wasser 

2,5 

3,75 

Lieb. Extr. 

3,9 

3,2 

Alkohol 

4,2 

1 3,5 


Wenn man die Ungenauigkeit der Mett’schen Methode der 
quantitativen Pepsinbestimmung in Betracht zieht, so kann man 
nicht von einer Steigerung oder von einer Verringerung der Ver¬ 
dauungskraft des Magensaftes sprechen, wenn man bei zwei ver¬ 
schiedenen Bestimmungen eine Differenz in der Verdauung eines 
Eiweissstäbchens (Röhrchen mit geronnenem Eiweiss gefüllt) von 
1—2 mm erhält. 


Gck igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



Untersuchungen über den nervösen Regulationsmechanismus usw. 51 


Zur Illustration der vorstehenden Ausführungen möchte ich 
Folgendes bemerken: Die verschiedenen Autoren, die sich dieser 
Methode bei der Bestimmung der Verdauungskraft des Magensaftes 
unter ein und denselben Verhältnissen widmeten, haben die ver¬ 
schiedensten Resultate erzielt: Sanotzky, Chischin, Lobassow 
haben bei Fleischfütterung einen Magensaft mit einer Verdauungs- 
kraft von 6—7 mm, Krzyszowsky von 3,2 mm erhalten. Augen¬ 
scheinlich ist die Pepsinproduktion demselben Gesetze unterworfen 
wie die Salzsäureproduktion. 

Die quantitative Pepsinbestimmung machte ich nach der Me¬ 
thode von Fuld, wobei vergleichshalber nach derselben Methode 
Bestimmungen des Pepsingehalts des unter normalen Verhältnissen 
abgesonderten Magensaftes vorgenomraen wurden. Der Vorzug der 
Fuld’schen Methode beruht u. a. auch darauf, dass sie keine 
grosse Quantität Magensaft erfordert, und dass ausserdem die Be¬ 
stimmung selbst leicht durchführbar ist. 


Tabelle II. 


Verdauungskraft des Magensaftes nach Fuld. 
Eigene Beobachtung. 


Stunden 

Pawlow 

Magen 

Heidenhain 

Magen 

1 

160 

1 

1 160 

2 

160 

1 160 

3 

160 

16o 

4 

100 

100 

5 

100 

i 160 

6 

— 

— 


Ferner konzentrierte ich mein Interesse hauptsächlich auf den 
Verlauf der Kurve der Sekretion des Heidenhain’schen Magens. 
Unmittelbar nach der Operation wurde gesteigerte Magensaft¬ 
absonderung beobachtet, wie dies auch bei der Operation nach 
Pawlow der Fall ist — eine Erscheinung, welche voll und ganz 
als postoperative Reaktion betrachtet werden kann. Im weiteren 
Verlauf hatte ich, was ich für das Wichtigste halte, niemals Ge¬ 
legenheit, vollständiges Versiegen der Sekretion ausserhalb der 
Verdauungsperiode zu beobachten. Ferner wurde eine ausserordent¬ 
lich gedehnte atypische Kurve der zweiten sekretorischen Phase 
beobachtet, die 8—10 Std. andauerte, nachdem im grossen Magen 
die Verdauung schon beendet war und die Sekretion aufgehört hatte. 

4* 


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52 


Th. Borodenko, 


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Was die konsekutive Verringerung des Umfanges der Sekretion im 
Heidenhain’schen Magen betrifft, so wurde dieselbe in manchen 
Fällen beobachtet, in manchen Fällen blieb sie aus; dieser Unter¬ 
schied ist wahrscheinlich abhängig von den postoperativen trauma¬ 
tischen Insulten, der konsekutiven narbigen Zusammenziehung, sowie 
auch von der Pflege der operierten Tiere. Seine Schlüsse über die 
Herabsetzung der Sekretion macht Orbeli auf Grund seiner Be¬ 
obachtungen an zwei Tieren, von denen nur das eine längere Zeit 
beobachtet wurde. Dazu muss man hinzufügen, dass nicht selten 
ein Nachlassen der Sekretion auch im Pawlow’schen Magen beob¬ 
achtet wird, was natürlich auf die nicht besonders geglückte 
Operation oder auf die mangelhafte Pflege des Tieres zurückgeführt 
werden kann. 

In Anbetracht des Umstandes, dass die Sekretion auch ausser¬ 
halb der Verdauungsperiode nicht aufhörte, musste man die Versuche 
folgendermassen anstellen: Das Tier bekam 24 Stunden keine Nah¬ 
rung; am Morgen wurde der Umfang der ausserhalb der Verdauung 
vor sich gehenden (pathologischen) Sekretion bestimmt. Dann wurde 
dem Tier die eine oder die andere Nahrung verabreicht oder das zu 
untersuchende Medikament in den Magen oder subkutan eingeführt. 

Verlauf der Magensaftabsonderung bei der Verfiitterung ver¬ 
schiedener Nahrungssorten 6—8 Tage nach der Operation. 

Tabelle III. 

Magensaftabsonderung nach verschiedener Nahrung, Mengen in Kubikzentimetern. 

Eigene Beobachtung. 


Stunden | 

1 

II u n d No. 

j 

Fleisch ! Milch 

I 

Brot 

Hund No. ' 

Fleisch ! Milch 

! J 

II 

Brot 

1 

6.5 1 

10,0 

3,0 

3,2 

6.0 1 

1,0 

2 

7,0 ! 

12,3 

4,0 

4.0 1 

8.0 i 

2,0 

3 

8,0 ! 

8,9 i 

2.0 

5,0 

5.3 

1,5 

4 

4,° : 

9,5 i 

3.0 

2.0 

2,0 ! 

1,2 

5 

5,0 1 

6,0 

4.0 

3.0 

3.5 i 

2,0 

6 

6.0 1 

5.0 

3,0 

2,0 

4,0 . 

1.0 

7 

5,0 j 

10.0 

1.5 

3,5 

1,0 1 

1,2 

8 

3,2 ! 

6,0 

2,5 

1,5 

2,0 ; 

1,1 

9 


4,0 | 

3,0 

1,0 

1.0 j 

— 

10 

2,1 | 

6,0 1 

2,0 



— 

11 

- j 

3.5 1 

1.0 

— 

Z i 

— 

12 

I 

— 

1,5 

— 

1 _ 

— 

1 ö 

14 


Z 1 

— 

— 

— 1 

— 


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Untersuchungen über den nervösen Regulationsmechanismus usw. 53 
Dieselben Experimente 3 Monate nach der Operation. 


Tabelle IV. 
(Wie Tabelle III.) 


Stunden 

Hund No. 

I 

Hund No. II 

Fleisch 

1 

! Milch 

| Brot 

Fleisch 

Milch 

! 

Brot 

1 

5,0 

12,0 

2,0 

2,2 

5,0 

! 

0,9 

2 

6,5 

12,5 

3,8 

3,9 

6,5 

2,8 

3 

6,8 

7,5 

3,0 

6,0 

6,3 

1,6 

4 

7,0 

6,8 

4,1 

3.0 

3,0 

2,0 

5 

3,0 

8,0 

5,0 

3,2 

4,0 

2,3 

6 

1,5 

4,5 

2,0 

2,1 

3,0 

2,0 

7 

2,1 

6,0 

2,1 

2,5 

2,1 

1,5 

8 

3,0 

3,5 

1,6 

1,0 

1,2 

2,0 

9 

— 

2,0 

2,1 

— 

1,3 

1,6 

10 

— 

- j 

2,0 


_ 



Dieselben Experimente 5 Monate nach der Operation. 


Tabelle V. 
(Wie Tabelle III.) 


8 

Hund No. II 

-S 




G 

3 


1 


55 

Fleisch 

Milch 

j 

Brot 

1 

2,0 

6,0 

0,5 

2 

3,2 

7,3 

3,0 

3 

4,5 

6,5 

2,0 

4 

6,0 

4,0 | 

2,1 

5 

3,0 | 

3,0 i 

3,0 

6 

2,0 

3,2 , 

1 2,1 

7 

2,0 

2,5 . 

1,6 

8 

2,3 

1,5 

2,2 

9 


2,1 ! 

1,1 

10 

11 

12 


I i 

1,2 

_ | 


— 


In dieser Tabelle sind die Beobachtungen an nur einem Tiere 
mitgeteilt. Das andere Tier ist inzwischen zugrunde gegangen. 

Bekanntlich hemmt Soda reflektorisch vom Duodenum aus die 
Magensaftsekretion. Unter normalen Verhältnissen wird die Se¬ 
kretion, wenn man in den Magen 1—lT/j Std. vor der Nahrungs¬ 
aufnahme Soda einführt, unterdrückt. Die Versuchsanordnung ge¬ 
staltete sich folgendermassen: Soda wurde in einer Lösung von 


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Th. Borodenko, 


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5,0 g auf 100,0 ccm Wasser in den Magen eine Stunde vor der 
Nahrungsaufnahme eingeführt, dann die Nahrung gereicht. Zur 
Kontrolle wurde statt Soda destilliertes Wasser in derselben Reihen¬ 
folge verabreicht. 


Tabelle VI. 


Stunden 

Wasser 

Sodalösung 
5,0 : 100,0 

»v* 

5.0 

3,0 


Milch 

Milch 

1 

11,0 

; 8,o 

2 

12,0 

! 9,0 

3 

8,0 

| 6,0 

4 

6,0 

8,0 

5 

3,0 

5,0 

6 

4,0 

3,0 


Schliesslich wurden die Experimente folgendermassen angestellt: 
Das Tier hungerte 24 Stunden. Es wurde der Umfang der patho¬ 
logischen Sekretion bestimmt, dann Atropin injiziert (Tab. VII.). 


Tabelle VH. Tabelle VIII. 


Stunden 

Stunden 


1 

0,2 

1 

0,12 

2 

0,15 

2 

0,3 

3 

0,3 

3 

0,2 


Atropin 

Pilokarpin 

1 

0,15 

1 

8,0 

2 

0.2 

2 

12,0 

3 

0,2 

3 

20,0 

4 

0,1 

4 

23,0 

5 

0,15 

5 

— 


Letztes Experiment: Subkutane Injektion von Pilokarpin einem 
Tiere, das 24 Stunden gehungert hatte (Tab. VIII.). 

Bei der Analyse des oben raitgeteilten Materials möchte ich 
zunächst auf die Frage eingehen, was mit den einzelnen Phasen 
der Magensaftsekretion bei der Anlegung eines Ileidenhain’sohen 


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Untersuchungen über den nervösen Regulationsmechanismus usw. 55 


Magens geschehen ist. Vor allem interessiert uns der Ausfall oder 
das nur minimale Auftreten der „psychischen“ Phase. Vor der 
Pawlow'sehen Periode war die „psychische“ Magensaftabsonderung 
überhaupt keine allgemein anerkannte Tatsache. Die kombinierte 
Operation der Oesophagotomie und die Anlegung einer Magenfistel 
zeigte die Möglichkeit der Magensaftabsonderung auf reflektorischem 
Wege; die ersten Forscher auf diesem Gebiete betrachteten diese 
Magensaftabsonderung als Reflex von der Mundschleimhaut. Später 
gelang es zwei französischen Aerzten (Cade und Latarjet) bei 
einer Frau einen auf pathologischem Wege entstandenen kleinen 
Magen nach Pawlow zu beobachten, wobei sie die Tatsache kon¬ 
statierten, dass schon die blosse Unterhaltung über Nahrung, d. h. 
die blosse Vorstellung von Essen, eine Absonderung von Magensaft 
bewirkte. Aehnliches beobachteten Käst und Bogen, Bickel. 
Schliesslich wurde im Laboratorium von Pawlow (Gross, 
Krzyszkowski) die Tatsache festgestellt, dass man durch die 
Trennung der Pars pylorica ventriculi von der Pars fundalis die 
psychische Phase und die auf dieselbe folgende, von Pawlow 
„reflektorisch-chemische“ genannte Phase auseinanderhalten könne. 
Wenn man die Pars pylor. ventric. von der Pars fundalis trennt, 
an der Pars duodenalis und Pars fundalis des Magens eine Fistel 
anlegt und Versuche hinsichtlich des Einflusses der verschiedenen 
Fütterungsraethoden des Tieres auf die Magensaftsekretion anstellt, 
so ergibt sich, dass bei Scheinfütterung oder wirklicher Fütterung 
ira fundalen Teile des Magens sich Sekretion einstellt; wird 
die Nahrung unmittelbar in die Regio fundalis ventriculi 
eingeführt, ohne dass das Tier dessen gewahr wird, so tritt Se¬ 
kretion nicht ein. Wird die Nahrung unter gleichen Bedingungen 
in die Pars pylorica hineingelegt, so tritt Sekretion auch in der 
Gegend des Fundus ein. Es ist somit festgestellt worden, 
dass den Anstoss zur ersten Phase der Magensaftsekretion 
das Zentralnervensystem gibt, und dass es absolut un¬ 
möglich ist, von der Regio fundalis aus reflektorisch 
Sekretion hervorzurufen. 

Somit wird bei der Operation der Anlegung eines Hciden- 
hain’schen Magens die „psychische“ Phase im wesentlichen beseitigt, 
und zwar durch die Durchschneidung des N. vagus 1 ), der der Leiter 
der „psychischen“ Impulse ist. Die bisweilen doch in geringfügigem 

1) Unter Vagus ist hier immer das Vago-Sympathicus-System in toto ver¬ 
standen, soweit der grosse Sympathicus in Frage kommt. 


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Th. Borodcnko, 


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Grade auftretende erste Phase kann man darauf zurückführen, dass 
zu dem abgesonderten Heidenhain’schen Ventrikel vom Omentum 
ein Teil der Aeste des N. vagus geht. Von den Dimensionen des 
behufs Anlegung eines kleinen Magens nach dieser Methode aus¬ 
geschnittenen Lappens hängt die mehr oder minder grosse Quantität 
der zum kleinen Magen gehenden Nervenäste ab, und infolgedessen 
kann die psychische Phase mehr oder minder doch noch zur 
Geltung kommen. Bei der nach Prof. Bickel modifizierten Ope¬ 
ration, bei der auch diese Aeste des N. vagus möglichst beseitigt 
werden, fällt die psychische Phase vollständig aus. 

Ferner ist die sogenannte reflektorisch-chemische Phase beim 
Heidenhain’schen Magen in hohem Grade entstellt. Zum Studium 
der reflektorisch-chemischen Phase bediente man sich einer nicht 
so komplizierten Versuchsanordnung. Man machte die Operation 
der Anlegung eines Pawlow'sehen Magens und legte eine Fistel 
des Fundusteiles an. Bei den Experimenten legte man, indem 
man zuvor abwartete, bis die Magensaftsekretion aufgehört hat, 
durch die Fistel Nahrung in den Magen hinein, ohne dass das Tier 
dessen gewahr wurde, d. h. ohne die psychische Phase anzuregen, 
und beobachtete die Bedingungen der Entstehung der zweiten Phase. 
Bei dieser Versuchsanordnung entsteht in der Fundusgegend Se¬ 
kretion nach einem gewissen latenten Zeitraum, wobei in Abhängig¬ 
keit von der Nahrungsart die Sekretion früher oder später eintrat; 
wenn die betreffende Nahrungsart keine intensivere Verarbeitung 
erheischt oder bereits assimilationsfertige Substanzen enthält, tritt 
die Sekretion eher ein; wenn aber in den Magen schwer verdau¬ 
liche Substanzen eingeführt werden, so tritt die Sekretion bedeutend 
später ein. Die Ursache ihrer Entstehung erblicken manche 
(Sanotzky) in einem von der Fundusgegend ausgehenden Reflex, 
andere (Lobassow) glauben hier einen komplizierten Akt zu er¬ 
blicken: die chemischen Substanzen reizen, nachdem sie absorbiert 
sind, die Nervenendungen des Magens, was schon einen Impuls 
zur Entstehung der Sekretion gibt. 

Schliesslich glaubt Edkins, der Magensaftsekretion durch die 
Einführung von Infusen der Pylorusschleimhaut in das Blut hervor¬ 
rief, dass die Drüsen der Pars pvlorica unter dem Einflüsse der 
Einwirkung der Nahrung auf ihre Schleimhaut eine besondere Sub¬ 
stanz produzieren, die er als „Secretiu gastric“ bezeichnet hat, 
und die beim Uebertritt in das Blut die zweite Phase der Magen¬ 
saftabsonderung hervorruft. Die Theorie der reflektorischen Ent- 


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Untersuchungen über den nervösen Regulationsmechanismus usw. 57 


stehnng wird durch die Tatsache widerlegt, dass bei der Trennung 
der Pars pvlorica von der Pars fundalis in dieser keine Sekretion 
eintritt, selbst wenn sich dort Nahrung befindet. Dagegen bewirkt 
das Hineinlegen von Nahrung in die Pars pylorica Sekretion auch 
in der Fundusgegend. Es wäre natürlich anzunehmen, dass in 
diesem Falle den Vermittler zwischen den beiden exkommunizierten 
Teilen des Magens nur das Blut ist, welches den Fundusdrüsen den 
Erreger zuführt, mag es, wie Edkins annimmt, in Form von 
„Secretin gastric“ oder, wie ich annehme, gleichzeitig auch in Form 
von Absorptionsprodukten der Nahrungssubstanzen sein, die schon 
als Erreger der Sekretion in der Fundusgegend fungieren. Vom 
Standpunkte dieser Theorie wird die Tatsache des Fehlens der 
Sekretion in dem von der Pars pylorica abgesonderten Teile des 
Magens bei Anwesenheit von Nahrung in demselben verständlich: 
durch die Experimente von Sokolow ist erwiesen, dass im Fundus¬ 
teile des Magens eine Absorption von Nahrungssubstanzen nicht 
stattfindet, so dass in das Blut keine Erreger der Fundusdrüsen 
gelangen. Zu gunsten der chemischen Theorie sprechen auch die 
Tatachcn, dass nicht nur die Einführung von Extrakt der Schleim¬ 
haut der Pars pylorica bzw. nach der Ansicht von Edkins von 
„Secretin gastric“, sondern auch, wie das Gley gezeigt hat, die 
Einführung von Pepton in das Blut gleichfalls Sekretion bewirkt. 
In der letzten Zeit hat Prof Bickel gezeigt, dass selbst die sub¬ 
kutane Injektion von Liebig’s Fleischextrakt eine Sekretion erzeugt, 
die selbst mit Atropin nicht zum Stillstand gebracht werden 
kann. Man kann also annehmen, dass Edkins, indem er die 
Pylorusschleimhaut verschiedener chemischer Bearbeitung unter¬ 
zog, nicht spezifisches Sekretin, sondern Substanzen erhalten 
haben konnte, die ebenso wie die Nahrungssubstanzen Sekretion 
hervorrufen. 

Schliesslich bewirkt Alkohol Sekretion auch unter Bedingungen, 
unter denen gewöhnliche Nahrung keine Sekretion erzeugt: der 
Alkohol wird leicht vom beliebigen Abschnitt der Schleimhaut ab¬ 
sorbiert, gelangt also in das Blut und ruft Sekretion hervor. 

Wo beginnt nun die ursprüngliche Absorption, welche den 
ersten Anstoss zur „chemischen“ sekretorischen Phase gibt? 

Wenn man den Fundusteil des Magens von dem Pylorusteil 
trennt, so entsteht die zAveitc Phase im ersteren nicht, selbst wenn 
man in denselben Nahrung einlegt; ist aber die Magenhöhle nur 
vom Duodenum getrennt (Sokolow, Lönquist), so gelangt die 


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Th. Borodenko, 


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Sekretion unter den vorhergehenden analogen Bedingungen des 
Experiments zu voller Entfaltung. 

Fast bis zum Jahre 1906 betrachtete man den Pylorus als 
Regulator des Uebergangs der Nahrung aus dem Magen in das 
Duodenum. Seiner histologischen Struktur nach steht der Pylorus 
dem oberen Abschnitt des Darmes näher. Er produziert nach den 
Untersuchungen vieler Autoren, namentlich von Heidenhain, 
Krestcff, Schemjakin, ein alkalisches Sekret, welches Pepsin 
und diastatisches Ferment in spärlicher Quantität enthält. 

Auf Grund der oben mitgeteilten Tatsachen bleibt die An¬ 
nahme übrig, dass eben hier die erste Verdauung und Resorption 
beginnt, weiche den Anlass zur weiteren Sekretion der zweiten 
Phase gibt. Das bezieht sich natürlich auf die Versuche zur 
Erforschung der zweiten Phase, während bei der gewöhnlichen 
Fütterungsart den ersten Verdauungsimpuls das psychische Mo¬ 
ment gibt. 

Zwischen der Heidenhain'sehen Operation und der Operation 
der Tsolierung des Fundusteiles des Magens vom Pylorusteil besteht 
vollständige Analogie: im ersteren Falle wird vom Pylorus ein Teil 
der Fundusgegend des Magens, im letzteren die ganze Fundus¬ 
gegend isoliert. Die Durchschneidung des N. vagus in der Ope¬ 
ration von Heidenhain spielt in diesem Falle keine Rolle, da die 
zweite Phase, wie dies aus dem Vorangehenden hervorgeht, davon 
nicht abhängt. Diese Analogie findet Bestätigung auch in den Be¬ 
dingungen der Entstehung der Sekretion in der Fundusgegend des 
Magens, der vom Pylorus getrennt ist, auch im Heidenhain’schen 
Magen. Bei der Hineinlegung von Nahrung in den Pylorusteil ent¬ 
steht im Fundusteil die zweite sekretorische Phase desto schneller, 
je leichter die Nahrung absorbiert wird, und desto später, je 
schwerer die Nahrung verdaut wird. Dasselbe geschieht auch mit 
dem Heidenhain’schen Ventrikel, in dem nur diese Phase allein 
besteht, d. h. bei schwer verdaulichen Nahrungssorten tritt die 
Sekretion später, und umgekehrt, beileicht assimilierbarer Nahrung, 
früher ein. 

In seiner Arbeit bemerkt Krzyszkowski nebenbei, dass es 
ihm bei der Trennung des Pylorus von der Fundusgegend des 
Magens niemals gelungen ist, vollständigen Stillstand der Sekretion 
in derselben zu beobachten, d. h. dasselbe, was auch ich im 
Ileidenhain'schen Ventrikel beobachtet habe. Man konnte an¬ 
nehmen, dass die permanente Sekretion im Heidenhain’schen 


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Untersuchungen über den nervösen Regulationsmechanismus usw. 59 


Ventrikel durch die Durchschneidung des N. vagus bedingt ist. 
Jedoch ist bei der Isolierung des Pylorus in der Fundusgegend der 
N. vagus intakt, und man muss also die Ursache der Störung der 
Koordination der Sekretion sowohl in dem einen, als in dem 
anderen Falle zum mindesten noch in etwas anderem erblicken, 
nämlich in der Isolierung dieser Teile vom Pylorus, in dem sich 
folglich ein Mechanismus befindet, der die zweite sekre¬ 
torische Phase, nach unserer Terminologie die „chemische“ 
reguliert. Dies ist um so annehmbarer, als das Vorhandensein 
von Reflexen, die von dem einen Abschnitt des Verdauungskanals 
auf den anderen übergehen, eine keinem Zweifel unterliegende 
Tatsache ist (Duodenalreflex). Zugunsten dieser Annahme spricht 
auch der Umstand, dass sich in der Gegend des Pylorus An¬ 
sammlungen von Ganglien befinden, denen möglicherweise die 
regulatorische Funktion der Sekretion der zweiten Phase zu- 
komrat. 

Die Regulierung des Ueberganges der Nahrung geschieht augen¬ 
scheinlich durch vom Duodenum ausgehenden Reflex. Nimmt man 
das Vorhandensein eines in der Pars pylorica ventriculi liegenden, 
dem übrigen kleinen Sympathikus der Schleimhaut übergeordneten 
regulatorischen Zentrums an, so kann man die Ursache der un¬ 
unterbrochenen Sekretion im Falle von Krzyszkowski sich leicht 
erklären, desgleichen auch die unregelmässige Sekretion des 
Heidenhain’schen Ventrikels. Wenn man sich auf unseren Stand¬ 
punkt stellt, so muss man annehmen, dass sich im Blute stets 
Elemente befinden, die die Fundusdrüsen anregen können, die aber 
unter normalen Verhältnissen durch einen mit vom Pylorus aus¬ 
gehenden Reflex im Gleichgewicht erhalten werden. Ist dieser 
Reflex auf irgend eine Weise beseitigt, so beginnen die Drüsen un¬ 
unterbrochen zu sezernieren. 

Nun möchte ich die Kurven der Magensaftsekretion als das 
Resultat einer Addition sämtlicher drei Phasen bei der Nahrungs¬ 
aufnahme unter normalen Verhältnissen, dann die Kurven der 
einzelnen Phasen, die Kurven der Magensaftabsonderung im 
Heidenhain’schen Ventrikel, die ich beobachtet habe, sowie auch 
zum Zwecke des Vergleichs eine Kurve darstellen, die ich der 
Arbeit Orbeli’s entnommen habe. 

Aus den dargestellten Kurven ersehen wir, dass beim Pawlow- 
schen Hund, also unter normalen Bedingungen bei der Brotzufuhr eine 
starke Sekretion während der psychischen Phase, eine schwache wäh- 


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Th. Borodenko, 


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Kurve 1. 



1. Normale Fleischkurve (Pa w 1 o w'scher Hund). 

2. Fleischkurve (Hcidenhain’scher Hund), eigene Beobachtung. 

3 do. do. nach Orbeli. 

4. Normale Fleischkurve, 2. Phase, nach Pawlow. 

5. do. 1. Phase, do. 

Kurve 2. 


*31 



Stunde n 1 E M W Y W WJK K I H M_m_XIFXF I U m IHM 


1 2 3 4 5 

1. Milchkurve (Heidcnhain'schcr Hund) nach Orbeli. 

2. Normale Milchkurve (Paw 1 ow'scher Hund). 

3. do. (Heidcnhain'schcr Hund), eigene Beobachtung. 

4. do. 2. Phase, nach Pawlow. 

5. do. 1. Phase, do. 


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Untersuchungen über den nervösen Regulationsmechanismus usw. 61 


Kurve 3. 



1 2 3 4 5 

1. Normale Brotkurve (Pawlow’scher Hund). 

2. Brotkurve (Heidenhain’scher Hund), eigene Beobachtung. 

3. do. do. nach Orbeli. 

4. Normale Brotkurve, 2. Phase, nach Pawlow. 

5. do. 1. Phase, do. 

rend der zweiten Phase vor sich geht; das Resultat der Addition dieser 
beiden Phasen wird sich durch hochgradige Steigung der Kurve inner¬ 
halb der ersten Stunde, durch Fallen derselben (der zweiten Phase 
entsprechend) innerhalb der zweiten Phase äussern, worauf sich eine 
Magensaftabsonderung innerhalb niedriger Zahlen einstellt. Bei 
Fleischzufuhr haben wir starke Absonderung während der psychischen 
Phase, die jedoch geringer ist als bei der Blutzufuhr, gesteigerte 
Sekretion während der zweiten Phase; das Resultat der Addition 
der beiden Phasen ist Steigung innerhalb der ersten Stunde, deren 
Höhe innerhalb der zweiten und selbst der dritten Stunde bestehen 
bleibt, dann rasches Fallen und Abschluss der Sekretion in der 5. 
bis 6. Stunde. Bei Milchzufuhr sehen wir schwaches Auftreten der 
psychischen Phase, hochgradige Steigung der Kurve der zweiten 
Phase; das Resultat der Addition dieser beiden Phasen ist Steigerung 
innerhalb der ersten Stunde, die ihr Maximum in der zweiten er¬ 
reicht, hierauf rasches Fallen und Abschluss der Sekretion inner¬ 
halb der 3. bis 4. Stunde. 

Im Heid enhain’schen Ventrikel beobachtet man, wie ich bereits 
gesagt habe, im wesentlichen nur eine sekretorische Phase, und zwar 
diezweite. Wenn wir den Anfangsteil der Kurve derMagensaftsckretion 
bei der Zufuhr von verschiedenen Nahrungssorten näher ins Auge 
fassen, so sehen wir, dass dieselben zu Beginn mit den zweiten 


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62 


Th. Borodenko, 


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isolierten Phasen bei der Zufuhr von analogen Nahrungssorten 
kongruieren. Aber schon nach zwei Stunden beginnt unregelmässige 
Sekretion, welche noch längere Zeit anhält, während im grossen 
Magen dieselbe bereits vollständig aufgehört hat. 

Wenn man sich auf unseren Standpunkt stellt, wird diese Art 
der Sekretion verständlich. Der Beginn der zweiten Phase unter nor¬ 
malen Verhältnissen und der Beginn der Sekretion des Heiden¬ 
hai n’schen Magens kongruieren miteinander vollständig, d. h. die 
Sekretion vollzieht sich im Stadium des intensivsten Uebertrittes 
der Nahrung in den Darm und der intensivsten Absorption sowohl 
in der Norm, wie auch im Heidenhain’schen Magen unter den 
gleichen Bedingungen, mit anderen Worten, der Gang der Sekretion 
wird durch den Umfang der in den Darm tretenden Nahrung be¬ 
dingt, welche die sekretorischen Drüsen anregt. Ferner lässt unter 
normalen Verhältnissen mit dem fortschreitenden Uebergang der 
Nahrung aus dem Magen in den Darm die Sekretion nach und 
hört mit dem Uebergang der letzten Nahrungsportion in den Darm 
auf einen auf dem Wege über den Pylorus gehenden Reflex auf. 
Im Heidenhain’schen Magen geht die Sekretion über diese Grenzen 
hinaus und hält noch 8—10 Stunden an, was ungefähr dem Stadium 
der Darmverdauung entspricht. Sie lässt erst dann nach, wenn 
die Darmverdauung zu Ende ist, mit anderen Worten, mit dem 
abnehmenden Uebergang der Verdauungsprodukte in das Blut. Die 
Drüsen, die ihren Regulator verloren haben, setzen also eine nutz¬ 
lose Arbeit fort. Durch die Experimente von Kadygrobow ist 
erwiesen, dass die Muskelarbeit die psychische Magensaftabsonderung 
herabsetzt; durch die bekannten Versuche von Prof. Bickel ist 
erwiesen, dass starke psychische Erregung die psychische Magen¬ 
saftabsonderung gleichfalls hemmen kann. 

Brown-Söquard hat nachgewiesen, dass jede Reizung irgend 
eines Nervenzentrums überhaupt die Erregung der übrigen Zentren 
herabsetzt und auf diese Weise die bestehenden Reflexe hemmen 
kann. Vom Standpunkte des Bestehens eines autonomen, im 
Pylorusteil liegenden, und z. T. zwischen das cxtragastrale Nerven¬ 
system und den kleinen Sympathikus der Magenwand eingeschalteten 
(beim Herzen haben wir in dem Plexus eardiacus ja etwas Aehn- 
liches), regulatorischen Zentrums für die zweite sekretorische Phase 
kann man die Entstehung vieler Störungen in der Sphäre der 
sekretorischen Funktion der pathologisch unveränderten Fundus¬ 
gegend erklären. Beispielsweise werden Erosionen, die nicht selten 


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Untersuchungen Uber den nervösen Regulationsmechanismus usw. 63 


im Pylorusteil beobachtet werden, sowie Ulcus rotundum häufig von 
Hypersekretion begleitet, deren Entstehung man auf Hemmung des 
regulatorischen Reflexes durch von den lädierten Stellen ausgehen¬ 
den Reizungen zurückführen kann. 

Resume. 

1. In der Pars pylorica des Magens'befindet sich ein nervöses 
Regulationszentrum für die Magensaftsekretion. Die Stellung dieses 
Zentrums ist in gewissem Sinne analog derjenigen des Plexus car- 
diacus bei der Herzinnervation und ist zwischen die letzten Ketten¬ 
glieder des kleinen Sympathikus der Magenwand und das extra- 
gastrale Nervensystem eingeschaltet. 

2. Die Ausschaltung dieses Regulationszentrums bewirkt eine 
kontinuierliche Magensaftsekretion. 

3. In dem nach Heidenhain gebildeten Magenblind sack ist 
eine als Supersecretio continua charakterisierte Sekretionsstörung 
vorhanden. 

4. Bei der Sekretion im Heidenhainschen Blindsack fehlt die 
„psychische“ Phase fast ganz und der Duodenalreflex ist nicht mehr 
wirksam. 

5. Das vom Heidenhainschen Blindsack gebildete Sekret hat 
normale Beschaffenheit, d. h. es ist so wie das Sekret eines Paw- 
lowschen Blindsacks komponiert. 

6. Die Beobachtungen am Heidenhainschen Blindsack, wie 
diejenigen an Tieren mit getrenntem Fundus- und Pylorusteil des 
Magens hinsichtlich des Ablaufes und der Bedingungen zur An¬ 
regung der Sekretion bestätigen die Bi ekel sehe Theorie der Magen¬ 
saftsekretion, nach der die Sekretion durch im Blute kreisende 
chemische Stoffe und deren Wirkung auf das Drüsenparenchym 
unterhalten wird, während der diskontinuierliche Charakter der 
Sekretion, wie die typische Gestalt der Sekretionskurven, also die 
Regulation durch Nervencinfluss (Pawlow) zustande kommt. 

7. Bei der normalen Art der Nahrungsaufnahme wird die 
Sekretion durch zentrifugale Impulse des extragastralen Nerven¬ 
systems an allen Orten der Magenschleimhaut eingeleitet. Diese 
Impulse brauchen nicht über das regulatorische Sekretionszentrum 
im Pylorus zu gehen. In der Folge wird die Magensekretion 
unterhalten durch chemische Stoffe, die teils resorbiertes Sekretin. 
teils resorbierte Produkte aus der Nahrung sind und die auf das 
Magenparenchym direkt einwirken. Die Regulation dieser „chemi- 


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64 Th. Borodenko, Ueber den nervösen Regulationsmechanismus usw. 


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sehen“ Sekretion findet durch nervöse Impulse statt, bei denen so¬ 
wohl das extra- als auch das intragastrale Nervensystem mit¬ 
wirkt. Speziell das endliche Aufhören der Sekretion wird durch 
nervöse Impulse veranlasst, die in jedem Falle ihren Weg 
über das nervöse Regulationszentrura in der Regio pylorica nehmen 
müssen. Jeder Abschnitt des Magens, der von diesem Zentrum 
getrennt ist, zeigt kontinuierliche Sekretion. 

8. Aus dieser Auffassung des Mechanismus der Magensaft¬ 
sekretion, besonders aus dem Nachweis eines in der Regio pylorica 
gelegenen Regulationszentrums ergeben sich Hinweise auf die 
Genese gewisser bei organischen Magenerkrankungen auftretender 
Sekretionsstörungen. 


Literatur. 

Orbeli, Arch. des Sciecens biologiques. Bd. XII. Russ. 

Sanotzky, Russ. Dissert. St. Petersburg 1892. 

Lobasow, Russ. Dissert. St. Petersburg 1896. 

Sch ich in. Russ. Dissert. St. Petersburg 1896. 

Krzyszkowsky, Russ. Dissert. St. Petersburg 1906. 

Edkins, The journ. of Physiol. 1906. 

Kresteff, Contribution ä l’ötude de la s^cietion du suc pylorique. Revue med. 
de Suisse Romande. T. 19. 1899. 

Gley, Bulletin du Museum d’histoire naturelle. 1897. 111. p. 264. — Arch. 
des Sciences biologiques. XI. 1904. 

Cade et Latarjet, Realisation pathologique du petit estomac de Pawlov. 
Journ. de Physiol. No. VII. 2. 

Gross, Zur Frage der Physiologie der Pepsindrüsen. Russ. 1906. 

Bickel, Handbuch der Biochemie von Oppenheimer. 1908. — Sitzungsberichte 
der Kgl. Preuss. Akademie der Wissenschaften. 1908. 


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IV. 

(Aus der experimentell-biologischen Abteilung des Königl. Patho 
logischen Instituts der Universität Berlin.) 

Ueber den Sekretionsablauf 
an dem der extragastralen Nerven beraubten 
Magenblindsack. 

Von 

Dr. M. Rheinboldt (Ki ssingen). 

(Mit 15 Kurven.) 


Die an die Untersuchungen der Pawlow’schen Schule an¬ 
knüpfende Aera der Lehre von der Magensaftsekretion hat uns die 
wunderbaren Beziehungen der Sekretion zu den Vorgängen im 
Zentralnervensystem kennen gelehrt. Die assoziative Magen¬ 
saftbildung, die reflektorische Sekretion von bestimmten Sinnes¬ 
organen aus, der Begriff des psychischen Saftes, des Appetitsaftes 
und alle die qualitativen und quantitativen Schwankungen der Saft¬ 
sekretion unter psychisch-nervösen Einflüssen, von der Erregung 
der Sekretion durch Vagusreizung bis zum völligen Versagen der 
Sekretion unter bestimmten Affekten, kurz alles, was Bickel 1 ) 
unter dem Begriff der zerebrospinalen Sekretion zusaramen- 
gefasst hat, ist Gegenstand der experimentellen Forschung geworden. 
Unter diesen Umständen lag es nahe, dem viel weniger durch¬ 
sichtigen Gebiet der parenchymogenen Sekretion im engeren 
Sinne experimentell näherzutreten. Unter ihr versteht man nach 
dem Vorgang von Bickel die ohne Vermittelung des Zentral¬ 
nervensystems zustandekommende Sekretion, wobei allerdings in 
einzelnen Fällen dahingestellt bleibt, ob der im Drüsenparenchym 
gelegene Sympathikus mitwirkt, oder ob nicht eine direkte Erregung 


1) A. Bickel, Magen und Magensaft. S.-A. a. d. Handb. d. Biochemie 
d. Menschen u. d. Tiere. Jena 1909. 

Internat. Beiträge. Bd. I. Heft 1. 5 


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der Magendrüsen durch im Blut kreisende Stoffe existiert (häma¬ 
togene oder chemische Sekretion). Eine experimentelle Ent¬ 
scheidung der zuletzt genannten Frage ist vorläufig unmöglich', da 
es nicht zu erkennen ist, wie man die Tätigkeit des intragastralen 
Sympathikus im Experiment ausschalten soll. 

Dagegen ist es experimentell möglich — und davon soll im 
Folgenden die Rede sein —, einen Abschnitt des Magens seiner 
extragastralen Nervcnverbindungen vollständig oder nahezu voll¬ 
ständig zu berauben und die Sekretionsverhältnisse an ihm zu 
studieren. 

Der Pawlow’sche Blindsack ist bekanntlich durch eine die 
Kontinuität der von der Kardia an den Magen herantretenden Blut¬ 
gefässe und Nerven erhaltende Gewebsbrücke mit dem letzteren 
verbunden. Dem entgegen hat Heidenhain ein Stück der Pylorus- 
bzw. Fundusschleimhaut vom Magen vollständig abgetrennt. Ein 
solcher Blindsack war also nur durch die mit dem Mesenterium 
eintretenden Nerven extragastral versorgt. Das wichtigste Ergebnis 
bei dieser Versuchsanordnung war ein verspätetes Auftreten der 
Sekretion auf den Füttcrungsreiz gegenüber dem Pawlow’schen 
Blindsack (15—30 Minuten gegen 5 Minuten). In weiterer Ver¬ 
folgung dieser Versuche konnte Bickel der Akademie der Wissen¬ 
schaften, und Molnär u. Bickel 1 ) dem Verein für innere Medizin 
einige neue Tatsachen berichten, vor allem die, dass der nach 
Heidenhain operierte Hund im Gegensatz zum Pawlow’schen 
eine kontinuierliche Sekretion erkennen lässt, welche durch 
Atropin vollständig gelähmt wird. Daraus schloss Bickel, dass 
eine an sich theoretisch durchaus mögliche hämatogene, chemische 
Hemmung der chemischen Reizung der Drüse vom Blute aus unter¬ 
legen ist, dass aber der chemischen Sekretion, welche an sich eine 
kontinuierliche ist, der sie regulierende, diskontinuierlich machende 
extragastrale Nerveneinfluss übergeordnet ist. 

Das von Bickel angenommene Wechselspiel der hemmenden 
und reizenden Nerveneinflüsse findet anscheinend eine gute Bestäti¬ 
gung in der Beobachtung, dass subkutane Injektion von Fleisch¬ 
extrakt beim Heidenhain'sehen Versuchstier (im Gegensatz zum 
Pawlow’schen Blindsack) ein sofortiges Einsetzen der Saft¬ 
sekretion, bei dem durch Atropin sekretorisch gelähmten Ileidcn- 


1) Bickel, Theorie der Magensaftsekretion. Sitzungsber. d. K. pr. Akad. 
d. Wiss. Bd. LH. 1908. 


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Ueber den Sekretionsablauf usw. 


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hain’schen Hund aber eine Verspätung der Sekretion (analog 
dem Pa w low'sehen Blindsaök) hervorruft. 

Diese und andere Versuchsergebnisse von Bickel und Moln.ir 
rechnen nun ganz folgerichtig mit einer nur quantitativen Schä¬ 
digung der extragastralen Nervenversorgung. Eine weitere Klärung 
der komplizierten Fragen oder auch nur eine Bestätigung des 
schon Bekannten oder Angenommenen konnte man erwarten, wenn 
man noch einen Schritt weiter als Heidenhain ging und die im 
Mesenterium an den Magen herantretenden Nerven be¬ 
seitigte. Drei in dieser Weise von Herrn Prof. Bickel operierte 
Hunde haben die eingreifende Operation ausgezeichnet üb,erstanden. 
Ich verfehle nicht, Herrn Prof. Bickel auch hier herzlich für seine 
Bemühungen zu danken. 

Aus der vom Fundus abgetrennten Magenpartie wird ein 
ßlindsack gebildet, nach aussen unter Fistelbildung vernäht, der 
Rest des Magens gleichfalls durch Nähte geschlossen und nun von 
dem Blindsack das Mesenterium unter Schonung der Gefässe ab¬ 
getrennt. Die Schwierigkeit der Operation besteht darin, in dem 
dichten Nebeneinander von Arterien, Venen und Nerven die letzteren 
zu unterscheiden. Die grösseren Nerven werden leicht gefunden 
und durchschnitten. Dagegen ist die Aufgabe, die grösseren Gefässe 
vollständig frei zu präparieren und peinlich alle Gefässscheiden 
zu entfernen, die Gefässe selbst dabei vor einer Verletzung zu 
bewahren, kein leichtes Spiel. Hier musste Lupenvergrösserung 
helfen. Dass es übrigens gelingt, das vorgesteckte Ziel einiger- 
massen za erreichen, wurde in einem Fall durch mikroskopische 
Untersuchung des bei der Operation stehengebliebenen, in Paraffin 
eingebetteten und in Serienschnitte zerlegten Gefässbündels be¬ 
stätigt. 

Bei den im Folgenden zu beschreibenden Versuchen handelte 
es sich also um Tiere mit einem Magenblindsack, der so gut wie 
vollständig vom Zentralnervensystem isoliert war, bei dem die 
Möglichkeit einer Mitwirkung nervöser Einflüsse bei der Sekretion 
nur in den intragastralen Fasern und Ganglien des kleinen Sym¬ 
pathikus gegeben war. Der Kürze halber bezeichne ich im Fol¬ 
genden diesen Blindsack als „nervcnlosen Magen“. 

Betrachten wir nun die nächsten aus diesem Eingriff sich er¬ 
gebenden Folgen, so bestätigt sich zunächst die schon von Molnär 
beim Hei den hain'sehen Hund gefundene Tatsache, dass der 
ncrvcnlosc Magen eine kontinuierliche Saftsekretion auTweist. 

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Beispiele: 

Hund I. 22. 1. 09. Operation. 

23. 1. 09. Bei Einführung einer Kanüle 24 Stunden nach der 
Operation in die Fistel entleeren sich sofort 20 ccm getrübter 
Flüssigkeit .von stark saurer Reaktion (Kongo stark positiv). 

25. 1. 09. Der Hund, dessen einzige Nahrung in 500 ccm 
Milch vor 24 Stunden bestanden hatte, entleert in 2 Stunden 
13,0 ccm blutig getrübten Magensaft von der Gesamtazidität 100, 
des weiteren noch circa 1 ccm pro 10 Minuten von der Azidität 
100—110. Kongo stark positiv. 

Hund II. 29. 1. 09. Operation. 

31. 1. 09. Der nüchterne Hund entleert aus der Fistel des 
Blindsackes in je 30 Minuten 3,7 und 3,2 ccm Magensaft, 

HCl 100, Gesamtazidität 120 
„70, „ 80. 

Verdauungskraft (Fuld’sche Probe) bei 20facher Verdünnung: 
limes bei 4. 

1. 2. 09. Der nüchterne Hund entleert in je 30 Minuten 
0,8 und 1,65 ccm stark sauren Magensaft. 

2. 2. 09. Der Hund hat vor 24 Stunden 200 g Milch er¬ 
halten; entleert in je 30 Minuten 2.3 und 2,5 ccm blutig tingierten 
Magensaft. 

3. 2. 09 und folgende Tage, ist an der Fistel stets saurer 
Magensaft nachzuweisen. 

12. 2. 09. Der nüchterne Hund entleert in 7 Perioden zu je 
30 Min. durchschnittlich je 0,6 ccm wasserklaren Magensaft, Azidität 
110—90. Verdauungskraft (1:20) — 3. 

Hund III. 30. 1. 09. Operation. 

1. 2. 09 nüchtern in je 30 Minuten 0,7 und 1,3 ccm Magen¬ 
saft aus der Fistel. G.-A. 100; Verdauungskraft (1 : 10) = 2. 

2. 2. 09, 24 Std. nach der letzten Nahrungsaufnahme (200 g 
Milch) in je 30 Minuten 0,8 und 0.9 ccm stark sauren Magensaft. 
G.-A. ilO; Verdauungskraft (1 : 10) = 3. 

Diese Beispiele könnten leicht vermehrt werden. 

Das wesentlichste Ergebnis ist nach der kontinuierlichen Se¬ 
kretion dies, dass die Schleimhaut des nervenlosen Magens 
auf den Fütterungsreiz mit einer Sekretionssteigerung 
reagiert. Schon Heidenhain fand bei seiner Versuchsanordnung 


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Ueber den Sekretionsablanf usw. 


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die Reaktion auf den Fütterungsreiz. Da aber dort die Mesenterial^ 
nerven und Gefässe erhalten waren, konnte man an eine Reizüber¬ 
tragung vom Magen durch die mesenteriellen Anastomosen jener 
Nerven denken. Da in unseren Versuchen eine Verbindung des 
ßlindsackes weder durch Nerven und Gefässe mit dem grossen 
Magen, noch durch Mesenterialnerven existiert, kann der Fütterungs¬ 
reiz seine Wirkung offenbar nur indirekt auf dem Umweg über die 
Körpersäfte entfalten, also durch Resorption von Nahrungs- oder 
anderen Bestandteilen vom grossen Magen aus, von wo sie in den 
Kreislauf gelangen und durch die Mesenterialarterien dem nerven¬ 
losen Blindsack zugeführt werden. Wir müssen also bei unseren 
Versuchen ein für allemal mit der Tatsache rechnen, dass nur 
resorbiertes, d. h. durch die zerlegenden Kräfte der Wand des 
grossen Magens verändertes Material, also nur die vom Magen 
gebildeten Bausteine der Nahrung oder im grossen Magen bei 
seiner Tätigkeit gebildetes Sekretin auf den nervenlosen 
Magen wirken können. Dies hat zur Konsequenz, dass eine 
längere Zeit vergehen muss zwischen der Nahrungs¬ 
aufnahme und dem Beginn der Sekretion im nervenlosen 
Magen. Diese Zeit setzt sich offenbar zusammen aus zwei Fak¬ 
toren, nämlich erstens der Zeit, welche erforderlich ist zur Zer¬ 
legung der Nahrung im Magen, Resorption und Weiterbeförderung 
der zerlegten Bestandteile resp. der Bildung, Resorption [und Be¬ 
förderung des Sekretins zur Schleimhaut des ncrvenlosen Blind¬ 
sackes; zweitens aus einer möglicherweise spezifischen Latenzzeit 
der Schleimhaut. 


Beispiele: 

Hund III. 30. 1. 09 Operation. 

23. 2. 09 Fütterung mit 170 g (ausgekochtem) Fleisch (Kurve 1). 

24. 2. 09 Fütterung mit 150 g Fleisch (Kurve 2). 

In beiden Fällen ist eine deutliche Sekretionssteigerung erst 
20 Minuten nach Beginn der Fütterung nachzuweisen. In Kurve 1 
tritt das Maximum der in 5 Minuten abgesonderten Saftmenge erst 
nach 30 Minuten auf. 

Wenn wir den so gefundenen Wert von rund 20 Minuten als 
„Latenzzeit des nervenloscn Magens“ bezeichnen, so ist klar, dass 
diese Bezeichnung nur eine relative Berechtigung hat, da die wirkliche 
Latenzzeit nur als Summand in dieser Zeit enthalten ist und sich 
erst ergeben würde, wenn es gelänge, die für Zerlegung, Resorption 


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und Beförderung auf dem Blutwege nötige Zeit von unserer Zeit 
abzuziehen. Darüber hätten besondere Untersuchungen zu unter¬ 
scheiden. Der Weg ist gegeben in der Subtraktion der Latenzzeit 
der „endogenen“ Saftbildung des Pawlow’schen Blindsaekhundes 


Kurve 1. 



von dem in unseren Versuchen gefundenen AVert. (Ob der erstere 
AVert zahlenmässig feststeht, ist mir nicht bekannt.) 

AA r enn die Begrenzung der normalen Latenzzeit auf 5 Minuten 
beim Pawlow’schen Hund von Bickel in Hinsicht auf die beim 


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Ueber den Sekretionsablauf usw. 


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Heidenhain’schen Hund auftretende Verspätung (15—30 Minuten) 
als durch den Vagus gegeben angenommen wird, so kann von der 
letzteren, da sie sich mit der beim nervenlosen Hund von uns ge¬ 
fundenen annähernd deckt, wohl geschlossen werden, dass auch sie 
zum Teil von der Resorptionszeit ausgefüllt wird. Wie weit die 
Verspätung dem Verlust der zentralen Innervation zuzuschieben ist, 
wissen wir eben nicht. Ich möchte vorschlagen bis auf weiteres 
nur von einer „relativen Latenzzeit des nervenlosen Magens“ zu 
sprechen, und glaube, dass ihr gegenüber die absolute Latenzzeit 
nur gering ist. Es mag erwähnt werden, dass bei den zur Er¬ 
mittelung der Latenzzeit dienenden Versuchen ausgekochtes Fleisch 
verwendet wurde. Da dies aber von dem Hund mit grösster Gier 
gefressen und ganz normal verdaut wurde 1 ), so ist der Mangel an 
Salzen hier belanglos. 

Die nächste ohne weiteres aus der Art der Operation zu er- 
schliessende Folge, dass beim nervenlosen Magen keine kepha- 
logene Sekretion existiert, konnte leicht experimentell bewiesen 
werden. 

Hund III. 12. 3. 09. Bei dem nüchternen Hunde wird von 
11 Uhr 50 Minuten bis 12 Uhr der Appetit gereizt durch vorge¬ 
haltenes Fleisch, nach welchem der Hund gierig schnappte, ohne 
es zu erhalten. In der Zeit von 11 Uhr 50 Minuten bis 12 Uhr 
30 Minuten wurde keine messbare Quantität Magensaft abgesondert. 
An der Fistel ist jedoch, wie auch vor dem Versuch, die Reaktion 
auf Lakmus stark sauer, auf Kongo stark positiv. (An demselben 
Tage sonderte der Hund auf 200 g Fleisch in 27* Stunden 3,5 ccm 
Magensaft ab, = 0,7 in 30 Minuten). 


Ich komme zur Beschreibung des Sekretionsverlaufes nach 
verschiedenen Nahrungsmitteln und anderen Stoffen. 

a) Fütterung mit Fleisch. 

Hund II. 29. 1. 09. Operation. 

2. 2. 09 nüchtern. Fütterung mit 250 g frischem Schabe¬ 
fleisch (Kurve 3). 

22. 2. 09 nüchtern. Fütterung mit 200 g ausgekochtem 
Fleisch (Kurve 4). 


1) Vergl. Munk-Ewald, Ernährung des gesunden und kranken Menschen. 
Wien, Leipzig 1S95. S. 130. 


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In Kurve 3 hatte der Hund vor 24 Stunden 200 g Milch, 
sonst bis zum Beginn des Versuches nichts erhalten, war daher 
als nüchtern anzusehen. Wir sehen am Ende der ersten halben 
Stunde einen Anstieg der Sekretion von 2,5 auf 5,8 ccm, in der 
zweiten halben Stunde auf 9,2 ccm. Noch 5 Stunden nach Beginn 


Kurve 3. 



der Fütterung wurden in 30 Minuten 2,4 ccm Saft abgesondert. 
Die Azidität betrug im Mittel 110. Bei dem Hund in Kurve 4 
ist der Anstieg noch erheblicher (von 0,2 auf 4,4 und 11,0 ccm 
in je 15 Minuten). Hier wurde kein frisches, sondern stark aus¬ 
gekochtes Fleisch gegeben. Infolgedessen ist die absolute Eiweiss¬ 
menge um etwa 40,3 pCt. grösser, da das ausgclaugte Fleisch auf 
ein kleineres Gewicht (nach Munk-Ewald um 43 pCt.) zurück¬ 
geht. Wenn wir die y 4 ständigen Absonderungsperioden zwecks 
besseren Vergleichs mit Kurve 3 auf y 2 ständige reduzieren, ergibt 
sich ein noch viel grösserer Anstieg der Sekretion, nämlich von 


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Ueber den Sekretionsablauf usw. 


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1,3 vor der Fütterung auf 15,4 nach der Fütterung. Es folgen 
dann in den nächsten y 2 ständigen Perioden 11,8, 3,2, 3,9, 2,5 ccm 
Saft. Die grösste Saftmenge liegt bei diesem Hunde nicht wie 

Kurve 4. 



0 12 3 1 S 6 r 8 S £0/m/3 


beim ersten in der zweiten, sondern in der ersten halben Stunde. 
Sicher handelt es sich hier um individuelle Unterschiede bei den 
einzelnen Tieren. 

b) Milch. 

Hund HI. 4. 2. 09 nüchtern. Fütterung mit 260 g Milch 
(Kurve 5). 

1. 2. 09 nüchtern. Fütterung mit 200 g Milch (Kurve 6). 


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Kurve 5. 


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Kurve 6. 




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Ueber den Sekretionsablauf usw. 


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Hund II. 1. 2. 09 nüchtern. Fütterung mit 200 g Milch 
(Kurve 7). 

Auch hier sehen wir das starke Ansteigen infolge des Fütte¬ 
rungsreizes. Besonders auffällig ist der lange Verlauf der Kurve. 
Sechs Stunden nach Beginn der Fütterung wurden noch 3,8 ccm 
Magensaft abgesondert. Dieser lange Verlauf der Milchkurve wurde 
bei sämtlichen (im ganzen 4) Versuchen gefunden. 

c) Brot. 

Hund III. 3. 2. 09 nüchtern. Fütterung mit 19 g Schwarz¬ 
brot (Kurve 8). 



Die Sekretionsversuche mit Brot sticssen auf Schwierigkeiten, 
da die Hunde sich weigerten Brot zu fressen. Nur einmal gelang 
eine Fütterung mit 19 g Schwarzbrot. Die Kurve 8 lässt eine 
Steigerung der Saftabsonderung nicht erkennen. Doch kann dies 
an der geringen Menge Brotes liegen. 

d) Oel. 

Hund III. 6. 2. 09, nüchtern seit 24 Stunden. Eingiessung 
von 100 g Olivenöl mit der Schlundsonde (Kurve 9). 

Kurve 9. 



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Die hier nach den Erfahrungen mit dem Pawlow’schen Blind¬ 
sack zu erwartende Hemmung der Sekretion ist jedenfalls nicht 
eingetreten. Im Gegenteil lässt sich, wenn auch erst l 1 /* Stunden 
nach der Oelzufuhr, eine Steigerung erkennen. 

e) Wasser und Salzsäure. 

Hund III. 5. 2. 09, nüchtern seit 24 Stunden (260 g Milch). 
Eingiessung von 100 ccm Wasser mit der Schlundsonde. Nach 
iy 2 Stunden nochmals 100 .ccm Salzsäure von der Azidität 150 
(Kurve 10). 

Kurve 10. 


ccm 




Das Wasser bewirkt nur eine geringe Steigerung der Sekretion 
von 2,1 auf 2,9 ccm Magensaft. Die 100 ccm Salzsäure von der 
Azidität 150 lassen ebenfalls nur eine leichte Steigerung erkennen. 
Sie ist zwar relativ grösser, aber absolut kleiner als die von Wasser 
(von 0,2 auf 1,8). Wichtig ist aber, zu bemerken, dass bei diesem 
Versuch das aus der Fistel aufgefangene Sekret sehr reich an 
Schleim war. Nachdem aus den einzelnen Portionen der Schleim 
herausgefischt war, ergab sich Kurve 10 a. Hier lässt sich er¬ 
kennen, dass die eigentliche Saftmenge zunächst gleich blieb, dass 
aber 2 Stunden hindurch nur oder fast nur Schleim abgesondert 


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Ueber den Sekretionsablauf usw. 


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wurde, dass dann eine Saftsteigerung erfolgte, deren Maximum 
(2,1 ccm) genau mit dem vom Wasser zusammenfällt. Alles in 
allem lässt sich wohl sagen, dass Wasser und Salzsäure von der 
Azidität 150 eine geringe und annähernd gleiche Saftsteigerung 
bewirkt. Die Azidität betrug im nüchternen Zustand 60, nach dem 
Wasser und nach der Salzsäure je 80. 

f) Atropin. 

Hund I. 22. 1. 09 Operation. 

25. 1. 09 nüchtern. Fütterung mit 500 g Milch. Auf der 
Höhe der Sekretion 0,005 g Atropin, sulf. subkutan (Kurve 11). 

Die 120 Minuten nach der Milchfütterung (vergleiche das über 
die Milchkurve Gesagte) auf 2,3 ccm Saft in 10 Minuten gesteigerte 
Sekretion wird prompt bis etwa auf den ersten Minimalwert (0,5) 


Kurve 11. 



heruntergedrückt, erlischt aber nicht ganz. Ueberhaupt scheint die 
Wirkung des Atropins nur vorübergehend zu sein. Nach 70 Minuten 
tritt wieder ein Anstieg vom Minimal wert (0,5) auf 1,9 in 10 Minuten 
auf. In einem 2. Versuch bei demselben Hund (I) (Kurve 12) geht 
trotz zweimaliger Dosis von 0,005 g Atropin die Sekretion gleichfalls 
nicht auf 0, bleibt vielmehr mit 0,5 nur wenig unter dem anfäng¬ 
lichen Minimalwert von 0,6. Dagegen kommt bei einem anderen 
Hunde (IH) in Kurve 13 die Sekretion auf den Nullwert. Aber 
auch hier ist von einem vollständigen Erlöschen der Sekretion 
keine Rede, da an der Fistel immer noch stark saure Reaktion 
gefunden wurde. Die Azidität war bei diesem Tier überhaupt stets 
eine sehr starke. Während dieses Versuches wurde vor der 
Atropinwirküng eine Gesamtazidität von 100 -(nach dem Fleisch¬ 
extrakt 120) konstatiert,- während es leider nicht gelang, die Ge¬ 
samtazidität unmittelbar nach der Atropinwirkung festzustellen, 


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M. Rheinboldt, 

wegen zu geringer Menge von Magensaft. Dagegen konnte dies 
bei dem Hund I (Kurve 11) festgestellt werden. Die Gesamt¬ 
azidität bewegte sich zwischen 100 bis 60 vor und 30 nach dem 
Atropin. 



Kurve 12 a. 



g) Liebig’s Fleischextrakt nach Atropinhemmung 
subkutan injiziert. 

Hund III. 2. 2. 09 nüchtern. Hemmung der nüchternen 
Sekretion durch 0,005 g Atropin subkutan. Nach \ l / 2 Stunden sub¬ 
kutane Injektion einer sterilen Mischung von 10 g Wasser mit 10 g 
Liebig’s Fleischextrakt (Kurve 13). 

Hund I. 26. 1. 09 nüchtern. Hemmung der nüchternen 
Sekretion durch 0,005 g Atropin subkutan. Nach 1 Stunde Wieder¬ 
holung der Atropindosis. Nach 3 Stunden Injektion von Fleisch- 


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Original frcun 

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Ueber den Sekretionsablauf usw. 


79 


extraktlösung wie oben (Kurve 12) [dieselbe reduziert auf 30 Mi¬ 
nutenperioden (Kurve 12 a). 

Es zeigt sich der enorme Anstieg der gehemmten Sekretion 
besonders deutlich in Kurve 13. Hier und noch exakter in Kurve 12 
lässt sich ausserdem erkennen, dass eine - jedenfalls nur geringe 
Latenzzeit herrscht. Die Sekretion erhebt sich hier innerhalb zehn 
Minuten vom anfänglichen Minimalwert (0,6) auf 2,0, das ist das 
Maximum der bei diesem Hunde in 10 Minuten erreichten Saft- 


Kurve 13. 



menge. Mehr derartige Versuche anzustellen war leider nicht mög¬ 
lich, da ein Hund, zum Teil infolge der Injektion, zugrunde ging. 

Wenn wir zunächst die Sekretionskurven nach den einzelnen 
Fütterungsreizen beim „nervenlosen“ Hund mit denen beim Paw- 
low’schen Blindsack vergleichen, so kann es nicht unsere Aufgabe 
sein, festzustellen, wie etwa die Fleisch-, bzw. Milch-, bzw. Brot¬ 
kurven des nervenlosen Magens von den entsprechenden des Paw- 
low’schen Blindsackes ab weichen. Dazu ist das von uns bearbeitete 
Material zu klein. Aber gewisse allgemeine Unterschiede, von 
der Verlängerung der Latenzzeit abgesehen, lassen sich wohl jetzt 
schon feststellen. So scheint die Sekretion beim nervenlosen Magen 


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Original fro-m 

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80 


M. Rheinboldt, 


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im allgemeinen eine gewisse Tendenz zur Verlängerung zu haben. 
Aus dem Pawlow’schen und Bickel’schen Institut sind Kurven 
veröffentlicht worden, deren Dauer nur eine Stunde und wenig mehr 
betrug. In unseren Versuchen hatte die kürzeste Sekretionskurve 
eine Dauer von nicht unter 3 Stunden, meist aber viel mehr. Die 
Sekretion an sich war freilich auch nach dieser Zeit nicht auf 
ihrem definitiven Stillstand angelangt, hielt sich vielmehr meist 
noch länger auf dem Anfangswert, der an sich schon zuweilen 
recht hoch war. Weiterhin sind die auf den Fütterungsreiz sezer- 
nierten Saftmengen, besonders wenn man in Betracht zieht, dass 
es sich in unseren Versuchen ja nur um „chemische“ Reizwirkung 
handelt, relativ sehr grosse. Die grösste in einer halben Stunde 
erzielte Saftmenge betrug 19 ccm! Allerdings diente hierbei eine 
Peptonlösung (50 Teile flüssiges Pepton auf 50. Teile Wasser) 
als Fütterungsreiz. Aber auch bei gewöhnlichem Fleisch wurden 
recht hohe Werte erzielt, einmal sogar nach völlig ausgekochtem 
Fleisch (250 g) 15 ccm Magensaft in 30 Minuten. Man kann wohl 
sagen, dass diese Werte die am Pawlow’schen Blindsack ge¬ 
fundenen im ganzen genommen übertreffen, wenn ich mir wohl 
auch bewusst bin, dass selbstredend die Grösse der Blindsäcke bei 
solchen Vergleichen berücksichtigt werden muss. Keinesfalls aber 
bestätigt sich bei unseren Versuchen die Angabe Orbeli’s 1 ), dass 
nach Ausschaltung des zerebrospinalen Weges die Sekretionswerte 
geringer und das Sekret von subnormalem Pepsingehalt sein soll. 
Viele am nervenlosen Hund vorgenommene Verdauungsversuche 
nach Fuld ergaben einen normalen Verdauungswert. Endlich ist 
noch die grosse Unregelmässigkeit der Kurven zu erwähnen. 

Beim Versuch, diese Abweichungen zu deuten, werden wir 
wohl nicht fehlgehen, sie in dem Losgelöstsein des sekretorischen 
Schleimhautapparates vom regulierenden Einfluss des Zentralnerven¬ 
systems zu suchen. Die Magenschleimhaut sezerniert eben, wie 
Bickel schon betont hat (wahrscheinlich mit Hülfe des endo- 
gastralen Sympathikus) automatisch, und das Zentralnerven¬ 
system passt die Magensaftsekretion den jeweiligen Bedürfnissen 
an. Eine weitere Bestätigung dieser Annahme werden wir noch 
später in den im Chlorhunger angestellten Versuchen finden. Schon 
jetzt mag aber das Resultat vorweggenommen werden, dass trotz 
höchster Chlorverarmung des Körpers noch ausserordentlich grosse 

1) Orbeli, zit. nach Bickel, S.-A. 1. c. 


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Original fro-m 

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Ueber den Sekretionsabläuf usw. 


81 


Magensaftmengen auf Fütterungsreize produziert werden können, 
dass diese Magensaftmengen in keinem Verhältnis zur Grösse des 
I'ütterungsreizes zu stehen brauchen, dass die Abnahme der Saft¬ 
menge im Chlorhunger keine kontinuierliche sein muss, wie beim 
l’awlow’schen Blindsack es gewöhnlich der Fall zu sein scheint. 

Von grossem Interesse ist die Tatsache, dass Oel keine 
Hemmung der Sekretion beim nervenlosen Hund bewirkt. Die von 
Orbeli 1 ) bereits aufgestellte Behauptung, dass die Fetlhemmung 
der Sekretion durch die Vagotomie beseitigt wird, findet hier eine 
Bestätigung. Dieses Ergebnis würde der Theorie von Lönquist 
entsprechen, wonach Fett durch Reflexwirkung vom Duodenum aus 
hemmend wirken soll. Durch Abtragung der (jedenfalls auch im 
.Mesenterium verlaufenden) Anastomosen zwischen Magen und 
Duodenum ist die Reflexbahn unterbrochen. 

Das Ergebnis, dass Salzsäure, die die Sekrctinbildung 
doch jedenfalls begünstigt, keine stärkere Sekretion als 
Wasser hervorruft, würde dahin zu deuten sein, dass das 
durch Salzsäurezufuhr aktivierte Sekretin des Pylorus 
des grossen Magens [Edkins 1 )], welches durch Resorption 
auf dem Umweg über die Körpersäfte ja den kleinen (und 
grossen) Magen zur Sekretion anregen könnte, eine er¬ 
regende Wirkung tatsächlich nur in beschränktem Masse 
bei dem ncrvenlosen kleinen Magen ausüben kann. Die 
gewaltige Sekretion, die wir also nach der Fütterung der 
Tiere mit Fleisch etc. am nervenlosen kleinen Magen 
wahrnehmen, kann auf einer Sekretinwirkung allein nicht 
beruhen, sondern wir müssen bei ihrer Erklärung an die 
Wirkung resorbierter Nahrungsbestandteile denken. 

Die Atropinwirkung ist beim nervenlosen Magenhund, wie wir 
sahen, vorhanden, aber nicht so sicher, wie beim normalen Tier, 
und dazu ziemlich rasch vorübergehend. Ein völliges Aussetzen 
der Sekretion wurde bei meinen Hunden überhaupt nicht beob¬ 
achtet. Das berechtigt zu der Annahme, dass die vom Normal- 
magen her bekannte Lähraungswirkung des Atropins in erster Linie 
zerebrospinal wirkt, dass aber der kleine Sympathikus, der ja bei 
unseren „nervenlosen“ Hunden erhalten ist, gleichfalls eine gewisse, 
aber viel geringere Empfänglichkeit für dieses Gift besitzt. Auf 
die spezifische Wahlverwandtschaft bestimmter Nervina zu ganz 


1) Bickel, S.-A. 1. e. 

Internat. Beitrage. Bd. T. lief: 1. 




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82 M. Rh ein bol dt, 

bestimmten Nervengebieten und Anteilen braucht nicht erst hjn- 
gcwiesen zu werden. 

Die geringe Atropinwirkung lässt auch die Höhe und Prompt¬ 
heit der Sekretionssteigerung begreifen, welche durch die der 
Atropinhemmung nachfolgende Injektion von Fleischextrakt be¬ 
wirkt wurde. In dem Mangel einer Verspätung der Fleischextrakt¬ 
injektionswirkung beim atropinisierten Hund liegt sicher ein erheb¬ 
licher Unterschied nicht nur gegenüber dem Pawlow’schen ßlind- 
sackhund, sondern auch (und dies scheint mir besonders wichtig) 
gegenüber dem Heidenhain’schen Hund. Wenn wir dem 
eingangs angeführten Bickel'sehen Gedankengang von dem Wechsel¬ 
spiel der exzitosekretorisohen- und depressosekretorischen Nerven¬ 
einflüsse folgen, so müssten unserem vom Zentralnervensystem 
total isolierten Magenblindsack von jenem weder hemmende noch 
lähmende Einflüsse zukommen. Wenn wir von einer rein chemi¬ 
schen Sekretionswirkung zunächst absehen, so könnten bei der 
Secretion nur die automatischen, endogastralen Fasern und Ganglien 
mitwirken, von deren exzitosekrctorischem Anteil wir angenommen 
haben, dass er durch Atropin relativ gehemmt wird. Da nun die 
Sekretionswirkung der Fleischcxtraktinjektion ohne Verspätung ein- 
tritt, so ist anzunchmen, dass dcpressosekretorische Anteile 
des kleinen Sympathikus keine wesentliche Rolle spielen. 
Wollte man aber die, wie wir sahen, nur relative Atropinhemmung 
der Sekretion für zu gering erachten, um überhaupt in den Me¬ 
chanismus der Sekretion wesentlich cinzugreifen (welche Vermutung 
an sich nicht unzulässig ist), so würden wir uns der Berechtigung 
der Annahme einer rein chemischen Sekretion noch mehr 
nähern, als diese schon durch die Ergebnisse am Pawlow’schen 
und Heidenhain’schen Hund gegeben ist. 

Seit den Arbeiten von Förster 1 ) u. a. ist bekannt, dass im 
Chlorhunger in der Nahrung die Menge des abgesonderten Magen¬ 
saftes abnimmt. Durch Wohlgemuth 2 ) ist der exakte Beweis 
erbracht, dass entsprechend der Verminderung der Saftmenge der 
absolute Chlorgehalt sich vermindert, die freie Salzsäure und Ge¬ 
samtazidität dagegen nur einen unbedeutenden Rückgang erkennen 
lassen und dass diese relative Konstanz in der Salzsäurekonzen¬ 
tration auch bei Chlorüberernährung erhalten bleibt. Wohlgemuth 

1) Förster, Zeitsehr. f. Biologie. Bd. IX. 1873. 

2) Wohlgemuth, S.-A. aus Arbeiten aus d. pathol. Institut zu Berlin. 
1906. S. 561 ff. 


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lieber den Sekretionsablauf usw; 


83 


sieht darin eine Art regulativen Bestrebens der Magenschleimhaut, 
die Salzsäurekonzentration des Magensaftes in relativ engen Grenzen 
zu halten, und Bickel sagt ganz richtig, es mache den Eindruck, 
als ob der Körper im chlorarmen Zustand mit der Saftsekretion 
geizt, dass aber die Schleimhaut die Tendenz hat, dem Sekret, 
das sie überhaupt bildet, einen brauchbaren Säuregrad mit auf den 
Weg zu geben. Die Magenschleimhaut arbeitet also offenbar mit 
weitgehenden regulatorischen Faktoren, und die Frage, ob diese 
unter dem Einfluss des Zentralnervensystems stehen, konnte durch 
Chlorverarmung des „nervenlosen“ Blindsackhundes unter¬ 
sucht werden. Zugleich wurden bei diesem Versuch fortlaufende 
Untersuchungen der Verdauungskraft vorgenoromen. 


Vcrsuchstag | 

! 

Magensaft 

in 

2 1 2 Std. 
in ccm 

Gefressene 
Fleisch- 
raenge 
(chlorfrei) 
in g 

Gesamt¬ 

azidität 

i Vcr- 
1 dauungs- 
! kraft nach 
Fuld 


1 

25,5 

300 

140 

1 6 


2 

26,6 

200 

110 

! 8 


3 

38,2 

150 

140 

6 


4 

20,9 

100 

150 

6 


5 

12,3 

180 

120 

— 


6 

22,9 

200 

140 

4 


7 

37,9 

250 

140 

4 


8 

21,0 

120 

140 

4 


9 

28,7 

150 

120 

— 


10 

22,8 

180 

140 

4 


11 

18,8 

200 

1 130 

4 

Der 3 Stund, nach d. Fütte¬ 

12 

21,5 

190 

140 

4 

rung ausgeheberte Inhalt 

13 

40,6 

200 

140 

4 

des grossen Magens reagiert 

14 

16,5 

220 

!. 120 

4 

sauer; Kongo negativ. 

15 

1U 

155 

120 

2 

Gesamtazidität des Inhalts 

16 

23,2 

250 

145 

2 

des grossen Magens = 45. 

17 

10,5 

230 

110 

2 


18 

15,2 

200 

130 

2 


19 

14,2 

10() 

120 

2 


20 

13,6 

155 

130 

2 


21 

18,1 

160 

100 

1 


*22 

5,6 

260 

110 

— 


•23 

8,0 

200 

110 

— 


24 

20.2 

160 

130 

— 

Gesamtazidität des Inhalts 

25 

3,4 

200 

90 


des grossen Magens — 40. 

26 

— 

0 

— 

-— 



19,85 

188,4 

— 

— 

Mittelwert. 


Der Hund erhielt, wie bei Wohlgcmuth, nach den Vor¬ 
schriften von Förster Pferdefleisch, welches in grossen Mengen 
destillierten Wassers so lange ausgekocht war, bis das Kochwasser 
keine Chlorreaktion mehr gab. Die Menge der als Fütterungsreiz 

c>* 


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84 


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M. Rheinboldt, 

dienenden chlorfreien Nahrung, wie auch des destillierten Wassers, 
wurde der jeweiligen Fresslust des Tieres überlassen. Die Fleisch- 
menge schwankte zwar je nach der Fresslust zwischen 300 und 
100 g (entsprechend ca. 500 und 150 g rohem Fleisch), zeigte aber 
im ganzen keine kontinuierliche Abnahme, überschreitet am letzten 
(25.) Versuchstag noch den Mittelwert (188 g) um 22 g. Ausser 
den in der Tabelle genannten Fleischmengen erhielt der Hund, der 
in einem Zimmer isoliert gehalten wurde, das ich persönlich unter 
Verschluss hatte, täglich nach Abschluss des Versuches nochmals 
von derselben Nahrung und destilliertes Wasser ad libitum. Der 
Urin war, wie zu erwarten stand, nach wenigen Tagen vollständig 
chlorfrei und wurde während des ganzen Versuches sorgfältig kon¬ 
trolliert. Die Zahlen für die Verdauungskraft ergaben sich aus 
einer Umrechnung der bei verschiedenen Verdünnungen nach Fuld 
gewonnenen Edestinwerte auf 5 fache Verdünnung. 

Bei der Beurteilung dieser Versuche müssen wir uns erinnern, 
dass nur eine chemische Sekretion (wie oben ausgeführt) in Frage 
kommen kann, sodann, dass keinerlei wasserlösliche Extraktivstoffe 
in der Nahrung enthalten waren. Da auch das ausgekochte Fleisch 
einen starken Sekretionsreiz ausübte, so kann dieser in den Ex¬ 
traktivstoffen nicht gesucht werden. Man muss vielmehr annehmen, 
«lass wesentlich nur die Bausteine der Eiweisssubstanzen 
des Fleisches, die auf dem Umweg über die Körpersäftc zum 
kleinen Magen gelangten, die Sekretionssteigerung bewirken konnten. 

Man sollte entsprechend der Zunahme der Chlorverarmung ein 
allmähliches Zurückgehen der Sekretionswerte erwarten, wie dies 
z. B. bei dem Pawlow’schen Blindsackhunde von Wohlgemut!) 
der Fall war. Davon war aber bei meinem Tiere mit nervenloscm 
Magen keine Rede. Während bei Wohlgemuth die Sekretion 
unter kontinuierlicher Abnahme bereits am 11. Versuchstag nur 
13 pCt. des Anfangswertes beträgt, ist hier eine deutliche Abnahme 
erst am 14. Untersuchungstag zu konstatieren. Die Saftmenge 
beträgt an diesem Tage aber noch 64 pCt. des Anfangswertes und 
bleibt mit 16,5 ccm nur wenig unter dem Mittelwert von 19,8. 
Auch noch im späteren Verlaufe treten nicht unbedeutende Erhe¬ 
bungen auf. So erhebt sich die Sekretion am vorletzten Versuchs¬ 
tag noch einmal auf 20,2 ccm, um am folgenden Tage (letzten) 
allerdings jäh auf 3,4 ccm abzufallen. Auf die verschiedene Menge 
des als Nahrungsreiz dienenden ausgekochten Fleisches können diese 
Schwankungen nicht wohl zurückgeführt werden, da überhaupt 


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Original ffom 

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Ueber den Sekretionsablauf usw. 


85 


kein Parallelismus zwischen der Nahrungsmenge und Saftmenge 
besteht. Mit dem rapiden Abfall der Sekretion am 25. Tag war 
der Hund am Ende seiner Kräfte. Ausser einer etwa vom 10. Ver¬ 
suchstag auffälligen Magerkeit und leichten, nur langsam zuneh¬ 
menden Muskelschwäche war das Verhalten nicht gestört, und be¬ 
sonders die Fresslust fast immer eine sehr starke. Am 26. Tage 
des Chlorhungers aber war das Bild wie mit einem Schlage voll¬ 
kommen geändert. Der Hund verweigerte jede Nahrung, auch 
rohes Fleisch, Brot, Wasser etc. und war vollkommen unfähig zu 
stehen und zu gehen, so dass die Versuche beendet werden mussten. 

Am 11. Versuchstag wurde Mageninhalt durch Aushebern, am 
15. und 24. Tag durch Erbrechen nach Apomorphininjektion jeweils 
3 Stunden nach der Fütterung, also auf der Höhe der Verdauung, 
untersucht und jedesmal stark sauer, ohne freie HCl gefunden. 
Die beiden Analysen des vom Erbrochenen abfiltrierten Saftes er¬ 
gaben eine Azidität des Inhaltes des grossen Magens von 45 
und 50. Es muss dies angeführt werden, da bei Kahn 1 ) das 
Ausgeheberte neutral reagierte. Dass keine freie HCl nachzuweisen 
war, ist nicht verwunderlich, da diese an das Nahrungseiweiss ge¬ 
bunden war. 

Wenn auch der Versuch insofern missglückte, als der grosse 
Magen des Tieres im Gegensatz zum kleinen Magen keine Sekre¬ 
tionsabnahme erkennen Hess, sondern der Hund eben einmal wieder 
die Erfahrung bestätigte, dass in manchen Fällen der Magen in 
den Tagen selbst des grössten Chlorhungers noch Chlor beziehungs¬ 
weise Salzsäure absondern kann, so ist doch die Beobachtung 
als solche auch der Mitteilung wert. Der Körper begnügt sich 
eben manchmal noch eine längere Zeit mit einem gewissen Chlor¬ 
gehalt, welcher nach der Nahrungsaufnahme in den Magen als HCl 
ausgeschieden wird, dort durch den Speichel eine gewisse Ergän¬ 
zung erfährt und am Ende der Verdauung jedesmal wieder resor¬ 
biert wird. (Kot und Urin enthalten nach Förster im Chlor¬ 
hunger kein Chlor.) Es ist in diesen Fällen eben ganz unmög¬ 
lich, den Magen chlorfrei zu machen. Schliesslich nimmt ja auch 
einmal die Sekretion quantitativ und qualitativ ab. Aber damit, 
d. h. bevor der Magen noch chlorfrei werden kann, ist auch das 
Leiten des Tieres unmöglich; es geht an Entkräftung zu Grunde. 

Für die von Bickel 2 ) angenommene Möglichkeit, dass bei 

1) Bickel. I. c. 

2) Bickel, I. c. S.-A. S. 74. 


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86 M. Rheinboldt, Uober den Sekretionsablauf usw. 

der im Chlorhungcr beobachteten Sekretionsbeschränkung der pro¬ 
zentische Gehalt an Ferment wachsen könne, spricht das Ergebnis 
unseres Versuches nicht. Es zeigt sich vielmehr die auffallende 
Tatsache, dass die Verdauungskraft kontinuierlicher und schneller 
abnimmt als die Saftmenge. Am 21. Versuchstage, wo wir noch 
eine Saftmenge von 18,1 (Mittelwert 19,8) haben, beträgt die fer¬ 
mentative Kraft nur noch 1 bei 5 facher Verdünnung. 

Rösume. 

Der der extragastralen Nerven beraubte Magen zeigt 
(wie auch der nach Heidenhain operierte) Unterschiede in 
seiner Tätigkeit gegenüber dem normalen Magen, welche 
im wesentlichen auf eine in Unordnung geratene, der 
Regulation verlustig gegangene Funktion hinweisen und 
sich wohl als Folgen einer gestörten zentralen Innervation 
auffassen lassen. Aber auch dem nach Heidenhain ope¬ 
rierten, den mesenteriellen Nerveneinflüssen noch zu¬ 
gänglichen Magenblindsack gegenüber lässt der „nerven¬ 
lose“ Magen Unterschiede in seiner Tätigkeit erkennen. 


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V. 

• Referat. 

Le traitement mädical de l’ulcöre simple 
de l’estomac en France. 

Par 

Albert Mathieu et Francois Montier (Paris). 

Preambule. — Nous ne nous occuperons, eil principe, que 
du traitement medical de l’ulcere simple 1 ), non compliquc. 
Cependant, nous devrons neccssairernent dire quelle influence les 
notions recemment acquises ont cu sur la fixation des indications 
de l’intervention chirurgicale. D’autrc part, tout en laissant de 
cöte la plupart des complications graves de l’ulcus, la Perforation 
et ses consequences, nous serons obliges de parier du traitement 
des hemorragies. Leur existence fait du reste si intimement partie 
de la semiologie de l’ulcus, que les hemorragies graves meritent 
seules d’ötre considdrees comme unc eomplication. 

A notre epoque, les principaux travaux scientiüques d’une 
nation sont rapidement connus dans les nations voisines. Cette 
diffusion est d’autant plus rapide que la specialisation medicale 
tend ä devenir plus commune: les mädccins adonnes particuliere- 
ment ä l’ßtude de certains d^partements de la pathologie et de 
la therapeutique sont obliges de se tenir au courant de ce qui se 
fait ä l’etranger. Ainsi s’etablit un travail de comparaison et de 
critique qui rend feconde la collaboration internationale, et qui 
tend ä unifier les acquisitions-scientifiques dans le monde civilise. 

Toutefois l’unification se fait, en raison meine des conditions 
dans lesqucllcs evolue la therapeutique, plus lentement pour les 
methodes pratiques de traitement que pour les notions de patho- 

1) Nous cmploierons Ic plus souvent 1c terrne ulcus: non-sculement il est 
plus bref, mais il a aussi l’avantage d’indiqtier sans aucunc eonfusion possible 
•|u‘il ne s’agit d'aucune autre ulceration <|ue de l’ulcere simple, ulcus simplex. 


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bv Google 


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88 


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A. Mathieu et F. Montier, 

logic ct de pathogenic. Ici, lcs courants nationaux ct memo regio- 
naux inettent plus de temps ä sc rcncontrer, ä se inelanger et A 
confondre dans un lit eommun leurs eaux eclaircics. 

A l’heure actuelle, pour exposer clairement lcs methodes en 
usage dans un pays donne pour le traitement d’unc tnaladie aussi 
sericuse et aussi frequente que l’ulcus gastrique, lc raicux, nous 
semble-t-il, est de suivre A grands traits l’ordre chronologique et 
de montrer comraent les grandes indications therapeutiques sueccs- 
siveraent posees, en raison meine des progres de la pathologie 
et de la pathogenic, ont etc resolucs en theorie et en pratique, 
et de dire commcnt les methodes venues de l’etranger ont ete 
jugees, veriliecs et plus'ou moins assimilees ou modilioes. 

Guides par cctte idec directrice, nous dirons cc qu’a ete en 
France, dans ses elemcnts essentiels, le traitement de 1’ulcere de 
l’estomac aux grandes periodes de Fhistoire pathologique de eette 
maladie: 

I. lere periode (1888—1885 environ) dominee par les de- 
couvertes de Cruvcilhier et de Rokitansky. 

II. 2" periode (1885 — 1902) dominee par la theorie de 
Fhyperehlorhydrie et de l’hypersecretion. 

III. 3° periode (depuis 1902) dominee par la connaissame 
de la pathogenic du syndrome de Reichmann. 

IV. Pour terminer nous dirons enfin comraent dans ces derniers 
temps, sous l’influenee de notre cxperience personnelle et de la 
connaissance de la pathogenic du syndrome de Reichmann et 
des methodes de l.enhartz et de Senator, nous avons ete amenes 
A regier le traitement de Fuleus gastrique. 

Mieux que personne, nous savons cc qu’une semblable di Vi¬ 
sion a d artificiel. Nous reconnaissons tres bien que ces periodes 
empietent les unes sur les autres. Leur repartition represente ce- 
pendant tont au moins le meilleur moyen de mettre de l’ordre 
dans l’expose de l’aits tres complexes. 

I. l’remiere periode. Cctte periode est tont entiere dominee 
par les notions sur ranatomie pathologique et la nature de l’ulcus 
resultant des travaux de Cruvcilhier et de Rokitansky, de 1830 
a 1840. Elle sVtend jus(|u ? aux environs de 1885, i'poque ä la- 
quelle los rechcrches sur lo ohimismc gastrique ont fait connaitre 
la freqiu?nce de l’liyperacidito chlorhvdriquc dans Fuleus. 

Cruveilhier avant distingud Fuleoro simple des autres ulee- 
rations de Festomac-, indiqua lo rogime lade exclusif corame lo 


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Original fro-m 

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Le traitement medical de l’ulcere simple de l’estomac en France.- 89 


remedc par excellcncc de cctte raaladie. Ce rögime lui paraissait, 
tout en permettant l’alimentation dans la mesure necessaire, laisser 
lVstomac dans un etat de repos mecanique et digestif süffisant 
pour permettre la cicatrisation de la perte de substance. Pendant 
plus de trente ans le regime lactö constitua en France le traite¬ 
ment fondamental sinon exclusif de l’ulcus. Beaucoup de medecins 
le maintenaient pendant un temps prolonge, trois mois, six mois 
et quelquefois davantage. Bien dinge, il a du reste donne de tres 
bons resultats et a amene dans un grand nombre de cas sinon la 
guerison definitive de l’ulcus, tout au moins la disparition ou 
l'attenuation de ses paroxysmes. II parait encore a la plupart 
des medecins fran<;ais la base du traitement de l’ulcere simple, 
tout au moins de son traitement ä la p6riode initiale. 

Certains auteurs toutefois ont employe ä titre acccssoire des 
medicaments dont ils attendaient une action topique directe sur 
l'ulceration, et, par la, sa cicatrisation plus rapide et plus facile. 
C’est ainsi qu’ont ete preconises successivement, le nitrate d’argcnt 
en pilules (Trousseau), 1c sous-nitrate de bismuth ä la dose de 
I gr. 50 ä 2 gr. par jour (Trousseau), le perchlorurc de fer ä la 
dose de 40 gouttes par jour (Luton, Bucquoy), l’iodoforme en 
pilules de 0,20 centigr. (Landouzy). 

Nous laisserons de cöte les medieations calmantes accessoires 
et du reste, d’unc faeon generale, nous ne nous occupcrons que 
des traitements systematiques, et non des medications purement 
symptomatiques. 

II. Periode. Elle s’etend de 1885— 1890 aux cnvirons 
de l’annee 1902. Elle correspond a l’introduction en France de 
rcxploration de l’estomac au cours de la digestion et de la de- 
tcrmination de son chimisme. Comme en Allemagnc, l’hyperaciditö 
ehlorhydrique fut tout d’abord consideree comme une regle absolue 
au cours de l’ulcus, et les idees de Riegel sur l’origine nerveuse 
de l’hypersecretion chlorhydropeptiquc et le rdlc predominant de 
l’auto-digestion furent acceptees par Debovc, Germain See et 
ses eleves Bouveret, Albert Robin etc. La grande pre- 
occupation fut donc de diminuer cette hypersecretion et de saturer 
l’acide au für et a mesure de sa production, de fagon a calmer les 
phenomenes douloureux et a empechcr l’autodigestion. 

Plus tard, les travaux de G. Havem et de ses eleves 
G. Lion, Parmentier, Theohari, qui decrivirent avcc precision 
les lesions de la gastrite et en particulier de la gastrite hyper- 


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A. Mathieu et F. Moutier, 


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peptiquc (avec hypergcnesc des Elements de seeretion chlorhydro- 
peptiquc) contribuerent ä detacher la majorite des auteurs francais 
de la conception purement nevropathique de l’hypersecretion chlor- 
hydropeptique, sans que ee revirement ait eu au point de vue du 
traitement une influence aossi eonsiderable que la dämonstration 
du role de la Stenose et du spasme pyloriques dans la genese du 
syndrome de Rcichmanu. Ce fut le triomphe des alcalins de 
tout ordre, que l’on ent tendance ä donner ä doses massives dans 
le but en apparence tres logique de saturer la totalite de l’acidite 
gastrique. Nous ne signaierons que quelques points particuliers. 
Tout d’abord, il peut etre interessant de dire par quelles vicissi- 
tudes a passe Femploi du bicarbonate de soude, ordonne a doses 
considerables, soit isolement, soit associe aux alcalins terreux (craie, 
magnesie, phosphate ammoniaco-magnesien). 

Germain See et surtout Debove ont montre que la crainte 
de l’ancmie alcaline, qu’avait jetee dans le public medical l’en- 
seignement de Trousseau, n’etait pas fondee et qu’on pouvait 
sans la provoquer, donner d’une fa^on prolongöe des doses quoti- 
diennes de 20 ä 30 grainmes de bicarbonate de soude et plus. 
Debove, dans l’idee de saturer l’acide d’unc fa^on presque con- 
tinue, administrait le bicarbonate de soude par doses de 1 ou 
2 grammes donnes toutes les heures ou toutes les deux heurcs. 
Albert Robin preferait des paquets de Saturation dans lesquels 
il associait le bicarbonate de soude, la craie preparee, la magnesie 
livdratee, le sous-nitrate de bismuth. Albert Mathieu est reste 
lidcle a Femploi du bicarbonate de soude additionne suivant qu’il 
y a tendance ä la constipation ou au contraire ä la diarrhee d’une 
Proportion variable de magnesie ou de carbonate de chaux. 11 en 
donne une dose assez forte (une demi ä une cuilleröe a cafe et 
plus) des que le malade sent que la crise douloureuse va 
venir, et en quantitc süffisante pour empechcr ladouleur 
de se produire. Gräce cette fa^on de faire les crises doulou- 
reuses de l’ulcus pylorique ou juxta-pylorique sont tres souvent 
calmees en quelques jours, alors qu’elles auraient persiste presque 
indefiniment quelquefois si la poudre alcaline avait ete prise seule- 
ment au moment oü la douleur devenait trop forte. 

Toutefois, une reaction tres vive s’est produite en France 
eontre l’usage du bicarbonate de soude dans le tFaitement de 
Fhyperchlorhydric et de l’ulcus, sous l’influence des publications de 
G. llayem qui lui attribue une action excitante dangereuse sur la 


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Le traitement medical de l’ulccre simple de l’estomac en France. 91 


secretion chlorhydrique, action excitante qu’ont contribuö a etablir 
les recherches d’A. Mathieu et Laboulais et de Linossier et 
Lemoine. Pour notre part, nous pensons que le danger commence 
non avec l’usage, mais avec l’abus des alcalins et surtout du 
bicarbonate de soude. Ge danger existe surtout pour les malades 
qui, dans le but de calrner leurs douleurs gastriques, deviennent 
des mangeurs de bicarbonate de soude. Nous sommes convaincus 
en cffet que ceux-lä entretiennent leur gastropathic en excitant 
l’hypersecretion chlorhydropeptique. 

C’est par le sous-nitrate de bismuth que G. Hayem et ses 
eleves ont remplacö les alcalins dans le traitement de la poussee 
premiere ou d’un paroxysme de l’ulcus. Au lieu de l’introduire 
commc Fleiner par la sondc, apres lavage leger de l’estomac, 
G. Hayem en donne 20 grammes le matin dans un peu d’eau. 
Avant que l’examen radioscopiquo ait demontre que le sous-nitrate 
de bismuth ne produit pas comme on l’avait cru une Sorte de 
plätrage des parois de l’estomac, mais qu’il vient s’accumulcr ä 
la partie la plus declive, c’est ä dire vers la region pylorique et 
prepylorique, il conscillait aux malades, apres avoir pris le sei de 
bismuth en Suspension dans l’eau, de se tenir couches un quart 
d’heurc successivement sur-ehacun des quatrc cöt6s. Actuellement 
il a renonce ä cctte manoeuvre. — G. Lion a bien etudie 
l’action du sous-nitrate de bismuth. A la suite des faits d’intoxi- 
cation par les nitrites alcalins observes ä Paris ou publies dans 
la litterature medicale etrangere, on s’est demande s’il n’y aurait 
pas lieu de remplacer le sous-nitrate par un autre sei de bismuth 
incapable de produire des effets toxiques en raison de la formation 
dans le tube digestif de nitrites ou de sels solubles. A. Mathieu 
et ses eleves ont essaye le carbonate de bismuth et plus reeem- 
ment l’oxvchlorure. G. Lion et ’Tulasne ont etudie le sous- 
azotate neutre, beaucoup plus pauvre en acide azotique que le 
sous-nitrate, et par consequent beaucoup moins susceptible de 
donner lieu ä la production des nitrites alcalins. 

Il faut du reste reconnaitre que les accidents d’intoxieation 
par le sous-nitrate n’ont guere 4te observes qu’a propos d’examens 
radioscopi<|ues avec des doses considerables, beaucoup plus elevees 
que les doses therapeutiques usuelles, particulierement cliez des 
hypochlorhydriques, ou encore apres injection directe de sels de 
bismuth dans le gros intestin. L’administration de 10, 15, 20 gr. 
de sous-nitrate de bismuth par la bouche n’a jamais, ä notre con- 


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A. Mathieu et I\ Moutier, 


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naissancc, ameue d’accidents to\i([ues, et il semble bien que les 
ulcereux hyperchlorhydriques y soient raoins tjuc los autres predisposes. 

Avec les alcalins ä dose elevee ou avec les sels de bismuth, 
le regimc lacte restait la base commune du traitement de l’uleus: 
ä signaler toutefois l’emploi interessant de la poudre de viande et 
du gavage ä la poudre de viande preconises par Debove. La 
poudre de viande, en memc temps qu’elle etait un aliment pre- 
cieux, s’est montree un calmant excellent: nous y reviendrons plus 
loin ä propos du tubo-gavage dans le traitement de certains eas 
rebelles de syndrome de Reichmann, l’our terminer, nous sig- 
nalerons comme appartenant ä cette periode et derivant des con- 
eeptions theoriques qui la dominent, les indieations destinees ä 
moderer la douleur, le spasme du pvlore, l’hypersecretion et la 
medication destinee a agir sur la gast rite hyperpeptique. 

Tout naturellement, on fut amene a employer des calmants 
de la douleur de divers ordres: applications chaudes, opium et scs 
derives. Mais c’est surtout la bclladone <|ui attira l’attention des 
medecins en France comme ailleurs. On pouvait attendre d’elle 
en eilet simultanement l’attenuation de la douleur, de l’hyper¬ 
secretion chlorhydropeptique et du spasme pylorique. G. Havem 
a itssez rapidement renonce ä son cmploi. Albert Robin l’as- 
socie souvent dans des formules complexes ä des agents modera- 
teurs de l’afflux sanguin (preparations d’ergot de seigle), ä des 
agents moderateurs des reflexes et de la sensibilite (morphine. 
picrotoxine, veratrum viride, eannaliis indica, solauine). 

Nous pensons du resle que, jusque dans ccs dernieres annees, 
on a employe la bclladone et l’atropine ä doses trop timides et 
trop faiblcs et que, saus ;iller jusqu’aux doses enormes conseillees 
par von Tabora, il ne faut pas craindre pour obtenir un resultat 
appreciable d’emplover des quantites plus elevees ipie ne Font fait 
les medecins franeais. Nous y reviendrons plus loin. 

Traitement par la diete huccale et les lavements 
a1 imentaires. A Lyon fut fait sur une large echellc l’essai du 
traitement de l’ulcus par le repos alimentaire complet, l’alimentation 
etant fournie exclusivement par les lavements alimentaires. Les 
rüsultats obtenus ont etc exposes dans la these de Gros, inspiree 
par Tournier. Ccs auteurs ont ete extremement satisfaits de 
leurs essais therapeutiques. Ils admettent que les hydrates de 
carbone et les albuminoides sont completement absorbes dans le 
rectum et les graisses au moins partiellement. Ils mettent leurs 


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Le traitemcnt medical de Fulcere simple de l’ostomac en France. 93 


malades au repos gastrique rigoureusement absolu, Ia plus faible 
ingestion d’aliroents empechant la bonne utilisation, nuisant ä l’ab- 
sorption des lavements alimentaires. Leur technique est la suivantc. 
l;ne heure avant l’administration du lavement nutritif, ils donnent 
un lavement övacuateur ordinaire. Puis, le malade <;tant couche 
sur le cöte ou en position dorsale elevee, le lavement alimentaire 
est introduit ä l’aide d’un entonnoir et d’une sonde mollc que Ton 
se garde de pousser trop loin. II a pour substratum 250 ä 300 
centimetres cubes de liquide additionne d’opium; mais les auteurs 
semblent donner plus volontiers le calmant sous forme de suppo- 
sitoires opiaees. Tournier et Gros utilisaient au debut la formule 
suivante ou de faibles variantes: bouillon salc 150 grammes, 
jaunes d’oeufs No. 2, vin 20 ä 40 grammes. Ils ont prohibe le 
lait et les peptones dont l’utilite serait en grande partie illusoirc 
a Ieurs yeux, les oeufs etant mieux absorbes et au moins aussi 
ealorigenes. Plus tard, les memes auteurs ont augmente la quantite 
d’oeufs introduite. Ils donnent alors des lavements tres epais 
composes de 140 grammes de bouillon, de 6 oeufs, de 20 granmies 
de vin, de 2 cuillerees de sei; ils remplacent volontiers le vin par 
10 grammes de sucre. Dans l’intervalle de ces lavements nutritifs, 
le malade re^oit des lavements d’eau simple ou additionnee d’alcool, 
de vin de Champagne, d’eau de Vichy. Les lavements evacuateurs 
sont peu nombreux parce qu’ils entravent l’absorption. Tournier 
et Gros reprennent progressivement l’alimentation buccale au bout 
d’une vingtaine de jours. 

En realite s’il n’est point niable que chez certains malades, 
trop rares ä la verite, les lavements alimentaires suftisent pendant 
de longues semaines parfois ä entretenir la nutrition organique et 
retardent ou du moins ralentissent la deperdition ponderale, le 
plus souvent se manifestent comme nous aurons l’occasion de le 
redire, des signes d’intolerancc et d’inutilisation, putrefaction rapide, 
rejet hatif des elöments nutritifs non modifies, cachexie du malade. 

Traitemcnt de la Gastrite. Si l’hypersecretion est due 
ä l’existence d’une lesion inflammatoire chronique de la muqueuse 
gastrique avec hypergenese et hypertrophie des elements glandu- 
laires de secr^tion chlorhydropeptique, il est naturel de chercher 
<i diminucr les progres de cette lesion et a en amener la retro- 
cession. II convient evidemment de reduirc au minimum les 
irritations alimentaires et medicamentcuses de l’estomac, et cette 
indication est remplie sourtout par la dietetique. Quant ä la 


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A. Mathicu et F. Mouticr, 


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medication reduciriee de la gastrite, on pcut esperer de bons effets 
de l’cmploi de l’cau de Karlsbad naturelle ou de l’eau de Karlsbad 
artificiellc prbne par G. Havem. L’eau de Karlsbad ou la solution 
alcalino-sulfatec sc montrent sourtout utiles lorsque los accidents 
aigus du debut de la erisc paroxystiquc se sont attenues. Elles 
contribuent certainement u detendre le spasme pylorique. Bourgct 
(de Lausanne) cmploie de son cote tres souvcnt une solution 
alealino-phosphatec qu’il fait prendre quclque temps avant les repas. 

III. Troisieme periodc (depuis 1902). La determination 
exacte de la pathogenic et de la physiologie du syndrome de 
Re ich mann qui tient une si large place dans la sthneiologie de 
l’ulcus gastrique, a ouvert une erc nouvelle dans la connaissanee 
de la maladie et dans son traitement. Elle a perrais de poser 
les indications therapeutiques d’une fayon beaucoup plus precise, 
de s’expliqueur les effets lieureux de eertaines pratiques, et contribue 
largement a regier l’intcrvention chirurgicale. 

Si l’on doit a Schreiber, a Boas et ä d’autres auteurs alle- 
mands cettc notion que rhypersecretion dans l’ulcus est souvcnt 
subordonnee ä la stase et qu’clle ne la precedc pas, comme le 
croyait Riegel, ee sont des auteurs franeais qui ont detnontre 
que rhypersecretion continue et le syndrome de Reichmann sont 
domines par une Stenose incomplete du pylore ou par l’existenee 
au pylore ou en son voisinage d’un ulcus, aigu quclquefois, chronique 
souvent, qui devient la cause essentielle des crises paroxystiques 
douloureuses, de la stase et de rhypersecretion. G. Hayetn a le 
piemier demontrti que les formes accusees du syndrome de Reich¬ 
mann, caracterisees par l’existence de liquide dans l’estomac le 
matin ä jeun, avec une quantite moderee mais nettement appreciable 
de debris alimentaires, par l’hyperchlorhydrie et par des crises 
douloureuses paroxystiques, sont dues ä une Stenose incomplete 
de la region pylorique ou sous-pvlorique. A. Mathieu et 
Laboulais ne tarderent pas ä faire connaitrc plusieurs observations 
favorablcs ä cctte manierc de voir. Soupault, allant plus loin 
encore dans cette voie, fit opercr par Hart mann une Serie de 
pres de 30 malades atteints d’une forme attenuec du syndrome de 
Reich mann. Dans tous les cas, ces auteurs purent constater 
l’existence d’un uleus pylorique ou juxtapylorique sans apparence 
<le Stenose ancienne due a la retraction cicatricielle ou ä des lesions 
de perigastrite. Comme les crises douloureuses disparaissaient 
completemcnt ä la suite de la gastro-enterostomie sans que l’hyper- 


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Le traitoment medical de Fulcere simple de l’estoinac en France. 95 


chlorhydrie et Fhypersecr£tion eussent completcment cede, on etait 
bien force d’admettre que la disparition des douleurs etait due ä 
ec que le liquide gastrique empruntait une nouvelle voie pour 
parvcnir dans l’intestin. Son passage a travers le pylore et son 
arrivee dans le duodenum etant supprimcs, il ne se produisait plus 
commc auparavant de spasmes douloureux du sphincter pylorique, 
analogues aux spasmes douloureux de la fissure anale. Cette con- 
elusion amenait naturellement ä chercher en therapeutique medicale 
ä agir plus efficacement sur le spasme pylorique, et, en cas 
d’insucces, Sans attendre plus longtemps, a provoquer Intervention 
ehirurgicale. Si cette intervention n’est pas immediatcinent indiquee 
par le fait meine de la constatation du svndrome, eile Test tout 
ou moins par sa persistancc, par sa gravite, par l’abondancc du 
liquide trouve dans l’estoraac le raatin h jeun, par l’existence de 
detritus earacterisant la stase alimentairc, par la longue durec du 
processus, sa rösistance au traitement medical, le noinbre et 
Fintensite des crises anterieures et la durec totale de la maladie. 
La connaissance de la signification reelle de la gastrosuccorrhee 
et de Fhypersöcretion permanente a amene la plupart des specialistes 
fran^ais ä faire intervenir plus souvent le Chirurgien et a le faire 
intervenir d’une fa(,on plus precoce. 

Nous laissons de cötö la qucstion de la cancerisation secondaire 
des ulcus anciens et les arguments, qui resultent de sa frequenee, 
en faveur de 1’cxploration ehirurgicale et de la resection du pylore. 

Au point de vue de la therapeutique medicale, les cliniciens 
ont ete conduits ä porter davantage leur attention vers le spasme 
du pylore, et ä chercher a le combattre plus efficacement. Ils s<^ 
sont mieux rendus compte du mode d’aetion de certaines medications 
favorablcs et ils ont ete amenes ä essayer avec une insistance 
plus grande les moj’ens de traitement susceptibles de ealmer 
l’irritation pylorique. Nous dirons plus loin comment nous nous 
sommes eflorces de resoudre le problcmc. 

Traitement de la gastrorragic. En France conmic ä 
Fetranger, on a tout naturellement employe contre la gastrorragic 
ulcereuse les hemostatiques recemment decouvcrts: la gelalinc 
(Carnot), l’adrenaline (Renon), et surtout le chlorurc de calcium 
(Carnot). Nous indiquerons plus loin l’usage que nous en faisons 
nous-memes; mais nous voudrions attircr l’attention sur les bons 
efl’ets que nous paraissent avoir les grands lavements tres cliauds 
preconiscs par le professeur Tripier, de Lyon, et dont Fun de 



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9t? A. Mathieu et F. Moutier, 

nous se sert d’une fa<;on reguliere depuis plus de 10 ans. Tripicr 
administre trois fois par jour, et plus souvent s’il est necessaire, 
des lavements d’eau chaude ä la temperature de 48 ä 50 degres. 
Le malade ne doit faire aucun tnouvement: il conserve la position 
horizontale et rend dans un bassin glisse sous le siege le liquide 
des <pie le besoin de le rendre devient iinperieux. Le malade, 
aiusi mis au repos gastricpie complet, absorbe d’ailleurs une cer- 
taine quantite de l’eau introduite dans l’intestin. On reprend Fali- 
mentation buccale aussi loin que possible du moraent ou Feeoule- 
ment sanguin a cesse, mais on a soin de continuer l’usage bi- 
quotidien des lavements ehauds pendant une huitaine de jours. On 
administre enfin un de ces lavements par 24 heures jusqu’au mo¬ 
rn ent ou l’on considere le malade eomme revenu u Fetat normal. 
A. Mathieu n’a jamais employe la methode de Tripier dans 
toutc sa rigueur. II se contente habituellement de donner un lave- 
ment tres cliaud matin et soir. II ajoute le plus souvent ä l'eau 
salee isotonique qui les constitue du chlorure de calcium, de fayon 
ä obtenir en memc temps que la contraction des vaisseaux une 
augmentation de la coagulabilite du sang. 

Tendances actuelles. Dans les chapitres precedents de 
cette etude, nous nous sommes efforces d’exposer ä grands traits 
comment a evolue en France la therapeutique de l’ulcus gastrique 
ä partir du moment oii cette maladie a eie individualisee jusqu’;i 
ces dernieres annees. II nous reste, pour terminer, a indiquer les 
tendances actuelles. C ? est lä une partie plus difficile de not re 
täche parce que les documcnts nous manquent cncore. Nous de- 
vons donc demander la permission de dire seulement quelle est 
Forientation actuelle de notre pratique et comment, pour le mo¬ 
ment, nous avons r^gle le traitement de Fulcus gastrique dans les 
formes oit nous le rencontrons habituellement, en laissant de c-ot-e 
les complications. 

Nous avons dit chemin faisant comment les auteurs fram.-ais 
ont regle l’emploi des alcalins, des sels de bismuth, des Solutions 
de sei de Karlsbad artificiel et Finfluence qu’a eue la determination 
du mecanisme pathogenique du syndrome de Reichmann sur le 
traitement medico-chirurgieal. Peut-etre a-t-on remarque qu’apres 
avoir parle du regime lacte formule par Cruveilhier il v a 
soixante ans environ, nous ne sommes revenus sur le regime ali- 
mentaire des ulcereux que pour mentionner la poudre de viande. 
(Fest qu’en effet jusqu’en ces dernieres annees, les mödecins fran- 


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Le traitement medical de l’ulcere simple de l’estomac en France. 97 

eais etaient d’une fatjon presquo unanime rest^s fideles ä la mc- 
thode du r6gime lacte, bien que la tendance generale, la ndtre en 
particulier, ait ete depuis longtemps dfy'ii d’en restreindre la duree a 
quelques semaines apres l’apparition des accidents aigus reve- 
lateurs de l’ulcus. A. Mathieu avait r6duit en principe cette 
duree a six semaines. A partir de ce moment, il faisat intervenir 
los oeufs et les potages au lait, puis, apres quelques semaines cn- 
eore, de la pur6e de pommc de terre, de la volaille et du poisson 
maigrc bouillis et des biscuits. Plus tard encore, des purees variees, 
des compotes, des viandes grillees, rotics ou etuvees a la condition 
(|u’elles füssent maigres et tendres. 

La formule diet&ique employee par Leube n’avait pas trouve 
d’adeptes parmi nous, ä. nolre connaissance tout au moins. Per¬ 
sonnellement, nous avons ete tres interesses par les tentatives de 
Senator et de Lenhartz dont l’excellent rapport de Linossier 
au Congres de medecine de Paris (1907) a vulgarise la notion en 
France. Depuis longtemps nous pensions qu’il y aurait interet ä 
reprcndre plus rapidement une alimentation plus variee que le 
regime lacte, (£ui a, entre autres, l’inconv^nient de provoquer une 
eonstipation tenace, cause frequente de criscs de cdlite muco-mem- 
brancuse. Les publications de Lenhartz nous ont encourages a 
aller plus vite et, en particulier, ä ne pas attendre aussi timide- 
ment la lin du suinteinent hemorragique avant de röalimcnter les 
malades. Nous n’avons pas cu ä nous repentir de ce que nous 
anrions autrefois considere commc une grave imprudcnce. 

Nous allons dire maintenant commcnt nous entendons que doive 
»*tre regle le traitement d’une poussee d’ulcus aigu, et comment 
nous eherchons ä mcttre en application les ideos exposees prcce- 
demment 1 ). 

Tout traitement dirige contre l’ulcus doit s’opposer a l iiuto- 
digestion, remedier ä la stase, inbiber les r^flexes spasmogenes. 
Prenons dono tout d’abord la forme commune de l’ulcus aigu. 

Traitement de la forme commune de l’ulcus aigu. 
Le diagnostic est en general nettement alfirme par le lait d’une 
hemorragie recente, par des paroxysmes douloureux, par l’exa- 
cerbation du spasme pylorique et la presense d’une certainc quan- 
tite de liquide ä jeun. Notre traitement s’efforeera de realiser 
une mise au repos de l’estomac suffisamment complete, mais dans 

1) C’est de cette fagon du reste qu‘cst instituo depuis deux ans le traitc- 
nient de l’ulcus gastrique dans le service d’A. Mathieu, a THopital St. Antoine. 

Interim:. Beiträge. Bd. I. Heft 1. n 


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A. Mathieu et F. Mouticr, 


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Ics limitcs strietement utiles, sans aucune exageration. Nous uti- 
liscrons lc miniinum de medicamcnts calmants et instituerons une 
realimentation progressive serieusement ordonnee. 

On commencera par mettre lc malade au lit, et Ton s’effor- 
ocra d’ecarter de son esprit toute preoccupation. Le repos moral 
cst aussi neccssaire (|uc le repos physique, et Tun et l’autre de- 
vront etre aussi complets que possible. On appliquera de suite 
une vessie de glace sur le ventre du malade: il vaudra mieux 
mettre peu de glace ä la fois — quitte ä la renouveler frequemment 
de facon ä ne pas incommoder le malade par un poids exagere, 
(’ertains therapeutes preferent les eataplasmes de farinc de lin ou 
plus simplement les compresses chaudes. Nous rejetons l’emploi 
de ces dernieres qui presentent ä notre avis les inconvönients sui- 
vants: l’usage en est accaparant si l’entourage du malade se donne 
la pcine de l’observer avec soin; le renouvelleraent frequent des 
eataplasmes, leur refroidissement inevitablc amenent une discon- 
tinuite dans 1’effet thermique; enlin leur action irritante pour la 
peau est un nouveau desavantage qui nous fait dcclarer intiniment 
plus simple, et pröferable par suite, l’emploi du sac de glace. Oe 
sac exige d’ailleurs de la part du malade une immobilite plus 
accusee que les applications chaudcs. 

Si le malade est nerveux, agite, s’il souffre beaucoup,il n’est aucun 
inconvenient ä lui faire svstematiquement des petites injeetions 
de morpliine chaque jour pendant les preraiers jours de la eure. 
A la faible dose d’un demi ä un centigramme par 24 heures, la 
morphine apaise de far;on notable, et son action excito-secretoire 
sur la muqueuse gastrique peut etre vraiment negligee. 

II eonvient d’assurer simultanement la mise au repos de 
l’estomac et l’alimentation de l’organismc entier. Autrcfois l'un 
de nous mettait pendant une semainc au moins ses malades ä la 
diete buccale absolue. Cepcndant, il cherchait ä assurer leur re- 
alimcntation a l’aide de lavements alimentaires dans lesquels il 
faisait entrer des oeufs, des peptones, des hydrates de carbone et 
particulierement de la dextrine. Le malade observait ensuite le 
regime lacte absolu pendant six semaincs, il demeurait puis 
longtemps au lait, aux potages au lait, aux oeufs, enlin aux purees. 
Actuellement nous tendons ä reduirc de plus en plus la rigueur 
de eettc methode, et eela sous l'influenee de deux ordres de eon- 
siderations, ainsi ipte nous avons eu dejä l'occasion de le men- 
tionner. D'abord, les resultats enregistres par Lenhartz et Se- 


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Le traitement medical de l’ulcere simple de l’estomac en France. 99 


uator nous ont appris ä ne pas craindre autant une realimentation 
plus precoce et plus intensive; d’autre part notre pratique des 
lavements alimentaires nous amenait ä poursuivrc Cette realimen¬ 
tation hätive, en raison de leur faible valeur nutritive ct de leur 
faeile putrefaction dans le rectum. 

L’exclusivisrae de la mCthode de Donk in, suivio a Lyon par 
Lepine et Tournier, ne nous parait plus de saison en effet. On 
s’est trop illusionne sur la valeur nutritive des lavements alimen¬ 
taires. On en a trop chargC la Constitution: la prCsence du lait, 
du bouillon, de quantites exagerees d’oeufs ou de peptones, les 
rend lacilement et rapidement intolerables; leur putrCfraction ha- 
tive n’est que faiblement attCnuee par l’usage d’irrigations aqueuses 
evacuatrices prCalables ä leur introduction. D’un autre cöte, si 
l’on donne des lavements nombreux et de faible quantite, Pab- 
sorption des substances nutritives n’a pas le temps de se produire 
dans Pintervalle de deux lavements consCcutifs. D’ailleurs, en 
examinant la courbe des poids relevee sur des malades soumis ä 
Palimentation rectale, J.-Ch. Roux a fait cette remarque interes¬ 
sante que, pour des sujets qui auparavant n’etaicnt pas deshydrates, 
cette courbe reproduit absoluraent celle de l’amaigrissement dans 
la diete hydrique des jeüneurs. 

On peut tres bien cependant faire tolerer aux malades des 
lavements de 150 ä 200 grammes de scrum physiologique ou d'eau 
rendue isotonique par l’adjonction d’une certame quantite d’un sei 
soluble. Nous ajoutons en general a de tels lavements environ 
8 grammes de phosphate de soude par litre, le chlorurc de sodium 
Ctant ä proscrire puisqu’il augmente la teneur chlorhydrique du 
suc gastrique. On peut egalement ajouter ä ces lavements de 20 
a 30 grammes de peptone soluble et de dcxtrine ou de glucose. 

On fournit ainsi äux malades une quantite apprCciablc de calories 
et Pon lutte contre la deshydratation. Enfin, l’effet moral du lave- 
ment aliraentaire n’est pas negligeable; on sait ä quel degre — 
Linossier insistait rScemment ä juste titre sur ce point — l’ina- • 
nitie presente une mentalite d^pressible. II est bien certain que 
s’il se croit nourri par le rectum, il supportera plus facilement 
la suppression de Palimentation banale et aura plus de confiance 
en Pavenir immediat. 

Mais en r^alite, on peut tres bien, en tliese generale, se 
passer des lavements alimentaires. L’aliraentation buccale sera 
simplement reprise plus vite que par le passe et la rehvdratation 

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100 A. Mathieu et F. Moulier, 

sera, bien plus eertainement d’ailleurs, assuree par l’emploi des 
injections de serum artificicl. 

La misc au repos etant realisee par l’isolement, par la vessie 
de glace et le decubitus, par la morphine au besoin, nous ferons 
ingerer aux malades pendant los trois premiers jours un tiers de 
litre d’eau administre par cuillerees ä cafe tres espacees. Nous 
lutterons contre la deshydratation, contre la soif ainsi que contre 
l’affaiblissement eventuel de l’organisme par ies injections sous- 
cutanees de serum artificiel. Nous ne faisons jamais avaler de 
glace aux malades; cetto. pratique nous semble aller ii l’encontre 
de ce qu’on attend d’ellc, la glace tend en effet a congestionner 
seeondairement les muqueuses au contact desquelles eile parvient. 

D’un autre cdte, nous ne pensons pas qu’il y ait grand in- 
convenient ä introduire quelque liquide dans l’estomac. La cavite 
gastriqne ne saurait jamais, par elle-meme, etre completement 
vide: ne renfermc-t-elle pas dejä du liquide parle fait de l’hyper- 
secretion, par le fait d’un suintement sanguin ancien ou recent, 
par le fait encore des mucosites bucco-pliaryngiennes degluties? 

Des le deuxieme ou troisieme jour de ce traitement (un tiers 
de litre d’eau par la bouche, deux lavements de trois Cents grammes 
d’eau bouillie tiede avec deux grammes de phosphate de soude, 
trois a cinq Cents grammes de serum), le malade cessc de souffrir. 
On peut alors eommencer la realimentation, realimentation que, 
pour notre part, nous faisons avec du lait exclusivement. II n'y 
aurait certes aucun inconvenient ä renforcer ce lait avec un peu 
de creme ainsi que le conseille Senator. Nous ne croyons point 
cependant a l’efficacitö de l’ingestion systematique des substances 
grasses. Soupault administrait de l’huile d’olive ä scs malades, 
mais Odilon Ledere (de Quebec) a montr4 dans le labora- 
toirc de A. Mathieu que les substances grasses, si clles amenent 
l’abaissemcnt du taux de l’acidite chlorhydrique, ont le grave in- 
eonvenient de rctarder l’evacuation du contcnu de l’estomac. 

Au bout de quelques jours de diete hydrique, nous donnerons 
dono au malade un tiers de litre d’eau et un tiers de litre de lait. 
Nous augmenterons progressivement ces quantites respectives, et 
vers le sixieme jour de ce regime hydro-lacte, nous ferons prendre 
un demi litre de lait et un demi litre d’eau — le septieme, deux 
tiers de litre de lait et un demi litre d’eau — le huitieme, un 
itre de lait et un demi litre d’eau — les neuvieme et dixieme 
jours, un litre et demi de lait et un demi litre d’eau, soit au total 


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Le traitement medical de l’ulcere simple de l’estomac on France. 101 


deux litres de liquide. Le lait sera toujours ingere ä intervalles 
regulier« et par tres petites quantites, ä la cuillere ou au cha- 
lumeau, de fa<,*on ä eviter la formation de gros caillots de lait 
dans l’estomac et ä ne pas trop y verser de liquide ä la fois. 

A partir du onzieme jour, oü l’on arrivc ä deux litres de 
lait, on augmenle progressivement, de fayon ä atteindre vers le 
quinzieme jour deux litres et demi de lait pur pour lcs femmes 
et trois litres pour les hotnmes. Des lors, s’il n’existe aucune 
indication formelle de poursuivre le regime lacte exclusif, c’est ii 
dire si les douleurs ne röapparaissent pas au moindre 6cart de 
ee regime, nous permettons un potagc au lait et un oeuf. Le po- 
tage est au tapioca, ä la semoule, au verinicelle fin, aux patcs 
lines et nouvelles d’Italie. On peut employer egalement des 
bouillies tres cuites aux creraes de riz, d’orge, d’avoine, aux farines 
lactees etc. . . L’oeuf est donne sans sei, d61av6 dans le lait ou 
dans lcs potages, ou pris ä la coque, additionne ou non d’un peu 
de sucre. 

Les potages et les oeufs seront progressivement augmentes 
de sorte qu’au vingticme jour Ic regime sera le suivant: deux 
litres et demi de lait dont un ä un et demi sous forme de 
bouillies ou potages, et quatre oeufs, lc tont reparti en six petits 
repas environ. Cette alimcntation eonstitue pour un individu au 
repos un veritable regime d’engraissement. 

Le regime precedent pourrait etre indefinemcnt poursuivi 
n'ötaient l’intolerance intestinale eventuelle et plus souvent le de- 
goiit des malades. On diminuera donc peu a peu le lait, de faeon 
ä parvenir au regime lacto-vegetaricn. c’est a dire ä un regime 
dans lequel, en diminuant le lait puis les oeufs, on introduit tout 
d’abord des purees. Les ulcereux au repos supportent rapidement 
la puree de pommes de terre, la plus legere de toutes les purees. 
On peut egalement leur faire ingörcr des purees de carottes, de 
pois, de lentilles, de julieni\e. On leur donnern ensuite de la vo- 
laille bouillie, du pigeon, de la cervelle, des poissons de mer plats. 
(>auf la raie trop filandreusc) et du merlan. Ces poissons seront 
pris bouillis ou frits dans la pate, le malade devant naturellement 
tncttre toujours de cöte la pate et la peau. 

En miMiie temps que les purees, on pourra permettre une 
faible quantite de biscottes, breakfeasts ou zwiebacks. Les ma¬ 
lades pourront egalement utiliser les pätes ä l’eau dont il cüt ete 
loisible de faire un usage plus precoee et plus large, s’il avait 


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102 A. Mathien et P. Moutier, 

existe quelque intolerance de l’intestin ä l’egard du lait et des 
oeufs. 

Plus tard enfin, on pourra donner de la volaille rdtie chaude 
ou froide, des viandes grill4es dont la graissc, les tendons, la peau, 
scront soigneusement ecartes, du jambon cuit maigre et peu sale. 
On arrivera ainsi peu a peu dans un d61ai de trois mois a con- 
stituer ce qui doit etre le regirne permanent de l’ulcereux. Ce re- 
gime coraprendra les viandes röties et grillees, les poissons maigres, 
les potages et les bouillies, les purees et les marmelades. — Bcau- 
coup de malades ne pourront s’en öcarter sans presenter des pa- 
roxysmes douloureux. 

Traitement des Hßmorragies. Le traitement qui vient 
d’etrc indique s’applique en principe aux crises ulcereuses earac- 
terisees par des poussees douloureuses et une ou plusieurs 
hömorragies mettant en general fin ä la douleur. Le plus sou- 
vent aussi l’hemorragic ccsse completement au bout de quel¬ 
ques jours. — Quc faire si eile tend ä persister ou a se re- 
produire? 

II sera alors indique de prolonger la diete buccale plus long- 
temps que dans le ciis precedcnt. Mais un leger suinteraent san- 
guin (appreciable seulement par la mäthode de Weber par exemple) 
ne contre-indique nullement une certaine realimentation. Si l’he- 
morragie n’est pas arretee lorsqu’on est appele ^upres du malade, 
en dehors de la glace sur le ventre et de la morphine, on ad- 
ministrera selon la methode de Tripier de grands lavements chauds 
ä 48 degres introduits sous faible pression. Ces lavements seront. 
d’un litrc, repetes deux ou trois fois par jour. Nous avons 
l'habitude de les additionner de trois grammes de ehlorure de cal¬ 
cium par litre et nous ne craignons point, dans la necessite d’agir 
vite et avec efficacite, d’y introduire quelques grammes de chlo- 
rure de sodium afin de les rendrc isotoniques et plus facilement 
absorbables. On fera egalement ingercr deux ä trois grammes de 
ehlorure de calcium par la bouclie en les dissolvant dans l’eau 
de l’alimcntation. On pourra egalement faire avaler au malade 
quelques grammes de gelatine dissoute dans l’eau. Nous employ- 
ons volontiers la formule suivantc: 

Gelatine 3 g, 

Chlorure de calcium 2.50 g, 

Sucre 50 g, 

Kau 250 g. 


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I.e traitcment medical de l’ulcere simple de l’estomac en France. 103 


Cette preparation suflisamment fluide est administrtie par 
cuillerees a bouchc espacees dans le courant de lajoumee. Nous 
ne crovons pas indispensable d’introduire unc quantite de g61atine 
aussi considerable que Senator.' 11 est un autre moyen, süffisant 
et moins desagreabte en general, de faire absorber au malade une 
ccrtaine dose de gelatinc: c’est de lui donner du bouillon de jarrct 
de veau non sale. Cette preparation culinaire excite moins le 
degout que la potion ci-dessus. 

On peut enfin, si l’hemorragie semble rebelle ä tout traitement, 
laver l’estomac avec une solution de perchlorure de fer au millierae, 
selon la pratiquc de ßourget (de Lausanne). Bucquoy avait 
autrefois dejä employe le perchlorure contre les hemorragies de 
l'ulcus: mais il le faisait simplement ingerer. ßourget a montre 
que Ton pouvait sans grand danger introduire la sonde dans un 
estomac qui saigne. L’un de nous a, depuis deux ans, dans son 
service de l’hopital St. Antoine, employe cette methode non tou- 
jours avec un succes süffisant, mais en tout cas sans inconvcnient 
appreciable. 

Traitement des crises paroxystiques douloureuses 
aecompagnees de spasme pyloriquc et d’hypersecretion. 
Dans certains paroxysmes survenant au cours de l’ulcus chronique, 
les phenomenes se compliquent du fait d’un spasme pvlorique 
intense et d’une hypersecrötion activc. II existe un certain degre 
de sta.sc et l’on trouve du liquide le matin a jeun, liquide acide, 
sans debris alimentaires grossiers. L’existence du svndrome de 
Rcichmann comporte un pronostic de severite plus grande. Le 
malade est susceptible d’amelioration progressive cependant, mais 
cette amelioration est moins rapide et moins nette que dans le 
premier cas etndie. La dietetique demeure la meine, mais quelques 
agents medicamenteux sont plus specialement indiques. 

Contre le spasme pylorique Havem conseille l’emploi du 
bismuth. Conformement aux recherches recentes de Surmont et 
Dubus, A. Mathieu croit que le bismuth agit indirectement sur 
le spasme en protägeant la muqueuse contre l’attaque du suc 
hyperacide. On sait en effet que le bismuth provoque une hyper- 
secretion tres notable de mucus. Quoi qu’il en soit, les malades 
doivent enprendre dix grammes le soir, en Suspension dans l’eau. 
Ils l’ingerent directement, sans utiliser la sonde selon la methode 
de Kleiner. II parait ä l’heure actuelle moins utile qu’autrefois 
de faire se ooucher le malade altcrnativement sur le dos, l’abdomcm 


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104 A. Mathieu ct F. Moutier, 

les cotes droit et gauche, le bismuth, selon les examens radio- 
scopiques de Leven et Barrett, s’accumulant au point le plus 
declive de l’estoraac et n’adhörant nullement aux parois a la fai.on 
d’un vernis uniformement reparti. 

Pour saturer l’acidite gastrique, on peut donner 6galeinent 
des alcalins. Beaueoup de therapeutes fran<;ais ont pour les 
alcalins une veritable phobie. L’usage modere n’en semble nulle¬ 
ment dangereux; il nous rend de grands Services chez les uleereux 
qui souffrent. Les alcalins, et en particulier le bicarbonate de 
soude, doivent etre donnes, non pas quand les malades souffrent 
trop, a l’acme de la douleur, comme on le fait trop souvent, mais 
des qu’ils sentent que la douleur va venir, a dose 
süffisante pour l’empächer de venir. Le succes est a ce prix. 

Dans les cas de spasine marque avec hypersecrdtion tres 
nette, nous faisons grand cas de la belladone. Cette substance et 
son alcaloide, l’atropine, sont particulierement indiques dans les 
cas oü le repos et le bismuth ont completemcnt echoue. Nous 
administrons la belladone sous fonne de teinture (de 50 a (50 
gouttes de la formule du nouveau Codex en eoinmencant par de 
tres faibles doses et en augmentant progressivcmcnt) ou sous forme 
de pilules (extrait et poudrc de feuilles, un centigramme de chaquc, 
deux ä (juatre pilules par jour.). Dans les cas oü l’hypersecretion 
est tres intense, oü les douleurs sont violentes, le liquide acide 
tres abondant le matin ü jeun, il vaut mieux avoir d’emblec recours 
a l’atropine. Nous Padministrons ä la dose d’un milligramme ä 
un milligramme et demi par 24 hcures, en deux ou trois injeciions 
sous-cutanees. 11 ne nous a pas ete possible d’atteindre les doses 
plus fortes utilisees par von Tabora, ayant eu l’occasion d’observer 
des aceidcnts d’intolerance dejä avec les faibles doses indiquees. 
Ces doses sont süffisantes d’ailleurs, mais il peut 6tre necessaire 
d’en prolonger l’emploi quotidien pendant plusieurs semaincs, ainsi 
que nous avons cu l’occasion de l’observer recemmcnt a Phopital. 

Traitement du syndrome de Reiclimann; tubo-gavage. 
Enfin, quand il y a non plus seulement absence d’evacuation du 
liquide d’hypersecretion, mais une veritable stase avec quelques 
debris alimentaires, Jorsque ce liquide d’hypersecretion ct de 
retention renferme cependant au milieu d’une proportion variable 
d’acides de fermentation une certaine quantite d’acide chlorhydrique 
libre, l’un de nous a depuis plus de douze ans, Signale les avan- 
tages d’une methode decrite par lui sous le nom de tubo-gavage. 


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Le traitement mödical de l’ulcere simple de l’estomac en France. 105 

Le tube est passe le matin ä jeun, et l’on evacue le liquide 
gastrique sans ajoutcr d’eau, sans lavage. On s’efforce d’amorcer 
le tube par le seul intermediaire des eflbrts de vomissement; l’eau 
necessaire ä l’amonjage serait de quantite fort minime en tout cas. 
— On introduit immediatement ensuite par le tube de cinquante 
a Cent grammes de poudre de viante delayee dans un demi-litre 
de lait. Les malades qui presentent des accidents de stenose 
pvlorique avec crises spasmodiques, sont souvent ameliores en 
quelques jours: la douleur disparait ou diminue largement du moins, 
de meme pour la stase matutinale. Le malade engraisse, et cela 
rapidement en maintes circonstanoes. 11 peut se trouver gueri, 
en attendant une nouvelle crise, ou du moins suftisamment Iremonte 
pour autoriser une intervention chirurgicale, qui serait beancoup 
plus dangereuse cliez un inanitie en pleinc crise douloureuse. 

Traitement de l’ulcus chronique. Nous venons d’etudier 
le traitement des manifestations aigüös ou subaigües de l’ulcus, 
des paroxysmes douloureux, des hemorragies, du syndrome de 
Reichmann. II nous roste ä dirc quelques mots du traitement de 
l’ulcus chronique. 

II faut distinguer ici l’ulcus it rechutes dont les manifestations 
paroxystiques ne sont autres que oelles etudiees precedemment, et 
cet ulcus dont les manifestations incessantes embrassent une pöriode 
ininterrompue d’annees en nombre indefini. Dans ce dernier cas, 
le traitement des crises aigues demeure le meme; mais les malades 
eprouvent presque sans cesse des douleurs tardives. Ils ont parfois 
de l’hvpersecretion permanente; la reaction de Weber decele fre- 
quemment dans leurs selles la pr6sence d’une faible quantite de 
sang. En pareil cas, le regimc est d’importance primordiale et 
doit etre severeraent regle selon les indications fournies. Si le 
regimc se montre insuffisant, s’il n’est pas accepte ou s’il n’est, tolere. 
et d’ailleurs pour aider a son action eventuelle, il convient de 
chercher ä modifier le chimismc gastrique lui-meme. On ne devra 
jamais en effet employer qu’episodiquement les opiaces: l’action 
de la morphine, de la dionine, de la codöine, s’epuise u la longue 
et leur ingestion n’est point toujours parfaitement toleree; des 
nausees, des vomissements pcuvent quelquefois resulter de leur 
emploi. 

En revanchc, on prescrira les alcalins. Le bicarbonate de 
soude devra etre absorbe non pas ii doses fixes, ii certaines heures 
egalement precises, maispar petites quantites, au moment meine 


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10t? 


A. Mathien et F. Moutier, 


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»In debut des douleurs, et son usage sera poursuivi jusqu’ä 
cessation de la souffrance. La belladone, le bismuth, employes 
cornme nous avons eu l’occasion de le dire, lutteront efficacemcnt 
contre les viciations memes du eliiinisme et non plus seulement 
eontre les manifestations symptomatiques. L’usage du bismuth 
pourra etre longtemps poursuivi. Ön a beaucoup insiste recemment 
sur les dangers de l’intoxication par les nitrites: les accidcnts 
graves d’intoxication par ces nitrites ne se sont produits cependant, 
nous le repetons, quc chez ces malades sourais a l’examen radio- 
scopique qui presentaient une diminution marquee de la secrction 
chlorhydrique, ou chez lesquels le bismuth avait 6te directement 
introduit dans le c»'don. La production des nitrites semble surtout 
rcsulter de l’action des matteres fecales sur le sous-nitrate de 
bismuth. Elle n’est pas k redouter aux doses therapeutiques chez 
la plupart des ulcereux. C’est ainsi qu’il existait un retrecissement 
sur l’intestin d’une malade observee par nous k l’Hdpital St. Antoine 
chez laquelle l’ingestion massive de 20 grammes de sous-nitrate 
de bismuth fut suivie de collapsus, avec etat syncopal, cvanose, 
dyspnec, acceleration et petitesse du pouls. Le trouble fut d’ailleurs 
pussager. Neanmoins, nous avons cherch»» k remplacer le sous- 
nitrate de bismuth, evcntuellement dangereux, par des sels dont 
l’innocuite füt assuree. Nous avons essayd recemment Je carbonate 
de bismuth dont l’effet therapeuti»[ue nous semhla d’ailleurs tres 
analogue ä celui du sous-nitrate. Plus recemment encore, nous 
avons experimente l’oxychlorure. Ce sei de bismuth semble 
faeilement maniable, et, employe aux memes doses que le sous- 
nitrate, il nous a paru rcndre au moins los nounes Services que 
ce dernier. 

Enfin, au moment de manifestations douloureuses de faible 
intensite, ou meine en dehors des crises, on peut esperer diminuer 
la secretion chlorhydrique par l’usage du Sulfate de soude ou de 
l’eau de Karlsbad. Nous faisons prendre le matin ä jeun, dans 
un verre d’eau de Vichy tiedie, soit une ä deux cuiller6cs ä cafe 
de sulfate de soude, soit une cuilleree ä cafe d’un m»jlange ä parties 
egales de phosphate, de bicarbonate et de sulfate de soude. On 
a par la meine un excellent moyen de lütter contre la constipation 
si frequente chez tous ceux qui souffrent de l’estomac. 

Traitement des complications graves de l’ulcus 
chronique. Sans sortir des limites imposees, signalons seulement 
<|ue nous partageons l’opinion quasi unanime des therapeutes 


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Le traitement medical de l’ulcere simple de l’estomac en France. 107 


medicaux et des chirurgiens touchant le traitement des grandes 
hemorragies. Mais, si nous sommes rösolument non-interventionnistes 
en presence d’hemorragies redoutables par leur soudainete et leur 
abondance, nous tenons la gastro-enterostomie pour un traitement 
favorable des ulcus a suintement sanguin repete, dangereux moins 
par son abondance que par sa continuite ou sa röpetition. Quant 
aux stenoses permanentes, elles nous semblent du seul ressort de 
la Chirurgie. Notons toutefois encore que le tubo-gavage pourrait 
rendre ici certains Services, soit pour traiter une stenose in- 
complete, soit pour remonter le malade antörieurement ä l’acte 
operatoire. 

Conclusions. En resume, le traitement de l’ulcus tend ä 
etrc en France essentiellement eclectique ä l’heure actuelle. Les 
rcgles d’une dietetique sövere en demeurcnt le principal fondement; 
mais l’on craint moins qu’autrefois la realimentation precoce apres 
les hemorragies ou les grandes crises douloureuses. La voguc des 
lavements alimentaires tend ä deeroitre. L’usage des agents 
medicamenteux s’est precise et par lä intime restreint. Nous faisons 
le plus grand usage du bismuth et de la belladone; nous cmployons 
beaucoup moins les alcalins sans toutefois negliger leur emploi 
eventuel. II serait evidemment desirable de pouvoir, non plus 
attenuer tel ou tel accident mais en prevenir la cause meine; c’est 
a quoi nous ne pouvons malheureusement arriver encore. 

Les moyens indiques paraissent souvent amener la guerison 
d’une poussec aigue d’ulcus gastrique; mais il faut bien avouer 
qu’il nous est difficile de savoir a quel moment l’ulceration cst 
ricatrisee. Trop souvent il se produit des rechutes, et dans bien 
des cas, ces pretenducs rechutes ne sont que des paroxysmes plus 
ou moins eloignös les uns des autres au cours d’un ulcus chronique. 
Trop souvent encore la caneerisation de l’ulcus chronique 
amene la mort du malade. 

Ce sont lä des arguments importants en faveur de l’inter- 
vention chirurgicale. Et dans ces derniers temps, des travaux 
interessants publies en France ont preconise, non sculement la 
gastro-enterostomie, mais meme la resection systematique du pylore. 
La d6termination des indications chirurgicales dans le traitement 
de l’ulcus gastrique est donc ä l’ordre du jour, et il serait interes¬ 
sant de montrer l’evolution qu’elle a subic en France, mais nous 
avons du nous borner ä exposer ici le traitement medical. 


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A. Mathieu et F. Moutier, 


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VI. 

Referat. 

(Aus der medizinischen Universitätsklinik in Kiew.) 

Ueber die Therapie des Magengeschwürs 
in Russland. 

Von 

Prof. W. Obrastzow (Kiew). 


Das Magengeschwür war nur in der allerletzten Zeit (Boldyreff 
im Pawlow’schen Laboratorium) Gegenstand wissenschaftlicher 
Untersuchungen in Russland. So finden wir in den klinischen 
Arbeiten der zwei berühmtesten russischen Therapeuten der zweiten 
Hälfte des 19. Jahrhunderts, des Prof. Botkin und Prof. Sacharjin, 
herzlich wenig über das Ulcus ventriculi, und Botkin, dessen 
ganze Tätigkeit in der Residenz verlief, behauptet, dass in Peters¬ 
burg das Magengeschwür nur als eine überaus seltene Krankheit 
vorkommt. Diese Behauptung Botkin’s wird auch durch die 
pathologisch-anatomischen Befunde des Obuchow-Krankenhauses, des 
grössten in Petersburg, bestätigt, wonach der Befund einer Narbe 
im Magen auf dem Sektionstisch zu den grössten Seltenheiten ge¬ 
hören soll. Sacharjin-Moskau erwähnt nur einmal in seinen 
Vorlesungen und zwar auch sehr flüchtig das Ulcus ventriculi 
(Sacharjin, Klin. Vortr.). Von den Arbeiten, die in den letzten 
15—20 Jahren in Russland über das Magengeschwür erschienen 
sind, ist eine klinische aus der Dorpater medizinischen Klinik 
„Ueber das Ulcus rotundum“ von Krupetzky und eine andere — 
experimentelle - ebenfalls aus Dorpat von N. Panow, zu erwähnen. 
Die Arbeit von Wojnowitsch (Gaz. Botkina 1898) behandelt die 
Frage der therapeutischen Bedeutung des Atropinum sulfuricum bei 
Ulcus ventriculi. 


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W. Obrastzow, 


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Was nun die spezielle Therapie des LTeus ventriculi in Russ¬ 
land betrifft, so standen und befinden sich noch heute die russischen 
Aerzte in dieser Frage ganz und gar unter dem Bann der thera¬ 
peutischen Anschauungen der deutschen Medizin. Am meisten 
Anhänger hat die Leubc’sche Ulkuskur gefunden; als Kussmaul 
und darauf Fl ein er für die Wismuthbehandlung Propaganda zu 
machen anfingen, haben sich auch in Russland Anhänger dieser 
Behandlung gefunden, allerdings wandten sie viel kleinere Dosen 
als die beiden eben genannten Autoren an. Auch die Lenhartz- 
sehe Methode fand bei einigen russischen Kollegen Anklang, konnte 
aber, soviel ich übersehen kann, in Russland keinen festen Boden 
fassen. 

Die Ursache, warum die russische Medizin so wenig Anteil au 
der Ausarbeitung eines für die Praxis so wichtigen Kapitels, wie 
das des Ulcus ventriculi, genommen hat, ist wohl darin zu suchen, 
dass das Magengeschwür im Volke — unter Bauern und Arbeitern — 
wirklich nur sehr selten vorkommt, weshalb natürlich die städtischen. 
Fabrik- und Landeskrankenhäuser, welche eben vom einfachen Volke, 
Bauern und Arbeitern besucht werden, nicht das genügende Beob¬ 
achtungsmaterial den Aerzten zustellen konnten. So findet Wino- 
gradow 1 ), dass im Obuchow-Krankenhause in Petersburg auf 
900 Sektionen nur 1—2 Ulkusfälle Vorkommen; Pcterscn im 
Alexanderkrankenhause auf 6000 Sektionen — nur 3 mal Ulkus, 
und Iwanowsky aus der militär-medizinischen Akademie höchstens 
einen Fall jährlich, aber auch nicht jedes Jahr 2 ), l’eber eine 
Sammelstatistik berichtet Lipskv 3 ). So sollen in Petersburg in 
3 Jahren in den Krankenhäusern 156 566 Kranke aufgenommen 
worden sein, darunter 11 644 mit Störungen von seiten des gastro¬ 
intestinalen Traktus. Unter diesen Kranken kam das Ulcus ventric. 
nur 66 mal vor. Für Moskau ergibt ein offizieller Bericht 4 ) aus 
9 Krankenhäusern ebenfalls für 3 Jahre, dass die Gesamtkranken¬ 
zahl 138 443 betrug, darunter 8263 mit Magendarmstörungen, und 
unter letzteren 134 Ulkusfälle — mehr also als in Petersburg. 
Nehmen wir die beiden Residenzstädte als Massstab der Krkran- 

1) Zit. nach Krupetzky, Dissertation. Dorpat. 

2) Zasctzky, Vorlesungen über spezielle Pathologie und Therapie. lS9(i. 

3) Lipskv, Erkrankung und Mortalität. Statistik der Bevölkerung in 
St. Petersburg für die Jahre 1890, 1891 und 1892. 

4) Rechenschaftsbericht der städtischen Verwaltung in Moskau über die 
ihr untergeordneten Institutionen der öffentlichen Fürsorge für die Jahre 1S92, 
1893 und 1894. 


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Ueber die Therapie des Magengeschwürs in Russland. 


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kungen für Russland überhaupt, so finden wir, dass das Ulcus in 
Russland sehr wenig verbreitet ist und auf dem Sektionstische nur 
in circa 0,14 pCt. vorkommt — eine so geringe Zahl, wie wohl 
nirgends in einem anderen Lande. Eine Ausnahme machen nur die 
Ostseeprovinzen. So waren in Dorpat in der medizinischen Klinik 
vom 1. Sept. 1892 bis 1. Juni 1896 1258 Kranke aufgenommen 
worden, darunter 227 Magendarmkranke und unter diesen 45 Ulcus- 
fälle — also 40 mal mehr als in Petersburg und 13 mal mehr als 
in Moskau. Die Statistik aus dem pathologischen Institut in Dorpat 
ergibt 3,1 pCt. Ulkusfalle, also 20 mal mehr als sonst in Russland 1 ). 

Die Erklärung dieser sonderbaren Erscheinung, warum bei der 
russischen armen Bevölkerung das Magengeschwür ein so seltenes 
Leiden ist, ist vorläufig noch abzuwarten; es ist aber möglich, dass 
die von v. Sohlern ausgesprochene Meinung, dass die fast aus¬ 
schliesslich von den russischen Bauern gebrauchte Pflanzenkost an 
der geringen Verbreitung des Magengeschwüres von Bedeutung sei, 
nicht ganz ohne weiteres zu vernachlässigen ist. Aus meiner 
30jährigen Praxis habe ich den Eindruck gewonnen, dass in Russ¬ 
land, besonders in Südrussland, das Ulcus ventric. eine Krankheit 
der vermögenden Klasse darstellt oder derjenigen Leute, welche, wie 
Köche, Köchinnen, Diener etc. dieselbe gute Kost wie ihre Herr¬ 
schaften bekommen, und dass das Magengeschwür in gewisser Art 
als eine hereditäre oder akquirierte Diathese zu betrachten ist, 
wobei sicherlich sowohl die Nahrungsaufnahme als auch der ganze 
Stoffwechselumsatz eine gewisse Rolle spielen. 

In dieser Beziehung ist wohl nicht ohne Bedeutung der ge¬ 
steigerte Verbrauch von Fleisch und Chlornatriura, die das Ent¬ 
stehen der Hypersekretion und Hyperazidität begünstigen und die 
ihrerseits im Zusammenhänge mit der Pathogenese des Ulcus 
ventric. 6tehen. Es ist gewiss der Wert des Zustandes der Gefässe 
bei der Entstehung des Magengeschwüres nicht zu unterschätzen, 
aber nur insofern sie für die Ernährung der Schleimhaut wichtig 
sind; an und für sich können Gefässveränderungen, da doch das 
Ulkus eine Krankheit des blühenden Alters ist, an der Pathogenese 
des Magengeschwüres wohl kaum schuldig befunden werden, und 
ich glaube, dass in erster Linie die gesteigerte Menge des aus- 
geschiedenen sauren Magensaftes insofern als Ursache des Magen¬ 
geschwüres mit zu betrachten ist, weil dadurch die Heilung des z. B. 


1) Zit. nach Krupctzky, I. c. 

Internat. Beiträge. B«l. I. 11«*ft 1. g 


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\V. Obrastzow, 


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auf dem Wege der traumatischen Erosion oder eines traumatischen 
Hämatoms der Magenschleimhaut entstandenen Geschwüres verhindert 
wird. Die Hypersekretion aber, abgesehen von psycho-nervösen 
Einflüssen, hängt höchstwahrscheinlich vom Speiseregime ab, dessen 
einzelne Bestandteile uns noch unbekannt sind, in dem aber die 
reichliche Fleischkost keine untergeordnete Rolle spielen dürfte. 
Es ist auch leicht möglich, dass unter dem Einflüsse eines gewissen 
Regimes sich in einer Reihe von Generationen schliesslich eine 
subjektive, persönliche (individuelle) oder sogar eine hereditäre 
Diathese ausbildet mit einer grossen oder geringen Menge Magen¬ 
saftes, worauf schon Wes tp ha len in der Frage der Seltenheit 
der Hyperazidität und Hypersekretion unter der rein russischen 
Bevölkerung im Juli 1893 hingewiesen hat. (Westphalen, Petersb. 
med. Wochenschr. 1893. Nr. 52.) 

Gehen wir zur Frage der Prophylaxe über, so dürfen wir nicht 
unterlassen, die experimentellen Arbeiten der Pawlow’schen und 
Bi ekel'sehen Schule, welche uns so viel Licht über die Wirkung 
verschiedener Speisen auf die Menge des abgeschiedenen Magen¬ 
saftes gebracht haben, zu berücksichtigen. Es ist dabei das in 
grossem Massstabe angelegte Experiment, welches wir am einfachen 
russischen Volke beobachten, das fast ausschliesslich aus pflanz¬ 
licher Nahrung seine Existenz erhält und dabei doch so selten an 
Magengeschwür leidet, nicht aus dem Auge zu lassen. Bei den 
besser situierten Klassen in Russland ist das Magengeschwür ein 
ziemlich häufiges Leiden, wobei die russische, polnische und jüdische 
Nationalität, laut der Statistik meiner Klinik, Privatklinik und Am¬ 
bulanz, ziemlich gleichmässig vertreten ist. So waren auf der 
Universitätsklinik in den letzten 5 Jahren 36 Ulkusfälle, unter diesen 
9 Russen, 9 Polen und 11 Juden, in meiner Privatklinik in den 
letzten 3 Jahren waren 25 Hebräer, 17 Russen und Polen.. 

Was die Behandlungsmethoden betrifft, so sind unter den 
42 Kranken in meinem Privatkrankenhause 27 nach Leube, 6 
nach Lenhartz, 1 nach Fleiner und die übrigen nach verschiedenen 
Kombinationsmethoden behandelt worden. In der Universitätsklinik 
sind meine Ulkuskranken meistens nach Leube behandelt worden. 
In den letzten Jahren ist es in der Klinik üblich geworden, dass 
Fälle mit frischer Blutung stets nach Leube behandelt werden, 
diejenigen aber mit Hämatemesis in der Anamnese oder mit Spuren 
von Blut im Stuhl (okkulte Blutungen) nach Lenhartz, weil diese 
Methode weniger angreifend für den Patienten ist. Selbstredend 


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lieber die Therapie des Magengesohwürs in Russland. 


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ist in vielen Fällen die Behandlungsmethode von den subjektiven 
Anschauungen eines jeden Klinikers abhängig und spielt sicher bei 
jedem die „Angst“ vor einer möglichen neuen Blutung durch die 
eingeführten harten Speisen gewiss keine geringe Rolle bei der 
Wahl einer Ulkuskur. Ueber die Senator’sche Methode mit der 
Darreichung grosser Mengen Schleimsubstanzen besitze ich keine 
grosse Erfahrung, aber was ich an einem Falle gesehen habe, 
spricht wohl zu Gunsten dieser Behandlung.! 

Als symptomatische Mittel wende ich gerne Karlsbader Wasser 
oder das Liebermeister’sche Gemisch an. Bei 'Hyperazidität 
leistete mir die Oelkur* nach Cohn heim manchmal gute Dienste. 
Auch mit Atropin (2 mal täglich 0,001) sind in der Klinik von 
meinem Assistenten mehrere Patienten behandelt worden, vorläufig 
mit recht gutem Erfolge. Die Resultate darüber sollen erst, wenn das 
Material grösser geworden ist, veröffentlicht werden. In 8 Fällen 
wurde wegen Pylorusstenose mit Dilatation (in einem Falle Sand¬ 
uhrmagen) die Operation gemacht. In diesem Semester werden 
Untersuchungen über den Einfluss der Dechloration auf die Hyper¬ 
azidität und über den Wert dieser diätetischen Behandlungsmethode 
bei Ulcus ventriculi angestellt werden. 


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VII. 

Referat. 

Die Pathologie der Sekretion und Motilität 
im Verdauungskanal. 1 ) 

Von 

Prof. I)r. Adolf Bickel (Berlin). 

Wenn ich dem ehrenvollen Aufträge, an dieser Stelle ein 
Referat über die Pathologie der Sekretion und Motilität im Ver¬ 
dauungskanal zu erstatten, nachkomme, so kann ich das nur tun, 
wenn Sie, hochgeehrte Herren Kollegen, die aus der Kürze der 
meinem Vortrage zugemessenen Frist sich notwendig ergebende 
Gedrungenheit meiner Ausführungen mit Nachsicht beurteilen 
wollen. 

Mir scheint, dass es auch in einem solchen Referat nicht so 
sehr auf die Registrierung einer Fülle von Einzelerscheinungen an¬ 
kommt; ich erblicke vielmehr vor allem meine Aufgabe darin, 
gewissermassen eine Uebersichtskarte über das Gebiet vor Ihnen 
zu entwerfen, dessen Bearbeitung in dem Thema „Pathologie 
der Sekretion und Motilität im Verdauungskanal“ be¬ 
schlossen liegt. 

Ich wende mich zunächst der Sekretion zu. Die verschie¬ 
denen Arten der Sekretionsstörungen lassen Sie uns etwas 
näher betrachten! 

Wenn auch im weiteren Sinne zu dieser Gruppe diejenigen 
Krankheitszuständc gehören, denen ein mechanischer Verschluss der 
Drüsenausführungsgänge und somit eine Behinderung des Sekret¬ 
ergusses in den Verdauungskanal zugrunde liegt, so haben diese Zu¬ 
stände für die Pathologie der Sekretion doch nur insofernlntercsse, als 

*) Dieses ursprünglich für den internationalen medizinischen Kongress in 
Budapest bestimmte Ucbersiehtsrefcrat wurde daselbst nicht vorgetragen, weil 
der Verfasser am Kongress teilzunehmcn verhindert war. 


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Die Pathologie der Sekretion und Motilität im Verdauungskanal. 117 

durch die dabei auftretende Sekretstauung, neben einer möglichen 
direkten oder reflektorischen Beeinflussung der Sekretionsnerven, 
jedenfalls auch eine Beeinflussung des Drüsenparenchyms, ja, dessen 
vollständige Einschmelzung herbeigeführt werden kann. So vermag 
durch den Verschluss des Ausführungsganges der Drüse sekundär 
eine Sekretionsstörung hervorgerufen zu werden, die wir allerdings 
in den einzelnen Phasen ihres Verlaufes nicht genauer kennen, die 
aber schliesslich mit dem Parenchymschwund zur sekretorischen 
Insuffizienz der Drüse führt. 

Die Störungen in der Drüsentätigkeit selbst können sich nun 
ganz allgemein in verschiedenen Richtungen offenbaren. Wir unter¬ 
scheiden vor allen Dingen zwei Gruppen von Störungen: 
1. die quantitativen, bei denen zu viel oder zu wenig Sekret 
ergossen wird, und damit auch die Sekretionskurven Veränderungen 
in ihrem Charakter erfahren; 2. die Qualitätsstörungen, bei denen 
die Zusammensetzung des Sekrets verändert ist. Diesen beiden 
grossen Gruppen schliesst sich als dritte, freilich vorläufig noch 
rein hypothetische Form, diejenige an, die dadurch ausgezeichnet 
ist, dass das Sekret von der Drüsenzelle in falscher Richtung 
sezerniert wird. — Dass sich die verschiedenen, soeben namhaft 
gemachten Arten der Sekretionsstörungen in mannigfacher Weise 
miteinander verbinden können, ist selbstverständlich. 

Die erste Frage, welche sich uns angesichts dieses viel- 
gliederigen Schemas der Sekretionsstörungen aufdrängt, ist die nach 
dem Angriffspunkt der Störung. Wir können so von vornherein 
folgende beiden Arten der Störung unterscheiden: Die parenchy- 
raogene und die neurogene Sekretionsstörung. 

Ich muss dabei allerdings einschränkend hinzufügen, dass bei 
der zeitigen Unmöglichkeit der experimentellen Trennung der Drüsen¬ 
zelle von dem die Drüsensubstanz durchsetzenden sympathischen 
Nervengeflecht „parenchymogene Störung“ alle diejenigen Stö¬ 
rungen genannt werden sollen, bei denen lediglich der grosse 
Sympathikus und das zerebrospinale Nervensystem nicht beteiligt 
sind. Eine Sonderstellung nehmen diejenigen Sekretionsstörungen 
ein, die dann auftreten, wenn der Körper nicht genügend Bausteine 
für das zu liefernde Sekret enthält. 

Der Begriff der parenchymogenen Störung bedarf noch einer 
genaueren Erläuterung. Es ist möglich, dass die Vorgänge in der 
Drüsenzelle vom Prinzip des Neurochemismus, das Ehrmann in 
geistvoller Weise konstruiert hat, beherrscht werden. Danach stehen 


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A. Biokel, 


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im Organismus der kleine Sympathikus einerseits mit chemischen 
Substanzen andererseits in innigem Konnex, so dass weder isoliert 
der nervöse Prozess noch diese Substanzen allein, sondern beide 
durch ihre Koalition den normalen Funktionsablauf gewährleisten. 
Es dürfte sich dabei wohl um dieselben oder ähnliche Substanzen 
handeln, die, wie Adrenalin, Cholin, Atropin etc. auch im Experi¬ 
ment zugeführt, zu bestimmten Abschnitten des Sympathikus in 
Beziehung treten. Eine Alteration dieses Neurochemismus, sei es 
durch Veränderungen im kleinen Sympathikus, sei es durch solche 
der zugehörigen chemischen Substanzen, kann selbstredend eben¬ 
sowohl der parenchymogenen Störung zugrunde liegen, wie die 
direkte Schädigung der sezernierenden Zelle. 

Bei den Drüsen des Verdauungskanals unterscheiden wir nun, 
je nach den Aufgaben, die sie in der Norm zu verrichten haben, 
zwei Gruppen: Einmal die Schleimbildner und dann die Liefe¬ 
ranten für die spezifischen Verdauungssekrete. Gelegent¬ 
lich, wie z. B. bei der Speicheldrüse, sehen wir diese beiden 
Funktionen von ein und derselben Drüse versorgt. 

Lässt bereits unter physiologischen Verhältnissen der Sekretions¬ 
mechanismus der schlcimbildenden Zellen markante Eigenarten gegen¬ 
über demjenigen der Saftproduzenten erkennen, so ist auch die 
Pathologie der Schleimsekretion von der Pathologie der Sekretion 
der spezifischen Verdauungssäfte zu unterscheiden. 

Von qualitativen Schleimsekretionsstörungen ist ebensowenig 
etwas Sicheres bekannt, wie von einer Schleimsubsekretion, wenn 
wir von dem Zustande absehen, bei dem infolge hochgradiger De¬ 
struktion der Schleimhaut die Schleimproduktion überhaupt an den 
betreffenden Stellen vernichtet ist. Das angebliche Schleimdefizit 
bei gewissen Magenkrankheiten sei nur in Parenthese erwähnt. Ein 
klinisches Interesse und ein experimentelles Studium hat bislang 
vor allem die Schleimsupersekretion erfahren. Ob eine Schleim¬ 
hautpartie auf eine Reizung hin mit einer gesteigerten Schleim¬ 
bildung antwortet, hängt ceteris paribus von zwei Umständen ab, 
von der Stärke des Reizes und von der Anspruchsfälligkeit der 
schleim bildenden Apparate. Die Erfahrungen der experimentellen 
Pathologie und die Ergebnisse einer sorgsamen und kritischen 
Prüfung der einschlägigen klinischen Beobachtungen drängen mehr 
und mehr zu der Auffassung, dass -jede pathologische 
Schleimsupersekretion die lokale Reaktion der Schleim¬ 
haut auf einen lokal wirkenden Reiz darstellt. Denn nur 


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Die Pathologie der Sekretion und Motilität im Verdauungskanal. 119 


an der Stelle beobachten wir nach den experimentellen Unter¬ 
suchungen aus meinem Laboratorium eine gesteigerte Schleim¬ 
bildung, wo wir ein reizendes Agens auf die Schleimhaut haben 
einwirken lassen, eine gesteigerte Schleimbildung in den nicht un¬ 
mittelbar gereizten Partien findet nicht statt. Eine Solidarität 
unter den Schleimbildnern eines ganzen Abschnittes des Verdauungs- 
traktus, wie wir sie vielfach unter den spezifischen Saftdrüsen an¬ 
treffen, fehlt ganz und gar. Das ist besonders im Hinblick auf 
die Magendrüsen bemerkenswert, die sämtlich mit einer gesteigerten 
Tätigkeit antworten, wenn nur einige von ihnen dazu erregt werden. 

Es wird darum bei der Schleimsupersekretion nicht die Mög¬ 
lichkeit einer Mitwirkung des Nervensystems überhaupt geleugnet, 
aber es ist heute mehr denn fraglich geworden, ob wir bei den 
sogenannten Myxoneurosen des Magendarmkanals einen unmittel¬ 
baren Einfluss des zerebrospinalen Nervensystems und des grossen 
Sympathikus auf die schleimbildenden Zellen annehmen dürfen. 

Wie weit eine Reizung des schleimbildenden Deckepithels vom 
Blute aus sich ermöglicht, wissen wir nicht, indessen darf man 
auch diesen Weg einer Reizung oder Lähmung der Schleimproduktion 
durch direkte toxische Beeinflussung nicht ausser acht lassen. 

Aus alledem geht hervor, dass bei den klinisch am häufigsten 
vorkommenden Zuständen einer Vermehrung der Schleimbildung im 
Magendarmkanal, bei den Magen- und Darmkatarrhen, der Kopro- 
stase, der Colitis membranacea etc., wir es mit einer parenchv- 
mogenen Störung zu tun haben, zumal ich zeigen konnte, dass 
z. B. beim Darm die Schleimsupersekretion auf nosogene Reize 
auch dann auftritt, wenn die Mesenterialnerven durchschnitten sind. 
Bei der innigen Verknüpfung, die zwischen Zentralnervensystem und 
Verdauungsorganen besteht, ist es aber im übrigen auch durchaus 
plausibel, dass in der Pathologie in den peripherischen Mechanismus 
der Schleimbildung zentrale Einflüsse mit hineinspielen können. 

Wir wenden uns zur Pathologie der Sekretion der spe¬ 
zifischen Verdauungssäfte. 

Die Beobachtungen von ßayliss und Starling über die Darm¬ 
sekretinwirkung auf das Pankreas, diejenigen von Edkins über 
die Wirkungen des Magensekretins auf die Magendrüsen, analoge 
neuere Beobachtungen von Popielski, die von mir und Molnär 
aufgefundene chemische Reizung der Drüsen von Magen und 
Darm vom Blute aus durch Stoffe, wie z. B. Liebig’s Fleisch¬ 
extrakt oder Panopepton, ohne Mitwirkung des ausserhalb des 


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A. Bickel, 


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Parenchyms gelegenen Nervensystems, die Erfahrungen über 
die Beziehungen zwischen Intensität der Gallenbildung und Gehalt 
des Blutes an bestimmten Substanzen machen es in hohem Grade 
wahrscheinlich, dass das Drüsenparenchym des Yerdauungskanals 
auch dann, wenn es seiner Verbindungen mit dem zentralen Nerven¬ 
system und dem grossen Sympathikus beraubt ist, direkt vom 
Blute aus erregt werden kann, ja, es spricht vieles dafür, dass 
diese Blutreizung des Drüsenparenchyms in der Norm eine konti¬ 
nuierliche ist. Ich bezeichne diese durch die Reizung mit be¬ 
stimmten Stoffen des Blutes bewirkte Sekretion der Verdauungs¬ 
drüsen als chemische oder hämatogene Sekretion, und es lässt sich 
nachweisen, dass diesem chemischen Sekretionsmechanismus der 
nervöse des zercbrospinalen Nervensystems und des grossen Sym¬ 
pathikus übergeordnet ist. 

Ueber die nervöse Regulation der Arbeit der Verdauungsdriisen 
sind wir vor allem durch die Untersuchungen Pawlow’s und seiner 
Schüler unterrichtet. Sekretionsfördernde und hemmende Reize 
verschiedener Provenienz werden auf den Nervenbahnen dem Drüsen¬ 
parenchym mitgeteilt. Ich erinnere an den Erfolg der Schein¬ 
fütterung, an die von mir und meinen Schülern nachgewiesene 
Hemmung der Magen- und Pankreassekretion durch Affekte, an 
die reflektorische Herabsetzung der Magensaftbildung durch Fett 
und Alkali vom Duodenum aus, ich erinnere Sie an den nervösen 
Sekretionsmechanismus der Speicheldrüse, ich rufe ihnen endlich 
das grosse Kapitel über die Bedeutung der bedingten Reflexe für 
Magen- und Speichelabsonderung ins Gedächtnis. Hierher gehören 
die Versuche von Moreau über den Effekt der Mesenterialnerven¬ 
durchschneidung auf die Darmsekretion und eine Reihe anderer 
Beobachtungen, über die auf diesem Kongresse meine Schüler Ihnen 
berichten werden. 

Eine Würdigung aller hierher gehörigen Tatsachen, die einzeln 
anzuführen mir die Kürze der mir zugewiesenen Zeit nicht erlaubt, 
drängt zu der Auffassung, dass wir bei den Drüsen des Ver¬ 
dauungskanals analoge Verhältnisse wie beim Herzen haben. Hier 
wie dort kann die Funktion noch ablaufen, ohne Zutun des ausser¬ 
halb des Organs gelegenen Nervensystems. Bei den Drüsen unter¬ 
hält die Blutreizung die Sekretion, aber auch bei den Drüsen wird 
genau, wie beim Herzen, die Organfunktion durch das Nerven¬ 
system reguliert, indem fördernde und hemmende Reize den Or¬ 
ganen mitgeteilt werden. 


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Die Pathologie der Sekretion und Uotilität im Verdauungskanal. 121 

Wenn auch für einzelne Drüsen noch der exakte Nachweis 
des von mir soeben geschilderten Verhältnisses zwischen chemischem 
und nervösem Sekretionsmechanismus aussteht, so glaube ich doch, 
dass die bereits beigebrachten experimentellen Befunde am nerven¬ 
losen Magen und nervenlosen Darm und jene anderen oben zitierten 
Beobachtungen genügen, um es als in hohem Grade wahrscheinlich 
hinzustellen, dass wir in der Zusammenwirkung dieser 
beiden Mechanismen das allgemeine Gesetz erblicken 
dürfen, nach dem sich die Drüsenarbeit im Verdauungs¬ 
kanal vollzieht. Der von Pawlow so fein und detailliert ge¬ 
schilderte nervöse Sekretionsmechanismus, bei dem die chemische 
Phase der Sekretion noch immer auf die Intervention der extra- 
parenchymalen Sekretionsnerven bezogen werden konnte, dieser 
Pawlow’sche Sekretionsmechanismus ist — das kann nach meinen 
Untersuchungen über die Erfolge der Biutreizung des Drüsen¬ 
parenchyms nach Ausschaltung dieses Nervensystems keinem Zweifel 
mehr unterliegen — nur ein Bruchteil des gesamten Sekre¬ 
tionsmechanismus, dessen völlige Enthüllung im Prinzip 
uns erst unsere neueren Beobachtungen gebracht haben. 

Inwieweit fördert nun, frage ich, dieses von mir formulierte 
Sekretionsgesetz unsere Erkenntnis der Sekretionsstörungen? 

Genau wie bei dem Herzen eine morphologisch oder funktionell 
bedingte Ausschaltung der akzelerierenden oder hemmenden extra¬ 
kardialen Nerven eine Beschleunigung oder Verlangsamung der 
Schlagfolge nach sich zieht, so wird eine Ausschaltung der Hem¬ 
mungsnerven für die Drüsen eine Supersekretion, eine Ausschaltung 
der exzitosekretorischen Nerven aber ein Ueberwiegen der Hem¬ 
mungsnerven und damit eine Subsekretion oder gar eine sekreto¬ 
rische Insuffizienz bedingen müssen. Des weiteren wird eine Rei¬ 
zung der Hemmungsnerven die nämliche Störung, eine Reizung 
der sekretionsbefördernden Nerven aber eine gesteigerte Tätigkeit 
bewirken. 

Wir verstehen jetzt den launenhaften Charakter so vieler ner¬ 
vöser Sekretionsstörungen. Ich denke vor allem an diejenigen des 
Magens, ich denke an das merkwürdige Krankheitsbild der Hetero- 
chylie von Hemmeter, und dabei erinnern wir uns, dass auch 
organische Magenkrankheiten sich jeder Zeit mit nervösen Sekre¬ 
tionsstörungen vergesellschaften können. Für die funktionelle Ein- 
und Ausschaltung eng begrenzter Bahnsysterae gibt es ja in der 
Neuropathologie zahlreiche Beispiele. Als besondere Form der 


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A. Bickel, 


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neurogenen Störungen nenne ich die reflektorischen, die durch den 
Kausalnexus zwischen Sekretionsstörung und einer bestimmten 
Organerkrankung charakterisiert sind. 

Allen diesen neurogenen Sekretionsstörungen stehen die 
parcnchymogenen gegenüber. Sie entstehen durch eine direkte 
Schädigung des Drüsenparenchyms, durch eine gesteigerte oder 
herabgesetzte Erregbarkeit desselben oder durch einen Mangel oder 
ein Uebermass an Reizen für die chemische Sekretion. 

In dem letzteren Falle hätten wir es mit einer hämatogenen 
Sekretionsstörung, als einer Unterabteilung der parenchymogenen, 
zu tun. 

Ich konnte experimentell die parenchymogene Super- und Sub¬ 
sekretion studieren; im ersteren Falle handelte es sich um einen 
Hund, dessen Magenschleimhaut längere Zeit mit Argentum nitri- 
eum geätzt worden war. In dem letzteren Falle hatte sich spontan 
bei einem Blindsackhunde eine schwere Entzündung der Magen¬ 
schleimhaut ausgebildet. Pawlow beschrieb die Asthenie der 
Drüsen nach Aetzung der Schleimhaut, ein Krankheitsbild, das 
dadurch ausgezeichnet ist, dass einem abnorm gesteigerten initialen 
Anstieg der Sekretionskurve eine zu zeitige Rückkehr der Kurve 
zur Abszisse nachfolgt. 

Ich muss es mir versagen, hier auf die pathologische Physio¬ 
logie der einzelnen klinischen Krankheitsbilder näher einzugehen. 
Wir kennen die hierher gehörigen Sekretionsstörungen ja vor allem 
am Magen, aber auch das Pankreas lässt nach den Kranken¬ 
beobachtungen von Adolf Schmidt und mir ähnliche Störungen 
wahmehmen und an den Speicheldrüsen sind sie ja auch wohl 
bekannt. 

Dass parenchymogene und nervöse Sekretionsstörungen sich 
zu verbinden vermögen, wird nicht in Abrede gestellt. Möglicher 
Weise ist hier die kompensatorische Supersekretion zu registrieren, 
die man an der noch intakten Magenschleimhaut beobachtet, w r enn 
andere grosse Teile der Schleimhaut vernichtet sind. 

Lassen Sie uus nunmehr den Qualitätsstörungen unsere 
Aufmerksamkeit zuwenden. Vor allem handelt es sich um den 
Gehalt der Sekrete an ihren spezifischen Bestandteilen, an den 
Fermenten, beim Magensaft ausserdem noch an Säure. 

Es steht im Mittelpunkte der Diskussion: Kann unter patho¬ 
logischen Verhältnissen der prozentische Gehalt der Sekrete an 
Ferment resp. an Säure durch irgendwie geartete Störungen, durch 


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Original fro-m 

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Die Pathologie der Sekretion und Motilität im Verdauungskanal. 123 

neurogene oder parenchyraogene Störungen oder durch Mangel an 
Baumaterial verändert werden? Um diese Frage zu beantworten, 
müssen wir uns einmal daran erinnern, dass in der Norm die 
Säurebildung unabhängig von der Fermentproduktion verläuft und 
dass speziell der prozentische Fermentgehalt der Verdauungssäfte 
grossen Schwankungen unterworfen zu sein vermag. Auch unter 
pathologischen Verhältnissen sehen wir die Fermentbildung unab¬ 
hängig von der Bildung anderer Sekretbestandteile verlaufen. Es 
können, wie das z. B. Kudo in meinem Laboratorium nach wies, 
bei der Kochsalzarmut des Körpers die täglich produzierten Magen¬ 
saftmengen auf ein Minimum sinken, ihr prozentischer Salzsäure¬ 
gehalt ist annähernd der gewöhnliche, aber die prozentische Fer¬ 
mentkonzentration in der Weise gesteigert, dass die gesamte zur 
Abscheidung kommende Fermentmasse auf annähernd normaler- 
Höhe bleibt. Weiterhin gibt uns eine einwandsfreie klinische Be¬ 
obachtung genügend Beispiele dafür an die Hand, dass die Salz¬ 
säurebildung versiegt, aber die Fermentbildung persistiert. Auch 
der umgekehrte Fall des Verisiegens der Fermentproduktion bei 
persistierender Säurebildung scheint möglich zu sein. 

Im allgemeinen gilt aber der Satz, dass die Drüsen mit 
grosser Zähigkeit an der normalen Säure- und Ferment¬ 
konzentration des von ihnen produzierten Saftes fest- 
halten, mag das Sekret nun in normalen oder pathologischen 
Mengen produziert werden. Verschiebungen in dieser normalen 
Konzentration kommen vor, bei der Säure des Magensaftes aber 
wohl nur im Sinne einer Herabsetzung. 

Endlich sei hier darauf hingewiesen, dass durch Uebertritt 
von im Blute kreisenden Substanzen die Sekretkomposition gele¬ 
gentlich verändert wird. 

Wir sahen, wie verschiedener Provenienz die Sckretions- 
störungeu sein können. Bald' handelt es sich um eine primäre 
Störung im nervösen Regulationsapparat, bald um reflektorische 
Beeinflussung der Drüsentätigkeit bei Erkrankungen des Drüsen¬ 
organs selbst oder anderer Organe, bald um eine Schädigung in 
der Zusammenarbeit der verschiedenen Drüsen durch Störung ihrer 
nervösen oder anders gearteten funktionellen Abhängigkeits¬ 
beziehungen, bald um eine Erkrankung des Drüsenparenchyms, 
bald um Veränderung in seiner Reaktionsfähigkeit oder um einen 
Mangel oder ein Uebermass an Reizen, die ihm das Blut mitteilt. 
Und daraus resultieren dann die mannigfach gearteten Alterationen 


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124 


A. Bickel, 


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in der Sekretbildung: Eine Steigerung oder eine Verminderung der 
Verdauungssäfte, die Störung der typischen Sekretionskurve; so 
erklären sich die verschiedenen klinischen Krankheitsbilder, bei 
denen die Sekretionsstörung entweder dauernd vorhanden ist oder 
nur manifest wird, während oder im Anschluss an eine digestive 
Reizung der Drüsen und dazu gesellen sich dann endlich die Ver¬ 
änderungen in dem Aufbau der Sekrete, wie wir sie eben an un¬ 
serem geistigen Auge vorüberziehen liessen. 

Ich habe mich bei der Pathologie der Sekretion allzulange 
aufgehalten, als dass ich die Pathologie der motorischen 
Funktion in meinem Referat ebenbürtig behandeln könnte. Ich 
habe aber auf die pathologische Physiologie der Motilität des Ver¬ 
dauungskanals nicht verzichten mögen, weil mir daran lag, zum 
Ausdruck zu bringen, dass in der Norm, wie unter pathologischen 
Verhältnissen der Motilitätsraechanismus ein getreues Abbild des 
Sekretionsmechanismus ist. Diesen Parallelismus lassen Sie 
mich zum Schlüsse etwas näher erläutern. 

Genau wie bei den Drüsen sind der Muskulatur mit dem in 
der Wand gelegenen sympathischen Geflecht als Regulatoren Nerven 
des zerebrospinalen Systems und des grossen Sympathikus beigegeben. 
Hier wie dort teilen diese Nerven fördernde und hemmende Ein¬ 
flüsse den ihnen untergeordneten Organen mit. 

Nach Ausschaltung der Zerebrospinalnerven und der Fasern 
des grossen Sympathikus kann das Verdauungsrohr den an seine 
Motilität gestellten Anforderungen zwar noch gerecht werden, aber 
wir beobachten Abweichungen von der Norm; einmal verläuft die 
Peristaltik eines solchen, dieser Nerven beraubten Abschnittes sehr 
unregelmässig, wie neuerliche Untersuchungen von Bene zur in 
meinem Laboratorium ergeben haben; dann aber müssen die funk¬ 
tioneilen Beziehungen zwischen den einzelnen Abschnitten des Ver¬ 
dauungskanals, die unter Mitwirkung eben dieser Nervenbahnen 
zustande kommen, gestört sein. Ich nenne einige dieser Beziehungen. 
Wir kennen Korrelationen zwischen der Tätigkeit der Kardia und 
derjenigen des Pylorus, wir wissen, dass die Entleerung des Magens 
abhängig ist vom Füllungszustande des Duodenums. Wenn man 
z. B. einem Hunde mit permanenter seitlicher Duodenalfistel 200 ccm 
Wasser durch die Sonde in den Magen eingiesst, so erscheint die 
erste Portion des Wassers, geleitet durch die Magenstrasse, oft 
schon an der Duodenalfistel, unmittelbar nachdem man mit dem 
Eingiessen begonnen hat, und bei geöffneter Fistel ist nach 10 bis 


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Original fro-m 

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Die Pathologie der Sekretion und Motilität im Verdauungskanal. 125 


15 Minuten das Wasser quantitativ abgeflossen und der Magen leer. 
Wiederholt man aber diesen Versuch bei geschlossener Duodenal¬ 
fistel, so dauert die Entleerung des Magens von der gleichen 
Wassermenge ein vielfaches der eben genannten Zeit. Es müssen 
also Einflüsse sich dem Pylorus mitteilen, die durch die Anfülluog 
des Duodenums ausgelöst werden. 

Wir sehen weiter, dass eine reflektorische Erregung der ein¬ 
zelnen Darmabschnitte von den verschiedensten Körperregionen aus 
möglich ist. Die gesteigerte Peristaltik nach psychischen Erregungen 
weist darauf hin und experimentell ist festzustellen, dass z. B. von 
den Luftwegen aus ein analoger Reflex zustande kommen kann. 
Gleichviel aber teilt sich die gesteigerte Peristaltik eines Darm¬ 
abschnittes nicht ohne weiteres auf dem Wege über die extra¬ 
intestinalen Nerven einem benachbarten Abschnitte mit. Hierfür 
hat Benczür gelegentlich der oben erwähnten Versuche ein schönes 
Beispiel beigebracht. Wenn man nämlich einem im übrigen nor¬ 
malen Darmfistelhunde mit ausgeschaltetem Darmstück ein salinisches 
Abführmittel oder Rizinusöl in grosser Dosis per os gibt und da¬ 
durch einen starken Durchfall bei dem Tiere erzeugt, so wird die 
Motilität des ausgeschalteten Darmabschnittes nicht im geringsten 
verändert, obschon der ganze übrige Darm in lebhafte peristaltische 
Unruhe verfällt. 

Aus allen Beobachtungen, die über die Funktionen des extra- 
gastralen und -intestinalenNervensystems von Pflüger, Oser, Noth¬ 
nagel, Pal, Mayer, Basch, Nasse, Fellner, Exner, Magnus 
u. a. bislang gesammelt wurden, scheint mir, wie gesagt, so viel 
hervorzugehen, dass dieses System vor allem regulatorische Aufgaben 
zu erfüllen hat durch die Mitteilung hemmender und bewegungs¬ 
fördernder Einflüsse an die in der Magendarmwand gelegenen 
motorischen Apparate und in gewissem Sinne dem primitiven Me¬ 
chanismus der Wandorgane übergeordnet ist. Aus dieser Auffassung 
resultiert ohne weiteres das Schema der möglichen Sekretions¬ 
störungen im Verdauungskanal. 

Entweder kann Sitz dieser Störung das extragastrale und -in¬ 
testinale Nervensystem sein, oder die Störung hat die in der Wand 
des Verdauungsrohres gelegenen motorischen Apparate, die Muskeln 
und den kleinen Sympathikus zum primären Angriffspunkt. 

Die ersteren, die nervösen Störungen im engeren Sinne, können 
durch Reizung oder Lähmung der einzelnen Nervenbahnen entstehen, 
mag es sich nun um funktionelle, um toxische, um morphologische 


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A. Bickel, 

Anomalien, um reflektorische Beeinflussungen u. dgl. m. handeln. 
Eine Herabsetzung und eine Steigerung in der Erregbarkeit des 
Verdauungsrohrs wird daraus folgen, und es werden im letzteren 
Falle vielleicht auch Reflexe auf dem Wege der extragastralen und 
-intestinalen Nerven möglich werden, die in der Norm zum Teil 
wegen entgegenstehender Hemmungseinflüsse nicht Vorkommen oder 
nur angedeutet sind. Dass infolge solcher Störungen des regula¬ 
torischen Systems auch Korrelationsstörungen, Störungen im Ablauf 
komplizierter Reflexe, wie z. B. des Defäkationsreflexes, auftreten 
können, liegt auf der Hand. Es braucht sich nicht immer nur um 
eine Steigerung oder Herabsetzung der Erregbarkeit zu handeln, 
sondern es sind auch auf ihrem Boden Störungen in der Bewegungs¬ 
kombination- und Sukzession als Folge wohl denkbar. 

Die Krankheitsbilder der nervösen Stuhlträgheit, der nervösen 
Durchfälle gehören hierher, und ich denke an jenen eigentümlichen 
Zustand, bei dem eine Anfüllung des Magens fast unmittelbar eine 
Defäkation auslöst. Auch einige Gruppen aus den sogenannten 
nervösen Magen- und Darmparalysen gehören wohl hierher. 

Vielleicht gibt uns diese Auffassung des Bewegungsmechanismus 
einen Hinweis für das Verständnis mancher Formen der Tonus¬ 
störungen. Denn, wenn wir annehmen, dass durch das ausserhalb 
der Organe gelegene Nervensystem diesen cxcito- und depresso- 
motorische Einflüsse mitgeteilt werden, und wenn wir als Effekt 
dieser Wechselwirkungen eine mittlere Tonuseinstellung der Magen- 
und Darmmuskulatur annehmen, so würde eine Störung in dem 
physiologischen Gleichgewichtszustand jener nervösen Erregungen 
auch notwendig Tonus Veränderungen zur Folge haben müssen und 
diese wären dann als das Debüt einer nervösen Motilitätsstörung 
anzusehen. 

Bei der zweiten grossen Gruppe von Motilitätsstörungen greift 
die Krankheit an dem Wandsyrapathikus oder der Muskulatur an. 
Durch dort lokalisierte Krankheitsprozesse kann gleichfalls eine 
Steigerung oder Herabsetzung der Erregbarkeit, können Bewegungs-, 
Kombinations- und Regulationsstörungen entstehen, kann der Tonus 
verändert werden, kann endlich die Darmmuskulatur gelähmt werden. 
Die Störung braucht auch hier einen rein funktionellen Charakter 
nicht zu verlieren, aber es gehören hier wie dort auch diejenigen 
Formen dazu, denen abnorme Reizungen aller Art, toxische Wir¬ 
kungen, Entzündungen, Gewebsschwund und dergleichen mehr zu¬ 
grunde liegen. 


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Die Pathologie der Sekretion und Motilität im Verdauungskanal. 127 

So sehen wir, können die nämlichen Symptome durch die ver¬ 
schiedensten Ursachen, bald durch Störungen im extragastralen und 
-intestinalen Nervensystem, bald durch solche der in der Magen- 
und Darmwand gelegenen Bewegungsapparate entstehen, bald handelt 
es sich um direkte oder reflektorische Reizungen, bald um die Aus¬ 
schaltung bestimmter Bahnsysteme oder anderer integrierender Be¬ 
standteile des Bewegungsapparates. 

Nach alledem scheint mir unleugbar die Tatsache des Paral¬ 
lelismus, der zwischen der sekretorischen und motorischen Funktion 
des Verdauungstraktus unter normal- und pathologisch-physiologischen 
Verhältnissen besteht, und die Aehnlichkeit eben dieses Mechanismus 
hinwieder mit dem schon seit langem so wohlbekannten Bewegungs¬ 
apparate des Herzens. Ich hoffe, dass auch Sie sich mit mir von 
diesem Grundgesetz des Ablaufs der Bewegungs- und Sekretions¬ 
erscheinungen an den genannten inneren Organen überzeugt haben. 


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_ ^ _ 

Druck von L. Schumacher in Berlin N.24. 

7 = & ^ 


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Original from 

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vnr. 

(Aus der medizinischen Abteilung des Frederiksberg-Hospitals und 
der Tuberkulose-Abteilung des Oeresundsliospitals in Kopenhagen.) 

Gastritis bei Lungentuberkulose. 

Klinische und pathologisch - anatomische Untersuchungen. 

Von 

Primararzt Priv.-Doz. Dr. G. E. Pennin (Kopenhagen). 

(Mit 2 Texttiguren.) 


A. Klinische l'iitersnchiiugen. 

Die Anzahl früher vorgenommener klinischer Magenuntersuchun¬ 
gen bei Phthisikern ist recht bedeutend, in den meisten Fällen ist 
das beschriebene Material jedoch nicht recht gross gewesen, und 
es fiel demnach ziemlich schwer, sich aus demselben einen Uesamt- 
eindruck der Magenfunktion bei Phthisikern in den verschiedenen 
Stadien zu bilden. Der Uebersicht wegen erachte ich es als an¬ 
gebracht. eine Reihe der Zahlen anzuführen, welche die verschie¬ 
denen Verfasser aus ihren respektiven Materialien abgeleitet haben. 
Mricger untersuchte im ganzen 64 Fälle von Tuberculosis pulmonum 
in verschiedenen Stadien und fand normale Sekretion bei 50 pCt. 
im I. Stadium, 33 pCt. im II. und 16 pCt. im III. Stadium. 
Immermann beobachtete bei 38 Phthisikern aller Stadien, unter 
diesen auch einige moribunde Fälle, dass freie Salzsäure in der 
Probemahlzeit nur hei 6 fehlte. Dieser Verfasser schliesst hieraus, 
dass die Insuffizienz der Magensaftsekretion bei Phthisikern selten 
ist. Schetty und Croner gelangten zu ähnlichem Resultat. 
Klcmperer fand hei 10 Phthisikern im Anfangsstadium 1 mal 
herabgesetzte Azidität, sonst erhöhte Säurezahl: bei 4 terminalen 
Phthisen fand er Aehylie. Janowski gibt keine Zahlen an. be¬ 
richtet jedoch, dass er häufig hei Phthisikern Aehylie fand. Xol- 
tenius, welcher 241 Sanatoriumpatienten untersuchte, fand Magen- 

Interim!. Beiträge. B<l. I. Heft 2. q 


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Original fro-m 

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G. E. Permin, 

saftsekretions-Störungen bei 53 pCt.; 39,5 pCt. im I. Stadium, 
49,0 pCt. im II. und 64,1 pCt. im III. Stadium. 

Auf dem Tuberkulosekongress in Paris im Jahre 1893 be¬ 
richtete Hayem über das Resultat von 80 Magenuntersuchungeu 
an Phthisikern in verschiedenen Stadien. Bei beginnender Lungen¬ 
tuberkulose wurde auffallend häufig Hyperpepsie konstatiert. Bei 
48 Patienten mit einer ausgeprägten Phthisis pulmonum beobachtete 
man 33 mal Hypopepsie, und 12 dieser Patienten litten an fast 
kompleter Apepsie. 

Hildebrandt’s Untersuchungen sind in einer Gruppe für sich 
anzubringen; dieser Forscher fand nämlich bei 40 Untersuchungen 
von Phthisikern freie Salzsäure in der Probemahlzeit, wenn die 
Patienten afebril waren, jedoch fehlte sie bei den febrilen und 
stellte sich wiederum ein, wenn das Fieber verschwand. Roscn- 
thal beobachtete ähnliches bei 6 Phthisikern. 

Dass cs eine Regel sein sollte, dass die freie Salzsäure im 
Mageninhalt bei Phthisis oder bei anderen Zuständen schwindet, 
wenn Fieber cintritt und sich wiederum einstellt, wenn dieses ver¬ 
schwindet, ist von zahlreichen Forschern widerlegt und lässt sich 
gewiss nicht aufrecht erhalten. 

Faber hat 5 Fälle von Phthisis pulm. beschrieben, alle mit 
Achylie; es handelt sich um Patienten in verschiedenen Stadien, 
aber überwiegend doch progrediente Fälle. 

Im Gegensatz zu diesen recht wenig umfangreichen Unter¬ 
suchungsreihen ist seitens des Silkeborg- und Rye-Sanatorium in 
Dänemark eine Beschreibung einer ganz bedeutenden Anzahl Magen¬ 
funktionsuntersuchungen an Phthisikern erschienen, indem ungefähr 
400 Phthisiker verschiedenen Stadiums untersucht sind: 230 männ¬ 
liche und 166 weibliche. Das Material ist von Th. Begstrup- 
Hansen bearbeitet. 

Man fand bei Männern: 

0 freie HCl ... in 9,6pQt. des 1. Stad., 20,0pCt. des II., 20,9pCt. des III. 

An- u. Subazidität in 20,6 „ n I. n 36,5 _ „ II., 36,6 ., „ III. 

Bei Frauen: 

0 freie HCl ... in 15pCt. des I. Stad., 30,0pCt. des II., 16 pCt. des III. 

An- u. Subazidität in 30 ,, „ I. n 40,0 „ ,, 11., 34,9 „ „ III. 

Es überrascht und steht im Widerstreit zu den Erfahrungen 
der meisten Verfasser, dass die Häufigkeit der An- und Subazidität 
im II. und 111. Stadium gleich ist und bei den Frauen sogar ge- 


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Gastritis bei Lungentuberkulose. 


131 


ringer im III. als im II. Stadium. Dieses Verhältnis ist zweifellos 
darin begründet, dass in diesem ausgeprägten Sanatoriuinsmaterial 
sehr wesentliche Phthisikergruppen fehlen, und namentlich gilt dies 
für die Patienten im III. Stadium, wo die grosse Anzahl sehr vorge¬ 
schrittener fehlt. Der Verf. scheint nicht genügend seine Aufmerk¬ 
samkeit darauf gerichtet zu haben. Die Phthisiker des III. Sta¬ 
diums, welche gewöhnlich als zur Sanatoriumsbchandlung geeignet 
betrachtet werden, weichen in Wirklichkeit häufig nur unbedeutend 
von den Phthisikern anderer Stadien ab, wo eine Wirkung auf die 
Magensaftsekretion zu vermuten ist, entweder toxisch oder durch 
deglutinierten Auswurf. Uebrigens wird ein späteres Zurückgreifen 
auf diese Silkeborg-Untersuchungen, welche wegen ihrer grossen 
Zahlen von zweifelloser Bedeutung sind, begründet sein, um so mehr, 
da meine Untersuchungen sie bezüglich entscheidender Punkte 
ergänzen können; vereint bilden sie eine Untersuchungsreihe, deren 
Zahlen manche Bedeutung beizumessen ist. 

Die Untersuchungen der Sekretionsverhältnisse des Magens bei 
Phthisikern haben also Resultate gegeben, welche bezüglich mehrerer 
Punkte etwas voneinander abweichen; jedoch stossen wir auf Ver¬ 
hältnisse, die sich fast beständig mit einer gewissen Regelmässig¬ 
keit geltend machen, und das ist die relative Häufigkeit der Hvper- 
azidität bei der beginnenden Lungentuberkulose und die zunehmende 
Anzahl der Sub- und Anaziditäten bei vorgeschrittenen Stadien der 
Krankheit. W ic häufig die Sekretionsstörungen auftreten, ist nicht 
sicher nachgewiesen. 

Es ist auch die Frage unbeantwortet, zu welchem Zeitpunkt 
während des Verlaufs einer Lungentuberkulose die Sub- und Au- 
azidität sich vorzugsweise einstellt. Marfan vermutet, dass die 
bei Phthisikern so häufige Gastritis ein terminales Phänomen ist. 
Nach Faber’s Fällen scheint die Achylie in allen Stadien der 
Krankheit eintreten zu können; in erstgenanntem Fall handelt es 
sich um eine Hypothese, in letztgenanntem ist das Material so 
gering, dass man aus demselben keinen bestimmten Schluss ziehen 
kann. 

Herrn Prof. Knud Faber, der mich zu der vorliegenden 
Arbeit wesentlich anregte, wie Herrn Oberarzt Vermehren und 
Tobiesen, die mir das Krankenmaterial dazu bereitwilligst zur 
Verfügung stellten, danke ich an dieser Stelle herzlichst. 

Bevor ich die Resultate meiner eigenen Untersuchungen be¬ 
richte, will ich in kurzen Worten die Art und Weise beschreiben, 

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132 


G. E. Permin, 


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auf welche das Material gesammelt ist. Die Patienten, bezüglich 
deren sowohl pathologisch-anatomische wie klinische Untersuchungen 
vorliegen, sind aufs Geratewohl unter Phthisikern gewählt, welche 
wahrscheinlich in ganz kurzer Zeit ihrem Leiden erliegen mussten, 
ohne Rücksicht darauf, ob sie Magenleiden gehabt hatten oder 
nicht; dasselbe gilt auch ganz überwiegend von den Patienten, 
welche gestorben sind und wo nur klinische Untersuchung vorliegt. 
Unter dem grossen Material Phthisiker aller Stadien sind viele aufs 
Geratewohl, ohne Rücksicht darauf gewählt, ob dyspcptische Leiden 
aufgetreten sind oder nicht, aber für manche gilt es, dass die vor¬ 
handene Dyspepsie die Untersuchung veranlasste. Ich habe gemeint, 
alle mitnehmen zu müssen, um mit grossen Zahlen arbeiten zu 
können. Da es nun ein Faktum ist, dass man häufig bei Fällen 
mit ausgesprochener Dyspepsie vollständig normalen Magenmecha¬ 
nismus finden kann, ebenso wie häufig bedeutende Sekretionsstürung 
bei Patienten beobachtet wird, welche niemals dyspcptische Sym¬ 
ptome aufwiesen — ich habe viele Beispiele beider Verhältnisse — 
so glaube ich, dass der eventuelle Fehler bei meinem derart ge¬ 
wählten Material sehr klein ist. 

Es ist zu beklagen, dass ich häutig nur eine einzelne Magen¬ 
untersuchung bei jedem Patienten habe, aber hierdurch entstandene 
Zufälligkeiten werden sicher zum grossen Teil durch die grosse 
Anzahl Probemahlzeiten des Gesamtmaterials ausgeglichen. Ich 
habe durch zahlreiche, in kurzem Zwischenraum vorgenommene 
Doppeltuntersuchungen — so wie es von Fa her und anderen 
wiederholt hervorgehoben ist die gute l ebereinstimmung im 
Werte der 2 Probemahlzeiten konstatieren können. Mein Material 
enthält nur 2 Fälle ausgeprochener Heterochylie. Bei dem einen 
konstatierte man Achylie bei der ersten Untersuchung, normale 
Verhältnisse bei späterer Probe; bei dem zweiten wies die mittlere 
der 3 Probemahlzeiten besonders niedrige Werte auf. 

Es wurde immer das Ewaldschc Probefrühstück (1 Zwieback 
+ 250 g Tee oder Wasser) angewendet; Untersuchung mit Magen- 
ausspülüngen oder Retentionsuntersuchung ist nur selten vorge¬ 
nommen; in vielen Fällen machte es der stark angegritfene Zu¬ 
stand des Patienten unmöglich. 

Mein Material besteht aus folgenden Fällen: 

39 Patienten, deren Magen histologisch und klinisch unter¬ 
sucht ist. Probemahlzeit ist von wenigen Tagen bis 4 Monate vor 
ihrem Tode an Lungentuberkulose verabfolgt. 


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Gastritis bei l.ungentuberkulose. 


133 


46 Patienten bis auf eine Ausnahme starben vor Ablauf von 
2 Jahren nach der letzten Magenfunktionsuntersuchung; alle diese 
Patienten waren Phthisiker III. Stadiums. 

176 Phthisiker aller Stadien. 

Untersuchen wir nun erst die Patienten, welche an ihrer 
Lungentuberkulose starben und wo Probemahlzeit von 2 Jahren 
bis wenige Tage vor dem Tode und immer zu einer Zeit gegeben 
wurde, wo die Krankheit entschieden im III. Stadium war, so be¬ 
kommen wir einen guten Eindruck der Magensaft-Sekretionsstörun¬ 
gen bei Phthisikern im späten Stadium. Ich verfüge im ganzen 
über 92 dieser Gruppe. 

Ich habe nach Sahli die Grenze für die normalen Säurewerte 
für freie Salzsäure bzw. Totalazidität auf 15 bzw. 30 gesetzt; die 
Anwendung dieser Grenze ist um so berechtigter, da sie im Ma¬ 
terial von Silkeborg benutzt ist. Wir erhalten folgende Verhält- 


nisse: 

0 freie HCl 

Man Der 
17 

Frauen 

15 

Kinder 

2 

Zusammen 

34 

pCt. 
37 , 


T.A. unter 25 

0 freie HCl 

5 

5 

3 

13 

15 1 

1 

T.A. über 25 

Freie HCl 

7 

10 

0 

17 

1 

18 

> 70pCt. 

i 

T.A. unter 15:30 
über 15:30 

10 

17 

1 

• 

28 

1 

30 - 

1 

Zusammen 

39 

47 

6 

92 




Es folgt also hieraus, dass bei Patienten mit stark vor¬ 
geschrittener Lungentuberkulose deutliche An- oder Sub¬ 
azidität des Mageninhaltes bei 70 pCt., reine Anazidität bei 
37 pCt. vorhanden war. Wie man sieht, besteht ein sehr grosser 
Unterschied zwischen diesen Patienten III. Stadiums und denjenigen 
vom Silkeborg-Sanatorium, ein Unterschied, der nicht auf Zufall 
beruhen kann, sondern der zweifellos ausschliesslich auf den Unter¬ 
schied an Intensität und Ausbreitung der Krankheit zurückzuführen 
ist, obwohl sie alle zu dem sog. III. Stadium (nach Turban) ge¬ 
hören, ein Stadium, das bekanntlich Zustände höchst verschiedener 
Art und höchst verschiedener Prognose in sich aufnimmt. 

In dem Material befinden sich Frauen und Kinder im Ueber- 
gewicht, was mit Absicht geschehen ist, da von vorneherein zu 
vermuten war, dass die Sekretionsstörungen bei Männern auf Grund 
des nicht seltenen Missbrauchs von Alkohol, Kautabak und der¬ 
gleichen häufiger seien. Meine Untersuchungsreihe weist etwas 


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134 


G. E. Perm in, 


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häufiger An- oder Subazidität bei Männern als in der Gruppe Frauen 
und Kinder aus, nämlich 75 pOt. bzw. 66 pCt. 

Mein Material zeigt nur eine minimale Steigerung der Häufig¬ 
keit der An- und Subazidität mit dem Alter; die Sekretionsstörung 
bei der fortgeschrittenen Phthisis ist in jeder Altersstufe sehr aus¬ 
gebreitet, so in über 60 pCt. im Alter von 1—30 Jahren. 

Ausser den Probemahlzeiten bei den 92 Phthisikern in weit 
progressivem Stadium habe ich Gelegenheit gehabt im ganzen 
176 Patienten verschiedenen Stadiums zu untersuchen: 75 Männer, 
84 Frauen und 17 Kinder. 16 im I. Stadium, 29 im II., 131 im III. 

Da d ie Anzahl der Fälle des I. und II. Stadiums meines Mate¬ 
rials zu detaillierten Betrachtungen zu gering ist, während diese Fälle 
im Material der Silkeborg-Rve-Sanatorien sehr reich repräsentiert 
sind, und da hier, wie früher erwähnt, die Fälle des III. Stadiums 
sehr mangelhaft waren, aber in meiner Untersuchungsreihe reich 
repräsentiert sind, so betrachte ich ein Verschmelzen beider Mate¬ 
rialien als angebracht; hierdurch erhalten wir gewiss das sicherste 
Bild der Sekretionsstörungen in allen Stadien der Lungentuber¬ 
kulose. Mit um so grösserem Recht lässt sich ein Verschmelzen 
der zwei Materialien vornehmen, da es vollauf berechtigt ist, anzu¬ 
nehmen, dass sowohl Lungen- und Magenuntersuchungen, auf den 
verschiedenen Anstalten, denen die vielen Fälle entstammen, im 
wesentlichen auf gleiche Weise vorgenommen sind. 

Wir erhalten nun folgende Zahlen zur statistischen Bearbeitung: 


Silke borg - Hy e- Sanatoriums- 

1 Männer . 

I. Stad. 

. 73 

II. Stad. 
95 

111. Stad. 
62 

Material 

| Frauen . 

. 52 

71 

43 

Mein Material 

1 Männer . 

\ Frauen . 

4 

9 

98 

12 

20 

119 


141 195 322 


Im ganzen 658 Fälle. 341 Männer, 317 Frauen (und Kinder). 


Rubrizieren wir uun die Gesamtzahl der Untersuchungen nach 
Stadien und Sekretionsverhältnissen, so erhalten wir folgendes: 



0 freie HCl 

HCl 1- 

-14 

HCl über 14 

zusammen 


Anzahl 

pCt. 

Anzahl 

pCt. 

Anzahl 

pCt. 

1. Stadium . 

. 16 

11 

17 

12 

108 

77 

141 

11. Stadium 

. 42 

21 

26 

13 

127 

66 

195 

III. Stadium 

. 91 

28 

62 

19 

169 

53 

322 

zusammen 

149 


105 


404 


658 


Gck igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



Gastritis bei Lungentuberkulose. 


135 


Wir ersehen hieraus, dass die Häufigkeit der An- und Sub¬ 
azidität im I. Stadium 23 pCt., im II. 34 pCt. und im III. 47pCt. 
beträgt. Die An- und Subazidität des Gesamtmateriales ist 38pCt. 

Von bedeutendem Interesse ist die Beantwortung der Frage, 
zu welchem Zeitpunkt des Verlaufs einer Lungentuberkulose die 
Sekretionsstörungen beginnen. Da ein späterer Abschnitt den 
Beweis führt, dass die ganz überwiegende Ursache zu An- und 
Subazidität im Mageninhalt eine Gastritis ist, so werden wir 
ja möglicherweise auch hierdurch Aufklärung darüber erhalten 
können, wann die Gastritis ausbricht. Die histologische Unter¬ 
suchung gibt uns ja hierauf keine Antwort. Im Beginn der Ab¬ 
handlung erwähnte und von mir gemachte Untersuchungen setzten 
die Häufigkeit der An- und Subazidität des I. Stadiums auf 23pCt., 
des II. Stadiums auf 34 pCt. Für das 111. Stadium ist der Prozent¬ 
satz nach der Art der Fälle sehr variabel gewesen. Für die Sana¬ 
toriumfälle ist er wie im II. Stadium (34 pCt.), im Gesamtmaterial 
aller Fälle des III. Stadiums 47 pCt., und für das Material (86), 
wo der Tod spätestens 6 Monate nach der Probemahlzeit eintrat, 
75pCt. Diese Zahlen zeigen, dass Störungen in der Magensaft¬ 
sekretion im frühen Stadium einer Lungentuberkulose entstehen 
können, aber dass sie gegen Abschluss des Prozesses bedeutend 
häufiger auftreten. 

Um nun die plötzliche Steigerung der Anzahl der Sekrctions- 
störungen gegen Abschluss des Prozesses genauer festgestellt zu 
bekommen, habe ich die Säurezahlen aller Probcmahlzciten ge¬ 
sammelt, welche an Phthisikern vorgenommen sind, die später 
starben; hierdurch habe ich ja auf möglichst sichere Weise die 
Sekretionsstörung im Verhältnis zum Verlauf der Phthisis kontrol¬ 
lieren können. Ich habe im ganzen die Säurezahl von 120 Probe¬ 
mahlzeiten, die sich zu dieser Untersuchung eignen; sammeln wir 
nun diese in Kolonnen nach der Anzahl der Monate vor dem Tode, 
und untersuchen die Anzahl der An- und Subaziditäten der ver¬ 
schiedenen Zeitpunkte, so erhalten wir die unten angegebenen 
Zahlen. Es ist zu beklagen, dass wir nicht über eine grössere 
Anzahl Probemahlzeiten in der Zeit von 12—36 Monaten vor dem 
Tode verfügen; aber aus leicht erklärlichen Gründen habe ich meine 
Aufmerksamkeit vorwiegend darauf gerichtet, viele Untersuchungen 
möglichst nahe dem Tode zu bekommen, da namentlich das Verhältnis 
der Sekretionsstörung zu eventuellen gastrischen Veränderungen 
mein Interesse in Anspruch nahm. 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



136 


G. E. Perm in, 


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Zeit vor dem Tode 

1-30 

1—3 

3-6 

6-12 

12—24 

24—36 

tage 

Monate 

Monate 

Monate 

Monate 

Monate 

Anzahl der Probemahl¬ 
zeiten .... 
Anzahl Fälle normaler 

3b 

42 

18 

14 

6 

2 

Säurezahl . 

10 

13 

5 

7 

5 

— 

Anzahl Fälle An- und 







Subazidität 

28 

29 

13 

7 

1 

2 

do. in Prozent 

74 

70 

71 

50 

17 

— 






36 


Durchschnitt der Säure¬ 







zahlen .... 

9 : 35 

10 : 34 

11 : 35 

17 : 46 

26:55 

32 : 54 


21:45 


Diese Zahlen sind ja leider nur recht klein, aber die Diffe¬ 
renzen an mehreren Stellen so gross, dass ich glaube ihnen trotz¬ 
dem einigen Wert beimessen zu dürfen. Wir sehen, dass sich die 
Anzahl der An- und Subaziditäten in den letzten 6 Lebensmonaten 
recht gleichmässig hält, aber in der Zeit vom 12. bis 6. Monat 
vor dem Tode stark, und früher noch stärker fällt; auf ganz 
ähnliche Weise verhält es sich mit den durchschnittlichen Werten 
der Säurezahlen, obwohl es mir klar ist, dass diese Zahlen 
in rein statistischem Sinne mit besonderer Vorsicht zu behan¬ 
deln sind. 

Im ganzen genommen deuten diese Zahlen doch darauf, dass 
die plötzliche Steigerung in der Anzahl der Sekretionsstörungen 
sich vorwiegend im 12. bis 6. Monat von dem Tode einstellt, zu 
einer Zeit, die sehr häufig mit einer starken Progression und Ver¬ 
schlimmerung der Phthisis zusammenfällt. 

Da es, wie es später nachgewiesen werden soll, die Gastritis 
zu sein scheint, welche die Sekretionsstörungen verursacht, so liegt 
wohl der Zeitpunkt des Ausbruches der Gastritis sicher in dem¬ 
selben Zeitraum, nämlich 12 bis 6 Monate vor dem Tode. Die 
Gastritis ist dann nicht, wie es von Marfan angenommen wird, 
ein rein terminales Phänomen. 

Mein Material enthält einige Fälle, welche darauf zu deuten 
scheinen, dass das aus den mitgeteilten Zahlen hervorgehende Ver¬ 
hältnis richtig ist; ich denke hier an Fall 7, 69 und 93, wo zwei 
Probemahlzeiten vorliegen, mit passendem Zwischenraum in der 
Zeit vor und nach dem 6. Monate vor dem Tode vorgenommen. 
Die Säurezahlen gestalteten sich hier folgendermassen: 


Gck igle 


Original fru-m 

UNIVERSITY OF MICHfGAN 



Gastritis bei bungentuberkulose. 


137 


Freie HCl: T.A. 


Fall 

7: 

14 Monate vor 

dem Tode . 

. 49 : 70 

7) 

69: 


n 

n 

. 12 :52 

Ti 

93: 

8 r, „ 

77 

77 

. 24 :50 

Freie HCl : T. 

Fall 

7: 

2 Monate vor 

dem Tode . 

0: 20 

n 

69: 

4 * „ 

n n 

0: 21 

n 

93: 

4 

’ n n 

r Ti 

Spur : 22 


Wir haben hier einige typische Sckretionsstörungs-BeispieJe, 
welche sich gerade im Laufe des letzten Lebensjahres einfinden und 
allenfalls wenigstens einige Monate vor dem Tode. 

Es hat sich mir in einer Reihe Fälle Gelegenheit geboten, die 
Fermentwirkung in Probemahlzeiten von Phthisikern verschiedener 
Stadien zu untersuchen. Zur Pepsinbestimmung habe ich Dr. Lieb- 
ivi an n’s Pepsinometer benutzt. Ich habe 110 Pepsinbestimmungen 
als brauchbar befunden und meine, aus diesen schliessen zu 
können, dass bei Anazidiät immer fehlende oder minimale Pepsin¬ 
wirkung vorhanden ist; diese kann auch fehlen, ist aber am häu¬ 
figsten bei vorhandener Subazidität stark herabgesetzt. Bei nor¬ 
malen Säurewerten sind die Verhältnisse sehr variabel, man trifft 
hier häufig auch normale Pepsinwirkung aber auch — und erstaun¬ 
lich häufig — stark herabgesetzte oder fast aufgehobene 
Pepsinverdauung. Wie dies erklärt werden soll, w r eiss ich nicht, 
aber es wäre ja möglich, dass es sich hier um eine der ersten 
Wirkungen einer sich im Anmarsch befindenden Gastritis handelt. 

Was das Vorhandensein der Labwirkung im Mageninhalt an¬ 
betrifft, so scheint diese der Pepsinwirkung zu folgen, doch habe 
ich ab und zu Labwirkung beobachtet, wo keine Pepsinverdauung 
war. Lebrigens ist die Anzahl meiner Untersuchungen zu klein, 
um daraus eingehendere Schlüsse ziehen zu können. Ich brauchte 
zu diesen Bestimmungen die in Thierfeldcr’s physiologisch- und 
pathologisch-chemischer Analyse angegebene Methode: zu 10 ccm 
frischer Milch setzte ich 1—2 ccm frisch filtrierten, genau neutrali¬ 
sierten Mageninhalt. Beim Stehen im Thermostat soll bei vorhan¬ 
denem Labferment nach 10 — 20 Minuten Koagulation entstehen. 

Die Bestimmung von Schleim im Mageninhalt wird gewöhnlich 
als ein bedeutungsvolles Moment zur Beurteilung des Zustandes 
des Magens betrachtet. Ich habe hier nichts Neues von sonder¬ 
lichem Interesse gefunden. Ich konnte die von Faber gemachte 
Beobachtung konstatieren, dass häufig kein Schleim gefunden wird, 


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Original ffom 

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138 


G. E. Permin 


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wo deutliche Achylie vorhanden ist. In einzelnen Fällen mit nor¬ 
malen Säurezahlen habe ich ganz ohne Zweifel Magenschleim mit 
der Nahrung intim gemischt gefunden, aber nur in geringer Menge. 

Resume. 

Die Häufigkeit der An- und Subazidität im Magensaft bei 
Phthisikern ist folgende: im I. Stadium 23 pCt., im II. 34 pCt.. 
im III. Stadium für alle Fälle 47 pCt., für „Sanatorienfälle“ 
34 pCt. und für Fälle im extremen Stadium im letzten halben 
Lebensjahr 75 pCt. 

Die starke Zunahme der Anzahl der An- und Subaziditäten 
spät im III. Stadium geschieht vorzugsweise im 12. bis 6. Monat 
vor dem Tode. 

Pepsin- und Labwirkung bleibt fast immer aus oder ist mini¬ 
mal bei Anazidität und den stärkeren Graden der Subazidität. 

Bei normalen Säurewerten kann die Pepsinwirkung ausbleiben 
oder minimal sein. 

K. Pathologisch-anatomische Untersuchungen. 

Bei Durchsicht der pathologisch-anatomischen Untersuchungen 
über Gastritis bei Phthisikern findet man brauchbare Untersuchun¬ 
gen in Wirklichkeit in sehr geringer Menge; da unter diesen recht 
bedeutende Abweichungen herrschen und die einzelnen Fälle bei 
einigen Verfassern recht unvollständig mitgeteilt sind, so ist cs 
sicher begründet, diese Untersuchungen wieder aufzunehmen, und 
zwar mit noch grösserer Berechtigung, da Faber und seine Schüler 
eine Technik eingeführt haben, die es ermöglicht, den Magen durch 
Formalininjektion kurz nach dem Tode durch die Abdominalwand 
in ideal frischem Zustande zu erhalten. 

Abgesehen von früheren Untersuchungen, welche auf die ka- 
daverösen Veränderungen der Magenschleimhaut keine Rücksicht 
nehmen, verfügt Marfan als erster über ein Material untersuchter 
Phthisikermagen, ausgenommen „aussi frais que possible“; cs ist 
wohl unzweifelhaft, dass er auf diese Weise brauchbare Präparate 
erhalten hat, aber sie sind doch mittelmässig. 

Marfan hat im ganzen 27 Mägen von Phthisikern untersucht; 
18 mal fand er deutliche gastritische Veränderungen; bei 9 war 
die Schleimhaut gesund. 

Schwalbe hat 25 Mägen von Phthisikern untersucht. Es ist 
in diesen Fällen nichts vorgenommen, um den Magen sofort nach 


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Original fro-m 

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Gastritis bei Lungentuberkulose. 


139 


dem Tode zu fixieren; aber er hat sich doch recht frisches Ma¬ 
terial gesichert, du er die Sektion 1—5 Stunden post mortem vor¬ 
nahm. Er fand !) mal leichte, 4 mal mittelstarke und nur 1 mal 
stark interstitielle Rundzclleninfiltration in der Schleimhaut. 

Bayern hat keine histologischen Untersuchungen von Phthi¬ 
sikern veröffentlicht, sondern gibt nur an, dass die bei diesen an- 
getrofiene Gastritis in keiner Beziehung von der gewöhnlich vor¬ 
kommenden Gastritis abweicht. 

Faber berichtet über Untersuchungen von 5 Phthisikern; bei 
2 derselben verfügte man doch nur über kleine, durch die Sonde 
bei der Probemahlzeit zufällig aufgebrachte Schleimhautstückchen. 
Alle Fälle zeigten gastritische Veränderungen. 

Bugo Weiss hat 6 Mägen untersucht, gibt aber nur wenige 
Details an. Er will Zeichen interstitieller Entzündung, aber keinen 
Fall ausgeprägter Atrophie gefunden haben. 

Die Frage, wann mit Recht von Gastritis gesprochen werden 
kann, ist weit und breit diskutiert worden, volle Einigkeit ist bis¬ 
her kaum erzielt. Namentlich hat es darin seinen Grund gehabt, 
dass es mit sehr grossen Schwierigkeiten verbunden war, sich 
wirklich normale Mägen zu sichern. Da man über die kadaverösen 
Veränderungen klar geworden war, aber noch nicht die ausgezeich¬ 
nete, gleich nach dem Tode vorgenommene Injektionsbehandlung 
kannte, hatte man nur den Ausweg, sich dann und wann frische 
Mägen von Ringerichtetcn zu sichern, indem man davon ausging, 
dass die Mägen dieser Individuen gesund seien, was, wie von 
Faber bemerkt wurde, vielleicht häutig nicht zutraf, wenn auf den 
häufigen Missbrauch von Alkohol, Kautabak u. dgl. dieser Indi¬ 
viduen Rücksicht genommen wird; ausserdem scheint die Gastritis 
ein recht ausgebreitetes Leiden zu sein, das sich in einer sehr 
grossen Anzahl von Fällen nicht symptomatisch zu erkennen gibt. 
Faber und Lange sowie Bloch haben gute Beschreibungen der 
normalen Magenschleimhaut gegeben. 

Die Untersuchungen der Magenschleimhaut haben sich natür¬ 
lich teils um Veränderungen der Drüsen und deren Zellen gedreht, 
teils um die interstitiellen Veränderungen und teils schliesslich um 
gewisse Verhältnisse beim Oberflächenepithel. 

Von diesen sind zweifellos die interstitiellen Veränderungen 
von grösster Bedeutung, besonders bei der Gastritis, die wir bei 
Phthisikern vorfinden; hierüber sind alle Verfasser einig. Am 
wichtigsten ist hier ohne Zweifel die Aufhäufung von Rund- 


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Original fro-m 

UNIVERSETY OF MICHIGAN 



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140 G. E. Permin, 

zellen; es handelt sieh ganz überwiegend um Lymphozyten; aber 
wo die Entzündung sehr frisch ist, findet man auch verteilt poly¬ 
nukleäre Zellen; der Fund dieser scheint doch nach allen Verfassern 
recht selten zu sein. Die Menge der Leukozyten kann ungemein 
variieren, und alle, die sich mit diesen Untersuchungen beschäftigt 
haben (wie z. ß. Mathieu, Ad. Schmidt, Quensel, Lubarsch, 
Faber), sind darüber einig, dass die interstitiellen Veränderungen 
in demselben Magen an verschiedenen Stellen ausserordentlich ver¬ 
schieden sein können. Was die Gastritis bei Phthisikern anbe¬ 
langt, so meinen Faber, Hayem und Marfan, dass diese sich 
überwiegend nach oben zur Oberfläche lokalisiert, während Schwalbe 
nicht findet, dass dies auffallend häufig geschieht. Die Lokalisation 
der Rundzellen nach oben zur Oberfläche scheint überhaupt bei 
Gastritis auch unter anderen Zuständen das häufigste zu sein 
(Cohnheim, Faber); nur bei Febris typhoidea soll diese am 
häufigsten vom Grunde aus geschehen (Chauffard, Mathieu). 
Dass man normal in der Tiefe der Schleimhaut über der Muscu- 
laris mucosae einzelne Follikel finden kann, ist wohl unzweifelhaft, 
aber eine stärkere Zunahme der Grösse und Zahl derselben muss 
im allgemeinen als pathologisch betrachtet werden. Marfan fand 
häufig die Anzahl bei Phthisikern erhöht. 

In dem interstitiellen Gewebe sieht man oft die sogenannten 
hyalinen Körperchen. Die Bedeutung dieser in der Magen¬ 
schleimhaut sowie ihr Entstehen ist sehr umstritten. Sachs findet 
sie in spärlicher Menge in normalen Magen. Hansemann hat sie 
sowohl unter normalen Verhältnissen als bei Gastritis gefunden. 
Lcubc und Thorei geben ihnen keine spezifische Bedeutung für 
die Entzündung. 

Lubarsch und Hayem meinen, dass sie in grösserer Menge 
Zeichen einer Atrophie sind, während Thorei ausdrücklich angibt, 
sie bei diesem Zustand nicht gefunden zu haben. Hayem gibt 
an, dass sie häufiger am Pylorus als an der Funduspartic ge¬ 
funden werden. 

Ueber das Wachstum des Bindegewebes in den Interstitien 
herrschen recht divergierende Anschauungen. Während Hayem oft 
Wachstum des Bindegewebes mit Tendenz zu sklerosierenden Pro¬ 
zessen findet, beobachteten Schwalbe und Marfan nur sehr ge¬ 
ringes Wachstum des Bindegewebes und niemals Anzeichen einer 
Sklerose. H. Weiss sah in keinem seiner Fälle eine grössere 
Menge des interstitiellen Bindegewebes. 


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Original fro-m 

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Gastritis bei Lungentuberkulose. 


141 


Wir gehen nun zu den Veränderungen in dem Epithel und den 
Drüsen über, und es ist angebracht, darauf aufmerksam zu machen, 
dass in der Magenschleimhaut Darmepithel, Becherzellen und 
Panethsche Zellen auftreten. 

Man war eine Zeitlang uneinig darüber, inwiefern dies ein 
pathologisches Symptom sei oder nicht; aber nach Lubarsch, 
Ad. Schmidt, Faber, Lange, Bloch und den Untersuchungen 
anderer lässt sich die pathologische Bedeutung dieses Befundes 
kaum bestreiten, und das Auftreten von Darmepithel im Magen 
wird dann namentlich als Zeichen einer Atrophie aufgefasst (Ad. 
Schmidt und Lubarsch). Das Darmepithel kann sowohl im 
Fundus als in der Pyloruspartie gefunden werden, obwohl es an 
letztgenannter Stelle häufiger vorzukommen scheint. 

Dass Mitosen in geringer Menge im Oberflächen- und nament¬ 
lich im Grubenepithel Vorkommen können, wird allgemein erwähnt; 
treten sie jedoch in grösserer Menge auf, so scheint es zweifellos 
pathologisch zu sein; man sieht dann oft Foveolae stark über das 
Normale verlängert, so dass man sie halb oder weiter durch die 
Schleimhaut verfolgen kann. Auch eine reichliche Durchwanderung 
von Rundzellen durch das Epithel ist nach Lubarsch und Faber 
das Zeichen eines pathologischen Prozesses. 

Was nun die Veränderungen in den Drüsen anbelangt, so 
können diese sehr verschieden sein und die Bedeutung derselben 
als Zeichen eines vorhandenen pathologischen Prozesses wird sehr 
bestritten. Am unzweifelhaftesten ist wohl die deutliche Atrophie 
der Drüsen mit einem bedeutenden Schwund von Drüsenzellen und 
Ersatz von interstitiellem Gewebe. Der spezifische Teil der Drüse 
wird angegriffen, während die Ausfuhrgänge bewahrt werden; es 
gibt hier natürlich viele verschiedene Grade. Da die Drüsen 
normal dichtgestellt und gestreckt sind, so haben die stark ge¬ 
wundenen und verzweigten Drüsen sicher pathologische Bedeutung, 
was gewiss auch mit der zystischen Dilatation der Drüsen der 
Fall ist. 

Eine Reihe Veränderungen in den Drüsenzellen sind als patho¬ 
logisch beschrieben, aber ein Teil derselben liess sich bei späteren 
Untersuchungen nicht aufrecht erhalten, weil sie nur die normalen 
Drüsenzellen im verschiedenen Stadium der Verdauung zeigten: 
andere Veränderungen erwiesen sich als rein kadaveröser Natur 
auf schlecht fixiertem Material. Namentlich Havem hat eine 
Menge Veränderungen der Drüsenzellen beschrieben, die sich zum 


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142 


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G. E. Permin, 

grössten Teil sehr bestreiten lassen. Von unzweifelhaft patho¬ 
logischer Bedeutung ist sicher das vollständige Verschwinden oder 
die starke Abnahme der Belegzellen; ebenso der von Faber be¬ 
schriebene Befund gleichartiger, indifferent aussehender, kubischer 
Zellen mit recht dichtem, fein granuliertem Protoplasma, das die 
normalen Driisenzellen ganz oder teilweise abgelöst hat. Marfan 
beschreibt ähnliche indifferent aussehende Zellen, die er doch als 
einen Uebergangvon Belegzellen zu Hauptzellen betrachtet. Schwalbe 
sagt in seiner Arbeit über Gastritis bei Phthisikern, dass er 
niemals eine eigentlich degenerative Metamorphose der Zellen ge¬ 
sehen hat. Als Ganzes betrachtet, scheint dieses Verhältnis doch 
keineswegs gründlich gekannt zu sein und erfordert gewiss neue 
Untersuchungen. 

Es scheint als eine llauptregel für Gastritis bei Phthisikern 
zu gelten, dass die Veränderungen fast ausschliesslich in derselben 
Drüsenschicht gefunden werden. Marfan beobachtete so nur einige 
Male geringe Vermehrung der Submucosa und Muscularis mucosae. 
Schwalbe beschreibt häufig Hundzelleninfiltration in der Muscularis 
mucosae, aber diese scheint immer sehr gering gewesen zu sein. 
In der eigentlichen Muskelschicht und in der Serosa werden keine 
* Veränderungen beschrieben. 

Sowohl Marfan wie Schwalbe haben bei der Gastritis bei 
Tuberkulösen Untersuchungen angestellt, ob in dem gastritischen 
Prozess eventuell miliäre Tuberkeln zu finden seien, haben aber 
niemals welche gefunden; ebenfalls sind niemals Tuberkelbazillen 
in den Geweben gefunden. 

Bevor ich nun zu meinen eigenen pathologisch-anatomischen 
Untersuchungen übergehe, will ich in Kürze meine Arbeitsweise 
bei diesen Untersuchungen beschreiben. 

Die zum Präparieren des Magens und zu der histologischen 
Untersuchung angewendete Technik ist im wesentlichen die von 
Faber und Bloch benutzte. Kurz nach dem Tode (15—30 Min.) 
injizierte ich mit einem, mit einer Chlysopompe in Verbindung ge¬ 
setzten groben Troikart durch die Abdominalwand ca. 500 ccm 
10 proz. Formalinlösung (4 p('t. Formaldehyd). Zum Einschmelzen 
der Magenstücke benutzte ich immer Paraffin. Gewöhnlich sind 
von jedem Magen Schnitte von vier Stellen untersucht, zwei vom 
Fundus und zwei von der Pyloruspartie; es sind immer Rollen¬ 
präparate von 4—1>—8 cm Länge gemacht. Bei etlichen Mägen 
sind ausserdem noch mehrere Partien untersucht, namentlich vom 


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Gastritis bei Lungentuberkulose. 


143 


Fundus. Gewöhnlich ist nur die Schleimhaut untersucht, diese 
lasst sich fast immer sehr leicht ab präparieren, wenn der Magen 
ordentlich fixiert ist. Die allgemeine Dicke der Schnitte war 
6—8—10 /». Zur Färbuug sind meistens Ehrlich - Biondi- 
Heidenhain’s Dreifarbelösungen and van Gieson - Hansen’s 
Methode benutzt, ferner Färbung mit Leishmann’s Flüssigkeit, 
Färbung für Tuberkelbazillen nach Zichl-N iclsen, Färbung mit 
polychromem Methylen und Färbung mit dünner Methylviolett¬ 
lösung; aber die Ilauptmethoden waren doch die zwei zuerst an¬ 
geführten. 

Das Material, auf welches meine pathologisch-anotoraischen 
Untersuchungen sich aufbauen, besteht im ganzeu aus 47 Mägen an 
Lungentuberkulose gestorbener Patienten. 

Ausser diesen Mägen bot sich mir Gelegenheit, einzelne von 
gesunden, neugeborenen Kindern zu untersuchen. Die Untersuchung 
dieser Mägen gab mir vollständig das Bild der normalen Magen¬ 
schleimhaut, wie sie von Faber, Lange und 0. E. Bloch be¬ 
schrieben ist. Dasselbe Bild ist übrigens auch das bei weitem 
häufigste in den wenigen Magen meines Materiales, wo die Sekre¬ 
tionsverhältnisse normal waren. Von Bedeutung in diesen Fällen 
ist das. wenig vorkommende interstitielle Gewebe; man sieht ein¬ 
zelne dünne Bindegewebsfibrillen, feinen Kapillare, einzelne Muskel¬ 
fasern und ganz einzelne zerstreute Lymphozyten. Foveolae stehen 
dicht beisammen, und Drüsenrohre liegen dicht an Drüsenrohren. 
Zwischen dem Fundus der Drüsen und Muscularis mucosae befindet 
sich eine geringe Menge loses Bindegewebe, worin häufig zerstreut 
spärliche Lymphozyten. 

Um eine übersichtliche Beschreibung der Entzündungsverände¬ 
rungen zu ermöglichen, habe ich für eins der wichtigsten Sym¬ 
ptome — die Kundzelleninfiltration — eine Einteilung in drei Grade 
nach ihrer Intensität anwenden müssen, I. II. und III. mit der 
weiteren Hinzufügung eines F. oder P. um anzugeben, ob es sich 
um Fundus oder Pylorus handelt. Wo in demselben Magen ver¬ 
schiedene Grade der Kundzelleninfiltration an verschiedenen Stellen 
gefunden sind, ist das am meisten ausgeprägte Stadium durch eine 
feste Zahl ausgedrückt. Wo zum F. und P. eine 0 gefügt ist, 
besagt dies, dass dort keine Aufhäufung von Kundzellen vor¬ 
handen war. Da es sich bei Gastritis bei Phthisikern ganz über¬ 
wiegend um eine Leukozyteninfiltration handelt, welche von der 
Oberfläche beginnt und in die Tiefe geht, so habe ich gemeint. 


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Original fro-m 

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144 


G. E. Permin, 


d 

5z; 

1 

’a 

fl 

u 

fl 

o 

sz 

s 

fl *0 ,2$ 

+Z S*z 
< 3 8 
fl 

O 

Anzahl der 
Probe¬ 
mahlzeiten. 

Tage vor 
dem Tode 

Freie 

HChT.A. 

Rundzellcnintiltration 

in 

Fundus Pylorus 

1 

40jähr. 

130 

0: 14 

F. III 

P. III 


Mann 

47 

0:20 



2 

52jähr. 

200 

0:27 

F. III 

1\ Ul 


Mann 

120 

0: 22 

i 


3 

17jähr. 

385 

0: 10 

F. 111 

P. 111 


Weib 

190 

0: 12 



4 

42 j ähr. 

62 

0: 16 

F. 111 

P. III 


Mann 





5 

32 jäh r. 

5 

0:14 

F. 11, Ul 

i*. ii, ui 


Weib 



| 


6 

53jähr. 

53 

0:6 

F. III 

P. 111 


Weib 





7 

22 jähr. 

425 

49 : 70 

F. 11. 111 

P. 111 


Weib 

50 

0:20 



8 

36 j ähr. 

26 

0:25 

F. 11. 111 

P. UI 


Weib 





9 

22 j ähr. 

180 

0: 32 

F. 1, 11, 111 

1 P. Ul 


Mann 

150 

0: 18 





2 

0: 18 



10 

20jähr. 

6 

0:20 

F. 11 

P. III 


Weib 




i 

11 

41 jähr. 

100 

0: 12 

F. 1, 11, III 

p. iu 


Weib 




i 

i 

12 

27 jähr. 

275 

0: 15 

F. 11 

p. n i 


Weib 

225 

0: 18 





26 

0: 10 


j 

13 

32 jähr. 

23 

0 : 22 

1\ I, 11, Ul 

p. i, ii, in 


Mann 






Andere 

Entzündungszeichen. 


F. Bedeutender Drüsenschwund, 
Becherzellen; Belegzellen: 
zystische Dilatation: einzelne 
hyaline Kugeln. 

P. do. 

F. Becher- u. Paneth'sche Zellen. 
Bedeut. Drüsenschwund. Ab¬ 
nahme der Belegzellen, zystische 
Dilat.; zahlr. hyaline Kugeln: 
Bindegewebs-Vermehrung. 

P. do. 

F. Bedeutender Drüsenschwund: 
keine Belegzellen. 

P. do. 

F. Bedeutender Drüsenschwund: 
keine Belegzellen, Bindegewebs¬ 
vermehrung. 

P. wie in F., ausserdem zystische 
Dilatation. 

F. Bedeutender Drüsenschwund: 
einzelne hyaline Kugeln. 

P. wie in F., ausserd. Becher- u. 
Paneth’sche Zellen, zyst. Dilat. 

F. Bedeutender Driisenschwund, 
einzelne hyaline Kugeln. 

P. wie in F., ausserdem Bccher- 
zellen, zystische Dilatation. 

F. Drüsenschwund. 

P. do. 

F. Etw r as Drüsenschwund. Ein¬ 
zelne hyaline Kugeln. Becher- 
und Paneth’sche Zellen. 

P. wie in F., doch bedeutende 
Zellen-Abnahme. 

F. Etwas Drüsenschwund. 

P. Bedeutender Drüsenschwund. 

F. Leichte Bindegewebsvermehrg. 

P. Becherzellen. Drüsenschwund. 

F. Etwas Drüsenschwund. Einzelne 
hyaline Kugeln. Zyst. Dilat. 

P. Starker Drüsenschwund. Binde¬ 
gewebs Vermehrung. 

F. Zerstreut, hyaline Kugeln. 
Zystische Dilatation. 

P. Etwas Drüsenschwund. Zahl¬ 
reiche hyaline Kugeln. 

F. Drüsenschwund. 

P. Drüsenschwund. Einzelne 
hyaline Kugeln. 


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Gck igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 




Gastritis boi Limgenluberkulo.se. 


145 


Journal-No. , 

-4-3 

J5 

.. O 

B ;3 

3 Ü 
en 

0> 

o 

Anzahl der 
Probe¬ 
mahlzeiten. 
Tage vor 
dem Tode 

Freie 
HCl: TA. 

Rundzelleninfiltration 

in 

Fundus , Pylurus 

! 

Andere 

Entziindungszeiehen. 

u 

30jähr. 

Weib 

8 

0:8 

F. I, 11 

i 

P. III 

i 

F. Follikelzunahme. Einzelne 
hyaline Kugeln* 

P. Starker Drüsenschwund. 

15 

9jähr. 

Weib 

130 

0 : 22 

F. 1, II 

P. III 

F. Zerstreute hyaline Kugeln. 

P. Drüsenschwund. 

16 

I3jähr. 

Weib 

38 

5 

0:35 

0:18 

F. 1, II 

i*. ir, lli 

P. Bedeutender Drüsenschwund. 

17 

34jähr. 

Mann 

114 

0:20 

V. 0 , 1, 11, 1 

P. II, III 

F. Zerstreut hyaline Kugeln. 

P. Starker Drüsenschwund. 

18 

29jähr. 

Mann 

30 

0:34 

F. II 

P. III 

F. Zerstreut hyaline Kugeln. 

P. Zerstreut hyaline Kugeln. 
Bedeutender Drüsenschwund. 

19 

23 jäh r. 
Mann 

14 

0:31 

F. I, 11, UI 1 

i 

1\ II, 111 

F. Drüsenscbwund, zerstreut 
hyaline Kugeln. 

P. do. 

20 

55jähr. 

Mann 

16 

0:8 

F. I, 11, III 

P. III 

F. Bedeutender Drüsensehwund. 
Follikelzunahme. Zyst. Dilat. 
Zerstreut hyaline Kugeln. 

P. do. 

Sowie Becher- und Pancth’sche 
Zellen. 

21 

18jähr. 

Weib 

200 

100 

3:25 

4:30 

F. II 

P. II, III 

F. Zerstreut hyaline Kugeln. 

P. Drüsenschwund. Einz. Becher- 
zcllen. ZcrstreuthyalineKugeln. 

22 

23jäbr. 

Weib 

70 

0: 15 

F. 1, 11, III 

P. III 

F. Etwas Drüsenschwund. Eollikcl- 
zunahme. 

P. do. 

Bcd. zystische Dilatation (grosse). 

23 

48jähr. 

Mann 

130 

6 : 25 

F. I, II 

P. III 

F. Keine Belegzellen. 

P. Drüsenschwund. Becherzellen. 
Zerstreut hyaline Kugeln. 

24 

25 j ähr. 
Weib 

150 

45 

15:36 
Spur: 30 

F. 0, I, III 

P. III 

F. Follikel Zunahme. 

P. Drüsenschwund. 

25 

30jähr. 

Mann 

38 

17 

7:26 
Spur:40 

F. I, 11, III 

P. III 

F. Zerstreut hyaline Kugeln. 

P. Geringer Drüsenschwund. 

26 

22 jähr. 

Weib 

100 

5:50 

F. I, 11 

P. II 

F. Zerstreut hyaline Kugeln. 

27 

22 jähr. 

Mann 

30 

10:46 

F. I, 11 

P. II 

— 

28 

27jähr. 

Weib 

28 

6:42 

F. 0, 1 

P. II 

— 

29 

22 jähr. 

Mann 

140 

35 

30: 54 
10:24 

F. I 

P. 11 

P. Zerstreut hyaline Kugeln. 

30 

42jähr. 

Mann 

36 

19:33 

F. 0, 1, 11 

P. 0, I, II 

F. Zystische Dilatation. 

31 

28 jäh r. 
Weib 

8 

35 : 65 

F. 0, 1 

p. 1,11 

P. Zerstreut hyaline Kugeln. 

32 

29 j ähr. 
Weib 

64 

40:70 

F. 0, I 

p. I, II 

F. Eine einzelne grössere zysti¬ 
sche Dilatation. 


Internat. Beiträge. Bil. I. fielt 2. 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 








146 


G. E. Fermin, 


Journal-No. 

Alter 

und 

Geschlecht 

Anzahl der 
Probe¬ 
mahlzeiten. 
Tage vor 
dem Tode 

Freie 
HCl: T.A. 

Rundzelleninfiltration 

in 

Fundus Pylorus 

Andere 

Entzündungszeichen. 

33 

21 jäbr. 

150 

30: 54 

F. 0, I 

p. i, ii 

P. Zerstreut hyaline Kugeln. 


Mann 

70 

35:55 

i 





23 

16:30 




34 

16jähr. 

19 

28:55 

F. 0, I 

P. 0, I, 11 

F. Einzelne zystische Dilatalioi 


Weib 






35 

17jähr. 

80 

14:45 

F. 0, 1 

P. 0, I, II 

— 


Weib 

55 

25:50 




36 

33jähr. 

48 

8:30 

F. 0, I 

p. i, ii 

— 


Weib 






37 

15jähr. 

21 

0:38 

F. 0 

P. 0, I, II 

— 


Weib 






38 

34jähr. 

8 

0:7 

F. 0, 1 

P. I, 0 

Symptome einer geringen akuter. 


Mann 





Gastritis. 

39 

2 jähr. 

69 

0:10 

F. 0, I 

P. 0, 1 

— 


Weib 

8 

0:8 




40 

20 Jahre 

— 

— 

F. I, III 

p. III 

F. Zerstreut hyaline Kugeln. 







P. do. 







Etwas Drüsenschwund. 

41 

35 „ 

— 

— 

F. I, III 

p. III 

F. Zerstreut, hyaline Kugeln 







P. do. 

42 

33 „ 

— 

— 

F. I 

p. I, II 

F. Follikelzunahme. 

43 

27 . 

_ 

_ 

F. I, III 

p. I, II 

F. Follikelzunahmc. Drüben 







schwund. 







P. Follikelzunahme. 

44 

43 „ 

— 

— 

F. I, II 

p. III 

P. Drüsenschwund. Becher und 







Pancth'sche Zellen. 

45 

16 , 

— 

— 

F. 0, I 

P. 0, I, II 

— 

46 

43 „ 

— 

— 

F. I 

p. II, I 

— 

47 

46 „ 

_ 

_ 

F. I, II 

p. III 

P. Bechcrzdlen. Drüsenschwund 







Einzelne hyaline Kugeln. 


die drei Grade der Intensität auf folgende Weise definieren zu 
können: 1. Rundzelleuanhäufung in dem interfoveolaren Gewebe 
und um den Drüsenhals. 2. Deutliche Leukozytenstriche bis zur 
Mitte oder gut zur Mitte der Schleimhaut reichend. 3. Striche 
durch die ganze Schleimhaut von wenigstens 1—2 Drüsen Breite. 
Es gilt von allen drei Graden, dass sie als solche nicht in der 
(übersieht angegeben sind, ohne dass die Rundzelleninfiltration 
eine gewisse ansehnliche Ausdehnung in allen untersuchten Schleim¬ 
hautstücken gehabt hat. 

Wir haben also hier im ganzen Untersuchungen von 47 Mägen 
von Patienten, welche an Lungentuberkulose starben. 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 




Gastritis bei Lungentuberkulose. 


147 


Es ist in obenstehender Uebersicht über Entzündungszcichcn 
nicht angegeben, wo eine Verlängerung von Foveolae über das nor¬ 
male gefunden wurde, Krümmung oder Gabelverzweigung der Drüsen 
oder eine Durchwanderung der Leukozyten durch Oberflächen- und 
Grubenepithel bestand. Was nun das letztgenannte Verhältnis an¬ 
belangt, so wurde in der Regel eine recht lebhafte Durchwanderung 
der Rundzellen, namentlich im Grubenepithel beobachtet, wo man 
etwas Leukozytenaufhäufung in dem interfoveolaren Gewebe und um 
die Drüsenhälse konstatierte, doch konnte die Menge einwandernder 
Zellen etwas variieren. Auch eine Verlängerung der Gruben, häufig 
in Verbindung mit einem vergrösserten Abstand zwischen diesen, 
fand ich fast immer gleichzeitig mit einigermassen deutlichen inter¬ 
stitiellen Veränderungen; ich habe deshalb gemeint, diese Verände¬ 
rungen zuerst besprechen zu können. Die normale Länge der 
Foveolae ist wohl ungefähr l / 6 der Höhe der Schleimhaut ; ich habe 
in meinem Material alle möglichen Abweichungen von dieser Norm 
mit einer Verlängerung bis zum Vierfachen gefunden. Auch im 
selben Magen bin ich auf höchst verschiedene Tiefen der Foveolae 
gestossen. Ueberhaupt scheint zwischen der Verlängerung der 
Foveolae und der Intcusität der interstitiellen Entzündung eine ge¬ 
wisse Relation zu bestehen, so dass die Gruben fast immer be¬ 
deutend verlängert sind, wenn die Entzündung stark ausgeprägt war. 

Will man nun die Intensität, Lokalisation und Häufigkeit der 
verschiedenen anderen Entzündungssymptome des Gesamtmaterials 
durchgehen, so ist es wohl das richtigste, mit der am meisten 
ausgebreiteten und am gewöhnlichsten vorkommenden Entzündungs¬ 
veränderung, nämlich der Rundzelleninfiltration zu beginnen. 
Hier haben wir ein Bild, das uns beständig entgegentritt, nämlich 
die vorzugsweise Aufhäufung der Rundzellen oben in der Schleim¬ 
haut und deren Abnahme nach unten; ist die Menge der Leuko¬ 
zyten relativ gering, so findet man sie fast immer nur unter dem 
Oberflächenepithel in dem interfoveolaren Gewebe und um die 
Drüsenhälse; ist die Aufhäufung evidenter, so ist sie entschieden 
oben am stärksten und nimmt gradweise zum Boden der Schleim¬ 
haut ab, und selbst in den sehr ausgebreiteten diffusen inter¬ 
stitiellen Entzündungen ist die Rundzelleninfiltration oben mehr 
ausgebreitet als in der Tiefe. Mein Material umfasst alle Grade 
der Leukozytenaufhäufung, von dem beginnenden, ganz schwach zu 
erkennenden, gerade unter dem Oberflächenepithel, bis zu dem aus¬ 
gebreiteten intensiven, durch die ganze Schleimhaut reichend, mit 

10 * 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 




0. K. 1’arm in 

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UMIVERSITY OF-MIGHIGAN 




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Go. gle 


Original frcm 

UNIVERStTV OF MICHIGAN 



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150 0. K. Permin, 

Ich fand, so wie es ja auch gewöhnlich von anderen angegeben 
wird, fast ausschliesslich die mononukleare Rundzellentype, was 
auch zu dieser fast immer chronischen oder subchronischen Ent¬ 
zündung passt. Nur in 3 Fällen habe ich den Befund polynuklearer 
Leukozyten angeführt und nur in einem derselben waren sie in 
grösserer Menge vorhanden. In 2 Fällen wurden in dem inter¬ 
stitiellen Gewebe einige eosinophile Zellen gefunden. 

Eine Untersuchung des vorliegenden Materials über die Häufig¬ 
keit der Rundzelleninfiltration in der Magenschleimhaut ergibt, dass 
kein Magen vollständig frei ausging. Nach dem früher Erwähnten 
herrscht wohl kein Zweifel, dass diese Rundzcllenaufhäufung wirk¬ 
lich ein Ausdruck dafür ist, dass in allen besprochenen Fällen 
allenfalls fleckenweise etwas Gastritis vorhanden gewesen ist. 
wenn sic auch in einigen Fällen minimal und ohne praktische Be¬ 
deutung war. 

Zunahme der Follikel im Grunde der Schleimhaut fand 
ich im ganzen 7 mal, es handelt sich häufig nur um eine Zunahme 
der Anzahl der Follikel. Eine bedeutende Zunahme der gewöhn¬ 
lichen Grösse der Follikel wurde 2 mal konstatiert. Von Interesse 
ist,"* dass die Vermehrung der Follikel nur in der Funduspartie 
konstatiert wurde, während das follikuläre Gewebe unter normalen 
Verhältnissen am reichlichsten am Pylorus vermutet wird. 'Die 
erhöhte Follikelmengc wurde übrigens in Verbindung mit allen 
Graden interstitieller Entzündung gefunden. 

In 4 Fällen wurde eine Vermehrung des interstitiellen 
Bindegewebes beobachtet; in allen Fällen schien sich das 
Bindegewebe locker zu halten und es- waren nirgends Zeichen einer 
deutlichen Schrumpfung zu sehen; es handelte sich um eine deut¬ 
liche Vermehrung der feinen, losen Fibrillen. Das Bindegewebe 
ist in der Tiefe immer am reichlichsten und verliert sich gleich- 
mässig nach ohen zur Oberfläche. Die ßindegewebszunahme war 
besonders in einem Falle ausgeprägt, wo die Striche eine recht 
bedeutende Breite erreichten. Die Drüsen lagen hier an mehreren 
Stellen in inselförmigcn Gruppen, von neugcbildetem Bindegewebe 
umgeben, das in bedeutendem Grade das Bild dominierte. Das 
vermehrte Bindegewebe schien gleichmässig reichlich in der Fundus- 
und der Pvloruspartic aufzutreten. Es handelte sich in allen 
4’Fällen um die stärkeren Entzündungsgrade mit starker Rund¬ 
zelleninfiltration und deutlicher Abnahme des Drüsengewebes. Nach 
diesen Untersuchungen kann wohl kein Zweifel herrschen, dass Zu- 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



Gastritis bei Lungentuberkulose. 


151 


nähme des interstitiellen Bindegewebes bei Gastritis bei Phthisikern 
selten ist und nur die niederen Grade erreicht. 

Ein sehr häufiger Befund in meinem Material waren die hya¬ 
linen Kugeln, ln den 47 Mägen von Phthisikern wurden sie im 
ganzen bei 24 gefunden, gewöhnlich in nur spärlicher Menge, in 
dem interstitiellen Gewebe zerstreut liegend; sie schienen gleich- 
massig häufig im Pylorus und Fundus aufzutreten.. Nur in zwei 
Mägen waren die hyalinen Kugeln in grosser Menge vorhanden; 
in beiden Fällen konstatierte man bedeutende Atrophie des Drüsen¬ 
gewebes, was in gutem Einklang mit Lubarsch’s Beobachtung 
steht, dass man immer Atrophie zusammen mit reichlichem Auf¬ 
treten der hyalinen Körper findet. 

Die Bedeutung dieser Bildungen, sowie deren Genese ist wohl 
noch recht dunkel; bei meinen Untersuchungen habe ich sie mit 
anderen interstitiellen Entzündungszeichen zusammen gefunden, und 
in den Mägen mit ganz überwiegend normalen Verhältnissen fand 
man sie nur in der Nähe des Pylorus, auf Partien, wo doch etwas 
Rundzelleninfiltration bestand. 

In 11 Fällen fand man in der Magenschleimhaut die für den 
Darm charakteristischen Elemente Becherzellen und Panethsche 
Zellen. In drei Fällen waren diese Zellen zahlreich sowohl im 
Fundus und im Pylorus vorhanden, und es handelte sich alle Male 
um Mägen mit sehr ausgesprochenen Entzündungsveränderungen, 
intensiver Rundzelleninfiltration, Schwund von Drüsengewebe usw. 
Auch in den übrigen acht Fällen, wo Becher- und Panethsche 
Zellen nur in der Pyloruspartie auftraten, waren hier immer Zeichen 
einer starken Entzündung, während die Veränderungen in der Fundus¬ 
partie mehrere Male nur mittelstark waren. In meinem Material 
wurden diese Darmelemente nur zusammen mit den ausgeprägtesten 
Entzündungsphänomenen angetroffen. 

Ich habe im ganzen 12 mal Fälle der sog. zystischen 
Dilatationen gesehen (Nr. 1, 2, 4, 5, 6, 11, 12, 20, 22, 30, 
32 und 34). Hierunter sind nur Fälle gerechnet mit einer be¬ 
deutenden Erweiterung des Drüsenrohres zystenähnlichen Charakters 
und wo die Wand mit niedrigem kubischen Epithel bekleidet war, 
dahingegen nicht der so häufige Befund geringerer Dilatation des 
Lumens der Drüse, wo noch die normalen oder annähernd normalen 
Drüsen zellen zu sehen sind. Es handelt sich in meinen Fällen 
um einzelne, zerstreute, zystische Erweiterungen, nur 2 mal (Nr. 5 
und 6) waren sie in etwas grösserer Menge vorhanden. Einen 



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UNIVERSITY OF MICHIGAN 



152 


G. E. Permirt, 


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wesentlichen tUnterschied im Hinblick auf ilire Lokalisation im 
Fundus oder Pars pylorica habe ich nicht gefunden. Man fand 
sie bei allen Entzündungsgraden. Von besonderem Interesse ist 
der Fund bei zwei Fällen (32 und 34), wo überwiegend normale 
Verhältnisse vorhanden waren, aber doch auch zerstreute Partien 
mit leichten Entzündungszeichen. Das Auftreten der zystischen 
Dilatationen io diesen Fällen kann vielleicht darauf deuten, dass 
diese Veränderung ein frühzeitiges Entzündungssymptom ist. 

Als ein sehr häufiges Phänomen wird man bei Durchsicht 
obenstehender Uebersicht Drüsenschwund notiert finden. Dies 
ist angegeben, wo es sich um eine deutliche Abnahme der Anzahl 
der Drüsen handelte. Es handelt sich natürlich hier um ein 
Jugement, wenn man mit schwacher Vergrösserung eine Reihe 
Gesichtsfelder durchsieht, aber die Veränderung ist so deutlich 
ausgeprägt, dass ein Irrtum kaum anzunehmen ist. Die beschrie¬ 
benen Mägen enthalten alle Grade dieses Zustandes; es hat sich 
in der überwiegenden Anzahl der Fälle nur um fleckenweisen 
Schwund gehandelt, aber in anderen doch auch um eine Atrophie 
des Drüsengewebes in grösserem Umfange. Die Atrophie kann 
sich auf verschiedene Weise zu erkennen geben; in den stärksten 
Graden findet man überhaupt kein Drüsengewebe durch die ganze 
Schleimhaut auf Partien, welche eine Breite von 6—8 oder mehreren 
Drüsenröhrchen haben: in den etwas weniger ausgesprochenen 
Fällen sieht man das Drüsengewebe als Inselchcn, in einem Meer 
von Rundzellen und hierin oft einzelne feine Bindegewebsstriche. 
Die Atrophie des Drüsengewebes ist überhaupt auf das engste an 
die intensive Bundzelleninfiltration geknüpft, und über die patho¬ 
logische Bedeutung dieser Veränderung kann kaum ein Zweifel be¬ 
stehen. Ich habe im ganzen in 29 Fällen „etwas“ Drüsenschwund 
angegeben; am häufigsten war dieser nur zerstreut, den starken 
Eutziindungsveränderungen entsprechend. 13 mal war die Atrophie 
so ausgeprägt, dass ich gemeint habe, sie bedeutend nennen zu 
müssen. Diese Veränderung fand ich, wie zu erwarten, am 
häufigsten in der Pyloruspartie, wo die Rundzelleninfiltration ja in 
der Regel am stärksten ist. 

Was die Veränderungen derselben Drüsenzellen anbelangt, 
habe ich mich, wie früher erwähnt, hier nicht auf feinere Details 
einlassen dürfen. Ich habe ebenso wie Faber häufig wohlbewahrtc 
Haupt- und Belegzellen mit deutlichen Müllersehen Sekretkapil¬ 
laren in den letzteren, selbst bei Fällen bedeutender, interstitieller 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



Gastritis bei Lungentuberkulose. 


153 


Gastritis, konstatieren können; nicht ganz selten lässt sich eine 
zweifellose Abnahme der Anzahl der Belegzellen konstatieren. 
In vier Fällen (Nr. 1, 3, 4, 23) wurden diese Zellen überhaupt 
nicht gefunden; man sah hier nur eine Art Drüsenzellen, welche 
im Aussehen den von Faber wiederholt beschriebenen, indifferent 
aussehenden, relativ niedrigen, kubischen, mit einem feinen körnigen 
Protoplasma entsprachen. 

Was die übrige Schicht anbelangt, habe ich ab und zu in dem 
submukösen Bindegewebe eine wenig erhöhte Rundzelleninfiltration 
gefunden; aber das sind Ausnahmen gewesen und als solche ganz 
bedeutungslos. 

In allen Fällen wurde Färbung auf Tuberkelbazillen vorge¬ 
nommen, aber immer mit negativem Resultat. Es sind auch nie¬ 
mals andere Zeichen gefunden, dass es sich in diesen Magen um 
eine rein tuberkulöse Entzündung handelte, was ganz den Beobach¬ 
tungen Anderer entspricht. 

Gruppieren wir das Material nach dem Grad der Entzündung, 
so erhalten wir ungefähr folgendes: 

Starke Entzündung 9 (Nr. 1—8, 20). 

Mittelstarke Entzündung 20 (Nr. 9—16, 18, 19, 21—25, 40, 
41, 43, 44, 47). 

Leichte Entzündung 6 (Nr. 17, 26, 27, 29, 30, 42). 

Ungefähr normaler Zustand 12 (Nr. 28, 31—39, 45, 46). 

Es lässt sich wohl über die Anbringung gewisser einzelner 
Fälle in dieser oder jener Gruppe streiten, aber ich glaube, dass 
diese Zahlen in ihrer Gesamtheit eine gute Uebersieht über die 
Häufigkeit der Gastritis bei den schwersten Formen der Lungen¬ 
tuberkulose geben. Ausgesprochene gastritische Veränderungen 
haben wir also bei im ganzen 75pCt. von an Lungentuberkulose 
gestorbenen Individuen (Marian ca. 66 pCt.). 

Bezüglich eventueller makroskopischer Veränderungen in der 
Magenschleimhaut habe ich keine Anhaltspunkte von Bedeutung 
für die Erkennung der gastritischen Veränderungen gefunden; ich 
habe bei recht geringer Gastritis Etat mamclonne gefunden, und 
diesen in Mägen mit ausgesprochenen Zeichen der Entzündung 
vermisst. 

Untersuchungen auf mögliche Ektasie des Magens habe ich an 
meinem Material nicht vornehmen können, da die Mägen sich häufig 
bei der Formalininjektiön gleich nach dem Tode stark kontrahieren 
und sich später nicht richten lassen. 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



154 


G. E. Perm in, 

Resume. 

Nach diesen Untersuchungen fühle ich mich berechtigt, folgende 
Schlussfolgerungen aufzustellen: 

Bei den extremen Graden der Lungentuberkulose 
findet man ausgesprochene gastritischc Veränderungen 
in ca. 75pCt. der Fälle. 

Die Gastritis scheint immer ihren Ausgangspunkt 
von der Oberfläche der Schleimhaut zu nehmen und sich 
nach unten fortzupflanzcn. 

Die Gastritis tritt fast immer in der Pyloruspartie 
am heftigsten auf, 

Bei diesen Gastritiden wird selten Zunahme des Binde-' 
gewebes beobachtet und im gegebenen Falle nur gering¬ 
gradige; von einer eigentlich sklerosicrendcn Entzündung 
scheint niemals die Rede zu sein. 

Das reichliche Auftreten hyaliner Körper in der 
Schleimhaut scheint nur in Verbindung mit ausge¬ 
sprochener Atrophie derselben stattzufinden. 

C. Was ist die Ursache der Achylie? 

Bei Aufwerfung der Frage, was eigentlich die Störungen in 
der Magensaftsekretion bei Phthisikern verursacht, ist es nur 
natürlich, sein Augenmerk zuerst darauf zu richten, ob es sich 
nicht auch bei den Phthisikern um eine Gastritis handelt, wie es 
von Faber bezüglich so vieler anderer Zustände nachgewiesen ist. 

Mein Material enthält im ganzen 39 Fälle Tub. pulm., in 
denen die Magensaftsekretion durch Ewalds Probefrühstück unter¬ 
sucht ist, und wo später histologische Untersuchung des Magens 
vorgenommen wurde. Die Probemahlzeit, oder wo mehrere ver¬ 
abfolgt wurden, die letzte derselben, ist am häufigsten in dem 
Zeitraum 30—35 Tage vor dem Tode und in keinem Fall früher 
als 6 Monate vor dem Absterben gegeben. 

Die beste Uebersieht gibt die Tabelle 8. 144—146, wo die 
Säurezahlen in den Probemahlzeiten und die gastrischen Verände¬ 
rungen in der Schleimhaut Seite an Seite gestellt sind. 

Aus dieser Uebersieht geht es klar hervor, dass diese Sammlung 
von Probemahlzeiten ein Bild sehr verschiedener Sekretionsverhältnisse 
abgibt; sie enthält alle Grade, von der kompletten Achylie bis zur 
vollständigen normalen Säurezahl. In folgendem soll ein gruppen- 


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Original fro-m 

UNIVERSETY OF MICHIGAN 



Gastritis bei Lungentuberkulose. 


155 


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weiser Vergleich der verschiedenen Sekretions Verhältnisse und des 
Grades der gastrischen Veränderungen in der Schleimhaut versucht 
werden. 

Untersuchen wir nun zuerst die Achylien — indem wir 
hierzu alle Fälle mit freier HCl: 0 und eine Totalazidität nicht 
über 25 rechnen — so zeigt es sich, dass wir über 20 derartige 
Fälle verfügen (1—17, 22, 38—39). 

In allen diesen Fällen konstatierte man auch erhöhte oder 
minimale Pepsinverdauung, wo diese Untersuchung gemacht war. 

Untersuchen wir nun diese 20 Fälle genauer, so sehen wir, 
dass bei 18 so zweifellose Entzündungszeichen in der Schleimhaut 
gefunden wurden, dass die Diagnose Gastritis unbedingt als ge¬ 
sichert zu bezeichnen ist; zwar sind die gastrischen Fälle in den 
verschiedenen Mägen von etwas verschiedener «Intensität und auch 
von wechselnder Stärke an verschiedenen Partien in demselben 
Magen, aber auf allen Partien der Schleimhaut stiess man doch 
auf Zeichen einer Entzündung, ausgenommen in einem Fall (17), 
wo stellenweise Partien mit anscheinend normalen Verhältnissen 
gefunden wurden. In einigen Fällen waren die Veränderungen in 
der Schleimhaut so heftig, dass die Achylie ganz selbstverständlich 
Vorkommen musste; aber in etlichen Fällen waren wohlbewahrte 
und wohldifferenzierte Haupt- und Relegzellen zu beobachten, ob¬ 
schon die Anzahl der Drüsen in einem Teile dieser Fälle, am 
häufigsten in der Pyloruspartie, sehr deutlich verringert war. Selbst 
wenn cs sich also in meinem Material nur in den wenigsten Fällen 
um die extremen Grade der Gastritis gehandelt hat, so lässt es 
sich doch wohl kaum bezweifeln, dass auch eine weniger heftige 
Gastritis eine Achylie verursachen kann. Ich will hier Fab er 
zitieren (in Uebersetzung), der in seiner Abhandlung über die 
chronische Achylia gastrica (S. 75) schreibt: „Dass man nicht 
direkt aus den anatomischen Veränderungen den Grad physiologischer 
Störung in einem Organ ablescn kann, ist ein wohlbekanntes 
Phänomen, und es liegt nichts Merkwürdiges darin, dass der 
physiologische Ausschlag der Entzündung eines Organes ungleich 
stark sein kann, selbst wenn die anatomischen Veränderungen un¬ 
gefähr gleich stark erscheinen. Wir können ja nicht beurteilen, 
wie viele Nerven und Epithelzellen angegriffen sind, selbst wenn sie 
morphologisch ein normales Aussehen haben“. 

Ausser den schon besprochenen 18 Achylie-Fällen sind da 
noch 2. welche einer besonderen Erwähnung verdienen, weil die 


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156 


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Veränderungen im Verhältnis zu der ausgeprägten Acbylie nur ge¬ 
ring waren. Bei Patient No. 38 fand man, ausser überwiegend 
normalen Verhältnissen auf Partien von nicht ganz geringem Um¬ 
fang, in dem interfoveolaren Gewebe eine deutliche Rundzellen¬ 
aufhäufung, in welcher sich auffallend viele polynukleäre Zellen 
befanden; diese Aufhäufung hatte stellenweise die Breite von 
2 Drüsen. Man fand hier Zeichen, welche als eine geringe akute 
Gastritis gedeutet werden können, aber sie erscheinen zur Erklärung 
einer Achylie etwas gering. Dass eine solche Achylie übrigens 
als Folge einer akuten Gastritis sollte entstehen können, wo die 
anatomischen Veränderungen überhaupt als recht gering voraus¬ 
gesetzt werden müssen, ist wohl ohne Zweifel. Es soll hier nur 
beiläufig angeführt werden, dass die Probemahlzeit 8 Tage vor 
dem Tode gegeben, war, so dass sich die Achylie mit Bezug auf 
Zeitpunkt gut auf eine frische Gastritis zurückführen liesse. Es 
ist in diesem Falle zu beklagen, dass man nur eine einzelne 
Probemahlzeit geben konnte, denn auch ich habe, wie früher ver¬ 
merkt, Fälle gehabt, wenn auch nur einzelne, wo eine erste 
Probemahlzeit Achylie und spätere Untersuchungen normale Ver¬ 
hältnisse auswiesen. 

Bei Pat. No. 39 sind die Entzündungszeichen noch schwächer. 
Es handelt sich hier um ein 2jähriges Kind, wo die gewöhnliche 
Ewaldsche Probemahlzeit nicht gegeben werden konnte, und man 
sich mit Hafersuppe begnügen musste. Man gab hier 2 mal 
Probemahlzeit, und der Mageninhalt zeigte beide Male Achylie mit 
vollständig aufgehobener Fermentwirkung. Die meisten Stellen 
des Magens wiesen normale Verhältnisse auf, aber doch fand man 
auf grossen Partien in dem interfoveolaren Gewebe etwas Lympho- 
zytinliltration. Dass es sich hier um eine „nervöse“ Achylie ge¬ 
handelt haben kann, ist nicht ganz auszuschliessen, da die 
gastrischen Veränderungen zur Erklärung einer so ausgeprägten 
Sekretionsstörung etwas zu gering erscheinen. 

Nach den Achylien fällt es am natürlichsten, die Fälle mit 
stark verringerter Säurezahl zu nehmen, wie 0:34, 0:31, 
4 : 30, 6 : 25, Spur : 30, Spur : 40, 0 : 38. 

Auch in diesen Fällen finden wir ausgesprochene Zeichen der 
Entzündung in der Magenschleimhaut. Das histologische Bild 
mehrerer dieser Mägen ähnelt vollständig den Bildern einzelner 
Mägen der vorigen Gruppe, so wie es mit Bezug auf frühere Be¬ 
trachtungen zu erwarten war. In histologischer Beziehung besteht 


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Gastritis bei Lungentuberkulose. 


157 


jedoch zwischen diesen 2 Gruppen ein wesentlicher Unterschied, 
indem die letzte dieser 2 Gruppen keinen Magen aufweist, wo 
überall in der Schleimhaut stark ausgesprochene Veränderungen 
gefunden werden; fleckenweise lässt sich starke Rundzelleninfiltration 
konstatieren; aber man findet in allen überdies Partien mit relativ" 
geringer Rundzellenaufhäufung. In ein paar Fällen beobachtet 
man Schwund der Drüsen im Pylorus und auf kleinen Partien im 
Fundus; aber in keinem Fall die in voriger Gruppe wiederholt 
besprochene ausgeprägte Atrophie. Gleichfalls fand man in keinem 
Fall Darmepithel im Fundus, so wie ich es nur in Mägen mit 
sehr heftiger Entzündung gesehen habe. Auch diese Gruppe ent¬ 
hält einen Fall, welcher besonders besprochen werden muss, da 
zwischen der recht stark herabgesetzten Sekretion und den histo¬ 
logischen Veränderungen in der Magenschleimhaut nur geringe 
Uebereinstimraung herrscht. Ob in diesem Fall (37) überhaupt 
Entzündung vorhanden ist, ist sehr zweifelhaft, jedenfalls ist sic 
von sehr geringer Ausdehnung, indem hier nur eine geringe 
Lymphozytenaufhäufung direkt unter dem Oberflächenepithel zu be¬ 
obachten ist. 

In einer 3. Gruppe habe ich diejenigen meiner Fälle gesammelt, 
wo die Sekretionsstörungen relativ unbedeutend sind (5 : 50, 8 : 30, 
10 : 46, 6 : 42, 10 : 24). 

Man sieht hier bedeutend geringere gastrische Veränderungen 
als in voriger Gruppe. In den meisten dieser Mägen finden wir 
recht ausgedehnte normale Partien, welche sehr wohl die teil¬ 
weise Salzsäuresekretion erklären zu können scheinen. Selbst in 
der Pyloruspartie sind in keinem dieser Fälle stärkere gastrische 
Veränderungen. 

In einer 4. Gruppe von 6 Fällen (So. 30—35) sind die Säure¬ 
zahlen normal oder ungefähr normal. Bei diesen Patienten finden 
wir in der Funduspartie überwiegend normale Verhältnisse, und 
wo hier fleckenweise etwas Rundzelleninfiltration vorhanden ist, ist 
diese gewöhnlich recht gering. Fall No. 30 steht doch eher als 
Uebergang zwischen dieser und der vorigen Gruppe. In der Py¬ 
loruspartie ist in allen Fällen etwas Rundzellenanhäufung, aber 
doch geringer als in den Fällen der vorigen Gruppen und ohne 
Schwund der Menge der Drüsen. Natürlich wird es immer schwer 
sein, genau den Zeitpunkt zu bestimmen, wo man sagen kann, nun 
ist es eine Entzündung. Weil man fleckenweise minimale gastrische 
Partien findet, liegt kein Grund vor, die Diagnose Gastritis zu 


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158 


G. E. Permin, 


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stellen; allenfalls kann eine Entzündung sehr wohl so gering sein, 
dass sie bei der Sekretion keinen Ausschlag gibt. 

Noch ein einzelnes Verhältnis muss ausdrücklich betont 
werden, obwohl es schon teilweise aus dem früher Gesagten 
hervorgeht, und zwar, dass in meinem doch recht grossen Material 
in keinem Fall ausgebreitete gastritische Veränderungen und gleich¬ 
zeitig normale oder fast normale Sekretionsverhältnissc gefunden 
wurden. 


Resume. 

Resümieren wir kurz diese Untersuchungen, so haben wir 
also 20 Fälle mit Achylie, bei 18 derselben starke und sehr 
starke Gastritis; bei 1 Zeichen einer akuten Gastritis recht mini¬ 
malen Umfangs und bei 1 nur zweifelhafte gastritische Ver¬ 
änderungen, 

7 Fälle mit ausgesprochener Subazidität. Bei 6 davon finden 
wir überwiegend starke Gastritis, doch auch Partien mit etwas 
geringeren gastritischen Veränderungen. Nur bei 1 waren die 
gastritischen Veränderungen gering oder zweifelhaft. 

In einer 3. Gruppe finden wir 5 mit geringer Subazidität ; hier 
konstatieren wir recht minimale Gastritis und oft Flecken mit ganz 
normalen Partien. 

In der 4. Gruppe 6 Fälle mit normalen oder fast normalen 
Säurezahlen; hier sind die normalen Partien im Uebergewicht und 
die gastritischen Veränderungen gering oder zweifelhaft. 

Es ist noch zu bemerken, dass ich mich dazu berechtigt 
fühlte, in dem Gesamtmatcrial histologisch untersuchter Mägen von 
Phthisikern (hierunter auch die Fälle ohne klinische Untersuchung 
gerechnet, nämlich 47), im ganzen bei 75pCt. die Diagnose Gastritis 
stellen zu dürfen, und in dem Gesamtmaterial von Phthisikern, 
untersucht mit Probemahlzeit von 1 Woche bis 6 Monate vor dem 
Tode (hierunter zahlreiche Fälle ohne histologische Untersuchung), 
wurde bei 75 pCt. An- oder Subazidität gefunden. Dass die Zahlen 
dieser zwei Materialien vollständig gleich ausgefallen sind, beruht 
natürlich auf einem Zufall: aber die gute Uebereinstimmung hier 
dürfte ein guter Beweis dafür sein, dass die Gastritis die Ursache 
der Sekretionsstörungeu ist. 

Nach diesen Untersuchungen fühle ich mich zu dem Schluss 
berechtigt, dass die ganz überwiegende Ursache zu Achylie 
und Subazidität bei Phthisikern eine Gastritis ist, so 


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Gastritis bei Lungentuberkulose. 159 

wie Fabcr es für die Achylie bei anderen Zuständen nach¬ 
gewiesen hat. 

Ueberhaupt scheint der Grad und Umfang der Gastri¬ 
tis im Verhältnis zum Grad der Sekretionsstörung zu 
stehen. 


Resurne der ganzen Arbeit. 

1. Die Häufigkeit der An- und Subazidität im Magensaft bei 
Phthisikern ist folgende: im I. Stadium 23 pCt., im II. 34 pCt., 
im III. für alle Fälle 47 pCt., für „Sanatorienfälle“ 34 pCt. 
und für Fälle im extremen Stadium ira letzten halben Lebens¬ 
jahre 75 pCt. 

2. Die starke Zunahme der An- und Subazidität spät im III. Stadium 
geschieht vorzugsweise im 12. bis 6. Monat vor dem Tode. 

3. Bei den extremen Graden der Lungentuberkulose findet man 
ausgesprochene gastritische Veränderungen in ca. 75 pCt. der 
Fälle. 

4. Die ganz überwiegende Ursache der Achylie und Subazidität 
bei Phthisikern ist eine Gastritis. 


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Original fro-rn 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



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Noltenius, Dissert. Berlin 1909. 

Paneth, Arch. f. mikrosk. Anat. 1888. Bd. 31. 

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Quensel, Nord. med. Arch. 1893. No. 24. 

Riegel, Die Erkrankung des Magens. 1908. 11. Teil. 

Rosentbal, Berl. klin. Wochenschr. 1888. No. 45. 

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Schmorl, G., Die pathol.-histol. Untersuchungsmethoden. Leipzig 1907. 
Schwalbe, Virchow’s Arch. 1889. Bd. 117. 

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Thorei, Virchow’s Arch. Bd. 151. 

Weiss, Hugo, Diss. Leipzig 1901. 


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Original from 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



IX. 

(Aus der Poliklinik von Prof. H. Strauss in Berlin.) 

Zur Aetiologie der digestiven Hypersekretion. 

Von 

Prof. H. Strauss (Berlin). 


Die digestive Hypersekretion ist ähnlich wie die Hyperazidität 
und die kontinuierliche Hypersekretion ein Zustand und nicht 
eine Krankheit für sich. Ihre Nosologie und ihre Aetiologie ist 
bisher in der Literatur von nur relativ wenig Seiten bearbeitet 
worden (Strauss, Zweig, Boas, Bickel, Huppert und Borg- 
bjärg), trotzdem die Krankheit eine nicht seltene ist. Ich selbst 
habe sie wenigstens in den 14 Jahren, die vergangen sind, seitdem 
ich auf diesen Zustand aufmerksam gemacht habe 1 ), recht häufig 
beobachtet, habe aber in der Literatur nur wenige Mitteilungen 
gefunden, aus denen sich ein Urteil über ihre Häufigkeit gewinnen 
lässt. Nur bei Zweig 2 ) ist die Angabe zu finden, dass er im 
Verlaufe von nicht ganz 3 Jahren 30 Fälle von alimentärer Hyper¬ 
sekretion untersucht hat. Hierbei sind zahlreiche Fälle, welche 
nur einmal untersucht worden sind, ausgeschaltet. In meiner Poli¬ 
klinik ist nach einer Zusammenstellung, die Herr Dr. Bollert, 
Volontär-Assistent an meiner Poliklinik, in liebenswürdiger Weise 
für mich angefertigt hat, in den letzten iy 2 Jahren, d. h. in der 
Zeit, welche nach dem Abschluss der an meiner Poliklinik ge¬ 
fertigten Arbeit von Huppert liegt, unter 480 Fällen, bei welchen 
eine Funktionsprüfung des Magens vorgenommen und gleichzeitig 
der „Schichtungsquotient“ bestimmt wurde, 102 mal ein Schichtungs¬ 
quotient von 30 pCt. und weniger festgestellt worden. Da in 
meiner Poliklinik bei Magenkranken nicht in jedem Falle eine 

1) H. Strauss, Deutsches Archiv f. blin. Med. 1896. Bd. 56. 

2) Zweig, Archiv f. Verdauungskrankheiten. Bd. 13. 

Internnt. Beiträge. Bd. I. lieft 2. j j- 


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162 


H. Strauss, 


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Funktionsprüfung vorgenornmen wird, aber diese doch sicher in 
jedem zweiten Fall durchgeführt wird, so würde die Häufigkeit der 
digestiven Hypersekretion an dem von mir beobachteten Material 
auf mindestens lOpCt. der Magenpatienten zu taxieren sein. 
Dabei ist es interessant, dass die digestive Hypersekretion bei 
Männern ungleich häufiger gefunden wird, als bei Frauen. 
So wurde der erwähnte Schichtungsquotient unter 259 Fällen der 
Männerabteilung 84 mal, d. i. in etwa 31 pCt. der Fälle, beob¬ 
achtet, während er unter 221 Fällen der Frauenabteilung nur 
18 mal, d. i. in etwa 8 pCt. der Fälle, beobachtet wurde. Das 
sind ähnliche Verhältnisse, wie sie sich bei einer früheren von 
Huppert 1 ) aus dem Material meiner Poliklinik angefertigten Sta¬ 
tistik ergaben, indem sich damals unter 62 Fällen 44 Männer und 
18 Frauen vorgefunden haben. Auch Zweig (1. c.) fand unter 
18 Fällen nur 4 Frauen, und die 12 Patienten von Boas 2 ) waren 
durchweg Männer. Bezüglich des Alters hat schon Huppert 
mitgeteilt, dass die digestive Hypersekretion bei jüngeren Personen 
häufiger als bei älteren gefunden wird. Etwa 2 / 3 seiner Fälle 
(44 von 62) standen im Alter von 18—40 Jahren. Meine neue 
Statistik ergibt über diesen Punkt folgendes: 


Männer Frauen 

20—29 Jabre. 24 11 

30-39 „. 33 5 

40-49 „. 18 2 

50—59 „. 7 0 

60-70 „ . . . . . 2 _0 

84 18 


Von den Männern befanden sich also 

57 unter 84 Fällen = 68 pCt. unter 40 Jahren, 
von den Frauen 

16 unter 18 Fällen = 89 pCt. „ 40 „ 

Rechnet man alle Patienten zusammen, so fanden sich 
73 unter 102 Fällen = 71 pCt. unter 40 Jahren. 

In höherem Alter, d. h. jenseits des 50. Lebensjahres, war 
jedenfalls die Krankheit selten. 

Was den Säuregrad des Mageninhalts betrifft, so fand 
sich bei Anwesenheit freier Salzsäure eine Gesamtazidität von 

1) Huppert, Med. Klinik. 1908. No. 31. 

2) Boas, Deutsche med. Wochcnschr. 1907. No. 4. 


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Zur Aetiologie der digestiven Hypersekretion. 


163 


65 und mehr in 
64 bis 40 „ 

unter 40 ,, 


bei den 84 Männern 
36 = 43 pCt. 

38 = 45 „ 

9 = 11 


bei den 18 Frauen 
6 = 33 pCt. 

8 = 44 „ 


und es war sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen je 
ein Fall vorhanden, wo ein niedrigerer Schichtungsquotient bei 
niederen Werten für die Gesamtazidität und beim Fehlen von 
freier Salzsäure vorhanden war. Bei einer zusammenfassenden Be¬ 
trachtung der Männer und Frauen war ein Wert für die Gesarat- 
azidität von 65 und mehr in 42 von 102 Fällen = in 41 pCt. und 
von 64—40 in 46 von 102 Fällen = in 45 pCt. vorhanden. Unter 
den 62 Fällen meiner Beobachtung, die Huppert schon früher 
raitgeteilt hat, war 16 mal, also in etwa 25 pCt. der Fälle, eine 
ausgesprochene Hyperazidität vorhanden, und in den 18 Fällen von 
Zweig war eine solche 10mal festgestellt worden. 

Diese Feststellungen besitzen ein Interesse einerseits mit Rück¬ 
sicht auf die früher von mir mehrfach diskutierte Frage des Vor¬ 
kommens und der Bedeutung der „Hyperaciditas larvata“, 
andererseits mit Rücksicht auf neuere Theorien über die Deutung 
des Begriffs bzw. des Zustandekommens der Hyperazidität. In¬ 
dem ich bezüglich der Hyperaciditas larvata auf die vor 10 Jahren 
von mir veranlassten Veröffentlichungen von Tuchendler 1 ) und 
von Schüler 2 ) verweise, will ich hier nur bemerken, dass ich 
jetzt, wo der Begriff der digestiven Hypersekretion Eingang in die 
medizinischen Lehrbücher gefunden hat, auf die Beibehaltung des 
Begriffs der „Hyperaciditas larvata“ keinen Wert mehr lege, weil 
ich unter diesem Begriff von jeher nichts anderes verstanden habe, 
als die anhyperazidc Form der digestiven Hypersekretion. Habe 
ich doch von jeher sehr enge verwandtschaftliche Beziehungen 
einerseits zwischen der Hyperazidität und der Hypersekretion, an¬ 
dererseits zwischen der digestiven und der kontinuierlichen Form 
der Hypersekretion angenommen. Wenn ich die Fälle meiner neuen 
Zusammenstellung unter ähnlichen Gesichtspunkten betrachte, wie 
ich sie s. Z. bei der Abgrenzung der Fälle von Hyperaciditas lar¬ 
vata befolgt habe, und wenn ich als obere Grenze für die Gesamt¬ 
azidität solcher Fälle die Zahl 50 festsetze, so waren unter den 
84 Männern 18 und unter den 18 Frauen 7, unter 102 Patienten 
also 25 Fälle von „Hyperaciditas larvata“. Es zeigt»' also nur 


1) Tuchendler, Deutsche med. Wochenschr. 1899. No. 24. 

2) Schüler, Ibid. 1900. No. 19. 

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164 


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H. Strauss, 

V 4 der Fälle von digestiver Hypersekretion bei relativ niedrigen, 
jedenfalls nicht erhöhten, Säurewerten die Beschwerden der Hyper¬ 
aziden und einen Mageninhalt, der neben den Eigenschaften der 
digestiven Hypersekretion auch noch den guten Verdauungsgrad 
und noch manche weitere Eigenschaften des hyperaziden Magen¬ 
inhalts erkennen liess. 

Die Motilität wurde in 27 Fällen mittels der von mir und 
Leva 1 ) angegebenen Methode bestimmt (deren klinische Brauch¬ 
barkeit inzwischen auch von Schenk und Tecklenburg 2 3 ) betont 
worden ist), und es fand sich unter diesen Fällen 

Hyperkinese . . 5 mal, 

Eukinese . . . 18 „ 

Hypokinese . . 2 „ 

2 mal lag die Motilität an der Grenze zwischen Eukinese und 
Hyperkinese. Daraus ergibt sich, dass in der weitaus über¬ 
wiegenden Mehrzahl der Fälle eine gute und in manchen 
sogar eine gesteigerte Motilität vorhanden war. Bei den 
5 Fällen von Hyperkinese war 3 mal Hyperazidität vorhanden. 

Soweit diese Beobachtungen für die Frage der Deutung der 
Hyperazidität ein Interesse besitzen, will ich hierauf nur kurz 
eiDgehen, da meine Assistenten Dr. Fleischer und Dr. Möller 
schon früher 8 ) diesem Gegenstand eine Betrachtung gewidmet haben. 
Bekanntlich haben Rubow 4 ) und Bickel 5 ) die Meinung geäussert, 
dass die Fälle von Hyperazidität sich dadurch erklären lassen, 
dass bei normaler Sekretion eine Hypermotilität vorliegt oder dass 
eine normale Motilität sich mit einer gesteigerten Sekretion ver¬ 
bindet. In der Tat fügen sich einige meiner Fälle, in welchen 
sich hohe Werte für die Gesamtazidität mit einer Hyperkinese und 
einem niedrigen Wert für den „Schichtungsquotienten“ verbanden, 
gut in den Rahmen einer solchen Auffassung ein, doch liegen solche 
Verhältnisse nicht häufig vor, wie die folgende Tabelle ergibt, die 
ich aus solchen Fällen von Hyperazidität gewonnen habe, bei 
welchen der Schichtungsquotient und die Motilität (letztere nach 

1) H. Strauss u. J. Leva, Deutsche raed. Wochenschr. 1907. No. 29 u- 
Zeitschr. f. klin. Med. Bd. 65. H. 3 u. 4. 

2) Schenk u. Tecklenburg, Münchener med. Wochenschr. 1909. No. 7. 

3) Fleischer u. Möller, Medizin. Klinik. 1908. No. 37. 

4) Rubow, Archiv f. Ycrdauungskrankheiten. 1906. Bd. 12 u. 1907. 
Bd. 13. 

5) Bickel, Verhandlungen des 23. Kongr. f. innere Mod. 1906 u. a. a. 0. 


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Zur Aetiologie der digestiven Hypersekretion. 165 


dem von mir und Leva angegebenen Verfahren) bestimmt wor¬ 
den war. 


No. 

Gesamt- 

Azidität 

Freie 

Salzsäure 

i 

Schichtungsguotient 
in Prozent 

Fettwert 

(nach Strauss-Leva). 

1 

i 

85 i 

53 

15 

0,4 

2 

86 i 

46 

18 

0,6 

3 

70 

50 

50 

0,97 

4 

70 ! 

40 

35 

1,25 

5 

69 j 

26 

60 

1,26 

G 

70 1 

40 

36 

1,34 

7 

75 

47 

13 

1,62 

8 

84 

64 

28 

1.90 

9 

77 

63 

35 

1,97 

10 

80 

40 

58 

2,12 

11 

102 

80 

71 

2,22 

12 

66 

46 

45 

2,81 


Unter 12 

Fällen war 

' nur 2 mal eine 

Hyperkinese vorhanden, 


2 mal befand sich die Motilität auf der Grenze von Eukinese und 
Hypokinese und 1 mal war Hypokinese vorhanden. Unter den 
Fällen von Eukinese bzw. leichter Hypokinese war nur 2 mal ein 
abnorm niedriger Schichtungsquotient vorhanden. 

Diese Tabelle zeigt im Verein mit dem, was ich über das 
Vorkommen der anhyperaziden Formen der digestiven Hyper¬ 
sekretion mitgeteilt habe, dass man bei der Deutung des Zu¬ 
standekommens der Hyperazidität auch noch einen anderen Faktor 
zu berücksichtigen hat, auf den ich schon bei meinen ersten Mit¬ 
teilungen über die „Hyperaciditas larvata“ habe hinweisen lassen, 
nämlich den Verdünnungsfaktor („Hydrorhoea gastrica“), und vor 
einer Reihe von Jahren habe ich schon erwähnt 1 ), dass man bei 
der Betrachtung der Verhältnisse, wie sie sich nach Probefrühstück 
ergeben, gut daran tut, wasserreiche und wasserarme Magen¬ 
inhalte zu unterscheiden. Es findet sich ferner in der bereits vor 
10 Jahren erschienenen Arbeit von Tuchendler (1. c.) der Satz: 
„Strauss führt also die oft etwas vermehrte Inhaltsmenge eines 
Probefrühstücks bei Hyperazidität wesentlich darauf zurück, dass 
zu viel Sekret dem Mageninhalt beigemengt ist.“ Ich 
spreche hier von Mageninhalten im Gegensatz zum Nativ- 
Saftinhalt, weil wir ja in einem flüssigen Mageninhalt bzw. dem 
Filtrat desselben ein Gemenge verschiedenartiger Flüssigkeiten, 
d. h. von Magensaft, von Schleim und von sonstigen aus der 

1) H. Strauss, Zeitschr. f. klm. Med. Bd. 57. 


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166 H. Strauss, 

Magenwand stammenden Flüssigkeiten vor uns haben, ganz ab¬ 
gesehen davon, dass sich diesem Gemenge zuweilen auch noch 
mehr oder weniger reichliche Quantitäten von Speichel und von 
Duodenalinhalt zugesellen. Aus praktischen Gründen möchte 
ich aber hier von letzteren absehen und die Summe der sich 
dem Probeingestum verdünnend hinzugesellenden Flüssigkeiten 
ganz allgemein als Wandflüssigkeit oder r gastrogcne u Flüssigkeit 
bezeichnen. Habe ich doch auch bei meinen Studien über die 
Verdünnungssekretion 1 ) es geflissentlich unterlassen, eine scharfe 
Definition der Beschaffenheit der beim Verdünnungsakt von der 
Magenwand kommenden Flüssigkeit zu geben. Dass diese Flüssig¬ 
keit gelegentlich nur aus Schleim oder einem anderen nicht sauer 
reagierenden Material bestehen kann, zeigen zwei Fälle aus meinen 
hier mitgeteilten Beobachtungen, in welchen sich ein niedriger 
Schichtungsquotient beim Fehlen von freier Salzsäure und sehr 
niedrige Werte für die Gesamtazidität ergaben. Schon bei früheren 
Gelegenheiten habe ich übrigens auf derartige -— allerdings nicht 
häufig zu machende — Beobachtungen hingewiesen. Fasst man 
für die Deutung des Begriffs der Hyperazidität auch den Yer- 
diinnungsakt ins Auge, so wie ich es selbst schon früher angedeutet 
habe und wie es in letzter Zeit Fleischer und Möller (1. c.) und 
jüngst auch Forschbach 2 ) ausgeführt haben, so wird man sich 
das Zustandekommen einer Hyperazidität auch durch mangelnde 
Verdünnung eines in bezug auf den Salzsäuregehalt vollwertig 
abgeschiedenen Nativsaftes erklären können. Für die klinische 
Diagnostik, die bei der üblichen Funktionsprüfung des Magens aber 
nicht den Nativsaft, sondern diejenigen Verhältnisse ins 
Auge fasst, wie sie sich am Filtrat des lege artis ver¬ 
abreichten und entnommenen Probefrühstücks ergeben, 
liegt aber meines Erachtens zur Zeit kein Grund vor, den Begriff 
Hyperazidität fallen zu lassen, da dieser nach dem bisherigen 
Sprachgebrauehe ja nur soviel besagt, dass der betreffende 
Mageninhalt einen höheren Säuregrad darbietet, als man 
ihn unter gleichen Versuchsbedingungen sonst zu finden 
pflegt. Die verdienstvollen Versuche, den Begriff der Hyperazidität 
im EinzcJfall noch weiter zu analysieren, sollen damit in keiner 
Weise gering geschätzt werden. Haben doch die betreffenden 

1) Strauss u. Roth, Zeitschr. f. klin. Med. Bd. 37. 1899. Vcrhand- 

lungen des 18. Kongr. f. innere Med. 1900 u. a. a. 0. 

2) Forsch bach. Archiv f. Verdauungskrankheiten. Bd. 15. 


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Zur Aetiologie der digestiven Hypersekretion. 


167 


Studien einerseits das Beweisniaterial für die enge verwandtschaft¬ 
liche Beziehung zwischen Hyperazidität und Hypersekretion noch 
erheblich vermehrt, andererseits gezeigt, wie kompliziert die Dinge 
auf dem vorliegenden Gebiet sind, und ich glaube, dass das in 
die Diskussion getragene Material noch gar nicht alle Möglich¬ 
keiten erschöpft. Auch für die von mir schon früher vertretene 
Auffassung einer nahen Verwandtschaft zwischen digestiver und 
kontinuierlicher Hypersekretion sind neuerdings Stützen von Zweig 1 ) 
und Allard 2 ) geliefert worden, welche ähnlich wie ich 8 ) einen 
Uebergang von digestiver in kontinuierliche Hypersekretion bzw. 
umgekehrt haben auftreten sehen, und ich kann selbst diesen Beob¬ 
achtungen zwei neue Fälle gleicher Art hinzufügen. Aus der 
digestiven Hypersekretion wird meines Erachtens erst dann eine 
kontinuierliche, wenn das Missverhältnis zwischen Sekretzufuhr und 
Abfuhr des Mageninhalts einen bestimmten Intensitätsgrad 
erreicht hat, was wohl häufiger durch eine Motilitätsstörung als 
durch eine Zunahme der bereits bestehenden (digestiven) Hyper¬ 
sekretion zu stände kommt. Selbstverständlich können sich auch 
beide Vorgänge kombinieren. 

Da ich von jeher enge Beziehungen zwischen der digestiven 
und der kontinuierlichen Hypersekretion angenommen habe und in 
der ersteren nur eine mildere Form der letzteren gesehen habe 
(„Hypersecretio minor“ — „Hypersecretio major“), so habe ich 
die Ursachen der digestiven Hypersekretion auch von 
jeher in ähnlichen Bedingungen gesucht, wie wir sie von 
der Aetiologie der kontinuierlichen Hypersekretion 
kennen. Ohne auf die Literatur cingehen zu wollen, die sich 
mit letzterem Gegenstand beschäftigt, will ich hier nur bemerken, 
dass ich die Ursachen der letzteren vor einer Reihe von Jahren 
in ventrikuläre und extraventrikuläre eingeteilt habe. Soweit 
es sich um die digestive Hypersekretion handelt, habe ich schon 
vor mehr als 5 Jahren 4 ) bei der Besprechung der Kausaltherapie 
einerseits auf das Ulcus ventriculi, andererseits auf die asthe¬ 
nische Konstitution bei Enteroptose-Patienten, sowie auch auf 
die allgemeine Neurasthenie, die chronische Obstipation, 
Hernien (namentlich der Linea alba) u. a. hingewiesen, und ganz 

1) Zweig, Archiv f. Verdauungskrankheiten. Bd. 13. 

2) Allard, Ibid. Bd. 15. 

3) H. Strauss, Deutsche med. Wochenschr. 1907. No. 15. 

4) H. Strauss (Riegel-Festschrift), Zeitschr. f. klin. Med. Bd. 53 und 
Deutsche med. Wochenschr. 1907. No. 15. 


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168 


H. Strauss, 


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allgemein das Wesen des Zustandes in einer „abnormen Reizbarkeit 
des sekretorischen Apparates gesucht, die zur Folge hat, dass die 
gesamte Saftproduktion auf den Reiz des Probefrühstücks grösser 
ausfällt als beim Gesunden“. Wenn ich bei meinen ersten Hin¬ 
weisen auf den vorliegenden Zustand vor nahezu iy 2 Dezennien 
noch einen speziellen Reiz erwähnt habe, der durch die be¬ 
hinderte Amylolyse der Hyperaziden und die hierdurch gegebene 
längere Verweildauer der Amylazeen im Magen gegeben ist, so 
war dies nur vor 14 Jahren der Fall und ich habe späterhin 
meine Betrachtungen auf eine breitere Basis gestellt und eine 
spezielle Form des Reizes nicht mehr erwähnt. Huppert hat 
unter den 62 Fällen, über welche er berichtet hat, 20 mal das 
Ulcus ventriculi namhaft gemacht und bei einem Viertel der Fälle 
objektiv nachgewiesene Erscheinungen allgemeiner Neurasthenie 
notiert, während er in den anderen Fällen chronische Perityphlitis, 
Gastritis acida, Enteroptosen und in der Hälfte der Fälle das Vor¬ 
kommen einer chronischen Obstipation als ätiologisch bedeutsam er¬ 
wähnt. Diese Anschauungen finden z. Z. nur an Angaben von Borg- 
bjärg 1 ) und Bamberger 2 ) eine Stütze, nicht aber an den von an¬ 
derer Seite über die Aetiologie der digestiven Hypersekretion ge- 
äusserten Ansichten, und es ist deshalb der besondere Zweck dieser 
Mitteilungen, an der Hand der ätiologischen Erhebungen, welche bei 
meinen hier zu besprechenden 102 Fällen festgestellt wurden, die 
klinischen Ursachen der digestiven Hypersekretion zu beleuchten. 
Von den anders lautenden Urteilen will ich hier nur die wichtigsten 
erwähnen. Zweig hat seinerzeit betont (1. c.), „dass die alimentäre 
Hypersekretion stets das Symptom einer bestehenden nervösen 
Dyspepsie darstellt, und im Bilde derselben eine typische Erschei¬ 
nung bildet.“ Nach Boas (1. c.) „spricht manches für eine solche 
Annahme . . . indessen ist ein abschliessendes Urteil vor der Hand 
nicht möglich.“ Boas erwähnt aber das Auftreten eines Teer¬ 
stuhles bei einem seiner Fälle von digestiver Hypersekretion und 
bemerkt: „Vielleicht bestehen auch hier ätiologische Beziehungen 
zum Ulcus ventriculi“. Elsner 8 ) hält den Zustand für die Folge 
einer nervösen Sekretionsstörung, „die voll und ganz in das Krank¬ 
heitsbild einer konstitutionellen Enteroptose (Asthenia universalis 
Stiller) hineingehört“. Er vermag ätiologische Beziehungen der 

1) Borgbjärg, Archiv f. Verdauungskrankheiten. Bd. 14. H. 3 u. 4. 

2) Bamberger, Die innere und chirurgische Behandlung des chronischen 
Magengeschwürs. Berlin, Springer, 1909. 

3) Elsner, Lehrbuch der Magenkrankheiten. Berlin, S. Karger, 1909. 


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Zur Aetiologie der digestiven Hypersekretion. 


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digestiven llypersekretion zu einer organischen Magenaffektion nicht 
anzuerkennen und hält „den neuerdings von Huppert unter¬ 
nommenen Versuch, das Ulcus ventriculi in die Aetiologie der 
Krankheit einzuführen, für verfehlt“. 

Die Frage der klinischen Aetiologie möchte ich deshalb hier 
in den Vordergrund der Betrachtung stellen, weil es mir nicht 
bloss von theoretischer Bedeutung, sondern für die Zwecke der 
Therapie von grosser praktischer Bedeutung erscheint, ob man 
dem Ulcus ventriculi neben den sonstigen ätiologischen Momenten 
in der Pathologie der Hypersekretion eine beachtenswerte Stellung 
einräumt oder nicht. Zum genaueren Studium dieser speziellen Frage 
habe ich vor kurzem den bisherigen Volontär-Assistenten meiner 
Poliklinik, Herrn Dr. Grandauer 1 ), veranlasst, 48 Fälle von Ulcus 
ventriculi auf das Vorhandensein von digestiver Hypersekretion zu 
untersuchen. Es bestand eine solche in 27 Fällen, d. h. in nicht 
weniger als in 2 / 3 der Fälle. In den betreffenden Fällen war 
ebenso wie in denjenigen, über welche seinerzeit Huppert be¬ 
richtet hat, die Diagnose Ulcus ventriculi gestellt worden, wenn 
bei den betreffenden Patienten eine umschriebene lokale Druck¬ 
schmerzhaftigkeit neben charakteristischen (alsbald nach dem Essen 
auftretenden und von der Qualität der Nahrung abhängigen) Schmer¬ 
zen und sogenannten Hyperaziditätsbeschwerden Vorlagen. Gran¬ 
dauer hat weiterhin unter 25 Fällen von Ulcus bzw. Ulcusverdacht, 
bei welchen er mit der von mir angegebenen „Wismut-Restprobe“ 
ein positives Ergebnis nachweiscn konnte, 12mal, d. h. nahezu in 
der Hälfte der betreffenden Fälle, eine digestive Ilypcrsekre- 
tion feststellen können. 

Meine neuen Untersuchungen ergaben unter 84 an digestiver 
Hypersekretion leidenden Männern 19 mal, d. i. etwa 23 pCt., also 
in nahezu einem Viertel der Fälle, ein Magengeschwür und 
unter 18 an digestiver llypersekretion leidenden Frauen 6mal, d. i. 
in einem Drittel der Fälle ein Magengeschwür. Insgesamt fand 
sich in 102 Fällen 25mal, d. i. in ca. einem Viertel der Fälle 
die Diagnose eines Magengeschwürs. Rechne ich die aus meinen 
früheren Beobachtungen stammenden Fälle von Huppert hinzu, 
so fand sich unter 164 Fällen 45 mal, d. i. in ca. 28 pCt. der 
Fälle ein Magengeschwür. Auf Grund dieser Feststellungen dürfte 
es wohl kaum mehr einem Zweifel unterliegen, dass 
zwischen der digestiven Hypersekretion und dem Magen- 

1) (irandauer, Berliner klin. Wochenschrift. 1909. No. 24. 


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H. Strauss, 

gesehwür Beziehungen existieren, die praktisch vollste 
Beachtung verdienen. Speziell scheint mir das Syndrom 
der digestiven Hypersekretion mit einem positivem Aus¬ 
fall der von mir angegebenen „Wisraut-Restprobe“ für die 
Diagnose des Ulcus ventriculi bei schleimfreien Magen¬ 
inhalten mindestens dieselbe Bedeutung zu besitzen, wie 
die Kombination einer Hyperazidität mit einem positiven 
Ausfall der Wisraut-Restprobe. Ich sage „mindestens“ des¬ 
halb, weil die Ulcusfälle meiner eigenen Beobachtungen das Sym¬ 
ptom der Hyperazidität in nicht allzugrosser Häufigkeit (unter 
08 Fällen nur 20 mal, d. h. in etwa 1 / s der Fälle) haben erkennen 
lassen 1 )- Die Häufigkeit, mit welcher in meinem Beobachtungs¬ 
material Hyperazidität bei Ulcus ventriculi getroffen wurde, stimmt 
also mit den an hiesigem klinischen Material gewonnenen Zahlen 
von Ewald 2 * ) (34,1 pCt.), Bamberger 8 ) (36 pCt.) überein und 
kommt dem Befunde von Wirsing 4 5 ) (42,7 pCt.) sehr nahe. Ich 
schätze das Syndrom der digestiven Hypersekretion mit positivem 
Ausfall der Wismut-Restprobe dürfte für die Diagnostik des Ulcus 
ventriculi in ähnlicher Weise, wie das Syndrom des wiederholten 
Nachweises von Minimalblutungen in den Fäzes mit positivem Aus¬ 
fall der Saloinonschen Probe 6 * ) für die Diagnostik des Karzinoms. 

Mit den hier entwickelten Auffassungen lassen sich auch die 
weiter oben entwickelten Erhebungen über die Bevorzugung ge¬ 
wisser Altersklassen gut in Einklang bringen, denn wir wissen 
einerseits von der Hyperazidität, andererseits vom Ulcus ventriculi, 
dass diese ungefähr die gleichen Altersklassen bevorzugen. So¬ 
weit die Hyperazidität in Frage kommt, hat Riegel schon auf 
diese Erscheinung hingewiesen, und ich finde in einer Statistik von 
Borgbjärg 6 ) unter 93 Fällen von Hyperazidität 54 Fälle im Alter 

1) Grandauer, Deutsche med. Wochenschr. 1909. No. 34. 

2) Ewald, Deutsche Klinik. Bd. 5. S. 470. 

.8) Bamberger, Die innere und chirurgische Behandlung des chronischen 
Magengeschwürs. Berlin, Springer, 1909. 

4) Wirsing, Archiv f. Verdauungskrankheiten. Bd. 11. S. 197. 

5) Die diagnostische Verwertung dieses Syndroms hat mich allerdings 
einmal in einem Falle von Leberkarzinom im Stiche gelassen, in welchem 
beide Proben positiv ausgefallen waren, und die Magenwand bei der 

Autopsie glatt und ohne irgendwelche Ulzeration oder Erosion befunden worden 
war. In dem betreffenden Falle stammte das in den Fäzes nachgewiesenc 
Blut von Leberhämorrhagien. Die Salomon’sche Eiweissprobe an sich stellt 

eine Variante der früher von Boas, mir selbst u. A. empfohlenen Unter¬ 
suchung des nüchternen Magens auf blutig-eitrigen Inhalt dar (cf. H. Strauss, 
Berliner klin. Wochenschrift. 1899. No. 40). 

G) Borgbjärg, Referat im Archiv f. Verdauungskrankh. Bd. 10. S. 431. 


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Zur Aetiologie der digestiven Hypersekretion. 


171 


von 20—40 Jahren, wobei das Verhältnis der männlichen zu den 
weiblichen Patienten wie 60:33 war. Auch von Kövesi’s 1 ) 
29 Fällen von Hyperazidität waren 3 unter 20 Jahren, 16 zwischen 
20 und 30 Jahren, 9 zwischen 30 und 40, während nur ein Patient 
45 Jahre alt war. Ich selbst habe aus dem Material, das ich für 
den vorliegenden Zweck zusammengestellt habe, im ganzen 124 Fälle 
vorgefunden, bei welchen die Gesamtazidität bei Anwesenheit von 
freier Salzsäure 65 und mehr betrug. Das sind ca. 25 pCt. aller 
Untersuchten—also genau dieselbe Anzahl, welche seinerzeit Schüler 
(I. c.) an den von mir klinisch beobachteten Fällen (53 Fälle von 
Hyperazidität unter 212 Untersuchten) festgestellt hatte. 

Die Fälle meiner hier besprochenen Statistik haben sich in 


bezug auf Alter und 

Geschlecht in 

folgender Weise verteilt: 


Männer: 

Frauen 

: Gesamtzahl: 

unter 20 Jahren . 

. . 1 

3 

4 

20—29 Jahre 

. . 25 

15 

40 

30-39 „ 

. . 28 

22 

50 

40-49 „ 

. . 10 

6 

10 

50-59 „ 

. . 4 

3 

r? 

( 

60-69 „ 

. . 3 

4 

7 


71 

53 

124 


unter 259 

unter 221 

unter 480 

Wie die Verhältnisse bezüglich der Altersklassen beim Ulcus 

ventriculi liegen, ist so bekannt, dass 

es sich erübrigt, hier darauf 

näher einzugehen. Genaueres findet 

sich in 

den Statistiken von 

Riegel 2 ), Ewald 3 ), 

Wirsing 4 ). Robin 5 ), 

Brinton 6 ), Rüti- 

mever 7 ) u. a. und ich selbst fand unter den für den vorliegenden 

Zweck zusammengestellten Fällen folgende Häufigkeitsskala: 


Männer 

Frauen 

Gesamtzahl 

Unter 20 Jahren 

. . 1 

6 

7 

20—29 Jahre . 

. . 20 

20 

40 x 

30-39 „ . 

. . 10 

12 

22 

40-49 „ . 

. . 8 

4 

12 

50-59 „ . 

. . 2 

2 

4 

& 

! 

8 

. . 1 

0 

1 


42 

44 

86 


unter 259 

unter 221 

unter 480 Fällen. 


1) Kovcsi, Ibid. Bd. 5. 

2) Riegel, Erkrankungen des Magens. 1897. 

3) Ewald, Eulenburg, Real-Encyklopädie. 1897. Bd. 14. S. 302 

4) Wirsing, Archiv für Verdauungskrankheiten. Bd. 11. S. 199. 

5) Robin, Les maladies de l’cstomac. 1904. S. 535. 

6) Brinton, Krankheiten des Magens. Uebersetzt von Bauer. Würzburg 1872. 

7) Rütimeyer, Ueber geographische Verbreitung und Diagnose des 
Ulcus ventriculi. Wiesbaden, Bergmann, 1906. 


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172 H. Strauss, 

Auffallend ist bei einem Vergleich der Statistik der Fälle mit 
digestiver Hypersekretion mit derjenigen der Fälle von Magen¬ 
geschwür allerdings, dass bei der ersteren das männliche Ge¬ 
schlecht ganz erheblich überwiegt. Dies ist übrigens eine 
Erfahrung, die in noch weit ausgesprochenerem Grade bei den 
Fällen von kontinuierlicher Hypersekretion gemacht werden kann, 
einem Zustand, der ja jetzt ganz allgemein in enge Beziehungen 
zum Ulcus ventriculi gebracht wird [Laboulais 1 ), Soupault 2 ), 
Strauss 3 ), Anschütz 4 ), Kausch 6 ) u. a.]. 

Ich würde der Erörterung der Beziehungen zwischen Magen¬ 
geschwür und Magensaftfluss nicht einen so breiten Raum zuge¬ 
messen haben, wenn diesen Beziehungen nicht die bereits oben ge¬ 
nannte praktisch-therapeutische Bedeutung zukommen würde. 
Ist die Beziehung des Ulcus ventriculi zur digestiven Hypersekretion 
zwar nicht die häufigste (cfr. später), so scheint sie mir wohl 
aber die praktisch wichtigste zu sein. Unabhängig von der 
Frage, ob die in meiner Statistik gewonnenen Zahlen sich mit den 
Befunden Anderer genau decken oder nicht (es handelt sich um 
Fälle aus der Poliklinik, wo ja die Diagnostik leider nicht immer so 
exakt durchgeführt werden kann wie in der Klinik), glaube ich, dass 
in allen Fällen von digestiver Hypersekretion, in welchen 
auch sonst noch ein begründeter Verdacht auf Ulcus vor¬ 
liegt, eine Ulcuskur nach denjenigen Grundsätzen indi¬ 
ziert ist, welche ich s. Z. für die mit Hyperazidität kom¬ 
binierten Ulcusfälle vorgeschlagen habe, d. h. die Verbin¬ 
dung einer ausgeprägten Schonungskur mit einer an (emul¬ 
giertem) Fett reichen Diät. In der Tat habe ich, wie ich be¬ 
reits an anderer Stelle 6 ) genauer ausgeführt habe, in entsprechenden 
Fällen von einem solchen Vorgehen schöne Erfolge gesehen. 

Da ich die Fälle von „Hvperaciditas larvata“ nach denselben 
Grundsätzen wie die Fälle von Hyperazidität behandelt habe, und 
da ich wegen der engen Beziehungen zwischen Hyperazidität und 
Ulcus schon seit mehr als einem Jahrzehnt 7 ) bei der Behandlung 
des Magengeschwürs die Schonungsprinzipien mit den Grundsätzen 

1) Laboulais, Sem. med. 1898. 

2) Soupault, Bull, ct mein. de la soe. med. des höpit. 1902. 

3) H. Strauss, Mitteilungen aus den Grenzgebieten. Bd. 12. H. 1. 

4) Anschütz, Ibid. Bd. 19. 

5) Kausch, Verhandlungen des Deutschen Chirurgenkongresses 1909. 

6) Cf. II. Strauss, Deutsche med. Wochenschr. 1907. No. 15. 

7) H. Strauss u. v. Aldor, Zeitsehr. f. diätetische u. phvsik. Therapie. 
Bd. 1. II. 2. 


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Zur Aetiologie der digestiven Hypersekrotion. 


173 


einer Fettdiät verbunden habe, wie ich sie s. Z. mit v. Aldor 1 ) 
entwickelt habe, so verfüge ich auf dem vorliegenden Gebiet über 
eine nicht geringe Zahl von Erfahrungen, und will nur hier neben¬ 
bei bemerken, dass ich auf Grund der mit dem genannten Vor¬ 
gehen gemachten Erfahrungen für die Behandlung des Magen- • 
geschwürs bisher keinen Anlass zur Annahme des Lenhartzschen 
Diätschemas hatte, weil ich mit dem genannten Vorgehen der 
wesentlichsten und vollberechtigten Forderung von Lenhartz, den 
Kranken ausreichend und nicht zu voluminös zu ernähren, schon 
seit langer Zeit in weitgehender Form entsprochen habe. 

Mit dem Ulcus ventriculi sind jedoch die lokalen organi¬ 
schen und die funktionellen Störungen am sezernierenden Apparat 
des Magens noch nicht erschöpft, welche in der Pathogenese der 
digestiven Hypersekretion eine Rolle spielen. Das zeigt u. a. ein 
Blick auf die Fälle von motorischer Insuffizienz, die mit einer 
kontinuierlichen Hypersekretion verbunden sind. So lange in 
den betreffenden Fällen eine Stauung der Ingesta vorliegt, darf 
man nach den bei der Betrachtung der digestiven Hypersekretion 
gewonnenen Anschauungen die kontinuierliche Hypersekretion wohl 
nur als eine kontinuierliche Form der digestiven Hyper¬ 
sekretion ansehen, weil die Motilitätsstörung eben die dauernde 
Anwesenheit von Speisen im Magen bedingt. Borgbjärg 2 ) geht 
sogar noch weiter, indem er auch das nüchterne Sekret bei der 
kontinuierlichen Hypersekretion als die Folge einer digestiven 
Hypersekretion anspricht, da er fast stets in solchen Zuständen Rück¬ 
stände mikroskopischer Art gefunden hat. Er misst diesen 
mikroskopischen Rückständen eine solche Wirkung allerdings nur 
auf dem Boden einer erhöhten Reizbarkeit des sekretorischen Appa¬ 
rates bei, wenn der Reizzustand noch anhält, nachdem die Speisen 
den Magen schon verlassen haben. Ich habe früher sehr häufig 
den Bodensatz nüchterner Sekrete mikroskopiert und habe ausser 
Leukozyten und vereinzelten Mikroparasiten gelegentlich auch 
Amylumkörnchen gefunden, so dass ich der genannten Auffassung 
für eine grosse Zahl von Fällen beitreten kann, wobei ich aller¬ 
dings den Nachdruck auf die erhöhte Reizbarkeit des 
sekretorischen Apparates legen muss, welche zu einer 
„secretio celer et longa“ führt, wie ich jetzt einen früher von mir 

1) Cf. hierüber H. Straus.s, Grundsätze der Diätbehandlung Magenkranker 
in Würzburger Abhandlungen. Bd. 1. S. 8‘29. 

2) Borgbjacrg, Archiv f. Vcrdauungskrankhciten. Bd. 14. 1. c. 


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H. Strauss, 


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für die Charakterisierung der Hyperazidität gebrauchten Ausdruck 
variieren möchte. Dass in den betreffenden Fällen aber Verände¬ 
rungen am Drüsenparenchym vorliegen, darf man aus der Erfahrung 
entnehmen, dass nach Behebung der Motilitätsstörung die Tendenz 
zur Hypersekretion oft noch wochenlang fortdauert, wie ich dies 
an einigen Beispielen eigener Erfahrung 1 ) und auch an einschlägigen 
Beobachtungen aus der Literatur illustriert habe. Bezüglich der Art 
der anatomischen Veränderungen, an welche ich in diesem Zusammen¬ 
hang denke, verweise ich auf die Darstellung der Befunde, welche 
sich bei der histologischen Untersuchung zweier von mir beobachteter 2 ) 
Fälle von chronischer kontinuierlicher Hypersekretion ergeben hat. 

Auch die Fälle von Gastritis acida verdienen in diesem 
Zusammenhang ein gewisses Interesse insofern, als man daran 
denken kann, dass der anatomische Prozess, welcher der Gastritis 
zugrunde liegt, wohl auch ursächliche Beziehungen zur Entstehung 
der digestiven Hypersekretion aufweist. Möglicherweise spielt der 
Schleim selbst hierbei eine Rolle. Allerdings war nur die Minder¬ 
zahl der Fälle von Gastritis acida aus meinen Beobachtungen mit 
digestiver llypersekretion kompliziert, denn ich habe unter den für 
den vorliegenden Zweck zusammengestellten Fällen von Gastritis 
acida bei Männern 4 mal Gastritis acida mit digestiver Hyper¬ 
sekretion und 15 mal ohne digestive Hypersekretion, bei Frauen 
*2 mal Gastritis acida mit digestiver Hypersekretion und 21 mal 
ohne digestive Hypersekretion vorgefunden. Ich bemerke dabei, 
dass ich von Gastritis acida nur dann spreche, wenn ich am Probe¬ 
frühstück einen „Kontrastbefuud“ erheben konnte. Ich verstehe 
dabei unter „Kontrastbefund“ die Anwesenheit grösserer Mengen 
freier Salzsäure bei einem Probefrühstüek, dessen Brödchenrest so 
klumpig und grossbrockig aussieht, dass man zunächst an Apepsia 
gastrica denkt, bei welcher ja eine mangelhafte Amylorrhexis 3 ) 
— wie ich s. Z. diesen Vorgang nannte — am ausgeprägtesten 
und konstantesten getroffen wird. Die Ursache dieses „Kontrast¬ 
befundes“ dürfte darin gegeben sein, dass der gekaute Brocken 
alsbald derartig von Schleim umhüllt wird, dass die Verdauungs¬ 
säfte den Schleimüberzug des Brockens nur mangelhaft durchdringen 
können. Eine spezielle Notiz über stärkeren Schleimgehalt im 

1) H. Strauss, Mitteilungen aus den Grenzgebieten der inneren Medizin 
und Chirurgie. 1. c. 

2) Cf. Strauss u. Mycr, Virchow's Archiv. Bd. 154. 1898 und Strauss u. 
Bleichrüder, Untersuchungen über den Magensaftiluss. Jena, G. Fischer, 1903. 

3) 11. Strauss, Deutsches Archiv f. klin. Mod. Bd. 55. 


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Zur Aetiologie der digestiven Hypersekretion. 


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ausgeheberten Mageninhalt habe ich ausserdem noch bei Männern 
5 mal, bei Frauen 2 mal vorgefunden, glaube aber nicht, dass da¬ 
mit die Zahl derjenigen Fälle erschöpft ist, in welchen eine stär¬ 
kere Schleim Produktion überhaupt stattgefunden hat. Denn man 
muss in allen denjenigen Fällen, in welchen grössere Mengen eines 
verdauungskräftigen Magensaftes vorliegen, mit der Möglichkeit 
rechnen, dass ein Teil des Schleimes verdaut und dadurch dem 
Nachweis entzogen worden ist. Es ist dies ein Moment, welches 
die Beurteilung der vorliegenden Frage sowie auch mancher anderen 
Fragen in hohem Grade erschwert. > 

Was die übrigen ätiologischen Momente betrifft, so 
fanden sich unter meinen 84 Fällen von digestiver Hypersekretion 
bei Männern 39 mal (46 pCt.), und unter meinen 18 Fällen bei 
Frauen 5 mal (28 pCt.) ausgeprägte Zeichen einer allge¬ 
meinen Neurose, also unter 102 Fällen 44 mal (43 pCt.). Da in 
den betreffenden Fällen andere ätiologische Momente nicht auf¬ 
zufinden waren, so wird man nicht fehlgehen, wenn man die 
digestive Hypersekretion in der Mehrzahl dieser Fälle 
mit der allgemeinen Neurose in ätiologischen Zusammen¬ 
hang bringt. Ich stimme infolgedessen den bereits oben ge¬ 
nannten Autoren bezüglich der Häufigkeit des Momentes einer 
neurogenen Aetiologie insofern bei, als auch ich das Moment 
der neurogenen Aetiologie als ein sehr häufiges ansehe, aber da¬ 
neben auch andere ätiologische Faktoren in ausgiebigerem Maassc 
berücksichtige als die oben erwähnten Autoren. Auch Huppert 
(1. c.) hat die Häufigkeit der neurogenen Aetiologie nicht be¬ 
stritten. Vielleicht sind in die hier diskutierte Rubrik auch die¬ 
jenigen Fälle zu rechnen, welche ich bei Tuberkulose auf dem 
Boden eines Habitus asthenicus habe beobachten können. Es 
waren dies bei Männern 5, bei Frauen 2 Fälle. Ist doch mancher 
Fall von Intestinaldyspepsie bei Tuberkulösen weiter nichts als 
der Ausdruck der asthenischen Konstitution von Patienten, welche 
einen charakteristischen Stiller’schen Habitus darbieten 1 ). 

lieber das Vorkommen des Habitus asthenicus selbst sind 
leider in den Krankengeschichten die Notizen nicht so einwands¬ 
frei gemacht, dass ich in der Lage wäre, hier exakte Zahlen an¬ 
zuführen. Indessen genügen die bereits gemachten Ausführungen 
schon um zu zeigen, dass es nicht angeht, die digestive 

1) Cf. H. Strauss, Die Ernährung der Tuberkulösen. Referat auf der 
VI. Versammlung der Tuberkulose-Aerzte zu Berlin. 


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H. Strauss, 


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Hypersekretion schlechthin als eine Teil- oder Folge¬ 
erscheinung des Habitus asthenicus bzw. der asthenischen 
Konstitution zu betrachten. Denn sonst wäre es u. a. schwer 
zu verstehen, dass das weibliche Geschlecht, das doch in erster 
Linie die Träger des genannten Habitus bzw. der genannten Kon¬ 
stitution liefert, bei dem vorliegenden Krankheitszustand dem 
männlichen Geschlecht gegenüber in so hohem Grade an 
Zahl zurücksteht. Dass der Habitus asthenicus bei den hier 
zur Diskussion stehenden Fällen aber ein häufiger ist, ist mir 
schon von Anfang an aufgefallen und ich war wohl der erste 1 ), 
der dagegen Einspruch erhoben hat, den Begriff „Atonie“ an 
einem Ort zu benutzen, wo von einer Motilitätsstörung gar keine 
Rede ist, und wo das zum Beweis für die „Atonie“ angeführte 
Plätschergeräusch nur durch die Verbindung eines im Uebermass 
abgeschiedenen Sekretes mit ausgiebiger Wandständigkeit des Magens 
hervorgerufen wird. Findet man doch „Plätschermagen“ oder 
„Schwappmagen“, wie ich den Zustand in einer nichts präjudizieren- 
deu Weise nennen möchte, bei digestiver Hypersekretion mit gleich¬ 
zeitigem Habitus asthenicus bzw. mit tiefstehendem Magen und 
fettarmen, dünnen Bauchdecken nicht ganz selten und spricht 
nach dem, was ich an anderer Stelle 2 ) über das Vorkommen von 
Erscheinungen reizbarer Schwäche beim Habitus asthenicus aus¬ 
geführt habe, doch auch manches dafür, dass die digestive Hyper¬ 
sekretion bei den Fällen von Habitus asthenicus häufig — nicht 
immer — ein asthenisches Phänomen, eine Teilerscheinung der 
asthenischen Konstitution, darstellt. 

Auch in denjenigen Fällen, in welchen Hernien (speziell der 
Linea alba) nachgewiesen sind (unter meinen hier besprochenen 
Patienten 4 mal), darf wohl an einen Reizzustand gedacht werden, 
der auf dem Wege des Nervensystems zustande gekommen ist. 
Vielleicht darf man eine ähnliche Deutung auch den Fällen von 
chronischer Perityphlitis und chronischer Cholezystitis (bei Männern 
4 mal, bei Frauen 1 mal) zuteil werden lassen. Auch ein Fall 
von Tabes (weiblicher Patient) wäre bei einer Besprechung des 
Einflusses nervöser Momente zu erwähnen. 

Auch die Bedeutung des chronischen Tabak- und Alkohol- 

1) H. Strauss, Deutsches Archiv f. klin. Med. Bd. 55. Zeitsclir. f. klin. 
Med. Bd. 53 u. a. a. 0. 

2 ) II. Strauss, Einige praktisch wichtige Fragen aus dein Kapitel der 

Gastroptosen. Berliner Klinik. H. 131. 1899. 


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Zur Aetiologie der digestiven Hypersekretion. 


177 


genusses, von welchen der erstere 5 mal, der letztere 4 mal notiert 
war, darf nicht übersehen werden. Ich kann hierfür ein in Zahlen 
ausdrückbares Urteil allerdings nicht abgeben, da das Vorhanden¬ 
sein der betreffenden Schädlichkeiten nur in solchen Fällen notiert 
wurde, in welchen es sich um sehr starkes Rauchen oder um 
starkes Potatorium handelte. Wie bei allen Schädlichkeiten dürfte 
aber neben dem Uebermass des Konsums auch die verminderte 
Resistenz der einzelnen Personen gegenüber Tabak bzw. Alkohol¬ 
genuss eine Rolle spielen, so dass die tatsächliche Anzahl der 
Fälle, in welchen die genannten Schädlichkeiten zu der Entstehung 
der digestiven Hypersekretion beigetragen haben, wohl grösser 
gewesen sein dürfte. Immerhin glaube ich aber auf Grund meiner 
im Laufe der Jahre gewonnenen Erfahrungen die Bedeutung eines 
mässigen Rauchens und eines mässigen Alkoholgenusses für 
die vorliegende Frage nicht überschätzen zu sollen, wenn es sich 
nicht gerade um Personen handelt, die den genannten Schädlich¬ 
keiten gegenüber eine verminderte Resistenz aufwiesen. Für eine 
Bedeutung des Rauchens für die Aetiologie der digestiven Hyper¬ 
sekretion kann man auch die bereits erwähnte Tatsache anführen, 
dass die digestive Hypersekretion bei Männern erheblich häufiger 
anzutreffen ist, als bei Frauen. 

Eine Erscheinung, die sehr häufig notiert wurde, war die 
chronische Obstipation, und zwar fand sich diese bei den 
84 Männern 41 mal (= 49 pCt.) und bei den Frauen 8 mal 
(= 44 pCt.), Durchfall war bei den Männern 7 mal, bei den 
Frauen 1 mal, und ein Wechsel des Verhaltens des Stuhles bei 
den Männern 3 mal, bei den Frauen 1 mal notiert. Ich habe 
früher schon die chronische Obstipation als einen für die Ent¬ 
stehung der digestiven Hypersekretion nicht ganz gleichgültigen 
Faktor bezeichnet 1 ), ebenso wie ich auch ähnliche Anschauungen 
über Beziehungen der chronischen Obstipation zur Hyperazidität 
Für zulässig halte 2 ), wobei ich mich dem Standpunkte v. Noorden’s 8 ), 
Ebstein’s 4 ) u. a. anschliesse. Ich will dabei allerdings nicht be¬ 
haupten, dass in jedem Falle einer Verbindung der beiden Zu¬ 
stände der erwähnte Kausalnexus vorliegt. 

Mit den hier gemachten Ausführungen sind wohl die häufigsten 
ursächlichen Momente der digestiven Hypersekretion in’s Auge ge- 

1) H. Strauss, Zeitschr. f. klin. Med. Bd. 53. 

2) H. St rau ss, in Deutsche Klinik. Bd. V. 

3) v. Noorden, Zeitschr. f. klin. Med. Bd. 53. 

4) Ebstein, Die chronische Stuhlverstopfung. Stuttgart, Enke, 1901. 

Internat. Beiträgt. Bd. I. Heft 2. io 


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178 H. Strauss, Zur Aetiologie der digestiven Hypersekretion. 

fasst. Bei der Grösse des den Betrachtungen zugrunde gelegten 
Materials darf man dies wenigstens vermuten. Sicherlich ist aber 
der Kreis aller ätiologischer Momente damit noch nicht er¬ 
schöpfend berücksichtigt. Das was die hier besprochenen Unter¬ 
suchungen aber zutage gefördert haben, genügt schon, um auf’s 
neue zu zeigen, dass es bei einer ätiologischen Betrachtung des 
hier erörterten Zustandes — zum mindesten unter dem Ge¬ 
sichtspunkt der Therapie — nicht am Platze ist, von 
einer einheitlichen Aetiologie zu sprechen. Die Ursachen 
der digestiven Hypersekretion sind in den einzelnen 
Fällen verschiedenartige und demgemäss hat auch die 
Kausalbehandlung, welche in jedem Falle neben der 
symptomatologischen zu versuchen ist, in den einzelnen 
Fällen einen verschiedenen Weg zu nehmen. Welcher Art 
dieser ist, ergibt sich teils aus dem Erörterten, teils aus den Aus¬ 
führungen, die ich an den Stellen niedergelegt habe, auf welche ich 
bei Gelegenheit der vorliegenden Betrachtungen mehrfach verwiesen 
habe. Hier kam es mir vor allem darauf an, die Bedeutung des 
Ulcus ventriculi für die vorliegende Frage zu wiederholen. 

Resume. 

Aus einer eigenen Beobachtungen entnommenen, auf 102 Fällen 
von digestiver Hypersekretion aufgebauten Statistik ergibt sich, dass 
die digestive Hypersekretion häufiger ist, als an zahlreichen Stellen 
angenommen wird. Sie kommt bei Männern häufiger als bei Frauen 
vor, bevorzugt besonders die jugendlichen und mittleren Altersklassen, 
geht meist mit guter Motilität und keineswegs immer mit Hyper¬ 
azidität einher. Sie findet sich in etwa 1 / i der Fäjle von Magen¬ 
geschwür, aber auch bei anderen krankhaften Zuständen, so be¬ 
sonders bei allgemeinen Neurosen, bei Fällen von asthenischer Con¬ 
stitution, bei einer Reihe von Fällen von chronischer Obstipation, 
zuweilen auch bei Hernien, im Zusammenhang mit Abusus in Nikotin 
oder Alkohol sowie auch noch unter anderen Bedingungen. Ihre Be¬ 
ziehungen zum Magengeschwür sind einerseits für die Diagnose 
des Magengeschwürs beachtenswert — besonders bei gleichzeitigem 
positivem Ausfall der „Wismut-Rcstprobe“, andererseits für die 
Therapie dieses Zustandes. Denn es erscheint in allen Fällen von 
digestiver Hypersekretion, in welchen auch noch sonstige Verdachts¬ 
momente für Magengeschwür vorliegen, eine Ulcuskur (und zwar 
in fettreicher Form) eines Versuches wert. 


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X. 

(De la clinique medicale de l’Universite ä Cracovie.) 

Recherches cliniques et experimentales sur la 
prösence des substances antitryptiques du sdrum 
sanguin de Thomme. 

Par 

Privatdozent Dr. Erwin Miesowicz et Dr. Adam Maciag. 

La connaissance de plus en plus precise des differentes sub¬ 
stances defensives circulant dans l’organisme a contribu^ aussi ä 
eclairer l’immunite des tissus vivants envers des actions fermenta¬ 
tives. Principalement les causes, qui defendent les tissus vivants, 
contre l'action des ferments proteolytiques sont devenues plus com- 
prehensibles. 

Fermi et Pernossi ont remarque que le suc des Organes 
internes des animaux ainsi que le sang et surtout son serum, 
affaiblissent l’action du ferment tryptiquc (l’action antitryptique). 
Camus, Gley, Pugliese, Coggi et Martin Hahn se sont 
occupe aussi de l’action antitryptique du s6rum sanguin. 

Peu apres furent publiees les observations d’Ascoli et 
Berzola. Ces auteurs ont etudie avec la mäthode de Fermi 
le pouvoir antitryptique du serum sanguin humain dans la pneu- 
monie fibrincuse. Dans ce but ils constataient l’action digestive de 
la trypsine sur la gelatine. Ensuite ils affaiblissaient l’action de 
la trypsine en ajoutant un serum correspondant; ils cxecutaient 
ces recherches de la maniere suivante: ils melaient les quantites 
progressives (de 0,01—0,08) du serum sanguin diluö ä 10 pCt. au 
moyen de la solution de NaCl ä 0,85 pCt. avec 1 ccm de la 
solution de trypsine dans les tubes ä essais; apres dix minutes 
ils ajoutaient ä ce melangc 3 ccm de gelatine d’arthus, et met- 
taient ensuite les tubes dans le thermostat ä la lemperature de 

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E. Miesowicz et A. Maoiag, 


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37° pendant deux heures et dernie, puis ils posaient les tubes 
dans une glaciere, et la gSIatine non diger6e se coagnlait. Comrae 
titre servait A, c’est-ä-dire la quantite minimale du serum qui 
erapechait la coagulation. Cette möthode compliquee a donne lieu 
a beaucoup d’erreurs ä cause de la variabilit£ des proprietes de 
la gelatine. 

Ascoli et Berzola ont constate que dans la pneuraonie 
fibrineuse le pouvoir antitryptique du s6rum sanguin de l’homme 
est augmente jusqu’ä la crise de la maladie, puis baisse rapide¬ 
ment. Ils ont explique ce phenomene en s’appuyant sur les 
recherches de Delezenne. Cct auteur a demontre que l’action 
digestive de la trypsine se base sur deux composants, dont l’un 
est contenu dans le suc pancreatique, et l’autre (la cinase) est le 
produit des leucocytes, se formant vraissemblablement dans les 
parois des intestins, dans les agmina Peyeri. 

Ascoli et Berzola sont d’avis que les enormes quantitßs de 
leucocytes qui se d6composent dans la pneuraonie fibrineuse, pro- 
duisent la formation de grandes quantitäs de cinase. L’organisme 
rßagit contre cette inondation par la production d’une quantite 
süffisante d’anticinase. Enfin les mömes auteurs d6clarent que des 
observations analogues sur la propri^te du s6rum sanguin vont 
etre probablemcnt constate dans d’autres maladies. 

Deux ans apres Kolaczek, Bittorf, Wiens et d’autres, en 
se servant de la m6thode de boites de Petri de Müller et Joch¬ 
mann demontrerent que le s6rum sanguin humain non seulement 
agit d’une maniere antitryptique, mais qu’ainsi cette action est 
differente dans differents cas morbides. 

Müller et Jochmann ont 6t6 les premiers ä observer systema- 
tiquement l’action du sßrum sanguin humain envers les ferments 
proteolytiques (acquis de leucocytes). Leurs recherches ont appele 
une attention plus serieuse seulement apres que Bricger et 
Trebing eurent fait paraitre leurs propres observations sur l’aug- 
mentation du pouvoir antitryptique des s^rums sanguins chez les 
malades souffrant du cancer. 

A cette 6poque nous avons justement commence de nouvelles 
recherches sur cette question. 

Avant de citcr les rösultats que nous avons obtenu, nous 
presentcrons la description des methodes dont on se sert mainte- 
nant habituellcinent pour demontrer l’action antitryptique du serum 
sanguin. 


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Sur la pr&enco des substanoes antitryptiques du sdrum sanguin etc. 181 


La methode dont se sont servis et que recommandent Brieger 
et Trebing, a ete presente par Jochmann et Müller et ameliore 
par Markus; eile se base sur les faits suivants: Le pus inflarama- 
toire agit d’une maniere proteolytique sur le serum coagule de 
Loeffler contenu dans les boites de Petri. Cette action sc 
raarquc par la formation de petites delles. On peut diminuer et 
merae supprimer l’action proteolytique du pus sur le serum 
en ajoutant une quantite süffisante du serum sanguin. Comme 
mesure de contenu des substances arretant l’action proteolytique 
dans le serum, on admet la quantite du serum sanguin ne- 
cesssaire pour supprimer l’action proteolytique du pus. A la 
place de pus on a introduit des Solutions de trypsine ce qui rend 
la methode de boites de Petri plus facile et plus parfaite 
(Markus). 

On peut citer en defaveur de cette methode facile et rapide 
le fait que l’immunite des boites avec le serum de Löffler est 
tres instable envers les ferments (proteolytiqucs) digestifs. Ce fait 
est cause de resultats peu exacts. 

Pour cette raison nous nous sommes servis dans nos obser- 
vations d’une autre methode dont l’execution prend plus de temps, 
mais donne des rösultats plus uniformes. 

Nous parlons de la methode de Fuld-Gross qui premiere- 
ment devait servir seulement pour determiner le pouvoir digestif 
de la trypsine. 

La base de cette methode est simple: nous agissons avec la 
trypsine sur la solution de caseine; dans le cas, oü la caseine a 
ete digeree, la solution observee reste transparente apres avoir 
ete aciduiee, car la caseine dig6r6e ne se coagule pas dans une 
solution aigre. Dans le cas, oü il se trouve encore dans la solu¬ 
tion de la caseine non digeree, cette solution devient trouble apres 
avoir ete aciduiee, car la caseine se coagule dans les Solutions 
aigres. L’action antitryptique du serum sanguin se montre de la 
faqon suivante: la dose qui digere entiereraent la solution de 
caseine, ne la digere plus, si on ajoute du serum, car une solu¬ 
tion pareille devient trouble apres avoir ete aciduiee. On peut 
determiner quantitativement l’action antitryptique en composant 
une serie de Solutions. Nous ajoutons des quantites progressives 
de trypsine aux egales quantites de caseine et de serum. Apres 
1 / 2 heure passee dans le thermostat nous acidulons une serie de 
Solutions. La solution qui se trouble apres avoir ete aciduiee, 


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G. Miesowicz et A. Maciag, 


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indique une dose de trypsine d’ont l’action a ete supprimee par 
une quantite connue de serum. 

L’exp^rience s’execute de la maniere suivante: 

Solutions necessaires: 

1. La solution de caseine: 1 g de caseine se dissout ä une 
temperature moyenne dans 100 ccm n/10 NaOH; eile se neutralise 
avec n/10 HCl en prcscnce de tournesol et se complete avec une 
solution de 0,85 pCt. de NaCl jusqu’ä 500 ccm. 

2. L’acide acetique: 5 ccm de l’acide acetique + 45 ccm de 
l’aleool -r 50 ccm de l’cau distillce. 

3. La solution de trypsine: 0,5 g de trypsine (trypsinum 
puriss. de Grübler) se dilue dans 50 ccm de la solution de NaCl 
de 0,85 pCt. avec du Supplement de 0,5 ccm N-Na^CCV Celte 
solution se dilue avec une solution de 0,85 pCt. de NaCl dix fois. 

Ensuite nous constatons le pouvoir digestif de la trypsine de 
la maniere suivante: dans des tubes ä essais nous mölons de plus 
en plus petites quantites de trypsine, completees avec une solution 
de chlorure de sodium jusqu’au meme volumc, avec 2 ccm de So¬ 
lution de caseine et nous mettons lcs tubes dans un thermostat. 
Apres avoir enleve les tubes du thermostat nous acidulons toutes 
les Solutions avec quelques gouttes d’acide acetique et nous ob- 
servons, dans quel tube se presente la premiere trace de trouble. 
Nos Solutions de trypsine composaient des söries contenant de la 
trypsine de 0,5 a 0,2 ccm. Une quantite de 0,4 ccm de trypsine 
presentait encore un trouble leger, 0,5 ccm etait une quantite di- 
g»*rant entieremcnt la caseine. On comprend que chaque pr6parat 
de trypsine doit etre examine de meine maniere quant au pouvoir 
digestif. 

Nous determinons la faculte antitryptique du s6rum de cette 
maniere: nous versons dans 6 tubes, par 0,5 ccm de serum sanguin 
de 2 pCt. (dilue avec une solution 0,85 pCt. de NaCl) pour chaque 
tube. Nous ajoutons des quantites augmentantes de solution de 
trypsine (eommeneant par 0,5 ccm et ajoutant dans chaque tube 
0,1 ccm plus de solution), nous completons ensuite tous les tubes 
avec une solution de NaCl jusqu’au volume egal; enfin nous ajoutons 
partout 2 ccm de solution de caseine. Apres avoir bien mele 
nous mettons les tubes dans le thermostat pendant 30 minutes, 
puis nous lcs enlevons, et acidulons avec soin le contenu de chaque 
tube avec quelques gouttes d’acide acetique. Le moindre trouble 
decouvert dans une des series de tubes, demontre la quantite de 


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Sur la prdsence des substances antitryptiques du sdrutn sanguin etc. 183 


trypsine, arretee dans son action par la quantite connue (0,01 ccm) 
de serum. 

Les resultats de l’cxp6rience ici citee peuvent etre constates 
par les chiffres indiquant des valeurs relatives, eonnues, par exemple, 
dans des m^thodes h6molytiques etc. 

Habituelleraent nous nous servons selon le resultat de la re- 
action, de signes -j- ou —-. L’arret normal de l’action de la 
trypsine s’indique par le signe —, l’arret de 0,7 ccm de trypsine 
par le signe rfc; l’arret jusqu’ä 0,9 ccm par le signe -j-, l’arret 
encore plus considerable par -|-+. 

La constatation du trouble est aussi facile que la constatation de 

l’albumine dans l’urine au moven d’ebullition. 

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Les Solutions doivent etre conservees dans une glacierc; on 
ne peut neanmoins se scrvir pendant plus d’une semaine des meines 
Solutions, car malgre leur sejour dans la glacierc eiles se decoin- 
posent. 

Pour cette raison on doit preparcr chaqtie semaine de nou- 
velles Solutions de trypsine et de caseine. Avant chaque experience 
on doit contröler l’action digestive de la trypsine de la maniere 
presentee ci-dessus. 

En nous servant de cette methode nous avons examine le 
serum sanguin de l’homme dans differents cas morbides. Nous 
avons pris le nlateriel de la clinique permanente, et de l’ambula- 
toire clinique avec la permission du directeur M. le prof. W. 
Jaworski. 

Dans le tableau ci-dessous nous donnons les resultats de nos 
recherches presentes au point de vue du pouvoir antitryptique des 
serums examines. — 

Un coup d’oeil jete sur le tableau de la proprietc du serum 
sanguin huraain en ce qui touche le pouvoir antitryptique nous 
apprend que l’augmentation du pouvoir antitryptique du serum 
sanguin se presente dans differentes maladies. 

Une augmentation constante du pouvoir antitryptique du serum 
se presente dans la pneumonie fibrineuse et dans la maladie de 
Basedow; presque toujours nous rencontrons ce phenomene dans 
lamarche des maladies cancereuses et de la fievre typhoide; souvent 
dans la phthisie, dans les cas septiques, dans quelques maladies 
du sang, et dans la grossesse. 

En parlant de l’importance diagnostique de nos apercus, en 
premier lieu nous devons relever le fait que notre statistique tpiant 


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E. Miesowicz et A. Maciag 


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Sur la prlsenoe des substances antitryptiques du särum sanguin etc. 185 


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au cancer est presque entierement d’accord avec la statistique de 
Brieger et Trebing, ainsi qu’avec celle de Bergmann 
et Mayer. A l’instar de ces savants nous avons trouvä dans 
20 pCt. de cas de cancer de l’appareil digestif une augmentation 
precise de l’action antitryptique du särum sanguin. En mcme temps 
nous tirons de notre tablcau la conclusion que non seulement dans 
la marche d’unc maladie cancereuse, mais aussi dans celle d’autres 
maladies on peut trouver l’augmentation de l’action antitryptique 
du serum sanguin. En considerant ces faits il faut se deraander, 
si en general on peut appuyer les conclusions diagnostiques sur 
la sus-dite propriete du serum sanguin dans les cas, oü il s’agit 
du diagnostic du cancer ou si il faut refuser toute importance 
diagnostique au phänomene de l’augmentation du pouvoir anti¬ 
tryptique du serum sanguin. Nous croyons qu’actuellement la 
question se präsente de la fa<;on suivante: l’augmentation du pouvoir 
antitryptique du särum sanguin doit ütre considäree comme sym- 
ptöme affirmant le diagnostic du cancer seulement avec une scru- 
puleuse attention, et seulement dans lc cas, oü il manquerait 
d'autres symptomes cliniques precises. 

D’autre part dans la propriäte normale du särum sanguin 
consideräe au point de vue du pouvoir antitryptique, on doit sou- 
mettre le diagnostic du cancer a un contröle tres särieux dans les 
cas, oü il manquerait de tres sürs et clairs symptomes cliniques. 
Le diagnostic du cancer en präsence de symptömes cliniques in- 
certains et du pouvoir antitryptique du särum sanguin normal n’est 
pas sür. Qui voudrait admettre ou exclure la presence du cancer 
en s’appuyant seulement sur la proprietä du serum sanguin, com- 
mettrait une erreur, car, jusqu’a present nous ne possedons point 
dans la clinique de moyens diagnostiques qui par eux-raeme et 
sans autres donnees auxiliaires permettraient un diagnostic certain 
des maladies. Mais aussi, on ne peut refuser au procedä, de- 
montrant le pouvoir antitryptique dans le särum sanguin une im¬ 
portance diagnostique dans le diagnostic du cancer, si on admet 
en meme temps tous les autres moyens qui servent au diagnostic 
clinique de cette maladie. 

Nous parlerons ci-dessous des causes de Taugmentation du 
pouvoir antitryptique du serum sanguin au cours du developpement 
du cancer. 

L’augmentation du pouvoir antitryptique du särum sanguin 
dans les maladies du genre de la pneumonie fibrineuse ou de la 


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E. Miesowicz et A. Maciag, 


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fievrc typhoide ne peut nous interesser sous le point de vuc du 
diagnostic. Nous devons quaud meme souligner ici le fait que 
les cas de pneumonie fibrineuse prösentent une augmentation du 
quantum de leucocytes (leucocytose neutrophile) alternant entre 
15 000 et 20 000 et dans les cas de fievre typhoide on pouvait 
sans exception constater un petit quantum de leucocytes [leueo- 
penie (2800—3200)]. 

Dans quelques cas de tuberculosc des poumons pcu avancee. 
et de meine dans le cas d’epanchement de la plevre nous avons 
constate une augmentation du pouvoir antitryptique du serum 
sanguin. Si la constatation de ce fait n’a aucune importance dia- 
gnostique pour les maladies sus-dits, le fait que l’augmentation 
du pouvoir antitryptique du serum sanguin peut avoir lieu dans 
les pöriodes relativement peu avancees de la tuberculose des 
poumons peut nous faire soupyonner la possibiliie de Fimportance 
prognostique de ce symptöme. Vu le manque de temps et le 
nombre restreint de nos cas de tuberculose nous ne pouvons nous 
prononcer definilivement sur ce sujet. Che/, les malades atteints 
des infcciions septiques (prineipalcment causes par les strepto- 
eoques) on a constate egalement l’augmentation du pouvoir anti¬ 
tryptique du serum sanguin. Che/, les malades le nombre des 
leucocytes (la leucocytose) a toujours ete considerable; dans un 
cas seulement, oü le nombre a ete de 2400 on n’a pas constate 
d’augmentation du pouvoir antitryptique du serum sanguin. 

Quant aux maladies sanguines nous avons eu occasion d’en 
observcr 4 cas se reportant a l’aetion antitryptique du serum 
sanguin. Dans 2 cas de grave chlorose, dans un cas d’une anemic 
pernicicuse et dans un cas de lymphemie le pouvoir antitryptique 
du serum sanguin a ete augment£, il est roste presque sans change¬ 
ment au developpement d’une leucemie grave. 

La constatation de l’augmentation du pouvoir antitryptique du 
serum sanguin dans la maladie de Basedow est d’une grande 
importance, et pas seulement sous le poiut de vue du diagnostic. 
Dans tous les cas de la maladie de Basedow, observes par nous, 
nous avons constate une augmentation precise du pouvoir anti¬ 
tryptique du serum sanguin. Si on arrivait a constater ce Sym¬ 
ptome constammcnt dans un plus grand nombre de cas et prinei- 
palement dans les formes de maladie incompletcs (formes frustes), 
ce Symptome aurait une importance considerable dans le diagnostic 
des cas difficiles de cette maladie. 


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Sur la pr^sence des substances antitryptiques du serum sanguin etc. 187 


Quant ä l’importance de l’augmentation du pouvoir anti¬ 
tryptique du serum sanguin observöe par nous dans d’autres cas 
morbides, nous ne pouvons, vu le nombrc restrcint >de nos obser- 
vations, nous prononcer d’aucune fa<jon. 

De tout ce que nous avons dit ci-dessus on peut tirer la 
conclusion suivante: l’application clinique du procede demontrant 
le pouvoir antitryptique du s6rum sanguin peut avoir une im- 
portance relative dans le diagnostic de quelques maladies: princi- 
palement pour le cancer et la maladie de Basedow, comme le 
demontrent les observations faites jusqu’ä präsent. 

Les questions relatives ä la nature et aux causes de la pro- 
duction et de l’accroissement de la substance antitryptique dans le 
serum sanguin ne sont guerc de moindre interet que les questions 
pratiques dont nous nous sornmes occupes jusqu’ä present et qui 
touchent principalement au diagnostic des maladies. 

Brieger et Trebing qui dans leurs travaux s’oeeupent d’une 
fayon marquee de l’importance des substances antitryptiques dans 
le serum sanguin disent que la production de doses plus conside- 
rables des substances antitryptiques est la reaction de la cachexie 
de l’organisme. Ces observateurs appuient leur these sur leurs 
propres observations et celles d’autres observateurs qui prouvent 
l’augmentation du pouvoir antitryptique du serum sanguin dans les 
cas du cancer. On ne peut neanmoins se prononcer sans restrictions 
en faveur de cette hypothese, car des observations nombreuses de 
serum sanguin demontrent frequemment l’augmentation du pouvoir 
antitryptique dans des maladies et chez des malades qui ne pre- 
sentent pas trace de cachexie de l’organismc, par exemple dans 
nos cas de maladie de Basedow. Au contraire, quelquefois nous 
n’avons pas trouve d’augmentation du pouvoir antitryptique dans 
le serum sanguin chez les malades präsentant une cachexie, par 
exemple dans des cas de diabete et de leucemie. 

On ne peut jusqu’ä present savoir si les substances contenues 
dans le serum sanguin et arretant l’action de la trypsine sont 
envers eile non-spöcifiques, ou si elles prßsentent une production 
de l’action sp^cifique du ferment tryptique, c’est-ä-dire une pro¬ 
duction de la nature des anticorps, connus de la Science sur l’im- 
munit.6 de l’organisme. Quand-meme Achalme, Bergmann et 
Bamberg ont produit une augmentation du pouvoir antitryptique 
des s^rurns sanguins chez les cobayes et les chiens par l’injection 
de Solutions de trypsine dans les veines ou le peritoine. 


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E. Miesowicz et A. Maciag, 


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Nos observations sur cette question contrölües par la methode 
de (iross-Fuld n’ont pas donne le meme et unique resultat. Nous 
avons inject6 < des Solutions de 5 pCt. de trypsine (Grübler) dans 
les veines et le peritoine de 6 lapins, 6 cobayes et une oie. Les 
injections ont ete laites pour une pairc d’animaux tous les jours, 
pour l’autre tous les 5 jours pour la troisieme tous les 10 jours; 
pour l’oie l’injection de la solution de trypsine a etö faite 5 fois tous 
les 3 jours. Les animaux injectes de la solution de trypsine tous les 
jours recevaient les uns par 5 injections, les autres par 10; les ani¬ 
maux injectes de la solution de trypsine tous les 10 jours recevaient 
les uns par 5, les autres par 12 injections; les animaux injectes de la 
solution de trypsine tous les 10 jours recevaient par 6 injections. 
Les observations sur le serum sanguin d’animaux ainsi prepares 
ont ete faites de fa<;on ä faire usage du sang, tire non seulement 
ä d’iflförents intervalles, mais aussi apres un nombre vari6 d’in- 
jections. 

Nous n’avons jamais observe dans le sörum sanguin d’aucun 
de nos lapins d’augmentation du pouvoir antitryptique. Egalement 
le serum sanguin de l’oie n’a pas presente ce Symptome. 

Les cobayes au contraire ont presente une forte augmentation 
(le double) du pouvoir antitryptique du serum sanguin. Nous 
n’avons observe ce fait que chez les animaux qui ont ete saignes 
dans 24 ou 48 heures apres l’injection de la trypsine. Nous 
n’avons pas constat6 dans le serum des cobayes d’augmentation 
du pouvoir antitryptique ni dans 12 heures ui dans 3 jours apres 
l’injection. L’augmentation du pouvoir antitryptique se montrait 
seulement apres la seconde ou troisieme injection, apres les injec¬ 
tions suivantes il n’augmentait plus. 

Nos experiences ainsi: que celles d’Achalme (contrölees 
par une methode differente) et de Bergmann nous font penser 
que les proprietes antitryptiques du serum sanguin se produisent 
par suite de reaction biologique conime par exemple la production 
des aoticorps. Les faits suivants peuvent servir comme preuves 
de la possibilite de cette reaction: 

1. Le pouvoir antitryptique n’est nullement döpendant de la 
quantitö d’albumine contenue dans le serum sanguin; 

2. Le pouvoir antitryptique du serum sanguin disparait avec le 
ehauffage jusqu’ä 56°; 

3. Les serums normaux arretent le pouvoir tryptique de Solu¬ 
tions eorrespondantes analogiquement aux serums dont le 


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Sur la präsonce des substances antitryptiques du serum sanguin etc. 189 


pouvoir antitryptique a ete renforcä par l’injection de la 
trypsinc; 

4. L’action de ces sörums est specifique envers le ferment 
tryptique. 

Les faits rapportes ci-dessus suffiraient pour prouver que la 
Formation des substances ayant le pouvoir antitryptique dans le 
serum sanguin peut etre consideräe ebmme räaetion, de nature 
semblable ä celle de la production des anticorps. On peut seule- 
nient citer contre cette hypothese le fait que l’augmcntation du . 
pouvoir antitryptique du serum sanguin se präsente tres rapidc- 
ment apres l’injection de la trypsine, dejä 24 heures apres et que 
les injections suivantes ne produisent plus l’augmentation de cette 
propriSte du serum sanguin. On sait que pendant l’immunisation 
de 1’organisrae les anticorps ne se präsentent pas aussi vite dans 
le serum sanguin. II est possible d’autre part que la production 
de substances defensives contre l’action proteolytique des ferments 
soit sujette ä d’autres regles. 

Vu que Jochmann et Kantorowicz ont präsente des preuves 
certaines pour l’identite du pouvoir antitryptique du serum sanguin 
et du ferment antileucocytique, nous avons räsolu de produire 
l’augmentation du pouvoir antitryptique dans l’organisme animal 
avec l’emulsion des leucocytes de l’homme comme precedemment 
au moyen de la solution de trypsine. Dans ce but nous avons 
injecte dans le peritoine de 2 lapins et de 2 cobayes l’emulsion 
de leucocytes humains (composee principalement de leucocytes 
polynucieaircs). Nous avons obtenu l’emulsion par la centrifugation 
de sang contenant une quantite considerablement augmentee de 
leucocytes (de leucocytose) ou bien de sang lcucemique. Nous 
avons deiayä dans 5 ccm de solution de sei de 0,85 pCt. un 
quart de ccm de sediment de leucocytes obtenu apres 5 minutes 
de centrifugation dans la centrifuge (faisant environ 3000 tours 
par minute), puis nous avons injecte aux animaux la quantite 
obtenue. Nous avons räpäte plusieurs fois les injections faites 
de la maniere rapportee ci-dessus ä l’occasion des injections de 
trypsine. 

Nous n’avons jamais constate ni dans le serum sanguin des 
lapins ni dans celui des cobayes d’augmentation du pouvoir anti¬ 
tryptique du serum sanguin en saignant ces animaux dans les 
moments et intervalles cit6s plus haut ä l’occasion des cxperiences 
faites avec la trypsine. 


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E. Miesowicz et A. Maciag, 


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Nos observations faites pendant l’injection des leucocytes aux 
animaux d’une part, n’appuient pas l’opinion de Jochmann et 
Kantorowicz, dont nous avons parlö plus haut et d’autre part, 
elles demontrent que la destruction des leucocytes dans l’organisme 
animal n’occasionne pas d’augmentation du pouvoir antitryptique du 
serum sanguin. Nous allons revenir plus bas sur cd fait. En 
admcttant que la possibilite de la production du ferment anti- 
tryptiquo soit un fait biologique, analogue ä celui de la formation 
. des anticorps pendant l’immunisation artificielle de l’organisme, on 
doit poser cette question: quelle est la cause immediate de ces 
reactions dans l’organisme humain? 

En premier lieu on devrait admettre que le pancröas ou 
plutöt sa söcretion, a ici un röle considerable. Ambard surtout 
est de cet avis; il dit que nous trouvons dans les cancers de 
restomac l’augmentation du pouvoir antitryptique du sörum sanguin 
parce que le pancreas secrete une quantite considerable du suc 
pancreatique, remplagant ainsi dirait-on, le fonctionnement altere 
de l’estomac. 

Nos observations ont demontre que cette opinion est fausse. 
Nous avons examine le contcnu de fcrments proteolytiques (de 
trypsine) dans les selles d’individus souffrant du cancer de l’estomac 
et dans les selles d’individus bien portants. 

Nous nous sommes servis pour ces expöriences qui ne sont 
pas encore achevöes et qui doivent etre decrites ä une autre place, 
de filtrats de selles dont nous avons mesure le contenu au point 
de vue des ferments tryptiques par la methode de Gross-Fuld. 
Ces expöriences repetöes plusieurs fois de la meme maniere ont 
demontre que dans les cas de cancer de l’estomac non seulement 
la quantite des ferments proteolytiques dans les selles n’est pas 
plus grande, mais aussi qu’en general on ne peut dömontrer une 
relation proche entre le contenu des ferments tryptiques dans les 
selles et les ferments antitryptiques dans le sörum sanguin. 

Nous devons dire ä cette place quelques mots de l’influence 
des preparats organotherapeutiques sur la presence du pouvoir 
antitryptique du serum sanguin chez les malades correspondants. 
Aux malades dont le serum sanguin montrait de fortes proprietcs 
antitryptiques, nous avons donne le pancreon ou la pancreatinc 
(Rhenania) par doses de 0,50 g par jour. Apres 2 ou 3 jours 
d’emploi de ces preparats, le sörum sanguin chez ces malades 
presentait un abaisscment visible du pouvoir antitryptique. En 


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Sur la prlsence des substances antitryptiques du sdrum sanguin etc. 191 

continuant ä donner aux malades ces preparats par doses doubles 
non seulement on ne pouvait plus constater un nouvel abaissement 
du pouvoir antitryptique, mais il revenait meine ä l’etat antörieur. 
Brieger et Trebing nous ont donnö des observations sem- 
blables. On peut expliquer ce phenomene, au plus par le fait 
que par l’introduction subite d’une certaine quantite de ferments 
tryptiques dans l’organisme une partie des Substances antitryptiques 
du s£rum devient liöe, jusqu’au moment, oü l’organisme, par la 
production augmentee, fait retrouvcr au serum le pouvoir anti¬ 
tryptique anterieur. 

Certains auteurs croient que l’augmentation du pouvoir anti¬ 
tryptique du serum sanguin est une reaction de l’organisme sur 
le ferraent produit par les leucocytes qui se döcomposcnt en 
grande quantite (Jochmann, Bittorf, Wieus, Landois). 
On ne peut se prononcer entierement en faveur de cette opinion. 
En premier lieu on peut citer en sa defaveur des observations 
cliniques. Nous avons constate Taugmentation du pouvoir anti¬ 
tryptique du serum sanguin dans de pareils cas morbides, oü 
l’exaraen du sang indiquait une constante diminution de leuco¬ 
cytes, par exemple dans la fievre typhoide, ou un manque de leur 
augmentation, comme par exemple dans la maladie de Basedow. 
En presence de ces observations cliniques on ne peut plus regarder 
la leucocytose augmentee dans la pneumonie fibrineuse ou dans 
l’infection septiquc comme unique cause de l’augmentation du 
pouvoir antitryptique du s6rum sanguin. Egalement les experiences 
faites sur des animaux pour constater la propriete du serum 
sanguin apres l’injection de l’emulsion des leucocytes que nous 
avons decrit plus haut deraontrent que l’introduction dans l’orga- 
nistne de leucocytes ou plutöt des ferments qu’elles contiennent 
ne produit pas d’augmentation du pouvoir antitryptique du s6rum 
sanguin. 

Etant donne que ni dans l’action du pancreas ni dans l’action 
des leucocytes et de leurs ferments nous ne pouvons voir la cause 
absolue de l’augmentation des substances produisant l’action anti¬ 
tryptique dans le serum sanguin, nous devons rechercher d’autrcs 
agents qui puissent nous eclairer sur ce point. Nous nous aiderons 
ici de l’observation clinique; eile demontre que l’augmentation du 
pouvoir antitryptique a presque toujours lieu dans les cas, oü il 
se produit une rapide destruction de l’organisme, comme par 
exemple dans le cancer, les fievres, la maladie de Basedow. 


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Cette destruction ne mene pas neanmoins absolument ä la cachexie 
de l’organisme (Basedow-Pneumonie). 

Pour 6claircir la question nous dirons ici quelques mots de 
la maladie de Basedow. On sait qu’entre autres symptömes il 
se produit dans cette maladie une destruction augmentöe de 
l’albumine par suite de rempoisonnement de l’organisme par la 
secrdtion augmentee et changce de la glande thyreoique. Nous 
avons toujours constat6 une augmentation pröcise du pouvoir anti- 
tryptique dans tous les cas de la maladie de Basedow, observes 
par nous. Nous pensons donc que l’action de la glande thyreoique, 
c’cst-a-dire une action toxique et produisant d’une maniere propre 
a elle-meme la destruction de l’albumine dans l’organisme, est la 
cause d’une reaction de l’organisme sur cette influence nuisible. 
Cette reaction se presente comme une production augmentee de 
substanecs antitryptiques. 

Deux de nos observations prouvent la justice de cette opinion, 
du moins en ce qui concerne la maladie de Basedow. Chez 
deux malades auxquels on a administrä pour d’autres raisons les 
preparats de la glande thyreoique (Tabloid R. u. W.) on a con- 
state une precise augmentation du pouvoir antitryptique du s6rum 
sanguin. 

En nous appuyant sur les observations prises sur la maladie 
de Basedow nous constatons que dans d’autres etats morbides 
comme par exemple dans Je cancer, les fievres etc. une action de 
ferments inconnus produisant la destruction de l’albumine cause 
la production de pouvoirs antifermentatifs comme signe de la 
defense de l’organisme. 

Nous devons enfin dire quelques mots sur l’augmentation du 
pouvoir antitryptique du serum sanguin dans la grossesse. Nous 
1’avons constate plusieurs fois, et presque constamment, mais 
n’ayant pas dans cette matiere d’observations propres, nous citons 
les observations de Gräfenberg. L’auteur a constat4, que 
chorion s^reux presente une action semblable ä celle de la trypsine. 
La relation etroite entre l’organisme de la mere et du foetus rend 
possible le passage de substances tryptiqucs du foetus ä l’orga- 
nisme de la mere et de cette fa^on produit une reaction dans cet 
organisme qui se präsente comme augmentation du pouvoir anti- 
tryptiquc du serum sanguin. 

En resumant toutes les observations faites par nous nous 
pouvons dire: 


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Sur la presence des substances antitrypthjues du serum sanguin etc. 193 

La constatation du pouvoir antitryptique du serum saDguin 
humain a une importapce diagnostique relative. Comme cause de 
1’augmentation du pouvoir antitryptique du sörum sanguin il faut, 
le plus vraiscmblablement, admettre l’action de ferments differents 
et inconnus qui produisent d’unc certaine maniere specifique la 
destruction de l’albumine dans l’organisme vivant. 

Nous avons recueilli ces observations jusqu’au mois d’avril - 
de l’ann6c courante. Pour cause neanmoins de la destination de 
ce travail poür le I. Congres des internistes polonais nous n’avons 
pas indiquö la bibliographie des derniers mois. 

Resnme. 

Die Bestimmung der antitryptischen Wirkung des mensch¬ 
lichen Serums hat einen relativen diagnostischen Werth. 

Als Ursache der Steigerung der antitryptischen Wirkung des 
menschlichen Serums ist wahrscheinlich ein Zerfall des Körper- 
eiweisses anzusehen, der durch spezifische Schädlichkeiten hervor¬ 
gerufen wird. 

La litterature. 

1. Ascoli et Bezzola, Berliner klin. Wochenschr. 1903. No. 17. 

2. Achalme, Annales Pasteur. 1900. 

3. Ambard, Sem. m6d. 1908. No. 45. 

4. Bergmann et Mayer, Berliner klin. Wochenschr. 1908. No. 37. 

5. Brieger et Trebing, Berliner klin. Wochenschr. 1908. No. 22, 29. 

6. Bergmann et Bamberg, Berliner klin. Wochenschr. 1908. No. 30. 

7. Bittorf, Deutsches Archiv f. klin. Med. Bd. 91. 

8. Camus et Gley, Compt. rend. soc. biol. 1897. (D’apres Virchow-Hirsch.) 

9. Delezönne, Compt. rend. soc. biol. 1901, 1902. (Virchow-Hirsch.) 

10. FermietPernassi, Zeitschr. f. Hygiene. Bd. 18. 

11. Gräfenberg, Münchener med. Wochenschr. 1909. No. 14. 

12. Hahn, Berliner klin. Wochenschr. 1897. 

13. Jochmann et Kantorowicz, Münchener med. Wochenschr. 1908. 

14. Jochmann et Müller, Münchener med. Wochenschr. 1906. No. 29, 31. 

15. Kolaczek, Münchener med. Wochenschr. 1907. No. 8. 

16. Landois, Berliner klin. Wochenschr. 1909. No. 10. 

17. Markus, Berliner klin. Wochenschr. 1908. No. 14. 

18. Wieus, Deutsches Archiv f. klin. Med. 1907. Bd. 91. Zentralblatt f. 
inn. Med. 1907. No. 38. 


Internat. Beiträge. Bd. I. Heft 2. 


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XI. 

(Aus der experimentell-biologischen Abteilung des Königl. Patho¬ 
logischen Instituts der Universität Berlin.) 

Ueber die Wirkung von Organextrakten auf die 
Darmsaftsekretion. 

Von 

Privatdozent Dr. Th. Mironescu, 

Sekumlärarzt am Krankenhaus Filantropia, Sektionschef am Institut für Pathologie und Bakteriol-nric 

in Bukarest. 


Nachdem das Prinzip der Erregung der Pankreassekretion 
vom Blute aus durch Bayliss und E. H. Starling 1 ) entdeckt 
war, hat man versucht, die Wirkung derselben chemischen Reize 
vom Blute aus bei anderen drüsigen Organen zu studieren. 

Wir finden bis jetzt sehr wenig über den Einfluss der che¬ 
mischen Reize auf die Darmsekretion. Albert Frouin 2 ) hat 
festgestellt, dass 5 ccm eines zentrifugierten Sekrets der Darm¬ 
fistel einem Hunde subkutan eingespritzt die Darmsekretion steigert. 

Bottazzi und Gabricli 3 ) konnten durch die intravenöse 
Einspritzung eines wässerigen Extraktes der Darmschleimhaut eine 
Darmsekretion hervorrufen und zwar 20—30 Minuten nach der 
Einspritzung. 

Was den Gang der normalen Darmsekretion bei Darmfistel¬ 
hunden betrifft, so wissen wir nach den Untersuchungen von 
Boldyreff 4 ), dass die Darmsekretion bei Hunden auch spontan 
eintreten kann und zwar bei leerem Magen mit einer merkwürdigen 
Regelmässigkeit in Zeitintervallen, die gewöhnlich 2 Stunden be- 

1) W. M. Bayliss und E. H. Starling, Zcntralblatt f. Physiologie. 
Bd. 15. Jahrg. 19üi. S. 682. 

2) Albert Frouin, Action du suc intestinal sur la secretion enteritique. 

C. r. de la societe de biologie. Nr. 57. 1905. p. 702. 

3) Bottazzi et Gabrieli, Recherche sur la secretion du suc enterique. 
Arch. intern, de Physiologie. Vol. 111. 

4) Boldyreff, Die Lipase des Darmsaftes und ihre Charakteristik. 

Hoppe-Seyler, Zeitschr. f. physiol. Chemie. Bd. 50. 1906—07. S. 394. 


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Ueber die Wirkung von Organertrakton auf die Darmsaftsekretion. 195 

tragen. Während der Magenverdauung tritt die Absonderung des 
Darmsekretes mit einer viel geringeren Regelmässigkeit ein. Es 
kommt vor, dass während der ganzen Magenverdauung überhaupt 
gar kein Darmsaft abgesondert wird. Die Kenntnis dieser Tat¬ 
sache hat eine sehr grosse Bedeutung für die experimentelle 
Prüfung der Anregung der Darmsekretion. 

Unsere Untersuchungen schliessen sich an die Versuche von 
Molnär 1 ) über den Erregungs- und Hemmungsmechanismus der 
Darmsaftsekretion an. Nach den Angaben von Bottazzi und 
Gabrieli hat schon Claude Bernard und später Moreau fest- 
stcllen können, dass die Trennung der Mesenterialnerven eine An¬ 
sammlung von Flüssigkeit in den entsprechenden Darraschlingen 
als Folge hat. Falloisc 2 ) hat später gesehen, dass diese Flüssig¬ 
keit nichts anderes als Darmsekret ist. Nun hat Molnär unter 
der Leitung von A. Bickel festgestellt, dass bei Darmfistelhunden, 
denen die extraintestinalen Nerven des zur Fistelbildung benutzten 
Darmstückes durchschnitten waren, eine anfangs starke, später 
schwächere, kontinuierliche Darmsekretion eintritt, ohne dass der 
Sekretionsapparat durch irgend welche Reize von aussen her ge¬ 
reizt wurde. Diese Erscheinung ist so zu erklären, dass die kon¬ 
tinuierliche Sekretion durch den Mangel an Hemmungsnerven zu¬ 
stande kommt. Falloise (1. c.) nimmt an, dass unter den 
Mesenterialnerven auch Hemmungsnerven sich befinden. Diese 
Erklärung stimmt mit der Bi ekel'sehen Theorie der Magen¬ 
sekretion gut überein 3 ). Nach dieser Theorie ist eine grosse 
Aehnlichkeit zwischen dem Bewegungsmechanismus des Herzens 
und dem Sekretionsmechanismus der Magendrüse. Der diskonti¬ 
nuierliche Charakter der normalen Magensekretion kommt nur 
durch Nerveneinfluss zustande. Die Aufgabe des Nervensystems 
würde demnach vor allem die sein, teils die vom Blute aus unter¬ 
haltene Reizung der Drüsen zu unterdrücken, teils diese nervösen 
Hemmungen wegzuräumen und an ihre Stelle sekretionsfördernde 
Reize zu setzen, die sich zu den Blutreizen addieren. 

Durch meine Untersuchungen wollte ich feststcllen, ob 
die verschiedenen Organextrakte Substanzen enthalten, die die 

1) Molnär, Zur Analyse des Erregungs- und Hemmungsracchanismus 
der Darmsaftsekretion. Deutsche med. Wochenschr. 1909. No. 32. 

2) Zit. nach Bottazzi und Gabrieli. 

3) A. Bickel, Theorie der Magensaftsekretion. Sitzungsberichte der 
Königl. Preussischen Akademie der Wissenschaften. Sitzung der physikalischen 
mathematischen Klasse vom 17. Dezember 190S. 

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Th. Mironescu, 


Wirkung der hemmenden Nerven aufheben. Die Extrakte, mit 
denen wir experimentiert haben, waren Auszüge von den Schleim¬ 
häuten des Oesophagus, Magenfundus, Pylorus, Duodenum, Dünn¬ 
darm, Dickdarm und Rektum, dann Extrakte von den Speichel¬ 
drüsen, Leber, Pankreas, Niere, Herz, Muskeln, Gehirn, Schild¬ 
drüsen und Nebennieren. Die Extrakte waren in der Weise prä¬ 
pariert, dass ein Stück Organ mit Glassplittern gut zerrieben, 
dann mit der vierfachen Menge Yio Normalsalzsäure verdünnt 
und gekocht wurde. Vor dem Gebrauch wurde das Extrakt 
filtriert, mit x /io Normal-Natronlauge vorsichtig neutralisiert, dann 
mit einigen Tropfen Essigsäure leicht angesäuert und sterilisiert. 
Diese so zubereiteten Extrakte wurden subkutan eingespritzt einem 
nach Thiry-Vella operierten Darmfistelhundc. Gewöhnlich haben 
wir 8 ccm von dem zu untersuchenden Extrakt injiziert. Die 
Wirkung war je nach dem eingespritzten Extrakt verschieden. 
Im ganzen haben wir 80 Versuche gemacht. 

Die Anführung aller Versuchsprotokolle würde zu weit führen, 
deswegen verzichten wir darauf und werden nur einige davon 
mitteilen: 

6. 7. 12 Uhr 45 Min. Dem Hunde Nr. 1 10 ccm Duodenal¬ 

extrakt. 

12 „ 50 „ Starke Darmsekretion beginnt. 

I „ 2 „ Die Sekretion hat aufgehört. 

Das Sekret war am Anfang dick, nachher wurde es dünner 
und war von alkalischer Reaktion. Im ganzen haben wir etwa 
12 ccm dünnes Sekret gesammelt. 

14. 7. 11 Uhr — Min. 8 ccm Duodcnalextrakt demselben 

Hunde subkutan injiziert. 

II „ 6 „ Die Sekretion ist eingetreten. 

11 „ 25 „ Die Sekretion hat aufgehört. 

15. 7. 10 „ — „ 6 ccm Duodenalextrakt demselben 

Hunde injiziert. 

10 „ 8 „ Die Darmsekret.ion ist eingetreten. 

10 „ 20 Die Sekretion ist abgelaufen. 

Man sieht daraus, dass in sehr kurzer Zeit (5—6 Minuten) 
nach der Einspritzung des Duodenalextraktes eine Darmsekretion 
eintritt. Wenn die Darmsekretion regelmässig, öfters und nach so 
kurzer Zeit nach der Injektion erscheint, kann man sicher sein, 
dass es sich um die Wirkung der eingespritzten Substanz handelt, 
und nicht um eine zufällig eingetretene spontane Sekretion, wie sie 


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lieber die Wirkung von Organextrakten auf die Darmsaftsekretion. 197 


Boidyreff bei Darnafistelhunden beschrieben hat. Die so durch 
Extrakte hervorgerufene Darmsekretion dauert gewöhnlich 15 bis 
20 Minuten. Die normale Darmsekretion, welche spontan eintreten 
kann, dauert nach Boldyreff ebenfalls 1 / i Stunde. Im allgemeinen 
haben wir nicht das ganze Sekret gesammelt, da es für uns sich 
in der Hauptsache darum handelte festzustellen, ob überhaupt eine 
Darrasekretion nach der Injektion vorkommt oder nicht. 

Einige Extrakte rufen keine Darmsekretion hervor. 

14. 7. 12 Uhr 25 Min. Hund 1. 8 ccm Muskelextrakt sub¬ 

kutan injiziert. 

12 „ 50 „ Bis jetzt keine Darmsekretion. 

1 „ 20 „ Bis jetzt keine Sekretion. 

15. 7. 9 „ 20 „ 8 ccm Muskelextrakt. 

9 „ 50 „ Bis jetzt keine Sekretion. 

Wir glauben, dass eine längere Beobachtungszeit nicht nötig 
ist, da sonst die Sekretion mit einer spontanen Sekretion ver¬ 
wechselt werden kann. Wir glauben uns umsomehr berechtigt, so 
zu verfahren, als bei fast allen Extrakten, die eine Darmsekretion 
hervorrufen, eine Inkubationszeit von 15—20 Minuten vorhanden ist. 

Von allen von uns benutzten Organextrakten haben 
eine Darmsekretion bloss diejenigen von dem Oeso¬ 
phagus, Magenfundus, Pylorus, Duodenum, Dickdarm 
und Rektum, Dünndarm, Speicheldrüse, Leber und 
Nebennieren bewirkt. 

Im Gegenteil dazu riefen die Extrakte von Gehirn, Pankreas, 
Muskeln, Herz keine Darmsekretion hervor. 

Als Kontrollversuch haben wir eine Injektion gemacht von 
8 ccm neutralisierter Salzsäurelösung, welche mit einigen Tropfen 
Essigsäure angesäuert und gekocht war. Diese Injektion hat keine 
Sekretion hervorgerufen. 

Ebenso hat eine Lösung von 2 g Pepton in 10 ccm l / 10 Normal- 
Salzsäure und mit Natronlauge neutralisiert und Essigsäure leicht 
angesäuert keine Sekretion bewirkt. 

Die Wirkung der Organextrakte ist unschwer dadurch zu er¬ 
klären, dass diese Extrakte, so wie Bickel angenommen hat, 
durch Wirkung auf das Parenchym den Einfluss der Hemmungs¬ 
fasern der extraintestinalen Darmnerven übertrumpfen. Diese die 
Sekretion befördernden Substanzen sind keine spezifischen Sub¬ 
stanzen in dem Sinne wie Bavliss und Starling sowie Bottazzi 
und Gabrieli sie angesehen haben. Denn ganz verschiedene 


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198 Th. Mironescu, lieber die Wirkung von Organextrakten usw. 


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Organe haben dieselbe Aktion, während andererseits nahestehende 
Organe verschiedene Wirkung haben können. Hier ist besonders 
hervorzuheben, dass das Pankreasextrakt keine Darmsekretion her¬ 
vorruft, während das Leberextrakt, sowie das Speicheldrüsenextrakt 
eine solche Sekretion bewirken. 

Das berechtigt uns anzunehmen, dass die Substanz, die die 
Sekretion befördert, vielleicht doch nicht bloss allein durch die 
Blutdruckerniedrigung das bewirkt, wie esPopielski 1 ) angenommen 
hat. Das Pankreasextrakt hat eben nach Popielski eine blut¬ 
drucksenkende Wirkung und bewirkt keine Darmsekretion. 

Ich will hier noch daraufhinweisen, dass Molnär im hiesigen 
Laboratorium feststellte, dass z. B. auch die subkutaue Injektion von 
Liebig’s Fleischextrakt, wie von Panopepton eine Steigerung in 
der Darmsekretion unter bestimmten Bedingungen bewirkt. 

Bei der Gelegenheit der Untersuchung der Darmsekretion 
haben wir auch den Einfluss der Organextrakte auf die Motilität 
des Darmes geprüft. Wir haben hierüber keine zahlreichen Ex¬ 
perimente gemacht, aber von unseren Versuchen ist anzunehmen, 
dass die verschiedenen Organextrakte vom Blut aus keine Wirkung 
auf die Motilität des Darines auszuüben scheinen. 

Besinne. 

1. Durch subkutane Injektion salzsaurer Extrakte aus Oeso¬ 
phagus, Magenfundus, Pylorus, Duodenum, Dünndarm, Dickdarm, 
Rektum, Speicheldrüse, Leber und Nebenniere wird die Darmsaft¬ 
sekretion angeregt. 

2. Extrakte aus Muskeln, Herz, Gehirn und Pankreas verhalten 
sich in dieser Hinsicht inaktiv. 


1) Popielski, Heber die physiologische Wirkung von Extrakten aus 
sämtlichen Teilen des Verdauungskanals, Magens, Dick- und Dünndarms, sowie 
des Gehirns, Pankreas und Blutes und über die chemischen Eigenschaften des 
darin wirkenden Körpers. Pflüger's Arch. Bd. 128. S. 191. 


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XII. 

Ueber den Einfluss von Wandertouren 
auf die körperliche und geistige Entwicklung in der 
Ernährung zurückgebliebener Schulkinder. 1 ) 

Von 

H. Boeder und E. Wienecke (Berlin). 


A. Pädagogischer Teil. 

Von E. Wienecke (Berlin). 

Wenn Arzt und Pädagoge hier ihre gemeinsamen Beobachtungen 
niederlegen, so führt beide nicht nur ein gleichgerichtetes Interesse 
zusammen, sondern vielmehr noch die Notwendigkeit, nur so die 
Beobachtung umfassend gestalten zu können; denn die innigen Be¬ 
ziehungen zwischen Körper und Geist gestatten keine vollkommen 
getrennte Beobachtung ihrer Lebensvorgänge. Es gibt eine Grenze, 
wo physisches und psychisches Leben ineinander überfliessen zu 
einem Gesamtlebensbild. Der aufmerksame Pädagoge wird hier den 
Arzt, der Arzt wieder den Pädagogen in der objektiven Bewertung 
jenes Gesamtbildes unterstützen können. 

1) Anmerkung der Redaktion: Bei der ersten Durchsicht des Manu¬ 
skriptes dieser Arbeit hatte ich Zweifel, ob der pädagogische Teil für die inter¬ 
nationalen Beiträge als medizinische Zeitschrift geeignet wäre. Indessen ist die 
Bedeutung der Schülerwanderungen für die Gesundung von in der Ernährung 
zurückgebliebenen Kindern nach den ärztlichen und pädagogischen Beobach¬ 
tungen der Verfasser eine so grosse, dass ich, und zwar nicht zuletzt auch im 
Hinblick auf das Interesse, das der ganzen Frage von allen Nationen entgegen¬ 
gebracht werden dürfte, eine getrennte Publikation der beiden Teile der Arbeit 
in verschiedenen Zeitschriften als unzweckmässig ansehen musste, weil durch 
die Lektüre nur eines Abschnittes der Leser ein unvollständiges Bild bekäme. 
Ich bin durchaus der Meinung der Verfasser, dass bei den innigen Beziehungen 
zwischen psychischen und körperlichen Vorgängen eine getrennte Betrachtung 
nicht immer angängig ist, und dass gerade bei dem in der Entwicklung be¬ 
griffenen Kinde, bei dem psychisches und physisches Leben so sehr ineinander- 
fliessen, der Erfolg einer Therapie bei den in Frage kommenden Zuständen vom 
ärztlichen und pädagogischen Standpunkte sehr wohl gemeinsam beurteilt werden 
kann. A. Bickel. 


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H. Roeder und E. Wienecke, 


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In den getrennt vorliegenden Aufzeichnungen kommen an 
einigen Stellen Wiederholungen ‘ vor; sie waren notwendig, weil 
dieselbe Erscheinung von verschiedenem Standpunkt bewertet 
wurde. 

Die Schülerwanderungen sind eine Frucht der letzten Jahre 
und haben ihren Ursprung in jenen Wandergruppen zu sehen, die 
der „Verein für Ferienkolonien“ seit 1901 zur 14 tägigen Wanderung 
in die Ferne sandte, damit sich Sinn und Herz erfrische. Ich 
hatte Gelegenheit, die günstigen, belebenden Wirkungen solcher 
Wanderfahrten zu beobachten, froh und frisch kehrten meine beiden 
Wandermädchen von der Reise zurück, und ihr Bericht spiegelte 
all’ die Freude, die Hochflut der Empfindungen wieder, unter der 
sie gestanden hatten. Meine Nachfragen in den Klassen stellten 
fest, wie wenig Kinder in der Ferienzeit draussen Erholung finden 
können, da sie dort keine Verwandten erwarten, wie wenig Kinder 
überhaupt das Weichbild Berlins verlassen haben. Das alles be¬ 
stärkte mich, die Bestrebungen des „ZentralVereins für Schüler¬ 
wanderungen“ zu unterstützen. Dieser Verein ist noch jung; Vor¬ 
sitzender ist Herr Stadtverordneter Al brecht Guttmann, Char¬ 
lottenburg, Bleibtreustrasse 15/16, der mit warmem Herzen und 
grossem Geschick für unsere Buben und Mädel sorgt. Zu erwähnen 
ist noch, dass sich die Ortsgruppe Berlin des „Deutschen Vereins 
für Volkshygiene“ bei der Gründung des Zentralvereins für Schüler- 
wanderungen beteiligt hat. Sie ist korporatives Mitglied dieses 
Vereins. 

Soweit das Historische. 

Wenn vorhin von Schülerwanderungen als von etw'as Neuem 
gesprochen wurde, so hat das nur bedingte Berechtigung. Vereinzelt 
hat man hier und da den hohen Wert der Schülerwanderungen er¬ 
kannt und in diesem Sinne gearbeitet; auch aus anderen Städten 
sind mir Versuche bekannt geworden. Aber in so grosszügiger, 
planvoller und zielbewusster Weise wie jetzt im Z.-Y. f. Sch. hat 
man wohl kaum dies grosse Freudengeschenk den Kindern geboten. 
Gingen doch z. B. im Jahre 1909 aus dem XI. Schulkreise (Gesund¬ 
brunnen) nicht weniger als 160 Kinder hinaus; und solcher Kreise 
hat Berlin 13, dazu kommen noch Charlottenburg, Schöneberg und 
Rixdorf, so dass wir wohl insgesamt die Zahl der diesjährigen 
Wanderkinder auf 2400 schätzen dürfen. Soeben geht mir eine 
Notiz zu, nach welcher auch in Dresden auf Veranlassung des 
Deutschen Vereins für Volkshygiene durch den Schriftführer Herrn 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


201 


Dr. mcd. Hopf Schülerwanderungen eingerichtet wurden, und zwar 
für Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren. Diese zunächst ein¬ 
tägigen Wanderungen wurden in den Michaelisferien auf 2 bis 
5 Tage ausgedehnt. Im ganzen nahmen ca. 1500 Kinder an den 
Ausflügen teil 1 ). Das genaue Zahlenmaterial bringt der Jahres¬ 
bericht. Uns ist die Genauigkeit dieser Zahlenangaben nicht 
die Hauptsache, wir wollen keinen Geschäftsbericht bieten, uns 
soll die Frage beschäftigen: Welche Wirkungen haben diese Wan¬ 
derungen? 

An welche Kinder denkt der Verein? Seit Jahren sorgen die 
verschiedensten Vereine für die leidenden und kranken Kinder, 
um ihnen in Ferienkolonien, Ferienheimen, Genesungsstätten 
Kräftigung, wenn möglich Genesung zu geben. 

Wenn auch für die leidende Jugend gesorgt wurde, Tausende 
von Kindern, die noch organisch gesund, aber durch un¬ 
günstige soziale Verhältnisse, durch die Anforderungen des Schul¬ 
betriebes und anderes mehr in der Ernährung zurückgeblieben 
sind, bedürfen auch unserer Fürsorge; an sie müssen wir 
auch denken, damit die ihnen von der Natur verliehene Kraft 
nicht durch grossstädtische Einflüsse gebrochen werde, dass sie 
nicht erlahmen unter dem Druck der Verhältnisse. Wieviel fleissige 
und gesunde Kinder zählt Berlin, die das Weichbild der Stadt 
noch nie verliessen, die da draussen weder Grossmütter, noch 
Tante oder Onkel haben, bei denen sie einmal in dörflicher Stille 
aufatmen, bei denen sie Licht, Luft und Sonne geniessen könnten. 
An sie wollen, an sie müssen wir denken. Und das tut in 
durchgreifender Weise der Zentralverein für Schülerwanderungen. 
Seine Arbeit bedeutet eine nationale Hebung, eine praktische, 
grosszügige Volkshygiene; denn unsere Wanderungen sind ein Ex¬ 
periment auf breitester Basis, das uns zeigt, wo die Jugendfürsorge 
bei unsern Grossstadtkindern grosszügig und erfolgreich einzusetzen 
hat. Und aus diesem Grunde darf ich wohl um Interesse für die 
nachfolgenden Beobachtungen bitten. 

Diese Beobachtungen erstrecken sich auf ca. 160 Wander¬ 
kinder und auf etwa 50 Nichtwanderer, deren wir zur Gewichts¬ 
vergleichung bedurften. Es sollen dann im weiteren Vorschläge 
abgeleitet werden, die für Schule und Haus, wie ich hoffe, von 
einigem Wert sind. 

1) Zitiert nach .Gesunde Jugend“, herausgegeben von Dr. Finkler, 
A. Schmidt und H. Selter. 1910. 


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202 


H. Roeder und E. Wienecke, 


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Zunächst möchte ich einiges über einen Punkt bemerken, den ich später 
nicht mehr berühren werde, das ist Sache meines Mitarbeiters. Es bandelt 
sich um die Gewichtsfeststellungen. 

Vor 2 Jahren, als ich zum ersten Male die günstigen Wirkungen der 
Schülerwanderungen an mehreren Kindern beobachten konnte, versuchte ich, 
mir eine Uebersicht über die Gewichtszunahme zu verschaffen. Das Zahlen¬ 
material war zu dürftig, um daraus wertvolle Schlüsse ziehen zu können. Nach 
einer eingehenden Beratung mit Herrn Dr. Roeder bat ich 1908 meine Führer 
und Führerinnen tim Vornahme der Gewichtsbestimmung vor und nach der 
Reise. Teilweise nur erhielt ich das gewünschte Material, es fehlte häufig 
Gelegenheit zur Wägung. Im November 1908 tat ich eine Rundfrage bei allen 
Schulen meines Bezirks. Die Nachrichten waren lückenhaft, da viele Schüler 
und Schülerinnen am 1. 10. 08 die Schule bereits verlassen batten. Aber soviel 
ging doch aus den Antworten hervor, eine gute Wirkung hatte die Wanderung 
hinterlassen. Ueber diese Zahlen berichtete ich in der Vossischen Zeitung 
am 31. 12. 08. 

Um einmal durchaus einwandfreies Material zur Beurteilung zu erhalten, 
um einwandfreie, grundlegende Zahlen geben zu können, nahm ich, nach Fest¬ 
stellung gewisser Grundsätze für die Gewichtsbestimmung mit meinem Mit¬ 
arbeiter (H. Roeder), in diesem Jahre (1909) die Wägung selbst vor. Es 
wurden dio 160 Wanderkinder des XI. Bezirks in meiner Schule von mir ge¬ 
wogen, und zwar wie folgt: 

1. Unmittelbar vor der Reise in Kleidung. Die Nacktgewichte 
wurden am Abend durch Zurückwägon der gesamten Kleidung bestimmt. 

2. Unmittelbar nach der Reise durch die Führer und Führerinnen, 
leider jedoch nicht bei allen Gruppen. 

Diese Zahlen sind interessant und zeigen, wie gross die augenblickliche 
Wirkung der Wanderfahrt ist. Es haben nicht nur Kinder mit normalem Kräfte¬ 
zustand, sondern auch gerade Kinder mit Unterernährung zugenommen. Uns 
aber kam es im wesentlichen darauf an, zu erfahren, ob und in wie 
weit eine nachhaltige Einwirkung zu erkennen sei. Deshalb nahm 
ich noch eine 3. Wägung vor, und zwar 

3. nach ca. 2*/, Mo nat, d. h. Ende September, in meiner Schule, wo 
die Kinder wie unter 1 gewogen wurden. Von den Nacktgewichten 
habe ich nicht vollständiges Material bekommen, habe auch nur die 
Fälle notiert, wo mir das Material einwandfrei erschien. Die geringen 
Differenzen der Kleidergewichte, namentlich der Sommerkleider, waren 
auffällig. 

Gleichzeitig bestimmte ich das Gewicht von ca. 50 Nichtwanderern meiner 
Schule — es handelt sich um ungefähr gleichalterige Kinder — um Vergleichs¬ 
material zu haben. Die gesamten Ergebnisse der diesjährigen Wägung be¬ 
stätigten die Zahlen aus 1908, vor allem darin, dass die Wanderung vorzüg¬ 
liche Dauerwirkungen zeigt. Ich verweise nur auf das Tabellenmaterial im 
anderen Teil der Arbeit. 

Um ein möglichst richtiges Bild der Wirkung zu zeigen, haben wir die 
Zunahme nicht nur in Pfunden, sondern auch in Prozenten vom Körpergewicht 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


203 


gegeben, denn nur in den Prozentzahlen haben wir einen durchaus einwand¬ 
freien Massstab für die Wirkung. Herr Dr. Koeder wird diese Tabellen und 
die darin sprechenden Einzelfalle vom Standpunkte des Arztes auswerten, 
um so mehr, als ihm umfangreiche Untersuchungen der Wanderkinder dazu 
reiches Material gaben. Ausserdem hat mein Mitarbeiter Einzelfällo an meiner 
Schule beobachtend verfolgt. 

Mir persönlich geben die Zahlen die fröhliche Gewissheit, dass unsere 
Arbeit an den Kindern nicht umsonst war, dass vor allem unser Zentral- 
verein berufen ist, eine ausserordentlich wichtige Aufgabe der 
Volkshygiene zu lösen und dass er mit den Schülerwandorungen 
eine unzweifelhaft sichere Bahn beschritten hat. 

An diesor Stelle möchte ich den Herren Rektoren meines Bezirks (XI) 
Dank sagen für die Bereitwilligkeit, mit der sie mich in meiner Arbeit tatkiäfiig 
unterstützt haben. 

Die Wanderziele der 8 Gruppen (zu je 20 Kindern) waren folgende: 

1 Mädchengruppe nach dem Riesengebirge, 

2 Mädchengruppen durch die nördliche Mark, 

1 Knabengruppe nach Thüringen, 

2 Knabengruppen nach der Sächsischen Schweiz, 

2 Knabengruppen nach der nördlichen Mark. 

Ich will hervorheben, dass mir die Thüringer Wirte am meisten gelobt 
wurden (auch schon 1908). Dies Urteil hat für mich besonderen Wert, weil 
ein erfahrener Führer, Herr Lehrer Gühloff, in diesem Jahre je eine Wander¬ 
gruppe Thüringen, die nördliche Mark und auch die Sächsische Schweiz be¬ 
reiste. Ihm stand also die Möglichkeit zum Vergleich zur Seite. Da wir in 
Thüringen die grösste Zunahme hatten, so empfehle ich Thüringen als Wander¬ 
ziel, auch die Preise waren dort niedrig. 

Mir, dem Pädagogen, lag es daran, zu erfahren, ob die Wan¬ 
derung neben der starken Einwirkung auf die körperliche Ent¬ 
wickelung auch unterrichtliche, erziehliche Erfolge habe. Und 
darum werde ich auch in den folgenden Ausführungen im wesent¬ 
lichen auf die Beantwortung der Frage eingehen: Erhält durch 
die Wanderung das seelische Leben unserer Jugend und 
zwar speziell der in der Ernährung zurückgebliebenen 
Kinder eine nennenswerte Einwirkung? 

Ich möchte vorweg bemerken, dass man an die Prüfung dieser 
Frage nicht mit übertriebenen Forderungen gehen darf, denn das 
würde Voreingenommenheit bedeuten, und die kann der Sache nur 
schaden. Wir wollen verlässliches Material haben, wir wollen wirk¬ 
liche Werte bestimmen. Darum bin ich hier ebenso gewissenhaft 
vorgegangen, wie bei der Gewichtsbestimraung. Der ernstlich 
Prüfende, der Kundige wird selbst ausrechnen können, dass die 


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H. Roeder und E. Wienecke, 


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6tägige Wanderung immerhin nur eine verliältnismässig kleine Ein¬ 
wirkung darstellt. Aber ich habe mit Sorgfalt beobachtet und 
doch gefunden, dass auch das seelische Leben der Kinder 
durch die Wanderung eine nicht zu unterschätzende 
Förderung erfuhr. 

Um meine Beobachtungen gründlich und zweckentsprechend zu gestalten, 
habe ich mich in diesem Jahr einer Gruppe angeschlossen, die durch das 
Riesengebirge wanderte; es waren übrigens meist meine eigenen Schülerinnen. 
Ich wollte sehen, selbst urteilen können über alle Dinge, die bei der Wander¬ 
schaft zu beachten sind. Mit Freuden gestehe ich, diese lustigen Wander¬ 
tage gehören zu den schönsten meiner Ferienzeit. Die Mädchen haben sich 
vorzüglich benommen, waren tapfer beim Wandern und haben nie ge¬ 
murrt, wenn der Rucksack drückte. Den „Lehrer“ hatte ich zu Hause ge¬ 
lassen, ich wollte nicht „unterrichten“, ich war ihr Wandergenosse, ln dieser 
freundlichen und zwanglosen Art des Umgangs gingen die Mädchen aus 
sich heraus, plauderten, neckten, lachten, sangen. Dann wanderten wir auch 
wohl wieder still dahin, jedes still schauend, oder seinen Gedanken nach¬ 
hängend. 

Wenn ich es streng vermied, unterrichtlich einzuwirken, so hängt das 
zusammen mit meiner Grundanschauung über die Ferienwanderung. Ich höre 
so oft die Bemerkung, eine solche Wanderfahrt bedeute eine hohe Bereicherung 
des Wissens. Ich habe das stets stark bezweifelt, bin auch der Meinnng, dass 
wir Wissen, Schulweisheit genug in der Unterrichtszeit verzapfen können, dazu 
sollte die Ferien-, die Wanderzeit zu schade sein. Immer lernen und lernen! 
Wozu sind die Ferien da? Die Ferien sind die Sabbathtage im 
Sohuljahr und die braucht das Kind so gut wie wir. Wie ist es 
denn bei uns Erwachsenen? Wenn wir in die Ferien gehen, wollen wir auf- 
atmen, wollen uns erholen, das ewige Einerlei des Berufs ausschalten, wollen. 
Kraft sammeln zu neuer Arbeit. So ist es auch bei den Kindern, auch sie 
sollen ausschalten, frei sein, sollen das gesamte Ich emporschnellen, sollen 
einmal das frohe Loben auf sich wirken lassen. Die Sonne des Kindes, die 
Freude muss scheinen. Wie wir nach des Tages Last nach einem guten Buch 
greifen, dessen Inhalt weit abliegt von unserem täglichen Gedankenkreis, nach 
einem guten Roman, um die ermüdeten Lebensgeister auf eine natürliche, 
zwanglose Art auszuschalten, so hat das Kind ein dringendes Bedürfnis, sich 
auszutummeln. Es steckt in der Jugend ein starker Trieb zum Fernen, Unbe¬ 
kannten, es ist das der natürliche Wissenstrieb, der mächtig in ihr spricht. 
Man tut der Schundliteratur wirklich zu viel Ehre an, wenn man behauptet, 
sie mache die Jungen zu Abenteurern. In jedem gesunden Jungen steckt von 
Natur aus ein Abenteurer. „Es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus.“ Das 
gilt von allen Kraftnaturen. Wir wollen aber durch dieErziehung diesen Trieb 
in rechte Bahnen lenken; aber ihn ganz ausradieren wollen und — können 
wir nicht. Er bedarf der Lenkung — aber auch der Befriedigung. Bis zu 
meinem 14. Jahre war ich zweimal verreist, aber heut noch liegt ein goldener 
Sonnenschein über der Erinnerung an jene Tage. 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


205 


Man halte beim Wandern keine Unterrichtsstunden ab. Wenn das Kind 
etwas wissen willj dann antworte ihm, zwänge es aber nicht in den Unterrichts¬ 
sielen. Es ist doch etwas Köstliches um ein ferienfreudigesKind, wie es hinaus¬ 
stürmt ins Leben, wie es schauend und forschend steht vor dem Schönen, 
vor dem Unbekannten. Wie könnte man der Jugend Besseres geben, Schöneres 
bieten, wie könnten wir dem elementaren Aufschnellen des Ich besser entgegen- 
kommen, als wenn wir ihm Ruoksack und Wanderstab in die Hand drücken. 
Wer so wie ich die Jugend hat aufjauchzen sehen, wer in so viel wanderfrohe 
strahlende Kinderaugen geschaut, der vermag zu erfassen, wie stark das 
Verlangen des Kindes ist nach Luft und Freiheit. 

Nicht lernen in den Ferien, die Ferien sind die Sabbath- 
tage der Schulzeit. — Was für ein Bild, wenn das Kind in den Ferien 
hinter den Büchern sitzen muss, wie verlangend schauen die Augen nach dem 
Schönen da draussen. Ich sah es einst am Strande der Nordsee, wie ein Vater 
es fertig brachte, mit seinem Sohn vormittags und nachmittags Latein und 
Grieohisch zu treiben. Der Sohn sollte zu Michaelis gut versetzt werden. 
Umher spielten und tollten die Knaben und Mädchen, aber der fleissige Junge 
— denn das war er — sollte lernen. Was sah der von der wogenden See, von 
ihrem Kommen undGehen, von den wunderbaren, eigenartigen Lichtwirkungen. 
Und dies Martyrium verhängte ein Vater über seinen einzigen Sohn! Ich will 
hoffen, dass der blasse Knabe als Erster versetzt worden ist, das durfte der 
energische Vater ja wohl verlangen. Aerger gegen den Vater, Mitleid mit dem 
geduldigen Jungen, das waren die Empfindungen, die täglich in mir hoch¬ 
gingen. Mögen die Verhältnisse manchmal zwingend erscheinen, die körper¬ 
liche Entwickelung unserer Jugend hat auch ein Recht, und 
zwar ein Recht unter allen Umständen. 

Es ist kurzsichtig, zu meinen, ein wenig Unterricht bei der Ferienwande¬ 
rung sei durchaus angebracht. Ich meine, die unterrichtliche Ausnutzung 
dieser Zeit geschieht in einer anderen Weise, in einer unwillkürlichen. 
Sie nimmt weniger die Form der Darbietung an als die der Berichtigung. Die 
Schüler haben z. B. im Unterricht ein inneres Bild vom Gebirge bekommen, 
das gezeichnet wurde vom Wort des Lehrers, von bildlichen Darstellungen 
und des Kindes Phantasie, des Lehrers treuester Gehilfin, jener Geisteskraft, 
die bauend, gestaltend, malend Einzelvorstellungen verbindet und so Gesamt¬ 
vorstellungen, Gesamtbilder plastisch aufbaut von einer Grossartigkeit und 
Schönheit, die die Wirklichkeit oft weit übertreffen. Aus ihr schöpft der 
Dichter, aus ihr der Maler — aus ihr schöpft das arbeitende Nähmädchen im 
Mansardenzimmor inmitten von rohen Giebeln, geschwärzten Schornsteinen, in¬ 
mitten von Armut und Elend. Eine gewaltige Kraft, eine Kraft zu gestalten 
und zu bilden, die Quelle aller Produktivität, der lebensfrohe Keim des Kultur¬ 
auftriebs. Eine Kraft von so elementarer Gewalt bedarf der weisen Zügelung, 
der Leitung. Diese gigantische Kraft, soll sie dem heranwachsenden Kinde 
eine dienstbare Freundin und Helferin werden, bedarf des Gleichklangs mit 
dem Wirklichen. Sollen ihre Bilder psychologisch wertvoll sein, so bedürfen 
sie der Korrektur durch die Wirklichkeit. In diesem Sinne nun wirken die 
Wanderungen unterrichtlich bereichernd zugleich und klärend. Und dieser 


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H. Roeder und E. Wienocke, 


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Unterricht vollzieht sich zwanglos, natürlich, unwillkürlich; die Kraft des 
sinnlichen Eindrucks ist zu gewaltig, um wirkungslos am Vorstellungsleben 
des Kindes vorüberzugehen. Wie oft sagte mir unterwegs ein schauendes 
Mädchen aufatmend: „Ich habe mir das alles anders vorgestellt u . Und dann 
kamen die andern, ihnen erging es ähnlich, und berichteten, wie sie sich die 
Elbquelle gedacht, den Kamm des Gebirges — drollig, nicht selten als schmalen 
Rücken, von dem man nach links und rechts hinunterpurzeln könne. Neu war 
ihnen die Teilung der Gebirgsmasse in Züge. Ich will mich beschränken, aber 
es ergab sich, sie hatten es sich anders gedacht! Dann und wann hörte ich 
auch wohl bewundernden Ausruf „so grossartig hätte ich mir den Anblick 
nicht vorgestellt.“ Besonders interessant war ihnen derWeitblick, bei welchem 
die fernliegenden unbedeutenden Erhebungen in der Ebene in gleicher Höhe 
mit dem Kamm erscheinen, ein vorzügliches Beispiel für optische Täuschungen 
(hier Hebung des Objekts zum Augenpunkt). 

Beim Plaudern erfuhr ich denn, wie bestimmt und ausführlich die Phan¬ 
tasiebilder der Kinder gcweson waren und — wie schnell die Wirklichkeit 
diese Bilder verschwinden liess, um sie durch ein Wirklichkeitsbild zu ersetzen, 
das durch seinen Kontrast mit dem verdrängten um so fester sich eingrub. Ich 
will das mit einem Beispiel belegen. Eins der Mädchen war arg enttäuscht 
durch die Höhe der Koppe, es hatte sich darunter einen „bis in den Himmel 
hohen“ Berg vorgestellt. Vom Gebirge selbst hatte es eine so grosse Ausdeh¬ 
nung nicht erwartet, wie ioh durch Fragen feststellte. Nahe der Koppe wurde 
nun folgendes Wirklichkeitsbild eingeschaltet: Das Riesengebirge ist eine 
grosso geteilte Gebirgsmasse mit verhältnismässig niedrigen Kuppen, darunter 
die Schneekoppe als die höchste. Nach Besteigung der Koppe gestand mir die 
Enttäuschte wieder, die Koppe sei doch höher, als sie es von unten erwartet 
habe. Nun wurde berichtigt: Die Kuppen des Gebirges sind ziemliche 
Höhen, sie erscheinen aber klein im Gegensatz zur Gebirgshöhe überhaupt. — 
ln dieser Art und Weise vollziehen sich jene psychologischen Prozesse, die ich 
vorhin als unwillkürlichen Unterricht bezeichnete. 

Wir sehen, wenn sich die Wanderungen von selbst in den Dienst einer 
so wichtigen Aufgabe stellen — Austausch des Phantasiebildes gegen das 
Wirklichkeitsbild, und das geschieht zwanglos, unwillkürlich — so darf der 
Lehrer, der willkürliche, schweigen. Er soll seine Aufgabe erfüllen, wenn es 
Zeit ist, in den vier Wänden; aber er soll schweigen, wenn die treue und 
grösste Lohrmeisterin, die Natur zum Kinde spricht. Darum: Auf der Wan¬ 
derung keine Unterrichtsstunden! 

Oft, wenn die Mädchen stumm dahinschritten, die Augen über die Weit¬ 
bilder sendend, habe ich sie beobachtet; ich wusste, die Natur hatte sie im 
Bann, es vollzogen sich jene psychologischen Prozesse. Ueber einen solchen 
Augenblick stillen Schauens schreibt ein W'andermädchen: „Das Hirschberger 
Tal (vom Kynast aus gesehen) ist mit vielen kleinen Teichen geschmückt, die 
dem Ganzen ein reizvolles Aussehen geben. Ich dachte im Stillen an unsere 
Geographiestunden, an die Seen der Alpen, die „Juwelen der Alpen“, die sich 
besonders in den nördlichen Vorlagen befinden. Ich hätte jetzt gewünscht, die 
Alpen daneben zu sehen. Wenn sie auch ausgedehnter und durch Gletscher- 
schmuck schöner sind, wir alle waren doch über die Schönheiten des Riesen- 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


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gebirges mit Bewunderung erfüllt. u Diese Sätze lassen uns die vergleichende, 
bauende Tätigkeit der Phantasie erkennen, die aus dem Bild desRiosengebirges 
das der Alpen formt; also nicht bloss Korrektur des inneren Bildes vom 
Geschauten, sondern auch vom Ungeschauten. 

Eine andere Schülerin bleibt wie gebannt bei der Kammwanderung stehen. 
Ich sehe es und verzögere meine Schritte. Das Kind wird gefesselt durch ein 
wunderbares Bild: Ueber uns grauer Himmel, nach dem Tal zu zerrissenes Ge¬ 
wölk und durch die Wolkenspalten hindurch schauen wir auf die im schönsten 
Sonnenschein liegende Gegend um Hirschborg. Das Mädchen ist entzückt über 
das fortwährende Vorwandlungsspiel, aber es kann sich nicht erklären, wie da 
unten Sonnenschein lachen kann, während hier oben alles grau ist. Ich muss 
nun aushelfen. Wir stehen hier oben in und unter einer Wolke, die uns nach 
oben hin die Sonne verhüllt. Die Wolke liegt über dem Gebirge, das Tal 
liegt unter blauem Himmel, durch die zerrissene Wolke hindurch können wir 
das unter der Sonne liegende Tal sehen. — Hier hatte das Mädchen aller¬ 
dings Unterricht empfangen, aber er war zwanglos, weil er ein Bedürfnis be¬ 
friedigte. 

Die psychologischen Prozesse der Austauschung und Umbildung der 
Phantasiebilder gehen schnell vor sich. Man würde sich ein falsches Bild 
von unserer Wanderung machen, wenn man sie sich vorstellte als eine fort¬ 
laufende psychologische Arbeit. Das Schauen und Auswechseln hielt nur 
Minuton an. Dann lachten und tollten die Mädchen wieder, das körperliche 
Aufschnellen trat in sein Recht. Necken, Jagen, Juhuschreien setzten wieder 
ein, die lustige Gesellschaft gab sich ungetrübtem Lebensgenuss hin. Stunden 
starken Glücksgefühls, Stunden der Sorglosigkeit, Stunden des Bowusstwordens 
vom hochflutenden Leben klangen hier aus. Und wenn auch grauer Nebel die 
Höhen verschleierte, wenn auch dor Wind stürmte und der Regen fiel — das 
gehört nun einmal zur Gebirgswanderung—, die Erinnerung wird die Unbilden 
verwischen, die Anstrengungen vergessen lassen, klarer und schöner werden 
haften jene Augenblicke, in denen gewaltige Naturbilder sich in unsere Seele 
drängten, lichtvoller die Augenblicke in der Erinnerung haften, in denen das 
Ich einmal im sprudelnden Lebensgefühl aufjauchzend emporschnellte. Das 
sind die starken Empfindungen, die das Wort nur arm auszudrücken vermag. 
Sie bilden den stillen Glücksbesitz, von dom wir in einsamen, hungernden 
Lebensstunden zehren. Glücklich, wor Kinderherzen so mit reichen Erinnerungs¬ 
schätzen füllt. 

Ich habe im ersten Aufsatz nach den Ferien von der Wanderung schreiben 
lassen und die Mädchen angewiesen, von Aufzählungen und genauen Tages¬ 
berichten abzusehen, sie sollten mir vielmehr erzählen, was sie da oben auf 
den Höhen empfunden hätten, von dem, was sie gedacht, von fröhlichen 
Stunden, von Enttäuschungen. Ich wollte einen weiteren Einblick in das 
Seelenleben der Kinder gewinnen. Die Aufsätze habe ich mit grossem Inter¬ 
esse gelesen. Nun, es waren Kinder, die da schrieben, Kinder, denen das 
Wort nicht so zur Verfügung steht, Kinder, die wohl aufnehmen können, die 
aber bei der Wiedergabe arm erscheinen. Der Fremde wird vielleicht von den 
Arbeiten enttäuscht sein; aber der Lehrer, der durch seine Vertrauensstellung 
Einblick in das Seelenleben der Kinder, in ihr Denken und Empfinden hat, 


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H. Roeder und E. Wienecke, 


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wird auch in den einfachen Schilderungen erkennen, wie die Macht des Ein¬ 
drucks die Feder geführt. 

Sehen wir uns ein wenig in diesen Aufsätzen um. Ein 14jahriges Mädchen 
schreibt: „Ich hatte bisher noch keine Reise gemacht, und nun sollte mir ein 
so hohes Glück zuteil werden. 44 Welch starke Empfindung spricht aus diesen 
schlichten Worten. Unsere eigenen Kinder, die die jährliche Sommerreise mit 
einer gewissen Selbstverständlichkeit hinnehmen, sind uns kein Massstab, um 
zu ermessen, wie es in der Seele jenes stillen Mädchens aussah. Tagaus, tag¬ 
ein Vater und Mutter bei der Arbeit, das Kind, selbst mithelfend oder die Wirt¬ 
schaft besorgend und dabei mustergültige Schularbeiten liefernd, kannte nichts 
als das ewige Einerlei. „Hinaus aus Berlin! u das stand nur ganz versteckt 
auf seinem Wunschzettel. Und nun kam’s wie ein schönes Geschenk: Hinaus! 
Ich wünschte, die Geber hätten das warme Aufleuchten in den Augen des 
Mädchens gesehen, sie würden begreifen, dass ich vorhin von einem Auf¬ 
schnellen des Ich spreohen konnte. 

Eine andere Schülerin sieht sinnenden Auges in die in Morgentau und 
Sonnenglanz stehende Natur: „Die Tautröpfchen lagen wie Perlen auf den 
Gräsern und Waldbäumen“. Und dann auf die Wolkengebilde schauend: „Als 
wir uns der Geiergucke näherten, sah ich ein eigenartiges Bild: Die Wolken 
lagerten dicht über der Erde, ballten sich und zerflossen zu Nebel, der das 
Knieholz einhüllte und schliesslich auf uns zukam, als wenn uns jemand .Rauch 
anblies“. Diese Darstellung verrät wieder, wie stark der sinnliche Eindruck 
in seiner Grösse und Eigenart die Seele des Mädchens bewegt hatte. Uebrigens 
entsinne ich mioh dessen, dass ich mit mehreren Kindern dies Bild aufnahm m T 
nur eins hat es festgehalten und in der Arbeit erwähnt. Man könnte mir ent¬ 
gegenhalten, dass nicht das Bild selbst, sondern mein Hinweis die Aufnahme 
veranlasst habe. Warum schrieben denn nicht die übrigen Kinder von den 
wunderbaren Wolkengebilden? Nur bei diesem Mädchen wurde das Naturbild 
zu einem inneren, treibenden. 

Im übrigen will ich bemerken, dass ich des öfteren auf grosse und eigen¬ 
artige Bilder hingewiesen habe, aber nur vereinzelt sprach der Aufsatz von 
ihnen. Für mich ergibt sich daraus die Tatsache, dass die Kinder ganz indi¬ 
viduell vor neuen Eindrücken stehen; was den einen ergreift, lässt den andern 
gleichgültig. Nur besonders stark wirkende Eindrücke bannen die Gesamtheit. 
Man gebe sich also keine Mühe, durch lange Erklärungen und Deutungen des 
Angeschauten innere Bilder erzeugen zu wollen. Nur kurze Hinweise, die 
Bilder müssen selbst wirken. 

Dabei möchte ich erinnern, dass man bei Schulausflügen diese Beob¬ 
achtungen verwerten soll; sie sind sicher nicht neu, aber richtig und darum 
beachtenswert. Der Grunewald, die Tegeler Forst haben so farbenprächtige, 
gestaltenreiche Bilder, dass wir mit unsern Kindern nicht daran vorübergeben 
dürfen, es ist das ein Weg der Erziehung zum Kunstgenuss. Freilich genügen 
dazu nicht ein paar Ausflüge, der gesamte Unterricht muss dahin wirken, 
unsere Dichter, unsere guten Schriftsteller sollen mitsprechen. Ich denke da 
an eine Gruppe von Waldliedern, die man lernen, womöglich auch singen 
lassen sollte, an Tschudi’s „Wenn der Wald erwacht“, an Masius und 
andere Schriftsteller; dies wäre eine rechte Vorbereitung auf einen Wald- 


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lieber den Einfluss von Wandertouren usw. 


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Spaziergang, sie würde die Kinder stimmen, vorbereiten. Dann wird die grosse 
reiche Natur viel eindringlicher zum Kinde sprechen, wird viel stärker zum Aus¬ 
druck drängen. Auch der beste Boden trägt reicher, wenn er be¬ 
ackert wird. 

Aus einem guten Aufsatz habe ich folgende Skizze notiert: „Ich sass am 
Fenster (während der Fahrt) und schaute in die sinkende Sonne. Inzwischen 
war im Kupee eine lebhafte Unterhaltung in den Gang gekommen, an der ich 
mich nicht beteiligte; denn ich sass still in der Ecke, meine Blicke hingen an 
dem verblassenden Abendrot. Ich habe mir da alles so schön ausgedacht, 
dass ich von der Unterhaltung nichts hörte. 44 Also mitten im Lärm eine stille 
Insel; ahnende Wünsche der Kindesseele verschmolzen mit dem in Kulmination 
stehenden Abendbild zu einem grossen Stimmungsbild zusammen. Ich bin 
dessen sicher, wenn das Kind später einmal an die Fahrt denkt, dann drängt 
sich dies Bild vor und lässt die Seele wieder all das Glück jener stillen 
Minuten empfinden. Das ist das, was ich vorhin als Erinnerungsschatz be- 
zeichnete. 

Reifer, freier, schon zur Reflexion neigend, schreibt ein 14jähriges 
Mädchen über den Gang von der Wiesenbaude zur Koppe in dichtem Nebel: 
„So war’s mir, als ob ich auf einer öden, kahlen, aus kleinen Felstrümmern 
gebildeten Kugel stand. Ueber mir und um mich her war Luft. Mir war’s, 
als stände ich einsam auf der Weltkugel und blickte in die leere Finsternis 
des Weltalls hinein. In Wirklichkeit aber befanden wir uns auf einem schmalen 
Pfade, überall öde, kaltes Gestein, der Sturm sausto uns um die Ohren. 14 Diese 
Worte sind plastisch und verraten ein reiches Phantasieleben, das unter dem 
Eindruck des Wirklichen so abstrahieren konnte. Dieser Zug geht durch den 
ganzen Aufsatz; man merkt es immer wieder, das Mädchen stand unter hoch¬ 
flutenden Empfindungen. 

Dann klingt es wieder in einem anderen Aufsatz wie ein Aufjauchzen: 
„Ich habe ein Bild gesehen, Getreide und darin Kornblumen und roter Mohn. 
Ich hätte alles in den Arm nehmen mögen. 44 — Eine andere schreibt von dem¬ 
selben Feld: „Ein wunderbares Bild: Kornblumen und Mohn im gelben Ge¬ 
treide . . , 44 Der Ausbruch der Empfindung beweist, wie stark das Naturbild 
in seiner lieblichen Schönheit die Seelen der Mädchen ergriff. Aus den zum 
Teil langen Aufsätzen, die oft kaum weiteres bieten als kindliche Beschreibung 
und Aufzählung, hoben sich so einzelne Sätze ab, die in der Kraft des Aus¬ 
drucks weit über der ganzen Arbeit stehen. Und diese Sätze hat stets ein 
starkes Empfinden diktiert, das ausgelöst wurde durch mächtige sinnliche 
Eindrücke. 

Was lernen wir aus dieser Tatsache? Die Aufsätze unserer Jugend 
sollten als Stoffunterlage Bilder enthalten, die uns im Unterricht 
eine starke seelische Wirkung verraten. Sie allein sind imstande, das 
Kind den rechten Ausdruok finden zu lassen. Es ist als ein entschiedener 
Fortschritt zu bezeichnen, dass die Pädagogik heute den freien Aufsatz fordert 
und mit dem nach Stoff und Form vorbereiteten gebrochen hat. Aber auch 
der freie Aufsatz artet zu leerer Wortdrescherei aus, wenn der Lehrer sich 
nicht bemüht, seelisch stark wirkende Aufsatzstoffe auszuwählen; sie müssen 
aus dem Unterrichtsstoff hervorgehen; sie aus sogenannten Aufsatzsammlungen 

Internat. Beiträge. B<l. I. Heft 2. i 4 


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II. Roeder und E. Wienecke, 


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zu entnehmen, bedeutet einen argen Missgriff. Naturbiider, ethische Stoffe, 
sie bieten uns in unserer Arbeit so reiche Gelegenheit, die vorhin aufgestellte 
Forderung zu erfüllen; sie geben uns ein Mittel in die Hand, den Ausdruck 
des Kindes zu entwickeln. Es kommt doch wohl heute kaum noch vor, dass 
man Kindern das Heraustreten dos Ich als „Fehler im Ausdruck 14 anstreicht. 
Es soll doch dem Kinde kein bestimmter Stil angeeignet werden, es soll 
vielmehr seinen eigenen, individuellen Stil entwickeln. Dazu gehört, 
dass man das Kind frei sprechen lässt, wenn ein starkes Empfinden ihm 
Worte gibt. 

In diesem Punkte hat die Neuzeit energisch Wandel geschaffen. Aber 
eins wird immer noch vergessen. Wann wird die Pädagogik ernst 
machen mit dem, was sie längst als notwendig anerkannt hat, 
wann wird sie die Kinder hinausführen in die Natur, wenn draussen 
Wald und Feld im Maiengrün, in Herbstfärbung, wenn die Wiese 
in sommerlicher Blütenpracht steht, oder wenn Schnee den ein¬ 
samen Forst deckt? Man kann allerdings von einem solchen Tag nicht 
sofort aufrechnen, welchen Gewinn die Kinder hatten wie etwa am Schluss 
eines arbeitsreichen Unterrichtstages. Man muss eben grosszügiger rechnen. 
Die Anschauungs- und Denkweise, der innere Antrieb zum Handeln wird nicht 
so sehr bestimmt durch das, was bei uns zur Fertigkeit geworden ist, sondern 
durch das, was die Seele dauernd erregt und bewegt. 

Wie sollen nun die Ausflüge zweckdienlich gestaltet werden? Für unsere 
Grossstadtkinder: Hinaus in die Natur! Wie ich hierbei betonen möchte, 
stehen diese Ausflüge nicht so ausschliesslich unter dem sonnigen Himmel 
uneingeschränkter Genussfreude wie etwa die Ferienwanderung. Es soll auch 
an die Arbeit gedacht werden, und diese wird im wesentlichen sein, eine Ge¬ 
wöhnung zur Beobachtung, zum Auffassen umfassender Naturbilder. Schon 
das durch Verhältnisse sich ergebende Bewogen in meist bekannter Gegend 
lässt dio Einwirkung elementar packender Naturbilder zurücktreten. Der sinn¬ 
liche Eindruck ist also an sich schwächer wie dort im Gebirge, wo ganz neue, 
unbekannte Bilder sich in unsere Seele drängen. Mit ihnen können wir hier 
nicht so sicher rechnen. Hier heisst cs, den Schüler zum Interesse zu erziehen; 
das ist möglich, wenn man die nächstliegende Umgebung zweckmässig aus¬ 
wertet. Es ist sogar nicht so absolut notwendig, die bekannten interessanten 
Punkto als Ziele auszuwählen; ein anderer Faktor scheint mir von grösserer 
Bedeutung. Hierzu möchte ich auf Goethes Itat hinweisen, der da empfiehlt, 
Dinge nur dann an die Kinder heranzubringen, wenn sie kul¬ 
minieren. Das wären unsere Landschaftsbilder zur rechten Jahreszeit, zur 
Zeit der schönsten Beleuchtung. Ich möchte das mit einem Beispiel belegen. 
Ich machte einen Ausflug nach Schulzendorf (Tegeler Forst), da stand der 
Wald in vollem Frühlingsgrün, dunkelfarbig saftstrotzend das Gras auf dem 
Waldboden, und dazwischen gleich lichtgrünen Inseln dio frisch belaubten 
Heidelbeerbiische; ein unbeschreiblich liebliches Frühlingsbild. Ich stand ge¬ 
bannt vor dem Anblick. Und darum machte ich am nächsten Tage mit meiner 
I. Klasse denselben Weg. Ich war gespannt, wie das Bild auf die Kinder 
wirken würde und vermied einen vorherigen Hinweis. Wir waren kaum in dem 
bezeichneten Bezirk, als auch schon einige Mädchen aufmerksam wurden. 


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Uebei den Einfluss von Wandertouren usw. 


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Mit Ausrufen freudiger Bewunderung standen wir dann vor dem kulminierenden 
Waldbild. Obwohl die Gegensätze in den grünen Tönen immerhin zart waren, 
die wunderbare Harmonie lockte auch die weniger geübten Kinderaugen zum 
begierigen Schauen. 

Ein andermal führte ich eine kleinere Gruppe in den Nachmittagsstunden 
hinaus zum stillen Dorf, wo auf der zerfallenen Kirchhofsmauer der Flieder 
blaute. Die überhängenden Zweige beugten sich unter der duftenden Last, 
blaue und weisse Blütenwolken quellten hernieder. Ich vergesse nicht das 
Entzücken der Schülerinnen, als sie, überwältigt von der lieblichen Fülle, 
schauend vor dem sonst schmucklosen Dorfkirchhof standen. Blühende 
Akazien, ein Gaug nach der Seestrasse, wo im verwilderten Weg Berlins 
schönster Kastanienbaum steht, wahrhaft königlich schön, wenn er blüht wie 
in diesem Jahr. Ich führe noch einige Kleinziele an: Der Park von Nieder - 
Schönhausen, wenn im Frühling die Anemonen blühen, oder wenn im Herbst 
die Kastanienallee in Herbstfärbung steht. Eine blumige Wiese anfangs Juni, 
unsere Haine, der Tiergarten u. a. Freilich, man muss auoh die rechte Tages¬ 
zeit wählen, sie bedingt die Kulmination des Bildes. Wenn das Tagesgestirn 
hocbsteht, haben wir nur schöne Fernblicke, intime Schönheiten betrachte man 
in den Früh- oder Spätstunden. 

Es bedarf keiner Frage, ein schönes Naturbild in stark stimmender Be¬ 
leuchtung erzeugt in uns jene mächtigen Eindrücke, jene lichtvollen Bilder, 
die noch nach Jahren in voller Stärke und mit allen Erapfindungsreizen ge¬ 
schmückt aus dem Meer der Vergessenheit emporfluten. 

Wir betonen mit Recht die Notwendigkeit der ästhetischen Erziehung; 
ich denke dabei auch an den Kampf gegen die Schundliteratur. Wie in der 
Natur, so soll auch bei der Auswahl der Kinderlektüre auf das Lebensvolle, 
Starkwirkende gesehen worden, durchlichtet vom Hauch fröhlichen Kinder¬ 
sinnes. Auch hier werden reiche, leuchtende Bilder hinterlassen; es sind dies 
später Massstäbe, um neue Darbietungen zu messen, sie werden zu Grundlagen 
dos ästhetischen Geschmacks, der uns im guten Sinne des Wortes kritisch, 
urteilsfähig macht, der unsere gesamte Lebensanschauung beeinflusst, kurz, der 
unserm gesamten Ich einen bestimmten Klang gibt. Wir wollen dort wie hier 
die Kinder zur Freude am Schönen erziehen, indem wir sie mit reinen Bildern 
füllen, die stark machen zum Wollen und Handeln, die dem Mund das rechte 
Wort geben, die dem Einsamen wie grüssende Gestalten aus frohen Tagen 
trauliche Zwiesprache geben. 

Nun eine Frage: Warum werden die 6tägigen Wanderungen nur in den 
Ferien gemacht, wo die beliebten Reiseziele überfüllt, wo Verteuerung und 
mangelhafte Bewirtung unausbleiblich sind? Warum werden nicht diese 6 Tage 
in die Schulzeit gelegt? Dass dadurch Unterrichtszeit verloren geht, fallt bei 
einem so reichen Ersatz wohl kaum ins Gewicht. Uebrigens greifen ja auch 
die Ferienkolonien in die Schulzeit hinein. Vielleicht ist dieser Plan noch 
nicht ernstlich in Erwägung gezogen. Freilich, eine Bedingung möchte ich 
stellen, die Wandertour muss im Anschluss an die Ferien unternommen werden, 
Ferienduft, Feriensonne soll die Wanderer beseelen; wie zum Christfest der 
Tannenduft, so soll zum Wandern der stärkste Jugendzauber, die Ferien¬ 
stimmung gehören. 

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H. Hoeder and E. Wienecke, 

Aüs praktischen Gründen käme wohl nur die letzte Schalwoche vor den 
Ferien in Betracht; denn die Wanderung als Ferienschluss zu nehmen, halte 
ich für unzweckmässig. Eine Wandertour, wenn sie auoh noch so mässige An¬ 
forderungen an die Kraft der Kinder stellt, bedeutet, wie unsere Zahlen zeigen, 
einen kräftigen Eingriff in den Entwicklungsgang des Kindes. Darum lege 
man die Wandertour in den Ferienanfang, die Ferien wirken dann wie eine 
Nachkur. Der Körper braucht Zeit und Ruhe, nm auf den kräftigen Anreiz zu 
reagieren, ich lege deshalb alle Touren in den Ferienanfang, wenigstens in 
die erste Ferienhälfte. 

Für unsere Grossstadtkindor bedeuten sechs Wandertage ausserordentlich 
viel, das beweisen unsere Zahlen. Wissen ist zwar eine Macht, Gesundheit aber 
die Vorbedingung dazu. Ein gesunder Mensch füllt unter Umständen mit einem 
geringeren Wissen seinen Platz in der Welt aus; ein kranker, siecher steht mit 
seinem Wissen freudlos in der Welt, und die Lebensfreude macht doch erst das 
Leben lebenswert. Wenn ich daran denke, dass unsere Gemeindeschulkinder 
schon mit 14 Jahren in die Berufssielen treten, der kaum andere als unfrei¬ 
willige Ferien kennt, dann möchte ich ihnen als freundliches Geleit den 
Sonnenglanz der Ferienwanderung geben. Wie manches Mädchen mit mangel¬ 
hafter Körperentwicklung ist durch solche Ferienwanderung zum Aufblühen 
gesundet. Ein kräftiger Anreiz, wie ihn die Wandorung darstellt, tut 
Wunder. 

Nun zu unsern Reisezielen. Es wird häufig stark betont, man solle 
die Wandergruppen durch die Mark schicken, die Mark sei reich an wunder¬ 
vollen Bildern. Das ist sie. Und doch möchte ich die entfernten Ziele wählen 
wie Thüringen, die Sächsische Schweiz, das Riesengebirge, Rügen, weil hier 
vollständig neue, starkwirkende Naturbilder auf die Kinder einstürmen. Ich 
bezweifle, dass das Kind in gleichem Masse für die feineren Stimmungsreize 
unserer köstlichen Waldseen, für die intime Musik unserer märkischen Kiefern¬ 
wälder recht Auge und Ohr haben. Der weitere Zweck der Wanderung, der 
körperlichen Entwicklung einen kräftigen Antrieb zu geben, einen erhöhten 
Stoffwechselvorgang einzuleiten, wird hier und da erreicht, in der Mark sowohl 
als auch in den Fernzielen. Die Preise in der Mark sind keineswegs niedriger 
als im Gebirge, die Quartiere oft schlechter, die Wirte nicht selten wenig ent¬ 
gegenkommend. Die Zeit must sie erst dazu erziehen, dass der Wanderer nicht 
bloss da ist, den Wirten Geld zuzutragen, sondern auch freundlich und gut 
bodient zu werden. Nur das Reisegeld spricht das entscheidende Wort. Wir 
zahlen für die Mark ca. 4 M., für die Sächsische Schweiz 7,50 M., für Thürin¬ 
gen 8,50 M. und für das Riesengebirge 9,50 M. Das ist eine Tatsache, mit 
der der Verein rechnen muss. So haben wir denn in diesem Jahre die Frei¬ 
wanderer meist durch die Mark geschickt, Teilzahler und vor allem Voll¬ 
zahler nach weiteren Zielen. Dabei haben wir keineswegs eine merkliche 
Grenze zwischen Besitzenden und Nichtbesitzenden gezogen, nur die, die 
nicht zu umgehen war. Für 19 M. bestreitet z. B. ein Kind Reisekosten 
und Verpflegung auf 6 Tage für eine Reise ins Riesengebirge, durch die Mark 
für 14 M. 

Es dürfte nun vor allem interessant sein zu erfahren, ob die 
Wanderung irgend einen merklich nachhaltigen Einfluss auf die 


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lieber den Einfluss von Wandertouren usw. 


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geistige Entwicklung des Kindes hat; oder, wenn ich eine Frage 
formuliere: Ist an den Wanderkindern auch im Unterricht 
der günstige Einfluss der Wanderung zu erkennen? 

Wieder möchte ich vor übertriebenen Vorstellungen über die 
Grösse der Wirkung warnen. Ich will daher recht vorsichtig in 
meinem Urteil sein, um so mehr, als das Neue, selbst wenn es 
gut ist, durch nichts mehr lächerlich gemacht werden kann als 
durch die Uebertreibung. Soviel steht leider fest, dass eine 
6 tägige Wanderung an den geistigen Anlagen nicht rüttelt; 
wer als Schäfchen wandern ging, kommt sicher als Schäfchen 
wieder heim. 

Ich will die oben gestellte Frage nicht sofort allgemein be¬ 
antworten. Meine Ermittlungsmethode war die der Einzelbeobach¬ 
tung. Und so stehe ich denn vor einer Reihe von Einzelbildern, 
von denen ich einige hervorstechende geben will. Diese Beispiele 
bieten fast ausnahmslos Kinder, bei denen zwar eine bestimmte 
Erkrankung nicht vorlag, bei denen aber doch das physische Leben 
und mit ihm die geistige Regsamkeit darniederlag. Es waren dies 
also stark erholungsbedürftige Kinder. Solche Fälle werde ich 
hier skizzieren und bemerke dabei, dass diese Fälle noch von 
meinem Mitarbeiter ausgewertet werden. 

Im Vorjahre fiel mir in meiner Klasse ein Mädchen, Frieda K., auf, das 
meist müde und abgespannt war, namentlich in den letzten Unterrichtsstunden; 
empfindlich bei ermunternden Worten, oft wie träumend, so dass es allmählich 
im Unterricht zurücktrat. Die Untersuchung durch Herrn Dr. Roeder ergab, 
dass eine eigentliche Erkrankung nicht vorlag, vielmehr ein Erschöpfungs¬ 
zustand. Es wurde Pflege angeordnet. Aber was nützt Pflege, wenn der Appetit 
fehlt. Ich liess die Mutter kommen und empfahl ihr unsere Wanderung. Da 
die Eltern nicht in der Lage waren zu zahlen, reiste das Kind auf Kosten des 
Vereins. Nach den Ferien war das Mädchen wie umgewandelt. Es sah frisch 
aus, beteiligte sich frischen Auges am Unterricht. Auf der Reise selbst erfolgte 
keine Gewichtszunahme, wohl aber bis zum Schulanfang nach den grossen 
Ferien (4 Pfund), d. h. also in den 4 Wochen nach der Tour. Nun konnte ich 
zu meiner Freude sehen, wie das Mädchen körperlich wie geistig aufblühte. 
Ostern 1909 verliess Frieda K. meine Schule als eine meiner besten Schüle¬ 
rinnen. Der kräftige Anstoss wirkte nach. Heute wiegt die kaum 15jährige 
109 Pfund. 

In diesem Jahre beobachtete ich wieder zwei ähnliche Fälle, d. h. ich 
beschränke mich nur auf meine eigene Klasse, sonst würde ich mehr Beispiele 
anführen können. Diese Fälle haben den Vorzug, dass ich die Kinder täglich 
genau beobachten konnte. Frieda J., 14 Jahr, fiel durch elendes Aussehen und 
schlechte Gesichtsfarbe auf. Sie machte als Vollzahler die Reise durchs Riesen¬ 
gebirge mit. Auch bei ihr, die ausserordentlich lebhaft ist und eifrig am Unter- 


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214 H. Roeder und E. Wienecke, 

rieht teilnimmt, trat schliesslich doch ein Nachlassen der geistigen Regsamkeit 
ein. Wenn auch das äussere Bild im Unterricht sich wenig veränderte, die 
Antworten bewiesen mir, dass die gesamten Lebensfunktionen darniederlagen. 
Heut, nach der Wanderung, sind die Leistungen des Mädchens bedeutend 
höhere, das Aussehen ist frisch und blühend, die Gosamtzunabme vom 1. 7.09 
bis 1. 11. 09 beträgt 10 Pfund. Auch hier war die Wanderung offenbar die 
Ursache der Hebung der Lebensfunktionen, vor allem setzte nun die Ent¬ 
wicklung des Kindes frisch ein. Ich verweise auf den Bericht des Herrn Mit¬ 
arbeiters. 

Nicht sofort nach den Ferien, aber bald, nach einigen Wochen merkte 
ich bei einer anderen Schülerin, Meta F., ein Hochgehen der geistigen Ent¬ 
wicklung, wieder natürlich im Verein mit der körperlichen. Vielleicht drückten 
häusliche Verhältnisse auf das Kind, der Vater ist nämlich lungenleidend und 
war im Juni arbeitslos. Jetzt im November ist das Mädchen recht munter und 
erfreut uns alle im Unterricht. Das empfindliche, weinerliche Wesen ist voll¬ 
ständig verschwunden. Das Kind ist ein Bild der Munterkeit und Lebensfreude. 
Die Zunahme seit 1. 7. 09 zeigt die stattliche Zahl „12 Pfund“. Ich wünschte 
nur, die Geber könnten so eine Reihe von Einzelfällen verfolgen, sie würden 
dann rechte Geberfreude geniessen können. 

Auch in Fällen, wo eine so hervorstechende Förderung des 
geistigen Lebens nicht bemerkbar ist, wird dem aufmerksamen 
Beobachter nicht entgehen, dass der Gesichsausdruck der Wander¬ 
kinder — für Eltern und Lehrer eine wichtige, lesbare Skala des 
Gesamtbefindens — der des frohen Behagens ist. Gelegentliche 
Nachfragen bei meinen Herren Kollegen bestätigten mir, dass 
unsere Wanderfahrten durchaus keine blossen Ver¬ 
gnügungsfahrten sind, deren die Kinder vielleicht entbehren 
könnten, für die Kinder ärmerer Volksschichten, bei denen un¬ 
gesunde Wohnungen, mangelhafte Ernährung die körperliche und 
geistige Entwicklung zurückhalten, stellen die Wanderungen 
einen ausserordentlich starken Antrieb, die unzweifel¬ 
haft sichere Einleitung eines frischen Stoffwechsels dar, 
der noch nach Monaten erkennbar ist. Und mit der er¬ 
höhten Tätigkeit der physischen Lebensfunktionen ent¬ 
wickelt sich eine erhöhte geistige Regsamkeit. 

Aber auch bei Kindern aus durchaus normalen häuslichen 
Verhältnissen leisten die Wanderungen kräftige Hilfe in der Ent¬ 
wicklung. Letzthin traf ich ein jetzt der Schule entlassenes 
Mädchen, Helene N., Tochter eines Kaufmanns, die im Elternhause 
sicher eine zweckmässige Pflege empfangen hatte. Dies Mädchen 
hat in den Wandertagen 4 Pfund zugenommen und blüht jetzt 
frisch auf. 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


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Wie in den Ausführungen des Herrn Dr. Roeder dargelegt 
wird, scheint gerade die Pubertätszeit auf derartige kräftige Reize 
— wie Bewegung in freier Luft, Marsch, physische Ein¬ 
flüsse der Höhenluft — mit starker Erhebung des Stoffwechsels 
und Erhöhung aller Lebensvorgänge zu reagieren. Ueberhaupt 
scheint die Pubertätszeit in der gesamten Wachstums¬ 
periode beim Mädchen sowohl als auch beim Knaben 
eine für derartige Reize besonders empfängliche Ent¬ 
wicklungsperiode zu sein. Und darum muss dieser Zeit 
ein grösseres Mass von Fürsorge gewidmet werden. 

Welcher Art diese Fürsorge sein muss, ist nach diesen als 
ein durchaus gelungenes Experiment geltenden Wanderungen nicht 
mehr zweifelhaft. Sie soll einsetzen, wenn unsere Schüler und 
Schülerinnen vor oder in der Entwicklung stehen; ein früheres 
Eingreifen hat nachweislich nicht so hervortretende Erfolge. Wenn 
ich den grossen Apparat sehe, mit dem Berlin an den Kranken 
und Siechen arbeitet, so kommt mir immer der Gedanke, dass das 
in etwas ein Zudecken des Brunnens ist; es bedeutet eine 
unzweifelhafte Prophylaxis, wenn die hygienische Für¬ 
sorge sich des Pubertätsalters annähme und mehr wie 
bisher daran arbeitete, der natürlichen Entwicklung in 
dieser Periode durch einen kräftigen Anreiz, wie ihn die 
W r anderung darstellt, entgegenzukommen. Ein Körper ist 
in diesem Alter wie ein dürstender Schwamm, der gierig aufsaugt, 
um sich aufzuquellen. Wir kennen die die Entwicklung fördernden 
Mittel, wir kennen die Entwicklungszeit, in der der Körper wie 
mit Polypenarmen nach allen fördernden Anreizen greift, lassen 
wir unser Wissen nicht ungenützt. In der Wanderung ist uns ein 
unzweifelhaftes Mittel gegeben, der nach Kraft ringenden Jugend 
zu helfen; lassen wir sie doch nicht unter den grossstädtischen 
Einflüssen verkümmern. Der ^gesunde Junge, das gesunde 
Mädchen hat in seiner Gesundheit eine stetige Quelle 
der Lebensfreude und greift nicht in dem Masse wie 
verkümmerte Individuen nach zerstörenden sinnlichen 
Genüssen. Gesundheit ist ein guter Schutz gegen Un- 
sittlichkeit. Mir scheint hierin ein ebenso unbeachteter 
wie wichtiger Faktor der zweckmässigen Jugendfürsorge 
der Zukunft zu ruhen, der, weil er ein natürlicher Fingerzeig 
der zur Entwicklung drängenden Kindesnatur ist, unseren Arbeiten 
eine sichere Bahn zeigen wird. In dem Masse, als die Puber- 


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H. Roeder und E. Wienecke, 

tätsentwicklung zwanglos, ungehemmt vorwärts schreitet, 
scheint sich auch die Verirrung der Jugend zu mindern. 
Der gesunde Junge, das lebensfrohe Mädchen sind vielmehr immun 
gegen verheerende unsittliche Einflüsse. 

Wer wie ich Gelegenheit hat, unsere Kinder in ihrer Ent¬ 
wicklung zu beobachten, darf wohl auf die Gefahren aufmerksam 
machen, die ihnen aus zu grosser geistiger Anstrengung erwachsen, 
namentlich gilt das von den Entwicklungsjahren der Mädchen. Ich 
bcdaure es daher lebhaft, dass unseren Volksschülern und 
-Schülerinnen die Ferien verkürzt worden sind. Schulärzte, die 
durch ihre nahen Beziehungen zur Schule ein klares Urteil über 
den Einfluss der Ferien auf unsere Jugend haben, stehen auf dem¬ 
selben Standpunkt. Dringend geboten erscheint mir die Berück¬ 
sichtigung der Mädchen in der Pubertätszeit, um so mehr, als die 
Entwicklung bei ihnen schnell vor sich geht. Das weist uns darauf 
hin, in dieser Zeit dem physischen Leben mehr Aufmerksamkeit 
zu widmen. Wie vielen Schädigungen ist die Gesundheit unserer 
Volksschülerinnen ausgesetzt. Oft mangelhafte Ernährung, be¬ 
schränkte Licht- und Luftverhältnisse und nun noch Ferien¬ 
verkürzung wirken nachteilig ein. Und diese Mädchen sollen 
doch fast ausnahmslos Mütter werden, Mütter, die einen 
kräftigen Nähr- und Wehrstand aufziehen müssen. Ich 
meine, es liegt im Staatsinteressc, unseren gesunden Mädchen die 
Ferien nicht zu verkürzen. Ich verkenne nicht den hohen Wert 
geistiger Schulung, aber der Körper steht an erster Stelle; erst 
gesunde Kraft, dann hat auch die geistige Entwicklung feste 
Grundlagen. Wie warm berührt die treue Fürsorge unserer Kaiserin 
für die nährenden Mütter und Säuglinge; unsere heranwachsenden 
Mädchen sollten in diese Fürsorge einbegriffen sein. Ein kräftiges, 
reines Geschlecht sichert die Zukunft der Nation. Gesunde Mütter 
aber haben wir nur, wenn wir gesunde Mädchen aufziehen. Ich 
hoffe, die Ferienverkürzung wird aus diesen schwerwiegenden 
Gründen iecht bald aufgehoben werden. 

Möchten doch Behörden und Private sich unserer kräftigen 
und gesunden Jugend annehmen, in der Wanderung haben wir eine 
vorzügliche Jugendfürsorge. 

Die oben aufgeführten Einzelbeispiele boten Mädchen, die zarter 
Natur waren. Das gibt uns einen Hinweis. Unsere besorgten Väter 
und Mütter sollten sich ruhig entschlossen, ihre Töchter einer 
erfahrenen Lehrerin anzuvertrauen, nicht Sonderbedingungen zu 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


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stellen, sondern die Kinder wandern lassen nach den bewährten, 
erprobten Grundsätzen der Hygiene. Die Kinder werden ja so 
sorgfältig behütet und bewacht, werden nicht überanstrengt. Frei¬ 
lich eine massige Anstrengung ist notwendig (14—16 km mit ge¬ 
packtem Rucksack). Wenn es ihnen auch manchmal ein bisschen 
sauer wird, das schadet nichts. Was neunzehn Kinder vertragen, 
erträgt darum williger auch das zwanzigste. Und ein Lager von 
Stroh, das manchmal genügen muss, schadet ihnen nicht. In der 
ersten Nacht schläft niemand gut. Am 3. und 4. Tage schon 
mögen die Mädel sich nicht einmal vom Strohlager trennen, so 
süss schmeckt dann die Ruhe. Am ersten Tage ist immer Ueber- 
fluss an Speise, am 3. und 4. Tage sucht und greift man schon 
nach den grössten Butterschnitten, auch wenn sie unbelegt sind. 
Ich bin auch Vater und kenne elterliche Besorgtheit, und doch 
rate ich dringlich zum Versuch. Es ist sicher mit Freuden zu 
begrüssen, dass auch höhere Schulen das Wandern pflegen, warum 
aber nur bei den Jungen? Warum sind dort die Mädchen aus¬ 
geschlossen? Die guten Erfahrungen, die wir in Gemeindeschulen 
gemacht haben, sollten die Eltern bestimmen, ihre Töchter zur 
Wanderung hinauszusenden. In der Riesengebirgsgruppe befanden 
sich drei Mädchen aus höheren Schulen, natürlich als Vollzahler. 
Sie haben sich recht kameradschaftlich mit meinen Mädchen ge¬ 
halten, keinerlei Ausnahmen beansprucht. 

Es mag auflallen, dass ich im wesentlichen von Mädchen ge¬ 
sprochen habe. Das hat seinen Grund darin, als ich meine genauen 
Beobachtungen nur an Mädchen machen konnte. Nach den mit 
den Führern festgestellten Tatsachen kann vom gesundheitlichen 
Standpunkt kaum ein Unterschied gemacht werden. Nur ist hervor¬ 
zuheben, dass die durchschnittliche Marschleistung bei den Knaben 
etwas höher liegt, von 15 zu 20 km. Ueber das verschiedene 
Verhalten bei der Gewichtszunahme wird mein verehrter Herr Mit¬ 
arbeiter sprechen. Ich möchte nur inbezug auf das seelische Leben 
bemerken, dass in den Pubertätsjahren die Wirkung des Neuen 
auf die Kinder doch merklich verschieden ist. Als ich 1908 Herrn 
Gühloff mit seiner Knabengruppe von Hermsdorf nach dem Kynast 
geleitete, beobachtete ich mit Vergnügen, dass die Knaben, sowie 
sie nur den ersten Felsblock erblickten, wie losgelassen mit ihrem 
Bergstock das Klettern probierten, dass sie den unbequemsten Weg 
wählten, alle Spalten und Löcher durchforschten und oben dem 
Böllermann interessiert zuschauten, kurz, von einer forschenden 


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H. Roeder und E. Wienecke, 


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Beweglichkeit waren, die so recht den Knaben kennzeichnet. Als 
ich nun 1909 mit meinen Mädchen denselben Weg nahm, konnte 
ich den unverkennbaren Gegensatz beobachten, die Mädchen 
reizten die Blöcke und Felstrümmer nicht; ruhigen Schrittes und 
schauend nach allem Schönen und Eigenartigen, nach den lieblichen 
Talbildern, den buntgestrichenen Häuschen, nach den wilden Formen 
des Gesteins, gingen sie die Höhe hinan. Als ich fragte: „Wollen wir 
den bequemen Weg wählen oder den steilen Weg über das Gestein?“ 
da entschieden sich fast alle für den ebenen, gleichmässigen Auf¬ 
stieg. Ein Junge hätte das unter allen Umständen abgewiesen. 
Offenbar trat bei den Mädchen mehr das ästhetische Interesse in 
den Vordergrund. Als sie dem Vortrage des führenden Böller¬ 
manns gelauscht hatten, der eine grauenerregende Geschichte von 
den einst im tiefen Burgverliess angeketteten Gefangenen gab, kam 
ihr Sinnen und Denken nicht los von den Unglücklichen, bis ich 
ihnen erklärte, jener junge Mann sei nicht als historische Quelle 
anzusehen, das Trinkgeld stände ihm sicher höher als die histo¬ 
rische Wahrheit. Soviel geht aber doch aus dem mehr belustigenden 
Zwischenfall hervor, die Teilnahme überwog bei ihnen bei weitem 
das historische Interesse Der Knabe forscht nach dem Wiewar’s, 
nach dem Warum, das Mädchen will nicht ergründen, es steht still 
vor dem Tatsächlichen, auch ohne Prüfung vor dem als Tatsache 
Erscheinenden (das nun einmal so oder so ist) und nimmt dafür 
mit seinem Empfinden persönliche Stellung zu ihm. Der Knabe 
steht forschend und bewundernd vor dem Grossartigen, Erhabenen, 
das Mädchen wird gebannt durch Schönes, Liebliches. Der Knabe 
bewundert die Dinge um ihrer selbst willen; beim Mädchen ist 
gleich die Phantasie tätig, die es in persönliche Beziehung zum 
Gegenstand der Bewunderung setzt. Es steht schauend vor der 
lieblichen Gegend und träumt sich hinein: dort wohnen, dort 
mit der Freundin Arm im Arm wandeln, dort einsam im Herbst¬ 
wind stehen und sinnend in die treibenden Wolken zu schauen, 
das sind Wünsche der Mädchenseele, ohne die sie kaum ein lieb¬ 
liches Naturbild gemessen kann. 

Aber in einem sind doch Knabe und Mädchen einander sehr 
ähnlich, nämlich in der Lust am Wandern. Bei beiden fröhlicher 
Sinn, beide empfinden wohl gleich stark, was der Dichter singt: 
„Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die 
weite Welt.“ Beide folgen da einem Naturtrieb, der sie instinktiv 
tun lässt, was ihrer Entwickelung dienlich ist. Und darum 


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lieber den Einfluss von Wandertouren usw. 


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möchte ich mich znm Schlüsse noch einmal an die 
Herzen aller Volksfreunde wenden mit der Bitte, sich 
unserer entwickelnden gesunden Jugend anzunehmen. Es 
ist in ihr so viel gutes und kräftiges Leben zu finden. 
Lassen wir es nicht verkümmern, sondern helfen wir ihm 
in seinem Ringen nach Entwickelung. 


B. Medizinischer Teil. 

Von H. Roeder (Berlin). 

Leber den Einfluss von Wandertouren auf die körperliche Ent¬ 
wicklung von in der Ernährung zurückgebliebenen Schulkindern 
liegen ärztliche Beobachtungen bisher nicht vor. Ich selbst bin 
zuerst mit einem kleineren Material an diese Frage herangetreten 
und habe die von mir angestellten ärztlichen Beobachtungen über 
den Einfluss des Marsches und der Bewegung in der freien Natur 
auf den wachsenden Organismus im vergangenen Jahre in der Zeit¬ 
schrift für „Soziale Hygiene u. Medizin“ veröffentlicht (1). Ich hatte 
dort an der Hand einer kleineren Beobachtungsreihe den grossen 
Nutzen, welcher gesunden, indes in der Ernährung und Entwicklung 
zurückgebliebenen Kindern aus planmässig ausgeführten Wanderungen 
erwächst, durch Zahlen und andere Beweismittel bereits zu belegen 
versucht. Die Bedeutung meiner ärztlichen Beobachtung schien 
aber über den Rahmen der ursprünglich kurz angeschnittenen Frage 
weit hinauszugehen und die Untersuchung und Bearbeitung eines 
grösseren Materials zu rechtfertigen. Ich bin daher einen Schritt 
weiter gegangen und habe meine ärztlichen Studien während des 
Jahres 1909 unter den verschiedensten Gesichtspunkten an einem 
grösseren Material fortgesetzt. In Anlehnung an meine ersten 
Untersuchungen möchte ich nicht unterlassen, die Ergebnisse meiner 
neuen Untersuchungen ebenfalls bekanntzugeben und zum Gegen¬ 
stand einer eingehenden Betrachtung zu machen, da sich ja aus 
ihnen vielleicht Anregungen ergeben werden zu weiterer Erforschung 
der im wachsenden Organismus nach Entfaltung ringenden physi¬ 
schen und psychischen Kräfte, ferner zu einer neuen Beurteilung 
und Therapie der so häufigen Ernährungs- und Entwicklungs¬ 
störungen unseres Nachwuchses, kurz zu einer erspriesslicheren 
Förderung der körperlichen Entwicklung des heranwachsenden Ge- 


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H. Koeder und E. Wienecke 


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schlechts. Die aktuelle Bedeutung körperlicher Entwicklungs- und 
der Ernährungsverhältnisse unserer Volksschulkinder erhellt schon 
daraus, dass die namhaftesten Vertreter der öffentlichen Hygiene, 
M. llubner (2) und v. Gruber (3) jüngst zu dieser Frage Stellung 
genommen haben. 

Die Schülerwanderungen sind nun eine Ergänzung in dem Ausbau 
der Ferienkolonien, insbesondere auch ein Stück Fürsorge für das 
gesunde Volksschulkind, welches in der Enge der Grossstadt auf¬ 
wächst, allzufrüh den schädlichen Einwirkungen der Grossstadt¬ 
kultur ausgesetzt ist, von dem freien Naturleben so gut wie nichts 
kennen lernt und trotz gesunder Konstitution durch die 
.Anforderungen des Schulbetriebs in seiner körperlichen 
Entwicklung gehemmt wird und Schaden nimmt. In einer 
Zeit, wo überall humanitäre Bestrebungen, Bestrebungen der Säug¬ 
lings- und Jugendfürsorge grossen Stils vonseiten des Staates und der 
Kommune ins Leben gerufen werden, um Schutz und Pflege der 
körperlich elenden und mindertauglichen Kinder unseres Nachwuchses, 
der skrophulösen und tuberkulösen Kinder unter Aufwendung grosser 
finanzieller Mittel in die Wege zu leiten, muss eine Einrichtung als 
willkommen geheissen werden, welche auch das gesunde Volksschul¬ 
kind in den Kreis der allgemeinen sozialen Fürsorge aufzunehmen 
geeignet ist und durch die Gesunderhaltung und Stärkung 
des gesunden Stammes der Nation mit relativ geringen Mitteln 
eine Besserung der Aufzucht anstrebt. Inwiefern wir die 
Wanderungen unserer Schuljugend als eine solche Einrichtung be¬ 
trachten können, sollen meine Darlegungen zeigen. 

Die von dem Verein Berliner Ferienkolonien, von den Orts¬ 
gruppen für Volkshygiene, vom Verein Wanderlust, vom Char¬ 
lottenburger Verein für Kinderausflüge und von vielen auswärtigen, 
sowie von Berliner Turnvereinen seit einigen Jahren versuchsweise 
veranstalteten Schülerwanderungen wurden in Gruppen zu 15 bis 
20 Kindern unter Leitung von Lehrern und Lehrerinnen unter¬ 
nommen und waren auf 6 —10 Tage berechnet. Sie hatten sich 
nach dem übereinstimmenden Erteil aller massgebenden Personen) 
insbesondere der Gruppenführer, ganz vortrefflich bewährt. Die 
Einrichtung der Wandertouren erhielt daher ira Jahre 1907 eine 
festere Organisation und einen weiteren Ausbau. So wurden von 
dem 1907 in Deutschland gegründeten Zentralverein für Schüler¬ 
wanderungen allein in Gross-Berlin im Jahre 1908 2000 Kinder 
und im Jahre 1909 2450 Kinder, Knaben und Mädchen, auf die 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


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Wanderung geschickt. Aus dieser Anzahl von Teilnehmern hatte 
ich im Jahre 1908 drei Gruppen zwecks ärztlicher Untersuchung 
herausgegriffen und während des vergangenen Jahres eine grössere 
Gruppenzahl ärztlich beobachtet. Da die Erlaubnis zur Teilnahme 
an der Wandertour nur auf Grund ärztlicherseits bestätigter Wander¬ 
fähigkeit gewährt wurde und im übrigen die Zuweisung der Wanderer 
an mich für meine ärztlichen Beobachtungen ganz wahllos, ohne 
vorausgegangene Auslese erfolgte, können meine Untersuchungen 
gleichsam als eine Stichprobe aus der Gesamtzahl gelten und 
gerade dies Moment verleiht wohl meinen Beobachtungen den An¬ 
spruch auf allgemeine Giltigkeit. Diese Stichprobe, die direkte 
Untersuchung eines verhältnismässig kleinen Materials, gestattet 
aber um so mehr ein Urteil über den Einfluss von Wandertourcu auf 
die gesundheitliche Entwicklung des jugendlichen Alters, als meine 
Beobachtungen mit grösster Sorgfalt, insbesondere nach einer ein¬ 
heitlichen Versuchsanordnung ausgeführt wurden. Auch die dies¬ 
jährigen Wanderungen haben, wie aus dem Urteil der begleitenden 
Lehrer und Lehrerinnen, aus den Tagebüchern der Kinder und vor 
allem aus dem meiner vorliegenden Betrachtung vorangestellten 
pädagogischen Referat von Wienecke hervorgeht, deutlich gezeigt, 
dass ihr Einfluss auf das subjektive Befinden und auf den seelischen 
Zustand der Kinder sich ausserordentlich lebhaft geltend machte 
und eine Steigerung der geistigen Spannkräfte erkennen licss. Die 
Ausführungen des in dem ersten Teil zu Worte gekommenen 
Pädagogen geben uns einen klaren Einblick in die psychische Ver¬ 
fassung der Wanderkinder und lassen den in pädagogischer Be¬ 
ziehung bemerkbaren Einfluss methodischer Wanderungen richtig 
einschätzen. Mein verehrter Mitarbeiter hat es sich nicht nehmen 
lassen, die pädagogische Seite dieser aktuellen Frage sorgfältig zu 
studieren und meine ärztlichen Beobachtungen durch seine Fest¬ 
stellungen in dankenswerter Weise zu bereichern. Es hat sich hier 
die Gelegenheit geboten, an einem grösseren Materiale unter ver¬ 
schiedenen Gesichtspunkten Erfahrungen zu sammeln und die 
Frage nach dem Einfluss der Schülerwanderungen auf die 
geistige und körperliche Entwicklung von in der Ernäh¬ 
rung zurückgebliebenen Kindern durch gemeinsames Zu¬ 
sammenwirken in erschöpfender Weise zu behandeln. 
Sind nun die pädagogischen Erfahrungen auf feineren psycholo¬ 
gischen Beobachtungen aufgebaut, so müssen meine ärztlichen 
Untersuchungen von dem rein Körperlichen den Ausgang nehmen 


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222 H. Roeder und E. Wienecke, 

und den hier etwa messbaren Veränderungen auf den Grund 
gehen. 

Meine ärztlichen Untersuchungen aus dem Jahre 1909 erstreckten sich 
auf sechs Wandergruppen von je 15—30 Kindern, zusammen 150 Kinder gegen¬ 
über 56 Kindern des vorhergehenden Jahres. Meine gesamten Erfahrungen 
umfassen demnach 9 Wandergruppen. Meine heutigen Mitteilungen sollen indes 
nur die im Sommer 1909 beobachteten sechs Wandergruppen zum Gegenstand 
habon, wenn ich auch hier und da auf meine erste Mitteilung verweisen werde. 
Die Teilnehmer der Wandergruppen waren Knaben und Mädchen im Alter von 
11 — 14 Jahren. Ich untersuchte dieselben auf ihre Wanderfähigkeit. Nur ein 
kleiner Teil dieser Kinder befand sich in einem guten Ernährungszustand. Die 
übrigen zeigten eine schwache Konstitution und dürftigen Ernährungszustand. 
Ich erklärte diese Kinder aber, falls Herz und Lunge normal befunden wurde, 
und schwere nervöse Störungen, wie Chorea, Epilepsie u. a. nicht vor¬ 
handen waren, für geeignet und tauglich. Ich untersuchte das herangezogene 
Kindermaterial vor und nach der Tour und wandte dem Körperbau, insbe¬ 
sondere der Muskulatur und dem Körpergewicht meine Aufmerksamkeit zu. Das 
Körpergewicht stellten wir gemeinsam fest bzw. mein Mitarbeiter, und zwar 
vor und nach der Wanderung und führten die Kontrolle des Gewichtes 
noch während der nachfolgenden 2 l /o bzw. 3 Monate fort. 

Mir lag daran, genauer zu prüfen, ob der günstige Einfluss 
der Wandertour nur in der Hebung des subjektiven Lebensgefühls 
und der geistigen Spannkraft oder ob derselbe trotz der Kürze 
der Zeit hinsichtlich des Gewichtes und anderer äusserer Symptome 
schon während der sechs Tage einen Ausdruck findet und der 
Einfluss und Nutzen der Wandertouren auch in den nachfolgenden 
2—3 Monaten sich zahlenraässig beweisen lässt. 

Beginnen wir nunmehr mit der Anlage der Wandertouren und mit den 
Methoden und Ergebnissen der ärztlichen Beobachtungen, so sei vor allem her¬ 
vorgehoben, dass die Reisepläne von Führern und Führerinnen vor Antritt der 
Fahrt sorgfältig ausgearbeitet waren, ferner für Verpflegung, zweckmässige 
Kleidung und gutes Nachtquartier gesorgt war. Die Beschaffung einer leichten 
bequemen Kleidung und die Herrichtung eines guten bequemen Naoht- 
lagers war im Hinblick auf die von den Kindern zu leistende täg¬ 
liche Marschleistung eine besonders wichtige Frage. Nach Ein¬ 
treffen am Ziel erhielten die Kinder am ersten Tage zuerst ein schmackhaftes 
warmes Abendbrot, am frühen Morgen nach der ersten Nacht und an den folgen¬ 
den Tagen erhielten die Kinder Kaffee mit Milch und lleisbrot, den Tag über 
gab es Brot, Schinkenspeck, Butterbrot mit Wurst. Hier und da auch ein wenig 
Obst. Dieser Vorrat wurde jeden Tag früh eingekauft und verteilt, abends gab 
es stets warmes Abendbrot. Dass die Kinder einen tüchtigen Appetit entwickelten, 
wurde von sämtlichen Gruppenführern, auch den Führern der von mir nicht unter¬ 
suchten Gruppen berichtet. Dies ist um so erklärlicher, als die täglichen Wande¬ 
rungen alle Kräfte der Kinder in Anspruch nahmen und insbesondere die Stei¬ 
gungen gebirgigorGegend recht hohe Anforderungen stellten und den Stoffwechsel 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


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aufs Lebhafteste anregten. Je nach den Kassenverhältnissen trank man in den 
verschiedenen Gruppen auch am Nachmittag eine Tasse Kaffee, dazu gabs Ge¬ 
bäck, einigemale sogar Kuchen. Recht reichlich ging es besonders in Thüringen 
her, hier und da auch im Riesengebirge und in der Mark. Wenn die Wanderer 
abends im Quartier eintrafen, wurden sie dazu angehalten, vor der Mahlzeit 
die einzelnen Sachen abzulegen und sich erst eine Ruhepause zu gönnen, denn 
die tüchtigen Strapazen der Wanderung führte zu einem mehr oder weniger 
merkbaren Ermüdungszustand, der die sofortige Nachwuchsaufnahme nicht 
tunlich erscheinen liess. Die Kinder sassen und standen in Gruppen, wie aus 
den einzelnen Schilderungen hervorgeht, plauderten zwanglos, ein paar über¬ 
mütige iiessen sich natürlich nicht halten und besichtigten im Dorf erst Haus, 
Scheune und Stall und die nächste Nachbarschaft. Dann aber war der Appetit, 
hesonders nach dem zweiten Tage, ein ganz ausserordentlich reger. Das 
warme Abendbrot bestand in einer Suppe (meist wurden derbe Suppen wie 
Erbsen, Linsen usw. gereicht), darauf gabs Braten und Kartoffeln nebst 
Kompot, an einigen Tagen auch Fleisch mit Gemüse und Kartoffeln. Also eine 
gut kombinierte Hausmannskost, deren Kaloriengehalt dem Nährbedarf 
der ermüdeten und ausgehungerten Wanderer wohl überall ent¬ 
sprach. Milch wurde je nach Lage der Verhältnisse und jo nach Bedarf 
reichlich verabfolgt. Es war eine der wichtigsten Aufgabe der Wanderleiter, 
dafür zu sorgen, dass die Verpflegung nicht knapp bemessen und mit der 
geleisteten Muskelarbeit im Einklang war. 

Der Schlaf war in den ersten Tagen bei einigen Kindern der Gruppen 
unruhig, in den nächsten Tagen bei allen Kindern ein tiefer und erquickender. 

Die Witterungsverhältnisse w T aren für die verschiedenen Gruppen nicht 
überall durchaus günstig. Die von mir beobachteten Gruppen unternahmen 
ihre Touren nach der sächsischen Schweiz, nach Thüringen, nach dem Riesen- 
gebirgo und nach der Mark Brandenburg. In Thüringen und in der Mark war 
das Wetter anscheinend am unbeständigsten. Die Durchschnittstemperatur der 
sechs Wandertage war in den verschiedenen Gegenden 15—25° C. 

Der Gesundheitszustand in den einzelnen Gruppen war ein recht guter. 
Ueber den Gesundheitszustand einer Wandergruppe (Riesengobirge), an deren 
Wanderung im Interesse der Sache mein geehrter Mitarbeiter (Wienecke) 
fünf Tage hindurch teilnahm, möchte ich hier folgendes bemerken: Es kamen 
bei einigen Kindern leichtere Formen von Halsentzündungen vor, so erkrankte 
z. B. am zweiten Tage abends ein Mädchen im Alter von 12 Jahren. Der Hals 
war stark gerötet, die Tonsillen aber kaum geschwollen und ohne Belege. 
Aber nach den Angaben bestand mässiges Fieber. Das Kind mochte nicht 
essen, es wurde ins Bett gebracht und erhielt Umschläge um den Hals. Am 
nächsten Morgen war Rötung noch vorhanden. Jedoch wurde das Kind auf 
die Tour mitgenommen. Bei der Wanderung hob sich das Befinden und es 
trat eine sichtliche Besserung ein. Ara Abend war das Mädchen ganz munter 
und blieb es auf der ganzen Wanderung. Ebenso verlief ein zweiter Fall. Zur 
Beruhigueg der Führer wäre hier folgendes zu raten, dass nämlich das Zurück¬ 
bleiben eines solchen Kindes bei derartigen Erkrankungen ohne zwingenden 
Grund nicht notwendig ist. Die Wanderung beseitigt anscheinend schnell der¬ 
artige leichte Störungen. In derselben Gruppe wurde ein Fall akuter Ver- 


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H. Roeder und E. Wienecke, 


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dauungsstörung beobachtet. Der Führer der Gruppe setzte die festgesetzte 
Tagestour fort, während Herr Rektor Wienecke — es war der Weg von Hain 
über Brückenberg nach der Sohlingelbaude — mit dem betreffenden Mädchen 
zurückblieb, das infolge von mehrmaligem Erbrechen total erschöpft war. Im 
Hotel bei Kirchewang nahm derselbe ein Zimmer, zwei Freundinnen, die mit 
zurückgehalten wurden, mussten sie zu Bett bringen. Die Patientin wurde in 
Ruhe gelassen, jedoch in den folgenden Stunden sorgfältig beobachtet. Das 
Kind schlief drei Stunden, erwachte mit körperlicher Abgeschlagenheit und 
erhielt alsdann eine leichte Suppe. Das Befinden besserte sich und so konnte 
Wienecke mit seinem Schützling und den beiden Begleiterinnen, wenn auch 
mit ruhigerem Tempo, dem Zuge der Wandergruppe nachraarscbieren. Es war 
dies ein Fall von akuter Gastritis infolge Ueberladung des Magens 
mit zum Teil schwerverdaulichen Speisen, die dem Kinde bei der Abfahrt von 
den Angehörigen zugesteckt waren. Es ist daher die Pflicht der Führer, 
beim Antritt der Wandertouren mit Rücksicht auf den Ortswechsel 
und auf die dadurch bedingte Aenderung der Lebensgewohnheiten 
vor einer unbesonnenen Verproviantierung der Kinder seitens der 
Angehörigen eindringlichst zu warnen und zu veranlassen, dass die 
Wanderer für die Abfahrt zur Vermeidung ernster Verdauungskrankheiten nur 
mit dem Notwendigsten versehen werden. 

Es ist selbstverständlich, dass die körperlichen Anforderungen an den 
beiden ersten Tagen nach meinen ärztlichen Ratschlägen bei allen Gruppen vor¬ 
sichtig bemessen wurden. Zu plötzliche Steigerung der körperlichen Leistungen 
wurde gerade in den ersten beiden Tagen mit Rücksicht auf die sonstige Lebens¬ 
weise der Grossstadtkinder, ganz besonders mit Rücksicht auf die vorangegangene 
geistige Anspannung vermieden (Training). Die Marschleistung bewegte sich 
in den ersten beiden Tagen zwischen 12 und 15 km, in den späteren Tagen 
zwischen 15—25 km, wobei die Anforderung an die Knaben höher gestellt 
wurde als an die Mädchen. Die Knabengruppen marschierten an zwei Tagen 
sogar 25—30 km, gewiss für Knaben dieses Alters eine ganz respektable Lei¬ 
stung, der auch der Sportsman und das militärisch geschulte Auge Achtung 
und Interesse abgewinnen wird. Der Hinweis auf das militärische Interesse an 
der Sache scheint hier um so eher berechtigt, als die Wichtigkeit aller rationellen 
Körperpflege der männlichen Jugend mehr und mehr auch von militärischer 
Seite gewürdigt wird. Neuerdings hat das Kriegsministerium, wohl angeregt 
durch die bedeutsame Veröffentlichungen von v. Schjerning’s, des General¬ 
stabsarztes der Armee, eine diesbezügliche Verfügung über Jugenderziehung 
erlassen. 

Es heisst dort u. a.: „Es liegt im Interesse des Staates, 
namentlich aber der Armee, dass der Sinn für das Militärische, 
die Freude am Soldatentum auch von militärischer Seite in der 
Jugend möglichst erhalten und gefördert wird. ... Es liegt im 
eigensten Interesse des Heeres, wenn die stetig wachsenden Be¬ 
strebungen zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit der 
Jugend dadurch unterstützt werden, dass nach Möglichkeit Exerzier- 
und Turnplätze. Exerzierhäuser, Turnhallen usw. zur Pflege der 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


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Volksspicle, des Turnens und des Sportes unentgeltlich überlassen 
werden,“ Eine der letzten Schriften v. Schjerning’s (4), die als 
28. Band der Bibliothek von Coler-Schjcrning unter dem Titel: 
„Sanitätsstatistische Betrachtungen über Volk und Heer“ 
jüngst erschienen ist, beschäftigt sich mit den Wechselbeziehungen 
zwischen Volk und Heer und mit den Grundlagen der deutschen 
Wehrkraft. Der Autor belegt durch eine Fülle von Tatsachen, 
dass von einer Abnahme der Wehrfähigkeit insomit von einer 
physischen Entartung der deutschen männlichen Jugend zurzeit 
noch nicht die Rede sein kann. Damit indes angesichts der Um¬ 
gestaltung der sozialen Verhältnisse, des lebhafteren Zuzugs der 
Bevölkerung nach den Grossstädten und Industriezentren ein Nieder¬ 
gang nicht eintritt, sind gewisse Vorbeugungsmassregeln dringend 
notwendig, v. Schjerning ‘hebt die Notwendigkeit der gegen¬ 
wärtigen Bestrebungen zur Förderung, der Schulhygiene und Körper¬ 
pflege in allen, auch in den höheren Schulen und ferner die Für¬ 
sorge für Körpergymnastik und Sport, letzteren namentlich auch 
für die schulentlassene Jugend ganz besonders hervor. 

In diesem Zusammenhang muss aber auch die frühzeitige 
Uebung der Marschfähigkeit, wie sie durch unsere Wandertouren 
in gewissem Sinne angebahnt wird, auch als ein Mittel zur Hebung 
der Körperpflege und Kultur und zur Steigerung der körperlichen 
Leistungsfähigkeit der männlichen Jugend angesehen werden und 
verdient gewiss in den Kodex der Volksspiele und der Körper¬ 
gymnastik in einem ganz anderen Umfang als bisher aufgenommen 
zu werden. 

Unter Berücksichtigung der besonderen Eigenschaften des kindlichen 
Organismus wurden auf den Wanderungen, namentlich nach langdauernder 
Steigung angemessene Ruhepausen eingeschoben und dies ganz besonders, 
wenn an einem Tage der Marsch länger ausgedehnt werden sollte. Es wurde 
in einem massigen Schritt gegangen, der militärische Schritt, 114 m pro Minute, 
wurde natürlich nicht erreicht. Ueberstürzung, namentlich beim Besteigen 
von Anhöhen, wurde von den Gruppenführern nicht gestattet. Als Erfahrungs¬ 
satz ergab sich, dass für die Mädchen 15 km, für die Knaben 20 km als geeig¬ 
netste Tagesleistung zu gelten haben. Diese Masszahlen sind natürlich nur 
ein absolutes Mass für die Wanderung in der Ebene, wo der Weg durch die 
Zeit die Marschleistung bestimmt. In Gebirgsgegenden kommt ein neuer Faktor 
hinzu, das ist die Steigung. JedeWegleistung als Marschleistung anzunehmen, 
wäre verkehrt. Denn die Steigung verlängert nicht bloss die Luftlinie, sondern 
bedingt auch einen grösseren Kraftverbrauch durch die Hebung des Körpers in eine 
bestimmte Höhe. Machen wir uns das an einer Zeichnung klar (s. umstehende 
Figur). AB bedeutet die Luftlinie, AC die w irklich durchlaufene Strecke, als Hypo- 

Tuternftt. Beiträge. Bd. I. Heft 2. l \ 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



226 


H. Roeder und E. Wienecke, 


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tenuse ist sie grösser als jede Kathete, also grösser als AB. Wäre AB gleich 
1200m, BC = 500m, so würde AC = 1500 m messen (AC 2 = AC 2 4” BC 2 ). 
Also schon die Wegstrecke ist um 300m grösser, als die Luftlinie. Dazu kommt 
eine Kraftleistung, nämlich die, welche in der Zeit, in der die Strecke AC 
durchlaufen wird, den eigenen Körper um die Strecke BC = h zu heben 
hat, also hier bei unseren Kindern vielleicht 40—50 kg (Körpergewicht), um 
eventuell 500m hoch, d. i. eine Arbeitsleistung von 50 X 500 = 25000 kgm 
(Kilogrammmeter). Neben der Steigung wird aber der Kraftverbrauch auch 
vermehrt durch die besondere Einwirkung der Höhenluft auf Herz und Atmung. 
Auf diese Verhältnisse komme ich später noch einmal zurück. Wir sehen jeden¬ 
falls, dass die Anforderungen an die Marschlänge nicht schematisiert werden 
dürfen, je nach der Bewegung in der Ebene oder im Gebirgo ist namentlich 
für das jugendliche Alter die Zahl der täglich zu leistenden Kilometer zu be¬ 
messen. Die besondere Gewöhnung und Anpassung an grössere Muskelarbeit, 



insbesondere an jene mit der Steigung zu verrichtende Arbeitsleistung, sowie 
an die zahlreichen Einflüsse des Höhenklimas muss unter verständnisvoller 
Leitung mit Vorsicht durchgeführt werden. Wir haben es auch hier bei unseren 
Wanderungen mit einem Training zu tun, wie es bei jeder gesteigerten 
Muskelarbeit, beim Spiel, beim Sport, beim Turnen und Schwimmen eine grosse 
Rolle spielt. Auch bei unseren Wanderern war das Trainieren der 
Leistung langsam anzustreben. Dann ging mit jedem Tage das Mar¬ 
schieren leichter und besser. Es ist zu- bedenken, dass unsere Wanderkinder 
infolge der gegenwärtig noch immer unzulänglichen Methoden der Körperpflege 
und Gymnastik ohne ein nennenswertes Mass von Training auf die Wanderfahrt 
gehen und schon deshalb in den ersten Marschtagen mit ihrer Muskelarbeit 
haushalten müssen. 

Wenn wir uns nun zu der Frage der Methode, welche uns 
einen Ausdruck für die Einwirkung der Wanderung auf die körper¬ 
liche Entwickelung der in der Ernährung zurückgebliebenen Kinder 
gegeben hat, wenden, so war es, wie eingangs erwähnt wurde, die Be¬ 
stimmung des Körpergewichts vor und eventuell sofort nach der 
Wandertour, ferner die Fortführung der Gcwichtskontrolle bis 
2 1 / 2 Monate nach der Wanderung, die Feststellung einzelne 
Körpermasse (Brustumfang bei den Knaben, der Grösse des 
Körpers, und bei den Mädchen besonders Grösse und Form des 
Brustdrüsenkörpers der Mamma). Gerade die bei den Mädehc " 


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Original from 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


227 


dieses Alters in den Anfängen der Ausbildung stehende Brustdrüse 
schien mir ein geeignetes Organ zu sein, welches bei etwaiger 
Förderung der Pubertätsentwickelung messbare Veränderungen er¬ 
kennen lassen müsste. Die Feststellung des Körpergewichts er¬ 
folgte vor der Tour im Monat Juni, die letzte Wägung im Sep¬ 
tember. Die Wägungen wurden bei stets gleicher Kleidung aus¬ 
geführt; bei einer bestimmten Anzahl der Teilnehmer meiner 
Wandergruppen stellten wir zum Vergleich und um dem Befund 
die zuverlässigste Grundlage zu geben, auch das Nacktgewicht fest. 
Bei dieser Anordnung können die Wägungen wohl den Anspruch 
auf Zuverlässigkeit erheben. Im Interesse einer einfacheren Be¬ 
rechnung haben wir die Gewichtszahlen nach Gramm im allgemeinen 
abgerundet, mit der Grenze von 1 / 2 Pfund, höchstens 1 / i Pfund. 
Unsere Zahlen gewinnen an Bedeutung dadurch, dass sie Quotienten 
aus vielen Zahlen und nach Prozenten berechnet worden sind. 
Unsere Mitteilungen über die Einwirkung auf das Gewicht stützen 
sich auf die von uns gemeinsam fcstgestellten Gewichtszahlen von 
ungefähr 150 Kindern. Die angegebene kleine Variante bei einigen 
Einzelgewichten verschwindet bei einer Anzahl von Wägungen und 
angesichts der im übrigen geübten Exaktheit und Gleichartigkeit 
der Anordnung. Um Wägung in Kleidung und Nacktwägung im 
Vergleich richtig zu beurteilen, haben wir auch die Kinder zu¬ 
sammengestellt, von denen beide Wägungen bekannt waren. Ich 
habe dann bei beiden Wägungen den Durchschnitt und die Pro¬ 
zente berechnet. Das Ergebnis geht aus den nachfolgenden Tabellen 
hervor. Die Schlusszahlen beider Wägungen in den Tabellen diffe¬ 
rieren ein wenig. Die Nacktgewichtsziffer ist begreiflicherweise 
etwas höher als die Zahl der Wägung in Kleidung. Mathematisch 
hat dies seinen Grund darin, dass z. B. 

bei 80 Pfund in Kleidung 4 Pfund Zunahme = 5,00 pCt. 

„ 76 „ ohne n 4 n 5,26 ,, 

bedeuten. 

Diese letzte Ziffer muss daher in den nachfolgenden Tabellen 
stets grösser sein. Für die Beurteilung des Wertes unserer Ge¬ 
wichtsangaben sei noch bemerkt, dass alle Wägungen mit ein und 
derselben, dazu neuen und genau funktionierenden Dezimalwage 
vorgenommen wurden. Es erlangen auf diese Weise unsere Zahlen 
durch die Genauigkeit der Methode sowie durch die Stützung auf 
viele Grundzahlen einen Grad von Zuverlässigkeit, wie er bei Unter¬ 
suchung ähnlicher Fragen kaum exakter erreicht werden wird. 

15* 


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Original fro-m 

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228 H. Roeder und E. Wienecke, 

Sehen wir zu, zu welchen Resultaten die Gewichtsfeststellung 
bei meinen Wandergruppen des Jahres 1909 geführt haben. Be¬ 
trachten wir jede einzelne Gruppe zuerst für sich und vergleichen 
alsdann die Ergebnisse bei den Mädchen und den Knaben, so 
verden wir die besonderen Einzelheiten der verschiedenen Gruppen 
besser übersehen und beurteilen. 

Die Gewichtsverhältnisse der Mädchengruppen werden über¬ 
sichtigerweise in folgenden Tabellen charakterisiert: 


Tabelle 1 (Mädchen). 


Riesengebirge. 

Wägungen io Kleidung und Nacktgewichte. 


No. 

Name 

In Kleidung 

vor der j 

Reise • Monat 
Zunahme 

In 

pCt. 

vor der 
Reise 

Nackt 

in 2'/ 2 
Monat 
Zunahme 

ln 

pCt. 

1 

Mücke. 

Pfund 

77 

Pfund 

7 

9,09 

Pfund 

73'/* 

Pfund 

0>/ 4 

0,25 

2 

Brunner .... 

102 1 / 2 

TV* 

7,36 

98 

7'/* 

7,05 

3 

Erdmann .... 

97 

7»/* 

7,73 

93 

7'/* 

8,00 

4 

Schulz. 

83'/* 

2V* 

3,00 

80 

2V« 

2,80 

5 

Schäfer, 15 J. 

97 

5 

5,15 

— 


— 

6 

Schäfer. 

98 

2 

2,00 

— 

— 

— 

7 

Schäfer. 

79 

6 

7,50 

— 

— 

— 

8 

Dähne . 

80'/* 

4'/* 

5,62 

— 

— 


9 

Tiemann, 16 J. 

111*/. 

0 

1 0,00 

— 

1 

— 

10 

Book. 

93 

6 

i 6,45 

88 V- 

6«/ 4 

7,10 

11 

Grimm. 

81'/* 

7 1 A 

9,26 

78 

7 

9,00 

12 

Eichner .... 

65 '/* 

37* 

1 5,40 

— 

— 

— 

13 

Tumm. 

86 

6 

i 7,00 

— 

— 

— 

14 

Nowack .... 

71 

4 

5,71 

68 

4 

6,00 

15 

Ehemann .... 

83 

5 

6,00 

80 

5 

0,25 

16 

Hübner . 

76 

5 

i 6.58 

72 V- 

5 

7,00 

17 

Jakob . 

80 

8 

110,00 

77 

■ 7 V 2 

9,74 

18 

Janke . 

70 

7 

10,00 

66 

7 

10,00 

19 

Peters. 

99 

5 1 /-. 

1 5,50 

— 

5»/ 4 

5,25 





6,28 

: 

| 7,39 mit, 

1 7,43 ohne 
Kleidung 


Die Kinder dieser Gruppe stammten meist aus besseren Ver¬ 
hältnissen und gingen in besserem Ernährungszustand auf die 
Fahrt, während in den übrigen Mädchengruppen und auch bei den 
Knaben vorwiegend freie Wanderer waren, deren Ernährungszustand 
demjenigen dieser ersten Gruppe nicht gleich stand. 


Gck igle 


Original fro-m 

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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


229 


Tabelle II u. III (Mädchen). 


Nord-Brandenburg. 




In Kleidung 


Nackt 


ln 

Kleidung 

No. 

Name 

Gewicht; 
vor der , 

In 2 V, 
Monat 

In 

pCt. 

Gewicht 
vor der 

In 2'/* 
Monat 

ln 

gleich 
nach der 



Reise 

Zunahme 

Reise 

Zunahme 

pCt. 

Reise 



Pfund l 

Pfund 


Pfund 

Pfund 


Pfund 

1 

Prüschke . . . 

78V* 

3'/ 2 

4,80 

— 

— 

— 

— 

2 

Baumgart . . . 

83 

13 

15,6« 

80 

13 

16,25 

— 

3 

Franski. 

10972 

G‘/ 2 

5,90 

106 V 2 

6*/4 

5,90 

17* 

4 

Sziraber .... 

64«/ 2 

2 •/* 

4,00 

62 '/* 

27 * 

4,00 

1 / 

• 0 

5 

Hannemann . . 

76 

6 

8,00 

73 

5 3 /4 

7,88 

3 

6 

Beiter. 

79 

7 

8,88 

76'/ä 

7 

9,21 

3 

7 

Hagen. 

83 

4 

4,82 


— 

— 

— 

8 

Schönfeldt . . . 

72 

3 

4,16 

— 

— 

— 

— 

9 

Wiedenhaupt . 

78 \ 2 

7‘/i 

9,60 

— 

— 

— 

372 

10 

Bischoff .... 

76 

6 

7,90 

72 

. 6 

8,33 

2 

11 

Pärschke.... 

81 

7 

8,75 

77 •/* 

7 

9,00 

4 

12 

Stegmann . . . 

66 l /2 1 

4 '/•> 

6,81 

64 

4Vj 

7,00 

V* 

13 

Wernccke . . . 

87 

12 

13,80 

83 

12 

14,45 

5 

14 

Wulkow .... 

85'/, 

8Vt 

10,00 

82«/, 

P 

10.36 

372 

15 

Höche . 

83 

3 

3,60 

80 

3,75 


16 

Schumacher . . 

103 

— 

| - 

— 


— 

— 

17 

Scholz . 

71 

5 

9,00 

69 

5 

7,24 

3 

18 

Raasch . 

68 

6 

8,80 

— 

— 

— 

— 

19 

Büssow .... 

87 

9 

10,34 

— 

— 

’ — 

— 

20 

Wudick .... 

66 

8 

11,81 

63 

7 */* 

12,00 

57 , 

21 

Niemann .... 

707, 

»V* 

5,00 

68 

» Vs 

5,15 

27* 

22 

Dienst . 

62 ' 

4 

6,45 

597* 

4 

6,66 

1 

23 

Hänel . 

116 

— 

— 

— 

— 

— 

- 2 
(abgen.) 

24 

Hartwig .... 

66 

7 

| 10,60 

63 

7 

11,11 

2 

25 

Gegusch .... 

81 

7 

8,64 

— 

— 

— 

— 

26 

Müller . 

64 

0 

0,00 

— 

— 

— 

— 

27 

Bartschke . . . 

66 

8 

11,80 

— 

— 

1 — 

— 

28 

Donat . 

94 

6 

1 6,38 

— 

— 

; — 

0 

29 

Framhein . . . 

727 2 

67 2 

9,00 

697, 


9,28 

27. 

30 

Reiner . 

7272 

47 2 

6,25 

— 

— 

— 

— 

31 

Linde. 

71 

i 5 

7,00 

68 

5 

7,34 

— 

32 

Prusch. 

92 

7 

7,60 

— 

— 

— 

— 

33 

Rautmann . . . 

68 

1 5 

5,80 

— 

— 

■ — 

— 

34 

Schneider . . . 

92 

| — 

— 

— 

; — 

— 

— 

35 

Voss. 

94i 2 

! — 

— 

— 

— 

— 

— 

36 

Wolff. 

75 

6 

8,00 

— 

— 

— 

— 

37 

Babet. 

103 

1 

— 

— 

— 

— 

— 

38 

Freidank .... 

— 

l 

1 

— 

— 

— 

■ — 

— 

39 

Döring. 

— 

| 


— 

— 

— 

— 

40 

Kuchenbecker . 

110 

i 8 

i 7,27 

— 

— 

j — 

— 



1 7,8 

, 8.80 



i nacktn. 
272Mon. 


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Gck 'gle 


Original fro-m 

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230 


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H. lloeder und E. Wienecke, 


Tabelle IV (Knaben). 
Sfichaisch'e Schweiz. 


Die Tabelle enthält nur die Wägung in Kleidung; vor der Tour und nach 

2'/a Monaten. 




Gewicht 

Gewicht 

Gewichtszunahme 



vor der Reise 

nach der Reise 



No. 

Name 





a) 

b) 



a) 

b) 

a) 

b) 

nach 




nackt 

bekleidet 

nackt 

bekleidet 

Pfunden 

pCt. 



Tfund 

Pfund 

Pfund 

Pfund 



1 

Zilinski . . 

62 

64 

— 

67 

3 

— 

2 

Boffing . . 


71 

— 

77 

6 

8,4» 

3 

Kutzner . 

— 

70 

— 

— 

— 

— 

4 

Bley . . . 

_ 

72V, 

— 

76 

8 V, 

4,89 

5 

Lehmann . 


84 

— 

— 

— 


6 

Hennig . . 

69 

72»/ 2 

— 

77 

4‘/* 

6,30 

7 

Lieder . . 

— 

64V, 

— 

— 

— 

— 

8 

Förster . . 


68V* 

— 

71 

2'A 

3,64 

9 

Schulz . . 

81 

84 Vo 

— 

87 

2V, 

2,95 

10 

Platow . . 

— , 

96 

— 

101 Va 

SV* 

5,72 

11 

Gause. . . 

80 

38 V, 

— 

90 

•V* 

7,78 

12 

Schubert . 

87 , /o 

91V* 

— 

102 

10 V * 

11,47 

13 

Erpel . . . 

74 

77 

— 

80 

3 

3,89 

14 

Bahr . . . 

— 

74»/, 

— 

— 

— 

— 

15 

Riechert . 

69 ! 

73 

— 

76 */ 2 

3*/ 2 

4,79 

16 

Wittig . . 

— 

67 

— 


i 

— 

17 

Botta . . . 

— 

66 '/* 

— 

68 

l S /4 

2,65 

18 

Fichtner . 

— 

96 

— 

100 

4 ) 

4,16 

19 

Weise. . . 

— 

75 

— 

83 

8 

14,67 

20 

Wellnitz . 

97 

100'/* 

— 

106 

5 V 2 

5,50 


Durchschnittliche Zunahme 6,70 pCt.. 


Betrachten wir die in die Tabellen eingezeichneten Gewichts¬ 
zahlen einmal etwas genauer, so geht durch sie alle ein gemein¬ 
samer Zug und es ergibt sich eine Uebereinstimmung mit den Er¬ 
gebnissen aus dem Jahre 1908. Sowohl zeigte sich bei denjenigen 
Gruppen, deren Kinder 3 Wägungen aufzuweisen haben vor, nach 
der Tour und nach 2*/ 2 Monaten, also auch bei denjenigen, deren 
Wägungen zweimal vor der Tour und nach 2‘/ 2 Monaten erfolgten, 
der gleiche Befund, wie bei dem Beobachtungsmaterial aus dem 
vorhergehenden Jahre. Auch in den obigen Tabellen sehen wir, 
dass ein Teil der Wanderer bereits während der sechstägigen Tour 
zugenommen hatte, ein Teil etwas an Gewicht verloren, ein dritter 
Teil das Gewicht gehalten hat. Bei fast allen Kindern sämtlicher 
Gruppen aber können wir konstatieren, dass in den nachfolgenden 
2 1 /2 Monaten eine mehr oder weniger intensive Gewichtssteigerung 


Gck igle 


Original fro-m 

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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


231 


Tabelle V (Knaben). 
Nord-Brandenburg. 


No. 

Name 

Alter 

In Kleidung 

Gewichtj Gewicht In 2'j 2 
vor der nach d. Mon.Zu- 
Reise j Reise nähme 

In 

pCt. 

Nackt 

Gewicht| Gewicht! In 2 1 / 2 
vorder nach d.’Mon.Zu- 
Reise Reise | nähme 

In 

pCt. 

Während 
der Reise 
zugenommen 




Pfui'.d 

Pfund 

Pfund 


Pfund 

Pfund 

Pfund 



1 

Lemmermann 

13 

76 

— 

— 

— 

73 

— 

— 

— 

+1 Pf. 

2 

Keiner .... 

12 

81 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

+ 0 „ 

3 

Churheber . 

12 

75V« 


— 

— 

73 

— 

— 

— 

“ Vj r 

4 

Marggraf . . 

13 

73 


— 

— 

— 

— 

— 

— 

+ 1 , 

5 

Bandow . . . 

11 

64 

66 »/, 

2 »/, 

4,00 

61»/, 

63 

1 1 /, 

2,46 

+ 1 . 

6 

Wetzel . . . 

13 

72 

71 

“ 1 

- 1,30 

68 »/, 

67 V» 

~ 1 

- 1,46 

-1 , 

7 

Schütte . . . 

11 

66 V* 

70 

8 »/, 

5,30 

63 

66 «/, 

372 

5,55 

- »V« 

8 

Jahn. 

13 

M»/. 

57»/, 

4 

7,50 

51 

55 

4 

8,00 

+ 1 r 

9 

Kiesow . . . 

13 

81 

87 

6 

7,50 

78 

84 

6 

7,70 

0 „ 

10 

Grimm.... 

14 

100 »/ a 

108 

7»/, 

7,50 

97 

104»/, 

7»/, 

7,50 

-V 2 - 

11 

Kempe. . . . 

12 

63 

— 


! — 

60 

— 


— 

+ 2 r 

12 

Sander. . . . 

13 

73 

75 

2 

2,70 

70 

72 

2 

2,85 

0 „ 

13 

Böhm .... 

13 

67»/, 

71 

3 »/. 

5,20 

65 

68 1 7 , 

»7 2 

5,40 

+ 2 »A 

14 

Paaschc . . . 

13 

58 

60 

2 

3,50 

55 

57 

2 

3,80 

0 r 

15 

Weinert . . . 

13 

63 

64 

1 

1,50 

60 

61 

1 

; 1,66 

-1 . 

16 

Koschnig . . 

12 

66 

69 

3 

4,54 

637, 

, 66 7 2 

3 

4,75 

0 „ 

17 

Perlewitz . . 

12 

53 

55 

2 

3,70 

507 2 

i 527 2 

2 

1 4,00 

+ 2 „ 

18 

Aehnot . . . 

12 

68»/, 

65 

1V 2 

2,40 

61 

627, 

17» 

2,50 

0 , 

19 

Uhr. 

13 

101 v. 

109 

77 2 

6,50 

98 

1 1057 2 

77 2 

1 7,50 

0 , 

20 

Steinbring. . 

14 

82»/, 

— 


— 

797 2 

, — 


1 — 

+ 1 /*, 




4,5 

! i 4,55 

i i 



zustande gekommen ist und zwar sowohl bei den Knaben, wie bei 
den Mädchen: Gewichtszunahmen die unser grösstes Interesse be¬ 
anspruchen und eine eingehende Erörterung erheischen. Schon im 
Vorjahre wiesen die damals beobachteten Fälle (unter 56 Kindern 
50) ganz erhebliche Zunahmen auf, Zunahmen von 3, 5, 6, 9, 10, 
11 und 13 Pfd. Auch die Kinder meiner diesjährigen Wander¬ 
gruppen zeigen Zunahmen von 3, 4, 5, 7, 9, 10, 12 und 13 Pfd. 

Auf dieses Resultat, auf diese ausgezeichnete Nachwirkung 
des sechstägigen Marsches möchte ich einen ganz besonderen Nach¬ 
druck legen. Es liegt hier eine für die Physiologie des Wachs¬ 
tums und der jugendlichen Entwicklung beachtenswerte Er¬ 
scheinung vor, die als Nachwirkung einer mehrtägigen Marsch¬ 
leistung für das jugendliche Alter noch nicht zum Gegenstand 
einer wissenschaftlichen Untersuchung gemacht wurde. Wohl gibt 
es grundlegende Arbeiten von Zuntz(5) und seinen Schülern über 
den Einfluss des Marsches auf den Stoffwechsel des Erwachsenen, 


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Original fro-m 

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232 


H. Roeder und E. Wienecke, 


Tabelle VI (Knaben). 
Thüringen. 


No. 

Name 

b-t 

2 

< 

Gew. 

vorder 

Reise 

ln Kleidung 

Gew. | In 2 l l 2 
nachd.lMon.Zu- 
Reise nähme 

i in 

: pCt. 

. 

Gew. 

vorder 

Reise 

Na 

Gew. 

1 nachd. 
Reise 

ckt 

In 2 1/2 
Mon. Zu¬ 
nahme 

, ln 
pCt. 

Während der 

6 tägigen Reise 
zugenommen 

1 

Matzdorf . . 

13 

Pfand 

99 

Pfand 

106 

Pfund 

7 

7,00 

Pfu id 

95 

Pfund 

102 

Pfund 

7 

7,87 

1 Pf. = 1 pCt. 

2 

Dörlich . . 

14 

64 

68 

4 

6,25 

61 

65 

4 

6,56 

2 * = 3,12 . 

C 

Kaeschner . 

12 

53 

— 

— 

— 

55Vs 

— 

— 

— 

2 „ 

4 

Wagener . . 

12 

68*0 

— 

— 

— 

67 

— 

— 

— 

3V» „ 

5 

Patocki . . 

14 

64 

— 

— 

— 

62 

— 

— 

— 

4 „ 

6 

Prokop . . . 

13 

74 

77 

3 

4,05 

71 

74 

3 

4,23 

4 * =5.4 . 

7 

Braun . . . 

13 

72 

81 

9 

12,50 

68 

77 

9 

13.24 

5 „ =6,2 . 

8 

Bleek . . . 

14 

104 

117 

13 

13,00 

98 

ui 

13 

13,26 

8 * =7,7 . 

9 

Wulfert . . 

11 

53 

55 

2 

1 3,75 

50 1 2 | 

52 *2 

2 

4 

2 * = 3,8 . 

10 

Soor .... 

13 

72 

77 

5 

i 7,00 

69 ! 

1 74 

5 

7,25 

3 „ =4,16 . 

11 

Osten . . . 

14 

110 

1 1 1 1 2 

IV* 

| 1,37 

106 | 

107 

1 

0,94 

0 „ =0,00 . 

12 

Valentowicz 

12 

61 

63 

2 

3,30 

58 

60 

2 

3,43 

1 „ = 1,60 . 

13 

Berndt. . . 

13 

87 

95 

8 

9,20 

84 | 

92 

8 

9,52 

3 „ =3,45 . 

14 

Berg .... 

9 

80 

84 

4 

5,00 

79 

82 

3 

3,SO 

2 „ =2,50 . 

15 

Kressin . . 

13 

80V* 

85 

4*2 

5,60 

79 

82 1 /* 

3 l 2 

4,43 

1*'*. =1-8 , 

IG 

Müller . . . 

14 

71 ; 

— 

- 1 

— 

68 1 

— 

— 

— 

2 , 

17 

Kersten . . 

12 

55V* 1 

57 j 

1 1 2 

2,70 

54 

55V* 

IV 2 

2,78 

1*A. =2,60 . 

18 

Ullrich . . . 

12 

58V 2 


— 

— 

56 

— 

— 

— 

1‘ * „ 

19 

Pinnewies . 

13 

73 i 

78 1 2 

5*3 i 

7,50 

71 | 

76V* j 

ö 1 2 

7,72 

6 „ =8,22 . 

20 

Schal loch . 

14 

80 ; 

— 

— 

— 


— 

— 

— 

0 „ =0,00 . 

21 

Meyer . . . 

13 

99 i 

108 

9 ; 

9,00 

97 1 

106 ; 

9 

9,28 

5 „ =5,00 , 






i 

6,47 

1 

■ 


6,52 



Bei Knabengruppe II und III sind die Wägungen ausgeführt in Kleidung vor der Wandertour, sofort 
nach der Wandertour und 2 l / 2 Monate nach derselben. Ausserdem die Nacktgewichte vor der Tour 

und 2'/ 2 Monate nach der Tour. 


(Ios marschierenden Soldaten, sowie über Einwirkung von 
Bergwanderungen und Höhenklima auf den Erwachsenen. 
Mitteilungen von anderen Autoren, welche zur Erklärung unserer 
Resultate herangezogen werden könnten, sind mir nicht bekannt 
geworden. Aber die Beobachtung von Zuntz (6), Löwy, Müller 
und Caspary über „Höhenklima und Bergwanderungen in ihrer 
Einwirkung auf den Menschen“, wenngleich sie fast ausschliesslich 
mit methodisch angestelltenjjntersuchungen während mehrere Jahre 
hindurch wiederholter Hochgcbirgstouren (Monte Rosa und andere) 
von Erwachsenen enthalten, weisen eine solche Fülle exakter phy¬ 
siologischer Untersuchungen auf, dass sie auch auf mein Beobach¬ 
tungsmaterial interessante Streiflichter werfen. Bei der Beurteilung 
unserer Erfolge werden wir daher gerade auf diese Untersuchungen 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usvv. 


233 


noch einzugehen haben. Jedenfalls können wir schon jetzt sagen, 
dass die von mir an 200 Kindern in exakter Weise konstatierten 
Gewichtssteigerungen ein Beweis dafür zu sein scheinen, dass schon 
eine kurzdauernde (mehrtägige) Wanderung eine kräftige 
Einwirkung auf Muskel- und Nervensystem des jugend¬ 
lichen Organismus, selbst bei dürftigem Ernährungs¬ 
zustand, und einen Antrieb für seine gesamte Entwicklung 
während der nachfolgenden Monate zu geben vermag. 

Indem ich hinsichtlich der Gewichtsbestimmung in Kleidung 
und der Feststellung des Nacktgewichtes auf das oben Gesagte 
verweise, sehen wir am Ende der Beobachtungszeit bei den Knaben 
wie bei den Mädchen zwischen Wägung in Kleidung und derjenigen 
ohne Kleidung, wie oben angegeben, so geringe Differenzen, dass 
wir davon absehen können. Betrachten wir unsere Zahlen der 
einzelnen Gruppen ein wenig genauer, so finden wir bei den 
Mädchengruppen aus Nord-Brandenburg und derjenigen, welche das 
Riesengebirge durchwanderte, vortreffliche Gewichtszunahmen. Die 
Riesengebirgsgruppe (19 Kinder) zeigt nach 2*/ 2 Monaten in Pro¬ 
zenten eine Zunahme von 6,28 pCt.; 12 dieser Kinder wurden vor 
Antritt der Wanderung und nach Ablauf der Beobachtungszeit auch 
ohne Kleidung gewogen und die Zunahme betrug in Prozenten 
7,43 pCt., ist also etwas höher, wie die erstgenannte Zahl. Die 
Gewichtszunahme der einzelnen Kinder dieser Gruppe schwankte 
zwischen 2 l / 2 und 8 Pfund. Es waren die Teilnehmer dieser 
Gruppe sämtlich Vollzahler, stammten also aus besseren Ver¬ 
hältnissen und befanden sich schon beim Antritt der Reise in 
einem besseren Ernährungszustand. Die beiden anderen Mädchen¬ 
gruppen, welche Nord-Brandenburg durchwanderten, waren, wie ich 
schon hervorhob, Frei Wanderer und befanden sich in einem 
Weniger guten Ernährungszustand. Diese beiden anderen 
Gruppen bestanden aus 41 Mädchen desselben Alters. Bei allen 
Kindern wurde das Gewicht in Kleidung vor der Reise und nach 
2 1 / 2 Monaten konstatiert und auch hier bei einem Teil der Kinder, ohne 
Kleidung. Auch hier konnten wir eine ausgezeichnete Steigerung des 
Gewichtes feststellen. Die Wägung in der Kleidung ergab für die 
ganze Zeit eine Zunahme von 7,8 pCt., bei Nacktgewicht ein wenig 
mehr, 8,6 pCt. Wir haben hier also bei den drei Gruppen bei 
Nacktgewicht eine Zunahme von 7,43—8,60 pCt. und bei Wägung 
mit Kleidung 6,28 bzw. 7,80 pCt. Die ganze Bedeutung des er¬ 
zielten Gewichtsansatzes wird besonders klar, wenn wir uns einzelne 


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234 H. Roeder und E. Wienecke, 

Fälle einmal vor Augen halten. So hatte z. ß. ein Mädchen, 
welches mit einem Anfangsgewicht von 66 Pfd. in Kleidung die 
Wanderung antrat, mit einer Zunahme von 8 Pfd. 11,81 pCt. ihres 
gesamten Körpermaterials angesetzt, ein anderes Kind mit 
einem Gewicht von 87 Pfd. hatte am Schluss der 2y 2 Monate um 
12 Pfd. zugenommen. Dies bedeutete einen Gewichtsansatz 
von 13,80 pCt. seines ursprünglichen Gewichts. Namentlich 
elende und in der Ernährung besonders zurückgebliebene Kinder 
wiesen eine derartige Gewichtssteigerung auf. Einige dieser Fälle 
erregen auch unser ganz besonderes klinisches Interesse. Mädchen, 
welche infolge langdauernder Unterernährung vielfach kränkelten, 
unregelmässigen Schulbesuch aufwiesen und an mehr oder weniger 
schweren Digestionssstörungen und in deren Gefolge an neurasthe- 
nischcn Erschöpfungszuständen litten, haben durch die Bewegung 
in der freien Natur, durch die Loslösung aus den Banden der Schule, 
durch die täglichen Wanderungen bei einer ausgezeich¬ 
neten Hebung des Appetites und des gesamten Lebens¬ 
gefühls eine Besserung ihres elenden Befindens und eine völlige 
Heilung ihrer andauernden Verdauungsschwäche und ihrer 
nervösen Erschöpfungszustände erlangt. Auch L. Kuttner(7) 
kommt in seiner Arbeit „Ueber- und Unterernährungskuren“ auf 
den Einfluss der Bewegung und Muskeltätigkeit zu sprechen und 
erblickt ihren Nutzen in der Förderung der Eiweissmast und 
Kräftigung des Herzmuskels. 

Erwähnen möchte ich hier einige dieser Fälle: EinOstern aus derSchule 
entlassenes Kind, Mädchen mit 14 Jahren, welches im vorhergehenden Jahre 
wegen Krankheit nicht teilnehmen konnte, machte die Wanderung mit. Das 
lleissige und begabte Kind, hatte die erste Klasse fast stets nur mit vielfacher 
Unterbrechung von 2—3 Wochen besuchen können. Es litt dauernd an einem 
rezidivierenden Duodenalkatarrh mit häufigem Ikterus, durch den die Ernäh¬ 
rungsbedingungen völlig darniederlagen. Frühstück hatte sie, oder nur in 
winzigen Mengen genommen, desgleichen auch nicht das zweite Frühstück, 
wenig von den übrigen Mahlzeiten, befand sich also in einem Zustand schwerer 
Unterernährung. Auf der Wanderung hob sich der Appetit. Mittags ass das 
Kind in ausreichender Weise und leistete die tägliche Wanderung, allerdings 
nur mitZusammenraflfung. Nur einmal musste es unterwegs die Bahn benutzen. 
Die Angehörigen erklärten, dass das Kind nach der Wanderung 2 Tage hinter¬ 
einander geschlafen habo, um alsdann munter nach Nahrung zu verlangen. 
Nach 27 2 Monaten sah das Mädchen, obwohl noch zart, blühend aus und 
hatte 6 Pfund an Gewicht zugenommen. Bei der Wanderung selbst hatte sich 
das Gewicht nicht geändert. 

Ein anderes Kind, Mädchen von 13 Jahren, bot, ohne eigentlich krank 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


235 


zu sein, das Bild eines zarten, nervösen, schlecht genährten Kindes. Es fehlte 
der Appetit, Kopfschmorzen traten täglich ein, namentlich nach geistiger An¬ 
strengung. 

Nach der Reise, ohne dass während derselben eine Zunahme erfolgt war, 
sah das Kind frisch aus, zeigte ein fröhliches Wesen und fasste, nach den 
Beobachtungen meines Mitarbeiters, besser im Unterricht an. ln den dazwischen¬ 
liegenden 2V 2 Monaten hat sich das Mädchen ganz prächtig entwickelt, nichts 
erinnerte mehr an das früher bleiohsüchtig dreinschauende Kind, es hatte in 
dieser Zeit eine Gewichtszunahme von 8 Pfund erreicht. 

Ein dritter Fall, Mädchen von 13y 2 Jahren, klagte lange Zeit über Seiten¬ 
stiche, heftige Kopfschmerzen, nervöses Herzklopfen, Zustände, die so häufig 
als die Zeichen geistiger Anspannung und gleichzeitiger Unterernährung beob¬ 
achtet werden. Eine leichte Skoliose war ebenfalls vorhanden, die inneron 
Organe von normalem Befund. Das Kind erkrankte in den letzten Jahren stets 
nach den Herbstferien, in den Monaten November und Dezember an besonders 
heftigen Schwächezuständen, die mit Uebelsein, Erbrechen und psychischer 
Depression einhergehen, ln den letzten Monaten des Jahres 1909 waren diese 
Zustände vollständig weggeblieben, nachdem das Kind an der diesjährigen 
Wandertour teilgenommen hatte. Blühendes Aussehen, allgemeines Wohl¬ 
befinden, Gewichtszunahme von 11 Pfund bis Mitte September. Die An¬ 
gehörigen wünschen, dass das Kind die Tour noch einmal mitmacht. 

Zwei andere Mädchen verdienen hier noch erwähnt zu werden, die 
ebenfalls in besonders dürftigem Ernährungszustand auf die Wandertour mit¬ 
gingen, vorher an den verschiedensten nervösen Beschwerden litten, Herzpalpita- 
tionen, Atmungsbeschwerden, andauernde Appetitlosigkeit und träge Verdauung. 
Beide Kinder, die eine 11 y 2 , die andere 13 Jahre alt, waren nach der Rück¬ 
kehr von der Wanderung wie ausgewechselt, zeigten in den nachfolgenden 
2y 2 Monaten eine ausgezeichnete Gewichtszunahme, die eine nahm 13 Pfund, 
die andere Pfund an Gewicht zu. Bei beiden sind die sämtlichen ner¬ 
vösen Beschwerden, vor allem auch die psychische Depression und bei der 
einen ist auch ein störend gewesenes, wenn auch leichtes, nervöses Symptom, 
ein Tic convulsif der Nackenmuskulatur bei der Hebung des Allgemeinbefindens 
und Ernährungszustandes, völlig geschwunden. 

Vergleichen wir mit diesen Ergebnissen den Gewichtszustand 
der Knabengruppen. Die erste Gruppe der Knaben, welche eine 
sechstägige Wandertour nach der sächsischen Schweiz unternahm 
und bei der das Gewicht auch sofort nach der Tour festgestellt 
wurde — indes alle Wägungen nur mit der Kleidung — hat, wie 
die obige Tabelle erkennen lässt, eine prozentuale Gewichts¬ 
zunahme von 6,70 pCt. aufzuweisen. Die Gewichtszunahmen be¬ 
wegten sich zwischen 2 und 10 Pfund. Auch hier unter dieser 
Knabengruppe seien einige Fälle besonders hervorgehoben; so ein 
Knabe, welcher ein Anfangsgewicht von 9iy 2 Pfund mit Kleidung 
die Wanderung mitmachte und nach 1 y 2 Monaten ein Gewicht von 
102 Pfund erreichte, d. h. um ll,47pCt. seines Anfangsgewichts 


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236 H. Roeder und E. Wieneoke, 

zunahm. Bei einem anderen Knaben mit einem Anfangsgewicht 
von 75 Pfund bedeutete die Zunahme von 8 Pfund einen Zuwachs 
von 14,67 pCt: seines ursprünglichen Gewichts. Es liegt auf der 
Hand, dass ein so eminenter Zuwachs an Körpermaterial Wachstum 
und Entwicklung auf das Lebhafteste befördern muss. 

Die zweite Wandergruppe der Knaben durchwanderte in den 
6 Tagen einen Teil von Nordbrandenburg. Die dritte Gruppe ging 
nach Thüringen. Diese Tabellen zeigen, dass bei diesen Gruppen 
die Gewichte vor der Reise und sofort nach der Reise nach 
2 1 / z Monaten festgestellt wurden und zwar in Kleidung, bei einem 
kleineren Theil der Kinder auch ohne Kleidung. Die Zunahme 
bewegte sich bei Wägung ohne Kleidung zwischen 4,55—6,52 pCt., 
auch unter diesen beiden Gruppen befanden sich einige Knaben, 
die mit einer Gewichtszunahme von 9 bis 12 Pfund, während der 
ganzen Beobachtungszeit einen Zuwachs von 10 bis 12, bis 13,23 pCt. 
ihres Körpergewichts erreichten. Es handelt sich hier um ganz 
aussergewöhnliche Nachwirkungen, die bei der Mehrzahl aller 
Wanderkinder, Mädchen und Knaben, über die für das Wachs¬ 
tum von Vierordt und neuerdings von W. Camerer jun. (8) 
aufgestellten Standardzahlen erheblich hinausgehen. Die 
Camerer’schen Zahlen für die Physiologie der zweiten grossen 
Wachstumsperiode ergeben während des 12.—14. Lebensjahres für 
die Mädchen eine jährliche Gewichtszunahme von 10—12 Pfund, 
für die Knaben von 4—5 Pfund. Für 2y 2 —3 Monate würde sie 
also ungefähr 2 J / 2 —3 Pfund, bzw. 1— iy 2 Pfund zu betragen 
haben. Gegenüber den physiologischen Werten Camercr’s 
tritt der ganze Effekt unserer Beobachtung erst in seiner 
vollen Bedeutung klar vor Augen. 

Die Vermehrung des Gewichtes während der 6 Tage der 
Wanderung verhielt sich laut Tabelle IV—VI in diesen drei Gruppen 
ähnlich wie bei den Mädchen. Ein Teil zeigte während der sechs 
Tage einen geringen, ein Teil eine sogar auffallende Zunahme von 
2 J / 2 —5, in einem Fall 8 Pfund, ein Teil nahm etwas ab an Gewicht, 
ein Teil hielt das Gewicht, um nach der Tour gemeinsam mit den 
übrigen in fast kontinuierlicher Linie im Gewicht anzusteigen. Als 
ein ganz hervorragendes Resultat, als der Rekord der unmittel¬ 
baren Einwirkung der Muskelarbeit auf den Energie¬ 
umsatz ist es anzusehen, dass der Knabe Bleek der Thü¬ 
ringer Gruppe am Schluss der sechstägigeu Marschleistung 
eine Gewichtssteigerung um 8 Pfund, d. h. um 7,7pCt. des 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


237 


ursprünglichen Gewichts erreicht hatte. Es war dies einer der 
ältesten Knaben, 14 Jahre alt. Seine weitere Gewichtszunahme 
von 5 Pfund in den nachfolgenden 2y 2 Monaten lässt auch eine 
deutliche Nachwirkung der Wanderung erkennen. 

Dass einzelne Kinder meiner sechs Wandergruppen vor allem 
nach der Rückkehr von der Wanderung an der flotten Gewichts¬ 
zunahme der übrigen nicht teilnahmen, bis zum Schluss der 2y 2 Monate 
sogar um 1—2 Pfund im Gewicht zurückgingen, ist vielleicht aus 
der individuellen Anlage in der Unvollkommenheit ihres Trainings, 
d. h. aus der Schwierigkeit ihrer Anpassung an methodisch ge¬ 
steigerte Muskelarbeit, andererseits aber vielleicht auch daraus zu 
erklären, dass diese Kinder in recht ungünstige soziale Verhältnisse 
zurückkehrten und eine dem gesteigerten Appetitreiz und Nahrungs¬ 
bedürfnis entsprechende Nahrungszufuhr nicht vorfanden. Es scheint 
namentlich im Hinblick auf die Eigentümlichkeiten des wachsenden 
Organismus erklärlich, dass die Nachwirkung des durch die gleich- 
massige Bewegung und Wanderung gegebenen Anreizes auf Wachs¬ 
tum und Entwicklung in der Ernährung zurückgebliebener Kinder 
in der nachfolgenden Zeit nur dann zur vollen Geltung gelangt, 
wenn die Ernährungsbedingungen auch nachher dem Nahrungs¬ 
bedürfnis angepasst werden. 

Bei einem Vergleich der beiden Geschlechter fällt besonders 
auf, dass die Gewichtszunahme der Mädchen grösser ist als 
die der Knaben. Auf diesen Unterschied bei Knaben undMädchen mache 
ich besonders aufmerksam. Die höchste Zunahme der Mädchen¬ 
gruppen betrug bei Nacktwägung 8,60 pCt. (Nordbrandenburg), die 
höchste bei den Knaben 6,24 pC't. (Thüringen). Es wäre nicht 
ausgeschlossen, dass die grössere Steigerung des Gewichts bei den 
Mädchen in der physiologischen Eigentümlichkeit dieser Altersstufe 
begründet ist. Die Mädchen sind im Alter von 12—14 Jahren in 
ihrer Pubertätsentwicklung den gleichaltrigen Knaben weit voraus 
und ist die grössere Energie des Wachstums und Gewichtsansatzes 
nach den Wanderungen mit den physiologischen Bedingungen zu er¬ 
klären. Wie wir wissen, vollzieht sich die Entwicklung der männ¬ 
lichen Jugend in einem langsameren Tempo; während die Mädchen 
in der Altersstufe von 13—14 Jahren zur vollen Geschlechtsreife 
gelangen können, befinden sich die Knaben im gleichen Alter fast 
durchweg erst im ersten Stadium der Pubertät. Eine gleiche 
Wachstumsenergie und einen gleichen Antrieb zur Entwicklung er¬ 
langen dieselben im allgemeinen später im Alter von 15—18 Jahren. 


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238 


H. Roeder und 15. Wienecko, 


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Wo sic bei den Knaben früher beobachtet wird, sehen wir auch 
hier eine für die Pubertätszeit charakteristische Beförderung der 
Entwicklung durch methodische Bewegung und Steigerung der 
Muskelarbeit. Gerade der oben genannte Fall Bleek, der mit 
14 Jahren und einem hohen Körpergewicht von 104 Pfund 
die Wanderung antrat, zeigt eine ganz ungewöhnliche Be¬ 
einflussung von Stoffwechsel und Gewichtsansatz, und 
zwar in so intensiver Weise, wie wir es nur bei den drei 
Mädchengruppen gesehen haben. Es ist interessant, dass die 
im allgemeinen bekannte physiologische Tatsache der Verschiedenheit 
der Pubertätsentwicklung beider Geschlechter durch ein derartiges 
Experiment, wie es unsere Wandertouren in diesem Falle sind, hier 
ihren zahlenmässigen Ausdruck findet. Mit Recht betonen daher 
v. Schjerning (1. c.) und Nikolai und Schwiening (9) über die 
Erziehung der männlichen Jugend, dass die Fürsorge für 
rationelle Körperpflege und Kultur durch Volksspiele, Turnen, 
Rudern und anderen Sport bei den Knaben im 14. Jahre nicht ab¬ 
geschlossen sein darf, sondern dass jede Art von Sport und Körper¬ 
gymnastik zur Hebung der körperlichen Entwicklung gerade für 
die schulentlassene männliche Jugend unentbehrlich ist. 

Die Untersuchungen über die Nachwirkung der Wanderungen auf 
die Gewichtssteigcrung von in der Ernährung zurückgebliebenen Kin¬ 
dern haben so wichtige Resultate ergeben, dass wir schon auf Grund der 
Daten der Gewichtskontrolle derartige Wandertouren des jugend¬ 
lichen Alters für Knaben und Mädchen als ein souveränes Mittel 
zur Hebung der Körperkultur und zur Förderung der gesamten 
körperlichen Entwicklung betrachten müssen. Ueberraschen muss 
es, dass eine sechstägige Wanderung den Kindern zarter Kon¬ 
stitution und subnormalen Ernährungszustandes einen Entwicklungs- 
anstoss gegeben hat, wie er kaum durch länger dauernden 
ruhigen Aufenthalt auf dem Lande, im Gebirge oder an der See 
von anderen Autoren beobachtet wird. Eine ganze Reihe von 
Autoren, insbesondere Lennhoff (10), berichtete in jüngster Zeit 
über Erfahrungen aus Kinderheilstätten, Ferienkolonien und 
Seehospizen. Es handelt sich dort um jüngere und auch 
um Kinder der Altersstufe unserer Wanderkinder. Ein grosser 
Teil der in den Ferienkolonien, Heilstätten und Seehospizen 
aufgenommenen Kinder im Alter von 11—14 Jahren sind, wenu 
nicht direkt Rekonvaleszenten, so doch vorwiegend schwächliche, 
erholungsbedürftige, in der Ernährung zurückgebliebene Kinder, 


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Ueber den Einfluss von VVandertouren usw. 


239 


bei denen ebenfalls Herz und Lunge und die übrigen Organe 
(Nervensystem) gesund sind. Bei diesem Material haben die be¬ 
treffenden Autoren selbst nach 4—6—10 wöchigem, ja nach 
3—4 monatelangem Aufenthalt in den Seehospizen und Erholungs¬ 
stätten eine Höchstzunahme von 5—8 Pfund beobachtet. Selbst 
diesen so lange Zeit unter den günstigsten Bedingungen gehaltenen 
Kindern gegenüber fällt der Erfolg unserer Wanderkinder sofort in die 
Augen. Wir können schon hieraus den Schluss ziehen, dass im allge¬ 
meinen bei zarten nervösen und in der Ernährung zurückgebliebenen 
Kindern die blosse Herauslösung aus der Schule bei gleichraässiger 
Körperruhe, ja sogar bei einmaligem Wechsel des Aufenthalts nicht 
das einzige darstellen, was dem jugendlichen Organismus 
zur Förderung seiner Gesundung und Entwicklung not 
tut. Dem natürlichen Drange des Kindes entsprechend muss die 
Bewegung, starke Beeinflussung der Muskelarbeit durch Spiel, 
durch Sport und durch methodische Wanderung noch hinzukoramen. 
Es ist, als wenn der wachsende Organismus stärkerer 
Reize bedarf, mit der Ausschaltung der geistigen An¬ 
forderungen, mit dem blossen Orts- und Luftwechsel 
sich nicht begnügt, sondern einer forzierten Anregung 
des Stoffwechsels durch erhöhte Muskeltätigkeit bedarf 
und seine Entwicklung verlangsamt, wenn ihm die Ge¬ 
legenheit zur kräftigen Muskelarbeit versagt bleibt. 

Um nun aber unsere Feststellungen über die Gewichtsverhält¬ 
nisse und Entwicklungsenergie der Wanderkinder richtig zu 
bewerten, stellten wir auch Beobachtungen an Nichtwanderern 
gleicher Altersstufe an. Schon bei den Untersuchungen des 
Jahres 1908 erkannte ich die Wichtigkeit dieser Versuchs¬ 
anordnung. Schon damals stellte ich 9 Kinder gleichen 
Alters 12 Kindern gegenüber, die im gleichen Alter standen 
und nicht gewandert waren. Während unter diesen neun Kindern 
3 bereits während der Wanderung an Gewicht Zunahmen und 
zwar 1 Pfund, 2 1 / 2 und 3V 2 Pfund und nach 3 Monaten alle 
neun zugenommen hatten und zwar 1 = 12, 2 = 10, 1 = 8, 
3 — 6, 1 = 4, 1 = 2, durchschnittlich also eine Zunahme von 
6 Pfund, ergab sich bei den Nichtwanderern in den gleichen drei 
Monaten als Höchstzunahme 8 Pfund (gegen 12 der Wanderer), 
als Mindestzunahme 0 (gegen 2 der Wanderer), eine durchschnitt¬ 
liche Zunahme von 4,8 (gegen 6,7 der Wanderer). Uebrigens be¬ 
fanden sich unter den Nicht Wanderern auch Kinder, die in den 


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240 


H. Roeder und E. Wienecke, 


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Ferien verreist waren, wodurch die Gewichtszunahme der Nicht¬ 
wanderer nach oben verschoben wurde. Schon gegenüber diesem 
kleinen Material von Nichtwanderern wurde der Erfolg der sechs¬ 
tägigen Wanderung besonders offenkundig. Bei den eingehenderen 
Untersuchungen des Jahres 1909 zog ich zur Beantwortung dieser 
Frage, ob die Wanderkinder den Nichtwanderern gegenüber im 
Vorteil sind, ein grösseres Kindermaterial heran, Kinder, die nicht 
gewandert waren, nur den Genuss der Ferien hatten, gleicher 
Altersstufe und ungefähr gleichen Ernährungszustandes und zwar 
wählte ich Mädchen für diese Untersuchung, die, wie gesagt, an 
sich schon in einem für die Beeinflussung ihrer Entwicklung 
empfänglicheren Stadium sich befinden und das Ergebnis zu Gunsten 
der Nichtwanderer hätten beeinflussen müssen. Die eine Gruppe, 
Alter 12 V 2 bis 13 1 / 2 Jahre, umfasst 29 Kinder, die zweite Gruppe, 
Alter 13 bis 14 Jahre, umfasst 19 Kinder. Die Tabellen beider 
Gruppen geben an die Gewichtszahlen zur Zeit, als die anderen 
Kinder zum Marsch ausrückten und die Zahlen am Schluss der 
2 y 2 Monate. 

Tabelle Vll (Mädchen). 

Nichtwanderer. 


No. 

Name 

Gewicht 
in Pfund 

Zu- bzw. 
Abnahme 
in Pfund 

In pCt. 

1 

Book. 

84 

+ 4 

+ 4,76 

2 

Elsemann .... 

69 

3 

4,35 

3 

Eppinger .... 

71 

— 

— 

4 

Fraatz. 

72 

4 

5,56 

5 

Fröhlich. 

66 

3 

4,35 

6 

Gcng. 

61 

*2 

0,82 

7 

Hoffmann .... 

87 

2 

2.30 

8 

Langner . 

83 

- 2 

- 2,40 

9 

Lebahn . 

72 

+ 2 

+ 2,74 

10 

Pawlick. 

87 

5 

5,75 

11 

Schulz. 

63*2 

4 1 2 

7,14 

12 

Lewen. 

53 

— 


13 

Strassmann . . . 

102 

2 

2,00 

14 

Sydow. 

61 

5 

8,20 

15 

Walkhot! .... 

105 

3 

2,86 

16 

Bortziock .... 

68 

3 I 

4,41 

17 

Kahl. 

73 

3 

4,11 

18 

Fischer. 

100 

3 

3,00 

19 

Müller. 

80 

3 

3,75 





3,6 





Zunahme 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


241 


Tabelle VIII (Mädeben). 


Nichtwanderer. 


No. 

Name 

Gewicht | 
in Pfund ; 

Zu- bzw. 
Abnahme 
in Pfund 

In pCt. 

1 

Bogdan . 

9G 

+ 7 

+ 7,20 

2 

Bomme. 

76 , 

4 

5.26 

3 

Brinckmann. 

84 

2 1; a 

2,98 

4 

Buttler. 

56 

4 

7,14 

5 

Felchner. 

67 

2 

2,98 

6 

Franz . 

82 

— 

— 

7 

Freitag. 

103 

4 

3,88 

8 

Heier. 

76 

1 

1,32 

9 

Heysc. 

65 

4 

6,15 

10 

Höhne . 

83 

5 

6,02 

11 

Kassner. 

60 

— 

— 

12 

Kiewitt. 

60 

3 1 2 

5,83 

13 

Kugler . 

87 

5 

5,75 

14 

Maibuhr. 

65 1 

8 

12,31 

15 

Menzel. 

84 

3 

i 3,57 

16 

Münz. 

70 

3 

| 4,29 

17 

Papist. 

62 

4 

6,45 

18 

Pflug. 

65 

2 

3,08 

19 

Prothmann . . . 

83 

1 

1,20 

20 

Prothmann . . . 

71 1 

3 

4,23 

21 

Reuter. 

72 

3 ' 

4,17 

22 

Schneider .... 

69 t 

2 

2,90 

23 

Schrumpf .... 

70 

3 

4,29 

24 

Schwalke .... 

96 

5 

5,20 

25 

Stein. 

68 

- 2 

- 3,00 

26 

Tornow. 

58 , 

- 2 

- 3,45 

27 

Wauschkuhn . . 

92 

+ 2 

+ 2,17 

28 

Kutz. 

59 

— 

— 

29 

Teichmann . . . 

83 

-* 

- 3,60 

, 





! 

3,7 



i 

! 

Zunahme 


Wir finden in beiden Tabellen nach 2V 2 Monaten Gewichts¬ 
zunahmen von 1, 2, 4, 6, 8 Pfund. Einige Kinder sind im Gewicht 
stehengcblieben, einige haben abgenommen, bis 2 bzw. 3 Pfund. 
Die Wägung der Nichtwanderer war in Kleidung ausgeführt worden. 
Am Anfang und am Schluss der Beobachtungszeit in der gleichen 
Kleidung. Die Gewichtszunahme in Prozenten beträgt für die eine 
Gruppe 3,6 pCt., für die andere 3,7, gegenüber 7,8 pCt. der in 
Kleidung gewogenen wandernden Mädchen und 6,7 pCt. unserer 
Knabengruppen. Aus dieser Gegenüberstellung geht mit 
nicht zn überbietender Deutlichkeit hervor, in wie grossem 
Nachteil die Nichtwanderer sich gegenüber unseren 

Internat. Beiträge. Bd. I. Heft 2. i g 


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242 


H. Roeder und E. Wienecke, 


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Wanderkindern befinden. Hat auch eine relativ grosse Zahl 
von Nichtwanderern leidliche Gewichtszunahmen aufzuweisen, Zu¬ 
nahmen, die sich innerhalb der für diese Wachstumsperiode von 
Camercrjun. ermittelten physiologischen Gewichtszahlen bewegen, 
so treten die Zunahmen bei ihnen ganz erheblich zurück gegenüber 
den nur 6 Tage unter dem Einfluss lebhafter Bewegungen und 
Muskeltätigkeit stehenden Wanderern. Wie jenes Beispiel der 
Ferienkolonie- und Heilstätten-Kinder zeigt auch dieses Beispiel 
unserer Nichtwanderer nur allzu deutlich, dass das Sistieren 
der geistigen Anspannung, die Ausschaltung der Ein¬ 
flüsse des Schulbetriebes während der Ferien selbst in 
der günstigsten Jahreszeit und selbst die Gelegenheit zu 
zwangloser Bewegung im Freien die Entwicklung des 
wachsenden Organismus durchaus noch nicht in der Weise 
befördert, dass jegliche weitere Fürsorge für das ge¬ 
sunde, aber in der Ernährung und Entwicklung gehemmte 
Schulkind sich erübrigt. Im Gegenteil sehen wir an dem Beispiel 
der Nichtwanderer, dass sie zu dem vollen Genuss der Freiheit in 
ihren Ferien gar nicht gelangen und erst durch methodische Be¬ 
wegung und Muskelarbeit statt der körperlichen Ruhe ihre Ent¬ 
wicklungsenergie steigern würden. Bedarf es noch einer Erhärtung 
dieses Beweises, so möchte ich nicht versäumen, noch eine spätere 
Feststellung der Gewichtsverhältnisse von Wanderern und Nicht¬ 
wanderern hinzuzufügen. Unter den in obigen Tabellen aufgeführten 
Kindern der drei Mädchengruppen und der Gruppe der Nichtwan¬ 
derer griff ich noch 2 Monate später, also 5 Monate nach An¬ 
tritt der Wanderung, 12 Wanderer, die einer gleichen Alters¬ 
und Klassenstufe angehörten, und 24 Nichtwanderer der gleichen 
Stufe heraus, von welch letzteren noch verschiedene ihren Ferien¬ 
aufenthalt bei Verwandten hatten, und stellte ihre Gewichtszahl mit 
den andern in einen Vergleich. Die 24 Niehtwanderer hatten nach 
5 Monaten, am 1. Dez. 1909, eine Zunahme von 7,9 pCt. erreicht, 
die Wanderer eine Zunahme von 11 pCt. Diese letzteren standen 
also auch noch zu dieser Zeit unter einer intensiven Nachwir¬ 
kung der sechstägigen Wanderung, und wurden die Nichtwanderer 
noch nach 5 Monaten von den Wanderern mit ihren Einzelgewichten 
(1=2 (ausserordentlich kleines, zartes Kind), 4 = 7, 1 = 8, 
2 = 9, 1 = 10, 2 = 11, 1 = 13) bei weitem übertroffen. 
Wennschon es einstweilen noch nicht ausführbar erscheint, sämt¬ 
liche Kinder dieser Altersstufe bei gleichen körperlichen Konstitu- 


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lieber den Einfluss von Wandertouren usw. 


243 


tionsschwächen zur Wanderung hinauszuschicken, so wäre es heut¬ 
zutage vielmehr angezeigt, der heranwachsenden Jugend 
die Ferien zu verlängern, statt sie zu verkürzen. Ein ver¬ 
dienstvolles Beginnen im Interesse der öffentlichen Wohlfahrt und 
der Hebung des heranwachsenden Geschlechts und Stärkung der 
Rasse wäre es, wenn die Staatsbehörde, insbesondere die Unterrichts¬ 
verwaltung, noch einmal Erwägungen darüber anstellte, in wie weit 
ein Wandel in der getroffenen Massregel zu schaffen wäre. Das 
Verhalten der Nichtwanderer gibt hier als das Ergebnis meiner 
Untersuchungen ein feststehendes Material, um vom ärztlichen 
Standpunkt aus die angeordnete Massnahme als nicht unbedenklich 
zu erweisen! 

Wie ich bereits oben betonte, habe ich mich nicht allein auf 
die Prüfung der Gewichtsverhältnisse der Wanderkinder vor und 
nach der Wanderung beschränkt, sondern ich stellte auch ärztliche 
Untersuchungen anderer Art an. So konnte ich z. B. bei den 
Knaben die Beobachtung machen, dass ihre Körpergestalt vom 
ästhetischen Standpunkt aus gewonnen hatte, ihre Muskulatur, 
namentlich die des Thorax, die Rückenmuskulatur und diejenige 
der unteren Extremitäten erheblich massiger geworden war und 
einen besseren Tonus zeigten. Ihre Gesichtsfarbe, ihr Aussehen 
und die Lebhaftigkeit des Ausdrucks fiel ganz besonders in die 
Augen. Bei einer Mädchengruppe von 25 Kindern nahm ich ins¬ 
besondere die Gelegenheit wahr, auch noch Masse des Körpers, 
Körperlänge, Brustmass, Atmungsweite des Thorax vor der Tour 
und nach 2 Y 2 Monaten miteinander zu vergleichen. Entsprechend 
der in der Gewichtssteigerung zum Ausdruck gelangenden Zunahme 
der gesamten Lebensenergie hatte die Körperlänge eine Erhöhung 
von 2—6 cm erreicht und der Brustumfang, direkt unter der 
Achsel gemessen, eine Vermehrung von 1—3 cm. Die Atmungs¬ 
weite, die Differenz zwischen Inspiration und Exspiration, ergab 
bei einzelnen Fällen nach 2Ya Monaten eine Vergrösserung um 
1— 2 Y 2 cm, jedenfalls bei sämtlichen Kindern eine Vermehrung. 
Besonders interessant muss genannt werden, was ich bei einer 
anderen Mädchengruppe, 25 Kinder, feststellte. Ich hatte bei diesen 
Fällen vor Antritt der Wanderung Form und Grad der Ausbildung 
der Brustdrüse beachtet und im Status praesens vermerkt. Bei 
8 Kindern war der Drüsenkörper der Mamma leidlich entwickelt, 
kleinapfelgross, von massigem Turgor. Nach 2 Y 2 Monaten war 
bei ihnen die Ausbildung der Brustdrüse ausserordentlich vor- 

10 * 


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H. Roeder und E. Wienecke, 

geschritten und unter Besserung des Turgors fast zur normalen 
Grösse angewachsen. Bei den übrigen 17 Kindern, die in ungefähr 
gleichem Alter standen, war die Brustdrüse ihrer Form und 
Grösse nach von derjenigen der Knaben kaum zu unter¬ 
scheiden. Die geringe Anlage des Drüsenkörpers war 
hier der sichtbarste Ausdruck der bestehenden Unter¬ 
ernährung und Entwicklungshemmung. Unter der Einwir¬ 
kung der sechstägigen Wanderung hatte die Ausbildung des 
Brustdrüsenkörpers parallel mit der übrigen Beeinflussung des 
Wachstums einen Antrieb erhalten, der die gesamte Pubertäts¬ 
entwicklung in die normalen Bahnen wies. Sollte die bei den 
Mädchen dieser Altersstufe auch von anderen Autoren so zahlreich 
beobachtete Entkräftung und Entwicklungshemmung nicht auch 
ihre Folgen haben für die weit spätere Entwicklung des weiblichen 
Organismus? Sollte andererseits die eben geschilderte 
Herbeiführung einer normalen Pubertätsentwicklung bei 
den Mädchen nicht auch für die spätere Zukunft auf die 
Ausübung der mütterlichen Pflichten von Einfluss sein, 
Insbesondere auf die Laktation der Brustdrüse und auf 
die Stillfähigkeit? Der Einfluss der sechstägigen Wanderung 
hat bei einem grossen Teil dieser Kinder die Pubertätsentwicklung 
noch insofern beeinflusst, als nach einigen Wochen bzw. 2—3 Mo¬ 
naten auch die Menstruation sich einzustellen begann. 

Wollen wir nunmehr für die bei den Wanderkindern beobachteten 
ungewöhnlichen Wirkungen und für die einzelnen physiologischen 
Erscheinungen eine Erklärung geben, so müssen wir vor allem die 
bei Vermehrung der Muskelarbeit von den Physiologen beobachtete 
Steigerung des Stoffverbrauchs (Erhöhung des Eiweisszerfalls bzw. 
Vermehrung der Fettverbrennung) in erster Linie berücksichtigen. 
Insbesondere wird nach den grundlegenden Beobachtungen von 
Zuntz, Loewy, Müller und Caspari (1. c.) über Bergwanderungen 
und Höhenklima in ihrer Einwirkung auf den Menschen die 
Steigerung der Muskelarbeit mit einer Vermehrung der Ansprüche 
an Herz und Atmung erklärt, und sind die durch ausgezeichnete 
Untersuchungen von ihnen endgültig dargelegten Beziehungen der 
Muskcltätigkeit zu Atem und Kreislaufapparat auch für die Be¬ 
urteilung der durch unsere Wanderung festgestellten Einwirkungen 
heranzuziehen. Ihre auf zahlreichen ad hoc unternommenen Hoch- 
gebirgstouren über den Einfluss des Höhenklimas und des Berg¬ 
steigens ermittelten Resultate haben hinsichtlich jener Beziehung 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


245 


Fragen gelöst, die über den engeren Kreis der Biologen und Aerztc 
hinaus für jeden, der der Wissenschaft vom Leben Interesse ent¬ 
gegenbringt, bedeutungsvoll sind. 

In der Bedeutung für die Funktion der Lunge (Ateramechanik, 
Verhalten der Gasspannung in den Alveolen) und des Herzens 
(Kräftigung des Herzmuskels) liegt also ein wesentlicher Nutzen 
der körperlichen Tätigkeit, die den lebenswichtigsten Muskel 
arbeitsfähiger macht und bewirkt, dass er sich verstärkten An¬ 
sprüchen, wie sie z. B. bei manchen schweren Erkrankungen ge¬ 
stellt werden, gewachsen zeigt. 

Es springt ins Auge, dass eine solche Stärkung der Herz¬ 
muskulatur und Uebung der Atembewegungen, besonders für den 
jugendlichen Organismus, von Vorteil sein muss, bei dem die Aus¬ 
bildung dieser Organe sich den Bedürfnissen in hohem Masse an¬ 
passt, und eine kräftige Entwicklung eines leistungsfähigen 
Herzens und eines breiten elastischen Brustkörbe^ die 
wertvollsten Errungenschaften für spätere Lebenszeiten 
darstellen. Gerade bei dem jugendlichen Individuum ist beson¬ 
derer Wert zu legen auf körperliche Betätigungen, welche Herz 
und Lunge stärken. 

So wertvoll aber auch die Gewichtssteigerung der Wanderer, 
die Kräftigung der einzelnen Organe, namentlich Herz und Lunge 
durch Leibesübungen, Turnen, Sport und Wandern ist, so er¬ 
fahren doch auch die Funktionen des Zentralnerven¬ 
systems und der Sinnesorgane sowie die höchsten Funk¬ 
tionen des Menschen, die psychischen eine besonders 
lebhafte Förderung. Die Geistesfrische wird erneuert, die 
Phantasie belebt, Frohsinn, Lust und Mut werden durch körper¬ 
liche Betätigung geweckt und gestärkt. Und so sehen wir auch 
bei unseren jugendlichen Wanderern den Anblick einer herrlichen 
Landschaft, wie mein Mitarbeiter eingehend schilderte, die Seele 
mit neuer Lebensfrische und Freude erfüllen. 

Die vonZuntz und seinen Schülern klargelegte Tatsache einer 
Erhöhung der Ansprüche an Herz und Atmung findet zuerst in 
der Steigerung der vegetativen Funktionen, in einer zunehmenden 
Steigerung des Appetitreizes und des Nahrungsbedürfnisses ihren 
Ausdruck. Namentlich haben wir bei jugendlichen Individuen in 
der starken Beeinflussung des Nervensystems, in dem besonderen 
Anreiz des Appetits den Motor der ganzen Stoffwechselumwälzung 
zu suchen. 


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246 


H. lloeder und E. Wieneoke, 


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Die bei unseren Wanderkindern festgestellte Gewichtssteige¬ 
rung haben wir, wie es bei den Teilnehmern jener Hochgebirgs- 
touren festgestellt wurde, wohl als ein Anwachsen der Mus¬ 
kulatur zu betrachten. Als erstes hauptsächlichstes Symptom 
körperlicher Anstrengung und sportlicher Uebung ist nach Zuntz 
ein Erstarken der Kraft in denjenigen Muskelgruppen zu beobachten, 
welche starke Arbeit geleistet haben. Das Erstarken der Kraft 
ergibt sich nach ihm (1. c. 13. Kapitel) auch äusserlich durch eine 
Vermehrung, durch ein Anwachsen der Muskulatur. Schon bei einer 
anderen Gelegenheit war es Zuntz und Schumburg (1. c.) bei 
Untersuchung des marschierenden Soldaten gelungen, festzustellen, 
dass hier sogar entgegen dem sonst allgemein gültigen Gesetz von 
der Konstanz des Eiweisshaushaltcs des Erwachsenen durch Muskel¬ 
arbeit Stickstoffretention, d. • h. Ei weissansatz zustande kam 
bzw. Muskelsubstanz angesetzt wurde, wobei sie auch eine direkte 
Zunafime der Beinmuskulatur messen konnten. Aehnlich haben 
Advater und Benedict (11) auf das Exakteste nachgewiesen, dass 
bei Muskelarbeit trotz des erheblich gesteigerten Stoffverbrauchs 
weniger Eiweiss zersetzt wurde als in der Körperruhe und es zu 
einer Anreicherung des Eiweisses, also zur Vermehrung von Muskel¬ 
substanz gekommen sei. Demnach müssen wir auch bei unseren 
Wanderkindern die ausserordentlich grosse Gewichtszunahme während 
der Wandertour und die nachhaltige Gewichtssteigerung in den nach¬ 
folgenden Monaten als Eiweissansatz, und zwar als ein An¬ 
wachsen der Muskulatur befrachten. Von ähnlichen Gesichts¬ 
punkten ausgehende experimentelle Untersuchungen von Caspari (12) 
haben überdies gezeigt, dass auch ohne vermehrten Eiweisszerfall 
allein der Uebergang von träger Ruhe zu lebhafter Muskeltätigkeit 
einen steigenden Eiweissansatz bei Abnahme des Körpergewichts 
bewirkt und dass jeder Mehrverbrauch der Arbeit durch gesteigerte 
Fettverbrennung bestritten wurde, so dass die eintretende Abnahme 
des Gewichts durch Fettverlust zu erklären ist. Diese Beobachtung 
Casparis erklärt anscheinend das Verhalten derjenigen Fälle, die 
während der sechstägigen Wanderung ihr Gewicht zuerst gehalten 
haben bzw. in den 6 Tagen an Gewicht abgenommen hatten. 
Selbst bei diesen Fällen wäre der vor der späteren Gewichts¬ 
zunahme eintretende Gewichtsverlust während des Marsches nicht 
als ein ungünstiger Vorgang anzusehen, vielmehr ist, wenngleich 
ich nicht in der Lage bin, mit einem Stoffwechselversuch dies zu 
bestätigen, gemäss der Beobachtung von Caspari in diesen Fällen 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


247 


eine vorteilhafte Beeinflussung des Stoffwechsels anzunehmen, die 
sich in einem steigenden Eiweissansatz bei gleichzeitiger Abnahme 
des Körpergewichts durch gesteigerte Fettverbrennung kundgab. 
Zuntz, Löwy, Müller und Caspari haben in ihren vortrefflichen 
Beobachtungen über den Einfluss des Hochgebirges und des Höhen¬ 
klimas ermittelt, dass in den verschiedensten Bergeshöhen, nament¬ 
lich beim Aufstieg, deutlicher Eiweissansatz zustande kam, aller¬ 
dings ist es, wie Zuntz sagt, wahrscheinlich, dass der Eiweiss¬ 
ansatz, den die Gebirgsreize bewirken, nicht nur der Muskulatur, 
sondern auch anderen Organen zu gute kommt. 

Aber bei dem auffälligen Zuwachs, den er und seine beglei¬ 
tenden Untersucher bei Kombination von Bergsteigen und Höhen¬ 
klima fanden, nahm er jedoch in erster Linie eine Vermehrung der 
Muskulatur an, und zwar war nach ihren Beobachtungen der Ei- 
weissansatz um so grösser, je mehr durch vorsichtiges 
Training eine allmähliche Abnahme des für eine be¬ 
stimmte Steigarbeit erforderlichen Stoffaufwandes er¬ 
reicht wurde. Jene Autoren legen also grade dem Training 
für die Steigerung des Eiweissansatzes eine fast ausschlag¬ 
gebende Bedeutung bei. Auch der rüstige Mensch, sagt Zuntz, 
bedarf einige Tage der Ruhe, ehe er zu grossen Leistungen fähig 
ist. Es ist nach seiner Auffassung im wesentlichen die durch die 
Uebungsmärsche zu erwerbende Geschicklichkeit in der speziellen 
Art des Gehens, welche beim Wandern namentlich bei der Steigung 
notwendig wird, die den geringeren Stoffverbrauch bewirkt. Wir 
sehen, dass der ganz gleich beschaffene Weg in der grösseren Höhe 
und bei Steigung stärkeren Stoffverbrauch bewirkt, und dass auch 
dieser Mehrverbrauch unter dem Einflüsse des Trainings 
zurückgeht. Hier also bei der Wanderung in der Höhe und gleich¬ 
zeitigen Steigerung kann es wohl nur eine Anpassung der Atmung 
und Kreislauforgane an die neuen Verhältnisse sein, welche die 
anfangs störenden Wirkungen und speziell wohl der ungenügenden 
Sauerstoffversorgung einzelner tätiger Muskeln mehr und mehr .aus¬ 
gleicht. 

Auch für unsere wandernden Kinder war dieses Trai¬ 
ning, wie ich bereits eingangs erwähnte, von grosser Bedeutung und 
die vorsichtige Durchführung desselben in den ersten 
Tagen erklärt vielleicht zu einem Teil die ganz besonders günstige 
Wirkung der Marschleistung. Aus den Zuntzschen Beobachtungen er¬ 
gab sich besonders, dass der Ansatz von Muskelsubstanz schon bei 


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248 H. Roeder und E. Wienecke, 

einem Aufenthalt in der Höhe von 500 m seinen Anfang 
nimmt und die Grösse desselben in individuell schwankenden 
Grenzen sich bewegt, und ferner bei Steigerung der Muskeltätigkeit 
erheblich weiter vermehrt wird. Wennschon aus den Zuntzschen 
Beobachtungen hervorgeht, dass der Höhenaufenthalt an sich und 
die Bewegung in der Höhe und namentlich die Steigung zu einer 
Vermehrung des Eiweissansatzes führt, so gewinnt die an unseren 
Wandergruppen festgestellte Beobachtung an Interesse, nämlich, 
dass auch die Kinder, welche in der Ebene gewandert 
waren, eine so ausgezeichnete Vergrösserung ihres Ge¬ 
wichtes erreichten, dass schon die Bewegung an sich, der Marsch 
in der Ebene, bezüglich der Gewichtssteigerung und des Ansatzes 
von Muskelsubstanz eine gleich lebhafte Zunahme ergeben hatte, 
wie bei den Wandergruppen Thüringens, der sächsischen Schweiz 
und des Riesengebirges. Diese Empfänglichkeit des jugendlichen 
Organismus für die energisch wirkenden Reize erhöhter Muskel¬ 
arbeit sowie für die günstigen Einflüsse der Umgebung sind eine 
Erscheinung, die für das Verständnis der Physiologie des 
Wachstums gewiss von Bedeutung ist. 

Besame. 

Unsere Beobachtungen lehren, dass bei beiden Geschlechtern, 
Knaben und Mädchen, die in der körperlichen Entwicklung und in 
der Ernährung zurückgeblieben sind, Wandertouren einen in jeder, 
in psychischer und physischer Beziehung heilsamen Einfluss 
ausüben. Auf Grund der zahlreichen beigebrachten Beweismittel 
müssen wir bekennen, dass unsere Schülerwanderungen ein wert¬ 
volles, wissenschaftlich bisher noch wenig bearbeitetes Material für 
die Beantwortung der uns hier interessierenden Frage liefern, und 
dass sie unsere Therapie für die im jugendlichen Alter so häufig vor¬ 
kommenden Zustände der Unterernährung und Entwicklungs¬ 
störung in hervorragendem Masse bereichern. 


Literatur. 

1. H. Roeder, Zeitschr. f. soziate Medizin u. Hygiene von Prof. Lennhoff. 
1909. Heft 19. 

2. M. Rubner, Vorberichte. Verhandlungen der 3. Konferenz der Zentral¬ 
stelle f. Volkswohlfahrt. Darmstadt. Mai 1909. 

3. v. Gruber, Ebenda. 


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Ueber den Einfluss von Wandertouren usw. 


249 


4. v. Schjerning, Sanitätsstatistisohe Betrachtungen über Volk und Heer. 
Bibliothek v. Coler-Schjerning. Bd. 28. Berlin, Hirschwald. 

5. Zuntz u. Schumburg, Physiologie des Marsches. Berlin, Hirschwald, 
1910. 

6. Zuntz, Loewy, Müller u. Caspari, Höhenklima und Bergwanderungen 
in ihrem Einfluss auf den Menschen. Berlin, Bong u. Co., 1906. 

7. L. Kuttner, Ueber- und Unterernährungskuren. Kongress der Baineolo¬ 
gischen Gesellschaft. Berlin 1909; u. Medizinische Klinik. 1909. Heft 19. 

8. Camerer jun., Ueber Gewichts- und Längenwachstum. Handbuch der 
Kinderheilkunde von Pfaundler-Schlossmann. 1906. Bd. 1. 1. Hälfte. 
Leipzig, J. C. Vogel. 

9. Nikolai u. Schwiening, Veröffentlichungen aus dem Gebiete des Militär¬ 
sanitätswesens. 1909. Heft 40. 

10. Lennhoff, Zeitschr. f. soziale Medizin und Hygiene. 1909. 

11. Atwater and Benedict, Experiments on the metabolism of mather and 
energy in the human body. Washington 1899. 

12. Caspari, Ueber Eiweissumsatz und-ansatz bei der Muskelarbeit. Pflüger’s 
Archiv. Bd. 83. 1901. 


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xm. 

Referat. 

Die Behandlung des Magengeschwürs in Amerika. 

Von 

Dr. Max Einhorn (New York), 

Professor der Medizin an der New York Posigraduate Medical School. 


Bevor man die Behandlung eines eventuellen Magengeschwürs 
etabliert, muss man die Diagnose, selbstverständlich so weit es 
geht, sicher stellen. Dieselbe ist nicht immer leicht und kann oft 
nur approximativ gemacht werden. Die Resultate einer Behand¬ 
lung werden häufig davon abhängen, welche Fälle man unter der 
Rubrik Magengeschwür zusammenstellt. Daher lassen sich sta¬ 
tistische Zahlen bezüglich der Heilung sehr schwer miteinander 
vergleichen. 

Die Behandlung selbst zerfällt, je nach der Art und dem 
Sitz des Geschwürs, in eine medizinische und eine chirurgische. 

I. Medizinische Behandlung. 

Die meisten Fälle von Magengeschwür sind einer medizinischen 
Behandlung zugänglich. Das Wesentlichste in dem Heilplan eines 
Magengeschwürs ist die Anwendung des Prinzips der Ruhe. Die 
klassische Behandlung Cruveilhier’s mit Milch, welche später 
von v. Leube und Ziemssen adoptiert und etwas modifiziert 
worden ist, besteht jetzt noch im grossen und ganzen zu recht. 
Im Jahre 1894 hatte ich 1 ) dieses Regime leicht verändert; das¬ 
selbe wurde von mir und anderen vielfach gebraucht und lautet 
wie folgt 2 ): 

1) Max Einhorn, The Treatment of Gastric Ulcer. The Postgraduate. 
Oct. 1894. 

2) Max Einhorn, Krankheiten des Magens. Berlin 1898. S. 161. 


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Die Behandlung des Magengeschwürs in Amerika. 


251 


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1 — 3. Tag. Kalorienzahl 

7 Uhr vorm. Milch, 150 ccm.101 

8 „ „ do. 101 

9 „ „ do. 101 

10 „ „ Milch mit Gerstenwasser aa ad 150 ccm . 80 

11 „ „ Milch, 150 ccm.101 

12 „ „ do. 101 

1 „ nachm. Fleischbrühe, allein oder mit 1 — 2 Teelöffel 

voll eines Peptonpräparats, 150 ccm . . 30 

2 „ „ Milch, 150 ccm.101 

3 „ „ do. 101 

4 „ „ do. 101 

5 „ „ Milch mit Gersten- oder Haferschleim . . 80 

6—9 „ Milch, je 150 ccm.404 

1402 


4.—10. Tag. 

7 Uhr vorm. Milch, 300 ccm. 

9 71 77 do. . 

11 „ „ Milch mit Gersten-, Reis- oder Haferschleim, 

300 ccm. 

1 „ nachm. 1 Tasse Fleischbrühe, 200 ccm, mit 1 Ei . 

3 „ „ Milch, 300 ccm. 

^ n 7i . 

7 „ „ Milch mit Gerstenschleim, 300 ccm . 

9 „ „ Milch, 300 ccm. 






1410 




11.-14. Tag. 


7 

Uhr vorm. 

Milch, 300 ccm. 

202 

9 

n 

n 

Milch, 300 ccm, u. 2 eingeweichte Zwieback 

302 

11 

r 

ii 

Milch mit Gerstenschleim, 300 ccm . 

160 

1 

11 

nachm. 

1 Tasse Fleischbr., 200ccm, 1 Ei, 2Zwieback 

180 

3 

71 

n 

Milch, 300 ccm, 1 Ei. 

282 

5 

n 

n 

Milch, 300 ccm, u. 2 eingeweichte Zwieback 

302 

7 

ii 

r 

Milch mit Gerstensohleim, 300 ccm . 

160 

9 

ii 

n 

Milch, 300 ccm. 

202 





1790 




14. —17. Tag. 


7 

Uhr vorm. 

Milch, 300 ccm. 

202 

9 

n 

n 

do. und 2 Zwieback .... 

302 

11 

ii 

n 

Milch mit Gerste, 300 ccm. 

342 

1 

n 

nachm. 

Geschabtes Fleisch, 50 g, 2 Zwieback, 

1 Tasse Bouillon, 200 ccm. 

160 

3 

n 

n 

Milch, 300 ccm. 

202 

5 

n 

n 

do. 1 weiches Ei und 2 Zwieback 

382 

7 

ii 

ii 

Milch mit Gries, 300 ccm. 

342 

9 

ii 

ii 

Milch, 300 ccm. 

202 


2134 


202 

202 

160 

80 

202 

202 

160 

202 


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M. Einhorn, 


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17.—24. Tag. Kalorienzahl 

7 Uhr vorm. 2 weiche Eier.. . 160 

Butter, 10 g.81 

Geröstetes Brot, 50 g.130 

Milch, 300 ccm.202 

10 „ „ do.202 

Zwieback, 50 g.166 

Butter, 20 g.162 

1 „ nachm. Hammelkotelett, 50 g.60 

Kartoffelbrei, 50 g.44 

Geröstetes Brot, 50 g.130 

Butter, 10 g, 1 Tasse Bouillon, 300 g . 81 

4 „ „ Wie um 10 Uhr.530 

6 1 /, „ Milch mit Gries, 300 ccm.342 

Zwieback, 50 g.166 

Butter, 20 g.162 

9 „ „ Milch, 300 com.202 


2830 


Diese Diät hat den Vorzug, dass bereits vom 10. Tage an 
eine genügende Ernährung etabliert ist. Seit etwa 6 Jahren habe 
ich dieselbe Diät, wie eben beschrieben, unter Hinzufügung von 
rohen Eiern gleich von Anfang an benutzt. 

Ich pflege vom ersten Tage der Behandlung an rohe Eier in 
der Milch oder in Bouillon zu verabreichen: am ersten Tage zwei 
Eier, dann aufsteigend um ein Ei mehr jeden Tag, bis die Zahl 
von 8 Eiern pro Tag erreicht ist. Auf diese Weise ist der 
Kalorienwert der Nahrung ein sehr erheblicher, und man kann 
sehr leicht eine Gewichtszunahme erreichen, wo dieselbe erwünscht 
ist. Nach Verlauf von 14 Tagen seit Beginn der Behandlung wird 
Fleisch dargereicht, ferner weiche Eier, Gries und Zwieback. 
Bereits am 17. Tage nach der Behandlung leben die Patienten von 
einer gemischten Kost, welche der alltäglichen, gewöhnlichen Er¬ 
nährung sehr nahe kommt. Die Erfolge, die mit dieser Behandlung 
erzielt worden sind, waren recht gute. 

Bei Blutungen oder in Fällen, wo die oben beschriebene diä¬ 
tetische Behandlung erfolglos bleibt, wird eine Rektalernährung für 
3—5 Tage vorgenommen und die Nahrung per os ausgesetzt. 
Man gibt dann per os nur Gelatine und kleine Stückchen Eis. 
Nach Ablauf dieser kurzen Abstinenzperiode fängt man dann mit 
der üblichen Ulkusdiät an, indem man die ersten drei Tage nur 
kleine Nahrungsmengen verabfolgt und die beschriebene regelrechte 
Diät gibt. Wie ersichtlich, wird eine gemischte Kost gewöhnlich 


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Die Behandlung des Magengeschwürs in Amerika. 


253 


nach drei Wochen und bei Blutungen etwa vier Wochen gereicht. 
Wir möchten hier mit einigen Worten auf die Lenhartz’sche 
Behandlungsmethode des Magengeschwürs, welche von seinem 
Assistenten Wagner 1 ) zuerst publiziert worden ist, eingehen. Die 
Behandlung zeichnet sich dadurch von den üblichen diätetischen 
Vorschriften aus, dass selbst bei Blutungen die Nahrung gleich 
gereicht wird, ferner, dass Fleisch recht früh verabfolgt wird. Die 
Vorschriften, wie sie Wagner für Lcnhartz gibt, lauten wie 
folgt: „Am Tage der Blutung erhalten die Kranken löffelweise 
geeiste Milch bis 200—300 ccm und 1—3 geschlagene frische 
Eier pro Tag, ausserdem wird täglich 2—3 mal täglich Wismuth 
gegeben. Die Menge der Milch wird um 100 ccm täglich ge¬ 
steigert, ausserdem ein Ei zugefügt, so dass am Ende der ersten 
Woche ca. 800 ccm Milch und 6—8 Eier täglich genommen 
werden. Sechs Tage nach der Blutung wird fein geschabtes rohes 
Rindfleisch gegeben, 1—2 Tage 35 g pro die in mehreren kleinen 
Portionen mit dem Ei verrührt, dann 70 g und allmählich steigernd 
mehr. Nach 14 Tagen Reis und Griesbrei und eingeweichter 
Zwieback; nach 3—4 Wochen eine ausreichende gemischte Kost.“ 

Wagner beschreibt dann 60 nach dieser Lenhartz’schen 
Methode erfolgreich behandelte Fälle. 

Auch Wirsing 2 ) hat die Lenhartz’sche Diät versucht und 
drückt sich folgendermassen aus: „Das Endresultat unserer Er¬ 
fahrungen mit der Lenhartz’schen Diät bei Ulkuskranken ist 
demnach eine sichtliche Ueberlegenheit des von Ziemssen-Leube- 
schen Regimes bei nicht blutenden Geschwüren, während bei 
frischen Blutungen die Lenhartz’sche Methode bessere Dauer¬ 
erfolge brachte. Ein abschliessendes Urteil lässt sich freilich erst 
auf Grund grösserer Zahlen und längerer Nachkontrolle der Dauer¬ 
resultate fällen.“ 

In Amerika ist Lambert 3 ) für die Lenhartz’sche Behand¬ 
lung des Magengeschwürs eifrig eingetreten. Lambert hat acht 
Fälle nach der Lenhartz’schen Methode behandelt und ist mit 
den Resultaten sehr zufrieden. Er drückt sich folgendermassen 
aus: „Diese Serie von Fällen gestattet die Schlussfolgerung, dass 

1) M ax Wagner, Zur Behandlung des Magengeschwürs. Münch, med. 
Wochcnschr. 1904. S. 3. 

2) Edw. Wirsing, Zur Diagnose und Behandlung des Magengeschwürs. 
Arch. f. Verdauungskrankh. 1905. S. 197. 

3) S. Lambert, The Lcnhartz treatment of gastric ulcer. The Amer. 
iourn. of med. scicnc. 1908. p. 18. 


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254 


M. Einhorn, 


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die Behauptungen Lenhartz’s richtig sind: 1. dass die Methode 
wenigstens ebenso zweckmässig ist, wie die ältere, und dass sie 
den Patienten nicht schwächt; 2. dass die Behandlungsmethode 
schneller und sicherer zum Ziel führt; 3. dass Erbrechen und 
Blutung schneller aufhören und Rückfälle seltener stattfinden, als 
nach der Leube’schen Kur; 4. dass die Schmerzen prompt nach- 
lassen, und dass Morphin nie nötig ist; 5. dass die Ernährung 
durchweg genügend ist; 6. dass es möglich ist, die Anämie früher 
mit Eisen und Arsen zu behandeln, als bei der Leube’schen Me¬ 
thode und 7. dass es möglich ist, früher als in der älteren 
Behandlungsweise zur vollen Kost und Arbeitsfähigkeit des Patienten 
zurückzukehren.“ 

In einer kürzlich in der Deutschen medizinischen Wochen¬ 
schrift erschienenen Publikation von v. Leube 1 ) fasst dieser seine 
Erfahrungen in bezug auf die Behandlung des Magengeschwürs 
folgendermassen zusammen: „Ich fasse meine Grundsätze und Er¬ 
fahrungen in bezug auf die Behandlung des Magengeschwürs in 
folgendem zusammen: 

1. Meine Methode der Behandlung nicht blutender Geschwüre 
des Magens liefert so unwiderleglich ausgezeichnete Resultate (in 
547 Fällen 90 pCt. Heilungen, davon 8 /< der Fälle in 4 bis 
5 Wochen geheilt, kein Todesfall), dass ich auch nicht die leiseste 
Veranlassung sehe, von den Grundsätzen, die ihr zu gründe liegen, 
abzugehen, sondern sie auch weiterhin für die empfehlenswerteste 
halte. 

2. Auch bei blutenden Magengeschwüren hat meine Methode 
sehr gute Resultate aufzuweisen (90 pCt. Heilungen — davon 
wenigstens 2 /s der Fälle in 5 Wochen, 2,5 pCt. Todesfälle). Die 
Erfolge mit der Lenhartz’schen Methode haben aber gezeigt, 
dass man auch mit dieser zu einem guten Ziel kommt, und offenbar 
in der Diät etwas rascher voran gehen darf, ohne eine neue 
Blutung zu riskieren. Wenn ich also auch zugeben will, dass ein 
Individualisieren in der Diät bei einzelnen Fällen von Magen¬ 
geschwüren erlaubt, ja unter Umständen geboten ist, so wäre es 
doch meiner Ansicht nach verfehlt, zu weit von den durch Ex¬ 
periment und Praxis erprobten Einzelheiten meiner Schonungsdiät 
abzugehen. Vielmehr ist diese als eine feste Basis für das thera¬ 
peutische Handeln zu betrachten, und danach vorzugehen, indem wir 

I) W. v. Leube, Zur Behandlung des Magengeschwürs. Deutsche mcd. 
Wochensehr. 1909. S. 961. 


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Die Behandlung des Magengeschwürs in Amerika. 


255 


sonst notwendigerweise in ein nicht zu rechtfertigendes unheilvolles 
Hin- und Herschwanken in unseren Diätverordnungen bei Magen¬ 
kranken, speziell bei den Magengeschwürskranken geraten, das dem 
Kranken nicht zum Nutzen, sondern nur zum Schaden gereichen kann. 

3. In den ersten Tagen nach dem Eintritt der Magenblutung 
beim Ulkus ist die völlige Nahrungsabstinenz von seiten des Magens, 
bis die Blutung gestillt ist, meines Erachtens der schon durch die 
Vorsicht gebotene und aus den oben angegebenen Gründen einzig 
empfehlenswerte Modus procedendi.“ 

Dieser Ansicht von v. Leube trete ich gern selber bei und 
glaube, dass die meisten Kliniker denselben Standpunkt vertreten. 
Was jedoch aus der zahlreichen Literatur über die Lenhartz’sche 
Behandlungsmethode hervorgeht, ist, dass man selbst bei Bestehen 
der Blutung nicht immer an der strikten Abstinenzkur festhalten 
muss, sondern, dass man in geeigneten Fällen eventuell auch etwas 
Nahrung ohne Schaden reichen kann. Gewöhnlich liegt die Er¬ 
nährung nicht so darnieder, dass die kleinen Mengen Nahrung, 
welche Lenhartz gleich nach der Blutung reicht, und welche 
von den meisten Klinikern durch die rektale Nahrung ersetzt 
werden, eine Rolle spielt. Bei nicht blutenden Geschwüren halte 
ich die übliche Leube’sche Diät oder wie sie von mir eben modi¬ 
fiziert angegeben worden ist, für zweckmässiger. Das Fleisch, 
welches in der Lenhartz’schen Diät eine so prominente Rolle 
einnimmt, dürfte für die erste Periode der Behandlung nicht gerade 
so zweckmässig sein, wie die anderen Eiweisssorten. Bekanntlich 
ist das Fleisch ein stark exzitierendes Mittel für den Magensaft; 
andererseits dauert es eine ziemlich geraume Zeit, bis es durch 
den Magensaft verflüssigt wird — gewöhnlich kommt es ira Magen 
nicht zu einer Auflösung des Fleisches, sondern dasselbe passiert 
noch in gequollener Form den Pylorus. Da in der ersten Zeit 
der Behandlung es darauf ankommt, dem Organ Ruhe zu gewähren, 
um so eine Heilung anzubahnen, sö wird das Fleisch keiner dieser 
Anforderungen entsprechen. Ein anderer Punkt, den Lenhartz 
und seine Schüler hervorheben, nämlich, dass bei der gewöhn¬ 
lichen Milchdiät die Flüssigkeitsmengen zu gross sind und den 
Magen ausdehnen, halte ich bei sorgfältiger Anwendung der Diät, 
wie oben vorgeschrieben, für nicht zu Recht bestehend, denn ich 
habe nie schlechte Konsequenzen davon gesehen. 

Wir kommen nun zur medikamentösen Behandlung. Seit 1*94 
habe ich in den meisten Fällen von Magengeschwür mit und ohne 


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256 


M. Einhorn, 


Blutungen grössere Dosen von Wismuth regelmässig angewandt. 
Ich gebe gewöhnlich 2 g Wismuth allein oder mit Magnesia usta, — 
letztere von 0,2—0,8 g nach Bedarf steigend, bis einmal täglich 
Stuhlgang erfolgt, — dreimal täglich in einem Weinglas Wasser, eine 
halbe Stunde vor dem Essen. Nur vereinzelt habe ich Argentum 
nitricura gebraucht und auch davon manchmal gute Erfolge gesehen. 
Bei bestehenden Blutungen reiche ich Adrenalin (1 : 1000) 5 bis 
15 Tropfen dreimal täglich per os, und Calc. lact. 1,0—2,0 g 
zweimal täglich in 150 ccm Wasser per rectum. Kleine Mengen 
von Kodein oder Atropin wende ich gelegentlich an, wenn heftige 
Schmerzen vorhanden sind. In den meisten Fällen sind jedoch 
diese analgetischen Mittel nicht erforderlich. Warme Umschläge 
(Leinsamen) beim gewöhnlichen Geschwür, und beim blutenden 
Geschwür eine Eisblase, werden gleichfalls angewandt. 

II. Die chirurgische Behandlung. 

Die Indikationen für eine etwaige chirurgische Behandlung 
des Magengeschwürs können kurz folgendermassen zusammengefasst 
werden: 

1. Bei grossen sich wiederholenden, das Leben bedrohenden 
Blutungen aus dem Magen soll man in der Zwischenzeit das Ulkus 
exzidieren oder eine Gastroenterostomie etablieren, um eine neue 
Blutung eventuell zu verhindern. 

2. Kleine nicht zu stillende, durch ihre lange Dauer das Leben 
gefährdende Blutungen des Magens erheischen gleichfalls ein ähn¬ 
liches Vorgehen. 

3. Eine Perforation des Geschwürs erfordert stets eine sofortige 
Operation (Exzision oder Einstülpung des Defekts und Umnähung), 
sobald die Diagnose mit einiger Wahrscheinlichkeit gestellt ist. 

4. Ein Geschwür, das aller Wahrscheinlichkeit nach am 
Pylorus sitzt und mit peristaltischer Unruhe des Magens und kon¬ 
tinuierlicher Hypersekretion begleitet ist, wie 

5. vorgerückte Pylorusstenosen erheischen eine Gastroenter¬ 
ostomie. 

6. Duodenalgeschwüre, welche von Pylorospasmus und be¬ 
ginnender peristaltischer Unruhe des Magens begleitet sind, und 

7. Magengeschwüre gleichviel, wo deren Sitz, welche mit Tu¬ 
morbildung einhergehen (Pylorus, kleine Kurvatur usw.), erheischen 
stets eine Gastroenterostomie, letztere Formen eventuell mit Aus¬ 
schneidung der Geschwulst. Wenn diese Geschwulst an der kleinen 


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Die Behandlung des Magengeschwürs in Amerika. 


257 


Kurvatur sitzt und nicht reseziert werden kann, so ist sie doch 
häufig einer Heilung zugänglich, im Falle dieselbe durch einfach 
wucherndes Bindegewebe bedingt ist (kallöse Gcschwürsbildung). 

Ich stimme Clairmont 1 ) bei, wenn er sagt: „Die Beein¬ 
flussung des Ulcus ventriculi durch die Gastroenterostomie ist von 
seiner Lage im Magen abhängig. Die Prognose gestaltet sich um 
so besser, je näher das Geschwür gegen den Dünndarm rückt. 
Das Geschwür am Pylorus oder in der Nähe desselben wird in 
62pCt., entfernt vom Pylorus in 47pCt., im Duodenum in 73pCt. 
durch die Gastroenterostomie günstig beeinflusst.“ 

Werden die Operationen am Magen beim Magengeschwür nur 
nach strikten Indikationen vorgenommen, so sind sie gewöhnlich 
von günstigen Resultaten begleitet und segensreich für die Zukunft 
des Patienten. 


1) Paul Clairmont. Zur chirurgischen Therapie des Ulcus ventriculi. 
Mittcil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir. Bd. 20. H. 2. 


Internat. Beitrage. Bd. I. Heft 2. 


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XIV. 

Referat. 


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Ueber die neuen Untersuchungsmethoden 
der Funktionen des Verdauungsapparates und die 
mit ihrer Hilfe gewonnenen Resultate. 1 ) 

Von 

Dr. W. Boldyreff (St. Petersburg). 

Von den wichtigsten physiologischen Systemen ist der Ver¬ 
dauungsapparat entschieden am leichtesten zugänglich. Seine Er¬ 
forschung ist in einem gewissen Masse ohne operative Eingriffe 
möglich, mit Hilfe der letzteren kann man auch in seine ent¬ 
ferntesten Winkel Vordringen. Dadurch unterscheidet er sich z. B. 
vom Kreislaufapparat, vom Nervensystem usw., welche dem Physio¬ 
logen gewissertnassen ein „noli me tangere“ zurufcn. Deshalb sind 
gegenwärtig unsere Kenntnisse von den Funktionen gerade dieses 
Apparates detaillierter ausgearbeitet und vielseitiger als von den 
anderen Systemen. Ausserdem lassen sich die in diesem Gebiete 
gemachten Fortschritte viel leichter und bequemer auf die medi¬ 
zinische Praxis übertragen. 

Hierin eben ist der Grund dafür zu suchen, weshalb die auf 
diesem Gebiete arbeitenden Physiologen und die praktischen Aerzte 
einander so nahe stehen, ein Verhältnis, wie es so eng und natür¬ 
lich wohl auf anderen Gebieten zwischen Physiologen und Praktikern 
nicht existiert. Dabei zahlt die Verdauungsphysiologic nicht nur 
einen reichlichen Tribut der praktischen Medizin, nein, sie schöpft 
aus ihr wie aus einer unergründlichen Quelle immer wieder reich¬ 
liche und kostbare wissenschaftliche Anregung. 

Deshalb bin ich mit besonderem Vergnügen dem Wunsche des 
Präsidiums gefolgt, vor dieser hochangesehenen Versammlung über 

1) Mitgeteilt auf dem XVI. Internatjnnalen medizinischen Kongress in 
Budapest am 30. August 1909. 


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Neue Untersuohungstnotboden der Funktionen des Verdauungsapparates. 259 

die neuesten Errungenschaften der Physiologie des Verdauungs¬ 
apparates zu berichten. Hier hat in der letzten Zeit eine neue 
physiologische Methode die vorwiegende Anwendung gefunden, die 
Methode der operativen Vorbereitung der Versuchstiere. Zwar ist 
die Idee einer solchen Vorbereitung schon sehr alt und vor vielen 
Jahren und zu verschiedenen Zeiten von einzelnen hervorragenden 
Forschern angewandt worden [Bassow (1) (1842) und Blondlot (2) 
(1843) — Magenfistel, Schwann (3) (1844) — Gallenblasenhstel, 
Thiry(4) (1864) — isolierte Darmschlinge, Hcidenhain(5) (1879) — 
isolierter kleiner Magen], doch nur unsere Zeit hat das Verdienst, 
dieser Methode die gebührende Stellung gegeben zu haben und sie 
als gleichberechtigtes Glied den anderen biologischen Untersuchungs¬ 
methoden, der chemischen, mikroskopischen und den anderen an¬ 
gegliedert zu haben [Pawlow (6)]. 

Gehen wir zur Sache über. 

Man kann die Verdauung als eine Reihe gesonderter Vorgänge 
betrachten, die sich zusammensetzt aus der Sekretionsarbeit der 
Verdauungsdrüsen und aus der motorischen Arbeit der längs dem 
ganzen Verdauungskanal verteilten Muskeln. Indem wir uns weiter 
in die Erforschungen des Verdauungsprozesses vertiefen, müssen 
wir die chemischen Vorgänge, welche bei der Verarbeitung der 
Nahrung stattfinden, betrachten und dann mit dem Resorptions¬ 
vorgang absch Hessen. 

Erlauben Sie mir deshalb zuerst in allgemeinen Zügen, Sie 
damit bekannt zu machen, wie es mit Hilfe der chirurgi¬ 
schen Methode gelingt, die Funktionen der einzelnen Organe 
des Verdauungsapparates näher zu erforschen und Ihnen dann 
über die auf diese Weise gewonnenen neuen Resultate zu be¬ 
richten. 

Ich beginne meine Darlegung und will mich nach Möglichkeit 
an die anatomische Ordnung und das von mir eben angegebene 
Schema halten. 

Wenn Sie die Funktionen der grossen Verdauungsdrüsen unter¬ 
suchen wollen, die wie in einer grossen Fabrik enorme Vorräte 
von Flüssigkeit bereiten und in besonderen Röhren in den Ver¬ 
dauungskanal leiten, so verfahren Sie folgendermassen. Sie schneiden 
die Oeffnung des Ausführungsganges der Drüse mit einem Stück 
der umgebenden Schleimhaut aus, präparieren sie ab, leiten sic 
nach aussen und nähen sie in die Hautwunde ein. Gewöhnlich ist 
nach 1—2 Wochen die Dauerfistel fertig. 

17 * 


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260 


W. Boldyreff, 


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So werden Fisteln der Speicheldrüsen, des Pankreas und des 
gemeinsamen Gallenganges angelegt und man erhält die Verdauungs¬ 
säfte dieser Drüsen in ganz reinem Zustande. 

Anders verhält es sich mit den kleinen Drüsen, z. B. mit den 
Magen- und Darmdrüsen. Hier ist es natürlich unmöglich, die 
Ausführungsgänge zu isolieren. Deshalb isoliert man ein Stück 
der mit diesen Drüsen versehenen Schleimhaut und leitet ihr Sekret 
nach aussen, indem man diesem Stück die Form eines Blindsackes 
oder eines Rohres gibt, dessen AusführungsöfTnung man nach aussen 
leitet. So werden Fisteln zur Gewinnung von Magen- und Darra- 
saft angelegt (isolierter kleiner Magen, Darmfisteln nach Thiry 
und Thiry-Vella). Alle diese chirurgischen Eingriffe isolieren die 
Arbeit dieser oder jener Drüse (oder oiner ganzen Gruppe mikro¬ 
skopischer Drüsen), wobei jedoch die physiologischen Beziehungen 
der untersuchten Organe intakt gelassen werden, so dass der LJnter- 
sucher auf diese Weise die Möglichkeit hat, diese Drüse in allen 
Details und unter normalen Bedingungen kennen zu lernen. 

Um sich zu irgend einem beliebigen Abschnitt des Verdauungs¬ 
rohres Zugang zu verschaffen, legt man in ihm eine gewöhnliche 
Fistel an, in die man meist eine Metallkanüle einheilt. So werden 
Oesophagus-, Magen- und Darmfisteln angelegt. Hierher kann 
man auch die Gallenfisteln rechnen (6). 

Diese Fisteln dienen zugleich auch zur Erforschung der 
motorischen Arbeit des Verdauungsapparates. Dank ihnen kann 
man feststellen, in welchem Zeitraum die aufgenommene Nahrungs¬ 
portion in den betreffenden Abschnitt des Verdauungsrohres gelangt 
und wie lange sie in ihm verbleibt. So gestattet eine Magenfistel 
die Dauer der Magenverdauung zu bestimmen und den Vorgang 
der Entleerung des Mageninhaltes bei verschiedenen Nahrungs¬ 
sorten, Mengen und Kombinationen zu beobachten. Eine am Ende 
des Dünndarmes angelegte Darmfistel erfüllt denselben Zweck in 
Bezug auf diesen Darmabschnitt usw. Diese Fisteln gestatten es 
auch, den Inhalt des Verdauungsrohres an beliebiger Stelle zu er¬ 
halten und zu untersuchen und auf diese Weise den Chemismus 
der Verdauung kennen zu lernen. Derartige Versuche sind in der 
letzten Zeit von einer ganzen Reihe von Autoren angestellt worden. 
Endlich versucht man mit Hilfe dieser Fisteln den Schlussakt der 
Verdauung, die Resorption der verdauten Nahrungsstoffe aus dem 
Verdauungsapparat und ihren Uebcrlritt in die Säfte des Organis¬ 
mus kennen zu lernen. 


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Neue Untersuchungsmethoden der Funktionen des Verdauungsapparates. 261 


Ausser den beschriebenen existiert noch eine nicht geringe 
Menge anderer operativer Eingriffe, die einen mehr speziellen 
Charakter tragen oder bloss Variationen und Vervollkommnungen 
der beschriebenen darstellen. Hierher kann man die Isolierung 
des ganzen Magens nach Fremont (7) oder nach Pawlow (8) 
rechnen, die Darmfistel Londons (9) usw. 

Bevor ich den methodologischen Teil abschliesse, will ich noch 
auf die reichhaltigen Resultate hinweisen, die die Anwendung der 
Röntgenstrahlen in den Versuchen Cannons (10) gezeitigt hat. 
Die Arbeiten dieses Autors haben uns viele neue Kenntnisse über 
die motorische Tätigkeit des Verdauungsapparates gebracht. 

Die Methode Lockes(ll) der Untersuchung der Funktion des 
isolierten Organs — diese ungerechnet ihres jungen Alters so be¬ 
rühmte und noch viel mehr versprechende Methode — hat in den 
Händen von Magnus (12) auch auf unserem Gebiete einen grossen 
Dienst geleistet, indem sie die Möglichkeit gab, die Analyse der 
so komplizierten und wenig erforschten motorischen Tätigkeit des 
Verdauungsrohres in Angriff zu nehmen, und den Anteil zu be¬ 
stimmen, welcher dabei den verschiedenen sie zusammensetzenden 
Geweben zukomrat. 

Endlich ist die alte vivisektorische Methode einerseits von 
Grützner (13) zur Untersuchung des Verdauungsvorganges im 
Magen angewandt worden und andererseits von Bayliss und 
Starling (14) benutzt worden, um die Reize kennen zu lernen, 
welche die sekretorische Tätigkeit der Pankreasdrüse auregen. 
Auch dabei sind neue wertvolle Tatsachen entdeckt worden. 

Jetzt will ich einen flüchtigen Ueberblick über die mit dieser 
Methode gewonnenen Resultate machen und bei dieser Gelegenheit 
mir erlauben, den Plan weiterer zukünftiger Untersuchungen vor¬ 
zuweisen. 

Der Speichel ist natürlich die von allen Verdauungsflüssigkeiten 
bekannteste, man hat ihn vor allen anderen Verdauungssekreten 
kennen gelernt. Nichtsdestoweniger ist seine Bedeutung für die 
Verdauung noch lange nicht vollkommen geklärt und viele Seiten 
der Funktion der sie fabrizierenden Speicheldrüsen waren uns bis 
zur allerletzten Zeit ganz unbekannt. Doch haben uns die neuen 
Untersuchungsmethoden gestattet, ziemlich genau einigt' wichtige 
hierher gehörende Tatsachen kennen zu lernen. 

Wenn man einem Hunde wiederholt eine stark reizende Flüssig¬ 
keit, wie z. B. eine */» proz. Salzsäurelösung oder irgend eine andere 


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262 


W. Boidyreff, 


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Säure (oder eine Laugenlösung) in entsprechender Lösung eingiesst, 
so wird eine Reaktion von Seiten der Speicheldrüse immer stärker, 
es wird immer mehr und mehr Speichel fliessen, so dass seine 
Menge im Verlaufe eines Tages das Doppelte, selbst das Dreifache 
der ursprünglichen Menge erreichen kann (15). Es versteht sich, 
dass die Menge der eingeführten reizenden Flüssigkeit in diesen 
Versuchen konstant immer die gleiche bleibt. 

Wenn Sie derartige Versuche einige Tage der Reihe nach an¬ 
stellen, so wird ein derartiges Anwachsen auch im Verlaufe dieser 
Tage bemerkbar und noch stärker ausgesprochen sein. Unterbrechen 
Sie aber Ihre Arbeit, so werden Sie sehen, dass die Speichelmenge 
geringer wird und bei genügender Dauer der Unterbrechung wieder 
auf das ursprüngliche Mass zurückgeht (16). 

Wie soll man sich eine derartige Hypersekretion erklären? 
Die Speicheldrüsen passen sich unstreitig den neuen Verhältnissen 
an, sie beeilen sich, sozusagen, der zerstörenden Wirkung der in 
den Mund eingebraehten Flüssigkeit vorzubeugen. Dies ist ein 
Beispiel einer sich vor unseren Augen entwickelnden Anpassung. 
Das Beispiel ist sehr lehrreich. Ist aber das Bedürfnis einer ver¬ 
stärkten Tätigkeit der Speicheldrüse vorüber, wird mit dem Ein¬ 
giessen sistiert, so ist auch die erhöhte Arbeitsfähigkeit der Drüsen 
überflüssig, sie verschwindet und alles kehrt zur Norm zurück. 

Doch wie verhält sich die Speicheldrüse in den Versuchen 
mit wiederholter Eingiessung nicht dieser ausserordentlich reizenden 
Stoffe, sondern ein und derselben Nahrung? Wird auch in diesem 
Falle die sich ergiessende Speichelmenge immer grösser werden? 
Das Experiment gibt darauf eine Antwort in direkt entgegen¬ 
gesetztem Sinne. Bei derartiger wiederholter Fütterung 1 ) wird immer 
weniger und weniger Speichel sezerniert und seine Menge kann 
bis auf die Hälfte, sogar ein Drittel der ursprünglichen Grösse 
fallen. Eine Unterbrechung in den Versuchen ergibt dasselbe 
Resultat, d. h. die Menge des sezernierten Speichels kehrt wieder 
zur Norm zurück. Im Vergleich mit dem vorhergehenden Versuche 
besteht aber der Unterschied, dass dort diese Menge geringer 
werden musste, um die Norm zu erreichen, hier muss sie um¬ 
gekehrt wachsen (17). 

Von den zwei angeführten Versuchsreihen kann aus begreif¬ 
lichen Gründen nur die letztere auch am Magen angestellt werden. 

1) Die Nahrungsmenge und die Dauer der Fütterung bleiben selbstver¬ 
ständlich stets die gleiche. 


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Neue Untersuchungsmethoden der Punktionen des Verdauungsapparates. 263 

Sowohl bei dieser wie auch bei jener wird der Reflex von der Mund¬ 
höhle auf die Speicheldrüsen untersucht. Es ist bekannt, dass nur 
Nahrungsstoffe bei Einführung in die Mundhöhle imstande sind, die 
Magensaftsekretion anzuregen. Den übrigen reizenden Substanzen 
(Alkalien, Säuren, Bitterstoffe u. a.) kommt diese Eigenschaft nicht 
zu. Welches ist nun das Resultat? Es ist bemerkenswert, dass ein 
gleiches Sinken der sezernierten Saftmenge bei wiederholter Fütterung 
mit ein und derselben Nahrung auch an den Magendrüsen beob¬ 
achtet wird. Ganz analog steigt auch nach einer Unterbrechung 
der Versuche die Sekretion des Magensaftes bis zur Norm. Somit 
haben wir ein allgemeines Gesetz gefunden, welches für die 
Sekretionsarbeit ganz verschiedener Drüsen Giltigkeit hat. Dieses 
Gesetz war den breiten Schichten des Publikums schon längst 
bekannt, doch in einer anderen Form. Jedem ist es bekannt, ein 
jeder hat cs an sich selbst erfahren, dass ein und dieselbe Nahrung 
mit der Zeit einem überdrüssig wird. Jetzt sehen wir, dass zwischen 
einer solchen Verminderung der angenehmen Geschmacksempfindungen 
und der Absonderung des Magensaftes, wie auch des Speichels, 
ein voller Parallelismus besteht. Wir sehen, dass es wichtig ist, 
in der Nahrung Abwechselung zu machen, nicht nur der angenehmen 
Geschmacksempfindungen wegen, sondern hauptsächlich um unsere 
Verdauung nicht durch ein zu starkes Sinken der abgesonderten 
Magensaftmenge zu schädigen (18). 

Die Physiologie der Drüsen unterscheidet gegenwärtig zwei 
Typen ihrer sekretorischen Arbeit — der „reflektorischen“ oder 
„nervösen“ und der „automatischen“ oder „chemischen“ („humo¬ 
ralen“). Im ersteren Falle trifft der Reiz, wie bekannt, einen be¬ 
stimmten Bezirk der Körperoberfläche und wird durch die ent¬ 
sprechende Kette von Nervenfasern und Zellen von weitem her 
auf eine bestimmte Drüse übertragen. Im zweiten Falle müssen 
im Körper bestimmte Stoffe gebildet werden, welche mit dem Blut 
in die Drüse gelangen, und sic zur sekretorischen Arbeit anregen, 
indem sie dieselben direkt reizen. 

Die Absonderung des Speichels und des Magensaftes erscheint 
im angeführten Beispiel als Typus eines sekretorischen Reflexes. 
Den hierbei sezernierten Magensaft hat man auch als „physischen“ 
oder „Appetit“-Saft bezeichnet, besser ist es. ihn „reflektorischen“ 
Saft zu nennen. 

Wenden wir uns jetzt zum zweiten Typus der Sekretions¬ 
arbeit. Die von uns aufgenommene Nahrung, z. B. Fleisch, ent- 


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hält gewisse Stoffe — in diesem Falle Extraktivstoffe, welche 
unter Einwirkung der Verdauungssäfte in Lösung gehen, ins Blut 
resorbiert werden, mit ihm zirkulieren und in die Magendrüsen 
gelangen. Diesen Stoffen kommt die Fähigkeit zu, die Magendrüsen 
zur Tätigkeit anzuregen (18). Doch hier ist es notwendig, noch 
eine fehlende Phase zu ergänzen, ein ausgelassenes, doch wichtiges 
Detail. Durch die Versuche von Edkins (19) und Gross (20) 
ist festgestellt worden, dass eine solche Resorption nur im 
Pylorusteil des Magens stattfindet und dass hier die resorbierten 
Stoffe auf ihrem Wege in der Tiefe der Schleimhaut einer 
besonderen Substanz begegnen* — dem „Magensekretin“ — 
welche sie mit sich in das Blut fortreisst. Dieser Substanz 
eigentlich wird die safttreibende Wirkung auf die Magendrüsen zu- 
geschrieben. 

Ausser den Extraktivstoffen des Fleisches wirken auf diese 
Weise noch die Produkte der Eiweissverdauung. 

Das Prinzip der Sekretinwirkung gewisser Stoffe auf die 
Drüsen ist zuerst nicht für die Magendrüsen, sondern für die 
Pankreasdrüse in den gemeinsamen Versuchen von Bayliss und 
Starling (21) entdeckt worden. Diese Autoren haben festgestellt, 
dass bei. Einführung von Salzsäure in eine isolierte, mit dem 
übrigen Körper nur durch die Gefässe verbundene Darmschlinge 
immer Absonderung vom Pankreassaft sich beobachten lässt. 
Einführung eines Auszuges der Darmschleimhaut in Salzsäure ruft 
auch Pankreassaft-Sekretion hervor, während der Salzsäure allein 
diese Fähigkeit nicht zukommt. Auf Grund dieser Tatsachen 
nehmen die Autoren an, dass die Salzsäure in der Darmschleim¬ 
haut mit einer bestimmten Substanz, dem „Pankreas-Prosekrctin“ 
zusammentrifft, es in „Pankreassekretin“ verwandelt und mit sich 
ins Blut mitreisst. Dieses „Sekretin“ besitzt die Fähigkeit, die 
Sekretion des Bauchspeichels anzuregen. 

Wenn man die „reflektorische“ Magensaftabsonderung mit der 
„chemischen“ vergleicht, so bemerkt man einen gewissen Unter¬ 
schied. Im letzteren Falle hat die wiederholte Einführung des 
Reizmittels keinesfalls eine Verminderung des sekretorischen Effektes 
zur Folge. Dieser Tatsache kommt, wie mir scheint, eine gewisse 
Bedeutung für die praktische Medizin zu. 

Die Magenverdauung hat eine grosse Bedeutung, denn wenn 
sie gestört ist, leidet der gesamte Verdauungsprozess und selbst 
der gesamte Organismus nimmt grossen Schaden. Die Magen- 


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Neue (Jntersuchungsmethoden der Funktionen des Verdauungsapparates. 265 


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verdauuug ist von der Magensaftsekretion abhängig. Bei Appetit¬ 
losigkeit oder Appetitmangel, wenn die Versuche ihn zu heben 
und dadurch die Absonderung von „reflektorischem“ oder „psy¬ 
chischem“ Saft zu fördern misslingen, ist noch nicht alles ver¬ 
loren, wie man früher annahm. Denn wir können noch die 
„chemische“ Phase der Magensaftsekretion beeinflussen. Zu diesem 
Zweck muss man eine flüssige, den Magen nicht belastende, für 
die Resorption vorbereitete und an Extraktivstoffen reiche Nahrung 
aussuchen, z. B. Fleischbrühe oder noch besser Fischsuppe (22). 
Eine wiederholte Anwendung dieser Erreger der Magensaftsekretion 
schwächt die Wirkung nicht ab, was für die Praxis sehr wichtig ist. 

Jetzt kommt das allerwichtigstc und am kompliziertesten Zu¬ 
sammengesetzte von den Verdauungsreagentien — der Pankreas¬ 
saft an die Reihe. Es ist bekannt, dass er die Fähigkeit besitzt, 
die drei wichtigsten Bestandteile der Nahrung: sowohl die Eiweis- 
stoffe, als auch die Fette und Kohlenhydrate zu verdauen; es ist 
auch bekannt, dass er auch für sich allein entweder über¬ 
haupt nicht diese Arbeit zu leisten vermag oder bloss in ge¬ 
ringem Grade, dass er die Fähigkeit, die Eiweisstoffe zu spalten, 
nur durch die Mitwirkung des Darmsaftes erlangt, die Fette nur 
durch die Mitwirkung der Galle. Wir wollen uns nicht bei diesen 
alten Tatsachen auf halten und zu den neueren Resultaten über¬ 
gehen. 

Für die Sekretion des Pankreassaftes gleich wie für diejenige 
des Magensaftes, ist es gelungen, ebenfalls zwei und zwar ganz 
entsprechende Mechanismen zu entdecken. Der eine ist „Sekretins“- 
mechanismüs, der auf einem chemischen (oder humoralen) Vorgang 
beruht. Der andere, welcher sich dem reflektorischen Typus 
nähert, arbeitet mit Hilfe des Nervensystems. Eine direkte elek¬ 
trische Reizung des N. vagus ruft bei einer bestimmten Versuchs¬ 
anordnung immer Absonderung von Pankreassaft hervor. Doch 
da in demselben Nervenstamm auch die Pankreassaftsekretion 
hemmende Fasern (23) enthalten sind, ist dieses Experiment vielen 
Forschern nicht gelungen, weswegen sie geneigt waren, vollkommen 
eine Sekretionswirkung des N. vagus auf die Bauchspeicheldrüse 
zu leugnen. Doch ist dies ein so einfacher und demonstrativer 
Versuch, dass wir ihn immer während der Vorlesung den Studenten 
zeigen können (24). 

Sehr interessant und wichtig ist für die Physiologie folgende 
Zusammenstellung: Der mit Hilfe des Nervcnmechanismus sezer- 


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nicrte Magensaft (der „psychische“ oder „reflektorische“ Saft) ist 
immer .an Fermenten reich, während derselbe Saft, wenn er mit 
Hilfe der Erreger der „chemischen“ Sekretion (des Magensekretins) 
gewonnen ist, arm an Fermenten ist. 

Es erweist sich, dass dasselbe Verhältnis auch beim Pankreas¬ 
saft sich beobachten lässt. Die Wirkung des nervösen Mechanismus 
hat die Sekretion eines konzentrierten, eine reiche Menge Fermente 
enthaltenden Saftes zur Folge, während unter der Einwirkung der 
„chemischen“ Sekretionserreger (des Pankreassekretins) ein dünn¬ 
flüssiger Bauchspeichel mit geringem Fermentgehalt sezerniert 
wird (25). 

Hier sind noch einige neue Tatsachen zur Charakteristik des 
Pankreassekrets. Dieses kostbare Verdauungssekret, als dessen 
Wirkungsgebiet bisher bloss der Dünndarm galt, hat, wie die neuen 
Forschungsergebnisse beweisen, einen bedeutend weiteren Wirkungs¬ 
kreis. Unter gewissen Bedingungen finden wir dieses Sekret be¬ 
ständig auch im Magen. Wenn man grosse Fettmengen allein oder 
mit anderer Nahrung zusammen in den Magen einbringt, so strömt 
dorthin der Pankreassaft in grosser Menge und im Magen findet 
eine typische Darmverdauung statt. In einem solchen Falle werden 
Sie dort auch die energischen Gehilfen und beständigen Begleiter 
des Yerdauungsvorgangs finden, nämlich die Galle und den Darmsaft 
(26). Aus dem Magen nun können Sic den Pankreassaft in reinem 
Zustande leicht gewinnen und untersuchen. 

Somit haben wir ein neues Mittel gewonnen, um über die 
Funktion der Bauchspeicheldrüse zu urteilen, also folglich auch 
über ihren Zustand, ob sie gesund oder krank ist und wie schwer 
ihre Erkrankung ist (27). 

Wenden wir uns zum zweiten Fall, wann ein Uebertritt von 
Pankreassaft in den Magen stattfindet. Nehmen wir an, im Magen 
ist ein Ueberschuss an Säure vorhanden. Dann wird bestimmt 
dorthin Pankreassaft in reichlicher Menge einströmen. Wenn Sie 
200 ccm 0,5 proz. HCl-Lösung eingiessen oder einer anderen belie¬ 
bigen Säure in äquivalenter Konzentration oder endlich eine gleiche 
Menge Magensaft, der eine annähernd entsprechende Azidität besitzt 
und nicht selten sich im Magen in einer solchen oder noch grösseren 
Menge ansammelt. Der Dünndarm ist ein überaus zartes und allen 
Reizen gegenüber höchst empfindliches Organ. Wenn Sie eine der¬ 
artige Säurenmenge z. B. in eine isolierte Darmschlinge eingiessen, 
so rufen Sie dadurch 1 lzeration und Blutung an der Einwirkungs- 


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Neue Untersuchungsmethoden der Funktionen des Verdauungsapparates. 267 


stelle der Säure und oft auch reflektorisch Erbrechen hervor. Es 
ist notwendig hinzuzufügen, dass schwache Lösungen 0,1—0,15 proz. 
HCl vom Darm gut vertragen werden. Es ist wichtig, dies im 
Gedächtnis zu haben, um das Weitere vollkommen zu begreifen. 
Dabei wird das Tier durch Heulen und Bewegungen auf jegliche 
Weise gegen ein derartiges Experiment protestieren. Bei Einführung 
einer solchen Säuremenge in den Magen dagegen wird ein solcher 
Protest nicht erfolgen. 

Wie lässt sich das erklären, weshalb ist hier ein derartiger 
Unterschied? 

Durch die Versuche von Hirsch, Mering und Marbaix (28) 
ist es bewiesen, dass nach Anfüllung des Magens mit diesem oder 
jenem Inhalt bald ein geringer Teil des letzteren „eine Probeportion“ 
in den Darm Übertritt. Durch die Versuche Serdjukoffs (29) ist 
es festgestellt, dass, wenn dieser Mageninhalt stark sauer ist, der 
Pylorus sich vollkommen schliesst und dadurch einen weiteren 
Uebertritt des saueren Mageninhaltes in den Darm verhindert und 
zwar so lange, bis die schon in den Darm gelangte Portion neu¬ 
tralisiert ist. 

Jetzt kann man hierzu folgende wesentliche Berichtigung 
machen. Nachdem die erste Probeportion in den Darm gelangt 
ist, tritt gleich — wenn ihre Azidität höher als 0,15 pCt. HCl ist — 
in reichlicher Menge Pankreassaft in Begleitung geringerer Mengen 
von Galle und Darmsaft in den Magen über. 

Diese Darmflüssigkeiten haben den Zweck, die Azidität des 
Mageninhaltes im Magen selbst bis zu einem solchen Grade ab¬ 
zuschwächen, wenn sie für die Schleimhaut des Darmes nicht mehr 
schädlich ist, d. h. ungefähr bis zu 0,15 pCt. HCl (30). 

Auf diese Weise erfolgt nicht nur im Darm, sondern auch 
im Magen selbst eine teilweise Neutralisation des sehr sauren 
Mageninhaltes. 

Durch diesen Umstand muss es erklärt werden, warum im 
Laufe vieler Jahrzehnte dem Magensafte des Menschen eine Azidität 
von nicht mehr als 0,15 pCt. HCl zugeschrieben wurde. Wenn sie 
auch bisweilen höher war, so wurde sie offenbar immer durch die 
Alkalien des Pankreassaftes bis zu dieser Höhe herabgesetzt und 
hielt sich dann auf ihr mehr oder weniger konstant. Deshalb ist 
es den Klinikern sehr schwer, beim Menschen den Magensaft mit 
seiner wahren Azidität zu fassen, solange sie noch durch die neu¬ 
tralisierende Wirkung des in den Magen eingedrungenen Pankreus- 


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saftes nicht gesunken ist. (Für den Physiologen, der in weitem 
Massstabe über die Hülfe der Vivisektion und der chirurgischen 
Vorbereitung des Versuchstiers verfügt, ist dies eine schon lange 
gelöste Frage und eine ganz einfache Sache.) 

Als die Physiologen sich überzeugten, dass der Säuregehalt 
des Magensaftes bei verschiedenen Tieren (Hunden, Kaninchen, 
Katzen) 0,5—0,6 pCt. HCl erreicht und natürlicherweise auch dem 
menschlichen Magensaft eine solche Azidität zuzuschreiben begannen, 
da wollten dem die Kliniker durchaus keinen Glauben schenken 
und nur allmählich, dank einer Reihe für die Physiologen glück¬ 
licher Zufälligkeiten, dank einer Reihe klinischer Beobachtungen 
an Menschen mit isolierten Magenteilen, gelang cs zu beweisen, 
dass die Physiologen Recht hatten. Uebrigens existieren wohl auch 
noch heute Kliniker, die in dieser Hinsicht an der alten Meinung 
festhalten. 

Vom Darmsaft ist nicht viel zu sagen. Wir wissen nichts 
von einer Abhängigkeit zwischen seiner Sekretion oder seinem 
Fermentgehalt einerseits und den Verdauungsprozessen überhaupt, 
und um so mehr den einzelnen Nahrungsbestandteilen im spe¬ 
ziellen andererseits. Bis jetzt haben wir diesen Saft nicht einmal 
in einer für die Analyse genügenden Menge sammeln können und 
kennen deshalb nicht, wie es sich gehört, seine Zusammensetzung. 

Dies gibt mir den Mut, der hochangesehenen Versammlung 
eine neue Methode anzugeben, wie man den Darmsaft in reichlicher 
Menge und mit normalen Eigenschaften gewinnen kann. 

Früher nahm man an, dass ohne mechanische oder chemische 
Reizung Darmsaft überhaupt nicht sezerniert wird. Indem man 
aber derartige Reize anwandte, erhielt man eben wegen der ausser¬ 
ordentlichen Empfindlichkeit des Darms selbst gegenüber den aller- 
schwächsten Reizen eigentlich nicht Darmsaft, sondern vielmehr etwas 
in der Art eines entzündlichen Exsudats, das in der Regel reichlich 
Blut und bloss eine geringe, bisweilen selbst ganz minimale Menge 
Darmsaft beigemischt enthielt. In Ermangelung eines besseren be¬ 
gnügte man sich auch damit. 

An Stelle dieser ungenügenden Methode empfehle ich Ihrer 
Aufmerksamkeit folgende Methode, die zwar bloss eine kleine 
Modifikation der genannten darstellt, jedoch befriedigendere Erfolge 
liefert. 

Stellen Sie sich vor, dass bei einem Hunde eine Darmschlinge 
nach Thirv-Vella mit zwei FistelölTnungen isoliert ist, so werden 


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Neue Untersuchungsmethoden der Funktionen des Verdauungsapparates. 269 


Sie, wenn Sie unter diese Oeffnungen ein Gefäss stellen, auch ohne 
alle Reize reinen und konzentrierten Darmsaft erhalten, doch in 
geringer Menge. Wenn wir aber in eine der Oeffnungen einer 
solchen Fistel einen schwach reizenden Gegenstand einführen, z. B. 
ein weiches Kautschukröhrchen, die andere aber ohne irgend welche 
Reizung lassen, so erhalten wir eine reichliche Absonderung vom 
Darmsaft, der zugleich reich an allen ihm zukommenden Fermenten, 
so an Kinase, Lipase, Invertase, Amylase usw. ist. 

Das junge XX. Jahrhundert hat bereits nicht wenig dazu bei- 
getragen, unsere Kenntnisse von den Verdauungsfermenten zu be¬ 
reichern. Im Jahre 1902 hat Cohnheira (31) ein Ferment von 
ganz neuem Typus — das Erepsin — entdeckt, welches die 
Fähigkeit besitzt, nur solche Eiweissstoffe zu spalten, die be¬ 
reits der Einwirkung anderer Eiweissfermente — des Pepsins oder 
Trypsins — ausgesetzt waren und welches ganz ausser Stande ist, 
unberührte native Eiweissstoffe zu verdauen. Ferner sind zwei 
fettspaltende Fermente gefunden, von denen das eine in saurem 
Medium wirksam und im Magensaft enthalten ist [Volhard (32)], 
das andere in saurem und alkalischem Medium wirksame, von 
der Dünndarmschleimhaut bereitet wird [Boldyreff (33)]. Die 
Entdeckung dieser Fermente ist in der Hinsicht interessant, 
dass früher bloss ein fettspaltendes Ferment — das Steapsin 
des Bauchspeichcls — bekannt war, welches sozusagen ein 
Monopol für die Bearbeitung der Fette besass. Jetzt kennen wir 
aber auch seine Vertreter, die im Falle einer Erkrankung der 
Pankreasdrüse diesen Teil der Arbeit des Pankreassaftes über¬ 
nehmen können. Doch ausser diesen speziellen wissenschaftlichen 
Errungenschaften ist die Physiologie der Fermente durch Tatsachen 
allgemeinen Charakters, und zwar von der allergrösstcn Bedeutung 
bereichert worden. Ich meine die Entdeckung der Fähigkeit der Fer¬ 
mente in einer zweiseitigen entgegengesetzten Wirkung, oder anders 
ausgedrückt das Prinzip der Umkehrbarkeit der Fermentwirkungen. 

Croft Hill (34) hat dies für das in den Hefezellen enthaltene 
Ferment bewiesen (1898), Lövenhart und Kastl (35) für die 
Lipase (1900—1902), Hanike (36) für die Amylase (1901—1902) 
und endlich Pawlow, Parastschuck und Fleischer (37) für die 
Eiweissfermentc. Die Entdeckung, dass die Magen- und Darmwand 
die merkwürdige Eigenschaft besitzt, die Peptone in Albumosen 
zurück zu verwandeln, bildet die Grundlage der Arbeiten dieser 
letzten drei Autoren. 


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Ein jedes dieser Fermente (z. B. die Lipase) erweist sich als 
fähig, nicht nur einen bestimmten Stoff zu spalten (in diesem Falle 
die Fette), sondern auch die entgegengesetzte Wirkung auszuführen, 
d. h. aus seinen Spaltungsprodukten wieder das frühere Substrat 
synthetisch zu bilden, zu schaffen (die fermentative Synthese der 
Fette in unserem Beispiel). Das Prinzip der doppelseitigen Ferment¬ 
wirkung deckt uns nicht nur neue wichtige Seiten der Verdauungs¬ 
chemie auf, sondern gestattet uns auch, wenigstens in spe, die ge¬ 
heimnisvollen Prozesse der Synthese, welche im tierischen Organis¬ 
mus vor sich gehen müssen, auf Fermentwirkungen zurückzuführen. 

Und wenn auch der grosse Gedanke der doppelseitigen Ferment¬ 
wirkung noch zahlreiche und erbitterte Gegner findet, welche sie 
nicht anerkennen und am Alten festhalten, so kann man doch 
hoffen, dass die nächste Zukunft diese Frage zu Gunsten dieses 
Gedankens entscheiden wird, weil die Zahl ihrer Anhänger wächst 
und sich die Reihen ihrer Gegner lichten. Ich wende mich zum 
in der Reihe folgenden Punkte, indem ich mich an das oben an¬ 
geführte Thema halte. 

Die motorische Arbeit des Verdauungsapparates ist uns noch 
verhältnismässig wenig bekannt. 

In den letzten Jahren ist die motorische Funktion des Magens 
einigermassen aufgeklärt. Von seinen beiden Bestandteilen — dem 
Cardia- und dem Pylorusabschnitt — bleibt der erstere im Verlaufe 
des gesamten Verdauungsprozesses fast passiv und seine Kon¬ 
traktionen sind nur ganz schwach. In ihm wird die Nahrung 
chemisch verarbeitet, sie taut hier sozusagen auf und strömt von 
hier in den zweiten Abschnitt des Magens — den Pylorusteil 
über. Dieser letztere, im Gegenteil, hat die Fähigkeit, starke 
Muskelarbeit zu leisten und führt mit Kraft rhythmisch die in 
ihn übertretenden Nahrungsportionen weiter. Während der Ver¬ 
dauung sind diese zwei Abschnitte des Magens vollkommen ab¬ 
geteilt, dank der Kontraktion eines besonderen Muskelringes, 
welcher zwischen diesen beiden Abschnitten in der Plica prac- 
pylorica gelegen ist (38). 

Jetzt kommen Verdauungschemismus (39) und Resorption an 
die Reihe. Die Untersuchung der einen, wie der anderen Funktion 
sind begonnen. 

1. „Der Magen verdaut das Eiweiss nur insofern, dass sich 
höhere Abbauprodukte bilden; Aminosäure wird im Magen nicht 
abgespalten. 


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Neue Untersuchungsmethoden der Funktionen des Verdauungsapparates. 271 


Stärke wird im Magen durch dessen Saft gamicht angegriffen, 
dagegen erleiden Erythrodextrin und Rohrzucker dank der Magen¬ 
saftsalzsäure eine geringe (2—4 pCt.) Spaltung. 

Fette, wenn sie nicht emulgiert werden, erleiden im Magen 
nur eine ganz geringe Spaltung, dagegen werden emulgierte Fette 
bis zu sogar 20— 30 pCt. aufgespalten. 

2. Der Darm ist so angestellt, dass jeder Teil desselben einen 
ganz konstanten Prozentteil der aufgenommenen Speise aufspaltet 
und resorbiert. Das Eiweiss wird im Darme tiefer abgebaut, so 
dass es Aminosäuren abspaltet; zwischen den letzteren wird aber 
Glykokoll nicht aufgefunden. Vom Anfänge des Duodenums bis 
zur Ileocökalklappe wird das Eiweiss immer tiefer und tiefer ab¬ 
gebaut. 

Die höheren Kohlenhydrate werden im Darm hauptsächlich 
durch die Einwirkung des Darmsaftes bis zu Zucker abgebaut. 

Fette werden zum grössten Teil bis zu Fettsäuren abgebaut 
und in geringerem Masse in Seife verwandelt. Zur Resorption 
scheinen also Fettsäuren wie Seife zu kommen. 

3. Gemischte Speisen sollen einem Gesetz der partiellen 
Verdauung und Resorption unterworfen sein“ [London (39)]. 

Zum Schluss will ich Ihnen von einer neuen Richtung der 
Arbeit des Yerdauungsapparates berichten. 

Es erweist sich, »dass er ausser der Verarbeitung und Resorption 
der Nahrung, noch eine Aufgabe besitzt. Ausserhalb der Ver¬ 
dauung, bei leerem Magen und Dünndarm, existiert eine regel¬ 
mässige und, w'ic der Gang der Uhr, gleicbtnässige Tätigkeit des 
Verdauungsapparates von bemerkenswerter Schönheit. In regel¬ 
mässigen Zwischenräumen von 1V 2 —2 V a Stunden wird bei den ver¬ 
schiedenen Tieren Pankreassaft und Darmsaft sezerniert, gleichfalls 
Galle ergossen, während gleichzeitig starke rhythmische Kontrak¬ 
tionen des Magens und Darms einsetzen, dank denen diese Säfte auf 
grössere Abschnitte verteilt und vollkommen resorbiert werden (40). 

Wie man sieht, werden gerade die alkalischen Säfte sezerniert, 
deren Fermente in den Geweben des Organismus ihre Wirkung im 
alkalischen Medium in den Körperzellen zu entfalten vermögen; 
sie werden dabei nicht aus dem Körper entfernt, sondern voll¬ 
kommen aus dem Darm resorbiert, gehen also ins Blut in die 
Organsäfte über und werden über den ganzen Körper verteilt. 
Wir wissen, dass man jetzt im Körper nirgends auch den ge¬ 
ringsten Winkel nach weisen kann, wo derartige Fermente nicht 


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enthalten wären. Selbstverständlich sind sie nicht zufällig dort 
vorhanden und ohne Arbeit. Sie sind vielmehr berufen, die wich¬ 
tigen Vorgänge der Synthese und Analyse (der Eiweisstoffe, Fette 
und Kohlehydrate) zu vollführen, welche fortwährend, jede Sekunde, 
im lebenden Organismus vor sich gehen. Denn wir können gegen¬ 
wärtig diese Prozesse doch nicht der Wirkung irgend einer ge¬ 
heimnisvollen Lebenskraft zuschreiben, und die Summe des gegen¬ 
wärtigen biologischen Wissens zwingt uns, in unvermeidlicher Weise 
sie den Fermenten zuzuschreiben. 

Somit weisen wir eine neue Funktion des Verdauungsapparates 
nach — die Lieferung von Fermenten für alle Zellen des Körpers. 

Denn das sind ja eben die Fermente, welche von den Ver¬ 
dauungsdrüsen zu Verdauungszwecken ausgearbeitet werden, d. h. 
Fermente, die im Stande sind, die Synthese und Spaltung der 
Eiweisstoffe, Fette und Kohlehydrate zu vollbringen. Eine analoge 
Arbeit der Synthese und Analyse derselben Stoffe wird auch jen¬ 
seits dieses Rahmens, in den Geweben und Zellen des Körpers 
vollführt, wobei wir auch hier auf diese selben Fermente stossen. 
(Ich berühre hier vorläufig die Frage der Synthese der Nahrungs- 
stoffe auf dem Wege vom Orte ihrer Resorption in die Blutgefässe 
nicht, obwohl auch diese Aufgabe durch immer dieselben Fermente 
gelöst wird.) Es ist schwer zuzugeben, dass jede Zelle selbst 
diese Fermente für sich bereitet, während im Organismus spezielle 
Fabriken — d. h. Drüsen vorhanden sind, welche nur damit be¬ 
schäftigt sind, für seinen Bedarf genau dieselben Stoffe in grosser 
Menge zu bereiten. 

Wenn eine feine Spezialisierung für eine bessere Organisation 
notwendig ist, wenn wir spezielle Gewebe und Organe besitzen, 
um Empfindungen aufzunchmen und fortzuleiten, um mechanische 
Arbeit zu vollbringen, um verschiedene chemische Prozesse zu 
bewirken usw., wenn überhaupt das Prinzip der Spezialisierung 
einer der wichtigsten, notwendigsten und verbreitetesten Faktoren 
des Lebens ist, so zwingt uns die Vernunft dazu, wenn wir alles 
oben in betreff der Fermente Ausgeführte in Betracht ziehen, noch 
eine neue spezielle Funktion den Verdauungsdrüsen zuzuschreiben. 

Literatur. 

1. Bassow, Bulletin de la socidtd des natur. de Moscou. T. XVI. 1843. 

2. Blondlot, Traitd analytique de la digestion. 1843. 

3. Schwann, Müller’s Arch. f. Anat. u. Physiol. 1844. 


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Neue Untersuchungsmethoden der Funktionen des Verdauungsapparates. 273 


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Boldyreff, Zeitschrift für den Ausbau der Entwickelungslehre. Bd. 1. 
H. 5-6. 1907. 

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11. Locke, Zentralblatt für Physiologie. 1900. S. 670. 

12. Magnus, Pflüger’s Archiv. Bd. 102. S. 123 u. 349; Bd. 103. S. 515 u. 
525. 1904; Bd. 108. S. 1. 1905; Bd. 111. S. 152. 1906. 

13. Grützner, Pflüger’s Archiv. Bd. 106. S. 463. 1905. 

14. Bayliss u. Starling, Zentralblatt f. Physiol. Bd. 15. 1902; Journ. of 
physiol. Bd. 28. S. 325. 1902 und Bd. 29. S. 174. 1903. 

15. Seilheim, Diss. St. Petersburg. 1904. S. 67 u. 72. 

16. Boldyreff, Verhandlungen der Gesellschaft russischer Aerzte in Peters¬ 
burg. Wratsch. 1906. S. 1. 

17. Boldyreff, Charkow. Medical journ. 1907; s. auch No. 6. 

18. Boldyreff, Boas’ Archiv. 1909. H. 1. 

19. Edkins, The Lancet. 1905. 

20. Gross, Verhandl. der russ. Äerzte zu St. Petersburg. 1906. 

21. Bayliss u. Starling, s. No. 14. 

22. Boldyreff, Russki Wratsoh. 1909. 

23. Popielski, Diss. St. Petersburg. 1896. 

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Bäcker, Diss. St. Petersburg 1892. 

Dolinski, Diss. St. Petersburg 1894. 

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25. Sawitsch, Iswestija Woenno-Medic. Akademii. 1908. 

26. Boldyreff, Zentralbl. f. Physiol. Bd. 18. No. 15. 1904; Pflüger’s 
Archiv. Bd. 121. 1907. 

27. Boldyreff, Zeitschr. f. d. ges. Physiol. u. Pathol. des Stoffwechsels. 1908. 

28. Hirsch, Zentralbl. f. klin. Med. No. 47. 1892 u. No. 4. 1893. 

Mering, Verhandl. des (XU.) Kongresses f. inn. Med. Wiesbaden 1893. 
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Marbaix, La cellule. T. 14. 1898. 

29. Serdjukow, Diss. St. Petersburg 1899. 

30. Boldyreff, S. No. 26 u. 27. 

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31. Cohnheim, Zeitschr. f. physiol. Chemie. Bd. 33. S. 451. 1901; Bd. 35. 
S. 134 u. Bd. 36. S. 13. 1902. 

32. Volhard, Münchener med. Wochenschr. S. 141 u. 145. 1900. Zeitschr. 
f. klin. Med. Bd. 42. S. 414 u. Bd. 43. S. 397. 1901. 

33. Boldyreff, Russki Wratsch. No. 25. 1903 u. Zeitsohr. f. physiol. Chemie. 
Bd. 50. 1907. 

Internat. Beitrag. Bd. I. Heft 2. io 


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274 W. Bol dy re ff, Ueber die neuen Untersuchungsmethoden usw. 

34. Croft Hill, Journ. of chem. soc. Bd. 73. S. 634. 1898. 

35. Kastl and Loevenhart, Amer. chem. journ. Bd. 24. S. 491. 1900. 

36. Hanike, Bolnitschnaja Gaseta Botkina. 1901. 

Pawlow u. Parastschuk, Zeitschr. f. physiol. Chemie. Bd. 42. 
S. 415. 1904. 

37. Fleischer, Iswestija Woenno-Med. Akademii. St. Petersburg 1904. 

38. Magnus, Ergebnisse der Physiologie. VII. 1908. S. a. No. 10, 12 u. 28. 

39. Tobler, Zeitschr. f. physiol. Chemie. 1905. 

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Zunz, M6m. oouron. et autr. mem. publ. par PAcad. roy. de m<$d. de 
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40. Boldyreff, Arch. de scienc. biolog. St. Petersburg 1904—1905. 


Druck Ton L. Schumacher in Berlin N. 24. 


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XV. 

Experimental Variation of Intestinal Flora 
by Changes in Diet 

ßy 

Christian A. Harter (New York), 

Professor of Phtrmacology, Columbia University, New York. 

Düring the past year I have been engaged in experiments 
designed to deterraine the influence of certain kinds of food upon 
the bacterial flora of the intestine. These experiments have been 
carried out mainly upon Rhesus monkeys and to somc extent on 
human beings and kittens. Some of the results obtained have 
already been reported very briefly by my associate, Dr. A. I. Kendall, 
and are about to be published in extenso in a paper by myself 
and Dr. Kendall. I propose here to give a statement of the 
latest results deducible from our studies, without entering into 
full details. These results appear to rac to be significant for the 
physiology of the digestive tract and it appears likely that they 
find application in certain therapeutic endeavors to modify the 
bacterial flora under pathological conditions in man. 

In our studies we eraployed well-defined if not extreme types 
of food and made use of abrupt alternations in these different 
types. For example in our experiments on kittens an exclusive 
meat diet was employed for a period of one or two weeks and 
was then suddenly replaced by a diet of milk to which ten grams 
of dextrose was added daily, thus substituting a dominant protein 
diet for one in which carbohydrates preponderated. Similar ex¬ 
periments were made on man, though in somewhat less extreme 
form. In the experiments on monkeys the protein diet was 
represented by hard boiled eggs from which, after a period of 
one to two weeks, an abrupt change was made to a diet con- 

Internat. Beiträge. Bd. I. Heft 3. 1 q 


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Ch. A. Herter, 


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sisting of milk to which dextrose was added to the extent of ten 
grams or somewhat more daily. After a period of one to two 
weeks on the dextrose-milk diet thcre was an abrupt return to 
the diet of hard boiled eggs. 

These experimental alternations in diet wcrc found to bc 
followed by definite and consistent changes in physiological con- 
ditions in three distinct directions: (A) in the nature of the in¬ 
testinal bacterial flora; (B) in the putrefactivc products of the 
feoes and the urine; (C) in the clinical conditions. 

A. The natnre of the intestinal bacterial flora. 

The chief eharactcristic of the bacterial flora on a diet which 
is dominantly protein in nature is the development of a strongly 
proteolyzing type of bacterial organisms. This is shown by the 
fact that the mixed fecal flora on such a diet, whether in the 
case of man or monkey or cat, contains a high proportion of 
bacteria capable of proteolyzing casein actively and of liquefying 
gelatin. The organisms have not ben studied in the füllest detail 
individually, but by means of the usual plating procedures it has 
been possible to show that on a protein diet there is a large 
proportion of organisms which mav be classed in the B. subtilis 
group and which we may designate as subtiloid in character. It is 
doubtless to these that the active proteolyzing action of the mixed 
fecal bacteria is largely duc. Careful studies were raade in the 
case of the monkeys upon the influence of the protein diet on orga¬ 
nisms of the B. aerogenes capsulatus (B. perfringens) type. 
It was found impossible (in the cases examined) to demonstrate the 
presence of organisms of this type in monkeys fed, even for a 
long period, exclusively on eggs. In kittens, on the other hand, and 
in man organisms of this tvpe were regularlv detectable and may 
have had a part in the proteolyzing action to which reference has 
been made. 

A second noteworthy fact relating to the action of the mixed 
fecal bacteria on the protein diet is that the organisms possess 
the power of forming an abundancc of gas in dextrose bouillon, 
lactose bouillon and Saccharose bouillon. On twenty-four hours’ 
sojourn in the incubator at body temperature the percentage of 
gas in the closed arm of the fermentation tube may arnount to 
sixty or eighty or even ninety per cent. This is a very characte- 
ristic propertv of the flora upon a protein diet. Its explanation 


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Experimental Variation of Intestinal Flora by Changes in Diet. 277 

is as yet not entirely clear. It does not depend on the types of 
bacteria which have been mentioned, since in the case of the 
monkcy the subtiloid organisms (producing little or no gas) are 
not associated with ß. aerogen'es capsulatus. This high gas 
formation seems due to a peculiar symbiotic condition of the 
bacteria which we have been unable as yet to reproduce satis- 
factorily in an experimental way. 

On changing from the protein to the carbohydrate diet the 
bacteria undergo pronunced changes which result in a gradual but 
rapid and definite Substitution of an acidophilic, feebly proteolyzing 
type of flora for a strongly proteolyzing type. Just after the 
animal is changed from protein to carbohydrate there develops a 
transitional flora characterized by two noteworthy features, first a 
decline in the size of the bacteria and an impaired ability to take 
the usual stains. Evidences of degeneration are seen in the 
bacteria, particularly vacuolization. In some instances spore for¬ 
mation has been observed. Marked irregularitics in distribution 
of the various organisms occur and are apparently due to the 
antagonism which has arisen between the outgoing protein flora 
and the incoming carbohydrate flora. As the latter gradually 
become dominant, the Gram stained fields, which, on the protein 
diet, were heterogeneous in appearance, tend to become more 
homogeneous and the most prominent organisms are Gram-positive 
rods thinner than those noted on the protein diet and samewhat 
longer. These rods are so abundant that the fields resemble 
strikingly those of normal nurslings. Cultural investigations have 
shown that these organisms are in reality allied to those characte- 
ristic of normal nurslings. A large proportion of the organisms 
present in the established dextrose-milk feces have the power of 
growing in broth of a high grade of acidity; they are, in fact, 
acidophilic bacteria. These bacteria grow rclatively poorly on 
neutral plain broth. The mixed flora on this diet of carbohydrate 
and milk have little or no proteolyzing action though they are 
capable of growing slowly in milk and of inducing coagulation 
slowly. These organisms also grow very scantily in gelatin, 
which the acidophilic bacteria do not liquefy. The few lique- 
fying colonies sometimes seen consist of the proteolytic bacteria 
remaining over from the protein period. 

The mixed fecal flora from the carbohydrate dextrose milk 
-diet produce very little gas in the sugar bouillon fermentation 

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tubes. Such fermentation tubes may, indeed show a complete 
absence of gas production. The reason for this appears to be 
the dominance of the acidophilic, non-gas-producing forms which 
crowd out the few remaining representatives of the gas-forming 
bacteria present in the protein period. 

It should be said that the results obtained in the case of 
man have been less pronounced as regards the extreme alternations 
from proteolytic to acidophilic flora, although the changes observed 
were of the same general character. The variations in gas pro¬ 
duction were also much less extreme than those which were ob¬ 
served in the animal experiments. The reason for this is perhaps 
to be found in the fact that it was not practicable in the case of 

man to carry on such extreme types of feeding as in the case of 

the animals. 

B. Putrefactive products of the feces and the nrine. 

A well marked feature of the protein diet is the occurrence 
of neutral or alkaline stools containing products of putrefaction 
of known composition. These products include indol, skatol, 
phenol and aromatic oxyacids. They also include indolacetic acid 
which I have found in the case of man to be very definitely in- 
creased both in the intestinal contents and in the urine through 

the use of a dominantly beef diet. In monkeys on an egg diet 

no indolacetic acid was detected, either in the intestinal contents 
or in the urine. 

Another product of putrefaction regularly present in the feces 
on a protein diet is hydrogen sulphide; that is to say it is possible 
to liberate hydrogen sulphide from the feces through the addition 
of hydrochloric acid. The amount of hydrogen sulphide bound 
in the feces is verv much smaller on the dextrose-milk diet than 
on the mcat diet or the egg diet, although there may not be 
much difference in the actual amount of protein intake in the two 
cases. The indol, skatol and phenol are regularly greatly decreased 
in the feces by the transition from the protein diet to the dextrose 
milk diet. It was frequently impossible, in fact, to obtain even 
traces of these substances during the dextrose milk period. Wholly 
in accord with these results is the fact that the indican and the 
aromatic oxyacids of the urine are raarkedly diminished during 
the dextrose milk diet and may, in fact, become undetectable. 
The dilution of the urine on a milk diet is in pari responsible 


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Experimental Variation of Intestinal Flora by Changes in Diet. 279 


for the lesser concentration of the putrefactive substances but 
only in part. It is easy to show that there is an absolute marked 
decrease in the amounts of these substances present on the dex- 
trose-milk diet. 

C. Clinical conditions. 

The clinical conditions have been perhaps most significant in 
the case of the experiments upon monkeys where we were able 
to feed exclusively on hard boiled eggs for considerable periods 
of time. In these animals, as the proteolytic bacteria become 
dominant in the alimentary canal, a state of drowsiness develops. 
The animal rests on its perch, holding its head in its hands. It 
grovvs stupid and responds poorly to outside Stimuli. It shows 
less interest in its food and in general shows but little interest in 
its surroundings. The animal, even after a hearty meal, some- 
times spends considerable time in biting the woodwork of its 
cage. As the diet is changed to dextrose-milk both the psychical 
and physical attitude of the animal undergo a marked change. 
The monkey no longer holds its head in its hands; the posture 
becomes erect and the usual brightness and alertness return. The 
eyes lose their dull appearance and become bright. The animal 
also ceases to chew the woodwork of its cage. The development 
of the first group of Symptoms just described when the animal is 
put back on the egg diet is so striking a feature that it cannot 
faii to impress the observer. It seems safe to conclude that 
after a variable period on the egg diet (ordinarily about a week) 
the animal becomes distinctly uncomfortable and loses its sense 
of well-being. The manner in which it sits holding its head in 
its hands with the head bowed down is an apparent indication of 
both mental and physical distress. In somc monkeys these 
Symptoms of depression are relatively slight, but they are seldom 
absent if an abundant diet of egg be consumed over a period of 
one or two weeks. 

I am strongly disposed to regard the Symptoms observed on 
the protein diet as signs of intoxication brought about through 
the excessive and unbalanced use of protein. It seems probable 
that this intoxication is facilitated by the presence of the actively 
proteolyzing bacteria which I have described as characteristic of 
the protein period of diet. Even in cats the signs of clinical 
differences on the two diets are not wanting, although here there 


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Ch. A. Herter, 


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is no such contrast in conditions as we have noted in the raonkey. 
Instead there is simply a relative quiescence during the meat 
period. In man it is also possible to detect changcs in the 
clinical state favorable to the carbohydrate period and unfavorable 
to the high protein period. I shall not, however, attempt to dis- 
cuss these variations here. 

Feeding experiments which I have madc in monkeys fed on 
com meal indicate that on this type of diet (on which the animal 
may thrive for weeks and months though the diet be exclusively 
one of corn meal) the bacterial conditions in the intestine are 
midway between those described as characteristic of the protein 
diet and those described as characteristic of the sugar-milk diet; 
that is to say we have represented both acidophilic bacteria and 
proteolyzing bacteria. Special fermentative acetic acid producing 
bacteria play a part in such a diet. These remarks, however, 
apply to the unfermentcd corn. Where the raw corn meal is 
fermented spontaneously through moisture, we get a different set 
of phenomena which I shall elsewhere desciibe. 

The bacterial changes in the intestine, the products of putre- 
faction and the clinical conditions may thus be varied at will by 
changing from a protein to a dominantly carbohydrate diet, and 
an exact reversal of the conditions may be induced by changing 
from a carbohydrate diet back to a protein diet. In some of our 
monkeys we have made a series of such alternations, and always 
with the same definite results as those which have been indicated 
in outline in this paper. I consider that one of the most 
interesting features of this study is the extensive bacterial degene- 
ration which follows the change from one diet to another. It 
seems to me possible that in conditions of disease of the intestinal 
tract where certain undesirable bacteria abound, both on a pro¬ 
tein diet and on a milk diet rieh in earbohydrates, that fre¬ 
quent alternations in the Chemical nature of the diet may become 
beneficial by interfering with the establishment of any one 
type of bacteria in the intestine. It appears to me that this 
view harmonizes with certain well observed clinioal results of 
Variation in diet in infancy and in adult life. 1 hope to be 
able, before long, to make some definite Statements as to the 
preeise influence of rapid alternations of this kind in preventing 
the acclimatization of well-defined but undesirable types of micro- 
organisms. 


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Experimental Variation of Intestinal Flora by Changes in Diet. 281 

I am unable as yet to state to what extent the facts noted 
can be applied to pathological conditions in man. It is not likely 
that they are directly applicable, and it is doubtless true that 
varied researches would have to be undertaken to decide in what 
way the typical adaptations which I have here sketched are 
modified by the existence of inflammatory conditions, bacterial 
infections or other pathological states. 

Resnme. 

Ein Wechsel in der Diät, wie z. B. der Uebergang von einer 
vornehmlich aus Eiweiss bestehenden Kost zu einer solchen, vor¬ 
nehmlich aus Kohlehydraten bestehenden, hat alleraal drei ver¬ 
schiedene Folgen, die sich beziehen auf: a) Veränderungen in der 
intestinalen Bakterienflora, b) Veränderungen in den Fäulnis¬ 
produkten in Urin und Fäzes, c) Veränderungen in den klinischen 
Erscheinungen. 


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XVI. 

(Aus dem Institut für experimentelle Pathologie der Universität 

Kiew.) 

Die Gewinnung des natürlichen Magensaftes. 

Von 

Prof. Dr. W. Lindemann, 

ord. Prof, der allgem. Pathologie an der kais. St. Wladimir-Universität 11 . Vorstand der Abteilung 
für exp. Pathologie des baktoriologischen Instituts in Kiew. 


Der natürliche Magensaft nach Pawlow hat in den letzten 
Jahren bei uns in Russland eine sehr weite Verbreitung als Heil¬ 
mittel bei sehr vielen Magenleiden gefunden und es hat sich als 
nötig erwiesen, die Gewinnung desselben in grösserem Massstabe 
vorzunehmen, um die Anfrage befriedigen zu können. Durch eine 
solche immer wachsende Anfrage bewogen, hat auch das bakterio¬ 
logische Institut in Kiew die Gewinnung des Mittels als eine der 
Nebenaufgaben der Abteilung für experimentelle Pathologie während 
der letzten drei Jahre getrieben, wobei sich manches in den ope¬ 
rativen Eingriffen und in der Behandlung der Tiere als praktisch 
erwiesen hat und die Gewinnung grosser Mengen vollständig reinen 
und sterilen Magensaftes bei verhältnismässig geringem Preise 
(0,80 Mark pro 100 ccm Flasche) ermöglichte. 

Soweit ich nach der immer wachsenden Anfrage urteilen 
kann, wird es wahrscheinlich nötig sein, auch in anderen Labora¬ 
torien an die Bereitung des natürlichen Magensaftes heranzutreten, 
weswegen unseren Erfahrungen ein gewisses praktisches Interesse 
nicht abzusprechen ist. 

Der natürliche Magensaft wird wie überall durch die Pawlow- 
sche Scheinfütterungs-Methode von Hunden erhalten, welche nebst 
einer Magenfistel eine doppelte Oesophagealfistel am Halse haben. 
Was die Anlegung der Magenfistel anbetrifft, so ist da dem schon 
in der Literatur Angegebenen wenig beizufügen. Wir haben alle 
unsere Hunde auf die Weise operiert, dass die vordere Magenwand 


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Die Gewinnung des natürlichen Magensaftes. 


283 


vor dem Einnähen der Magenkanüle durch mehrere Nähte an die 
Bauchwand befestigt und dann durch einen kleinen Schnitt eröffnet 
wird. Durch die entstandene OefFnung wird in den Magen ein 
Finger der linken Hand eingeführt, unter dessen Leitung die 
Magenwand mittelst durch die ganze Bauchwand dringender Nähte 
(8—10) in einem Abstande von ca. 5—6 cm von der Wunde fest¬ 
genäht wird. Nach dem Anlegen dieser Nähte werden die erst 
angelegten Nähte, welche durch den Rand der Bauchwand gehen, 
gelöst, und die Magenwand (Serosa und Muskularis) wird mittelst 
4—6 Kocher’schen Hakenpinzetten ein wenig emporgehoben und am 
Rande der Magen wand werden zwei entgegengerichtete fortlaufende 
Nähte angelegt. Dann wird die Magenkanüle (das alte Pawlow’sche 
Modell) eingeführt und durch Zusammenziehen der letztgenannten 
Nähte befestigt. Vor allem ist darauf aefit zu geben, dass die 
Wunde möglichst klein bleibt, weil sonst das Festheilen der 
Kanüle eine sehr lange Zeit in Anspruch nimmt. Was die 
Kanülen anbetrifft, so wurden dieselben aus Silber, Neusilber und 
selbst aus Messing angefertigt, wobei aber immer derselbe Uebel- 
stand zu beobachten war, nämlich die Unmöglichkeit, eine ver¬ 
dorbene Kanüle durch eine neue zu ersetzen, ohne zur Wieder¬ 
holung der Operation greifen zu müssen. Da die Kanülen nicht 
selten vom Hunde zerbissen werden und auch- eine Ablösung des 
inneren Ringes einigemale vorkam, so wäre eine Verbesserung der 
Kanülen sehr erwünscht. Ich habe mehrere Modelle solcher ab¬ 
nehmbaren Kanülen versucht, aber bis jetzt hat sich noch keine 
derselben bewährt. Was die Methode der Anlegung einer zweiten 
Oeffnung in der Bauch wand anbetrifft, wie solche von London 
vorgeschlagen wurde, so ist das Anlöten des äusseren Ringes 
schwer durchzuführen, und es werden auch die anderen Uebel- 
stände dieselben bleiben. Im grossen und ganzen ist das Anlegen 
der Magenfistel eine sehr leichte Operation, die an jedem Hunde 
gelingt, wenn nur einigermassen die gewöhnlichen Regeln der 
Asepsis Beachtung finden. 

Eine sehr schwere und öfters misslingende Operation ist aber 
die Oesophagotomie, wenigstens in der Art, wie sie von Pawlow 
beschrieben wurde. Durch das Hervorziehen der Speiseröhre und 
Herausschneiden des Mittelstückes entsteht hinter der Trachea ein 
leerer Raum, der nur nach und nach durch Granulationen erfüllt 
wird und sehr oft zur Quelle einer Eiteransammlung mit nach¬ 
folgender Mediastinitis wird. Da auf diese Weise im Anfänge 


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W. Lindemann, 


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mancher Hund verloren ging, so habe ich diese eingreifende Ope¬ 
ration auf folgende Weise abgeändert: 

Es wird ein Hautschnitt vom unteren Rande der Cartilago 
cricoidea bis zur unteren Halsgrube geführt, wobei der M. sterno- 
mastoideus schief getroffen wird. Nach dem Durchschneiden der 
Fascie wird dieser Muskel in der Mitte der Wunde quer durch¬ 
schnitten und die dabei entstehende geringe Blutung gestillt. Auf 
diese Weise wird der Gefässnervenstrang freigelegt, welcher dem 
Rande des Oesophagus anliegt. Das Bindegewebe wird dann 
oberhalb des Gefässnervenstranges sehr genau mittelst einer 
Rinnensonde durchgetrennt, wobei man darauf acht geben muss, 
nicht den N. recurrens und die A. thyreoidea sup. zu durch- 
schneiden, welche sich leicht zur Seite schieben lassen. Auf diese 
Weise gelangt man durch einen linearen Schnitt bis zum Oeso¬ 
phagus, dessen äussere Wand mittelst zwei Torsionspinzetten ge¬ 
fasst wird, um die Stellen der künftigen Fisteln zu bestimmen. 
Ohne weiter den Oesophagus aus dem Zusammenhänge mit den 
umgebenden Organen zu lösen, wird dann am Rande ein kleiner 

Schnitt gemacht, der nur durch die Muskularis gehen soll. Durch 

diesen Schnitt lässt sich dann ziemlich leicht durch die lockere 

Submukosa eine Rinnensonde nach oben und unten einschieben und 
auf ihr ein Schnitt der ganzen Länge des freigelegten Abschnittes 
des Oesophagus nach anlegen. Die Ränder des Schnittes werden 
dann mittelst Kocher'scher Pinzetten gefasst und die ganze 
Mukosa als ein fester weisslicher Schlauch auf stumpfem Wege 
herauspräpariert. Dieser Schlauch wird dann durch zwei Entero- 
tome oben und unten festgeklemmt und die Wunde im mittleren 
Abschnitte durch 2—4 tiefe Nähte zusammengezogen. Diese 

Nähte gehen durch die operierte Muskularis, durch die intra¬ 
muskulären Fascien und durch die durchschnittenen Teile der 
M. sternocleidomastoidei, ohne die Haut zu fassen. Die Haut wird 
dann im mittleren Abschnitte durch einige Nähte zugenäht und 
man geht zur Befestigung der Fistelränder über. Durch leises 
Ziehen an der herauspräparierten Schleimhaut lässt sich die Mus¬ 
kularis des Oesophagus soweit der äusseren Fläche nähern, dass 
es leicht wird, ihren Rand an die angrenzenden oberen Fascien 
und Muskeln anzunähen. Diese Nähte lassen auch die Haut un¬ 
berührt. Solch eine Befestigung der Muskularis findet dann auch 
am unteren Ende statt. In diesem Momente haben wir also eine 
vollständig zugedeckte Wunde, auf welcher der frei präparierte 


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Die Gewinnung des natürlichen Magensaftes. 


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Schleimhautschlauch liegt. Nach dem Zudecken des ganzen 
Operationsfeldes mittelst steriler Gaze, welche unter diesen 
Schlauch geschoben wird, schneidet man unterhalb der Enterotome 
die Schleimhaut erst am unteren und dann am oberen Ende durch 
und näht deren Rand mit der Haut mittelst einer fortlaufenden 
Naht zusammen, womit die Operation beendigt ist. 

Da auf die beschriebene Weise erstens der leere Raum hinter 
der Trachea vermieden wird und zweitens das Hineingelangen des 
Speichels in die Wunde absolut unmöglich ist, so heilt die Wunde 
sehr schnell und die Tiere sind schon nach 10—12 Tagen voll¬ 
ständig gebrauchsfertig. 

Was die Behandlung der Tiere anbetrifft, so muss hervor¬ 
gehoben werden, dass dieselben nach der Anlegung der Magen¬ 
fistel 1—2 Tage hungern müssen und dann erst Milch und Milch¬ 
grütze bekommen. Am 5.—6. Tage kann man zur gewöhnlichen 
Kost übergehen. Zur Oesophagotomio werden nur solche Tiere 
verwendet, bei welchen die Magenfisteln vollständig fertig sind, 
da die Tiere sofort nach der Operation sehr viel Wasser und Milch 
durch die Kanüle bekommen sollen, um nicht durch Speichelverlust 
im Laufe der ersten Tage sehr stark abzumagern, wobei die 
Magenkanüle sich lockern kann. Im weiteren werden die Hunde 
durch die Magenfistel mit einem Brei gefüttert, welcher aus Hirse¬ 
graupen und gekochtem, fein gehacktem Pferdefleisch besteht und 
lauwarm in den Magen eingeführt wird. Die Tiere müssen sehr 
reichlich gefüttert werden, um guten Magensaft in genügender 
Menge zu liefern. Mit der Fütterung mit rohem Fleische haben 
wir eine sehr üble Erfahrung gemacht, nach einigen Wochen er¬ 
kranken die Tiere sehr schwer, bekommen Krampfanfälle und 
gehen zugrunde. Zur Gewinnung des Magensaftes werden die 
Hunde nur am Morgen des vorhergehenden Tages gefüttert und 
am Tage der Gewinnung wird bei ihnen ein gründliches Ausspülen 
des Magens • vorgenommen, zu welchem Zwecke durch die 
untere Fistel eine Magensonde eingeführt, die Kanüle geöffnet und 
dann reichlich lauwarmes Wasser in den Magen eingegossen wird. 

Die auf diese Weise bereiteten Hunde werden daun auf ein 
Gestell angebunden, welches aus einer eisernen Stange besteht, 
welche in rechtem Winkel gebogen ist und deren Vorderende auf 
einem bogenförmigen Vorderteile ruht. Die Hunde werden nur 
lose durch kreuzförmig angelegte Stricke am Gestell befestigt, 
welches auf einem niedrigen Tische fixiert ist. Die Kanüle wird 


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286 W. Lindemann, Die Gewinnung des natürlichen Magensaftes. 


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dann mit einem durchgebohrten Stöpsel versehen, durch den eine 
Glasröhre geht, die mit einem langen Gummischlauch verbunden 
ist, dessen anderes Ende in einer schiefliegenden Flasche mündet, 
deren Hals mit Watte verstopft ist. Vor jedem Hunde wird dann 
eine Schüssel mit kleingeschnittenem rohem Pferdefleisch gestellt, 
wobei die Schüssel so gross sein muss, dass die verschlungenen 
Stücke immer in dieselbe zurückfallen. Bei solcher Anordnung 
kann ein Diener leicht auf einmal 4—12 Hunde behandeln. Die 
Scheinfütterung dauert 6—8 Stunden, dann werden die Hunde 
freigelassen, um erst nach 2—3 Stunden gefüttert zu werden. 
Nach der Füllung des Magens muss man einem jeden Hunde ein 
Stückchen Fleisch geben, welches wiederholt verschluckt wird. 

Der gewonnene Magensaft wird sofort erst durch Papierfilter 
und dann durch eine Chamberlandsche Kerze filtriert und asep¬ 
tisch aufbewahrt und dispensiert. Bei genauer Sterilisation der 
Gefässe und bei Aufbewahrung des Vorrates in einem Eiskeller in 
einzelnen 100,0 g-Flaschen habe ich im Laufe der 3 Jahre niemals 
irgendwelche Verunreinigung und vor allem nicht ein einziges Mal 
den. berüchtigten azidophilen Pilz gesehen. Bei solcher Auf¬ 
bewahrung wird auch sehr lange die Verdauungskraft auf dem¬ 
selben Niveau erhalten. Wenigstens konnte ich bei wiederholten 
Bestimmungen nur sehr geringe Schwankungen derselben feststellen. 

Restune. 

Die Operation der Oesophagotomie soll in dem Sinne ab¬ 
geändert werden, dass kein leerer Raum hinter der Trachea ent¬ 
steht, wozu eine neue Methode vorgeschlagen wird. 


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XVII. 

(Dali’ Istituto di patologia medica dimostrativa della R. Universitä 

di Pavia.) 

Autolisi e ricambio. 

Pel 

Dott. G. Izar, 

«asistente. 

Sin dall’epoca delle sue prinie ricerche fondamentali sull’ autolisi 
il Salkowski (1) si e chiesto „se l’autolisi appartenga a quei 
processi che si svolgono intra vitam“. Le ricerche ulteriori dello 
stesso Salkowski e di una serie di altri autori (Jacoby, Petry, 
Umber, M. Ascoli e Moreschi ecc.) fornirono una serie di 
elementi favorevoli a queste vedute. Nel suo trattato 1’Abder¬ 
halden (2) giunge in proposito alla conclusione che „P autolisi 
sembra tenere un posto importante anche nell’ organismo vivente, 
specialmente per la distruzione e 1’allontanamento dei tessuti morti, 
quali ad es. la fibrina dai polmoni nella risoluzione del processo 
pneumonico, i residui placentari dall’ utero dopo il parto, e vero- 
similmente ancora nel riassorbimento degli essudati corpuscolati e 
delle masse neoformate e morte“. 

Ma forse all’ autolisi spetta nell’ organismo vivente una funzione 
anche piü larga; non solo a questo processo sono devolute le 
funzioni di eliminare dall’ organismo i tessuti e le cellule necrotizzate 
ma essa viene presumibilmente anche ad occupare un posto assai 
importante nei processi del ricambio ed in ispecial modo in quella 
somma di processi meno noti che costituiscono il ricambio inter- 
medio. 

Giä d’ altra parte essa ci da modo di studiare piü da vicino 
questi processi, di investigarli separatamente, ci illumina sullo 
svolgersi e sull’ avvicendarsi delle reazioni molteplici che nel loro 
corso si svolgono. Infatti se e pur vero che le condizioni ambienti 


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G. Izar, 

in cui esplicano la loro attivitä i ferraenti intracellulari sono ben 
diverse quando gli organi od i tessuti cui appartengono sono iso- 
lati dall’ organismo e posti a raacerare in una boccia da quando 
questi stessi organi o tessuti formano un tutto armonico oon 
l’organismo: se e pur vero che osservando ed indagando il succe- 
dersi dei processi che si svolgono in un dato organo o tessulo 
separato dalle sue connessioni organiche ed in cui e distrutta in 
buona parte la stessa struttura istologica non possiamo assoluta- 
mente affermare di studiare il meccanismo e lo svolgimento della 
vita di quel dato organo o tessuto: e perö vero, come giä disse 
Salkowski (3), che „con lo Studio del processo autolitico non 
indaghiamo altri processi all’ infuori di quelli che si svolgono nella 
cellula quando venga esclusa la possibilita di allontanare da essa 
mediante il circolo sanguigno i prodotti del ricambio“. E mentre 
con lo studio del ricambio noi veniamo a conoscere solo com- 
plessivamente gli introiti da un lato, dall’ altro gli esiti, cioe gli 
stadi iniziali e terminali del metabolismo, coli’ autolisi possianio 
intanto studiare quäle parte spetti ai singoli organi fra i quali il 
il lavoro catabolico e suddiviso c che armonicamente concorrono 
alla trasformazione ed utilizzazione dei diversi prodotti di digestione 
intraorganica. 

Inoltre mediante l’autolisi noi possiamo talvolta sorprendere 
e studiare le diverse e successive tappe dei numcrosi processi 
che si svolgono nell’ organismo vivente, tappe che spesso eravamo 
indotti a presumere, ma che la complessitä stessa del fenomeno 
non permett eva di accertare. Cosi p. es. mediante 1’ autolisi 
seguiamo passo passo la formazione dell’ acido urico dai nucleo- 
proteidi e ci e dato con opportuna tecnica dimostrare la scissione 
dei nucleoproteidi in coraposti fosforati ed in basi purinichc e la 
successiva ossidazione di queste in acido urico: cosi possiamo 
seguire la scomposizione della molecola albuminoide in molecole 
piü semplici (glicocolla, leucina, tirosina, acido aspartico, cistina, 
arginina ecc.) e studiare la successiva disintegrazione di questi 
corpi in altri piü semplici, quelli stessi che rinveniamo sotto forma 
di scorie azotate nelle urine e nelle feci: processi complessi sui 
quali il solo studio del ricambio poteva difficilmente informarci in 
modo cosi chiaro. 

D’altra parte dobbiam esser logicamente riluttanti ad ammettere 
— o sarebbe in aperto conlrasto con ogni principio di economia 
organica — che tali potenti catalizzatori siano tenuti in condizioni 


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Autolisi e ricambio. 


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di permanente inattivitä durante la vita ed entrino d’un subito 
magicamente in azione solo allorquando, venuta a mancare la 
coordinazionc e rotta la compagine delle unitä che sinergicamente 
compongono l’organismo, esse vanno fatalmente incontro alla 
dissoluzione. Invece si presenta piü naturale la concezione che 
questi fermenti intracellulari non rappresentino gia una zavorra super- 
flua durante la vita ma sia ad essi riservata anche un’ importante 
funzione intravitale. E queste vedute si avvalorano di osservazioni 
desunte dal campo patologico. Cosi e risaputo che lesioni del 
fegato, di quell’ organo cioe al quäle compete una parte importante 
e forse preponderante nel ricambio intermedio, possono condurre 
alla comparsa nelle urine di una Serie di sostanze incompletamente 
utilizzate; queste fanno difetto nelle urine normali, ma sono poi 
le stesse nelle quali ci imbattiamo seguendo passo passo il pro- 
cesso autolitico. 

Vien fatto involontariaroente di collegare fra loro questi dati 
e riesce suggestiva la supposizione che tali composti occorrentici 
in urine patologiche, non sian diversi da quelli che normalmente 
1’ organismo produce, ma che l’ulteriore elaborazione in prodotti 
piü semplici sottrae alla dimostrazione. Lo studio dell’ autolisi ci 
ha permesso di sorprenderli e la loro comparsa nelle urine in 
condizioni patologiche rappresenta in ccrto quäl modo il documento 
di controprova ch’ essi rientrano, forse siccome parte integrante, 

nell’ ambito dei processi vitali. 

♦ * 

* 

Questi accenni ad alcuni dei problemi alla risoluzione dei 
quali il processo autolitico portö notevole contributo, ben dimo- 
strano quanta importanza abbian pure tutte le indagini dirette a 
precisare le condizioni che favoriscono od intralciano 1’ autolisi o 
le modalitä del suo svolgersi, ed a studiare quäle influenza abbiano 
su questo processo le modificazioni del mezzo ambiente o l’aggiunta 
di determinate sostanze. Invero esse possono concorrere a svelare 
dettagli ed a fornirci elementi che chiariscano il meccanismo 
d’ azione che analoghi mutamcnti d’ ambiente spiegano sull’ orga¬ 
nismo vivo. 

A queste ricerche, iniziate dalla scuola del Salkowski con 
lo studio dell’ influenza della reazione del mezzo ambiente in 
rapporto alla normale alcalinitä dei tessuti viventi e proseguite 
dal Laqueur, han portato qualche contributo quelle condotte in 
questi Ultimi anni nel nostro Istituto e dirette a precisare il com- 


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G. Izar, 


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portamento del processo autolitico e dei suoi prodotti finali di 
fronte ad una serie di colloidi e di sali metallici. 

Alcuni risultati di queste indagini, benche imprese con diverso 
obbiettivo, toccano perö si da vicino il problema in parola e recano 
dati cosi chiari quanto inattesi in favore della supposta azione di 
fermenti analoghi agli autolitici anche nell’ organismo vivente, che 
ci sembra opportuno richiamare le conclusioni a cui siam giunti 
illustrandole sotto questo particolare punto di vista, illustrazione 
alla quäle singolarmente si prestano. 

Da una prima Serie di esperienze (5) fummo indotti a con- 
cludere che tutti i metalli esaminati, in determinate concentrazioni, 
esplicano un’azione favorevole sul processo autolitico: dosi superiori 
provocano invece una diminuzione dell’ azoto non coagulabile. 

Ricerche ulteriori (6) dimostrarono poi che 1’ aumento dell’ azoto 
non coagulabile era specialmente dovuto ad un considerevole 
aumento dei monoamino acidi e delle basi puriniche, quantunque 
fra i diversi metalli esaminati intercorrano sotto questo rapporto 
differenze non indifferenti e caratteristiche per ciascun elemento. 

Parallelamente a queste indagini ed a controllo dei risultati 
ottenuti in vitro furono eseguite alcune ricerche in vivo sull’uomo (7) 
e su cani (8) in equilibrio di ricambio. I metalli presi in esame 
in queste ricerche furono sinora 1’ argento, il mercurio, il piorabo. 
I risultati di queste esperienze concordano strettaraente con quelli 
ottenuti in vitro; infatti 1’ azione del metallo sia allo stato colloi- 
dale che salino si esplicö con un considerevole aumento dell’ azoto 
eliminato, aumento dovuto per la massima parte ad una maggiore 
eliminazione d’ urea e di acido urico. 

Un altro punto di contatto fra l’azione dei metalli in vitro e 
in vivo ci e offerto in particolare dagli studi sull’ influenza del 
piombo sul ricambio azotato e sul processo autolitico. Per il 
primo di questi processi fu stabilito che piccole dosi di piombo, 
iniettate a cani in equilibrio di ricambio, provocano una maggiore 
eliminazione azotata, laddove lo studio del ricambio azotato negli 
individui affetti da saturnismo (9) ha messo in rilievo un contcgno 
diverso da caso a caso, a seconda della gravita dell’ avvelenamento 
potendosi in alcuni casi verificare persino una cospicua ritensione 
azotata. Queste osservazioni presentano molte affinita coi risultati 
ottenuti in vitro studiando l’influenza di alcuni sali di piombo 
sull’ autolisi; da tali indagini risulto che 1’ azione di questo metallo 
non differisce da quella degli altri metalli: tenuissime quantita di 


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Autolisi e ricambio. 


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piombo accelerano 1’ autolisi epatica, dosi piü forti la ritardano o 
1’ ostacolano. 

Analogie consimili si potrcbbero ancora stabilirc fra il com- 
portamento del ricambio azotato negli stati asfittici ne’ quali si 
ha esagerata scomposizione di albuminoidi da una parte ed il 
considerevole acceleramento dell’ autolisi provocato dall* azione 
dell’ anidride carbonica (10) dall’ altra. 

Ancora, come giä ebbero a stabilire autori precedenti, una 
notevole somiglianza di effetti in vitro ed in vivo si osserva pure 
per una serie di altre sostanze: ad es. il fosforo, gli ac. organici 
gli alcali ecc. 

Una contraddizione sembrava offrirla 1’ arsenico inquantoche, 
mentre le ricerche meno recenti di numerosi autori stabilivano 
che anche questa sostanza esercita un’ azione acceleratrice sul 
ricambio, indagini recenti di altri studiosi (11) deponevano per 
un’ azione impediente dell’arsenico sull’ autolisi. Un ulteriore esame 
della questione ci moströ (12) che la contraddizione e soltanto 
apparente potendosi ottenere anche in vitro acceleramento dell’ auto- 
digestione. Risultö infatti che questo metalloide, analogamente a 
tutti i metalli presi in esame, in piccolissime dosi esalta in maniera 
evidente il processo autolitico, in dosi forti lo ritarda o 1’ impedisce; 
le apparenti contraddizioni eran appunto dovute al fatto di avere 
gli autori usato dosi troppo forti di arsenico. 

Dal complesso dei dati piü antichi e dei risultati delle piü 
recenti ricerche sembran scaturire numerosi e nuovi punti di con- 
tatto tra autolisi e ricambio che, ribadendo 1’ importanza dello 
studio dei fenomeni autolitici, attestano fino a che punto dalla 
conoscenza di questo processo puö avvantaggiarsi la dottrina del 
ricambio. 

Resume. 

Eine Reihe von aus unserem Institute unter Leitung von 
Prof. M. Ascoli hervorgegangenen Arbeiten hat sich mit dem 
Studium der Wirkung anorganischer Hydrosole und Salze auf die 
Autolyse und den Stoffwechsel beschäftigt. Von einem verschiedenen 
Gesichtspunkte ausgehend und zur Klärung anderer Fragestellungen 
unternommen, lieferten aber diese Untersuchungen reichliches 
Tatsachenmaterial, welches die engen Beziehungen, die zwischen 
Autolyse und Stoffwechsel bestehen, und deren Analyse von der 
Salkowskischen Schule angebahnt und ausgebildet worden ist, 

Internat. Beitrage. Bd. I. Heft 3. 20 


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G. Izar, 

ganz besonders zu beleuchten imstande ist. Der Verfasser unter¬ 
nimmt es nun die gewonnenen Resultate von diesem speziellen 
Standpunkte durchzumustern und zu erörtern. 

Es wird gezeigt wie die Wirkung einer Reihe anorganischer 
Hydrosole und Salze auf die Autolyse und auf den N-Umsatz 
(beim Menschen und beim Hunde) sich in prinzipiell gleichen 
Bahnen bewegt. Für kleine Meugcn findet eine Beschleunigung, 
für grössere eine Hemmung dieser Prozesse statt. Diese Befunde 
liefern vielleicht unter anderem den Schlüssel zur Klärung der 
vorliegenden einander widersprechenden Befunde, die über den 
N-Umsatz bei der Bleivergiftung vorliegen. Auch die in unserem 
Institute von Bellazzi nachgewiesene Beschleunigung der Auto¬ 
lyse infolge Durchleitung von Kohlensäure gehört in dieses Gebiet 
und stellt vielleicht das Gegenstück zu der vermehrten N-Aus- 
scheidung in asphyktischen Zuständen dar. Endlich wird hervor¬ 
gehoben, dass die von anderen Autoren nachgewiesene Hemmung der 
Autolyse durch Zusatz von Arsensalzen mit der bekannten Stoff¬ 
wechselaktivierung durch dieselben nur scheinbar in Widerspruch 
steht; es konnte nämlich nachgewiesen werden, dass minimale 
Arsenmengen auch die Autolyse fördern. 

Aus den besprochenen Ergebnissen geht mit aller Deutlich¬ 
keit hervor, wie innig die Autolyse mit dem Stoffwechsel verknüpft 
ist und wie mächtig die Kenntnis des letzteren durch das Studium 
der Autolyse gefördert werden kann. 


Bibliographie. 

1. Salkowski, Virchow’s Archiv Bit 58. S. 3. (1873.) 

2. Abderhalden, Lehrbuch dir (»hy-ioloaischen Chemie. S. 288. 

3. Salkowski, Ueber Autolyse. Ihe Deutsche Klinik. 

4. Laqueur, Archiv f. ex|iiriinenie|le Pathologie u. Pharmakologie. Bd. 55. 

S. 240. 

5. M. Ascoli u G. Izar, Berliner klin. Wochenschr. 1907. No. 4. — 
Biochem. Zeitschr. 6. 192. — Ebendas. 7. 143. — Ebendas. 10. 35G. 

— Ebendas. 14 491. — Bolletimo della sooietä med. Chirurg, di Pavia. 
1908. 35. — C. r. soc. de biologie. 65. 42G. 

L. Preti, Ebendas. 65. 224. — Zeitschr. f. physiol. Chemie. 58. 539. 

— Ebendas. 60. 317. 

G. Izar, Biochera. Zeitschr. 17. 361. — Ebendas. 20. 249. 

6. G. Izar, Ebendas. 17. 361. 


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Autolisi e ricambio. 


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7. M. Ascoli u. G. Izar, Ebendas. 5. 394. — Berliner klin. Wochenschr. 

1907. No. 21. 

$. G. Izar, Biochem. Zeitscbr. 20. 266. — Ebendas. 22. 371. 

L. Preti, Ebendas. 

9. L. Preti, Deutsches Arch. f. klin. Medizin. 95. 411. 

10. L. Bellazzi, Zeitschr. f. physiol. Chemie. 57. 389. 

11. Laqueur, Schriften der Physik.-Oekonom. Gesellsch. zu Königsberg i.Pr. 

1908. 

12. G. Izar, Biochem. Zeitschr. 21. 46. 


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XVIII. 

(Dali’ Istituto di Clinica Medica della R. Universitä di Messina.) 

Ricerche sul ricambio organico nella Febbre 
del Mediterraneo. 

Per il 

Dott. Francesco Scordo. 


Gli studi e le ricerche sulla Febbre del Mediterraneo sono oggi 
veramente numerosi e quasi sotto ogni aspetto completi. A ci<> 
non poco ha contribuito la nostra Scuola; a tal proposito mi sia 
permesso di ricordare i lavori del nostro Maestro, Prof. Gabbi, la 
cui relazione al congresso di Medicina Interna del 1906, che ebbe 
luogo in Roma, desto vivo interesse, dando origine ad una vasta 
fioritura di studi importanti su una forma infettiva fino allora quasi 
negletta e per lo piü misconoscinta sotto una svariata polinomia,. 
che nulla aveva di comune col concetto etiologico. 

E’ per me doveroso ricordare pure le pregevoli ricerche dei 
miei compagni di'lavoro, Prof. Fiorentini, Dr. Caracciolo, Dr. 
Spagnolio e Dr. Signer, nonche di alcuni laureandi della nostra 
Universitä. Ma nonostante le numerosc ricerche poco o nulla 
era stato fatto sotto il punto di vista del ricambio organico, per 
cui il mio Maestro mi consigliö d’intraprenderne lo Studio. Anehe 
oggi nulla di nuovo e comparso su quest’argomento, il quäle non 
cprivo d’interesse ed il cui studio non poco gioverebbe alla pato- 
logia del ricambio in gencre e di quello delle forme infettivc in 
ispecie, data la forte quantitä di tossine prodotte dall’ agente in- 
fcttante, la durata della malattia, talora molto protratta, e la varietä 
non comune degli aspetti sotto i quali ci si presenta. Ma perche 
eiö sia occorrono numerose ricerche nelle varie forme di questa 
malattia ed in ispecial modo nei vari periodi, particolarmente in. 
quello iniziale. 


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Ricerche sul ricambio organico nella Febbre del Meditorraneo. 295 


Rertanto nella speranza di portare nuovi contributi mi auguro 
che ben presto vengano alla lucc nuove e numerose ricerche su 
quest’ argomento, le quali col confronto dei dati stabiliscano in 
modo sicuro dei fatti che apportino luce sul ricambio materiale di 
una delle forme infettive di raolta importanza e diffusa piü di quello 
che ancora non si creda. 

Riporterö qui sotto in modo riassuntivo le storie cliniche degli 
ammalati sottoposti ad esame. 


Storie cliniche. 

L. M. di anni 38, pastaio, da Messina. 

Anamnesi reraota. Precedenti ereditari. Nulla di notevole da parte 
-degli avi tanto paterni che materni. 11 padre e vivente e di sana e robusta 
-costituzione; la madre anch’ essa vivente ebbe 5 figli, che allevö al proprio 
seno. Una sorella del paziente 6 di salute cagionevole, gli altri fatelli sono sani 
<6 robusti, con prole sana. Nulla di notevole in via collaterale ed ascendente. 

Precedenti personali. II paziente nato a termine di parto naturale ebbe 
-allattamento materno. Da bambino e da giovinetto godette generalmente buona 
salute. Tra gli esantemi dell’ infanzia ricorda solo di avere avuto il morbillo. 
A 20 anni presto servizio militare; in quel tempo ebbe a oantegiarsi di blenor- 
ragia, della quäle guari completamente dopo circa 2 mesi. Tornato a casa con- 
tinuö a godere buona salute, se si eccettuano alcuni disturbi effimeri dello 
apparato respiratorio e di quello digerente, raramente accompagnati da febbre. 
A 27 anni si sposo con donna sana; dal matrimonio nacquero 3 figli, tutti vivi 
e sani. Ha condotto sempre vita abbastanza regolare ed afferma di non essere 
-dedito ad abusi di sorta. E modioo fumatore, non 6 bevitore. 

Anamnesi prossima. Circa 24 giorni fa il paziente cominciö ad 
avvertire malessere, cefalea, stanchezza, svogliatezza al lavoro, perdita d’appetito 
e senso di nausea. Sülle prime l’infermo credette ehe si trattasse di fatti pas- 
saggieri, ma ben presto sopraggiunse dolenzia agli arti inferiori e quindi brividi 
leggieri seguiti da febbre. La temperatura dapprima non era molto alta e 
generalmente al mattino tornava quasi normale per rialzarsi verso sera; in 
seguito raggiunse 39°,5' solo con remittenze al mattino. Non vi furono mai 
sudori profusi; soltanto qualche volta Pinfermo ha notato che la fronte era 
madida di sudore. Le urine divennero scarse e di colorito rossastro. Vi fu 
stipsi, sebbene non molto accentuata. 11 medioo mise Pinfermo a dieta lattea e 
prodigo le eure del caso, ma rimanendo le condizioni stazionarie consiglio 
Pingresso alPOspedale. Entra in Clinica il 19 Gennaio 1908. 

Stato presente. Esame generale — Uomo di statura media, con sviluppo 
scheletrico regolare, con raasse muscolari abbastanza sviluppate. Nutrizione 
generale alquanto scadente; colorito della pelle e delle mucose visibili pallido. 
11 polso 6 frequente, ritmico, debole, piuttosto piccolo, compressibile. Il respiro 
4 anoh’esso alquanto frequente. Decubito indifferente. 

Capo. Nulla subbiettivamente. Psiche integra. Cranio regolarmente con- 
formato. Faccia con tratti mimici simmetrici e sinergici. Gli occhi sono normali 
per posizione e mobilita. Nulla a carico delle palpebre e delle congiuntive. 


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Naso ed orecchi regolarmente conformati. Sensi specifioi normali. 

Bocca regolare; mucose labiali e gengivali pallide tendenti lievemente al 
cianotico. Dentatura sana. Lingua ricoperta da discreta patina grigiastra. 
Nulla a carico del retrobocca e dclla faringe. 

II collo piuttosto denutrito non offre nulla di speciale all 7 ascoltaziono 
dei vasi. Non si palpano ghiandole ingorgate. 

Torace. Nulla subbiettivamente; non v’e tosse. E di forma regolare, 
simmetrico, con spazi intercostali alquanto marcati. Sulla pelle non si notano 
maocbie di roseola. Nulla di notevole alla palpazione ed alla percussione. A11& 
ascoltazione murmure vescicolare netto in tutto l’ambito respiratorio. 

All’esame del cuore non si riscontra aumento dei diametri. I toni sono 
alquanto deboli e velati alla punta, piü netti alla base. 

Addome. Nulla subbiettivamente. Nessuna dolenzia. Esso ha le parcti 
alquanto tese. Sulla pelle piuttosto secca non si nota roseola. Ne v 7 6 gorgoglio- 
nella fossa ileo-cecale; non si apprezzano ghiandole ingorgate. Alla percussione 
suono timpanico normale. Stomaoo nei limiti fisiologici. 11 fegato non appar* 
aumentato di volume. La milza 6 ingrandita. II polo superiore giungc al 
bordo inferiore dell’ VIII a costa suIl 7 ascellare media, il polo inferiore si palpa 
circa l l / 2 dito al di sotto del bordo costale. 

Arti: nulla di notevole tranne una lieve dolenzia diffusa agli arti 
inferiori. 

Esame dell’ urina: 

Quantitä: 950 c.c. 

Colore: giallo arancio carico. 

Aspetto: leggermente torbido, 

Densitä: 1018. 

Reazione: acida. 

Albumina: assente. 

Zucchero: id. 

Pig. biliari: id. 

Urobilina: lieve accenno. 

Urea: 18,4 pM. (Ipobromito di soda). 

lndacano: normale. 

Cioruri: normali. 

Fosfati alcalini: id. 

„ terrosi: id. 

Sedimento: Nulla degno di nota. 


Esame delle feci: non sangue uova d’ elminti. 


Esame del sangue: 
Emoglobina: 8,4 pCt. 
Globuli rossi: 3860000 
,, bianchi: 6120 
Happorto: 1 : 631 
Vol. glob: 0,73 


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llicerche sul ricambio organico nella Febbro del Mediterraneo. 297 


Formula leucocitaria: 


Linfociti 9 

Mononucleati medi 8 

„ grandi 5 

Polinucleati 68 

Forme di passaggio 6 

Eosinofili 4 


Pressione arteriosa all’ omerale: 122 m.m. di mercurio. 
Sieroreazione del Wright: positiva 1 : 1500. 


Riassunto del decorso in Clinica. 

II periodo delle ricerche ebbe inizio 7 giorni dopo V ingresso 
in Clinica, in 31*giornata di malattia. Durante questi 7 giorni la 
febbre fa continua remittente. Le condizioni generali si mantennero 
pressoch6 le stesse. II polso fu sempre piccolo, frequente; il rcspiro 
pure piuttosto frequente. Le urine si mantennero scarse; cost 
pure perdurö leggiera stipsi. Mai sudori abbondanti. La dieta 
fu sempre lattea assoluta. Iniziate le ricerche la temperatura 
da 39°,8'— 40° si abbassö rapidamente, oscillando intorno ai 37° 
durante tutto il periodo d’osservazione. Anche le condizioni del 
polso e del respiro divennero migliori. 

Cessato il periodo d’esperimento la temperatura in qualche 
giorno sali nuovamente verso i 38°—38°,5', ma in generale si 
mantenne bassa. Le condizioni di salute andarono sempre mi- 
gliorando fino a che il paziente verso la fine di Febbraio lascio 
la Clinica. Il peso del corpo subito prima d’incominciare Tesperi- 
mento, la mattina a digiuno fu di 63,200 kg; dopo i dieci giorni 
di osservazione si ebbe 62,700. 

P. S. di anni 42, calzolaio, da Messina. 

Anamnesi remota. — Preoedenti ereditari. — Il paziente poco sa dirci 
degli avi paterni che egli non ha conosciuto. L’avo materno 6 morto a circa 
60 anni per affezione delP apparato respiratorio. L’ava materna 6 tuttora 
vivente. Il padre 6 contadino ed attende ancora al lavoro; la madre £ anch’essa 
vivente o sana. Questa ha dato alla luce 5 figli cho allevö al proprio seno. Di 
qoesti due morirono in tenera eth. di malattia ignota al malato, gli altri sono 
vivi e sani, con prole pure sana. NulPaltro in via ascendente e collaterale. 

Precedonti personali. — L’infermo nacque a termine di parto fisiologico 
e fu allevato al seno materno. Da bambino ebbe a soffrire la scarlattina ed il 
morbillo. Da giovinetto sofferso ripetutamente di tonsilliti e qualche volta pure 
di lieve catarro bronchiale. Non prest6 servizio militare ed afTerma di non 
essersi mai contagiato di malattie veneree. A 30 anni spos<5 una donna sana 


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F. Scordo, 


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e dal matrimonio ebbe 2 figli viventi e sani. Da 30 anni fino all’cpoca presente 
godette sempre buona salute. Ha condotto sempre vita metodica e tranquilla; 
non fu solito commettere abusi di sorta. Non 6 fumatoro ne bevitore. 

Anamnesi prossima. 27 giorni addietro il paziente fu colto da stan- 
chezza, senso di maiessere, disappetenza, dolenzia agli arti ed al rachide; poco 
dopo comparvero sete piuttorto intensa, nausea, lieve senso di dolore alPepi- 
gastrio e rialzo termico non accompagnato da brividi. 11 paziente in queste 
condizioni fu obbligato a mettersi a letto. 11 medico chiamato prescrisse un 
purgante e mise a dieta liquida ii malato. Ciö nonostante nei giorni seguenti 
continua la disappetenza, i dolori si accentuano alquanto, cosi pure il senso 
della sete. La temperatura si mantiene elevata — 39 °— 40° — dando delle 
remittenze al mattino; si aggiunge cefalea. Le condizioni generali divengono 
sempre peggiori, l’infermo dimagra e diviene sempre piü pallido. Le urine 
diminuiscono di quantita e prendono un colorito arancio souro, tendente al 
rossastro. Da parte dell’alvo si ebbe lieve stipsi. Continuando l’infermo a 
peggiorare nelle condizioni generali e ad avere febbre elevata si decide d’entrare 
nelFOspedale il giorno 13. 3. 08. 

Stato presente. Esame generale. Uomo di statura alquanto superiore 
allanormale, di costituzione scheletrica e muscolare deficiente; le masso mus- 
colari sono flaccide; la pelle secca, di colorito bruno pallido si lascia sollevare 
in piccole pliche. Il colorito delle muoore visibili anche in questo caso pallido 
tendente al cianotico. Il polso 6 piccolo, breve, compressibiie, ritmico, fre¬ 
quente; il respiro 6 pure alquanto frequente. Non si hanno sudori abbondanti, 
neppure durante la notte. 

Capo. Al momento dell 7 esame lieve oefalea a tipo frontale. Psiche 
integra. Cranio regolarmente conformato. Faccia con tratti mimici simmetrici 
e sinergici. Gli ocohi sono normali per posizione e mobilitä. Congiuntive 
pallide. Naso e padigliori auricolari regolarmente conformati. Nulla a carioo 
dei sensi specifioi. 

La bocca 6 normale; le mucose del colorito gia notato. Dentatura in- 
completa e guasta. La lingua seoca arrossata ai bordi, ove presenta delle im- 
pronte dentarie 6 ricoperta du una patina grigiastra non molto spessa. Arrossate 
le coane e leggermente tumefatte le tonsiile. 

Collo piuttosto sottile denutrito. Manifesto l’impulso carotideo. Nulla 
di notevole all’ascoltazione dei vasi. Non si palpano ghiandole ingorgate. 

Torace. Nulla subbiettivamente. Non tosse, non dolori. E regolarmente 
conformato e si espande simmetricamente. Gli spazi intercostali sono bene 
evidenti. Non si notano macchie di roseola; alla percussione suono polmonare 
chiaro in tutto l’ambito respiratorio; parimenti ali’ascoltazione murmure vesci- 
colare fisiologico. Cuore. 

Nulla di notevole all’ ispezione dell’ aia cardiaca. I diametri del ouore 
sono normali. AlFascoltazione toni leggermente deboli e lontani alla punta, piu 
distinti alla base, specialmente sul focolaio della polmonare. 

Ad dorne. Nulla soggettivamente; cessato pure quel senso di dolenzia 
all 7 epigastrio. Di forma regolare. Manoano nella pelle maochie di qualsiari 
natura. Colla palpazione piuttosto forte non si provoca dolore; non esiste gor- 
goglio ileo-cecale. Non si apprezza tumefazione delle ghiandole mesentericbe. 


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Ricerche sul ricambio organico nella Febbre del Mediterraneo. 299 

Stomaco e fegato nei limiti normali. La milza ha il polo superioro dietro 
la 8 a costa soll’ asoellare media; l’inferiore deborda circa 2 dita dall’arcata 
costale. Non 6 dolente alla palpazione. Da parte del rachide 6 da notare una 
lieve dolenzia, specialmento alla pressione anche moderata. 

Arti superiori ed inferiori. Nulla soggettivamente; sono denutriti, 
con masse muscolari flaccide, con pelle secoa in leggiera desquamazione. Nulla 
a carico dei movimenti tanto attivi che passivi. 

Esame dell’urina: 

Quantita: 750 o.c. 

Colore: arancio carico, tendente al rossastro. 

Aspetto: legg. torbido. 

Densitä: 1020. 

Reazione: fort, acida. 

Albumina: traoce minime. 

Zucchero: assente. 

Pig. biliari: assenti. 

Urobilina: tracce. 

Urea: 20,2°/ 00 (ipobromito di soda). 

Indacano: normale. 

Cloruri: normali. 

Fosfati alcalini: id. 

Fosfati terrosi: id. 

Sedimento: non si vennero elementi patologici nonostante accurati e ri- 
petuti esami. 

Esame delle feci. 

Negativo pol sangue e per le nova d’elminti. 


Esame del sangue: 
Emoglobina: 7,22 °/ 0 . 
Globuii rossi: 3,350000, 
Globuli bianchi: 5120. 
Rapporto: 1 : 654. 

Val. globulare: 0,72. 
Formula leucocitaria: 


Linfociti 10. 

Mononucleati medi 7. 

Mononucleati grandi 6. 

Polinucleati 69. 

Forme di passaggio 5. 

Eosinofili 3. 


Pressione arteriosa all’omerale: 125 mm. di mercurio. 


Sieroreazione del Wright positiva 1 : 2000. 


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300 


P. Scordo, 


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Sunto dcl decorso in Clinica. Anche in questo secondo 
infcrmo il periodo deJle ricerche 6 durato 10 giorni ed ebbe inizio 
9 giorni dopo il suo ingresso in Clinica, cioe in 36 a giornata di 
malatda. In questi 9 giorni la febbre fu continua remittente, come 
nel primo infermo; le condizioni generali subirono ancora un 
lieve peggioramento. Il polso ed il respiro roantennero i caratteri 
notati nella storia clinica. Anche in questo caso le urine furono 
sempre scarse. I sudori abbondanti mancarono durante tutto il 
tcmpo della degenza in Clinica. Dieta lattea rigorosa. 

La temperatura in questo caso si mantenne febbrile per 2 giorni 
dopo l’inizio dclle ricerche, quindi declinö rapidamente, e dal 
4°giorno fmo alla fine oscillö intorno di 37°. Col diminuire della 
temperatura raigliorarono il polso ed il respiro restando pero sempre 
piuttosto frequenti. Non si noto miglioramento delle condizioni 
generali. Finito il periodo di osservazione la temperatura con 
qualcho breve rialzo continuö sempre a decrescere a poco a poco 
fino a divcnire normale. Lasciö la Clinica dopo circa 3 mesi di 
degenza. Il peso del corpo subito prima d’iniziare le ricerche fu 
di kg. 57,700; dopo i 10 giorni d’esperimento fu di kg. 56,900. 

Piano delle ricerche. 

Stabilito di condurre le ricerche per la durata di 10 giorni 
consecutivi per ogni singolo caso, ho sottoposto i malati a rigorosa 
sorvcglianza, sebbene questi per se stessi dessero sufficiente garanzia 
in quanto al rigore della dieta esclusivamente lattea. Tale dieta 
era tenuta dagl’ infermi fin dal loro ingresso in Clinica. La som- 
ministrazione del latte incominciava dopo le 7 del mattino. Rite- 
niamo sufficiente la quantita di latte somministrato, tenuto conto 
dell’ assoluto riposo in letto; d’altra parte gl’infermi non tolleravano 
l’ingestione di una maggiore quantita. Solo il 2° infermo verso gli 
Ultimi giorni del periodo d’osservazione fece richiesta di un’ altra 
piccola quantitii di latte, che gli venne accordata, come risulta dalle 
tabeile. I pazienti dato il genere di dieta a cui erano sottoposti 
bevvero quantita trascurabili d’acqua. 

Le urine furono diligentemente raccolte e tenutc in luogo fresco. 
ke varie determinazioni venivano fatte su campioni tolti dalla 
quantita totale delle 24 ore ben mescolata. Il periodo di raccolta 
delle urine incominciava alle 7 del mattino, ora in cui s’invitava 
il paziente a svuotare la vescica. Si e giä detto che prima di 
quest’ora i malati non prendcvano latte. Per le feei tutte le mattine 


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Original fru-m 

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llicerche sul ricambio organico nella Febbre del Mediterraneo. 301 


vcniva praticato ai malati un lavaggio rettale con poca quantita 
d’acqua, circa 300 c.c. 

Lc determinazioni furono fatte sulla quantita eliminata nelle 
48 ore; i campioni venivano tolti dopo che le feci erano completa- 
mente seccate a bagno-maria, indi messe nella stufa a 105° e per 
ultimo pesate ed accuratamente pestate. 

Quanto all’ estensione delle ricerche ci s’e limitati allo studio- 
dcl comportamento dcll’ azoto, dei grassi e del fosforo, volendo fare 
osservazioni molto rigorose riguardo all’ eliminazione dei vari gruppi 
azotati. A questo proposito ho aggiunto nel 2° ricambio la deter- 
minazione dell* acido urico nelle urine. Fra parentesi ricordo di 
aver giä fatto notare nelle storie cliniche che i pazienti durante il 
tempo in cui furono tenuti in osservazione non ebbero sudori 
neppure limitati. A cagione delle piccole tracce d’albumina riscon- 
trate nelle urine del 2° infermo fu stabilito di condurre l’esperienze 
tanto su urina dealburoinizzata che su urina non dealbuminizzata; 
ma le cifre ottenute non diedero diflferenze degne di nota, il che 
sta a testimoniare la quantita veramente minimale di albumina 
trovata nelle dette urine. 

Va pure ricordato il fatto che oltre queste lievi tracce d’al¬ 
bumina non si e mai riscontrato alcun altro componentc patologico 
nelle urine d’entrambi i malati. 

Metodi di ricerca. 

Per la determinazione delle varie sostanze nel cibo, nelle urine 
e nelle feci si 6 fatto uso dei seguenti metodi di ricerca. 

La determinazione dell’azoto, dei grassi e dell’anidride fosforica nel latte 
fu fatta ripetutamente sia in nno stesso giorno sia a vari giorni di distanza con 
different! quantita di latte. Le variazioni nelle cifre ricavate fnrono di cos'i 
piocolo conto cbe abbiamo crednto piü esatto far la media delle nutnerose 
osservazioni anziohe riportare i dati dolle singole ricerche. Naturalmente nella 
prelevazione del campione da esaminare si & cercato d’eliminare tutte le cause 
d’errore facili ad intendere. 

L’azoto fu determinato col metodo del Kjeldahl modißoato da Argu- 
tinski. Pei grassi mi sono servito dell’estrattore del Soxhlet. Per l’anidride 
fosforica ho aggiunto al latte dell’ acido nitrico dentro degli Erlenmeyer ed ho 
messo questi a bagno-maria fino alla cessazione dello svolgimento dei vapori ni- 
trosi; quindi ho aggiunto acqua distillata e filtrato il tutto, lavando ripetutamente 
sempre con acqua distillata gli Erlenmeyer e i filtri fino a che il filtrato 
ultimo non dava piü reazione acida. Al filtrato veniva aggiunta della soluzione 
ammonico-magnesiaca fino ad evidente reazione alcalina. Dopo 24 ore si filtrava 
su filtro a ceneri note, lavando ripetutamente il filtro con acqua distillata per 


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302 


F. Scordo, 


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allontanaro le tracce di solfato di magnesio che potevano trovarsi sul filtro. 11 
oontenuto dei filtro seccato calcinato in crogiuolo di platino e quindi pesato ci 
dava il valore del pirofosfato di magnesio ottenuto, da cui con un semplice 
«calcolo si passa all’ anidride fosforica. 

L’azoto totale dolle urine fu valutato come quello del latte; per l’azoto 
non precipitabile e per quello ureico fu adoperato il metodo dello Schöndorf. 

L’ammoniaca fu valutata coi motodo dello Schlösing; l’acido urico con 
quello di Hopkins. 

La determinazione dell’ anidride fosforica totale fu fatta col metodo dei 
Neubauer; pure colio stesso metodo fu determinato l’acido fosforico legato 
alle basi alcaline, previa precipitazione dei fosfati terrosi coll’ammoniaca. 11 
solfo totale fu valutato coi metodo del Mohr; l’acido solforico totale o quello 
combinato furono determinati coi metodi del Salkowski. 

L’azoto totale dolle feci fu ottenuto col solito metodo giä detto del Kjel- 
«dahl modificato. 

Per dosare i grassi dolle feci, come altre volte abbiamo fatto, si sono 
pesati 5 grammi di feci e si sono mescolati in una piccola capsula di vetro ad 
arena di vetro ben lavata con sapone, sgrassata con etere e seccata: quindi si 
aggiungeva alcool acidulato con acido oloridrico per rendere solubile nell’etere 
tutto il grasso. Le capsuline venivano tenute a bagno-maria fino alla scom- 
parsa doll’ alcool e quindi tenute per qualche ora nella stufa a 105°. Dopo 
di ciö le capsuline venivano triturate in un mortaio di vetro e l’insieme ben 
avvolto in carta bibula si portava all’estrattore del Soxhlet. 

L’acifo fosforico delie feci fu dosato come quello del cibo. 

Riassumendo i resultati attenuti troviamo che il primo am- 
malato nei giorni in cui fu sottopato ad esame perdette eolle 
feci g. 17,16 pCt. d’azoto, g. 7,67 pCt. di grasso e 48,54 pCt. di 
P 2 0 6 . 

Il bilancio dell’ azoto lu negativo in media di quasi 2 grammi 
al giorno; cosi pure negativo fu il bilancio del fosforo: durante 
1’intiero periodo si ebbero complessivamente g. 2,224 di deficit. 
L’azoto eliminato per le urine fu in media g. 9,22 al giorno: di 
questo il 53,42 pCt. fu eliminato come azoto ureico, il 27,15 pCt. 
come azoto dei composti amido-acidi e il 2,85 pCt. come azoto 
dell’ ammoniaca. 

Lo zolfo totale fu eliminato colla media giornaliera di g. 2,01, 
1’ acido solforico totale colla media di g. 1,54. Il rapporto fra 
1’ acido solforico combinato e quello preformato fu di g. 6,8 pCt. 
La media del rapporto fra zolfo neutro e solfo totale fu di 
g. 22,83 pCt. La media giornaliera dell’ eliminazione dell’ anidride 
fosforica totale fu di g. 1,895. Di questa la parte che spetta ai 
fosfati alcalini rappresenta il 63,09 pCt. Il rapporto fra P 2 0 5 
totale e azoto totale fu del 20,6 pCt. 


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Kicerohe sul ricambio organico nella Febbre del Mediterraneo. 303 




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UNIVERSITY OF MICHIGAN 










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Ricerche sul ricambio organico nella Febbre del Mediterraneo. 305 


Solfo urinario del 1° Malato. 


Giorno di 
osser- 
vazione 

Quantita 

dell’urina 

Solfo 

totale 

o-S 

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sc -2 

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jSM 

Solfo 1 
neutro j 

Rapporto fra 
H 2 S0 4 combi- 
nato e H 2 S0 4 
preformato pCt. 

Rapporto fra 
Zolfo Neutro 
e Zolfo totale 
pCt. 

I. 

1250 

1 

2.308i 

1,706 

1,570 

0.136 

0,602 

8,66 

26,08 

11. 

925 

1,525 

1,214 

1,086 

0,128 

0,311 

11,79 

20,39 

111. 

1070 

2,079 

1.530 

1,390 

0,140 

0.549 

10,07 

26,41 

IV. 

1150 

2,128 

1,594 

1,446 

0,148 

0.534 

10,24 

25.09 

V. 

1200 

1,943! 

1,539 

1,413 

0,126 

0,404 

8,92 

20,79 

VI. 

980 

1,966 

1,497 

1,279 

0,218 

0,469 

17,05 

23,85 

VII. 

920 

1,604 

1,222 

1.071 

0,150 

0,382 

14.10 

23.81 

vm. 

940 

1,929 

1,777 

1,623 

0,154 

0,152 

9,49 

7,88 

IX. 

650 

1,947 

1,447 

1,349 

0.098 

0,499 

7,26 

25,63 

X. 

1000 

2,662 

1,907 

1,768 

0,139 

0,755 

7,86 

28,36 


Media del rapporto fra H 2 S0 4 corabioato e H 2 S0 4 preformato = 10,544 
„ * „ * Zolfo neutro e Zolfo totale = 22,829 


Solfo Urinario del 11° Malato. 


*"0 6) 

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Rapporto fra 

Rapporto 

n J . Q 
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Solfo 

total« 

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D3 ° iS 

Solfo 

leutri 

H 2 S0 4 combi- 
nato e H 2 S0 4 

fra Zolfo 
neutro e Zolfo 

o 

<y% 




W | 

preformato 

totale 

i. 

1000 

3.123 

2,493 

2,361 

0,132 

1 

0,63 

5,59 

20,17 

ii. 

750 

3,831 

1,866 

1,750 

0,116 

1.965 

6,63 

51,29 

ui. 

780 

2,752 

1,863 

1,717 

0,146 

0.889 

8.50 

32,30 

IV. 

700 

2,729, 

1,866 

1,759 

0,107 

0,863 | 

6.08 

31,62 

V. 

540 

2,040 

1,462 

1,383 

0.079 

0,578 1 

5,71 

28,33 

VI. 

650 

2,276 

1,747 

1,66 

0,087 

0,529 j 

5,24 

1 23,24 

VII. 

600 

1,784 

1,321 

1,227 

0.093 

0,463 

7,68 

25.95 

VIII. 

675 

1,783 

1.178 

1,089 

0,088 

0.605 

8,17 

1 33,93 

IX. 

750 

1,667! 

1,345 

1,259 

0,091 

0,322 

7.23 

: 19,92 

X. 

930 

1,901 

1,190 

1,11 

0,080 

0,711 

7,21 

I 37,40 


Media del rapporto fra H 2 S0 4 corabinato e IPSO 1 preformato = 6,804 
„ „ „ „ Zolfo neutro e Zolfo totale = 30,415 


Acido Fosforico dell’Urina del 1° Malato. 


Giorno di 
osser- 
vazione 

Quantita 

delfurina 

1 

PW 

totale 

P 2 0 5 Legato 
alle basi 
alcaline 

PW Legato 
alle basi 
terrose 

Rapporto fra 
P 2 0 5 totale 
e N. totale 

T. 

1250 

1,75 

! 1,031 

! 0,719 

20 

II. 

925 

1,573 

1 0,998 I 

0,575 1 

! 20,24 

III. 

1070 

1,873 

| 1,220 

0.653 

17,36 

IV. 

1150 

2,358 

I 1.635 

0,723 

22,88 

V. 

1200 

2,34 

1,413 

0,927 

23 61 

VI. 

980 

2,153 

1,344 

0,812 

26.19 

VII. 

920 

1,38 

l 0,917 

0,463 

17.56 

VIII. 

940 

1,645 

1,033 

0,612 

18.89 

IX. 

650 

1,723 

! 1.008 

0715 

21,04 

X. 

1000 

2,15 

1 1,356 

| 0,794 

| 20,21 


Media del rapporto fra P 2 0 5 totale e N. totale = 20,598 


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306 


F. Scordo 


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Acido Fosforico dell’Urina del II 0 Malato. 


Giorno 
di osser- 
vazione 

Quantita 

deirurina 

p205 

totale 

P 2 0 5 Legato 
alle basi 
alcaline 

P 2 0 5 Legato 
alle basi 
terrose 

Rapporto fra 
P20* totale 
e N. totale 

I. 

1000 

2,60 

1,747 

0,853 

16.29 

II. 

750 

2,063 

1,343 

0,720 

13,46 

III. 

730 

1,935 

1,337 

0,598 

15,27 

IV. 

700 

2,065 

1,445 

0,62 

16,46 

V. 

540 

1,782 

1,164 

0,618 

19.01 

VI. 

650 j 

1,983 

1,302 

0,681 

18,62 

VII. 

600 1 

1,8 

1,253 

0,547 

19,84 

VIII. 

675 

1,823 

1,236 

0,587 

20,97 

IX. 

750 

1,8 

1,212 

0,588 

19,48 

X. 

930 

1,814 

1,214 

0,63 

21,11 


Media del rapporto fra P 2 0 5 totale c N. totale = 18,051. 


1° R i c a m b i o. 
Riassunto del Bilancio. 



Entrata 

Uscita 

Assor- 

bimento 

Media 

Gior- 

naliera 

Perdita 

pCt. 

Bilancio 


gr. 

gr* 

gr. 

gr* 

gr. 

gr. 

Azoto . . 

87,5 

15,02 

72,48 

7,248 

17,165 

— 19,699 

Grassi . . 

670 

51,39 

618,61 

61,861 

7,67 

— 

P 2 05. . . 

32,5 

15,776 

16,724 

1,672 

48,541 

— 2,224 


11° R i c a m b i o. 
Riassunto del Bilancio. 



Entrata 

gr- 

i 

i 

| Uscita 

gr- 

j 

Assor- 

bimento 

j gr. 

Media 

Gior- 

naliera 

gr- 

Perdita 

pCt. 

gr* 

Bilancio 

gr. 

Azoto . . 

91,875 

15,23 

76,645 

7,664 

16,581 

-35,482 

Grassi . . 

703,5 

64,59 

638,91 

63,891 

9,181 

— 

P-O 5 . . . 

34,125 

19,505 

14,620 

1,462 

57,158 

— 5,045 


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Ricerche sul ricambio organico nella Febbre del Mediterraneo. 307 


II secondo malato colle feci perdette in media g. 16,58 pCt. 
di azoto, g. 9,18 pCt. di grasso e g. 57,16 pCt. d’ anidride fosforiea. 

II bilancio dell’ azoto fu negativo, avendo dato in media un 
deficit di g. 3,55 per giorno; anche il bilancio dell’anidride 
fosforiea fu negativo — circa mezzo grammo al giorno — com- 
plessivamente si ebbe il deficit di g. 5,045. L’eliminazione 
dell’azoto colle urine fu in media di grammi 11.,21 per giorno; 
di questo il 64,81 pCt. fu eliminato come azoto ureico, il 22,19 pCt. 
come azoto degli amido-acidi, il 3,69 pCt. sotto forma d’ aramo- 
niaca e il 4,54 pCt. setto quella d’ aeido urico. L’eliminazione 
dcllo zolfo totale fu in media di g. 2,39 al giorno; quella dell’ 
acido solforico totale fu in media di g. 1,63 per giorno. Il 
rapporto fra 1’ acido solforico combinato e quello preformato fu del 
10,54 pCt. in media. La media del rapporto fra lo zolfo neutro 
e lo zolfo totale e stata del 30,41 pCt. L’ anidride fosforiea 
totale fu eliminata nella quantita media giornaliera di g. 1,97. 
L’ acido fosforico legato alle basi alealine fu emesso nella pro- 
porzione del 67,39 pCt. sul totale. Il rapporto fra P 2 0 5 totale e 
azoto totale fu del 18,05 pCt. 


Confrontando i dati attenuti nei due pazienti si nota un 
deficit maggiore nel bilancio del secondo malato tanto per 1’ azoto 
che per il fosforo; cosi pure le perdite colle feci furono maggiori. Gli 
stessi fatti si notano al confronto dei dati ottenuti coli’ esame 
delle urine, ove si ha eliminazione maggiore d’ azoto con aumento 
del rapporto fra azoto ureico e azoto totale. Anche 1’ eliminazione 
dello solfo fu alquanto superiore con un aumento del rapporto 
fra solfo combinato e solfo preformato. Notasi pure aumento del 
rapporto fra zolfo neutro e zolfo totale, nonche fra il primo e lo 
solfo acido. 

Abbastanza parallelismo riscontrasi invecc nel comportamento 
dell’ P 2 0 5 eliminata colle urine. 


Prendendo adesso in esame i dati ottenuti colle nostre ricerche 
notiamo prima di tutto come 1’ urina piuttosto scarsa nel 1 0 caso 
fu decisamente scarsa nel 2°, dove specialmente in alcuni giorni 
si puö parlare di vera e propria oliguria. Questa diminuzione 
della diuresi non deve essere attribuita ad un’ abbondante sudo- 
razione, perche, come fu notato nelle storie, essa nrnncö o addi- 

Internat. BeitrÄRo. Bd. I. Heft 3. 21 


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308 


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F. Scordo, 

rittura fu di poco conto; neppure e in rapporto coila curva terrnica, 
giacche nel secondo caso appunto 1’ urina fu meno scarsa nei 
primi giorni, in cui si ebbe 38,°5'—38,°9' che nei giorni seguenti 
in cui si ebbe un periodo di defervescenza; con ogni probabilitä, 
oltre che all’ aumento dello scambio aereo e quindi deli’ evapo- 
razione d’ acqua, il fatto e da ascriversi in parte anche alla 
diminuita pressione arteriosa, come fu costatato coli’ apparecchio 
del Riva-Rocci, ed allo stato del cuore. 

La densitä delle urine fu sempre elevata (1021—1023), in 
ragione inversa della quantitä. 

La reazione fu sempre spiccatamente acida, il che si spiega 
colla maggiore concentrazione delle urine. 

L’ azoto fu clirainato in quantitä maggiore di quella intro- 
dotta, offrendoci nel 1 0 caso un bilancio negativo di quasi 
2 grammi al giorno, come giä abbiamo detto. Questo deficit ci 
dice che vi fu in quel periodo scomposizione d’ albumina del 
corpo. Questo rilievo va fatto maggiormente nel 2° caso, dove il 
deficit giornaliero fu di circa 3 l J t grammi. H fatto in parte va 
spiegato coli’ andamento termico come fu constatato da Aronsohn 
e Sachs, Richter, Naunyn, Girard negli animali, e da Frey 
e Heiligenthal, Koch, Schleich, Bartels ed altri negli 
nomini; difatti nel 2° ammalato corrispondentemente alla maggiore 
temperatura di fronte al primo la scomposizione dell’ albumina 
4 pure maggiore; non solo, ma v’e una notevole differenza fra la 
quantitä d’azoto eliminata nei primi giorni e quella eliminata negli 
ultimi: questa e quasi metä della prima appunto perche nei primi 
giorni si ebbe perfino 39,°2' di febbre, mentre negli ultimi giorni 
la temperatura con delle forti remittenze scese a pochi decimi. 
Perö il parallelismo fra la quantitä d’azoto eliminata colle urine 
e la curva termica confermato dal Jochmann e dal Traube, 
dal Moos, Kedtenbacher, Uhle con studi su pazienti affetti da 
malaria, da Huppert, Brattier, Wingl, Wachsmuth, War- 
neke su tifosi, da Müller nclle febbri settiche, senza dire di 
molti altri autori, conta numerose eccezioni e spesso, come nota 
von Noorden, 1’ influenza dell’aumentata temperatura del corpo 
non basta a spiegare 1’ aumento del metabolismo dell’ albumina, il 
quäle talora giunge a considerevole altezza. Cosi il Sidney- 
Ringer con esatte ricerchc in casi di malaria e il Naunyn in 
alcune febbri settiche hanno osservato che la scomposizione 
dell’ albumina nelle malattic infettive e piü notevole di quello che 


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Ricerche sul ricambio organico nella Febbre del Mediterraneo. 309 

spetti all’ aumentata temperatura, venendo talora a mancare il 
parallelismo di cui s’e detto prima; deve dunque esistere un altro 
fattore e questo da von Noorden e da altri viene riconosciuto 
nell’ azione deleteria sul protoplasma cellulare da parle delle 
tossine batteriche. A questo fattore e pure da ascriversi parte 
della scomposizione dell’ albmnina dei tessuti nei nostri due infermi, 
specialmente nel primo, nel quäle appera cominciate le ricerche 
la temperatura scese rapidamente, oscillando per tutto il periodo 
d’ osservazione intorno ai 37 °. 

Il rapporto dell’ azoto ureico all’ azoto totale e molto lontano 
in entrambi i casi da quello generalmente ammesso; si avrebbe qui 
una diminuzione di formazione d’urea, che in parte andrebbe spiegata 
col fatto che le ricerche sono state fatte immediatamente dopo 
periodi febbrili piuttosto lunghi e con elevazioni termiche talora 
spiccate. Probabilmente nei nostri due casi a periodi di aumentata 
produzione di urea tenevano dietro periodi di compenso. Nel primo 
giorno infatti del 2° ricambio perdurando la temperatura alta il 
tasso dell’azoto ureico si mantiene pure elevato; e con verosini- 
glianza il tasso dell’ azoto ureico nei giorni precedenti sarä stato 
ancora maggiore. 

Un altro fattore va ricercato nelle condizioni epatichc, le quali 
nelle malattie infettive sono generalmente perturbate. A convalidare 
quest’ ipotesi sta il fatto che corrispondentemente ad una diminuzione 
d’urea si ebbe un aumento nell’ eliminazioni degli amido-acidi. In¬ 
fatti l’azoto di queste sostanze e superiore alla media normale del 
15 pCt. e giunge fino alla media del 27,15 pCt. nel primo caso e 
del 22,19 pCt. nel secondo. 

Per l’ammoniaca i valori in entrambi i casi oscillarono molto; 
nell’ insieme va tenuto conto del fatto che la media rimanc alquanto 
al disotto della normale. Per questo fatto 6 da ricordare lo stretto 
rapporto fra urea ed ammoniaca (von Noorden, Schröder, 
Salomon, Schmiedeberg, von Bunge, Feder, Salkowski, 
von Knierim ed altri). D’altro canto questi dati ci dicomo che 
non si sono introdotte nell’ organismo ne vi si sono prodotte 
grandi quantitä d’aeidi anorganici. L’acido urico preso in con- 
siderazione solo nel 2° caso ha dato anch’ esso valori piuttesto 
bassi. Nel nosto caso troverebbe conferma il dato di Scheube, 
secondo il quäle autore 1’ acido urico nelle malattie febbrili 
seguirebbe 1’ andamento dell’ elirfiinazione dell’ urea. Che se in- 
vece ritenessimo per vera la teoria dell’ Horbaczcwski, che 

21 * 


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310 


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cioö l’acido urico non sia che un prodotto del ricambio organico 
della nucleina, dovremmo conchiudere che nel nostro caso, durante 
il periodo di ricerca, non vi fu eccessiva scomposizione di nu¬ 
cleina e specialmente non vi fu distruzione di leucociti. In tal 
caso la determinaziore dell’ acido urico in un primo periodo della 
malattia con ogni probabilita avrebbe dato dei valori superiori al 
normale. 

L’eliminazione dello zolfo totale rimanendo alquanto inferiore 
alla norma ebbe un andamento abbastanza regolare nel primo caso; 
mentre nel 2° caso fu decrescente e da una forte elirainazione 
(3—4 gr. al giorno) verso la 5* giornata si scese ai valori otteuuti 
nel 1° malato. Lo stesso puö dirsi dell’acido solforico totale. 
Entrambi nel coraplesso hanno mantenuto un parallelismo coli’ eli- 
minazionc dell’azoto totale come dallo Zülzer e dal Fürbringer 
fu notato nei casi normali, avendo tanto lo zolfo che l’azoto la 
medesima sorgente, cioe l’alburaina. Naturalmente questo paralle¬ 
lismo va considerato nel complesso e non giorno per giorno giacche 
le albumine non sempre hanno un egual contenuto in zolfo 
(v. Noorden). 

Gli eteri solforici furono eliminati in quantitä piuttosto scarsa 
e questo ci dice che nei nostri infermi non v’erano processi pütre- 
fattivi intestinali. L’eliminazione dello zolfo neutro ed il suo 
rapporto abbastanza costante collo zolfo totale nel 1° ammalato 
non ci offre altro degno di rilievo che un moderato aumento di 
questo rapporto, il quäle ci da la media di circa 23 pCt. Questa 
media dove forse considerarsi piuttosto alta tenendo conto del valore 
medio dei dati forniteci dai vari autori; giacche a questo proposito 
le cifre oscillano fortemente e dal 14 pCt. ottenuto dallo Stadt¬ 
hagen e dal 16,3 pCt. avuto dal Salkowski, attraverso una serie 
progressiva di dati si giunge al 25 pCt. dell’Hcffter e perfino al 
27,11 pCt. attenuto dal Reale e dal Velardi. Non cosi puö dirsi 
dello zolfo neutro eliminato dal 2° infermo: qui i dati molto 
oscillanti presi nel loro valore assoluto, come pure il rapporto collo 
zolfo acido e con quello totale sono molto maggiori. ln questo 
caso mentre l’eliminazione dello zolfo totale e dello zolfo acido e 
alquanto aumentata nei primi giomi e pressoche normale negli altri 
giorni, l’eliminazione dello zolfo neutro e, tranne qualche giorno, 
sempre superiore alla norma. Pertanto seguendo i concetti del 
Salkowski, del Rudenko, del Reale e di altri dobbiamo con¬ 
chiudere che le ossidazioni organiche furono in difetto special- 


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Ricercbe sul ricambio organico nella Febbre del Mediterraneo. 311 

mente nel 2° caso: fatto che si comprende benissimo tenendo 
conto delle condizioni piü gravi appunto nel 2° roalato. La di- 
fettosa ossidazione si lega sovente alle forme d’ autointossicazione 
(Reale). 

L’eliminazione dell’ anidride fosforica, tranne che nei primi 
giorni del 2° ricambio, si mantenne in media, con lievi oscillazioni, 
in una quantitä vicina ai due grammi (g. 1,8—2). Tale quantitä 
dato il regime di vita e dietetico degl’ infermi puö essere considerata 
pressoche normale. L’eliminazione del fosforo procedette in modo 
parallelo a quella dell’ azoto. II rapporto fisiologico dell’ anidride 
fosforica all’ azoto totale stabilito dallo Zülzer a 17— 20 pCt. Io 
riscontriamo con piccole oscillazioni nel 1° caso durante tutto il 
periodo di osservazione; nel 2° caso comincia ad essere normale 
verso il quarto giorno; nei primi tre giorni e specialraente nei primi 
due questo rapporto s’abbassa sensibilmente: ciö si comprende, 
pcrche derivando l’acido fosforico in raassima parte dagli alimenti 
(v. Noorden) era naturale che per la qualitä e quantitä dell’ali- 
mento mantenesse un andaraento costante e venine a dirainuire il 
rapporto la dove l’eliminazione dell’ azoto si alzö molto, con evidente 
scomposizione dell’ albumina dei tessuti. Difatti l’anidride fosforica 
eliminata nei primi giorni del 2° caso non fu inferiore, una al con¬ 
trario alquanto superiore a quella eliminata negli altri giorni, come 
era da aspettarsi tenendo presente 1’ andamento tcrmico, febbrile 
nei primi giorni, oscillante di pochi decimi intorno ai 37° nei se- 
guenti. 

L’acido fosforico legato alle basi alcaline tanto nel primo 
che nel secondo infermo, con oscillazioni non degne di molto 
rilievo fu di circa il doppio di quello eliminato in combina- 
zione eolle basi tenore. Sicchö anche sotto questo questo punto 
di vista il comportaraento dell’ acido fosforico risponde ai dati 
fisiologici. 

Venendo alle feci troviamo che la perdita d’azoto, pur cssendo 
alquanto aumentata, non offre dati degni di rilievo, ne esige par- 
ticolare interpretazionc: in valorc assoluto si ebbe in media per 
giorno l’eliminazionc di un grammo e mezzo in entrambi i malati; 
sieche l’assorbimento puö considerarsi abbastanza buono, tanto 
piü che parte dell’ azoto fecale deve considerarsi appartenentc ai 
veri prodotti del ricambio materiale (Reale). 

I grassi hanno dato buon assorbimento essendosi avuto, come 
sopra fu detto, circa il 7 °/ 0 di perdita nel 1 0 caso e il 9 % nel 2 0 ; 


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F. Scordo, 

la maggiore perdita nel secondo infermo si deve alla maggiore 
quantititä di grassi perduti colle feci durante il periodo febbrile, 
in cui si ebbe da 7 a 8 grammi di perdita per giorno, cifra 
piuttosto forte tenuto conto della moderata ingestione di grasso 
(gr. 67). 

Molto spiccata fu invece la perdita dell’ anidride fosforica — 
48,5 % ne l 1° caso e 57,2 "/o ne ^ 2° —. Qui con ogni probabilitä 
non si tratta di un mancato assorbimento; dilficilmente si com- 
prenderebbe questo parziale difetto d’assorbimento da parte di un 
organo che sia per l’osservazione clinica, sia per il buon assorbi¬ 
mento datoci per i grassi e per l’azoto, sia per altri dati avuti nel 
corso delle esperienze non ci ha rivelato dei fatti anormali. Per- 
tanto e piü verosimile supporre che si sia di fronte ad un aumento 
d’eliminazione: in altre parole la differenza fra la percentuale 
media normale del 25—30 % dell’ acido fosforico introdotto, solita 
ad essere eliminata per la via intestinale, e la percentuale da noi 
ottenuta devc verosimilmente essere colmata dall’ acido fosforico 
che rientra dal circolo nel lume intestinale. Ora dato il deficit 
che si osserva nel bilancio e lecito supporre che vi sia stato in 
entrambi i malati, ma piü spiccatamente nel 2°, aumento di 
scomposizione delle sostanze organiche fosforate dell’ organismo. 
Infatti nei sappiamo riscontrarsi nella Febbre del Mediterraneo 
anemia, atrofia muscolare e distruzione delle cellule dei gangli 
linfatici. 

Venendo dunque alla conchiusione abbiamo: 

Regolare assorbimento dell’ azoto in entrambi i malati con 
deficit nel bilancio maggiore pel 2°; buon assorbimento dei grassi; 
forte perdita d’acido fosforico per le feci. 

Inoltre e da notare: diminuzione dei processi ossidativi, rile- 
vabile dal rapporto fra azoto ureico e azoto totale, e da quello 
fra zolfo neutro e zolfo acido; aumento degli amido-acidi; dimi¬ 
nuzione d’eliminazione d’ammoniaca e d’acido urico; normale eli- 
minazione di acido fosforico per le urine e rapporto pure normale 
fra fosfati alcalini e fosfati terrosi; normale pure il rapporto fra 
P 2 0 5 totale e N totale. 

Questi dati ricevono conferma dalle cifre ottenute colla bi- 
lancia clinica, poiche il primo infermo nei dieci giorni d’osserva- 
zionc perdette complessivamente g. 500 nel peso del corpo e il 

2° g. 800. 


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Ricerche sul ricambio organico nella Febbre del Mediterraneo. 313 

Resume. 

Verfasser hat den organischen Stoffwechsel bei zwei Kranken 
mit Maltafieber studiert. In einem Falle war der Wrightsche 
Index 1 : 1500, beim anderen Fall 1 : 2000. 

Die vorstehenden Untersuchungen ergaben weiterhin folgende 
Resultate: 

Der Stickstoff in beiden Fällen war gut von der Darmschleim¬ 
haut resorbiert worden, das Defizit in der Bilanz war grösser beim 
zweiten Kranken. 

Das Fett war auch gut resorbiert worden. 

Im Kot war ein ziemlich grosser Verlust von Phosphorsäure 
vorhanden. Es ist dazu die Tatsache bemerkenswert, dass die 
oxydativen Prozesse vermindert waren bei einer Zunahme von Amido- 
säuren. 

Hambefund: Die NH S - und Harnsäureausscheidung waren ver¬ 
mindert, die Phosphorsäureausscheidung normal, normal auch das 
Verhältnis zwischen Phosphorsäureanhydrid und gesamtem Stickstoff. 

Bibliografia. 

von Noorden, Pathologie des Stoffwechsels. Berlin 1906. 

Naunyn, Ueber das Verhalten der Harnstoffausscheidung beim Fieber. Berl. 
klin. Wochenschr. 1869. S. 42. — Beiträge zur Fieberlehre. Du Bois- 
Reichert’s Arch. 1870. S. 159. 

Reale, Manuale di Chimica Clinica. 

F. Kraus, Fieber und Infektion. 

A. Vogel, Zeitschr. f. rat. Med. N. F. Bd. 4. H. 10 und Klinische Unter¬ 
suchungen über den Typhus. Erlangen 1860. Bd. 1. S. 362. 

Traube und Jochmann, Deutsche Klinik. 

Traube, Beiträge. Bd. 2. S. 637. 

Sachs und Aronsohn, Die Beziehungen des Gehirns zur Körperwärme. 

1891. — Fieber. Pflüger’s Arch. Bd. 37. S. 232. 1885. 

Girard, Influence du cerveau sur la chaleur animale. Arch. de Physiol. 1888. 
p. 312. 

W. Scholz, Arch. f. experim. Pathol. Bd. 40. S. 326. 

Krehl und Math es, Arch. f. klin. Med. Bd. 54. S. 501. 

Mohr, Zeitschr. f. klin. Med. Bd. 52. S. 371. 

F* VoitJ Sitzungsber. d. Gesellsch. f. Morphol. u. Physiol. München 1895. 
Heft 2. 

Simanowski, Zeitschr. f. Biol. Bd. 21. H. 1. 

S. Weber, Arch. f. experim. Pathol. Bd. 47. H. 10. 

Richter, Experimentaluntersuchungen über Antipyrese und Pyrese. Virchow’s 
Arch. Bd. 123. S. 118. 1891. 

Bartels, Greifswalder med. Beitr. Bd. 3. H. 1. 1864. 


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314 F. Scordo, Ricerohe sul ricamblo organico nelleFebbre delMeditterraneo. 

Huppert, Arch. f. Heilk. Bd. 7. H. 10. 

F. Müller, Zeitschr. 1. klin. Med. Bd. 16. S. 496. 

Schleich, Ueber das Verhalten der Harnstoffproduktion. Arch. f. experim. 

Pathol. u. Pharm. Bd. 4. S. 82. 1875. 

Zülzer, Untersuchungen über die Semiologie des Harns. Berlin 1884. 
Fürbringer, Ueber den absoluten und relativen Wert der Schwefelsäure¬ 
ausfuhr. Virchow’s Arch. Bd. 78. S. 39. 1877. 

Bunge, Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie. S. 282. 
1889. 

Feder, Ueber die Ausscheidung des Salmiaks im Harn. Zeitsch. f. Biol. 
Bd. 13. S. 256. 1877. 

Schmiedeberg, Ueber das Verhalten des NH S und der primären Monamin¬ 
basen zur Harnstoffbildung im Tierkörper. Arch. f. experim. Pathol. u. 
Pharm. Bd. 8. H. 1. 1877. 

Horbaczewski, Beiträge zur Kenntnis der Bildung der Harnsäure und der 
Xanthinbasen. Sitzungsber. d. Wiener Akad. d. Wiss. Bd. C. Abt. III. 
S. 13. 1891. 


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XIX. 

(Aus der medizinischen Universitätsklinik zu Halle a. S.) 

Ueber Gasresorption im Darm. 

Von 

Dr. med. Kan Kato (Japan). 


In der klinischen Darmpathologie haben wir uns sehr häufig 
mit den Gasen des Verdauungsschlauches zu beschäftigen. Klagen 
über „Aufstossen“, über „Blähungen“, „versetzte Winde“, Gas¬ 
auftreibung des Magens und des Darmes werden uns von einer 
grossen Zahl von Patienten geklagt, ohne dass wir bisher in der 
Lage sind, das Zustandekommen dieser Beschwerden im einzelnen 
Falle immer genügend zu durchschauen. Insbesondere bedarf die 
Frage, inwieweit daran vermehrte Gasbildung einerseits und ver¬ 
minderte Gasresorption andererseits beteiligt sind, dringend der 
Aufklärung. Die Untersuchungen und Beobachtungen, auf die wir 
uns hier stützen können, sind nur spärlich, um so zahlreicher 
dafür die Vermutungen und Hypothesen, welche von verschiedenen 
Autoren geäussert wurden. 

Es ist bekannt, dass auch im normalen Darm dauernd Gase 
vorhanden sind, die hauptsächlich aus Kohlensäure, Stickstoff, 
Wasserstoff und Methan bestehen. Daneben kommen geringe 
Mengen von SH 2 , NH S , dagegen kein 0 2 vor. Zum Teil stammen 
diese Gase aus der mit Speichel und Speisen verschluckten Luft, 
zum anderen Teil bilden sie sich durch im Darm stattfindende 
Gärungs- und Fäulnisprozesse und durch die Diffusion aus den 
Blutgefässen der Darmwand. Gewöhnlich ist der Gasgehalt der 
Därme ein ziemlich geringer und der Abgang von Flatus beim 
gesunden Menschen ein spärlicher, wenn er auch je nach der Kost 
einer gewissen Schwankungsbreite unterliegt. Jedenfalls ist es 
von vornherein unwahrscheinlich, dass die Summe der Flatus 


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316 


Kan Kato, 


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unter normalen Verhältnissen gleich ist der Summe der per os 
eingeführten und im Darm selbst gebildeten Gasraengen. Der 
Organismus verfügt offenbar noch über andere Regulationsmittel 
und es liegt nahe, diese in der Diffusion der Gase in das 
umgebende Gewebe bzw. in einer Resorption durch Blut zu 
suchen. 

Die Richtigkeit dieser Anschauungen wird durch einige auf 
verschiedenem Wege gewonnene Beobachtungen bestätigt. Bereits 
Regnault und Reiset 1 ) haben bei ihren grundlegenden Respi¬ 
rationsversuchen gezeigt, dass Methan (CH 4 ), dessen Ursprung in 
den Darm verlegt werden muss, wo es bei der Gärung der 
Kohlehydrate, besonders der Zellulose, frei wird, in nicht geringen 
Mengen mit der Exspirationsluft ausgeschieden wird. Lehmann, 
Hagemann und Zuntz 2 ) sowie Tacke 3 ), welche sich weiter mit 
dieser Erscheinung beschäftigt haben, haben nachgewiesen, dass 
neben CH 4 auch H 2 aus dem Darm in die Ausatmungsluft über¬ 
geht und dass die Gasmengen, welche auf diese Weise aus dem 
Darm fortgeschafft werden, im Verhältnis zur Entleerung durch 
den Anus jedenfalls sehr beachtenswert, wenn nicht gar über¬ 
wiegend sind. Eine quantitative gleichzeitige Messung der H 2 - 
und CH 4 -Ausscheidung durch die Lunge einerseits und den Anus 
andererseits bei einem und demselben Individuum ist meines 
Wissens bisher weder in der experimentellen Tierphysiologie noch 
beim Menschen durchgeführt worden. Sie würde uns allerdings 
auch noch kein vollständiges Bild über das Gesamtquantum der 
durch Diffusion und Resorption aus dem Darm verschwindenden 
Gase geben, da die C0 2 , welche den Hauptteil der Darragase 
ausmacht, dabei nicht berücksichtigt wird. Die C0 2 ist aber, wie 
die interessanten und wichtigen Untersuchungen Ad. Schmidt’s 4 ) 
gezeigt haben, aller Wahrscheinlichkeit nach am leichtesten diffun¬ 
dierbar bzw. resorbierbar. Diese Schmidtschen Untersuchungen 
beziehen sich auf den Vergleich der Nachgärungsgase der Fäces 
mit den zugehörigen Flatus und sind bei gesunden Menschen 
unter den verschiedensten Ernährungsbedingungen angestellt. 


1) Legrand du Saulle, Traite de mcdecinc legale et de jurisprudence 
medicale. Paris 1874. p. 723. 

2) Lehmann, Hage mann und Zuntz, Landwirtschaftliche Jahrbücher. 
1894. S. 125. 

3) Tacke, Ueber die Bedeutung der brennbaren Gase im menschlichen 
Organismus. Inaug.-Diss. Berlin 1889. 

4) Ad. Schmidt, Deutsches Archiv f. kliu. Med. 1898. No. 65. S. 545. 


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Original fro-m 

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Ueber Gasresorption im Darm. 


317 


Sie ergaben zunächst, dass die Grösse der Gasgärung im 
Darm mit der Menge und der Schwerverdaulichkeit der Kohle¬ 
hydrate in der Kost wächst, wie das ja schon nach den allgemeinen 
klinischen Erfahrungen erwartet werden konnte. Weiterhin zeigte 
sich, dass der N 2 -Gehalt der Flatus, entsprechend dem bereits von 
Zuntz formulierten Gesetz, um so geringer war, je grösser die 
Gasbildung im Darm gewesen war und umgekehrt. Dieser N.>, 
welcher im Darm selbst nicht gebildet werden kann, stammt 
nämlich entweder aus der verschluckten Luft, deren einziges 
Residuum er darstellt, oder er ist aus dem Blute diffundiert. Wir 
haben also in dem N 2 -Gehalt der Darmgase einen gewissen, wenn 
auch natürlich nur ganz oberflächlichen Massstab für die Grösse 
der Darmgärung überhaupt. 

Wichtiger noch als dieses Resultat ist der im Vergleich zu 
den Nachgärungsgasen auffallend hohe Gehalt der Flatus an CH 4 
und besonders an H 2 , welcher nach Schmidt nur so zu erklären 
ist, dass C0 2 am leichtesten, CH 4 schwerer, aber doch immerhin 
noch verhältnismässig leicht, H 2 dagegen am schwersten aus dem 
Darm in das Blut übergeht. Dem entspricht es auch, dass bei 
kohlehydratfreier Nahrung, wo nur wenig C0 2 , dagegen reichlich 
CH 4 und H 2 gebildet werden, die Flatus in ihrer Zusammen¬ 
setzung viel besser mit den Nachgärungsgasen übereinstimmen 
als bei kohlehydratreicher Nahrung, die vorwiegend C0 2 als 
Gärungsgas liefert. 

Für eine exakte Beurteilung der Gasresorption im Darm sind 
natürlich auch die Schmidtschen Untersuchungen noch unzu¬ 
reichend, und ich habe deshalb auf Anregung von Professor 
Dr. Ad. Schmidt versucht, eine direkte Messung der Gasresorp¬ 
tion im Tierexperiment durchzuführen. Derartige Versuche sind 
bisher, was den Darm betrifft, noch nicht ausgeführt worden, 
wohl aber hat K. Loening 1 ) bereits vor Jahren Untersuchungen 
ähnlicher Art am Magen von Hunden vorgenommen, welche er¬ 
geben haben, dass C0 2 selbst in grösseren Mengen vom Magen, 
namentlich in der ersten Zeit nach der Einführung, schnell aufge¬ 
sogen wird. 

Meine Versuchsanordnung war folgende: Kaninchen von ver¬ 
schiedener Grösse, die 2—3 Tage gehungert hatten, wurden unter 
Acthernarkose laparotomiert. Nach Anlegen einer Ligatur im 

1) K. Loening, Zeitschr. f. klin. Medizin, ßd. 55. 1905. 


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318 


Kan Kato, 


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obersten Teil des Dünndarmes wurde das in den gesamten Dünn¬ 
darmschlingen befindliche Gas mit den Fingern nach dem Dick¬ 
darm hin ausgestrichen, sodann etwas oberhalb des Coecura eine 
zweite Ligatur angelegt. Darauf wurde unterhalb der ersten 
Ligatur das Dünndarmlumen eröffnet und eine passende Glas¬ 
kanüle in das Darmrohr eingebunden. Mittels eines Gummi¬ 
schlauches war die Kanüle mit einer das entsprechende Gas ent¬ 
haltenden Dempelschen Bürette in Verbindung gebracht. Geprüft 
wurden C0 2 , 0 2 , H 2 und N 2 . Nachdem nunmehr die Bauchwunde 
mit Pe an-Pinzetten geschlossen war, wurde durch Oeffnen des 
Quetschhahnes und Erheben der Niveaurohre das in der Heropel- 
sclien Bürette befindliche Gas langsam in den Dünndarm über¬ 
geführt. 

Manchmal schien es, dass der durch die Operation verur¬ 
sachte Reiz eine starke Darmkontraktion im Gefolge gehabt hatte, 
so dass dann nur eine kleine Quantität von Gas eingeführt werden 
konnte, meist aber Hessen sich ohne übermässige Dehnung des 
Darmes 200—300 ccm Gas infundieren. 

Nach Beendigung der Infusion wurde die Bürette mit dem 
Quetschhahn wieder geschlossen und das Gas in der Regel 
10 Minuten, einmal aber 30 Minuten lang im Darm belassen. 
Dann wurde alles im Dünndarm befindliche Gas bei gesenktem 
Niveaurohr und geöffnetem Quetschhahn in die Bürette zurück¬ 
gesogen, wobei es meistens notwendig war, den Dünndarm vom 
unteren Ende her durch Ausstreichen mittels der Finger zu ent¬ 
leeren, da die oft scharfen Windungen des Darmes manchmal 
einen vollständigen Gasverschluss bewirken. Die Differenz zwischen 
der in den Darm ein- und der nach 10 Minuten aus dem Darm 
in die Bürette zurückgeführten Gasmenge wurde gemessen und in 
der Regel auch eine Analyse des zurückgesogenen Gasgemisches 
ausgeführt, um ein Urteil über etwaige fremde, in das Darmlumen 
diffundierte Gase zu gewinnen. 

Die folgende Tabelle 1 gibt Aufschluss über die Resultate der 
einzelnen Versuche. 

Bei den Versuchen mit Kohlensäure war demnach die Differenz 
zwischen den eingeführten und zurückgesammelten Gasquantitäten 
immer recht gross. Die absorbierte Menge schwankte im all¬ 
gemeinen zwischen 87,0 pCt. und 91,8 pCt.; nur im Versuch 7, 
bei dem es sich um ein besonders kleines Tier handelte, war sie 


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Ueber Gasresoiption im Darm. 


319 


geringer, im Versuch 1 dagegen, dessen Dauer das Dreifache der 
gewöhnlichen Versuchszcit, nämlich 30 Minuten, betrug, stieg sie 
auf 93 pCt. 


Tabelle 1. 


Datum 

% Kaninchen 

ln den Darm 
eingeführte 
Gas-Volumina 
in ccm 

Das zurück- 
gesammelte 
Gas-Volum 
in ccm 

Ab¬ 
sorbierte 
Gasmenge 
in ccm 

Ab¬ 
sorbierte 
Gasraenge 
in pCt. 

Bemerkungen 

16. 

8. 

1 

co 2 

285,0 

20,0 

265,0 

93,0 

30 Min. Dauer 

16. 

8. 

2 


300,0 

30,0 

270,0 

90,0 

10 Min. Dauer 

19. 

8. 

3 


250,0 

20,5 

229,5 

91,8 

do. 

21. 

8. 

4 


250.0 

32,5 

217,5 

87,0 

do. 

24. 

8. 

5 


200,0 

20,0 

180,0 

90,0 

do. 

30. 

8. 

6 


300,0 

26,0 

274.0 

91,3 

do. 

8. 

9. 

7 


250,0 

80,0 

170,0 

68,0 

do. 

17. 

12. 

8 


300,0 

28,0 

i 272,0 

90,7 

do. 

16. 

12. 

9 

0 2 

300,0 

289.0 

11,0 

3,7 

do. 

4. 

12. 

10 


250,0 

240,0 

10,0 

4,0 

do. 

6. 

12. 

11 


150,0 

145,0 

5,0 

3,3 

do. 

13. 

9. 

12 

H 2 

128,0 

130,0 


— 

do. 

8. 

12. 

13 


300,0 

310,0 

— 

— 

do. 

10. 

12. 

14 


300,0 

310,3 

— I 

— 

do. 

11. 

12. 

15 


260,0 

263,0 

1 

— 

do. 

13. 

12. 

IG 


265,0 

277,5 


— 

do. 

15. 

12. 

17 


275,0 

287,0 

— 

— 

do. 

9. 

10. 

l£ 

n 2 

178,0 

183,0 

i 

— 

do. 

22. 

10. 

19 


223,0 

230,0 1 

— | 

— 

do. 

18. 

12. 

20 


300,0 | 

313,3 | 

— I 

— 

do. 


Die Versuche lehren also, dass schon nach wenigen Minuten 
eine ausgiebige Kohlensäureabsorption im Darm stattfindet und 
'dass bei längerem Verweilen des Gases im Darmkanal die Ab¬ 
sorption eine fast vollständige ist. 

Im auffallenden Gegensatz zu diesem schnellen Verschwinden 
der C0 2 stehen die sehr geringen Absorptionsgrössen für 0 2 (Ver¬ 
suche 9—11), welche nur 3,3—4 pCt. betrugen. Bisher hat man, 
entsprechend der bereits oben erwähnten Tatsache, dass 0 2 im 
Darm niemals angetroffen wird, stets auf ein schnelles Verschwinden 
des 0 2 im Darm geschlossen. Nach unseren Versuchen scheint es 
aber, als wenn der Darm, wenn man so sagen soll, auf die Auf¬ 
saugung von 0 2 nicht eingestellt ist. 

Garnicht resorbiert wurde, wie die Versuche 12—17 und 
18—20 lehren, H 2 und N 2 . Hier beobachteten wir sogar die 


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320 


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Kan Kato, 

auffallende Erscheinung, dass das Volumen des zurückgewonnenen 
Gases grösser war als das des eingeführten und zwar durchschnitt¬ 
lich um etwa 3pCt.; diese Vermehrung, welche zunächst auf die 
Temperaturdifferenz geschoben wurde, bestand auch während Ab¬ 
kühlung des Gases auf die ursprüngliche Temperatur fort, es 
musste also durch Diffusion von fremden Gasen in das Darmlumen 
zustande gekommen sein. 

Um Aufschluss darüber zu erhalten, analysierte ich in einigen 
Fällen das zurückgewonnene Gas und verglich es mit dem ein¬ 
geführten. Dabei ergab sich folgendes: 

1) C0 2 

100 ccm eingeführter C0 2 enthielt 

— n 2 

— 0 , 

- N, 

Die Analyse von 28 ccm nach 10 Minuten zurück¬ 
gewonnenen Gases ergibt: 

23,0 ccm C0 2 

- o 2 

H, 

5,0 unverbrennbare Gase (N 2 ), also 
auf 100 ccm 21,7 unverbrennbare Gase (N 2 ). 

2 ) 0 2 

100 ccm eingeführtes 0 2 enthielt 

-“co 2 

— H 

Von 300 ccm nach 10 Minuten 289 ccm zurückgewonnen. 
100 ccm dieses Gases enthielten 
91,0 ccm 0., 

3,8 „ C0 2 

5,2 „ unverbrennbare Gase (N 2 ), also 

289 ccm bestehen aus 

262,99 ccm 0 2 
10,982 „ CO, 

15,028 „ unverbrennbare Gase (N,). 

3) ll 2 

100 ccm eingeführtes II, enthalten 
— CO, 

— 0 


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Original fro-m 

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Ueber Gasresorption im Darm. 


321 


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Statt 275 ccm eingeführtes E^-Gas nach 10 Minuten 
287 ccm zurückgewonnen. 

100 ccm dieses Gases enthielten 
2,9 ccm CO, 

n G, 

— „ unverbrennbare Gase (N,), also 
287 ccm enthalten 

9,758 ccm CU, 

n G 2 

2,242 „ andere Gase (N,). 

4) N 2 

100 ccm N 2 enthielt 

— CO, 

- o 2 

- H, 

Nach Einführung von 300 ccm N-Gas nach 10 Minuten 
313,3 ccm zurückgewonnen. 

100 ccm dieses Gases enthielten 
3,4 ccm C0 2 

- 79 0 
also 313,3 ccm enthalten 

10,652 ccm CO, 

n Go* 

Nach diesen Ergebnissen findet also eine geringfügige Diffusion 
von C0 2 und wahrscheinlich auch von N 2 in das Darmlumen statt, 
welche beim H 2 und N 2 die Zunahme der Gesamtgasmenge voll¬ 
ständig erklärt, sodass in der Tat nichts von diesen beiden Gasen 
durch Diffusion oder Absorption aus dem Darmrohr fortgeschafft 
worden ist. Beim 0 2 dagegen stellt sich unter Berücksichtigung 
der ins Darmlumen diffundierten fremden Gase die Resorptions¬ 
grösse wesentlich höher dar, als nach der alleinigen Schätzung der 
Menge angenommen werden musste. In dem betreffenden Fall 
(Versuch No. 9) sind also nicht 3,7 pCt., sondern 11,1 pCt. 0, 
resorbiert worden. Bei der C0 2 (Versuch No. 8) ergeben sich statt 
90,7 pCt. 92,3 pCt. 

Allgemein betrachtet lässt sich wohl behaupten, dass die Gas¬ 
diffusion in meinen kurz dauernden Versuchen überhaupt keine grosse 
Rolle spielt, und es liess sich schon danach vermuten, dass das 
schnelle Verschwinden der CO, aus dem Darm nicht eine Diffusions- 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



322 


Kan Kato, 


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sondern eine Resorptionserscheinung darstellt. Um hierüber noch 
weiteren Aufschluss zu gewinnen, habe ich in einer Reihe von Ver¬ 
suchen, die ich hierunter anführe, nach Einführung der C0 2 in den 
Darm mit einer kleinen P e an 'sehen Klemme die Pfortader zu¬ 
geklemmt. 


Tabelle 2. 


Datum 

Kaninchen 

In den Darm 
eingeführte ; 
Gas-Volumina j 

Das zurück- 
gesammelte 
Gas-Volum 
in ccm 

Absorbierte 
Gasmenge 
in ccm 

Absorbierte 

1 Gasmenge 
! in pCt. 

21.8. 

A 

C0 2 250,0 

150,0 

1 100,0 

i 

40,0 

25. 8. 

B 

250,0 

155,0 

95,0 

36,0 

27.8. 

C 

250,0 

150,0 

100,0 

1 40,0 

28. 8. 

D 

250,0 

160,0 

1 90,0 

38,0 

i 


Die Resorptionsgrösse blieb in diesen Versuchen erheblich 
hinter derjenigen zurück, die wir sonst nach C0 2 -Einführung zu 
sehen gewohnt waren, sie betrug nur 36—40 pCt. statt 87—92 pCt., 
blieb also um mehr als die Hälfte geringer. Bedenkt man, dass 
durch Anastomosen dem Darmvenenblut Gelegenheit genug gegeben 
ist, die Pfortader zu umgehen, so dorf man aus diesen Versuchen 
ohne Bedenken schliessen, dass bei weitem die grösste Menge des¬ 
jenigen Darmgases, welches nicht durch den Anus entleert wird, 
auf dem Wege der Resorption, also auf dem Blut- und Lymphwcge, 
entfernt wird. 

Die hier mitgeteilten Versuchsergebnisse verlocken sehr zu 
einem Ausblick auf das klinische Gebiet. Ad. Schmidt hat in 
einem Aufsatz über Darmgärung, Meteorismus und Blähungen 1 ) 
bereits die Auffassung vertreten, dass für die Gasbeschwerden 
unserer darmkranken Patienten die Grösse der Darmgärung viel 
weniger von Bedeutung ist, als die Leichtigkeit der Abfuhr durch 
den Anus und vor allem die Schnelligkeit der Gasresorption. Andere 
Forscher, z. B. Nothnagel und Traube haben sich in dem 
gleichen Sinne geäussert. Die grosse Mehrzahl der Aerzte aber 
und naturgemäss auch die Laien denken dagegen bei Blähungs- 


1) Therapeutische Monatshefte. 1899. Januar. 


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Original from 

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Ueber Gasresorption im Darm. 


323 


beschwerden immer zuerst an vermehrte Gasbildung und beschul¬ 
digen dann die verschiedensten Speisen als Blähungserreger. Wenn 
man sorgfältig klinisch beobachtet, so sieht man, dass es besonders 
Leute mit Stauung im allgemeinen oder im Pfortader-Gefässsystem 
sind, welche einen aufgetriebenen Bauch zeigen und über Gase 
klagen und zwar auch dann, wenn sie in vorsichtigster Weise er¬ 
nährt werden und keinerlei sonstige Symptome von Störungen der 
Darratätigkeit darbieten: Kranke mit Leberzirrhose und mit be¬ 
ginnender Myokarditis. Auf der anderen Seite finden wir selbst 
bei notorisch stark erhöhter Gasbildung im Darm, beispielsweise 
bei Gärungsdyspepsie, oft gar keine Klagen über Gasbeschwerden. 
Hier, wo besonders reichlich C0 2 entwickelt wird, wird sie — 
vorausgesetzt, dass das Gefässsystera intakt ist — eben glatt 
resorbiert, und nur die im untersten Darm befindlichen Gase ent¬ 
weichen durch den Anus. 

Auch bei entzündlichen Erkrankungen des Darmes scheint, 
wenn keine Stauung im Kreislauf vorhanden ist, die Gasresorption 
zunächst keine Not zu leiden. Wenigstens werden Kranke mit 
Darmkatarrhen, auch wenn die Kotuntersuchung (Nachgärung) auf 
eine vermehrte Gasbildung hinweist, durchaus nicht jedesmal von 
„Blähungen“ gequält. Ich habe versucht, auch hierfür einen ex¬ 
perimentellen Beleg zu geben, indem ich bei meinen Versuchstieren 
vor der Einführung der C0 2 den Darm durch Injektion reizender 
Stoffe in einen akut entzündlichen Zustand versetzte. Ich wählte 
dazu Lösungen von Soda (10 pCt.), Kalium hypermanganicum 
(0,1 pCt.) und Sublimat (0,01 pCt.). Eine Verminderung der C0 2 - 
Rcsorption trat danach nicht ein, eher schien es, als ob die Auf¬ 
saugung durch das Blut noch schneller vor sich ginge. Wenn ich 
dann den Darm nach Beendigung des Versuchs makroskopisch und 
mikroskopisch untersuchte, fand ich neben deutlicher Hyperämie 
mehr oder minder ausgesprochene Zeichen von Entzündung (Degene¬ 
ration des Epithels, Zellanhäufungen). Diese Beobachtungen be¬ 
stätigen die klinische Erfahrung, wonach für die Gasresorption in 
erster und wie es scheint entscheidender Linie die Blutdurch- 
strömung der Darmwand in Betracht kommt. Die Gasresorption 
ist eben keine Aufgabe der Zelltätigkeit, sondern wird lediglich 
durch das Blutgefässsystem vermittelt. Nur wenn dieses geschädigt 
ist, d. h. wenn der Kapillarstrom verlangsamt ist, erleidet sie 
Störungen. 

Internat. Beiträge. Bd. I. Heft 3 . 99 


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Original fro-m 

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324 Kan Kato, Ueber Gasresorption im Darm. 


Resume. 

Die Hauptmenge der im Darme vorhandenen Gase wird nicht 
durch den Anus entleert, sondern von der Darmwand resorbiert. 
Ganz besonders gross ist die Resorption der C0 2 , welche auf dem 
Wege des Blutstromes fortgeführt wird, sehr viel geringer die 
Resorption des 0 2 . H 2 und N 2 werden in kurzdauernden Versuchen 
überhaupt nicht resorbiert. Die Gasdiffusion spielt bei dem 
Verschwinden der Gase keine nennenswerte Rolle. Von Krankheits¬ 
zuständen führen diejenigen, welche den Pfortaderkreislauf er¬ 
schweren, sehr leicht zu Blähungsbeschwerden, während Entzündungs¬ 
zustände die Gasresorption nicht zu schädigen brauchen. 


Gck igle 


Original fro-rn 

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(Aus der medizinischen Universitätsklinik zu Halle a. S.) 

Ueber die Ausnutzung der Zellulose im Darm 
unter normalen und pathologischen Verhältnissen. 

Von 

Friedrich Moeller (Halle a. S.) 


Die Frage der Zelluloseverdauung und -ausnutzung hat durch 
die interessanten Arbeiten Lohrisch’s 1 ) aus der Ad. Schmidt- 
schen Klinik in den letzten Jahren eine wesentliche Bereicherung 
und Klärung erfahren. Wenn auch das Problem, auf welchem 
Wege — durch Bakterien Wirkung, durch Fermente oder durch ein 
Zusammenwirken beider? .— die Zellulose im Darmkanal gelöst 
wird, auch von Lohrisch noch nicht definitiv gelöst worden ist, 
sprechen doch viele seiner Ergebnisse dafür, dass die bakterielle 
Zersetzung nicht, wie man bisher geglaubt hat, der einzige dabei 
wirksame-Faktor ist. Die Schwierigkeit der Forschung liegt hier 
zum grössten Teil in der Unsicherheit der chemischen Methoden, 
welche zur quantitativen Bestimmung der Zellulose in den Nahrungs¬ 
bestandteilen und in den Fäzes angewendet w'orden sind. Ist doch 
nicht einmal der Begriff der Zellulose chemisch genau definiert. 
Lohrisch bediente sich bei seinen Untersuchungen einer neuen, 
von ihm in Verbindung mit Simon im Jahre 1904 angegebenen 
Zellulosebestimmungsraethodo 2 ), welche ausser einer wesentlichen 
Zeitersparnis den Vorzug hat, dass sie die sogen, inkrustierenden 
Substanzen, welche bei der früheren „Rohfasermethode“ mitbestimmt 
wurden, ausschaltet. Die Simon-Lohrisch’sche Methode besteht 
darin, dass durch schmelzendes Alkali, dessen Wirkung durch 

1) Zeitschr. f. phys. Chemie. 1906. No. 47. S. 200. — Zentralbl. f. 
<1. ges. Phys. u. Path. d. Stoflwechsels. Neue Folge. 1907. No. 21. — Zeit¬ 
schrift f. exper. Pathnl. u. Therapie. 1909. No. 5. 

2 ) Zeitschr. f. phys. Chemie. 1904. No. 42. 

* 


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Original fro-m 

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326 


F. Moeller, 


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Wasserstoffsuperoxyd erhöht wird, die pflanzlichen Zellwände ge¬ 
sprengt und die sie inkrustierenden Substanzen zersetzt werden. 
Hierbei geht die Zellulose teilweise in Lösung, ohne der Zerstörung 
anhehnzufallen. Durch Fällung mit 96 proz. Alkohol wird die ge¬ 
löste Zellulose quantitativ wiedererhalten und kann zusammen mit 
der ungelöst gebliebenen bestimmt werden. Neuerdings haben 
Scheunert und Lötsch 1 ) Bedenken gegen die Zuverlässigkeit 
der Simon-Lohrisch’schen Methode geäussert, welche sie damit 
begründen, dass das H 2 0 2 bei verschieden langer Einwirkung und 
besonders bei verschiedenen Temperaturgraden des Reaktions¬ 
gemisches einen verschieden grossen Teil der Zellulose durch 
Oxydation zum Verschwinden bringen kann. Ganz besonders soll 
das dann der Fall sein, w’enn Zellulose, welche nach dem Ver¬ 
fahren von Simon-Lohrisch rein dargestellt worden ist, einer 
nochmaligen Behandlung mit denselben Reagentien unterworfen wird. 

Diese Bedenken sind insofern begründet, als es auch mittels 
der Simon-Lohrisch’schen Methode ebenso wenig wie mit allen 
anderen Methoden gelingt, kleine Zelluloseverluste zu vermeiden, 
offenbar aus dem Grunde, weil überhaupt die Zellulose kein ein¬ 
heitliches chemisches Individuum ist und sich bei allen Eingriffen 
leicht verändert. Sie sind aber für die praktische Anwendung 
der Methode hinfällig, da bisher kein anderes Verfahren auch nur 
annähernd so gut übereinstimmende Zahlen ergibt und, wenn die 
Verfütterung solcher Zellulose vermieden wird, die schon einmal 
der Behandlung mit Kalilauge-Wasserstoffsuperoxyd unterworfen 
w T ar, die Fehlergrenzen ausserordentlich gering bleiben. Ueberdies 
zeigt sie uns gerade denjenigen Teil der „Rohfaser“ an, welcher 
ganz besonders der Einwirkung der Verdauung unterliegt, das ist 
nämlich die sogenannte „reine Zellulose“. Es ist also bisher kein 
Grund vorhanden, von der Simon-Lohrisch’schen Methode, welche 
sich in der menschlichen Pathologie ausserordentlich bewährt hat, 
abzugehen. Lohrisch hat sich ihrer in weitem Umfange zur Fest¬ 
stellung des Zellulosegehaltes der Fäzes von gesunden und kranken 
Personen bedient. Als Versuchsnahrung verabreichte er die Schmidt- 
Strasburger’sche Probediät, welche von zelluloschaltigen Bestand¬ 
teilen nur Kartoffelbrei, Weissbrot und Haferschleim enthält und 
deren Zellulosegehalt pro Tag 0,8916 g betrug. Die Versuche 
dauerten je 3 Tage und wurden an einer grossen Anzahl ver- 


1) Biochem. Zeitsclir. 1909. No. 20. 


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Uebcr die Ausnutzung der Zellulose im Darm usw. 


327 


schiedener Versuchspersonen durchgeführt. Als Durchschnittswerte 
der Zelluloseausnutzung fand Loh risch: 

bei normaler Verdauung.57,9 pCt. 

„ chronischer habitueller Obstipation . . 81,4 „ 

„ Gärungsdyspepsie.37,8 ,, 

„ gastrogener Diarrhoe (Achylia gastrica) . 29,5 „ 

„ Fettstuhl (Ikterus).27,8 „ 

„ Fettstuhl (Pankreaserkrankung) . . . 20,9 „ 

Weiterhin stellte er fest, wie weit der gesunde Mensch fähig 
ist, die Zellulose verschiedener Nahrungsmittel zu verwerten. Als 
Resultat ergab sich, dass der normal arbeitende menschliche Ver¬ 
dauungskanal imstande ist, Zellulose je nach ihrem Alter, ihrem 
Ursprung, ihrer härteren oder zarteren Beschaffenheit mehr oder 
weniger gut, unter Umständen fast vollständig auszunutzen. So 
wurden, wenn an Stelle des Kartoffelbreies der Probediät eine ent¬ 
sprechende Portion des Gemüses gegeben wurde: 

von Weisskraut . . . 100 pCt. 

„ Möhren.95,4 „ 

„ Spinat.90,5 „ 

„ Kohlrabi .... 79,1 „ 

„ Linsen.45 „ 

der mehr zugeführten Zellulose ausgenutzt. 

Da die Lohrisch’schen Versuche mit einer Nahrung angestellt 
wurden, welche nur aufgeschlossene (zerkleinerte, gebackene, ge¬ 
kochte) Vegetabilien enthält, erschien es wünschenswert, ihre 
Resultate durch weitere Untersuchungen bei Darreichung roher 
Gemüse zu ergänzen. Auf Anregung von Prof. Dr. Ad. Schmidt 
unterzog ich mich daher der Aufgabe, an einer Reihe von Ver¬ 
suchspersonen, und zwar sowohl gesunden, wie mit verschiedenen 
Verdauungsstörungen behafteten, nochmals Zelluloseausnutzungs¬ 
versuche mittels der Simon-Lohrisch’schen Methodik zu machen 
und zwar, indem ich zu der Probediät, welche stets als Grundlage 
genommen wurde, an bestimmten Tagen ein nicht zu kleines 
Quantum roher Mohrrüben hinzulegte. Im einzelnen gestaltete 
sich die Anordnung folgendermassen: Jeder Versuch (mit Aus¬ 
nahme des zweiten, der 15’ Tage in Anspruch nahm) währte 
(5 Tage. Den betreffenden Patienten wurde vom 1.—3. Tage 
(Periode A) nur Probediät und zur Erkennung der anfallenden 
Stühle täglich 2 mal 0,3 g Karmin gereicht. Vom 4.—6. Tage 
(Periode B) erhielten die Patienten ebenfalls Probediät und dazu 


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328 


F. Mooller, 


Ver¬ 

such 

Xo. 

Diagnose 

Name 

Versuchs¬ 
nahrung 
(3 Tage) 

g Feuchter Kot 

S (3 Tage) 

Trockener Kot 
* (3 Tage) 

Prozentgehalt an 
Trockensubstanz 

Eingeführte 

Zellulose 

Ausgeschiedene 

Zellulose 

i ^ 

1 O 

bC- = 

1 S ö 

—' T. 

_c 

B zz 

an 

I. A. 

Normal 

Busch 

Probediät 

i 

220 

64 

8,92 

4,3089 

i 

1,5110 

64.9 

B. 

do. 

?! 

do. -f- 750 g 
rohe Mohrrüb. 

350 

79 

1 9,32 

11,2149 

2,7761 1 

1 

75.2 

II. A. 

Normal 

Busch 

Probediät 

250 

85 

11,38 

4,3089 

1,7893 

58.5 

B. 

Künstl. Obstipation 
durch Opium 

- 

do. 

205 

79 

11,23 

4,3089 

0,9109 

78.9 

C. 

do. 

V 

do. + 750 g 1 
rohe Mohrrüb. 

260 

100 

13,11 

11,2149 

2,057 

81.7 

I). 

do. 

T» 

Probediät 

130 

42 

7,95 

4,3089 

0,7652 

82.2 

E. 

Normal 

V 

do. 

280 

1 107 

13,69 

4,3089 

1,6799 

61.0 

III. A. 

Chronische habituelle 
Obstipation 

Nedbal la 

do. 

190 

51 

9,51 

4,3089 

0,5773 

S6j; 

B. 

do. 

V 

do. + 750 g 
rohe Mohrrüb. 

200 

59 

9,58 

11,2149 

0,9015 ' 

92,0 

IV. A. 

Gärungsdvspcpsic 

Koch 

Probediät 

1160 

128 

! 8,78 

4,3089 

2,1376 

50,4 

B. 

do. 

V 

do. + 750 g 
rohe Mohrrüb. 

1190 

158 

10,57 

11,2149 

5,4842 

51,1 

V. A. 

Ikterus mit Fettstuhl 

Marr 

Probediät 

7 SO 

138 

14,08 

4,3089 

2,9836 

30.8 

B. 

do. 

r> 

do. + 750g 
rohe Mohrrüb. 

870 

167 

14,91 

11,2149 

7,4916 

33.2 

VI. A. 

Chron. Darmkatarrh 
mit Giirung 

J e r s i c k 

Probediät 

1380 

133 

i 

8,98 

4,3089 

2,8542 

33,8 

B. 

do. 


do. + 750 g 
rohe Mohrrüb. 

1400 

174 

11,22 

11,2149 

1 7.2S02 

35.1 


täglich 250 g rohe Mohrrüben, aber kein Karmin. Am 7. Tage 
wurde nur Probediät mit Karmin zur Begrenzung gegeben. Ver¬ 
such 2. welcher zur Untersuchung der Wirkung künstlicher Obsti¬ 
pation unternommen wurde, setzte sich folgendermassen zusammen: 
vom 1.—3. Tage (Periode A) Probediät und Karmin; vom 4. bis 
6. Tage (Periode B) Probediät und 3 mal täglich 15 Tropfen 
Tinctura opii, kein Kannin; vom 7.—9. Tage (Periode C) Probe¬ 
diät mit täglich 250 g rohen Mohrrüben, dazu 3 mal täglich 
15 Tropfen Tinctura opii und Karmin; vom 10.—12. Tage 
(Periode D) Probediät mit 3 mal täglich 15 Tropfen Tinctura opii, 
aber ohne Karmin; vom 13.—15. Tage (Periode E) Probediät und 
Karmin. Der während der Verstopfungsperiode produzierte Stuhl 
war ganz hart und bröckelig. Einläufe waren zur Entleerung 
nicht nötig. Was die verabfolgte Probediät anlangt, so muss ich 
noch bemerken, dass ihre Zusammensetzung eine etwas andere 
war, als in Loh risch’s Versuchen. Statt 100 g Zwieback wurde 


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Ueber die Ausnutzung der Zellulose im Darm usw. 


329 


täglich das dreifache Quantum (300 g) gegeben und der Hafer¬ 
schleim wurde vormittags durch Kakao ersetzt. Dementsprechend 
betrug der Zellulosegehalt der Probediät nicht 0,8916 g, sondern, 
wie eine besondere Bestimmung lehrte, 1,4363 g pro Tag. Der 
Zellulosegehalt der dargereichten Mohrrüben stellte sich auf 
0,9208 pCt. = 2,302 g pro Tag. Eine Gesamtübersicht der 
Resultate gibt die nebenstehende Tabelle. 

Was die Resultate betrifft, so stimmen sic im grossen und 
ganzen mit den von Lohrisch erhaltenen gut überein. 

Zunächst ist bemerkenswert, dass in drei normalen Perioden 
bei derselben durchaus gesunden Versuchsperson (Busch), nämlich 
Periode I. A, II. A und II. E die Zelluloseausuutzung geringen 
Schwankungen unterliegt, welche sich zwischen 58,5 und 64,9 pCt. 
bewegen, Zahlen, welche von der Lohrisch’schen Mittelzahl 
(57,9 pCt.) nicht wesentlich abweichcn. Weiterhin lässt sich im 
allgemeinen erkennen, dass bei Einführung grösserer Zellulose¬ 
mengen, d. h. nach Mohrrübenzulage, sowohl beim Gesunden, wie 
auch bei den verschiedenen Kranken, eine geringe Verbesserung 
der Zelluloseausnutzung stattfindet. 

Als Mittelwerte erhielt ich: 

Probediät mit Zu- 



Probediät 

läge von 750 g 
rohen Mohrrüben 

bei normaler Verdauung. 

61,5 pCt. 

75,2 pCt. 

„ künstlicher Obstipation .... 

80,5 „ 

81,7 „ 

„ chronischer habitueller Obstipation . 

86,6 „ 

92,0 „ 

„ Gärungsdyspopsie. 

50,4 „ 

51,1 „ 

„ Ikterus mit Fettstuhl. 

30,8 „ 

33,2 „ 

„ chronischem Darmkatarrh mit Gärung 

33,8 „ 

35,1 „ 


Besonders interessant und von grosser theoretischer Bedeutung 
ist das Verhalten der Zelluloseausnutzung bei Obstipation. Unter 
meinen Versuchen ist einer, welcher an einem Patienten mit 
chronischer habitueller Obstipation angestellt wurde (III.), und ein 
zweiter, welcher bei einem Menschen mit normaler Verdauung (H.) 
unter dem Einfluss von Opium, also bei künstlicher Obstipation, 
ausgeführt wurde. Bekanntlich sieht Schmidt 1 ), gestützt auf Be¬ 
obachtungen von Strasburger 2 3 ) über den verminderten Bakterien- 
gchalt der Obstipationsstühle und von Lohrisch 8 ) über die ge- 

1) Münch, med. Wochenscbr. 1905. No. 41. 

2) Zeitschr. f. klm. Med. 1902. No. 46 und 1903. No. 48. 

3) Deutsches Archiv f. klin. Med. 1904. No. 79. S. 383. 


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330 


F. Moeller, 


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steigerte Ausnutzung der Nahrung bei Obstipation, das Wesen der 
Obstipation in einer zu geringen Kotbildung infolge besonders aus¬ 
giebiger Resorption der Nahrung, welche den Bakterien keine Ge¬ 
legenheit zur Entwicklung und zur Bildung von Zersetzungsprodukten 
gibt. Die Verminderung der Peristaltik ist nach Schmidt nur ein 
sekundärer Vorgang, bedingt durch den geringen Entleerungsreiz 
infolge kleiner Kotmengen und fehlender Gärungsprodukte (Gase, 
Fettsäuren). Ganz besonders soll auch die Zellulose von den 
Obstipierten besser ausgenutzt werden als von Gesunden, wie das 
in der Tat aus der Lohrisch’schen Tabelle evident hervorgeht. 
Ist diese Vorstellung richtig, so darf man erwarten, dass eine 
künstliche Obstipation (mittels Opium) bei Gesunden geringere 
Zahlen für die Zelluloseausnutzung ergibt, als bei einem habituell 
Obstipierten, ebenso wie sie nach Lohrisch die Ausnutzung der 
übrigen Nahrungsstoffe nicht in demselben Masse beeinflusst. Sehen 
wir uns unter diesem Gesichtspunkt die gewonnenen Zahlen an, so 
finden wir, dass dieselbe gesunde Person (Busch), die im Durch¬ 
schnitt bei normaler Verdauung 38,5 pCt. der eingeführten Probe- 
diätzellulosc unausgenutzt ausscheidet, bei künstlicher Obstipation 
(II. B und D) im Durchschnitt nur 19,5 pCt. wieder ausscheidet. 
Diese immerhin wesentlich bessere Ausnutzung der Probediät¬ 
zellulose hält aber der Zulage von Mohrrüben nicht stand, denn 
sie sinkt im Vergleich zur opiumfreien Periode (I. B) nur von 
24,8 auf 18,3 pCt., also nur unbedeutend. Der chronisch Obsti- 
pierte dagegen (III.) scheidet von der Probediätzellulose überhaupt 
nur 13,4 pCt., nach Zulage von Mohrrüben gar nur 8 pCt. aus. 
Es ist also bei künstlicher Obstipation zwar eine bessere Aus¬ 
nutzung der Probediätzellulose, aber eine nur wenig bessere Aus¬ 
nutzung der Mohrrübenzellulose im Vergleich mit dem Normalen 
zu erkennen. Der chronischen habituellen Obstipation steht die 
künstliche Obstipation schon in der Ausnutzung der Probediät¬ 
zellulose, wesentlich mehr aber noch in der Mohrrübenzellulose¬ 
ausnutzung nach, so dass die Schmidt'sehe Auffassung im ganzen 
bestätigt wird. Bei Gärungsdyspepsie (IV.) fand ich noch eine 
relativ gute, wenn auch lange nicht an das Normale heranreichende 
Zelluloseausnutzung. Die betreffenden Werte für die Zellulose¬ 
ausnutzung sind: A = 50,4 und B = 51,1 pCt. Im Vergleich 
mit Lohrisch’s Fällen, der nur eine Ausnutzung von durch¬ 
schnittlich 37,8 pCt. bei Gärungsdyspepsie fand, sprechen diese 
Werte für einen relativ geringen Grad der Störung. Die Patienten 


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lieber die Ausnutzung der Zellulose im Darm usw. 


331 


mit Ikterus und chronischem Darmkatarrh mit Gärung vermochten 
nur sehr wenig Zellulose zu verarbeiten. Die Ausnutzung beträgt 
bei Ikterus (V.) 30,8 pCt. (A) und 33,2 pCt. (B), bei Gärungs- 
katarrh (VI.) 33,8 pCt. (A) und 35,1 pCt. (B). Auch diese Werte 
sind etwas, wenn auch nicht sehr viel höher als die entsprechenden 
Zahlen von Lohrisch; sie sind deshalb interessant, weil wir uns 
vorläufig keine Vorstellung darüber machen können, warum gerade 
bei Gallemangel (Ikterus), der doch sonst die Kohlehydratverdauung 
nicht beeinträchtigt, die Zelluloseausnutzung Schaden leidet. 

Während ich im Kote des Normalen und vor allem des 
chronisch habituell Obstipierten makroskopisch keine Mohrrüben¬ 
teilchen mehr nachweisen konnte, gelang es mir leicht, in den 
Fällen von Gärungsdyspepsie, ikterischem Fettstuhl und chronischem 
Darmkatarrh Mohrrübenstückchen im Kote zu erkennen. 

Das Gesamtergebnis der Versuche ist eine volle Bestätigung 
der von Lohrisch erhobenen Befunde und zugleich eine Erweiterung 
derselben hinsichtlich des Verhaltens roh genossener zellulosehaltigcr 
Nahrungsmittel bei den verschiedenen Störungen. 

Resnme. 

Analog dem Befunde Lohrischs’, dass die Zelluloseausnutzung 
aufgeschlossener Vegetabilien bei Verdauungsstörungen von der 
Norm abweicht, ergeben meine Untersuchungen, dass auch die 
Zellulose roher Gemüse bei chronischer habitueller Obstipation be¬ 
deutend besser, bei künstlicher Obstipation etwas besser, dagegen 
bei Gärungsdyspepsie, Ikterus mit Fettstuhl und chronischem 
Darmkatarrh mit Gärung bei weitem schlechter ausgenutzt wird 
als bei normaler Verdauung. 


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XXI. 


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(Aus der chirurgischen Abteilung des israelitischen Krankenhauses 

zu Breslau.) 

Ueber die Wechselwirkung von Schilddrüse und 
Geschlechtsdrüsen im Stoffwechsel. 

Von 

Dr. Felix Rosenthal, und Dr. Kurt Schwenk, 

Medizi nal Praktikanten, Assistenzarzt 


Die Wechselwirkung der Drüsen mit innerer Sekretion ist 
durch Eppinger, Falta und Rudinger 1 ) zuerst eingehend 
studiert worden. Die Untersuchungen der genannten Autoren er¬ 
streckten sich auf die Thyreoidea, das Pankreas und das chrom¬ 
affine System und ergaben innige Wechselbeziehungen zwischen 
den untersuchten Drüsen. Auf Grund ihrer Versuchsresultatc 
kommen Eppinger, Falta und Rudinger zu den Anschauungen, 
dass zwischen Thyreoidea und Pankreas, sowie zwischen Pankreas 
und chromaffinem System gegenseitige Hemmung, zwischen 
Thyreoidea und chromaffinem System gegenseitige Förderung be¬ 
steht, und zwar sollen die hemmenden Einflüsse, die die Drüsen 
aufeinander ausüben, die Förderungen an Intensität übertreffen. 
Ferner soll der Ausfall, bzw. die Ueberfunktion der einen Drüse 
zur Ueberfunktion, bzw. Insuffizienz der anderen Drüsen führen. 
Ergeben sich somit aus den Untersuchungen über die Wechsel¬ 
wirkung der erwähnten Drüsen, die auf den ersten Blick nur in 
recht lockerem Zusammenhänge zu stehen scheinen, wichtige Be¬ 
ziehungsgesetze, die auch für die menschliche Pathologie von Be¬ 
deutung sind, so versagt auffälligerweise die experimentelle 
Forschung gerade da, wo die klinische Betrachtung zu der An¬ 
nahme eines innigen Zusammenhanges geradezu hindrängt. So 

1) Zeitschr. f. klin. Med. 1008. Bd. GC>. 1009. Bd. 67. — Wiener 
kl in. Wochensehr. 1000. Xo. 30. 


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Ueber die Wechselwirkung von Schilddrüse und Geschlechtsdrüsen usw. 333 

sind unsere Kenntnisse über die Beziehungen der Akromegalie zu 
den Begleiterscheinungen des Myxödems, die Beziehungen der 
Hypophyse zur Schilddrüse, der Konnex zwischen Thyreoidea und 
Gcnitalapparat usw. eigentlich nur das Resultat exakter klinischer 
Beobachtung. Die zahlreichen experimentellen Arbeiten beschäftigen 
sich entweder mit der isolierten Funktion der einzelnen Drüsen 
oder mit der experimentellen Nachahmung und Präzisierung der 
durch die menschliche Pathologie gegebenen Tatsachen, während 
exakte Stoffwechsel versuche bezüglich des klinisch gesicherten Zu¬ 
sammenhanges der betreffenden Drüsen fast vollständig fehlen. Es 
soll die Aufgabe der folgenden Untersuchungen sein, zu prüfen, 
ob und in welcher Art der in mannigfachen klinischen Momenten 
sich demonstrierende Konnex zwischen Thyreoidea und Genital¬ 
drüsen im Stoffwechsel seinen Ausdruck findet. 

Was die klinischen Tatsachen betrifft, welche eine Wechsel¬ 
beziehung zwischen Thyreoidea und Genitalapparat nahelegen, so 
ist es besonders die Frau, bei der ein auffälliger Konnex der 
Schilddrüse mit den Sexualorganen besteht. Man darf fast-sagen, 
dass es kaum einen Vorgang im Sexualleben des Weibes gibt, bei 
dem nicht klinisch ein Zusammenhang mit der Schilddrüse nach¬ 
gewiesen ist. So beobachtet man eine Grössenzunahme der 
Thyreoidea bei der Pubertät, bei der Menstruation, während der 
Gravidität, post partum, unmittelbar nach der Konzeption, ja nach 
der Defloration 1 ), hei Amenorrhoe usw., Vorgänge, bei denen es 
fraglich erscheint, ob ihnen mehr eine kongestive Hyperämie oder 
eine wirkliche Hyperplasie mit Hyperfunktion zugrunde liegt. 
Bekannt ist ferner die Impotenz bei Myxödem und das Wieder¬ 
erwachen der Libido bei Zufuhr von Schilddrüsentabletten, ferner 
die mangelhafte Entwickelung der Genitalien beim Kretinismus, 
sowie die antezipierte Klimax beim Myxödem und die Beziehungen 
der Pubertät, Gravidität, des Puerperiums und Klimakteriums zum 
Morbus Basedowi. Lanz 2 ) hat dann auch den experimentellen 
Beweis für den engen Konnex zwischen Schilddrüse und weiblichen 
Sexualorganen erbracht, indem er im Tierexperiment zeigen konnte, 
dass nach Schilddrüscnexstirpationen bei Ziegen, die mit Thyreoidea¬ 
substanz gefüttert wurden, die aktive Zeugungsfähigkeit der Böcke 
und auch die Konzeptionsfähigkeit der Weibchen verschwand. 
Ferner nahm bei den Ziegen die Milchsekretion ab, und es trat 

1) Vcrgl. Caro, Berliner klin. Wochenschr. 1905. No. 11. 

2) Archiv f. klin. Chir. Bd. 74. 


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334 


F. Rosenthal und K. Schwenk, 


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Atrophie der Mammae ein. Ebenso beobachtete Lanz 1 ) am 
Menschen, dass ein völlig thyreoidektomierter Mann, der mit 
Schilddrüsensubstanz behandelt wurde, impotent blieb. Lange 2 ) 
fand weiter, dass trächtige Katzen zur Erhaltung ihrer Gesundheit 
ein grösseres Schilddrüsenquantum gebrauchen als nichtträchtige, 
während aus den Versuchen von Caro 3 ) sich ergibt, dass bei 
manchen schwangeren Hündinnen sehr ausgedehnte Resektionen 
der Schilddrüse samt Entfernung der Epithelkörperchen ohne Ein¬ 
fluss auf Gesundheit und Entbindung sind, und dass in anderen 
Fällen bei trächtigen Hündinnen schon mindergrosse Resektionen 
vorübergehende Krampferscheinungen auslösen. 

Weiter legen einen Zusammenhang zwischen Geschlechtsdrüsen 
und Thyreoidea die in vielfacher Hinsicht sich ähnelnden Ausfalls¬ 
erscheinungen nach isolierter Exstirpation einer Drüse nahe und 
die gemeinschaftlichen Beziehungen beider Drüsen zu gewissen 
Allgemeinerkrankungen. So tritt sowohl nach Entfernung der 
Keimdrüsen wie der Thyreoidea bei Tieren und bei Menschen, be¬ 
sonders beim weiblichen Geschlecht, eine Neigung zu Fettansatz 
ein, eine Erscheinung, die man in beiden Fällen teilweise auf eine 
verminderte Oxydationsenergie der Zellen zurückführen will. 
Ebenso soll nach zahlreichen Autoren bei Ovariotomie und bei 
Thyreoidektomie eine Herabsetzung des N-Umsatzes und des 
P 2 0 5 -Stoffwechsels stattfinden. — Ein weiterer enger Konnex 
zwischen Geschlechtsdrüsen und Schilddrüse zeigt sich dann bei 
der Osteomalazie, die im Gefolge der Gravidität eintreten kann 
und auch Beziehungen zum Morbus Basedowi hat. Fehling 4 5 ) 
führt denn auch auf Grund des therapeutischen Erfolges der 
Kastration die Osteomalazie auf eine abnorme Funktion der 
Keimdrüsen zurück, während Hönnicke 6 * ) in der Osteomalazie 
eine Folge einer Schilddrüsenerkrankung sieht. 

Die Beziehungen der Chlorose zu den Keimdrüsen und der 
Schilddrüse, wofür mancherlei klinische Anhaltspunkte vorhanden 
sind, sind noch nicht geklärt. Jedenfalls sind jedoch im Tier- 
cxperiment nach Kastration nach den Arbeiten*von Pinzani 8 ) und 

1) 1. c. 

2) Zeitschr. f. Geburtshilfe u. Gynäkologie. Bd. XL. 1899. 

3) Mitth. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir. Bd. XVII. S. 447. 

4) Archiv f. Gynäkologie. 1890. ßd. 39. S. 182 ff. 

5) Leber das Wesen der Osteomalazie. Halle a. S. 1905. 

C») Zentralblatt für Gynäkologie. Bd. 23. S. 1311. — Maly. 1S99. 

S. 580. 


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Ueber die Wechselwirkung von Schilddrüse und Geschlechtsdrüsen usw. 335 

Breuer und Seiler 1 ), denen die Resultate von Lüthje 2 3 ) schroff 
gegenüberstehen, und ebenso bei Thyreoidektoraie nach Busch an 8 ), 
Schneider 4 5 ), Formanek und Hascovec 6 ), Lebreton und 
Kräpelin 6 ), Gottstein 7 ) u. a. Veränderungen der Blutbeschaffen¬ 
heit gefunden worden. 

Im übrigen ist die Frage nach der Funktion der Schilddrüse 
und ihren Beziehungen zu den anderen Organen des Körpers nach 
der Entdeckung der Epithelkörperchen durch Sandström 8 ) und 
Gley 9 ) in ein neues Stadium getreten. Diesen kleinen Körperchen, 
in unmittelbarer Nachbarschaft der Schilddrüse oder in geringer 
Entfernung von ihr gelegen, hat ihr Entdecker Sandström nur 
eine anatomische Bedeutung für verschiedene Tierklassen und den 
Menschen zugeschrieben. Erst Gley hat dann ihre wichtige 
physiologische Rolle erkannt und ihre hervorragende genetische 
Bedeutung für das Krankheitsbild der Tetanie nachgewiesen. 
Seitdem sind zahlreiche Arbeiten erschienen, welche die Sonder¬ 
stellung dieser Blutdrüsen klarlegen und ihnen eine selbständige 
physiologische Funktion im tierischen Organismus zuweisen. 
Thyreoidea und Epithelkörperchen sind also weder anatomisch 
noch physiologisch zusammengehörige Gebilde. Die meisten An¬ 
hänger zählt gegenwärtig die Theorie, die annimmt, dass der 
Schilddrüsenausfall die chronisch trophischen Störungen der 
Kachexie, der Epithelkörperchenausfall hingegen die akuten töd¬ 
lichen Erscheinungen der Tetanie bedinge. Jedoch gibt es auch 
Autoren, welche den Epithelkörperchen die ihnen zugeschriebene 
Bedeutung absprechen und ihre Einwände daraus herleiten, dass 
das Resultat der Parathyreoidektomie häufig ein schwankendes 
war. So führen Blumreich und Jacoby 10 ) eine grosse Zahl von 
Versuchen am Kaninchen an, bei denen trotz Entfernung der 
Thyreoidea und Parathyreoideae keine Tetanie auftrat. Jeande- 
litze 11 ) nahm unter anderem an zwei Katzen die totale Para- 

1) Archiv f. experimentelle Pathologie. Bd. 50. S. 169. 1903. 

2) Archiv f. experimentelle Pathologie. Bd. 48. S. 184 u. Bd. 50. S. 268. 

3) Ueber Myxödem. Leipzig 1896. 

4) Inaug.-Diss. Dorpat 1891 u. ZentralbT. f. Physiologie. 1891. S. 363. 

5) Die Funktionen der Schilddrüse. Wien, Holder. 1896. S. 32, 52. 

6) Zit. nach Gottstein. 

7) Deutsche Zeitscbr. f. Nervenheilk. Bd. VI. S. 177. 

8) Upsala laekarefören forhandl. 1880. Bd. IV. Referiert in Schmidts 
.Tahrb. 1880. 

9) Archiv f. d. gcs. Phys. Bd. XVI. 1897. 

10) Archiv f. d. ges. Phys. Bd. 64. 1896. 

11) These de Paris. 1903. 


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336 F. Rosenthal und K. Schwenk, 

thyreoidektomie vor, die eine ging am dritten Tage unter den 
Symptomen der Tetanie zugrunde, die andere reagierte mit Ab¬ 
magerung, Kachexie und Tod nach 3 Monaten. Diesen Versuchen 
ist jedoch kein massgebender Wert beizumessen, da die mikro¬ 
skopische Kontrolle fehlt. Auch bei Affen und auch bei Kaninchen 
sind nach Walbaum 1 ) und Pineies 2 3 ) die Versuchsergebnisse 
keine einheitlichen. Gegen die Epithelkörperchentheorie wenden 
sich ferner Kishi 8 ), Blum 4 5 ) und Lanz 6 ), von denen letzterer an 
Ziegen experimentierte, und weiterhin Caro 6 ), der besonders gegen 
Pineies polemisiert, der streng für die Kachexie eine thyreogene 
und für die Tetanie eine parathyreogene Aetiologie annimmt. Ist 
somit die Anschauung von der ausschliesslich parathyreoiden Ge¬ 
nese der Tetanie noch nicht zu allgemeiner Anerkennung gelangt, 
so stimmen doch fast sämtliche Autoren darin überein, dass den 
Epithelkörperchen eine wesentliche physiologische Bedeutung für 
die Entstehung der Tetanie zukommt. 

Es ergibt sich damit für eine experimentelle Untersuchung 
der Schilddrüsenfunktionen die Notwendigkeit, die Wirkung der 
Thyreodektomie wie der Parathyreodektomie isoliert zu studieren, 
da nur bei Kenntnis jedes einzelnen Faktors die komplizierten 
Verhältnisse gedeutet werden können, welche bei Herausnahme 
beider Drüsensysteme entstehen können. In diesem Sinne sind 
auch Falta, Eppinger und Rudinger bei ihren Untersuchungen 
bezüglich der Wechselwirkung von Schilddrüse, Pankreas und 
chromaffinem System vorgegangen. Dagegen lassen die zahlreichen 
Arbeiten, die Thyreodektomie und Parathyreodektomie nicht von¬ 
einander trennen, keine Rückschlüsse auf die spezifischen Funktionen 
der Schilddrüse zu. 

Haben wir oben gesehen, dass die Klinik zahlreiche Anhalts¬ 
punkte für einen innigen Konnex zwischen Thyreoidea und Sexual¬ 
organen aufweist, so ergibt sich von dem Gesichtspunkt einer 
parathyreoiden Genese der Tetanie auch für die Epithelkörper ein 
klinischer Zusammenhang mit dem Geschlechtsapparat, da die 
Tetanie nicht selten eine Krankheit der Gravidität und der 
Laktationsperiode ist. Einen experimentellen Beweis für einen 

1) Mitteil, aus d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir. Hd. XII. 11>03. 

2) Mittcil. aus d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir. Hd. XIV. 1904. 

3) Virchows Archiv. Bd. 176. 1904. 

4) Münchener med. Wochenschr. 1906. No IS. 

5) Zentral bl. f. Chir. 1905. S. 339. 

C) Grenzgeb. d. Med. u. Chir. Bd. 17. S. 447. 


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Ueber die Wechselwirkung von Schilddrüse und Geschlechtsdrüsen usw. 337 


solchen Zusammenhang hat auch Erdheim 1 ) erbracht. Eine sehr 
grosse Ratte wurde ihrer beiden Epithelkörperchen beraubt und 
blieb nach der Operation ohne Tetanie. Als das Tier nun später 
geschwängert wurde, bekam es gegen den Schluss der Gravidität 
eine typische Tetanie. Dieselbe verschwand nach erfolgter Geburt, 
um in einer späteren Schwangerschaft genau wie in der vorher¬ 
gehenden von neuem wieder aufzutreten. Adler und Thaler 2 ) 
haben diese Beobachtung an 14 Ratten bestätigen können. Da¬ 
gegen haben die Beobachtungen von von Eiseisberg an der Frau 
und die Experimente von Pineies, Zanfrognini, Gross nach 
Erdheim 1 ) keine ausreichende Beweiskraft für die Abhängigkeit 
der Schwangerschaftstetanie von der Parathvreoidektomie erbracht. 

Gehen wir nun über zu der gesonderten Betrachtung der 
Funktionen der einzelnen uns hier interessierenden Blutdrüsen, so 
sind die Versuchsresultate über den Einfluss der Keimdrüsen auf 
den Eiweissstoffwechsel, soweit derselbe aus dem Eiweisshaushalt 
nach der Kastration erhellt, vorläufig noch keine eindeutigen. Die 
über viele Monate sich erstreckenden Versuchsreihen von Lüthje 8 ) 
ergaben zu keiner Zeit Veränderungen des Eiweissumsatzes nach 
der Kastration. Dagegen fauden Schulz und Falk 4 ), die 
1—10 Tage und ebenso 7 Wochen nach der Kastration den 
Eiweissstoffwechsel untersuchten, einen leichten Anstieg von N im 
Harn. Zu dem gleichen Resultate gelangten Neu mann und 
Vas 5 ), die ebenfalls 5—8 Tage nach der Kastration eine un¬ 
bedeutende Vermehrung der N-Ausscheidung des Urins konstatierten. 
Curatolo und Tarulli 6 ) konnten keine Aenderung des N-Stoff- 
wechsels beim kastrierten Tiere bemerken, ebensowenig Mosse und 
Oulie 7 ). Dagegen erfolgte in den Versuchen von Rep reff und 
Popiel 8 ) nach der Kastration eine deutliche Mehrausfuhr von N, 
wobei sogar nach Popiel die N-Ausfuhr die N-Zufuhr überwog. 
Im Gegensatz zu den bisher genannten Autoren gibt endlich 
Pinzani 9 ) eine Verminderung der P,0 B -Harnausfuhr an, während 
nach Mosse und Oulie die P,0--Ausscheidung gegenüber der 

1) Mitteil, aus den Grcnzgcb. d. Med. u. Chir. Bd. 16. S. 632. 

2) Zeitschr. f. Geburtsh. u. Gynäkologie. Bd. 62. S. 194. 

3) Archiv f. exper. Pathologie. Bd. 48 u. 50. 

4) Archiv f. Gynäkologie. Bd. 58. S. 565. 

5) Monatsschr. f. Geburtsh. u. Gynäkol. Bd. 15. S. 433. 

6) Zentralbl. f. Gvnäkol. 1895. S. 556. 

7) Ref. in Maly. *1899. S. 704. 

8) Zit. nach dem Noordcnschen Handbuch. Bd. I. S. 419. 

9) Zentralbl. f. Gynäkol. Bd. 23. 131L 


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338 


F. Rosentbal und K. Schwenk, 


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Norm etwas gesteigert erscheint. Dagegen besteht bei Falk und 
Schulz, Lüthje, Neumann und Vas zwischen kastrierten und 
normalen Tieren bezüglich der P 2 0 6 -Ausfuhr kein nennenswerter 
Unterschied. Bei Bestimmung des Gesaratphosphorsäuregehaltes 
im Körper fand Heymann 1 ), wenn man von den Lüthjeschen 
Phosphorsäurezahlen absieht, die nach Magnus-Levy 2 ) wegen 
ihrer abnorm geringen Werte eine Verwertung nicht gestatten, bei 
ovariektomierten Ratten eine starke Abnahme des Gesamtphosphor¬ 
säuregehaltes, besonders in den Knochen, ein Resultat, das den 
therapeutischen Erfolg der Kastration bei Osteomalazie noch 
rätselhafter erscheinen lässt. Bezüglich des Chlorstoffwechsels 
nach Kastration liegen in der Literatur keine Angaben über 
wesentliche Veränderungen desselben nach Entfernung der Ge¬ 
schlechtsdrüsen vor. 

Weit klarer und einheitlicher sind dagegen unsere Kenntnisse 
über den Einfluss der Schilddrüse auf den Kraft- und Stoffumsatz. 
Man kann es als gesichert betrachten, dass nach Exstirpation der 
Thyreoidea der gesamte Kraftumsatz daniederliegt und dass ent¬ 
sprechend dem geringen Kraftumsatz der Eiweissumsatz verringert 
ist. Auf Grund von Hungerversuchen an thyreodektomierten Hunden 
kommen Eppinger, Falta und Rudinger 8 ) zu dem Ergebnis, 
dass nach Exstirpation der Schilddrüse der Hungereiweissumsatz um 
ein Drittel bis auf die Hälfte herabgesetzt ist. Bezüglich der Chlor- 
werte zeigt sich nach Thyreoidektomie neben meist vermehrter 
Diurese eine kurz dauernde geringe Vermehrung der Chloraus¬ 
scheidung 4 ), jedoch differieren diese Werte nicht sehr von den 
normalen Werten 8 ). Die Phosphorsäureausscheidung lässt die Thy¬ 
reoideaexstirpation bis auf die Hälfte des Normal wertes 4 ) sinken, 
lieber die Einwirkung der Epithelkörper auf den Salzstoffwechsel 
bestehen unseres Wissens nach keine Untersuchungen. Auf den 
N-Stoffwechsel sind sie nach den Arbeiten von Eppinger, Falta 
und Rudinger ohne Einfluss. 

Wir kommen nunmehr zu unseren eigenen Versuchen, bei deren 
Durchführung wir uns der liebenswürdigen Unterstützung von Herrn 
Professor Gottstein, dem wir an dieser Stelle herzlichst danken, 
zu erfreuen hatten. 

1) Archiv f. Gynäkol. Bd. 73. S. 366. 1904. 

2) Noordensches Handbuch. S. 421. Bd. I. 

3) I. c. 

4) Vgl. Lchrb. d. Pharmak. von Fi lehne. S. 181. 1901. 

5) Zeitsehr. f. physiol. Chemie. Bd. 22, 18. 1896. 


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lieber die Wechselwirkung von Schilddrüse und Geschlechtsdrüsen usw. 339 

Als Versuchstier haben wir den Hund gewählt. Bei der Wahl 
dieses Versuchstieres bestimmte uns wesentlich der Umstand, dass 
die meisten massgebenden Arbeiten über den Einfluss der Kastration 
beim Tier sich auf den Hund beziehen, und dass auch ein grosser 
Teil der Versuche über die Einwirkung der Thyreoidektomie, bzw. 
Parathyreoidektomie auf den Stoffwechsel gleichfalls am Hunde an¬ 
gestellt worden sind. Damit waren uns von vornherein Vergleichs¬ 
werte mit unseren Versuchsresultaten gegeben. Zur Beantwortung 
unserer Fragestellung, ob und in welcher Art der klinisch ge¬ 
sicherte Konnex zwischen Thyreoidea und Genitaldrüsen im Stoff¬ 
wechsel seinen Ausdruck findet, wählten wir folgende Methode. 
Wir kastrierten die Versuchstiere und verbanden damit gleichzeitig 
eine fraktionierte Thyreo-, bzw. Parathyreoidektomie, indem wir 
zunächst der Kastration eine einseitige Schilddrüsenexstirpation hin¬ 
zufügten, dann den Stoffwechsel untersuchten, alsdann weiter eine 
gleichseitige Epithelkörperexstirpation Vornahmen, wieder unter¬ 
suchten und dann in gleicher Weise etappenweise die andersseitige 
Thyreo- und Parathyreoidektomie anschlossen. Wenn in der Tat 
zwischen Schilddrüse und Epithelkörper einerseits und Genital¬ 
apparat andererseits ein sich im Stoffwechsel ausprägender Zu¬ 
sammenhang besteht, so durfte dieser sich nicht bloss in einer 
Summation der Wirkungen von Kastration und Schilddrüsenexstir¬ 
pation im Stoffwechsel äussem, sondern eine qualitative Ver¬ 
schiebung der Werte bedingen, die zum mindesten im Stadium der 
totalen Thyreo-, bzw. totalen Parathyreoidektomie zu Tage treten 
musste. Für unsere Zwecke erschien uns die Untersuchung des 
Hungerstoffwechsels in den verschiedenen Stadien am geeignetsten, 
da sich diese Methode bereits in den Versuchen von Falta, Grote 
und Stähelin 1 ) und Falta und Withney 2 3 ) an pankreaslosen 
Hunden und in den bereits früher erwähnten Versuchen von 
Eppinger, Falta und Ru di n ge r als zweckentsprechend bewährt 
hatten. Bezüglich der Isolation, bzw. Exstirpation der Epithelkörper 
haben wir zu bemerken, dass wir unser Augenmerk nur auf die 
äusseren Epithelkörperchen richteten, nachdem wir, wie auch andere 
Autoren, wie Pine 1 es und Hagenbach s ),uns davon überzeugt hatten, 
dass die einwandsfreie Entfernung der inneren Epithelkörperchen 
oft auf die grössten Schwierigkeiten stösst. Da nun nach allen 

1) Hofmeister’s Beitr. Bd. X. 1907. 

2) Hofmeister’s Beitr. Bd. XI. 1908. 

3) Mitteil, aus den Grenzgeb. d. Med. u. Chirurgie. Bd. 18. H. 2. 

Internat. Beiträge. Bd. I. Heft 3. 23 


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340 


F. Rosenthal und K. Schwenk, 


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Experimentatoren die äusseren Epithelkörper die Funktion allein 
übernehmen können und somit die inneren Epithelkörperchen ent¬ 
behrlich sind, so haben wir uns in unseren Experimenten bloss auf 
die äusseren Epithelkörperchen beschränkt, die relativ leicht von 
ihrem zugehörigen Schilddrüsenlappen isoliert werden konnten und 
damit eine einwandsfreie totale Thyreo-, bzw. Parathyreoidektomic 
ermöglichten. Unsere Operationstechnik schloss sich im wesent¬ 
lichen der von Hagenbach 1 2 ) angegebenen Methodik an. Die 
zurückbleibenden äusseren Epithelkörper suchten wir uns durch 
Zurücklassung eines Seidenfadens in der Umgebung derselben für 
unsere späteren Operationen kenntlich zu machen, und ausserdem 
haben wir, um sicher alles Schilddrüsen- bzw. Epithclkörperchcn- 
gewebe zu entfernen, die Halsgegend bei jeder unserer Operationen 
gründlich ausgeräumt. 

Sämtliche exstirpierten Gewebsstücke wurden mikroskopisch 
untersucht. Wir fanden daher auch bei den von uns vorgenommenen 
Thyreoidektomien fast stets im Schilddrüsenstroma die inneren 
Epithelkörper im mikroskopischen Schnitte wieder und konnten 
in gleicher Weise die in der oben beschriebenen Weise kennt¬ 
lich gemachten äusseren Epithelkörper nach ihrer Entfernung im 
Schnittpräparat identifizieren. Auf das klinische Bild, das 
unsere Versuchstiere boten, soll unten ausführlicher eingegangen 
werden. 

Als Versuchstiere dienten uns 2 Hunde und 2 Hündinnen. 
Unser Versuchsplan war, die N-, CI- und P 2 0 6 -Ausscheidung im 
Hungerzustande unter der Einwirkung der Kastration und der damit 
verbundenen sukzessive erfolgenden Thyreo- bzw. Parathyreoidek- 
tomie festzustellen. Wir haben uns dabei auf Harnanalysen be¬ 
schränkt, da bekanntlich — und ganz besonders im Hunger — die 
N- und Cl-Ausscheidung an anderen Austrittspforten (Schwciss, 
Kot) so gering ist, dass man sie nicht in Betracht zu ziehen 
braucht. Das Gleiche gilt auch für die Phosphorsäureausscheidung, 
die gerade bei Karnivoren in Anbetracht der Ca-Armut der Nahrung 
und daher um so mehr im Hungerzustande bei der völligen Ca- 
Abstinenz fast ausschliesslich auf renalein Wege geschieht“). Die 
Stickstoffbestimmungen wurden nach Kjeldahl ausgeführt, die Be¬ 
stimmung der Cl-Ioncn geschah nach der Volhard-Salkowski- 

1) Mittcil. aus den Grenzgeb. d. Med. u. Chirurgie. Bd. 18. H. 2. S. 338.* 

2) Vgl. Literaturangab. bei Oertel, Zeitschr. r*. klin. Med. 1909. Bd. 67. 
H. 8. — Noorden’sches Handb. Bd. I. S. 43. 


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Ueber die Wechselwirkung von Schilddrüse und Geschlechtsdrüsen usw. 341 


sehen Methode, die der Phosphorsäure-Ionen mit Uranylazetat und 
einer lOproz. Ferrozyankalilösung als Indikator. 

Wir lassen nun die Versuchsprotokolle folgen. 

Schwarzer Hund I. Exstirpation des einen Schilddrüsenlappens unter 
Zurücklassung der gleichseitigen äusseren Epithelkörper und gleichzeitige 
Kastration am 8. 6. 09. 


Tabelle Ia. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

kg 

1 

N 

CI 

■ 

p 4 o, 

13. 6. 09 

Hunger 

13,3 

2,752 

0,264 

0,474 

14. 6. 

do. 

12,9 

2,716 

0,201 

0,431 

15. 6. 

do. 

12,6 

2,755 

0,153 

0,462 

16. 6. 

do. 

12,4 

i 2,393 

0,120 

0,495 

17. 6. 

do. 

12,1 

| 2,197 

0,125 

0,389 



Tabelle 

Ib. 



29. 6. 09 

Hunger 

13,5 

. 2,622 

0,393 

0,365 

30. 6. 

do. 

13,0 

2,099 

0,282 

0,342 

1. 7. 

do. 

12,7 

2,831 

0,152 

0,387 

2. 7. 

do. 

12,5 

2,695 

0,06 

0,441 

3. 7. 

do. 

12,2 

2,481 

0,05 

0,381 



Tabelle 

Ic. 



31. 7. 09 

Hunger 

13,8 

2,829 

0,428 

0,374 

1. S. 

do. 

13,4 

2,744 

0,244 

1 0,349 

2. 8. 

do. 

13,0 

1 2,355 

0,096 

| 0,492 

3. 8. 

do. 

12,6 

2,742 

0,082 

0,563 

4. 8. 

do. 1 

i 

12,4 

2,043 

0,087 

0,537 


Gelber Hund II. Kastration mit einseitiger Thyreoidektomie am 10. 7. 09. 
Tabelle II a. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

kg 

N 

CI 

PA 

15. 7. 09 

Hunger 

17,5 

4,396 

0,356 

0,724 

16. 7. 

do. 

17,4 

3,908 

0,217 

0,511 

17. 7. 

do. 

17,1 

2,058 

0,183 

0,696 

18. 7. 

do. 

17,0 

1 3,845 

0,150 | 

0,854 

19. 7. 

do. 

16,6 

| 2,538 

0,024 ! 

0,423 



Tabelle 

II b. 



29. 7. 09 

Hunger 

17,5 

4,938 

0,467 

0,745 

30. 7. 

do. 

17,0 

2,777 

0,383 

0,522 

31. 7. 

do. 1 

16,7 

3,468 

0,221 

0,539 

1. 8. 

do. I 

16,5 

3,071 

0,237 

0,591 

2. 8. 

do. ! 

16,3 

2,394 

0,09 

0,468 


23* 


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342 F. Rosenthal und K. Schwenk, 


Scheckige Hündin I. Einseitige Thyreoidektomie mit gleichzeitiger Kastra* 
tion am 5. 7. 09. 


Tabelle lila. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

kf? 

N 

CI 

p 2 o 5 

10. 7. 09 

Hunger 

18,2 

5,106 

1,218 

0,794 

11. 7. 

do. 

17,9 

3.158 

0,339 

0,568 

12. 7. 

do. 

17,7 

3,094 

0,240 

0,618 

18. 7. 

do. 

17,3 

3,519 

0,119 

0,782 

14. 7. 

do. 

16,9 

2,896 

0,100 

0,523 



Tabelle Illb. 



20. 8. 09 

Hunger 

19,7 

3,982 

0,738 

0,569 

21. 8. 

do. 

19,2 

3,434 

0,487 

0,624 

22. 8. 

do. 

19,0 

3,526 

0,311 

0,482 

23. 8. 

do. 

18,7 

3,192 

0,129 

0,409 

24. 8. 

do. 

18,4 

2,679 

*) vergessen 

0,501 





worden 




Tabelle 

III c. 



16. 9. 09 

Hunger 

18,5 

4,641 

0,977 

0,552 

17. 9. 

do. 

18,0 

2,758 

0,371 

0,486 

18. 9. 

do. 

17,7 

3,430 

0,195 

0,592 

19. 9. 

do. 

17,3 

2,629 

0,062 

0,550 

20. 9. 

do. 

17.1 

2,596 

0,045 

0,473 


Hündin II. Kastration mit einseitiger Thyreoidektomie am 11. 9. 09. 
Tabelle IV a. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

kg 

N 

CI 

P 2 O s 

16. 9. 09 

Hunger 

15,7 

3,582 

1,449 

0,527 

17. 9. i 

do. 

15,2 

1,270 

0,642 

0,439 

18. 9. 

do. 

14,7 

3,129 

0,237 

0,582 

19. 9. 

do. 

14,5 

2,849 

0,142 

0,591 

20. 9. 

do. 

14,4 

2,637 

0,115 

0,564 



Tabelle 

IV b. 



27. 9. 09 

Hunger 

15,0 

3,166 

0,940 

0,535 

28. 9. 

do. 

14,6 

2,989 

0,539 

0,487 

29. 9. 

do. 

14,4 

2,792 

0,167 

0,498 

30. 9. 

do. 

14,2 

2,745 

0,158 

0,592 


Betrachten wir zunächst den Hungereiweissumsatz unserer 
Versuchstiere und vergleichen wir damit die Werte, wie sie aus 
den Versuchen von Voit 1 ) und Falta und Withney 2 ) für den 


1) Zeitschr. f. Biologie. Bd. 41. 1901. 

2) 1. c. 


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Ueber die Wechselwirkung von Schilddrüse und Geschlechtsdrüsen usw. 343 


Hungereiweissumsatz normaler Hunde am 3. bezw. 4. Hungertage sich 
ergeben, so besteht folgende Tabelle: 


Normale Hungertiere 

Operierte Hungertiere 

Autor 

Gewicht 

kg 

N pro die 
und 
pro kg 

Männliche 

Weibliche 

Ta¬ 

belle 

Ge¬ 

wicht 

N pro 
die u. 
pro kg 

Ta¬ 

belle 

Ge¬ 

wicht 

N pro 
die u. 
pro kg 




Ia 

12,4 

0,193 

lila 

17,3 

0,20 

Voit 

18,7 

0,200 

lb 

12,5 

0,216 

III b 

18,7 

0,170 




Ic 

12,6 

0,217 

III c 

17,7 

0,193 

Falta u. 



II a 

17,0 

0,226 

IV a 

14,5 

0,196 

Withney 

i o,o 

U/04 

II b 

16,7 

0,207 

IV b 

14,2 

0,193 


Es ergibt sich somit aus unseren Versuchen: 

Bei grösseren Hunden und Hündinnen, bei denen die Kastration 
mit einseitiger Thyreoidektomie kombiniert ist, zeigt der Hunger- 
N-Stoffwechsel im allgemeinen keine wesentlichen Differenzen gegen¬ 
über normalen Hungertieren. Nur bei der Hündin II ist der N-Stoff- 
wechsel um zirka ein Drittel gegen die Norm herabgesetzt. Es 
stimmen diese Resultate im wesentlichen mit denen von Lüthje, 
Curatolo und Tarulli, Moss6 und Oulie überein, die keinen 
Einfluss der Kastration auf die Stickstoffausscheidung konstatieren 
konnten. 

Was nun den Chlorstoffwechsel unserer in der oben angegebenen 
Weise operierten Hungertiere betrifft, so unterscheidet sich derselbe 
gleichfalls nicht wesentlich von dem normaler Hungerhunde. Aus 
unserer Tabelle geht hervor, dass bei unseren Hunden die Chlor¬ 



Männliche Hunde 



Hündinnen 




Cl-Ausscheidung am 


Cl-Ausscheidung am 



4. Hungertag 


4. Hungertag 


f 

Tabelle I a 

0,12 

Hündin 1 

1 i; 

Tabelle lila 

0,119 

Hund I 

1 

i 

Ib 

0,06 

III b 

0,129 


l 

Ic 

0,082 

nie 

0,062 

Hund II | 

i 

Tabelle IIa 

0,15 

Hündin / 

1 Tabelle IV a 

0,142 

( 

II b 

0,237 

ii \ 

i 

| IVb 

0,158 


ausscheidung am 4. Hungertage zwischen den maximalen und 
minimalen Werten von 0,237 und 0,06 g schwankt. Diese Zahlen 


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344 


F. Rosenthal und K. Schwenk, 


entsprechen jedoch den normalen Schwankungen. So hat Munk’s 1 ) 
Hungerhund am 4. Tage 0,06 g CI abgegeben, während der nicht 
viel schwerere Hund von Feder 2 ) an dem gleichen Hungertage 
0,338 g Chlor ausschied. 

Dagegen bestehen bei Phosphorsäurestoffwechsel unserer Ver¬ 
suchstiere Unterschiede gegenüber dem normalen hungernden Hunde. 
Die folgende Zusammenstellung gibt die Gesamt-P 2 0 6 -Ausscheidung 
der letzten 3—4 Versuchstage, sowie den Einzelwert der P 2 0 6 - 
Ausscheidung am 4. Versuchstage tabellarisch wieder: 



' 

Hunde 



Zeit nach 
der Ope¬ 
ration 


Hündinnen 

Zeit nach 
der Ope¬ 
ration 


Ta¬ 

belle 

P 2 O 5 der 
letzten 

4 Tage 

e » 

« SP 
o H 

P 2 O ß : N 
am 

4. Tage 


Ta¬ 

belle 

Jag,, P & 2 5. 

£4 1 »H ,q es' 

** K : 

6 Tage 

1 

Ia 

1,777 

0,495 

1 =4,8 

6 Tage 

Hündin 1 

1 1 1 

lila 

2,491 ! 0,782 1:45 

22 „ 

54 

Hund I | 

1 b 

Ic 

1,551 

1,941 

0,441 

0,563 

1 : 6,2 

1 :4,8 

45 „ 

79 , 

III b 
Ille 

2,016 0,409] 1=6.1 

1,901 | 0,550: 1:5.5 

6 „ 

Hund II | 

i 

II a 

2,484 

, 0,854 1 

1 : 4,5 

5 „ | 

Hündin / 

IVa 

2,176 0,591.1:45 

20 „ 

II b 

2,120 

i 

! 0,591 ! 

| 

1 : 5,2 

17 , 

II \ 

i 

IV b 

1.5771 0.592 1:4» 
(3 Tg.), 


Wenn wir zunächst die Resultate der Versuche, die kurze Zeit 
nach der Operation unternommen wurden (Tabelle la, Da, lila, 
IVa) ins Auge fassen, so unterscheidet sich die P 2 0 B -Ausscheidung 
nicht von dem Phosphorsäureumsatz bei normalen hungernden 
Hunden. Nach den Untersuchungen von Falk 3 ) beträgt der Quotient 
P 2 0 6 : N ira Hungerzustande gesunder Tiere am 4. Versuchstage 
1 : 4,8—4,1. Innerhalb dieser Grenzen liegt auch in den eben ge¬ 
nannten Versuchen der Phosphorsäure-Stickstoffquotient. Ist jedoch 
einige Zeit nach dem chirurgischen Eingriff verstrichen, so zeigen 
sich Veränderungen der P 2 0 5 -Ausscheidung ira Sinne einer Ver¬ 
minderung derselben. Im Versuch Ib, der 22 Tage nach der Ope¬ 
ration unternommen wurde, sinkt die Gesamt-P 2 0 6 -Ausschcidung 
um 0,226 g und ebenso steigt als Ausdruck der Phosphorsäure¬ 
retention der Quotient P 2 0 6 : N auf 1 : 6,2. Das Gleiche ist im 
Versuche IIb zu konstatieren, wo gegenüber dem Versuch Ha eine 
P 2 0 6 -Retention von 0,364 g P 2 0 5 vorhanden ist und wo auch der 
Quotient 1 : 5,2 eine verminderte P 2 0 5 -Ausscheidung gegenüber dem 

1) Viretiow’s Archiv. Bd. 131. Supplemcnth. S. 149. 

2) Zeitschr. f. Biologie. Bd. 14. 161. 

3) Cit. nach Munk, Pflüger 1 s Archiv. Bd. 58. 1894. 


Digitized b) 


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UNIVERSITY OF MICHIGAN ^ 







Ueber die Wechselwirkung von Schilddrüse und Geschlechtsdrüsen usw. 345 


normalen N-Umsatz anzeigt. Die gleiche Erscheinung weist der 
Versuch IIIb bei der Hündin I auf. Die P 2 0 6 -Ausscheidung sinkt 
um 0,475 g. Der Quotient P 2 0 B : N beträgt am 4. Versuchstage 
1 : 6,4. Bei der Hündin II ruft die Kastration und einseitige Thy- 
reoidektomie auch längere Zeit nach dem Eingriff keine wesent¬ 
lichen Veränderungen des P 2 0 6 -Stoffwcchsels hervor. In den Ver¬ 
suchen Ic und III c, die 54 Tage bzw. 79 Tage post operationem 
zurückliegen, scheinen sich alsdann wiederum normale Verhältnisse 
einzustellen, indem im Versuch Ic der Quotient P 2 0 5 : N der Norm 
entsprechend 1:4,8 beträgt und im Versuch IIIc das Verhältnis 
von P 2 0 6 : N von 1: 6,4 auf 1: 5,8 zurückgeht. Wir können somit 
folgendes fixieren. 

1. Der Hunger-N- und Cl-Umsatz kastrierter Hunde 
und Hündinnen, denen gleichzeitig der eine Schilddrüsen¬ 
lappen entfernt ist, zeigt keine Abweichungen von dem normaler 
Hungertiere. 

2. Die P 2 0 5 - Ausscheidung hungernder kastrierter 
Hunde und Hündinnen, denen gleichzeitig der eine Schild¬ 
drüsenlappen entfernt ist, zeigt meist einige Zeit nach der Ope¬ 
ration eine geringe Verminderung, die sich jedoch wieder 
ausgleicht. Dabei bestehen zwischen Hunden und Hün¬ 
dinnen keine wesentlichen Differenzen. 

Einseitige Thyreo- nnd Parathyreoidektomie. 

Den gleichen Versuchstieren wurde nun für eine weitere Serie 
von Versuchen die in der oben beschriebenen Weise kenntlich ge¬ 
machten äusseren Epithelkörperchen entfernt und weitere 
Hungerversuche angestellt. Wir lassen die Protokolle folgen: 

Schwarzer Hund I. Einseitige Parathyreoidektomie am 26. 7. 09 -f- ein¬ 
seitige Thyreoidektomie und Kastration. 


Tabelle V. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

kg 

N 

CI 

O 1 
" 1 

11. 9. 09 

Hunger 

13,5 

2,330 

0,558 

0,455 

12. 9. 

do. 

13,1 

2,947 

0.276 

0,440 

13. 9. 

do. 

12,5 

2,481 

0,194 

0,323 

14. 9. 

do. 

i 12,2 

2.623 

0,132 

0,643 

15. 9. 

do. 

1 12,0 

1,757 

0,071 

0,257 


Gelber Hund II. Einseitige Parathyreoidektomie am 7. 9. 09. -J- einseitige 
Thyreoidektomie und Kastration. 


Digitizer! by 


Gck igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



346 


Digitized by 


F. Rosenthal und K. Schwenk, 


Tabelle VI. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

N 

* CI 

P*o s 

22. 9. 09 

Hunger 

17,7 

3,664 

0,639 

0,620 

23. 9. 

do. 

17,4 

3,495 

0,276 

0,604 

24. 9. 

do. 

17,1 

3,122 

0,077 

0,488 

25. 9. 

do. 

16,9 

2,987 

0,131 

0,608 

26. 9. 

do. 

16,5 

1,843 | 

0,154 

0,635 


Scheckige Hündin I. Einseitige Parathyreoidektomie am 24. 9. 09 ein 
seitige Tbyreoidektomie und Kastration. 

Tabelle VII. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

kg 

N 

CI 

p,0, 

29. 9. 09 

Hunger 

18,2 

5,452 

0,896 

0,828 

30. 9. 

do. 

17,9 

1 4,037 

0,485 

0,687 

1 . 10. 

do. 

17,5 

2,758 

0,293 

0,428 

2 . 10. 

do. 

17,2 

3,484 

0,091 

0,756 

3. 10. 

do. 

16,9 

2,863 

0,046 

0,814 


Hündin II. Einseitige Parathyreoidektomie am 2. 10. 09 -[- einseitige 
Tbyreoidektomie und Kastration. 

Tabelle VIII. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

kg 

N 

CI 

PA 

8 . 10. 09 

Hunger 

15,2 

3,764 

0,745 

0,639 

9. 10. 

do. 

15,0 

2,831 

0,343 

0,570 

10 . 10. 

do. 

i 14,5 

3,255 

0,316 

0,542 

11 . 10. 

do. 

1 14,2 

2,972 

0,165 

0,608 

12 . 10. 

do. 

i 13,8 

2,108 

0,064 

0,423 


Folgende Tabelle gibt die N-Werte am 4. Hungertage, ver¬ 
glichen mit den Voit- und Falta-Withney’schen Ergebnissen, 
wieder: 


Normale Hungertiere 

Operierte Hungertiere 


Ge¬ 

i 

N pro 
kg u. 

1 pro die 

Männliche 

Weibliche 

Autor 

wicht 

kg 


1 Ge- 1 
wicht ' 

! I 

N pro 
kg u. 
die 


Ge¬ 

wicht 

N pio 
kg u. 
die 

Voit 

18,7 

0,200 

Hund II 
Tab. VI 

! 

16,9 

i 

0,177 

Hund I 
Tab. VII 

17,2 

0,202 

Fa l ta u. 
Wi t hn ey 

16,5 

0,254 

Hund l 
Tab. V 

12,2 1 

i 

0,215 

Hund II 
Tab. VIII 

14,2 

0,210 


Go igle 


Original from 

UNIVERSITY OF MICHIGAN^ 






l’ctier die Wechselwirkung von Schilddrüse und Grscblecfjt niiiisen Mm. 347 

ifi fast allen Versuchen ems'f»ieh!- auch hier die N-Ausscheidung 
der Versuchstiere, pro Kilogramm Körperte wicht berechnet,-au^efähr 
den "Werten bjei oortiiaieö Huc^ertiepiiu. Nur bei dem chajonliclieb 
Hand H erscheint die N- Ausseheidbiig In'rabfresotzt. Jeden: h beträgt 
ärtch du- Vrfcsatrda u.s »->-Inndu»iir bei Hund II »meHialb der letzten 
A t eihuchswt’e ungefähr gleich so viel Arie bei den kastrierten 
Tii'r. r? «ui: i-tuseiiiger TltvreuidFktotttic. Wir kühnen somit sagen: 

Die Thyreo- undl Tarnt)i\ reoidt ktoinie Verbunden cö>t 

Kastration ruft keine auffälligen Veränderungen der N -AjiShfeheidung 
^•geauhnr den kastrierten Tieren mit einseitiger ThymridektohM« 
Berufe. 

Oie v hii t- und FhospliOrsäiin-iiiissclHMduQg vetansehaolicht 
Tilgende Zusammenstellung. 



^iÖdtrliTir^Lv 


• 1 ■ . 'Jv/ HUttft- 
. A .V>r.vK'IWuii^- 

u _ 

föife.l Jr^ ä Ä ’£i£' 

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' Ia ’ , • i' ''C:- 

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ItniV'1 l{ 

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i 

j ti typ 

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i 

tie/.iji# | 

. 1 : ; ;t 

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11 \ 

IMS ! tdäH .: . 

eVll i "r- ■ y '■k'hiio .< 

iV'*. i-iJe'* 

; t • 

>v ;■:,! 7 t (i30 

; Xe! -«i^ 


KeAuitat: Die eifjseij.igr Ti.'reu- und Paralhvreoidek- 
loVöie v trr!>.»• fitD:o mit Ka*trati0)1 ruft keinu a äff ä lüg eh V 0r - 
lii-l erititced des Ohl».»»-- Und Pb o s [. h o r s-in n'r ( offwecittjcLs 
gegenüber k.-^triernu; Tieren mit einseitiger Thyrenidektotnie hervor. 

Einseitige Thymi- imd Papäthyveoidektniuie r»»d kontralaterhie 

ThyreoidektnintP. 

Für eine - weitere Yersnelt-r-ilie wurde nun denselben Tieren 
auch dei*'. djSr aädbf cnySeife eotf&pidsy. 
jetzt nur noch- die ausM-mi VjHihclfeütjier einer Seit»: /'.vruckblielHUi, 
Von den sr> operierten ■ Hunden erkrankte die Hündin II T Tage 
nach der‘iperaiiuii an akuter Tetanie, olles-ibar hwvorgenih'jj durch 
Läsion ddr äusseru» - Epitbelkib-perehu» bei der Hpehirioiy ’A *r 


b. Go gle 


Original frem 


348 


F. Rosenthal und K. Schwenk, 


Digitized by 


lassen daher das betreffende Versuchsprotokoll an anderer Stelle 
folgen. Von den übrigen Hunden zeigte nur Hund II zirka 6 Tage 
lang einen anfallsweise auftretenden feinschlägigen Tremor der Masse- 
teren, der dann vollkommen schwand. Auf die klinischen Erschei¬ 
nungen, die unsere Tiere boten, wird weiter unten näher eingegangen. 

Schwarzer Hund I. Kontralaterale Thyrcoidektomie am 18. 9. 09, d. h. 
totale Thyreoidektomie mit einseitiger Erhaltung des äusseren Epithelkörpers 
Kastration. 

T a b e 1 1 e IX. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

kg 

N 

CI 

P*0 5 

23. 9. 09 

Hunger 

12,8 

2,871 

0,609 

0,428 

24. 9. 

do. 

12,5 

3,123 

0,292 

0,376 

25. 9. 

do. 

12,1 

2,024 

0,135 

0,341 

26. 9. 

do. 

11,9 

1,759 

0,084 

0,478 

27. 9. 

do. 

11,7 

Tabelle 

1,682 

X. 

0,072 

0,367 

Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

kg 

N i 

i 

! ci 

p,o. 

6 . 10. 09 

Hunger 

12,9 

3,197 

0,348 

0,328 

7. 10. 

do. 

12,4 

2,817 

0,167 

0,359 

8 . 10. 

do. 

12,2 

2,863 

0,108 

0,303 

9. 10. 

do. 

. 12,0 

1,351 

0,126 

0,321 

10 . 10. 

do. 

11,7 

1,236 

0,069 

0,346 


Gelber Hund II. Kontralaterale Thyreoidektomie am 29. 9. 09, d. h. totale 
Thyreoidektomie mit einseitiger Erhaltung des äusseren Epithelkörpers -J- 
Kastration. 


Tabelle XI. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

k g 

N 

CI 

P*0 5 

7. 10. 09 

Hunger 

17,9 

3,241 

0,178 

0,565 

8 . 10. 

do. 

17,7 

3,851 

0,132 

0,502 

9. 10. 

do. 

17.3 

2,766 

0,164 

0,498 

10 . 10. 

do. 

17,0 

2,443 

0,113 

0,486 

11 . 10. 

do. 

16,8 

Tabelle 

2,137 

XII. 

0,109 

0,429 

Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

kg 

1 N 

1 

CI 

p 2 o 6 

21. 10. 09 

Hunger 

1 

17,9 

4,162 

0,297 

0,624 

22 . 10. 

do. 

1 17,7 

3,679 

0,222 

0,435 

23. 10. 

do. 

17,3 

2,138 

0,196 

0,476 

24. 10. 

do. 

17,1 

2,624 

0,138 

0,538 

25. 10. 

do. 

16,6 

2,243 

0,058 

0,552 


Gck igle 


Original from 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 





Ueber die Wechselwirkung von Schilddrüse und Geschlechtsdrüsen usw. 349 

Scheckige Hündin I. Kontralaterale Thyreoidektomie am 6. 10. 09, d. h. 
totale Thyreoidektomie mit einseitiger Erhaltung des äusseren Epithelkörpers 
+ Kastration. 


Tabelle XIII. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

N • 

i 

CI 

P 2 O 5 

11 . 10 . 09 

Hunger 

18,4 

4,789 

0,536 

0,724 

12 . 10 . 

do. 

18,0 

3,086 

0,357 

0,558 

13. 10 . 

do. 

17,4 

3,027 

0,164 

0,481 

14. 10. 

do. 

17,1 

3,324 

0,117 

0,636 

15. 10 . 

do. 

16,9 

2,441 

0,0S3 

0,517 



Tabelle 

XIV. 



25. 10. 09 

Hunger 

17,8 

4,038 

0,441 

0.551 

26. 10 . 

do. 

17,5 

3,882 

0,307 

0,573 

27. 10. 

do. 

17,1 

3,969 

0,133 1 

0.527 

28. 10 . 

do. 

! 16,8 

2,758 

0,089 | 

0,469 

29. 10. 

do. 

1 16,5 

1 

2,275 

0,071 

0,407 


Vergleichen wir die gesamte N-Ausscheidung während der 
letzten 4 Versuchstage mit der gleichen N-Ausscheidung der früheren 
Perioden, so haben wir: 


Gesamt-N-Ausscheidung der letzten 4 Versuchstage bei 


raännl. 

Hunden wäh 

Kastration 
+ einseit. 
Thyreoid- ( 
ektomie 

1 

rend der Pei 

1 

Kastration 
+ einseit. 
Thvreo- 
u. Para- 
thyreoidekt.l 

•iode der 

! Kastration 
+ totale 
Thyreo- u. 
eins. Para- 
thyreoidekt. 

weibl. 1 

3unden währ 

Kastration 
+ einseit. 
Thyreoid¬ 
ektomie 

end der Perii 

Kastration 
-f- einseit. 
Thyrco- 
u. Para- 
thyreoidekt. 

ode der 

Kastration 
+ totale 
Thyreo- u. 
eins. Para- 
thyreoidekt. 

Hund I | 
Hund 11 | 

10,061 

9,884 

10,106 

12,349 

11,710 

9,808 

11,447 

i 

8,588 

8,267 

11,197 

10,684 

Hündin 11 
Hündin 11 j 

12,667 
11,413 
12,831 
7,248 1 
8,526 / 
(2.-4. Tag) 

13,142 

9,058 

(2.-4. Tag) | 

1 

11,878 

12,884 

Vcrgl. dazu 
Tabelle XIX. 


Es ergibt sich aus diesen Zahlen ein wichtiger Unter¬ 
schied zwischen männlichen und weiblichen Hunden: 

Während bei männlichen Hunden die kombinierte Kastration 
und Totalexstirpation der Thyreoidea den N-Stoffwechsel etwas 
herabdrückt, hat die kombinierte Entfernung der Ovarien und 
der Schilddrüse keinen nennenswerten Einfluss auf den 
Hunger-N-Urasatz. 

Dieses Resultat ist, was die männlichen Hunde betrifft, mit 
unseren Kenntnissen der gesonderten Funktionen der einzelnen 


Digitized by 


Gck igle 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



Digitized by 


350 F. Rosenthal und K. Schwenk, 

Drüsen zu vereinen. Es findet allein schon seine Erklärung durch 
die Entfernung der Thyreoidea, die den Stickstoffumsatz be¬ 
schränkt. Auffällig ist jedoch, dass die Beschränkung des Hunger¬ 
stickstoffwechsels bei kombinierter Exstirpation der Schilddrüse 
und der Kastration lange nicht so intensiv ist, wie wir es nach 
den Untersuchungen von Eppinger, Falta und Rudinger bei 
alleiniger Thyreoidektomie finden. Berücksichtigen wir jedoch 
ferner, dass nach den Arbeiten von Schulz und Falk, Neu- 
mann und Yas, Repreff und Popiel die N-Ausscheidung nach 
Kastration vermehrt ist, so ist ein paralysierender Einfluss der 
Kastration auf den N-sparenden Einfluss der Thyreoidektomie und 
damit die relativ geringe Verminderung der N-Ausscheidung bei 
unseren männlichen Tieren immerhin verständlich. Wir hätten 
alsdann die relativ nur wenig verminderte N-Ausscheidung als den 
Ausgleich zweier sich konträr begegnender Faktoren aufzufassen, 
von denen der eine — starke Herabsetzung des N-Umsatzes bei 
Thyreoidektomie — durch den anderen — vermehrte N-Abgabe 
nach Kastration — mehr oder minder beschränkt wird. Es kann 
sich somit bei unseren Ergebnissen bei kastrierten und thyreoidek- 
tomierten männlichen Hungerhunden um eine Summation von sich 
bekämpfenden Wirkungen handeln, wenn auch eine qualitative 
Aenderung des Hungerstickstoff-Stoffwechsels immerhin als möglich 
zugegeben werden muss. 

Anders liegen die Verhältnisse bei dem weiblichen Versuchs¬ 
hunde. Hier kann der normale Wert der Hunger-N-Abgabe nicht 
das Endresultat der in ihren Wirkungen bezüglich des Stoffwechsels 
sich etwa schroff gegenüberstehenden Kastration und Thyreoidektomie 
sein, da selbst nach den Autoren, die eine N-Vermehrung im Harn 
nach Kastration anerkennen, diese N-Vermehrung nie so beträchtlich 
ist, dass an eine Aufhebung der N-sparenden Wirkung der Schild¬ 
drüsenexstirpation gedacht werden könnte. Wir müssen somit in 
den normalen Werten der N-Ausscheidung nach Ovari- und 
Thyreoidektomie mit Wahrscheinlichkeit den Ausdruck einer 
qualitativen Aenderung des Stoffwechsels erblicken und 
gleichzeitig auch möglicherweise einen Hinweis darauf, dass der 
Zusammenhang zwischen Thyreoidea und Ovarien ein 
anderer ist als der zwischen Thyreoidea und männlichen 
(i esc h lech tsdrüsen. 

Der Chlorstoffwechsel, der nicht wesentlich von dem normalen 
Hungerchlorstoffwechsel verschieden ist, jedoch eine kurzdauernde, 


Gck igle 


Original fro-m 

UNIVERSUM OF MICHIGAN 



lieber die Wechselwirkung von Schilddrüse and Geschlechtsdrüsen usw. 351 

geringe Vermehrung post thyreoidectomiam zeigen soll, weist in 
unseren Experimenten bei gleichzeitiger Kastration und Schild¬ 
drüsenexstirpation keine auffälligen Abweichungen von der Norm auf. 

Dagegen erfährt der Phosphorsäureumsatz eine Herabminderung, 
die die folgende Zusammenstellung ergibt: 


Gesamt-PjOs-Ausscheidung der letzten 4 Versuchstage bei 


männl. 

Hunden während der Periode der 

weibl. 

Hunden während der Periode der 


Kastration 
+ einseit. 
Thyreoid¬ 
ektomie 

i 

Kastration 
+ einseit. 
Thyreo- 
u. Para- 
thyreoidekt. 

Kastration 
-f- totale 
Thyreo- u. 
eins. Para- 
thyreoidekt. 



Kastration 
+ einseit. 
Thyreoid¬ 
ektomie 

Kastration 
+ einseit. 
Thyreo- 
u. Para- 
tbyreoidekt. 

Kastration 
+ totale 
Thyreo- u. 
eins. Para- 
thyreoidekt. 

Hund I | 

1,777 | 

1,551 

1,941 

j 

1,663 

1 

1,557 

1,329 

Hündin I < 

( 

l 

2,491 

2.016 

2,101 

2,630 

1 

2,192 

1,976 

Hund II | 

2,484 

2,120 

2,335 

1,915 

2,001 

Hündin II < 

f 

i 

1,612 1 
U577 / 

1,720 

(2.-4. Tag) 

Vergl. dazu 
Tabelle XIX. 


Diese P 2 0 6 -Beschränkung bei Kombination von Kastration und 
Thyreoidektomie ist bei allen Versuchstieren viel geringer als bei 
Thyreoidektomie allein. Es kann dies, wenn wir den Arbeiten von 
Mossö und Ouliö und Hey mann über den Einfluss der Kastration 
auf den P 2 0 6 -Stoflfwechsel folgen, seinen Grund in einem Konträr¬ 
verhältnis von Kastration und Schilddrüsenexstirpation haben der¬ 
artig, dass die P 2 0 6 -sparende Wirkung der Thyreoidektomie durch 
die nach obigen Arbeiten bestehende vermehrte Phosphorsäure¬ 
ausscheidung nach Kastration mehr oder minder paralysiert wird. 
Ob diese Erklärung den Tatsachen entspricht, oder ob es sich 
nicht vielmehr auch hier um qualitative Veränderungen des P 2 0 6 - 
Umsatzes handelt, mit anderen Worten: um veränderte Wirkungs¬ 
weisen der Exstirpation einer Drüse bei gleichzeitigem Fortfall 
des Sekretes einer anderen Blutdrüse, lässt sich bei der Kompliziert¬ 
heit der Prozesse und der Unsicherheit der einzelnen sie zusammen¬ 
setzenden Faktoren nicht mit Bestimmtheit entscheiden. Mög¬ 
licherweise sprechen jedoch unsere Resultate für eine qualitative 
Aenderung des P 2 0 6 -Umsatzes nach Kombination von Kastration 
und Thyreoidektomie, da nach Mossö und Ouliö die Steigerung 
der Phosphorsäureausscheidung nach Kastration nicht so bedeutend 
ist, dass der nach Thyreoidektomie fast bis zur Hälfte des Normalen 
verminderte P 2 0 6 -Stoffwechsel fast nur noch um ein Viertel nach 


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352 


F. Rosenthal und K. Schwenk, 

kombinierter Schilddrüsen- und Geschlechtsdrüsenexstirpation be¬ 
schränkt erscheinen könnte. 

Resultat: Nach kombinierter Entfernung der Ge¬ 

schlechtsdrüsen und der Schilddrüse ist der Hunger¬ 
phosphorsäureumsatz um zirka den vierten Teil gegenüber der 
Norm herabgesetzt und erfährt somit eine geringere Be¬ 
schränkung als bei isolierter Thyreoidektomie. Möglicher¬ 
weise handelt es sich dabei um eine qualitative Veränderung des 
Phosphorsäure-Stoffwechsels. 

In der letzten Serie unserer Versuche wurde schliesslich den 
Versuchstieren das Testierende äussere Epithelkörperchen 
entfernt, wonach bei sämtlichen Tieren innerhalb weniger Tage 
eine Tetanie ausbrach. Ucber die klinischen Bilder und ganz be¬ 
sonders über die klinischen Eigentümlichkeiten bei Hund I und II 
berichten wir weiter unten im Zusammenhänge. Das Protokoll 
der Hündin II, die trotz Zurücklassung des äusseren Epithel¬ 
körperchens, offenbar bedingt durch operative Schädigung desselben, 
an akuter Tetanie erkrankte, geben wir an dieser Stelle wieder. 

Schwarzer Hund. Exstirpation des Testierenden äusseren Epithelkörpers 
am 24. 10. 09, d. h. totale Thyreo-Farathyreoidektomie -(- Kastration. Teta- 
nisclie Erscheinungen am 26. 10. 09. 


Tabelle XV. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

N 

CI 

P*0, 



kg 




26. 10. 09 

Hunger 

12.2 

3,471 

0,294 

0,384 

27. 10. 

do. 

| 12,0 

2,932 

0,173 

0,412 

28. 10. 

do. 

' 11,8 

2,258 

0,131 

0,337 

29. 10. 

do. 

1 11,3 

2,763 

0,099 

0,266 

30. 10. 

do. 

! 10,8 

1,449 

0,072 

0,819 


Gelber Hund II. Entfernung des Testierenden äusseren Epithelkörpers 
am 8. 11. 09. Totale Thyreo- und Parathyreoidektomie -f- Kastration. Teta- 
nische Erscheinungen am 10. 11.09. 


Tabelle XVI. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

k g 

N 

CI 

PzO, 

10. 11. 09 

Hunger 

17,4 

3,324 

0,317 

0,359 

11. 11. 

du. 

17.1 

3,086 

0,245 

0,543 

12. 11. 

do. 

16,8 

2,873 

0,126 

0,462 

13. 11. 

do. 

16,6 

| 2,581 | 

0,085 

0,528 

14. 11. 

do. 

16,3 

2,225 

0,077 

0,397 



Original from 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 




Ueber die Wechselwirkung von Schilddrüse und Geschlechtsdrüsen usw. 353 

Tabelle XVII. 


Datum 

Bemerkungen Kör P er * ewicht 
kg 

N 

CI 

p*o 6 

24. 11. 09 

Hunger 16,0 

3,096 

0,263 

0,537 

25. 11. 

do. | 15,6 

2,957 

0,181 

0,502 

26. 11 . 

do. ! 15,3 

2,434 

0,122 

0,486 

27. 11. 

do. j 15,1 

2,578 

0,147 

0,415 

28. 11 . 

do. ! 14,9 

2,313 

0,049 

0,446 


Scheckige Hündin I. Entfernung des Testierenden äusseren Epithelkörpers 
am 15. 11. 09. Totale Thyreo- und Parathyreoidektomie -(- Kastration. Teta- 
nische Erscheinungen am 17. 11.09. 


Tabelle XV11I. 


Datum 

Bemerkungen 

! 

Körpergewicht 

kg i 

N 

d 

P 2 O 5 

17. 11. 09 

Hunger 

18,5 

3,953 

0,498 

0,466 

18. 11 . 

do. 

18,0 

3,874 

0,325 

0,538 

19. 11. 

do. 

17,4 

3,627 

0,212 

0,556 

20 . 11 . 

do. 

17,1 

3,148 

0,080 

0,473 


do. 






Exitus am 21 . 11 . 09. 


Hündin II. Kontralaterale Thyreoidektomie am 16. 10. 09. Totale 
Thyreo- und einseitige Parathyreoidektomie -|- Kastration. Dabei tetanische 
Erscheinungen am 18. 10. 09. 


Tabelle XIX. 


Datum 

Bemerkungen 

Körpergewicht 

H 

N 

CI 

p 2 0 8 

18. 10. 09 

Hunger 

15,5 

4,484 i 

0,523 

0,652 

19. 10. 

do. 

1 15.2 

1 3,652 1 

0,407 

0,494 

20 . 10 . 

do. 

14,9 

2,915 | 

0,226 

! 0,426 

21 . 10 . 

do. 

14,5 

2,346 ! 

| 

0,098 

0,487 


Exitus am 22. 11. 09. 


Folgende Tabelle gibt eine Zusammenstellung der Gesamt¬ 
ausscheidungen der N-, 01- und P 2 0 6 -Mengen innerhalb des 2. bis 
4. Versuchstages wieder: 


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354 


F. Rosenthal und K. Schwenk, 


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Männliche Hunde 

Hündinnen 


Hund I | 

1 Hund 11 

Hündin I 

Hündin II 

N ..( 

7,958 

8,540 

7,969 

10,649 

J 8,913 

CI ..{ 

0,403 

0,456 

0,450 

0,617 

| 0,731 

PA. { 

1,015 

1,538 

1,403 

1,567 

| 1,407 


Vergleichen wir damit die Resultate aus der Periode der totalen 
Thyreoidektomie + einseitiger Parathyreoidektomie -f- Kastration: 



Männliche Hunde 

Hündinnen 


Hund I 

| Hund II 

Hündin I 

Hündin II 

N ..{ 

6,906 

7,031 

9,060 

8,441 

9,437 

10,609 

— 

CI ..{ 

0,511 

0,401 

0,409 

0,556 

0,638 

0,529 

— 

PA • { 

1,190 

0,983 

i 

1,486 

1,449 

1,675 

1,569 

— 


so können wir folgendes Resultat fixieren: 

1. Der N-Stoffwechsel erfährt bei totaler Thyreo- und Para¬ 
thyreoidektomie, verbunden mit Kastration, keine wesentliche 
Veränderung gegenüber dem Hunger-N-Umsatz nach Kastration 
+ totaler Thyreoidektomie, verbunden mit einseitiger Epithelkörper¬ 
exstirpation. 

2. Das gleiche trifft für den Chlor- und Phosphorsäure- 
Hungerstoffwechsel zu. 

3. Der totalen Parathyreoidektomie kommt somit kein Einfluss 
auf den Hunger-N-, CI-, P 2 0 B -Stoffwechsel kastrierter thyreoidekto- 
micrter Tiere zu. 

Dem entsprechend zeigt sich auch bei der Hündin H, ent¬ 
sprechend den Resultaten bei totaler Thyreoidektomie mit Zurück¬ 
lassung der äusseren Epithelkörper einer Seite, der N-Stoffwechscl 
wenig gegen die Norm beeinflusst und der P 2 0 6 -Umsatz etwas 
herabgesetzt. 

Was nun die klinischen Erscheinungen bei unseren Versuchs¬ 
tieren betrifft, so war die Kastration und die einseitige Thyreo- 


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lieber die Wochseiwirkung von Schilddrüse und Geschlechtsdrüsen usw. 355 


und Parathyrcoidektomic ohne Einfluss auf das Allgemeinbefinden 
der Tiere. Die Totalexstirpation der Schilddrüse war in einem 
Falle (Hündin II) von einer akuten Tetanie gefolgt, die offenbar 
durch operative Läsion des zurückbleibenden Epithelkörpers bedingt 
war. Bei den übrigen Hunden wurde sie, mit Ausnahme des 
Hundes II, der 6 Tage lang nach der Operation einen anfallsweise 
auftretenden Massetercntrernor zeigte, der dann rasch verschwand, 
gut überstanden. Das Allgemeinbefinden der Tiere erfuhr kurze 
Zeit nach der Operation eine ostentative Veränderung im Sinne 
der typischen Cachexia strumipriva, die Tiere verblödeten, die 
Fresslust nahm ab und zum Teil, wie bei Hund I, trat starker 
Haarausfall ein, während bei den anderen Tieren das Fell struppig 
und unsauber wurde. Nach Exstirpation des Testierenden Epithel¬ 
körpers trat bei der Hündin I prompt nach ca. 30 Stunden das 
bekannte schwere Bild der Tetanie ein, dem das Tier innerhalb 
von 4 Tagen erlag. Bei der Hündin II, die trotz Zurücklassung 
des äusseren Epithelkörpers 2 Tage nach der Operation schwere 
tctanischc Anfälle bekam, war ferner auffällig, dass die Herzaktion 
mitunter so lebhaft wurde, dass das Tier davon förmlich erschüttert 
wurde und dass es Mühe kostete, den fliegenden Puls zu zählen. 
Leider ging uns dieses Tier interkurrent zugrunde. Es wurde am 
22. 11. 09 bei offenstchcnder Käfigtür mit zerbissenem Halse im 
Stall sterbend vorgefunden. Der Kehlkopf und die obere Trachea 
waren durchgebissen, der Oesophagus in seinem Anfangsteil zer¬ 
rissen. Die Naht des Oesophagus und die Einlegung einer Tracheal¬ 
kanüle vermochte das Tier nicht zu retten. 

Das Bild der Tetanie bei unseren männlichen Hunden war 
ein wesentlich anderes. Es glich dem von vielen Autoren be¬ 
schriebenen Bilde der chronisch verlaufenden Tetanie, die bei be¬ 
stehenden tetanischen Anfällen unter hochgradiger Abmagerung der 
Tiere in Kachexie übergeht. Bei unseren sämtlichen Tieren konnten 
wir ferner, ganz besonders jedoch bei den männlichen, konstant 
das von Schiff 1 ) seinerzeit als „respiration cardiaquc“ beschriebene 
Phänomen beobachten. Die Atmung ist dabei eine ausserordentlich 
tiefe, verlangsamte und von seufzenden, stridorösen Geräuschen 
begleitet. Sic geschieht mit Hilfe sämtlicher Auxiliärmuskcln, und 
unter den Zeichen schwerster Dyspnoe. Diese Anfälle waren auch 

1) Vergl. Pfeiffer und Mavcr, Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir. 
Bd. 18. H. 3. S. 392. 

Internat. Beiträge. Bd. I. Heft -’L 


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356 


F. Rosenthal und K. Schwenk, 


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häufig von krampfartigem Erbrechen gefolgt. Die laryngospastischen 
Anfälle Hessen sich durch Erschrecken der Tiere, durch Kälte¬ 
reize etc. gewöhnlich mühelos auslösen 1 ). Infolge der auffällig 
langen Lebensdauer der männlichen parathyreoidektomierten Hunde 
haben wir nach mehrfacher sorgfältiger Ausräumung des Halses 
beim Hunde I die Thymus zu exstirpieren versucht, mit der 
Möglichkeit rechnend, dass, entsprechend den Angaben von Erd¬ 
heim 2 ) beim Kaninchen, in der Thymus des Hundes sich Epithel¬ 
körperchen finden können. Das Tier "ging uns an doppelseitigem 
Pneumothorax zugrunde. Akzessorische Epithelkörper konnten 
wir trotz genauer mikroskopischer Untersuchung in der Thymus 
nicht auffinden. Dem anderen Hunde II injizierten wir schliess¬ 
lich intraperitoneal Adrenalin, da nach den Angaben von 
Eppinger, Falta und Rudinger bei alleiniger Schilddrüscn- 
exstirpation das Adrenalin nicht glykosurisch wirkt, dagegen 
bei Entfernung der Epithelkörper und bestehender Tetanie die 
Adrenalinapplikation eine beträchtliche Zuckerausscheidung ver¬ 
ursacht. In unserem Falle trat nach intraperitonealer Applikation 
von 0,01 g Adrenalin eine intensive Zuckerausscheidung auf, das 
Tier erlag iy 2 Tage später. Auch hier konnten wir weder 
restierende Epithelkörper noch Schilddrüsengewebe bei der Sektion 
und der mikroskopischen Untersuchung entdecken. 

Die Sektionsergebnisse boten makroskopisch keine Besonder¬ 
heiten. Bei den von uns näher untersuchten Nieren fanden sich 
in zwei Fällen geringe parenchymatöse Veränderungen; interstitielle 
Veränderungen, wie sie von Blum 3 ) u. a. beschrieben wurden, 
waren nicht vorhanden. 


Resume. 

Wir können somit unsere Ausführungen dahin zusammen¬ 
fassen : 

Der klinisch gesicherte Zusammenhang zwischen Thyreoidea 
und Genitalapparat kommt bei Hündinnen in einer Veränderung 


1) Bei dem Hunde 11 veranlasste uns die anfängliche Unkenntnis dieses 
Phänomens zur Tracheotomie, die sofort sämtliche Beschwerden behob und 
damit die laryngospastiscdie Natur dieser dyspnoischen Zustände sicherte. 

*2) 1. e. Vergl. ferner Pcperc, Di una sistema paratireoidea accessario etc. 
(fiornale della Accad. di Torino. 1909. 

o) Virchow's Archiv. Bd. 166. 1901. 


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Lieber die Wechselwirkung von Schilddrüse und Geschlechtsdrüsen usw. 357 


cles Stickstoffstoffwechsels, wahrscheinlich qualitativer Natur, zum 
Ausdruck, dagegen äussert sich derselbe nicht mit Sicherheit im 
Chlor- und Phosphorstoffwechsel. 

Die Epithelkörper selbst lassen im Stickstoff-, Chlor- und 
Phosphorsäurcstoffwechsel keinen Zusammenhang mit dem Genital¬ 
apparat erkennen. 

Bei Hunden lässt sich aus dem Stickstoff-, Chlor- und 
Phosphorsäurestoffwechsel weder für die Schilddrüse noch für die 
Epithelkörper ein sicherer Zusammenhang mit dem Genitalapparat 
nachweisen. 


■>4 * 


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XXII. 

(Aus der experimentell-biologischen Abteilung des Königl. Patho¬ 
logischen Instituts der Universität Berlin.) 

Beitrag zur Kenntnis des Magensekretins. 

Von 

Dr. W. Eisenhardt (Berlin). 

(Mit 5 Kurveo.) 


Nach der Veröffentlichung von Molrntr (in No. 17 der 
Deutschen medizinischen Wochenschrift 1909) unterliegt es kaum 
noch einem Zweifel, dass gewisse Substanzen imstande sind, eine 
Magensekretion vom Blute aus anzuregen ohne Mitwirken des 
zentralen Nervensystems, wie auch eigene entsprechende Unter¬ 
suchungen beweisen, über deren Resultate demnächst berichtet 
werden soll. Bei den Vorversuchen zu dieser Arbeit ergaben sich 
einige interessante Befunde, die gesonderter Besprechung wert er¬ 
scheinen, weil sie einen Beitrag zu der von Edkins aufgestellten 
Theorie von dem Vorhandensein eines spezifischen Magensekretins 
bedeuten. 

Da es mir auf die Feststellung ankam, wie weit die durch 
Verdauung entstandenen Körper bei der Erregung der Saft¬ 
abscheidung vom Blute aus eine Rolle spielen, so mussten Ver¬ 
dauungsprodukte hergestellt werden, die möglichst den in vivo 
durch die Darmwand resorbierten entsprechen. Zu diesem Zwecke 
wäre a priori ein gut wirksamer Hundemagensaft die gegebene '• 
Verdauungsflüssigkeit gewesen, wenn nicht nach den Berichten von 
Frouin (2), der durch Injektion von alkalinisiertem Magensaft 
Sekretionssteigerung erhielt, die Eindeutigkeit solcher Versuche in 
Frage gestellt worden wäre. Auch ich hatte zur Nachprüfung 
Magensaft, der von der gesamten Magenschleimhaut stammte, in¬ 
jiziert, dessen Gesamtazidität 130 und dessen pcptischc Kraft, 


Gck igle 


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Beitrag zur Kenntnis des Magensekretins. 


359 


nach Fulds Edestinmethodc berechnet, 125 betrug. Die Experi¬ 
mente wurden an Hunden ausgeführt, die einen Heidenhainschen 
kleinen Magen oder den seiner ex tragastralen Nerven beraubten 
Magenblindsack nach Bickel besassen. Dabei bewirkte dieser 
aus dem gesamten Magen stammende Saft einen deutlichen An¬ 
stieg der Sekretionskurve, der jedoch nur von kurzer Dauer war 
(s. Kurve I), während Injektionen von Fundusmagensaft 
wirkungslos blieben. 


Kurve I. 

ccm 
2,5- 

2,0 - 

1.5 - 

10 - 

0 , 5 - 

0.0 - 

Als ich nun mit dem an sich wirksamen, und von der ge¬ 
samten Schleimhaut stammenden Safte Nativ-Eiweisskörper zu 
den oben skizzierten Versuchen behandelte und die ganzen ver¬ 
dauten Massen injizierte, machte ich folgende merkwürdige Beob¬ 
achtung: 

Kasein, das mit dem an sich wirksamen Magensaft 1—5 Stunden 
bei Körpertemperatur der Verdauung ausgesetzt war — es kamen 
5 g reines Kasein 1 ) auf 20—30 ccm filtrierten Magensaft — hatte 
wider Erwarten keinen Einfluss auf die Sekretion, wenn man es 
in schwach alkalischem Zustande mit dem Magensaft injizierte, 
während bei längerer Verdauung, also von 5 Stunden an, stets 
eine merkbare Vermehrung der Saftmenge unter sonst gleichen 
Bedingungen festzustellen war. Dasselbe gilt vom Laktalbumin 
(cfr. Kurve H und III). 

Stellte man dieselben Verdauungsversuche mit Fundusmagen¬ 
saft aus dem Magenblindsack an, der zwar peptisch gut wirksam 

1 ) Dass das Kasein sowie auch Eiereiwciss an sich keine sekretions¬ 
fördernden Eigenschaften besitzen, darauf werde ich in einer anderen Arbeit 
näher eingehen; dasselbe gilt von den Verdauungsprodukten dieser Eiweiss¬ 
körper. 


— 

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360 


W. Eisenhardt, 


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(64 nach Fühl), aber bei Injektionen ohne Einfluss auf die 
Magensekretion war, so vermochten selbst nach 24- und 48 ständiger 
Verdauung die entstandenen Kaseosen keinen Saftiluss hervor¬ 
zurufen. 

Somit war der natürliche Magensaft, da Zweifel an der 
Exaktheit der Resultate bestehen blieben, für die beabsichtigte 
Herstellung von Verdauungsprodukten unbrauchbar, dagegen erwies 


Kurve II. 



Kurve 111. 



sich ein künstlich, aus Salzsäure von der Azidität 30 und Pepsin 
Fairchild bereiteter Mjurensaft zwar für Eiweisse als durchaus 
verdauungskräftig — seine peplischc Kraft betrug 125 nach 
Fuld — subkutane Injektionen der Flüssigkeit blieben aber 
ganz unwirksam auf die Sekretion. Ebensowenig vermochten die 
damit hergestellten Kaseosen die Magendrüsen erregend zu beein¬ 
flussen. 

Diese Befunde, verbunden mit den von Edkins mitgeteilten 
Ergebnissen über das „Secretin gastric“ lassen es als denkbar er¬ 
scheinen. dass nicht so sehr die Verdauungsprodukte der per os 


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Original fro-m 

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Beitrag zur Kenntnis des Magensekretins. 


361 


eingeführten nativen Eiweisskörper vom Blute aus sekretions¬ 
fördernd wirken, als dass vielmehr die Magenwand einen spezi¬ 
fischen Stoff hervorbringt, der sich auch ira Magensaft findet und 
nach der Resorption vom Blute aus den weiteren Anstoss zur 
Sekretion erteilt. 

Eine Bestätigung dieser Ansicht bilden z. T. auch die Unter¬ 
suchungsergebnisse von Rheinboldt (3), der dem Hunde mit nerven- 
losem Magen per os Wasser und Salzsäure von der Azidität 
150 verabreichte und nachfolgende Saftvermehrung konstatieren 
konnte. Seine dabei gemachten Beobachtungen über vermehrte 
Schleimbildung und die Verzögerung im Eintritt der Sekretions¬ 
steigerung nach Eingabe von Salzsäure erwiesen sich mit meinen 
Versuchsergebnissen übereinstimmend; dabei ergab der per os ein¬ 
geführte Magensaft ungefähr dieselbe Sekretionskurve wie Salz¬ 
säure von gleicher Azidität. 

Nun ist aber bekannt (Pawlow), dass die nativen Eiweiss¬ 
körper in ihrer wässerigen Lösung oder Suspension eine äusserst 
geringe Magensekretion nach ihrer Gabe per os veranlassen. Die 
Sekretion wird entsprechend grösser werden, je konzentrierter die 
Eiweisslösung ist und sie wird gar bei der Gabe des trockenen 
Eiweisspulvers in grösserer Quantität einen beträchtlicheren Um¬ 
fang erreichen. So wissen wir ja auch z. B., dass flüssiges Eier- 
eiweiss eine viel geringere Sekretion macht als koaguliertes, unter 
sonst ungefähr gleichen Bedingungen. 

Alle diese Tatsachen waren am Pawlowschcn Blindsack¬ 
hunde ermittelt. 

Ich habe nun trockenes Eiweisspulver in grösserer Menge 
einem Hunde mit „nervenlosem“ Blindsack verfüttert, Avie folgende 
Versuche zeigen. 

Der Hund erhielt trockenes Kasein und Albumen ovi siccum, 
je 30 g, per os — eine Prozedur, die unter vielen Schwierigkeiten 
gelang — bei beiden Eiweissen mit dem Erfolge einer deutlichen 
Vermehrung des Saftflusses, wie aus den Kurven IV und V her¬ 
vorgeht. 

Da bei der Verfütterung des Eiereiweisses eine mässige Sali- 
vation auftrat, weil das Ovalbumin im Maule des Hundes zähe 
kleben blieb, so wurden zur Kontrolle 15 ccm Speichel per os 
gegeben, der von einem Speichelfistelhunde stammte; dabei trat 
keine Vermehrung in der Sekretion ein, so dass also ein Einfluss 
des Speichels ausgeschlossen werden darf. 


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362 W. Eisenhardt, 

Aus diesen Versuchen geht also hervor, dass das in den 
grossen Magen eingefiihrte Eiweisspulver sofort eine stärkere 


Kurve IV. 



Kurve V. 


ccm 



Sekretion im kleinen Magen auslöst, der mit dein übrigen Körper 
nur noch durch die Dlutbahn in Verbindung steht. Da nun 
ferner aus meinen Versuchen mit Verdauung des Eiweisses in 


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Beitrag zur Kenntnis des Magensekretins. 


363 


vitro und darauffolgender subkutaner Injektion beim nervenlosen 
Magen ersichtlieh ist, dass durch die peplische Verdauung des 
nativen Eiweisses keine Produkte entstehen, die vom Blute 
aus die Sekretion erregen, muss die beim nervenlosen Blind¬ 
sack nach Einverleibung des Eiweisspulvers in den grossen Magen 
aufgetretenc Sekretion auf Sekretinbildung und Resorption bezogen 
werden. 

Ich wiederhole also: 

Die im Vorhergehenden beschriebenen Versuche lassen nur 
die Deutung zu, dass der Magensaft, soweit er nicht aus dem 
Fundusteil allein stammt, als solcher imstande ist, vom Blute aus 
den Anstoss zu weiterer Saftabsonderung zu geben, da Einwirkungen 
von seiten des Zentralnervensystems ausgeschaltet waren. Das 
beweist der Anstieg der Sekretionskurve nach subkutaner Injektion 
des alkalisch gemachten Magensaftes, dafür spricht ferner der 
Erfolg der Füttcrungsexpcrimente am Hunde mit nervenlosem 
Magen. Denn da einerseits die angewandten Eiweisse und ihre 
Verdauungsprodukte, andererseits reines Wasser direkt vom Blute 
aus keine Einwirkung auf die Sekretion ausüben, so bleibt als 
einziger wirksamer Rest eine Substanz übrig, die notwendiger¬ 
weise im Magensaft selbst zu suchen ist. Waren Verdauungs¬ 
produkte des Kaseins überhaupt fähig, vom Blute aus den Magen 
zur Absonderung anzuregen, so würde der Anstieg der Sekre¬ 
tion statt nach einer halben Stunde erst nach Ablauf von 
5 Stunden erfolgen können, wie aus meinen Ausführungen er¬ 
sichtlich ist. 

Ich gelange zu der Schlussfolgerung, dass der Magensaft 
ausser dem verdauenden einen sekretionerregenden Bestandteil 
besitzt, der die Saftabsonderung solange von neuem anfacht, als 
das Zentralnervensystem nicht hemmend einwirkt. 

Resnme. 

Aus den mitgeteilten Versuchen geht hervor, dass zur Er¬ 
regung einer Magensekretion vom Blute aus die Resorption von 
Magensaft allein genügt. Die wirksame Substanz fand sich im 
Safte, der aus dem gesamten Magen stammte, konnte aber nicht 
in der vom Fundusteile produzierten Flüssigkeit nachgewiesen 
werden. Diese Tatsache deckt sich mit den Befunden von 
Edkins. Dass für die chemische Erregung der Magendrüsen vom 


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364 W. Eisenhardt, Beitrag zur Kenntnis des Magensekretins. 

Blute aus ausser dem Sekretin noch andere Stoffe in Frage 
kommen, ist selbstverständlich und wird von mir in einer nächsten 
Arbeit ausgeführt werden. 


Literatur. 

1. Molnär, Deutsche med. Wochenschr. 1909. No. 17. 

2. A. Frouin, Comptes rend. soc. biol. 58. p. 887. 1905. 

3. Rheinboldt, Internat. Beitr. z. Pathologie u. Therapie der Ernährungs¬ 
störungen. Bd. 1. Heft 1. 

4. Edkins, The journ. of physiol. 1900. 


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xx in. 

Ein Diätschema 

für die Behandlung der Sekretionsstörungen 
des Magens. 

Von 

Professor Dr. A. Bickel (Berlin). 

Auf dem diesjährigen Balneologenkongress in Berlin habe ich 
gelegentlich eines Vortrages über die Grundlagen der Diät bei 
Magen-Darmkrankheiten ein Diätschema mitgeteilt, dessen ich mich 
seit Jahren in meiner Praxis mit Vorteil bediene, wenn ich Patienten 
mit Sekretionsstörungen des Magens ein Speiseregime vorschreibe. 

Ich habe dieses Schema teils auf Grund der in der Literatur 
vorliegenden Angaben über den cxzitosekretorischen Effekt der ver¬ 
schiedenen Nahrungs- und Genussmittel, teils auf Grund eigener 
Untersuchungen und solcher meiner Schüler aufgestellt. Eine ein¬ 
gehendere Begründung dieser Diätskala findet sich in meinem oben 
erwähnten Vortrage, der in der „Medizinischen Klinik“ Jahrgang 
1910 unter den Kongressverhandlungen zum Abdruck kommt. Hier 
an dieser Stelle, in den internationalen Beiträgen, will ich nur das 
Schema selbst in Kürze mitteilen. 

Während sich die vonPenzoldt aufgestellte Diätskala darauf 
bezieht, welche Anforderungen die verschiedenen Speisen etc. an 
die Magenmotilität stellen, gründet sich mein Diätschema ledig¬ 
lich auf den exzitosekretorischen Effekt der Speisen und Getränke. 
Ein Vergleich meines Schemas mit dem Penzoldt’schen ergibt in 
manchen Punkten eine Uebereinstimmung insofern, als gewisse 
Speisen gleichsinnig auf Sekretion und Motilität wirken. Durch 
eine gleichzeitige Benutzung der beiden Diätskalen kann man darum 
auch unschwer Speisezettel zusammenstellen, die bei kombinierten 
Störungen der Motilität und Sekretion, also z. B. bei Supersekretion 
und motorischer Insuffizienz, anzuwenden sind. 


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366 


A. Bickel, 


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Ferner ermöglicht mein Diätscliema, dass sich der Arzt bei 
seiner Diätverordnung für Kranke mit Sekretionsstörungen des 
Magens in weitgehendem Masse den Lebensgewohnheiten und 
individuellen Bedürfnissen seiner Patienten anpassen kann. 
Ich habe das besonders angenehm bei der internationalen Praxis 
empfunden, da sowohl was die Einteilung der Mahlzeiten, als auch 
was die Produkte des Lebensmittelmarktes angeht, bekanntlich bei 
den einzelnen Nationen Unterschiede bestehen. 

Mein Diätschema sagt nur aus, ob die Speisen starke oder 
schwache Sekretionserreger »sind; die Vorschrift über die Mengen 
und die Einteilung der Mahlzeiten ist in jedem Einzelfalle besonders 
zu bestimmen. 


Resume. 

Mein Diätschema hat folgende Zusammensetzung: 

1. Schwache Sekretionserreger. 

Getränke: Gewöhnliches Wasser; alkalische Wässer ohne C0 2 - 
Gehalt; Tee; fettreicher Kakao; Vollmilch; Sahne. 

Gewürze: Kochsalz in der 0,9proz. Lösung. 

Speisen: Gelöste oder fein suspendierte reine Eiweisse, wie z. B. 
flüssiges Eiereiweiss, Lösungen resp. Suspensionen von Lakt¬ 
albumin, Kasein, Glidin, die reinen Kohlehydrate, wie Zucker 
und Stärke; frisches Weissbrot; alle Fette; ausgekochtes 
Fleisch; helle Ragouts aus gekochtem Fleisch mit fetten, un¬ 
gewürzten Saucen (insbesondere sind die hellen und auch die 
fetten, aber nicht gesalzenen Fleischsorten, wie frischer 
Fisch, Geflügel, Kalbfleisch, Schweinefleisch etc. den dunklen 
vorzuziehen); in Wasser abgebrühtes und in Pureeform zu¬ 
bereitetes süsses Obst und ebenso zubereitete Gemüse mit 
Butter, wie Kartoffel, Reis, Gries, Sago, Spargel, Wirsing¬ 
kohl, Rotkohl, Blumenkohl, Spinat, weisse Rüben, Mohrrüben, 
die Gurkenarten etc.; Suppen, die nicht mit Fleischbrühe 
und Extrakten, sondern mit Wasser gekocht sind, wie z. B. 
Gemüsesuppen, Weissbrotsuppen, dünne Hafersuppen etc.; als 
Nachtisch Speisen aus geschlagenem Eiereiweiss, Schlagrahm, 
aus gekochtem Reis, Gries, Maizena, Mondamin. 

Alle vorstehend genannten Speisen sollen, soweit das angängig 
ist, mit möglichst viel frischer Butter zubereitet werden. 


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UMVER! J OF MICHIGAN-' 



Ein Diätschema für die Behandlung der Sekretionsstörungon des Magens. 367 

2. Starke Sekretionserreger. 

Getränke: Alle alkoholischen, kohlensäurehaltigen Getränke, wie 
z. B. Wein, Bier, die sog. Tafelwässer, die Kochsalzquellen 
mit freier C0 2 ; koffeinhaltiger und koffeinfreier Kaffee, die 
aus geröstetem Getreide und Wurzeln hergestellten Kaffec- 
ersatzprodukte, fettarmer Kakao, Magermilch. 

Gewürze: Alle Kochsalzkonzentrationen exkl. der 0,9proz. Lösung; 
Senf; Zimt; Nelken; Pfeffer; Paprika; die sog. Suppenwürzen. 

Speisen: Sämtliche pflanzlichen und tierischen Röstprodukte und 
daraus hergestellte Präparate; Eigelb; koaguliertes Eiereiweiss; 
rohes, gebratenes und kurz abgekochtes Fleisch, besonders 
das rohe und oberflächlich angebratene Fleisch, unter den 
verschiedenen Fleischsorten die dunklen Fleischartcn; alle ge¬ 
salzenen und geräucherten Ficischarten inkl. den derartig zu- 
bereiteten Fischen; Fleischextrakt und alle mit Extraktiv¬ 
stoffen des Fleisches hcrgestellte Speisen, wie z. B. ßouillon- 
suppen; Brot, besonders Schwarzbrot, geröstetes Weissbrot 
und alle Speisen, die eine dem Brot ähnliche Zusammen¬ 
setzung aus Eiweiss und Stärke haben; die sub 1 genannten 
und alle anderen Gemüse, sofern sie in ihrem eigenen Saft 
geschmort und nicht in Purceform gegeben werden. 

Alle hier genannten Speisen sollen im Gegensatz zu den sub 1 
genannten mit möglichst wenig Fett zu bereitet werden. 


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XXIV. 


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Ueber neuere Fäkaluntersuchungen. 

Von 

Dr. Hans Ury (Berlin-Oharlottenburg). 

I. Schmidt Vhe Probekost. Ungelöste Substanzen in den Fäzes. 

Die Untersuchungen von Nothnagel, der uns in seinen Bei¬ 
trägen zur Physiologie und Pathologie des Darms die Grundlagen 
für die moderne Fäkaluntersuehuug geliefert hat, haben vor allem 
das Vorkommen von ungelösten, aus der gemischten Ernährung 
herrührenden Substanzen in den Exkrementen zum Gegenstand. 
Etwa 13 Jahre später hat Prausnitz 1 ) die These zu stützen ver¬ 
sucht, dass bei Darreichung einer blanden, schlackenfreien Kost 
der Kot im wesentlichen aus Verdauungssekreten besteht, während 
wir andererseits durch die Untersuchungen von Rubner 2 ), Meyer 3 ), 
Bischoff 4 ) usw. wissen, dass bei vorwiegender Darreichung von 
schlackenhaltiger Kost (Gemüse, Schwarzbrot) der Kot immer mehr 
und mehr in seiner Zusammensetzung der gereichten Nahrung 
ähnelt. Indem Prausnitz die Darreichung einer solchen vor¬ 
sichtigen, blanden, schlackenfreien Kost empfahl, um in der Praxis 
normale Vorgänge im Darmkanal mit pathologischen vergleichen 
zu können, hat er entschieden eine fruchtbare Idee zu verwirklichen 
gesucht. Seine Bemühungen mussten jedoch scheitern, da er in 
einseitiger Weise nur die chemische Zusammensetzung des Kotes 
berücksichtigte, indem er der Aufstellung eines sogenannten Normal¬ 
kotes die konstanten Werte des Stickstoffgehaltes, des Aether- 
extraktcs und der Aschesubstanzen im Kot nach Einführung einer 
bestimmten, gut resorbierbaren Probekost zugrunde legte. Erst 

1) Prausnitz, Zeitschr. f. Biol. 1897. B<i. 35. 

2) Max Rubner, Zeitsehr. f. Biol. 1879. 

3) G. Meyer, Zeitschr. f. Biol. 1871. 

4) E. Bischoff, Zeitschr. f. Biol. 1869. 


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Lieber neuere Fäkaluntersuchungen. 


369 


durch die systematischen, zahlreichen makroskopischen und mikro¬ 
skopischen Untersuchungen von Adolf Schmidt und Stras- 
burger 1 ) ist es gelungen, nach Einführung einer genau quantitativ 
fixierten Kost Durchschnittswerte zu erhalten, mit denen sich patho¬ 
logische Abweichungen vergleichen lassen. Wie Adolf Schmidt 2 ) 
jedoch später erkannte, ist es für praktische Zwecke nicht er¬ 
forderlich und zweckmässig, die Kost ganz genau zu begrenzen, 
indem eine penible Wägung der dargereichten Substanzen sich in 
der ambulanten Praxis nur schwer ermöglichen lässt und ent¬ 
schieden der allgemeinen Einführung einer Probediät hindernd im 
Wege steht. Festzuhalten ist nach Schmidt an folgenden Grund¬ 
lagen der Probekost: 1. y 2 —iy 2 Liter Milch, 2. ca. 100 g Weiss¬ 
brot (Semmel, Zwieback, Kakes), 3. eine gute Portion (100—250 g) 
Kartoffelbrei, 4. 1 / i Pfd. gehackten Rindfleisches, von dem wenigstens 
ein Teil roh oder halbroh bleiben muss. — Ich habe die Schmidt¬ 
sehe Probekost auch in ihrer erweiterten Form in zahlreichen Fällen 
der Praxis durchgeprüft, so dass ich mir ein abschliessendes Urteil 
erlauben kann. 

Es genügt, wie dies auch meine Untersuchungen der letzten 
Jahre ergeben haben, in der Tat, die Nahrung in schlacken¬ 
freier Form zu verabreichen und nach oben und unten 
ungefähr zu begrenzen. So ist es nach den Angaben von 
Schmidt und Meyer 8 ) im allgemeinen gleichgiltig, ob 100 oder 250 g 
Kartoffelbrei dargereicht werden. Unstatthaft ist jedoch meines Er¬ 
achtens die Darreichung schlecht durchgekochter oder überbratener 
roher Kartoffeln, wie dies z. B, in den pommes frites geschieht, 
oder die Darreichung allzu grosser Mengen von anderen Stärke¬ 
substanzen, welche die Assimilationsgrenze überschreiten. Kleinere 
Mengen von Mehlsuppe, Quäker-Oatsbrei usw. sind natürlich ge¬ 
stattet. Desgleichen macht es keinen Unterschied aus, ob 60 oder 
100 g Butter, x / 4 —1 Liter Milch dargereicht werden (eine Ueber- 
sehreitung von, 1 Liter Milch würde ich persönlich nicht vor¬ 
zunehmen wagen, da manche Patienten gegenüber zu grossen 
Quantitäten von Milch doch empfindlich sind 4 * * ). Nicht statthaft 

1) Schmidt und Strasburger, Die Fäzes des Menschen. Berlin. 

2 ) Adolf Schmidt, Arch. f. klin. Med. 1908. S. 471. 

3) Schmidt, 1. c.; Hermann Meyer, Archiv f. klin. Medizin. 1908. 
S. 452. 

4) Gegenüber meiner ursprünglichen Scheu vor der Darreichung von Milch 

bei Diarrhöen habe ich fussend auf den Angaben von Adolf Schmidt in vielen 

Fällen von Diarrhöen mit überraschend günstigem Erfolg die Schraidt’sche 


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370 


H. Ury, 


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wäre jedoch die Darreichung eines schwer verdaulichen, schwer 
schmelzbaren Fettes oder grösserer Mengen von Oel, Lebertran. 
Desgleichen halte ich es für belanglos, ob x / 4 oder */ 2 Pfund Fleisch 
verabreicht wird, vorausgesetzt, dass das Fleisch nur weich und 
gut durchgekocht, am besten hachiert gegeben wird. Auch gegen 
die Verordnung von rohen oder weichen Eiern, entsprechend den 
Vorschriften von Adolf Schmidt, von weissem Käse usw. ist 
natürlich nichts einzuwenden. 

Bezüglich der Anwendung von rohem Fleisch in der Probe¬ 
kost seien mir einige sachliche Bemerkungen gestattet. So sehr 
es auch angebracht ist, sich tunlichst an die von Schmidt an¬ 
gegebene Kostform zu halten, so bin ich in der letzten Zeit doch 
bei der Verordnung von rohem Fleisch auf Schwierigkeiten ge- 
stossen, indem es in 2 Fällen von Achylia gastrica mit Neigung 
zu Diarrhöen nach der Verordnung von rohem Fleisch zu stürmischen, 
wässerigen Entleerungen kam, die sich nur schwer bekämpfen licssen. 
Es spricht aber dies nicht unmittelbar gegen die Schmidt’sche 
Probekost, da ich das rohe Fleisch nicht in dem Rahmen der 
Probekost, sondern losgelöst von derselben als Abendkost nach 
dem Vorschläge von Boas und Zweig zur Prüfung der Magensaft¬ 
sekretion gegeben hatte. Es scheinen mir aber noch einige andere 
Bedenken bei der Verordnung von rohem Fleisch zu erheben zu 
sein. Es gelingt, eine Magenerkrankung auch auf andere Weise 
schnell und sicher nachzuweisen, in einigen allerdings recht seltenen 
Fällen kann es auch bei anscheinend gesundem Magen zu einem 
erheblichen Bindegewebsverlust in den Fäzes bei Darreichung von 
rohem Fleisch kommen, und es ist theoretisch konstruiert, dass in 
solchen Fällen immer ein Magcnleiden vorliegt, das wir auf 
andere Weise nicht zu erkennen vermögen. Einen gewissen Nach¬ 
teil der Verordnung von rohem Fleisch bildet auch die Tatsache, 
dass mit dem Bindegewebe nicht allzu selten auch eingeschlossenes 
Muskelgewebe mitgerissen wird; in einigen Fällen der Privatpraxis 
hatte ich auch mit dem Widerwillen gegen rohes Fleisch zu kämpfen. 
Schliesslich ist es auch störend, dass die Verordnung von rohem 
Fleisch die Untersuchung auf verstecktes Blut in den Fäzes un¬ 
möglich macht. Dieser letztere Grund ist der wichtigste, während 

Probekost verabreicht. Natürlich blieben zahlreiche Fälle übrig, bei denen erst 
nach Aussetzen der Milch die Diarrhöe sich besserte, wie dies ja auch Schmidt 
gar nicht anders behauptet: ich habe jedenfalls die Darreichung der Milch nur 
vorsichtig und tastend angewendet t l , 4 —'/ 2 Liter pro die). 


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Ueber neuere Päkaluntersuchungen. 


371 


allo übrigen Einwände zurücktreten und sich bei gutem Willen der 
Patienten und mehr noch des Arztes überwinden lassen. Es ist 
daher ratsam, in den Fällen, wo sowohl Untersuchung auf okkultes 
Blut als auch Einleitung einer Probekost erforderlich erscheint, 
bereits vor der Probekost den Kot einer Untersuchung zu unter¬ 
ziehen. Ich persönlich habe übrigens in allen meinen Fällen, wo 
ich die Probekost verordnet habe, vorher den Kot (bei gemischter 
Nahrung) eingehend untersucht, auch von dem Gedanken geleitet, 
dass leichtere Darmstörungen bereits nach 3 Tagen unter dem 
Einfluss der Probekost schwinden können und diarrhöische Zu¬ 
stände sich entschieden zu bessern vermögen, wie ich dies ja 
bereits’oben betont habe (s. Anmerkung S. 369). 

Eine kurze Besprechung erfordern die sogenannten gastrogenen 
Diarrhöen. So sehr auch die praktische Bedeutung der gastrogenen 
Diarrhöen ausser Frage steht, und so zweifellos auch viele Fälle 
von Diarrhöe speziell bei Achylic gastrogenen Ursprungs sind, so 
scheint mir doch eine gewisse Zurückhaltung gegenüber einer zu 
häufigen 1 ) Annahme eines gastrogenen Ursprungs geboten zu sein, 
da sehr wohl Magen- und Darmerkrankung unabhängig von einander 
bestehen kann oder auf einem gemeinsamen Boden sich entwickeln 
kann, nämlich dem der nervösen Disposition. Auch können, wie 
die Untersuchungen von Cohnheim 2 ) und die alltäglichen Er¬ 
fahrungen der Praxis lehren, sich sehr wohl aus einem Darm¬ 
leiden erst sekundär Magenstörungen entwickeln. Was meine Er¬ 
fahrungen bezüglich der Untersuchungen der diarrhöischen Stühle 
bei Achvlia gastrica anlangt, so habe ich in einem kleinen Teil 
der Fälle lediglich die Befunde eines Dickdarmkatarrhs erheben 
können, in einem nicht allzu erheblichen Teil sprachen beträchtliche 
Vermehrung von ungelösten Nahrungsresten bei Gegenwart von 
Bilirubin mit Wahrscheinlichkeit für eine Dünndarmstörung; in den 
meisten Fällen waren jedoch in den dünnflüssigen Stühlen die un¬ 
gelösten Substanzen nicht vermehrt, es fehlte Bilirubin; die Stühle 
faulten leicht. 

Die Untersuchung der Darmentleerungen auf ungelöste Sub¬ 
stanzen nach Einleitung einer Probekost gibt uns einen leidlich 

1) Speziell ein durch Vorkommen von Bindcgewebsfetzen im Stuhl be¬ 
wiesenes Magenleiden dokumentiert noch nicht den gastrogenen Ursprung einer 
Darmstörung. Schmidt und Schütz haben hier zur weiteren Erhärtung des 
gastrogenen Ursprungs den Erfolg von Magenausspiiluogen und die Prüfung 
der BakterienÜora im Stuhl herangezogen. 

2) Cohnheim. Münch, mcd. Wochenschr. 190t). No. 48. 

Internat. Beiträge. Bd. I. Heft 3. 25 


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372 


H. Ury, 


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guten Anhaltspunkt dafür, (lass irgend etwas im Verlauf des 
Magen- und Darmtraktus nicht in Ordnung ist. Die Erkennung 
des „Was“ ist jedoch leider nicht so einfach. Es ist sowohl 
Wert auf die makroskopische wie auf die mikroskopische Unter¬ 
suchung der Stühle zu legen. Das Vorkommen von makro¬ 
skopisch sichtbaren Muskelfasern scheint nach meinen Erfahrungen 
recht selten zu sein und sich auf akute, starke Diarrhöen mit 
gleichzeitiger Steigerung der Dick- und Dünndarmperistaltik zu 
beschränken. Relativ häufig kommt es zum Abgang von makro¬ 
skopisch sichtbaren Kartoffelresten; seltener ist der Abgang von 
makroskopisch sichtbarem Fett (Gallengangsverschluss, Pankreas¬ 
erkrankungen, diffuse Dünndarmerkrankungen). Bezüglich der 
differentialdiagnostischen Gesichtspunkte verweise ich auf meine 
vor 6 Jahren in Gemeinschaft mit M. Alexander verfasste Arbeits- 
Auf den Abgang von reinem Fett getrennt von den festen Stühlen 
haben wir darin zuerst als ein pathognomonisches Zeichen für 
Pankreaserkrankungen hingewiesen. Falls solche makroskopisch 
sichtbaren Nahrungsreste in erheblicheren Mengen sich vorfinden, 
dürfte das Bestehen einer Dünndarmstörung 2 ) (ganz allgemein aus- 
gedrückt) wahrscheinlich sein. 

Was die Vermehrung von mikroskopisch erkennbaren un¬ 
gelösten Nahrungsresten in den Fäzes anlangt, so beweist der 
bisher geltenden Anschauung gemäss eine sehr erhebliche Ver¬ 
mehrung derselben eine Dünndarmerkrankung oder eine Erkrankung 
der in den Dünndarm einmündenden grossen (und zahlreichen 
kleinen) Drüsen. Es ist jedoch zu betonen, dass auch eine ge¬ 
steigerte Dickdarmperistaltik allein, die gleich hinter der Valvula 
Bauhini einsetzt, zu einer erheblichen Vermehrung von ungelösten 
Substanzen führen kann. Dies lehren uns die zahlreichen Unter¬ 
suchungen dos Kotes bei Zökalfisteln 3 ). Umgekehrt ist es auch 
wohl möglich, dass eine gleichzeitig gesteigerte Dünn- und Dick- 
darmperistaltik dennoch keine vermehrten Nahrungsrestc heraus¬ 
schafft, indem der dünnflüssige Darminhalt an den ungelösten 
Nahrungssubstanzen quasi vorüberjagt. 

1) 1L Ury und M. Alexander, Uebcr abnorme Stuhlbefunde bei Pankreas- 
erkraukuugen. Deutsche med. Wochenschr. 1904. No. 36 u. 37; fernerhin 
H. Ury, Zwei Fälle von Pankreaskarzinoin mit hochgradigen Fett- und Eiweiss¬ 
verlusten in den Fäzes. Sitzungsber. des Vereins f. innere Med. 14. März 1904. 

2) Natürlich sind hier die seltenen Fälle von Magenkolontisteln und innerer 
\)armlistelbi Idung nicht berücksic 1 i tilgt. 

3) H. Urv, Zur Lehre von den Abführmitteln. Arch. f. Ycrdauungskraukh. 

Bd. 14. 11. 5.‘ 527. 


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Ueber neuere Fäkaluntersuchungen. 


373 


Besonders ist bei den chronischen Diarrhöen, wie ich in Ueber- 
einstimmung mit Adolf Schmidt noch einmal betone, das Vor¬ 
kommen einer Vermehrung der ungelösten Substanzen durchaus 
nicht als häufig zu bezeichnen. Ich habe Fälle beobachtet, bei 
denen diese chronischen Diarrhöen bereits jahrelang bestanden, 
verbunden mit gleichzeitiger Achylia gastrica, und trotzdem bei 
genauester Untersuchung sich keine Vermehrung der ungelösten 
Substanzen nachweisen liess. Dass bei dieser jahrelang bestehenden 
Erkrankung auch der Dünndarm affiziert war, halte ich für 
ziemlich sicher; eine exakte Feststellung war aber nicht 
möglich. Bei diesen stürmischen Diarrhöen war sicherlich eine 
gleichzeitige Neigung der Peristaltik des Dünn- und Dickdarms 
nur wenig in ursächlicher Beziehung anzuschuldigen. Das Wahr¬ 
scheinlichste ist, dass es infolge abnormer Zersetzungen im Gebiete 
des Dünndarms zu einer sekundären entzündlichen Erkrankung 
des Dickdarms mit starker Wasserausscheidung in denselben ge¬ 
kommen war. Hierauf wird noch später genauer eingegangen 
werden. Es resultiert also in vielen Fällen von chronischen Darm¬ 
erkrankungen eine peinliche Unsicherheit in bezug auf die Ent¬ 
scheidung darüber, ob der Dünndarm erkrankt ist oder nicht. 

Und selbst zugegeben, dass bei einer erheblichen Vermehrung 
der ungelösten Substanzen eine Erkrankung des Dünndarms an¬ 
zuschuldigen ist (was ich noch keineswegs für alle Fälle als 
erwiesen erachte, und was im wesentlichen theoretisch konstruiert 
ist), so sind wir doch häufig im Unklaren darüber, welcher Art 
diese Störung ist. Denn einerseits ist die Trennung von Resorption, 
Sekretion und gesteigerter Peristaltik häufig schwer möglich, anderer¬ 
seits können auch Störungen rein nervösen Ursprungs zu mangel¬ 
hafter Sekretion oder zu gesteigerter Peristaltik führen und somit 
eine vermehrte Herausbeförderung von ungelösten Substanzen ver¬ 
anlassen. Besonders haben mir Darmerkrankungen von wesentlich 
nervöser Natur in der Praxis zu schaffen gemacht, bei denen sich 
zu dem nervösen Leiden sekundär oder gleichzeitig ein leichtes 
organisches Darmleiden hinzugesellte, das aber, wie sich später 
hcrausstellte, das Krankheitsbild nicht beherrschte. Bei diesen 
Fällen kann Bettruhe und Verordnung einer auf Grund der Stuhl¬ 
untersuchung zweckmässig konstruierten vorsichtigen Diät völlig 
versagen, während erst Herausnahme aus der gewohnten Umgebung 
(Landaufenthalt usw.) bei Verordnung einer laxeren Diät prompt 
zur Sistierung der Durchfälle führt. 

25 * 


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374 


H. Ury, 


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Diese Tatsachen weisen darauf hin, dass wir unsere Dia¬ 
gnose niemals in zu einseitiger Weise auf die Stuhluntersuchung 
stützen dürfen, sondern dass wir, wie dies ja eigentlich selbst¬ 
verständlich, stets den gesamten klinischen Symptomenkomplex 
zur Diagnosestellung heranziehen müssen, so wertvolle Finger¬ 
zeige uns auch im einzelnen Fall die Fäkaluntersuchung zu liefern 
vermag ! ). 

Trotz aller dieser Einschränkungen, Bedenken und Einwürfe 
bleibt der grosse Wert der von Schmidt zuerst systematisch 
für die Zwecke der Praxis ausgebauten Stuhluntersuchung nach 
einer Probekost bestehen. Mit Hilfe der zahlreichen festgelegteu 
normalen Befunde sind wir bei Innehalten einer gleiehmässigen 
Probekost imstande, das Pathologische und Abweichende schärfer 
zu erkennen und zu deuten. Ich schliesse mich hierin Albu an, 
der ebenfalls neuerdings die Vorteile, die dem Praktiker aus 
der Verordnung einer Probekost in bezug auf Einfachheit und 
Uebersichtliehkeit der Untersuchung erwachsen, hervorhebt. Um es 
noch einmal hervorzuheben, kommt es vor allem bei einer 
Probekost darauf an, dass die Nahrung nach oben und unten 
ungefähr begrenzt und in schlackenfreier Form gereicht wird. 
Ich persönlich habe mich tunlichst an die von Adolf Schmidt 
vorgeschriebene Kostform gehalten, und aus diesem Grunde auf 
die Darreichung von passiertem Gemüse (Rosenheim) verzichtet. 

In neuester Zeit hat es Brugsch 1 2 * * * ) unternommen, für praktische 
Zwecke an Stelle der alimentären Stuhluntersuchungen von neuem 
den exakten Ausnutzungsversuch zu setzen. Brugsch drückt sich 
in folgender Weise aus: „Nur da, wo die Resorption der Nahrung 
gut ausfällt, mag die einfache mikroskopische Untersuchung der 
Stühle ausreichen; da, wo sich durch die mikroskopische Unter¬ 
suchung Resorptionsstörungen für Eiweiss und Fett zeigen, ist der 
exakte Ausnutzung*versuch am Platze“. Ich will in Ueberein- 
stimmung mit Adolf Schmidt 8 ) diese Anschauung nicht unwider¬ 
sprochen lassen. Die Durchführung eines exakten Ausführungs¬ 
versuches ist in der Praxis einerseits meistens untunlich, 
andererseits auch fast immer unnötig. Ich entsinne mich keines 

1) H. Ury. Uebcr einiges praktisch Wichtige der Fäkaluntersuchung 
Herl, klin.-thcrapeut. Woehenschr. 1905. No. 46. 

2) Theodor Brugsch, Zur funktionellen Darmdiagnostik. Deutsche 

rned. Woehenschr. 1909. No. 5*2. 

.*>) Ad. Schmidt, Zur funktionellen Darmdiagnostik. Zeitsehr. f. exper. 

Hathtd. u. Thor. 1909. Bd. 6. S. 3;>G. 


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lieber neuere Fäkaluntersuchungen. 


375 


Falles, in dem ich durch den Ausnutzungsversuch diejenigen Vor¬ 
teile für die Diagnosenstellung gewonnen habe, welche die An¬ 
wendung einer so umständlichen Prozedur seil, für praktische 
Zwecke rechtfertigen könnten. Speziell trifft dies auf die von mir 
veröffentlichten Fälle von Pankreaserkrankungen zu. Die Ab¬ 
weichungen von der Norm sind entweder sehr deutlich aus¬ 
gesprochen — und dann sind sie auch durch die einfache makro¬ 
skopische und mikroskopische Untersuchung der Stühle nach 
Probekost festzustellen — oder die Abweichungen sind leichterer 
Natur, und dann wird uns auch kein exakter Ausnutzungsversuch 
über die event. Schwierigkeiten der Deutung hinweghelfen. Dies 
deutet ja auch Brugsch in den Worten an: „Es besteht also im 
ganzen eine gewisse diagnostische Unsicherheit, wenn man sicli 
lediglich auf den Grad der Rcsorptionsstörung verlässt.“ Auf die 
weiteren Nachteile der Ausnützungsversuche hat Adolf Schmidt 
(1. c.) des Näheren hingewiesen. — Was den diagnostischen Wert 
eines Mangels an Fettspaltung im Kot bei Pankreaserkrankungen 
anlangt, so pflichte ich Brugsch bei, dass mit einer mangelhaften 
Fettspaltung bei normalem Fettgehalt des Kotes diagnostisch nicht 
viel anzufangen ist; ebenso ist ein vermehrter Fettgehalt verbunden 
mit gleichzeitigem Mangel an Fettspaltung ein ungemein wertvolles 
Symptom für eine Pankreaserkrankung, vorausgesetzt, dass keine 
Diarrhöen vorliegen. 

War bisher ausschliesslich von einer Vermehrung der un¬ 
gelösten Nahrungssubstanzen im Stuhl die Rede, so ist die habi¬ 
tuelle Obstipation ein Leiden, bei der die Mengen der ausgesehie- 
denen ungelösten Substanzen auffallend gering sind. Nach den 
Untersuchungen von Ad. Schmidt, Strasburger, Lohrisch 
und v. Tomascewski 1 ) kann kein Zweifel darüber obwalten, dass 
dies durch eine zu gute Ausnützung der Nahrung zustande kommt. 
Während wissenschaftliche Untersuchungen von Lohrisch und von 
Strasburger dafür zu sprechen scheinen, dass die zu gute Aus¬ 
nützung der Nahrung das Primäre ist, betrachten Moritz und 
v. Noorden die Verminderung der 24 ständigen Stuhlquantität und 
der darin enthaltenen Nahrungsreste als sekundär hervorgerufen, 
und zwar infolge des längeren Verweilens des Kotes im Darm und 
der damit verbundenen besseren Ausnützung der Nahrung. Wenn 
man. in klinischer Beziehung vor allem die Genese, dann aber 

1) Literatur s. Zdzislaus Tomascewski, Beitrag zur Pathogenese der 
chronischen habituellen Obstipation. Med. Klinik. 1909. No. 12. 


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376 


H. Ory, 


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auch den Verlauf und die Therapie der habituellen Obstipation be¬ 
rücksichtigt, so wird man von vornherein geneigt sein, sich der 
Auffassung von Moritz und v. Noorden anzuschliessen; man wird 
jedoch gut tun, noch weitere wissenschaftliche Tatsachen abzu¬ 
warten. 

II. Der Entstehnngsmodiis der Diarrhöen. Gelöste Substanzen 

in den Fäzes. 

Während die Untersuchung der ungelösten Substanzen bereits 
seit 25 Jahren die intensive Arbeit der Forscher in Anspruch ge¬ 
nommen hat, hat man sich erst in den letzten Jahren mit den 
wasserlöslichen Stoffen in den Fäzes befasst. Als wichtigste Tat¬ 
sache ist die Feststellung zu betrachten, dass der normale Dann 
alle wasserlöslichen Nahrungssubstanzen, sowie solche, die er durch 
den Yerdauungsprozess in Lösung gebracht hat, völlig resorbiert. 
Wenn man daher die normalen Fäzes mit Wasser verreibt 1 ), so 
muss das, was in das wässerige Extrakt übergeht, im wesentlichen 
Sekret sein. (Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass wahr¬ 
scheinlich nicht das gesamte Sekret in das wässerige Extrakt 
übergeht.) Beim Studium dieser Verhältnisse bin ich zu genau 
übereinstimmenden Werten gekommen, die als Standardwerte zu er¬ 
achten sind 2 ), mit denen pathologische Abweichungen verglichen 
werden können. Es gingen in das wässerige Extract der normalen 
Fäzes über (berechnet auf 100 g absoluter Trockensubstanz): 


Wässeriges Filtrat. 


i 

Trocken- , Stickstoll- | 

i 

! 

Asche- 

Kalk 

Chlor 

Schwefel¬ 
säure 
(S0 3 ) | 

i 

KCl + NaCl 

Substanz j Substanz j 

.substanz 

i 

(CaO) 

(CI) 

14,784 , 1,0483 

4,55*2 | 

0,3944 

0,1025 ; 

0,0293 

3,3580 


Am wichtigsten sind die Werte für den Chlorgehalt 
im wässerigen Extrakt, da dieselben für pathologische 
Zustände von der grössten Bedeutung sind. 

Die Anschauung, dass in den normalen Stühlen dasjenige, was 
in das wässerige Extrakt übergeht, als Sekret anzusehen ist, lässt 

1) H. Ury, Deutsche mcd. Wochenschr. 1901. Fcstnummer zu Ehren 
Rudolf Virchows. 

2) H. Ury, Zur Lehre von den Abführmitteln. I. Arch. f. Verdauungs¬ 
krankheiten. 1908. 


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l'eber neuere Fäkaluntersuchungen. 


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sich nicht unmittelbar auf pathologische, diarrhöische Stühle über¬ 
tragen. Insbesondere sind einzelne entzündliche Sekretionsprodukte 
(Schleim, lUut, Eiter) nicht ohne weiteres von der wässerigen Ex¬ 
traktionsflüssigkeit aufnehmbar. Ucber den Gehalt der Fäzes an 
diesen Stoffen können wir uns jedoch durch eine genaue chemische 
und mikroskopische Untersuchung vergewissern. In exquisiter Weise 
zeigen die Stühle bei der Ruhr diesen Gehalt an Schleim, Blut, 
Eiter; dieselben sind stark eiweisshaltig, reagieren stark alkalisch, 
sind fötid riechend bzw. intensiv zur Fäulnis im Brutschrank 
neigend. 

Wenn wir von diesen abnormen Beimengungen absehen, so 
können wir nur dann annehmen, dass das, was in das wässerige Ex¬ 
trakt übergeht, Sekret darstellt, wenn gelöste Stoffe aus der Nahrung 
oder durch den Verdauungsvorgang in Lösung gebrachter Stoffe völlig 
auszuschliessen sind. Zahlreiche Autoren haben sich bisher mit dieser 
Frage befasst; sowohl sind pathologische diarrhöische Stühle auf den 
Gehalt an löslichen Verdauungsprodukten (Zucker, Albumosen usw.) 
untersucht worden, andererseits solche dünnflüssigen Stühle, die 
durch Eingabe von Abführmitteln erzeugt wurden. Besonders 
diesen letzteren Modus der Darreichung von Abführ¬ 
mitteln halte ich zur Klärung der strittigen Frage für 
ausserordentlich wichtig. Die Resultate, zu welchen man auf 
Grund zahlreicher Untersuchungen gekommen ist, sind die folgenden: 
Es scheint nicht leicht zu sein, bei Aufnahme einer nor¬ 
malen Durchschnittskost erhebliche Mengen von gelösten 
Verdauungsprodukten durch Steigerung der Peristaltik 
der Resorption zu entziehen; man ersieht hieraus, wie 
exakt und ergiebig die Resorption der durch den Ver¬ 
dauungsvorgang in einen wasserlöslichen Zustand überge¬ 
führten Nahrungssubstanzen beim erwachsenen Menschen 
auch unter pathologischen Verhältnissen von statten zu 
gehen vermag 1 ). 

Ich habe den Satz formuliert, dass bei reichlicherem Gehalt 
an Albumin in den Fäzes dasselbe im wesentlichen als Sekretions¬ 
produkt aufzufassen ist und nicht von der eingeführten Nahrung 
unmittelbar herstammt. Nach den eingehenden Untersuchungen von 
Schloessmann 2 ), der hierin mit mir völlig übercinstimmt, kommt 

1) H. Ury, Zur Lehre von den Abführmitteln. II. Arch. f. Yerdauungs- 
krankh. 1908. Daselbst die gesamte übrige Literatur. 

2) Schloessmann, Zeitschr. f. klin. Med. ßd. <10. II. ü u 4. 


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H. Ury, 


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reichliche Gegenwart von Albumin nur bei gleichzeitigem Vor¬ 
handensein von Mucin vor. Unter Berücksichtigung von mir an- 
gestellter Versuche bezüglich der Resorption von wasserlöslichen 
Substanzen (Jod, salizylsaures Natron, Lithium) unter pathologischen 
Verhältnissen sowie mit Rücksicht auf die Untersuchungen anderer 
Autoren bezüglich der vorzüglichen Resorption von Chlor konnte 
ich folgendes als Gesetz bezüglich der Resorption von Chlor bei 
diarrhöischen Darmentleerungen aufstellen: Bei Darreichung nur 
geringer Mengen von Chlor und bei genügend grossem zeitlichen 
Zwischenraum zwischen Chloraufnahme und Auftreten von diar¬ 
rhöischen Stühlen wird man annehmen müssen, dass das in das 
wässerige Extrakt der Stühle übergehende Chlor im wesentlichen 
aus dem Körperinnern stammt; bei Darreichung von 1 g Chlor¬ 
natrium, gelöst in 150 ccm Wasser, dürfte der erforderliche Zwischen¬ 
raum höchstens eine Stunde betragen. Bei grösseren Mengen von 
Chlor in der Nahrung und bei bald darauf eintretenden Diarrhöen 
ist die Möglichkeit nicht abzuleugnen, dass ein Teil des Chlors 
aus der Nahrung stammt; mit Sicherheit ist dies anzunehmen, 
wenn eine abnorme Ueberflutung des Organismus mit Chlor statt¬ 
gefunden hat. (s. H. Ury, Zur Theorie der Bitterwasserwirkung. 
Arch. f. Verdauungskrankh. Bd. 15. H. 2. S. 225.) — Sehr 
wichtig schien mir die Untersuchung derjenigen dünnflüssigen Stühle 
zu sein, die morgens früh nüchtern entweder spontan (event. nach 
Trockenkost am Tage vorher) oder nach morgendlicher Darreichung 
eines Abführmittels (ohne dass weitere Nahrungsaufnahme statt¬ 
gefunden hat) entleert werden: denn man wird annehmen können, 
dass über Nacht fast die gesamte Menge des aufgenommenen 
Wassers und des aufgenommenen Chlors resorbiert worden ist. 

2 Fälle, die wohl für die vermehrte Ausscheidung einer chlor¬ 
haltigen, eiweissarmen Flüssigkeit in das üarminnere beweisend 
sein dürften, mögen hier Erwähnung finden: 

1. Herr K., Lokomotivführer. Stand bereits im Jahre 1895 
in Behandlung der Boas sehen Poliklinik, und zwar wegen A chylia 
gastrica mit starken Diarrhöen. Ist bereits in den verschiedensten 
Kliniken ohne Erfolg behandelt worden. 

Bringt am 14. 4. 09 Stuhl mit. Derselbe ist dünnflüssig. 
Reaktion schwach alkalisch. Muskelfasern, Stärke (Jod!) nicht 
vermehrt, auch keine wesentliche Fettvermehrung. Kein Schleim. 

Während das wässerige Extrakt normaler Stühle nach 
Kochen mit Salpetersäure und nachfolgender Filtration 


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Uebev neuere Fäkaluntersuchungen. 


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auf Zusatz von Silbernitrat nur einen schwachen Nieder¬ 
schlag von Chlorsilber ergibt, erhält man in den dünn¬ 
flüssigen pathologischen Stühlen, die auf dieselbe Weise 
gehandelt werden, einen exorbitanten Niederschlag von 
Chlorsilber. Es ist kein Urin beigemengt. 

Der Patient nimmt am Morgen (14. 4. 09) Reisbrei, 4 Zwie¬ 
backe. Mittags: Hühnerfleisch, Reisbrei, 4 Zwiebacke. Um 7 Uhr 
abends 2 Weissbrötchen -|- etwas Butter -j- etwas rohen Schinken. 
Hat nichts von 11 Uhr vormittags ab getrunken. 

Am 15. 4. 09 um um und 9 Uhr morgens dünn¬ 

flüssige Stühle (bevor der Patient irgend etwas zu sich genommen 
hatte). 310 ccm Flüssigkeit. 

Reaktion der dünnflüssigen Stühle schwach alkalisch. Ungelöste 
Nahrungsreste nicht vermehrt (auch bei mikroskopischer Unter¬ 
suchung). Sublimatprobe: Alles rot gefärbt. Geringe Mengen von 
klcinfctzigem Schleim. Stark vermehrter Chlorgehalt. Kein 
Eiweiss (Ury-Sehloessmann). 

In diesem Falle dürfte das Vorliegen einer abnorm 
starken Wasserausscheidung gesichert werden. Dies geht 
aus dem abnorm vermehrten Chlorgehalt unmittelbar 
hervor. In der Nahrung enthaltenes Wasser sowie das auf die 
eingeführte Nahrung ergossene normale Drüsensekret ist sicherlich 
über Nacht völlig resorbiert worden. Eine abnorme Hypersekretion 
von Galle konnte nicht konstatiert werden (Fehlen von Bilirubin). 
Eine abnorme Hypersekretion von Pankreassekret als Ursache für 
die Dünnfliissigkeit der Stühle ist zum mindesten sehr unwahr¬ 
scheinlich. Es handelt sich augenscheinlich um eine starke ka¬ 
pilläre Transsudation, vielleicht verbunden mit Dünndarmdrüsen¬ 
sekretion. 

Hierüber werden »juantitative Fermentuntersuchungen in den 
Stühlen Aufschluss geben können. Was speziell das proteolytische 
Pankreasferment in den Stühlen anlangt, so haben neuere Unter¬ 
suchungen gelehrt, dass gewöhnlich in den dünnflüssigen diarrlmi- 
schen Stühlen das Pankreasferment eher gegen dfe Norm ver¬ 
mindert ist. Hierauf muss noch weiter unten genauer eingegangen 
werden. 

Es ist noch eins hervorzuheben: Trotzdem der Patient an 
Achvlia gastrica leidet, seit 15 Jahren an starker Diarrhöe labo¬ 
riert und also mit ziemlicher Sicherheit einen gleichzeitigen Dünn¬ 
darmkatarrh hat, finden wir hier keine Vermehrung der ungelösten 


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Substanzen, kein Bilirubin, nur äusserst wenig Schleim. Ich 
glaube, dass in diesem Fall ein Diiniidarmkatarrh nur zu 
vermuten is( und dass unsere bisherige Diagnostik ein¬ 
fach versagt. 

Ich füge hier noch das Ergebnis der Stuhluntersuchungen nach 
Schmidtscher Probekost in diesem Fall an: 

25. 4. 09. Der Patient hat seit 3 Tagen die Sehmidtsehe 
Probekost (auch rohes Fleisch) genommen. Die Stühle werden 
nicht häufiger danach, aber dünnflüssiger. Viel Rumoren und 
heftige Schmerzen im Leibe, die mit reichlichem Abgang von 
Sehnen enden. 

Von 5—Y 2 8 Uhr morgens werden 3 wässerige Stühle entleert. 
Menge: 470 ccm. Reaktion alkalisch. Kein Eiweiss (Ury-Schloess- 
mann). 

Makroskopisch: Abgesehen von den Sehnen nur wenig 
Schleim, keine anderen ungelösten Substanzen. Auch mikrosko¬ 
pisch im unverdünnten Stuhl keine Vermehrung von Muskelfasern, 
Fett und Stärke gegenüber der Norm. Sublimatprobe: Alles rot 
gefärbt. Chlor: Abnorme Vermehrung des Chlorgehaltes gegen 
die Norm. Gärungsprobe (nach 24 Stunden): Starker Fäulnis¬ 
geruch. Reaktion wird noch stärker alkalisch. 2 / 3 des Steige¬ 
röhrchens voll Wasser. 

Noch wenige Worte bezüglich eines anderen Punktes. Auf¬ 
fallend war hier wie in anderen dünnflüssigen Stühlen die starke 
Neigung zur Fäulnis. Dies Verhalten ist. von Adolf Schmidt 
bereits horvorgehobon worden. Schmidt 1 ) legt zur Erklärung 
dieser Erscheinung der Ausschwitzung einer ei weisshaltigen 
Flüssigkeit eine grosse Bedeutung bei. Für die Fälle, wo Schleim, 
Eiter, Blut in den Stühlen vorhanden ist, ist dies natürlich ohne 
weiteres zuzugeben. Wenn Schmidt jedoch für alle Fälle dieser 
Art die Ausschwitzung einer ei weisshaltigen Flüssigkeit suppo- 
niert, so kann ich hierin nicht beistimmen; die Ausschwitzung erfolgt 
häufig so schnell, dass von einer Zerstörung des Eiweisses durch 
die Fäulnis keine Rede sein kann. Auch sind die Fehlerquellen 
der von Schloessmann modifizierten Urvschen Methode nach 
meinen Erfahrungen durchaus nicht erheblich. Sobald stark wässe¬ 
rige Ausscheidungen stattfinden, wird eine stark chlorhaltige, 
wässerige, eiweissarme Flüssigkeit transsudierl; nur bei stärkerer 

1) Adolf Schmidt, lieber Durchfall. Med. Klinik. 1909. No. 13. 


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Ueber neuere Fäkaluntersuchungen. 


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Entzündung ist der Eiweissgelialt der Flüssigkeit beträchtlicher. 
Die Erklärung für die auffallende Neigung der dünnflüssigen Stühle 
zur Fäulnis (sc. bei Fehlen einer Vermehrung von ungelösten 
Nahrungssubstanzen) liegt vielleicht zum Teil in der ursprünglich 
vorhandenen stärkeren Alkaleszenz der entleerten Flüssigkeit [wissen 
wir doch durch die Untersuchungen von Blumenthal 1 ), dass bei 
künstlichen Fäulnisversuchen die Fäulnis wesentlich verschieden bei 
verschiedenem Alkaligehalt verläuft]. Wahrscheinlich machen sich 
auch Einflüsse unbekannter Art geltend. 

Ich schliesse hieran einen zweiten Fall, der ebenfalls das Vor¬ 
liegen einer starken Wasserausscheidung dokumentiert. 

Kr., Eisenarbeiter. Hat regelmässigen Stuhl: den letzten am 
Morgen des Untersuchungstages. Letzte grössere Mahlzeit morgens 
um 10 Uhr. Nimmt mittags um 3 Uhr nur eine kleine Tasse Tee. 
Um 10 Uhr abends 3 Esslöffel Ricinusöl. Um 12 Uhr nachts, um 
3 und 5 Uhr morgens reichliche dünnflüssige Entleerungen, fast 
V 4 Eimer voll. Hat von 3 Uhr nachmittags ab nichts ge¬ 
gessen und getrunken. Kein Urin beigemengt. Abnorm ver¬ 
mehrter Chlorgehalt. Kein Bilirubin! Wenngleich eine genauere 
Untersuchung der dünnflüssigen Stühle (speziell auf Fermente) nicht 
stattgefunden hat, dürfte auch hier eine vermehrte Wasseraussehei- 
dung als bewiesen erachtet werden. 

Während bereits von früheren Autoren [Eioder 2 ), Höhl 3 )] eine 
stickstofffreie Kost gereicht worden war, in der Absicht, den auf 
die Darmsekrete entfallenden Stickstoff unter normalen sowie unter 
pathologischen Verhältnissen feststellen zu können, haben Salomon 
und Wallace 4 ) auch den Aschcgehalt der vom Darmrohr be¬ 
wirkten Ausscheidungen einer Untersuchung unterzogen, indem sie 
sich einer zugleich Stickstoff- und salzarmen Kost bedienten (aus¬ 
schliesslich 250—300 g Rohrzucker und Zitronensaftwasser, Him¬ 
beerwasser, Glühwein, nur ganz vereinzelt dünner Tee oder Kaffee, 
sterilisierter Traubensaft). In einer interessanten Untersuchungs¬ 
reihe konnten die Verfasser feststellen, dass mit der Intensität der 
Darmerkrankung der Aschegehalt der Entleerungen zunahm. Es 
nahm „besonders die Ausscheidung der Chloride und Al- 


1) Blumenthal, Zeitschr. f. klin. Med. Nr. 28. 

2) Rieder, Zeitschr. f. Biol. Bd. 20. 

3) Röhl, Deutsches Arch. f. klin. Med. 1905. No. 83. S. 523. 

4) II. Salomon u. G. Wallace, Die Eigonabschcidung von Stickstoff und 
Mineralsalzen im Darm unter normalen und pathologischen Verhältnissen. Med. 
Klinik. 1909. No. 16. 


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kalien Zu, dann auch die der Phosphorsäure. Magnesia und Kalk 
und Schwefelsäure nahmen /.war auch zu, erhoben sich aber in 
viel flacherer Kurve. Es bilden die mitgeteilten Untersuchungen 
einen Massstab dafür, wie grosse Mengen von Mineralstoffen unter 
krankhaften Verhältnissen allein durch die Darmsekretion dem 
Körper zu Verlust gehen können.“ Wenn die Verff. behaupten, 
dass die Wirkung der Drastika im ödematösen Stadium der par¬ 
enchymatösen Nephritis zum guten Teil mit der gesteigerten Kocli- 
salzausfuhr aus dem Darm zusammenhinge, so möchte ich 
hierin rückhaltlos beistimmen: haben doch auch meine quantitativen 
Untersuchungen eine exorbitant hohe Ausscheidung von Chlor 
in den nach Bitterwasser sowohl wie nach Sennesdarreichung er¬ 
folgenden dünnflüssigen Stühlen zur Gewissheit erhoben. 

Wenn wir den Versuch machen, den Modus der Entstehung 
wässeriger Stühle näher zu zergliedern, so vereinfacht sich die 
Sachlage dadurch, dass primäre Resorptionsstörungen für Wasser 
von seiten des Darmes wohl kaum oder doch ungemein selten Vor¬ 
kommen. Der Krankheitsbegriff der Darmatrophie, bei der eine 
solche primäre Resorptionsstörung für Wasser nach Nothnagel 
Vorkommen sollte, ist von Nothnagel selbst in der zweiten Auf¬ 
lage seines Handbuches der Darmkrankheiten fallen gelassen worden. 
Bei Leberzirrhose mit Aszites und bei inkompensiertem Herzfehler 
mit sekundärer Stauung im Pfortaderkreislauf dürfte man am 
ehesten solche Resorptionsstörungen für Wasser erwarten; cs be¬ 
steht aber im Gegenteil hierbei Neigung zur Verstopfung, und wir 
suchen therapeutisch wässerige Ausschwitzungen durch Darreichung 
von geeigneten Abführmitteln zu erzielen. Höchstens bei Strang»- 
lationsileus dürften solche Resorptionsstörungen für Wasser in der 
strangulierten Schlinge verkommen, verbunden mit blutigen Er¬ 
güssen ins Darmrohr und in die Darmwand. — Es können dünn¬ 
flüssige Stühle nur auf folgende Weise zustande kommen: 

1. durch eine gleichzeitig gesteigerte Peristaltik des Diek- 
und Dünndarms: 

2. durch eine abnorm starke Sekretion von seiten der Darm¬ 
wand (verbunden natürlich mit gesteigerter Dickdarmperistaltik); 

3. durch Combination zwischen 1. und 2. 

Durch eine einseitig gesteigerte Peristaltik des Dünn¬ 
darmes können ebensowenig wässerige Stühle erzeugt werden wie 
durch eine einseitig gesteigerte Peristaltik des Dickdarmes. 
Da der Chymus aus künstlich angelegten Zökalfisteln bei normaler 


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UNIVER5HY QF Ml OBIGEN 




lieber nouere Fäkaluntursuchungen. 


383 


Dünndarmperistaltik dickbreiig und höchstens dünnbreiig heraus- 
komml, so kann eine einseitig gesteigerte Peristaltik des Dick- 
darmes, die gleich hinter der Valvula Bauliini einset/t, höchstens 
dünn breiige, niemals wässerige Stühle hervorrufen. In den 
Fällen, wo wir eine starke Vermehrung der ungelösten Nahrungs¬ 
substanzen verbunden mit reichlicherem Bilirubingehalt in den dünn¬ 
flüssigen Stühlen antreffen, dürfte eine gesteigerte Peristaltik des 
Dünn- und Dickdarmes wahrscheinlich l ) sein. Das Prototyp hier¬ 
für bilden bekanntlich die von Nothnagel so benannten seltenen 
Fälle von Jejunaldiarrhöe. Sehr häufig finden wir aber, wie be¬ 
reits betont, in den wässerigen Stühlen keine Vermehrung der un¬ 
gelösten Substanzen und ein Fehlen von Bilirubin. Hierbei können 
die dünnflüssigen Stühle nur dadurch zustande kommen, dass erstens 
eine abnorm starke Wasserausscheidung im Dickdarm eingetreten ist, 
verbunden mit gesteigerter Peristaltik im unteren Teil des Dick¬ 
darmes 2 ) — dies ist meines Erachtens der häufigste Ent- 
stchungsmodus für wässerige Stühle — cs könnte zweitens 
aber auch infolge gleichzeitig gesteigerter Dünn- und Dickdarm¬ 
peristaltik der dünnflüssige Inhalt an der zähflüssigen Galle und 
den ungelösten Nahrungssubstanzen quasi vorüberjagen (Radzi- 
jewski, Ury). Diese gleichzeitig gesteigerte Peristaltik könnte 
1. dadurch wässerige Stühle bewirken, dass von oben her einge¬ 
führtes Nahrungswasser heruntergetrieben wird, 2. dadurch, dass 
in normalen Mengen ausgeschiedenes Sekret (Magensekret, Pan¬ 
kreassekret, Dünndannsekret) durch die gesteigerte Peristaltik der 
Resorption entzogen wird. Für das Studium und für die Zer¬ 
gliederung dieser komplizierten Zustände ist, wie bereits erwähnt, 
die Darreichung von Abführmitteln dringend zu empfehlen, da wir 
auf diese Weise Nahrungswasser bzw. auf die Nahrung hin aus- 
geschiedene Sekrete von vornherein ausschliessen können. Es ist 
nun wichtig, dass die Abführmittel am stärksten auf nüchternen 
Magen wirken; hieraus geht hervor, dass Nahrungswasscr und die 
auf die ergossene Nahrung hin ergossenen Sekrete bei der Produ- 
zierung wässeriger Entleerungen keine zu grosse Rolle spielen 

1) Es ist aber theoretisch denkbar, dass bei einseitig gesteigerter Dick¬ 
darmperistaltik, die gleich von der Valvula Bauliini ab beginnt, diinDbreiige, 
bilirubinhaltige, an ungelösten Nahrungssubstanzen abnorm reiche Stühle ent¬ 
leert werden. 

2) Vielleicht spielt hier der durch die spitzwinklige Aufhängung der 
Flexura eoli sinistri bedingte Klappcnmeehanismus eine besondere Holle (Koith, 
Bcitr. z. klin. Chir. Bd. f)4). Durch denselben wird der Dickdarm in zwei 
Abschnitte zerlegt, die anatomi.sch un ^ phvMolugiseli verschieden sind 



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können. Fortgesetzte, sieh wiederholende stürmische Entleerungen 
werden jedenfalls nicht anders als durch Sekretionssteigerung zu 
erklären sein. 

An und für sich ist freilich der Gedanke nich^ganz von der Hand 
zu weisen, dass auch eine starke Steigerung der Peristaltik, die den 
Dünn- und Dickdarm ergreift und einige Zeit nach der Nahrungs¬ 
aufnahme sich einstellt, einmal in der Weise wässerige Stühle pro¬ 
duzieren kann, dass normale Sekrete heruntergeschleudert werden. 
Die Mengen der auf die eingeführte Nahrung hin ergossenen Sekrete 
sind nämlich keineswegs geringfügig: nach Cohn he im und Drey- 
fuss 1 ) werden beim Hunde auf das Probefrühstück 145—165 g 
Magensaft entleert, dazu mehr als 250 g Pankreassaft und Galle 
Nach der Probemahlzeit werden entleert 6—7 g Speichel, 700 bis 
800 g Magensaft und mehr als 500 g Pankreassaft und Galle. 
Die Entscheidung darüber, ob in der Tat Sekrete von oben her in 
erheblicher Menge beigemengt sind (Magensaft, Galle, Pankreas- 
saft), wird sich durch eine genaue quantitative Untersuchung 
der Stühle auf Fermente feststellen lassen. Desgleichen habe ich 
zur Entscheidung der Frage Untersuchungen auf Gallensäuren 2 ) in 
den dünnflüssigen Fäzes angestellt. Es ergab sich, dass die 
Menge der Gallensäuren zwar gegen die Norm vermehrt war, 
jedoch durchaus nicht in dem Grade, um die Dünnflüssigkeit 
der Stühle von einem Heruntergeschwemmtwerden von normalen 
Sekretmengen ableiten zu können. Der Bilirubingehalt dieser 
Stühle war verschwindend klein, er ist ja auch eigentlich 
nur bei der Jejunaldiarrhöe und bei akuten Diarrhöen er¬ 
heblicher. 

Wenn ich nunmehr noch einmal resümiere, so können dünn¬ 
flüssige Stühle dadurch zustande kommen: 

1. dass Nahrungswasser heruntergejagt wird (augenscheinlich 
selten, da die Resorption von Wasser in den oberen Partien des 
Darmes eine vorzügliche ist); 

2. dass in normalen Mengen ausgeschiedene Sekrete (Magen¬ 
saft, Galle, Pankreassekret, Dünndarmsekret) von oben herunter¬ 
getrieben werden. Auch dieses Moment spielt meines Er¬ 
achtens bei Entstehung der dünnflüssigen Stühle der Er- 

1) 0. Cohn heim, und G. Drcyfuss, Zur Physiologie und Pathologie 
der Magcnverda-uung. Münch, med. Wochenschr. Nr. 48. S. 2484. 

2) II. Ury, lieber das Vorkommen von Gallensäuren in den Fäzes. Arb. 
aus dem pathol. Institut zu Berlin. 1906. 


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Ueber neuere Fäkaluntersuchungen. 385 

wachsend! eine untergeordnete Rolle und ist jedenfalls 
nur in begrenztem Umfang in Betracht zu ziehen; 

3. vor allem durch eine abnorm vermehrte Ausscheidung 
aus dem Körperinnern. Natürlich muss auch hier eine sekun¬ 
däre Steigerung der Peristaltik des Dickdarmes hinzukommen. Es 
kann sich hierbei, abgesehen von einer Hypersekretion von Pankreas¬ 
sekret um eine vermehrte Dünndarmdrüsensekretion, um eine 
kapillare Transsudation und Exsudation, schliesslich um Ausscheidung 
von Schleim, Blut und Eiter handeln. 

Eine solche Ausscheidung von Flüssigkeit aus dem Körper¬ 
innern ist anzunehmen bei den in stürmischer Weise sich wieder¬ 
holenden Diarrhöen bei akuter Enteritis, bei den am frühen Morgen 
vor erfolgter Nahrungsaufnahme auftretenden dünnflüssigen Stühlen 
bei chronischem Darmkatarrh, fernerhin bei der Sterkoraldiarrhöe, 
bei der im Verlauf einer Darmstenose auftretenden Diarrhöe, bei 
der urämischen Diarrhöe, und vor allem bei den nervösen Diarrhöen. 
Ich habe entsprechend meiner Auffassung von der nervösen Diar¬ 
rhöe in den letzten Jahren versucht, die vermehrte Ausscheidung 1 ) 
bei den leicht beeinflussbaren Patienten durch Darreichung vQn 
Atropin zu unterdrücken. Die Erfolge waren ermutigend, jedoch 
sind meine Erfahrungen noch zu gering, um ein abschliessendes 
Urteil abgeben zu können. 

Die von Adolf Schmidt 2 ) vertretene Auffassung bezüglich 
der Genese der chronischen Diarrhöen stimmt ziemlich mit der 
uneinigen überein. Adolf Schmidt drückt sich in folgender Weise 
aus: Das Wesen des Durchfalles ist die Absonderung einer 
fäulnisfähigen Flüssigkeit durch die Darmwand; Massgebend 
für diese Auffassung von Adolf Schmidt war einerseits die Tat¬ 
sache, dass die erhöhte Peristaltik allein die Erscheinungen des 
Durchfalles nicht zu erklären vermag, andererseits die Feststellung, 
dass eine Resorptionsstörung als Folge der gesteigerten Peri¬ 
staltik nicht zum Wesen der Durchfälle gehört. „Das konstanteste 
und prägnanteste Merkmal des Durchfalls ist die Neigung zur 
Fäulnis; mit dieser Neigung der diarrhöischen Stühle zur Fäulnis 
hat ein abnorm reichlicher Abgang von unausgenutzten Nahrungs¬ 
substanzen, der auch völlig ohne Durchfälle vorkommt, nichts in 
ursächlicher Beziehung zu tun. u 

1) Vgl. auch Bickel, Zur Pathologie und Therapie der nervösen Diarrhöen. 
Sitzungsbericht der Berliner mcd. (res. IC. 2. 10. Bcrl. kl. Wochenschr. 1910. 

2) Adolf Schmidt, Med. Klinik. 1909. No. 13. 


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Einige Klarheil in den Zusammenhang dieser komplizierten 
Verhältnisse vermag die Untersuchung derjenigen dünnflüssigen 
Stühle zu bringen, die längere Zeit nach der Nahrungsaufnahme 
oder am besten morgens früh nüchtern entleert werden. Ich 
empfehle die Darreichung einer Trockenkost des Abends zur 
Erhöhung der Uebersichtlichkeit Es ist vor allem der wässerige 
Extrakt auf Chlor und fernerhin auf Fermentgehalt (Pepsin, 
Pankreasferment, Maltase, Invertin, Nuklease) zu untersuchen. 
Am wichtigsten ist die Untersuchung des Chlorgehaltes, denn wir 
wissen, wie ungemein leicht und ergiebig das Chlor resorbiert 
wird, sodass ein vermehrter Chlorgehalt am ehesten für eine 
vermehrte Ausscheidung aus dem Körperinnern spricht. Wir wissen, 
dass auf 100 g abs. Trockensubstanz normaliter 0,1025 g CI. ent¬ 
leert wird. Dies ist der Standardwert, mit dem pathologische Ab¬ 
weichungen verglichen werden können. 

Das Chlor wird jedenfalls viel leichter resorbiert als die Fer¬ 
mente, welche Eiweisskörper sind. Ein starker vermehrter 
Chlorgehalt spricht für gesteigerte Sekretion besonders 
bei Fehlen einer erheblichen Vermehrung der Fermente 
(speziell der Pankreasfermente). Aber auch bei Nach¬ 
weis einer Vermehrung der Fermente, wenn genügend 
lange Zeit nach der Nahrungsaufnahme vergangen ist, 
denn man wird annehmen können, dass das Chlor der in 
normalen Mengen sezernierten fermenthaltigen Sekrete 
alsdann schon längst resorbiert worden ist. 

III. Fermentnntersnchnngen. 

Bei der Wichtigkeit, welche die Untersuchung der dünnflüssigen 
Stühle auf Chlorgehalt und Fermente für die Erkenntnis des Zustande¬ 
kommens der Diarrhöen unzweifelhaft besitzt, schien es mir 
angebracht, tunlichst quantitativ zunächst die normalen, festen Stühle 
auf ihren Formcntgehalt zu untersuchen, um hiermit pathologische 
Abweichungen vergleichen zu können, ln Uebereinstimmung mit 
den Erfahrungen anderer Autoren gelang es mir 1 ) nachzuweisen, 
dass in den normalen Stühlen sowohl diastatisches als auch tryptisches 
Ferment in geringen Mengen vorhanden ist. Während jedoch der 
Gehalt an diastatischem Ferment ziemlich erheblich wechselte, waren 
—- und dies ist bedeutsam — die Werte für das proteolytische 

1) Hans Ury, Feber den ijuantitativcn Nachweis von Fermenten in den 
Fäzes. Biochemische Zcitschr. Bd. *23. II. 1 u. 2. 


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Ueber neuere Fäkaluntersuchungen. 


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(tryptisehe) Ferment ziemlich übereinstimmend. Es ist zu ver¬ 
langen, dass die erhaltenen Werte zum mindesten auf die luft¬ 
trockene Substanz des Kotes umgerechnet werden, weil 
sonst Vergleichungen mit pathologischen Zuständen unmöglich 
werden. Ich benutzte und empfehle nachdrücklichst zur quanti¬ 
tativen Trypsinbestimmung die Volhardsche Methode; dieselbe 
liefert, wie dies auch v. Kozickowski 1 ) betont, „bei genügender 
Sorgfalt, und Genauigkeit sehr gleichmässige Werte sowohl für die 
Trypsinbestimraung wie für die Pepsinbestimmung“; meiner Meinung 
nach gibt die Methode gerade für die Fäzes ausserordentlich 
prägnante Werte und ist leicht zu erlernen. Andere Autoren haben 
sich der Fuld-Grossschen Methode, sowie der von von Müller 
und Schlecht angegebenen Methode zur Trypsinbestiramung be¬ 
dient. Nur auf diese letztere Methode soll noch weiter unten ein¬ 
gegangen werden, während die übrigen Methoden in den einschlägigen 
Arbeiten nachzulesen sind. — Fettspaltendes Ferment (Lipase) 
gelang mir nicht, in den normalen Fäzes nachzuweisen, desgl. fehlte 
Pepsin. Was die Dünndarm ferm ente anlangt, so war malzzucker¬ 
spaltendes Ferment (Maltase) nicht vorhanden; rohrzuckerspaltendes 
Ferment (Invertin) war in geringen Mengen vorhanden. Nuklease 
war in den normalen Fäzes entweder gar nicht oder nur in ver¬ 
schwindenden Sputen nachzuweisen. Ich habe fernerhin noch die 
Stühle nach Darreichung von Folia Sennac sowie von Bittersalz ins 
Bereich der Untersuchung gezogen. Es gelang mir der Nachweis, 
dass bei der Wirkung der Folia Sennae eine Sekretionssteigerung 
der Dünndarmdrüsen sehr wesentlich in Betracht kommt, und nicht 
allein die gesteigerte Peristaltik den abführenden Effekt bewirkt, wie 
bisher von den meisten Autoren behauptet wurde. Der Chlorgehalt 
der Sennesstühle war beträchtlich gesteigert, diastatisches und trypti- 
sches Ferment gegen die Norm erheblich vermehrt. Desgleichen 
war Maltase vorhanden, die in den normalen Stühlen fehlt. Invertin 
war stark vermehrt, auch Nuklease war mit völliger Sicherheit 
nachzuweisen. Pepsin und Lipase fehlten. Was die Bittersalz- 
stühlc anlangt, so war auch hier eine Hypersekretion mäßigen 
Grades nachzuweisen. Das diastatischc und tryptische Ferment 
war gegen die Norm kaum vermehrt, Maltase war vorhanden, In¬ 
vertin und Nuklease war vermehrt. Der Chlorgehalt der Stühle 
war exorbitant vermehrt. Ein vermehrte Sekretion der gallen- 


1) Eugen v. Kozickowski, Zcitsclir. f. klin. Med. Nr. 68. S. 261. 

Internat. Beitrage. Bd. I. Heft 3. ^6 


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bereitenden Lcbcrzellcn sowie der Dickdarmdrüsen (Schleim) war 
nicht nachzuweisen. Die massige Hypersekretion der Dünndarm¬ 
drüsen erklärt aber in keinem Fall die starke Wasserausscheidungjn 
den Bittersalzstühlen, sondern es muss unzweifelhaft zu der Drüsen¬ 
sekretion eine ganz abnorm starke kapillare Wassertranssudation 
im Sinne von C. Schmidt hinzugekommen sein. In Bezug auf 
die nach Bitterwasser eintretende Steigerung der Peristaltik und 
Retention des Lösungswassers habe ich auf einschlägige Versuche 
in meiner Abführmittelarbeit verwiesen. 

Besonders hatdie Untersuchung auf das proteolytische 1 )Pankreas- 
ferment in den Stühlen eine grosse praktische Bedeutung erlangt. 
Müller und Schlecht 2 ) haben zumZwecke derNachweise von proteo¬ 
lytischem Pankreasferment Blutserumplatten benutzt, d.h. Petrischalen, 
die eine ziemlich dicke Schicht erstarrten Blutserums enthalten. Wird 
diese Serumplatte mit kleinen Tropfen der mit Glycerinsaft ver¬ 
riebenen normalen Fäzes beschickt und auf einige Zeit bei 50 bis 
00° in den Brutschrank gebracht, so zeigen sich bald an Stelle 
jeden Tröpfchens kleine, flache Dellen auf der Serumplatte. Weder 
Bakterienwirkung noch proteolytisches Leukozytenferment können 
eine proteolytische Pankreasfermentwirkung vortäuschen. Das 
proteolytische Pankreasferment sieht man dann, wenn der Stuhl in 
grösseren Mengen Eiter enthält; bei Gegenwart von reichlichem Blut 
käme fernerhin das in dem Blutserum enthaltene Antitrypsin als 
störend in Betracht. Wenn man dem Patienten nach Einnahme 
einer Probemahlzeit (bestehend aus 150 g Fleisch und 150 g 
Kartoffeln) 0,2 bis 0,3 g Kalomel oder 0,5 g Purgen verabreicht, 
so erfolgen nach 2 bis 4 Stunden dünne Stühle; Proben hiervon 
auf die Serumplatte gebracht, erzeugen tiefe Löcher auf der Serum¬ 
platte. Nach dem Verf. lässt sich durch ein Verdünnungsverfahren 
auch eine quantitative Schätzung des Gehaltes an proteolytischem 
Ferment ermöglichen. Von Bedeutung ist nun, dass sowohl bei 
Hunden, bei denen künstlich der Zufluss des Pankreassaftes zum 
Dnrmkanal abgeschnitten wurde, als auch bei Menschen mit Ver¬ 
schluss des Ductus Wirsingianus oder völliger Zerstörung der 


1) In neuester Zeit empfiehlt Wohl gern uth die Untersuchung des Urins 
und der Fäzes auf diastatisches Ferment zur Erkennung von Pankreaserkrankungen. 
Herl. klin. Wochenschr.. 1910. 

2) E. Müller, Areh. f. klin. Med. Bd. 92. — H. Schlecht, Münchener 
med. Wochenschr. 1908. Xr. 14. — Ed. Müller u. Schlecht, Med. Klinik. 
1909. Xr. 10 u. 17. — Heinrich Schlecht, Zentralblatt für innere Medizin. 
1909. Xr. C. 


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(Jeher neuere Fäkaluntersuchungen. 


389 


Pankreasdrüse eine Dellcnbildung auf der Serumplatte nicht ein- 
tritt. Dies lehren die Mitteilungen von Müller und Schlecht 
selbst sowie die Angaben von Keuthc 1 ). 

Es ist also hiermit die Möglichkeit gegeben durch Darreichung 
von Abführmitteln und Anwendung einer geeigneten quantitativen 
Methodik zur Bestimmung des tryptischen Fermentes in den Fäzes 
eine Hemmung in der Abscheidung des Pankreassaftes frühzeitig 
auf exaktem Wege zu erkennen; es ist unzweifelhaft, dass dies für 
die Erkennung von Pankreaserkrankungen von grosser Bedeutung 
sein wird. Voraussetzung ist natürlich, dass nicht auch bei anderen 
Erkrankungen im Bereich des Magendarmkanales nach Darreichung 
eines Abführmittels sich eine auffallende Verminderung des Trypsin¬ 
gehaltes bemerkbar macht. Hierüber besitzen wir zur Zeit noch 
keine genügenden Erfahrungen, insbesondere sind exakte quanti¬ 
tative Untersuchungen äusserst spärlich, speziell für die Werte des 
Trypsingehaltes bei normalen Personen nach Gebrauch von Purgen 
oder Kalomel seil, berechnet auf die lufttrockene Substanz. — Nach 
den Angaben von Schlecht 2 ) können auch ohne organische Er¬ 
krankungen des Pankreasdrüsengewebes wesentliche Herabsetzungen 
des Trypsingehaltes Vorkommen (vor allem bei Carcinoma vontri- 
culi, chronischer Obstipation, Gallensteinen, Icterus catarrhalis und 
anderen Diarrhöen). Nach Oskar Gross 8 ) zeigt der Trypsingehalt 
in den Fäzes nach Darreichung derselben Nahrung nur sehr geringe 
Schwankungen, am grössten ist er nach Eiweisskost. Bei Diar¬ 
rhöen ist er bei tryplischer Verdauung etwas stärker. Nach 
Brugsch 4 ) sinkt die Trypsinmenge im Fieber nur wenig (Unter¬ 
suchungen von Hirayama); nur im diarrhöischen Stuhl ist sie 
meist deutlich vermindert. Hiermit stimmen sowohl die Erfahrungen 
von Adolf Schmidt 8 ) als auch meine noch nicht publizierten 
Untersuchungen überein. Wenn Brugsch aus der letzten Tatsache 
heraus es für unangebracht hält, vorher ein Abführmittel zu geben, 
sondern den normalen, möglichst ohne Kunsthilfe abgesetzten Stuhl 
als am geeignetsten für die Untersuchung hält, so kann ich mich, 
wenigstens was die Diagnostik der Pankreaserkrankungen anlangt, 
vor der Hand nicht unbedingt anschliessen. Wir wissen, dass nach 
Darreichung von geeigneten Abführmitteln das tryptische Ferment 

1) Keuthe, Berl. klin. Wochenschr. 1909. Nr. 2. 

2) Heinrich Schlecht, Zentralbl. f. inn. Med. 1909. Nr. 6. 

3) Oskar Gross, Deutsche raed. Wochenschr. 1909. Nr. 16. 

4) Brugsch, Deutsche med. Wochenschr. 1909. Nr. 52. 

5) Adolf Schmidt, Med. Klinik. 1909. Nr. 13. 

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in den Fäzes stark vermehrt sein kann. Dies gehl aus den Unter¬ 
suchungen von Müller und Schlecht (Purgen, Ivalomel) sowie aus 
den ineinigen (Sennesfäzes) hervor. Es handelt sich hierbei nach 
meinen Untersuchungen in der Hauptsache um ciue künstlich her¬ 
vorgerufene Hypersekretion von Pankreassaft. Sollten quantitative 
tryptische Untersuchungen nach Abführmitteln leidlich überein¬ 
stimmende Resultate geben, seil, bei normalen Personen, so wäre 
dies für die Untersuchung von Pankreaserkrankungen mit Vorteil 
zu verwerten, da ja der Ausschlag nunmehr erheblich grösser 
werden würde, als wenn man normale Stühle ohne Darreichung von 
Abführmitteln zum Vergleich heranzieht. Wenn man sich an den 
Vorschlag von Brugsch hält, so wird man fernerhin bei allen 
diarrhöischen Stühlen überhaupt schwer etwas feststellen können, 
da ja bei Diarrhöen der Fermentgehalt schon ohnedies vermindert 
sein kann; bei Pankreaserkrankungen kommen aber bekanntlich 
diarrhüischc Stühle nicht selten vor. - 

Dass bei Diarrhöen das tryptische Ferment so häufig ver¬ 
mindert ist, kann nicht Wunder nehmen, wenn man sich der von 
Adolf Schmidt und mir vertretenen Auffassung erinnert, dass das 
Wesen der Diarrhöe in einer Ausscheidung von Flüssigkeit in die 
unteren Partien des Darmtraktus zu suchen sei. 

ln Ucbereinstimmung mit Brugsch erkenne ich die Wichtig¬ 
keit der Untersuchungen der pathologischen Stühle auch in Bezug 
auf den quantitativen Gehalt an den übrigen Fermenten (besonders 
Maltase, Invertin, Nukleasc) rückhaltlos an. Ich rate aber, auch 
die Bestimmung des so wichtigen Chlorgehaltes nicht zu vernach¬ 
lässigen. Leider sind die bisher angestellten Untersuchungen nur 
äusserst spärlich: es steht aber zu erwarten, dass die vorhandenen 
Lücken in kürzester Zeit ausgefüllt sein werden. 

Diese Untersuchungen dienen dazu, den Mechanisnms des 
Zustandekommens von Diarrhöen sowohl nach Abführmitteln, als 
auch hei pathologischen Zuständen des Darines näher zu zer¬ 
gliedern und abnorme Transsudationen und Hypersekretionen 
exakter zu erkennen. 

Ebenso gross ist aber auch die praktische Bedeutung dieser 
Untersuchungen, wie ja die .Mitteilungen von Müller und Schlecht 
lehren. Ich möchte hier noch einmal empfehlen, für die Bestimmung 
des t ryptischen Fermentes in den Fäzes mehr als dies bisher ge¬ 
schehen, die Volhardsche Methode heranzuziehen. Die Unter¬ 
suchung auf Fermente in den Fäzes kann sich jedoch nicht nur 


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Ucbor nouere Fäkal Untersuchungen. 


391 


bei Pankreascrkrank ungen als wichtig erweisen, sondern aucli für 
andere im Bereich des Magendarmtraktus liegende Erkrankungen. 
So können z. B. bei der akuten Diarrhöe, bei der Diarrhöe nach 
Achylie und last not least bei den nervösen Diarrhöen solche 
Untersuchungen. mit Vorteil angestellt werden. Gerade für die 
nervösen Diarrhöen muss es gelingen, nachzuweisen, dass das 
Wesen dieser Diarrhöe in einer Ausschwitzung von Flüssigkeit in 
das Darminnerc besteht. Desgleichen sind die Untersuchungen 
wichtig für die Bestimmung der ursächlichen Bedingungen der 
Gärungsdyspepsie. Ich l ) habe vor 5 Jahren darauf hingewiesen, dass 
diese Erkrankung nie und nimmer auf eine mangelhafte Sekretion 
des Dünndarmes zurückzuführen ist; denn dem Dünndarmsekret 
kommt nur im geringen Masse die Funktion zu, die Stärke zu ver¬ 
zuckern, vielmehr führt es das bereits gebildete Disaccharid (Maltose) 
mittelst eines Fermentes (der Maltase) in 2 Moleküle Traubenzucker 
über. Eine mangelhafte Sekretion von Dünndarmsekret kann also 
kaum zu einer Vermehrung der Stärkemengen in den Fäzes führen, 
da die Verwandlung der Stärke in Maltose (und geringe Mengen 
von Dextrose) durch den Speichel und das amylolytische Ferment 
des Pankreassekretes besorgt wird. Meiner Auffassung hat sich 
neuerdings auch Adolf Schmidt 2 ) angeschlosscn. 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass uns alle diese Unter¬ 
suchungen einen besseren Einblick in den Ablauf der 
sekretorischen Funktionen bei pathologischen Zuständen 
des Darmes gewähren werden. 

Resume. 

Die Untersuchung der Stühle auf ungelöste Substanzen nach 
einer blanden und ungefähr begrenzten Kost (als deren Prototyp 
die bekannte Schmidt’sche Probekost in ihrer erweiterten Form 
gelten kann), ist, vor allem was Einfachheit der Ausführung, 
Uebersichtlichkeit der Untersuchungsergebnisse anbelangt, für die 
funktionelle Darmdiagnostik mit grossem Vorteil anzuwenden. Die 
von mir erhobenen Bedenken richten sich nicht gegen die Unter¬ 
suchungsmethodik, sondern dagegen, dass eine auf Grund der 
Probekost mit Sicherheit festgestellte Vermehrung der ungelösten 
Substanzen bzw. ein Fehlen einer solchen uns häufig über das 
Wesen des vorliegenden Prozesses in nicht ausreichender und 


1) II. Ury, Berl. klin. therap. Woclicnschr. 1005. Xr. 40 

2.) Adolf Schmidt, Zcitschr. f. exper. Pathol. u. Thcr. 1000. Bd. 0. 


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392 H. Ury, Ueber neuere Fäkaluntersuchungen. 

auch nicht eindeutiger Weise orientiert. Der exakte Ausnützungs- 
versuch ist für die Zwecke der Praxis entschieden entbehrlich. 

Die in den normalen Fäzes vorhandenen löslichen Substanzen ent¬ 
stammen im wesentlichen den Sekreten. Es gibt dafür Normalwerte. 

Am wichtigsten ist die Bestimmung des Chlorgehaltes. Es 
ist schwierig durch pathologische Steigerung der Peristaltik erheb¬ 
lichere Mengen von gelösten Verdauungsprodukten der Resorption 
zu entziehen. 

Ein vermehrter Chlorgehalt der Fäzes spricht für gesteigerte 
Abscheidung von Flüssigkeit von der Darm wand. 

Die Untersuchung des Fermentgehaltcs der Fäzes ist geeignet, 
abnorme Transsudationen und Sekretionen bei Diarrhöen von ein¬ 
ander zu trennen. 


Druek ton L. Schumacher in Berlin N. 24. 


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XXV. 

Etüde anatomique et clinique des mdtastases 
intestinales du cancer de i’estomac. 

Par 

R. Bensaude, 

Medecin des HApitaux de Paris. 

(Avec 13 figures en texte.) 


I,es metastases intestinales du cancer de l’estomac ont 6te peu 
etudiecs, car on les a considerees comrnc de simples trouvailles 
d’autopsie d^pourvuos de toute portee pratique. Elles ne sont ce- 
pendant pas sans interöt au triple point de vue anatomique, clinique 
et thörapeutique. 

Anatomiquement, clles constituent une des formes habituelles 
de la cancerisation ä foyers multiples du tube digestif par pro- 
pagation lymphatique et r^alisent une vari6t6 particuliere de retre- 
cissements de l’intestin. Cliniquement clles peuvent -dominer lc 
tableau de la maladie au point de laisser passer inaperijue une 
lesion stomacale primitive, et servir, au möme titre que les meta¬ 
stases ganglionnaires, de signe revelateur du cancer de l’estomac. 
Enfin elles Interessent particulierement le Chirurgien qui doit les 
rechercher de parti pris car elles dictent l’abstention, tantöt des 
interventions multiples sur le tube gastro-intestinal. 

Le hasard nous a fait observer plusieurs faits de cancer de 
l’estomac avec mötastascs intestinales, et en utilisant ces cas per- 
sonnels et ceux que nous avons trouves dans la litterature, nous 
essayerons de tracer un tableau d’ensemble, tout en nous rendant 
compte de la difficultö d’une pareille täche. 

Une teile tentative n’a pas encore etc faite au moins ä notre 
connaissance. 

Les anciens auteurs sc bornent ä indiquer le degre de frequence 
du cancer secondairc de l’intestin sans en deerire les caractörcs 

Internat. Beitrage. Bd. I. Heft 4 . 97 


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R. Bensaude, 

anatomiques ni les symptömes cliniques. C’est ä cela quc sc 
limitent egalement les traites de medecine, les articles de diction- 
naires et les ouvrages speciaux sur l’estomac et sur l’intestin. 
Parmi les ouvrages d’anatomie pathologique, Ziegler, dans sa 
deraiere edition, est un des rares qui consacrent quelques mots 
aux caracteres des cancers de l’intestin secondaires au cancer de 
l’estomac ou de l’intestin. Orth dans la VP me edition de son traite 
de diagnostic anatomo-pathologique rappelle que des metastases can- 
cereuses du cul-de-sac recto-vüsical peuvent envahir la paroi du 
rectum et simuler une tumeur primitive. Kauffmann et Aschoff 
font egalement une breve mention des metastases intestinales. 

II existe cependant et depuis longtemps dans la litterature 
medicale un certain nombre de cas ayant ete publies comme des 
faits isoles. Le plus ancien, et que nous rappelons ä titre de 
curiosite, est celui de Carrere, paru en 1779 dans les M£moires 
de la Societe Royale de Müdecine, sous le titre de „Observation 
sur des squirrhes de l’oesophage, de l’orifice supürieur de l’estomac 
et des intestins greles“. Plus pres de nous nous pouvons citer 
les observations de Millard (these de Chuquet 1879), Caryo- 
phillis (Soc. anat. 1889), de Bret et Paviot (1894), de Petit¬ 
bon (1895), de Letullc (1896), de Anton Brosch (1896), 
d’Israel (1897) etc. 

Parmi’ les travaux oü cette question est abordee, nous citerons 
en premiere ligne les articles de M. Letulle, parus dejA en 1897, 
oü cet auteur etudie le möcanisme des metastases et des grelles 
cancereuses au niveau du tube digestif. Kuttner en 1899, publie 
une observation de retrecissements canccreux multiples de l’intestin 
consecutifs ä un cancer de l’S iliaque et rassemblc sept autres cas 
sans insister specialement sur les rapports de ccs retrecissements 
avec le cancer de l’estomac. 

En 1905 paraissent plusieurs publications oü des cancers 
secondaires de l’intestin sont etudies. 

Chiari 1 ) (7. Avril 1905) dit quc les metastases du cancer de 
l’estomac avec Stenose consecutive de l’intestin lui sont bien connues, et 
il ajoute que ccs metastases peuvent parfois simuler un cancer priraitif. 

Quelques jours tard (24. Avril 1905) nous attirons l’attention, 
avec M. Okinczyc, sur les relations qui unissent les stAnoses 
multiples de l’intestin au cancer de l’estomac en faisant observer 

1) Cito d’apres Schnitzler. A mon regret je n’ai pu consulter le 
travail original. 


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Etüde anat. et olin. des metastases intestinales du cancer de l’estotnac. 395 

que pareilles mütastases ne se rencontrent pas dans un cancer 
quelconque, mais presque toujours dans un cancer infiltre; nous 
identifions nos observations avec certains faits de linite plastique 
accoropagnöe de generalisation intestinale; nous insistons sur los 
caracteres de ces retrecissements cancereux, a savoir: l’integrite 
de la rauqueuse avec absence d’ulceration et de Vegetation neo- 
plasiques; enfin, apres avoir übauche le chapitre des symptomes, 
nous abordons celui du traitement. Parrai les cas reunis par nous 
s’en trouvent cinq oü il y avait des metastases rectales ou peri¬ 
rectales. 

Payr, dans un important travail d’ensemble sur les stenoses 
doubles de l’estomac et de l’intestin produites par differentes causes 
(ulcere, syphilis, cancer, etc.), Signale trois cas de metastases in¬ 
testinales du cancer de l’estomac dont deux siegent au niveau 
du rectum. 

Newton Pitt consacre a peu pres ä la meine epoque 
(Avril 1905) un articlc aux formes larvees du cancer de l’estomac 
oü se trouvent mentionnes quelques faits de metastases intestinales. 
11 ecrit que les ccllules cancöreuses peuvent penetrer dans „le cul- 
de-sac rectovesical de Douglas oü eiles continuent ä croitre et 
peuvent former une masse perceptible par le toucher rectal ou 
vaginal causant quelquefois l’obstruction intestinale pour laquellc le 
malade vient consulter“. 

En 1905 encore, Kclling declare chcrchcr sur chaque malade 
„par le toucher rectal, les ganglions du cul-de-sac de Douglas 
et le cancer rectal. Cela n’est pas assez rare dans le cancer 
de l’estomac pour qu’on ne s’en inquiete pas dans chaque cas 
particulier.“ 

En 1907 (28 septembre), nous ecrivions avec M. Rivct: „On 
songera a un neoplasme multiple si, ayant reconnu par ses signes 
propres et en particulier par le chimisme gastrique un cancer 
d’estomac, on peut par la palpation trouver une ou plusieurs tumeurs 
au niveau de l’intestin ou si le toucher rectal ou la rectosigmoido- 
scopie revele en müme temps un cancer rectal ou sigmoidien.“ 

En 1908, Toyosumi rapporte une autopsie de cancer de 
l’estomac avec retrücissements au niveau de l’ileon, du colon trans- 
verse et surtout du rectum, et quoi qu’il ait analyse les cas de 
Brosch, de Kauffmann, de Payr et notre travail avec M. 
Okinczyc, il ajoute: „Un pareil cancer metastatique du rectum 
n’a pas cncore etc observe.“ (!) 

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R. Bensaude, 

En 1908 6galement, Schnitzler consacre un article unique- 
ment aux metastases rectales et pörirectales du cancer de l’estoraac. 
II assimile ces metastases aux faits dejä ötudies autrefois par 
Strauss 1 ), en 1895, et indique avec une grande precision les 
caracteres differentiels du cancer primitif et du cancer secondaire 
du rectum. II dit avoir rencontre dix fois ces metastases mais 
ne rapporte aucune observation en detail. 

I. Observations personnelles. 

Voici tout d’abord nos observations 2 ): 

La premiere a fait l’objet d’une clinique de M. le professeur 
llayem intitulee: „Sur un cas d’an^raie symptomatique extreme“ 3 ). 
M. Hayem a bien voulu m’abandonner la partie anatomique de 
cette observation dont il s’est contente d’enumerer brieveraent 
quelques details. Deux autres ont dejä ete publices, ä un point 
de vue tout ä fait different, dans un travail que nous avons ecrit 
avec M. Okinczyc 4 ) sur les retrdeissements cancereux multiples 
de la partie sous diaphragmatique du tube digestif. Une quatrieme 
est inedite. 

Obs. I. (La partie clinique est reproduite textuellement d’apres une 
le<;on de M. Hayem „Sur un cas d’an&nie symptomatique extreme“.) 

L., menuisier, äg6 de 47 ans, est entr6 ä la salle Behin No. 33, ä 
l’Höpital St. Antoine, Service du Professeur Hayem, le 21 Janvier 1905. 

1) Strauss a et6 le premier qui ait attirä l’attention sur les m6tastases 
cancereuses de la cavite de Douglas au cours du cancer de Testomac; il 
cn a montre tout finteret diagnostique mais sans sp^cifier exactement son 
point de depart, si bien que certains auteurs ont consider^ ces faits comme 
des cas de metastasc ganglionnaire. Il Signale ces faits incidcmment en 
deux endroits differents. La premiere fois en 1895, parlant d’une Operation 
de cancer de l’estomac au cours de laquelle on trouva des metastases dans la 
cavite de Douglas, il ecrit: „C‘est lä un lieu ou nous avons note a plusieurs 
reprises la presence de metastases et qui merite d’attirer Tattention a cause de 
la facilite avec laquello on peut Pexplorer.“ (Zur genaueren Kenntnis und 
Würdigung einer im milchsäurehaltigcn Magensaft massenhaft vorkommenden 
Baktcrienart. Zeitschr. f. klin. Med. 1895. Bd. 28. S. 584.) En 1899, il 
consacre de nouveau quelques lignes au meme sujet dans un article sur la 
presence de pus dans l'estomac. (Ueber Eiter im Magen. Berl. klin, Wochen¬ 
schrift. 1899. S. 870.) 

2) Ces observations ont etc rccueillies dans le Service de M. le Professeur 
Hayem pendant le temps que nous avions Thonneur d’etre son chef de clinique. 
Nous tenons a remercier notre maitre de nous avoir autorise ä les publier et 
de nous avoir aide dans Tetude des preparations histologiques. 

3) G. Hayem, Sur un cas d'anemic symptomatique extreme. Le<;on 
recueillie et publice par le Dr. Bensaude. Gazette des höpitaux. 28. Mai 
1907. No. 60. 

4) Bensaude et Okinczyc, Retrecisscmcnts cancereux multiples de la 
partie sous-diaphragrnatique du tube digestif. Congres Internat, de Med. de 
Lisbonne. Sec. 5. 24. Avril 1905. 


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Etüde anat. et clin. des metastases intestinales du cancer de Festomac. 397 


Antdcddents hdrdd itaires: son p&re est enoore vivant, sa raere est 
morte a cinquante-sept ans, hydropique. II est le dernier d’une famille de 
douze enfants, dont neuf sont morts en bas äge d’affections diverses. 

Antdcddents personnels: Jusqu’a Tage de vingt ans, il a habitd 
Villeneuve-Saint-Georges et a toujours eu une bonne santd. Exemptd du Ser¬ 
vice militaire pour insuffisance de t&ille, il vient ä Paris a ce moment pour 
exercer la profession de menuisier dans laquelle il a ddbutd a seize ans. 
A trente-sept ans il contracte une bronchite aigue qui dure trois semaines; 
depuis il tousse un peu chaque hiver. 

La maladie actuelle parait remonter au mois de novembre 1902. A 
cette dpoque, sans qu’il y ait des troubles dyspeptiques accentuds, il survient 
de Finappdtence et du degoüt pour la viande. Bientot apparaissent de Famai- 
grissement et de la faiblesse. La päleur si frappante actuellemont ne daterait 
que d’aoüt 1903. Le malade, quoique peu vaillant, continue a travailler; il se 
nourrit de lait, d’oeufs, de legumes et de vin, et ne s’arrete que tout derniere- 
ment, en ddcembre 1904, par suite de Faugmentation de Fanorexie qui devient 
presque absolue. A cette date, il a trois ou quatre vomissements de matiere 
filante et de bile et quelques poussdes diarrhdiques passageres, mais les 
vomissements ne sont ni rouges ni noirs et les selles n’oflrent pas d’apparence 
hdmorragique. 

Actuellement (4 fdvrier 1905) il prdsente une coloration pale des tdgu- 
ments et des muqueuses qui ressemblerait beaucoup a celle de la chlorose, s’il 
n’y avait pas, en outre, une sorte de teinte terreuso de presque toute la sur- 
face du corps. Malgrd Fintensitd dvidente de Fandmie, il n’y a pas trace 
d’oeddme au niveau des jambes, mais la face est bouffie et Fon trouve un ldger 
empätement ceddmateux ä la face postdrieure des cuisses et au fond des bourses. 
Ce malade ne parait pas avoir eu d’hdmorrhagies; il n’a jamais vomi de sang 
et il n’a jamais remarqud de changement dans la couleur de ses dvacuations. 
L’andmie semble etre inddpendante de pertes sanguines; eile no s’accompagne 
pas d’etourdissements, bien qu’il y ait de Fessoufflement au moindre effort. 

Le pouls est faible, mais rdgulier; au ca?ur il n’existe de souffle andmique 
ni ä la pointe ni ä la base. Au niveau des jugulaires, on trouve un frdmisse- 
ment cataire des plus nets. 11 n’y a pas de ganglions dans les rdgions sus et 
sous-claviculaires. Le ventre n’est pas ddformd, le foie descend a trois travers 
de doigt au-dessous des faussos cötes, il est lisse, non bosseld, peut-etre plus 
abaissd qu’hypertropbid, la rate rPest pas gonflee, Festomac ne parait pas 
dilatd, il n’y a ni vomissements, ni diarrhde, ni constipation. Les seuls troubles 
notables, mais importants, accusds par le patient, consistent en un dtat dys- 
peptique avec anorexie dlective pour la viande. 

Les urinos ne prdsentent rien de particulier. 

La tempdrature oscille autour de 37°5, et le 1 er fdvrier eile est montde a 
38 degrds. 

Le malade se sent tres afifaibli, depuis quelques jours il reste completement 
alitd ct comme indifferent a ce qui se passe autour de lui. 

Depuis que le malade est dans le scrvice, un siphonage de Festomac, fait 
a jeun, a ramend un peu de liquide visqueux, brunätre, contenant de la bile et 
quelques gouttes de sang rouge, mais Fdtude de la digestion du repas d’dpreuve 
n’a pas encore dtd faite. 


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R. Bensaudc, 


L’examen du sang pratiquß par M. Pater, interne du Service, a donne 


les resultats suivants: 

Globules rouges. 762600 

Globules blancs. 4650 

Equilibre globulaire: 

Neutrophiles.57 p. 100 

Mononucl&ures clairs.19 — 

Lymphocytes.17 — 

Eosinophiles.1 — 

Formes de transition.6 — 


Pas de myälocytes, mais h^matoblastes assez nombreux et quelques glo¬ 
bules rouges ä noyau. 

Un nouvel examen fait le 3 Fevrier par M. Ben sau de donne les resultats 
suivants: 

H4maties. 488250 

Valeur globulaire un peu inferieure a 1. 

Leucocytes. 8060 

Polynucl&iires.80 p. 100 

Nombreuses formes de transition. 

Pas de my&ocytes. 

Quelques hömaties nuclWes. 

Hömatoblastes peu nombreux. 

Räticulum n 0 2. 

Le caillot n’est pas rätractile; depuis vingt-quatre heures que la prise du 
sang a 6t6 faite, il n’existe pas encore une goutte de särum. 

Le malade a encore sdjournä dans le Service pendant sept semaines, 
jusqu’au 26 mars. 

Pendant tout le mois de fevrier il est rest6 dans un 6tat sensiblement 
stationnaire; il s’est plaint de douleurs gastriques vagues sans localisation 
pr^cise, et il a eu a plusieurs reprises des pouss^es de diarrhäe qui furent 
combattues par de Pacide lactique. A partir de la deuxieme semaine du mois 
de mars, il a commence ä se sentir mieux; les forces sont revenues; il a pu se 
lever dans la journee et manger avec plus d’appdtit; son teint s’est oolorß et la 
bouffissure et les oedemes ont disparu presque completement. L’examen du 
sang, fait a diverses reprises (voir le tableau), montre le relevement progressif 
de la formule h^matologique, avec rdapparition des hematoblastes et de la 
rdtractilitd du caillot. 

Vers la fin du mois de mars P£tat du malade dtait transform^ a tel point 
qu’on aurait pu croire erron<5 le diagnostic de cancor. 

Ce r^sultat surprenant a öte obtenu simplement par le repos absolu et 
par Padministration du fer associ6 au r6gime lact6 d’abord et k^phirique ensuite. 

Le 26 mars le malade quitte Phöpital, mais il oontinue a frequenter notre 
consultation externe. Tout en iPosant pas encore travailler, il sort et ddploie 
une certaine activite, et il digere assez bien a la condition de suivre un certain 
r^gime, d’ailleurs assez large. 

Le 5 mai, on constate une amelioration marquäe. Il a engraissä de 2 kilo- 
grammes, son teint est 16gerement ros6, les troubles digestifs ont totalement 



Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 













Etüde anat. et clin. des mätastases intestinales du cancer de l’estomac. 399 


disparu, l’anämie est moindre. Le malade präsente, cependant, un peu d’oedeme 
malläolaire quand il reste debout quelque temps. 

L’examen du sao gastrique fait le 5 Mai 1905, a donnä les räsultats 
suivants: 

A jeun Apres 30 minutes Apräs 60 minutes Apres 90 minutes 


A 

0 

0 

0 

0 

H 

0 

0 

0 

0 

C 

45 

117 

54 

70 

H + C 

45 

117 

54 

70 

T 

242 

197 

211 

250 

F 

197 

80 

157 

180 

A — H 

c 

0 

0 

0 

0 

T 

F 

1,22 

2,46 

1,34 

1,38 

Peptones. . . 

Constatäes. 

Constatees. 

Constatees. 

Constatees. 

Residu .... 

Incolore. 

Incolore. 

Incolore. 

Incolore. 

Variation dela 

concentration 

0,00713 

0,01585 

0,01913 

0,01325 

Caracte res 

physiques . . 

20 ccm de li¬ 

17 ccm de li¬ 

45 ccm de li¬ 

15 ccm de li¬ 

quide bilieux 

quide bilieux 

quide bilieux 

quide bilieux 


sans residus. 

maiemulsionnä. 

malemulsionne. 

mal emulsionnä. 


Vers la fin du mois de mai survient une crise de diarrhäe qui dure huit 
jours, mais Pamälioration so maintient quand mäme, et lorsque le malade re- 
vient nous voir le 28 juin, sa santä est manifestement meilleure qu’elle ne Fa 
jamais ätä depuis que nous le suivons. L.. . a augmentä de 3 kilogrammes en 
trois semaines; les joues sont coloräes et il se sent plus fort. 11 äprouve encore 
une certaine räpugnance pour la viande, cependant il mange fräquemment des 
rötis, du foie de veau, des escaloppes de veau, trois a quatre ceufs par jour, 
beaucoup de pätes et de pain. 11 boit deux litres de lait. Malgrä ce rägime, il 
n’a pas de douleurs de l’estomac, pas de nausäes, pas de vomissements. Une 
seule fois dans les derniers temps il